# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b99047d4-9bae-4014-a030-30f87d6ccdfc
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963, verheiratet
, jedoch getrennt lebend,
und Mutter zweier
erwachsener
Söhne, absolvierte zusätzlich zur obligatorischen Schule die Wirtschaftsmittelschule und schloss diese mit einem Diplom ab.
Da
nach arbeitete sie mit längeren familienbedingten Unterbrüchen bei unter
schiedlichen Arbeitgebern im kaufmännischen Bereich (
Urk.
7/32/2).
Ab April 2015 war sie als
Payroll
Advisor
für die
Y._
AG tätig
, wobei dieses Arbeitsverhältnis durch die Arbeitgeberin per Ende November 2017 gekündigt
wurde
(
vgl.
Urk.
7/3
,
Urk.
7/6,
Urk.
7/8
)
. Mit dem Hinweis auf eine Depressions
erkrankung meldete sich die Versicherte am 2
7.
Juli 2017 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte in der Folge Erkundigungen zur Erwerbs
biografie
ein
(
Urk.
7/1,
Urk.
7/5,
Urk.
7/8,
Urk.
7/28
f.) und nahm Berichte
und Atteste
der behandelnden Ärzte (
Urk.
7/2,
Urk.
7/14, Urk.
7/16-18,
Urk.
7/25,
Urk.
7/35
)
sowie
die Unterlagen des Krankentaggeldversicherers zu den Akten (
Urk.
7/9/1-14). Sodann
prüfte
die IV-Stelle
die Gewährung von
Massnahme
n
der Arbeitsvermittlung
, kam indessen zum Schluss, dass solche nicht angezeigt seien
(vgl.
Urk.
7/
31 f.
)
.
Des Weiteren holte die IV-Stelle das interdisziplinäre Gut
achten der
Z._
GmbH, Medizinische Abklärungsstelle
A._
(nachfolgend:
MEDAS
-
A._
)
,
vom 1
3.
Januar 2020 ein (
Urk.
7/58). Am
4.
Mai 2020 beantworteten die Experten zusätzliche Fragen (
Urk.
7/65). Mit Vorbescheid vom
1.
Juli 2020 setzte die IV-Stelle die Versicherte darüber in Kenntnis, dass sie das Leistungsgesuch abzuweisen gedenke (
Urk.
7/70). Gegen den vorgesehenen Entscheid erhob die Versicherte Einwände (
Urk.
7/71,
Urk.
7/78). Mit Verfügung vom
4.
März 2021 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (
Urk.
2 =
Urk.
7/83).
2.
Gegen die Verfügung
vom
4.
März 2021 erhob die Versicherte mit Eingabe vom
1
2.
April 2021 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei ihr spätestens ab dem
1.
April 2018 eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei ein neutrales und umfassendes poly
disziplinäres Obergutachten unter Berücksichtigung der Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 in Auftrag zu geben (
Urk.
1
S. 2
). Die IV-Stelle beantragte in der Beschwerdeantwort vom 2
6.
Mai 2021 die
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6). Davon wurde der Beschwerdeführerin am
2
7.
Mai 2021 Kenntnis gegeben (
Urk.
8
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheides
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E. 7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Fest
stellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung ihres Entscheides aus,
die durch
geführten Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin in der bisher ausgeübten Tätigkeit als
Payroll
Advisor
eingeschränkt sei.
In dieser Tätigkeit bestehe laut dem eingeholten ärztlichen Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
.
Da
s
betreffende
Arbeitsverhältnis
indessen
bestehe zwischenzeitlich nicht mehr. In einer dem gesundheitlichen Zustand angepassten Tätigkeit bestehe weiterhin eine Arbeitsfähigkeit von mindestens 90
%
.
Diese Beurteilung sei seitens des
regionalen ärztlichen Dienstes (
RAD
)
geteilt worden. Zu beachten sei
, dass nicht sämtliche Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden seien. Nach dem stationären Klinikaufenthalt habe die Beschwerdeführerin die psychiatrische Behandlung nicht konsequent fortgesetzt. Es liege ein Ver
meidungsverhalten vor und die Arbeitsfähigkeit werde vor allem durch soziale Belastungsfaktoren (Trennung vom Ehemann, Sorge und Ängste in Bezug
auf
die Ehe und die weitere persönliche Zukunft, erschwerte Kindheit) ausgelöst. Diese Faktoren rechtfertigten aus rechtlicher Sicht
indessen
keinen Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung.
Nebst der konsequenten Fortführung der Psychotherapie werde empfohlen, die Schlafhygiene zu optimieren. Es sei wichtig, das Schlafapnoe-Syndrom zu behandeln. Ferner sei eine Gewichtsreduktion an
gezeigt. Die Beweiskraft des Gutachtens werde durch den Umstand, dass Rück
fragen an die Gutachter gestellt worden seien, nicht beeinträchtigt. Der medizinisch relevante Sachverhalt sei hinreichend geklärt worden. Eine Ober
begutachtung sei
unnötig
(
Urk.
2 S. 1 f.).
In der Beschwerdeantwort vom 2
6.
Mai 2021 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf weitere Ausführungen zur Sache (
Urk.
6).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht geltend,
der Standpunkt der Beschwerdegegnerin
,
es seien nicht sämtliche Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft worden, wider
spreche den tatsächlichen Gegebenheiten.
Dies ergebe sich insb
esondere aus den Darlegungen der
behandelnden Psychoth
erapeuten gemäss Beschwerdebeilage (
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
phil.
C._
, Klinischer Psychologe, vom Medizinischen Zentrum
D._
;
vgl.
Urk.
3/3).
Nachweislich befinde sie sich aktuell in zahlreichen T
herapien.
Es liege eine Erkrankung im Sinne
der Invalidenversicherung vor. E
ine Schadenminderungspflicht
sei ihr im Übrigen nie
auferlegt worden. Zu beachten sei ferner, dass die Verwaltung rechtsprechungsgemäss von einer attestierten Arbeitsunfähigkeit nicht abweichen dürfe, wenn die Ärzte die Indikatoren im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens berücksichtigt hätten und deren Beurteilung nachvollziehbar sei. Vorliegend habe selbst der RAD mit seiner Ein
schätzung, «ist für den
1.
Arbeitsmarkt realitätsfremd»
eine Erwerbsunfähigkeit
ane
rkannt
.
Der Anspruch auf eine ganze Rente sei demgemäss ausgewiesen. Aus
gehend vom Eintritt der Arbeitsunfähigkeit am 10. April 2017 und der An
meldung
zum Leistungsbezug vom 2
7.
Juli 2017
sei der Rent
enanspruch spätestens ab dem 1.
April 2018 entstanden. Vorliegend sei zwar ein poly
disziplinäres Gutachten eingeholt worden, doch habe
selbst
die Beschwerde
gegnerin dieses als mangelhaft e
ingestuft. So habe s
ie festgestellt
,
das
Gutachten weise
etliche
und zum Teil schwere Rechtschreibefehler
auf
(u.a.
textli
che
Ent
stellungen wie
«...»
anstelle von
X._
). Auch auf andere Schwächen habe die Beschwerdegegnerin hingewiesen und sie sei zum Schluss gekommen, das Gutachten sei korrekturbedürftig. Die von ihr selber nachträglich vor
genommene Ressourcenprüfung vermöge ein mangelhaftes Gutachten nicht zu heilen. Das Gutachten
sei nicht
verwertbar. Nachweislich
sei
der massgebende
medizinische Sachverhalt unter Verletzung der Untersuchungsmaxi
me un
genügend abgeklärt worden
(
Urk.
1 S. 13 ff.
Rz
6 f.).
3.
3.1
3.1.1
Die Experten
de
r
MEDAS A._
,
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie,
Dr.
med.
F._
, F
acharzt für Neurologie, Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, und
lic
. phil
.
H._
, Fachpsychologe für Neuropsyc
hologie FSP, erstatteten am 13.
Januar 2020 das von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten (
Urk.
7/58).
Einleitend führten die Experten aus, aus den
Akten
ergebe sich, dass bei der Beschwerdeführerin seit 1995 eine
depressive Symptomatik bestehe. Allerdings habe diese die Arbeitsfähigkeit über Jahre nicht tangiert. In den Berichten genannt würden sodann zahlreiche weitere Belastungsfaktoren wie Gewichtszunahme, Probleme mit der Mutter und der Schwester, Infekt nach einer Operation an der Achillessehne, Trennung vom Ehemann, Arbeitsbelastung, Kündigung. Zum Zeitpunkt des Austritts aus der stationären Behandlung in der Klinik
I._
im Februar 2018 sei der Gesundheitszustand gebessert gewesen und es habe nur noch ein
e
leichte depressive Symptomatik bestanden. Die von den behandelnden Ärzten des Medizinischen Zentrums
D._
attestierte voll
ständige Arbeitsunfähigkeit stehe dazu in
einem erheblichen Kontrast. Eine leit
liniengerechte Weiterb
ehandlung nach dem Klinikaufenthalt habe nicht statt
gefunden. Vor diesem Hintergrund seien sowohl die medizinische Situation als auch die Arbeitsfähigkeit unklar. Bei der Beurteilung der aus gesundheitlicher Sicht zumutbaren erwerblichen Belastung
sei von
der
seit April 2015 ausgeübten Tätigkeit
als
Payroll
Advisor
für die
Y._
AG auszugehen, wobei das Arbeitsverhältnis auf Ende November 2017 aufgelöst worden sei. Die
Beschwerdeführerin habe im Lohnbüro gearbeitet
und
die Tätigkeit habe auch
den Kontakt mit dem Bereich HR sowie
mit
den Geschäftssitzen von
Y._
im Aus
land beinhaltet
(Urk.
7/58/3).
3.1.2
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten
die Gutachte
r
(1)
eine leichte neuropsychologische Störung
(Aufmerksamkeit, Gedächtnis, visuell-räumliches Denken; ICD-10 F06.7) im Rahmen von psychischen und somatischen Problemen, (2) eine anhaltende affektive Störung (
Dysthymie
; ICD-10 F34.1), (3) eine nicht näher bezeichnete Essstörung (Binge
Eating
-Störung;
ICD-10
F50.9), (4) eine Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1), (5) einen chronischen Spa
nnungskopfschmerz im Sinne und i
m Zusammenhang mit einer
Somatisierungssymptomatik
bei verminderter Stressbelastbarkeit und (6) ein schweres Schlafapnoe-Syndrom mit
Maskendyskomfort
. Folgende
Diagnosen ordneten die Experten denjenigen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu: (1)
eine
ehemalige primäre episodische Migräne, seit zirka 2014 nur noch spora
disch und
geringgradi
g
auftretend, (2) anamnestische
Angabe einer
oro
mandibulären
Dysfunktion, im klinischen Befund aber ohne entsprechende
Druckdolenz
über den Kiefergelenken oder
der
T
emporalmuskulatur, a
m Kopf
schmerz
aber möglicherweise tendenziell beteiligt, nicht aber relevant, (3)
eine
arterielle Hypertonie, (4)
eine
Adipositas, (5)
ein
en
Status nach Lungenembolie vor zirka 30 J
ahren, (6)
eine
Hypercholesterinämie und
(7)
ein
obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (
Urk.
7/58/7).
3.1.3
Die funktionellen Auswirkungen der gestellten Diagnosen umschrieben die Experten aus psychiatrischer Sicht dahingehen
d
,
dass
in Anlehnung an
den Mini-ICF-APP
von mittelgradigen Einschränkungen bezüglich der Fähigkeiten zur An
wendung fachlicher Kompetenzen, der Durchhaltefähigkeit, der Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie der Spontan-Aktivitäten und von leichten Ein
schränkungen in den übrigen Bereichen auszugehen
sei
. Trotz festgestellter psy
chisch-neuropsychologischer Defizite
sei
insbesondere
das
Vermeidung
s
verhalten
im Rahmen der
psycho-sozialen
Probleme und
der
motivationale
n
Schwierigkeiten ein
Hindernisfaktor, speziell in Bezug auf die berufliche Inte
gration.
Die neuropsychologischen Defizite zeigten sich darin, dass die Beschwerdeführerin im Altersvergleich mehr Mühe habe, sich visuell-räumlich Zusammenhänge vorzustellen und mental zu manipulieren. Wenn sie auf mehrere Aufgaben gleichzeitig achten müsse, sei sie etwas langsamer
. Sie könne sich nur eine ein
ge
schränkte Menge an sprachlichen und visuellen Informationen merken. So könne sie sich längere Instruktionen nicht vollständig merken oder vor
gezeigte Handlungsabläufe nur unzureichend aufnehmen. Auch ermüde sie im Verlauf der mehrstündigen Untersuchung rascher als erwartet. In den übrigen untersuchten Bereichen hätten sich keine Auffälligkeiten gezeigt. Die Beschwerdeführerin sei in der Lage, sich alleine und pünktlich an einen anderen Ort zu begeben. Sie
sei
freundlich, in allen Modalitäten orientiert, gepflegt und sie zeige ein der jeweiligen Situation angepasstes Verhalten. Sie lasse sich nicht übermässig
rasch ablenken. Sie könne lesen und
sprechen und sie verstehe, was man ihr sage.
Sie bearbeite Aufgaben in
einem üblichen
Tempo. Schwierigkeiten bestünden diesbezüglich nur bei Multitasking-Aufgaben. Sie könne visuell
-räum
liche Zusammen
h
änge erfass
en und motorisch umsetzen, beispielsweise etwas nach einem Plan zusammensetzen. Sie sei in der Lage
,
Neues zu lernen, zu behalten und frei anhand von Stichworten wiederzuerkennen. Sie sei fähig, gut definierte Probleme zu lösen (Analyse und Planung), eigen
e
Ideen zu entwickeln und flexibel zwischen ihr bekannten Tätigkeiten zu we
chseln. Aus neurologischer Sicht
sollten
sodann
wegen des Schlafapnoe-Syndroms keine monotonen Arbeiten durchgeführt werden. Aus allgemeinmedizinisch-internistischer Sicht schliesslich seien
keine eigenständigen
Einschränkungen zu objektivieren
(Urk.
7/58/7 f.)
.
3.1.4
Bezüglich der ins Gewicht fallenden Persönlichkeitsaspekte führten die Gutachter aus, es zeige sich bei der Beschwerdeführerin eine vermeidende, zum Teil
histrionisch
anmutende Persönlichkeitsakzentuierung mit abhängigen Zügen und es bestünden auch
negativistische
Akzente. Konflikte und Misserfolge beein
trächtigten das Selbstwertgefühl der Beschwerdeführerin, was sich in Empfind
lichkeiten und Selbstentwertung zeige. Insbesondere unter Belastung könne ein kohärentes Selbstbild nicht immer aufrechterhalten werden. Die Beschwerde
führerin neige
zu
übermässigem Essen aus Frustration
und auch zum Rückzug.
Trennungen könne die Beschwerdeführerin nur schwer ertragen, was dazu führe, dass sie Bindungen aufrechterhalte, die nicht in ihrem Interesse seien oder die ihr schadeten. Zu den Belastungsfaktoren gehöre ihr schwieriges Bindungsverhalten vor dem Hintergrund des in der Kindheit
erlebten
strengen und strafenden Vaters und der Mutter, die sich nur wenig für sie interessiert habe. Auch in ihrer Ehe habe die Beschwerdeführerin nur wenig Verständnis erfahren. Nach langjährigen Problemen sei es 2014 schliesslich zur Trennung gekommen,
da
der Ehemann sich einer anderen Frau zugewandt habe. Die Trennung habe die Beschwerde
führerin stark belastet, insbesondere
wegen
der Sorgen um ihre persönliche und finanzielle Zukunft. Bis 2017 habe die Beschwerdeführerin noch gearbeitet und danach bis 2019 Krankentaggelder bezogen
(
Urk.
7/58/8)
.
3.1.5
Hinsichtlich
der
Konsistenz falle das Vermeidungsverhalten der Beschwerde
führerin
und ihre unzureichende Motivation für eine adäquate Therapie sowohl in psychiatrischer als auch in somatischer Hinsicht
ins Gewicht.
Bezüglich der bisherigen Tätigkeit sei insbesondere aufgrund der psychiatrischen und neuro
psychologischen Beeinträchtigungen von einer Arbeitsfähigkeit von rund 50
%
auszugehen. Seitens der behandelnden Ärzte sei retrospektive, das heisst ab April 2017 zunächst eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
attestiert worden sowie ab November 2017
dann
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
Dies sei nicht nach
vollziehbar. Ab dem genannten Zeitpunkt sei
vielmehr
von der
anlässlich der Begutachtung evaluierten
Arbeitsfähigkeit von 50
%
bezüglich der bisherigen Tätigkeit
auszugehen, mit Ausnahme stationärer Behandlungszeiten. Für eine Tätigkeit, die Rücksicht auf die gesundheitliche Beeinträchtigung nehme, sei hin
gegen von einer Arbeitsfähigkeit von 90
%
auszugehen. Retrospektiv gelte dies seit April 2017, abgesehen von stationären Behandlungszeiten.
Entscheidend da
für, dass auch in einer
angepassten Tätigkeit
eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
bestehe,
seien die psychischen und neuropsychologischen Defizite.
In der
Interaktion mit den somatischen
Diagnosen komme es
zu keiner
weiteren
Addition von Teilarbeitsunfähigkeiten.
Therapeutisch hätten sich die psycho
therapeutisch-
psychoedukativen
und soziotherapeutischen Ansätze bewährt
und diese seien auch weiterhin notwendig. Dies habe insbesondere die stationäre
Hospitalisation
in der Privatklinik
I._
gezeigt. Die Behandlung sei jedoch offensichtlich nicht in der gewünschten Form und unmittelbar im Anschluss an den Klinikaufenthalt weitergeführt worden. Dasselbe gelte für die Verhaltens
massnahmen in Bezug auf die Schlafhygiene. Unter Berücksichtigung des bis
herigen Verlaufs und der prognostischen Faktoren könne der konsequente Therapieerfolg aus psychiatrischer Sicht in rund einem Jahr beurteilt werden. Das Schlafapnoe-Syndrom stehe auch im Zusammenhang mit der Adipositas. Eine Optimierung der Schlafhyg
iene, aber auch weitere Versuch
e
,
das Schlafapnoe-Syndrom zu behandeln, sei wichtig. Damit im Zusammenhang sei auch eine deut
liche Gewichtsabnahme angezeigt (Ur
k. 7/58/8
f.).
3.2
3.2.1
Nach Erstattung des Gutachtens gelangte die Beschwerde
gegn
erin
mit Schreiben vom 2
3.
Januar 2020
mit Ergänzun
gsfragen an die Ärzte der
MEDAS A._
. Sie bat
namentlich
um eine Erläuterung, wie sich die gestellten Diagnosen im Ein
zelnen auf die Arbeitsfähigkeit als
Payroll
Advisor
auswirkten.
Ferner
sollten die Gutachter sich dazu äussern, inwiefern zwischen einem obstruktiven und einem schweren Schlafapnoe-Syndrom zu unterscheiden sei.
Schliesslich wies
die Beschwerdegegnerin im Schreiben vom 2
3.
Januar 2020
darauf hin
,
das Gut
achten weise verschiedene
Rechtschreibefehler
auf
(z.B.
«...»
anstelle von
Y._
;
Urk.
7/61/1).
3.2.2
In der Stellungnahme vom
4.
Mai 2020 hielten die MEDAS-Gutachter
Dr.
E._
und
Dr.
F._
fest,
erhebliche
Fehler
hätten sich
im Gutachten
auch nach wiederholter Prüfung
w
eder in orthografischer noch in
stilistischer oder inhalt
licher Hinsicht
entdecken
lassen. Es handle sich um einige Tippfehler, ins
besondere im neuropsychologischen Teilgutachten (
Urk.
7/65/1 f.). Des Weiteren führten die Gutachter aus, die
im Rahmen der
Ergänzungsfragen angesprochenen Aspekte seien in den Ausführungen der Teilgutachten bereits erläutert worden.
Z
u
ergänze
n
sei
,
die
angestammte
Tätigkeit als
Payroll
Advisor
umfasse
die Durchführung der Gehaltsabrechnungen und die diesbezügliche Schulung der Kunden sowie darüberhinausgehend beratende Aufgaben, um allen Beteiligten genaue und zeitnahe Informationen zu allen Aspekten im Zusammenhang mit den Gehaltsabrechnungen verschaffen zu können. Aus der Kompl
exität der Auf
g
abe heraus leite sich auch die versicherungsmedizinische Beurteilung ab, wobei den neuropsychologischen Defiziten in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zukomme. Letztere würden wiederum durch das
Schlafapnoe-Syn
drom
und die
Dysthymie
beeinfluss
t
und versursachten in ihrer Gesamtheit die Leistungsdefizite.
Die Diagnose eines Schlafapnoe-Syndroms könne gestellt wer
den, wenn innerhalb einer Stunde mindestens zehn Apnoen mit einer Dauer von jeweils zehn Sekunden aufträten. Die Anzahl der Apnoen von über zehn Sekun
den Dauer werde als Apno
e-Index (AI) bezeichnet. Neben den Apnoen könnten während des Schlafs auch Phasen auftreten, in denen der Atemfluss und
die
Atemaktivität zwar nicht aussetzten, aber eingeschränkt seien. Dies bezeichne man als
Hypopnoe
. Die Anzahl der Apnoen und
Hy
popnoen
würden als Apnoe-
Hypopno
e
-Index (
AHI) bezeichnet und zur Einteilung des Schweregrades des Schlafapnoe-Syndroms herangezogen. Bei einem AHI zwischen 28 und 30 werde von einem mittelgradigen und bei einem AHI über 30 von einem
schwergradigen
Schlafapnoe-Syndrom gesprochen.
Sowohl die Diagnose des Schlafapnoe-Syn
droms als auch diejenige des schweren Schlafapnoe-Syndroms mit
Masken
dyskomfort
seien korrekt
, wobei die erste Diagnose noch keinen Schweregrad beinhalte.
Im Zusammenhang mit
der
Diagnose
des Schlafapnoe-Syndroms
sei im Gutachten insbesondere auch der Aspekt der Inkonsistenzen hinsichtlich Therapie und Compliance erörtert worden. Bei der Beschwerdeführerin bestehe
nur
eine geringe Bereitschaft
,
sich auf eine effektive CPAP-Behandlung einzu
lassen. Sie selbst habe berichtet, die Maske beim Nachtschlaf nicht regelmässig anzulegen, da sie auf dem Sofa schlafe, während sich die CPAP-Maske an ihrem Bett befinde. Angesichts dieses Verhaltens müsse mit Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und damit die Arbeitsfähigkeit gerechnet w
erden. Eine weitere Folge davon seien auch die neuropsychologisch festgestellten kognitiven Störungen. Darauf sei im Gutachten hingewiesen worden.
Patienten mit einem Schlafapnoe-Syndrom könnten kognitive Defizite
,
aber auch affektive Schwankungen entwickeln und
sie
seien unter and
e
rem auch von einer erhöhten Sterblichkeit bedroht, wenn sie keine effektive Therapie akzeptierten und diese regelmässig anwendeten. In diesem Zusammenhang sei im Gutachten wiederholt von Schlafhygiene gesprochen worden. Hi
erzu gehörten insbesondere gere
gelte Schlafzeiten sowie
ein gelüfteter, dunkler und ruhiger Raum. Auch bestimmte «Zu-Bett-geh-Rituale» seien wichtig. Von Bedeutung sei sodann bei Über
gewichtigen eine Gewichtsreduktion. Diese Grundsätze
, die zur Verbesserung der subjektiven Müdigkeit und der neuropsychologischen Defizite erforderlich seien,
habe die Beschwerdeführerin bislang ausser Acht gelassen.
Ursächlich dafür seien ein deutliches Vermeidungsverhalten und auch motivationale Faktoren. Die Ess
störung, die Persönlichkeitsakzentuierung und auch die Kopfschmerzen hätten einen indirekten Einfluss auf den Zustand der Beschwerdeführerin und ihr Aktivitätsniveau. Für sich allein genommen hätten sie aber keine quantitative Arbeitsunfähigkeit zur Folge. Bei der
Dysthymie
träten d
ie depressiven Symptome nicht
periodisch auf, sondern sie seien anhaltend. Bei einer Dauer von mindestens zwei Jahren könne von einer chronischen Depression gesprochen werden.
Auf
grund der anamnestisch
en
Angaben und der Dokumentation sei bei der Beschwerdeführerin von einer seit den neunziger Jahren bestehenden
Dysthymie
auszugehen. D
ie depressive
Symptomatik bei der Beschwerdeführerin sei sowohl
chronifiziert
als auch im Verlauf fluktuierend.
Teilweise habe sie sich gebessert, mehrheitlich sei sie aber gleichmässig vorhanden. Verschlechterungen korrelierten mit jeweils einhergehenden kritischen Lebensereignissen. Im Vorder
grund stünden
aber
psychosoziale Probleme, Sorgen und Ängste in Bezug auf ihre Ehe und die persönliche Zukunft, was es bei der Beurteilung der Limitationen zu
berücksichtigen gelte (
Urk.
7/65/2-4).
3.3
3.3.1
Die behandelnden Therapeuten
Dr.
B._
und
Dr.
C._
äusserten sich in der Stellungnahe vom
7.
Dezember 2020 zum Gutachten der
MEDAS A._
.
Sie führten aus,
im Gutachten sei
die medi
kamentöse Behandlung durch das Medizinische
Zentrum
D._
als
nicht leitliniengerecht
beurteilt worden, was nicht gerechtfertigt sei. S
eit Juni 2012
finde
eine Behandlung mit Einzel
therapie in wöchentlichen Abständen
statt, wobei im Zuge dieser Behandlung auch
verschiedene Medikamente zum Einsatz gekommen seien. Ferner habe zwei
mal eine stationäre Behandlung stattgefunden. Zu einer Besserung sei es bisher trotzdem nicht kommen. Insbesondere habe sich entgegen der Auffassung im Gutachten
der Zustand nach der stationären Behandlung in
I._
nicht gebessert. Bereits nach einer Woche sei der Zustand wieder gewesen wie zuvor. Mit der im Gutachten gestellten Diagnose einer
Dysthymie
würden die Vor
diagnosen ignoriert und die klinischen Verschlechter
ungen bagatellisiert. Die wesentlichen Befunde sprächen gegen diese Diagnose. Die Stimmung der Beschwerdeführerin sei deutlich depressiv und resigniert und die Vitalgefühle seien deutlich gestört. Sie sei affektiv blockiert, die Gestik und die Mimik seien gespannt. Kognitiv falle eine Verminderung respektive Verlangsamung von Konzentration, Merkfähigkeit und Gedächtnisleistung auf. Bezüglich
der gescheiterten beruflichen Massnahmen sei zu beachten, dass bei der Beschwerde
führerin eine starke Müdigkeit vorhanden sei, sie die persönliche Hygiene ver
nachlässige und täglich Kopfschmerzen habe. Bereits nach den Therapiesitzungen sei die Beschwerdeführerin
vollkommen erschöpft, könn
e praktisch nur noch liegen und verfalle vor dem Fernsehen in Gedankenkreisen.
Darüber hinaus bestehe ein Messie-Syndrom, welches
im Gutachten
weder inhaltlich noch diagnostisch erfasst worden sei. Schlichtweg falsch sei die Einschätzung im Gut
achten, die Arbeitsfähigkeit werde durch die depressiven Symptome nicht tangiert
(
Urk.
3/3 S. 2 f.)
.
A
ls D
iagnosen
nannten
die behandelnden Ärzte
abschliessend
(1) eine rezidi
vierende depressive Störung mit gegenwärtig schwerer Episode ohne psycho
tische Symptome (ICD-10 F33.2) mit/bei schwerer Vernachlässigung und Gewalt
erfahrung in der Kindheit sowie M
essie-S
ymptome, (2) eine ab
h
ängige Per
sö
nlichkeitsstörung (ICD-10 F60.7) respektive
ein
Verdacht auf eine schizoide Persö
nlichkeitsstörung (ICD-10 F60.1
), (3) Adipositas per magna (ICD-10 E66.0; BMI = 41) und (4) eine leichte neuropsychologische Störung (Aufmerksamkeit, Gedächtnis, visuell-räumliches Denken im Rahmen von psychischen und soma
tischen Problemen). Zuletzt habe die Beschwerdeführerin in einem Lohnbüro gearbeitet. Diese Anstellung sei ihr aufgrund der Red
uktion des Pensums von 80
auf 60
%
gekündigt worden. Danach habe die Symptomatik bis heute zuge
nommen. Nicht einmal einen Bewerbungskurs habe die Beschwerdeführerin mehr absolvieren können. Die Compliance und die Motivation seien allerdings gut. Trotz jahrelanger stationärer und ambulanter Behandlung sei die Beschwerde
führerin vollständig antriebslos im Rahmen der Depression, was eine vollständige Arbeitsunfähigkeit zur Folge habe, auch für angepasste Tätigkeiten. Selbst der Haushalt sei nur mit der Hilfe der Spitex zu bewältigen (
Urk.
3/3 S.
4
).
3.3.2
Im vorangehenden Bericht vom
1
5.
Oktober 2018 hatten die behandelnden Ärzte des Medizinischen Zentrums
D._
zur Hauptsache übereinstimmende Diagnosen gestellt. Keine Erwähnung fand seinerzeit die leichte neuro
psychologische Störung, stattdessen waren die Ärzte
damals
von einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung ausgegangen (
Urk.
7/35/4).
Zum damaligen psychopathologischen Befund lässt sich dem Bericht entnehmen, die Beschwerdeführerin sei äusserlich gepflegt, bewusstseinsklar und allseits orientier
t
. In der Kontaktaufnahme sei sie abwarten
d
, im Spontanverhalten aktiv. Die Stimmung sei deutlich depressiv-resigniert und affektiv kontrolliert. Im Gesprächsverlauf sei die Beschwerdeführerin mitteilungsaktiv. S
ie wein
e dabei viel. Kognitiv falle eine Beeinträchtigung von Aufmerksamkeit, Konzentration,
Merkfähigkeit
und Gedächtnis auf, ebenso bestehe eine auffällige Vergesslichkeit und Unschlüssigkeit. Das Denken sei indessen formal beweglich, inhaltlich problemzentriert, mit Einschränkungen lenkbar und es bestünden keine Anhalts
punkte für ein psychotisches Erleben. Auch Suizidgedanken bestünden nicht, weder aktuell noch anamnestisch
. Schliesslich attestierten die behandelnden Ärzte eine vollständige Arbeitsunfähigkeit
(
Urk.
7/35/
2 u.
5)
.
3.3.3
Im Bericht vom 1
2.
Juni 2017 hatten die behandelnden Ärzte des Medizinischen Zentrums
D._
weitgehend übereinstimmende psychopathologische Befunde erwähnt, waren aber stattdessen nicht von einer schweren, sondern von einer mittelschweren
Episode im Rahmen der auch damals schon diagnostizierten rezidivierenden depressiven Episode und einer damals bestehenden Arbeitsfähig
keit von 60
%
auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgegangen und hatten eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit im weiteren Verlauf für umsetzbar erachtet, auf
grund der günstigen Prognose als Folge der hohen Motivation und der familiären Ressourcen (
Urk.
7/9/13 f.).
4.
4.1
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
4.2
Das Gutachten der
MEDAS A._
vom 1
3.
Januar 2020
umfasst die von den Expertinnen und Experten des
MEDAS A._
nach Fallvorlage (vgl.
Urk.
7/39,
Urk.
7/41) als relevant erachteten Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin
(
Urk.
7/58/87 ff.)
, Neurologie
(
Urk.
7/58/48 ff.)
und Psychiatrie
(
Urk.
7/58/64 ff.)
. Ferner veranlassten die Expertinnen und Experten im Zuge der Begutachtung eine neuropsychologische Abklärung
(
Urk.
7/58/99 ff.). Den Abschluss der Begutachtung bildete die interdisziplinäre Konsensbeurteilung
(
Urk.
7/58/3 ff.).
Die Expertinnen und Experten verfügten über die jeweils erforderlichen Qualifikationen. Die Beschwerdeführerin konnte bei den Untersuchungen ihre Beschwerden ausführlich schildern und der Begutachtung liegt eine für die betreffenden Fachrichtungen spezifische Anamneseerhebung zu Grunde. Die Expertise erfolgte sodann nach Einsicht in die zur Verfügung stehenden
Vorakten
(
Urk.
7/58/11 ff.).
Damit erweist sich das Gutachten
formal
als für die streitigen Belange umfassend und auf allseitigen Untersuchungen beruhend.
Erforderlich ist darüber hinaus, dass es
in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerung
en der
Experten begründet sind
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen)
4.3
4.3.1
Die Beschwerdeführerin rügt in erster Linie,
aufgrund des Gutachtens könne nicht davon ausgegangen werden, dass auf dem ersten Arbeitsmarkt noch eine ver
wertbare Arbeitsfähigkeit bestehe. Davon sei selbst der RAD ausge
gangen (
Urk.
1 S. 14 f
Rz
6.6-8
).
Die Beschwerdeführerin bezieht sich hier
bei
auf
eine
Äusserung von RAD-Arzt PD
Dr.
med. univ.
J._
, Facharzt fü
r Neurologie, vom 1
4.
Mai 202
0.
PD
Dr.
J._
hatte festgehalten,
gemäss MEDAS-Gutachten sei bezüglich einer angepassten Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 90
%
aus
zugehen. Die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters, angepasst sei insbe
sondere eine Tätigkeit ohne Zeitdruck
,
sei
mit Blick auf den ersten Arbeitsmarkt
allerdings
realitätsfern
(
Urk.
7/69/7).
4.3.2
Effektiv hielt der psychiatrische Experte der
MEDAS A._
,
Dr.
E._
,
fest, ange
passt sei eine Tätigkeit ohne Zeitdruck und ohne Multitasking sowie mit gelegentlichen Pausen bei Überforderung (
Urk.
7/58/85).
Auch in der inter
disziplinären Beurteilung gelangten die Gutachter zum Schluss, es bestünden namentlich Einschränkungen bezüglich der Fähigkeiten zur Pla
nung und Strukturierung von Aufg
aben, bezüglich der Umstellfähigkeit,
bezüglich
der Fähigkeit zur Anwendung fachlicher Kompetenzen und bezüglich der Ent
scheidungsfähigkeit.
Auch die festgestellten leichten Beeinträchtigungen
neuropsychologischer
Art (vgl.
Urk.
7/58/9 ff.) gaben Anlass zum Schluss, dass mit einer rascheren E
rmüdung gerechnet
werden müsse
(
Urk.
7/58/7).
Dies lässt das Erfordernis, im Rahmen der Ausübung einer angepassten Tätigkeit sollte kein Zeitdruck herrschen, als nachvollziehbar erscheinen.
Nicht nachvollziehbar ist indessen die Einschätzung des RAD-Arztes, das
Erfordernis
einer Tätigkeit mit geringem Zeitdruck
sei auf dem erste
n Arbeitsmarkt nicht umsetzbar.
4.3.3
Das trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumutbarerweise
erzielbare Ein
kommen ist bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln
(Art. 16 ATSG; BGE 138 V 457 E.
3.1 mit Hinweis
).
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt ist gekennzeichnet durch ein gewisses Gleichgewicht zwischen Angebot von und Nachfrage nach Arbeitskräften und weist einen Fächer verschiedenster Tätig
keiten auf. Das gilt sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen Einsatzes (BGE 110 V 273 E. 4b; ZAK 1991 S. 320 f. E. 3b; Urteil des Bundesgerichts 9C_830/2007 vom 29. Juli 2008 E. 5.1).
Der ausgeglichene Arbeitsmarkt umfasst
mithin
auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann
erst dann
nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so ein
geschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durch
schnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. statt vi
eler: Urteile des Bundesgericht
s 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018 E. 7.2.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E. 2.2
.1, je mit weiteren Hinweisen).
Für die Invaliditätsbemessung ist
im Übrigen
nicht massgebend, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.3.2 mit Hinweis; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
132 zu Art. 28a).
4.3.4
Der Umstand, dass
gemäss MEDAS-Gutachten
für die Beschwerdeführerin eine Tätigkeit
im Umfang eines 90%-Pensums lediglich
in Frage kommt,
wenn
sie
ohne Zeitdruck
arbeiten kann
, schliesst die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nach dem Gesagten
keineswegs
aus.
Das Erfordernis des geringen Zeitdrucks erfordert vom Arbeitgeber ein gewisses Ent
gegenkommen. Mit einem solchen kann auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt ohne Weiteres gerechnet werden.
4.4
4.4.1
Des Weiteren macht d
ie Beschwerdeführerin
unter Hinweis auf die einschlägige Rechtsprechung
geltend,
die
Therapierbarkeit und
die
prognostische Besserungs
fähigkeit eines Leidens schlössen die Zusprechung einer Rente nicht aus
(
Urk.
1 S. 13 f.
Rz
6.3 f.).
Dem ist im Grundsatz nicht zu widersprechen. Weder
schliessen bei psychischen Gesundheitsschäden intakte therapeutische Optionen den An
spruch auf Leistungen schlechterdings aus, noch führen ungünstige Therapie
optionen ohne Weiteres zu deren Zusprechung. Vielmehr ist der betreffende As
pekt zusammen mit den übrigen Indikatoren im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens (BGE 141 V 281 E. 4.3.1) zu beurteilen. Erst dadurch
lässt
sich der Anspruch auf Leist
ungen
rechtsgenüglich
ermitteln.
4.4.2
Sofern die Beschwerdeführerin aus ihrem Argument folgert, es stehe ihr trotz der von den Gutachtern genannten Behandlungsoptionen
(
Urk.
7/58/9)
eine Rente zu, greift dies
aber
jedenfalls
zu kurz. Erforderlich ist eine Gesamtbetrachtung im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens.
In seiner jüngeren Rechtsprechung hat das Bundesgericht hinsichtlich depressiver Leiden im mittelgradigen Bereich betont,
die invalidisierende Wirkung
sei hier
besonders sorgfältig zu prüfen. Es
dürfe
nicht unbesehen darauf geschlossen werden, eine solche Störung vermöchte eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfähigkeit zu bewirken
(Urteil des Bundesgerichts 8C_753/2016 vom 1
5.
Mai 2017 E. 4.3). Ge
mäss BGE 148 V 49
ist
sodann bei leicht- bis mittelgradiger Ausprägung eines depressiven Leidens ohne nennenswerte Interferenz durch psychiatrische Komorbid
itäten und bei intaktem Therapiep
otential
insbesondere die Dauer
haftigkeit des Gesundh
eitsschadens in Frage gestellt, da ein solches Leiden nicht als
schwergradig
eingestuft werden kann.
Diesfalls
müssen
gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden
kann
(E. 6.2.2)
.
4.5
4.5.1
Ferner macht d
ie Beschwerdeführerin
namentlich unter Bezugnahme auf die psychiatrischen Untersuchungsergebnisse im MEDAS-Gutachten
geltend, es sei ein neues Gutachten
nötig
. Sie
weist
darauf hin
,
die Feststellung eines invalidisierenden Gesundheitsschadens habe anhand ein
e
s strukturierten Beweis
verfahrens zu erfolgen. Die Beschwerdegegnerin selber habe das Gutachten der
MEDAS A._
als mangelhaft beurteilt und es den Gutachtern zur Korrektur vor
gelegt. Weder dies noch die von der Beschwerdegegnerin vorgenommene Ressourcenprüfung vermöge das Gutachten zu heilen
(
Urk.
1 S. 15 f.
Rz
7.1-4).
4.5.2
Anders als die MEDAS-Gutachter gehen d
ie behandelnden Therapeuten Dr.
B._
und
Dr.
C._
von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit aus
,
wobei für sie
als limitierender Faktor die Depression im Vordergrund
steht (vgl.
Urk.
3/3 S. 4).
Die behandelnden Ärzte beschrie
ben in der Stellungnahme vom
7.
Dezember 2020
allerdings
die von ihnen diagnostizierte schwere Episode im Rahmen
der
d
epressiven Störung
nicht nachvollziehbar
(
Urk.
3/3 S.
3). Auch
der frühere
Bericht vom 1
5.
Oktober 2018
enthält
keine überzeugende Herleitung der auch damals schon diagnostizierten schweren depressiven Episode (
Urk.
7/35/4 f.).
D
ie von den
behandelnden Therapeuten erwähnten Befunde
für die Diagnose einer schweren depressiven Episode gemäss ICD-10 F33.2 (richtig: F32.3;
Urk.
3/3 S. 3
f.
)
korrelieren nicht respektive nur unvollständig mit den
jenigen, die gemäss ICD-10 die Diagnose einer schweren depressiven Episode rechtfertigen
. In einer schweren depressiven Episode zeigt die betroffene Person meist eine erhebliche Verzweiflung und Agitiertheit, es sei denn Hemmung sei das führende Symptom. Es kommt zum Verlust des Selbstwertgefühls und es herrschen Gefühle von Nutzlosigkeit oder Schuld vor. In besonders schweren Fällen
besteht ein hohes Suizidrisiko (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien. 1
0.
Aufl., Bern 2015, S. 174).
Aus den Darlegungen der behandelnden Therapeuten ergibt sich weder, dass bei der Beschwerdeführerin eine erhebliche Verzweiflung und Agitiertheit vorhanden ist
respektive war
,
noch
das Gegenteil davon, eine vorherrschende
Hemmung. Ebenso verneinten die behandelnden Ärzte
das Vorhandensein von Suizid
gedanken, womit eine akute Suizidalität klar
ausgeschlossen wurde
.
Auch im Übrigen
fehlt es an der leitliniengerechten Herleitung der
gestellten Diagnose, namentlich
an der Darlegung, ob und in welchem Ausmass das für die Diagnose vorausgesetzte somatische Syndrom gegeben ist (Internationale Klassifikation psychischer
Störungen, a.a.O., S. 170 f. und
S. 174).
Z
uvor, das heisst im Bericht vom 1
2.
Juni 2016 an den Taggeldversicherer der Beschwerdeführerin
,
war noch eine mittelgradige depressi
ve Episode diagnostiziert und eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit von 60
%
auf 80
%
prognostiziert worden
(
Urk.
7/9/13
f.
).
Weswegen sich der Zustand
in der Folge
derart deutlich sowie
anhaltend
verschlechtert
haben soll
und
ohne
jede
Aussicht auf eine
Besserung
dauerhaft eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde
, ergibt sich aus den Darlegungen der
behandelnden
Therapeuten nicht
hin
reichend
,
zumal
die stationäre Behandlung in der Klinik
I._
gegen
Ende 2017
bis Anfang
2018
zeigte, dass mittels einer Intensivierung der Behandlung durch
aus eine Besserung erreichbar war. Insbesondere konnten im Rahmen der stationären Behandlung erfolgreich Ansätze erarbeitet werden, um ungünstige Handlungsmuster und Gewohnheiten zu erk
ennen und zu vermeiden (Urk.
7/58/12 f.).
Abweichend von den behandelnden Ärzten stellte der MEDAS-Experte
Dr.
E._
die Diagnose einer
Dysthymia
gemäss ICD-10 F34.1 (
Urk.
7/58/80).
Mit Blick auf die diagnostischen Leitkriterien (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, a.a.O., S. 183 f.) hat der Gutachter seine Diagnose anhand der er
hobenen Befunde und der anamnestischen Angabe
n nachvollziehbar dargelegt
,
dabei auch die abweichende Auffassung der behandelnden Therapeuten gewürdigt (
Urk.
7/58/80 ff.) und seine Standpunkte in der ergänzenden Stellung
nahme vom
4.
Mai 2020 erneut
erörtert
(
Urk.
7/65/3 f.). Vor diesem Hintergrund kann die Schlussfolgerung nachvollzogen werden, dass bei der Beschwerde
führerin eine
chronifizierte
und fluktuierende depressive Symptomatik vor
herrscht, die im
Verlauf zum Teil gebessert hat
, mehrheitlich jedoch gleichmässig vorhanden war, abgesehen von Verschlechterungen aufgrund von kritischen Lebensereignissen
(
Urk.
7/65
/
4).
4.5.3
Die behandelnden Therapeuten stellten zusätzlich die Diagnose
einer abhängigen Persönlichkeitsstörung
gemäss ICD-10 F60.7, wobei diese Diagnose zunächst die Ärzte der Klinik
I._
gestellt hatten (
Urk.
3/3 S. 4; vgl.
Urk.
7/58/12). Zu den diagnostischen Leitlinien
von Persönlichkeitsstörungen zählen namentlich
(1)
eine deutliche Unausgeglichenheit in den Einstellungen
und im Verhalten in mehreren Funktionsbereichen wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahr
nehmung und Denken sowie in den Beziehungen zu anderen, (2) ein andauerndes, nicht auf Episoden beschränktes auffälliges Verhaltensmuster und (3)
ein B
eginn d
er
Störungen immer in der Kindheit oder der Jugend und
eine M
anifest
ation
auf Dauer im Erwachsenenalter (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, a.a.O., S. 276 f.). Ein derartiges Verhaltensmuster haben die behandelnden Thera
peuten weder im erforderlichen Ausmass noch in lebensgeschichtlicher Hin
sicht ausreichend beschrieben und hergeleitet. Auch in den Darlegungen der Ärzte der Klinik
I._
finden sich keine
konkreten Anhaltspunkte
für die Validität dieser Diagnose
(vgl.
Urk.
7/58
/12 f., Urk.
7/58/66
f.)
.
Den
auffälligen Persönlichkeits
aspekten (vermeidende, zum Teil
histrionisch
anmutende und auch
negativistische
Züge) wurden im MEDAS-Gutachten nachvollziehbar mit der Diagnose einer Persönlichkeitsakzentuierung mit abhängigen Zügen Rechnung getragen (
Urk.
7/58/76,
Urk.
7/58/80).
4.5.4
Eine detaillierte Prüfung der im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens massgeblichen Indikatoren (
BGE 141 V 281 E. 4.3.1)
findet sich nicht im Gut
achten. Die Beschwerdegegnerin hielt allerdings im Rahmen ihrer Ressourcen
prüfung fest, aufgrund des MEDAS- Gutachtens sei mit der
Dysthymia
und der Persönlichkeitsakzentuierung keine schwerwiegende psychische Erkrankung aus
gewiesen (
Urk.
7/69/8). Bei der
Dysthymia
gemäss ICD-10 F34.1 handelt es sich diagnosebedingt
u
m eine
nicht
schwergradig
ausgeprägte psychische Erkrankung. Das Leiden ist geprägt von leichten bis höchstens mittelgradigen depressiven Phasen (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, a.a.O., S. 183 f.).
Bei der
Persönlichkeitsakzentuierung gemäss ICD-10 Z73.1
sodann
handelt es sich
um
Faktoren,
die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnah
me des Gesundheitswesens führen und
als solche nicht unter den Begriff des rechtserheblichen Gesundheitsschadens
fallen
(Urteil
des Bundes
gerichts
8C_570/2008 vom
4.
Mai 2009 E. 4.2.5).
Der Würdigung der Beschwerdegegnerin ist somit beizupflichten.
Auch vor dem Hintergrund des weitgehend
intakten sozialen und familiären Beziehungsnetzes und der viel
fältigen Aktivitäten mit regelmässigen Reisen innerhalb der Schweiz und im Aus
land mit dem Auto oder mit dem öffentlichen Verkehr,
ist davon auszugehen
, dass kein
schwergradig
ausgeprägtes psychisches Leiden vorliegt (
Urk.
8/58/74 f.).
Aufgrund der Feststellungen
im MEDAS-Gutachten steht
sodann
nicht das depressive Leiden im Vordergrund, sondern das ausgeprägte Vermeidungs
verhalten. Praxisgemäss (BGE 148 V 49) bedarf es in einer solche
n
Konstellation
, das heisst beim Vorliegen eines wenig ausgeprägten depressiven Leidens
gewichtiger Gründe,
um
von einer invalidisierenden Erkrankung auszugehen. Solche sind
hier nicht ersichtlich. Die MEDAS-Gutachter legten dar, dass mit einer leitliniengerechten psychiatrischen Behandlung nach wie vor
und
konkret Aus
sicht auf eine Besserung besteht (
Urk.
7/58/9,
Urk.
7/58/83 f.). Der gegenteiligen Auffassung der Beschwerdeführerin, die sich auf die Beurteilung der behandelnden Therapeuten des Medizinischen Zentrums
D._
stützt, kann nicht gefolgt werden. Es
ist
insbesondere nicht nachvollziehbar, weswegen
auf die
von den
behandelnden Ärzten anerkannte
Besserung im Zuge der
Behandlung in der Klinik
I._
gleichsam unvermeidbar eine sofortige Ver
schlechterung
folgte (
Urk.
3/3 S. 2),
die Beschwerdeführerin
im weiteren Verlauf
trotz Behandlung vollständig antriebslos blieb (
Urk.
3/3 S. 4) und damit eine erneute Besserung schlechterdings nicht mehr im Bereich des Möglichen lag.
4.5.5
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beurteilung im MEDAS-Gutachten
auf psychiatrischem Fachgebiet
zu überzeugen vermag. Die von
der Beschwerde
führerin unter Bezugnahme auf die Darlegungen der
behandelnden Therapeuten des Medizinischen Zentrums
D._
geäusserte Kritik
vermag daran nichts zu ändern. Eine erneute Begutachtung, wie sie die Beschwerdeführerin beantragt, ist
demgemäss
nicht angezeigt.
4.6
Sowohl die MEDAS-Experten als auch die behandelnden Therapeuten der Beschwerdeführerin stell
ten leichte neuropsychologische
Störung
en fest
, insbe
sondere in den Bereichen Aufmerksamkeit, Gedächtnis und visuell-räumliches Denken
,
und
sie
gingen davon aus, dass sich diese a
uf die Arbeitsfähigkeit aus
wirken
(
Urk.
3/3 S. 4,
Urk.
7/58/7). Insofern besteht Übereinstimmung zwischen Gutachte
r
n und den behandelnden Ärzten. Es ist nachvollziehbar, dass sich diese Störungen auf die erwerbliche Leistungsfähigkeit auswirken (Urk. 7/58/7 f.).
Im neuropsychologischen Teilgutachten wurde dies hinreichend nachvollziehbar dargelegt (
Urk.
7/58/107 ff.).
4.7
Auch im Übrigen ergeben sich an der Beurteilung der MEDAS-Gutachter keine ins Gewicht fallenden Zweifel.
Übereinstimmend mit
den
MEDAS-Gutachtern nannten auch die Ärzte des Medizinischen Zentrums
D._
die Adipositas per magna als Diagnose, wobei sie dieser ebenfalls keinen
unmittelbar
en
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumassen (
Urk.
3/3 S.
4,
Urk.
7/58/7).
Zu den weiteren von den MEDAS-Gutachtern genannten Diagnosen (
Urk.
7/58/7) erfolgten seitens der Beschwerdeführerin keine konkreten Einwände.
4.8
Die ergänzende gutachterliche Stellungnahme enthält Ausführungen zum Schlafapnoe-Syndrom
der Beschwerdeführerin
. Die
Beschwerdegegnerin
wünschte eine Erläuterung
dahingehend,
inwiefern
zwischen den Diagnosen
eines obstruktiven und derjenigen eines
schweren Schlafapnoe-Syndrom zu unterscheiden sei
(
Urk.
7/61/1).
I
n der ergänzenden gutachterlichen Stellung
nahme vom
4.
Mai 2020
äusserten sich
der psychiatrische
Experte Dr.
E._
und der neurologische Gutachter
Dr.
F._
hierzu
(
Urk.
7/65/2).
Trotz ihrer Erläuterung
ist weiterhin offen, weswegen
im Gutachten
nebst der
Diagnose
eines schweren Schlafapnoe-Syndroms mit
Maskendyskomfort
, die
insbesondere die Ausprägung des Leidens
zum Ausdruck bringe
,
zusätzlich auch die
Diagnose
eines obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom
s
genannt wurde (Urk.
7/58/7).
Eine nochmalige Rückfrage erübrigt sich aber.
Praktisch v
on Belang ist, dass durch das Gutachten dargetan und im Übrigen auch unbestritten ist, dass das
fragliche
Leiden
befundmässig
ausgewiesen
(
Urk.
7/58/52) und dass ihm im Zusammen
hang mit dem
Maskendyskomfort
ein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zuerkannt worden ist
(
Urk.
7/58/
61 f.
).
4.9
Die behandelnden Ärzte des Medizinischen Zentrums
D._
hoben im Besonderen die
von ihnen als krankhaft gewürdigte
chronische
Unordnung zu Hause bei der Beschwerdeführerin
im Sinne eines Messie-Syndroms
hervor (
Urk.
3/3 S. 2 und S. 4), jedoch
fehlt
es an Darlegungen, wie sich dies
auf die erwerblichen Fähigkeiten
konkret
auswirkt
(Urk.
3/3 S. 4,
Urk.
7/35/4).
Die
im Jahr
2018 und ebenso davor im Jahr 2017 noch
diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung (
Urk.
7/9/13,
Urk.
7/35/4) taucht im Bericht vom
7.
Dezember 2020 ohne weitere Erläuterung nicht mehr auf (
Urk.
3/3 S. 4). Auf den
von den MEDAS-Gutachtern beschriebenen
Problembereich des Vermeidungsverhaltens und der motivationalen Schwierigkeiten
(
Urk.
7/58/8,
Urk.
7/58/83)
gingen
die behandel
nden Therapeuten gar nicht ein, sondern bejahten ohne weitere Begründung eine
gute Motivation und Compliance
(
Urk.
3/3 S. 4).
Insgesamt
ist die von den behandelnden Therapeuten durchwegs attestierte vollständige Arbeitsunfähigkei
t (
Urk.
7/35/2,
Urk.
3/3 S. 4;
vgl. auch
Urk.
7/16-18) für jegliche Tätigkeit
so
nicht hinreichend abgestützt, zumal
noch im
Jahr 2017 bei diagnostizierter mittelgradiger depressiver Episode und
somatoformer
Schmerz
störung, Adipositas per magna und Kopfschmerzproblematik eine
Arbeitsfähig
keit von 6
0
%
und
eine baldige
Steigerung
derselben prognostiziert worden war
(
Urk.
7/9/13 f.). In der Gesamtschau entsteht der Eindruck, dass von den Ärzten des
Medizinischen
Zentrums
D._
jeweils entsprechend der effektiv aus
geübten Erwerbstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde. Im Juni 2017 war die Beschwerdeführerin
noch im Ausmass von
60
%
arbeits
tätig
gewesen
(
Urk.
7/9/13 f.,
Urk.
7/2).
Nach
dem Verlust
dieser
Stelle
im November 2017
arbeitete die Beschwerdeführerin nicht mehr, wobei die behandelnden Thera
peuten seither eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestierten (
Urk.
7/35/2,
Urk.
7/16-18,
Urk.
3/3 S. 4).
Zu beachten ist auch, dass die Ärzte des Medizinischen Zentrums
D._
im Bericht vom 1
2.
Juni 2017 unter Fort
führung der Behandlung im Verlauf eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit für
realisierbar gehalten hatten
. Damit im Zusammenhang erachteten
sie
auch eine Gewichtsabnahme für angezeigt, falls nötig in stationärem Rahmen (
Urk.
7/9/14). Aus welchen Gründen die Arbeitsfähigkeit im weiteren Verlauf aus obje
ktiven Gründen
doch
nicht gesteigert
werden konnte, sondern sich nach Ansicht der Ärzte des Medizinischen Zentrums
D._
im Gegenteil
zu
eine
r
voll
ständige
n
Arbeitsunfähigkeit
entwickelte
und trotz weiterhin günstiger Prognose auf diesem Niveau verharrte (
Urk.
7/35/2,
Urk.
3/3 S. 4), blieb
ohne Erklärung
.
Eine a
uf medizinische
Gesichtspunkte abgestützte Bewertung der Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte des Medizinischen Zentrums
D._
liegt mithin nicht vor.
4.10
Die Beschwerdeführerin rügte
schliesslich
, das MEDAS-Gutachten weise
verschiede
ne
und zum Teil schwere
redaktionelle Fehler
auf
, die insgesamt zu dessen Unverwertbarkeit führten (
Urk.
1 S. 15
Rz
7.3). Zusätzlich macht die Beschwerdeführerin geltend, das Gutachten sei trotz Mahnung durch die Beschwerdegegnerin nicht innert
einer
als statthaft zu bezeichnenden Frist
vor
gelegt
worden (
Urk.
1 S.
6 f.
Rz
5.8.1 und S. 9
Rz
5.8.6).
Bei der
MEDAS A._
ging der Gutachtensauftrag am 2
8.
Februar 2019 ein und fertig gestellt wurde das Gutachten am 1
3.
Januar 2020 (
Urk.
7/43,
Urk.
7/58).
Diese Zeitspanne
für die Durchführung der Untersuchungen und
die
Redaktion des Gutachtens
kann objektiv betrachtet nicht als ausserordentlich lange bezeichnet werden
. Gleiches gilt
betreffend
die Beantwortung der zusätzlichen
Fragen (Urk.
7/61,
Urk.
7/65). Was sodann die redaktionellen Fehler betrifft, so existieren solche, was auch die Gutachter einräumten (
Urk.
7/65/1 f.), jedoch nicht in einer Weise und Häufung, dass dies das Gutachten als solches in Frage stellen würde.
4.
11
4.11
.1
Hinsichtlich der
Bewertung der Arbeitsfähigkeit im MEDAS-Gutachten
fallen
vor
rangig die aus psychiatrischer und neuropsychologischer Sicht festgestellten B
eeinträchtigungen
ins Gewicht
(
Urk.
7/58/8 f.).
Für die angestammte Tätigkeit, verstanden als solche
im
kaufmännischen Sektor im Personal- und Buch
haltungsbereich (
Urk.
7/6/2
,
Urk.
7
/58/109), gingen die MEDAS-Gutachter bezogen auf den Zeitpunkt der Begutachtung von einer Arbeitsfähigkeit von rund 50
%
aus
, bezogen auf ein volles Erwerbspensum
. Retrospektiv erachteten sie die von den Ärzten des Medizinischen Zentrums
D._
im Juni 2017 attestierte Arbeitsfähigkeit von 60
%
für plausibel, mit Ausnahme der Zeiten stationäre
r Behandlung (
Urk.
7/9/14, Urk.
7/58/8). Für eine angepasste T
ätigkeit,
verstanden als solche
, die auf die kognitiven Einschränkungen R
ücksicht nimmt (
Urk.
7
/58/108), in der
ohne Zeitdruck
gearbeitet werden kann
,
die keine Auf
gaben im Sinne des Multitasking und kein
monotones
A
rbeiten
erfordert
und
in der die
Möglichkeit
besteht
, Erholungspausen ein
zu
legen (
Urk.
7/58/62,
Urk.
7/58/85,
Urk.
7/58/110), gingen die Gutachter von einer Arbeitsfähigkeit von 90
%
aus (
Urk.
7/
58/8).
Eine nur in geringem Grad beeinträchtigte Arbeits
fähigkeit in einer Tätigkeit, die auf die
festgestellten
Einschränkungen Rücksicht nimmt, erweist sich als grundsätzlich
überzeugend
.
4.11
.2
Die Beschwerdeführerin kritisiert, der neuropsychologische Gutachter habe die Arbeitsfähigkeit für die angestammte Tätigkeit auf ein halbes Prozent genau an
gegeben, diejenige für eine angepasste Tätigkeit aber nicht näher definieren können (
Urk.
1 S. 8
Rz
5.8.3).
Lic
. phil.
H._
hielt fest,
er gehe davon aus, dass in der
angestammten Tätigkeit noch ein Pensum von 50
%
möglich sein sollte. Die Leistung sei in dieser Zeit nur geringfügig, das heisst um etwa 15
%
eingeschränkt, was rein rechnerisch ein Pensum von mindestens 42,5
%
ergebe (
Urk.
7/58/109). Hinsichtlich des zumut
baren Pensums in einer angepassten Tätigkeit hielt
lic
. phil.
H._
fest, sei von einer höheren Präsenzzeit auszugehen. Die Leistungsfähigkeit sei nur noch minim, das heisst um etwa 5
%
eingeschränkt, da die Beschwerdeführerin selber und auch ihr Arbeitgeber für die reibungslose Bewältigung des Alltages einen etwas höheren Aufwand betreiben müssten. Die genaue Bewertung der Präsenz
zeit sei anlässlich der interdisziplinären Konsensbesprechung vorzunehmen (
Urk.
7/58/110).
Die Analyse der Darlegungen des Neuro
psychologen zeigt zum einen, wie
der rein rechnerische Wert für die Arbeitsfähigkeit in de
r bisherigen Tätigkeit zustande
kam
,
und zum anderen zeigt sich, dass er sehr wohl eine Bewertung der Rest
arbeitsfähigkeit im dem Sinne vornahm, dass er von einer nur geringfügig limitierten R
estarbeitsfähigkeit ausging,
deren genauere Bewertung
er
aber
der interdisziplinären Konsensbeurteilung vorbehielt. Diese Darlegungen sind nicht zu beanstanden. Im Ergebnis massgebend
sind die Feststellungen gemäss
der Konsensbeurteilung unter Beteiligung aller an der Begutachtung mitwirkenden Expertinnen und Experten.
4.11
.3
Die
Beschwerdeführerin
wendet
auch
ein
, die Beschwerdegegnerin hätte ihr für den Fall der Leistungsverweigerung eine Schadenminderungspflicht auferlegen müssen (
Urk.
1 S. 14
Rz
6.4).
Sie unterziehe sich zahlreich
en
Therapien, weswegen von einer konsequenten Behandlung auszugehen sei
(
Urk.
1 S. 16
Rz
7.4).
Da die Beurteilung der Restarbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung der limitierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen erfolgte,
diese
mithin nicht vom Ergebnis einer vorgängig durchzuführenden ärztlichen Behandlung ab
hängt,
drängte es
sich für die Beschwerdegegnerin
nicht auf, die Beschwerde
führerin zur Aufnahme der gebotenen Behandlung aufzufordern und für die Zeit bis zum Erreichen des Behandlungserfolges einen allfälligen Leistungsanspruch zu prüfen.
Zusammenfassend ergibt die Würdigung der zur Beurteilung des medizinischen Sachver
haltes vorhandenen Beweismittel
, dass auf das Gutachten der
MEDAS A._
abzustellen und von einer
A
rbeitsfähigkeit von 90
%
in einer angepassten Tätigkeit
auszugehen ist,
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ging bei der Beschwerdeführerin von
einer
Teilerwerbs
tätigkeit von 80
%
und einer Haushalttätigkeit von 20
%
aus und hielt im Übrigen fest, es liege kein invaliditätsbegründender Gesundheitsschaden vor, weswegen auf einen Einkommensvergleich und eine Haushaltabklärung verzichtet werden könne (
Urk.
7/69/9).
Die Qualifikation blieb unbestritten.
Der Invaliditätsgrad ist demnach nach Massgabe von
Art.
27
bis
IVV zu ermitteln.
D
ie um 50
%
reduzierte Arbeitsfähigkeit in Bezug auf die zuletzt ausgeübte Tätigkeit
hat eine
Erwerbs
einbusse in entsprechendem Umfang
zur Folge
.
I
n Beziehung gesetzt zum Ein
kommen, dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit
unter Ver
wertung ihrer Restarbeitsfähigkeit
zumutbarerweise
erzielen könnte, ergibt sich Gewissheit über
die
effektiv
e Erwerbseinbusse und damit den
Invaliditätsgrad.
5.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypo
thetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungs
erlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
5.3
Die Beschwerdeführerin meldete sich im Juli 2
017 zum Leistungsbezug an (Urk.
7/1).
D
em Bericht des Medizinischen Zentrums
D._
vom 1
2.
Juni 2017 ist zu entnehmen
, dass ab dem 1
0.
April 2017 eine Arbeitsunfähigkeit vo
n 40
%
bestand (
Urk.
7/9/13). Die Experten der
MEDAS A._
bestätigten sodann, dass die Arbeitsunfähigkeit von 40
%
auch weiterhin andauerte und sich ab November 2017 auf 50
%
erhöhte (
Urk.
7/58/8).
Gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG
ent
steht
d
er Rentenanspruch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Gelten
dmachung des Leistungsanspruchs, sofern zu diesem Zeitpunkt das Warte
jahr im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG abgelaufen ist.
Wie erwähnt begann d
ie Wartezeit mit ein
er Arbeitsunfähigkeit von 40
%
im April 2017 zu laufen. Ab November 2017 erhöhte sich die Arbeitsunfähigkeit auf 50
%
und
ver
blieb auf diesem Niveau, so dass Ende März 2018 das Wartejahr erfolgreich bestande
n war. Zu diesem Zeitpunkt war
auch die
Frist
gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG verstrichen. Der frühestmögliche Rentenbeginn ist somit der April 201
8.
5.4
An ihrer Stelle bei
der
Y._
AG erzielte die Beschwerdeführerin gemäss Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug)
im
letzten Anstellungsjahr,
das heisst 2017,
von Januar bis November
ein Einkommen von
Fr.
46'721.--, was hochgerechnet auf das gesamte Jahr
Fr.
50'968.--
entspricht
(
Fr.
46'721.
-- :
11 x 12;
Urk.
7/28/2).
Dieses Einkommen bezieht sich auf
das damals geleistete
Arbeitspensum von 80
%
(
Urk.
7/6/2).
Angepasst an die
Nominallohn
entwicklung bis 2018 ergibt
sich ein
Valideneinkommen
von
F
r.
51'
212
.-- (
Fr.
50'968.
-- :
2’
719
x 2'
732
; Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 2010-2020, T 39; ab
rufbar im Internet).
5.5
Eine angepasste Tätigkeit wird nicht ausgeübt. Konkrete Werte zur Bestimmung des Invalideneinkommens stehen nicht zur Verfügung. Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstruktur
erhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1).
Der Zentralwert der Frauenlöhne der Schweizerischen Lohn
strukturerhebung betrug im Jahr 2016
Fr.
4'
832
.-- (Kompetenzniveau 2 = praktische Tätigkeiten, namentlich Datenverarbeitung und A
d
ministration, Bedienen von Maschinen und elektronischen G
eräten
). Angepasst an die betriebs
übliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden im Jahr 2018 (Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T 03.02.03.01.0
4.01;
ab
rufbar im Internet) und an die Nominallohnentwicklung (Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 2010-2020, T 39; abrufbar im Internet) resultiert
bezogen auf ein Erwerbspensum von 80
%
ein Invalideneinkommen von
Fr.
48’590
.--
pro Jahr
(
Fr.
4'
832
.--
x 12 : 40 x 41,7 : 2'719 x 2'732
x 0,8
).
Gründe für einen leidensbedingten Abzug
vom Invalideneinkommen
(
BGE 126 V 75
)
wurden weder geltend gemacht
noch sind solche
offenkundig
(vgl. hierzu auch nachstehende E. 5.7)
.
Die Differenz zwischen dem Validen- und dem Invalideneinkommen beläuft sich auf
Fr.
2'622.--, was einem Invaliditätsgrad von gerundet 5
%
entspricht (
Fr.
2'622.-- x 100
%
:
Fr.
51'212.--
; zur Rundungsregel vgl. BGE 130 V 121
).
Bezogen auf ein
Erwerbspensum von 80
%
beträgt der Invaliditätsgrad 4
%
(5
%
x 0,8).
5.6
Auf eine Haushaltabklärung
verzichtete die Beschwerdegegnerin
(vgl. Urk.
7/69/9). Ob sich eine solche aufgedrängt hätte, kann hier offenbleiben. An
gesichts des Invaliditätsgrades für den Erwerbsbereich ergibt sich auch dann kein rentenbegründender Invaliditätsgrad von mindestens 40
%
, wenn
von einer
- hier nicht gerechtfertigten -
vollständigen Einschränkung im Haushalt und damit von einem gewichteten Invaliditätsgrad von 20
%
im Aufgabenbereich ausgegangen würde. Der Gesamtinvaliditätsgrad betrüge
diesfalls
25
%
.
5.7
5.7.1
Das fortgeschrittene Alter wird, obgleich an sich ein invaliditätsfremder Faktor, in der Rechtsprechung als Kriterium anerkannt, welches zusammen mit weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen kann, dass die einer versicherten Person verbliebene Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
realistischerweise
nicht mehr nachgefragt wird, und dass ihr deren Verwertung auch gestützt auf die Selbsteingliederungspflicht nicht mehr zumut
bar ist. Der Einfluss des Lebensalters auf die Möglichkeit, das verbliebene Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, lässt sich nicht nach einer allgemeinen Regel bemessen, sondern hängt von den Umständen des Einzelfalles ab. Massgebend können die Art und Beschaffenheit des Gesund
heitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs- und Einarbeitungs
aufwand und in diesem Zusammenhang auch Persönlichkeitsstruktur, vor
handene Begabungen und Fertigkeiten, Ausbildung, beruflicher Werdegang oder Anwendbarkeit von Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich sein (BGE 138 V 457 E. 3.1 mit Hinweisen). Die Möglichkeit, die verbliebene Arbeits
fähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt nicht zuletzt davon ab, welcher Zeitraum der versicherten Person für eine berufliche Tätigkeit und vor allem auch für einen allfälligen Berufswechsel noch zur Verfügung steht (BGE 138 V 457 E. 3.2 mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen). Gemäss BGE 138 V 457 richtet sich der Zeitpunkt, in welchem die Frage nach der Verwert
barkeit der Restarbeitsfähigkeit bei vorgerücktem Alter beantwortet wird, nach dem Feststehen der medizinischen Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbstätigkeit (E. 3.3). Als ausgewiesen gilt die medizinische Zumutbarkeit einer (Teil-)Erwerbs
tätigkeit, sobald die medizinischen Unterlagen diesbezüglich eine zuverlässige Sachverhaltsfeststellung erlauben (BGE 143 V 431 E. 4.5.1; vgl. BGE 138 V 457 E. 3.4).
5.7.2
Bekannt war
das Ausmass der Restarbeitsfähigkeit
m
i
t
der Erstattung des MEDAS-Gutachtens vom 1
3.
Januar 2020
(vg
l
. dazu
BGE 143 V 431 E. 4.5.1
)
. Zu diesem Zeitpunkt stand die am
9.
Mai 1963 geborene Beschwerdeführerin in ihrem 5
7.
Lebensjahr. Bis zum Erreichen des AHV-Alters verblieben ihr somit noch
gut
sieben Jahre.
Die trotz des Gesundheitsschadens vorhandenen erwerblichen Ressourcen können
entsprechend der Beurteilung im MEDAS-Gutachten
in einem hohen Pensum verwertet werden und die Beschwerdeführerin ist unter Berück
sichtigung der bestehenden Einschränkungen auf einem breiten Feld möglicher Tätigkeiten einsetzbar. Bis zur Aufgabe der letzten Stelle bei der
Y._
AG per Ende November 2017 war sie mit Ausnahme von wenigen Jahren stets in den Arbeitsmarkt integriert (
Urk.
7/28). Die von der Beschwerdegegnerin in die Wege geleiteten Eingliederungsmassnahmen scheiterten
sodann
nicht an objek
tiven Hürden, sondern daran, dass sich die Beschwerdeführerin seinerzeit zu solchen Massnahmen nicht im Stande fühlte (
Urk.
7/32/2). Aus objektiver Sicht liegen
mithin
keine Gründe vor, um die Selbsteingliederungsfähigkeit
tatsächlich
zu ver
neinen.
Bezogen auf den ausgeglichenen Arbeitsmarkt sind d
ie Anstellungs
chancen der
Beschwerdeführerin
vor dem Hintergrund der Berufsbiografie,
ange
sichts
der noch nicht langen Absenz vom Arbeitsmarkt
(bezogen auf den Zeit
punkt der Begutachtung)
,
aufgrund der
relativ hohe
n
Restarbeitsfähigkeit und mit Blick auf die bestehenden Einschränkungen, die weiterhin einen breiten Fächer an Einsatzmöglic
hkeiten offen lassen, vielmehr
als intakt zu bewerten (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_824/2016 vom 1
0.
Juli 2017 E. 4.5 betreffend eine
versicherte Person im 6
0.
Altersjahr und mit breiter Berufserfahrung).
5.8
Zusammenfassend
ist es im Ergebnis nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde
gegnerin einen Rentenanspruch verneint und das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin abgewiesen hat. Die gegen diesen Entscheid erhobene Beschwerde erweist sich
demgemäss
als unbegründet, was zu deren Abweisung führt.
6.
Gemäss
Art.
61
lit
.
f
bis
ATSG
in Verbindung mit
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerde
verfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weige
rung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Ver
si
cherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festgesetzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
700
.-- als angemessen. Ausgangsgemäss sind die Kosten
der Beschwerde
führerin
aufzuerlegen.