# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 345687c0-3ec3-47eb-a76b-8291f16c9a9f
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
Rassendiskriminierung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Einzelgericht, vom
19. Mai 2014 (GG130049)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 16. Dezem-
ber 2013 (Urk. 26) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 90 S. 42 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die beschuldigte Person ist schuldig der Rassendiskriminierung im Sinne
von Art. 261bis Abs. 4 StGB bezüglich des Tweets "Vielleicht brauchen wir
wieder eine Kristallnacht...diesmal für Moscheen.".
Im Übrigen wird die beschuldigte Person freigesprochen.
2. Die beschuldigte Person wird bestraft mit einer Geldstrafe von 75 Tages-
sätzen zu Fr. 120.–, wovon bis und mit heute 1 Tagessatz als durch Haft
geleistet gilt, sowie mit einer Busse von Fr. 1'800.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt die beschuldigte Person die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren
Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen.
5. Der externe Datenträger unter der Dep. Nr. ... im Archiv wird nach Eintritt
der Vollstreckungsverjährung der Bezirksgerichtskasse zur Vernichtung
überlassen.
6. Die Privatklägerschaften 1 bis 3 werden mit ihren Zivilklagen (Genugtuung)
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
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7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'400.– die weiteren Kosten betragen: Fr. 1'500.– Gebühr für das Vorverfahren.
Fr. 3'170.– Auslagen des Vorverfahrens
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert
sich die Entscheidgebühr um einen Drittel.
8. Die Entscheidgebühr, die Gebühr für das Vorverfahren sowie die Auslagen
des Vorverfahrens in der Höhe von Fr. 1'370.– werden der beschuldigten
Person auferlegt. Die Auslagen des Vorverfahrens im Umfang von
Fr. 1'800.– (polizeiliche EDV-Auswertung) werden auf die Gerichtskasse
genommen.
9. Der beschuldigten Person werden keine Entschädigung für anwaltliche
Verteidigung und keine Genugtuung zugesprochen.
10. Den Privatklägerschaften 1 bis 3 werden keine Entschädigungen zuge-
sprochen.
11. (Mitteilung)
12. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 8 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 133 S. 8):
1. Der Beschuldigte sei vor Vorwurf der Rassendiskriminierung im Sinne von
Art. 261bis Abs. 4 StGB freizusprechen.
2. Die Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen und dem
Beschuldigten sei aus der Staatskasse Schadenersatz im Umfang von
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Fr. 29'373.70 plus Aufwand für heutige Hauptverhandlung und eine ange-
messene Genugtuung zuzusprechen.
3. Den Privatklägern 1 und 2 sei keine Entschädigung zuzusprechen.
4. Angemessene Entschädigung durch Privatkläger 1 und 2 nach Art. 432
Abs. 1 StPO.
b) Der Privatkläger 1 und 2 (Urk. 136 S. 1):
1. Das Urteil der Vorinstanz sei – mit Ausnahme der nachfolgend beantragten
Prozessentschädigung – vollumfänglich zu bestätigen.
2. Der Beschuldigte sei in Abänderung von Dispositivziffer 10 des angefochte-
nen Urteils zu verpflichten, den Strafklägern für die Anwaltskosten eine
Prozessentschädigung von Fr. 13'500.00 für das Vorverfahren und erst-
instanzliche Hauptverfahren sowie Fr. 4'510.70 für das Berufungsverfahren
zu bezahlen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzu-
erlegen.
c) Der Staatsanwaltschaft:
Es liegen keine Anträge vor.

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Mit Urteil des Einzelgerichts am Bezirksgericht Uster vom 19. Mai 2014
wurde der Beschuldigte A._ bezüglich des Tweets "Vielleicht brauchen wir
wieder eine Kristallnacht...diesmal für Moscheen." der
Rassendiskriminierung im Sinne von Art. 261bis Abs. 4 StGB schuldig gesprochen.
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Bezüglich der weiteren zur Anklage gebrachten Tweets wurde der Beschuldigte
freigesprochen. Der Beschuldigte wurde – unter Ansetzung einer Probezeit von
drei Jahren – mit einer bedingten Geldstrafe von 75 Tagessätzen zu je Fr. 120.--
sowie mit einer Busse von Fr. 1'800.-- bestraft. Als Privatkläger wurden durch die
Vorinstanz B._, C._ und Dr. Y._ aufgeführt. Die Zivilforderungen
der Privatkläger wurden auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Eine Pro-
zessentschädigung wurde den Privatklägern dabei nicht zu-gesprochen (Urk. 67,
Urk. 87 und Urk. 90).
1.2. Mit Eingabe vom 20. Mai 2014 liess der Beschuldigte gegen das obge-
nannte Urteil innert Frist Berufung anmelden (Urk. 69). Mit Schreiben vom 30. Mai
2014 meldete sodann auch Rechtsanwalt Dr. Y._ namens und im Auftrag der
Privatkläger fristgerecht Berufung an (Urk. 73). Auch die Berufungserklärungen
gingen hierauf innert Frist ein (Urk. 91 und Urk. 93). Aus der Berufungs-erklärung
von Rechtsanwalt Dr. Y._ geht hervor, dass sich dessen
Berufung einzig auf die Frage der Zusprechung einer Prozessentschädigung an
B._ und C._ beschränkt (Urk. 91).
1.3. Mit Präsidialverfügung der hiesigen Kammer vom 26. September 2014
wurde den Parteien unter anderem Frist angesetzt, um sich zur Frage der
prozessualen Stellung von B._, C._ und Dr. Y._ im Berufungsver-
fahren zu äussern (Urk. 96). Mit Eingabe vom 3. November 2014 liess der Be-
schuldigte innert erstreckter Frist die diesbezügliche Stellungnahme erstatten
(Urk. 102). Auch die Stellungnahme der Privatkläger ging innert
erstreckter Frist ein (Urk. 104). Mit Präsidialverfügung vom 5. November 2014
wurden diese Stellungnahmen der Gegenseite zur freigestellten Vernehmlassung
zugestellt, worauf die Privatkläger – erneut innert erstreckter Frist – mit Eingabe
vom 1. Dezember 2014 eine abschliessende Stellungnahme einreichen liessen
(Urk. 111), welche dem Verteidiger des Beschuldigten hierauf zur Kenntnisnahme
zugestellt wurde (Urk. 113). Die Staatsanwaltschaft liess sich zur vorliegenden
Frage nicht vernehmen. Mit Beschluss der hiesigen Kammer vom 19. Januar
2015 trat das Gericht sodann auf die Berufung von B._ und
C._ ein (Urk. 114).
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1.4. Mit Präsidialverfügung vom 19. Januar 2015 wurden die Parteien aufge-
fordert, innert Frist zu erklären, ob Anschlussberufung im Sinne von Art. 401 StPO
erhoben werde (Urk. 116). Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 10. Februar
2015 mitteilen, dass er auf die Erhebung einer Anschlussberufung verzichte
(Urk. 120). Die Privatkläger sowie die Staatsanwaltschaft liessen sich innert Frist
nicht vernehmen.
1.5. In der Folge wurde zur Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 123). Zur
Berufungsverhandlung vom 27. April 2015 sind der Beschuldigte in Begleitung
seines erbetenen Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur. X1._, und seiner erbe-
tenen Verteidigerin, Rechtsanwältin Dr. iur. X2._, sowie die Privat-kläger in
Begleitung von Rechtsanwalt Dr. iur. Y._, erschienen (Prot. II.
S. 8).
2. Umfang der Berufung
2.1. Die I. Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch
wegen Rassendiskriminierung sowie gegen die damit einhergehende Sanktion
und deren Vollzug sowie gegen die Kostenauflage und die Abweisung seiner
Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen (Urk. 93 S. 3).
2.2. Die II. Berufung der Privatkläger richtet sich einzig gegen die durch die
Vorinstanz verweigerte Zusprechung einer Entschädigung.
2.3. Damit sind folgende Dispositiv Ziffern des Urteils vom 19. Mai 2014 im
Berufungsverfahren nicht mehr angefochten:
− Freispruch vom Vorwurf der Rassendiskriminierung gemäss Dispositiv Ziffer 1, zweiter Satz,
− Vernichtung der externen Datenträger gemäss Dispositiv Ziffer 5
− Verweis der Zivilforderungen der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses gemäss Dispositiv Ziffer 6
− Kostenfestsetzung gemäss Dispositiv Ziffer 7
In diesem Umfang ist das angefochtene Urteil in Rechtskraft erwachsen, was vor-
ab mittels Beschluss festzustellen ist (Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437
StPO).
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3. Beweismittel
3.1. Die Erwägungen der Vorinstanz zur Verwertbarkeit der Protokolle von
Sysomos MAP und PeopleBrowsr sind zutreffend und können übernommen
werden (vgl. Urk. 90 S. 6 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Wenn die Verteidigung sodann anlässlich der Berufungsverhandlung aus-
führte, die Verwertbarkeit der Einvernahme des Beschuldigten vom 26. Juni 2012
müsse in Frage gestellt werden (Urk. 133 S. 3 Rz. 7), da der Beschuldigte ohne
Verteidiger ausgesagt habe, kann ihr nicht gefolgt werden. Der Beschuldigte
wurde zu Beginn der fraglichen Einvernahme darauf hingewiesen, dass er seine
Aussagen und Mitwirkung verweigern könne und dass er sofort auf eigenes
Kostenrisiko eine Verteidigung beiziehen oder eine amtliche Verteidigung bean-
tragen könne, wobei ihm die Voraussetzungen der amtlichen Verteidigung
erläutert wurden. Der Beschuldigte hat diese Belehrungen zur Kenntnis ge-
nommen (Urk. 7/1 S. 1 f.). Schliesslich lag auch kein Fall einer notwendigen
Verteidigung im Sinne von Art. 130 StPO vor, was von der Verteidigung auch
nicht behauptet wurde. Damit steht der Verwertbarkeit der staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme vom 26. Juni 2012 nichts entgegen. Auf die Aussagen des
Beschuldigten, die er im Rahmen dieser Einvernahme zu Protokoll gegeben hatte,
kann ohne Einschränkungen abgestellt werden.
3.3. Sodann hat die Verteidigung geltend gemacht, die Unterlagen
(Urk. 137/1-6), welche der Vertreter der Privatkläger mit seinem Plädoyer ein-
gereicht habe, seien nach Abschluss des Beweisverfahrens eingereicht worden,
daher verspätet und aus dem Recht zu weisen (Prot. II S. 11). Da mangels
Relevanz in der Folge ohnehin nicht auf diese durch die Privatklägervertretung
eingereichten Unterlagen eingegangen wird, diese demnach für das Gericht
unbeachtlich sind, erübrigt es sich, Ausführungen zu deren Verwertbarkeit zu
machen.
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II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
4. Sachverhalt
4.1. Die Vorinstanz kam im Rahmen ihrer Beweiswürdigung zum Schluss, die
zur Anklage erhobenen Tweets vom 23. Juni 2012, 20.55 Uhr ("Wir sollten dieses
Pack aus dem Land werfen") und 21.01 Uhr ("Ich würde gewisse Leute tats.
gerne an die Wand stellen und erschiessen. Dreck weniger auf Erden wäre gut")
liessen sich nicht erstellen. Diesbezüglich erfolgte denn konsequenterweise auch
ein Freispruch. Nachdem die Anklagebehörde auf die Erhebung einer Berufung
respektive Anschlussberufung verzichtet hat, und der angefochtene Entscheid in
diesem Fall nicht mehr zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden darf
(Art. 391 Abs. 2 StPO), steht im vorliegenden Berufungsverfahren einzig noch der
Tweet vom 23. Juni 2012, 20.56 Uhr ("Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristall-
nacht...diesmal für Moscheen"), zur Disposition.
4.2. Der Beschuldigte wurde am 26. Juni 2012 durch die Staatsanwaltschaft I
des Kantons Zürich zur Sache einvernommen. Anlässlich dieser Einvernahme
gab er zu Protokoll, es sei zutreffend, dass er in der Nacht vom 23. auf den
24. Juni 2012 via seinen Twitter-Account "@D._" die Nachricht mit dem In-
halt "Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht...diesmal für Moscheen"
gepostet habe. An anderer Stellte führte er in der selben Einvernahme aus,
möglicherweise habe er einen Tweet mit dem Inhalt verfasst "Vielleicht brauchen
wir wieder eine Kristallnacht...diesmal für Moscheen...damit die Regierung end-
lich aufwacht" (Urk. 7/1 S. 2 f.). In den darauffolgenden Einvernahmen, inklusive
der Befragung vor Vorinstanz, machte der Beschuldigte dann von seinem Aus-
sageverweigerungsrecht Gebrauch und äusserte sich nicht mehr zum Anklage-
vorwurf (Urk. 7/2, Urk. 7/3 und Urk. 62). Die Verteidigung stellte vor Vorinstanz
und im Berufungsverfahren nicht in Abrede, dass der Beschuldigte den inkrimi-
nierten "Kristallnachttweet" verfasst habe. Allerdings fügte sie an, sie sei über-
zeugt, dass der Tweet im Original den Zusatz "damit die Regierung aufwacht"
aufgewiesen habe (Urk. 66 S. 9; Urk. 133 S. 4).
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4.3. Damit kann vorab mit Verweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz festgehalten werden, dass der inkriminierte, sogenannte "Kristallnacht-
Tweet" in objektiver Hinsicht im Sinne der Anklageschrift erstellt ist. Ob der von
der Verteidigung geltend gemachte Zusatz "damit die Regierung endlich auf-
wacht" tatsächlich Teil des fraglichen Tweets war, oder nicht, kann an dieser
Stelle offen bleiben. Ein entsprechender Zusatz wäre nämlich – wie noch zu
zeigen sein wird – für die rechtliche Würdigung des erstellten Sachverhaltes
ohnehin nicht von Relevanz.
4.4. Im Gegensatz zum äusseren Anklagesachverhalt, zeigte sich der Beschul-
digte hinsichtlich des inneren Sachverhaltes nicht geständig. Er stellte sich dies-
bezüglich vielmehr auf den Standpunkt, er habe niemanden aufgrund seiner
ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit herabgewürdigt. Das Wort Kristallnacht
habe er nicht im Bewusstsein verwendet, dass dies eine Herabwürdigung dar-
stellen könne. Mit seiner Bemerkung habe er vielmehr zum Ausdruck bringen
wollen, dass es ihn nicht erstaunen würde, wenn ein solches Ereignis wie damals
erneut passieren könnte (Urk. 7/1 S. 7).
4.4.1. Der Beschuldigte hat zunächst die Grundschule und hernach eine
KV-Lehre absolviert. Im Anschluss an den Militärdienst und diverse Sprach-
aufenthalte bildete er sich zum Betriebswirtschafter HF weiter. Im Jahr 2011
schliesslich schloss er eine weitere Ausbildung mit dem Bachelor of Science ZFH
in Kommunikation ab (Urk. 19/6 S. 4). Aufgrund seines Werdeganges kann der
Beschuldigte mit Fug als überdurchschnittlich gebildet bezeichnet werden. Zudem
führte er aus, eine geschichtsinteressierte Person zu sein und entsprechend viel
über Geschichte zu wissen (Urk. 7/1 S. 4). Im Rahmen eines Interviews, welches
der Beschuldigte dem Tagesanzeiger gab und welches in dessen Ausgabe vom
31. Januar 2013 abgedruckt und veröffentlicht wurde, liess der Beschuldigte
keinen Zweifel daran, dass er die historischen Fakten rund um die Reichskristall-
nacht respektive Reichsprogromnacht bestens kannte. Entsprechend führte er
aus, die Reichsprogromnacht habe den Übergang von der antisemitischen
Diskriminierung zur systematischen Verfolgung der Juden markiert und schliess-
lich im Holocaust an den europäischen Juden gemündet (Urk. 22 S. 2). Der
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Beschuldigte führte selbst aus, an jenem Abend sei er auf "Twitter und Google"
gegangen und habe dort Bilder von schönen Frauen betrachtet, so wie er dies
gerne tue. In diesem Zusammenhang sei er auf einen Post zu einem Schönheits-
wettbewerb in Saudi-Arabien gestossen. Diesen Post habe er dann auf Twitter
gepostet. Weiter sei er auf einen Artikel gestossen, welcher sich mit dem Frei-
spruch von Osmanoglu beschäftigt habe. Über diesen habe er bereits früher ein-
mal eine Dokumentation im Fernsehen gesehen. Weitere Aspekte seiner abend-
lichen Internetrecherchen seien Kinder gewesen, welche mit Kopftüchern umher-
laufen und vom Schwimmunterricht dispensiert würden. Er sei Mitglied der SVP
und setze sich seit längerem mit Friedhofsdebatten, Kopftuchdebatten, Minaretten
und den Protesten wegen der Mohamedkarikaturen auseinander. All dies sei an
jenem Abend in seinem Hinterkopf gewesen und es sei auch die Rede davon
gewesen, dass man in der Schweiz die Scharia einführen wolle. Weil er unter
anderem darüber gelesen habe, dass Osmanoglu in Basel die Meinung vertreten
habe, man dürfe Frauen schlagen, wenn sie den Sex verweigerten, habe er den
Tweet des Schönheitswettbewerbs und von Osmanoglu gepostet. Es sei ihm
dabei weniger um den Dialog gegangen. Er habe sich vielmehr den Frust vom
Leibe schreiben wollen. Er habe mit einem prägnanten Wort ein wenig provo-
zieren wollen (Urk. 7/1 S. 2 ff.). Wer mit dem Wissensstand des Beschuldigten in
einem Zustand, in dem er sich den Frust vom Leibe schreiben und damit aus-
drücklich provozieren will, den Satz "vielleicht brauchen wir wieder eine Kristall-
nacht.... diesmal für Moscheen" postet, der handelt im vollen Bewusstsein um die
Aussagekraft und die Tragweite seiner offenkundig mit Bedacht gewählten Worte.
Sofern der Beschuldigte sich auf den Standpunkt stellte, er habe vielmehr zum
Ausdruck bringen wollen, dass es ihn nicht erstaunen würde, wenn ein solches
Ereignis wie damals [eben eine Kristallnacht] erneut passieren könnte, kann
angesichts der zuvor geschilderten Gesamtumstände sowie des konkreten Wort-
lautes des inkriminierten Tweets nicht anders, als eine nachgeschobene Schutz-
behauptung taxiert werden. Wäre es dem Beschuldigten darum gegangen, tat-
sächlich seiner Besorgnis Ausdruck zu verleihen, dann hätte er als Gebildeter und
in Kommunikationsfragen Geschulter ganz zweifelsohne eine andere, unverfäng-
liche Formulierung gewählt. Mit der Vorinstanz kann daher kein vernünftiger
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Zweifel daran bestehen, dass sich der Beschuldigte sehr Wohl seiner Wortwahl
bewusst war. Er musste wissen, dass der Inhalt des inkriminierten Kristallnacht-
Tweets zumindest möglicherweise gegen die Menschenwürde der Muslime
verstossen und dass seine Aussage gleichzeitig auch als eine Rechtfertigung des
Holocaust verstanden werden könnte. Dass seine plakative Botschaft bei den
Followern die beschriebene Wirkung zeitigen würde, hat der Beschuldigte dabei
zumindest billigend in Kauf genommen, womit mit Bezug auf den Tweet "Vielleicht
brauchen wir wieder eine Kristallnacht...diesmal für Moscheen" auch der innere
Sachverhalt im Sinne der Anklageschrift erstellt ist, was die Vorinstanz mit zu-
treffender Begründung bereits feststellte (Urk. 90 S. 14 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5. Rechtliche Würdigung
5.1. Die Vorinstanz kam im Rahmen ihrer rechtlichen Würdigung zusammenge-
fasst zum Schluss, der Beschuldigte habe mit dem "Kristallnacht-Tweet" einer-
seits öffentlich durch eine schriftliche Äusserung Gruppen von Personen (konkret:
Muslime) aufgrund ihrer Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde
verstossenden Weise herabgesetzt und aus einem dieser Gründe andererseits
einen Völkermord (an den europäischen Juden während des zweiten Weltkriegs)
zu rechtfertigen gesucht. Dabei sei der Beschuldigte zumindest eventualvorsätz-
lich vorgegangen. Da der Beschuldigte mit einer einzigen Äusserung beide
Varianten von Art. 261bis Abs. 4 StGB erfüllt habe und zwischen den betreffenden
Tatbestandsvarianten unechte Konkurrenz bestehe, habe sich der beschuldigte
lediglich der einfachen Tatbegehung schuldig gemacht, weswegen er in Ermange-
lung von Rechtfertigungs- respektive Schuldausschlussgründen schuldig zu
sprechen sei (Urk. 90 S. 17 ff.).
5.2. Die Verteidigung brachte mit Bezug auf die rechtliche Würdigung der Vor-
instanz anlässlich der Berufungsverhandlung vor, die Strafbarkeit von Äusserun-
gen beurteile sich nach dem Sinn, den der unbefangene Durchschnittsadressat
diesen unter den jeweiligen konkreten Umständen gebe. Der aus dem Kontext
gerissene Tweet habe mit oder ohne Zusatz auch für den unbefangenen Durch-
schnittsadressaten einen anderen Sinn als denjenigen, den die Staatsanwalt-
schaft, die Vorinstanz und die Medien rein interpretieren würden. Der Tweet
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könne unter Berücksichtigung des Zusammenhanges sinnvollerweise nur als
Warnung verstanden werden. Wäre er ein Aufruf oder eine Billigung der Kristall-
nacht gewesen, so würde der Zusatz keinen Sinn machen. Warum sollte die
Regierung aufwachen, wenn es zur Kristallnacht gegen Moscheen käme. Selbst
wenn der Tweet als Aufruf zur Wiederholung der Reichsprogromnacht an
Moscheen missverstanden werden könnte, wäre er nicht strafbar, da aus den
vorangegangenen Tweets klar werde, dass nicht die gesamte Gruppe der
Muslime, sondern nur die hoffentlich verschwindend kleine Gruppe der extremisti-
schen Muslime, die Gewalt gegen Frauen rechtfertigten, gemeint gewesen seien.
Weiter sei nur nachgewiesen, dass zwei oder drei Follower die Tweets in Echtzeit
verfolgt hätten. Es sei nicht ersichtlich, wo der Unterschied zur Diskussion
zwischen drei Personen am Stammtisch sei. Auch dort bestehe die Möglichkeit,
dass weitere Personen dazu stossen oder ein Gesprächsteilnehmer eine Aussage
des anderen Gesprächsteilnehmers Dritten weitererzähle. Die Öffentlichkeit sei
erst durch Frau E._ vom ... kreiert worden, wofür sich diese auch entschul-
digt habe (Urk. 133 S. 4 ff.).
5.3. Wer öffentlich durch Wort, Schrift, Bild, Gebärden, Tätlichkeiten oder in
anderer Weise eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse,
Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise
herabsetzt oder diskriminiert oder aus einem dieser Gründe Völkermord oder
andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost oder
zu rechtfertigen sucht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
bestraft (Art. 261bis Abs. 4 i.V.m. Abs. 6 StGB). Dieser Tatbestand schützt die
Würde des einzelnen Menschen in seiner Eigenschaft als Angehöriger einer
Rasse, Ethnie oder Religion. Der öffentliche Friede wird mittelbar geschützt als
Folge des Schutzes des Einzelnen in seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen
oder religiösen Gruppe (BGE 128 I 218 E. 1.4 S. 222). Nach der Rechtsprechung
beurteilt sich die Strafbarkeit von Äusserungen nach dem Sinn, den der unbe-
fangene Durchschnittsadressat diesen unter den jeweiligen konkreten Umständen
gibt. Handelt es sich um einen Text, so ist dieser nicht allein anhand der verwen-
deten Ausdrücke – je für sich allein genommen – zu würdigen, sondern auch nach
dem Sinn, der sich aus dem Text als Ganzes ergibt (BGE 117 IV 27 E. 2c
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S. 29 f.). Äusserungen, die im Rahmen politischer Debatten getätigt werden, sind
nicht immer strikte an ihrem Wortlaut zu messen, da bei solchen Auseinander-
setzungen oft gewisse Vereinfachungen und Übertreibungen üblich sind (BGE
128 IV 53 E. 1a S. 58 f.; BGE 105 IV 194 E. 2a S. 196).
5.3.1. Die Vorinstanz hat zunächst mit überzeugender Begründung dargetan,
dass die inkriminierte Äusserung des Beschuldigten auf der Internetplattform
Twitter öffentlich im Sinne von Art. 261bis StGB erfolgte, darauf kann grundsätzlich
verwiesen werden (Urk. 90 S. 18 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Insbesondere hat sie
bereits in Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesgerichts (BGE 130 IV
111 E. 5.2) dargelegt, dass die Zahl der Personen, welche eine Äusserung wahr-
nehmen, kein geeignetes Kriterium darstellt, um über den öffentlichen Charakter
einer Handlung zu entscheiden. Es gelten vielmehr ungeachtet der Zahl der
Adressaten alle Äusserungen und Verhaltensweisen als öffentlich, die nicht im
privaten Rahmen erfolgen. Als privat sind Äusserungen zu sehen, die im
Familien- und Freundeskreis oder sonst in einem durch persönliche Beziehungen
oder besonderes Vertrauen geprägten Umfeld erfolgen. Entgegen der Ansicht der
Verteidigung schliesst die Tatsache, dass der Tweet von nur mindestens zwei bis
drei Followern in Echtzeit verfolgt worden war, keinesfalls aus, die Handlung als
öffentlich zu qualifizieren. Dass die Äusserung des Beschuldigten als privat im
Sinne der vorstehend zitierten Rechtsprechung zu sehen sei, machte die Ver-
teidigung nicht geltend. Auch wurde die Öffentlichkeit nicht durch die Journalistin
E._ kreiert, diese wurde vielmehr auf den Tweet aufmerksam, da er
öffentlich war.
5.3.2. Die Äusserung des Beschuldigten "Vielleicht brauchen wir wieder eine
Kristallnacht...diesmal für Moscheen" transportiert – wie die Vorinstanz richtiger-
weise erkannte – zwei verschiedene Inhalte, welche je für sich einer gesonderten
Betrachtung bedürfen.
5.3.2.1. Einerseits und sozusagen primär, stellte der Beschuldigte die Frage in
den Raum, ob es wieder eine Kristallnacht brauche, dieses Mal für Moscheen.
Bekanntlich ist eine Moschee ein islamisches Gotteshaus. Mithin also ein
gemeinsamer ritueller Ort, wo Angehörige der islamischen Glaubensgemeinschaft
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in erster Linie dem Gebet, aber darüber hinaus auch der politischen, rechtlichen
und alltäglichen Wertevermittlung im Sinne des Islams nachgehen. Eine Moschee
ist gleichermassen Gebetshaus wie sozialer Treffpunkt von Angehörigen der
islamischen Glaubensgemeinschaft, von Muslimen also. Damit hat der
Beschuldigte mit seiner Äusserung direkt den Islam, mithin also eine der grossen
Weltreligionen, angesprochen, was im Sinne von Art. 261bis StGB als tat-
bestandsmässig zu beurteilen ist.
5.3.2.2. Andererseits hat der Beschuldigte mit der Verwendung des historischen
Begriffs "Kristallnacht" Bezug auf die Juden respektive das Judentum genommen.
Juden gelten sowohl als religiöse Glaubensgemeinschaft, wie auch als Ethnie.
Die Äusserung des Beschuldigten hat damit sowohl zur Religion wie auch zu
einer Ethnie einen Bezug und ist damit grundsätzlich ebenfalls tatbestandsmässig
im Sinne von Art. 261bis StGB.
5.3.3. Art. 261bis Abs. 4 StGB verlangt in objektiver Hinsicht weiter, dass durch die
inkriminierte Äusserung eine der im Gesetz genannten Zielgruppen/-personen in
einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabgesetzt oder
diskriminiert wird. Dies ist namentlich dann der Fall, wenn jemandem die Gleich-
wertigkeit als menschliches Wesen, oder die Gleichberechtigung mit anderen
Menschen abgesprochen oder in Frage gestellt wird (BGE 131 IV 23 E. 3 mit
weiteren Verweisen). Die Vorinstanz hat die hierzu massgeblichen Lehrmeinun-
gen sowie die bundesgerichtliche Rechtsprechung gründlich dargestellt, darauf
kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 90 S. 20
f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Indem der Beschuldigte in seinem Kristallnacht-Tweet die
Frage in den (virtuellen) Raum stellte, ob es in analogiam zu den unbeschreiblich
grauenhaften und zu tiefst unmenschlichen Ereignissen der Nacht vom 9. auf den
10. November 1938, eine systematische Vertreibung und Ermordung von
Muslimen "brauche", hat er den Mitgliedern der islamischen Glaubensgemein-
schaft deren Existenzberechtigung und Gleichwertigkeit per se abgesprochen.
Hätte der Beschuldigte nur eine Gruppe von extremistischen Muslimen anspre-
chen wollen, wie er geltend machte, so hätte er die Aussage anders formuliert.
Die gewählte Formulierung mit der Bezugnahme auf "Moscheen" lässt nur den
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Schluss zu, dass für den unbefangenen Durchschnittsadressaten sämtliche
Muslime gemeint waren. Das eine derartige Äusserung in objektiver Hinsicht tat-
bestandsmässig im Sinne Art. 261bis Abs. 4 StGB ist, liegt auf der Hand und
bedarf keiner weiteren Ausführungen. An dieser rechtlichen Würdigung vermögen
auch die verschiedenen Vorbringen der Verteidigung nichts zu ändern, mit
welchen sich die Vorinstanz erschöpfend und im Ergebnis zutreffend auseinan-
dergesetzt hat.
5.3.3.1. So brachte die Verteidigung vor Vorinstanz und im Berufungsverfahren
vor, der Kristallnacht-Tweet habe den Zusatz "damit die Regierung endlich auf-
wacht" gehabt, welcher indes nicht Eingang in die Anklageschrift gefunden habe.
Aufgrund dieses Zusatzes könne der fragliche Tweet nur als Warnung im Sinne
der Ausführungen des Beschuldigten selbst verstanden werden (Urk. 66 S. 9 ff.;
Urk. 133 S. 2 ff.). Zunächst ist in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen,
dass der Beschuldigte selbst anlässlich seiner Befragung vom 26. Juni 2012 auf
die Frage, ob der im Screenshot wiedergegebene Tweet vollständig sei, oder ob
ein Teil fehle, zu Protokoll gab, man habe nur den Tweet aus dem Kontext
gerissen. Es würden die vorangegangenen und die nachfolgenden Tweets fehlen.
Er denke, dass der von ihm erwähnte Ergänzungssatz "damit die Regierung end-
lich aufwacht" möglicherweise in einem folgenden Tweet enthalten gewesen sei
(Urk. 7/1 S. 4). Dass also der fragliche Zusatz unmittelbar Teil des inkriminierten
Tweets war, ist allein schon aufgrund der Darstellung des Beschuldigten selbst
äusserst fraglich. Selbst wenn dem jedoch so gewesen wäre, würde dies nichts
an der Tatbestandsmässigkeit der Äusserung des Beschuldigten ändern. Wäre es
dem Beschuldigten tatsächlich darum gegangen, seiner Besorgnis Ausdruck zu
verleihen und gewissermassen vor einer sich wiederholenden "Kristallnacht" zu
warnen, dann hätte der Beschuldigte als geschulter Kommunikationsfachmann
zunächst mit Bestimmtheit eine andere Wortwahl getroffen. Entgegen der Auf-
fassung der Vorinstanz könnte die Behauptung es Beschuldigten, er habe seiner
Besorgnis Ausdruck verleihen wollen, dass es wieder zu einem schrecklichen
Ereignis wie der Kristallnacht kommen könnte, wenn auf politischer Ebene nichts
gegen den radikalen Islamismus unternommen werde, zumindest theoretisch Sinn
machen. Dann nämlich, wenn man davon ausgehen würde, dass sich wegen
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radikaler islamistischer Entwicklungen der Zorn der Bevölkerung gegen sämtliche
Muslime und deren Gotteshäuser richten könnte. Dafür aber, dass der Beschul-
digte in diesem Sinne eine Warnung anbringen wollte, besteht weder aus dem
Kontext, noch aufgrund der gewählten Formulierungen der geringste Anhalts-
punkt. Es ist vielmehr klar erkennbar, dass der Beschuldigte diese Interpretati-
onsweise als Schutzbehauptung nachschob, als er sich in der Öffentlichkeit
genötigt sah, seinen Kristallnacht-Tweet in ein möglichst unverfängliches Licht zu
rücken.
5.3.3.2. Dass der Kristallnacht-Tweet nicht im Rahmen einer politischen Diskussi-
on erfolgte, wie die Verteidigung dies vor Vorinstanz geltend machte (Urk. 66
S. 12 f.), hat die Vorinstanz mit zutreffender Begründung widerlegt. Darauf kann
vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 90 S. 24; Art. 82 Abs. 4 StPO). Lediglich
der Klarheit halbe sei an dieser Stelle noch einmal ausdrücklich auf die ent-
sprechende Aussage des Beschuldigten selbst verwiesen, welcher anlässlich
seiner Befragung vom 26. Juni 2012 keinen Zweifel daran liess, dass es ihm bei
seiner scheinbar "gedankenlosen Äusserung" um nichts weiteres gegangen sei,
als sich den Frust vom Leibe zu schreiben. Einen Dialog habe er mit seiner
Äusserung nicht angestrebt (Urk. 7/1 S. 3). Von einer politischen Diskussion im
Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 131 IV 26) kann unter
diesen Umständen keine Rede sein.
5.3.3.3. Im Sinne einer Zusammenfassung kann festgehalten werden, dass der
Kristallnacht-Tweet des Beschuldigten mit Bezug auf die Glaubensgemeinschaft
der Muslime eine Herabsetzung im Sinne des ersten Teilsatzes von Art. 261bis
Abs. 4 StGB darstellt.
5.3.4. Dass die Reichskristallnacht Ausgangspunkt des bis dato wohl abscheu-
lichsten Verbrechens gegen die Menschlichkeit darstellt und die darauffolgende
systematische Verfolgung der europäischen Juden durch das nationalsozialisti-
sche Regime zur Vernichtung von rund 6 Millionen Menschen führte, muss nicht
mehr weiter dargetan werden. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, stellte die
sogenannte Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 den Über-
gang von der antisemitischen Diskriminierung zur systematischen Verfolgung und
- 17 -
Ermordung der Juden im Nationalsozialismus dar. Mit dem historischen Begriff
"Reichskristallnacht" wird damit der Beginn eines beispielslosen und zweifelsohne
notorischen Völkermordes bezeichnet. Wenn sich der Beschuldigte bei seiner
Äusserung nun just dieses Begriffes bediente und die Frage stellte, ob es viel-
leicht wieder eine Kristallnacht brauche, so kann dies nicht anders interpretiert
werden, als dass eben jene erste Kristallnacht gebraucht wurde respektive eben
notwendig war. Mit dieser Aussage hat der Beschuldigte den Völkermord an den
Juden im Sinne von Art. 261bis Abs. 4 StGB zu rechtfertigen versucht. An dieser
Würdigung ändert auch der Umstand nichts, dass sich der Beschuldigte im Nach-
hinein von seiner Äusserung distanzierte. Entscheidend ist, dass sie im Tatzeit-
punkt nicht anders als wie eben dargelegt verstanden werden konnte.
5.3.4.1. Der Beschuldigte hat somit mit dem "Kristallnacht-Tweet" öffentlich durch
eine schriftliche Äusserung Gruppen von Personen aufgrund ihrer Ethnie oder
Religion in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabgesetzt
und aus einem dieser Gründe einen Völkermord zu rechtfertigen gesucht. Damit
hat er in objektiver Hinsicht den Straftatbestand von Art. 261bis Abs. 4 StGB
zweiter Satzteil erfüllt.
5.3.5. In subjektiver Hinsicht ist zu konstatieren, dass sich der Beschuldigte mit
Wissen und Willen der Internetplattform Twitter bediente und damit seine
Äusserungen zumindest theoretisch einer mehr oder weniger breiten und unkon-
trollierbaren Öffentlichkeit zugänglich machte, wobei er die Zahl der potentiellen
Adressaten bei der Absetzung des hier interessierenden Kristallnacht-Tweets
nicht einschränkte, obwohl ihm dies an sich möglich gewesen wäre. Der Beschul-
digte selbst führte im Rahmen der Untersuchung aus, es sei ihm darum gegangen
zu provozieren und sich den Frust vom Leibe zu schreiben. Dabei wusste er, dass
sich seine despektierliche Äusserung gegen Muslime richtete, was darin zum
Ausdruck kommt, dass er mit dem Begriff der Moschee – also dem Gotteshaus
der Muslime – operierte. Des weiteren verwendete der geschichtsaffine Beschul-
digte den Begriff Kristallnacht, wobei er wusste, dass dessen Verwendung nur in
einem engen Zusammenhang mit den einschlägigen Verbrechen der National-
sozialisten an den Juden ab November 1938 gesehen werden kann. In diesem
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Sinne machte er sich dieses Wort insofern zu Nutzen, als er damit zum Ausdruck
bringen wollte, dass Muslime – ebenso wie nach Auffassung der Nationalsozialis-
ten die Juden – Menschen zweiter Klasse sind, welchen die Existenzberechtigung
abgesprochen werden müsse. Bei seinem deliktischen Handeln hat der Beschul-
digte zumindest in Kauf genommen, dass seine Äusserung bei den Empfängern
des Tweets auch in diesem Sinne verstanden wurde. Zudem hat der Beschuldigte
den Begriff der Kristallnacht verwendet und die Frage gestellt, ob es vielleicht
wieder eine solche brauche. Der Beschuldigte, der um die Bedeutung der Ereig-
nisse während der Kristallnacht detailliert Bescheid wusste, fragte danach, ob es
vielleicht wieder ein solches Ereignis brauche. Damit steht ausser Zweifel, dass er
wissentlich und auch willentlich die Notwendigkeit des damaligen Völkermordes
an den europäischen Juden rechtfertigte. Mit Verweis und in Übereinstimmung mit
den Erwägungen der Vorinstanz ist damit festzuhalten, dass der Beschuldigte
auch in subjektiver Hinsicht den Tatbestand von Art. 261bis Abs. 4 StGB und zwar
im Sinne des ersten sowie des zweiten Satzteiles verwirklicht hat.
5.3.6. Die Vorinstanz hat sich zutreffend zur Frage der Konkurrenz zwischen den
beiden Tatbestandsvarianten von Art. 261bis Abs. 4 StGB geäussert und ist zu-
recht zum Schluss gekommen, der Beschuldigte habe sich lediglich der einfachen
Tatbegehung schuldig gemacht. Auf die Erwägungen der Vorinstanz kann vollum-
fänglich verwiesen werden (Urk. 90 S. 28, Art. 82 Abs. 4 StPO).
III. Sanktion
6. Strafzumessung
6.1. Die Verteidigung beanstandet die Strafzumessung der Vorinstanz nicht
substantiiert. Die Strafzumessung wird lediglich als Folge des beantragten Frei-
spruchs angefochten (Urk. 93 S. 4).
6.2. Die Strafzumessung der Vorinstanz ist im Ergebnis korrekt und ange-
messen. Sie kann übernommen werden. Hierzu drängen sich der Vollständigkeit
halber lediglich die folgenden Korrekturen auf, welche indes am Ergebnis nichts
zu ändern vermögen:
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6.2.1. Die Vorinstanz führt unter dem Titel der objektiven Tatschwere aus, der
Beschuldigte habe sich betreffend des subjektiven Tatbestandes als nicht gestän-
dig gezeigt, sein Unrecht nicht eingesehen und auch die Untersuchung nicht
gefördert (Urk. 90 S. 30 Ziff. 5.2.1.). In der Sache sind diese Erwägungen zwar
zutreffend, sie beschlagen allerdings nicht die Tatkomponente, sondern vielmehr
die Täterkomponente und sind daher korrekterweise unter dem Titel "Nachtat-
verhalten" in die Strafzumessung einzubeziehen. Hingegen ist in Bezug auf die
objektive Tatschwere zu vermerken, dass der Beschuldigte den inkriminierten
Tweet nur wenige Minuten nach dessen Absetzung wieder löschte. Auch wenn er
dies nicht aus eigenem Antrieb tat, sondern weil er von anderen Usern auf die
Verwerflichkeit seiner Äusserungen aufmerksam gemacht wurde, verhinderte er
damit doch, dass in objektiver Hinsicht eine grosse Anzahl von betroffenen
Menschen durch seinen Tweet in Mitleidenschaft gezogen wurden.
6.2.2. Unter dem Titel der subjektiven Tatschwere ist zu ergänzen, dass der
Beschuldigte eventualvorsätzlich handelte.
6.2.3. Hinsichtlich seiner persönlichen Verhältnisse führte der Beschuldigte
anlässlich der Berufungsverhandlung aus, seit der vorinstanzlichen Verhandlung
habe sich in seinen persönlichen Verhältnissen nichts wesentliches geändert
(Urk. 132 S. 2 f.). Der Werdegang des Beschuldigten sowie seine persönlichen
Verhältnisse wirken sich insgesamt strafzumessungsneutral aus.
6.2.4. Die Vorinstanz kommt zusammengefasst zum Schluss, das Verschulden
könne insgesamt nicht mehr als leicht qualifiziert werden und setzt eine "Einsatz-
strafe" von 3 Monaten Freiheitsstrafe respektive von 90 Tagessätzen Geldstrafe
fest. Die Höhe der Sanktion erweist sich durchaus als tat- und täterangemessen.
Das Verschulden muss indes noch als leicht bezeichnet werden. Wäre tatsächlich
von einem nicht mehr leichten Verschulden auszugehen, so müsste die Einsatz-
strafe konsequenterweise deutlich höher, nämlich im Bereich von rund 12 Mona-
ten festgesetzt werden, was vorliegend unangemessen hoch wäre. Wie bereits
eingangs dargetan, ist die durch die Vorinstanz ausgefällte Geldstrafe im Umfang
von 90 Tagessätzen im Ergebnis korrekt, weshalb sie zu bestätigen ist. Wie nach-
folgend noch aufzuzeigen sein wird, hat die Vorinstanz die Geldstrafe schliesslich
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auf 75 Tagessätze reduziert, weil sie zusätzlich dazu noch eine Verbindungsstrafe
ausfällte.
6.2.5. Bei der Bemessung der Tagessatzhöhe hat die Vorinstanz neben der zu
erwartenden Steuerbelastung auch die Wohnkosten von monatlich Fr. 2'253.-- in
Abzug gebracht sowie etwas nebulös ausgeführt, dem Beschuldigten müsse der
Notbedarf belassen werden. Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zur
Bemessung der Höhe des Tagsatzes sieht indes weder die Berücksichtigung der
Wohnkosten, noch das Belassen eines Notbedarfes vor (BGE 134 IV 65 ff.).
Damit erweist sich die durch die Vorinstanz festgesetzte Höhe des Tagessatzes
jedenfalls als nicht zu hoch. Mit Blick auf das Verschlechterungsverbot erübrigen
sich jedoch Weiterungen hierzu.
7. Vollzug
7.1. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten mit zutreffender Begründung den
bedingten Vollzug der Geldstrafe gewährt, darauf kann vollumfänglich verwiesen
werden (Urk. 90 S. 33 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Eine andere Regelung käme auf-
grund des Verschlechterungsverbotes ohnehin nicht mehr in Frage.
8. Busse
8.1. Die Vorinstanz erwog, dem Beschuldigte sei zusätzlich zur bedingt ausge-
sprochenen Geldstrafe eine Busse aufzuerlegen, um auf diese Weise der Warn-
wirkung der Geldstrafe Nachdruck zu verleihen. Unter Berücksichtigung der Ver-
hältnisse des Beschuldigten sei dieser mit einer Busse von Fr. 1'800.-- zu
belegen, wobei die festgesetzte Geldstrafe von 90 Tagessätzen unter Berück-
sichtigung der Busse auf 75 Tagessätze zu korrigieren sei. Auf diese Weise seien
beide Strafen in ihrer Summe schuldangemessen (Urk. 90 S. 34 f.).
8.2. Das Bundesgericht hat sich in zwei Grundsatzentscheiden zu den
Verbindungsstrafen nach Art. 42 Abs. 4 StGB geäussert (BGE 134 IV 1 und 134
IV 60 E. 7.3). Diese kommen nach höchstrichterlicher Auffassung dann zur
Anwendung, wenn man dem Täter den bedingten Vollzug einer Geld- oder
Freiheits-strafe gewähren möchte, ihm aber dennoch in gewissen Fällen mit der
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Auferlegung einer zu bezahlenden Geldstrafe oder Busse einen spürbaren Denk-
zettel verabreichen möchte. Die Kombination zwischen zwei verschiedenen
Strafen diene hier, so das Bundesgericht weiter, spezialpräventiven Zwecken.
Das Haupt-gewicht liege auf der bedingten Freiheits- oder Geldstrafe, während
der unbedingten Verbindungsgeldstrafe bzw. Busse nur untergeordnete Bedeu-
tung zukomme. Diese solle nicht etwa zu einer Straferhöhung führen oder eine
zusätzliche Strafe ermöglichen. Sie erlaube vielmehr lediglich innerhalb der
schuldangemessenen Strafe eine täter- und tatangemessene Sanktion, wobei die
an sich verwirkte Freiheitsstrafe und die damit verbundene Geldstrafe bzw. Busse
in ihrer Summe schuldangemessen sein müssen (BGE 134 IV 1E. 4.5.2). Das-
selbe muss mutatis mutandis natürlich auch für das Verhältnis zwischen bedingter
Geldstrafe und (Verbindungs-)Busse gelten. Die Vorinstanz hat diese Zumes-
sungsregeln berücksichtigt und ist mit überzeugender Begründung zum Schluss
gekommen, dass eine Busse in der Höhe von Fr. 1'800.-- auszusprechen und im
Gegenzug die bedingte Geldstrafe um 15 Tagessätze zu reduzieren sei. Dabei
wendete sie für die Berechnung der Höhe der Busse implizit Fr. 120.-- pro Tag an,
was der errechneten Tagessatzhöhe entspricht. Damit erweisen sich Geldstrafe
und Busse insgesamt als schuldangemessen, weshalb sie – ebenso wie die
Ersatzfreiheitsstrafe von 15 Tagen – zu bestätigen sind.
9. Anrechnung der Untersuchungshaft
9.1. Die betreffenden Erwägungen der Vorinstanz bedürfen keiner Ergänzun-
gen. Sie sind zutreffend und zum übernehmen. Die dem Beschuldigten aufzu-
erlegende Geldstrafe gilt im Umfang von einem Tagessatz als durch die erstan-
dene Haft geleistet (Urk. 90 S. 35: Art. 82 Abs. 4 StPO).
IV. Kosten und Entschädigung
10. Kosten des erstinstanzlichen Verfahren
Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigten die Kosten des gerichtlichen Ver-
fahrens sowie jene für das Vorverfahren im Umfang von Fr. 1'370.--. Die Auslagen
in der Höhe von Fr. 1'800.--, welche im Vorverfahren wegen der Beschaffung der
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nicht verwertbaren Beweismittel angefallen waren, nahm die Vorinstanz auf die
Gerichtskasse (Urk. 90 S. 39 f.). Auf diese zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz kann verwiesen werden. Die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv
Ziffer 8) kann bestätigt werden.
11. Kosten des Berufungsverfahrens
11.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.-- zu
veranschlagen.
11.2. Im Berufungsverfahren erfolgt die Kostenauflage nach Obsiegen und
Unterliegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seiner
Berufung vollumfänglich. Die Privatkläger hingegen obsiegen mit ihrem Antrag auf
Zusprechung einer Prozessentschädigung. Ausgangsgemäss sind dem Beschul-
digten die Kosten für das Berufungsverfahren vollumfänglich aufzuerlegen.
12. Entschädigung des Beschuldigten
12.1. Bezüglich einer allfälligen Entschädigung des Beschuldigten erwog die
Vorinstanz, dieser habe trotz des teilweisen Freispruchs die Verfahrenskosten zu
tragen. Davon ausgenommen seien die im Zusammenhang mit den nicht verwert-
baren Beweismitteln entstandenen Kosten. Abgesehen von allfälligen Auf-
wendungen im Zusammenhang mit der Beschaffung der nicht verwertbaren
Beweismittel sei daher dem Beschuldigten grundsätzlich auch keine Entschädi-
gung zuzusprechen. Bezüglich der nicht verwertbaren Beweismittel habe die
Verteidigung keine spezifischen, zusätzlichen Kosten oder Aufwände geltend
gemacht. Vielmehr habe sie ausgeführt, diesbezüglich seien ihr keine Teilnahme-
rechte gewährt worden. Daraus könne geschlossen werden, dass keine ent-
sprechenden Kosten entstanden seien. Es sei davon auszugehen, dass die
geltend gemachten Aufwendungen alle im Zusammenhang mit dem Delikt, betref-
fend welchem eine Verurteilung erfolgt sei, entstanden seien. Entsprechend habe
der Beschuldigte auch keinen Anspruch auf Entschädigung (Urk. 90 S. 41).
12.2. Die Verteidigung machte im Rahmen der Berufungsverhandlung nicht
geltend, dem Beschuldigten seien Aufwendungen im Zusammenhang mit den
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nicht verwertbaren Beweismitteln entstanden (vgl. Urk. 133 und 134). Damit ist
dem Beschuldigten mit Verweis auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägun-
gen keine Entschädigung und keine Genugtuung zuzusprechen.
13. Entschädigung der Privatkläger
13.1. Die Privatkläger 1 und 2 beantragten vor Vorinstanz die Zusprechung einer
Entschädigung von Fr. 14'881.40 inklusive 8 % Mehrwertsteuer (Urk. 64 S. 1 und
Urk. 65). Die Vorinstanz erwog hierzu, gemäss Art. 433 Abs. 1 StPO habe die
Privatklägerschaft gegenüber dem Beschuldigten Anspruch auf eine angemesse-
ne Entschädigung, wenn sie – also die Privatklägerschaft – obsiege oder der
Beschuldigte nach Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig sei. Obsiegen der Privat-
klägerschaft bedeute, dass die Zivilklage der Privatklägerschaft mindestens dem
Grundsatz nach gutgeheissen werde. Da die Zivilklage der Privatkläger 1 und 2
jedoch auf den Zivilweg verwiesen werde, würden die Privatkläger nicht im Sinne
von Art. 433 Abs. 1 StPO obsiegen und entsprechend stünde ihnen auch kein
Anspruch auf eine Entschädigung zu (Urk. 90 S. 41 f.).
13.2. Im Rahmen der Berufungsverhandlung beantragten die Privatkläger eine
Entschädigung von Fr. 13'500.-- für das Vorverfahren und das erstinstanzliche
Verfahren, sowie Fr. 4'510.70 für das Berufungsverfahren. Zur Begründung
liessen sie ausführen, die Privatkläger seien auch Strafkläger und hätten damit im
Falle einer Verurteilung des Beschuldigten Anspruch auf Entschädigung ihrer
Auslagen. Ausgenommen seien bei Verweisung der Zivilklage auf den Zivilweg
die ausschliesslich mit der Zivilklage zusammenhängenden Anwaltskosten. Die
Aufwendungen im Straf- und Zivilpunkt auseinander zu halten sei schwierig. Das
Honorar für die Strafklage sei pauschal anzupassen. Die Zivilklage habe etwa 4 %
des Plädoyers ausgemacht, der Honorar sei somit um 5 % auf Fr. 13'500.-- zu
kürzen. Der Aufwand für das Berufungsverfahren sei sodann durch die Honorar-
note ausgewiesen (Urk. 136 S. 4 ff.).
13.3. Die Verteidigung führte dazu aus, den Privatklägern sei auch bei Obsiegen
im Strafpunkt keine Entschädigung zuzusprechen, wenn die Zivilklage auf den
Zivilweg verwiesen werde. Sodann seien die Leistungen in der Honorarnote im
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Strafpunkt nicht nötig gewesen. Die Privatkläger hätten keinen Anwalt benötigt
(Urk. 133 S. 7).
13.4. Die Privatkläger 1 und 2 haben sich im vorliegend gegen den Beschuldig-
ten geführten Strafverfahren sowohl im Zivil- als auch im Strafpunkt konstituiert
(Urk. 5/1-2, vgl. auch Urk. 16/1/4-5, act. 16/2/2). Anders als in dem Fall, in dem
die Privatklägerschaft ausschliesslich als Zivilklägerin auftritt, hängt der Entschä-
digungsanspruch dementsprechend nicht nur davon ab, ob die Zivilklage ganz
oder teilweise gutgeheissen wurde. Die Privatklägerschaft kann sich am Verfah-
ren auch als Strafklägerin beteiligen. Als Partei hat die Privatklägerschaft das
Recht, an den Beweisabnahmen teilzunehmen, zur Sache zu plädieren etc. In-
sofern sind die damit verbundenen Aufwendungen, insbesondere auch jene der
Rechtsverbeiständung, falls der Beizug eines Rechtsbeistandes als gerechtfertigt
zu werten ist, zu entschädigen (Griesser in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO
Komm., Art. 433 N 3). In BGE 139 IV 102 hatte sich das Bundesgericht mit eben
dieser Frage zu beschäftigen. Das Bundesgericht kam dabei zusammengefasst
zu folgendem Schluss: "Kommt es zu einer Verurteilung der beschuldigten Person
durch Strafbefehl, obsiegt die Privatklägerschaft als Strafklägerin, weshalb sie für
die ihr im Zusammenhang mit der Strafklage erwachsenen Kosten der privaten
Verteidigung zu entschädigen ist (E. 4.3). Wird die Zivilklage auf den Zivilweg
verwiesen, kann die Privatklägerschaft in ihrer Funktion als Zivilklägerin nicht als
obsiegende und jedenfalls bei Erlass eines Strafbefehls auch nicht als unter-
liegende Partei gelten. Ausschliesslich mit der Zivilklage zusammenhängende
Anwaltskosten oder anderweitige Auslagen der Privatklägerschaft, die einzig den
Zivilpunkt betreffen, sind im Falle der Verweisung der Zivilklage auf den Zivilweg
nicht im Strafverfahren zu entschädigen (E. 4.4)". Entgegen der Auffassung der
Vorinstanz besteht also ein Entschädigungsanspruch der Privatkläger, allerdings
nur in Bezug auf die Aufwendungen welche in direktem Zusammenhang mit dem
Strafpunkt entstanden sind. Der Vertreter der Privatkläger hat seine Aufwendun-
gen für das Vorverfahren und das erstinstanzliche Verfahren beziffert, begründet
und belegt (Urk 136 S. 5; Urk. 65). Der Beizug eines Rechtsvertreters durch die
Privatkläger war im vorliegenden Verfahren aufgrund der in prozessualer und
rechtlicher Hinsicht nicht einfachen Verhältnisse angezeigt. Die dargelegte
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Kürzung des Honorars um die Aufwendungen im Zivilpunkt ist sodann nachvoll-
ziehbar und erscheint angemessen und wurde von der Verteidigung auch nicht
beanstandet. Den Privatklägern ist demnach für das Vorverfahren und das
erstinstanzliche Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 13'500.-- zuzu-
sprechen.
13.5. Für das zweitinstanzliche Verfahren machen die Privatkläger gestützt auf
Art. 433 Abs. 1 StPO eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 4'510.70.-- geltend.
Dieser Aufwand ist belegt (Urk. 138), erscheint angemessen, wurde von der
Verteidigung nicht beanstandet und ist den Privatklägern zuzusprechen.
13.6. Den Privatklägern ist folglich für das gesamte Verfahren eine Prozessent-
schädigung von Fr. 18'010.70 zuzusprechen.