# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 88add28f-ed1f-479d-9644-6e333bc8d9c7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1980, meldete sich am 14. November 2005 unter Hinweis auf Schulter- und Nackenbeschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 10
/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügungen vom 2.
und 20. November 2007 (Urk. 10/46; Urk. 10
/53) bei einem Invaliditätsgrad von 100 % eine ganze Rente ab Januar 2006 zu
(vgl. Verfügungsteil 2, Urk. 10
/43).
1.2
Im Rahmen einer im September 2008 eingeleite
ten Rentenrevision (vgl. Urk. 10
/57) holte die IV-Stelle unter anderem ein rheumatologisch-psychiatri
sches Gutachten ein, das am 1. Septemb
er 2009 erstattet wurde (Urk. 10
/68/19-54). Mit Verfüg
ung vom 5. Februar 2010 (Urk. 10
/86
= Urk. 10/192/11-14
) hob die IV-Stelle die bisher ausgerichtete ganze Rente auf.
1.3
Der Versicherte meldete sich am 4. November 2015 unter Hinweis auf Rück
beschwerden und eine Diskushernie erneut bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 10
/119). Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbli
che Situation ab
. M
it Verfüg
ung vom 30. Januar 2018 (Urk. 10/190 = Urk. 10/192/6-8
)
verneinte die IV-Stelle
einen Rentenan
spruch.
Die vom Versi
cherten dagegen am 2. März 2018
erhobene Beschwerde (Urk. 10/192/3-5)
wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 12. Juli 2019 (Prozess-Nr.
IV.2018.00224
, Urk. 10/195) ab.
Auf die dagegen am 9. September 2019 erhobene Beschwerde (Urk. 10/196/2-7) trat das Bundesgericht mit Urteil vom 19. September 2019 (Urk. 10/197) nicht ein.
1.4
Am 30. Juni 2020 meldete sich der Versicherte unter Hinweis
auf Rücken-, Nacken- und Kopfbeschwerden sowie einer psychischen Erkrankung erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/206).
Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab. Mit Vorbescheid vom 11. August 2020 (Urk. 10/209) stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht, auf sein Leistungsbegehren nicht einzutreten. Dagegen erhob der Versicherte Einwände (Urk. 10/216).
Nach der Prüfung des Einwands trat
die IV-Stelle auf das Gesuch ein und verneinte nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk. 10/221
;
Urk. 10/224)
m
it Verfügung vom 2. Juni 2021 (Urk. 10/227 = Urk. 2) einen Rentenanspruch.
2.
Der Versicherte erhob am 2. Juli 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2. Juni 2021 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die Sache zu ergänzenden medizinischen Abklärungen und zum Neuentscheid über den
Anspruch auf eine Invalidenrente an die IV-Stelle zurückzuweisen. Zudem ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechts
vertretung (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1, Ziff. 3). Mit Beschwerdeantwort vom 8. September 2021 (Urk. 9) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem
Beschwerdeführer
am 9. September 2021 zur Kenntnis gebracht (Urk. 11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSV
), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraus
setzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisi
onsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicher
ten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E.
3a
, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invali
dität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die glei
che materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (Urteil des Bundesgerichts
9C_351
/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE
117 V 198 E.
3a
, 109 V 108 E.
2b
).
1.
5
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.6
Gemäss Art.
54a
IVG stehen die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) den IV
Stellen für die Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungs
anspruchs zur Verfügung (Abs. 2). Sie legen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der versicherten Person für die Ausübung einer zumutbaren Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Auf
gabenbereich fest (Abs. 3). Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Abs. 4). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizi
nischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Bei der Festsetzung der funktionellen Leistungsfähigkeit (Art.
54a
Abs. 3 IVG) ist die medizinisch attestierte Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit und für angepasste Tätig
keiten unter Berücksichtigung sämtlicher physischen, psychischen und geistigen Ressourcen und Einschränkungen in qualitativer und quantitativer Hinsicht zu beurteilen und zu begründen (Abs.
1
bis
). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
–
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben
–
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi
gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
gerichts
9C_406
/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Ein
holung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest
stel
lungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142
V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E.
3a
mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers im Wesentlichen damit, dass keine wesentlichen Befundänderungen vorlägen. Eine Verschlechterung sei nicht aus
gewiesen und eine erhebliche Einschränkung sei nicht ersichtlich.
Bei den vom
Beschwerdeführer geschilderten D
epersonali
sations- und
D
erealisationser
l
e
ben
handle es sich um einzelne Symptome und um keine Erkrankung, so werde kein Depersonalisations- und
Derealisationssyndrom
nach ICD-10
F48.1
diagnosti
ziert. Aus dem vom Beschwerdeführer geschilderten Depersonalisations- und
Derealisationserleben
sei keine dauerhafte Verschlechterung des Gesundheits
zustands abzuleiten (S. 2).
2.2
Der
Beschwerdeführer
machte demgegenüber
im Wesentlichen geltend
(Urk. 1)
, dass es sich bei den
Derealisations
- und Depersonalisationserleben nicht um eine
vorübergehende Verschlechterung, sondern um eine anhaltende, seit 2018 invalidisierende neu hinzugekommene Symptomatik handle. Es liege ein neuer psy
chischer Gesundheitsschaden vor, der voraussichtlich die Arbeitsfähigkeit zusätz
lich beeinträchtige.
Damit
habe sich das psychische Zustandsbild wesent
lich ver
schlechtert.
Die
Beschwerdegegnerin
sei ihrer Abklärungspflicht nicht nachge
komm
en und d
ie blosse Aktenbeurteilung durch den RAD vermöge
nicht zu über
zeugen. Es dränge sich somit eine psychiatrische Begutachtung auf
(S. 4 ff. Ziff. 4 ff.).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 9) hielt die
Beschwerdegegnerin
an der angefochtenen Verfügung fest und führte ergänzend aus,
dass die RAD-Stellung
nahme die rechtlichen
Anf
orderungen erfülle, um vollen Beweiswert zu bean
spruchen. Der RAD habe sich mit dem neuen Arztbericht und den Vorakten auseinandergesetzt und die Beurteilung der gesundheitlichen Einschränkungen und der Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar begründet. Dementsprechend bestehe aus rheumatologischer und psychiatrischer Sicht keine Verschlechterung des
Gesundheitszustandes. Der
Beschwerdeführer
sei in seiner bisherigen und
in jeglicher
anderen Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig. Im Sinne der antizipierten Beweiswürdigung könne auf weitere Abklärungen beziehungsweise von einem psychiatrischen Gutachten abgesehen werden (S. 2).
2.4
S
trittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch des Beschwerdeführers, wobei
namentlich zu prüfen ist, ob sich sein Gesundheitszustand seit
der letzten mate
riellen Prüfung wesentlich verändert hat (vgl. vorstehend E.
1.4-1.5
).
Mit der
letz
te
n
in Rechtskraft erwachsene
n
Verfügung vom 30. Januar 2018 (Urk. 10/190 = Urk. 10/192/6-8)
wurde
ein Rentenanspruch
verneint
, da keine wesentliche Ver
änderung seit der Rentenaufhebung mittels Verfügung vom 5. Februar 2010 (Urk. 10/86 = Urk. 10/192/11-14) eingetreten war (vgl.
nachstehend E.
4.14
).
Zu vergleichen ist deshalb der Sachverhalt im Zeitpunkt der Rentenaufhebung
im Jahr 2010
mit demjenigen, welcher der hier angefochtenen Verfügung vom 2. Juni 2021 (Urk. 2) zugrunde lag.
3.
3.1
Die Zusprache einer ganzen Rente ab Januar 2006 mit Verfügungen vom
2. und 20. November 2007 (Urk. 10/46; Urk. 10
/53) bei einem Invaliditätsgrad von 100 % erfolgte aufgrund de
r
Diagnosen einer schweren depressiven Episode (ICD
10
F32.2
), einer Agoraphobie mit Panikstörung und sozialer Phobie (ICD-10
F40.01
), einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10
F45.4
) und einem
cervico-thorakospondylogenen
Syndrom rechts sowie
lumbospondyloge
nen
Syndrom rechts bei Fehlhaltung und degenerativen Veränderungen mit Status nach Diskushernie
L4
/
L
5
.
Der Beschwerdeführer wurde seit dem Jahr 2005 als zu 100 % arbeitsunfähig sowohl in der angestammten als auch in einer ange
passten Tätigkeit
erachtet (vgl. Urk. 10
/36
; Urk. 10
/43).
3.2
3.2.1
Der mit
Verf
ügung vom 5. Februar 2010 (Urk. 10
/86
= Urk. 10/192/11-14
)
erfolgten Auf
hebung der bisher ausgerichteten ganzen Rente lag im Wesentlichen das rheu
matologisch-psychiatrische
Gutachten
von Dr. med.
Y._
, Fach
arzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, und von Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1.
September 2009 (Urk.
10
/68/19-54)
zugrunde (vgl. Urk. 10/71 S. 4; Urk. 10/85 S. 4).
Die Gutachter
nannten keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 29 Ziff. 5.1). Zudem nannten sie die folgenden Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 29 Ziff. 5.2):
-
Verdacht auf Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10
F40.01
)
-
Angaben von thorakalen und lumbalen Schmerzen mit/bei
-
Rundrücken mit entsprechender leichter Einschränkung der Beweglich
keit, aber sonst fehlenden klinischen Befunden
-
radiomorphologisch Dehydratation der untersten zwei Bandscheiben
im Sinne einer
Protrusion
L4
/5 und
L5
/
S1
-
sicheren Zeichen für Ausgestaltung
Aus somatischer Sicht würden Beschwerden thorakal und lumbal geschildert, dies bestehend seit Jahren (S. 29 Ziff. 6.1.2). Der rheumatologische Gutachter führte in seinem Teilgutachten diesbezüglich aus, dass es zusammenfassend möglich sei, die Beschwerden als
thorako
- und lumbovertebrales Syndrom zu bezeichnen, wie vom Hausarzt getätigt. Viel treffender sei jedoch die Bezeichnung «Angaben von Beschwerden thorakal und lumbal bei klinisch normalen Befunden», das heisse, es bestünden keine wesentlichen Bewegungseinschränkungen mit auch deutli
chen Hinweisen für eine psychogene Ausgestaltung. Erwähnenswert sei, dass ein MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) vom 31. August 2007 vorliege, das leichte Dege
nerationen zweier Bandscheibenräume zeige, hingegen keine wesentliche Dis
kushernie, sondern
Diskopathien
im Sinne von
Protrusionen
, was einem alters
entsprechend normalen Befund entspreche.
Protrusionen
seien etwas All
täg
liches und
kämen
bei 30 % bis 50 % der gesunden Normalbevölkerung auch in diesem Alter vor. Es sei nicht von einem Krankheitswert dieser Befunde aus
zugehen. Deutlich auffällig sei ein sogenanntes «pain
behaviour
», der Beschwer
de
führer manifestiere hier und heute seine Beschwerden in erheblichem Ausmass, dies klar diskrepant zu den Befunden. Auch wirke er uninteressiert, die Unter
su
chung scheine ihn hier doch erheblich zu langweilen. Er präsentiere sich hier zum Teil
erheblichst
bedeckt (S. 14 f. Ziff. 3.5). Der Beschwerdeführer sei Betriebs
mitarbei
ter und Lagerist sowie im Kundenservice tätig gewesen. Für diese Tätig
keiten be
stehe aus rheumatologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 15 Ziff. 3.6). Er sei in jeglicher Männerarbeit voll arbeitsfähig, auch körperliche Schwerarbeiten seien ihm zumutbar (S. 15 Ziff. 3.7). Die heutige Beurteilung habe seit Jahren Gültigkeit (S. 15 Ziff. 3.8).
In psychiatrischer Hinsicht könne lediglich eine Verdachtsdiagnose gestellt werden (S. 30 Ziff. 6.1.2). Der psychiatrische Gutachter führte in seinem Teil
gutach
ten diesbezüglich aus, dass die objektive Beurteilung nicht erlaube, eine psychi
atrische Diagnose zu stellen. Weder gebe es genügend objektive Hinweise für eine Angststörung, womit auch die phobischen Störungen impliziert seien, noch gebe es genügend objektive Hinweise für eine depressive Störung. Vor dem Hinter
grund des auffälligen Verhaltens des Beschwerdeführers in der hiesigen Untersu
chung könne auch keine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert
werden, da eine solche vollumfänglich bewusstseinsfernen Mechanismen unter
worfen sein müsse, was beim Beschwerdeführer nicht der Fall sei. Die Ver
dachtsdiagnose ei
ner Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10
F40.01
) ergebe sich einzig aus den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und müsse daher als Verdachtsdi
agnose aufgeführt werden (S. 27 Ziff. 4.5). Zu den Funktionsfähig
keiten aus psy
chiatrischer Sicht sei zu sagen, dass diese nicht beeinträchtigt seien. Es sei noch
mals darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer sich durchwegs von einer höchst dysfunktionalen Seite beschrieben habe. Das äussere Erschei
nungsbild des Beschwerdeführers aber zeige keinerlei dieser zu erwartenden Beeinträchtigun
gen. Auch sämtliche anderen objektiven Parameter, die sehr gut herangezogen werden könnten, um die innerpsychische Vitalität aus objektiver Sicht zu vali
dieren, zeigten vollständige Normalbefunde: Psychomotorik, Aspekte der Sprach
motorik, formales Denken, kognitive Leistungen und Affektivität seien in der Bandbreite der Norm ausgefallen. So ergebe sich auch betreffend die Funktions
fähigkeiten ein höchst diskrepantes Bild zwischen den subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und den objektiven Untersuchungsbefunden (S. 28 Ziff. 4.5). Aus psychiatrischer Sicht bestehe in der bisherigen Tätigkeit sowie in einer Ver
weistätigkeit eine
100%ige
Arbeitsfähigkeit (S. 28 Ziff. 4.6-4.7).
Die Gutachter kamen daher zum Schluss, dass aus gesamtmedizinischer Sicht in der angestammten Tätigkeit sowie in einer Verweistätigkeit eine volle Arbeitsfä
higkeit bestehe (S. 30 Ziff. 6.2.3, S. 31 Ziff. 6.3.3). Zudem führten sie aus, dass sich aus rheumatologischer Sicht erhebliche Diskrepanzen zwischen den subjek
tiven Angaben und den diskreten Befunden fänden. Es finde eine klare Verdeut
lichung durch den Beschwerdeführer statt, die auf somatischer Basis nicht zu sehen sei. Auch aus psychiatrischer Sicht bestünden ganz erhebliche Diskrepan
zen (S. 35 f.
Ziff.6.8
).
3.2.2
In der rechtskräftigen Verfügung vom 5. Februar 2010 (Urk. 13/86 = Urk. 3/1) ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass keine Diagnosen vorlägen, welche die Arbeitsfähigkeit einschränkten. Der Beschwerdeführer sei sowohl in der angestammten Tätigkeit als Betriebsangestellter als auch in jeder anderen Tätig
keit zu 100 % arbeitsfähig. Nach durchgeführtem Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 0 %, weshalb die bisher ausgerichtete ganze Rente auf
ge
hoben werde (S. 2 f.).
4.
4.1
Der rechtskräftigen
rentenverneinenden
Verfügung vom 30. Januar 2018 (Urk. 10/190 = Urk. 10/192/6-8) lagen im Wesentlichen die nachfolgenden Berichte zugrunde.
4.2
Dr.
A._
, Chiropraktor, führte in seinem Beric
ht vom 25. Februar 2016 (Urk. 10
/134/1-5) aus, dass er den Beschwerdeführer seit Mai 2015 behandle (Ziff. 1.2)
,
und nannte eine
Lumboischialgie
links bei Diskushernie
L4
/5 und
L5
/
S1
mit Wurzelreizung
L5
links
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (Ziff. 1.1). In der angestammten Tätigkeit als Portier bestehe seit Mai 2015 eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 1.6). Momentan sei ihm kaum eine andere Tä
tigkeit zumutbar (Ziff. 1.7).
4.3
Die Ärzte des
B._
, Klinik für Rheumatologie, nannten in ihrem B
ericht vom 5. Juli 2016 (Urk. 10
/136/11-14) folgende Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.1):
-
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom, intermittierend
lumboradikuläres
Reiz- und sensibles Ausfallsyndrom
L5
links, Erstdiagnose April 2015
-
MRI
der
LWS
vom
2
0.
April 2016:
Diskusprotrusion
L4
/5 medial mehr nach links mit Reizung
L5
links möglich,
Diskusprotrusion
L5
/
S1
paramedian rechts mit Kontakt zu
S1
beidseits, keine Kompression, keine zentrale Spinalkanalstenose
-
MRI
der
LWS
vom
1
6.
Juni 2015: mediane, nach paramedian links aus
laufende Diskushernie mit Tangierung der Nervenwurzel
L5
rezessal
links, mittelgradige Spinalkanalstenose
durch die Diskushernie
Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Paketbote sei von ihnen bislang nie eine
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden, obwohl diese gegeben sei (Ziff. 1.6). Ein
schränkungen am Arbeitsplatz beträfen die körperliche Belastungsfähigkeit auf
grund der Diskushernie. Bis zur Genesung der Grunderkrankung bestehe eine Ein
schränkung der Traglast auf 5 kg. Weiter sollte die ausgeübte Tätigkeit eine wech
selseitige Belastung erlauben und Zwangshaltungen sollten vermieden werden. Längeres Sitze
n
sei ausgeschlossen. Nach nun längerer Arbeitsabstinenz sei es sinnvoll, initial ein reduziertes Pensum von 50 % anzustreben, das im Verlauf nach Massgabe der Beschwerden gesteigert werden sollte (Ziff. 1.7). Ein Wieder
einstieg ins Arbeitsleben müsse
entsprechend der
Beschwerden in einer nächsten Konsultation beurteilt werden (Ziff. 1.9).
4.4
Die Ärzte des
B._
, Klinik für Rheumatologie, berichteten in ihrem Austrittsbe
richt
vom 30. September 2016 (Urk. 10
/150/7-11
= Urk. 10
/155/2-6) über den stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 2
1.
bis am 29. September 2016 in der Klinik und nannten folgende
–
hier verkürzt aufgeführte
–
Diagnosen (S. 1):
-
lumboradikuläre
s
Reiz-/sensible
s
Ausfallsyndrom
L5
links
-
neu
Elektroneuromyographie
(
ENMG
)
vom
September 2016: in der Zusammenschau seien die neurografischen Befunde formal vereinbar mit einer
L5
-Läsion links, Untersuchung vorzeitig auf Wunsch des Beschwerdeführers abgebrochen
-
Verdacht auf eine entzündliche
ZNS
-Erkrankung (Erstmanifestation
August 2016)
Der Beschwerdeführer sei zur stationären Aufnahme aus dem Ambulatorium zur stationären Schmerztherapie bei persistierendem Reizsyndrom
L5
links und sekundärer Ausdehnung der Schmerzen zugewiesen worden. Zudem sei seit August 2016 eine unklare, entzündliche
ZNS
-Erkrankung beschrieben worden, welche in neurologischer Abklärung sei (S. 2 oben). Ein psychiatrisches
Konsil
habe am 22. September 2016 stattgefunden. Bei Agoraphobie mit Panikstörung und re
zidivierenden depressiven Störungen sei vom Beschwerdeführer eine ambu
lante Nachbehandlung oder eine medikamentöse Einstellung abgelehnt worden. Im Verlauf der Hospitalisation habe der Beschwerdeführer jedoch die schlaffördernde und schmerzdistanzierende Therapie mit Trittico akzeptiert, die am 2
8.
September 2016 begonnen worden sei (S. 2 unten). Bis zur neurologischen Verlaufskontrolle am 25. Oktober 2016 bestehe eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit (S. 3 Mitte).
4.5
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheu
matologie, berichtete am 2. November 2016 über die am 28. Oktober 2016 durch
geführte vertrauen
särztliche Untersuchung (Urk. 10
/148/6-9) und führte aus, dass ein komplexes neurologisches Ausfallmuster und Schmerzsyndrom bestehe, dass vorläufig nicht geklärt sei, mit konstanten und reproduzierbaren Befunden. Es seien weitere Abklärungen notwendig. Vorläufig sei eine
100%ige
Arbeitsunfä
higkeit für die belastende Tätigkeit in der Paketpostzustellung ausgewiesen (S. 3 f.).
4.6
Die Ärzte des
B._
, Klinik für Neurologie, berichteten am 19. Januar 2017 über die
N
euroimmunologie-Sprechstunde (
Urk. 10
/156) und nannten folgende
– hier verkürzt aufgeführten
–
Hauptdiagnosen (S. 1):
-
multiple
T2-hyperintense
Marklagerläsionen (Erstmanifestation August 2016)
-
Ätiologie: offen, differentialdiagnostisch vaskulär
-
MRT
des
Schädel
s
vom
3
0.
Dezember 2016: Verdacht auf eine chroni
sche entzündliche
ZNS
-Erkrankung, differentialdiagnostisch auch
Vaskulitis
, Kollagenose
-
lumboradikuläres
Reiz-/sensibles Ausfallsyndrom
L5
Links
Das am 30. Dezember 2016 durchgeführte MRI des Schädels habe mehrere
peri
ventrikuläre
Marklagerläsionen gezeigt. Die Progredienz sei jedoch bei einge
schränkter Vergleichbarkeit als fraglich bewertet worden. In Zusammenschau der vorliegenden Untersuchungen könne aktuell eine chronische
ZNS
-Erkrankung aus
geschlossen werden, sodass von weiteren diagnostischen und therapeutischen Massnahmen abgesehen worden sei. Differentialdiagnostisch komme eine vasku
läre Genese der vorhandenen Läsionen in Frage. Weitere Kontrollen im Rahmen der neuroimmunologischen Sprechstunde seien derzeit nicht geplant (S. 4 Mitte).
4.7
Eine Ärztin des
B._
, Klinik für Neurologie, nannte in ihrem Bericht vom 15. Feb
ruar 2017 (Urk. 10
/153/1-5) multiple
T2-hyperintense
Marklagerläsionen (unkla
rer Genese, differentialdiagnostisch vaskulär) sowie ein
lumboradikuläres
Reiz-/sensibles Ausfallsyndrom
L5
l
inks als Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit (Ziff. 1.1). Die Arbeitsfähigkeit könne sie nicht beurteilen (Ziff. 1.6-1.7).
4
.8
In ihrem B
ericht vom 3. März 2017 (Urk. 10
/155/9-10) berichteten die Ärzte des
B._
, Klinik
für Rheumatologie, über die ambulanten Verlaufskontrollen und nannten folgende
– verkürzt aufgeführten
–
Diagnosen (S. 1 f.):
-
lumboradikuläres
Reiz-/sensibles Ausfallsyndrom
L5
links
-
neu MRI
der
ganze
n
Wirbelsäule
vom
Dezember 2016: regelhafter Befund des
Myelon
, geringe degenerative Veränderungen an HWS und LWS, bei Nachweis einer medio-links-lateralen
Bandscheibenprotru
sion
in Höhe
LWK4
/5 sei eine
Kompromittierung
der linksseitigen
L5
-Wurzel möglich
-
multiple
T2-hyperintense
Marklagerläsionen (Erstmanifestation August 2016)
-
Agoraphobie mit Panikstörung und rezidivierende depressive Störungen (Erstdiagnose September 2016)
Im Dezember 2016 sei ein MRI der spinalen Achse erfolgt, wo sich keine neuen Aspekte gezeigt hätten, insbesondere keine entzündlichen Veränderungen, eine andere neuronale Reizung oder
demyelinisierende
Läsionen. Im Dezember 2016 sei ein MRI des Schädels erfolgt. Die multiplen
T2-hyperintensen
Marklagerläsi
onen seien in der Neuroimmunologie-Sprechstunde am 20. Januar 2017 mit dem
Beschwerdeführer besprochen und als nicht verdächtig für eine entzünd
li
che/immunologische Ätiologie be
urteilt worden
. Aus rheumatologischer Sicht seien diesbezüglich weitere laborchemische Abklärun
gen durchgeführt worden, wo sich weiterhin keine Entzündungsaktivität und ne
gative Antikörper sowie
kein Komplementverbrauch gezeigt habe. Zusammenge
fasst sei aktuell eine rheu
matologische Ursache im Sinne einer Kollagenose oder
Vaskulitis
ausgeschlossen (S. 2 Mitte).
Es seien keine weiteren rheumatologischen Verlaufskontrollen vorgesehen. Die Möglichkeit einer
epiduralen
Infiltration
L5
/
S1
sei mehrmals mit dem
Beschwer
deführer
besprochen und bisher immer abgelehnt worden. Zudem bestehe der Verdacht auf eine Somatisierungsstörung. Der
Beschwerdeführer
zeige für diesen Erklärungsansatz der Problematik wenig Einsicht, die schmerzdistanzierende Behandlung mit Trittico sei selbständig gestoppt worden und es bestehe aktuell keine Bereitschaft für eine weitere schmerzdistanzierende Behandlung (S. 2 unten).
4.9
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, RAD, führte in seiner Stellun
gnahme vom 8. Juni 2017 (Urk. 10
/161/5-6) aus, dass sämtliche aufgrund der Klagen seit dem Jahr 2010 durch
geführten elaborierten medizinischen Ab
klärungen keine neue länger
dauernde Erkrankung habe zutage fördern können. Es sei die lumbale Bandschei
benproblematik mit sensibler
L5
-Symptomatik be
stätigt worden (MRI April 2016,
ENMG
September 2016). Im Rahmen einer transienten
faciobrachiocruralen
Hemi
symptomatik
seien
hypertensive
Markla
geläsionen im Hirn gefunden worden (August 2016), ein länger dauerndes klini
sches Korrelat sei nicht gesehen worden. Auch eine entzündliche
ZNS
-Erkrankung sei ausgeschlossen worden. Zudem sei die psychische Situation seit dem Jahr 2010 unverändert. Somit liege keine längerdauernde Änderung des Ge
sundheitszustands und der Arbeitsfähig
keit seit dem Jahr 2010 vor.
4.10
Ein Arzt des
E._
führte in seinem Beric
ht vom 19. Oktober 2017 (Urk. 10
/178
) aus, dass der Beschwerdeführer für zwei Vor
gespräche am 23. September und am 19. Oktober 2017 bei ihnen gewesen sei und dass er aufgrund de
r
Informationen des Beschwerdeführers berichte. Dabei nannte er folgende Diagnosen (S. 1):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10
F32.1
)
-
spezifische isolierte Phobie (ICD-10
F40.2
)
-
Verdacht auf Zwangsstörung, differentialdiagnostisch zwanghafte Anteile
-
chronische Kopfschmerzen
-
Status nach Panikstörung 2008-2010
-
lumbovertebrales Schmerzsyndrom
-
multiple
T2-hyperintense
Marklagerläsionen (Erstmanifestation August 2016)
Der Beschwerdeführer beklage, seit 2015 unter LWS-Schmerzen ausstrahlend ins linke Bein zu leiden (S. 2 oben). Als Behandlungsziel form
ul
iere der Beschwerde
führer, die Depression zu reduzieren. Seit dem 1. April 2015 bestehe eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit (S. 4).
4.11
Die Ärzte des
F._
berichteten am 20. November 2017 über die interdisziplinäre Schmerzbehandlung des
Beschwer
deführer
s (Urk. 10
/185
) und nannten dabei folgende
–
hier verkürzt aufgeführ
ten
–
Diagnosen (S. 1):
-
mittelgradige depressive Episode (ICD-10
F32.1
)
-
spezifische isolierte Phobie (ICD-10
F40.2
)
-
Panikstörung (ICD-10
F41.0
)
-
Verdacht auf Status nach Schädel-Hirntrauma bei Motorradunfall
vom
18. September 2004
-
Verdacht auf entzündliche
ZNS
-Erkrankung (Erstmanifestation August 2016)
-
lumbovertebrales Schmerzsyndrom
Der Beschwerdeführer sei seit 2005 aufgrund von zunehmenden LWS-Schmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein und einer Panikstörung infolge eines Motorrad
unfalls eingeschränkt und seit April 2015 zu 100 % arbeitsunfähig. Aufgrund der körperlichen Beschwerden seien ihm körperlich schwere Tätigkeiten oder Tätig
keiten mit Zwangshaltungen (auch rein sitzend) nicht mehr zuzumuten. Des Weiteren leide der Beschwerdeführer seit dem Motor
r
adunfall unter Panikatta
cken sowie einer depressiven Störung. Aufgrund der chronischen Schmerzen, der de
pressiven Störung und Angststörungen sei der Beschwerdeführer auch in einer leichten, angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig (S. 7 unten f.).
4.12
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie, führte in seinem Schreibe
n vom 18. Dezember 2017 (Urk. 10
/1
87
) aus, dass der Beschwerdeführer seit April 2015 an Rückenschmerzen mit Schmerzausstrahlungen ins linke Bein leide. Diese Beschwerden hätten eine Reduktion der Arbeitsfähigkeit zur Folge, da die Rücken
schmerzen und auch die Schmerzausstrahlungen ins linke Bein unter Belastung zunehmen würden. Es seien somit nur leichtere Arbeiten möglich und unter diesen Bedingungen sei die vorhandene Arbeitsfähigkeit auf 50 % zu schätzen.
4.13
RAD-Arzt Dr.
D._
führte in seiner Stellungna
hme vom 11. Januar 2018 (Urk. 10
/
189/3
) aus, in den Berichten des
E._
vom 19. Oktober 2017 (vgl. vor
ste
hend E. 4.10
) und des
F._
vom 20. Novemb
er 2017 (vgl. vorstehend E. 4.11
) seien keine neuen Aspekte dargelegt worden. Es würden seit über einem Jahr widerlegte Diagnosen (z.B. entzündliche
ZNS
-Erkrankung) nochmals aufgeführt.
Somit seien die Schlussfolgerungen nicht haltbar. Dr.
G._
habe am 18. Dezemb
er 2017 (vgl. vorstehend E. 4.12
) die lange bekannte Rückenprob
le
matik be
stätigt und dem Beschwerdeführer eine
50%ige
Arbeitsfähigkeit attes
tiert. Bei un
verändertem medizinischen Sachverhalt handle es sich hier um eine differente Bewertung der Arbeitsfähigkeit. Insgesamt lägen keine wesentlichen neuen me
dizinischen Sachverhalte vor, die eine Änderung seiner Stellungnahme vom 8. Juni 2017 erforderlich machen würden (vgl. vorstehend
E. 4.9
).
4.14
D
as hiesige
Gerich
t
kam in
seinem
Urteil vom 12. Juli 2019 (Prozess-Nr.
IV.2018.00224
, Urk. 10/195) zum Schluss, dass
sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
in somatischer Hinsicht
seit der Rentenaufhebung im Jahr 2010 nicht wesentlich verändert hat. So sei weder in Bezug auf die Rückenprob
lematik noch in neurologischer Hinsicht eine Verschlechterung des Gesundheits
zustands des Beschwerdeführer
s ausgewiesen (E. 5.1). Auch in psychiatrischer Hinsicht sei seit der Rentenaufhebung im Jahr 2010 keine Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ausgewiesen (E. 5.2). Das Gericht kam folglich zum Schluss, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers seit der Rentenaufhebung im Jahr 2010 nicht wesentlich verändert hat, weshalb weiterhin von einer
100%igen
Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeiten aus
zugehen sei (E. 5.3).
5.
5.1
Ein Arzt des
E._
berichtete
am
2. Juli 2020 (Urk. 10/2
04) über die seit 2018 laufende
Zustandsverschlechterung des Beschwerdeführers und nannte dabei folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Formen (ICD-10
F54.41
)
-
chronisches
cervicospondylogenes
und lumbospondylogenes Schmerz
syndrom
-
Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (ICD-10
F62.80
)
-
schädlicher Gebrauch von Opioiden Tramadol und
Oxycodon
sowie
Bezodi
azepine
n
Temesta
(ICD-10
F10.1
)
-
schädlicher Gebrauch von nichtabhängigkeitserzeugenden Substanzen, Anal
getikum
Dafalgan
(ICD-10
F55.2
)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10
F33.1
)
-
Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10
F40.01
)
-
spezifische isolierte Phobie (ICD-10
F40.2
)
-
Verdacht auf Klaustrophobie aber auch
Mysophobie
und Hundephobie
-
akzentuierte Persönlichkeit mit än
gst
lich-vermeidenden und narziss
tischen Zügen (ICD-10
Z73.1
)
Nach einem Motorrad-Unfall im Juni 2005 habe der Beschwerdeführer aufgrund bio-psycho-sozial erklärbaren maladaptiven Bewältigungsstrategien unter ande
rem ängstlich-vermeidende und narzisstische Persönlichkeitszüge, eine anhal
tende somatoforme Schmerzstörung mit Komorbiditäten von erheblicher Schwere und Ausprägung, namentlich einer klinisch relevanten Depression, Angststörung, Panikstörung, spezifisch isolierte Phobien, Zwangshandlungen und Störung des Sozialverhaltens entwickelt.
Es bestünden Korrelationen zwischen den Erkran
kungen und die Symptome liessen sich verschiedenen Erkrankungen zuordnen. Das Erkrankungsbild bestehe unverändert seit 15 Jahren trotz regelmässiger Teilnahme des Beschwerdeführers an ambulanten Psychothe
rapiesitzungen. Ange
sichts dieser Rigidität könne aus therapeutischer Sicht von einer Persön
lichkeitsänderung gesprochen werden (S. 1 unten f.).
Seit 2018 nehme der psychische Zustand des Beschwerdeführers einen negativen Verlauf. Die hypochondrische und
histrionische
körperliche Selbstbeobachtung, Haltung und Klagen sowie das dazugehörige gestörte Schmerzempfinden des Beschwerdeführers hätten derart zugenommen, dass im November 2019 medika
mentös habe interveniert werden müssen und
Oxycodon
eingeführt worden sei. Zwischen November 2019 und
Mai 2019 (korrekt wohl 2020) sei es zu einem medikamentösen schädlichen Gebrauch von Opioiden und Benzodiazepinen sowie nicht abhängigkeitserzeugenden Analgetika, das heisst übermässige, teils unkontrollierte Einnahme von
Tramal
,
Oxycodon
,
Temesta
und
Dafalgan
mit somatischen (Verschlechterung der Leberwerte) und psychiatrischen (
Desrealisa
tions
- und Depersonalisationserleben) Folgeschäden gekommen. Als
Derealisati
onserleben
beschreibe der Beschwerdeführer, wie sich seine Umgebung anders, unwirklich und enger fühle, wie er das Zeitgefühl v
erliere oder das Gefühl bekomme
, der Boden oder das Bett seien nicht mehr flach und er müsse sich irgendwo festhalten, um nicht umzufallen. Als Depersonalisationserleben beschreibe er wie er das Gefühl habe, sein Körper gehöre nicht mehr zu ihm und er sich selbst fremd und unwirklich vorkomme. Die Funktionsfähigkeit des Beschwerdeführers sei aktuell in allen Lebensbereichen massiv beeinträchtigt und eingeschränkt.
Es sollen kaum noch soziale Kontakte ausserhalb des engeren Familienkreises bestehen und es sei vorgekommen, dass er bis zu drei Tage in Folge am Boden liegend in der Wohnung verbracht habe. Der Beschwerdeführer beklage deutlich
exazerbiert
unter gehemmten Antrieb, extremer Reizbarkeit
sowie Aggressivität zu leiden und fühle sich stets am Rande eines Kontroll
verlustes. Das Erkrankungsbild
und –
ausmass
sowie die
Erkrankungs
dauer
und –
rigi
dität
würden für eine Persönlichkeitsänderung beziehungsweise Störung sprechen und würden auf eine negative Prognose schliessen (S. 2 unten).
5.2
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychothera
pie, RAD, nahm in ihrer Stellungnahme vom 8. März 2021 (Urk. 10/220/3-5) Bezug auf den Bericht des
E._
vom 2. Juli 2020 (vgl. vorstehend E. 5.1)
und äusserte sich zu den gestellten Diagnosen. In Bezug auf die diagnostizierte chro
nische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Formen (ICD-10
F45.41
) mit chronischem
cervicospondylogenem
und
lumbospondylogenem
Schmerz
syndrom führte sie aus, dass eine anhaltende somatoforme Schmerz
störung (ICD-10
F45.4
) seit 2006 unter anderem bereits in den Berichten von
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 27. April 2006
(vgl. Urk. 10/18)
sowie von
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherpie
,
vom 3. Dezember 20
0
8
(vgl. Urk. 10/60)
diagnostiziert worden sei
, ebenso mit einem
zervico-thorakospondy
logenem
Syndrom und
lumbospondylogenen
Syndrom.
Diese Diagnose sei im rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
vom 1. September 2009
(vorstehend E. 3.2.1)
diskut
iert und ausgeschlossen worden (
v
gl. Urk. 10/68/19-54 S. 24 ff. Ziff. 4.5). Es liege demnach
diesbezüglich
keine Änderung des Gesundheitszustandes vor
(S. 1 oben)
.
Bezüglich der diagnostizierten Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerz
syndrom (ICD-10
F62.80
)
führte RAD-Ärztin
Dr.
H._
aus, dass
eine solche Diagnose nach schwerem Verlauf psychiatrischer Krankheiten diag
nostiziert werde und nur dann gestellt werden sollte, wenn Hinweise auf eine eindeutige und andauernde Veränderung in der Wahrnehmung sowie im Verhal
ten und Denken bezüglich der Umwelt und der eigenen P
erson vorlägen
. Die Persönlichkeitsänderung sollte deutlich ausgeprägt sein und mit einem unfle
xiblen und fehlangepassten Verhalten verbunden sein,
das
vor der pathogenen Erfahrung nicht bestanden habe. Aus dem
rheumatologisch-psychiatrischen Gut
achten von
Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
vom 1. September 2009 (vorstehend E. 3.2.1)
gehe jedoch deutlich hervor, dass das unflexible und fehlangepasste Verhalten
zu jenem Zeitpunkt
bereits vorgelegen habe. Die Anspruchs- und Erwartungs
haltung, labile St
immung, Passivität, verminderte
n
Interesse
n
, Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten,
dysphorische
Stimmung,
hypochondrische
n
Klagen und
das
kränkelnde Verhalten hätten bereits bestanden
(vgl. Urk. 10/68/19-54 S. 20 ff. Ziff. 4.3)
. Zudem sei ein fehlendes Einlassen auf Psychotherapie kein
Merkmal einer Persönlichkeitsänderung. Demnach liege diesbezüglich ebenfalls keine Änderung des Gesundheitszustandes vor
(S. 1 Mitte
).
In Bezug auf den schädlichen Gebrauch
der
Opioide Tramadol und
Oxycodon
sowie
des
Benzodiazepin
s
Temesta
(ICD-10
F10.1
)
hielt RAD-Ärztin
Dr.
H._
fest,
dass
laut ICD-10 ein schädlicher Gebrauch von Opioiden unter
F11.1
und ein schädlicher Gebrauch von Benzodiazepinen unter
F13.1
ver
schlüsselt
werden
würde. Der
vom
E._
gestellten
Diagnose ICD-10
F10.1
schäd
licher Gebrauch von Alkohol könne nicht gefolgt werden. Da es zwischen
November 2019 und Mai 2020 zu
m schädlichen Gebrauch von Opioiden und Benzo
diazepinen gekommen sei, habe es sich um eine vorübergehende Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes gehandelt.
Es
sei
völlig unverständlich, weshalb dem Beschwerdeführer, der von seinen Behandlern als hypochondrisch und
histrionisch
beschrieben werde und der ein gestörtes Schmerzempfinden habe, ausserhalb der dafür vorgesehen Indikation Benzodiazepine und Opioide verabreicht worden sei. Ihm sei zudem derart Zugang zu den Medikamenten gewährt worden, dass eine übermässige und teils unkontrollierte Einnahme habe erfolgen können. Die beschriebene Symptomatik der
Derealisations
- und Deper
sonalisation als Folge der unkontrollierten Einnahmen dieser Medikamente als vorübergehende Reaktion auf die Überdosierung sei nicht verwunderlich. Der Gebrauch von Benzodiazepinen sei lange bekannt und habe bereits zum Zeit
punkt der Begutachtung
im
2009 vorgelegen
(vgl. Urk. 10/68/19-54 S. 19 Ziff. 4.2, S. 23 Ziff. 4.3)
. Von November 2019 bis Mai 2020 habe somit eine vorübergehende Verschlechterung des Gesundheitszustands vorgelegen, insge
samt liege keine Änderung des Gesundheitszustands vor
(S. 1 unten f.
).
Bezüglich des schädlichen Gebrauchs von nicht abhängigkeitserzeugenden Substanzen, Analgetikum
Dafalgan
(ICD-10
F55.2
)
,
legte RAD-Ärztin
Dr.
H._
dar,
dass für die Diagnose eines schädlichen Gebrauchs nach ICD
10 ein deutlicher Nachweis vorliegen sollte, dass der Substanzgebrauch für die körperlichen oder psychischen Schäden verantwortlich sei. Eine «Verschlech
te
rung der Leberwerte» sei nicht ausreichend, da nicht klar sei, wodurch und inwie
fern sich die Leberwerte verschlechtert hätten. Der Diagnose könne daher nicht gefolgt werden. Der Gebrauch von
Dafalgan
sei zudem lange bekannt und habe zum Zeitpunkt der Begutachtung im 2009 bereits vorgelegen
(vgl. Urk. 10/68/19-54 S. 11 Ziff. 3.1.6)
. Demnach liege
diesbezüglich
ebenfalls keine Änderung des Gesundheitszustands vor (S. 2 unten).
In Bezug auf die diagnostizierte rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10
F33.1
), führte RAD-Ärztin
Dr.
H._
aus, dass diese Diagnose im Bericht des
E._
vom 2. Juli 2020 (vgl. vorstehend E. 5.1) nicht
unter dem Absatz «Verschlechterung seit 2018» aufgeführt worden sei. Unter anderem sei bereits im Bericht von
Dr.
J._
vom 3. Dezember 20
0
8 (vgl. Urk. 10/60) eine seit Oktober 2007 bestehende rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10
F33.1
)
,
aufgeführt worden. Diese Diagnose sei ebenfalls im rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
vom 1. September 2009 (vorstehend E. 3.2.1) diskutiert und ausgeschlossen worden
(
vgl. Urk. 10/68/19-54 S. 24 ff. Ziff. 4.5). Es liege demnach
diesbezüglich
keine Änderung des Gesundheitszustands vor
(S. 2 unten f.)
.
Zudem hielt RAD-Ärztin
Dr.
H._
fest, dass die
diagnostizierte Agorapho
bie mit Panikstörung (ICD-10
F40.01
)
im Bericht des
E._
vom 2. Juli 2020 (vgl. vorstehend E. 5.1) ebenfalls nicht unter dem Absatz «Verschlechterung seit 2018» aufgeführt worden sei. Die Panikstörung sei vom Beschwerdeführer bereits seit 2008 vorgebracht worden und sei im rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
vom 1. September 2009 als Verdachtsdiagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgeführt worden (vorstehend E. 3.2.1). Auch hier liege keine Änderung des Gesundheitszustands vor (S. 3 oben)
In Bezug auf die diagnostizierte spezifische isolierte Phobie (ICD-10
F40.2
), Verdacht auf Klaustrophobie aber auch
Mysophobie
und Hundephobie hielt RAD
Ärztin
Dr.
H._
fest, dass diese Ängste im Bericht des
E._
vom 2. Juli 2020 (vgl. vorstehend E. 5.1) ebenfalls nicht unter dem Absatz «Ver
schlechterung seit 2018» aufgeführt worden sei
en
. Der Beschwerdeführer habe ebenfalls bereits vor 2018 über verschiedene Ängste berichtet. Zudem seien diese für die Arbeits
fähigkeit nicht relevant. Demnach liege
diesbezüglich
keine Änderung des Gesundheitszustands vor (S. 3 Mitte).
Schliesslich führte RAD-Ärztin
Dr.
H._
bezüglich der diagnostizierten akzentuierten Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden und narzisstischen Zügen (ICD-10
Z73.1
) aus, dass
es sich hierbei um eine Z-Diagnose handle, die keine Krankheit oder Schädigung verschlüssle. Die akzentuierte Persönlichkeit sei
bereits
im Bericht von
Dr.
J._
vom 3. Dezember 20
0
8 (vgl. Urk. 10/60) aufgeführt und im rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
vom 1. September 2009 (vorstehend E. 3.2.1)
diskutiert worden (vgl. Urk. 10/68/19-54 S. 24 ff. Ziff. 4.5). Es liege daher
diesbezüglich ebenfalls
keine Änderung des Gesundheitszustands vor.
Insgesamt
kam RAD-Ärztin
Dr.
H._
zum Schluss, dass aus medizinischer Sicht keine Verschlechterung des Gesundheitszustands
des
Beschwerdeführer
s
ausgewiesen sei.
5.3
RAD-Ärztin
Dr.
H._
hielt in ihrer Stellungnahme vom 28. Mai 2021 (Urk. 10/226/2) an ihrer Beurteilung vom 8. März 2021 (vorstehend E. 5.2) fest.
6.
6.1
RAD-Ärztin
Dr.
H._
nahm zu den
im Bericht
des
E._
vom Juni 2020 (vorstehend E. 5.1) gestellten Diagnosen
einzeln und
detailliert Stellung
und
legte in ihrer Stellungnahme
vom März
2021 (vorstehend E. 5.2) in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, weshalb
nicht auf die Beurteilung des
E._
abge
stellt werden kann, beziehungsweise weshalb
sich daraus
im Einzelnen und in der Gesamtheit
keine relevante Verschlechterung ergibt
. Sie kam
abschliessend in überzeugender Weise
zum Schluss, dass seit
der Rentenaufhebung im Jahr 2010 keine
wesentliche
Veränderung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers vor
lieg
t
. Die RAD-Stellungnahme erfüllt die praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten und die RAD-Ärztin
Dr.
H._
verfügt über die not
wendige fachliche Qualifikation,
namentlich
den Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie (vgl. vorstehend E.
1.
6-1.7
)
,
weshalb
ihr
er Beurteilung
volle
r
Beweis
wert zukommt und
sie
für
die Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers
herangezogen
werden kann.
Insbesondere ergeben sich auf
grund der detaillierten Auseinandersetzung
und Stellungnahme
der RAD-Ärztin weder aus dem Bericht des
E._
selbst noch
aus
anderen ärztlichen Berichten auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit
ihrer
versiche
rungsinternen ärztlichen Feststellungen, weshalb keine ergänzenden Abklärun
gen vorzunehmen sind.
6.2
Der Beschwerdeführer machte geltend,
dass es sich bei den
Derealisations
- und Depersonalisationserleben nicht um eine vorübergehende Verschlechterung, sondern um eine anhaltende, voraussichtlich
invalidisierende
seit 2018 neu hin
zugekommene Symptomatik handle (vorstehend E. 2.2).
Dem Bericht des
E._
vom
Juli 2020 kann diesbezüglich entnommen werden, dass es zwischen Novem
ber 2019 und Mai 2020 zu einem medikamentösen schädlichen Gebrauch von Opioiden und Benzodiazepinen sowie nicht abhängigkeitserzeugenden Anal
ge
tika mit somatischen (Verschlechterung der Leberwerte) und psychiatrischen (
Derealisations
- und Depersonalisationserleben) Folgeschäden gekommen ist (vor
stehend E. 5.1). Der schädliche Gebrauch war daher zeitlich limitiert und damit auch die beschriebenen
Derealisations
- und Depersonalisationserleben, wurde doch keine Abhängigkeitserkrankung diagnostiziert.
Folglich ist kein Sucht
geschehen ausgewiesen, sondern lediglich ein vorübergehender zeitlich
beschränkter Medikamentenkonsum von rund sechs Monaten. Mangels ent
sprechender Diagnose
ist
davon
auszugehen
, dass die Medikamente wieder abgesetzt worden sind
.
Gegenteiliges
kann dem Bericht des
E._
nicht entnom
men werden. Die genannten Folgeschäden waren auf die zeitlich beschränkte Into
xikation zurückzuführen.
Zwar
bestand
ein zeitlich limitierter und vorüber
gehender schädlicher Gebrauch von Opioiden und Benzodiazepinen und damit eine vorübergehende Verschlechterung des Gesundheitszustands, insgesamt liegt jedoch im Vergleich zu
2010 keine wesentliche Veränderung des Gesundheits
zustandes vor
. Der diesbezügliche Einwand des Beschwerdeführers erweist sich daher als unbegründet.
Zudem machte der Beschwerdeführer geltend, dass sich
das psychische Zustands
bild wesentlich verschlechtert
habe (vorstehend E. 2.2). Dies ergebe sich bereits aus der unterschiedlichen Diagnosestellung. Neu würden im Bericht des
E._
vom Juli 2020 (vgl. vorstehend E. 5.1) eine Persönlichkeitsänderung, der schäd
liche Gebrauch von Medikamenten und eine spezifische isolierte Phobie diagnos
tiziert. Zudem werde nicht mehr von einer bloss mittelgradigen depressiven Episode ausgegangen, sondern von einer rezidivierenden depressiven Störung (Urk. 1 S. 7
f.
Ziff. 8
f.
). RAD-Ärztin
Dr.
H._
legte in ihrer Stellungnahme vom März 2021 in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, weshalb
sich gestützt auf die Befunde des
E._
keine Persönlichkeitsänderung
ergibt
(vorste
hend E. 5.2).
So ist nicht ersichtlich, inwiefern das vom
E._
geschilderte gestörte Sozialverhalten
mit unter anderem Abhängigkeit, Anspruchs- und Erwartungs
haltung, sozialer Isolation, labiler Stimmung, Passivität, vermindertem Interesse
(vgl.
Urk.
10/
204/2
)
die Voraussetzungen für die Diagnose einer andauernden Per
sönlichkeitsänderung erfüllt, zumal die Persönlichkeitsänderung deutlich aus
geprägt sein soll mit unflexiblem und fehlangepasstem Verhalten (vgl. Horst
Dilling
, Werner
Mombour
, Martin H. Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifika
tion psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), 10., überarbeitete Auflage, S.
285).
Des Weiteren geht a
us dem rheumatologisch-psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
vom 1. September 2009 (vorstehend E. 3.2.1) hervor, dass
der Beschwerdeführer
bereits zu jenem Zeitpunkt über wenig Antrieb, Interessensverlust
,
wenig Lebenslust, Rückzug und Isolation
geklagt hat
, was von den Gutachtern
jedoch
als inkonsistent,
aggravierend
und erhebliche Diskre
panzen ausweisend eingeschätzt wurde
(vgl. Urk. 10/68/19-54 S.
18 f.; vgl. auch
S.
20 ff. Ziff. 4.3
, S. 24 f.
Ziff.
4.5
)
.
Auch wurde bereits im Gutachten von 2009 eine Angstproblematik sowie die Einnahme von
Xanax
und
Temesta
, welche beide zu den Benzodiazepinen gehören, thematisiert (
Urk.
10/68
S. 18, S. 19
oben
, S. 23 und S. 26 f.
)
.
E
ine spezifische isolierte Phobie, eine Panikstörung und eine
mittelgradige depressive Erkrankung wurden
sodann
vom
E._
und
F._
eben
falls bereits im Jahr 2017 diagnostiziert (vgl. vorstehend E. 4.10-4.11).
Damit ist auch diesbezüglich nicht von einer wesentlichen Veränderung des Gesundheits
zustandes auszugehen
.
Ausserdem würde die Annahme einer wesentlichen Ver
schlechterung des Gesundheitszustands der Einschätzung des
E._
selbst
wider
sprechen, wonach seit 15 Jahren ein unverändertes Krankheitsbild bestehe (vorstehend E. 5.1). Die RAD-Ärztin
Dr.
H._
kam
somit
in
überzeugender
Weise zum Schluss, dass aus medizinischer Sicht seit 2010 keine Verschlechte
rung des Gesundheitszustands ausgewiesen
ist
(vorstehend E. 5.2). Der diesbe
zügliche Einwand des Beschwerdeführers erweist sich demnach ebenfalls als unbegründet.
6.3
Nach dem Gesagten folgt, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerde
führer
s seit der Rentenaufhebung im 2010 nich
t wesentlich
verändert
hat, weshalb weiterhin von einer
100%igen
Arbeitsfähigkeit für alle Tätigkeit
en
aus
zugehen ist.
Der
Bericht des
E._
vom Juli 2020 (vorstehend
E. 5.1
)
vermag keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Ein
schätzung zu erwecken
. Es drängen
sich in antizipierter Beweiswürdigung (
BGE 124 V 94 E.
4b
, 122 V 157 E.
1d
) keine weiteren medizinischen Abklärungen auf, da nicht davon auszugehen ist, dass weitere medizinische Abklärungen mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit zu einem anderen Ergebnis führen würden.
Dementsprechend erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Der
Beschwerdeführer
ersuchte am 2. Juli 2021 um Bewilligung der unentgelt
lichen Prozessführung und Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2 Ziff. 3).
Die Vorausset
zungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und zur Bestellung einer unentgeltlichen Re
chtsvertretung gemäss
§
16 Abs.
1 und Abs.
2 des Geset
zes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) sind erfüllt
.
7.2
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
800.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem unterliegenden Beschwerde
führer aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung aber einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 GSVGer.
7.3
Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung wird gestützt auf
§
8 in Verbindung mit
§
7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädi
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht (GebV SVGer) nach dem Zeitauf
wand und den Barauslagen bemessen. Die unentgeltliche Rechtsvertretung reicht dem Gericht hierzu vor dem Endentscheid eine detaillierte Zusammenstellung über ihren Zeitaufwand und ihre Barauslagen ein. Im Unterlassungsfall setzt das Gericht die Entschädigung nach Ermessen fest.
Da
Rechtsanwalt Daniel Christe trotz des Hinweises durch das Gericht (vgl.
Urk.
11) keine Kostennote eingereicht hat, ist die Entschädigung beim praxis
gemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) nach Ermes
sen auf Fr. 2'
3
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.