# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fc63d82f-dd56-50ab-8d29-f3ea3ddc703a
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A._, geboren 1969, Staatsangehörige von Eritrea, reiste am 8. Januar 2008 in die
Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch (Vorakten Migrationsamt, nachfolgend Dossier,
S. 6 ff.). Ihr wurde Asyl gewährt und später eine Aufenthaltsbewilligung erteilt. Seit dem
9. Januar 2013 verfügt sie über eine Niederlassungsbewilligung. Am 5. Oktober 2016
wies das Staatssekretariat für Migration (SEM) ein von A._ für ihren Sohn B._,
geboren 1997, eingereichtes Gesuch um Familienzusammenführung ab. Am
1. Dezember 2016 reichte A._ beim kantonalen Migrationsamt ein Gesuch um
Bewilligung des Familiennachzuges ein, welches mit Verfügung vom 9. Februar 2017
abgewiesen wurde (act. 6/1/2). Den dagegen von A._ erhobenen Rekurs wies das
Sicherheits- und Justizdepartement am 8. Januar 2018 ab. Auf die Erhebung einer
Entscheidgebühr wurde verzichtet und das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtsverbeiständung im Rekursverfahren mit der Begründung abgewiesen, der
Vertreter von A._ sei nicht eingetragener Rechtsanwalt.
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B. A._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den am 9. Januar 2018 versandten
Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch ihren
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 23. Januar 2018 (Postaufgabe: 24.01.18) Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und der
Familiennachzug von B._ zu bewilligen. Dem gleichzeitig gestellten Gesuch, es sei der
Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren die unentgeltliche Rechtspflege und -
verbeiständung zu gewähren, entsprach der zuständige Abteilungspräsident am
25. Januar 2018.
Mit Vernehmlassung vom 12. Februar 2018 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Der
Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin hielt in seiner Stellungnahme vom 28. Februar
2018 an den Ausführungen in der Beschwerde fest und reichte dem Gericht
Honorarnoten für das Beschwerde- und das Rekursverfahren ein.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen der
Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Unbestritten ist vorliegend, dass B._ 1997 das Licht der Welt erblickte und bereits
bei Erheben des ersten Gesuchs um Familiennachzug kein minderjähriges Kind mehr
war (act. 1 S. 3). Art. 43 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(Ausländergesetz; SR 142.20, AuG) ist damit nicht anwendbar. Daran ändert Art. 47
Abs. 4 AuG nichts, der einzig die Frist für das Stellen eines Familiennachzugsgesuchs
beschlägt, wenn auf den Familiennachzug gemäss Ausländergesetz ein Anspruch
besteht, was vorliegend aufgrund des Alters von B._ nicht der Fall ist. Das
Ausländergesetz räumt der Beschwerdeführerin somit keinen Anspruch auf den
Nachzug von B._ ein. Es bleibt also lediglich zu prüfen, ob Art. 8 der Europäischen
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Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK)
einen solchen Anspruch vermittelt. Denn das Abkommen zwischen der
Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft
und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA)
ist auf den vorliegenden Fall nicht anwendbar. Auch eine Diskriminierung von
Schweizerbürgern im Verhältnis zu EU-/EFTA-Staatsangehörigen ist nicht zu prüfen, da
die Beschwerdeführerin nicht Schweizer Staatsangehörige ist.
3. Art. 8 EMRK räumt Ausländerinnen sowie Ausländern laut bundesgerichtlicher
Rechtsprechung unter gewissen Voraussetzungen einen Anspruch auf Erteilung einer
ausländerrechtlichen Bewilligung ein (vgl. Caroni/Meyer/Ott, Migrationsrecht, Bern,
2009, S. 107 ff., mit Hinweis auf BGE 109 Ib 183). Dafür müssen nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung allerdings kumulativ drei Voraussetzungen erfüllt
sein: Tatsächlich gelebte und intakte Beziehung (Zusammenleben, regelmässiger
Kontakt, Unterhaltszahlungen) zu nahen Verwandten (z.B. wie vorliegend zur Mutter),
die über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht in der Schweiz verfügen (z.B. wie
vorliegend mittels Niederlassungsbewilligung). Dieser Rechtsanspruch ist insbesondere
dann von Bedeutung, wenn aufgrund der ausländerrechtlichen Bestimmungen
überhaupt kein oder kein selbständiger Anspruch auf Erteilung beziehungsweise
Verlängerung einer Bewilligung besteht, z.B. beim Nachzug erwachsener Kinder in die
Schweiz. Leben Eltern und Kind während Jahren getrennt und unter grosser
geographischer Distanz, ist das für einen Anspruch nach Art. 8 EMRK erforderliche
qualifizierte Abhängigkeitsverhältnis nicht leichthin anzunehmen (vgl. BGer
2C_452/2015 vom 26. Oktober 2015 E. 3.3.3 mit weiteren Hinweisen).
Vorliegend steht einzig die Frage zur Debatte, ob die Voraussetzung der tatsächlich
gelebten und intakten Beziehung bejaht werden muss. Nur dann besteht grundsätzlich
ein Anspruch auf die Gutheissung des Familiennachzugsgesuchs. Die Vorinstanz hat
das Vorliegen eines qualifizierten Abhängigkeitsverhältnisses verneint (act. 2/2 S. 5 f.),
während die Beschwerdeführerin der Auffassung ist, dass ein solches zu bejahen sei
(act. 1). Wenn die Beschwerdeführerin in diesem Zusammenhang Ausführungen zur
Beziehung zwischen ihrem Sohn und seinem Vater macht, sind diese unter diesem
Aspekt rechtlich irrelevant, zumal einzig die Beziehung der Beschwerdeführerin selbst
zu ihrem Sohn zu beurteilen ist. Ebenso nicht zu hören sind unter diesem Punkt die
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Ausführungen der Beschwerdeführerin zu den allgemeinen Lebensumständen ihres
Sohnes. Denn auch diese Umstände tangieren die tatsächlich gelebte Beziehung der
beiden nicht.
Wesentlich hingegen ist, dass die Beschwerdeführerin behauptet, dass ihr Sohn
finanziell vollkommen von ihr abhängig sei (act. 1 S. 8). Belege dafür liefert sie trotz
ihrer weitgehenden Mitwirkungspflicht keine. Eine massgebliche Unterstützung kommt
zudem angesichts ihrer eigenen finanziellen Verhältnisse kaum in Frage, denn die
Beschwerdeführerin erzielte im Jahr 2016 ein durchschnittliches monatliches
Nettoeinkommen von CHF 2‘930.90 (Dossier, S. 86 ff., v.a. S. 126). Die
Beschwerdeführerin gibt zudem an, dass sie im Mai 1998 von ihrer Familie getrennt
und nach Eritrea deportiert worden sei (act. 1 S. 3). In den Kriegswirren habe sie ihren
Sohn bis im Jahre 2016 aus den Augen verloren. Was sie in all diesen Jahren
unternommen hat, um ihren Sohn zu finden (z.B. Suchbemühungen via IKRK), erörtert
sie hingegen trotz ihrer weitreichenden Mitwirkungspflicht nicht. Sie gibt nur an, dass
der Kontakt schliesslich via Facebook wiederhergestellt worden sei. Wann dies der Fall
war, wird nicht belegt. Unklar ist zudem, seit wann die Beschwerdeführerin von wem
weiss, dass ihr Sohn von einer Bekannten seines Vaters aufgezogen wurde.
Ausserdem führte die Beschwerdeführerin im Januar 2018 zwar aus, dass sie seit Mai
2016 einen regelmässigen Kontakt zu ihrem Sohn pflege. Wie intensiv dieser
regelmässige Kontakt ist, bleibt jedoch unsubstantiiert. Das vom Sohn der
Beschwerdeführerin am 17. Januar 2018, d.h. kurz vor Einreichung der Beschwerde
beim Verwaltungsgericht, verfasste E-Mail an den früheren Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin belegt keine intensive gelebte oder finanzielle Beziehung, sondern
stellt einzig die allgemeine Behauptung auf, dass seine Mutter ihn finanziell unterstütze
(„She is suffering to pay my monthly expenses.“; act. 2/3). Wäre dem wirklich so, wäre
es einfach gewesen, entsprechende Belege einzureichen. Über die Intensität der
tatsächlich gelebten Beziehung gibt das E-Mail keine Auskunft. Beschrieben werden
vor allem die Lebensumstände des Sohnes. Dass – wie im Beschwerdeverfahren
geltend gemacht wird – dem Sohn der Beschwerdeführerin mittlerweile die äthiopische
Staatsbürgerschaft aberkannt und er staatenlos geworden sein soll, wird ebenso wenig
mit einem entsprechenden offiziellen Dokument belegt.
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Aus den vorhandenen Unterlagen kann nicht auf ein besonderes
Abhängigkeitsverhältnis zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Sohn
geschlossen werden. Ein auf Art. 8 EMRK basierender Bewilligungsanspruch ist
demzufolge zu verneinen.
4. Dieses Ergebnis erscheint angesichts des erheblichen öffentlichen Interesses an der
Durchsetzung einer restriktiven Einwanderungspolitik und einer möglichst frühzeitigen
Integration (vgl. BGer 2C_914/2014 vom 18. Mai 2015 E. 4.3.3 und BGE 137 I 284
E. 2.1 mit weiteren Hinweisen) durchaus verhältnismässig, zumal der bereits
bestehende Kontakt weiterhin im aktuellen Umfang gepflegt werden kann und die
Begründung dafür, warum die beiden nicht in Äthiopien ein gemeinsames Leben
aufbauen könnten, spärlich ausfällt. Hinzu kommt, dass das Bundesverwaltungsgericht
am 29. August 2017 entschieden hat, dass eine Rückkehr selbst nach Eritrea nicht
generell unzumutbar sei (BVGer D-2311/2016 vom 17. August 2017 E. 17.2). Auch
diesbezüglich wird seitens der Beschwerdeführerin nicht begründet, warum eine
Rückkehr in vorliegendem Fall dennoch unzumutbar sein sollte. Die
Verhältnismässigkeitsprüfung spricht somit nicht gegen den sich aus Art. 8 EMRK
ergebenden Schluss.
5. Ebenso wenig vermag der Umstand, dass das Anwesenheitsrecht der
Beschwerdeführerin auf die Anerkennung als Flüchtling zurückgeht, am Ergebnis etwas
zu ändern. Einerseits haben die zuständigen Bundesbehörden dem Gesuch um eine
Familienzusammenführung unter asylrechtlichen Gesichtspunkten rechtskräftig nicht
entsprochen. Anderseits führt dieser Status nicht zu einem eigenständigen, über die
bestehenden gesetzlichen und völkerrechtlichen Grundlagen hinausgehenden
Anspruch auf die Bewilligung des ausländerrechtlichen Familiennachzugs (vgl.
insbesondere zum Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge,
Flüchtlingskonvention, SR 0.142.30, FK, BGE 139 I 330 E. 1.3.1 und 1.4.1). Ein solcher
Anspruch wird von der Beschwerdeführerin im Übrigen auch nicht geltend gemacht.
Zumal die Verweigerung des Familiennachzugs nicht mit der Gefahr der
Fürsorgeabhängigkeit begründet wird, erweist sie sich auch nicht als
unverhältnismässig (vgl. dazu BGE 139 I 330 E. 2.4 und 3).
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6. Dem Verfahrensausgang entsprechend hat die Beschwerdeführerin die Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu tragen (vgl. Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung,
sGS 941.12). Die Kosten gehen infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
zulasten des Staates (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 lit. b der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Auf die Erhebung ist zu
verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Bei unentgeltlicher Prozessführung wird das Honorar um einen Fünftel herabgesetzt
(Art. 31 Abs. 3 AnwG). In der Verwaltungsrechtspflege beträgt das Honorar vor
Verwaltungsgericht pauschal CHF 1'000 bis CHF 12'000 (vgl. Art. 22 Abs. 1 Ingress
und lit. b der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten; sGS 963.75,
HonO). Innerhalb des für eine Pauschale gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar
nach den besonderen Umständen, namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen,
der Schwierigkeit des Falles und den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten,
bemessen (vgl. Art. 19 HonO). Die vom Rechtsvertreter eingereichte Kostennote über
CHF 1‘669.15 inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer bewegt sich in der Höhe des
in ausländerrechtlichen Beschwerdeverfahren vor Verwaltungsgericht üblicherweise
zugesprochenen, bei Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege um einen Fünftel
gekürzten (vgl. Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70) Honorars von
CHF 2‘000. Dementsprechend ist der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin aus
unentgeltlicher Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren mit CHF 1‘600
zuzüglich pauschale Barauslagen von CHF 80 (vier Prozent von CHF 2‘000, Art. 28
Abs. 1 HonO) und 7,7 Prozent – die anwaltlichen Leistungen wurden nach dem 31.
Dezember 2017 erbracht – Mehrwertsteuer (Art. 29 HonO, Ziff. 2.1 der MWST-Info 19
zur Steuersatzänderung per 1. Januar 2018, www.estv.admin.ch) zu entschädigen.
Angesichts dieser Beurteilung in Bezug auf die unentgeltliche Rechtspflege und -
verbeiständung wäre die Beschwerde in Bezug auf die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung vor der Vorinstanz gutzuheissen gewesen, wenn diese nicht
deshalb abgewiesen worden wäre, weil ihr damaliger Vertreter in keinem
Anwaltsregister eingetragen war (act. 2/2 S. 7). Da im vorinstanzlichen Rekursverfahren
zudem kein personeller Wechsel in der Rechtsverbeiständung bewilligt wurde, ist es
auch nicht möglich, dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin im Verfahren vor dem
bis
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Verwaltungsgericht Aufwendungen für das Rekursverfahren zu entschädigen (vgl. BGer
8C_310/2014 vom 31. März 2015). Auf die Erhebung der Entscheidgebühr von
CHF 1‘000 verzichtete die Vorinstanz. Die Beschwerde ist somit auch in diesem Punkt
abzuweisen.