# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bd2cef84-aa2e-4fc4-9aff-e28798d51b22
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Tätlichkeiten
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, Einzelgericht, vom 5. Oktober 2018 (GG180014)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 19. Juni 2018
(Urk. 24) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 72 S. 30 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig.
2. Der Beschuldigte wird vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 StGB sowie der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB freige-
sprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Busse von Fr. 6'000.–.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfrei-
heitsstrafe von 60 Tagen.
5. Der Privatkläger wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen.
6. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers wird abgewiesen.
7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'112.20 Gebühr für das Vorverfahren,
Fr. 7'500.– Kosten der amtlichen Verteidigung (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer). Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert sich die Gerichts-
gebühr um einen Drittel.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
im Umfang von insgesamt Fr. 800.– auferlegt. Die übrigen Kosten gemäss Ziffer 7, inkl. der-
jenigen der amtlichen Verteidigung, werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
10. (Mitteilungen)
11. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge:
a) Des Beschuldigten (Urk. 94 S. 2 f.):
1. In Aufhebung von Dispositivziffer 1 sei der Berufungskläger vom Vor-
wurf der Tätlichkeiten freizusprechen;
Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft See-Oberland sei voll-
umfänglich abzuweisen und es sei der Berufungskläger vom Vorwurf
der versuchten einfachen Körperverletzung freizusprechen;
2. Dispositivziffern 3 und 4 seien ersatzlos zu streichen;
3. Dispositivziffer 5 sei aufzuheben und das Schadenersatzbegehren sei
vollumfänglich abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen;
4. Dispositivziffer 9 sei aufzuheben und die Kosten des Verfahrens
(inkl. Aufwendungen des amtlichen Verteidigers zzgl. Mehrwertsteuer)
seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen;
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens inkl. Aufwendungen des amt-
lichen Verteidigers (zzgl. Mehrwertsteuer) seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 95 S. 1):
1. Der Beschuldigte sei der versuchten einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
2. Er sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu
CHF 90.-- sowie einer Busse von CHF 1'500.--
3. Es sei dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug für die Geldstrafe
unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren zu gewähren.
4. Die Kosten seien vollumfänglich dem Beschuldigten aufzuerlegen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum obenerwähnten Urteil des Bezirksgerichts vom
5. Oktober 2018 kann auf die diesbezüglichen Erwägungen in jenem Entscheid
verwiesen werden (vgl. Urk. 72 S. 4).
1.2. Gegen das besagte Urteil vom 5. Oktober 2018 liessen sowohl der Beschul-
digte als auch der Privatkläger mit Eingaben vom 15. Oktober 2018 (Urk. 54 und
57, vgl. auch Urk. 60 und 62) innert Frist Berufung anmelden. Der Privatkläger
zog seine Berufung jedoch mit Eingabe vom 30. November 2018 wieder zurück
(Urk. 63). Nach Zustellung des begründeten Urteils an die Verteidigung am
4. Februar 2019 (Urk. 70/3) reichte diese am 8. Februar 2019 (Poststempel vom
7. Februar 2019) beim hiesigen Gericht fristgerecht ihre Berufungserklärung ein
und stellte die obgenannten Anträge (Urk. 73 S. 2).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 26. Februar 2019 wurde dem Privatkläger und
der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um bezüglich der Berufung des Beschul-
digten allenfalls Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten
auf die Berufung zu beantragen (Urk. 76). Daraufhin erklärte der Privatkläger mit
Eingabe vom 4. März 2019, auf Anschlussberufung zu verzichten (Urk. 78). Die
Staatsanwaltschaft erhob hingegen mit Eingabe vom 20. März 2019 Anschluss-
berufung und stellte die obgenannten Anträge (Urk. 80 S. 2). Von den erwähnten
Eingaben des Privatklägers und der Staatsanwaltschaft wurden die anderen Par-
teien mit Präsidialverfügung vom 26. März 2019 in Kenntnis gesetzt (Urk. 82).
1.4. Am 26. Juli 2019 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung vorgeladen
(Urk. 86). Diese fand am 3. Oktober 2019 statt in Anwesenheit des Beschuldigten
und seines amtlichen Verteidigers sowie des Leitenden Staatsanwalts lic. iur.
M. Kehrli (Prot. II S. 4). Nachdem zunächst über eine Vorfrage zu entscheiden
war, wurde das Urteil im Anschluss an die Berufungsverhandlung mündlich eröff-
net und erläutert (Prot. II S. 15).
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2. Vorfrage
2.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte, wie bereits vor
Vorinstanz, im Rahmen der Vorfragen vorbringen, es sei das Verfahren mangels
gültigen Strafantrags einzustellen. Rechtsanwalt lic. iur. Z._ habe am
8. September 2016 namens und in Vertretung des Privatklägers die Bestrafung
des Beschuldigten wegen Körperverletzung und Tätlichkeit beantragt, obschon
der Privatkläger stets behauptet habe, nicht nur vom Beschuldigten, sondern auch
von C._ geschlagen worden zu sein. Aufgrund des Grundsatzes der Unteil-
barkeit des Strafantrags gemäss Art. 32 StGB sei das Verfahren daher mangels
gültigen Strafantrags einzustellen (Urk. 93 S. 2 f.). Die Staatsanwaltschaft bean-
tragte die Abweisung dieses Antrags und machte im Wesentlichen geltend, dass
ein ausdrücklicher Verzicht auf einen Strafantrag gegen einen möglichen Beteilig-
ten eben gerade nicht vorliege, weshalb der gegen den Beschuldigten gestellte
Strafantrag rechtsgültig sei. Aufgrund der Akten sei klar, dass gegen C._
kein ausreichender Tatverdacht zur Eröffnung eines Verfahrens vorgelegen habe
(Prot. II S. 7).
2.2. Gemäss Art. 32 StGB sind alle Beteiligten zu verfolgen, wenn eine antragsbe-
rechtigte Person gegen einen an der Tat Beteiligten Strafantrag stellt. Dies be-
deutet grundsätzlich, dass es gegen die anderen Tatbeteiligten nicht noch eines
besonderen Antrags bedarf, sondern dass die bundesrechtlichen Voraussetz-
ungen zur Verfolgung aller Beteiligten bereits mit dem Strafantrag gegen einen
der Beteiligten erfüllt ist (BGE 121 IV 150, E. 3a. aa, mit Hinweisen). Erklärt
ein Antragsberechtigter aber von Vornherein, seinen Antrag auf einen einzelnen
Beteiligten beschränken zu wollen, oder äussert er sich in der Folge in solcher
Weise, so gibt er seinem Strafantrag einen rechtlich unzulässigen Inhalt mit der
Folge, dass er schlechthin als ungültig zu betrachten und das Strafverfahren ge-
gen alle Beteiligten einzustellen ist (BGE 97 IV 3, mit Hinweisen). Der Privatkläger
hat unbestrittenermassen gegen den Beschuldigten form- und fristgerecht Straf-
antrag gestellt und dabei weder bezüglich der zu verfolgenden Personen einen
Vorbehalt angebracht noch den Antrag bewusst auf den Beschuldigten be-
schränkt. Damit war auch gegen weitere nicht ausdrücklich erwähnte Beteiligte
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Strafantrag gestellt (vgl. BGE 110 IV 90, mit Hinweisen). In diesem Sinne oblag
es der Strafverfolgungsbehörde zu entscheiden, ob ein Verfahren eröffnet wird
oder nicht. Der Umstand, dass C._ am 22. Januar 2018 als Zeuge und nicht
als Auskunftsperson einvernommen wurde zeigt, dass zu diesem Zeitpunkt für die
Staatsanwaltschaft kein ausreichender Anfangsverdacht gegenüber diesem vor-
lag. Dass der Vertreter des Privatklägers, Rechtsanwalt lic. iur. Z._, an der
Zeugeneinvernahme von C._ weder intervenierte noch den Vorbehalt an-
brachte, dass dieser als Auskunftsperson befragt werden müsse, entspricht nicht
den Anforderungen eines ausdrücklichen Verzichts auf einen Strafantrag. Ein
ausdrücklicher Verzicht, wie es die bundesgerichtliche Rechtsprechung erfordert,
liegt eben gerade nicht vor. Der Beschuldigte hat demnach vorbehaltlos einen gül-
tigen Strafantrag gestellt.
3. Umfang der Berufung
3.1. Gemäss Art. 402 in Verbindung mit Art. 437 StPO hat die Berufung im Um-
fang der Anfechtung aufschiebende Wirkung und die Rechtskraft des angefochte-
nen Urteils wird dementsprechend gehemmt. Gestützt auf die oben erwähnten
Berufungsanträge sind die Dispositiv-Ziffer 2 betreffend den Freispruch vom Vor-
wurf der Gefährdung des Lebens, die Dispositiv-Ziffer 6 betreffend Abweisung des
Genugtuungsbegehrens des Privatklägers, die Dispositiv-Ziffer 7 betreffend Kos-
tenfestsetzung und die Dispositivziffer 8 betreffend Reduktion der Gerichtsgebühr
bei unbegründeter Urteilsausfertigung nicht angefochten und damit in Rechtskraft
erwachsen, was vorweg festzustellen ist (Art. 402 i.V.m. Art. 437 StPO).
3.2. Demgegenüber stehen die übrigen Dispositiv-Ziffern (d.h. die Ziffern 1, 2
betr. Freispruch einfache Körperverletzung, 3 - 5 und 9) zur Disposition und sind
im Berufungsverfahren zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Die Anklageschrift vom 19. Juni 2018 wirft dem Beschuldigten einfache Körper-
verletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB und Gefährdung des Lebens im
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Sinne von Art. 129 StGB vor, wobei jedoch im Berufungsverfahren der vorinstanz-
liche Freispruch bezüglich des Vorwurfs der Gefährdung des Lebens nicht mehr
Thema ist. Hingegen beantragte die Staatsanwaltschaft im Berufungsverfahren
einen Schuldspruch wegen versuchter einfacher Körperverletzung, eventualiter
vollendeter einfacher Körperverletzung.
2. Ausgangslage
2.1. An der vorinstanzlichen Hauptverhandlung vom 5. Oktober 2018 nahmen
sowohl der Beschuldigte (und Privatkläger im Parallel-Verfahren) als auch der
Privatkläger B._ (und Beschuldigter im Parallel-Verfahren) teil (Prot. I S. 4
ff.). Die Vorinstanz erliess im Anschluss daran zwei Urteile, nämlich das obenzi-
tierte Urteil betreffend den Beschuldigten A._, das hier im Berufungsverfah-
ren zu überprüfen ist, und das Urteil betreffend den hiesigen Privatkläger B._
(vgl. Urk. 50).
2.2. Die Vorinstanz sprach B._ der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1
StGB zum Nachteil von A._ schuldig und bestrafte ihn mit einer Busse von
Fr. 3'000.–. Vom Vorwurf der versuchten einfachen Körperverletzung sowie der
Gefährdung des Lebens wurde B._ freigesprochen (Urk. 50 S. 4). Dieses Ur-
teil ist in der Zwischenzeit in Rechtskraft erwachsen.
2.3. Wie die Vorinstanz korrekt ausführte (Urk. 72 S. 6), ist unbestritten, dass der
Beschuldigte zum Privatkläger in die Kranführerkabine kletterte, nachdem der Pri-
vatkläger ihn beschimpft hatte (Prot. I S. 38 ff.). Ebenso wenig bestreitet der Be-
schuldigte, oben angekommen den Privatkläger mit der Hand am Hals gehalten
zu haben (Prot. I S. 47 f.). Anerkannt ist zudem, dass sich nachher beide gegen-
seitig mit den Händen geschlagen haben (Prot. I S. 48). Der Beschuldigte streitet
jedoch nach wie vor ab, mit der Absicht, den Privatkläger zu verprügeln, auf den
Kran geklettert zu sein (Prot. I S. 47 ff.; Urk. 97 S. 5 f.). Der Privatkläger habe zu-
erst zu schlagen begonnen. Er habe sich nur gewehrt und den Privatkläger zurück
in die Kabine schieben wollen aus Angst, dass dieser ihn vom Kran hinunter stos-
sen würde (Prot. I S. 45 ff; Urk. 97 S. 8). Diesbezüglich ist zu prüfen, ob der in der
Anklage beschriebene Sachverhalt erstellt werden kann.
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3. Vorhandene Beweismittel
Als Beweismittel vorhanden sind neben den Aussagen des Beschuldigten (Urk. 3;
Urk. 14/7; Urk. 20/14; Prot. I S. 14-67) jene des Privatklägers B._ (Urk. 4;
Urk. 14/6; Urk. 20/13; Prot. I S. 14-67) sowie der Zeugen C._ (Urk. 5 und
Urk. 14/1), D._ (Urk. 6 und Urk. 14/2), E._ (Urk. 7 und Urk. 14/3),
F._ (Urk. 8 und Urk. 14/4), G._ (Urk. 9 und Urk. 14/5) und H._
(Urk. 20/12). In den Akten befinden sich sodann Berichte des Kantonsspitals Win-
terthur, die über die Verletzungen des Privatklägers Auskunft geben (Urk. 10/1
und Urk. 10/4).
4. Grundsätze der richterlichen Beweiswürdigung
Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid die theoretischen Grundsätze der richter-
lichen Beweiswürdigung wiedergegeben, worauf zur Vermeidung von unnötigen
Wiederholungen vorab verwiesen werden kann (vgl. Urk. 72 S. 7 f.).
5. Aussagen
5.1. Die Vorinstanz hat in ihrem Entscheid die Aussagen des Beschuldigten
A._, jene des Privatklägers B._ und diejenigen sämtlicher eben aufge-
führten Befragten zusammengefasst (vgl. Urk. 72 S. 9-15). Auf diese Ausführun-
gen kann hier verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO) mit dem Hinweis, dass der
Privatkläger bei der Staatsanwaltschaft nicht von einem Kick in die Knie berichtete
– wie es die Vorinstanz verstand (vgl. Urk. 72 S. 12) –, sondern von einem Kick in
den Gesichtsbereich resp. halb in die Hände, halb ins Gesicht, als er in den Knien
gewesen sei (vgl. Urk. 4 S. 5).
5.2. An der Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte grundsätzlich an seiner
bisherigen Darstellung fest. Er sei nach vorgängiger verbaler Auseinandersetzung
bzw. Drohung seitens des Privatklägers auf den Kran geklettert. Der Privatkläger
habe die Tür geöffnet und sei direkt auf ihn los. Er habe dann angefangen sich zu
wehren. Als Eisenleger hätte er nicht auf den Kran klettern dürfen. Er habe jedoch
unbedingt mit dem Privatkläger diskutieren wollen. Er habe nicht gedacht, dass
dieser ihm so aggressiv komme, er habe gedacht, es gäbe ein normales Ge-
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spräch, man könne ja über alles reden. Der Privatkläger sei jedoch sofort mit vol-
ler Wucht auf ihn los und habe ihn am T-Shirt gepackt. Er selber habe den Privat-
kläger am Hals gepackt und ihn in die Kabine gestossen, um sich in Sicherheit zu
bringen. Dort hätten sie sich gegenseitig geschlagen. C._ sei dann auf den
Kran hoch gekommen, habe ihn – den Beschuldigten – am T-Shirt gepackt und
aus der Kabine gezogen und so die Schlägerei getrennt. Gegenüber dem Privat-
kläger habe C._ nichts gemacht (Urk. 97 S. 5 f.).
6. Glaubwürdigkeit der Aussagenden
Der Beschuldigte gab an, den Privatkläger lediglich von der betreffenden Bau-
stelle her zu kennen. Dass es am 8. Juli 2016 zunächst zu einem verbalen Streit
mit Beleidigungen seitens des Privatklägers kam, vermag die generelle Glaub-
würdigkeit der unmittelbar Beteiligten nicht in Frage zu stellen. Mit der Vorinstanz
ist festzuhalten, dass drei der befragten Auskunftspersonen resp. Zeugen mit dem
Beschuldigten verwandt sind, dass auch die übrigen Zeugen, mit Ausnahme von
H._, den Beschuldigten seit mehreren Jahren kennen und dass zu jener Zeit
einige der Befragten beim Bruder des Beschuldigten angestellt waren (Urk. 72
S. 16). Von zentraler Bedeutung für die Wahrheitsfindung ist jedoch vor allem die
Glaubhaftigkeit der Aussagen.
7. Würdigung der Aussagen
7.1. Aufgrund der Aussagen der Beteiligten ist zunächst erstellt, dass es vor dem
Aufstieg zur Kranführerkabine zu einem verbalen Streit zwischen dem Beschul-
digten und dem Privatkläger kam. Letzterer gab an, hinuntergeschimpft resp. zum
Beschuldigten hinabgeflucht und dessen Mutter beleidigt zu haben (Urk. 14/6
S. 4; Prot. I S. 37 f.). Ebenso räumte er ein, aus der Kabine gerufen zu haben,
dass er um 17 Uhr runterkommen würde. Er habe aber gesagt, dass sie dies
dann diskutieren könnten (Prot. I S. 39). Demgegenüber behauptet der Beschul-
digte, der Privatkläger habe drohend gesagt, dass sie sich um 17 Uhr sehen wür-
den. Was der Privatkläger damit meinte, kann daher nur gemutmasst werden. Der
Beschuldigte räumte hingegen auch ein, dass auch seinerseits Beschimpfungen
gegenüber dem Privatkläger ausgesprochen worden seien. Es seien Worte gefal-
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len wie "Ich figge Deine Mutter, was habe ich Dir gemacht" und "Du scheiss Miss-
geburt" (Urk. 5 S. 2). Auch an der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschul-
digte, er habe dem Privatkläger mit ungefähr ähnlichen Worten zurückgegeben
(Urk. 97 S. 5). Klar ist demnach, dass ein verbaler Streit zwischen dem Beschul-
digten und dem Privatkläger stattfand, welcher in gegenseitige Beleidigungen
mündete.
7.2. Bezüglich der Frage, ob der Beschuldigte oder der Privatkläger zuerst zuge-
schlagen hat, konnten die Auskunftspersonen resp. Zeugen keine sachdienlichen
Aussagen machen. Diese wollen lediglich gesehen haben, dass sich der Be-
schuldigte und der Privatkläger gegenseitig schlugen. Die Vorinstanz sieht in der
Tatsache, dass der Beschuldigte den Gurt auszog, ein Zeichen dafür, dass dieser
mit dem Entschluss hochkletterte, eine körperliche Auseinandersetzung zu begin-
nen (Urk. 72 S. 17). Dem kann so jedoch nicht gefolgt werden: Der Beschuldigte
könnte den Gurt auch deshalb abgelegt haben, um "unbewaffnet" hochzuklettern,
oder weil der Aufstieg ohne die im Gurt steckenden Werkzeuge leichter fiel. Die
Tatsache, dass der Beschuldigte, nachdem die Stimmung bereits angeheizt und
er dann vom Privatkläger auch noch persönlich beleidigt worden war, – entgegen
den Vorschriften – zu Letzterem in die Kranführerkabine hochstieg, deutet aller-
dings auf eine Kurzschlussreaktion des Beschuldigten hin. Es ist anzunehmen,
dass dem Beschuldigten "der Kragen geplatzt" ist und er wütend zum Privatkläger
auf den Kran stieg, um diesem zumindest ordentlich die Meinung zu sagen. Dies
entspricht auch den Aussagen der Zeugen C._ und F._, wonach der
Beschuldigte infolge der Beleidigungen durch den Privatkläger durchaus wütend
geworden sei (Urk. 5 S. 2; Urk. 8 S. 2; Urk. 14/1 S. 8.). C._ habe ihn stoppen
wollen, der Beschuldigte habe jedoch nicht auf sein Rufen reagiert. Dieser sei zü-
gig unterwegs gewesen (Urk. 5 S. 2; Urk. 8 S. 3 f.). Damit kann festgehalten wer-
den, dass der Beschuldigte in einem durch die gegenseitigen Beschimpfungen
und Provokationen bedingten wütenden Zustand auf den Kran hochstieg. Dass er
nur mit dem Privatkläger habe "ganz normal" (Urk. 97 S. 6) sprechen wollen, ist
unter diesen Umständen mit der Vorinstanz als reichlich abwegig und als Schutz-
behauptung anzusehen (Urk. 72 S. 17)
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Gemäss dem Beschuldigten ging der Privatkläger bei der Führerkabine direkt auf
ihn los. Er habe den Privatkläger dann am Hals gehalten und in die Kabine ges-
tossen, weil er Todesangst resp. grosse Angst gehabt habe, dass ihn dieser run-
ter stossen würde (Prot. I S. 45 f.). Wie der Privatkläger konkret auf ihn losging,
bevor er diesen am Hals in die Kabine drückte, erklärte der Beschuldigte nicht
(Prot. I S. 45 f.). Vielmehr gab er an, der Privatkläger habe zu schlagen angefan-
gen, als er diesen am Hals gehalten und reingestossen habe (Prot. S. 47 f.). An
der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte diese Aussagen im We-
sentlichen (Urk. 97). Dass der Privatkläger den Beschuldigten nicht gerade
freundlich empfangen würde, nachdem er zuvor Beschimpfungen ausgestossen
resp. die Mutter des Beschuldigten beleidigt hatte (vgl. Prot. I S. 38), ist anzu-
nehmen, und dass der Privatkläger auf den Beschuldigte losging, als dieser oben
ankam, ist unter den besagten Umständen durchaus denkbar.
Jedoch überzeugt auch der Privatkläger, welcher behauptet, der Beschuldigte sei
– oben angekommen – zuerst auf ihn losgegangen, habe ihn am Hals gepackt
und dann mit der anderen Faust ins Gesicht geschlagen. Er argumentierte, dass
er den Beschuldigten nicht habe schlagen wollen, da er gewusst habe, dass ihn
dieser dann auch schlagen würde, und er (der Privatkläger) dann runter gemusst
hätte, wo ihn nochmals sieben Eisenleger geschlagen hätten, welche ja mit dem
Beschuldigten verwandt etc. seien (Prot. I S. 49).
Der Vorinstanz ist daher beizupflichten, dass aufgrund der sich klar widerspre-
chenden Darstellungen der Beteiligten sowie der Zeugenaussagen nicht eindeutig
erstellt werden kann, wer von beiden letztlich mit der körperlichen Auseinander-
setzung begann (vgl. Urk. 72 S. 17). Allerdings ergibt sich insbesondere aus den
Zeugenaussagen auch, dass ohnehin nicht davon gesprochen werden könnte, es
habe einer der beiden mit der Schlägerei begonnen. Vielmehr steht fest, dass sich
beim Eintreffen des aufgrund der vorgängigen gegenseitigen Beleidigungen auf-
gebrachten Beschuldigten auf dem Kran beim aus denselben Gründen ebenfalls
aufgebrachten Privatkläger sofort die gegenseitigen tätlichen Übergriffe entzündet
haben. Beim Privatkläger war dies zusätzlich dadurch konditioniert, als der Be-
schuldigte (anerkanntermassen) gar nicht auf den Kran hätte hinaufsteigen dürfen
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und so in eine dem Privatkläger vorbehaltene Sphäre eingedrungen war, und den
Beschuldigten ergriff – oben angekommen – sogleich die Angst, vom Privatkläger
hinuntergestossen zu werden, sodass er sich veranlasst sah, diesen seinerseits in
die Kabine zu stossen (Urk. 97 S. 7). Es ist deshalb von einer gegenseitigen,
gleichzeitig begonnenen Schlägerei auszugehen. Dass dabei mit grosser Wahr-
scheinlichkeit der eine den anderen einen Sekundenbruchteil eher berührt haben
wird als umgekehrt (vgl. dazu Urk. 97 S. 7/8), spielt sowohl sachverhaltlich wie
auch rechtlich keine Rolle.
7.3. Der in der Anklage beschriebene Kick des Beschuldigten ins Gesicht des Pri-
vatklägers konnte von keinem der Zeugen beobachtet werden. Der Beschuldigte
bestreitet einen solchen, der Privatkläger sei immer aufrecht gestanden. Zumal
der Privatkläger selbst sowohl bei der Polizei wie auch gegenüber der Staatsan-
waltschaft erklärte, nicht gesehen zu haben, wer ihn gekickt habe (Urk. 4 S. 5,
Urk. 14/6 S. 7), und er auch vor Vorinstanz keine Ausführungen hierzu machte,
kann nicht als erstellt erachtet werden, dass der Beschuldigte – und nicht dessen
Bruder C._ – den Privatkläger ins Gesicht kickte, sofern denn überhaupt ein
solcher Kick erfolgte.
7.4. Dass der Privatkläger beim Vorfall vom 8. Juli 2016 die in der Anklageschrift
aufgeführten Verletzungen (Prellungen, Blutergüsse, Gehirnerschütterung, Na-
senwurzelfraktur, Würgemerkmale, Einblutungen der Augenbindehäute) erlitt, be-
legen die beiden ärztlichen Berichte des Kantonsspitals Winterthur vom 8. Juli
2016 und vom 19. Januar 2017 (Urk. 10/1+4).
7.4.1. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt (Urk. 72 S. 21), ist zu beachten, dass
der Privatkläger mehrmals aussagte, er sei nicht nur vom Beschuldigten, sondern
auch vom Bruder des Beschuldigten, C._, geschlagen worden (Urk. 14/6
S. 6; Prot. I S. 56). Demzufolge ist nur schon aufgrund der Aussagen des Privat-
klägers nicht klar, aufgrund welcher Schläge welches A._C._-Bruders
mutmasslich welche Verletzungen entstanden sind. Insbesondere kann nicht er-
stellt werden, dass die Gehirnerschütterung und der Nasenbeinbruch von Schlä-
gen des Beschuldigten herrührten.
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7.4.2. Es ist aufgrund der Aussagen des Beschuldigten und des Privatklägers er-
stellt, dass der Beschuldigte den Privatkläger mit einer Hand am Hals packte
resp. diesen mit einer gekrümmten Hand am Hals hielt und in die Krankabine
stiess. Von dieser Aktion stammen offensichtlich zumindest die festgestellten
Würgemerkmale sowie die Einblutungen der Augenbindehäute beim Privatkläger
(vgl. auch den Bericht des Kantonsspitals Winterthur Urk. 10/1 S. 2).
7.5. Der eingeklagte Sachverhalt kann somit insofern als erstellt erachtet werden,
als der Beschuldigte nach einer verbalen Auseinandersetzung mit dem Privat-
kläger zu diesem auf den Kran stieg und ihn im Rahmen der sofort entstandenen
körperlichen Auseinandersetzung mit einer Hand am Hals haltend in die Führer-
kabine stiess, worauf gegenseitig aufeinander eingeschlagen wurde, mit den er-
wähnten Verletzungsfolgen.
III. Rechtliche Würdigung
1. Einfache Körperverletzung - Tätlichkeit
1.1. Während der Tatbestand der Gefährdung des Lebens im vorliegenden
Berufungsverfahren kein Thema mehr ist, stellt sich die Frage, ob sich der
Beschuldigte der einfachen Körperverletzung resp. dem Versuch dazu (wie von
der Staatsanwaltschaft beantragt) oder der Tätlichkeiten schuldig gemacht hat. Zu
beurteilen sind Würgemerkmale und Einblutungen der Augenbindehäute.
1.2. Nach herrschender Lehre und Rechtsprechung ist der objektive Tatbestand
der Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB erfüllt, wenn eine das allgemein
übliche und gesellschaftlich geduldete Mass überschreitende physische Einwir-
kung auf einen Menschen ausgeübt wird. In Abgrenzung zur einfachen Körperver-
letzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB darf die Einwirkung keine Schädigung des
Körpers oder der Gesundheit zur Folge haben. Als typische Beispiele für Tätlich-
keiten gelten etwa Eingriffe in die körperliche Integrität, die nur Schrammen, Krat-
zer, Schürfungen, blaue Flecken oder Quetschungen bewirken, ohne erhebliche
Schmerzen zu verursachen. Auch leichte gesundheitliche Beeinträchtigungen, die
mindestens ein deutliches, freilich vorübergehendes Missbehagen verursachen,
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sind als Tätlichkeiten zu werten (BSK StGB-ROTH/KESHELAVA, 4. Aufl. 2019,
Art. 126 N 3 ff.). Die körperliche Integrität ist dann im Sinne einer Körperver-
letzung beeinträchtigt, wenn innere und äussere Verletzungen zugefügt werden,
die zumindest eine gewisse Heilungszeit und auch Behandlung erfordern, also
beispielsweise Knochenbrüche, Hirnerschütterungen, Quetschungen mit Bluter-
güssen und Schürfungen, sofern sie um einiges über blosse Kratzer hinausgehen
(BSK StGB-ROTH/BERKEMEIER, 4. Aufl. 2019, Art. 123 N 4).
1.3. Vorliegend hat der Beschuldigte den Privatkläger mit einer Hand am Hals hal-
tend in die Führerkabine gestossen und ihm danach mit der Faust mehrmals ins
Gesicht geschlagen. Offensichtlich hat er dadurch Tätlichkeiten begangen. Faust-
schläge ins Gesicht erfüllen diesen Tatbestand fraglos, und nachdem der Be-
schuldigte den Privatkläger vorgängig derart am Hals gepackt und gestossen hat-
te, dass Würgemale und Einblutungen der Augenbindehäute entstanden, ist auch
diesbezüglich die erforderliche Intensität erreicht. Mit seinem Vorgehen nahm der
Beschuldigte zumindest in Kauf, den Privatkläger massgeblich in seiner körper-
lichen Integrität zu beeinträchtigen. Der objektive wie auch der subjektive Tatbe-
stand der Tätlichkeiten ist somit erfüllt.
1.4. Die Staatsanwaltschaft macht geltend, der Beschuldigte habe zumindest den
Tatbestand der versuchten einfachen Körperverletzung erfüllt, weil er damit habe
rechnen müssen, dass die Boxschläge ins Gesicht des Privatklägers zu einer
Körperverletzung führen (Urk. 80 S. 2; Urk. 95 S. 2 f.). Die Verteidigung bringt da-
gegen vor, dass entgegen der Darstellung der Staatsanwaltschaft Faustschläge
eben nicht per se geeignet seien, eine Körperverletzung herbeizuführen. Auch
nicht solche, welche gegen den Kopf gerichtet seien (Urk. 94 S. 6).
1.5. Vom Wissen um die blosse Möglichkeit einer schweren Körperverletzung darf
nach der Rechtsprechung indes nicht auf deren Inkaufnahme geschlossen wer-
den. Vielmehr müssen bei einem bloss möglichen Erfolgseintritt weitere belasten-
de Umstände hinzukommen (Urteil des Bundesgerichts 6B_908/2017 vom
15. März 2018, E. 1.4). Wenn die Staatsanwaltschaft ausführt, in einem der-
massen dynamischen Geschehen liessen sich solche Gewalthandlungen nicht
dosieren oder dermassen kontrolliert ausführen, dass Verletzungen des Kontra-
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henten ausgeschlossen werden können (Urk. 95 S. 2 f.), so bleibt dies theoretisch
und reicht alleinstehend nicht, um auf eine versuchte einfache Körperverletzung
zu schliessen. Konsequent weitergedacht, müsste die staatsanwaltschaftliche Ar-
gumentation nämlich dazu führen, dass Schläge gegen das Gesicht immer (min-
destens) den Tatbestand der versuchten einfachen Körperverletzung erfüllen und
Tätlichkeiten in diesem Kontext nicht möglich sind. Das kann nicht sein, weshalb
– wie gesehen – gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zusätzliche
Umstände notwendig sind, damit auf die Inkaufnahme einer Körperverletzung ge-
schlossen werden könnte. Solche Umstände sind vorliegend indessen nicht ge-
geben: Weder wären besonders wuchtige, starke Faustschläge erstellt – welche
in der Enge einer Krankabine ohnehin auch schwierig auszuführen gewesen wä-
ren –, noch ginge es etwa um Schläge gegen ein wehrloses oder auf die Schläge
nicht vorbereitetes Opfer. Ausgehend vom erstellten Sachverhalt kann damit nicht
auf die Inkaufnahme einer Körperverletzung geschlossen werden.
1.6. Daher ist das Vorliegen einer versuchten Körperverletzung zu verneinen und
der Beschuldigte vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung, resp. dem Ver-
such dazu, freizusprechen.
2. Notwehr
2.1. Die Verteidigung macht geltend, der Beschuldigte sei auf dem Kran vom Pri-
vatkläger angegriffen worden. Es sei dann unter Umständen ein angemessenes
Verteidigungsmittel, den Angreifer für kurze Zeit am Hals zu packen und diesen in
die Krankabine zu drücken. Als Abwehrmassnahmen des Beschuldigten seien
sowohl das Packen am Hals als auch die Schläge des Beschuldigten anzusehen
(Urk. 48 S. 8 f.).
2.2. Gemäss Art. 15 StGB ist jemand, der ohne Recht angegriffen oder unmittel-
bar mit einem Angriff bedroht wird, berechtigt, den Angriff in einer den Umständen
angemessenen Weise abzuwehren.
2.3. Die Vorinstanz erwog hierzu, der Beschuldigte sei von sich aus auf den Kran
gestiegen, was er ohne weiteres nicht tun und die entstandene Situation hätte
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vermeiden können. Die Behauptung des Privatklägers, das Hochsteigen sei
grundsätzlich nur dem Kranführer erlaubt, sei unerwidert geblieben. Die Aussage
des Beschuldigten, er habe nur mit dem Privatkläger reden wollen, wirke in Anbe-
tracht der gesamten Situation und der vorangegangenen Ereignisse wenig glaub-
haft. Wenn er schon selbst davon ausgegangen sei, dass der Privatkläger ihm mit
Schlägen um 17 Uhr gedroht habe, sei es unverständlich, zu meinen, die Situati-
on könne durch sofortiges Besteigen des Krans entspannt werden. Es sei der Be-
schuldigte gewesen, der die konkrete Situation auf dem Kran veranlasst habe.
Entsprechend könne er sich nicht auf Notwehr berufen (Urk. 72 S. 23). Dem hielt
die Verteidigung im Rahmen der Berufungsverhandlung entgegen, dass der Be-
schuldigte durch das Hochklettern auf den Kran nicht seines Notwehrrechts ver-
lustig geworden sei. Selbst wenn man im Verhalten des Beschuldigten eine "Pro-
vokation" sehen würde, müsste er den Angriff des Privatklägers nicht wider-
standslos über sich ergehen lassen. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung las-
se denn auch keinen Zweifel daran, dass das Recht zur Notwehr auch dann be-
stehe, wenn der Täter den Angriff verursacht habe (Urk. 94 S. 4).
2.4. Wie bereits dargelegt ist erstellt, dass unmittelbar nach Eintreffen des Be-
schuldigten auf der Kranplattform eine gegenseitige Schlägerei entbrannte. In
diesem Sinne ist weder auf der einen noch der anderen Seite ein Angriff im Sinne
von Art. 15 StGB gegeben. Vielmehr eskalierte die gegenseitige Auseinanderset-
zung nach den vorgängigen gegenseitigen Beschimpfungen und Beleidigungen.
Demnach bestand keine Notwehrlage. Zu bemerken bleibt immerhin, dass sich
der Beschuldigte durch sein unbefugtes Hinaufklettern am Kran und Eindringen in
den Arbeitsbereich des Privatklägers den entscheidenden Anstoss zur körper-
lichen Auseinandersetzung gegeben hat. Es war dem Beschuldigten bekannt,
dass er als Eisenleger nicht befugt war, den Kran hochzuklettern (Urk. 97 S. 5).
Wenn schon, durfte sich der auf dem Kran befindliche Privatkläger unter dieser
Prämisse tendenziell eher angegriffen fühlen.
3. Fazit
Der Beschuldigte kann sich nicht auf Notwehr berufen und hat sich demzufolge
der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
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IV. Strafzumessung
1. Vorab ist festzuhalten, dass am 1. Januar 2018 die revidierten Bestimmungen
des allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches in Kraft getreten sind. Gemäss
Art. 2 Abs. 1 StGB wird ein Straftäter nach demjenigen Recht beurteilt, das bei
der Begehung in Kraft war. Das neue Recht ist indes anwendbar, wenn es für den
Täter das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Hinsichtlich derselben Tat ist entweder
nur das alte oder das neue Recht anzuwenden, eine kombinierte Anwendung ist
ausgeschlossen (Grundsatz der Alternativität). Die vorliegend zu beurteilende Tat
beging der Beschuldigte am 8. Juli 2016, also noch unter altrechtlichem Sank-
tionenrecht. Das seit dem 1. Januar 2018 in Kraft stehende neue Sanktionenrecht
erweist sich im Vergleich zum alten Recht unverändert. Es gelangt damit das im
Tatzeitpunkt geltende Recht zur Anwendung (Art. 2 Abs. 2 StGB).
2. Die Vorinstanz hat die anzuwendenden Strafzumessungsregeln in ihrem Ent-
scheid angeführt und zutreffend festgehalten, dass zwischen Tat- und Täterkom-
ponente zu unterscheiden ist. Darauf kann verwiesen werden (vgl. Urk. 72
S. 24 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zudem hat die Vorinstanz korrekt auf die Strafan-
drohung von Art. 126 Abs. 1 StGB (Busse bis Fr. 10'000.–) hingewiesen
(vgl. Urk. 72 S. 23).
3. Bezüglich der objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
den Hals des Privatklägers derart fest zudrückte, dass dieser Würgemmale am
Hals und Einblutungen an den Augenbindehäuten erlitt. Auch seine Schläge ge-
gen den Kopf, mithin ein äusserst sensibler Körperteil, des Privatklägers zeugen
von Brutalität und grosser Hemmungslosigkeit. Die objektive Tatschwere ist daher
als erheblich einzustufen.
4. In Bezug auf die subjektive Tatschwere ist mit der Vorinstanz festzuhalten,
dass der Beschuldigte zum Privatkläger auf den Kran stieg, was ursächlich dafür
war, dass der verbale Streit in eine Schlägerei überging. Die Vorinstanz führte zu-
treffend aus, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb der Beschuldigte unter diesen
Umständen, in dieser heiklen Stimmung, den Entschluss gefasst habe, zum Pri-
vatkläger hinaufzusteigen. Dass die Situation durchaus brenzlig war und eine un-
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mittelbare Eskalationsgefahr drohte, habe dem Beschuldigten klar sein müssen.
So habe der Bruder des Beschuldigten, C._, beispielsweise ausgesagt, er
sei hinter dem Beschuldigten her und habe ihn stoppen wollen, dies aber nicht
geschafft. Er habe verhindern wollen, dass einer der beiden aus 30 Metern ab-
stürze (Urk. 72 S. 25 mit weiterem Verweis). Diese Erwägungen sind zu über-
nehmen.
5. Hinsichtlich der persönlichen und finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten
kann auf die diesbezüglichen Ausführungen im vorinstanzlichen Entscheid ver-
wiesen werden (Urk. 72 S. 25 f.). An der Berufungsverhandlung gab der Beschul-
digte zudem an, dass er unterdessen einen höheren Stundenlohn erhalte. Je
nach Auftragslage belaufe sich sein monatliches Einkommen auf Fr. 4'000.– bis
Fr. 5'000.–. Er lebe nach wie vor zusammen mit seinen Eltern und gebe für Woh-
nen, Essen, Waschen etc. zwischen Fr. 2'000.– und Fr. 2'500.– ab. Hinzu komme
die Krankenkassenprämie in der Höhe von Fr. 220.– und die Telefonrechnung in
der Höhe von Fr. 95.–. Weitere Fixkosten habe er nicht. Vermögen oder Schulden
seien auch nicht vorhanden. Er sei nicht verheiratet und habe keine Kinder
(Urk. 97 S. 1 ff.). Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten wirken sich
strafzumessungsneutral aus.
6. Vorstrafen betreffend den Beschuldigten sind keine bekannt (vgl. Urk. 75 und
89A).
7. Zum Nachtatverhalten ist zu beachten, dass der Beschuldigte zwar zugab, den
Privatkläger am Hals gepackt und geschlagen zu haben. Etwas anderes hätte er
angesichts der beim Privatkläger festgestellten Verletzungen sowie der Schilde-
rungen des Privatklägers und der Zeugen jedoch auch nicht geltend machen kön-
nen. Rückblickend auf den Vorfall angesprochen, bezeichnete der Beschuldigte
diesen in der Berufungsverhandlung lediglich als "nicht normal", und er erklärte,
heute in einer vergleichbaren Situation "einfach wegschauen" zu wollen. Von
Reue dem lädierten Privatkläger gegenüber kann mithin keine Rede sein.
8. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer Busse in der Höhe von
Fr. 6'000.– bestraft (Urk. 72 S. 26).
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9. Massgebend für die Berechnung der Höhe der Busse ist das Verschulden und
die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten (Art. 106 Abs. 3 StGB). Zu den
persönlichen Verhältnissen zählen namentlich sein Einkommen und sein Ver-
mögen, sein Familienstand und seine Familienpflichten, sein Beruf und Erwerb,
sein Alter und seine Gesundheit. Damit wird nicht von der allgemeinen Strafzu-
messungsregel des Art. 47 StGB abgewichen, sondern diese wird im Hinblick auf
die Besonderheiten der Busse verdeutlicht. Es soll vermieden werden, dass die
Busse den wirtschaftlich Schwachen härter trifft als den wirtschaftlich Starken
(MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl. 2019, N 458, mit Hinweisen).
10. Der Beschuldigte arbeitet als Eisenleger und erzielt ein monatliches Nettoein-
kommen zwischen Fr. 4'000.– und Fr. 5'000.–. Er lebt mit seinen Eltern in einem
Haushalt und bezahlt monatlich ungefähr Fr. 2'500.– in die gemeinsame Kasse.
Hinzu kommt die monatliche Krankenkassenprämie in der Höhe von Fr. 220.–.
Unter Berücksichtigung dieser Prämissen sowie in Relation zur Bussenobergren-
ze von Fr. 10'000.– (Art. 106 Abs. 1 StGB) rechtfertigt es sich, die von der Vor-
instanz ausgesprochene Busse erheblich zu reduzieren. Damit erweist sich eine
Bestrafung mit einer Busse von Fr. 3'000.– dem Verschulden und den persön-
lichen Verhältnissen des Beschuldigten als angemessen.
11. Die Busse ist zu vollziehen (Art. 106 Abs. 5 i.V.m. Art. 35 Abs. 1 StGB).
12. Unter Verweis auf die theoretischen Ausführungen der Vorinstanz zur Ersatz-
freiheitsstrafe und unter Berücksichtigung, dass das Verschulden immerhin als
erheblich einzustufen ist, erscheint eine Ersatzfreiheitsstrafe von 30 Tagen als
angemessen.
V. Zivilansprüche
1. Nachdem es bei der bereits von der Vorinstanz ausgesprochenen Verurteilung
bleibt, ist auch über die vom Privatkläger geltend gemachten Zivilansprüche ent-
sprechend zu entscheiden (Urk. 72 S. 27/28; Art. 82 Abs. 4 StPO). Das Schaden-
ersatzbegehren des Privatklägers abzuweisen, wie vom Beschuldigten beantragt
(Urk. 94 S. 2), kommt bei der gegebenen Ausgangslage nicht in Frage.
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2. Die Vorinstanz hat die Schadenersatzforderung des Privatklägers in Anwen-
dung von Art. 126 Abs. 2 lit. a-d StPO sowie Art. 126 Abs. 3 StPO auf den Zivil-
weg verwiesen, weil aufgrund der Akten und Vorbringen der Parteien kein sofor-
tiger Entscheid über die Zivilansprüche möglich sei (Urk. 72 S. 28). Mit dieser Be-
gründung hätte die Vorinstanz die Zivilklage indessen wenigstens im Grundsatz
entscheiden müssen (Art. 126 Abs. 3 StPO). Nachdem der Privatkläger seine
Berufung zurückgezogen und keine Anschlussberufung erhoben hat, kann der
vorinstanzliche Entscheid zufolge des Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2
StPO) aber nicht dahingehend abgeändert werden.
3. Entsprechend ist der Privatkläger mit seinem Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositiv-Ziff. 9) zu
bestätigen (Art. 426 StPO).
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ih-
res Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Der Rückzug der Berufung des Privatklägers erfolgte noch vor Ablauf der Beru-
fungserklärungsfrist und hat damit keinen Einfluss auf die Kostenauflage.
3. Der Privatklägervertreter reichte am 29. August 2019 eine Honorarnote über
einen Aufwand von Fr. 723.70 ins Recht (Urk. 88). Die Kosten im Zusammenhang
mit der Berufungsanmeldung und deren Rückzug sind vom Privatkläger selber zu
tragen.
4. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Beschuldigte unterliegen mit ihren
Anträgen in der Berufung im Wesentlichen und der vorinstanzliche Entscheid ist
zu bestätigen. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind deshalb, mit Ausnahme
der Kosten für die amtliche Verteidigung, zu einer Hälfte dem Beschuldigten auf-
zuerlegen und zur anderen Hälfte auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten
des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten sind einstweilen auf die Gerichts-
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kasse zu nehmen, unter Vorbehalt einer Rückzahlung im Umfang der Hälfte, so-
bald es die wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten ermöglichen (Art. 135
Abs. 4 StPO).
5. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten, Rechtsanwalt Dr. iur. X._,
reichte im Berufungsverfahren eine Honorarnote über einen Aufwand von
Fr. 3'086.55 ins Recht (Urk. 92). Die geltend gemachten Aufwendungen und Aus-
lagen für das Berufungsverfahren sind ausgewiesen und erweisen sich als ange-
messen. Dementsprechend ist die amtliche Verteidigung mit Fr. 3'086.55
(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen. Die Rückzahlungspflicht
des Beschuldigten im Umfang der Hälfte bleibt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO
vorbehalten.