# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5f4f035c-1a86-5b2b-a335-6a397190366c
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) X.Y. ist am 4. Januar 1980 in Svilajnac, Serbien, geboren und mit elf Jahren im
Rahmen des Familiennachzugs zu seinem Vater in die Schweiz gezogen. Seine
Aufenthaltsbewilligung wurde zwischenzeitlich in eine Niederlassungsbewilligung
umgewandelt. Nach Beendigung der obligatorischen Schulzeit machte er bei der M.
eine Anlehre als Metzger.
b) Am 7. Juni 2001 heiratete er in seiner Heimat eine gleichaltrige Landsfrau, worauf
diese im Rahmen des Familiennachzugs in der Schweiz Wohnsitz nahm. Seit dem Jahr
2006 verfügt auch sie über die Niederlassungsbewilligung. Aus der Ehe gingen zwei
Töchter, geboren am 6. Dezember 2001 und 11. März 2006, hervor, die ebenfalls in der
Schweiz niedergelassen sind. Die Ehe wurde am 1. April 2010 geschieden, wobei die
elterliche Sorge über die Kinder der Mutter zugeteilt wurde.
c) Am 18. Oktober 2010 heiratete X.Y. die wiederum in Serbien wohnhafte H.I. Diese ist
am 22. Februar 1984 in Zajecar, Serbien, geboren und in ihrem Heimatland
aufgewachsen, wo sie heute noch lebt.
B./ X.Y. gab wiederholt Anlass zur Klage. So wurde er unter anderem im Oktober 1999
mit Strafbefehl des Bezirksamtes Baden wegen Missbrauchs von Kontrollschildern und
weiteren Strassenverkehrsdelikten zu einer Gefängnisstrafe und einer Busse verurteilt.
Im Januar 2005 büsste ihn das Untersuchungsamt Gossau wegen mehrfachen
Ungehorsams im Betreibungsverfahren. Das gleiche Amt verurteilte ihn im August 2006
wegen Führens eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand zu einer bedingten
Freiheitsstrafe von mehreren Wochen und einer Busse. Am 24. September 2006 wurde
die Polizei von seiner damaligen Ehefrau gerufen, weil er sie geschlagen hatte. Im
Januar 2007 erfolgte eine Busse wegen erneuten mehrfachen Ungehorsams im
Betreibungs- und Konkursverfahren. Die Staatsanwaltschaft Thurgau schliesslich
bestrafte ihn am 15. März 2011 wegen mehrfacher versuchter Nötigung, mehrfachen
Ungehorsams im Betreibungs- und Konkursverfahren sowie wegen grober Verletzung
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von Verkehrsregeln mit einer Geldstrafe und einer Busse. Dem Tatbestand der
Nötigung lag die Drohung des Verurteilten zu Grunde, dass er seine Ex-Frau töten
werde (Vorakten Migrationsamt act. 286). Seit dem 1. Juli 2010 ist er bei der B. AG
bzw. H. AG als Mitarbeiter im Reinigungsdienst angestellt. Die monatlichen
Unterhaltszahlungen für seine beiden Töchter von derzeit insgesamt Fr. 1'500.--
werden direkt von seinem Lohn abgezogen, nachdem er in der Vergangenheit
wiederholt seiner Zahlungspflicht nicht nachgekommen war und das Sozialamt seiner
Ex-Frau die Alimentenzahlungen bevorschussen musste. Im Sommer 2012 lagen
Verlustscheine in der Höhe von Fr. 168'000.-- und laufende Betreibungen von
Fr. 21'312.-- vor (act. 6/2 und 3).
C./ Am 15. November 2010 ersuchte X.Y. um Bewilligung des Familiennachzugs für
seine zweite serbische Ehefrau und deren Tochter K.L., geboren am 29. Januar 2005.
Das Migrationsamt wies das Gesuch am 11. Mai 2011 mit der Begründung ab, dass
der Gesuchsteller finanziell nicht in der Lage sei, für sich und seine neue Familie
aufzukommen.
D./ Gegen diese Verfügung erhob der Gesuchsteller am 26. Mai 2011 beim Sicherheits-
und Justizdepartement Rekurs mit dem Antrag, der Familiennachzug für seine Ehefrau
und seine Stieftochter sei zu bewilligen. Zwar sei er tatsächlich geschäftlich mehrmals
gescheitert und habe Schulden, er sei aber bemüht, diese abzubauen. Vorliegend gehe
es einzig um die Frage, ob er künftig für sich und seine Frau ohne Inanspruchnahme
von Fürsorgeleistungen aufkommen könne und nicht darum, ob seinen Gläubigern trotz
des Familiennachzugs das Verwertungssubstrat erhalten bleibe.
Die Rekursbehörde wies das Rechtsmittel mit Entscheid vom 7. Mai 2012 ab. Die
Abweisung begründete sie damit, auf Grund der desolaten finanziellen Verhältnisse des
Rekurrenten bestünde die konkrete Gefahr, dass er und seine Familie fortgesetzt und
erheblich sozialhilfeabhängig würden, falls dem Gesuch um Familiennachzug für seine
Ehefrau und deren Tochter stattgegeben werde. Dem Ehepaar habe im Zeitpunkt der
Verheiratung bewusst sein müssen, dass die Ehe auf Grund der fehlenden finanziellen
Mittel nicht in der Schweiz gelebt werden könne. Damit sei es den Eheleuten zumutbar,
den Kontakt weiterhin mit gegenseitigen Besuchen und den heute gängigen
Kommunikationsmitteln zu pflegen.
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E./ Gegen den ablehnenden Entscheid liess der Rekurrent am 22. Mai 2012 beim
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen Beschwerde erheben und beantragen, der
angefochtene Entscheid sei kostenpflichtig aufzuheben und das Gesuch um
Familiennachzug zu bewilligen. Seiner Frau und der Stieftochter sei vorsorglich die
sofortige Einreise bzw. der sofortige Stellenantritt zu bewilligen. Zudem verlangte er die
unentgeltliche Rechtspflege. Die Beschwerdebegründung liess er am 22. Juni 2012
nachreichen. Im Wesentlichen macht er geltend, seine Schulden würden ihn nicht
davon abhalten, vollumfänglich für sich und seine Familie aufzukommen.
F./ Mit Verfügung vom 28. Juni 2012 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts das
Gesuch um Bewilligung des vorübergehenden Aufenthalts der nachzuziehenden
Ehefrau und Stieftochter ab. Gleichzeitig gewährte er mit Blick auf die laufenden
Lohnpfändungen die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsverbeiständung.
G./ Die Vorinstanz beantragt mit Schreiben vom 6. Juli 2012, die Beschwerde
abzuweisen.
H./ Mit Eingabe vom 30. Juli 2012 bekräftigte der Beschwerdeführer, dass er die
laufenden Unterhaltskosten selber bezahlen könne, weshalb keine Gefahr drohe, dass
er sozialhilfeabhängig werde. Am 14. September 2012 reichte er weitere Belege seiner
Reinigungsfirma Q. sowie einen Beleg einer Zahlung an das Betreibungsamt Kirchberg
nach.
I/. Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten wird – soweit erforderlich –
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Ausländische Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung haben nach
Art. 43 Abs. 1
des Ausländergesetzes (SR 142.20, abgekürzt AuG) Anspruch auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Der
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gleiche Anspruch ergibt sich aus dem garantierten Recht auf Achtung des
Familienlebens (Art. 8 Ziff. 1 der Konvention zum Schutz der Menschenrechte und
Grundfreiheiten [SR 0.101, abgekürzt EMRK] und Art. 13 Abs. 1 der Bundesverfassung
[SR 101]), sofern die familiäre Beziehung zu den nahen Verwandten mit gefestigtem
Anwesenheitsrecht in der Schweiz intakt ist und tatsächlich gelebt wird (BGer
2C_225/2007 vom 3. Dezember 2007 E. 1.2). Dieser Anspruch setzt das Schweizer
Bürgerrecht, eine Niederlassungs- oder eine Aufenthaltsbewilligung voraus, die
ihrerseits auf einem gefestigten Rechtsanspruch beruht (BGE 130 II 281 E. 3.1 mit
Hinweis).
Der Beschwerdeführer verfügt über eine Niederlassungsbewilligung, womit seine
Ehefrau nach Art. 43 Abs. 1 AuG grundsätzlich Anspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung hat. Ihrer knapp achtjährigen Tochter kann alsdann eine
Aufenthaltsbewilligung erteilt werden, wenn sie in der Schweiz mit ihrer Mutter
zusammen wohnt, eine bedarfsgerechte Wohnung vorhanden ist und sie nicht auf
Sozialhilfe angewiesen ist (Art. 44 AuG). Nach M. Caroni in: Caroni/Gächter/Thurnheer,
Handkommentar zum AuG, Bern 2010, N 10 zu Art. 43 AuG, besteht für die Stieftochter
ebenfalls ein Anspruch nach Art. 43 AuG. Das Bundesgericht hat jedoch entschieden,
dass gestützt auf Art. 42 Abs. 1 AuG kein Anspruch auf Nachzug von Stiefkindern
durch Schweizer Bürger bestehe. Ein solcher liege aber gestützt auf Art. 8 EMRK und
Art. 13 Abs. 1 BV für den Ausländer mit einem gefestigten Aufenthaltsrecht vor, wenn
die Voraussetzungen von Art. 44 AuG erfüllt seien, der Nachzug bei Kindern über zwölf
Jahren innerhalb von zwölf Monaten bzw. bei Kindern unter zwölf Jahren innerhalb von
fünf Jahren geltend gemacht werde (Art. 47 Abs. 1 und 3 AuG bzw. Art. 73 VZAE), der
Nachzug nicht in klarer Missachtung des Wohls sowie der familiären Bindungen des
Kindes erfolgen solle und kein Widerrufsgrund nach Art. 62 AuG vorliege (BGE 137 I
284 E. 2.7).
3. Nach Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG erlischt der Anspruch auf Familiennachzug resp. die
Aufenthaltsbewilligung unter anderem, wenn Widerrufsgründe gemäss Art. 62 AuG
vorliegen. Konkret stehen die Widerrufsgründe gemäss Art. 62 lit. c und e AuG zur
Diskussion. Demnach erlischt der Anspruch auf Familiennachzug unter anderem, wenn
der Ausländer erheblich oder wiederholt gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung
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in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet bzw. wenn eine
Person, für die der Ausländer zu sorgen hat, auf Sozialhilfe angewiesen ist.
3.1. Der Widerrufsgrund nach Art. 62 lit. c AuG ist unter anderem dann erfüllt, wenn der
Ausländer öffentlich-rechtliche oder privatrechtliche Verpflichtungen nicht erfüllt
(Art. 80 Abs. 1 lit. b der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit,
SR 142.201, abgekürzt VZAE). Dazu gehören etwa Steuern, Alimente, Sozialabgaben,
Mietzinse oder Prämien privater Versicherungen. In diesem Zusammenhang hat das
Bundesgericht entschieden, dass eine Verschuldung in bedeutendem Umfang, konkret
waren Schulden von nahezu bzw. über Fr. 100'000.-- zu beurteilen, einen Verstoss
gegen die öffentliche Ordnung darstellen könne (S. Hunziker in: Caroni/Gächter/
Thurnheer, Handkommentar zum AuG, Bern 2010, N 36 zu Art. 62 AuG mit Hinweisen).
3.2. Art. 61 lit. e AuG setzt eine konkrete Gefahr der Fürsorgeabhängigkeit voraus.
Blosse finanzielle Bedenken allein genügen nicht. Für die Beurteilung der Gefahr der
Sozialhilfeabhängigkeit ist von den aktuellen Verhältnissen auszugehen und die
wahrscheinliche finanzielle Entwicklung auf längere Sicht abzuwägen. Bejaht wird die
Dauerhaftigkeit der Sozialhilfeabhängigkeit, wenn im Zeitpunkt des Entscheids nicht
mit einer Verbesserung der Situation gerechnet werden kann und das Fürsorgerisiko
aller Voraussicht nach bestehen bleibt. Entscheidend sind die finanziellen
Möglichkeiten aller Familienmitglieder über eine längere Sicht. Das Einkommen des
Angehörigen, der an die Lebenshaltungskosten der Familie beitragen soll, ist daran zu
messen, ob und in welchem Umfang es tatsächlich realisierbar ist. In diesem Sinne
müssen die Erwerbsmöglichkeiten und das damit verbundene Einkommen mit einer
gewissen Wahrscheinlichkeit auf mehr als nur kurze Frist hin gesichert erscheinen
(BGer 2C_31/2012 vom 15. März 2012 E. 2.2 mit Hinweisen). Eine hohe Verschuldung
wirkt sich dabei negativ auf die Zukunftsprognose aus (S. Hunziker, a.a.O., N 49 zu
Art. 62 AuG).
3.3. Die Vorinstanz hat festgestellt, dass der Beschwerdeführer bei einem
Nettoeinkommen von gut Fr. 4'400.-- mit rund Fr. 180'000.-- massiv verschuldet ist.
Die Schulden sind in erster Linie Folge seiner Versuche, sich selbstständig zu machen.
Seinen Ausführungen zufolge ist er dabei zwei Mal mit Einzelunternehmen Konkurs
gegangen (act. 6 S. 4 Ziff. 4). Alsdann musste er - von einer Jugendstrafe abgesehen -
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innert 12 Jahren sechs Mal strafrechtlich belangt werden, wobei er wiederholt wegen
Ungehorsams im Betreibungs- und Konkursverfahren bestraft werden musste.
3.3.1. Damit steht die Frage im Raum, ob der Beschwerdeführer während seines
bisherigen Aufenthalts in der Schweiz in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche
Ordnung im Sinn von Art. 62 lit. c AuG verstossen hat. Fakt ist aber, dass die
Verwaltung die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers bis anhin nicht
widerrufen hat, sei es, dass sie zum Schluss gekommen ist, der Widerrufgrund gemäss
Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG sei nicht gegeben, oder dass sie ermessensweise auf den
Widerruf verzichtet hat. Damit hat seine Frau trotz seiner zahlreichen Vergehen und
trotz massiver Schulden ihres Ehemanns einen grundsätzlichen Anspruch auf Erteilung
der Aufenthaltsbewilligung. Dies gälte selbst für den Fall, dass ihr Ehemann wegen
seines Fehlverhaltens bereits verwarnt worden wäre. Anders läge der Fall bloss, wenn
sein Ausweisungsverfahren eingeleitet worden wäre (BGer 2C_847/2009 vom 21. Juli
2010 E. 3.1).
3.3.2. Der Anspruch auf Familiennachzug knüpft an das gefestigte Anwesenheitsrecht
des Nachziehenden an. Damit stellt sich weiter die Frage, ob im vorliegenden Verfahren
vorfrageweise zu klären sei, ob der Beschwerdeführer damit, dass er seinen öffentlich-
rechtlichen und privatrechtlichen Zahlungsverpflichtungen im erheblichen Mass nicht
nachgekommen ist, prinzipiell den Widerrufsgrund von Art. 62 lit. c AuG erfüllt und
damit einen Erlöschenstatbestand gemäss Art. 51 Abs. 2 lit. b AuG gesetzt habe. Das
Bundesgericht hat diese Frage ebenfalls bereits beantwortet und ausgeführt, dass
Widerrufsgründe nach Art. 62 AuG grundsätzlich bei derjenigen Person gegeben sein
müssen, die einen Anspruch auf Bewilligung geltend macht, vorliegend also bei der
nachzuziehenden Ehegattin. Das gilt wie bereits gesagt selbst für den Fall, dass der
Beschwerdeführer für sein Fehlverhalten verwarnt worden wäre, was vorliegend nicht
der Fall ist. Der Grund dafür liegt darin, dass es unbescholtenen Familienangehörigen
nicht verwehrt sein soll, bei einem Angehörigen mit nicht tadellosem Verhalten zu
leben, solange dessen Bewilligung fortbesteht (BGer 2C_847/2009 vom 21. Juli 2010
E. 3.2; M. Spescha in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli, Migrationsrecht, 3. Auflage, Zürich
2012, N 9 zu Art. 51 AuG). Dies trifft vorliegend zu. Der Beschwerdeführer hat zwar seit
seiner Einreise in die Schweiz mehrfach delinquiert und massiv Schulden gemacht.
Solange sein Aufenthaltsrecht aber noch besteht bzw. noch kein
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Wegweisungsverfahren eingeleitet worden ist, bleibt sein Anspruch auf
Familiennachzug nach wie vor bestehen. Dass seitens der Ehegattin Widerrufsgründe
vorliegen würden, wird nicht geltend gemacht.
3.4. Damit bleibt zu prüfen, ob beim Beschwerdeführer und seiner nachzuziehenden
Ehefrau der Widerrufsgrund einer drohenden Fürsorgeabhängigkeit gemäss Art. 62
lit. e AuG besteht.
3.4.1. Für die Berechnung der notwendigen finanziellen Mittel ist die Vorinstanz von
den VOF-Richtlinien (www.vof.ch) ausgegangen. Bei der VOF handelt es sich um die
Vereinigung der Leiterinnen und Leiter der kantonalen Fremdenpolizeibehörden der
Ostschweizer Kantone (Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Glarus,
Graubünden, St. Gallen, Schaffhausen, Thurgau und Zürich) sowie des Fürstentums
Liechtenstein. Ihre Richtlinie wiederum orientiert sich an den SKOS-Richtlinien
(Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe). Die Anwendung der VOF-
Richtlinie im Zusammenhang mit dem Erlöschen und Widerruf der ausländerrechtlichen
Bewilligungen entspricht an sich der Praxis des Verwaltungsgerichts (VerwGE
B 2011/196 vom 12. April 2012 E. 2.1.1 mit Hinweisen, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch), da es für die Prognose, ob der nachziehende Ausländer auf
längere Sicht effektiv in der Lage sein wird, für sich und seine Familie aufzukommen,
sinnvoll ist, möglichst von den Kosten auszugehen, die dem nachziehenden Ausländer
tatsächlich anfallen werden statt von einem erheblich tieferen theoretischen Notbedarf,
der ihm bei einem bescheidenen Lebenswandel gerade noch zugemutet werden
könnte. Das Bundesgericht bezeichnet es aber als sachfremd, im Rahmen von Art. 62
lit. e AuG andere Kriterien anzuwenden als für die effektive Zusprache von
Sozialleistungen, weshalb es den Ergänzungsbedarf bei der Berechnung grundsätzlich
ausklammert (BGer 2C_685/2010 vom 30. Mai 2011 E. 2.3.3).
3.4.2. Das Migrationsamt ist von Nettoeinkünften von Fr. 6'839.70 und einem
Totalbedarf von Fr. 7'592.60 ausgegangen (Vorakten Migrationsamt act. 294). Die
Vorinstanz geht von einem monatlichen Einkommen von Fr. 4'438.-- aus, wobei es die
Schulden unberücksichtigt lässt und den Gesamtnotbedarf auf Fr. 6'230.-- pro Monat
festlegt. Gleichzeitig weist sie aber darauf hin, dass nebst den berücksichtigten
Alimentenzahlungen noch die Ausstände der öffentlichen Hand gegenüber
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berücksichtigt werden müssten, namentlich die unbezahlten Steuern von rund
Fr. 10'000.-- und die Ausstände beim Sozialamt (Fr. 1'385.-- Sozialhilfe und
Fr. 34'406.74 bevorschusste Kinderalimente).
3.4.3. Nebst dem monatlichen Grundbedarf für drei Personen von Fr. 1'884.--, den
Wohnungskosten von Fr. 1'380.--, den Krankenkassenprämien von Fr. 737.10 und
Steuern von Fr. 891.50 sind die gerichtlich festgelegten Unterhaltsbeiträge zu
berücksichtigen. Diese betragen Fr. 1'750.-- pro Monat. Kinderunterhaltszahlungen
können zwar grundsätzlich herabgesetzt werden, wenn die Leistungsfähigkeit des
Pflichtigen zufolge neuer familiärer Ausgaben dauerhaft einbricht. Eine Herabsetzung
würde dem Beschwerdeführer im Zusammenhang mit Art. 62 lit. e AuG jedoch nichts
nützen, weil in diesem Fall zu berücksichtigen wäre, dass seine beiden Kinder aus
erster Ehe an seiner Statt Sozialhilfeleistungen beziehen müssten, womit er seine
eigene drohende Fürsorgebedürftigkeit auf seine Kinder, für die er im Sinn von Art. 62
lit. e AuG zu sorgen hat, abwälzen würde. Ausländerrechtlich rechtfertigt es sich
sodann, beim Bedarf die anfallenden Erwerbsunkosten einzurechnen, was auf Grund
der massgeblichen Richtlinie bei einer Vollzeitbeschäftigung mit pauschal Fr. 250.--
berücksichtigt wird. Dieser Ausgabenposten ist insofern ausgewiesen, als der
Beschwerdeführer und seine nachzuziehende Ehefrau auf dem Land wohnen und
Arbeitsstellen geltend machen, wofür sie zwingend ein Auto bzw. den öffentlichen
Verkehr benötigen. Sofern man zu Gunsten der nachzuziehenden Ehefrau - wie
nachfolgend aufzuzeigen ist - eine Halbtagesstelle anrechnet, beträgt die
Erwerbspauschale gemäss VOF-Richtlinie für beide Ehepaare Fr. 375.-- pro Monat.
Damit ergibt sich für den Beschwerdeführer und seine Familie ein Mindestbedarf von
Fr. 7'017.60 pro Monat. Schulden aus der Zeit vor Antragsstellung auf Familiennachzug
sind zwar - wie bereits gesagt - Indiz dafür, dass der nachziehende Ausländer mit
seinem Einkommen nicht über die Runden kommt. Im Rahmen des Familiennachzugs
können sie nach dem Gesagten aber einzig im Rahmen der pfändbaren Quote
(Ammon/Walther, Grundriss des Schulbetreibungs- und Konkursrechts, 8. Auflage,
Bern 2008, § 23 N 53) berücksichtigt werden.
3.4.4. Der Beschwerdeführer erzielt aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit netto
Fr. 4'760.-- (Vorakten Migrationsamt act. 250, act. 7/21, act. 8). Mit seiner kürzlich
gegründeten eigenen Reinigungsfirma Q. will er zusätzlich Fr. 700.-- pro Monat
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verdienen. Als Beleg dafür hat er zahlreiche Putzaufträge, namentlich
Wohnungsabgaben, eingereicht. Die entsprechenden Reinigungsarbeiten erbringt er
persönlich, wobei sich seine Aufträge nicht auf die Ostschweiz beschränken. Seine
Reinigungsdienste erfüllt er im Gegenteil zu einem erheblichen Teil in anderen
Landesteilen, so in den Kantonen Zürich, Bern, Basel oder Aargau. Davon abgesehen,
dass der Beschwerdeführer seine Reinigungsarbeiten vergleichsweise billig anbietet,
fallen bei diesem weitläufigen Tätigkeitsgebiet lange Anfahrtswege und damit
unverhältnismässig hohe Erwerbsunkosten an. Damit ist es wenig realistisch, dass er
mit dieser Tätigkeit künftig auf lange Zeit - zusätzlich zu seiner 100-prozentigen
Anstellung - regelmässig netto Fr. 700.-- pro Monat aus selbstständiger Tätigkeit wird
erzielen können, wie er behauptet. Gegen ein zusätzliches ständiges
Erwerbseinkommen aus selbstständiger Tätigkeit spricht sodann, dass er als
Selbstständigerwerbender bisher ausnahmslos Schiffbruch erlitten hat. So hat er mit
seiner Firma Z. im Jahr 2005 bzw. sechs Jahre später mit seiner Firma T. und U. - wie
er selber ausführt - Konkurs gemacht bzw. die letztere Firma wegen Überschuldung
aufgeben müssen. Ein substantielles Einkommen aus einer Nebenerwerbstätigkeit ist
auch deshalb unrealistisch, weil er neben seiner vollzeitigen Anstellung bzw. seinen
Nachtschichten seine achtjährige Stieftochter betreuen muss, wenn seine Frau
ihrerseits ausser Haus erwerbstätig sein soll (Vorakten Migrationsamt act. 249).
3.4.5. Die nachzuziehende Ehefrau ihrerseits hat keine in der Schweiz verwertbare
Berufsausbildung. Zudem spricht sie bis anhin kein Deutsch. Daran ändert auch nichts,
dass sie ihren eigenen Angaben zufolge an Hand eines Online-Selbsttests der Migros
Klubschule den tiefsten Level A1 erreicht haben will (einfache Fragen verstehen und
beantworten können). Ob sie diesen Test allein ausgefüllt hat, steht nicht fest.
Gleichwohl hat V.G., ihr für den Fall, dass sie die Aufenthaltsbewilligung erhalten sollte,
zugesichert, sie bei seinem privaten Pflegedienst als Hilfskraft anstellen zu wollen. Sein
privater Spitexdienst befindet sich - wie die Vorinstanz zu Recht ausgeführt hat - im
Aufbau (Vorakten Migrationsamt act. 302). Gemäss eigener Homepage werden dabei
durchwegs hochwertige Dienstleistungen angeboten: professionelle Pflege
(Bedürfnisse und Massnahmen), medizinische Massnahmen, psychiatrische Betreuung
(Zulassung zur Bedarfsabklärung für ambulante psychiatrische Pflege) sowie private,
rehabilitative und ressourcenorientierte Pflege während 24 Stunden an 365 Tagen.
Mangels Sprachkenntnis und Pflegeausbildung will V.G. die Ehefrau des
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Beschwerdeführers ausschliesslich ausserhalb des eigentlichen Pflegedienstes
einsetzen (Einkaufen, Zubereitung des Essens oder Anleitung bzw. Unterstützung dazu,
Begleitung bei Besorgungen und Freizeitaktivitäten, Wohnungsreinigungen und kleine
Reparaturen, Pflege eines allfälligen Rollstuhls) und dafür mit einem Bruttolohn von
Fr. 25.--/Std. entschädigen, was einen Monatslohn von gut Fr. 4'500.-- ergäbe. Mit
Blick auf die zur Diskussion stehende unqualifizierte Hilfstätigkeit handelt es sich bei
dieser Lohnzusage offensichtlich um eine Gefälligkeit für den nachzugswilligen
Gesuchsteller bzw. dessen Frau. Gemäss Bundesamt für Statistik beträgt der
monatliche Bruttolohn für ungelernte Mitarbeiterinnen für einfache und repetitive
Tätigkeiten in der Ostschweiz Fr. 4'077.-- (www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/
themen/03/04/blank/key/lohnstruktur/nach_branche.html). Dazu kommt, dass die
Eheleute in C. bzw. auf dem Land wohnen würden und die nachzuziehende Ehefrau
damit einen nicht unerheblichen Arbeitsweg auf sich nehmen und zusätzlich die
Betreuung ihrer kleinen Tochter mit ihrem voll berufstätigen Ehemann teilen müsste.
Realistischerweise kann somit höchstens von einer Halbtagesbeschäftigung
ausgegangen werden, was einem monatlichen Nettolohn von weniger als Fr. 2'000.--
entspricht. Daran ändert nichts, dass E.F. von der S. AG, St. Gallen, ihr ebenfalls eine
Stelle im Reinigungsdienst zugesichert hat (act. 15) bzw. offenbar auch eine Anstellung
bei McDonalds möglich wäre. Vom Kindsvater erhält die Ehefrau für ihre Tochter keine
Unterhaltszahlungen (Vorakten Migrationsamt act. 197). Demgegenüber kommen für
ihre Tochter Kinderzulagen von Fr. 200.-- dazu.
3.4.6. Auf Grund der geschätzten Nettoeinkünfte von knapp Fr. 7'000.-- (Fr. 4'760.--
plus Fr. 2'000.-- plus Fr. 200.--) und dem angenommenen Totalbedarf von gut
Fr. 7'000.-- ergibt sich grundsätzlich eine knapp ausgeglichene Bedarfsrechnung.
Diese beruht aber auf unvollständigen Annahmen. So wird sich zum Beispiel die
Steuerbelastung wegen des zusätzlichen Einkommens der Ehefrau vermutlich noch
erhöhen. Dazu kommt, dass in dieser Berechnung der pauschale Ergänzungsbedarf
gemäss VOF-Richtlinie von Fr. 609.-- unberücksichtigt geblieben ist, womit die
ebenfalls tatsächlich anfallenden situativen Kosten abgegolten werden sollen. Darunter
fallen unvermeidbare Auslagen wie etwa die Hausrat- und Haftpflichtversicherung,
unversicherte Gesundheitskosten wie Selbstbehalte, Medikamente und Zahnarztkosten
und Kosten für die Starthilfe (Sprach- und Stützkurse). Zu den zwar nicht
lebensnotwendigen, aber realistischerweise dennoch anfallenden Ausgaben zählen
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Kosten für die Freizeitgestaltung, für Reisen ins Heimatland und Konvenienzgüter
(Handy und Home-Elektronik). Die Kinderunterhaltsbeiträge werden sich stufenweise
auf insgesamt Fr. 2'000.-- erhöhen und sind indexiert (Vorakten Migrationsamt
act. 199). Sodann wurde dem Beschwerdeführer vorliegend bloss pauschal Fr. 250.--
Erwerbsauslagen angerechnet. Mit seinem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
macht er aber selber Berufsauslagen von Fr. 588.-- (Fahrt zur Arbeit) und auswärtige
Verpflegungskosten von Fr. 267.-- (act. 8) geltend. Es gibt an sich keinen Grund,
weshalb diese ausdrücklich geltend gemachten Kosten nicht voll angerechnet werden
sollten. Schliesslich ist in dieser Berechnung auch die pfändbare Quote
unberücksichtigt geblieben, die das Betreibungsamt auf Grund des
Gesamteinkommens und dem Notbedarf der Familie neu ermitteln wird. Auf Grund des
grossen Schuldenbergs, der zahlreichen Verlustscheine und Betreibungen, wird das
Ehepaar auf unabsehbare Zeit bis auf das betreibungsrechtliche Existenzminimum
ausgepfändet werden, so dass ihnen so oder so kein Überschuss verbleiben wird.
3.4.7. Aus dem Gesagten folgt, dass der Beschwerdeführer und seine Ehefrau bloss
theoretisch knapp über die Runden kommen werden und dies auch nur dann, wenn der
Beschwerdeführer weiterhin voll und seine Ehefrau zumindest halbtags erwerbstätig
sein werden und die Familie dabei absolut bescheiden lebt und nichts
Unvorhergesehenes geschehen wird. Vor diesem Hintergrund hat das Gericht
erhebliche Bedenken, dass der Beschwerdeführer und seine nachzuziehende Ehefrau
künftig ihren finanziellen Verpflichtungen selbständig nachkommen werden. Alleine
diese finanziellen Bedenken genügen aber nicht, den Widerrufsgrund von Art. 62 lit. e
AuG (Sozialhilfeabhängigkeit) als erfüllt zu betrachten. Die Verweigerung des
Familiennachzugs der Ehefrau des Beschwerdeführers und ihrer Tochter erweist sich
somit als rechtswidrig.
4. Zusammengefasst ist die Beschwerde mangels eines Widerrufsgrunds gemäss
Art. 62 AuG gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben und das
Migrationsamt anzuweisen, der Ehefrau und ihrer Tochter für ein Jahr eine
Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Im Hinblick auf die Verlängerung der Bewilligung
wird die Verwaltung die finanziellen Verhältnisse des Ehepaars wiederum genau prüfen
müssen. Sollte sich dabei herausstellen, dass die Ehefrau die erforderlichen
Erwerbseinkünfte nicht erzielen würde und die Eheleute gleichwohl auf Sozialhilfe
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angewiesen sein bzw. sich anderweitig mutwillig oder zumindest leichtsinnig
verschulden würden, obläge es dem Migrationsamt, einerseits die
Aufenthaltsbewilligung der Ehefrau und ihrer Tochter in Anwendung von Art. 51 Abs. 2
lit. b AuG in Verbindung mit Art. 62 lit. c oder e AuG nicht mehr zu verlängern und
anderseits den Beschwerdeführer fremdenpolizeilich zu verwarnen bzw. den Widerruf
seiner Niederlassungsbewilligung zu prüfen. Der nachzuziehenden Ehefrau muss unter
diesen Umständen klar sein, dass sie nicht ohne Weiteres damit rechnen kann, auf
Dauer in der Schweiz bleiben zu können, sofern sie und ihr Ehemann nicht in der Lage
sein werden, für sich selber aufzukommen oder wenn der Beschwerdeführer erneut
straffällig oder zusätzlich Schulden machen würde. Es wird am Migrationsamt sein,
allenfalls erforderliche ausländerrechtliche Massnahmen rechtzeitig zu prüfen und in
die Wege zu leiten.
5. (...).
6. (...).