# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 849d4416-de7e-4cfa-a669-b07a47e2f337
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

hat die Steuerrekurskommission den Akten entnommen:
A. Mit öffentlicher Urkunde vom 16. November 2016, betitelt als "Kaufvertrag mit ausgleichspflichtiger Schenkung", übertrugen A._ und E._ (Rekurrent bzw.
Rekurrentin, zusammen Rekurrenten) ihren jeweiligen hälftigen Eigentumsanteil an der
Liegenschaft D._ Gbbl. Nr. ._ (._) an ihre Tochter F._. Die
Steuerverwaltung des Kantons Bern, Abteilung Grundstückgewinnsteuer (Steuerverwaltung),
veranlagte am 9. Mai 2017 für den Rekurrenten wie auch für die Rekurrentin jeweils mit
separater Verfügung einen steuerbaren Grundstückgewinn von je CHF 61'500.--. Bei dessen
Berechnung ging sie von einem Erlös von CHF 1'300'00.-- und von Anlagekosten von
CHF 1'176'950.-- aus, was einen Rohgewinn von CHF 123'050.-- ergab, der aufgrund des
hälftigen Anteils am Eigentum entsprechend auf die Rekurrenten verteilt wurde. Ausserdem
veranlagte die Steuerverwaltung einen Zuschlag von 35 % infolge kurzer Besitzesdauer (sog.
Spekulationszuschlag), so dass schliesslich auf die Rekurrentin ein Steuerbetrag von total
CHF 20'979.95 und auf den Rekurrenten ein solcher von total CHF 21'343.65 entfiel (die
Differenz von CHF 963.70 ist durch die Zugehörigkeit des Rekurrenten zur reformierten
Kirchgemeinde D._ bedingt).
B. In einer einzigen Rechtsschrift erhoben die Rekurrenten am 6. Juni 2017 Einsprache gegen die besagten Veranlagungsverfügungen und beanstandeten den von der
Steuerverwaltung als Erlös festgelegten Betrag von CHF 1'300'000.--. Sie verlangten, dass
stattdessen der Betrag von CHF 824'000.-- als Erlös eingesetzt werde, der sich aus dem
Erwerbspreis plus Aufwände/Investitionen der Rekurrenten abzüglich des Erbvorbezugs
zugunsten der Tochter ergebe. Es resultiere aus dem Verkauf ein Verlust von CHF 476'000.--
aufgrund des Erbvorbezugs, weshalb ihrer Auffassung nach keine Grundstückgewinnsteuer
anfalle. Dass die Bruttosumme von CHF 1'300'000.-- im Kaufvertrag stehe, hätten die
Rekurrenten als juristische Formalität aufgefasst. Der Notar sei beauftragt gewesen, den
Vertrag aufgrund der Realität abzufassen, mit dem Ziel, die Nachkommen gleich zu behandeln.
Deshalb sei familienintern abgesprochen gewesen, die Liegenschaft mit einem Preisnachlass
von CHF 476'000.-- an die Tochter zu übergeben. Die Liegenschaft sei von den Rekurrenten für
die Tochter gekauft worden, weil letztere sich im damaligen Zeitpunkt in einem Vollzeitstudium
befunden habe und ihr der Kauf selber finanziell nicht möglich gewesen wäre. Daher habe auch
keine spekulative Absicht bestanden, weshalb die Rekurrenten um Streichung des Zuschlags
aufgrund kurzer Besitzesdauer ersuchten. Weiter beantragten die Rekurrenten die
Berücksichtigung der beim Erwerb bezahlten Handänderungssteuern von CHF 19'800.--.
C. Mit Einspracheentscheiden vom 16. Oktober 2017 hiess die Steuerverwaltung die Einsprachen teilweise gut, berücksichtigte die geltend gemachten Handänderungssteuern bei
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den Anlagekosten, wodurch sich der Rohgewinn auf gesamthaft CHF 103'250.-- bzw. für die
Rekurrenten je einzeln auf gerundet CHF 51'600.-- reduzierte. Hinsichtlich des massgeblichen
Erlöses verwies die Steuerverwaltung auf die Verurkundung von CHF 1'300'000.-- als Kaufpreis
und lehnte es ab, auf den Betrag von CHF 824'000.-- abzustellen und den Zuschlag für kurze
Besitzesdauer zu streichen. Es könne zumindest eine spekulative Nebenabsicht nicht völlig
ausgeschlossen werden.
D. Dagegen haben die Rekurrenten, beide vertreten durch C._, Notar und dipl. Steuerexperte (Vertreter), am 13. November 2017 wiederum in einer gemeinsamen
Eingabe Rekurs bei der Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission)
erhoben mit dem Hauptantrag, es seien die Einspracheentscheide vom 16. Oktober 2017
aufzuheben, es sei der Verkaufspreis für die Liegenschaft ._ auf CHF 824'000.--
festzusetzen und die Grundstückgewinnsteuern mit CHF Null zu veranlagen. Wie bereits in der
Einsprache weist der Vertreter auf die von den Rekurrenten angestrebte Gleichbehandlung
ihrer beiden Kinder hin. Es dürfe grundstückgewinnsteuerlich keine Rolle spielen, ob der
fragliche Kaufpreis mit CHF 1'300'000.-- abzüglich der Schenkung von CHF 476'000.-- oder
netto mit CHF 824'000.-- im Vertrag festgesetzt werde. Die von der Steuerverwaltung vertretene
Auffassung verstosse gegen das verfassungsmässige Verbot von überspitztem Formalismus.
Auch dürfe die teilweise unzutreffende Bezeichnung des Vertrags mit "Kaufvertrag" keine Rolle
spielen. Es gelte der Rechtsgrundsatz, dass eine falsche Bezeichnung nicht zu Lasten der
Steuerpflichtigen ausgelegt werden dürfe (falsa demontratio non nocet).
Sollte der Hauptantrag abgelehnt werden, so beantragen die Rekurrenten zumindest den
Zuschlag für kurze Besitzesdauer zu streichen. Es liege keine spekulative Absicht vor. Die
Liegenschaft sei von Anfang an für die Tochter bestimmt gewesen. Diese habe auch die
Liegenschaft 2014 gefunden und nicht die Rekurrenten, sei jedoch im jenem Zeitpunkt mangels
Einkommen oder Vermögen nicht in der Lage gewesen, sie selber zu kaufen.
E. Mit Vernehmlassung vom 12. Februar 2018 beantragt die Steuerverwaltung die kostenfällige Abweisung des Rekurses. Sie hält zusammengefasst an der Auffassung fest, dass
der Wortlaut des Vertrags massgeblich sei, wonach der Kaufpreis CHF 1'300'000.-- betrage,
auch wenn sich daraus unvorhergesehene Steuerfolgen ergäben. Der Preisnachlass sei eine
reine Tilgungsmodalität, die für die Bemessung des Grundstückgewinns nicht massgebend sei.
Am Zuschlag für kurze Besitzesdauer hält die Steuerverwaltung ebenfalls fest.
F. Die Rekurrenten haben die Möglichkeit zur Stellungnahme nicht wahrgenommen.
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G. Auf die weiteren Vorbringen der Steuerverwaltung wie auch der Rekurrenten wird, soweit entscheidrelevant, im Rahmen der nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Grundstückgewinnsteuer können bei der Steuerrekurskommission angefochten werden (Art. 195 ff. StG). Die
Steuerrekurskommission ist deshalb sachlich und örtlich zuständig. Die Rekurrenten sind im
vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht durchgedrungen. Sie sind daher beschwert
und zur Anfechtung befugt (Art. 195 Abs. 2 StG i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom 23. Mai
1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
2. Angefochten sind zwei Einspracheentscheide vom 16. Oktober 2017, welche die Steuerpflicht jeweils des Rekurrenten bzw. der Rekurrentin unabhängig voneinander zum
Gegenstand haben. Es liegt anders als bei der Einkommenssteuer keine gemeinsame
Veranlagung von Ehegatten vor, so dass zwei separate Veranlagungen angefochten sind. Nach
Art. 17 Abs. 1 VRPG können Verfahren vereinigt werden, wenn sie den gleichen Gegenstand
betreffen. Damit ist gemeint, dass in beiden Verfahren die gleiche Thematik zu behandeln ist
(Merkli/Aeschli-mann/Herzog, Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im
Kanton Bern, 1997, N. 5 zu Art. 17 VRPG). Dies trifft vorliegend zu. Angesichts dessen, dass
das Prozessthema (Bestimmung des massgeblichen Erlöses wie Anfechtung des
Besitzesdauerzuschlags) identisch ist sowie angesichts dessen, dass die Rekurrenten
gemeinsam einen Vertreter bestellt haben, der mit einer einzigen Schrift Rekurs eingelegt hat,
sind die Voraussetzung für die Vereinigung der beiden Verfahren gegeben.
3. Die vorliegende Streitsache wird von der Steuerrekurskommission in Dreierbesetzung beurteilt, da der Streitwert über CHF 10'000.-- liegt, selbst wenn die Rekurrentin und der
Rekurrent einzeln betrachtet werden (Art. 70 Abs. 3 und Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11.
Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und die Staatsanwaltschaft [GSOG;
BSG 161.1]).
4. Strittig ist im vorliegenden Fall, welches der für die Bestimmung des Grundstückgewinns massgebliche Erlös ist. Die Rekurrenten vertreten die Ansicht, dass auf den Betrag von
CHF 824'000.-- abzustellen sei, was zur Folge habe, dass keine Grundstückgewinnsteuer
geschuldet werde. Für den Fall, dass der Hauptantrag abgelehnt werde, ersuchen die
Rekurrenten um Streichung des Zuschlags für kurze Besitzesdauer.
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5. Von Bundesrechts wegen sind die Kantone aufgrund von Art. 12 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
Gemeinden (StHG, SR 642.14) verpflichtet, eine Grundstückgewinnsteuer zu erheben. Abs. 1
von Art. 12 StHG besagt, dass Gewinne zu besteuern sind, die sich ergeben, soweit "der Erlös
die Anlagekosten (Erwerbspreis oder Ersatzwert zuzüglich Aufwendungen) übersteigt." Eine
genaue Definition, wie diese Werte zu ermitteln sind, kann dem StHG nicht entnommen werden.
Die Kantone sind demnach nicht zu einer Harmonisierung der Gewinnermittlung verpflichtet
(Bernhard Zwahlen in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, Bundesgesetz
über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG), 2. Aufl.,
2002, N. 44 zu Art. 12 StHG).
6. Das Steuergesetz enthält in Art. 137 StG die Definition des Gewinns als Differenz zwischen dem Erlös und den Anlagekosten (Erwerbspreis zuzüglich Aufwendungen). Gemäss
Art. 138 Abs. 1 StG gilt als Erlös der gesamte Wert aller vermögenswerten Leistungen, zu
denen sich die erwerbende Person gegenüber der veräussernden Person verpflichtet. Nach der
Lehre und Rechtsprechung ist unerheblich, ob der vereinbarte Kaufpreis tatsächlich
vereinnahmt, als Darlehen stehen gelassen und wie die Zahlungsmodalitäten gestaltet werden
(VGE 19620 vom 8.2.1996; Markus Langenegger in: Praxiskommentar zum Berner
Steuergesetz, Band 2, Artikel 126 bis 293, 2011, N. 2 ff. zu Art. 138 StG).
6.1 Vorliegend ist in Ziff. II/1 des Kaufvertrags der Kaufpreis in unmissverständlicher Weise mit CHF 1'300'000.-- bezeichnet worden (Kaufvertrag vom 16.11.2016, Akten der
Steuerverwaltung, pag. 40). Anschliessend werden in Ziff. II/2 unter dem Titel "Tilgung des
Kaufpreises" eine ausgleichspflichtige Schenkung von CHF 476'000.-- (Unterziffer 2.1), die
Ablösung der Hypothek über CHF 500'000.-- (Unterziffer 2.2.1) sowie eine Schlusszahlung von
CHF 324'000.--(Unterziffer 2.2.2) aufgeführt und das ganze mit der Bemerkung "Total Kaufpreis
wie hievor CHF 1'300'000.--" abgeschlossen. Aus dem Kaufvertrag geht somit
unmissverständlich der Betrag von CHF 1'300'000.-- als Kaufpreis hervor. Wenn die
Steuerverwaltung diesen Betrag somit als Erlös betrachtet, kann ihr keine Verletzung von
Art. 138 Abs. 1 StG vorgeworfen werden. Es ist vorstehend (E. 6) dargelegt worden, dass
Zahlungsmodalitäten unerheblich sind. Der geschenkte Teilbetrag von CHF 476'000.-- wie auch
die Ablösung der Hypothek stellen zusammen mit der Schlusszahlung die Zahlungsmodalitäten
dar, durch die der zuvor festgelegte Kaufpreis getilgt wird. Dies bedeutet mit anderen Worten,
dass durch den Verkauf der Liegenschaft D._ Gbbl. Nr. ._ zunächst eine
Forderung auf Zahlung des Kaufpreises entsteht. Im folgenden Schritt wird die
Kaufpreisforderung zum Teil schenkungsweise erlassen, zum Teil durch Schuldübernahme und
der letzte Teil durch effektive Zahlung getilgt. Auch wenn diese Abfolge im selben
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Vertragsdokument vereinbart wird und damit die genannten Schritte zeitlich praktisch
zusammenfallen, sind sie begrifflich auseinanderzuhalten. Es kann eine Forderung nur dann
schenkungsweise erlassen werden, wenn sie vorher bestanden hat.
6.2 Das zivilrechtliche Ergebnis des Kaufvertrags ist, dass die Tochter mittels dieser Zahlungsmodalitäten für den Erwerb des Eigentums an der Liegenschaft D._
Gbbl. Nr. ._ eine effektive Gegenleistung von CHF 824'000.-- erbringt.
Dasselbe Resultat hätte der instruierende Notar dadurch erreichen können, wenn er den
Vertrag von vornherein so formuliert hätte, dass der Kaufpreis CHF 824'000.-- beträgt. Dass die
Differenz zum Verkehrswert ausgleichspflichtig ist, ergibt sich bereits aus den Regeln über die
Ausgleichspflicht (Art. 626 Abs. 2 des Zivilgesetzbuchs [ZGB; SR 210]) und hätte nicht erwähnt
werden müssen. Zwecks Klarstellung der Erfüllung der Ausgleichspflicht und zur Vermeidung
von Streitigkeiten unter ihren Nachkommen hätte die Differenz zum Verkehrswert oder dieser
selber in einer Nebenbemerkung festgehalten werden können. Das zivilrechtliche Resultat wäre
dasselbe gewesen wie oben, nämlich, dass die Tochter für das Eigentum an der Liegenschaft
eine effektive Gegenleistung von CHF 824'000.-- erbringt.
6.3 Wenn es möglich ist, durch verschiedene Vertragskonstruktionen dasselbe zivilrechtliche Ergebnis zu erreichen, können sich die Rekurrenten nicht auf den Grundsatz "falsa
demonstratio non nocet" beruhen. Dieser, auf Art. 18 Abs. 1 des Obligationenrechts (OR; SR
220) beruhende Grundsatz besagt, dass der übereinstimmende Wille der Parteien und nicht
eine aus Irrtum oder zwecks Verheimlichung der wahren Absichten gewählte Ausdrucksweise
massgebend sein soll. Indessen kann nicht gesagt werden, dass die vorliegend vom Notar
gewählte Vertragskonstruktion eine unrichtige Bezeichnung des zivilrechtlich angestrebten
Vertragsvorgangs und somit des wahren Willens der Parteien sei. Der Wortlaut des Vertrags
führt das von den Parteien gewünschte Vertragsergebnis, nämlich die Übertragung des
Eigentums an der Liegenschaft gegen effektive Leistung von CHF 824'000.--, ohne weiteres
herbei und drückt somit ihren wahren Willen aus. Dass die gewählte Vertragskonstruktion
gegenüber einer anderen möglichen Vertragsformulierung ungewollte Steuerfolgen hat, ändert
daran nichts.
6.4 Fehl geht auch der Vorwurf des überspitzten Formalismus. Art. 29 Abs. 1 BV verbietet überspitzten Formalismus als besondere Form der Rechtsverweigerung. Eine solche liegt vor,
wenn für ein Verfahren rigorose Formvorschriften aufgestellt werden, ohne dass die Strenge
sachlich gerechtfertigt wäre, wenn die Behörde formelle Vorschriften mit übertriebener Schärfe
handhabt oder an Rechtsschriften überspannte Anforderungen stellt und den Rechtssuchenden
den Rechtsweg in unzulässiger Weise versperrt (vgl. BGer 6B_218/2015 vom 16.12.2015).
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Zunächst ist festzuhalten, dass es vorliegend nicht um eine Anwendung formeller Vorschriften
geht. Weder hat die Steuerverwaltung an Rechtsschriften überspannte Anforderungen gestellt
noch wurde den Rekurrenten der Rechtsweg in irgendeiner Weise versperrt. Dass die
Steuerverwaltung am, im Kaufvertrag ausdrücklich als solchen bezeichneten, Kaufpreis festhält,
kann auch nicht als ungerechtfertigte Strenge angesehen werden. Die Rekurrenten übersehen,
dass dem Kaufpreis nicht nur bei den angefochtenen Veranlagungen Bedeutung zukommt,
sondern dass er bei einer späteren Veräusserung der Liegenschaft als Erwerbspreis gilt und für
die Ermittlung eines allfälligen Grundstückgewinns der Tochter massgeblich ist. Dies wird
vorliegend der Tochter dannzumal zugute kommen, da sie sich auf den Betrag von
CHF 1'300'000.-- als Erwerbspreis berufen können wird. Da somit weitere Steuerfolgen an der
Bestimmung des Kaufpreises hängen, geht es nicht um das inhaltsleere Befolgen von
Vorschriften. Vielmehr ist aus Gründen der Rechtssicherheit geboten, dass der Kaufpreis einer
Liegenschaft nicht abweichend von der Verurkundung beliebig umgedeutet werden kann. Daher
geht den Vorwurf des überspitzten Formalismus fehl.
Aus diesen Gründen ist nicht zu beanstanden, dass die Steuerverwaltung auf den Betrag von
CHF 1'300'000.-- als Erlös im Sinn von Art. 181. Abs. 1 StG abgestellt hat, was zur Abweisung
des Hauptantrags führt.
6.5 Mit dem Eventualantrag verlangen die Rekurrenten die Streichung des Zuschlags für kurze Besitzesdauer (sog. Spekulationszuschlag). Die Steuerverwaltung hat in Anwendung von
Art. 147 StG für die Besitzesdauer von weniger als drei Jahren einen Zuschlag von 35 % zur
Grundstückgewinnsteuer erhoben. Nach Art. 147 Abs. 2 Bst. c StG kann auf den Zuschlag
verzichtet werden, wenn die verkaufende Person nachweist, dass Umstände vorliegen, welche
jede spekulative Absicht ausschliessen.
Die Rekurrenten machen als Umstände, die jede spekulative Absicht ausschliessen, die
Hintergründe des Kaufs bzw. der Übertragung der Liegenschaft an die Tochter geltend. Diese
habe die Liegenschaft ausgewählt, sie jedoch mangels finanzieller Ressourcen nicht selber
direkt erwerben können, da sie sich im Studium befunden habe. Deshalb hätten die
Rekurrenten die Liegenschaft zunächst erworben. Die Rekurrenten betonen auch ihre Absicht,
mit dem getätigten Rechtsgeschäft der Tochter eine gleich hohe Zuwendung als Ausgleich für
eine frühere Zuwendung an den Sohn zukommen zu lassen.
Die Darstellung der Hintergründe des Kaufs resp. der Übertragung der Liegenschaft an die
Tochter wird von der Steuerverwaltung nicht bestritten. Der eingereichte Schenkungsvertrag,
den die Rekurrenten mit dem Sohn abgeschlossen haben, zeigt tatsächlich eine gewisse
Parallelität im Vorgehen gegenüber der Tochter (Schenkungsvertrag vom 17.7.2015, Beilage 5
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zum Rekursschreiben vom 15.11.2017). So ist der Wert der Schenkung gegenüber dem Sohn
mit CHF 476'000.-- identisch mit dem schenkungsweise der Tochter erlassenen Betrag. Die
Ausgleichspflicht gegenüber der Tochter wurde schon im Vertrag mit dem Sohn angesprochen
(Ziff. 1/2 des Schenkungsvertrags). Auch die zeitliche Nähe (Schenkungsvertrag mit dem Sohn
datiert von 2015, Kaufvertrag mit der Tochter von 2016) spricht für ein koordiniertes Vorgehen
mit einer einheitlichen Absicht, die zugrunde liegt. Soweit die Steuerverwaltung daran kritisiert,
dass schon beim Kauf der Liegenschaft die Übertragung an die Tochter ins Auge gefasst
wurde, lässt sich damit keine spekulative Absicht begründen, eher im Gegenteil. Denn aufgrund
der bereits beim Kauf vorhandenen Zuwendungsabsicht war von Anfang an klar, dass am
Schluss für die Rekurrenten kein ökonomischer Mehrwert aus dem Erwerb der Liegenschaft
resultieren würde.
Ein weiterer Kritikpunkt der Steuerverwaltung betrifft die Festlegung des Wertes der
Liegenschaft auf CHF 1'300'000.--. Darin seien Kosten für Liegenschaftsunterhalt enthalten, für
welche die Rekurrenten den Steuerabzug geltend gemacht hätten, was auf eine gewisse
spekulative Nebenabsicht hinweise. Nach der unbestritten gebliebenen Darstellung in der
Rekursschrift (S. 3) setzt sich der Betrag von CHF 1'300'000.-- aus dem Erwerbspreis von
CHF 1'100'000.-- zuzüglich Erwerbskosten von CHF 29'600.--, Liegenschaftsunterhalt von rund
CHF 120'000.-- sowie CHF 67'000.-- an wertvermehrenden Aufwendungen zusammen, was
den Betrag von CHF 1'316'600.-- ergibt. Zum einen geht daraus hervor, dass der Rohgewinn
letztlich nur aus dem Liegenschaftsunterhalt besteht, den die Rekurrenten verausgabt haben
und nicht aus einer Preissteigerung. Zum anderen haben die Rekurrenten auf CHF 1'3000'000.-
- abgerundet, wodurch aufgrund des Verzichts auf die Differenz von CHF 16'600.-- vom durch
den Liegenschaftsunterhaltsabzug erhaltenen Steuervorteil, wenn überhaupt, nicht mehr viel
übrig geblieben sein dürfte. Daher lässt sich auch insofern eine spekulative Nebenabsicht
ausschliessen. Der erhobene Besitzesdauerzuschlag von 35 % ist daher zu streichen, was zur
Gutheissung des Eventualantrags führt.
7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens haben die Rekurrenten einen Anteil der gesamten Verfahrenskosten zu tragen (Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2, 53, 58 und 59 des Dekrets
vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die Verwaltungsgebühren der
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]).
Die Streichung des Besitzesdauerzuschlags von 35 % kann als teilweise Gutheissung in
diesem Umfang angesehen werden, so dass den Rekurrenten von den Verfahrenskosten von
CHF 2'000.-- ein Anteil von CHF 1'300.-- bzw. je CHF 650.-- aufzuerlegen und mit dem
geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen ist.
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8. Weil die Rekurrenten im vorliegenden Verfahren vertreten sind und ihnen notwendige und verhältnismässig hohe Kosten entstanden sind, wird ihnen eine Parteikostenentschädigung
zugesprochen (Art. 200 Abs. 4 StG). Die eingereichte Kostennote ist nicht detailliert und klar
überhöht, weshalb nicht darauf abgestellt werden kann. Der Aufwand wird von der
Steuerrekurskommission auf CHF 2'100.-- bemessen und die Parteikostenentschädigung
entsprechend dem Anteil des Obsiegens von 1/3, gemäss dem vorgesehenen Rahmentarif
(Art. 11 der Verordnung über die Bemessung des Parteikostenersatzes [PKV; BSG 168.811]),
auf CHF 700.--, zuzüglich Auslagen von CHF 22.-- und 8 % Mehrwertsteuer, ausmachend total
CHF 770.--, festgesetzt.