# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 97e91423-a611-4258-8532-71e9742a4f9e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1969, a
rbeitete zuletzt
seit
mehreren
Jahren
als kaufmännischer Angestellter
bei
der
Z._
AG in
A._
,
als er sich am 1
2.
Dezember 2014 unter Hinweis auf die physischen und psychischen Folgen eines
Akustikusneurinoms
sowie ein zusätzliches psychisches Leiden
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (
Urk.
8/2
S. 4 f.
Ziff.
5.4,
Ziff.
6.2).
Nachdem d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
dem Versicherten
am 1
3.
Januar 2015 mitgeteilt hatte, dass aufgrund dessen
Gesundheitszustandes derzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich
seien (
Urk.
8/7),
klärte
sie
die medizinische und erwerbliche Situation
(
Urk.
8/8-9,
Urk.
8/17,
Urk.
8/22) ab und veranlasste eine polydisziplinäre Begut
achtung, über welche am 1
5.
Dezember 2015 berichtet wurde (
Urk.
8/36).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/38,
Urk.
8/40,
Urk.
8/54) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
Mai 2016 (
Urk.
8/56 =
Urk.
2) einen
Leistungs
anspruch des Versicherten.
2.
Der Versicherte erhob am
3.
Juni
2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom
2.
Mai 2016 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihm die
gesetzlichen Leistungen auszurichten. Insbesondere sei ihm eine ganze Invaliden
rente zuzusprechen. Als vorsorgliche Massnahme
beantragte er die sofortige Be
handlung
der Beschwerde (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
8.
September
2016 (
Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde
dem Beschwerdeführer mit Verfü
gung vom
8.
November 2016 (
Urk.
10) zur Kenntnis gebracht
und
gleichzeitig d
essen
Pensionskasse, die
Pensionskasse der
Y._
,
zum Prozess beigeladen
.
M
it Schreiben vom 1
1.
November 2016 (
Urk.
11)
teilte diese
mit, dass sie dem Be
schwerdeführer seit dem
1.
Oktober 2015 eine 100%ige Invalidenrente ausrichte und
auf
eine Stellungnahme
verzichte
, was den anderen Parteien am 1
5.
November 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werb
s
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit
Krank
heitswert
besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu
erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V
352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts
8C_616/2014 vom 25. Februar
2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr
nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial
-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesge
richtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember
2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. Apri
l 2016 E. 4.1).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
funde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sin
ne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Be
funde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad
seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E.
3.2 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen davon aus, dass
sich
die
psychischen Be
schwerden aufgrund psychosozialer Belastungsfaktoren entwickelt hätten.
Die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung sei
ausserdem
nicht nachvollziehbar.
Es liege aus versicherungsmedizinischer Sicht keine psychiatrische Diagnose mit relevanter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor.
Die an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit rechts begründe eine 20%ige Arbeitsunfähigkeit in allen Tätig
keiten. Nach Vornahme eines Prozentvergleichs resultiere ein nicht
rentenbe
gründender
Invaliditätsgrad (S. 2 ff.).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (
Urk.
1),
bereits die
aus
somatisch
er Sicht
attestierte Arbeitsunfähigkeit sei
nach Vor
nahme eines Einkommensvergleichs
für das Gewähren ei
ner Invalidenrente aus
reichend. In der bisherigen Tätigkeit könne er
in
Beachtung des
Belastungs
profils
nicht
mehr arbeiten
(S.
11 f.). Die blosse Behandelbarkeit einer psychi
schen Störung sage für sich allein nichts über deren
i
nvalidisier
ende Wirkung
aus (S.
14).
Zudem liege nicht lediglich eine psychosozial
e Belastungssituation vor, gehe dem psychischen Leiden doch eine erhebliche somatische Erkrankung voraus (S. 16 f.
).
Er habe daher Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (S.
18).
Infolge
einer akuten Suizidalität sei die Beschwerde im Sinne einer vorsorg
lichen Massnahme prioritär zu behandeln (S. 19).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der
Leistungs
anspruch des Beschwerdeführers
und dabei insbesondere die Frage, ob in psychischer Hinsicht ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt
.
3.
3.1
Mit Bericht vom
3.
Dezember 2013 (
Urk.
8/9/6-7) diagnostizierte Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie,
C._
, Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie, ein
Vestibularis
schwannom
rechts bei Status nach
retrosigmoidaler
Entfernung im Jahr 200
8.
In
der
aktuellen
Untersuchung fänden sich
abgesehen vom
achten Hirnnerven unauffällige
Verhältnisse
, i
nsbesondere
auch
anlässlich der
Untersuchung
mit
der Frenzel
-B
rille. Der Kopfimpulstest nach rechts sei pathologisch. Die Reintonaudiometrie zeige eine praktisch normale Hörschwelle links mit einer an Taubheit
grenzender
Schwerhörigkeit rechts mit Erhalt
der
höheren Frequenzen.
Die
Magnetresonanztomographie
(MRI)
zeige
eine leichte
Kontrastmittelanreiche
rung
im Bereich des resezierten Tumors. Es fänden sich
allerdings keine Hin
weise auf
ein Rezidiv respektive eine
Persistenz
. Die Nachbetreuung des
Vesti
bularisschwannomes
könne fünf Jahre postoperativ abgeschlossen werden. Hinsichtlich des zusätzlich bestehenden Schlafapnoesyndroms habe er dem Beschwerdeführer die Gewichtsreduktion sowie den abendlichen Verzicht auf Medikamente und Alkohol nahegelegt
(S. 1).
3.2
Die Ärzte der
D._
informiert
en mit B
ericht vom
9.
Februar 2015 (
Urk.
8/22
; vgl. auch
Urk.
8/36/43-46
) über die stationäre
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom
5.
Januar bis 1
4.
Februar 2015 und diagnostizierten aus psychi
atrischer
Sicht eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) im Rahmen einer komplexen psychosozialen Belastungssituation mit belastenden Arbeitsbedingungen (ICD-10 Z56) mit Ausbildung eines Erschöpfungssyndroms (ICD-10 Z73). Der Beschwerdeführer habe in gebessertem Zustand entlassen werden können, zeige sich aber weiterhin belastet durch d
en Konflikt mit dem Arbeitgeber. In
der letzten Behandlungswoche
habe er
wieder vermehrt unter Reizbarkeit, Ängsten und Alpträumen gelitten. Der Beschwerdeführer sei bis 2
2.
Februar 2015 zu 100
%
arbeitsunfähig. Es sei offen, ob und wann
er
wieder
eine Erwerbstätigkeit aufnehmen könne. Dies sei
abhängig
vom weiteren Verlauf ausserhalb des beschützenden und strukturgebenden Rahmen
s
der Klinik
(S. 1 f.).
3.3
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, gab mit Bericht vom 1
6.
Juni 2015 (
Urk.
8/17
; vgl. auch
Urk.
8/36/54-55
) an, dass sie den Beschwerdeführer seit Januar 2013 behandle (S. 1
Ziff.
1.2) und folgende psychiatrische Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit stellen könne (S. 1
Ziff.
1.1):
initial akute Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0) im Verlauf
Anpassungs
störung
(ICD-10 F43.2) mit Entwicklung von Symptomen einer post
traumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) entstanden durch Prob
leme im Zusammenhang m
it der Berufstätigkeit (ICD-10 Z
56)
mit/bei:
Entwicklung einer mittelgradigen depressiven Episode (ICD-10 F32.1) im Rahmen einer komplexen psychosozialen Belastungssituation mit belastenden Arbeitsbedingungen (ICD-10 Z56), mit Ausbildung eines Erschöpfungssyndroms (ICD-10 Z73)
organisch emotional labiler Störung aufgrund einer Restsymptomatik eines operierten
Akustikusneurinoms
mit Einschluss der Sinnesorgane (Gehör und Sehen; ICD-10 F06.6)
akzentuierten Persönlichkeitszügen Typ-A-Verhalten (ICD-10 Z73.1)
Die Symptome der psychischen Erkrankung seien im Rahmen eines an der Arbeitsstelle
erlebten Traumas
aufgetreten, was zu einer Krankschreibung von 100
%
geführt habe (S. 2
Ziff.
1.4). Die Prognose sei aufgrund der nach wie vor bestehenden
chronifizierten
depressiven Symptomatik sowie der schweren Erschöpfung ungünstig. Es bestehe das Risiko von weiteren traumatisierenden Belastungen
aufgrund
des noch nicht
gelösten
Arbeitskonflikts, welcher den Heilverlauf mitbeeinflusse (S. 4
Ziff.
1.4). Der Beschwerdeführer sei in der bisherigen Tätigkeit seit dem 1
2.
September 2014 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 5
Ziff.
1.6). Mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätig
keit könne nicht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gerechnet werden (S. 5
Ziff.
1.8).
3.4
Mit Austrittsbericht vom 1
9.
August 2015 (
Urk.
8/36/47-51) informierten die Ärzte des
F._
über die stationäre
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom 3
0.
Juni bis 2
4.
Juli 201
5.
Als psychiatrische Diagnosen führten sie eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) sowie Probleme
in
Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
und
akzentuierte
Persönlich
keitszüge
(ICD-10 Z73) auf (S. 1). Der Beschwerdeführer habe
in stabilisiert
e
m
Zustand und ohne Hinweise auf
eine
akute Eigen- oder Fremdgefährdung ent
lassen werden können (S. 3).
3.5
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
erstattete sein vertrauensärztliches Gutachten am 2
0.
August 2015 (
Urk.
8/36/52-53). Dabei kam er zum Schluss, dass
d
er Beschwerdeführer aktu
ell zu 100
%
arbeitsunfähig sei. In
kurz-
bis
mittelfristig
er Hinsicht
müsse
weiterhin von einer vollen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Die langfristige Prognose zur Wieder
erlangung einer vollen Arbeitsfähigkeit sei günstig. Die Rückkehr an die ange
stammte Arbeitsstelle sei medizinisch nicht vertretbar (S. 1 f.).
3.6
Am 1
5.
Dezember 2015 erstatteten die Ärzte
H._
ihr polydisziplinäres Gutachten in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin,
Oto
-
Rhino
-Laryngologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie (
Urk.
8/36
/1-40
). Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten sie Folgendes auf (S. 7
lit
. D
Ziff.
1):
mittelgr
adige, zeitweise auch schwere
depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Persönlichkeitsstörung mit reifungsretardierten Zügen (ICD-10 F60.8)
Vestibularisschwannom
rechts
:
Status nach
retrosigmoidaler
Entfernung im Jahr 2008
praktisch normale Hörschwelle links
anlässlich des
Reintonaudio
grammes
am
3.
Dezember 2013 (
C._
)
a
n Taubheit grenzende Schwerhörigkeit rechts mit Erhalt
der
höheren Frequenzen
gemäss MRI keine Hinweise auf ein Rezidiv respektive eine
Persistenz
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
führten
sie ein anam
nestisch
festgestelltes
Schlafapnoesyndrom, einen Verdacht auf ein
en
Colon
irritabile
, Übergewicht sowie einen Verdacht auf Alk
oholmissbrauch (ICD-10 F10.1) auf
(S. 7
lit
. D
Ziff.
2).
In der psychiatrischen Untersuchung habe sich der Beschwerdeführer zunächst sehr
angespa
nnt und
moros gezeigt.
Im weiteren Verlauf sei
der emotionale
Zu
gang
besser
herstellbar gewesen.
Die Grundstimmung sei durchgängig depressiv und die emotionale Ausle
nkbarkeit hochgradig vermindert
.
Ebenso seien
der Antrieb und die Psychomotorik vermindert. Anhaltspunkte für hirnorganische
Veränderungen seien nicht erkennbar.
Beim Beschwerdeführer spiele eine akzentuierte Persönlichkeit mit einer erheblichen Reifungsretardierung eine ent
scheidende Rolle. Es sei ihm in seiner gesamten Entwicklung nie gelungen, adä
quate emotionale Bewältigungsstrategien im Zusammenhang mit Konfliktsitua
tionen zu erlernen. Das gesamte Erziehungskonzept der Eltern sei auf eine rein rationale Ebene beschränkt gewesen. Die gestörten Verhaltensmuster des Be
schwerdeführers seien nach der Operation eines
Akustikusneurinoms
offensicht
lich geworden. Dabei sei es ihm in keiner Weise gelungen, sich emotional mit den Folgen der Erkrankung auseinanderzusetzen. Vielmehr habe er einen noch höheren Leistungsanspruch entwickelt, um das ursprüngliche Leistungspensum aufrechtzuerhalten. In der aktuellen Untersuchung sei deutlich geworden, dass beim Beschwerdeführer im Rahmen der begonnenen psychiatrisch-psychothera
peutischen Behandlung ein Lernprozess im Sinne einer Nachreifung eingesetzt
habe. Dieser Lernprozess werde zweifellos eine längere Zeit in Anspruch nehmen
, so dass auch innerhalb der nächsten Jahre mit wiederholten depressiven Ein
brüchen beziehungsweise einer neuerlichen Störung der Impulskontrolle mit aggressiven Ausbrüchen zu rechnen sei.
Der Beschwerdeführe
r sei derzeit nicht in der Lage,
einer Tätigkeit
nachzugehen. Es bestehe eine hochgradige affektive Irritierbar
keit
, welche selbst einfache Aufgaben nicht zulasse
. Die Prognose sei günstig. I
m Rahmen des therapeutischen Settings
werde
innerhalb der nächsten 12 bis 24 Monate mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine wesentliche
emo
tionale Stabilisierung ein
treten (S. 26 f.).
Aus internistischer Sicht könne keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit gestellt werden (S. 35
Ziff.
4). Das in den Akten erwähnte
Schlafap
noesyndrom
sei lediglich durch Angehörige
des Beschwerdeführers
festgestellt worden. An der Diagnose sei dennoch nicht zu zweifeln.
Der Beschwerdeführer leide an
eine
r
deutliche
n
Tagesmüdigkeit, welche allerdings von der wahr
scheinlich psychisch bed
ingten Müdigkeit nicht sicher
abzugrenzen
sei.
Sollte sich die psychische Situation verbessern und die Tagesmüdigkeit dennoch per
sistieren, müsse das Schlafapnoesyndrom eingehender untersucht und allenfalls behandelt werden.
Zudem
bestehe der
Verdacht auf ein Reizdarmsyndrom mit häufigen Blähungen und gelegentlichem Durchfall.
Das
Engegefühl
im
Thorax
bereich
sei mit grösster Wahrscheinlichkeit emotionalem Stress zuzuschreiben. Eine Herz- oder Lungenkrankheit sowie auch ein Problem im Bereich der Wirbelsäule seien nicht anzunehmen. Die häufigen Kopfschmerzen seien vor
wiegend eine Folge der belastenden Situation.
Aus rein internistischer Sicht sei der Beschwerdeführer in jeglicher seinen Fäh
igkeiten angepassten Tätigkeit
zu 100
%
arbeitsfähig (S. 35 f.
Ziff.
5).
I
n der
oto-rhino-laryngologischen
Untersuchung
habe der Beschwerdeführer
die apparativen Untersuchungen
im Sinne einer
Reintonaudiometrie,
einer
Sprach
audiometrie
sowie einer
kalorische
n
Untersuchung mit de
m
Videonystagmo
gramm
verweigert.
D
as Teilgutachten
stütze sich daher
auf die Anamnese, die Akten und die bekannten Folgen nach
der erfolgten
Operation.
I
m Jahr 2008
sei beim Beschwerdeführer
ein
Vestibular
isschwannom
diagnostiziert und
operiert worden
. Die Ohrmikroskopie zeige beidseits freie und trockene Verhältnisse. Das Trommelfell sei beidseits intakt und differenziert. Das Mittelohr sei beidseits gut belüftet. Die retroaurikuläre Narbe rechts sei reizlos. Die
Fa
z
ialisfunktion
se
i symmetrisch. Eine fassbare Schwäche des
Nervus
facialis
könne nicht objekti
viert werden.
D
i
e
T
eilgutachter
des
H._
gab
sodann an, dass
sie
die Befunde von Prof.
B._
vom
3.
Dezember 2013
übernehme
. Offensichtlich bestehe auf der linken Seite ein normales Gehör, wogegen auf der rechten Seite eine praktische Taubheit vorliege. Dies sei mit dem Status nach
retrosigmoidaler
Ent
fernung gut vereinbar. Es sei davon auszugehen, dass das Gleichgewichtsorgan auf der rechten Seite
seine Impulse aufgrund der Verletzung des Nervs
nicht mehr an das Gehirn übermitteln
könne. Es könne somit von einem
cochleo-vestibulären
Ausfall rechts ausgegangen werden, welcher durch die im Jahr 2008 erfolgte Operation im Rahmen der T
umorentfernung aufgetreten sei. Der Beschwerdeführer müsse somit mit dem übrigen funktionierenden Organen ar
beiten, um das Gleichgewicht zu halten.
Dies benötige eine vermehrte zentrale Kompensation und führe zu einer
schnelleren
Ermüdung. Der gesunde
Gleich
gewichtsapparat
sowie das
okuläre
und propriozeptive System seien daher ver
mehrt gefordert. Zudem
störe
das
ständig vorhandene Ohrgeräusch, welches auch
die Konzentrationsfähigkeit
reduziere
.
D
ie einseitige Taubheit bedinge
ausser
dem
eine vermehr
te Konzentration in
Gesprächen mit mehreren Personen
. Aus
oto-rhino-laryngologischer
Sicht sei der Beschwerdeführer in der bisherigen
sowie jeglicher angepassten
Tätigkeit zu 80
%
arbeitsfähig.
D
ie Einschränkung
resultiere aus der vermehrten Ermüdbarkeit
.
D
er Beschwerdeführer
müsse
die Möglichkeit erhalten, sich hinzulegen oder die Pausen etwas zu verlängern.
In
Sitzungen müss
t
e
n
die Gesprächspartner
links vom Beschwerdeführer
sitzen
. D
ie
Sitzung
en
müss
t
e
n
geordnet ablaufen
, damit er dem Gespräch folgen könne. Ein Grossraumbüro sei
infolge der Nebengeräusche
nicht optimal. Tätigkeiten, welche das
Gleichsgewichtssystem
fordern würden, wie
beispielsweise
Arbeiten auf Gerüsten oder Leitern
sowie
an rotierenden Maschinen
,
seien nicht zumut
bar
(S.
8, S.
38
f
f
.
).
Aus gesamtmedizinischer Sicht sei
der Beschwerdeführer seit dem 1
0.
Septem
ber 2014
aufgrund der psychischen Beschwerden
in jeglicher Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 9). Die Prognose sei au
s psychiatrischer Sicht günstig.
Von
einer Verb
esserung der derzeit noch hochgradig emotionalen Irritierbarkeit könne
aufgrund der angemessenen Motivationshaltung ausgegangen werden. Die Möglichkeiten einer Wiedereingliederung seien frühestens nach 12 Monaten zu prüfen. Bei günstigem Verlauf im Rahmen der Eingliederungsmassnahmen sei eine sukzessive Steigerung bis auf eine zirka 80%ige Arbeitsfähigkeit grund
sätzlich vorstellbar.
Die
otoneurologische
Einschränkung
bleibe bestehen
(S. 10). Invaliditätsfremde Faktoren würden keine Rolle spielen (S. 11
lit
. E
Ziff.
3). Der Beschwerdeführer verfüge über angemessene Ressourcen,
um
die Defizite in seiner Persönlichkeitsentwicklung zu reflektieren und zumindest
ansatzweise
neue Verhaltensmuster zu verstehen (S. 11
lit
. E
Ziff.
8).
3.7
Mit Stellungnahme vom
6.
Januar
2016 empfahl
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), für die Beurteilung auf das Gutachten
des
H._
abzustellen.
A
ktuell
sei ein Gesundheitsschaden ausgewiesen
,
welcher
eine Arbeitsfähigkeit für jegliche
Tätigkeit zu 100
%
verunmögliche
. Eine medizinische Neubeurteilung
werde
in ein bis zwei Jahren empfohlen (vgl.
Urk.
8/37 S. 3 ff.).
3.8
Die Ärzte der Privatklinik
J._
informierten mit Austrittsbericht vom 2
6.
Mai 2016 (
Urk.
3/3) über die stationäre
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom 2
9.
Februar bis
8.
April 201
6.
Als Diagnosen führten sie eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), eine vordiagnostizierte posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie eine Persönlichkeitsakzentuierung mit narzisstischen Zügen (ICD-10 Z73), Differentialdiagnose (DD): narzisstische Persönlichke
itsstörung (ICD-10 F60.8
0
), auf (S.
1). Im Verlauf sei
eine
Verbesse
rung der depressiven Symptomatik
eingetreten
. Der Beschwerdeführer sei vom 2
9.
Februar bis 2
4.
April 2016 zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 4 f.).
4.
4.1
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass das Gutac
hten des
H._
(vorstehend E.
3.6
) die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden in ange
messener Weise berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
erstattet wurde und der konkreten medizinischen Situation Rechnung trägt. Die Beurteilung leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vorgenomme
nen Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit werden ausführlich begründet. Die Beurteilung durch die Gutachter des
H._
ist nach
dem Gesagten für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend. Das Gut
achten erfüllt damit die praxisgemässen Kriterien für beweiskräftige ärztliche Entscheidu
ngsgrundlagen (vorstehend E.
1.6
) vollumfänglich, so dass für die
Entscheidfindung
darauf abgestellt werden kann.
Dies empfahl überdies auch RAD-Ärztin
Dr.
I._
(vgl.
Urk.
8/37 S. 3 ff.)
.
4.2
Aus somatischer Sicht leidet der Beschwerdeführer demnach
im Wesentlichen
aufgrund
des
Vestibularisschwannom
s
bei Status nach
retrosigmoidaler
Entfer
nung im Jahr 2008 an
einer an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit rechts
,
welche sich
auf die Arbeitsfähigkeit
auswirkt
(vgl.
Urk.
8/36
/1-40
S. 7
lit
. D
Ziff.
1.3).
Das anamnestisch festgestellte Schlafapnoesyndrom, der Verdacht auf einen Colon
irritabile
, das Übergewicht sowie der Verdacht auf einen Alkohol
missbrauch (ICD-10 F10.1) wurden als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit erachtet (
Urk.
8/36/1-40 S. 7
lit
. D
Ziff.
2).
Die klinische
oto-rhino-laryngologische
Befundaufnahme war unauffällig
(vgl.
Urk.
8/36/1-40 S. 39
Ziff.
3)
.
Da die apparativen Untersuchungen nicht hätten durchgeführt werden können, sei der diesbezügliche Befund des
C._
übernom
men worden.
Demnach bestehe auf der linken Seite ein normales Gehör, wogegen
auf der rechten Seite eine praktische Taubheit vorliege.
Es müsse davon ausgegangen werden, dass das Gleichgewichtsorgan auf der rechten Seite infolge der Verletzung des Nervs seine Impulse nicht mehr an das Gehirn weiterleiten könne. Es sei deshalb von einem
cochleo-vestibulä
ren
Ausfall
auf der rechten Seite
auszugehen. Der B
eschwerdeführer
müsse
mit den übrigen funktionierenden Organen arbeiten, um das Gleichgewicht zu halten. Dies benötige eine ver
mehrte zentrale Kompensation und führe zu einer schnelleren
Ermüdung.
Zudem
störe das ständig vorhandene Ohrgeräusch, welches auch die Konzentrationsfähigkeit reduziere. Die einseitige Taubheit bedinge ausserdem eine vermehrte Konzentration in Gesprächen mit mehreren Personen.
Entsprechend gingen die Gutachter von einer 80%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen
sowie jeglicher angepassten
Tätigkeit aus.
D
er Beschwerdeführer
müsse
die Möglichkeit erhalten,
um
sich hinzulegen oder die Pausen etwas zu verlängern. Zudem müssten die Gesprächspartner in Sitzungen links vom Beschwerdeführer sitzen und ein
Grossraumbüro sei infolge der Nebengeräusche nicht optimal (vgl.
Urk.
8/36/1-4
0
S. 8,
S. 39 f.
Ziff.
5).
4.3
In psychischer Hinsicht
sind dem Gutachten
des
H._
nach ausführlicher
Anamneseer
hebung (vgl.
Urk.
8/36/1-40 S.
19
f
f.) und
psychopathologischer
Befundaufnahme (vgl.
Urk.
8/36
/1-40
S. 24 f.
Ziff.
3)
eine
mittelgradige, zeitwe
ise auch schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1) sowie eine
Persönlichkeits
störung
mit reifungsretardierten Zügen (ICD-10 F60.8) als Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entne
hmen (
Urk.
8/36
/1-40
S.
25
Ziff.
4).
Die Gutachter des
H._
erachteten den Beschwerdeführer aufgrund seines psy
chischen Leidens – in Übereinstimmung mit den übrigen Ärzten (vgl.
Urk.
8/1
7 S.
5
Ziff.
1.6;
Urk.
8/22 S.
1
;
Urk.
8/36/43-46 S.
2;
Urk.
8/3
6
/52-53 S.
1
;
Urk.
8/36/54-55 S. 2
) – derzeit in jeglicher Tätigkeit als zu 100
%
arbeitsun
fähig. Es bestehe eine ausgesprochen hochgradige affektive Irritierbarkeit, die selbst einfache Aufgaben nicht zulasse (vgl.
Urk.
8/36/1-40 S. 9, S. 27).
4.4
Soweit die Beschwerdegegnerin geltend macht, die Diagnose einer
Persönlich
keitsstörung
sei nicht nachvollziehbar, da es an einer Begründung der Diagnose nach den Kriterien des ICD-10-Klassifikation
ssystems fehle (vgl.
Urk.
2 S.
3;
Urk.
8/55 S.
3), so übersieht sie dabei, dass die Gutachter
des
H._
eine
Persön
lichkeitsstörung
mit reifungsretardierten Zügen diagnostizierten und dabei
die Codierung ICD-10 F60.8 verwendeten, kann diese Persönlichkeitsstörung doch
keiner der spezifischen Kategorien (ICD-10 F60.0 – F60.7) zugeordnet werden. Für diese Codierung bestehen keine spezifischen Merkmale
, welche
jeweils
gesondert geprüft werden müssten (vgl. klinisch-diagnostische Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt, Hrsg.,
9.
Auflage, Bern 2014, S. 283).
Die Gutachter des
H._
führten sodann nicht
lediglich ak
zentuierte
Persönlichkeitszüge
und
somit
eine nicht rechtserhebliche
Z-Codierung
auf
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni
2012 E.
3.1), sondern
diagnostizierte
n
ausdrücklich eine
Persön
lich
keitsstörung
und ging
en
– in Kombination mit einer mittelgradigen, phasen
weise auch schweren depressive
n
Episode (ICD-10 F33.1) -
von einer schweren komplexen Gesundheitsstörung aus (vgl.
Urk.
8/36/1-
40 S. 27 Mitte). Einer solchen kann durchaus invalidisierende
r
Charakter zukommen (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.5)
.
Der psychiatrische Gutachter des
H._
beschreibt die gestörte Persönlichkeit des Beschwerdeführers mit einer erheblichen Reifungsretardierung
sowie
einer Störung der Affektivität und der Impulskontrolle
denn auch
eindrücklich. Dem Beschwerdeführer sei
es insbesondere in seiner gesam
ten Entwicklung nie gelungen
, adäquate emotionale Bewältigungsstrategien im Zusammenhang mit Konfliktsituationen zu erlernen. Dabei wurde insbesondere auch das Verhaltens
muster des Beschwerdeführers anlässlich des Suizids des Vaters hervorgehoben (
vgl.
Urk.
8/36/1-4
0 S.
22
f
.
, S.
26 Mitte).
Offensichtlich sei d
as gestörte Verhal
tensmuster sodann nach der Operation
des
Akustikusneurinoms
geworden. Die emotionalen Kompensationsstrategien der Folgen des operierten
Akustikusneu
rinoms
seien deutlich begrenzt und bereits Ausdruck der beschriebenen
Persön
lichkeitsstörung
gewesen (
Urk.
8/36/1-40 S. 13
Ziff.
3).
Dabei sei es ihm in
keiner Weise gelungen, sich emotional mit den Folgen der Erkrankung ausei
nanderzusetzen. Vielmehr habe er einen noch höheren Leistungsanspruch ent
wickelt, um das ursprüngliche Leistungspensum aufrechtzuerhalten.
Dabei habe er unter anderem auch seinen Wohnort näher an die Arbeitsstelle verlegt, um die Fahrzeit einzusparen. Der Beschwerdeführer habe sich ausschliesslich über
seine berufliche Entwicklung definiert, wobei gravierende Einbussen im Hinblick
auf die emotionale Bewältigung von Konflikten offensichtlich geworden seien (vgl.
Urk.
8/36/1-40 S. 23
f.,
S. 26).
4.5
Hinsichtlich der vorliegend zwischen den Parteien umstrittenen Frage
, ob der psychische Gesundheitszustand überhaupt eine Invalidität im Sinne von
Art.
8 ATSG begründet
, gilt es zu
berücksichtigten, dass d
er Umstand, dass das Gut
achten bezüglich der Darlegung der medizinischen Situation voll beweiskräftig
ist,
nicht
bedeutet, dass auch die dortige Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit für
die Belange der Invalidenversicherung ohne weiteres massgeblich ist. Die Be
urteilung, ob ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliegt, ist eine Rechts
frage und obliegt damit nicht den Ärztinnen und Ärzten, sondern den
rechts
anwendenden
Behörden. Es ist folglich mit der bundesgerichtlichen Rechtspre
chung vereinbar, einem Gutachten vollen Beweiswert zuzuerkennen, jedoch von der medizinischen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung sozialversicherungsrechtlicher Aspekte abzuweichen (BGE 140 V 193 E. 3.1 f., 130 V 352 E.
3; Urteil des Bundesgerichts 9C_636/2007 vom 2
8.
Juli
2008 E.
3.3.1).
Bei Beeinträchtigungen des psychischen Gesundheitszustandes ist stets eine objektive Betrachtung des
Forderbaren
vorzunehmen (vorstehend E. 1.1, E. 1.3), wobei leichte bis höchstens mittelschwere Störungen aus dem depressiven Formenkreis in der Regel therapierbar sind und invalidenversicherungsrechtlich zu keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, nur dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind. Die Therapie muss in dem Sinne konsequent sein, dass sie aus fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise opti
mal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (vgl. statt vieler BGE 140 V 193 E.
3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2).
4.6
Die Gutachter des
H._
diagnostizierten beim Beschwerdeführer nebst eine
r
mittelgradigen, zeitweise schweren depressiven Episode (ICD-10 F32.1) auch eine
Persönlichkeitsstörung mit reifungsre
tardierten Zügen
(ICD-10 F60.8). Der Beschwerdeführer habe dabei alle therapeutischen Möglichkeiten angenommen (
Urk.
8/36/1-40 S.
15
Ziff.
4).
Er befindet sich seit Januar 2013 in ambulanter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung bei
Dr.
E._
, wobei diese zuletzt einmal wöchentlich, aktuell zirka alle zwei Wochen stattfinde (vgl.
Urk.
8/36/1-40 S.
21; vgl. auch
Urk.
8/3
6
/54-55 S. 2
lit
. E).
Auch wenn vorliegend sicherlich psychosoziale Belastungsfaktoren, wie insbe
sondere der Konflikt am Arbeitsplatz, vorgelegen haben, so geht aus dem Gut
ac
hten des
H._
klar hervor, dass sich das gestörte Verhaltensmuster des Be
schwerdeführers offensichtlich mit Beginn der somatischen Erkrankung gezeigt habe
und invaliditätsfremde Faktoren keine Rolle spiel
t
.
So
sei
es
ihm in keiner Weise gelungen, sich emotional mit den Folgen der Erkrankung auseinander
zusetzen. Vielmehr habe er einen noch höheren Leistungsanspruch entwickelt, um das ursprüngliche Leistungspensum aufrechtzuerhalten (vgl.
Urk.
8/36/1-40
S.
11
Ziff.
3,
S.
26).
Entsprechend hielten die Gutachter des
H._
auch fest, dass zunächst das Erlernen einer besseren emotionalen Kompensation der soma
tischen Behinderung im Vordergrund des therapeutischen Settings stehe (
Urk.
8/36/1-40 S.
13
Ziff.
4).
Der Beschwerdeführer befindet sich denn auch bereits seit Januar 2013 und somit vor der Konfliktsituation am Arbeitsplatz in psychiatrischer Behandlung (vgl.
Urk.
8/17 S.
1
Ziff.
1.2). Dem Bericht der behan
delnden Psychiaterin ist
ebenfalls
zu entnehmen, dass der Beschwerde
führer bereits vor dem akuten Belastungsereignis am Arbeitsplatz seine Vorge
setzten darauf hingewiesen habe, dass er Unterstützung brauche, einmal auch mit einem verzweifelten Hilferuf und Suizidäusserungen (vgl.
Urk.
8/17 S.
2 unten).
Hieraus ergibt sich klar, dass die somatische Diagnose und insbesondere auch das bereits seit der Kindheit gestörte Verhaltensmuster des Beschwer
deführers zur bestehenden psychischen Situation beigetragen haben
und
diese
nicht einzig auf psychosozialen Belastungsfaktoren beruht
.
Die Gutachter des
H._
stellten zwar eine günstige Prognose, da der Beschwer
deführer über angemessene Ressourcen verfüge, um die Defizite seiner Persönlichkeitsentwicklung zu reflektieren und neue
Verhaltensmuster zu ver
stehen. E
in gewisser Lernprozess
habe
bereits eingesetzt. Allerdings gaben sie auch an, dass Wiedereingliederungsmassnahmen frühestens nach Ablauf von 12
Monaten zu prüfen seien.
Grundsätzlich sei dann bei einem günstigen Ver
lauf der Eingliederungsmassnahmen eine sukzessive Steigerung der Arbeitsfähig
keit
bis auf
100
%
vorstellbar.
Der Lernprozess werde zweifellos eine längere
Zeit in Anspruch nehmen, so dass innerhalb der nächsten Jahre mit wieder
holten de
pressiven Einbrüchen beziehungsweise einer neuerlichen Störung der
Impuls
kontrolle
mit aggressiven Ausbrüchen zu rechnen sei (vgl.
Urk.
8/36/1-40 S.
10
f., S.
26 ff.
).
Dabei sagt l
ediglich der Umstand, dass das Leiden behandel
bar ist,
noch
nichts über
den i
nvalidisi
er
enden Charakter
aus (BGE 127 V 294 E.
4b). Z
umal dem Beschwerdeführer bereits seit über zwei Jahren eine vollstän
dige Arbeitsunfä
higkeit in jeglicher Tätigkeit attestiert wird (vgl. hierzu
Art.
8
Abs.
1
ATSG
) und
gestützt auf die gutachterliche Beurteilung
nach frühestens 12 Monaten auch lediglich Eingliederungsmassnahmen geprüft werden können und nicht bereits wieder eine vollständige Arbeitsfähigkeit prognostiziert wird.
4.7
Nach dem Gesagten ist der Beschwerdeführer demnach gestützt auf das
polydis
ziplinäre
Gutachten des
H._
seit dem 1
0.
September 2014 in jeglicher Tätig
keit zu 100
%
arbeitsunfähig.
Die vollständige Arbeitsunfähigkeit ergibt sich
dabei
aufgrund des
derzeit
invalidisierenden psychischen Gesundheitsschadens.
Die
an
Taubheit grenzende
Schwerhörigkeit rechts
und die diesbezüglichen Einschränkungen führen zudem zu
eine
r
20%ige
n
Arbeitsunfähigkeit in jegli
cher Tätigkeit
, wobei in dieser Hinsicht nicht mehr von einer wesentliche
n Ver
besserung ausgegangen werden kann
.
5.
5.1
Der Beschwerdeführer ist aufgrund der Erwerbsbiographie unbestrittenermassen als zu 100
%
Erwerbstätiger zu qualifizieren (vgl. auch
Urk.
8/37 S. 7), womit grundsätzlich ein Einkommensvergleich nach
Art.
16 ATSG in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG vorzunehmen wäre. Ein solcher erübrigt sich vorliegend allerdings, da bei einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in sämtlichen Tätig
keiten der
Invaliditätsgrad 100
%
beträgt. D
em Beschwerdeführer
steht somit
eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu. Zu prüfen bleibt der Beginn des Rentenanspruchs.
5.2
Ein Rentenanspruch entsteht gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Angesichts der Anmeldung
vom
1
2.
Dezember 2014 (
Urk.
8/2
), welche am 1
7.
Dezember 2014 bei der Beschwerdegegnerin eingegangen war (vgl. Aktenverzeichnis zu
Urk.
8 S.
1),
würde ein allfälliger Rentenanspruch frühesten
s ab dem
1.
Juni 2015 bestehen.
In Bezug auf
d
as Wartejahr
im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG (vorstehend E.
1.2) ist
vorliegend
e
ine medizinisch attestierte Arbeitsunfähigkeit
ab dem 1
0.
September 2014 ausgewiesen
, wobei der Beschwerdeführer seither ohne Unterbruch (
Art.
29
ter
der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV) als
zu 100
%
arbeitsunfähig gilt
(
vgl.
Urk.
8/1/1-3;
Urk.
8/1
7 S.
5
Ziff.
1.6;
Urk.
8/22
S. 1 f.
;
Urk.
8/36/1-40 S. 9).
Das Wartejahr ist demnach am 1
0.
September 2015 abgelaufen.
5.3
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ab dem
1.
September 2015 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. Mit dieser Feststellung und in Gutheissung der Beschwerde ist die ange
fochtene Verfügung somit aufzuheben.
Mit dem Endentscheid in vorliegender Streitsache erweist sich das Gesuch um vorsorgliche Massnahmen (
Urk.
1 S. 2) als gegenstandslos.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
6
.2
Ausgangsgemäss steht dem obsiegenden vertretenen Beschwerdeführer eine Prozessentschädigung zu, die gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) – ohne Rück
sicht auf den Streitwert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwie
rigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen ist.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Bemessungskriterien und beim ab Januar 2015 für Rechtsanwälte gerichtsüblichen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich
MWSt
) ist die Prozessen
tschädigung vorliegend auf
Fr.
2‘700.--
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen.