# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7800df8f-f8c3-4e6a-acdb-f3cad82d2012
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 1954, war seit dem 20. Oktober 2011 in ihrer
seit Februar 2009 ausgeübten
50%-Tätigkeit als
Rüsterin
im Detailhandel arbeits
unfähig. Am 28. Januar 2012 wurde das Arbeitsverhältnis vom Arbeitgeber per 31. März 2012
gekündigt
und am 2. Februar 2012 wurde
X._
von ihrem Arbeitgeber
bei der Invalidenversicherun
g zur Früherfassung
gemeldet (Urk. 8/3/4-7, Urk. 8/4/1-2 und Urk. 8/13/14).
Am 1
1
. April 2012 (Posteingang)
erfolgte die Anmeldung zum Leistungsbezug bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, unter Hinweis auf seit dem 9. November 2011 von
Dr.
med.
Y._
,
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, behandelte Angst und Depressionen (Urk. 8/8)
.
Im Ressourcengespräch mit der Versicherten vermerkte Anhaltspunkte für
somatische Gesundheitsstörungen von
Krank
heits
wert
(Rheuma, Bluthochdruck, vgl. Urk. 8/9) wurden
auf Nachfrage
vom Haus
arzt nicht bestätigt
(vgl. Bericht vom 14. April 2012, Urk.
8/10)
.
1.2
Im Rahmen ihrer Abklärungen holte die IV-Stelle
sodann
den Bericht Dr.
Y._
vom 12. Juni 2012 ein (Urk. 8/18).
Dr.
Y._
diagnostizierte (Urk. 8/18/6-7): „depressive Dekompensation mittlerer, teils deutlich grösserer Schwere (IDC 10: F33.2)“, „
Dg
. soziale Phobie und Panikattacken mit
Hyper
ven
ti
lationsanteilen
(IDC 10: F40.11)“ sowie „
Narzi
s
stisch verletzliche Persön
lich
keitsstruktur. Emotional instabiles Persönlichkeitsfundament; Neigung zu narzis
s
tischer Dekompensation und Beeinträchtigungssymptomatik (IDC 10: F61.1)“. Aufgrund der von ihm
beschriebenen Symptomatik attestierte er eine 95%ige Arbeitsunfähigkeit in angestammter und angepasster
Tätigkeit (Urk.
8/8/10-11).
1.3
Weiter zog die IV-St
elle den von med.
pract
.
Z._
,
Psychiatrie und Psy
chotherapie FMH, zu Händen des Krankentaggeldversicherers von
X._
erstellten Bericht vo
m 2. Juli 2012 bei (Urk. 8/19).
Med.
pract
.
Z._
hatte die Versicherte am 17. April 2012 exploriert (Urk. 8/19/1) und Einsicht in das Anfangszeugnis
Dr.
Y._
vom 3. November 2011 (Urk. 8/19/13) sowie seinen Bericht vom 15. März 2012 (Urk. 8/19/11-12) an den Krankentaggeld
versicherer.
In ihrem Bericht bestätigte sie die von
Dr.
Y._
im Bericht vom 15. März 2012 gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung (ICD 10: F43.2), wobei sie darauf hinwies, dass aufgrund des bisherigen Verlaufs noch nicht von einer „längeren depressiven Reaktion“ (ICD 10: F43.21) gesprochen werden
könne. Diagnostisch handle es sich um eine
Anpassungsstörung nach einer - von
der Versicherten erlebten - Mobbingsituation und anschliessender Kündigung
. Eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit sei mit der aktuellen Symptomatik nicht ausgewiesen und könne aus einer Anpassungsstörung auch nicht abgeleitet
werden. Da der Arbeitsplatz gekündigt
worden sei
und die Mobbing-Situation nicht fortbestehe, sei vielmehr ein rascher Einstieg zur
Rekonditionierung
und Stabilisierung sehr sinnvoll (Ü
berwindung von Arbeitsängsten).
1.4
Am 13. September 2012
würdigte der Regionale Ärztliche Dienst (RAD
,
Dr.
med.
A._
,
Praktischer Arzt
)
die beiden fachpsychiatrischen Beurtei
lungen dahingehend, dass nach versicherungsmedizinischer Einschätzung der
jenigen von med. prakt.
Z._
zu folgen sei und demzufolge kein dauerhafter Gesundheitsschaden vorliege (Urk. 8/23/3).
Dementsprechend erging am 30. Okto
ber 2012 der Vorbescheid, mit welchem
die Abweisung jeglicher
Leis
tungsansprüche
der Invalidenversicherung
in Aussicht gestellt wurde (Urk.
8/24).
Dagegen liess die nunmehr rechtskundig vertretene Versicherte am 28. Novem
ber
2012
Einwand erheben (Urk. 8/30), welcher mit Eingabe vom 29. Januar 2013
-
nach gewährter
Akteneinsicht (Urk. 8/33)
und unter Beilage des Berichts von
Dr.
Y._
vom 15. Januar 2013
(
Urk. 8/35)
- dahingehend substantiiert wur
de, dass der Versicherten - eventuell nach psychiatrischer Be
gutachtung durch eine beidseits anerkannte,
unabhängige
Fachperson - Leis
tungen der In
va
li
denversicherung zu gewähren seien (Urk. 8/38).
Daraufhin wurden die fachpsychiatrischen
Beurteilungen
Dr.
Y._
und med.
pract
.
Z._
am 15. Februar 2013 noch einmal durch den RAD (
Dr.
med.
B._
,
Anästhesiologie
FMH) evaluiert, mit dem Ergebnis, dass auf die Beurtei
lung von med.
pract
.
Z._
abzustellen sei (Urk. 8/40/
2-3).
Demgemäss verfügte die IV-Stelle am 27. März 2013 die in Aussicht gestellte Abweisung jeglicher Leistungsansprüche der Invalidenversicherung (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 30. April 2013 Beschwerde mit dem
Rechts
begehren
, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es seien
der Ver
sicherten Leistungen der Invalidenversicherung zu gewähren, eventuell nach psychiatrischer Begutachtung durch eine beidseits anerkannte,
unabhängige
Fachperson. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin, es sei ihr die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung zu gewähren (Urk. 1 S. 2). Mit der Beschwerde reichte sie einen weiteren Bericht
Dr.
Y._
vom 17. April 2013 zu den Akten (Urk. 3/3).
Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 3. Juni 2013 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Davon wurde die Beschwerdeführerin am 4. Juni 2013 in Kenntnis gesetzt (Urk. 9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Ver
lust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
tei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträch
tigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG in der seit 1. Januar 2008 geltenden Fassung).
1.
2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt
(ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
che
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
1.4
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art.
8 ZGB
) hat die versicherte Person die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem
Be
weis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nachweis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt: Vermutet wird Validität, nicht Invalidität. An diesem Nachweis kann es unter mehreren Aspekten mangeln: Die Einschrän
kung ist nicht gesundheitlich, sondern sozial/soziokulturell bedingt (1); die gesundheitliche Einschränkung ist nicht evident, wiegt nicht schwer, sodass sie überwindbar und der versicherten Person die Verrichtung einer adaptierten Tätigkeit dennoch zumutbar ist (2); die Einschränkung ist medizinisch angeh- oder gar heilbar (3); die Einschränkung ist nur vorübergehender Natur, sei es, weil sie von selbst oder nach einer medizinischen Behandlung abklingt (4). Die entsprechenden Elemente (gesundheitlicher Charakter, Evidenz und Erheblich
keit, Unheilbarkeit und Dauerhaftigkeit der Beeinträchtigung) sind stets - auch
ausserhalb
der unklaren Beschwerdebilder - nachzuweisen, damit ein Anspruch auf eine Dauerleistung der Invalidenversicherung geltend gemacht werden kann (BGE 139 V 547 E. 8.1).
2.
2.1
2.1.1
Soweit die
Beschwerdeführerin
mit dem Hinweis auf die Tätigkeit von med.
pract
.
Z._
als Vertrauensärztin des Krankentaggeldversicherers der Be
schwer
deführerin (sowie einer Einrichtung der beruflichen Vorsorge)
die gut
ach
terliche Unabhängigkeit von med.
pract
.
Z._
in Frage stellt (Urk. 1 S. 4 Ziff. 9)
, ist dem Gericht bekannt, dass professionelle Gutachterinnen und Gut
achter die Schwere einer als klinischen Befund erhobenen Symptomatik häufig anders einschätzen als behandelnde Ärztinnen und Ärzte.
Die unterschiedliche Schwerebeurteilung einer Symptomatik durch Gutachter und behandelnde Ärzte ergibt sich indessen aus deren unterschiedlicher
auf
trags
rechtlicher
Situation. Denn bei behandelnde
n
Ärzten gehört die Beurtei
lung der Auswirkungen von Krankheitssymptomen auf die Arbeitsfähigkeit zum therapeutischen Auftrag. Sie müssen daher ihre Beurteilung - soweit medizi
nisch nur vertretbar - mit der Selbsteinschätzung des Patienten in Einklang bringen (ihn überzeugen) können und gegebenenfalls - aus Rücksicht auf das für den Therapieerfolg wichtige Vertrauensverhältnis - bei der Bewertung der krankheitsbedingten Funktionseinschränkungen dessen Einschätzung folgen. Demgegenüber hat der von einem
Sozialversicherungs
träger
oder von einem Gericht beauftragte Gutachter die Krankheits- bzw. Behinderungsüberzeugung des Exploranden zwar auch in seine Beurteilung einzubeziehen, ist aber ver
pflichtet, die Schwere der (von ihm selbst klinisch festgestellten oder von anderen - insbesondere behandelnden - Ärzten berichteten) Symptomatik auf
grund aller aktenkundigen Informationen über Defizite und Ressourcen des Explor
anden zu validieren (vgl. E. 1.
4
). Aus der sich daraus ergebenden in der Regel - gegenüber den Einschätzungen behandelnder Ärzte -
zurückhaltenderen
Bejahung einer - gegebenenfalls - sozialversicherungsrechtliche Ansprüche begründenden Symptomatik kann daher nicht auf fehlende Unbefangenheit gegenüber dem Exploranden geschlossen werden.
2.1.2
Beim erst nach Einsicht in den Bericht med.
pract
.
Z._
vom 2. Juli 2012 und gestützt auf die dort erwähnte Kostengutsprache für eine „Kont
r
ollvisite“ erhobenen Vorbringen, d
ie Exploration habe -
unerwarte
terweise
-
anlässlich einer
als blosse
Kontrollvisite
angekündigten Begegnung
bei der Beschwerde
führerin zuhause stattgefunden (Urk. 8/38/3 Ziff. 6, wiederholt in Urk. 1 S. 4 Ziff. 9)
, handelt es sich offenkundig um einen - untauglichen - Versuch, den der Beschwerdeführerin nicht zusagenden Bericht med.
pract
.
Z._
als Beweis
mittel zu diskreditieren
.
Denn vier Tage vor der gem
äss den
Angaben med.
pract
.
Z._
in ihrer Praxis erfolgten Exploration vom 17. April 2012 (die Beschwerdeführerin war vom Freund der Tochter zu
r
Praxis begleitet worden, Urk. 8/19/5) hatte die Be
schwer
deführerin
im Ressourcengespräch bei der Beschwerdegegnerin erklärt, sie sei auf den 17. April 2012 zur Untersuchung
beim Vertrauensarzt
aufgebo
ten worden, wisse aber noch nicht, ob sie den Termin wahrnehmen könne, da sie an Panikattacken in der Öffentlichkeit leide (Urk.
8/9/2).
Im Übrigen
ist
auch
in den Berichten
Dr
.
Y._
nirgends vermerkt, dass die Beschwerdeführerin aufgrund ihrer Angstsymptome je einen
Behandlungs
ter
min
bei ihm oder einen vertrauensärztlichen Kontrolltermin hätte absagen müssen bzw. verpasst hätte und
steht auch in seiner
ausführlichen Auseinan
dersetzung mit dem Bericht med.
pract
.
Z._
(Urk. 3/3)
kein Wort davon
, dass med.
pract
.
Z._
die Beschwerdeführerin am 1
7.
April 2012 überraschend bei dieser zuhause exploriert und im Bericht falsche Angaben über das Setting
ver
urkundet
habe
.
Der R
AD hat daher zu Recht den das Untersuchungs-Setting med.
pract
.
Z._
betreffenden Einwand unbeachtet gelassen.
2.2
2.2.1
Die beiden ausführlichen Berichte
Dr.
Y._
vom 12. Juni 2012 (Urk. 8/18) sowie vom 15. Januar 2013 (Urk. 8/35) und med.
pract
.
Z._
vom 2. Juli 2012 (Urk. 8/19), welche dem RAD
im vorliegenden Fall
bei der Erfüllung der ihm gesetzlich zugewiese
nen Aufgabe,
im Abklärungsverfahren der
Invaliden
versicherun
g
die
nach
Art.
6 ATSG massgebende funktionelle
Leistungsfähigkeit der Versicherten
festzusetzen (
Art.
59 Abs. 2
bis
IVG), zur Verfügung standen, waren und sind - unabhängig von ihrer Bezeichnung - grundsätzlich als fach
ärztliche Gutachten im Sinne von vorstehender Erwägung 1.3 zu würdigen, deren Beweiswert
vorab davon abhängt, inwieweit sie den in den Erwägungen 1.3 und 1.4 dargelegten Anforderungen
entsprechen.
2.2.2
Die gutachterlichen Ausführungen der beiden psychiatrischen
Experten
betref
fen den gleichen medizinischen Sachverhalt (den im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung vorherrschenden psychischen Gesundheitszustand und dessen
Auswirkungen
auf die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin). Dies ergibt sich daraus, dass der erste Bericht
Dr.
Y._
(ohne Angaben über die letzte Untersuchung vor Erstellung des B
erichts) und med.
pract
.
Z._
(
Untersuchung vom 17. April 2012) im Abstand von weni
ger als einem Monat abgeliefert wurden und dass
Dr.
Y._
in seinem zweiten Bericht explizit einen seit Beginn seiner Behandlung und Beobachtung im November 2011 unveränderten Gesundheitszustand postuliert
.
2.2.3
Soweit die Beschwerdeführerin
geltend macht,
den beiden RAD
-Ärzten
Dr.
A._
und
Dr.
B._
(beide immerhin zertifiziert
e Gutachter
)
fehle es an der
fachärztlichen Kompetenz zur Beurteilung der psychiatrischen Gutachten
(Urk. 1 S. 7
Ziff.
12), verkennt sie, dass es sich bei der Prüfung der Qualität von fachärztlichen Gutachten um eine Aufgabe handelt, welche gar keine ärztliche Ausbildung voraussetzt und im Rechtsmittelverfahren durch medizinische Laien ausgeübt wird (vgl. E.
1.3). Es darf
ohne
Weiteres
davon ausgegangen
werden, dass RAD-Ärzte aller
Disziplinen
die Qualität von psychiatrischen Gutachten mindestens ebenso gut beurteilen können
,
wie Juristen mit Erfahrung in der Rezeption solcher Gutachten.
2.2.4
Dr.
B._
hat in seiner Stellungnahme vom 15. Februar
2013
die massgeblichen
Gründe
angegeben
, welche dafür sprac
hen, dem Gutachten
Z._
mehr
B
e
weiswert
zuzumessen als den
Gutachten
Y._
.
Unter anderem wies er darauf hin, dass die Gutachten
Y._
(im Gegensatz zum Gutachten
Z._
)
keine genügende Abgrenzung
der Krankheitssymptome gegenüber psychosozialen Faktoren zeigten und bei der Schweregradbeurteilung der Symptomatik vor allem auf die subjektive Einschätzung der Beschwerdeführerin abstelle sowie, dass das zweite Gutachten
Y._
sich nicht mit dem Gutachten
Z._
ausei
nandersetze
(Urk. 8/40/2-3).
2.2.5
Den letztgenannten Mangel seiner vor Erlass der angefochtenen Verfügung
erstatteten
Beurteilung vom 15. Januar 2013 hat
Dr.
Y._
zwar mit seinem ausführlichen Bericht vom 17. April 2013 (Urk. 3/3) noch zu beheben versucht. Die nachträgliche Auseinandersetzung
Dr.
Y._
mit dem Gutachten von med.
pract
.
Z._
besteht jedoch hauptsächlich darin, seine
Schweregradbeurteilung der klinisch erhobenen Befunde zu rechtfertigen und med.
pract
.
Z._
eine Bagatellisierung der
klinischen Befunde vorzuwerfen.
Dazu ist aus rechtlicher Sicht - unter Hinw
eis auf vorstehende Erwägung 2.1
.1 -
zu bemerken,
dass die Schweregradbeurteilung klinisch erhobener psychiatri
scher Befunde
nicht allein auf den subjektiven Eindruck des Untersuchers abgestützt werden kann, sondern anhand überprüfbarer Informationen über die Alltagsbewältigung
zu
valid
ieren ist
.
Dr.
Y._
hat es nicht nur
versäumt,
die Ressourcen seiner Patientin selber abzuklären, sondern
hat
sich
auch nicht
substantiiert
zur Diskrepanz
zwischen seine
m
durch die
Defi
zit
schil
d
er
ungen
der Beschwerdeführerin
geprägten
klinischen Eindruck von
sozia
lem Rückzug
,
Angst sowie
Freu
d- und Antriebslosigkeit
(Urk. 8/35/2 und Urk. 3/3
S.
10 f.
)
und
den
von med.
pract
.
Z._
genannten Fakten
(Urk. 8/19/5)
geäussert
.
Er bestreitet lediglich, dass die anamnestischen Befunde als geregelter Tagesablauf mit
(abgesehen von der durch die Laborbefunde von med.
pract
.
Z._
in Frage gestellten Compliance bei der
Medikamentenein
nahme
, vgl. Urk. 8/19/7)
hinreichender Selbstvorsorge und sozia
ler Integration bezeichnet werden
könnten
(Urk. 3/3 S. 8 )
, ohne aber als behandelnder Psychi
ater
irgend
welche therapeutische Konsequenzen
aus dem Umstand
zu ziehen,
dass
die alleinlebende
Beschwerdeführerin
seiner Einschätzung
nach
bereits seit längerer Zeit
nicht mehr in d
er Lage sein soll
, aus eigener Kraft einen geregelten Tages
ablauf aufrecht zu erhalten.
Es mag
mit
Dr
.
Y._
zwar zutreffen
, dass wegen
fehlende
n
Befunde
n
aus einer einzigen Exploration
das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung noch n
icht
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
ausgeschlossen werden kann (Urk. 3/3 S. 4). Nur ist die Inzidenz von Persönlichkeitsstörungen nach verbreiteter Auffassung nicht so hoch, dass deren Vorhandensein
grundsätzlich
zu vermuten wäre
.
Es darf auch
von Nichtmedizinern
bezweifelt werden
,
dass
bei einer psychischen Symptomatik nach dem 4
0.
Lebensjahr und
anamnesti
schen Befunden, gemäss denen
eine Frau
zuvor
in
C._
geboren wurde, als
Muslima
in einem ethnisch gemischten Wohngebiet in der n
äheren Umgebung aufwuchs,
mit einem
gewalttätigen
Alkoholiker verheiratet
war
und
in den sieb
ziger Jahren
zwei Töchter
zur Welt brachte
(Urk. 8/18/1-2)
,
der diagnostische Schluss
auf das Vorliegen einer genuinen Persönlichkeitsstörung
mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit zu ziehen ist
.
2.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die psychiatrische Beurteilung von med.
pract
.
Z._
in jeder Hinsicht den in Erwägung 1.3 dargelegten Anforderungen
an ein beweiskräftiges psychiatrisches Gutachten
entspricht und die
dem
widersprechenden Berichte
Dr.
Y._
nicht geeignet sind, daran auch nur geringe Zweifel zu wecken
, weshalb sich - angesichts des unbestrittenermassen zwischenzeitlich nicht wesentlich veränderten Gesundheitszustands - eine er
neute psychiatrische Begutachtung erübrigt
. Der RAD der Beschwerdegegnerin
hat
zu Recht gestützt auf die Darlegungen von med.
pract
.
Z._
das Vorliegen einer invalidisierenden
psychischen Störung im Sinne von Erwägung 1.4 und damit eines invalidenversicherungsrechtlichen Leistungsanspruchs verneint.
Daran ändert weder der Umstand etwas, dass der Krankentaggeldversicherer der Beschwerdeführerin weiter Leistungen ausrichtet
(Urk. 1 S. 7
Ziff.
11), da er auch bei nicht invalidisierenden Arbeitsunfähigkeiten leistungspflichtig ist, noch kann die Beschwerdeführerin etwas zu ihren Gunsten aus dem Umstand ableiten, dass ihre Eingliederungsfähigkeit hinsichtlich beruflicher Massnahmen verneint wurde (Urk.
1 S. 8 Ziff. 13), da die Verneinung der
Eingliederungs
fähigkeit
auf der Selbste
inschätzung
der Beschwerdeführerin beruhte.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.
3.
3.1
Mit der Unterstützungsbestätigung des Gemeindesozialdienstes vom 6. Dezem
ber 2012
(Urk. 3/5)
ist die prozessuale Bedürftigkeit der Beschwerde
führerin ausgewiesen, weshalb ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewäh
ren
sowie ihr Rechtsbeistand zum unentgeltlichen Rechtsvertreter zu bestellen ist.
Entsprechend der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozes
ses ist der unentgeltliche Rechtsvertreter mit Fr.
1‘600.-- aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
3.2
Die Gerichtskosten (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) sind auf
Fr.
500.-- anzusetzen, der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, jedoch infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtkasse zu nehmen.