# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d466875b-184c-4aab-bfd2-de748f32412c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre 1977 geborene
X._
besuchte in Griechenland die Grund
schule und war in der Zeit von August 1993 bis zum 1
4.
Oktober 2009 in Deutschland und danach bis zum
7.
September 2011 wieder in Griechenland wohnhaft. Am
8.
September 2011 reiste sie in die Schweiz ein und war ab dem
5.
Oktober 2011 für die
Y._
AG als Expert Operator erwerbstätig (
Urk.
8/3,
Urk.
8/16). Am 1
1.
Januar 2019 zog sich die Versicherte bei einer Auffahr
kollision eine BWS-Kontusion sowie eine HWS-Distorsion zu (
Urk.
8/7
/
195,
Urk.
8/7
/
162)
und meldete sich in diesem Zusammenhang am
7.
Juni 2019 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug an (
Urk.
8/3).
1.2
Diese zog in der Folge die Akten des Unfallversicherers (Suva) sowie des Kran
kentaggeldversicherers (Visana) bei
. Nachdem die Suva ihre Leistungspflicht anerkannt und die entsprechenden Leistungen ausgerichtet hatte, führte sie mit Verfügung vom
8.
Mai 2020 aus, dass die Kriterien der Ad
äquanz nicht mehr gegeben seien, stellte
die Versicherungsleistungen per 2
4.
Mai 2
020
ein
(
Urk.
8/20/20) und hielt daran mit Einspracheentscheid vom 1
7.
November 2020 fest (
Urk.
3/3).
M
it Vorbescheid vom
5.
Februar 2021
stellte die IV-Stelle
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/36).
Im Auftrag der Visana wurde
bei
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie,
ein B
ericht zur
Einschätzung der aktuellen Arbeitsfähigkeit aus psychi
atrischer Sicht verfasst (Bericht vom 2
7.
April 2021,
Urk.
8/55
/
4-11
). Mit Verfü
gung vom 1
0.
Juni 2021 hielt die IV-Stelle an der in Aussicht gestellten Abwei
sung des Leistungsbegehrens fest (
Urk.
8/59 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am
8.
Juli 2021 Beschwerde und beantragte, es sei
en der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen zuzu
sprechen, zudem sei diese von unabhängiger Stelle polydisziplinär abzuklären; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
7.
Oktober 2021 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom
8.
Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG)
.
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b
/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
gestützt auf die von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene poly
disziplinäre Abklärung ab dem
6.
August 2019 in einer leidensangepassten Tätigkeit von einer vollumfänglichen Arbeitsfähigkeit auszugehen sei. Per 1
5.
September
2019 bestehe auch in der angestammten Tätigkeit als Produk
tionsmitarbeiterin wieder eine volle Arbeitsfähigkeit (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass auf die Einschätzung von
Dr.
Z._
nicht abgestellt werden könne, da dieser die Suva-Akten, insbesondere die Beurteilung von
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
6.
April 2020
nicht
berücksichtig
t habe
. Bei versicherungsinternen Stellungnahme
n
bestehe zudem bereits bei geringen Zweifeln Anspruch auf eine verwaltungsexterne Begutachtung (
Urk.
1 S. 4). Aus dem Berichten von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, sei auf eine schwere Einschränkung mit 100%iger Arbeitsunfähigkeit zu schliessen (S. 5). Dem
I._
-Gutachten fehle es als bidisziplinäre Abklärung am Einbezug einer psychiatrischen Beurteilung; eine solche sei aufgrund
der
Rechtsprechung beim vorliegenden Unfallleiden aber empfohlen (S. 6), zumal vorliegend von einem Delta-v von 26.3 bis 40 km/h auszugehen sei (S. 7).
Weiter erfülle
Dr.
med.
C._
(neurologisches Teilgut
achten
I._
) die fachlichen Mindestanforderungen für die Durchführung von neuropsychologischen Tests nicht (S. 8). Die Notwendigkeit der Durchführung einer polydisziplinären Abklärung ergebe sich auch aus den Ausführungen von
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Physikalische
Medizin und Rehabilitation (S.
9).
3.
3.1
Die für den Austrittsbericht vom 1
1.
Januar 2019 verantwortlichen Fachärzte des
E._
diagnostizierten eine
BWS
-Kontusion nach Auffahrunfall vom 1
1.
Januar 2019 sowie eine HWS-Distorsion vom 1
1.
Januar 201
9.
Nach dem Unfall habe keine Bewusstlosigkeit, keine Übelkeit, keine Seh- oder Hörstörung vorgelegen, die Beschwerdeführerin habe das Auto selbständig verlassen können. Vom 1
1.
bis 1
5.
Januar 2019 sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (Urk.
8/7/162 f.
).
In den angefertigten Bildgebungen habe sich kein Hinweis für eine traumatische Organ- oder Weichteilläsion ergeben; auch habe keine frische traumatische
Läsion der ossären Strukturen festgestellt werden können, weiter keine intrakra
nielle Blutung oder eine Fraktur
des
Neurocraniums
(
Urk.
8/7/121 f.
). Ein MRI des Schädels vom
7.
Februar 2019 habe einen unauffälligen Befund ergeben, ebenso weitere Abklärungen an der Wirbelsäule bezüglich der BWS sowie der LWS ohne Nachweis einer frischen knöchernen Verletzung. Auf Höhe
C5
/6
habe
eine
Protru
sion
mit möglicher Irritation der linken Nervenwurzel
C6
foraminal
festgestellt werden
können
bei im Übrigen
unauffälligem Befund (
Urk.
8/7/98 ff.
).
3.2
Im Unfallfragebogen gab die Beschwerdeführerin am 1
8.
Februar 2019 an, nach dem Unfall sofort an Kopf-, Nacken- und Schultergürtelschmerzen gelitten zu haben, zudem an Schwindel und Übelkeit mit Brechreiz. Innert Stunden seien Rückenschmerzen sowie beidseitige Gefühlsstörungen in den Armen und Beinen hinzugekommen. Sie habe bereits vorbestehend an Kopf- und Rücken
be
schwerden gelitten. Zurzeit leide sie noch unter Kopf-, Nacken-, Schultergürtel- und Rückenschmerzen. Die Kopfdrehung und –
neigung
sei schmerzbedingt eingeschränkt, ebenso das Heben der Arme; teilweise habe sie Albträume
und schlafe schlecht (
Urk.
8/7/148 ff.
).
3.3
Zur stationären Rehabilitation weilte die Beschwerdeführerin in der Zeit vom 1
1.
bis 3
1.
Juli 2019
in
der
F._
. Die für den Austrittsbericht vom 3
1.
Juli 2019 verantwortlichen Fachpersonen stellten die folgenden Diagnosen:
-
HWS-Distorsion
-
Rezidivierende Episoden mit Bewusstseinsstörung im 02 und 05/2019
-
Verdacht auf
Epicondylitis
lateralis
rechts mehr als links
-
Status nach Lumbalgie 2018
-
Anpassungsstörung, Angst, depressive Reaktion mit
subsyndromaler
psychotraumatologischer
Symptomatik (ICD-10 F43.28)
Bei Austritt habe die Beschwerdeführer
in
über die folgenden Probleme geklagt: spontane sowie bewegungs- und belastungsverstärkte Nackenbeschwerden, Kopfschmerzen, Ein- und Durchschlafstörungen, Schwindel (intermittierend), gelegentliche
s
Sensibilitätsdefizit beider Beine und Hände, vor allem der rechten Hand sowie depressive Stimmungslage. Es sei eine erhebliche Symptom
aus
weitung beobachtet worden. Diese sei teilweise auf die psychische Störung zurückzuführen. Die Resultate der physischen Leistungstests seien deshalb für die Beurteilung der zumutbaren körperlichen Belastbarkeit nicht verwertbar. Die fest
gestellte psychische Störung begründe aktuell keine arbeits
relevante Leistungs
minderung. Sowohl in der angestammten wie auch einer leichten bis mittel
schweren Tätigkeit sei von einer ganztägigen Arb
eitsfähigkeit auszugehen (
Urk.
10
/1
).
3.4
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Neurologie, beratender Arzt der AXA Versi
cherungen (Haftpflic
htversicherer
), führte in seiner Stellungnahme vom 1
8.
September 2019 aus, dass der bisherige Heilverlauf durch eine Symptom
ausweitung geprägt sei
;
die Verschlechterung der Symptome im Laufe der Monate nach dem Unfall könne unfallkausal nicht erklärt werden. Die Beschwerde
entwicklung lasse sich klar auf unfallfremde Faktoren zurückführen, dies aus dem psychiatrischen Formenkreis; die Beschwerdeentwicklung sei vollkommen unty
pisch für eine unfallkausale Schädigung. Aus seiner Sicht sei ein polydisziplinäres Guta
chten empfehlenswert (
Urk.
10/2
).
3.5
Dr.
med.
H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, beratender Arzt de
s
Haftpflic
htversicherer
s
, hielt in seiner Stellungnahme vom 1
1.
November 2019 fest, dass das Vorliegen einer Anpassungsstörung als unmittelbar sich ergebende psychopathologische Reaktion nach dem Unfallereignis vom 1
1.
Januar 2019 nachvollziehbar gewesen sei; unter Berücksichtigung der verbindlichen ICD-10 Kriterien sei diese Diagnose aktuell nicht mehr ausge
wiesen. Ob die psychische Störung im Verhältnis zum gesamten Beschwerdebild im Vordergrund stehe, könne angesichts der nur begrenzten Befundlage und einer aktuell nicht gesicherten Diagnose nicht schlüssig beantwortet werden. Entspre
chend der Einschätzung von
Dr.
G._
sei der Durchführung einer interdiszipli
nären Begutachtung zuzustimmen (Urk.
8/18/134 ff
.).
3.6
Am 1
0.
März 2020 fand
bei der Suva
eine versicherungsinterne psychiatrische Untersuchung statt.
Dr.
A._
diagnostizierte eine anhaltende Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine mittelgradige depressive Episode
(ICD-10 F32.1;
Urk.
8/18/41
). Das Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht bestätigt werden. Die Angstsymptome seien eher einer anderen Störung zuzurechnen; weiter könne aufgrund des Zeitablaufs die Diagnose einer Anpassungsstörung nicht mehr gestellt werden (
Urk.
8/18/
46
). Bei der
vorliegenden
Symptomatik bestehe ein natürlicher teilkausaler Zusam
menhang mit dem Unfallereignis (
Urk.
8/18/47
), wobei davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführerin in ihrer beruflichen Tätigkeit in relevanten Fähig
keiten eingeschränkt sei. Die bestehenden Beschwerden hätten innert
sechs
bis
acht
Monate
n
nach dem Unfall klar im Vordergrund gestanden (
Urk.
8/18/51
). Die Gefahr der Chronifizierung erfordere einen umfassenden schmerztherapeu
tischen Ansatz mit psychiatrischer und psychotherapeutischer Begleitung in einem stationären Rahmen (
Urk.
8/18/52
).
3.7
Dr.
D._
stellte in ihrem Bericht vom
1
7.
August
2020 die folgenden Diag
nosen:
-
Cervicoradikuläres
Reizsyndrom
C6
rechts
-
Status nach HWS-Distorsion
-
Episoden mit Bewusstseinsstörung, am ehesten im Sinne
vasovagaler
Synkopen, Februar und Mai 2019
-
Posttraumatische Belastungsstörung, DD Angststörung, DD Anpassungs
störung
-
Verdacht auf
Epicondylitis
lateralis
rechts mehr als links
-
Abklärung der anhaltendenden Kopfschmerzen und Globusgefühl, MRI Kopf 2018 ohne Pathologie, Verdacht auf neurotische bzw. neuro
funk
tionelle Störung
-
Leichte
Protrusion
der Bandscheibe
C5
/6 mit Kontakt zur Wurzel C6 links
-
Status nach Lumbalgie 2018
-
Cholecystektomie
vor Jahren
Weiterhin
würden ausstrahlende Schmerzen in beide Schultern und thorakale Parästhesien sowie nun auch ausstrahlende Schme
rzen in den rechten Arm
(
Finger I
-III rechts
)
vorliegen. Aktuell habe sie eine CT-gesteuerte Infiltration der Nervenwurzel C6 veranlasst. Bezüglich der Ermittlung der medizinisch begrün
deten Einschränkungen sei eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit erforderlich. Ein mehrmonatiger Arbeitsversuch habe gezeigt, dass auch für ein 20%iges Pensum die Leistungsfähigkeit ungenügend gewesen sei. Aktuell liege auch aus psychiatrischer Sicht keine medizinisch zumutbare Präsenz in einer angepassten Tätigkeit vor
. Bei Problemen mit der Arbeitsfähigkeit empfehle sie eine multidisziplinäre Begutachtung, welche eine rheumatologische, neuro
lo
gische, neurochirurgische und psychiatrische Beurteilung beinhalten sollte (vgl. auch Bericht vom
3.
Juni 2020,
Urk.
8/31/79;
Urk.
8/31/85 ff.
).
3.8
Dr.
H._
nahm am
6.
Oktober 2020 zur psychiatrischen Untersuchung von
Dr.
A._
Stellung. Dabei führte er aus, dass die Beantwortung der Fragen zu Diagnostik, Kausalität und der weiteren Behandlung durch
Dr.
A._
nicht schlüssig sei und zum Teil im Widerspruch zu den eigenen Befunden stehe. So sei insbesondere eine differenzierte diagnostische Abwägung des Schweregrades der vorgefundenen gewichtigen weiteren Befunde sowie
eine
differential
diag
nostische Würdigung von gewichtigen weiteren Befunden (wie Angstsymptome mit Krankheitswert [F41], Hinweise auf dissoziative Sensibilitäts- und Empfin
dungsstörungen [F44.6]) aber auch
eine Auseinandersetzung mit den
Hinweise
n
auf erhebliche Symptomverdeutlichung trotz guter Befunderhebung nicht erfolgt, sodass die Diagnose einer anhaltenden Schmerzstörung nicht ausgewiesen sei. Simulation oder Aggravation wäre mit einer testpsychologischen Beschwerde
validierung zu überprüfen. Ein natürlicher Kausalzusammenhang bezogen auf die psychische Störung sei nicht ausgewiesen
(
Urk.
10/3
).
3.9
Die für das
I._
-Gutachten vom
9.
November 2020 verantwortlichen Fach
ärzte (Neurologie, Orthopädie)
stellten
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit in der letzten oder einer vergleichbaren Arbeit keine Diagnose. Sowohl in der angestammten als auch
in
einer vergleichbaren Tätigkeit sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Es würden deutliche Hinweise auf eine nicht plau
sible Präsentation von Einschränkungen und Beschwerden bestehen. In der orthopädischen Untersuchung seien deutliche Diskrepanzen zu erheben gewesen (kein namhaft schmerzgeplagter Eindruck, deutlich bessere spontane Mobilität als in den formalen Proben demonstriert; vgl. Urk.
8/30
/23 ff.,
Urk.
8/30
/44 ff.).
3.10
Dr.
B._
diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
6.
Dezember 2020 eine schwere Depression (ICD-10 F32.2) sowie Angst (ICD-10 F41.2). Die Beschwerde
führerin stehe bei ihm seit dem 1
7.
Januar 2019 in Behandlung, die Prognose zur Arbeitsfähigkeit sei schlecht, wobei eine solche kaum je wieder w
e
rd
e
erlangt werden können. Arbeitsversuche, auch zu geringem Prozentsatz, seien wegen der somatischen Beschwerden gescheitert. Einer Eingliederung stehe die Nicht-Anerkennung der glaubhaften somatischen Beschwerden im Wege (Urk. 8/32).
3.11
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Gutachten vom 2
7.
April 2021 die folgenden Diagnosen:
-
Probleme in Verbindung mit der B
erufstätigkeit (ICD-10 Z56, Künd
igung im August 2020)
-
Schädlicher Gebrauch von Sedativa und Schmerzmitteln (ICD-10 F13.1)
-
Gemäss Akten Status nach Verkehrsunfall 2019 mit Status nach HWS-Distorsion und als Folge anhaltendes zervikospondylogenes Schmerzsyn
drom
-
Gemäss Akten depressive Symp
tomatik, die aktuell nicht
eruie
rbar
ist, sodass von einer remittierten Diagnose auszugehen ist im Sinne von ICD-10 F32.4, DD F43.24
Diagnostisch sei in der aktuellen Untersuchung kein eindeutiges psychiatrisches Krankheitsbild zu erheben.
Die in den Akten beschriebene depressive Sympto
matik liege aktuell nicht vor. Eine Angststörung könne nicht erhoben werden, es bestünden keinerlei vegetative Symptome. Auch eine posttraumatische Belas
tungsstörung liege nicht vor, keine
s
der geforderten Symptome sei zu eruieren. Die aktuellen Beschwerden seien alle auf das - gemäss vorliegendem
bidiszipli
närem
Gutachten – nicht objektivierbare somatische Beschwerdebild beschränkt. Insgesamt bestehe aus psychiatrischer Sicht kein objektivierbares Krankheitsbild, die Behandlungsfrequenz mit lediglich monatliche
n
Terminen entspreche diesem Befund. Aus medizinischer Sicht sei zu bemerken, dass die somatischen Einschät
zungen de
s
behandelnden
Dr.
D._
und der anderen begutachtenden Ärzte
gemäss den in den Akten vorliegenden Angaben bezüglich Diagnosen und beschriebene
r
Symptome stark divergier
t
en. Hierbei sollte aus somatischer Sicht geklärt werden, welches Krankheitsbild nun vorliegt
,
und die Behandlung entsprechend angegangen werden, ansonsten bestehe für die Beschwerdeführerin ein nicht lösbarer Konflikt, welche
r
eine Schmerzsymptomatik unterhalten könne. A
u
s rein psychiatrischer Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für jegliche Arbeitstätigkeiten (
Urk.
8/55
/4-11
).
4.
4.1
Vorab zu prüfen ist, ob die vorliegenden medizinischen Akten eine verlässliche Beurteilung des Sachverhalts zulassen. Festzuhalten ist dabei, dass bisher keine
durch die Beschwerdegegnerin veranlasste
versicherungs
externe Begutachtung der Beschwerdeführerin stattgefunden hat.
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E.
3b
/ee). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sach
ver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutach
tens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüs
sig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E.
4.7).
Weiter ist darauf hinzuweisen, dass nach ständiger bundesgerichtlicher Recht
sprechung für die Kausalitätsbeurteilung bei HWS-Distorsionen nebst einer genügenden Erstabklärung eine eingehende medizinische Abklärung (im Sinne eines polydisziplinären/interdisziplinären Gutachtens) bereits in einer ersten Phase nach dem Unfall vorgenommen
werden muss
, sofern und sobald Anhalts
punkte für ein längeres Andauern oder gar eine Chronifizierung der Beschwerden bestehen. Eine entsprechende Begutachtung ist zudem jedenfalls dann angezeigt, wenn die Beschwerden bereits längere Zeit angehalten haben und nicht von einer baldigen, wesentlichen Besserung ausgegangen werden kann. In der Regel dürfte eine solche Begutachtung nach rund sechs Monaten der Beschwerdep
ersistenz zu
veranlassen sein (
BGE 134 V 109 E. 9.4).
Diese Praxis wurde zwar für die Belange der Unfallversicherung im Hinblick auf die K
ausalitätsbeurteilung etabliert
und
geht es in der Invalidenversicherung, anders als in der Unfallversicherung, nicht um Kausalitätsfragen.
D
ie Notwendigkeit einer externen polydisziplinären Begut
achtung ist aber
bei einem
chronifizierten
Beschwerdebild
nach HWS-Distorsionen
aufgrund der Komplexität der zu beurteilenden Leistungsansprüche
regelmässig
auch in der Invalidenversicherung gegeben.
So steht i
m Hinblick auf einen Rentenanspruch und die berufliche Eingliederung
die
umfassende
Einschät
zung
der
Leistungsfähigkeit einer versicherten Person unter Berücksichtigung der gesundheitsbedingten Defizite und insbesondere der vorhandenen Ressourcen
im Vordergrund
.
Das Beschwerdebild nach HWS-Distorsionen enthält
oft
sowohl physische wie auch psychische Komponenten, die sich gegenseitig beeinflussen, und weist damit interdisziplinäre Bezüge auf.
Deshalb ist
bei
einem solchen Beschwerdebild
auch in der Invalidenversicherung
eine polydisziplinäre Expertise regelmässig angezeigt,
solange die Beschaffenheit der Gesundheitsproblematik noch nicht vollends gesichert ist, solange ein arbeitsmedizinischer bzw. einglie
derungsbezogener Klärungsbedarf besteht und
sofern die medizinische Situation nicht offenkundig ausschliesslich ein oder zwei Fachgebiete beschlägt
(vgl. dazu BGE 139 V 349 E. 3.2)
.
Aufgrund der Tatsache, dass bislang lediglich versicherungsinterne ärztliche B
erichte vorliegen und eine versicherungsexterne
polydisziplinäre Abklärung unterblieben ist, sind an die vorliegenden Berichte im Rahmen der Beweis
würdigung hohe Anforderungen zu stellen.
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützt
e
die leistungsabweisende Verfügung in wesent
lichen Teilen
auf die Abklärungen des Krankentaggeldversicherers (
bidiszipli
näres
I._
-Gutachten, E. 3.9; psychiatrisches Gutachten, E. 3.11)
. Dies erscheint im vorliegenden Verfahren aus verschiedenen Gründen problematisch. So litt die Beschwerdeführerin nach der heftigen Auffahrkollision vom 1
1.
Januar 2019 an den typischen Beschwerden einer HWS-Distorsion, wobei schon
bei der Anmeldung zum Leistungsbezug im Juni 2019
Anhaltspunkte für ein längeres Andauern oder gar eine Chronifizierung bestanden haben. Weiter
mass
der
Suva
-P
sychiater
Dr.
A._
den psychischen Beschwerden bereits
sechs
bis
acht
Monate nach dem Unfall ein erhebliches Gewicht
zu
, sodass
diese
auch im IV-Verfahren
im Rahmen eines polydisziplinären Gutachtens
umfassend abzuklären
und
zu den physischen Komponenten des Beschwerdebildes
in B
ezug zu setzen gewesen wären
.
Den
isoliert voneinander
zuhanden des Krankentaggeldversicherers
erstellten Einschätzungen
aus neurologisch-orthopädischer Sicht einerseits und psychiatrischer Sicht anderseits
fehlt dieser
notwendige interdisziplinäre Bezug.
Zudem kann entgegen
der RAD-Stellungnahme vom
2
0.
Mai 2021 von
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Chirurgie,
auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
Z._
auch
unabhängig
vom fehlenden Bezug zur somatischen Komponente nicht
abgestellt werden.
Aufgrund des Unfalls am 1
1.
Januar 2019 ist von einem frühestmöglichen Rentenbeginn per
1.
Januar 2020 auszugehen.
Dr.
Z._
äusserte sich aber zum Verlauf der psychischen Leistungsfähigkeit nicht. Zudem
lagen dem Gutachter die psychiatrischen Einschätzungen von
Dr.
A._
wie auch jene von
Dr.
H._
nicht vor
, weshalb seine Einschätzung
nicht
den recht
sprechungsgemässen Vorgaben entspricht
und damit nicht beweiskräftig ist
(E.
1.4)
.
Weiter
lässt sich
auch unter Berücksichtigung
der
weiteren
medizinischen Berichte, die im Auftrag der Suva sowie des Haftpflichtversicherers erstellt wurden
, für die
invalidenversicherungsrechtlichen
Belange
kein
schlüssiges
Bild
der Erkrankung
und der Leistungsfähigkeit
eruieren. So ist den unfallversiche
rungsrechtlichen Einschätzungen eigen, dass sich diese weniger mit der verblei
benden Leistungsfähigkeit auseinandersetzen, sondern
spezifisc
h
unfall
versiche
rungsrechtliche Fragen
(Kausalität, Therapierbarkeit)
thematisieren. Zudem wird die diagnostische Einschätzung von
Dr.
A._
durch
Dr.
H._
kritisiert, sodass
aufgrund dieser sich widersprechenden Stellungnahmen keine
verlässliche Einschätzung
der medizinischen Situation
erfolgen kann. Immerhin
ist
aufgrund des neusten Berichts von
Dr.
B._
vom
3.
Juli 2021 davon aus
zugehen
, dass die psychischen Beschwerden
zumindest
regredient
sind
(
Urk.
3/4).
4.3
Zusammen
ge
fass
t
ist
eine
polydisziplinäre Abklärung der Beschwerdegegnerin unumgänglich, wozu die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
Dies insbesondere zur umfassenden allseitigen Einschätzung der Beschwerden
und der Leistungsfähigkeit
, aber auch zur verlässlichen Erstellung des Verlaufs der
selben
in der Zeit ab Januar 2020 unter Berücksichtigung sämtlicher medizi
nischer Vorakten. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang, dass der im IV-Verfahren erfolgte
Aktenbeizug
der Suva-Akten nicht vollständig war
;
so fehlte insbesondere der ausführliche Austrittsbericht der
F._
vom 3
1.
Juli 2019 sowie die Einschätzungen von
Dr.
H._
.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
führerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61 lit. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2’000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.