# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4630d141-7d65-44f2-8760-ae16e6d94061
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._ wurde 1975 im Kosovo geboren. Sie absolvierte die
obligatorische Schulzeit und machte im Anschluss keine weitere
Ausbildung. Im Jahr 1992 zog sie in die Schweiz und arbeitete in der Folge
für diverse Arbeitgeber. Im Alter von 20 Jahren heiratete sie, im Jahr 2000
kam ihr erstes Kind zur Welt, zwei Jahre später das zweite. Ab Mai 2002
arbeitete sie in einer Vollzeitanstellung bei der B._ AG in Chur als
Hilfsarbeiterin in der Glasproduktion.
2. Im Jahr 2008 suchte A._ erstmals den Rheumatologen C._ auf.
Dieser diagnostizierte eine rheumatoide Polyarthritis an den Händen. In
den folgenden Jahren traten sporadisch Beschwerden an den Händen und
in anderen Gelenken auf, welche mit vorübergehenden Phasen von
Arbeitsunfähigkeit verbunden waren. Der Rheumatologe C._ führte
diverse medikamentöse Behandlungen durch, aber keine vermochte die
Krankheit zu stoppen.
3. Anfangs Oktober 2017 sah sich A._ nicht mehr in der Lage, die für
die Hände belastende Arbeit als Hilfsarbeiterin in der Glasproduktion
weiter auszuführen. Mit Bericht vom 11. November 2017 attestierte ihr
behandelnder Rheumatologe C._ für die Zeit ab dem 8. Oktober 2017
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit. Daraufhin
wurde das Arbeitsverhältnis per 31. Januar 2019 aufgelöst. In der Folge
war A._ mit Ausnahme eines kurzen Einsatzes im Rahmen einer
Arbeitsintegrationsmassnahme nicht mehr erwerbstätig.
4. Am 2. August 2018 meldete sich A._ bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zum Bezug von Leistungen an. Im
Rahmen der medizinischen Abklärungen der IV-Stelle gab der
Rheumatologe C._ mit Bericht vom 21. November 2019 an, vom 8.
Oktober 2017 bis zum 31. Oktober 2019 sei A._ auch in einer
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adaptierten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Seit dem 1.
November 2019 liege die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit bei
50 %, wobei dies in einem Arbeitsversuch verifiziert werden müsste. Der
Regionale Ärztliche Dienst (nachfolgend RAD) stellte nicht auf die
Einschätzung des behandelnden Arztes ab, sondern legte die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten, die Hände schonenden Tätigkeit ab
dem 1. November 2019 auf 80 % fest.
5. Mit Vorbescheid vom 10. Dezember 2019 teilte die IV-Stelle A._ mit,
sie werde ihr eine ganze Rente vom 1. Februar 2019 bis zum 31. Januar
2020 zusprechen. Danach bestehe kein Rentenanspruch. Mit Einwand
vom 9. Januar 2020 hielt A._ entgegen, ab dem 1. Februar 2020
bestehe der Rentenanspruch weiter, mindestens im Umfang einer halben
Rente. Eventuell sei eine Begutachtung vorzunehmen. Daraufhin gab die
IV-Stelle beim Rheumatologen Dr. med. D._ ein Gutachten inklusive
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) in Auftrag.
6. Am 15. Mai 2020 fand die gutachterliche Untersuchung durch Dr. med.
D._ und eine Ultraschalluntersuchung durch den Rheumatologen Dr.
med. E._ statt. Am 22./23. Mai 2020 wurde A._ einer EFL
unterzogen, welche eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten
Tätigkeit unter Berücksichtigung von gewissen Einschränkungen ergab.
7. In seinem Gutachten vom 8. Juni 2022 diagnostizierte Dr. med. D._
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rheumatoide Arthritis. Ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierte er rezidivierende
Schulterschmerzen rechts, ein panvertebrales Syndrom, intermittierende
Knieschmerzen beidseits, Adipositas und beginnende Fingerpolyarthrose
vor allem der DIP-Gelenke und Rhizarthrosen beidseits. Die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit legte er vom 8. Oktober 2017
bis zum 31. Oktober 2019 auf 50 % fest, ab dem 1. November 2019
gestützt auf das Ergebnis der EFL auf 100 %. Der RAD führte in seinem
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Abschlussbericht vom 17. Juni 2019 aus, es sei auf das Gutachten von Dr.
med. D._ abzustellen.
8. Mit (erneutem) Vorbescheid vom 17. Juni 2020 teilte die IV-Stelle A._
mit, sie werde ihr für die Zeit vom 1. Februar 2019 bis zum 31. Januar 2020
eine Viertelsrente zusprechen, danach bestehe kein Anspruch mehr auf
eine Rente. Hiergegen brachte A._ mit Einwand vom 20. August 2020
vor, das Gutachten von Dr. med. D._ überzeuge nicht. Sie stützte sich
auf eine Stellungnahme vom 19. August 2020, in welcher der
Rheumatologe C._ ausführte, eine 100%ige Arbeitsfähigkeit sei nicht
plausibel, es lägen anhaltende Gelenksentzündungen und Hinweise auf
beginnende Gelenksdestruktionen vor. Dabei stützte sich C._ auf
eine Sonographie des Radiologen Dr. med. F._ vom 25. Juni 2020
und auf ein MRI des Radiologen Dr. med. G._ vom 3. August 2020.
Von der IV-Stelle um Stellungnahme zu diesen neuen Berichten gebeten,
führte der Gutachter Dr. med. D._ am 2. Dezember 2020 aus, er
bleibe bei seiner Beurteilung. Die Sonographie von Dr. med. F._ sei
so zu interpretieren, dass eben gerade keine Gelenksdestruktionen
vorlägen. Bezüglich Synovitis sei sie nicht aussagekräftig. Auch aus dem
MRI von Dr. med. G._ gehe keine anhaltende Entzündungsaktivität
hervor. Mit Bericht vom 21. Januar 2021 informierte der Rheumatologe
C._ über den Verlauf. Er gab an, es lägen aktive
Gelenksentzündungen und zunehmende Gelenksdestruktionen vor. Die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit liege maximal bei 50 %, eher
bei 30 bis 40 %. C._ stützte sich dabei unter anderem auf eine neue
Sonographie von Dr. med. F._ vom 15. Dezember 2020.
9. Mit Verfügung vom 15. Februar 2021 hielt die IV-Stelle an ihrem
Vorbescheid fest und sprach A._ eine Viertelsrente vom 1. Februar
2019 bis zum 31. Januar 2020 zu und verneinte für die Folgezeit einen
Rentenanspruch. Gegen diese Verfügung erhob A._ am 18. März
2021 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden.
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Sie beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Vom 1.
Februar 2019 bis zum 31. Januar 2020 sei ihr eine ganze Rente
zuzusprechen, eventualiter eine IV-Rente nach richterlichem Ermessen,
ab dem 1. Februar 2020 mindestens eine halbe Rente. In formeller
Hinsicht beantragte sie die Einholung eines radiologischen und
rheumatologischen Obergutachtens. Sie stütze sich auf eine neue
Stellungnahme ihres behandelnden Rheumatologen vom 17. März 2021
und machte im Wesentlichen geltend, das Gutachten von Dr. med.
D._ sei angesichts der Stellungnahmen von C._ nicht
überzeugend. Das Gutachten mache nur eine Aussage zum Zeitpunkt der
Untersuchung, als eine geringe Entzündungsaktivität vorgelegen habe.
Damit blende es aus, dass die Krankheit schubweise verlaufe.
10. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 9. April 2021 die
Abweisung der Beschwerde. Sie begründete dies im Wesentlichen damit,
dass die Stellungnahmen des Rheumatologen C._ das Gutachten
von Dr. med. D._ nicht zu erschüttern vermöchten. Das Gutachten
stütze sich auf die Ergebnisse der EFL, die Berichte des behandelnden
Arztes hingegen stützten sich lediglich auf die Angaben der
Beschwerdeführerin. Entscheidend sei nicht die exakte Diagnose, sondern
die medizinische Plausibilisierung von geklagten Beschwerden.
11. Mit Replik vom 14. April 2021 hielt die Beschwerdeführerin an ihren
Anträgen fest und vertiefte ihre Argumentation. Die IV-Stelle verzichtete
mit Schreiben vom 20. April 2021 auf eine Duplik.
12. Anlässlich der Beratung vom 12. April 2022 kam das Verwaltungsgericht
zum Schluss, dass eine abschliessende Beurteilung der Angelegenheit
gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten nicht möglich und dass
deshalb ein rheumatologisches Gerichtsgutachten einzuholen sei.
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13. Mit Schreiben vom 14. April 2022 teilte die Instruktionsrichterin den
Parteien mit, als Gerichtsgutachter sei Prof. Dr. med. H._, Facharzt
FMH für Rheumatologie, Allgemeine Innere Medizin, Physikalische
Medizin und Rehabilitation sowie zertifizierter Gutachter SIM und
Ärztlicher Direktor der Kliniken I._ vorgesehen. Die Parteien erhoben
keine Einwände. Mit Schreiben vom 4. Mai 2022 unterbreitete die
Instruktionsrichterin den Parteien den Fragenkatalog. Die Parteien
erhoben auch diesbezüglich keine Einwände, so dass die
Instruktionsrichterin mit Schreiben vom 3. Juni 2022 das rheumatologische
Gutachten bei Prof. Dr. med. H._ in Auftrag gab (inklusive EFL sowie
unter fachärztlichem internistischem und radiologischem Einbezug).
14. Am 14. Juli 2022 untersuchte Prof. Dr. med. H._ die
Beschwerdeführerin rheumatologisch und internistisch. Gleichentags
stellte der Radiologe Dr. med. J._ eine glatt begrenzte usurenartige
Einkerbung am Os triquetrum der rechten Hand bei
computertomographisch nachgewiesenen Synovitiden fest sowie
Arthrosen der Daumensattelgelenke, der Fingerendgelenke und
beginnend auch der Fingermittelgelenke sowie der
Grosszehengrundgelenke. Am 20./21. Juli 2022 wurde die
Beschwerdeführerin einer EFL unterzogen. Dabei wurden als
arbeitsrelevante Probleme eine verminderte Handkoordination und
Handkraft beidseits und eine allgemein verminderte kardiorespiratorische
Belastbarkeit festgehalten. In einer adaptierten leichten Tätigkeit wurde
eine ganztägige Belastbarkeit mit zusätzlichen Pausen von 2 Stunden pro
Tag angegeben.
15. Prof. Dr. med. H._ diagnostizierte in seinem Gutachten vom 25.
August 2022 mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine seronegative,
anti-CCP-negative, wenig erosive rheumatoide Arthritis, eine
generalisierte Osteoarthrose und ein Panvertebralsyndrom. Als adaptiert
umschrieb er gestützt auf die EFL eine körperlich leichte und
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wechselbelastende Tätigkeit mit Hantieren von Lasten bis maximal 10 kg
mit diversen Einschränkungen. In einer adaptierten Tätigkeit attestierte
Prof. Dr. med. H._ der Beschwerdeführerin für den Zeitpunkt der
gutachterlichen Untersuchung am 14. Juli 2022 eine Arbeitsfähigkeit von
ganztags zu verwertenden 50 %. Für den Zeitraum vom Beginn des
allfälligen Rentenanspruchs am 1. Februar 2019 bis zum Zeitpunkt des
Erlasses der angefochtenen Verfügung am 15. Februar 2021 schätzte
Prof. Dr. med. H._ die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
ebenfalls auf 50 % ein.
16. Nachdem die Instruktionsrichterin den Parteien mit Schreiben vom 2.
September 2022 das Gerichtsgutachten zur Stellungnahme unterbreitet
hatte, hielt die IV-Stelle mit Schreiben vom 15. September 2022 an ihren
Anträgen gemäss der Vernehmlassung fest und machte zur Begründung
geltend, das Gutachten von Prof. Dr. med. H._ sei in der Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit nicht schlüssig. Es sei nicht
nachvollziehbar, weshalb der Gutachter die objektiv anlässlich der EFL
festgestellte 75%ige Arbeitsfähigkeit auf eine solche von 50 % reduziert
habe. Die von Prof. Dr. med. H._ angeführten Argumente seien nicht
schlüssig, es sei auf die in der EFL festgestellte Arbeitsfähigkeit von 75 %
abzustellen, so dass ein weiterhin nicht rentenbegründender
Invaliditätsgrad von 20 % resultiere.
17. Die Beschwerdeführerin beanstandete in ihrer Stellungnahme vom 21.
September 2022 das Gutachten von Prof. Dr. med. H._ nicht. Sie
verwies auf das im Gutachten beschriebene Zumutbarkeitsprofil und hielt
es für utopisch, auf dem ersten Arbeitsmarkt eine entsprechende Stelle zu
finden. Ihre Restarbeitsfähigkeit sei nicht verwertbar, sie habe Anspruch
auf eine ganze Rente. Sollte das Gericht dieser Sichtweise nicht folgen,
so sei beim Invalideneinkommen ein Leidensabzug von mindestens 10 %
vorzunehmen. Mit Schreiben vom 23. September 2022 ergänzte sie, die
IV-Stelle lege das Gutachten von Prof. Dr. med. H._ komplett falsch
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aus. Der Gutachter habe zu Recht den bisherigen wellenförmig
schubweisen Verlauf berücksichtigt und die in der EFL festgestellte
Belastbarkeit gestützt auf klare Befunde korrigiert. Mit Schreiben vom 29.
September 2022 hielt die IV-Stelle entgegen, die Restarbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin sei angesichts des festgehaltenen
Zumutbarkeitsprofils praxisgemäss auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt
verwertbar und ein Leidensabzug sei nicht gerechtfertigt.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in
der angefochtenen Verfügung sowie auf die im Recht liegenden
Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die im vorliegenden Fall angefochtene Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 15. Februar 2021 stellt demnach ein
taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts als Versicherungsgericht ergibt
sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100). Die Beschwerdeführerin ist als formelle und materielle
Adressatin von der angefochtenen Verfügung berührt und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung (Art. 59
ATSG), weshalb sie zur Beschwerde legitimiert ist. Auf die zudem frist-
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und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG)
ist somit einzutreten.
2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle der Beschwerdeführerin zu Recht
für die Zeit vom 1. Februar 2019 bis zum 31. Januar 2020 eine
Viertelsrente zugesprochen hat und ob sie den Rentenanspruch ab dem
1. Februar 2020 zu Recht verneint hat. Uneinig sind sich die Parteien beim
Invalideneinkommen beziehungsweise bei der Frage der Arbeitsfähigkeit
in adaptierter Tätigkeit (unten E.5 ff.), der Verwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit (unten E.9) und des Leidensabzugs (unten E.11).
Massgebend für die Beurteilung der Streitfragen ist der Sachverhalt, wie
er sich bis zum Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung am
15. Februar 2021 entwickelt hat (BGE 132 V 215 E.3.1.1). Die streitigen
Tatfragen sind dabei nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu klären (BGE 141 V
15 E.3.1). In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit
dem 1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG und der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in Kraft sind
(Weiterentwicklung der IV). Da der hier umstrittene Rentenanspruch seine
Begründung vor dem 1. Januar 2022 fand, sind nach den allgemeinen
Grundsätzen des intertemporalen Rechts die bis zum 31. Dezember 2021
gültig gewesenen Bestimmungen massgebend (vgl.
Übergangsbestimmungen des IVG zur Änderung vom 19. Juli 2020; BGE
144 V 210 E.4.3.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_479/2021 vom 5. Mai
2022 E.4.1).
3. In Bezug auf den Rentenbeginn sind sich die Parteien einig. Die IV-Stelle
hat diesen – wie nachstehend kurz erklärt wird – zu Recht auf den 1.
Februar 2019 festgelegt.
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3.1. Der Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten
nach der Anmeldung zum Bezug von Leistungen bei der zuständigen IV-
Stelle (Art. 29 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 29 Abs. 1 ATSG). Die Rente wird vom
Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht
(Art. 29 Abs. 3 IVG). Vorliegend meldete sich die Beschwerdeführerin am
2. August 2018 bei der IV-Stelle zum Bezug von Leistungen an (IV-act. 2),
sie hat demnach frühestens ab dem 1. Februar 2019 Anspruch auf eine
Rente.
3.2. Zu berücksichtigen ist zudem das Wartejahr. Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b
IVG hat eine Versicherte erst Anspruch auf eine Rente, nachdem sie
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40 Prozent arbeitsunfähig gewesen ist. Als Arbeitsunfähigkeit
gilt dabei die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten (Art.
6 ATSG). Vorliegend ist die Beschwerdeführerin in ihrer angestammten
Tätigkeit als Hilfsarbeiterin in der Glasproduktion bei der B._ AG seit
dem 8. Oktober 2017 zu 100 % arbeitsunfähig. Dies wurde vom
behandelnden Rheumatologen C._ wiederholt festgehalten (IV-act.
10 S. 18, 54 S. 2) und vom Gutachter Dr. med. D._ bestätigt (IV-act.
76 S. 32). Das Wartejahr lief demnach vom 8. Oktober 2017 bis zum 8.
Oktober 2018.
4. Anspruch auf eine Invalidenrente hat, wer im Sinne des Gesetzes invalid
ist. Als Invalidität gilt bei erwerbstätigen Versicherten die durch einen
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschaden
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsunfähigkeit, welche die Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit
oder Unfall sein kann (Art. 8 Abs. 1 ATSG; Art. 4 Abs. 1 IVG). Der
rentenbegründende Invaliditätsgrad ist aufgrund eines
Einkommensvergleichs zu bestimmen (Art. 16 ATSG). Dazu wird das
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Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Der
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass
Validen- und Invalideneinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt
und einander gegenübergestellt werden. Aus Einkommensdifferenz lässt
sich sodann der Invaliditätsgrad bestimmen. Bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei
einem Invaliditätsgrad von 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 aIVG
[bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesene Version des IVG]).
5. In der vorliegend angefochtenen Verfügung legte die IV-Stelle das
Valideneinkommen für das Vergleichsjahr 2020 auf CHF 51'602.85 fest
(IV-act. 89 S. 1). Dies wird von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet.
Uneinig sind sich die Parteien beim Invalideneinkommen. Dieses wurde
von der IV-Stelle für die Zeit bis zum 31. Oktober 2019 auf CHF 27'614.70
festgelegt, für die Zeit ab dem 1. November 2019 auf CHF 55'229.40. Die
Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht, das
Invalideneinkommen liege bei CHF 0.00, da ihre Restarbeitsfähigkeit nicht
verwertbar sei.
5.1. Für die Bemessung des Invalideneinkommens ist die Frage entscheidend,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person in welchem Umfang
noch zugemutet werden können, beziehungsweise wie gross die
Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit ist. Für die
Beantwortung dieser Frage ist die Verwaltung und im Beschwerdefall das
Gericht auf Unterlagen angewiesen, die medizinische Fachleute zur
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Verfügung stellen (BGE 125 V 256 E.4). Aufgabe der medizinischen
Fachleute ist es, den Gesundheitszustand der versicherten Person zu
beurteilen und Stellung zu nehmen zu der Frage, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten diese arbeitsunfähig ist (BGE 132 V 93 E.4,
BGE 125 V 261 E.4). Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit können sich
die IV-Stellen und die Sozialversicherungsgerichte auf den Regionalen
Ärztlichen Dienst (RAD, Art. 59 Abs. 2bis aIVG), auf die Berichte der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizinische
Sachverständige stützen (Art. 59 Abs. 3 IVG).
5.2. Arztberichte unterliegen wie sämtliche Beweismittel in
sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der freien Beweiswürdigung
(Art. 61 lit. c ATSG). Der Beweiswert der ärztlichen Stellungnahmen hängt
deshalb nach der Rechtsprechung davon ab, ob sie für die streitigen
Belange umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die
geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchten und in den
daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu überzeugen vermögen.
Ausschlaggebend für den Beweiswert ärztlicher Stellungnahmen ist
folglich grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch dessen
Bezeichnung als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E.5.1). Dennoch
hat es das Bundesgericht mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung
als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer
Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen.
So ist den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten
von versicherungsexternen Spezialärzten, welche auf Grund eingehender
Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten
Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen
Ergebnissen gelangen, bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
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sprechen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 353 E.3b/bb). Nur wenn die
Schlüssigkeit eines solchen Gutachtens in wesentlichen Punkten
zweifelhaft erscheint, sind ergänzende Beweisvorkehren in Betracht zu
ziehen und nötigenfalls anzuordnen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 353
E.3b/bb).
Bei Berichten von behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu
Gunsten ihrer Patienten aussagen. Der Bericht eines behandelnden
Arztes hat somit nicht den gleichen Rang wie ein Gerichtsgutachten oder
ein von der IV-Stelle nach dem vorgegebenen Verfahrensrecht
eingeholtes Gutachten. Ein solcher Bericht verpflichtet indessen - wie jede
substanziiert vorgetragene Einwendung gegen ein solches Gutachten -
den Richter zu prüfen, ob der Bericht des behandelnden Arztes die
Auffassungen und Schlussfolgerungen des förmlich bestellten Gutachters
derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist (BGE 135 V
465 E.4.5, 125 V 361 E.3c).
Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt
schliesslich Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass
der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger
steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit
schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das
Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet
erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den
Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die
Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab
anzulegen (BGE 125 V 351 E.3b/ee).
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6. Vorliegend sind sich die involvierten Ärzte darin einig, dass die
Beschwerdeführerin primär an einer rheumatoiden Arthritis leidet, mithin
einer chronischen systemischen Autoimmunerkrankung, die in erster Linie
die Gelenke betrifft. Charakteristischerweise sind die peripheren Gelenke
symmetrisch entzündlich betroffen, was zu einer fortschreitenden
Zerstörung der Gelenkstrukturen führt, gewöhnlich begleitet von
systemischen Symptomen. Die Therapie besteht aus Medikamenten,
physikalischen Massnahmen und manchmal chirurgischen Interventionen.
Krankheitsmodifizierende Antirheumatika helfen, die Symptome zu
kontrollieren und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen
(https://www.msdmanuals.com/de/profi/erkrankungen-des-
rheumatischen-formenkreises-und-des-
bewegungsapparats/gelenkerkrankungen/rheumatoide-arthritis-ra, zuletzt
besucht am 28. November 2022). Im vorliegenden Fall nicht einig sind sich
die Ärzte in der Frage der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit. Zum
Zeitpunkt seiner Beratung vom 12. April 2022 standen dem Gericht dazu
folgende Einschätzungen zur Verfügung:
Bericht des diplomierten Arztes C._, Facharzt FMH Rheumatologie und Innere Medizin, vom 21. November 2019: Die Arbeitsfähigkeit habe bis zum 31. Oktober 2019 bei 0 % gelegen, seit dem 1. November 2019 liege sie in sehr leichten Tätigkeiten ohne Belastung der Hand- und Fingergelenke, ohne repetitive Tätigkeiten mit den Händen, ohne feinmotorische Tätigkeiten mit den Händen, ohne knieende oder kniebelastende Tätigkeiten und ohne Tätigkeiten mit Zwangshaltungen der Wirbelsäule bei 50 % (IV-act. 54 S. 2).
Abschlussbericht des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 27. November 2019: Für die Zeit ab dem 1. November 2019 liege die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit bei 80 % (IV-act. 98 S. 13).
Bericht zur Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) vom 10. Juni 2020: Arbeitsrelevant seien Schmerzen an den Händen und Fingern sowie an der LWS und eine verminderte Handkoordination beidseitig (IV-act. 77 S. 1). Die beobachtete Belastbarkeit entspreche einer leichten Tätigkeit ganztags, wobei diverse Einschränkungen zu beachten seien (IV-act. 77 S. 2).
Gutachten von Dr. med. D._, Facharzt FMH Rheumatologie und Physikalische Medizin und zertifizierter Gutachter SIM, vom 8. Juni 2020: In adaptierter Tätigkeit mit den Einschränkungen gemäss dem EFL-Bericht liege die Arbeitsfähigkeit ab dem 1. November 2019 bei 100 % (IV-act. 76 S. 33). Vorgängig habe vom 8. Oktober 2017 bis zum 31. Oktober 2019 eine Arbeitsfähigkeit von 50 % für eine angepasste Tätigkeit bestanden (IV-act. 76 S. 34).
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Abschlussbericht des RAD vom 17. Juni 2020: Die IV-Leistungen sollten auf der Grundlage des Gutachtens D._ geprüft werden (IV-act. 98 S. 22).
Stellungnahme von C._ zum Gutachten D._ vom 19. August 2020: Angesichts der anhaltenden, bildgebend nachgewiesenen Gelenksentzündungen erscheine die im Gutachten D._ attestierte 100%ige Arbeitsfähigkeit nicht plausibel (IV-act. 82 S. 11).
Ergänzende Stellungnahme von Gutachter Dr. med. D._ vom 2. Dezember 2020: Er bleibe bei seiner Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, die neuen ärztlichen Unterlagen vermöchten nichts daran zu ändern (IV-act. 88 S. 6).
Arztbericht von C._ vom 21. Januar 2021: Es bestehe unverändert eine ungenügend eingestellte Arthritis. Die aktuelle 50%ige Arbeitstätigkeit mit wiederholten manuellen Tätigkeiten sei nur knapp zumutbar. Bei anhaltender Entzündungsaktivität sei eine solche Tätigkeit sehr wahrscheinlich nur in einem geringeren Pensum von 30 bis 40 % zumutbar (Anm. des Gerichts: C._ bezieht sich hier auf die damals laufende ; IV-act. 94 S. 1).
Stellungnahme von C._ vom 17. März 2021: Die Erkrankung verlaufe schubartig mit Phasen von geringerer und Phasen von höherer Krankheits- und Entzündungsaktivität. Offensichtlich sei die gutachterliche Untersuchung in einer Phase geringerer Krankheits- und Entzündungsaktivität erfolgt. Das Gutachten habe die Krankheitsaktivität im mehrjährigen Verlauf ungenügend berücksichtigt. Er schätze die zumutbare Arbeitsfähigkeit in der aktuellen Tätigkeit im Rahmen eines Arbeitsprogrammes zurzeit als maximal 40 % ein. Seit der Aufnahme der Tätigkeit in einem 50%-Pensum bestünden wieder deutlich mehr Beschwerden bei nachweisbaren Entzündungen (Anm. des Gerichts: auch hier bezieht sich C._ auf die damals laufende ; Beilagen des Beschwerdeführers [Bf-act.] 14 S. 2).
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit in der Phase bis zum 31. Oktober 2019 gemäss dem
Gutachter Dr. med. D._ bei 50 % lag, gemäss dem behandelnden
Rheumatologen C._ hingegen bei 0 %. In der Phase ab dem 1.
November 2019 war die Beschwerdeführerin nach der Einschätzung des
Gutachters Dr. med. D._ zu 100 % arbeitsfähig, nach der
Einschätzung von C._ zu 50 % beziehungsweise nur zu 30 bis 40 %.
7. Die in der vorgehenden Erwägung aufgelisteten medizinischen Unterlagen
erlaubten bei der Beratung vom 12. April 2022 keine zuverlässige
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Zwar stand mit
dem Gutachten von Dr. med. D._ ein Gutachten eines
versicherungsexternen Spezialarztes zur Verfügung. Diesem Gutachten
konnte indessen keine volle Beweiskraft zuerkannt werden, weil die
- 16 -
nachstehend dargelegten konkreten Indizien gegen seine Zuverlässigkeit
sprachen (siehe vorne E.5.2, BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 353 E.3b/bb).
7.1. Wie bereits erwähnt kann die Rheumatoide Arthritis zu
Gelenksdestruktionen führen. Eine Gelenksdestruktion wird als Usur oder
als Erosion bezeichnet, wenn ein röntgenologisch darstellbarer lokaler
Substanzverlust von Knochen- und Knorpelgewebe vorliegt
(https://flexikon.doccheck.com/de/Usur, https://www.rheuma-online.de/a-
z/e/erosion/, zuletzt besucht am 28. November 2022). Dr. med. D._
blendete in seinem Gutachten die Hinweise auf Gelenksdestruktionen
konsequent aus. Im Aktenauszug fehlten wesentliche Angaben, so dass
er nicht als objektiv, sondern als verharmlosend erscheint. Zum Beispiel
erwähnte Dr. med. D._ zum MRI der rechten Hand von Dr. med.
K._, Facharzt FMH Radiologie, vom 12. Oktober 2017 die
"zunehmende Aufbrauchung des Knorpelüberzugs" und die "Usur
verdächtige Veränderung am MC I-Köpfchen" nicht (IV-act. 76 S. 3, 54
S. 13). Beim MRI der rechten Hand von Dr. med. L._, Facharzt FMH
Radiologie, vom 28. Mai 2019 liess der Gutachter die "leicht zunehmende
Erosion ulnarseits" und die "stationäre Usur" im Triquetrum und im
Capitatum unerwähnt (IV-act. 76 S. 8, IV-act. 54 S. 10, 14). Beim MRI der
rechten Hand von Dr. med. L._ vom 18. Dezember 2019 liess Dr.
med. D._ die "unveränderte Usur im Triquetrum und im Capitatum"
unerwähnt (IV-act. 76 S. 11, 41). Auch das Kapitel "Bildgebende
Verfahren" ist nicht vollständig (IV-act. 76 S. 21 ff.). Es fehlt die MRI vom
28. Mai 2019 von Dr. med. L._, mithin jene MRI, in welcher Usuren
und Entzündungen in verschiedenen Gelenken der rechten Hand
festgestellt wurden (IV-act. 76 S. 22, 54 S. 10, 14). Zudem wurden erneut
die in den MRI von Dr. med. K._ und Dr. med. L._ festgestellten
Usuren nicht erwähnt (IV-act. 76 S. 22, 54 S. 13, 54 S. 10 und 14, 76
S. 41). Bei der Beschreibung und Beurteilung der gesundheitlichen
Entwicklung und der aktuellen Situation in Kapitel 7.2 liess der Gutachter
- 17 -
die in den MRI der Dres. K._ und L._ festgestellten Usuren
ausser Acht und stellte ohne jegliche Erklärung einzig darauf ab, dass in
der Sonographie von Dr. med. E._, Facharzt FMH Rheumatologie mit
Fähigkeitszeugnis Ultraschall SGUM, vom 15. Mai 2020 keine Usuren
festgestellt worden waren (IV-act. 76 S. 28, 29 und 54 f.).
7.2. Nach der Begutachtung durch Dr. med. D._ stellte Dr. med. F._,
Facharzt FMH Radiologie, mit Sonographie vom 25. Juni 2020 eine kleine
knöcherne Arrosion am zweiten Mittelhandknochen (MC II), eine kortikale
Irregularität an der zweiten Grundphalanxbasis (MCP II) und eine feinste
Arrosion an der vierten Grundphalanxbasis (MCP IV) fest (IV-act. 82 S. 4).
Mit dem Begriff Arrosion wird die Zerstörung von gesunden Geweben oder
Organen durch maligne Tumore oder Entzündungen, die von
angrenzenden Geweben ausgehen, beschrieben
(https://flexikon.doccheck.com/de/Arrosion, zuletzt besucht am 28.
November 2022). Diese Hinweise auf einen erosiven Verlauf
berücksichtigte Dr. med. D._ in seiner ergänzenden Stellungnahme
vom 2. Dezember 2020 nicht. Er qualifizierte die von Dr. med. F._
festgestellten Arrosionen ohne überzeugende Begründung als
Falschbeurteilung und übersah dabei erneut, dass bereits zuvor Usuren
festgestellt worden waren (IV-act. 88 S. 3). Dass Dr. med. D._ die
Ergebnisse von Dr. med. F._ nicht hätte unbeachtet lassen dürfen,
zeigte sich in der Folge durch dessen Sonographie vom 15. Dezember
2020. Darin bestätigte Dr. med. F._ den ungünstigen Verlauf. Neben
den bereits mit der Sonographie vom 25. Juni 2020 festgestellten
Destruktionen zeigten sich neu Arrosionen an der dritten
Grundphalanxbasis (MCP III) an beiden Händen (IV-act. 94 S. 2).
7.3. Dr. med. D._ ging bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin davon aus, dass die Entzündungsaktivität bis anhin
gering gewesen sei (IV-act. 76 S. 24, 28). Dabei stellte er massgeblich
darauf ab, dass bei seiner Untersuchung vom 15. Mai 2020 klinisch und
- 18 -
sonografisch keine aktivierten Synovitiden (Gelenkkapselentzündungen)
vorlagen (IV-act. 76 S. 24, Sonographie von Dr. med. E._ vom 15.
Mai 2020, IV-act. 76 S. 54 f.). Dies vermag nicht zu überzeugen. Der
behandelnde Rheumatologe C._ rügte zu Recht, dass Dr. med.
D._ damit ausblende, dass die rheumatoide Arthritis schubweise
verlaufe und dass bei der Beschwerdeführerin immer wieder aktive
Entzündungen klinisch und bildgebend nachgewiesen worden seien (IV-
act. 82 S. 7, 9). Diese Nachweise von aktiven Entzündungen listete
C._ in überzeugender Weise in seiner Stellungnahme vom 19.
August 2020 auf (IV-act. 82 S. 8, Abschnitt Ad. 7a+c). C._
argumentierte zu Recht, von einer Momentaufnahme in einer Phase mit
geringer Krankheitsaktivität, wie sie anlässlich der gutachterlichen
Untersuchung und der EFL vorgelegen habe, könne nicht 1:1 auf eine
längerdauernde Arbeitsfähigkeit geschlossen werden, dabei seien die
immer wieder auftretenden Entzündungen und beginnenden
Gelenksdestruktionen zu berücksichtigen (IV-act. 82 S. 10).
7.4. Zweifel an der vollen Beweiskraft des Gutachtens von Dr. med. D._
weckten sodann auch diverse Ungenauigkeiten und Widersprüche. So
stützte Dr. med. D._ seine Einschätzung, die Arthritis verlaufe mild,
unter anderem auf die geringe Erhöhung der Entzündungsparameter (IV-
act. 76 S. 24, 29). Dem hielt der Rheumatologe C._ überzeugend
entgegen, seit Februar 2019 werde bei der Beschwerdeführerin eine
immunsuppressive Therapie mit IL-6 Rezeptor Blockern durchgeführt,
welche bekanntermassen den Nachweis einer Entzündung im Blut
unterdrücke (IV-act. 82 S. 9). Die für eine rheumatoide Arthritis typischen
Gelenke beschrieb Dr. med. D._ widersprüchlich. An einer Stelle
nannte er die Fingergrundgelenke (MCP) und die Fingermittelgelenke
(PIP) als typisch und bezeichnete die Fingerendgelenke (DIP) explizit als
untypisch (IV-act. 88 S. 4), an anderer Stelle bezeichnete er die DIP als
typisch (IV-act. 88 S. 5). Auch im Zusammenhang mit der Auswirkung der
- 19 -
Arthrose auf die Arbeitsfähigkeit sind die gutachterlichen Ausführungen
nicht nachvollziehbar. Im Kapitel 6.1 erwähnte Dr. med. D._ als
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einzig die rheumatoide
Arthritis (IV-act. 76 S. 24). Die beginnende Fingerpolyarthrose (v.a. im
Daumensattelgelenk [DSG] und den DIP) ordnete er den Diagnosen ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu (IV-act. 76 S. 25). Im Widerspruch
dazu erwähnte er die beginnende Fingerpolyarthrose aber als Aspekt,
welcher die Arthritis beeinflusst (IV-act. 76 S. 24). An anderer Stelle gab
der Gutachter an, die Beschwerden an den Händen dürften aktuell
vorwiegend durch die myofaszialen Schmerzkomponenten und durch die
Fingerpolyarthrose bedingt sein (IV-act. 76 S. 29). Angesichts dieser
Beurteilung erscheint es unverständlich, weshalb Dr. med. D._ die
Diagnose Polyarthrose nicht als Diagnose mit Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit einordnete. Entsprechend wies C._ denn auch darauf
hin, dass aktivierte Arthrosen insbesondere des DSG eine Einschränkung
der Belastbarkeit der Hände verursachten, was durch Dr. med. D._
nicht diskutiert werde (IV-act. 82 S. 9).
7.5. Aus den soeben dargelegten Gründen erschien die Schlüssigkeit des
Gutachtens von Dr. med. D._ bei der Beratung vom 12. April 2022 in
wesentlichen Punkten zweifelhaft, so dass nicht darauf abgestellt werden
konnte. Auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch den behandelnden
Rheumatologen C._ konnte angesichts der Divergenzen zum
Gutachten und zur EFL aber ebenfalls nicht abgestellt werden.
8. Zur Klärung des medizinischen Sachverhalts wurde deshalb ein
rheumatologisches Gerichtsgutachten inklusive EFL mit Einbezug der
relevanten internistischen und radiologischen Aspekte eingeholt (BGE 139
V 99 E.1.1, 137 V 210 E.1.3.4, Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020
vom 8. September 2020 E.2.1).
- 20 -
8.1. Im Bericht vom 22. Juli 2022 zur EFL vom 20./21. Juli 2022 wurden als
arbeitsrelevante Probleme eine verminderte Handkoordination und
Handkraft beidseits und eine allgemein verminderte kardiorespiratorische
Belastbarkeit festgehalten. In einer adaptierten leichten Tätigkeit wurde
eine ganztägige Belastbarkeit mit zusätzlichen Pausen von 2 Stunden pro
Tag angegeben. Als unmöglich wurden Anforderungen an Handkraft und
Handkoordination beschrieben, als selten möglich Kriechen und
Hockstellung, als manchmal möglich Arbeit über Schulterhöhe,
vorgeneigtes Sitzen, Gehen, Stossen, Ziehen, Treppe steigen und Leiter
steigen. Erklärend wurde ausgeführt, es handle sich um eine
Basisabklärung ohne ärztliche Supervision und Beurteilung (Beilage zum
Gerichtsgutachten [GGA]).
8.2. Im Röntgenbefund vom 29. Juli 2022 hielt Dr. med. J._, Facharzt
FMH Radiologie, als Befund an den Händen eine glatt begrenzte
usurenartige Einkerbung am Os triquetrum der rechten Hand bei
computertomographisch nachgewiesenen Synovitiden vor allem karpal
und metakarpophalangeal fest. Er beschrieb Arthrosen der Daumensattel-
, Fingerend- und beginnend auch der Fingermittelgelenke sowie
Weichteilkalzifikationen am DIP III rechts und kleine Verkalkungen am
Daumenendgelenk rechts. Knöcherne Appositionen stellte er am DIP II
links und an den DIP II und III rechts fest. An den Füssen zeigte die
Röntgenaufnahme Arthrosen der Grosszehengrundgelenke beidseits
(Beilage zum GGA).
8.3. In seinem Gerichtsgutachten vom 25. August 2022 bezog Prof. Dr. med.
H._, Facharzt FMH für Rheumatologie, Innere Medizin, Physikalische
Medizin und Rehabilitation, die in den vorstehenden Erwägungen
dargelegten Ergebnisse der EFL und der Röntgenuntersuchung mit ein
und diagnostizierte mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erstens eine
seronegative, anti-CCP-negative, wenig erosive rheumatoide Arthritis,
zweitens eine generalisierte Osteoarthrose mit degenerativen
- 21 -
Veränderungen an den Daumensattel-, Fingerend- und
Grosszehengrundgelenken sowie an beiden Kniegelenken und dem
rechten Schultereckgelenk und drittens ein Panvertebralsyndrom (GGA
S. 41 f.). Als adaptiert umschrieb er eine körperlich leichte und
wechselbelastende Tätigkeit mit Hantieren von Lasten bis maximal 10 kg,
welche keine Anforderungen an die Handkraft und die Handkoordination
stellt, welche nur selten ein Kriechen oder eine Hockstellung erfordert, bei
welcher manchmal über den Tag verteilt Arbeiten über Schulterhöhe, im
vorgeneigten Sitzen und in Verbindung mit Stehen, Stossen, Ziehen,
Treppen- und Leitersteigen vorkommen können und bei welcher ein
ausgeglichenes Arbeitsklima vorliegen und keine hochrepetitiven
Tätigkeiten am Fliessband vorkommen sollte/n (GGA S. 51 f.). In einer
adaptierten Tätigkeit attestierte Prof. Dr. med. H._ der
Beschwerdeführerin für den Zeitpunkt der gutachterlichen Untersuchung
am 14. Juli 2022 eine Arbeitsfähigkeit von ganztags zu verwertenden 50 %
(GGA S. 52 f.). Für den Zeitraum vom Beginn des allfälligen
Rentenanspruchs am 1. Februar 2019 bis zum Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung am 15. Februar 2021 schätzte Prof. Dr. med.
H._ die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit ebenfalls auf 50 %. Er
begründete dies damit, dass in dieser Phase mehrheitlich ein klinisches
Beschwerdebild bestanden habe, wie es auch im Rahmen der aktuellen
gutachterlichen Untersuchung vorgelegen habe. Nur im Mai/Juni 2020, als
die gutachterliche Untersuchung durch Dr. med. D._ stattgefunden
habe, sei die Krankheitsaktivität vorübergehend geringer gewesen (GGA
S. 55). Auf diese Einschätzung der Arbeitsfähigkeit kann abgestellt
werden. Dem Gerichtsgutachten von Prof. Dr. med. H._ kann - aus
den nachfolgend dargelegten Gründen - volle Beweiskraft beigemessen
werden.
8.4. Prof. Dr. med. H._ ist als Facharzt FMH für Rheumatologie, Innere
Medizin, Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie als zertifizierter
- 22 -
medizinischer Gutachter SIM und als Ärztlicher Direktor der Kliniken
I._ für die gutachterliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin bestens qualifiziert (GGA S. 2). Die Parteien waren
denn auch damit einverstanden, dass Prof. Dr. med. H._ als
Gerichtsgutachter beauftragt wurde.
8.5. Das Gerichtsgutachten von Prof. Dr. med. H._ hat nach der
Rechtsprechung grundsätzlich grossen Beweiswert. Bei
Gerichtsgutachten ist nämlich nicht ohne zwingende Gründe von der
Einschätzung des medizinischen Experten abzuweichen, dessen Aufgabe
es ist, seine Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen,
um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen. Ein Grund
zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichtsexpertise
widersprüchlich ist. Eine abweichende Beurteilung kann ferner
gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer
Fachexperten dem Richter als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit
des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen (BGE 142 V 269 E.6.2.3.2, 135
V 465 E.4.4, 125 V 351 E.3b/aa). Damit kommt den Gerichtsgutachten
grundsätzlich höherer Beweiswert zu als allen übrigen ärztlichen
Beurteilungen (BGE 143 V 269 E.6.2.3.2). Im vorliegenden Fall gibt es -
wie nachstehend im Detail aufgezeigt wird - keine Gründe für ein
Abweichen von der Gerichtsexpertise, sie ist nicht widersprüchlich und es
gibt auch keine triftige gegensätzliche ärztliche Meinungsäusserung.
8.6. Prof. Dr. med. H._ standen alle relevanten medizinischen Vorakten
zur Verfügung. In einem Aktenauszug listete er sie auf und hielt sorgfältig
den jeweils wesentlichen Inhalt fest (GGA S. 4 - 27). Mit einer
zusammenfassenden Würdigung der Aktenlage legte er die wesentlichen
Aspekte der Krankengeschichte anschaulich im Überblick dar (GGA S. 27
f.). Dabei hielt er insbesondere fest, dass keine der diversen
medikamentösen Behandlungen zu einer anhaltenden Remission geführt
habe und dass seit dem Jahr 2008 wiederholt MRI-mässig entzündliche
- 23 -
Veränderungen in unterschiedlichem Ausmass und unterschiedlicher
Intensität an den Gelenken beider Hände nachgewiesen worden seien,
was dem typischen schubweisen Verlauf einer Polyarthritis mit Phasen
geringerer und intensiver Entzündungsaktivität entspreche. Er zeigte
sodann auf, wie in den MRI Abklärungen von Dr. med. K._ im Oktober
2017 und von Dr. med. L._ im Mai 2019 der Verdacht auf eine Usur
am Os triquetrum geäussert worden war und wie sich dieser Verdacht nun
in der Abklärung durch Dr. med. J._ vom Juli 2022 erstmals in einer
konventionellen Röntgenaufnahme bestätigt hatte (GGA S. 27, Beilage
zum GGA, IV-act. 54 S. 10, 13, 14). Insgesamt kann festgehalten werden,
dass Prof. Dr. med. H._ die medizinische Vorgeschichte ausreichend
kannte und in überzeugender Weise einordnete.
8.7. Prof. Dr. med. H._ erstattete sein Gutachten aufgrund einer
zweistündigen internistischen und rheumatologischen Untersuchung am
14. Juli 2022 (GGA S. 2). Er erhob die Anamnese sorgfältig (GGA S. 30
ff.), listete die Untersuchungsbefunde im Detail auf (GGA S. 37 ff.) und
schloss daraus in nachvollziehbarer Weise auf seine Diagnosen (GGA S.
41 f.). Anschaulich beschrieb er die Wechselwirkung zwischen den
Diagnosen und erklärte nachvollziehbar, weshalb er - anders als Dr. med.
D._ - davon ausgeht, dass die Belastbarkeit der Hände sowohl durch
die rheumatoide Arthritis als auch durch die Arthrose eingeschränkt wird
(GGA S. 42 ff.). Mit der sorgfältigen eigenen Untersuchung und mit der
aktuellen EFL vom Juli 2022 verfügte Prof. Dr. med. H._ über
ausreichende Grundlagen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin.
8.8. Prof. Dr. med. H._ zeigte die aus den diagnostizierten Krankheiten
resultierenden Funktionsstörungen in überzeugender Weise auf. Er nahm
Bezug auf die aktuelle EFL vom Juli 2022 und führte aus, die Beschwerden
im Bereich der beiden Hände, welche als Mischbild eines entzündlichen
und degenerativen Gelenkrheumatismus zu sehen seien, führten zu einer
- 24 -
verminderten Belastbarkeit bezüglich Kraft, Koordination und Feinmotorik.
Bei anhaltenden Entzündungen seien auch in Ruhe Schmerzen
vorhanden, welche sich bei Belastung verstärkten, was zu einer
Verminderung der Konzentrationsfähigkeit führe. Hinzu kämen die
Beschwerden im Bereich des Achsenskeletts mit nachweisbarer Fehlform
und Fehlhaltung der Wirbelsäule und muskulären Dysbalancen und
Insuffizienzen, welche zu alltagsrelevanten Einschränkungen führten, vor
allem in Bezug auf gehaltene Körperpositionen und Hebe- und
Tragebelastungen (GGA S. 49). Weiter zeigte er überzeugend auf, wie
sich vergleichbare Funktionsstörungen im Bereich der Hände und der
Wirbelsäule bereits in der EFL vom Juni 2020 gezeigt hatten (GGA S. 49,
IV-act. 77 S. 3, 7 f.) und dass angesichts des Verlaufs mit dem sehr
ungünstigen Ansprechen auf die diversen durchgeführten Therapien und
mit immer wieder in der Bildgebung nachweisbaren entzündlichen
Veränderungen im Bereich der Hände auch zukünftig mit einem weiterhin
wechselnden Krankheitsverlauf mit Einschränkungen der
Leistungsfähigkeit gerechnet werden müsse (GGA S. 51). Die adaptierte
Tätigkeit umschrieb der Gerichtsgutachter in Übereinstimmung mit seinen
Befunden und seinen Ausführungen zu deren Auswirkungen (GGA S. 51).
Bei der Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit zum Zeitpunkt der
gutachterlichen Untersuchung ging er von der Einschätzung in der EFL
aus und ergänzte, aus medizinischer Sicht müsse der bisherige
wellenförmige schubweise Verlauf einfliessen. Dabei könnten neben
Handbelastungen zusätzliche Stressfaktoren zu Schüben und damit zu
vermehrten entzündlichen Belastungen führen. Stressige Belastungen am
Arbeitsplatz seien trotz einer guten Beschreibung eines adaptierten
Arbeitsplatzes in Bezug auf die körperlichen Belastungen schlecht zu
antizipieren. Es seien daher der Beschwerdeführerin zusätzliche
Möglichkeiten zu geben, stressigen Arbeitsplatzsituationen durch
zusätzliche Pausen zu entgehen, um dadurch ein Aufflackern der
entzündlich-rheumatologischen Grundkrankheit möglichst zu vermindern.
- 25 -
Da aufgrund des bisherigen Verlaufs tendenziell mit einer eher
ungünstigen Prognose mit weiterhin bestehenden entzündlichen
Affektionen an den Händen und möglicherweise an anderen Gelenken
auszugehen sei, benötige die Beschwerdeführerin zusätzlich zu den in der
EFL beschriebenen Pausen von zwei Stunden weitere Kurzpausen,
welche schliesslich einem Umfang von zirka vier Stunden bei einer
ganztägigen Arbeitsplatzpräsenz entsprächen, so dass eine verminderte
qualitative und quantitative Belastbarkeit von 50 % vorliege (GGA S. 52
f.). Zur Arbeitsfähigkeit im Zeitraum ab dem Beginn eines möglichen
Rentenanspruchs am 1. Februar 2019 führte der Gerichtsgutachter aus,
eine retrospektive Beurteilung sei schwierig, basierend auf den
vorhandenen ärztlichen Unterlagen könne aber festgehalten werden, dass
während dem zur Diskussion stehenden Zeitraum mehrheitlich ein
klinisches Beschwerdebild bestanden habe, wie es auch im Rahmen der
aktuellen gutachterlichen Untersuchung vorgelegen habe. Eine
Ausnahme stelle die Phase mit geringer Krankheitsaktivität in der Zeit der
gutachterlichen Abklärung durch Dr. med. D._ im Mai/Juni 2020 dar.
Mit detaillierten Verweisen auf die zahlreichen bildgebenden
Untersuchungen zeigte der Gerichtsgutachter auf, dass sich die Situation
vom Februar 2019 bis zum Februar 2021 insgesamt nicht wesentlich von
der Situation im Sommer 2022 unterscheidet. Entsprechend attestierte er
für die Phase vom Februar 2019 bis zum Februar 2021 eine konstante
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von ebenfalls 50 % (GGA S. 53 f.).
Diese Ausführungen des Gerichtsgutachters zur Arbeitsfähigkeit sind
widerspruchsfrei und vermögen zu überzeugen.
8.9. Die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch den Gerichtsgutachter Prof.
Dr. med. H._ wird durch die vorliegenden abweichenden ärztlichen
Beurteilungen nicht ernsthaft erschüttert. Der Rheumatologe C._
attestierte für die Phase vom 1. Februar 2019 bis zum 1. November 2019
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, während Prof. Dr. med. H._ die
- 26 -
Arbeitsfähigkeit für diese Phase auf 50 % festlegte. Für die Zeit vom 1.
November 2019 bis zum 21. Januar 2021 decken sich die Einschätzungen
mit einer Arbeitsunfähigkeit von 50 %. Für die Zeit danach gehen die
Einschätzungen wieder auseinander, 30 bis 40% bei C._, 50 % bei
Prof. Dr. med. H._. Der Einschätzung von C._ kommt nach der
Rechtsprechung eine deutlich geringere Beweiskraft zu als derjenigen des
Gerichtsgutachters Prof. Dr. med. H._ (vorne E.5.2). Zudem ging
Prof. Dr. med. H._ in seinem Gutachten auf die Divergenz ein und
erklärte sie in nachvollziehbarer Weise mit dem Hinweis auf die Rolle von
C._ als behandelndem und damit nicht ganz neutralem Arzt und mit
dem Hinweis auf die Tatsache, dass der Befund sich zu Beginn des Jahres
2021 nicht verändert habe, dass damals aber im Zusammenhang mit dem
vorübergehenden Einsatz der Beschwerdeführerin in einem RAV-
Arbeitsprogramm vermehrt Schmerzen aufgetreten seien (GGA S. 57 f.).
Prof. Dr. med. H._ Beurteilung der Arbeitsfähigkeit weicht auch von
der Beurteilung durch den Gutachter Dr. med. D._ ab. Dies schmälert
die Beweiskraft des Gerichtsgutachtens aber ebenfalls nicht, vermochte
Dr. med. D._ doch mit seinem Gutachten wie gezeigt nicht zu
überzeugen (vorne E.7 ff.) und nahm Prof. Dr. med. H._ überzeugend
Stellung zu den Abweichungen (GGA S. 55 f.).
8.10. Die IV-Stelle kritisiert das Gerichtsgutachten in mehreren Aspekten. Diese
Kritik ist, wie nachstehend gezeigt wird, nicht gerechtfertigt.
8.10.1. Die IV-Stelle ist der Ansicht, das Gerichtsgutachten sei bei der Beurteilung
der adaptierten Arbeitsfähigkeit nicht schlüssig. Die in der EFL vom Juli
2022 objektiv beobachtete Belastbarkeit habe im Wesentlichen einer
leichten Tätigkeit ganztags mit zusätzlichen Pausen von zwei Stunden pro
Tag entsprochen. Der Gerichtsgutachter habe diese 75%ige
Arbeitsfähigkeit fälschlicherweise aufgrund der Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin auf eine 50%ige Arbeitsfähigkeit reduziert. Diese
Sichtweise der IV-Stelle ist nicht korrekt. Im Bericht vom 22. Juli 2022 zur
- 27 -
EFL wurde klar und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um
eine Basisabklärung ohne ärztliche Supervision und Beurteilung handle
und dass deshalb im Bericht nur die Befunde und Beurteilungen des
durchführenden EFL- beziehungsweise Physiotherapeuten N._
formuliert seien (EFL S. 1, 4, I._ zuletzt besucht am 28. November
2022). Dieser Hinweis wurde deshalb gemacht, weil eine EFL
üblicherweise unter ärztlicher Supervision durchgeführt wird (Urteile des
Bundesgerichts 8C_547/2008 vom 16. Januar 2009 E.4.2.1 und
8C_606/2012 vom 3. Dezember 2012 E.3.4). Anders als üblich wurden
also vorliegend die relevanten ärztlichen Aspekte nicht bereits bei der EFL
eingebracht, sondern erst beim Einbezug der EFL ins Gerichtsgutachten.
So wies denn auch der EFL-Therapeut in seinem Bericht darauf hin, dass
für eine ärztliche Zumutbarkeitsbeurteilung unter Umständen ergänzend
medizinische und versicherungsmedizinische Aspekte zu berücksichtigen
seien, welche eventuell Korrekturen der in diesem Bericht formulierten
Belastbarkeit erforderlich machen würden (EFL S. 1).
8.10.2. Die IV-Stelle ist der Ansicht, die vom Gerichtsgutachter angeführte
Begründung für die Reduktion der in der EFL festgestellten
Arbeitsfähigkeit von 75 % auf eine solche von 50 % überzeuge nicht. Der
Gerichtsgutachter übernehme zu Unrecht die subjektive
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin und er beziehe zu Unrecht
die von der Beschwerdeführerin für alle anderen Lebensbereiche,
insbesondere den Haushaltbereich, geltend gemachte 50%ige
Einschränkung mit ein. Dem kann nicht gefolgt werden. Vielmehr ist die
vom Gerichtsgutachter angeführte Begründung als überzeugend zu
werten. Entgegen der Ansicht der IV-Stelle übernahm er nicht die
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin. Vielmehr verglich er die
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin mit seiner eigenen,
objektiven Einschätzung. Wörtlich führte er aus: "Frau A._ selber
sieht sich gemäss ihren Aussagen in körperlich sehr leichten adaptierten
- 28 -
Tätigkeiten zu ca. 50 % arbeitsfähig. In zeitlicher, quantitativer Sicht dürfte
diese subjektive Einschätzung einer 50%igen Teilarbeitsfähigkeit in
Kenntnis der klinischen, radiologischen und ergonomischen Befunde in
etwa den aktuellen Möglichkeiten und Ressourcen der Versicherten
entsprechen" (GGA S. 50). Zu diesen aktuellen Möglichkeiten und
Ressourcen führte er aus, schon im Rahmen der ersten EFL im Jahr 2020
und auch im Rahmen der aktuellen EFL vom Juli 2022 hätten sich
deutliche Einschränkungen in Bezug auf das Arbeitstempo, die Handkraft
und die Handkoordination gezeigt. Aufgrund der schnellen Ermüdbarkeit
infolge der auftretenden Schmerzen und dem verlangsamten
Arbeitstempo aufgrund der entzündlichen und degenerativen
Veränderungen im Bereiche der Hände bei feinmotorischen Arbeiten
müssten der Versicherten über den Tag verteilt zusätzliche Pausen
eingeräumt werden, um sich von den Arbeitsbelastungen erholen zu
können (GGA S. 52). Der Gerichtsgutachter verwies auf den bisherigen
Verlauf und die eher ungünstige Prognose mit weiterhin bestehenden
entzündlichen Affektionen an den Händen und möglicherweise an anderen
Gelenken und leitete daraus den Bedarf von weiteren Kurzpausen von
zwei Stunden zusätzlich zu den in der EFL beschriebenen Pausen ab.
Diese zusätzlichen Pausen sind nach der Ansicht von Prof. Dr. med.
H._ notwendig, um stressigen Arbeitsplatzsituationen zu entgehen
und so ein Aufflackern der entzündlich-rheumatologischen Grundkrankheit
möglichst zu vermindern (GGA S. 53). Dies vermag zu überzeugen. Der
Verweis des Gerichtsgutachters auf die Einschränkungen in den anderen
Lebensbereichen dient entgegen der Ansicht der IV-Stelle nicht dazu, die
Korrektur der in der EFL festgestellten Arbeitsfähigkeit zu erklären.
Vielmehr zeigt der Gerichtsgutachter damit auf, dass die
Beschwerdeführerin in der Haushaltführung und in allen anderen
Lebensbereichen ebenfalls Gefahr läuft, durch übermässige Belastung
Schübe ihrer rheumatoiden Arthritis auszulösen, so dass es ihr nicht
- 29 -
möglich ist, die Belastungen bei der Arbeit in der arbeitsfreien Zeit zu
entschärfen.
8.10.3. Die IV-Stelle kritisiert schliesslich, der Gerichtsgutachter berücksichtige zu
Unrecht auch hypothetische zukünftige Möglichkeiten wie zum Beispiel die
zukünftige Arbeitsplatzbelastung, familiäre Belastungen und
rezidivierende Infekte. Massgebend sei die aktuelle medizinisch-
theoretische Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Auch dieser Einwand
vermag die Beweiskraft des Gerichtsgutachtens nicht zu beeinträchtigen.
Entgegen der Ansicht der IV-Stelle berücksichtigt Prof. Dr. med. H._
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit keine hypothetischen, zukünftigen
Aspekte. Vielmehr erklärt er für ein besseres Verständnis, wie bei der
wellenförmig schubweise verlaufenden rheumatoiden Arthritis neben
direkten Belastungen der Hände auch Stressfaktoren wie die
Arbeitsplatzbelastung, familiäre Belastungen oder rezidivierende Infekte
zu Schüben und damit zu vermehrten entzündlichen Belastungen führen
können (GGA S. 52).
8.11. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dem
Gerichtsgutachten von Prof. Dr. med. H._ uneingeschränkte
Beweiskraft beizumessen ist.
9. Eine ärztlich festgelegte Restarbeitsfähigkeit ist bei der Bemessung des
Invalideneinkommens nur zu berücksichtigen, wenn sie auf dem
Arbeitsmarkt verwertbar ist. Dabei ist nicht der konkrete Arbeitsmarkt
massgeblich, sondern der hypothetisch ausgeglichene Arbeitsmarkt im
Sinne von Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 7 ATSG (BGE 147 V 124
E.6.2). Letzterer bildet eben gerade nicht die Realität ab, sondern dient als
theoretischer und abstrakter Begriff dazu, den Leistungsbereich der
Invalidenversicherung von demjenigen der Arbeitslosenversicherung
abzugrenzen (BGE 141 V 351 E.5.2). Der ausgeglichene Arbeitsmarkt
berücksichtigt die konkrete Arbeitsmarktlage nicht, umfasst in
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wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch tatsächlich nicht vorhandene
Stellenangebote und sieht von den fehlenden oder verringerten Chancen
gesundheitlich Beeinträchtigter ab, tatsächlich eine zumutbare und
geeignete Arbeitsstelle zu finden. Der ausgeglichene Arbeitsmarkt
umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und
Arbeitsangebote, bei welchen Behinderte mit einem sozialen
Entgegenkommen seitens des Arbeitgebers rechnen können (Urteil des
Bundesgerichts 8C_192/2022 vom 7. Juli 2022 E.6.1.1). An der
Massgeblichkeit des theoretisch ausgeglichenen Arbeitsmarkts vermag
auch der Umstand nichts zu ändern, dass es für die versicherte Person im
Einzelfall schwierig oder gar unmöglich ist, auf dem tatsächlichen
Arbeitsmarkt eine entsprechende Stelle zu finden (Urteil des
Bundesgerichts 8C_12/2013 vom 13. Februar 2013 E.3.2). An die
Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind
keine übermässigen Anforderungen zu stellen. Eine Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit ist erst anzunehmen, wenn die zumutbare adaptierte
Tätigkeit in nur so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der
ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht
realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers
möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von
vorneherein als ausgeschlossen erscheint. Fehlt es an einer wirtschaftlich
verwertbaren Resterwerbsfähigkeit, liegt eine vollständige
Erwerbsunfähigkeit vor, die einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente
begründet (BGE 138 V 457 E.3.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_535/2021
vom 25. November 2021 E.5.3.3).
Vorliegend sind der Beschwerdeführerin gemäss dem Zumutbarkeitsprofil
im Gerichtsgutachten körperlich leichte und wechselbelastende
Tätigkeiten mit Hantieren von Lasten bis maximal 10 kg zumutbar, wenn
sie keine Anforderungen an die Handkraft und die Handkoordination
stellen und nur selten ein Kriechen oder eine Hockestellung erfordern.
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Zudem dürfen nur manchmal über den Tag verteilt Arbeiten über
Schulterhöhe, im vorgeneigten Sitzen und in Verbindung mit Stehen,
Stossen, Ziehen, Treppen- und Leitersteigen vorkommen, muss ein
ausgeglichenes Arbeitsklima vorliegen und sollten keine hochrepetitiven
Tätigkeiten am Fliessband vorkommen (GGA S. 51 f.). Die
Beschwerdeführerin ist der Ansicht, angesichts dieses
Zumutbarkeitsprofils sei es utopisch, dass sie auf dem ersten Arbeitsmarkt
eine passende Stelle finden könnte. Dieser Ansicht kann nicht gefolgt
werden. Massgeblich ist nicht der tatsächliche erste Arbeitsmarkt, sondern
der ausgeglichene Arbeitsmarkt im Sinne der oben dargelegten
Rechtsprechung. Vor dem Hintergrund dieser Rechtsprechung ist
vorliegend von der grundsätzlichen Verwertbarkeit der medizinisch-
theoretischen Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin auszugehen. Zu
denken ist etwa an einfache Überwachungs-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten
sowie an die Bedienung und Überwachung von automatischen Maschinen
und Produktionseinheiten, die mit keinerlei körperlicher Anstrengung
verbunden sind und keine Fliessbandarbeit beinhalten (Urteile des
Bundesgerichtes 8C_12/2013 vom 13. Februar 2012 E. 3.2 und
9C_818/2011 vom 7. September 2012 E. 3.1 und 3.3).
10. Für die Ermittlung des Invalideneinkommens ist nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung primär von der konkreten, beruflich-
erwerblichen Situation der versicherten Person auszugehen. Hat diese
nach dem Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder keine ihr an sich
zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen, ist das massgebliche
Invalideneinkommen aufgrund der periodisch vom Bundesamt für Statistik
herausgegebenen Tabellenlöhne der Schweizerischen
Lohnstrukturerhebung (LSE) zu bestimmen (BGE 142 V 178 E.2.5.7, 135
V 297 E.5.2). Im vorliegenden Fall schöpft die Beschwerdeführerin die ihr
gemäss dem Gerichtsgutachten verbliebene 50%ige Arbeitsfähigkeit in
einer leidensadaptierten Tätigkeit nicht aus. Die IV-Stelle hat das
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Invalideneinkommen somit zu Recht gestützt auf die LSE ermittelt. Dies
wird von der Beschwerdeführerin nicht beanstandet.
11. Nach der Rechtsprechung können persönliche und berufliche Merkmale
der versicherten Person wie Art und Ausmass der Behinderung,
Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und
Beschäftigungsgrad einen auf höchstens 25 % begrenzten Leidensabzug
vom LSE-Tabellenlohn rechtfertigen, soweit anzunehmen ist, dass die
trotz des Gesundheitsschadens verbleibende Leistungsfähigkeit infolge
eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet
werden kann (BGE 146 V 16 E. 4.1 f.; Urteil des Bundesgerichts
8C_368/2021 vom 22. Juli 2021 E.11.1). Das Bundesgericht misst dem
Leidensabzug als Korrekturinstrument bei der Festsetzung eines
möglichst konkreten Invalideneinkommens in seiner neuesten
Rechtsprechung überragende Bedeutung zu. Damit anerkennt es, dass
die in der LSE erhobenen, zumeist von gesunden Personen erzielten
Einkommen für Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen auch
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt oftmals nicht zu erzielen sind (BGE
148 V 174 E.9.2.2). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann
einen Leidensabzug, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen
körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt ist (BGE 148 V 174 E.6.3; Urteile des Bundesgerichts
8C_74/2022 vom 22. September 2022 E.4.4.2 und 8C_332/2022 vom 19.
Oktober 2022 E.5.2.1.1). Im vorliegenden Fall stehen der
Beschwerdeführerin angesichts ihrer fehlenden Berufsausbildung nur
Tätigkeiten als Hilfsarbeiterin offen und adaptiert ist gemäss dem
Gerichtgutachten von Prof. Dr. med. H._ eine körperlich leichte und
wechselbelastende Tätigkeit mit Hantieren von Lasten bis maximal 10 kg,
welche keine Anforderungen an die Handkraft und die Handkoordination
stellt, welche nur selten ein Kriechen oder eine Hockstellung erfordert, bei
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welcher manchmal über den Tag verteilt Arbeiten über Schulterhöhe, im
vorgeneigten Sitzen und in Verbindung mit Stehen, Stossen, Ziehen,
Treppen- und Leitersteigen vorkommen können und bei welcher ein
ausgeglichenes Arbeitsklima vorliegen und keine hochrepetitiven
Tätigkeiten am Fliessband vorkommen sollte/n (GGA S. 51 f.). Bei diesem
Belastbarkeitsprofil rechtfertigt sich aufgrund der zahlreichen, auch im
Rahmen einer körperlich leichten Hilfsarbeitertätigkeit zu
berücksichtigenden Einschränkungen insbesondere bezogen auf die
fehlenden Anforderungen an die Handkraft und –koordination sowie das
erforderliche ausgeglichene Arbeitsklima ein behinderungsbedingter
Leidensabzug von 10 %.
Das Alter der Beschwerdeführerin rechtfertigt hingegen keinen
Leidensabzug, sie wurde 1975 geboren und war bei Erlass der
angefochtenen Verfügung am 15. Februar 2021 erst 46 Jahre alt. Ein
Leidensabzug wegen ihrer Herkunft ist ebenfalls nicht angezeigt. Sie
wurde im Kosovo geboren, zog aber bereits mit 17 Jahren in die Schweiz
und lebt seit dem Jahr 1992 hier. Sie war über viele Jahre in der Schweiz
berufstätig und kann sich gut auf Deutsch verständigen, gab doch der
Gerichtsgutachter an, die Anamneseerhebung und die klinische
Untersuchung habe problemlos in deutscher Sprache geführt werden
können, zum Teil in Hochdeutsch und zum Teil in Dialekt (GGA S. 36).
Entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin bestehen somit in den
für sie in Frage kommenden Tätigkeiten im Kompetenzniveau 1 keine
relevanten sprachlichen Probleme. Entgegen der Ansicht der
Beschwerdeführerin kommt auch kein Leidensabzug wegen der
Teilzeittätigkeit zum Tragen. Nach der LSE 2018 war der Lohn für Frauen
ohne Kaderfunktion bei einer Teilzeittätigkeit von 50 bis 74 % mit CHF
6'000.00 pro Monat nicht geringer, sondern sogar höher als der Lohn bei
Vollzeit von CHF 5'674.00
(https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/aktuell/neue-
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veroeffentlichungen.assetdetail.12488293.html, zuletzt besucht am 28.
November 2022). Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kommt
schliesslich auch ein Leidensabzug gestützt auf Art. 26bis Abs. 3 IVV nicht
in Frage. Diese Bestimmung trat auf den 1. Januar 2022 in Kraft und hatte
zum vorliegend massgeblichen Zeitpunkt bei Erlass der angefochtenen
Verfügung am 15. Februar 2021 noch keine Geltung. Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass ein Leidensabzug von 10 % vorzunehmen ist.
12. Bei der Festlegung des Invalideneinkommens gestützt auf die LSE ist
nach der Rechtsprechung von der Tabellengruppe A (standardisierte
Bruttolöhne) auszugehen, wobei üblicherweise auf die Tabelle
TA1_tirage_skill level, Privater Sektor abzustellen und der sogenannte
Zentralwert (Median) zu verwenden ist (BGE 148 V 174 E.6.2). Vorliegend
errechnet sich das Invalideneinkommen gestützt auf die Tabelle TA1 der
LSE 2018 wie folgt. Auszugehen ist vom Durchschnittswert aller
Wirtschaftszweige, mithin vom Wert "Total" für das Kompetenzniveau 1 für
Frauen im Betrag von CHF 4'371.00. Aufgerechnet auf eine
betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (= CHF 4'556.77) und um die
Nominallohnsteigerung von 0.6 % für 2019 und 1.6 % für 2020 (= CHF
4'657.46) ergibt sich bei der im Gerichtsgutachten festgestellten
Restarbeitsfähigkeit von 50 % und unter Berücksichtigung eines
Leidensabzugs von 10 % ein Invalideneinkommen von CHF 25'150.30.
13. Bei einem unbestrittenen Valideneinkommen von CHF 51'602.85 und
einem Invalideneinkommen von CHF 25'150.30 ergibt sich ein
Invaliditätsgrad von 51.26 %. Die Beschwerdeführerin hat demzufolge
gestützt auf Art. 28 Abs. 2 aIVG Anspruch auf eine halbe Rente ab dem 1.
Februar 2019. Die angefochtene Verfügung, mit welcher der
Beschwerdeführerin ab dem 1. Februar 2019 nur eine Viertelsrente und
ab dem 1. Februar 2020 gar keine Rente zugesprochen wurde, erweist
sich als rechtswidrig.
- 35 -
14. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF
200.00 bis CHF 1'000.00 festgelegt. Vorliegend werden die Kosten auf
CHF 700.00 festgesetzt. Sie sind angesichts des Verfahrensausganges
der unterliegenden IV-Stelle aufzuerlegen.
15. Die IV-Stelle hat auch die Kosten für das Gerichtsgutachten zu
übernehmen. Gemäss Art. 45 Abs. 1 ATSG übernimmt der
Versicherungsträger die Kosten der Abklärung, soweit er die Massnahmen
angeordnet hat (Satz 1). Hat er keine Massnahmen angeordnet, so
übernimmt er deren Kosten dennoch, wenn die Massnahmen für die
Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil
nachträglich zugesprochener Leistungen bilden (Satz 2). Nach der
Rechtsprechung besteht mit Art. 45 Abs. 1 ATSG eine genügende
gesetzliche Grundlage dafür, dem Versicherungsträger die Kosten eines
Gerichtsgutachtens aufzuerlegen, wenn ein Zusam menhang
besteht zwischen dem Untersuchungsmangel seitens der Verwaltung und
der Notwendigkeit, eine Gerichtsexpertise anzuordnen (BGE 143 V 269
E.6.2.1). Dies ist praxisgemäss insbesondere in den folgenden drei
Konstellationen der Fall. Wenn das Gericht mit einem manifesten
Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig belegten
ärztlichen Auffassungen konfrontiert war, ohne dass die Verwaltung
diesen durch objektiv begründete Argumente entkräftet hatte. Sodann
wenn die Verwaltung zur Klärung der medizinischen Situation notwendige
Aspekte unbeantwortet gelassen hat und schliesslich wenn die Verwaltung
auf eine Expertise abgestellt hat, welche die Anforderungen an eine
medizinische Beurteilungsgrundlage nicht erfüllt (BGE 140 V 70 E.6.2.1).
Eine Überbindung der Kosten an die Verwaltung ist nach der
- 36 -
Rechtsprechung hingegen nicht gerechtfertigt, wenn diese den
Untersuchungsgrundsatz respektiert und ihre Auffassung auf objektive
konvergente Grundlagen oder auf die Ergebnisse einer rechtsgenüglichen
Expertise gestützt hat (BGE 143 V 269 E.3.3, BGE 140 V 70 E.6.1). Im
vorliegenden Fall hat die IV-Stelle auf das Administrativgutachten von Dr.
med. D._ vom 8. Juni 2020 abgestellt. Sie hat sich dabei auf den
Abschlussbericht des RAD vom 17. Juni 2020 gestützt, in welchem Dr.
med. M._ zum Schluss gekommen war, es könne auf dieses
Gutachten abgestellt werden (IV-act. 98 S. 19 ff.). Allem Anschein nach
hat der RAD-Arzt das Gutachten nicht genügend sorgfältig und detailliert
geprüft, sonst hätte er dessen Mängel, wie sie im vorliegenden Verfahren
festgestellt wurden (siehe vorne E.7), bemerken müssen. Es fragt sich in
diesem Zusammenhang auch, ob Dr. med. M._ als Facharzt für
Chirurgie die nötigen fachlichen Kompetenzen zur Beurteilung des
rheumatologischen Gutachtens hatte (https://www.doctorfmh.ch/, zuletzt
besucht am 28. November 2022). Als gravierend ist sodann zu werten,
dass die IV-Stelle dem RAD-Arzt die Kritikpunkte des behandelnden
Rheumatologen nicht zur Kenntnis brachte. Die ausführliche
Stellungnahme von C._ zum Gutachten von Dr. med. D._ datiert
vom 19. August 2020 (IV-act. 82 S. 7 ff.). Diese Stellungnahme stützte
sich auf die Sonographie von Dr. med. F._ vom 25. Juni 2020 (IV-act.
82 S. 4) und auf das MRI von Dr. med. G._ vom 3. August 2020 (IV-
act. 82 S. 5), welche dem RAD bei der Abschlussbeurteilung ebenfalls
nicht vorgelegen hatten. Zwar unterbreitete die IV-Stelle diese neuen
bildgebenden Abklärungen und die Stellungnahme von C._ dem
Gutachter Dr. med. D._, welcher sich dazu mit Schreiben vom 2.
Dezember 2020 äusserte (IV-act. 88). Die IV-Stelle unterliess es aber, alle
diese neuen Unterlagen dem RAD erneut zur Beurteilung vorzulegen.
Dieses Vorgehen ist nicht korrekt. Die Stellungnahme von C._ wies
klar und nachvollziehbar auf Schwächen des Gutachtens hin, während die
Stellungnahme von Dr. med. D._ der von C._ geltend
https://www.doctorfmh.ch/
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gemachten Kritik nicht wirklich überzeugende Argumente
entgegenzusetzen vermochte. Angesichts dieser kontroversen
fachärztlichen Beurteilungen hätte die IV-Stelle den RAD nochmals
einbeziehen müssen. Weil dies nicht geschah, war das Gericht mit einem
manifesten Widerspruch zwischen den verschiedenen, aktenmässig
belegten ärztlichen Auffassungen konfrontiert, ohne dass die Verwaltung
diesen durch objektiv begründete Argumente entkräftet hätte. Solche
objektiv begründeten Argumente hätte nur der RAD liefern können, da die
Meinungsverschiedenheit zwischen Dr. med. D._ und C._ ohne
medizinisches Fachwissen nicht genügend zu erfassen war. Es liegt damit
eine Konstellation vor, welche es rechtfertigt, der IV-Stelle die Kosten für
das Gerichtsgutachten zu überbinden. Diese hat mit Schreiben vom 21.
April 2022 denn auch nicht gegen die Einholung eines Gerichtsgutachtens
opponiert, sondern lediglich darum gebeten, mit dem Gutachter ein
Kostendach zu vereinbaren, was das Gericht mit Schreiben vom 3. Juni
2022 an Prof. Dr. med. H._ auch umgesetzt hat. Gemäss Rechnung
von Prof. Dr. med. H._ vom 29. September 2022 belaufen sich die
Kosten für das Gerichtsgutachten inklusive EFL auf CHF 10'200.85. Diese
Kosten hat die IV-Stelle zu übernehmen.
16. Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. Vorliegend hat der Rechtsvertreter der
Beschwerdeführerin mit Honorarnote vom 23. September 2022 eine
Entschädigung von CHF 4'206.50 für 15.8 Arbeitsstunden à CHF 240.00
zuzüglich Kleinspesenpauschale von 3% sowie MWST von 7.7. % geltend
gemacht. In diesem Umfang hat die IV-Stelle die Beschwerdeführerin
aussergerichtlich zu entschädigen.
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