# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** da618378-07dd-475e-affe-a2d1008ff896
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1974 geborene
X._
ist gelernte
Polydesignerin 3D EFZ und schloss 1999 den Lehrmeisterkurs ab (
Urk.
5/8/13
) und arbeitete zuletzt von 2013 bis 2014 zu einem Pensum von 30
%
als Verkaufsmitarbeiterin im
Y._
(
Urk.
5/8).
Nachdem sich die Versicherte bei der Arbeitslosenversicherung zum Bezug von Leistungen angemeldet hatte, wurde ihr für die Zeit vom 2
1.
Oktober 2013 bis 2
0.
Oktober 2015 (
Urk.
5/6/1) eine Rahmenfrist für d
en Leistungsbezug eröffnet. Am
8.
Juli 2014 (
Urk.
5/4) stellte sie beim Regionalen
Arbeitsvermittlungszent
rum
(RAV)
Z._
ein Gesuch um Bewilligung eines vom 1
8.
August bis 3
1.
Dezember 2014 dauernden individuellen Berufspraktikums als
Kinderbetreu
erin
beim
A._
zu einem Beschäftigungsgrad von 60
%
. Mit Verfügung vom
6.
Oktober 2014 (
Urk.
5/1) wies das RAV
Z._
das Gesuch ab. Nachdem die
Versicherte mit Eingabe vom
7.
A
ugust 2014 (
Urk.
5/2) dagegen Einsprache erhoben hatte, hielt das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) Abteilung Qualifizierung für Stellensuchende, mit
Einsprache
entscheid
vom 2
2.
August 2014 (
Urk.
2) an der Abweisung des Begehrens fest.
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
erhob die Versicherte am 2
1.
September 2014 (
Urk.
1) Beschwerde, wobei sie den Antrag auf Bewilligung des
Berufsprakti
kums
als Kinderbetreuerin erneuerte. In der Beschwerdeantwort vom
6.
Oktober 2014 (
Urk.
4) schloss das AWA auf Abweisung der Beschwerde.
Die Einzelrichterin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Da die Beschwerde
den Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt
(
Urk.
5/4/13)
, fällt de
ren
Beurteilung in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Gemäss Art. 1a Abs. 2 des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosen
versicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) gehört zu den Zielen des
Ges
etzes, drohende Arbeitslosigkeit zu verhüten, bestehende zu bekämpfen und die rasche und dauerhafte Eingliederung in den Arbeitsmarkt zu fördern. Die
sem
Zwecke dienen die so genannten
arbeitsmarktlichen
Massnahmen (Art. 59 bis 75b AVIG). Die Versicherung erbringt finanzielle Leistungen für
arbeits
markt
li
che
Massnahmen zu Gunsten von versicherten Personen und von Perso
nen,
die von Arbeitslosigkeit bedroht sind (Art. 59 Abs. 1 AVIG). Zu den
ar
beits
markt
li
chen
Massnahmen gehören unter anderem Bildungsmassnahmen nach Art. 60 AVIG (Art. 59 Abs. 1
bis
AVIG). Als solche gelten individuelle oder kollektive
Kurse zur Umschulung, Weiterbildung oder Eingliederung (Art. 60 Abs. 1 AVIG).
2.2
Gemäss Art. 59 Abs. 2 AVIG soll mit
arbeitsmarktlichen
Massnahmen die Ein
gliederung von Versicherten, die aus Gründen des Arbeitsmarktes erschwert vermittelbar sind, gefördert werden. Solche Massnahmen sollen insbesondere:
a. die Vermittlungsfähigkeit der Versicherten verbessern, damit diese rasch und dauerhaft wieder eingegliedert werden können;
b. die beruflichen Qualifikationen entsprechend den Bedürfnissen des Arbeits
markts fördern;
c. die Gefahr von Langzeitarbeitslosigkeit vermindern; oder
d. die Möglichkeit bieten, Berufserfahrungen zu sammeln.
Für die Teilnahme an
arbeitsmarktlichen
Massnahmen nach den Artikeln 60–71d müssen gemäss Art. 59 Abs. 3 AVIG erfüllt sein:
a. die Anspruchsvoraussetzungen nach Artikel 8, sofern nichts anderes be
stimmt ist; und
b. die spezifischen Voraussetzungen für die betreffende Massnahme.
2.3
Voraussetzung für den Anspruch auf Leistungen der Ver
si
cherung an die Um
schulung, Weiterbildung oder Eingliede
run
g ist in jedem Fall das Vorliegen ei
ner
arbeitsmarkt
lich
e
n
Indikation. Dies bedeutet, dass
arbeitsmarktliche
Mass
nah
men
nur einzusetzen sind, wenn die Arbeitsmarktlage dies gebietet. Dadurch soll
verhindert werden, dass Lei
stungen zu Zwecken in Anspruch genommen werden,
die nicht mit der Ar
beitslosenversicherung in Zusammenhang stehen (Botschaft des Bundesrates zum AVIG vom 2. Juli 1980;
BBl
1980 III 610 f.). Das Gesetz
bringt di
esen Gedanken in Art. 59 Abs. 1 und 2 zum Ausdruck, wo
nach die Ver
sicherung diese Massnahmen nur dann durch finanzielle Leistun
gen fördert, wenn die Vermittelbarkeit der versicherten Person aus Gründen des Arbeits
mark
tes er
schwert ist und die
arbeitsmarktliche
Massnahme die Vermit
telbarkeit ver
bessert.
2.4
Nach Gesetz und Rechtsprechung sind allerdings Grundausbildung und die all
gemeine Förderung der beruflichen Weiterbildung nicht Sache der Arbeitslosen
versicherung. Deren Aufgabe ist es lediglich, in gewissen Fällen durch konkrete
Eingliede
rungs
und Weiterbildungsmassnahmen eine bestehende Ar
beits
losig
keit zu bekämpfen oder eine drohende Arbeits
losig
keit zu verhindern. Dabei mus
s es sich um Vorkehren handeln, wel
che der versicherten Person erlauben, sich dem indu
striellen und tech
nischen Fortschritt anzupassen oder wel
che sie in die
Lage versetzen, ihre bereits vorhandenen beruflichen Fähig
keiten aus
serhalb der angestammten engen bisherigen Erwerbstätig
keit auf dem Arbeits
markt zu ver
wer
ten (BGE 111 V 271 und 400 f. mit Hinweisen; ARV 2005 S. 282 E. 1.2, 1998
Nr. 39 S. 221 E. 1b).
Die Grenze zwischen Grundausbildung und allgemeiner beruflicher Weiterbil
dung einerseits, Umschulung und Weiterbildung im
arbeitslosenversicherungs
rechtlichen
Sinne andererseits, ist fliessend. Im Einzelfall ist zu würdigen, wel
che Umstände überwiegen. Entscheidende Bedeutung hat dabei die Frage, ob das
Berufsspektrum der versicherten Person ihre Vermittelbarkeit auf ganz spe
zielle
Tätigkeitsbereiche („Nischen“) einschränkt oder nicht. Ein solch
berufs
spezifi
sches
Risiko der Arbeitslosigkeit stellt ein gewichtiges Indiz dar für die Notwen
digkeit einer gezielten Umschulung oder Weiterbildung im Rahmen von
ar
beitsmarkt
li
chen
Massnahmen (Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Sozi
ale Sicher
heit, SBVR Bd. XIV, 2. A. 2007 S. 2388
Rz
. 688 mit Hinweisen auf die Recht
spre
chung). Im Weiteren muss die soziale Üblichkeit unter Berücksichtigung des
Alters, der Motivation und der weiteren Lebensumstände der versicherten Person
angeschaut werden. Es ist demnach zu prüfen, ob die fragliche Vorkehr bei den gegebenen Umständen nicht ohnehin Bestandteil der üblichen Berufs
ausbildung ist, ob die versicherte Person den Kurs auch besuchen würde, wenn sie nicht ar
beitslos wäre (BGE 111 V 271 E. 2d). In zeitlicher Hinsicht ist fest
zustellen, dass
nur Kurse von beschränkter Dauer als Massnahmen der Um
schulung oder Weiter
bildung im arbeitslosenversicherungsrechtlichen Sinne an
erkannt werden kön
nen
.
Dabei hat eine Kursdauer von einem Jahr als obere
Li
mite
zu gelten;
Leis
tungsgesuchen
für länger dauernde Kurse kann nur aus
nahmsweise ent
spro
chen werden. Denn mehrjährige Bildungsgänge - d.h. ei
gentliche Grundaus
bil
dungen - sind vom Kreis der durch die Arbeitslosenversi
cherung zu überneh
men
den Massnahmen regelmässig ausgeschlossen. Dagegen werden mehrmonatige Kurse als Vorkehren der Umschulung oder Weiterbildung im Sinne der Arbeits
losen
versicherung anerkannt (Urteil des Bundesgerichts C 227/06 vom 28. März 2007 E. 2.1).
3
.
3
.1
Der Beschwerdegegner stellte sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, individu
elle Berufspraktika würden in der Regel sechs Monate dauern und ziel
ten in erster Linie darauf ab, gut qualifizierten Stellensuchenden eine erste Berufserfahrung in ihrem Fachgebiet oder einem nahe verwandten Berufsfeld, welches sie sich durch ein Studium erschlossen hätten, zu ermöglichen. Ziel sei die Förderung der Eingliederung von versicherten Personen ins Erwerbsleben. Massgebend bei der Beurteilung des Gesuches
sei
daher einerseits die Ausbil
dung des Versicherten und andererseits die berufliche Tätigkeit während der Rahmenfrist für die Beitragszeit.
Vorliegend
zeige sich in der bisherigen berufli
chen Laufbahn oder Ausbildung der Beschwerdeführerin keine Nähe zum Berufsfeld des beantragten Praktikums in der Kinderbetreuung. In den letzten 23 Monaten sei sie gemäss ihrem Lebenslauf als Mitarbeiterin im Verkauf und im Bereich Visual Merchandising/
Aktivity
Planing
tätig gewesen. Da es sich beim beantragten Berufspraktikum als Kinderbetreuerin um einen persönlichen Wunsch nach beruflicher Weiterbildung handle, könne es nicht aus den beschränkten Mitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert werden (
Urk.
2
S. 2).
3
.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor, das Praktikum sei keine Zweitaus
bildung, denn dadurch könne sie weitere Erfahrungen im pädagogischen Bereich sammeln und ihre Arbeitssuche um diesen Bereich erweitern. Wie sie bereits dokumentiert habe, bewege sich erwähntes Praktikum im verwandten Bereich ihres angestammten Berufsfeldes. Ausserdem habe sie durch ihre aktive Arbeitssuche aufgezeigt, dass es erheblich erschwert sei, eine Stelle in ihrem angestammten Beruf zu finden (
Urk.
1).
4
.
4
.1
Die Versicherte verfügt über eine Ausbildung als Polydesignerin (
Urk.
5/7-8). Ihrem Lebenslauf ist zu entnehmen, dass sie zwischen 1995 und 2000 sowie zwischen 2001 und 2013 entsprechend ihrer Ausbildung in verschiedenen Firmen im Bereich Dekoration und Visual Merchandising/
Aktivity
Planing
tätig gewesen ist (
Urk.
5/8). In zutreffender
und ausführlicher
Weise stellt der Beschwerdegegner fest, dass eine jeweils saisonale Tätigkeit im
B._
2000 bis 2001, als Hilfs-Skilehrerin bei der
C._
1996 bis 1997 sowie eine einjährige Tätigkeit als Mitar
beiterin im Verkauf zu einem Pensum von 30
%
von 2013 bis 2014
nur
kurze Abweichungen in ihrer ansonsten adäquat zu ihrer
Grundausbildung als
Poly
designerin
verlaufenden beruflichen Laufbahn
darstellen
(
Urk.
2 S. 1).
4
.2
Wie der Beschwerdegegner
weiter
zu Recht festhält, steht es ausser Zweifel, dass die Beschwerdeführerin über wertvolle pädagogische Kenntnisse verfügt, die sie als Mutter, Lehrmeisterin, Hilfs-Skilehrerin, freiwilligem Engagement im Elternrat und diversen kleineren
Pensen
und freiwilligen Tätigkeiten im Bereich der künstlerischen Förderung von Kindern sich im Laufe der Jahre angeeignet hat (
Urk.
2 S. 2; vgl.
Urk.
5/2, 5/8). Obwohl es nicht aktenmässig belegt ist, ist davon auszugehen, dass sie als Lehrmeisterin mit Jugendlichen im Rahmen ihrer angestammten beruflichen Tätigkeit zusammengearbeitet hat, was sich
von der
Tätigkeit als Kinderbetreuerin wesentlich unterscheidet. Die Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Hilfs-Skilehrerin 1996/1997 kann ebenfalls nicht zu ihren Gunsten berücksichtigt werden, da es im Vergleich zu ihrem
gesamtberuf
lichen
Werdegang auch zeitlich gesehen lediglich eine marginale Tätigkeit war, die abgesehen davon nicht das Gesamtspektrum einer Kinderbetreuung um
fasste. Auch hat sie seither im beruflichen Bereich nie wieder mit Kindern zu tun gehabt. Somit hat die Beschwerdeführerin in der massgeblichen Rahmenfrist für die Beitragszeit keinerlei berufliche Tätigkeit im Zusammenhang mit
Kin
derbetreuung
ausgeübt. Folglich kann der Beschwerdeführerin nicht zugestimmt werden, dass es sich beim Praktikum als Kinderbetreuerin um einen ihrem angestammten Berufsfeld verwandten Bereich handelt, sie war ja von 2013 bis 2014 Verkäuferin im
Y._
und von 2005 bis 2013 in der
D._
im Visual Merchandising,
Interiordesign
und im
Aktivity
Planing
tätig. Daher geht der Beschwerdegegner zu Recht davon aus, dass
das angestrebte Praktikum
vorwiegend den Wunsch nach einer beruflichen Veränderung
ermöglichen soll
.
Auch liegt bei der Beschwerdeführerin keine erschwerte Vermittelbarkeit auf dem Arbeitsmarkt vor, was ihre Ausbildung und der berufliche Lebenslauf klar aufzeigen. Ohne nähere Marktanalysen anstellen zu müssen, ergeben sich ins
besondere im Verkaufssektor immer wieder freie Stellen. Anders sähe es aus, wenn
die Versicherte
nur auf ganz spezielle Nischen eingeschränkt wäre (vgl. Urteil des
bundesgerichts
8C_202/2013 vom 2
8.
Mai 2013 E. 5.2.2).
Aufgrund des Ausgeführten ist das Kursgesuch abzuweisen.