# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0f8c810c-10b2-4b2b-a78f-8750d6f10ae2
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Beschwerdeführerin kritisiert, dass die Sachverhaltsfeststellung von der
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IV-Stelle nicht korrekt und nicht umfassend erfolgt sei. Die Angaben über
den Gesundheitszustand und die Einschränkungen seien unsystematisch
über die Abklärung verteilt. So werde beispielsweise die relevante
Gleichgewichtsstörung lediglich unter der Rubrik Hilfsmittel angeführt,
während in den Bewertungen entsprechende Hinweise fehlten. Zudem sei
bei der Abklärung kein Zusammenhang zu den medizinischen Berichten
hergestellt worden. Auch seien verschiedene Sachverhaltselemente
unrichtig festgestellt worden beziehungsweise fehlten gänzlich (unter
Verweis auf die unversiegelte Treppe, den Holzboden im Wohnzimmer,
den Vor- und Sitzplatz sowie den Umschwung). Auch seien im Arztbericht
von Dr. med. C._ vom 16. Januar 2012 Störungen der linken oberen
Extremität und eine rasche Ermüdbarkeit sowohl physisch (recte:
psychisch) als auch somatisch festgestellt worden, was im
Abklärungsbericht der IV-Stelle nicht berücksichtigt worden sei.
Insbesondere die Chronic Fatigue sei für die Einschränkungen im
Haushalt mitverantwortlich. Schliesslich wurde festgehalten, dass für die
Bemessung der Einschränkung im Haushalt vom Haushaltsgutachten der
X._ auszugehen sei. Im Gegensatz zum Haushaltsabklärungsbericht
der IV-Stelle berücksichtige das Gutachten der X._ die genauen
Wohnverhältnisse und sämtliche gesundheitlichen Einschränkungen.
Vorliegend sei somit von einer Einschränkung im Haushalt von 48 %
auszugehen, weshalb die Beschwerdeführerin gemäss Art. 28 IVG
Anspruch auf eine Viertelsrente habe.
4. In ihrer Vernehmlassung vom 7. Januar 2013 beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin habe – obwohl
bereits anwaltlich vertreten und instruiert – die IV-Stelle im pendenten
Vorbescheidverfahren nie über die Abklärungen und Berichte der X._
orientiert, obwohl die Beschwerdeführerin bereits am 25. Juni 2012 vor
Ort abgeklärt worden sei und die entsprechenden Berichte seit dem
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14. August 2012 vorlägen. Dass die Beschwerdeführerin die IV-Stelle erst
im Beschwerdeverfahren mit den Berichten der X._ konfrontiere, sei
unbillig. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bilde in
Anbetracht der am 3. Januar 2012 erfolgten Anmeldung die Frage, ob die
Beschwerdeführerin mit Wirkung ab 1. Juli 2012 einen Rentenanspruch
habe oder nicht. Unbestritten sei, dass die Beschwerdeführerin mit der
Diagnose MS konfrontiert sei und infolgedessen seit August 2010 in ihrer
Leistungsfähigkeit eingeschränkt sei. Bestritten sei, ob die Einschränkung
im Haushaltsbereich 27 % oder 48 % betrüge. Allerdings resultiere auch
auf der Grundlage der Gewichtungen gemäss X._ respektive SAKE
(unter Verweis auf die Stellungnahme zum IV-Abklärungsbericht der
X._ vom 22. Februar 2012, S. 5) eine Gesamteinschränkung von
knapp 27 %, sofern in den verschiedenen Aufgabenbereichen von den
von der IV-Stelle festgestellten Einschränkungen ausgegangen werde.
Die IV-Haushaltexpertinnen hätten bei der Beurteilung naturgemäss einen
gewissen Ermessensspielraum, sie seien aber auf objektive
Einschätzungen spezialisiert. Im vorliegenden Fall sei daher trotz den
Berichten der X._ vom 14. August 2012 daran festzuhalten, dass
keine besonderen Umstände gegeben seien, welche den
Abklärungsbericht vom 22./28. Februar 2012 als ungeeignet oder
mangelhaft erscheinen liessen. Entgegen der Darstellung der
Beschwerdeführerin berichte Dr. med. C._ in seinem Bericht vom
16. Januar 2012 nicht von Störungen der linken oberen Extremität. Ganz
im Gegenteil halte er ausdrücklich fest, dass die obere Extremität
unauffällig sei. Am Ergebnis des Abklärungsberichts vom 22./28. Februar
2012 vermöge auch der in der Beschwerde erwähnte Arztbericht von
Dr. med. B._ vom 14. Mai 2012 nichts zu ändern, weil er die
zumutbare Mithilfe der Familienangehörigen (Ehemann und die beiden
Kinder) von der von ihm attestierten 50%igen Einschränkung zu Unrecht
nicht in Abzug bringe. Würde man dies tun, würden die Einschätzung von
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Dr. med. B._ vom 14. Mai 2012 und jene der IV-Haushaltsexpertin
(27%ige Einschränkung) ziemlich im Einklang stehen. Dies gelte umso
mehr, als der RAD Ostschweiz in seiner Stellungnahme vom 9. März
2012 ausdrücklich erklärt habe, dass die anlässlich der
Haushaltsabklärung erhobenen Einschränkungen mit Blick auf den
Gesundheitsschaden der Beschwerdeführerin plausibel und durchaus
nachvollziehbar seien. Schliesslich wurde festgehalten, dass die Kosten
der Berichte der X._ vom 14. August 2012 in der Höhe von
Fr. 2‘600.-- nicht ersetzt werden könnten, zumal die
Abklärungsmassnahmen ohne ausdrückliche Anordnung der IV-Stelle
durchgeführt worden seien. Die Kosten würden nur soweit zu Lasten der
IV-Stelle gehen, als diese Massnahmen für die Zusprechung von
Leistungen unerlässlich wären, was vorliegend jedoch nicht der Fall sei,
da das IV-Dossier für die Beurteilung und Entscheidung der vorliegenden
Streitsache genügt hätte. Überdies habe die Beschwerdeführerin das
„Gutachten“ bei der X._ bereits Anfang / Mitte Juni 2012 in Auftrag
gegeben, bevor festgestanden habe, wie die IV-Stelle den Einwand vom
5. Juni 2012 beurteilen würde.
5. Mit Schreiben vom 17. Januar 2013 verzichtete die Beschwerdeführerin
auf die Einreichung einer Replik und wies darauf hin, dass die
Haushaltsabklärung bei der X._ schon vor Erlass der Verfügung vom
17. Oktober 2012 in Auftrag gegeben worden sei. Wie der Antrag auf
Abweisung der Beschwerde zeige, hätte die IV-Stelle das
Haushaltsgutachten der X._ auch im Vorbescheidverfahren nicht
akzeptiert. Inwieweit das Vorgehen der Beschwerdeführerin hier unbillig
sein soll, sei nicht nachvollziehbar.
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Auf die weiteren Vorbringen der Parteien sowie auf die angefochtene
Verfügung wird, soweit erforderlich, im Rahmen der Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom
17. Oktober 2012 betreffend IV-Rente stellt demnach ein taugliches
Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden dar. Die sachliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Auf die zudem
frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle den Anspruch auf eine IV-Rente
zu Recht verneint hat. Im Zentrum steht dabei die Frage, ob auf den
Abklärungsbericht der IV-Stelle abgestellt werden kann oder ob dieser
aufgrund der Beurteilungen des X._-Gutachtens beziehungsweise
der ärztlichen Beurteilungen durch die Dres. med. C._ und B._
in Frage zu stellen ist. Bestritten ist vorliegend die Einschränkung im
Haushalt, wobei die IV-Stelle von einer 27%igen und die
Beschwerdeführerin von einer 48%igen Einschränkung ausgehen.
2. Nach Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 40 Prozent Anspruch auf eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent Anspruch
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auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens
70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente. Für die Ermittlung des IV-
Grades kommt es primär auf die wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit und
nicht auf die medizinische Arbeitsunfähigkeit an (BGE 132 V 395 E.2.1).
Ohne zuverlässige und beweistaugliche Bestimmung der prozentualen
Arbeitsfähigkeit durch die Ärzte ist eine seriöse Ermittlung der
Erwerbsunfähigkeit (IV-Grad) indes von vorneherein gar nicht möglich
(BGE 125 V 261 E.4, 122 V 160 f. E.1c, 115 V 134 E.2). Das Bundesrecht
schreibt dabei nicht vor, wie die in den Akten liegenden Arztberichte oder
medizinischen Unterlagen als Beweismittel zu würdigen sind. Für das
gesamte Verwaltungs- und Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt
daher der allgemeine Grundsatz der freien Beweiswürdigung. Danach
haben Versicherungsträger und Sozialversicherungsrichter die Beweise
frei, d.h. ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und
pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies,
dass das Versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob
die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander
widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische
These abstellt (vgl. BGE 125 V 352 E.3a). Für den Beweiswert von
Arztberichten ist entscheidend, ob die Berichte für die streitigen Belange
umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen beruhen, die geklagten
Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden sind, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und der medizinischen Situation einleuchten und ob die
Schlussfolgerungen der Experten begründet sind. Ausschlaggebend für
den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines
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Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahmen als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 134 V
231 E.5.1, 125 V 352 E.3a).
3. Gemäss Art. 28a Abs. 2 IVG wird bei nicht erwerbstätigen Versicherten,
die im Aufgabenbereich tätig sind und denen die Aufnahme einer
Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, für die Bemessung der
Invalidität in Abweichung von Artikel 16 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) darauf
abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im Aufgabenbereich
zu betätigen. Für Versicherte, die bei Eintritt ihres Gesundheitsschadens
keine Erwerbstätigkeit ausübten und die nachher weder eine
Erwerbstätigkeit tatsächlich aufgenommen haben noch eine solche
aufgenommen hätten, wenn sie nicht invalid geworden wären (z.B. im
Haushalt tätige Personen) wird die spezifische Methode des
Betätigungsvergleichs angewendet (vgl. das Kreisschreiben über
Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [nachfolgend:
KSIH], gültig ab 1. Januar 2013, Rz. 3079). Die Anwendung der
spezifischen Methode bedingt die Aufstellung eines Kataloges der
Tätigkeiten, die eine behinderte Person vor Eintritt der Invalidität ausübte
oder die sie ohne Invalidität ausüben würde, worauf das Ergebnis mit der
Gesamtheit der Tätigkeiten, die – nach Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen – trotz der Invalidität vernünftigerweise noch
von ihr verlangt werden können, verglichen werden muss. Bei
Versicherten im Haushalt ist immer ein spezieller Fragebogen zu
verwenden (KSIH Rz. 3081). Für den Betätigungsvergleich dürfen nur
Tätigkeiten berücksichtigt werden, die einer Erwerbstätigkeit gleichgestellt
werden können (z.B. Hausarbeit, Vermögensverwaltung, nichtentlöhnter
karitativer Einsatz). Reine Freizeitbeschäftigungen sind ausser Acht zu
lassen (KSIH Rz. 3082). Die IV-Stelle ermittelt den Invaliditätsgrad durch
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eine Abklärung vor Ort. Die Abklärungsperson hat anzugeben, welche
Tätigkeiten die versicherte Person nicht mehr ausüben kann oder in
welchen sie erheblich eingeschränkt ist und seit wann. Ferner macht die
Abklärungsperson Angaben über das Ausmass der invaliditätsbedingten
Einschränkungen und über einen allfällig grösseren Zeitaufwand (ein
erhöhter Zeitaufwand ist zu berücksichtigen, soweit dieser nicht bereits
durch den Wegfall eines Aufgabenbereichs berücksichtigt wurde). Es sind
Angaben darüber zu machen, inwieweit Drittpersonen (z.B. Angehörige,
Nachbarn, Hilfskräfte) der versicherten Person bei der Verrichtung ihrer
Tätigkeiten behilflich sind (BGE 130 V 97; KSIH Rz. 3083). Gemäss
Art. 27 Satz 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) gelten als Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen
Versicherten insbesondere die übliche Tätigkeit im Haushalt, die
Erziehung der Kinder sowie gemeinnützige und künstlerische Tätigkeiten.
Der Aufgabenbereich „Haushalt“ umfasst in der Regel die folgenden
Tätigkeiten und es ist in der Regel davon auszugehen, dass die Aufgaben
der im Haushalt tätigen gesunden Personen folgende prozentuale Anteile
an ihrer gesamten Tätigkeit ausmachen (KSIH Rz. 3084, 3086):
Tätigkeiten Minimum % Maximum %
1. Haushaltführung (Planung, 2 5
Organisation, Arbeitseinteilung,
Kontrolle)
2. Ernährung (Rüsten, Kochen, 10 50
Anrichten, Reinigungsarbeiten in
der Küche, Vorrat)
3. Wohnungspflege (Abstauben, 5 20
Staubsaugen, Bodenpflege, Fenster
putzen, Betten machen)
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4. Einkauf und weitere Besor- 5 10
gungen (Post, Versicherungen,
Amtsstellen)
5. Wäsche, Kleiderpflege 5 20
(Waschen, Wäsche aufhängen,
und abnehmen, Bügeln,
Flicken, Schuhe putzen)
6. Betreuung von Kindern 0 30
oder anderen Familien-
angehörigen
7. Verschiedenes (z.B. Kranken- 0 50
pflege, Pflanzen- und Garten-
pflege, Haustierhaltung, Anfer-
tigen von Kleidern; gemeinnüt-
zige Tätigkeiten, Weiterbildung,
künstlerisches Schaffen)
Das Total der Tätigkeiten hat immer 100 Prozent zu betragen (KSIH
Rz. 3087). Die Bedeutung der Haushaltführung hängt von den
Umständen im Einzelfall ab (z.B. Familiengrösse, Wohnverhältnisse,
technische Einrichtungen und Hilfsmittel, Umschwung; KSIH Rz. 3085).
Die im KSIH vorgenommene Aufgabenaufteilung und die Bewertung der
einzelnen Aufgaben sind im Normalfall anzuwenden. Die Festlegung
eines Minimums/Maximums dient einer gesamtschweizerischen
rechtsgleichen Behandlung, der Spielraum einer realitätsgerechten
Beurteilung der Verhältnisse im Einzelfall. Eine andere Gewichtung darf
nur bei ganz erheblichen Abweichungen vom Schema vorgenommen
werden (KSIH Rz. 3088).
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4. a) Um feststellen zu können, in welchem Masse eine versicherte Person im
Haushalt zufolge ihrer gesundheitlichen Beschwerden eingeschränkt ist,
bedarf es im Regelfall einer – für gewöhnlich die geeignete Vorkehr zur
Bestimmung der Behinderung im Haushalt bildenden – Abklärung vor Ort
(vgl. Art. 69 Abs. 2 zweiter Satz IVV; MEYER, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, 2. Aufl. 2010, S. 350 zu Art. 28a). Im
vorliegenden Fall hat der Abklärungsbericht Haushalt der IV-Stelle, der
gemäss den vorstehend erläuterten Vorschriften (E.3) abgefasst worden
ist, eine Einschränkung im Haushalt von 26.95 % ergeben (IV-act. Nr. 17).
Demgegenüber wurde in dem von der Beschwerdeführerin in Auftrag
gegebenen Haushaltsgutachten der X._ (Bf-act. Nr. 2) eine
Einschränkung im Haushalt von 48 % angegeben. Die X._ hat für die
Gewichtung der prozentualen Anteile der Haushaltstätigkeiten die Zahlen
der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) herangezogen. Die
SAKE ist eine Haushaltsbefragung, die seit 1991 jedes Jahr vom
Bundesamt für Statistik durchgeführt wird (www.sake.bfs.admin.ch). Das
Hauptziel ist die Erfassung der Erwerbsstruktur und des
Erwerbsverhaltens der ständigen Wohnbevölkerung in der Schweiz. Die
Gutachterin der X._ bemerkt zu der von ihr angewandten Methode,
dass die Gewichtung der prozentualen Anteile der Haushaltstätigkeiten
objektiver und transparenter sei und weniger Spielraum für die
persönliche Interpretation der Gutachterin zulasse. Eine
Haushaltsbewertung aufgrund der SAKE-Daten sehe von der
Individualisierung der Haushalte ab, da sie vom Drittpersonenkriterium
ausgehe. Das Ziel der Bewertung der Haushaltleistung sei der zeitliche
Aufwand, den eine durchschnittliche Fachperson in einem
durchschnittlichen Haushalt dieser Grösse für die Ausführung der
Arbeiten hätte. Die Haushaltsgrösse werde allein durch die Anzahl
Personen und deren Alter bestimmt. Die Bewertung der Einschränkungen
werde einerseits durch gezielte Fragen und einen Augenschein vor Ort,
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aber auch mittels medizinischer Gutachten festgestellt. Vergleichsgrösse
sei die statistisch unterstellte Haushaltleistung der geschädigten Person
vor dem Auftreten der Krankheit (vgl. den X._-Bericht, Bf-act. Nr. 2
S. 2 f.).
b) Die grundsätzliche Kritik der Beschwerdeführerin am Gutachten der IV-
Stelle richtet sich denn auch gegen die Gewichtung der einzelnen
Aufgabenbereiche. So werde jeweils eine grosse Spannweite angegeben,
innert welcher die Gewichtung ohne Mitwirkung der Beschwerdeführerin
festgelegt worden sei. Die Gegenüberstellung der Gewichtung der IV-
Stelle und der Daten der SAKE ergebe insbesondere im Bereich der
Wäsche- und Kleiderpflege und der Kinderbetreuung grosse
Abweichungen (vgl. die Stellungnahme der X._ zum
Abklärungsbericht der IV-Stelle, S. 5 [Bf-act. Nr. 3]). Auch wird von der
Beschwerdeführerin bemängelt, dass die Abklärungen der IV-Stelle
gewisse Sachverhaltselemente ungenügend oder gar falsch bewertet
hätten und der Gesundheitszustand und die Einschränkungen
unsystematisch über die Abklärung verteilt worden seien. So werde
beispielsweise die relevante Gleichgewichtsstörung lediglich unter der
Rubrik Hilfsmittel angeführt, während in den Bewertungen entsprechende
Hinweise fehlten. Ebenso seien die Begebenheiten im und ums Haus
nicht wahrheitsgetreu dargestellt worden (unter Verweis auf die
unversiegelte Treppe, den Holzboden im Wohnzimmer, den Vor- und
Sitzplatz sowie den Umschwung).
5. a) Dem Gericht stellt sich vorliegend folglich die Frage, ob dem Gutachten
der IV-Stelle oder dem privaten Gutachten der X._ zu folgen ist, um
die Einschränkungen im Haushalt der Beschwerdeführerin festzustellen.
Die beiden Gutachten haben die einzelnen Aufgabenbereiche zum Teil je
anders gewichtet; die IV-Stelle hat sich an die Vorgaben des KSIH und
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die X._ an die SAKE-Zahlen gehalten. Die Gewichtung nach SAKE
befindet sich im vom KSIH vorgegebenen Rahmen und ist daher
diesbezüglich nicht zu beanstanden. Haushaltsexpertinnen haben
naturgemäss einen gewissen Ermessensspielraum und es wird
praxisgemäss nicht ohne Not eingegriffen. Es gilt auch für
Haushaltsgutachten, dass es nicht darauf ankommt, woher ein
Beweismittel stammt, sondern ob es in seiner Darlegung und
Schlussfolgerung schlüssig und überzeugend ist (vgl. die Ausführungen
vorstehend unter E.2 zu Arztberichten oder anderen medizinischen
Unterlagen). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Abklärungsberichtes ist
wesentlich, dass er von einer qualifizierten Person verfasst wird, die
Kenntnis der örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den
medizinischen Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Behinderungen hat. Weiter sind die Angaben der versicherten Person zu
berücksichtigen, wobei die divergierenden Meinungen der Beteiligten im
Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext muss plausibel, begründet und
angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein
sowie in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben
stehen (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_631/2009 vom
2. Dezember 2009 E.5.1.1).
b) Das Gutachten der X._ entspricht diesen vom Bundesgericht
festgesetzten Kriterien hinsichtlich des Beweiswertes; es genügt den
dargestellten Erfordernissen bezüglich Plausibilität, Begründetheit und
Detailliertheit. Auch werden die medizinischen Diagnosen in der
Haushaltsabklärung berücksichtigt. Überdies überzeugt die Gewichtung
der einzelnen Haushaltsbereiche der X._ insofern, als sie sich auf
die anerkannten SAKE-Daten stützt und es für Dritte nachvollziehbar wird,
auf welche Vergleichswerte sich die Gutachterin stützt. Der individuelle
Ermessensspielraum der Gutachterin ist insofern kleiner. Das sehr
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detaillierte X._-Gutachten ist zudem nachvollziehbar, umfassend,
schlüssig und enthält eine überzeugende Argumentation. Auch erscheint
die Kritik der Gutachterin D._, dipl. Hauswirtschaftslehrerin, am
Gutachten der IV-Stelle in den meisten Punkten nachvollziehbar. Sie
begründet, warum einzelne Gewichtungen zu Unrecht vom Durchschnitt
(nach SAKE) abweichen und dass durch die von Dritten nicht
überprüfbare Gewichtung nach der Methode der IV-Stelle die Gefahr
einer willkürlichen Aufteilung der einzelnen Haushaltsbereiche bestehe.
Die IV-Stelle liess ein Gutachten nach den Vorgaben des KSIH erstellen,
welches für die Bemessung des Invaliditätsgrades die spezifische
Methode und im Rahmen der prozentualen Vorgaben einen gewissen
Ermessensspielraum vorsieht (vgl. vorstehend E.3 sowie KSIH Rz. 3084,
3086). Das Bundesgericht hat in seinem Urteil 9C_631/2009 vom
2. Dezember 2009 E.5.1.1 denn auch festgehalten, dass – sofern ein
Abklärungsbericht den vorstehend unter E.5a zitierten Anforderungen
genüge – die innerhalb der Bandbreiten gemäss Rz. 3086 des KSIH
erfolgte Gewichtung der einzelnen Bereiche eine Ermessensfrage sei und
von einer Beurteilung der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalls
abhänge. Da sich auch die Gewichtungen gemäss den SAKEDaten
innerhalb der genannten Bandbreiten bewegen, muss insofern
festgehalten werden, dass vorliegend beide Haushaltsgutachten den vom
Bundesgericht aufgestellten Kriterien genügen, auch wenn sie in der
prozentualen Einschätzung der Einschränkung der Beschwerdeführerin
im Haushalt divergieren. Es bleibt folglich zu prüfen, ob die von der
privaten Gutachterin der X._ geäusserten Kritikpunkte hinsichtlich
der einzelnen Aufgabenbereiche überzeugen.
c) Für die Beschwerdeführerin ist zunächst die Gewichtung der beiden
Bereiche „Wäschepflege“ und „Verschiedenes“ nicht nachvollziehbar,
welche in der Abklärung der IV-Stelle im Vergleich zu der Erhebung nach
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SAKE-Daten prozentual höher gewichtet werden. So veranschlagt die IV-
Stelle für die Wäsche- und Kleiderpflege 16 %, während die Gutachterin
der X._ nach SAKE nur auf 7.6 % kommt. Im Bereich Verschiedenes
geht die IV-Stelle von 11 %, die private Gutachterin von 7.6 % aus. Nach
Ansicht der privaten Gutachterin würden die örtlichen Verhältnisse keine
Abweichung vom Durchschnittswert rechtfertigen. Dieser Ansicht kann
gefolgt werden, wird doch aus dem Gutachten der IV-Stelle nicht
ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführerin für die Wäsche- und
Kleiderpflege sowie für den Bereich „Verschiedenes“ überdurchschnittlich
viel Zeit aufzuwenden hätte. Demgegenüber wird der Bereich der
Kinderbetreuung von der IV-Stelle mit 15 % gewichtet, während die
Gutachterin der X._ von 26.5 % ausgeht. Auch in diesem Punkt kann
dem Gutachten der IV-Stelle keine Erläuterung entnommen werden,
weshalb der Bereich der Kinderbetreuung im Vergleich zu einem
Durchschnittshaushalt so tief gewichtet wird. Die Kritikpunkte der X._
und damit der Beschwerdeführerin sind somit hinsichtlich der
divergierenden Gewichtungen der drei genannten Bereiche
nachvollziehbar.
d) Nebst der Gewichtung der einzelnen Aufgabenbereiche ist deren
prozentuale Einschränkung für die Errechnung des IV-Grades
massgebend. Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass für die Bemessung
der Einschränkungen in den Tätigkeitsbereichen eine umfassende
Erhebung der Wohn- und Familienverhältnisse sowie der
gesundheitlichen Störungen wesentlich sei. Die Beschwerdeführerin
kritisiert insofern, dass die Sachverhaltsfeststellung der IV-Stelle nicht
korrekt und nicht umfassend erfolgt sei. So habe die private Gutachterin
festgehalten, dass die Angaben über den Gesundheitszustand und die
Einschränkungen unsystematisch über die Abklärung verteilt seien. Die
relevante Gleichgewichtsstörung werde lediglich unter der Rubrik
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Hilfsmittel angeführt, in den Bewertungen fehlten jedoch entsprechende
Hinweise. Dieser Einschätzung kann nur teilweise gefolgt werden. So hält
der Bericht der IV-Stelle fest, dass die Beschwerdeführerin bei einer
Wegstrecke von mehr als 500 m plötzlich einen schwankenden Gang
habe und das Gehen allgemein unsicherer sei (IV-act. Nr. 17/1 Punkt 1).
Auch in der Rubrik Einkauf und weitere Besorgungen wird auf den
unsicheren Gang Bezug genommen (IV-act. Nr. 17/7 Punkt 6.4). Es kann
somit nicht davon ausgegangen werden, dass die Bewertungen der IV-
Stelle ohne Rücksicht auf die Gleichgewichtsstörungen der
Beschwerdeführerin vorgenommen worden sind, mindestens im Bereich
„Gehen/Gang“ wurde die Einschränkung auch von der IV-Stelle
berücksichtigt. Die Gleichgewichtsstörung schränkt die
Beschwerdeführerin allerdings auch beim Stehen ein. Die
Beschwerdeführerin stützt sich zudem auf die Kritik der privaten
Gutachterin, wonach die Wohnverhältnisse von der IV-Stelle nicht korrekt
erfasst worden seien. So fehle der Hinweis auf die bestehende
Zentralheizung. Das Einfamilienhaus der Beschwerdeführerin umfasse
sodann einen Vor- und einen Sitzplatz. Der Umschwung sei somit grösser
als die von der IV-Stelle angenommenen 200 m2. Sodann fehle bei den
Wohnverhältnissen der Hinweis, dass im Wohnzimmer rund 9 m2
Holzboden und die Treppe ins erste Obergeschoss unversiegelt seien,
was einen höheren Pflegeaufwand erfordere. Schliesslich werde nirgends
festgehalten, dass es vom Vorplatz bis zur Haustüre eine Treppe habe,
obwohl die Beschwerdeführerin erwiesenermassen in ihrer Gehfähigkeit
eingeschränkt sei und dieser Umstand für die Bemessung verschiedener
Tätigkeiten wie die Betreuung der Kinder oder den Einkauf relevant sei.
Es stimmt, dass im Haushaltsgutachten der IV-Stelle betreffend Heizung
eine Etagenheizung/Holz/Öl/Elektro statt einer Zentralheizung angekreuzt
wurde, obwohl im Haus der Beschwerdeführerin eine Zentralheizung
vorhanden ist (IV-act. Nr. 17/6 Punkt 5). Mit dem entsprechenden Kreuz
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muss wohl der vorhandene Cheminéeofen gemeint sein. Es ist jedoch
nicht nachvollziehbar, ob die Haushaltsexpertin der IV-Stelle den
Mehraufwand der Holzbeschaffung, des Anfeuerns und die zusätzlichen
Reinigungsarbeiten berücksichtigt hat (vgl. die Stellungnahme der
X._ zum Abklärungsbericht der IV-Stelle, S. 6 [Bf-act. Nr. 3]). Die
Hinweise auf den Vor- und Sitzplatz sowie die unversiegelten Holzböden
und Treppe fehlen im Bericht der IV-Stelle tatsächlich. Es kann dem
Bericht jedoch auch nicht entnommen werden, ob die genannten
Elemente nicht implizit Einfluss auf die Bewertungen in den
entsprechenden Rubriken (Wohnungspflege, Einkauf und weitere
Besorgungen sowie Verschiedenes) genommen haben.
e) Ein weiterer Kritikpunkt der Beschwerdeführerin bezieht sich auf die
unterschiedlichen prozentualen Einschätzungen in den Bereichen
Ernährung, Wohnungspflege, Einkauf, Wäsche und Kleiderpflege,
Verschiedenes und der Betreuung der Kinder.
Die IV-Stelle geht von einer Einschränkung im Bereich Ernährung von
25 % aus. Die private Gutachterin geht von einer Einschränkung im
Bereich Mahlzeiten zubereiten von 55 % und im Bereich
Abwaschen/Geschirr räumen/Tisch decken von einer Einschränkung von
45 % aus. Die Beschwerdeführerin kritisiert, dass die IV-Stelle nicht
berücksichtige, dass sie beim Kochen und auch bei anderen Tätigkeiten
in der Küche gezwungen sei, herumzugehen und zu stehen. Ausserdem
habe die IV-Stelle in diesem Bereich die Störungen in den oberen
Extremitäten, das spastische Ziehen in den Fingern, den Schwindel und
die Chronic Fatigue im Gegensatz zu der privaten Gutachterin nicht
berücksichtigt. Angesichts der Tatsache, dass der Beschwerdeführerin
längeres Stehen am Stück Mühe bereitet und der Bereich „Ernährung“
häufiges Stehen erfordert, erscheint die detaillierte Aufzählung der
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privaten Gutachterin in Bezug auf die Einschränkungen der
Beschwerdeführerin einleuchtend. Im Abklärungsbericht der IV-Stelle ist
einzig vom Gemüse-Rüsten, das die Beschwerdeführerin auch sitzend
machen könne, die Rede. Das Kochen für eine vierköpfige Familie
beinhaltet aber einiges mehr als Gemüse-Rüsten, davon viele stehende
Tätigkeiten (Gemüsewaschen, Wasserableeren, Hantieren mit Mixer,
Arbeiten am Kochherd etc.). Folglich leuchtet die Einschätzung der
Einschränkung von 55 % bzw. 45 % - was für den ganzen Bereich
„Ernährung“ zu einer Einschränkung von 50 % führt – ein und es ist damit
der privaten Gutachterin zu folgen.
Im Bereich der Wohnungspflege geht die IV-Stelle von einer
Einschränkung von 40 % und die private Gutachterin von einer
Einschränkung von 66 % aus. Gemäss der privaten Gutachterin verrichte
die Beschwerdeführerin die Reinigungsarbeiten nur noch in Etappen und
in oberflächlicher Qualität. In Küche und Bad entferne sie nur noch
vereinzelte und gut erreichbare Verschmutzungen. Auf die Reinigung von
Fenstern, Schrankfronten und Plättliwänden müsse sie vollständig
verzichten. Überdies habe die private Gutachterin die Leistungen der
Familie und die Anschaffung von Hilfsmitteln wie den Kauf von
Staubsaugern für jedes Stockwerk berücksichtigt. Die IV-Stelle hält
bezüglich der Wohnungspflege fest, dass der Beschwerdeführerin das
Abstauben und leichte Aufräumarbeiten noch möglich seien. Das
Staubsaugen übernehme meist der Ehemann. Die Böden feucht
aufnehmen könne die Beschwerdeführerin nicht mehr und das
Badezimmer reinige sie in Etappen. Auch die Fenster reinige nur der
Ehemann. Beim Betten frisch beziehen müssten die Kinder und der
Ehemann mithelfen. Alle Reinigungsarbeiten erledige die
Beschwerdeführerin in Etappen und mit Pausen dazwischen. Manchmal
müsse sie eine Arbeit auch liegen lassen, wenn es ihr nicht gut gehe.
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Angesichts diese mannigfachen Einschränkungen der
Beschwerdeführerin in der Wohnungspflege, die sowohl von der privaten
Gutachterin als auch von der IV-Stelle festgehalten worden sind, leuchtet
eine prozentuale Einschränkung von 66 % eher ein als nur eine 40%ige
Einschränkung, zumal die Beschwerdeführerin in allen Bereich der
Wohnungspflege zumindest eingeschränkt bis gänzlich behindert ist.
Der Bereich Einkauf wird von der IV-Stelle mit einer 20%igen
Einschränkung, von der privaten Gutachterin mit einer 50%igen
Einschränkung bewertet. Die IV-Stelle – so die Beschwerdeführerin –
habe nicht berücksichtigt, dass die Einkäufe zu Hause über eine Treppe
ins Haus getragen werden müssten. Sie lasse die körperlichen
Anstrengungen beim Einkaufen wie Gehen/Stehen und Heben von
Gewichten ausser Acht. Auch die Gleichgewichtsstörungen und die
Einschränkungen an den unteren Extremitäten wie Knie- und
Hüftschmerzen sowie Taubheitsgefühle im Bein und Fuss würden im
Bereich Einkauf ungenügend berücksichtigt. Die IV-Stelle hielt
demgegenüber fest, dass die Beschwerdeführerin seit ihrer Erkrankung
die Einkäufe in kleineren Mengen und häufiger erledige. Sie könne auch
nicht mehr lange unterwegs sein, da werde sie im Gehen noch
unsicherer. Auch im Bereich Einkauf überzeugt die Beurteilung der
privaten Gutachterin, berücksichtigt sie doch die verschiedenen
körperlichen Leiden. Es leuchtet ein, dass die Beschwerdeführerin im
Bereich Einkauf zu 50 % eingeschränkt ist.
Im Bereich Wäsche und Kleiderpflege geht die IV-Stelle von einer
Einschränkung von insgesamt 30 % aus, während die private Gutachterin
von 45 % für den Bereich Waschen und Bügeln und von 80 % für den
Bereich Schneidern und Stricken ausgeht. Gemäss der privaten
Gutachterin wirkten sich die Einschränkungen in den oberen Extremitäten
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auf das Wäscheaufhängen und Bügeln aus. Die Gehprobleme und die
Gleichgewichtsstörungen schränkten überdies den Wäschetransport und
das Wäscheaufhängen erheblich ein. Angesichts der diversen
Einschränkungen, die auch von der IV-Stelle festgehalten worden sind,
wie, dass der Ehemann die Wäsche in den Keller trägt und die
Beschwerdeführerin die Wäsche nur noch sitzend zusammenlegen kann
und keinerlei Wäsche mehr bügelt, ist die Einschätzung der
Einschränkung von nur 30 % zu tief und es ist auch hier der Einschätzung
der privaten Gutachterin, die von einer Einschränkung von 45 % für den
Bereich Waschen und Bügeln ausgeht, zu folgen. Die von der privaten
Gutachterin festgestellte 80%ige Einschränkung für den Bereich
reparieren, renovieren, schneidern und stricken kann jedoch
unberücksichtigt bleiben, da dieser Bereich im Verhältnis zum Bereich
waschen und bügeln nicht entscheidend ins Gewicht fällt (Aufwand nach
SAKE 0.9 h verglichen mit 4.0 h) und vorliegend keine Auswirkungen auf
das Gesamtergebnis hat.
Die Einschränkung im Bereich Verschiedenes wird von der IV-Stelle mit
20 %, von der privaten Gutachterin mit 45 % angegeben. Gemäss der
Beschwerdeführerin übernehme aufgrund der gesundheitlichen
Einschränkungen nun der Ehemann die gesamte Gartenarbeit und die
Pflege des Umschwunges. Das Tragen von Holz für die Beheizung des
Cheminées sei der Beschwerdeführerin nicht mehr möglich. Die Anzahl
der Zimmerpflanzen sei auf 5 Stück reduziert worden. Obwohl die IV-
Stelle die von der privaten Gutachterin aufgezeigten Einschränkungen
auch erkannt hatte, schliesst sie nur auf eine Einschränkung von 20 %.
Dies ist angesichts der diversen Einschränkungen zu tief und es ist der
Beurteilung der privaten Gutachterin zu folgen.
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Bei der Betreuung der Kinder geht die IV-Stelle von einer Einschränkung
von 25 % aus und die private Gutachterin von einer Einschränkung von
35 %. Die Differenz beträgt in diesem Bereich nur 10 %, zumal auch
beide Abklärungspersonen berücksichtigten, dass die
Beschwerdeführerin mit ihren Kindern kaum bzw. keinen Sport mehr
betreiben könne. Die unterschiedliche Beurteilung besteht darin, dass die
private Gutachterin berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin auch bei
der noch möglichen schulischen Begleitung der Kinder rasch ermüde und
sich vermehrt aus dem Familienleben zurückziehen müsse. Die
Kinderbetreuung werde je länger desto mehr dem Ehemann und den
Verwandten überlassen. Angesichts dieser differenzierteren
Ausführungen der privaten Gutachterin ist von einer Einschränkung von
35 % auszugehen.
f) Die Beschwerdeführerin bemängelt schliesslich, dass die IV-Stelle die
Chronic Fatigue in ihrer Beurteilung nicht berücksichtigt habe. Die Chronic
Fatigue sei mitverantwortlich für die Einschränkungen im Haushalt, so
insbesondere für die Arbeiten in der Küche. Auch bei der
Wohnungspflege führe die Chronic Fatigue zu Kapazitätsproblemen.
Beim Einkaufen, was für die Beschwerdeführerin eine erhebliche
körperliche Anstrengung bedeute, führe die Chronic Fatigue dazu, dass
sie danach erschöpft sei und Erholungszeit benötige. Dieser Zeitverlust
sei ebenfalls in diesem Tätigkeitsbereich zu berücksichtigen. Auch beim
Wäschewaschen sei die rasche Ermüdbarkeit nicht berücksichtigt
worden. Dr. med. B._, Spezialarzt FMH für Neurologie, schrieb in
seinem ärztlichen Bericht vom 14. Mai 2012 (IV-act. Nr. 27) zur Chronic
Fatigue, dass diese bei der Beschwerdeführerin zugenommen habe.
Unter Belastung ermüde die Beschwerdeführerin vorzeitig und stehe
bereits am Morgen nicht ganz erholt auf. Müdigkeit und erhöhte
Ermüdbarkeit im Rahmen von MS sei ein weitverbreitetes Symptom, das
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in sich schon Krankheitswert habe. So sei die Beschwerdeführerin als
Hausfrau und Mutter bei schwereren Haushaltsarbeiten deutlich
beeinträchtigt und diese Arbeiten müssten vom Ehemann übernommen
werden. Dr. med. B._ bescheinigt der Beschwerdeführerin wegen
der zugenommenen Chronic Fatigue folglich als Hausfrau und Mutter eine
50%ige Arbeitsunfähigkeit. Es kann diesbezüglich somit festgehalten
werden, dass Dr. med. B._ die Auswirkungen der Chronic Fatigue
plausibel und nachvollziehbar beschreibt und mit seiner Beurteilung die
Einschätzung der X._ aus medizinischer Sicht stützt. Es steht somit
fest, dass die Einschränkungen durch die Chronic Fatigue in der
Beurteilung der Einschränkungen im Haushalt mitberücksichtigt werden
müssen. Dem Vorwurf der Beschwerdeführerin, die IV-Stelle hätte dies
unterlassen, kann nicht gänzlich gefolgt werden. So wird im
Abklärungsbericht der IV-Stelle unter „Beschwerden“ eine schnelle
Müdigkeit bei geringer Anstrengung (IV-act. Nr. 17/1 Punkt 1), die
Erledigung der Reinigungsarbeiten in Etappen und mit Pausen
dazwischen (IV-act. Nr. 17/7 Punkt 6.3) sowie die Tatsache, dass sich die
Beschwerdeführerin nach dem Essen mindestens eine halbe Stunde
hinlegen müsse (IV-act. Nr. 17/7 Punkt 6.2), festgehalten. Die anhaltende
Müdigkeit wurde folglich auch von der Haushaltsexpertin der IV-Stelle
festgestellt und in ihrer Beurteilung mitberücksichtigt.
6. Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass im konkreten Fall die
Beurteilung durch die Haushaltsexpertin der X._ schlüssiger,
sorgfältiger, differenzierter und besser begründet als die Beurteilung
durch die IV-Stelle ausfällt. Sie berücksichtigt genauer die
Wohnverhältnisse und sämtliche gesundheitlichen Einschränkungen. Für
die Bemessung der Einschränkungen im Haushalt ist somit wie
vorstehend in Erwägung 5.e ausgeführt mehrheitlich von den von der
X._ ermittelten Zahlen auszugehen (vgl. den X._-Bericht, Bf-act.
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Nr. 2 S. 14), was zu einer gesamten Einschränkung im Haushalt wie folgt
führt:
Gewichtung der Bereiche in %
Einschränkung in %
Behinderung in %
Haushaltführung 2 % 0 0 % Ernährung 32 % 50 % 16 % Wohnungspflege 17 % 66 % 11.22 % Einkauf 7 % 50 % 3.5 % Wäsche und Kleiderpflege
7.6 % 45 % 3.42 %
Betreuung von Kindern
26.5 % 35 % 9.275 %
Verschiedenes 7.6 % 45 % 3.42 %
Total 99.7 % (gerundet 100 %)
46.835 %
Der obenstehenden Tabelle ist zu entnehmen, dass sich die
Einschränkung im Haushalt auf 47 % (gerundet) beläuft. Diese
Einschätzung entspricht annähernd auch der Beurteilung von Dr. med.
B._, der von einer 50%igen Einschränkung ausgeht (vgl. IV-act.
Nr. 27). Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG hat die Beschwerdeführerin bei einer
Einschränkung von 47 % Anspruch auf eine Viertelsrente (vgl. vorstehend
E.2). Gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG entsteht der Rentenanspruch frühestens
nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des
Leistungsanspruchs. Aus den Akten ist ersichtlich, dass sich die
Beschwerdeführerin am 3. Januar 2012 zum Bezug von Leistungen bei
der IV-Stelle anmeldete (vgl. IV-act. Nr. 2). Der Anspruch auf eine
Viertelsrente ist somit am 1. Juli 2012 entstanden. Folglich ist die
vorliegende Beschwerde in diesem Punkt gutzuheissen, die Verfügung
vom 17. Oktober 2012 aufzuheben und der Beschwerdeführerin ab dem
1. Juli 2012 eine Viertelsrente auszurichten.
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7. Die Beschwerdeführerin beantragt schliesslich, die IV-Stelle sei zu
verpflichten, der Beschwerdeführerin die Kosten des von ihr privat in
Auftrag gegebenen und im Beschwerdeprozess eingereichten
Haushaltgutachtens von Fr. 2‘600.-- zu ersetzen. Grundsätzlich ist
festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin die IV-Stelle hätte informieren
müssen, dass sie das private Haushaltgutachten bereits während des
laufenden Einwandverfahrens in Auftrag gegeben hat. Dies ändert
allerdings nichts daran, dass gemäss Art. 45 Abs. 1 Satz 2 ATSG der
Versicherungsträger, welcher keine Abklärungsmassnahmen angeordnet
hat, deren Kosten dennoch zu übernehmen hat, wenn die Massnahmen
für die Beurteilung des Anspruchs unerlässlich waren oder Bestandteil
nachträglich zugesprochener Leistungen bilden (vgl. die Urteile des
Bundesgerichts 8C_1062/2009 vom 31. August 2010 E.5 mit weiteren
Hinweisen sowie I 491/05 vom 13. Oktober 2005 E.6.2). Mit vorliegendem
Entscheid wurde der Beschwerdeführerin primär aufgrund des privaten
Haushaltgutachtens eine Viertelsrente zugesprochen, weshalb die Kosten
des privaten Gutachtens in der Höhe von Fr. 2‘600.-- von der IV-Stelle zu
übernehmen sind.
8. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in Abweichung
von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen
Versicherungsgericht kostenpflichtig. Diese Kosten werden je nach
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Umfang von Fr.
200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Angesichts des Ausgangs dieses
Verfahrens sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr. 700.-- der IV-
Stelle zu überbinden. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende
Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die
Parteikosten werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
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Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses
bemessen. In Anbetracht des Aufwandes erscheint dem Gericht eine
Entschädigung in der Höhe von Fr. 3‘134.30 (inkl. MWST) gemäss
Honorarnote vom 17. Januar 2013 angemessen. Folglich hat die IV-Stelle
die Beschwerdeführerin mit Fr. 3‘134.30 (inkl. MWST) ausseramtlich zu
entschädigen.