# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** edde2139-578a-403f-9d3e-949f785ec2fe
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ (geboren 1990, von Libyen) reiste am 6. Mai 2022 von Österreich herkommend,
wo er am 30. April 2022 um Asyl ersucht hatte, ohne gültiges Reisepapier mit dem Zug
in die Schweiz ein. In Buchs/SG wurde er vom Grenzwachtkorps angehalten und
kontrolliert und an die Kantonspolizei St. Gallen überstellt, die ihn zunächst vorläufig
festnahm. Gestützt auf den Haftbefehl des Migrationsamts vom 6. Mai 2022 wurde er
am 7. Mai 2022 für die Dauer des Dublin-Verfahrens in Haft genommen. Am 17. Mai
2022 stimmte die zuständige Behörde Österreichs einer Übernahme von A._ zu
(act. 7/5 Seiten 59 ff.). In der Folge wies ihn das Staatssekretariat für Migration mit
Verfügung vom 18. Mai 2022 aus der Schweiz nach Österreich weg und beauftragte
den Kanton St. Gallen mit dem Vollzug der Wegweisung (act. 7/5 Seiten 62 ff.). A._
erklärte anlässlich der Eröffnung der Verfügung am 24. Mai 2022, auf die Erhebung
einer Beschwerde zu verzichten (act. 7/5 Seite 76). Das Migrationsamt eröffnete A._
gleichentags den Haftbefehl zur Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung im
Dublin-Verfahren (act. 7/5 Seiten 78 ff.). SwissREPAT buchte für den 17. Juni 2022 für
A._ einen Linienflug von Zürich nach Wien (act. 7/5 Seiten 90 ff.).
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B.
Am 7. Juni 2022 ersuchte A._ durch seine Rechtsvertreterin bei der
Verwaltungsrekurskommission um Überprüfung der Haftanordnung im Dublin-
Verfahren. Er beantragte deren Aufhebung und die umgehende Entlassung aus der
Haft, eventualiter die Feststellung der Rechtswidrigkeit der Haft. Zudem sei
festzustellen, dass die Inhaftierung im Gefängnis Bazenheid aufgrund der
Haftbedingungen rechtswidrig sei. Die zuständige Einzelrichterin bestätigte am 14. Juni
2022 den Haftbefehl vom 24. Mai 2022 und wies das Haftentlassungsgesuch ab. Einer
allfälligen Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung. Es wurden keine
amtlichen Kosten erhoben und Rechtsanwältin Lea Hungerbühler, die als unentgeltliche
Rechtsbeiständin von A._ bestellt wurde, mit CHF 666.30 aus der Gerichtskasse
entschädigt.
C.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid der Einzelrichterin der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 14. Juni 2022 durch seine
Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 29. Juni 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit den Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge, eventualiter
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung, sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und er sei umgehend aus der Haft zu entlassen,
eventualiter die Unrechtmässigkeit der Haft festzustellen. Es seien die Verletzung der
grundrechtlich gebotenen Entscheidfrist sowie die Widerrechtlichkeit der
Haftbedingungen und der unzureichenden medizinischen Versorgung festzustellen.
Die Vorinstanz verzichtete mit Eingabe vom 6. Juli 2022 auf eine Vernehmlassung. Das
Migrationsamt verzichtete am 11. Juli 2022 auf eine Vernehmlassung und beantragte
die Abweisung der Beschwerde. Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat dem
Gericht am 21. Juli 2022 eine Honorarnote eingereicht.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Rechtsbegehren wird, soweit wesentlich, in
den Akten eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
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Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
dessen Gesuch um Überprüfung der Haftanordnung und Entlassung aus der Haft im
Rahmen des Dublin-Verfahrens gemäss Art. 76a des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration (Ausländer- und
Integrationsgesetz; SR 142.20, AIG) die Vorinstanz mit dem angefochtenen Entscheid
abgewiesen hat, ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP). Selbst wenn der Beschwerdeführer mittlerweile aus der Haft
entlassen worden sein sollte, ist seine Beschwerde in der Sache zu behandeln, da sich
im Verfahren vor allen kantonalen Vorinstanzen als Partei beteiligen können muss, wer
zur Beschwerde an das Bundesgericht berechtigt ist (vgl. Art. 111 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Bundesgericht; Bundesgerichtsgesetz, SR 173.110, BGG)
und das Bundesgericht seinerseits in Konstellationen wie der vorliegenden – der
Beschwerdeführer rügt in vertretbarer Weise Verletzungen völker- und
verfassungsrechtlicher Ansprüche, die sich als Rechtsfragen von grundsätzlicher
Bedeutung jederzeit wieder stellen können – vom Erfordernis des praktischen und
aktuellen schutzwürdigen Rechtsschutzinteresses absieht (vgl. BGer 2C_101/2017 vom
1. März 2017 E. 1.2 mit Hinweis auf BGE 142 I 135 E. 1.3.2). Die Beschwerde gegen
den am 14. Juni 2022 versandten Entscheid wurde mit Eingabe vom 29. Juni 2022
rechtzeitig erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Der Beschwerdeführer wurde gestützt auf Art. 76a AIG seit 7. Mai 2022 zur
Sicherstellung des Dublin-Verfahrens und anschliessend ab 24. Mai 2022 zur
Sicherstellung des Vollzugs der Wegweisung nach Österreich, den für das
Asylverfahren zuständigen "Dublin-Staat", in Haft genommen. Er macht geltend, sein
Gesuch vom 7. Juni 2022 um Überprüfung der Haftanordnung und um Entlassung aus
der Haft sei von der Vorinstanz nicht innerhalb von 96 Stunden und damit nicht
fristgerecht behandelt worden. Die Vorinstanz hielt dazu fest, die Frist zur Überprüfung
der Haft beginne ab Eingang der Beschwerde zu laufen. Über ein Gesuch um
Entlassung aus der Haft sei innert acht Arbeitstagen in einem schriftlichen Verfahren zu
entscheiden. Das Gesuch um Haftüberprüfung datiere vom 7. Juni 2022, der Entscheid
vom 14. Juni 2022. Damit habe die Frist nicht deutlich länger als 96 Stunden gedauert
und damit das Beschleunigungsgebot nicht verletzt.
2.1.
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Nach Art. 80a Abs. 3 AIG wird die Rechtmässigkeit und Angemessenheit der Dublin-
Haft auf Antrag der inhaftierten Person durch eine richterliche Behörde in einem
schriftlichen Verfahren überprüft (Satz 1); diese Überprüfung kann jederzeit beantragt
werden (Satz 2). Über ein Haftentlassungsgesuch, welches die inhaftierte Person
ebenfalls jederzeit einreichen kann, hat die richterliche Behörde gemäss Art. 80a Abs. 4
AIG innert acht Arbeitstagen in einem schriftlichen Verfahren zu entscheiden. Jede
Person, der die Freiheit nicht von einem Gericht entzogen wird, hat gemäss Art. 31
Abs. 4 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV)
das Recht, jederzeit ein Gericht anzurufen, das so rasch wie möglich über die
Rechtmässigkeit des Freiheitsentzugs entscheidet. Nach Art. 5 Ziff. 4 der Konvention
zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) hat jede
inhaftierte Person Anspruch auf richterliche Überprüfung der Haft innerhalb kurzer Frist.
Die Bestimmungen konkretisieren das allgemeine Verbot der Rechtsverzögerung (vgl.
Art. 29 Abs. 1 BV; G. Steinmann, in: Ehrenzeller/Schindler/ Schweizer/Vallender [Hrsg.],
Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl. 2014, N 23 zu
Art. 29 BV). Fristen von bis zu 14 Tagen sind ausreichend (vgl. Urteil des Europäischen
Gerichtshofs für Menschenrechte 44672/98 vom 12. Juni 2003, Herz/Deutschland, Rz.
73; vgl. auch H. Vest, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.], N 40 zu
Art. 31 BV). Dass die gesetzliche Frist von acht Arbeitstagen den völker- und
verfassungsrechtlichen Anforderungen nicht genüge, bringt der Beschwerdeführer
deshalb zu Recht nicht vor (vgl. BGE 142 I 135 E. 3).
2.2.
Soweit die Eingabe des Beschwerdeführers vom 7. Juni 2022 als
Haftentlassungsgesuch im Sinn von Art. 80a Abs. 4 AIG zu behandeln war, ist die Frist
von acht Arbeitstagen offenkundig eingehalten: Das Gesuch ging am Mittwoch, 8. Juni
2022 bei der Vorinstanz ein. Selbst unter Einbezug des Tages des Eingangs hat die
Vorinstanz mit dem Entscheid vom Dienstag, 14. Juni 2022 die maximal zulässige Frist
nicht ausgeschöpft.
War die Eingabe als Gesuch um Überprüfung der Haftanordnung zu behandeln, hat
sich die Frist zu dessen Bearbeitung nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
nicht an den acht Arbeitstagen für ein Entlassungsgesuch, sondern an den 96 Stunden
von Art. 80 Abs. 2 AIG zu orientieren, wobei sich die zulässige Verfahrensdauer nach
den Umständen des Einzelfalls richten, aber nicht deutlich länger als 96 Stunden sein
soll (vgl. BGer 2C_620/2021 vom 14. September 2021 E. 3.1.2 mit Hinweis auf BGE
142 I 135 E. 3.1). Zwar hat das Verfahren sieben Tage, was 168 Stunden entspricht,
2.3.
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3.
gedauert. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass die Anordnung der Dublin-Haft,
anders als die Anordnung der übrigen ausländerrechtlichen Administrativhaften, nicht
von Amtes wegen anlässlich einer mündlichen Verhandlung richterlich überprüft wird,
sondern die betroffene Person das Verfahren mit einem schriftlichen Gesuch in Gang
setzt und in einem schriftlichen Verfahren nach einem Schriftenwechsel darüber
entschieden wird. Vorliegend hat der Beschwerdeführer, der sich bereits seit 7. Mai
2022 in Dublin-Haft befand (act. 7/2.1), dem Verein AsyLex die Vollmacht zur
vollumfänglichen Vertretung im asyl- und ausländerrechtlichen Verfahren am 20. Mai
2022 ausgestellt (act. 7/2.2). Die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers hat sich
damit zur Ingangsetzung des Verfahrens zur Überprüfung der Haftanordnung mit der
Einreichung der Eingabe vom 7. Juni 2022 ihrerseits selbst einige Tage Zeit gelassen.
Die Vorinstanz hat am Tag des Eingangs der Eingabe, am Mittwoch, 8. Juni 2022, das
Migrationsamt zur Einreichung von Akten und Vernehmlassung eine Frist von zwei
Tagen bis Freitag, 10. Juni 2022, 09.00 Uhr, angesetzt. Vernehmlassung und Akten
wurden am 10. Juni 2022 an die Rechtsvertretung des Beschwerdeführers gesandt mit
der Möglichkeit, dazu bis Dienstag, 14. Juni 2022. 09.00 Uhr Stellung zu nehmen.
Davon hat die Rechtsvertreterin mit elektronischer Eingabe vom Montag, 13. Juni 2022
Gebrauch gemacht (act. 7/7, Zeitpunkt des Eingangs nicht aktenkundig). Die
Einzelrichterin entschied über die Angelegenheit am darauffolgenden Tag. Der
schriftlich begründete Entscheid wurde noch gleichentags versandt. In Stunden
bemessen hat das Verfahren, insbesondere, weil es sich über ein Wochenende
erstreckte, zwar mehr als 96 Stunden, jedoch deutlich weniger als acht Arbeitstage
gedauert.
Unter Berücksichtigung, dass das Verfahren – wie von Art. 80a Abs. 3 und 4 AIG
vorgesehen – schriftlich geführt wurde und zwischen Eingang und schriftlich
begründetem Entscheid ein Wochenende lag, hat die Vorinstanz die völker- und
verfassungsrechtlichen Ansprüche des Beschwerdeführers auf richterliche Beurteilung
der Haft "so rasch als möglich" gemäss Art. 31 Abs. 4 BV beziehungsweise "innerhalb
kurzer Frist" gemäss Art. 5 Ziff. 4 EMRK nicht verletzt.
Der Beschwerdeführer macht geltend, es seien nicht alle Voraussetzungen für die
Anordnung der Dublin-Haft erfüllt. Es reiche nicht, auf einem Formular die gesetzlichen
Haftgründe anzukreuzen. Die im Gesetz aufgelisteten Katalogtaten vermöchten keine
erhebliche Untertauchensgefahr zu begründen. Die Vorinstanz habe sich mit den
3.1.
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aktuellen Umständen nicht konkret auseinandergesetzt und nicht ansatzweise erklärt,
weshalb eine erhebliche Fluchtgefahr vorliegen solle. Der Beschwerdeführer bringt vor,
er habe sich seit seiner Einreise in die Schweiz kooperativ verhalten, den Behörden
b[e]reitwillig und glaubhaft Auskunft über seine Lebensgeschichte wie auch den Grund
seiner geplanten Durchreise durch die Schweiz gegeben. Er habe in der Schweiz nie
einen Asylantrag stellen wollen und der Polizei gegenüber versichert, er sei bereit, nach
Österreich zurückzukehren. Als ultima ratio sei die Haft nur zulässig, wenn sie das in
sachlicher, zeitlicher und persönlicher Hinsicht mildeste Mittel darstelle, mit dem der
gesetzliche Zweck einer Sicherstellung des Wegweisungsvollzugs gerade noch erreicht
werden könne. Die Vorinstanz habe Haftalternativen nicht ernstlich geprüft. Inwiefern
die Inhaftierung eines Mannes, der die Schweiz lediglich habe passieren wollen, um
sich in Frankreich medizinisch behandeln zu lassen, erforderlich sei, um seine Ausreise
sicherzustellen, lasse sich kaum erklären. Der Beschwerdeführer macht schliesslich
geltend, mangels adäquater medizinischer und ärztlicher Behandlung seiner
Prostataerkrankung sei die Haft unverhältnismässig.
Die zuständige Behörde kann gestützt auf Art. 76a Abs. 1 AIG eine im Dublin-Verfahren
ausgewiesene Person zur Sicherstellung der Wegweisung in den für das Asylverfahren
zuständigen Dublin-Staat in Haft nehmen, wenn im Einzelfall konkrete Anzeichen
befürchten lassen, dass die Person sich der Durchführung der Wegweisung entziehen
will (lit. a, "erhebliche Fluchtgefahr"), die Haft verhältnismässig ist (lit. b) und sich
weniger einschneidende Massnahmen nicht wirksam anwenden lassen (lit. c). Die
Bestimmung setzt inhaltlich Art. 28 Abs. 2 der Verordnung (EU) Nr. 604/2013 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 26. Juni 2013 zur Festlegung der
Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines
von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten
Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist (ABl. L 180 vom 29. Juni 2013 S. 31 ff.;
Dublin-III-Verordnung) um (vgl. BGer 2C_199/2018 vom 9. Juli 2018 E. 4.1 mit
Hinweisen).
Art. 76a Abs. 2 AIG umschreibt die konkreten Anzeichen, welche befürchten lassen, die
betroffene Person wolle sich der Durchführung der Wegweisung entziehen. Dies ist
insbesondere dann der Fall, wenn ihr Verhalten in der Schweiz oder im Ausland darauf
schliessen lässt, dass sie sich behördlichen Anordnungen widersetzen werde (lit. b).
Dieser Haftgrund setzt nicht voraus, dass die betroffene Person im Asyl- oder
Wegweisungsverfahren Anordnungen der Behörden missachtet hat (lit. a, e contrario).
Allein der Hinweis, der Beschwerdeführer habe sich bisher den schweizerischen
3.2.
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Behörden gegenüber kooperativ verhalten, schliesst deshalb nicht aus, dass – andere –
konkrete Anzeichen eine Fluchtgefahr befürchten lassen. Als Fluchtgefahr bezeichnet
Art. 2 Ingress und lit. n der Dublin-III-Verordnung das Vorliegen von Gründen im
Einzelfall, die auf objektiven, gesetzlich festgelegten Kriterien beruhen und zu der
Annahme Anlass geben, dass ein Gesuchsteller gegen den ein Überstellungsverfahren
läuft, sich diesem durch Flucht entziehen könnte. Der Beschwerdeführer macht nicht
geltend, Art. 76a Abs. 2 AIG setze den Haftgrund der "erheblichen Fluchtgefahr" in
einer Art. 28 Abs. 2 der Dublin-III-Verordnung nicht gerecht werdenden Weise um (vgl.
dazu BGer 2C_199/2018 vom 9. Juli 2018 E. 3.2.).
3.3.
Im Juni 2016 reiste der Beschwerdeführer unerlaubt und ohne erforderliche
Einreisedokumente in die Bundesrepublik Deutschland ein, wo er im September 2016
erfolglos um Asyl ersuchte. Der mit der Abschiebeandrohung vom 28. November 2017
verbundenen Ausreisepflicht kam er nicht freiwillig nach. In Deutschland trat er
namentlich wegen Diebstahls, Erschleichens von Leistungen, unerlaubten Erwerbs von
Betäubungsmitteln sowie Besitzes und Führens einer verbotenen Waffe strafrechtlich in
Erscheinung. Am 10. April 2019 wurde er nach Tunesien abgeschoben. In diesem
Zeitpunkt waren Ermittlungsverfahren gegen ihn wegen vorsätzlichen Besitzes einer
verbotenen Waffe, Bedrohung und Diebstahl/Hehlerei hängig. Die zuständigen
deutschen Behörden auferlegten ihm im September 2021 ein Einreise- und
Aufenthaltsverbot für die Dauer von fünf Jahren (vgl. act. 7/5 Seite 7). Seinen eigenen
Angaben zufolge verliess der Beschwerdeführer im Jahr 2022 Tunesien
krankheitsbedingt wieder und gelangte via Türkei, Serbien und Ungarn nach Österreich
mit dem Ziel, seine Krankheit bei einem ihm bekannten Arzt in Frankreich behandeln zu
lassen. Dort habe er auch ganz nahe Bekannte und Kollegen. Den tunesischen
Reisepass habe er verloren. Es sei ihm nur bekannt gewesen, dass er im Anschluss an
seine Ausschaffung während dreissig Monaten nicht nach Deutschland zurückkehren
dürfe (vgl. act. 7/5 Seiten 9/10). Bevor der Beschwerdeführer illegal ohne Reisepass
und Visum in die Schweiz einreiste, hielt er sich seinen eigenen Angaben zufolge
während zehn Tagen in Wien (Österreich) auf, wo er um Asyl ersuchte. In der
polizeilichen Befragung gab er allerdings auch an, er habe sich in Strassburg
(Frankreich) aufgehalten. Zu seinem Namen, zu seinem Geburtsdatum und zu seiner
Herkunft (Tunesien, Libyen, Nordkorea) liegen sodann unterschiedliche Angaben vor
(act. 7/5 Seite 4).
3.3.1.
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Der Beschwerdeführer hat im Jahr 2016 erfolglos in Deutschland um Asyl ersucht. In
Deutschland wurde er auch mehrfach straffällig. Der Verpflichtung, Deutschland zu
verlassen und in seine Heimat zurückzukehren, kam er nicht freiwillig nach. Nach seiner
Ausschaffung im Jahr 2019 nach Tunesien kehrte er im Jahr 2022 illegal nach Europa
zurück. Seine Schilderung des Reisewegs erscheint inkonsistent. Dass er von
Strassburg in Frankreich nach Wien gereist sein soll, obwohl der Arzt, der seine
Prostataerkrankung behandeln soll, angeblich in Frankreich lebt, erscheint kaum
nachvollziehbar. Trotz hängigen Asylverfahrens in Österreich reiste er sodann ohne
Reisepass und Visum in die Schweiz ein. Damit liegen hinreichend konkrete Anzeichen
dafür vor, dass er sich den behördlichen Anordnungen im Hinblick auf den
anstehenden Vollzug der Wegweisung im Dublin-Verfahren nach Österreich ohne
ausreichende Zwangsmassnahme widersetzt hätte.
Die Haft ist durch das öffentliche Interesse an der Durchsetzung des europäischen
Dublin-Systems, das mehrfache Asylanträge in verschiedenen Mitgliedstaaten
vermeiden soll, gerechtfertigt und auch verhältnismässig. Sie ist zur Durchsetzung
dieses öffentlichen Interesses geeignet und erforderlich. Insbesondere ist die vom
Beschwerdeführer in Betracht gezogene mildere Massnahme – Meldepflicht bei der
Ausreise aus der Schweiz nach Österreich – unzureichend, zumal der
Beschwerdeführer in der Schweiz keinen möglichen Aufenthaltsort bezeichnet hat und
in erster Linie nach Frankreich gelangen möchte, weil dort nahe Bekannte und Freunde
sowie der Arzt, bei dem er sich behandeln lassen will, leben sollen. Wie er dies ohne
Papiere und Visum legal tun könnte, ist nicht ersichtlich. Die Schweiz aber darf nicht
bewusst zu einer illegalen Einreise in einen benachbarten Schengen-Staat Hand bieten
(vgl. BGer 2C_205/2007 vom 1. Juni 2007 E. 3.3, 2C_71/2008 vom 29. Januar 2008
E. 2.3). Unter diesen Umständen liessen sich weniger einschneidende Massnahmen im
Sinn von Art. 76a Abs. 1 Ingress und lit. c AIG nicht wirksam anwenden, ohne den
Haftzweck zu gefährden. Der Beschwerdeführer stellt – zu Recht – die medizinische
und ärztliche Betreuung im Ausschaffungsgefängnis Bazenheid nicht grundsätzlich in
Frage. Auch wenn sie nicht in erster Linie von Fachärzten oder Fachärztinnen
wahrgenommen wird, garantiert sie bei entsprechender Einschätzung durch den
Gefängnisarzt auch eine spezialärztliche Untersuchung und Behandlung durch einen
Urologen oder eine Urologin. Die Haft erweist sich deshalb auch mit Blick auf die
medizinische Versorgung als verhältnismässig im Sinn von Art. 76a Abs. 1 Ingress lit. b
AIG.
3.3.2.
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4.
In der Beschwerde werden die Haftbedingungen im Ausschaffungsgefängnis
Bazenheid beanstandet. Das Trennungsgebot werde nicht eingehalten. Die Haftanstalt
sei bis vor zehn Jahren ein Gefängnis für die Strafhaft und die Räumlichkeiten gerade
nicht auf das Regime der Ausschaffungshaft, die keiner Gefängnisumgebung
gleichkommen dürfe, ausgerichtet gewesen. Das habe die Nationale Kommission zur
Verhütung von Folter bereits im Jahr 2016 festgestellt. Neueren Medienberichten sei zu
entnehmen, dass die Haftbedingungen keineswegs besser geworden seien. Wenn die
Vorinstanz erwähne, der Beschwerdeführer habe grundsätzlich die Möglichkeit, Briefe
zu schreiben, sei daraus zu schliessen, dass er keinen Zugang zum Internet erhalte und
keine Möglichkeit habe, online zu kommunizieren. Der Anspruch auf soziale Kontakte
innerhalb wie auch ausserhalb des Gefängnisses werde damit mindestens in
zweifacher Hinsicht verletzt. Wie die Vorinstanz zum Schluss komme, die medizinische
Versorgung sei gewährleistet, führe sie nicht aus. – Das Migrationsamt hat sich zu den
Haftbedingungen nicht geäussert. Sie hat die Haftbedingungen, wie sie in der
Beschwerde konkret umschrieben werden, nicht bestritten. Die Durchführung des vom
Beschwerdeführer beantragten Augenscheins erübrigt sich deshalb.
4.1.
Nach Art. 81 Abs. 2 AIG (in der seit 1. Juni 2019 in Kraft stehenden Fassung; AS 2019
S. 1413) ist die ausländerrechtliche Administrativhaft in Hafteinrichtungen zu vollziehen,
die dem Vollzug der Vorbereitungs-, Ausschaffungs- und Durchsetzungshaft dienen; ist
dies insbesondere aus Kapazitätsgründen in Ausnahmefällen nicht möglich, so sind die
inhaftierten Ausländerinnen und Ausländer gesondert von Personen in
Untersuchungshaft oder im Strafvollzug unterzubringen. Art. 81 Abs. 4 AIG verweist für
die Rückführungen in einen Drittstaat (lit. a) und für Dublin-Überstellungen (lit. b) auf
das einschlägige europäische Recht.
Für Dublin-Überstellungen verweist Art. 28 Abs. 4 der Dublin-III-Verordnung seinerseits
auf Art. 9, 10 und 11 der Richtlinie 2013/33/EU. Danach sind die inhaftierten Personen
in speziellen Hafteinrichtungen oder zumindest von den gewöhnlichen Strafgefangenen
getrennt unterzubringen (Art. 10 Ziff. 1); sie müssen die Möglichkeit haben, sich an der
frischen Luft aufzuhalten (Art. 10 Ziff. 2), mit Personen des UNHCR oder in deren
Auftrag tätiger Organisationen sowie mit Familienangehörigen, Rechtsbeistand oder
Berater und bestimmten weiteren Personen Verbindung aufzunehmen und sie als
Besucher zu empfangen (Art. 10 Ziff. 3 und 4) und haben Anspruch auf systematische
4.2.
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Informationen zu den in der Einrichtung geltenden Regeln (Art. 10 Ziff. 5). Schliesslich
ist die Gesundheit, auch die psychische Gesundheit, der inhaftierten Personen ein
vorrangiges Anliegen der nationalen Behörden, wobei die Mitgliedstaaten dafür sorgen,
dass regelmässige Überprüfungen stattfinden, die inhaftierten Personen in
angemessener Weise unterstützt werden und ihrer besonderen Situation einschliesslich
ihrer Gesundheit Rechnung getragen wird (Art. 11 Ziff. 1).
Auch das europäische Recht geht davon aus, dass einerseits in Mitgliedstaaten
besondere Hafteinrichtungen unter Umständen fehlen können – in diesen Fällen
müssen die in Haft genommenen Drittstaatsangehörigen gesondert von den
gewöhnlichen Strafgefangenen untergebracht werden – und anderseits in Haft
genommenen Drittstaatsangehörigen auf Wunsch gestattet wird, zu gegebener Zeit mit
Rechtsvertretern, Familienangehörigen und den zuständigen Konsularbehörden
Kontakt aufzunehmen (vgl. Urteil des EuGH C-519/20 vom 10. März 2022 Rz. 5 zum
entsprechenden Art. 16 der Richtlinie 2008/115/EG). Rechtsvorschriften, die
Ausnahmen von diesem Grundsatz der Trennung von Strafvollzug und
ausländerrechtlicher Administrativhaft vorsehen, sind selbst dann zulässig, wenn nicht
ausgeschlossen ist, dass in dem Zeitraum, in dem auf die Ausnahme zurückgegriffen
wird, in bestimmten speziellen Einrichtungen für den Vollzug der Abschiebehaft
vorübergehend Plätze verfügbar sind (vgl. Urteil des EuGH C-519/20 vom 10. März
2022 Rz. 78). Personen in ausländerrechtlicher Haft werden gemäss Art. 2 Abs. 2 der
Verordnung über die Gefängnisse und Vollzugsanstalten (sGS 962.14) getrennt von
Gefangenen anderer Haftarten untergebracht und erhalten im Rahmen der
Hausordnung Gelegenheit für soziale Kontakte und gemeinschaftliche Aktivitäten; im
Übrigen werden die Vorschriften der Verordnung sachgemäss angewendet.
4.3.
Das Gefängnis Bazenheid war zwar bei seiner Errichtung auf den Vollzug der
Untersuchungshaft ausgerichtet. Zu berücksichtigen ist, dass der Vollzug der
Untersuchungshaft – anders als der Vollzug von Freiheitsstrafen – dem Grundsatz der
Unschuldsvermutung Rechnung tragen muss. Insoweit ergeben sich hinsichtlich der
Anforderungen an die Haftbedingungen Parallelen zur ausländerrechtlichen
Administrativhaft. Dass der Zweck der letzteren im Vergleich zu jenem der ersteren ein
freiheitlicheres Regime zulässt, ist unbestritten. Das hat bei der Umnutzung zu
entsprechenden baulichen Massnahmen geführt (vgl. Tagblatt vom 1. November 2018;
www.tagblatt.ch). Die wesentliche Voraussetzung des Vollzugs der
4.3.1.
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ausländerrechtlichen Haft in einer separaten dafür vorgesehenen Hafteinrichtung ist
erfüllt. Im Gefängnis in Bazenheid werden nebst der ausländerrechtlichen
Administrativhaft – unbestrittenermassen – keine auf anderen Rechtgründen
beruhenden Freiheitsentzüge vollzogen.
Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer gegenüber der
Gefängnisleitung oder gegenüber dem Migrationsamt die Haftbedingungen
beanstandet hätte oder von ihm konkret geltend gemachte Ansprüche abschlägig
beantwortet worden wären. Auch in der Beschwerde wird nicht geltend gemacht, es
fehle an der Möglichkeit, sich an der frischen Luft aufzuhalten, Verbindungen zu
Vertretern des UNHCR, Familienangehörigen, Rechtsbeistand oder Beratern
aufzunehmen und deren Besuch zu empfangen oder an der genügenden Erfüllung des
Informationsanspruchs gemäss Art. 10 Ziff. 2-5 der Richtlinie 2013/33/EU.
Die Haftbedingungen im Ausschaffungsgefängnis Bazenheid sind gemäss Aussagen
eines Betroffenen in einem parallelen Verfahren B 2022/122 mit der nämlichen
Rechtsvertreterin spürbar weniger einschränkend als jene im Strafvollzug. Sie können
allerdings je nach Zusammensetzung der Insassengemeinschaft, der Herkunftsländer
der Insassen und der Belegung nicht immer gleich offen ausgestaltet werden (vgl.
Stellungnahme der Regierung des Kantons St. Gallen vom 18. Mai 2016 zu Ziffer 23
des Berichts der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter [NKVF] über ihren
Besuch vom 5./6. Oktober 2015 in den Gefängnissen der Kantonspolizei St. Gallen;
www.nkvf.admin.ch Publikationen/Berichte der Kontrollbesuche). Dass die baulichen
Voraussetzungen und die personelle Ausstattung der Gefängnisse es zurzeit nicht
zulassen, den Gefangenen überall Beschäftigungs-, Sport- und Freizeitmöglichkeiten
und grosszügige Aussenkontakte zu bieten (vgl. Stellungnahme zu Ziffer 22 des
Berichts), ist auf die überkommene st. gallische Struktur des Vollzugs
freiheitsentziehender Massnahmen in zahlreichen kleineren Einrichtungen
zurückzuführen. Regierung, Parlament und Volk des Kantons St. Gallen haben deshalb
erkannt, dass eine weitergehende Zentralisierung der Vollzugseinrichtungen
erforderlich ist und in der Volksabstimmung vom 25. November 2018 den
Kantonsratsbeschluss über die Erweiterung und Erneuerung des Regionalgefängnisses
und der Staatsanwaltschaft Altstätten zugestimmt (vgl. zum Stand der Umsetzung
Geschäft Nr. 33.21.02, dazu insbesondere Kantonsratsbeschluss über einen
Nachtragskredit betreffend Altlastensanierung im Zusammenhang mit der Erweiterung
und Erneuerung des Regionalgefängnisses und der Staatsanwaltschaft Altstätten,
4.3.2.
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5. Zusammenfassung
Zusammenfassend erweisen sich die Rügen hinsichtlich der Verletzung der
grundrechtlich gebotenen Entscheidfrist, des Haftgrundes, der Erfüllung der
Botschaft und Entwurf der Regierung vom 26. Oktober 2021. www.ratsinfo.sg.ch).
Die ärztliche und medizinische Versorgung ist im Ausschaffungsgefängnis
gewährleistet (vgl. dazu konkret für den Beschwerdeführer oben Erwägung 3.3.2).
Hinsichtlich der Möglichkeit sozialer Kontakte zwischen den Mitinsassen und der
Freizeitangebote dürfen Einschränkungen über den Haftzweck hinausgehen, wenn sie
zur Aufrechterhaltung des ordnungsgemässen Anstaltsbetriebs notwendig sind (vgl.
BGE 124 I 203 E. 2b, 122 I 222). Die Gewährleistung der Möglichkeit sportlicher
Betätigung und offener Zellen während längerer Zeit setzt voraus, dass die damit
erforderliche Betreuung der Insassen personell gewährleistet werden kann. Im oben
erwähnten parallelen Verfahren B 2022/122 schilderte jener Betroffene, seine Kontakte
zu den Mitinsassen seien nicht gut. Sind die Beziehungen zwischen den Häftlingen
angespannt, setzt dies einen erhöhten personellen Aufwand voraus und führt deshalb
gezwungenermassen zu längeren Einschliessungszeiten und dazu, dass der
Beschwerdeführer auch die Zeit, in welcher die Zellen geöffnet sind, als unbefriedigend
empfindet, weil weder ruhige Gespräche zustande kommen noch sich Gelegenheiten
für Gesellschaftsspiele ergeben. Der Beschwerdeführer macht nicht geltend, der
Zugang zu Zeitungen und Büchern oder der Empfang von Besuchen seien ihm
verwehrt worden. Den allgemeinen Anspruch auf Beschäftigung in der
ausländerrechtlichen Administrativhaft gemäss Art. 81 Abs. 2 Satz 3 AIG (in der
Fassung vom 16. Dezember 2005, AS 2007 S. 5437) hat der Gesetzgeber per
1. Dezember 2014 ersatzlos gestrichen (vgl. AS 2013 S. 4375 ff. S. 4390).
Damit ergibt sich hinsichtlich der Haftbedingungen zusammenfassend, dass die
Unterbringung des Beschwerdeführers im Ausschaffungsgefängnis Bazenheid den
Grundsatz der Trennung von Straf- und Untersuchungsgefangenen einhält. Das
Regime ist freier ausgestaltet als im Strafvollzug und in der Untersuchungshaft. Es
genügt insgesamt den Mindestanforderungen, welche der Vollzug der
ausländerrechtlichen Administrativhaft erfüllen muss. Soweit es als restriktiv – keine
Möglichkeit für Sport und Beschäftigung – erscheint, ist es durch die bestehenden,
jedoch in Anpassung stehenden st. gallischen Gefängnisstrukturen bedingt und die
Aufrechterhaltung eines ordnungsgemässen Anstaltsbetriebs bedingt. Es ist davon
auszugehen, dass Lockerungen zumindest teilweise – wie beispielsweise die
Verkürzung der Einschliesszeiten und Bewegungsfreiheit im Zellentrakt – bei
zuverlässig kooperativem Verhalten der Insassen möglich sind.
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Mindestanforderungen an die Haftbedingungen und der unzureichenden medizinischen
Versorgung als unbegründet. Die Beschwerde ist dementsprechend abzuweisen.
6. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 1'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 97
VRP). Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege kann dementsprechend als gegenstandslos geworden abgeschrieben
werden.
Der Beschwerdeführer unterliegt und hat deshalb keinen Anspruch auf die
Entschädigung ausseramtlicher Kosten (vgl. Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP; A.
Linder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege,
Praxiskommentar, St. Gallen 2020, N 16 zu Art. 98 VRP). Der Beschwerdeführer ist
offenkundig prozessual bedürftig. Die Streitsache hat zudem in materiellrechtlicher
Hinsicht Fragen aufgeworfen, welche die vom Beschwerdeführer erhobenen Rügen
nicht als aussichtslos erscheinen liessen. Dem Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung im Beschwerdeverfahren ist deshalb zu entsprechen.
Rechtsanwältin Sonja Comte, Zürich, die im Beschwerdeverfahren als
Rechtsvertreterin aufgetreten ist, ist im Anwaltsregister des Kantons Zürich
eingetragen, jedoch beim Verein AsyLex, einer gemeinnützigen Organisation, angestellt
(vgl. gerichte-zh.ch). Ihre Tätigkeit der Parteivertretung ist deshalb strikte auf Mandate
im Rahmen des von der Organisation verfolgten Zwecks beschränkt (vgl. Art. 8 Abs. 2
des Bundesgesetzes über die Freizügigkeit der Anwältinnen und Anwälte; SR 935.61,
BGFA). AsyLex unterstützt Asylsuchende in ihrem Verfahren mit unentgeltlicher
rechtlicher Beratung (vgl. www.asylex.ch Über AsyLex). Der Beschwerdeführer muss
die Schweiz verlassen und nach Österreich ausreisen, weil dort sein Asylgesuch hängig
ist. Rechtsanwältin Sonja Comte, Zürich, kann deshalb als unentgeltliche
Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers eingesetzt werden. Zuständig ist der
verfahrensleitende Abteilungspräsident (vgl. Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit
Art. 119 Abs. 3 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung, SR
272, und Art. 6 Abs. 1 Ingress und lit. a des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen
Zivilprozessordnung, sGS 961.2; Art. 6 Abs. 2 des Reglements über die Organisation
und den Geschäftsgang des Verwaltungsgerichts; sGS 941.22).
Die Rechtsbeiständin des Beschwerdeführers reichte dem Gericht am 21. Juli 2022
eine Honorarnote über CHF 1'663.20 zuzüglich Barauslagen von CHF 24.80 (ohne
bis
bis
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Mehrwertsteuer) ein. Im Verfahren vor Verwaltungsgericht wird ein Pauschalhonorar
zugesprochen Die Rechtsbeiständin ist mit einem pauschalen Honorar von CHF 2'000
(vgl. Art. 19, Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. b HonO), das bei unentgeltlicher
Prozessführung um einen Fünftel auf CHF 1'600 herabzusetzen ist (vgl. Art. 31 Abs. 3
des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG), zu entschädigen. Hinzu kommen
Barauslagen von CHF 80 (pauschal vier Prozent von CHF 2'000; Art. 28 HonO).
Mangels Antrags ist die Mehrwertsteuer nicht hinzuzurechnen (Art. 29 HonO). Die
Rechtsvertreterin darf von ihrem Mandanten kein zusätzliches Honorar fordern
(Art. 11 HonO). Der Beschwerdeführer ist zur Nachzahlung der Kosten aus
unentgeltlicher Rechtspflege und Rechtsverbeiständung an den Staat verpflichtet,
sobald er dazu in der Lage ist (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 123 Abs. 1
ZPO).