# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 68bf61a6-a519-44ec-83cf-0f60ab0c7f3e
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2007
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A.a. X. wurde am 8. Februar 1962 in A. geboren und wuchs als Einzelkind bei seinen Eltern in geordneten Familienverhältnissen auf. Der Vater arbeitete als Bauleiter, die Mutter war Hausfrau. In A. besuchte X. sechs Jahre die Primarschule und anschliessend 5 1⁄2 Jahre das Gymnasium, Typus B, an der Kantonsschule. In der Folge absolvierte er im Kinderheim B. in A. ein Praktikum und im Anschluss daran hatte er diverse kurzzeitige Anstellungen inne. Im Sommer 1983 absolvierte X. in C. die Rekrutenschule. Nachher hielt er sich bei seinen Eltern in D. auf. Im Jahre 1984 befand er sich im Strafvollzug. Nach der Entlassung ging er nur noch zeitweise einer Tätigkeit nach, wobei er unter anderem als Korrektor bei der “E.“ arbeitete. Wegen eines Rückenleidens kann er seit einigen Jahren nicht mehr arbeiten. Er bezieht eine monatliche IV-Rente von Fr. 2'500.--. X. ist ledig und hat keine Unterhaltspflichten; aus dem Betreibungsregister-Auszug ergibt sich, dass X. Betreibungen und im Zeitraum 2001 bis 2006 drei Verlustscheine in Höhe von Fr. 5'157.95 aufweist.
b. X. ist im schweizerischen Strafregister mit folgenden 4 Vorstrafen verzeichnet:
1) 17.11.1983 Kreisgericht Chur Unzucht mit Kindern etc., 15 Monate Gefängnis bedingt, Probezeit 3 Jahre, widerrufen am 14.06.1984;
2) 14.06.1984 Kreisgericht Chur Unzucht mit Kindern etc., 5 Monate Gefängnis unbedingt;
3) 15.12.1993 Kantonsgerichtsausschuss Graubünden Unzucht mit Kindern etc., 10 Monate Gefängnis bedingt, Probezeit 4 Jahre;
4) 27.03.2003 Kreispräsident Chur Versuchte sexuelle Handlungen mit Kindern, 3 Monate Gefängnis, Probezeit 2 Jahre, ambulante Massnahme.
In den letzten fünf Jahren vor den hier zur Diskussion stehenden Taten befand sich X. nicht im Strafvollzug.
c. Bereits im Rahmen früherer Verfehlungen war der Berufungskläger psychiatrisch begutachtet worden. So im Februar 2003 und im August 1992 durch Dr. med. P. sowie im April 1984 durch Dr. med. Q. und im Dezember 1982 durch Dr. med. R.. Auch im vorliegenden Verfahren wurde X. psychiatrisch begutachtet. Dr. med. U. von der Psychiatrischen Klinik Beverin kommt in seinem Gutachten vom
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21. Februar 2006 im Wesentlichen zu folgenden Schlüssen: X. leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend ängstlich-vermeidenden, aber auch schizoiden und narzisstischen Zügen. Diese Persönlichkeitsstörung entspreche einer mangelhaften geistigen Entwicklung im Sinne von Art. 11 StGB, wobei die Zurechnungsfähigkeit höchstens leichtgradig vermindert gewesen sei. X. sei gefährlich und es bestehe eine hohe Rückfallsgefahr. Um diese Rückfallsgefahr zu vermindern, sei eine stationäre Massnahme im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB notwendig. Eine ambulante Massnahme sei aufgrund der gefestigten Charaktereigenschaften von X. wenig erfolgsversprechend.
d. Am 13. Juli 2006 – und nachdem der Berufungskläger seine behandelnden Ärzte von der Schweigepflicht entbunden hatte – lieferte Dr. med. U. einen ergänzenden Bericht zum Gutachten ab. Darin stellt er zusätzlich die Diagnose der Störung der Sexualpräferenz, zu welcher eine Vielzahl relativ ungewöhnlicher sexueller Präferenzen und Aktivitäten wie z.B. obszöne Telefonanrufe zu zählen seien. Sodann schreibt Dr. med. U., dass die bei X. vorliegende Schmerzproblematik als Ventilfunktion für sein Verhalten angesehen werden könne. Wie bereits im Gutachten festgehalten, bestünden nach wie vor gewisse Zweifel an der grundsätzlichen Therapiefähigkeit des Berufungsklägers. Eine gegen seinen Willen angeordnete stationäre Behandlung würde die Therapiechancen weiter verschlechtern.
B. Am 15. November 2005 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden gegen X. eine Strafuntersuchung wegen sexuellen Handlungen mit Kindern etc. und beauftragte das Untersuchungsrichteramt Chur mit deren Durchführung. Die Schlussverfügung erging am 21. April 2006. Mit Verfügung vom 8. August 2006 wurde X. wegen sexueller Belästigung gemäss Art. 198 StGB, mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie wegen unvollendeten Versuchs von sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 21 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 187 Ziff. 1 StGB in Anklagezustand versetzt. Der gestützt auf Art. 346 StGB und Art. 47 StPO zu Handen des Bezirksgerichts Plessur erhobenen Anklage liegt gemäss Anklageschrift vom 8. August 2006 folgender Sachverhalt zu Grunde:
„1. Sexuelle Belästigung gemäss Art. 198 StGB
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Am 15. Mai 2005 [recte: 15. Mai 2004] telefonierte der Angeklagte von D. aus Y., geboren am 26. August 1959, auf deren Festnetzanschluss YY. in F.. Dabei gab er sich als Arzt des Universitätsspitals in F. aus und schwindelte vor, im Auftrag der Krankenkasse eine telefonische Krebskontrolle durchzuführen. Im nachfolgenden Gespräch, das ca. 2 Stunden dauerte, fragte er Y. zunächst über deren allgemeinen Gesundheitszustand und anschliessend über intime und persönliche Details aus, so beispielsweise über die Grösse ihrer Brüste. Gemäss Rapport der Kantonspolizei F. vom 1. Juni 2004 hat Y. Strafantrag wegen sexueller Belästigung gestellt.
2. Mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB
Anlässlich des am 15. Mai 2005 [recte: 15. Mai 2004] mit Y. (vgl. oben Ziffer 1) erfolgten Telefonats brachte der Angeklagte die nichts ahnende Y. dazu, dass diese ihrer 9-jährigen Tochter die Brüste massierte und sie an der Scheide streichelte. Dabei befriedigte der Angeklagte sich selber.
Am 14. Juni 2005, um 14.28 Uhr, telefonierte der Angeklagte von D. aus Z., geboren am 17. Februar 1960, auf deren Festnetzanschluss ZZ.. Dabei gab er sich als Spitalarzt aus und fragte Z. während 25 Minuten unter anderem über Intimitäten ihrer 11-jährigen Tochter T. aus. Weil der Angeklagte wusste, dass T. später allein zu Hause sein wird, telefonierte er am gleichen Tag um 17.34 Uhr erneut auf dieselbe Rufnummer. Nachdem T. den Anruf entgegen genommen hatte, gab er sich als Arzt des Universitätsspitals aus und fragte anschliessend die 11-jährige T. über intime Details aus, beispielsweise darüber, ob sie Tangas trage. Sodann veranlasste er T. sich auszuziehen, sich die Brüste zu massieren, mit dem Finger in ihre Scheide einzudringen und ihm zu beschreiben, was sie dabei fühle. Das Telefonat dauerte 18 Minuten. Dabei befriedigte sich der Angeklagte selber. Zu T. sagte er, dass sie niemandem etwas vom Telefonat erzählen dürfe.
3. Unvollendeter Versuch der sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 21 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 187 Ziff. 1 StGB
Am 21. Juli 2005 telefonierte der Angeklagte um 10.28 Uhr von D. aus auf die Rufnummer VV.. Als die 14-jährige V. abnahm, gab er sich als Frauenarzt deren Mutter aus und fragte V. über deren Intimbereich aus, so beispielsweise, ob sie einen Freund habe, ob sie mit diesem schmuse oder Petting mache, wie gross ihre Brüste seien und ob sie schon ihre Menstruation habe. Der Angeklagte hatte weiter vor, V. dazu anzuhalten, dass sie ihre eigenen Brüste und Scheide streichelt. Dazu kam es nicht mehr, weil das Telefonat beendet wurde.“
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C. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Plessur am 3. Oktober 2006 waren der Berufungskläger in Begleitung seines Rechtsanwaltes sowie der Vertreter der Anklage, Untersuchungsrichter lic. iur. Claudio Riedi, anwesend. Der Anklagevertreter stellte und begründete folgende Anträge:
„1. X. sei schuldig zu sprechen - der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art 187 Ziff.
1 StGB, - des unvollendeten Versuchs der sexuellen Handlungen mit Kindern
gemäss Art. 21 Abs. 1 StGB i.V. mit Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie - der sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 StGB.
2. Dafür sei er mit 10 Monaten Gefängnis zu bestrafen.
3. Es sei eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 letzter Satz StGB anzuordnen.
4. Gesetzliche Kostenfolge.“
Der amtliche Verteidiger beantragte den Freispruch vom Vorwurf der sexuellen Belästigung. Für die mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern sowie für den unvollendeten Versuch der sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB sei X. mit 6 Monaten Gefängnis bedingt mit einer Probezeit von 3 Jahren zu bestrafen. Dem Berufungskläger sei die Weisung zu erteilen, eine Therapie zu absolvieren. Eventualiter sei eine ambulante Massnahme anzuordnen. Sollte eine unbedingte Strafe ausgesprochen werden, so sei der Vollzug zugunsten einer ambulanten Massnahme aufzuschieben. Kostenfolge sei die gesetzliche.
Mit Urteil vom 3. Oktober 2006, gleichentags mündlich eröffnet sowie im Dispositiv mitgeteilt, schriftlich mitgeteilt am 26. Oktober 2006, erkannte das Bezirksgericht Plessur wie folgt:
„1. X. wird vom Vorwurf der sexuellen Belästigung gemäss Art. 198 StGB freigesprochen.
2. X. ist schuldig - der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff.
1 StGB, - des unvollendeten Versuchs der sexuellen Handlungen mit Kindern
gemäss Art. 21 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 187 Ziff. 1 StGB sowie - des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage nach Art. 179septies StGB.
3. Dafür wird X. mit 9 Monaten Gefängnis bestraft.
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4. Es wird eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 letzter Satz StGB angeordnet.
5. Von einem Widerruf der mit Strafmandat des Kreispräsidenten Chur vom 27./31. März 2003 ausgesprochenen Gefängnisstrafe wird abgesehen.
6. Die Kosten des Verfahrens von CHF 14'234.25 (Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 6'584.60, Gerichtsgebühr von CHF 3'000.00 und Honorar der amtlichen Verteidigung von CHF 4'649.65) gehen zu Lasten des Verurteilten und sind innert 30 Tagen auf das PC-Konto -3 des Bezirksgerichtes Plessur zu überweisen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden vorschussweise aus der Gerichtskasse beglichen. Die Kosten des Strafvollzuges gehen zu Lasten des Kantons Graubünden, diejenigen der ambulanten Massnahme gehen zu Lasten von X..

## Considerations