# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c2437dc8-d494-48b9-9748-dbb918063e73
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1964, meldete sich am 22. August 2002 bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1). Die Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom 22. Janu
ar 2003 eine halbe Rente ab Mai 2002 zu (Urk. 7/20).
Mit Verfügung vom 3. Mai 2004 (Urk. 7/45) und Einspracheentscheid vom 26. November 2004 (Urk. 7/56) wies die IV-Stelle ein Erhöhungsgesuch ab,
ebenso mit Verfügung vom 29. Dezember 2006 (Urk. 7/101) das vom Haus
arz
t am 30. Juni 2006 gestellte Gesuch (Urk. 10/82), was vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 28. November 2008 im Verfahren Nr. IV.2007.00177 bestätigt wurde (Urk. 7/108).
Nach Eingang eines Revisionsgesuchs vom 21. März 2009 (Urk. 7/109) holte die IV-Stelle unter anderem ein Gutachten ein, das von den Ärzten der Medas Z._ am 4. November 2009 erstattet und am 7. Juni 2010 über
setzt nachgereicht wurde (Urk. 7/122 = Urk. 3/7, Urk. 7/128). Mit Vorbe
scheid vom 31. Mai 2012 stellte sie die Einstellung der Rente in Aussicht (Urk. 7/170), wogegen die Versicherte am 11. und 19. Juli 2012 Einwände erhob (Urk. 7/173, Urk. 7/174).
Mit Verfügung vom 31. Januar 2013 hielt die IV-Stelle fest, die Versicherte habe weiterhin Anspruch auf eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 57 % (Urk. 7/177 = Urk. 3/8).
1.2
Nach Eingang eines Revisionsgesuchs vom 2. September 2014 (Urk. 7/188 = Urk. 3/3) holte die IV-Stelle unter anderem ein Gutachten ein, das von den A._ am 25. Juni 2015 erstattet sowie am 25. November 2015 und 24. Februar 2016 ergänzt wurde (Urk. 7/205 = Urk. 3/12, Urk. 7/217 = Urk. 3/18, Urk. 7/224 = Urk. 3/26).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 7/209 = Urk. 3/13, Urk. 7/214
= Urk. 3/14, Urk. 7/222 = Urk. 3/21, Urk. 7/226 = Urk. 3/27) wies die IV-Stelle das Erhöhungsgesuch mit Verfügung vom 22. März 2016 ab (Urk. 7/228 = Urk. 2)
2.
Die Versicherte erhob am 3. Mai 2016 gegen die Verfügung vom 22. März 2016 (Urk. 2) Beschwerde und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen, eventuell sei sie erneut medizinisch und beruflich abzuklären (Urk. 1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 17. Juni 2016 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 4. Juli 2016 zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliess
lich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
be
zügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht
nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch
dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich
gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhält
nisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ver
ändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unter
schiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverän
der
t gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
1.3
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sach
ver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begrün
det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
Strittig ist, ob eine revisionsrelevante Verschlechterung eingetreten ist. Die Beschwerdegegnerin verneinte dies gestützt auf das eingeholte
A._
-Gut
achten (
Urk.
7/228 S. 2). Die Beschwerdeführerin bejahte es mit Hinweis auf Stellungnahmen von behandelnder Seite (
Urk.
1 S. 5 ff.).
Zu vergleichen ist der Sachverhalt bei Erlass der vorliegend angefochtenen Verfügung, mit dem Sachverhalt, welcher der Bestätigung der halben Rente im Februar 2013 zugrunde lag, beziehungsweise - da 2013 (wie schon 2006 und 2004) keine relevante Änderung festgestellt wurde - mit demjenigen, welcher der ursprünglichen Verfügung von 2003 zugrunde lag.
3.
3.1
Im Zeitpunkt der Zusprache einer halben Rente mit Verfügung vom 22. Janu
ar 2003 stellte die Beschwerdegegnerin auf den
B
ericht von Dr. med.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, vom 4. Oktober 2002
ab (Urk. 7/11). Dieser erachtete eine Arbeitsunfähigkeit in angestamm
ter Tätigkeit als Haushälterin von 50 % seit 7. Januar 2002 bis auf weiteres als gegeben (lit. B) und nannte folgende Diagnosen (lit.
A):
-
chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom therapierefraktär bei lumbospondylogenem Schmerzsyndrom bei degenerativen Verände
rungen der Lendenwirbelsäule (LWS)
bei L4 bis S1 sowie Bogen
schlussanomalie L5, ausserdem chronisches Zervikothorakalsyndrom; bestehend seit über zehn Jahren
-
chronische Periarthropathia genu rechts, therapierefraktär (Status nach
Arthroskopie, MRI 19. Juni 2001: Partialläsion vorderes Kreuzband); be
stehend seit März 2002
-
chronisches subacromiales Schmerzsyndrom ebenfalls therapiere
frak
tär, bei Impingement-Symptomatik links, Typ II Akromion und Tendini
tis der Supraspinatussehne (MRI 10. Juli 2001); bestehend seit April 2000
Damit im Wesentlichen übereinstimmende Diagnosen nannten Dr. med.
C._
, Klinik
D._
, Rheuma- und Rehabilitationszentrum
,
mit Austritts
bericht vom 17. September 2002 (Urk. 7/12/3-9) sowie Dr. med.
E._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie für Rheumatologie, mit Bericht vom 9. Oktober 2002 (Urk. 7/12/1-2).
Mit Verfügung vom 2
2.
Januar 2003 sprach die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine halbe Rente ab Mai 2002 zu (
Urk.
7/20).
3.2
Im Zeitpunkt des Erlasses eines Einspracheentscheids am 2
6.
November 2004 lagen gemäss den Feststellungen des hiesigen Gerichts im 2008 ergangenen Urteil körperliche Beschwerden vor, welche eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
begründeten. Zudem wurde von einer nicht invalidisierenden Fibromyalgie ausgegangen beziehungsweise - laut Beschwerdegegnerin - einer Schmerz
prob
le
matik, welche „sinngemäss als somatoforme Schmerzüberlagerung“ zu verstehen und vorliegend mangels schwerer, therapiebedürftiger psychischer Störung nicht relevant sei (
Urk.
7/108 S. 13 E. 6.1).
3.3
Am 3
0.
Juni 2006 beantragte
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin, der die Beschwerdeführerin seit 2004 behandelt (
Urk.
7/152/1-4
Ziff.
1.2), „im Auftrag meiner Patientin“ eine Rentenerhöh
ung auf 100
%
(
Urk.
10/82).
Dr. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte
in seinem Bericht vom 2
0.
Juli 2006 (
Urk. 10/84) aus, dass
er die Beschwer
deführerin seit dem 2
0.
September 2005 behandle (lit. D1), nannte als Diag
nose eine angstbetonte depressive und regressive Entwicklung bei einer anhal
tenden somatoformen Schmerzstörung bei einer unsicheren Primärper
sönlichkeit (lit. A), und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
in der angestammten und jeder anderen Tätigkeit seit Behandlungsbeginn (lit. B).
Im Zeitpunkt der Verfügung vom 2
9.
Dezember 2006 war von einer fach
ärztlich diagnostizierten somatoformen Schmerzstörung auszugehen. Bei der
vom behandelnden Psychiater attestierten vollen Arbeitsunfähigkeit war davon
auszugehen, dass dabei auch verschiedenen psychosozialen Ursachen Rech
nung getragen wurde (
Urk.
7/108 S.
13
f. E.
6.3). Die
Prüfung der recht
sprechungsgemäss zu erfüllenden weiteren Kriterien ergab, dass die neu hinzugetretene Diagnose der somatoformen Schmerzstörung sich nicht inva
li
disierend auswirkte, womit keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Verschlechterung des Gesundheitszu
standes der Beschwerdeführerin ausge
wie
sen war (
Urk.
7/108 S. 18 E. 7.3).
4.
4.1
Die Ärzte der Medas
Z._
erstatteten am
4.
November
2009 ein Gut
achten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/122), das am
7.
Juni 2010 übersetzt nachgereicht wurde (
Urk.
7/128).
Sie nannten folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S.
17
Ziff.
5.1):
-
persistierende Depression, in Evolution (ICD-10 F34.1)
-
persistierendes somatoformes Schmerzsyndrom (ICD-10 F45.4)
-
unsichere und ausweichende Persönlichkeit
-
lumbovertebrales Syndrom mit
-
minimen Veränderungen statisch-degenerativen Typs
-
Zervikalgien mit
-
anteriorer Spondylose C3-4
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie eine Gonalgie rechts, einen Status nach Meniskektomie am linken Knie zirka 1996 und einen Verdacht auf Migräne ohne Aura (S. 17
Ziff.
5.2).
Sie führten aus, die Versicherte weise eine Arbeitsfähigkeit von 60
%
als Putzfrau oder Fabrikarbeiterin auf, dies im Sinne einer ganztägigen Präsenz mit reduzierter Leistung (S. 21
Ziff.
7).
Aus rheumatologischer Sicht bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten, aus psychiatrischer Sicht eine solche von 60
%
(S. 22
Ziff.
9).
4.2
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, nannte im von ihm unterzeichneten Bericht vom 2
8.
April 2010 (
Urk.
7/146/1-2) folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronisches lumbovertebrales, intermittierend lumbospondylogenes Syndrom rechts bei mässiger LWS-Degeneration
-
schwere somatoforme Schmerzstörung
-
mittelschwere Depression
-
Pseudohypästhesie der gesamten linken Körperhälfte
Dr.
E._
nannte in seinem Bericht vom 18. November 2010 (Urk. 7/146/4-6
=
Urk.
7/150/2-4 =
Urk.
7/152/18-20) folgende Diagnosen (S. 1):
-
chronische Schmerzkrankheit (primäre Kopfschmerzen, panvertebrales Schmerzsyndrom, generalisiertes weichteilrheumatisches Schmerzsyn
drom, Sakroiliakalgelenks-Syndrom rechts und Gonarthrose links nach
rezidivierenden Patella-Luxationen, partialer Läsion des vorderen Kreuz
bandes und medialer Meniskusläsion)
-
rezidivierende Depressionen, regressive Entwicklung mit fortge
schrit
te
ner Chronifizierung und Fixierung bei narzisstischer Persönlich
keits
störung
-
Unverträglichkeit verschiedenster Medikamente
-
chronische Obstipation mit rezidivierenden Hämorrhoidalproblemen
-
Distorsion des Sprunggelenkes August 2010
-
Meniskusoperation links 1996, Hysterektomie Dezember 2008
4.3
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie des Bewegungsapparates, nannte in seinem Bericht vom 2
4.
Januar 2011 (
Urk.
7/152/16-17) folgende Diagnosen (S. 1 unten):
-
akute Metatarsalgie links
-
Spreizfuss mit Überlastung der Metatarsalia II, III und IV beidseits
-
Hallux valgus beidseits und Pseudoexostose beidseits
-
Fibromyalgia
-
chronisches Lumbovertebralsyndrom (LVS)
-
Gonarthrosen beidseits mit Zustand nach Patellaluxation
-
Adipositas
Er riet von einem operativen Vorgehen ab und empfahl Schuheinlagen (S. 2).
4.4
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.3) nannte in seinem Bericht vom 17. April 2011
(Urk. 7/146/14 = Urk. 7/152/5) die folgenden, hier gekürzt angeführten, Diag
nosen:
-
schwere somatoforme Schmerzstörung
-
akute Metatarsalgie links seit Januar 2011
-
mittelschwere Depression
-
chronische Cephalea
-
chronische Obstipation
-
Belastungsinkontinenz II° seit April 2009
4.5
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, be
richtete am
6.
Mai 2011 über eine erste Kontrolluntersuchung bei Status
nach retropubischer Schlingeneinlage wegen Belastungsinkontinenz am 22. März
2011 (
Urk.
7/152/8-9). Am 1
4.
Juni 2011 berichtete er über eine weitere Ver
laufskontrolle (
Urk.
7/152/6-7).
4.6
Dr. G._
(vorstehend E. 3.3) nannte in seinem Bericht vom 1
3.
Juli 2011 (
Urk.
7/151) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht (
Ziff.
1.1):
-
ICD-10 F60.8 narzisstische Persönlichkeitsstörung
-
ICD-10 F45.4 anhaltende somatoforme Schmerzstörung als schwer
wie
gende psychische Störung, mit Komorbidität mit psychischen und
multiplen chronischen körperlichen Begleiterkrankungen (vgl. Berich
te der Somatiker), mit einem ausgeprägte
n
sozialen Rückzug; wiederholte Behandlungsversuche haben zudem nicht zum Ziel geführt, weil ein therapeutisch nicht mehr angehbarer seelischer Verlauf mit Krank
heits
gewinn vorliegt
Als Behandlung nannte er stützende Gespräche in zirka monatlichen Ab
ständen (
Ziff.
1.5). Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
nunmehr „ganz sicher seit April 2009“ (
Ziff.
1.6).
4.7
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.3) verwies in seinem Bericht vom 14. Juli 2011
(
Urk.
7/152/1-4) auf die im April genannten Diagnosen (vorstehend E.
4.4) und attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
als Haushälterin seit dem
1.
Januar 2011 (
Ziff.
1.6).
4.8
Am 2
8.
September 2011 operierte
Dr. I._
(vorstehend E.
4.5) den Hallux valgus rechts (
Urk.
7/156).
4.9
Gemäss Feststellungsblatt vom 3
1.
März 2011 (
Urk.
7/138) führte
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), am 1
2.
Juli 2010 aus, laut Gutachten der Medas
Z._
bestehe eine Arbeitsfähigkeit global von 60
%
; seit der letzten Beurteilung habe sich der Gesundheitsschaden, auch in seiner Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, nicht verändert (S. 4).
Gemäss Feststellungsblatt vom 3
1.
Mai 2012 (
Urk.
7/168) führte
Dr.
med.
M._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Arbeits
medizin, am 2
8.
Februar 2012 aus, überwiegend wahrscheinlich handle es sich um ein unspezifisches Leiden (im Sinne der Schlussbestimmungen der IV-Revision 6a). Versicherungsmedizinisch gehöre die Diagnose der somato
formen Schmerzstörung zu den entsprechenden Zustandsbildern. Den Akten seien keine objektivierbar
en Befunde zu entnehmen, welche
aus versi
che
rungsmedizinischer Sicht eine dauerhafte Arbeitsfähigkeit begründen könnten
(S. 4).
Mit Vorbescheid vom 3
1.
Mai 2012 stellte die Beschwerdegegnerin der Be
schwerdeführerin die Aufhebung der Rente in Aussicht (
Urk.
7/170), worauf diese unter anderem einwandte, es lägen sehr wohl auch objektivierbare ana
tomische Befunde vor und die Schmerzen hätten eine organische Grundlage (
Urk.
7/173).
4.10
Gemäss Feststellungsblatt vom
1.
Februar 2013 (
Urk.
7/175) kam die Sachbe
arbeitung der Beschwerdegegnerin zum Schluss, die von der Versicherten dargestellte Verschlechterung des Gesundheitszustandes in Form einer soma
to
formen Schmerzstörung wirke sich auch nach erneuter Prüfung der recht
sprechungsgemäss zu erfüllenden Kriterien nicht invalidisierend aus (S.
3 unten).
Mit Verfügung vom 31. Januar 2013 lehnte die Beschwerdegegnerin die bean
tragte Erhöhung der Rente ab und hielt gleichzeitig fest, es bestehe weiterhin Anspruch auf eine halbe Rente (
Urk.
7/177).
5.
5.1
Vom 3. bis 17. April 2014 weilte die Beschwerdeführerin stationär in der Klinik
N._
, wo gemäss Austrittsbericht vom 23. April 2014 (Urk. 7/187/1-4
) eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symp
tome (ICD-10 F32.2) sowie unter anderem eine Fibromyalgie, ein Karpal
tunnel
syndrom rechts, eine chronische Cephalea und eine Gonarthrose beid
seits diagnostiziert wurden (S. 3 unten).
5.2
Dr. F._
(vorstehend E. 4.4) nannte in seinem Bericht vom 2
2.
Mai 2014 (
Urk.
7/187/5-7 =
Urk.
3/10) nunmehr die folgenden, hier gekürzt angeführ
ten Diagnosen (S. 1):
-
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
-
bekannte degenerative Veränderungen
-
rezidivierendes subacromiales Schmerzsyndrom links
-
aktenkundig Verdacht auf leichtes sensibles Karpaltunnelsyndrom rechts
-
Fibromyalgiesyndrom mit schwerer somatoformer Schmerzstörung
-
Fersenschmerz beidseits bei Hallux valgus und Spreizfuss rechts
-
Vitamin D-Mangel substituiert
-
schwere Depression
-
in psychotherapeutischer Behandlung
-
aktuell durch psychosoziale Belastungssituation exazerbiert
-
Belastungsinkontinenz II° seit April 2009
-
chronische Cephalea
-
Varicosisprobleme beider Unterschenkel
Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vom
1.
April bis 3
0.
Juni 2014 (S. 2). Im Begleitschreiben führte er unter anderem aus, aufgrund der neuen Diagnose (einer schweren Depression) scheine ihm eine 100%ige Beren
tung nun angezeigt (S. 1 unten).
5.3
Dr.
O._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und lic. phil.
P._
, Fachtherapeutin FSP, führten in ihrem Bericht vom 3
1.
Mai 2014 (
Urk.
7/187/8-10 =
Urk.
3/11) unter anderem aus, lic. phil.
P._
behandle die Beschwerdeführerin
seit dem 3
0.
August 2008 (S. 1 Mitte). Sie würden sich der in der Klinik
N._
gestellten Diagnose an
schliessen beziehungsweise eine depressive Störung,
zurzeit mittelgradige bis insbesondere schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome, Ten
denz, Belastungen zu vermeiden, diagnostizieren. Als Differentialdiagnose sei eine Persönlichkeitsstörung vom paranoiden Typus (ICD-10 F60.0) zu erwä
gen (S. 2 unten). Die Versicherte sei aufgrund der zunehmend schwereren psychischen Krankheit bis auf weiteres, wahrscheinlich dauernd, zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 3 oben).
5.4
Am 2
5.
Juni 2015 erstatteten die Ärzte des
A._
ein Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
7/205 =
Urk.
3/12). Sie stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben der Versicherten (S. 27 ff.), und die im Rahmen der Untersuchungen vom 1
3.
bis 1
6.
April 2015 (S.
1) erhobenen allgemeinmedizinischen (S.
31 f.), orthopädischen (S.
33 ff.) und psychiatrischen (S.
43 ff.) Befunde sowie das Ergebnis einer am 1
6.
April 2014 (richtig: 2015) erfolgten Konsenskonferenz (S. 51).
Die Gutachter nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 52
Ziff.
7):
-
generalisiertes chronisches tendo-myofasziales Schmerzsyndrom
-
zervikovertebrales Schmerzsyndrom
-
Röntgen: anteriore Spondylose C3/4 (SAM Gutachten
7.
Juni 2010)
-
chronisches lumbospondylogenes Syndrom
-
breitbasige Diskusprotrusion L4/5 und diskrete Forameneinengung L4/5 rechts mit möglicher Reizung der Wurzel L4 rechts
-
klinisch keine Radikulopathie
-
muskuläre Dysbalance im HWS- und LWS-Bereich
-
chronisches Schmerzsyndrom Schulter, rechts mehr als links
-
bildgebend Supraspinatustendinose rechts
-
chronisches Schmerzsyndrom erste Extensorenloge linkes Handgelenk (de Quervain-Syndrom)
-
anamnestisch Verdacht auf beidseitiges CTS
-
bildgebend beginnende degenerative Veränderungen der Hüften (Röntgen
5.
November 2010)
-
chronisches Schmerzsyndrom der Kniegelenke
-
beginnende, media
l betonte Gonarthrose beidseits,
links mehr als rechts
-
Patella Chondropathie oder Chondromalazie beidseits
-
Chondrocalzinose rechtes Knie
-
Status nach arthroskopischer Meniskusoperation links 1996
-
anamnestisch Status nach Patella-Luxation links
-
chronisches Schmerzsyndrom der Füsse
-
Status nach Hallux valgus-Operation und Hammerzehen links (
6.
Juni 2012)
-
Status nach Hallux valgus-Korrektur rechts mit Osteotomie (28
.
September 2011)
-
anamnestisch Knochenmarksnekrose am linken Mittelfuss
-
beidseitige Calcaneodynie, klinisch Fersenspornsyndrom
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode (ICD-10 F33.1)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4)
-
Differentialdiagnose (DD): chronische Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren (F45.41)
-
DD: dissoziative Störung gemischt (= Konversionsstörung; F44.7)
-
kombinierte Persönlichkeits
störung (histrionisch
und narzisstisch)
Zur Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter aus, aus orthopädischen Gründen seien der Versicherten keine körperlich schweren Tätigkeiten zumutbar, ins
besondere das repetitive
Heben und Halten von Lasten über 10 kg, das Arbei
ten in Zwangshaltung, das regelmässig sich Bücken müssen, regel
mässiges Überkopfarbeiten und regelmässig in der Hocke arbeiten müssen.
Bei Tätigkeiten, welche diese Bedingungen des Bewegungsapparates erfüll
ten,
bleibe aus orthopädischer Sicht noch eine gewisse, mit 20
%
einzuschätzende Einschränkung der Restarbeitsfähigkeit infolge der chronischen Schmerz
symp
to
matik, auch bei leichten Tätigkeiten, infolge der degenerativen Ver
änderungen (S. 54). Bei den zuletzt ausgeübten Tätigkeiten handle es sich im Wesentlichen um gemischte Arbeiten, wobei die Versicherte als Haushälterin ihre Arbeit frei einteilen könne, auch die Möglichkeit habe, regelmässig ihre Körperposition zu wechseln, so dass die genannte Einschränkung auch für die Tätigkeit als Haushälterin postuliert werde (S. 54 f.).
Im allgemeinmedizinischen Bereich lägen keine gesundheitlichen Probleme vor, welche die Versicherte in ihrer Arbeitsfähigkeit einschränkten (S.
55 oben).
Im psychiatrischen Fachbereich besteh
e
eine Kombination einer Depression bei einer kombinierten Persönlichkeitsstörung und einer psychosomatischen Überlagerung, die bei Dominanz von Schmerzen im Bewegungsapparat als
anhaltende somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert worden sei. Bei gleich
zeitig Vorhandensein auch von pseudoneurologische
n Symptomen in den Händen und Fü
ssen könne auch eine dissoziative Störung differen
tial
diagnostisch in Erwägung gezogen werden und bei gleichzeitigem Vorliegen von teilweise somatisch begründbaren Beschwerden auch die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Diese psychosomatische Symptomatik sei mit grosser Wahrscheinlichkeit eben
falls seit Jahren vorliegend und in den Akten immer wieder diagnos
tiziert worden. Daneben bestehe eine chronische, histrionisch und narziss
tisch
strukturierte Persönlichkeitsstörung, die theoretisch überwiegend wahr
scheinlich Ursache der gesamten psychosomatischen Entwicklung sei, auch wenn die Versicherte selbst aus Gründen einer Verdrängung und Abwehr keine psychischen Faktoren als Ursache ihres Leidens sehen könne. Begleitet werde der gesamte Symptomenkomplex von einer apathisch-gehemmten Depression von aktuell mittleren Schweregrad, die ebenfalls in den Akten immer wieder berichtet werde (S. 55).
Die Gutachter führten weiter aus, aufgrund der psychiatrischen Symptomatik beurteilten sie die Versicherte als insgesamt, also auch unter Berücksich
ti
gung der somatischen Probleme, in ihrer angestammten Tätigkeit als Haus
halthilfe zu 50
%
eingeschränkt. Wesentliche Veränderungen im Verlaufe der seit 13 Jahren andauernden Berentung liessen sich nicht objektivieren (S. 55 unten).
Sie beurteilen die Versicherte in leichten, die genannten Bedingungen erfüll
en
den Tätigkeiten rein aufgrund ihrer somatisch begründbaren Schmerz
symp
to
matik aus orthopädischer Sicht als zu 20
%
und insgesamt, unter Berücksichtigung der psychiatrischen Problematik, als zu 50
%
in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (S. 55 f.).
Im psychiatrischen Teil des Gutachtens wurde mit Blick auf das diagnos
tizierte psychosomatische Leiden unter anderem ausgeführt, eine chronische körperliche Begleiterkrankung bestehe insofern, als degenerative Verände
rungen des Bewegungsapparates vorhanden seien. Psychiatrisch liege
ein
deutig eine in den Akten und im aktuellen Status bestätigte chronische depressive Symptomatik vor. Längerfristige Remissionen im Verlaufe dieser Krankheiten liessen sich in den Akten und der Anamnese nicht finden. Ein ausgewiesener sozialer Rückzug aus allen Belangen des Lebens bestehe par
tiell, die Versicherte habe allerdings weiterhin Kontakte zu zwei Freund
innen und ihrer Tochter und versorge auch einen kleinen Hund. Von einem ver
festigten, therapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung im Sinne eines primären Krankheitsgewinnes oder einer Flucht in die Krankheit müsse theoretisch ausgegangen werden. Allerdings bestehe keine Einsichts
fähigkeit seitens der Versicherten bezüglich Zusammenhang zwischen Psyche und Soma, so dass hier kein konkreter Konflikt genannt werden könne. Hin
zu
weisen sei auf die missglückte Ehe und das offenbar schlechte Verarbeiten des Ablebens der Eltern. Aufgrund der Chronifizierung und theoretischer Überlegungen müsse aber davon ausgegangen werden, dass hintergründig ein solcher Konflikt Ursache der psychosomatischen und depressiven Ent
wicklung sei, der dieses Leiden unterhalte. Von unbefriedigenden Behand
lungsergebnissen, trotz konsequent durchgeführter ambulanter oder stationä
rer Behandlungsbemühungen, müsse insofern gesprochen werden, dass bis
her
alle psychiatrischen Behandlungsversuche gescheitert seien bezieh
ungs
weise
keine eindeutige Verbesserung der Symptomatik gebracht hätten (S. 50, S. 58).
5.5
Am 2
8.
August
2015 nahmen
Dr. O._
und lic. phil.
P._
(vor
stehend E.
5.3) auf Anfrage des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin Stellung (
Urk.
7/213) und führten unter anderem aus, die verschiedenen psychiatrischen Diagnosen hätten einen gemeinsamen Nenner, es bestehe ein Defizit in den Grundstrukturen der Persönlichkeit (S.
3 unten). Aus ihrer Sicht sei die Patientin zu 100
%
arbeitsunfähig und es seien die Kriterien erfüllt, nach denen eine Erwerbsunfähigkeit bestehe, die aus objektiver Sicht nicht überwindbar sei (S. 4 lit. e).
5.6
Vom
8.
bis 2
4.
Juli 2015 war die Beschwerdeführerin in der Psychiatrischen
Q._
hospitalisiert, worüber am
3.
September 2015 berichtet wurde (
Urk.
7/212). Dabei wurden folgende Diagnosen nach ICD-10 genannt (S. 1 Mitte):
-
F33.2
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Epi
sode ohne psychotische Symptome
-
F61.0
Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung (abhän
gig, histrionisch, narzisstisch)
Es wurde ausgeführt, der Eintritt sei freiwillig auf Zuweisung des be
han
deln
den Psychiaters
Dr. O._
erfolgt (S. 2 oben).
Beim aktuellen Zustandsbild und in der Verlaufsbetrachtung verfüge die Beschwerdeführerin über keine hinreichenden Ressourcen für den ersten Arbeitsmarkt (S. 6 oben).
5.7
Am 2
5.
November 2015 nahmen die Gutachter Stellung (
Urk.
7/217) und führten unter anderem aus, aus dem Verlauf des Leidens seit dem Jahr 2001 lasse sich erkennen, dass sich ein psychosomatisches Leiden mit vorwiegend Beschwerden im Bewegungsapparat, mit wechselnden Klagen über
Beschwer
den und Schmerzintensität, mit den Diagnosen einer Fibromyalgie
als psy
chosomatische Diagnose, seit 2001 nachweisen lasse. Eine wesentliche Ver
än
derung der subjektiven Klagen, insbesondere aber der grundlegenden diag
nostischen Überlegungen, habe nicht stattgefunden. Auch im somatischen Bereich habe keine wesentliche Verschlechterung stattgefunden (S. 2 Mitte). Die von
Dr. O._
postulierte kontinuierliche Verschlechterung der Beein
trächtigungen scheine auf den subjektiven Angaben der Versicherten zu beruhen und werde im Bericht nicht weiter dokumentiert und begründet (S. 2 unten). Der Eintritt in die
Q._
sei vor dem Hintergrund einer akuten Belas
tungsreaktion nach Ablehnung des Rentenerhöhungsantrag
s
erfolgt (S.
3 f.); dies ändere aber nichts an der grundsätzlichen Diagnose (S. 4). Schliesslich wiesen sie darauf hin, dass der Grossteil der orthopädischen Diagnosen zu
keiner wesentlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe und die Sch
were einer Einschränkung nicht analog zur Länge der Diagnoseliste sei (S. 4 f.). Das psychiatrische und psychosomatische Leiden der Versicherten stehe insgesamt im Vordergrund des gesamten Krankheitsbildes und die soma
ti
schen Befunde seien untergeordneter Natur (S. 5 oben).
5.8
Am 3
1.
Dezember 2015 nahmen
Dr. O._
und lic. phil.
P._
noch einmal Stellung (
Urk.
7/221/1-3), am 2
0.
Januar 2016 die Ärzte der
Q._
(Urk. 7/221/4-5), am 25. Januar 2016 die Ärztin der
R._
, wo die Be
schwer
d
eführerin seit Anfang November 2015 in tagesklinischer Behandlung steht (
Urk.
7/221/6-8), und am 2
4.
Februar 2016 die Gutachter (
Urk.
7/224).
6.
6.1
Im Jahr 2001/2002 wurde bei diagnostizierter Rücken-, Knie- und Schul
ter
problematik eine Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit von 50 % atte
stiert und in der Folge eine halbe Rente zugesprochen (vorstehend E. 3.1). Im Jahr 2004 wurde weiterhin aufgrund somatischer Beeinträchtigungen eine auf 50 % reduzierte Arbeitsfähigkeit angenommen, die damals zusätzlich diagnostizierte Fibromyalgie sinngemäss als somatoforme Schmerzüberlage
rung verstanden und als nicht invalidisierend eingestuft, und weiterhin eine halbe Rente zugesprochen (vorstehend E. 3.2). Das Festhalten an einer halben Rente im Jahr 2006 wurde vom hiesigen Gericht mit der Begründung be
stätigt, die hinzugekommene somatoforme Schmerzstörung wirke sich nicht invalidisierend aus und auf die vom Hausarzt und dem behandelnden Psy
chiater attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100 % sei nicht abzustellen (vor
stehend E. 3.3).
Im 2009 erstatteten Gutachten wurde aus rheumatologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit für leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeiten
und aus psychiatrischer Sicht eine solche von 60 % attestiert (vorstehend E. 4.1). Im Jahr 2011 attestierten der behandelnde Psychiater (vorstehend E.
4.6
) und der Hausarzt (vorstehend E. 4.7) wiederum eine Arbeitsunfähig
keit von 100 %. Die Beschwerdegegnerin kam zum Schluss, die von der Ver
sicherten dargestellte Verschlechterung einer somatoformen Schmerzstörung
wirke sich nicht invalidisierend aus, weshalb es bei der bisher zugesproche
nen
halben Rente bleibe (vorstehend E. 4.10).
Im Jahr 2014 attestierte der Hausarzt wiederum eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und führte aus, aufgrund der neuen Diagnose einer schweren De
pression scheine ihm eine volle Berentung nun angezeigt (vorstehend E. 5.2).
Der seit August 2008 zuständige Psychiater und die behandelnde Psycholo
g
in führten 2014 unter anderem aus, aufgrund der zunehmend schwereren psy
chi
schen Krankheit sei die Versicherte, wahrscheinlich dauernd, zu 100 % ar
beits
unfähig (vorstehend E. 5.3). Die
A._
-Gutachter diagnostizierten in ihrem Gutachten vom Juni 2015 verschiedene somatische Beeinträchti
gung
en,
eine mittelgradige depressive Episode, eine anhaltende somatoforme Schmerz
stö
rung sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung und kamen zum Schluss, in somatischer Hinsicht sei die Arbeitsfähigkeit um 20 % einge
schränkt, ins
gesamt - unter Berücksichtigung der somatischen und der psy
chi
schen Prob
le
matik - zu 50 % (vorstehend E. 5.4).
6.2
Aus dem geschilderten Verlauf ist als Konstante ersichtlich, dass von behan
deln
der Seite seit 2006 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde, wäh
rend in den Gutachten von 2009 und 2015 zwar auch eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert wurde, aber keine vollständige.
Berichte behandelnder Ärzte sind nach der Rechtsprechung aufgrund der auf
tragsrechtlichen Vertrauensstellung zum Patienten mit Vorbehalt zu würdi
gen (BGE 125 V
351 E. 3b/cc
). Die unterschiedliche Beurteilung ergibt sich aus der Divergenz zwischen Behandlungs- und Abklärungsauftrag
(Urteile
des Bundesgerichts 8C_260/2011 vom 25. Juli 2011 E. 5.2, 8C_567/2010 vom
1
9.
November 2010 E.
3.2.2
) E
ine psychiatrische Exploration kann
überdies
von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet prak
tisch immer einen Spielraum für verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen, was zulässig und
zu respektieren ist, sofern die Beurteilung
lege artis
erfolgt
ist.
W
enn die behandelnden Ärzte zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen
festhalten, vermag dies nicht per se ein
medizinische
s
Admini
strativ- oder Gerichts
gutachten in Frage zu stellen und zu
weitere
n
Abklä
rungen
veranlassen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_4/2015 vom 5. Mai 2015 E. 3.2,
9C_794/2012 vom
4.
März 2013 E. 4.2)
.
6.3
In diagnostischer Sicht springt ins Auge, dass jedenfalls seit 2004 ein Misch
sach
verhalt von geklagten, ansatzweise somatisch fundierten Beschwerden und psychischen Beeinträchtigungen im Sinne einer somatoformen Schmerz
störung, seit 2014 auch einer Depression, beschrieben wurde. Ob solches mög
licherweise schon früher zugetroffen haben könnte, aber von den behan
delnden Ärzten damals (noch) nicht erkannt wurde, kann dabei offen bleiben
.
Erstellt ist jedenfalls, dass im aktuellen Zeitpunkt unter anderem und haupt
sächlich eine somatoforme Schmerzstörung diagnostiziert wurde, der auch im
2015 erstatteten Gutachten durchaus Relevanz für die Arbeitsfähigkeit zuge
billigt wurde.
6.
4
Anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden waren bis Mitte 2015 unter Bezugnahme auf eine Überwind
barkeitsvermutung zu prüfen. Mit BGE 141 V 281 wurde davon Abstand genommen; nunmehr kommt ein strukturierter, normativer Prüfungsraster zur Anwendung und es erfolgt anhand eines Katalogs von Indikatoren eine ergebnis
offene Beurteilung des tatsächlich erreichbaren Leistungsvermögens (BGE 141 V 281 E. 3.6).
Dementsprechend leitet sich die
Arbeitsunfähigkeit gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen
und
Ressourcen ab
(BGE 141 V 281 E. 3.4.2).
Erwartet wird eine gutachterliche Stellungnahme insbesondere zu den fol
gen
den, als Standardindikatoren bezeichneten Aspekten (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
-
Gesundheitsschädigung: Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde, Behand
lungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz, Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
s
ozialer Kontext
-
Konsistenz: gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus, behand
lungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck
6.5
Das
A._
-Gutachten vom 2
5.
Juni 2015 wurde noch in Unkenntnis der mit BGE 141 V 281 eingeleiteten Rechtsprechung erstattet. Gemäss altem Verfah
rens
standard eingeholte Gutachten verlieren jedoch nicht per se ihren Be
weis
wert, sondern sind im Einzelfall auf ihre Verwendbarkeit zu prüfen (BGE 141 V 281 E. 8).
Auch wenn die heute massgebende Terminologie zum Zeitpunkt, in welchem das Gutachten erstellt wurde, noch nicht bekannt war, enthält das Gutachten
(vorstehend E. 5.4) zusammen mit der ergänzenden Stellungnahme (vorsteh
end E. 5.7)
in materieller Hinsicht dennoch substantielle Angaben zu
den
ge
nannten Indikatoren.
6.6
So geht aus dem Gutachten klar hervor, welchen Stellenwert die einzelnen Diagnosen im Lichte der sie begründenden Befunde haben und wie sich der Behandlungsverlauf gestaltet hat. Hinsichtlich allfälliger Komorbiditäten wurde schlüssig dargelegt, dass die aus somatischer Sicht gestellten Diagno
sen eine eher untergeordnete Rolle spielen. Aus dem psychiatrischen Teil des Gutachtens ergibt sich sodann ein nachvollziehbares Bild der Persönlichkeit, der nur beschränkt vorhandenen Ressourcen - aber auch der erlebten psy
cho
sozialen Belastungen - und des nur teilweise intakten sozialen Kontexts. Hinweise auf eine mangelnde Konsistenz ergeben sich aus dem Gutachten nicht.
Schlüssig ist insbesondere die Würdigung, wonach - seit Jahren - ein haupt
sächlich psychosomatisches Leiden vorliegt, das sich in subjektiven Klagen unterschiedlicher Akzentuierung und Intensität äussert, wie auch die Fest
stellung, dass - entgegen der Beurteilung aus behandelnder Sicht - insgesamt keine Verschlechterung anzunehmen ist, dies namentlich angesichts des Um
standes, dass von dieser Seite bereits 2006 (vorstehend E. 3.3) und 2011 (vor
stehend E. 4.6 und 4.7) und wiederum 2014 (vorstehend E. 5.2) eine vollstän
dige Arbeitsunfähigkeit postuliert - teils mit nicht der Medizin obliegender Empfehlung zum Umfang des Rentenanspruchs (vorstehend E. 5.2) - worden war.
6.7
Vor dem Hintergrund der massgebenden Indikatoren (vorstehend E.
6.4) erwei
st sich die Schlussfolgerung de
r
Gutachter, dass
die Arbeitsfähigkeit aus somatischer Sicht um 20 % und infolge der psychischen Beeinträchtigungen insgesamt um 50 % reduziert ist,
als fundiert und nachvollziehbar. Es sind keine Gründe ersichtlich, ihr nicht zu folgen.
Die Beschwerdegegnerin hat ihre Beurteilung, wonach hinsichtlich der für die Invaliditätsbemessung massgebenden Arbeitsfähigkeit im Vergleich zu frühe
ren Anspruchsprüfungen keine revisionsrelevante Veränderung eingetreten ist,
auf die Feststellungen im Gutachten abgestützt. Dies ist aus den dargelegten Gründen nicht zu beanstanden.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens und die dagegen erhobene Beschwerde ist abzuweisen.
7.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf Fr. 900.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.