# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** eeac7d33-f598-4994-936d-902e63074005
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977, ist gelernter Gipser (
Urk.
6/5
Ziff.
6.2) und
war
vom Mai bis 3
0.
Oktober 2004 bei
Y._
als Gipser tätig
(
Urk.
6/14,
Urk.
6/20/2)
. Am
1.
Februar 2007 meldete sich der Versicherte wegen eines
am 1
6.
Oktober 2004
erlittenen
Unfalls
bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungs
bezug
(berufliche Massnahmen, Rente) an (
Urk.
6/5
Ziff.
7.8).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte einen
Arzt
bericht
(
Urk.
6/13)
und
einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versi
cher
ten (I
K-Auszug;
Urk.
6/12) ein. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/23-24) verneinte
s
ie mit Verfügung vom 1
4.
November 2007 (
Urk.
6/28) einen Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung.
Gegen die Verfügung vom 1
4.
November 2007 erhob der Versicherte am 1
7.
Dezember 2007
Beschwerde
(
Urk.
6/29)
.
Mit Urteil vom 2
1.
Mai 2008 (
Urk.
6/32) wies das hiesige Gericht die Sache an die IV-Stelle
aus formellen Gründen
zurück.
Mit Vorbescheid vom 2
2.
September 2008 (
Urk.
6/35) stellte die IV-Stelle die Abweisung einer Rente in Aussicht. Dagegen erhob der Versicherte am 2
2.
Oktober 2008 Einwände (
Urk.
6/36,
Urk.
6/38). Die IV-Stelle holte daraufhin weitere Arztberichte (
Urk.
6/42-43)
und
ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
6/57)
ein.
Die IV-Stelle verneinte mit Verfügung vom 1
1.
Mai 2009 (
Urk.
6/75) einen R
en
tenanspruch des Versicherten
.
Diese
erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Der Versicherte
stellte am 3
0.
Mai 2009 (
Urk.
6/78,
Urk.
6/83
) ein
Revisions
ge
such
und machte eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes geltend. Nach Zustellung d
es Vorbescheids (
Urk.
6/86) tra
t die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
1.
September 2009 (
Urk.
6/87) nicht auf das Revisionsgesuch ein, da
keine Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorlieg
e
(S. 1).
1.3
Am
2.
Juni 2010 meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-Stelle wegen einer psychischen Erkrankung zum Leistungsbezug (Rente) an (
Urk.
6/97). Die IV-Stelle holte daraufhin medizinische Berichte (
Urk.
6/102,
Urk.
6/106,
Urk.
6/120
),
ein psychiatrisches Gut
achten (
Urk.
6/112) sowie ein
bidisziplinäres
Gutachten de
s
Z._
, welches am 1
5.
Juni 2012 erstattet wurde (
Urk.
6/124),
ein.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
6/127,
Urk.
6/128,
Urk.
6/132)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
7.
November 2012 einen Renten
an
spruch des Versicherten (
Urk.
6/134 =
Urk.
2)
2.
Gegen die Verfügung vom
7.
November 2012 (
Urk.
2)
erhob der Versicherte am
5.
Dezember
2012 (
Urk.
1) Beschwerde und beantragte, es sei ihm eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (S. 2
Ziff.
2). Eventuell sei die angefochtene Verfü
gung aufzuheben und
die Sache
zur ergänzenden medizinischen Abklärung und zum Neuentscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 2
Ziff.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
Januar 2013 (
Urk.
5) beantragte die
Beschwerde
geg
nerin
die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
9.
Januar 2013 zur Kenntnis gebracht wurde
(
Urk.
7)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
hig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente, eine
Hilflosenentschädigung
oder ein Assistenzbeitrag wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades, wegen fehlender Hilflosigkeit oder weil aufgrund des zu geringen Hilfebedarfs kein Anspruch auf einen
Assistenzbei
trag
entsteht, verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung er
füllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität oder der Hilflosigkeit oder die Höhe des
invaliditätsbeding
ten
Betreuungsaufwandes oder Hilfebedarfs der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades oder der Hilflosigkeit auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (vgl. dazu BGE 130 V 71; AHI 1999 S. 84 E. 1b mit Hinwei
sen; vgl. auch AHI 2000 S. 309 E. 1b mit Hinweisen). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad oder die Hilflosigkeit oder der Hilfebedarf seit Erlass der frühe
ren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stell
te Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidi
tät oder Hilflosigkeit oder einen anspruchsbegründenden Hilfebedarf zu beja
hen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materi
elle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 130 V 71 E. 3.2.2 und 3.2.3, 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung reicht die analoge Anwendbarkeit der in BGE 109 V 262 E. 4a dargelegten Rechtsprechung auf das
Neuanmel
dungsverfahren
nur so weit, als auch hier von Amtes wegen zu prüfen ist, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prü
fung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzu
stel
len; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichtein
tre
tens
verfügungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summari
schen
Begrün
dungsaufwandes
der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ersten Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prü
fung des geltend gemachten Rentenanspruchs und wurde dieser nach
rechts
konformer
Sachver
haltsabklärung
, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkom
mens
ver
gleichs
(bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerbli
chen Auswirkun
gen des Gesundheitszustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsansprechende Person dieses Ergebnis - vorbehältlich der Rechtspre
chung zur Wiedererwägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E.
2c mit Hinweisen) - bei einer weiteren Neuanmeldung entgegenhalten lassen (BGE 130 V 71 E. 3.2 in
fine
).
1.5
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist - auch bei psychischen Erkran
kungen - in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren her
rühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Be
fun
de zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
stän
den
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der sozio
kulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne ver
selbst
ändigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Be
funde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selb
st
ändigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner - unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden - Fol
gen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil
des Bundesgerichts
9C_
537/2011
vom
2
8.
Juni 20
12
E. 3.2
mit Hinwei
sen
).
1.
6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging
in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf ihre Abklärungen von einem
unverändertem
Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers aus. Die psychiatrischen
Eskalationen
seien als temporäre Kri
sensituationen zu betrachten und würden keine dauernde Arbeitsunfähigkeit begründen. Ein durchgehendes psychiatrisches Krankheitsbild liege nicht vor. Ein invalidisierender Gesundheitsschaden sei nicht ausgewiesen (S. 1).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber a
uf den Standpunkt (
Urk.
1), die diametrale Diskrepanz in der psychiatrischen Beurteilung in den verschiede
nen Berichten der
Ärzte der
A._
und des psychiatrischen Teilgutachtens
B._
falle auf.
Auf
diese
massive
Diskrepanz sei im
B._
-Gutachten explizit hingewiesen worden. In Bezug auf diese völlig unterschiedliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit werde in der angefochtenen Verfügung darauf verwiesen, dass das
B._
-Gutachten die Abweichung von der Beurteilung durch die behan
deln
den Ärzte diskutiere. Aufgrund des besonderen Vertrauens- und
Auftrags
verhältnisses
des behandelnden Arztes zu seinen Patienten s
ei
es möglich und nachvollziehbar, dass die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch einen unab
hän
gigen medizinischen Gutachter abweiche. Die Dauer des
Explorations
gesprä
ches
spiele für die Nachvollziehbarkeit keine Rolle, wenn die Beurteilung auf einer eigenen Untersuchung basiere, alle strittigen Punkte untersuche, ob
jektive Befunde erhebe und abweichende Beurteilungen und Meinungen nach
vollzieh
bar diskutiere (S. 8
Ziff.
5).
Diese Begründung greife aber zu kurz und vermöge nicht zu überzeugen. Es sei darauf hinzuweisen, dass die Behandlung in einer Institution wie der
A._
nicht verglichen werden könne mit einer Psychotherapie bei einem selbständig
täti
gen
Facharzt. Während in letzterer Konstellation durchaus die Gefahr eines en
gen Patienten-Arzt-Verhältnisses mit der Folge der eingeschränkten Objektivität des behandelnden Arztes bestehen könne, sei bei der Behandlung in einer psy
chiatrischen Klinik wie der
A._
von einem distanzierteren Verhältnis
zwischen Arzt und Patient auszugehen, dies unter anderem auch bedingt durch häufigere Wechsel des zuständigen Arztes, wie dies auch im vorliegenden Fall geschehen sei.
Es könne ausgeschlossen werden, dass die
A._
Gefälligkeitszeugnisse zu Gunsten ihrer Patienten abgebe (S. 8 f.). Gemäss einschlägiger Literatur seien Persönlichkeitsstörungen auch durch psychiatrische Fachärzte nicht ohne wei
teres, sondern in der Regel nur in intensiven und zeitaufwendigen Exploratio
nen zu diagnost
i
zieren. Die entsprechende Abklärung sollte zudem auch Fremdauskünfte beinhalten. Es sei fast immer zur Beurteilung mehr als ein Ge
spräch notwendig. Die
Ärzte der
A._
hätten
ihre Diagnosestellungen auf Beobachtungen im Rahmen verschiedener, teilweise mehrwöchiger stationärer Behandlungen sowie zahlreichen
Thera
p
ie
gesprächen
im Rahmen der ambulanten Behandlung abgegeben. Seine Ehefrau sei auch miteinbezogen worden (S. 9 Mitte). Aus den Berichten der
Ärzte der
A._
lasse sich nachvollziehbar und ein
drücklich in zeitlicher Hinsicht von Beginn der Behandlung im Herbst 2009 bis Anfang 2012 eine eigentliche Entwicklung im psychischen Krankheitsbild fest
stellen. Aus dem zeitlichen Verlauf der geänderten Diagnosestellung gehe her
vor, dass es sich um ein fluktuierendes Beschwerdebild handle, welches aber jederzeit seit Ende 2009 als in höchstem Masse die Arbeitsfähigkeit einschrän
kend zu betrachten sei (S. 9 unten). Insgesamt vermögen somit die Einschätzun
gen
der Ärzte
des
A._
erheblich mehr zu überzeugen als das psychiatrische Teilgutachten
B._
. Es sei von einer psychisch bedingten Vollinvalidität ge
stützt auf die zuletzt erfolgte Einschätzung de
r Ärzte des
A._
, welche durch frühere Berichte ohne weiteres gestützt werden
, auszugehen (S. 10 Mitte).
2.3
Strittig und zu prüfen ist damit, ob seit dem Zeitpunkt der Verfügung vom
1
1.
Mai 2009 (
Urk.
6/75), welche
auf einer materiellen Prüfung des Rechtsan
spruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung (inklusive Begutachtung) und Beweiswürdigung beruhte (vgl. vorstehend E. 1.
4
), eine erhebliche Verän
derung des Gesundheitszustandes des Be
schwerdeführers eingetreten ist
.
Dabei sind die Verhältnisse im Zeitpunkt der Verfügung vom 1
1.
Mai 2009 mit den Verhältnissen im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung vom
7.
November 2012 zu vergleichen.
3.
3.1
Dr.
med.
C
._
, Allgemeine Medizin FMH, nannte in seinem Bericht vom 1
3.
Februar 2007 (
Urk.
6/13/1-5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
lit
. A
):
unklare Knie- und Fussschmerzen rechts
rezidivierende
s
panvertebrales Syndrom nach Auffahrkollision
am
1
6.
Oktober 2004
Er attestierte dem Beschwerdeführer für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Gipser eine Arbeits
un
fähigkeit von 100
%
seit 1
8.
Okto
ber 2004 (
lit
. B)
. D
er Ge
sundheitszustand sei stationär (
lit
.
C.1
). Er behandle den Beschwerdeführer seit 1999
(
lit
. D.1)
. Seit dem Unfallereignis würden die Rückenschmerzen persistie
ren und erweisen sich als auf sämtliche therapeutischen Massnahmen absolut resistent. Im Vordergrund stünden al
lerdings seit Mai 2005 die Fuss
– und
Knie
beschwerden
rechts, die während der Rehabilitation in
D
._
aufgetreten seien und für die nie ein morphologisches Korrelat
habe gefunden werden kön
nen
(
lit
. D
.3
).
3.2
Im Bericht vom
3.
September 2008 (
Urk.
6/43/7-8) nannten die behandelnden Ärzte der
E
._
folgende Diagnose (S. 1):
unklare Kniegelenksbeschwerden Knie rechts
Sie hätten ein deutliches Schonhinken rechts mit dem rechten Fuss in starker
Supination
des Beschwerdeführers feststellen können. Auffällig sei die symmet
risch stark ausgeprägte Muskulatur an beiden unteren Extremitäten. Der Beschwerdeführer sei mit stark schmerzverzehrtem Gesicht zur Liege gegangen (S. 1 unten). Es seien weiter keine objektivierbaren pathologischen Befunde ge
funden worden. Zudem bestehe kein morphologisches Korrelat zu den angege
benen Beschwerden. Die funktionellen Tests des rechten Kniegelenkes seien schmerzbedingt nicht verwertbar (S. 2).
3.3
In seinem Bericht vom 2
2.
November 2008 (
Urk.
6/39) stellte
Dr.
med.
F
._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, folgende Diagnosen (S. 2):
mittelgradige depressive Störung (F32.1)
somatoforme
Störung/
Somatisierungsstörung
(F45.0)
Der Beschwerdeführer leide an einer mittelgradigen depressiven Störung im Kontext mit psychosozialen Belastungen (finanzielle Probleme und familiäre Konflikte). Die ätiologische Einordnung der Beinfehlstellung und des
Schmerz
syndroms
sei schwierig und bedürfe einer ausführlichen gutachterli
chen Stel
lungnahme. Er gehe als behandelnder Arzt derzeit von einer
somato
formen
Störung/
Somatisierungsstörung
aus, die angesichts des bereits
chronifi
zierten
Verlaufs eine eher ungünstige Prognose haben dürfte.
Ungeachtet der Ätiologie hätten die Beschwerden invalidisierenden Charakter. Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Hilfsgipser sei der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeits
un
fähig. Umschulungsmassnahmen erachte er (
Dr.
F
._
) als indiziert und eine
Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit von 80 - 100
%
spä
ter für möglich (S. 2 Mitte).
3.4
Dr.
med.
G
._
, Allgemeine Medizin FMH, nannte in seinem Bericht vom 1
2.
Dezember 2008 (
Urk.
6/43/2-4) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
unklare
Kniehschmerzen
, Kontraktur
Status nach Knietrauma, HWS-Distorsion 2005 bei Autounfall
Er habe den Beschwerdeführer vom 1
4.
März bis
7.
Mai 2008 behandelt (
Ziff.
1.2). Er attestierte dem Beschwerdeführer für die zuletzt ausgeübte Tätig
keit eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
seit 1
6.
April 2004 (
Ziff.
1.6).
3.5
Die behandelnden Ärzte der
E
._
nannten in ihrem Bericht vom 1
5.
Dezember
2008 (
Urk.
6/42/6-7
=
Urk.
6/43/5-6
) folgende Diagnose:
unklare Kniegelenksbeschwerden mit Flexionskontraktur rechts
Aus orthopädischer und chirurgischer Sicht könn
t
e
n
die vom Beschwerdeführer angegebenen Kniebeschwerden keinem anatomischen oder pathologischen Korrelat zugeordnet werden. Aufgrund der fehlenden Objektivierbarkeit mit zum Teil diskrepantem klinischen Befund könn
t
en sie de
n
Beschwerdeführer deshalb nicht einer entsprechende Therapie zuführen (S. 2 oben).
3.6
Dr.
med.
H
._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete am 2
8.
Februar 20
09
(
Urk.
6/57) sein psychiatrisches Gutachten gestützt auf die
Vorakten
und der ausführlichen psychiatrischen Untersuchung am 1
6.
Februar 2009 (S. 1 ff.).
Er nannte
keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 41
Ziff.
4.1).
Ferner
stellte
er
folgende
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 41
Ziff.
4.2):
Somatisierungsstörung
(F45.0)
leichte
depressive Episode (F32.0)
Abhängigkeitssyndrom durch Tabak, ständiger Substanzgebrauch (F17.25)
anamnestisch schädlicher Gebrauch von Alkohol (F10.1).
Die multiplen, wiederhol
t auftretenden und häufig wechselnden körperlichen Symp
tome des Beschwerdeführers, welche mit somatischen Befunden nicht voll
ständig und nicht ausreichend erklärt werden könn
t
en, wie aus den zahlrei
chen vorliegenden Berichten hervorgehe, die ständige Beschäftigung des Beschwerdeführers mit seinen körperlichen Symptomen, die Weigerung die medizinische F
eststellung zu akzeptieren, spra
chen auf das Vorliegen einer
Somatisierungsstörung
(S. 44 Mitte).
Im Verlaufe der
Somatisierungsstörung
seien beim Beschwerdeführer psychoso
ziale Belastungsfaktoren in Form von finanziellen Schwierigkeiten und
Ehe
problemen
und depressive Beschwerden aufgetreten (S. 44 unten).
In Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aus psychiatri
scher Sicht stelle sich die Frage, ob und inwieweit de
m
Beschwerdeführer bei den vorliegenden körperlichen Symptomen, die vo
n
ihm als ausgeprägt empfun
den wü
rden, eine Symptomüberwindung zugemutet werden könne. Es liege beim Be
schwerdeführer keine
Komorbidität
mit einer anderen psychischen Störung vor. Es bestehe lediglich ein leichter sozialer Rückzug. Einen verfestig
ten, nicht mehr therapierbaren Verlauf
einer Konfliktbewältigung sehe
er beim Beschwer
deführer nicht und chronische körperliche Begleiterkrankungen lägen nicht vor. Die leichte depressive Episode sei als Begleiterscheinung der
Somati
sierungs
störung
zu verstehen und nicht als selbständige, vom Schmerzsyndrom losge
löste psychische
Komorbidität
. Es bestehe keine Unzumutbarkeit der
Symptom
überwindung
(S. 45 f.). Es bestünden Symptome einer
Somatisierungs
störung
und einer leichten depressiven Episode, welche die Arbeitsfähigkeit nicht be
einträchtigen würden. Die bisherige Tätigkeit sei noch zumutbar und dies ganztags (S. 47
Ziff.
2).
3.7
Gestützt auf die Arztberichte und das psychiatrische Gutachten ging die
Be
schwerdegegnerin
in der Verfügung vom 1
1.
Mai 2009 davon aus, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen wie in einer angepassten Tätigk
eit voll arbeitsfähig und kein versicherungs
relevanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei (
Urk.
6/75 S. 2 Mitte).
4.
4.1
Seit der Verfügung vom 1
1.
Mai 2009 ergingen folgende Arztberichte und fol
gendes Gutachten:
Dr.
med.
I
._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
Dr.
med.
J
._
, Assistenzärztin,
K
._
, stellten in ihrem Bericht vom 1
0.
Juni 2009 (
Urk.
6/82/1-3) folgende Diagnosen (S. 1):
Angst und depressive Reaktion, gemischt (F43.22)
Verdacht auf akute vorübergehende psychotische Störung (F23.9)
Probleme bei Arbeitslosigkeit (Z23.9)
Probleme in der Beziehung zur Ehefrau (Z63.0)
Der Beschwerdeführer
wurde
vom 1
5.
Mai bis 2
9.
Mai 2009 stationär behandelt
(S. 1 oben). Er
habe berichtet, dass er seit 3 Monaten ab und zu eine Stimme höre, die mit ihm rede. Diese Stimme sei in seinem Kopf. Letztes Jahr sei ein
Freund im
L
._
gestorben. Er habe nun das Gefühl, dass dieser i
h
n zu sich rufe. In den letzten 4 Tagen habe er diese Stimme viel stärker und fordernder gehört als gewohnt. Wenn er in Gesellschaft sei, höre er die Stimme nicht (S. 1 unten).
Beim Eintritt habe eine akute Suizidalität aufgrund der imperativen Stimmen bestanden. Der Eintritt habe aber eine wesentliche Entlastung ge
bracht, sodass sich der Beschwerdeführer davon habe distanzieren können
und er
habe in verbessertem Gesundheitszustand ohne Anhalt auf akute Selbst- oder Fremdgefährdung in die vorbestehende
n
Verhältnisse austreten
können
(S. 3 Mitte).
4.2
Die behandelnden Ärzte der
A._
nannten
in ihrem Bericht vom 1
8.
Juni 2010 (
Urk.
6/102)
folgende Diagnosen (S. 1):
Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom mit reizbar im
pulsiven Verhalten, intermittierend Suizidgedanken,
Selbstverletzun
gen
und Stimmenhören (F62.80).
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (F45.4)
Status nach Halswirbelsäulen (HWS)-Distorsion, Kniekontusion rechts nach Autounfall 2004
Der Beschwerdeführer sei am
6.
Mai 2010 bei zunehmendem imperativem
Stim
menhören
mit Aufforderung zum Suizid in die Klinik eingetreten. Er sei zuvor nach zweifachem Suizidversuch zuerst auf die Akutstation aufgenommen und danach auf die Akut-Rehabilitationsstation verlegt worden. Zum momentanen Zeitpunkt werde eine Verbesserung der oben beschriebenen Symptomatik
durch eine Neueinstellung mit
neurol
eptischer
Medikation umgesetzt (S. 2).
4.3
Im Bericht vom
8.
Oktober 2010 (
Urk.
6/106) nannten die behandelnden Ärzte des
A._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0) mit schizoiden und emotio
nal-instabilen Zügen, bestehend seit Adoleszenz
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (F43.21)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (F45.4) bei Status nach HWS-Distorsion und Kniekontusion rechts bei Autounfall 2004
Sinnestäuschungen würden häufig in Stresssituationen auftreten. Inhalt der impe
rativen Stimmen seien
meist Aufforderungen zum Suizid
. Es handle sich um eine komplexe psychische Störung, die sowohl die Persönlichkeit wie auch die Verhaltensmuster und Beziehungsgestaltung des Beschwerdeführers betreffe, die Prognose
sei
ungünstig (
Ziff.
1.4). Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei der Beschwerdeführer seit 2009 bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Aufgrund der Verhaltensstörungen in verschiedenen Funktionsbereichen
(Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahrnehmen und Denken sowie in den Be
ziehungen zu andern) komme es im Arbeitsumfeld immer wieder zu Konflik
ten, analog zu den während der stationären Behandlung aufgetretenen Schwie
rig
keiten. Im Zusammenhang mit der Schmerzsymptomatik sei der Beschwer
deführer körperlich eingeschränkt. Weiter würden Einschränkungen in der Konzentration sowie eine rasche Ermüdbarkeit im Zusammenhang mit der de
pressiven Symptomatik bestehen. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar (
Ziff.
1.7).
4.4
Die behandelnden Ärzte des
A._
nannten in ihrem Bericht vom 2
6.
Januar 2012 (
Urk.
6/120) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
Verdacht auf dissoziative Störungen (Konversionsstörungen), gemischt (F44.7)
vorbeschriebene anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (F45.4)
vorbeschriebene Anpassungsstörung bei anhaltender psychosozialer Belas
tungssituation (F43.2)
vorbeschriebene kombinierte Persönlichkeitsstörung (F61.0), Differential
diagnose (DD) vorbeschriebene Persönlichkeitsänderung bei chronischem Schmerzsyndrom (F62.8)
Sie
führten aus, sie behandelten
den Beschwerdeführer ambulant seit 1
5.
Dezember 2009 (
Ziff.
1.2).
Seit der letzten stationären Behandlung habe keine weitere stationäre Therapie stattgefunden (
Ziff.
1.3). Hinsichtlich der Schmerzsymptomatik persistiere eine verminderte Kniebelastbarkeit rechts mit eingeschränkter Kniefunktion, darüber hinaus eine deutliche
Bewegungsein
schränkung
im Bereich des rechten Fusses. Der Beschwerdeführer gehe weiter
hin mit einer Gehhilfe und
berichte
über Nackenbeschwerden beziehungsweise Nackensteifigkeit. Bezüglich der Knie- beziehungsweise Fussproblematik sollte eine ergänzende orthopädische Beurteilung erfolgen. Aus psychiatrischer Sicht zeige sich weiterhin ein komplexes Beschwerdebild mit erheblicher
alltagsrele
vanter
Beeinträchtigung. Es
p
ersistierten
eine affektive Instabilität, vermehrt
e
Reizbarkeit, verminderte Stresstoleranz bei insgesamt dominierender passiv-resig
nativer Haltung. Es komme wiederholt zu familiären Spannungen, der Be
schwerdeführer sei mit der Versorgung der Kinder deutlich überfordert, dabei auf die Hilfe der Ehefrau angewiesen.
Im weiteren
Behandlungsverlauf hätten sich Hinweise auf dissoziative Symptome im Sinne von intermittierend auftre
tenden Bewegungsstörungen im Kopfbereich, kurzzeitige Trancezustände
bezie
hungsweise
amnestische
Episoden
ergeben. Der Beschwerdeführer
berichte
über eine inzwischen eingetretene leichte Verbesserung mit nachlassender Frequenz der auftretenden Stimmen. Insgesamt zeige sich eine Zunahme der Stimmen bei
Stress und Anspannung
. Unter Berücksichtigung des komplexen psychischen Erkrankungsbildes mit inzwischen
chronifiziertem
Verlauf sei insgesamt von einer ungünstigen Prognose auszugehen (
Ziff.
1.4). Der Beschwerdeführer sei in seiner zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Gipser bis auf
Weiteres
zu 100
%
ar
beits
unfähig (
Ziff.
1.6). Die bisherige Tätigkeit se
i
aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar. Bezüglich der körperlichen Einschränkungen sei eine ergän
zen
de somatische Beurteilung vorzunehmen (
Ziff.
1.7).
4.5
Dr.
med.
M
._
,
Dr.
med.
N
._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Prof.
Dr.
med.
O
._
, Facharzt für Innere Medizin FMH, und
Dr.
med.
P
._
, Facharzt für Orthopädie und Trauma
tologie FMH,
B._
, e
rstatte
ten am 1
5.
Juni 2012 ihr Gutachten (
Urk.
6/124
/1-27
) gestützt auf die
Vorakten
und die fachärztlichen Untersuchungen (S. 1). Sie nannten keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 19
Ziff.
1).
Ferner
stellten
sie
folgende
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 19
Ziff.
2):
anamnestisch
wiederholte Anpassungsstö
rung mit kurzen depressiven Re
aktionen bei sozialer Konfliktsituationen (F43.20)
Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit und Arbeitslosigkeit (Z56)
Probleme in Verbindung mit Wohnbedingungen und ökonomischen Ver
hältnissen (Z59)
Probleme in der Beziehung zum Ehepartner (Z63.0)
Status nach HWS-Distorsion bei Heckaufprall 2004 ohne erkennbares per
sistierendes, anatomisch, pathologisches und radiologisches Substrat
Status nach Schädelkontusion und HWS-Distorsion anlässlich
ein
es
Ver
keh
rsunfall
s
September/Oktober 2007
Aus interdisziplinärer Sicht könn
t
e
n
keine wesentlichen
,
die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Gesundheitsstörungen respektive Funktionseinschränkungen nachgewiesen werden. Sowohl aus somatisch-orthopädischer als auch aus psy
chiatrischer Sicht bestünden ausreichende Ressourcen und Kräfte des Beschwer
deführers, um seine angegebenen Beschwerden zu überwinden. Auffällig seien Inkonsistenzen bezüglich der dramatisch vorgetragenen Beschwerden des Be
schwerdeführers und den objektiven Befunden. Es bestehe eine vollständige
Invalidisierungsüberzeugung
des Beschwerdeführers. Die psychiatrisch in den Unterlagen und vom Beschwerdeführer dargestellten Krisensituationen würden auf sozialen invaliditätsfremden Faktoren begründen. Die Arbeitsfähigkeit sei hierdurch objektiv psychopathologisch nicht eingeschränkt. Eine Verschlechte
rung gegenüber dem Referenzzeitpunkt 2009 sei aus interdisziplinärer Sicht nicht ausgewiesen. Der Beschwerdeführer sei für alle Tätigkeiten auf dem all
gemeinen Arbeitsmarkt einsetzbar (S. 20
lit
. F).
Zu den Berichten der Ärzte des
A._
führten die Gutachter aus, in den darge
stellten psychischen Befunden fänden sich keine Hinweise für eine psychotische Erkrankung; aus ihrer Sicht werde die angegebene nächtliche Stimme als
Pseu
dohalluzination
angesehen. Auch habe der Versicherte laut den vorliegenden Berichten immer wieder geordnet, durchsetzungsfähig und kontrolliert gewirkt. Eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, wie im
A._
-Bericht vom Oktober 2010 attestiert, könne weder aus orthopädischer noch aus psychiatrischer objektiver Sicht nachvollzogen werden. Die unstreitig bestehende soziale Konfliktsituation sei als invaliditätsfremd zu beurteilen (S. 21 unten).
Zum
A._
-Bericht vom Januar 2012 (vorstehend E. 4.4) führten die Gutachter aus, die dort beschriebenen Einschränkungen des Versicherten seien aus objek
tiver Sicht so nicht nachvollziehbar. Im psychischen Befund zeige sich der Versicherte kontrolliert, durchsetzungsfähig, autonom. Er wirke in der Angabe seiner Beschwerden überlegt; zudem bestünden erhebliche Inkonsistenzen zwi
schen der vorgetragenen Beschwerdesymptomatik und dem objektiven Befund. Auch die beschriebenen Symptome von Müdigkeit und verminderter Anpas
sungsfähigkeit seien jetzt so nicht nachweisbar. Dissoziative Phänomene seien nicht feststellbar. Das Handeln des Versicherten sei bewusstseinsnah. Es zeigten sich auch keine Hinweise für eine tiefgreifende Strukturstörung der Persönlich
keit. Insofern bestehe aus objektiver Sicht gegenüber dem
A._
-Bericht eine deutliche Diskrepanz. Aus gutachterlicher Sicht - unter Berücksichtigung des Befundes und nicht allein der Beschwerden des Versicherten - sei dieser für alle Tätigkeiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt einsetzbar (S. 22).
Zusammenfassend könne aus psychiatrischer Sicht keine die Arbeitsfähigkeit einschränkende psychiatrische Morbidität diagnostiziert werden. Es lägen sozi
ale invaliditätsfremde Faktoren vor, die jeweils kurzfristig zu eskalierenden Anpassungsstörungen führen würden. Hinweise für eine psychotische oder affektive Erkrankung lägen nicht vor. E
s zeig
t
e
n
sich i
m psychischen Befun
d
auch keine Hinweise dafür, dass der Beschwerdeführer aus psychischer Sicht nicht in der Lage wäre, seine angege
benen Beschwerden zu überwinden (S. 18
Ziff.
1.2).
Im orthopädischen Teilgutachten (
Urk.
6/124/28-35) führte
Dr.
P._
aus, zusammenfassend könne aktuell für die den Bewegungsapparat betreffenden Beschwerden im Bereich der HWS, des Nackens, des rechten Kniegelenkes mit Ausstrahlung hüft- und
fusswärts
sowie des handgelenknahen Vorderarmes rechts kein verwertbares anatomisch-pathologisches Substrat gesehen werden. Die Beschwerden würden damit orthopädisch ungeklärt bleiben. Die
seitenglei
che
und kräftige Muskulatur b
eider Arme und beider Beine sprä
chen gegen eine
wesentliche zum Beispiel beschwerdebedingte Schonung sowohl des rechten Armes als auch des rechten Beines. Auch sei die
Fusssohlenbeschwielung
rechts wie links physiologisch auszumachen. Eine Schonung und Entlastung beim Gehen und Stehen mit dem rechten Bein spiegle sich somit nicht zum Beispiel in einer seitendifferen
t
en Beinmu
s
kelminderung und oder in einer
Minderbe
schwie
lung
der rechten Fuss
s
ohle wieder.
Zusammenfassend resultiere orthopä
disch somatisch keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Das Ausmass, die topographische anatomische Zuordnung und die Intensität der subjektiv vorge
tragenen Beschwerden liessen sich orthopädisch somatisch nicht erklären (S. 33 Mitte). Der Beschwerdeführer sei für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Hilfs
gipser
und Reiniger wieder zu 100
%
arbeitsfähig. R
ückblickend seien die Fol
gen der Ereignisse
Dezember 2004 und September/Oktober 2007 nicht mehr auszumachen. Somit sollte spätestens sechs Monate nach dem Ereignis Septem
ber/Oktober 2007 eine volle Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt gewesen sein.
Der Beschwerdeführer sei für alle Tätigkeiten geeignet, welche einem
altersglei
chen
gesunden 35-jährigen Mann zumutbar sei. Auch diese Einschätzung gelte rückblickend ab zirka sechs Monate
n
nach dem Ereignis September/Oktober 2007, somit ab zirka April 2008 (S. 34
oben
).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der Verfügung vom 1
1.
Mai 2009 (vgl.
Urk.
6/75) davon aus, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen wie in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig ist.
Vor diesem Hintergrund ist zu prüfen, ob sich
der Sachverhalt seither in rele
vanter Weise verändert hat
.
Den medizinischen Berichten ist zu entnehmen, dass sich aus somatischer Sicht keine relevanten Änderungen
ergeben
haben. Die
B._
-Gutachter
(vorstehend E.
4.5)
nannten aus orthopädischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Im orthopädischen Teilgutachten führte
Dr.
P._
nachvollziehbar und schlüssig aus, dass sich das Ausmass, die topographische anatomische Zuordnung und die Intensität der subjektiv vorgetragenen Be
schwerden nicht orthopädisch somatisch erklären liesse
n
. Aus orthopädischer Sicht attestierte
Dr.
P._
dem Beschwerdeführer eine volle Arbeitsfähig
keit in angestammter und angepasster Tätigkeit.
Dies
stimmt weitgehend mit den Einschätzungen
der Ärzte
der
E._
(
vorstehend
E. 3.2, E. 3.5) überein, welche der Verfügung vom 1
1.
Mai 2009 zugrunde lagen. Die be
han
delnden Ärzte konnten keine objektivierbaren pathologischen Befunde erheben und stellten kein morphologisches Korrelat zu d
en angegebenen Beschwerden fest.
Nach dem Gesagten, konnten b
ereits im Jahr 2009 die
behandelnden
Ärzte die
geklagten Beschwerden somatisch nicht zuordnen. Seither hat sich die Situation nicht geändert
und die
B._
-Gutachter konnten die Beschwerden
ebenfalls
orthopädisch nicht klären. Eine Verschlechterung des Gesundheits
zustandes a
us orthopädischer Sicht ist damit
nicht
ausgewiesen.
5.2
Die
B._
-Gutachter nannten auch aus psychiatrischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (v
orstehend
E. 4.5). Sie führten nach
vollziehbar und schlüssig aus, dass keine die Arbeitsfähigkeit einschränkende psychiatrische Morbidität diagnostiziert werden könne
.
Die Gutachter
nannten als
psychisches Leiden
eine
wiederholte
Anpassungs
störung
mit kurzen depressiven Reaktionen bei sozial
en Konfliktsituationen
. Diese Diagnose begründeten sie aber mit den vorliegenden sozialen
invalidi
tätsfremden
Faktoren, welche jeweils kurzfristig zu eskalierenden Anpassungs
störungen führen würden. Der Beschwerdeführer hat in der persönlichen Anam
nese im Gutachten selber angegeben, die häufige Anspannung, Gereiztheit, Ner
vosität, werde insbesondere durch die schlechte finanzielle Situation der Familie ausgelöst (vgl.
Urk.
6/124 S. 12 Mitte). Zudem bekundete der Beschwer
deführer Mühe damit, dass er als Ernährer derzeit für die Familie nicht zur Verfügung stehe. Wegen des Geldmangels komme es immer wieder zu Span
nungen. Zudem sei er gegenüber seiner Ehefrau gelegentlich schon
verbal
aggressiv (vgl.
Urk.
6/124 S. 14 unten). Diese familiären Spannungen hielten auch die behan
delnden Ärzte des
A._
in ihrem Bericht vom 2
6.
Januar 2012 (
vorstehend
E.
4.4) fest.
Das Verhalten des Beschwerdeführers findet
somit in soziokulturellen Umstä
nden seine Erklärung und stellt
kein
en invalidisierenden
psychische
n
Gesundheitsschaden
dar
(vgl. E.
1.
5
).
Die Gutachter nannten nebst der Anpassungsstörung auch noch weitere Diagnosen mit Z-Kodierungen. Gemäss der Rechtsprechung handelt es sich nach dem internationalen
Klassifika
tionssystem
bei den sogenannten Z-Kodierungen um Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheits
we
sens führen. Sie werden als „Diagnosen“ oder „Probleme“ angegeben, aber sind nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache klassifizierbar (Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_302/2011 vom 2
0.
September 2011 E. 2.3; 9C_537/2
0
11 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.1). Der Beschwerdeführer ist bereits seit zirka sechs Jahren nicht mehr arbeitstätig, was nachvollziehbarerweise zu finanziellen Problemen und Spannungen in der Ehe führen und den Gesundheitszustand be
einflussen kann. Jedoch haben solche Diagnosen
rechtsprechungsgemäss
keinen Krankheitswert und sind damit auch nicht invalidisierend.
Die Einschätzung der
B._
-Gutachter stimmt zudem weitgehend mit der Ein
schätzung des psychiatrischen Gutachtens von
Dr.
H._
(
vorstehend
E. 3.6)
überein.
Dr.
H._
konnte ebenfalls keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit feststellen. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit nannte
Dr.
H._
unter anderem eine
Somatisierungsstörung
und eine leichte depressive Episode. Er führte dazu aus, die leichte depressive Episode sei als Begleiterscheinung der
Somatisierungsstörung
zu
verstehen und nicht als selb
st
ändige, vom Schmerzsyndrom losgelöste psychische
Komorbidität
. Es bestehe keine Unzumutbarkeit der Symptomüberwindung und die Diagnosen würden die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigen.
5.3
Aus den Berichten des
A._
(
vorstehend
E. 4.2
-
4)
ergeben sich -
entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers
– keine Hinweise für eine erhebliche Verände
rung des Gesundheitszustandes.
Hinsichtlich der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung ist die eine Frage, ob die entsprechende Diagnose als begründet und gesichert zu erachten ist; die andere Frage ist, ob eine daraus folgende Arbeitsunfähigkeit bei der recht
lichen Leistungsprüfung relevant und deshalb zu berücksichtigen ist. Im Regelfall gilt die Willensanstrengung, die
schmerzbe
dingte
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit zu überwinden, als zumutbar. Eine ausnahmsweise Unzumutbarkeit ist anzunehmen, wenn ent
weder eine psychi
sche
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer, oder
–
al
ter
nativ - bestimmte weitere Kriterien darauf schliessen lassen.
Die behan
delnden Ärzte des
A._
äusserten sich bei der diagnostizierten
somatoformen
Schmerzstörung nicht weiter zur Überwindbarkeit.
Bei den von ihnen gestellten Diagnosen fällt auf, da
ss sie
diese
nicht näher begründeten
und
sie
mangels Begründung schlecht nachvollziehbar sind.
Im Bericht vom Juni 2010 gingen die Ärzte von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes durch die Neu
ein
stel
lung der
neuroleptischen
Medikation aus (
vorstehend
E. 4.2).
In den nachfol
genden Berichten
(
vorstehend
E. 4.3
und
E. 4.4
)
äusserten sich die Ärzte des
A._
nicht mehr zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers. Sie attestier
te
n
ihm eine
volle Arbeitsunfähigkeit.
Die
Unterschiede zwischen
A._
und
B._
in der
Befunderhebung weis
en
auf die in ständiger Rechtsprechung anerkannte Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag hin (vgl. BGE 137 V 210 E. 1.2.4 mit
Hin
weisen).
So beruht das
B._
-Gutachten auf einer Momentaufnahme, während die Ärzte des
A._
den Beschwerdeführer seit Jahren behandeln. Es
ist
das
Wesensmerk
mal einer jeden Begutachtung, dass sie nicht auf einem derart langen
Beobach
tungszeitraum
beruhen kann wie die Berichte behandelnder Ärzte, ohne dass dies allein ihrem Beweiswert abträglich wäre
(Bundesgerichtsurteil 9C_866/2012 vom 21. November 2012 E. 3.2.1). Ausserdem verfolgen
die Berichte der behan
delnd
en Ärzte r
echtsprechungsgemäs
s
nicht den Zweck einer den abschliessen
den Entscheid über die Versicherungsansprü
c
he erlaubenden objektiven Beur
teilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die von der Rechtsprechung aufgestellten materiellen Anforderungen an ein Gutachten. Sodann ist
auch
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass die behan
delnden Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstel
lung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5).
5.
4
Die Würdigung der medizinischen Akten ergibt, dass das
B._
-Gutachten vom 1
2.
Juni 2012 für die Beantwortung der Frage umfassend ist. Es beruht auf für die strittigen Belange umfassenden und allseitigen Untersuchungen und be
rück
sichtigt die vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden in angemessener Weise. Sodann wurde es in Kenntnis der
Vorakten
und in Auseinandersetzung
mit den
Vorakten
erstellt
. Das Gutachten trägt
der konkreten medizinischen Situation Rechnung.
Das Gutachten erfüllt damit entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers die praxisgemässen Kriterien (
vorstehend
E. 1.6) voll
umfänglich, so dass für die
Entscheidfindung
und insbesondere für die Beurtei
lung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers darauf abgestellt werden kann. Der medizinische Sachverhalt erweist sich damit als hinreichend und klar und ist in diesem Sinne als erstellt zu betrachten.
5.5
Aus medizinischer Sicht hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nicht
geändert
. Das
B._
-Gutachten vom 1
5.
Juni 2012 bestätigt im Wesentli
chen die seinerzeitigen Feststellungen sowie die volle Arbeitsfähigkeit in ange
stammter und angepasster Tätigkeit.
Die Verfügung vom
7.
November 2012 erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind dem Beschwerdeführer aufzuerlegen