# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2ab5ad1a-0a99-4284-9827-f4a83c868893
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1994
,
l
ebte ab seinem 5. Altersjahr in Serbien.
Nach seiner Rückkehr in die Schweiz meldete er sich
am 9. Juni 2017
unter Hinweis auf eine akzentuierte Persönlichkeit bezie
hungsweise eine Persönlichkeits
störung, Panikstörung und Depressivität
bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 5/3
). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte
daraufhin
die erwerbliche Situation
ab
und versuchte
vorerst vergeblich
,
vom behandelnden Psychologen
Y._
- bis im Sommer 2017 in der Praxis
Z._
, Zürich, und danach in der
Praxis
A._
, Zürich, tätig (Urk. 5/13
, Urk. 12
)
-
einen
Bericht erhältlich zu machen (Urk. 5/
16
;
vgl. auch
Urk.
5/19-20
)
. Am 15. Februar 2018
(vgl. Aktenverzeichnis Urk. 5/1-65 Nr. 0021)
ging bei der IV-Stelle ein von Dr. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie FMH, am 3.
März (
richtig wohl:
Februar
)
2018 (Urk. 5/21)
unterzeich
neter
medizinischer Bericht ein.
Die IV-Stelle
er
tei
lte dem Versicherten am 22.
März 2018 (Urk. 5/23)
eine Kostengutsprache
für eine Potenzialabklärung
bei der
C._
. Nach erfolg
ter Potentialabklärung vom 9. April bis 6. Mai 2018 (vgl. Urk. 5/27) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 22. Mai 2018 (Urk. 5/29) mit, sie übernehme die Kosten für einen Deutsch-Kurs
vom 20. August bis 7. November 2018
im Hinblick auf die Ausübung ein
er angepassten Erwerbstätigkeit und am 1. Juni 2020 (Urk. 5/32) teilte sie ihm mit, dass sie die Kosten für einen ECDL-Base-Kurs vom 27. Oktober 2018 bis 16. März 2019 ebenso i
m
Hinblick auf die Ausübung einer angepassten Erwerbstätigkeit übernehmen
werde
. Am 9. Juli 2018 (Urk. 5/35) erteilte die IV-Stelle dem Versicherten Kostengutsprache für ein Arbeitstraining vom 6. August 2018 bis 6. Februar 2019 bei der
D._
, welche mit Mitteilung vom 8. Oktober 2018 (Urk. 5/43) mit der Begründung
auf
gehoben wurde
, dass aufgrund des instabilen Gesundheitszustandes berufliche Massnahmen
zurzeit nicht zielführend seien
.
Zudem führte sie aus, dass sie die Eingliederungsbemühungen abschliessen und die Rentenprüfung einleiten würde.
Nach dem Abbruch des Arbeitstrainings versuchte die IV-Stelle
,
aktuelle Berichte des behandelnden Psychologen
Y._
erhältlich zu machen. Dieser reagierte jedoch wiederholt nicht auf die Aufforderungen der IV-Stelle (vgl. Auf
for
derungen vom 19. November
und
13. Dezember 2018 sowie Telefonat vom 13. Dezember 2018 [Urk. 5/49-51]). Da sie vom Psychologen
Y._
keine Antwort erhielt, forderte die IV-Stelle den Versicherten auf, anzugeben, bei wem er sich in Behandlung befinde (vgl. Aufforderungen vom 14. Januar, 25. Februar und 14. März 2019 [Urk. 5/52-54]).
Mit Schreiben vom
1. April 2019 (Urk. 5/55) meldete der Versicherte zurück, dass «
Dr.
Y._
»
beziehungsweise
Dr.
B._
sein
behandelnder Arzt sei. Am 4. Dezember 2019 (Urk. 5/56) bat die IV-Stelle den Versicherten, den behandelnden Psychologen
Y._
aufzufordern, den ausstehenden
Verlaufsbericht zusammen mit dem Psychiater zu beantworten, und der IV-Stelle anschliessend mitzuteilen, wann dieses «Thema» mit dem Psychologen besprochen worden sei und sie mit dem Verlaufsbericht rechnen könne.
M
it Schreiben vom 13. Januar und
vom
4. Feb
ruar 2020 (Urk. 5/57-58)
forderte sie den Versicherten
erneut auf, der Auffor
derung vom 4. Dezember 2019 nachzukommen.
Mit Schreiben vom 4. Februar 2020 wies sie ihn
zudem auf seine Mitwirkungspflicht hin
und vermer
k
te
, dass
sie
bei Ausbleiben einer Antwort gezwungen sei, aufgrund der vorliegenden Akten zu entscheiden.
Eine Reaktion seitens des Versicherten oder des behan
delnden
Psychologen
Y._
blieb aus.
Nach ergangenem Vorbescheid (Urk
. 5/60
) verneinte
die
IV-Stelle mit Verfügung vom
25. Mai 2020 (Urk. 2) einen Leistungsanspruch.
2.
Der Versicherte erhob am
26. Juni 2020 (Urk. 1)
Beschwerde gegen die Verfügung vom
25. Mai 2020
und beantragte
sinngemäss deren Aufhebung und
eine
Neu
beurteilung
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9. September 2020 (Urk. 4
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 10. September 2020 (Urk. 6) wurde ein zweiter Schrift
wechsel angeordnet. Innert der dem Beschwerdeführer angesetzten Frist reichte er keine Replik ein. Ein verspätetes Fristerstreckungsgesuch vom 13. November 2020 (Urk. 9) wurde mit Verfügung vom 17. November 2020 (Urk. 10) abge
wiesen. Zudem wurde der Beschwerdeführer in der Verfügung darauf aufmerksam gemacht, dass es ihm unbenommen bleibe, sich nochmals zur Sache zu äussern und weitere sachbezogene Unterlagen einzureichen. Die Verfügung samt Eingabe vom 13. November 2020 wurden der IV-Stelle am 20. November 2020 zur Kennt
nis
gebracht
(vgl. Urk. 10). In der Folge
ging vom
Beschwerdeführer keine Eingabe mehr
ein
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
Abs. 1
IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.
5
Sowohl
das
Verwaltungsverfahren wie auch der kantonale
Sozialversicherungs
prozess sind vom
Untersuchungsgrundsatz
beherrscht. Danach haben Verwaltung und Sozialversicherungsgericht den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen. Diese Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs erforderlichen Tatsachen hinreichende
Klarheit besteht. Führen die im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatz
es von A
mtes wegen vorzunehmenden Abklärungen den Versicherungsträger oder das Gericht bei umfassender, sorgfältiger, objekti
ver und inhaltsbezogener Beweiswür
digung (BGE 132 V 393 E. 4.1 S. 400) zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten, und es könnten weitere
Beweis
massnahmen
an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so liegt im
Ver
zicht auf die Abnahme weiterer Beweise keine
Verletzung
des Anspruchs auf
rechtliches Gehör (antizipierende Beweiswürdigung; BGE 136 I 229 E. 5.3 S. 236 f.
mit weiteren Hinweisen). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist
weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen
Abklärungsmassnahmen
noch neue
wesent
liche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_
662/2016 vom 15. März 2017 E. 2.2 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in ihrer Verfügung vom
25
. Mai
2020
(Urk. 2) aus,
im vom
behandelnden Psychiater und Psychologen
eingeholten Bericht werde eine günstige Prognose beschrieben und eine Arbeitsfähigkeit von vorerst 50 %, welche innerhalb von drei bis vier Monaten auf 100 %
steigerbar
sei, festge
halten. Gestützt auf diese ärztliche Beurteilung
habe
sie Eingliederungsmassnahmen unterstützt. Diese seien am 30. September 2018 abgebrochen worden. Am 4. De
zember 2019
habe sie dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass kein weiterer Arzt
bericht vorliege, welcher allfällige Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit belegen würde. Sie habe dem Beschwerdeführer zudem mitgeteilt, dass der Leistungs
anspruch aufgrund der Akten beurteilt werde, falls kein weiterer Arztbericht und keine Antwort des Beschwerdeführers vorlägen. Der regionale ärztliche Dienst (RAD) erachte die Prognose des behandelnden Arztes und Psychologen für schlüssig. Durch eine als realistisch beurteilte schrittweise Steigerung innerhalb von drei bis vier Monaten könne eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Somit gehe sie davon aus, dass keine län
g
erdauernde Einschränkung der Arbeits
fähigkeit ausgewiesen sei
(S.
1 f.
).
2.2
Der Beschwerdeführer
stellte sich in
seiner
Beschwerde vom
26
. Juni
2020
(Urk. 1) hingegen auf den Standpunkt,
gemäss den Angaben seines Arztes habe dieser einen
Bericht
im März 2020 eingereicht.
Dieser
sei bei der Beurteilung nicht berücksichtigt worden. Er habe das Recht, dass das ganze Dossier berücksichtigt werde
(vgl. auch
Urk.
9)
.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 9. September 2020 (Urk. 4) hielt die Beschwer
degegnerin ergänzend fest, der vom Beschwerdeführer erwähnte Bericht sei nie eingereicht worden. Sie habe trotz mehrmaligem Auffordern seit Dezember 2018 vergeblich versucht, medizinische Untersuchungsbericht
e
bei den behandelnden Ärzten einzuholen. Es sei nie
ein
Bericht eingereicht worden. Daher habe sie dem Beschwerdeführer mitgeteilt, dass sie eine Aktenbeurteilung vornehmen werde.
Gestützt auf die RAD-Stellungnahme habe sie den Rentenanspruch verneint. Ent
gegen der Ansicht des Beschwerdeführers sei die Mitwirkungspflicht verletzt worden. Sie habe das Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
korrekt durchgeführt und daher zurecht den Rentenanspruch verneint.
3.
3.1
Vorab zu
prüfen ist, ob
die Beschwerdegegnerin wegen einer Verletzung der Mitwirkungspflicht einen Entscheid aufgrund der Akten fällen und sie
deswegen
von
allfälligen notwendigen
weiteren Abklärungen absehen konnte
.
W
er Versicherungsleistungen beansprucht, muss nach
Art.
28
Abs.
2 ATSG unentgeltlich alle Auskünfte erteilen, die zur Abklärung des Anspruchs, zur Fest
setzung der Versicherungsleistungen und zur Durchsetzung des Regressanspruchs erforderlich sind.
In der Invalidenversicherung ermächtigt die versicherte Person mit der Geltendmachung des Leistungsanspruchs die in der Anmeldung erwähn
ten Personen und Stellen, den Organen der Invalidenversicherung alle Auskünfte zu erteilen und alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen, die für die Abklärung von Leistungs- und Regressansprüchen erforderlich sind. Diese Personen und Stellen sind zur Auskunft verpflichtet (
Art.
6a
Abs.
1 IVG; vgl. auch
Art.
28
Abs.
3 ATSG).
Ko
mmen die versicherte Person oder andere Personen, die Leis
tungen beanspruchen, den Auskunfts- oder Mitwirkungspflichten in unent
schuldbarer Weise nicht nach, so kann der Versicherungsträger auf Grund der Akten verfügen oder die Erhebungen einstellen und Nichteintreten beschliessen. Er muss diese Personen vorher schriftlich mahnen und auf die Rechtsfolgen hin
weisen; ihnen ist eine angemessene Bedenkzeit einzuräumen
(
Art.
43
Abs.
3 ATSG).
3.2
Ein Aktenentscheid kommt nach
Art.
43
Abs.
3 ATSG nur in Frage, wenn die versicherte Person oder eine Person, die Leistungen beanspruchen will, die ihr obliegende Mitwirkungspflicht schuldhaft verletzt. Im vorliegenden Fall war es jedoch nicht der Beschwerdeführer, welcher seiner Mitwirkungspflicht in Bezug auf das Einreichen des Berichtes nicht nachkam. Vielmehr kam
Dr.
B._
beziehungsweise der Psychologe
Y._
seiner Pflicht zur Aus
kunftserteilung gemäss
Art.
6a
Abs.
1 IVG nicht nach. Für diese Pflichtverletzung hat der Gesetzgeber jedoch keine Sanktion vorgesehen. Wird die Auskunftspflicht durch einen Arzt nicht befolgt, kann dies insbesondere auch nicht zum Vorgehen führen, welches in
Art.
43
Abs.
3 ATSG festgelegt ist, mithin ist ein Aktenent
scheid in einer derartigen Konstellation nicht zulässig (
vgl.
BGE 134 V 189 E. 3.1 ff.,
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Auflage
, Zürich/Basel/Genf 2020,
Art.
43 N 100).
Es war dem Beschwerdeführer denn auch gar nicht möglich, den Bericht einzu
reichen, da dieser zuerst von
Dr.
B._
beziehungsweise
von
Psycho
loge
Y._
ausgestellt werden musste. Es geht nicht an, in einer solchen Konstellation, wenn der Behandler auf die Aufforderung Berichte einzureichen nicht reagiert, diese
Pflicht
mit der Androhung eines Aktenentscheides auf die versicherte Person
abzuwälzen. Der Beschwerdeführer selbst gab in seiner Anmeldung bekannt, dass er bei
m
Psychologen
Y._
in Behandlung sei, womit er die erforderliche Ermächtigung im Sinne
von Art.
6a
Abs.
1 IVG erteilt hat
(
Urk.
5/3). Mit Schreiben vom
1.
April 2019 (
Urk.
5/55) bestätigte der Beschwer
deführer
,
immer noch in Behandlung bei Psychologe
Y._
und
Dr.
med.
B._
zu
stehen und selbst mit der Beschwerde
und der Replik
brachte er
vor, dass ein Bericht von diesen
vorliegen sollte. Dem Beschwer
deführer darf es somit nicht zum Nachteil gereichen, dass von anderer Seite nicht alle gewünschten Unterlagen zur Verfügung gestellt wurden.
Er selber ist mit der Angabe der behandelnden Fachpersonen seiner Mitwirkungspflicht grundsätzlich nachgekommen.
Eine
Pflicht der versicherten Personen
,
auf ihre Behandler
im Hinblick auf die Einreichung von Berichten «positiv»
einzuwirken
, sieht das Gesetz sodann nicht vor.
Insbesondere kann nicht angehen, dass die
IV-Stellen die versicherten
Personen
unter Androhung
zur Durchsetzung
des ihr obliegenden
Abklärungs
auf
trages einspannen
.
Damit würde im Ergebnis die Verant
wortung für die Abklä
rung der
Verhältnisse an die Versicherten delegiert, was dem Untersu
chungs
grundsatz widerspricht.
Infolgedessen durfte die IV-Stelle
vorliegend
weder
ihre Abklärungen vorzeitig abbrechen
noch
das Leistungsbegehren gestützt auf
Art.
43
Abs.
3 ATSG auf
grund der Akten entscheiden.
Soweit die vorhandenen Berichte eine Beurteilung der Leistungsansprüche nicht zulassen, was nachfolgend zu prüfen sein wird, ist
mittels sonstiger Abklärungsmassnahmen anzustreben,
den
massgebende
n
Sach
verhalt abzuklären (
Kieser
, a.a.O.,
Art.
43 N 100; vgl. dazu auch E.
6.2
nach
stehend).
4.
Was den massgeblichen Anfechtungsgegenstand anbetrifft, ist zu bemerken, dass die angefochtene Verfügung vom 2
5.
Mai 2020 (
Urk.
2) – entgegen der von der Beschwerdegegnerin in der Beschwerdeantwort vertretenen Ansicht (E. 2.3) – nicht nur einen allfälligen Rentenanspruch zum Gegenstand hat, sondern auch weitere Leistungen der Invalidenversicherung. Dies ergibt sich aus
dem Wortlaut
der Verfügung. So ist diese mit dem Titel «Kein Anspruch auf IV-Leistungen» überschrieben, das Dispositiv lautet «Das Leistungsbegehren wird abgewiesen» und den Erwägungen lässt sich auch nicht entnehmen, dass es sich ausschliesslich um einen Rentenentscheid handeln würde, sondern es wurde darin gestützt auf die vorliegenden medizinischen Unterlagen d
a
rauf geschlossen, dass keine länger
dauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vorliege.
Zwar wurden nach Abbruch der Arbeitsintegration keine weiteren beruflichen Massnahmen mehr an die Hand genommen, die Arbeitsintegration mit Mitteilung vom
8.
Oktober 2018 (
Urk.
5/43) abgebrochen und darin darauf hingewiesen, dass die Eingliederungsbemühungen abgeschlossen würden sowie die Rentenprüfung eingeleitet
. Zur
Begründung
wurde jedoch
ausgeführt, dass aufgrund des insta
bilen Gesundheitszustandes berufliche Massnahmen «zurzeit» – also über 19
Monate vor der vorliegend zu beurteilenden Verfügung vom 25.
Mai 2020 – nicht zielführend seien.
Vorliegend abzuhandelnder
Anfechtungs- und
Streitgegenstand bilde
n
demnach nicht nur ein allfälliger Rentenanspruch, sondern gemäss der Verfügung (Wort
laut Titel, Dispositiv und Erwägungen) auch weitere Leistungen der Invaliden
versicherung.
5.
5
.1
Dr.
B._
nannte in seinem Bericht vom 3. Februar 2018 (Urk. 5/21) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1 Ziff. 1.1):
-
ADHS (ICD-10 F90.0); seit Geburt
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung – impulsiver Typ (ICD-10 F60.30); seit Adoleszenz
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0); seit Adoleszenz
Dr.
B._
berichtete, d
er
Beschwerdeführer sei wach und zu allen Qualitäten orientiert. Es seien keine psychotischen Zeichen feststellbar und
keine
Zwänge
eruierbar
. Die Stimmung sei zurzeit ausgeglichen, zeitweise mit depres
siven Tendenzen. Eine akute Suizidalität sei keine feststellbar (S. 2 Ziff. 1.4). Es erfolge eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung mit wöche
ntlichen Terminen im verhalt
e
nstherapeutischen Setting. Die aktuelle Medikation werde mit
Cipralex
und
Trittico
durchgeführt (Ziff. 1.5). Es bestehe eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit seit Sommer 2017
bis heute
(Ziff. 1.6)
. Der emotional instabile Zustand und die
Chronifizierung
des Beschwerdebildes sprächen dafür, dass eher mit einem Pensum von 50 % wiedereingestiegen werden sollte, sonst drohe eine Überforderung sowie eine Verschlechterung beziehungsweise Verschlimmerung des psychischen Zustandes. Der Beschwerdeführer sei aus psychiatrischer Optik nicht in
d
er Lage
,
per sofort 100
% im 1. Arbeitsmarkt zu arbeiten. Eine stufen
weise Steigerung der Arbeitsfähigkeit erscheine aber als realistisch (Ziff. 1.7). Eine behinderungsangepasste Tätigkeit könne im Umfang mit 50
% beginnend und innerhalb von c
irca
drei bis vier Monaten auf 100 % gesteigert werden (S. 3
Ziff. 1.7). Eine berufliche Tätigkeit könne ab sofort im Umfang von 50 % aufge
nommen werden (Ziff. 1.9). Seit
mehreren
Jahren sei der Beschwerdeführer in der Belastbarkeit und im Auffassungsvermögen leicht, in der Anpassungsfähigkeit leicht bis mittelgradig und in seinem Konzentrationsvermögen mittelgradig ein
geschränkt (S. 5).
5
.
2
Im Rahmen der Eingliederungsberatung wurde wiederholt telefonisch Rück
sprache mit Psychologe
Y._
genommen
beziehungsweise dieser war bei einer Besprechung dabei
(vgl.
Urk.
5/24 S. 1, 5/30 S. 1, 5/44 S. 2).
Am 3. Oktober 2018 habe er anlässlich eines Telefongespräches ausgeführt, dass er den Versi
cherten in naher Zukunft nicht fähig sehe
,
im
1.
Arbeitsmarkt zu bestehen. Ideal wäre es, wenn der Versicherte eine Rente bekommen und seine Arbeitsfähigkeit in einer geschützten Werkstatt aufbauen würde (
Urk.
5/44 S. 3 f.).
5
.3
Gestützt auf
den Bericht von Dr.
B._
vom 3. Februar 2018
(E. 3.
1
vorstehend
)
führte RAD-Arzt
E._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychothe
rapie
, in seiner Stellungnahme vom
3
.
Juni
2019
(Urk.
5
/
59
S. 4) aus,
es werde empfohlen, sich auf den Arztbericht vom 3. Februar 2018 zu beziehen. Gemäss Arztzeugnis sei von einer Arbeitsfähigkeit mit 50
% beginnend
mit einer
Steige
rung auf 100
%
innerhalb 3-4 Monaten auszug
e
h
en. Unter Berücksichtigung des vorliegenden Arztzeugnisses liege mit überwiegender Wahrscheinlichkeit kein dauerhaft die Arbeitsfähigkeit einschränkender Gesundheitsschaden vor.
Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin ergänzte RAD-Arzt
E._
am 15. Au
gust 2019 (Urk. 5/59 S. 4 f.), bezugnehmend auf den Bericht des behandelnden Psychiaters vom 3. Februar 2018 sei die 50%ige Arbeitsfähigkeit seit Sommer 2017 anzunehmen. Durch eine als realistisch beurteilte schrittweise Steigerung innerhalb von 3-4 Monaten könne eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden. Voraussetzung sei eine leitliniengerechte Behandlung.
Der Arzt «
Dr.
med.
Y._
»
sei
weder im
MedReg
noch im FMH-Index geführt. Sollte eine Information des aktuell behandelnden Facharztes Psychiatrie (zuletzt Dr.
B._
) gewünscht werden, sei dieser beim Beschwerdeführer zu erfragen und ein Bericht dort einzuholen. Bis dahin werde empfohlen, die vorlie
gende Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit weiterhin zugrunde zu legen.
6
.
6
.1
Für die Beurteilung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers in der
gesamten
Zeit seit der Anmeldung am 9. Juni 2017 (Urk. 5/3) bis zum Verfü
gungszeitpunkt am 25. Mai 2020 (Urk. 2) lag der Beschwerdegegnerin genau ein
einziger
schriftlicher
ärztlicher
Bericht vor, welcher auf eine
r
eigens durchge
führte
n
Untersuchung basierte, nämlich der Bericht von Dr.
B._
vom 3. Februar 2018 (E. 3.1). RAD-Arzt
E._
empfahl
,
auf diesen Bericht abzustellen (E. 3.2)
.
Ob dieser Bericht vom
3.
Februar 2018 die gesundheitlichen Verhältnisse nament
lich den psychopathologischen Befund im Zeitpunkt der angefochtenen Verfü
gung vom 2
5.
Mai 2020 noch zuverlässig wider
spiegelt, ist gänzlich ungewiss,
da
sich aus
den Akten
auch Hi
nweise auf eine andauernde
Beeinträchtigung ergeben.
So soll sich der Beschwerdeführer
etwa
im September 2018 wegen starker Schluck
beschwerden, welche die Zunahme von Nahrung und Flüssigkeit verun
möglicht haben sollen, notfallmässig in Behandlung i
ns
F._
(vgl. Urk. 5/44 S. 3 Mitte)
begeben haben
, wobei diese
Beschwerden
von Psychologe
Y._
anlässlich eines Telefonates im Zuge der Arbeitsintegration als psy
chosomatisch interpretiert wurden (S. 3 unten). Psychologe
Y._
führte die Absenzen
des Beschwerdeführers während des Arbeitstrainings
auf seinen schwankenden psychischen Zustand zurück, wie er dies anlässlich eines Krisen
gespräches im Rahmen der Arbeitsintegration gegenüber der Beschwerdegegnerin angab (Urk. 5/44 S. 2 Mitte).
Aufgrund dieser Angaben beendete die Beschwer
degegnerin die beruflichen Massnahmen vorläufig
(vgl.
Urk.
5/43).
6.2
Nach dem Gesagten kann aufgrund der
vorhandenen
Akten nicht mit überwie
gender Wahr
scheinlichkeit festgestellt werden, ob und in welchem Umfang
der Beschwerde
führer
arbeitsunfähig ist beziehungsweise allenfalls vorübergehend war. Nach
dem der Sachverhalt nicht ausreichend abgeklärt ist, ist die angefoch
tene Verfü
gung vom
25
.
Mai
2020
aufzuheben und die Sache an die Beschwer
degegnerin
zurückzuweisen.
Die
Beschwerdegegnerin
wird
vorerst
die
vorhandenen
Berichte bei den Behand
lern
einzuholen haben.
Dazu
wird sie sich insbesondere erneut an die Praxis
A._
, Zürich,
(Psychologe
Y._
und/oder Dr.
B._
) mit einem ein
dringlichen Hinweis auf deren Auskunftspflicht (
Art. 6a IVG in Verbindung mit
Art. 28 Abs. 3 IVG) zu wenden haben
(
vgl.
für das Vorgehen
:
Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung [KSVI]
vom
1.
Januar 2018,
Kapitel
2.3.3
Folgen der Nicht
erteilung von Auskünften [
Rz
2056 1-2
]
sowie
Rz
2067
)
. Zudem wird sie sich sicherlich auch beim
F._
(notfallmässige Vorstellung im September 2018) über medizinische Unterlagen informieren und diese, falls vorh
anden, ein
zu
fordern
zu haben
(vgl. Urk. 5/44 S. 3).
Gegebenenfalls
wird eine ergänzende psychiatrische Abklärung in die Wege zu leiten sein
(beispielsweise in Form einer eigenständigen Untersuchung eines RAD-
Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie
[
vgl.KSVI
Rz
2017
]
oder mittels eines psychiatrischen Gutachtens
)
.
Bezüglich des Anspruches auf eine ordentliche oder ausserordentliche Rente wird die Beschwerdegegnerin sodann die Voraussetzungen von
Art.
36
IVG
und
von
Art.
39 IVG zu prüfen haben.
Anschliessend wird über die Leistungsansprüche des Beschwerdeführers erneut zu entscheiden sein
.
7
.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und entsprechend dem A
usgang des Verfahrens der unter
liegenden Beschwerdegegne
rin aufzuerlegen.