# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8f83dfa2-e0a0-4b51-878b-1107a7f16672
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Der türkische Staatsbürger A._, geboren 1969, reiste 1980 im Alter von elf Jahren
zusammen mit seiner Mutter und seinen Geschwistern im Rahmen des
Familiennachzugs zu seinem Vater in die Schweiz ein (act. Migrationsamt [nachfolgend:
MA] 110 ff.). Seit 1990 verfügt er über eine Niederlassungsbewilligung.
A.a.
Am 22. Juli 1996 heiratete A._ in S._ die gleichentags in die Schweiz eingereiste B._,
ukrainische Staatsangehörige, geboren 1970 (act. MA 225). Sie erhielt im Rahmen des
Familiennachzugs zu ihrem Ehemann eine Aufenthaltsbewilligung und ist seit Mai 2003
ebenfalls im Besitz einer Niederlassungsbewilligung. 2000 kam ihr gemeinsamer Sohn
C._ zur Welt (act. MA 166). Seit Januar 2004 leben die Ehegatten getrennt. Mit
Entscheid des Kreisgerichts X._ von 2007 wurde die Ehe geschieden, der Sohn unter
die elterliche Sorge der Mutter gestellt und A._ zur Zahlung von Unterhaltsbeiträgen
für den Sohn verpflichtet (act. MA 713).
A.b.
Strafrechtlich trat A._ seit seinem 21. Altersjahr regelmässig in Erscheinung:
A.c.
Verurteilung wegen Widerhandlung gegen das Bundesgesetz über die
Betäubungsmittel sowie unerlaubten Waffentragens zu einer Busse von CHF 700
(Entscheid des Bezirksamtes Neutoggenburg Liechtenstein vom 15. August 1990)
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© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/17
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Verurteilung wegen mehrfachen Diebstahls und vollendeten Diebstahlversuchs,
mehrfacher Sachbeschädigung und mehrfachen Hausfriedensbruchs zu 6 Monaten
Gefängnis bedingt als Zusatzstrafe zum Entscheid des Bezirksamtes
Neutoggenburg Liechtenstein (Entscheid des Bezirksgerichts Münchwilen vom
30. November 1993, act. MA 501 ff.)
–
Verurteilung wegen bandenmässigen Diebstahls, versuchten bandenmässigen
Raubs, mehrfacher Hehlerei, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen
Hausfriedensbruchs und grober Verletzung der Verkehrsregeln zu 18 Monaten
Gefängnisstrafe und fünf Jahren Landesverweisung, bedingt aufgeschoben (Urteil
des Bezirksgerichts Wil vom 20. Februar 1996, act. MA 311 ff.)
–
Verurteilung wegen Urkundenfälschung und versuchten Betrugs zu einem Monat
Gefängnis (Entscheid des Bezirksgerichts Gossau vom 29. September 1999,
Entscheid des Kantonsgerichts St. Gallen vom 28. März 2000, act. MA 96 ff.)
–
Verurteilung wegen Ungehorsams gegen amtliche Verfügungen zu einer Busse von
CHF 500 (Bussenverfügung des Bezirksamts Gossau vom 23. März 2000)
–
Verurteilung wegen Widerhandlungen gegen das Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenen Versicherung zu einer Busse von CHF 200 (Strafverfügung des
Bezirksamts March vom 27. März 2000, act. MA 679)
–
Verurteilung wegen Führen eines Motorfahrzeugs in angetrunkenem Zustand,
Verletzung von Verkehrsregeln und Übertretung der Verordnung über die
technischen Anforderungen von Strassenfahrzeugen zu acht Wochen Gefängnis
(Untersuchungsamt St. Gallen vom 16. Dezember 2002)
–
Verurteilung wegen missbräuchlicher Verwendung der Nebellichter und
Nichtmitführen des Fahrzeugausweises zu einer Busse von CHF 60
(Bussenverfügung des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 24. März 2003, act. MA
675)
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Verurteilung wegen mehrfacher Vernachlässigung von Unterhaltspflichten,
Widerhandlung gegen das Ausländergesetz, mehrfacher Verfügung über mit
Beschlag belegten Vermögenswerten und mehrfachen Ungehorsams gegen
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amtliche Verfügungen zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten und einer Busse
von CHF 600 (Strafbescheid des Untersuchungsamtes St. Gallen vom
17. November 2004, act. MA 638 ff.)
Verurteilung wegen grober und mehrfacher Verletzung von Verkehrsregeln (unter
anderem Geschwindigkeitsüberschreitung von 42 km/h bei erlaubten 120 km/h) zu
einer Geldstrafe von 12 Tagessätzen zu je CHF 100 und einer Busse von CHF 860
(Bussenverfügung des Untersuchungsamtes Altstätten vom 5. März 2005, act. MA
711 f.)
–
Verurteilung wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln
(Geschwindigkeitsüberschreitung von 27 km/h bei erlaubten 50 km/h) zu einer
Geldstrafe von 12 Tagessätzen zu je CHF 90 und einer Busse von CHF 800
(Bussenverfügung des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 6. Juli 2009, act. MA
721 f.)
–
Verurteilung wegen Ungehorsams des Schuldners im Betreibungs- und
Konkursverfahren zu einer Busse von CHF 300 (Bussenverfügung des
Untersuchungsamtes Altstätten vom 23. November 2010, act. MA 823 ff.)
–
Verurteilung wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das kantonale
Gastwirtschaftsgesetz wegen Ausübung einer gastgewerblichen Tätigkeit ohne
Bewilligung zu einer Busse von CHF 200 (Strafbefehl des Untersuchungsamtes
Altstätten vom 24. Mai 2016, act. MA 1145 f.)
–
Verurteilung wegen Urkundenfälschung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
je CHF 60 und einer Busse von CHF 600 (Strafbefehl des kantonalen
Untersuchungsamtes St. Gallen vom 15. August 2017, act. MA 1151 ff.)
–
Verurteilung wegen Betrugs und versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 120
Tagessätzen zu je CHF 60 (Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom
13. März 2018, act. MA 1327 f.)
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Verurteilung wegen Drohung (mehrfache Begehung) und Tätlichkeiten zu einer
Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je CHF 60 und einer Busse von CHF 300
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A.d.
Die Fremdenpolizei (heute: Migrationsamt) verwarnte A._ aufgrund seiner
Verurteilungen von 1990 bis 1993 am 28. Februar 1994 (act. MA 493). Mit Verfügung
vom 10. März 2005 drohte das Ausländeramt (heute: Migrationsamt) A._ die
Ausweisung an, da er mit seinem Verhalten (Verurteilungen und Schulden) erneut zu
Klagen Anlass gegeben hatte (act. MA 692 ff.). Das Migrationsamt widerrief mit
Verfügung vom 14. März 2012 die Niederlassungsbewilligung von A._ wegen weiterer
strafrechtlicher und finanzieller Verfehlungen (act. MA 894). Diese Verfügung hob es am
16. Juli 2012 wiedererwägungsweise auf. A._ wurde eine letzte Chance gegeben,
wobei er aufgefordert wurde, sich um die Sanierung der Schulden zu bemühen und
keine weiteren Schulden anzuhäufen (act. MA 949).
A.e.
A._ ist in finanzieller Hinsicht im Betreibungsregister verzeichnet und ist beim
Sozialamt wegen ausstehender Unterhaltsbeiträge verschuldet. Gemäss dem
Betreibungsregisterauszug des Beitreibungsamtes T._ vom 5. Dezember 2018 hat er
31 Verlustscheine in der Höhe von CHF 159'545.70 und offene Betreibungen von
(Entscheid der Staatsanwaltschaft Bischofszell vom 15. August 2018, act. MA 1348
ff., 1403)
Verurteilung wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln
(Geschwindigkeitsüberschreitung von 27 km/h bei erlaubten 50 km/h) im Zusatz
zum Entscheid der Staatsanwaltschaft Bischofszell vom 15. August 2018 zu einer
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 100 (Strafbefehl des Untersuchungsamtes
Altstätten vom 15. November 2018, act. MA 1390 f.)
–
Verurteilung wegen Übertretung gegen das Arbeitslosenversicherungsgesetz durch
Verletzung der Auskunftspflicht zu einer Busse von CHF 400 (Strafbefehl des
Untersuchungsamtes Altstätten vom 2. Juli 2019, act. MA 1456)
–
Verurteilung wegen Unterlassung der Buchführung und Ungehorsam gegen amtliche
Verfügungen zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je CHF 30 und einer Busse
von CHF 300 (Strafbefehl des Untersuchungsamtes St. Gallen vom 20. September
2019, act. MA 1462 f).
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CHF 295'196.27 (act. MA 1373 ff.). Bei den Sozialen Diensten U._ beläuft sich der
offene Schuldensaldo für die ausstehenden Unterhaltsbeiträge für den Sohn per Ende
Dezember 2017 auf CHF 282'418.90 (act. MA 1313). Beim Sozialamt V._ ist er mit
einem offenen Schuldensaldo für unerhebbare Krankenkassenprämien und
Alimentenausstände gegenüber der Ex-Frau mit insgesamt CHF 46'726.10 verzeichnet
(act. MA 1316). Über sein Unternehmen G._, wo er als alleiniger Gesellschafter und
Geschäftsführer im Handelsregister eingetragen war, wurde am 28. März 2017 der
Konkurs eröffnet und am 11. April 2017 eingestellt. Dieses war mit offenen
Betreibungen von CHF 220'247.45 verzeichnet (act. MA 1148 f, 1150, 1184 ff.). Am
12. September 2018 gründete A._ das Einzelunternehmen H._. Über dieses
Unternehmen und damit auch den Inhaber, A._, wurde am 13. Juni 2019 der Konkurs
eröffnet und am 12. Juli 2019 mangels Aktiven eingestellt (act. Vorinstanz 10).
A.f.
Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs widerrief das Migrationsamt mit Verfügung
vom 26. Februar 2019 die Niederlassungsbewilligung von A._ und wies ihn aus der
Schweiz weg. Der Entscheid wurde damit begründet, dass das Verhalten von A._ zu
schweren Klagen Anlass gegeben habe. Trotz Verwarnung und Androhung des
Widerrufs der Niederlassungsbewilligung habe er sich nicht beeindrucken lassen und
habe weiter delinquiert und Schulden in erheblichen Mass angehäuft. Seinen
finanziellen Verpflichtungen sei er trotz Erwerbstätigkeit nicht nachgekommen, weshalb
es nicht wahrscheinlich sei, dass er die bereits vorhandenen Schulden tilgen könne.
Obwohl er bereits seit dem Alter von elf Jahren in der Schweiz lebe, können wegen der
vorhandenen Schulden und den strafrechtlichen Klagen nicht von einer erfolgreichen
Integration ausgegangen werden. Er sei nicht gewillt, sich in die im Gaststaat geltende
Ordnung zu fügen. Eine Rückkehr sei ihm möglich und zumutbar (act. MA 1404 ff.).
A.g.
Gegen diese Verfügung erhob A._ am 12. März 2019 durch seinen Rechtsvertreter
Rekurs. Im Rekursverfahren reichte er einen Arbeitsvertrag vom 11. April 2019 ein,
gemäss welchem er ab 1. Mai 2019 bei der I._ AG Teilzeit (21 Stunden pro Woche) als
Koch arbeitet (act. MA 1420 f.). Den Rekurs wies das Sicherheits- und
Justizdepartement mit Entscheid vom 10. Juni 2020 ab.
B.
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B.a.
A._ (Beschwerdeführer) reichte durch seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 25. Juni
2020 und mit Ergänzung vom 8. September 2020 gegen den Entscheid des
Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) Beschwerde beim
Verwaltungsgericht ein. Er beantragte, dass der angefochtene Entscheid aufgehoben
und vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung abgesehen werde, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zudem stellte er ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung.
B.b.
Der Abteilungspräsident bewilligte mit Schreiben vom 9. September 2020 die
unentgeltliche Prozessführung und entband den Beschwerdeführer von der Leistung
des Kostenvorschusses.
B.c.
Mit Vernehmlassung vom 21. September 2020 schloss die Vorinstanz auf Abweisung

## Considerations

der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressat des
angefochtenen Entscheids ist der im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführer
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde gegen den am 10. Juni 2020 versandten Entscheid der
Vorinstanz wurde mit Eingabe vom 25. Juni 2020 rechtzeitig erhoben und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 8. September 2020 formal wie inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
bis
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2.
Die Niederlassungsbewilligung kann nach Art. 63 Abs. 1 lit. b des Bundesgesetzes über
die Ausländerinnen und Ausländer und über Integration (Ausländer- und
Integrationsgesetz; SR 142.20, AIG) widerrufen werden, wenn eine ausländische
Person in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in der
Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder die
äussere Sicherheit gefährdet. Dieser Widerrufsgrund gilt auch, wenn sich der
Betroffene mehr als 15 Jahre ununterbrochen in der Schweiz aufgehalten hat (Art. 63
Abs. 2 AIG; BGE 139 I 16 E. 2.1).
Der Beschwerdeführer bestreitet das Vorliegen des Widerrufsgrunds nach Art. 63 Abs.
1 lit. b AIG wegen Nichteinhaltung der hiesigen Rechtsordnung und mutwilligen
Nichterfüllens der öffentlich-rechtlichen und privatrechtlichen Verpflichtungen nicht.
Umstritten ist die Verhältnismässigkeit des Widerrufs (Art. 96 AIG) bzw. die Abwägung
der öffentlichen und privaten Interessen in Bezug auf die aufenthaltsbeendende
Massnahme im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 der Europäischen Konvention zum Schutze
der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK).
3.
Das Vorliegen eines Widerrufsgrunds führt nicht zwingend zum Widerruf der
Niederlassungsbewilligung. Der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung muss stets
verhältnismässig sein, was aus Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, BV) hervorgeht und im
Anwendungsbereich des Ausländer- und Integrationsgesetz von Art. 96 Abs. 1 AIG
verdeutlicht wird. Greift der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung in das von Art. 13
Abs. 1 BV und Art. 8 Ziff. 1 EMRK geschützte Privat- oder Familienleben ein, ergibt sich
das Erfordernis einer Verhältnismässigkeitsprüfung zudem aus Art. 36 Abs. 3 BV und
Art. 8 Ziff. 2 EMRK. In diesem Rahmen stellen das Bundesgericht und der Europäische
Gerichtshof für Menschenrechte auf die gleichen Aspekte ab. Zu berücksichtigen sind
namentlich die Schwere des Delikts und des Verschuldens des Betroffenen, der seit
der Tat vergangene Zeitraum, das Verhalten des Ausländers während diesem, der Grad
seiner Integration bzw. die Dauer der bisherigen Anwesenheit sowie allgemein die ihm
und seiner Familie drohenden Nachteile (BGE 135 II 377 E. 4.3); von Bedeutung ist
zudem die gesundheitliche Situation sowie die Qualität der sozialen, kulturellen und
familiären Beziehungen zum Gast- wie zum Heimatstaat. Keines dieser Elemente ist für
3.1.
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sich allein ausschlaggebend; erforderlich ist eine Würdigung der gesamten Umstände
im Einzelfall (BGE 139 I 31 E. 2.3.3, BGer 2C_348/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 5.2).
Die Niederlassungsbewilligung eines Ausländers, der sich – wie der Beschwerdeführer
– schon seit langer Zeit im Land aufhält soll nur mit Zurückhaltung widerrufen werden.
Bei gewichtigen Straftaten und bei Rückfall sowie bei wiederholter (unverbesserlicher)
Delinquenz kann aber auch in diesen Fällen ein überwiegendes Interesse daran
bestehen, die Anwesenheit des Ausländers zu beenden, da und soweit er (1)
hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebracht hat oder (2) er sich von straf-
und ausländerrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und damit zeigt, dass
er auch künftig weder gewillt noch fähig erscheint, sich an die hiesige Rechtsordnung
zu halten (BGer 2C_348/2020 vom 7. Oktober 2020 E. 5.2 und BGer 2C_846/2018 vom
26. März 2019 E. 3.3, vgl. BGE 139 I 31 E. 2.3.1). Je schwerer eine vernünftigerweise
absehbare Rechtsgutsverletzung wiegt, umso weniger ist die Möglichkeit eines
Rückfalls ausländerrechtlich hinzunehmen (BGer 2C_815/2018 vom 24. April 2019 E.
2.4, vgl. 136 II 5 E. 4.2 und 130 II 176 E. 4.3.1 mit Hinweisen). Handelt es sich bei den
begangenen Straftaten um Gewaltdelikte, so vermag das öffentliche Interesse an einer
Ausreise des Straftäters – je nach Gewichtung der übrigen, ebenfalls bei der
Interessenabwägung zu berücksichtigenden Elemente – das private Interesse an einem
Verbleib im Aufnahmestaat zu überwiegen. Selbst eine einmalige Straftat kann eine
aufenthaltsbeendende Massnahme rechtfertigen, wenn die Rechtsgutsverletzung
schwer wiegt (BGer 2c_952/2019 vom 8. Mai 2020 E. 3.5 und 2C_656/2018 vom 13.
Dezember 2018 E. 2.3). Dies kann bei Gewaltdelikten der Fall sein, d.h. bei
Beeinträchtigungen der physischen, psychischen und sexuellen Integrität, bei
qualifiziertem Drogenhandel aus rein pekuniären Motiven und bei organisierter
Kriminalität sowie Terrorismus und Menschenhandel (BGer 2C_634/2018 vom 5.
Februar 2019 E. 4.1.2 und 2C_756/2018 vom 21. September 2018 E. 3.2.1). Bei
gewichtigen Straftaten, bei Rückfall sowie bei wiederholter (unverbesserlicher)
Delinquenz besteht regelmässig ein wesentliches öffentliches Interesse daran, die
weitere Anwesenheit der Täterin oder des Täters in der Schweiz zu beenden, da und
soweit sie hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr gebracht haben bzw. sich
von straf- und ausländerrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lassen und damit
zeigen, dass sie auch künftig weder gewillt noch fähig erscheinen, sich an die hiesige
Rechtsordnung zu halten (BGE 139 I 16 E. 2.1, BGer 2C_50/2018 vom 14. August 2018
E. 3.2.4).
3.2.
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Bei mutwilliger Verschuldung ist nebst der Höhe der Schulden und der
Anwesenheitsdauer des pflichtvergessenen Schuldners entscheidend, ob und inwiefern
dieser sich bemüht hat, seine Verbindlichkeiten abzubauen und mit den Gläubigern
nach einer Lösung zu suchen. Sind solche Bemühungen dargetan, liegt die
Wegweisung der ausländischen Person nicht im Interesse der Gläubiger, da der
Schuldenabbau dadurch kompromittiert würde. Ferner ist im Rahmen der
Interessenabwägung zu berücksichtigen, dass das öffentliche Interesse an der
Wegweisung ausländischer Personen, welche einzig dem Schutz potentieller Gläubiger
dient, von geringerem Gewicht erscheint als dasjenige an der Wegweisung straffälliger
oder dauernd sozialhilfeabhängiger Personen. Die Mutwilligkeit setzt vielmehr ein von
Absicht, Böswilligkeit oder qualifizierter Fahrlässigkeit getragenes Verhalten voraus
(BGer 2C_573/2019 vom 14. April 2020 E. 2.2 und 2C_789/2017 vom 7. März 2018 E.
3.3.1, zum Ganzen auch: M. Spescha, in: Spescha et al. [Hrsg.], Kommentar
Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 11 zu Art. 62 AIG sowie N 17 zu Art. 63 AIG). Wurde
bereits eine ausländerrechtliche Verwarnung (Art. 96 Abs. 2 AIG) ausgesprochen ist
entscheidend, ob die ausländische Person danach weiterhin mutwillig Schulden
angehäuft hat. Erforderlich ist, dass keine wesentliche Besserung eintritt, respektive
dass das vom Gesetz als unerwünscht erachtete Verhalten auch nach der Verwarnung
fortgesetzt wird. Dabei muss ein Vergleich zwischen der Ausgangslage im Zeitpunkt
der Androhung der Massnahme mit der aktuellen Situation, in der diese endgültig
ergriffen werden soll, gezogen werden. Für den Fall der Schuldenwirtschaft als
Widerrufsgrund bedeutet dies, dass die ausländische Person auch nach der
Androhung der ausländerrechtlichen Folgen weiterhin mutwillig Schulden gemacht
haben muss (BGer 2C_573/2019 vom 14. April 2020 E. 2.2, 2C_62/2019 vom 14.
Februar 2020 E. 3.1.1 und 2C_71/2019 vom 14. Februar 2020 E. 4.1.2).
3.3.
Die Vorinstanz gewichtete die öffentlichen Interessen an der Wegweisung des
Beschwerdeführers höher als seine privaten Interessen am Verbleib in der Schweiz. Sie
erwog, dass trotz langjährigen Aufenthalts beim Beschwerdeführer angesichts der
Vielzahl gewichtiger strafrechtlicher Verfehlungen und ausserordentlich hoher
Verschuldung keineswegs von einer wirtschaftlich und sozial erfolgreichen Integration
die Rede sein könne. Weder zahlreiche fremdenpolizeiliche Verwarnungen und eine
angedrohte Ausweisung noch eine bedingte Landesverweisung und diverse
strafrechtliche Massnahmen hätten ihn zu einer wesentlichen Verhaltensänderung
bewegen können. Bis zum elften Altersjahr habe er seine Kindheit im Herkunftsland
verbracht, womit ihm die dortigen Sitten und Gebräuche bekannt seien. Es würden
3.4.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/17
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jedenfalls keine Anhaltspunkte bestehen, wonach ihm die Verhältnisse seines
Heimatlandes ebenso wenig vertraut seien wie einem Feriengast, der nicht von diesem
Land stamme. Selbst wenn er über kein eigentliches Beziehungsnetz in der Türkei
verfüge, sei er aufgrund seiner erworbenen Kenntnisse in der Gastronomie und mit der
finanziellen und moralischen Unterstützung durch die Familie aus der Schweiz in der
Lage, ein Beziehungsnetz aufzubauen.
Dagegen wendet der Beschwerdeführer ein, dass er Aramäer sei, welcher die Kultur
seines Herkunftslands nicht teile, sondern zu einer allerhöchstens im Staat gebilligten
Minderheit gehöre. Dies sei auch der Grund für den Wegzug der Eltern in die Schweiz
gewesen. Damit hätten ihm seine Eltern nicht die türkische Kultur nähergebracht und
diese sei ihm daher fremd wie einem Touristen. Etwaige Kenntnisse der eigenen
ethnischen aramäischen Kultur würden ihm nicht helfen, in der Türkei Fuss zu fassen.
Dies umso mehr, als dass ihm mit 50 Jahren die aramäischen Sitten und Gebräuche
mittlerweile fremd seien und er kulturell vollständig verwestlicht sei. Er würde also nicht
einmal in der aramäischen Minderheitsbevölkerung Anschluss finden. Auch dürfe nicht
davon ausgegangen werden, dass er von seinen Eltern türkisch gelernt habe. Das
aramäische Volk habe eine eigene Sprache, nämlich aramäisch. Er könne nicht genug
türkisch, um selbständig amtliche Formulare auszufüllen, sodass er in der Türkei kaum
lebensfähig sei. Ebenso verhalte es sich mit den dortigen Sitten, welche in
muslimischen Kulturen einen viel höheren sozialen Stellenwert einnehmen würden als
im Westen. Er verfüge über keinerlei soziale Verbindungen und Anknüpfungspunkte in
der Türkei. Angesichts der mangelnden Sprachkenntnisse und der fehlenden kulturellen
Kenntnisse habe er ein sehr schwerwiegendes privates Interesse am Verbleib in der
Schweiz. Er sei als Ausländer der zweiten Generation in der Schweiz integriert, auch
wenn strafrechtliche Verfehlungen vorliegen würden und er Schulden habe. Schliesslich
seien auch Schweizer Bürger nicht frei von Makel. Mittlerweile habe er sich sogar
besser integriert als früher. Seit dem 1. April 2019 habe er gar eine neue Arbeitsstelle.
Er sei voll beschäftigt und habe gar keine Zeit für dumme Ideen. Zwar sei es etwas
spät, wenn er erst seit nunmehr 16 Monate wirtschaftlich integriert sei, aber lieber spät
als nie. Dem unbestrittenermassen ausgewiesenen öffentlichen Interesse (Delikte,
Schulden) an einer Wegweisung stehe ein sehr hohes privates Interesse entgegen. Er
habe jeglichen Bezug zum Heimatland verloren und sei seit der Ausreise im Jahr 1980
nie mehr dort gewesen. Auch könne er nicht darauf vertrauen, dass ihn sein Umfeld
einfach so in der Türkei unterstützen würde. Eine Rückkehr sei damit entgegen der
Ansicht der Vorinstanz nicht leichthin zumutbar. Damit erweise sich die
Interessenabwägung als unvollständig und unrichtig und verletzte Art. 9 und 36 BV
sowie Art. 96 AIG.
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Der Beschwerdeführer bestreitet das ausgewiesene öffentliche Interesse an seiner
Wegweisung zu Recht nicht. Wie sich den Akten unschwer entnehmen lässt, ist das
öffentliche Interesse an seiner Wegweisung ausgewiesen, erheblich und gewichtig. Der
Beschwerdeführer ist seit 1990 und damit seit seinem 21. Altersjahr fortgesetzt
straffällig geworden. Nach bedingten Gefängnisstrafen in den Jahren 1993 und 1996 –
mit bedingt ausgesprochener Landesverweisung – wurde er in den Jahren 2002 und
2004 zu unbedingten Gefängnisstrafen verurteilt. Vom 9. Januar bis 3. Juni 2006
verbüsste er diese Strafen in Form von Halbgefangenschaft (act. MA 703 f.). Bereits im
Jahr 1994 wurde der Beschwerdeführer ausländerrechtlich erstmals verwarnt (act. MA
493); im Jahr 2005 wurde ihm gar die Ausweisung angedroht (act. MA 692 ff.). Selbst
nach der Entlassung aus dem Strafvollzug und in Kenntnis der ausländerrechtlichen
Verwarnungen verstiess der Beschwerdeführer in der Folge weitere zehn Male gegen
die hiesige Rechtsordnung: Das letzte Mal erging am 20. September 2019 ein
Strafbefehl gegen ihn. Auch wenn die Delikte der letzten Jahre strafrechtlich nicht mehr
so schwer wiegen wie seine früheren Taten, unterstreichen sie doch den von der
Vorinstanz festgehaltenen Eindruck, dass der Beschwerdeführer die gebotenen Lehren
aus seinem Verhalten nicht rechtsgenüglich gezogen hat, und dass insbesondere auch
keine nachhaltige Veränderung vorliegt. Dies zeigt sich etwa daran, dass der
Beschwerdeführer sich weder durch seine diversen Verurteilungen mit bedingt
ausgesprochener Landesverweisung und erfolgtem Vollzug der Gefängnisstrafen, noch
den migrationsrechtlichen Verwarnungen beeindrucken, noch von weiteren
strafrechtlich relevanten Aktivitäten abbringen liess. Die vom Beschwerdeführer
verübten Strassenverkehrsdelikte (Geschwindigkeitsüberschreitungen, unter anderem
zweimal innerorts um 27 km/h, letztmals im Mai 2018, act. MA 711 f., 721 f., 1390 f.)
und die damit verbundenen mehrfachen Verurteilungen stellen sodann auch ein nicht
zu unterschätzendes Risiko für die Bevölkerung dar (BGer 2C_818/2010 vom 4. Juli
2011 E. 4 und 2C_310/2011 vom 17. November 2011 E. 5.2), da er durch diese
massiven Überschreitungen der zulässigen Geschwindigkeit leichtsinnig eine hohe
abstrakte Gefahr geschaffen hat, dass andere Verkehrsteilnehmer in einen Unfall hätten
verwickelt werden und an Leib und Leben Schaden nehmen hätten können. Ferner fiel
der Beschwerdeführer mehrfach negativ durch sein äusserst aggressives Verhalten
(Drohungen, Nötigung, Tätlichkeiten) gegenüber anderen Personen auf (act. MA 1327
f., 1348 ff.) und gefährdete damit regelmässig deren physische und psychische
Integrität in gravierender Art und Weise. Sodann bestätigt auch der zuletzt ergangene
Strafbefehl vom 20. September 2019, gemäss welchem er unter anderem wegen
Ungehorsam gegen amtliche Verfügungen verurteilt wurde, erneut, dass der
Beschwerdeführer nicht gewillt ist, sich an die geltende Rechtsordnung zu halten. Bis
3.5.
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es zu jener sanktionierten Straftat kam, wurde der Beschwerdeführer im Übrigen
mehrfach schriftlich und mit Hinweis auf die Straffolgen aufgefordert, Unterlagen
beizubringen. Trotz der ultimativen Aufforderungen unter Strafandrohung und im
Wissen um den im gleichzeitig laufenden ausländerrechtlichen Verfahren drohenden –
zwar noch nicht rechtskräftigen – Widerruf der Niederlassungsbewilligung hielt es der
Beschwerdeführer nicht für angebracht, den amtlichen Aufforderungen Folge zu
leisten. Letztlich legt der Beschwerdeführer damit seit seinen Jugendjahren ein
Verhalten an den Tag, das auf eine Geringschätzung der öffentlichen Ordnung und eine
anhaltende Unbelehrbarkeit schliessen lässt. Folglich ist auch in Zukunft nicht damit zu
rechnen, dass der Beschwerdeführer gewillt und fähig sein könnte, sich künftig an die
geltende Rechtsordnung zu halten. Entsprechend ist von einer äusserst schlechten
Prognose auszugehen.
Dies umso mehr, als der Beschwerdeführer in den langen Jahren seiner Anwesenheit –
nebst der Delinquenz – auch offenkundig und anhaltend grosse Mühe bekundete,
seinen finanziellen Verpflichtungen angemessen nachzukommen. Jedenfalls ist er im
Betreibungsregisterauszug des Beitreibungsamtes T._ vom 5. Dezember 2018 mit
offenen Betreibungen von CHF 295'196.27 und Verlustscheinen in der Höhe von
CHF 159'545.70 verzeichnet (act. MA 1373 ff.). Im April 2017 wurde der Konkurs über
sein Unternehmen G._ eingestellt, nachdem er offene Betreibungen von
CHF 220'247.45 hatte (act. MA 1148 f, 1150, 1184 ff.). Nebst diesen hohen Schulden
belaufen sich bei den Sozialämtern der Stadt U._ und V._ die Saldi für ausstehende
Unterhaltsbeiträge für seinen Sohn auf CHF 282'418.90 sowie für unerhebbare
Krankenkassenprämien und Alimentenausstände gegenüber seiner Ex-Frau auf weitere
CHF 46'726.10 (act. MA 1313, 1616). Am 13. Juni 2019 wurde über den
Beschwerdeführer, als Inhaber des Einzelunternehmens H._, der Konkurs eröffnet; das
Verfahren wurde am 12. Juli 2019 mangels Aktiven eingestellt (act. Vorinstanz 10).
Trotz den im Jahr 2005 (act. MA 692 ff.) und 2017 unter Rechtsfolgen
ausgesprochenen ausländerrechtlichen Verwarnungen (act. MA 894 ff.) sind seine
Schulden weiter massiv angestiegen. Zwar macht der Beschwerdeführer geltend, dass
er nun seit 16 Monaten voll beschäftigt sei und sich seine wirtschaftliche Situation
verbessert habe. Wie er daraus auf eine nachhaltige Verbesserung seiner
Schuldensituation etwas zu seinen Gunsten ableiten will, ist nicht ersichtlich. Dies
umso weniger, als sich aus dem bei den Akten liegenden Arbeitsvertrag zwischen dem
Beschwerdeführer und der I._ AG vom 11. April 2019 unschwer entnehmen lässt, dass
er lediglich als Teilzeitmitarbeitender im Umfang von 21 Stunden pro Woche bei einem
Netto-Stundenlohn à CHF 15.95 angestellt ist. Seine weiterhin angespannte finanzielle
Situation zeigt sich im Übrigen auch am Umstand, dass er für die Gerichtskosten des
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vorliegenden Beschwerdeverfahrens mit seinem aktuellen Einkommen nicht
aufkommen konnte und ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege stellen musste,
welches gutgeheissen wurde. Gestützt auf die vorliegenden Akten sind offensichtlich
keine Bemühungen zur Schuldensanierung ersichtlich. In Anbetracht seiner massiven
Schuldenlast, welche sich trotz ausländerrechtlicher Verwarnungen und strafrechtlicher
Verurteilungen weiter massiv anhäuften, und der offenkundig fehlenden
Sanierungsbemühungen ist bei dieser Sachlage von einer mutwilligen
Schuldenwirtschaft des Beschwerdeführers auszugehen. Mit seinen momentanen
finanziellen Mitteln, welche er aus seiner Teilzeittätigkeit generiert, wie auch aufgrund
der schlechten ihm anzulastenden Prognose für seine wirtschaftliche Zukunft, ist davon
ausgehen, dass er auch künftig nicht in der Lage sein wird, weitere Schulden zu
vermeiden geschweige denn nachhaltige Rückzahlungen an die vielen Gläubiger zu
tätigen.
Insgesamt hat sich beim Beschwerdeführer trotz ausländerrechtlicher Verwarnungen,
Androhung der Ausweisung sowie einer bedingt ausgesprochenen Landesverweisung
weder aus strafrechtlicher noch aus finanzieller Sicht etwas zum Guten geändert,
aufgrund dessen ihm eine positive Prognose zu erteilen wäre. Vielmehr besteht
aufgrund seines langjährigen gesetzwidrigen Verhaltens an seiner Fernhaltung sowohl
aus sicherheitspolizeilichen Gründen als auch wegen der massiven Schuldenwirtschaft
– und damit auch zum Schutz potentieller Gläubiger – ein erhebliches öffentliches
Interesse, welches nur durch entsprechend gewichtige private Interessen aufgewogen
werden könnte, d.h. wenn aussergewöhnlich schwerwiegende Umstände gegen eine
Wegweisung sprechen würden. Ob dies der Fall ist, ist aufgrund der vom
Beschwerdeführer angeführten entgegenstehenden persönlichen Interessen zu prüfen.
Der Beschwerdeführer reiste im Alter von elf Jahren mit seiner Familie in die Schweiz
ein; er lebt damit bereits seit 40 Jahren hier. Die Dauer seines jahrzehntelangen
Aufenthalts fällt bei der Verhältnismässigkeitsprüfung zwar zu seinen Gunsten ins
Gewicht (vgl. BGE 130 II 281 E. 3.2.1; Urteil 2C_512/2013 vom 17. Februar 2014 E. 3.1
f. mit Hinweisen), doch wird die Bedeutung dieses Aspekts angesichts seiner
wiederholten Straffälligkeit und massiven Schuldenwirtschaft erheblich relativiert und
vermindert. Er schloss hier die Schulen ab, machte eine Anlehre als Koch und arbeitete
in der Folge teilweise auf seinem erlernten Beruf (act. MA 231). In der langen Zeit seiner
Anwesenheit in der Schweiz wurde er Beschwerdeführer regelmässig betrieben. So
führte er zwei Unternehmen in den Konkurs und kam unter anderem auch nicht für den
Unterhalt seines Sohnes auf. Um eine Schuldensanierung bemühte er sich nicht einmal
3.6.
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ansatzweise. Seine wirtschaftliche Integration entspricht gestützt auf das Dargelegte
offenkundig nicht dem, was nach einem Aufenthalt von 40 Jahren erwartet werden
dürfte und müsste. Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ändert an dem
skizzierten Ergebnis auch nichts, dass er seit Mai 2019 eine Teilzeitstelle innehat (siehe
E. 3.5). Mit seiner hier erworbenen Berufsausbildung und seinen beruflichen
Erfahrungen ist er mit Blick auf seine künftige Tätigkeit nicht an die Schweiz gebunden,
sondern zumindest befähigt, in seinem Heimatland wirtschaftlich Fuss zu fassen. Über
seine soziale Verwurzelung im Hinblick auf soziale Kontakte in der Schweiz oder in
seinem Herkunftsland ist wenig bekannt. Er ist geschieden und hat einen volljährigen
Sohn. Die elterliche Sorge stand ihm über den Sohn nicht zu; für dessen Unterhalt kam
er sodann auch nie auf. Seit der Wohnsitznahme in der Schweiz war er – eigenen
Angaben zufolge – nicht mehr in der Türkei; er soll zu diesem Land – insbesondere als
Angehöriger der aramäischen Minderheit – auch keine Beziehungen haben. Zu seinen
Gunsten ist festzuhalten, dass demnach deutlich weniger Verbindungen zum
Herkunftsland als zur Schweiz bestehen, so dass ihn eine Beendigung des Aufenthalts
in der Schweiz unbestrittenermassen hart treffen würde. Eigenen Angaben zufolge
kann er auch nicht genug – aber immerhin – türkisch, um gegebenenfalls selbständig
amtliche (türkische) Formulare auszufüllen. Eine Wiedereingliederung ins Herkunftsland
ist demnach zwar nicht ohne weiteres möglich, aber auch nicht ausgeschlossen.
Zumindest aus politischer Sicht ist ihm als Aramäer eine Rückkehr in die Türkei
zumutbar, weil – wie er zu Recht nicht vorbringt – keine Gefahr einer politischen
Verfolgung für ihn und seine Volksgruppe besteht (vgl. Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts D-5119/2018 vom 19. August 2020 E. 5.2 mit Hinweisen
auf internationale Reporte betreffend die Lage in der Türkei).
Trotz der gewichtigen privaten Interessen des Beschwerdeführers erscheint die von der
Vorinstanz vorgenommene Interessenabwägung zugunsten der entgegenstehenden
öffentlichen Interessen an einer Wegweisung aus der Schweiz nicht
unverhältnismässig. Denn mit Blick auf das seit Jahren (ab 1990) regelmässige
deliktische Verhalten des Beschwerdeführers und des daraus resultierenden
sicherheitspolizeilichen Interesses sowie seiner massiven Schuldenwirtschaft mit dem
damit verbundenen Interesse zum Schutz weiterer Gläubiger liegt ein erhebliches und
schwergewichtiges öffentliches Interesse an seiner Fernhaltung gegenüber. Mit seinem
Verhalten (strafrechtlich wie finanziell) gefährdete er selbst nach den
ausländerrechtlichen Verwarnungen und Androhungen der Ausweisung selbst seinen
weiteren Aufenthalt in die Schweiz und nahm damit die Wegweisung in Kauf. Somit hat
er es hinzunehmen, dass er nun – allenfalls auch unter erschwerten Bedingungen –
einen Neustart in seinem Herkunftsland wagen muss. Ein solcher ist ihm auch insofern
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4.
zuzumuten, als er in der Schweiz keine solide wirtschaftliche Existenz hinter sich lassen
muss. Dies umso mehr, als es ihm bis anhin offensichtlich nicht gelungen ist, hier
wirtschaftlich erfolgreich Fuss zu fassen und für seinen Lebensunterhalt ohne
Generierung von weiteren Schulden aufzukommen; geschweige auch nur ansatzweise
eine Sanierung der in den letzten Jahren von ihm angehäuften Schulden an die Hand
zu nehmen. Selbst wenn er über kein Beziehungsnetz in der Türkei verfügen sollte,
welches ihm beim Aufbau einer neuen Existenz in seinem Heimatland behilflich sein
könnte, so kann er in der Zwischenzeit finanziell wie moralisch von seinen
Familienangehörigen von der Schweiz aus unterstützt werden (BGer 2C_450/2019 vom
5. September 2019 E. 4.3, 2C_794/2016 vom 20. Januar 2017 E. 4.4).
Dementsprechend erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung gehen die Kosten
zulasten des Staates (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 lit. b der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO). Auf die
Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
4.1.
Der Staat hat den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers für die ausseramtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung zu
entschädigen (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 122 Ingress und Abs. 1 lit. a
ZPO). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die
Entschädigung nach Ermessen festzusetzen ist (Art. 30 lit. b Ziff. 2 und Art. 31 Abs. 1
des Anwaltsgesetzes; sGS 963.70, AnwG, Art. 6 und 19 der Honorarordnung; sGS
963.75, HonO). Eine Entschädigung von CHF 2'500 für das Beschwerdeverfahren
erscheint angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b HonO). Der Staat hat somit den
Rechtsvertreter mit 80% (vgl. Art. 31 Abs. 3 AnwG) von CHF 2'500 zuzüglich CHF 100
Barauslagen (vier Prozent von CHF 2‘500, Art. 28 Abs. 1 HonO, mangels Antrags
gemäss Art. 29 HonO ohne Mehrwertsteuer), insgesamt also mit CHF 2'080 zu
entschädigen.
Der Rechtsvertreter darf von seinem Mandanten kein zusätzliches Honorar fordern
(Art. 11 HonO). Der Beschwerdeführer ist zur Nachzahlung der Kosten aus
4.2.
bis
bis
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