# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6b804a3c-eb52-4a91-b176-615534c4beaa
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1951 geborene
X._
war zuletzt
seit dem
1.
Januar 2005
als
Pushback
-Fahrer
bei der
Y._
angestellt und im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Schadenmeldung UVG vom
3
1.
März 2014
liess er der
Suva
mitteilen, dass er am
2
5.
März 2014 von einem
ausparkenden Auto erfasst und überfahren
worden sei
(Urk.
9/2
).
Die
Z._
des
A._
, wo der Versicherte ab dem Unfalltag bis am
7.
April 2014 hospitalisiert war, stellte unter anderem die
Diagnose
n
eine
r
Beckenringverletzung Typ APC II mit
Symphysensprengung
,
einer
vordere
n Beckenringfraktur rechts mit
ISG-Spren
gung rechts und
einer
transforaminale
n
Sakrumlängsfraktur
links
, einer
supra
diaphragmale
n
U
r
e
thraruptur
sowie Knie-Kontusionen beidseits mit
präpatellären
Schürfwunden
(Austrittsbericht vom 7.
April 2014
; Urk.
9/23
).
Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen (H
eilbehandlung und Taggeld; Urk.
9/31).
Am
31
.
Okto
ber
2014 erlitt der Versicherte als indirekte Folge des Unfalls ein
en akuten
cerebrovaskulären
Insult mit
Thalamusblutung
, welche
r
zu einer senso
mo
torischen Hemiparese rechts, einer Dysarthrie sowie zu
okulomotorischen
Stö
rungen mit
der
Ausprägung
von Doppelbildern führte (Urk.
9/123/2
, Urk. 9/131
und
Urk.
9/192
).
Am
6.
Juni 2017
teilte die Suva dem Versicherten mit, dass sie vorsehe, den Fall per 3
0.
Juni 2017 abzuschliessen und ihm
ab
1.
Juli 2017
eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von
63
%
sowie eine Integritätsentschädigung bei einer Integritätseinbusse von
65
%
zu
zusprechen
(
Urk.
9/322
).
Mit Verfügung vom 2
7.
April 2017
(
Urk.
9/307)
lehnte die Suva einen Anspruch auf Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung
ab
mit der Begründung, der Ver
sicherte sei weder bei mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regel
mässig, dauernd und erheblich auf die Hilfe Dritter angewiesen, noch bedürfe er einer dauernden persönlichen Überwachung.
Die vom Versicherten gegen diesen Ent
scheid erhobene Einsprache vom 3
0.
Mai 2017
(Urk.
9/315
) wies die
Suva am 2
0.
September 2017 ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1
7.
Oktober 2017
Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte,
der
Einspracheentscheid
vom
2
0.
September 2017
sei aufzuheben und es sei
die Vorinstanz zu verpflichten, die gesetzlich geschuldeten Leistungen aus
zurichten, insbesondere ihm mit Wirkung ab
1.
Oktober 2015 eine
Hilflo
sen
ent
schädigung
leichten Grades zuzusprechen
.
Am
8.
Januar 2018
beantragte
die
Suva
,
die Beschwerde sei abzuweisen (Urk.
8
)
. Mit Eingabe vom 5. April 2018
(
Urk.
12) änderte der Beschwerdeführer sein Rechtsbegehren dahingehend, als dass
ihm ab
1.
Oktober 2015 eine
Hilflosenentschädigung
mindestens mittleren Grades auszurichten sei (S. 6).
Am 1
6.
April 2018 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrem Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (Urk. 16)
, was dem Be
schwer
deführer
am 1
7.
April 2018
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
17
).
3.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, hatte dem Beschwe
r
deführer mit Verfügung vom 2. Februar 2016 eine
Dreiviertelsrente
der Inva
liden
versicherung ab 1. März 2015 zugesprochen (Urk. 9/216),
seinen
Antrag auf Aus
richtung einer
Hilflosenentschädigung
hingegen mit Verfügung vom 5.
Oktober
2017 abgewiesen (Urk. 3)
. Die gegen die Verfügung vom 5. Oktober 2017 erho
be
n
e Beschwerde
wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom heutigen Datum in dem Sinne
gutgeheissen
, dass
die
angefochtene
Verfügung
aufgehoben und die Sache an die
IV-Stelle
zurückgewiesen wurde, damit
diese weitere Abklärungen
tätige und
anschliessend
über den Anspruch des Beschwerdeführers auf Aus
richtung einer
Hilflosenentschädigung
neu
entscheide
(Prozess Nr.
I
V.2017.0
1204
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar
2017 sind die am 25. September
2015 beziehungsweise am
9. Novem
ber 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundesge
setzes
über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversi
che
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt ver
wirk
licht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt
ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
2
5.
März 2014
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall An
wendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss
Art. 26 Abs. 1 UVG hat der Versicherte bei Hilflosigkeit Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
. Als hilflos gilt eine Person, die wegen der Beein
trächtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (Art. 9 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die
Hilflo
sen
entschädigung
bemisst sich nach dem Grad der Hilflos
igkeit (Art. 27 UVG).
Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs all
täglichen Lebensverrichtungen massgebend (B
GE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E.
4a):
1.
Ankleiden, Auskleiden;
2.
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
3.
Essen;
4.
Körperpflege;
5.
Verrichtung der Notdurft;
6.
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
Bei Lebensverrichtungen, welche mehrere Teilfunktionen umfassen, ist nach der Rechtsprechung (BGE 121 V 91 E. 3c mit Hinweisen) nicht verlangt, dass der Versicherte bei der Mehrzahl dieser Teilfunktionen fremder Hilfe bedarf; vielmehr ist
bloss
erforderlich, dass er bei einer dieser Teilfunktionen
regelmässig
in er
heb
licher Weise auf direkte oder indir
ekte Dritthilfe angewiesen ist.
1.
3
Gemäss
Art.
38
Abs.
4
UVV
gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in mindestens zwei alltäglichen Lebens
ver
richtungen
regelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (
lit
. a) oder einer dauernden persön
lichen Überwachung bedarf (
lit
. b) oder
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege be
darf (
lit
. c) oder wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Gebrechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleis
tung
en Dritter gesellschaftli
che Kontakte pflegen kann (
lit
.
d).
1.4
Gemäss
Abs. 3
gilt die Hilflosigkeit
als mittelschwer, wenn der Versicherte trotz der Abgabe von Hilfsmitteln in den meisten alltäglichen Lebensverrichtungen
re
gelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist (
lit
. a) oder in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen
regelmässig
in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies einer dauernden persön
lichen Überwachung bedarf (
lit
. b). Nach der Rechtsprechung setzt Hilflosigkeit mittelschweren Grades im Sinne von Art. 38 Abs. 3
lit
. a UVV eine Hilfsbedürf
tigkeit in mindestens vier alltäglichen Lebensverrichtungen voraus (BGE 121 V
88
E. 3b, 107 V 1
4
5 E. 2).
1.5
Nach
Art.
38
Abs.
2
UVV
gilt die Hilflosigkeit als schwer, wenn der Versicherte vollstän
dig hilflos ist. Dies ist der Fall, wenn er in allen alltäglichen Lebens
verrichtungen regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist und überdies der dauernden Pflege oder der
persönlichen Überwachung bedarf (Abs. 2).
1.
6
Ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit
hat folgenden Anfor
derungen zu genügen:
-
Als Berichterstatterin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der ört
lichen und räumlichen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigung
en und
Hilfsbedürftig
keiten
hat;
-
b
ei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei di
vergierende Meinungen der Beteiligt
en im Bericht aufzuzeigen sind;
-
d
er Berichtstext muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der ein
zelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sein. Schliesslich hat er in Überein
stimmung mit den an Ort und Stel
le erhobenen Angaben zu stehen.
Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung täti
genden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das gebietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente Abklärungsper
son näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zuständige Gericht
(Urteil des Bundesgerichts 9C_562/2016 vom 13. Januar 2017 E. 4.1 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
(
Urk.
2) damit, dass
der Beschwerdeführer weder in den alltäglichen Lebensverrichtungen «An
klei
den, Auskleiden» noch in der «Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kon
takt
aufnahme» regelmässig, dauerhaft und erheblich auf die Hilfe Dritter angewiesen sei (S. 6-7). Im Gegensatz zur Bestimmung von
Art.
42
Abs.
3 IVG enthalte das UVG keine gesetzliche Grundlage für einen Anspruch auf
Hilflosenent
schädi
gung
, wenn die versicherte Person, welche zu Hause lebe, wegen ihrer gesund
heit
lichen Beeinträchtigung dauernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen sei
. Ohnehin wäre ein solcher Anspruch auch
materiellrechtlich
nicht
erfüllt
, habe doch die IV-Stelle einen anrechenbaren Aufwand an lebenspraktischer Begleitung von lediglich einer Stunde pro Woche ermittelt
(S. 7-8).
Ein Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
sei
somit
zu verneinen (S. 8).
Im Laufe des Verfahrens führte sie ergänzend aus
(
Urk.
16)
,
die von der Ehefrau des Beschwerdeführers beschriebene Unterstützung gehe nicht über das hinaus, was ihr im Rahmen der im Sozialversicherungsrecht geltenden Schadenminde
rungspflicht zugemutet werden könne (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
er sei in den alltäglichen Lebensverrichtungen «Ankleiden, Auskleiden» sowie «Fort
bewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme» regelmässig, dauerhaft und erheblich auf die Hilfe Dritter angewiesen. So sei er einerseits nicht in der Lage, eine der Witterung angepasste Kleiderwahl zu treffen und zu merken, wann er seine Kleidung zu wechseln habe. Andererseits sei er bereits bei geringer Ermü
dung im öffentlichen Verkehr gefährdet, so dass er zwingend für alle Verrich
tungen ausserhalb des Hauses auf Unterstützung angewiesen sei (S. 5-7). Auch im Unfallversicherungsrecht bestehe ein Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
für lebenspraktische Begleitung. Die
materiellrechtlichen
Voraussetzungen
für die
Zusprache
einer solchen seien - aus näher dargelegten Gründen - erfüllt (S. 8-1
6). Aufgrund des einen oder anderen Grundes stehe ihm demnach eine
Hilflosenent
schädigung
leichten Grades zu
, dies ab 1. Oktober 2015 (S. 16).
Im Laufe des Verfahrens hielt er ergänzend fest
(
Urk.
12)
,
er sei zusätzlich in de
n
alltäglichen Lebensverrichtung
en
«Körperpflege» und «Essen» eingeschränkt
(S. 3-4)
.
Das rudimentär festgehaltene Abklärungsergebnis der Beschwerdegeg
nerin, wonach er in allen alltäglichen Lebensverrichtungen wieder selbständig sei,
stelle keine taugliche Beweisgrundlage für die Beurteilung der Frage nach den entsprechenden Einschränkungen dar
. Auf die Aktennotiz vom 1
0.
März 2016 könne deshalb nicht
abgestellt werden. Gestützt auf die Angaben seiner Physio
therapeutin und
seiner
Ehefrau sei erstellt, dass er nebst dem Bedarf an lebens
praktischer Begleitung zusätzlich in vier alltäglichen Lebensverrichtungen regel
mässig und erheblich eingeschränkt sei, weshalb er Anspruch auf eine
Hilflosen
ent
schädigung
mittleren Grades habe
(S. 5-6).
3.
3.1
In der Aktennotiz vom 1
0.
März 2016 (
Urk.
9/224) führte die Beschwerdegegnerin zum Gespräch mit dem Beschwerdeführer aus, er sei in den täglichen Verrich
tungen (so etwa Körperpflege, Anziehen, Essen) wieder selbständig. Einzig beim Anziehen der Socken helfe ihm seine Ehefrau. In der Administration und im lebenspraktischen Bereich sei er noch auf Hilfe angewiesen. Er verlasse das Haus beispielsweise zum Einkaufen in Begleitung (S. 1).
3.2
Ergotherapeutin
B._
vom
C._
, wo der Beschwerdeführer vom 2. Februar 2015 bis 2
4.
Juni 2016 ambulant behandelt wurde, hielt in ihrem Bericht vom
2
4.
Juni 2016 (
Urk.
9/
239/
2-6)
zum Status beim Austritt
fest
, es
handle
sich
bei ihm
um einen selbständigen Fussgänger ohne Hilfsmittel. Er könne lange Spaziergänge bis maximal 90 Minuten machen und kurze Strecken auch schneller gehen. Bei schnellen Drehungen könne er aus dem Gleichgewicht kommen, fange sich aber. Nach dem Aufstehen bestehe für ungefähr 30 Minuten ein Steifigkeitsgefühl im rechten Bein. Bei der rechten oberen Extremität seien
Feinmotorik und Koordination Hand-Hand und Finger-Finger noch einge
schränkt
. Sehr feine Stifte aufzunehmen und stecken sei erschwert. Die Oberflächen
sen
sibilität nehme bei der rechten oberen Extremität nach distal ab,
auch
die Tiefen
sensib
i
lität nehme nach distal ab.
Stereognosie
sei nicht möglich.
Das Tempera
turempfinden bessere sich ständig. Bei der Handkraftmessung erreiche er unge
fähr
50
%
der linken Hand (
Urk.
9/239/4). Geräusche von hinten würden ihn verun
sichern, was ihn davon abhalte, alleine ausserhalb des Hauses etwas zu unterneh
men, wie Bekannte zu besuchen. Im Haus und Garten arbeite er alleine. Eine selbständige Körperpflege sei möglich bei erhöhtem Zeitaufwand. Zum Essen benutze er ein Messer mit verdicktem Griff. Um den Suppenlöffel zu halten, benutze er die linke Hand. Administratives mache er zusammen mit seiner Ehe
frau. Der Einsatz der rechten Hand im Alltag setze visuelle Kontrolle voraus. Er könne
bimanuelle
Tätigkeiten, wie Schuhe binden
,
ausführen
. In schwierigen Situationen im Alltag setze er die linke Hand ein. Unternehmungen mache er zusammen mit seiner Ehefrau
(
Urk.
9/239/4-5). Im Stand könne er eine Stunde arbeiten, dann ermüde das rechte Bein leicht. Er helfe bei Küchenarbeiten mit und könne Gemüse rüsten, Tisch decken und abwaschen. Bei Gartenarbeiten könne er mit Geräten umgehen, beispielsweise den Rasenmäher bedienen und mit dem rechten Daumen den Gang halten. Dabei setze er die rechte Hand oft nicht phy
siologisch ein
.
Es werde eine weitere ambulante Ergotherapie von zwei Stunden
pro Woche empfohlen, um die Körperwahrnehmung und den Handgebrauch rechts
weiter
zu fördern
(
Urk.
9/239/5).
3.3
Die
Phy
siotherapeutinnen
D._
und
E._
vom
C._
führten in ihrem Bericht vom 2
4.
Juni 2016 (
Urk.
9/
239/7
-11) aus, der Beschwerdeführer sei inzwischen ein sicherer Fussgänger ohne Hilfsmittel in der Ebene (mindestens
ein Kilometer oder eine
Stunde). Unebenes Gelände und Tempoanpassungen seien ebenfalls möglich. Kurze Strecken (100
Meter
) könne er unter Supervision rennen. Auf der Treppe benötige er keine Hilfe oder Geländer mehr. Wenn er müde sei, sei ein Geländer jedoch noch sinnvoll. Am Morgen beständen noch kurze Anlauf
schwierigkeiten von ungefähr 15-30 Minuten. Die Tiefen-/Oberflächensensibilität sei etwas besser
aber
immer noch deutlich reduziert. Leichte Berührungen am Oberschenkel spüre er inzwischen auch ohne visuelle Kontrolle
,
jedoc
h
vermin
dert. Leichte Doppelbilder kämen nur noch vor, wenn er müde sei. Die Sprung
gelenksstrategie komme langsam. Schutzschritte seien inzwischen in der Therapie problemlos auslösbar. Wenn er strauchle, könne er sich wieder selber fangen.
Es werde ein bis zwei Mal Physiotherapie pro Woche empfohlen (
Urk.
9/239/10).
3.4
Prakt. med.
F._
, FMH Physikalische Medizin und Rehabilitation, vom
C._
führte im
Bericht zum Austritt
aus der
neurologischen Tagesreha
bilitation
vom
3
0.
Juni 20
16
(
Urk.
9/
240
) aus,
der Beschwerdeführer
sei inzwi
schen
ein selbständiger Fussgänger mit allerdings noch deutlich verminderter Auf
merksamkeit auf die
Neglectseite
, vor allem in Stresssituationen. So sei das Gehen im öffentlichen Verkehr nur möglich, wenn er nicht müde sei. Ebenfalls habe die Sensibilität und Motorik der betroffenen Körperseite wesentlich verbes
sert werden können. Er sei in der Lage, sich vollständig selbst an- und
a
uszu
kleiden inklusive Schuhe zubinden und Hemden auf- und zuknöpfen. Mit der begonnenen antidepressiven Therapie mit
Cipralex
gehe es i
h
m psychisch deut
lich besser.
Er sei
nach wie vor dringend auf eine Unterstützung durch Dritt
personen angewiesen. Bereits bei geringer Ermüdung sei er im öffentlichen Ver
kehr gefährdet, so dass er zwingend für alle Verrichtungen ausserhalb des Hauses auf Unterstützung angewiesen sei. Die entsprechende Bestätigung für eine
Hilf
losenentschädigung
sei ausgestellt worden, das Erreichen einer verwertbaren
Arbeitsfähigkeit sei sehr unwahrscheinlich. Das Fortführen von Ergo- und Phy
sio
therapie als Erhaltungstherapie sei dringend indiziert (S. 3).
3.5
Oberarzt
Dr.
med.
G._
und
Abteilungsleiter Prof.
Dr.
phil.
H._
von der
I._
des
A._
gaben folgende Beurteilung zur neuropsychologischen Untersuchung vom 26. Oktober 2016 ab (
Urk.
9/265): Klinisch zeige sich vordergründig eine modalitätsspezifische (verbale Modalität) mittelschwere Minderleistung im Lernen, wohingegen Abruf und Wiederer
kennung altersentsprechend seien. Zusätzlich würden mittelschwere Defizite in der
visuo
-verbalen kognitiven Flexibilität sowie die hierbei erhöhte Fehleran
fälligkeit auffallen. Die verlangsamte
grapho
-motorische Geschwindigkeit in einer Aufgabe zur gerichteten Aufmerksamkeit sei mit den erschwerten Bedin
gungen durch die Armschmerzen beziehungsweise die
residuelle
Parese des rechte
n Armes zu erklären und nicht auf eine kognitive Verlangsam
ung
zurückzuführen. Die übrigen Bereiche würden einen unauffälligen neuropsychologischen Status ergeben (S. 3).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer beantragte die Ausrichtung einer Hilflosigkeitsent
schädi
gung unter anderem mit der Begründung, er sei auf lebenspraktische Begleitung
angewiesen. Anders als im Invalidenversicherungsrecht (vgl.
Art.
37
Abs.
2 und 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung
,
IVV)
begründet das
Angewiesen
sein
auf eine lebenspraktische Begleitung jedoch
weder nach altem noch nach neuem Recht
Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
nach UVG
(vgl.
Art.
38
Abs.
3 und 4 UVV), worauf das Bundesgericht i
n E. 6.3 des
Urteil
s
8C_994/2010 vom 2
0.
Juni 2011 hingewiesen hat. Im vom Beschwerdeführer angeführten Urteil
8C_257/2016 vom 2
3.
August 2016
musste es sich hingegen nicht
mit dieser Frage
auseinandersetzen
(vgl. E. 5.4)
, weshalb
er
aus diesem
nichts zu seinen Gunsten ableiten kann.
Art. 38 UVV kennt demnach keinen Anspruch auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV.
Ob die
materiell
recht
lichen
Voraussetzungen für die
Zusprache
einer
Hilflosenentschädigung
aufgrund eines Bedarfs an lebenspraktischer Begleitung erfüllt wären, kann damit
offen bleiben
.
4.2
Der Beschwerdeführer machte zudem geltend, er sei in vier alltäglichen Lebens
verrichtungen (vgl. dazu E. 1.2
hievor
) regelmässig in erheblicher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen. Die Beschwerdegegnerin verneinte dies gestützt auf eine Aktennotiz, welche ihre Mitarbeiterin nach einem Besuch bei
ih
m verfasst hatte (vgl. E. 3.1
hievor
). Die Aktennotiz vom
1
0.
März 2016
vermag jedoch den Anfor
derungen
an einen für
das Prüfen des Anspruchs auf
Ausrichtung einer
Hilf
losen
entschädigung
erforderlichen Abklärungsbericht (vgl. dazu E.
1.6
hievor
) nicht zu genügen.
So scheint der Beschwerdeführer während des Gesprächs lediglich allgemein nach seinem Gesundheitszustand
g
efragt worden zu sein. Eine detaillierte Befragung zu allfälligen Einschränkungen in den alltäglichen Lebensverrichtungen
und den davon umfassten einzelnen Teilbereichen
erfolgte hingegen nicht. Auch die behandelnden Therapeuten des
C._
wurden nicht aufgefordert, sich zu diesen Punkten explizit zu äussern. Ihren
– nach der Aktennotiz verfassten -
Berichten (vgl. etwa E. 3.2-3.4
hievor
sowie
Urk.
9/207) ist
hauptsächlich zu entnehmen, dass
sich die Gehfähigkeit des Beschwerdeführers deutlich verbessert hat. Noch immer
setzt aber beispielsweise der Einsatz der dominanten rechten Hand eine visuelle Kontrolle voraus,
Feinmotorik und Koordination Hand-Hand und Finger-Finger sind eingeschränkt (E. 3.2
hievor
).
Dass er bei Tätigkeiten wie
Haarewaschen
und sich
nach dem Duschen
abtrocknen, bei welchen er die Hände nicht sehen kann, auf Hilfe angewiesen ist,
wie dies seine Ehefrau schilderte
(
Urk.
13/2),
ist damit nicht auszuschliessen. Zwar berichtete Ergotherapeutin
B._
, eine selbständige Körperpflege sei ihm bei erhöhtem Zeitaufwand möglich (E. 3.2
hievor
), doch ist unklar, worauf
ihre
Einschätzung beruhte
, konnte sie ihn bei seinem Aufenthalt in der Tagesklinik
doch
beispielsweise nicht bei der
Ver
rich
tung der
Morgen- und Abendtoilette beobachten.
Weiter hielt die Ehefrau des Beschwerdeführers fest,
sie müsse ihm Fleisch und andere harte Lebensmittel
z
er
schneiden, da ihm
dazu
die Kraft in der rechten Hand fehle. A
ufgrund seiner kog
nitiven Einschränkungen
sei er zudem
nicht fähig, witterungsgerechte Klei
dung anzuziehen (Urk. 13/2). Die Kleider würde er ohne ihren entsprechenden Hin
weis
auch
nicht genügend oft wechseln (
Urk.
1 S. 6).
Den Berichten der behandelnden Therapeuten ist zwar zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer in der Lage
ist
, sich selbst an- und auszuziehen, und dass er zum Essen ein Messer mit verdicktem Griff benutz
t
. Zur Frage, ob
ihm
eine adäquate
Kleidung jeweils bereitgelegt und er beim
Z
erschneiden einzelner Nahrungsmittel
unterstützt werden muss, äussern sie sich hingegen
ebenso wenig wie die Aktennotiz der Beschwerdegegnerin
.
Unklar ist weiter, wie es sich mit den Einschränkungen in Bezug auf die Fort
be
wegung verhält. Bereits hinsichtlich der Länge und Dauer der möglichen Geh
strecke sind den Therapieberichten unterschiedliche Einschätzungen zu ent
neh
men (90 min, Urk. 9/239/5; 1 km bzw. 1 h, Urk. 9/239/10; 15 min, Urk. 13/1). Hinzu kommen Einschränkungen im Bereiche des öffentlichen Verkehrs (bei
spiels
weise Schreckhaftigkeit bei von hinten nahenden Fahrzeugen, mit
Shift
nach rechts zur
Strassenseite). Eine Auseinandersetzung damit fand in der Akten
notiz der Beschwerdegegnerin nicht statt.
Es bestehen somit in verschiedenen Bereichen Anhaltspunkte dafür, dass der Beschwerdeführer auf eine Dritthilfe angewiesen ist.
Insgesamt fehlt es jedoch an einer hinreichenden Prüfung der Einschränkungen des Beschwerdeführers in den einzelnen, für die alltäglichen Lebensvorrichtungen massgebenden Teilbereichen. Die Aktennotiz der Beschwerdegegnerin kann für sich allein nur schon deshalb nicht genügen, weil sie noch vor den relevanten Arzt- und Therapieberichten verfasst wurde und somit einer medizinischen Grundlage entbehrte. Anzumerken ist, dass auch der Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene der IV-Stelle vom 14. Februar 2017, welcher auf der Erhebung vom 29. September 2016 beruht (Urk. 9/317), keine genügende Grundlage zur Beurteilung des vorliegend strittigen Sachverhalts bildet. Denn dieser prüfte eine
Hilflosenent
schädigung
einzig unter dem Aspekt der lebenspraktischen Begleitung, unter Hin
weis darauf, dass die Unfallversicherung einen Anspruch auf
Hilflosenent
schä
digung
aufgrund der Selbständigkeit in allen sechs Lebensverrichtungen bereits abgewiesen habe (S. 2 oben, S. 5 unten).
Ohne einen detaillierten und den bundesgerichtlichen Vorgaben entsprechenden
Abklärungsbericht
(vorstehend E. 1.6)
können die tatsächlichen Einschränkungen
in den alltäglichen Lebensverrichtungen sowie die Frage, ob die erforderliche Dritthilfe als erheblich im Sinne von
Art.
38 UVV zu qualifizieren ist,
jedoch
nicht
rechtsgenüglich
festgestellt werden.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
ist deshalb aufzuheben und d
ie Sache an
die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie
die entsprechenden Abklärungen tätige
und gestützt darauf über den
Anspruch
des Beschwerdeführers
auf Ausrichtung einer
Hilflosenentschädigung
erneut befinde.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Dem Beschwerdeführer steht ausgangsgemäss
eine Prozessent
schädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ih
m
eine
Pro
zessentschädigung von Fr. 2‘0
00.-- (inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) auszurichten.