# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dbc01af6-a36b-5c4d-a1a9-27dc2184e3a1
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 4. Januar bzw. 5. Februar 2016 bei der
Gemeinde Madiswil ein Baugesuch ein für den Neubau von vier Einfamilienhäusern mit
Technikraum und Autounterstand sowie Wärmepumpenheizung mit Aussengerät auf
Parzelle Madiswil Grundbuchblatt Nr. F._. Bezüglich der Gestaltung berief sie sich
auf Art. 75 BauG1, wonach bei gemeinsamer Projektierung eines Areals mit mehreren
Bauten die arealinternen Grenz- und Gebäudeabstände, die Anordnung der Bauten und
die Gebäudelängen unter bestimmten Voraussetzungen frei bestimmt werden können. Die
Eigentümer der Nachbarparzelle Nr. G._ erteilten ein Näherbaurecht für die
Technikräume und Aussengeräte zur Wärmepumpenheizung.2 Die Parzelle liegt in der
Dorfzone D2. Das Bauvorhaben wurde am 18. und am 25. Februar 2016 unter Hinweis auf
die Beanspruchung von Art. 75 BauG sowie auf das Ausnahmegesuch bezüglich
Strassenabstand publiziert.
Gegen das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Sie machten
unter anderem geltend, dass gemäss den Plänen die Erschliessung der Neubauten über
die private Strassenparzelle Nr. H._ erfolgen solle, an der auch die
Beschwerdeführenden Miteigentum hätten. Es fehle aber an einer Einigung der
Miteigentümer über die Erstellung der Zufahrtsstrasse. Das Regierungsstatthalteramt
Oberaargau forderte die Beschwerdegegnerin und den Projektverfasser mit Verfügung vom
29. März 2016 auf zu belegen, dass die Erschliessung über die Strassenparzelle
Nr. H._ sichergestellt sei.3 Der Projektverfasser I._ hielt in einer
Stellungnahme vom 11. April 2016 fest, durch das Bauvorhaben werde die bestehende
Zufahrtsstrasse saniert und die Ein- und Ausfahrt nach den Vorschriften des
Strasseninspektorates und der VSS-Normen verbreitert.4 Er reichte zudem eine öffentliche
Urkunde vom 2. Dezember 2010 ein, aus der die im Grundbuch zulasten der Parzelle
Nr. H._ angemerkte Nutzungs- und Verwaltungsordnung hervorgeht.
Mit Gesamtbauentscheid vom 19. Mai 2016 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Oberaargau die Gesamtbaubewilligung. Die Einsprache wies es ab.
1 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 2 Vorakten, pag. 46 3 Vorakten, pag. 87 4 Vorakten, pag. 89
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2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 20. Juni 2016 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Gesamtbauentscheides vom 19. Mai 2016 und die Erteilung des
Bauabschlags. Eventuell sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und die Sache an die
Vorinstanz zu neuer Entscheidung zurückzuweisen, verbunden mit der Auflage, dass eine
genügende Erschliessungsvereinbarung mit den Miteigentümern der Strassenparzelle
Nr. H._ beigebracht werden muss.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet5, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Auf die Ausführungen in den
Rechtsschriften wird, soweit sie für den Entscheid wesentlich sind, im Rahmen der
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG6. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtbauentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren
Einsprache im angefochtenen Entscheid abgewiesen wurde, sind als Nachbarn durch den
vorinstanzlichen Gesamtbauentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
5 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 6 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1)
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2. Erschliessung; Baugesuchsunterlagen
a) Nach Ansicht der Beschwerdeführenden ist die genügende Erschliessung des
Baugrundstücks nicht sichergestellt. Die Pläne sähen eine Erschliessung der Neubauten
über den Zufahrtsweg auf Parzelle Nr. H._ vor. Mit den Miteigentümern sei jedoch
keine entsprechende Vereinbarung getroffen worden. Es fehle daher an einer
privatrechtlichen Regelung gemäss Art. 75 Abs. 2 Bst. d BauG.
b) Nach Art. 7 Abs. 1 BauG dürfen Bauvorhaben nur bewilligt werden, wenn
sichergestellt ist, dass das Baugrundstück auf den Zeitpunkt der Fertigstellung des Baus
oder der Anlage, wenn nötig bereits bei Baubeginn, genügend erschlossen sein wird. Eine
genügende Erschliessung setzt insbesondere voraus, dass eine Zufahrtsstrasse
hinreichend nahe an Bauten oder Anlagen heranführt und diese für Feuerwehr und Sanität
gut erreichbar sind.7 Die Zufahrtsstrasse muss den Beanspruchungen gewachsen sein, die
sich aus der Nutzung des Baugrundstücks und der weiteren Grundstücke ergeben können,
denen sie dienen soll. Führt eine private Zufahrtsstrasse über fremden Grund, muss das
Recht zu ihrer Erstellung und Erhaltung vor dem Bauentscheid verbindlich vereinbart
worden sein.8 Fremder Grund liegt vor, wenn am Baubewilligungsverfahren nicht beteiligte
Dritte am Grund, über den die Zufahrtsstrasse führt, Eigentumsrechte haben. Steht die
Zufahrtsstrasse im Miteigentum mehrerer Berechtigter, muss demnach eine entsprechende
Regelung mit denjenigen Miteigentümern getroffen worden sein, die am
Baubewilligungsverfahren nicht beteiligt sind.
c) Der Situationsplan9 und der Plan Erdgeschoss mit Umgebung10 sehen bauliche
Massnahmen an der Zufahrtsstrasse vor. Diese soll im vorderen Bereich auf 5 Meter und
im hinteren Bereich auf 3 Meter verbreitert werden, so dass sie seitlich über die Parzelle
Nr. H._ hinausragt und teilweise auf der Parzelle Nr. F._ zu liegen kommt.
Auch in ihrer Stellungnahme vom 11. April 2016 hat die Beschwerdegegnerin, vertreten
durch den Projektverfasser, festgehalten, dass das Bauvorhaben den Ausbau und die
Erweiterung der Erschliessungsstrasse auf der Parzelle Nr. H._ vorsehe. Die
7 Art. 7 Abs. 2 Bst. a BauG 8 Art. 4 Abs. 1 Bst. c Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 9 Kopie von Grundbuchplan 1168 vom 8. Februar 2016, Massstab 1:500, vom Regierungsstatthalteramt Oberaargau gestempelt am 19. Mai 2016 10 Plan Erdgeschoss mit Umgebung vom 15. Dezember 2015, Massstab 1:100, vom Regierungsstatthalteramt Oberaargau gestempelt am 19. Mai 2016
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baulichen Massnahmen an der Zufahrtsstrasse werden im Baugesuch jedoch nicht
umschrieben. Die Parzelle Nr. H._ wird im Plan "Erdgeschoss und Umgebung"
einbezogen, ist im Baugesuch aber nicht als Baugrundstück angeführt. Das Baugesuch ist
demnach unklar, da nicht eindeutig ersichtlich ist, ob es sich auch auf Parzelle
Nr. H._ bezieht oder nicht. Soweit letzteres der Fall ist, wäre es unvollständig,
denn die baulichen Massnahmen an der Zufahrtsstrasse werden im Baugesuch nicht
umschrieben11 und die Unterschrift der Miteigentümer von Parzelle Nr. H._ fehlt12.
Zudem wurde in der Baupublikation der Einbezug von Parzelle Nr. H._ nicht
erwähnt13.
Nach Art. 18 Abs. 1 BewD hätte die Vorinstanz das unklare Baugesuch zur Verbesserung
zurückweisen müssen. Der angefochtene Entscheid ist widersprüchlich, da er Parzelle
Nr. H._ nicht als Baugrundstück anführt und in den Erwägungen auf die
bestehende Zufahrtsstrasse Bezug nimmt, jedoch auf die gestempelten Pläne verweist,
welche eine Verbreiterung der Zufahrtsstrasse vorsehen. Es ist demnach unklar, ob auch
bauliche Massnahmen auf Parzelle Nr. H._ (Ausbau der Zufahrtsstrasse) von der
Baubewilligung umfasst werden oder nicht.
d) Eine materielle Beurteilung durch die BVE ist aufgrund der vorhandenen,
widersprüchlichen Baugesuchsunterlagen nicht möglich. Die Sache ist daher zur Klärung
der offenen Fragen und zur Fortsetzung des Verfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Die Vorinstanz wird abzuklären haben, ob das Baugesuch auch einen Ausbau der
Zufahrtsstrasse bzw. bauliche Massnahmen auf der Parzelle Nr. H._ zum
Gegenstand hat. Sollte dies nicht der Fall sein, wäre zu prüfen, ob die bestehende
Erschliessungsstrasse genügt.14 Stellt sich hingegen heraus, dass auch bauliche
Massnahmen auf der Parzelle Nr. H._ Gegenstand des Baugesuchs sind, müssen
die entsprechenden formellen Mängel behoben werden (Umschreibung bzw. Darstellung
der baulichen Massnahmen an der Zufahrtsstrasse im Baugesuch, Unterschrift der
Miteigentümer von Parzelle Nr. H._ auf dem Baugesuch, Publikation unter
11 Art. 11 Abs. 1 Bst. d Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 12 Art. 10 Abs. 2 BewD 13 Art. 26 Abs. 3 Bst. d BewD; Vorakten, pag. 72 14 Art. 5 ff. BauV
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Erwähnung auch der Parzelle Nr. H._). Unter Einbezug der ergänzten Angaben
und Unterlagen ist das Bauvorhaben sodann erneut materiell zu beurteilen.
3. Schlussfolgerung und Kosten
a) Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen. Der Gesamtbauentscheid des
Regierungsstatthalteramts Oberaargau vom 19. Mai 2016 ist aufzuheben und die Sache
zur Fortsetzung des Verfahrens und zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Im Rahmen ihrer neuen Entscheidung wird die Vorinstanz auch die
erstinstanzlichen Kosten neu festsetzen und verlegen.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdegegnerin. Sie hat die
Verfahrenskosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese
werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'600.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV15).
c) Die Beschwerdegegnerin hat zudem den Beschwerdeführenden die Parteikosten zu
ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der Parteivertreter der Beschwerdeführenden macht
Kosten in Höhe von Fr. 1'338.90 (Honorar Fr. 1'200.–, Auslagen Fr. 39.70, Mehrwertsteuer
Fr. 99.20) geltend. Dies gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdegegnerin hat
somit den Beschwerdeführenden die Parteikosten von Fr. 1'338.90 zu ersetzen.