# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 27018b8a-26dd-4225-9cbe-15a279e38cb2
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ J. B., U., ist Eigentümer der 4,6 ha und 2 ha grossen Parzellen Nrn. 000 und 001,
Grundbuch U., die er beide landwirtschaftlich nutzt.
a) Die knapp 4,6 ha grosse Liegenschaft Nr. 000 befindet sich nach dem Zonenplan der
Gemeinde U. vom 30. März 1984 im südlichen Bereich zu einem kleineren Teil in der
Wohn-Gewerbezone WG3, wo sie mit einem älteren Zweifamilienhaus (Vers.-Nr. 100),
einer Scheune (Vers.-Nr. 101), einer Remise (Vers.-Nr. 102) sowie einem neuen
Zweifamilienhaus (Vers.-Nr. 2356) überbaut ist. Die restlichen ca. 3,9 ha liegen in der
Landwirtschaftszone, wo eine grosse neue Scheune (Vers.-Nr. 103) steht. Im Süden
grenzt das Grundstück an die Zürcher Strasse (Kantonsstrasse 2. Klasse). Bis auf einen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Teil im Norden wird das Grundstück komplett von der Bauzone umschlossen, die zum
grössten Teil überbaut ist. Entlang der östlichen Grundstücksgrenze fliesst auf der
Nachbarparzelle Nr. 002 der Ernetschwilerbach offen in einem kanalartigen Gerinne.
b) Das rund 2 ha grosse Grundstück Nr. 001 liegt südlich des Dorfs gut 500 m (Luftlinie)
von der Liegenschaft Nr. 000 entfernt in der Landwirtschaftszone nordwestlich des
Unterwerks der AXPO AG zwischen dem Ernetschwilerbach (Parz.-Nr. 002) und der
Morgenstrasse (Gemeindestrasse 3. Klasse). Das Grundstück ist, von zwei
Hochspannungsmasten abgesehen, unbebaut.
B./ a) Heute durchquert der Ernetschwilerbach das Siedlungsgebiet der Gemeinde U.
in einer im Jahr 1958 verbauten Bachschale mit harten Ufermauern und Abstürzen.
Diese Verbauung weist ein deutliches Abflussdefizit auf, weshalb das Fliessgewässer
bereits bei einem 30-jährigen Hochwasserabfluss auf der ganzen Länge überlastet ist.
Am 30. September 2008 genehmigte das Baudepartement deshalb das Projekt
"Ausbau Ernetschwilerbach". Mit dem Bauprojekt soll der Hochwasserschutz
gewährleistet, aber auch die ökologische Situation des Gewässers verbessert und
gleichzeitig entlang des Bachs der Erlebnis- und Naherholungsraum aufgewertet
werden. Der Ausbau ist in drei Etappen geplant. Ziel ist es, den Bach wieder ins
Gelände einzubetten. Heute befindet sich die Sohlenlage stellenweise über dem
umliegenden Terrain. Mit der Sanierung werden auf weiten Strecken keine Dämme
mehr benötigt, und die Böschungen werden wieder fliessend ins umliegende Terrain
übergehen. Dabei soll der Bach insbesondere im Bereich der zweiten Bauetappe, das
heisst im oberen Teil des Projekts, gegenüber dem heutigen Längsprofil deutlich
abgesenkt werden. Die teils hohen, steilen Abstürze werden dabei durch eine Reihe
von Pendelrampen bewältigt werden. Dies wird zur Folge haben, dass sich bei
Niederwasser ein pendelnder Abfluss einstellen wird, wodurch das effektive Gefälle
entlang des Fliesswegs zusätzlich reduziert wird. Die dadurch verlangsamte Strömung
sowie Nischen und Stillwasser werden es auch schwimmschwachen Fischen und
anderen Wassertieren ermöglichen, im Bachlauf aufzusteigen.
c) Der Gemeinderat U. legte das Projekt vom 18. November bis 17. Dezember 2008
gleichzeitig mit dem Gewässerabstandslinienplan Ernetschwilerbach, der Aufhebung
des Sägebächlis, den Teilstrassenplänen Ernetschwilerbachweg,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ernetschwilerbachstrasse, Täliweg und Morgenstrasse sowie dem Gesuch um
Erteilung einer Rodungsbewilligung und dem Unterhaltsperimeter Ernetschwilerbach
öffentlich auf. J. B. erhob am 17. Dezember 2008 mit der Eingabe seines
Rechtsvertreters beim Baudepartement Einsprache gegen das Wasserbauprojekt. Das
Baudepartement wies diese am 12. Juli 2010 ab, soweit es darauf eintrat. Das
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen seinerseits wies die dagegen erhobene
Beschwerde mit Urteil vom 16. März 2011 rechtskräftig ab, soweit es darauf eintrat.
d) Der Grundeigentümer erhob am 17. Dezember 2008 auch gegen die
Teilstrassenpläne Ernetschwilerbachweg Nord und Süd Einsprache beim Gemeinderat
mit dem Antrag, auf diese sei zu verzichten bzw. der Plan sei so abzuändern, dass
seine Grundstücke davon nicht mehr tangiert würden. Der Gemeinderat wies die
Einsprache mit Beschluss vom 4. Juli 2010 ab. Dagegen liess der Einsprecher beim
Baudepartement Rekurs mit den Anträgen erheben, der Einspracheentscheid sei
aufzuheben bzw. die Streitsache sei mit der Auflage an den Gemeinderat
zurückzuweisen, dass seine Grundstücke von der Planung ausgenommen würden. Der
rekursinstruierende Rechtsdienst des Tiefbauamtes des Baudepartements führte
darauf zusammen mit der Sektion Wasserbau einen Augenschein durch. Nachdem
feststand, dass keine Einigung erzielt werden konnte, wies das Baudepartement den
Rekurs mit Entscheid vom 22. Juli 2011 kostenpflichtig ab. Die Abweisung begründete
es damit, dass mit der geplanten öffentlichen Fusswegverbindung entlang des
Ernetschwilerbachs ein sicherer Zugang bis zum Erlebnis- und Naherholungsraum an
der Linth geschaffen werde. Der Erholungs- und Erlebnisweg könne zudem für die
Bewirtschaftung der Bachufer genutzt werden, auch wenn diese Funktion nicht das
Hauptziel, aber ein willkommener Nebeneffekt des Wegs entlang des Bachs darstelle.
Das Land im Uferbereich dürfe ohnehin bereits von Bundesrechts wegen bloss
zurückhaltend genutzt werden. Dem Rekurrenten gehe daher im betroffenen Bereich
kein erstklassiges Kulturland verloren. Demgegenüber sei das öffentliche Interesse am
geplanten Fussweg hoch, was sich schon darin zeige, dass die Bürgerschaft dem
Projekt ohne Opposition zugestimmt habe. Der Eingriff ins Eigentum des Rekurrenten
erweise sich daher insgesamt als verhältnismässig und zumutbar.
C./ Gegen diesen Entscheid liess der Rekurrent am 9. August 2011 beim
Verwaltungsgericht Beschwerde erheben. Dabei beantragt er, den angefochtenen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entscheid kostenpflichtig aufzuheben und auf die gerügten Teilstrassenpläne bzw.
zumindest auf den Teilstrassenplan Ernetschwilerbachweg Nord zu verzichten.
Andernfalls sei die Sache mit der Auflage zurückzuweisen, dass die Teilstrassenpläne
seine Grundstücke nicht tangieren dürften.
a) Zur Begründung lässt er wiederum anbringen, dass er nicht bereit sei, für die seiner
Meinung nach unnötige Wegverbindung Eingriffe in sein existenzielles Eigentum
hinzunehmen. Im betroffenen Raum seien bereits heute genügend sichere
Wegverbindungen vorhanden, so dass mit dem Weg über sein Land auch nichts für die
Verbesserung der Sicherheit der schwächeren Verkehrsteilnehmer getan werden
könne. So könnten die Fussgänger ebenso gut einen anderen Weg nehmen, wobei sie
gerade auch noch die U.-er Storchenkolonie besuchen könnten, die mit ihren anderen
Tieren vor allem bei Kindern sehr beliebt sei. Auch sonst gebe es in der Gemeinde
heute schon genügend Zugänge zum Wasser, namentlich an die Linth und den
Steinenbach. Selbst am Ernetschwilerbach gebe es Stellen, wo man direkt ans Wasser
gelangen könne. Als Preis für diesen überflüssigen Weg gehe ihm wertvolles,
landwirtschaftlich nutzbares Land verloren, selbst wenn dieser im Perimeter des
Bachausbauprojektes zu liegen komme. Pflanzenbaulich sei die Wegfläche nicht mehr
nutzbar, weshalb sie für die Berechnung seines maximalen Tierbesatzes pro
Flächeneinheit nicht mehr angerechnet werden könne. Jeder Quadratmeter, der für den
geplanten Weg benötigt werde, wirke sich also auf den maximal zulässigen Viehbesatz
seines Betriebs aus, was sich nachteilig auf seinen Betrieb auswirke.
b) Mit Beschwerdeergänzung vom 2. September 2011 verneint der Beschwerdeführer
nochmals, dass der öffentliche Weg entlang des Ernetschwilerbachs einen Eingriff in
sein Grundeigentum rechtfertige. Er habe sich immer bereit erklärt, den Zugang für den
Bachunterhalt gegen eine Entschädigung zuzulassen bzw. selber vorzunehmen.
D./ Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 26. September 2011, die
Beschwerde abzuweisen. Den Bedenken des Beschwerdeführers, dass sich Hunde in
seiner Wiese versäubern könnten, sei mit dem geplanten Zaun Rechnung getragen
worden. Dieser sei bereits im mittlerweile rechtskräftigen Gewässerausbauprojekt
vorgesehen. Der Unterhalt der Bachufer werde vom noch zu gründenden
Ernetschwilerbachunternehmen durchgeführt. Dabei werde praxisgemäss mit den
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bachangrenzenden Bewirtschaftern, wie auch mit dem Beschwerdeführer besprochen,
eine Zusammenarbeit gesucht. Bis anhin habe dieser eine Bewirtschaftung seinerseits
aber immer ausgeschlagen.
E./ Auch der Gemeinderat beantragt mit Stellungnahme vom 5. Oktober 2011 die
Abweisung der Beschwerde. Mittlerweile seien mehrere Augenscheine und
Besprechungen mit dem Beschwerdeführer durchgeführt worden, wobei das Projekt
möglichst seinen Wünschen angepasst worden sei. So sei unter anderem die
Bachaufweitung im Bereich seiner Liegenschaft nach Norden verschoben und für seine
ganze Liegenschaft Nr. 000 ein Zaun zugesichert worden, damit auf seine Wiese keine
freilaufenden Hunde gelangen könnten. Weiter habe ihm die Gemeinde Realersatz
angeboten, den der Beschwerdeführer jedoch ausgeschlagen habe. Schliesslich habe
mit der Axpo AG ausgehandelt werden können, dass der Beschwerdeführer bei einer
Neuverpachtung der landwirtschaftlichen Fläche beim Unterwerk Grynau
ausnahmsweise bevorzugt behandelt würde. Die Bürgerschaft habe nicht bloss dem
Bachausbauprojekt grossmehrheitlich zugestimmt, sie habe auch den Kredit für den
Wegbau erteilt. Die Wegführung sei so gewählt, dass der Beschwerdeführer in seiner
Eigentumsausübung nicht entscheidend beeinträchtigt werde.
F./ Der Beschwerdeführer nahm am 8. November 2011 zu den Vernehmlassungen der
Vorinstanzen nochmals Stellung. Er entgegnet, dass er sehr wohl bereit sei, die
Böschung bis zum Fussweg zu bewirtschaften, wenn der versprochene Zaun erstellt
werde. Demgegenüber habe er in keinem Zeitpunkt zugestimmt, dass der Bach
irgendwo auf seinem Grundstück ausgeweitet werde, auch nicht weiter nördlich als
ursprünglich vorgesehen. Er habe im Gegenteil verlangt, dass die Ausweitung soweit
nach Norden verschoben werde, dass sein Grundstück davon unberührt bliebe. Das
landwirtschaftliche Grundstück, das ihm von der Gemeinde als Realersatz angeboten
worden sei, sei inakzeptabel. Die von der Axpo AG eingeräumte Vorrangstellung als
Neupächter genüge ihm ebenfalls nicht. Damit sei nicht garantiert, dass er jemals zu
weiterem Pachtland komme. Nicht berücksichtigt sei zudem geblieben, dass der
Ernetschwilerbachweg bloss entlang der einen Bachseite verlaufe. Für die
Bewirtschaftung der gegenüberliegenden Uferböschung nütze der Weg gar nichts.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
G./ Das Gericht sistierte das Verfahren in der Folge bis zur Genehmigung der
Teilstrassenpläne durch das Baudepartement. Die verlangten Genehmigungen datieren
vom 4. Juli 2012. Das Tiefbauamt nahm im dazugehörigen Begleitschreiben vom 6. Juli
2012 zugleich zu den neuen Bestimmungen der Gewässerschutzverordnung (SR
814.201, abgekürzt GSchV) Stellung. Seiner Meinung nach sind die neuen
Bestimmungen über den Gewässerraum zu vernachlässigen, zumal das Projekt bereits
im Jahr 2008 erlassen und öffentlich aufgelegt worden sei und man sich heute einzig
deshalb mit der neuen Problematik des Gewässerraums beschäftigen müsse, weil
Rechtsmittel ergriffen worden und noch immer hängig seien. Zudem handle es sich
beim Ernetschwilerbachweg lediglich um einen unbefestigten Fussweg. Die befestigte
Morgenstrasse verlaufe, soweit sie vom vorliegenden Verfahren betroffen sei,
ausserhalb des von den Übergangsbestimmungen der Gewässerschutzvorschriften
betroffenen Bereichs. Selbst das Bundesamt für Umwelt (BAFU) habe den Ausbau des
Baches am 24. Oktober 2011 genehmigt, also in einem Zeitpunkt, als die neue
Gewässerschutzverordnung bereits in Kraft gewesen sei.
H./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,

## Considerations

soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Der Beschwerdeführer verlangt einen Augenschein für seine Behauptung, dass sich
entlang des Ernetschwilerbaches eine vielseitige Tier- und Pflanzenwelt entwickelt
habe. Eine Besichtigung vor Ort und Stelle verlangt er auch zu seinen Vorbringen, dass
er landwirtschaftliche Investitionen getätigt habe, weshalb er nicht bereit sei, für den
seiner Ansicht nach unnötigen neuen Weg Boden zu opfern. Weiter fordert er das
Gericht auf, eine Beweisabnahme an Ort und Stelle für seine Behauptung
vorzunehmen, dass der Bach wie andere Gewässer in der Gemeinde auch schon heute
zumindest zum Teil zugänglich seien und dass jetzt schon genügend Strassen und
Wege vorhanden seien, die nicht weit vom Ernetschwilerbach verlaufen würden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1. Gegenstand dieses Verfahrens sind ausschliesslich die angefochtenen
Teilstrassenpläne und nicht das mittlerweile rechtskräftige Ausbauprojekt des Baches.
Da der Ernetschwilerbach somit unabhängig vom vorliegenden Rechtsstreit samt
Uferbereich komplett saniert und umgestaltet wird, und der umstrittene Weg exakt in
den neu zu gestaltenden Bereich zu liegen kommt, ist es für das vorliegende Verfahren
betreffend die Teilstrassenpläne unerheblich, ob sich seit der Bachverbauung in den
fünfziger Jahren auf den Grundstücken des Beschwerdeführers eine gewisse Tier- und
Pflanzenwelt etabliert hat. Davon abgesehen verfolgt das Bachbauprojekt neben dem
Hochwasserschutz gerade das Ziel, die Ökologie entlang des kanalartig verbauten
Gewässers zu verbessern.
2.2. Der Umstand, dass die Bachufer grundsätzlich auch ohne den neuen Weg
bewirtschaftet werden könnten, war im Rekursverfahren nicht umstritten. Die
Vorinstanz verweist in diesem Zusammenhang zu Recht auf Art. 57 des
Wasserbaugesetzes (sGS 734.1). Demnach ist für Unterhalts- und Kontrollarbeiten an
Bachufern die Zustimmung des betroffenen Grundeigentümers nicht erforderlich,
weshalb für diese Arbeiten auch kein klassierter Weg nötig ist. Ebenfalls nicht
umstritten ist, dass es anderswo in der Gemeinde U. ebenfalls Möglichkeiten gibt, wo
man direkt ans Wasser gelangen kann, etwa am Ernetschwilerbach selber oder an der
Linth. Das Gleiche gilt für die Behauptung des Beschwerdeführers, in einiger
Entfernung des Ernetschwilerbachs geben es bereits heute Gelegenheiten, mehr oder
weniger unbehelligt vom motorisierten Verkehr von Norden nach Süden an die Linth zu
spazieren. Ein Augenschein ist vorliegend somit nicht nötig.
3. Der Beschwerdeführer bestreitet die Rechtmässigkeit des Eingriffs in sein
Grundeigentum.
3.1. Mit dem Erlass der gerügten Teilstrassenpläne wird die Eigentumsfreiheit (Art. 26
der Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt BV) des Beschwerdeführers eingeschränkt.
Ein solcher Eingriff ist nur zulässig, wenn er sich auf eine gesetzliche Grundlage stützt,
im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist (Art. 36 BV, BGer 1C_185/2010
vom 27. Oktober 2010 E. 3.2.1).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2. Die gesetzlichen Voraussetzungen für die Erstellung, Ausbau oder Korrektur einer
Strasse oder eines Wegs regelt Art. 32 StrG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 2 StrG.
Ausgangspunkt für jeden Strassenbau ist die Zweckbestimmung der geplanten
Strassen- oder Wegverbindung (Art. 32 Abs. 1 StrG). Dabei ergeben sich Sinn und
Zweck hinsichtlich der Kantonsstrassen aus Art. 5 StrG, mit Bezug auf die
Gemeindestrassen und –wege aus Art. 8 bis Art. 10 StrG (P. Schönenberger, in: G.
Germann [Hrsg.], Kurzkommentar zum st. gallischen Strassengesetz vom 12. Juni
1988, St. Gallen 1989, Rz. 2 f. zu Art. 32 StrG). Weitere Voraussetzungen sind die
Verkehrssicherheit (lit. b), das Verkehrsaufkommen (lit. c), der Schutz der schwächeren
Verkehrsteilnehmer (lit. d), die Interessen des öffentlichen Verkehrs (lit. e) und der
Umweltschutz (lit. f). Diese Aufzählung ist abschliessend und alternativ. Strassen dürfen
demnach gebaut werden, wenn mindestens eine der genannten Voraussetzungen
erfüllt ist (VerwGE 2011/141 vom 20. März 2012 E. 3.2.2. mit Hinweis, abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch).
3.3. Die Zweckbestimmung einer Strasse im Sinne von Art. 32 lit. a StrG beurteilt sich
nach den Zielen und Grundsätzen von Art. 1 und 3 des Bundesgesetzes über die
Raumplanung (SR 700, abgekürzt RPG) und Art. 33 StrG (VerwGE B 2010/7 vom
24. August 2010 E. 3.2. mit Hinweisen, abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch).
3.3.1. Gemäss Art. 1 Abs. 1 RPG haben Bund, Kantone und Gemeinden dafür zu
sorgen, dass der Boden haushälterisch genutzt wird. Nach Art. 1 Abs. 2 lit. a RPG
haben die Behörden zudem besorgt zu sein, dass die natürlichen Lebensgrundlagen
wie Boden, Luft, Wasser, Wald und die Landschaft geschützt werden. Art. 3 Abs. 2 lit.
b RPG sieht vor, dass die Landschaft dadurch zu schonen ist, dass sich Siedlungen,
Bauten und Anlagen in die Landschaft einordnen. See- und Flussufer sind freizuhalten.
Auf der anderen Seite soll ihre öffentliche Zugänglich- und Begehbarkeit erleichtert
werden. Auch Art. 33 StrG zählt auf, welche Grundsätze beim Strassenbau zu befolgen
sind. Dazu gehören etwa der Schutz des Menschen und seiner natürlichen Umwelt (lit.
a), die Verkehrssicherheit (lit. b), der Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer,
insbesondere der Fussgänger, Radfahrer und Behinderten (lit. c) sowie der sparsame
Gebrauch des Bodens (lit. g). Diese sind bei der Planung, Projektierung und
Ausführung einer Strasse zwingend zu beachten (Schönenberger, a.a.O., Rz. 1 zu Art.
33 StrG).
http://www.gerichte.sg.ch http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.3.2. Art. 3 Abs. 2 lit. c RPG spricht von See- und Fluss-, nicht aber von Bachufern,
wie der Beschwerdeführer an sich zu Recht einwendet. Mit dem Gebot, See- und
Flussufer freizuhalten sowie den öffentlichen Zugang und die Begehung zu erleichtern,
wird allerdings auf die doppelte Funktion dieser Flächen als landschaftsprägende
Elemente sowie als Erholungsräume verwiesen (Waldmann/Hänni, Kommentar zum
Raumplanungsgesetz, Bern 2006, Rz. 28 zu Art. 3 RPG). Diese Doppelfunktion kommt
selbstredend auch Bächen zu. Davon abgesehen definiert das Bundesrecht die
Begriffe "Fluss" und "Bach" - anders als etwa das kantonale Baugesetz (sGS 731.1,
abgekürzt BauG) - nicht. Die Gewässerschutzgesetzgebung des Bundes unterscheidet
einzig zwischen fliessendem und stehendem Gewässer. Allerdings trifft auch das BauG
die erwähnte Unterscheidung hinsichtlich der verschiedenen Fliessgewässerarten nur
aus wasserbaupolizeilichen Gründen und aus Gründen des Naturschutzes, wobei es
Bäche, Flüsse, Seen und ihre Ufer jedoch gleichermassen als Schutzgegenstände nach
Art. 98 Abs. 1 lit. a BauG bezeichnet (vgl. B. Heer, St. Gallisches Bau- und
Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 641). Mithin macht es keinen Sinn, dass bloss Flussufer,
nicht aber Bäche frei zugänglich und begehbar sein sollen. Die Bezeichnung Fluss im
Sinn von Art. 3 Abs. 2 lit. c RPG beinhaltet demnach auch andere, weniger breite
Fliessgewässer wie etwa Bäche.
3.3.3. Die Politische Gemeinde U. hat das Flussbad Grynau als
Entwicklungsperspektive festgelegt. Gemäss Masterplanung U. vom 16. Juli 2008
sollen dafür neue Infrastrukturen errichtet und eine Beschilderung erstellt werden,
welche die Einheimischen und Besucher auf das Thema Wasser aufmerksam machen
und sie einfach und bequem zur Linth führen sollen. Das Schwerpunktthema soll in U.
aber schon vor der Linth thematisiert werden. Dafür sieht der Masterplan vor,
insbesondere entlang des Ernetschwilerbachs Zugänge zum Wasser und
Sitzgelegenheiten zu prüfen. Weiter soll entlang dieses Bachs ein durchgehender
Fussweg erstellt werden, damit das Erlebnis Wasser aus dem Siedlungsgebiet heraus
sichergestellt werden kann. Dieses Anliegen wurde im Planungsbericht-Konzept der
kommunalen Richtplanung vom 15. Dezember 2010 im Punkt 1.4 (Landschaft)
aufgenommen. Demnach soll entlang des Ernetschwilerbachs ein Panoramaweg als
lückenlose und sichere Verbindung in die Naherholungsgebiete realisiert werden. Unter
Punkt 2.8 (Landschaft) sind für die Stärkung der Naherholungsgebiete Wald, See und
Linth Wegverbindungen für den Langsamverkehr vorgesehen. Unter Punkt 2.10
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Verkehr) sind zur Steigerung eines attraktiven Langsamverkehrs zusätzliche weitere
Wegverbindungen zu schaffen, namentlich der genannte Panoramaweg. Im Richtplan
U. 2010 1:7'500 vom 15. Dezember 2010 ist unmittelbar entlang des
Ernetschwilerbachs, beginnend nördlich oberhalb des Dorfes, über die Grundstücke
des Beschwerdeführers bis zum Flussbad Grynau an der Linth ein
Langsamverkehrsweg vorgesehen. Der Richtplan ist für die mit der Planung
beauftragten Organe und Behörden wegleitend (Art. 5 BauG). Damit ist die
Zweckbestimmung des Ernetschwilerbachwegs im Sinn von Art. 32 StrG genügend
ausgewiesen. Folglich spielt es keine Rolle, dass der Weg nicht auch noch für den
Unterhalt der Bachufer zwingend ist, was die Vorinstanz allerdings auch gar nicht
behauptet. Das Gleiche gilt für den Einwand des Beschwerdeführers, dass es im
gleichen Gebiet auch noch andere Möglichkeiten für Fussgänger gebe, oberhalb des
Dorfes sicher an die Linth zu gelangen. Das raumplanerische Ziel eines Natur- und
Erlebnisweges entlang eines Gewässers im betroffenen Gebiet kann einzig mit dem
angefochtenen Ernetschwilerbachweg realisiert werden.
3.3.4. Nach bisherigem Recht waren Strassen und Wege von der Einhaltung des
Gewässerabstands ausgenommen (Art. 59 Abs. 4 BauG). Mit Inkraftreten der
revidierten Gewässerschutzgesetzgebung vom 1. Juni 2011 sind die Kantone jedoch
verpflichtet, den Gewässerraum der oberirdischen fliessenden und stehenden
Gewässer festzulegen (Art. 36a des Gewässerschutzgesetzes, SR 814.20, abgekürzt
GSchG, und Art. 41a und 41b GSchV). Ab diesem Zeitpunkt gelten die nach Art. 59
BauG festgelegten Gewässerabstände - für Bäche je nach Lage und mittlerem
Gerinnequerschnitt 4 m bis 10 m - nur noch subsidiär. Sie finden nur mehr in dem
Bereich Anwendung, wo der kantonalrechtlich geltende Gewässerabstand über den
übergangsrechtlich definierten Bereich hinausgeht. Für Kantone, welche die
Gewässerräume noch nicht ausgeschieden haben - derzeit einzig noch Zug und St.
Gallen -, gelten die Übergangsbestimmungen gemäss GeschV. Entlang von
Fliessgewässern mit einer Gerinnesohle bis 12 m Breite beträgt der Gewässerraum
demnach auf beiden Seiten je 8 m plus die Breite der bestehenden Gerinnesohle. Diese
Übergangsbestimmungen gelten auch für Anlagen, die bereits vor Inkrafttreten des
neuen GSchG bewilligt bzw. erlassen wurden, aber wegen eines hängigen
Rechtsmittelverfahrens am 1. Juni 2011 noch nicht rechtskräftig waren (BGer
1C_505/2011 vom 1. Februar 2012 E. 3.1.3.).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.3.5. Unter Gewässerraum wird der Raumbedarf verstanden, der für die
Gewährleistung der natürlichen Funktion der Gewässer den Hochwasserschutz und die
Gewässernutzung erforderlich ist. In diesem Bereich dürfen grundsätzlich keine neue
Bauten und Anlagen erstellt werden. Art. 59 Abs. 4 BauG steht damit im Widerspruch,
womit er mit der Inkraftsetzung von Art. 36a GschG und Art. 41a ff. GSchV nicht mehr
anwendbar ist (Art. 49 Abs. 1 BV). Folglich müssen selbst klassierte Gemeindewege
grundsätzlich den übergangsrechtlich geregelten Gewässerabstand einhalten, da
dieser auch für Fuss- und Wanderwege, die immer auch öffentliche Wege im Sinn des
Strassengesetzes darstellen, gilt. Eine Bewilligung bzw. Genehmigung kommt somit
auch übergangsrechtlich bloss noch in Frage, wenn der Weg –selbst wenn er
unbefestigt ist - wie Flusskraftwerke oder Brücken standortgebunden ist und im
öffentlichen Interesse liegt (Art. 41c GSchV, Baudepartement SG, Juristische
Mitteilungen 2012/II Nr. 1 S. 6 f., abrufbar unter: www.jumi.sg.ch).
3.3.6. Der Begriff der Standortgebundenheit wird schwergewichtig im Zusammenhang
mit Ausnahmebewilligungen für Bauten und Anlagen ausserhalb der Bauzonen im Sinn
von Art. 24 RPG verwendet. Der unbestimmte Rechtsbegriff geht dabei auf die frühere
Regelung des Gewässerschutzgesetzes von 1971 und den Bundesbeschluss über
dringliche Massnahmen auf dem Gebiet der Raumplanung vom 17. März 1972 und die
nachfolgenden Verlängerungsbeschlüsse zurück, wobei die zu den entsprechenden
Bestimmungen ergangene Rechtsprechung grösstenteils auch unter dem RPG
weiterhin wegleitend ist. Demnach ist bei einer standortgebundenen Baute oder Anlage
erforderlich, dass sie auf eine bestimmte Lage im grundsätzlich verbotenen Gebiet
angewiesen ist, sei es positiv, dass die Baute oder Anlage auf den konkreten Standort
angewiesen ist, wie zum Beispiel im Fall eines Beobachtungsturms für ein Flachmoor
von nationaler Bedeutung (GVP 2003 Nr. 16 S. 51), oder negativ, weil das geplante
Bauvorhaben wegen seiner Immissionen in der Bauzone unmöglich ist oder die
entsprechende Baute oder Anlage hier nicht sinnvoll betrieben werden kann. Ob dies
zutrifft, beurteilt sich allein nach objektiven Massstäben. Insbesondere kann weder auf
die subjektiven Vorstellungen und Wünsche einzelner bzw. auf die persönliche
Zweckmässigkeit oder Bequemlichkeit des konkret betroffenen Grundeigentümers
abgestellt werden (Waldmann/Hänni, a.a.O., Rz. 7 ff. zu Art. 24 RPG). Eine Strasse oder
ein Weg ist demzufolge nicht deshalb im Gewässerraum negativ standortgebunden,
weil der betroffene Landwirt den Uferbereich ohnehin bloss extensiv bewirtschaften
http://www.jumi.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
darf (Art. 41c Abs. 3 und 4 GSchV) und er einem Strassenprojekt in diesem Bereich
deshalb eher zustimmt bzw. ein Enteignungsverfahren nach Art. 48 StrG eher
vermieden werden kann, wenn die Strasse möglichst nahe an den Bach verlegt wird.
Als standortgebunden gelten Strassen bzw. Anlagen im Gewässerraum nur dann, wenn
sie auf Grund ihres Bestimmungszwecks oder auf Grund der standörtlichen
Verhältnisse (z.B. Schluchten oder durch Felsen eingeengte Platzverhältnisse) nicht
ausserhalb dieses Bereichs angeordnet werden können (BAFU, Erläuternder Bericht
zur parlamentarischen Initiative "Schutz und Nutzung der Gewässer (07.492) –
Änderung der Gewässerschutz-, Wasserbau-, Energie- und Fischereiverordnung,
S. 14). Lediglich in dicht überbauten Gebieten kann die Behörde für zonenkonforme
Anlagen zusätzlich Ausnahmen bewilligen, soweit keine überwiegenden Interessen
entgegenstehen (Art. 41c Abs. 1 zweiter Satz GSchV).
3.3.7. Der Ernetschwilerbachweg soll nicht deshalb nahe an den Bach gelegt werden,
damit das Kulturland des Beschwerdeführers zu Lasten des Gewässerraums und der
Ufervegetation möglichst geschont werde, sondern damit das von der politischen
Gemeinde zum richtplanerischen Schwerpunkt erklärte Thema Wasser bereits im Dorf
auf dem Weg zur Linth bzw. zum Freibad Grynau erlebbar gemacht werden kann. Die
Bachnähe ist damit der eigentliche Zweck des neuen Verbindungswegs, weshalb
dieser - wie der erwähnte Beobachtungsturm am geschützten Flachmoor – direkt dem
Bach entlang verlaufen muss, womit er im Gewässerraum positiv standortgebunden ist.
3.3.8. Das Baudepartement und das Volkswirtschaftsdepartement des Kantons St.
Gallen halten mit ihrem 2. Kreisschreiben vom 16. Mai 2012 an die Gemeinden des
Kantons St. Gallen betreffend Übergangsrecht zur Festlegung der Gewässerräume,
Ziff. 3.3.2) fest, dass Sondernutzungspläne im übergangsrechtlichen Abstandsbereich
nur genehmigt werden dürfen, wenn gleichzeitig mit dem Erlass des
Sondernutzungsplans der definitive Gewässerraum nach GSchV ausgeschieden und
damit belegt wird, dass das Vorhaben den Gewässerraum nicht berührt. Dieser
Forderung ist das Baudepartement vorliegend selber nicht nachgekommen. Nachdem
nach dem Gesagten aber feststeht, dass der Ernetschwilerbachweg auf Grund der
erwähnten planerischen Vorgaben unmittelbar dem Bach entlang führen muss bzw.
positiv standortgebunden ist, zusammen mit dem Wasserbauprojekt aufgelegen und
deshalb von allen für den Hochwasser- und Naturschutz zuständigen Fachstellen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
mitgeprüft und befürwortet worden ist, kann ausgeschlossen werden, dass den beiden
Teilstrassenplänen andere öffentliche Interessen entgegenstehen. Mithin steht im
konkreten Fall auch ohne gleichzeitige Ausscheidung des Gewässerraums fest, dass
der Ernetschwilerbachweg rechtskonform ist. Dazu kommt, dass das
Verwaltungsgericht weder über das Tiefbauamt, das die Sondernutzungspläne für das
Baudepartement genehmigt hat, noch über das Baudepartement selbst Aufsicht
ausübt (VerwGE B 2011/206 vom 23. August 2012 E.6.3.3. mit Hinweis, abrufbar unter:
www.gerichte.sg.ch), und folglich nicht zu prüfen hat, ob das Departement seine
eigenen Kreisschreiben einhält.
3.4. Grundsätzlich ist jedes öffentliche Interesse geeignet, einen Eingriff in die
Eigentumsfreiheit zu rechtfertigen, sofern das angestrebte Ziel nicht gegen andere
Verfassungsnormen verstösst. Neben polizeilichen und sozialpolitischen Interessen
sind vor allem die Anliegen der Raumplanung sowie des Umwelt-, Gewässer-, Natur-,
Heimat- und Denkmalschutzes zu berücksichtigen. Ausgeschlossen sind einzig rein
fiskalische Interessen (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6.
Auflage, Zürich/St. Gallen 2010, Rz. 2059).
3.4.1. Bei der Beurteilung des hinreichenden öffentlichen Interesses am Bau von
Gemeindestrassen besitzt die politische Gemeinde grundsätzlich Autonomie (Art. 38
Abs. 1 StrG). Diese wird insofern durch Art. 32 StrG eingeschränkt, als damit
Voraussetzungen für den Strassenbau festgehalten werden und damit auch die
politischen Gemeinden gebunden sind (vgl. Art. 89 der Kantonsverfassung, sGS 111.1;
VerwGE B 2010/61 vom 9. November 2010 E. 2.1; sowie B 2009/197 vom 15. April
2010 E. 2.1., beide abrufbar unter www.gerichte.sg.ch). Der zuständigen
Verwaltungsbehörde kommt bei der Beurteilung der qualitativen Anforderungen an den
Strassenbau gemäss Art. 32 StrG sowie der dazugehörigen Interessenabwägung
zwischen entgegenstehenden raumplanungs- und strassenrechtlichen Grundsätzen ein
erheblicher Ermessensspielraum zu. Letzteren hat das Verwaltungsgericht, das nach
Art. 61 Abs. 1 VRP zur Rechtskontrolle befugt ist, zu respektieren. Es darf daher einen
Entscheid der Vorinstanz nur ändern, wenn damit Rechtsnormen und -grundsätze
verletzt werden. Eine Angemessenheitskontrolle steht dem Verwaltungsgericht nicht zu.
Im Streitfall bedeutet dies, dass das Verwaltungsgericht einen sachlich haltbaren und
zweckmässigen Strassenplanungsentscheid der Vorinstanz selbst dann nicht ändert,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wenn es eine andere Lösung als ebenso zweckmässig erachtet oder sogar bevorzugen
würde (VerwGE B 2011/141 vom 20. März 2012 E. 3.2.1. mit Hinweisen, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch).
3.4.2. Mit dem Ernetschwilerbachweg wird die planerische Vorgabe erfüllt, entlang des
Baches eine naturnahe Wegverbindung durch das Dorf bis zur Linth zu erstellen. Dieser
Weg ist verkehrsfrei, und nachdem dieser bereits im Rahmen des Wasserbauprojekts
von sämtlichen Fachstellen mitbeurteilt wurde, stehen ihm auch keine anderen
Interessen, namentlich solche des Hochwasser- oder Umweltschutzes, entgegen.
Allein der Umstand, dass es nicht weit davon entfernt andere verkehrsfreie bzw.
verkehrsarme Wege gibt, ändert nichts am öffentlichen Interesse dieser, im
kommunalen Richtplan vorgesehenen, Wegverbindung.
3.5. Schliesslich erachtet der Beschwerdeführer den Ernetschwilerbachweg auf seinen
Grundstücken auch als unzumutbar.
3.5.1. Die Einschränkung der Eigentumsfreiheit ist verhältnismässig, wenn der
staatliche Eingriff zwecktauglich ist, um den im öffentlichen Interesse verfolgten Zweck
herbeizuführen, wenn er erforderlich ist, das heisst in sachlicher, räumlicher, zeitlicher
und personeller Beziehung nicht über das Notwendige hinausgeht und wenn zwischen
dem gesteckten Ziel und der zu seiner Erlangung notwendigen Freiheitsbeschränkung
ein vernünftiges Verhältnis besteht (Häfelin/Haller/Keller, Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht, 7. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2008, Rz. 320 ff.).
3.5.2. Die angefochtenen Teilstrassenpläne sind offensichtlich geeignet und nötig, den
im Richtplan vorgesehenen Panoramaweg entlang des Ernetschwilerbachs zu
realisieren. Konkret überwiegt das öffentliche Interesse an der vorgesehenen
Wegführung aber auch das private Interesse des Beschwerdeführers, dass der
unbefestigte Fussweg einzig seine am Gewässer gelegenen Grundstücke umgehe.
Zum Einen fällt die Wegfläche ohnehin in ein Gebiet, das er von Bundesrechts wegen
bloss extensiv bewirtschaften darf. So darf er im Gewässerraum von Vornherein keine
Dünger- und Pflanzenschutzmittel ausbringen, sondern die Fläche nur als Streuefläche,
Hecke, Feld- und Ufergehölz, extensiv genutzte Wiese, extensiv genutzte Weide oder
Waldweide bewirtschaften (Art. 41c Abs. 3 und 4 GSchV). Zum Anderen hat die
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gemeinde ihm für die wegfallende Wegfläche Ersatzland angeboten, so dass ihm
zumindest bei der Anrechenbarkeit der Betriebsfläche für den maximalen Viehbesatz
ebenfalls kein Nachteil entsteht. Dass er wegen der angefochtenen Teilstrassenpläne
konkret seinen Viehbestand reduzieren müsste, macht er nicht geltend. Freilaufende
Hunde von Spaziergängern ändern an dieser Interessenabwägung ebenfalls nichts.
Abgesehen davon, dass im Kanton St. Gallen eine allgemeine
Hundekotaufnahmepflicht besteht, deren Missachtung mit Busse bestraft wird (Art. 7
und 14 Abs. 2 Ziff.2 des Hundegesetzes, sGS 456.1), wird entlang der Parzelle Nr. 000,
wo der Beschwerdeführer Milchwirtschaft betreibt, ein Zaun erstellt, so dass sich von
seinem eigenen Hofhund abgesehen gar keine Hunde auf seinen Grasflächen
versäubern können. Sofern der Eingriff durch den unbefestigten Fussweg gleichwohl
eine formelle Enteignung darstellen sollte, wird er, falls tatsächlich kein Realersatz
angeboten werden könnte, entschädigt (Art. 48 ff. StrG). Gemäss Vorinstanz ist
vorliegend allerdings kein Landerwerb mehr nötig, weil der Verlust des Kulturlands
bereits im Rahmen des gleichzeitig aufgelegenen Bachausbauprojekts berücksichtigt
worden sei.
3.6. Aus dem Gesagten folgt, dass der gerügte Eingriff ins Eigentum des
Beschwerdeführers auf einer genügenden Gesetzesgrundlage beruht, im öffentlichen
Interesse liegt und für den Betroffenen zumutbar ist.
4. Zusammengefasst erweisen sich die angefochtenen Teilstrassenpläne
Ernetschwilerbachweg Nord und Süd als rechtmässig. Weshalb die Begründung des
vorinstanzlichen Entscheids eine nicht zu rechtfertigende Ungleichbehandlung
enthalten soll, führt der Beschwerdeführer nicht weiter aus und ist auch sonst nicht
erkennbar. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
5. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht