# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 69693379-086c-4d6e-94c6-eb83cea56d12
**Court:** BL_SG
**Chamber:** BL_SG_001
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

Sachverhalt:
1. a) A. (Sohn), geb. am 23. November 1984 erhielt von B. (Vater) am 1. Februar 2000 die Parzelle 2375, GB Muttenz als Schenkung. Der Übertragungswert dieser Liegenschaft wurde im öffentlich beurkundeten Vertrag vom 1. Februar 2000 mit Fr. 1'702'000.-- beziffert.
b) Die Steuerverwaltung eröffnete die Schenkungssteuerrechnung Nr. A 11-51553.1 vom 18. September 2002 an C. (Mutter und gesetzliche Vertreterin des Beschenkten). Die Schenkungssteuer zwischen Vater und Sohn wurde auf Fr. 55'084.-- zum Satz von 4,99684 % festgesetzt.
2. Gegen diese Schenkungssteuerrechnung erhoben die Mutter (als gesetzliche Vertreterin des Sohnes) und der Vater mit Schreiben vom 3. Oktober 2002 Einsprache mit dem Begehren um Fristverlängerung zur Begründung. Mit Begründung vom 21. November 2002 führte der Schenker und Vater des Beschenkten aus, er habe keine Eile gehabt sein Haus seinem Sohn zu schenken. Gemäss telefonischer Auskunft der Bezirksschreiberei D. auf die Frage, ob bei einer Schenkung im Jahre 2000 eine Schenkungssteuer fällig werde, sei ihm mitgeteilt worden, dass die Schenkungssteuer zukünftig abgeschafft werde wobei der Kanton jetzt schon auf eine Schenkungssteuer (von Vater zu Sohn) verzichte. Danach habe er der Bezirksschreiberei den Auftrag gegeben, einen Schenkungsvertrag auszuarbeiten. Bei der Beurkundung habe er nochmals nachgefragt. Es sei ihm nochmals versichert worden, dass keine Schenkungssteuer erhoben werde und dass Art. 10 des Vertrages als Standardartikel in allen Schenkungsverträgen vorhanden wäre. Schriftliche Beweise hiezu habe er jedoch keine. Wäre er durch die Bezirksschreiberei richtig informiert worden, hätte er die Schenkung ein oder zwei Jahre später durchgeführt.
2. Mit Einsprache-Entscheid vom 15. Januar 2009 wies die Steuerverwaltung die Einsprache ab mit der Begründung, dass gemäss dem Gesetz über die Erbschafts- und Schenkungssteuer § 9 lit. b Abs. 3 direkte Nachkommen ab 5. März 2001 von der Erbschafts- und Schenkungssteuer befreit seien. Leider sei der Antritt des Schenkungsobjektes für die Besteuerung massgebend. Der Antritt der Liegenschaft sei per Datum der Vertragsunterzeichnung am 1. Februar 2000 erfolgt. Somit sei die Besteuerung rechtmässig. Ausserdem sei in Art. 10 des Schenkungsvertrages darauf hingewiesen worden, dass die Schenkungssteuer separat durch die kantonale Steuerverwaltung erhoben werde.
3. Gegen diesen Einsprache-Entscheid erhob die Vertreterin der Mutter (damalige gesetzliche Vertreterin des Sohnes) mit Schreiben vom 16. Februar 2009 Rekurs mit den Begehren, es sei festzustellen, dass der Einspracheentscheid vom 15. Januar 2009 nichtig ist. Eventualiter sei der Einsprache-Entscheid vom 15. Januar 2009 vollumfänglich aufzuheben und es sei festzustellen, dass kein steuerbarer Schenkungswert vorliegt. Die ordentlichen und ausserordentlichen Kosten des Verfahrens seien der Staatskasse aufzuerlegen. Zur Begründung brachte die Vertreterin vor, mit Schenkungsvertrag vom 1. Februar 2000 habe der Vater seinem Sohn (vertreten durch seine Mutter als gesetzliche Vertreterin) die Liegenschaft E.-strasse, Grundbuch F., Parzelle (...) geschenkt. Auf dieser Liegenschaft seien unter anderem folgende Dienstbarkeiten/Grundlasten und Grundpfandrechte eingetragen: lebenslanges unentgeltliches Wohnrecht zugunsten von Frau C. (vorrangig); lebenslanges unentgeltliches Wohnrecht zugunsten von B. (nachrangig); Inhaberschuldbrief im 1. Rang über Fr. 520'000.-- zugunsten der X. Bank, (...); Inhaberschuldbrief im 2. Rang über Fr. 480'000.-- zugunsten der X. Bank, (...); Inhaberschuldbrief im 3. Rang über Fr. 1'5000'000.-- zugunsten der Z. AG. Im festen Vertrauen auf die behördliche Zusicherung, dass keine Schenkungssteuer erhoben werde, habe der Vater die Schenkung an seinen Sohn durchgeführt. Entgegen der erteilten behördlichen Auskunft sei trotzdem eine Schenkungssteuer in Höhe von Fr. 55'084.-- auferlegt worden. Bei der Ermittlung des Schenkungssteuerwertes sei einzig das Wohnrecht für den Vater in Höhe von Fr. 599'604.-- (51jährig, Mietwert Fr. 34'800.-- x Faktor 17.23) berücksichtigt und nicht auch das heute noch bestehende lebenslange Wohnrecht zugunsten der Rekurrierenden. Ebenfalls unberücksichtigt blieben die auf dem Schenkungsobjekt lastenden Grundpfandrechte zugunsten der X. Bank, (...) über insgesamt Fr. 1'000'000.--.
Betreffend der Eröffnung des Einsprache-Entscheides führte die Vertreterin aus, dass die Steuerverwaltung übersehen habe, dass der beschenkte Sohn mittlerweile volljährig geworden sei, weshalb der Einsprache-Entscheid vom 15. Januar 2009 dem steuerpflichtigen Sohn nicht gültig eröffnet worden sei. Aus der mangelhaften Zustellung sei den Rekurrierenden ein Nachteil erwachsen, da die Mutter nicht deutscher Muttersprache sei und die Tragweite des angefochtenen Einsprache-Entscheides nicht auf Anhieb erkannt habe und es den Rekurrenten unmöglich gewesen sei eine eingehende Rekursbegründung zu erarbeiten. Aus diesen Gründen sei der Einsprache-Entscheid vom 15. Januar 2009 infolge mangelhafter Eröffnung nichtig, weshalb er keinerlei Rechtswirkungen entfalte.
Falls der Einsprache-Entscheid nicht als nichtig betrachtet werde, wird vorgebracht, dass der Einsprache-Entscheid bzw. die Schenkungssteuer-Rechnung fehlerhaft seien, da weder das lebenslängliche Wohnrecht zugunsten der Rekurrentin noch die auf dem Objekt lastenden Grundpfandrechte berücksichtigt worden seien. Die entsprechenden Schuldbriefe seien erst zu einem späteren Zeitpunkt zurückbezahlt worden. Die auf der Liegenschaft im Übertragungszeitpunkt lastenden Schulden hätten in der Schenkungssteuer-Rechnung vom 18. September 2002 ebenfalls abgezogen werden müssen, weshalb nach Abzug aller auf der Liegenschaft lastenden Wohnrechte und Schulden kein steuerbarer Schenkungswert mehr verbleibe. Mit Schreiben vom 23. April 2009 reichte die Vertreterin der Rekurrentin Vollmachten sowie einen aktuellen Grundbuchauszug ein.
4. Mit Vernehmlassung vom 13. Mai 2009 beantragte die Steuerverwaltung die Abweisung des Rekurses mit der Begründung, nur schwerwiegende Form- und Eröffnungsfehler könnten unter ganz speziellen Umständen die Nichtigkeit einer Verfügung nach sich ziehen. Auf alle Fälle dürften den Parteien aus einer mangelhaften Verfügung keine Nachteile erwachsen. Da im Zeitpunkt der Schenkung die Mutter als Inhaberin der elterlichen Gewalt für ihren damals noch minderjährigen Sohn sowohl den Schenkungsvertrag als auch die Einsprache unterzeichnet habe, sei ihr auch der Einsprache-Entscheid zugestellt worden. Somit sei in dem zu beurteilenden Einsprache-Entscheid einzig die Namensnennung in der Zustelladresse mangelhaft. In der Anrede werde der Sohn jedoch erwähnt. Dem Rekurrenten sei dadurch aber kein nicht wieder gutzumachender Nachteil entstanden. Da der Sohn mit seiner Mutter an derselben Adresse gewohnt habe, sei der Entscheid damit auch in seinen Machtbereich gelangt. Deshalb dürfe in guten Treuen mit der Kenntnisnahme gerechnet werden. Der Einsprache-Entscheid sei allenfalls bloss anfechtbar, jedoch keinesfalls nichtig.
Für die Berechnung der Schenkungssteuer sei nur das Wohnrecht des Schenkers zu berücksichtigen, denn nur dieses belaste die Schenkung direkt. Zudem sei eine Meldung der Bezirksschreiberei D. erfolgt, das Wohnrecht des Vaters in die Berechnungen aufzunehmen. Die Steuerverwaltung sei verpflichtet, Meldungen von Grundbuchämtern zu übernehmen. Eine abweichende Berechnung sei deshalb unzulässig. Bei der Berechnung des Schenkungswertes hätten die Grundpfandrechte unberücksichtigt bleiben müssen, da es sich dabei um Inhaberschuldbriefe gehandelt habe, welche unbelastet gewesen seien. Es hätten im Übertragszeitpunkt weder Hypotheken noch andere Schulden auf dem Grundstück gelastet. Somit sei der Schenkungswert grundsätzlich richtig ermittelt worden.

## Considerations

Aus den Erwägungen:
1. (...)
2. Vorliegend unterliegt zunächst der Beurteilung, ob der Einsprache-Entscheid der Steuerverwaltung aufgrund mangelhafter Eröffnung nichtig ist.
a) Bevor eine Streitsache materiell zu beurteilen ist, sind von Amtes wegen die Sachurteilsvoraussetzungen zu prüfen. Das Steuergericht tritt als Rekursinstanz nämlich nur dann auf einen Rekurs ein und prüft diesen materiell, wenn die Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt sind. Es entscheidet darüber als Rechtsfrage von Amtes wegen. Dazu gehört auch die Beurteilung der Frage, ob überhaupt ein Anfechtungsobjekt in Form einer gültigen Verfügung bzw. eines gültigen Einsprache-Entscheids vorliegt (vgl. Rhinow/Koller/Kiss, Öffentliches Prozessrecht und Justizverfassungsrecht des Bundes, u.a. Basel, 1996, S. 182 ff. N 947-953 und S. 234 ff. N 1217 ff.).
b) Im vorliegenden Fall hat die Steuerverwaltung die Schenkungssteuerrechnung Nr. A 11-51553.1 vom 18. September.2002 nur an die Mutter, welche zum Zeitpunkt der Übertragung der Liegenschaft die gesetzliche Vertretung ihres Sohnes inne hatte eröffnet, obwohl der Sohn zum Zeitpunkt der Eröffnung des Einsprache-Entscheides schon volljährig war. Die Vertreterin der Mutter argumentiert nun im Rekurs, der Einsprache-Entscheid vom 15. Januar 2009 entfalte keine Rechtswirkungen bzw. sei nichtig, weil dieser nicht an den richtigen Adressaten, d.h. an den Sohn eröffnet worden sei. Aus dieser mangelhaften Zustellung sei den Rekurrierenden ein Nachteil erwachsen, da die Mutter nicht deutscher Muttersprache sei und dadurch die Tragweite des angefochtenen Einsprache-Entscheides nicht auf Anhieb erkannt habe, weshalb eine eingehende Rekursbegründung nicht habe erarbeitet werden können. Bei einer rechtsgenüglichen Zustellung hätte der Betroffene seine Rechte wahrnehmen können.
c) Die grundsätzlichste der Voraussetzungen, damit eine Verfügung überhaupt wirksam werden kann, stellt die Eröffnung, die Bekanntgabe des Verfügungsinhaltes an die Verfügungsadressaten und die weiteren Betroffenen dar. Ohne Eröffnung an diejenigen Personen, gegenüber denen die Verfügung gelten soll, erlangt die hoheitliche Wirkung keine Wirksamkeit (Jürg Stadelwieser, Die Eröffnung von Verfügungen, Diss. St. Gallen, 1994, S. 10).
d) Die Folgen mangelhafter Eröffnung werden in Art. 38 VwVG äusserst kurz und allgemein umschrieben. Der Leitgedanke bestimmt, dass den Parteien aus mangelhafter Eröffnung kein Nachteil erwachsen darf. Welche Eröffnungsmängel konkret welche Folgen bewirken, ist nicht gesetzlich festgehalten (Jürg Stadelwieser a.a.O., S. 14). Allgemein dazu ist zunächst festzuhalten, dass fehlerhafte Verwaltungsakte in der Regel nicht nichtig, sondern nur anfechtbar sind, und sie durch Nichtanfechtung rechtsgültig werden. Bei der Abgrenzung zwischen blosser Anfechtbarkeit und Nichtigkeit folgt die jüngere Rechtsprechung der so genannten Evidenztheorie. Danach ist eine Verfügung nichtig, wenn der ihr anhaftende Mangel besonders schwer und offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und zudem die Rechtssicherheit dadurch nicht ernsthaft gefährdet wird. Nichtigkeit bedeutet absolute Unwirksamkeit einer Verfügung. Eine nichtige Verfügung entfaltet keinerlei Rechtswirkungen. Sie ist vom Erlass an (ex tunc) und ohne amtliche Aufhebung rechtlich unverbindlich. Die Nichtigkeit ist nur ausnahmsweise anzunehmen.
In der Regel bewirkt die Fehlerhaftigkeit einer Verfügung nur deren Anfechtbarkeit. Die Anfechtbarkeit bedeutet, dass die fehlerhafte Verfügung an sich gültig ist, aber von den Betroffenen während einer bestimmten Frist in einem förmlichen Verfahren angefochten werden kann, das zur Aufhebung oder Änderung der Verfügung führen kann. Anfechtbarkeit einer Verfügung bedeutet im Einzelnen folgendes: Die Verfügung ist grundsätzlich gültig und damit rechtswirksam. Soll die Rechtswirksamkeit der Verfügung verhindert werden, muss sie innerhalb der Anfechtungsfrist angefochten werden. Aber auch im Falle der Anfechtung verliert eine Verfügung nicht ohne weiteres ihre Rechtswirkungen, sondern erst, wenn sie durch einen Entscheid aufgehoben oder abgeändert wird. Weiter muss die Verfügung innert der Anfechtungsfrist und nach Massgabe der gesetzlichen Formvorschriften angefochten werden. Während die Nichtigkeit von Amtes wegen berücksichtigt werden muss und von jedermann geltend gemacht werden kann, ist die Anfechtung nur durch die Betroffenen, in Ausnahmefällen auch durch Dritte, möglich (zum Ganzen: Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 5. Auflage, Zürich 2006, S. 199 ff. N. 951 ff., mit Hinweisen).