# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3f8315fe-94da-4ab8-9e4c-c4fc4ee36c12
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
A. Am 5. März 2002 leitete die Schweizerische Bundesanwaltschaft ( „Bundesanwaltschaft“) unter der Verfahrensnummer BA/EAI/3/01/0008 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren gegen A._ wegen Verdachts der Bestechung im Sinne von Art. 322quater, Art. 322sexies und Art. 315 StGB ein (Akten Bundesanwaltschaft, Rubrik 1). Die Eröffnung des Ermittlungsverfahrens stützte sich auf die entsprechende Verdachtsmeldung des Eidgenössischen Departements für auswärtige  (nachfolgend „EDA“) vom 25. September 2001 an die , wonach die Schweizerische Vertretung in Kinshasa  in der Visaerteilung festgestellt habe. Namentlich hätten die bis dahin durch das EDA veranlassten administrativen Untersuchungen den Verdacht erhärtet, dass die Botschaftsangestellte A._ gegen  eine grössere Anzahl Visa erteilt habe, welche auf legalem Weg nicht hätten erteilt werden dürfen (Akten Bundesanwaltschaft, Rubrik 1 und 2).
Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und der Bundeskriminalpolizei brachten tatsächlich mehrere Unregelmässigkeiten bei der Visaerteilung zu Tage (z.B. entsprachen die Visa-Nummern, Fotos, Namen oder weitere Angaben der Gesuchstellter nicht den Tatsachen). Der Verdacht, dass ein kriminelles Netz – im Zusammenhang mit der Bestechung von Beamten – rechtswidrige Auswanderungen aus der Demokratischen Republik Kongo fördere, wurde keineswegs ausgeräumt. Indessen erwies sich die  in Bezug auf eine mutmassliche Straftat, die in der Demokratischen Republik Kongo verübt worden sein soll, als ausserordentlich schwierig. Die Erhebung geeigneter, den Schweizerischen Normen entsprechender Beweise durch ein internationales Rechtshilfegesuch an die  Behörden schien sodann illusorisch. Die durch die Schweizerischen Strafbehörden untersuchten Unterlagen und die getätigten Einvernahmen vermochten jedenfalls nicht rechtsgenügend zu beweisen, dass A._ (und nicht z.B. andere Angestellte der Botschaft oder kongolesische ) absichtliche Manipulationen vorgenommen hatte (Akten , Rubrik 5, 12 und 13).
Angesichts dieser Umstände, stellte die Bundesanwaltschaft mit Verfügung vom 9. März 2004 gemäss Art. 106 BStP das gerichtspolizeiliche  gegen A._ ein, unter Übernahme der Kosten auf die Bundeskasse (Akten Bundesanwaltschaft, Rubrik 22).
- 3 -
B. Mit Eingabe vom 1. Juli 2004 stellte Fürsprecher Hans E. Rüegsegger  seiner Mandantin bei der Bundesanwaltschaft den Antrag, A._ seien gestützt auf Art. 122 BStP die Anwaltskosten in der Höhe von Fr. 3'245.30 zu entschädigen (BK act. 1.2).
C. Am 7. September 2004 überwies die Bundesanwaltschaft das Entschädi-
gungsbegehren zuständigkeitshalber an die Beschwerdekammer des  und nahm gleichzeitig dazu Stellung. Sie beantragte, die Gutheissung des Gesuches (BK act. 1).

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. Die Anklagekammer des Bundesgerichts ist per 31. März 2004 aufgelöst worden. Gemäss Art. 33 Abs. 1 i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b SGG ergibt sich neu die Zuständigkeit der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid über das hängige Entschädigungsgesuch. Auf das Gesuch ist einzutreten.
2. 2.1 Gemäss Art. 122 Abs. 1 BStP ist dem Beschuldigten, gegen den die Unter-
suchung eingestellt wird, auf Begehren eine Entschädigung für die  und für andere Nachteile, die er erlitten hat, auszurichten. Voraussetzung für einen Entschädigungsanspruch ist neben der  des Verfahrens eine gewisse objektive Schwere der  und ein durch diese bewirkter erheblicher Nachteil, welcher vom Ansprecher zu substantiieren und zu beweisen ist (BGE 107 IV 155, 157 E. 5 m.w.H.; vgl. auch BGE 117 IV 209, 218 E. 4b). Als "andere Nachteile" im Sinne von Art. 122 BStP gelten dabei insbesondere die dem Beschuldigten entstandenen Verteidigungskosten, wenn der Beizug des Verteidigers  war – was bei einem gerichtspolizeilichen Ermittlungsverfahren  Art. 35 Abs. 1 BStP zu jedem Zeitpunkt der Fall ist – und wenn die Kosten unmittelbar durch das Verfahren bedingt und aus Vorkehren  sind, die sich bei sorgfältiger Interessenwahrung als geboten  oder doch in guten Treuen verantworten lassen (BGE 115 IV 156, 159 E. 2c).
2.2 Im vorliegenden Fall leitete die Gesuchsgegnerin gegen die Gesuchstelle-
rin am 5. März 2002 ein gerichtspolizeiliches Ermittlungsverfahren wegen
- 4 -
Verdachts der Bestechung im Sinne von Art. 322quater, Art. 322sexies und Art. 315 StGB ein, welches mit der Prüfung von Unterlagen der  Vertretung in Kinshasa und mehreren Einvernahmen der , von Bundesangestellten sowie von Auskunftspersonen, die in  ein Visum für die Schweiz beantragt hatten, verbunden war (Akten Bundesanwaltschaft, Rubrik 12 und 13).
Am 28. August 2001, d.h. bereits im Verlaufe der administrativen  des EDA, hatte die Gesuchstellerin Fürsprecher Hans E.  mit der Wahrung ihrer Interessen beauftragt. Mit Schreiben vom 10. Dezember 2001 teilte Fürsprecher Hans E. Rüegsegger der  die Übernahme der Verteidigung seiner Mandantin im  mit (Akten Bundesanwaltschaft, Rubrik 16)
Aufgrund des Verfahrens wegen Bestechung gegen die Gesuchstellerin und der folgenden Einstellungsverfügung sind die Voraussetzungen  Art. 122 Abs. 1 BStP für einen Entschädigungsanspruch hinsichtlich der Verteidigungskosten grundsätzlich erfüllt.
3. 3.1 Die Entschädigung kann gemäss Art. 122 Abs. 1 BStP verweigert werden,
wenn der Beschuldigte die Untersuchungshandlungen durch ein  oder leichtfertiges Benehmen verschuldet oder erschwert hat. Die  ist dabei nicht an die gestellten Anträge gebunden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8G.60/2003 vom 17. Juni 2003, E. 3). Immerhin wird die Beschwerdekammer, welche in diesem Sinne nur dem Recht  ist (vgl. Art. 2 SGG), nicht ohne triftige Gründe von den Anträgen der Bundesanwaltschaft abweichen.
3.2 Vorliegend beantragt die Gesuchsgegnerin wie erwähnt, die Gutheissung
des Gesuches.
Wie oben dargelegt, vermochte das Ermittlungsverfahren die genauen  in Bezug auf rechtswidrige Visaerteilungen in Kinshasa nicht zu . Zu Gunsten der Gesuchstellerin kann daher nicht von einem  Verhalten in Bezug auf die Einleitung oder Durchführung des  ausgegangen werden, welches es rechtfertigen würde, ihr die Verfahrenskosten aufzuerlegen.
- 5 -
4. 4.1 Aufgrund des Gesagten ist der Gesuchstellerin für Nachteile, die sie als
Folge des eingestellten Ermittlungsverfahrens erlitten hat, grundsätzlich  Entschädigung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 BStP auszurichten, wobei – wie bereits erwähnt – neben der Einstellung des Verfahrens und einer  Schwere der Untersuchung auch ein durch diese bewirkter  Nachteil erforderlich ist, welcher durch die Gesuchstellerin zu  und zu beweisen ist. Zu ersetzen ist daher jener Schaden, der  durch das Wirken der Strafverfolgungsbehörden verursacht wurde und erwiesen ist.
4.2 Die Gesuchstellerin macht geltend, das Strafverfahren habe Verteidigungs-
kosten im Gesamtumfang von Fr. 3'245.30 verursacht.
Aufgrund des eingeleiteten Strafverfahrens wegen Bestechung und in  der Schwere des Verfahrens sowie der damit verbundenen Einvernahmen der Gesuchstellerin und mehrerer Zeugen, war der Beizug eines rechtlichen Beistandes angebracht.
Im Rahmen dieses Verfahrens sind Aufwendungen des Vertreters der  ersichtlich, welche im Wesentlichen mit Eingaben an die  und der Teilnahme an den Einvernahmen verbunden waren. Die Substantiierung der Verteidigungskosten (mit Schreiben vom 15. März und 1. Juli 2004; Akten Bundesanwaltschaft, Rubrik 16) ist als  zu betrachten. Die Bemühungen der rechtlichen Vertretung hingen  mit dem fraglichen Strafverfahren adäquat zusammen und waren in  auf die Wichtigkeit in ihrem Umfang verhältnismässig bzw.  und angemessen. Daher sind der Gesuchstellerin diese , namentlich Fr. 3'245.30, vollumfänglich zu entschädigen.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens kann auf eine Erhebung der Kosten
verzichtet werden (Art. 156 OG). Eine Entschädigung für das  Verfahren verlangt die Gesuchstellerin nicht.
- 6 -