# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c26838cf-5ab5-41b8-8532-730e0327574c
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. X. wurde am 8. August 1964 in A. geboren, wo er zusammen mit einem Bruder und drei Schwestern aufwuchs und zehn Jahre die Schulen besuchte; einen Beruf konnte er nicht erlernen. 1984 kam er in die Schweiz und wohnt seither immer in B.. Er verheiratete sich ein erstes Mal 1987 mit C., welcher Ehe die Kinder D., geboren am 11. Februar 1988, und E., geboren am 28. Oktober 1991, entsprossen. Diese Ehe wurde 1994 wieder geschieden. Aus einer zweiten Verbindung mit F., welche er 2000 heiratete, gingen die beiden Kinder Y., geboren am 28. April 1992, und G., geboren am 21. November 2005, hervor.
X. arbeitete von 1988 bis 1999 bei der Schweizerischen Speisewagengesellschaft und darauf bis 2008 im Restaurant H. in B., welches seiner zweiten Ehefrau gehörte. Seit dem 1. März 2009 ist er bei einem Arbeitspensum von 60 % beim Express-Pizzakurier in B. tätig, wo er nach seinen Angaben einen monatlichen Bruttolohn von Fr. 2'000.00 bezieht. Er muss an den Unterhalt seiner beiden Kinder aus erster Ehe Fr. 1'000.00 pro Monat bezahlen. X. besitzt kein Vermögen, hingegen lagen gegen ihn bei Eröffnung des vorliegenden Strafverfahrens 32 Verlustscheine im Betrage von insgesamt Fr. 52'328.20 vor.
Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X. mit zwei Vorstrafen verzeichnet. Am 16. Mai 2007 bestrafte ihn der Kreispräsident B. wegen Unterlassung der Buchführung sowie wegen Vergehen gegen das Bundesgesetz über die Alters- und Hinterlassenenversicherung unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren mit eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 50.00 sowie einer Busse von Fr. 1'000.00. Wegen der gleichen Verfehlungen sprach der Kreispräsident B. am 26. Februar 2008 eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.00, wiederum bedingt vollziehbar mit einer Probezeit von zwei Jahren, und eine Busse von Fr. 800.00 aus.
Am 11. Mai 2008 wurde X. durch die Kantonspolizei Graubünden vorläufig festgenommen, und er befand sich darauf bis am 11. Juli 2008 in Untersuchungshaft. Er wurde im Zusammenhang mit den vorliegend zu beurteilenden Straftaten durch die psychiatrischen Dienste Graubünden begutachtet. In seiner Expertise vom 6. August 2008 kam der leitende Arzt, Dr. med. Christoph Burz, zum Schluss, der Explorand habe zur Zeit der Taten an keiner psychischen Störung gelitten. Die Rückfallsgefahr und die Wahrscheinlichkeit eines Suizids wurden als gering beurteilt, und die Voraussetzungen für eine Massnahme gemäss Art. 59, 60 oder 63 StGB als nicht erfüllt bezeichnet. Für den Fall, dass das Gericht den Anschuldigungen der
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Tochter folgen sollte, wäre nach dem Gutachter aber die deliktorientierte fachpsychiatrische Auseinandersetzung mit der Thematik im Rahmen einer vollzugsbegleitenden Weisung zu empfehlen.
B. 1. Mit Verfügung vom 14. Mai 2008 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden gegen X. ein Strafverfahren wegen sexueller Handlungen mit Kindern usw. Mit Anklageschrift vom 28. Oktober 2009 wurde der Angeschuldigte in Anklagezustand versetzt und aufgrund des im Folgenden dargelegten Sachverhalts der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1, des mehrfachen Versuchs dazu gemäss Art. 187 Ziff. 1 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1, der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1, des mehrfachen Inzests gemäss Art. 213 Abs. 1, der mehrfachen Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 1, der Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 3bis, der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 sowie der Tätlichkeit gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB angeklagt:
“1.1 X. missbrauchte seine am 28. April 1992 geborene Tochter Y. zwischen ca. Mai 2004 und ca. Ende April 2008 wiederholt sexuell (nachstehend Ziff. 1.1.1 - 1.1.7) oder versuchte es (nachstehend Ziff. 1.1.8 - 1.1.11). Im Einzelnen geht es um folgende sexuelle Handlungen:
1.1.1 X. versuchte immer wieder, mit seinem Penis in Y.s Scheide einzudringen.
1.1.2 X. drückte hinter Y. liegend seinen Penis gegen deren Gesäss.
1.1.3 X. streichelte seine Tochter Y. am ganzen Körper, insbesondere am Gesäss, an den Brüsten und im Bereich der Scheide.
1.1.4 X. küsste und schleckte Y. am ganzen Körper, insbesondere auch an den Brüsten und im Intimbereich.
1.1.5 X. rieb seinen Penis zwischen den Beinen und den Brüsten seiner Tochter Y. bis zum Samenerguss.
1.1.6 X. legte sich mit oder ohne Kleider auf Y. und machte bis zur Ejakulation Stossbewegungen.
1.1.7 X. rasierte während einer gemeinsamen Dusche mehrmals Y.s Intimbereich, um sie dort besser lecken zu können.
1.1.8 X. wollte mit Y. einen Zungenkuss machen, was diese jedoch ablehnte.
1.1.9 X. nahm die Hand seiner Tochter Y. und legte sie über seinen Hosen an den Penis und forderte Y. auf, ihn zu wichsen. Y. weigerte sich.
1.1.10 X. wünschte, dass seine Tochter Y. ihn oral befriedige. Y. weigerte sich.
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1.1.11 X. wünschte, Y. nackt zu fotografieren und zu filmen, um sich in ihrer Abwesenheit befriedigen zu können. Y. lehnte es ab, gefilmt zu werden.
1.2. Damit Y. die unter Ziff. 1.1 der Anklageschrift aufgeführten Handlungen über sich ergehen liess, wurde sie von X. massiv unter psychischen Druck gesetzt. Mitte August 2002 [recte 2004] sagte er zu ihr, dass für den Fall, dass sie etwas sagen würde, sie sehen werde, wie traurig ihre Mama sein werde. Zudem sagte er zu seiner Tochter, dass er entweder ins Bordell gehe oder sie es mit ihm mache. Schliesslich drohte X. Y. ab dem 2006 oder 2007, sich und sie alle umzubringen, falls sie der Polizei oder Kollegen von seinen Handlungen erzähle; er wolle nicht ins Gefängnis und sich vor der Verwandtschaft schämen und sich von ihr demütigen lassen.
1.3 X. versuchte mehrmals, mit seiner in gerader Linie blutsverwandten Tochter den Beischlaf zu vollziehen.
Die erwähnten sexuellen Handlungen nahm X. zwischen ca. Mai 2004 und ca. Ende April 2008 in ihrer damaligen Wohnung an der Bienenstrasse 4 in B. sowie ca. im Juni 2006 in einem Hotel in Meiningen (Österreich) vor.
Der Angeklagte bestreitet die vorstehend genannten Handlungen gemäss Ziff. 1.1.1 - 1.1.6 und 1.1.8 - 1.1.11. Das gemeinsame Duschen und das Rasieren von Y. in deren Schamgegend gemäss Ziff. 1.1.7 gibt er zu, verneint aber sexuelle Hintergründe.
2.1 X. sah sich in der Wohnung an der Bienenstrasse 4 in B. zwischen ca. Mai 2004 und ca. Ende April 2008 mit Y. verschiedene DVD’s mit pornographischem Inhalt an.
Nach dem 21. November 2007 zeigte X. seiner Tochter Y. einen Videoclip mit tierpornographischem Inhalt.
X. bestreitet, seiner Tochter DVD’s mit pornographischem Inhalt sowie einen Videoclip mit tierpornographischem Inhalt gezeigt zu haben.
Mit Verfügung vom 30. April 2009 beschlagnahmte der Untersuchungsrichter die bei X. von der Polizei sichergestellte  (Dr. Michael Perry’s „How to make Love! - Was Frauen gerne haben“) sowie vier DVD’s (Devil Films presents: „International Throat Bangers 2“; Muschi Movie „Sex-Spiele Bizarr“ und „12 Schwänze für Anna“; Dolly Buster präsentiert: “Triangel“ [defekt].
2.2 Am 21. November 2007 hielt sich im Restaurant H. in B. ein Kollege von X. auf, der ihm einen Videoclip mit tierpornographischem Inhalt zeigte. In der Folge liess sich X. diesen Clip via Bluetooth auf sein Mobiltelefon überspielen.
3.1 Anlässlich eines Familienstreites holte X. in der Wohnung an der Bienenstrasse 4 in B. am Abend des 04. Mai 2008 aus der Küche ein Messer und drohte den anwesenden Familienmitgliedern, darunter Y., alle Familienmitglieder umzubringen. Anlässlich dieses Streites erwähnte der Angeklagte eine Pistole, mit der er sich erschiessen wolle.
3.2 Anlässlich dieses Streites wurde Y. von ihrem Vater X. geschlagen.“
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2. Am 22. Juli 2009 reichte Y. durch Rechtsanwältin lic. iur. Diana Honegger Droll beim Untersuchungsrichteramt B. eine Adhäsionsklage mit folgendem Rechtsbegehren ein:
„1. Es sei festzustellen, dass X. gegenüber der Adhäsionsklägerin für die Folgen der strafbaren Handlungen gemäss Anklageschrift (sexuelle Handlungen mit Kindern etc.) vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist.
2. Es sei der Adhäsionsklägerin ein Nachklagerecht für allfälligen Schaden als unmittelbare Folge der strafbaren Handlungen gemäss Anklageschrift einzuräumen.
3. Es sei X. zu verpflichten, der Adhäsionsklägerin eine Genugtuungssumme von Fr. 20'000.-- nebst Zins zu 5% seit 30.04.2008 zu bezahlen.
4. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“
C. Mit Urteil vom 21. Januar 2010 erkannte das Bezirksgericht Plessur:
„1. X. ist schuldig:
- der Tätlichkeit gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB
- der Drohung gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB
- der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB
- des mehrfachen Versuchs der sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
- der mehrfachen Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 1 StGB
- der Pornographie gemäss Art. 197 Ziff. 3bis StGB
- des mehrfachen Inzests gemäss Art. 213 Abs. 1 StGB
- des mehrfachen Versuchs des Inzests gemäss Art. 213 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
2. X. wird vom Vorwurf der mehrfachen sexuellen Nötigung gemäss Art. 189 Abs. 1 StGB freigesprochen.
3. Auf den Widerruf der am 16. Mai 2007 und am 26. Februar 2008 vom Kreispräsidenten B. wegen Unterlassung der Buchführung und Vergehen gegen das BG über die Alters- und Hinterlassenenversicherung gewährten bedingten Vollzüge zweier Geldstrafen von 30 Tagessätzen zu CHF 50.00 bzw. von 20 Tagessätzen zu CHF 30.00 wird verzichtet und die Probezeiten jeweils um 1 Jahr verlängert.
4.a) Für die begangenen Delikte nach obiger Ziffer 1 wird X. mit einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren und einer Busse von CHF 200.00 bestraft.
b) Von der Freiheitsstrafe sind 15 Monate unbedingt zu vollziehen, unter Anrechung der erstandenen Polizei- und Untersuchungshaft von 62 Tagen. Für die restlichen 21 Monate Freiheitsstrafe wird der bedingte Strafvollzug gewährt, unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren.
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c) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 2 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit X. dieselbe schuldhaft nicht bezahlt.
5. Die Abklärung und allfällige Durchführung der Therapierung des Verurteilten erfolgt im Sinne der Erwägungen.
6. Die mit untersuchungsrichterlicher Beschlagnahmeverfügung vom 30. April 2009 sichergestellten 4 DVD’s (einmal inkl. Hülle) und 1  mit pornografischem Inhalt werden gerichtlich eingezogen und sind zu vernichten.
7.a) Es wird festgestellt, dass X. gegenüber Y. für die Folgen der ihr gegenüber begangenen Straftaten vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist.
b) X. wird verpflichtet, Y. eine Genugtuung von CHF 20'000.00 zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 30. April 2008 zu bezahlen.
c) X. hat Y. aussergerichtlich mit CHF 7'352.75 (inkl. Barauslagen und MwSt.) zu entschädigen.
8.a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 29'938.60 (Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 25'693.60, Gerichtskosten von CHF 4'000.00 und Bargebühren von CHF 245.00) gehen zu Lasten von X..
b) Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft von CHF 10’485.00 sowie des Strafvollzuges gehen zu Lasten des Kantons Graubünden. Die Kosten einer allfälligen Massnahme gehen im Sinne der Erwägungen zu Lasten der Wohnsitzgemeinde. X. hat sich an den beiden Kostenarten nach Massgabe von Art. 380 Abs. 2 StGB zu beteiligen.
c) X. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich total CHF 30'138.60 (Busse: CHF 200.00, Verfahrenskosten: CHF 29'938.60). Dieser Betrag ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Urteils auf das PC-Konto 70-3596-3 des Bezirksgerichtes Plessur zu überweisen.

## Considerations