# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5f788327-95ae-4515-b5e5-211827fa61da
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 12
I. Sachverhalt
A. Mit Gesuch vom 3. November 2014 liess X._ die unentgeltliche Rechtspflege mit Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt Dr. iur. Frank Schuler für ein von ihr angestrebtes Klageverfahren gegen die Erben A._ (B._, C._, D._) betreffend Minderung/Schadenersatz in der Höhe von Fr. 200'000.00 aus Liegenschaftskauf beantragen. Zur Begründung wurde ausgeführt, die beklagten Gesamteigentümer infolge Erbengemeinschaft hätten der Gesuchstellerin eine Liegenschaft in E._ (O.1_) verkauft. Bereits kurz nach deren Bezug seien Wasserschäden aufgetreten, welche umgehend mündlich und im Oktober 2011 auch per Mail gerügt worden seien. Aufgrund der Zunahme der Wasserschäden und des komplexen Desinteresses der Verkäufer habe die Käuferin einen Bauexperten mit der Mängelfeststellung beauftragt. Das Gutachten habe bauliche Mängel in Bezug auf das Flachdach, den Dachanschluss und die Dusche festgestellt und sei dem Vertreter der Verkäuferin umgehend mündlich und per Mail mitgeteilt worden. Weitere Gespräche mit Vertretern der Verkäufer seien erfolglos geblieben, so dass X._ am 21. Februar 2014 das Schlichtungsverfahren gegen die Verkäufer eingeleitet habe. Nach erfolgloser Schlichtungsverhandlung sei am 3. Juli 2014 die Klagebewilligung ausgestellt worden.
X._ sei seit letztem Herbst arbeitslos; aufgrund einer früheren Arbeitslosigkeit habe die Rahmenfrist für den Bezug von Taggeldern der Arbeitslosenversicherung am 31. Mai 2014 geendet. Ab diesem Zeitpunkt habe die Gesuchstellerin von der Arbeitslosenkasse keine Taggelder mehr erhalten, weil sie die Anspruchsvoraussetzungen für eine neue Rahmenfrist mangels genügender Beitragszeit nicht erfülle. Anfangs März 2014 habe sie wegen einer Krankheit operiert werden müssen. Seither sei sie aus medizinischen Gründen arbeitsunfähig, da sie sich aufgrund eines Krebsleidens regelmässig und längerfristig chirurgischen Eingriffen und Chemotherapien unterziehen müsse. Aus diesem Grund habe sie Ende August 2014 bei der Sozialversicherungsanstalt O.2_ ein Gesuch um Zusprechung einer IV-Rente eingereicht. Nachdem ihre Ersparnisse aufgebraucht gewesen seien, habe sie bei der Wohngemeinde ein Unterstützungsgesuch gestellt. Seit September 2014 erhalte sie von der Gemeinde O.3_ Sozialhilfe, womit ihre Mittellosigkeit nachgewiesen sei. Ihr restliches Vermögen bestehe aus der Liegenschaft in E._, die jedoch derart belastet sei, dass eine Aufstockung der Hypothek nicht möglich sei. Eine Vermietung der bislang als Erstwohnung genutzten Liegenschaft sei wegen Art.
Seite 3 — 12
75b BV nur als Erstwohnung zulässig. Eine solche Vermietung sei aufgrund des Leerwohnungsbestandes und der Nachfrage in O.1_ kurzfristig nicht möglich, zumal sie die Liegenschaft verkaufen wolle.
B. Am 4. November 2014 prosequierte X._ beim Bezirksgericht Hinterrhein die Klage gegen die vorerwähnten Erben des A._ auf Minderung/Schadenersatz aus dem Liegenschaftskauf in E._ (Proz. Nr. -21).
C. Mit Stellungnahme vom 10. November 2014 verneinte die anzuhörende kantonale Steuerverwaltung die Bedürftigkeit unter Beilage und Hinweis auf die definitiven Steuerveranlagungsverfügungen für die Gemeinde-, Kantons- und Bundessteuer des Jahres 2012, welche ein steuerbares Nettoeinkommen von rund Fr. 64'400.00 (Kanton/Gemeinde) respektive Fr. 69'700.00 (Bund) und ein Vermögen von Null ausweisen, wobei unter Vermögen Wertschriften und Guthaben von Fr. 73'313.00 aufgeführt sind.
D. Mit Eingabe vom 26. November 2014 liess X._ bei gleichbleibendem Rechtsbegehren entgegnen, für die Beurteilung der URP-Bedürftigkeit im Sinne von Art. 117 lit. a ZPO seien die wirtschaftlichen Verhältnisse im Zeitpunkt der Gesuchstellung massgebend, also im November 2014. Mit diesen Verhältnissen, die im Gesuch dargelegt und mit Urkunden belegt worden seien, setze sich die Steuerverwaltung nicht ansatzweise auseinander, sondern verweise lapidar auf die Steuererklärung 2012. Dass diese keine Auskunft über die jetzigen wirtschaftlichen Verhältnisse zu geben vermöge, liege auf der Hand. Auch die Steuererklärung 2013 würde diesbezüglich nicht mehr Informationen enthalten. Die Einkommens- und Vermögensverhältnisse der Gesuchstellerin hätten sich seit dem Jahr 2012 stark verändert. Wie bereits im Gesuch ausgeführt und belegt, sei die Gesuchstellerin seit Herbst 2013 arbeitslos und erfülle die Anspruchsvoraussetzungen für Taggelder der Arbeitslosenkasse nicht mehr. Seit Ende Mai 2014 verfüge sie über keine Einkünfte mehr und lebe seit September 2014 von der Sozialhilfe der Gemeinde O.3_. Die entsprechende Bestätigung sei mit dem Gesuch eingereicht worden. Die Gemeinde habe die Einkommens- und Vermögensverhältnisse zu prüfen, bevor Sozialhilfe geleistet werde und die Leistungen der Sozialhilfe würden nur den notwendigen Lebensunterhalt decken, sodass kein Überschuss verbleibe, der für die Deckung von Anwalts- und Gerichtskosten in absehbarer Zeit herangezogen werden könne. Die Liegenschaft in E._ sei der einzige Vermögenswert, über den X._ noch verfüge. Sie versuche schon seit längerem ohne Erfolg, diese zu veräussern. Wegen der
Seite 4 — 12
Pfandrechte auf der Liegenschaft sei im jetzigen Zeitpunkt im Übrigen äusserst fraglich, ob beziehungsweise in welchem Umfang X._ nach dem Verkauf überhaupt über finanzielle Mittel verfügen werde. Wegen der Verkaufsbemühungen sei eine Vermietung nicht realistisch; selbst wenn das Gericht diesbezüglich anderer Auffassung wäre, müsste X._ zumindest vorläufig die unentgeltliche Rechtspflege bewilligt werden. Da die Gemeinde O.3_ die Anspruchsberechtigung von X._ hinsichtlich der Sozialhilfe geprüft und bejaht habe, werde bewusst darauf verzichtet, weitere Beweise für den Sachverhalt einzuholen und dadurch zusätzlichen, nicht notwendigen Aufwand zu betreiben. Falls das Gericht wider Erwarten weitere Unterlagen für erforderlich erachte, würden diese so rasch als möglich beigebracht.
E. Mit gleichentags mitgeteiltem Entscheid vom 3. Dezember 2014 erkannte der Einzelrichter in Zivilsachen am Bezirksgericht Hinterrhein wie folgt:
"1. Das Gesuch von X._ um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege mit Vertretung durch Rechtsanwalt Dr. iur. Frank Schuler, Chur, im Verfahren gegen die Erben A._ (B._, C._, D._) betreffend Minderung/Schadenersatz (Proz. Nr. 115-2014-21) wird abgewiesen.
2. Es werden keine Gerichtskosten erhoben.

## Considerations