# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6d9d1566-f064-45d2-977f-122d9fdf90b2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1977
, erlernte den Beruf des
Damencoiffeurs
und war
anschliessend
bei verschiedenen Arbeitgebern in der Baubranche arbeit
stätig, zuletzt bei der
Y._
GmbH (
Urk.
7/1,
Urk.
7/4 und
Urk.
7/33). Am 26. Juli 2007 stürzte er von einem Fassadengerüst (
Urk.
7/12/103), wobei er sich verschiedene Verletzungen namentlich an den Rippe
n
, an
mehreren
Wirbelfortsätzen und am
rechten
Ellenbogen zuzog (
Urk.
7/12/98). Die Suva als Unfallversicherer gewährte Heilbehandlung und Taggeld und stellte die Leistungen
mit formlosem Schreiben von 1
7.
Oktober 2008 (
Urk.
7/55/29-30 und
Urk.
7/55/27) ein.
Am 2
1.
April 2008 hatte sich der Versicherte bei der Invalidenversicherung unter Hinweis auf die Unfallfolgen zum Leistungsbezug angemeldet. Die Sozialver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerb
liche Abklärungen und verneinte mit Verfügung vom
4.
November 2009 (
Urk.
7/66) bei einem Invaliditätsgrad von 10
%
einen Anspruch auf Leistungen.
1.2
Am
1.
Februar 2012 (
Urk.
7/68) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf seit einem Unfall bestehende Rückenbeschwerden erneut bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an. Er war am
6.
Juni 2011 - damals bei der
Z._
AG beschäftigt - auf einer Treppe ausgerutscht und auf den Rücken gefallen, wobei in der Folge ein posttraumatisches
lumboradikuläres
Reizsyndrom bei einer Diskushernie L5/S1 und ein
Bone
bruise
im
Processus
transversus
des
Lendenwirbelkörpers (LWK) 2 diagnostiziert wurden (
Urk.
7/70/110, Urk.
7/70/103
103 und
Urk.
7/70/87). Die Suva gewährte wiederum Heilbehand
lung sowie Taggeld und stellte die Leistungen mit Verfügung vom 28. August 2012 und
Einspracheentscheid
vom 4. Juli 2013 per 1. Juli 2012 ein. Das hiesige Gericht bestätigte diesen Entscheid mit Urteil vom 2
1.
April 2015 (Prozess-Nr. UV.2013.00197).
Die IV-Stelle tätigte wieder medizinische und erwerbliche Abklärungen
und zog - wiederholt - die Akten der Suva bei. Mit
Vorbescheid vom 2
8.
September 2012 (
Urk.
7/84)
stellte sie
die Verneinung des Anspruchs auf eine Invalidenrente in Aussicht.
Auf Einwand (
Urk.
7/87) hin gewährte die IV mit Mitteilung vom 2
7.
August 2013 (
Urk.
7/94) eine Umschulung im Sinne eines Aufbauprogramms samt Anschlussprogramm Fachrichtung Logistik vom 3
0.
September 2013 bis
9.
März 201
4.
Nach Meldung eines am 2
7.
September 2013 erlittenen Unfalls samt vollständiger Arbeitsunfähigkeit hob die IV-Stelle die Mitteilung betreffend Umschulung am
4.
Oktober 2013 (
Urk.
7/100) auf.
Der Versicherte hatte beim
Hinuntergehen auf der Treppe mit der rechten Hand beim Geländer eingehängt, wodurch es ihm die Schulter zurückzog (
Urk.
7/106/36 und
Urk.
7/106/5). Dabei erlitt er Verletzungen an der rechten Schulter (
Urk.
7/106/20). Die Suva gewährte wiederum Heil
behandlung sowie Taggeld.
Mit Mitteilung vom 2
7.
April 2017 (
Urk.
7/141) erteilte die IV-Stelle Kostengut
sprache für eine Umschulung im Sinne einer Einarbeitung in die Tätigkeit als zukünftiger
Projektleiter
bei der Firma
A._
GmbH
vom
1.
Mai bis 3
0.
Juli 201
7.
Per
1.
Juli 2017 wurde der Versicherte als Projektleiter Maler und Gipser mit einem Pensum von 30
%
angestellt (Arbeitsvertrag vom 2
4.
Juli 2017,
Urk.
7/161-162).
Mit Mitteilung vom
1.
September 2017 (
Urk.
7/166) übernahm die IV-Stelle die Kosten im Rahmen eines Taggeldes für eine Fortsetzung der Ein
arbeitung in die Tätigkeit als zukünftiger Projektleiter Maler und Gipser bei der
A._
GmbH vom
1.
August bis 3
1.
Oktober 201
7.
Am
8.
Januar 2018 (
Urk.
7/178) stellte die IV-Stelle den erfolgreichen Abschluss der beruflichen Mass
nahmen fest, nachdem der Versicherte im Betrieb eine Vollzeitanstellung erhalten hatte (Arbeitsvertrag vom 3
0.
Oktober 2017,
Urk.
7/175).
Am
1.
Dezem
ber 2017 hatte er wiederum einen Unfall erlitten, als er während der Arbeit auf dem Bau stürzte und auf die rechte Seite fiel (
Urk.
7/184/3 und
Urk.
7/184/113). In der Folge wurden ein traumatisch aktiviertes
lumboradikuläres
Reizsyndrom L5 rechts bei vorbestehender Diskushernie L5/S1, eine posttraumatische
Periar
thropathia
humeroscapularis
(PHS) rechts sowie eine Beckenkontusion rechts diagnostiziert (
Urk.
7/184/13).
Mit Vorbescheid vom 1
3.
März 2018 (
Urk.
7/187) stellte die IV-Stelle die Vernei
nung des Anspruches auf IV-Leistungen in Aussicht. Nach erhobenem Einwand (
Urk.
7/
190) gingen weitere medizinische Berichte und die aktualisierten Akten der Suva ein. Mit Verfügung vom 2
0.
Juni 2019 (
Urk.
2) wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab.
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am
2
1.
August 2019 Beschwerde und ersuchte um Ausrichtung von Leistungen aus der Invalidenversicherung (Wartezeit-Tag
geld und Invalidenrente) ab dem
1.
Juni 2012 (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle schloss am 2
6.
September 2019 (
Urk.
6) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Ver
sicherten am
1.
Oktober 2019 (
Urk.
8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fach
ärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benen
falls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und dem
nach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurtei
lung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweis
wertes eines Arztbe
richtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die ge
klagten Beschwerden berück
sichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Dar
legung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizi
nischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folge
rungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zu
r
Begründung ihres ablehnenden Entscheides aus
(
Urk.
2)
, sie stütze sich bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auf die Suva ab, da reine Unfallfolgen vorlägen. Eine unfallfremde Erkrankung, die eine
höhergr
a
dige
und länger andauernde Arbeitsunfähigkeit bedinge, sei nicht aus
gewiesen. Sie folge damit dem Entscheid, dass ab
1.
Februar 2018 eine volle Arbeitsfähigkeit ausgewiesen sei. In der IV gelte sodann der Grundsatz «Einglie
derung vor Rente». Ein Rentenanspruch bestehe somit in der Regel so lange nicht, als von Eingliederungsmassnahmen eine rentenbeeinflussende Änderung erwar
tet werden könne. Sei
t
Beginn der Abklärungen sei Eingliederungspotential aus
gewiesen gewesen, weshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe.
Da in der Folge noch eine Operation geplant gewesen sei, sei der Verlauf über
wacht worden. Beim vorliegenden Leiden handle es sich nach wie vor um reine Unfallfolgen. Nach dem Reha-Aufenthalt sei erneut ein Belastungsprofil erstellt worden. Berufliche Massnahmen seien bereits vorgängig gewährt worden bei der Einarbeitung als Projektleiter und in dieser Tätigkeit sei er nach wie vor 100
%
arbeitsfähig.
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor (
Urk.
1), seit dem Unfall vom 3
1.
Mai 2011 sei er aufgrund der Dauerfolgen der seither bestehenden Rückenbe
schwerden im erlernten Ber
u
f als Coiffeur und in der angestammten Tätigkeit als Fassadenbauer nicht mehr arbeitsfähig. Nunmehr verunmöglichten die anhal
tenden Rückenbeschwerden das Stehen und Gehen über die Dauer von mehr als 30 Minuten. Deshalb sei ebenfalls die grösstenteils
in stehender
und gehender Körperhaltung zu verrichtende, im
J
ahr 2017 umgeschulte
T
ätigkeit als Projekt
le
iter im Fassadenbau unzumutbar.
Nach der im Dezember 2011 in der Rehaklinik
B._
abgeschlossenen Rehabi
litation habe bis zum Unfall vom 2
7.
September 2013 ein berufliches Eingliede
rungspotential bestanden, weshalb er sich zur beruflichen Integration angemeldet habe. Spätestens nach dem
Beizug
der Suva-Akten sei für die Beschwerde
gegnerin ersichtlich gewesen, dass die Notwendigkeit beruflicher Massnahmen zur Umschulung bestanden habe und die Anspruchsvoraussetzungen erfüllt gewesen seien. Wenn die Beschwerdegegnerin trotz Kenntnis des Umschulungs
anspruchs die
Anhandnahme
der beruflichen Massnahmen über einen langen Zeitraum hinweg unterlassen habe, dürfe ihm dies nicht zum Nachteil gereichen und stehe ihm spätestens ab dem
1.
Juli 2012 das Wartezeit-Taggeld zu. Nach dem Unfall vom 2
7.
September 2013 habe bis zur kreisärztlichen Untersuchung vom
3.
Februar 2017 kein Eingliederungspotential und keine Arbeitsfähigkeit in
einer angepassten Tätigkeit bestanden, weshalb für diesen Zeitraum die Invali
denrente geschuldet sei. Seit dem Unfall vom
1.
Dezember 2017 sei die Behand
lung beider geschädigter Schultern zur Wiederherstellung einer Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit nicht abgeschlossen und
es
bestehe bis dahin in jeder Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit und
es
sei kein Eingliederungspotential gegeben, weshalb der Anspruch auf die Invalidenrente bestehe (S. 5 f.).
3
3.1
In ihrem Austrittsbericht vom 19. Dezember 2011 (
Urk.
7/70/29-41
) über die vom 21. November bis 15. Dezember 2011 durchgeführte stationäre Frührehabilitation nach dem am
6.
Juni 2011 erlittenen Unfall stellten
Dres
. med.
C._
, Oberärztin Arbeitsorientierte Rehabilitation, und
D._
, Assistenzarzt Arbeitsorientierte Rehabilitation,
Rehaklinik
B._
folgende Diagnosen (S. 1):
-
Unfall vom 6. Juni 2011: Sturz auf der Treppe
LWS-Kontusion
-
Posttraumatisches
lumbo-radikuläres
Reizsyndrom bei Diskushernie L5/S1 und
Bone
bruise
im
Processus
transversus
LWK 2 rechts
-
16. Juni 2011
n
eurologische Untersuchung mittels Nadel-EMG: Keine Hinweise für relevante Läsionen lumbaler oder sakraler Wur
zeln
-
7. Juni 2011 MRI LWS: kleine mediane Diskushernie Höhe L5/S1 ohne
darüber hinausgehende
S1-Nervenwurzelkompression.
Bone
bruise
Processus
transversus
LWK 2 rechts
-
24. August 2011 Facetteninfiltration L4/5 und L5/S1 rechts ohne
Benefit
-
Unfall vom 27. Juli 2007: Sturz
Fraktur der
Processus
transversi
BWK 9-11
-
3. Juni 2008 MRI HWS und LWS: posttraumatische, geringe Kno
chen
umbauprozesse Bereich
Processus
transversus
BWK 9 und 10 rechts. Diskrete rechtskonvexe thorakale und linkskonvex lumbale Skoliose. Breite
Diskusprotrusion
L5/S1, keine Neurokompression
Ellenbogenkontusion mit Eröffnung Bursa
olecrani
-
Juli 2008 Ellbogen-Arthroskopie bei schmerzhafter
posteriorer
Plica
-
28. Oktober 2011 MRI Ellbogen rechts: unauffällig
-
1. Dezember 2011: Ellbogengelenk beidseits lateral,
ventro
-dorsal: beide Ellbogengelenke mit regelrechter Knochenstruktur. Unauffällige Gelenkverhältnisse. Kein Hinweis für degenerative Veränderungen oder frische knöcherne Verletzungen
Sie führten aus, klinisch würden sich keine Hinweise für eine
radikuläre
Symp
tomatik zeigen (S. 3). Sie attestierten bezogen auf die bisherige Tätigkeit als Ver
putzmaurer und Fassadenbauer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Eine mit
tel
schwere Arbeit ohne längerdauernde vorgeneigte Rumpfposition hielten sie ganz
tags für zumutbar. Sie empfahlen einen erleichterten Wiedereinstieg mit einem täglichen Pensum von vier Stunden, sofern ein Einsatz in einer Ver
weistätigkeit im bisherigen Betrieb möglich sei (S. 2).
3.2
Nach dem Unfall vom 2
7.
September 2013 bestätigte Hausärztin
Dr.
E._
nach Einsichtnahme in die bildgebenden Untersuchungsresultate (
Urk.
7/106/20-21) mit Bericht vom 1
8.
Oktober 2013 (
Urk.
7/106/19) eine vollumfängliche Arbeits
unfähigkeit.
3.3
Suva-Kreisarzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie FMH, führte in seinem Bericht vom 2
7.
September 2014 (
Urk.
7/111/11-19) über die Untersuchung vom 2
5.
September 2014 aus, im Bereich der rechten Schulter seien die Befunde etwas zwiespältig
, die aktive mus
kuläre Gegenspannung habe keine korrekte klinische Untersuchung erlaubt. Primär sollte eine neurologische Untersuchung stattfinden mit der Frage, ob sich die
Ulnarissymptomatik
seit 2008 verändert habe. Während dieser Abklärungszeit bleibe der Beschwerdeführer aktuell noch arbeitsunfähig.
3.4
3.4.1
Im Zuge der kreisärztlichen Untersuchung vom 1
8.
August 2016 (
Urk.
7/131) schilderte
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie FMH, ein gutes Operations
resultat, der Beschwerdeführer könne schon bis zur Horizontalen abduzieren
beziehungsweise
flektieren. Die Kraft sei ebenfalls ordentlich ausgeprägt, ein spezifischer Ausfall eines Muskels der
Rotatorenmanschette
finde sich nicht.
Sodann seien die vom Beschwerdeführer über Jahre hin geschilde
r
te
n
Kribbel
parästhesien verschwunden. Er empfahl eine arbeitsorientierte stationäre Reha
bilitation. Das (während der Rehabilitationsphase) geltende provisorische Zum
u
t
barkeitsprofil beschrieb er wie folgt: Heben und Tragen mit der rechten Extremität nur mit leichten Lasten, Hantieren mit
Werkzeugen
bis zur Stufe fein und leicht, Haltung frei wählbar, Knien und Kniebeugen möglich, Arbeiten über Kopf nicht statthaft (wohl bleibend),
keine Tätigkeiten
, die balancieren oder Gleichgewicht erfordern. Eine zeitliche Einschränkung bestehe nicht (S. 12).
3.4.2
Dr.
G._
diagnostizierte in seinem Bericht über die Untersuchung vom
3.
Feb
ruar 2017 (
Urk.
7/180/3-15) einen Status nach
Verdrehtrauma
/Zugtrauma an der rechten dominanten Schulte
r mit SLAP III-Läsion (mit diag
nostischer Arth
roskopie,
Débridement
, Labrum
antero
-superior-
posterior
, SLAP-
Repair
,
subakro
miale
Dekompression im Oktober 2015) sowie bei Status nach
Thoraxkontusions
trauma
mit Rippenfrakturen links, folgenlos abgeheilt (Ostern 2016). Daneben nannte er als unfallfremde Nebendiagnosen einen Status nach Ellbogenarthro
skopie und
Plica
-Resektion nach Ellbogenprellung 2008, einen Status nach
Bursek
to
mie
Ellbogen rechts 2007, einen Status nach Sturz von einem Gerüst im Juli 2007 mit Pneumothorax, Fraktur der Rippen 8
-10 rechts und Fraktur der
Process
i
transversi
9-11 sowie eine chronische Lumbago (S. 11).
Er führte aus, gegenüber der Voruntersuchung vom August 2016 sei es zu einer Verbesserung der Kraft vor allem im Bereich der Hände gekommen, die Beweg
lichkeit sei
gleichgeblieben
. Die Kraft sei somit aktuell gut ausgeprägt, nach wie vor sei ein spezifischer Ausfall eines Muskels der
Rotatorenmanschette
nicht
kon
klusiv nachweisbar. Die Kribbelparästhesien würden vom Beschwerdeführer nur noch selten angegeben, aber während der Untersuchung seien sie schon wie anlässlich der Untersuchung vom August 2016 nicht mehr zu objektivieren gewesen (S. 12).
Dr.
G._
attestierte eine zeitlich uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer
-
näher bezeichneten - angepassten Tätigkeit (Heben und Tragen rechts sowie Han
tieren mit Werkzeugen bis mittelschwer, kein Knien, keine Arbeiten über Kopf, Fortbewegung nicht kompromittiert, kein Balancieren
;
S. 12).
3.
5
Die Ärzte der Uniklinik
H._
diagnostizierten am
7.
Februar 2018 (
Urk.
7/189) eine Tendinitis der langen
Bizepssehne
Schulter rechts im Zuge des Unfalls vom
1.
Dezember 2017
(auf Baustelle ausgerutscht)
.
Nachdem Infiltrationen nicht den gewünschten Erfolg gebracht hatte
n
, erfolgte
am 2
8.
Juni 2018
eine
Schulter
arthroskopie,
Bi
z
epstenodese
mit
ReelXT
Anker
. Die Ärzte
attestierten eine voll
umfängliche Arbeitsunfähigkeit für alle Tätigkeiten (Bericht vom 1
1.
September 2018,
Urk.
7/196/7-11).
M
it Bericht vom 1
4.
Januar 2019 (
Urk.
7/199/4-6)
beschrieb der zuständige Arzt
einen
etwas verzögerten Verlauf bezü
glich der Beweglichkeit und Schmerzen drei Monate nach der Schulterarthroskopie vom 2
8.
Juni 2018 (anlässlich der letzten Kontrolle am 2
5.
September 2018). Sie sähen die Sch
m
erzen im Rahmen der ein
geschränkten Be
weglichkeit
glenohumeral
und
th
o
r
akoscapulär
. Zur Verbesse
rung sei Physiotherapie verordnet worden.
Zur Arbeitsfähigkeit verwies er auf das Zeugnis im Rahmen der letzten Kontrolle (100
%
arbeitsunfähig bis 2
3.
Ok
tober 2018
;
Urk.
7/199/9) und wollte für eine weitergehende Einschätzung den postoperativen Verlauf abwarten.
3.6
Suva-Arzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für
Orthopädische
Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates
,
nahm in seiner Aktenbeurteilung vom 1
5.
Feb
ruar 2018 (
Urk.
7/184/69) Bezug auf den erneuten Sturz des Beschwerdeführers vom
1.
Dezember 2017 und ging von Prellungen am Schultergelenk, Becken und Ellbogen aus. Er verwies auf fehlende bildgebende Hinweise auf traumatisch bedingte richtungsgebende Verletzungen (vgl. Röntgenaufnahmen vom
7.
De
zember 2017, welche keine direkt traumaassoziierte Läsion gezeigt hatten;
Urk.
7/184/11). Er ging von einer Behandlungsdauer von sechs Wochen für Schulter und Becken aus sowie längstens drei Monaten bei vorgeschädigter Lenden
wirbelsäule. Er ging vom Erreichen des Status quo bezüglich der Lenden
wirbelsäule Ende Februar 2018 aus.
3.
7
Dr.
med.
E._
, FMH Physikalische Medizin,
berichtete a
m
1.
März 2019
(
Urk.
7/206) nach ihrer Untersuchung vom 2
7.
Februar 2019
über
einen Status nach Schulterarthroskopie mit deutlicher Besserung der Schmerzen, auch der Beweglichkeit des Schultergelenkes, allerdings sei die Belastbarkeit immer noch reduziert. Daneben bestünden
chronische
thora
k
olumbosacrale
Schmerzen mit vorwiegend
spondylogenen
Ausstrahlungen in die Extremitäten.
Sie diagnostizierte eine chronische PHS rechts bei Status
nach
SLAP-III-Läsion und Arthroskopie am
8.
Oktober 2015 sowie Schulterarthroskopie mit
Bi
z
eps
tenodese
am 1
8.
Juni 2018, einen Status nac
h
Ellen
b
ogenarthroskopie und
Plicaresek
ti
o
n
rechts im Juli 2008 bei Pre
llung mit Eröffnung der Bursa
olecrani
, ein chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom bei Diskushernie L5/S1 bei Status nach Sturz vom Gerüst 2007 mit Pneumothorax-Fraktur Rippen 8-10 rechts und
Process
i
transversi
9-11.
Befragt nach ihrer Prognose zur Arbeitsfähigkeit verwies
Dr.
E._
auf die geplante arbeitsbezogene Rehabilitation in der Klinik
B._
. Sie
erwähnte
eine reduzierte Belastbarkeit des Rückens und des rechten dominanten Armes und erklärte das Heben und Tragen schwerer Lasten, langes Stehen und Gehen als nicht zumutbar. Eine angepasste Tätigkeit sei vollzeitlich zumutbar, abhängig allerdings von der arbeitsbezogenen Rehabilitation in
B._
.
3.
8
Die Ärzte der Rehaklinik
B._
stellten in ihrem Austrittsbericht vom 2
6.
April 2019 (
Urk.
7/215
) betreffend den Aufenthalt vom 1
3.
März bis 1
7.
April 2019 folgend
e
Diagnosen (S. 2):
Unfall vom 2
7.
September 2013: Beim
Treppabwärtsgehen
Einklemmen des Armes im Geländer
-
Muskuläre Zerrung zervikal rechts
-
SLAP 3 Läsion Schulter rechts (08.10.2015)
-
08.10.2015
D
iagnostische Arthroskopie,
Débridement
, Labrum
antero
-supe
rior-
posterior
, SLAP-
Repair
mit 2 x
JuggerKnots
,
subakromiale
Dekom
pression der Schulter rechts
-
22.03.2016
Glenohumerale
Infiltration der rechten Schulter ohne länger anhaltenden Erfolg
-
Tendinitis der langen
Bizepssehne
rechts
-
25.01.2018
MRI Schulter rechts: Flüssigkeitskollektion um Ursprung der langen
Bizepssehne
mit Zystenbildung
-
28.06.2018 Schulterarthr
oskopie,
Bizepstenodese
mit
Reel
XT
Anker Schul
ter rechts
-
20.03.2019 MRI Schulter rechts: Weiterhin kräftige
Rotatorenmanschetten
-Muskulatur ohne Hinweise auf eine Volumenatrophie oder fettige Degene
ration. Weiterhin keine Hinweise auf eine
Capsulitis
adhaesive
. Etwas besser abgrenzbare diskrete
bursaseitige
Partialruptur des
Subscapularissehnen
-Oberrandes. Verdacht auf Bursitis
subdeltoidea
/
subacromialis
mit Betonung des
Subscapularissehnen
-Oberrandes. Signalalteriertes, jedoch intaktes
superiores
Labrum bei Status nach SLAP-
Repair
. Status nach
subakro
m
ialer
Dekompression. Neu Knochenmarksödem-Äquivalent am
posterosuperioren
Humeruskopf
, DD Status nach Kontusion ebenda.
Unfall vom 2
4.
März 2016
: Im Badezimmer gestürzt
-
Dislozierte Frakturen der
9.
und 1
0.
Rippe links
-
31.03.2016 Röntgen Thorax: frische dis
l
ozierte Rippenfrakturen
Costa 9 und Costa 10
dorsolate
ral
. Kleine Mengen
Pleuraerguss
, DD
Hämatothorax
links. Kleinflächige Lungenkontusion,
Dystelektase
der angrenzenden basa
l
en Lunge links. Kein Nachweis eines Pneumothorax.
Unfall vom 06.06.2011: Sturz auf einer Treppe
-
Chronische Lumbago bei Status nach
lumboradikulärem
Reizsyndrom
-
Juni 2012 MRI LWS: Mediane Diskushernie L5/S1 und
Bone
bruise
im
Proc
.
transversus
LWK 2 rechts
-
Keine relevanten neurologischen Schädigungen in diesem Bereich
-
01.12.2017:
Erneutes Bagatelltrauma
-
07.12.2017 MRI LWS: Im Vergleich zu einer Voruntersuchung vom Juni 2012 stellt sich der Befund tendenziell
regredient
dar, flache mediane Diskushernie im Segment LWK
5/SWK
1
ohne bi
l
dmorphologischen Wurzelkontakt. Kein Nachweis neu aufgetretener Pathologien, insbeson
dere keine Frakturen oder Kontusionen. Leicht aktivierte
Osteochondrose
rechtsseitig im Segment LWK
5/SWK
1
.
Unfall vom 26.07.2007: Sturz von einem Gerüst
-
Rippenfrakturen rechts
-
Pneumothorax rechts
-
Frakturen der
Processi
transversi
Th
9-11
-
Eröffnung der Bursa
olecrani
rechts
-
Sensibilitätsstörung im
Ulnarisbereich
rechts
-
Juli 2007:
Bursektomie
der Bursa
olecrani
rechts
-
Juli 2008: Ellbogen-Arthroskopie und
Plicaresektion
rechts
-
RQW am Unterschenkel rechts
Die Ärzte führten aus,
zirka
fünfeinhalb Jahre nach dem Einklemmen des Armes im Treppengeländer mit muskulären Verspannungen und
zirka
dreieinhalb Jahre nach SLAP 3 Läsion der rechten Schulter, welche operativ versorgt worden sei sowie über ein Jahr nach Tendinitis der langen
Bizepssehne
bestünden aktuell als Probleme eine Beweglichkeitseinschränkung der Schulter rechts (insbesondere Aussenrotation), bewegungs- und belastungsverstärkte Dauerschmerzen der rechten Schulter, bewegungs- und belastungsverstärkte Schmerzen des rechten Ell
bogens (insbesondere Innenrotation) sowie lumbale Rückenschmerzen bei längerem Stehen und beim Gehen länger als 30
Minuten
. Im Vordergrund stün
den eine Beweglichkeitseinschränkung sowie bewegungs- und belastungs
verstärkte Schmerzen der rech
t
en Schulter. Im MRI vom 2
0.
März 2019 bestätige sich die diskrete Partialruptur der
Subscapularissehne
. Zudem zeigten sich aktuell eine Bursitis
subdeltoidea
/
subacromialis
sowie neu ein Knochenmarksödem am
p
o
sterosuperioren
Humeruskopf
bei Verdacht auf Kontusion ebenda. Es lasse sich anamnestisch aber keine frische Kontusion eruieren. Die diskreten und vor allem vorübergehenden objektivierbaren pathologischen Befunde der klinischen Unter
suchung und bildgebenden Abklärungen sowie d
ie
Diagnosen erklärten aus somatischer Sicht nur zum Teil das Ausmass der physischen Einschränkungen. Sie – die Klinikärzte – seien der Meinung, dass jetzt ein Endzustand erreicht sei. Von weiteren medizinischen Massnahmen dürfe man sich keine signifikante Ver
besserung des Gesundheitszustands mehr versprechen (S. 4 und S. 2).
Die Ärzte befanden die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Fassadenbauer wie auch andere körperlich schwere Tätigkeiten mit wiederholtem Krafteinsatz beider Arme als nicht mehr zumutbar. Eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne Tätigkeit mit dem rechten Arm länger dauernd über Brusthöhe sowie ohne Exposition des
selben gegenüber Schlägen/Vibrationen erachteten sie als ganztags zumutbar (S.
3).
4.
4.1
Aus den Akten ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nach seinem Unfall vom
6.
Juni 2011 in seiner zuletzt während Jahren ausgeübten Tätigkeit als Bau
arbeiter nicht mehr arbeitsfähig war.
Die Spezialisten
der
Rehaklinik
B._
attestierten eine Arbeitsfähigkeit
nurmehr
in einer angepassten Tätigkeit. Eine Verbesserung der Situation trat nicht ein. Im Gegenteil hatten die in der Folge erlittenen Unfälle Auswirkungen vor allem auf die rechte Schulter und schränkten das Zumutbarkeitsprofil weiter ein. Das Wartejahr (E. 1.2) war demgemäss
im Zeit
punkt der vorliegend in Frage kommenden Leistungsausrichtung sechs Monate nach der Anmeldung (
Art.
29
Abs.
1 IVG), mithin am
1.
August 2012, erfüllt.
4.2
Ausgewiesen
ist, dass der Beschwerdeführer nach dem Unfall vom
6.
Juni 2011 spätestens nach Austritt aus der Rehaklinik
B._
am 1
5.
Dezember 2011 in einer angepassten Tätigkeit wieder vollzeitlich arbeitsfähig war
(E. 3.1)
.
Auch Hausärztin
Dr.
E._
bestätigte am 2
2.
März 2012 (
Urk.
7/74/2) die vollumfäng
liche Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit mit wechselnden Körper
positionen ohne Heben und Tragen schwerer Lasten.
In angestammter Tätigkeit als Bauarbeiter verblieb eine dauerhafte vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit.
Mit dem Unfall vom 2
7.
September 2013
und der Schulterverletzung rechts trat erneut eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit ein. Dies
bestätigte
vorweg die
Hausärztin
Dr.
E._
(E. 3.2). Nach konservativer Behandlung bestätigte S
uva-Kreisarzt
Dr.
F._
a
m 2
7.
September 2014
weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit (E. 3.3).
Die auf seine Veranlassung
hin
durch
geführte neurologische und neurophysiologische Abklärung ergab klinisch und neurophysiologisch weder Hinweise auf eine Plexus
brachialis
-Schädigung noch auf ein
Sulcus
ulnaris
-Syndrom, es wurde
n
indes der Verdacht auf einen Anriss der
Supraspinatussehne
, eine
Tendinopathie
der
Subscapularissehne
sowie degene
rative Veränderungen des AC-Gelenkes diagnostiziert (Bericht der Uni
klinik
H._
vom 3
0.
Oktober 2014,
Urk.
7/119/173).
Dr.
F._
sprach sich in der Folge für die Durchführung einer Schulteroperation aus (
Urk.
7/119/170), welche seitens de
s
Beschwerdeführers
vorerst
abgesagt (
Urk.
7/119/90) und am
8.
Oktober 2015
dann doch
durchgeführt wurde (
Urk.
7/119/
9
).
Eine Arbeitsfähigkeit wurde in der Folge erstmals am 1
8.
August 2016 von Kreis
arzt
Dr.
G._
geschildert, nachdem das postoperative Resultat als recht gut beschrieben worden war (
Urk.
7/131/12 und E. 3.4
.1
).
Auch im Rahmen der Untersuchung vom
3.
Februar 2017 zeigte sich eine vollumfängliche Arbeits
fähigkeit in einer angepassten Tätigkeit (E. 3.4.2).
Nach dem erneuten Sturz vom
1.
Dezember 2017 war der Beschwerdeführer wiederum vollumfänglich arbeitsunfähig
. Das
s
dies - wie von
Dr.
I._
aufgrund allgemeiner Erfahrung vermutet - bis Ende Februar abgeheilt ist (E. 3.6), bestä
tigte sich nicht, fanden doch die
H._
-Ärzte im Februar 2018 mit einer Tendi
nitis der langen
Bizepssehne
einen ausgewiesenen Befund, welcher nicht einer blossen
Kontusion
entspricht. Auch im Nachgang zur
Operation
vom 2
8.
Juni 2018 verblieb eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers (E. 3.5).
Eine Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit in
angepasster
Tätigkeit wurde erst
mals
im Rahmen
der Ende
Februar 2019 erfolgten Kontrolle
durch
Dr.
E._
thematisiert, nachdem eine deutliche Besserung der Schmerzen und der Beweg
lichkeit
hatte verzeichnet werden können (E. 3.7). Diese bestätigte sich dann im Rahmen der ab März 2019 durchgeführten Rehabilitation in
B._
, wobei eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit attestiert
wurde
(E. 3.8).
4.3
Soweit der Beschwerdeführer bei Beschwerdeerhebung am 2
1.
August 2019 nach wie vor von einer vollumfänglichen Arbeitsunfähigkeit auch in angepasster Tätigkeit ausgeht (
Urk.
1 S. 6), kann ihm nicht gefolgt werden. In den Akten findet sich keine derart lautende ärztliche Einschätzung. Im Gegenteil legten die Ärzte der Rehaklinik
B._
(E. 3.8) nach mehrwöchigen Abklärungen detailliert dar, in welchem Umfang dem Beschwerdeführer welche Arbeitstätigkeit noch zumutbar ist. Dabei nahmen sie Bezug auf die mannigfaltigen Pathologien und begründeten einleuchtend, dass
nurmehr
eine armschonende
leichte bis mittel
schwere Tätigkeit
möglich ist. Dabei berücksichtigten sie insbesondere auch die auf den Unfall vom 3
1.
Mai 2011 zurückgehenden Rückenbeschwerden, welche seitens der Unfallversicherung als nicht kausal gefasst worden waren (vgl. hierzu Urteil des hiesigen Gerichts
UV.2013.00197 vom 2
1.
April 2015,
Urk.
7/119/63-79).
Zusammenfassend
ergeben sich ab möglichem Rentenbeginn am
1.
August 2012 folgende Arbeitsfähigkeiten in angepasster Tätigkeit: 100
%
ab
1.
August 2012, 0
%
ab 2
7.
September 2013, 100
%
ab
8.
August 2016, 0
%
ab
1.
Dezember 2017, 100
%
ab 2
7.
Februar 201
9.
4.
4
Dass während den Zeiten vollumfänglicher Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätig
keit ein renten
b
e
g
ründender Invaliditätsgrad vorliegen würde, machte der Beschwerdeführer zu Recht nicht substantiiert geltend.
Die Beschwerdegegnerin führte zwar zu Unrecht keinen Einkommensvergleich durch und ging fälschlicherweise von einer
pauschalen
Arbeitsfähigkeit auch in der von ihr unterstützten Tätigkeit als Projektleiter aus (
Urk.
2 S. 2). Die Ärzte der Rehaklinik
B._
schlossen
sämtliche Tätigkeiten mit
wiederholtem Kraftein
satz
beider Arme
wie auch mit Positionen
dauernd über Brusthöhe sowie Expo
sition gegenüber Schlägen/Vibrationen
aus.
Dass die Tätigkeit als Projektleiter diesem Profil entspricht, ist jedenfalls nicht offenkundig.
Kreisarzt
Dr.
J._
schloss die konkrete Tätigkeit bei der
A._
GmbH jedenfalls aus (Bericht vom
6.
Mai 2019,
Urk.
7/216/6)
Indessen sind die Vergleichseinkommen derart, dass ein rentenbegründender Invaliditätsgrad ausgeschlossen ist.
Basierend auf dem zuletzt erzielten Verdienst als Gipser bei der
Z._
AG von
Fr.
78'000.-- im Jahr 2012 (
Urk.
7/80/2
Ziff.
2.10)
ist das
V
alideneinkommen
in dieser Höhe zu bemessen.
Das Invalideneinkommen ist
gestützt
auf die Tabellenlöhne des Bundesamtes für Statistik zu bemessen. Gemäss der Lohnstrukturerhebung 2012,
Tabelle TA1, erzielten Männer in für den Beschwerdeführer in Frage kommenden einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art ein Einkommen von monatlich
Fr.
5'210.--, was angepasst an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden (Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen) einem Jahreseinkommen von
Fr.
65'177.-- entspricht. Ein Abzug vom Tabellenlohn wäre bei den vorliegenden Verhältnissen im Bereich von 10
%
zu diskutieren. Ein höherer Abzug ist ausgeschlossen, weil dem Beschwerdeführer eine breite Palette von möglichen Einsatzmöglichkeiten verbleibt. Damit resultiert ein Invaliden
einkommen von mindestens
Fr.
58'659.--, was zu einem Invaliditätsgrad von höchstens 25
%
führt.
4.5
Damit steht
- nachdem ein Revisionsgrund bei Neuanmeldung ausgewiesen ist -
die Ausrichtung einer ganzen Rente vom
1.
September 2013 bis 3
0.
November 2016 (
Art.
88a
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV) sowie vom
1.
Dezember 2017 (
Art.
29
bis
IVV) bis
1.
Juni 2019 (
Art.
88a
Abs.
1 IVV) im Raum.
Die Beschwerdegegnerin verweigerte ihre (befristeten) Leistungen indes mit der Begründung, dass
seit Beginn Eingliederungspotential ausgewiesen gewesen sei und deshalb kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestanden habe (
Urk.
2 S. 2).
5.
5.1
Rentenleistungen sind erst dann ausz
urichten, wenn keine zumutbaren
Einglie
derung
smassnahmen
mehr in Betrach
t fallen und ein Rentenanspruch
kann
grundsätzlich
erst nach Beendigung der
Eingliederung
smassnahmen entstehen, und zwar selbst dann, wenn diese nur einen Teilerfolg brachten oder scheiterten. Laufen indes keine
beruflichen Massnahmen und sind solche auch nicht konkret angeordnet, so kann mithin auch dann ein (allenfalls befristeter) Rentenanspruch
entstehen, wenn die Möglichkeiten der beruflichen Eingliederung noch nicht aus
geschöpft sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_892/2011 vom 2
1.
September
2012 E.
3.3.1). Demnach bewirkt der
in der Invalidenversicherung geltende Grundsatz «
Eingliederung
vor Rente»,
dass die Rente hinter einer
Eingliederung
smassnahme
beziehungsweise
dem damit verbundenen Taggeld zurücktritt
(so
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG), jedoch eine Invalidenrente vor dem Zeitpunkt der Beendigung der
Eingliederung
smassnahmen, gegebenenfalls auch rückwirkend, zuzusprechen ist, wenn die versicherte Person nicht oder noch nicht
eingliederung
sfähig war
(Urteil des Bundesgerichts
9C_689/2019 vom 2
0.
Dezember
2019 E.
3.1
mit Hinweisen).
5.2
Bei der eindeutigen Rechtslage, auf welche die Beschwerdegegnerin auch im Rah
men der Beschwerdeantwort keinen Bezug genommen hat, hat der Beschwerde
führer Anspruch auf eine ganze Rente vom
1.
September 2013 bis 3
0.
November 2016 sowie vom
1.
Dezember 2017 bis
1.
Juni 201
9.
Denn in diesen Perioden war er vollumfänglich arbeitsunfähig und unbestrittenermassen nicht eingliederungs
fähig.
In diesem Sinn ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
6.
6.1
Die versicherte Person, die zu mindestens 50 % arbeitsunfähig ist und auf den Beginn einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder einer Umschulung warten muss, hat gemäss
Art.
22
Abs.
6 IVG in Verbindung mit
Art.
18 IVV während der Wartezeit Anspruch auf ein Taggeld (
Abs.
1). Der Anspruch entsteht im Zeitpunkt, in welchem die IV-Stelle feststellt, dass eine erstmalige berufliche Ausbildung oder eine Umschulung angezeigt ist (
Abs.
2). Rentenbezüger, die sich einer Ein
gliederungsmassnahme unterziehen, haben keinen Anspruch auf ein Taggeld für die Wartezeit (
Abs.
3). Soweit Versicherte einen Anspruch auf ein Taggeld der Arbeitslosenversicherung haben, besteht kein Anspruch auf das Taggeld der Invalidenversicherung (
Abs.
4).
6.2
Der Beschwerdeführer ersuchte erstmals mit seiner Beschwerde vom 2
1.
August 2019 (
Urk.
1) um
Zusprache
von Wartetaggeldern. Die Beschwerdegegnerin
hatte
den geltend gemachten Anspruch im Verwaltungsverfahren nicht
geprüft
und liess sich auch pendente
lite
nicht vernehmen.
6.3
Obwohl keine Prüfung des Anspruchs durch die Beschwerdegegnerin erfolgte, ist ein Entscheid auch über Wartetaggelder durch die angefochtene Verfügung gleichwohl mitumfasst. Der Titel der Verfügung lautet: «Kein Anspruch auf IV-Leistungen» und das Dispositiv: «Das Leistungsbegehren wird
abgewiesen.».
Damit aber wurden sämtliche möglichen Leistungen - und nicht bloss die einzig thematisierte Rente - abgelehnt.
Da die Verwaltung sämtliche Leistungsansprüche
von Amtes wegen zu prüfen hat, liegt formell gesehen eine Verletzung des recht
lichen Gehörs (Begründungsanspruch) vor
.
Da die Sache nicht ohne Weiteres liquid ist, ist die Sache in diesem Umfang an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen, damit sie entsprechend neu verfüge.
Immerhin hatte der Beschwerde
führer in der Tat Zeiten zu bestehen, da berufliche Massnahmen angedacht waren
,
aber noch nicht begonnen hatte
n
.
Dabei wird sich unter anderem
auch
die Frage stellen, ob die beruflichen Massnahmen tatsächlich als Umschulung gefasst werden können. Denn nur
diesfalls
kann überhaupt ein Anspruch auf Wartetag
gelder entstehen.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
-
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
1’000
.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
den Parteien je zur Hälfte
aufzuerlegen.
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, de
m
Beschwerde
führer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von
Art.
61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2’000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Anlass zur Reduktion der Parteientschädigung besteht nicht, weil das Überklagen den
Prozessaufwand
nicht wesentlich beeinflusst hat (Urteil des Bundesgerichts 9C_699/2010 vom 22. Dezember 2010 E. 4).