# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b7f822c5-c88c-4ab5-9795-3052d98a6347
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._ war zuletzt als Staplerfahrer tätig. Am 14. Februar 2020 meldete
er einen Anspruch auf Arbeitslosenversicherungstaggeld im Umfang von
100 % ab selbigem Datum an.
2. Ohne Angabe von Gründen blieb A._ einem Beratungsgespräch vom
24. Februar 2020 beim zuständigen Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrum (nachfolgend RAV) fern.
3. Am 25. Februar 2020 wurde A._ vom Amt für Industrie, Gewerbe und
Arbeit Graubünden (nachfolgend KIGA) aufgefordert, zu obigem
Sachverhalt Stellung zu nehmen. Ansonsten werde aufgrund der Akten
entschieden. A._ reichte innert Frist bis zum 6. März 2020 keine
Stellungnahme ein.
4. Mit E-Mail vom 9. März 2020 nahm A._ sehr allgemein zu seiner
Situation Stellung und bat nach Angaben des KIGA darum, "sämtliche
Sperrtage" zu überdenken.
5. Mit Verfügung vom 10. März 2020 stellte das KIGA den Anspruch von
A._ auf Arbeitslosenentschädigung für die Dauer von 20 Tagen ein.
Das KIGA führte dazu begründend aus, dass A._ einem
Beratungsgespräch ohne Angabe von Gründen ferngeblieben sei und in
der E-Mail vom 9. März 2020 keine Rechtfertigungsgründe dafür
angegeben habe. Die Tatsache, dass A._ bereits mehrfach wegen
Nichtbefolgens von Weisungen des zuständigen RAV sanktioniert werden
musste, habe sich straferhöhend ausgewirkt. In der Folge behandelte das
KIGA die Stellungnahme von A._ vom 9. März 2020 als Einsprache
gegen die Verfügung vom 10. März 2020.
6. Mit Schreiben vom 6. April 2020 forderte das KIGA A._ auf, innert der
in der Verfügung vom 10. März 2020 aufgeführten und durch die
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Gerichtsferien verlängerten Rechtsmittelfrist schriftlich mitzuteilen, ob er
gegen die Verfügung vom 10. März 2020 eine Einsprache erheben wolle,
und es erläuterte die Formerfordernisse einer allfälligen Einsprache.
Überdies klärte es ihn über das Erfordernis eines
Wiedererwägungsgesuchs innert derselben Frist auf, sollte er mit den
bereits in Rechtskraft erwachsenen Verfügungen nicht einverstanden sein.
A._ wurde darüber informiert, dass bei Verzicht auf eine formell
korrekte Einsprache bzw. auf ein Wiedererwägungsgesuch anhand der
Akten entschieden würde oder gegebenenfalls auf das E-Mail-Schreiben
vom 9. März 2020 nicht eingetreten würde.
7. Mit Einspracheentscheid vom 6. Mai 2020 trat das KIGA nicht auf die
Eingabe von A._ ein, da er es versäumt habe, rechtzeitig eine formell
korrekte Einsprache einzureichen.
8. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 28. Mai
2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und
beantragte sinngemäss die Aufhebung der 20 Einstelltage. Der
Beschwerdeführer machte geltend, dass er aufgrund seiner ADHS-
Erkrankung vergessen habe, den eingeschriebenen Brief bei der Post
abzuholen, weshalb er es versäumt habe, innert Frist eine Einsprache
einzureichen. Den Beratungstermin vom 24. Februar 2020 habe er
versäumt, da er in B._ im Hotel C._ ein Vorstellungsgespräch
gehabt habe.
9. In der Vernehmlassung vom 8. Juni 2020 schloss das KIGA (nachfolgend
Beschwerdegegner) auf Abweisung der Beschwerde unter gesetzlicher
Kostenfolge. Zur Begründung wurde angeführt, dass die angefochtene
Verfügung vom 10. März 2020 am 11. März 2020 via A-Post Plus versandt
worden sei. Gemäss Bestätigung der Post sei sie dem Beschwerdeführer
am 12. März 2020 zugegangen. So sei sie, entgegen der
Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers, in seinen Besitz gelangt.
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Er habe somit keinen eingeschriebenen Brief von der Post abholen
müssen. Im Übrigen sei sein Hinweis auf die ADHS-Erkrankung
unbewiesen geblieben. Die 20-tägige Einstellung der
Anspruchsberechtigung sei korrekt. Aufgrund der Tatsache, dass der
Beschwerdegegner beim Erlass des angefochtenen
Einspracheentscheids die Verordnung über den Stillstand der Fristen in
Zivil- und Verwaltungsverfahren zur Aufrechterhaltung der Justiz im
Zusammenhang mit dem Corona-Virus (Covid-19; SR 173.110.4)
übersehen habe, sei der Einspracheentscheid vom 6. Mai 2020 zwar
einige Tage zu früh ergangen, er sei aber nach Dafürhalten des
Beschwerdegegners inhaltlich korrekt, zumal die erste unterzeichnete
Eingabe des Beschwerdeführers jene an das Verwaltungsgericht sei,
welche der Post am 28. Mai 2020 übergeben worden sei. So sei die
angefochtene Verfügung in Rechtskraft erwachsen, weshalb die
Beschwerde abzuweisen sei.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften und den
angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht liegenden
Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens bildet der
Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 6. Mai 2020, womit er
die Eingabe des Beschwerdeführers gegen die Verfügung vom 10. März
2020 abwies und die Einstellung der Anspruchsberechtigung des
Beschwerdeführers auf Arbeitslosenentschädigung für die Dauer von 20
Tagen bestätigte. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
(AVIG; SR 837.0) i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
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Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen
Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung
Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden.
Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung
(AVIV; SR 837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen
Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einspracheentscheid wurde vom Beschwerdegegner als
kantonale Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die
örtliche Zuständigkeit des angerufenen Gerichts gegeben ist. Die
sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100).
1.2. Als Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
dessen Aufhebung oder Änderung auf, weshalb er zur
Beschwerdeerhebung legitimiert ist (vgl. Art. 59 ATSG). Auf die im
Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 und
Art. 61 lit. b ATSG) ist demnach einzutreten.
2. Das Verwaltungsgericht entscheidet in einzelrichterlicher Kompetenz,
wenn der Streitwert CHF 5'000.00 nicht überschreitet (Art. 43 Abs. 3 lit. a
VRG) und keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG) vorgeschrieben ist.
Ausgangspunkt für die Bemessung des Streitwerts ist vorliegend der
versicherte Verdienst (Art. 23 AVIG) des Beschwerdeführers von
CHF 3'737.00 (vgl. beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 1). Dieser
Verdienst wird zum Taggeldsatz von 80 % (Art. 22 Abs. 1 AVIG)
entschädigt (Bg-act. 1). Der Beschwerdeführer hat demzufolge Anspruch
auf ein Taggeld von CHF 137.80 (ermittelt aus: CHF 3'737.00 x 0.8 : 21.7
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Tage [Art. 40a AVIV]). Aus der vom Beschwerdegegner verfügten, hier
angefochtenen Einstellungsdauer von 20 Tagen in der
Anspruchsberechtigung ergibt sich ein Streitwert von insgesamt
CHF 2'756.00 (20 Tage x CHF 137.80). Da der Streitwert somit unter
CHF 5'000.00 liegt und die Streitsache nicht in Fünferbesetzung
entschieden werden muss, ist die Zuständigkeit der Einzelrichterin
gegeben.
3.1. Im Folgenden ist streitig und zu prüfen, ob der Beschwerdegegner im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 6. Mai 2020 zu Recht nicht auf
die als sinngemässe Einsprache behandelte Eingabe des
Beschwerdeführers per E-Mail vom 9. März 2020 eingetreten ist.
3.2. Gegen Verfügungen kann – mit Ausnahme der vorliegend nicht weiter
interessierenden prozess- und verfahrensleitenden Verfügungen –
gemäss Art. 52 Abs. 1 ATSG innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden
Stelle Einsprache erhoben werden. Diese gesetzliche Frist kann nicht
erstreckt werden (Art. 40 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 39 Abs. 1 ATSG ist
die 30-tägige Frist nur gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am
letzten Tag der Frist dem Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen
Handen der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen
diplomatischen oder konsularischen Vertretung übergeben wird. Läuft die
Einsprachefrist unbenützt ab, so erwächst die Verfügung in formelle
Rechtskraft mit der Wirkung, dass die Einspracheinstanz auf die verspätet
eingereichte Einsprache nicht eintreten darf (vgl. BGE 134 V 49 E.2 m.H.).
3.3. Vorliegend wurde die Verfügung des Beschwerdegegners vom 10. März
2020 am 11. März 2020 per A-Post Plus versandt (vgl. Bg-act. 10).
3.4. Zunächst gilt es zwischen der Versandmethode der eingeschriebenen
Sendung und der Zustellung mittels A-Post Plus zu unterscheiden. Bei der
Versandmethode A-Post Plus wird die Sendung mit einer Nummer
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versehen und ähnlich wie ein eingeschriebener Brief mit A-Post spediert.
Im Unterschied zu den eingeschriebenen Sendungen wird aber der
Empfang durch den Empfänger nicht quittiert. Entsprechend wird der
Adressat im Falle seiner Abwesenheit auch nicht durch Hinterlegung einer
Abholungseinladung avisiert. Die Zustellung wird vielmehr elektronisch
erfasst, wenn die Sendung in das Postfach oder in den Briefkasten des
Empfängers gelegt wird. Auf diese Weise ist es möglich, mit Hilfe des von
der Post zur Verfügung gestellten elektronischen Suchsystems "Track &
Trace" die Sendung bis zum Empfangsbereich des Empfängers zu
verfolgen (vgl. BGE 142 III 599 E.2.2; Urteil des Bundesgerichts
8C_53/2017 vom 2. März 2017 E.4.1 m.w.H).
3.5. Gemäss ständiger bundesgerichtlicher Praxis erfolgt die fristauslösende
Zustellung einer uneingeschriebenen Sendung bereits dadurch, dass sie
in den Briefkasten oder in das Postfach des Adressaten gelegt wird und
damit in den Macht- bzw. Verfügungsbereich des Empfängers gelangt.
Dass der Empfänger von der Verfügung tatsächlich Kenntnis nimmt, ist
nicht erforderlich (vgl. BGE 142 III 599 E.2.4.1; Urteile des Bundesgerichts
8C_271/2019 vom 11. Juni 2019 E.6.1, 8C_586/2018 vom 6. Dezember
2018 E.5, 8C_53/2017 vom 2. März 2017 E.4.1).
3.6. Der vorliegenden Sendungsverfolgung "Track & Trace" der Post lässt sich
entnehmen, dass die Verfügung des Beschwerdegegners vom 10. März
2020 dem Beschwerdeführer am 12. März 2020 (8:43 Uhr) zugestellt
wurde (vgl. Bg-act. 10). Zwar wird mit einem "Track & Trace"-Auszug nicht
direkt bewiesen, dass die Sendung tatsächlich in den Empfangsbereich
des Empfängers gelangt ist, sondern bloss, dass durch die Post ein
entsprechender Eintrag in ihrem Erfassungssystem gemacht wurde. Aus
diesem Eintrag lässt sich aber immerhin im Sinne eines Indizes darauf
schliessen, dass die Sendung in den Briefkasten oder in das Postfach des
Adressaten gelegt wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_10/2016 vom
8. September 2016 E.2.2.1 m.w.H.).
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3.7. Die Sachverhaltsdarstellung des Beschwerdeführers, wonach er
vergessen habe, den eingeschriebenen Brief bei der Post abzuholen, ist
widerlegt. Vielmehr ist erstellt, dass ihm die Verfügung des
Beschwerdegegners vom 10. März 2020 am Donnerstag 12. März 2020
zugegangen ist, was als fristauslösender Moment zu gelten hat. Die
Begründung in der Beschwerde, dass er "somit" keine Einsprache habe
erheben können (vgl. Bg-act. 10), verfängt daher nicht.
Die 30-tägige Frist zur Einreichung der Einsprache gemäss Art. 52 Abs. 1
ATSG begann mithin am darauffolgenden Tag, dem Freitag, 13. März
2020 zu laufen. Bezüglich dem Ende der Frist findet zusätzlich die
bundesrätliche Verordnung vom 20. März 2020 über den Stillstand der
Fristen in Zivil- und Verwaltungsverfahren zur Aufrechterhaltung der Justiz
im Zusammenhang mit dem Coronavirus (COVID-19) (SR 173.110.4)
Anwendung. Art. 1 Abs. 1 dieser Verordnung bestimmt, dass gesetzliche
oder gerichtlich angeordnete Fristen vom 21. März 2020 bis 19. April 2020
stillstehen. Folglich stand die Frist vom 21. März 2020 bis und mit dem 19.
April 2020 still und begann erst wieder am 20. April 2020 zu laufen. Somit
endete die Frist am Montag, 11. Mai 2020. Dies bedeutet, dass die
Einsprache spätestens am 11. Mai 2020 beim Beschwerdegegner
eingereicht oder der Schweizerischen Post hätte übergeben werden
müssen (vgl. Art. 39 Abs. 1 ATSG).
3.8. Anzumerken ist, dass sich die E-Mail des Beschwerdeführers vom 9. März
2020 nicht auf die Verfügung des Beschwerdegegners vom 10. März 2020
beziehen konnte, da diese erst einen Tag nach Eingang der E-Mail
erlassen und ihm erst am 12. März 2020 zugestellt wurde. Der
Beschwerdegegner ist deshalb von einer sinngemässen Einsprache des
Beschwerdeführers ausgegangen. Deshalb forderte der
Beschwerdegegner den Beschwerdeführer am 6. April 2020 zur
Stellungnahme hinsichtlich der Frage auf, ob er eine Einsprache innert der
COVID-19-bedingt verlängerten Rechtsmittelfrist zur Verfügung vom
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10. März 2020 erheben wolle, welche den Formvorschriften von Art. 10
der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSV; SR 830.11) zu entsprechen hätte, bzw. ob er bezüglich der
rechtskräftigen Verfügungen ein Wiedererwägungsgesuch innert Frist
einreichen möchte (Bg-act. 8). Der Beschwerdegegner legte dar, dass der
Entscheid ansonsten aufgrund der Akten gefällt werde bzw. auf die E-Mail
vom 9. März 2020 nicht eingetreten werde, sofern keine Einsprache bzw.
kein Wiedererwägungsgesuch innert Frist eingehe. Der Beschwerdeführer
selbst bestätigt in der Beschwerde vom 28. Mai 2020 den Zugang des
Schreibens des Beschwerdegegners vom 6. April 2020, welches ebenfalls
per A-Post Plus versandt wurde. Der Beschwerdeführer ist damit
offensichtlich im Besitz des Schreibens vom 6. April 2020. Es erfolgte
keine Antwort auf das Schreiben vom 6. April 2020 und somit keine
fristgerechte Einsprache gegen die Verfügung vom 10. März 2020.
3.9. Würde man die E-Mail des Beschwerdeführers vom 9. März 2020 dennoch
als Einsprache betrachten wollen, so käme Art. 10 Abs. 1 ATSV zur
Anwendung, wonach die Einsprache ein Rechtsbegehren und eine
Begründung enthalten muss. Die schriftlich erhobene Einsprache muss
die Unterschrift der Einsprache führenden Person oder ihres
Rechtsbeistands enthalten (Art. 10 Abs. 4 Satz 1 ATSV). Eine per E-Mail
erhobene Einsprache ist mangels der gemäss Art. 10 Abs. 4 Satz 1 ATSV
bei schriftlich erhobenen Einsprachen erforderlichen Unterschrift nicht
zulässig (BGE 142 V 152 E.2.4 und 4.6). Genügt die Einsprache den
Anforderungen nach Art. 10 Abs. 1 ATSV nicht oder fehlt die Unterschrift,
so setzt der Versicherer eine angemessene Frist zur Behebung des
Mangels an und verbindet damit die Anordnung, dass sonst auf die
Einsprache nicht eingetreten wird (Art. 10 Abs. 5 ATSV). Das
Einspracheverfahren wird mit einem Nichteintretensentscheid
abgeschlossen, wenn die Eintretensvoraussetzungen nicht erfüllt sind
(Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2011 vom 26. Mai 2011 E.2.1).
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3.10. Am 9. März 2020 sandte der Beschwerdeführer ein E-Mail an den
Beschwerdegegner, worin er im Wesentlichen erklärte, er habe sich am
24. Februar 2020 in B._ zwecks Vorstellungsgesprächen bzw.
Bewerbungen aufgehalten; dies als Stellungnahme zum verpassten RAV-
Beratungsgespräch (Bg-act. 7). Der Beschwerdegegner nahm dieses E-
Mail als sinngemässe Einsprache gegen (die am nächsten Tag erlassene)
Verfügung vom 10. März 2020 entgegen. Er wies den Beschwerdeführer
mit Schreiben vom 6. April 2020 auf die formellen Anforderungen an eine
Einsprache hin, was im konkreten Fall eine Nachbesserung erforderte,
und informierte ihn über die Einsprachefrist (Bg-act. 8). Gleichzeitig wurde
der Beschwerdeführer darauf aufmerksam gemacht, dass im
Unterlassungsfall auf die sinngemässe Einsprache vom 9. März 2020 nicht
eingetreten werden könne (Bg-act. 8). Der Aufforderung zur
Nachbesserung seiner sinngemässen Einsprache und einer allfälligen
Ergänzung durch ein Arztzeugnis kam der Beschwerdeführer innert Frist
indessen nicht nach.
3.11. Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
innert der Rechtsmittelfrist keine formell korrekte Einsprache erhoben hat
– obiter dictum ebensowenig ein Wiedererwägungsgesuch gegen bereits
rechtskräftige Verfügungen gestellt hat - und der Beschwerdegegner somit
zu Recht nicht auf die Einsprache eingetreten ist.
4.1. In seiner Beschwerde vom 28. Mai 2020 bringt der Beschwerdeführer vor,
sein Fall sei aufgrund seiner Krankheit und seinem zur Zeit
angeschlagenen psychischen Zustand neu zu beurteilen. Er legt dazu ein
ADHD-Assessment der D._ GmbH vom 16. März 2020 ins Recht
(Beschwerdeführerische Akten [Bf-act. 3]). Durch seine belegte Krankheit
ADHS habe er vergessen, den eingeschriebenen Brief abzuholen und
somit habe er keine Einsprache in nützlicher Frist machen können. Der
Beschwerdeführer macht damit sinngemäss geltend, es sei ihm die Frist
zur Einsprache wiederherzustellen, was nachstehend zu prüfen ist.
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4.2. Ist die gesuchstellende Person oder ihre Vertretung unverschuldeterweise
abgehalten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wieder
hergestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach
Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte
Rechtshandlung nachholt (Art. 41 ATSG). Die Hinderung kann auf einen
objektiven oder auf einen subjektiven Grund zurückzuführen sein. Objektiv
ist ein Hindernis, wenn es der gesuchstellenden Person oder ihrer
Vertretung infolge eines von ihrem Willen unabhängigen Umstandes
objektiv unmöglich war, die Frist zu wahren. Eine Wiederherstellung wurde
etwa zugelassen bei schweren Krankheiten, bei einer Rechtsänderung,
deren Tragweite nicht ohne weiteres absehbar war, oder in engen
Grenzen bei sprachlichen Schwierigkeiten; eine Ablehnung erfolgte
demgegenüber etwa bei Krankheiten, welche eine Wahrung der Frist nicht
völlig ausschlossen. Ein subjektives Hindernis liegt etwa vor, wenn die
gesuchstellende Person sich in einem Irrtum befindet. Bei den
anerkannten Wiederherstellungsgründen handelt es sich demnach um
Situationen, in welchen es der betroffenen Person überhaupt nicht oder
nur mittels unverhältnismässigen Aufwandes möglich war, die Frist
einzuhalten. Gemäss Lehre und Rechtsprechung soll der Behörde bei der
Beurteilung des geltend gemachten Wiederherstellungsgrundes zwar ein
weiter Ermessensspielraum zukommen, doch darf ein Hinderungsgrund
gerade im Interesse eines geordneten Verfahrensablaufs nicht leichthin
angenommen werden. Das Säumnis muss ohne Verschulden von Seiten
der um Wiederherstellung der Frist ersuchenden Partei eingetreten sein.
Jedes Verschulden einer Partei oder ihres Vertreters schliesst die
Wiederherstellung unabhängig davon aus, ob es sich dabei um grobes
oder leichtes Verschulden handelt (vgl. zum Ganzen
KÖLZ/HÄNER/BERTSCHI, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2013,
Rz. 587 f.; KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2020,
Art. 41 Rz. 8 ff.).
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4.3. Der Bericht der D._ GmbH wurde auf Selbstanmeldung des
Beschwerdeführers hin nach der Untersuchung vom 4. März 2020 am 16.
März 2020 erstellt und in einem Befundgespräch am 19. März 2020 mit
dem Beschwerdeführer besprochen (Bf-act. 3). Hinsichtlich der
Untersuchungsperformance wurde festgehalten, dass die Bearbeitung
von Aufgaben zur Überprüfung des Denkens und Problemlösens mit
Widerwillen durch den Beschwerdeführer stattgefunden habe, weshalb die
diesbezüglichen Aufgaben nicht valid seien. Der Beschwerdeführer weise
erhöhte Theta Amplituden auf, welche häufig bei Menschen mit
Aufmerksamkeitsstörungen anzutreffen seien. Dem Beschwerdeführer
wurde eine kombinierte Störung der Aufmerksamkeit (DSM 5:314.01),
eine depressive Episode (DSM 5:296.22), sowie eine posttraumatische
Belastungsstörung (Trauma und Stress Folgestörungen) diagnostiziert
(Bf-act. 3 S. 3 f). Hinsichtlich Massnahmen kämen Alltagsstrategien
(bewusste Aktivierung/Deaktivierung), Medikation und Therapien
(Psychotherapie/neurokognitive Verhaltenstherapie, Alphastimulation) in
Frage. Wie die neuropsychologische Untersuchung zeige, seien die
meisten der untersuchten Funktionen vom Beschwerdeführer im Rahmen
der Norm oder überdurchschnittlich gut bearbeitet worden.
Schwierigkeiten hätten sich bei der Untersuchung der Aufmerksamkeit,
beim Arbeitsgedächtnis, beim Erkennen von Details in Bildern, beim
Vorstellungsvermögen sowie bei Aspekten des exekutiven Systems
(antizipieren, entscheiden) gezeigt. Der Konzentrations-
verlaufstest habe aufgezeigt, dass die Werte des Beschwerdeführers
hinsichtlich Aufmerksamkeit, Impulsivität und Arbeitskonstanz massiv
auffällig seien; zu viele Aufmerksamkeitsfehler und eine hohe Inkonstanz
würden oft bei Menschen mit ADHD (Aufmerksamkeitsstörungen)
beobachtet (Bf-act. 3 S. 3 ff.).
4.4. Vorliegend hat der Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 28. Mai
2020 geltend gemacht, dass er aufgrund der Krankheit keine Einsprache
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habe erheben können. Hingegen bestreitet er nicht, den Beratungstermin
beim RAV am 24. Februar 2020 verpasst zu haben, und führt dies auch
nicht auf krankheitsbedingte Gründe zurück, sondern darauf, es
vergessen zu haben, weil er an jenem Tag für ein Vorstellungsgespräch in
B._ weilte. Im Untersuchungsbericht der D._ GmbH vom 16.
März 2020 wird dem Beschwerdeführer zwar attestiert, dass die Werte
hinsichtlich der Aufmerksamkeit, Impulsivität und Arbeitskonstanz massiv
auffällig seien, und er Schwierigkeiten habe, über längere Zeit seine
Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Dem besagten Bericht ist aber nicht
zu entnehmen, inwiefern eine Krankheit vorgelegen haben soll, die eine
Wahrung der Einsprachefrist völlig ausgeschlossen hätte (vgl. KIESER,
a.a.O., Rz. 14 zu Art. 41 ATSG). Auch war der Beschwerdeführer im
besagten Zeitraum zur Erhebung einer frist- und formgerechten
Beschwerde ans Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden in der
Lage. Die vom Beschwerdeführer vorgebrachten Gründe, weshalb es ihm
gesundheitsbedingt nicht möglich gewesen sein soll, frist- und formgerecht
Einsprache zu erheben sind somit nicht stichhaltig. Es wäre ihm ohne
unverhältnismässigen Aufwand möglich gewesen, die Einsprachefrist zu
wahren. Die gesetzlichen Anforderungen an eine Wiederherstellung der
Frist sind somit nicht erfüllt.
5. Der Einspracheentscheid vom 6. Mai 2020 auf Nichteintreten ist letztlich
rechtens, obschon er zeitlich zu früh erfolgt ist. Der Beschwerdeführer hat
sich nur und erst mit seiner Beschwerde vom 28. Mai 2020 an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden gewandt, ohne einen
Instanzenverlust zu rügen. Eine Rückweisung an den Beschwerdegegner
würde einen formalistischen Leerlauf darstellen, da die gerichtliche
Prüfung ergeben hat, dass der Einspracheentscheid des
Beschwerdegegners vom 6. Mai 2020 nicht zu beanstanden ist. Die
Beschwerde ist demnach abzuweisen.
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6. Gemäss Art. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 83 ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in arbeitslosenversicherungsrechtlichen
Streitigkeiten – ausser bei mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung
– kostenlos. Vorliegend sind keine Hinweise ersichtlich, dass der
Beschwerdeführer mutwillig oder leichtsinnig an das Verwaltungsgericht
gelangt wäre. Es sind ihm demnach keine Kosten aufzuerlegen. Dem
obsiegenden Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).