# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 698746fe-90ac-4d0b-b05b-288743adf6f0
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_005
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** Criminal
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

Sachverhalt
A. Am 22. Januar 2018 erstattete A._ bei der Kantonspolizei Graubünden Strafanzeige gegen B._ wegen Ehrverletzung und sexuellen Handlungen mit Kindern. Die geltend gemachten sexuellen Handlungen mit Kindern betrafen C._, den gemeinsamen Sohn von A._ und B._.
B. Mit Verfügung vom 15. Mai 2019 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden das Verfahren gegen B._ wegen sexuellen Handlungen mit Kindern gemäss Art. 187 Ziff. 1 StGB und übler Nachrede gemäss Art. 173 Ziff. 1 StGB ein. Am 3. Juni 2019 erhob A._ Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden gegen die Einstellung des Strafverfahrens bezüglich übler Nachrede. Auf die Beschwerde wurde mit Beschluss vom 16. Juli 2019 nicht eingetreten. Die Einstellung des Strafverfahrens wegen sexuellen Handlungen mit Kindern war nicht Gegenstand des Beschwerdeverfahrens.
C. Mit Schreiben vom 6. November 2020 ersuchte A._ bei der Staatsanwaltschaft Graubünden um Wiederaufnahme des Verfahrens gegen B._ wegen sexuellen Handlungen mit Kindern, da neue Beweismittel und Tatsachen vorlägen.
D. Mit Verfügung vom 12. Mai 2021, gleichentags mitgeteilt, lehnte die Staatsanwaltschaft Graubünden die Wiederaufnahme des Strafverfahrens ab.
E. Gegen diese Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden reichte A._ am 25. Mai 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden ein. Da A._ mit derselben Eingabe auch Beschwerde gegen eine weitere Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden erhob und in derselben Rechtsschrift zudem ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege stellte, setzte ihr der Vorsitzende der II. Strafkammer des Kantonsgerichts Graubünden am 28. Mai 2021 Frist, um gegen die beiden angefochtenen Verfügungen je eine separate, materiell nicht ergänzte Beschwerde sowie für jedes Verfahren ein separates Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege mit rechtsgenügender Begründung einzureichen.
F. Die separate Eingabe für das vorliegende Beschwerdeverfahren datiert vom 15. Juni 2021. Darin stellt A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) folgendes Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden betreffend die Wiederaufnahme der eingestellten Strafuntersuchung gegen B._, D._strasse, E._ wegen sexuellen Handlungen mit Kindern (VV.2018.2137) sei aufzuheben.
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2. Die Staatsanwaltschaft Graubünden sei anzuweisen, das Strafuntersuchungsverfahren gegen B._ wegen sexuellen Handlungen mit Kindern wieder aufzunehmen.
3. Der Beschwerdeführerin sei für kurze Zeit Einsicht in die Akten der Staatsanwaltschaft Graubünden im Verfahren VV.2018.2137 zu gewähren.
4. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei der unterzeichnende Rechtsanwalt als unentgeltlicher Rechtsbeistand einzusetzen.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
6. Weitere Anträge bleiben vorbehalten.
G. Am 30. Juni 2021 beantragte die Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend Staatsanwaltschaft) unter Hinweis auf die Akten und die angefochtene Verfügung die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
B._ (nachfolgend Beschwerdegegner) liess sich nicht vernehmen.
H. Mit Schreiben vom 8. November 2021 trug die Beschwerdeführerin in rechtlicher Hinsicht völkerrechtliche Bestimmungen nach. Am 18. November 2021 reichte sie einen Entscheid des Regionalgerichts Plessur vom 11. November 2021 i.S. C._ gegen B._ und A._ betreffend Erlass vorsorglicher Massnahmen/Kindesschutzmassnahmen etc. ein. Sie ersuchte ohne weitere Begründung darum, diesen Entscheid in allen aktuell beim Kantonsgericht hängigen Verfahren betreffend C._ und A._ zu berücksichtigen. Staatsanwaltschaft und Beschwerdegegner äusserten sich nicht zu diesen nachträglichen Eingaben.
I. Auf die Erwägungen in der angefochtenen Verfügung und die Ausführungen in der Rechtsschrift wird, soweit erforderlich, im Folgenden eingegangen.
Erwägungen
1. Gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit Art. 22 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EGzStPO; BR 350.100) kann gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft beim Kantonsgericht von Graubünden Beschwerde geführt werden. Die Beschwerde ist innert zehn Tagen nach Mitteilung der Verfügung schriftlich und begründet einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Vorliegend ging die angefochtene Verfügung am 14. Mai 2021 dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu (act. E.2). Die Beschwerde
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erfolgte am 25. Mai 2021 (act. A.1) und damit – unter Berücksichtigung des Fristenlaufs an Feiertagen (Art. 90 Abs. 1 StPO) – fristgerecht.
2. Die Beschwerdeführerin erklärt in ihrer Eingabe vom 15. Juni 2021 die Beschwerdeschrift vom 25. Mai 2021 samt Beilagen zu einem integrierenden Bestandteil. Dazu ist festzustellen, dass die Beschwerde vom 25. Mai 2021 gegen zwei in separaten Verfahren mit unterschiedlicher Verfahrensleitung ergangene Verfügungen der Staatsanwaltschaft gerichtet war, die voneinander abweichende Anordnungen beinhalteten, sich an ungleiche Parteien richteten und verschiedene Straftatbestände betrafen. Aus diesem Grund forderte der Vorsitzende der II. Strafkammer des Kantonsgerichts die Beschwerdeführerin am 28. Mai 2021 auf, gegen die beiden angefochtenen Verfügungen je eine separate Beschwerde einzureichen, wobei materielle Ergänzungen nicht statthaft seien (act. D.1). Dieser Aufforderung ist die Beschwerdeführerin für vorliegendes Verfahren mit ihrer Eingabe vom 15. Juni 2021 nachgekommen. Würde nun die Beschwerdeschrift vom 25. Mai 2021 der Intention der Beschwerdeführerin entsprechend als integrierender Bestandteil der Eingabe vom 15. Juni 2021 betrachtet, so käme dies einer Umgehung der Verfügung des Vorsitzenden der II. Strafkammer des Kantonsgerichts vom 28. Mai 2021 gleich. Das geht nicht an. Es ist nicht Aufgabe des Gerichts, die Eingabe vom 25. Mai 2021 aufzuschlüsseln und die verschiedenen Argumente den verschiedenen angefochtenen Verfügungen der Staatsanwaltschaft zuzuweisen beziehungsweise zu mutmassen, welche Argumente die Beschwerdeführerin gegen welche Verfügung vorbringen möchte. Es war vielmehr Sache der Beschwerdeführerin, für jede der angefochtenen Verfügungen genau anzugeben, welche Punkte sie anficht, aus welchen Gründen ein anderer Entscheid getroffen werden sollte und welche Beweise sie anruft (vgl. Art. 385 Abs. 1 StPO). Aufgabe der Beschwerdeführerin war es folglich, sämtliche in der Beschwerdeschrift vom 25. Mai 2021 enthaltenen Argumente gegen die Ablehnung der Wiederaufnahme des Strafverfahrens gegen den Beschwerdegegner in einer eigenen Rechtsschrift dem Gericht vorzulegen. Abzustellen ist daher auf die Eingabe vom 15. Juni 2021; einzig für die Fristwahrung ist die Beschwerde vom 25. Mai 2021 massgebend.
3. Fraglich ist, ob die Beschwerdeführerin gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO zur vorliegenden Beschwerde legitimiert ist.
3.1. Gemäss Rechtsprechung hat ein Beschwerdeführer in seiner  darzulegen, inwieweit er sich zur Beschwerde legitimiert erachtet, sofern die Legitimationsvoraussetzungen nicht ohne Weiteres ersichtlich sind (vgl. BGer 1B_55/2021 v. 25.08.2021 E. 4.1 mit Hinweisen, BGer 1B_339/2016 v. 17.11.2016
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## Considerations