# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2d695a6b-4010-5ae4-b2be-534027af469c
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 31. Juli 2013 bei der Gemeinde Unterseen ein
Baugesuch ein für die Einrichtung einer Kleinbrauerei im Block B4 des Gewerbehauses auf
Parzelle Unterseen Grundbuchblatt Nr. D._. Die Parzelle liegt im Perimeter der
2
Überbauungsordnung "F._". Gegen das Bauvorhaben erhoben die A._
und die B._ je Einsprache. Mit Gesamtbauentscheid vom 23. Januar 2014 erteilte
das Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführerin 1 am 29. Januar 2014 und die
Beschwerdeführerin 2 am 20. Februar 2014 Beschwerden bei der Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Die Beschwerden wurden unter der RA Nr.
110/2014/17 vereinigt. Mit Entscheid vom 1. Mai 2014 wies die BVE die Beschwerden ab,
soweit sie darauf eintrat. Sie ergänzte den Gesamtentscheid des
Regierungsstatthalteramtes mit der Auflage, dass sämtliche An- und Auslieferungen der
Kleinbrauerei durch den Zugang A von der Strasse F._ her erfolgen müssten. Im
Übrigen bestätigte die BVE den angefochtenen Entscheid.
3. Die Beschwerdeführerin 1 gelangte am 17. Mai 2014 mit Beschwerde ans
Verwaltungsgericht. Im Verfahren vor Verwaltungsgericht stellte sich heraus, dass die von
der BVE neu verfügte Auflage nicht umgesetzt werden kann, weil innerhalb des Gebäudes
zwischen dem Zugang A und der projektierten Kleinbrauerei keine allgemein zugänglichen
Korridore für den Warentransport bestehen. Der Beschwerdegegner hatte die von ihm
selber vorgeschlagene Auflage so verstanden, dass die Waren beim Zugang A umgeladen
und mittels Hubstapler aussen um das Gewerbegebäude herum zur Kleinbrauerei
transportiert würden. Das Verwaltungsgericht erwog, dass die geplante Kleinbrauerei über
die Strasse G._ und den beim Block B4 gelegenen Zugang erschlossen werden
müsse. Das auf der Strasse G._ noch bestehende Lastwagenverbot stehe den
Anlieferungen mit dem VW-Transporter des Beschwerdegegners nicht entgegen. Offen sei
allerdings, wie die Erschliessung mit Blick auf die Verkehrssicherheit zu beurteilen sei. Das
Verwaltungsgericht hiess die Beschwerde dahingehend gut, als dass es den Entscheid der
BVE vom 1. Mai 2014 aufhob und die Sache zur Neubeurteilung an die BVE zurückwies.
Soweit weitergehend wies das Verwaltungsgericht die Beschwerde ab (VGE 2014/139 vom
14. Oktober 2014).
3
4. Mit Verfügung vom 17. Dezember 2014 nahm das Rechtsamt der BVE, welches die
Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,1 das Verfahren unter der RA Nr. 110/2012/146
wieder auf. Es gab der Beschwerdeführerin 2 Kenntnis des Urteils des
Verwaltungsgerichts. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zur Fortsetzung des
Verfahrens zu äussern. Die BVE führte daraufhin im Beisein der Parteien, der Gemeinde,
des Stellvertreters des Regierungsstatthalters und eines Vertreters des kantonalen
Tiefbauamtes (TBA, OIK I), einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Die
Beteiligten erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des Augenscheins zu äussern und
Schlussbemerkungen einzureichen. Die Beteiligten erhielten zudem Gelegenheit, zur
Aufhebung der vom Regierungsstatthalteramt verfügten Auflage betreffend Güterumschlag
Stellung zu nehmen. Die Beschwerdeführerin 1 beantragt in ihrer Stellungnahme vom 10.
März 2015, dass der Güterumschlag auf der Strasse G._ zu verbieten und ein
generelles Halteverbot zu erlassen sei. Dem Bauvorhaben sei der Bauabschlag zu erteilen.
Mit Stellungnahme vom 20. März 2015 begrüsst die Baukommission der Gemeinde
Unterseen die Aufhebung der Auflage. Im Übrigen beantragt sie die Bestätigung des
Gesamtentscheides vom 23. Januar 2014 des Regierungsstatthalteramtes Interlaken-
Oberhasli. Die übrigen Beteiligten liessen sich nicht vernehmen.
Auf die Rechtsschriften und auf das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Das Verwaltungsgericht hat den Entscheid der BVE vom 1. Mai 2014 aufgehoben und das
Verfahren zur Neubeurteilung an die BVE zurückgewiesen. An den Eintretensvor-
aussetzungen hat sich seit dem ersten Entscheid der BVE vom 1. Mai 2014 nichts
geändert.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
4
2. Erschliessung der Kleinbrauerei
a) Bauvorhaben dürfen nur bewilligt werden, wenn sichergestellt ist, dass das
Baugrundstück auf den Zeitpunkt der Fertigstellung des Baus oder der Anlage, wenn nötig
bereits bei Baubeginn, genügend erschlossen sein wird (Art. 7 Abs. 1 BauG2). Die
Erschliessung ist genügend, wenn die Zufahrtsstrasse hinreichend nahe an Bauten und
Anlagen heranführt und diese für Feuerwehr und Sanität gut erreichbar ist (Art. 7 Abs. 2
Bst. a BauG). Bei der Strasse G._ handelt es sich um eine bestehende
Detailerschliessungsstrasse innerhalb des Perimeters der Überbauungsordnung.
Bestehende Erschliessungsanlagen genügen für Bauvorhaben, wenn die insgesamt zu
erwartende Mehrbelastung verhältnismässig gering ist und die Verkehrssicherheit und
Brandbekämpfung gewährleistet sind (Art. 5 Bst. a BauV3).
b) Die Beschwerdeführerinnen rügen, die Zulieferungen und der Güterumschlag auf der
Strasse G._ beeinträchtigten die Verkehrssicherheit und gefährdeten
insbesondere die Kinder bei ihren Ausritten sowie die Velofahrer. Der im Gewerbegebiet
F._ regelmässig auf den Strassen stattfindende Güterumschlag führe zu
Blockaden. Bei der Zufahrt beim Block B/C2 handle es sich um eine Doppeleinfahrt,
welche den Zugang zu 10 Betrieben gewährleisten müsse, so dass dort ein hohes
Konfliktpotential bestehe.
Letzteres ist nicht Verfahrensgegenstand. Sollten bei der Nutzung der Ausgänge beim
Block B/C2 Konflikte unter den verschiedenen Mietern entstehen, müssten die
betreffenden Betriebe bzw. der Vermieter Lösungen finden. Für die Frage der genügenden
Erschliessung ist die Verkehrssicherheit im öffentlichen Verkehrsraum massgebend.
c) Die geplante Kleinbrauerei soll auf einer Fläche von rund 91 m2 betrieben werden.
Der Beschwerdegegner plant, zwei Mal pro Woche Bier zu brauen, um wöchentlich bis zu
1'000 Liter zu produzieren, was pro Monat 4'000 Liter Bier ergibt. Er benötigt dafür rund
1'400 kg Malz (1 Palett), ungefähr 2 kg Hefe und 4 kg Hopfen. Zudem werden monatlich
8'000 Flaschen benötigt (4 Palette). Aus Kostengründen beabsichtigt er, jeweils eine
grössere Menge Malz und Flaschen zu beziehen. Er rechnet deshalb damit, dass ein bis
zwei Mal pro Monat eine Lieferung mit einem Lastwagen erfolgen würde. Die Produkte, von
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 3 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
5
denen nur Kleinmengen erforderlich seien wie Hefe, Hopfen oder Spezialmalz hole er oder
sein Geschäftspartner beim Importeur in Bünzen selber ab.4 Während der
Beschwerdegegner im Baubewilligungsverfahren noch erklärte, die An- und Auslieferungen
würden ausschliesslich beim gemieteten Parkplatz vollzogen,5 führte er im Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht und anlässlich des Augenscheins aus, dass er mit seinem VW-
Transporter bzw. einem bis zu 3.5 t schweren Fahrzeug ins Gebäude und bis vor den
Eingang zur Kleinbrauerei fahren könne. Er rechne damit, dass er diese Zufahrt täglich ein-
bis zweimal benützen werde, um Waren ein- und auszuladen. Wenn Lieferungen mit
grossen Lastwagen erfolgen würden, was noch nicht feststehe, könnten die Waren beim
Zugang A umgeladen und anschliessend mit einem Hubstapler oder dem VW-Transporter
zur Brauerei gebracht werden.6
d) Anlässlich des Augenscheins vom 19. Februar 2015 hielt der Vertreter des TBA,
OIK I zur Frage der Verkehrssicherheit Folgendes fest: Die Gesamtsituation des Verkehrs
in der Gewerbezone F._ sei durch eine geringe Verkehrsfrequenz
gekennzeichnet. Wenn in Spitzenstunden 40 bis 50 Fahrzeuge durch die Strasse
G._ fahren würden, betrage der durchschnittliche tägliche Verkehr DTV
schätzungsweise ca. 500 Fahrzeuge. Dies stelle im Vergleich zum DTV von 5'300
Fahrzeugen auf der Seestrasse kein hoher Wert dar und sei unproblematisch für die
Verkehrsabläufe. Der OIK I gehe davon aus, dass auch die Lastwagenfrequenzen in dieser
Gewerbezone klein seien. Dementsprechend gering seien die Konfliktwahrscheinlichkeiten,
d.h. die Wahrscheinlichkeit, durch den Güterumschlag behindert zu werden. Ein
Verkehrshindernis könne hier leicht umfahren werden, indem statt der Strasse G._
die Strasse F._ benützt werde. Auch Reiter könnten auf diese Weise ausweichen.
Die Verkehrssicherheit beurteile sich anhand des Zustandes der Strasse, des Standards
der Strasse in Abhängigkeit zur Verkehrsmenge und -geschwindigkeit und des
Unfallrisikos. Die Strasse G._ sei sanierungsbedürftig, weil sie etliche
Frostschäden und Risse aufweise und das Bankett beschädigt sei. Der schlechte Zustand
der Strasse habe aber nicht zwangsläufig einen negativen Einfluss auf das Verhalten der
Verkehrsteilnehmer. Die Geschwindigkeit sei stets den Umständen anzupassen,
4 Protokoll des Augenscheins vom 19. Februar 2015, S. 10, 11, 13, Voten XY 5 Vorakten des Regierungsstatthalteramtes, pag. 53 6 Protokoll des Augenscheins vom 19. Februar 2015, S. 11 und 13, Votum XY, Fotos Nr. 13 und 14; Stellungnahme an das Verwaltungsgericht vom 14. August 2014, samt Fotodokumentation
6
namentlich den Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung, sowie den Strassen-,
Verkehrs- und Sichtverhältnissen (vgl. Art. 32 Abs. 1 SVG7). Erfahrungsgemäss werde auf
einer sanierungsbedürftigen Strasse langsamer gefahren. Die Fahrbahnbreite und der
Zustand der Strasse erlaubten hier gar kein schnelles Fahren. Vermutlich befahre ein
Grossteil der Automobilisten diesen Streckenabschnitt der Strasse G._ mit einer
Geschwindigkeit von 30 km/h. Die Strasse G._ sei am südlichen Ende dieses
Streckenabschnittes rund 3,50 m und an der schmalsten Stelle etwa 3,15 m breit, so dass
keine Kreuzungsmöglichkeiten bestünden. Vorliegend gebe es höchstens auf den
Vorplätzen Ausweichmöglichkeiten. Der Strassenabschnitt sei aber gerade, übersichtlich
und nur etwa 150 m lang, so dass ein entgegenkommendes Fahrzeug rasch
wahrgenommen werde und die Verkehrsteilnehmer am Anfang oder am Ende der
Teilstrecke anhalten könnten. Die Verkehrssicherheit sei daher gewährleistet.8
e) Zur Ausfahrt der Kleinbrauerei ( BlockC2/B ) hielt der Vertreter des OIK I fest, diese
bilde mit der Strasse G._ zwar keinen Knoten, sei aber in Bezug auf die
Sichtbermen, d.h. die Sichtzonen beim Ausfahren, wie ein solcher zu beurteilen. Unter der
Annahme, dass die Zufahrtsgeschwindigkeit auf diesem Streckenabschnitt der Strasse
G._ etwa bei 30 km/h liege, sei nach der VSS-Norm 640 273a9 eine Sichtweite
zwischen 20 und 35 m erforderlich. Dieser Wert sei hier nicht eingehalten. Vom
Beobachtungsstandpunkt des Fahrers, der sich 3 m hinter dem Strassenrand befinde,
werde die Sicht auf der linken Seite durch ein Auto und einen Container beeinträchtigt. Auf
der rechten Seite dürfte es die ersten ein, zwei Parkplätze nicht haben, da die Strasse nicht
überblickt werden könne, wenn Autos parkiert seien. Die Verkehrsteilnehmer hätten das
Verkehrsverhalten aber den lokalen Verhältnissen anzupassen. Bei unübersichtlichen
Verkehrssituationen müsse der Fahrzeuglenker langsamer fahren und allenfalls eine
Hilfsperson beiziehen, die das Fahrmanöver überwache.10
f) Die Ausführungen des OIK I überzeugen. Die Gesamtsituation ist heute
gekennzeichnet von einer geringen Verkehrsfrequenz, wie auch am Augenschein
festgestellt werden konnte. Das betroffene Teilstück der Strasse G._ ist kurz,
gerade und übersichtlich, so dass frühzeitig angehalten werden kann, wenn ein Fahrzeug
7 Strassenverkehrsgesetz des Bundes vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01) 8 vgl. Protokoll des Augenscheins vom 19. Februar 2015, S. 6, Votum XZ 9 Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS), SN 640 273a, Knoten 10 vgl. Protokoll des Augenscheins vom 19. Februar 2015, S. 7, 8, 12, Voten XZ, Fotos Nr. 12, 16-20
7
oder ein Reiter entgegenkommt. Ausserdem kann das Gebäude allseitig in beiden
Richtungen umfahren oder umritten werden, was allen Verkehrsteilnehmenden
Ausweichmöglichkeiten eröffnet. Auf der Strecke von rund 150 m zwischen der
Einmündung in die Strasse G._ beim südlichen Ende der Gewerbezone und der
Verzweigung mit dem in Ost-West-Richtung verlaufenden Teil der Strasse F._
beschleunigen Automobilisten nicht stark, zumal die Strasse auch nur etwas über 3 m breit
ist. Mit dem Lebhag auf der Westseite, dem Gewerbegebäude und den Parkplätzen auf der
Ostseite wirkt sie auch optisch eng. Auch der Zustand des Belags und die Ausfahrten des
Gewerbegebäudes sowie die parkierten Autos haben eine bremsende Wirkung. Die
Gemeinde hat im Jahr 2012 im südlichen Teil der Gewerbezone
Durchschnittsgeschwindigkeiten von 38 km/h gemessen,11 wobei die Strasse F._
wesentlich breiter ist. Die Einschätzung des OIK I, dass die Fahrgeschwindigkeit auf der
Strasse G._ rund 30 km/h betrage, ist daher nachvollziehbar. Zurzeit besteht auf
diesem Teilstück noch ein Lastwagenverbot, das die Gemeinde aufheben möchte; das
Verfahren ist zurzeit beim Verwaltungsgericht hängig.
g) Die geplante Kleinbrauerei wird wenig Güterumschlag haben, der zum grössten Teil
mit dem VW-Transporter bewältigt werden kann. Es ist nur mit ein bis zwei grösseren
Anlieferungen (4 Palette Flaschen, 1 Palett Malz) pro Monat zu rechnen, was insgesamt
immer noch geringe Gütermengen darstellen. Der Beschwerdegegner hat am Augenschein
die Vermutung geäussert, dass die Flaschen mit einem Lastwagen geliefert würden, der
grösser sei als ein Lieferwagen.12 Ob es sich dabei um einen schweren Motorwagen im
Sinne von Art. 10 Abs. 2 VTS13 handelt, der unter das Lastwagenverbot fällt, ist unklar, da
noch keine Lieferung erfolgt ist. Solange das Lastwagenverbot auf der Strasse
G._ besteht, muss der Beschwerdegegner dafür sorgen, dass die Anlieferung den
strassenverkehrsrechtlichen Bestimmungen entspricht (siehe Erwägung 3), sei es dass die
Waren auf kleinere Fahrzeuge oder einen Hubstapler umgeladen werden, sei es indem der
Beschwerdegegner vom Lieferanten verlangt, dass nur mit Lastwagen unter 3,5 t geliefert
wird.
Der Beschwerdegegner kann mit dem VW-Transporter in das Gebäude hineinfahren, so
dass der Grossteil des Güterumschlags der geplanten Kleinbrauerei auf dem
11 Stellungnahme der Gemeinde Unterseen vom 8. September 2014 ans Verwaltungsgericht 12 Protokoll des Augenscheins vom 19. Februar 2015, S. 11, Votum XY 13 Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS), SR 741.4.
8
Baugrundstück erfolgen kann. Dazu sind täglich etwa zwei Fahrten nötig. Die Brauerei soll
von zwei Personen betrieben werden, wobei der Beschwerdegegner nur nebenamtlich tätig
sein wird. Die Brauerei erzeugt keinen Publikumsverkehr, da sie gemäss Baugesuch und
Plänen ausschliesslich ein Produktionsstandort ist und keinen Verkaufsladen hat. Die
Strasse G._ ist der voraussichtlichen Mehrbelastung durch den Güterumschlag
der Kleinbrauerei daher problemlos gewachsen.
h) Die Sichtbermen bei der Ausfahrt der Kleinbrauerei ( BlockC2/B ) entsprechen nicht
den Normen, weil sie beidseits durch abgestellte Fahrzeuge und Container eingeschränkt
werden. Nach den allgemeinen strassenverkehrsrechtlichen Grundsätzen müssen der
Beschwerdegegner bzw. sein Geschäftspartner daher beim Einmünden in die Strasse die
nötige Vorsicht walten lassen und gegebenenfalls eine Hilfsperson beiziehen, die die
Verkehrssituation überblicken kann (vgl. Art. 15 Abs. 3 VRV14). Dadurch ist auch bei den
bestehenden Ausfahrtsverhältnissen eine sichere Ausfahrt auf die Strasse G._
möglich. Die derzeit ungenügenden Sichtbermen stehen einer Baubewilligung für die
Kleinbrauerei daher nicht entgegen. Zusammenfassend ist auf der Strasse G._ die
Verkehrssicherheit für die Zufahrt zur Kleinbrauerei mit dem VW-Transporter oder
Hubstapler gewährleistet.
i) Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass die heutige Situation mit Parkplätzen, die
direkt an die Ausfahrt angrenzen, nicht dem bewilligten Zustand entspricht. Die Parkplätze
wurden 2008 in der Baubewilligung für das Gewerbegebäude bewilligt (bbew 105/2008)
und im Jahr 2011 in Zusammenhang mit dem Einbau der Kantine erneut in einem
Baubewilligungsverfahren beurteilt (bbew 2166/2010). Gemäss bewilligtem Plan "Grundriss
EG Gesamt" 1:200 vom 30. Juni 2008, rev. 16. August 2010, sollte es angrenzend zur
Zufahrt auf der nördlichen Seite keine Parkplätze, sondern eine rund 4 m breite Grünfläche
haben. Auch auf der südlichen Seite ist auf diesem Plan ein Spickel Grünfläche
vorgesehen. Da Grünflächen nicht als Parkplatz oder zu Lagerzwecken verwendet werden
dürfen (vgl. Art. 13 ÜV), würden die Sichtbermen durch solche Flächen vergrössert. Für
das Gewerbegebäude und dessen Umgebung hat noch keine Bauabnahme
stattgefunden,15 so dass davon ausgegangen werden kann, dass die Sichtverhältnisse
noch verbessert werden.
14 Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV; SR 741.11) 15 Stellungnahme der Gemeinde Unterseen vom 7. Juli 2014 an das Verwaltungsgericht
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3. Auflage betreffend Güterumschlag
a) Im angefochtenen Gesamtbauentscheid vom 23. Januar 2014 hat das
Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli unter Ziffer 2.2 folgende Auflage verfügt: «Nach der Bauabnahme
 Der Güterumschlag ab der Strasse G._ ist nicht gestattet. Der
Güterumschlag hat ausschliesslich ab dem Gewerbeareal (Parkplatz) statt zu finden.»
Diese Auflage widerspricht insofern der geplanten An- und Auslieferung, als der
Güterumschlag vorliegend nicht beim Parkplatz der Kleinbrauerei vorgesehen ist, der sich
ohnehin nicht in der Nähe des Zugangs zur Kleinbrauerei befindet. Die Auflage steht aber
auch in einem gewissen Spannungsverhältnis zur gewässerschutzrechtlichen Auflage in
der Baubewilligung vom 3. Oktober 2008 für das Gewerbegebäude (Ziff. 3.2.2), wonach
Umschlagplätze mit einem dichten Boden versehen sein müssen, der in die
Schmutzwasserkanalisation entwässert wird, was beim Parkplatz der Brauerei beides nicht
der Fall ist. Die Gemeinde begrüsst die Aufhebung der Auflage. Die Beschwerdeführerin 1
befürchtet, dass damit dem Güterumschlag auf der Strasse G._ Tür und Tor
geöffnet würde.
b) Die geplante An- und Auslieferung mit dem VW-Transporter im Gebäudeinnern ist
nicht nur zweckmässig, sondern steht auch im Einklang mit Art. 19 Abs. 2 ÜV, wonach die
Anlieferung auf dem Grundstück zu erfolgen hat. Sofern das Lastwagenverbot auf der
Strasse G._ aufgehoben wird, könnten die Palette (Flaschen und Malz) mit
Lastwagen bei der Zufahrt zum Block C2/B angeliefert werden. Das Anhalten für
Güterumschlag ist weder nach den ÜV noch nach Strassenverkehrsrecht verboten. Art. 19
ÜV verlangt zwar, dass die Anlieferung auf dem Grundstück zu erfolgen habe. Dies
bedeutet aber nicht, dass es verboten wäre, für Güterumschlag auf der Strasse kurzzeitig
anzuhalten. Für die Benützung einer öffentlichen Strasse gelten das
Strassenverkehrsrecht, insbesondere die einschlägigen Verkehrsregeln. Von den
Verkehrsteilnehmenden kann nur verlangt werden, dass sie diese Regeln einhalten und die
Verkehrssignale beachten. Nach Art. 37 Abs. 2 SVG dürfen Fahrzeuge dort nicht
angehalten oder abgestellt werden, wo sie den Verkehr behindern oder gefährden könnten.
Können Fahrzeuge zum Güterumschlag aber nicht ausserhalb der Strasse oder abseits
vom Verkehr anhalten, so ist die Behinderung anderer Strassenbenützer möglichst zu
vermeiden und die Ladetätigkeit ohne Verzug zu beenden (Art. 21 Abs. 2 VRV). Demnach
11
darf für Güterumschlag auf Strassen angehalten werden, wenn es unumgänglich ist und
die Behinderung der anderen Verkehrsteilnehmenden möglichst gering gehalten wird. Da
für die geplante Kleinbrauerei nur mit ein bis zwei Anlieferungen pro Monat mit insgesamt
nicht grossen Gütermengen zu rechnen ist, sind bei strassenverkehrskonformem Verhalten
der Beteiligten keine nennenswerten Verkehrsbehinderungen auf der Strasse G._
zu erwarten. Die Auflage ist daher aufzuheben. Um allfälligen Missverständnissen
vorzubeugen sei klargestellt, dass damit nichts über den Güterumschlag von anderen
Betrieben und deren Zufahrt über die Strasse G._ entschieden ist. Diese
Baugesuche werden von der Gemeinde und der Baubewilligungsbehörde im Einzelfall
beurteilt.
c) Soweit die Beschwerdeführerin 1 beantragt, dass der Güterumschlag auf der Strasse
G._ zu verbieten und ein generelles Halteverbot zu erlassen sei, kann nicht auf
ihre Anliegen eingetreten werden. Verkehrsanordnungen wie Verbote müssten in dem
nach dem SVG vorgesehenen Verfahren erlassen werden, was in die Zuständigkeit der
Gemeinde fällt (Art. 3 Abs. 2 bis 4 SVG i.V.m. Art. 107 SSV16; Art. 66 Abs. 2 SG17).
4. Zusammenfassung
Zusammenfassend ist die geplante Kleinbrauerei über die Strasse G._ genügend
erschlossen. Die Mehrbelastung der Strasse ist gering und die Verkehrssicherheit
gewährleistet. Falls Anlieferungen mit schweren Lastwagen erfolgen sollten, die unter das
bestehende Lastwagenverbot auf der Strasse G._ fallen, können die Waren auf
kleinere Fahrzeuge umgeladen werden. Die Beschwerden sind demnach abzuweisen. Die
Auflage im angefochtenen Gesamtbauentscheid, wonach der Güterumschlag auf der
Strasse G._ nicht zulässig sei und auf dem Parkplatz zu erfolgen habe, erweist
sich nicht mehr als sachgerecht und ist aufzuheben. Im Übrigen ist der
Gesamtbauentscheid des Regierungsstatthalteramtes Interlaken-Oberhasli vom 23. Januar
2014 zu bestätigen.
5. Verfahrens- und Parteikosten
16 Signalisationsverordnung des Bundesrates vom 5. September 1979 (SSV; SR 741.21) 17 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11)
12
a) Gemäss Rückweisungsentscheid des Verwaltungsgerichts sind in diesem Verfahren
auch die Verfahrenskosten des Beschwerdeverfahrens 110/2014/17 zu verlegen. Die
Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere Untersuchungen,
Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben werden (Art. 103 Abs. 1
VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 und Art. 20 Abs. 1 GebV18). Werden in einem einzigen
Entscheid mehrere Beschwerden beurteilt, kann die Pauschalgebühr für die einzelnen
Beschwerdeführerinnen und Beschwerdeführer angemessen reduziert werden (Art. 21
Abs. 3 GebV).
Die Pauschalgebühren für die zwei Verfahren vor der BVE werden festgesetzt auf
Fr. 2'400.‒ und aufgrund der Vereinigung der Beschwerden um 1/3 reduziert, ausmachend
somit total Fr. 1'600.‒. Für den Augenschein vom 12. Februar 2015 und die Teilnahme
eines Vertreters des OIK I wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche
Gebühr von Fr. 600.- erhoben. Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren betragen
somit Fr. 2'200.‒, ausmachend Fr. 1'100.‒ pro Beschwerdeführerin.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführerinnen. Sie
haben die Verfahrenskosten von je Fr. 1'100.‒ zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
c) Der Beschwerdegegner war nicht anwaltlich vertreten und hat daher keinen Anspruch
auf Ersatz von Parteikosten (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG).