# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2f63e58a-2c49-4729-8178-c9bb3dabb6ca
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. X. wurde am 30. Juni 1969 in Chur geboren und wuchs zusammen mit zwei Schwestern in geordneten Verhältnissen bei seinen Eltern in G. auf, wo er sechs Jahre die Primarschule und anschliessend in H. drei Jahre die Realschule besuchte. Nach der Schulentlassung absolvierte er eine vierjährige landwirtschaftliche Lehre auf dem Plantahof in Landquart, ohne allerdings die Abschlussprüfung erfolgreich bestanden zu haben. In der Folge arbeitete X. jeweils im Sommer als Knecht an verschiedenen Orten und im Winter als Skilehrer. Seit 1996 führt er in G. einen Landwirtschaftsbetrieb, anfänglich zusammen mit seinem Onkel, seit 1998 mit seiner Ehefrau D., welche er im gleichen Jahr heiratete. Aus dieser Ehe gingen ein Sohn (geb. 2000) und eine Tochter (geb. 2002) hervor.
Nach Angaben der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden weist X. ein jährliches Einkommen von Fr. 50'800.- auf; über Vermögen verfügt er bis auf das hälftige Eigentum an seinem Gutsbetrieb nicht.
Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X. mit zwei Verurteilungen verzeichnet. Am 17. Februar 1994 verurteilte ihn der Kreisgerichtsausschuss Schanfigg wegen vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand, versuchter Vereitelung der Blutprobe, pflichtwidrigem Verhalten bei Unfall sowie Verletzung von Verkehrsregeln zu 60 Tagen Gefängnis und einer Busse von Fr. 300.-. Am 20. März 1997 verurteilte ihn der Kreisgerichtsausschuss Schanfigg erneut wegen vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand, vollendetem Versuch der Vereitelung einer Blutprobe, Verletzung von Verkehrsregeln sowie pflichtwidrigen Verhaltens bei Unfall zu fünf Monaten Gefängnis und einer ambulanten Behandlung gemäss Art. 44 Ziff. 1 StGB und Art. 43 Ziff. 2 StGB. Am 21. Januar 1992 war er überdies vom Kreispräsidenten Davos wegen vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand und wegen Verletzung von Verkehrsregeln mit 25 Tagen Gefängnis und einer Busse von Fr. 500.-- bestraft worden, dies bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren.
Gemäss SVG-Massnahmeregister (ADMAS) musste das Strassenverkehrsamt Graubünden X. den Führerausweis dreimal entziehen. Am 8. Januar 1992 wegen Angetrunkenheit die Führerausweiskategorie 0001 für zwei Monate, die Kategorie 0303 für drei Monate. Am 27. Mai 1993 wegen Angetrunkenheit die Führerausweiskategorie 0001 für zwölf Monate, die Kategorie 2203 für 18 Monate. Am 8. Mai 1996 wurde ihm der Führerausweis der Kategorie 2203 wegen Angetrunkenheit und Charakter unbefristet entzogen. Dieser Entzug wurde am 1. Mai 1998 aufgehoben.
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Gemäss Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden vom 15. November 2003 geniesst X. in seiner Wohngemeinde G. einen guten Ruf. Er gelte als aufrichtiger und arbeitsamer Bürger, der sich um eine geordnete Lebensführung bemühe.
B. Dem vorliegenden Strafverfahren liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 13. April 2004 folgender Sachverhalt zugrunde:
„Am 25. August 2003 konsumierte X. zu Hause in G. von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr drei grosse Flaschen Bier à 0.7 Liter. Um ca. 22.30 Uhr fuhr er mit dem PW Datsun Patrol 4WD von E., ZH F., nach H., wo er im Restaurant I. bis um 1.30 Uhr eine grosse Flasche Bier à 0.7 Liter und drei Stangen Bier à 0.3 Liter zu sich nahm. Anschliessend setzte er sich wieder in den erwähnten PW und fuhr über die J.-Strasse von H. nach G.. Die Strecke zwischen K. und L. befuhr er nach eigenen Angaben mit einer Geschwindigkeit von ca. 60-70 km/h. Eingangs der Linkskurve nach dem Haus M. geriet sein Fahrzeug ins Schleudern, rutschte nach rechts weg und kollidierte mit der bergseitigen Mauer der Fahrbahn. Das Fahrzeug kam schliesslich quer zur Fahrbahn stehend, teilweise auf der Gegenfahrbahn, zum Stillstand. Die um 03.05 Uhr beim Angeklagten entnommene Blutprobe ergab gemäss Bericht des Instituts für Rechtsmedizin St. Gallen einen Mindestblutalkoholgehalt von 1.96 Gewichtspromille. Der Führerausweis wurde dem Angeklagten von der Polizei auf der Stelle abgenommen. Das Strassenverkehrsamt des Kantons Graubünden entzog dem Angeklagten mit Verfügung vom 6. Oktober 2003 den Führerausweis vorsorglich auf unbestimmte Zeit, mit Wirkung ab 25. August 2003.“
C. X. wurde bereits 1996 psychiatrisch begutachtet. Damals gelangte A., Oberarzt in der Kantonalen Psychiatrischen Klinik Waldhaus, 7000 Chur, zum Schluss, dass bei X. eine nicht unwesentliche und demnach behandlungsbedürftige Alkoholproblematik vorliege, die in den Rahmen einer Trunksucht im weiteren Sinne eingereiht werden könne. Er zeige wenig Einsicht und Kritikfähigkeit und neige zu Bagatellisierungs- und Verharmlosungstendenzen. In dem im Zusammenhang mit dem vorliegenden Strafverfahren in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachten vom 29. Januar 2004 beantwortete die begutachtende Ärztin B., Oberärztin in der Psychiatrischen N., die vom Untersuchungsrichter gestellten Fragen wie folgt:
„1. Litt der Angeschuldigte im Zeitpunkt der Taten an einer Geisteskrankheit, an Schwachsinn oder einer schweren Störung des Bewusstseins, so dass seine Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der Tat oder zum Handeln gemäss dieser Einsicht aufgehoben war (Art. 10 StGB)?
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Entfällt.
2. War der Angeschuldigte zur Zeit der Taten in seiner geistigen Gesundheit oder in seinem Bewusstsein beeinträchtigt oder war er geistig mangelhaft entwickelt, so dass seine Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der Tat oder zum Handeln gemäss dieser Einsicht herabgesetzt war, wenn ja, in welchem Grad (Art. 11 StGB)? Zum Tatzeitpunkt war der Expl. trunksüchtig und damit in seiner geistigen Gesundheit beeinträchtigt. Die Alkoholisierung führte zusätzlich zu einer leichten Bewusstseinsbeeinträchtigung. Daher war seine Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der Tat zwar nicht beeinträchtigt, jedoch die Fähigkeit zum Handeln gemäss dieser Einsicht leicht herabgesetzt. Das entspricht einer leichtgradigen Minderung der Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt gemäss Art. 11 StGB.
3. Im Falle einer Verminderung resp. Aufhebung der Zurechnungsfähigkeit, ist diese auf die Alkoholisierung im konkreten Fall oder auf einen anderweitigen Grund (welchen) zurückzuführen? Im konkreten Fall wird die Verminderung der Zurechnungsfähigkeit vor allem auf die Alkoholabhängigkeit zurückgeführt. Die Alkoholisierung spielte dabei zwar auch, jedoch eine geringere Rolle.
4. Ist der Angeschuldigte trunksüchtig oder rauschgiftsüchtig und erscheint daher zur Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr die Einweisung in eine Trinkerheilanstalt, eine Drogenentzugsanstalt oder eine andere Heilanstalt zweckmässig (Art. 44 Abs. 1 StGB)? Der Expl. ist trunksüchtig. Zur Verhütung einer allfälligen Rückfallgefahr wäre die Einweisung in eine Trinkerheilanstalt gemäss Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 StGB sinnvoll. Allerdings ist sie bei bestehender Uneinsichtigkeit des Expl. in seine Alkoholabhängigkeit nicht durchführbar.
Genügt eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 Abs. 1 letzter Satz StGB? Nein.
Wäre der sofortige Vollzug einer Strafe mit einer ambulanten Behandlung vereinbar oder würde diese durch den Strafvollzug schwer beeinträchtigt? Der sofortige Vollzug einer Strafe wäre mit der Fortsetzung der totalen Alkoholabstinenz (siehe Frage 5) und einer ambulanten psychotherapeutischen Begleitbehandlung vereinbar.
5. Für den Fall eines bedingten Strafvollzuges:
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Ist eine psychiatrische Behandlung notwendig oder zweckmässig (Art. 41 Ziff. 2 Abs. 1 StGB), so dass Weisungen (welche?) angezeigt wären oder Schutzaufsicht angeordnet werden sollte? Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung ist notwendig. Sie sollte dem Expl. ermöglichen, sein Problembewusstsein zu stärken und neue, sinnvolle Verhaltensweisen im Umgang mit Alkohol zu lernen. Wir empfehlen die Auflage einer mindestens 18-monatigen totalen Alkoholabstinenz, die wie unter Punkt 6 aufgeführt, kontrolliert wird. Eine Schutzaufsicht erachten wir zur Kontrolle der Einhaltung von Weisungen als nötig.
6. Wäre der sofortige Vollzug einer Strafe bei gleichzeitiger ambulanter Behandlung in einer Massnahmenanstalt gemäss Art. 2 VStGB 3 zweckmässig? Der sofortige Vollzug einer Strafe bei gleichzeitiger ambulanter Behandlung in einer Massnahmenanstalt gemäss Art. 2 VStGB 3 halten wir für zweckmässig. Darüber hinaus empfehlen wir eine mindestens 18-monatige totale Alkoholabstinenz, die mittels folgender monatlich durchzuführender Blutuntersuchungen kontrolliert wird: CDT, MCV, GOT, GPT und -GT.
7. Sind andere Massnahmen aus medizinischer Sicht zweckmässig, z.B. Bevormundung, Verbeiständung? Nein.“
D. Mit Urteil vom 28. Juli 2004, mitgeteilt am 13. Dezember 2004, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Plessur:
„1. X. ist schuldig des vorsätzlichen Fahrens in angetrunkenem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 1 SVG sowie der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.
2. Dafür wird X. mit sechs Monaten Gefängnis und einer Busse von CHF 800.—bestraft.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird zu Gunsten einer ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 44 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 43 Ziff. 2 StGB aufgeschoben.
4. X. wird gemäss Art. 41 Ziff. 2 StGB die Weisung erteilt, sich bis Ende November 2008 alkoholabstinent zu verhalten.
5. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 5'364.—(Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 2'864.--, Gerichtsgebühr von CHF 2'500.--) gehen zu Lasten des Verurteilten und sind zusammen mit der Busse innert 30 Tagen auf das PC-Konto -3 des Bezirksgerichts Plessur zu überweisen.
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Die Kosten eines allfälligen Strafvollzuges gehen zu Lasten des Kantons Graubünden.

## Considerations