# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e895c26d-ae8d-5b99-869e-29f4d7341f6a
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegner reichten am 7. August 2015 bei der Gemeinde Leuzigen ein
Baugesuch ein für den Anbau eines Carports und eines Gerätehauses auf Parzelle
Leuzigen Grundbuchblatt Nr. H._. Die Parzelle liegt in der Wohnzone W2. Gegen
das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Die Beschwerdegegner
planen den Neubau des Carports und des Gerätehauses parallel zur Grenze der Parzelle
der Beschwerdeführenden. Der Carport soll zudem bis an die Grenze der südlichen
Nachbars-parzelle gebaut werden. Die Gemeinde teilte den Beschwerdeführenden mit
Schreiben vom 22. Februar 2016 mit, dass die Bauherrschaft die Nordseite des Carports
zurücksetzen werde, um die vorliegend maximal zulässige Grundfläche von 60 m2 nicht zu
überschreiten. Die Beschwerdeführenden hielten an ihrer Einsprache fest.
Mit Entscheid vom 7. Juni 2016 erteilte die Gemeinde Leuzigen den Beschwerdegegnern
die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 11. Juli 2016 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragten die
Aufhebung des Entscheids vom 7. Juni 2016 und die Erteilung des Bauabschlags,
eventualiter die Rückweisung der Sache zur ergänzenden Begründung an die Vorinstanz.
Die Beschwerdeführenden rügten insbesondere eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
und der Grenzabstände, das Vorliegen ungenügender Pläne, den Entzug von Sicht, Licht
und Sonne sowie die Verletzung der Vorschriften über die Ästhetik. Zudem brachten sie
eine Verletzung des Schikaneverbots vor.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch.
Das Rechtsamt teilte den Parteien mit Verfügung vom 13. September 2016 mit, dass
gemäss Auskunft des Amtes für Gemeinden und Raumordnung (AGR) vom 31. August
2016 gegen die Genehmigung der Änderung von Art. 19 Abs. 1 des Baureglements der
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Gemeinde Leuzigen (GBR) keine Beschwerde eingegangen sei. Weiter teilte es aufgrund
einer summarischen Prüfung der Beschwerdesache mit, es sei nicht ausgeschlossen, dass
die Überdachung zwischen Carport und Hauptgebäude zur Fläche dazuzuzählen sei.
Diesfalls würde grundsätzlich die gesamte Fläche des Carports inkl. Überdachung als
Nutzfläche angerechnet, so dass die Voraussetzung von Art. 19 Abs. 1 GBR und damit der
einzuhaltende Grenzabstand nicht mehr erfüllt wären. Die Beschwerdegegner erhielten bis
zum 5. Oktober 2016 Gelegenheit, zu den Überlegungen des Rechtsamtes Stellung zu
nehmen oder eine Projektänderung einzureichen. Nach mehrmaliger Fristerstreckung
reichten die Beschwerdegegner mit Schreiben vom 23. November 2016 eine
Projektänderung mit angepassten Plänen ein. Darin verzichteten die Beschwerdegegner
auf die Überdachung zwischen dem Carport und dem Wohnhaus.
Die Beschwerdeführenden und die Gemeinde erhielten Gelegenheit, sich zur
Projektänderung zu äussern. Die Beschwerdeführenden brachten in ihrer Stellungnahme
vom 23. Januar 2016 vor, sie würden die Baubeschwerde vollumfänglich aufrechterhalten
und an ihren Rügen festhalten, soweit diese durch die Projektänderung nicht
gegenstandslos geworden seien. Die Gemeinde stimmte in ihrer Stellungnahme der
Projektänderung zu und hielt fest, das geänderte Bauprojekt halte alle baurechtlichen
Bestimmungen des GBR ein.
Mit Schreiben vom 24. Februar 2017 (vorab per Fax) orientierten die Beschwerdegegner
das Rechtsamt, dass die Parteien im Rahmen einer zivilrechtlichen Auseinandersetzung
eine umfassende Einigung erzielen konnten und kündigten eine weitere Projektänderung
an. Gemäss gerichtlich genehmigter Vereinbarung vom 22. Februar 2017 ziehen die
Beschwerdeführenden ihre Beschwerde vorbehaltlos zurück. Mit Schreiben vom 2. März
2017 reichten die Beschwerdegegner die angekündigte Projektänderung mit angepassten
Plänen ein. Darin ist vorgesehen, dass die geplante Garage mindestens vier statt zwei
Meter von der Grundstückgrenze zum Grundstück der Beschwerdeführenden gebaut wird.
Die Beschwerdeführenden und die Gemeinde erhielten Gelegenheit, sich zur
Projektänderung zu äussern. Die Beschwerdeführenden verzichteten auf eine
Stellungnahme. Die Gemeinde hat keine Einwände gegen die Projektänderung
vorzubringen.
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4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den
vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf
die Beschwerde kann daher grundsätzlich eingetreten werden.
2. Beschwerdeverfahren
Gemäss der gerichtlich genehmigten Vereinbarung vom 22. März 2017 haben sich die
Parteien in Bezug auf das Beschwerdeverfahren vollständig geeinigt. Die im
Beschwerdeverfahren strittigen Fragen haben sich somit vollumfänglich erledigt. Für die
Überprüfung des ursprünglichen Projekts besteht daher kein aktuelles
Rechtsschutzinteresse mehr. Insoweit ist das Verfahren gegenstandslos geworden (Art. 39
Abs. 1 VRPG3). Das Verfahren kann aufgrund der seit 23. November 2016 hängigen
Projektänderung jedoch nicht abgeschrieben werden. Die Bauherren haben Anspruch
darauf, dass diese behandelt wird.4
3. Projektänderung
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 4 BVR 2012 S. 463 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen
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a) Die Projektänderung der Beschwerdegegner vom 23. November 2016 mit
angepassten Plänen (gestempelt von der BVE am 24. November 2016), sieht einen
Verzicht der Überdachung zwischen dem Carport und dem Wohngebäude vor. Die
Gesamtfläche des Carports beträgt demnach 59.96 m2 und eine allfällige zusätzliche
Anrechnung der Überdachung an die Gesamtfläche wäre nicht mehr zu prüfen. Ansonsten
sind keine Änderungen am Bauprojekt vorgesehen. Mit Schreiben vom 2. März 2017
reichten die Beschwerdegegner in Erfüllung der mit den Beschwerdeführenden getroffenen
Vereinbarung eine zweite Projektänderung mit angepassten Plänen (gestempelt von der
BVE am 6. März 2017) ein. Darin ist zusätzlich zum Verzicht der Überdachung zwischen
dem Carport und dem Wohngebäude einzig vorgesehen, dass die geplante Garage
mindestens vier statt zwei Meter von der Grundstückgrenze zum Grundstück der
Beschwerdeführenden gebaut wird.
b) Laut Art. 43 BewD5 kann der Baugesuchsteller während eines
Baubewilligungsverfahrens oder eines nachfolgenden Beschwerdeverfahrens vor der BVE
eine Projektänderung einreichen, ohne dass deshalb ein neues Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden muss. Eine Projektänderung liegt vor, wenn das Bauvorhaben in seinen
Grundzügen gleich bleibt. Erfolgt die Projektänderung im Beschwerdeverfahren, sind die
Gemeinde, die Gegenpartei und die von der Projektänderung zusätzlich berührten Dritten
anzuhören. Die Beschwerdeinstanz ist befugt, die Sache zur Weiterbehandlung an die
Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 43 Abs. 3 BewD), kann aber auch selbst über die
Projektänderung entscheiden. Das geänderte Projekt tritt an die Stelle des ursprünglichen
Bauvorhabens.6
c) Das Bauvorhaben bleibt in den Grundzügen gleich, die Anpassungen können
deshalb als Projektänderung behandelt werden. Die Projektänderung berührt keine
öffentlichen oder wesentlichen nachbarlichen Interessen zusätzlich und die
Verfahrensbeteiligten wurden angehört. Auf eine Publikation oder eine Anhörung Dritter
konnte daher verzichtet werden. Gegenstand des Verfahrens ist nur noch das Projekt
gemäss der Projektänderung vom 2. März 2017 (Pläne gestempelt von der BVE am 6.
März 2017).
5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 6 Vgl. BVR 2012 S. 463 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen
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d) Gemäss Art. 19 Abs. 1 GBR dürfen unbewohnte Nebenbauten bis 2 m an die Grenze
reichen, sofern ihre maximale Gebäudehöhe 4 m und ihre Grundfläche 60 m2 nicht
übersteigt. Aufgrund der eingereichten Projektänderungen erfüllt das Projekt diese
Voraussetzungen, der Abstand der Garage zur Grenze der Beschwerdeführenden beträgt
neu sogar 4 m statt nur 2 m. Bezüglich des Anbaus an die Südgrenze liegt die Zustimmung
des Eigentümers der Nachbarparzelle Nr. 3484 vor. Das geänderte Projekt entspricht
daher den massgebenden Vorschriften und wird bewilligt. Massgebend sind folgende
Pläne:
- Grundbuchplan Nr. 2519 "Planänderung Nr. 2012/015", 1:500
- Fassadenpläne "ost", "west", "süd" und "nord" vom 1. März 2017, 1:100
- Grundrisspläne "ug", "og" und "eg" vom 1. März 2017, 1:100
alle gestempelt von der BVE am 6. März 2017
4. Verfahrenskosten
Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.-- (Art. 103
Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV7). Gemäss Vereinbarung vom
22. Februar 2017 werden die Verfahrenskosten halbiert und die Parteikosten
wettgeschlagen. Entsprechend werden beiden Parteien je Fr. 500.-- Verfahrenskosten
auferlegt. Die Parteien haften jeweils solidarisch für den ihnen auferlegten Betrag.
7 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2016/95 7