# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8192f0a6-8170-4b1c-8e7b-a2acd47444bf
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die am 12. Februar 1990 geborene
X._
erkrankte im Alter von fünf Wochen an einer Streptokokken B-
Meningoenzephalitis
, die zu einer schweren
Tetraspastizität
, endokrinen Ausfällen, einer Hirnschädigung mit einer psycho
motorischen Entwicklungsstörung, Diabetes
insipidus
, zentraler Blindheit und somit zu einer Schwerstbehinderung und einem schweren allgemeinen Entwicklungsrückstand führte.
X._
ist völlig inkontinent, kann nur pürierte Nahrung schlucken und nur liegen. Sie ist nicht in der Lage, aufzu
sitzen, sich zu drehen, zu sprechen oder die Sprache zu verstehen (Urk.
12
/
6
,
Urk.
12/
11/1-4, Urk. 12/37
,
Urk.
12/39/2-3
).
Die Eidgenössische Invalidenversicherung gewährte
X._
heilp
ä
dagogische För
de
rungs
massnahmen sowie Pflegebeiträge, die per 1. Januar 2004 durch eine Entschädigung für schwere Hilflosigkeit abgelöst wurden. Fer
ner wurden ihr Sonderschulbeiträge ausgerichtet und
verschiedene
Hilfsmittel zur Verfügung gestellt (Urk.
12
/1,
Urk.
12
/13,
Urk.
12
/16
-17
,
Urk.
12
/19,
Urk.
12
/2
4
,
Urk.
12
/29).
1.2
Nach Erreichen des 18. Al
ters
jah
res sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stel
le,
der Versicherten neben
zusätzlichen
Hilfsmitteln (Urk. 12/58,
Urk.
12/71,
Urk.
12/78
,
Urk.
12/89
,
Urk.
12/93,
Urk.
12/97, Urk.
12/102
)
mit Verfügung
en
vom
5.
Juni 2008
eine ganze Invalidenrente und eine einer Hilflosigkeit schweren Grades entsprechende Entschädigung
(Urk.
12/50-51)
zu
.
D
as hiesige Gericht entschied am 2
9.
April 2011
,
dass die IV
Stelle die
Kosten
von
Kopfs
tützenüberzüge
n
(vgl. dazu
Urk.
12/84) zu über
nehmen habe (
Prozess
IV.2009.00685
,
Urk.
12/103).
Daraufhin
verfügte d
ie IV-Stelle
wiederum
Kostenbeitr
äge für
Hilfsmittel
(Urk. 12/115-
116
,
Urk.
12/122)
. Die Hilflosenentschädigung wurde
am
4.
Juni 2012
infolge Heimeintritts angepasst (
Urk.
12/127).
Die IV-Stelle
gewährte
schliesslich
Kostengutsprache für
weitere Hilfsmittel
(Urk.
12/133
,
Urk.
12/140
,
Urk.
12/147)
, am 1
6.
August 2016 namentlich für einen Rollstuhl
(
Urk.
12/151).
1.3
Mit Vorbescheid vom gleichen Datum stellte sie zudem die Übernahme von gewissen Rollstuhlanpassungen in Aussicht
(
Urk.
12/
152
).
Unter Hinweis auf das Gesuch vom
2.
August 2016 (richtig wohl 2
9.
Juli 2016,
Urk.
12/148) und
eine
Diagnoseliste
vom 1
9.
Dezember 2014
(
Urk.
12/153) ersuchte die Versicherte mit Einwand vom
7.
September 2016 um weitergehen
de Anpassung des Rollstuhls (
Urk.
12/154).
Nach
zusätzlichen
Abklärungen (
Urk.
12/157-158) übernahm die IV-Stelle m
it Verfügung vom 1
7.
November 2016 (
Urk.
12/159 =
Urk.
2) einen Kostenbeitrag von
Fr.
3'048.20 an die
o
rthopäd
ische Rückenbettung, von Fr.
2'778.20 an die Spezialanpassungen am Rollstuhl
sowie
von
Fr.
2'618.55 für die orthopädische Sitzbettung
; d
ie Position
„
Rückenkissen anatomisch
“
des Kostenvoranschlages für die Spezialanpassungen am Rollstuhl
erachtete sie hingegen
nicht
für
not
wendig, da für die orthopädische Rückenbettung eine
(günstigere)
Einbauplatte verwendet werden könne.
2
.
Dagegen erhoben
die Eltern als Beistände (
vgl.
Urk.
8
-
9) im Namen der Versi
cherten mit Eingabe vom
2
7.
Dezember 2016 Beschwerde (
Urk.
1) und beantrag
ten sinngemäss die Aufhebung der angefochtenen Verfügung und die Kosten
übernahme für alle ursprünglich eingegebenen Positionen zur Spezialanpassung des Ro
l
lstuhls.
Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom
8.
März 2017 auf Abweisung
der Beschwerde
(
Urk.
11)
.
In der Replik vom 1
9.
April 2017
liess die Versicherte
an ihrem Antrag fest
hal
ten (
Urk.
15), während d
ie Beschwerdegegnerin
am 2
4.
Mai 2017
auf eine Dup
lik
verzichtete
(
Urk.
18), was der Beschwerd
eführerin am 2
9.
Mai 2017 (Urk.
19) zur Kenntnis gebracht wurde.
D
ie
Einzelrichte
rin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Streitgegenstand bildet die Position „Rückenkissen anatomisch“ des Kostenvor
anschlages für die Anpassungen zum Rollstuhl
im Betrag von Fr.
1‘245.
-- (
Urk.
3/2).
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Gemäss
Art.
21
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwe
cke der funktionellen Angewöhnung bedarf (Abs. 1). Versicherte, die infolge ihrer Invalidität für die Fortbewegung, für die Herstellung des Kontaktes mit der Umwelt oder für die Selbstsorge kostspieliger Geräte bedürfen, haben im Rah
men einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste ohne Rücksicht auf die Erwerbs
fähigkeit Anspruch auf solche Hilfsmittel (Abs. 2). Die Versicherung gibt die Hilfsmittel zu Eigentum oder leihweise in einfacher und zweckmässiger Ausfüh
rung ab (Abs. 3).
Die Befugnis zur Aufstellung der Hilfsmittelliste und zum Erlass ergänzender Vorschriften im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 IVG hat der Bundesrat in
Art.
14
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
an das Eidgenössische Depar
tement des Innern übertragen, welches die Verordnung über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invalidenversicherung (HVI) mit anhangsweise aufge
führter Hilfsmittelliste erlassen hat.
2.2
Rechtsprechungsgemäss werden
Leistungen, die im HVI-Anhang aufgeführt sind, nicht ohne weiteres, sondern nur soweit erforderlich und lediglich in ein
facher und zweckmässiger Ausführung erbracht (
Art.
21
Abs.
2 IVG;
Art.
2
Abs.
4 HVI). Die Invalidenversicherung ist auch im Bereich der Hilfsmittel keine umfassende Versicherung, welche sämtliche durch die Invalidität verursachten Kosten abdecken will; das Gesetz will die Eingliederung lediglich soweit sicher
stellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist und zudem der voraussichtliche Erfolg der Eingliederungsmassnahme in einem vernünfti
gen Verhältnis zu ihren Kosten steht (
Art.
8
Abs.
1 IVG; BGE 134 V 105 E. 3 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung bezieht sich die Notwendigkeit des Hilfsmittels auf die konkrete Situation, in welcher die versicherte Person lebt (BGE 135 I 161 E.
5.1
).
2.
3
Als Eingliederungsmassnahme unterliegt jede Hilfsmittelversorgung den allge
meinen Anspruchsvoraussetzungen des
Art.
8
Abs.
1 IVG. Sie hat somit neben den dort ausdrücklich genannten Erfordernissen der Geeignetheit und Notwen
digkeit auch denjenigen der Angemessenheit (Verhältnismässigkeit im engeren Sinne) als drittem Teilgehalt des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes zu genügen. Die Abgabe eines Hilfsmittels muss demnach unter Berücksichtigung der gesamten
tatsächlichen und rechtlichen Umstände des Einzelfalles in einem angemessenen Verhältnis zum angestrebten Eingliederungsziel stehen. Dabei lassen sich vier Teilaspekte unterscheiden, nämlich die sachliche, die zeitliche, die finanzielle und die persönliche Angemessenheit. Danach muss die Mass
nahme prognostisch ein bestimmtes Mass an Eingliederungswirksamkeit auf
weisen; sodann muss gewährleistet sein, dass der angestrebte Eingliederungser
folg voraussichtlich von einer gewissen Dauer ist; des Weiteren muss der zu erwartende Erfolg in einem vernünftigen Verhältnis zu den Kosten der konkre
ten Eingliederungsmassnahme stehen; schliesslich muss die konkrete Massnah
me dem Betroffenen auch zumutbar sein (
BGE 143 V 190
E.
2.2).
2.
4
Das Erfordernis der finanziellen Angemessenheit wird im Hilfsmittelrecht durch
Art.
21
Abs.
3 IVG und
Art.
2
Abs.
4 HVI zum Ausdruck gebracht, wonach nur Anspruch auf Hilfsmittel in einfacher und zweckmässiger Ausführung besteht; durch eine andere Ausführung verursachte zusätzliche Kosten hat
der Versi
cherte selbst zu tragen
. Die versicherte Person hat demnach in der Regel nur Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwen
digen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen best
möglichen Vorkehren (vgl.
Art.
8
Abs.
1 IVG). Denn das Gesetz will die Einglie
derung soweit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genü
gend ist (
BGE 143 V 190
E.
2.3,
142 V 523 E. 6.3
,
139 V 115 E. 5.1
mit Hinwei
sen
).
3
.
3.
1
Die Beschwerdegegnerin legte in der angefochtenen Verfügung dar, die für die Rückenbettung offerierte Rückenschale „Jay 3“ sei keine einfache und zweck
mässige Variante und könne nicht übernommen werden. Die Offerte sei mit der Tarifposition „Einbauplatte inkl. Befestigung“ ergänzt worden. Die Position „Rückenkissen anatomisch“ sei
nicht notwendig, weil
für die orthopädische Rückenbettung eine Einbauplatte verwendet werden könne
(Urk.
2)
.
In der Vernehmlassung
verwies
sie
zudem
auf die Stellungnahme
der
A._
vom 29. Ju
l
i 201
6.
Demnach solle
einer bestmöglichen Rückenbettung auch mit der offerierten Einbauplatte nichts im Weg stehen
, so dass die
Beschwerdeführerin daraus keinen Nachteil ziehen sollte
(
Urk.
11).
3.2
Dagegen wird in der Beschwerde
(
Urk.
1)
vorgebracht, die Rückenschale „Jay 3“ respektive das „Rückenkissen anatomisch“ sei für die Beschwerdeführerin abso
lut notwendig. Es sei bereits eine Testphase mit der von der
Beschwerdegegne
rin
verfügten Einbauplatte gemacht worden. Diese habe abgebrochen werden
müssen, weil es der Beschwerdeführerin unbequem gewesen sei und sie jeweils sehr zu weinen begonnen habe.
Die Beschwerdeführerin sei so schwer behin
dert, dass vermeidbare gesundheitliche Folgen und eine grösstmögliche Lebens
qualität im Zentrum stehen müssten.
In der Replik
(
Urk.
15) wurde
angefügt
, die Hilfsmittelversorgung sei nicht luxuriös, sondern medizinisch, therapeutisch und sozial notwendig. Die Beschwerdegegnerin habe de
n
Bericht
en
von
Dr.
B._
und der Physiothera
peutin keine Bedeutung zugemessen (S. 1).
Das Rückenteil sei schnell demon
tierbar für Lift, Auto etc., das gehe mit der Holzplatte nicht. Ausserdem sei die Schale auch deshalb zwingend, weil die Beschwerdeführerin Probleme mit der Wärmeregulierung habe. Mit der Holzplatte wäre dies eine massive Verschlech
terung (S. 2).
3.
3
Der Anspruch auf einen der Schwerstbehinderung der Versicherten angepassten Rollstuhl ist unbestritten und ohne weiteres ausgewiesen
(vgl. auch
Ziff.
9 des HVI-Anhangs
).
Der Anspruch erstreckt sich laut
Art.
2
Abs.
3 HVI auch auf das invaliditätsbe
dingt notwendige Zubehör und die invaliditätsbedingten Anpassungen.
In die
sem Zusammenhang ist strittig und zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin Anspruch hat auf
ein anatomisches Rückenkissen im Betrag von
Fr.
1‘245.--, integriert in die Rückenschale „Jay 3“ laut Kostenvoranschlag (vgl.
Urk.
12/148/1-5), oder ob - wie die Beschwerdegegnerin geltend machte - eine „Einbauplatte inkl. Befestigung“ zum Preis von
Fr.
457.20 (vgl. Urk. 12/148/5) hinreichend ist.
4.
4.1
Med.
pract
.
C._
, leitender Arzt der Stiftung
D._
,
führte
im
Einwand zum Vorbescheid
vom
7.
September 2016 (
Urk.
12/154
)
unter Hinweis auf die beigefügte Diagnoseliste (
Urk.
12/153)
aus
, die Beschwerdeführerin habe einen hochsensiblen Rücken, der bei nicht genügender Entlastung zu starker Schmerzsymptomatik führe, was bei ihr einen unhaltbaren Zustand mit Weinat
tacken auslöse. Um ihre Lebensqualität zu optimieren und ihr die Teilnahme an der Gesellschaft zu ermöglichen, sei die Beschwerdeführerin darauf angewiesen, dass der Rollstuhl nach hinten kippbar sei und der Rücken durch eine dreidi
mensional verstellbare Rückenbettung optimal entlastet werden könne. Für Ausflüge an Wochenenden oder
in den
Ferien, welche oft zu engen Liftsituatio
nen führten, sei sie darauf angewiesen, dass ihr Rol
lstuhl schnell zusammen
klappbar, mithin
das Rückenteil schnell demontierbar sei.
4.2
Dr.
med.
B._
, leitender Arzt Kinderorthopädie am Kantonsspital
E._
,
legte
im Bericht vom 1
3.
Dezember 2016 (
Urk.
3/4)
dar
, die Beschwerde
führerin sei wegen ihrer Grunderkrankung und der hierdurch verbundenen Immobilität lebenslang auf einen Rollstuhl angewiesen. Trotz der durchgeführ
ten Operationen
(Hüftrekonstruktion, Wirbelsäulenstabilisierung)
bestünden Restdeformitäten sowohl im Bereich der Wirbelsäule wie auch des Beckens beziehungsweise der Beine. Aufgrund dieser Problematik sei es zwingend not
wendig, dass die Beschwerdeführerin eine dreidimensional angefertigte Sitzbet
tung mit einer Schale für den Rücken wie auch das Gesäss für den Rollstuhl erhalte. Ansonsten sei es beinahe unmöglich, die Beschwerdeführerin korrekt und ohne das Risiko von Druckstellen im Rollstuhl zu positionieren. Dies sei insbesondere deshalb wichtig, weil die Mobilisierung in den Rollstuhl die für die Beschwerdeführerin einzig übrig gebliebene Lebensqualität darstelle. Deshalb sei es seiner Ansicht nach zwingend, dass für die Beschwerdeführerin in Anleh
nung an einen Vakuumabdruck eine Sitzschale mit Schaumstoffpolster sowohl für den Rücken wie auch das Gesäss gemacht werden könne. Nur so könne die Sitzfähigkeit erhalten
werden.
Die Rückenschale Jay 3 sei zu übernehmen.
4.
3
Die langjährige Physiotherapeutin
F._
hielt im Bericht vom 2
1.
Dezember 2016 (
Urk.
3/5) fest, beim neuen Rollstuhl sei ein Jay 3-Rücken beziehungswei
se deren Aufhängung nötig. Dies weil die Beschwerdeführerin einen hochsen
siblen Rücken habe und auch an der rechten Hüfte bei ungünstiger Positionie
rung oder Belastung mit Beschwerden reagiere. Deshalb sei es dringend nötig, dass die zukünftige Rückenschale dreidimensional, vor allem auch in der Rota
tion angepasst werden könne.
Es sei ab 2
1.
November 2016 ein Probesitzen auf der Wohngruppe mit den Roh-Schaumstoffpolstern und der von der
Beschwer
degegnerin
empfohlenen Einbauplatte begonnen worden. Optisch/objektiv betrachtet sei die Beschwerdeführerin sehr gut, mit symmetrisch positioniertem Rumpf/Rücken in der Schale gesessen. Leider habe sich aber mehrmals nachei
nander gezeigt, dass es für die Beschwerdeführerin bereits nach
etwa
einer Stunde Sitzdauer (trotz nach hinten gekipptem Rollstuhl) sehr unbequem geworden sei und sie zu weinen begonnen habe. Sie habe wieder in den alten Rollstuhl transferiert werden müssen. Nach wenigen Tagen habe die Testphase abgebrochen werden müssen.
Wegen
des
Diabetes
insipidus
und der daraus folgenden lebensnotwendigen Medikation
könnten
längere Weinattacken nicht toleriert werden. Das Verabrei
chen
des Nasensprays
werde wegen des Anregens der Nasenschleimhaut durch
das
Weinen verunmöglicht beziehungsweise hochgradig verkompliziert. Nur mit der offerierten Rückenschale Jay 3 könne eine optimale Einstellung des
Rückenpolsters für eine optimale Abstützung vom Rücken und optimale Belas
tung der Hüften, vor allem rechts, erreicht werden.
4.4
Die
A._
vertrat
in der fachtechnischen Beurteilung vom
2
9.
Juli 2016 die Auffassung, die im Kostenvoranschlag offerierte Rückenschale „Jay 3“ für die Rückenbettung im Betrag von
Fr.
1‘245.-- (vgl.
Urk.
12/148/3) sei eine sehr teu
re Variante und nicht notwendig. Für die orthopädische Rückenbettung empfeh
le sie (stattdessen) eine Einbauplatte inklusive Befestigun
g (Urk.
12/148/1-2) im Betrag von
Fr.
457.20 (vgl.
Urk.
12/148/5).
I
n der Stellungnahme
vom 1
6.
November 2016
zum
Einwand
der Beschwerde
führerin (vgl.
Urk.
12/154)
wurde
seitens des
A._
ergänzt
, die Einbauplatte könne so konstruiert werden, dass ein An- und Abmontieren bei Bedarf mit wenigen Griffen ausgeführt werden könne. Das Verwenden einer Aussenschale eines ganzen Rückensystems als Halterung für eine Bettung nach Mass sei wirt
schaftlich nicht sinnvoll. Ein Zusammenklappen bei engen Verhältnissen (in der Breite) sei bei diesem Rollstuhlmodell mit einem starken Rahmen nicht möglich (
Urk.
12/158).
Im Beschwerdeverfahren sei
laut Telefonnotiz vom 8. März 2017
auf telefoni
sche Rückfrage
der Beschwerdegegnerin
durch den Fachmann
des
A._
erklärt worden,
für die erforderliche Rückenbettung sei eine Platte/Schale erforderlich. Weil eine Bettung vorgenommen werde, mache die teurere Variante keinen Sinn;
bei dieser Schale
müssten auch Teile weggeworfen werden, was nicht wirtschaftlich sei. Für solche Anpassungen gebe es extra die SVOT Tarifposition „Einbauplatte
inkl.
Befestigung“. Entgegen der Stellungnahme vom 16.
November 2016 könne der Rollstuhl nicht zusammengeklappt werden, egal mit welcher Schale/Platte die Rückenbettung erfolge (
Urk.
13).
5.
5.
1
Aus ärztlicher
und therapeutischer
Sicht ist die von der
Beschwerdegegnerin
zugesprochene
Rückenbettung
zweifellos
unzureichend.
Dr.
B._
und med.
pract
.
C._
erachteten die offerierte Rückenschale
beziehungsweise
das ana
tomische Rückenkissen a
ufgrund der Deformitäten im Bereich der Wirbelsäule, des Beckens und der Beine
für
medizinisch indiziert beziehungsweise zwingend notwendig (E. 4.
1-
2
)
.
Auch di
e behandelnde Therapeutin legte in Anbetracht der Schwerstbehinde
rung nachvollziehbar dar, dass die mehrtägige Testphase mit der von der
Beschwerdegegnerin empfohlenen Rückenbettung infolge der Weinattacken der Beschwerdeführerin abgebrochen werden musste. Dies wird gestützt durch Dr.
B._
, der aufgrund der Deformitäten im Bereich der operativ versorgten Wirbelsäule, des Beckens und der Beine ein Positionieren der Beschwerdeführe
rin - wegen des Risikos von Druckstellen - ohne die Schale für beinahe unmög
lich erachtete (E. 4.2
hievor
). Laut unbestritten gebliebener Darstellung des Dr.
B._
ist zudem auch für das Gesäss eine mit Schaumstoffpolster gefüt
terte Sitzschale erforderlich. Es ist nicht ersichtlich und wurde von der Beschwerdegegnerin nicht dargetan, dass eine entsprechende Stütze mittels der Einbauplatte gewährleistet wäre.
Der Beschwerdeführerin ist beizupflichten, dass ihrer konkreten
gesundheitli
chen
Situation nicht Rechnung getragen
wurde
,
hat es doch die Beschwerde
gegnerin nach Lage der Akten unterlassen, eine
ärztliche
V
er
ordnung für den Rollstuhl und
die notwendigen
b
ehinderungsbedingte
n
Optionen
einzuholen
(vgl. dazu
Kreisschreiben über die Abgabe von Hilfsmitteln durch die Invaliden
versicherung, KHMI; Stand
1.
Januar 2016;
Rz
2073)
. Die
A._
beschränkte sich auf
die
fachtechnische Beurteilung der Rollstuhlanpassung und deren finanzielle Verhältnismässigkeit
, weshalb nicht allein auf diese
Einschätzung
abgestellt werden kann
. Auf die
aktenkundigen
schwer
st
en
Behinderungen der Beschwerdeführerin ging weder die
A._
noch die Beschwerdegegnerin ein.
Diese war offenbar von der zugesprochenen Rückenbettung auch nicht
(
mehr
)
gänzlich
überzeugt, führte sie doch in der Vernehmlassung selbst aus,
einer bestmöglichen Rückenbettung
sollte
auch mit der offerierten Einbauplatte nichts im Weg stehen
(
Urk.
11).
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass
die
Beschwerdeführerin durch das Weinen
eine
Unverträglichkeit
der seitens
der Beschwerdegegnerin
empfohlenen
und
ausgetesteten
Rückenbettung
signalisierte
. Damit
kann
unter Berücksicht
i
g
ung der medizinischen Akten
nicht gesagt werden,
es bestehe keine invalidi
tätsbedingte Notwendigkeit einer kostspieligeren Ausführung der Rückende
ckung. Die nicht wesentlich günstigere Einbauplatte
erweist sich
in Bezug auf die gesundheitlichen Verhältnisse
aufgrund der unwidersprochen gebliebenen Einschätzung der behandelnden Ärzte
nicht als angemessen
. Wenn
sich die Beschwerdeführerin jeweils bloss für sehr kurze Zeit beschwerdefrei
und damit ohne Weinen
im Rollstuhl aufhalten kann
, ist dessen Eingliederungszweck
zweifelsfrei nicht
erfüllt
.
Die Beschwerdeführerin
liess
überdies geltend
machen
, die Einbauplatte bereite grosse
Probleme mit der Wärmeregulierung
, weshalb eine Schale angefertigt
werden müsse (
Urk.
15 S. 2 Mitte), was unbestritten blieb. Die
von der
Beschwerdegegnerin
zugesprochene
Holzplatte
erweist sich somit auch unter diesem Blickwinkel als
ungeeignet.
5.2
Nach dem Gesagten sind d
ie Voraussetzungen für die Übernahme der Kosten de
s
im Kostenvoranschlag der W.
Hägeli
AG offerierten anatomischen Rücken
kissens (
Urk.
12/148/3)
erfüllt.
Folglich ist die Beschwerde gutzuheissen und die Beschwerdegegnerin hat für die Kosten
von
Fr.
1‘245.--
gemäss
Kostenvoranschlag
(
Rückenkissen anato
misch, integriert in die Rückenschale Jay 3), abzüglich der stattdessen
für die Einbau
p
latte gewährten Kosten von
Fr.
457.20
(
Urk.
12/148/1-3
)
,
aufzukom
men.
6
.
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
5
00.-- fest
zusetzen und entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen
.
D
i
e Einzelrichter
in
erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, vom
1
7.
November 2016
insoweit
aufgehoben,
als damit ein Anspruch auf die Position
„Rückenkissen anatomisch“ vernei
nt wurde, und
es wird
festgestellt, dass
die Beschwerdegegnerin
die
Kosten
von
Fr.
1‘245.--
für
das anatomi
sche Rückenkissen
, integriert in
die Rückenschale Jay 3
(abzüglich der für die Einbau
platte gewährten Kosten von
Fr.
457.20)
,
zu übernehmen hat.
2.
Die Gerichtskosten von Fr.
5
00
.-- werden der Beschwerdegegnerin auferlegt. Rech
nung und Einzahlungsschein werden dieser nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Y._
und
Z
._
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.