# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 66469a68-5a2b-4ced-a7b5-f2a164f22aea
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Der leitende Arzt der Kinderklinik des Kantonsspitals Graubünden erstattete am 3. Januar 2013 bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Nordbünden eine Gefährdungsmeldung mit der Begründung, dass gleichentags Y. mit seinem Sohn Z., geboren am 12. Oktober 2011, auf ihrer Kindernotfallstation erschienen sei. In der körperlichen Untersuchung hätten sich bei Z. Hautblasen an der Hand und teils tiefergreifende Hautverbrennungen im Gesicht gefunden, welche nicht ganz frisch seien. Der geschilderte Unfallhergang erkläre auch aus Sicht ihres beigezogenen Rechtsmediziners die Befunde nicht ausreichend. Falls die Eltern, wie anfänglich ihnen gegenüber angekündigt, mit Z. das Spital wieder verlassen wollten, müsse im Moment von einer akuten Gefährdungssituation für Z. ausgegangen werden, weshalb für diesen Fall ein umgehender Obhutsentzug beantragt würde.
Gleichentags meldete sich auch Y. telefonisch bei der KESB und bat um Unterstützung, da die Ärzte des Kantonsspitals Graubünden seinen Sohn Z. noch für Abklärungen dort behalten wollten, er das Kind aber unbedingt nach Hause nehmen wolle. Eine Misshandlung seines Sohnes durch ihn oder die Mutter X. bestritt er ausdrücklich.
B. Am 4. Januar 2013 fand eine Sitzung der Kindesschutzgruppe des Kantonsspitals statt, an welcher auch ein Mitglied der KESB Nordbünden anwesend war. Anlässlich dieser Sitzung wurde von den zuständigen Ärzten berichtet, dass der Vater am 3. Januar 2013 um die Mittagszeit bei ihnen eine Salbe für seinen Sohn Z. habe beziehen wollen. Der Vater habe ihnen gegenüber berichtet, dass die Mutter X. in seiner Abwesenheit am Abend des 2. Januar 2013 Z. gebadet und danach mit Öl eingestrichen hätte. Anschliessend hätte sie sich mit Z. vor den offenen Kamin gesetzt und hineingeblasen, woraufhin es eine Stichflamme gegeben hätte, was zu den Verbrennungen geführt hätte. Am nächsten Morgen hätten er und die Mutter gesehen, dass die Verbrennungen schlimmer als anfänglich gedacht wären, weshalb er umgehend in den Notfall gekommen sei.
Der hinzugezogene Facharzt Rechtsmedizin FMH am Kantonsspital Graubünden, Dr. med. G., hat aufgrund seiner Untersuchung vom 3. Januar 2013, am 4. Januar 2013 ein rechtsmedizinisches Konsilium verfasst, indem er zum Schluss kam, dass ein erheblicher Verdacht bestehe, dass die vorgefundenen Verletzungen durch Hitze Folge einer Fremdeinwirkung darstellen und sich erhebliche
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Diskrepanzen zur Erklärung des Unfallhergangs durch die Eltern ergeben würden. Die Verletzungen seien durch eine zeitlich längere Einwirkung von Hitze entstanden, der sich Z. von seiner altersgemässen Entwicklung her hätte entziehen können. Zudem seien die Gesichtsverletzungen sogenannt „geformt“, was darauf schliessen lasse, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem heissen Gegenstand herrühren würden.
C. Am 4. Januar 2013 verfügte H. als instruierendes Mitglied der KESB Nordbünden superprovisorisch, im Sinne von Art. 445 Abs. 2 ZGB, dass X. und allenfalls Y. die elterliche Obhut über ihren gemeinsamen Sohn Z., geboren am 12. Oktober 2011, einstweilen entzogen und Z. im Kantonsspital Graubünden, Abteilung Kinder- und Jugendmedizin, platziert werde. Zur Begründung stützte er sich auf das rechtsmedizinische Konsilium von Dr. med. G. und erachtete es als unverantwortbar, Z. in die Obhut seiner Eltern zurückzugeben, bis die genaueren Umstände über die Entstehung und Hintergründe der vorgefundenen Verletzungen geklärt seien.
D. Da das Kantonsspital Graubünden in der Folge den Vorfall und den Verdacht auf Körperverletzung der Staatsanwaltschaft Graubünden meldete, forderte die KESB die ergangenen Akten an und erhielt am 8. Januar 2013 die Protokolle der Befragung und das Fotoprotokoll der Hausdurchsuchung, welche beide am Samstag, 5. Januar 2013, stattgefunden hatten. X. hatte den Unfallhergang in der Einvernahme vor der Kantonspolizei Graubünden so geschildert, dass sie am Abend des 2. Januar 2013 ihren Sohn Z. nach dem Baden am ganzen Körper und auch im Gesicht mit Kokosöl eingerieben hätte. Nachdem sie ihn angezogen hätte, seien sie ins Wohnzimmer gegangen, wo sie gesehen hätte, dass das Feuer im Ofen fast ausgegangen war. Aus diesem Grund sei sie mit Z. vor den Ofen gegangen, hätte die Ofentür geöffnet und Holzscheite in den Ofen geworfen. Danach hätte sie in den Ofen geblasen, damit das Feuer neu entfache. Es hätte dann sogleich ein dumpfes, lautes Geräusch im Ofen gegeben und gleichzeitig sei eine Stichflamme aus der Ofenöffnung geschossen. Die Stichflamme hätte Z. im Gesicht getroffen. Sie hätte Z. dann umgehend mit kaltem Wasser abgeduscht und die Wunden desinfiziert.
E. Am 9. Januar 2013 erhielt die KESB von der Staatsanwaltschaft Graubünden das Kurzgutachten des Rechtsmediziners, der im Wesentlichen an seiner bisherigen Auffassung festhielt und konzedierte, dass die verbrannten Wimpern, die bei seiner Untersuchung nicht festgestellt worden seien, auf die Einwirkung durch eine Stichflamme zurückgeführt werden könnten.
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F. Ebenfalls am 9. Januar 2013 fand durch W. und H. (KESB Nordbünden) und in Anwesenheit von Rechtsanwalt Martin Suenderhauf eine Anhörung mit der Mutter X. und dem Vater Y. statt, bei welcher X. den Unfallhergang, übereinstimmend mit ihren Aussagen bei der polizeilichen Befragung, nochmals schilderte.
G. Am 10. Januar 2013, mitgeteilt am 11. Januar 2013, erliess die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Nordbünden sodann folgenden Entscheid:
„1. Der Entzug der elterlichen Obhut über Z. wird per sofort aufgehoben.
2. Die Mutter wird angewiesen, bis zum rechtskräftigen Abschluss des Strafverfahrens halbjährlich Konsultationen beim Kinderarzt Dr. med. Antonio Rampa (Chur) durchzuführen. Dr. med. Antonio Rampa wird ersucht, der KESB Nordbünden unverzüglich Bericht zu erstatten, sollten die Termine nicht eingehalten oder bei Z. anderweitige gesundheitliche Auffälligkeiten (abweichend von der normalen altersentsprechenden Entwicklung) festgestellt werden.
3. Es wird keine Parteientschädigung zugesprochen.
4. Auf die Genugtuungsforderung von Fr. 1‘000.-- wird nicht eingetreten.
5. Gegen diesen Entscheid kann innert 10 Tagen seit Mitteilung schriftlich Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden, Poststrasse 14, 7002 Chur, erhoben werden (Art. 314 Abs. 1 i.V.m. Art. 450 ff. ZGB, Art. 60 Abs. 1 EGzZGB). Sie muss nicht begründet werden (Art. 450e Abs. 1 ZGB). Die Beschwerde hat keine aufschiebende Wirkung.
6. (Eröffnung).
7. (Mitteilung).“
H. Gegen diesen Entscheid liess X. am 28. Januar 2013 Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden einreichen und beantragte was folgt:
„1. Ziff. 2 und 3 des Dispositivs des Entscheides der KESB Nordbünden vom 10. Januar 2013 seien aufzuheben.
2. Die Überbindung der Verfahrenskosten im Betrage von Fr. 1‘245.00 zulasten der Beschwerdeführerin sei aufzuheben (Ziff. 6 Abs. 3 Erwägungen/im Dispositiv nicht aufgeführt).
3. Es sei von jeglichen Kindesschutzmassnahmen, insbesondere einer Weisung im Sinne von Ziff. 2 des angefochtenen Dispositivs des Entscheides der KESB Nordbünden vom 10. Januar 2013 abzusehen.
4. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten für das Verfahren vor der KESB Nordbünden sei zu verzichten, eventualiter seien diese auf die Staatskasse zu nehmen.
5. Der Beschwerdeführerin sei für die Kosten ihrer anwaltlichen Vertretung im Verfahren vor der Vorinstanz, KESB Nordbünden, eine Entschädigung von Fr. 2‘892.30 zulasten des Kantons Graubünden zuzusprechen.
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6. Der Beschwerde sei aufschiebende Wirkung zu erteilen.
7. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge, zuzüglich 8% Mehrwertsteuer, für das Beschwerdeverfahren vor Kantonsgericht.“
Zur Begründung wurde ausgeführt, dass weder der Mutter noch dem Vater von Z. im Zusammenhang mit dem Unfallereignis vom 2. Januar 2013 oder aus anderen Gründen Vorwürfe gemacht werden könnten, die das Ergreifen von Kindesschutzmassnahmen rechtfertigen würden. Der Obhutsentzug sei völlig zu Unrecht erfolgt, weshalb er dann auch von der KESB wieder aufgehoben worden sei. Auch die Anordnung von Ersatzmassnahmen im Sinne der verfügten Weisung, sich halbjährlichen Kontrollen beim Kinderarzt Dr. med. Rampa zu unterziehen, würden sich unter diesen Umständen ebenfalls als ungerechtfertigt und nicht erforderlich erweisen. Die Weisungen der KESB seien einschneidende und ihre Persönlichkeit tangierende Massnahmen und durch die Mitteilung der angefochtenen Anordnung an den Kinderarzt würde zudem weiterhin eine gewisse Verdachtslage suggeriert.
Bezüglich der Verfahrenskosten habe sich die KESB darauf beschränkt, lediglich darzulegen, wie sich die Verfahrenskosten zusammensetzten. Sie habe nicht begründet, weshalb keine besonderen Umstände im Sinne von Art. 63 Abs. 3 EGzZGB und Art. 28 KESV vorliegen würden, und somit den Entscheid nicht nach den Vorgaben von Art. 53 Abs. 1 ZPO und Art. 29 Abs. 2 BV begründet. Da sich die angeordnete Kindesschutzmassnahme nach Abklärung der Sachlage als unbegründet erwiesen habe, dürfe keine Überbindung der Verfahrenskosten an die Mutter erfolgen. Zudem habe die KESB die Ausrichtung einer Parteientschädigung mit der Begründung verweigert, dass vorliegend kein Grund bestehe, vom Grundsatz, wonach in Verfahren vor Kindes- und Erwachsenenschutzbehörden in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen würden (Art. 63 Abs. 4 EGzZGB), abzuweichen, ohne dies jedoch genauer zu erläutern. Vorliegend seien die Eltern von Z. jedoch zur Teilnahme am Verfahren gezwungen gewesen und das Verfahren habe sich schlussendlich als gegenstandslos erwiesen. Somit sei für den vorliegenden Fall eine anwaltliche Vertretung nötig gewesen, weshalb auch zuhanden von X. eine Parteientschädigung auszurichten sei.
I. Am 5. März 2013 reichte die KESB Nordbünden ihre Berufungsantwort (recte: Beschwerdeantwort, vgl. Art. 450 ZGB) ein und beantragte die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne, unter Kosten- und Entschädigungsfolge gemäss Gesetz. Sie verzichtete darin auf eine einlässliche
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Stellungnahme und verwies auf die Ausführungen im angefochtenen Entscheid sowie auf die Akten.
II. Erwägungen
1.a) Im vorliegenden Fall geht es um die Anfechtung einer Entscheidung der KESB Nordbünden, mit welcher sie über Z., geboren am 12. Oktober 2011, eine Kindesschutzmassnahme verfügt und über die Kosten des Verfahrens befunden hat. Zu prüfen ist zunächst, um welche Art Entscheid es sich handelt.
b) Gemäss Art. 314 Abs. 1 ZGB sind im Kindesschutzverfahren die Bestimmungen über das Verfahren vor der Erwachsenenschutzbehörde sinngemäss anwendbar. Nach Eingang der Gefährdungsmeldung des leitenden Arztes der Kinderklinik des Kantonsspitals Graubünden erliess das instruierende Mitglied der KESB Nordbünden am 4. Januar 2013 eine superprovisorische Massnahme im Sinne von Art. 445 Abs. 2 ZGB, entzog X. und allenfalls Y. die elterliche Obhut über Z. und platzierte ihn in der Abteilung Kinder- und Jugendmedizin des Kantonsspitals Graubünden. Gleichzeitig wurden die Eltern zu einer persönlichen Anhörung auf den 9. Januar 2013 eingeladen. Letzteres erfolgte zur Wahrung des rechtlichen Gehörs und Ermöglichung einer Stellungnahme gemäss Art. 445 Abs. 2 ZGB, was auf diese Weise ohne weiteres möglich ist (vgl. Auer/Marti, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar, Erwachsenenschutz, Basel 2012, Art. 445 N 28). Was in dieser Verfügung nicht festgehalten wurde, aber sich unmittelbar aus der erwähnten Gesetzesbestimmung ergibt, ist der weitere prozessuale Ablauf, der einen „neuen“, das heisst nunmehr den ordentlichen Entscheid über die vorsorgliche Massnahme, vorsieht. Zu beachten ist somit, dass die superprovisorische Massnahme lediglich die Vorstufe zur eigentlichen vorsorglichen Massnahme darstellt, damit in einer Gefährdungssituation unverzüglich gehandelt werden kann. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber für die superprovisorische Verfügung denn auch zu Recht eine Einzelzuständigkeit des instruierenden Behördenmitgliedes vorgesehen (Art. 58 Abs. 2 lit. a Einführungsgesetz zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch [EGzZGB; BR 210.100]). Das Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen ist aber erst abgeschlossen, wenn die Behörde nach Eingang der Stellungnahme der Betroffenen bzw. deren Anhörung darüber abschliessend befunden hat. Dieser Entscheid ersetzt dann ex lege die superprovisorische Massnahme.
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## Considerations