# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 245ebb8d-6f61-4324-9973-0400c104268c
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend bandenmässigen Diebstahl etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, Einzelgericht Strafsachen, vom 3. Juni 2020 (GG200009)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 9. April 2020
(Urk. 11) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des bandenmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 139 Ziff. 3 StGB;
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1
StGB;
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB;
2. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von
9 Monaten, wovon bis und mit heute 111 Tage durch Untersuchungshaft er-
standen sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
4. Der Beschuldigte A._ wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB und
Art. 66a Abs. 1 lit. d StGB für 5 Jahre des Landes verwiesen.
5. Es wird keine Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufent-
haltsverweigerung) im Schengener Informationssystem angeordnet.
6. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ gegenüber den Privat-
klägern aus den eingeklagten Ereignissen dem Grundsatz nach schadener-
satzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadener-
satzanspruches und um Festsetzung einer allfälligen Genugtuung werden
die Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Die folgenden, mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom
9. April 2020 (act. D1/5/13, D1/5/14, D1/5/15 und D1/5/16) beschlagnahmten
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Gegenstände werden den Parteien nach Eintritt der Rechtskraft entspre-
chend der Zuordnung gemäss der Beilage 2 zum Dokument
RPT00049945815 der Kantonspolizei vom 14. April 2020 (act. 26/2) auf ers-
tes Verlangen herausgegeben:
− Die Gegenstände Nr. 1-2 und Nr. 5-11 gemäss Kategorie 1 an die Pri-
vatkläger B._ und C._;
− die Gegenstände Nr. 1-12 und Nr. 15-20 gemäss Kategorie 2 an die
Privatkläger D._ und E._;
− die Gegenstände Nr. 1-4 gemäss Kategorie 3 an die Privatklägerin
F._;
− die Gegenstände Nr. 5 und 54 gemäss Kategorie 4 sowie Nr. 17, 27,
33-36 und 38 der Kategorie 5 an G._;
− die Gegenstände Nr. 55 gemäss Kategorie 4 sowie Nr. 18, 29 und 30
der Kategorie 5 an H._;
− die Gegenstände Nr. 2 und 4 gemäss Kategorie 4 sowie Nr. 1,2, 6-9,
14-16, 19-21, 23, 24, 26, 28, 32 und 37 der Kategorie 5 an A._;
− die Gegenstände Nr. 3-4 der Kategorie 1 sowie Nr. 8, 12, 21, 22, 26,
28-32, 34, 36, 40 und 52 der Kategorie 4 an I._, ... [Adresse].
Ausserdem werden H._ 1 Halswärmer (Asservat Nr. A013'527'758) und
1 Mütze (Asservat Nr. A013'527'441) ausgehändigt.
Werden die Gegenstände nicht innert drei Monate nach Eintritt der Rechts-
kraft dieses Urteils herausverlangt, wird Verzicht auf Aushändigung ange-
nommen und die Gegenstände der Lagerbehörde zur Vernichtung respekti-
ve zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
Erhebt eine Person Anspruch auf einen unter dieser Dispositiv-Ziffer aufge-
führten Gegenstand, welcher ihr nicht zugesprochen wurde, hat diese Per-
son ihren Anspruch innert 30 Tagen auf dem Zivilweg geltend zu machen.
8. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 9. April
2020 (act. D1/5/13, D1/5/14, D1/5/15 und D1/5/16) beschlagnahmten Ge-
genstände Nr. 1, 3, 4-7, 9-11, 13-20, 23-25, 27, 33, 35, 37-39, 41-51 und 53
der Kategorie 4 gemäss der Beilage 2 zum Dokument RPT00049945815 der
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Kantonspolizei vom 14. April 2020 (act. 26/2) werden nach Rechtskraft des
Urteils gestützt auf Art. 267 Abs. 6 StPO im Amtsblatt des Kantons Zürich
ausgeschrieben.
9. Die mit Verfügungen der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 9. April
2020 (act. D1/5/13, D1/5/14, D1/5/15 und D1/5/16) beschlagnahmten Ge-
genstände Nr. 3-5, 10-13, 25 und 31 der Kategorie 5 gemäss der Beilage 2
zum Dokument RPT00049945815 der Kantonspolizei vom 14. April 2020
(act. 26/2) werden nach Eintritt der Rechtskraft definitiv eingezogen und der
Kantonspolizei Zürich, Asservaten-Triage, zur Vernichtung respektive zur
gutscheinenden Verwendung überlassen:
10. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. X._ für die amtliche Ver-
teidigung des Beschuldigten wird auf Fr. 12'234.65 festgesetzt, nämlich
Fr. 11'003.70 für den Aufwand, Fr. 356.25 für die Barauslagen und
Fr. 874.70 für die Mehrwertsteuer.
11. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'200.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'100.00 Gebühr für das Vorverfahren Fr. 287.50 Entschädigung Dolmetscherin Fr. 12'234.65 Kosten der amtlichen Verteidigung
Fr. 15'822.15 Total
Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermäs-
sigt sich die Entscheidgebühr um einen Drittel auf Fr. 800.–. Allfällige weite-
re Auslagen bleiben vorbehalten.
12. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens, ein-
schliesslich der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten aufer-
legt, diejenigen der amtlichen Verteidigung indessen einstweilen auf die Ge-
richtskasse genommen. Vorbehalten bleibt die Verpflichtung des Beschul-
digten, dem Kanton diese Entschädigung vollumfänglich zurückzuzahlen,
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sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4
StPO).
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 60 S. 3)
1. Die Dispositiv-Ziffern 1., 2., 3., 4., 6., und 12. des Urteils des Bezirks-
gerichts Dielsdorf vom 3. Juni 2020 seien aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.
3. Dem Beschuldigten sei für die erstandene Haft von 111 Tagen eine
Genugtuung von mindestens Fr. 16'650.– aus der Staatskasse zuzu-
sprechen und zu bezahlen.
4. Es sei keine Landesverweisung anzuordnen.
5. Die Zivilansprüche von Seiten der Geschädigten seien abzuweisen,
soweit darauf überhaupt eingetreten wird.
6. Die Kosten der Untersuchung sowie des erst- und zweitinstanzlichen
Gerichtsverfahrens, einschliesslich der gesamten amtlichen Verteidi-
gerkosten, seien vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat:
(Urk. 50)
Verzicht auf Anschlussberufung
Bestätigung der vorinstanzlichen Urteils
Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete
Urteil des Einzelrichters des Bezirksgerichtes Dielsdorf, vom 3. Juni 2020 liess
der Beschuldigte A._ mit Eingabe der amtlichen Verteidigung vom 12. Juni
2020 Berufung anmelden (Prot. I S. 8 ff.; Urk. 40; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Er-
halt des begründeten Urteils am 1. Februar 2021 reichte die Verteidigung am
22. Februar 2021 die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO ein
und beantragte einen vollumfänglichen Freispruch (Urk. 44/1; Urk. 46). Mit Präsi-
dialverfügung vom 12. März 2021 wurde die Berufungserklärung den Privatklä-
gern und der Staatsanwaltschaft zugestellt und Frist für Anschlussberufung oder
einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 48; Urk. 49/1 und 3–5). Mit Eingabe
vom 18. März 2021 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf Anschlussberufung,
beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, erklärte, sich am weiteren
Verfahren nicht zu beteiligen, und ersuchte um Dispensation von der Teilnahme
an der Berufungsverhandlung (Urk. 50). Die Privatkläger liessen sich nicht ver-
nehmen. Mit Eingabe der Verteidigung vom 3. April 2021 liess der Beschuldigte
zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen mitteilen, dass er derzeit weder über Ein-
kommen noch Vermögen verfüge, weshalb auch keine Ausgaben für Wohnen und
Krankenkasse anfallen würden. Er würde von seiner Familie unterstützt
(Urk. 51 f.). Beweisanträge wurden von keiner Partei gestellt.
2. Am 2. Juli 2021 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den
14. Januar 2022 vorgeladen (Urk. 54). Mit Schreiben vom 11. Oktober 2021 wur-
de den Parteien eine Änderung der Gerichtsbesetzung mitgeteilt (Urk. 55).
2.1. Mit Eingabe der Verteidigung vom 16. Dezember 2021 liess der Be-
schuldigte A._ beantragen, er sei vom persönlichen Erscheinen zur Beru-
fungsverhandlung zu dispensieren (Urk. 56). Er lebe mittlerweile wieder in Rumä-
nien, zusammen mit der Mitbeschuldigten G._ (sep. Verfahren SB210159)
und dem gemeinsamen wenige Monate alten Kind. Da es auch im Berufungsver-
fahren wiederum um die Frage der Verwertbarkeit sämtlicher Beweismittel gehe,
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sei die Anwesenheit des geständigen Beschuldigten A._ nicht notwendig
(Urk. 56 S. 2).
2.2. Nachdem der Beschuldigte A._ bereits im Vorverfahren die Ankla-
gevorwürfe grundsätzlich anerkannte und sich anklagegemäss schuldig erklärte
und somit einlässlich dazu angehört und befragt wurde, vor Vorinstanz alsdann
vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte (Urk. 1/2/4 S. 4, S. 6 u.,
S. 13 ff. und S. 18; Prot. I S. 6; Urk. 58/2 S. 1 ff), ist es gerechtfertigt, das Dispen-
sationsgesuch des Beschuldigten zu genehmigen (Urk. 56 S. 2 u.) und ihn nicht
noch einmal anzuhören.
3. 3. Angesichts der Dispensation des Beschuldigten und im Einverständnis
mit der Verteidigung reichte diese ihre Plädoyernotizen mit Eingabe vom 13. Ja-
nuar 2022 ein (Urk. 60), mit welchen sie die eingangs aufgeführten Anträge stellte
(Prot. II S. 3).
II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 7 bis 9 (Herausgabe, Beschlagnahme), 10 (Honorar
amtl. Verteidigung) und 11 (Kostenfestsetzung), unangefochten blieben, ist mittels
Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in
Rechtskraft erwachsen ist.
2. Der Beschuldigte A._ liess bereits vor Vorinstanz und erneut im Be-
rufungsverfahren im Wesentlichen geltend machen, die Durchsuchung des
Apartments und seines Rucksackes und Fahrzeuges vor der Festnahme (Urk. 1
S. 3 ) sei ohne Durchsuchungsbefehl der Staatsanwaltschaft und ohne seine Ein-
willigung erfolgt. Es habe kein dringender Tatverdacht bezüglich einer schweren
Straftat vorgelegen und auch Gefahr in Verzug nicht. Beim entdeckten Deliktsgut
handle es sich daher um einen Zufallsfund im Sinne von Art. 243 StPO, der auf
ein Vermögensdelikt hingewiesen habe. Voraussetzung für die Verwertbarkeit von
zufällig gefunden Beweismitteln sei die Rechtmässigkeit der durchgeführten Er-
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mittlungen. Die Beweiserhebung ohne gültigen Durchsuchungsbefehl sei gestützt
auf Art. 140 StPO untersagt und die rechtswidrig erlangten Beweise gestützt auf
Art. 141 Abs. 1 StPO unverwertbar. Eine schwere Straftat im Sinne von Art. 141
Abs. 2 StPO liege nicht vor. Trotz bandenmässigem Diebstahl habe die Staats-
anwaltschaft bloss eine Strafe von 10 Monaten Freiheitsstrafe beantragt. Es seien
drei Einbrüche mit geringem Sachschaden und keiner besonders grossen Beute
gewesen, und es seien keine Bewohner zu Hause gewesen. Dies falle nicht unter
den Begriff "schwere Straftat". Ein Hausdurchsuchungsbefehl liege "bis heute"
nicht vor. Deshalb seien die aus der unerlaubten Hausdurchsuchung erlangten
Beweise unter Beachtung von Art. 141 Abs. 2 StPO nicht verwertbar. Auch die
Folgebeweise, die Aussagen aller drei Beschuldigten, seien daher nicht verwert-
bar. Weitere Beweise gegen den Beschuldigten A._ lägen nicht vor. Somit
sei er vollumfänglich freizusprechen (Urk. 30 S. 3 ff.; Urk. 60 S. 3 ff.).
2.1. Wie von der Verteidigung zu Recht geltend gemacht und durch die Vor-
instanz zutreffend festgestellt wurde (Urk. 45 S. 7 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO), führten
die Polizeibeamten aufgrund der ihnen verdächtig anmutenden Situation (vgl.
Urk. 1/1 S. 2 f.) die Durchsuchung der Räumlichkeiten ohne gültigen Hausdurch-
suchungsbefehl gemäss Art. 241 StPO durch. Auch wurde ein solcher weder vor-
ab mündlich nachgefragt und angeordnet oder nachträglich schriftlich bestätigt
(vgl. Art. 241 Abs. 1 2. Satz StPO) noch lag Gefahr in Verzug vor (vgl. Art. 241
Abs. 3 StPO), nachdem die Ermittlungstätigkeit an einem Freitagmorgen zu Büro-
zeiten erfolgte und keinerlei unmittelbare Gefahr für Leib und Leben oder andere
schützenswerte Rechtsgüter bestand. Ebenso wenig ist eine zeitnahe Verständi-
gung der Untersuchungsbehörde aktenkundig. Die Durchsuchung erfolgte somit
zwar aufgrund einer verdächtigen Situation, aber ohne hinreichenden Tatverdacht
auf ein Vermögensdelikt und ohne den erforderlichen Hausdurchsuchungsbefehl,
mithin unter Verletzung einer einfachen Gültigkeitsvorschrift im Sinne von Art. 141
Abs. 2 StPO), weshalb die daraus erlangten Beweise grundsätzlich nicht verwert-
bar sind.
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2.2. Die Strafprozessordnung enthält Bestimmungen zu den verbotenen
Beweiserhebungen (Art. 140 StPO) und zur Verwertbarkeit rechtswidrig erlangter
Beweise durch die Strafbehörden (Art. 141 StPO).
2.3. Art. 141 Abs. 2 StPO zufolge dürfen Beweise, die Strafbehörden in
strafbarer Weise oder unter Verletzung von Gültigkeitsvorschriften erhoben ha-
ben, nicht verwertet werden, es sei denn, ihre Verwertung sei zur Aufklärung
schwerer Straftaten unerlässlich. Die Verwertung ist damit ausnahmsweise zuläs-
sig, wenn dies zur Aufklärung einer schweren Straftat unerlässlich ist
(BGE 146 IV 226 E. 2; Urteil des Bundesgerichts 6B_902/2019 vom 8. Januar
2020 E. 1.2). Als schwere Straftaten im Sinne des Gesetzes kommen vorab Ver-
brechen in Betracht (BGE 146 I 11 E. 4.2; BGE 137 I 218 E. 2.3.5.2; Wohlers, in:
Zürcher Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 3. Auflage 2020,
N 29 zu Art. 141 StPO). Je schwerer die zu beurteilende Straftat ist, umso eher
überwiegt das öffentliche Interesse an der Wahrheitsfindung das private Interesse
der beschuldigten Person an der Unverwertbarkeit des fraglichen Beweises
(BGE 147 IV 9).
2.3.1. Der Gesetzgeber verzichtete darauf, schwere Straftaten im Sinne von
Art. 141 Abs. 2 StPO zu definieren. Das Bundesgericht klärte bisher nicht ab-
schliessend, was generell unter diesem Begriff zu verstehen ist (vgl. Urteil
6B_287/2016 vom 13. Februar 2017 E. 2.4.4). Auch in der Lehre finden sich keine
Vorschläge für eine Definition, und die Ansichten gehen auseinander. Einige Au-
toren nehmen an, dass ausschliesslich mit Freiheitsstrafe bedrohte Tatbestände
schwere Straftaten seien (vgl. z.B. Wohlers, a.a.O.). Demnach kämen Vergehen
von vornherein nicht in Betracht und lediglich Verbrechen, die nicht zusätzlich mit
Geldstrafe bedroht werden, stellten schwere Straftaten dar. Auch die Ansicht, es
kämen nur Extremfälle oder Straftaten mit hoher Mindeststrafe in Betracht, wird
vertreten (Pieth, Schweizerisches Strafprozessrecht, 3. Auflage 2016, S. 195).
Laut anderen Lehrmeinungen seien schwere Straftaten einzig solche, die in ge-
wissen Deliktskatalogen der Strafprozessordnung genannt werden.
2.3.2. Ein auf der abstrakten Höchststrafe basierender Ansatz überzeugt laut
bundesgerichtlicher Rechtsprechung deshalb nicht, weil der Gesetzgeber in
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Art. 141 Abs. 2 StPO explizit den Begriff schwere Straftaten und nicht wie in zahl-
reichen weiteren Bestimmungen der Strafprozessordnung die in Art. 10 StGB an-
hand der angedrohten Höchststrafe bestimmten Begriffe Verbrechen oder Verge-
hen verwendet. Auch einen Deliktskatalog sah der Gesetzgeber in Art. 141 StPO
im Gegensatz zu anderen Bestimmungen der StPO (z.B. Art. 168 Abs. 4 lit. a
StPO, Art. 172 Abs. 2 lit. b StPO, Art. 269 Abs. 2 StPO oder Art. 286 Abs. 2 StPO)
nicht vor. Überzeugender sei die Lehrmeinung, wonach nicht generell gewisse
Tatbestände und deren abstrakte Strafandrohungen, sondern die gesamten Um-
stände des konkreten Falles zu berücksichtigen seien. Ein Abstellen auf abstrakt
angedrohte Strafen oder abschliessende Deliktskataloge könnten die Prüfung der
Verwertbarkeit von Beweismitteln erleichtern. Eine solche vom Gesetzgeber nicht
beabsichtigte und starre Entscheidfindung würde jedoch dazu führen, dass im
Einzelfall leichte Verbrechen anders behandelt würden als schwerwiegende Ver-
gehen, obwohl die konkrete Strafe für Letztere um ein Vielfaches höher ausfallen
könne. Dies stünde im Widerspruch mit dem vom Gesetzgeber gewollten Grund-
satz der Individualisierung und dem weiten Ermessensspielraum des Sachge-
richts bei der Strafzumessung (vgl. BGE 141 IV 61 E. 6.3.2; BGE 135 IV 191
E. 3.1), anlässlich welcher die Schwere der Tat zu bewerten ist. Das Sachgericht
müsse den konkreten Umständen Rechnung tragen können. Entscheidend sei
deshalb nicht das abstrakt angedrohte Strafmass, sondern die Schwere der kon-
kreten Tat. Dabei könne auf Kriterien wie das geschützte Rechtsgut, das Aus-
mass von dessen Gefährdung resp. Verletzung, die Vorgehensweise und krimi-
nelle Energie des Täters oder das Tatmotiv abgestellt werden (BGE 147 IV 9
E. 1.4.2).
2.4. Für die Beurteilung der Schwere der Straftat ist als Ausgangslage den-
noch zunächst der abstrakte Strafrahmen zu bestimmen. Die vom Beschuldigten
A._ anerkannten drei Einbruchdiebstähle in ein Einfamilienhaus in J._
ZH und zwei weitere in K._, samt Sachbeschädigung und Hausfriedens-
bruch, beging er zumindest mit einem weiteren Mittäter, dem Mitbeschuldigten
H._ (SB210158), sodass in jedem Fall der qualifizierte Tatbestand der Ban-
denmässigkeit erfüllt ist (BGE 124 IV 86 E. 2b; Niggli/Riedo, in: Basler Kommen-
tar Strafrecht II, 4. Auflage 2019, N 118 ff., insbes. N 123 zu Art. 139 StGB),
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selbst wenn mit der Mitbeschuldigten G._ (sep. Verfahren SB210159), da-
mals Lebenspartnerin des Beschuldigten A._, inzwischen Mutter eines ge-
meinsamen, wenige Monate alten Kindes (Urk. 56 S. 2), nicht auch noch eine wei-
tere Person daran beteiligt gewesen wäre (vgl. nachfolgend, Erw. III.3.3. ff. und
IV.3.1.). Beim Tatbestand des bandenmässigen Diebstahls umfasst der abstrakte
Strafrahmen Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren (Art. 139
Ziff. 3 StGB). Bei diesem Delikt handelt es sich mithin um ein Verbrechen mit ei-
ner Mindeststrafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe, sofern nicht Strafmilde-
rungsgründe zum Öffnen des Strafrahmens nach unten führen. Solche sind beim
Beschuldigten indessen nicht gegeben. Das abstrakt angedrohte Strafmass stellt
für sich alleine zumindest einen klaren Hinweis auf eine im Sinne von Art. 141
Abs. 2 StGB schwere Straftat dar, zumal bereits der Gesetzgeber für diese quali-
fizierte Delinquenz eine Mindeststrafe von sechs Monaten Freiheitsstrafe verlangt.
2.5. Alsdann ist die Schwere der konkreten Straftat anhand der Umstände,
insbesondere der verletzten Rechtsgüter, des Ausmasses der Verletzung dersel-
ben eingehender zu würdigen. Als konkrete Umstände fallen weiter der Grund
und die Dauer des Aufenthaltes des Beschuldigten und der beiden Mitbeschuldig-
ten, der Organisationsgrad, die Ausrüstung, die kriminelle Energie und das Tat-
motiv, in Betracht.
2.5.1. Die drei Mitbeschuldigten H._, A._ und G._ waren am
Samstag, 8. Februar 2020, als Touristen gemeinsam mit dem Personenwagen
der Marke Audi A5 Coupé, Kontrollschild ... (vgl. Urk. 5/1 S. 1; Urk. 5/2), des Be-
schuldigten A._ von Bregenz herkommend in die Schweiz eingereist, wie be-
reits die Vorinstanz zutreffend erwogen hat (Urk. 45 S. 15 ff.). Dabei waren sie
laut Quittung an diesem Tag um 21:22 Uhr in der Autobahnraststätte L._, ...
[Adresse], erstmals in Erscheinung getreten (Erwerb einer Vignette; Urk. 1/1/9
S. 7, Urk. 1/1/14 Beleg Nr. 6). Laut Hotelbeleg übernachteten sie auf den 9. Feb-
ruar 2020 ein erstes Mal am späteren Verhaftsort, Apartments M._ AG, ...
Zürich. Vom 9. Februar 2020, 13:36 Uhr, existiert ein Bild am Bootshafen
N._, ... [Adresse], aus der Kamera und dem Handy des Mitbeschuldigten
H._ (Urk. 5/2 S. 4; Urk. 1/3/7 S. 3). Ihre weiteren Aufenthaltsorte bis zum 12.
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Februar 2020 blieben unbekannt. Auf den 13. Februar 2020 übernachteten sie an
der ... [Adresse], K._, im Hotel O._ (Urk. 1/1/10 S. 5 u.). Bis zu ihrer
Festnahme am Freitag, 14. Februar 2020, 08.45 Uhr, im Apartment der Apart-
ments M._ AG, Zimmer EG 1, ... [Adresse], ... Zürich, hielten sie sich mithin
gemeinsam in der Schweiz auf, wobei sie angeblich zunächst nach N._,
dann nach K._ und dann nach Zürich gegangen seien und dabei angeblich
nur in Hotels in Zürich und K._ übernachtet haben sollen (Urk. 1/1/9 S. 5 f.).
Ihre Aufenthaltsdauer bis zur Verhaftung betrug somit bloss sechs Tage. Die an-
klagegegenständlichen drei Einbruchdiebstähle wurden innert kürzester Zeit vom
12.–13. Februar 2020, abends in der Dämmerung, begangen (vgl. z.B. Urk. 1/3/7
S. 14) zwei in K._ (ND 1+2), deren Objekte bloss wenige hundert Meter aus-
einanderlagen (vgl. google maps), und am 13. Februar 2020 jenen in J._ ZH
(ND 3). Dabei stand den Beschuldigten besagter Personenwagen zur Verfügung
(Urk. 1/1/9 S. 7 f.). In diesem Fahrzeug wurde u.a. mutmassliches Einbruchs-
werkzeug, wie 1 Stirnlampe HEADLAMP (Türfach Fahrerseite), 1 Schraubenzie-
her mit schwarzem Griff, 5 mm (Türfach Fahrerseite), 1 Taschenlampe silber (Bei-
fahrerseite Türfach), 1 Schraubenzieher mit rotem Griff, 4 mm (Beifahrerseite
Türfach), und Handschuhe, sichergestellt (Urk. 1/5/2 S. 1 ff.).
2.5.2. Als wenig aufschlussreich erweisen sich die Angaben des Mitbeschul-
digten H._ und der beiden Mitbeschuldigten A._ und G._ zum
Grund ihrer Einreise in die Schweiz, zumal deren Angaben ganz erheblich vonei-
nander abweichen. Während der Mitbeschuldigte H._ jeweils erklärte, sie alle
drei seien zur Arbeitssuche in die Schweiz gekommen (Urk. 1/3/4 S. 2 u.;
Urk. 1/3/6 S. 2; Urk. 1/3/7 S. 4), gab die Mitbeschuldigte G._ zu Protokoll,
dass sie ferienhalber in die Schweiz gereist seien (Urk. 1/3/1 S. 2 und S. 4;
Urk. 1/3/3 S. 3; Urk. 1/3/4 S. 1; Urk. 1/2/4 S. 11; 58/3 S. 3), und auch der Be-
schuldigte A._ machte anlässlich seiner ersten polizeilichen Befragung gel-
tend, in der Schweiz in den Ferien zu sein, wollte gleichzeitig zur Frage, seit wann
er in der Schweiz sei, bezeichnenderweise aber nichts sagen (Urk. 1/2/1 S. 1 f).
Wäre der Mitbeschuldigte H._ tatsächlich zur Arbeitssuche, der Beschuldigte
A._ und die Mitbeschuldigten G._ dagegen bloss ferienhalber in die
Schweiz gekommen, würde bereits nicht einleuchten, weshalb sie gemeinsam in
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einem Fahrzeug unterwegs waren und der Beschuldigte H._ zwei Begleiter
mit auf seine angebliche Arbeitssuche nahm, welche bloss vorübergehend hätten
Ferien machen wollen. Diese Darstellung der drei Mitbeschuldigten geht nicht auf.
Es kann nicht auf deren unglaubhafte Angaben abgestellt werden, zumal ja be-
reits am 4. und 5. Tag nach ihrer Einreise die drei Einbruchdiebstähle erfolgten,
obwohl bei ihnen keinerlei wirtschaftliche Bedrängnis oder Geldmangel herrschte.
2.5.3. Zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen gab der Beschuldigte
A._ an, in England zu leben, aber gerade in Rumänien in den Ferien gewe-
sen zu sein. Er habe in England eine Arbeitsbewilligung. Er mache das Manage-
ment und koordiniere Auslieferungen von Kurieren für Amazon. Sein monatliches
Einkommen betrage GBP 4'400.–. Er habe die Firma P._ und zwei Angestell-
te. Er sei kein reicher Mensch, aber arbeite schon ca. sechs Jahre in England und
habe Geld auf der Bank. Schulden habe er nur für die Finanzierungen für den Lie-
ferwagen und das private Auto (Urk. 1/2/1 S. 1 f.; Urk. 1/2/5 S. 2 f.). Der Mitbe-
schuldigte H._ gab u.a. an, er reise nicht mit Bargeld. Er habe seine Kredit-
karten. Dabei stünden ihm EUR 3'000.– bis 4'000.– zur Verfügung (Urk. 1/3/7
S. 4). Seine gesamten Nettoeinkünfte betrügen 2'800.– bis 3'000.– englische
Pfund, Vermögen habe er keines, aber eine monatliche Ratenzahlungsverpflich-
tung von EUR 400.– (Urk. 1/3/8 S. 5). Die Mitbeschuldigte G._ gab zu Proto-
koll, sie habe in Q._ [Stadt in England] als Assistentin in einem Büro gearbei-
tet und dabei 910 GBP pro Woche verdient. Seit ca. drei Wochen arbeite sie nicht
mehr dort. Früher sei sie in R._ [Stadt in Rumänien] als Pharma-Assistentin
angestellt gewesen. Sie sei auch Lehrerin. Sie habe in Rumänien eine Wohnung,
die ihr gehöre, aber auf ihre Mutter laute. In England habe sie mit ihrem Freund
(gemeint der Beschuldigte A._) zusammengearbeitet (Urk. 1/3/1 S. 1 f.).
2.5.4. Die Einbruchsobjekte wurden, wenn auch angeblich spontan, so doch
offenkundig gezielt in wenig frequentierter, ruhiger Wohngegend auskundschaftet
und gewählt (vgl. z.B. Urk. 1/1/11 S. 4u.; Urk. 1/1/8 S. 5, Tatort). Es trifft zwar zu,
dass beim Eindringen in die drei Wohnhäuser keine Bewohner angetroffen und
durch die Beschuldigten tangiert wurden, wie die Verteidigung des Beschuldig-
ten A._ zutreffend geltend machte (vorstehend, Erw. II.2.). Auch wenn die
- 14 -
Objekte von aussen gerade verlassen gewirkt haben mögen, kommt dem den-
noch bloss etwas Zufälliges zu, da die Anwesenheit von Bewohnern auch in von
aussen verlassen scheinenden Häusern keineswegs ausgeschlossen ist.
2.5.5. Beim Einbruchdiebstahl in das Wohnhaus in J._ ZH wurde beim
Eindringen ein Sachschaden von ca. Fr. 500.– verursacht und beim Einbruch in
das Wohnhaus an der S._-strasse ..., K._, einen solchen von ca.
Fr. 1'000.–. Das Objekt an der T._-strasse ..., K._, wies einen unverrie-
gelten Kellerzugang auf, sodass zufällig kein Sachschaden entstand. Insgesamt
ist der Sachschaden aber nicht bloss minim. Dass dieser nicht höher ausfiel, ist
überdies nicht dem Zutun der Beschuldigten, zum Beispiel besonderer Vorsicht
oder Rücksichtnahme zuzurechnen, sondern vielmehr dem Zufall, dass im Innern
der Einbruchsobjekte keine weiteren Zugangshindernisse zu überwinden waren.
2.5.6. Der Beschuldigte A._ liess vor Vorinstanz geltendmachen, sie
hätten "keine besonders grosse Beute" erbeutet (Urk. 30 S. 6 oben). Somit geht
auch er davon aus, dass es sich um eine eher grosse, wenn auch nicht beson-
ders grosse Beute handelt. Aus der Fotodokumentation der Sichergestellungen
geht denn auch offenkundig hervor, dass deren Umfang ansehnlich ist (Urk. 1/5/3
S. 2 ff; Urk. 1/5/4; Urk. 29/1 S. 2–84) und u.a. diverse Schmuckstücke, Ringe
(teilweise Weissgold), Halsketten, Armbanduhren, Silberbestecke und zwei Sil-
berbarren, beinhaltet (Urk. 5/10–12 S. 1–90). Die Zuordnung der umfangreichen
Sicherstellungen auf die anklagegegenständlichen Vermögensdelikte und Ge-
schädigten gestaltete sich u.a. deshalb äusserst schwierig, da der Bewoh-
ner/Besitzer des Wohnhauses in J._ ZH bereits verstorben und das Ehepaar
des Wohnhauses S._-strasse ..., K._, bereits im Altersheim wohnhaft
war (Urk. 1/1 S. 4, Deliktsgut; Urk. 1/1/5 S. 3 f.; Urk. 1/1/6 S. 1 f.; Urk. 1/1/7 S. 5;
Urk. 1/1/13 S. 8 f.). Zwar könnte der grosse Umfang an Deliktsgut darauf hindeu-
ten, dass die Sicherstellungen teilweise auch aus anderen Delikten stammen
könnten. Indessen bestehen trotz umfangreicher Ermittlungen und dem Umstand,
dass der Aufenthaltsort der Beschuldigten im Zeitraum zwischen dem 9. Februar
2020, 13:36 Uhr, und dem 12. Februar 2020 nicht geklärt werden konnte (vgl.
- 15 -
vorstehend, Erw. II.2.5.1.), keinerlei Hinweise auf weitere Delikte durch die drei
Beschuldigten.
2.5.7. Soweit von der Verteidigung aus dem Umstand, dass die Einbruch-
diebstähle ohne Bewaffnung begangen wurden, auf eine mindere Tatschwere ge-
schlossen wird, ist dem entgegenzuhalten, dass der Tatbestand des bandenmäs-
sigen Diebstahls keinen Waffengebrauch voraussetzt. Zu gewärtigen ist einzig,
dass sich die begangenen Vermögensdelikte nicht auch gegen die Rechtsgüter
Leib und Leben richteten, was den Beschuldigten in der Anklageschrift aber auch
nicht zur Last gelegt wird. Die fremden Eigentums- und Vermögensrechte der Ge-
schädigten, als auch deren Hausrecht, wurde vom Beschuldigten gleichgültig
ganz massiv missachtet, wobei die mehrfache Tatbegehung bereits weitgehend
im qualifizierten Tatbestand aufgeht.
2.5.8. Die konkreten Umstände der Taten stellen sich somit zusammenge-
fasst wie folgt dar: Der Beschuldigte A._ ist gemeinsam mit zwei befreunde-
ten Personen am 8. Februar 2020 per Automobil in die Schweiz eingereist. Deren
für den Aufenthalt angegebenen Gründe (Erw. II.2.5.2.) waren widersprüchlich
und haben sich als unglaubhaft erwiesen. Bloss vier Tage nach ihrer Einreise er-
folgten die auf zwei Tage verteilten drei Einbruchdiebstähle in gezielt ausgesuchte
Wohnobjekte, in zwei völlig unterschiedlichen Regionen, aber jeweils in wenig
frequentierten, ruhigen Wohngegenden, abends in der Dämmerung. Einfache
Einbruchsutensilien, wie Taschenlampe und Schraubenzieher und Handschuhe,
waren in den Fächern der Fahrer- und Beifahrertüre des Fahrzeuges der mobilen
Täter vorhanden. Für einen Teil der bekannten Aufenthaltsdauer von sechs Ta-
gen konnte ihr Verbleib nicht ermittelt werden. Ihre Verhaftung vom 14. Februar
2020 setzte dem freien Aufenthalt ein Ende. Die Bekundung, man habe ohnehin
nicht weitermachen und nach Rumänien zurückkehren wollen, überzeugt ange-
sichts der widersprüchlichen Begründungen für den Aufenthalt (insbes. Arbeitssu-
che) nicht. Es bestand daher durchaus eine erhebliche Wahrscheinlichkeit und
Gefahr, dass sie bei unterbliebener Verhaftung weitere Wohnobjekte heimgesucht
hätten. Weder beim Beschuldigten A._ noch bei den Mitbeschuldigten
H._ und G._ bestanden eine wirtschaftliche Bedrängnis oder Geldman-
- 16 -
gel (vorstehend, Erw. II.2.5.3.). Es kommt daher einzig ein egoistisches Motiv in
Betracht. Der Beschuldigte kam somit gemeinsam mit mindestens einem Mittäter
(die Beweiswürdigung betreffend die Mitbeschuldigte G._ vgl. nachfolgend,
Erw. III.3. ff.) offenkundig als Kriminaltourist in die Schweiz, um zum Zwecke der
Geldbeschaffung Einbruchdiebstähle zu begehen. Zwar erweist sich der tatsäch-
lich verursachte Sachschaden als vergleichsweise klein, was jedoch vielmehr
dem Zufall als dem Zutun der Täter zuzurechnen ist, welche bei den konkreten
Einbruchsobjekten keine weiteren Zugangshindernisse angetroffen hatten. Auch
der tatsächlich verursachte Vermögensschaden ist, soweit bekannt und beziffer-
bar, überschaubar. Dies vermag indessen nicht darüber hinwegzutäuschen, dass
die Beschuldigten die Objekte gründlich nach Wertgegenständen durchsuchten,
um möglichst viel Beute zu machen und dabei auch grosse Unordnung anrichte-
ten (vgl. z.B. Urk. 1/1/11, S 3 f.: angetroffene Situation). Ferner wurde geltend
gemacht, die Taten seien völlig spontan erfolgt. Das konkrete Vorgehen und die
Umstände sprechen indessen für ein gezieltes und durchaus organisiertes Han-
deln, zumal die Objekte zuerst ausgekundschaftet werden mussten. Die Gesamt-
umstände sprechen denn auch für eine ansehnliche kriminelle Energie der Be-
schuldigten mit ihrem arbeitsteiligen Vorgehen (nachfolgend, Erw. III.1.;
Erw. III.3. ff., insbes. 3.4. und Erw. IV.3.1. f.).
2.6. Das Verbrechen der Beschuldigten als Kriminaltouristen ist daher ins-
gesamt als schwere Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO zu qualifizieren,
und das öffentliche Interesse an der Aufklärung dieser Tat ist höher einzustufen
als dasjenige der Beschuldigten an der rechtskonformen Durchführung der Haus-
durchsuchung resp. Unverwertbarkeit der dabei entdeckten Beweismittel in der
Form von Deliktsgut. Das Ergebnis der Durchsuchung der Räumlichkeiten, des
Rucksackes und Fahrzeuges, wie das darauf basierende spätere Geständnis,
sind daher uneingeschränkt verwertbar. Im von der Verteidigung des Beschuldig-
ten A._ angerufenen Vergleichsfall der I. Strafkammer des Obergerichts des
Kantons Zürich vom 2. Oktober 2020 (SB200073), in welchem eine schwere
Straftat im Sinne von Art. 141 Abs. 2 StPO verneint wurde, war demgegenüber
bloss ein einzelner Täter ohne Vorstrafen im Zusammenhang mit dem Vorwurf
des Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a
- 17 -
BetmG und ohne straferhöhend zu berücksichtigende Begleitvergehen zu beurtei-
len, wobei fraglich war, ob der Grenzwert von 18 Gramm reinem Kokain infolge
teilweisen Eigenkonsums jenes Beschuldigten überhaupt erreicht war
(SB200073/U S. 15 f.).
3. Für die Antragsdelikte der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbru-
ches liegen gültige Strafanträge aller Geschädigten vor, weshalb diese Prozess-
voraussetzung erfüllt ist (Urk. 2/2, Urk. 3/2; GG200011: Urk. 1/1/6).
III. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten A._ und den beiden Mitbeschuldigten H._
und G._ (sep. Verfahren SB210157; SB210159) werden in der Anklageschrift
vom 9. April 2020 die vorerwähnten drei Einbruchdiebstähle vom 12. und 13. Feb-
ruar 2020 in Wohnhäuser in J._ ZH und K._ als Bande zur Last gelegt.
Dabei sollen sie jeweils in die privaten Wohnhäuser der Geschädigten eingedrun-
gen sein, diese durchsucht und diverse Wertgegenstände und Vermögenswerte
behändigt haben, um diese für eigene Zwecke und Bedürfnisse zu verwenden.
Während die Beschuldigten A._ und H._ sich in den Wohnobjekten auf-
gehalten hätten, habe die Mitbeschuldigte G._ draussen, im nahe abgestell-
ten Fahrzeug Schmiere gestanden. Bei diesen Taten hätten die Beschuldigten
Sachschaden in der Höhe von mindestens Fr. 1'500.– und einen Vermögens-
schaden (soweit überhaupt bekannt und bestimmbar) von mindestens Fr. 8'450.–
verursacht (Urk. 11 S. 2 ff.).
2. Der Beschuldigte A._ machte anlässlich seiner ersten polizeilichen
Befragung vom 14. Februar 2020 sowie anlässlich der sehr kurzen untersu-
chungsrichterlichen Hafteinvernahme tags darauf im Beisein der amtlichen Ver-
teidigung zur Sache von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch
(Urk. 1/2/1 S. 2 f.; Urk. 1/2/3 S. 2 f.). Er räumte die Einbruchdiebstähle zusammen
mit dem Mitbeschuldigten H._, was seine eigenen Tatbeiträge anbelangt, an-
lässlich der staatsanwaltschaftlichen Konfrontationsschlusseinvernahme vom 9.
April 2020 auf Schlussvorhalt schliesslich ein; einzig den Bewegungsmelder habe
er nicht beschädigt (Urk. 1/2/4 S. 4, S. 6 f., insbes. S. 14 ff.). Vor Vorinstanz
- 18 -
machte er dann erneut vollumfänglich vom Aussageverweigerungsrecht Ge-
brauch (Prot. I S. 6; Urk. 58/2 S. 1 ff.). Das Geständnis des Beschuldigten
A._ stimmt mit dem Untersuchungs- und dem Beweisergebnis überein, wes-
halb der Anklagesachverhalt insoweit erstellt ist.
3. Dagegen bestritt der Beschuldigte A._ eine Tatbeteiligung der Mitbe-
schuldigten G._, indem er anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Konfronta-
tionsschlusseinvernahme vom 9. April 2020 geltend machte, dies alles zusammen
mit dem Mitbeschuldigten H._ gemacht zu haben. Die Mitbeschuldigte
G._ sei zuhause gewesen, also im Hotel. Um alsdann die Aussage von
H._ zunächst als wahr zu bestätigen, wonach es möglich sei, dass sie bei
dieser Tat (gemeint: T._-strasse ..., K._) im Auto gewesen sei, sie habe
nichts davon gewusst und habe mit dieser Tat nichts zu tun, um dann zwei Seiten
im Protokoll später geltend zu machen, er habe nicht recht zugehört und klarzu-
stellen, er sei sich ziemlich sicher, dass die Mitbeschuldigte G._ auch beim
erwähnten Einbruch nicht im Auto gewesen sei. Er habe vorhin nicht so gut auf-
gepasst. Er anerkenne den Vorhalt, ausser dass die Mitbeschuldigte G._ im
Auto dabei gewesen sein soll und dort Schmiere gestanden habe. Sie sei nicht
mit ihnen gewesen. Er könne keine unschuldige Person (gemeint: seine Partnerin
G._) beschuldigen (Urk. 1/2/4 S. 4, S. 7 f., S. 10 f., S. 14 f.). Bestritten blieb
somit die Beschädigung des Bewegungsmelders sowie die Tatbeteiligung der
Mitbeschuldigten G._, was anhand der Untersuchungsakten, der Aussagen
des Mitbeschuldigten H._ (Urk. 1/3/1/4–9; Urk. 58/1) und der Mitbeschuldig-
ten G._ (Urk. 1/3/1+1/3/2; Urk. 58/3) sowie der vor Gericht vorgebrachten
Argumente nach den allgemeingültigen Beweisregeln zu würdigen ist.
3.1. Die rechtstheoretischen Grundsätze der richterlichen Beweis- und Aus-
sagenwürdigung wurden im angefochtenen Urteil im Wesentlichen korrekt wie-
dergegeben und die Glaubwürdigkeit der drei Beschuldigten zutreffend gewürdigt.
Es kann darauf verwiesen werden (Urk. 45 S. 9 ff. und S. 14 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO), mit dem Hinweis, dass die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage, welche
durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird, ob die auf ein be-
stimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des Aus-
- 19 -
sagenden entspringen, weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung ist (vgl.
auch BGE 133 I 33 E. 4.3).
3.2. Bezüglich des heruntergeschlagenen Bewegungsmelders an der
S._-strasse ... in K._ erinnerte sich der Mitbeschuldigte H._ anläss-
lich seiner polizeilichen Befragung vom 11. März 2020 auf Nachfrage an diesen:
"Es war ein Sensor auch mit Licht daran". A._ (gemeint: der Beschuldigte
A._) habe das zerstört (act. D1/3/7 S. 5). Anlässlich der staatsanwaltschaftli-
chen Konfrontationseinvernahme vom 9. April 2020, meinte er in Anwesenheit
des Beschuldigten A._ dann, es sei möglich, dass dieser den Bewegungs-
melder von der Decke gerissen habe (Urk. 1/2/4 S. 6). Es ist nicht ersichtlich,
weshalb H._ seinen Kollegen damit zu Unrecht hätte belasten sollen, nach-
dem sich aus den Akten keinerlei gegenseitigen Schuldzuweisungen ergeben.
Seine Darstellung entspricht darüber hinaus auch der unbestrittenen Rollenvertei-
lung bei der Beschädigung der beiden Fenster in K._ und J._ ZH, wo-
nach der Beschuldigte A._ jeweils vor-ausschritt, während H._ daneben
noch aufpasste, bevor auch er sich ins Gebäudeinnere folgte. Die schlichte Be-
streitung der Sachbeschädigung ist daher wenig überzeugend, zumal der Be-
schuldigte auch nicht geltend machte, der Mitbeschuldigte H._ habe den
Bewegungsmelder heruntergeschlagen. Angesichts des anerkannten und erstell-
ten Vorgehens bei den Einbruchdiebstählen und der insgesamt glaubhaften
Sachverhaltsdarstellung von H._ ist es als erstellt zu erachten, dass der Be-
schuldigte neben der Beschädigung der beiden Fenster auch den Bewegungs-
melder heruntergeschlagen hat. Nachdem die Beschuldigten anerkanntermassen
als Bandenmitglieder arbeitsteilig in Mittäterschaft gehandelt haben, erweist es
sich letztlich ohnehin als unwesentlich, wer von ihnen den Bewegungsmelder
herunterschlug.
3.3. Dass auf die widersprüchlichen unglaubhaften Angaben der drei Mitbe-
schuldigten zum Grund ihres Aufenthaltes in der Schweiz nicht abgestellt werden
kann, wurde bereits erwogen (Erw. II.2.5.2.). Eine genauere Betrachtung der wei-
teren Aussagen der Mitbeschuldigten G._ ergibt, dass diese auch hinsichtlich
der einzelnen Aufenthaltsorte nicht die Wahrheit sagte, soweit sie dazu Angaben
- 20 -
machte. So verneinte sie die Frage, ob sie noch an weiteren Orten als in U._
ZH übernachtet hätten, wahrheitswidrig (Urk. 1/3/1 S. 3), obwohl sie vom 12. bis
13. Februar 2020 nachweislich ein Zimmer im Hotel O._ in K._ gebucht
hatten (Urk. 1/1/10, S. 4 u.; Urk. 1/3/4 S. 6). Auf entsprechenden Vorhalt meinte
sie dazu bloss, sich nicht daran zu erinnern (Urk. 1/3/1 S. 3). Dass dies in Über-
einstimmung mit der vorinstanzlichen Beweiswürdigung (Urk. 45 S. 16 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO) wiederum völlig unglaubhaft ist, nachdem die Befragung bloss einen
Tag nach dem betreffenden Aufenthalt stattfand, versteht sich von selbst. Hinzu-
kommt, dass die weiteren Aufenthaltsorte der drei Mitbeschuldigten zwischen
dem 9. Februar 2020, 13:36 Uhr (Foto am Bootshafen N._), bis zum
12. Februar 2020 (Übernachtung auf den 13. Februar 2020 im Hotel O._ in
K._), unbekannt blieben (vorstehend, Erw. II.2.5.1.), mithin weder die Mitbe-
schuldigte G._ noch die beiden anderen Mitbeschuldigten Angaben dazu
machten. Als nicht weniger unglaubhaft erweist sich die Beteuerung der Mitbe-
schuldigten G._, sie habe nach der gemeinsamen Einreise mit ihrem Freund
A._ und dessen Bekannten H._ am Abend des 8. Februars 2020 in der
Schweiz lediglich verschiedene Orte besucht und Ferien verbracht, während
H._ und A._ – von ihr angeblich völlig unbemerkt – alsbald in drei
Wohnhäuser einbrachen. Dass dieser Beteuerung keinen Glauben zu schenken
ist, ergibt sich ferner aus dem Umstand, dass bei der Verhaftung aus ihrem
Portemonnaie und aus ihrer roten Jacke diverse Schmuckstücke (Collier, Arm-
band, Halskette, alle goldgelb, Brosche, gold, Ohrschmuck, Damenuhr, Broschen,
diverse Fingerringe, teilweise weissgold, etc.) und zwei Silberbarren und damit ein
Teil der Beute bei ihr sichergestellt wurde (vgl. Urk. 1/5/5–8). Die zwei Silberbar-
ren befanden sich in ihrem Portemonnaie und stammen nachweislich aus dem
Einbruchdiebstahl an der T._-strasse ... in K._. Auf entsprechenden
Vorhalt anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Konfrontationseinvernahme vom
9. April 2020 meinte sie dazu lakonisch (Urk. 1/2/4 S. 8 ff.), sie wisse nicht, wie
diese Sachen in ihre Jacke gekommen seien. Möglicherweise könnten die ande-
ren beiden Beschuldigten auf diese Frage antworten. Sie habe nichts gewusst.
Sie sei nicht dabei gewesen. Sie sei im Hotel gewesen.
- 21 -
3.4. Weitere Hinweise für eine Beteiligung der Mitbeschuldigten G._ an
den Einbruchdiebstählen ergeben sich schliesslich durch die nachfolgend wieder-
gegebenen und gewürdigten Aussagen der Beschuldigten A._ und H._
zur Frage einer Beteiligung von G._, wobei der Beschuldigte A._ zur
Sache weitgehend, vor Vorinstanz gänzlich, vom Aussageverweigerungsrecht
Gebrauch machte (Urk. 1/3/4 S. 2 f.; Urk. 1/3/6 S. 2; Urk. 64/2). Soweit er Aussa-
gen zur Beteiligung seiner Lebenspartnerin machte, wurden diese bereits wieder-
gegeben (Erw. III.3.). Seine offenkundigen Entlastungsversuche der Mitbeschul-
digten G._ fallen durch ein unstetes widersprüchliches Aussageverhalten auf
und sind wenig überzeugend.
3.4.1. Der Mitbeschuldigte H._ führte anlässlich seiner ersten polizeili-
chen Befragung am Verhaftstag auf die Frage, ob die Frau nicht beteiligt gewesen
sei, zunächst aus: "Nein. Sie hat damit nichts zu tun." Auf den Vorhalt, wonach
bei der Verhaftung in deren Jacke ein Säcklein mit Goldschmuck gefunden wor-
den sei, meinte er, deren Ehemann A._ (gemeint: der Beschuldigte A._)
habe ihr dies gegeben. Die hätten gemeinsames Gepäck gehabt (Urk. 1/3/4 S. 4).
Und auf die Frage, ob die Frau von A._ jeweils auch mit dabei gewesen sei,
als sie eingebrochen hätten, gab er unmissverständlich und vorbehaltlos zu Pro-
tokoll: "Sie war im Auto mit dabei. Sie ist jeweils im Auto zurückgeblieben." Und
auf weitere Frage, ob sie gewusst habe, dass sie beide einbrechen: "Ja. Sie
wusste das." (Urk. 1/3/4 S. 5). Auch anlässlich der tags darauf durchgeführten
staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme gab er erneut zu Protokoll: "Sie blieb
immer im Auto." (Urk. 1/3/6 S. 3). Als er am 11. März 2020 polizeilich zum Ein-
bruchdiebstahl an der S._-strasse ... in K._ befragt wurde, erklärte er
dann plötzlich abweichend zu seinen früheren Aussagen, die Mitbeschuldigte
G._ sei zu diesem Zeitpunkt im Hotel gewesen. Und auf die Frage, was sie
von diesem Einbruch gewusst habe, sagte er: "Nichts." (Urk. 1/3/7 S. 5). Zum
Einbruchdiebstahl in das Wohnhaus an der T._-strasse ... in K._ ge-
fragt, ob der Mitbeschuldigten G._ erzählt worden sei, was er und A._
(Beschuldigter A._) dort gemacht hätten, antwortete er mit "Nein." (ebenda,
S. 6). Sie habe es herausgefunden, aber nicht genau gewusst, was sie gemacht
hätten. Sie habe es erst später herausgefunden, nachdem es schon passiert sei.
- 22 -
Die Mitbeschuldigte G._ habe sie demnach nicht davon abhalten können
(ebenda, S. 7).
3.4.2. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Konfrontationseinvernahme
vom 9. April 2020 erklärte der Mitbeschuldigte H._ zum Einbruchdiebstahl in
J._ ZH befragt, die Mitbeschuldigte G._ sei nicht mit ihnen dabei gewe-
sen, während diese selbst weinend beklagte, seit zwei Monaten zu Unrecht be-
schuldigt zu werden, obwohl sie nichts gemacht habe (Urk. 1/2/4 S. 4). Auch be-
züglich des Einbruchdiebstahls an der S._-strasse ... in K._ gab der
Mitbeschuldigte H._ nun im Widerspruch zu seinen ersten polizeilichen Aus-
sagen, wonach sie immer im Auto dabei gewesen sei (Urk. 1/2/1 S. 5; Urk. 1/2/3
S. 3), zu Protokoll, diese sei im Hotel gewesen. Sie sei nicht mit ihnen gewesen
(Urk. 1/3/7 S. 5). Auf Vorhalt seiner früheren Belastung relativierte er alsdann er-
neut abweichend, sie sei zwar bei einer Tat im Auto gewesen, habe aber nicht
gewusst, was sie machten. Bei einer Tat sei sie im Hotel gewesen. Sie sei nicht
immer dabei gewesen. Sie habe auch im Hotel gewartet. Erst später habe sie es
gewusst, weil sie das Deliktsgut gesehen habe (ebenda, S. 5 f.), was diese freilich
bestreitet. Und der Beschuldigte A._, Lebenspartner der Mitbeschuldigten
G._, gab auf entsprechende Frage zu Protokoll, sie sei zuhause gewesen,
also im Hotel (Urk. 1/2/4 S. 7 f.). Bezüglich des Einbruchdiebstahls an der
T._-strasse ... erklärte er, sie sei bei dieser Tat im Auto gewesen, habe aber
nichts gewusst und mit dieser Tat nichts zu tun (Urk. 1/2/8 S. 7 f.). Sie selbst
machte derweil erneut geltend, sie sei im Hotelzimmer gewesen. Sie sei von Zü-
rich nach K._ im Auto gewesen und dann ins Hotel gegangen. Sie habe bei
keinem Einbruch im Auto gewartet (ebenda, S. 8).
3.4.3. Vor Vorinstanz erklärte der Mitbeschuldigte H._ alsdann, er habe
von Anfang an gesagt, dass die Mitbeschuldigte G._ im Auto gewesen sei
(Urk. 58/1 S. 2), was von ihr freilich, wie erwähnt, kategorisch in Abrede gestellt
wird, dies auch vor Vorinstanz (Urk. 58/3). Sie sage es noch einmal. Sie habe die
Wertgegenstände nicht gesehen. Nur am Morgen, als die Polizei gekommen sei
(Urk. 58/3 S. 2). Demgegenüber erklärte der Mitbeschuldigte H._ vor Vo-
rinstanz weiter, er habe auch gesagt, dass sie nicht gewusst habe, was sie ge-
- 23 -
macht hätten. Nein, sie sei nicht bei allen drei Taten im Auto gewesen, sondern
bei einer Tat. Er könne sich nicht mehr genau erinnern, bei welcher Tat. Aber es
sei eine von zwei Taten, welche am selben Abend begangen worden seien. Ja, es
sei in K._ gewesen. Er könne aber nicht mehr sagen, um welche Tat es ge-
he. Er wisse, dass sie einmal im Auto gewesen sei. Er wisse nicht, wie es komme,
dass sie gestohlene Wertgegenstände in ihren Jackentaschen und im Portemon-
naie gehabt habe (Urk. 58/1 S. 2 f.).
3.4.4. Nachdem die beiden Einbruchdiebstähle in K._ örtlich bloss we-
nige hundert Meter auseinanderlagen und (auch laut wiederholten Angaben des
Mitbeschuldigten H._: Urk. 1/2/1 S. 4 f.; Urk. 1/2/4 S. 6; Urk. 33 S. 2) am sel-
ben Abend nach 18 Uhr verübt wurden, erweist sich dessen teilweiser Entlas-
tungsversuch, wonach die Mitbeschuldigte G._ bloss bei einem Einbruch-
diebstahl in K._ im Auto gewartet habe, ebenfalls als wenig glaubhaft, wes-
halb auch wegen der damit nicht in Einklang zu bringenden Darstellung von
G._ selbst nicht darauf abgestellt werden kann.
3.5. Bereits die Vorinstanz hat die widersprüchlichen Angaben des Mitbe-
schuldigten H._ zum Tatbeitrag der Mitbeschuldigten G._ mit überzeu-
gender Begründung zutreffend gewürdigt. Es kann vollumfänglich darauf verwie-
sen werden (Urk. 45 S. 17 ff., insbes. auch S. 24 ff.). Es fehlt an einer plausiblen
Erklärung dafür, weshalb er diese anlässlich seiner ersten beiden Befragungen zu
Unrecht der jeweiligen Anwesenheit im Auto hätte bezichtigen sollen. Dass er
seine möglicherweise etwas unbedachten anfänglichen Zugaben und Belastun-
gen später und insbesondere in der direkten Konfrontation mit der Mitbeschuldig-
ten G._ und mit deren Freund, dem Beschuldigten A._, zu relativieren
versuchte, leuchtet dagegen ein. Angesichts der bereits eingehend dargelegten
gesamten Tatumstände und der Umstände der gemeinsamen Einreise und des
knapp einwöchigen Aufenthaltes bis zur Verhaftung (vgl. Erw. II.2.5. ff., insbes.
2.5.8.), sowie des bei der Mitbeschuldigten G._ persönlich sichergestellten
Deliktsgutes, bestehen starke Hinweise auf eine Tatbeteiligung der Mitbeschuldig-
ten G._. Die Frage ist letztlich jedoch offenzulassen, da mit vorliegenden Ur-
teil nicht die Schuldfrage bezüglich der Mitbeschuldigten G._ zu klären ist.
- 24 -
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Staatsanwaltschaft hat das Verhalten des Beschuldigten A._ als
bandenmässiger Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 3 Abs. 2 StGB, als mehrfa-
che Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB und als mehrfachen
Hausfriedensbruch im Sinne von Art. 186 StGB gewürdigt (Urk. 11 S. 6). Die Vor-
instanz hat ihn in diesem Sinne schuldig gesprochen (Urk. 45 S. 33 und S. 47).
Der Beschuldigte verlangt mit seiner Berufung einen Freispruch infolge Unver-
wertbarkeit der Beweismittel. Die rechtliche Würdigung wurde nicht beanstandet.
Die Staatsanwaltschaft hat die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragt.
2. Sowohl der Beschuldigte A._ als auch der Mitbeschuldigte H._
hatten sich auf staatsanwaltschaftlichen Schlussvorhalt im Beisein ihrer Verteidi-
gungen vorbehaltlos dieser Bestimmungen für schuldig erklärt (Urk. 1/2/8 S. 18).
Im vorin-stanzlichen Urteil wurden die gesetzlichen Bestimmungen der Tatbe-
stände des Diebstahls, der Sachbeschädigung und des Hausfriedensbruches
samt des qualifizierten Tatbestandsmerkmales der Bandenmässigkeit alsdann
korrekt wiedergegeben, zutreffend auf die betreffende Bundesgerichtspraxis und
Lehre hingewiesen und den erstellten Sachverhalt mit überzeugender Begrün-
dung unter die jeweiligen Gesetzesbestimmungen subsumiert (Urk. 45 S. 29 ff.).
Es kann vollumfänglich darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Es bleibt bloss nochmals hervorzuheben, dass gemäss erstelltem Sach-
verhalt Bandenmässigkeit nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung vorliegt,
wenn zwei oder mehrere Täter sich mit dem ausdrücklich oder konkludent geäus-
serten Willen zusammenfinden, inskünftig zur Verübung mehrerer selbständiger
oder im Einzelnen möglicherweise noch unbestimmter Straftaten zusammenzu-
wirken, wobei der ausdrücklich oder konkludent manifestierte Wille, im erwähnten
Sinne zusammenzuwirken, entscheidend ist (BGE 124 IV 86 E. 2b; Niggli/Riedo,
in: Basler Kommentar Strafrecht II, 4. Auflage 2019, N 118 ff. zu Art. 139 StGB).
3.1. Gemäss erstelltem Anklagesachverhalt führt bereits das eingestandene
arbeitsteilige Zusammenwirken der beiden Beschuldigten A._ und H._
- 25 -
zur Erfüllung des Qualifikationsmerkmals der Bandenmässigkeit, unabhängig da-
von, ob die Mitbeschuldigte G._ als Mittäterin zu qualifizieren ist oder nicht.
3.2. Die zwei Beschuldigten hatten sich mithin zusammengefunden, um in
dieser Konstellation Einbruchsdiebstähle zu verüben und sich dadurch unrecht-
mässig zu bereichern. Ihr arbeitsteiliges Vorgehen zeugt vom einem klassischen
bandenmässigen Handeln. Die Beschuldigten A._ und H._ haben sich
somit als Mitglieder einer Bande erwiesen, welche in dieser Zusammensetzung in
die Schweiz einreiste, um mittäterschaftlich Diebstähle zu begehen, womit sie
sich in objektiver und subjektiver Hinsicht des bandenmässigen Diebstahls im
Sinne von Art. 139 Ziff. 3 Abs. 2 StGB schuldig gemacht haben.
4. Durch das Einschlagen dieses Kellerfensters wurde ein Sachschaden von
ca. Fr. 500.– verursacht. Beim Einbruchsdiebstahl an der S._-strasse in
K._ brach der Beschuldigte A._ ein Fenster auf und schlug einen an der
Decke des Sitzplatzes der Liegenschaft angebrachten Bewegungsmelder herun-
ter. Dadurch verursachte er einen Sachschaden von insgesamt ca. Fr. 1'000.–.
Da die drei Einbruchsdiebstähle in Mittäterschaft begangen wurden, sind die not-
wendigen deliktischen Handlungen des Beschuldigten A._ (Begleitdelikte),
welche in direktem Zusammenhang mit den Einbruchsdiebstählen standen, auch
dem Mitbeschuldigten H._ zuzurechnen, als ob sie diese selbst begangen
hätten. Somit hat sich auch der Beschuldigte A._ der mehrfachen Sachbe-
schädigung schuldig gemacht.
5. Die Beschuldigten A._ und H._ betraten bei allen drei Einbruch-
diebstählen jeweils gegen den Willen der Inhaber des Hausrechts die Grundstü-
cke derselben und drangen in die jeweiligen Häuser ein, womit sie in objektiver
und subjektiver Hinsicht den Tatbestand des Hausfriedensbruchs erfüllt haben.
6. Da beim Beschuldigten A._ weder Rechtfertigungs- und Schuldaus-
schlussgründe gegeben sind, ist er anklagegemäss
− des bandenmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Ver-
bindung mit Art. 139 Ziff. 3 Abs. 2 StGB
- 26 -
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB so-
wie
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB
schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung
1. Die Staatsanwaltschaft beantragte mit ihrer Anklageschrift eine Bestra-
fung des Beschuldigten A._ mit einer – angesichts der vom Tatbestand be-
reits geforderten Mindeststrafe von 6 Monaten Freiheitsstrafe und einem oberen
ordentlichen Strafrahmen von 10 Jahren Freiheitsstrafe – tiefen Freiheitsstrafe
von 10 Monaten und erhob alsdann Anklage beim Einzelgericht (Urk. 11 S. 7),
welches noch einen Monat unter diese Strafe ging und den Beschuldigten
A._ mit 9 Monaten Freiheitsstrafe bestrafte (Urk. 45 S. 47). Nachdem der
Beschuldigte Berufung erhob, verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine An-
schlussberufung, beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und er-
klärte, sich am weiteren Verfahren nicht mehr aktiv zu beteiligen (Urk. 50). Da die
Staatsanwaltschaft kein Rechtsmittel ergriffen hat, ist daher das Verschlechte-
rungsverbot (Verbot der reformatio in peius) zu beachten und eine strengere Be-
strafung durch die Berufungsinstanz, obwohl angezeigt, von vorherein gesetzlich
verwehrt (Art. 391 Abs. 2 StPO). Der Beschuldigte beantragte einen Freispruch
(Urk. 46 S. 3).
2. Die rechtlichen Vorgaben und Kriterien der Strafzumessung mit der Un-
terscheidung von Tatkomponente und Täterkomponente wurden im vorinstanzli-
chen Urteil unter Hinweis auf Rechtsprechung und Lehre korrekt wiedergegeben
und der massgebliche Strafrahmen des schwersten Deliktes (bandenmässiger
Diebstahl) korrekt mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu 10 Jahren
(Art. 139 Ziff. 3 Abs. 1 und 2 StGB) abgesteckt (Urk. 45 S. 33 ff.). Dies braucht
nicht wiederholt zu werden.
3. Darüber hinaus hat das Bundesgericht die Grundsätze der Strafzumes-
sung nach Art. 47 ff. StGB und die an sie gestellten Begründungsanforderungen
- 27 -
wiederholt dargelegt (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff. S. 59 ff. mit Hinweisen). Entspre-
chendes gilt für die Bildung der Einsatz- und der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1
StGB in Anwendung des Asperationsprinzips (BGE 144 IV 313 E. 1.1 S. 316 ff.,
217 E. 2.2 und E. 3 S. 219 ff.; 141 IV 61 E. 6.1.2 S. 67 f.; je mit Hinweisen).
3.1. Die Bildung einer Gesamtstrafe ist nur bei gleichartigen Strafen mög-
lich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperations-
prinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden.
Mehrere gleichartige Strafen liegen vor, wenn das Gericht im konkreten Fall für
jeden einzelnen Normverstoss gleichartige Strafen ausfällen würde. Dass die
anzuwendenden Strafbestimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen,
genügt nicht (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2 S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122 f.).
3.2. Das Bundesgericht unterstreicht in seiner jüngeren Rechtsprechung
zudem, dass Art. 49 Abs. 1 StGB keine Ausnahme von der konkreten Methode
erlaubt. Es schliesst die Ausfällung einer Einheitsstrafe im Sinne einer Ge-
samtbetrachtung aus (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4 S. 235 f. mit Hinweisen). Diese
Rechtsprechung wurde wiederholt bestätigt (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2 S. 317 f.
und Urteile 6B_712/2018 vom 18. Dezember 2019 E. 3.1; 6B_1033/2019 vom
4. Dezember 2019 E. 5.2 und 5.3; 6B_166/2019 vom 6. August 2019 E. 3.2.4;
6B_409/2018 vom 7. Juni 2019 E. 2.3; 6B_884/2018 vom 5. Februar 2019
E. 1.2.2). Demnach sind auch vorliegend nach der "konkreten Methode" für
sämtliche Delikte gedanklich Einzelstrafen zu bilden. Indessen untersagt das
Verbot der reformatio in peius, für die beiden Vergehen Sachbeschädigung
und Hausfriedensbruch nunmehr zusätzlich kumulativ noch separate Geldstra-
fen auszufällen, obwohl dies angesichts der Tatschwere dieser beiden Delikte
und dem Umstand, dass die Geldstrafe die Regelsanktion darstelltl, angezeigt
wäre, jedoch – wie noch aufzuzeigen sein wird – für den bandenmässigen
Diebstahl allein eine Freiheitsstrafe von über 9 Monaten angemessen er-
scheint.
3.3. Als Strafschärfungsgründe sind Tatmehrheit (Sachbeschädigung und
Hausfriedensbruch) und mehrfache Tatbegehung bei diesen beiden Tatbeständen
gegeben. Strafmilderungsgründe liegen keine vor. Der ordentliche Strafrahmen ist
- 28 -
nur zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die
betreffende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart oder zu milde er-
scheint. Ein Verlassen des Strafrahmens kommt vorliegend nicht in Betracht. Die
Strafschärfungsgründe sind innerhalb des ordentlichen Strafrahmens straferhö-
hend zu gewichten.
4. Nachfolgend sind die Tatkomponenten des bandenmässigen Diebstahls,
der mehrfachen Sachbeschädigung und des mehrfachen Hausfriedensbruches zu
gewichten.
4.1. Bandenmässiger Diebstahl
4.1.1. Bei der objektiven Tatschwere des bandenmässigen Diebstahls ist zu
berücksichtigen, dass sich die drei Einbruchdiebstähle vom Tatvorgehen und den
Tatfolgen her kaum unterscheiden, zumal die genaue Höhe des in den einzelnen
Objekten verursachten Schadens von insgesamt mindestens Fr. 1'500.– und des
erbeuteten Deliktsgutes von – soweit überhaupt bekannt und bezifferbar – im Be-
trage von mindestens Fr. 8'450.–, zufällig ist, so auch der Umstand, dass die Kel-
lertüre des Wohnhauses T._-strasse ... in K._ unverschlossen war. Hät-
ten die Beschuldigten weitere Wertgegenstände vorgefunden, hätten sie diese mit
Sicherheit nicht zurückgelassen. Die Wohnobjekte hatten sie jeweils in ruhigen,
wenig frequentierten Wohngegenden auskundschaftet und alsdann zwar spontan,
aber dennoch gezielt und in zwei ganz unterschiedlichen Regionen (J._ ZH
und K._) ausgewählt, was doch von einiger krimineller Energie zeugt. Die
Beute ist insgesamt überschaubar. Verschuldenserhöhend ist indessen auch im
Rahmen des qualifizierten, d.h. bandenmässigen Diebstahls zu gewichten, dass
der Beschuldigte A._ gemeinsam mit dem Mitbeschuldigten H._ als
Kriminaltouristen in die Schweiz einreisten, um hier Einbruchdiebstähle zu bege-
hen. Dies zeugt von einem erheblichen kriminellen Engagement. Bereits am
4. und 5. Abend ihres Aufenthaltes begingen sie die anklagegegenständlichen
Delikte. Bereits am 6. Tag nach ihrer Einreise wurden sie verhaftet. Die delikti-
sche Tätigkeit der drei Beschuldigten bewegte sich damit nicht am untersten Ende
des Strafrahmens, wenngleich die Anzahl der nachgewiesenen drei Einbruchs-
diebstähle verglichen mit anderen Fällen von bandenmässigem Diebstahl über-
- 29 -
schaubar ist. Ihr Handeln zeugt von einer Geringschätzung fremdem Eigentums.
Die objektive Schwere des bandenmässigen Diebstahls ist (im Rahmen des quali-
fizierten Tatbestandes) insgesamt aber als noch leicht einzustufen.
4.1.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass
die Beschuldigten A._ und H._ arbeitsteilig gezielt und damit direktvor-
sätzlich vorgingen. Dabei waren sie beim Durchsuchen der privaten Wohnräum-
lichkeiten der Geschädigten nicht auf spezifische Gegenstände fixiert, sondern
generell auf möglichst wertvollen Schmuck, Uhren, Silberbesteck und andere
Wertgegenstände, um sich mit diesen zu bereichern. Da bei ihnen keinerlei wirt-
schaftliche Bedrängnis oder Geldnot bestand, lagen ausschliesslich geldwerte
Motive vor. Sie wollten sich auf Kosten der Geschädigten unrechtmässig berei-
chern. Nachdem sie in England über regelmässige Erwerbseinkünfte verfügten,
wäre es ihnen ohne weiteres möglich gewesen, sich mit diesen legalen Mitteln zu
begnügen. Verschuldensmindernd zu berücksichtigende Faktoren liegen nicht
vor.
4.1.3. Es bleibt daher bei allen drei Einbruchdiebstählen bei einem im Rah-
men des qualifizierten Diebstahls (Bandenmässigkeit) insgesamt noch leichten
Verschulden. Für jeden der drei Diebstähle ist daher eine hypothetische Einsatz-
strafe von 7 Monaten auszufällen. Dem Asperationsprinzip Rechnung tragend, er-
scheint es angemessen, die Ersteinsatzstrafe von 7 Monaten für die beiden weite-
ren Diebstähle um je 4 Monate zu erhöhen. Für den bandenmässigen Diebstahl
ist daher gesamthaft betrachtet eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten auszufällen.
4.2. Mehrfache Sachbeschädigung
4.2.1. Bei der objektiven Tatschwere der Sachbeschädigung ist zu gewich-
ten, das diese mehrfach erfolgte, insgesamt aber keinen grossen Vermögens-
schaden verursachte, was allerdings nicht in erster Linie den Beschuldigten zuzu-
rechnen ist, sondern eher dem zufälligen Umstand, dass sie innerhalb der Wohn-
objekte keine weiteren Zugangshindernisse zu überwinden hatten. Dies zeigt sich
exemplarisch beim Einbruch an der T._-strasse in K._, als sie sich Zu-
- 30 -
gang durch die unverschlossene Kellertüre verschafften, ohne Sachschaden an-
zurichten.
4.2.2. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist dem Umstand Rech-
nung zu tragen, dass die Verursachung von Schaden Mittel zum Zweck war. Das
Verursachen des Schadens war nicht ihr Handlungsziel. Sie nahmen einen sol-
chen aber in Kauf, um die Diebstähle begehen zu können. Bezüglich der Beweg-
gründe kann auf das beim bandenmässigen Diebstahl Erwogene verwiesen wer-
den. Dennoch gingen sie insofern gezielt und damit vorsätzlich vor, als sie teils
unter Verwendung von einfacherem Werkzeug (Schraubenzieher) vorgingen.
4.2.3. Das Verschulden bei den mehrfachen Sachbeschädigungen ist daher
insgesamt als leicht einzustufen. Dem Umstand Rechnung tragend, dass es sich
dabei um ein Begleitdelikt handelte, rechtfertigt dies eine hypothetische Einsatz-
strafe in der Grössenordnung von maximal 30 Tagessätzen Geldstrafe.
4.3. Mehrfacher Hausfriedensbruch
4.3.1. Bezüglich der objektiven Tatschwere beim Hausfriedensbruch ist wie-
derum zu gewichten, dass dieser mehrfach, d.h. in drei private Wohnobjekte er-
folgte. Dabei nahmen die Beschuldigten keinerlei Rücksicht und betraten gegen
den Willen der Geschädigten nicht nur deren Grundstücke, sondern im Hausin-
nern auch die privaten Wohnräume für so lange Zeit, wie sie für das Durchforsten
der Räume und Möbel nach Wertgegenständen benötigten, nicht länger, d.h. nicht
allzu lange. Die Privatsphäre und das Sicherheitsgefühl wurden durch das Vorge-
hen der Beschuldigten jedoch erheblich beeinträchtigt.
4.3.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist direktvorsätzliches Han-
deln und Geringschätzung von fremdem Hausrecht zu berücksichtigen. Bezüglich
der Beweggründe kann wiederum auf das beim bandenmässigen Diebstahl Er-
wogene verwiesen werden.
4.3.3. Das Verschulden erweist sich als nicht mehr leicht, auch wenn es sich
um ein Begleitdelikt zum bandenmässigen Diebstahl handelt. Einzeln betrachtet
wären für die drei Hausfriedensbrüche Einsatzstrafen von je 120 Tagessätzen
- 31 -
Geldstrafe angemessen. Unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips wäre
daher für die Hausfriedensbrüche allein eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen
Geldstrafe auszufällen.
4.4. Nach dem Erwogenen wäre neben einer Freiheitsstrafe von 15 Monaten
für den bandenmässigen Diebstahl zusätzlich die maximal mögliche Geldstrafe
von 180 Tagessätzen für die Begleitdelikte auszufällen (vgl. dazu aber nachfol-
gend Erw. V.6.).
5. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (Heimgartner, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder, StGB
Kommentar, 20. Auflage, Zürich 2018, N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
5.1. Über den Beschuldigten A._ ist bekannt, dass er am tt. August
1989 in der Stadt V._ im Kreis W._, Rumänien, geboren und aufge-
wachsen ist. Er habe die obligatorische Schule und anschliessend das Gymnasi-
um besucht. Seit ca. einem Jahr habe er mit seiner Partnerin, der Mitbeschuldig-
ten G._, zusammen in England gelebt. Inzwischen hätten sie ein wenige Mo-
nate altes Kind. Seine Eltern seien schon seit seiner Kindheit geschieden und
seine zwei Brüder lebten in England. Zu seinen wirtschaftlichen Verhältnissen gab
er an, in England zu leben, aber gerade in Rumänien in den Ferien gewesen zu
sein. Er habe in England eine Arbeitsbewilligung. Er mache das Management und
koordiniere Auslieferungen von Kurieren für Amazon. Sein monatliches Einkom-
men betrage GBP 4'400.–. Er habe die Firma P._ und zwei Angestellte. Er
sei kein reicher Mensch, aber arbeite schon ca. sechs Jahre in England und habe
Geld auf der Bank. Schulden habe er nur für die Finanzierungen für den Liefer-
wagen und das private Auto (Urk. 1/2/1 S. 1 f.; Urk. 1/2/5 S. 2 f.).
- 32 -
5.2. Aus seiner Biographie und den persönlichen Verhältnissen des Be-
schuldigten A._ ergeben sich weder straferhöhende noch strafmindernde
Faktoren.
5.3. Der Beschuldigte A._ hat weder in der Schweiz, in Deutschland
und Italien, noch in Rumänien Vorstrafen (Urk. 1/10/1-4). Auch daraus lässt sich
keine strafmassrelevante Wirkung ableiten, da Vorstrafenlosigkeit neutral zu wer-
ten ist (BGE 136 IV 1).
5.4. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und
im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhal-
ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue
wirken strafmindernd. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse
können eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202
E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon ab, in
welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis erfolgte. Ein Geständnis kann
bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung somit zu-
gunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht und
Reue ist.
5.4.1. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrän-
gen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich
weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfäl-
lung des erstinstanzlichen Urteils gestand (Urteil des Bundesgerichts
6B_426/2010 vom 22. Juli 2010 E. 1.5). In der Nichtanfechtung von Schuldsprü-
chen kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kein Geständnis erblickt
werden, welches eine Strafreduktion rechtfertigen würde (Urteil des Bundesge-
richts 6B_24/2012 vom 19. April 2012 E. 2.4.4). Entsprechendes gilt, wenn Ne-
benpunkte, wie die Verpflichtung zu Schadenersatzzahlungen, im Berufungsver-
fahren anerkannt werden. Zudem hat der Täter mit der blossen Anerkennung des
Schadens noch keine besonderen Einschränkungen aufsichgenommen und kei-
nen greifbaren Beweis seiner Reue erbracht (vgl. Art. 48 lit. d StGB; Urteile des
Bundesgerichts 6B_853/2013 vom 20. November 2014 E. 2.4.7 und 6B_680/2012
vom 11. Januar 2013 E. 2.1).
- 33 -
5.4.2. Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgesprochen posi-
tives Nachtatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem Drittel führen
kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an
und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach
Vorlage entsprechender Beweise oder gar erst nach Ergehen eines erstinstanzli-
chen Schuldspruches. Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Untersuchung
dazu, wenn beispielsweise aufgrund des Verhaltens eines Beschuldigten weitere
Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden können, was
ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich ge-
hört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn all diese Faktoren er-
füllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Fehlen einzelne
Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern (WIPRÄCHTI-
GER/KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Auflage 2019, N 169 ff. zu
Art. 47 StGB).
5.4.3. Der Beschuldigte A._ hat ausser in der staatsanwaltschaftlichen
Konfrontationsschlusseinvernahme vom 9. April 2020 zur Sache im Wesentlichen
stets, so auch vor Vorinstanz, vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch ge-
macht. Dies gereicht ihm nicht zum Nachteil, berechtigt aber auch nicht zu einer
Strafminderung. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Konfrontationsschluss-
einvernahme legte er dagegen ein weitgehendes, wenn auch nicht vollständiges
Geständnis ab, welches er weder vor Vorinstanz noch im Berufungsverfahren re-
lativierte oder widerrief. Bezüglich der ihn betreffenden Tathandlungen hat er ein-
zig das Herunterreissen des Bewegungsmelders bestritten. Dies berechtigt zu ei-
ner namhaften, wenn auch nicht gleich grossen Strafreduktion wie beim Mitbe-
schuldigten H._, der von allem Anfang an vollumfänglich geständig war. Ins-
gesamt ist beim Beschuldigten A._ somit eine Strafminderung von rund ei-
nem Viertel zu gewähren.
6. Die hypothetische Einsatzstrafe von 15 Monaten Freiheitsstrafe ist auf-
grund des positiven Nachtatverhaltens somit auf rund 11 Monate Freiheitsstrafe
und die Geldstrafe auf rund 140 Tagessätze zu reduzieren. Nachdem indessen
das Verschlechterungsverbot zu berücksichtigen ist, hat es ohnehin bei der vor-
- 34 -
instanzlich verhängten Freiheitsstrafe von 9 Monaten zu bleiben. Daran ist die er-
standene Untersuchungshaft von 111 Tagen anzurechnen (Art. 51 StGB).
VI.Vollzug
1. Nachdem die Vorinstanz den Vollzug der Freiheitsstrafe aufgeschoben
hat, hat es aufgrund des zu beachtenden Verschlechterungsverbotes (Art. 391
Abs. 2 StPO) damit sein Bewenden.
2. Die vom Vorderrichter verhängte Probezeit von 2 Jahren ist angesichts
der unbelasteten strafrechtlichen Biographie des Beschuldigten A._ zu be-
stätigen. Eine längere Probezeit käme aufgrund des zu beachtenden Verschlech-
terungsverbotes ohnehin nicht in Betracht.
VII. Landesverweisung
1. Die Staatsanwalt beantragte mit ihrer Anklage die Ausfällung einer Lan-
desverweisung von 7 Jahren (Urk. 11 S. 7). Der Vorderrichter verhängte eine sol-
che mit einer Minimaldauer von 5 Jahren. Nachdem die Staatsanwaltschaft auch
dagegen kein Rechtsmittel erhoben hat, ist wiederum das Verschlechterungsver-
bot zu beachten und eine allenfalls angezeigte längere Landesverweisung von
vornherein gesetzlich ausgeschlossen (Art. 391 Abs. 2 StPO). Mit seiner Beru-
fungserklärung beantragt der Beschuldigte, es sei keine Landesverweisung anzu-
ordnen (Urk. 46 S. 3).
2. Wird ein Ausländer des bandenmässigen Diebstahls (Art. 139 Ziff. 3
Abs. 2 StGB) schuldig gesprochen, so verweist ihn das urteilende Gericht gemäss
Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB (Katalogtat) unabhängig von der Höhe der Strafe obli-
gatorisch für 5 bis 15 Jahre aus der Schweiz. Das Gericht kann ausnahmsweise
von einer Landesverweisung absehen, wenn diese für den Ausländer einen
schweren persönlichen Härtefall bewirken würde und die öffentlichen Interessen
an der Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am
Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von
Ausländern Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen
- 35 -
sind (Art. 66a Abs. 2 StGB). Im Bereich der obligatorischen Landesverweisung
(Art. 66a StGB) steht dem Richter somit nur ein sehr beschränkter Ermessens-
spielraum offen. Die Anwendung der Härtefallklausel soll nach dem ausdrückli-
chen Willen des Gesetzgebers auf Ausnahmefälle beschränkt bleiben, in denen
die Landesverweisung in krasser Weise unverhältnismässig wäre. Zu denken ist
etwa an Ausländer, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind oder sich
seit Jahrzehnten im Lande aufhalten, kaum noch Beziehungen zu ihrer Heimat
haben und sich dort nicht mehr zurechtfinden würden. Erst wenn feststeht, dass
die Landesverweisung einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde, ist
in einem zweiten Schritt das private Interesse an einem Verbleib in der Schweiz
dem öffentlichen Interesse an einem Verlassen der Schweiz gegenüberzustellen.
Resultiert daraus ein überwiegendes öffentliches Interesse, muss die Landesver-
weisung verhängt werden (BUSSLINGER/UEBERSAX, Härtefallklausel und migrati-
onsrechtliche Auswirkungen der Landesverweisung, plädoyer 5/16, S. 102).
3. Bei der Prüfung, ob im konkreten Einzelfall ein schwerer persönlicher Här-
tefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vorliegt, sind insbesondere die folgenden
Aspekte zu berücksichtigen: Die Anwesenheitsdauer, die familiären Verhältnisse,
die Arbeits- und Ausbildungssituation, die Persönlichkeitsentwicklung, der Grad
der Integration und die Resozialisierungschancen. Bei sämtlichen Aspekten ist
der Fokus einerseits auf die Situation in der Schweiz und andererseits auf die Si-
tuation im Heimatland zu legen. Härtefallbegründende Aspekte müssen grund-
sätzlich den Betroffenen selbst treffen. Treten sie bei Dritten auf, sind sie nur
dann zu berücksichtigen, wenn sie sich zumindest indirekt auch auf den Betroffe-
nen auswirken. Ein schwerer persönlicher Härtefall ist dann anzunehmen, wenn
die Summe aller Schwierigkeiten den Betroffenen derart hart trifft, dass ein Ver-
lassen der Schweiz bei objektiver Betrachtung zu einem nicht hinnehmbaren Ein-
griff in seine Daseinsbedingungen führt. Ob ein schwerer persönlicher Härtefall
vorliegt, ist im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu eruieren (BUSSLINGER/
UEBERSAX, a.a.O., S. 101 f.). Alle gegen den Vollzug der Landesverweisung spre-
chenden Umstände (vgl. Art. 66d StGB) sind bereits im Rahmen der Härtefallprü-
fung zu beachten. Zudem sind die verfassungsrechtlichen und völkerrechtlichen
Bestimmungen einzuhalten (BUSSLINGER/UEBERSAX, a.a.O., S. 99).
- 36 -
4. Der Beschuldigte A._ kam zusammen mit den Mitbeschuldigten
H._ und G._ als Kriminaltourist in die Schweiz, um hier Einbruchdieb-
stähle zu begehen. Er ist rumänischer Staatsangehöriger mit Familie in seinem
Herkunftsland und Verwandten in England. Er verfügt über keinerlei familiäre, so-
ziale oder erwerbsbegründete Beziehungen zur Schweiz. Nach der Entlassung
aus der Untersuchungshaft begab er sich zurück in sein Heimatland, wo er sich
seither anscheinend zusammen mit der Mitbeschuldigten G._ aufhält und in-
zwischen mit ihr zusammen ein wenige Monate altes Kind habe. Die Ausfällung
einer Landesverweisung hat offenkundig keinen Härtefall für den Beschuldigten
zur Folge, weshalb die vorinstanzliche Anordnung zu bestätigen ist. Nachdem die
Vorinstanz eine Dauer von fünf Jahren festsetzte und die Staatanwaltschaft kein
Rechtsmittel dagegen erhoben hat, hat es dabei sein Bewenden, obwohl durch-
aus eine längere Dauer angezeigt wäre (Art. 391 Abs. 2 StPO).
5. Gemäss Art. 20 der Verordnung über den nationalen Teil des Schengener
Informationssystems (N-SIS) und das SIRENE-Büro (N-SIS-Verordnung vom
8. März 2013; SR 362.0) sind Gerichte dazu verpflichtet, im Falle der Anordnung
einer Landesverweisung auch über deren Ausdehnung auf den Schengen-Raum
und damit über deren Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) zu
entscheiden. Gemäss Art. 96 des Schengener Durchführungsübereinkommens ist
eine Landesverweisung für sog. Drittstaatenangehörige – damit sind Personen
gemeint, die keinem Mitgliedsstaat des Übereinkommens angehören – ohne Wei-
teres im SIS einzutragen, wenn diese auf einer Verurteilung wegen einer Straftat
beruht, welche mit einer Freiheitsstrafe von mindestens 1 Jahr bedroht ist, und
wenn die betroffene Person über kein Aufenthaltsrecht in einem anderen Mit-
gliedsstaat verfügt (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_572/2019 vom 8. April
2020, E. 3.2.2 ff., zur Publikation vorgesehen).
Da der Beschuldigte A._ als Staatsangehöriger von Rumänien einem
Mitgliedstaat des Übereinkommens angehört, hat eine Ausschreibung zu unter-
bleiben.
- 37 -
VIII. Zivilansprüche
1. Im angefochtenen Urteil wurden die rechtlichen Voraussetzungen für die
adhäsionsweise Geltendmachung von Zivilansprüchen korrekt aufgeführt (Urk. 45
S. 44 ff.), darauf kann verwiesen werden.
2. Die nachfolgenden Geschädigten haben sich als Privatkläger konstituiert
und adhäsionsweise Schadenersatzforderungen geltend gemacht. Die Privatklä-
gerin 1 (F._) stellte eine Schadenersatzforderung von Fr. 454.45 und ver-
langt eine Umtriebsentschädigung von Fr. 100.– (Urk. 1/8/4). Die Privatkläger 2
und 3 (B._ & C._) haben ihre Schadenersatzforderung nicht beziffert
(Urk. 20).
2.1. Die Privatklägerin 1 reichte zur Begründung ihrer Zivilansprüche eine
Rechnung ein, worin Aufwände für die Behebung der Einbruchsschäden geltend
gemacht werden (Urk. 1/8/4). Aus ihrer Eingabe geht indessen nicht hervor, ob
die Schadenssumme bereits von einer Versicherungsgesellschaft gedeckt wurde.
Diesfalls wären Schadensersatzansprüche an die Versicherung übergegangen.
Es ist daher illiquid, ob die Privatklägerin 1 zur Geltendmachung eines Schaden-
ersatzes aktivlegitimiert ist, weshalb sie mit ihren Zivilforderungen auf den Zivil-
weg zu verweisen ist, wobei vorzumerken ist, dass die drei Beschuldigten
A._, H._ und G._ gegenüber der Privatklägerin 1 dem Grundsatze
nach schadenersatzpflichtig sind.
2.2. Die Privatkläger 2 und 3 haben ihre Schadenersatzforderung weder be-
ziffert noch durch Unterlagen, wie Rechnungen etc., belegt. Sie sind daher infolge
Illiquidität der geltend gemachten Schadenspositionen auf den Weg des Zivilpro-
zesses zu verweisen, wobei vorzumerken ist, dass die drei Beschuldigten
A._, H._ und G._ gegenüber der Privatklägern 2 und 3 dem
Grundsatze nach schadenersatzpflichtig sind.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die vorinstanzliche Kostenauflage
(Dispositivziffer 12) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO, Art. 428 Abs. 3 StPO).
- 38 -
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen (Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der Ge-
bührenverordnung des Obergerichts). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens
tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428
Abs. 1 StPO). Da der Beschuldigte A._ mit seiner Berufung vollumfänglich
unterliegt und die Staatsanwaltschaft kein Rechtsmittel ergriffen hat, sind ihm die
gesamten Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtli-
chen Verteidigung, aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind un-
ter Vorbehalt des Rückforderungsrechts des Staates gegenüber dem Beschuldig-
ten A._ auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO).
3. Die amtliche Verteidigung macht für das Berufungsverfahren Aufwendung
in der Höhe von Fr. 3'396.46 geltend (Urk. 65). Diese erweisen sich als angemes-
sen, weshalb sie mit Fr. 3'396.45 zu entschädigen ist.