# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b935a988-f157-4c8d-8f9c-ce3e7e3d7e7f
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ ist am _1946 in O.1_ geboren. Er wuchs in O.1_ bei seinen Eltern auf. Nach einer Lehre zum Polymechaniker und zum Dachdecker liess er sich zum Betriebswirtschafter ausbilden. Er übernahm nach dem Tod seines Vaters die Führung der "A._AG" und übt diese Tätigkeit auch heute noch aus. X._ ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Sein Einkommen beträgt zwischen monatlich Fr. 60'000.00 und Fr. 70'000.00. Er hat Hypotheken in der Höhe von ca. vier bis fünf Millionen Franken und verfügt über ein Nettovermögen von ca. sechs bis sieben Millionen Franken.
Im schweizerischen Zentralstrafregister und im SVG-Massnahmenregister ist X._ nicht verzeichnet.
B. Am 12. September 2011 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden gegen X._ eine Strafuntersuchung wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln. Diese wurde mit Parteimitteilung vom 16. September 2013 geschlossen. Mit Eingabe vom 26. September 2013 beantragte der Rechtsvertreter von X._ eine Protokollergänzung respektive Protokollberichtigung. Des Weiteren seien der Fahrtenschreiber des vom Zeugen B._ gesteuerten Lastwagens sicherzustellen und eine Expertise anzuordnen, ob das seinem Mandanten zur Last gelegte Überholmanöver rein physikalisch mit dem Fahrzeug von X._ möglich sei. Schliesslich werde eine nochmalige Befragung von B._ beantragt. Mit Schreiben vom 3. Oktober 2013 teilte die Staatsanwaltschaft Graubünden mit, dass sich eine Ergänzung des Protokolls vom 16. Juli 2013 erübrige, der Fahrtenschreiber nicht sichergestellt werde, eine Expertise sich ebenfalls erübrige und die nochmalige Befragung des Lastwagenfahrers abgelehnt werde. Der Anklage liegt gemäss Anklageschrift vom 24. Oktober 2013 folgender Sachverhalt zu Grunde.
1.1 Grobe Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 2 SVG sowie Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG.
Auf der Südspur der A13 wird am Ende des C._-Tunnels die doppelte Sicherheitslinie nach rund 20 m durch eine einfache abgelöst. Danach beschreibt die Strasse eine langgezogene Rechtskurve. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 100 km/h signalisiert. Bei km 53.28 löst eine Leitlinie die Sicherheitslinie ab. Die Strasse beschreibt wenige Meter später eine langgezogene Linkskurve, bevor sie nach einem kurzen geraden Strassenabschnitt in eine unübersichtliche Rechtskurve, an deren Beginn die Leitlinie bei km 53.02 durch eine doppelte Sicherheitslinie abgelöst wird, übergeht. Die Distanz zwischen dem Ende der Sicherheitslinie und dem Beginn der
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doppelten Sicherheitslinie beträgt ca. 260 m, die Sichtdistanz ab dem Ende der Sicherheitslinie bis in die unübersichtliche Rechtskurve max. 360 m.
Am 8. Juli 2011 fuhr der Beschuldigte mit seinem Personenwagen Mercedes-Benz E 63 AMG, _, in Begleitung seiner Ehefrau als Beifahrerin auf der A13 von O.2_ in Richtung O.3_. Ausgangs des C._-Tunnels fuhr der Beschuldigte hinter einem Sattelschlepper, der mit mindestens 60 km/h fuhr, her. Im mit der Leitlinie markierten Strassenabschnitt setzte der Beschuldigte um 14.55 Uhr zum Überholen des vor ihm fahrenden Sattelschleppers an und beschleunigte bis auf 110 km/h. Auf dem kurzen, geraden Strassenstück fuhr der Beschuldigte links des Sattelschleppers. Erst in der unübersichtlichen Rechtskurve schloss er sein Überholmanöver ab und überfuhr dabei die doppelte Sicherheitslinie. Der Lenker des Sattelschleppers bremste sein Fahrzeug ab, um dem Beschuldigten das Überholen zu erleichtern, das knappe Wiedereinbiegen vor ihm zu ermöglichen und einen Zusammenstoss mit dem Mercedes zu vermeiden. Ferner führte der Beschuldigte sein Überholmanöver aus, obwohl für ihn bei Beginn seines Überholmanövers wegen der folgenden unübersichtlichen Rechtskurve und der die Sicht nach vorne zusätzlich einschränkenden Grösse des Sattelschleppers der notwendige Raum nicht einsehbar war und er die Gewissheit, wieder rechtzeitig auf die Normalspur zurückfahren zu können, nicht hatte. Beim Entscheid, im fraglichen Strassenabschnitt zu überholen, zog der Beschuldigte zumindest aus grober Pflichtwidrigkeit nicht in Betracht, dass er mit seinem Verhalten in vorhersehbarer Weise eine gefährliche Verkehrssituation schaffen würde.
Für den Gegenverkehr galt bis zum Ende der doppelten Sicherheitslinie die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Wegen der damaligen Baustelle im C._tunnel galt ab der Leitlinie die Höchstgeschwindigkeit 80 km/h.
1.2 Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 39 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.
Der Beschuldigte schloss sein geschildertes Überholmanöver vor dem LKW ab, ohne den rechten Richtungsanzeiger betätigt zu haben.
C. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Hinterrhein fand am 21. Januar 2014 statt. Die Schlussanträge der Parteien lauteten wie folgt:
"Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden:
1. X._ sei
- der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 2 SVG, Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG sowie
- der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 39 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG
schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er zu verurteilen
- zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 520.00.
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- Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.
- zur Bezahlung einer Busse von CHF 4'500.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 9 Tagen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche."
"Rechtsbegehren angeklagte Person:
1. Der Angeklagte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staats."
D. Gegen das am 21. Januar 2014 gefällte und am 24. Januar 2014 im Dispositiv mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Hinterrhein meldete X._ am 24. Januar 2014 Berufung an, woraufhin das Bezirksgericht Hinterrhein den Parteien das begründete Urteil am 15. April 2014 mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:
"1. Die anlässlich der Hauptverhandlung gestellten Beweisanträge 2-7 werden abgelehnt.
2. X._ ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 2 SVG sowie Art. 35 Abs. 2, Abs. 3 und Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG sowie der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 39 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.
3. Dafür wird X._ mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 520.00 bestraft.
Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
4. Zudem wird X._ mit einer Busse von CHF 4'500.00 bestraft.
Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 9 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
5. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
Busse CHF 4'500.00
Kosten Staatsanwaltschaft CHF 4'501.20
Gerichtsgebühren CHF 5'000.00
Total CHF 14'001.20
gehen zulasten von X._.
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen auf das Konto CK 038.267.100; IBAN CH16 0077 4110 0382 6710 0, des Bezirksgerichts Hinterrhein bei der Graubündner Kantonalbank zu bezahlen.

## Considerations