# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ee6982af-cb61-5cd3-b44f-89b4479f39af
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2003
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Herr D._ und Frau F._ sind seit rund 10 Jahren Eigentümer des
Grundstücks Eriswil-Gbbl.-Nr. E._. Das Grundstück liegt im Perimeter der
Überbauungsordnung „G._“1.
Im Juni 1996 teilte ein Nachbar der Gemeinde mit, dass auf diesem Grundstück ein
Eisenlager erstellt werde. Mit Verfügung vom 1. Juli 1996 verbot der Gemeinderat von
Eriswil Herrn D._ und Frau F._, ab sofort weiteres Material zu lagern.
Er gab ihnen Gelegenheit, ein nachträgliches Baugesuch einzureichen. Dies taten sie
am 29. Juli 1996. Das Gesuch lautete auf „Lagerung von Ausstellungsmaterial und
Eisenwaren während der Bauzeit der neuen Halle“. Der Lagerplatz sollte 12 m x 5 m
1 Mit Beschluss der Baudirektion vom 7. September 1987 genehmigt
2
gross sein, die Materialien 3 m hoch gelagert werden. Die Nachbarn erhoben am
6. September 1996 Einsprache gegen das Bauvorhaben. Sie wiesen u.a. darauf hin,
dass das Material schon jetzt auf einer grösseren Fläche gelagert werde, als in den
Projektplänen eingezeichnet sei. Herr D._ erklärte sich daraufhin in
verschiedenen Gesprächen mit der Gemeinde damit einverstanden, einen Teil des
Materials abzutransportieren und den Rest gemäss den Plänen zu lagern. Im Frühjahr
1997 teilte der Nachbar der Gemeinde mit, dass nun auch noch Verkaufstafeln
aufgestellt worden seien. Am 10. April 1997 forderte die Gemeinde Eriswil Herrn
D._ und Frau F._ auf, einen Teil des Materials bis Ende April 1997
abzuführen und den Rest gemäss den eingereichten Plänen zu lagern, andernfalls
werde sie den Bauabschlag verfügen, was eine Räumung des ganzen Materials zur
Folge hätte.
Am 22. Mai 1997 verfügte die Gemeinde Eriswil den Bauabschlag für die Lagerung der
Eisenwaren und verlangte die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands bis zum
15. Juli 1997. Diese Verfügung fochten Herr D._ und Frau F._ mit
Baubeschwerde vom 21. Juni 1997 bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) an. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die
BVE leitet, führte im August 1997 einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung
durch. Dabei zeichnete sich eine Einigung ab. Die BVE bewilligte in der Folge das
Baugesuch vom 29. Juli 1996 unter verschiedenen Bedingungen und Auflagen und
befristete diese Bewilligung auf zwei Jahre. Sie verpflichtete zudem Herrn D._
und Frau F._ sämtliches Material, das ausserhalb der bewilligten Lagerflächen
gelagert wurde, bis 31. Dezember 1997 zu entfernen. Gleichzeitig verfügte sie, dass
spätestens zwei Jahre nach Abschluss des hängigen Baubewilligungsverfahren für
den Neubau der Werk- und Lagerhalle sämtliches auf der bewilligten Fläche
gelagertes Ausstellungs- und Eisenmaterial zu entfernen sei. Gleichzeitig verpflichtete
die BVE die Gemeinde ohne weitere Verfügungen zur Ersatzvornahme zu schreiten,
falls die Fristen von Herrn D._ und Frau F._ nicht eingehalten
würden.
2. Am 7. November 1997 erteilte der Regierungsstatthalter von Trachselwald Herrn
D._ und Frau F._ die Gesamtbaubewilligung für die Werk- und
Lagerhalle auf der Parzelle Nr. E._.
3. Am 22. Januar 1998 setzte die Gemeinde Eriswil Herrn D._ und Frau
3
F._ eine „letzte Frist“ bis zum 31. Januar 1998, um nun die Materialien
ausserhalb des bewilligten Lagerplatzes wegzuräumen. Herr D._ teilte
daraufhin der Gemeinde mit, der ehemalige Lagerplatz sei nun eine Baustelle. Das
meiste Eisen, das noch vorhanden sei, werde zum Bau der Halle verwendet werden.
Das Eisen müsse dafür auf den oberen Teil der Parzelle umgelagert werden. Die
Gemeinde machte daraufhin Herrn D._ darauf aufmerksam, dass die
Bedingungen und Auflagen der BVE unbedingt eingehalten werden müssten. Sie
gewähre den Aufschub der Materialräumung bis zum Ablauf der Bewilligung für den
Lagerplatz. Dies werde am 8. Dezember 1999 der Fall sein.
4. Am 25. Mai 1998 intervenierten die Nachbarn bei der BVE wegen der Zustände auf
dem Grundstück E._. Die BVE leitete das Schreiben als baupolizeiliche
Anzeige an die dafür zuständige Gemeinde weiter. Die Gemeinde erkundigte sich beim
Regierungsstatthalter von Trachselwald, wie sie nun vorgehen solle, da er ihr doch
seinerzeit geraten habe, sich möglichst gütlich zu einigen und die von der BVE
angeordnete Ersatzvornahme nicht durchzuführen. Mit Brief vom 31. August 1998
teilte der Regierungsstatthalter der Gemeinde mit, die Lagerung des Materials gemäss
Auflagen der BVE sei sicher zumutbar und möglich. Sie solle ihm innert Frist mitteilen,
bis wann diese Massnahmen ausgeführt würden, auf eine Ersatzvornahme solle aber
„möglichst verzichtet“ werden. Mit Brief vom 16. Oktober 1998 kam der
Regierungsstatthalter auf diesen Ratschlag zurück. Da Herr D._ ihm
persönlich zugesichert hatte, das Alteisen bis Ende September/Anfang Oktober 1998
wegzuräumen, dies dann aber doch wieder unterliess, bat der Regierungsstatthalter
die Gemeinde, nun doch die Ersatzvornahme unverzüglich in die Wege zu leiten. Am
22. Oktober 1998 beschloss der Gemeinderat von Eriswil, die Gemeindeschreiberei
mit der Ersatzvornahme zu beauftragen. Es solle jedoch noch etwas zugewartet
werden, bis bekannt sei, ob die Angelegenheit nun erledigt sei oder nicht. Danach
geschah - soweit aus den Akten ersichtlich - über ein Jahr lang nichts mehr.
5. Mit Brief vom 20. Dezember 1999 teilte die Gemeinde Eriswil Herrn D._ und
Frau F._ per Adresse B._ AG mit, dass die von der BVE befristet
erteilte Baubewilligung am 8. Dezember 1999 abgelaufen sei. Das gesamte Material
sei daher bis Mitte Januar 2000 von der Parzelle zu entfernen. Andernfalls werde sie
ohne weitere Verfügung zur Ersatzvornahme schreiten.
Die B._AG erhob gegen diese Mitteilung Beschwerde bei der BVE. Sie
4
machte geltend, das von der Gemeinde angegebene Datum der Baubewilligung für die
Lagerhalle sei falsch, weil später noch eine Projektänderung bewilligt worden sei. Mit
Entscheid vom 7. März 2000 wies die BVE die Beschwerde ab, soweit sie darauf
eintrat.
6. Am 11. Mai 2000 erteilte die Gemeinde Eriswil der Firma H._ in Emmenmatt
den Auftrag, die Räumung am 27. Mai 2000 vorzunehmen. Am 16. Mai 2000 teilte die
B._ AG der Gemeinde mit, sie werde das Material selbst bis zum 27. Mai
2000 wegräumen. Herr D._ verfrachtete danach einen Teil des Materials in
die halbfertige Lagerhalle, einen Teil lud er auf einen Lastwagenanhänger auf, den er
aber auf dem Grundstück stehen liess. Die Firma H._ zeigte sich in der Folge
nicht bereit, das auf dem Lastwagenanhänger gelagerte Material wegzuräumen.
Der Gemeinderat von Eriswil beschloss daraufhin an seiner Sitzung vom 8. Juni 2000 -
auf Anraten des Regierungsstatthalters von Trachselwald -, die Sache nun als
abgeschlossen zu betrachten, da ja nun die Parzelle aufgeräumt worden sei.
7. Am 13. März 2001 stellte die Gemeinde Eriswil fest, dass auf dem Grundstück von
Herrn D._ und Frau F._ Grabarbeiten ausgeführt wurden, bei denen
eine Kanalisationsleitung der Gemeinde beschädigt wurde. Ein Mitarbeiter der Firma
B._AG erklärte, es werde ein Lagerplatz gebaut. Die Gemeindevertreter
erklärten, dass die Erstellung eines Lagerplatzes baubewilligungspflichtig sei und
erliessen vor Ort eine mündliche Baueinstellungsverfügung. Am Nachmittag desselben
Tages fand eine Besprechung zwischen der Gemeindepräsidentin, einem
Gemeinderatsmitglied, dem stellvertretenden Gemeindeschreiber und Herrn
D._ statt. Die Gemeinde wies wiederum auf die Bewilligungspflicht eines
Lagerplatzes hin. Herr D._ erklärte aber, es sei nicht die Erstellung eines
Lagerplatzes geplant, man führe nur die Umgebungsarbeiten gemäss Baubewilligung
vom 7. November 1997 aus. Die Gemeinde nahm danach den mündlich verfügten
Baustopp zurück. Am Tag darauf fand ein Augenschein auf dem Baugrundstück statt,
an dem die gleichen Personen anwesend waren. Es wurde u.a. erneut beschlossen,
dass die Aushubarbeiten, die offensichtlich über das seinerzeit bewilligte
hinausgingen, einzustellen seien und die Baugrube zu sichern sei. Das Protokoll des
Augenscheins, in dem die Beschlüsse festgehalten sind, wurde Herrn D._
zugestellt. Soweit aus den bei den Akten liegenden Fotos zu schliessen ist, wurde
danach der Lagerplatz fertiggestellt (Fotos vom 3. April 2001).
5
8. Mehr als ein Jahre später, im Sommer 2002, sprachen zwei Nachbarn bei der
Gemeinde vor und beschwerten sich darüber, dass auf dem Grundstück E._
wiederum Abfall und Altmaterial gelagert werde. Zudem sei schon seit einiger Zeit ein
Wohnwagen abgestellt, in dem ein Arbeiter wohne. Es würden viele lärmige Arbeiten
auf dem Grundstück ausgeführt. Die Ruhezeiten würden nicht beachtet.
Am 23. August 2002 erliess der Gemeinderat von Eriswil gegen Herrn D._
und Frau F._ eine Wiederherstellungsverfügung. Sie forderte die Adressaten
auf, den Wohnwagen ab sofort nicht mehr zu bewohnen und bis zum 23. September
2002 auf dem Grundstück sämtliche Baumaterialien, Fahrzeuge, Altpneus, Paletten,
Schutt und dergleichen wegzuräumen. Die Wiederherstellungsverfügung enthält den
Hinweis, dass sie aufgeschoben werde, wenn innert der Rechtsmittelfrist ein
nachträgliches Baugesuch eingereicht werde. Im Weiteren enthält sie die Androhung,
dass die Gemeinde nach Ablauf der Frist ohne weitere Verfügungen zur
Ersatzvornahme schreiten werde, d.h. auf Kosten von Herrn D._ und Frau
F._ die Wiederherstellungsarbeiten selber ausführen oder durch Dritte
ausführen lassen werde.
Die B._AG erhob gegen diese Verfügung Beschwerde bei der BVE. Da die
Beschwerde weder einen Antrag noch eine Begründung enthielt, wurde der
Beschwerdeführerin Gelegenheit zur Verbesserung gegeben, ansonsten die
Beschwerde als zurückgezogen gelte. Die Beschwerdeführenden verbesserten die
Beschwerde nicht, woraufhin die BVE das Beschwerdeverfahren vom
Geschäftsverzeichnis abschrieb.
9. Am 26. September 2002 fand auf dem Grundstück E._ eine gemeinsame
Begehung durch Gemeindevertreter, den Regierungsstatthalter, Vertreter diverser
kantonaler Ämter und Herrn D._ statt. In einer anschliessenden Besprechung
unter den Behördenvertretern wurde beschlossen, dass das Amt für Gewässerschutz
und Abfallwirtschaft (GSA) und das kantonale Laboratorium je selbständig
Verfügungen gegen die verantwortlichen Personen erlassen würden (soweit das nicht
bereits passiert war) und dass der Regierungsstatthalter die andern erforderlichen
Massnahmen (Feuerpolizei, Baupolizei, Umweltschutz, Arbeitsbedingungen usw.)
aufgrund von Berichten der Amtsstellen koordinieren und anordnen werde. Das GSA
verfügte am 24. Oktober 2002 verschiedene Wiederherstellungsmassnahmen.
6
10. Am 12. Dezember 2002 teilte die Gemeinde Eriswil Herrn D._, Frau
F._ und der inzwischen gegründeten „I._ GmbH“ mit, dass sie die
Wiederherstellungsverfügung vom 23. August 2002 am 17. Dezember 2002 mit
Ersatzvornahme, d.h. durch eine Drittfirma auf Kosten der Verfügungsadressaten
durchsetzen werde. Sie beauftragte die J._ AG von Aarwangen mit der
Durchführung der Aufräumarbeiten.
11. Die Ersatzvornahme fand am 17. und 18. Dezember 2002 statt. Von Seiten der
Grundeigentümer war - laut Aktennotiz der Gemeinde in den amtlichen Akten - Frau
F._ zugegen, nicht aber Herr D._. Anlässlich der Durchführung der
Ersatzvornahme wurde von den Gemeindevertretern, Vertretungen der Kantonspolizei
und des GSA festgestellt, dass im ersten Stock des noch nicht fertig gestellten
Lagergebäudes ein Mann in einem Wohnwagen wohnte. Sanitäreinrichtungen waren
keine vorhanden. Der Entscheid, was weggeräumt werde, und was auf Platz bleiben
könne, wurde laut erwähnter Aktennotiz in Anwesenheit von Frau F._ vor Ort
gefällt. Die eigentlichen Aufräumarbeiten begannen am 17. Dezember 2002 um 09.30
Uhr und waren am 18. Dezember 2002 um 15.00 Uhr abgeschlossen (vgl. zum
Ganzen Aktennotiz vom 18. Dezember 2002, Dokument Nr. 12 der Akten der
Gemeinde).
12. Mit Brief vom 27. Dezember 2002 teilte die B._AG der Gemeinde mit, sie
habe zum Teil Waren abtransportieren lassen, die zum Eigengebrauch eingekauft
worden seien und noch gebraucht worden wären. Er stellte eine Liste von Waren auf,
deren Abhandenkommen bis zu diesem Datum festgestellt worden sei und behielt sich
die Ergänzung der Liste vor. Am 30. Dezember 2002 folgte eine zweite Liste von
„weggenommenen Waren“, am 6. Januar 2003 eine dritte.
13. Am 3. Februar 2003 erliess die Gemeinde Eriswil eine Verfügung, mit der sie Frau
F._, Herrn D._, der B._ und der I._ GmbH die
Kosten der Ersatzvornahme auferlegte. Die Kosten setzten sich zusammen aus den
Aufwendungen der J._ (Fr. 27'191.05), den Kosten des Baukontrolleurs
(Fr. 715.90) sowie den Kosten der Gemeinde selbst (Fr. 240.--).
14. Die I._ GmbH hat diese Verfügung mit Beschwerde vom 26. Februar 2002 bei
7
der BVE angefochten. Sie macht geltend, die Ersatzvornahme wäre gar nicht nötig
gewesen, da sie - die Unterzeichnenden F._ und D._ - aufgrund der
Wiederherstellungsverfügung ihren Verpflichtungen schon vorher nachgekommen
seien. Die von der Gemeinde beauftragte Firma habe Waren unrechtmässig
abgeräumt und weggeschafft. Es sei ihnen noch immer nicht klar, weshalb sie nicht
berechtigt seien, Waren auf ihrem Grundstück vorübergehend zu lagern. Es sei ihnen
auch schleierhaft, wofür die Firma J._ Fr. 27'191.05 in Rechnung stelle. Sie
hätten ja den rechtmässigen Zustand schon vorher wiederhergestellt gehabt. Die noch
gelagerten Waren seien nicht unrechtmässig deponiert gewesen. Sie seien nicht
bereit, die Kosten für die Vernichtung ihres Eigentums zu bezahlen. Vielmehr würden
sie der Gemeinde den Schaden für die unrechtmässige Entfernung ihrer Sachen in
Rechnung stellen. Deshalb sei die Kostenverfügung aufzuheben.
Die Gemeinde Eriswil beantragt die Abweisung der Beschwerde und weist u.a. darauf
hin, dass Frau F._ beim Entscheid, was weggeräumt werde, was nicht, dabei
gewesen sei.
15. Am 10. Februar 2003 ist über die B._AG der Konkurs eröffnet worden. Laut
telefonischer Auskunft des zuständigen Konkursamtes vom 27. März 2003 wurde das
Konkursverfahren bereits geschlossen, weil kein Gläubiger den Vorschuss geleistet
habe.
16. Das Rechtsamt hat die Gemeinde Eriswil aufgefordert, bei der Firma J._ die
Belege für die in Rechnung gestellten Entsorgungsgebühren einzuholen und dem
Rechtsamt zukommen zu lassen. Die J._ konnte diese Belege nicht liefern,
weil sie gleichzeitig auch anderes Material entsorgen liess. Sie lieferte schliesslich
zwei Zusammenstellungen: Eine über sämtliche Arbeiten, die ausgeführt wurden, die
dafür verwendeten Fahrzeuge und die entsorgten Materialien (mit Liefer- bzw.
Waagschein) und eine detailliertere für die entsorgten Materialien mit Angabe des
Materials, des Gewichts, des Abnehmers und der Deponiegebühr.
17. Die Gemeinde Eriswil und die Beschwerdeführerin haben Gelegenheit zu
Schlussbemerkungen erhalten. Die Beschwerdeführerin hat darin erneut die fehlende
Rechtmässigkeit der Ersatzvornahme gerügt und die Höhe der Forderung bestritten,
allerdings ohne sich mit den im Beschwerdeverfahren beschafften zusätzlichen
Unterlagen der J._ AG auseinanderzusetzen. Die Gemeinde Eriswil hat keine
8
Schlussbemerkungen eingereicht.
Auf die verschiedenen Rechtsschriften und die Eingaben der J._ AG wird in
den nachfolgenden Erwägungen, soweit für den Entscheid wesentlich,
zurückzukommen sein.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Angefochten ist eine Verfügung, die sich auf Art. 47 Abs. 1 BauG stützt. Solche
Verfügungen sind laut Art. 49 BauG2 mit Beschwerde bei der BVE anfechtbar. Die
Beschwerdeführerin ist als Adressatin der Verfügung sowohl formell als auch materiell
beschwert. Sie hat ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung (Art. 65 Bst. a
VRPG3). Auf ihre form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich
einzutreten.
2. Verfügungsadressaten
Die Gemeinde Eriswil hat die angefochtene Kostenverfügung an Frau F._,
Herrn D._, die B._ AG und die Neue I._ GmbH gerichtet. Die
Verfügung betreffend Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands vom 23. August
2002, die dann durch Ersatzvornahme durchgesetzt wurde, hatte sie an die damaligen
Grundeigentümer - und Eigentümer der Altwaren - Herrn D._ und Frau
F._ gerichtet.
Seit dem 23. September 2002 ist die Neue I._ GmbH Grundeigentümerin des
Grundstücks Nr. E._ ist (vgl. dazu Grundbuchauszug vom 29. Januar 2003,
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BSG 721) 3 Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 (BSG 155.21)
9
Dokument Nr. 5 in den Vorakten der Gemeinde).
Herr D._ und Frau F._ selber haben im Lauf des langen Verfahrens
abwechselnd unter eigenem Namen, dann wieder unter dem Namen der
B._AG, später der I._ GmbH gehandelt und Korrespondenz geführt.
Unter diesen Umständen handelte die Gemeinde umsichtig, als sie die angefochtene
Verfügung an alle bisherigen Akteure gerichtet hat. In der Zwischenzeit ist nun aber die
B._AG in Konkurs gefallen; das Konkursverfahren ist bereits geschlossen. Die
Verfügung wird deshalb im Falle der grundsätzlichen Bestätigung insofern zu
korrigieren sein, als sie nun nur noch an Herrn D._ und Frau F._
sowie an die Neue I._ GmbH zu richten sein wird. Bei diesen drei Personen
handelt es sich um die ehemaligen Grundeigentümer (im Zeitpunkt, als die
Wiederherstellungsverfügung erlassen wurde) und die heutige Grundeigentümerin.
Wirtschaftlich betrachtet sind die beiden natürlichen Personen ohnehin identisch mit
der GmbH. Aufgrund ihres Verhaltens muss sowieso angenommen werden, dass auch
Herr D._ und Frau F._ nicht zwischen sich selbst als natürlichen
Personen und den von ihnen geführten juristischen Personen unterschieden haben.
3. Gegenstand der Überprüfung durch die BVE
Wird eine Kostenverfügung über eine Ersatzvornahme angefochten, ist die
Rechtmässigkeit der leistungsverpflichtenden Sachverfügung - im vorliegenden Fall
also die Rechtmässigkeit der Wiederherstellungsverfügung vom 23. August 2002 -
nicht mehr Gegenstand des Verfahrens. Die Rüge der Beschwerdeführerin, die
Lagerung von Material am betreffenden Ort müsse doch zulässig sein, ist damit nicht
mehr zu hören, ebenso wenig ihre Rüge, das weggeräumte Material sei gar kein
Altmaterial. Es ist einzig die Rechtmässigkeit und Angemessenheit der
Kostenverfügung zu überprüfen. Bei der Frage der Rechtmässigkeit ist insbesondere
zu prüfen, ob die Voraussetzungen für die Ersatzvornahme erfüllt waren und die
gesetzlichen Verfahrensvorschriften bei der Durchführung beachtet wurden4.
4. Ersatzvornahme; Gesetzliche Regelung
4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, N. 16 zu Art. 117
10
Die Ersatzvornahme ist ein Mittel des Verwaltungszwangs. Sie besteht darin, dass die
Behörde, die einer Privatperson obliegende, rechtswidrig verweigerte Handlung auf
deren Kosten durch eine amtliche Stelle oder durch eine Drittperson ausführen lässt.
Art. 47 BauG besagt, dass die Baupolizeibehörde rechtskräftig verfügte Massnahmen,
die der Pflichtige innerhalb der angesetzten Frist nicht oder nicht vorschriftsgemäss
ausführt, auf Kosten des Pflichtigen durch Dritte vornehmen lässt. Für Forderungen
und Verzugszins besteht ein gesetzliches Grundpfandrecht, das allerdings den bereits
eingetragenen Pfandrechten im Rang nachgeht. Das Gemeinwesen kann das
Grundpfandrecht zur Anmerkung im Grundbuch anmelden.
Auch das VRPG sieht vor, dass eine Verfügung, die jemanden zu einem Tun, Dulden
oder Unterlassen verpflichtet, durch kostenpflichtige Ersatzvornahme
zwangsvollstreckt wird (Art. 117 Abs. 2 VRPG).
Mehr ist dem Gesetz zu den Voraussetzungen der Ersatzvornahme nicht zu
entnehmen. In der Rechtsprechung hat sich aber aufgrund allgemeiner
Rechtsgrundsätze eine detailliertere Praxis zu diesen Voraussetzungen gebildet (vgl.
dazu und zum Folgenden: BVR 1977, S. 27 ff.).
5. Voraussetzungen der Ersatzvornahme im Einzelnen
a) Vollstreckbarkeit der Verfügung
Erste Voraussetzung ist, dass die Verfügung, die durch Ersatzvornahme durchgesetzt
werden soll, vollstreckbar ist. Dies ist dann der Fall, wenn die Verfügung keinem
ordentlichen Rechtsmittel mehr unterliegt oder wenn einem solchen die aufschiebende
Wirkung entzogen worden ist oder von Gesetzes wegen fehlt (Art. 114 Abs. 1 VRPG).
Diese Voraussetzung ist im vorliegenden Fall erfüllt. Die Verfügung vom 23. August
2002 ist von der B._ zwar bei der BVE angefochten worden, das
Beschwerdeverfahren wurde aber am 16. Oktober 2002 abgeschrieben, nachdem Herr
D._ und Frau F._ ihre Beschwerde trotz entsprechender
Aufforderung nicht verbessert hatten. Die Abschreibungsverfügung wurde ihnen am
21. Oktober 2002 eröffnet. Die dafür geltende Rechtsmittelfrist endete somit am
20. November 2002. Da kein Rechtsmittel gegen die Abschreibungsverfügung
eingelegt wurde, war diese im Zeitpunkt der Ersatzvornahme rechtskräftig.
b) Androhung der Ersatzvornahme
11
Laut Art. 46 Abs. 2 BauG ist die Anordnung der Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands mit der Androhung der Ersatzvornahme zu verbinden. Zudem muss für die
Erfüllung der Verpflichtung eine angemessene Frist angesetzt werden. Diese
Androhung mit Fristansetzung ist zwingende Voraussetzung für die Rechtmässigkeit
der Ersatzvornahme5, wenn nicht Gefahr im Verzug ist.
Auch diese Voraussetzung ist im vorliegenden Fall erfüllt. Die Gemeinde Eriswil hatte
Herrn D._ und Frau F._, den damaligen Grundeigentümern, mit der
Wiederherstellungsverfügung vom 23. August 2002 eine Frist bis zum 27. September
2002 für die Wegräumung der abgelagerten Altwaren angesetzt und ihnen die
Ersatzvornahme angedroht. Die Frist von etwas mehr als einem Monat war für die
Wegräumung der grossen Menge von Altwaren vielleicht relativ knapp, aber sicher
zumutbar. Sie ist aber, wie oben ausgeführt, nicht mehr zu überprüfen. Vor der
Durchführung der Ersatzvornahme hat die Gemeinde am 12. Dezember 2002 der
I._ GmbH, Herrn D._ und Frau F._ vom vorgesehenen
Termin (17. Dezember 2002) Kenntnis gegeben. Die Beschwerdeführerin bzw. Herr
D._ und Frau F._ hätten also genügend Zeit gehabt, der Verfügung
selber Folge zu leisten.
c) Rechtswidrige Verweigerung der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
durch die Pflichtigen?
Selbstverständliche Voraussetzung der Ersatzvornahme nach Art. 47 BauG ist, dass
die Pflichtigen die angeordnete Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands nicht
selber frist- und vorschriftsgemäss und vollständig durchgeführt haben.
Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass diese Voraussetzung erfüllt sei. Sie macht
geltend, sie bzw. Herr D._ und Frau F._ seien der Verfügung
nachgekommen und hätten alle Altmaterialien bereits weggeräumt gehabt, als die
Gemeinde zur Ersatzvornahme geschritten sei.
Die anlässlich der Ersatzvornahme aufgenommenen Fotos widerlegen diese
Behauptung. Die Fotos zeigen, dass das Areal am 17. Dezember 2002 immer noch mit
Eisenwaren, Paletten, Holzabfällen, ausgedienten Autos, Eisen- und Kunststofffässern,
Schutt usw. überstellt bzw. übersät war. Dazu kommt, dass Frau F._ - trotz
nachträglich gegenteiliger Behauptung der Beschwerdeführerin - offenbar während der
Ersatzvornahme anwesend war (vgl. Aktennotiz vom 18. Dezember 2002, Dokument
Nr. 12 der Akten der Gemeinde) und sich der Wegräumung der verschiedenen Gegen-
5 vgl. BVR 1977 S. 30
12
stände, die nachträglich von der Beschwerdeführerin als noch gebrauchsfähig
deklariert wurden, nicht widersetzt hat. Schliesslich würde die weitere
Gebrauchsfähigkeit der Materialien, falls diese bei einzelnen Stücken noch bestanden
hätte, ohnehin nichts an der Rechtmässigkeit der Wegräumung ändern. Die
Beschwerdeführerin bzw. Herr D._ und Frau F._ waren nicht
berechtigt, irgendwelche Materialien ausserhalb der erstellten Halle zu lagern, da
ihnen nie ein Lagerplatz bewilligt worden war. Im Umgebungsplan, der mit der
Baubewilligung vom 7. November 1997 bewilligt worden war, waren auf dem Areal, wo
später Material (ab)gelagert wurde, nur mehrere Parkplätze sowie ein Wendeplatz für
Lastwagen vorgesehen. Etwa ein Drittel des Areals war für ein späteres
Geschäftshaus reserviert. Ein Lagerplatz war nicht deklariert.
Die Beschwerde ist somit in diesem Punkt unbegründet.
6. Angemessenheit der Kosten
Die Beschwerdeführerin macht geltend, ihr sei „schleierhaft“, wofür die Firma
J._ einen Betrag von Fr. 27'191.05 in Rechnung stelle. Damit spricht sie die
Angemessenheit der Kosten an.
a) Rechnung der J._
Gemäss Rechnung der Firma J._ haben deren Rückbauarbeiter insgesamt
98,75 Stunden Arbeit aufgewendet, die mit einem Stundenansatz von Fr. 68.-- in
Rechnung gestellt wurde. Bereits daraus resultiert ein Betrag von Fr. 6715.--. Während
weiteren 6 Stunden bezahlte sie eine Chauffeurbeihilfe (Fr. 108.50/h), was einen
Betrag von Fr. 651.-- ausmacht. Zusammen ergeben sich Fr. 7366.-- allein an
Personalkosten. Folgende Fahrzeuge waren wie folgt im Einsatz:
- Iveco mit Kran, total 2 Stunden à Fr. 250.-- Fr. 500.--
- LKW mit Kran und Anhänger, total 7,25 Stunden à Fr. 155.-- Fr. 1123.75
- LKW Hakengerät und Anhänger, total 10,5 Stunden à Fr. 175.-- Fr. 1837.50
- Iveco Brücke, eine Stunde à Fr. 250.-- Fr. 250.--
- Pneulader Kramer ohne Bedienung, 14,5 Stunden à Fr. 65.-- Fr. 942.50
- LKW Hakengerät, total 5,5 Stunden à Fr. 155.-- Fr. 852.50
- Iveco mit Anhänger, 1 Stunde à Fr. 250.-- Fr. 250.--
Total Fahrzeuge: Fr. 5756.25
13
Weiter hat die Firma K._ folgende Entsorgungsgebühren weiterverrechnet:
- Entsorgung Altholz, total 21,47 Tonnen à Fr. 190.-- Fr. 4079.30
- Entsorgung Alteisen und Betonelemente, pauschal Fr. 400.--
- Entsorgung Sperrgut bei KVA, 5,39 Tonnen à Fr. 265.-- Fr. 1428.35
- Entsorgung Sperrgut bei KVA, 4,79 Tonnen à Fr. 190.-- Fr. 910.10
- Entsorgung Sperrgut bei KVA, 4,388 Tonnen à Fr. 400.-- Fr. 1755.20
- Entsorgung Sammelschrott, 3,050 Tonnen à Fr. 70.-- Fr. 213.50
- Entsorgung Altauto, zwei Stück à Fr. 230.-- Fr. 460.--
- Entsorgung Inertstoffe, 4,5 m3 à Fr. 35.-- Fr. 157.50
- Entsorgung Kühlgerät, 2 Stück à Fr. 70.40 Fr. 140.80
- BARAG (gemischte Abfälle aller Art), 1,5 m3 à Fr. 95.-- Fr. 142.50
- Pneu PW ohne Felgen, 241 Stk. à Fr. 5.-- Fr. 1205.--
- Pneu PW mit Felgen, 45 Stück à Fr. 10.-- Fr. 450.--
- Pneu LKW Felgen, 8 Stk. à Fr. 40.-- Fr. 320.--
- Batterien, ca. 20 Stück, pauschal Fr. 200.--
- Brandschutt, 1,3 Tonnen à Fr. 220.-- Fr. 286.--
Total Entsorgung Fr. 12148.25
Damit ergeben sich bei der Firma J._ - ohne MWSt - Gesamtkosten von
Fr. 25’270.50, inkl. MWSt betragen diese Kosten Fr. 27'191.05. Die J._ hat im
Beschwerdeverfahren diese Kosten teilweise belegt, teilweise näher begründet. So hat
sie den Umstand, dass sie pro Tonne Entsorgungsmaterial höhere Kosten als von der
Abnahmefirma in Rechnung gestellt berechnet, damit erklärt, dass in ihrem Preis auch
noch Kosten für Sortierung, Bearbeitung, Umlad, Lagerung und Personal enthalten
seien. Die Beschwerdeführerin bestreitet die Richtigkeit der Kosten der J._
zwar auch in den Schlussbemerkungen, setzt sich aber nicht näher mit den Unterlagen
und den Belegen der J._ auseinander, die ihr zugestellt worden sind. Damit
kommt sie ihrer Substanziierungspflicht nicht in genügender Weise nach. Die Kosten
der J._ werden daher von der BVE als genügend belegt betrachtet.
b) Aufwendungen der Gemeindebehörden
Ihre eigenen Aufwendungen hat die Gemeinde Eriswil mit Fr. 240.-- in Rechnung
gestellt. Die Gemeindepräsidentin hat während der Ersatzvornahme drei Stunden und
der Präsident der Baukommission neun Stunden (verrechnet mit je Fr. 20.--) vor Ort
14
verbracht. Der Baukontrolleur hat seine Aufwendungen mit Fr. 715.90 in Rechnung
gestellt (insgesamt 13,5 Stunden à Fr. 50.-- plus Kosten von Fr. 40.90 für die erstellten
Fotos).
c) Würdigung der Rechnungen
Die J._ hat für den Einsatz ihrer Arbeiter und ihrer Fahrzeuge
branchenübliche Preise verrechnet. Die Höhe der verrechneten Entsorgungsgebühren
hat sie im Laufe des Beschwerdeverfahrens begründet. Anhand der Fotos, die
anlässlich der Durchführung der Ersatzvornahme gemacht wurden, ist ersichtlich, dass
sehr viel Material und Schutt weggeräumt werden musste. Für die entsorgten
Materialien liegen auch Waagscheine vor. Die Kosten scheinen angesichts dieser
Materialmengen nicht als überrissen. Die Beschwerdeführerin begründet ihre Zweifel
an der Rechnung der J._ nicht weiter. Die von der Gemeinde in Rechnung
gestellten Beträge für ihre eigenen Aufwendungen (Fr. 240.--) und für diejenigen des
Baukontrolleurs (Fr. 715.90) sind zum Vornherein alles andere als überrissen. Die
Beschwerde ist deshalb auch in diesem Punkt abzuweisen.
7. Verfahrenskosten
Die Beschwerde ist somit abzuweisen. Als unterliegende Partei hat die
Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 108 Abs. 1 VRPG die Verfahrenskosten zu
tragen. Diese werden auf Fr. 1'400.-- festgesetzt. Parteikosten sind keine zu sprechen.