# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4a7670eb-3487-4d95-868f-20796cce9489
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 30
I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _1967 als Sohn der A._ und des B._ in O.1_ geboren. Er ist ledig und beruflich als Fachlehrer tätig. Zurzeit arbeitet er bei der C._ in O.2_ und generiert bei einem Arbeitspensum von 90% ein monatliches Einkommen in der Höhe von etwa Fr. 6‘770.00.
B. Im Schweizerischen Strafregister ist X._ nicht verzeichnet.
C. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 7. Oktober 2011 wurde X._ der groben Verletzung der Verkehrsregeln nach Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG und Art. 10 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig erkannt, wobei er mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je Fr. 200.00 sowie einer Busse von Fr. 600.00 (Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen) bestraft wurde. Der Vollzug der Geldstrafe wurde bedingt aufgeschoben bei einer zweijährigen Probezeit. Dem Strafbefehl lag folgender Sachverhalt zu Grunde:
„Am 4. Juli 2011, um 11.25 Uhr, lenkte der Beschuldigte sein Motorrad Ducati I Hyper Monster, Kontrollschild _, auf der Passstrasse_ von O.3_ kommend Richtung O.4_. In O.5_, Höhe D._, oberhalb der Örtlichkeit E._, setzte er zum Überholen eines vor ihm fahrenden Polizeifahrzeuges an. Nach dem Überholmanöver bog er aber nicht wieder auf seine Fahrspur ein, sondern setzte dieses fort, indem er unmittelbar vor einer unübersichtlichen Rechtskurve und bis in diese hinein noch ein zweites Fahrzeug überholte. Er tat dies, obwohl er nicht die Gewissheit haben konnte, das Manöver ohne Behinderung des Gegenverkehrs abschliessen zu können. Der Beschuldigte überholte das zweite Fahrzeug zudem mit einem ungenügenden seitlichen Abstand und bog mit einem ungenügenden Abstand vor diesem wieder auf seine Fahrspur ein.“
D. Dagegen reichte X._ bei der Staatsanwaltschaft am 13. Oktober 2011 fristgerecht Einsprache ein.
E. Am 3. November 2011 eröffnete die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung gegen X._ wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Ziff. 2 SVG. Anlässlich dieser Strafuntersuchung führte die zuständige Staatsanwältin am 18. Juni 2012 im Beisein von X._ als Beschuldigter in Begleitung seiner privaten Verteidigerin sowie drei Beamten der Kantonspolizei Graubünden an der Örtlichkeit des Überholmanövers in O.5_ einen Augenschein durch.
Seite 3 — 30
F. Am 10. Juli 2012 kündigte die Staatsanwaltschaft X._ den Abschluss der Untersuchung und die Überweisung des Strafbefehls an das Bezirksgericht Plessur an. Am 11. Oktober 2012, mitgeteilt am 12. Oktober 2012, verfügte die Staatsanwaltschaft die Überweisung des Strafbefehls gegen X._ ergänzt mit dem Schlussbericht an das Bezirksgericht Plessur. Zudem teilte sie mit, dass sie am Strafbefehl festhalte und die Akten dem erstinstanzlichen Gericht zur Durchführung des Hauptverfahrens überweise, wobei der Strafbefehl als Anklageschrift gelte.
G. Die Hauptverhandlung, zu der mit prozessleitender Verfügung vom 25. Oktober 2012 vorgeladen wurde, fand am 4. Dezember 2012 statt. Anwesend waren X._ als Beschuldigter in Begleitung seiner privaten Verteidigerin, Rechtsanwältin lic. iur. Jana Hrebik. Die Staatsanwaltschaft war nicht zugegen. Die Parteien stellten die folgenden Schlussanträge:
Anträge der Staatsanwaltschaft Graubünden
1. X._ sei der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG, Art. 35 Abs. 2, 3 und 4 SVG und Art. 10 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig zu sprechen.
2. Die beschuldigte Person sei mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je CHF 200.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, zu bestrafen.
3. Die beschuldigte Person sei zudem mit einer Busse von CHF 600.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 6 Tagen, zu bestrafen.
4. Die Kosten des Verfahrens seien der beschuldigten Person aufzuerlegen.
Anträge Beschuldigter
1. Der Beschuldigte sei vollumfänglich freizusprechen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Staatskasse.
H. Gegen das am 4. Dezember 2012 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und am 5. Dezember 2012 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgericht Plessur meldete X._ (nachfolgend: Berufungskläger) nach der mündlichen Eröffnung des Urteilsdispositivs am 4. Dezember 2012 Berufung an. Daraufhin teilte das Bezirksgericht Plessur den Parteien am 11. Februar 2013 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es wie folgt:
Seite 4 — 30
„1. X._ wird freigesprochen vom Vorwurf der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG sowie Art. 35 Abs. 3 SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 VRV.
2. X._ ist der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 2 SVG schuldig.
3.a) Dafür wird X._ mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je CHF 180.00 und einer Busse von CHF 400.00 bestraft.
b) Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
c) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 4 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
4.a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 3‘095.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 1‘595.00, Gerichtsgebühren CHF 1‘500.00) gehen zu Lasten von X._.
b) X._ schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich:
- Busse CHF 400.00
- Verfahrenskosten CHF 3‘095.00
Total CHF 3‘495.00
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind dem Bezirksgericht Plessur innert 30 Tagen nach Zustellung des begründeten Urteils zu bezahlen.

## Considerations