# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f0a47650-16a7-592a-aa07-24a9d9961aa8
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 5. März 2009 bei der Gemeinde Rüti bei Büren
ein Baugesuch ein betreffend Bau eines Hühnerhauses und eines Kaninchengeheges auf
Parzelle Rüti bei Büren Gbbl. Nr. B._. Mit Bauentscheid vom 16. Februar 2010
erteilte die Gemeinde den Bauabschlag für den Bau des Hühnerhauses. Der Bau des
Kaninchengeheges wurde bewilligt, unter der Auflage, dass der Strassenabstand
einzuhalten sei.
2. Gegen diesen Entscheid hat die Beschwerdeführerin am 3. März 2010 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) erhoben. Sie beantragt, der
Bauabschlag sei aufzuheben und dem Hühnerstall sei die Baubewilligung zu erteilen. Die
Auflage betreffend Einhaltung des Strassenabstandes für den Bau des Kaninchengeheges
sei aufzuheben.
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3. Mit Schreiben vom 12. April 2010 zog die Beschwerdeführerin ihre Beschwerde
zurück, soweit sie die Auflage betreffend den Bau des Kaninchengeheges gerügt hatte.
Das Verfahren wurde in diesem Punkt als erledigt vom Geschäftsverzeichnis
abgeschrieben.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher
im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2
BauG). Die Beschwerdeführerin, deren Baugesuch abgewiesen wurde, ist durch den vor-
instanzlichen Bauentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert.
b) Die Beschwerdeführerin hatte ursprünglich nicht nur den Bauabschlag für den
Hühnerstall, sondern auch die Auflage für das Kaninchengehege angefochten. Ihre
Beschwerde betreffend diese Auflage hat sie zwischenzeitlich zurückgezogen, das
Verfahren wurde in diesem Punkt abgeschrieben. Im Folgenden ist daher nur noch der
Bauabschlag zu beurteilen. Auf die im Übrigen form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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2. Hühnerstall
a) Die Beschwerdeführerin plant den Bau eines Hühnerstalles von 5 x 7 m mit Platz für
bis zu hundert Hühner. Am 21. August 2008 hatte sie diesbezüglich bei der Gemeinde Rüti
b. Büren eine Voranfrage eingereicht. Sie bat darin unter anderem um Auskunft, ob der
Bau eines Hühnerstalles von 5 x 20 m Grösse auf Parzelle Nr. B._ zulässig sei. In
der Antwort auf die Voranfrage bezeichnete die Gemeinde das Bauvorhaben als
grundsätzlich zonenkonform und stellte die Baubewilligung in Aussicht. Im Bauentscheid
vom 16. Februar 2010 erteilte die Gemeinde dem Hühnerstall den Bauabschlag, mit der
Begründung, die Haltung von hundert Hühnern in der Wohnzone sei vor allem wegen den
zu erwartenden Lärmimmissionen nicht zonenkonform.
Die Beschwerdeführerin rügt, die Gemeinde habe dem Hühnerhaus den Bauabschlag
erteilt, obwohl dem Bauvorhaben aufgrund der Voranfrage die Baubewilligung in Aussicht
gestellt worden sei. Das geplante Hühnerhaus sei zudem wesentlich kleiner als das in der
Voranfrage beschriebene Projekt.
Die Gemeinde Rüti b. Büren führt in ihrer Stellungnahme vom 31. März 2010 aus,
anlässlich der Voranfrage sei die Gemeinde nicht von einer solch grossen Anzahl von
Tieren ausgegangen, sondern habe lediglich mit hobbymässiger Tierhaltung gerechnet.
Die tatsächlichen Ausmasse der Hühnerhaltung hätten sich erst während des
Baubewilligungsverfahrens gezeigt. Die zu erwartenden Lärmimmissionen seien nicht
tragbar, ausserdem sei die gewerbsmässige Tierhaltung in der Wohnzone nicht zulässig.
Im Übrigen seien Bauvoranfragen immer unverbindlich. Eine abschliessende Beurteilung
werde erst im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens vorgenommen.
b) Die Liegenschaft der Beschwerdeführerin liegt grösstenteils in der Wohnzone W2, ein
kleiner Teil im Norden der Parzelle liegt in der Landwirtschaftszone. Der geplante
Hühnerstall käme in der Wohnzone W2 zu stehen.
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Art. 42 Abs. 1 GBR3 bestimmt, dass Wohnzonen der Wohnnutzung vorbehalten sind.
Gewerbliche Nutzungen sind im Umfang von Art. 90 BauV4 zulässig. Danach sind die
Neueinrichtung oder die Erweiterung von Mast- und Zuchtbetrieben sowie die
gewerbsmässige Tierhaltung untersagt. Ausgenommen sind derartige Betriebsbauten in
ländlichen Verhältnissen, sofern sie für die konventionelle bäuerliche Bewirtschaftung
benötigt werden und die Wohnnutzung nicht erheblich beeinträchtigen (Art. 90 Abs. 2
BauV).
Die Beschwerdeführerin plant die Haltung von bis zu hundert Hühnern zur Belieferung von
Kunden mit Eiern. Bei der geplanten Nutzung handelt es sich damit eindeutig um
gewerbsmässige Tierhaltung. Die Beschwerdeführerin führt keinen landwirtschaftlichen
Betrieb, die Ausnahme von Art. 90 Abs. 2, 2. Satz, BauV ist damit vorliegend nicht
anwendbar. Die geplante Nutzung ist damit nicht zonenkonform und kann nicht bewilligt
werden.
c) Der Grundsatz von Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV5, Art. 11 Abs. 2
KV6) bedeutet, dass der Rechtsverkehr zwischen den Bürgerinnen und Bürgern auf der
einen und der Verwaltung auf der andern Seite von gegenseitigem Vertrauen getragen sein
muss. Das Gebot des Handelns nach Treu und Glauben gilt im Verhältnis zwischen
Behörden und Bürgern also nicht nur für die Behörden, sondern auch für die Bürgerinnen
und Bürger.7 Konkret bedeutet der Vertrauensschutz, dass die Behörde eine Auskunft oder
Zusicherung, die von ihr erteilt wurde – auch wenn sie unrichtig war – gelten lassen muss,
wenn der Bürger im Vertrauen darauf Dispositionen getroffen hat, die er nicht ohne
Schaden wieder rückgängig machen kann. Voraussetzung ist allerdings, dass die Auskunft
in einer konkreten, den betreffenden Bürger berührenden Angelegenheit gegeben worden
ist, dass die Behörde zur Auskunftserteilung zuständig war und dass der Bürger die
Unrichtigkeit der erhaltenen Auskunft nicht erkennen konnte. Selbst wenn alle diese
Voraussetzungen erfüllt sind, müssen das Interesse an der richtigen Durchsetzung des
objektiven Rechts und jenes des Vertrauensschutzes gegeneinander abgewogen werden.
3 Gemeindebaureglement der Gemeinde Rüti b. Büren vom 9. Juli 1993 4 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 5 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 6 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 7 BGE 121 I 181, E. 2a
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Überwiegt das öffentliche Interesse an der Anwendung des positiven Rechts, muss sich
der Bürger unterziehen.8
Eine ganzheitliche und verbindliche Überprüfung von Bauvorhaben ist erst mit der
Einreichung des Baugesuchs möglich. Alle vorgängig im Rahmen von Voranfragen
gemachten Aussagen und Beurteilungen binden die Behörden nicht. Zwar kommt den
Voranfragen die Bedeutung eines Ersuchens um Rechtsauskunft über die
Bewilligungsfähigkeit zu. Auskünfte in diesem Rahmen vermögen aber grundsätzlich keine
Vertrauensposition zu schaffen.9
Die Voranfrage der Beschwerdeführerin betrifft ein Hühnerhaus mit den Massen 5 x 20 m,
unterteilt in Leghennen, Truten, Pouletmast und Kückenaufzucht, umgeben von einem
Maschendrahtzaun von 2 m Höhe und einem Umfang von 400 m. Die Antwort der
Gemeinde enthält lediglich Hinweise auf den Grenzabstand, welcher zur Nachbarparzelle
einzuhalten ist. Im Zusammenhang mit den später nicht gebauten Fischbecken wies die
Gemeinde darauf hin, dass die gewerbsmässige Führung einer Fischfarm nicht
zonenkonform sei. Sie wies ebenfalls darauf hin, dass die Beurteilung der Voranfrage nicht
definitiv sei und eine abschliessende Prüfung erst im Baubewilligungsverfahren stattfinde.
Die Abklärungen der Gemeinde zur Voranfrage erscheinen sehr rudimentär. Insbesondere
weist die Beschreibung des Hühnerhauses und dessen Grösse eigentlich darauf hin, dass
keine hobbymässige Tierhaltung vorliegt, beziehungsweise mit einer grösseren Anzahl von
Tieren zu rechnen ist.
Voranfragen sind aber grundsätzlich unverbindlich. Vorliegend ist insbesondere die
Einhaltung der Vorschriften zur Zonennutzung betroffen. An deren Einhaltung besteht ein
gewichtiges öffentliches Interesse. Die gewerbsmässige Tierhaltung ist in der Wohnzone
grundsätzlich nicht zulässig. Auch die hobbymässige Tierhaltung ist nur bis zu einem
bestimmten Ausmass zulässig. Bei Hühnern liegt die in der Wohnzone maximal
zonenkonforme Anzahl bei sechs Stück10, gemäss Verwaltungsgericht können in
ländlichem Gebiet bis zu dreissig Hühner und zwei Hähne zulässig sein.11
8 BGE 116 Ib 185, E. 3c 9 VGE Nr. 22263U vom 10. April 2006, E. 5.2; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 3. Aufl. 2007, Vorbemerkung zu den Art. 32-44 N. 5 10 BSIG Nr. 7/725.1/1.1 11 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 24 N. 31c
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Die Beschwerdeführerin plant die Haltung von bis zu hundert Hühnern zum Verkauf der
Eier. Eine solche Nutzung ist bereits aufgrund der Gewerbsmässigkeit unzulässig. Die
geplante Anzahl der Tiere überschreitet aber auch das maximal Zulässige für
Hobbytierhaltung massiv. Bei einer solchen Anzahl von Tieren in der Wohnzone ist mit
massgeblichen Emissionen – beispielsweise Lärm- und Geruchsemissionen – zu rechnen.
Der Vertrauensschutz zugunsten der Beschwerdeführerin muss gegen das Interesse an
der Durchsetzung der Zonenvorschriften und den Anspruch der Nachbarn vor nicht
zonenkonformen Immissionen abgewogen werden. Selbst bei Annahme von
hobbymässiger Tierhaltung und unter Berücksichtigung des Vertrauensschutzes überwiegt
dabei vorliegend aufgrund des Ausmasses der geplanten Nutzung das öffentliche Interesse
an der Durchsetzung der Zonenvorschriften und der Nachbarschutz eindeutig.
Die Beschwerde wird daher abgewiesen und dem Bauvorhaben der Bauabschlag erteilt.
3. Kosten
a) Die Grundsätze der Kostenverlegung sind in Art. 108 VRPG geregelt. Demnach
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Verfahrensausgang gilt die Beschwerdeführerin als unterliegend.
b) Die Kosten für das Verfahren vor der BVE werden auf Fr. 600.00 festgesetzt (Art. 19
Abs. 1 GebV12). Für die Abschreibungsverfügung vom 16. April 2010 werden aufgrund des
geringen Aufwandes keine zusätzlichen Kosten erhoben. Parteikosten werden keine
gesprochen (Art. 104 Abs. 4 VRPG).
12 Verordnung über die Gebühren der Kantonsverwaltung vom 22. Februar 1995 (GebV; BSG 154.21)
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