# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 61e30b7f-739e-5544-8f74-537c6918044d
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit Gesamtentscheid vom 3. Juli 2013 bewilligte das Regierungsstatthalteramt
Seeland den Umbau eines Bauernhauses auf dem Grundstück Gals Grundbuchblatt Nr.
E._. Das Vorhaben umfasste unter anderem die Erstellung von vier Wohnungen
RA Nr. 120/2017/54 2
sowie die Erstellung einer Tiefgarage mit acht Autoabstellplätzen. Das Grundstück Gbbl.
Nr. E._ wurde nach dem Umbau des Bauernhauses in fünf Stockwerkeinheiten
aufgeteilt (Gbbl. Nr. E._-1 bis E._-5).1
2. Im Frühling 2016 wandten sich die Beschwerdeführenden an die Gemeinde Gals. Sie
beschwerten sich darüber, dass auf dem Grundstück Nr. E._ ein oberirdischer
Autoabstellplatz ohne Baubewilligung erstellt wurde. Am 12. April 2016 reichte die
Beschwerdegegnerin bei der Gemeinde ein nachträgliches Baugesuch für den
oberirdischen Autoabstellplatz sowie ein Ausnahmegesuch zur Unterschreitung des
Strassenabstands ein. Mit Entscheid vom 25. August 2016 erteilte die Gemeinde Gals für
den Autoabstellplatz die Baubewilligung. Die von den Beschwerdeführenden dagegen
erhobene Beschwerde hiess die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) mit Entscheid
vom 1. Dezember 2016 gut (RA Nr. 110/2016/136). Sie hob die Baubewilligung auf und
erteilte den Bauabschlag, weil der fragliche Parkplatz die zulässige Anzahl an
Abstellplätzen für Motorfahrzeuge überschritt. Im Übrigen wies die BVE die Sache an die
Gemeinde Gals zurück, damit diese das Wiederherstellungsverfahren weiterführt, d.h.
Massnahmen zur Beseitigung des rechtswidrigen Zustands näher prüft und verfügt.
3. Mit Eingabe vom 6. Juni 2017 gelangten die Beschwerdeführenden mit
aufsichtsrechtlicher Anzeige an das Regierungsstatthalteramt Seeland. Sie beantragten,
der Gemeinde sei eine Frist zu setzen, damit diese die erforderlichen
Wiederherstellungsmassnahmen gemäss dem Entscheid der BVE vom 1. Dezember 2016
prüft und verfügt. Falls die Gemeinde untätig bleibe, solle das Regierungsstatthalteramt die
Wiederherstellungsmassnahmen selber verfügen. Das Regierungsstatthalteramt forderte in
der Folge die Gemeinde und die Beschwerdegegnerin auf, zur Anzeige Stellung zu
nehmen. Im Schreiben vom 23. Juni 2017 stellte sich die Gemeinde auf den Standpunkt,
die Wiederherstellung des Parkplatzes sei unverhältnismässig. Sie befand, das Absperren
des Parkplatzes genüge. Daraus schlossen die Beschwerdeführenden, die Gemeinde
werde nichts Weiteres unternehmen. Sie verlangten deshalb mit Schreiben vom 5. Juli
2017 von der Regierungsstatthalterin die Anordnung von geeigneten
1 Vgl. Beilage Nr. 10 zur Beschwerde vom 2. Oktober 2017
RA Nr. 120/2017/54 3
Wiederherstellungsmassnahmen. Mit Verfügung vom 31. August 2017 ordnete die
Regierungsstatthalterin des Verwaltungskreises Seeland Folgendes an: 1. "Der Aussenparkplatz auf der Parzelle Gals Gbbl. Nr. E._ (entlang
F._weg) darf nicht als Abstellplatz für Motorfahrzeuge benützt werden.
2. Sofern weitergehend wird der Anzeige keine Folge gegeben.
3. Die Verfahrenskosten trägt der Kanton.
(...)"
Die Verfügung wurde der Beschwerdeführerin 2, der Beschwerdegegnerin und der
Gemeinde eröffnet.
4. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 2. Oktober 2017
Beschwerde bei der BVE ein. Sie stellen folgende Rechtsbegehren: "1. Die Verfügung des Regierungsstatthalteramts Seeland vom 31. August 2017
betreffend Entscheid der BVE vom 1. Dezember 2016 – Parzelle Gals Gbbl. Nr.
E._ (RA Nr. 110/2016/136) sei aufzuheben und die Sache zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz, eventuell an die Baupolizeibehörde der
Gemeinde Gals, zurückzuweisen.
2. Eventualiter: Die Ziffern 1 und 2 der Verfügung des Regierungsstatthalteramts
Seeland vom 31. August 2017 betreffend Entscheid der BVE vom 1. Dezember
2016 – Parzelle Gals Gbbl. Nr. E._ (RA Nr. 110/2016/136) seien
aufzuheben und es sei an die Andresse der heutigen Eigentümerschaft sowie an
alle aktuellen Benutzer/Störer der Parzelle Gals Nr. E._, evtl. beschränkt
auf die Parzelle Gals Gbbl. Nr. E._-4, als auch an Frau D._ als
damalige Bauherrin zu verfügen, dass der nicht baubewilligte Parkplatz auf dem
Grundstück Gals Gbbl. Nr. E._ (entlang F._weg, wohl Parzelle
Gals Gbbl. Nr. E._-4) binnen angemessener Frist vollständig zu
beseitigen bzw. unter Herstellung des ursprünglichen Zustandes zu schleifen ist,
unter einstweiligem Erlass eines Benutzungsverbotes bis zum totalen Rückbau,
unter Androhung der Straffolgen von Art. 292 StGB im Unterlassungsfall sowie
unter Androhung der Ersatzvornahme durch Dritte auf Kosten der aktuellen
Eigentümerschaft.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gemeinde Gals, evtl. zu
Lasten des Kantons Bern."
Sie machen in der Hauptsache formelle Mängel geltend. Zudem kritisieren sie, alleine das
Benützungsverbot sei eine ungeeignete Massnahme, um die rechtswidrige Nutzung des
RA Nr. 120/2017/54 4
Parkplatzes zu verhindern. Im Schreiben vom 16. November 2017 halten sie im
Wesentlichen an ihren Ausführungen fest. Sie stellen ausserdem den Antrag, die
Stellungnahme der Beschwerdegegnerin sei aus den Akten zu weisen, weil diese verspätet
eingereicht worden sei.
5. Ohne einen förmlichen Antrag zu stellen erklärt die Gemeinde Gals in ihrer
Stellungnahme vom 28. Oktober 2017, sie erachte das Benützungsverbot als genügend. In
der Stellungnahme vom 30. Oktober 2017 beantragt das Regierungsstatthalteramt Seeland
die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
6. Die Beschwerdegegnerin hält in der Stellungnahme vom 31. Oktober 2017 fest, sie
habe schwere Blumentöpfe und einen Behälter mit Kissen auf die Parkfläche gestellt. Das
verhindere den Zugang zur Parkfläche. Auch würden grosse Steine auf die Parkfläche
gestellt, die von Hand nicht mehr verschoben werden könnten. Zudem wünscht die
Beschwerdegegnerin die Zustellung der Schriftstücke in französischer Sprache.
7. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Vorinstanz die Vorakten und bei der Gemeinde
Gals die Akten zum nachträglichen Baugesuchsverfahren Nr. 05/2016 ein. Auf die
Eingaben der Verfahrensbeteiligten und die vorhandenen Akten wird, soweit für den
Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Benützungsverbot für einen Parkplatz auf der Parzelle Gals Gbbl.
Nr. E._. Diese baupolizeiliche Massnahme verfügte die Regierungsstatthalterin
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 120/2017/54 5
des Verwaltungskreises Seeland anstelle der Baupolizeibehörde von Gals gestützt auf
Art. 48 Abs. 1 BauG3. Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG können baupolizeiliche Verfügungen
nach Art. 45 bis 48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE
angefochten werden. Die BVE ist somit zuständig zur Prüfung der Beschwerde gegen die
Baupolizeiverfügung.
b) Die Beschwerdeführerin 2 ist Gesamteigentümerin des Nachbargrundstücks Gals
Gbbl. Nr. G._; sie war am vorinstanzlichen Verfahren als Anzeigerin beteiligt. Sie
erhebt formelle Rügen und erachtet ein blosses Benützungsverbots als unzureichend zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands. Damit ist die Beschwerdeführerin 2 durch
die angefochtene Verfügung beschwert und zur Beschwerde legitimiert. Die
Beschwerdelegitimation des Beschwerdeführers 1 wird vom Regierungsstatthalteramt
bestritten. Es weist zwar daraufhin, dass der Beschwerdeführer 1 die aufsichtsrechtliche
Anzeige und weitere Eingaben im Vorverfahren beim Regierungsstatthalteramt nicht
unterzeichnete.4 Anzumerken ist allerdings, dass der Beschwerdeführer 1 in der
Korrespondenzadresse aufgeführt war und er sich im Verwaltungsverfahren problemlos
durch die Beschwerdeführerin 2 hätte vertreten lassen können. Um dies zu klären, hätte
das Regierungsstatthalteramt nachfragen müssen, in welcher Form sich der
Beschwerdeführer 1 am vorinstanzlichen Verfahren beteiligen will. Es ist damit fraglich, ob
der Beschwerdeführer 1 beschwerdeberechtigt ist. Da hier jedoch auf die Beschwerde
aufgrund der Legitimation der Beschwerdeführerin 2 ohnehin einzutreten ist, wird die
Legitimation des Beschwerdeführers 1 nicht abschliessend geprüft. Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde wird eingetreten.
2. Streitgegenstand
a) Das Regierungsstatthalteramt Seeland hat die Anzeige vom 6. Juni 2017 sowohl als
baupolizeiliche wie auch als aufsichtsrechtliche Anzeige entgegengenommen. In Ziffer 1
des Dispositivs der Verfügung vom 31. August 2017 ordnete das Regierungsstatthalteramt
Seeland anstelle der Baupolizeibehörde von Gals ein Benützungsverbot an. Weitergehend
gab es der aufsichtsrechtlichen Anzeige keine Folge (vgl. Ziffer 2 des
Verfügungsdispositivs).
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Vgl. pag. 1 der Vorakten des Regierungsstatthalteramts Seeland
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b) Ziffer 1 des Verfügungsdispositivs enthält eine Wiederherstellungsverfügung im
Sinne von Art. 46 Abs. 2 BauG. Das ist hier Gegenstand des Beschwerdeverfahrens. Ziffer
2 des Verfügungsdispositivs weist hingegen eine aufsichtsrechtliche Komponente auf (vgl.
Art. 48 Abs. 1 Satz 1 BewD5). Rügen gegen aufsichtsrechtliche Entscheide der
Regierungsstatthalterinnen oder der Regierungsstatthalter werden vom Regierungsrat bzw.
der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion und nicht von der BVE behandelt (Art. 101
Abs. 1 VRPG6 in Verbindung mit Art. 6b Abs. 1 RStG7).8 Soweit sich die Beschwerde
gegen den aufsichtsrechtlichen Teil der Verfügung vom 31. August 2017 richtet (vgl. Ziffer
2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung), kann darauf nicht eingetreten werde. Da
die Beschwerde keine aufsichtsrechtlichen Rügen enthält, besteht kein Grund, die Sache
der zuständigen Aufsichtsbehörde, d.h. dem Regierungsrat, zur Prüfung weiterzuleiten.
3. Verspätete Stellungnahme der Beschwerdegegnerin
a) Die Beschwerdeführenden stellen mit Schreiben vom 16. November 2017 den
Antrag, die Stellungnahme der Beschwerdegegnerin vom 31. Oktober 2017 sei aus den
Akten zu weisen, da diese zu spät eingereicht worden sei.
b) Dass die Beschwerdegegnerin ihre Stellungnahme zur Beschwerde verspätet
einreichte, hat hier keine rechtlichen Konsequenzen. Die Beschwerdegegnerin ist
Verfügungsadressatin und damit zwingend als Partei am Verfahren beteiligt. Gestützt auf
Art. 18 Abs. 1 VRPG stellt die BVE den Sachverhalt von Amtes wegen fest. Es steht ihr zu,
Parteieingaben zu berücksichtigen, die verspätet eingereicht worden sind. Davon
ausgenommen sind allerdings verspätet vorgebrachten Rügen.9 Die BVE hat auch die
Möglichkeit, eine verspätete Parteieingabe als Stellungnahme im Sinn einer Auskunft einer
Partei oder Dritter zu behandeln (Art. 19 Abs. 1 Bst. c VRPG). Es besteht somit kein
5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 7 Gesetz vom 28. März 2006 über die Regierungsstatthalterinnen und Regierungsstatthalter (RStG; BSG 152.321) 8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 48 N. 3 9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 42 N. 1
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Anlass, die Stellungnahme der Beschwerdegegnerin aus den Akten zu weisen. Der Antrag
wird abgewiesen.
4. Verfahrenssprache
a) Die Beschwerdegegnerin wünscht die Zustellung der Schriften in französischer
Sprache, weil es sich hier um eine komplizierte Angelegenheit handle und sie die deutsche
Sprache nicht spreche.
b) Nach Art. 34 Abs. 1 VRPG instruieren Gemeindebehörden und die
Regierungsstatthalterin oder der Regierungsstatthalter in der für ihren Verwaltungskries
geltenden Amtssprache. Die übrigen Behörden instruieren in der Sprache des von der
Sache her betroffenen Verwaltungskreises (Art. 34 Abs. 2 VRPG). Die Gemeinde Gals liegt
im Verwaltungskreis Seeland. In diesem Verwaltungskreis ist Deutsch die Amtssprache
(Art. 6 Abs. 2 Bst. c KV10). Vorliegend ist somit Deutsch die Sprache des Verwaltungs- und
Verwaltungsjustizverfahrens. In dieser Sprache ergeht auch der Entscheid. Dem Anliegen
der Beschwerdegegnerin, wonach ihr die Schriften in französischer Sprache zuzustellen
sind, kann nicht entsprochen werden. Selbstverständlich steht es der Beschwerdeführerin
frei, sich im Beschwerdeverfahren in französischer Sprache auszudrücken.
5. Baupolizei; Zuständigkeit
a) Nach Art. 45 Abs. 1 BauG ist die Baupolizei unter Aufsicht des Regierungsstatthalters
Sache der zuständigen Gemeindebehörde. Die Gemeindebehörde trifft im Rahmen ihrer
Zuständigkeit alle Massnahmen, die zur Durchführung des Baugesetzes und der darauf
erlassenen Vorschriften und Verfügungen erforderlich sind (Art. 45 Abs. 2 BauG). Ihr
obliegt insbesondere die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands bei
widerrechtlicher Bauausführung oder bei nachträglicher Missachtung von Bauvorschriften,
Bedingungen und Auflagen (Art. 45 Abs. 2 Bst. b BauG). Der Regierungsstatthalterin oder
dem Regierungsstatthalter kommt im Rahmen der Baupolizei lediglich eine
Aufsichtsfunktion zu (Art. 48 Abs. 1 Satz 1 BewD). Ihre oder seine Zuständigkeit, eine
10 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1)
RA Nr. 120/2017/54 8
baupolizeiliche Wiederherstellungsverfügung zu erlassen, ist zu bejahen, wenn die
Gemeinde untätig bleibt (Art. 48 Abs. 1 Satz 2 BewD).
b) Mit dem Entscheid vom 1. Dezember 2016 wies die BVE die Sache an die Gemeinde
Gals zurück, damit diese das Wiederherstellungsverfahren weiterführt, d.h. Massnahmen
zur Beseitigung des rechtswidrigen Zustands näher prüft und verfügt. Das
Wiederherstellungsverfahren war damit nicht abgeschlossen; es hätte durch die Gemeinde
Gals fortgesetzt und mit einer Verfügung förmlich abgeschlossen werden müssen. Dass
die Beschwerdegegnerin die Parkfläche des Parkplatzes offenbar zeitweise mit
Blumentöpfen absperrte, ändert daran nichts. Das befreite die Gemeinde nicht davon, das
Wiederherstellungsverfahren mit einer Verfügung abzuschliessen. Vorliegend erliess die
Regierungsstatthalterin des Verwaltungskreises Seeland anstelle der Gemeinde Gals eine
Wiederherstellungsverfügung im Sinn von Art. 46 Abs. 2 BauG. Das ist nicht zu
beanstanden: Die Beschwerdeführenden haben das gestützt auf Art. 48 Abs. 1 BauG
ausdrücklich verlangt. Zudem hat die Gemeinde in ihrem Schreiben vom 23. Juni 2017 klar
zum Ausdruck gebracht, dass sie auf die Anordnung von Wiederherstellungsmassnahmen
verzichte.
6. Benützungsverbot
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, die Eigentums- und Nutzungssituation am
Parkplatz auf dem Grundstück Gbbl. Nr. E._ sei unklar. Das Grundstück stehe im
Stockwerkeigentum und sei in fünf Einheiten aufgeteilt. Damit die verfügte
Wiederherstellungsmassnahme vollzogen werden könne, hätte die angefochtene
Wiederherstellungsverfügung den Stockwerkeigentümerinnen und Stockwerkeigentümern
eröffnet werden müssen. Unklar sei auch, weshalb der Rückbau des Parkplatzes
unverhältnismässig sei und die erwähnten Massnahmen, namentlich das Anbringen von
Blumentöpfen, nicht als Wiederherstellungsmassnahme ins Dispostiv aufgenommen
worden sei.
b) Adressatin der angefochtenen Wiederherstellungsverfügung ist, nebst der
Beschwerdeführerin und der Gemeinde, nur die Beschwerdegegnerin. Sie ist zwar als
Bauherrin Störerin, jedoch nicht alleinige Eigentümerin der Parzelle Nr. E._, wie
aus der Beilage 16 zur Beschwerde vom 2. Oktober 2017 hervorgeht. Der rechtswidrige
RA Nr. 120/2017/54 9
Parkplatz befindet sich auf dem Boden des Grundstücks Gbbl. Nr. E._. Daran
wurde Stockwerkeigentum begründet. Oberirdische Aussenparkplätze gehören
gezwungenermassen zu den gemeinschaftlichen Teilen des Stockwerkeigentums (Art.
712b Abs. 2 Ziff. 1 ZGB11). Der fragliche Parkplatz kann demzufolge den einzelnen
Stockwerkeigentümerinnen und Stockwerkeigentümern nicht zu Sonderrecht zugeschieden
werden; er steht vielmehr im Miteigentum aller Stockwerkeigentümer. Am vorinstanzlichen
Verfahren wurden aber nicht alle Stockwerkeigentümerinnen und Stockwerkeigentümer
beteiligt. Es war ihnen nicht möglich, sich zur Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands zu äussern. Weil die Wiederherstellungsverfügung nicht an alle
Stockwerkeigentümerinnen und Stockwerkeigentümer adressiert wurde, liesse sich die
Wiederherstellungsverfügung zudem nur schwer durchsetzen.12 Die fehlende Beteiligung
der Stockwerkeigentümerinnen und Stockwerkeigentümer am vorinstanzlichen Verfahren
stellt einen Verfahrensmangel dar.
c) Vorliegend geht aus den Akten nirgends hervor, dass die Gemeinde das Absperren
des Parkplatzes mit Blumentöpfen mit Verfügung anordnete. Es ist damit nicht
sichergestellt, dass der fragliche Parkplatz dauernd mit Blumentöpfen abgesperrt wird.
Auch ist unklar, ob mit Blumentöpfen die Nutzung des Parkplatzes überhaupt
verunmöglicht oder jedenfalls erheblich erschwert werden könnte. Da sich in den Akten
keine näheren Angaben zu den Blumentöpfen finden, namentlich zu deren Grösse oder
Gewicht, kann diese Frage nicht beantwortet werden. Der Sachverhalt ist in diesen
Punkten nicht oder nur ungenügend abgeklärt. Vor diesem Hintergrund kann auch nicht
gesagt werden, ob die angefochtene Wiederherstellungsverfügung, die bloss ein
Benützungsverbot enthält (vgl. Ziff. 1 des Dispositivs), eine geeignete
Wiederherstellungsmassnahme darstellt. Anzumerken ist an dieser Stelle, dass ein blosses
Benützungsverbot in der Regel nicht genügt, da ein solches auf Dauer meist nur mit
unverhältnismässigem Verwaltungsaufwand kontrollierbar und durchsetzbar ist.13 Das
Gesagte gilt besonders bei der illegalen Nutzung von Parkplatzflächen, wie das hier der
Fall ist.14 Nicht näher begründet ist in der angefochtenen Verfügung ausserdem, weshalb
die Schleifung, d.h. der Rückbau des Parkplatzes, unverhältnismässig erscheint. Und
11 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 201) 12 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 12 13 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 10 14 Vgl. BGer 1C_355/2008 vom 28. Januar 2009 E. 2.2
RA Nr. 120/2017/54 10
schliesslich ist die Frage ungeklärt, ob der Parkplatz mit grossen Steinen abgesperrt wird,
wie das die Beschwerdegegnerin erklärte.
7. Rückweisung
a) Aus den Erwägungen folgt, dass die angefochtene Verfügung formelle Mängel
enthält (fehlende Beteiligung der Stockwerkeigentümerinnen und Stockwerkeigentümer
und unzureichende Begründung). Dazu kommt, dass der Sachverhalt in
entscheidrelevanten Punkten nicht oder nur ungenügend abgeklärt ist. Diese Mängel
lassen sich nicht einfach beheben. Es müssen alle Stockwerkeigentümerinnen und
Stockwerkeigentümer ausfindig gemacht und am Verfahren beteiligt und angehört werden.
Auch ist nachvollziehbar zu begründen, weshalb ein Rückbau des Parkplatzes
unverhältnismässig wäre. Zudem bedarf es in einzelnen Punkten weiterer
Sachverhaltsabklärungen. Falls nötig, ist ein Augenschein durchzuführen. Die Sache ist
somit noch nicht entscheidreif. Es ist nicht Aufgabe der BVE als Beschwerdeinstanz,
erstmals diese Abklärungen vorzunehmen. Das Regierungsstatthalteramt Seeland hat
vorliegend die angefochtene Verfügung gestützt auf Art. 48 Abs. 1 BauG erlassen. Es ist
daher sachgerecht, die Akten zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der Erwägungen
an das Regierungsstatthalteramt Seeland zurückzuweisen (Art. 72 Abs. 1 VRPG).
b) Nach dem Gesagten ist der Hauptantrag der Beschwerde gutzuheissen. Die Ziffer 1
der Verfügung vom 31. August 2017 wird aufgehoben. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens erübrigt es sich, die Eventualanträge zu behandeln sowie die übrigen Rügen
der Beschwerdeführenden zu prüfen.
8. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
RA Nr. 120/2017/54 11
Fr. 800.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV15). Die Beschwerdeführenden
obsiegen mit ihrem Antrag insoweit, als das Benützungsverbot aufgehoben und die Sache
im Sinn der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen wird. Dagegen erachtete die
Beschwerdegegnerin die Wiederherstellungsmassnahme als genügend. Sie gilt daher im
Beschwerdeverfahren als unterliegende Partei.
b) Gemäss Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden
Partei auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten gebiete eine andere Verlegung
oder die besonderen Umstände rechtfertigen, keine Verfahrenskosten zu erheben. In
behördlichen Fehlleistungen, z.B. Mängeln in der Sachverhaltsermittlung, Nichtbeteiligung
einer Partei im Verfahren oder der mangelhaften Begründungen, können besondere
Umstände erblickt werden, wenn sie gewichtig und für die Parteien mit erheblichem
Mehraufwand verbunden gewesen sind.16 Das ist hier angesichts der Verfahrensfehler und
der mangelhaften Sachverhaltsabklärung der Fall. Es rechtfertigt sich deshalb, aufgrund
der besonderen Umstände keine Verfahrenskosten zu erheben.
c) Nach Art. 108 Abs. 3 VRPG hat die unterliegende Partei der Gegenpartei die
Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen
Umstände eine andere Teilung oder die Wettschlagung gebieten oder die Auflage der
Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt erscheint. Die verfahrensrechtlichen
Mängel und die Mängel bei der Sachverhaltsermittlung sind vorliegend der Vorinstanz
anzulasten (vgl. Erwägung 6). Aufgrund der besonderen Umstände ist es hier
gerechtfertigt, die Parteikosten nicht der unterliegenden Partei, sondern dem
Gemeinwesen, d.h. dem Regierungsstatthalteramt Seeland, aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 3
VRPG).
d) Der Anwalt der Beschwerdeführenden weist in seiner Kostennote ein Honorar von
Fr. 5'475.60 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) aus. Die Parteikosten umfassen den
durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
Nach Art. 11 Abs. 1 PKV17 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
15 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 16 BVR 2004 S. 133 E. 3.2, 2004 S. 37 E. 3; VGE 2011/291 vom 8.6.2012, E. 4.3.1; Merkli/Aeschlimann/
Herzog, a.a.O., Art. 108 N. 14 i.V.m. N. 16 17 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung; PKV; BSG 168.811)
RA Nr. 120/2017/54 12
Beschwerdeverfahren Fr. 400.00 bis Fr. 11'800.00 pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
KAG18). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als unterdurchschnittlich zu
werten. Im Beschwerdeverfahren wurde ein einfacher Schriftenwechsel ohne Amtsberichte
und Augenschein durchgeführt. Angesichts der hier umstrittenen Rechtsfragen sind auch
die Bedeutung der Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als
unterdurchschnittlich einzustufen. Daher erscheint ein Honorar von Fr. 2'500.00 (inkl.
Auslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen. Nach dem Gesagten hat das
Regierungsstatthalteramt Seeland den Beschwerdeführenden die Parteikosten von Fr.
2'500.00 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) zu ersetzen.