# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bba40d5e-16d9-4a9e-ba5c-720873cab176
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren am
31. August
2007
, wurde
am 17. Novem
ber 2017
durch
ihren Vater
unter Hin
weis
eine Aufmerksamkeitsde
fizitstörung (
ADS
)
, diagnostiziert am 7. November 2016,
bei der Sozialversiche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug
(
medizinische Mass
nahmen
)
angemeldet (Urk
. 5
/
1
).
Die IV-Stelle tätigte daraufhin Abklärungen in medizinischer Hinsicht.
Nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD, Urk. 5/8) stellte die IV-Stelle
der Versicherten
m
it Vorbescheid vom
13. Juni 2018
(Urk. 5/9)
in Aussicht, keine Kostengutsprache für medizinische
Mass
nahmen (Geburtsgebrechen Ziffer 404,
Psychotherapie
) zu leisten.
Dies wurde
mit Verf
ügung vom 24. August 2018 (Urk.
2) bestätigt.
2.
Gegen die Verfügung vom
24. August 2018
(Urk. 2) erhob die Mutter
der
Ver
sicherten
als gesetzliche Vertreterin
am
30. August 2018
Beschwerde mit dem Antrag,
die Verfügung vom 24. August 2018 sei aufzuheben respektive der Sach
verhalt sei neu zu beurteilen
(Urk. 1).
Mit Beschwerde
antwort vom
10. Oktober 2018
(Urk. 4)
schloss die
Beschwer
de
gegnerin
auf Abweisung der Beschwerde.
Am 17. Oktober 2018 reichte die Beschwerdeführerin
eine Stellungnahme ihrer ehemals behandelnden Psychologin zu den Akten
(Urk. 7 f.).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Be
hand
lung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
) notwendigen medizini
schen Massnahmen (Art. 13 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung
,
IVG
). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Art. 13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 Satz 1
der
Verord
nung über Geburtsgebrechen
,
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (Art. 1 Abs. 1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufgeführt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich anpassen, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpassung für die Versicherung insgesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen (Art. 1 Abs. 2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Be
hand
lung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3
GgV
).
1.
1.
2
Als Geburtsgebrechen im Sinne von Ziff. 404
GgV
-Anhang (
Aufmerksamkeits-Defizit-Störung/-Syndrom [
ADS
]
bzw.
Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung/-Syndrom [
ADHS
]
; vormals «psychoorganisches Syndrom» [POS]) gelten Störungen des Verhaltens bei Kindern mit
normaler Intelligenz, im Sinne krank
hafter Beeinträchtigung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit, bei Störungen des Antriebes, des Erfassens, der perzeptiven Funktionen, der Wahrnehmung, der Konzentrations
fä
higkeit sowie der Merkfähigkeit, sofern sie mit bereits gestellter
Diagnose als solche vor der Vollendung des 9. Altersjahres auch behandelt wo
rden sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_932/2010 vom 11. Januar 2011 E. 2.2 mit Hinwei
sen).
1.
1.
3
Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat im Kreisschreiben über die
medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (KSME, gül
tig ab 1.
Januar 2018
) die Voraussetzungen der Leistungspflicht für solche Geburtsgebrechen näher umschrieben. So muss die Störung zwingend vor dem vollendeten 9. Lebensjahr als solche diagnostiziert, dokumentiert und auch be
handelt worden sein. Erworbene Störungen müssen sicher ausgeschlossen sein (
Rz
404.2
KSME
).
Nach
Rz
404.5
KSME
müssen die Symptome (vorstehend E. 1.
1.2
) kumulativ nachgewiesen, jedoch nicht unbedingt gleichzeitig vorhanden sein, sondern können unter Umständen sukzessive auftreten. Wenn bis zum 9. Geburtstag nur einzelne der erwähnten Symptome ärztlich festgestellt wer
den, sind die Voraus
setzungen für ein Geburtsgebrechen nach Ziff. 404
GgV
Anhang nicht erfüllt.
Grundsätzlich ist es möglich, nach dem Erreichen des 9. Altersjahres eine erst
malige Anerkennung der Problematik als Geburtsgebrechen
gemäss
Ziff
.
404
GgV
-Anhang
zu erreichen
. Nachgewiesen werden muss aber, dass vor dem 9. Altersjahr sowohl eine Diagnose gestellt wurde, als auch eine medizinische Be
handlung stattfand. Bei der Diagnosestel
lung reicht es nicht aus, eine ADS-Symptomatik als POS zu bezeichnen, sondern die Anerkennungskriterien nach
Rz
404.5
KSME
müssen mittels Untersuchung nachvollziehbar belegt
worden sein (Ziff. 1.3 des Anhangs 7 zum KSME).
1.1.4
Bei der Beurteilung eines Antrages um Kostengutsprache für medizinische Mass
nahmen geht es um die Zuordnung des Leistungsträgers und nicht um die Beur
teilung der Therapiebedürftigkeit eines Kindes. Die Ablehnung eines Antra
ges durch die IV-Stelle ist nicht ein Entscheid gegen das Kind oder eine Vernei
nung seiner Behandlungsbedürftigkeit, sondern ein versicherungsrechtlicher Entscheid bezüglich der Zuordnung des Leistungsträgers (Ziff. 1.1 des Anhangs 7 zum KSME).
1.2
1.2.1
Gemäss Art. 12
Abs. 1
IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesent
lich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren.
1.2.2
Gemäss
Rz
645-647/845-847.5
KSME
können die Kosten für eine Psychothera
pie nach intensiver fachgerechter Behandlung von einem Jahr Dauer übernom
men werden, wenn keine genügende Besserung erzielt wurde und gemäss spezial
ärzt
licher Feststellung bei einer weiteren Behandlung erwartet werden kann, dass der drohende Defekt mit seinen negativen Wirkungen auf die Berufsausbildung und Erwerbsfähigkeit zu einem grossen Teil verhindert wird.
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verf
ügung vom 24. August 2018 (Urk.
2) damit, dass die
Voraussetzungen
für die Anerkennung der Störung der Beschwer
deführerin als Geburtsgebrechen nach Ziff. 404
GgV
-Anhang
vorliegend nicht erfüllt seien. Das ADHS sei gemäss
Aktenlage
am 7. November 2016 und damit nach Vo
l
lendung des 9. Lebensjahres
diagnostiziert
worden. Die Psychotherapie könne auch
nicht im Rahmen von Art. 12 IVG übernommen werden. Eine kon
klusive Begründung für die Psychotherapie sei nicht
ersichtlich
; auch ein Grund für deren Abbruch könne dem Arz
tbericht nicht entnommen werden (S. 2).
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin
(gesetzlich vertreten durch ihre Mutter)
vor, sie sei bereits im Alter von drei Jahren auffällig gewesen und in den darauf
folgenden Jahren
(2011, 2012, 2014 und 2016)
mehrfach auf die von der Be
schwer
degegnerin erwähnten Störungen abgeklärt worden.
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort vom 10. Oktober 2018 (Urk. 4) führte die Beschwer
degegnerin aus, gemäss den behandelnden Ärzten an der
Z._
sei die Diagnose der ADS bei der Beschwerdeführerin erst nach Vollendung des 9. Lebensjahres diagnostiziert und behandelt worden. Dass bereits vorher gesundheitliche Auffälligkeiten bestanden hätten, wie es die Mutter vorbringe, vermöge an diesem Umstand nichts zu ändern.
3.
3.1
Mit Bericht vom 5. Februar 2018 (Urk. 5/5) führte Dr. med.
A._
, Facharzt für
Kinder- und Jugendmedizin,
aus, er betreu
e die Beschwerdeführer
in seit der frühen Kindheit. Sie sei schon im frühen Kindesalter durch eine verzögerte Sprach
entwi
ck
lung aufgefallen. Bereits im Juli 2014 sei erstmals seitens der Schule der Verdacht eines ADS geäussert
worden
. Diese
Diagnose sei dann in der
B._
im Jahr 2016 gestellt und seither mit Stimulantien therapiert worden. Der Abklärungs
bericht
der
B._
liege ihm leider nicht vor, er wisse aber, dass eine kognitive
Beurteilung stattgefunden habe, welche eine normale Intelligenz bescheinigt habe
.
3.2
Im
Bericht der
B._
vom 19. M
ä
rz 2018 (Urk. 5/7) wurde ausgeführt, die Be
schwerdeführerin sei vom Schulpsychologischen Dienst zur Abklärung einer Kon
zentrationsstörung bei bestehenden Lernschwierigkeiten angemeldet worden. Das
Erstgespräch habe gemeinsam mit ihrem Vater und der Referentin am 11. August 2016 stattgefunden. Bereits im Kindergarten sei berichtet
worden
, dass die Be
schwerdeführerin ein verträumtes Mädchen sei. Der Vater berichte, dass es bereits drei Abklärungen gegeben habe, die jeweils ohne Befund geblieben seien. Die aktuellen Lehrpersonen beschrieben die Beschwerdeführerin als eher chaotisches Mädchen, das ein langsames Arbeitstempo aufweise. Sie würde sowohl in der Schule als auch zu Hause häufiger gedanklich abschweifen und brauche mehr
fache Wiederholungen bis sie Aufforderungen nachkommen würde. In einer Abklä
rung der
C._
sei ein Anfallsgeschehen ausgeschlossen worden. In
der Schule werde beobachtet, dass die Beschwerdeführerin häufig nicht zuhöre und ihren Gedanken nachhänge. Zu Anfang dieses Jahres sei ein dreimonatiges Coaching der Beschwerdeführerin durch den Vater initiiert worden, das jedoch wegen mangelnden Erfolges wieder abgebrochen worden sei. Auch im häuslichen Kontext höre die Beschwerdeführerin häufig nicht zu, brauche bei den Hausauf
gaben die Assistenz vom Vater. Sie arbeite zwar selbständig, benötige aber immer wieder die Hinführung zu den Arbeitsblättern.
Weiter wurde dargelegt, d
ie Beschwerdeführerin sei die zweite Schwangerschaft der Kin
d
smutter nach Totgeburt gewesen. Der Schwangerschaftsver
lauf
sei un
kompliziert gewesen ohne
Noxeneinfluss
. Die Geburt sei zum errechneten Termin im
D._
erfolgt
.
Es habe sich um einen Kaiserschnitt gehandelt. Die frühkindliche Anpassung und frühkindliche Entwicklung seien normgerecht verlaufen. Es habe sich
in der Entwicklung
zunehmend eine Sprachstörung ge
zeigt, die logopädisch abgeklärt worden sei. Die diagnostizierte rezeptive Sprach
störung sei logopädisch behandelt worden. Ab dem Alter von drei Jahren habe die Beschwerdeführerin einmal wöchentlich halbtags eine Spielgruppe besucht. Es seien keine Auffälligkeiten berichtet worden. Der Eintritt in den Kindergarten sei mit fünf Jahren erfolgt, die Beschwerdeführerin sei gern hingegangen und habe keine Eingewöhnungsschwierigkeiten gehabt. Von der Kindergärtnerin sei sie als
t
eilweise verträumt beschrieben worden. Die Einschulung sei mit sieben
Jahren
in die Regelklasse erfolgt. Die Beschwerdeführerin besuche nun die dritte Klasse. Sie habe gute Schulleistungen und ihr Lieblingsfach sei Englisch. In ihrer Freizeit zeichne und male sie gerne, spiele mit der Schwester oder
game
. Draussen beschäftige sie sich am liebsten mit Velofahren, Laufen,
Versteckenspielen
und Strassen
bemalen. Sie werde von anderen Kindern als stilles Mädchen wahrge
nommen.
Die IQ-Bestimmung sei am 28. Oktober 2016 durchgeführt worden
. Die Beschwer
deführerin habe einen Gesamt-IQ von 100 erreicht, was einer durchschnittlichen
Intelligenz entspreche. Ihre sprachlichen Fähigkeiten und die Fähigkeiten aus dem wahrnehmungsgebundenen logischen Denken seien gut
durchschnittlich
ausge
prägt. Ihr Arb
e
itsgedächtnis sei mit 93 ebenfalls durchschnittlich, die Verarbei
tungs
geschwindigkeit mit 81 unterdurchschnittlich ausgeprägt. Aufgrund des inho
mogenen Leistungsprofils sei der allgemeine
Fähigkeitenindex
berechnet worden, der eine durchschnittliche Intelligenz von 111 erbringe. Zwei frühere Intelligenzbeurteilungen seien am 13. Juli 2012
(
E._
)
sowie am 16. Juni 2014
(Schulärztliche Abklärung)
erfolgt.
Im Zusammenhang mit einer krankhaften Beeinträchtigung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit wurde dargelegt, d
ie Beschwerdeführerin sei bereits
seit
ihrem fünften Lebensjahr mehrfach fachärztlich vorgestellt worden. Gründe seien Auf
fällig
keiten in der Sprachentwicklung (Diagnose einer rezeptiven und expressiven Sprachstörung), Konzentrationsschwierigkeiten, mangelnde Integration in die Gruppe und teilweise mangelndes Interaktionsverhalten gewesen.
Sie
habe inte
ressiert an anderen Kindern erschienen, habe den Interaktionen jedoch häufig nicht folgen können.
S
ie habe ein scheues und zurückhaltendes Wesen gezeigt und nur vorsichtig Kontakt aufgenommen.
Auch im Zeitpunkt der aktuellen Vor
stellung habe sie sich schüchtern und zur
ü
ckhaltend gezeigt. Sie habe in ihrer Stimmung gedrückt gewirkt, was auch die Lehrerin in den Fragebögen beschrie
ben habe.
Die Verhaltensstörung äussere sich dahingehend, dass die Beschwerdeführerin immer wieder aktiv von aussen in die Gruppen integriert werden müsse, ansons
ten bleibe sie aussen vor. Obwohl sie ein freundliches Wesen zeige und Interesse an anderen Kindern habe, falle ihr die Integration in die Klassengemeinschaft schwer. Zu Hause habe sie einen Bezug zur jüngeren Schwester, wobei dieser teilweise konflikthaft geprägt sei. Es komme zu Geschwisterrivalitäten und Streitsituationen, in denen die Beschwerdeführerin
si
ch aber deutlich zurückhal
tender zeige als ihre Schwester. In schulischen Leistungssituationen und bei den Hausaufgaben brauche sie sehr lange und benötige immer wieder die Unterstütz
ung der Lehrerinnen oder des Vaters. Dies mache die Beschwerdeführerin traurig. Sie traue sich wenig zu.
Es zeige sich eine deutliche Antriebsminderung. Die Beschwerdeführerin weise in allen Lebensbereichen, auch in den Untersuchungen, ein langsames Arb
e
i
t
stempo auf. Sie müsse immer wieder ang
ehalten werden, weiter zu arbeit
en und nicht zu träumen.
Im Bericht
des
E._
, Entwicklungspädiatrie
,
vom 13. Juli 2012, zeige sich im Intelligenztest ein Ergebnis, das auf ein
Entwicklungsalter
von 4;4 Jahren
hinw
ei
se
(d
ie Beschwerdeführerin sei zu diesem Zeitpunkt bereits 4;10 Jahre alt
gewesen
). Ein leichter Entwicklungsrückstand werde in diesem Bereich deutlich. Es sei eine rezeptive und expressive Spracheerwerbsstörung diagnos
ti
ziert worden. Das Erfassen und Verstehen von Sprache seien dementsprechend nicht altersgerecht gewesen. Eine Förderung sei eingeleitet
worden
. Im Bereich der visuellen Wahrnehmung falle im Bericht
des
Schulpsychologischen Dienst
es
vom 16. Juni 2014 ebenfalls ein unterdurchschnittliches Ergebnis auf. Aktuell erreiche die Beschwerdeführerin im Bereich der akustischen Wahrnehmung ein knapp durchschnittliches Ergebnis.
Hinsichtlich einer Konzentrationsstörung wurde festgehalten, d
ie B
eschwerde
führerin werde bereits seit Kindergarten als verträumtes Mädchen beschrieben. Es hätten bereits mehrfach
Abklärungen stattgefund
e
n
, die Mängel in der Konzen
trationsfähigkeit festgestellt, aber noch keine Diagnose gestellt hätten. In den Überforderungssituationen sei dort ein Ausweichverhalten aufgefallen und gegen Ende der Untersuchung eine motorische Unruhe und Impulsivität.
I
m
Zusammenhang mit Gedächtnis- und Merkfähigkeitsstörungen wurde darge
legt, d
ie Beschwerdeführerin verfüge über eine durchschnittliche Gesamtlern
leis
tung
hinsichtlich der sprachlichen Gedächtnisleistung
. Es zeige sich ein Leis
tungs
abfall von Durchgang
vier zu fünf. Die Anzahl
Perseverationsfehler
und die Anzahl an Falsch Positiven Fehlern sei erhöht
. Im Bereich des Arbeitsge
dächt
nisses zeige sich eine deutliche Auffälligkeit
(S. 3 ff.).
Diagnostiziert wurde eine ADS
(ICD-10, F98.8)
. Es wurde dargelegt, die Diagnose
sei am 7. November 2016 gestellt worden. Am 11. August 2016 sei mit spezifi
schen medizinischen Massnahmen begonnen worden, die sich gezielt auf die Therapie des diagnostizierten POS beziehen
würden
.
Die
ärztliche Behandlung
(inklusive Medikamente, Laborunt
e
rsuchungen, etc.)
habe
am 14. Dezember 2016 begonnen
und
diese
dauere weiterhin an
,
eine
Psychotherapie sei vom 11. August 2016 bis 29. August 2017 alle
ein bis zwei Monate erfolgt (S. 5 f.).
3.3
Am 25. April 2018 (Ur
k. 5/8 S. 2)
legte
Dr. med.
F._
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
dar
,
g
emäss
KSME
Rz
404.2 müsse die Störung
der ADHS
(richtig: ADS)
zwingend vor dem vollendeten 9. Lebensjahr als solche diagnostiziert, dokumentiert und auch be
handelt worden
sein. Das sei hier nicht der Fall. Für eine erstmalige Anerkennung der Problematik als Geburtsgebrechen unter Ziffer 404
GgV
müsse gemäss
KSME
nachgewiesen werden, dass vor dem 9. Altersjahr sowohl eine Diagnose gestellt worden sei, als auch eine
medizinische Behandlung stattgefunden habe. Dies sei hier nicht der Fall. Ein Grossteil der beschriebenen Befunde könnte du
r
ch die festgestellte rezeptive und expressive Sprachstörung zumindest teilweise erklärt werden. Die Kriterien für das
Geburtsgebrechen
404 seien nicht erfüllt. Es könne kein Leistungsanspruch aus Nr. 404
GgV
hergeleitet werden.
Die Psychotherapie habe vom 11. August 2016 bis am 29. August 2017 stattgefunden. Eine konklu
sive Begründung für die Psychotherapie sei nicht ersichtlich. Auch ein Grund für
den Abbruch der Psychotherapie könne dem Arztbericht nicht entnommen werden
. Die Voraussetzun
g
für die Kostenübernahme nach Art. 12 IVG sei nicht gegeben.
3.4
In ihrer ergänzenden Stellungnahme vom 3. September 2018
(Urk. 8)
führte
die ehemals behandelnde Psychologin
aus, sie habe im Brief an die Beschwer
de
gegnerin deutlich vermerkt, dass bereits am 11. August 2016 mit ersten Mass
nahmen hinsichtlich der Behandlung begonnen worden sei.
Dies sei der erste Termin gewesen. Sie gebe auf Nachfrage immer an, dass sie Psychoedukation mit den Eltern mache, um eine erste Entlastung im Alltag mit dem Kind zu geben. Das wäre vor der Vollendung des 9. Lebensjahres (gewesen).
4.
Der
dargelegten
medizinischen Aktenlage (E. 3) ist zu entnehmen, dass die Diag
nose der
ADS
(ICD-10, F98.8)
erstmals
am 7. November 2016
gestellt wurde. Auch wenn bereits
vor diesem Zeitpunkt
Anzeichen für die Störung
vorlagen
und die Beschwerdeführerin
auch
fachärztlich abgeklärt
und
behandelt
worden
war
, ist die Diagnosestellung erst nach Vollendung des 9. Altersjahres der am 31. August 2007 geborenen Beschwerdeführerin erfolgt. Damit ist eine der zwingenden Voraussetzungen für die Anerkennung
der Störung
als Geburtsgebrechen nach Ziff. 404
GgV
Anhang
- nämlich die Diagnosestellung vor dem 9. Altersjahr
(E. 1.1) -
vorliegend
nicht erfüllt.
RAD-Arzt
Dr.
F._
ist
daher
in seiner Beur
teilung
vom 25. April 2018
, wonach kein Leistungsanspruch aus Ziff. 404
GgV
-Anhang
hergeleitet werden könne
(
E. 3.3
), zu folgen
.
Zu prüfen bleibt,
ob
Art. 12 IVG
eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin begründet.
5.
Die
Beschwerdeführerin
befand sich vom 11. August 2016 bis 29. August 2017 alle 1-2 Monate in einer psychotherapeutischen Behandlung (E. 3
.2). Aufgrund des in Erwägung
1.2 Dargelegten können die Kosten für eine Psychotherapie - bei Erfüllung weiterer Voraussetzungen - erst nach intensiver fachgerechter Behandlung von einem
Jahr Dauer übernommen werden. Die vorliegende Psy
cho
therapie dauerte lediglich rund ein Jahr an und kann
mit einer
ein- bis zweimonatlichen
Frequenz
auch nicht als intensiv gewertet werden. Damit ist eine Kostenübernah
m
e durch die Beschwerdegegnerin
im Rahmen von Art. 12 IVG
ausgeschlossen.
Sowohl hinsichtlich der Psychotherapie als auch der weiteren medizinischen Massnahmen ist sodann darauf zu schliessen, dass diese auf die Behandlung des Leidens an sich gerichtet waren/sind. So führte Dr.
A._
am 5. Februar 2018 (E. 3.1) aus, die Diagnose des ADS sei 2016 gestellt und
«
seither mit Stimulantien therapiert
»
worden
. Aufgrund der Angaben im Bericht der
B._
vom 19. M
ä
rz 2018 (E. 3.2) wird ebenfalls deutlich,
dass
die am 11. August 2019 eingeleiteten medizinischen Massnahen gezielt der Therapie galten und auch am 3. September 2018 (E. 3.4) sprach
die ehemalige Psychologin
von Massnahmen «hinsichtlich der Behandlung». Derartige Massnahmen fallen nicht unter Art. 12 IVG (E. 1.2), weshalb eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin auch mit Blick hierauf zu verneinen ist.
6.
Insgesamt ist damit festzuhalten, dass medizinische Massnahmen vorliegend weder gestützt auf Art. 12 IVG noch auf Art. 13 IVG geschuldet sind.
D
ie ange
fochtene Verfügung
vom 24. August 2018 (Urk. 2) erweist sich somit
als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
5
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Ver
fahrens sind sie der
beschwerdeführenden
Partei aufzuerlegen.