# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 23524ada-5ed7-4beb-904a-2622d4d0c347
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Am 1. April 2020, 16:45 Uhr, fuhr A._ mit dem Motorfahrzeug LU
B._ in C._ auf der D._ stadtauswärts. Auf der Höhe der
Liegenschaft E._ bremste das Vorderfahrzeug am
Fussgängerstreifen wegen vortrittsberechtigter Fussgänger. A._
reagierte infolge mangelnder Aufmerksamkeit nicht rechtzeitig auf das
Bremsen des Vorderfahrzeuges und verursachte dadurch eine
Auffahrkollision. Der Lenker des Vorderfahrzeuges erlitt dabei ein
Schleudertrauma HWS BWS (Transportmittelunfall Grad II mit Beteiligung
der LWS) und wurde vom behandelnden Arzt vom 1. bis 13. April 2020 zu
100 % arbeitsunfähig geschrieben. Die Beifahrerin des Vorderfahrzeuges
erlitt eine kleine Riss-Quetschwunde an der Oberlippen-Schleimhaut als
sie beim Aufprall mit dem Gesicht gegen das vor ihr gehaltene Mobiltelefon
stiess. Die zuständige Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern verurteilte
A._ mit Strafbefehl vom 30. Juni 2020 wegen Nichtbeherrschens des
Fahrzeuges (mangelnde Aufmerksamkeit) mit Kollisionsfolge in
Anwendung von Art. 32 (recte: Art. 31) Abs. 1, Art. 34 Abs. 4 und Art. 90
Abs. 1 SVG sowie Art. 4 (recte: Art. 3) Abs. 1 und Art. 12 Abs. 1 VRV zu
einer Busse in der Höhe von CHF 300.00. Der Strafbefehl erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
2. Das Strassenverkehrsamt des Kantons Graubünden stellte mit Verfügung
vom 23. Oktober 2020 in der Verkehrsregelverletzung von A._ eine
mittelschwere Widerhandlung fest und ordnete in Anbetracht der
zahlreichen Voreintragungen im Massnahmenregister einen unbefristeten
Sicherungsentzug des Führerausweises für sämtliche Kategorien an.
Weiter hielt das Strassenverkehrsamt fest, dass ein Gesuch um
Aufhebung der Massnahme frühestens nach Ablauf von fünf Jahren
beantragt werden könne.
- 3 -
3. Die von A._ dagegen erhobene Verwaltungsbeschwerde vom
25. November 2020 wies das Departement für Justiz, Sicherheit und
Gesundheit des Kantons Graubünden mit Entscheid vom 25. Februar
2021 ab.
4. Gegen diese Verfügung erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 9. April 2021 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Darin verlangte sie die
Aufhebung des angefochtenen Entscheids, die Feststellung, dass es sich
beim Vorfall vom 1. April 2020 um eine leichte Widerhandlung i.S.v.
Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG handle und die Voraussetzungen für den
Führerausweisentzug nicht gegeben seien, und die Entzugsdauer i.S.v.
Art. 16a Abs. 2 SVG zu beschränken sei, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates. In verfahrensrechtlicher
Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin, dass der Beschwerde
betreffend den Führerausweisentzug die aufschiebende Wirkung zu
erteilen sei. Die Beschwerdeführerin begründete ihre Anträge im
Wesentlichen damit, dass sie sich gemäss Strafbefehl einzig mangelnder
Aufmerksamkeit mit Kollisionsfolge schuldig gemacht habe; dies stelle
eine leichte Übertretung dar, welche mit einer geringen Busse geahndet
worden sei. Aus diesen Gründen habe sie den Strafbefehl auch akzeptiert.
Wenn sich die Administrativbehörde nun unkritisch und ohne Wahrung von
Parteirechten für ihr Verfahren auf Aussagen der Insassen des
vorausfahrenden Fahrzeuges und die nicht schlüssige Diagnose eines
Schleudertraumas abstütze, stelle sie auf einen unrichtigen, zumindest
einen unvollständigen Sachverhalt ab. Entsprechend sei die Feststellung
einer mittelschweren Widerhandlung und die sich daraus ergebende
Rechtsfolge unhaltbar.
5. In seiner Vernehmlassung vom 19. April 2021 beantragte das
Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit (nachfolgend
- 4 -
Beschwerdegegner) die kostenfällige Abweisung der Beschwerde und des
Antrages auf aufschiebende Wirkung. Der strittige Sicherungsentzug gehe
nicht alleine auf den Vorfall vom 1. April 2020 zurück, sondern sei eine
Folge des vom Gesetz vorgesehenen Kaskadensystems der
Administrativmassnahmen und dem früheren Verhalten der
Beschwerdeführerin im Strassenverkehr. Die Einstufung der
Verkehrsregelverletzung als mittelschwerer Fall sei korrekt, und die
Rechtsfolge gemäss gesetzlicher Vorgabe verfügt worden.
6. Mit Verfügung vom 29. April 2021 wies der Instruktionsrichter das Gesuch
um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab.
7. Die Beschwerdeführerin führte in ihrer Replik vom 9. Juni 2021 aus, dass
der Strafbefehl nicht von verletzten Personen ausgehe. Weiter sei nicht
erstellt, dass sie beim Unfallereignis am 1. April 2020 mit nicht
angepasster Geschwindigkeit und/oder mit nicht ausreichendem Abstand
unterwegs gewesen sei. Das Unfallgeschehen hätte jedem passieren
können, es sei einfach dumm gelaufen.
8. Mit Schreiben vom 14. Juni 2021 verzichtete der Beschwerdegegner auf
eine Duplik.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt bildet vorliegend die Verfügung des
Beschwerdegegners vom 25. Februar 2021. Art. 49 Abs. 1 lit. c des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) sieht vor,
dass das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide der
kantonalen Departemente beurteilt, soweit diese nicht nach kantonalem
oder eidgenössischem Recht endgültig sind oder bei einer anderen
Instanz angefochten werden können. Die Verfügung des
- 5 -
Beschwerdegegners ist weder endgültig noch kann sie bei einer anderen
Instanz angefochten werden, weshalb sie ein taugliches
Anfechtungsobjekt darstellt. Als Adressatin der Verfügung ist die
Beschwerdeführerin berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung auf (Art. 50 VRG). Daher ist auf die im Übrigen form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin rügt, dass die Vorinstanz den Grundsatz der
Bindungswirkung des Strafurteils missachtet habe und ohne eigene
Beweiserhebungen von einem anderen Sachverhalt ausgegangen sei
bzw. auf den dem Strafbefehl widersprechenden Polizeirapport vom 1. Mai
2020 abgestellt habe. Konkret bemängelt die Beschwerdeführerin, dass
das Strassenverkehrsamt deutlich über die Sachverhaltsumschreibung im
Strafbefehl hinausgegangen sei. Dieser enthalte insbesondere keine
Hinweise darüber, dass es beim Unfall Verletzte gegeben habe. Der
untersuchende Arzt am Kantonsspital Luzern habe am Unfalltag für seine
Diagnose 'Schleudertrauma HWS BWS / Transportmittelunfall Grad II mit
Beteiligung der LWS – Primär' einzig auf die Aussagen des Patienten
abgestellt; weitere Untersuchungen (CT HWS nativ und Rö HWS ap,
seitlich und Densaufnahme) hätten keine akute Traumafolge an der HWS
ergeben. Auch hätten keine Voruntersuchungen zum Vergleich zur
Verfügung gestanden, eine Vorbelastung sei nicht ausgeschlossen.
Entsprechend werde die Diagnose bestritten. Auch die kurzfristige
Arbeitsunfähigkeit spreche gegen ein Schleudertrauma. Ausserdem sei
der Patient Lokomotivführer; bei solchen sicherheitsrelevanten Berufen
werde regelmässig alleine aufgrund der Angaben eines Patienten eine
Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Die Beschwerdeführerin, welche nach
eigenen Angaben als niedergelassene Hausärztin seit Jahren in der Stadt
Luzern tätig sei und in dieser Funktion auch Patienten mit HWS-
Distorsionsschmerzen betreue, führt in der Rechtsschrift ihre und die
- 6 -
Erfahrungen von Prof. Dr. Dr. F._ aus und kommt zum Schluss, dass
es bei Zusammenstössen mit einer Geschwindigkeit von 10–20 km/h mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht zu einer signifikanten Verletzung
der HWS komme. Wollte man diesen Ausführungen und
Schlussfolgerungen nicht folgen, beantragt die Beschwerdeführerin die
Einholung eines Gutachtens zur Klärung der Frage, ob die behaupteten
Verletzungen bei einer Auffahrgeschwindigkeit von ca. 10 km/h überhaupt
möglich seien. Auch das Schadensbild (Sachschaden von insgesamt
CHF 2'000.00) indiziere eine Geschwindigkeit beim Zusammenstoss von
weniger als 10 km/h. Bei einer höheren Auffahrgeschwindigkeit wären die
Kunststoffteile zerborsten und weitere Schäden entstanden. Auch hier
wird beantragt, im Bestreitungsfall ein Gutachten erstellen zu lassen.
Weiter bringt die Beschwerdeführerin vor, dass sich die Mitfahrerin des
vorausfahrenden Fahrzeuges eine kleine Rissquetschwunde zugezogen
habe, sei auf ihr eigenes Verhalten zurückzuführen, wenn sie ihr Handy
vor dem Gesicht halte und dabei offensichtlich abgelenkt gewesen sei.
Schliesslich wirft die Beschwerdeführerin dem Beschwerdegegner auch
vor, mit seiner Behauptung, die Beschwerdeführerin habe keinen
genügenden Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten, wobei
sie alleine bei ihrer Aussage behaftet werde, der Abstand habe anderthalb
Wagenlängen betragen, in Willkür verfallen zu sein. So habe die
Beschwerdeführerin bei der Polizei ausgesagt, dass der Abstand ungefähr
eineinhalb Wagenlängen betragen habe; gleichzeitig habe sie auch
gesagt, dass sie einen normalen Abstand eingehalten habe. Dass sie den
normalen Wagenabstand mit einem anderthalbfachen Wagenabstand
verglichen habe, könne nicht zu Ungunsten der Beschwerdeführerin
ausgelegt werden, weil solche Schätzungen sehr schwierig seien und es
recht häufig zu Verschätzungen komme.
- 7 -
3. Liegt ein rechtskräftiges Strafurteil vor, so ist die Verwaltungsbehörde
grundsätzlich daran gebunden. Von den tatsächlichen Feststellungen im
Strafurteil darf die Verwaltungsbehörde nur dann ausnahmsweise
abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde
legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat;
wenn die Verwaltung zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu
einem abweichenden Ergebnis führt oder wenn die Beweiswürdigung
durch den Strafrichter feststehenden Tatsachen klar widerspricht, oder
wenn der Strafrichter nicht alle Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere
wenn er die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (vgl.
BGE 137 I 363 E.2.3.2, 124 II 103 E.1c, 119 Ib 158 E.3c). Sofern der
Beschuldigte wusste oder angesichts der Schwere der ihm vorgeworfenen
Delikte voraussehen musste, dass gegen ihn ein
Führerausweisentzugsverfahren eröffnet würde, muss er im
Strafverfahren die ihm garantierten Verteidigungsrechte geltend machen.
Daher darf der Betroffene nicht das Verwaltungsverfahren abwarten, um
allfällige Rügen vorzubringen und Beweisanträge zu stellen, sondern ist
nach Treu und Glauben verpflichtet, dies bereits im Rahmen des
Strafverfahrens zu tun, sowie allenfalls die nötigen Rechtsmittel zu
ergreifen (vgl. BGE 123 II 97 E.3c, 121 II 214 E.3a, Urteile des
Bundesgerichts 1C_536/2016 vom 23. Februar 2017 E.3.3.3,
1C_503/2016 vom 12. Januar 2017 E.3.1.2, 1C_263/2011 vom 22. August
2011 E.2.3, 6A.19/2006 vom 16. Mai 2006 E.1; Entscheid des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden U 19 26 vom 24.
September 2019 E.3.2). Da sich der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Abteilung 3 Sursee auf den Polizeirapport vom 1. Mai 2020 abstützte, hat
auch die Vorinstanz zu Recht beim massgeblichen Sachverhalt auf diesen
Rapport der Luzerner Polizei samt Beilagen, die Einvernahmen der
Beteiligten und die Abklärungen des Strassenverkehrsamts abgestellt (vgl.
dazu Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU]
- 8 -
U 18 50 vom 19. Februar 2019 E.4.1; beschwerdegegnerische Akten [Bg-
act.] I/7 und I/14). Damit ist auch festzuhalten, dass der von der Vorinstanz
erstellte Sachverhalt nicht offensichtlich unrichtig erscheint.
4. Unklar ist vorliegend einzig die Aufprallgeschwindigkeit beim Auffahrunfall.
Die nachträgliche Ermittlung der tatsächlichen kollisionsbedingten
Geschwindigkeitsveränderung ist stets von Unsicherheitsfaktoren belastet
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_575/2012 vom 5. Juli 2013 E.5.2). Ob
diese nun unter 10 km/h oder über 10 km/h war, spielt jedoch im Ergebnis
keine ausschlaggebende Rolle (s. unten E.6.4), weshalb sich
diesbezüglich weitere Abklärungen und Ausführungen erübrigen.
5. Zu prüfen ist vorliegend die Frage, ob der Beschwerdegegner das
Verhalten der Beschwerdeführerin zu Recht als mittelschwere
Widerhandlung gegen die Verkehrsregeln gemäss Art. 16b
Strassenverkehrsgesetz (SVG; BR 741.01) erachten durfte.
6.1. Die Beschwerdeführerin bringt vor, dass ihr bei richtig erfasstem
Sachverhalt bloss eine leichte Unaufmerksamkeit im Strassenverkehr
vorgeworfen werden könne. Entsprechend sei auch das Verschulden
gering, was sich auch schon aus der geringen Busse von CHF 300.00 im
Strafbefehl ablesen lasse.
6.2. Das Gesetz unterscheidet zwischen einer leichten, mittelschweren und
schweren Widerhandlung (Art. 16a–c SVG). Gemäss Art. 16a SVG begeht
eine leichte Widerhandlung, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln
eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur
ein leichtes Verschulden trifft (Abs. 1 lit. a). Eine mittelschwere
Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine
Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b
Abs. 1 lit. a SVG). Eine schwere Widerhandlung im Sinne von Art. 16c
SVG begeht wiederum, wer durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln
- 9 -
eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf
nimmt (Abs. 1 lit. a). Eine einfache Verkehrsregelverletzung im
Strafverfahren nach Art. 90 Abs. 1 SVG kann im Administrativverfahren
einen leichten Fall nach Art. 16a SVG oder einen mittelschweren Fall nach
Art. 16b SVG darstellen (vgl. BGE 135 II 138 E.2.4, Urteil des
Bundesgerichts 1C_184/2020 vom 9. Juli 2020 E.4.1). Die Vorinstanz führt
überzeugend und richtig mit Hinweisen auf die einschlägige
Rechtsprechung aus, dass die mittelschwere Widerhandlung nach
Art. 16b SVG einen Auffangtatbestand darstelle, welche vorliege, wenn
nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten Widerhandlung nach
Art. 16a SVG (leichte Widerhandlung) und nicht alle qualifizierenden
Elemente einer Widerhandlung nach Art. 16c SVG (schwere
Widerhandlung) gegeben seien (vgl. BGE 135 II 138 E.2.2.2, Urteil des
Bundesgerichts 1C_592/2018 vom 27. Juni 2019 E.3.1; RÜTSCHE/WEBER,
in: NIGGLI/PROBST/WALDMANN (Hrsg.), Basler Kommentar zum
Strassenverkehrsgesetz, Basel 2014, Art. 16b Rz. 7 m.w.H.). Die
Annahme einer leichten Widerhandlung setze voraus, dass der Lenker
durch die Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorgerufen habe und ihn dabei nur ein leichtes
Verschulden treffe. Dabei müssten eine geringe Gefahr und ein leichtes
Verschulden kumulativ gegeben sein (vgl. Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG;
RÜTSCHE/WEBER, a.a.O., Art. 16a Rz. 4). Das Bundesgericht bejahe eine
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer bei einer konkreten oder auch
bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung (vgl. Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG;
RÜTSCHE/WEBER, a.a.O., Art. 16c Rz. 8 m.w.H.). Ob solche Gefährdungen
vorlägen, hänge von den jeweiligen Verhältnissen des Einzelfalls ab.
6.3. Die Vorinstanz führt auf mehreren Seiten im angefochtenen Entscheid
aus, aus welchen Überlegungen sie auf eine mittelschwere
Widerhandlung im Sinne von Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG geschlossen hat
- 10 -
und sowohl die geringe Gefahr für die Sicherheit anderer als auch das
leichte Verschulden verneint hat. Diese Überlegungen sind, wie
nachfolgend dargelegt, allesamt sachlich begründet, auch wenn auf
gewissen sachverhalt-lichen Annahmen beruhend, welche von der
Beschwerdeführerin bestritten sind.
6.4. Da die Beschwerdeführerin mit rechtskräftigem Strafbefehl einzig
aufgrund Nichtbeherrschens des Fahrzeugs wegen mangelnder
Aufmerksamkeit im Sinne von Art. 31 Abs. 1 SVG i.V.m. Art. 3 Abs. 1
Verkehrs-regelnverordnung (VRV; BR 741.11) gebüsst worden war (vgl.
Bg-act. I/21), wies der Beschwerdegegner richtigerweise auf den
Grundsatz hin, wonach der Fahrer sein Fahrzeug ständig so beherrschen
muss, dass er seinen Vorsichtspflichten nachkommen kann, wobei er
seine Aufmerksamkeit der Strasse und dem Verkehr zuzuwenden hat
(Art. 31 Abs. 1 SVG, Art. 3 Abs. 1 VRV). Der Lenker hat gegenüber den
anderen Verkehrsteilnehmern einen ausreichenden Abstand einzuhalten,
insbesondere beim Hintereinanderfahren (Art. 34 Abs. 4 SVG), dabei
muss er auch bei überraschendem Bremsen des voranfahrenden
Fahrzeugs rechtzeitig anhalten können (Art. 12 Abs. 1 VRV). Das Mass
der geforderten Aufmerksamkeit richtet sich nach den gesamten
Umständen, namentlich nach der Verkehrsdichte, den örtlichen
Verhältnissen, der Zeit, der Sicht und den voraussehbaren
Gefahrenquellen. Erhöhte Aufmerksamkeit ist gefordert, wo der Verkehr
dichter wird, wo die Strassenverhältnisse nicht mehr ohne weiteres
erkennbar oder überblickbar sind (innerorts, bei Verzweigungen und
Fussgängerstreifen, beim Antreffen anderer Fahrzeuge und
Verkehrsteilnehmer etc.; vgl. WEISSENBERGER, Kommentar
Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz, 2. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2015, Art. 31 SVG Rz. 7; ROTH, in:
NIGGLI/PROBST/WALDMANN (Hrsg.), a.a.O., Art. 31 Rz. 47 f. m.w.H.). Nicht
- 11 -
selten ist ein Nichtbeherrschen des Fahrzeuges auch die Folge eines
ungenügenden Abstandes beim Hintereinanderfahren (vgl. statt vieler
BGE 115 IV 248 E.3a), so z.B. bei einer Auffahrkollision (vgl.
WEISSENBERGER, a.a.O., Art. 31 SVG Rz. 13 f.). Der Beschwerdegegner
hielt fest, dass der Hinweis im Strafbefehl vom 30. Juni 2020, wonach beim
Tatbestand des ungenügenden Abstandhaltens mit Personenwagen beim
Hintereinanderfahren keine separate Verfahrenseinstellung erfolge, da
diesem derselbe Lebensvorgang zugrunde liege wie dem mit dem
Strafbefehl beurteilten Tatbestand des Nichtbeherrschens des Fahrzeugs
(mangelnde Aufmerksamkeit) mit Kollisionsfolge, allerdings nicht bedeute,
dass die Beschwerdeführerin den (empfohlenen) Abstand von einem
halben Tacho zum vorausfahrenden Fahrzeug eingehalten habe, wie sie
behaupte (vgl. BGE 144 IV 362; Bg-act. I/14).
6.5. Der Beschwerdegegner hat zunächst geprüft, ob die Beschwerdeführerin
mit der Auffahrkollision nur eine geringe Gefahr oder eine Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorgerufen hat. Gemäss Polizeirapport vom 1. Mai
2020 ereignete sich der Unfall am 1. April 2020, um 16:45 Uhr, auf der
D._ in Emmenbrücke (recte: C._). Die signalisierte
Geschwindigkeit betrug 60 km/h, die Strasse war trocken und die
Witterung schön. Die Beschwerdeführerin wurde am Unfallort durch die
Polizei handschriftlich einvernommen, wobei sie sinngemäss angab, dass
sie in einer Kolonne mit einer Geschwindigkeit von ca. 20–30 km/h und
einem Abstand von ca. eineinhalb Wagenlängen bzw. einem normalen
Abstand gefahren sei, das Fahrzeug vor ihr unverhofft, plötzlich und
unbegründet gebremst habe, sie deshalb eine Vollbremsung eingeleitet
habe, worauf die Räder blockiert hätten und ihr Fahrzeug trotzdem in das
vor ihr befindliche Fahrzeug gerutscht sei. Der Fahrer des
vorausfahrenden Fahrzeugs gab gegenüber der Polizei anlässlich der
handschriftlichen Einvernahme vor Ort an, dass er das Fahrzeug normal
- 12 -
bis zum Stillstand vor dem Fussgängerstreifen habe abbremsen müssen,
da ein Paar die Strasse von rechts nach links habe überqueren wollen,
kurz darauf habe es von hinten gekracht und einen heftigen Schlag
gegeben. Er gab an, unter Nacken-, Rücken- und Schulterschmerzen zu
leiden. Diese Aussagen wurden durch die Beifahrerin, nach mündlicher
Rechtsbelehrung durch die Polizei, telefonisch am 7. April 2020 bestätigt
(vgl. Bg-act. I/7).
6.6. Der Beschwerdegegner bringt vor, dass für die Annahme einer Verletzung
der Verkehrsregeln, die eine Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft,
eine erhöhte abstrakte Gefährdung genüge, welche bei Auffahrunfällen in
den naheliegenden Folgen einer Kollision liege. Bei Auffahrunfällen
bestehe insbesondere die ernsthafte Gefahr von schwerwiegenden
gesundheitlichen Schäden wie sog. Schleudertraumas. Der Annahme
einer konkreten Gefahr im Geschwindigkeitsbereich bei 10–20 km/h stehe
auch die Berufung auf Sicherheitselemente des Fahrzeugs oder eine
Harmlosigkeitsgrenze von 10 km/h nicht entgegen. Entgegen den
Ausführungen der Beschwerdeführerin gehe aus den ärztlichen
Unterlagen hervor, dass es aufgrund des Unfalls Verletzte gegeben habe.
Aus dem Arztbericht des Luzerner Kantonsspitals vom 1. April 2020 gehe
hervor, dass der geschädigte Fahrzeuglenker aufgrund des Unfall ein
'Schleudertrauma HWS BWS / Transportmittelunfall Grad II mit Beteiligung
der LWS – Primär' erlitten habe, wofür er insgesamt vom 1. bis 13. April
arbeitsunfähig geschrieben worden sei. Bei der Beifahrerin sei gemäss
Arztbericht des Luzerner Kantonsspitals vom 1. April 2020 ein 'leichtes
Schleudertrauma mit kleiner Rissquetschwunde an der Schleimhaut der
linken Oberlippe – Primär' als Unfallfolge festgestellt worden (vgl. Bg-act.
1/22). Somit habe das Verhalten der Beschwerdeführerin nicht nur eine
erhöhte abstrakte Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer zur Folge gehabt,
diese habe sich auch konkret realisiert. Damit sei auch die Schwelle von
- 13 -
der leichten zur mittelschweren Gefährdung überschritten worden. Eine
ernstliche Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer nach Art. 16c Abs. 1
lit. a SVG stehe indes nicht zur Diskussion.
6.7. Was die Verletzungssituation betrifft, so erscheint die Behauptung der
Beschwerdeführerin, die Diagnose des behandelnden Arztes im
Kantonsspital Luzern sei unzutreffend, da gar nicht möglich, gewagt.
Selbst wenn jedoch vertiefte Abklärungen (Gutachten) ergeben würden,
dass beim Lenker des Vorderfahrzeuges kein Schleudertrauma im
medizinischen-technischen Sinne vorgelegen habe, so hat der Aufprall bei
ihm doch zu einer vollen Arbeitsunfähigkeit für die Dauer von zwei Wochen
geführt, was nicht ernsthaft mehr als Bagatelle dargestellt werden kann
(vgl. Bg-act. I/22). Dafür, dass der behandelnde Arzt dem Lenker des
Vorderfahrzeugs bloss aufgrund dessen Beruf als Lokführer einzig
aufgrund dessen Schilderungen und ohne eigene Einschätzung und
Abklärung von einem Schleudertrauma ausgegangen sei, und ihn deshalb
für zwei Wochen zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben habe, gibt es
keinerlei Hinweise in den Akten, dies erscheint dem Gericht auch
lebensfremd. Abenteuerlich sind zudem die Erklärungen der
Beschwerdeführerin zum Mobiltelefon-Gebrauch der Beifahrerin des
Vorderfahrzeugs bzw. deren Verletzung beim Aufprall. Es kann vorliegend
nicht ernsthaft negiert werden, dass die beiden Insassen des
Vorderfahrzeugs durch das Unfallgeschehen körperliche Schäden
davontrugen (vgl. Bg-act. I/22). Diese mögen eher leicht gewesen sein,
woraus aber die Beschwerdeführerin nichts zu ihren Gunsten ableiten
kann, ausser vielleicht, dass sie im Strafbefehl nicht noch wegen
Körperverletzung zur Rechenschaft gezogen worden ist.
6.8. Betreffend Ausmass der Kollision reichte die Beschwerdeführerin im
Rahmen der Beschwerde zur Veranschaulichung verschiedene
Berechnungen der Aufprallgeschwindigkeit auf ein bremsendes,
- 14 -
vorausfahrendes Fahrzeug bei zu später eigener Bremsung ein, wobei die
Berechnungen auf diversen Variablen beruhen, welche zum Teil
feststehen, die meisten jedoch blosse Vermutungen sind und es sich damit
grösstenteils um Spekulationen handelt. Dies gilt auch in Bezug auf die
Aussage, wonach die Beschwerdeführerin zum vorausfahrenden
Fahrzeug einen Abstand von einem halben Tacho eingehalten habe,
wobei auch die gefahrene Geschwindigkeit der beteiligten Fahrzeuge
unklar ist, so dass sich weitere Ausführungen dazu erübrigen und die
Beschwerdeführerin daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten kann.
6.9. Der Beschwerdegegner verneinte das Vorliegen eines leichten
Verschuldens mit der Begründung, dass es sich beim Nichtbeherrschen
des Fahrzeugs durch mangelnde Aufmerksamkeit um eine wesentliche
Verkehrsregel bzw. eine der grundlegendsten Verhaltensregeln im
Strassenverkehr handle. Die Beschwerdeführerin sei der geforderten
erhöhten Aufmerksamkeit nicht nachgekommen bzw. habe zumindest den
Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug nicht ihrer Aufmerksamkeit
angepasst, so dass es zur Kollision gekommen sei. Da bei der
Beschwerdeführerin somit mehr als nur eine leichte Unaufmerksamkeit
vorlag, warf ihr der Beschwerdegegner ein mittelschweres Verschulden
vor (vgl. RÜTSCHE/WEBER, a.a.O., Art. 16b Rz. 12).
6.10. Eine Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinne von Art. 16a–c SVG ist bei
einer konkreten oder auch bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung zu
bejahen. Eine erhöhte abstrakte Gefahr besteht, wenn in Anbetracht der
jeweiligen Verhältnisse des Einzelfalls die Möglichkeit einer konkreten
Gefährdung oder gar einer Verletzung naheliegt (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 1C_539/2016 vom 20. Februar 2017 E.3.1, 1C_273/2016
vom 5. Dezember 2016 E.4.1 m.H.). In der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung wurden aufgrund der erhöhten abstrakten (oder auch
konkreten) Gefährdung Auffahr- und Selbstunfälle mit Sachschaden (also
- 15 -
auch ohne Verletzungsfolgen) als mittelschwere Widerhandlungen nach
Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG qualifiziert, so etwa in BGE 135 II 138 E.2.3 f.,
Urteile des Bundesgerichts 1C_503/2016 vom 12. Januar 2017 E.3.3,
1C_476/2015 vom 29. Mai 2015 E.4.3.2 m.H., 1C_266/2014 vom 17.
Februar 2015 E.3.4 ff., 1C_156/2010 vom 26. Juli 2010 E.5, 1C_83/2010
vom 12. Juli 2010 E.5; anders aber 1C_382/2011 vom 12. Dezember 2011
E.3.2 (=leichte Widerhandlung) (vgl. RÜTSCHE/WEBER, a.a.O., Art. 16b
Rz. 14). Die Vorinstanz liess zu Gunsten der Beschwerdeführerin mangels
Hinweisen in den Verfahrensakten offen, ob aufgrund des Auffahrunfalles
vor einem Fussgängerstreifen tatsächlich eine erhöhte abstrakte oder
konkrete Gefahr für die Fussgänger entstanden sei. Das Gericht geht
indes zumindest von einer erhöhten abstrakten Gefahr für Fussgänger
aus: Wenn die Beschwerdeführerin nicht einmal rechtzeitig das
Abbremsen des Vorderfahrzeugs wahrnehmen und darauf reagieren
konnte, so hat sie noch viel weniger überblicken können, weshalb das
Vorderfahrzeug plötzlich abbremste; so hat die Beschwerdeführerin auch
nicht sehen können, ob sich Fussgänger, vielleicht Kinder oder Eltern mit
Kinderwagen auf dem Fussgängerstreifen befunden haben. Dass in einer
solchen Situation mit einer Auffahrkollision zumindest eine erhöhte
abstrakte Gefahr für Fussgänger geschaffen wird, liegt auf der Hand und
muss, entgegen der Vorinstanz, zwingend mitberücksichtigt werden.
Dieser Schluss ist auch zu ziehen, wenn man bedenkt, dass Auffahrunfälle
insbesondere bei den Insassen des vorausfahrenden Fahrzeugs zu
schweren Verletzungen führen können, eine typische Verletzung stellt ein
Schleudertrauma der Halswirbelsäule (HWS) dar, wobei ein derartiges
Trauma gravierende gesundheitliche Folgen haben kann (vgl. etwa BGE
136 V 279, 135 II 138 E.2.3). Dies gilt nach der Praxis des Bundesgerichts
auch bei Auffahrkollisionen zwischen Personenwagen mit
Aufprallgeschwindigkeiten von ca. 10–15 km/h. Bei solchen Unfällen liegt
– auch ohne tatsächlichen Personenschaden – in der Regel ein
- 16 -
mittelschwerer Fall mit konkreter Gefährdung der Unfallgegner vor (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 1C_476/2014 vom 29. Mai 2015 E.4.3.2,
1C_575/2012 vom 5. Juli 2013 E.5.1). Angesichts dessen kann die von
fehlbaren Fahrzeuglenkern bei Auffahrunfällen geschaffene Gefahr für die
Sicherheit anderer nicht mehr als leicht eingestuft werden, die Annahme
einer leichten Widerhandlung im Sinne von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG ist
damit ausgeschlossen (vgl. BGE 135 II 138; WEISSENBERGER, a.a.O.,
Art. 16b SVG Rz. 10). Der Beschwerdeführerin ist anzulasten, dass sie in
einer Situation, die eine besondere erhöhte Aufmerksamkeit verlangt
hätte, durch die mangelnde Aufmerksamkeit eine konkrete Gefahr nicht
nur für sich selber, sondern auch für Dritte geschaffen hat. Durch diese
pflichtwidrige Unaufmerksamkeit hat sich die verursachte konkrete Gefahr
für andere Verkehrsteilnehmer in Personen- und Sachschaden realisiert.
Damit spielen auch die anderen Elemente eine geringere Rolle, auch
wenn deren Bestreitung durch die Beschwerdeführerin konstruiert wirkt.
Die vorliegende Situation lässt nach dem Gesagten so oder anders die
Qualifikation als leichte Widerhandlung nicht zu, weshalb der Vorinstanz
kein Vorwurf falscher Rechtsanwendung gemacht werden kann.
7.1. Bei der Art und Dauer der Massnahmen muss stets die
Verhältnismässigkeit geprüft oder eben überprüft werden. Die
Beschwerdeführerin bemängelt diesbezüglich, dass im angefochtenen
Entscheid der Tatsache, dass sie als Hausärztin beruflich auf ihren
Führerausweis angewiesen sei, zu wenig Rechnung getragen worden sei.
Ebenfalls müssten die äusseren Umstände, also die nur kurze
Unaufmerksamkeit, die trockene Strasse, die tiefe Geschwindigkeit etc.,
sowie das tiefe Gefährdungspotential mass-nahmenmildernd in die
Beurteilung einfliessen. Mit gesundem Menschenverstand betrachtet
müsse man erkennen, dass ein solcher Auffahrunfall bei dieser geringen
Geschwindigkeit jedem und jeder von uns hätte passieren können, ohne
- 17 -
dass man dabei auf eine mittelschwere Widerhandlung erkennen könne.
Insbesondere habe dieser Bagatellunfall nichts mit dem früheren
Verhalten der Beschwerdeführerin gemeinsam; sie habe ihre Lehren
daraus gezogen und sei lediglich durch eine kleine Unaufmerksamkeit in
diesen Unfall verwickelt worden. Dies alles sei in einer Gesamtbetrachtung
zu berücksichtigen.
7.2. Die Beschwerdeführerin weist folgende Einträge im Massnahmenregister
auf (vgl. Bg-act. I/1–6 und I/8): Verfügungsdatum Verfügende
Behörde Massnahme Zeitspanne Schweregrad
der Widerhandlung
19.05.2008 ZH Entzug 6 Monate
17.02.2008– 16.08.2008
schwer Geschwindigkeit
15.09.2010 GR Entzug 4 Monate
22.09.2010– 21.01.2011
mittel Geschwindigkeit
28.12.2010 GR Entzug 12 Monate
24.10.2010– 23.10.2011
schwer Fahren trotz Entzug
18.08.2016 GR Entzug auf unbest. Zeit ab 06.06.2016 Art. 16c Abs. 2 lit. d SVG
Sperrfrist 24 Monate 06.06.2016– 05.06.2018
schwer Geschwindigkeit
01.06.2018 GR Aufhebung ab 06.06.2018
Fahreignung  bejaht
Liegt ein mittelschwerer Fall nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG vor, wird nach
Art. 16b Abs. 2 lit. f SVG der Führerausweis für immer entzogen, wenn in
den vorangegangenen fünf Jahren der Ausweis nach Art. 16c Abs. 2 lit. d
SVG oder Art. 16b Abs. 2 lit. e SVG entzogen war. Für die Bemessung
- 18 -
und Dauer des Führerausweisentzugs sind die Umstände des Einzelfalls
zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit,
das Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Vorinstanz stellte zu Recht fest, dass der Beschwerdeführerin
aufgrund einer Geschwindigkeitsübertretung im Juni 2016 zwei Monate
später der Führerausweis in Anwendung von Art. 16c Abs. 2 lit. d SVG auf
unbestimmte Zeit entzogen und im Juni 2018 nach Vorlage eines positiven
verkehrspsychologischen Gutachtens wieder erteilt worden war. Bei
Bejahung einer mittelschweren Widerhandlung gemäss Art. 16b Abs. 1
SVG muss im vorliegenden Fall als Rechtsfolge ein Führerausweisentzug
für immer ausgesprochen werden (Art. 16b Abs. 2 lit. f SVG; vgl. Urteil des
Bundesgerichts 1C_476/2014 vom 29. Mai 2015 E.5). Der Gesetzgeber
hat für diese Kaskadenhaftung keinen Ermessensspielraum eingebaut, so
dass sich die Prüfung der weiteren Umstände erübrigt, wie die Vorinstanz
zu Recht annimmt.
7.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz den Auffahrunfall nicht
rechtsfehlerhaft als mittelschwere Verletzung gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a
SVG qualifiziert und zu Recht gestützt auf Art. 16b Abs. 2 lit. f SVG
(entsprechend der Kaskadenhaftung) einen Führerausweisentzug für
immer ausgesprochen hat. Der angefochtene Entscheid erweist sich damit
als rechtens und verhältnismässig, was zu seiner Bestätigung und zur
Abweisung der dagegen als unbegründet erwiesenen Beschwerde führt.
8. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG der Beschwerdeführerin aufzuerlegen. Die
Staatsgebühr wird dabei auf CHF 2'000.-- festgesetzt. Eine
aussergerichtliche Entschädigung steht dem Beschwerdegegner nach
- 19 -
Art. 78 Abs. 2 VRG nicht zu, da er lediglich in seinem amtlichen
Wirkungskreis obsiegte.