# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** adce4ab7-0524-4e71-b389-ca41324a904d
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Mit Beschluss der Vormundschaftsbehörde des Kreises Fünf Dörfer vom 12. Januar 2006 (vgl. Akten KESB act. 8), mitgeteilt am 18. Januar 2006, wurde X._, geboren am 1. Dezember 1987, gestützt auf Art. 369 der bis am 31. Dezember 2012 gültigen Fassung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (aZGB; SR 210) entmündigt und unter die elterliche Sorge von A._ und B._ gestellt (Art. 385 Abs. 3 aZGB).
B. Mit Beschluss vom 8. März 2012 (vgl. Akten KESB act. 50), mitgeteilt am 15. März 2012, hob die Vormundschaftsbehörde des Kreises Fünf Dörfer die für X._ am 12. Januar 2006 angeordnete Vormundschaft und Rückversetzung unter die elterliche Sorge per 31. März 2012 auf. Gleichzeitig errichtete sie gestützt auf Art. 392 Ziff. 1 aZGB in Verbindung mit Art. 393 Ziff. 2 aZGB eine kombinierte Beistandschaft. Als Beistand wurde C._ eingesetzt und beauftragt:
"- den Verbeiständeten in persönlichen und administrativen Angelegenheiten zu betreuen, und ihn insbesondere bei Behördengängen zu vertreten
- das Vermögen sowie das Einkommen zu verwalten
- der Vormundschaftsbehörde Fünf Dörfer umgehend Bericht und Antrag zu stellen, wenn eine Anpassung der vormundschaftlichen Massnahme erforderlich ist
- der Vormundschaftsbehörde alle 2 Jahre Bericht und Rechnung vorzulegen."
Begründend wurde ausgeführt, gemäss Arztbericht von Dr. med. D._, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 6. März 2012 (vgl. Akten KESB act. 46) leide X._ weder an einer Geisteskrankheit noch an einer Geistesschwäche. Er leide dagegen an Störungen aus dem affektiven und neurotischen Formenkreis. X._ erledige seine Angelegenheiten sehr gewissenhaft und zuverlässig. Daher erscheine er aus psychiatrischer Sicht mündig und sei zur Zusammenarbeit mit einem Beistand bereit. Diesen benötige er vorwiegend zur Unterstützung bei finanziellen Angelegenheiten und beim Verkehr mit Behörden. Die Vormundschaftsbehörde des Kreises Fünf Dörfer führte aus, dass vormundschaftliche Massnahmen Eingriffe in die persönliche Freiheit darstellen würden, für die der Grundsatz der Verhältnismässigkeit gelte. Aufgrund des vorliegenden Arztberichtes sowie in Anwendung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes erscheine eine vormundschaftliche Massnahme in Form einer Beistandschaft aufgrund der jetzigen Situation notwendig. Sie sei
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aber als ausreichende Massnahme zu beurteilen. X._ bringe die hierfür notwendige Kooperationsbereitschaft mit (vgl. Akten KESB act. 50).
C. Am 30. Juli 2013 legte C._ der KESB Nordbünden u. a. den periodischen Rechenschaftsbericht für den Zeitraum vom 8. März 2012 (recte: 1. April 2012) bis 31. Dezember 2012 vor. Zum Verlauf und zur Mandatsführung in der geprüften Periode hielt C._ insbesondere fest, dass die Wohnbegleiterin von X._ ihre Arbeit per 30. April 2012 eingestellt habe, da X._ von ihrem Angebot nicht profitieren wollte und nach seinem Dafürhalten die Haushaltsführung ohne Beratung gut vonstatten gehe. X._ stehe seit Jahren in ambulanter psychiatrischer Behandlung und nehme täglich Medikamente ein. Nach eigenen Aussagen habe sich sein Gesundheitszustand durch die Behandlungen bzw. Neueinstellungen der Medikamente nicht gebessert. Bis im Mai 2012 habe X._ Vollzeit in der E._ Werkstätte in O.1_ (nachfolgend E._) gearbeitet. Ab Juni 2012 habe er sein Arbeitspensum gemäss eigenen Aussagen aus gesundheitlichen Gründen reduziert. Seit dem 21. Dezember 2012 gehe er keiner Arbeit mehr nach. Trotz vielen Bemühungen des Arbeitstherapeuten und des Beistandes sei es nicht möglich gewesen, X._ zur Wiederaufnahme der Arbeit in der E._ oder anderswo zu bewegen. X._ habe keinen Kontakt zu seinem Beistand gewünscht. Auch habe und wolle er keinen Kontakt zu seinen Eltern und Geschwistern. Er habe keine Freunde und pflege auch keine Beziehungen zu Arbeitskollegen. Er fühle sich von der Umwelt ausgeschlossen und begründe sein Verhalten mit negativen Erfahrungen in der Vergangenheit. Die Mandatsführung sei von Anfang an schwierig gewesen. X._ habe ihm als Beistand den Kontakt zu seinen Eltern sowie Betreuungspersonen (u. a. Psychiater, Arbeitgeber, Wohnbegleiterin) untersagt, sodass er sich auf die notwendigsten Kontaktaufnahmen zu Drittpersonen beschränkt habe. Es sei nicht möglich gewesen, eine Beziehung zu X._ aufzubauen, welche mit dem damaligen Auftrag der Vormundschaftsbehörde des Kreises Fünf Dörfer vom 8. März 2012 vereinbar gewesen wäre. Da seine Bemühungen insgesamt erfolglos gewesen seien, lege er sein Mandat nieder und ersuche die KESB Nordbünden um die Einsetzung eines Berufsbeistandes (vgl. Akten KESB act. 65).
D. Am 30. September 2013 fand ein Gespräch zwischen lic. phil. I F._ von der KESB Nordbünden und X._ in O.1_ statt. Dabei machte X._ insbesondere folgende Angaben: Sein Beistand C._ habe ohne seine Einwilligung Informationen an seine Eltern weitergegeben. Auch sei er von ihm nicht ernstgenommen worden. Zu seinen Eltern und Brüdern wünsche er
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keinen Kontakt mehr. Er leide an einer Persönlichkeitsstörung und gehe ein- bis zweimal wöchentlich zu Dr. med. G._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, oder zu H._, dipl. Psychologin FH und Psychotherapeutin. Den Alltag verbringe er meistens alleine. Es störe ihn, dass er keine Freunde habe. Er arbeite nicht mehr in der E._, weil diese zu leistungsbezogen sei. Ausserdem seien ihm die dortigen Mitarbeiter zu alt gewesen. Im November werde er in der I._ "schnuppern". Seine Finanzen könne er teilweise selbst verwalten. Abgesehen von der Wohnungsmiete und der Krankenkasse zahle er die meisten Rechnungen selbst. Er benötige weiterhin Unterstützung durch eine Beistandsperson, insbesondere für den Kontakt mit der IV und den Verkehr mit den Behörden. Er stimme der Vertretungskompetenz für die Bereiche Wohnen, Erwerbstätigkeit, Administration sowie Einkommens- und Vermögensverwaltung zu. Den Bereich Gesundheit wolle er nicht vertreten lassen, er habe diese Angelegenheiten immer selbst geregelt. Für den Fall der Urteilsunfähigkeit werde er demnächst eine Patientenverfügung erstellen. Ihm sei es sehr wichtig, dass eine Beistandsperson eingesetzt werde, die "mit" ihm, statt über seinen Kopf hinweg handle. Ausserdem wünsche er sich eine jüngere Beistandsperson (vgl. Akten KESB act. 68).
E. Anlässlich des Telefongesprächs vom 3. März 2014 äusserte X._ gegenüber lic. phil. I F._ von der KESB Nordbünden insbesondere folgende Wünsche bezüglich einer neuen Beistandsperson: Diese dürfe ohne seine Einwilligung keinen Kontakt zu seinen Eltern aufnehmen und keine Auskünfte an Drittpersonen erteilen. Die Vertretungskompetenz für die Bereiche Wohnen und Gesundheit wolle er der Beistandsperson nicht einräumen (vgl. Akten KESB act. 74).
F. Am 4. März 2014 fand ein Telefongespräch zwischen lic. phil. I F._ und C._ statt. Dabei äusserte sich C._ im Wesentlichen wie folgt: X._ habe keine Tagesstruktur und keine Beschäftigung, da er seit Januar 2013 nicht mehr in der E._ arbeite. Jetzt sitze er zu Hause herum und beschäftige sich vorwiegend mit Therapiebesuchen. Eine neue Beistandsperson benötige die Kompetenz, X._ in finanziellen und administrativen Belangen vertreten zu können. Ausserdem sei die Kompetenz zum Aufbau einer Tagesstruktur notwendig (vgl. Akten KESB act. 75).
G. Am 19. März 2014 wurde X._ durch das Behördenmitglied lic. phil. I F._ in O.1_ zur beabsichtigten Anpassung der für ihn geführten altrechtlichen Beistandschaft an das neue Recht und zur Ernennung einer neuen
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Beistandsperson angehört. Ebenfalls anwesend waren J._ und K._ (Mitglieder der KESB Nordbünden). Anlässlich der Anhörung äusserte sich X._ insbesondere wie folgt: Er bejahe eine Beistandschaft und erkläre sich mit Vertretungskompetenzen für die Bereiche Finanzen und Administration einverstanden. Einen Teil seines Geldes habe er selbst verwalten können. Für die Miete und die Krankenkasse gebe es einen Dauerauftrag, für den C._ zuständig gewesen sei. Persönliche Rechnungen habe er jeweils selbst bezahlen können und er würde dies gerne auch so beibehalten. Er wolle das ja auch lernen, damit er selbständiger werde. Mit der Einsetzung von L._ von der Berufsbeistandschaft Plessur als neue Beiständin sei er einverstanden. Eine Vertretung im Bereich Medizin benötige er nicht, da er eine Patientenverfügung erstellt habe. Im Bereich Arbeit brauche er keine Unterstützung durch die Beiständin. Er habe hier bereits Unterstützung durch die Tagesklinik. Er wolle einfach nicht, dass die Beiständin ihm dann vorschreibe, dass er arbeiten müsse. Er sei bereit zu arbeiten, doch möchte er nicht, dass ihm da jemand reinrede. Er würde ohnehin in einer geschützten Einrichtung arbeiten, wo der Rahmen ganz anders sei, wenn es Probleme gebe. Bei Problemen bei der Arbeit habe ihn zudem bisher immer sein Arzt unterstützt (vgl. Akten KESB act. 79).
H. Mit Entscheid der Kollegialbehörde vom 19. März 2014, mitgeteilt am 28. März 2014, ordnete die KESB Nordbünden was folgt an:
"1. (...).
2. (...).
3. (...).
4. Die aktuell bestehende Beistandschaft zur Vertretung, Einkommens- und Vermögensverwaltung (Art. 392 Ziff. 1 und Art. 393 Ziff. 2 aZGB) wird vorbehältlich der Vollstreckbarkeit der Errichtung der nachfolgenden Massnahme nach Erwachsenenschutzrecht per 30. April 2014 aufgehoben. Für X._ wird per 1. Mai 2014 eine Beistandschaft nach Erwachsenenschutzrecht errichtet.
5. Die Beiständin erhält die Aufgaben und Kompetenzen, X._ im Rahmen einer Vertretungsbeistandschaft (Art. 394 ZGB) in den nachfolgend aufgelisteten Bereichen zu beraten, zu unterstützen und soweit nötig bei allen damit verbundenen Handlungen (Administration, Rechtsverkehr) zu vertreten:
a. Vermögensverwaltung (Art. 395 ZGB): Verwaltung des gesamten Einkommens und Vermögens (insbesondere Bestreitung der Lebenskosten, Geltendmachen von Forderungen und Leistungsansprüchen, sorgfältige Verwaltung sämtlicher verwalteter Mobilien und Immobilien, Verkehr mit Banken, Post und ähnlichen Finanzinstituten);
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b. Arbeit und Bildung: stets für eine geeignete Berufs- bzw. Aus- und Weiterbildungssituation für X._ besorgt zu sein (insbesondere Arbeitsverhältnis, Bildungsinstitutionen, Stellensuche);
c. öffentliche Verwaltung: insbesondere Verkehr mit Steuerbehörden, Gemeinden, Betreibungsamt;
d. Versicherungen: stets für eine ausreichende und geeignete Versicherungsdeckung und Leistung besorgt zu sein (insbesondere Sozialversicherungen, private Versicherungen, Krankenkassen).
6. X._ wird der Zugriff auf das bei der Berufsbeistandschaft zu errichtende «Betriebskonto» entzogen (Art. 395 Abs. 3 ZGB). Die Beiständin wird angewiesen, das «Betriebskonto» auf den Namen von X._ zu eröffnen und die Kontodetails spätestens mit der Einreichung des Eingangsinventars mitzuteilen.
7. L._ (geb. _1952, von O.2_ / Berufsbeistandschaft Plessur) wird zur Beiständin von X._ ernannt.
8. (...).
9. (...).
10. (...).
11. (...).
12. (...).
13. (...).

## Considerations