# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 37ff8187-45b7-4531-80d2-88d89c099077
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y., geb. 1978, türkischer Staatsangehöriger, reiste am 4. November 1993 in die
Schweiz ein und stellte am 17. November 1993 ein erstes Asylgesuch (Vorakten
Migrationsamt, nachfolgend Dossier, S. 9 ff.; act. 9). Am 15. Juni 1994 anerkannte das
Bundesamt für Flüchtlinge (heute Staatssekretariat für Migration) seine
Flüchtlingseigenschaft und gewährte ihm Asyl. In der Folge erhielt A.Y. vom
Ausländeramt (heute Migrationsamt) eine Aufenthaltsbewilligung und am 19. Oktober
1999 eine Niederlassungsbewilligung. Mit Schreiben vom 10. November 2000
verzichtete A.Y. auf seine Flüchtlingseigenschaft und das ihm in der Schweiz gewährte
Asyl, worauf das Staatssekretariat für Migration seinen Asylstatus mit Verfügung vom
16. November 2000 für beendet erklärte.
Am 2. Dezember 2002 heiratete er in seinem Herkunftsland die Landsfrau B.Y.,
geb. 1985. Diese reiste am 26. Mai 2003 in die Schweiz ein und erhielt eine
Jahresaufenthaltsbewilligung, die letztmals bis 25. Mai 2017 verlängert wurde. Aus der
Ehe gingen zwei Kinder, M.Y., geb. 2004, und O.Y., geb. 2010, ebenfalls türkische
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Staatsangehörige, hervor. M.Y. verfügt über eine Niederlassungsbewilligung und O.Y.
über eine Aufenthaltsbewilligung, die letztmals bis zum 25. Mai 2017 verlängert wurde.
Am 11. Oktober 2007 erfuhr das Migrationsamt vom Einwohneramt der Stadt
St. Gallen, dass A.Y. in Deutschland inhaftiert sei und zu einer Freiheitsstrafe verurteilt
werde. Das Landesamt für Bundesangelegenheiten S./Deutschland teilte mit, dass er
sich seit 28. März 2007 in Haft befinde und diese voraussichtlich am 25. Juni 2009
ende. Aufgrund seines mehr als sechsmonatigen Aufenthalts in Deutschland und
mangels Gesuchs um Aufrechterhaltung der Bewilligung stellte das Migrationsamt mit
Verfügung vom 14. Februar 2008 das Erlöschen der Niederlassungsbewilligung fest.
Ein späteres Gesuch um Wiedererteilung der Niederlassungsbewilligung
beziehungsweise Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung wurde vom Migrationsamt
aufgrund der strafrechtlichen Verurteilungen und erheblichen (Sozialhilfe-)Schulden am
3. Juni 2008 abgewiesen. Bereits am 30. Mai 2008 wurde A.Y. von den deutschen
Behörden in die Türkei ausgeschafft.
Nachdem das Staatssekretariat für Migration am 8. September 2008 ein Gesuch der
Ehegattin um Ausstellung einer Einreisebewilligung für einen dreimonatigen Aufenthalt
von A.Y. in der Schweiz abgewiesen hatte, reiste dieser am 15. Mai 2009 erneut in die
Schweiz ein und ersuchte am 19. Mai 2009 abermals um Asyl. Mit Verfügung vom
17. Juni 2009 wurde das Gesuch abgewiesen und die Wegweisung aus der Schweiz
angeordnet. Dagegen erhob er beim Bundesverwaltungsgericht erfolglos Beschwerde
(Urteil vom 9. Mai 2012). Am 15. Mai 2012 wurde die Ausreisefrist neu auf den 10. Juni
2012 angesetzt.
Im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt in X. TG wurde A.Y. am 20. Februar 2012,
während des obigen Beschwerdeverfahrens, verhaftet. Er wurde sodann in
Untersuchungshaft versetzt und es wurde ihm ab 20. November 2013 der vorzeitige
Strafvollzug bewilligt. Mit Urteil vom 26. März 2015 verurteilte ihn das Bezirksgericht
Kreuzlingen im abgekürzten Verfahren rechtskräftig wegen Gehilfenschaft zur
vorsätzlichen Tötung, Gehilfenschaft zur versuchten qualifizierten Erpressung sowie
Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz zu einer Freiheitsstrafe von fünf
Jahren. Am 13. Juli 2015 wurde er bedingt aus dem Strafvollzug entlassen. Mit Urteil
vom 12. November 2015 stellte das Obergericht des Kantons Thurgau die Nichtigkeit
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der Anklageschrift sowie des Urteils des Bezirksgerichts fest. Das Bundesgericht wies
eine von A.Y. dagegen erhobene Beschwerde ab, soweit es darauf eintrat. Mit
Anklageschrift vom 14. Oktober 2016 wurde A.Y. beim Bezirksgericht Kreuzlingen
ordentlich angeklagt. Das Gericht hat ihn mittlerweile der eventualvorsätzlichen Tötung
durch Unterlassung schuldig gesprochen. Das Strafmass steht noch nicht fest, und
gegen das Urteil ist die Berufung angekündigt worden (www.tagblatt.ch, Kronzeuge
zieht Urteil weiter: Fall X. kommt vor Obergericht, 13. Februar 2018).
Das Verhalten von A.Y. gab in strafrechtlicher Hinsicht zu folgenden Klagen Anlass:
Widerhandlung gegen das Strassenverkehrsgesetz (Busse von CHF 850), Verletzung
von Verkehrsregeln (Busse von CHF 350), Widerhandlung gegen das Waffengesetz
(Busse von CHF 120), Einschleusen von Ausländern (Freiheitsstrafe von zwei Jahren
und drei Monaten in Deutschland), Missachtung des Rauchverbots sowie der
Schliessungszeit (Bussen von CHF 400 und CHF 500), Verletzung von Verkehrsregeln
(Busse von CHF 320).
Am 1. Juni 2015 stellte A.Y. mit der Begründung, es liege ein Härtefall vor, ein Gesuch
um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung. Das Migrationsamt wies am 21. Juli 2015
das Gesuch ab und verweigerte die Unterbreitung der Angelegenheit an das
Staatssekretariat für Migration. Gleichzeitig wies es A.Y. an, die Schweiz bis spätestens
am 2. August 2015 zu verlassen. Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den
gegen die Verfügung des Migrationsamts am 31. Juli 2015 erhobenen Rekurs mit
Entscheid vom 15. November 2016 ab.
B. A.Y. (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 18. November 2016 versandten
Rekursentscheid des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 5. Dezember 2016 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit den Begehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und dem Beschwerdeführer eine
Aufenthaltsbewilligung, eventualiter sei der Fall dem Staatssekretariat für Migration zu
unterbreiten und dem Beschwerdeführer eine Härtefallbewilligung zu erteilen. Dem
Gesuch, es sei dem Beschwerdeführer zu erlauben, die rechtskräftige Entscheidung in
der Schweiz abzuwarten, entsprechend wurde das Migrationsamt mit
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verfahrensleitender Verfügung vom 7. Dezember 2016 ersucht, vorderhand von
Vollzugsmassnahmen abzusehen.

## Considerations

Mit Vernehmlassung vom 20. Januar 2017 verwies die Vorinstanz auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Beschwerde gegen den Rekursentscheid, mit welchem sein
Rechtsmittel gegen die Abweisung des Gesuches um Unterbreitung als
schwerwiegender persönlicher Härtefall erfolgslos blieb, befugt (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 18. November 2016
versandten Rekursentscheid wurde mit Eingabe vom 5. Dezember 2016 unter
Berücksichtigung des Fristenlaufs am Wochenende rechtzeitig erhoben und erfüllt in
formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 VRP sowie mit Art. 142 Abs. 3 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die
Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. Die Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers ist rechtskräftig widerrufen
worden. Der Beschwerdeführer strebt die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung wegen
eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls, eventualiter zur Wahrung wichtiger
öffentlicher Interessen an. Einen aus dem (umgekehrten) Familiennachzug – sein Sohn
M.Y. ist in der Schweiz niederlassungsberechtigt – abgeleiteten Anspruch macht der
Beschwerdeführer nicht geltend (vgl. dazu die Ausführungen im angefochtenen
Entscheid, E. 3a/cc).
bis
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2.1. Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei bestens integriert (act. 1 S. 4 ff.).
Nach Abschluss seiner schulischen Pflichten in der Schweiz habe er als Arbeitnehmer
in mehreren Betrieben gearbeitet und später gar erfolgreich selbständig eine
Gastwirtschaft betrieben. In seinem Geburtsort habe er nach der Ausweisung durch die
deutschen Behörden im Jahr 2008 aufgrund seiner Ethnie als Kurde etliche politische
Verfolgungen erfahren, die zu Problemen mit türkischen Sicherheitskräften geführt
hätten. Dies habe zu seiner erneuten Flucht in die Schweiz geführt. Die Bewilligung
seines Aufenthalts habe aufgrund des Strafverfahrens im Kanton Thurgau nicht weiter
verfolgt werden können. Vorliegend dürfe nicht das öffentliche Interesse an einer
restriktiven Einwanderungspolitik ausschlaggebend sein, sondern einzig seine
persönliche Situation. Er verfüge zweifelsohne über eine bedarfsgerechte Wohnung an
der U.-strasse 000 in Q. Überdies habe er eine Arbeitsstelle in Aussicht. Er spreche
fliessend Deutsch und kenne sich mit den Umfangsformen in der Schweiz bestens aus.
Während der prägenden Zeit habe er in der Schweiz gelebt. Das Gros seiner
Strafregistereinträge sei vorliegend nicht einschlägig. Es gelte der Grundsatz, dass
Delikte, die älter als zehn Jahre seien sowie solche aus der Jugend/Adoleszenz, nicht
beachtet werden dürften. Aber auch Delikte, die auch Schweizer Bürgern passieren
könnten, dürften nicht als Grund für eine Abweisung vorgeschoben werden. In Bezug
auf die Widerhandlung gegen das Waffengesetz gelte es zu bedenken, dass weder der
Schlagstock noch das Auto, in dem sich dieser befunden hätte, ihm gehört hätten. Und
eine Verkehrsregelverletzung könne jedem passieren. Es habe damals keine Verletzten
gegeben. Die Bussen betreffend Rauchverbot und Schliessungszeit seien
fälschlicherweise auf ihn ausgestellt worden, obwohl er nicht der Inhaber des
relevanten Wirtepatents gewesen sei. Bei Verkehrsregelverletzungen gäbe es ein
milderes Mittel als die Wegweisung. Die Verurteilung zur Freiheitsstrafe gelte es
insofern zu relativieren, als seine Schwägerin im Februar 2007 in Hamburg gestorben
sei und es aufgrund ihrer Tradition so sei, dass sich die Angehörigen vierzig Tage nach
dem Todesfall treffen würden. Dieses Treffen hätte am 31. März 2007 stattfinden
sollen. Er habe die Gelegenheit erhalten, mit seinem Schwager nach Hamburg zu
fahren. Indes habe er weder Kenntnis von Schleusungen gehabt, noch sich an solchen
beteiligt. Die Verurteilung sei einzig infolge der erdrückenden, unrichtigen Faktenlage
ergangen, welche er vor Gericht nicht habe widerlegen können. Das Strafverfahren vor
dem Bezirksgericht Kreuzlingen dürfe keine Beachtung finden, da die
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Unschuldsvermutung zu beachten sei. Aber seine Zusammenarbeit mit der
Kantonspolizei St. Gallen sei wohlwollend zu berücksichtigen. Er habe die Tötung so
mehrmals erfolgreich verhindern können. Am Ende sei er aber auch machtlos gewesen.
Als türkischer Kurde und PKK-Sympathisant würde er in der Türkei nicht mit offenen
Armen empfangen. Er hätte im Gegenteil in Angst und Schrecken vor den dortigen
Behörden zu leben und wäre ständig auf der Flucht. Es würden zudem nur noch seine
Eltern in der Türkei leben, die betagt seien. Seine gesamte übrige Familie lebe hier. Für
seine Frau sei weder ein Leben als Kurdin in der Türkei noch ein Leben ohne ihn
denkbar. Seine Kinder hätten Aufenthalts-/Niederlassungsbewilligungen. Sie würden
fliessend Deutsch sprechen und seien in der Schweiz völlig integriert. Sie seien
Mitglieder der christkatholischen Kirche. Die partnerschaftlichen und familiären
Beziehungen hier in der Schweiz seien intakt. M.Y. gehe in Q. zur Schule und spiele in
seiner Freizeit in einem Verein Fussball. Seine schulischen Leistungen hätten aufgrund
der Abwesenheit seines Vaters stark gelitten; ein Leben ohne seinen Vater sei für ihn
nicht vorstellbar. M.Y. habe keinen Bezug zur Türkei. Er habe die Schweizer Kultur
verinnerlicht. O.Y. besuche die Primarschule. Auch sie habe keinen Bezug zur Türkei.
Auch die Geschwister des Beschwerdeführers würden mitsamt ihren Familien in der
Schweiz leben. Sie seien gut integriert. Er habe derzeit zwar Schulden beim
Betreibungs- und Sozialamt. Nun, da er ein Jobangebot in Aussicht und seine
Haftstrafe verbüsst habe, habe er erstmals die Möglichkeit, diese Schulden abzubauen.
Er sei nun seit 24 Jahren in der Schweiz. Das syrische Kriegsgebiet befinde sich nur
30 Fahrminuten von seinem Geburtsort entfernt. Ausserdem drohe ihm in der Türkei die
Verfolgung seitens der anderen Beschuldigten im Fall X., die er massiv belastet habe.
Es wäre unmoralisch und unmenschlich, in der jetzigen Zeit jemand in die Türkei
abzuschieben. Es gehe zudem nicht an, dass ein Mensch von den Behörden derart
ausgenützt und dann abgeschoben werde. Eventualiter sei ihm eine
Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, damit er als Zeuge im Tötungsdelikt X.
einvernommen werden könne.
2.2. Nach Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer (Ausländergesetz; SR 142.20, AuG) kann von den
Zulassungsvoraussetzungen der Art. 18-29 abgewichen werden, um insbesondere
schwerwiegenden persönlichen Härtefällen Rechnung zu tragen. Diese Bestimmung
räumt keinen Bewilligungsanspruch ein (BGer 2C_154/2013 vom 14. Februar 2013 E. 2
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mit Hinweisen; sog. Ermessensbewilligung, BGE 137 II 345 E. 3.2.1). Mit Beschwerde
beim Verwaltungsgericht können laut Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP lediglich
Rechtsverletzungen geltend gemacht werden. Das Verwaltungsgericht kann deshalb
die Ausübung des Ermessens durch das Migrationsamt und die Vorinstanz nur
überprüfen, soweit eine rechtsfehlerhafte Ermessenshandhabung – und nicht lediglich
die Unangemessenheit – in Frage steht. Nach Art. 96 Abs. 1 AuG berücksichtigen die
zuständigen Behörden bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die
persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und
Ausländer. Bei der Beurteilung, ob ein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt,
sind laut Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und
Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE) vor allem die Integration (lit. a), die Respektierung
der Rechtsordnung (lit. b), die Familienverhältnisse (lit. c), die finanziellen Verhältnisse
(lit. d), die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (lit. e), der Gesundheitszustand (lit. f)
sowie die Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im Herkunftsland (lit. g) zu
berücksichtigen. Die genannten Gesichtspunkte können bei der Beurteilung eine
wesentliche Rolle spielen, auch wenn sie einzeln betrachtet grundsätzlich noch keinen
Härtefall zu begründen vermögen (vgl. BGE 137 II 1 E. 4.1 im Zusammenhang mit der
Beurteilung, unter welchen Umständen ein nachehelicher Härtefall und damit ein
Anspruch zu bejahen ist). An einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall werden
hohe Anforderungen gestellt (BGE 119 Ib 33 ff.; BGE 117 Ib 317f.). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung liegt ein Härtefall vor, wenn sich die betroffene
Person in einer persönlichen Notlage befindet. Ihre Lebens-/Daseinsbedingungen
müssen, am durchschnittlichen Schicksal ausländischer Personen gemessen, in
gesteigertem Mass in Frage gestellt sein (BGE 130 II 39 E. 3; BGE 128 II 200 E. 4). Der
Begriff des schwerwiegenden persönlichen Härtefalls ist restriktiv auszulegen und an
die genannten Härtefallkriterien ist ein strenger Massstab zu legen (VerwGE
B 2010/294 vom 31. Mai 2011 E. 3). Eine gesetzliche Pflicht, Ermessen in irgendeiner
Weise grosszügig zu handhaben, besteht nicht (vgl. VerwGE B 2010/185 vom
16. Dezember 2010 E. 2.4).
2.3. Die Vorinstanz hat ihren Entscheid nachvollziehbar begründet und die
wesentlichen Kriterien für die Beurteilung eines persönlichen Härtefalls berücksichtigt.
Auch berücksichtigen durfte sie die dem Beschwerdeführer zur Last gelegten
Straftaten im Strafkomplex X., da diesbezüglich zwar die Unschuldsvermutung gilt, das
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Verfahren aber offenbar nur deshalb noch pendent ist, weil die Zulässigkeit des
abgekürzten Verfahrens verneint wurde (Dossier, S. 626). Aber selbst ohne die
Berücksichtigung dieses Strafkomplexes geht das Verwaltungsgericht mit der
Vorinstanz überein, dass von einem Härtefall vorliegend nicht ausgegangen werden
kann. Es ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass es etwas befremdend ist,
dass der Beschwerdeführer seinen Tatbeitrag zur Schleusung von immerhin 26
irakischen Männern auf der Ladefläche eines Kleinlastkraftwagens ohne ausreichende
Lebensmittel, Sitzmöglichkeiten, Pausen beziehungsweise Möglichkeiten des
Toilettengangs mit einem Familientreffen zu erklären versucht. Auch seine selbständige
Erwerbstätigkeit im Gastgewerbe wird von ihm überbewertet, brach er sie doch bereits
nach wenigen Monaten nach Eröffnung und Einstellung eines Konkursverfahrens
(vgl. ABl 2006 S. 115) ab. Berücksichtigt man die üblichen Kriterien für den Widerruf
von Bewilligungen, so wird man feststellen, dass gerade den Kriterien des Respekts für
die Rechtsordnung sowie der geordneten finanziellen Verhältnisse ein besonderes
Gewicht eingeräumt wird. Und diese Kriterien sprechen vorliegend eine deutliche
Sprache gegen den Beschwerdeführer. Seine lange Aufenthaltsdauer in der Schweiz
sowie die Tatsache, dass seine Kinder hier aufgewachsen sind und die Familie gut
integriert ist, vermögen diese stark gegen den Beschwerdeführer sprechenden
Momente nicht aufzuwiegen. Die Vorinstanz hat nicht ohne guten Grund behauptet,
dass es dem Beschwerdeführer und seiner Familie durchaus zumutbar sei, in der
Türkei zu leben (und zwar nicht zwingend im Geburtsort des Beschwerdeführers, der
nach Angabe des Beschwerdeführers 30 Fahrminuten vom syrischen Kriegsgebiet
entfernt sei). Denn das Bundesverwaltungsgericht hat am 3. November 2016 in Bezug
auf den Wegweisungsvollzug eines türkischen Kurden entschieden, dass es einem
Kurden bei Vorliegen eines familiären Beziehungsnetzes (und dafür reichen die Eltern
des Beschwerdeführers aus) und unter Verwendung der in der Schweiz erlernten
beruflichen Fähigkeiten zumutbar sei, in die Türkei zurückzukehren (BVGer
D 6504/2016 vom 3. November 2016 E. 7.4, vgl. auch die aktuelle Rechtsprechung des
Bundesverwaltungsgerichts zur Situation der Kurden in der Türkei und zur
Zumutbarkeit des Vollzugs der Wegweisung BVGer D-7523/2015 vom 12. Februar
2018 E. 4.7, D-6235/2017 vom 13. Februar 2018 E. 7.3, E-7583/2016 vom 9. Februar
2018 E. 7.3.1, D-444/2017 vom 8. Februar 2018 E. 4, 5 und 9.3). Dabei sind vor allem
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die (politischen) Verhältnisse für den Beschuldigten in der Türkei massgebend, die für
alle türkischen Kurden ähnlich sind.
Wenn der Beschwerdeführer abschliessend seine in Zukunft allenfalls erforderlichen
Zeugenaussagen im Strafkomplex X. als Argument für das Vorliegen eines Härtefalles
im Sinn von Art. 30 Abs. 1 Ingress und lit. b AuG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1
Ingress und lit. d VZAE bemüht, wird es erneut befremdend, muss dem
Beschwerdeführer doch bekannt sein, dass er z.B. auch rechtshilfeweise
einvernommen werden kann und dies kein Grund sein kann, auf einen Härtefall zu
schliessen, zumal der Härtefall in diesem Fall ohnehin die Schweizer Strafverfolgung
und nicht den Beschwerdeführer träfe. Eine entsprechende Äusserung oder gar ein
solches Gesuch der Strafverfolgungsbehörde ist im Übrigen nicht aktenkundig.
2.4. Die Vorinstanz hat ihr Ermessen somit nicht in rechtswidriger Art und Weise
ausgeübt. Die Abnahme der vom Beschwerdeführer beantragten Beweismittel,
namentlich die Befragung von Ehefrau und Kindern, erübrigt sich in antizipierter
Beweiswürdigung (vgl. BGer 2C_2012 vom 1. Oktober 2012 E. 1.4 mit Hinweisen). Die
Beschwerde erweist sich deshalb als unbegründet und ist abzuweisen.
3. (...).