# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2631d0bf-dd34-44e0-a4b7-7a582bf62f79
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die
1976 geborene
X._
verfügt über keine Berufsaus
bil
dung. Am
16. November 2011
meldete sie sich
unter Hinweis auf eine psychische Beeinträchtigung erstmalig bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(Urk. 12/9).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
IV-Stelle
,
gewährte
berufliche Massnahmen
im Sinne
von
Belastbarkeits- und Aufbautrainings sowie Arbeitsvermittlung
(Urk.
12/26, Urk. 12/36,
Urk.
12/52,
Urk. 12/69
,
Urk.
12/77
)
, welche Massnahmen durch einen stationären Aufenthalt in der Klinik
Y._
vom 6. August bis
4.
September 2013 unterbrochen wurden,
und wies
den Anspruch auf eine Invalidenrente
mit Verfügung vom 2. Mai 2014 (Urk. 12/84) ab.
1.2
Mit Schreiben des behandelnden Psychiaters Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psy
ch
i
atrie und Psychotherapie FMH, vom 1. März
2018 sowie Formular vom 9. April
2018 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf depressive Störun
gen, rasche Erschöpfung, reduzierte Belastbarkeit, Bandscheibenvorfall und schmerz
hafte Sehnenansätze erneut zum Leistungsbezug an
(Urk. 12/86, Urk. 12/9
0)
.
Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
und
veranlasste insbesondere eine bidisziplinäre (psychiatrisch, rheumatologisch) Begut
achtung durch die
A._
(Expertise vom 28. Februar 2019; Urk. 12/111)
sowie eine Abklärung im Haushalt (Bericht vom 11. April 2019; Urk.
12/114). In der Folge stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom
31. Juli 2019
(Urk. 12/117)
die Abweisung des
Rentenbegehrens
in Aussicht. Nach
erhobenem Einwand vom 16. September 2019 (mit ergänzender Begrün
dung vom
28. November 2019; Urk. 12/118, Urk. 12/126)
verfügte die IV-Stelle am 9. März
2020 (Urk. 2) im angekündigten Sinne.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 23. April 2020 (Urk. 1) Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung vom 9. März 2020 sei vollum
f
änglich auf
zuheben und ihr seien die gesetzlich geschuldeten Leistungen, insbesondere eine ganze Invalidenrente, zuzusprechen, eventualiter seien weitere Sachverhaltsab
klärungen vorzunehmen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege und
die Bestellung von
Rechtsanwalt Markus Zimmermann, Baden, als unentgeltlichen Rechtsvertreter (S. 2).
Die IV-Stelle schloss am 27. Mai 2020 (Urk. 11) auf Abweisung der Beschwerde
, was der Beschwerdeführerin mir Verfügung vom 2. Juni 2020 (Urk. 13) zur Kenntnis gebracht wurde. Mit Schreiben vom 3. Februar 2021 (Urk. 14) legte die
Beschwerdeführerin einen neuen ärztlichen Bericht
auf
(Urk. 15), welcher der Beschwerdegegnerin mit Mitteilung vom 5. Februar 2021 (Urk. 16) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grund
sätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit einem struk
tu
rierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unter
zie
hen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des
Bundesgesetz
es
über die Inval
idenversicherung [
IVG
]
).
1.
3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung [
IVV
]
)
, so ist im Beschwerde
ver
fahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.
4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Än
derung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fe
rner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
men
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und
ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 9. März
2020 (Urk. 2) im Wesentlichen,
die Untersuchungen hätten ergeben, dass die
Beschwer
de
führer
in in einer angepassten Tätigkeit seit dem 1. Januar 2015 70 % arbeits
fähig
sei
. In der bisher angestammten Tätigkeit
sei
die
Beschwerdeführerin
seit diesem Zeitpunkt noch 60 % arbeitsfähig (S. 1).
Bei guter Gesundheit würde sie einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Gestützt auf einen Einkommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 34 %. Da der IV-Grad unter 40 % sei, bestehe kein Anspruch auf eine Rente (S. 2).
2.2
Dagegen wendet die
Beschwerdeführerin
(Urk. 1) zur Hauptsache ein,
gestützt auf die Ausführungen von Dr.
Z._
sei überzeugend nachgewiesen, dass das psy
chiatrische Gutachten den bundesgerichtlichen Anforderungen nicht zu genügen vermöge und im zentralen Punkt mangelhaft sei. Zudem sei die angefochtene Verfügung
nicht hinreichend begründet, weshalb auch eine Verletzung der Be
grün
dungspflicht beziehungsweise des Anspruchs auf rechtliches Gehör vorliege (S. 14).
2.3
Die Parteien gehen im Ergebnis übereinstimmend davon aus, dass seit der renten
abweisenden Verfügung vom
2.
Mai 2014 eine
relevante
Veränderung
eingetre
ten ist
. Strittig und zu prüfen ist demgegenüber das Ausmass der bestehenden Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit.
3.
In formeller Hinsicht ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Beschwer
de
gegnerin auf die im
Einwandverfahren
aufgeworfene Frage der Beweiskraft des
A._
-Gutachtens nur sehr kurz einging. Indes gehen aus der angefochtenen Verfügung die wesentlichen Überlegungen
,
von denen sich die Beschwer
degeg
nerin leiten liess und auf welche sie ihren Entscheid stützte,
dennoch
hervor
. Die Beschwerdegegnerin kam zum Schluss, dass auch der zuletzt eingeholte Bericht des behandelnden Psychiaters Dr.
Z._
die Beweiskraft des Gutachtens nicht zu erschüttern vermag (Urk. 1 S. 2).
Für die
Beschwerdeführerin
war somit
er
kennbar, dass der Bericht zur Kenntnis genommen und in die Beurteilung der Beschwerdegegnerin einbezogen w
orden war
. Ebenfalls wurden die Beweg
g
ründe
für den getroffenen Entscheid -
wie fehlende Angaben, Diagnosen und Befunde
, welche
eine
Unrichtigkeit des Gutachtens belegen -
dargelegt.
Damit hat sich die
Beschwerdegegnerin hinreichend mit
den Vorbringen
der Beschwerdeführerin aus
einandergesetzt
und ihre we
sentlichen Überlegungen genannt, was sich bereits in der sachgerecht erhobenen Beschwerde zeigt.
Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt daher nicht vor
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2020 vom 2. Februar 2021 E. 4.1 mit Hinweisen)
.
4
.
4
.1
Massgeblicher Vergleichszeitpunkt für eine relevante Veränderung des Gesund
heitszustandes bildet d
ie leistungsablehnende Verfügung vom 2. Mai 2014
, wel
cher umfassende erwerbliche und medizinische Abklärungen zugrunde lagen. In medizinischer Hinsicht stützte sich die Beschwerdegegnerin insbesondere auf
nachstehende
n
med
izinische
n
Unterlagen:
4
.1.1
Die medizinischen Fachpersonen
der Klinik
Y._
hielten mit Bericht vom 3. Janu
ar 2014 (Urk. 12/73) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mitte
lgradige Episode mit soma
tischem
Syndrom (ICD-
10 F33.11) sowie eine Panikstörung (ICD-10 F41
; S. 1
)
fest
.
Aufgrund der beschriebenen affektiven Erkrankung und dem protrahierten Verlauf, würden, bis die
Beschwerdeführerin
eine ausreichende psychische Stabi
lität wieder erreicht habe, vorerst eher einfache strukturierte Tätigkeiten als sinnvoll erachtet, die keine Mehrfachanforderungen darstellten, zum Beispiel eine Verkaufstätigkeit. Inwieweit die
Beschwerdeführerin
auch längerfristig in ihrer bisherigen Tätigkeit als Kleinkindbetreuerin wieder Fuss fassen könne,
könne zum jetzigen Zeitpunkt nicht beurteilt werden und hange entscheidend vom weiteren ambulanten Verlauf ab (S. 3).
4
.1.2
Ergänzend hierzu diagnostizierte
Dr.
Z._
in seinem Bericht vom 14. Febru
ar 2014
(Urk. 12/80)
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichtgradig mit somatischem Syndrom seit Pubertät, jetzige Episode seit August 2011 (ICD-10 F33.01), einen Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, selbstunsicheren und ab
hän
gigen Zügen seit Kindheit (ICD-10 F 61.0), ein Erschöpfungssyndrom seit 2010
(ICD-10 Z 73.0), eine Überforderungssituation beruflich und privat seit 2010 (ICD-10 Z60.8) sowie einen Tinnitus
aurium
(S. 1). Die Beschwerdeführerin sei psy
chisch sehr instabil, emotional schnell aufgewühlt und psychophysisch rasch überfordert. Sie werde dann unkonzentriert, verliere ihre Struktur, werde an
triebslos, leide unter Schlafstörungen und bekomme Panikattacken. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht zurzeit in einem zeitlichen Rahmen von
40 % zumutbar.
Wichtig seien möglichst wenig Verantwortung, genüg
e
nd Pause
n sowie wohlwollende und fürsorgliche Bezugspersonen. Eine behinderungs
ange
passte Tätigkeit sei im Umfang von circa 40 % seit Januar 2014 möglich (S. 3).
4.1.3
Gestützt auf diese
Berichte kam med. prakt.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom Regionalen ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle zum Schluss
,
es würden bei aber zahlreichen und erheblichen psychosozialen Belas
tungen
keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen (Angaben vom
6.
März 2014,
Urk.
12/81 S. 8), was zu der am
2.
Mai 2014 verfügten Rentenabweisung (
Urk.
12/84) führte.
4
.2
Dem Gericht liegen zur Beurteilung dessen, wie sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin bis zum 9. März 2020 (Verfügungserlass) entwickelte, unter anderem folgende medizinischen
Dokumentationen
vor:
4
.2.1
Mit Bericht vom 10. April 2018 (Urk. 12/91)
nannte der behandelnde Psychiater Dr.
Z._
als Diagnosen mit Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine Diskus
hernie mit Verschlechterung während und nach der Arbeit, Schmerzen und Schwellung im Knie währen
d
und nach der Arbeit bei Status nach Knieoperation, eine Persönlichkeitsstörung mit emotional instabilen, selbstunsicheren und ab
hängigen Zügen (ICD-10 F61.0) sowie eine rezidivierende depressive Störung mit somatischem Syndrom, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.11; S. 1).
Als zu
sätzliche Belastungsfaktoren hielt er Panikattacken, wieder zunehmend, beson
ders nachts (ICD-10 F41.0), belastende Lebensumstände mir ihrer depressiven, suizidalen Tochter (ICD-10
Z63.7
)
, einen Tinnitus
aurium
, feindliche Verleum
dung und Verfolgung durch die Nachbarin (ICD-10 Z60.5) so
wie P
robleme durch schlechte ökonomische Verhältnisse und Druck vom Sozialamt (ICD-10 Z59) fest.
Er schilderte, die
Beschwerdeführerin
arbeite seit November 2014 als Service-Angestellte
in einem Pensum von circa 50
%
. Trotz guter Motivation hätten alle Versuche, das Pensum zu steigern, zu Arbeitsunfähigkeiten infolge Verschlechte
rung des körperlichen und psychischen Zustandes geführt. Die
Beschwer
defüh
rerin
bekomme an Arbeitstagen zunehmend Rückenschmerzen sowie Schwel
lungen mit Schmerzen
im Knie. Hinzu käme
n
die psychisch-geistige Erschöpfung und Instabilität, die auch immer wieder in den Therapiesitzungen auff
ielen
. Die Tätigkeit in der Waldspielgruppe habe sie bereits aufgegeben, weil es durch diese zusätzliche körperliche Anstrengung und die Feuchtigkeit noch schlimmer ge
worden sei. Auch die Reinigungsarbeiten überstiegen ihre Kräfte neben der 50 %-Stelle im Service. Dass sie ihre Leistungsfähigkeit nie steigern könne und nach einem Arbeitstag zu nichts mehr fähig sei, deprimiere sie zunehmend und nehme ihr jegliche Zukunftsperspektive (S. 1
; vgl. auch den Bericht vom
2.
August 2018,
Urk.
8/95
).
4
.2.2
Die explorierenden Fachärzte der
A._
diagnostizierten im Gutachten vom 28. Februar 2019 (Urk. 12/111) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6):
-
Chronifiziertes
und generalisiertes Weichteilschmerzsyndrom (
fibromyal
gi
formes
Schmerzsyndrom)
-
Kombinierte dissoziative Störung (ICD-10 F44.7)
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
diagnostizierten sie (S. 6):
-
Status nach
lumbospondylogenem
Schmerzsyndrom bei/mit links kaudal
rezessal
subluxierter
Bandscheibenprotrusion
L5
/
S1
mit Kompression der Wurzel S1 2017
-
Panikstörung (episodische paroxysmale Angst; ICD-10 F41.0)
Sie hielten fest, bei dissoziativen Störungen (früher Konversionsstörung genannt) komme es zu einem völligen oder teilweisen Verlust der normalen Integration, die sich auf Erinnerungen, Identitätsbewusstsein, unmittelbare Empfindungen oder Kontrolle von Körperbewegungen beziehen könne. Es bestehe eine psy
cho
gene Ursache, das heisse es bestehe eine zeitliche Verbindung zu entweder trau
matisierenden Ereignissen oder unerträglichen Konflikten beziehungsweise ge
stör
ten Beziehungen. Die bei der
Beschwerdeführerin
auftretenden psychogenen Empfindungen (das Aussen fühle sich nicht echt an, sie spüre ihren Körper nicht, alles fühle sich taub und dumpf an) seien in diesem Sinne quasi als eine sym
bolische Lösung eines Beziehungsproblems, eines Konflikts oder einer anderwei
tigen Belastungssituation zu interpretieren, wodurch sie diesen vorübergehend ausweiche. Darüber hinaus komme es zu paroxysmaler Entwicklung von Angst im Sinne von Panikattacken (
attackenartiges
Auftreten von Angst, situativ
unab
hängig
, begleitende vegetative Symptome). Eine Diagnose aus dem depressiven Spektrum habe nicht festgestellt werden können. Die depressiv anmutenden Symptome liessen sich durchaus auch vor dem Hintergrund der dissoziativen Beeinträchtigung und deren Folgen erklären, wobei die psychomentale Belast
bar
keit und Copingstrategien
der
Beschwerdeführerin
insgesamt vermindert seien und sie
eine
erhöhte Vulnerabilität für psychische Probleme aufweise (S. 28).
In rheumatologischer Hinsicht entsprächen die
angegebenen Beschwerden am Bewegungsapparat einem
chronifizierten
und generalisierten Weichteilschmerz
syn
drom mit mehr oder weniger symmetrischer Anordnung von
Weichteil
druck
dolenzen
am gesamten Schultergürtel, um beide Ellenbogengelenke, entlang einzelner Abschnitte des Achsenskelettes, am Beckengürtel rechtsbetont sowie
peritrochantär
rechts. Klinisch und auch anamnestisch bestünden keine Hinweise auf ein
e
inflammatorische
Grundlage der Gelenkbeschwerden, gemäss der zur Verfügung gestellten Dokumentation habe man im Mai 2014 eine entzündliche
systemisch-rheumatische Erkrankung bei normalen Rheumafaktoren und norma
lem Anti-CCP ausgeschlossen. Schon zu jenem Zeitpunkt habe man von einem
fibromyalgiformen
Schmerzsyndrom gesprochen, die Einschätzung dürfte auch heute Gültigkeit haben, wobei man ohne weiteres differentialdiagnostisch auch an die Möglichkeit einer somatoformen Schmerzstörung im Rahmen der Psycho
pathologie denken könne. Hinweise auf ein
radikuläres
Schmerzgeschehen be
stünden nicht. Sinngemäss könne man aus rheumatologischer Sicht keine höher
prozentige Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründen. Die im Jahr 2017 bestehenden lumbalen Rückenbeschwerden (damals links kaudal
rezessal
sublu
xierte
Bandscheibenprotrusion
L5
/
S1
mit Kompression der Wurzel S1) sei
en
im Moment ein Befund ohne Auswirkung auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit. Die Einschätzung aus rheumatologischer Sicht dürfte seit Jahren bestehen
, der zur Verfügung gestellten Dokumentation könne man entnehmen, dass die bis
herigen Arbeitsunfähigkeiten in erster Linie durch die Psychopathologie begrün
det worden seien (S. 44 f.).
Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage 60 %, 6 Stunden am Tag (psychiatrische Einschätzung), mit einem Rendement von 10
%
(rheumatolo
gi
sche Beurteilung). Die Einschätzung aus rheumatologische
r
Sicht dürfte sei
t
Jahren bestehen. Eine punktuelle Terminierung bezüglich Beginn der klinischen Manifestation der psychischen Probleme und ihrer Dynamik in den letzten Jahren sei sehr schwer bis unmöglich. Unter Zugrundelegung anamnestischer Angaben der
Beschwerdeführerin
, die mit den Akteninformationen vereinbar seien, dürften diese Ende 2011 in einem alltagsrelevanten Ausmass vorgelegen haben.
Da sie ausgeprägter als später gewesen seien, dürfte die psychiatrisch bedingte Arbeits
fähigkeit in einer Grössenordnung von
50 % gelegen haben, die Gesamta
rbeits
fähigkeit somit bei 40 %. Die
Beschwerdeführerin
habe
Anfang 2015 ihren aktuellen Arbeitsplatz angetreten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt und bis anhin anhaltend dürfte sich die Arbeitsfähigkeit in einer Grössenordnung wie
aktuell
von
60 % bewegt haben (S. 8
f.).
Die Arbeitsfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten sei 70 % (6 Stunden pro Tag, Rendement nicht vermindert; S. 9).
Spätestens ab Anfang 2015 und bis anhaltend dürfte sich die Arbeitsfähigkeit in einer Grössenordnung wie aktuell
von
70
%
bewegt haben (S. 9).
Aus psychiatrischer Sicht seien Tätigkeiten mit hohem Stresspegel und hoher Verantwortung zu vermeiden. Die Ausdauer und die Fähigkeit, unter Zeittruck zu arbeiten, seien reduziert. Multitasking wäre ungeeignet. Es bestehe ein erhöhter Regenerationsbedarf. Aus somatischer Sicht bestünden keine wesentlichen Ein
schränkungen (S. 7).
4
.2.3
Bezugnehmend auf das
A._
-Gutachten vom 2
8.
Februar 2019 führte Dr.
Z._
mit Stellungnahme vom 20. November 2019 (Urk. 12/125) zuhanden des
be
schwer
deführerischen
Rechtsvertreters aus,
Tatsache sei, dass die
Beschwer
de
führer
in eindeutig depressive Phasen durchlebe, in denen Suizidgedanken, pessi
mistische Zukunftsgedanken, verminderte Aufmerksamkeit, Selbstzweifel, Inte
ress
e
losigkeit, Freudlosig
keit, sozialer Rückzug und
Antriebsschwäche stärker ausgeprägt seien. Depressive Zustände, Ängste, Dissoziationen und Schmerzen beeinflussten sich gegenseitig. Da sei es schwierig zu sagen, was Ursache und was Folge sei
(S. 2). Die Beschwerdeführerin sei von September
2011 bis Mai 2013 90-100 % arbeitsunfähig gewesen. Seither sei sie je nach Zustand 40-50 % arbeitsfähig, egal in welcher Tätigkeit
.
Alle Versuche, dieses Pensum langfristig zu erhöhen, hätten in Erschöpfung, Zunahme der Schmerzen und depressiver Dekompensation mit Verzweiflung gemündet. Im Gutachten werde die Arbeits
fähigkeit in leidensangepasster Tätigkeit
mit
70 % beziffert
(S. 3)
.
5
.
5
.1
Vorwegzuschicken ist, dass das bidisziplinäre Gutachten vom
2
8.
Februar 2019
(E.
4
.2.2
)
auf den notwendigen rheumatologischen und psychiatrischen Untersu
chungen beruht und sich somit für die streitigen Belange als umfassend erweist. Die Gutachter setzten sich detailliert mit den von der
Beschwerdeführerin
geklagten Beschwerden auseinander (S. 22, S. 41), erstellten ihre Beurteilung in Kenntnis der wesentlichen Vorakten (S. 13-17, S. 20, S. 3
8
ff.) und die daraus unter Nennung der medizinischen Zusammenhänge gezogenen Schlussfolge
run
gen leuchten ein. Namentlich
legten sie dar, dass aus rheumatologischer Sicht
bezüglich der
im Jahre 2017 erlittene
n links kaudalen
rezessal
en
subluxierte
n
Bandscheibenprotrusion
L5
/
S1
mit Kompression der Wurzel S1
bei intakter funk
tioneller Kapazität am gesamten Bewegungsapparat keine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit mehr besteht
, basierend auf unauffälligen
inflammatorischen
Befunde
n
keine objektive Grundlage für die Gelenkbeschwerden bei geschilderten
Weichteildruckdolenzen
vorliegt und daher bei der zu
stellenden Diagnose eines
chronifizierten
und generalisierten Weichteilschmerzsyndrom
s
differentialdia
gnostisch auch an die Möglichkeit einer somatoformen Schmerzstörung im Rahmen der Psychopathologie zu denken ist
(S. 44 f.)
. In psychiatrischer Hinsicht
zeigten sie anhand der erhobenen Befunde auf, dass keine Diagnose aus dem depressiven Spektrum zu stellen ist, dahingegen die entsprechenden Symptome im Rahmen einer dissoziativen Störung zu interpretieren sind, was mit einer paroxy
s
malen Entwicklung von Angst im Sinne von Panikattacken einhergehen kann. Daraus folgerten sie eine Verminderung der psychomentalen Belastbarkeit
sowie der Coping-Strategien und eine insgesamt erhöhte Vulnerabilität für psy
chische Probleme der
Beschwerdeführerin
(S. 28). Die Schlussfolgerung einer 60%igen Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit
und einer 70%igen Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit bei jeweils vornehmlich psychiatrisch bedingter Einschränkung der Leistungsfähigkeit – wobei das rheumatologische Schmerzge
schehen
keinen Einfluss auf eine
angepasste Tätigkeit
nimmt
– ist demnach für das Gericht in nachvollziehbarer und einleuchtender Weise begründet und der Expertise kommt grundsätzlich Beweiskraft zu
(E. 1
.5
)
.
5
.2
In Bezug auf die rheumatologische Beurteilung ist dies – soweit ersichtlich – denn auch unstreitig.
Soweit die Beschwerdeführerin im Beschwerdeverfahren die neurologischen Be
richte von PD Dr. med.
C._
, Neurochirurgie, speziell Wirbelsäulenchirurgie FMH,
vom 10. Januar 2020 (Urk. 6/2) sowie von
d
ipl.
med.
D._
,
Fachärztin für
Neurologie
FMH
,
vom
20. Oktober 2020 (Urk. 15)
einreichte
,
lassen d
ie neu
erhobenen Befunde keine weitere Verschlechterung der Leistungsfähigkeit erkennen
. Als pathologisch beschrieben wurden
die identische
rezessale
Einen
gung
der Wurzel
S1 links (Urk. 6/2 S. 1) und neu
eine
hyperintense
Signal
ver
änderung
dorso
lateral im Rückenmark auf Höhe Halswirbelkörper (HWK) 4 bis 7
sowie Diskusprotrusionen bei HWK 4/5, 5/6, 6/7
sowie
eine leichte bis
mässig
gradige
Spinalkanalstenose bei HWK 4 bis 7 (Urk. 15 S. 1).
I
n
klinischer Hinsicht
bestehen
unverändert keine sensi
blen oder motorischen Ausfälle
. So bestanden die
geschilderten Rückenbeschwerden
bei
Erst
manifestation vor zehn Jahren im Zeitpunkt der Begutachtung und fanden bei der
Festlegung der Arbeitsfähigkeit hinsichtlich der angestammten,
körperlich
belastenden
Arbeit
Berücksichtigung
.
Einzig im Hinblick auf die Tätigke
it im Service wurden seitens
d
ipl.
med.
D._
’
denn auch Einschränkungen formuliert, indem sie diese Tätigkeit als schmerzauslösenden Faktor beschrieb. Darüber hinaus
äussern sich die unter
suchenden Ärzte in Bezug auf die veränderte Diagnosestellung weder
zu deren
funktionellen Auswirkung auf das Leistungsvermögen der
Beschwerdeführer
in
in ange
stammter noch in einer angepassten Tätigkeit b
eziehungsweise einer hier statt
gehabten Veränderung.
Namentlich sind keine andauernden Auswirkungen bei gegenüber der schweren körperlichen Arbeit im Service leichterer Arbeits
tätigkeit beschrieben noch erkennbar.
Von einer nach der Gutachtenserstellung und vor Verfügungserlass eingetretenen andauernden Veränderung
des funktio
nellen Leistungsvermögens
ist somit
gestützt auf die Berichte von PD
Dr.
C._
und
d
ipl.
med.
D._
nicht auszugehen.
5
.3
Uneinigkeit besteht indes vornehmlich bei der psychiatrischen Einschätzung. Was d
ie
Beschwerdeführer
in
– gestützt auf die Stellungnahmen des behandelnden
Psychiaters Dr.
Z._
(E.
4
.2.1
, E.
4
.2.3)
-
hiegegen vorbringt (Urk. 1), ist nicht stichhaltig.
Inwiefern die schwere Kind
heit der Beschwerdeführerin mit
seit frühester Kindheit
erfahrener Dissoziation (
Urk. 12/125 S. 1
) nicht ausreichend gewürdigt worden sein soll, bleibt unklar, diagnostizierten die Gutachter des
A._
doch gerade als mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine k
ombinierte dissoziative Störung (ICD-10 F44.7)
.
Selbiges gilt für den Umstand, dass die Fachgutachter keinen Auslöser für die psychische Dekompensation im Jahr 2011 benannten (S. 1). Abgesehen davon, dass die Massgeblichkeit eine
s
Geschehen
s
aus dem Jahre 2011 für den Status bei Neuanmeldung im Jahr 2018 ohne weitere Ausführungen fraglich bleibt,
gelangten die Gutachter
dennoch zum überein
stimmenden Schluss einer erhöhten Vulnerabilität der
Beschwerdeführerin
und trugen der genannten Dekompensation in ihrer Beurteilung Rechnung.
Insoweit Dr.
Z._
schliesslich in einer Diagnose aus dem depressiven Spektrum Rück
schlüsse auf die Arbeitsfähigkeit ziehen will (Urk. 12/125 S. 2
; E.
4
.2.3
),
ist
fest
zuhalten, dass
nicht die Diagnose, sondern in erster Linie der psycho
patho
lo
gische Befund und der Schweregrad der Symptomatik
bei der Bemessung der
Arbeits
fähigkeit
massgebend
sind
(
Urteil des Bundesgerichts 9C_190/2016 vom 2
0.
Juni 2016 E. 4
).
Dr.
Z._
gelangte
in seinem Bericht vom 2
0.
November 2019 (
Urk.
12/125) in Bezug auf die Einschätzung psychisch bedingter Defizite mittels Mini-ICF zu einer teilweise abweichenden Beurteilung
und auch bezüglich des Umfangs der Arbeitsfähigkeit
gelangte
er zu einem anderen Ergebnis
(S. 2 f.).
Die
psychiatrische Exploration
kann
von der Natur der Sache her
jedoch
nicht ermessensfrei erfolgen und eröffnet dem begutachtenden Psychiater deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medi
zinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind
, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag (BGE 124 I 170 E. 4 S. 175; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2011 vom 2
5.
Juli 2011 E. 5.2), kann es nicht angehen, ein Administrativgutachten stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten (Urteil des Bundesgerichts 9C_4/2015 vom
5.
Mai 2015 E. 3.2). Anders verhält es sich nur, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, welche im Rahmen der psychiatrischen Begu
tachtung unerkannt oder unge
wür
digt geblieben und geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts 9C_853/2015 vom 2
3.
Juni 2014 E. 3.1.2).
Solche
Gesichtspunkte liegen vorliegend auch mit den Einschätzungen von
Dr.
Z._
nicht vor.
Namentlich vermögen die beschriebenen gescheiterten Versuche
,
das Pensum bei der schweren Tätigkeit im Service
(oder bei den anderen
ebenfalls
weniger geeigneten Tätigkeiten als Spielgruppenmitarbeiterin oder Reinigungs
fachfrau, vgl.
Urk.
12/111 S. 47)
zu erhöhen, die attestierte
höhergradige
Arbeits
fähigkeit leidensangepasst nicht in Frage zu stellen (Urk.
12/125 S. 3
, 12/91 S. 1
).
Sodann findet sich in den Berichten von
Dr.
Z._
auch keine
nähere
Ausein
andersetzung mit den offenkundig die Beschwerdeführerin belastenden psycho
sozialen und soziokulturellen Faktoren, während die Fachgutachter der
A._
diese in ihrer Beurteilung
, soweit sie direkt negative funktionelle Folgen zei
ti
gen,
explizit
und zu Recht
ausklammerten
(
Urk.
12/111 S. 7, S. 29, S. 31)
.
Eine Diffe
renzierung zwischen psychosozialer Belastungssituation
und verselbständigte
m
Gesundheitsschaden
(
Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom
7.
Mai 2019 E.
5.2.1
)
hätte umso
mehr
erfolgen müssen, als
entsprechende
Belastungsfaktoren das Krankheitsempfinden der Beschwerdeführerin unterhalten
und in diesem Sinne wohl auch zur Neuanmeldung führten (Urk. 12/86
,
Urk. 12/125 S. 2)
.
Aus dem in der Beschwerde zitierten Urteil des Bundesgerichts 4A_526/2014
vom
1
7.
Dezember 2014,
mit
welchem
geschützt wurde, dass
für die Bemessung des Taggeldanspruches auf die echtzeitlichen Angaben einer Fachärztin und Leiterin eines Ambulatoriums und nicht auf
die Beurteilungen der
von der Versicherung selbst beauftragten Fachärzte abgestellt wurde,
lässt sich für den vorliegenden Fall nichts ableiten (
Urk.
1 S. 11 f.). Hier stehen sich für die Beurteilung der Invalidität die behandelnde Fachperson und eine unabhängige gutachterliche Beurteilung gegenüber, womit die obgenannten Grundsätze Anwendung finden.
Angesichts des Ausgeführten und des Umstands, dass die fachgutachterliche Explo
ration in Kenntnis und Würdigung der abweichenden Beurteilungen Dr.
Z._
s vom 10. April und vom
2.
August 2018 (E. 4.2.1
)
erfolgte, sind keine objektiven Anhaltspunkte erkennbar, welche ein Abweichen von der gutachter
lichen Einschätzung nahelegen.
5.4
Die gutachterliche Einschätzung einer Arbeitsunfähigkeit von 30
%
leidens
an
gepasst beziehungsweise 40
%
angestammt wurde auch im Hinblick auf die mass
geblichen Indikatoren nachvollziehbar begründet. Namentlich zeigten die Gut
achter auf, dass es mit einer Kombination aus
Psychopharmakatherapie
und Psychotherapie zu einem deutlichen Rückgang der psychischen Beschwerden gekommen ist, dass jedoch weiterhin fortdauernde Beeinträchtigungen wie eine reduzierte psychophysische Belastbarkeit und Ausdauer sowie verminderte
Copingstrategien bestehen (
Urk.
12/111 S. 6 und S. 29). Die Gutachter be
rück
sichtigten weiter die persönlichen Ressourcen, aber auch die bestehenden Be
lastungen, die sich insbesondere aus der finanziellen Situation und dem sozialen Kontext ergeben (
Urk.
12/111 S. 7). Bei einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleichbaren Lebenslagen und einem behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesenen Leidensdruck (
Urk.
12/111 S. 8, S. 30, S. 29) - die Versicherte befindet sich
in adäquater Behandlung und
seit 2015 in einer festen Anstellung – ist die attestierte Einschränkung der Arbeits
fähigkeit nachvollziehbar. Zu diesem Schluss kam auch RAD-Arzt
dipl.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie sowie Psychiatrie und Psychotherapie (Angaben vom
7.
März 2019,
Urk.
12/116 S. 7).
5.5
Zusammenfassend ist das
A._
-
Gutachten vom 28. Februar 2019 beweiskräftig und die Beschwerdeführerin in angestammter 60 % sowie in angepasster Tätigkeit 70 % arbeits- respektive leistungsfähig.
6
.
6
.1
In
der
angefochtene
n
Verfügung vom 9. März 2020 errechnete die Beschwer
de
gegnerin gestützt auf einen Einkommensvergleich einen massgebenden Invalidi
tätsgrad vom 34 %. Diesem legte sie ein Valideneinkommen von insgesamt Fr. 58'067.
--
zugrunde, resultieren
d
aus einer 50%igen Tätigkeit als Servicean
gestellte (Fr. 24'969.
--
) und einem 50
%
-Pensum als Spielgruppenleitern
(
Fr. 33'098.
--)
.
6
.2
Dementgegen darf nach
der
Rechtsprechung ausnahmsweise
von der geschätzten Arbeitsfähigkeit ohne weiteres auf einen entsprechenden Invaliditätsgrad ge
schlossen werden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_994/2010 vom 12. Apri
l
2011 E. 3.2.3). Dies trifft beispielswiese dann zu, wenn die beiden Vergleichsein
kom
men ausgehend vom selben Tabellenlohn zu ermitteln sind, was vorliegend zu bejah
en ist.
6
.3
Namentlich lässt die Erwerbskarriere der Beschwerdeführerin erkennen, dass sie bei verschiedenen Arbeitgeber
n
in verschiedenen
Pensen
bei
schwankenden Ein
kommen
arbeitete u
nd sich verschiedentlich weiter
bildete, ohne eine eigent
liche Ausbildung (Lehre etc.) zu absolvieren (Urk. 12/8/1, Urk. 12/13, Urk. 12/15, Urk. 12/17).
Trotz Hinweisen in den Akten, dass auch entwicklungs
psycho
logi
sche Gründe in der Kindheit zur psychischen Problematik
führten
(vgl.
Urk.
12/60
/3,
Urk.
12/108/3),
sind nicht gesundhei
t
liche Gründe für die weit
ge
hend fehlenden
beruflichen Kenntnisse
verantwortlich, womit auch kein An
wen
dungsfall von
Art.
26 IVV
vor
liegt
(
Urk.
12/8/1;
vgl. Randziffer 3035 des
Kreis
schreiben
s
über die Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH])
.
In Anbetracht dessen drängt sich die Berücksichtigung der Löhne für Hilfsarbeitertätigkeiten auf, und es ist davon auszugehen, dass sie ohne gesund
heitliche Beeinträchtigungen weiterhin solche Tätigkeiten ausführen würde.
Bei Erlass der angefochtenen Verfügung war die Beschwerdeführerin
in einem 50
%-Pensum als Servicemitarbeiterin tätig.
Nachdem mit Blick auf die Dis
kre
panz zwischen dem derzeit
erzielten monatlichen Einkommen von Fr. 1'750.
--
(Urk. 12/114 S. 2 f.)
und dem gemäss
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (
LSE
)
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt für Hilfsarbeiter
innen
erzielbaren monatlichen Einkommen von Fr. 3'054.10 (70
%
-Pensum
;
LSE 2016 Tabelle TA1_tirage_skill_level, Durchschnittslohn der Frauen im Anforderungsniveau 1 bei einer 40-Stundenwoche von
Fr.
4'363.--
) nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Beschwerdeführerin das ihr verbleibende Leistungsvermögen in zumutbarer Weise ausschöpft
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_631/2019 vom 18.
Dezember 2019 E. 6.2)
, rechtfertigt sich auch die Festlegung des Invalidenlohns gestützt auf die LSE.
Da somit die beiden Einkommen ausgehend vom selben Lohn zu berechnen
sind
, erübrigt sich deren genaue Ermittlung und es rechtfertigt sich ein
rechnerischer
«
Prozentvergleich
»
(vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011
E. 10.2.1).
6
.4
Folglich entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit
und beträgt 30 %
. Gründe für einen Abzug vom Tabellenlohn sind sodann weder ersichtlich, noch werden
solche geltend gemacht.
7
.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass basierend auf dem beweiskräftigen
A._
-Gutachten vom 28. Februar 2019 ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 30 % resultiert.
Von weiteren medizinischen Abklärungen -
insbesondere dem von der
Beschwerdeführer
in
eventualiter beantragten Gerichtsgutachten (Urk. 1
S. 2) - sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in
antizipierter
Beweiswürdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen) zu verzichten ist.
Insoweit
ist die Beschwerde abzuweisen.
Soweit mit der Beschwerde
vom 2
3.
April 2020
auch andere Leistungen beantragt werden, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten. Die Beschwerdegegnerin hat am
9.
März 2020 einzig über den Anspruch auf eine Invalidenrente verfügt, womit es hinsichtlich weiterer Ansprüche - etwa auf berufliche Massnahmen - am
für
die gerichtliche Überprüfung
erforderlichen Anfechtungsobjekt fehlt
(
BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a
).
8
.
8
.1
D
ie Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 des Gesetztes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) sind vorliegend erfüllt (vgl. insbesondere
Urk.
6/1). Demzufolge ist der Beschwer
deführerin antragsgemäss (
Urk.
1) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilli
gen und
Rechtsanwalt
Markus Zimmermann, Baden,
als unentgeltliche
r
Vertreter
für das vorliegende Verfahren zu bestellen und aus der Gerichtskasse zu ent
schädigen.
8
.2
Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 700.
--
fest
zusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
8
.3
Die n
ach
§
34
Abs.
3 GSVGer gerichtlich festzusetzende Entschädigung
von Rechtsanwalt Markus Zimmermann ist in Berücksichtigung
der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses
sowie der in ähnlichen Fällen zuge
sprochenen Beträgen
auf Fr. 1'500.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer
)
festzusetzen.
Bereits vorinstanzlich angefallene Aufwendungen werden nicht ent
schädigt (vgl. die teilweise identischen Ausführungen in Einsprache und Be
schwerde;
Urk.
12/126 und
Urk.
1
;
Wilhelm, in: Gesetz über das Sozialver
siche
rungsgericht des Kantons Zürich,
2.
Auflage, Zürich 2009, N 12 zu
§
34 GSVGer
).
8
.4
Die
Beschwerdeführer
in
wird auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozial
ver
sicherungsgericht (GSVGer) aufmerksam gemacht, wonach
sie
zur Nachzah
lung
der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald
sie
da
zu in der Lage ist.