# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7cf2ce4e-a825-49f0-a1cb-9ffe91b27704
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Mit Rentenvorausberechnung vom
6.
Juli 2011 stellte die Ausgleichskasse PROMEA der 1952 geborenen
Y._
bei einem Rentenbezug ab Oktober 2016 eine Altersente von monatlich Fr. 2‘097.-- in Aussicht (
Urk.
7/6). Der Ehemann von
Y._
,
X._
,
bezog ab
Juni 2014 eine Altersrente in Höhe von Fr. 2‘340.-- (
Verfügung vom
2.
Mai 2014,
Urk. 7/5). Mit Verfügung vom 17. September 2015 setzte die Ausgleichskasse PROMEA die Altersrente von
X._
ab 1. Oktober 2015 neu auf Fr. 1'763.-- fest, mit der Begründung,
seine Ehefrau
Y._
habe ab Oktober 2015 Anspruch auf eine Altersrente und die Summe der beiden Renten eines Ehepaares dürfe nach den gesetzlichen Bestimmungen nicht mehr als 150 % des Höchstbetrages der Einzelrente betragen (Urk. 7/3). Mit Verfügung vom gleichen Tag sprach die Ausgleichskasse PROMEA
Y._
ab Oktober 2015 eine Altersrente in Höhe von Fr. 1‘643.
-- pro Monat
zu (Urk. 8/8/3).
X._
und
Y._
erhoben am 23. September 2015 Einsprache gegen
die
Renten
verfügungen
vom 1
7.
September 2015
(Urk. 7/2 und Urk. 8/8/2). Mit
Ein
spracheentscheid
vom 29. September 2015 vereinigte die Ausgleichskasse PROMEA die beiden
Einspracheverfahren
und wies die Einsprachen ab (Urk. 2 und Urk. 8/2).
2.
X._
erhob dagegen m
it Eingabe vom 1
2.
Oktober 2015 Beschwerde (Prozess Nr. AB.2015.00071) und beantragte, es sei ihm weiterhin eine Altersrente in Höhe von Fr. 2‘340.-- pro Monat auszurichten (
Urk.
1).
Y._
erhob
mit Eingabe vom 1
8.
Oktob
er 2015 Beschwerde (Prozess Nr.
AB.2015.00072) und beantragte, es sei ihr eine
unplafonierte
Rente auszu
richten (
Urk.
8/1)
.
Am 12. November 2015 erstatte
te
die Beschwerdegegnerin in beiden Verfahren die Beschwerdeantwort (Prozess Nr. AB.2015.00071, Urk. 6; Prozess Nr. AB.2015.00072, Urk. 8/7) und beantragte die Abweisung der Beschwerden. Mit Verfügung vom 1
6.
November 2015 (
Urk.
9) wurde der Pro
zess Nr. AB.2015.00072 in Sachen
Y._
gegen die Ausgleichskasse PROMEA mit dem Prozess Nr. AB.2015.00071 in Sachen
X._
gegen die Ausgleichskasse
PROMEA vereinigt und
als
dadurch erledigt abge
schrieben. Gleichzeitig wurde die Beschwerdeantwort den Beschwerdeführenden zur Kenntnisnahme zugestellt.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführenden Anspruch auf
un
plafo
nierte
Altersrenten der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHV)
haben.
2.
2.1
Gemäss
Art.
35
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die AHV (AHVG)
beträgt die
Summe der beiden Renten eines Ehepaares maximal 150 Prozent des Höchstbe
trages der Altersrente, wenn:
a)
beide Ehegatten Anspruch auf eine Altersrente haben;
b)
ein Ehegatte Anspruch auf eine Altersrente und der andere Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung hat.
Laut
Abs.
2 von
Art.
35
AHVG
entfällt di
e Kürzung bei Ehepaaren, deren gemein
samer Haushalt richterlich aufgehoben wurde.
2.2
Ausgangspunkt jeder Gesetzesauslegung bildet der Wortlaut der Bestimmung. Ist der Text nicht ganz klar und sind verschiedene Interpretationen möglich, so muss nach seiner wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente. Abzustellen ist dabei namentlich auf die Entste
hungsgeschichte der Norm und ihren Zweck, auf die dem Text zu Grunde lie
genden Wertungen sowie auf die Bedeutung, die der Norm im Kontext mit anderen Bestimmungen zukommt. Die Gesetzesmaterialien sind zwar nicht unmittelbar entscheidend, dienen aber als Hilfsmittel, um den Sinn der Norm zu erkennen. Namentlich bei neueren Texten kommt den Materialien eine beson
dere Stellung zu, weil veränderte Umstände oder ein gewandeltes
Rechtsver
ständnis
eine andere Lösung weniger nahelegen. Das Bundesgericht hat sich bei der Auslegung von Erlassen stets von einem Methodenpluralismus leiten lassen und nur dann allein auf das grammatische Element abgestellt, wenn sich daraus zweifelsfrei die sachlich richtige Lösung ergab (BGE 134 I 182 E. 5.1, 134 V 1 E. 7.2, 133 III 497 E. 4.1).
2.3
Abgeleitet aus dem Grundsatz von Treu und Glauben (
Art.
9
der Bundesverfas
sung,
BV), welcher den Bürger in seinem berechtigten Vertrauen auf behördli
ches Verhalten schützt, können falsche Auskünfte von Verwaltungs
be
hörden unter bestimmten Voraussetzungen eine vom mate
riel
len Recht abweichende Behandlung der Rechtsuchenden gebieten. Gemäss Rechtsprechung und Doktrin ist dies der Fall, wenn die Behörde in einer konkreten Situation mit Bezug auf bestimmte Personen gehandelt hat (1.), wenn sie für die Erteilung der betreffen
den Auskunft zuständig war oder wenn die rechtsuchende Person die Behörde aus zurei
chenden Gründen als zuständig betrachten durfte (2.), wenn die Person die Unrichtigkeit der Auskunft nicht ohne weiteres erkennen konnte (3.), wenn
sie im Vertrauen auf die Richtigkeit der Auskunft Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgän
gig gemacht werden können (4.), und wenn die gesetzliche Ordnung seit der
Auskunfterteilung
keine Änderung erfahren hat (5.; BGE 131 II 627 E. 6.1, 129 I 161 E. 4.1, 126 II 377 E. 3a, 122 II 113 E. 3b/cc, 121 V 65 E. 2a; RKUV 2000 Nr. KV 126 S. 223).
3.
3.1
Der Wortlaut des Gesetzes ist bezüglich der Aufhebung des Haushalts, welcher zum
Wegfall
der Plafonierung führt,
insoweit klar, als die
richterliche
Aufhe
bung des
gemeinsamen Haushaltes
verlangt wird (
Art.
35
Abs.
2 AHVG). Ledig
lich
getrennte Haushalte
genügen daher nicht. Wie im Urteil
des
hiesigen Gerichts
AB.2002.00510 vom 1
9.
August 2003 eingehend dargelegt, ergibt sich aus den Materialien zur 1
0.
AHV-Revision nichts anderes
, vielmehr ist ersicht
lich, dass der Gesetzgeber insbesondere aus Gründen der Praktikabilität nur gerichtlich getrennte Haushalte von de
r Plafonierung ausnehmen
wollte
.
D
er Ständerat
beschloss
anlässlich der Sitzung vom
9.
Juni 1994, den zweiten Satz von
Art.
35
Abs.
2 "Die Kürzung entfällt bei getrennt lebenden Ehepaaren" zu streichen. Grund dafür war die schwierige Definition des Begriffs "getrennt lebendes Ehepaar" beziehungsweise die Frage, ob ein Zweitwohnsitz, eine selbstgewählte Trennungsform oder eine gerichtliche Trennung die
Vorausset
zung erfüllen würden
(
StenBull
StR
1994 S. 606). Anlässlich des
Differenzberei
nigungsverfahrens
vom 2
1.
September 1994 wurde der neue
Art.
35
Abs.
1
bis
mit dem Wortlaut "Die Kürzung entfällt bei Ehepaaren, deren gemeinsamer Haushalt richterlich aufgehoben wurde. Der Bundesrat kann auch in weiteren Fällen Ausnahmen von der Kürzung vorsehen" vom Nationalrat angenommen. Der Kommissionsberichterstatter führte dazu aus, es sei eine Präzisierung des Begriffs "getrennt lebende Ehepaare" vorgenommen worden. Der Hinweis auf die richterliche Aufhebung des gemeinsamen Haushalts als Bedingung für den Wegfall der Plafonierung werde eine klare Rechtssituation schaffen (
StenBull
NR 1994 S. 1357). Der Ständerat
beliess
diese Formulierung am
3.
Oktober 1994, strich aber den zweiten Satz, dass der Bundesrat weitere
Ausnahmen von der
Kürzung vorsehen könne (
StenBull
StR
1994 S. 980), was vom Nationalrat angenommen wu
rde (
StenBull
NR 1994 S. 1676).
3.2
Wie sich aus den Ausführungen der Parteien und den eingereichten Akten ergibt, leitete die Beschwerdeführerin zwar im März 20
0
1 ein
Eheschutzverfah
ren
am Bezirksgericht Uster ein, sie zog ihre Klage jedoch mit Eingabe vom 1
8.
Dezember 2001 wieder zurück. Dementsprechend schrieb das Bezirksgericht Uster das Verfahren mit Verfügung vom
8.
Januar 2002 als durch Rückzug erledigt ab und entschied nicht materiell über das Eheschutzbegehren der Beschwerdeführerin (
Urk.
3/1).
Weil
in der Folge kein weiteres Gerichtsverfah
ren
stattfand
, wurde der gemeinsame Haushalt der Beschwerdeführenden ni
e
richterlich aufgehoben.
Damit fällt eine Befreiung de
r
Beschwerdeführe
nden
von der Plafonierung infolge getrennte
r
Haushalte
ausser
Betracht.
3.3
Zu prüfen bleibt, ob
die Beschwerdeführenden gestützt auf eine unzutreffende Auskunft der Beschwerdegegnerin Anspruch auf höhere als die mit Verfügun
gen vom 1
7.
September 2015 (
Urk.
7/3 und
Urk.
8/8/3) bzw.
Einspracheent
scheid
vom 2
9.
September 2015 (
Urk.
2 und
Urk.
8/2)
festgesetzten
Rentenleis
tungen haben.
Anhaltspunkte
dafür
, dass die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine unzutreffende Auskunft betreffend seine persönliche Rente erteilt hätte, liegen nicht vor. Aus dem Umstand, dass seine Rente zunächst
unplafoniert
ausge
richtet wurde, kann er nichts zu seinen Gunsten ableiten, hatte die Plafonierung von Gesetzes wegen doch erst
dann
zu erfolgen, als auch die Beschwerdeführe
rin Anspruch auf eine Altersrente
erwarb
(
Art.
35
Abs.
1 AHVG; vgl. E. 2.1
; Wegleitung
des Bundesamtes
für
Sozialversicherungen
über die Renten [RWL] in der Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
Rz
. 5514
)
.
D
er Beschwerdeführerin
stellte die Beschwerdegegnerin
mit
Rentenvorausberech
nung
vom
6.
Juli 2011 in Aussicht, bei gegebenen Voraus
setzungen ab Oktober 2016 eine Rente in Höhe von Fr. 2‘097.-- pro Monat aus
zurichten (
Urk.
7/6
). Die Beschwerdegegnerin ging dabei – ohne dass es für die Beschwerdeführerin aus der Berechnung ersichtlich war - fälschlicherweise davon aus, dass die Beschwerdeführerin gerichtlich getrennt sei und daher Anspruch auf eine
un
plafonierte
Rente h
abe
.
Eine vom materiellen Recht abweichende Behandlung der Beschwerdeführerin gestützt auf diese falsche Auskunft ist jedoch selbst dann nicht gerechtfertigt, wenn sich die Beschwer
deführerin tatsächlich aufgrund dieser Auskunft
hätte
vorzeitig
pensionieren
lassen.
Der
faktisch
erlittene Nachteil
einer niedrigeren
, plafonierten
Rente lässt s
ich durch
eine
gerichtliche Trennung
nämlich
jederzeit
rückgängig machen
(vgl. RWL
Rz
. 5517
)
, was einzig in den Händen der Beschwerdeführenden liegt.
Die
Schaffung der klaren Rechtslage
einer gerichtlichen Trennung
ist den
Beschwerdeführenden, welche ja davon ausgehen,
bereits
gerichtlich getrennt zu sein, zumutbar.
4.
Nach dem Gesagten erweis
en
sich die Beschwer
de
n
als unbegründet und
sind
abzu
weisen.