# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2b93a961-495b-566e-8c4c-591c735e3cf7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1957, übersiedelte im Jahr 1990 mit ihrem 1978 geborenen Sohn von Serbien in die Schweiz (vgl.
die Angaben in der Anmeldung bei der Invalidenversicherung vom 2
7.
November 2007,
Urk.
10/4/2-3).
Zunächst
arbeitete
sie
hier in der Reinigung, in der Gastronomie und in der Textilpflege (Auszug
aus dem individuellen Konto
vom 1
1.
Dezember 2007,
Urk.
10/10;
Arbeitszeugnis
der
Z._
AG
vom 2
5.
September 2000, Urk.
10/3/2)
. Im Jahr
2002
absolvierte
X._
den Kurs für Pflegehelfer/innen des
Schweizerischen Roten Kreuzes (Ausweis in
Urk.
10/3/1) und
arbeitete anschliessend
in diesem Beruf im stadtzürcherischen Krankenheim
A._
, zunächst als Praktikantin im Rahmen ihrer Ausbildung, danach als angestellte Pflegehelferin (Arbeitszeugnis
vom 3
0.
September 2002,
Urk.
10/3/3; Fragebogen für
Arbeitgebende
vom
3.
Januar 2008,
Urk.
10/15
/
1-8
; Lebenslauf in Urk. 10/37).
Gegen Ende 2006 begann
X._
im Anschluss an eine Varizenoperation
(Bericht
e
in
Urk.
10/12/7-9)
an zunehmenden
Schmerzen im
lumbalen Rückenbe
reich
zu leiden, die sich
in der Folge
über d
en gesamten Körper
ausweiteten. Sie
stand des
wegen in der Behandlung von
Dr.
med. B._
, Spezialarzt für Innere Medizin (Berichte vom 12.
/1
9.
März 2008,
Urk.
10/23-24
; Bericht über eine Magnetresonanztomographie der Lenden
wirbelsäule vom 1
3.
März 200
7,
Urk.
10/34
/3-4)
,
und war zudem im
Mai/Juni
2007 in der
Universitätsklinik
C._
h
ospitalisiert (Bericht vom 2
9.
Juni 2007,
Urk.
10/83/3-5
).
Da
X._
ab Mitte November 2006 zu 50-100%
krankgeschrieben war (vgl. Urk.
10/15/8), wurde sie i
m Jahr 2007
i
m Auftrag der Pensionskasse Y._
mehrmals
vertrauensärztlich untersucht
(Berichte von
Dr.
med.
D._
, Spezialarzt für Innere M
edizin, speziell Rheumatologie,
Urk.
10/13/1-11 und
Urk.
10/13/21-31
);
ausserdem wurde Ende Juli 2007 im Auftrag der Pensionskasse
eine Evaluation der beruflichen Leistungsfähigke
it (EFL) durchgeführt (Be
richt
vom
4.
August 2007,
Urk.
10/13
/12-20
). Aufgrund der vertrauens
ärztlichen Beurteilung beendete die Stadt Zürich das Arbeitsverhältnis per Ende 2007 (Verfügung vom
6.
Dezember 2007,
Urk.
10/15/9
-10
).
1.2
Im November 2007 begab sich
X._
neu in die
Behandlung
von Dr. med.
E._
, Spezialarzt für Orthopädisc
he Chirurgie
(Berichte vom 11.
Dezember 2007 und vom
1.
Februar/2
7.
Mai 2008,
Urk.
10/11 und Urk. 10/28
/1-4
)
; dieser liess
radiologische Aufnahmen
des Beckens, des rechten Knies
,
des rechten oberen Sprunggelenks
und d
er Lendenwirbelsäule erstellen (Berichte der Klinik
F._
in
Urk.
10/11/8-10).
Am 2
7.
November 2007
meldete sich
X._
bei der
Invalidenversicherung an (
Urk.
10/4).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich (SVA), IV-Stelle, holte
die
Berichte der behandelnden Ärzte
ein
- di
e Versicherte hatte im April 200
8 zusätzlich die
Klinik
G._
konsultiert
(Bericht vom
2.
Juli 2008, Urk.
10/29)
, und im Mai 2008 war eine Magnetresonanztomographie der Halswirbelsäule angefertigt worden (Bericht des
I
ns
tituts
H._
vom
21.
Mai 2008,
Urk.
10/34/1)
-
und
liess
das
bidisziplinäre
, rheumatologisch-psychiatrische
Gutachten
vom 2
1.
Oktober 2008
erstellen (
Dr.
med.
I._
, Spezialarzt für Rheumatologie und Innere Medizin, und
Dr.
med. J._
, Spezialarzt für Psychiatrie un
d Psychotherapie;
Urk.
10/35)
.
Nachdem die IV
Stelle die Möglichkeiten der
beruflichen
Eingliederung geprüft hatte
(Verlaufsprotokoll in
Urk.
10/39)
, teilte sie der Versicherten
mit Vorbescheid vom 1
0.
März 2009
mit
, dass sie ihren Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 35
%
zu verneinen ge
denke (
Urk.
10/45; vgl. das Feststellungsblatt und den Einkommensvergleich in
Urk.
10/42+43). Nach Kenntnisnahme der Einwendungen von
Dr.
B._
und der Versicherten (
Urk.
10/47 und
Urk.
10/53 sowie
Urk.
10/49) und eines Berichts der Universitätsklinik
C._
vom
3.
März 2009 über eine dreiwöchige
Hospitalisation
vom Februar 2009 (
Urk.
10/52) entschied die IV-Stelle
mit Verfügung vom 1
3.
Oktober 2009
im Sinne ihres Vorbescheids
(
Urk.
10/56).
Die Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwalt Christoph
Erdös
,
liess gegen diese Verfügung Beschwerde erheben
(Prozess Nr. IV.2009.01113)
. Dabei
liess
sie
dar
auf
hinweisen, dass zur Zeit psychiatrische Abklärungen im Gange seien (Bericht von
Dr.
B._
vom 2
7.
Oktober 2009,
Urk.
10/
63/
15
; vgl. auch den Bericht der
Klinik
G._
vom 3
0.
Juni 2009,
Urk.
10/83/6-7
), und liess in der Folge die Berichte von
Dr.
med.
K._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie, T
herapiezentrum
L._
,
v
om 1
0.
Oktober 2010 und vom 30.
Januar 2011
einreichen (
Urk.
10/73/4-6 und
Urk.
10/75/1-2). Mit
Urteil vom 2
8.
Februar 2011 wies das Sozialversicherungsgericht
die Beschwerde ab (Urk.
10/79).
1.3
Das Urteil blieb unangefochten; die Versicherte meldete sich jedoch am 21. März 2011 neu an (
Urk.
10/76).
Die IV-Stelle beschaffte aktuelle Berichte des H
ausarztes
Dr.
med.
M._
vom 13. Juli 2011 (
Urk.
10/83), von
Dr.
B._
vom 2
2.
Juli 2011 (Urk.
10/86/1-7) und des Psychiaters
Dr.
med.
N._
des
L._
vom
9.
Oktober 2011 (Urk. 10/89). Dabei erfuhr sie
v
on Konsultationen in der
Klinik
G._
wegen Knieschmerzen rechts (Bericht vom
6.
Januar 2011,
Urk.
10/86/8-9) und in der Klinik
C._
wegen des Schmerzsyndroms (Be
richt vom 1
0.
Januar 2011,
Urk.
1
0/86/10-12).
Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
, in dessen Rahmen die Versicherte unter anderem einen Bericht des Medizinisch-Radiologischen Instituts
Zürich
vom 3
0.
Januar 2012 über eine Magnetresonanztomographie der Halswirbelsäule und der oberen Brustwirbelsäule (
Urk.
10/109) und einen
Kurzb
ericht von Dr.
N._
vom 1
9.
Februar 2012 (
Urk.
10/113) einreichen liess
(vgl. auch den Bericht von
Dr.
B._
vom 2
1.
Mai 2012,
Urk.
10/120/27-28)
,
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
Mai 2012 den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente erneut, da keine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausgewiesen sei (
Urk.
10/117
; vgl. das Feststellungsblatt in
Urk.
10/116).
Die Versicherte, nunmehr vertreten durch Rechtsanwalt Martin Hablützel, erhob wiederum Beschwerde (Prozess Nr. IV.2012.00594). Mit Urteil vom 3
1.
Januar 2014 hob das Sozialversicherungsgericht die Verfügung vom 2. Mai 2012 au
f. Es stellte fest, dass
Anhaltspunkte für eine Verschlechterung
sowohl
in somatischer
als auch in psychischer
Hinsicht bestünden
,
und wies die Sache zur Vornahme fachärztlicher Abklärungen an die IV-Stelle zurück
(
Urk.
10/129)
.
1.4
Aufgrund dieses Urteils liess
die IV-Stelle durch die Gutachtenstelle
O._
das polydisziplinäre Gutachten vom 2
7.
April 2015 erstellen (
Dr.
med.
P._
, Spe
zialarzt für Innere Medizin,
Fallführung,
Dr.
med.
Q._
,
Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
PD
Dr.
med. und
Dr.
phil. R._
,
Spezialarzt für Innere Medizin und Rheumatologie, und
Dr.
med.
S._
, Spezialarzt für Neurologie;
Urk. 10/159).
Aufgrund der Stellungn
ahme der RAD-Ärztin
Dr.
med.
T._
vom 3
0.
April 2015 zum Gutachten (Urk. 10/161/3
-5)
stellte
die IV-Stelle
mit Vorbescheid vom
6.
Mai 2015 die erneute Rentenablehnung in Aussicht (
Urk.
10/165) und hielt die Versicherte zudem mit separatem Schreiben gleichen Datums dazu an, sich in Nachachtung ihrer Schadenminderungspflicht einer intensiven wöchentlichen fachpsychiatrischen Therapie inklusive
Compliancekontrolle
sowie Benzodiazepin- und Opiatentzug zu unterziehen (Urk. 10/162). Die Versicherte liess
mit den Eingaben vom
4.
und vom 1
7.
Juni 2015 durch Rechtsanwalt Martin Hablützel
Einwendungen erheben (
Urk.
10/170 und
Urk.
10/176), worauf die
IV-Stelle mit Verfügung vom 1
1.
November 2015 im Sinne ihres Vorbescheids einen Renten
anspruch verneinte (
Urk.
2 =
Urk.
10/180).
2.
2.1
Die Versicherte liess gegen diese Verfügung
mit Eingabe vom 1
4.
Dezember 2015
durch
Rechtsanwalt Martin Hablützel
erneut Beschwerde erheben (
Urk.
1) und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und ihr seien die gesetzlichen Leistungen zu gewähren, insbesondere sei ihr rückwirkend
ab
dem
1.
März 2012 eine ganze Rente auszurichten (
Urk.
1 S. 2). In prozessualer Hinsicht liess sie um die unentgeltliche Prozessführung und um die Bestellung ihres Anwalts zum unentgeltlichen Rechtsvertreter ersuchen (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom
2.
März 2016 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
9). Mit Verfügung vom 2
1.
März 2016 wurde dem Gesuch um die unentgeltliche Rechtspflege entsprochen, und es wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
11). In der Replik vom
2
1.
April 2016 (
Urk.
13) und in der Duplik vom 2
6.
Mai 2016
(
Urk.
16)
blieben die Parteien
bei ihren Standpunkten
. Die Versicherte machte von der Gelegenheit zur Stellungnahme zur Duplik (Verfügung vom 3
0.
Mai 2016,
Urk.
17) keinen Gebrauch, w
orauf den Parteien mit Verfügung vom
5.
Juli 2016 allfällige weitere Verfahrensschritte sowie der
End
entscheid
in Aussicht gestellt wurden (
Urk.
19).
2.2
In der Folge gelangte d
as Gericht zum Schluss, dass
zusätzliche
Informationen zur gesundheitlichen Entwicklung und namentlich zur psychiatrischen Behandlung von
X._
im Zeitverlauf benötigt würden. Demgemäss setzte das Gericht die Parteien mit Beschluss vom 1
8.
August 2017 von der Absicht in Kenntnis, bei der
Medas
U._
ein polydisziplinäres Gutachten
mit den vorgesehenen Disziplinen der Rheumatologie, Neurologie und Psychiatrie einzuholen
, und
legte ihnen die vorgesehenen Fragen vor
(
Urk.
22).
Während die IV-Stelle mi
t Eingabe vom
4.
September 2017
erklärte,
keine Änderungen
oder Ergänzungen zur Fragestellung zu beantragen (
Urk.
24), stellte die Versicherte mit Eingab
e vom 1
3.
September 2017
den Antrag
, den Gu
t
achtern
verschiedene
E
rgänzungsfragen zu unterbreiten (
Urk.
26). Mit Beschluss vom
2
2.
September 2017 wurde aufgrund dieses Antrags der Begriff der Arbeitsfähigkeit näher umschrieben; im Übrigen wurde von einer Änderung der Fragestellung abgesehen. In diesem Sinne wurden die Fragen definitiv formuliert, und die
Medas
U._
wurde
als Auftragsnehmerin festgelegt (
Urk.
27). Nachdem gegen diesen
Beschluss kein Rechtsmittel erhoben worden
war
,
stellte das
Gericht den Beschluss
und das Gerichtsdossier der
Medas
U._
zu
(Schreiben v
om
8.
November 2017,
Urk.
30).
Mit Eingabe vom 1
4.
Dezember 2017
gab die
Medas
U._
dem
Gericht die für die Begutachtung vorgesehenen Ärz
te bekannt, nämlich
Dr.
med.
V._
,
Facharzt für
Allgemeine Innere Mediz
in, als fallführenden Arzt, Dr.
med.
W._
,
Spezialarzt für
Rheumatologie, und
Dr.
med.
AA._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie
(
Urk.
31).
Mit Beschluss vom
8.
Januar 2018 wurde den Parteien Gelegenheit
gegeben, Einwendungen
gegen
die vor
gesehenen Gutachter zu erheben; g
leichzeitig wurde die
Fragestellung an die unterdessen geänderte Rechtsprechung des Bundesgerichts zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Falle einer Depression angepasst, und den Parteien wurde Gelegenheit gegeben,
sich auch dazu zu äussern (Urk.
32).
Nachdem die Parteien m
it den Eingaben
vom 1
2.
und vom 1
7.
Januar 2018
erklärt hatten, weder Einwendungen
gegen die Gutachter noch gegen die Änderung der Fragestellung zu haben (
Urk.
34 und
Urk.
35
), wurde
der Gutachtensauftrag mit Beschluss vom 3
0.
Januar 2018 erteilt, und die vorgesehenen Gutachter wurden ernannt (
Urk.
36). Gleichentags wurde der Beschluss der
Medas
U._
zugestellt (Instruktionsschreiben in
Urk.
37).
2.3
Am 2
7.
August 2018 erstattete die
Medas
U._
ihr Gutacht
en
(Gesamtgutachten,
Urk.
40/1;
Radiologiebefunde
vom 2
2.
März 2018,
Urk.
40/2; rheumatologisches Teilgutachten vom 2
1.
März/3
0.
April 2018,
Urk.
40/3; psychiatrisches
Teilgutachten vom
4.
April 2018,
Urk.
40/4). Mit Beschluss vom 25.
September 2018 wurde das Gutachten den Parteien zur Stellungnahme vorgelegt (
Urk.
43). Dabei wurden die Parteien darauf hingewiesen, dass
im Gutachten die ursprünglich in den Gutachtensauftrag einbezogene Disziplin der Neurologie fehle, da die
Medas
U._
in
ihrer Bekanntgabe der vorgesehenen Gutachter vom 1
4.
Dezember 2017 keine Fachperson der Neurologie bezeichnet habe
und das Gericht dies bei der Ern
ennung der Gutachter übersehen habe.
Gleichzeitig wurden die Parteien davon in Kenntnis gesetzt, dass das Gericht das
Gutachten
für
umfassend und
für ausreichend zur Beurteilung der
sich st
ellenden Fragen halte,
dass
jedoch
im Rahmen
der
Stellungnahme zum Gutachten die Einholung eines neurologischen Ergänzu
ngsgutachtens beantragt werden könne.
Die IV-Stelle verzichtete mit Eingabe vom 1
8.
Oktober 2018 auf eine Stellungnahme und teilte mit, sie halte die
Einholung eines neurologischen Ergänzu
ngsgutachtens nicht für erforderlich (
Urk.
48). D
i
e Versicherte liess
ihre
Stellungnahme mit Eingabe vom 1
7.
Dezember 2018 erstatten und liess gleichermassen bekanntgeben, dem Verzicht auf eine neurologische Nachbegutachtung zuzustimmen (
Urk.
51). Am 2
7.
D
ezember 2018 wurden die Stellung
nahmen der jeweils anderen Partei zur Kenntnis gebracht (
Urk.
52).
Mit Verfügung vom
8.
Februar 2019 wurde die Pensionskasse
Y._
zum Prozess
beigeladen, und der IV-Stelle wurde gleichzeitig Gelegenheit gegeben, um zur möglichen weitergehenden Rentenzusprechung aufgrund eines früher abgelaufen gewesenen Wartejahres Stellung zu nehmen (
Urk.
53). Die Pensionskasse verzichtete mit Eingabe vom 2
2.
Februar 2019 auf eine Stellungnahme (
Urk.
55); die IV-Stelle teilte mit Eingabe vom 2
6.
März 2019 ebenfalls ihren Verzicht mit (
Urk.
57).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2012 sind die im Zuge der Revision 6a geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten. In
materiellrechtlicher
Hinsicht gilt der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurtei
lung jene Rechtsnormen zugrunde zu legen sind, die gegolten haben, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am 1
1.
November 2015 ergangen. Da ein Sach
verhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestimmun
gen der IV-Revision 6a begonnen hat - zur Diskussion steht die Frage nach einer rentenrelevanten Sachverhaltsänderung seit der
re
n
tenab
weisenden
Verfügung vom 1
3.
Okt
ober 2009 (
Urk.
10/56) -
und die Verfügung eine Dauerleistung betrifft, ist entsprechend der dargelegten intertemporalrecht
lichen
Regelung für die Zeit bis Ende 2011 auf die damals gültig gewesenen Bestimmungen und für die Zeit ab Anfang 2012 auf die neuen Normen der IV
Revision 6a abzustellen (vgl. zu
r
4.
IV
Revision: BGE 130 V 445; Urteil des
Bundesgerichts I 428/04 vom
7.
Juni 2006, E. 1). Soweit die Revision 6a jedoch
keine substanzi
ellen Änderungen gegenüber der früheren Rechtslage gebracht hat, ist die zur altrechtlichen Regelung ergangene Rechtsprechung weiterhin massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 19. Mai 2009, E. 2).
2.
2.1
Invalidität
ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerb
sunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Sie kann Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit ode
r Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arb
eitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind
nach
Art.
7
Abs.
2 ATSG
ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen
(Satz 1)
. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überw
indbar ist (Satz 2).
2.2
2
.2.1
Im Hinblick auf das Erfordernis in Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG hatte das Bundes
gericht die Arbeitsunfähigkeit bei bestimmten Leiden seit dem Jahr 2004 nach besonderen Grundsätzen beurteilt. Es hatte diese Leiden unter dem Begriff der p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromale
n
Beschwerdebilder ohne nach
weisbare organische Grundlage
zusammengefasst und festgestellt, es seien dies Störungen,
die sich hinsichtlich ihrer invalidisierenden Wirkung einer objektiven Beurteilung weit
gehend entzögen
, weil sie
in erster Linie
auf den Angaben der Patienten basier
t
en
(BGE 139 V 547 E. 5.9 mit Hinweis auf BGE 130 V 352). Das Bundesgericht war weiter zum Schluss gelangt, dass solche Störungen keinen
direkten Nachweis einer anspruchsbegründen
den Arbeitsunfähigkeit erlaubten und der Nachweis daher indirekt, gestützt auf Indizien, zu erbringen sei, wobei bei Beweislosigkeit vermutet werde, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirke (
BGE 139 V 547 E. 7.2 und E. 8.1).
Für diesen Nachweis hatte das Bundesgericht in Anlehnung
an eine bestimmte medizinisch
e Lehrmeinung
(vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 mit Hinweis auf Klaus Foerster, Begutachtung und Erwerbsfähigkeit bei Patienten mit psychogenen Störungen, SZS 1996 S. 486 ff.) besondere Kriterien aufgestellt, die in gewisser Ausprägung und Zahl erfüllt sein mussten (BGE 137 V 64 E.
4.1). Als
Haupt
krite
rium hatte das Bundesgericht eine psychische Komorbidität genannt, also die
Diagnose einer weiteren, von der
pathogenetisch
-ätiologisch
unklaren Störung
zu unterscheidenden psychischen Krankheit von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dau
er. Für den Fall des Fehlens einer
psychischen Komorbidität
hatte das Bundesgericht
weitere Faktoren
bezeichnet
, die bei entsprechender Intensität auf eine Beeinträchtigung der Arbeits
fähigkeit hinweisen können
, nämlich chronische körperliche Begleiterkrankungen und ein
en mehrjährigen
Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne länger dauernde Rückbildung, ein
en ausgewiesenen sozialen
Rückzug in allen Belan
gen des Lebens, ein
en verfestigten
, the
rapeutisch nicht mehr angehbaren innerseelischen
Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden
Konfliktbewältigung (sogenann
ter primärer Krankheitsgewinn, «
Flucht in die Krank
heit»
) sowie unbefriedigende Ergebnisse trotz konsequent durchgeführter ambulanter oder stationärer Behandlungs- oder Rehabilitationsbemühungen bei vorhandener Motivation und Eigenanstrengung der versic
herten Person (BGE 139 V 547 E. 9.1.1, 137 V 64 E.
4.1, 131 V
49 E. 1.2, 130 V 352 E.
2.2.3).
Ursprünglich hatte das Bundesgericht diese Kriterien für die Diagnose der
an
haltenden so
matoformen Schmerzstörung (Code
F45.4 der Internationalen Klassi
fikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10)
entwickelt, später hatte es sie auf alle p
athogenetisch
-ätiologisch unklare
n
Be
schwerdebilder im dargelegten Sinne ausgedehnt (vgl. die Kasuistik in BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3, 139 V 547 E. 2.2). Das
Bundesgericht hatte den Kriterien normativen Charakter zugeschrieben und dazu festgehalten, der ursprüngliche Katalog fachpsychologischer Prognosekriterien habe sich zu einem rechtlichen Anforderungsprofil verselbständigt (vgl. BGE 139 V 547 E. 3.2.3 und E. 7.2).
2.2.2
Im Grundsatzurteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat das Bundesgericht entschieden, an der bisherigen Rechtsprechung zu den
pathogenetisch
-ätiolo
gisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage nicht länger festzuhalten und die sogenannte Überwindbarkeitsver
mutung aufzugeben. Stattdessen hat das Bundesgericht unter Aufstellung von Standardindikatoren ein neues Prüfungsraster entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen solcher Beschwerdebilder zu ermitteln sind. Es präsentiert sich wie folgt (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E. 6):
-
Kategorie «f
u
nktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnos
erelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserf
olg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex
«Persönlichkeit»
(Persönlichkeitsdiagnostik, p
ersönliche Ressourcen
)
-
Kompl
ex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie
«Konsistenz»
(Gesich
tspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivit
ätenniveaus
in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewi
esener Lei
densdruck.
Dieses
Raster verzichtet insbesondere auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und auf die Bedeutung der psychi
schen Komorbidität als Haupt
kriterium (vgl. BGE 141 V 281 E. 6). Hingegen schreibt das Bundesgericht dem
neuen Raster wiederum normativen Charakter zu, weist jedoch darauf hin, dass es die Aufgabe der medizinischen Fach
personen sei, innerhalb der ein
schlägigen Indikatoren das Leistungsvermögen einzuschätzen (v
gl. BGE 141 V 281 E. 5.1 und E.
5.2). Des Weiteren müssen die funktionellen Einschränkungen nach wie vor mit überwiegender Wahrscheinl
ichkeit nachgewiesen sein - nun
mehr
anhand der neuen Standardindikatoren -, und es ist die versicherte Person, welche die Beweislast dafür trägt (vgl. BGE 141 V 281 E. 6).
2
.2.3
In einem weiteren Schritt hat das Bundesgericht in zwei Grundsatzurteilen vom 3
0.
November 2017 die Anwendbarkeit der neu entwickelten Standardindikatoren auf grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ausgedehnt, indem es für alle diese Erkrankungen das strukturierte Beweisverfahren als massgebend e
rklärt hat (BGE 143 V 418 E. 7, 1
43 V 409 E. 4.4 und E. 4.5). Damit hat das Bundesgericht insbesondere seine bisherige Rechtsprechung zu den depressiven Störungen geändert und
hält
nicht länger daran fest, dass rezidivierende oder episodische Depressionen leicht- bis mittelgradiger Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind (vgl. die Zusammenfassung der bisherigen Rechtsprechung in BGE 143 V 409 E. 4.1).
2
.2.4
Von vornherein nicht als invalidenversicherungsrechtlich relevant gelten geklagte Beschwerden insoweit, als sie
aggraviert
werden, also als stärker beeinträchtigend dargestellt werden, als sie tatsächlich sind beziehungsweise empfunden werden (BGE 141 V 281 E. 2.2 und E. 3.7.1, 131 V 49).
2.3
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch entsteht nach
Art.
28
Abs.
1 IVG frühestens in dem Zeitpunkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40
%
arbeitsunfähig war (
lit
. b),
sofern sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid ist (
lit
. c).
Zusätzlich kann der Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG nicht vor
Ablauf von sechs Monaten nac
h der Geltendmachung entstehen.
Während
für die Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG) und den Invaliditätsgrad (Art. 8 und
Art.
16 ATSG), wie sie nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG für die Rentenhöhe massgebend sind, nach dem Einkommen zu fragen ist, d
as
eine Person auf
dem gesamten in Frage kommenden Arbeitsmarkt mit einer dem Gesundheitsschaden angepassten zu
mutbaren Tätigkeit erzielen könnte
, beurteilt sich die Arbeitsunfähigkeit (
Art.
6 ATSG), wie sie für das Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG massgebend ist,
nach der
gesundheitlich
bedingten Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen, und es kommt dabei in der Regel einzig auf die Einschränkungen im bisherigen Beruf an (vgl. BG
E 130 V 97 E. 3.2, 105 V 156 E.
2a, 97 V 226 E. 2).
2.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
Erheblich ist rechtsprechungsgemäss jede Änderung in den persönlichen Verhältnissen der versicherten Person, die zu einer Über- oder Unterschreitung
eines Schwellenwertes der Rentenabstufung führt (vgl. BGE 133 V 545 E. 6.3 und E. 7, unter anderem mit Hinweis auf BGE 130 V 343)
.
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, so besteht nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung keine Bindung mehr an das Mass der übrigen, unverändert gebliebenen Parameter, die dem vorangegangenen rechtskräftigen Entscheid
zugrundegelegt
worden sind. Vielmehr ist der Rentenanspruch
diesfalls
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei und umfassend zu prüfen (vgl. BGE 141 V 9 E. 2.3, 117 V 198
E. 4b, je mit Hinwei
sen)
.
Unerheblich unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten ist dagegen nach der Rechtsprechung die unterschiedliche Beurteilung eines im
wesentlichen
unverändert gebliebenen Sachverhaltes (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Die Grundsätze zur Rentenrevision gelten rechtsprechungsgemäss auch dort, wo sich eine versicherte Person, deren Rentenanspruch verneint worden ist, bei der Invalidenversicherung erneut
zum Rentenbezug anmeldet. D
ort ist
ebenfalls
zu prüfen, ob seit dem Erlass des rentenabweisenden Entscheids eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist (vgl. BGE 130 V 71 E. 3.1 und 3.2 mit Hinwei
sen; vgl. auch BGE 133 V 108 E.
5.4).
2.5
Für die Beurteilung von Rechtsfragen, denen medizinische Sachverhalte zugrunde liegen, ist das Gericht auf Angaben und Unterlagen von medizinischen Fachpersonen, namentlich von Ärztinnen und Ärzten, angewiesen. Hinsichtlich
des Beweiswertes eines Arztberichtes ist nach höchstrichterlicher Praxis entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a).
Bei Gerichtsgutachten weicht das Gericht nach der Pra
xis nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung der medizinischen Fachleute ab, deren Aufgabe es ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen
. Ein Grund zum Abweichen kann vorliegen, wenn die Gerichts
-
expertise
widersprüchlich ist oder wenn ein vom Gericht eingeholtes Obergutachten in überzeugender Weise zu andern Schlussfolgerungen gelangt. Abweichende Beurteilung kann ferner gerechtfertigt sein, wenn gegensätzliche Meinungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als triftig genug erscheinen, die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens in Frage zu stellen, sei es, dass es die Überprüfung durch eine weitere Fachperson im Rahmen einer Oberexpertise für angezeigt hält, sei es, dass es ohne eine solche vom Ergebnis des Gerichtsgutachtens abweichende Schlussfolgerungen zieht
(BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
).
3.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin aufgrund der neuen
Anmeldu
ng vom 2
1.
März 2011 (
Urk.
10/76
) Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
Erste Voraussetzung für diesen Anspruch ist, dass sich in der Zeit seit der
gerichtlich bestätigten rentenablehnenden Verfügung vom 1
3.
Ok
tober 2009 (Urk.
10/56) eine Veränderung im Sachverhalt ergeben hat, wobei die Grenze des Beurteilungszeitraums durch die angefochtene Verfügung vom 1
1.
November 2015
gebildet wird (vgl. BGE 121 V 362 E. 1b). Bei gegebener Veränderung stellt sich sodann die Frage nach den
Auswirkungen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit.
4.
4.1
Die Verfügung vom 1
3.
Oktober 2009
basierte
auf dem rheumatologisch
-
psychiatrischen Gutachten von
Dr.
I._
und
Dr.
J._
vom 2
1.
Oktober 2008 (
Urk.
10/35)
.
Der Rheumatologe
Dr.
I._
beschrieb
anhand der
Radiologieberichte
und des
Radiologiedossiers
(
Urk.
10/35/8-10)
verschiedene Abnutzungserscheinungen an
der Lendenwirbelsäule
,
gelangte jedoch zur Beurteilung, dass diese degenerativen Veränderungen wohl gewisse lumbale Beschwerden, nicht aber die geklagten, sich über den ganzen Körper ausdehnenden Schmerzen
erklären könnten.
Dementsprechend stellte
Dr.
I._
die Diagnose eines Ganzkörperschmerzsyndroms ohne organische Ursache, in dem die organisch erklärbaren Beschwerden eigentlich untergingen (
Urk.
10/35/16-17).
Dr.
J._
ordnete dem Ganzkörperschmerzsyndrom aus psychiatrischer Sicht die Diagnose
eine
r
anhaltende
n
somatoforme
n
Schmerzstörung
zu
(
ICD-10
Code
F45.4
)
; daneben
diagnostizierte
er eine depressive Störung, die er als grundsätzlich leichtgradig mit Momenten einer
schwerergradigen
Ausgestaltung qualifizierte und unter die Diagnose einer leichten depressiven Episode im Sinne v
on Code F32.0 subsumierte (Urk.
10/35/23 und
Urk.
10/35/25-26
).
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit formulierte
Dr.
I._
aus rheumatologischer Sicht Einschränkungen qualitativer Art, indem er aufgrund der lumbalen Veränderungen und des Schmerzsyndroms das Heben, Stossen und Ziehen von Lasten über 15 kg und das Arbeiten in dauernd vornübergebeugter Haltung, in dauernden Zwangshaltungen oder in vor allem gebückter Haltung nicht als
zumutbar erachtete; in quantitativer Hinsicht mutete er der Beschwerdeführerin aber angepasste Tätigkeiten, auch eine
an die Einschränkungen angepasste
Pflege
tätigkeit, vollzeitlich zu (
Urk.
10/35/18).
Dr.
J._
attestierte der
Beschwerdeführerin
psychiatrischerseits
eine 30%ige Funktionseinbusse, bestehend aus einer 20%igen depressionsbedingten Einbusse und einer diskreten zusätzlichen Einbusse aufgrund der so
matoformen Schmerzstörung (Urk.
10/35/27).
Bidisziplinär
gelangten die Gutachter zu einer Arbeitsfähigkeit von 70
%
für angepasste, die
rheumatologischen
Limiten
berücksichtigende
Tätigkeiten
(
Urk.
10/35/30-31).
Das Gericht
stellte
im Urteil vom 2
8.
Februar 2011
grundsätzlich
auf das Gutachten von
Dr.
I._
und
Dr.
J._
ab. N
ur
der
psychiatrisch attestierten Einschränkung in der Arbeitsunfähigkeit
folgte es a
us
invalidenversicherung
s
rechtlicher
Sicht nicht und ging dementsprechend von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit aus
(
Urk.
10/79 E. 3.2 und E. 3.3). Mit diesen Erwägungen
bestätigte es
die Verfügun
g vom 1
3.
Oktober 2009
.
4.
2
Auf die neue Anmeldung der Beschwerdeführerin vom 2
1.
März 2011 hin (Urk. 10/76)
kam
die Beschwerdegegnerin mit der Verfügung vom
2.
Mai 2012 zur Auffassung, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin habe sich
seit dem Erlass der Verfügung vom 1
3.
Oktober 2009
nicht verändert
(
Urk.
10/117)
.
Demgegenüber
ersah
das Gericht im Beschwerdeverfahren aus den Akten verschiedene Anhaltspunkte für gesundheitliche Verschlechterungen sowohl soma
tischer als auch
psychischer
Art.
In somatischer Hinsicht
wies es
im Urteil vom 3
1.
Januar 2014
auf
den Befund einer Diskushernie in der Halswirbelsäule mit
radikulärer
Symptomatik hin, den
Dr.
B._
im Bericht vom 2
1.
Mai 2012 unter Hinweis auf den Bericht des
Instituts
H._
vom 3
0.
Januar 2012
(
Urk.
10/109)
aufgeführt
hatte (
Urk.
10/120/27), des Weiteren fielen
dem Gericht
die Befunde in den Knien mit einer nachgewiesenen re
chtsseitigen Meniskusläsion
auf, welche die
Klinik
G._
im Bericht vom
6.
Januar 2011 beschrieben hatte (
Urk.
10/86/8-9), und ausserdem nannte es
die
beidseitige
n
Schulterschmerzen,
die
im B
ericht der Klinik
C._
vom 1
0.
Januar 2011 (
Urk.
10/86/10-12) und wiederum im Bericht von
Dr.
B._
vom 2
1.
Mai 2012 (
Urk.
10/120/27
-28
) zur Sprache gekommen waren, als
Gegenstand
mögli
cher Veränderungen (
Urk.
10/129 E. 5.3.1). In
Bezug auf die psychischen Einschränkungen
erwähnte das Gericht die Berichte der behandelnden Psychiater
Dr.
K._
und
Dr.
N._
des
L._
vom 1
0.
Oktober 2010 und vom
9.
Oktober 2011, in denen von einer stetigen Versc
hlechterung der psychischen Sit
uation die Rede war und die Ausprägung der Depression nunmehr nicht mehr als grundsätzlich leicht, sondern vielmehr als mittelschwer
eingestuft worden war
(
Urk.
10/73/4-6 und
Urk.
10/89
;
Urk.
10/129 E. 5.3.2
)
.
Das Gericht erachtete die vorhandenen Berichte jedoch insgesamt als zu wenig umfassend für eine abschliessende Beurteilung und vermisste auch eine
Gesamtbeurteilung, welche das allfällige Zusammenwirken der verschiedenen Einschränkungen berücksichtig
t
e (
Urk.
10/129 E. 5.3.1
und E. 5.3.2).
Dement
sprechend erfolgte die Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur weiteren Abklärung (
Urk.
10/129 E. 5.4).
4.
3
Mit diesen weiteren Abklärungen waren zum einen die gerichtlich
vermuteten Veränderungen zu ver
ifizieren, und zum andern waren bei nachgewiesener Veränderung die Einschränkungen
im Zeitverlauf zu erheben.
Die Gutachter der Gutachtenstelle
O._
, welche die Beschwerdegegnerin mit den Abklä
rungen betraute, hielten i
m Gutachten vom 2
7.
April 2015 als Ergebnis ihrer polydisziplinären Beurteilung fest, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführer
in
habe sich seit dem letzten Gutachten des Jahres 2008 in dem Sinne verändert, dass
nunmehr eine ausgeprägte psychische Symptomatik in Form einer schweren depressiven Episode bestehe, mit der eine maximal zumutbare Arbeitsfähigkeit von 20
%
in einer körperlich angepassten Tätig
keit einhergehe (
Urk.
10/159/27 und
Urk.
10/159/
39
-40
).
Die Beschwerdegegnerin sprach dieser Einschätzung jedoch aufgrund der
Stellungn
ahme der RAD-Ärztin
Dr.
med.
T._
vom 3
0.
April 2015 (Urk. 10/161/3
-5) die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz ab, woraus die abermalige
Rentenabweisung mit der vorliegend angefochtenen Verfügung vom 1
1.
November 2015 resultierte (
Urk.
2).
4.4
D
ie An
ordnung eines Gerichtsgutachtens erfolgte, weil das Gutachten der Gutachtenstelle
O._
dem Gericht in verschiedener Hinsicht als unzureichend für die Beantwortung der Fragen nach einer gesundheitlichen Veränderung und nach deren Auswirkungen erschien.
So nahm einzig der neurologische Fachgutachter
Dr.
S._
die erforderliche Verlaufsbeurteilung
vor
. Dabei
erkannte
er
in den Befunden an der Halswirbelsäule im Bericht über die Magnetresonanztomographie vom 3
0.
Januar 2012
entgegen der Vermutung im Urteil vom 3
1.
Januar 2014 leichte b
is deutliche Verbesserungen im Vergleich zu den Befunden, die im Mai 2008 erhoben worden waren (vgl.
Urk.
10/34/1
), und ging insbesondere von einem Rückgang
der früher beschriebenen Diskushernien oder -
protrusionen
aus (
Urk.
10/159/51-52
).
Demgegenüber beschränkten sich der Rheumatologe
Dr.
R._
und der Psychiater
Dr.
Q._
weitgehend auf Momentaufnahmen des Zustandsbildes.
Dr.
R._
beschrieb
wohl die radiologisch erkennbaren degenerativen Veränderungen
in der Wirbelsäule und im rechten Knie, ohne jedoch auf die Entwicklung dieser Befunde im Zeitverlauf einzugehen (
Urk.
10/159/43)
. Und
Dr.
Q._
legte seiner
Diagnose einer schweren depressiven Episode
ebenfalls allein das aktuelle Bild zugrunde und erwähnte für die Vergangenheit
bei sehr knapp gehaltener Anamnese
explizit
nur den Kurzbericht
des behandelnden Psychiaters
Dr.
N._
vom 1
9.
Februar 2012, in dem der psychische Gesundheitszustand als zunehmend versch
lechtert bezeichnet wurde (Urk.
10/113);
von einer detaillierteren Darstellung des Verlaufs und der durchgeführten Behandlungen - gegebenenfalls aufgrund einer Rücksprache mit dem behandelnden Psychiater - sah er hingegen ab. Demgemäss erlaubte das Gutachten der Gutachtenstelle
O._
dem Gericht schon keine Beu
r
teilung der Frage, ob seit dem Jahr 2009 überhaupt eine gesundheitliche Ve
rschlechterung eingetreten war.
Des Weiteren
fiel dem Gericht auf
,
dass
Dr.
Q._
die von
Dr.
J._
und
Dr.
N._
gestellte Diagnose einer
somatoformen Schmerzstörung
(vgl.
Urk.
10/35/23
und
Urk.
10/89/2)
nicht stellen konnte und zur Begründung angab, die
Schmerzbeschwerden
stünden
momentan nicht im Vordergrund der Aufmerksamkeit der Beschwerdeführerin
(
Urk.
10/159/39), obgleich sich dies in den Schilderungen gegenüber
Dr.
R._
und
Dr.
S._
genau gegenteilig verhalten hatte
(
Urk.
10/159/41-42 und
Urk.
10/159/46-47)
und diese Mitgutachter daher beide eine generalisierte, organisch nicht erklärbare Schmerzproblematik festgestellt hatten (
Urk.
10/159/
43-
44 und
Urk.
10/159/52).
Als
ungünstig
erschien dem Gericht schliesslich, dass
die Gutachtenstelle
O._
nach der Durchführung der Fachbegutachtungen vom November 2014 zum
einen die Akten der Invalidenversicherung und zum andern das
rheumatologische Fachgutachten
nicht mehr fand (vgl. die Aktennotizen
vom 2
6.
März 2015,
Urk.
10/154 und
Urk.
10/156
) und die Beschwerdeführerin daher
nochmals zu einer rheumatologischen Begutachtung aufgeboten werden
musste
, die
im
April 2015 stattfand und nicht mehr durch den ursprünglichen Gutachter
med.
pract
.
AB._
_
(vgl.
Urk.
10/152/2), sondern neu durch
Dr.
R._
vorgenommen wurde.
Denn damit stellte sich die Frage, wieweit die Gesamtbeurteilung auf der allenfalls abweichenden, jedoch nicht mehr einsehbaren Beurteilung von med.
pract
.
AB._
_
basierte.
5.
5.1
Mit dem Gerichtsgutachten der
Medas
U._
vom 2
7.
August 2018 lassen sich die zu klärenden Fragen nunmehr beantworten.
5.
2
Was vorab die ursprünglich vorgesehene
nochmalige neurologische Beurteilung betrifft, die in der Folge unterblieb, so wurde vorstehend bereits dargelegt, dass der Neurologe
Dr.
S._
der Gutachtenstelle
O._
anders als der Rheumatologe
Dr.
R._
und der Psychiater
Dr.
Q._
die erforderliche Verlaufsbeurteilung vorgenommen hatte.
Seine Feststellung, dass sich die Situation von Seiten seines Fachgebietes seit dem Jahr 2008
entgegen der Vermutung im Urteil vom 3
1.
Januar 2014
nicht verschlechtert, sondern verbe
ssert habe
und keine neuro
logischen Defizite zu erkennen seien
(
Urk.
10/159/51-52), basiert
auf einer Analyse der vorhandenen Berichte und radiologischen Aufnahmen und auf einer eigenen klinischen Untersuchung. Es kann daher darauf abgestellt werden. Und was die Folgezeit anbelangt, so
umfasste die Untersuchung durch den
rheumatologische
n
Fachgutachter der
Medas
U._
Dr.
W._
auch einen allgemeinen Neurostatus (
Urk.
40/3 S. 8), der wiederum keine Anzeichen für eine
radikuläre
Reiz- und/oder Ausfallsymptomatik auf zervikalem und auch auf lumbalem Niveau ergab (
Urk.
40/3 S. 16 f.).
Es erübrigt sich daher, ein neurologisches
Ergänzu
ngsgutachten einzuholen, wie dies auch der übereinstimmenden Auffassung der Parteien (
Urk.
48 und
Urk.
51) entspricht.
5.
3
5.3.1
Des Weiteren stellte
Dr.
W._
nun den rheumatologischen Verlauf
, wie er vorab für die Beurteilung der Frage nach einer potentiell rentenrelevanten Veränderung
aus der Sicht seines Fachgebietes interessiert,
mit der erforderlichen
Ausführlichkeit dar. Neben einer eingehenden klinischen Untersuchung (
Urk.
40/3 S. 7-9) und der Anfertigung aktueller
radiologischer Aufnahmen der Hals- und der Lendenwirbelsäule sowie des Beckens (
Urk.
40/3 S. 11-12; Bericht der Bilddiagnostik
AC._
vom 2
2.
März
2018,
Urk.
40/2) nahm Dr.
W._
Einsicht in die Röntgenbilder der Zeit seit dem Jahr 2009 (
Urk.
40/3 S. 9-10), und er verfügte zudem über die
Radiologieberichte
einschliesslich der Berichte über die durchgeführten Magnetresonanztomogra
ph
ien im Zei
t
verlauf (
Urk.
40/1 S. 3 ff.), die er in seine Beurteilung ebenfalls einbezog (
Urk.
40/3 S. 14 ff.).
5.3.
2
Als aktuelle Befunde und Diagnosen nannte
Dr.
W._
, übereinstimmend mit
Dr.
R._
(vgl.
Urk.
10/159/43)
,
namentlich ein chronisches
lumbospondylogenes
Syndrom auf dem Boden erheblicher degenerativer Veränderungen der untersten drei Segmente, ein
zervikospondylogenes
Syndrom bei leichten degenerativen Ver
änderungen, eine beginnende
Valg
usgonarthrose
beidseits und
eine
Femoropatellararthrose
rechts und ein
fibromyalgieformes
Ganzkörper
schmerz
syndrom, das im Vordergrund stehe (
Urk.
40/3
S. 13 f. und
S. 16 f.).
Was
die spezifischen Fragen zum
Verlauf anbelangt,
so ging
Dr.
W._
bei der
en Beantwortung
irrtümlich davon aus, es interessiere
nur
der
Zeitraum
seit der Erstellung des Gutachtens der Gutachtenstelle
O._
vom April 2015
(
vgl. die Wiedergabe der Frage in
Urk.
40/3 S. 20
im Vergleich zur gerichtlichen Frage 3 im Beschluss vom 3
0.
Januar 2018,
Urk.
36
). In dieser Zeit konstatierte er
seitens der degenerativen Veränderungen in der Lendenwirbelsäule sowie der beidseitigen
Valgusgonarthrose
und der rechtsseitigen
Femoropatellarthrose
eine leichte Verschlechterung und begründete dies damit, dass die Beschwerdeführerin seit der Aufnahme einer etwa 20%igen Tätigkeit als Raumpflegerin im Oktober 2017 über verstärkte Rücken- und Gelenkschmerzen klage, was auch klinisch und bildgebend erklärt werden könne (
Urk.
40/3
S. 16 und
S. 21). Dementsprechend hielt er fest,
dem von
Dr.
R._
ausgestellten Attest einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten (vgl.
Urk.
10/159/44) könne wohl für die damalige Zeit gefolgt werden, aufgrund der zwischenzeitlichen Verschlechterung bestehe jedoch für eine Ganztagestätigkeit eine 10%ige Leistungseinschränkung (
Urk.
40/3 S. 25).
Diese Aussage bezieht sich
indessen
explizit nur auf die Zeit seit April 201
5.
Sie erlaubt
jedoch
nicht den Umkehrschluss, im massgebenden Zeitraum davor seit
der rentenverneinenden Verfügung vom 1
3.
Oktober 2009 sei der rheumatologische Gesundhei
tszustand unverändert geblieben.
Denn
zum einen wies
Dr.
W._
in genereller Weise auf die radiologisch erkennbare Prog
r
ession der Veränderungen in der Lendenwirbelsäule hin (
Urk.
40/3 S. 21)
. Und
zum andern wurde der von
Dr.
W._
bestätigte Befund
der
rechtsseitigen
Femoropatellarth
rose
in den vorhandenen Unterlagen
zum ersten Mal im
Bericht vom 6.
Januar 2011 von der
Klinik
G._
be
schrieben, dies unter Hinweis auf eine mitgebrachte
Magnetresonanztomographie
(
Urk.
10/86/8-9). Bei dieser handelt es sich mutmasslich um
eine Aufnahme vom
6.
A
ugust 2010 (vgl. deren Beschreibung im Gutachten
der Gutachtenstelle
O._
, Urk.
10/159/11), wogegen die frühere Magnetresonanztomographie des rechten Knies vom November 2007 noch keine Knorpeldefekte
gezeigt hatte (Urk.
10/11/8). D
ie
Beurteilung von Dr.
W._
bestätigt daher
implizit
die gerichtliche Vermutung im Urteil vom 3
1.
Januar 2014, dass
sich
bei der neuen Anmeldung vom März 2011 im Vergleich zum Oktober 2009 gewisse organische Veränderungen
ergeben hatten
.
5.
3.3
Diese Veränderungen sind sodann auch als geeignet zu
er
achten,
den Rentenanspruch zu beeinflussen. Zwar stimmte
Dr.
W._
für den Zeitraum vor der Erstellung seines Fachgutachtens einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepass
ter Tätigkeit zu
(vgl.
Urk.
40/3 S
. 17-20 und S. 25),
wie sie bereits
Dr.
I._
im Gutachten vom Oktober 2008 attestiert hatte (vgl.
Urk.
10/35/18).
D
ie qualitativen Anforderungen an eine angepasste Tätigkeit
veränderten sich jedoch
mit der Zunahme der beschriebenen Befunde in der Lendenwirbelsäule und in den Knien.
Während
Dr.
I._
Limitierungen im Heben, Stossen und Ziehen von Lasten über 15 kg sowie in verschiedenen Körperhaltungen (Zwangshaltungen, vornübergebeugtes und gebücktes Arbeiten) beschrieben hatte (
Urk.
10/35/18), formulierte
Dr.
W._
zusätzliche Einschränkungen insbesonde
re aufgrund der
- nach dem Gesagten seit etwa Anfang 2011 verstärkten -
Kniebeschwerden,
nämlich
im andauernden Stehen oder Gehen und im häufigen Knien oder Kauern (
Urk.
40/3 S. 17 f.). Diese zusätzlichen Einschränkungen
schränken auch die Einsetzbarkeit der Beschwerdeführerin ein und verringern auf diese Weise
das Spektrum
an zumutbaren Arbeiten,
was sich
auf die Verdienst
möglichkeiten auswirke
n kann.
5.3.
4
Damit ist zur Zeit der neuen Anmeldung vom März 2011 eine potentiell rentenrelevante Sachverhaltsänderung aufgrund der rheumatologischen Situation
ausgewiesen.
Die Frage nach dem
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin aufgru
nd der neuen Anmeldung ist so
mit frei zu prüfen, ohne dass eine Bindung an die Argumentation im Urteil vom 2
8.
Februar 2011 bestünde oder an die unverändert gebliebenen Sachverhaltselemente, die diesem Urteil und der darin beurteilten Verfügung vom 1
3.
Oktober 2009 zugrunde lagen.
Unerheblich ist daher
ins
besondere auch
, dass der
Psychiater
Dr.
AA._
in seiner umfassenden Analyse der psychiatrischen Krankengeschichte (
Urk.
40/4 S. 5 ff.)
weder hinsichtlich der
Schmerzen noch hinsichtlich der wiederum bestätigten depressiven Störung eine eigentliche Veränderung erkennen konnte, sondern
namentlich in Bezug auf die Depressionen von diagnose-inhärenten
Schwankungen im
gesamten Zeitverlauf seit der Begutachtung
durch
Dr.
J._
im Jahr 2008 sprach (
Urk.
40/4 S. 7, S. 8 f. und S. 16).
5.4
5.4.1
Für
die Arbeitsfähigkeit aus rheumatologischer Sicht ist auf die Beurteilung v
on
Dr.
W._
abzustellen, der nach dem bereits Ausgeführten auch die neurol
ogische Situation einbezog
.
Dr.
W._
hielt fest, es bestehe
aufgrund der Minderbelastbarkeit der Wirbelsäule, namentlich im Lendenwirbelsäulenabschnitt, keine Eignung für körperliche schwere und ausschliesslich mittelschwere Arbeiten wie auch für
rückenbelastende Arbeitspositionen
-
wie Tätigkeiten mit gehäuft vorgeneigtem
oder
abgedrehten Oberkörper -,
für längere Arbeiten in einer sitzenden oder stehenden Zwangsposition, für Arbeiten auf Dächern, Gerüsten oder Leitern wie auch für Arbeiten mit feu
cht-kalter Witterungsexposition; ausserdem bes
t
ünden seitens der Knieproblematik zusätzliche Einschränkungen hinsichtlich andauernder Arbeitspositionen im Stehen oder Gehen, insbesondere in une
benem oder abschüssigem Gelände und
für Tätigkeiten, die mit häufigem
Knien oder Kauern verbunden seien
(
Urk.
40/3 S. 17 f., S. 19 und S. 23 f.).
Für Tätigkeiten dieses Anforderungsprofil
s
erachtete
Dr.
W._
die Beschwerdeführerin
nach dem bereits Dargelegten (E. 5.3.3)
in der
Zeit bis zur festgestellten gesundheitlichen Verschlechterung im Oktober 2017 beziehungsweise bis zur Erstellung seines Gutachtens als zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
40/3 S. 17-20 und S. 25). Dieser Beurteilung kann gefolgt werden, denn
Dr.
W._
legte in Auseinandersetzung mit den Vorberichten von
Dr.
B._
einleuchtend dar, dass dessen
Arbeitsfähigkeitse
inschätzung
en (Bemessung der Arbeitsfähig
keit auf lediglich 40
%
bis max
imal 50
%
)
nicht nur die rein rheumatologische, sondern auch die psychische Seite des Beschwerdebildes umfassten (
Urk.
40/3 S. 24 f.).
5.4.2
5.4.2.1
Die psychisch bedingten Einschränkungen wurden von
Dr.
AA._
_
ebenfalls eingehend und differenziert hergeleitet und begründet, sodass auch in dieser Hinsicht auf das Gerichtsgutachten abgestellt werden kann.
5.4.2.2
Was die Diagnosen anbelangt,
so
leuchtete es
Dr.
AA._
_
ebenfalls
nicht
ein
, weshalb
Dr.
Q._
das Schmerzbild als nicht im Vordergrund stehend erachtet
und dementsprechend keine Schmerzstörung diagnostiziert
habe
, obwohl die Schmerzen in den somatischen Teilgutachten
der Gutachtenstelle
O._
viel
Raum
eingenommen hä
tt
e
n
(
Urk.
40/4 S. 6). Er selber diagnostizierte in Übereinstimmung
mit dem Gutachter
Dr.
J._
und den behandelnden
Psychiatern wiederum eine Schmerzstörung, qualifizierte diese jedoch anders als die damaligen Ärzte nicht als anhaltende somatoforme Schmerzstörung (
ICD-10 Code F45.4;
Urk.
10/35/23 und
Urk.
10/89/2), sondern ordnete sie in die Unterkategorie der chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren ein (vgl.
ICD-10 Code F45.41
;
Urk.
40/4 S. 5
), dies mit der Begründung, dass die Schmerzen in nicht unwesentlichem Mass auch auf körperliche Veränderungen zurückgeführt werden könnten (
Urk.
40/4 S. 6 f.).
Diese Differenzierung in der Diagnostik - sie wurde in der 1
0.
Auflage der ICD-10 wegen Schwierigkeiten in der Abgrenzung offenbar wieder fallengelassen (vgl. die Ausführungen in
Fn
1 zu Code F45.4) - ist indessen
unerheblich, da die
körperlichen Veränderungen
unumstritten sind und ihnen
in der rheumatologischen Beurteilung Rechnung getragen worden ist.
Des Weiteren ging
Dr.
AA._
_
auch in Bezug auf die Diagnose einer depressiven Störung mit
Dr.
J._
(
Urk.
10/35/23) und den behandelnden Psychiatern (
Urk.
10/73/4,
Urk.
10/75/1,
Urk.
10/89/2) einig
. Er bezeichnete sie als chronische depressive Störung und stellte anläs
slich seiner Untersuchungen eine
leichte bis mittelgradige depressive Episode ohne somatisches Syndrom fest (ICD-10 F32.10
;
Urk.
40/4 S. 5
); dabei
erklärte
er die
unterschiedlichen
Beurteilung
en
des Schweregrades
in der Vergangenheit
- leichtgradig anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
J._
, mittelgradig nach der Beurteilung der behandelnden Ärzte,
schwergradig
nach der Beurt
eilung von
Dr.
Q._
der Gutachtenstelle
O._
-
vorwiegend
mit den bei chronischen Depressionen typischen S
chwankungen (
Urk.
40/4 S. 8 f.). Seine Ausführungen dazu (
Urk.
40/4 S. 7 ff.) sind
eingehend
und verständlich, und es kann ihnen daher gefolgt werden.
Schliesslich erwähnte
Dr.
AA._
als Diagnos
en d
ie unerwünschten
Nebenwirkungen infolge der Medikation mit Benzodiazepinen und eine Zwangsstörung mit vorwiegend
Zwangshandlungen, mass ihnen jedoch keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu (
Urk.
40/4 S. 5). Auch dies bildet keinen
Anlass zu Zweifeln
.
5.4.2.3
Ebenfalls e
inleuchtend ist die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch
Dr.
AA._
_
.
Er führte aus, eine leichte bis mittelschwere Depression könne als solche höchstens bei einer hochqualifizierten Arbeit eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
oder mehr bewirken,
und die Aufnahme einer Arbeit könne sich im Falle einer
Depression dieses Schweregrades grundsätzlich therapeutisch günstig auswirken. I
m Falle der Beschwerdeführerin kämen jedoch die Auswirkungen der Schmerzen hinzu, deren psychische Komponente die Arbeitsfähigkeit vor allem
durch die Konzentrationsstörungen, die Verlangsamung, die Schwankungen der Leistungsfähigkeit und die Schlafstörungen mit der erhöhten Tagesmüdigkeit und dem vermehrten Pausenbedarf beeinflusse. Dadurch würden auch die Auswirkung
en der Depression verstärkt, so
dass
die Beschwerdeführerin im Moment zum einen nur noch zeitlich eingeschränkt, nämlich mit einer Präsenzzeit von
sechs
Stunden (75
%
)
,
arbeiten könne und dabei in ihrer Leistungsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht um etwa 30
%
eingeschränkt sei, woraus aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit von etwa 50
%
für die bisherige und für
eine angepasste Tätigkeit resultiere (
Urk.
40/4 S. 14 f.).
Für geeignet hielt Dr.
AA._
eine Tätigkeit mit Kontakt zu Menschen, als ungünstig
bezeichnete er Tätigkeit
en
mit schmerzverstärkenden Auswirkungen, mit hohen Anforderungen an die Konzentration, mit ungünstigem Arbeitsklima und mit
konfliktträchtiger Struktur
(
Urk.
40/4 S. 15 f.)
.
Zur Arbeitsfähigkeit im Zeitverlauf wies er auf die diagnosetypischen Schwankungen
hin
, die auch
Dr.
N._
ihm gegenüber bestätigte (
vgl. die Wiedergabe der eingeholten E-Mail-Auskunft in
Urk.
40/4 S. 17)
,
und hielt es für überwiegend wahrscheinlich, dass der Gesundheitszustand und damit die Arbeitsunfähigkeit seit der Begutachtung durch
Dr.
J._
im Jahr 2008 wohl etwas geschwankt, jedoch immer in einem
Bereich zwis
chen 40
%
und 65
%
gelegen habe
(
Urk.
40/4 S. 16).
Dieser Arbeitsfähigkeitsbeurteilung liegt eine vertiefte und schlüssige Auseinandersetzung mit den massgeblichen Standardindikatoren zugrunde.
Insbesondere
erkundigte sich
Dr.
AA._
bei
Dr.
N._
nach der durchgeführten
Behandlung und befand diese - psychotherapeutische Gespräche und Medikation (
Urk.
40/4 S. 11 und S. 17) -
trotz
der niedri
gen Therapiefrequenz (vgl. Urk.
40/4 S. 17) als
adäquat und als
lege
artis
durchgeführt (
Urk.
40/4 S. 11). Die Kooperation der Beschwerdeführerin
erachtete er als gut
, was er in Bezug auf die Medikamenteneinnahme anhand eines Serumspiegels verifizieren konnte
und als Indiz für einen erkennbaren deutlichen Leidensdruck ansah
(
Urk.
40/4 S. 12)
. Dabei machte er zwar gewisse weitere Behandlungsvorschläge, wie etwa eine stationäre psychosomatische Rehabilitation, stell
t
e jedoch angesichts der langen Krankheits
- und Behandlungs
dauer
ohne anhaltende, wesentliche
Verbesserung
eine zurückhaltende Prognose
(
Urk.
40/4 S. 11 f.). Sodann wog Dr.
AA._
die Ressourcen und Belastungsfaktoren sorgfältig gegeneinander ab
(
Urk.
40/4 S. 12 ff.)
und
erkannte
hier
bei ein Ü
berwiegen der Belastungen
in Form des Kontaktabbruchs zum Sohn
als einzigem Kind
, des
fehlenden Kontakt
s
zum Enkel
,
de
r
zwei Ehescheidungen und des Todes des
Vaters des Sohnes (vgl.
Urk.
40/1 S. 25 f. und
Urk.
40/4 S. 2), des Balkankrieges und des erzwungenen Abbruchs einer Ausbildung zur Krankenpflegerin in
d
er ursprünglichen Heimat. Ihnen stellte er die Ressourcen in der Gestalt einer
generellen Dankbarkeit und einer Befähigung zum Enga
gement gegenüber,
wogegen er in Bezug auf
die
Intelligenz
der Beschwerdeführerin
nicht nur die Ressourcenq
ualität hervorhob, sondern die
mangelnde Förderung
der Intelligenz
gleichzeitig als Risikofaktor bezeichnete und auf diese Weise zum Schluss kam, es seien nur noch wenig schützende Ressourcen vorhanden, auf welche die
Beschwerdeführerin aktuell zurückgreifen könne (
Urk.
40/4 S. 14). Schliesslich konnte
Dr.
AA._
weder in den Akten noch in den Angaben der
Beschwerdeführerin und in ihrem Verhalten
Anhaltspunkte
für eine
Verdeutlichung, Aggravation oder gar Simulation
finden und hielt das Begutachtungs
resultat daher für konsistent (
Urk.
40/4 S. 12).
Damit kann auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung durch
Dr.
AA._
abgestellt werden.
5.4.3
In der Gesamtbeurteilung wurden die Ergebnisse der rheumatologischen und der psychiatrischen Begutachtung übernommen, und der Beschwerdeführer
in
wurde dementsprechend eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
für eine Tätigkeit attestiert, die den rheumatologischen Einschränkungen
angemessen ist
(
Urk.
40/1 S. 42 f.). Die Gesamtbeurteilung enthält im Vergleich zu den
Einzelbeurteilungen
keine zusätzlichen Punkte; es handelt sich um eine Gesamtschau, die vom fallführenden Internisten
Dr.
V._
erstellt wurde und der offenbar keine Konsensbesprechung mit dem Rheumatologen und dem Psy
chiater zugrunde lag (vgl. Urk.
40/1 S. 50). Dennoch ers
cheint sie als schlüssig, da
sie
die
beiden ebenfalls schlüssigen Fachbeurteilungen vollumfänglich
berücksichtigt
.
Im B
esonderen ist es vertretbar, den
Schwankungen im psychischen Zustandsbild
mit dem Durchschnittswert von 50
%
Rechnung zu tragen,
da
die
Phasen höherer Einschränkung
gegebenenfalls
durch
den
Kranken
taggeld
versichere
r abgefedert werden können und die
Phasen geringerer Einschränkungen der Erholung
und
damit der Vermeidung einer allfällig drohenden Beschwerdezunahme dienen.
Damit
ist für die Zeit ab der neuen Anmeldung vom März 2011 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
1.
November 2015
von
der
50%ige
n
Arbeitsfähigkeit für rheumatologisch angemessene Tätigkeiten auszugehen. Dies gilt ungeachtet der
abweichenden Beurteilung
in Bezug auf das nicht grundlegend veränderte psychische Zustandsbild
im Urteil
vom
2
8.
Februar 201
1.
Denn dieses Urteil erging
noch unter der Herr
schaft der früheren Rechtsprechung zur Überwindbarkeit von Schmerzstörungen und zum Erfordernis der Therapieresistenz im Fall von Depressionen.
5.5
5.5.1
Es stellt sich die weitere Frage nach der Erwerbseinbusse, die aus den dargelegten Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit resultiert.
5.5.2
Was zunächst den Lauf des Wartejahres nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG betrifft, so wies der Rheumatologe
Dr.
W._
darauf hin, dass die Tätigkeit als Pflegehelferin, wie die Beschwerdeführerin sie bis ins Jahr 2007 ausübte, bereits mit den damaligen, von
Dr.
I._
beschrieb
enen Einschränkungen (vgl. Urk.
10/35/18) nicht vereinbar gewesen sei
(
Urk.
40/3 S. 18,
S. 22 und S. 24). Dies ist ohne Weiteres plausibel, denn die Beschwerdeführerin schilderte, die Arbeit im Pflegeheim sei mit regelmässigem Heben von Lasten bei der Patientenmobilisation verbunden gewesen (
Urk.
40/1 S. 28 und
Urk.
40/4 S. 2 f.), was den von
Dr.
I._
attestierten Limitierungen im Heben, Stossen und Ziehen v
on Lasten über 15 kg zuwiderläuft
. Ob es Pflegestellen gibt, die vereinbar mit
diesen Limitierung
en
sind, ist unerheblich, da es sich bei der Stelle, welche die Beschwerdeführerin vor dem Eintritt des Gesundheitsschadens innehatte und auf die allein es bei der Festlegung des Wartejahres ankommt, auf jeden Fall nicht um eine solche Tätigkeit handelte. Auf diese letztlich
berufsberaterische
Frage
, zu der
Dr.
I._
und
Dr.
W._
unterschiedli
che Standpunkte vertraten (Urk.
10/35/18 und
Urk.
40/3 S. 22)
,
muss daher nicht näher eingegangen werden.
Das Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG war demnach
schon abgelaufen, als sich die Beschwerdeführerin im März 2011 neu anmeldete, und musste nicht mehr neu bestanden werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts I 285/02 vom 20.
Juni 2003 E. 4.3).
Nach Ablauf der
in
Art.
29
Abs.
1 IVG statuierten
sechs Monate
seit
der neuen Anmeldung, also ab September 2011 (vgl.
Art.
29
Abs.
3 IVG), hat sie demnach bei entsprechender Erwerbseinbusse Anspruch auf eine Invalidenrente.
5.5.3
Gemäss den Angaben im Fragebogen für
Arbeitgebende
vom
3.
Januar 2008 erzielte die Beschwerdeführerin im Jahr 2007 einen Monatslohn
von Fr.
4'386.50; wie die Stadt Zürich ausführte, handelt sich dabei um den Lohn, den sie auch bei voller Gesundheit erhalten hätte (
Urk.
10/15/3). Unter anteilsmässiger Berücksichtigung des 1
3.
Monatslohnes ergibt sich für das Jahr 2007 ein
monatlicher Bruttolohn
von
Fr.
4'752.--
. Die Anpassung dieses Betrages an die jährliche Lohnentwicklung
(vgl. Bundesamt für Statistik BFS
,
Schweizerischer Lohnindex, Landesindex der Konsumentenpreise, Tabelle T 39, mit Nominallohnerhöhungen für Frauen um 1,8
%
von 2007 bis 2008, um 2,1
%
von 2008 auf 2009, um 1,1 % von 2009 auf 2010 und um 1,0
%
von 2010 bis 2011)
führt im massgebenden Jahr 2011 zu einem
monatlichen
Validenlohn
von Fr.
5'043.--.
5.5.4
Was das Invalideneinkommen anbelangt,
so ist in der Schweizeri
schen Lohnstrukt
urerhebung (LSE) des Jahres 2010 (S. 26-27
Tabelle TA1) für
Arbeitneh
merinnen des Anforderungsniveaus 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten
)
im Privaten Sektor ein
Bruttomonatslohn
von
4'225.--
angegeben (Lohn, über dem beziehungsweise
un
ter dem sich 50
%
aller Lohnangaben befinden [sogenannter Zentralwert], unter anteilsmässiger Berücksichtigung des 1
3.
Monatslohnes und standardisiert auf 40 Wochenstunden).
Umgerechnet auf die im Jahr 2011
betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7
Stunden (vgl. BFS - Statistik der betriebsübli
chen Arbeitszeit [BUA
], Tabelle T 03.02.03.01.04.01)
und unter Berücksichti
gung der
Lohnentwicklung
(
für Frauen eine
r
Erhöhung um 1
%
von 2010 auf 2011) ergibt sich für das Jahr 2011 bei voller Leistungsfähigkeit ein Monatslohn von
Fr.
4’449.--. Aufgrund der nur noch 50%igen Leistungsfähigkeit ist dieser Betrag auf
Fr.
2'225.-- zu halbieren.
Rechtsprechungsgemäss ist sodann durch eine Herabsetzung des tabellarisch ermittelten Lohnes um maximal 25
%
dem Umstand Rechnung zu tragen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen auch bei der Verrichtung einer an sich angepassten Tätigkeit in gewissem Masse eingeschränkt und dadurch
erfahrungsgemäss gegenüber voll leistungsfähigen Arbeitnehmern lohnmässig benachteiligt sind; darüber hinaus dient eine solche Reduktion der Berücksichtigung von weiteren persönlichen und beruflichen Merkmalen, die sich auf die Lohnhöhe auswirken können, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad (vgl. BGE 129 V 472 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
Vorliegendenfalls
gilt es zu berücksichtigen, dass die Beschwerdeführerin
sowohl körperlich als auch psychisch eingeschränkt is
t, dass diesen Einschränkungen jedoch teilweise bereits durch die zusätzliche Reduktion der Leistungsfähigkeit innerhalb der zumutbaren Präsenzzeit Rechnung getragen wird. Aufgrund dieser Umstände rechtfertigt sich
ein Abzug von 15
%
, was zu einem monatlichen Invalidenlohn von
Fr.
1'891.-- führt.
5.5.5
Wird dieser Betrag von
Fr.
1'891.-- dem
Validenlohn
von
Fr.
5'043.-- gegenübergestellt, so resultiert ein Invaliditätsgrad von 62,50
%
beziehungsweise
geru
ndet (vgl. BGE 130 V 121) von 63
%
.
5.6
Die Beschwerdeführerin hat somit ab September 2011 - also sieben Monate früher als beantragt (vgl.
Urk.
1 S. 2
und S. 12 f.
) - Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
.
Gestützt auf den Grundsatz in
Art.
61
lit
. d ATSG, wonach das Gerich
t
mehr zusprechen kann, als verlangt
wird
, ist der Beschwerdeführerin daher in teilweiser Gutheissung der Beschwerde ab September 2011 eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen.
Hingegen kann der Auffassung, die Beschwerdeführerin könne ihre Restarbeitsfähigkeit wegen des fortgeschrittenen Alters nicht mehr verwerten (
Urk.
51 S. 3 f.), nicht zugestimmt werden, da sie im Jahr 2011, als die Rente zu laufen begann, erst 54 Jahre alt war.
6.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig. Angesichts dessen, dass das Gutachten der Gutachtenstelle
O._
nicht alle relevanten Fragen beantwortet hatte und deshalb ein Gerichtsgutachten in Auftrag gegeben werden musste,
sind die Kosten
auf den Höchstbetrag des gesetz
lichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) und damit auf
Fr.
1'000.-- festzusetzen.
Was die Kosten des Gerichtsguta
chtens betrifft, so können die
Gutachtenskosten der IV-Stelle rechtsprechungsgemäss dann auferlegt werden, wenn diese den Sachverhalt mangelhaft untersucht hat und die Einholung eines Gutachtens
daher notwendig war (BGE 143 V 269 E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 139 V 496). Diese Voraussetzungen sind hier gegeben. Soweit die Beschwerdegegnerin in der Eingabe vom
4.
September 2017 um Gewährung des rechtlichen Gehörs zur Rechnung der
Medas
U._
ersuchte (
Urk.
24), so ist eine Gehörsgewährung dort nicht erforderlich, wo sich die Kosten an den Rahmen eines Tarifs oder einer kantonalen gesetzlichen Regelung halten (vgl. BGE 139 V
496 E. 5.2). Die Kosten im Betrag von
Fr.
14'910.05 gemäss der Rechnung der
Medas
U._
vom 2
7.
August 2018 (
Urk.
42) liegen innerhalb des Rahmens, der in einem Vertrag zwischen dem Sozialversicherungsgericht und der
Medas
U._
festgelegt worden ist, und wurden dementsprechend vom Sozialversicherungsgericht vollumfänglich erstattet. Es besteht daher kein Anlass, gegenüber der Beschwerdegegnerin von
diesem Betrag
abzuweichen oder vorgängig deren Stellungnahme einzuholen. Hingegen ist zu berücksichtigen, dass die Änderung der Rechtsprechung zur invalidenversicherungsrechtlichen Relevanz von Depressionen, welcher im Gerichtsgutachten Rechnung zu tragen war, erst nach dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
1.
November 2015
ergangen ist. Es rechtfertigt sich daher, den Kostenbetrag, welcher der
Beschwerdegegnerin
für das Gerichtsgutachten
aufzuerlegen ist, ermessenweise auf F
r.
10'000.-- zu reduzieren.
7.
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie
§
8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Rechtsanwalt Martin Hablützel hat gemäss der Aufstellung, die er mit Eingabe vom 2
6.
Juli 2016 eingereicht hat (
Urk.
20 und
Urk.
21), in der Zeit bis zum Einreichungsdatum zeitliche Aufwendungen von 11,5
Stunden getätigt und Barauslagen in der Höhe von
Fr.
103.50 gehabt. Diese Aufwendungen erscheinen als angemessen. Die
Entschädigung, die
Rechtsanwalt Martin Hablützel auszurichten ist
, beläuft sich daher in Anwendung des gerichtsübli
chen Stundenansatzes von
Fr.
220
.
--
auf den Betrag von
Fr.
2'844.20 ([11,5 x
Fr.
220.--] +
Fr.
103.50 zuzüglich 8
%
Mehrwertsteuer).
In den Jahren 2017 und 2018 hat Rechtsanwältin Stephanie C. Elms die
Beschwerdeführerin vertreten. Sie ist von Rechtsanwalt Martin Hablützel substituiert worden (Substitutionsvollmacht vom 1
3.
September 2017,
Urk.
25) und vom Gericht für diesen Zeitraum implizit zur unentgeltlichen Rechtsvertreterin ernannt worden. Unter
Berücksichtigung
der massgeblichen
Kriterien rechtfertigt es sich,
die Entschädigung, die Rechtsanwältin Stephanie C. Elms zuzusprechen ist, auf
Fr.
1'200.--
(inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) festzu
setzen
.