# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 735ede47-dcf8-41ee-98b2-69c993263e01
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964
,
meldete sich erstmals am
2
9.
Juli 1997 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/8).
Nachdem die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die medizinische sowie erwerbliche Situation abgeklärt hatte, verneinte sie mit Verfügung vom 1
6.
Juli 2001 (
Urk.
11/105) sowohl einen Anspruch
der Versicherten
auf berufliche Mass
nahmen als auch auf eine Invalidenrente. Die dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
11/111) wies das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 2
6.
Februar 2003 (Prozess Nr. IV.2001.00559;
Urk.
11/115) ab.
1.2
Am 3
0.
Juli 2005 meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf eine seit der Geburt bestehende Erkrankung der Netzhaut und der Sehnerven
erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/119).
Nach getätigten Abklärungen verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom
3.
Mai 2006 (
Urk.
11/130) einen Anspruch der Versi
cherten auf
eine
Hilflosenentschädigung
.
1.3
Die Versicherte meldete sich am 2
8.
August 2007
abermals
zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/135). Wiederum klärte die IV-Stelle die medizinische sowie erwerbli
che Situation ab
und erteilte der Versicherten
mehrere
Kostengutsprachen für
Integrationsmassnahmen
(
Urk.
11/195;
Urk.
11/205;
Urk.
11/210;
Urk.
11/217
;
Urk.
11/247
).
Die beruflichen Massnahmen wurden per 3
1.
Dezember 2009 abge
brochen (vgl. Mitteilung vom
5.
Januar 2010,
Urk.
11/256). In der Folge tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen u
nd veranlasste insbesondere ein
polydiszipli
näre
s
Gutachten
, welche
s
am
2.
August 2010
erstattet
wurde (
Urk.
11/263), sowie eine Abklärung der beeinträchtigten Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt, über welche am 1
3.
Januar 2011 berichtet wurde (
Urk.
11/267).
Mit Verfügung
en
vom
2
7.
Juli 2011
(
Urk.
11/
296
)
und 1
9.
August 2011 (
Urk.
11/298)
sprach die IV
Stelle der Versicherten schliesslich
bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
eine halbe Invalidenrente mit Wirkung ab dem
1.
September 2007 zu.
Das am 3
0.
Juni 2011 gestellte Gesuch um Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
11/292) wies die IV
Stelle mit Verfügung vom 2
6.
März 2012 (
Urk.
11/325) ab und verneinte einen Anspruch
der Versicherten
auf berufliche Massnahmen.
Mit Mitteilung
vom 1
7.
Dezember 2013 (
Urk.
11/348)
wurde der Anspruch auf die bisherige Invalidenrente bestätigt. Auch mit Mitteilung vom
1
5.
Oktober 2015 (
Urk.
11/369)
bestätigte die IV-Stelle den
bisherige
n
Anspruch
der Versicherten, woraufhin diese
mit Schreiben vom 1
9.
Oktober 2015 (
Urk.
11/370) eine beschwerdefähige Verfügung
verlangte. Nachdem die IV-Stelle entsprechende Abklärungen getätigt hatte, hielt sie
schliesslich
mit Verfügung vom
8.
April 2016
(
Urk.
11/383)
an ihrem Entscheid vom 1
5.
Oktober 2015 fest
und bestätigte den
Anspruch auf die bisherige Invalidenrente
bei einem Invaliditätsgrad von 50
%
.
1.4
Am 1
7.
Januar 2020 stellte die Versicherte einen Antrag auf Erhöhung der Inva
lidenrente (
Urk.
11/395), welchen sie in der Folge mit Schreiben vom 1
7.
Februar 2020 (
Urk.
11/400) zurückzog.
Mit Mitteilung vom
2.
März 2020 (
Urk.
11/403) bestätigte die IV-Stelle
daraufhin
den Anspruch der Versicherten auf die bisherige halbe Invalidenrente.
1.5
Die Versicherte stellte am
1.
Mai 2021 erneut einen Antrag auf Erhöhung der Invalidenrente (
Urk.
11/408). Mit Schreiben vom
7.
Mai 2021 (
Urk.
11/410) for
derte die IV-Stelle die Versicherte auf, bis spätestens am 3
0.
Juni 2021 weitere aktuelle Beweismittel zur Prüfung des Anspruchs einzureichen, unter Androhung, dass ansonsten auf das Gesuch nicht eingetreten werde. Daraufhin wurden mehrere Berichte (
Urk.
11/411) eingereicht.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/416;
Urk.
11/428;
Urk.
11/438), in dessen Rahmen weitere Berichte (
Urk.
11/437) eingingen, trat die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
7.
Januar 2022 (
Urk.
11/440 =
Urk.
2) auf das neue Leistungsbegehren der Versicherten nicht ein.
2.
Die Versicherte erhob am
1.
März 2022 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
7.
Januar 2022 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
und es sei ihr eine ganze Invalidenrente zuzusprechen. Eventuell sei die Angelegenheit zu
r weiteren
Abklärung betreffend die Arbeitsunfähigkeit an die Vorinstanz zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht beantragte sie die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
1.
April 2022 (
Urk.
10) die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
6.
April 2022 (
Urk.
12) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
1.2
Gemäss Art. 87 Abs. 2 IVV muss mit einem Revisionsgesuch und gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV mit einer Neuanmeldung glaubhaft gemacht werden, dass sich der Invaliditätsgrad anspruchsrelevant verändert hat. Der versicherten Person kommt ausnahmsweise eine
Beweisführungslast zu (vgl. BGE
130 V 64 E. 5.2.5). Die
Ein
tretensvoraussetzung
des Glaubhaftmachens soll verhindern, dass sich die Ver
waltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, mithin keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Re
ntengesuchen befassen muss (BGE
133 V 108 E. 5.3.1). Dies gilt auch für eine erneute Anmeldung nach einer vorangegangenen, aber b
efristeten
Rentenzusprache
(BGE
133 V 263 E. 6.1; siehe auch Frey/Mosimann/Bollinger [Hrsg.], AHVG/IVG Kommentar, 2018, M
osi
mann, N 20 zu Art. 17 ATSG).
Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungs
abweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Per
son zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzu
treten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hi
nsicht allseitig zu prüfen (BGE
117 V 198
E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE
130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2).
Ist die Änderung nicht glaubhaft gemacht, wird auf das Revisionsgesuch oder die erneute Anmeldung nicht einge
treten (BGE 133 V 64 E.
5.2.5). Dabei wird die Verwaltung unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen. Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintretensfrage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn d
ie Verwaltung gestützt auf Art. 87 Abs.
3 IVV
Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwaltung auf die Neu
anmeldung einget
reten ist (BGE
109 V 108 E.
2b mit Hinweisen; vgl. auch BGE
130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.
3
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwi
egenden Wahr
scheinlichkeit (BGE
138 V 218 E. 6) erstellt sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 E. 4.2). Für das Beweismass des Glaubhaft
machens genügt es, dass für das Vorhandensein des behaupteten rechtserhebli
chen Sachumstands wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Weder eine im Ver
gleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähig
keit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt per se, um auf einen veränderten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteile des Bun
desgerichts 9C_57/2021 vom 8. Juli 2021 E. 4.2 und 8C_367/2020 vom 4. August 2020 E. 5.2.2, je mit Hinweisen). Je länger die letzte materielle Prüfung zurück
liegt, umso weniger strenge Anforderungen sind an die Glaubhaftmachung zu stellen (vgl. BGE 109 V 262 E. 3, 109 V 108 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts 9C_57/2021 vom 8. Juli 2021 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Aus
wirkungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Recht
sprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle des
wegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f IVV auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2)
im Wesentlichen
fest,
dass die Beschwerdeführerin seit dem
1.
September 2007 eine
halbe Invalidenrente beziehe. Mit Mitteilung vom
2.
März 2020 sei die letztmalige IV-Revision abgeschlossen worden. Der Anspruch auf eine halbe Invalidenrente sei weiterhin ausgewiesen gewesen. Anhand der im Rahmen des Revisionsgesuchs
vom
3.
Mai 2021
eingereichten ärztlichen Berichte sei keine Veränderung des Gesundheitszustandes ausgewiesen. Auf das neue Gesuch könne daher nicht ein
getreten werden (S. 1 ff.).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt,
die Beschwerdegegnerin überstrapaziere die Anforderungen, welche an die Glaubhaftmachung einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes und damit verbunden der Arbeitsfähigkeit zu stellen seien. Es dürfe erwartet werden, dass diese in der Lage sei, die Auswirkungen der diagnostizierten Leiden auf die Arbeitsfähigkeit abzuschätzen. Wenn den zuständigen Sachbearbeitenden die nötigen medizinischen Kenntnisse fehlen würden, so habe die Beschwerde
gegnerin einen Vertrauensarzt beizuziehen. Sie sei seit sieben Jahren nicht mehr in einen Arbeitsprozess integriert. Die Versuche
,
sie im Rahmen einer geschützten Arbeitsstelle in den Arbeitsprozess einzuführen, seien gescheitert. In Kenntnis dieses Verlaufes und der im Arztbericht von
Dr.
med.
Y._
aufgeführten medizinischen Leiden sollte es für fachkundige Personen ohne weiteres nachvoll
ziehbar sein, dass sie heute zu 100
%
arbeitsunfähig sei. Gegenüber der im Jahr 2016 noch bestätigten 50%igen Arbeitsunfähigkeit habe sich eine klare Ver
schlechterung ergeben
(S. 17 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin – mangels einer glaubhaft gemachten Veränderung des Gesundheitszustandes seit der letztm
aligen mate
riellen Prüfung – zu
Recht nicht auf das neue Leistungsbegehren eingetreten ist.
Nicht zu prüfen ist der Antrag der Beschwerdeführerin auf
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente (
Urk.
1 S. 2), geht es vorliegend doch einzig um die Frage des Eintretens auf das Revisionsgesuch (vorstehend E. 1.
2
).
Auf das diesbezügli
che Vorbringen ist daher nicht einzutreten.
3.
3.1
Die
Zusprache
einer halben Invalidenrente ab dem
1.
September 2007
(vgl. Ver
fügungen vom 2
7.
Juli und 1
9.
August 2011;
Urk.
11/296,
Urk.
11/298)
erfolgte in medizinischer Hinsicht
– der Stellungnahme
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
folgend (vgl.
Urk.
11/271 S. 7)
–
insbesondere gestützt auf das polydisziplinäre Gu
tachten der
Medas
Z._
vom
2.
August 2010 (
Urk.
11
/263
).
Die Ärzte stellten dabei folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (S. 32
Ziff.
4.1):
-
chronische Knieschmerzen links im Sinne eines
femoropatellären
Schmerzsyndroms bei nur diskreten degenerativen Veränderungen und anamnestischen Status nach
Plicaresektion
links 1997
-
schwere neurotische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F48.8 und F60.8) mit/bei:
-
Fibromyalgie respektive chronische
r
Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
familiäre, juvenile, autosomal dominant vererbbare
Optikus
-Atrophie
Sodann erwähnten sie mehrere Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit (S. 32 f.
Ziff.
4.2). Für die bisherige Tätigkeit als Putzfrau wurde der Beschwerdeführerin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert. Eine körper
lich leichte bis maximal mittelschwere Tätigkeit wurde bei Beachtung des Belastungsprofils als zu 50
%
zumutbar erachtet (S. 33
Ziff.
5.1-5.2).
3.2
Die
letzte materielle Prüfung des Rentenanspruch
s (vgl. hierzu vorstehend E. 1.4
) erfolgte im Rahmen des
im Jahr 2015
eingeleiteten Revisionsverfahrens, wobei
zunächst mit Mitteilung vom 1
5.
Oktober 2015 (
Urk.
11/369
)
und schliesslich
nachdem die Beschwerdeführerin eine anfechtbare Verfügung verlangt hatte (vgl.
Urk.
11/370)
-
auch mit Verfügung vom
8.
April 2016 (
Urk.
11/383)
der Anspruch auf die bisherige halbe Invalidenrente bestätigt wurde.
Die massge
bende medizinische Aktenlage stellte sich wie folgt dar:
3.3
Mit Schreiben vom
9.
April 2015 (
Urk.
11/356/8-9) diagnostizierte
Dr.
med. A._
, Facharzt für Neurologie,
ein beginnendes leichtes, weitgehend symmetrisches
bradykinetisch
-rigides Parkinson-Syndrom. Es fänden sich bild
gebend keine Hinweise auf eine sekundäre Parkinsonform. Die Beschwerde
führerin habe sehr gut und prompt auf die Medikation angesprochen, weshalb die Diagnose
eines idiopathischen Parkinson
-Syndroms bestätigt werden könne. Eine neurologische Verlaufskontrolle werde in einem Jahr empfohlen (S. 1 f.).
3.4
Dr.
med. B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, infor
mierte mit Bericht vom
4.
Juni 2015 (
Urk.
11/356/6-7) über einen verschlechter
ten Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und nannte die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
b
eginnendes Parkinson-Syndrom
-
i
nstabile Persönlichkeitsstörung, Panikattacken
(April 2012)
-
p
anvertebrales
zerviko
-lumbal betontes Schmerzsyndrom
mit/bei:
-
Diskushernie Th5/6 links, keine
r
Nervenwurzelkompression (März 2015)
-
mässiggradige
r
Osteochondrose
Th5-7
-
Gonarthrose beidseits, links mehr als rechts mit/bei:
-
Verdacht auf laterale Meniskusläsion links
-
Status nach
Plica
-Resektion links 2003
-
Rhinitis
allergica
und Asthma bronchiale
-
Akne
inversa
Bereich Schambehaarung links
-
unklare Leberwerterhöhung, normale Leberhistologie März 2011
-
Medikamentenunverträglichkeiten
-
Stressinkontinenz
-
Nikotinabusus
Die Beschwerdeführerin habe seit der
Rentenzusprache
im Jahr 2007
nach einem Sturz eine Diskushernie Th5/6 mit klinisch entsprechender Nervenwurzelreizung und neuropathisc
hem Schmerz links, prolongiertem
Verlauf mit nur langsame
m
Ansprechen auf die Physiotherapie erlitten. Zusätzlich sei zunehmen
d
eine Erschöpfung aufgetreten. Die neurologische Abklärung habe die Verdachts
diagnose eines Morbus Parkinson
s
bestätigt (S. 1).
Es sei ihr aktuell knapp möglich
,
zweimal zwei Stunden pro Woche zu arbeiten. Sie werde gegenwärtig mit den entsprechenden Medikamenten eingestellt. Es zeige sich eine leichte Ver
besserung der Erschöpfung (S. 2).
3.5
Dem Bericht von
Dr.
A._
vom 2
8.
Juli 2015 (
Urk.
11/363/6-8) ist zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin an einem leichtgradigen, weitgehend symmetrischen
bradykinetisch
-rigiden Pa
rkinson-S
yndrom leide (S. 1
Ziff.
1.3).
Aus neurolo
gischer Sicht sei die bisherige Tätigkeit als Kassiererin in vollem Umfang (über 8
Stunden pro Tag) möglich. Eine Verminderung der Leistungsfähigkeit bestehe nicht (S. 2
Ziff.
2.1). Es sei mit einer langsamen Zunahme der Parkinson
-S
ymp
tomatik zu rechnen (S. 2
Ziff.
3.3). Die Beschwerdeführerin sei aus neurologischer Sicht voll arbeitsfähig (S. 3
Ziff.
4.1).
3.6
Dr.
B._
bestätigte m
it Bericht vom 2
0.
August 2015 (
Urk.
11/365) die bisher von ihr gestellten Diagnosen. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund des Morbus Parkinson
vor allem rascher erschöpft. D
ie vorbestehenden Schmerzen würden
aber auch
rascher arbeitseinschränkend wirken. Sie sei daher nur noch in der Lage
,
zwei halbe Tage pro Woche zu arbeiten. Mit einer vollständigen Wiederaufnahme der Arbeit sei nicht zu rechnen. Das Anstreben einer anderen Arbeit und damit
einhergehender
Leistungssteigerung sei nicht realistisch. Mit unterstützenden physiotherapeutischen Massnahmen und Antiparkinsontherapie könne der Verlust der Arbeitsfähigkeit hinausgezögert werden.
3.7
Mit
RAD-
Stellungnahme vom 2
8.
September 2015 kam med.
pract
. C._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, zum Schluss, dass keine neuen gesundheitli
chen Einschränkungen mit wesentlichen
Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit
vorlägen. Die Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule seien bekannt. Eine Diskushernie ohne Nervenwurzelkompression vermöge keine länger andauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
zu
bewirken. Das neu diagnostizierte Parkin
son
-S
yndrom habe aktuell
aus neurologischer Sicht
keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit.
Somit sei aktuell aus versicherungsmedizinischer Sicht von einem unveränderten Gesundheitszustand auszugehen (
Urk.
11/368 S. 3).
3.8
Mit Schreiben vom
3.
November 2015 (
Urk.
11/372/1) erklärte sich
Dr.
B._
mit
der in Aussicht gestellten Abweisung des Rentene
rhöhungsgesuchs als nicht einverstanden. Das neu diagnostizierte Parkinson
-S
yndrom habe sich in den letzten sechs Monaten seit der Beurteilung durch
Dr.
A._
im März 2015 erheblich verschlechtert. Zudem seien die vorbestehenden Diagnosen nicht in die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit mit einbezogen worden.
Ausserdem
habe sich die vorbestehende psychische Labilität aufgrund der Diagnose
eines
Morbus Parkinson deutlich verschlechtert. Aktuell bestehe ein mittelstarkes depressives Zustandsbild, welches zu einer zusätzlichen Einschränkung der vorbestehenden Arbeitsfähigkeit führe.
3.9
Dr.
med. D._
, Facharzt für Neurologie, nannte mit Bericht vom 3
0.
November 2015 (
Urk.
11/374) folgende Diagnosen (S. 1):
-
komplexes/multimodales Beschwerdebild mit Müdigkeit/Adynamie,
höhergradig
verminderter körperlicher und zum Teil neurokognitiver (Aufmerksamkeit, Konzentration) Leistungsminderung, deutlich erhöhter Ermüdbarkeit, Antriebs- und Stimmungsminderung, Ein-/Durchschlaf
störungen und zunehmender Erschöpfung, am ehesten gemischter Ätiolo
gie
-
beginnendes hypokinetisch-rigid
es Parkinson-Syndrom
unklarer Zuordnung, Differentialdiagnose (DD): familiäre Form
-
Persönlichkeitsstörung mit aktuell depressiver Phase, rezidivierende Panikattacken April 2012
-
panvertebrales Schmerzsyndrom, Gonarthrose beidseits, multiple Medikamenten
unverträglichkeiten, unklare Erhöhung der Leberwerte bei normaler Histologie März 2015
Es bestehe noch eine gewisse Unschärfe in Bezug auf die nähere
nosologische
Zuordnung des Krankheitsbildes. Eine symptomatische Form sei bereits mittels
Magnetresonanztomographie (
MRI
)
weitgehend ausgeschlossen worden. In der heutigen Untersuchung hätten sich klinisch-objektiv unter L-
Dopa
-Therapie in mässiger Dosis kaum Stigmata des extrapyramidalen Syndroms nachweisen lassen, was eher für
das Vorliegen einer beginnenden
L-
Dopa
-
responsiven
,
idio
patisch-familiären
F
orm spreche
. Andererseits liege ein komplexes/multimodales Beschwerdebild vor
, welches in einer mittelschweren bis
höhergradigen
(>
80%igen) Einschränkung der Funktion beziehungsweise der Leistungs- und Arbeitsfähigkeit sowohl in Bezug auf die alltäglichen Verpflichtungen als auch auf die berufliche Tätigkeit resultiere. Dieses überlagere sich mit einem bereits seit Jahren bestehenden Vorzustand bei bekanntem medizinischem und psychiatri
schem Hintergrund, welcher zu einer vorbestehenden 50%igen Invali
denrente geführt habe. Eine Trennung der vorbestehenden von den neu entstan
denen sowie
eine Trennung der
Parkinson-assoziierten von den nicht-Parkinson-bedingten Komponenten sei nicht möglich
. In Bezug auf die aktuelle Pharmako
therapie der extrapyramidalen Erkrankung bestehe vorerst in Anbetracht der vor
liegenden Befunde kein Optimierungsbedarf
(S. 3 f.).
3.10
Mit RAD-Stellungnahme vom 1
6.
Februar 2016 hielt med.
pract
.
C._
fest, dass
Dr.
D._
keine Stellung
zu den Rückfragen
genommen habe. Die Fragen zu den funktionellen Einschränkungen würden nicht beantwortet. Ebenso wenig werde Stellung genommen zu einer eventuellen Verschlechterung des Gesund
heitszustandes seit der Beurteilung durch
Dr.
A._
im Juli 201
5.
Aus versiche
rungsmedizinischer Sicht könne somit weiterhin an der RAD-Stellungnahme vom 2
8.
September 2015 gestützt auf den Bericht von
Dr.
A._
festgehalten werden (
Urk.
11/382 S. 3).
4.
4.1
Im Zusammenhang mit dem
aktuell
gestellten Antrag auf Erhöhung der Invali
denrente (
Urk.
11/408) reichte die Beschwerdeführerin bis zum Erlass der vor
liegend angefochtenen Verfügung vom 2
7.
Januar 2022 (
Urk.
2) die folgen
den
Berichte ein:
4.2
Dr.
B._
erklärte
m
it Schreiben vom 2
0.
Februar 2019 (
Urk.
11/406)
, dass die zwei Arbeitseinsätze an geschützten Arbeitsstellen seit Mai 2018 gezeigt hätten, dass die Beschwerdeführerin nicht in der Lage sei
,
ein Arbeitspensum von 50
%
zu leisten. Die Beschwerdeführerin sei zu 100
%
arbeitsunfähig.
4.3
Mit Bericht vom 2
3.
Mai 2019 (
Urk.
11/411/10-13) nannte
Dr.
D._
folgende aktuelle Diagnose (S. 1):
-
protrahiertes, in letzter Zeit phasenweise
exazerbiertes
Schmerzsyndrom im bilateralen
lumbosakralen
-, dorsalen/
dorso
-lateralen Becken-/Hüft- und
trochantären
/
peritrochantären
Bereich mit/bei:
-
überwiegend
vertebrospondylogenem
/
osteoartikulärem
und
tendo
myo
pa
tischem
/
myofaszialem
Ursprung
-
mit schmerzassoziierter Bewegungsblockade und
höhergradiger
Funk
tionseinschränkung
-
ohne Hinweise für eine primär extrapyramidal-motorische beziehungs
weise Parkinson-assoziierte Komponente (aktuell keine Zeichen der Erkrankung unter Pharmakotherapie) oder für eine
floride
Radikulo
pathie
-
chronischem
Panvertebralsyndrom
, multifokale
n
Osteochondrosen
,
Ventrolisthesis
L3/4, schwere
r
Spondylarthrose
der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
mit ausgeprägter monosegmentaler
Diskopathie
L3/4, absoluter Spinalkanalstenose und
rezessal-intraforaminal
linksbetonter Ein
engung, kaudale
n
Aktivitätszeichen beider
Iliosakralgelenke
(
ISG
)
, unklarer Erhöhung der entzündlichen Parameter
Die von der Beschwerdeführerin seit zirka sechs Monaten beklagten Schmerzen könnten in Anbetracht der geschilderten Phänomenologie sowie des festgestellten klinischen Sachverhaltes nicht im Rahmen der Parkinson-Erkrankung gesehen werden. Es lägen keine Hinweise für eine jegliche Manifestation der pharmako
logisch behandelten und gut kompensierten beziehungsweise klinisch aktuell in Form extrapyramidaler Zeichen nicht offensichtlichen Parkinson-Diagnose vor (S. 2 f.).
4.4
Dr.
med. E._
, Facharzt für Neurochirurgie, berichtete mit Schreiben vom
9.
Juli 2020 (
Urk.
11/411/6-7) über die Jahreskontrolle bei diagnostiziertem Status nach mikrochirurgischer Dekompression und
Spondylo
dese
L3/4
am
1.
Juli 201
9.
Die Beschwerdeführerin habe über einen guten Verlauf berichtet. Sie ha
be keine
radikulären
Schmerzen. Die
Rückenschmerzen
bestünden
nur vorübergehend und selbstlimitierend nach stärkeren Belastungen. Ein
senso
-motorisches
Defizit finde sich nicht mehr. Die Röntgenaufnahmen anlässlich der Halbjahreskontrolle hätten keinen Hinweis auf eine Lockerung der Schrauben bei zunehmender knöcherner Konsolidierung und einem leicht in den
Lendenwirbelkörper (
LWK
)
4 gesinter
ten
Intervertebralcage
gezeigt
(S. 1 f.).
4.5
Dem Schreiben von
Dr.
med.
Y._
, praktischer Arzt, vom
3.
Februar 2021 (
Urk.
11/405)
sind
die folgenden
– hier gekürzt aufgeführten -
Diagnosen zu ent
nehmen
(S. 1 f.):
-
anhaltende Schmerzstörung mit/bei:
-
aktuell vorwiegend
myofaszialem
und
vertebrospondylogenem
Schmerzsyndrom; DD: Fibromyalgie
-
panvertebralem
zerviko
-l
umbal betontem
Schmerzsyndrom, 2019/05 absolute Spinalkanalstenose
, schwere
Spondylarthrose
, eventuell
L3-Reizsymptomatik links bei Status nach Diskushernie L3/4 mit geringer bis mässiger Kompression der Nervenwurzel L3
foraminal
links (OP
2019)
-
Gonarthrose beidseits, links mehr als rechts, bei Verdacht auf laterale Meniskusläsion links und Status nach
Plica
-Resektion links 2003
-
b
eginnendes hypokinetisch-rigides Parkinson
-S
yndrom, stabile Verhält
nisse unter Pharmakotherapie
-
chronische
Fatigue
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit ängstlich-vermeidenden Zügen
-
rezidivierende depressive Episoden
-
Rhinitis
allergica
und Asthma bronchiale
-
chronische Niereninsuffizienz
-
unklare Leberwerterhöhung
-
gastroesophageale
Refluxerkrankung
-
hyperaktive Blase
-
Sehschw
äche beidseits von 50
%
durch
Nervus
opticus
-Läsion perinatal
Aus ärztlicher Sicht könne a
n einer
vollständigen
Arbeitsunfähigkeit kein ernst
hafter Zweifel erhoben werden. Der körperliche Zustand der Beschwerdeführerin habe sich
seit der letzten
Beurteilung
durch die IV-Stelle
sukzessive und nach
haltig verschlechtert. Es zeige sich eine Kombination mittelschwerer psychischer und schwerer körperlicher B
eeinträchtigungen (S. 1). Nebst
eines Morbus Parkinson habe über mehrere Jahre ein schweres lumbales Schmerzsyndrom bestanden, welches durch eine
n neurochirurgischen Eingriff i
m Jahr 2019 in Bezug auf die akute Bedrohung der Gehfähigkeit behoben
worden sei. I
n Bezug auf die chronische degenerative Veränderung der Wirbelsäule
habe es
allenfalls vorübergehend eingedämmt werden können. Zusammenfassend
bestehe
allenfalls e
in labiles Gleichgewicht
. Die Diagnosen seien fachärztlich überprüft worden. Es sei leicht nachvollziehbar, dass der Beschwerdeführerin wahrscheinlich eine
ganze
Invalidenrente zustehe. Eine Wiederaufnahme der Beurteilung der Beren
tung sei von ärztlicher Seite
her
mehrfach angesprochen worden, jedoch an der ängstlichen Persönlichkeitsstörung der Beschwerdeführerin gescheitert (S. 2).
4.6
Die Ärzte des
Zentrums F._
nannten mit Bericht vom
1.
Juni 2021 (
Urk.
11/411/1-
4) folgende Diagnosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
schädlicher Gebrauch von Tabak (ICD-10 F17.1)
-
schädlicher Gebrauch von
Cannabinoiden
(ICD-10 F12.1)
-
Adipositas
-
Morbus Parkinson (
Erstdiagnose,
ED
,
April 2015)
-
Arthrose mit
Schmerzen in der rechten Schulter
-
lumbovertebrales
Syndrom bei Status nach Sturz mit Kontusion der
LWS
am 3
0.
Dezember 2014
-
chronische Knieschmerzen links im Sinne eines
femoropatellären
Schmerzsyndroms
Die Störung habe Krankheitswert. Seit dem Jahr 2007 bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 3).
4.7
Dem Bericht der Ärzte des
Kantonsspitals G._
vom
6.
Juli 2021 (
Urk.
11/437/3-5) sind folgende Notfalldiagnosen zu entnehmen (S. 1):
-
Panikattacke vom
6.
Juli 2021 mit/bei:
-
DD: konvulsive Synkope, dissoziativer Anfall
-
bei chronischem Erschöpfungssyndrom mit psychosozialer Belastungs
situation
-
rezidivierende
n
depressive
n
Episoden
-
Status nach Harnwegsinfekt, ED
1.
Juli 2021
-
aktuell am
6.
Juli 2021: Urinstatus unauffällig
Die Beschwerdeführerin sei notfallmässig zugewiesen worden bei
erlittenem
Zusammenbruch mit fraglich kurzzeitigem Bewusstseinsverlust. Bei fehlender
postiktaler
Verwirrtheit, normwertiger
Kreatinkinase
(
CK
)
und neurologisch unauf
fälliger Patientin sei nicht von einem epileptischen Ereignis auszugehen. Es habe sich im Gespräch eine deutliche psychosoziale Belastungssituat
ion gezeigt, weshalb am ehesten
von einer Panikattacke auszugehen sei. Die Beschwerde
führerin sei in ordentlichem Allgemeinzustand nach Hause entlassen worden (S.
2
f.).
4.8
Mit RAD-Stellungnahme vom 1
6.
Juli 2021 hielt med.
p
ract
.
C._
fest, dass
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Veränderung des Gesundheits
zustandes ausgewiesen sei.
Dr.
Y._
verweise auf die Diagnoseliste.
Eine solche
gebe keine Auskünfte über die funktionelle Leistungsfähigkeit. Die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin habe sich nach der Operation eines Bandscheibenvorfalles im Jahr 2019 wieder gebessert. In Bezug auf den Morbus Parkinson würden weiterhin stabile Verhältnisse unter Pharmakotherapie beschrieben. Im Bericht der Ärzte des
Zentrums F._
werde weiterhin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen (unverändert seit 2007). Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei somit von einem im Wesentlichen unver
änderten Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin auszugehen (
Urk.
11/415 S. 4).
4.9
Die Ärzte des
Zentrums F._
erwähnten mit Schreiben vom 1
2.
November 2021 (
Urk.
11/437/6-8) weiterhin dieselben Diagnosen. Die Beschwerdeführerin beziehe
aufgrund
Schmerzen und Weichteilrheuma sowie Depressionen seit dem
Jahr 2007 eine 50%ige Invalidenrente. Diese Diagnosen seien bis heute vorhanden. Im Jahr 2015 sei ein Morbus Parkinson hinzuge
kommen. Darüber hinaus sei am
1.
November 2019 eine Operation an der LWS erfolgt, wodurch die Schmerzen deutlich hätten reduziert werden können. Die funktionellen Auswirkungen der Depression hätten sich seit dem Jahr 2018 deutlich verstärkt. Insgesamt liege eine deutliche Verschlechterung des Zustandes der Beschwerdeführerin vor. Eine leichte Depression, wie 2016 behauptet, sei nicht mehr aufrechtzuerhalten. Die funktionellen Auswirkungen der mittel
gradigen Depression im Rahmen der Parkinson-Erkrankung seien erheblich. Die Beschwerdeführerin sei auch für angepasste Tätigkeiten zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 1 ff.).
4.10
M
it Schreiben vom 1
7.
November 2021 (
Urk.
11/437/1-2)
nannte
Dr.
Y._
folgende somatische Diagnosen (S. 1):
-
hypokinetisch-rigides Parkinson-Syndrom (ED 2015; durchgängig neuro
logisch bestätigt und unter Medikation)
-
anhaltende Schmerzstörung,
panvertebrales
zerviko
-lumbal betontes Schmerzsyndrom,
Gonarthrose beidseits, links mehr als rechts (unter kontinuierlicher, bedarfsangepasster Medikation)
-
gastroösophageale
Refluxkrankheit
(unter kontinuierlicher, bedarfsange
passter Medikation)
-
hyperaktive Blase (mit rezidivierender Inkontinenz)
-
Rhinitis
allergica
und Asthma bronchiale (dauerhafte Therapie mit
inhalativen
Corticoiden
)
-
multiple Medikamentenunverträglichkeiten
Die von der Beschwerdeführerin seit Jahren beschriebene ausgeprägte Müdigkeit und erhöhte Ermüdbarkeit bedeute gleichzeitig eine herabgesetzte Belastbarkeit auch am geschützten Arbeitsplatz. Es handle sich um ein reales, wenn auch subjektiv erfahrenes Beschwerdebild. Da das Beschwerdebild konsistent beschrieben werde, wäre dies anzuerkennen. Die Schmerzstörung bestehe weiter
hin.
D
ie
gastroösophageale
Refluxkrankheit
und
das Asthma bronchiale hätten in der aktuellen Ausprägung keine Auswirkung
en
auf die Arb
eitsfähigkeit, ausser man verst
e
h
e sie als Ausdruck einer verminderten Belastbarkeit auf Stress. In Zusammenhang mit den p
sychiatrischen Diagnosen sei dies
durchaus plausibel. In der Summe sei zusätzlich zu den psychiatrischen Diagnosen von einer somatisch bedingten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen (S. 1 f.).
4.11
Mit RAD-Stellungnahme vom
2.
Dezember 2021 hielt med.
pract
.
C._
fest, dass
Dr.
Y._
zwar eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes postuliere und eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiere. Er nenne jedoch keine neuen
funktionellen Einschränkungen, sondern verweise lediglich pauschal auf die Diagnoseliste. In Bezug auf das Parkinson-Syndrom bestünden stabile Verhältnisse. Die Beschwerden im Bereich der LWS hätten si
ch
nach der im Jahr 2019 erfolgten Operation
eher gebessert
.
Dr.
Y._
stütze sich im Wesentli
chen auf die subjektiven Schilderungen der Beschwerdeführerin. Zu
dem verweise er
auf
sozioökonomische
Belastungen. Die einmalige ambulante Notfallbehand
lung
aufgrund
einer Panikattacke vermöge keine langandauernde Veränderung der funktionellen Einschränkungen zu bewirken.
Im Bericht
der Ärzte
des
Zentrums F._
vom November 2021 werde bescheinigt, dass die Diagnosen im Wesentlichen seit dem Jahr 2007 unverändert seien. Eine Verstär
kung der funktionellen Auswirkungen der Depression bestehe bereits seit 201
8.
Es werde nun
pauschal eine deutliche Verschlechterung des Zustandes der Beschwerdeführerin erwähnt sowie
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in jeglicher Tätigkeit
attestiert
, ohne die Verschlechterung zu begründen. An der RAD
Stellungnahme vom 1
6.
Juli 2021 könne festgehalten werden. Eine nachweisliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei nicht plausibel ausgewiesen (
Urk.
11/439 S. 5 f.).
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin erliess ihren
Nichteintretensentscheid
gestützt auf die ausführlichen RAD-Beurteilungen
durch
med.
pract
.
C._
, wonach die Beschwerdeführerin mit den
seit der letztmaligen materiellen Beurteilung einge
reichten ärztlichen Berichten keine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes glaubhaft darzutun
ve
rmag (vorstehend E. 4.
8.
E. 4.11
). D
ieser
Einschätzung kann gefolgt werden.
5.2
Dem Schreiben von
Dr.
B._
(vorstehend E. 4.2) lassen sich weder Diagnosen noch Befunde entnehmen, womit sich die attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit aus medizinischer S
icht nicht nachvollziehen lässt.
Eine lediglich im Vergleich zu
früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit
reicht nicht aus
,
um auf einen veränderten
G
esundheits
zustand
zu schliessen (vorstehend E. 1.3
).
Die Erkrankung an einem Morbus Parkinson war
sodann
bereits
im Rahmen
der letztmaligen
materiellen
Beurteilung
diagnost
iziert worden (vorstehend E. 3.3, E.
3.5, E. 3.9
)
. Diesbezüglich werden
aktuell
durch den Neurologen
Dr.
D._
(vor
stehend E. 4.3)
weiterhin
stabile Verhältnisse
unter Pharmakotherapie beschrieben
, wobei keine Hinweise auf eine jegliche Manifestation der nicht offensichtlichen Parkinson-Diagnose vorliegen
.
Im Sommer 2019 erfolgte
zwar
eine mikrochirurgische Dekompression und
Spondylodese
L3/4
bei
bereits
seit längerem
bekannten Rückenschmerzen
.
J
edoch
lässt sich
nur eine vorübergehende Verschlechterung
erkennen
, führte die
erfolgte Operation
doch
zu
einer
im Vergleich zu vorher
verbesserten
gesundheitlichen Situation. Die Beschwerdeführerin beklagte ein Jahr danach keine
radikulären
Schmerzen und gab an, dass die Rückenschmerzen nur vorübergehend und selbst
limitierend nach stärkeren Belastungen bestünden. Ein
senso
-motorisches
Defizit f
and sich nicht mehr (vorstehend
E. 4.4).
Dr.
Y._
listet
e
in seinem Bericht vom Februar 2021 (vorstehend E. 4.5)
sodann
einzig alle ihm bekannten relevanten somatischen sowie psyc
hiatrischen Diagnosen auf und kam
– ohne jegliche Befunderhebung oder nähere Begrün
dung – zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsunfähig sei. Inwiefern sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der letztma
ligen Überprüfung durch die Beschwerdegegnerin erheblich und dauernd ver
schlechtert hat, lässt sich seinem Bericht nicht entnehmen.
Ob sich die Befundlage seit der letztmaligen materiellen Beurteilung verändert hat, kann mangels dessen Erhebung nicht
beurteilt
werden.
Auch seinem Schreiben vom Nove
mber 2021 (vorstehend E. 4.10
) lässt sich keine objektive Befunderhebung entnehmen und eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der letztmali
gen Beurteilung nicht erkennen. Vielmehr begnügt
e
sich
Dr.
Y._
damit, auf die aus seiner Sicht glaubhafte Symptomschilderung der Beschwerdeführerin zu verweisen
,
und erwähnt
e
überdies
eine aktuelle Überlastung mit
nicht invalidi
tätsrelevanten
sozioökonomischen
Problemen
.
Die einmalige Notfallbehandlung der Beschwerdeführerin im
G._
aufgrund einer Panikattacke
bei deutlicher psychosozialer Belastungssituation
(vorstehend E.
4.7) vermag
ebenfalls
keine länger
andauernde Veränderung der gesund
heitli
chen Situation glaubhaft zu machen.
Schliesslich vermögen auch die Berichte der Ärzte des
Zentrums F._
(vorstehend E.
4.6, E. 4.9
) keine Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft darzutun.
Das Vorhandensein eines psychischen Leidens
und auch
von psychosozialen
Belastungen
ist bereits seit
langem
bekannt (vgl.
etwa
psychiatri
sches Gutachten vom Mai 2001 in
Urk.
11/98
).
Eine depressive Entwicklung w
ird
aus ärztlicher Sicht seit der
im Jahr 2007 eingereichten Neuanmeldung erwähnt
, wenn auch mit unterschiedlicher diagnostischer Einordnung
(vgl.
Urk.
11/158 S.
3
Ziff.
2.1;
Urk.
11/163/3-11 S. 5;
Urk.
11/180 S. 2;
Urk.
11/183/3-6 S. 2
;
Urk.
11/389/4-71 S. 41
)
.
Die damals behandelnde Psychiaterin
Dr.
med. H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte etwa eine
depressive Reaktion (ICD-10 F32.1) bei zu Grunde liegender Persönlichkeits
störung (vgl.
Urk.
11/158 S. 3
Ziff.
2.1), wobei die Codierung ICD-10 F32.1 einer mittelgradigen depressiven Episode und damit dem gleichen Schweregrad wie aktuell entspricht.
Um eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen, ist eine veränderte Befundlage massgebend (vorstehend E.
1.
3
).
Eine solch veränderte Befundlage kann mit den Berichten der Ärzte des
Zentrums F._
nicht glaubhaft gema
cht werden,
erweisen sich diese
doch
als nicht
schlüssig und nachvollziehbar. So wird beispielsweise, obwohl die Beschwerdeführerin im Juni 2021 bei den aktuellen Beschwerden ein
en
Interessensverlust verneint hat, ein solcher anschliessend durch die Ärzte bei den
Befunden
der gegenwärtigen mittelgradigen Episode der rezidivierenden depressiven Störung aufgelistet (vgl.
Urk.
11/411/1-4 S. 1 f.).
Ausserdem
wird, o
bwohl im Februar
und
November 2021
wortwörtlich
identische
psychopatho
logische B
efunde erhoben
wurden
, im Bericht vom Februar 2021 noch eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
unverändert
seit
dem Jahr
2007 festgehalten, woge
gen im Bericht vom November 2021 nun
– bei gleichbleibendem psychopatholo
gische
m
Befund
–
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert wird (vgl.
Urk.
11/411/1-4 S. 2 f.;
Urk.
11/437/6-8 S. 2 f.).
Insgesamt erweisen sich die Berichte des
Zentrums F._
demnach als nicht beweiskräftig zur Glaubhaftmachung einer veränder
ten gesundheitlichen Situation.
5.3
Nach dem Gesagten ist somit festzuhalten, dass verglichen mit der letztmaligen materiellen Beurteilung eine erhebliche gesundheitliche Verschlechterung nicht glaubhaft dargelegt wurde. Die Beschwerdegegnerin traf daher auch keine Pflicht zur Vornahme von weiteren Abklärungen des Sa
chverhaltes (vorstehend E. 1.2
).
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur
Abwei
sung der Beschwerde führt, soweit darauf einzutreten ist.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.
--
anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
6.2
Zu prüfen bleibt das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozess
führung und Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2).
Nach Gesetz und Prax
is sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozess
führung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die
Partei bedürftig
und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Da der vorliegende Prozess nicht als von vornherein aussichtslos bezeichnet werden kann und die
Verbeiständung
geboten ist, ist der bedürftigen
Beschwerdeführerin
die unentgeltliche Prozess
führung und Rechtsvertretung zu bewilligen. Die der Beschwerdeführerin aufer
legten Gerichtskosten sind daher einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4
des Gesetzes über das Sozialversicherungs
gericht (
GSVGer
)
.
6.3
Mit Verfügung vom 2
6.
April 2022 (
Urk.
12) wurde unter anderem darauf hinge
wiesen, dass gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht die Möglichkeit besteht, dem Gericht vor Fällung des Endentscheides eine detaillierte Zusammenstellung über den bisherigen Zeitaufwand und die bisher angefallenen Barauslagen einzureichen, und dass das Gericht im Unterlassungsfall die Entschä
digung nach Ermessen festsetzt.
Bis dato wurde keine entsprechende Honorarnote eingereicht, weshalb der unent
geltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt
Dr.
Andreas
Tinner
, Wint
erthur, ermessensweise mit
Fr.
2'7
00.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse zu entschädigen ist. Die Beschwerdeführerin wird auf die Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4
GSVGer
hingewiesen.