# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7a235b67-8196-5edd-9ba1-aa6d336b3702
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden reichten am 7. Juni 2017 bei der Gemeinde Ittigen ein
Baugesuch ein für eine Erweiterung ihres Balkondachs mit Windschutzwand ihrer
Wohnung in einer Mehrfamilienhaussiedlung auf der Baurechts-Parzelle Ittigen
Grundbuchblatt Nr. C._. Die Baurechtsparzelle befindet sich auf der
Stammparzelle Ittigen Grundbuchblatt Nr. D._ und liegt in der Zone mit
Planungspflicht Kirschenacker (ZPP K). Mit Gesamtentscheid vom 3. August 2017 erteilte
die Gemeinde Ittigen die Baubewilligung und erlegte den Beschwerdeführenden dafür
Verfahrenskosten in der Höhe von Fr. 1'282.20 auf.
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2. Gegen diese Gebühren erhoben die Beschwerdeführenden am 31. August 2017
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Sie
beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheides vom 3. August 2017 und die Reduktion
der Verfahrenskosten auf Fr. 225.--. Sie machen insbesondere geltend, eine Publikation
wäre für ihr kleines Bauvorhaben nicht notwendig gewesen. Die daraus entstandenen
Kosten seien daher nicht durch sie zu tragen. Zudem habe die Gemeinde sie nicht
angehört vor der Publikation und in ihrem Entscheid nicht begründet, warum sie von einem
ordentlichen Verfahren ausgegangen sei. Dadurch habe sie das rechtliche Gehör verletzt.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Auf Anfrage der Gemeinde hin
bestätigte das Rechtsamt der Gemeinde mit Schreiben vom 19. Oktober 2017, dass die
Beschwerdeführenden seiner Ansicht nach mit dem Bau der ihnen bewilligten
Vordacherweiterung beginnen dürfen, da sich ihre Beschwerde nur gegen die
Verfahrenskosten richtet.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
Kostenentscheide als Teil eines Bauentscheids können nach Art. 40 Abs. 1 BauG2 innert
30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden.3 Die BVE
ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die
Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40–41 N 8d
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die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG4 i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführenden sind als Baugesuchstellende grundsätzlich zur Beschwerdeführung
befugt. Sie sind durch die Kostenauferlegung beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Grundsätzliches zu den Verfahrenskosten im Baubewilligungsverfahren
a) Laut Art. 52 Abs. 1 BewD5 tragen die Gesuchstellenden die amtlichen Kosten des
Baubewilligungsverfahrens. Diese bestehen aus den Gebühren und Auslagen, welche die
Gemeinde für ihre Tätigkeit im Baubewilligungsverfahren und für ihre baupolizeilichen
Verrichtungen erheben kann (Art. 51 Abs. 1 BewD). Die Gemeinde erlässt einen
Gebührentarif (Art. 51 Abs. 3 BewD).
b) Die Gemeinde Ittigen hat gestützt auf Art. 69 Abs. 4 Bst. a BauG i. V. m. Art. 51
Abs. 3 BewD sowohl ein Gebührenreglement6 (nachfolgend GebR) als auch eine
Gebührenverordnung7 (nachfolgend GebV) erlassen. Die Verwaltungsgebühren werden
grundsätzlich nach dem für die Leistung erforderlichen Zeitaufwand bemessen (Art. 15
Abs. 1 GebR). Verwaltungsgebühren schuldet, wer die Leistung veranlasst (Art. 3 Abs. 2
GebR). Zusätzlich zu den Gebühren sind Auslagen für Sachaufwand und für Leistungen
Dritter geschuldet, sofern sie erheblich sind bzw. Fr. 5.-- übersteigen (Art. 4 GebR). Ist in
den Tarifen nichts anderes bestimmt, werden die tatsächlichen Auslagen verrechnet. Sie
werden auch dann verrechnet, wenn sie in den Tarifen nicht ausdrücklich erwähnt sind
(Art. 2 Abs. 3 und 4 GebV).
3. Publikationskosten
a) Gemäss Bauentscheid vom 3. August 2017 betragen die Verfahrenskosten
Fr. 1'282.20. Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Gemeinde hätte das
Bauvorhaben als kleine Baubewilligung behandeln und dieses deshalb nicht publizieren
4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 5 Dekret über das Baubewilligungsverfahren vom 22. März 1994 (BewD; BSG 725.1) 6 Gebührenreglement vom 7. Dezember 2005 der Gemeinde Ittigen (GebR) 7 Gebührenverordnung vom 27. März 2006 der Gemeinde Ittigen (GebV)
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sollen. Zudem habe die Gemeinde sie nicht angehört vor der Publikation und in ihrem
Entscheid nicht begründet, warum sie von einem ordentlichen Verfahren ausgegangen sei.
Dadurch habe sie das rechtliche Gehör verletzt. Die Kosten für die Publikation (Fr.
1'057.20) habe deshalb die Gemeinde zu tragen.
b) Die Gemeinde Ittigen beurteilt das Bauvorhaben als Kleinbaute im Sinne von Art. 27
Abs. 1 Bst. a BewD. Nach Ansicht der Gemeinde handelt es sich vorliegend um eine kleine
Baubewilligung, deshalb habe auch die Unterschrift des Leiters Abteilung Bau auf dem
Bauentscheid genügt. Der "Kreis der betroffenen Nachbarn" auf den Parzellen F._
(BR G._), H._, I._, J._, K._, L._ und
M._ habe bestimmt werden können. Es seien jedoch nicht alle Nachbarn
bestimmbar, da auch Mieter als solche anerkannt würden und auf der Parzelle F._
(BR G._) eine Vielzahl von Mehrfamilienhäusern vorhanden sei.
c) Die ordentliche Baubewilligung wird in einem Verfahren mit Veröffentlichung des
Baugesuchs, die kleine Baubewilligung hingegen in einem vereinfachten Verfahren ohne
Veröffentlichung des Baugesuchs erteilt (Art. 32a BauG und Art. 32b Abs. 1 BauG). Das
Baubewilligungsdekret bestimmt die Bauvorhaben, die wegen ihrer beschränkten
Auswirkungen im vereinfachten Verfahren beurteilt werden können (Art. 32b Abs. 2 BauG).
Eine kleine Baubewilligung ohne Veröffentlichung ist möglich, wenn
baubewilligungspflichtige Bauvorhaben wie Kleinbauten, Unterhaltsarbeiten oder
Änderungen nur die Nachbarinnen und Nachbarn betreffen. Diesfalls genügt die Mitteilung
an diese Personen (Art. 27 Abs. 1 Bst. a und b BewD). Die Möglichkeit der Erteilung der
Baubewilligung als kleine Baubewilligung entfällt insbesondere dann, wenn der Kreis der
betroffenen Nachbarinnen und Nachbarn und die privaten Organisationen nicht eindeutig
bestimmt werden können (Art. 27 Abs. 5 Bst. a BewD).
d) Aus diesen gesetzlichen Bestimmungen folgt, dass eine kleine Baubewilligung nur
dann erteilt werden kann, wenn ein Bauvorhaben nur die Nachbarschaft betrifft und diese
durch eine Mitteilung informiert werden kann. Kann die Nachbarschaft nicht eindeutig
bestimmt werden, entfällt die Möglichkeit der Erteilung einer kleinen Baubewilligung und
das Vorhaben muss publiziert werden.
Die Gemeinde verhält sich vorliegend widersprüchlich und vermischt die vom Gesetz
vorgesehenen Verfahren: Sie liess das Bauvorhaben publizieren, obwohl sie das Vorhaben
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als Kleinbaute im Sinne von Art. 27 BewD erachtet und den Abteilungsleiter, der nur die
Kompetenz zur Erteilung einer kleinen Baubewilligung hat, die Baubewilligung
unterzeichnen liess.8
e) Die Beschwerdeführenden planen eine Erweiterung ihres Balkondachs mit
Windschutzwand und damit eine typische Baute, welche als kleine Baubewilligung ohne
Veröffentlichung genehmigt werden kann. Gemäss Situationsplan befindet sich der
fragliche Balkon auf der Westseite des Mehrfamilienhauses.9 Die Liegenschaften, welche
sich auf der abgewandten Seite befinden und keine Sicht auf den Balkon haben, sind nicht
von allfälligen nachteiligen ästhetischen Auswirkungen betroffen. Sie sind daher auch nicht
zur Einsprache berechtigt.10 Laut der Gemeinde seien nicht alle Nachbarn bestimmbar, da
auch Mieter als solche anerkannt würden und auf der Parzelle F._ (BR
G._) eine Vielzahl von Mehrfamilienhäusern vorhanden sei. Da sich die
Mehrfamilienhäuser der Parzelle Nr. F._ (BR G._) auf der vom
Bauvorhaben abgewandten Seite befinden und damit keinen Sichtkontakt auf den
fraglichen Balkon haben, gehören deren Bewohner nicht zum Kreis der betroffenen
Nachbarschaft. Ihnen musste daher keine Mitteilung im Sinne von Art. 27 BewD gemacht
werden.
Die Gemeinde hätte daher ohne Weiteres eine kleine Baubewilligung ohne
Veröffentlichung erteilen können. Die Publikationskosten von Fr. 1'282.20 können den
Beschwerdeführenden deshalb nicht überbunden werden. Die Beschwerde wird deshalb
gutgeheissen und die Verfahrenskosten werden auf den Betrag von Fr. 225.-- reduziert.
f) Ob die Gemeinde zudem das rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden verletzt
hat, kann angesichts dieses Verfahrensausgangs offen bleiben.
8 Gemäss dem von der Gemeinde beigelegten Funktionendiagramm liegt die Entscheidkompetenz bei kleinen Baubewilligungen beim Abteilungsleiter. Im Gegensatz dazu hat der Gemeinderat bei den ordentlichen Baubewilligungen die Entscheidkompetenz. 9 Vorakten Gemeinde pag. 4 10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 17 Bst. b
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4. Kosten
a) Die Grundsätze der Kostenverlegung sind in Art. 108 VRPG geregelt. Demnach
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 600.-- (Art. 103
Abs. 2 VRPG). Die Beschwerdeführenden dringen mit ihren Rügen durch und gelten daher
als obsiegend. Sie haben keine Verfahrenskosten zu tragen. Gemeinden können keine
Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG i. V. m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b
VRPG). Die Verfahrenskosten von Fr. 600.-- trägt demnach der Kanton.
b) Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).