# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4fc6465a-9b8e-4610-9481-6187b95389e0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1965 geborene X._
arbeitet
seit dem Jahr 2006 als selbständige Innendekorationsnäherin
in ihrem Vorhanggeschäft
(vgl. Urk.
11/2 S. 2,
11/5 S.
6
,
Urk. 11/52 S. 4,
Urk. 11/53).
Im Februar 2016 wurde bei der Versicherten ein
Adenokarzinom
des Corpus uteri diagnostiziert und in der Folge
bei Metasta
sierung mehrfach
operativ und chemotherapeutisch
behandelt (vgl.
Urk. 11/3/1
20). Am 1
1.
Juli 2016 (Urk. 11
/
5
)
meldete sich die Versicherte
unter Hinweis auf
das
Adenokarzinom
bei der Eidgenössischen Invaliden
versicherung
(IV)
zum Leistungsbezug an. Mit Verfügung vom
22. Mai
2018 (Urk. 11
/
28
) wies die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, den Anspruch der Ver
sicherten auf eine Invalidenrente ab.
1.2
Am
2. Dezember 2019 (Urk. 11
/
30
) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
ihre Krebserkrankung und deren Folgen erneut
bei der IV zum Leistungsbezug an.
Mit Vorbescheid vom 15. Januar 2020 (Urk. 11/36) stellte die IV-Stelle zuerst in Aussicht
,
nicht auf das Leistungsbegehren einzutreten. Nach dagegen erhobe
nem Einwand (Urk. 11/43) tätigte die IV-Stelle medizinis
che und erwerbliche Abklärungen;
u
nter anderem nahm sie eine Abklärung für
Selbständig
erwerbende
vor (vgl. Abklärungsbericht für
Selbständigerwerbende
vom 10. März 2021; Urk. 11/62).
Am 13. August 2020 (Urk. 11/51) teilte die IV-Stelle der Ver
sicherten den Abschluss der Eingliederungsberatung mit. Nach neuerlich durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 11/64, Urk. 11/
68
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. Oktober 2021 (Urk. 2)
wiederum
einen Rentenanspruch.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2. November 2021 (Poststempel, Urk.
1
) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 6. Oktober 2021 sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Invalidenrente zuzusprechen
. Prozessual ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
(S. 1). Ihrer Beschwerde legte sie einen aktuellen Bericht der Klinik für
Konsiliarpsychiatrie
und Psychosomatik des
Universitätsspitals Y._
vom 27. Oktober 2021 (Urk. 3/3)
bei.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
9. Dezember 2021
(Urk.
10
) die Abweisung der Beschwerde
, was
der Beschwerdeführerin
mit Verfügung vom 10. Dezember 2021 (Urk.
13
)
zur Kenntnis gebracht
wurde
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente,
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.
5
Der Einkommensvergleich hat auch bei
Selbständigerwerbenden
in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäherungswerte miteinander zu verglei
chen.
Nach der Rechtsprechung kann die Aufnahme einer unselbständigen Erwerbstä
tigkeit als zumutbar erscheinen, wenn davon eine bessere erwerbliche Verwer
tung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann und der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände (Alter, Aktivitätsdauer, Ausbildung, Art der bisherigen Tätigkeit, persönliche Lebensumstände) als zumutbar erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. November 2014 E. 3.1 mit Hin
weisen auf Urteile I 116/03 vom 10. November 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
1.
6
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs.
3
IVV
) so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Anlass
zur Rentenrevision gemäss Art. 17
ATSG gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentli
chen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der rentenabweisenden Verfügung vom 6. Oktober 2021
(Urk. 2) aus, die Beschwerdeführerin arbeite zurzeit noch in einem 50 %-Pensum in ihrem Vorhanggeschäft.
Aus den medizinischen Unter
lagen gehe hervor, dass es der Beschwerdeführerin zumutbar sei, ihre selbständige Tätigkeit aufzugeben und eine einfache Hilfsarbeitertätigkeit anzunehmen. In einer solchen Tätigkeit wäre die Beschwerdeführerin gemäss den Statistiken des Bundes in Lage
,
in dem ihr zumutbaren Pensum von 50 % ein Einkommen von Fr. 27'724.60 zu verdienen. Da die Beschwerdeführerin in ihrer
selbständigen
Tätigkeit im Vorhanggeschäft bei guter Gesundheit ein Einkommen von Fr. 30'040.-- erzielen könnte, entstehe eine Erwerbseinbusse von Fr. 2'315.40, was einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 8 % ent
spreche
. Dass sie, wie eingewendet, bei voller Gesundheit ihre selbständige Erwerbs
tätigkeit längs
t
aufgegeben hätte, finde in den Akten keine S
tütze
(S. 1 f.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich in ihrer Beschwerde vom
2
.
November
2021
auf den Standpunkt
, wegen der Folgen ihrer Operationen sei ihr Tagesablauf sehr strukturiert und eingeschränkt. Ihre Nachtruhe werde gestört, weil sie zum Ent
leeren der
angelegten Ersatzb
lase
aufstehen müsse. Nachher könne sie oft nur schlecht wieder einschlafen. Seit
ihrer Operation leide sie an einem chronischen Schlafdefizit, welches sich tagsüber
bemerkbar
mache. Die ständige
Müdigkeit
mache
ihr sehr zu schaffen. Ihr ehemaliger Chef unterstütze sie bis heute mit mindestens 50 % des Arbeitsaufwandes ohne
Entl
ö
hnung
. Auf dessen Leistungen habe sie in den Gesprächen mit der Invalidenversicherung mehrmals hinge
wiesen. Diese würden jedoch in keinem Bericht der IV-Stelle erwähnt
(S.
2
).
2.3
Umstritten und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführerin nach der Neuanmeldung vom
2. Dezember 2019 (Urk. 11/30)
eine Rente der Invalidenversicherung zusteht.
3.
Die ursprüngliche rentenabweisende Verfügung vom
22. Mai 2018 (Urk. 11
/
28
)
basierte einerseits auf dem Umstand, dass die Beschwerdeführerin ihre ange
stammte Tätigkeit als selbständig erwerbende Innendekorationsnäherin wieder zu
80 %
aufgenommen hatte
(S.
1
unten
,
Urk.
11/26 S. 4
)
. Andererseits legte die Beschwerdegegnerin der Rentenabweisung
- gestützt auf die Stellung
nahme
ihres regionalen ärztlichen Dienstes (RAD)
vom 3. August 2017 (S. 3 f.) -
die Annahme zugrunde, dass
bei nur somatisch bedingten Ein
schränkungen (metastasiertes wenig differenziertes
endometriales
Adeno
karzinom
des Corpus uteri [
vgl.
Urk. 11/26 S.
3 unten])
in einer angepassten
körperlich leichten und wechsel
belastenden
Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit bestehe
(Urk. 11/28 S. 1 unten)
.
4.
4.
1
Dr. med.
Z._
von der Abteilung Onkologie/
Häm
o
tologie
des
Kantons
spitals
A._
nannte
in seinem Bericht vom 15. November 2019 (Urk. 11/29)
als Diagnosen
unter anderem
ein wenig differenziertes
endometroides
Adeno
karzi
nom
des Corpus uteri bei aktuell anhaltender komplette
r
Tumorremission und fortgesetzter regelmässiger Tumornachsorge in halbjährlichen Intervallen sowie eine mittelschwere depressive Verstimmung (S. 1). Zudem hielt er fest, der onko
logische Verlauf im engeren Sinne sei erfreulich.
Infolge der komplexen Eingriffe vor dreieinhalb Jahren müsse die Beschwerdeführerin mit der Neourethra zurechtkommen. Dies bedeute unter anderem nächtlich zwei bis drei selbständige Katheterisierungen zur Blasenentleerung. Auch belaste die
Malignomdiagnose
und der ungewisse Ausgang
die Beschwerdeführerin
. Unter dem Strich sei plau
sibel, dass die Beschwerdeführerin in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit ein
geschränkt sei und vermutlich permanent bleibe.
Ob und in welchem Ausmass eine zusätzliche Depression vorliege, könne er nicht kompetent beantworten. Hierfür sei die Beschwerdeführerin bereits in psycho-onkologischer Abklärung (S. 2 oben).
4.
2
Dr. med.
B._
und D
ipl. Psychologin
C._
von der Klinik für
Konsiliar
psych
iatrie
und Psychosomatik des Y._
nannten in ihrem Bericht vom 12. März 2020 (Urk. 11/42) als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode mit soma
tischem Syndrom bei Cancer
Related
Fatigue
. Sie führten aus, durch die anhal
tende Cance
r
Related
Fatigue
sei es der Beschwerdeführerin trotz ihrer hohen Motivation nicht gelungen, ihr vorheriges Leistungsniveau auch nur annähernd wieder zu erreichen. Es sei davon auszugehen, dass s
ie
eine maximale Leistungs
kapazität von 50 % längerfristig werde halten können
.
Am 9. Juli 2020 schätzte die Psychologin
C._
gegenüber der Beschwerde
gegnerin die Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
anlässlich eines Tele
fonats auf aktuell 50 %
. Ideal fände sie einen Nischenarbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt
(vgl. Urk. 11/52 S.
5 unten).
4.
3
Dr.
med.
D._
,
Fachärztin
für Allgemeine Innere Medizin, vom RAD erachtete am 10. Juli 2020 (vgl. Urk. 11/52 S. 6 oben) anlässlich einer Fallbesprechung mit der
zuständigen Sachbearbeiterin
eine dauerhafte 50%ige Erwerbsunfähigkeit als nachvollziehbar.
4.4
Gemäss Verlaufsprotokoll Eingliederungsberatung vom 13. August 2020 (Urk. 11/52)
hatte
die Beschwerdeführerin
anlässlich des Erstgesprächs vom 6.
Juli 2020
zur Frage
, was sie sich noch zutraue,
denn auch
an
gegeben
, dass sie bei normaler Präsenz von Dienstag bis Freitag ganztags und am Samstag halbtags arbeite, wobei sie ihre Leistung auf
zirka
50 % schätze (S. 4 oben).
4.5
Am 1. September 2021 (Urk. 11/74/1) bewarb sich die Beschwer
deführerin bei der E._
AG um eine 50%-Stelle als Verkäuferin für die Wohnboutique oder die Vorhangabteilung.
4.
6
Am 27. Oktober 2021 (Urk. 3/3) beri
chtete Dipl. Psychologin
C._
,
durch den absehbaren Verlust ihres kleinen Ateliers in wenigen Monaten (Ende des Miet
verhältnisses, Wegfall der Unterstützung des im Rentenalter stehenden Geschäfts
partners) habe sich die Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit der Beschwerde
führerin so weit verstärkt, dass sie mittlerweile verstärkt suizidale Gedanken ent
wickelt habe. D
ie Aussichten einer Vermittlung der Beschwerdeführerin auf dem
ersten
Arbeitsmarkt seien in erster Linie als Folge der schweren Cancer
Related
F
a
tigue
sehr schlecht. Dennoch würde die Beschwerdeführerin gerne im Rahmen ihrer Möglichkeiten weiterarbeiten (bis zu 50 %, nur leichte körperliche Arbeit, entsprechend sanitäre Anlagen), da sie mit dem Verlust ihres Ateliers auch fast alle sozialen Kontakte
verliere
. Zudem wäre eine gewisse finanzielle Autonomie eine wichtige Selbstwertstütze (S. 2 unten).
5.
Bei der ursprünglichen Rentenabweisung lagen einzig somatisch begründete Ein
schränkungen der funktionellen Leistungsfähigkeit vor (vgl. E. 3 vorstehend).
Nun
liegt
hingegen
auch
eine
psychische Erkrankung
(
mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom bei Cancer
Related
Fatigue
;
vgl. E. 4.
2-3
vor
stehend) mit möglichen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
vor
, die geeignet
ist
, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Damit hat sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der ursprünglichen rentenabweisenden Verfügung vom
22. Mai 2018
in neuanmeldungsrechtlich
relevanter Weise
verändert
(E. 1.5), weshalb
im Folgenden
der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht
umfassend ("allseitig") zu prüfen
ist
, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (
vgl.
BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
6
.
Die Beschwerdegegnerin stütze die angefochtene Verfügung (Urk. 2), was die medizinische Beurteilung angeht, auf die Berichte der behandelnden Ärzte
(E. 4.1-2)
sowie die RAD-Stellungnahme
von Dr.
D._
(E. 4.3)
.
Die Beschwer
degegnerin schloss aus den ihr vorliegenden Unterlagen, dass
die
Beschwerde
führer
in
in
einer angepassten Tätigkeit
zu 50 % arbeitsfähig ist (E. 2
.1).
Dies ist nicht zu beanstanden. Aus somatischer Sicht hat sich der Gesund
heits
zustand
stabilisiert
,
beurteilte
doch Dr.
Z._
den onko
logische
n Verlauf im engeren Sinne als
erfreulich
bei einer
anhaltende
n
kompletten Tumor
remission
(E. 4.1)
.
Was den psychischen Gesundheitszustand an
belangt
, gingen Dr.
B._
und Dipl. Psychologin
C._
im März 2020 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit aus, was
die Psychologin
auf telefonische Rückfrage im Juli 2020 bestätigte (E. 4.2).
Selbst
im
erst
nach Erlass des angefochtenen Entscheids erstellten Bericht
vom
2
7.
Oktober 2021
, in welchem die behandelnde Psychologin
über
einen zwischenzeitlich deutlich reduzierten Allgemeinzustand bei
verstärkten Suizid
gedanken berichtete (E. 4.6
,
Urk.
3/3 S. 1
),
beurteilte
sie eine Tätigkeit bis zu 50 % mit nur leichten körperlichen Arbeit
en
und entsprechenden sanitären Anlagen
offensichtlich noch
als möglich (E. 4.
6
).
Auch die
Beschwerdeführerin
selbst
schätzt
e
ihre Leistungsfähigkeit auf 50 % ein und suchte
noch im September 2021
in diesem Umfang Arbeit (E. 4.4 und E. 4.
5
). Der RAD erachtete den
n
auch die Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
begründet
als nachvollziehbar (E. 4.3). Entgegenstehende medizinische Berichte liegen keine vor. Es ist daher davon auszugehen, dass die Beschwerdeführeri
n jedenfalls bis zum Erlass de
s
hier angefochtenen Entscheids
in einer angepassten körperlich leichten und wechsel
belastenden Tätigkeit zu 50 % arbeitsfähig
war
.
Eine rechtliche Überprüfung dieser medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit im Lichte der sogenannten Standardindikatoren ist – wie sich aus der folgenden Erwägung 7 ergibt – ent
behrlich, zumal e
ine grössere Arbeitsunfähigkeit als die
ärztlich
attestierte auch aus einer
Indikatorenprüfung
nicht resultieren
kann
(vgl. Urteile
des Bundesge
richts 8C_153/2021 E. 5.4.2,
8C_52/2020 vom 2
2.
April 2020 E. 4.2.2; 8C_783/2019 vom 1
4.
April 2020 E. 4.1.4 und 8C_629/2019 vom
8.
November 2019 E. 4.2.4; je mit Hinweisen).
7.
7.1
Für die
Ermittlung der erwerblichen
Auswirkungen
der eingeschränkten Arbeits
fähigkeit
kann
grundsätzlich
auf den
Einkommensvergleich
der Beschwerde
ge
g
nerin verwiesen werden
(vgl. Urk. 2 S. 2 oben und Urk. 11/63)
.
7.2
Mit ihr
ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin
auch
bei guter Gesund
heit ihr Vorhanggeschäft
trotz der seit Beginn bescheidenen Einkommen (vgl.
Urk.
11/
53
/2)
weiterhin führen würde. So stellte
d
ie
Beschwerdeführerin
dies bereits damit unter Beweis, dass sie nach
Auftreten
und Behandlung
des
Karzi
noms
im
Jahr 2016 weiterhin in ihrem Geschäft arbeitete, wenngleich mit der Unterstützung durch Herrn
F._
(vgl. Urk. 1 S. 2, Urk. 11/30 S. 6).
Auch
fehlen in den Akten jegliche Hinweise auf die mit dem Einwand geltend gemachte Auf
gabe der selbständigen Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall (
Urk.
11/67/1). Insbe
sondere verzichtete die B
eschwerdeführerin
auf entsprechende Vorbringen im Rahmen der Abklärung für
Selbständigerwerbende
(
Urk.
11/62).
Zu Recht
berechnete
die
Beschwerdegegnerin
das
Valideneinkommen
sodann gestützt
auf
das durchschnittliche
Einkommen
der Jahre
2011 bis 2015 gemäss dem IK-Auszug
(
Urk.
11/53, 11/63/1)
, zeigte doch das Einkommen 2013 eine deutliche Schwankung gegenüber den übrigen vier
relativ ausgeglichenen
Jahren
und rechtfertigt sich
ein
Einbezug der höheren Einkommenszahlen von 2006 bis 2010 schon deshalb nicht, weil die Nachfrage seither offensichtlich nachhaltig gesunken ist
(
Urk.
11/
53/2
, 11/62/7;
Urteil des Bundesgerichts 9C_7
7
1/
2017 vom 29.
Mai 2018 E. 3.6)
.
Damit spielt d
ie
von Herrn
F._
nach
Eintritt
der gesund
heitlichen Beeinträchtigung
unentgeltlich
geleistete Arbeit
entgegen den Vor
bringen
der Beschwerdeführerin (E. 2.2)
zur Berechnung des
Valideneinkommens
jedenfalls
keine Roll
e.
Zutreffend ging
die Beschwerdegegnerin
so von einem massgeblichen
Valideneinkommen
von Fr. 30'040.--
aus (Fr. 30'040.-- = [Fr. 31'700 (2011) + Fr. 32'700.-- (2012) + Fr. 22’000.-- (2013) + Fr. 32'600.-- (2014) + Fr. 31'200
.--
(2015)]: 5 Jahre; vgl. IK-Auszug
:
Urk. 11/53
).
7.3
Nachdem es der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht nicht mehr zumut
bar ist, ihre angestammte Tätigkeit als
Selbständigerwerbende
in ihrem Vorhang
geschäft
uneingeschränkt
auszuüben (E. 6), ist
angesichts der bescheidenen Ein
kommen aus dieser Tätigkeit
von einer unselbständigen Erwerbstätigkeit eine bessere erwerbliche Verwertung
der Restarbeitsfähigkeit
zu erwarten. Gründe, weshalb sich
der berufliche Wechsel unter Berücksichtigung der gesamten Umstände als
un
zumutbar
darstellen sollte, sind nicht ersichtlich und wurden auch nicht vorgebracht (vgl. Urk. 1; E. 1.
5
).
So hat sich die Beschwerdeführerin denn auch schon um unselbständige Arbeit bemüht (vgl.
E. 4.
5
)
und muss ihr
Geschäft angesichts des Ende
s
des Mietverhältnisses offensichtlich ohnehin auf
geben (vgl.
Urk.
3/3 S. 1)
.
Demnach stellte die Beschwerdegegnerin für das Invalideneinkommen (Urk.
2 S. 2 und Urk. 11/63
) zu Recht auf die Tabelle TA1
_tirage_skill_level
der Lohn
strukturerhebung (LSE)
2018
des Bundesamtes für Statistik,
Total Privater Sektor
, Kompetenzniveau 1,
Frauen
,
ab (Urteil des Bundesgerichts 8
C_458/2017
vom 6. August 2018 E. 6.2.3). Damit hätte
die
Beschwerdeführer
in
- ausgehend von den Tabellenlöhnen der LSE
2018
(TA1,
einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art
) von Fr.
4'
37
1.--
angepasst an die durchschnittliche Arbeits
zeit von 41.7
Wochenstunden im massgeblich
en
Jahr
2020
- bei einer Anmeldung
im Dezember 2019 ist der frühestmögliche Rentenbeginn Juni 2020 (
Art.
29
IVG)
-
bei einem zumutbaren Arbeitspensum von 50 %
ein Einkommen von Fr.
27’861
.
-
erzielen können
(Fr.
4
'371.--
x 12
Monate
: 40
x 41.7
[
Betriebs
übliche Arbeits
zeit
T03.02.03.01.04.01
] x 0.5 [
zumutbares
Pensum]
x 2784 [Index 2020; Tabelle T39 Bundesamt für Statistik] : 2732 [Index 2018]
).
7.4
Bereits aus der Gegenüberstellung des massgeblichen
Validene
inkommens
von Fr. 30'040.-- (E. 7
.2) und
de
s
hypothetischen
Invalideneinkommen
s
von
Fr.
2
7
'861.--
(E. 7.3)
ist augenscheinlich, dass selbst bei Gewährung eines maxi
mal
zulässigen
leidensbedingten Tabellenlohnabzuges von 25
% (Urteil des Bun
desgerichts 9C_600/2018 vom
7.
Januar 2019 E. 5.2
mit Hinweis auf BGE
126 V 75
)
- wobei die Beschwerdegegnerin überhaupt keinen leidensbedingten Abzug gewährt hatte (vgl. Urk. 2 S. 2 und Urk. 11/63)
-
ein rentenaus
schliessender Invaliditätsgrad
von 30
%
vorlieg
en würde (F
r.
30'040.-- ./. [Fr.
27'861.
--
x 0.75] =
Fr.
9'144.
25 :
Fr.
30'040.
--
x 100
%
)
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde
.
Hinzuweisen bleibt die Beschwerdeführerin auf ihr jederzeitiges Neuanmeldungs
recht für den Fall einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustandes und ihrer Arbeitsfähigkeit.
8
.
8
.1
In ihrer Beschwerde stellte die Beschwerdeführerin ein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 1 unten).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Vertretung notwendig oder doch geboten ist (Art. 29 Abs. 3
BV; BGE 135 I 1 E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_686/2020 vom 1
1.
Januar 2021 E. 1).
Die Beschwerdeführerin verfügt über
mehrere
Bankkonten mit unterschiedlichen Guthaben
(Urk. 7 S. 5)
. Unter anderem
führt
sie
ein Konto bei der Zuger Kantonalbank mit einem Guthaben von Fr.
25'800.--. Damit ist es ihr möglich
- selbst unter Gewährung eines praxisgemässen
sogenannten «
Notgroschens
»
von Fr. 10'000.-- -
die anfallenden Proesskosten
von Fr. 600.--
(vgl. E. 6.2) zu bezahlen. Eine Bedürftigkeit, welche zur Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung berechtigen würde, liegt
demnach
nicht vor. Ihr Gesuch ist daher abzu
weisen.
8
.2
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf Fr. 6
00.-- festzu
setzen und entsprechend dem Verfahrensausgang
der
Beschwerdeführer
in
aufzu
erlegen.
Der Einwand
der B
eschwerdeführerin, wonach die Kostenauflage an die Beschwerdegegnerin zu erfolgen habe, weil sie
, die Beschwerdeführerin,
mehr
mals auf die Leistungen von Herrn
F._
hingewiesen habe, was jedoch in keinem Bericht der Beschwerdegegnerin erwähnt worden sei, wodurch ihr recht
liches Gehör verletzt
(
Urk.
1
S. 2 f.)
und sie sinngemäss zum Prozess veranlasst worden sei
, erweist sich schon deshalb als
unbehelflich
,
weil
d
ie telefonische Abklärung für
Selbständigerwerbende
in Anwesenheit von Herrn
F._
erfolgte und dessen Mithilfe im Abklärungsbericht einlässlich wiedergegeben wurde (
Urk.
11/62 S. 4).