# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e0fe9bf5-b117-5f4c-a44e-bd515d51e871
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ besitzt den Führerausweis seit August 1982. Wegen einer schweren
Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften war ihm der Führerausweis für
die Dauer von drei Monaten vom 21. September bis 20. Dezember 2012 entzogen.
B.
Gemäss Rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom 11. August 2017 wurde anlässlich
einer Lasermessung vom Montag, 31. Juli 2017, auf der B._strasse in C._, Höhe
D._, um 21.27 Uhr festgestellt, dass das Motorrad YAMAHA J mit dem amtlichen
Kennzeichen SG _ nach Berücksichtigung eines Sicherheitsabzugs von 4 km/h bei
einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/h mit einer
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Geschwindigkeit von 115 km/h in Fahrtrichtung C._ Zentrum gelenkt wurde. Bei der
Anhaltung nach der Messung wies sich als Lenker A._ aus. In der polizeilichen
Einvernahme gab er an, er sei so schnell gefahren, weil er den Töff – nachdem er fünf
Wochen nicht mehr gefahren sei – habe "bewegen" wollen. Weil die Strasse frei
gewesen sei, habe er etwas Gas gegeben. A._ unterschrieb das Protokoll der
Befragung vor Ort. Anlässlich der Erstellung des Rapports wies die Polizei A._
telefonisch darauf hin, sein Motorrad erbringe eine Leistung von 29,4 kW, sein
Führerausweis für die Kategorie A sei aber mit der Auflage "25 kW" beschränkt. A._
wurde von der Rapportierung an das Untersuchungsamt Altstätten und an das
Strassenverkehrsamt St. Gallen in Kenntnis gesetzt (act. 11/16, Seiten 9-13).
C.
Am 28. September 2017 verurteilte das Untersuchungsamt Altstätten A._ wegen
grober Verletzung der Verkehrsregeln und Missachtens einer mit dem Führerausweis
verbundenen Beschränkung zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 170,
bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, und einer Busse von
CHF 1'300. Der Strafbefehl war von einem Sachbearbeiter mit staatsanwaltlichen
Befugnissen unterzeichnet und wurde A._ samt Einzahlungsschein mit
eingeschriebenem Brief eröffnet. Weil der Brief mit dem Vermerk "Nicht abgeholt" an
das Untersuchungsamt zurückging, wurden A._ Strafbefehl und Rechnung am
10. Oktober 2017 mit A-Post zugestellt. A._ wurde darauf hingewiesen, dass die
eingeschriebene Postsendung am letzten Tag der siebentägigen Abholfrist als
zugestellt gelte und die Rechtsmittelfrist am darauffolgenden Tag beginne. Zudem
wurde er auf die Möglichkeit der Wiederherstellung der Frist aufmerksam gemacht.
A._ beglich die Rechnung am 27. Oktober 2017 (act. 11/30.1 und 30.2). Er erhob
weder Einsprache gegen den Strafbefehl noch ersuchte er um Wiederherstellung der
Einsprachefrist.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt teilte A._ mit Schreiben vom 8. Februar
2018 mit, aufgrund der am 31. Juli 2017 begangenen Überschreitung der ausserorts
erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um 35 km/h sei ein Entzug des
Führerausweises wegen einer schweren Widerhandlung vorgesehen. Die Entzugsdauer
betrage mindestens zwölf Monate, wenn in den vorangegangen fünf Jahren der
Ausweis einmal wegen einer schweren oder zweimal wegen mittelschweren
Widerhandlungen entzogen gewesen sei. A._ nahm am 14. Februar 2018 Stellung und
retournierte den ausgefüllten Fragebogen zur beruflichen Angewiesenheit. Das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt entzog ihm den Führerausweis am 27. Februar
2018 wegen schwerer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften im
Rückfall für die Dauer von zwölf Monaten.
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D.
Die Verwaltungsrekurskommission wies den gegen die Entzugsverfügung erhobenen
Rekurs nach mündlicher Verhandlung am 26. September 2019 ab. Zur Begründung
wurde im Wesentlichen ausgeführt, inwieweit der Strafbefehl vom 28. September 2017
nichtig sein sollte, sei nicht ersichtlich. A._ habe zwei Monate nach der
Verkehrsregelverletzung mit der Zustellung eines Strafentscheides rechnen müssen. Da
er nicht um Wiederherstellung der Einsprachefrist ersucht habe, habe er den
Strafbefehl wohl noch während laufender Einsprachefrist erhalten oder die
Erfolgsaussichten als nicht allzu hoch eingeschätzt. Das kantonale Recht sehe
ausdrücklich vor, dass Sachbearbeiter mit staatsanwaltlichen Befugnissen solche
Strafbefehle erliessen. Inwiefern sich ein Abweichen vom strafrechtlich festgestellten
Sachverhalt rechtfertigen könnte, sei nicht ersichtlich. Es ergäben sich keine Hinweise
auf eine fehlerhafte Lasermessung. Anträge auf Konfrontationseinvernahmen mit den
beiden Polizisten, Edition des Messprotokolls und Überprüfung der Messung mittels
METAS-Gutachten hätten im Strafverfahren beantragt werden müssen. Allfällige
Notstandsgründe hätte er ebenfalls dort vorbringen müssen. Solche Einwendungen
habe er auch im vorinstanzlichen Verfahren nicht vorgebracht. Der dreimonatige
Führerausweisentzug vom 28. Juni 2012 sei rechtskräftig verfügt und vollzogen
worden. Es beständen nicht die geringsten Anhaltspunkte für dessen Nichtigkeit. Die
rechtliche Würdigung gehe von der konstanten bundesgerichtlichen Rechtsprechung
im Bereich der Geschwindigkeitsüberschreitungen aus, von der abzuweichen keine
Veranlassung bestehe. A._ habe die zulässige Höchstgeschwindigkeit bewusst und
willentlich überschritten. Ein Putativnotstandsgrund ergebe sich aus der nachträglichen
Behauptung, er habe wegen seines etwas mehr als fünfzehneinhalbjährigen Sohnes,
der keinen Hausschlüssel gehabt habe, umgehend nach Hause fahren müssen, nicht.
Die fünfjährige Rückfallfrist nach dem Vollzugsende des letzten Führerausweisentzugs
am 20. Dezember 2012 sei im Zeitpunkt der Geschwindigkeitsüberschreitung am
31. Juli 2017 noch nicht abgelaufen gewesen. Die verfügte Mindestentzugsdauer von
zwölf Monaten könne auch bei einer beruflichen Angewiesenheit auf den
Führerausweis nicht unterschritten werden.
E.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 21. Oktober 2019
entgegengenommenen Entscheid der Verwaltungsrekurskommission durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 4. November 2019 und Ergänzung vom 9. Dezember
2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und auf jegliche
Administrativmassnahme zu verzichten, eventualiter eine Verwarnung auszusprechen,
subeventualiter der Führerausweis für einen, subsubeventualiter für drei Monate zu
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entziehen.
Die Vorinstanz verwies mit Vernehmlassung vom 6. Januar 2020 auf die Erwägungen
im angefochtenen Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt (Beschwerdegegner) verzichtete am 9. Januar
2020 auf eine Vernehmlassung.
Auf die – weiteren – Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen
des Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
dessen Rekurs gegen den vom Beschwerdegegner verfügten Führerausweisentzug die
Vorinstanz in der Sache abgewiesen hat, ist zur Erhebung der Beschwerde befugt
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den vom
Rechtsvertreter des Beschwerdeführers am 21. Oktober 2019 entgegengenommenen
Rekursentscheid wurde mit Eingabe vom 4. November 2019 rechtzeitig erhoben und
erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 9. Dezember 2019 in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2.
Der Beschwerdeführer wirft dem Beschwerdegegner eine Verletzung des Anspruchs
auf rechtliches Gehör vor (Beschwerdeergänzung Ziff. V/9), weil im Schreiben vom
8. Februar 2018 weder die Anwendung der Rückfallklausel noch eine konkrete
Entzugsdauer bekannt gegeben und in der Verfügung vom 27. Februar 2018 die
konkreten Umstände nicht gewürdigt und insbesondere nicht begründet worden sei,
weshalb der subjektive Tatbestand einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften erfüllt sei. Die Rüge erweist sich als unbegründet:
Da dem Beschwerdegegner im Zeitpunkt der Eröffnung des
Administrativmassnahmenverfahrens am 8. Februar 2018 insbesondere noch keine
Angaben des Beschwerdeführers zu der für die Bemessung der Entzugsdauer
relevanten beruflichen Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen, vorlagen, war es
ihm auch nicht möglich, eine konkrete mutmassliche Entzugsdauer bekanntzugeben.
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Hätte er dies getan, hätte er sich dem Vorwurf der fehlenden Unabhängigkeit
ausgesetzt. Der Beschwerdegegner hat aber auf die gesetzliche Mindestentzugsdauer
von zwölf Monaten bei einem Rückfall innerhalb von fünf Jahren hingewiesen und die
entsprechende Bestimmung wiedergegeben. In der Stellungnahme vom 14. Februar
2018 ist der Beschwerdeführer auf seine frühere Widerhandlung eingegangen und hat
angeführt, dies sei "nun mehr als 5.5 Jahre her". Mithin war er sich bewusst, dass in
seinem Fall die Anwendung der Rückfallbestimmung und eine Mindestentzugsdauer
von zwölf Monaten im Raum standen. Aus dem Schreiben vom 8. Februar 2018 ging
angesichts der Wiedergabe des entsprechenden Gesetzesartikels zudem hervor, dass
die Vorinstanz den Sachverhalt vorläufig als schwere Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften beurteilte (vgl. act. 11/16 Seiten 21-26). – Es trifft zu,
dass der Beschwerdegegner in der Verfügung vom 27. Februar 2018 auf die vom
Beschwerdeführer vorgebrachten Umstände des Einzelfalls nicht konkret eingegangen
ist und auch nicht ausdrücklich festgehalten hat, Gefährdung und Verschulden seien
schwer. Indem er indessen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung hingewiesen
hat, wonach Geschwindigkeitsüberschreitungen von 30 km/h und mehr im
Ausserortsbereich unabhängig der konkreten Umstände als schwere Widerhandlungen
gegen die Strassenverkehrsvorschriften zu beurteilen seien, hat er hinreichend klar zum
Ausdruck gebracht, dass die vorgebrachten konkreten Umstände keine andere
Beurteilung zuliessen (vgl. act. 11/16 Seiten 27-29). Dem Beschwerdeführer war es –
wie die umfangreiche Rekursergänzung zeigt – möglich, die Verfügung sachgerecht
anzufechten.
3.
Gemäss Art. 16c Abs. 1 Ingress und lit. a des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01,
SVG) begeht eine schwere Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften, wer
durch grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit
anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Die schwere Widerhandlung im
Administrativmassnahmenrecht entspricht inhaltlich der strafrechtlichen groben
Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Ziff. 2 SVG (vgl. BGE 141 II 220 E. 3.3.3, 132 II
234 E. 3.2, 123 II 37 E. 1b). Nach ständiger Rechtsprechung sind die objektiven und
grundsätzlich auch die subjektiven Voraussetzungen der groben
Verkehrsregelverletzung ungeachtet der konkreten Umstände, das heisst auch bei
ansonsten günstigen objektiven und subjektiven Umständen des konkreten Einzelfalls
zu bejahen, wenn die allgemeine Höchstgeschwindigkeit auf Strassen ausserorts von
80 km/h um 30 km/h oder mehr überschritten wird (vgl. BGE 132 II 234 E. 3.1; BGer
6B_253/2019 vom 1. Juli 2019 E. 3.8, 6B_510/2019 vom 8. August 2019 E. 3.2). Die
Unabhängigkeit von den konkreten Umständen ergibt sich nicht zuletzt auch daraus,
dass sich die vom Strassenverkehrsrecht vorgesehenen allgemeinen
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Höchstgeschwindigkeiten auf günstige Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse
beziehen (vgl. Art. 4a Abs. 1 Ingress der Verkehrsregelnverordnung; SR 741.11, VRV).
Im Administrativverfahren über den Entzug eines Führerausweises sind die Behörden
grundsätzlich an die tatsächlichen Feststellungen im Strafverfahren gebunden (BGer
1C_25/2016 und 1C_581/2016 vom 9. März 2017 E. 2.3 je mit Hinweis auf BGE 124 II
103 E. 1c und 119 Ib 158). Sie sind auch an einen Strafentscheid gebunden, der im
Strafbefehlsverfahren ergangen ist, bei dem die Behörde auf einen Polizeibericht
abstellt, der auf Wahrnehmungen der Polizeibeamten an Ort und Stelle beruht und sich
auf Aussagen von Beteiligten stützt, die unmittelbar nach dem Vorfall eingeholt wurden
und für den Führerausweisentzug massgebend sind. Dies gilt namentlich, wenn der
Betroffene weiss oder davon ausgehen muss, dass neben dem Strafverfahren ein
Administrativverfahren eröffnet wird. Entsprechend dem Grundsatz von Treu und
Glauben muss der Betroffene allfällige Verteidigungsrechte und Beweisanträge im
Strafverfahren vorbringen und dort gegebenenfalls alle Rechtsmittel ausschöpfen (BGer
1C_266/2014 vom 17. Februar 2015 E. 2.1.2 und 1C_446/2011 vom 15. März 2012
E. 5.1 je mit Hinweis auf BGE 123 II 97 E. 3c/aa und 121 II 214 E. 3a). Die
Administrativbehörde darf jedoch unter anderem dann von der Sachverhaltsfeststellung
im Strafentscheid abweichen, wenn sie Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid
zugrunde legt, die dem Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat
(BGer 1C_413/2009 vom 22. Januar 2010 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 123 II 97 E. 3c/aa
und 119 Ib 158 E. 3caa). In der rechtlichen Würdigung des Sachverhalts – namentlich
des Verschuldens – ist die Verwaltungsbehörde demgegenüber frei, ausser die
rechtliche Qualifikation hängt stark von der Würdigung von Tatsachen ab, die der
Strafrichter besser kennt, etwa, weil er den Beschuldigten persönlich einvernommen
hat (BGer 1C_169/2014 vom 18. Februar 2015 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 136 II 447,
124 II 103 E. 1c/aa und bb, 119 Ib 158 E. 3a/aa und bb, 1C_3/2015 vom 26. August
2015 E. 2.2).
4.
Der Beschwerdeführer bestreitet die Feststellung der Tatsachen (dazu nachfolgend
Erwägungen 4.1-4.4) und deren rechtliche Würdigung (dazu nachfolgend Erwägungen
4.5-4.8) umfassend.
Die Strafbehörde hat gestützt auf den Rapport der Kantonspolizei St. Gallen vom
11. August 2017 im Strafbefehl vom 28. September 2017 festgestellt, der
Beschwerdeführer habe am 31. Juli 2017 um 21.27 Uhr auf der B._strasse auf der
4.1.
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Höhe D._ in Fahrtrichtung C._ bei trockener Fahrbahn, geringem
Verkehrsaufkommen und Dunkelheit mit seinem Motorrad die zulässige
Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80 km/h nach Abzug der Sicherheitsmarge um
35 km/h überschritten. – Nach Auffassung des Beschwerdeführers darf die
Verwaltungsbehörde auf diese tatsächlichen Feststellungen weder mit dem Hinweis auf
die Bindungswirkung des Strafbefehls (dazu nachfolgend Erwägung 4.2) noch aufgrund
einer eigenen Würdigung der Feststellungen im Polizeirapport abstellen (dazu
nachfolgend Erwägung 4.3).
Der Beschwerdeführer macht geltend, dass der Strafbefehl ordnungsgemäss – sei es
mit eingeschriebener, sei es nachträglich am 10. Oktober 2017 mit normaler Post –
zugestellt worden sei, stehe nicht fest (Beschwerdeergänzung Ziff. V/10, dazu
nachfolgend Erwägung 4.2.1). Die Zustellfiktion greife nicht, weil der Beschwerdeführer
zwei Monate nach dem Vorfall nicht mit der Zustellung eines Strafbefehls habe rechnen
müssen (Beschwerdeergänzung Ziff. V/11, dazu nachfolgend Erwägung 4.2.2). Der
Strafbefehl sei nichtig, weil der unterzeichnende Sachbearbeiter mit staatsanwaltlichen
Befugnissen für dessen Erlass nicht zuständig gewesen sei (Beschwerdeergänzung
Ziff. V/12, dazu nachfolgend Erwägung 4.2.3). Dem Beschwerdeführer könne die
Bindungswirkung des Strafbefehls für die Administrativbehörde nicht entgegengehalten
werden, weil er sich an die Zweiteilung des Verfahrens nicht mehr erinnert habe
(Beschwerdeergänzung Ziff. V/13, dazu nachfolgend Erwägung 4.2.4). Schliesslich
beruft sich der Beschwerdeführer auf die Unrichtigkeit des Strafbefehls hinsichtlich der
Verurteilung wegen Missachtens der Beschränkung des Führerausweises der Kategorie
A auf Motorräder mit einer Leistung von weniger als 25 kW (Beschwerdeergänzung
Ziff. V/14, dazu nachfolgend Erwägung 4.2.5).
4.2.
Bei eingeschriebenen Postsendungen gilt eine widerlegbare Vermutung, dass der oder
die Postangestellte den Avis ordnungsgemäss in den Briefkasten oder in das Postfach
des Empfängers gelegt hat und das Zustellungsdatum korrekt registriert worden ist. Es
findet in diesem Fall eine Umkehr der Beweislast in dem Sinne statt, als bei
Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten des Empfängers ausfällt, der den Erhalt
der Abholungseinladung bestreitet. Diese Vermutung kann durch den Gegenbeweis
umgestossen werden. Sie gilt so lange, als der Empfänger nicht den Nachweis einer
überwiegenden Wahrscheinlichkeit von Fehlern bei der Zustellung erbringt. Da der
Nichtzugang einer Abholungseinladung eine negative Tatsache ist, kann dafür
naturgemäss kaum je der volle Beweis erbracht werden. Die immer bestehende
4.2.1.
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Möglichkeit von Fehlern bei der Poststelle genügt nicht, um die Vermutung zu
widerlegen. Vielmehr müssen konkrete Anzeichen für einen Fehler vorhanden sein. Der
aus der Zugangsvermutung gezogene Schluss, der Gegenbeweis sei nicht erbracht,
stellt Beweiswürdigung dar (BGE 142 IV 201 E. 2.3 mit Hinweisen).
Konkrete Anhaltspunkte für ein pflichtwidriges Verhalten der Post bringt der
Beschwerdeführer nicht vor. Der allgemeine Hinweis darauf, dass die Post – auch im
Fall des Rechtsvertreters – nicht fehlerfrei arbeitet, und der Umstand, dass der
Adressat einer Abholungseinladung nicht nachgekommen ist, genügen nicht. Bei
Massenvorgängen wie der Spedition von Briefen und Paketen durch die Post
auftretende Fehler können nicht dazu führen, dass in jedem bestrittenen Einzelfall von
einem solchen Fehler auszugehen ist und Zustellbeamte als Zeugen zu befragen sind.
Abgesehen wäre es dem Beschwerdeführer möglich gewesen, bei der
Staatsanwaltschaft die Sendungsnummer des eingeschriebenen Briefes und bei der
Post die elektronischen Informationen zum Sendungsverlauf in Erfahrung zu bringen.
Vergleichbares gilt für die Behauptung, daraus, dass der Beschwerdeführer die
Rechnung der Staatsanwaltschaft über CHF 1'950 beglich und in der Vernehmlassung
im vorinstanzlichen Verfahren nicht vorbrachte, keine Kenntnis von einem Strafbefehl
zu haben, könne nicht geschlossen werden, der Strafbefehl sei ihm zusammen mit dem
Schreiben vom 10. Oktober 2017 zugegangen. Die Bezahlung einer Rechnung der
Staatsanwaltschaft ohne Kenntnis der ihr zugrundeliegenden förmlichen
strafrechtlichen Verurteilung erscheint ebenso unglaubwürdig. Sodann wäre zu
erwarten gewesen, dass der Beschwerdeführer in der Vernehmlassung im
Administrativmassnahmenverfahren nicht nur behauptet hätte, die Polizei habe
lediglich eine Busse erwähnt, sondern – wäre ihm bis dahin tatsächlich noch kein
Strafbefehl zugegangen – gleichzeitig auch vorgebracht hätte, eine solche habe er
bisher nicht erhalten.
Die Polizei konsultierte den Beschwerdeführer anlässlich der Erstellung des Rapports
am 11. August 2017 telefonisch und orientierte ihn darüber, dass auch wegen
Missachtens der Beschränkung des Führerausweises der Kategorie A an die
Staatsanwaltschaft und an das Strassenverkehrsamt rapportiert werde. Der
Beschwerdeführer musste also – unabhängig davon, ob in diesem Zeitpunkt bereits ein
förmliches strafrechtliches Verfahrensverhältnis bestand – damit rechnen, dass die
Staatsanwaltschaft ihm in absehbarer Zeit fristauslösende Korrespondenz zustellen
4.2.2.
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würde. Die Dauer von rund zwei Monaten seit dem Vorfall und eineinhalb Monaten seit
der telefonischen Orientierung durch die Polizei erscheint im Übrigen weder als zu kurz
noch als zu lang, als dass der Beschwerdeführer erfolgreich vorbringen könnte, er habe
mit der Zustellung verfahrenseröffnender, verfahrensleitender oder
verfahrensabschliessender Verfügungen noch nicht oder nicht mehr rechnen müssen.
Art. 13 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Straf- und
Jugendstrafprozessordnung (sGS 962.1, EG StPO) in der im Jahr 2017 geltenden
Fassung übertrug den Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern mit
staatsanwaltlichen Befugnissen auf Anordnung und unter Verantwortung der
Staatsanwältin oder des Staatsanwaltes insbesondere die Befugnis, Strafbefehle zu
erlassen, wenn als Sanktion unter anderem voraussichtlich eine Busse und/oder eine
Geldstrafe von höchstens 180 Tagessätzen in Betracht kam (vgl.
www.gesetzessammlung.sg.ch; EG StPO, Botschaft und Entwurf der Regierung vom
20. Oktober 2009, in: ABl 20089 S. 3121 ff., S. 3131 f.). Anhaltspunkte dafür, dass das
Untersuchungsamt Altstätten diesen organisatorischen Vorschriften nicht nachleben
würde, bringt der Beschwerdeführer nicht vor. Ebenso wenig erscheint das kantonale
Recht bundesrechtswidrig. Art. 2 Abs. 1 der Schweizerischen Strafprozessordnung
(Strafprozessordnung; SR 312.0, StPO) steht die Strafrechtpflege einzig den vom
Gesetz bestimmten Behörden zu. Nach Art. 12 Ingress und lit. b StPO gehört die
Staatsanwaltschaft zu den Strafverfolgungsbehörden, und nach Art. 14 Abs. 1 StPO
bestimmen die Kantone ihre Strafbehörden und deren Bezeichnung. Nach Art. 7
Ingress und lit. c EG StPO gehören auch die Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter
mit staatsanwaltlichen Befugnissen der Staatsanwaltschaft an. Abgesehen davon hat
der Beschwerdeführer sich nicht gegen den Strafbefehl gewandt, indem er in einem
strafrechtlichen Rechtsmittelverfahren insbesondere die Nichtigkeit des Strafbefehls
geltend gemacht hätte.
4.2.3.
Angesichts der konkreten Umstände musste dem Beschwerdeführer die Zweiteilung
des Verfahrens und die doppelte Folge einer Verkehrsregelverletzung bewusst sein.
Wenn das erste Verfahren auch einige Jahre zurücklag, waren die Sanktionen
angesichts des Umstandes, dass es sich strafrechtlich um eine schwere
Verkehrsregelverletzung und administrativrechtlich um eine schwere Widerhandlung
gegen die Strassenverkehrsvorschriften gehandelt hatte, einschneidend. Insbesondere
ein dreimonatiger Entzug des Führerausweises wird in Erinnerung bleiben. Dass die
Polizei ein fehlerhaftes Einvernahmeprotokoll führt und insbesondere
4.2.4.
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Rechtsbelehrungen zu Unrecht als erfolgt angibt, erscheint bei einem Routinevorgang,
wie sie die Anhaltung, der Vorhalt des Vorwurfes und die Befragung des Betroffenen
nach Feststellung einer Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit darstellt,
nicht als wahrscheinlich. Vielmehr sind keine Gründe ersichtlich, weshalb die Polizei
beim Beschwerdeführer anders vorgegangen sein sollte als bei anderen Lenkerinnen
und Lenkern. Dass gemäss Protokoll der polizeilichen Einvernahme dem
Beschwerdeführer einzig in allgemeiner Weise die Einleitung eines Vorverfahrens
wegen Geschwindigkeitsüberschreitung vorgehalten und nicht ausdrücklich Art. 90
Abs. 2 SVG genannt wurde, verletzt Art. 158 Abs. 1 Ingress und lit. a StPO nicht. Dies
umso weniger, als danach einzig darauf hinzuweisen ist, welche Straftaten Gegenstand
des Verfahrens bilden, und dem Beschwerdeführer das Ausmass der Überschreitung –
nämlich die rechtlich relevante Geschwindigkeit von 115 km/h bei einer zulässigen
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h – vorgehalten wurde. Dass auf dem Protokoll
nach dem Messergebnis von 119 km/h versehentlich bereits auf der für den
Sicherheitsabzug vorgesehenen Linie die rechtlich relevante Geschwindigkeit
aufgeführt wurde, kann nicht zur Unbeachtlichkeit des Strafbefehls führen und auch
nicht als Anhaltspunkt für eine grobe Verletzung der polizeilichen Pflichten zur
Rechtsbelehrung herangezogen werden. Aus dem Rapport vom 11. August 2017 ist
sodann zu schliessen, dass die Polizei den Beschwerdeführer telefonisch darüber
informierte, dass auch wegen der Missachtung der Auflage im Führerausweis der
Kategorie A Anzeige nicht nur bei der Straf-, sondern auch bei der
Administrativbehörde erfolgen werde.
Der Hinweis, dass der Beschwerdeführer strafrechtlich offensichtlich zu Unrecht wegen
Missachtens der Beschränkung des Führerausweises der Kategorie A auf Motorräder
mit einer Leistung von weniger als 25 kW belangt wurde, trifft zu. Die
Administrativbehörde ist denn auch zu Recht diesbezüglich vom rechtskräftigen
Strafbefehl abgewichen. Daraus kann indessen nicht abgeleitet werden, die
tatsächlichen Feststellungen hinsichtlich der ihm entgegengehaltenen Überschreitung
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit seien ebenfalls fehlerhaft.
4.2.5.
Auch die die eigenständige Würdigung der erhobenen Tatsachen durch die
Administrativbehörde würde zu keinem von den, auch vorliegend verbindlichen,
tatsächlichen Feststellungen der Strafbehörde abweichenden Ergebnis führen. Der
Beschwerdeführer zieht in Zweifel, dass sich die Lasermessung und die damit
zusammenhängenden Beweismittel auf ihn und sein Motorrad beziehen
4.3.
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(Beschwerdeergänzung Ziff. V/15.1, dazu nachfolgend Erwägung 4.3.1). Die Polizisten
seien bei der Messung mutmasslich nicht korrekt vorgegangen, sie sei deshalb
ungültig. Mutmassliche Mängel könnten erst geltend gemacht werden, wenn die
notwendigen Informationen zum verwendeten Gerät und zu den Details der Messung
vorlägen. Weder gegenüber der Polizei noch anlässlich der mündlichen Verhandlung
vor der Vorinstanz habe er die Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung anerkannt
(Beschwerdeergänzung Ziff. V/15.2, nachfolgend Erwägung 4.3.2). Die Vorinstanz – und
nicht der Beschwerdeführer – sei zur Edition der Strafakten verpflichtet und würdige die
angebotenen Beweis unzulässig antizipiert (Beschwerdeergänzung Ziff. V/15.3, dazu
nachfolgend Erwägung 4.3.3).
Zwar trifft zu, dass auf der in den Akten liegenden Kopie der Fotografien nicht
erkennbar ist, ob sie den Beschwerdeführer und dessen Motorrad abbilden. Indessen
ist auf der ersten, Grundlage für den massgeblichen Sachverhalt bildenden Fotografie
mit einer gültigen Messung von 119 km/h eindeutig ein Motorrad auszumachen.
Nachdem der Beschwerdeführer unmittelbar nach der Messung angehalten wurde und
im Beschwerdeverfahren mehrfach geltend macht, es seien wenige andere
Verkehrsteilnehmer unterwegs gewesen, sind die Zweifel des Beschwerdeführers
unbegründet.
4.3.1.
Die Angaben auf der Fotografie sind so detailliert, dass für die Beantwortung der Frage
ihrer Verwertbarkeit kein besonderes Messprotokoll mehr erforderlich erscheint. Die
Hinweise in der Beschwerde auf den zeitlichen Abstand von acht Sekunden zur zweiten
Aufnahme und den Umstand, dass auf der verwerteten Fotografie im Hintergrund auch
noch ein weiteres Fahrzeug erkennbar sei, sowie darauf, dass der Rechtsvertreter den
verwendeten Messgerättyp auf der Website von METAS nicht fand, lässt nicht darauf
schliessen, dass die Messung nicht verwertbar sein sollte. Dass die zweite Aufnahme
nicht verwertbar ist, belegt, dass das Messgerät so eingestellt war, dass nur
Messungen als gültig bezeichnet werden, deren Ergebnisse zuverlässig sind. Inwieweit
für die Verwertung der Messung von Bedeutung sein könnte, ob sie mit einem
Handmessgerät beziehungsweise mobil oder stationär durchgeführt wurde, wird in der
Beschwerde nicht dargelegt. Anzeichen dafür, dass die Messapparatur nicht
ordnungsgemäss funktioniert hätte, sind nicht ersichtlich (vgl. dazu BGer 6B_260/2011
vom 31. Mai 2011 E. 2.4). Die pauschale Vermutung, es könne nicht ausgeschlossen
werden, dass das Messergebnis falsch sei, genügt nicht, um ernsthafte Zweifel an
4.3.2.
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dessen Richtigkeit zu wecken, welche weitere Beweiserhebungen nach sich ziehen
müssten.
Dem Beschwerdeführer als Betroffenem des Strafverfahrens wäre es ohne weiteres
möglich gewesen, die Strafakten bei den Strafbehörden einzuholen und dem
Beschwerdegegner, der Vorinstanz oder dem Verwaltungsgericht einzureichen. Auch
wenn der Sachverhalt grundsätzlich von Amtes wegen erhoben wird, ist insbesondere
das Verwaltungsgericht gemäss Art. 64 und Art. 12 Abs. 2 VRP nur verpflichtet, die von
den Beteiligten angebotenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche
Tatsachen aufzunehmen. Die Begehren um Einholung weiterer Strafakten sind deshalb
abzuweisen.
4.3.3.
Zusammenfassend erweist sich die Rüge, der Sachverhalt stehe für die
Administrativbehörde nicht fest, als unbegründet. Vielmehr ist davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer sein Motorrad am 31. Juli 2017 um 21.27 Uhr auf der
B._strasse auf der Höhe D._ in Richtung C._ bei trockener Fahrbahn, geringem
Verkehrsaufkommen und Dunkelheit mit einer rechtlich relevanten Geschwindigkeit von
115 km/h gelenkt und damit die zulässige Höchstgeschwindigkeit ausserorts von 80
km/h um 35 km/h überschritten hat.
4.4.
Der Beschwerdeführer kritisiert den Schematismus der Rechtsprechung bei der
Beurteilung von Überschreitungen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, der zu einer
Verletzung des Rechtsgleichheitsgebots führe, weil er ungleiche Sachverhalte gleich
behandle. Weder die verursachte Gefährdung (dazu nachfolgend Erwägung 4.6) noch
das Verschulden des Beschwerdeführers (dazu nachfolgend Erwägung 4.7) seien als
schwer zu beurteilen (Beschwerdeergänzung Ziff. V/1 und 2).
4.5.
4.6.
Bei den Vorschriften über die Geschwindigkeit handelt es sich um grundlegende
Verkehrsregeln. Sie sind wesentlich für die Gewährleistung der Sicherheit des
Strassenverkehrs (BGE 121 IV 230 E. 2c, 6B_148/2016 vom 29. November 2016
E. 1.3.2, 6B_817/2011 vom 12. Juni 2012 E. 2.4.1, 6B_171/2010 vom 19. April 2010
E. 3.1). Eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer im Sinn einer groben
Verkehrsregelverletzung nach Art. 90 Ziff. 2 SVG beziehungsweise im Sinn einer
4.6.1.
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schweren Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften nach Art. 16c Abs. 1
Ingress und lit. a SVG ist nach der Rechtsprechung nicht erst bei einer konkreten,
sondern bereits bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung gegeben. Sie setzt die
naheliegende Möglichkeit einer konkreten Gefährdung voraus (BGer 6B_148/2016 vom
29. November 2016 E. 1.4.2 mit Hinweisen auf BGE 142 IV 93 E. 3.1 und 131 IV 133
E. 3.2). Eine erhöhte abstrakte Gefahr wird gemäss der Rechtsprechung ungeachtet
der konkreten Umstände bei einer Überschreitung der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit auf Strassen ausserorts um 30 km/h angenommen (vgl. BGer
6B_449/2011 vom 12. September 2011 E. 3.3 mit Hinweisen auf BGE 124 II 259 E. 2c,
121 IV 230 E. 2c, 131 IV 133 E. 3.2, 130 IV 32 E. 5.1; 1C_263/2011 vom 22. August
2011 E. 2.6).
Es trifft zu, dass das Bundesgericht in einzelnen Entscheiden die schematisierende
Annahme einer objektiv groben Verkehrsregelverletzung beanstandete, wenn die
Vorinstanz sich nicht mit den konkreten Umständen des Einzelfalls auseinandersetzte
(vgl. BGer 6B_95/2017 vom 22. Mai 2017 E. 1.6 [Geschwindigkeitsüberschreitung
innerorts in der Tempo-30-Zone um 22 km/h] mit Hinweisen auf 6B_521/2016 vom
15. September 2016 E. 3, 6B_359/2016 vom 18. August 2016 E. 1.3.2, 6B_1028/2008
vom 16. April 2009 E. 3). Die aus Gründen der Rechtsgleichheit zwingende
Schematisierung entbindet die Entzugsbehörde nicht davon, den Umständen des
Einzelfalls Rechnung zu tragen. Sie hat einerseits zu prüfen, ob besondere Umstände
vorliegen, die die Verkehrsregelverletzung weniger gravierend erscheinen lassen, etwa
wenn der Fahrer aus ernsthaften Gründen annahm, sich noch nicht oder nicht mehr in
einer geschwindigkeitsbegrenzten Zone zu befinden. Anderseits sind die konkreten
Umstände des Einzelfalls bei der Bemessung der Entzugsdauer zu berücksichtigen
(BGer 1C_87/2016 vom 13. Juni 2016 E. 2.1.2, 1C_335/2011 vom 26. Oktober 2011
E. 2.2 mit Hinweis auf die Zusammenfassung der Rechtsprechung in 1C_83/2008 vom
16. Oktober 2008 E. 2).
Hinsichtlich der Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse stellt die Beurteilung durch
Beschwerdegegner und Vorinstanz auf die tatsächlichen Feststellungen im
Polizeirapport ab. Danach war die Fahrbahn trocken, das Verkehrsaufkommen gering
und es war dunkel (act. 11/16 Seite 10). Dass auch der Beschwerdeführer nicht davon
ausgeht, dass er der einzige Verkehrsteilnehmer war, ergibt sich aus seinem
Vorbringen, es sei nicht ausgeschlossen, dass sich die Lasermessung auf ein anderes
Fahrzeug beziehe. Dass die Fahrbahn trocken und damit die Strassenverhältnisse
4.6.2.
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günstig waren, ist unbestritten. Die konkrete Helligkeit ist nicht ausschlaggebend,
zumal die schematische Beurteilung von Überschreitungen der zulässigen
Höchstgeschwindigkeit auch gilt, wenn die Widerhandlung am helllichten Tag
begangen wurde. Insbesondere angesichts des Verlaufs im ländlichen Gebiet war im
Zeitpunkt der Tatbegehung durchaus mit dem überraschenden Auftreten in der
Dämmerung und in der Nacht aktiver Tiere zu rechnen. Die massiv überhöhte
Geschwindigkeit hätte zur Folge haben können, dass der Beschwerdeführer aufgrund
eines Brems- oder Ausweichmanövers die Herrschaft über sein Fahrzeug verloren und
nachfolgende und entgegenkommende Fahrzeuge – mit denen durchaus auch zu
dieser Zeit zu rechnen war – hätte gefährden können. Die Auffassung, mit Blick auf die
vom Beschwerdeführer geltend gemachten konkreten Umstände sei in objektiver
Hinsicht nicht von einer schweren Widerhandlung gegen die
Strassenverkehrsvorschriften auszugehen und vom Schematismus der
Rechtsprechung abzuweichen, erweist sich als unbegründet.
4.7.
Wer die Höchstgeschwindigkeit in derart massiver Weise überschreitet wie der
Beschwerdeführer, handelt in aller Regel vorsätzlich oder zumindest grobfahrlässig. Je
schwerer die Verkehrsregelverletzung objektiv wiegt, desto eher wird
Rücksichtslosigkeit subjektiv zu bejahen sein, sofern keine besonderen Gegenindizien
vorliegen. Solche entlastenden Umstände hat das Bundesgericht bei der Mehrheit der
Geschwindigkeitsüberschreitungen verneint (BGer 6B_817/2011 vom 12. Juni 2012
E. 2.4.2 mit Hinweisen unter anderem auf BGE 123 II 37 E. 1f). Grundsätzlich ist
deshalb von einer objektiv groben Verletzung der Verkehrsregeln durch Überschreiten
der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf ein zumindest grobfahrlässiges Verhalten zu
schliessen. Die Rücksichtslosigkeit ist ausnahmsweise dann zu verneinen, wenn
besondere Umstände vorliegen, die das Verhalten subjektiv in einem milderen Licht
erscheinen lassen (vgl. BGer 6B_33/2015 vom 5. Mai 2015 E. 1.1). Dies wurde
beispielsweise bezüglich eines Fahrzeugführers angenommen, der die während einer
Woche geltende, örtlich begrenzte Geschwindigkeitsreduktion übersehen hatte. Gute
Witterungs-, Strassen- und Verkehrsverhältnisse stellen demgegenüber keine
besonderen Umstände dar, welche die objektiv grobe Verkehrsregelverletzung in
milderem Licht erscheinen lassen (vgl. BGer 6B_50/2013 vom 4. April 2013 E. 1.3 und
1.5 mit Hinweisen auf 6B_104/2012 vom 26. September 2012 E. 2, 6B_283/2011 vom
3. November 2011 E. 1.2 und 1.4, 6B_563/2009 vom 20. November 2009 E. 1.4.2,
6B_109/2008 vom 13. Juni 2008 E. 3.2, 6B_622/2009 vom 23. Oktober 2009 E. 3.5).
4.7.1.
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Mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung sind die Vorbringen des
Beschwerdeführers zu den günstigen Witterungs-, Strassen- und
Verkehrsverhältnissen unbehelflich. Der Beschwerdeführer konnte keineswegs sicher
sein, bei seinem Geschwindigkeitsexzess die Fahrbahn für sich alleine zu haben und
niemanden zu gefährden. Es fällt daher nicht ernsthaft in Betracht, von der
bundesgerichtlichen Praxis abzuweichen (vgl. zu einer ähnlichen Konstellation BGer
1C_335/2011 vom 26. Oktober 2011 E. 2.4).
Die nachträglich konkretisierten Hinweise auf seinen fünfzehneinhalbjährigen Sohn, den
er nicht zuhause habe warten lassen wollen, sind jedenfalls nicht geeignet, das
Verschulden des Beschwerdeführers in einem milderen Licht erscheinen zu lassen.
Zum einen hat er in diesem Zusammenhang verschiedene Gründe – er habe nicht zu
spät zum mit dem Sohn abgemachten Grillabend erscheinen wollen (vgl. act. 11/16 S.
25), der Sohn habe keinen Hausschlüssel gehabt und habe gefroren – vorgebracht, so
dass die Annahme der Vorinstanz, es handle sich insbesondere beim zweiten Grund
um eine Schutzbehauptung, nachvollziehbar erscheint. Zum andern kann in beiden
Gründen kein (Putativ-)Notstand erblickt werden. Ein Putativnotstand liegt vor, wenn
der Täter einem Sachverhaltsirrtum (Art. 13 Abs. 1 StGB) unterliegt, indem er irrtümlich
annimmt, es drohe eine nicht anders abwendbare unmittelbare Gefahr im Sinn von
Art. 17 StGB (vgl. BGer 6B_794/2010 vom 28. Februar 2011 E. 2.7, BGE 93 IV 81).
Handelt der Täter in einer irrigen Vorstellung über den Sachverhalt, so beurteilt das
Gericht die Tat zugunsten des Täters nach dem Sachverhalt, den sich der Täter
vorgestellt hat. Der vermeintlich Angegriffene beziehungsweise Bedrohte muss
allerdings Umstände nachweisen können, die bei ihm den Glauben erwecken konnten,
er befinde sich in einer Notwehr- beziehungsweise Notstandslage (vgl. 6B_569/2018
vom 20. März 2019 E. 3.5.2). Schliesslich darf der strafrechtliche Rechtsgüterschutz
nicht unter pauschaler Berufung auf schutzbedürftige private oder öffentliche
Interessen ausgehöhlt und unterlaufen werden. Die inkriminierte Handlung muss ein
zum Erreichen des angestrebten berechtigten Ziels notwendiges und angemessenes
Mittel darstellen und offenkundig weniger schwer wiegen als die Interessen, die der
Täter zu wahren sucht (vgl. dazu BGE 129 IV 6 E. 3.2 und 3.3).
Der Beschwerdeführer sprach in der vorinstanzlichen Vernehmlassung von einem
"herrlichen Sommertag". Wäre er nun im Zeitpunkt der Kontrolle unter dem subjektiven
Eindruck gestanden, ohne die Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit seinen Sohn
einer ernstlichen Gefahr für seine Gesundheit auszuliefern, hätte er dies zweifellos in
4.7.2.
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5.
der polizeilichen Befragung vorgebracht. Sein Nachtatverhalten liefert jedenfalls keine
Hinweise, dass sich der Beschwerdeführer über den Sachverhalt geirrt hätte. Das erst
nachträglich vorgebrachte Argument, er habe um die Gesundheit seines Sohnes
gefürchtet, darf deshalb als Schutzbehauptung eingestuft werden. Abgesehen davon
hätte dem Beschwerdeführer auch bewusst sein müssen, dass der durch die
Geschwindigkeitsüberschreitung kurz vor dem Fahrtziel allenfalls erzielte Zeitgewinn für
die Gesundheit des Sohnes wohl kaum hätte ausschlaggebend gewesen sein können.
Zusammenfassend erweist sich die Rüge, der Sachverhalt sei vom Beschwerdegegner
und von der Vorinstanz zu Unrecht als schwere Widerhandlung im Sinn von Art. 16c
Abs. 1 Ingress und lit. a SVG beurteilt worden, als unbegründet. Sowohl die vom
Beschwerdeführer verursachte Gefährdung als auch sein Verschulden wiegen schwer.
4.8.
Nach einer schweren Widerhandlung (dazu oben Erwägungen 3 und 4) wird gemäss
Art. 16c Abs. 2 Ingress und lit. c SVG der Lernfahr- oder Führerausweis für mindestens
zwölf Monate entzogen, unter anderem wenn in den vorangegangenen fünf Jahren der
Ausweis einmal wegen einer schweren Widerhandlung entzogen war. Bei der
Festsetzung der Entzugsdauer sind gemäss Art. 16 Abs. 3 SVG die Umstände des
Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die Gefährdung der Verkehrssicherheit, das
Verschulden, der Leumund als Motorfahrzeugführer sowie die berufliche
Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen (Satz 1); die Mindestentzugsdauer darf
jedoch nicht unterschritten werden, ausser wenn die Strafe nach Art. 100 Ziff. 4 dritter
Satz gemildert wurde (Satz 2).
5.1.
5.2.
Bei der Anwendung der Rückfallbestimmung macht der Beschwerdeführer geltend, es
seien die Strafakten zum Vorfall aus dem Jahr 2012 beizuziehen, um die
Ordnungsmässigkeit der Entzugsverfügung vom 28. Juni 2012, insbesondere deren
allfällige Nichtigkeit, prüfen zu können. Dabei geht er vor allem davon aus, der
Strafbefehl sei von einem dafür nicht zuständigen Sachbearbeiter mit
staatsanwaltschaftlichen Befugnissen erlassen worden (Beschwerdeergänzung Ziff. V/
16, dazu nachfolgend Erwägung 5.2.2). Sodann macht er geltend, die Rückfallfrist von
fünf Jahren sei abgelaufen, weil sie mit der polizeilichen Anhaltung am Tag der Tat,
5.2.1.
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eventuell mit der Eröffnung des Administrativmassnahmenverfahrens, subeventuell im
Zeitpunkt der Verfügung beginnen müsse. Sei aber der Tattag für den Beginn der Frist
nicht massgeblich, dürfe er dies auch für die erneute Widerhandlung nicht sein.
Abzustellen wäre auf das Datum der aktuellen Verfügung. Erst dann werde festgestellt,
wie die neuerliche Widerhandlung zu qualifizieren sei (Beschwerdeergänzung Ziff. V/17,
dazu nachfolgend Erwägung 5.2.3).
Auf die Frage, ob der zum Vorfall im Jahr 2012 ergangene Strafbefehl von einem dafür
nicht zuständigen Sachbearbeiter erlassen wurde, ist nicht weiter einzugehen. Selbst
wenn dies der Fall wäre, hätte dies nicht die Nichtigkeit der Entzugsverfügung vom
28. Juni 2012 zur Folge. Wenn die Administrativbehörde eine Massnahme verfügt, setzt
sie nicht einen Strafentscheid um, sondern erlässt eine eigenständige Anordnung,
welche der Überprüfung im ordentlichen Rechtsmittelverfahren zugänglich ist. Die
Verfügung vom 28. Juni 2012 leidet weder an einem schwerwiegenden formellen
Mangel noch ist sie in materieller Hinsicht offenkundig falsch.
5.2.2.
Hinsichtlich der Berechnung der Rückfallfristen in Art. 16b Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2
SVG sind Wortlaut und bundesgerichtliche Rechtsprechung klar. Art. 16c Abs. 2
Ingress und lit. c SVG setzt – wie die vergleichbaren weiteren Regelungen in Art. 16b
Abs. 2 und Art. 16c Abs. 2 SVG – voraus, dass der Führerausweis entzogen "war".
Nach der gefestigten bundesgerichtlichen Rechtsprechung beginnt die Frist mit dem
Ablauf der Dauer des vorangegangenen Ausweisentzugs (BGer 1C_529/2013 vom
17. September 2013 E. 2.2, 1C_452/2011 vom 21. August 2012 E. 3.8, 1C_106/2011
vom 7. Juni 2011 E. 2.3 und 1C_180/2010 vom 22. September 2010 E. 2; vgl. zum
alten Recht BGE 119 Ib 154 E. 2b; zur analogen Situation beim Entzug des
Führerausweises auf Probe BGE 136 II 447 E. 5.2). Auch der seit dem 1. Januar 2005 in
Kraft stehende Art. 16 Abs. 2 Ingress und lit. c SVG setzt eine vollzogene Massnahme
voraus ("entzogen war", BGer 1C_731/2013 vom 10. Dezember 2013 E. 3.4). Bei der
Fünfjahresfrist handelt es sich sodann um eine Bewährungsfrist. Die Massnahme ist
deshalb zu verschärfen, wenn die neuerliche Widerhandlung vor Ablauf von fünf Jahren
begangen wurde. Der Zeitpunkt der Abgabe des Führerausweises wegen der
neuerlichen Widerhandlung ist hingegen nicht massgeblich (vgl. BGer 1C_446/2018
vom 5. Februar 2019 E. 3.4 mit Hinweis auf BGE 141 II 220 E. 3.3.3; vgl. auch BGer
1C_453/2018 vom 22. August 2019 E. 5).
Der Beschwerdeführer bringt nichts vor, was geeignet wäre, diese aktuelle
5.2.3.
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bundesgerichtliche Rechtsprechung ernsthaft in Frage zu stellen. Die Auffassung des
Beschwerdeführers, es sei auf den Zeitpunkt der Entzugsverfügung abzustellen, fände
eine Stütze im Wortlaut der Bestimmung, wenn vorausgesetzt würde, dass der
Führerausweis entzogen "wurde". Mit dem Wortlaut kommt – was auch dem Zweck der
Bestimmung entspricht – zum Ausdruck, dass die Massnahme vollzogen wurde und
die Chance hatte, zu wirken. Dass der Beschwerdeführer mehrere alternative
Berechnungsvorschläge zum Beginn der Frist – Warnungseffekt der polizeilichen
Anhaltung am Tag der Vortat, Tag der Vortat im Sinn einer Parallelität zur
Massgeblichkeit des Zeitpunkts der neuen Widerhandlung, Zeitpunkt der
Entzugsverfügung für die Vortat – macht, macht deutlich, dass ein am Wortlaut
ausgerichtetes und dem Zweck der Bestimmung gerecht werdendes Verständnis einer
uneinheitlichen Rechtsanwendung entgegenwirken kann.
5.3.
Sodann macht der Beschwerdeführer geltend, es sei von einem besonders leichten Fall
im Sinn von Art. 100 Ziff. 1 Abs. 2 SVG beziehungsweise von einem
Strafbefreiungsgrund gemäss Art. 102 Abs. 1 SVG und Art. 52 des Schweizerischen
Strafgesetzbuches (SR 311.0, StGB) auszugehen (Beschwerdeergänzung Ziff. V/18,
dazu nachfolgend Erwägung 5.3.2). Der Beschwerdeführer werde schliesslich von den
Folgen seiner Tat im Sinn von Art. 54 StGB so schwer betroffen, dass ein Entzug des
Führerausweises unangemessen wäre (Beschwerdeergänzung Ziff. V/18, dazu
nachfolgend Erwägung 5.3.3).
5.3.1.
Das Recht der Administrativmassnahmen kennt mit Art. 16a Abs. 4 SVG eine zu der
vom Beschwerdeführer angerufenen strafrechtlichen Bestimmung von Art. 100 Ziff. 1
Abs. 2 SVG parallele Vorschrift (vgl. BGer 1C_597/2017 vom 20. Juni 2018 E. 3).
Danach wird in besonders leichten Fällen auf jegliche Massnahme verzichtet. Ein
solcher Fall liegt vor, wenn die Verletzung von Verkehrsregeln eine besonders geringe
Gefahr für die Sicherheit anderer geschaffen hat und den fehlbaren Fahrzeuglenker nur
ein besonderes leichtes Verschulden trifft. Die Auslegung des "besonders leichten
Falls" kann sich an den Verkehrsregelverletzungen orientieren, die nach dem
Ordnungsbussengesetz erledigt werden und keine Administrativmassnahme nach sich
ziehen (vgl. BGer 1C_608/2017 vom 16. März 2018 E. 3.2.2).
Die vom Beschwerdeführer am 31. Juli 2018 begangene Widerhandlung ist als schwer
5.3.2.
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im Sinn von Art. 16c Abs. 1 Ingress und lit. a SVG zu qualifizieren. Sie wiegt sowohl
hinsichtlich der verursachten Gefährdung noch hinsichtlich des Verschuldens als leicht
(vgl. dazu oben Erwägung 4). Raum, um gestützt auf Art. 16a Abs. 4 SVG auf jegliche
Massnahme zu verzichten, besteht deshalb nicht.
Dass der zwölfmonatige Entzug des Führerausweises den Beschwerdeführer als
selbständig Erwerbenden in der Baubranche empfindlich trifft, ist offenkundig.
Indessen kann die Mindestentzugsdauer selbst dann nicht unterschritten werden, wenn
der Entzug einem Berufsverbot gleichkommt. In Art. 16 Abs. 3 SVG wird einerseits die
berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen, ausdrücklich als
Bemessungskriterium genannt (Satz 1), anderseits aber auch festgehalten, dass diese
Bemessungskriterien nicht zu einer Unterschreitung der gesetzlichen Mindestdauer
führen dürfen (vgl. BGer 6A.29/2003 vom 6. Juni 2003 E. 3.6.1 mit Hinweis auf BBl
2001 S. 6499 ff., S. 6501 f.). Dies gilt nach dem Willen des Gesetzgebers selbst für
Berufschauffeure, denen mit dem Entzug des Führerausweises die Ausübung des
Berufs verboten wird (vgl. BGE 135 II 334 E. 2.2, 138 E. 2.4, 132 II 234 E. 2.3 mit
Hinweisen). Zu den bei der Bemessung der Dauer des Führerausweisentzugs zu
berücksichtigenden Umständen zählt auch die Verletzung des Anspruchs auf
Beurteilung innert angemessener Frist (Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung der
schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV; Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten, SR 0.101, EMRK).
Entsprechend kommt die Unterschreitung der Mindestentzugsdauer wegen Verletzung
dieses Anspruchs nicht mehr in Frage (vgl. BGer 1C_542/2016 vom 15. März 2017
E. 2.6 mit Hinweis auf BGE 135 II 334 E. 2.2, BGer 1C_602/2013 vom 11. Dezember
2013 E.2.3). Die vom Bundesgesetzgeber getroffene Regelung ist für die
rechtsanwendenden Behörden gemäss Art. 190 BV massgebend, selbst wenn sie im
Einzelfall zu einer unverhältnismässigen Einschränkung insbesondere der
Wirtschaftsfreiheit des Betroffenen führen sollte. Ob das Gesetz bei einer eklatanten
Verletzung des Beschleunigungsgebots einen vollständigen Verzicht auf die
Massnahme zulässt, kann offenbleiben, zumal die Dauer des Administrativverfahrens –
eröffnet am 8. Februar 2018 – und der Rechtsmittelverfahren über zwei gerichtliche
Instanzen – abgeschlossen mit dem heutigen Verwaltungsgerichtsentscheid – von
insgesamt etwas mehr als zwei Jahren nicht als unangemessen erscheint und auch
nicht ersichtlich ist, dass der Entzug des Führerausweises etwas mehr als rund
zweieinhalb Jahre nach der am 31. Juli 2017 begangenen Widerhandlung unter den
gegebenen Umständen wegen Zeitablaufs keine erzieherische Wirkung mehr haben
5.3.3.
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6.
Schliesslich beanstandet der Beschwerdeführer mit Hinweis auf den Widerruf der
Vollzugsanordnung durch den Beschwerdegegner und die Verletzung des
Beschleunigungsgebots durch die Vorinstanz die hälftige Auferlegung der amtlichen
Kosten. Art. 95 Abs. 2 VRP verlange eine vollständige Kostentragung durch den Staat
und damit auch eine Entschädigung der ausseramtlichen Kosten des
Beschwerdeführers. Die Kostenverlegung richtet sich bei Streitigkeiten in erster Linie
nach dem Erfolgsprinzip (Art. 95 Abs. 1 VRP). Der Beschwerdeführer ist vor der
Vorinstanz mit seinen Anträgen vollständig unterlegen. Dass die Vorinstanz unter
diesen Umständen die Kosten – auch – nach dem Erfolgsprinzip verlegte, ist nicht zu
beanstanden. Die im Zusammenhang mit der Feststellung der Verletzung des
Beschleunigungsgebots stehenden Kosten hat die Vorinstanz nicht dem
Beschwerdeführer auferlegt. Mit einer hälftigen Kostenverlegung hat sie dem
Verursacherprinzip grosszügig Rechnung getragen und sich jedenfalls nicht ausserhalb
des ihr zustehenden Ermessensspielraums bewegt. Der Kostenspruch der Vorinstanz
ist dementsprechend nicht zu beanstanden.
7.
Zusammenfassend ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens sind die amtlichen Kosten vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 2'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer in der
gleichen Höhe geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen. Ausseramtliche Kosten
sind für das Beschwerdeverfahren nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98
VRP).
könnte (vgl. BGer 1C_542/2016 vom 15. März 2017 E. 2.7 und 2.8 mit Hinweisen unter
anderem auf BGE 135 II 334 E. 2.3; vgl. zu den zeitlichen Anforderungen auch BGer
1C_383/2009 vom 30. März 2010 E. 3.3 und 3.4 mit Hinweisen).
Zusammenfassend erweisen sich die Vorbringen des Beschwerdeführers zur
Bemessung der Entzugsdauer als unbegründet. Die vom Beschwerdegegner
angeordnete und von der Vorinstanz bestätigte Mindestentzugsdauer von zwölf
Monaten ist nicht zu beanstanden.
5.4.
bis
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