# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b5ac43d1-a01f-4e40-be70-fd6ae8015ddf
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der
1981 geborene
X._
war vom
1. März 2009
bis
31. März 2014
als
Tramführer
bei
Y._
tätig.
Am 21. März 2012 meldete er sich unter Hinweis auf epileptische Anfälle und eine S
chulterluxation rechts erstmals
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/3, Urk. 6/
40
).
Mit Verfügungen vom 20. und 21. Februar 2014 (
Urk. 6/54,
Urk. 6/55) wies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Leistungs
begehren ab.
1.2
Am
13. Juni 2018 meldete sich
der zuletzt vom 2.
September 2016
bis 29. August
2018
als Mitarbeiter Sicherheitsdienst
für die
Z._
AG
sowie vom
13. Juli
2016
bis 31
.
August 2018
als Unterhaltsreiniger
für die
A._
AG tätig gewesene
Versicherte unte
r Hinweis auf eine bilaterale
Hippo
campus
skle
rose
mit organischer
Amnesie und Epilepsie erneut z
um Leistungs
bezug an
(Urk. 6/65, Urk. 6/72
, Urk. 6/77
, Urk. 6/86)
.
Die IV-Stelle tätigte erwerb
liche und medizinische Abklärungen
und stellte mit Vorbescheid vom 17. Janu
ar 2019 (Urk. 6/93)
die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Nach erhobenem Einwand vom 14. Februar 2019 (Urk. 6/97) mit ergänzender Begründung vom 20. Februar 2019 (Urk. 6/102) tätigte die Verwaltung weitere medizinische Abklärungen
und veranlasste insbesondere eine
bidisziplinäre
(neurologisch, psy
chiatrisch
[
inklusive neuropsychologisch
]
) Begutachtung durch die
B._
(Expertise vom 12. September 2019; Urk. 6/118).
In der Folge verfügte die IV-Stelle am 21. November 2019 (Urk. 2) im angekündigten Sinne.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
27. Dezember 2019 (Urk. 1)
Beschwerde
und beantragte sinngemäss die Aufhebung der Verfügung vom 21. November 2019 und die Ausrichtung einer halben Invalidenrente sowie eventualiter die Aufhe
bung der Verfügung vom 21. November 2019 und Rückweisung der Sache
zur weiteren Abklärung
an die Beschwerdegegnerin (S. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss am 27. Januar 2020 (Urk. 5) auf Abweisung der Beschwerde, was dem
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 29. Januar 2020 (Urk. 7) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung
über die Invalidenversicherung [
IVV
]
), so ist im Beschwerdever
fahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zu
spre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Än
derung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner
kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachver
halts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom
21. Novem
ber 2019 (Urk. 2) zur Hauptsache, die abschliessenden Abklärungen hätten ergeben, dass sich die gesundheitlichen Beeinträchtigungen seit den letzten Ver
fügungen vom 20. und 21. Februar 2014 nicht wesentlich verändert
hätten
(S. 1). Aus medizinischer Sicht sei festzuhalten, dass im neuropsychologischen Teil des Gutachtens ausdrücklich darauf hingewiesen worden sei, dass die Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung mit denen der Klinik
C._
übereinstim
mten. Die Beurteilung der Gutachter beruhe also auf den gleichen objektiven Befunden, die auch in der Klinik
C._
erhoben worden seien. Damit handle es sich bei der Einschätzung der Klinik
C._
um eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhaltes (S. 2)
. Gestützt auf einen Einkommensvergleich resultiere somit ein
rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von
höchstens
36 %
(S. 3)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 27. Januar 2019 (Urk. 5) wies sie ergänzend darauf hin, dass dem Antrag des Beschwerdeführers, ihm sei der maximal zulässige leidensbedingte Abzug von 25 % zu gewähren, nicht entsprochen werden könne. So sei ihm eine 75%ige Arbeitsfähigkeit bei einer Präsenz von 100 % zumutbar.
2.2
Dagegen wendet der Beschwerdeführer (Urk. 1) im Wesentlichen ein,
dass im Zeitpunkt des Entscheids im Jahr 2014 die Diagnose eines organisch
amnes
ti
schen
Syndroms (ICD-10 F04) nicht bekannt gewesen sei. Seit der Diag
nose
stellung eines organisch
amnestischen
Syndroms (ICD-10 F04) am 25. Juli 2014 in der
Klinik
D._
sei ihm durchgängig von verschiedenen ausgewiesenen
Experten aufgrund der neuropsychologischen Defizite eine deut
lich reduzierte Arbeitsfähigkeit von maximal 50 % attestiert worden (S. 2).
Zu
sammenfassend habe die IV-Stelle durch das gesamte Abklärungsverfahren keine neuen medizinischen Fakten generieren können, welche eine andere Beurteilung der Erwerbsfähigkeit plausibler erscheinen liesse
n
als die bereits bestehenden Einschätzungen der behandelnden Experten (S. 4 f.).
2.3
Zu prüfen ist in erster Linie, ob von einer anspruchserheblichen Veränderung des Gesundheitszustandes auszugehen ist (E
. 1.4
). Massgeblicher
Vergleichszeitpunkt für eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes bilden die leistungs
ablehnenden Verfügungen vom 20. und 21. Februar 2014, welchen umfassende erwerbliche und medizinische Abklärungen zugrunde lagen.
3.
3.1
Die leistungsablehnenden Verfügungen vom
20. u
nd 21. Februar 2014 basierten zur Hauptsache auf nachstehenden medizinischen Unterlagen:
3.1.1
Dr. med.
E._
, Oberär
z
tin
Abteilung Neurologie
Stadtspital
F._
, hielt in ihrem Bericht vom
20. Juni 2012 (Urk. 6/28/13-15
)
die Hauptdiagnosen einer symptomatischen Epilepsie mit bi
sh
er zwei generalisierten tonisch-klonischen Anfällen (27. Januar und 14. Februar 2012;
ICD-G40.2
),
eines Status nach
post
e
riorer
Schulterluxation rechts, differenzialdiagnostisch
ausgelöst durch
einen
generalisierten epileptischen Anfall, von Schulterschmerzen links und einer link
s
lateralen Diskushernie Halswirbelkörper (HWK) 4/5, einer links
mediolateralen
Diskushernie HWK 3/4 mit Obliteration des linken
Foramen
intervertebrale HWK
4/5 und Affektion der Nervenwurzel C5 links sowie geringer Einengung der
Foramen
intervertebrale HWK 3/4 links ohne Kontakt zur Nervenwurzel C4 links fest (S. 1).
In der nachgehenden Beurteilung vom 7. November 2012 (Urk. 6/28/19-21) führ
t
e
sie aus, unter antiepileptischer Therapie mit 1500 mg
Levetiracetam
bestehe seit dem letzten Anfallsereignis am 14. Februar 2012 stabile Anfallsfreiheit. Auffällig sei
en
jedoch weiterhin die Wesensveränderung des Beschwerdeführers mit nach
haltig depressiver Verstimmun
g, Zukunftsängsten sowie die von
ihm
beschrie
bene Störung mnestischer Funktionen, die offenbar auch in den Testungser
geb
nissen am Institut
G._
Nieders
chlag gefunden hätten. Leider lie
ge hierzu kein Bericht vor. Die vorliegenden psychiatrischen und neu
ropsychologischen Befunde könnten einerseits Symptome der Temporallappen
epilepsie sein, andererseits jedoch auch als unerwünschte psychotrope Wirkung unter der Medikation mit
Keppra
verstanden werden. Vor den Anfallsereignissen im letzten
Jahr hätten diese Störungen noch nicht bestanden.
Zudem werde der
Beschwerdeführer
nochmals zu
einer MRI-Kontrolle angemeldet
, einerseits um den links
mesiotemporalen
Befund im Verlauf zu beurteilen und andererseits um eine recht
s
temporale Pathologie auszuschliessen, da sich in der heutigen
Elektro
enzephalografie
(EEG) diskrete Herdhinweise für die rechte Temporalregion ge
zeigt hätten. Schliesslich bestehe immer noch die Verdachts-Differenzialdiagnose einer l
imbischen Encephalitis (S. 2).
3.1.2
Unter Verweis auf den Bericht des Vertrauensarztes der Pensionskasse des
B
e
schwerdeführers vom
13. April 2012 (Urk. 6/11) hielt der Regional
e
Ärztliche Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin zuhanden des Feststellungblattes für den Beschluss vom 9. Dezember 2013 (Urk. 6/44) fest, in der Zusammenschau ergebe sich folgender Sachverhalt:
Als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit bestünden
Schulterschmerzen links
, ein Status nach
posteriorer
Schulter
lux
ation rechts
, eine
s
ymptomatische Epilepsie
sowie eine linkslaterale Dis
kushernie C4/5 und eine
medio-linkslaterale Dis
k
ushernie C3/
4.
Durch die Epi
lepsie bestehe eine Einschränkung in Bezug auf die bisherige Tätigkeit als Tram
chauffeur. Das Belastungsprofil beschrieb er wie
folgt: eine leichte Tätigkeit
, sitzend oder wechselbelastend, keine häufigen Überkopfarbeiten, keine Tätigkeiten mit Ab
sturzgefahr, keine Tätigkeiten auf Leitern, Gerüsten und keine Tätigkeiten mit erhöhter Verletzungsgefahr. Seit Januar 2012 bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit als Tramchauffeur (symptomatische Epilepsie). Seit April 2012 bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (vertrauensärztlicher Be
richt; S. 5).
3.2.
Dem Gericht liegen zur Beurteilung dessen, wie sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bis zum 21. November 2019 (Verfügungserlass) entwickelte, unter anderem folgende medizinischen Unterlagen vor:
3.2.1
Gemäss
dem definitiven Austrittsbericht der Klinik
C._
vom 25. August 2014 (Urk. 3/11), wo der Beschwerdeführer vom 21.
b
is 25. Juli 2014 hospitalisiert war,
stell
ten die behandelnden Spezialisten als Hauptdiagnose eine Epilepsie mit zwei generalisiert tonisch-klonischen Anfällen am 27. Januar und 14. Februar 2012 bei kernspintomographischen Zeichen einer
Hippocampussklerose
beidseits sowie als Nebendiagnosen ein
amnestisches
Syndrom (ICD-10 F04) bei beidseitiger
Hippocampussklerose
als organisches Korrelat und einen Vitamin-D3-Mangel (S. 1). Beim
Beschwerdeführer
bestehe
eine Epilepsie mit Status nach zwei gene
ralisierten tonisch-klonischen Anfällen im Januar und Februar 2012 mit kern
spintomographischen Zeichen einer
Hippocampussklerose
beidseits.
Im
Langzeit-
EEG
über 47 Stunden hätten keine epileptischen Potenziale, Aktivitäten oder
Anfallsmuster registriert werden können. Ein Anfallsereignis sei nicht aufge
treten. Die drei MRI-Befunde aus dem Jahr 2012 mit zunächst grössenkonstanter diskreter Volumenvermehrung und FLAIR-Hyperintensität der linken Amygdala und im Verlauf Februar 2014 Vorliegen einer beidseitigen
Hippocampussklerose
mit deutlicher Atrophie mit Signalanhebung in T2 und FLAIR mit Beein
träch
ti
gung der
hippocampalen
Binnenstruktur liessen einen Status nach limbischer Enzephalitis vermuten (S. 2).
3.2.2
Anlässlich der
neuropsychologischen Abklärung vom 13. Februar 2018 im
Zentrum
H._
führten die medizinischen Fachpersonen in ihrem Be
richt vom 20. Februar 2018 (Urk. 6/87/4-7) aus, die mittelschwer bis schwer beein
trächtigte Kognition manifestiere sich spezifisch im Bereich des Gedächt
nisses. Sowohl verbal als auch figural zeigten sich schwere Defizite in der lang
fristigen Abrufleistung und
Rekognitionsleistung
gefolgt von leichten bis mittel
schweren Beeinträchtigungen in der kurzfristigen Abrufleistung sowie leicht unterdurchschnittlichen Resultaten in der Lernleistung. Im Übrigen lägen die Ergebnisse des
Beschwerdeführer
s im durchschnittlichen Bereich
,
abgesehen von einer leich
t
erhöhten Fehlerrate in der geteilten Aufmerksamkeit un
d
einer leicht verminderten Wortflüssigkeit sowie verbalen Interferenzkontrolle, welche sich jedoch auf den fremdsprachigen Hintergrund des
Beschwerdeführer
s zurück
führen la
sse.
D
ie vom Beschwerdeführer und seinem Umfeld wahrgenommenen Gedächtnislücken liessen sich mit der neuropsychologischen Testung
objekti
vieren und entsprächen der Diagnose eines organisch
amnestischen
Syndroms im Zusammenhang mit einer beidseitigen
Hippocampussklerose
(S. 3).
3.2.3
Die
explorierenden Fachärzte der
B._
diagnostizierten im Gutachten
vom 12. September 2019 (Urk. 6/118)
mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6):
-
Symptomatische Epilepsie mit bisher drei generalisierten tonisch-klonischen Anfällen und beidseitiger
Hippocampussklerose
-
Neuropsychologische Funktionsstörung in einer Ausprägung von «leicht bis mittelgradig» bis «mittelgradig» im Sinne einer
interiktalen
Persön
lichkeitsstörung (ICD-10 F
07.0)
-
Anapassungsstörung (ICD-10 F41.2)
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) diagnostizierten sie eine links laterale Diskushernie
HWK
4/5, eine medio linkslaterale Diskus
hernie HWK
3/4
mit Obliteration des linken
Foramen
intervertebrale HWK
3/4
links ohne Kontakt zur Nervenwurzel C4 links.
Sie hielten fest, aus neurologischer Sicht bestehe beim
Beschwerdeführer
eine epileptische Erkrankung, die allerdings medikamentös sehr gut eingestellt sei.
Anfallsereignisse
unter laufender
Medikation seien nicht beschr
ieben. Seine Tätig
keit als Tram
fahrer könne der
Beschwerdeführer
dauerhaft nicht mehr aus
führen, in einer Verweistätigkeit sei er allerdings uneingeschränkt einsetzbar
(S. 6)
.
Aus psychiatrischer Sicht könne festgehalten werden, dass b
e
im
Beschwerde
führer
als Folge seiner Epilepsie eine organische Persönlichkeitsstörung
und eine Anpassungsstörung vorlä
gen. Hieraus ergebe sich eine leichte bis mittelgradige neuropsychologische Störung. Beide Erkrankungen und ihre Folgen führten dazu
, dass der
Beschwerdeführer
nicht mehr als Tram
fahrer eingesetzt werden könne. In einer Verweistätigkeit sei die Arbeitsfähigkeit um 25 % eingeschränkt (S. 6).
Zum zeitlichen Verlauf führten sie aus, dass im Jahr 2012 die Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführer
s um 50 % eingeschränkt gewesen sein dürfte, bis die Epi
lepsie zufriedenstellend eingestellt gewesen sei. Nach dem dritten Anfall könne von einer Arbeitsunfähigkeit für die Dauer einer Woche ausgegangen werden. Darüber hinaus gehende Einschränkungen seien nicht feststellbar. Formal sei die Arbeitsfähigkeit während der Aufenthalte im Krankenhaus aufgehoben gewesen (S. 8).
Präzisierend wiesen sie darauf hin, dass
sich
die Aufhebung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Tramfahrer aus beiden Fachgebieten ergebe, die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der Verweistätigkeit lediglich aus dem ps
ychiatrischen Fachgebiet (S. 8).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer
macht geltend
, dass der Invalidenversicherung gemäss Aktenlage zum Zeitpunkt des Entscheids im Jahr 2014 die Diagnose eines orga
nischen
amnestischen
Syndroms (ICD-10 F04) nicht bekannt gewesen sei (Urk. 1 S. 2; vgl. auch Stellungnahme zum Vorbescheid vom 13. Februar 2019 [Urk. 6/99 S. 1]).
4.2
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass am 19. Februar 2014 ein hoch
auflösendes kraniales MRT erstellt wurde. Die nachträgliche
morphometrische
Bearbeitung der Daten zeigte beidseits die kernspintomographischen Zeichen einer
Hippocampussklerose
, mit deutlicher Atrophie, Signalerhebung in T2 und FLAIR und Beeinträchtigung der
hippocampalen
Binnenstruktur. Die beidseitige Atrophie bestätige sich in der volumetrischen MRI-Analyse, die Signalerhebung in der quantitativen FLAIR-Analyse. In den Voraufnahmen aus dem Jahr 2012
sei retrospektiv die FLAIR-Signalanhebung zu erkennen, allerdings weniger deut
lich als in den Aufnahmen vom 19. Februar 2014, die qualitativ besser seien (Urk. 3/10 S. 2). Am 25. August 2014 wurde im Austrittsbericht der Klinik
C._
als Nebendiagnose erstmals ein
amnestisches
Syndrom (ICD-10: F04) bei beid
seitiger
Hippocampussklerose
als organischem Korrelat genannt (Urk. 3/11, vgl. E. 3.2.1).
4.3
Es ist dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass die Akten darauf schliessen lassen, dass der Beschwerdegegnerin bei Verfügungserlass die Diag
nose des
amnestischen
Syndroms bei beidseitiger
Hippocampussklerose
nicht be
kannt war. Entgegen seiner Ansicht lässt dieser Umstand indes nicht auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes schliessen. Vielmehr belegen die auf
gelegten Berichte, dass die
Hippocampussklerose
bereits im Zeitpunkt des Ver
fügungserlasses am 21. Februar 2014 vorlag. Auch die daraus resultierenden Einschränkungen bestanden bereits im Verfügungszeitpunkt. Dies geht nicht nur aus den medizinischen Berichten, sondern auch aus den Schilderungen des Be
schwerdeführers hervor. So hatte dieser von Gedächtnisproblemen seit dem ersten Anfall berichtet. Er müsse sich alle Termine unbedingt aufschreiben, da er sie
sonst vergesse (Urk. 6/28/19-21 S. 1, bestätigt in Urk. 3/12 S. 2 und Urk. 6/87/4-7
S. 1). Anhaltspunkte dafür, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers seit Februar 2014 wesentlich veränderte, liegen nicht vor. So wurden in der neuropsychologischen Testung vom 20. Februar 2018 (Urk. 3/8) im Wesent
lichen die gleichen Befunde erhoben wie in derjenigen vom 24. Juli
2014 (Urk. 3/12), wiederum mit Hinweis auf die beidseitige
Hippocampussklerose
als organischem Korrelat, die am 19. Februar 2014 und damit vor Verfügungserlass, bildgebend dargestellt werden konnte.
4.4
Gemäss Aktenlage ist somit überwiegend wahrscheinlich erstellt, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit Erlass der leistungsabweisenden Verfügungen vom Februar 2014 nicht wesentlich veränderte, weshalb die ange
fochtene Verfügung im Resultat nicht zu beanstanden ist. Daran ändert nichts, dass der Beschwerdegegnerin zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt
war
, dass der Beschwerdeführer unter einer beidseitigen
Hippocampussklerose
litt. Zum einen ist für die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit nicht die Diagnose als solche, so
n
dern deren konkrete funktionelle
Auswirkungen auf das Leistungsvermögen der betroffenen Person entscheidend (Urteil des Bundesgerichts 9C_851/2018 vom 23. Mai 2019 E. 4.1.4 mit Hinweisen). Da der Beschwerdeführer schon seit seinem ersten epileptischen Anfall über Gedächtnisprobleme berichtete, wurden diese Einschränkungen berücksichtigt. Zum anderen wäre es dem Beschwerdeführer offen gestanden, eine prozessuale Revision oder Wiedererwägung im Sinne von
Art. 53 ATSG zu verlangen, als die Diagnose des
amnestischen
Syndroms mit
beidseitiger
Hippocampussklerose
gestellt wurde. Bei einer Neuanmeldung müssen
Veränderungen der tatsächlichen Verhältnisse ausgewiesen sein, was vorliegend gerade nicht der Fall ist, da die geltend gemachten Einschränkungen seit dem ersten epileptischen Anfall am 27. Januar 2012 konstant vorhanden sind.
5.
5.1
Selbst
wenn jedoch eine massgebliche Änderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers zu konstatieren wäre, würde dies keinen Leistung
s
anspruch begründen.
Namentlich basiert das
B._
-Gutachten vom 12. September 2019 (
E. 3.2.3
)
auf den notwendigen Untersuchungen
und erweist sich somit als
für d
ie strittigen Belange umfassend
. Die Gutachter setzten sich detailliert mit
den vom Beschwerdeführer geklag
ten Beschwerden auseinander (
Urk.
6/118/1-48 S. 23 f., 35
f., Urk. 6/118/49-64 S. 6)
und nahmen ihre Beurteilung in Kenntnis der wes
entlichen
Vorakten
vor
(
Urk.
6/118/1-48 S. 3 f., 11 ff., Urk. 6/118/49-64 S. 1 ff.)
. Die medizinischen Zusammenhänge wurden einleuchtend dargelegt und die Schluss
folgerungen überzeugen. Das Gut
achten der
B._
entspricht somit den praxisgemässen Anforderungen an
den Beweiswert einer Expertise (
BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c
)
.
5.2
Soweit sich der Beschwerdeführer auf die Arbeitsfähigkeitsschätzung der behan
delnden Ärzte beruft (maximal 50 %; Urk. 6/87/1-3 S. 3), ist darauf hinzuweisen, dass die Inhärenz eines Ermessensspielraum
s
bei Arbeitsunfähigkeitsschätzungen in der Natur der Sache liegt
(Urteil des Bundesgerichts 9C_28/2019 vom 1
8.
Juni 2019 E. 4.1)
.
Objektive und unberücksichtigte Anhaltspunkt
e, welche ein Abwei
chen von d
er Schätzung
der
B._
-Gutachter
als zwingend erscheinen liessen, vermag
der
Beschwerdeführer
nicht darzutun, zumal die gutachterliche Schät
zung in ausdrücklicher Nachachtung der Befundung durch die Behandler und der
daraus abzuleitenden
Einschränkungen erfolgte (Urk. 6/118/1-48 S. 40 f.).
Zudem
sprechen anderslautende Einschätzungen der behandelnden Ärzte nicht von vorn
herein gegen die Beweiskraft eines Gutachtens, zumal in diesem Zusammenhang stets auch die Divergenz zwischen medizinischem Behandlungs- und Begutach
tungsauftrag zu beachten ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_417/2019 vom
2
9.
Oktober 2019
E. 4.3 mit Hinweisen).
5.3
Nach dem Gesagten wäre im Sinne des
B._
-Gutachtens somit von
einer
Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit in einer
Verweistätigkeit
von 25 % auszugehen.
Der Beschwerdeführer war im Zeitpunkt seiner Erkrankung als Tramführer tätig. Es ist davon auszugehen, dass er bei guter Gesundheit weiterhin bei
Y._
angestellt wäre. Gestützt auf deren Angaben hätte er 2013 bei einer 100 %-Anstellung einen Monatslohn von
Fr.
5'518.-- (zzgl. Anteil 13. Monatslohn) erzielt (Urk. 6/40
)
, was hochgerechnet auf den Zeitpunkt des
frühestmöglichen Rentenbeginns im Jahr 2018 (vgl. Indices 2013: 2204 und 2018
: 2260, Entwicklung der Nominallöhne, Bundesamt für Statistik, T39, Männer) einem Jahreseinkommen von
Fr.
73'556.65 entsprochen hätte.
5.4
Das Invalideneinkommen wäre gestützt auf die Tabellenlöhne gemäss den vom
Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE
) 2016 festzulegen. Der monatliche Bruttolohn (Zentralwert) für Männer in einfachen und repetitiven Tätigkeiten (T1, Total, Kompetenzniveau 1) beläuft sich
auf Fr. 5'389.--. Dies ergäbe unter Berücksichtigung einer betriebsüblichen durc
h
schnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden
(Bundesamt für
Statis
tik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, T. 03.02.03
.01.04.01),
aufgerechnet auf das Jahr 2018 (vgl. Indices 2016: 2239 und 2018: 2260, Ent
wicklung der Nominallöhne, a.a.O.) bei der gutachterlich festgestellten 75%igen Arbeitsfähigkeit ein Jahreseinkommen von Fr. 51'036.55.
Umstände, welche einen leidensbedingten Abzug rechtf
ertigen würden, sind nicht ersichtlich
.
5.5
Aus dem Vergleich des Validen- mit dem Invalideneinkommen ergibt sich ein
rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 31 %.
Bei diesem Ergebnis wäre aus Gründen der Verhältnismässigkeit denn auch auf die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens bei psychischen Leiden nach BGE 143 V 148 zu verzichten, da ein solches lediglich die gutachterlich postulierte Arbeitsun
fähig
keit von 25 % zu bestätigen vermöchte.
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass für den Zeitraum zwischen den leistungs
ablehnenden Verfügungen vom 2
0.
und 21. Februar 2014
und der angefochtenen Verfügung vom 21. November 2019 nicht auf eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit Auswirkung auf die erwerbliche Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers beziehungsweise auf das Vorliegen eines invalidenver
sicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschadens geschlossen werden kann.
D
ies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang de
s Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen.