# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 71649242-121a-4700-a4f9-5785dfb8e228
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Dem
2009
geborenen
X._
wurden
mit Mitteilung vom
9.
Oktober 2012
durch die Invalidenversicherung medizinische Massnahmen zur Behand
lung
des
Geburtsgebrechen
s
gemäss Ziffer 387 (Epilepsie)
des Anhangs zur Verordnung über
Geburtsgebrechen
(
GgV
)
bis zum 3
1.
Mai 20217
gewährt (Urk. 7/6
).
1.2
Am 27. September 2019 erlitt
X._
als Fahrradfahrer infolge einer Kollision mit einem Personenwagen ein schweres Schädelhirntrauma. Nach Abschluss der Spitalbehan
dlung im Spital A._
vom 28. September bis 10. Oktober 2019 wurde der Versicherte zur stationären Rehabilitation ins Rehabilitations
zentrum B._ des Spitals C._
zugewiesen (Urk. 7/15).
Mit Schreiben vom 16. Dezember 2019
ersuchte
der Krankenversicherer des Versicherten, die SWICA Krankenversicherung AG (nachfolgend: SWICA)
, die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, aufgrund erbrachter Vorleistungen gemäss Art. 70 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) um Kostenübernahme des erfolgten Rehabili
tationsaufenthaltes (Urk. 7/16
, unter Beilage des vom Rehabilitationszentrums
B._
an sie gerichteten Gesuchs um Verlängerung der Kostengut
sprache vom 28. Oktober 2019, Urk. 7/15
).
Am 28. Februar 2020 (Eingangs
datum) wurde
X._
durch
die
Eltern Y._ und Z._
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
(medizinische Massnah
men und Massnahmen für die berufliche Eingliederung nach Art. 12 des Bundes
gesetztes über die Invalidenversicherung (IVG)
angemeldet
(
Urk.
7/17)
.
In der Folge holte die IV-Stelle Arztberichte und Unterlagen über den Unfallhergang ein (Urk. 7/21). Mit Mitteilungen vom 15. Juli 2020 übernahm die IV-Stelle die Kosten für ambulante Physiotherapie und ambulante Ergotherapie vom 18. März 2020 bis 31. März 2022 (Urk. 7/23-24). Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk. 7/25 und Urk. 7/28) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. Dezember 2020 die Kostenübernahme
für den
station
ären Rehabilitationsauf
enthalt
ab (Urk. 7/39 = Urk
. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 28. Dezember 2020 (Urk. 2) erhob die SWICA mit Eingabe vom 28. Januar 2021 Beschwerde und beantragte, die IV-Stelle sei zu verpflichten, die Kosten des stationären Aufenthaltes im Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche in
B._
vom 10. Oktober 2019 bis 17. März 2020 zu übernehmen (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss
mit Eingabe vom
3.
März 2021
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 7/1-48).
Mit Verfügung vom
10. März 2021
wurde ein zweiter Schr
iftenwechsel angeordnet (Urk. 8
), woraufhin am
22. April
2
021 die Replik
erfolgte
(Urk. 10)
. Die Beschwerdegegnerin
verzichtete auf Duplik (Urk. 12). Mit Verfügung vom 1. Oktober 2021 wurde der gesetzlich durch seine Eltern vertretene Versicherte zum Prozess beigeladen (Urk. 13). Am
8. November 2021 erstattete der Beigeladene seine Stellungnahme
und beantragte, die Kosten des stationären Aufenthaltes seien ab dem 1. November 2019 eventuell ab dem 6. Januar 2020 von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen
(Urk. 20)
.
Diese Stellungnahme wurde
der Beschwerdeführerin und der Beschwerdegegnerin am 5. Januar 2022 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 23
)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien
und die eingereichten Unterlagen
wird -
soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis
31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Gemäss Ar
t. 12 Abs. 1 IVG
haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Als medizi
nische Massnahmen im Sinne von Art. 12 IVG gelten nach Art. 2 Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) namentlich chirurgische, physiotherapeutische und psychotherapeutische Vorkehren, die eine als Folge
zustand eines Geburtsgebrechens, einer Krankheit oder eines Unfalls eingetretene Beeinträchtigung der Körperbewegung, der Sinneswahrnehmung oder der Kontaktfähigkeit zu beheben oder zu mildern trachten, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesent
lich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Die Massnahmen müssen nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sein und den Eingliederungserfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben.
Der Eingliederungserfolg ist bei jüngeren Versicherten als dauernd zu betrachten, wenn er wahrscheinlich während eines bedeutenden Teils der konkreten Aktivi
tätserwartung, welche ihrerseits nicht wesentlich herabgesetzt sein darf, erhalten bleiben wird. Bestehen Nebenbefunde, welche geeignet sind, die Aktivitätserwar
tung trotz der medizinischen Massnahme wesentlich herabzusetzen, ist die Dauerhaftigkeit des Eingliederungserfolges zu verneinen (Urteil des Bundes
gerichts 9C_695/2009 vom 1. Dezember 2009 E. 2.1). Ob der Eingliederungserfolg dauerhaft sein wird, ist prognostisch zu beurteilen. Massgebend ist der medizi
nische Sachverhalt vor Durchführung der Massnahme in seiner Gesamtheit. Die erforderliche Prognose bei einem Kind muss zwei Aussagen enthalten: Zunächst muss erstellt sein, dass ohne die vorbeugende Behandlung in naher Zukunft mit Wahrscheinlichkeit eine bleibende Beeinträchtigung eintreten würde; zugleich muss erstellt sein, dass durch die Behandlung ein stabiler Zustand herbeigeführt werden kann, in welchem vergleichsweise erheblich verbesserte Voraussetzungen für die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit bestehen (Urteile des Bundes
gerichts 9C_677/2017 vom 8. Juni 2018 E. 2.2 und 8C_632/2017 vom 6. März 2018 E. 5.3.1; Silvia Bucher, Eingliederungsrecht der Invalidenversicherung, Bern 2011, S. 155
Rz
. 245).
1.3
Nach der Rechtsprechung hat die Invalidenversicherung nicht nur medizinische Massnahmen zu übernehmen, die unmittelbar auf die Beseitigung oder Korrek
tur stabiler Defektzustände oder Funktionsausfälle gerichtet sind, sondern auch solche, die bei einstweilen noch labilem Leidenscharakter einen die berufliche Ausbildung oder die künftige Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden Defektzustand vorbeugen. Dies ist der Fall, wenn ohne die betreffende Vorkehr in absehbarer Zeit eine Heilung mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand einträte, wodurch die Berufsbildung oder die Erwerbsfähigkeit oder beide beeinträchtigt würden (Urteil des Bundesgerichts 9C_393/2012 vom 20. August 2012 E. 3 mit Hinweisen). Die entsprechenden Kosten werden bei Minderjährigen also von der Invalidenversicherung getragen, wenn das Leiden mit hinreichender Wahrschein
lichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die spätere Ausbildung und Erwerbs
fähigkeit erheblich behindernden stabilen pathologischen Zustand führen würde (BGE 131 V 9 E. 4.2 mit Hinweisen).
1.
4
Art. 12 IVG strebt insbesondere eine Abgrenzung zwischen dem Geltungsbereich der Invalidenversicherung und dem der Krankenversicherung und der Unfallver
sicherung an. Grundsätzlich erfolgt die Behandlung der Unfallfolgen unabhängig von der Dauer der unfallbedingten Gesundheitsbeeinträchtigung zunächst im Bereich der Unfallversicherung (BGE 140 V 246 E. 7.5.1; Urteil des Bundes
gerichts 8C_648/2010 vom 12. Januar 2011 E. 2.3). Gemäss Art. 2 Abs. 4 IVV gilt die Behandlung von (unfallbedingten) Verletzungen denn auch nicht als medizi
nische Massnahme im Sinne von Art. 12 IVG. Stabile – oder relativ stabilisierte – unfallbedingte Defekte können hingegen Anlass zu Eingliederungs
massnahmen nach Art. 12 IVG geben, sofern kein enger sachlicher und zeitlicher Zusammenhang mit den primären Unfallfolgen besteht (Urteile des Bundes
gerichts 9C_748/2012 vom 12. April 2013 E. 2.1 und U 91/02 vom 21. Oktober 2003 E. 3.2; ferner BGE 102 V 69 E. 1). Gemäss der Rechtsprechung ist ein enger sachlicher Zusammenhang mit den primären Unfallfolgen gegeben, wenn die medizinische Vorkehr mit der Unfallbehandlung einen einheitlichen Komplex bildet, wobei für die Beurteilung ausschliesslich der Zeitpunkt der Entstehung des Defektes und nicht der Zeitpunkt der Diagnosestellung oder der Durchführung der Massnahme ausschlaggebend ist. Eine Massnahme, die schon während der Unfallbehandlung als voraussichtlich notwendig erkennbar war, ist keine Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung (BGE 140 V 246 E. 7.5.1 und 114 V 18 E. 1b). Wenn ein enger und sachlicher Zusammenhang mit den Unfallfolgen besteht, fällt die Leistungspflicht der Invalidenversicherung daher ausser Betracht (Urteil des Bundesgerichts 9C_748/2012 vom 12. April 2013 E. 2.2). Der zeitliche Zusammenhang mit der Unfallbehandlung wird von
der Rechtsprechung als unterbrochen betrachtet, wenn der Defekt ohne Behand
lung länger, das heisst in der Regel während 360 Tagen stabil war und die versicherte Person im Rahmen der noch vorhandenen Arbeitsfähigkeit tätig sein konnte, wobei die massgebende Zeitspanne für die Beurteilung des zeitlichen Zusammenhanges mit dem Eintritt des stabilen Defektzustandes nach Abschluss der primären Unfallbehandlung beginnt und zum Zeitpunkt der erstmaligen Indikation der neuen Behandlungsvorkehr endet (Urteil des Bundesgerichts 9C_748/2012 vom 12. April 2013 E. 2.3.1; ferner BGE 114 V 18).
1.5
In einem Entscheid aus dem Jahre 2013 betreffend ein unter einem unfallbeding
ten
Hemisyndrom
nach Schädel-Hirntrauma leidendes versichertes Kind (Urteil 9C_748/2012 vom 12. April 2013) erwog das Bundesgericht, dass eine Zeitspanne zwischen dem Unfallereignis und dem Beginn eines stationären Rehabilitations
aufenthaltes von rund zehn Wochen Dauer den engen zeitlichen Zusammenhang zwischen der elf Tage nach dem Unfall begonnenen Frührehabilitation und dem anschliessenden stationären Rehabilitationsaufenthalt nicht in Frage zu stellen vermöge und dass von einem längere Zeit ohne Behandlung stabilen Defekt, welcher den zeitlichen Zusammenhang mit der Unfallbehandlung allenfalls zu unterbrechen vermöchte, bei einer Zeitspanne von zehn Wochen keine Rede sein könne (E. 4.2). Der stationäre Rehabilitationsaufenthalt habe vielmehr in einem hinreichend engen zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit den Unfallfol
gen gestanden. Auch aus dem Umstand, dass die behandelnden Ärzte nebst der Ergotherapie auch die Weiterführung von Logopädie und der heilpädagogischen Frühförderung empfohlen hätten, liesse nicht darauf schliessen, dass die anläss
lich des fraglichen stationären Rehabilitationsaufenthaltes durchgeführten Therapien nicht mehr hauptsächlich die Unfallfolgen betroffen hätten. Sodann gelte es zu berücksichtigen, dass die Unfallbehandlung im Rechtssinn unvollstän
dig sei, wenn sich an die unfallmedizinische Akutversorgung nicht eine ebenso intensive Rehabilitation anschliessen würde, zumal aus medizinischer Sicht ausser Zweifel stehe, dass Schädel-
Hirntraumatiker
nicht nur auf der Intensiv
station versorgt, sondern auch rehabilitativ betreut werden müssten, was grund
sätzlich Sache des Unfallversicherers sei (E. 4.4 mit Hinweis auf BGE 114 V 18 E. 2b).
1.6
Gemäss Art. 2 Abs. 2 IVV sind medizinische Massnahmen bei Lähmungen und andern motorischen Funktionsausfällen von dem Zeitpunkt an zu gewähren, in dem nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft im Allgemeinen die
Behandlung des ursächlichen Gesundheitsschadens als abgeschlossen gilt
oder untergeordnete Bedeutung erlangt hat. Laut der Verwaltungspraxis zur Kostenübernahme bei Behandlung von Lähmungen nach Hirnverletzungen und
Erkrankungen des Gehirns oder des Rückenmarks (Kreisschreiben
des BSV
über die medizinischen Eingl
iederungsmassnahmen,
KSME, Fassung ab 1. Ja
nuar 2016,
Rz
655-657/855-857.1)
sind bei Lähmungen nach Hirnverletzungen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung gerechtfertigt, sobald die Behandlung des Grundleidens abgeschlossen oder nur noch nebensächlich geworden ist und der Allgemeinzustand eine Eingliederung erlaubt, was frühes
tens sechs Wochen nach Wiedererlangen des vollen Bewusstseins beurteilt werden kann; vorher sind Massn
ahmen der Invalidenversicherung
ausgeschlos
sen. Eingliederungsmassnahmen können frühestens vier Wochen nach Erlangen des vollen Bewusstseins zugesprochen werden.
1.7
Verwaltungsweisungen, wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben, richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzes
anwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte den Anspruch auf Übernahme der Kosten für
den Rehabilitationsaufenthalt im Wesentlichen damit, dass die Behandlung von Unfallfolgen grundsätzlich ohne Rücksicht auf die Dauer des Leidens in das Gebiet der Unfallversicherung gehöre, sofern die Rehhabilitationsmassnahmen nach einem Schädelhirntrauma in einem engen zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit den Unfallfolgen ständen.
Solange Lähmungen
regredient
seien, liege eine Leidensbehandlung vor. Ein stabiler Zustand sei nur knapp zwei Wochen nach der erlittenen Schädel-Hirn-Verletzung
nicht überwiegend wahrscheinlich. Da
sich auch im weiteren Verlauf die ursprünglich starke Lähmung schön zurückgebildet habe und somit keine irreversible Lähmung bei Eintritt vorgelegen habe,
sei die streitige stationäre Rehabilitation vom
10. Okto
ber 2019 bis 17. März 2020
als
Fortführung der
Leidensbehandlung anzusehen, weshalb eine Kostenübernahme als medizinische Massnahme im Sinne von A
rt. 12 IVG nicht möglich sei (Urk. 2 und Urk. 6).
2.2
Demgegenüber argumentierte die Beschwerdeführerin, nach Art. 12 Abs. 1 IVG bestehe Anspruch auf Übernahme medizinischer Massnahmen durch die Invali
denversicherung, wenn durch die entsprechende Vorkehr stabile oder relativ stabile Folgezustände von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall behoben oder gemildert würden, um die Erwerbsfähigkeit dauernd und wesentlich verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung bewahren zu können.
Nach bundes
gerichtlicher Rechtsprechung sei bei Minderjährigen gegebenenfalls vom strikten Erfordernis der Korrektur stabiler Funktionsausfälle oder Defekte abzusehen, weshalb medizinische Vorkehren trotz des noch labilen Charakters des Leidens von der Invalidenversicherung übernommen würden, wenn das Leiden mit hinreichender Wahrscheinlichkeit zu einem schwer korrigierbaren, die spätere Ausbildung und Erwerbsfähigkeit erheblich behindernden stabilen patholo
gischen Zustand führe würde.
Der Beigeladene
sei
seit dem 27. September 2019 behandelt worden, wobei das Leiden an sich, das heisse die Unfallfolgen, behan
delt worden seien, bevor sich der relativ stabile Zustand eingestellt habe. Mit dem Eintritt in das Rehabilitationszentrum müsse von einem relativ stabilen Zustand der Folgeschäden ausgegangen werden, da eine Wiedereingliederung in die Schule und das gewohnte Umfeld angestrebt worden sei. Entgegen der Auffas
sung der Beschwerdegegnerin könne nicht auf ein labiles pathologisches Geschehen geschlossen werden, auch wenn die angenommene irreversible Lähmung sich während der medizinischen Behandlung zurückgebildet habe. Ohne die medizinischen Massnahmen wäre eine Heilung mit Defekt eingetreten, sodass eine Wiedereingliederung der Beigeladenen in eine Schule nicht möglich gewesen wäre.
Somit liege keine blosse Leidensbehandlung vor.
Folglich seien die Kosten für den Rehabilitationsaufenthalt im Rahmen von Art. 12 IVG von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen
(Urk. 1 und Urk. 10).
2.3
Der Beigeladene stellte sich in seiner Stellungnahme auf den Standpunkt, dass er gestützt auf den Austrittsberich
t des Spitals A._
vom 10. Oktober 2019 ab dem 1. Oktober 2019 wieder bei vollem Bewusstsein gewesen sei und bei seinem Austritt ein stabiler Allgemeinzustand vorgelegen habe. Als Rehabilita
tionsziele seien seine Entlassung als freier Fussgänger ins heimische Umfeld und der Besuch einer geeigneten Schule mit adäquater Unterstützung vermerkt worden.
Im Vordergrund habe damit seine Eingliederung gestanden. Ab dem 6. Januar 2020 habe er dann auch die Spitalschule der Kinder-Reha im Rahmen seiner stationären Rehabilitation besucht.
In Anwendung von
Rz
. 655-657/857.1 KSME sei es gerechtfertigt, die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, die medizi
nischen Massnahmen ab vier Wochen nach Erreichen des vollen Bewusstseins (also ab dem 1. November 2019) zu erbringen. Allenfalls könnte als Beginn der
Leistungspflicht auch das Datum seines Wiedereintritts in die (Spital-)Schule am 6. Januar 2020 festgelegt werden. Die anhaltenden
Regredienz
der Lähmungen stehe der Leistungspflicht gerade nicht entgegen, sondern es sei vielmehr das zeitliche Element nach Wiederelangen des vollen Bewusstseins für den Beginn der Leistungspflicht
entscheidend
.
3.
3.1
Das Rehabilitationszentrum
B._
führte in ihrem an die SWICA als zuständige Unfallversicherung gerichteten Gesuch u
m Verlängerung der Kosten
gutspra
che Zusatz Privat bis zum 31. Dezember 2019 vom 28. Oktober 2019 (Urk. 7/15)
folgende Diagnose
auf
:
-
schweres Schädel-Hirntrauma (GCS 3) nach Verkehrsunfall am 27. Septem
ber 2019 mit/bei:
-
cMRT
vom 2. Oktober 2019: schwere
axonale
Verletzungen
hämorrhagisch und nicht-hämorrhagisch, insbesondere
bifrontal
linksbetont, links temporal, im Corpus
callosum
und in den
Basalganglien sowie
mesenzephal
und
pontin
. Kein Hirnödem,
kein
e
Liquorzirkulationsstörung
-
multiplen
intraparen
chymatösen
Blutungen ohne Hirnödem oder
ossäre
Läsion
-
unilateralen Strecksynergismen am Unfallort
-
Einlage Hirndrucksonde
(
Codman
) im Spital C._
-
multiplen hämorrhagischen und nicht-hämorrhagischen
Shearing
injuries
, Hauptbefunde: Frontallappen beidseits, linksbetont, Corpus
callosum
, Thalamus links, Pons
-
Hämorrhagie im
Me
sen
zephalon
links (1.3 cm)
-
zentraler
Okulomotoriusparese
links
-
Pleuraerguss
beidseits
Der Beigeladene
befinde sich seit dem 10. Oktober 2019 in stationärer Rehabili
tation und nehme
an einem ärztlich geleiteten, intensiven und multimodal
en Therapieprogramm teil
, welches Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und medizinische Trainings- und Sporttherapie sowie Rehabilitationspflege beinhaltet habe. Zudem
werde
er neuropsychologisch detailliert abgeklärt und begleitet. Daneben
besuche
der Beigeladene die interne Schule.
Zum Zeitpunkt des Eintritts habe sich der Beigeladene in gutem Allgemeinzustand befunden.
Bei Übertritt in die Rehaklinik habe sich der Beigeladene aus der Rückenlage selbständig drehen können,
Unmut habe er über Stöhnen und Wegdrehen kommuniziert. D
er Tonus der Extremitäten sei beidseits erhöht gewesen, links und streckseitenbetont, mit
erschöpfbarem
Klonus
. Er
könne in Begleitung
wieder kurze
St
recken gehen und sich mit Gesten ein wenig ausdrücken.
Vom
12. Oktober bis 25. Oktober 2019
habe er bei einer
Wundheilungsstörung an der PEG-Sonde
erneut hospitalisiert werden müssen. Der Beigeladene sei zuvor ein gesunder Junge gewesen, welcher nun aufgrund eines schweren Schädelhirntraumas intensive Therapien benötige. Es sei bekannt, dass die Rehabilitation bei einem Trauma dieses Ausmasses mehrere Monate in Anspruch nehmen könne. Eine Verlegung in ein ambulantes Setting sei aus ärztlicher Sicht nicht möglich, da die benötigte Intensität und Variabilität der Therapien dort nicht gewährleistet werden könne.
3.2
Dr.
med. D._
, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle, hielt in seiner Stellungnahme vom 23. März 2020 (Urk. 7/22 S. 2) unter Wiedergabe der bekannten Diagnosen
und Befunde
fest,
dass e
ine intensive Rehabilitation indiziert
sei
. Aus versicherungs
medizinischer Sicht seien die schweren
intracraniel
len
Verletzungen als Folgen ein
es Verkehrsunfalls vom 27. September 2019 zu sehen. Hinweise auf einen Krampfanfall als einen möglichen Auslöser des Unfalls fänden sich nicht, daher sei kein direkter Zusammenh
ang mit dem Geburtsgebrechen GG
387 anzuneh
men. Gemäss
Rz
. 77 KSME seien die medizinischen Eingliederungsmassnahmen bei Unfällen mit Lähmungsfolgen von der obligatorischen Unfallversicherung zu leisten. Solange Lähmungen
regredient
seien, liege eine Leidensbehandlung vor. Von irreversiblen Lähmungsfolgen könne binnen 6 Wochen nach dem Unfall
ereignis noch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgegangen werden. Die Unfallversicherung habe auch für Rückfälle und Spätfolgen aufzukommen, selbst wenn kein enger und zeitlicher Zusammenhang mit der primären Unfall- oder Krankenbehandlung mehr bestehe. Im Anschluss an die Rehabilitation könne die Eingliederung durch die IV erneut geprüft werden (RZ. 79 KSME). Der Rehabilitationsaufenthalt könne nicht zur Übernahme durch die IV empfohlen werden.
3.3
Di
e Ärzte des Spitals C._
, Rehabilitationszentrum
B._
,
erw
ähnten im Austrittsbericht vom 14. April 2020 (Urk. 7/21/46-52
), dass sich
der
Beigeladene am
27. September 2019
ein schweres Schädel-Hirntrauma zugezogen habe, und dass
er
vom
10. Oktober 2019 bis 17. März 2020
im Rahmen einer Frührehabilitation hospitalisiert gewesen sei. Sie stellten die folgenden Diagnosen:
-
schweres Schädel-Hirntrauma
(GCS 3) nach Verkehrsunfall am
27. September 2019
mit/bei:
-
cMRT
vom 2. Oktober 2019: schwere
axonale
Verletzungen
hämorrhagisch und nicht-hämorrhagisch, insbesondere
bifrontal
linksbetont, links temporal, im Corpus
callosum
und
in den
B
asalganglien sowie
mesenzephal
und
pontin
. Kein Hirnödem,
kein
e
Liquorzirkulationsstörung
-
multiplen
intraparen
chymatösen
Blutungen ohne Hirnödem oder
ossäre
L
äsion
-
unilateralen S
trecksynergi
smen am Unfallort
-
multiplen hämorrhagischen und nicht-hämorrhagischen
Shearing
injuries
, Hauptbefunde: F
ronta
llappen beidseits, linksbetont, Corpus
callosum
, Thalamus links, Pons
-
Hämorrhagie im
Me
sen
zephalon
links (1.3 cm)
-
bilateraler, deutlich links- und armbetonter, spastisch-
dystoner
cerebraler
Bewegungsstörung
-
zentraler
Okulomotoriusparese
links
-
Verdacht auf
Trochlearisparese
links
-
Dysphagie, im Verlauf komplett
regredient
-
kognitiver Kommunikationsstörung, vorbestehend Lese-
Rechtschreibeschwäche und Redeflussstörung beziehungsweise
Stottern
Als neuropsychologische Diagnose wurde ein knapp durchschnittliches kogniti
ves Gesamtleistungsniveau (WISC-V) mit mittelgradigen neuropsychologischen Funktions
s
törungen im Bereich der Aufmerksamkeit, des G
e
dächtnisses und in den exekutiven und sprachlichen Funktionen genannt.
Im Rehabilitationsverlauf sei es am 12. Oktober 2019 zu einer Wundheilungsstörung bei gelockerter PEG-Sonde gekommen. Vorbestehend seien ein Status nach drei generalisierten Anfallsereignissen im Mai 2012 und
Valproattherapie
bis 2015 sowie eine Legas
thenie
(S. 1)
.
Der Beigeladene
habe sich am 27. September 2019 ein schweres Schädelhirn
trauma zugezogen, als er auf dem Velo von einem PKW mit unklarer Geschwin
digkeit angefahren worden sei. Er sei 10 Meter vom Velo entfernt aufgefunden worden, habe einen Helm getragen, dieser sei frontal gespalten gewesen
(S. 2)
. Der Beigeladene habe anlässlich der
Hospitalisation
im Rehabilitationszentrum an einem ärztlich geleiteten, intensiven und multimodalen Therapieprogramm teilgenommen, welches Physiotherapie,
Ergotherapie,
Logopädie und medizi
nische Trainings- und Sporttherapie sowie Rehabilitationspflege beinhaltet habe. Zudem sei er neuropsychologisch detailliert abgeklärt und begleitet worden. Daneben habe der Beigeladene die interne Schule besucht
(S. 4)
. Das Ziel der stationären Neuro-Rehabilitation habe darin bestanden, dass der Beigelade als freier Fussgänger in sein heimisches Umfeld zurückkehre und seine vorherig
err
e
ichten motorischen und kognitiven Eigenschaften wiedererlang
e
. Insgesamt habe sich ein sehr erfreulicher Verlauf gezeigt. Persistierend hätten sich noch eine nächtlich
e
Inkontinenz sowie die zentrale
Okulomotoriusparese
links mit Doppel
bildern und insbesondere die neuropsychologischen Funktionsstörungen im Bereich der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und in den exekutiven und sprachlichen Funktionen gezeigt
(S. 6)
.
3.4
RAD-Arzt
Dr.
D._
nahm am 15. Juli 2020 ergänzend Stellung zu den weiteren eingegangenen Berichten (Urk. 7/22 S. 3). Unter Verweis auf den Austrittsbericht des
Rehabilitationszentrum
s
B._
vom
14. April 2020 (vgl. E. 3.3 zuvor) hielt er fest, dass beim Beigeladenen unter anderem eine bilaterale, deutlich links- und armbetonte, spastisch-
dystone
cerebrale
Bewegungsstörung, eine zentrale
Okulomotoriusparese
links, ein Verdacht auf eine
Trochlearispa
rese
links, eine komplett
regrediente
Dysphagie, kognitive Kommunikationsstörungen und mittelgradige neuropsychologische Funktionsstörungen festgestellt worden seien. Bei Austritt habe sich die ursprünglich stark vorhandene Hemiparese der linken oberen Extremität schön zurückgebildet. D
ie Gr
ob- und Feinmotorik sei im
Vergleich
zur rechten Hand nur noch leicht reduziert. Die Kraft sei deutlich vermindert, die
Fein
motorik reduziert. Er trage eine Brille mit Aufkleber links bei
Okulomotoriusparese
, um Doppelbilder zu verm
ei
den. P
h
ysiotherapie und Ergo
therapie seien weiterhin erforderlich. Aus versiche
r
ungsmedizinischer Sicht könne weiterhin auf seine
Stellungnahme v
om 23. März 2020 abgestellt werden. Die Lähmungen seien weiterhin
regredient
. Ergotherapie und
Physiotherapie
könnten bei weiterhin bestehenden Residualzuständen bei Status nach schwerem Schädelhirntraume im Hinblick auf die schulische Integration ab dem 18. März 2020 im Rahmen von Art. 12 IVG für zwei Jahre gutgeheissen werden.
3.5
Am 28. Dezember 2020 nahm RAD-Arzt
Dr.
D._
Stellung zu den von der Beschwerdeführerin
mit dem Einwand gemachten Vorbringen (Urk. 7/38)
und führte aus, dass aus versicherungsmedizinischer Sicht keine neuen medizinischen Berichte vorgelegt worden seien. Es könne nicht mit überwiegender Wahrschein
lichkeit davon ausgegangen werden, dass knapp zwei Wochen nach einem schweren Schädelhirntraum
a
ein stabiler Zustand erreicht gewesen sei. Bereits zwei Tage nach der Entlassung habe eine erneute stationäre A
ufnahme vom 1
2.
bis 25. Oktober 2019 erfolgen müssen, da es an der PEG-Sonde zu einer Wundheilungsstörung gekommen sei. Da auch im weiteren Verlauf von der Reha-Klinik bestätigt worden sei, dass sich die ursprüngliche
starke
Lähmung schön zurückgebildet habe, also keine irreversible Lähmung bei Eintritt vorgelegen habe, könne somit primär von der Fortführung der Leidensbehandlung ausgegan
gen werden.
4.
4.1
Dem Austrittsbericht des Rehabilitationszentrums
B._
vom 14. April 2020 (vorstehend E. 3.3) ist zu entnehmen, dass der Beigeladene in der
Zeit vom 10. Oktober 2019 bis 16
. März 2020 im Rahmen einer Frührehabilitation nach einem schweren Schädelhirntrauma mit unter anderem
bilateraler, deutlich links- und armbetont
er, spastisch-
dystoner
cerebraler
Bewegungsstörung
im Rehabilitationszentrum hospitalisiert war, und dass der streitige Rehabilitations
aufenthalt in erster Linie eine Neuro-Rehabilitation zum Ziel hatte, sodass
der Beigelade als freier Fussgänger in sein heimisches Umfeld zurückkehre und seine vorherig errichten motorischen und kognitiven Eigens
chaften wiedererlange.
Wegen einer Wundheilungsstörung an der PEG-Sonde erfolgte aber eine erneute stationäre Spitalaufnahme vom 1
2.
bis 25. Oktober 201
9.
In der
Folge ist es während der
Hospitalisation
zu einer deutlichen Besserung aller Symptome gekommen; insbesondere die ursprünglich starke linksseitige Lähmung hat sich schön zurückgebildet.
Gemäss der Beurteilung der Ärzte des Rehabilitationszent
rums
B._
persistierten
noch eine nächtliche Inkontinenz sowie die zentrale
Okulomotoriusparese
links mit Doppelbildern und insbesondere die neuropsychologischen Funktionsstörungen im Bereich der Aufmerksamkeit, des Gedächtnisses und in den exekuti
ven und sprachlichen Funktionen
.
4.2
Damit übereinstimmend ging RAD-Arzt
Dr.
D._
in seinen Stellungnahmen (vorstehend E. 3.2, E. 3.4-5) davon aus, es
könne nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass knapp zwei Wochen nach einem schweren S
chädelhirntrauma zum Zeitpunkt des Antritts der Rehabilitation
ein stabiler Zustand erreicht gewesen sei.
So habe bereits
zwei Tage nach der Entlas
sung eine erneute stationäre Aufnahme vom 1
2.
bis 25. Oktober 2019 erfolgen müssen, da es an der PEG-Sonde zu einer Wundheilungsstörung gekommen sei.
Insbesondere habe sich die
ursprüngliche Lähmung im weiteren Verlauf schön zurückgebildet
, weshalb bei Eintritt
keine irreversible Lähmung vorgelegen habe
. Da die Lähmung
weiterhin
regredient
gewesen sei,
könne primär von der Fortführung der Leidensbehandlung ausgegangen werden.
4.3
Aus den medizinischen Akten ergibt sich, dass der Beigeladene im Zusammen
hang mit dem unfallbedingt zugefügten schweren Schädelhirntrauma unter anderem zwar auch Lähmungserscheinungen der linken oberen Extremitäten erlitten hat. Der gesamte nachvollziehbar dargelegte Verlauf der Akutbehandlung im
Spital
und der anschliessenden Rehabilitation im Rehabilitationszentrum
B._
zeigt aber auf, dass diese partielle Lähmung zum Zeitpunkt der Verlegung am 10. Oktober 2019 und somit nur rund zwei Wochen nach dem Verkehrsunfall vom 27. September 2019 keineswegs irreversibel war. So hat sich die ursprüngliche starke Lähmung mit der Zeit schön zurückgebildet.
Damit war bei Eintritt des Beigeladenen in Rehabilitationszentrum die Behandlung des ursächlichen Grundleidens - nämlich den Folgeerscheinungen des erlittenen schweren Schädelhirntraumas - keineswegs abgeschlossen.
Aufgrund der unbestrittenen, auch über den Antritt der Rehabilitation andauern
den
Regredienz
der Lähmungserscheinungen
kommt di
e Be
stimmung
von Art. 2 Abs. 2 IVV, wonach
medizinische Massnahmen bei Lähmungen und andern motorischen Funktionsausfällen von dem Zeitpunkt an zu gewähren sind, in dem nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft im Allgemei
nen die Behandlung des ursächlichen Gesundheitsschadens als abgeschlossen gilt oder untergeordnete Bedeutun
g erlangt hat
(vorstehend E. 1.6
),
vorliegend nicht
zur Anwendung und der erwähnten Verwaltungspraxis
zur Kostenübernahme
bei Behandlung von
Lähmungen nach Hirnverletzungen
(KSME
Rz
655-657/855-857.1; vorstehend E. 1.6) kommt in vorliegendem Fall grundsätzlich keine Relevanz zu.
Entgegen
d
er Auffassung des Beigeladenen (vgl. E. 2.3) kann somit auch keine Kostenübernahme durch die Beschwerdegegnerin ab 1. November 2019 respektive 6. Januar 2020 erfolgen.
4.4
4.4.1
Zu prüfen ist im Folgenden, ob der streitige stationäre Rehabilitationsauf
enthalt des
Beigeladenen
vom 10. Oktober 2019 bis 17. März 2020
in einem engen sach
lichen und zeitlichen
Zusammenhang mit den primären Unfallfol
gen stand,
beziehungsweise, ob dieser Rehabilitationsaufenthalt mit der Unfallbehandlung einen einheitlichen Komplex bildete (vorstehend E. 1.4 f.).
4.4.2
Nach dem zuvor Dargelegten
steht
fest,
dass der
s
treitige
Rehabilitations
aufenthalt de
s
Beigeladenen vom
10. Oktober 2019 bis 17. März 2020
, welcher
der Frührehabilita
tion diente, einerseits bereits
nach einem verhältnismässig kurzen Zeitraum
von rund zwei Wochen nach dem Unfall vom 27. September 2019
angetreten wurde. Andererseits
war die Unfallbehand
lung
während der Dauer dieses Rehabilitat
ionsaufenthalts
noch nicht abgeschlossen und es stand
während
des Rehabilitationsaufenthalts
die Behandlung d
er Un
fallfolgen
im Vordergrund.
Diesbezüglich gilt es sodann die
bereits er
wähnte
medizinische Erfahrungst
atsache zu beachten, wonach zur
medizi
nis
chen Behandlung der Folgen
eines Schädel-Hirntraumas in der Regel nicht nur eine Behandlung auf der Intensivstation eine
s Akutspitals sondern auch eine
rehabilitations
medizinische
Behandlung
beziehungsweise
ein stationä
rer
Rehabilitations
aufenthalts gehört, weshalb die Unfallbehandlung im Rechts
sinn unvollständig ist, wenn sich an die unfallmedizinische Akutversorgung nicht eine ebenso inten
sive Rehabilitation anschliesst
(vorstehend E. 1.5).
Der strei
tige Rehabi
litationsaufenthalt war daher
Teil der medizinisch
en Behandlung der Unfallfolgen.
Es ist daher davon auszugehen, da
ss bereits unmittelbar nach dem
Unfallereignis vom
27. September 2019
, zu Beginn
der initialen Behandlung der unfallbedingten Verletzungen vorauszusehen war, dass im Anschluss an die akutmedizinische Behandlung der Unfallfolgen eine rehabilitationsmedizinische Behandl
ung im Rahmen eines stationären
Rehabilitationsaufenthaltes angezeigt beziehung
sweise erforderlich sein werde.
In Würd
igung der gesamten Umstände ist
daher nicht daran zu zweifeln, dass der streitig
e Rehabilitationsaufenthalt vom
10. Oktober 2019 bis 17. März 2020
, welcher nach einer verhältnismässig kurzen Zeitdauer von lediglich
rund zwei Wochen
nach dem Unfall begonnen wurde, in
einem engen sachlichen und zeitlichen Zusammenhang mit
den primären Unfallfolgen stand
und Teil der Behandlung der Unfallfolgen dar
stellte
beziehungsweise mit der Unfallbehandlung einen einheitlichen Komplex bildete.
So war der Gesundheitszustand
des Beigeladenen
als Folge der
intracraniellen
Verletzungen
zum Zeitpunkt der Verlegung
keineswegs stabil.
4.4.3
Demzufolge ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass der streitige
stati
onäre Rehabilitationsaufenthalt vom
10. Oktober 2019 bis 17. März 2020
in einem engen zeitlichen und sachlichen Zu
sammenhang mit den Unfallfolgen
stand und in erster Linie beziehungsweise weit überwiegend der Beha
ndlung der Unfallfolgen diente.
Der streitige Rehabilitationsaufenthalt
vom 26. Mai bis 8. September 2016
stellt
daher keine
von der Invalidenversicherung zu erbringende
medizinische
Eingliederungsmassnahme
dar, sondern kommt
als Heilbehandlung
im Bereich der Leistungspflicht
des Unfallversicherers zu liegen.
Demnach erweist sich die Verfügung der IV-Stelle vom 28. Dezember 2019 als rechtens, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- und Fr. 1‘000.-- festzusetzen sind (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG),
sind auf Fr. 800.-- anzusetzen
und ausgangsgemäss der unterlie
genden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.