# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7f449e1e-7c48-5729-86c8-6f351b5be264
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer reichte am 24. Februar 2017 bei der Gemeinde Steffisburg ein
Baugesuch ein für die Erweiterung der bestehenden Aussenparkplätze von 5 auf 6
Abstellplätze auf Parzelle Steffisburg Grundbuchblatt Nr. B._. Auf eine amtliche
Publikation wurde verzichtet, das Bauvorhaben wurde den Nachbarinnen und Nachbarn
mit eingeschriebenem Brief bekanntgemacht. Mit Gesamtentscheid vom 13. April 2017
erteilte die Gemeinde Steffisburg die Baubewilligung. Die Kosten des
Baubewilligungsverfahrens von total Fr. 655.-- wurden dem Beschwerdeführer zur
Bezahlung auferlegt. Die Kosten beinhalten unter anderem eine Gebühr von Fr. 200.-- für
das Anschreiben der Nachbarinnen und Nachbarn.
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2. Gegen die Baubewilligungskosten reichte der Beschwerdeführer am 8. Mai 2017
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
macht geltend, er sei nicht einverstanden mit der erhobenen Gebühr für das Anschreiben
der Nachbarinnen und Nachbarn und verlange deshalb eine Reduktion der
Baubewilligungskosten um Fr. 200.--. Es seien in den letzten Jahren etliche andere
Parkplätze erstellt worden, über die er nicht informiert worden sei. Eventualiter beantragt
der Beschwerdeführer, die Gemeinde Steffisburg sei durch eine Verfügung zu verpflichten,
gegen die Eigentümer der ohne Bewilligung erstellten Parkplätze ein Verfahren zu
eröffnen, so dass auch er nachträglich eine Mitteilung nach Art. 27 BewD1 erhalte.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Gemeinde Steffisburg beantragt in
ihrer Stellungnahme vom 24. Mai 2017 die Abweisung der Beschwerde und die
Bestätigung ihres Entscheids. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Als Bestandteil des
Bauentscheides ist der Kostenentscheid mit Baubeschwerde selbständig anfechtbar.4
Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
1 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40–41 N. 8 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer ist Baugesuchsteller und durch den
Kostenentscheid beschwert. Er ist damit zur Beschwerde gegen den Kostenentscheid
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist insoweit einzutreten.
c) Das Beschwerdeverfahren vor der BVE ist auf den Streitgegenstand begrenzt. Dieser
bezeichnet den Umfang, in dem das Rechtsverhältnis umstritten ist, das mit der
angefochtenen Verfügung geregelt wurde. Auszugehen ist demnach von der
angefochtenen Verfügung, dem sogenannten Anfechtungsobjekt. Der Streitgegenstand
braucht sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber nicht über dieses
hinausgehen. Rechtsbegehren, die ausserhalb des in der Verfügung geregelten
Rechtsverhältnisses liegen, sind daher unzulässig; auf sie ist nicht einzutreten.6
Anfechtungsobjekt ist im vorliegenden Fall der Entscheid der Vorinstanz vom 13. April
2017. Darin wird über das Baugesuch des Beschwerdeführers vom 24. Februar 2017
entschieden. Das Eventualbegehren, wonach die Gemeinde verpflichtet werden soll, gegen
Eigentümer von nicht bewilligten Parkplätzen ein Verfahren zu eröffnen, bezieht sich nicht
auf diesen Entscheid. Das Eventualbegehren geht somit über den durch das
Anfechtungsobjekt begrenzten Streitgegenstand hinaus, so dass darauf nicht eingetreten
werden kann. Wenn sich der Beschwerdeführer gegen angeblich nicht bewilligte
Parkplätze zur Wehr setzen möchte, hat er den Weg des baupolizeilichen Verfahrens zu
beschreiten. Ihm steht die Möglichkeit offen, bei der Gemeinde eine entsprechende
baupolizeiliche Anzeige einzureichen.
2. Mitteilung an die Nachbarinnen und Nachbarn
a) Die Vorinstanz hat am 2. März 2017 gestützt auf Art. 27 BewD zehn Nachbarinnen
und Nachbarn mit einem eingeschrieben Brief über das Bauvorhaben des
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 72 N. 6–7
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Beschwerdeführers informiert.7 Gemäss der detaillierten Gebührenaufstellung hat die
Vorinstanz dem Beschwerdeführer für das Anschreiben der Anstösser pro Brief Fr. 20.--,
also insgesamt Fr. 200.-- in Rechnung gestellt.8
b) Die Erstellung eines Parkplatzes ist baubewilligungspflichtig.9 Dies wird vom
Beschwerdeführer nicht bestritten und er hat denn auch ein entsprechendes Baugesuch
eingereicht. Die Baubewilligungsbehörde macht das Gesuch durch Veröffentlichung
bekannt, wenn nicht die Mitteilung an die Nachbarinnen und Nachbarn ausreicht.10 Eine
kleine Baubewilligung ohne Veröffentlichung genügt, wenn ein Bauvorhaben nur die
Nachbarinnen und Nachbarn betrifft; als solche Bauvorhaben gelten unter anderem
Kleinbauten (Art. 27 Abs. 1 Bst. a BewD). Als Kleinbaute kann ein Parkplatz somit im
kleinen Baubewilligungsverfahren bewilligt werden. Dies ist unter den Verfahrensbeteiligten
unbestritten.
Im kleinen Baubewilligungsverfahren erfolgt die Mitteilung an die Nachbarinnen und
Nachbarn mit einem eingeschriebenem Brief (Art. 27 Abs. 3 BewD). Gemäss Ziffer 4.104.2
im Anhang 4 der Verordnung zum Gebührenreglement der Einwohnergemeinde Steffisburg
vom 29. November 2010 wird bei Baugesuchen für das Anschreiben der Anstösser je Brief
eine Gebühr von Fr. 20.-- erhoben. Diese Gebühr hat der Gesuchsteller gestützt auf Art. 52
Abs. 1 BewD zu tragen. Demzufolge hat die Vorinstanz die betroffenen Nachbarinnen und
Nachbarn zu Recht mit einem eingeschriebenen Brief über das Bauvorhaben des
Beschwerdeführers informiert und ihm dafür eine Gebühr von insgesamt Fr. 200.-- in
Rechnung gestellt. Der Beschwerdeführer bringt nichts vor, was Zweifel an der
Rechtmässigkeit dieses Vorgehens wecken würde. Insbesondere bestreitet er nicht, dass
die zehn angeschriebenen Nachbarinnen und Nachbarn vom Bauvorhaben betroffen sind
und daher angeschrieben werden mussten. Die Beschwerde ist insoweit unbegründet.
7 Vorakten der Gemeinde Steffisburg, pag. 30 8 Vorakten der Gemeinde Steffisburg, pag. 38 9 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 18b 10 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35–35c N. 7 mit Hinweis auf Art. 32a und 32b BauG
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3. Gleichbehandlung im Unrecht
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, in der Nachbarschaft seien etliche Parkplätze
erstellt worden. Er habe bei diesen Bauvorhaben keine Schreiben erhalten. Er sei deshalb
nicht einverstanden mit der erhobenen Gebühr für die Anschreiben an die Nachbarinnen
und Nachbarn. Die Gemeinde Steffisburg schaffe eine Rechtsungleichheit. Der
Beschwerdeführer macht somit sinngemäss einen Anspruch auf Gleichbehandlung im
Unrecht geltend.
b) "Gemäss dem in Art. 8 Abs. 1 BV11 und Art. 10 Abs. 1 KV12 enthaltenen Grundsatz ist
Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich und Ungleiches nach Massgabe seiner
Ungleichheit ungleich zu behandeln. Das Gleichheitsprinzip verbietet einerseits
unterschiedliche Reglungen, denen keine rechtlich erheblichen Unterscheidungen zu
Grunde liegen, und untersagt andererseits die rechtliche Gleichbehandlung von Fällen, die
sich in tatsächlicher Hinsicht wesentlich unterscheiden (...). Ein Anspruch auf
Gleichbehandlung im Unrecht besteht grundsätzlich nicht. Eine Ausnahme von diesem
Grundsatz bedingt das Vorliegen vergleichbarer Fälle, eine eigentliche gesetzwidrige
Praxis sowie den Willen der Behörde, an dieser Praxis festzuhalten. Selbst bei Vorliegen
einer gesetzwidrigen Praxis hat der Anspruch, ebenfalls gesetzwidrig behandelt zu werden,
zurückzutreten, wenn überwiegende öffentliche oder private Interessen im Einzelfall eine
gesetzeskonforme Entscheidung verlangen. Bei solchen Interessenkonflikten hat eine
Abwägung im Einzelfall zu erfolgen (...)“.13
c) Aus der Stellungnahme der Gemeinde Steffisburg vom 24. Mai 2017 und den
Vorakten geht hervor, dass die Gemeinde bestrebt ist, das Baubewilligungsverfahren bei
Parkplätzen rechtmässig durchzuführen. Zwar hat der Beschwerdeführer die Gemeinde mit
Brief vom 8. März 2017 darauf hingewiesen, in der Nachbarschaft seien nicht bewilligte
Parkplätze erstellt worden. Gemäss Aussage der Gemeinde konnte das Bauinspektorat
anlässlich eines Augenscheins vor Ort am 13. März 2017 jedoch keine offensichtlich neu
erstellten Parkplätze feststellen. Daher wurde der Beschwerdeführer von der Gemeinde mit
Schreiben vom 14. März 2017 gebeten, auf einem Plan die Standorte der angeblich
11 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 12 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 13 VGE Nrn. 100.2008.23318/23319 vom 22.10.2008, E. 4.2 mit Hinweisen
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widerrechtlich erstellten Parkplätze einzuzeichnen, damit entsprechende Abklärungen
getroffen werden könnten.14 Dieser Bitte ist der Beschwerdeführer jedoch nicht
nachgekommen. Er hat mit Schreiben vom 15. März 2017 lediglich mitgeteilt, es sei nicht
an ihm, sondern an der Gemeinde Steffisburg, den fraglichen Sachverhalt abzuklären.
Somit gibt es keine Anhaltspunkte für eine rechtswidrige Baubewilligungspraxis der
Gemeinde betreffend Parkplätze. Auch im Beschwerdeverfahren nennt der
Beschwerdeführer keine konkreten Fälle von Parkplätzen, bei deren Erstellung die
Nachbarschaft zu Unrecht nicht informiert worden wäre. Schon aus diesem Grunde vermag
der Beschwerdeführer aus dem Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht nichts zu
seinen Gunsten abzuleiten. Die weiteren Voraussetzungen dieses Anspruchs müssen
unter diesen Umständen nicht mehr geprüft werden.
d) Zusammenfassend ergibt sich, dass es an den Voraussetzungen für einen Anspruch
auf Gleichbehandlung im Unrecht mangelt. Die Rüge der Ungleichbehandlung erweist sich
damit als unbegründet. Die Beschwerde ist auch insoweit abzuweisen. Der
Beschwerdeführer hat die Gebühr von Fr. 200.-- für die Mitteilung an die Nachbarinnen und
Nachbarn zu bezahlen, der angefochtene Kostenentscheid wird bestätigt.
4. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG15). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 400.-- (Art. 103 Abs. 1 und 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV16).
Parteikosten im Sinne des Gesetzes sind keine entstanden (Art. 104 Abs. 1 und 2 VRPG).