# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d3138ec5-b3f5-4d5c-b404-d18a9f09dddd
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend schwere Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, Jugendgericht, vom 16. März 2015 (DJ140019)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt vom 24. Oktober 2014
(Urk. 37) ist diesem Urteil beigeheftet.
Vorab-Erkenntnis der Vorinstanz:
Das Verfahren betreffend Diebstahl zum Nachteil von B._ (U.Nr. 2013/170)
wird eingestellt.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 3 StGB,
− des Raufhandels im Sinne von Art. 133 StGB sowie
− des Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB.
2. Es wird eine persönliche Betreuung im Sinne von Art. 13 Abs. 1 JStG ange-
ordnet.
3. Mit der Führung der persönlichen Betreuung wird die zuständige
Sozialarbeiterin der Jugendanwaltschaft beauftragt.
4. Es wird eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG ange-
ordnet.
5. Der Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 26 Ta-
ge durch Haft erstanden sind.
6. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (6 Monate, abzüg-
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lich 26 Tage, die durch Haft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzo-
gen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ Schadenersatz
von Fr. 6'524.– zuzüglich 5 % Zins ab 1. September 2014 zu bezahlen.
Im Übrigen wird festgestellt, dass der Beschuldigte dem Privatkläger
C._ aus dem eingeklagten Ereignis vom 8. September 2013 dem
Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des
Umfangs des Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ Fr. 20'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 8. September 2013 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger D._ in solidarischer
Haftung mit allfälligen Mittätern Schadenersatz von Fr. 924.– zuzüglich 5 %
Zins ab 27. September 2012 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird der Privatklä-
ger D._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
10. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers D._ wird abgewiesen.
11. Der Privatkläger E._ wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
12. Der Beschuldigte wird gemäss Anerkennung verpflichtet, dem Privatkläger
F._ in solidarischer Haftung mit allfälligen Mittätern Schadenersatz von
Fr. 844.65 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird der Privatkläger F._ auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
13. Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers F._ wird abgewiesen.
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14. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die weiteren Kosten betragen:
Fr. Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 3'176.85 Auslagen Untersuchung
Fr. 13'204.30 amtliche Verteidigung
Fr. 6'323.40 unentgeltliche Rechtsbeiständin
15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen derjenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen
Verbeiständung des Privatklägers C._, werden dem Beschuldigten auf-
erlegt, aber im Fr. 1'000.– übersteigenden Betrag abgeschrieben.
16. Die amtliche Verteidigung wird mit Fr. 13'204.30 (inkl. MwSt.) entschädigt.
Diese Kosten werden auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt ei-
ne Nachforderung gemäss Art. 25 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 135 Abs. 4 StPO.
17. Die unentgeltliche Rechtsbeiständin des Privatklägers C._ wird mit Fr.
6'323.40 (inkl. MwSt.) entschädigt. Diese Kosten werden auf die Staatskas-
se genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 25 Abs. 2
JStPO i.V.m. Art. 138 Abs. 2 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 97 S. 1 f.)
1. In Aufhebung und Abänderung des vorinstanzlichen Urteils sei der Be-
schuldigte vom Vorwurf der schweren Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 Abs. 3 StGB freizusprechen; im Übrigen sei der vorinstanzli-
che Schuldspruch zu bestätigen;
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2. es sei von der von der Vorinstanz angeordneten persönlichen Betreu-
ung im Sinne von Art. 13 Abs. 1 JStG ersatzlos abzusehen;
3. es sei in Aufhebung des diesbezüglichen Entscheides der Vorinstanz
von einer ambluanten Behandlung im Sinne von Art. 14 Abs. 1 JStG
abzusehen;
4. es sei der Beschuldigte zu bestrafen mit einer sechs Monate nicht
übersteigenden Freiheitsstrafe, unter Anrechnung von 26 Tagen Unter-
suchungshaft;
5. der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von zwei Jahren;
6. bezüglich der Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren des Privat-
klägers C._ sowie bezüglich der Kostenfolgen sei im Sinne der
folgenden Ausführungen zu entscheiden.
b) Des Vertreters/der Vertreterin der Oberjugendanwaltschaft:
(Urk. 99 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei wegen schwerer Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 Abs. 3 StGB und wegen Diebstahls im Sinne von Art. 139
Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2. Das Verfahren wegen Raufhandel im Sinne von Art. 133 StGB sei we-
gen Eintritt der Verjährung einzustellen.
3. Es ist keine persönliche Betreuung und ambulante Behandlung anzu-
ordnen (Ziff. 2 - 3).
4. Der Beschuldigte sei mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, abzüglich 26 Ta-
ge erstandene Haft, zu bestrafen. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei
aufzuschieben und die Probezeit auf 4 Jahre festzusetzen.
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c) Des Vertreters/Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 100)
Keine Anträge.
_

## Considerations

Erwägungen:
I.
1.1 Mit Urteil vom 16. März 2015 sprach das Jugendgericht Zürich den Be-
schuldigten - soweit es das Verfahren nicht einstellte - zusammengefasst der
schweren Körperverletzung, des Raufhandels und des Diebstahls schuldig. Es
ordnete eine persönliche Betreuung und eine ambulante Behandlung des Be-
schuldigten im Sinne der Art. 13 Abs. 1 und 14 Abs. 1 JStG an und bestrafte ihn
mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, deren Vollzug es unter Ansetzung einer
Probezeit von vier Jahren im Umfang von 24 Monaten aufschob. Weiter regelte es
die Anrechnung der erstandenen Haft und entschied über die Zivilforderungen der
Privatkläger sowie über die Kosten- und Entschädigungsfolgen (für die Einzelhei-
ten Urk. 82 S. 55 ff.).
1.2 Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 39) meldete der Beschuldigte
mit Eingabe vom 18. März 2015 rechtzeitig Berufung an (Urk. 76; Art. 399 Abs. 1
StPO). Am 18. Juni 2015 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil an die
Jugendanwaltschaft und den Beschuldigten (vgl. Urk. 81/1-2) und übermittelte in
der Folge die Anmeldung der Berufung zusammen mit den Akten dem Oberge-
richt.
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2.1 Am 15. April 2015 reichte der Beschuldigte der erkennenden Kammer recht-
zeitig die schriftliche Berufungserklärung ein (Urk. 84; Urk. 81/2; Art. 399 Abs. 2
i.V.m. Art. 90 StPO). Die Oberjugendanwaltschaft und die Privatkläger liessen die
ihnen mit Präsidialverfügung vom 21. Juli 2015 angesetzte Frist zur Erklärung ei-
ner Anschlussberufung etc. (Urk. 85; vgl. auch Urk. 86/1-6) ungenützt verstrei-
chen.
2.2 Mit Präsidialverfügung vom 24. September 2015 (Urk. 88) wurde sodann die
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, Zentrum für Kinder- und Jugendforensik,
ersucht, einen aktuellen Therapieverlaufsbericht bzw. einen Abschlussbericht be-
treffend den Beschuldigten einzureichen. Der Bericht sowie ein Zwischenzeugnis
des Beschuldigten von seinem Arbeitgeber G._ gingen am 4. November
2015 hierorts ein und wurden der Oberjugendanwaltschaft und dem Beschuldig-
ten am 5. November 2015 zur Kenntnis zugestellt (Urk. 91-93/1-2).
2.3 Die heute zu beurteilenden Taten beging der Beschuldigte zum Teil vor der
Vollendung des 18. Altersjahrs und zum Teil danach. Die Vorinstanz hat sich zum
bei dieser Konstellation anwendbaren Prozessrecht zutreffend geäussert (Urk. 82
S. 6). Es kann darauf verwiesen werden. Das Berufungsverfahren richtet sich,
soweit die Jugendstrafprozessordnung keine abweichenden Regeln enthält, nach
der Strafprozessordnung (vgl. BSK JStPO-BÜRGIN/ BIAGGI., Vorb. zu Art. 38-41).
2.4 Die Berufungsverhandlung fand am 17. November 2015 unter Ausschluss
der Öffentlichkeit statt (Prot. II S. 4).
II.
1.1 Der Beschuldigte beantragt im Berufungsverfahren einen Freispruch vom
Vorwurf der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB. Seine
Berufung richtet sich dementsprechend gegen Dispositivziffer 1 al 1 (Schuld-
spruch betreffend schwere Körperverletzung im Sinn von Art. 122 Abs. 2 StGB)
sowie gegen die Dispositivziffern 2 bis 6 (Massnahme, Sanktion und Vollzug) so-
wie 7 und 8 (Zivilforderung Privatkläger C._) des vorinstanzlichen Entschei-
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des (Urk. 84). Nicht angefochten und in Rechtskraft erwachsen ist der erstinstanz-
liche Entscheid betreffend die Einstellung des Verfahrens betreffend Diebstahl
zum Nachteil von B._, betreffend den Schuldspruch wegen Raufhandels und
Diebstahls (Dispositivziffer 1 al 2-3), betreffend die Zivilforderungen der Privatklä-
ger D._, E._ und F._ (Dispositivziffern 9-13) sowie betreffend die
Kosten- und Entschädigungsfolgen (Dispositivziffern 14-17), was vorab festzustel-
len ist.
1.2 Die anlässlich der Berufungsverhandlung von der Oberjugendanwaltschaft
geltend gemachte Verjährung in Bezug auf den Raufhandel ist unbeachtlich (Urk.
99 S. 2). Die Verteidigung beschränkte ihre Berufung und beantragte ausdrück-
lich, den Beschuldigten in Bezug auf den Raufhandel schuldig zu sprechen, so-
dass Dispositivziffer 1 al 3 in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Die Frage nach der Verwertbarkeit der polizeilichen Einvernahme des Be-
schuldigten vom 8. September 2013 (Urk. 2/13), wie sie von der amtlichen Vertei-
digung aufgeworfen wurde (Urk. 97 S. 4 ff.), kann vorliegend offen gelassen wer-
den. Der Beschuldigte wiederholte anlässlich der Hafteinvernahme vom
9. September 2013 in Gegenwart seines Verteidigers - und damit verwertbar -
seine in der ersten polizeilichen Befragung gemachten Aussagen im Wesentli-
chen. Insbesondere gab er damals auch an, er habe zuerst C._ die Flasche
über den Kopf gezogen und dieser sei dann auf ihn zugekommen (Urk. 9/1 S. 3,
4, 10).
2.1 Der Beschuldigte gesteht in Übereinstimmung mit dem Untersuchungser-
gebnis ein, dem Privatkläger C._ (Privatkläger) am 8. September 2013, ca.
4.30 Uhr, im Bereich H._strasse/I._strasse in Zürich mit einer Bierfla-
sche einen heftigen Schlag gegen den Kopf bzw. das Gesicht versetzt zu haben
und ihm so die in der Anklageschrift umschriebenen Verletzungen (Schnittwunde
an der linken Augenbraue, Schnittwunde an der linken Wange, Augenverletzung
mit Einschränkung der Sehfähigkeit) zugefügt zu haben. Der Beschuldigte stellte
vor Berufungsgerichte nicht mehr in Abrede, dass die dem Privatkläger zugefüg-
ten Verletzungen den objektiven Tatbestand der schweren Körperverletzung erfül-
len (Urk. 97 S. 16). In subjektiver Hinsicht hielt der Beschuldigte an seinen vo-
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rinstanzlichen Ausführungen fest. Er habe weder eine schwere Körperverletzung
gewollt noch eine solche im Sinne des Eventualvorsatzes in Betracht gezogen
und billigend in Kauf genommen (Urk. 97 S. 16 ff.; Urk. 73 S. 13). Zudem habe für
den Beschuldigten eine Notwehrlage vorgelegen, was in Anwendung von Art. 15
StGB zu einem Freispruch führen müsse (Urk. 97 S. 18 ff.; Urk. 73 S. 14 ff.). Und
selbst wenn der Beschuldigte die Grenze der Notwehr überschritten hätte, wäre
dies in entschuldbarer Aufregung oder Bestürzung über den vom Privatkläger
ausgehenden Angriff geschehen, weshalb er gestützt auf Art. 16 Abs. 2 StGB
freizusprechen wäre (Urk. 97 S. 23 f.; Urk. 73 S. 17).
2.2 Anlässlich der Berufungsverhandlung bestritt der Beschuldigte zu Recht
nicht mehr, dass die dem Privatkläger zugefügten Verletzungen den objektiven
Tatbestand der schweren Körperverletzung erfüllen (Urk. 97 S. 16). Insbesondere
ist das linke Auge des Privatklägers durch die vom Beschuldigten verursachte
Verletzung in seiner Grundfunktion dauernd und erheblich gestört. Durch eine
Brille oder Kontaktlinsen lässt sich die Einschränkung der Sehfähigkeit zwar rela-
tiv gut kompensieren. Eine vollständige Kompensation wird aber auch mit Hilfsmit-
tel nicht erreicht. Abgesehen davon, führt der Einsatz einer Brille oder von Kon-
taktlinsen auch nicht zur Beseitigung der Beeinträchtigung. Trägt der Privatkläger
aus irgendeinem Grund keine Brille oder Kontaktlinsen, ist er in seiner Sehfähig-
keit auf dem linken Auge stark eingeschränkt (Urk. 8/20).
2.3.1 Vorsätzlich begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die Tat mit Wissen
und Willen ausführt (direkter Vorsatz) oder wer die Verwirklichung der Tat für
möglich hält und in Kauf nimmt (Eventualvorsatz; Art. 12 Abs. 1 und 2 StGB). Was
der Täter wusste, wollte und in Kauf nahm, betrifft sog. innere Tatsachen. Für de-
ren Nachweis kann sich das Gericht, soweit ein Täter nicht geständig ist, regel-
mässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen,
die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf die innere Einstellung
des Täters erlauben. Zu den äusseren Umständen, aus denen der Schluss gezo-
gen werden kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genom-
men, zählen namentlich die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbe-
standsverwirklichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser
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dieses Risiko ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher
darf gefolgert werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf ge-
nommen. Der Richter darf vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen,
wenn sich dem Täter der Eintritt des Erfolgs als so wahrscheinlich aufdrängt, dass
die Bereitschaft, ihn als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkauf-
nahme des Erfolgs ausgelegt werden kann. Eventualvorsatz kann aber auch vor-
liegen, wenn der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne
sehr wahrscheinlich sondern bloss möglich war. Doch darf nicht allein aus dem
Wissen des Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf dessen Inkaufnah-
me geschlossen werden. Vielmehr müssen weitere Umstände hinzukommen
(BGE 6B_802/2013 E. 2.3.2).
2.3.2 Die Verteidigung hält zu Recht fest (vgl. Urk. 73 S. 11 f.), dass der Beschul-
digte wiederholt angab, die tatsächlich verursachten Verletzungen im Gesicht des
Privatklägers nicht gewollt zu haben (Urk. 9/1 S. 12; Urk. 9/4 S. 2; Prot. I S. 18;
Prot. II S. 19). Dafür, dass der Beschuldigte direktvorsätzlich handelte, fehlen
denn auch die Anhaltspunkte. Hingegen ist mit der Vorinstanz und entgegen der
Auffassung der Verteidigung (vgl. Urk. 97 S. 16 ff.; Urk. 73 S. 11 f.) von einer
eventualvorsätzlichen Tatbegehung auszugehen.
2.3.3 Der Kopf des Menschen umfasst das Gesicht und das Gehirn. Im Gesicht
befinden sich die wichtigen Sinnesorgane Mund, Nase und Augen. Das Gehirn ist
das empfindlichste und wichtigste Organ des menschlichen Körpers. Es wird vom
Schädel geschützt. Gewalteinwirkungen auf den Kopf können zu Entstellungen
des Gesichts, zu Beeinträchtigung der erwähnten wichtigen Sinnesorgane, zu
Schädelfrakturen und zu Schädel-Hirn-Traumata führen, welche im schlimmsten
Fall tödlich sind. Die daraus folgende Gefährlichkeit von Schlägen gegen den
Kopf ist allgemein bekannt, weshalb das entsprechende Wissen auch dem Be-
schuldigten zuzurechnen ist. Gegen den Kopf des Privatklägers schlug der Be-
schuldigte die Flasche bewusst, wie sich aus seiner Aussage ergibt, er habe den
Privatkläger auf den Kopf aber nicht ins Gesicht treffen wollen (Urk. 9/1 S. 12)
bzw. er habe ihn oben am Kopf bei den Haaren treffen wollen (Urk. 9/4 S. 5). So-
weit er in der erstinstanzlichen Hauptverhandlung davon abweichend angab, die
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Flasche sei beim Ausweichen halt einfach auf dem Kopf des Privatklägers gelan-
det (Prot. I S. 15, 19), handelt es sich um eine offensichtliche Schutzbehauptung,
zumal er in der gerichtlichen Befragung an anderer Stelle auch seine diesbezügli-
che Zugabe im Vorverfahren bestätigte (vgl. Prot. I S. 16). Gleich zu bewerten ist
die anlässlich der Berufungsverhandlung vorgetragene weitere Variante, wonach
er sich keine Gedanken gemacht habe, wo er ihn habe treffen wollen (Prot. II
S. 18). Wer in einer aufgeheizten Situation, in der immer damit zu rechnen ist,
dass sich die beteiligten Personen bewegen, gegen den Kopf seines Gegenübers
schlägt, muss auch damit rechnen, dessen Gesicht zu treffen. Das gilt umso
mehr, wenn er, wie der Beschuldigte (vgl. Urk. 9/4 S. 3 ff.; Prot. I S. 16; Prot. II
S. 16), seine Augen vor dem Schlag schliesst. Ob die (ihn in diesem Zusammen-
hang zusätzlich belastende) Behauptung zutrifft, er sei zufolge seiner Alkoholisie-
rung nicht im Stande gewesen, etwas Präzises zustande zu bringen (Prot. I S.
20), kann offen bleiben. Selbst wenn er nüchtern gewesen wäre, müsste der Be-
schuldigte sich unter den gegebenen Umständen den Vorwurf gefallen lassen,
das nicht kalkulierbare Risiko eingegangen zu sein, den Privatkläger mit der Glas-
flasche im Gesicht zu treffen. Dass eine Glasflasche bei einem einigermassen
heftigen Schlag zerbrechen und eine zerbrochene Glasflasche Schnittwunden
verursachen kann, ist sodann Allgemeinwissen, das als solches auch dem Be-
schuldigten zuzurechnen ist. Dieses korrespondiert im Übrigen mit der vom Be-
schuldigten ins Feld geführten Erfahrung eines Dritten (Urk. 9/4 S. 4; Urk. 27/1 S.
5), auch wenn der Beschuldigte das auf entsprechenden Vorhalt in der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung nicht eingestehen wollte und stattdessen auswich
(vgl. Prot. I S. 19; vgl. aber Urk. 9/1 S. 11 "Eine solche Flasche kann auch leicht
zu Bruch gehen."). Den Schlag mit der Glasflasche führte der Beschuldigte ge-
mäss seinem eigenen Bekunden mit Schwung und fest aus (Urk. 9/4 S. 3, 5). Der
Privatkläger hatte die Flasche in der Hand des Beschuldigten zwar bemerkt und in
Erwägung gezogen, dass der Beschuldigte ihm die Flasche über den Kopf schla-
gen könnte (Urk. 9/3 S. 6 ff.), der Schlag erfolgte für den Privatkläger letztlich aber
unerwartet (Urk. 9/3 S. 8). Dies entsprach offensichtlich den Intentionen des Be-
schuldigten, der gemäss seinen eigenen Aussagen verhindern wollte, vom ihm
körperlich überlegenen Privatkläger geschlagen zu werden (Urk. 9/1 S. 4, 11; Urk.
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9/4 S. 3; Prot. II S. 19). Der Beschuldigte liess dem Privatkläger mithin bewusst
keine Abwehrmöglichkeit. Die Schwere der Verletzung war vor diesem Hinter-
grund nicht bloss die Folge eines äusserst tragischen Tatverlaufs. Vielmehr muss
sich der Beschuldigte vorwerfen lassen, die verursachte Verletzung des Auges
des Privatklägers (und die Schnittverletzungen im Gesicht) billigend in Kauf ge-
nommen zu haben.
2.3.4 Der Beschuldigte hat damit den Tatbestand der schweren Körperverletzung
eventualvorsätzlich und damit nicht nur in objektiver sondern auch in subjektiver
Hinsicht erfüllt.
2.4.1 Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff be-
droh, so ist der Angegriffene berechtigt, den Angriff in einer den Umständen an-
gemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Überschreitet der Abwehrende
die Grenzen der Notwehr, so mildert das Gericht die Strafe (Art. 16 Abs. 1 StGB).
Überschreitet der Abwehrende die Grenzen der Notwehr in entschuldbarer Aufre-
gung oder Bestürzung über den Angriff, so handelt er nicht schuldhaft (Art. 16
Abs. 2 StGB). Nach der Rechtsprechung muss die Abwehr in einer Notwehrsitua-
tion nach der Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erscheinen (BGE
136 IV 49 E. 3.2). Die Feststellung, ob der Angriff bereits im Gang ist oder unmit-
telbar droht, ist nicht leicht zu treffen. Nach der Rechtsprechung ist nicht voraus-
gesetzt, dass der Angegriffene mit der Reaktion zuwartet, bis es für eine Abwehr
zu spät ist. Doch verlangt die Unmittelbarkeit der Bedrohung, dass jedenfalls An-
zeichen einer Gefahr vorhanden sind, die eine Verteidigung nahelegen. Solche
Anzeichen liegen beispielsweise vor, wenn der Angreifer eine drohende Haltung
einnimmt, sich zum Kampf vorbereitet oder Bewegungen macht, die in diesem
Sinn gedeutet werden können. Abwehr ist zulässig, sobald mit einem Angriff
ernstlich zu rechnen ist und jedes weitere Zuwarten die Verteidigungschancen ge-
fährdet. Der Angrifft droht m.a.W. nicht erst unmittelbar, wenn es für den Angreifer
kein Zurück mehr gibt, sondern schon dann, wenn der Bedrohte nach den gesam-
ten Umständen mit dem sofortigen Angriff rechnen muss. Handlungen, die ledig-
lich darauf gerichtet sind, einem zwar möglichen aber noch unsicheren Angriff
vorzubeugen, einem Gegner also nach dem Grundsatz, dass der Angriff die beste
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Verteidigung ist, zuvorzukommen und ihn vorsorglich kampfunfähig zu machen,
fallen nicht unter den Begriff der Notwehr (BGE 6B_281/2014 E. 2.3.1). Die An-
nahme einer Putativnotwehr setzt sodann voraus, dass der vermeintlich Angegrif-
fene Umstände nachweisen kann, die bei ihm den Glauben erwecken konnten, er
befinde sich in einer Notwehrlage. Die blosse Vorstellung von der Möglichkeit ei-
nes Angriffs genügt nicht für die Annahme von Putativnotwehr (BGE 93 IV 81
E. b).
2.4.2 Durch die übereinstimmenden Aussagen des Beschuldigten und des Privat-
klägers ist erstellt, dass es zwischen ihnen zunächst zu einer insbesondere auch
seitens des Privatklägers aggressiv geführten verbalen Auseinandersetzung kam,
in deren Verlauf der Privatkläger zum Beschuldigten wiederholt sagte, sie könnten
nach hinten gehen und eins gegen eins machen (Urk. 2/13 S. 2, 8; Urk. 9/1 S. 5;
Urk. 27/1 S. 4; Urk. 9/3 S. 5 f., 10). Daraus folgt jedoch nicht, dass ein Zweikampf
tatsächlich bzw. unmittelbar drohte oder dass zumindest Umstände vorlagen, aus
denen der Beschuldigte schliessen durfte, dass sich die verbale Auseinanderset-
zung an Ort und Stelle nächstens auf eine tätliche Ebene verlagern würde. Der
Privatkläger gab jedenfalls an, er habe im Moment vor dem Schlag den letzten
Bissen des Cheeseburgers genommen, den er in der Hand gehalten habe. Die
andere Hand habe er unten beim Hosensack gehabt. Gemacht habe er gar
nichts. Insbesondere habe er den Beschuldigten im Verlauf des Gesprächs auch
nie angefasst oder mit einer Hand eine Bewegung in Richtung des Kragens des
Beschuldigten gemacht. Er habe auch nichts Spezielles gesagt. Die Diskussion
sei weiterhin gelaufen. Nach dem Schlag sei er in Richtung Strasse zurückgetre-
ten. Schliesslich habe er gemerkt, dass das Blut fliesse und habe sich bei Trottoir
hingesetzt. Die anderen seien weggerannt. Weshalb sich der Beschuldigte hätte
bedroht fühlen sollen, wisse er nicht. Seine beiden Kollegen hätten irgendwann
auch die Strassenseite gewechselt und seien dann hinter ihn, den Privatkläger,
gestanden. Sie seien zu dritt gewesen. Er sei allein mit der Frau (J._) gewe-
sen (Urk. 9/3 S. 4 ff., 10). Aus den Aussagen von J._, welche sie unmittelbar
nach dem Vorfall bei der Polizei und später als Zeugin deponierte, ergibt sich
nichts anderes (Urk. 2/9; Urk. 9/2).
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2.4.3 Der Beschuldigte gab zwar bereits in der ersten polizeilichen Befragung an,
er habe (natürlich) Angst bekommen und habe deshalb zugeschlagen (Urk. 2/13
S. 2, 8, 9) und wiederholte dies in den späteren Einvernahmen (Urk. 9/1 S. 4, 11;
Urk. 27/1 S. 6; Prot. I S. 15, 22; Prot. II S. 17, 19). Er sagte aber auch aus, er ha-
be den Privatkläger provoziert und dieser habe sich provozieren lassen (Urk. 9/4
S. 2) bzw. er sei damals halt besoffen gewesen und habe gedacht, dass er grosse
Eier habe (Urk. 9/4 S. 3). Ebenso wenig konnte er überzeugend darlegen, wes-
halb er sich nicht einfach vom Ort des Geschehens entfernt hatte (vgl. Urk. 9/4
S. 2 f.; Prot. II S. 15). Zudem ist erstellt, dass der Beschuldigte zu Beginn des
Verfahrens (seine Trunkenheit betonend) wahrheitswidrig angab, der Privatkläger
habe den Kontakt mit ihm und die Auseinandersetzung gesucht und so versuchte,
die Verantwortung für die Ereignisse von sich weg auf den Privatkläger zu ver-
schieben (Urk. 2/13 S. 2, 7, 10; Urk. 9/1 S. 5, 9; Urk. 9/4 S. 2 ff.; Urk. 27/1 S. 4).
Bereits vor diesem Hintergrund scheint es angezeigt, die behauptete (vermeintli-
che) Notwehrsituation kritisch zu hinterfragen. Dass der Privatkläger vor dem
Schlag mit der Flasche dazu übergegangen war, den Beschuldigten zu verprü-
geln, indem er diesen am Hals packte bzw. in diese Körpergegend stiess, wie die
Verteidigung geltend macht (Urk. 97 S. 19; Urk. 73 S. 15), ergibt sich sodann aus
den Aussagen des Beschuldigten nicht bzw. nicht überzeugend. So lässt sich sei-
nen ersten Depositionen gegenüber der Polizei und in der Hafteinvernahme ent-
nehmen, dass er dem Privatkläger die Flasche über den Kopf schlug, weil dieser
ihm körperlich überlegen gewesen sei und im Verlauf der verbalen Auseinander-
setzung "immer so huere nahe gekommen" sei und ihn aufgefordert habe, dort
nach hinten zu kommen bzw. weil er ziemlich böse geschaut und laut mit ihm ge-
sprochen habe (Urk. 2/13 S. 2, 8; Urk. 9/1 S. 4 f.). Einen Angriff des Privatklägers
schilderte er erst für den Moment nach dem Schlag (Urk. 2/13 S. 8; Urk. 9/1 S. 3,
4, 10), wobei die Schilderung im Gesamtzusammenhang der Verstärkung der
Aussage diente, der Privatkläger sei ihm körperlich überlegen gewesen. Wie der
Privatkläger ihn angegriffen habe, konnte er jedenfalls nicht schildern. Er hielt le-
diglich ausweichend fest, dass eine Rötung am Hals, so glaube er, von daher
komme. Er habe überall ein wenig Verletzungen. Der Privatkläger habe ihn ge-
packt. Er wisse nicht. Vielleicht habe er, der Privatkläger, ihm auch eine Faust
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gegeben oder so. Er, der Beschuldigte, sei huere betrunken gewesen (Urk. 2/13
S. 8). In der Hafteinvernahme - wo er wie erwähnt weiterhin angab, der Privatklä-
ger sei nach dem Schlag mit der Flasche auf ihn losgegangen - brachte der Be-
schuldigte die roten Flecken an seinem Hals dann andeutungsweise mit einer
Handlung des Privatklägers vor dem Schlag mit der Flasche in Verbindung, indem
er zu Protokoll gab, der Privatkläger sei ihm sehr nahe gekommen und habe sich
nicht entfernen wollen. Ob der Privatkläger ihn effektiv berührt habe, könne er
nicht mit Bestimmtheit sagen. Er frage sich einfach, wer ausser dem Privatkläger
ihm diese hätte zufügen können (Urk. 9/1 S. 5). Auch anlässlich der Einvernahme
durch die Jugendanwaltschaft vom 1. Oktober 2013 gab der Beschuldigte spontan
(nur) an, der Privatkläger habe aggressiv geschaut und gesprochen und ihn ag-
gressiv aufgefordert, nach hinten für ein eins zu eins zu kommen. Der Privatkläger
sei ihm auch körperlich überlegen gewesen (Urk. 9/4 S. 2). Im weiteren Verlauf
der Befragung wurde dann aus der möglichen Berührung durch den Privatkläger
vor dem Schlag mit der Flasche, die der Beschuldigte in der Hafteinvernahme er-
wähnt hatte, eine Handbewegung "so wie es meine Kollegen gesagt haben"
(Urk. 9/4 S. 2) und so ein Fuchteln mit den Händen (Urk. 9/4 S. 2) bzw. der Pri-
vatkläger sei dann so mit der Hand gekommen, entweder habe er ihn am Leib-
chen gepackt oder so, er sei schon nahe zu ihm gekommen und habe ihn berührt.
Er habe am Hals einen roten Fleck gehabt. Dieser stamme von dieser Geschich-
te. Darauf angesprochen, woher genau der Fleck stamme, führte er weiter aus, es
sei kein Würgemal gewesen, so eine kleine Schürfung, er habe ihn am Kragen
oder Pullover gepackt (Urk. 9/4 S. 2 f.). Später noch einmal mit seiner Aussage
konfrontiert, dass der Privatkläger ihn vor dem Schlag am Kragen gepackt habe,
hielt er fest, ja, oder er habe ihn am Hals gekratzt. Von irgendwas müsse der
Kratzer sein. Er habe die ganze Zeit mit den Händen Bewegungen vor der Brust
gemacht (Urk. 9/4 S. 5). Danach gefragt, ob der Privatkläger mit einer Hand zum
Schlag ausgeholt habe, kam er dann wieder darauf zurück, dass dieser ihn mit ei-
ner Hand am Kragen gepackt habe und - so fügte er an - sich seitlich weggedreht
habe, der Privatkläger habe ja auch ausgesagt, dass er nach links geschaut habe.
Darauf angesprochen, ob der Privatkläger ihn am Kragen festgehalten habe, gab
er zur Antwort, festgehalten oder geschupft. Er habe danach einen Kratzer am
- 16 -
Hals gehabt, es sei sehr schnell gegangen. Der Privatkläger habe ihn nicht ge-
würgt oder so (Urk. 9/4 S. 6). Von einem Angriff des Privatklägers nach dem
Schlag mit der Flasche berichtete er nicht mehr. Vielmehr gab er an, nach der
Handbewegung des Privatklägers nach hinten ausgewichen zu sein, bevor er mit
der Flasche zugeschlagen habe. Der Privatkläger sei danach noch gestanden. Er
habe gedacht, es sei ihm nichts passiert und sei weggerannt (Urk. 9/4 S. 2 f.). Der
Beschuldigte verlegt somit den behaupteten Angriff des Beschuldigten neu auf
den Zeitpunkt vor dem Schlag mit der Flasche und weitete diesen auf eine Hand-
bewegung gegen seinen Hals aus, die er jedoch nicht genau definieren konnte. In
der Schlusseinvernahme behauptete er dann direkt, der Privatkläger habe ihn an-
gegriffen. Er habe ihn am Kragen gepackt (Urk. 27/1 S. 5). Anlässlich der erstin-
stanzlichen Hauptverhandlung schilderte er die Situation zunächst wieder nur so,
dass der Privatkläger im Verlauf der Diskussion auf ihn zugekommen sei und er
dann aus Angst mit der Flasche zugeschlagen habe (Prot. I S. 16). Dass der Pri-
vatkläger ihn am Kragen gepackt habe, wurde erst mit der Frage des Gerichts, ob
er solches gemacht habe, zum Thema. Die Antwort des Beschuldigten war jedoch
wieder ausweichend: "Ja, soweit ich weiss". Er habe es aber nicht sofort realisiert.
Zum Zeitpunkt seiner ersten Einvernahme sei er gar nicht genug wach gewesen,
um diesen Ablauf auszusagen. Erst am nächsten Tag habe er einen roten Fleck
am Hals bemerkt. Er habe sich nur daran erinnern können, dass der Privatkläger
ihn angegriffen habe und nicht daran, dass er ihn am Kragen gepackt habe
(Prot. I S. 17). In der Berufungsverhandlung schilderte der Beschuldigte wiederum
nur, dass ihn der Privatkläger aufgefordert habe, in den Hinterhof zu kommen und
der Privatkläger eine als Abdrehen gegen hinten rechts vorgeführte Bewegung
gemacht habe, worauf er mit der Flasche zugeschlagen habe (Port. II S. 16 f.).
Erst auf entsprechende Ergänzungsfragen des Verteidigers führte der Beschuldig-
te aus, dass der Privatkläger ihn am Hals angefasst habe. Er sei so betrunken
gewesen und aus Angst habe er es in diesem Moment nicht gespürt. Als er die
Verletzungen dann gesehen habe, sei er sich ganz sicher gewesen, dass er sei-
nen Hals angefasst habe. Der Privatkläger habe ausgeholt und ihn am Hals be-
rührt (Prot. II S. 19 f.). Dem ist allerdings entgegen zu halten, dass der Beschul-
digte von Anfang an einen Angriff des Privatklägers behauptete, diesen aber zu-
- 17 -
nächst auf den Moment nach dem Schlag mit der Flasche festlegte. Dass er zu
müde war, um den Ablauf der Ereignisse darzustellen, ist damit widerlegt. Es ist
vielmehr augenfällig, dass der Beschuldigte im Nachhinein aufbauend auf einem
roten Fleck am Hals etwas konstruierte. Dazu passt, dass er seine Darstellung
weiter ausweitete, indem er angab, er habe konkret gesehen, wie der Privatkläger
ausgeholt habe (Prot. I S. 17 f.; Prot. II S. 20), dann aber nicht in der Lage war,
diese Aussage glaubhaft in seine frühere zu integrieren (vgl. Urk. 9/4 S. 5 f.), wo-
nach der Privatkläger (nicht mit einer Hand zum Schlag ausgeholt sondern) ihn
mit einer Hand am Kragen gepackt habe und sich seitlich weggedreht habe
(Prot. I S. 18, 20 f.). Die Behauptung des Beschuldigten, der Privatkläger habe ihn
körperlich angegriffen bzw. es habe konkrete Anzeichen für einen solchen Angriff
gegeben, sind folglich insgesamt nicht glaubhaft. Aus seinen Aussagen kann für
ihn bestenfalls geschlossen werden, dass er nach dem Grundsatz, wonach Angriff
die beste Verteidigung ist, gehandelt hat.
2.4.4 Die Aussagen von K._ und L._, auf welche der Beschuldigte an-
lässlich der Einvernahme vom 1. Oktober 2013 mit der Bemerkung Bezug nahm,
das mit der Handbewegung stimme, so wie es seine Kollegen gesagt hätten (Urk.
9/4 S. 2), entlasten den Beschuldigten ebenso wenig, wobei für die Annahme ei-
ner (vermeintlichen) Notwehrsituation letztlich ohnehin die Wahrnehmung des Be-
schuldigten und damit seine Aussagen entscheidend sind. Sie sind inhaltlich
ebenfalls vage und stimmen vor allem nicht überein. Während K._ gesehen
haben will, dass der Privatkläger den Beschuldigten vor dem Schlag mit der Fla-
sche "glaubs" gestossen (Urk. 2/11 S. 4) bzw. wie geschupft habe, wobei er auf
Nachfrage erklärte, damit meine er, mit beiden Händen so leicht am Oberkörper
zurückgeschupft habe (Urk. 9/5 S. 4), erklärte L._, der Privatkläger sei vor
dem Schlag mit der Flasche mit der Hand gegen die Kragenhöhe des Beschuldig-
ten gekommen (Urk. 2/12 S. 5 f.) bzw. der Privatkläger habe den Beschuldigten
am Kragen gepackt, er habe den Beschuldigten einfach so gepackt, so wie ge-
würgt, so wie ein Schlag (Urk. 9/6 S. 3 f.). Letztlich präsentieren die Kollegen des
Beschuldigten mit ihren inhaltlich vagen Aussagen die gleiche Auswahl von An-
griffsvarianten wie der Beschuldigte selber. Das überzeugt nicht.
- 18 -
2.4.5 Zusammengefasst ist ein Handeln des Beschuldigten in (vermeintlicher)
Notwehr auszuschliessen. Eine rechtfertigende oder entschuldbare Notwehr im
Sinne von Art. 15 f. StGB liegt nicht vor.
2.5 Der Beschuldigte ist bezüglich des angeklagten Vorfalls vom 8. September
2013 folglich der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 3 StGB
schuldig zu sprechen.
3.1 Der heute 20-jährige Beschuldigte beging einen Teil der ihm zur Last geleg-
ten Taten vor (Anklageziffer 1.2. und 1.3.) und einen Teil nach (Anklageziffer 1.1.)
der Vollendung seines 18. Altersjahres. Gemäss Art. 3 Abs. 2 JStG ist - sofern
gleichzeitig eine vor und eine nach Vollendung des 18. Altersjahres begangene
Tat zu beurteilen ist - hinsichtlich der Strafen nur das StGB anwendbar. Dabei
dürfen die vor der Vollendung des 18. Altersjahrs begangenen Taten bei der Bil-
dung der Gesamtstrafe jedoch nicht stärker ins Gewicht fallen, als wenn sie für
sich alleine beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 3 StGB). Die Bemessung der
Strafe für die vor dem 18. Altersjahr begangenen Taten hat somit nach den Re-
geln des Jugendstrafgesetzes zu erfolgen.
3.2. In Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB ist bei der Strafzumessung vom
Strafrahmen auszugehen, der für die schwerste Tat vorgesehen ist, wobei die vor
Vollendung des 18. Altersjahrs begangenen Straftaten immer als leichter gelten
als die nach dem Erwachsenenstrafrecht zu beurteilenden Straftaten (BGE 92 IV
81). Vorliegend erweist sich unter beiden Gesichtspunkten die schwere Körper-
verletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 3 StGB als schwerste Straftat. Sie wird mit
Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen be-
straft. Angesichts der Tatmehrheit wäre theoretisch eine Überschreitung dieses
Strafrahmens um die Hälfte möglich. Der ordentliche Strafrahmen ist jedoch nur
zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betref-
fende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint
(BGE 136 IV 55 E. 5.8). Solche Umstände liegen hier nicht vor, weshalb es beim
ordentlichen Strafrahmen von Freiheitsstrafe bis zu 10 Jahren oder Geldstrafe
nicht unter 180 Tagessätzen bleibt.
- 19 -
3.3.1 Innerhalb dieses Strafrahmens hat das Gericht die Strafe nach dem Ver-
schulden des Täters zu bemessen, wobei dessen Vorleben und persönliche Ver-
hältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berücksichti-
gen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden des Täters wird nach der
Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der
Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie
danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen
in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2
StGB). Für die Zumessung der Strafe ist zwischen der Tat- und der Täterkompo-
nente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente ist als Ausgangspunkt die objek-
tive Schwere der Delikte festzulegen und zu bewerten. Dabei ist anhand des
Ausmasses des Erfolges sowie aufgrund der Art und Weise des Vorgehens zu
beurteilen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut beeinträchtigt wurde.
Ebenfalls von Bedeutung sind die kriminelle Energie sowie ein allfälliger Versuch,
wobei ein solcher nur dann verschuldensrelativierend wirkt, wenn der Täter aus
eigenem Antrieb zurückgetreten ist. Ansonsten ist ein Versuch als verschuldens-
unabhängige Tatkomponente strafreduzierend zu berücksichtigen. Hinsichtlich
des subjektiven Verschuldens sind insbesondere das Motiv, die Beweggründe,
die Willensrichtung sowie das Mass an Entscheidungsfreiheit des Täters zu beur-
teilen. Die Täterkomponente umfasst die persönlichen Verhältnisse und das Vor-
leben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, sowie das Verhalten
nach der Tat im Strafverfahren, insbesondere Reue und Einsicht (BSK StGB I -
WIPRÄCHTIGER, Art. 47 N 92 ff.; BGE 123 IV 49 E 2).
3.3.2 Ist der Täter wegen einer Mehrzahl von Delikten zu bestrafen, hat das Ge-
richt zunächst die Einsatzstrafe für die schwerste Tat festzulegen. In einem weite-
ren Schritt sind die übrigen Delikte zu beurteilen, und es ist dafür unter Berück-
sichtigung der jeweiligen Umstände die hypothetische Strafe zu ermitteln. Sodann
ist unter Berücksichtigung des Asperationsprinzips die hypothetische Gesamtstra-
fe für sämtliche Delikte festzulegen. Dabei sind namentlich das Verhältnis der ein-
zelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere oder geringere
Selbständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten Rechts-
güter und Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamtschuldbeitrag des
- 20 -
einzelnen Delikts ist dabei in der Regel geringer zu veranschlagen, wenn die De-
likte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen (BGE
6B_323/2010 E 3.2). Nach der Festlegung der hypothetischen Gesamtstrafe für
sämtliche Delikte ist schliesslich die Täterkomponente zu berücksichtigen (BGE
6B_865/2009 E 1.6.1; BGE 6B_496/2011 E. 2 und E. 4.2).
3.4.1 Hinsichtlich der objektiven Schwere der am 8. September 2013 begange-
nen Tat (schwere Körperverletzung) ist festzuhalten, dass es sich bei der vom
Beschuldigten verursachten Verletzung des Privatklägers am linken Auge gemes-
sen an allen unter den Tatbestand der schweren Körperverletzung fallenden Be-
einträchtigungen zwar um eine Verletzung erheblicher Schwere handelt. Es sind
jedoch auch noch deutlich gravierendere Beeinträchtigungen denkbar. Die Art und
Weise der Herbeiführung dieser Verletzung belastet den Beschuldigten insofern,
als er aus nichtigem Anlass handelte und dem Privatkläger keine Abwehrchance
liess. Sein Verhalten offenbart ein erhebliches Mass an Gewaltbereitschaft und
Rücksichtslosigkeit. Zu seinen Gunsten ist allerdings immerhin zu berücksichti-
gen, dass der Tat keine Planung vorausging. Insgesamt wiegt das Verschulden
des Beschuldigten in objektiver Hinsicht mittelschwer.
Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte "lediglich" eventualvorsätzlich handelte. Nichtsdestotrotz war sein Verhalten
aber ausgesprochen egoistisch, ging es ihm letztlich doch darum, sein vermeintli-
cher Anspruch auf die Begleiterin des Privatklägers zu demonstrieren (vgl. auch
Urk. 91 S. 7). Relativiert wird die subjektive Schwere des Tatvorwurfes jedoch
dadurch, dass beim Beschuldigten im Tatzeitpunkt ein deutliches Reifedefizit in
der sozialen Entwicklung bzw. eine Störung des Sozialverhaltens (Urk. 23/6 S. 5;
Urk. 91 S. 6 f.) und narzisstische Persönlichkeitszüge (Urk. 91 S. 6) bestanden.
Die damals bestehende Alkoholisierung (Urk. 8/8) war dabei Folge einer mit der
Persönlichkeit des Beschuldigten zusammenhängenden Erlebnislust, die mit dem
Aufsuchen von Risikosituationen (Ausgang, Party, Partymeilen) und einer aktiven
Herbeiführung von Risikofaktoren (Alkohol, Rambazamba, Leute provozie-
ren/anmachen/"zeukeln") einherging. In der Summe führten die Persönlichkeits-
faktoren des Beschuldigten gemäss Einschätzung der zuständigen Psychologen
- 21 -
der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, Klinik für Forensische Psychiatrie,
Zentrum für Kinder- und Jugendforensik, dazu, dass der Beschuldigte sich von
Peers und von der jeweils im Ausgang aufgedrehten Stimmung anstecken liess,
was die Hemmschwelle senkte und schliesslich zusammen mit der Impulsivität
unüberlegte Handlungen begünstigte (Urk. 91 S. 7). Zusammengefasst ist festzu-
halten, dass es dem Beschuldigten aufgrund eines deutlichen Reifedefizits ver-
gleichsweise schwerer fiel, sich gesetzeskonform zu verhalten. Zutreffend wies
die Verteidigung zudem darauf hin, dass der Beschuldigte bei der Blutentnahme
drei Stunden nach der Tat noch einen Blutalkoholgehalt vom 0.90 bis 1.00 Promil-
le aufwies (Urk. 97 S. 26; Urk. 8/8 S. 2 f.). Sein Verhalten wird dadurch zwar nicht
entschuldbar, es relativiert jedoch sein subjektives Verschulden, ohne dass be-
reits eine Einschränkung der Zurechnungsfähigkeit anzunehmen wäre. Insgesamt
relativieren die subjektiven Komponenten die objektive Tatschwere deutlich.
Das Verschulden ist insgesamt als nicht mehr leicht zu qualifizieren.
3.4.2 Die schweizerische Praxis siedelt die Strafe bei nicht besonders schwerem
Verschulden in aller Regel im unteren bis mittleren Teil des vorgegebenen Rah-
mens an. Strafen im oberen Bereich, insbesondere Höchststrafen, sind bloss
ausnahmsweise und bei sehr schwerem Verschulden eines Täters auszuspre-
chen (BSK StGB-WIPRÄCHTIGER/KELLER, Art. 47 N 19). Davon ausgehend ist die
hypothetische Einsatzsatzstrafe im oberen Bereich des untersten Drittels des or-
dentlichen Strafrahmens auf 24 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
3.5.1 Die Art und Weise der Tatausführung im Anklagepunkt I.2. (Verurteilung
wegen Raufhandels) belastet den Beschuldigten insofern, als er die Auseinander-
setzung mit M._ und N._ mit einer ausgesprochen ordinären Bemer-
kung suchte und sich danach aktiv mit Schlägen und Tritten nicht nur gegen den
Körper sondern auch gegen den Kopf von N._ am "Angriff" gegen N._
beteiligte. Sein Verhalten zeigt auch in diesem Zusammenhang ein erhebliches
Mass an Gewaltbereitschaft und Rücksichtslosigkeit. N._ trug beim vom Be-
schuldigten und seinen Kollegen gesuchten und letztlich auch ausgelösten Rauf-
handel erhebliche Verletzungen davon. Dass diese nicht noch gravierender aus-
- 22 -
fielen, ist glücklichen Umständen zu verdanken. Insgesamt wiegt das Verschulden
des Beschuldigten in objektiver Hinsicht mittelschwer.
Was die subjektive Tatschwere betrifft, ist zu berücksichtigen, dass der Beschul-
digte direktvorsätzlich und egoistisch handelte. Relativiert wird die subjektive
Schwere des Tatvorwurfes jedoch dadurch, dass beim Beschuldigten im Tatzeit-
punkt ein deutliches Reifedefizit in der sozialen Entwicklung bzw. eine Störung
des Sozialverhaltens (Urk. 23/6 S. 5; Urk. 91 S. 6 f.) und narzisstische Persön-
lichkeitszüge (Urk. 91 S. 6) bestanden. Es kann auf das zum Tatvorwurf der
schweren Körperverletzung Erwogene verwiesen werden. Insgesamt relativieren
die subjektiven Komponenten vorliegend die objektive Tatschwere leicht.
3.5.2 Die hypothetische Einsatzstrafe für das vorliegende Delikt (Raufhandel) ist
ausgehend von einem Strafrahmen von bis zu einem Jahr (Art. 25 Abs. 1 JStG)
für sich allein betrachtet mit der Vorinstanz bei drei bis vier Monaten anzusetzen.
3.6 Was den Vorwurf des Diebstahls betrifft, ist zu berücksichtigen, dass sich
der Diebstahl gegen zwölf verschiedene Rechtsgutträger richtete. Mit Bezug auf
den Deliktsbetrag ist zu beachten, dass sich dieser gegenüber jedem einzelnen
Geschädigten im Bereich von mehreren hundert Franken bewegt und insgesamt
eine nicht unerhebliche Deliktsumme resultiert. Mit Bezug auf die subjektive Tat-
schwere ist zu beachten, dass der Beschuldigte dieses Delikt direktvorsätzlich
beging und die Tat auch geplant war. Insgesamt wiegt das Verschulden noch
leicht und für den Diebstahl isoliert betrachtet, ebenfalls unter Berücksichtigung
von Art. 49 Abs. 3 i.V.m. Art. 49 Abs. 1 StGB, wäre eine Einsatzstrafe von einem
halben bis einem Monat festzusetzen.
3.7 Ausgehend von einer Einsatzstrafe von 24 Monaten für die schwere Körper-
verletzung ist die hypothetische Einsatzstrafe und Berücksichtigung der weiteren
Taten auf 26 bis 27 Monate festzusetzen.
3.8.1 Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse und des Vorlebens des Beschul-
digten kann primär auf die im vorinstanzlichen Urteil unter III. 2. erwähnten Be-
richte sowie die Ausführungen dazu verwiesen werden. Des Weitern ist auf die
- 23 -
Personalakten (Urk. 25/1-6), die Aussagen des Beschuldigten anlässlich der erst-
und zweitinstanzlichen Hauptverhandlung sowie das Zwischenzeugnis der
G._ zu verweisen (Prot. I S. 8 ff.; Prot. II S. 7 ff.; Urk. 92). Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass der Beschuldigte das mittlere von insgesamt fünf Kindern
ist. Beide Eltern stammen aus Libyen und sind als Flüchtlinge in die Schweiz ge-
kommen. Der Beschuldigte lebt seit seinem vierten Lebensjahr in der Schweiz.
Die Eltern liessen sich 2008 scheiden, seit da ist die Mutter alleine für die Erzie-
hung der fünf Kinder zuständig. Der Scheidung der Eltern ging eine lange Phase
der Konflikte voran, welche durch viele Unsicherheiten geprägt war. Aufgrund
massiver Schulprobleme - der Beschuldigte fiel wiederholt durch beleidigendes
und unanständiges Verhalten im Umgang mit Lehrern und Schülern auf - wurde er
bereits als 14-Jähriger für vier Monate in einem Time-out untergebracht. Als er
wieder nach Hause entlassen wurde, kehrte er aber nicht mehr an die öffentliche
Schule zurück. Mit seiner Mutter hat der Beschuldigte ein gutes Verhältnis. Diese
scheint sich gut um die Kinder zu kümmern und ist bemüht, ihnen die nötige Un-
terstützung zu geben. Zurzeit absolviert der Beschuldigte eine Volllehre im Detail-
handel mit erfreulichen Leistungen. Die Scheidung der Eltern und die angespann-
te finanzielle Situation mögen belastend für den Beschuldigten gewesen sein.
Über die bereits im Rahmen der Verschuldensbeurteilung berücksichtigte Störung
des Sozialverhaltens hinaus, ergibt sich daraus und aus den weiteren Lebensum-
ständen des Beschuldigten jedoch nichts, was für die Strafzumessung relevant
wäre.
3.8.2 Der Beschuldigte weist drei Jugendvorstrafen auf, welche zwar nicht im
Strafregister eingetragen sind, aber dennoch berücksichtigt werden müssen (vgl.
BGE 135 IV 87). Am 29. Juni 2009 wurde der damals 14-jährige Beschuldigte
wegen mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie
mehrfacher Entwendung eines Motorfahrzeugs zum Gebrauch von der Jugend-
anwaltschaft Zürich-Stadt zu einer unbedingten persönlichen Leistung von sechs
Tagen verpflichtet. Mit Erziehungsverfügung vom 7. Dezember 2009 wurde der
Beschuldigte wegen Raubes, mehrfachen unberechtigten Verwendens eines Mo-
torfahrrades, mehrfachen Führens eines Motorfahrzeuges ohne Führerausweis
sowie wegen mehrfachen Nichttragens des Schutzhelmes von der Jugendanwalt-
- 24 -
schaft Zürich-Stadt zu einer unbedingten persönlichen Leistung von acht Tagen
verpflichtet. Am 6. April 2010 wurde der Beschuldigte von der Jugendanwaltschaft
Stadt Zürich zu einer persönlichen Leistung von einem Tag wegen mehrfacher
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes verpflichtet. Diese weitgehend nicht
einschlägigen Vorstrafen sind leicht straferhöhend zu veranschlagen. Den Dieb-
stahl und die schwere Körperverletzung beging der Beschuldigte während laufen-
der Strafuntersuchung, was sich - mit Bezug auf diese Delikte - nicht unerheblich
straferhöhend auswirkt.
3.8.3 Mit Bezug auf den Raufhandel und Diebstahl ist der Beschuldigte vollum-
fänglich geständig. Hinsichtlich der - die Höhe der Strafe weitgehend bestimmen-
den - schweren Körperverletzung erstreckt sich sein Geständnis allerdings ledig-
lich auf die objektive Seite der Tat. Die Strafe ist vor diesem Hintergrund unter
dem Titel "Geständnis" nur sehr leicht zu mindern. Aufrichtige Reue ist beim Be-
schuldigten - wie die Vorinstanz zutreffend ausführt - nicht zu erkennen. Er beteu-
erte zwar wiederholt, dass es ihm leid tue. Entschuldigt hat er sich aber bei keiner
der geschädigten Personen (Prot. I S. 26; Prot. II S. 25). Auch die Einsicht in das
Unrecht seiner Taten ist sehr begrenzt und er scheint keine Verantwortung für
sein Handeln zu übernehmen. Vielmehr schiebt er die Schuld auf andere, na-
mentlich den Privatkläger C._, der ihn angegriffen haben soll, und macht die
äusseren Umstände für sein Verhalten verantwortlich. Dies bringen Aussagen
zum Ausdruck wie: "Es sei einfach wie von alleine passiert" oder "es sei einfach
eine Reaktion gewesen" oder "die Flasche sei beim Ausweichen einfach auf den
Kopf des Privatklägers gekommen", wobei er selber das alles gar nicht gewollt
habe. Unter diesen Aspekten kann dem Beschuldigten nichts Strafminderndes
zugutegehalten werden. In strafmindernder Hinsicht ist immerhin die dem Be-
schuldigten durch die Jugendanwaltschaft attestierte Kooperationsbereitschaft zu
werten.
3.8.4 Der Beschuldigte absolviert seit dem Sommer 2014 eine Lehre an der Schu-
le für Detailhandel. Diese wird er voraussichtlich im Sommer 2016 abschliessen
(Prot. II S. 9). Er arbeitet seit etwa vier Jahren bei der G._, wobei der Be-
schuldigte auch als stellvertretender Shopleiter eingesetzt wird. Sein Arbeitgeber
- 25 -
beschreibt ihn im Zwischenzeugnis vom 20. Oktober 2015 als zuverlässigen, fle-
xiblen und engagierten sowie sehr hilfsbereiten Mitarbeiter (Urk. 92). Dem Be-
schuldigten ist in Bezug auf seine Lehr- und Arbeitsstelle eine gewisse Strafemp-
findlichkeit zu attestieren, was zu einer leichten Strafminderung führt.
3.8.5 Zusammengefasst überwiegen die strafmindernden Umstände die strafer-
höhenden leicht, so dass die hypothetische Einsatzstrafe insgesamt um 2 Monate
zu reduzieren ist.
3.9 In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist sich so-
mit eine Strafe von 24 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen. Die erstandene
Haft von insgesamt 27 Tagen ist an die heute auszufällende Freiheitsstrafe anzu-
rechnen (Art. 51 StGB).
3.10 Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit
oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten
(Art. 42 Abs. 1 StGB).
3.10.1 Die Voraussetzungen zur Gewährung des bedingten Strafvollzuges sind in
objektiver Hinsicht erfüllt, zumal der Beschuldigte mit einer Freiheitstrafe von 24
Monaten zu bestrafen ist.
3.10.2. In subjektiver Hinsicht ist für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges
das Fehlen einer ungünstigen Prognose erforderlich. Der Strafaufschub ist die
Regel, von der grundsätzlich nur bei ungünstiger Prognose abgewichen werden
darf (BGE 134 IV 1 E. 4.2.2). Vorliegend wies die Vorinstanz zu Recht darauf hin,
dass der Beschuldigte Jugendvorstrafen, jedoch noch keine Vorstrafen als Er-
wachsener aufweist. Der Beschuldigte absolviert zurzeit eine Lehre zum Detail-
handelsfachmann. Sein Arbeitgeber lobt ihn als zuverlässigen, flexiblen, engagier-
ten sowie sehr hilfsbereiter Mitarbeiter, sodass er bereits als stellvertretender
Shopleiter eingesetzt werden kann (Urk. 92). Gemäss den ergänzenden Bemer-
kungen zum Therapieverlaufsbericht gibt die Arbeitsstelle dem Beschuldigten
- 26 -
Stabilität und beeinflusst seine gute Entwicklung sowie die langanhaltende De-
liktsfreiheit (Urk. 95). Unter Berücksichtigung dieser Umstände ist dem Beschul-
digten keine ungünstige Prognose zu stellen. Da der Beschuldigte jugendstraf-
rechtliche Verurteilungen erwirkte und während laufender Strafuntersuchung de-
linquierte, verbleiben dennoch gewisse Bedenken hinsichtlich seiner Bewährung,
weshalb eine erhöhte Probezeit von 4 Jahren festzusetzen ist.
4. Gemäss dem im Berufungsverfahren eingeholten Therapieverlaufsbericht
vom 22. Oktober 2015 ist eine Therapie im Falle des Beschuldigten nicht mehr in-
diziert (Urk. 91 S. 9). Diese Schlussfolgerung ist nachvollziehbar und überzeu-
gend begründet. Es besteht keine Veranlassung, an ihr zu zweifeln. Auf die An-
ordnung einer persönlichen Betreuung im Sinne von Art. 13 Abs. 1 JStG sowie ei-
ner ambulanten therapeutischen Massnahme nach Art. 14 JStG ist heute daher
zu verzichten.
5. Was die Zivilforderung des Privatklägers C._ betrifft, kann vollumfäng-
lich auf die Ausführungen im angefochtenen Urteil verwiesen werden (Urk. 82 S.
49 ff.). Ihnen ist nichts beizufügen. Folglich ist der Beschuldigte zu verpflichten,
dem Privatkläger C._ Schadenersatz in der Höhe von Fr. 6'524.– zuzüglich
Zins zu 5% seit 1. September 2014 und eine Genugtuung in der Höhe von Fr.
20'000.– zuzüglich Zins zu 5% seit 8. September 2013 zu bezahlen. Weiter ist
festzustellen, dass der Beschuldigte dem Privatkläger auch über die belegten und
durch den zugesprochenen Schadenersatz abgegoltenen Schadenspositionen
hinaus, aus dem eingeklagten Ereignis vom 8. September 2013 dem Grundsatz
nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Fr. 6'524.– über-
steigenden Schadenersatzanspruchs ist der Privatkläger auf den Weg des Zivil-
prozesses zu verweisen.
III.
1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 44 Abs. 2 JStPO i.V.m. Art. 428 StPO).
Der Beschuldigte obsiegt in Bezug auf den Strafvollzug sowie die Schutzmass-
- 27 -
nahmen. Es rechtfertigt sich deshalb, dem Beschuldigten die Kosten des Beru-
fungsverfahrens im Umfang von drei Vierteln aufzuerlegen und zu einem Viertel
auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung
des Privatklägers sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzah-
lungspflicht im Umfang von drei Vierteln gemäss Art. 25 Abs. 2 JStPO i.V.m.
Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten ist.
3.1 Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das Berufungsverfahren
mit Fr. 6'200.– zu entschädigen.
3.2 Die unentgeltliche Vertreterin des Privatklägers ist für das Berufungsverfah-
ren mit Fr. 2'000.– zu entschädigen.