# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e4ec55e0-fd04-40e0-8870-5c2bb601b62a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1961 geborene
X._
war zuletzt vom 24. März 1986 bis am 31. Juli 2014 als Auslieferer/Chauffeur bei der
Y._
AG (nach Fusion
:
Z._
AG) tätig (letzter effektiver Arbeitstag: 13. November 2013). Am 4. Juli 2014 meldete er sich unter Hinweis auf Depression und Angst bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
12/6 und Urk. 12/14). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tä
tigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und liess den Versicherten insbesondere psychiatrisch begutachten (Expertise vom 4. Juni 2015, Urk.
12/37). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 12/19) wies sie das Rentenbegehren mit Verfügung vom
15. September
2015 (Urk. 2
) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 8. Oktober 2015 unter Auflage von zwei Berichten der
A._
vom 23. April und 30. September 2015
(Urk. 3/3-4) Beschwerde (Urk. 1) und beantragte,
es
seien die gesetzlichen Leistungen zu erbringen und es sei ihm insbesondere ab Januar 2015 eine ganze
Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die Sa
che zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Mit Eingabe vom 20. Oktober 2015 (
Urk.
7) reichte der Beschwerdeführer das von der Krankentaggeldversicherung in Auftrag gegebene Gutachten
des
Dr. med.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, vom 2
2.
November 2014 (
Urk.
8) ein. Am 16. November 2015 beantragte die IV-Stelle Abweisung der Beschwerde (
Urk.
11). Mit Eingabe vom 30. Dezember 2015 (
Urk.
15) liess der Beschwerdeführer dem hiesigen Gericht den A
ustrittsbericht der
A._
vom 11.
Dezember 2015 (
Urk.
16) zukommen. Die Beschwerdegegnerin verzichtete am 18. Februar 2016 auf eine Stellungnahme dazu (
Urk.
19),
was dem Be
schwerdeführer mit Mitteilung vom 27. April 2016 (
Urk.
22) zur Kenntnis ge
bracht wurde. Mit Eingabe vom 1. April 2016 (
Urk.
20) reichte der Beschwer
deführer einen Bericht von
Dr.
med.
C._
, FMH Psychiatrie und Psycho
therapie, vom 30. März 2016 (
Urk.
21) nach, was der Beschwerdegegnerin am 27. April 2016 (
Urk.
22) mitgeteilt wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs. 1 des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung, IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Lei
den
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Er
werbseinkommen
zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psy
chosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Fa
milie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Ein
zelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische
Be
schwerdebild
nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belasten
den soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psy
chiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssitu
ation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind un
abdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Er
klärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psy
chischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bun
desgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wir
kungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen be
stehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar
invaliditätsbe
gründend
auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Verfügung vom 15. September 2015 (Urk. 2) damit, dass kein erheblicher und langdauernder Gesundheitsschaden vorliege. Bei Wegfall der psychosozialen Belastungsfaktoren bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit. Das psychiatrische Gutachten vom 4. Juni 2015 sei schlüssig und nachvollziehbar. Von der da
rin festgestellten Arbeitsunfähigkeit könne jedoch abgewichen werden, ohne dass das Gutachten dadurch seinen Beweiswert verliere.
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt
(Urk. 1 und
Urk.
12), dass er aufgrund seiner psychischen Beschwerden bereits mehrfach in der Tagesklinik der
A._
behandelt worden sei. Gemäss dem Gutachter sei er seit Oktober 2013
nur
zu 50
%
arbeitsfähig. Nach der Begut
achtung habe sich sein Zustand
weiter
verschlechtert, so dass er bereits im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung zu 100
%
arbeitsunfä
hig gewesen sei. Die rezidivierende depressive Störung sei als eigenständiges Krankheitsbild zu betrachten und führe unabhängig von psychosozialen
Be
lastungsfaktoren
zu einer Einschränkung der Erwerbsfähigkeit. Trotz intensi
ver Behandlung hätten die psychopathologischen Befunde nicht beziehungs
weise nur vorübergehend positiv beeinflusst werden können. Ein erheblicher und langdauernder Gesundheitsschaden sei damit ausgewiesen. Im Laufe des Verfahrens ergänzte er (
Urk.
7), auch der von der Taggeldversicherung beige
zogene Gutachter habe die
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
beeinflussende psychosoziale Umstände ausgeschlossen. Der Gutachter
erachte die Behandlung als lege
ar
tis
und bei Ausschöpfung sämtlicher therapeutischer Möglichkeiten erfolgt. Weiter führte er aus (
Urk.
15), zwischenzeitlich sei er für einen Arbeitsver
such in einer angepassten Tätigkeit zu 20
%
arbeitsfähig geschrieben worden. Schliesslich machte er geltend (
Urk.
20), sein Gesundheitszustand habe sich weiter verschlechtert, zudem habe der behandelnde Psychiater seine bisherige Diagnose revidieren müssen. Dieser erachte eine Neubeurteilung des Falles als angezeigt. Sofern das hiesige Gericht weitere medizinische Abklärungen als notwendig erachte, beantrage er die Anordnung eines psychiatrischen Gerichtsgutachtens.
3.
3.1
Der behandelnde Psychiater
Dr.
C._
stellte in seinem Bericht vom
24.
September 2014 (
Urk.
12/21) folgende Diagnosen:
Rezidivierende depressive Störungen, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.11) mit somatischen Symptomen
Thalassämia
minor
Status nach rezidivierenden Lungenembolien mit Lobektomie 2001 nach
Hämaptoe
Dazu führte er aus, dass der Beschwerdeführer seit Dezember 2013 bei ihm in Behandlung sei, dies mit wöchentlichen Konsultationen. Als Befund schil
derte er Folgendes: altersentsprechend, freundlich zugewandt, wach, allseits orientiert, Gedächtnis gut, leichte bis mittelschwere Konzentrationsstörungen, Denken geordnet, eingeengt auf fehlende Arbeit und Zukunftsangst, anhal
tendes Grübeln, mittelgradig depressive Grundstimmung, affektiv
Ansprech
barkeit
deutlich reduziert, verminderter Antrieb, äusser
s
t negative pessimis
tische Zukunftsperspektive, stark reduziertes Selbstwertgefühl/-vertrauen, keine Halluzination/Wahn/Ich-Störungen/Zwänge, nicht suizidal,
Durch
schlafstörungen
und Früherwachen mit Morgentief, psychomotorische Hem
mung,
Libidoverlust
, thorakaler Druck.
De
r
Beschwerdeführer
mache Spazier
gänge und kurze Botengänge zur Tagesstrukturierung. Es bestehe ein sozialer Rückzug. Nach einer erneuten Zustandsverschlechterung habe er im Mai nicht mehr Auto
fahren können, aktuell fühle er sich dabei unsicher. Die Compliance des Beschwerdeführers sei weiterhin gut, die medikamentöse Therapie wegen fehlender Wirksamkeit bei mehrwöchiger Einnahme und un
erwarteten Nebenwirkungen schwierig. Aufgrund des Verlaufs und aktuellen Zustandes könne der Beschwerdeführer nicht arbeiten. Der alleinige Wegfall der psychosozialen Belastungsfaktoren ermögliche keine volle Arbeitsfähig
keit.
3.2
In seinem Gutachten vom 2
2.
November 2014 (
Urk.
8) zuhanden der Taggeld
versicherung stellte
Dr.
B._
folgende Diagnosen (S. 10):
Rezidivierende depressive Störung momentan mittelgradigen Ausmasses (ICD-10 F33.1)
sich nicht durch ausgesprochene
n
Ressourcenreichtum auszeichnende Per
sönlichkeit (ICD-10 Z73.1)
Dazu schilderte er, dass
der Beschwerdeführer
sicher bis zum Ende der
Tages
klinik-Behandlung
voll arbeitsunfähig
sei
. Ausser dem Alter des Beschwer
deführers und dessen nicht gerade breit gestreute
r
Palette an abzurufenden Ressourcen sehe er keine weiteren relevanten psychosozialen Faktoren mit einschränkender Wirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Die Behandlung des Be
schwerdeführers sei bisher lege
artis
erfolgt
. D
ie therapeutischen Möglich
keiten halte er momentan für ausgeschöpft
. Insbesondere halte er die aktuell bestehende tagesklinisch-psychiatrische Behandlung für eine bessere Option als einen stationären psychiatrischen Aufenthalt
(S. 10 f.).
3.3
Dr.
med. Dipl.-Psych.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seinem Gutachten vom 4. Juni 2015 (
Urk.
12/37) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 12):
Rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig anhaltend mittelgradig aus
geprägte depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
Ferner
stellte er folgende Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit:
Narzisstisch-kränkbare und rigide Persönlichkeitsakzentuierung (ICD-10 Z73.1)
Ergänzend führte er aus, dass der Beschwerdeführer derzeit als
Halbtagespati
ent
in ambulanter Behandlung sei. Man habe ihm dabei einen Arbeitsversuch zu 50
%
empfohlen. Zudem habe er alle zwei Wochen Ter
mine bei seinem Psychiater (S. 7). Der Beschwerdeführer erfülle die
Haupt
symptome
einer Depression nach ICD-10, nämlich eine depressive Verstim
mung, Interesseminderung, Freudminderung sowie einen Antriebsmangel und erhöhte Ermüdbarkeit. Als sogenannte Zusatzsymptome seien ein ver
mindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Insuffizienzgefühle, vermin
derte emotionale Reagibilität, Konzentrationsminderung, Schlafstörungen und eine konsekutive Erschöpfbarkeit feststellbar gewesen. Zudem
lägen
als sogenannte somatische Symptome eine Interesseminderung, ein Verlust der Freude an sonst angenehmen Tätigkeiten, eine Appetitzunahme (mit Ge
wichtszunahme)
,
ein Morgentief und eine Antriebsminderung
vor
. Im
Per
sönlichkeitsbereich
würden sich akzentuierte rigide und
narzisstisch-kränk
bare
Anteile
zeigen
, die in ungünstiger Wechselwirkung zur depressiven Störung st
ü
nden
(S.
13
f.). Aus psychiatrischer Sicht bestehe eine 50%ige Ar
beitsfähigkeit in einer angepassten, ruhigen, stressarmen Tätigkeit.
Invalidi
tätsfremde
Faktoren (ungewisse berufliche Zukunft, ungünstiges
Eingliede
rungsalter
, ausgeprägte subjektive Insuffizienzüberzeugung, ausgeprägte
De
konditionierung
) seien dabei
nicht berücksichtigt worden (S.
15 f.). Die Ar
beitsunfähigkeit sei mindestens seit Oktober 2013 ausgewiesen (S. 18). Der Beschwerdeführer befinde sich in einem adäquaten ambulanten
Behand
lungsrahmen
. Weitergehende medizinische Massnahmen seien nicht erfolgs
versprechend (S. 16).
3.4
Oberarzt
Dr.
med.
E._
und Assistenzärztin
F._
von der
A._
, bei welcher der Beschwerdeführer vom 10. Oktober 2014 bis im Juli 2015 in ambulanter Behandlung war, führten in ihrem Zwischenbericht zuhanden der Taggeldversicherung vom 23. April 2015 (
Urk.
3/3) folgende Diagnosen auf:
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
Anamnestisch
Thalassämie-minor
(ICD-10 D56.3)
D
er Beschwerdeführer nehme aktuell am Modulprogramm der Tagesklinik, viermal pro Woche halbtags, teil. Beim Eintritt habe er ein mittelgradiges de
pressives Bild mit Antriebslosigkeit, gedrückter Stimmung, innerer Unruhe, Schlafstörungen, Gedankenkreisen und Zukunftsängsten gezeigt. Bisher sei es während der Behandlung zu keiner anhaltenden Verbesserung des psy
chopathologischen Befunds gekommen. Eine Verbesserung des Antriebs und eine leichte Stimmungsaufhellung seien allerdings feststellbar. Seit dem Ein
tritt in die Tagesklinik sei er zu 100
%
arbeitsunfähig. Aktuell sei die Fahr
tauglichkeit aus psychiatrischer Sicht nicht gegeben und werde eine Tätigkeit als Chauffeur nicht mehr für realistisch gehalten.
4.
4.1
4.1.1
Der Beschwerdeführer war seit 1986 für seine Arbeitgeberin tätig, als diese
Ende
2011
/Anfang 2012
von der
Z._
AG übernommen
wurde
. Die Übernahme sei verbunden gewesen mit
massiven Umstrukturie
rungen und einer Auflösung der alten Firmenstrukturen, in denen er sich sehr wohl gefühlt habe. Seit ein neuer Vorgesetzter die Logistik übernommen habe, h
abe man
infolge von zunehmenden Fehlleistungen viele Kunden und die
meisten der angestammten Chauffeure verloren, sodass die Stimmung zunehmend schlecht geworden sei und der Stress zugenommen habe. Der Beschwerdeführer
sei
immer mehr unter Druck und
in Konflikt mit seinem neuen Vorgesetzten geraten
und
von diesem und den Kollegen
ausgegrenzt worden.
Ab Sommer 2012
habe
er unter dem
erhöhten Zeitdruck gelitten und
sei zunehmend überfordert gewesen.
Daraufhin
sei ein erster Zusammen
bruch erfolgt
;
vom 15. November bis 6. Dezember 2012 sei er im Sanatorium
G._
hospitalisiert
gewesen
. Anschliessend habe er seine Erwerbstätig
keit wieder voll aufgenommen
.
Im Laufe des Jahres
2013 hätten sich die in
nerbetrieblichen Problematiken zugespitzt und am 30. Oktober 2013 habe er die Kündigung per 31. Januar 2014 erhalten.
Dies habe zur
Exacerbation
der depressiven Symptomatik geführt
;
ab dem 18. November 2013 sei er zu 100
%
krankgeschrieben worden
.
Seit dem 17. Dezember 2013 sei
er bei Dr.
C._
in ambulanter Behandlung.
Zwischendurch
sei es ihm
zwar wie
der etwas besser
gegangen
, aber nachdem die Arbeitgeberin infolge der Krankschreibung die Kündigungsfrist bis Ende März 2014 verlängert habe, habe er sich unter Druck gefühlt, dort wieder arbeiten zu müssen
(Urk. 12
/37
S.
6,
Urk.
12
/13
und
Urk.
12
/16/24)
.
Nach dem Beginn einer antidepressiven Behandlung und der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung bei
Dr.
C._
habe er sich wieder stabilisieren können. Es habe eine
stetige Aktivität zur Stellensuche mit zahlreichen persönlichen Vorsprachen sowie rund 50 Bewerbungsschreiben
,
jedoch nur ein Vorstellungsgespräch gegeben. Ab Mai 2014 sei er zunehmend entmutigt gewesen. Eine trotz
Rechtsvertre
tung
langwierige Auseinandersetzung mit der ehemaligen Arbeitgeberin (Kündigungsgrund, Zeugnis, Stundenabrechnung) habe ihn zusätzlich belas
tet
. Auch die fehlende Tagesstruktur habe zur Zustandsverschlechterung bei
getragen.
Daraufhin
habe
er vom 10. Oktober 2014 bis im Januar 2015 ganztags in der Akut-Tagesklinik und anschliessend bis im Juli/August 2015 jeweils am Morgen in der Rehabilitations-Tagesklinik der
A._
ambulant be
handelt
werden müssen
.
Bei Austritt aus der Tagesklinik sei die Tagesstruktur nicht genügend stabilisierend gewesen
;
zudem sei auch die Jobsuche bis zu diesem Zeitpunkt erfolglos geblieben
(
Urk.
3/3,
Urk.
8
S.
11,
Urk.
12/21 und
Urk.
16
).
4.1.2
Die behandelnden Ärzte und
die
Gutachter äusserten
sich
verschiedentlich
dahin
,
dass für den Beschwerdeführer die Kündigung nach 28 Jahren Tätig
keit für dieselbe Arbeitgeberin ein Riesenschock gewesen sei
. D
ie Verarbei
tung der Kündigung und des Arbeitsplatzverlustes sei schwierig. Auch
an
derthalb
Jahre nach der Kündigung habe er sich
noch
durch die erlittenen
Kränkungen am Arbeitsplatz belastet gezeigt.
Die Fach
personen
schilderten einen
sehr engen
Zusammenhang zwischen den psychischen Beschwerden
und der Arbeitsplatzsituation beziehungsweise dem Arbeitsplatzverlust. Der Beschwerdeführer sei stark eingeengt auf die berufliche Kränkung und habe massive Existenz- und Zukunftsängste
(
Urk.
3/4,
Urk.
12/13,
Urk.
12/21
,
U
rk.
12/37 S. 14
und
Urk.
16).
4.1.3
Die Beschwerdegegnerin verneinte mit Verweis auf psychosoziale
Belastungs
faktoren
(Konflikt am Arbeitsplatz, Kündigung) das Vorliegen ei
nes erheblichen und langandauernden Gesundheitsschadens. Aus dem soeben
D
argelegten ist ersichtlich, dass durchaus als psychosozial zu fassende Be
lastungen ausschlaggebend waren für das Auftreten der psychischen Beein
trächtigung.
Dass
Dr.
B._
a
usser dem Alter des Beschwerdeführers und dessen nicht gerade breit gestreuter Palette an abzurufenden Ressourcen keine weiteren relevanten psychosozialen Faktoren mit einschränkender Wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
feststellen konnte,
erscheint
in Anbetracht dieser Umstände nicht nachvollziehbar.
Darauf, dass sich die Pathologie in der psychosozialen Belastungssituation erschöpft, kann
umgekehrt
auch nicht
ohne
Weiteres
geschlossen werden. So ermöglicht gemäss dem behan
delnden Psychiater Dr.
C._
der alleinige Wegfall der psychosozialen
Be
lastungsfaktoren
keine volle Arbeitsfähigkeit.
Aus dem Gutachten von
Dr.
D._
ist
nicht eindeutig ersichtlich, ob er den Arbeitsplatzverlust so
wie die durch die Kündigung erlittenen Kränkungen bei der Einschätzung der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
berücksichtigte. Diesbezüglich führte er lediglich aus, dass die ungewisse berufliche Zukunft, das ungünstige Eingliederungsalter, die ausgeprägte subjektive Insuffizienzüberzeugung sowie eine ausgeprägte
Dekonditionierung
nicht in die Beurteilung der medizinisch-theoretischen Zumutbarkeit einer Tätigkeit mi
teingeflossen seien (
Urk.
12/37 S.
16).
Wie bereits dargelegt, sind zudem von der soziokulturellen Belastungssitua
tion zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
dingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Dem Gutachten vo
n Dr.
D._
kann nicht nachvollziehbar entnommen werden,
ob die depressive Störung
des Beschwerdeführers
als eigenständiges Krank
heitsbild zu bewerten ist, wie dies die Ärzte der
A._
annehmen (
Urk.
3/4).
Ob
den
psychischen Beschwerden gegenüber der psychosozialen Belastungssitu
ation
selbstständige Bedeutung und (teil-)invalidisierende
Krankheitswertig
keit
zukommt, kann
auf Grund der Akten nicht zuverlässig
beurteilt werden. Vielmehr erscheinen weitere diesbezügliche Abklärungen durch die Verwal
tung als unumgänglich.
4.2
4.2.1
Beim Beschwerdeführer wurde mehrfach eine rezidivierende
depressive Stö
rung mit mittelgradiger depressiver Episode diagnostiziert. Hierzu ist festzu
halten, dass
l
eichte bis mittelgradige depressive Störungen rezidivierender oder episodischer Natur
praxisgemäss
einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht fallen, wenn sie
erwiesenermassen
therapieresistent sind. Nur in dieser - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den normativen Anforderungen des
Art.
7
Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan. Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Zudem muss die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein, als die aus fachärztlicher Sicht indi
zierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft worden sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_434/2016 vom 14. Oktober 2016 E. 6.3 mit Hinweisen).
4.2.2
Seit dem 1
7.
Dezember 2013 ist der Beschwerdeführer bei
Dr.
C._
in ambulanter Behandlung, dies mit zunächst wöchentlichen Konsultationen bis mindestens Ende Oktobe
r 2014 (Urk. 12/13/2 und
Urk.
8 S.
11), anschliessend mit Terminen alle zwei Wochen (
Urk.
12/37
S.
7). Zudem wurde er vom 10. Oktober 2014 bis im Januar 2015 ganztags in der Akut-Tagesklinik und anschliessend bis im Juli/August 2015 viermal wöchentlich jeweils am Mor
gen in der Rehabilitations-Tagesklinik der
A._
ambulant behandelt (Urk. 8
S.
11, E. 3.4
hievor
und
Urk.
21). Ausserdem wird der Beschwerdeführer seit Dezember 2013 mit Psychopharmaka behandelt.
4.2.3
Trotz dieser Behandlungen konnte eine anhaltende Verbesserung des Gesund
heitszustandes nicht erreicht werden.
Die behandelnden Ärzte der
A._
rechneten zunächst noch mit einer Verbesserung der Symptomatik (Urk. 3/3 S. 3), gingen jedoch kurz nach Erlass der angefochtenen Verfügung von einem
mittlerweile
chronifizierten
depressiven Zustand
aus
(
Urk.
3/4).
Ge
mäss Angaben des Gutachters Dr.
D._
befindet sich der Beschwerde
führer in einem adäquaten ambulanten Behandlungsrahmen
;
weitergehende medizinische Massnahmen (stationäre/halbstationäre Behandlung) sind nicht erfolgsversprechend, sondern würden regressive Tendenzen eher fördern
(
Urk.
12/37
S.
16).
Diese Ansicht
vertrat
auch
Dr.
B._
in seinem Gutachten zuhanden der
Taggeldversicherung
(
Urk.
8 S. 11).
Zur Frage, ob der Be
schwerdeführer die aus
fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren
Behand
lungsmöglichkeiten
in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausge
schöpft hat,
äusserte
sich
Dr.
D._
jedoch
nicht ausdrücklich. Ob
die psy
chischen Beschwerden
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
therapieresis
tent
sind, kann damit nicht
abschliessend
beurteilt werden. Auch
diesbezüg
lich
sind
weitere Abklärungen durch die Verwaltung erforderlich.
4.3
Gutachter
Dr.
D._
führte aus
, dass der Beschwerdeführer in einer ange
passten, ruhigen, stressarmen Tätigkeit seit Oktober 2013 zu 50
%
arbeitsfä
hig sei
(E. 3.3
hievor
).
Diese Einschätzung wird von ihm jedoch nicht weiter begründet und ist für das Gericht damit nicht nachvollziehbar.
Insbesondere ist
,
wie bereits dargelegt
,
nicht ersichtlich,
ob
bei der Einschätzung der Ar
beitsunfähigkeit
sämtliche psychosozialen Belastungsfaktoren, insbesondere
de
r
Arbeitsplatzverlust sowie die durch die Kündigung erlittenen Kränkun
gen
,
unberücksichtigt blieben.
Auch hierzu sind
weitere Abklärungen nötig.
5.
Soweit d
er Beschwerdeführer geltend
machte
, nach Austritt aus der
Rehabilita
tions
-
Tagesklinik im Juli/August 2015 habe sich sein Zustand verschlechtert
,
ist festzuhalten, dass
dies
offenbar stark in Zusammenhang mit dem negativen Entscheid der Beschwerdegegnerin vom 1
5.
September 2015 stand. So schilderten die
A._
-Ärzte,
dass der Beschwerdeführer am 2
4.
September 2015 erneut in die Akut-Tagesklinik habe eintreten müssen
;
er sei
eingeengt auf die fehlende Existenzsicherung und
habe
massive Existenz- und Zukunftsängste (
Urk.
4/4).
Auch Dr.
C._
berichtete von einer Be
lastung durch den negativen Entscheid der Beschwerdegegnerin, gegen wel
chen ein Rechtsmittel eingelegt worden sei, womit das vorliegende Verfahren gemeint sein dürfte. Der Beschwerdeführer habe Angst vor einem Abg
leiten in die Sozialhilfe (Urk.
21). Der Gesundheitszustand scheint sich damit über
wiegend aus invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Gründen ver
schlechtert zu haben (vgl.
dazu etwa
Urteil des Bundesgerichts 9C_559/2015 vom
2.
Dezember 2015 E. 3.3).
Nachdem
der Beschwerdeführer seinen be
handelnden Psychiater auch nach dem Austritt aus der
Rehabilitations-Ta
gesklinik
lediglich alle zwei Wochen
konsultierte, ist im Übrigen
nicht davon auszugehen, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes bereits zu jenem Zeitpunkt oder in den darauffolgenden Wochen eingetreten war.
Eine invalidenversicherungsrechtlich relevante Verschlechterung des Gesund
heitszustandes zwischen der psychiatrischen Begutachtung und dem Zeit
punkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung
erscheint
damit nicht über
wiegend wahrscheinlich.
6
.
Zusammenfassend
lässt
namentlich
das psychiatrische Gutachten von
Dr.
D._
mehrere Fragen offen, welche ergänzender Abklärung bedürfen.
Der angefochtene Entscheid ist deshalb aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese
die entsprechenden
Ab
klärungen treffe und anschliessend über den Leistungsanspruch de
s
Be
schwerdeführer
s
neu entscheide.
Das Einholen eines psychiatrischen
Ge
richtsgutachtens
- wie vom Beschwerdeführer beantragt - ist
unter den gege
benen Umständen (Ergänzung)
hingegen
nicht
geboten
.
7
.
7
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
8
00.-- festzusetzen und entsprechend dem
Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
7
.2
Dem Beschwerdeführer
steht ausgangsgemäss eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festgesetzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Entsprechend ist ih
m
eine
Prozess
entschädigung
von Fr.
2
‘800.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
)
auszurichten.