# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fd426701-a5ba-465e-8565-28c4030ef318
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 14
I. Sachverhalt
A. Mit Verfügung vom 10. Februar 2017 wurde X._, geboren am 22. Mai 1955, durch den Arzt Dr. med. A._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, gestützt auf Art. 429 ZGB in der Klinik Waldhaus, Psychiatrische Dienste Graubünden, Chur, fürsorgerisch untergebracht. Als Grund für die Einweisung führte der einweisende Arzt eine Gefährdung durch unrealistische Geldausgaben, wie ein BMW Kauf und eine gebuchte Reise, an. X._ habe Rededrang, befinde sich in einer euphorischen Stimmung, die bei Widerspruch in eine gereizte Verstimmung umschlage. Ferner leide er an einer verminderten Realitätskontrolle und könne das eigene Handeln nicht mehr vernunftgemäss steuern und überschätze sich selber. Überdies habe X._ die ambulante Konsultation bei Dr. med. A._ durch "plötzliches Weglaufen" abgebrochen, als dieser ihm eröffnete, dass zu seinem Schutz eine stationäre Massnahme nötig sei (vgl. act. 01.1).
B. Gegen die fürsorgerische Unterbringung erhob X._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 11. Februar 2017, Poststempel 13. Februar 2017, Rekurs (recte: Beschwerde) beim Kantonsgericht von Graubünden (vgl. act. 01).
C. Mit Schreiben vom 14. Februar 2017 ersuchte der Vorsitzende der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden die Klinik Waldhaus um Übermittlung eines kurzen Berichts zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers, zur Art der Behandlung und insbesondere darüber, ob die Voraussetzungen für eine fürsorgerische Unterbringung noch gegeben seien. Gleichzeitig ersuchte der Vorsitzende um Einreichung der wesentlichen Klinikakten des Beschwerdeführers, namentlich Eintrittsbericht, Behandlungsplan und Krankengeschichte. Er setzte hierzu eine Frist bis zum 16. Februar 2017.
D. Am 16. Februar 2017 stellten die Psychiatrischen Dienste Graubünden die geforderten Unterlagen zu. In ihrem Kurzbericht führten die Psychiatrischen Dienste Graubünden aus, dass der Beschwerdeführer am 10. Februar 2017 mit bekannter bipolarer Störung in manischem Zustand von seinem Psychiater Dr. med. A._ per fürsorgerische Unterbringung zugewiesen worden sei. Der Patient befinde sich weiterhin in euphorischer Stimmungslage mit Grössenideen, Logorrhoe und Distanzlosigkeit. Zudem mache er sexuelle Offerten an Mitarbeiter. Vor dem Eintritt in die Klinik habe er erhebliche finanzielle Ausgaben getätigt, er habe unter anderem ein Auto gekauft und eine Fernreise gebucht. Unter der kontinuierlichen Einnahme von Antipsychotika bessere sich der Zustand
Seite 3 — 14
allmählich, allerdings seien aktuell keine weniger einschneidenden Massnahmen als die Unterbringung auf der geschlossenen Station ersichtlich. Die Krankheits- und Behandlungseinsicht sei nur unzureichend. Bei einem Austritt wäre eine ambulante Behandlung nicht tragfähig.
E. Mit prozessleitender Verfügung vom 17. Februar 2017 betraute der Vorsitzende der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden Dr. med. B._, Chur, mit der Begutachtung des Beschwerdeführers gemäss Art. 439 Abs. 3 i.V.m. Art. 450e Abs. 3 ZGB und setzte ihr zur Einreichung eines Gutachtens eine Frist bis zum 20. Februar 2017. Im Gutachten sei insbesondere darzulegen, ob und inwiefern ein Bedarf an der Behandlung einer festgestellten psychischen Erkrankung bzw. an der Betreuung der betroffenen Person bestehe und mit welcher konkreten Gefahr für die Gesundheit oder das Leben der betroffenen Person bzw. von Dritten zu rechnen sei, wenn die Behandlung der gutachterlich festgestellten Krankheit bzw. die Betreuung unterbliebe. Ebenso sei darzulegen, ob eine stationäre Behandlung bzw. Betreuung unerlässlich sei oder allfällige ambulante Alternativen bestehen würden. Auch sei über die glaubwürdige Krankheits- und Behandlungseinsicht Auskunft zu erteilen (vgl. act. 05).
F. Mit Kurzgutachten vom 18. Februar 2017 beantwortete die beauftragte Gutachterin die ihr gestellten Fragen. Gestützt auf ein Gespräch mit dem Beschwerdeführer sowie in Kenntnis der Vorakten hielt Dr. med. B._ fest, dass der Beschwerdeführer an einer manischen Exacerbation einer bipolaren Krankheit leide. Da der Beschwerdeführer keine Krankheitseinsicht zeige, sei er gefährdet, ohne Aussenstrukturierung oder fortwährendem Feedback zu seinem Verhalten in dieser deutlichen Krankheitsphase Entscheidungen zu treffen (z.B. Kündigung des Arbeitsplatzes), die er nach Rückgang der manischen Symptomatik vielleicht bereuen werde und die ihm schaden. Zur stationären psychiatrischen Behandlung ergebe sich aktuell keine sinnvolle Alternative. Es sei zu erwarten, dass ein Behandlungsabbruch zum jetzigen Zeitpunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer erneuten psychischen Dekompensation mit gegebenenfalls eigen- oder fremdgefährdendem Verhalten zu rechnen sei.
G. Am 23. Februar 2017 fand die mündliche Hauptverhandlung vor der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden statt, an welcher der Beschwerdeführer persönlich teilnahm. Bezüglich der richterlichen Befragung wird auf das separat angefertigte Protokoll vom 23. Februar 2017 (nachfolgend Protokoll vom 23. Februar 2017) verwiesen. Gleichen Tages wurde dem
Seite 4 — 14
Beschwerdeführer sowie der Klinik Waldhaus das vorzeitige Entscheiddispositiv zugestellt.
H. Auf die Aussagen des Beschwerdeführers anlässlich der richterlichen Befragung sowie auf die Ausführungen im Gutachten und in den beigezogenen Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. a) Vorliegend handelt es sich um ein Verfahren, welchem eine fürsorgerische Unterbringung nach Art. 426 ff. ZGB zugrunde liegt. Da das Kantonsgericht in solchen Angelegenheiten die einzige kantonale Beschwerdeinstanz ist (vgl. Art. 439 Abs. 1 Ziff. 1 und 4 ZGB in Verbindung mit Art. 60 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zum Zivilgesetzbuch [EGzZGB; BR 210.100]), hat der Beschwerdeführer seine Beschwerde an das hierfür zuständige Gericht eingereicht.
b) Gegen die am 10. Februar 2017 gestützt auf Art. 429 Abs. 1 ZGB ärztlich angeordnete fürsorgerische Unterbringung kann die betroffene oder eine ihr nahestehende Person innert zehn Tagen schriftlich beim zuständigen Gericht Beschwerde erheben (vgl. Art. 439 Abs. 1 und 2 ZGB). Eine Begründung ist gemäss Art. 439 Abs. 3 ZGB, welcher die Bestimmungen über das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz und damit auch Art. 450e Abs. 1 ZGB für sinngemäss anwendbar erklärt, nicht notwendig. Vorliegend wurde die Beschwerdefrist mit der ohne Begründung eingereichten Eingabe vom 11. Februar 2017, Poststempel vom 13. Februar 2017, gewahrt (vgl. act. 01). Als von der fürsorgerischen Unterbringung direkt Betroffener ist der Beschwerdeführer zur Beschwerdeerhebung ohne weiteres legitimiert. Da keine Begründungspflicht besteht, ist auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten.
2. a) Art. 439 Abs. 3 ZGB sieht für die gerichtliche Überprüfung einer ärztlich angeordneten fürsorgerischen Unterbringung eine sinngemässe Anwendung der Bestimmungen über das Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz vor (vgl. Art. 450a ff. ZGB). Von besonderer Bedeutung ist dabei Art. 450e ZGB, der an sich das Verfahren für die gerichtliche Beurteilung eines durch die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde gefällten Unterbringungsentscheids behandelt (vgl. dazu sogleich die nachfolgenden Erwägungen). Vom Verweis nicht erfasst wird dagegen Art. 450 ZGB, weil die Vorinstanzen, die Legitimation und die Form der
Seite 5 — 14
Beschwerde in Art. 439 ZGB selbständig und abschliessend geregelt wird (vgl. dazu Thomas Geiser/Mario Etzensberger, in: Geiser/Reusser [Hrsg.], Basler Kommentar, Erwachsenenschutz, Basel 2012, N. 38 zu Art. 439 ZGB [zit. Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz]). Zu beachten sind sodann die allgemeinen Verfahrensgrundsätze des erstinstanzlichen Verfahrens (vgl. Art. 443 ff. ZGB), die auch im Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz anwendbar sind, soweit das Gesetz in den Art. 450 ff. ZGB keine abweichenden Vorschriften enthält (vgl. Daniel Steck, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 13 zu Art. 450 ZGB). Dies gilt namentlich für die in Art. 446 ZGB verankerte uneingeschränkte Untersuchungs- und Offizialmaxime und das an gleicher Stelle festgeschriebene Prinzip der Rechtsanwendung von Amtes wegen. Der Anwendungsbereich dieser zentralen Verfahrensgrundsätze bezieht sich auf sämtliche Verfahren vor der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde und erstreckt sich – wenn auch teilweise in abgeschwächter Form – nach dem Grundsatz der Einheit des Prozesses auch auf die Verfahren vor der gerichtlichen Beschwerdeinstanz (vgl. Christoph Auer/Michèle Marti, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 1 zu Art. 446 ZGB mit weiteren Hinweisen). Zu erwähnen ist ferner der ebenfalls für alle Instanzen geltende Art. 450f ZGB, welcher die Bestimmungen der Schweizerischen Zivilprozessordnung als subsidiär anwendbar erklärt, soweit die Kantone nichts anderes bestimmen. Von letzterer Möglichkeit wurde im Kanton Graubünden kein Gebrauch gemacht. Vielmehr verweist Art. 60 Abs. 2 EGzZGB ebenfalls auf die Zivilprozessordnung als subsidiär anwendbares Recht sowie auf die entsprechende kantonale Einführungsgesetzgebung (Einführungsgesetz zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [EGzZPO; BR 320.100]). In Art. 60 Abs. 3 EGzZGB wird des Weiteren klargestellt, dass die Bestimmungen der ZPO über den Fristenstillstand sowie über neue Tatsachen und Beweismittel keine Anwendung finden. Dass im Verfahren der gerichtlichen Beurteilung von fürsorgerischen Unterbringungen Noven unbeschränkt zuzulassen sind und das Gericht seinem Entscheid den Sachverhalt zugrunde zu legen hat, wie er sich im Zeitpunkt der Urteilsfällung präsentiert, ergibt sich im Übrigen auch aus dem Grundsatz der Prozessökonomie (vgl. Thomas Geiser/Mario Etzensberger, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 40 zu Art. 439 ZGB). Aus Art. 450a ZGB wie auch aus Art. 5 Ziff. 4 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) ergibt sich schliesslich, dass das Gericht sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen wie auch die Angemessenheit frei überprüft und ihm von Bundesrechts wegen volle Kognition zukommt. Weil die Vor-instanz jeweils keine Behörde, sondern entweder ein Arzt oder eine
Seite 6 — 14
Einrichtung ist, hat das Gericht die Sache endgültig zu entscheiden und diese nicht an die Vorinstanz zu neuer Entscheidung zurückzuweisen. Das Rechtsmittel ist mithin reformatorisch. Das Urteil lautet entweder auf Aufhebung oder Aufrechterhaltung der Massnahme, wobei das Gericht die Massnahme aber auch abändern kann, indem es die betroffene Person beispielsweise in eine andere Einrichtung einweist. Allenfalls kann sich auch eine Überweisung an die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde für weitere Abklärungen und die Anordnung zusätzlicher Massnahmen als notwendig erweisen. Zur Sicherstellung der gebotenen Fürsorge kann in einem solchen Fall die Entlassung auch aufgeschoben werden, bis die zuständige Behörde die für ein Leben ausserhalb der Einrichtung notwendigen Anordnungen getroffen hat (vgl. Thomas Geiser/Mario Etzensberger, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 39 und 41 zu Art. 439 ZGB).
b) Gemäss Art. 450e Abs. 3 ZGB, welcher aufgrund von Art. 439 Abs. 3 ZGB sinngemäss anwendbar ist, muss bei psychischen Störungen für den Entscheid über eine ärztlich angeordnete fürsorgerische Unterbringung zwingend ein Gutachten eingeholt werden. Dieses muss von einem unabhängigen, im laufenden Verfahren noch nicht involvierten Sachverständigen erstellt werden und in dem Sinne aktuell sein, dass es sich zu den sich im gerichtlichen Verfahren stellenden Fragen äussern muss (vgl. Thomas Geiser/Mario Etzensberger, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 48 ff. zu Art. 439 ZGB und Thomas Geiser, in: Basler Kommentar zum Erwachsenenschutz, a.a.O., N. 19 zu Art. 450e ZGB sowie BGE 137 III 289 und Urteil des Bundesgerichts 5A_63/2013 vom 7. Februar 2013 E. 5, jeweils noch zum bisherigen Recht und nunmehr zum neuen Recht Urteil des Bundesgerichts 5A_189/2013 vom 11. April 2013 E. 2.2). Mit dem Kurzgutachten vom 18. Februar 2017 von Dr. med. B._, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH (vgl. act. 06), welche den Beschwerdeführer am 18. Februar 2017 in der Klinik Waldhaus persönlich untersuchte, wurde dieser Vorschrift Genüge getan.
c) Gemäss Art. 450e Abs. 4 Satz 1 ZGB muss die gerichtliche Beschwerdeinstanz die betroffene Person in der Regel als Kollegium anhören, was faktisch zwingend zur Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung führt (vgl. Christof Bernhart, Handbuch der fürsorgerischen Unterbringung, Basel 2011, N. 848 f.). Mit der Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung am 23. Februar 2017 vor der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden wurde diese Vorgabe umgesetzt.
Seite 7 — 14

## Considerations