# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9c743a3d-6f4f-4e7b-896e-ffd69489bb70
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1993
, schloss eine
Berufslehre
als
Recyclist
ab
(
Urk.
7/1
Ziff.
4
,
Urk.
7/10 S. 3
Ziff.
3
). Unter Hinweis auf eine
schwere
psychi
atrische Erkrankung meldete er sich am 1
0.
Juli 2018 bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/8
Ziff.
6.1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche (
Urk.
7/11) und medizinische (
Urk.
7/13,
Urk.
7/15) Abklärungen. Am 1
7.
August 2018 teilte sie dem Versi
cherten mit, dass kein Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe (
Urk.
7/12).
Am
6.
Juni 2019 (
Urk.
7/17) erliess die IV-Stelle den Vorbescheid
betreffend IV-Leistungen
, wogegen d
er Versicherte Einwände
erhob
(
Urk.
7/22).
In der Folge verneinte die IV-Stelle m
it Verfügung vom 1
2.
September 2019 (
Urk.
7/25 =
Urk.
2) einen Anspruch auf IV-Leistungen.
2.
Der Versich
erte erhob am 2
6.
September 2019 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
2.
September 2019 und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien wei
tere medizinische Abklärungen in die Wege zu leiten (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2 oben). Verfahrensrechtlich beantragte
er
die Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1.
November 2019 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
4.
Dezem
ber 2019 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ih
rem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018
E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig
und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid
(
Urk.
2)
fest, nach den medizinischen Abklärungen stünden psychosoziale Belastungen im Vordergrund. Eine dauerhafte gesundheitliche Einschränkung liege nicht vor
. Es sei dem Be
schwerdeführer somit möglich, vollumfänglich einer beruflichen Tätigkeit nach
zugehen
.
Die Beschwerdegegnerin gab zudem an
, dass
eine gesundheitliche Ein
schränkung vorliege, die sich
aber
verbessert habe
(S. 1). Gemäss den Angaben des behandelnden Psychiaters sei die Leistung
sfähigkeit
des Beschwerdeführers
nicht eingeschränkt und
es bestehe eine günstige Prognose
(S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer bracht
e
vor,
gemäss
den Berichten
des behandelnden Psy
chiaters leide er an einer schweren depressiven Episode mit psychotischen Symp
tomen.
Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit sei nicht mehr möglich, da
hierfür
Kun
denkontakte erforderlich seien
(
Urk.
1 S. 3
Ziff.
3).
Die Ärztin des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin habe zunächst beanstandet, dass die Medikation und die Therapie der gestellten Diagnose widerspreche
n würde
n
. Gemäss dem neuesten Feststellungsblatt der Be
schwerdegegnerin
würden
der Gesundheitszustand nun jedoch
als
gut therapiert und die Medikation sowie die therapeutische Behandlung
als adäquat beurteilt
.
Die
RAD-Ärztin
nehme
somit
eine gegenteilige Einschätzung vor, als vor einigen Monaten.
Weiter treffe nicht zu, dass der behandelnde Arzt eine günstige Prog
nose gestellt habe (S. 5
Ziff.
2-3). Es sei davon auszugehen, dass der Beschwer
deführer seine bisherige Tätigkeit nicht mehr ausüben könne und er Unterstüt
zung durch die Beschwerdegegnerin benötige
. Ferner müsse der medizinische Sachverhalt weiter abgeklärt werden
(S. 5
Ziff.
4).
2.3
Streitig ist, ob ein Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Rente und gegebe
nenfalls auf Eingliederungsmassnahmen besteht. Zunächst ist zu prüfen, ob auf die medizinischen Akten abgestell
t werden kann.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer war zuletzt
selbständigerwerbend
als Messerschleifer tätig (
Urk.
7/10 S. 2
Ziff.
2 Mitte).
3.2
Seit dem
1
5.
März 2018
ist
d
er
Beschwerdeführer
bei
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulanter psy
chiatrischer Behandlung
,
zwei- bis dreiwöchentlich
(
Urk.
7/13 S. 2
Ziff.
1.1
und 1.2
).
Dr.
Z._
gab im Bericht vom
5.
September 2018 zur medizini
schen Situation an, die Krankheit habe im Herbst/Winter 2017 begonnen. Der Patient habe
eine Phase der Instabilität und Unruhe erlebt, die schlussendlich zum Konkurs der Firma geführt habe, die er selber betrieben habe (S. 2
Ziff.
2.1). Die
aktuelle
medizinische Symptomatik sei unauffällig (S. 3
Ziff.
2.2).
Der Beschwer
deführer erhalte als Medikation
Sequase
XR 50mg, 1 Tablette abends, und
Cym
balta
60mg, 1 Tablette abends (S. 3
Ziff.
2.3).
Der Patient sei bei der Erstkonsultation durch Rückzug, Agitiertheit,
eine
stark
e
motorische
U
nruhe und ein Nicht
stillsitzen-
können aufgefallen. Weiter seien ab
reissende Gedankengänge aufgefallen. Der Patient habe
zudem
über
Nacht
schweiss, Ein- und Durchschlafstörungen, Appetitlosigkeit sowie Rückzug und Suizidphantasien
g
eklagt (S. 3
Ziff.
2.4).
Der Psychiater nannte als Diagnose mit Auswirkung auf
die
Arbeitsfähigkeit eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F32.3, S. 3
Ziff.
2.5).
Er
attestierte für die zuletzt ausgeübten Tätigkeiten als
Recyclist
, Hau
sierer und Verkäufer seit dem 1
5.
März 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 2
Ziff.
1.3, S. 5
Ziff.
4.1). Die
zuletzt ausgeübte
Tätigkeit sei kundenorientiert.
Aufgrund der Erkrankung könne
der Beschwerdeführer diese
nicht mehr wahr
nehmen. Er
könne nicht auf Leute zugehen,
sei zu einem affektiven Kontakt nicht fähig
und
fliehe vor neuen Kontakten
(S. 4
Ziff.
3.3 und
3.4).
In einer angepassten Tätigkeit
bestehe ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von null Stunden (S. 5
Ziff.
4.2).
Die Prognose der Arbeitsfähigkeit sei unklar (S. 3
Ziff.
2.7).
Für eine Eingliede
rung sei die Prognose ungünstig (S. 5
Ziff.
4.3).
Die schulische Ausbildung sei relativ mager (S. 4
Ziff.
3.5).
3.3
Dr.
Z._
bestätigte im Verlaufsbericht vom 2
6.
März 2019 (
Urk.
7/15)
die Diagnose einer schweren
depressive
n
Episode mit psychotischen Symptomen, die seit dem 1
5.
März 2018 bestehe (
Ziff.
1.2). Weiter gab er an, die bisherige Tätigkeit des Beschwerdeführers als Messerschleifer und Hausierer oder als
Recyclist
sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht umsetzbar. Zurzeit sei keine Tätig
keit denkbar, da der Patient nicht belastbar sei (
Ziff.
2.1).
Die Leistungsfähigkeit betrage 0
%
(
Ziff.
2.2).
Es finde eine regelmässige Psychotherapie und
eine
Psychopharmakotherapie statt mit einem Rhythmus von zwei bis vier Wochen (
Ziff.
3.1).
Der Psychiater gab eine unveränderte Medikation von
Sequase
und
Cymbalta
an (
Ziff.
3.2). Die Prognose bezeichnete er als eher günstig (
Ziff.
3.3). Es werde eine
Wiedereinglie
derung ohne Leistungszwang
empfohlen
mit einem Pensum von fünf Tagen à zwei bis drei Stunden die Woche (
Ziff.
4.2).
3.4
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in der Stellungnahme vom 3
1.
Mai 2019 (
Urk.
7/16 S. 3) aus,
der Beschwerdeführer sei an einer Depression erkrankt, nachdem er seine selbstän
dige Tätigkeit als Messerschleifer aufgegeben habe. Seit März 2018 bestehe eine ambulante psychiatrische Behandlung. Der behandelnde Psychiater sehe eine Wiedereingliederungsfähigkeit des Beschwerdeführers, wobei ein Pensum von fünf
Tagen
à zwei bis drei Stunden pro Woche in einer Tätigkeit ohne Leistungs
druck angegeben worden sei
(S. 3 oben).
Anhand des vorliegenden Befundes, der niedrig dosierten und im Verlauf unver
änderten antidepressiven Medikation und bei nur zwei
-
bis drei
-
beziehungsweise zwei
- bis vier
wöchentlichen Konsultationen sei eine schwere Depression nicht nachvollziehbar.
Es bestünden erhebliche psychosoziale Belastungen. Beide El
ternteile seien psychisch erkrankt und die Mutter beziehe eine
Invalidenrente
.
Zudem bestünden
Betreibungen und der Beschwerdeführer habe keine Hobbies.
Weiter liege
eine ambivalente Arbeitsmotivation vor.
Der Beschwerdeführer
wolle arbeiten, könne sich dies aufgrund schlechter Erfahrungen mit der Berufstätigkeit aber nicht mehr vorstellen. Einer depressiven Episode fehle der Charakter der Dauerhaftigkeit
. Es seien noch nicht alle Therapieoptionen ausgeschöpft. Eine Vollremission sei medizinisch-theoretisch möglich. Die psychosozialen Belastun
gen
stünden im Vordergrund. Ein dauerhafter Gesundheitsschaden sei aus versi
cherungsmedizinischer Sicht nicht ausgewiesen (S. 3 Mitte).
3.5
Am 1
8.
Juli 2019 erfolgte eine telefonische Rücksprache der Verantwortlichen der Beschwerdegegnerin bei
Dr.
A._
. In der Notiz vom 1
8.
Juli 20
19 (
Urk.
7/24 S. 2 unten)
wurde dazu
vermerkt
, es liege eine gesundheitliche Ein
schränkung vor. Diese habe sich jedoch verbessert. Es handle sich um eine Epi
sode, die vorübergehend sei. Der Gesundheitsschaden werde gut therapiert und sei nicht chronifiziert. Weiter sei damit zu rechnen, dass der Beschwerdeführer wieder gesund
werde. Dies könne zwar länger dauern. Die Chancen seien jedoch gut.
Der behandelnde Psychiater empfehle ebenfalls eine Eingliederung, zu Beginn
mit einem Pensum von
fünf Mal zwei bis drei Stunden pro Woche. Die Leistungsfä
higkeit sei somit nicht aufgehoben wie bei einer schweren Depression. Der Be
schwerdeführer sei offensichtlich auf dem Weg der Besserung. Eine schwere De
pression bestehe somit nicht. Die Prognose sei vom Psychiater als günstig einge
stuft worden.
Die Medikation sowie die therapeutische Behandlung seien sodann adäquat. Wei
tere medizinische Abklärungen seien nicht angezeigt (S. 2 unten).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer ist seit dem 1
5.
März 2018
wegen einer depressiven Er
krankung
bei
Dr.
Z._
in ambulanter psychiatrischer Behandlung
.
Der Psychiater diagnostizierte eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen. In den Berichten vom
5.
September 2018 und vom 2
6.
März 2019 attestierte er für die
zuletzt vom Beschwerdeführer ausgeübten Tätigkeiten
als Messerschleifer
, Hausierer
und
Recyclist
eine volle Arbeitsunfähigkeit.
Im Bericht vom 2
6.
März 2019
empfahl
der behandelnde Psychiater
eine
Wiedereingliede
rung
mit einem reduzierten
Arbeitspensum
, wobei
er
eine Tätigkeit ohne Leis
tungszwang
angab
(vorstehend E.
3.2 und
3.3).
RAD-Ärztin
Dr.
A._
wich in
der
Stellungnahme vom 3
1.
Mai 2019
und
anlässlich einer
telefonischen Besprechung vom
1
8.
Juli 2019 von der Beurtei
lung durch
Dr.
Z._
ab (E. 3.4 und 3.5).
4.2
Dr.
A._
gab am 3
1.
Mai 2019 zunächst an, dass
im Falle des Beschwerde
führers
noch nicht sämtliche Thera
pieoptionen ausgeschöpft seien. Die
im Verlauf
unveränderte Medikation
und die Häufigkeit der Konsultationen würden gegen eine schwere Depression sprechen. Zudem stünden psychosoziale Belastungen im
Vordergrund (vorstehend E. 3.4). Gemäss der
Besprechung vom 1
8.
Juli 2019 be
zeichnete die RAD-Ärztin die Therapie
dann aber
als adäquat.
Zudem gab sie
neu
einen
relevanten
Gesundheitsschaden
an
, der sich aber verbessert habe.
Die wi
dersprüchlichen Angaben der RAD-Ärztin zum Vorliegen eines Gesundheitsscha
dens finden sich
auch auf Seite 1 der angefochtenen Ve
rfügung vom 1
2.
Septem
ber 2019, was der Beschwerdeführer zu Recht beanstandete.
Der behandelnde Psychiater diagnostizierte
i
mmerhin eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
, und der Beschwerdeführer nimmt eine psychiatrische sowie eine medikamentöse Therapie wahr
.
Damit bestehen Hin
weise auf eine
psychische Erkrankung
,
welcher
eine
R
elevanz
nicht ohne Weiteres
abgesprochen werden kann
.
Die Schwere der depressiven Störung lässt sich an
hand der Berichte von
Dr.
Z._
und des darin wiedergegebenen Be
fundes jedoch nicht
weiter
überprüfen
. Die
widersprüchlichen Angaben von
Dr.
A._
zum Vorliegen eines Gesundheitsschadens und zur Therapiebe
dürftigkeit
des Beschwerdeführers
genügen
jedenfalls
nicht, um
die Beurteilung durch
den behandelnden
Psychiater zu widerlegen.
Die
Stellungnahmen der RAD-Ärztin
beruhen zudem nicht
auf einer persönlichen Unte
rsuchung
des Beschwer
deführers, was gegen deren Beurteilung spricht
. Bei der zweiten Stellungnahme
vom Juli 2019
handelt es sich zudem lediglich um eine telefonische Rücksprache.
Die Beschwerdegegnerin hat es
vor diesem Hintergrund
unterlassen, den Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers
eingehend
mittels eines psychiatrischen Gut
achtens abz
uklären. Eine Begutachtung ist
auch desh
alb
erforderlich,
da die
knappen medizinischen Unterlagen
die
Prüfung der im Raum stehenden depres
siven Störung
und deren Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers
mittels eines strukturierten Beweisverfahrens
(vgl. E. 1.3 hiervor) nicht
erlauben.
4.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.4
Zusammenfassend erweist sich der medizinische Sachverhalt als ungenügend ab
geklärt. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers mittels eines psychiatrischen Gutachtens abkläre. Anschliessend hat sie über einen Anspruch auf Eingliede
rungsmassnahmen und auf eine Rente erneut zu verfüge
n
. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vor
liegend sind die Kosten auf
Fr.
5
00.-- festzusetzen und der unterliegenden Be
schwerdegegnerin aufzuerlegen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich das Gesuch des Beschwerdefüh
rers um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (vgl.
Urk.
1 S. 2
Ziff.
3 oben) als gegenstandslos.