# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2e88a57f-b3bb-4932-b4f8-5ccd07be043f
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalte "eine etwas andere Sicht der Dinge ergeben", habe sich auf
die bisherigen (gescheiterten) Behandlungsformen und nicht auf
anspruchsbegründende Faktoren bzw. eine unveränderte berufliche oder
medizinische Situation bezogen. Zudem sei das Gutachten von Dr. med.
E._ mit der nachvollziehbaren Diagnose einer ursprünglichen
Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis zweifelsfrei ein neuer
Beweis/eine neue Tatsache, der/die beim Erlass der ersten ablehnenden
Verfügung der IV-Stelle im September 2016 (noch) nicht vorgelegen
hätten. Selbst wenn Dr. med. D._ differentialdiagnostisch eine
Schizophrenie ins Auge gefasst habe, sei dies nie weiter untersucht
worden, obwohl Dr. med. D._ eine entsprechende Überprüfung
vorgeschlagen habe. Weiter hielt der Beschwerdeführer fest, mit dem
Einreichen des Gutachtens von Dr. med. E._ sei eine zentrale
Sachverhaltsänderung mehr als glaubhaft gemacht worden. Die nun
diagnostizierte Schizophrenie sei zwar im früheren Verfahren erwähnt,
aber zu seinem Nachteil unbewiesen geblieben. Ausserdem sei er
mittlerweile zu 100% arbeitsunfähig. Gestützt auf die Rechtsprechung im
Zusammenhang mit Neuanmeldungen/Revisionen von IV-Leistungen sei
das Vorgehen der IV-Stelle unhaltbar.
8. Mit Vernehmlassung vom 21. September 2017 beantragte die IV-Stelle
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde.
Begründend führte die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen aus, der
Beweiswert des Gutachtens von Dr. med. D._ vom 8. Februar 2016
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und/oder die Rechtmässigkeit der rechtskräftigen Verfügung vom 2.
September 2016 sei nicht zu prüfen. Ebenso wenig sei die Frage nach der
Revision der rechtskräftigen Verfügung vom 2. September 2016 im Sinne
von Art. 53 Abs. 1 ATSG Streitgegenstand. Gemäss den Beurteilungen des
RAD vom 7. April 2017 und 20. Juni 2017 habe sich der Sachverhalt
zwischen dem 2. September 2016 und 22. Juni 2017 nicht in einer für den
Anspruch erheblichen Weise verändert. Bei der Einschätzung von Dr. med.
E._ vom 20. Dezember 2016 handle es sich offensichtlich um eine
andere Beurteilung des bereits am 2. September 2016 vorliegenden
Sachverhalts. Denn im Gutachten von Dr. med. E._ fänden sich keine
Hinweise für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes des
Beschwerdeführers. Entgegen dem Gutachten von Dr. med. D._ vom
8. Februar 2016 komme Dr. med. E._ zum Schluss, dass beim
Beschwerdeführer seit Jahren eine Schizophrenie zu diagnostizieren sei,
welche die Abhängigkeitsproblematik verursacht habe. Mit dieser
Andersbeurteilung sei unabhängig davon, ob der Einschätzung von Dr.
med. E._ oder derjenigen von Dr. med. D._ den Vorzug zu geben
sei, nicht glaubhaft dargelegt, dass sich der Sachverhalt zwischen dem 2.
September 2016 und 22. Juni 2017 in einer für den Anspruch erheblichen
Weise verändert habe. Der Beschwerdeführer zeige denn auch nicht auf,
inwiefern sich der Sachverhalt verändert haben sollte. Vielmehr bringe er
mit dem Verweis auf Art. 61 lit. i ATSG zum Ausdruck, dass er mit der
rechtskräftigen (aber hier nicht zu prüfenden) Verfügung vom 2. September
2016 nicht einverstanden sei. Des Weiteren sei zu berücksichtigen, dass
die letzte rechtskräftige Verfügung vom 2. September 2016 nur kurze Zeit
zurück liege, womit erhöhte Anforderungen an die Glaubhaftmachung zu
stellen seien.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften und in
der angefochtenen Verfügung vom 22. Juni 2017 sowie auf die
eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
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## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 22. Juni 2017
stellt folglich ein taugliches Anfechtungsobjekt für ein Verfahren vor dem
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1] in
Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100]. Als formeller und materieller
Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer von der angefochtenen
Verfügung überdies unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Abänderung. Demnach ist er zur
Beschwerdeführung berechtigt (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf
die im Übrigen frist- und formgerecht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 und
Art. 61 ATSG) eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2.1. Streitgegenstand bildet vorliegend einzig die Frage, ob die
Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom 22. Juni 2017
zu Recht nicht auf das neue Leistungsbegehren des Beschwerdeführers
vom 18. Januar 2017 eingetreten und dieses zu Recht nicht materiell
geprüft hat. Ausschlaggebend für diese Beurteilung ist die Frage, ob der
Beschwerdeführer glaubhaft darlegen konnte, dass sich die tatsächlichen
Verhältnisse seit dem Zeitpunkt der letzten materiellen Verfügung vom 2.
September 2016 in einer für den Anspruch erheblichen Weise verändert
haben oder nicht.
2.2. Soweit der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (implizit) den
Beweiswert des Gutachtens von Dr. med. D._ vom 8. Februar 2016
und/oder die Rechtsmässigkeit der rechtskräftigen Verfügung vom 2.
September 2016 betreffend Verneinung des Rentenanspruchs rügt (vgl.
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Beschwerdeschrift S. 9), ist dies hingegen nicht Gegenstand des
vorliegenden Verfahrens. Wie die Beschwerdegegnerin in ihrer
Vernehmlassung zu Recht ausführt (vgl. Vernehmlassung S. 3), ist die
Frage, ob die rechtskräftige Verfügung vom 2. September 2016 im Sinne
von Art. 53 Abs. 1 ATSG – und nicht wie vom Beschwerdeführer geltend
macht im Sinne von Art. 61 lit. i ATSG (Revision von Entscheiden des
kantonalen Versicherungsgerichts) – in Revision zu ziehen ist, nicht
Gegenstand der strittigen Verfügung vom 22. Juni 2017 und kann somit im
vorliegenden Verfahren auch nicht Streitgegenstand bilden. Art. 53 Abs. 1
ATSG (bzw. Art. 61 lit. i ATSG) sind für die zu beurteilende Frage nach der
Rechtmässigkeit des Nichteintretensentscheids vom 22. Juni 2017 nicht
relevant.
3.1. Hat die IV-Stelle eine Rente sowie andere Versicherungsleistungen wegen
eines zu geringen Invaliditätsgrads rechtskräftig verweigert, so wird ein
abermaliges Gesuch zum Bezug von Versicherungsleistungen
(sogenannte Neuanmeldung) nur geprüft, wenn die versicherte Person
glaubhaft macht, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den
Anspruch erheblichen Weise verändert hat (Art. 87 Abs. 3 i.V.m. Art. 87
Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV, SR 831.201];
vgl. BGE 133 V 108 E.5.2, 130 V 343 E.3.5, 117 V 198 E.4b;
MEYER/REICHMUTH, in: Stauffer/Cardinaux [Hrsg.], Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung [IVG], 3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 30-31
Rz. 117). Erheblich im Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV ist eine
Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch
auf eine IV-Rente oder deren Erhöhung sei begründet, falls sich die geltend
gemachten Umstände als richtig erweisen. Liegt ein neuer Bericht von
ärztlichen oder anderen Fachleuten vor, auf deren Unterlagen die
Verwaltung und der Richter für die Invaliditätsbemessung angewiesen sind,
genügt es für die Glaubhaftmachung einer erheblichen
Sachverhaltsänderung nicht, dass im fraglichen Bericht der bereits
bekannte, im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung gegebene
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Sachverhalt anders bewertet wird und daraus andere Schlussfolgerungen
gezogen werden als im früheren Verwaltungs- und/oder
Beschwerdeverfahren. Vielmehr bedarf es neuer Elemente tatsächlicher
Natur, die nach der ursprünglichen Rentenverfügung eingetreten und zu
dem damals gegebenen Sachverhalt hinzugekommen sind oder diesen
verändert haben (Urteil des eidgenössischen Versicherungsgerichtes
I 484/00 vom 21. März 2001 E.1b/bb).
3.2. Die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine rentenrelevante
Veränderung des Sachverhalts glaubhaft ist, bildet der Zeitpunkt der letzten
umfassenden materiellen Prüfung. Der Vergleichszeitraum erstreckt sich
dabei grundsätzlich bis zur Prüfung und Beurteilung des Gesuchs, das
heisst bis zum Erlass der Verfügung betreffend Neuanmeldung. Für die
beschwerdeweise Überprüfung einer Nichteintretensverfügung ist somit
der Sachverhalt, wie er sich der Verwaltung bot, resp. die Aktenlage bei
Erlass dieser Verfügung massgeblich (BGE 130 V 64 E.5.2.5; Urteile des
Bundesgerichtes 8C_183/2016 vom 9. Mai 2016 E.2.1, 9C_683/2013 vom
2. April 2014 E.3.1).
3.3. Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens sind im Vergleich zu dem im
Sozialversicherungsrecht ansonsten üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit herabgesetzte Beweisanforderungen
verbunden. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend
gemachten rechtserheblichen Sachumstands wenigstens gewisse
Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu
rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete
Änderung nicht erstellen lassen (Urteile des Bundesgerichtes
8C_183/2016 vom 9. Mai 2016 E.2.2, 8C_266/2015 vom 29. Juni 2015
E.2.2). Dabei ist unter anderem zu berücksichtigen, ob die frühere
Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt und an die
Glaubhaftmachung dementsprechend mehr oder weniger hohe
Anforderungen zu stellen sind (BGE 109 V 108 E.2b).
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3.4. Ist – wie im vorliegenden Fall – das Eintreten auf die Neuanmeldung
streitig, hat das Gericht lediglich die formellen Voraussetzungen,
namentlich die Glaubhaftmachung, zu prüfen. Demgegenüber ist eine
materielle Prüfung der Frage, ob tatsächlich eine Sachverhaltsveränderung
in einer für den Anspruch erheblichen Weise ausgewiesen bzw. eingetreten
ist, im Rahmen des Eintretens (noch) nicht zu beurteilen.
4. Nachfolgend ist demnach zu prüfen, ob aufgrund der für die Neuanmeldung
massgebenden Akten, namentlich das Gutachten von Dr. med. E._
vom 20. Dezember 2016 (IV-act. 48) sowie die Beurteilungen des RAD-
Arztes Dr. med. F._ vom 7. April 2017 und 20. Juni 2017 (IV-act. 51
S. 3 und 5), im Vergleich zu den der letzten rechtskräftigen Verfügung vom
2. September 2016 als Grundlage dienenden Akten, namentlich das
Gutachten von Dr. med. D._ vom 8. Februar 2016 (IV-act. 29) und die
Beurteilung des RAD-Arztes Dr. med. F._ vom 20. Juni 2016 (IV-act.
35 S. 10), wenigstens gewisse Anhaltspunkte für eine wesentliche
Veränderung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
bestehen. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass zwischen der letzten
rechtskräftigen Verfügung vom 2. September 2016 und der Neuanmeldung
vom 18. Januar 2017 nur gerade viereinhalb Monate liegen und somit
vorliegend höhere Anforderungen an die Glaubhaftmachung zu stellen
sind. Indes kann die vom Beschwerdeführer mit seiner Beschwerde
eingereichte Bescheinigung des PDGR vom 15. August 2017 betreffend
eine aktuelle 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis auf weiteres (Beilage
Beschwerdeführer [Bf-act.] 8) bei der Beurteilung der vorliegenden
Streitsache keine Beachtung finden kann. Das Gericht hat auf den bis zum
Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfügung (hier: 22. Juni 2017)
eingetretenen Sachverhalt abzustellen (vgl. BGE 132 V 215 E.3.1.1
m.w.H.). Die Bescheinigung des PDGR datiert vom 15. August 2017 und
stand damit der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des Erlasses der
angefochtenen Verfügung vom 22. Juni 2017 nicht zur Verfügung, weshalb
die Bescheinigung des PDGR vorliegend auch nicht berücksichtigt werden
kann.
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5. Zunächst ist die medizinische Aktenlage im Zeitpunkt der
leistungsablehnenden rechtskräftigen Verfügung vom 2. September 2016
(IV-act. 34) zu betrachten. Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der
genannten Verfügung in medizinischer Hinsicht primär auf das Gutachten
von Dr. med. D._ vom 8. Februar 2016 (IV-act. 29) sowie die
Beurteilung von Dr. med. F._ des RAD Ostschweiz vom 20. Juni 2016
(IV-act. 35 S. 10) und kam zum Schluss, dass gestützt darauf die
Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers vor allem durch das
Abhängigkeitsverhalten begründet sei und deshalb keine Invalidität im
Sinne des Gesetzes vorliege.
5.1. Dr. med. D._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
Fachzentrum Forensik Ostschweiz (FAFORO), stellte im Gutachten vom 8.
Februar 2016 folgende psychiatrische Diagnosen: Psychische und
Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum
anderer psychotroper Substanzen (insbesondere Cannabis und Alkohol,
aber auch Kokain, LSD, Meskalin etc.) (ICD-10: F 19.24); pathologisches
Spielen (ICD-10: F63.0); eine Störung des Sozialverhaltens bei
vorhandenen sozialen Bindungen (ICD-10: F 91.2) sowie eine
Persönlichkeitsakzentuierung (narzisstisch, impulsiv) (ICD-10: Z73.1). In
der Zusammenfassung und diagnostischen Beurteilung wies Dr. med.
D._ zudem auf eine mögliche Störung aus der Diagnosengruppe F2
der ICD-10, der Schizophrenie, der schizotypen und wahnhaften Störungen
als möglicherweise bedeutsame Differentialdiagnose hin und hielt fest,
dass wegen der neuroleptischen Medikation das im Gutachtengespräch
beobachtete Hauptmerkmal der affektiven Verflachung nicht sicher
zugeordnet werden könne. Aus diesem Grund empfahl Dr. med. D._,
die Frage einer schizophrenen Erkrankung nochmals in einer "guten
Phase" (Medikamentenpause) zu überprüfen (IV-act. 29 S. 25 ff.).
5.2. Der RAD-Arzt, Dr. med. F._, hielt in seiner Abschlussbeurteilung vom
20. Juni 2016 (IV-act. 35 S. 10) fest, dass gemäss dem Gutachten von Dr.
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med. D._ als Hauptproblem eine schwere Suchtproblematik vorliege.
Eine zugrundeliegende schwere Grunderkrankung, wie eine manisch-
depressive Krankheit oder eine Schizophrenie hätten nicht festgestellt
werden können. Die Diagnose F91.2 beziehe sich per definitionem auf
Kinder und Jugendliche und führe nicht zu einer längerdauernden
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, da sie nicht auf Dauer im
Erwachsenenalter persistiere. Möglicherweise sei das dissoziale Verhalten
auch Symptom der Sucht. Dies bestätigten die psychiatrischen Fachärzte
der PDGR im Arztbericht vom 3. Mai 2016, in welchem als Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit lediglich das Suchtleiden aufgeführt
werde. Dr. med. F._ verneinte folglich das Vorliegen eines
invalidisierenden Gesundheitszustandes.
5.3. Gestützt auf die Beurteilungen von Dr. med. D._ vom 8. Februar 2016
(IV-act. 29) sowie des RAD-Arztes vom 20. Juni 2016 (IV-act. 35 S. 10)
hatte die Beschwerdegegnerin am 2. September 2016 die
leistungsablehnende Verfügung erlassen (IV-act. 34).
6. Am 18. Januar 2017, also rund viereinhalb Monate nach Erhalt der
ablehnenden Verfügung vom 2. September 2016 (IV-act. 34), meldete sich
der Beschwerdeführer bei der Beschwerdegegnerin erneut zum Bezug von
Leistungen an (IV-act. 37). Er stützte sich dabei auf das Gutachten von Dr.
med. E._ vom 20. Dezember 2016 (IV-act. 48).
6.1. Dr. med. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Leitender
Arzt Forensischer Dienst, von den PDGR, diagnostizierte im Gutachten
vom 20. Dezember 2016 nebst der bekannten Abhängigkeitserkrankung
und Störung des Sozialverhaltens (IV-act. 48 S. 73 f.) eine Erkrankung aus
dem schizophrenen Formenkreis (IV-act. 48 S. 72 f.). Dr. med. E._
führte diesbezüglich aus, der beim Beschwerdeführer bestehende
Gesundheitsschaden gründe ursächlich auf einer primär
krankheitsbedingten und im Verlauf typischerweise sich allmählich
"schleichend" entwickelnder und inzwischen bereits chronifizierender
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gesundheitlichen Veränderung im Rahmen einer ernsthaften Erkrankung
aus dem schizophrenen Formenkreis, deren Vorhandensein beim
Beschwerdeführer im Verlaufe der letzten Jahre bei jeweils näherer
Betrachtung zwar in Erwägung gezogen, aber nicht diagnostiziert worden
sei. Der Krankheitsbeginn manifestiere sich dabei für diese Erkrankung
typischerweise nicht durch ein dauerhaftes Verhaltensmuster, sondern
vielmehr mit einem sogenannten "Knick in der Lebenslinie" relativ rasch
und für die Umgebung nicht erklärbar (IV-act. 48 S. 73). In Bezug auf die
psychische und Verhaltensstörung durch diverse Substanzen
(Abhängigkeitserkrankung) hielt Dr. med. E._ fest, dass das
festgestellte suchtähnliche Verhalten beim Beschwerdeführer aus dem
oben beschriebenen primären Krankheitsprozess als sekundäre
Folgeerscheinung resultiere. Diese sei nachweislich nicht primär
entstanden, sondern Krankheitsfolge (IV-act. 48 S. 73).
6.2. Die Beschwerdegegnerin legte das Gutachten von Dr. med. E._ vom
20. Dezember 2016 (IV-act. 48) dem RAD-Arzt Dr. med. F._ vor, mit
der Bitte, zur Frage Stellung zu nehmen, ob es anhand der vorhandenen
Unterlagen objektive Anhaltspunkte für eine wesentliche Verschlechterung
des Gesundheitszustandes gebe (IV-act. 51 S. 3). Dr. med. F._ hielt
am 7. April 2017 im Wesentlichen fest, im eingereichten Gutachten von Dr.
med. E._ vom Dezember 2016 werde derselbe Sachverhalt anders
gewürdigt. Hinweise auf eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
seit dem Gutachten von Dr. med. D._ im Februar 2016 ergäben sich
keine (IV-act. 51 S. 3 unten). Nachdem der Beschwerdeführer am 15. Mai
2017 Einwand (IV-act. 48 S. 1) gegen den Vorbescheid vom 11. April 2017
(IV-act. 45), mit welchem ein Nichteintreten auf die Neuanmeldung in
Aussicht gestellt wurde, eingereicht hatte, gelangte die
Beschwerdegegnerin abermals an den RAD-Arzt Dr. med. F._, mit der
Fragestellung, ob der Einwand die Beurteilung des RAD vom 7. April 2017
zu beeinflussen vermöge und ob gegebenenfalls weitere medizinische
Abklärungen angezeigt seien (IV-act. 51 S. 5). Hierzu nahm Dr. med.
F._ am 20. Juni 2017 Stellung und hielt fest, das Gutachten von Dr.
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med. E._ erfolge mit ergänzenden Fragen zum Gutachten von Dr.
med. D._ vom 8. Februar 2016. Dr. med. E._ führe aus, dass er
im Gegensatz zu Dr. med. D._ die Verhaltensauffälligkeiten des
Beschwerdeführers nicht im pathologischen Spielen und der Abhängigkeit
sehe, sondern sie seien Folge eines bereits in der Primarschulzeit sich
entwickelnden Krankheitsprozesses und können nur mit dessen
Vorhandensein erklärt werden. Dr. med. E._ führe weiter aus, dem
Beschwerdeführer werde gutachterlich eine Abhängigkeit attestiert, obwohl
streng genommen, die Kriterien für eine Abhängigkeitserkrankung fraglich
erfüllt seien und es ergebe sich für ihn eine "etwas andere Sicht der Dinge".
Eine "andere Sicht der Dinge" sei eine andere Beurteilung eines
unveränderten Sachverhalts. Der Einwand vermöge seine Beurteilung vom
7. April 2017 nicht zu beeinflussen und weitere Abklärungen seien nicht
angezeigt (IV-act. 51 S. 5 oben).
6.3. Gestützt darauf trat die Beschwerdegegnerin mit der hier angefochtenen
Verfügung vom 22. Juni 2017 auf die Neuanmeldung nicht ein.
7. Es fragt sich demnach, ob gestützt auf die dargelegte medizinische
Aktenlage seit Erlass der leistungsablehnenden Verfügung vom 2.
September 2016 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 22.
Juni 2017 eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers als glaubhaft erscheint. Vorliegend gelingt es dem
Beschwerdeführer nach Ansicht des Gerichts, mit der Beurteilung von Dr.
med. E._ vom 20. Dezember 2016 (IV-act. 48) – wie nachfolgend
aufgezeigt wird – zumindest gewisse Anhaltspunkte für eine wesentliche
Veränderung seines Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen.
7.1. Dr. med. E._ diagnostizierte im Gutachten vom 20. Dezember 2016
beim Beschwerdeführer erstmals eine Erkrankung aus dem schizophrenen
Formenkreis in erheblichem Ausmass (ICD-10: F20.2). Diese Diagnose
begründete er schlüssig und nachvollziehbar. So hielt er allgemein fest, der
Krankheitsbeginn einer solchen Erkrankung manifestiere sich
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typischerweise mit einem Knick in der Lebenslinie relativ rasch und für die
Umgebung nicht erklärbar. In den frühen Stadien der Krankheit
(Prodromalphase) lasse sich Schizophrenie nur schwer diagnostizieren, da
sich die Symptome oftmals mit relativ normalem Verhalten
Heranwachsender überschneiden würden. Gewisse Warnsignale würden
jedoch auf eine geistige Erkrankung hinweisen (IV-act. 48 S. 70 und 73).
Solche Warnsignale sowie einen Knick in der Lebenslinie sah Dr. med.
E._ auch beim Beschwerdeführer, wobei er diesbezüglich ausführte,
der Beschwerdeführer habe bis zur 5. Primarschulklasse ein unauffälliges
Entwicklungsverhalten gezeigt. Er sei von Beginn an ein interessierter,
aufmerksamer Schüler gewesen, welcher nur Bestnoten gehabt habe. Im
Primarschulalter habe der Beschwerdeführer auch Begeisterung für
sportliche Aktivitäten, insbesondere für das Schwimmen gezeigt. Er habe
fleissig und ausgiebig trainiert und schliesslich die Bündner
Schulmeisterschaften im Schwimmen gewonnen. Er habe sich sehr
pflichtbewusst gezeigt und einen gesunden Ehrgeiz gehabt. Am Ende der
5. Primarschulklasse habe sich der Beschwerdeführer in seinem Verhalten
zu verändern begonnen und sei im Frühjahr 2010 von seiner Umgebung
innerhalb weniger Monate auch deutlich verändert wahrgenommen
worden. Unerklärlicherweise habe der Beschwerdeführer seine bisherige
Lust und sein Engagement an der schulischen und sportlichen Leistung
verloren. Er habe angefangen, sich von der Aussenwelt zurückzuziehen
und sich einer von aussen nicht erklärlichen Innenwelt zu zuwenden, sei
viel am Computer gesessen, auch nachts, und habe sich zunehmend mit
Computerspielen beschäftigt. Er sei teilweise nicht mehr in die Schule
gegangen und habe sich teilweise grundlos fremdaggressiv verhalten. Es
sei zu einem Verhaltenswechsel innerhalb von wenigen Monaten
gekommen (IV-act. 48 S. 63 f.). Dr. med. E._ hielt weiter fest, dass der
Beschwerdeführer in diesem Zeitraum neun von zehn bekannten
Warnsignalen des frühen Krankheitsstadiums bei Schizophrenikern
aufweise, namentlich Zurückgezogenheit, Emotionslosigkeit,
Schlaflosigkeit, unerklärbare Feindseligkeit, plötzlicher Mangel an Hygiene,
Vernachlässigung von Beziehungen, selbstverletzendes Verhalten,
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Eskapismus und Menschenscheue. Die Folge sei schulisches Versagen,
zunehmende Interessenlosigkeit, Rückzug in eine autistische Innenwelt,
unterstützt durch Computergamen, Antriebsstörungen und affektive
Veränderungen. Bereits in diesem Zeitraum zu Ende der
Primarschulklasse seien klinisch die Grundsymptome der Schizophrenie in
wechselhaftem Ausmass beim Beschwerdeführer vorhanden und dieser
sei dannzumal bereits deutlich und feststellbar psychisch verändert/krank.
Nachdem der Beschwerdeführer ein bis anderthalb Jahre nach Beginn der
gesundheitlichen Veränderung in Kontakt mit Drogen gekommen sei, habe
sich in der Folge die dadurch erfolgte gesundheitliche Beschädigung beim
Beschwerdeführer durch das zunehmende Auftreten akzessorischer
Krankheitssymptome, vor allem in Form von Halluzinationen, gezeigt (IV-
act. 48 S. 72).
Wie Dr. med. E._ sodann zutreffend ausführte, wurde das
Vorhandensein einer Schizophrenie im Verlauf der letzten Jahre beim
Beschwerdeführer zwar in Erwägung gezogen, aber eine solche nie
diagnostiziert. Gemäss den Akten wiesen sowohl med. pract. C._,
Kinder-und Jugendpsychiatrie Graubünden, im Arztbericht vom 13. Januar
2016 (IV-act. 11 S. 1) als auch Dr. med. D._ im Gutachten vom 8.
Februar 2016 (IV-act. 29 S. 25) bloss differenzialdiagnostisch auf eine
schizophrenieforme Erkrankung hin. Dies ändert jedoch nach Auffassung
des Gerichts nichts daran, dass aufgrund der nunmehr erstmals im
Gutachten von Dr. med. E._ vom 20. Dezember 2016 diagnostizierten
Schizophrenie gewisse Anhaltspunkte für eine wesentliche Veränderung
des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht wurden. Zumal gemäss den
Ausführungen von Dr. med. E._ im Gutachten vom 20. Dezember
2016 sich Erkrankungen aus dem schizophrenen Formenkreis schleichend
entwickeln, beginnend mit uncharakteristischen Symptomen wie sie jeder
kenne, u.a. Müdigkeit, Persönlichkeitsveränderungen und Feindseligkeit,
wobei die klinischen akzessorischen Symptome (Halluzinationen, Wahn
und katatone Symptome) erst später unter äusserer Belastung hinzu treten
würden (vgl. IV-act. 48 S. 70 ff.).
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Sodann kommt hinzu, dass Dr. med. D._ im Gutachten vom 8. Februar
2016 zusätzlich zu seiner Differentialdiagnose einer möglichen Störung aus
der Diagnosengruppe F2 der ICD-10, der Schizophrenie, der schizotypen
und wahnhaften Störungen explizit empfahl, eine schizophrene Erkrankung
in einer Medikamentenpause näher abzuklären (IV-act. 29 S. 25). Denn Dr.
med. D._ konnte insbesondere das beobachtete Hauptmerkmal der
affektiven Verflachung wegen der neuroleptischen Medikation sowie der
langjährigen Cannabisabhängigkeit nicht sicher zuordnen und damals noch
keine Hinweise auf Wahn oder Halluzinationen ausmachen (vgl. IV-act. 29
S. 25). Er äusserte jedoch einige Hinweise, die für eine F2-Diagnose
sprechen könnten. So hielt er fest, dass Prodromalstadien der
Schizophrenie eben eine solche affektive Verflachung oder die inadäquate
Affektivität als typisches Kennzeichen zeigten. Auch die vom
Beschwerdeführer bekannten Affektdurchbrüche könnten bei den
Prodromalstadien beobachtet werden. Alsdann könnte der massive
Leistungsknick im Alter von zehn bis zwölf Jahren als Vorläufer dieser
Diagnose interpretiert werden, wie auch die Aussage des Lehrmeisters,
dass der Beschwerdeführer im ersten Lehrjahr im Vergleich zu heute eine
wesentlich höhere Leistungsfähigkeit bewiesen habe und kaum
wiederzuerkennen sei, was sich mit einer Cannabisabhängigkeit alleine
kaum erklären lasse. Auch die nur gering vorhandene Fähigkeit, die
Zukunft näher zu planen, könne für eine F2-Diagnose sprechen (IV-act. 29
S. 25 f.). Eine nähere Abklärung betreffend eine mögliche schizophrene
Erkrankung ist seitens der Beschwerdegegnerin im damaligen Zeitpunkt
aber aus unerklärlichen Gründen unterblieben. Umso mehr ist dies nun im
Rahmen der Neuanmeldung nachzuholen. Denn Dr. med. E._ stellte
in seinem Gutachten vom 20. Dezember 2016 nicht nur die von Dr. med.
D._ im Gutachten vom 8. Februar 2016 geäusserten Hinweise für eine
F2-Diagnose als beim Beschwerdeführer in der Prodromalphase
aufgetretene Grundsymptome der Schizophrenie fest, sondern überdies –
im Gegensatz zu Dr. med. D._ – nunmehr auch Halluzinationen, mithin
die klinischen akzessorischen Symptome (vgl. IV-act. 48 S. 72). So
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berichtete der Beschwerdeführer im Laufe der Explorationen durch den
Gutachter Dr. med. E._, wiederholt von Geistern angegriffen zu
werden (vgl. IV-act. 48 S. 55, S. 58, S. 59). Ein unsichtbarerer Kopf berühre
ihn, was sehr unangenehm sei. Er fasse dann diesen Kopf und lange mit
seinen Fingern in den offenen Mund dieses Kopfes, um ihn so mit aller Kraft
auseinander reissen zu können, damit dieser Geist verschwinde. Wenn er
den Geist weghabe, fühle er sich normal (vgl. IV-act. 48 S. 58). Damit
handelt es sich bei der Beurteilung von Dr. med. E._ vom 20.
Dezember 2016 – entgegen den Vorbringen der Beschwerdegegnerin (vgl.
Vernehmlassung S. 4) – nicht um eine andere Beurteilung des bereits am
2. September 2016 vorliegenden Sachverhalts, sondern ergeben sich
durchaus Hinweise für eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
des Beschwerdeführers.
7.2. Neu ist ausserdem, dass Dr. med. E._ die bekannte Suchterkrankung
im Unterschied zu den Beurteilungen von Dr. med. D._ (IV-act. 29
S. 27 f.) und Dr. med. F._ (IV-act. 35 S. 10) nicht als primär
entstanden, sondern als Krankheitsfolge beurteilt. So ist er der Ansicht,
dass das suchtartige Verhalten des Beschwerdeführers eine sekundäre
Folgeerscheinung eines bereits in der Primarschulzeit des
Beschwerdeführers sich entwickelnden Krankheitsprozesses aus dem
schizophrenen Formenkreis sei. Dies begründet er nachvollziehbar, indem
er ausführt, dass im Zeitraum der beginnenden psychischen Erkrankung
beim Beschwerdeführer von einem suchtartigen Konsum irgendwelcher
legalen oder illegalen Substanzen nichts bekannt sei. Erst ein bis
anderthalb Jahre nach Beginn der gesundheitlichen Veränderung sei der
Beschwerdeführer im Rahmen des "Timeouts" in Kontakt mit Drogen
gekommen (IV-act. 48 S. 72 f.).
7.3. Soweit die Beschwerdegegnerin bzw. der RAD-Arzt Dr. med. F._
alsdann vorbringen (vgl. IV-act. 51 S. 5), dass die Aussage von Dr. med.
E._ im Gutachten vom 20. Dezember 2016, wonach aufgrund der im
Gutachten festgestellten Sachverhalte sich inzwischen eine "etwas andere
- 19 -
Sicht der Dinge" ergebe (vgl. IV-act. 48 S. 76), eine andere Beurteilung
eines unveränderten Sachverhaltes sei, kann diesem Einwand nicht gefolgt
werden. Die besagte Aussage von Dr. med. E._ erfolgte im Gutachten
unter dem Titel "Erkenntnisse bezüglich Behandlung" und ist damit in
diesem Kontext zu verstehen. Folglich ist in Übereinstimmung mit dem
Beschwerdeführer davon auszugehen, dass Dr. med. E._ diese
Aussage auf die bisherigen Behandlungsstrategien des
Beschwerdeführers bezog, womit diese nicht einfach als eine andere
Beurteilung eines unveränderten Sachverhalts interpretiert werden kann.
7.4. Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass aufgrund des Gutachtens
von Dr. med. E._ vom 20. Dezember 2016 (IV-act. 48) gewisse
Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sich der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers wesentlich verschlechtert haben könnte.
Bei dieser Ausgangslage wäre die Beschwerdegegnerin verpflichtet
gewesen, auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers einzutreten und
weitere Abklärungen vorzunehmen.
8.1. Der Nichteintretensentscheid vom 22. Juni 2017 erweist sich somit als nicht
rechtmässig und ist aufzuheben, was zur Gutheissung der Beschwerde
führt. Die Beschwerdegegnerin ist zu verpflichten, auf die Neuanmeldung
vom 18. Januar 2017 einzutreten, die erforderlichen medizinischen
Abklärungen vorzunehmen und über das vom Beschwerdeführer gestellte
Leistungsbegehren materiell zu entscheiden.
8.2. Das Beschwerdeverfahren ist − in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG −
gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Diese Kosten werden je nach Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Umfang von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--
festgelegt. Vorliegend setzt das Gericht die Kosten auf Fr. 700.-- fest.
- 20 -
Entsprechend dem Ausgang dieses Verfahrens sind die Gerichtskosten der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
8.3. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat der obsiegende Beschwerdeführer
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden vom Gericht
festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der
Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses bemessen.
Vorliegend hat der Beschwerdeführer demnach Anspruch auf Ersatz der
entstandenen Anwaltskosten. Die Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers hat dem Gericht am 29. Juni 2018 eine Honorarnote im
Umfang von Fr. 5'045.20 eingereicht. Diese setzt sich aus einem Aufwand
von 21.5 Stunden à Fr. 200.--, Spesen von Fr. 384.50 für Fotokopien und
Porti sowie 7.7% MWST von Fr. 360.70 zusammen. Damit wurde in der
eingereichten Honorarnote der Tarif für die unentgeltliche Rechtspflege
berücksichtigt. Gemäss der im Recht liegenden Honorarvereinbarung
wurde allerdings ein Stundenansatz von Fr. 250.-- vereinbart, von welchem
vorliegend auch auszugehen ist. Indes gilt zu beachten, dass der geltend
gemachte Zeitaufwand von 21.5 Stunden – unter Berücksichtigung von Art.
61 lit. g ATSG – relativ hoch und nicht angemessen erscheint.
Insbesondere liegt kein komplexer Fall vor, da lediglich die Eintretensfrage
strittig war und es erfolgte bloss ein einfacher Schriftenwechsel. Hinzu
kommt, dass der Zeitaufwand vom 22. August 2017 für das Kopieren von
Akten nicht berücksichtigt werden kann. Ebenso ist der Spesenaufwand -
insbesondere Fr. 375.-- für Fotokopien – nicht gerechtfertigt. Dies, zumal
die IV-Stelle der versicherten Person bzw. deren Rechtsvertretung in der
Regel das IV-Dossier kostenlos zustellt, wobei die Zustellung sowohl in
Papierform als auch in elektronischer Form (Akten-CD) verlangt werden
kann. Vor diesem Hintergrund erscheint dem Gericht vorliegend eine
Pauschalentschädigung von Fr. 3'500.-- (inkl. Barauslagen und MWST) als
angemessen. In diesem Umfang hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer demnach aussergerichtlich zu entschädigen.
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8.4. Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung ist
damit im vorliegenden Fall gegenstandslos geworden, da der
Beschwerdeführer obsiegt und ihm demzufolge keine Gerichtskosten
aufzuerlegen sind und eine aussergerichtliche Entschädigung
zuzusprechen ist.
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