# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d7702cd8-8ea7-5e97-9f7f-66752baedada
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin betreibt seit 2002 einen Reit- und Zuchtbetrieb von
Islandpferden.1 Der Pferdehof umfasst mehrere Gebäude (Pferdestallungen, Scheune und
1 Vgl. Webseite des Reit- und Zuchtbetriebs
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Reiterhäuschen) sowie Pferdeauslaufplätze. Die Gemeinde stellte im Juni 2009 fest, dass
diverse Bauten und Vorkehren ohne Baubewilligung erstellt und ausgeführt wurden. Sie
forderte die Betreiberin mit Schreiben vom 23. Juni 2009 auf, dafür ein nachträgliches
Baugesuch einzureichen. In der Folge reichte die Beschwerdegegnerin am 4. Oktober
2011 bei der Gemeinde Lyss ein nachträgliches Baugesuch ein. Es hat folgende bereits
erstellte Bauten, Anlagen und Vorkehren zum Gegenstand:
- Gebäude A._strasse Nr. 110b: Eine Aussentreppe und die Umnutzung
des Estrichs zum Umkleideraum
- Gebäude A._ Nr. 110c: Einen Anbau und einen Pferdeauslaufplatz mit
Gehege südlich des Gebäudes
- Gebäude A._ Nr. 110a: Zwei Pferdeauslaufplätze mit Gehege westlich
und östlich des Gebäudes
- Gebäude A._strasse Nr. 110: Einen Pferdeauslaufplatz mit Gehege
östlich des Gebäudes
Sämtliche Bauten und Anlagen befinden sich auf Parzelle Lyss Grundbuchblatt
Nr. B._, die in der Zone für Sport- und Freizeitanlagen (ZSF D) und im
Gewässerschutzbereich B liegt. Gegen das Vorhaben erhob unter anderen der
Beschwerdeführer Einsprache. Mit Entscheid vom 29. Mai 2013 bewilligte die Gemeinde
Lyss das Vorhaben.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 28. Juni 2013 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die Aufhebung
des Entscheids vom 29. Mai 2013 und die Verweigerung der Bewilligung. Er macht im
Wesentlichen geltend, die Vorinstanz sei im angefochtenen Entscheid nicht ausreichend
auf die Verunreinigung des Grundwassers durch uringetränkten Boden eingegangen. Sie
sei somit fälschlicherweise von einer genügenden Entwässerung der Bauten und Anlagen
ausgegangen. In ihrer Stellungnahme vom 18. Juli 2013 beantragt die Gemeinde Lyss die
Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin hat keine Beschwerdeantwort
eingereicht und sich auch im weiteren Verlauf des Verfahrens nicht vernehmen lassen.
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3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch, edierte die Vorakten und holte beim Amt für Wasser und Abfall
(AWA) einen Fachbericht zum Gewässerschutz ein. Im Rahmen seiner Abklärungen erhielt
das AWA davon Kenntnis, dass der Beschwerdeführer am 6. August 2013 verstorben war.
In der Folge sistierte das Rechtsamt der BVE mit Verfügung vom 1. Oktober 2013 das
Verfahren von Amtes wegen bis zur Klärung der Rechtsnachfolge. Mit Verfügung vom
12. Dezember 2013 nahm das Rechtsamt das Verfahren wieder an die Hand und stellte
fest, dass die Ehegattin an Stelle des verstorbenen Beschwerdeführers in das
Beschwerdeverfahren getreten war. Es gab den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit, zum
Fachbericht des AWA vom 13. September 2013 Stellung zu nehmen und
Schlussbemerkungen zum Verfahren einzureichen.
4. In ihrer Stellungnahme vom 20. Dezember 2013 erklärte die Beschwerdeführerin, sie
sehe den Einwand, wonach die Grundstückentwässerung nicht vorschriftskonform sei, im
Fachbericht des AWA vollumfänglich bestätigt. Erst nach Vornahme diverser Anpassungen
könnte das Projekt gewässerschutztechnisch bewilligt werden. Die Gemeinde und die
Beschwerdegegnerin haben sich weder zum Fachbericht des AWA vernehmen lassen,
noch Schlussbemerkungen eingereicht. Auf die Eingaben der Parteien und den
Fachbericht des AWA wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde zuständig.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Der
Beschwerdeführer war Nachbar. Seine Einsprache wurde im Baubewilligungsverfahren
abgewiesen. Folglich war er durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher
zur Beschwerdeführung legitimiert. Zudem wohnt auch die Beschwerführerin unmittelbar
neben der Bauparzelle, sodass auch sie als Rechtsnachfolgerin ein schutzwürdiges
Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids hat. Auf die
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Nicht Gegenstand dieses Verfahrens sind der Neubau der Reithalle
(Baubewilligungsverfahren Nr. 101/11) und der Neubau einer Pferde-Fressachse beim
bestehenden Ökonomiegebäude Nr. 110 mit angrenzendem Pferdeauslauf und
Besucherparkplätzen (Verfahren Nr. 100/11). Auf die Rügen gegen diese Neubauvorhaben
wurde in den Beschwerdeentscheiden RA Nr. 110/2012/208 und Nr. 110/2012/202
eingegangen.
b) Vorliegend kritisiert die Beschwerdeführerin, die Gemeinde Lyss sei im
angefochtenen Entscheid nicht ausreichend auf die Verunreinigung des Grundwassers
durch uringetränkten Boden eingegangen. Ihrer Auffassung nach ist die Begründung der
Gemeinde, dass die oberflächliche Versickerung von Pferdeurin gestützt auf eine
telefonische Auskunft des AWA zulässig sei, nicht akzeptabel, weil das betreffende Gebiet
im Gewässerschutzbereich B und in unmittelbarer Nähe zum C._bach liege. Sie
ist der Auffassung, mit Blick auf den Pferdekot und -urin müssten weitere Abklärungen und
Massnahmen getroffen werden. Auch ist sie der Meinung, auf den zur Diskussion
stehenden Auslaufflächen würden Kunststoff-Verbundelemente insbesondere dann nicht
genügen, wenn diese permanent genutzt werden. Es seien weitere Abklärungen und
ergänzende Massnahmen mit Blick auf den Pferdekot und -urin zu treffen.
c) Strittig ist damit die Frage, ob die bestehenden Auslaufplätze bei den Gebäuden
A._ Nr. 110, Nr. 110a und Nr. 110c gewässerschutzkonform erstellt wurden.
Unbestritten und nicht Thema des Beschwerdeverfahrens sind hingegen die restlichen
Teile des nachträglichen Baugesuchs (Aussentreppe und Umnutzung des Estrichs zum
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Umkleideraum im Gebäude A._strasse Nr. 110b und Anbau beim Gebäude
A._ Nr. 110c).
3. Gewässerschutz
a) Die Hofparzelle (Parzelle Nr. B._) des Zucht- und Reitbetriebs umfasst
gemäss dem Grundstück-Informationssystem GRUDIS eine Fläche von rund 7’940 m2. Auf
der Parzelle befinden sich diverse Gebäude ([A._strasse Nr. 110: Scheune] /
[A._strasse Nr. 110a: Pferdestall] / [A._ Nr. 110b: Aufenthaltsgebäude
bzw. Reiterhäuschen] / [A._ Nr. 110c: Stallung]). Neben den Gebäuden
A._ Nr. 110, Nr. 110a und Nr. 110c befinden sich wettertaugliche und umzäunte
Auslaufplätze für die Pferde. Die Auslaufplätze sind dabei unterschiedlich gross
dimensioniert: Die Fläche des Auslaufs auf der Ostseite des Gebäudes A._
Nr. 110 beträgt ca. 190 m2 und jene auf der Südseite des Gebäudes A._ Nr. 110c
ca. 35 m2. Daneben befindet sich west- und ostseitig des Gebäudes A._ Nr. 110a
je ein separater ca. 105 m2 grosser Auslaufplatz.
b) Die Vorinstanz erklärt in ihrer Stellungnahme vom 18. Juli 2013, gemäss AWA seien
bei Pferdehaltungen die mit Verbundelementen belegten Auslaufflächen üblich. Der
Pferdeurin müsse in den übrigen Bereichen nach Art. 29 Abs. 1 GSchV4 nicht speziell
behandelt werden und könne mit dem Regenwasser versickern. Zudem produziere ein
Pferd bekanntlich erheblich weniger Urin als beispielsweise eine Kuh. Ferner sei die vom
AWA verlangte tägliche Entfernung des Kots als Auflage in den Entscheid vom 29. Mai
2013 aufgenommen worden. Auch gestützt auf die Vollzugshilfe Baulicher Umweltschutz in
der Landwirtschaft des BLW und des BAFU seien Laufhöfe für Pferde mit undichtem Belag
im übrigen Bereich im Sinne von Art. 29 Abs. 1 GSchV, namentlich im
Gewässerschutzbereich B, erlaubt. Dabei gelte ein Mindestabstand von 20 m zu im
Abstrom liegenden oberirdischen Gewässern zwecks Schutzes der Gewässer vor
Stoffeinträgen. Dieser Abstand werde vorliegend eingehalten. Im Fall des Auslaufs beim
Gebäude A._strasse Nr. 110 betrage der Abstand gegenüber dem
C._bach mehr als 20 m. Beim Auslauf neben dem Gebäude A._strasse
Nr. 110c betrage er demgegenüber zwar mit 18.5 m knapp weniger als 20 m. Jedoch stelle
4 Gewässerschutzverordnung vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201)
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die Vollzugshilfe keine rechtsverbindliche Grundlage dar; sie lasse andere Lösungen auch
zu, sofern diese rechtskonform seien. Vorliegend sei der D._bach kein besonders
gefährdetes oder sensibles Gewässer. Zudem messe der Laufhof lediglich rund 30 m2. Der
Kot sei gemäss Auflage im Bauentscheid täglich zu entfernen. Der wenige vom Laufhof
neben dem D._bach ausgehende Pferdeurin könne bei einer Distanz von 18.5 m
auch bei starken Niederschlägen keine Gewässergefährdung verursachen. Damit genüge
diese Distanz zum D._bach den gewässerschutzrechtlichen Anforderungen.
c) Nach der Gewässerschutzkarte des Kantons Bern5 befinden sich die umstrittenen
Pferdeausläufe im Gewässerschutzbereich B, der nicht zu den „besonders gefährdeten“,
sondern zu den „übrigen Bereichen“ (Art. 29 GSchV) zählt. In den übrigen
Gewässerschutzbereichen sind permanent zugängliche Ausläufe für Pferde, Ziegen,
Schafe, Hirsche etc. gemäss dem Merkblatt „Erstellung und Benützung von Laufhöfen“6 der
Umweltschutzkommission Nordwestschweiz sowohl mit dichten wie auch undichten, jedoch
aber befestigten Belägen erlaubt. Als undichter, befestigter Belag gelten Flächen aus
Mergel, Rasengitter-, Verbund- und Pflastersteinen oder Kunststoffbefestigungssysteme
(z.B. Eco-Raster).7 Im Bericht vom 13. September 2013 hält das AWA fest, es habe
festgestellt, dass sämtliche Ausläufe baulich richtig erstellt worden seien. Die
Beschwerdegegnerin habe die Ausläufe entweder mit Asphaltboden ausgestaltet oder Eco-
Raster Elemente eingesetzt.
d) Vorliegend entsprechen die Böden der umstrittenen Ausläufe den Anforderungen des
Merkblattes der Umweltschutzkommission Nordwestschweiz. Die Böden sind nach den
unbestrittenen Feststellungen des AWA mit Asphalt oder Eco-Raster Elementen befestigt.
Dies steht auch in Einklang mit der Vollzugshilfe „Baulicher Umweltschutz in der
Landwirtschaft“8 des Bundesamts für Umwelt (nachfolgend Vollzugshilfe). Die Vollzugshilfe
schreibt ausserhalb der besonders gefährdeten Bereiche ein dichter Belag bei permanent
5 Auffindbar im Geoportal des Kantons Bern abrufbar unter: http://www.apps.be.ch/geo/index.php?option- =com_easysdi_catalog&view=catalog&context=MAPS_SPECIFIC&Itemid=46&lang=de 6 Merkblatt für die Erstellung und Benützung von Laufhöfen, Stand Januar 2013, Koordination Nordwestschweiz, Landwirtschaft / Umweltschutz abrufbar unter: http://www.bve.be.ch/bve/de/index/wasser/wasser/grundstuecksentwaesserung/landwirtschaft.html 7 Vgl. Merkblatt für die Erstellung und Benützung von Laufhöfen Stand Januar 2013, Koordination Nordwestschweiz, Landwirtschaft / Umweltschutz, S. 1 8 Baulicher Umweltschutz in der Landwirtschaft, Ein Modul der Vollzugshilfe Umweltschutz in der Landwirtschaft, herausgegeben vom Bundesamt für Umwelt BAFU und vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW Bern, 2011 (Stand Mai 2012) abrufbar unter: http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/01581/- index.html?lang=de
http://www.apps.be.ch/geo/index.php?option=com_easysdi_catalog&view=catalog&context=MAPS_SPECIFIC&Itemid=46&lang=de http://www.apps.be.ch/geo/index.php?option=com_easysdi_catalog&view=catalog&context=MAPS_SPECIFIC&Itemid=46&lang=de http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/01581/index.html?lang=de http://www.bafu.admin.ch/publikationen/publikation/01581/index.html?lang=de
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zugänglichen Ausläufen nur soweit vor, als dies zur Reinhaltung der Gewässer erforderlich
ist. In Übereinstimmung mit dem Merkblatt der Umweltschutzkommission Nordwestschweiz
ist es hier nicht nötig, die Auslaufflächen zusätzlich abzudichten. Indem sie jeden Tag vom
anfallenden Kot gereinigt werden müssen, ist vorliegend gewährleistet, dass für
unterirdische Gewässer keine Gefährdung besteht.
e) Auch ist hier die Nähe der Ausläufe zum C._- und D._bach aus
gewässerschutzrechtlicher Sicht unproblematisch. Zum Schutz der Gewässer vor
Stoffeinträgen verlangt die Vollzugshilfe des BAFU für Ausläufe, unabhängig davon, ob sie
über einen dichten oder undichten Belag verfügen, einen Mindestabstand von 20 m zu
oberirdischen Gewässern.9 Bei den Ausläufen neben den Gebäuden A._ Nr. 110
und A._ Nr. 110a beträgt der Abstand gegenüber dem C._bach über
20 m. Diese Ausläufe halten die Vorgabe der Vollzugshilfe zum Gewässerraum somit klar
ein. Zwar beträgt der Abstand des Auslaufs neben dem Gebäude A._ Nr. 110c
zum D._bach lediglich 18.5 m. Gemäss den Feststellungen des AWA erfolgt die
Entwässerung des Laufhofes beim Gebäude A._ Nr. 110c jedoch über eine
Einlaufrinne in die bestehende Güllegrube. Dementsprechend verläuft das Gefälle des
Auslaufs Richtung Gebäude Nr. 110c bzw. Güllegrube und nicht in Richtung Seebach.
Zudem liegt die befestigte Auslauffläche unter dem angrenzenden fertigen Terrain. Der
Auslauf ist baulich somit auf eine Weise angelegt, dass selbst bei einer Distanz von 18.5 m
bei starken Niederschlägen keine Exkremente in den D._bach abgeschwemmt
werden können. Nachteilige Einwirkungen auf den D._bach entstehen somit nicht.
f) Zur Beurteilung der Entwässerungssituation besichtigte das AWA am 12. September
2013 den Pferdehof der Beschwerdegegnerin vor Ort. Es ist daher nicht nötig, von der
Beschwerdegegnerin zusätzliche Auskünfte zur Nutzung der Ausläufe zu verlangen oder
zusätzliche Unterlagen einzuholen. Auch ist nicht zu erwarten, dass ein Augenschein durch
die BVE neue Erkenntnisse vermitteln könnte. Die Untersuchungen und Feststellungen des
AWA sowie die vorhandenen Fotos10 und Projektpläne erlauben es der BVE, sich einen
Eindruck über die Gewässerschutzsituation und örtlichen Verhältnisse zu verschaffen.
Dazu kommt, dass die Beschwerdeführerin den Fachbericht des AWA in ihrer
Stellungnahme vom 20. Dezember 2013 nicht infrage stellte, sondern vielmehr ausführte,
9 Vgl. Vollzugshilfe BAFU, Tabelle 15; vgl. auch Richtlinien für die Erstellung und Benützung von Laufhöfen, Stand Januar 2013, Koordination Nordwestschweiz, Landwirtschaft / Umweltschutz 10 Vgl. pag. 3 der Vorakten der Gemeinde Lyss
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das Projekt könne nach Vornahme diverser Anpassungen gewässerschutztechnisch
bewilligt werden. Die Stellungnahme der Beschwerdeführerin kann nur so verstanden
werden, dass sie die Beurteilung des AWA anerkennt. Der Antrag auf Durchführung eines
Augenscheins sowie die übrigen Beweisanträge sind deshalb abzuweisen.
4. Entwässerungstechnische Anpassungen
a) Im Rahmen seiner Untersuchungen hat das AWA bei der Laufhofentwässerung
diverse Mängel festgestellt. Im Bericht vom 13. September 2013 bemerkt es zum einen,
dass die Eco-Raster nicht vollständig mit Sand oder Splitt gefüllt sind. Zum andern erfolgt
die Entwässerung des Laufhofes beim Gebäude A._ Nr. 110 randlich in eine
Sickerpackung und jene beim Gebäude A._ Nr. 110a über eine Sickerleitung
direkt in den Untergrund. Um die Ausläufe gewässerschutztechnisch in Ordnung zu
bringen, verlangt das AWA im Bericht vom 13. September 2013 folgende Anpassungen: „- Die Ausläufe mit Eco-Raster sind vollständig mit Sand oder Splitt zu füllen
- Die jeweiligen Plätze sind täglich vom anfallenden Kot zu reinigen
- Die Entwässerungen bei den Gebäuden 110 und 110a sind wie folgt anzupassen: Das
Regenwasser der Pferdeausläufe darf nur über sickerfähige Flächen (Eco-Raster) oder
randlich über eine biologisch aktive Bodenschicht (begrünte Humusschicht) versickert
werden. Die Stärke der Humusschicht muss dabei mindestens 30 cm betragen. Bei
dieser randlichen Versickerung sind Sickerpackungen mit Schotter nicht zulässig. Wird
das Regenwasser mit Rinne oder Ablaufschacht gefasst und in eine begrünte
Versickerungsmulde abgeleitet, ist dieser ein ausreichend dimensionierter
Schlammsammler mit Tauchbogen vorzuschalten.“
b) Der Einschätzung des AWA, wonach mit den aufgeführten Anpassungen die
Ausläufe gewässerschutztechnisch in Ordnung gebracht werden können, kann gefolgt
werden: Zu beachten ist dabei, dass die Massnahme, wonach die Pferdeauslaufflächen
täglich vom Kot zu reinigen sind, bereits als Auflage im angefochtenen Entscheid enthalten
ist. Diese Massnahme braucht nicht zusätzlich angeordnet zu werden. Demgegenüber ist
es aus Sicht des Gewässerschutzes notwendig, dass die Eco-Raster vollständig mit Sand
oder Splitt gefüllt werden. Ansonsten kann sich der Kot der Pferde in den Eco-Raster
festsetzen, was zu einem stetigen Nährstoffeintrag in den Untergrund führt. Durch das
vollständige Füllen der Eco-Raster mit Sand oder Splitt und dem täglichen Reinigen der
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jeweiligen Plätze vom anfallenden Kot kann dagegen ein dauerhafter Nährstoffeintrag in
den Untergrund verhindert werden.
c) Auch die Massnahmen betreffend die Ausläufe bei den Gebäuden A._
Nr. 110 und Nr. 110a sind nachvollziehbar. Nach Art. 3 GSchG11 ist jedermann verpflichtet,
alle nach den Umständen gebotene Sorgfalt anzuwenden, um nachteilige Einwirkungen auf
die Gewässer zu vermeiden. Die bestehenden Laufhofentwässerungen widersprechen
dieser allgemeinen Sorgfaltspflicht von Art. 3 GSchG. Indem die Laufhofentwässerungen
nicht dem aktuellen Stand der Technik entsprechen, stellen sie ein konkretes Risiko für das
Grundwasser dar. Nach dem heutigen Wissensstand ist das Niederschlagswasser
möglichst am Ort des Anfalls, breitflächig und über eine biologisch aktive Bodenschicht zu
versickern.12 Bei einer oberflächlichen Versickerung darf das Niederschlagswasser daher
nicht durch leicht durchlässiges Material versickert werden. Dadurch fehlt die für die
Reinigung des Niederschlagswassers entscheidende Oberbodenpassage.
Sickerpackungen mit Schotter, wie sie beim Auslaufplatz beim Gebäude Nr. 110 bestehen,
sind deshalb nicht gewässerschutzkonform. Das Regenwasser muss vielmehr über eine
humusierte Bodenschicht dem Untergrund zugeführt werden. Dabei ist auch das Ableiten
des Regenwassers mittels Rinne oder Ablaufschacht in eine begrünte
Versickerungsmulde, welcher ein Schlammsammler mit Tauchbogen vorzuschalten ist,
möglich. So können mögliche Schadstoffe durch die humusierte Bodenschicht zum Schutz
des Grundwassers gefiltert und adsorbiert werden. Aus den gleichen Gründen ist auch die
Entwässerung der Laufhöfe beim Gebäude Nr. 110a (ost- und westseitig), die in eine
Sickerleitung erfolgt und direkt in den Untergrund versickert, unzulässig.
d) Nach dem Gesagten steht fest, dass die Entwässerung der Laufhöfe bei den
Gebäuden A._ Nr. 110 und Nr. 110a nicht gewässerschutzkonform erfolgt. Da die
Laufhöfe bereits erstellt sind, ist im vorliegenden Fall nicht der Bauabschlag, sondern die
Herstellung des vorschriftskonformen Zustandes anzuordnen (Art 46 BauG und Art. 22
Abs. 2 KGSchG13). An der Einhaltung der Umweltschutzgesetzgebung, wozu im weiteren
11 Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG; SR 814.20) 12 Info GSA 2/99, Versickerung und Retention von Regenwasser, 3. Aufl., S. 3 (abrufbar unter: http://www.bve.be.ch/bve/de/index/wasser/wasser/grundstuecksentwaesserung/versickerung.html) 13 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG; BSG 821.0)
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Sinn auch der Gewässerschutz zählt,14 besteht ein grosses öffentliches Interesse. Die
Herstellung des gewässerschutzkonformen Zustands liegt hier somit im öffentlichen
Interesse. Die verlangten entwässerungstechnischen Massnahmen erweisen sich auch als
verhältnismässig: Sie sind zweifellos erforderlich und geeignet, den Untergrund vor
schädlichen Stoffeinträgen zu schützen. Mit grossen finanziellen Nachteilen, die der
Beschwerdegegnerin durch die Anordnung der Massnahmen entstehen, ist nicht zu
rechnen. Dazu kommt, dass sich die Beschwerdegegnerin während dem
Beschwerdeverfahren zu keinem Zeitpunkt gegen die Massnahmen des AWA zur Wehr
setzte. Die Herstellung des rechtmässigen Zustands ist für die Beschwerdeführerin somit
auch in finanzieller Hinsicht zumutbar. Unter den gegebenen Umständen ist es somit
gerechtfertigt, die vom AWA verlangten baulichen und gewässerschutztechnischen
Massnahmen – ausgenommen der Massnahme bezüglich der täglichen Reinigung der
Pferdeauslaufflächen – in Ziffer IV./2.2 des angefochtenen Entscheids der Gemeinde Lyss
vom 29. Mai 2013 anzuordnen. Dementsprechend ergänzt die BVE in Gutheissung der
Beschwerde das Dispositiv des angefochtenen Entscheids der Gemeinde Lyss.
e) Angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin das Füllen der Eco-Raster
mit Sand oder Splitt eigenhändig und leicht vornehmen kann, erscheint eine Frist zur
Ausführung dieser Massnahme bis zum 30. April 2014 als angemessen. Anders verhält es
sich demgegenüber bezüglich der Laufhofentwässerungen bei den Gebäuden A._
Nr. 110 und Nr. 110a: Diese Anpassungen nehmen deutlich mehr Zeit in Anspruch. Es
rechtfertigt sich deshalb, für diese Anpassungen eine Frist bis zum 30. Juni 2014 zu
setzen. Dabei obliegt die Kontrolle über die Einhaltung der Massnahmen der Gemeinde
(Art. 45 BauG, 47 BewD15 und Art. 22 Abs. 2 KGschG).
5. Kosten
a) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 800.00
(Art. 103 Abs. 1 VRPG16 i.V.m. Art. 19 GebV17). Vorliegend rügte die Beschwerdeführerin
14 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 24 N. 4a 15 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 16 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 17 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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zu Recht, die Vorinstanz habe sich mit der Rüge zum Gewässerschutz nicht ausreichend
auseinandergesetzt und den Sachverhalt bezüglich der Laufhöfe zu wenig abgeklärt.
Ausserdem erfolgt die Entwässerung – wie die Beschwerdeführerin zu Recht beanstandete
– nicht vorschriftskonform. Die Beschwerdeführerin gilt deshalb als obsiegende Partei. Der
Umstand, dass die Vorinstanz den Sachverhalt unvollständig abklärte und sich mit der
Rüge zum Gewässerschutz nur rudimentär auseinandersetzte, kann jedoch nicht der
Beschwerdegegnerin angelastet werden. Für diese Mängel ist die Vorinstanz
verantwortlich. Die besonderen Umstände rechtfertigen es deshalb, der
Beschwerdegegnerin nur die Hälfte der Verfahrenskosten von Fr. 800.00, ausmachend
Fr. 400.00, aufzuerlegen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Da der Vorinstanz keine
Verfahrenskosten auferlegt werden können (Art. 108 Abs. 2 VRPG), trägt der Kanton die
andere Hälfte der Verfahrenskosten.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). In diesem Fall rechtfertigt sich aus den
genannten Gründen, die Parteikosten hälftig zwischen der Vorinstanz und der
unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuteilen. Die Kostennote des Anwalts der
Beschwerdeführerin beläuft sich auf Fr. 1’500.10 (inkl. Auflagen und Mehrwertsteuer). Sie
gibt zu keinen Bemerkungen Anlass (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Demnach haben die
Beschwerdegegnerin und die Gemeinde der Beschwerdeführerin die Parteikosten im
Betrag von Fr. 1’500.10 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) je zur Hälfte, ausmachend je
Fr. 750.05, zu ersetzen.