# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 18a31180-43ea-4bc9-ba09-415fadb1d2b7
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend sexuelle Nötigung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 7. Mai 2020 (DG200015)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 30. Januar 2020
(Urk. 29) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 66 S. 46 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1
StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 20 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 31 Tage
durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 6 Jahre des Landes verwie-
sen.
5. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird
angeordnet.
6. Die folgenden mit Verfügung vom 16. Januar 2020 der Staatsanwaltschaft Zürich-
Limmat beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigen herausgege-
ben:
− 1 Bettwäsche (Asservate-Nr. A012'510'586); − 1 Mobiltelefon (Asservate-Nr. A013'067'975).
Dem Beschuldigten wird eine Frist von 60 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils angesetzt, um diese Gegenstände selbst (oder durch eine bevollmächtigte
Person) unter Vorlage dieses Urteils und eines amtlichen Ausweises, nach telefoni-
scher Voranmeldung, bei der Lagerbehörde abzuholen. Werden diese Gegen-
stände nicht innert Frist abgeholt, werden sie vernichtet.
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7. Die folgenden mit Verfügung vom 16. Januar 2020 der Staatsanwaltschaft Zürich–
Limmat beschlagnahmten Gegenstände werden der Privatklägerin herausgegeben:
− 1 Damenhose, schwarz (Asservate-Nr. A012'510'531); − 1 Pullover, schwarz (Asservate-Nr. A012'510'553); − 1 Damenunterwäsche (Asservate-Nr. A012'510'520); − 1 Damenstrümpfe/-Socken (Asservate-Nr. A012'510'542).
Der Privatklägerin wird eine Frist von 60 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils angesetzt, um diese Gegenstände selbst (oder durch eine bevollmächtigte
Person) unter Vorlage dieses Urteils und eines amtlichen Ausweises, nach telefoni-
scher Voranmeldung, bei der Lagerbehörde abzuholen. Werden diese Gegen-
stände nicht innert Frist abgeholt, werden sie vernichtet.
8. Die folgenden beim Forensischen Institut Zürich (FOR) sichergestellten Gegen-
stände werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft die-
ses Urteils zur Vernichtung überlassen:
− 5 Bierdosen (Asservat Nr. A012'510'564).
9. Die folgenden beim Forensischen Institut Zürich (FOR) sichergestellten Spuren-
träger werden nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils vernichtet:
− die DNA-Spuren Wattetupfer (Asservate-Nr. A012'510'473, A012'510'484); − die Fotografien (Asservate-Nr. A012'510'508, A012'510'462, A012'510'519).
10. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genau-
en Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privat-
klägerin auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin CHF 4'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 6. April 2019 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
12. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidi-
ger mit pauschal CHF 18'750.– (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Ge-
richtskasse entschädigt.
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13. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsvertreterin der Privatklägerin mit pauschal CHF 11'200.– (inkl. Barauslagen
und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
14. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
CHF 5'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 2'100.00 Gebühr für das Vorverfahren
CHF 5'899.90 Auslagen (Gutachten)
CHF 200.00 Entschädigung Zeugen
CHF 18'750.00 Entschädigung amtliche Verteidigung
CHF 11'200.00 Entschädigung unentgeltliche Rechtsvertretung
15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung
der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt.
16. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung
der Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt
eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bzw. Art. 138 Abs. 1 StPO.
17. [Mitteilungen]
18. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 87 S.2):
1. Es sei das Strafurteil vom 7. Mai 2020 – soweit nicht bereits in Rechtskraft
erwachsen – aufzuheben, und der Berufungskläger sei von Schuld und
Strafe freizusprechen.
2. Es sei ihm eine angemessene Entschädigung für die zu Unrecht erlittenen
31 Tage Untersuchungshaft zuzusprechen, mindestens aber Fr. 6'200.– und
Fr. 4'000.– für entgangenen Lohn.
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3. Eventualiter sei der Beschuldigte der sexuellen Nötigung schuldig zu
sprechen und zu einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu verurteilen. Die
Strafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren bedingt auf-
zuschieben. Es sei eine Landesverweisung von maximal 5 Jahren auszu-
sprechen.
4. Allfällige Anträge betreffend zivile Forderungen seien auf den Zivilweg zu
verweisen.
5. Die Kosten des Verfahrens sowie der amtlichen Verteidigung seien definitiv
auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 72):
(schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Der Privatklägerin B._ (Urk. 89 S. 2):
1. Die Berufung des Beschuldigten sei abzuweisen, soweit sie die straf- als
auch zivilrechtlichen Ansprüche der Privatklägerin B._ betreffen.
2. Das vorinstanzliche Urteil der 7. Abteilung des Bezirksgerichts Zürich vom
7. Mai 2020 sei insbesondere in Bezug auf die Ziffern 10 und 11 zu bestäti-
gen.
3. Die Kosten des Verfahrens, inklusive denjenigen der unentgeltlichen
Rechtsvertretung der Privatklägerin (gemäss eingereichter Honorarnote)
seien dem Berufungskläger aufzuerlegen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Berufungsumfang, Formelles
1. Verfahrensgang
Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil vom 7. Mai 2020 sprach
die Vorinstanz den Beschuldigten A._ der sexuellen Nötigung, begangen an
B._, schuldig und bestrafte ihn mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 20
Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren. Zudem verwies sie den Beschuldig-
ten für sechs Jahre des Landes, welche Anordnung im Schengener Informations-
system (SIS) auszuschreiben sei. Des Weitern wurde festgestellt, dass der Be-
schuldigte gegenüber der Privatklägerin B._ aus dem eingeklagten Ereignis
dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig sei, und es wurde ihr eine Genugtu-
ung von Fr. 4'000.– (zuzüglich Zins) zugesprochen (Urk. 63 = Urk. 66 S. 46 ff.).
Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermeidung
unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 66 S. 4).
Am 11. Mai 2020 und damit innert der gesetzlichen Frist liess der Beschuldigte
Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 59). Das begründete Urteil wurde
der Verteidigung am 13. August 2020 zugestellt (Urk. 65/2). Mit Eingabe vom
18. August 2020 reichte die Verteidigung innert der zwanzigtägigen Frist von
Art. 399 Abs. 3 StPO die Berufungserklärung ein (Urk. 67).
Mit Präsidialverfügung vom 1. September 2020 wurde die Berufungserklärung
sowohl der Privatklägerin als auch der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat zu-
gestellt (Urk. 71), um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein
Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 70). Die Anklagebehörde
teilte darauf, am 4. September 2020 mit, dass auf Anschlussberufung verzichtet
werde (Urk. 72). Die Privatklägerin liess mit Eingabe vom 7. September 2020 er-
klären, dass weder Anschlussberufung erhoben noch ein Nichteintreten auf die
Berufung beantragt werde; im Falle einer Befragung von ihrer Person verzichte
sie darauf, von einer Person gleichen Geschlechts einvernommen zu werden
(Art. 153 Abs. 1 StPO), es werde aber beantragt, dass dem urteilenden Gericht
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eine Person gleichen Geschlechts angehöre (Art. 335 Abs. 4 Satz 1 StPO).
Schliesslich beantragte die Privatklägerin den Ausschluss der Publikumsöffent-
lichkeit von der Berufungsverhandlung (Art. 70 Abs. 1 lit. a StPO), einzig
Gerichtsberichterstattern bzw. Medienvertretern sei unter Auflagen (hinsichtlich
der Wahrung der Anonymität der Privatklägerin) der Zutritt zu gestatten (Art. 70
Abs. 4 StPO; Urk. 75).
Der Gerichtsbesetzung gehört mit Ersatzoberrichterin lic. iur. C. Keller eine
Person weiblichen Geschlechts an (Prot. II S. 6). Ausserdem wurde, wie schon für
die vorinstanzliche Hauptverhandlung (vgl. Urk. 41), die Publikumsöffentlichkeit
von der Berufungsverhandlung ausgeschlossen, während die akkreditierten
Gerichtsberichterstatter/-innen unter Auflagen zugelassen waren (Urk. 77). Dies
geschah mit der Begründung, dass einerseits notwendigerweise Tatumstände
thematisiert werden müssten, welche den Privat- und Intimbereich der Privat-
klägerin berührten, und andererseits dem Interesse der Öffentlichkeit an der
Transparenz staatlicher Tätigkeit und deren Kontrolle durch die Zulassung von
akkreditierten Gerichtsberichterstatter/-innen Genüge getan werden könne. Die
Auflage lautete dahingehend, dass die Identität der Privatklägerin nicht veröffent-
licht werden darf und dass in der Berichterstattung jegliche Angaben zu unter-
lassen sind, die Rückschlüsse auf die Identität der Privatklägerin erlauben (unter
Aufzählung konkreter Beispiele).
Am 12. Februar 2021 wurde zur heutigen Berufungsverhandlung vorgeladen. Der
Staatsanwaltschaft wurde das persönliche Erscheinen freigestellt; der Privatkläge-
rin wurde Kenntnis von der Verhandlung gegeben (Urk. 80). Es erschienen heute
der Beschuldigte und sein amtlicher Verteidiger sowie die Vertreterin der Privat-
klägerin (Prot. II S. 6). Vorfragen waren keine zu entscheiden und – abgesehen
von der Einvernahme des Beschuldigten – auch keine Beweise abzunehmen
(Prot. II S. 8). Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
2. Umfang der Berufung
2.1. Gemäss seiner Berufungserklärung vom 18. August 2021 (Urk. 67) und der
heutigen Klarstellung (vgl. Urk. 87 S. 2) richtet sich die Berufung des Beschuldig-
ten gegen den vorinstanzlich ergangenen Schuldspruch (Disp.-Ziff. 1) sowie
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gegen alle damit zusammenhängenden Sanktionsfolgen (Strafe [Disp.-Ziff. 2 und
3]; Landesverweisung [Disp.-Ziff. 4] samt SIS-Ausschreibung [Disp.-Ziff. 5]),
gegen die Feststellung der Schadenersatzpflicht dem Grundsatz nach (Disp.-
Ziff. 10), gegen die der Privatklägerin zugesprochene Genugtuung (Disp.-Ziff. 11)
sowie gegen die Kostenregelung (Disp.-Ziff. 15 und 16).
2.2. Unangefochten blieben demgegenüber die Entscheide über die beschlag-
nahmten bzw. sichergestellten Gegenstände (Disp.-Ziff. 6 bis 9), die der amtlichen
Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsbeiständin der Privatklägerin zuge-
sprochenen Entschädigungen aus der Gerichtskasse (Disp.-Ziff. 12 und 13) sowie
die Kostenfestsetzung (Disp.-Ziff. 14). Damit sind diese Anordnungen in Rechts-
kraft erwachsen, wovon vorab Vormerk zu nehmen ist (Art. 399 Abs. 3 StPO in
Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO sowie Art. 404 StPO).
3. Formelles
3.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies stets explizit Erwäh-
nung findet.
3.2. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinwei-
sen). Die Berufungsinstanz kann sich auf die für ihren Entscheid wesentlichen
Punkte beschränken. Es müssen aber wenigstens kurz die Überlegungen
genannt werden, von denen sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich
sein Entscheid stützt (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1 mit Hinweisen).
II. Schuldpunkt
1. Ausgangslage
1.1. Die Anklage wirft dem Beschuldigten vor, er habe am Abend des 6. April
2019, um ca. 19:15 Uhr, in seiner Wohnung in Zürich-Affoltern die Privatklägerin
unter Gewaltanwendung zu sexuellen Handlungen genötigt. Als sie auf dem Sofa
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sitzend zusammen ein Bier getrunken und sich unterhalten hätten, habe er ihr
zunächst mitgeteilt, dass er sie liebe, woraufhin sie erwidert habe, dass dies nicht
auf Gegenseitigkeit beruhe. Der Beschuldigte habe sich dann zuerst zurück-
gelehnt, sich dann aber unvermittelt vorgebeugt, habe ihren Kopf mit beiden
Händen gepackt und versucht, seine Lippen auf ihre Lippen zu drücken. Es sei
der Privatklägerin da gelungen, ihren Kopf vom Beschuldigten wegzudrehen und
letzteren mit beiden Händen von sich wegzustossen, woraufhin er von ihr
abgelassen habe. Als sie sich erhoben habe, sei er auch aufgestanden. Im
Stehen habe er erneut – gegen ihren klar wahrnehmbaren Willen – versucht, sie
zu küssen, wobei er versucht habe, seine Zunge in ihren Mund zu stecken, was
sie habe verhindern können, indem sie die Lippen stark aufeinander gepresst
habe. Nachdem sie sich wiederum gegen sein Vorgehen gewehrt habe, habe er
sie auf das neben dem Sofa befindliche Bett gestossen, habe sie mit einer Hand
am Oberarm gepackt und mit der anderen Hand versucht, ihre Hosen herunter-
zuziehen, was ihm jedoch nicht gelungen sei, da sie ihn immer wieder wegges-
tossen habe. Auf ihre wiederholte Aufforderung, er solle mit seinem Tun aufhören,
habe er gesagt: «Ich Mann, du Frau». Sodann habe der Beschuldigte der rück-
lings auf dem Bett liegenden Geschädigten mit einer Hand unter deren T-Shirt
und durch den BH hindurch an die Brüste gegriffen, woraufhin sie sofort seine
Hand hervorgezogen habe. Zeitgleich habe er mit seiner freien Hand abermals an
ihre Hose gefasst und erneut versucht, diese herunterzuziehen. Die Privatklägerin
habe sich daraufhin bemüht, ihre Hose wieder zurecht zu ziehen und gleichzeitig
den Beschuldigten von sich zu stossen, wobei er gegenteilig darauf konzentriert
gewesen sei, ihr die Hose herunterzuziehen. Bei diesem Gerangel sei ihre Hose
ein Stück weit nach unten gerutscht, woraufhin sie aufgehört habe, den Beschul-
digten von sich weg zu drücken, sondern sich darauf konzentriert habe, ihre Hose
mit beiden Händen wieder hochzuziehen. Diesen Moment habe der Beschuldigte
genutzt, um mit einem Arm um die Privatklägerin herumzugreifen und von hinten
mit einer Hand an der Hose zu ziehen. Währenddessen habe der Beschuldigte
mit der anderen Hand von vorne in die Unterhose der Privatklägerin gegriffen,
wobei es ihr durch heftiges Ziehen und Stossen gelungen sei, seine Hand wieder
aus ihrer Unterhose zu entfernen. Während dieses Gerangels habe er zu ihr
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gesagt, dass er einen Gummi dabei habe und sie liebe, woraufhin ihm die Privat-
klägerin mitgeteilt habe, dass sie dies nicht wolle. Schliesslich sei es ihm gelun-
gen, die Hose der Privatklägerin bis zu deren Knöcheln nach unten zu ziehen.
Sodann habe er mit einer Hand von hinten derart an der Unterhose der Privat-
klägerin gezogen, dass diese über deren Gesäss gerutscht sei. Zeitgleich habe er
mit der anderen Hand erneut von vorne in die Unterhose und an den Genital-
bereich der Privatklägerin gegriffen. Dabei sei er mit mindestens einem seiner
Finger ca. 2 cm vaginal in die Privatklägerin eingedrungen. Sie habe dabei ver-
sucht, den Beschuldigten von sich zu stossen und seine Hände von ihrem Körper
zu entfernen, wobei sie ihm mit den Worten «Nein, ich möchte das nicht» aber-
mals deutlich zu verstehen gegeben habe, dass er von ihr ablassen solle. Nach-
dem es der Privatklägerin schliesslich gelungen sei, eine Hand des Beschuldigten
von sich zu lösen, sei dieser dazu übergegangen, sich mit dieser freien Hand
seine eigene Hose herunterzuziehen. Diesen Moment habe die Geschädigte
genutzt, um den Beschuldigten von sich wegzudrücken, ihn aufs Bett zu stossen,
ihre Unterhose samt Hose nach oben zu ziehen und die Örtlichkeit zu verlassen
(Urk. 29 S. 2 f., gegenüber der Anklage leicht zusammengefasst).
Der Beschuldigte habe gewusst, dass die Privatklägerin keine der beschriebenen
Handlungen gewollt habe und dass sie sich aufgrund seiner Handlungen nicht
mehr habe wehren können bzw. dass er ihren Widerstand mit Körpergewalt habe
überwinden können. Er habe mit seinem Verhalten zumindest billigend in Kauf
genommen, dass er gegen ihren Willen sexuelle Handlungen an ihr vornahm
(Urk. 29 S. 4, gegenüber der Anklage leicht zusammengefasst).
1.2. In rechtlicher Hinsicht würdigt die Staatsanwaltschaft das Verhalten des
Beschuldigten als sexuelle Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB.
1.3. Wie auch schon vor der Vorinstanz ist unbestritten geblieben, dass sich der
Beschuldigte und die Privatklägerin von ihren Arbeitsstellen im Restaurant
C._ her, wo damals beide in der Küche tätig waren, eher flüchtig kannten
(Urk. 5/4 F/A 13; Prot. I S. 40). Unbestritten ist auch, dass sie am fraglichen Tag,
dem 6. April 2019, nach dem Arbeitsende um 15 Uhr miteinander Zeit verbrach-
ten, ein Bier tranken und die Privatklägerin danach, am frühen Abend ihm auf ein
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weiteres Bier in seine Wohnung folgte (Urk. 4/1 S. 3, Urk. 4/3 F/A 27, Urk. 4/4 F/A
10; Urk. 5/1 F/A 9, Urk. 5/4 F/A 13, Prot. I S. 19, Urk. 86 S. 8 f.).
Das anklagegegenständliche Kerngeschehen mit dem ihm vorgeworfenen Über-
griff auf die sexuelle Integrität der Privatklägerin während des Aufenthalts in der
Wohnung stellt der Beschuldigte demgegenüber auch heute in Abrede. Diesbe-
züglich ist der Sachverhalt zu erstellen.
1.4. Der Beschuldigte wurde am übernächsten Tag nach dem inkriminierten
Vorfall, am 8. April 2019 von der Stadtpolizei Zürich zu den gegen ihn erhobenen
Vorwürfen erstmals einvernommen (verteidigt; Urk. 4/1). Laut den dort deponier-
ten Aussagen (Urk. 4/1 S. 3 f.), auf welche der Beschuldigte im späteren Verlauf
des Strafverfahrens immer wieder verwies (vgl. Urk. 4/2 F/A 8 f., Urk. 4/3 F/A 9 f.,
Urk. 4/4 F/A 8, Prot. I S. 39), soll der fragliche Nachmittag/Abend wie folgt ab-
gelaufen sein: Er, der Beschuldigte, habe nach der Beendigung seiner Schicht
eigentlich nach Hause gehen wollen, sei aber auf dem Flur auf die Privatklägerin
getroffen, die ihn gefragt habe, ob er mit ihr noch etwas trinken komme. Er habe
dann eingewilligt, und sie seien zu einem Kiosk resp. einer Bar gegangen, wo sie
draussen hätten sitzen können. Sie habe für sie je eine Stange Bier geholt. Er sei
sehr müde gewesen und habe nach Hause gehen wollen, was er ihr gesagt habe.
Sie habe ihn gebeten, noch etwas länger bei ihr zu bleiben. Da habe sie vorge-
schlagen, mit ihm nach Hause zu gehen, um dort Bier zu trinken. Damit sei er
einverstanden gewesen. Er habe für die zwei Stangen bezahlt, und auf dem
Heimweg hätten sie noch ein Sechserpack Bier gekauft. Zu Hause angekommen,
habe er zwei Flaschen Bier geöffnet; sie habe sich einen Joint gedreht. Bei der
zweiten Runde Bier habe sie ihren Joint ausgemacht und dann nochmals an-
gezündet. Da habe sie ihn umarmt und ihn gefragt, ob er einen Zug vom Joint
nehmen wolle. Er habe ihr gesagt, dass er nicht rauchen werde. Sie habe ihm den
Joint aber an den Mund gestreckt, und so habe er halt einen Zug davon genom-
men. Bevor sie ihm Marihuana an den Mund gedrückt habe, habe sie zu ihm
gesagt, dass er ihr direkt in die Augen schauen solle. Nachdem er den Zug
genommen habe, sei es ihm sehr schlecht gegangen, sei ihm schwindlig gewor-
den, und er habe das Gefühl gehabt, erbrechen zu müssen. So habe er zu ihr
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gesagt, dass er die Toilette aufsuchen, das Pyjama anziehen und sich dann zu
Bett legen werde. Er sei sehr müde gewesen. Er habe sich umgezogen und sei
zurück ins Zimmer gegangen, wo er sich aufs Bett gesetzt habe. Sie habe ihn
aber geheissen, sich neben sie aufs Sofa zu setzen. Sie habe noch einmal
Marihuana angezündet und habe unbedingt gewollt, dass er nochmals einen Zug
davon nehme. Er habe sie gebeten, ihn in Ruhe zu lassen, habe ihr gesagt, dass
es ihm nicht gut gehe. Sie habe aber nicht locker gelassen und insistiert, dass er
erneut einen Zug nehmen solle. Darauf habe er nochmals einen Zug genommen,
glaublich zum dritten Mal. Dann habe er sein Gesicht weggedreht, und sie habe
den Rest geraucht, wobei sie den Rauch immer wieder an sein Gesicht geblasen
habe. Dann habe sie ihn umarmt und ihn auf den Mund geküsst. Sie habe ihn
ausserdem gekitzelt und den Finger in den Bauchnabel gesteckt (a.a.O. F/A 15).
Sie habe ihn so stark umarmt, dass er kaum habe sprechen können. Er habe sich
müde gefühlt. Sie habe sich auf seinen Schoss gesetzt. Weil er sehr müde gewe-
sen sei, habe er sich aufs Bett gelegt. Sie sei dann auch zum Bett gekommen und
habe sich wieder auf ihn gesetzt. Dann habe sie mit ihrem Mobiltelefon Bilder von
ihnen beiden gemacht. Sie habe die Beine um ihn gespreizt und zu ihm gesagt,
dass sie sehr kräftig sei, ihn anheben könne. Sie habe ihn fest an den Armen
gepackt und habe ihn angehoben und wieder fallen gelassen. Er sei mit dem
Rücken auf dem Bett gelegen. Sie sei vollständig angezogen gewesen und habe
sich auf ihn gesetzt, auf den Genitalbereich. Er sei sehr müde gewesen, habe
sich nicht gewehrt, habe bloss schlafen wollen. Sie habe wiederholt versucht,
seine Hose abzuziehen; er habe das aber nicht gewollt und habe seine Hosen
seitlich festgehalten (a.a.O. F/A 48). Dann sei er eingeschlafen und um 04:40 Uhr
durch das Läuten des Weckers erwacht. Als er aufgewacht sei, sei seine
Wohnungstür offen gestanden. Er sei noch immer müde gewesen (Urk. 4/1 S. 3
ff.).
1.5. Auch anlässlich der heutigen Einvernahme vor der Berufungsinstanz
schilderte der Beschuldigte das Geschehen dergestalt, dass die Initiative von der
Privatklägerin ausgegangen sei, welche ihn einerseits dazu gedrängt habe,
Marihuana zu konsumieren und anschliessend versucht habe, sich ihm anzu-
nähern und ihm die Hose auszuziehen (Urk. 86 S. 8 ff.). Er habe sich aufgrund
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des Marihuanakonsums, welchen er nicht gewohnt sei, sehr schlecht gefühlt und
habe kaum mehr sprechen bzw. vom Sofa aufstehen können. Auch sei seine
Erinnerung verschwommen. Erinnern möge er sich daran, dass die Privatklägerin
gesagt habe, sie sei so stark wie ein Mann. Er habe, nachdem sie versuchte
habe, seine Hosen auszuziehen, mit ihr gerungen und sei schliesslich auf dem
Boden gelandet. Anschliessend sei er erst ca. eine halbe Stunde später wieder zu
sich gekommen (Urk. 86 S. 9 f. und S. 11). Nach dem Vorfall habe er mit einer
aus D._ [Staat im Nahen Osten] stammenden Ex-Freundin per Videoanruf
telefoniert, welche sich aufgrund seines Zustandes Sorgen gemacht habe, da er
wegen des Marihuanakonsums sehr undeutlich gesprochen habe (Urk. 86 S. 10).
Auf Vorhalt der SMS-Nachricht "hoi sorry / du wer haben nicht falsch gemach es
ist einfach aber warum du ganz tag traurig denkst du nicht negativ / have a nice
day by" (Urk. 5/3), welche er nach dem Vorfall der Privatklägerin gesandt hat,
führte der Beschuldigte aus, er habe der Privatklägerin lediglich mitteilen wollen,
das sie sich wegen ihres ungebührlichen Verhaltens vom Vortrag nicht schlecht
fühlen oder schämen solle. Er selbst habe sich nichts zu Schulden kommen las-
sen (Urk. 86 S. 11 f.). Weiter führte er aus, die Privatklägerin habe anfänglich gar
keine Anzeige gegen ihn erstatten wollen, sei aber von einem gemeinsamen Vor-
gesetzen aus E._ [europäischer Staat] unter Druck gesetzt worden (Urk. 86
S. 12).
2. Massgebliche Beweismittel und Grundsätze der Sachverhaltserstellung
Was die Vorinstanz zu den verfügbaren Beweismitteln und deren Verwertbarkeit
(Urk. 66 E. III/3 S. 6 f.) sowie zu den massgebenden Grundsätzen der Sachver-
haltserstellung und allgemeinen Beweiswürdigungsregeln (Urk. 66 E. III/4 S. 7–9)
ausführt, ist nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz hat auch den Inhalt der mass-
geblichen Beweismittel umfassend und richtig wiedergegeben (Urk. 66 E. III/4.3
bis 4.11 S. 11–26), worauf zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen
werden kann.
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3. Glaubwürdigkeit der Beteiligten
3.1. Zur Glaubwürdigkeit des Beschuldigten erwog die Vorinstanz, dass er als
unmittelbar vom vorliegenden Strafverfahren betroffene Person ein nachvollzieh-
bares Interesse daran haben dürfte, den Sachverhalt in einem für ihn günstigen
Licht darzustellen. Dieser Umstand sei im Rahmen der Beweiswürdigung vor
Augen zu halten. Weiter sei festzustellen, dass er als Beschuldigter nicht zur
wahrheitsgemässen Aussage gemäss Art. 307 StGB verpflichtet sei, weshalb
seine Aussagen mit einer «gewissen kritischen Zurückhaltung» zu würdigen seien
(Urk. 66 E. III/4.2.1 S. 10). Diese häufig so oder ähnlich in Entscheiden verwende-
te Formel hält genauerer Betrachtung nicht stand. Die Würdigung von Aussagen
erfordert stets kritische Zurückhaltung, und eine Abstufung in verschiedene Grade
an Zurückhaltung bei der Würdigung gibt es in diesem Zusammenhang nicht. Zur
Unterscheidung von wahren und erfundenen Aussagen ist die prozessuale
Stellung ein untaugliches Kriterium, weil ein Unschuldiger dasselbe Interesse hat;
oder es ist ein Zirkelschluss, indem von vornherein – tendenziell zumindest – von
der Schuld des Beschuldigten ausgegangen wird. Ausserdem ist das Recht
tangiert, sich nicht selbst belasten zu müssen (Art. 113 Abs. 1 StPO). Die
prozessuale Stellung einer Partei vermag für die Sachverhaltserstellung nie etwas
beizutragen, weder im positiven noch im negativen Sinne (vgl. Urteil der er-
kennenden Kammer SB180079-O/U vom 18. Oktober 2018 E. 3.1 S. 9). Dem
Beschuldigten ist grundsätzlich Glaubwürdigkeit zu attestieren. Es handelt sich
aber um ein untergeordnetes Detail; im Vordergrund steht ohnehin die Überzeu-
gungskraft der Aussagen (dahingehend auch die Vorinstanz in Urk. 66 E. III/4.1.3
S. 9).
3.2. Beizupflichten ist der Vorinstanz, wenn sie ausführt, die Privatklägerin sei
nicht per se unglaubwürdig, selbst wenn sie allenfalls gewisse psychologische
Probleme habe (Urk. 66 E. III/4.2.2 S. 10). Angesichts der geradezu diffamieren-
den Äusserungen der Verteidigung über die Privatklägerin (Prot. I S. 44 ff. i.V.m.
Urk. 54 S. 5 f.; Urk. 87 S. 4) verdient, hervorgehoben zu werden, dass gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei der Würdigung von Aussagen nicht mehr
wie früher Gewicht auf die generelle Glaubwürdigkeit der einvernommenen
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Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft gelegt wird, sondern
diesem Gesichtspunkt kaum mehr relevante Bedeutung zukommt. Weitaus
bedeutender für die Wahrheitsfindung ist die Glaubhaftigkeit der konkreten
Aussage, welche durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf überprüft wird,
ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen
Erleben des Aussagenden entspringen (BGE 133 I 33 E. 4.3, Urteil des Bundes-
gerichts 6B_165/2009 vom 10. Juli 2009 E. 2.4). Es ist von daher nur richtig,
wenn die Vorinstanz den Exkursen der Verteidigung zur Person der Privatklägerin
bei der Erstellung des Sachverhalts wenig Raum gab. Den allgemeinen Lebens-
umständen der Privatklägerin kommt vorliegend keine massgebliche Bedeutung
zu.
3.3. Zuzustimmen ist der Vorinstanz schliesslich auch in der Würdigung
der Glaubwürdigkeit der Zeugen F._ (Urk. 66 E. III/4.2.3 S. 10), G._
(Urk. 66 E. III/4.2.4 S. 10 f.), H._, I._ und J._ (Urk. 66 E. III/4.2.5 S.
11).
4. Würdigung der Beweismittel
4.1. Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachten Sachverhalt gestützt
auf die massgeblichen Beweismittel als erstellt (Urk. 66 E. III/5.5 S. 30). Es kann
vorweggenommen werden, dass den von der Vorinstanz aus dem Beweismaterial
gezogenen Schlüssen zur Sachverhaltserstellung vollumfänglich zu folgen ist.
Sehr sorgfältig, schlüssig und zutreffend hat die Vorinstanz die Aussagen nament-
lich der Privatklägerin (Urk. 66 E. III/5.1 S. 26 f.) und des Beschuldigten (Urk. 66
E. III/5.2 S. 27 ff.), aber auch jene der befragten Zeugen (Urk. 66 E. III/5.3
S. 29 f.) gewürdigt. Auch die den Akten beiliegenden weiteren relevanten Unter-
lagen – namentlich die pharmakologisch-toxikologischen Gutachten der Direkt-
beteiligten (Urk. 13/11, Urk. 14/11), das Gutachten über die körperliche
Untersuchung der Privatklägerin (Urk. 13/9) sowie der Spurenbericht betreffend
DNA-Spuren ab dem Unterhosenbund innen der Privatklägerin (Urk. 15/4) –
wurden schlüssig in die Würdigung einbezogen. Die nachstehenden Erwägungen
dienen nur dazu, die vorinstanzliche Beweiswürdigung punktuell zu verdeutlichen
bzw. zu ergänzen:
- 16 -
4.2. Belastet wird der Beschuldigte im Wesentlichen durch die Aussagen der
Privatklägerin. Diese Aussagen sind in der Ablaufschilderung, der Geschlossen-
heit und vom Inhalt her von hoher Qualität. Die Privatklägerin hat sowohl gegen-
über der Polizei als auch gegenüber der Staatsanwaltschaft jeweils bereits zu
Befragungsbeginn auf entsprechende Aufforderung eigenständig, sehr detailliert,
bildhaft und in stimmiger Abfolge einen Grossteil des inkriminierten Geschehens,
einschliesslich damit einhergehender eigener Gedanken und Gefühle sowie
Gespräche und Reaktionen der Beteiligten und darüber hinaus prägnante Neben-
sächlichkeiten, zu Protokoll gegeben (Urk. 5/1 insb. F/A 8, 17, 19, 22; Urk. 5/4
F/A 13 f.). Dabei handelt es sich um lauter Realkennzeichen. Ihre Schilderungen
blieben dann auch in den anschliessenden Detailbefragungen beständig, an-
schaulich und nachvollziehbar. Die Aussagen der Privatklägerin enthalten eine
Fülle von lebensnahen Details. Sie schilderte das Geschehen gleichbleibend und
weitestgehend widerspruchsfrei. Die Aussagen wirken spontan und in keiner
Weise gesteuert, vielmehr authentisch. Strukturbrüche fehlen, und auch im Laufe
der Befragungen blieben ihre Aussagen, jedenfalls was das Kerngeschehen
betrifft, konstant. All dies lässt sich auch zu der auf Video aufgenommenen
Befragung der Privatklägerin anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung
sagen, wo sich über das bereits Gesagte hinaus auch eindrücklich eine stimmige
Gefühlsbeteiligung bei den Aussagen zeigte (Prot. I S. 17 ff.; Urk. 84). Es gibt
keinerlei Anzeichen dafür, dass die Privatklägerin irgendetwas erfunden oder
Unwahres hinzugefügt haben könnte.
4.3. Auch wie die Privatklägerin nach dem Vorfall von ihrem Bekannten
F._ (Urk. 6/3 F/A 18 ff.) und in den darauffolgenden Tagen an der Arbeit (vgl.
Urk. 9/1 F/A 11; Urk. 11/2 F/A 11 f.) wahrgenommen wurde, stimmt ins Bild und
wirkt nachvollziehbar und authentisch.
4.4. Dass die Privatklägerin von sich aus ihre Arbeitsstelle aufgab und auch für
die Untersuchungsbehörden eine Zeitlang nicht erreichbar war, ist keineswegs
– wie von der Verteidigung vorgebracht wurde (Urk. 54 S. 3–5; Urk. 87 S. 4) –
unerklärlich. Eine Verweigerungshaltung ist kein untypisches Verhaltensmuster
für Opfer von traumatischen Vorfällen, insbesondere solchen gegen die sexuelle
- 17 -
Integrität. Dass es dazu kam, mag vorliegend noch begünstigt worden sein durch
das Naturell der Privatklägerin. Anhaltspunkte, dass es der Privatklägerin darum
gegangen sein könnte, die Wahrheitsfindung zu behindern, ergeben sich daraus
nicht.
4.5. Was die Privatklägerin dazu bewog, dem Beschuldigten in dessen
Wohnung zu folgen, vermochte sie plausibel zu erklären (es lag in der Nähe des
Treffpunkts mit ihrem Kollegen; sie zog es vor, dort statt am Bahnhof zur Toilette
zu gehen [Urk. 5/1 F/A 17; Urk. 5/4 F/A 13; Prot. I S. 19]). Abgesehen davon hat
es nichts Anrüchiges an sich, als Frau einen männlichen Arbeitskollegen zu
Hause zu besuchen (umso mehr, als es noch früher Abend war), und impliziert
per se jedenfalls nicht ein sexuelles Interesse (darauf zielend wohl die Vertei-
digung in Urk. 54 S. 6).
4.6. Die Verteidigung bringt vor (Urk. 54 S. 6; Urk. 87 S. 6), der Umstand, dass
sich der Beschuldigte – bevor es zum vorgeworfenen Übergriff gekommen sein
soll – auf der Etagentoilette und nicht vor den Augen der Privatklägerin umge-
zogen haben soll, spreche für seine Unschuld. Dem kann nicht gefolgt werden.
Dieser inhaltlichen Besonderheit ist schlicht kein Gewicht beizumessen, denn vom
Anklagevorwurf her ist durchaus denkbar, ja sogar naheliegend, dass sich der
Beschuldigte erst im Verlauf des Zusammenseins in der Wohnung in sexuelle
Forderungen hineingesteigert hat. Abgesehen davon wird dem Beschuldigten
nicht jeglicher Anstand und Respekt abgesprochen.
4.7. Den Belastungen der Privatklägerin gegenüber steht eine Version des
Beschuldigten, die schon für sich allein lebensfremd erscheint. Er beschreibt die
Privatklägerin als recht dominante Initiantin eines sexuellen Abenteuers. Selber
noch in der Probezeit stehend, soll sie ihn, ihren Arbeitskollegen, trotz seiner ver-
balisierten Schläfrigkeit beim ersten privaten Treffen richtiggehend dazu gedrängt
haben, ihn nach Hause begleiten zu dürfen, wo sie ihn aufdringlich mit einem
Joint berauscht, ihn ungehemmt auf den Mund geküsst und sich ihm auf den
Genitalbereich gesetzt haben soll, wobei er all dies aus Müdigkeit und Benebe-
lung widerwillig über sich ergehen lassen haben soll, just bevor er in Tiefschlaf
gefallen sei. Dies scheint nicht sehr glaubhaft.
- 18 -
4.8. Es ergibt sodann keinen Sinn, dass die Privatklägerin nach abgewiesenen
oder misslungenen sexuellen Avancen bei einem Mann, von dem sie gerade
erfuhr, dass er verheiratet ist, derart verletzt oder wütend gewesen sein könnte,
dass sie ihn anderntags falsch anschuldigt bei der Polizei und damit all die
Unwägbarkeiten einer Anzeigeerstattung auf sich nimmt. Bei Rache als Motiv
wären zudem Übertreibungen und Widersprüche in der Darstellung der Privat-
klägerin zu erwarten gewesen, woran es hier gänzlich fehlt.
4.9. Nicht für einen eigentlichen Rausch, der nahezu zu Bewusstlosigkeit
führte, und damit nicht für die Version des Beschuldigten spricht, dass sich im
Blut, das dem Beschuldigten rund 29 Stunden nach dem Vorfall entnommen
wurde, kein THC nachweisen liess (Urk. 14/7 S. 3; Urk. 14/11). Und wäre im Joint
bloss CBD gewesen, so wäre der beschriebene körperliche Zustand dadurch
auch nicht erklärbar. Dass das Inhalieren von CBD, verbunden mit mässigem
Bierkonsum zu einem solchen Rauschzustand hätte führen können, ist unwahr-
scheinlich, braucht angesichts der übrigen Beweislage aber nicht näher abgeklärt
zu werden.
4.10. Stutzig macht ferner das Vorbringen des Beschuldigten anlässlich der erst-
instanzlichen Hauptverhandlung, wonach es seiner Meinung nach – sollte es wirk-
lich so gewesen sein, wie die Privatklägerin es darstellte – auch für ihn besser
gewesen wäre, wenn sie sofort zur Polizei gegangen wäre. Dann hätte – so der
Beschuldigte vor Vorinstanz – die Polizei vor Ort sich ein Bild der Situation
machen können (Prot. I S. 42). Diese Argumentation des Beschuldigten hinkt
natürlich, weil die Polizei auch dann nicht rechtzeitig vor Ort gewesen wäre, um
das Geschehen (idealerweise in Ton und Bild) festzuhalten. Selbst wenn die
Privatklägerin den Vorfall unverzüglich bei der Polizei zur Anzeige gebracht hätte
und diese umgehend den Beschuldigten aufgesucht hätte, wäre seine Version
des Geschehensablaufs nicht sogleich überprüfbar bzw. widerlegbar gewesen.
Das dürfte dem Beschuldigten bewusst sein. Dass er es dennoch vorbringt – erst
noch basierend auf der Prämisse der Version der Privatklägerin – schwächt letzt-
lich die Glaubhaftigkeit seiner Version ab.
- 19 -
4.11. Nicht zur Version des Beschuldigten passt schliesslich die vom Beschuldig-
ten im Anschluss an den Vorfall an die Privatklägerin versandte SMS-Nachricht, in
welcher er sich für etwas zu entschuldigen scheint ("hoi sorry / du wer haben nicht
falsch gemach es ist einfach aber warum du ganz tag traurig denkst du nicht
negativ / have a nice day by";Urk. 5/3). Die Erklärung des Beschuldigten hierzu, er
habe der Privatklägerin bloss mitteilen wollen, dass sie sich wegen ihres unge-
bührlichen Verhaltens vom Vortag nicht schlecht zu fühlen brauche (Urk. 86
S. 11 f.), überzeugt nicht. Diese Erklärung des Beschuldigten wäre nur schwer
damit zu vereinbaren, dass die Privatklägerin nach ihrer glaubhaften Schilderung
in der Folge den Arbeitgeber um eine Versetzung gebeten hat, um nicht mehr mit
dem Beschuldigten zusammenarbeiten zu müssen (vgl. Prot. I S. 27). Dies wäre
nicht zu erwarten, hätte sie sich gegenüber dem Beschuldigten unangemessen
verhalten, wie es dieser schildert. Weiter spricht auch der Umstand, dass die
Privatklägerin nach dem Vorfall vom 6. April 2019 ihre Stelle bei C._
schliesslich gekündigt hat (vgl. Prot. I S. 27), klar dafür, dass ihr etwas Traumati-
sierendes widerfahren ist und sie sich nicht bloss für eigenes unangemessenes
Verhalten geschämt hat. Dies gilt insbesondere auch darum, da es sich bei dieser
Anstellung im Restaurant C._ um ihre erste Stelle im regulären Arbeitsmarkt
handelte und für sie entsprechend eine Chance darstellte, einen Schritt in ein
selbständiges und finanziell unabhängiges Leben zu machen. Vor diesem Hinter-
grund erscheint ihre Schilderung, wonach sie die Stelle aufgrund des Vorfalles
vom 6. April 2019 gekündigt habe (Prot. I S. 27), glaubhaft. Diese Umstände
sowie die erwähnte SMS-Nachricht (Urk. 5/3) stützen demnach eindeutig die Ver-
sion der Privatklägerin.
4.12. Wenn die Verteidigung hervorhebt, dass der Beschuldigte «während der
gesamten Dauer der Strafuntersuchung und auch [an der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung] an seinen linearen und glaubwürdigen Ausführen festgehal-
ten» habe (Urk. 54 S. 7), so zielt sie darauf ab, dass er konstant gleich ausgesagt
habe, was für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spreche. Es trifft zu, dass sich
der Beschuldigte nicht in zahlreiche Widersprüche verstrickte (einen immerhin er-
wähnt die Vorinstanz in Urk. 66 E. III/5.2 S. 28; im Übrigen führte der Beschuldig-
te anlässlich der Berufungsverhandlung entgegen den früheren Einvernahmen
- 20 -
erstmals aus, nach dem Vorfall mit einer Ex-Freundin aus D._ telefoniert zu
haben [Urk. 86 S. 10] bzw. ein gemeinsamer ... Vorgesetzter [aus E._] habe
die Privatklägerin zu einer Anzeigeerstattung gedrängt [Urk. 86 S. 12]). Die Kon-
stanz hinsichtlich des Kerngeschehens könnte indessen schlicht daran liegen,
dass der Beschuldigte schon zu Beginn der Untersuchung anwaltlich beraten war
(vgl. Urk. 4/1) und später auffällig oft auf seine ersten Aussagen verwies. Bei die-
sem Aussageverhalten sind als logische Folge nur wenige bis keine Widersprü-
che auszumachen, was indessen keine Rückschlüsse auf die Glaubhaftigkeit der
Aussagen zulässt.
4.13. Gesamthaft gesehen lassen sich in den Aussagen des Beschuldigten keine
nachvollziehbare, konsistente Erklärung für die erstellte Indizienlage und klare
Signale für unglaubhafte Aussagen erkennen.
4.14. Es besteht eine für den Tatvorwurf überzeugend sprechende Indizienlage,
für die der Beschuldigte keine annähernd plausiblen Erklärungen zu liefern
vermag. Fehlen Anhaltspunkte für die Richtigkeit seiner entlastenden Behauptun-
gen, darf das Gericht in freier Beweiswürdigung zum Schluss kommen, dessen
Vorbringen seien unglaubhaft (vgl. hierzu Urteile des Bundesgerichts
6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.4.4; 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014
E. 4.4; 6B_453/2011 vom 20. Dezember 2011 E. 1.6, nicht publ. in BGE 138
IV 47; 6B_30/2010 vom 1. Juni 2010 E. 4.1 mit Hinweisen; 1P.641/2000 vom
24. April 2001, publ. in: Pra 90/2001 Nr. 110, E. 3; SCHMID/JOSITSCH, Handbuch
StPO, 3. Aufl., 2017, N 231; OBERHOLZER, Grundzüge des Strafprozessrechts,
3. Aufl., 2012, N 733; Entscheid des EGMR vom 8. Februar 1996, Murray gegen
Vereinigtes Königreich, in: EuGRZ 1996, S. 587, Nr. 47; MEYER-LADEWIG, EMRK,
Handkommentar, 3. Aufl., 2011, Art. 6 N 140 mit Hinweisen).
Die Summe der den Beschuldigten belastenden Indizien und das Fehlen einer
glaubhaften Erklärung dafür lassen keine vernünftigen Zweifel aufkommen, dass
sich der Vorfall wie von der Privatklägerin geschildert zugetragen hat.
Der zur Anklage gebrachte Sachverhalt ist somit als erstellt zu betrachten.
- 21 -
5. Rechtliche Würdigung
Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung kann vollumfänglich auf die zutreffenden
und einlässlichen Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 66
E. IV S. 30 ff.). Der Tatbestand der sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs.
1 StGB wurde vom Beschuldigten direktvorsätzlich im Sinne von Art. 12 Abs. 2
Satz 1 StGB erfüllt. Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründe sind nicht
ersichtlich.
Dementsprechend ist der Beschuldigte anklagegemäss schuldig zu sprechen.
III. Strafzumessung, Strafvollzug
1. Allgemeines, Strafrahmen, Grundsätze der Strafzumessung
1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigte – dem Antrag der Anklage-
behörde folgend (Prot. I S. 43 i.V.m. Urk. 50 S. 1) – mit einer bedingten Freiheits-
strafe von 20 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren. Da einzig der
Beschuldigte Berufung gegen das vorinstanzliche Urteil erhob, fällt aufgrund des
Verschlechterungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO) eine strengere Bestrafung von
vornherein ausser Betracht.
1.2. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen von einer Geldstrafe bis zu zehn
Jahren Freiheitsstrafe korrekt abgesteckt und mit Fug festgehalten, dass vor-
liegend keine aussergewöhnlichen Umstände bestehen, die es rechtfertigen
würden, vom ordentlichen Strafrahmen abzuweichen (Urk. 66 E. V/1 S. 33). Auch
die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen ist, hat die Vorinstanz
korrekt zusammengefasst (Urk. 66 E. V/2 S. 33 f.). All dies braucht nicht wieder-
holt zu werden.
2. Tatverschulden
2.1. In objektiver Hinsicht ist mit der Vorinstanz zu bemerken, dass sich die
Tathandlungen des Beschuldigten innerhalb kurzer Zeit zu einer erheblichen In-
tensität steigerten. Das Tatvorgehen war wohl nicht von langer Hand geplant,
sondern kommt eher einer Kurzschlusshandlung gleich. Trotz der verbalen
- 22 -
Klarstellung der Privatklägerin, dass seine Offenbarung der Liebe nicht auf
Gegenseitigkeit beruhe, begann der Beschuldigte mit ungewolltem heftigen
Küssen (Versuch) auf den Mund, übergriffig zu werden. Er fuhr fort, die Privat-
klägerin massiv zu bedrängen, trotz ihrem verbalen und auch körperlichen
Dagegenhalten. Er versuchte, ihr einen Zungenkuss zu geben, stiess sie aufs
Bett, griff ihr kurz unter die Bluse und an die Brüste, getrennt nur vom Stoff des
BHs. Er setzte sich hartnäckig über die heftige und anhaltende Gegenwehr der
Privatklägerin hinweg und zog ihr – im Rahmen eines eigentlichen Gerangels –
mit List, Geschick und einiger Kraft die Hosen bis zu den Knöcheln herunter. Zur
Überwindung ihrer Gegenwehr musste der Beschuldigte reichlich Kraft auf-
wenden, mithin Gewalt als Nötigungsmittel. Dass der Beschuldigte ein Präservativ
erwähnte, musste sie fürchten lassen, dass er Geschlechtsverkehr erzwingen
könnte. Schliesslich griff er in ihre Unterhose und an den Genitalbereich, wobei er
mit einem Finger geringfügig vaginal in sie eindrang. Diese gesamte Situation, in
der die Privatklägerin dem Beschuldigten körperlich unterlegen, ihm ausgeliefert
war und so einen gewaltsamen Eingriff in ihre Intimsphäre erdulden musste, war
für sie zweifellos sehr demütigend. Dass der Beschuldigte sein Verhalten mit den
Worten "Ich Mann, Du Frau" quasi rechtfertigte, spricht ferner von einem verwerf-
lichen Verständnis der Geschlechterrollen. Der Beschuldigte beendete sein Tun
nicht aus freien Stücken, sondern dieses kam zu einem baldigen Ende, weil die
Privatklägerin nicht resignierte, sondern ihre Gegenwehr aufrecht hielt und sich
schliesslich losreissen konnte. Immerhin, und das soll auch erwähnt sein, scheint
der Beschuldigte nach der Selbstbefreiung der Privatklägerin ziemlich rasch zur
Besinnung gekommen zu sein und sie danach nicht noch weiter drangsaliert
haben.
2.2. Der sexuelle Übergriff geschah direktvorsätzlich. Es ging dem Beschuldig-
ten um die Befriedigung seiner sexuellen Lust, ein rein egoistisches Motiv. Das
subjektive Tatverschulden vermag damit das objektive in keiner Weise in einem
milderen Licht erscheinen zu lassen.
2.3. Das Tatverschulden erscheint – mit Blick auf das ganze Spektrum denk-
barer sexueller Nötigungen bis zu beischlafsähnlichen Handlungen – noch als
- 23 -
leicht, weshalb sich mit der Vorinstanz eine Einsatzstrafe im Bereich des unteren
Drittels des Strafrahmens, von 20 Monaten rechtfertigt.
3. Täterkomponente
Mit der Vorinstanz und unter Hinweis auf ihre zutreffenden Würdigungen lassen
sich aus den von dieser vollständig zusammengefassten und gewürdigten persön-
lichen Verhältnissen des Beschuldigten, der Vorstrafenlosigkeit (vgl. auch Urk. 85)
sowie dem Nachtatverhalten keine strafzumessungsrelevanten Faktoren ableiten
(Urk. 66 E. V/4 S. 35 f.). Anlässlich der heutigen Verhandlung erklärte der
Beschuldigte, seit dem 1. Mai 2021 im Restaurant "..." in K._ [Ort] angestellt
zu sein, wobei die Stelle für fünf Monate während des Sommers befristet sei
(Urk. 86 S. 5 f.), was indessen keinen Einfluss auf die Strafzumessung hat. Im
Übrigen wurde anlässlich der Berufungsverhandlung nichts Neues vorgebracht
(Prot. II S. 2 ff.).
3.1. Unter Berücksichtigung aller strafzumessungsrelevanten Faktoren er-
scheint die bereits von der Vorinstanz ausgefällte Freiheitsstrafe von 20 Monaten
im Ergebnis als gerechtfertigt.
4. Vollzug
Die Vorinstanz hat auch die anwendbaren Grundsätze bei der Prüfung eines
bedingten Strafvollzugs korrekt wiedergegeben (Urk. 66 E. VI/1 S. 52). Sie hat
dem Beschuldigten den vollbedingten Strafvollzug unter Ansetzung der minimalen
Probezeit von zwei Jahren gewährt (Urk. 66 E. VI/2 S. 37 sowie S. 46). Schon das
Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) führt zum Ergebnis, dass daran
nichts zu ändern ist. Das Absehen von einer Schlechtprognose, der vollumfäng-
liche Strafaufschub und die Ansetzung der minimalen Probezeit rechtfertigen sich
angesichts der Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten und des Umstandes, dass
nach der vorliegenden Tat, mithin seit zwei Jahren, kein Strafverfahren mehr
gegen ihn angehoben werden musste.
- 24 -
IV. Landesverweisung
1. Katalogtat, Härtefall-Prüfung
Mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte einer Katalogtat nach Art. 66a Abs. 1 lit. h
StGB schuldig zu sprechen, was grundsätzlich zu einer obligatorischen Landes-
verweisung führt. Gründe, weshalb beim Beschuldigten eine Wegweisung aus der
Schweiz zu einem schweren persönlichen Härtefall nach Art. 66a Abs. 2 StGB
führen sollte, was zu einem ausnahmsweisen Absehen von einer Landesver-
weisung führen könnte (BGE 146 IV 105 vom 4. Dezember 2019 E. 3.4.2. mit
Verweisen), sind nicht ersichtlich. Die Vorinstanz hat sich zur Frage einer obliga-
torischen Landesverweisung ausführlich und zutreffend geäussert (Urk. 66
E. VII/2, 3 und 4.1.1–4.1.4 S. 38–40). Darauf ist zu verweisen. Der Umstand, dass
der Beschuldigte kürzlich eine neue befristete Arbeitsstelle antreten konnte
(Urk. 86 S. 5 f.), vermag im Übrigen keine andere Beurteilung zu begründen.
2. Dauer
Die Vorinstanz sprach eine Landesverweisung für die Dauer von sechs Jahren
aus, also ein Jahr über der Mindestdauer. Eventualiter, für den Fall seiner Verur-
teilung beantragt der Beschuldigte, es sei die Dauer auf fünf Jahre zu begrenzen
(Urk. 87 S. 10 f.). Die Staatsanwaltschaft, die vor Vorinstanz noch zehn Jahre
propagiert hatte (Prot. I S. 43 i.V.m. Urk. 50 S. 1 und 10), beantragt nun lediglich
die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 72).
Die Vorinstanz hat nicht nur die Regeln für die Bemessung der Dauer einer
Landesverweisung korrekt zusammengefasst (Urk. 66 E. VII/4.2.1 S. 40), sie
begründete ihren Ermessenentscheid auch überzeugend (Urk. 66 E. VII/4.2.1
S. 40). Sechs Jahre stehen in einem adäquaten Verhältnis namentlich zum
Tatverschulden. Nur ein sehr leichtes Verschulden müsste zu einer minimalen
Dauer der Landesverweisung führen. Eine gegenüber dem Minimum leicht erhöh-
te Dauer von sechs Jahren ist immer noch angemessen. Auch diesbezüglich ist
der Entscheid der Vorinstanz zu bestätigen.
- 25 -
3. Ausschreibung im Schengener Informationssystem
Die Vorinstanz hat sodann die Ausschreibung der Landesverweisung im
Schengener Informationssystem (SIS) zu Recht angeordnet und dies zutreffend
begründet. Darauf kann vorab verwiesen werden (Urk. 66 E. VII/5 S. 41 f.). Die
Ausschreibung im SIS ist angesichts der neuesten bundesgerichtlichen Recht-
sprechung umso weniger zu beanstanden, da eine Landesverweisung gegenüber
Drittstaatenangehörigen bereits dann im SIS auszuschreiben ist, wenn der ent-
sprechende Straftatbestand – und nicht bloss die konkret ausgefällte Strafe – eine
Freiheitsstrafe im Höchstmass von einem Jahr oder mehr vorsieht und im Sinne
einer kumulativen Voraussetzung von der betroffenen Person eine Gefahr für die
öffentliche Sicherheit oder Ordnung ausgeht. An diese Gefahr sind indessen kei-
ne hohen Anforderungen zu stellen, sondern das Delikt muss lediglich von einer
"gewissen Schwere" sein, womit Bagatellfälle ausgeschlossen werden sollen
(vgl. Urteil BGer 6B_1178/2019 vom 10. März 2021, E. 4.8, zur Publikation in der
BGE-Sammlung vorgesehen). Diese Voraussetzungen sind vorliegend angesichts
der Verurteilung zu einer sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB
klar erfüllt. Auch diese Anordnung ist entsprechend zu bestätigen.
V. Zivilansprüche
Die allgemeinen Voraussetzungen und gesetzlichen Grundlagen für die Beur-
teilung von Zivilansprüchen wurden durch die Vorinstanz korrekt wiedergegeben
(Urk. 66 E. IX 1 S. 43), und es wurde zuvor zutreffend festgehalten, dass sich
B._ gültig als Privatklägerin konstituiert hat (Urk. 66 E. II S. 4 f.). Mit ebenso
zutreffender Begründung stellte die Vorinstanz sodann fest, dass der Beschuldig-
te gegenüber der Privatklägerin – entsprechend deren Antrag (Prot. I S. 44 i.V.m.
Urk. 51 S. 2) – grundsätzlich schadenersatzpflichtig sei (Urk. 66 E. IX/2 S. 43 f.).
Was die Genugtuungsforderung der Privatklägerin angeht, sprach die Vorinstanz
eine solche von Fr. 4'000.– zuzüglich 5% Zins seit dem 6. April 2019 zu und wies
das Genugtuungsbegehren im Mehrbetrag ab. Letzterer Entscheid wurde von der
Privatklägerin nicht angefochten und damit akzeptiert. Die zugesprochene Genug-
tuungssumme von Fr. 4'000.– erscheint sodann auch mit Blick auf die Rechtspre-
- 26 -
chung im vorliegenden Fall als nicht übermässig. Die Zivilansprüche sind damit
auch im Berufungsverfahren gleich zu entscheiden.
VI. Kosten und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kostenfolgen
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenregelung
gemäss deren Dispositiv-Ziffern 15 und 16 zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Kosten des Berufungsverfahrens
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzusetzen.
Die Kostenauflage erfolgt im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen (Art. 428
Abs. 1 StPO), sodass die zweitinstanzlichen Kosten – mit Ausnahme der
Entschädigung der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung
der Privatklägerin – dem vollständig unterliegenden Beschuldigten aufzuerlegen
sind. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung
der Privatklägerin sind angesichts der schlechten finanziellen Verhältnisse des
Beschuldigten einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Sie können beim
Beschuldigten in einem späteren Zeitpunkt eingefordert werden, falls sich seine
wirtschaftliche Situation entsprechend verbessern sollte, weshalb seine Rücker-
stattungspflicht vorzubehalten ist (Art. 135 Abs. 4 StPO und Art. 138 Abs. 1
StPO).
3. Entschädigungsfolgen
3.1. Der amtliche Verteidiger machte für das Berufungsverfahren einen Auf-
wand von Fr. 3'741.40 geltend (Urk. 88). Der bezifferte Aufwand ist ausgewiesen
und erscheint angemessen. Unter Berücksichtigung der tatsächlichen Dauer der
Berufungsverhandlung sowie einer gewissen Nachbesprechungszeit erscheint es
angemessen, den amtlichen Verteidiger für seine Aufwendungen und Baraus-
lagen mit pauschal Fr. 4'000.– zu entschädigen.
3.2. Die unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin machte für das Berufungs-
verfahren einen Aufwand von Fr. 1'679.15 geltend (Urk. 90). Der bezifferte
- 27 -
Aufwand ist ebenfalls ausgewiesen und erscheint angemessen. Unter Berücksich-
tigung der tatsächlichen Dauer der Berufungsverhandlung sowie einer gewissen
Nachbesprechungszeit erscheint es angemessen, die unentgeltliche Vertreterin
der Privatklägerin für ihre Aufwendungen und Barauslagen mit pauschal
Fr. 2'000.– zu entschädigen.
3.3. Aufgrund des Ausgangs des Verfahrens besteht sodann kein Raum für die
von der amtlichen Verteidigung für den Beschuldigten gestellten Entschädigungs-
und Genugtuungsforderungen.