# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cda2dafd-decc-4fe6-bd5b-faf8097278f4
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2003
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 8. Abteilung, vom 15. November 2002 (DG020400)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Bezirksanwaltschaft II für den Kanton Zürich vom
30. August 2002 ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Angeklagte ist schuldig der Widerhandlung gegen das Betäubungsmit-
telgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 BetmG.
2. Der nachfolgend aufgeführten Delikte ist der Angeklagte nicht schuldig und
wird freigesprochen:
− Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 5 BetmG (Sachverhalt Ziff. 1.1.) sowie
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 WG und Art. 9 Abs. 1 lit. e WV.
3. Der Angeklagte wird bestraft mit 12 Monaten Gefängnis, wovon 121 Tage
durch Polizei- und Untersuchungshaft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
3 Jahre angesetzt.
5. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf Fr. 2'000.--.
6. Die Kosten werden dem Angeklagten auferlegt.
Beschluss der Vorinstanz:
1. Die beim Angeklagten sichergestellt und von der Bezirksanwaltschaft Zürich
beschlagnahmte Barschaft in der Höhe von Fr. 2'000.-- (Barkaution II/249)
wird definitiv beschlagnahmt und zur Kostendeckung verwendet.
- 3 -
2. Die beim Angeklagten sichergestellten, bei der Bezirksgerichtskasse unter
Sachkaution Nr. 6411 deponierten Mobiltelefone, Nokia, Typ 8210 und No-
kia, Typ 3310, werden definitiv beschlagnahmt und zur Kostendeckung ver-
wendet.
3. Die beim Angeklagten anlässlich der Hausdurchsuchung vom 8. Mai 2001
sichergestellte Munition, div. Patronen 9 mm, wird eingezogen und dem
Wissenschaftlichen Dienst der Stadtpolizei zur gutscheinenden Verwendung
überlassen.
Berufungsanträge:
a) Des Verteidigers des Angeklagten:
1. Herr A. sei in Abänderung des vorinstanzlichen Urteils der Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19. Ziff. 1 Abs. 4
BetmG freizusprechen.
2. Die vorinstanzlichen Freisprüche bezüglich Widerhandlung gegen das
BetmG im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 5 sowie der Widerhandlung gegen
das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 7 WG und
Art. 9 Abs. 1 lit. 3 WV seien zu bestätigen.
3. Herr A. sei für die erlittene Untersuchungshaft von vier Monaten angemes-
sen zu entschädigen, und es sei ihm im Weiteren eine angemessene Ge-
nugtuung zu entrichten.
4. Insbesondere seien die Kosten der erbetenen Verteidigung wie auch die Ko-
sten der mittlerweile amtlichen Verteidigung zu ersetzen respektive auf die
Staatskasse zu nehmen.
5. Herrn A. sei ferner die sichergestellte Barschaft (Barkaution II/249) im Um-
fang von Fr. 2'000.-- vollständig herauszugeben.
- 4 -
6. Die unter Sachkautionsnummer 6411 sichergestellten Mobiltelefone seien
Herrn A. wieder herauszugeben.
7. Sämtliche Kosten des vorinstanzlichen Verfahrens, wie auch des Beru-
fungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 22)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

## Considerations

Das Gericht zieht in Betracht:
I. Prozessuales
1. A. A. wurde am 8. Mai 2001 im Zuge einer Überwachung eines mutmassli-
chen Drogengeschäftes festgenommen. Die Anklagebehörde lastete ihm in
der Folge im Wesentlichen an, an jenem Tag Hassan E. 100 Gramm Heroin
für Fr. 2'200.-- und 100 Gramm Streckmittel zum Kauf angeboten zu haben.
Ausserdem soll er bereits zuvor einmal im Besitz einer unbestimmten Menge
Heroin gewesen sein und ohne Berechtigung 10 Patronen des KA.bers 9
mm Para erworben haben.
Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil vom 15. November
2002 sprach das Bezirksgericht Zürich, 8. Abteilung, A. A. im Hauptpunkt
schuldig, von den Vorwürfen eines unerlaubten Drogenbesitzes vor der Ver-
haftung und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz demgegenüber
frei. Der Angeklagte wurde bestraft mit 12 Monaten Gefängnis, wovon 121
Tage durch Polizei- und Untersuchungshaft erstanden sind.
Gegen dieses Urteil liess der Angeklagte rechtzeitig Berufung erheben (Urk.
18/19; § 412 StPO). Er verlangte an der Berufungsverhandlung vom 12. Juni
2003 auch einen Freispruch im noch verbliebenen Anklagepunkt. (Urk. 27 S.
- 5 -
2; Prot. II S. 3). Die Staatsanwaltschaft schloss auf eine Bestätigung des vo-
rinstanzlichen Entscheides (Urk. 22).
2. Auf Antrag der Verteidigung (Urk. 23) wurde dem Angeklagten im Rechts-
mittelverfahren in der Person seines bisherigen - erbetenen - Verteidigers
ein amtlicher Verteidiger bestellt. Gleichzeitig wurde der Beizug der Akten in
Sachen Hassan E. und Haissam O. angeordnet (Prot. II S. 2).
II. Sachverhalt
1. Soweit der Angeklagte vom Vorwurf des illegalen Drogenbesitzes vor der
Verhaftung und von einer Widerhandlung gegen das Waffengesetz freige-
sprochen wurde, blieb der vorinstanzliche Entscheid unangefochten; er ist
im Berufungsverfahren unter Hinweis auf die zutreffenden Erwägungen im
vorinstanzlichen Urteil zu bestätigen (Urk. 21 S. 3/4 und 12/13; Schmid,
Strafprozessrecht, Rz 1045; Schmid in Donatsch/Schmid, N 3 zu § 419
StPO).
2. Strittig ist im vorliegenden Verfahren somit lediglich noch Anklageziffer 1.2.
worin dem Angeklagten vorgeworfen wird, er habe E. 100 Gramm Heroin für
Fr. 2'200 und 100 Gramm Streckmittel zum Kauf angeboten und er habe
versprochen, sich 15 Minuten später zur Regelung der Übergabe nochmals
zu melden. Aufgrund einer Überwachungsaktion wurde offenbar das Zu-
sammentreffen zwischen A. A. und E. sowie dessen Begleiter O. polizeilich
überwacht. Unmittelbar nach dem Zusammentreffen wurden die Beteiligten
polizeilich kontrolliert (Urk. 1). Dabei konnten allerdings keine Drogen si-
chergestellt werden, die mit A. hätten in Verbindung gebracht werden kön-
nen. Nachdem auch die Abhörprotokolle der Telefongespräche – wie die Vo-
rinstanz zutreffend festgestellt hat (Urk. 21 S. 9) – mangels Nachweis einer
korrekten Anordnung und Genehmigung (Art. 6 und 7 des Bundesgesetzes
betreffend die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs [BÜPF] und
§ 104 b StPO) nicht verwendbar sind (Es kann darauf verzichtet werden, die
Beizugsakten auf eine entsprechende Bewilligung und auf vom Dolmetscher
- 6 -
gehörig unterzeichnete Protokollexemplare zu durchforsten, da sich auch bei
einer Verwertung der entsprechenden Telefonprotokolle nichts am nachfol-
genden Beweisergebnis änderte.), verbleiben als Beweismittel einzig die
Aussagen der Beteiligten. Eine Bewertung der Aussagen setzt allerdings
voraus, dass sämtliche Depositionen der Beteiligten zu dem hier interessie-
renden Sachverhalt auf deren Glaubhaftigkeit überprüft werden. Unter die-
sem Aspekt verwundert, dass die Untersuchungsbehörde die entsprechen-
den Einvernahmen nur selektiv zu den Akten erhoben hat, wie sich bereits
den von der Verteidigung anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung
eingereichten Kopien (Urk. 17/1-6), aber auch den beigezogenen Akten ent-
nehmen lässt.
3. Der Angeklagte sagte in den ersten Befragungen zu diesem Sachverhalt
immer aus, es sei bei dem von der Polizei beobachteten Treffen mit E. um
einen Autoverkauf gegangen (Urk. 2/1 - 2/4 und zu Beginn von Urk. 2/5). Im
Laufe der Befragung vom 5. Juli 2001 gab er auf indirekten Vorhalt der Aus-
sagen von O. an, E., den er zuvor noch nie gesehen habe, habe ihm 100
Gramm Kokain für seinen BMW geben wollen, doch er habe abgelehnt (Urk.
2/5 S. 3/4). Gegen Ende der Befragung räumte er dann auch noch ein, E.
habe ihn gefragt, ob er Heroin habe, was er verneint habe. Er habe 200 -
300 Gramm Heroin von ihm gewollt (a.a.O. S. 7 und 8). Ähnlich auch seine
Depositionen eine Woche später vor dem Untersuchungsrichter (Urk. 2/6 S.
1). Diese Aussage soll gemäss den Ausführungen der Verteidigung im Be-
rufungsverfahren lediglich unter dem Erwartungsdruck des Bezirksanwaltes
zustande gekommen sein und offenbar keinen realen Hintergrund haben
(Urk. 27 S. 9).
4. Die Vorinstanz hat die Aussagen des Angeklagten als unglaubhaft qualifi-
ziert. Soweit sie das aus den - in der Tat - ständig wechselnden Aussagen
über die Herkunft der auf dem Angeklagten gefunden Geldern und aus un-
plausiblen Erklärungen zu einem früheren Drogenbesitz ableitet, so über-
sieht sie, dass diese Sachverhaltselemente nicht den hier zur Diskussion
stehenden Vorfall betreffen. Widersprüche ausserhalb des konkreten Vor-
- 7 -
haltes machen allenfalls den Aussagenden grundsätzlich unglaubwürdig; es
lässt sich aber daraus noch nichts Entscheidendes über die Glaubhaftigkeit
der im Streite stehenden Sachverhaltsschilderung ableiten.
5. Auf den ersten Blick auffällig ist, dass die Version des Autohandels auch
vom gleichzeitig mit dem Angeklagten verhafteten E. und von dem aussen-
stehenden H. A., offenbar zeitweise Arbeitgeber und "guter Kollege" des An-
geklagten, zu Protokoll gegeben wurde (vgl. Urk. 5 S.4). Diese Tatsache al-
lein belegt allerdings noch nicht die Authentizität der Aussagen, liesse sich
doch erklären, wie alle drei Personen die gleiche Aussage scheinbar unab-
hängig von einander zu Protokoll geben konnten, auch wenn sie nicht zu-
treffen sollte: O. hatte gemäss eigenen Aussagen am Tage nach der Ver-
haftung Kontakt zum Angeklagten und dieser soll ihm gesagt haben, man
solle in der Untersuchung angeben, es sei damals um einen Wagenkauf ge-
gangen (Urk. 2/7 S. 4). Nachdem E. einräumte, am gleichen Tag auch mit O.
Kontakt gehabt zu haben (Urk. 17/1 S. 6), könnte diese Version auf diesem
Weg weitergereicht worden sein. Akpinar seinerseits hat regen Kontakt mit
den Verteidigern des A. (Urk. 5 S. 5). Die Information könnte - allenfalls auch
unbewusst - auf diesem Weg zu Akpinar gelangt sein. Es kann aber auch
nicht ausgeschlossen werden, dass der Angeklagte tatsächlich sein Auto
verkaufen wollte und dies dem Akpinar so geschildert hat, dieses Faktum
dann aber – ohne direkten Bezug – auf das Zusammentreffen mit E. über-
tragen wurde. Auch Lügen haben in aller Regel einen Bezug zur Realität.
6. Eine Analyse der ersten Depositionen von E. und derjenigen des Angeklag-
ten zeigt, dass die Version mit dem Autoverkauf nicht stimmen kann: E. will
ganz zufällig den BMW gesehen und sich dafür interessiert haben (Urk. 7/1
S. 6). Dies korrespondiert aber nicht mit der Aussage des Angeklagten, der
Interessent habe ihn ins Triemli bestellt (Urk. 2/1 S. 1). E. musste dann auch
diverse Telefonate einräumen und fand keine plausible Erklärung dafür (Urk.
17/1 S. 7). Die Behauptung, er habe die Nummer des Angeklagten - ge-
meint: nach dem Treffen - im Natel gespeichert, für den Fall, dass er den
Wagen doch noch verkaufen wolle, widerspricht diametral der Aussage, er
- 8 -
habe das Auto zufällig auf der Strasse gesehen und dann dem Türken tele-
foniert, ob das nun das Auto sei, das man kaufen könne (a.a.O.). Das passt
ganz offensichtlich chronologisch nicht zusammen. Schliesslich ist die Schil-
derung des Angeklagten lebensfremd, er habe seine Telefonnummer bei ei-
nem – namentlich nicht bekannten – Autohändler hinterlassen, damit dieser
sie an Interessenten weitergeben könne. Den Autohändler, der ohne Garan-
tien für eine Entschädigung (man kannte sich ja namentlich nicht) sein eige-
nes Geschäft konkurrenziert, indem er auf den Angeklagten als Verkäufer
verweist, dürfte es nicht geben.
7. Erweist sich die Darstellung des Angeklagten mit dem Autoverkauf als nicht
glaubhaft, so ist auch nicht glaubhaft, wenn der Angeklagte später– in Rich-
tung der Vorhaltungen – einräumte, E. habe den Wagen mit Kokain bezah-
len wollen. Immerhin erfolgten die Zugaben, es sei von Kokain und dann
auch noch von Heroin die Rede gewesen, E. habe 200 bis 300 Gramm He-
roin abnehmen wollen, nicht leichthin. Niemand bringt sich mit Rauschgift in
Verbindung, wenn dieses im konkreten Zusammenhang gar keine Rolle ge-
spielt hat. Wenn die Verteidigung ausführt, der Angeklagte habe dieses
Rauschgift nur ins Spiel gebracht, um der Erwartungshaltung des Untersu-
chungsrichters entgegen zu kommen, so vermag dies nicht zu überzeugen,
vermittelte doch der Angeklagte im Berufungsverfahren keineswegs den
Eindruck, leicht beeinflussbar zu sein. Diese Wertung lässt sich naturge-
mäss nicht protokollarisch dokumentieren. Immerhin vermochte der Ange-
klagte auch gemäss den Akten bereits in der Untersuchung über mehrere
Befragungen hinweg standhaft zu schweigen (Urk. 2/7, 2/8, 2/9 und 2/11).
Leicht beeinflussbare Personen reagieren nicht so. Zudem hat der Ange-
klagte seine Aussage in zwei Befragungen zu Protokoll gegeben und war
dabei einmal auch von seinem damaligen Verteidiger begleitet (Urk.
2/6). Im Lichte dieser Zugaben erhalten die Aussagen von O. und E. ein an-
deres Gewicht.
8. Haissam O. sagte am Verhaftstag, dem 8. Mai 2001, aus, er habe im Re-
staurant El Baba zufällig Hassan E. getroffen. Er habe ihm anerboten, ihn
- 9 -
ins Restaurant In der Ey zu fahren, um dort Billard zu spielen. Am Steuer
des Mazdas von Hassan E. sei El J. gesessen. Dieser sei zu einer Tank-
stelle in der Nähe des Restaurants in der Ey gefahren; dort habe ein
schwarzer BMW gewartet. Am Steuer sei ein Türke gesessen. E. habe ihn
dann gebeten, für ihn zu übersetzen. E. habe dem Mann gesagt, er wolle ihn
in einer halben Stunde am gleichen Ort treffen, er habe ihm für etwas Fr.
4'000.-- geben wollen. Die Männer hätten abgemacht, in 10 Minuten mitein-
ander zu telefonieren. Wofür E. Fr. 4'000.-- geben wollte, wusste O. angeb-
lich nicht, insbesondere wusste er auch nicht, ob es in jenem Gespräch um
Drogen gegangen war (Urk. 17/4). Am folgenden Tag hielt er fest, er sei von
Hassan E. gefragt worden, ob er zum Billardspielen mitkomme. Gerade als
sie vor das Lokal gefahren seien, habe E. einen Türken angerufen und ihn
daraufhin gefragt, ob er bei einem Treffen übersetzen könne. Er habe ein-
gewilligt und sie seien über die Strasse gegangen und in das Fahrzeug des
Türken gesessen. Er habe dann erfahren, dass Hassan E. dem Türken Fr.
4'400.-- schulde, offensichtlich aus einem Drogengeschäft. Die beiden hät-
ten dann einen neuen Termin, 30 Minuten später, abgemacht, bei dem Has-
san eine neue Lieferung hätte bekommen sollen; seine alten Schulden hätte
er bei dieser Gelegenheit bezahlt und auch einen Teil der neuen Lieferung.
(Urk. 4/4 S. 1). Gegenüber dem Bezirksanwalt hat O. am folgenden Tag die-
se Darstellung bestätigt (Urk. 4/6). Offenbar nach dieser Einvernahme hat
der Befragte einen nicht datierten Zettel unterzeichnet, wonach er am Vortag
im Gefängnis vom Angeklagten ersucht worden sei auszusagen, er - der
Angeklagte - habe am besagten Tag ein Auto kaufen wollen (Urk. 3).
Am 13. Juli 2001 schilderte O. den Ablauf bis zum Treffen des Angeklagten
im Wesentlichen gleich. Hassan E. soll dann den Angeklagten gefragt ha-
ben, ob er gleich heute liefern könne. Der Angeklagte habe gemeint, das sei
schwierig. Dann habe Hassan in seine Hosentasche gegriffen, ein Bündel
Geld hervorgenommen und dies A. gezeigt und gesagt, er habe heute Geld
dabei. Daraufhin habe A. gesagt, Hasan solle in 30 Minuten nochmals an-
rufen. Die Rede sei von 4'400 Franken gewesen; Hassan habe von diesem
Türken (A.) Heroin kaufen wollen. Auch wenn O. nicht mehr wusste, ob das
- 10 -
Wort Heroin gefallen sei, war es ihm jedenfalls klar, dass es darum gegan-
gen war. Nachdem sie aus dem Wagen von A. ausgestiegen seien, habe
ihm Hassan E. gesagt, dieser Türke habe das beste Heroin. Auf die Frage,
woher er diesen kenne, habe er geantwortet, er kenne ihn über einen ande-
ren Kollegen. O. gab sich sicher, Hassan habe vom Türken Heroin kaufen
wollen; ob die Fr. 4'400.-- aber für die Bezahlung des an jenem Tag erwar-
teten Heroins gewesen seien oder zur Begleichung einer alten Schuld, wisse
er nicht mehr. Hassan habe ihm gesagt, er habe bereits einige Male Heroin
vom Türken gekauft, allerdings immer über eine Zwischenmann, gesehen
habe er ihn am besagten Tag zum ersten Mal. Über einen Autoverkauf habe
man nicht gesprochen, aber am zweiten Tag nach der Verhaftung habe er
bei der Abnahme der Fingerabdrücke den Angeklagten getroffen und dieser
habe ihm gesagt, sie hätten über einen Autokauf verhandelt. Dies aber sei
"Quatsch" gewesen, der Türke habe Hassan Heroin verkaufen wollen, von
Kokain sei demgegenüber nie die Rede gewesen (Urk. 4/7).
In der Konfrontationseinvernahme vom 22. August 2001 hielt O. in Bestäti-
gung der bisherigen Schilderungen zu den Umständen des Zusammentref-
fens wörtlich fest: "Am Anfang habe ich ihn (A.) im Auto begrüsst und ihm
gesagt, dass Hassan von ihm Ware verlangt. Ich sagte ihm, Hassan verlan-
ge 200 gr Heroin von ihm und nach der Verhandlung kamen sie auf den
Preis von Fr. 4'400.--. Der Angeschuldigte sagte Hassan, er könne diese
Menge jetzt nicht organisieren. Hassan meinte, er brauche es unbedingt, der
Angeschuldigte sagte ihm, Hassan solle ihn in einer halben Stunde wieder
anrufen. Danach stiegen wir aus dem Auto und wurden 2 Minuten später
verhaftet" (Urk. 2/7 S. 2). Der Befragte ergänzte weiter, Hassan habe ihm
gesagt, er habe Ware von einem Mann gekauft, der diese vom Angeklagten
gehabt habe; von diesem Mann habe er auch die Telefonnummer des An-
geklagten erhalten. Auf die Frage, ob er etwas von Schulden Hassans ge-
genüber dem Angeklagten wisse, meinte O.. "Als ich übersetzte wusste ich
nicht, ob die Fr. 4'400.-- für alte Schulden bestimmt waren oder für die Be-
zahlung der neuen Lieferung. Ich dachte, dieser Betrag sei nicht dem Ange-
klagten geschuldet, sondern dem anderen, dem Vermittler (a.a.O.) Später
- 11 -
ergänzte er dazu, soweit er verstanden habe, habe Hassan dem Vermittler
Geld geschuldet und dieser dem Angeklagten (a.a.O. S. 3).
9. Hassan E. wollte in seiner ersten Einvernahme nichts von einem Geschäft
mit einem Türken (dem Angeklagten) wissen (Urk. 3/1 der Beizugsakten
Unt. Nr. 01/265).
Am 31. Mai 2001 wurde er erneut befragt und gab auf die Frage, was er von
dem Türken mit dem BMW gewollt habe, an, er habe ihn gefragt, ob er (A.)
ihm seinen Wagen verkaufen wolle. Da er ihn nicht verstanden habe, sei er
zu seinem Wagen zurückgegangen (Urk. 17/1 S. 5). Vor dem Treffen will E.
keinen Kontakt zu A. gehabt haben, er habe ganz zufällig den BMW dort
stehen sehen und den Mann gefragt, ob er den Wagen verkaufen wolle (Urk.
17/1 S. 6)
Am 9. August 2001 gab E. erneut zu Protokoll, er habe unmittelbar vor der
Verhaftung das Auto des Türken (A.) kaufen wollen. O. sei nicht zur Über-
setzung mitgekommen sondern nur "einfach so". Auf Vorhalt einer Aussage
des Angeklagten, wonach dieser ausgeführt hatte E. habe ein Tauschge-
schäft Kokain – Heroin angestrebt, meinte E., das stimme nicht; woher sollte
er auch das Kokain haben, er habe ja selber kurz zuvor für den Eigenkon-
sum 10 Gramm gekauft. Auf dem Überwachungsvideo sehe man sicher,
dass er dem Türken sein Geld gezeigt habe. Es stehe damit fest, dass er
nicht Drogen von ihm habe kaufen wollen, sondern seinen Wagen. Am 21.
Januar 2002 räumte E. dann ein, er habe am Verhaftstag Heroin gebraucht,
um es zu verkaufen; man habe ihm gesagt, dass ein Türke solches habe. Er
habe vergeblich drei Mal versucht, diesen telefonisch zu erreichen, bis er zu-
rückgerufen habe. Sie hätten dann am Triemli abgemacht. Da er ihn nicht
gekannt habe, habe er ihn nochmals angerufen und gefragt, ob er derjenige
sei, der im BMW sitze. Er sei dann zu ihm gegangen und habe 100 Gramm
Heroin bestellt. Er habe gesagt, er habe zwei verschiedene Qualitäten, eine
für Fr. 3'500.-- und eine andere für Fr. 2'200, für jeweils 100 Gramm. A. habe
ihm nicht vertraut, er habe ihm deshalb sein Geld gezeigt. Auf Frage bestä-
tigte E., auch nach Streckmitteln gefragt zu haben; A. habe geantwortet, er
- 12 -
werde sehen. Später fuhr er fort, der Türke habe gesagt, er werde ihn in ei-
ner Viertelstunde zurückrufen, er werde etwas suchen. Er habe nicht garan-
tiert zu liefern, er habe gesagt, er werde danach suchen und ihn in einer
Viertelstunde anrufen (Urk. 4/9 = 17/4). In der Konfrontation mit dem Ange-
klagten, mehr als ein halbes Jahr später, bestätigte er im Kernbereich diese
Aussage: Er habe bei A. Drogen kaufen wollen, 100 Gramm Heroin für Fr.
2'200.– und 100 Gramm Streckmittel. A. habe gesagt, er habe Ware ver-
schiedener Qualität. Die eine hätte Fr. 2'200.-- gekostet, die andere Fr.
3'000.–. E. bestätigte erneut, er habe 100 Gramm Heroin bestellt , ein Über-
gabeort sei nicht abgemacht worden. A. habe gesagt, er werde in 15 Minu-
ten wieder anrufen (Urk. 2/10). Auch in der Schlusseinvernahme (Urk. 3/38
S. 6 der Beizugsakten Unt. Nr. 01/265) und im eigenen Prozess (DG020485,
Prot. S. 15) räumte E. ein, bei dieser Gelegenheit an einem Drogengeschäft
beteiligt gewesen zu sein.
10. Soweit die Verteidigung dartut, es seien ihr die Akten aus den Parallelver-
fahren vor den Konfrontationseinvernahmen mit den den Angeklagten bela-
stenden Mitangeschuldigten nicht vorgelegen (Urk. 27 S. 2f. und 10 ff.) führt
dies nicht dazu, dass deren Aussagen nicht als Beweismittel Berücksichti-
gung finden könnten: Die Verwertbarkeit von belastenden Aussagen Mitan-
geschuldigter in der Konfrontationseinvernahme setzt voraus, dass der An-
geschuldigte seine Verteidigungsrechte, insbesondere sein Recht auf Er-
gänzungsfragen, wie es in § 14 Abs. 1 StPO bzw. in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK
vorgesehen ist, wirksam ausüben konnte. Dies bedingt wiederum, dass die-
ser im Zeitpunkt der Einvernahme Kenntnis von den früheren Einvernahmen
des Mitangeschuldigten hat, weil er sonst nicht in der Lage ist, auf allfällige
Widersprüche in den Aussagen des Mitangeschuldigten hinzuweisen und
jenen zur Klärung solcher Widersprüche aufzufordern. Dabei ist es primär
Sache der Verteidigung, rechtzeitig Einsicht in die Untersuchungsakten zu
verlangen und diese auch dem Angeschuldigten zur Kenntnis zu bringen
(ZR 102 Nr. 10, ZR 95 Nr. 10 ; vgl. Susanne Vogel, Die Auskunftsperson im
Zürcher Strafprozessrecht, Zürich 1999, S. 84). Vorliegend ist davon auszu-
gehen, dass der Verteidigung vor den entsprechenden Konfrontationsein-
- 13 -
vernahmen die Aussagen, die substantiellen Bezug hatten zum Sachverhalt,
in den der Angeklagte involviert war, vorgelegt wurden, konnte doch der
Verteidiger vor Vorinstanz entsprechende Dokumente vorlegen (Urk. 17/1 -
6). Gegen eine allenfalls - zu - späte Vorlage (vgl. Urk. 27, S. 12) hätte die
Verteidigung sofort remonstrieren müssen. Weitere Unterlagen wurden der
Verteidigung aber offenbar nicht eröffnet. Zu Recht hält sie fest, dass für die
Glaubwürdigkeit eines Aussagenden auch dessen Depositionen in anderen
Sachverhalten von Bedeutung sind; zudem können weitere aktenkundige
Feststellungen die Glaubhaftigkeit konkreter Aussagen stützen oder in Frage
stellen. Im konkreten Fall wäre es der Untersuchungsbehörde jedenfalls bis
zur Konfrontationseinvernahme des Angeklagten mit E. - mehr als 1 1/4
Jahre nach der Verhaftung der Beteiligten - auch zuzumuten gewesen, die
allenfalls relevanten Urkunden zu sichten und bereitzustellen. Trotzdem wird
das Protokoll einer Konfrontationseinvernahme nicht schon deshalb unver-
wertbar, weil sich nachträglich ergibt, dass anderweitige Aktenstücke vorla-
gen, welche Anlass zu weiteren Ergänzungsfragen geboten hätten. Dem
Angeklagten bzw. seiner Verteidigung standen sämtliche Akten vor der Be-
rufungsverhandlung offen. Er hätte jederzeit beantragen können, die den
Angeklagten belastenden Personen seien aufgrund neuer Erkenntnisse, die
sich aus den Akten ergeben hätten, zu bestimmten Themen erneut zu be-
fragen. Da die Befragten offenbar nach wie vor zur Verfügung stehen (s.
Akten DG020485), wäre hier eine Korrektur möglich gewesen. Die Verteidi-
gung hat auf diesen Schritt verzichtet. Sie versucht auch nicht darzutun,
welche Fragen sie noch als notwendig erachtet; sie zieht vielmehr die nun
zur Verfügung stehenden Akten zur Beweiswürdigung heran. Daran ist sie in
keiner Weise gehindert (vgl. zum Ganzen ZR 102 Nr. 10). Damit bleiben die
Aussagen der mit dem Angeklagten konfrontierten Belastungspersonen
verwertbar.
11. Die Verteidigung irrt, wenn sie glaubt, aus dem Kassiber in den Beizugsak-
ten DG020485, Urk. 23 HD 5/8, etwas herleiten zu können. Insbesondere
rechnete die Polizei die angebliche Inschrift "HACI!" nicht O. zu; der Kassi-
ber wurde vielmehr mit Pfeilen markiert. (vgl. auch Foto Nr. 1). Diese Zuord-
- 14 -
nung ist hier nicht zu diskutieren, es scheint aber offenkundig, dass der
Ausdruck "HACI!" nicht vom gleichen Autor stammt (ganz andere, unter-
brochene Strichführung, lateinische Zeichen). Dass sich aus dem Kassiber
sonst etwas Relevantes für die vorliegende Beweiswürdigung ergebe, wurde
nicht behauptet.
12. Die Verteidigung hat einlässlich aus den Vorbringen der Anklagebehörde im
Strafverfahren gegen E. zitiert (Urk. 27 S. 3 f). Danach sollen sich E.s Aus-
sagen durch krasse Unwahrheiten auszeichnen, Massnahmen gegenüber
Dritten seien allein gestützt auf dessen Aussagen nicht eingeleitet worden.
An dieser Wertung des Untersuchungsrichters zu zweifeln besteht kein An-
lass, kann doch niemand E. besser einschätzen als der Bezirksanwalt, der
bereits über viele Monate mit ihm verkehren musste. E. kann demnach
kaum Glauben geschenkt werden, soweit er nur andere Personen bezichtigt.
Mit dem Gericht, das in erster Instanz über ihn befunden hat (Akten
DG020485), darf aber grundsätzlich dort auf die Aussagen E.s abgestellt
werden, wo er eine eigene Delinquenz anerkennt. Dies hat er gerade im vor-
liegenden Fall getan: Er hat anerkannt, mit dem Angeklagten über den Kauf
von Heroin verhandelt zu haben (zuletzt in DG020485, Urk. 3/38 S. 6 und
Prot. S. 15). Es ist zwar nicht auszuschliessen, dass jemand geringfügigere
Taten einräumt, um von gewichtigeren abzulenken. Ein Interesse aber, Ta-
ten einzuräumen, die nicht begangen wurden, besteht im Regelfall – wie er
auch hier anzunehmen ist – nicht. Vorliegend tritt neben die Belastung E.s
aber noch die von O., der nach ganz kurzem Bestreiten im hier interessie-
renden Geschehen auf ein Drogengeschäft hinwies. Wenn O. eine doppelt
so grosse Quantität erwähnt, spricht dies viel mehr für die "zurückhaltenden"
Zugaben E.s als für eine Absprache zulasten des Angeklagten. Schliesslich
wurde vorliegend der Kontakt zwischen dem Angeklagten und dem Drogen-
händler E. unstrittig polizeilich observiert und der vom Angeklagten angege-
bene Grund für die Kontaktnahme erweist sich als nicht plausibel. Wenn er-
gänzend berücksichtigt wird, dass auf dem Angeklagten ein Zettel mit den
Telefonnummern E.s gefunden wurde (Urk. 2/5, Anhang), so korrespondiert
dies auch mit den Aussagen der Belastungspersonen, der Angeklagte habe
- 15 -
zugesichert, zurückzurufen, zumal der Angeklagte keine Erklärung finden
konnte, wie er in den Besitz dieses Zettels gekommen war (Urk. 2/5 S. 2).
Zudem gab der Angeklagte an, E. habe nochmals anrufen wollen (a.a.O. S.
8); dafür - nach seiner Version - aber kein Anlass bestanden hätte. Auch
dies sind Indizien, dass seine Version nicht stimmen kann, zu denen die
Darstellungen E.s und O.s aber passen.
13. Auch wenn vor allem E. sich als generell unglaubwürdig präsentiert hat, so
kann im vorliegenden Fall doch auf seine letzten Darstellungen abgestellt
werden. Er mag zwar auch in diesem Sachverhalt nicht den ganzen Umfang
des Geschäftes eingeräumt haben; über die von ihm erwähnte Menge He-
roin wurde aber auf Grund obiger Beweiswürdigung gesprochen. E. suchte
Heroin zumindest im eingeklagten Umfang vom Angeklagten zu erwerben.
14. Zusammenfassend erweisen sich die Aussagen E.s und O.s im Kern über-
einstimmend, diejenigen des Angeklagten hingegen als nicht glaubwürdig.
Der Sachverhalt von Anklage Ziff. 1.2. ist somit erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
1. Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 BetmG stellt unter anderem das Anbieten und Verkau-
fen von Drogen unter Strafe. Beim Anbieten handelt es sich um eine Offerte
zur Übertragung der Verfügungsgewalt über Betäubungsmittel an eine ande-
re Person (Albrecht, Kommentar Strafrecht, Sonderband Betäubungsmittel-
strafrecht N 50 zu Art. 19 mit Verweis auf BGE 77 IV 28 f) in der Weise,
dass das Zustandekommen des Vertrags (Kauf) nur noch von der Zustim-
mung dieses anderen abhängt (Fingerhuth/Tschurr, Kommentar zum Betäu-
bungsmittelgesetz, Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4, S. 120). Erforderlich ist dabei, dass
sich der Anbieter bereits im Besitze des Stoffes befindet (Albrecht, a.a.O. mit
Hinweis auf die wohl andere Meinung des Bundesgerichts in BGE 77 IV 29).
2. Der Angeklagte bot E. 100 Gramm Heroin zum Preis von Fr. 2'200.- zum
Kauf an und sagte, er melde sich in 15 Minuten zur Regelung der Übergabe
nochmals. Mit anderen Worten war er noch nicht im Besitz des Heroins,
- 16 -
sondern hätte es erst beschaffen müssen, das heisst, der Kauf respektive
Verkauf blieb im Stadium der Vorbereitung stecken. Ein solcher Sachverhalt
ist, entgegen der Auffassung der Vorinstanz, nicht unter Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4
BetmG, sondern vielmehr unter Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 BetmG zu subsumie-
ren.
3. Der Tatbestand des Anstaltentreffens im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6
BetmG erfasst sowohl den Versuch (im Sinne von Art. 21 ff StGB) als auch
gewisse qualifizierte Vorbereitungshandlungen und wertet sie zu selbständi-
gen Delikten mit derselben Strafdrohung wie die übrigen verbotenen Ver-
haltensweisen auf (Albrecht, a.a.O., N 115 zu Art. 19 und Fingerhuth/
Tschurr, a.a.O., Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 S. 127). Der Anwendungsbereich die-
ser Bestimmung ist auf Fälle beschränkt, in denen das Verhalten des Täters
nicht ebenso gut einem gesetzmässigen Zweck dienen könnte, sondern sei-
nem äusseren Erscheinungsbild nach seine deliktische Bestimmung erken-
nen lässt (BGE 117 IV 313). Der blosse Entschluss, eine Tat nach Art. 19
Ziff. 1 Abs. 1-5 BetmG zu begehen, ist nicht strafbar. Blosse Absichten und
Pläne erfüllen den Tatbestand des Anstalten-Treffens noch nicht (BGE 117
IV 310 f.). Ebenso wenig ein bloss theoretisches Abtasten eventueller Mög-
lichkeiten von Drogengeschäften im Gespräch (Albrecht, a.a.O., N 120 zu
Art. 19). Anstalten in diesem Sinne können nur gegeben sein, wenn sich der
Entschluss des Täters in bestimmten äusseren Handlungen manifestiert
(BGE 117 IV 311). Nach der Kasuistik des Bundesgerichtes erfüllt ein Täter
den Tatbestand, wenn er sich nach Bezugsquellen und Absatzmöglichkeiten
erkundigt, Grenzkontrollen prüft oder Kontakt mit dem Drogenmilieu auf-
nimmt etc. (BGE 112 IV 109, 106 IV 74, 104 IV 41).
4. Im vorliegenden Fall ging das Verhalten des Angeklagten über ein bloss
theoretisches Abtasten, über blosse Absichten und Pläne hinaus. Der Ange-
klagte traf sich auf relativ konspirative Weise mit E. beim Triemli und ver-
handelte ganz konkret über den Kauf respektive Verkauf von Drogen. Sie
sprachen über verschiedene Qualitäten, Mengen und Preise und wurden
sich schliesslich handelseinig, dass der Angeklagte dem Käufer E. 100
- 17 -
Gramm Heroin zum Preis von Fr. 2'200.-- und 100 Gramm Streckmittel ver-
kaufen solle. Es entstand demnach ein Konsens in Bezug auf die objektiv
und subjektiv wesentlichen Vertragspunkte. Hinzu kommt, dass der Vollzug
des Geschäftes bereits sehr kurze Zeit nach dem Verhandlungsgespräch
hätte stattfinden können, ging doch der Angeklagte selber davon aus, dass
er die Beschaffung des Heroins innert ungefähr 15 Minuten abklären und
allenfalls auch tätigen könne. Dieses Verhalten des Angeklagten geht klar
über das theoretische Abtasten von Absatzmöglichkeiten hinaus und erfüllt
den Tatbestand des Anstalten-Treffens im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6
BetmG. Diese Qualifizierung entspricht im Übrigen auch derjenigen des
Bundesgerichtes, das in einem ähnlichen Fall, in dem der Täter allerdings
insgesamt intensivere Anstalten getroffen hatte, ausführte, "sogar wenn er
(der Täter) auf der Lieferantenseite überhaupt nicht an potentielle Heroin-
verkäufer herangekommen wäre, bliebe er wegen seiner Verhandlungen
und Abmachungen mit den Abnehmern strafbar" (vgl. BGE 106 IV 75).
5. Nebenbei sei bemerkt, dass dem Angeklagten an der Berufungsverhandlung
vom 12. Juni 2003 das rechtliche Gehör zu einer eventuell abweichenden
rechtlichen Würdigung gewährt wurde (§ 185 Abs. 2 StPO), obschon Abs. 6
von Art. 19 Ziff. 1 BetmG keine schärfere Strafbestimmung darstellt als Abs.
4 dieses Artikels. Der Angeklagte verzichtete jedoch auf eine Stellungnahme
(vgl. Prot. II S. 8).
IV. Strafzumessung und Strafvollzug
1. Die Vorinstanz hat den anzuwendenden Strafrahmen korrekt umrissen, die
massgeblichen theoretischen Grundsätze der Strafzumessung angeführt
und sich mit den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten auseinander-
gesetzt. Da sich der Strafrahmen trotz der anderen rechtlichen Würdigung
(Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 statt Abs. 4 BetmG) gleich bleibt, kann zur Vermeidung
von Wiederholungen ohne weiteres auf ihre Ausführungen verwiesen wer-
den (Urk. 21 S. 14 und 15, § 161 GVG). Ergänzend führte der Angeklagte an
der Berufungsverhandlung aus, er befinde sich seit dem 8. Mai 2003 wieder
- 18 -
in Untersuchungshaft, wobei er den Grund für seine Inhaftierung nicht nen-
nen wollte (Prot. II S. 5). Bis zu seiner Verhaftung habe er in einem Restau-
rant am Limmatplatz gearbeitet und Fr. 4'500.-- monatlich verdient (a.a.O.).
2. Das Verschulden des Angeklagten ist mit der Vorinstanz als erheblich ein-
zustufen, beteiligte er sich doch ausschliesslich aus finanziellen Gründen am
Drogenhandel. Ob der Angeklagte tatsächlich in der Lage und willens gewe-
sen wäre, das Heroin wie vereinbart zu liefern, muss offen bleiben, ändert
aber an der Schwere des Verschuldens nichts. Wie die Vorinstanz bereits
ausführte (Urk. 21 S. 14), ist der Beklagte nicht einer ganz tiefen Hierarchie-
stufe zuzuordnen ist, wähnte er sich doch in der Lage, innert kürzester Zeit
100 Gramm Heroin zu beschaffen und dann zu verkaufen. Auch wenn man
von schlechter Qualität ausgeht, so nähert sich diese Menge doch der quali-
fizierenden Menge von Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG.
3. Geringfügig straferhöhend wirkt sich die Vorstrafe wegen Verstosses gegen
das ANAG aus dem Jahre 1999 aus. Der Angeklagte wurde damals mit ei-
ner Busse von Fr. 300.-- unter Ansetzung einer Probezeit von 1 Jahr für die
Löschung der Busse bestraft.
4. Strafminderungs-, Strafmilderungs- und Strafschärfungsgründe sind nicht
gegeben.
5. Unter Berücksichtigung sämtlicher relevanter Strafzumessungsgründe er-
scheint die von der Vorinstanz ausgefällte Strafe von 12 Monaten Gefängnis
angemessen.
6. Der Anrechnung der erstandenen 121 Tage Polizei- und Untersuchungshaft
steht nichts entgegen (Art. 69 StGB).
7. Den Ausführungen der Vorinstanz zur Gewährung des bedingten Strafvoll-
zuges (Art. 41 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) unter Ansetzung einer Probezeit von 3
Jahren kann beigepflichtet werden (Urk. 21 S. 15/16, § 161 GVG); weitere
Ausführungen erübrigen sich.
- 19 -
V. Einziehungen
Der von der Vorinstanz gefasste Beschluss betreffend die Einziehung der sicher-
gestellten Munition blieb unangefochten. Er ist demnach ohne Weiterungen zu
bestätigen.
Die beim Angeklagten sichergestellte Barschaft von Fr. 2'000.-- (Barkaution
II/249) ist gestützt auf die §§ 83 und 106 Abs. 1 StPO einzuziehen und an die den
Angeklagten treffenden Verfahrenskosten anzurechnen.
Die beiden sichergestellten Mobiltelefone (Nokia IMEI-Nr. 449308-10-114925-6
und IMEI-Nr. 35101-91-474877-9; Sachkaution 6411) sind gestützt auf die glei-
chen Normen einzuziehen, der Gerichtskasse zur Verwertung zu übergeben und
der Erlös ist an die den Angeklagten treffenden Verfahrenskosten anzurechnen.
VI. Kosten
Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositiv Ziff. 5 und
6) zu bestätigen (§ 188 StPO). Da der Angeklagte im Berufungsverfahren
vollumfänglich unterliegt, sind ihm auch diese Kosten aufzuerlegen (§ 396a
StPO).
Demnach erkennt das Gericht:
1. Der Angeklagte A. A. ist schuldig der Widerhandlung gegen das  im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 BetmG.
2. Der nachfolgend aufgeführten Delikte ist der Angeklagte nicht schuldig und
wird freigesprochen:
− Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 5 BetmG (Sachverhalt Ziff. 1.1.) sowie
− der Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 7 Abs. 1 WG und Art. 9 Abs. 1 lit. e WV.
- 20 -
8. Der Angeklagte wird bestraft mit 12 Monaten Gefängnis, wovon 121 Tage
durch Polizei- und Untersuchungshaft erstanden sind.
9. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3
Jahre angesetzt.
10. Das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziff. 5 und 6)
wird bestätigt.
11. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.-- ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 90.-- Vorladungsgebühren
Fr. 644.-- Schreibgebühren
Fr. 190.-- Zustellgebühren 09.07.03/JS
Fr. 13.-- Telefon
Fr. amtliche Verteidigung
12. Die Kosten des Berufungsverfahrens (einschliesslich diejenigen der amtli-
chen Verteidigung) werden dem Angeklagten auferlegt.
13. Schriftliche Mitteilung im Dispositiv an
− den Angeklagten respektive seinen amtlichen Verteidiger − die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich
sowie in vollständiger Ausfertigung an
− den Angeklagten respektive seinen amtlichen Verteidiger − die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich − die Vorinstanz
sowie nach Ablauf der Rechtsmittelfrist bzw. nach Erledigung allfälliger Rechtsmittel an − die Koordinationsstelle Zürich mit Formular A − das Migrationsamt − Bundesanwaltschaft − Bundesamt für Polizei.
- 21 -
14. Rechtsmittel:
a) Kantonale Nichtigkeitsbeschwerde gemäss § 428 ff. der zürcherischen
Strafprozessordnung (StPO): Gegen diesen Entscheid kann innert
10 Tagen, von seiner Eröffnung oder von der Entdeckung eines  an gerechnet, bei der Vorsitzenden des entscheidenden Gerichts
mündlich oder schriftlich Nichtigkeitsbeschwerde zuhanden des Kassa-
tionsgerichts des Kantons Zürich angemeldet werden.
Die Frist zur Begründung der Beschwerde wird nach ihrer Anmeldung
angesetzt (vgl. die beiliegende Verfügung der Vorsitzenden vom 3. Juli
2003).
b) Eidgenössische Nichtigkeitsbeschwerde: Gegen diesen Entscheid
kann innert 30 Tagen, vom Empfang der vollständigen, begründeten Ausfertigung an gerechnet, beim Kassationshof des Bundesgerichts
Nichtigkeitsbeschwerde erhoben werden.
Die Beschwerde ist schriftlich im Doppel und in der in Art. 273 der
Bundesstrafprozessordnung (BStP) vorgeschriebenen Weise einzurei-
chen. Die Beschwerde kann nur damit begründet werden, dass der an-
gefochtene Entscheid eidgenössisches Recht verletze. Die Beschwer-
delegitimation und die weiteren Beschwerdevoraussetzungen richten
sich nach den Vorschriften in Art. 268 ff. BStP.