# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5b0fee85-4d61-4d3c-a2c3-90ed3db634a0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1962 geborene
Z._
meldete sich am 27. Mai 2019 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf Multiple Sklerose bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Diese tätigte medi
zinische
(Urk. 7/21, 7/30, 7/34-35, 7/37, 7/39)
sowie erwerbliche
(Urk. 7/1, 7/5, 7/11)
Abklärungen und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (Urk. 7/8, 7/
14-15).
Mit Verfügung vom 7. November 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es seien keine Eingliederungsmassnahmen möglich (Urk. 7/17).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
sprach sie der Versicherten mit Verfügung
en
vom 18. Februar
und 2. März
2021 ab März 2020 eine ganze Rente der Invalide
nversicherung zu (Urk. 2 [= 7/61, 7/64, 7/66
]).
2.
Dagegen erhob
die
Vorsorgeeinrichtung
X._
mit Eingabe vom 19. März 2021 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die Verfü
gungen vom 18. Februar
und 2. März 2021
seien aufzuheben, es sei festzustellen, dass die Versicherte keinen Anspruch auf eine Invalidenrente
habe, eventualiter sei die Sache zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts und zur Neubeurteilung an die
IV-Stelle
zurückzuweisen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 7. Mai 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Mit Verfügung vom 1
8.
Mai 2021
wurde die Versicherte zum Prozess beigeladen (
Urk.
9)
; sie beantragte
m
it Eingabe vom 13. August 2021
ebenfalls die Abweisung der Beschwerde
(Urk. 15)
.
Den Parteien wurde m
it Verfügung vom 23.
August 2021
sodann
Frist angesetzt, um zur Beschwerde
antwort und
zur
Eingabe der Beigeladenen Stellung zu nehmen
(Urk.
17).
Während die
IV-Stelle
mit Eingabe vom 24. September 2021
auf das Einreichen einer Stellungnahme
zur Eingabe der Beigeladenen
verzichtete
(Urk.
19),
ging
von der Beschwerdeführ
erin keine Stellungnahme ein
, was den Parteien m
it Verfügung vom 8. Oktober 2021
zur Kenntnis gebracht wurde
(Urk. 20).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2bis IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungs
anspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizi
nischen Fachkompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundes
amtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzuneh
men sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit
jenem externer medizinischer Sachverständigengutachten
vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifika
tionen verfügt (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswür
digung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss ständiger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheid
rele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, die medizinischen Abklärungen hätten gezeigt, dass die Versicherte in der bisherigen wie auch
in einer
angepass
ten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig sei, weshalb sie Anspruch auf eine ganze IV-Rente habe
(
Urk.
2)
.
2.2
Die
Beschwerdeführerin
macht
geltend, gestützt auf die medizinische Aktenlage lasse sich
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
kein invalidisierender Gesund
heitsschaden feststellen, weshalb die
Rentenzusprache
in unzulässiger Weise erfolgt sei. Sollte das Gericht zu einem anderen Schluss kommen, so müsse die Sache zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts und der Arbeits
fähigkeit der Versicherten an die IV-Ste
lle zurückgewiesen werden (Urk.
1).
2.3
Demgegenüber stellt sich die Versich
erte auf den Standpunkt,
der RAD-Arzt
PD Dr.
med. univ.
A._
, Facharzt Neurologie FMH,
sei aufgrund des umfassenden medizinischen Dossiers mit beweiskräftigen Arztberichten von verschiedenen Fachrichtungen (Neurologie, Neuropsychologie, Kardiologie, Psychiatrie, Gastroenterologie)
zum Schluss gekommen, dass vorliegend eine Multimorbidität und objektivierbare funktionelle Einschränkungen vorhanden seien, womit nach dem massgeblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit ein invalidisierender Gesundheitsschaden ohne jegliche Rest
arbeitsfähigkeit ausgewiesen sei. Vor diesem Hintergrund sei die
Zusprache
der ganzen Invalidenrente rechtskonform erfolgt, womit die Beschwerde abzuweisen sei (
Urk.
15).
2.4
Unbestritten ist vorliegend die Beschwerdelegitimation (Art. 59 ATSG) der Beschwerdeführerin als Vorsorgeeinrichtung, welche sich aus der Bindungs
wir
kung des vorliegend zu fällenden Entscheids ergibt, nachdem ihr die ange
foch
tene Verfügung vom 1
8.
Februar 2021 (Urk. 2) eröffnet worden ist (vgl. BGE 132 V 1 E. 3.2, BGE 143 V 434 E. 2.2).
3.
3.1
Im Bericht der Klinik
für Neurologie des
Universitätsspitals
B._
vom
29.
März 2019 wurden folg
ende Diagnosen aufgeführt (Urk. 7/8 S.
32-33):
-
Schubförmige
Multiple Sklerose, EM 2006, ED
7/2015, EDSS 2.5
-
Degenerative Wirbelsäulenveränderungen mit R
ückenschmerzen, EM ca.
1990
,
ED 2011
-
Hypertrophe Kardiomyopathie mit pa
ssagerem Vorhofflimmern, ED ca.
2006
Anamnestisch, klinisch und radiologisch zeige sich weiterhin ein stabiler Befund der 2015 diagnostizierten schubförmigen Multiplen Sklerose (EDSS 2.5) unter Therapie mit
Rebif
seit September 2017
(Urk. 7/8 S. 35)
.
3.2
Im Bericht des Dr.
med.
C._
, Facharzt für Kardiologie und All
gemeine Innere Medizin
FMH
, vom 19.
Juli 2019 wurden
f
olgende Diagnosen genannt (Urk.
7/12 S. 2):
-
Paroxysmales symptomatisches Vorhofflimmern (ED 2011)
-
Pulmonalvenen
-
Kryo
-Ablation 11.
8.2017
-
Hypertrophe nicht obstruktive Kardiomyopathie Typ I
-
symptomatische linksventrikuläre diastolische Dysfunktion
-
maximale
Septumdicke
29 mm
-
NSVT 200/min. über 3.4 Sekunden
6/
2011
-
Negative Koronarangiographie 4.
7.2017
-
Hypercholesterinämie
-
Ektasie der Aorta
ascendens
(40 mm
Höhe rechte
Pulmonalarterie
)
-
Enc
ephalomyelitis
disseminata
(ED
7/2015)
-
Appendicitis
perforata
2011
-
Brustwirbelsäulenschmerzen unklarer Ätiologie
-
DD Morbus
Bechterew
Die Patientin berichte
,
seit
ihrer stark traumatischen Belastung mit Burnout im März dieses Jahres und konsekutiver Kündigung
unter
Dyspnoe NYHA III (nach zwei Stockwerken Treppensteigen)
zu leiden
.
Die Patientin
sei
kardial kompen
siert
im
no
rmokarden
Sinusrhythmus
. Das Ruhe-EKG
zeige
einen unveränderten Erregungsablauf im Vergleich zum Vorbefund mit
dem bekannt terminal negati
ven
T rechts präkordial. Dopplerechokardiographisch
finde
sich das bekannte Bild der hypertroph nicht obstruktiven Kardiomyopathie
mit erhaltener linksventriku
lärer systolischer Funktion, aber nun deutlicher diastolischer Dysfunktion, was mit allergrösster Wahrscheinlichke
it die Ursache der Dyspnoe sei
(Urk. 7/12 S.
3
)
.
3.3
Im Bericht der Klinik
für Neurologie des
Univer
sitätsspitals
B._
vom 20.
August 2019 wurden die Befunde und Beurteilungen über eine ambulante neuropsychologische Untersuchung festgehalten
(
Urk.
7/12 S. 4-5)
:
In der Untersuchung
hätten
vor allem eine starke Verlangsamung bei sprachlichen und Reaktionszeitaufgaben sowie eine erhöhte kognitive Ermüd
barkeit
imponiert
. Des Weiteren sei der Gedächtnisabruf für sprachliches und visuell-räumliches Material leicht reduziert und anfällig für interferierende Informatio
nen.
Die
Interferenzkontrolle im Rahmen von Arbeitsgedächtnis
aufgaben sei jedoch gegeben. Diese Symptome seien ohne Weiteres im Rahmen der Primär
erkrankung zu erklären
(
Urk.
7/12 S. 7)
.
Die s
chlechte Wiedererkennung von verbalen und visuellen Informationen bei nur leicht reduziertem verzögertem freien Abruf sei auffällig und keinem
klassischen Symptombild zuzuordnen. Nichtsdestotrotz könne aus der Tatsache, dass die gemessene
n
Reaktionszeiten einen klar pathologischen, nicht willkürlich
herzustellenden Verlauf annehmen würden, vermutet werden
, dass das Ergebnis auch in den Gedächtnistests valide sei. Sollte eine Entscheidung über
die
Arbeits
fähigkeit
der Patientin
gefällt werden, so sei die Erstellung eines neuropsycholo
gischen Gutachtens anzu
raten
(
Urk.
7/12 S.
7)
.
Im aktuell gezeigten kognitiven und emotionalen Zustand sei von der Wieder
aufnahme der ursprünglichen Arbeit abzuraten. Insbesondere die reduzierte Arbeitsgeschwindigkeit, Probleme im Umgang mit Interferenzen und exzessive körperliche Anspannungsreaktionen in Stresssituationen würde
n
eine Arbeit als ungeeignet erscheinen lassen, bei
der
schnelle, souveräne Reaktionen
gefordert seien. Gleichzeitig würden gute Ressourcen bei der Patientin im Hinblick auf Fehlervermeidung, Anstrengungsbereitschaft, Krankheitsverarbeitung sowie Störungsbe
wusstsein zu bestehen scheinen (Urk.
7/12 S.
7)
.
3.4
Im Bericht des Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie FMH, vom 1.
Oktober 2019 wurden folgende Diagnosen aufge
führt (
Urk.
7/15 S. 90)
:
-
Mittelgradige depressive Störung
(
ICD 10 F33.1
)
mit Verlangsamung und kognitiver Ermüdbarkeit
-
Schubförmige Multiple Sklerose, aktuell stabil
-
Hypertrophe Kardiomyopathie
Es bestehe eine Indikation zur stationären Behandlung, deren Ziel in der Intensi
vierung der stützenden und aufarbeitenden Therapie, der präzisen
Abklärung betreffend kognitive
Defizite und der sorgfältigen Beachtung der somatischen Begleitdiagnosen bestehe (
Urk.
7/15 S.
91).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehal
ten, die Versicherte sei
seit dem
25.
März 2019 zu 100
% arbeitsunfähig. Die weitere Festlegung solle nach stationärer Behandlung erfolgen (
Urk.
7/15 S. 91).
3.5
Im Bericht der Klinik
E._
vom 7.
Januar 2020 wurden folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
genannt (Urk. 7/21 S.
3):
-
Hauptdiagnose: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode (ICD-10 F33.1) – seit März 2019
-
Nebendiagnosen:
-
Multiple Sklerose, schubförmig, EM 2006, ED 07/2015, EDSS 2.5
(ICD-10 G35.10)
-
Hypertrophe Kardiomyopathie, mit passagerem Vorhoffli
mmern, aktuell stabil (ICD-10 I
42.1): unauffälliges 5-Tages-EKG (30.10.-04.11.2019)
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten,
die Wiedererlangung der Arbeitsfähig
keit
nach weiterer Remission der Depression
werde
als grundsätzlich wahrschein
lich eingeschätzt, jedoch in einem deutlich reduzierten Pensum mit einem eingegrenzten Aufgabengebiet und niedrigem
zeitlichen Druck (Urk. 7/21 S.
4).
Die Arbeitsfähigkeit wurde auf 2-4 Stunden täglich geschätzt
(Urk. 7/21 S.
7
)
.
3.6
Im Bericht des Dr.
D._
vom
25.
Mai 2020 wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 7/39 S.
3):
-
Rezidivierende depressiv-ängstliche Störung mit Therapieresistenz bei fortschreiten
der Multiplen Sklerose ICD-10 F
33.1
-
Hypertrophe Kardiomyopathie mit Bedrohung plötzlicher H
erztod
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende genannt (
Urk.
7/39 S. 4):
-
Degenerative Rückenbeschwerden
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, die mittelschwere Depression kombiniert mit MS-bedingten schweren kognitiven Defiziten würden es notwendig machen, die Belastungen der Patientin minimal zu halten, um keine schweren Rückfälle zu riskieren. Erheblich gestört seien aufgrund Stimmungsschwankungen mit rascher Verschlechterung basaler kognitiver Fähigkeiten: Flexibilität, Durchhal
tefähigkeit, Kompetenz, Frustrationstoleranz, Kontaktfähigkeit zu Dritten und Fähigkeit zur An
passung an Regeln (Urk. 7/39 S.
4).
3.7
Am 23. Juni 2020 nahm Dr.
A._
für den RAD Stellung. Er führte folgende Diag
nosen mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit auf (Urk. 7/42 S.
9):
-
Multiple Sklerose mit schu
bförmigem Verlauf (EM 2006, ED
7/2015, seit 2015 klinisch stabil ohne Schub, EDSS zuletzt 2.5/3.5)
-
Paro
xysmales, symptomatisch
es Vorhofflimmern (ED 2011; 11.
8.2017
Pulmonalvenen
-
Kryo
-Ablation)
-
Hypertrophe, nicht obstruktive Kardiomyopathie Typ I (symptomatische linksventrikuläre diastolische Dysfunktion)
-
Rezidivierende depressiv-ängstliche Störung mit Therapieresistenz (F33.1)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wu
rden folgende genannt (
Urk.
7/42 S. 9
):
-
Hypercholesterinämie
-
Steatosis
hepatis
(Alkohol 2-3 Glas Wein/d; Sommer 2019 gestoppt; 14.10.2019 GGT 144 U/l)
-
Ektasie der Aorta
ascendens
(40 mm Höhe rechte
Pulmonalarterie
)
-
Chronische Rückenschmerzen bei degenerativen Veränderungen
In Bezug auf das
Belastungsgprofil
führte der RAD-Arzt aus, ein solches sei für den ersten Arbeitsmarkt nicht formulierbar
(
Urk.
7/42 S. 9
)
.
Zur Arbeitsfähigkeit hielt der RAD-Arzt fest, die Versicherte sei
in der bisherigen
wie auch angepasster
Tätigkeit
ab dem 29. März 2019 zu 100
% arbeitsunfähig.
Eine
renten-
tangierende Besserung der Arbeitsfähigkeit sei überwiegend wahrscheinlich nicht zu erwarten
(
Urk.
7/42 S. 9-10
)
.
4.
4.1
In medizinischer Hinsicht stützte sich die
IV-Stelle
in der angefoch
tenen Verfü
gung im Wesentlichen auf die
Stellungnahme
des
RAD-Arzt
es
Dr.
A._
vom
24.
Juni 2020 (Urk. 7/42 S.
8-10
).
Die Stellungnahme vermag jedoch nicht zu überzeugen
.
So findet die Schlussfolgerung des RAD-Arztes, wonach die Ver
sicherte in der bisherigen wie auch
in
angepasster Tätigkeit zu 100 % arbeitsun
fähig
sei,
keine hinreichende Stütze in den Akten.
Aufgrund der Akten ist ersichtlich, dass die Versicherte an einer schubförmigen, aber seit 2015 klinisch stabilen Multiplen Sklerose leidet.
Zur Frage, inwiefern
diese
Erkrankung
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat,
finden
sich
in den
neuro
logischen
Be
richte
n
keine eindeutigen Aussagen
(
Urk. 7/8 S.
3
5
, Urk. 7/12 S. 7, Urk. 7/30 S.
20)
.
Im
Bericht der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals
B._
vom
20. August 2019
wird
zwar aufgrund des kognitiven und emotiona
len Zustandes der Versicherten
von der
Wiederaufnahme
der bisherigen Tä
tigkeit abgeraten.
Die Ausübung einer angepassten Tätigkeit wird
demgegenüber
für möglich gehalten.
U
m eine
abschliessende
Beurteilung
handelt es sich dabei
allerdings
nicht
. Vielmehr wird mit Blick auf einen Entscheid über die Arbeits
fähigkeit die Erstellung eines neuropsychologischen Gutachtens empfohlen
(
Urk. 7/12 S. 7).
A
us dem kardiologischen Bericht des Dr.
C._
vom 19. Juli 2019
geht sodann
hervor, dass die Versicherte an Herzproblemen leidet (
Urk. 7/12 S.
2
)
. Ob und inwiefern sich diese Beschwerden indes auf die Arbeitsfähigkeit auswirken, bleibt offen.
In
den Akten findet sich diesbezüglich einzig ein von Dr.
C._
ausgestell
tes Arztzeugnis, das eine Arbeitsunfähigkeit ab
dem
18. Juli 2019 zu 50 % attes
tiert (Urk. 7/15 S. 85). Weiterführende Informationen zur Beurteilung der Arbeits
fähigkeit
, so ins
besondere Ausführungen zu konkreten Einschränkungen, die auf dieses Leiden zurückzuführen wären,
fehlen jedoch, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann.
Schliesslich
mangelt es
auch in psychiatrischer Hinsicht
an einer
klaren
Beurtei
lung: Dr
.
D._
erachtet
die Versicherte
im Bericht vom 1. Oktober 2019 zwar
ab 25. März 2019
als zu 100 % arbeitsunfähig
. Er hält
indessen
fest, das weitere Vorgehen solle nach
der stationären
Behandlung festgelegt werden (Urk. 7/15 S. 91).
Aus dem
nach dem Austritt der Versicherten verfassten
Bericht der Klinik
E._
vom 7.
Januar 2020
geht hervor
, die
Wieder
erlangung der
Arbeitsfähigkeit werde insgesamt nach Remission der Depression als grundsätzlich wahrscheinlich eingeschätzt
, wobei die Wiederaufnahme einer Tätigkeit in einem reduzierten Pensum m
it niedri
gem Zeitdruck und eingegrenz
tem Aufgabengebiet erfolgen müsste
(Urk. 7/21 S. 4).
Demgegenüber
bezeichnet
e
Dr.
D._
die Versicherte
im Bericht vom 25. Mai 2020
als therapiere
sistent
. D
ie Bela
stungen seien zwecks Rückfallvermeidung minimal zu halten
, gewisse kognitive Fähigkeiten seien erheblich gestört (Urk. 7/39 S. 4). Angaben zum Umfang dieser Einschränkungen und zur genauen Ursache derselben, fehlen jedoch gänzlich.
Inwiefern
die Versicherte therapieresistent sein soll, lässt der Bericht
ebenfalls
offen. Diese Beurteilung
steht
schliesslich
im Widerspruch
zu den Ausführungen
der behandelnden Ärzte der Klinik
E._
.
4.2
Insgesamt fehlt es vorliegend an zuverlässigen und schlüssigen ärztlichen Feststellungen zum Gesundheitszustand der Versicherten und zu den Auswirkun
gen auf deren Arbeitsfähigkeit.
Entsprechend ist die angefochtene
n
Verfügung
en
vom 18. Februar 2021 (Urk. 2)
und 2. März 2021
(Urk. 3/3)
aufzuheben und die Sache zu weiteren
Abklärun
gen in psychiatrischer und somatischer Hinsicht und zum erneuten Entscheid
über den Leistungsanspruch der Versicherten an die IV-Stelle zu
rückzuweisen.
5.
5
.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
8
00.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten
den unterliegenden Parteien (Beschwerdegegnerin und Beigeladene je zur Hälfte)
auf
zuerlegen sind.
5
.2
Mit Beschwerde vom
1
9.
März 2021
beantragte die Beschwerdeführerin eine Parteientschädigung (Urk. 1 S. 2).
Der Beschwerde führenden (obsiegenden) Person
wird zwar gemäss Art. 61
lit
. g ATSG grundsätzlich ein Anspruch auf Parteientschädigung zuerkannt, dies gilt jedoch nicht für Sozialversicherer. Diese sind in übereinstimmender Auslegung mit Art. 68 Abs. 3 BGG nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betraute Organe (
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4
. Auflage, 20
20
, Art. 61 ATSG N 219; vgl. ferner BGE 128 V 124 E. 5b; 126 V 143 E. 4a, 118 V 158 E. 7; 117 V 349 E. 8 mit Hinweis).
Es besteht daher kein Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Parteient
schä
digung.