# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** de83b520-cccb-41dc-b0ff-249411c2472d
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am _ in I. geboren, wo er auch sein erstes Lebensjahr verbrachte. Anschliessend zog seine Familie nach A., wo er als zweitältestes Kind zusammen mit zwei Schwestern und zwei Brüdern aufwuchs. In A. absolvierte X. auch die obligatorischen Schulen. Danach machte er eine Lehre als Zimmermann bei der Zimmerei/Sägerei S. in A., welche er dann erfolgreich abschloss. In der Folge arbeitete der Beschuldigte vorwiegend als Zimmermann an diversen Orten bei verschiedenen Arbeitgebern. Im Jahr 1976 erlitt X. einen schweren Motorradunfall, was letztlich dazu führte, dass ihn die SUVA zu zwei Dritteln als invalid einstufte. Im Jahr 1992 zog X. wieder nach A., in der Absicht, seine erkrankte Mutter zu pflegen. Im Juli 1993 verstarb diese. Von 1993 bis 1997 betätigte sich X. als Auslieferer bei der R. in B.. Im Anschluss an diese Tätigkeit gelang es ihm nicht mehr, eine Anstellung zu finden, so dass er seither von seiner Invalidenrente von ca. Fr. 5‘000.-- pro Monat lebt. X. besitzt in A. eine 4.5-Zimmerwohnung, welche er mit seiner Lebenspartnerin Z. bewohnt. Seit dem Jahr 2005 ist diese pflegebedürftig und leidet an Depressionen. Die Pflege von Z. wird vollständig von X. geleistet.
B. X. ist im schweizerischen Zentralstrafregister nicht verzeichnet. Aus dem Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden geht hervor, dass X. seit etwa 14 Jahren nicht mehr erwerbstätig ist. X. lebe zurückgezogen und pflege praktisch keine Kontakte nach aussen, so sei auch keine Bezugsperson bekannt. X. gebe sich zwar verbal oft emotional und laut, er sei jedoch nicht für den Hang zu Tätlichkeiten bekannt. Bei ihrer Intervention vom 29. Dezember 2010 hätten sie eine tadellos aufgeräumte und saubere Wohnung vorgefunden. Die Tatsache, dass X. sich seit Jahren aufopferungsvoll um seine pflegebedürftige Lebensgefährtin kümmere, spreche sicherlich für ihn.
C. Die Staatsanwaltschaft Graubünden verfügte am 10. Mai 2011 die Eröffnung der Strafuntersuchung gegen X. wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB etc.
D. Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Strafverfahren wurde im Auftrag der Staatsanwaltschaft Graubünden ein forensisch-psychiatrisches Gutachten über X. betreffend psychische Störung, Schuldfähigkeit, Rückfallgefahr und Anordnung einer Massnahme bei den Psychiatrischen Diensten Graubünden erstellt. Im Gutachten vom 12. August 2011 gelangte Dr. med. Marijana Lechner, Psychiatrische Dienste Graubünden, Klinik Beverin, zusammenfassend zur
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Beurteilung, dass X. an einer paranoiden Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.0) leide, welche mit den Taten zusammenhänge. Zur Frage der Schuldfähigkeit führte die Gutachterin aus, dass aus forensisch-psychiatrischer Sicht die Fähigkeit, das Unrecht der Straftaten einsehen zu können, also die Einsichtfähigkeit zur Tatzeit nicht beeinträchtigt gewesen sei. Jedoch bestehe eine Einschränkung, was die Fähigkeit gemäss dieser Einsicht handeln zu können, also die Steuerungsfähigkeit betreffend, weshalb die Schuldfähigkeit in einem mittleren Ausmass reduziert sei.
E. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 19. März 2012 wurde X. der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB und der Tätlichkeit gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig erklärt. Dafür wurde er mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 160.--, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie mit einer Busse von Fr. 1‘200.--, bei schuldhafter Nichtbezahlung mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 7 Tagen, bestraft. Die Staatsanwaltschaft Graubünden legte dem Entscheid folgenden Sachverhalt zugrunde:
„1. Einfache Körperverletzung
Am Morgen des 29. Dezember 2010 zwischen 10.15 Uhr und 10.30 Uhr kam es in A. im Mehrfamilienhaus M. im Treppenhaus vor der Wohnungstüre von X. zwischen diesem und V. Y. zu einer verbalen Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Beschuldigte mit den Händen den Kopf von V. Y. packte und mit einem Fingernagel diesem eine Wunde oberhalb der Stirn zufügte. Dadurch verursachte er gemäss den Arztberichten von Dr. med. Pia Schnyder vom 7. Januar 2011 bzw. 25. Mai 2011 bei V. Y. eine grosse, stark blutenden Rissquetschwunde, die mit einer Naht versorgt werden musste. V. Y. stellte am 29. Dezember 2010 deswegen gegen den Beschuldigten Strafantrag wegen Körperverletzung.
2. Tätlichkeiten
Am Morgen des 28. Dezember 2010 um ca. 10.30 Uhr kam es in A. im Treppenhaus des Mehrfamilienhauses M. zwischen dem Beschuldigten und seinem Nachbarn V. Y. im Zusammenhang mit einem eingeschriebenen Brief wegen ausstehenden Nebenkosten zu einem Streit. Dabei packte der Beschuldigte V. Y. an den Kleidern im Bereich der rechten Schulter derart heftig, dass er gemäss dem oben erwähnten Arztbericht vom 7. Januar 2011 eine Kontusion an der rechten Schulter erlitt. V. Y. stellte am 29. Dezember 2010 einen entsprechenden Strafantrag gegen den Beschuldigten.“
F. Gegen diesen Strafbefehl erhob X. mit Schreiben vom 27. März 2012 Einsprache bei der Staatsanwaltschaft Graubünden.
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G. Am 29. Mai 2012 teilte die Staatsanwaltschaft Graubünden X. mit, dass die Strafuntersuchung betreffend einfache Körperverletzung etc. abgeschlossen sei. Aufgrund der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse wurde die Überweisung des Strafbefehls ans Gericht gemäss Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB und Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB in Aussicht gestellt und eine Frist von 10 Tagen eingeräumt, um allfällige Beweisanträge zu stellen.
H. Mittels Schreiben vom 9. Juli, mitgeteilt am 10. Juli 2012 verfügte die Staatsanwaltschaft Graubünden sodann die Überweisung des Strafbefehls ans Gericht gemäss Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO. Zeitgleich erging der Schlussbericht der Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 326 Abs. 2 StPO.
I. Mit Verfügung des Bezirksgerichts Hinterrhein vom 12. Juli 2012 wurde die Hauptverhandlung auf den 28. August 2012 angesetzt. Gleichzeitig wurde den Parteien eine Frist von 10 Tagen eingeräumt, um Beweisanträge zu stellen und zu begründen.
J. Mit Verfügung des Bezirksgerichtspräsidenten Hinterrhein vom 20. Juli 2012 wurde dem am 18. Juli 2012 gestellten Gesuch von X. um Dispensation von der Teilnahme an der Hauptverhandlung aus gesundheitlichen Gründen entsprochen.
K. Am 2. August 2012 stellte X. die Beweisanträge, dass einerseits F. und G. H., sowie E. als Zeugen einvernommen werden sollen und andererseits das Blut im Treppenhaus technisch analysiert und mit seinem Blut verglichen werden soll.
L. Die Staatsanwaltschaft Graubünden reichte am 17. August 2012 ihre Stellungnahme zu den von X. gestellten Beweisanträgen ein. Sie führte darin aus, dass nicht ersichtlich sei, inwiefern die besagten Personen Ausführungen zu den Vorfällen vom 28. und 29. Dezember 2010 machen können sollten. Das Verhältnis zwischen dem Ehepaar T. und V.e Y. und X. einerseits sowie dem Ehepaar Y. und der Lebenspartnerin von X., Z., sei bereits genügend dokumentiert. Zudem könne dem Antrag, das Blut im Treppenhaus analysieren zu lassen, nicht nachgekommen werden, da das Blut nicht auf einem entsprechenden Spurenträger polizeilich sichergestellt worden sei.
M. Am 23. August 2012 erliess der Bezirksgerichtspräsiden Hinterrhein sodann folgenden Entscheid:
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„1. F. H., M. 17, 7432 A., wird an der Hauptverhandlung, die neu auf den 25. September 2012 angesetzt wird, als Zeuge einvernommen.
2. G. H. und E. X. [recte: E.] werden nicht einvernommen. G. H. wird als Ehefrau von F. H., der einvernommen wird, kaum mehr als dieser beitragen können. Zudem waren alle drei als Zeugen genannten Personen anlässlich der fraglichen Vorfälle vom 28. und 29. Dezember 2010 nicht anwesend. X. hat dem Unterzeichnenden telefonisch mitgeteilt, zu welcher speziellen Frage, ausser dem beantragten Fragethema, F. H. einvernommen werden soll. Er wird deshalb einvernommen werden.
3. Dem Antrag um Analyse des Bluts im Treppenhaus kann mangels Spurensicherung nicht gefolgt werden. Eine schlüssige Beurteilung lediglich auf Grund des bei den Akten liegenden Fotos ist nicht möglich.
4. Gemäss Art. 331 Abs. 3 StPO ist die Ablehnung von Beweisanträgen nicht anfechtbar, doch können abgelehnte Beweisanträge an der Hauptverhandlung erneut gestellt werden“.
N. Am 25. September 2012 fand vor dem Bezirksgericht Hinterrhein die Hauptverhandlung statt, bei welcher weder die Staatsanwaltschaft Graubünden noch X. anwesend waren.
O. Mit Urteil vom 25. September 2012, mündlich eröffnet am 25. September 2012, schriftlich begründet mitgeteilt am 23. Oktober 2012, erkannte das Bezirksgericht Hinterrhein wie folgt:
„1. X. ist schuldig der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 StGB und der Tätlichkeiten gemäss Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. a) Dafür wird X. mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 160.00 bestraft.
b) Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
3. a) Zudem wird X. mit einer Busse von CHF 300.00 bestraft.
b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 3 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
4. a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 9‘741.35 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden [inklusive Gutachten der Psychiatrischen Dienste Graubünden] CHF 7‘741.35, Gerichtsgebühren CHF 2‘000.00) gehen zu Lasten von X..
b) X. hat dem Bezirksgericht Hinterrhein folglich zu überweisen:
Busse CHF 300.00
Verfahrenskosten Bezirksgericht CHF 2‘000.00
Verfahrenskosten Staatsanwaltschaft CHF 7‘741.35
Total CHF 10‘041.35
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In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen auf das Konto CK 038.267.100, IBAN CH16 0077 4110 0382 6710 0, des Bezirksgerichtes Hinterrhein bei der Graubündner Kantonalbank zu bezahlen.

## Considerations