# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bd79a229-c38e-56a1-a737-705393bbba57
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner ist Eigentümer der Parzelle Därligen Grundbuchblatt Nr.
F._. Diese liegt teilweise in der Überbauungsordnung Nr. 2 "G._" vom
28. Oktober 1981. Die Parzelle grenzt an die Hotel- und Ferienwohnungsanlage
"G._" am Thunersee. Der östliche Teil der Parzelle Nr. F._ ist der
Bauzone zugeteilt. Entlang der Parzellengrenze besteht eine befestigte Fläche für vier
Parkplätze. Ein weiterer Teil des Geländes entlang der Grundstücksgrenze ist mit Gras
bewachsen. Nach mehreren Anzeigen von Bewohnern des angrenzenden
Gebäudekomplexes "G._" forderte die Gemeinde den Beschwerdegegner anfangs
Juni 2010 schriftlich auf, die unbewilligte Nutzung der Parzelle als Parkplatz zu
unterlassen.1 Sie gab dem Beschwerdegegner Gelegenheit, ein Baugesuch einzureichen.
Dieser ersuchte daraufhin mit Baugesuch vom 24. Februar 2011 um die Bewilligung von 16
Autoabstellplätzen, die dem "N._", dem Bootshafen, dem Strandbad und für die
"Clubstammplätze" zur Verfügung stehen sollten, bis die Parzelle Nr. F._ überbaut
werde (Baugesuch Nr.: 2/2011).2 Weil der Beschwerdegegner die Frist zur Verbesserung
dieses Baugesuchs ungenutzt hatte verstreichen lassen, teilte ihm die Gemeinde mit
Schreiben vom 14. Juni 2011 mit, dass das Baugesuch als zurückgezogen gelte.
Gleichzeitig machte sie darauf aufmerksam, dass das Grundstück nicht umgenutzt werden
dürfe.3 Der Beschwerdegegner stellte sich auf den Standpunkt, dass das Parkieren auf der
Wiese weder verboten noch strafbar sei.
2. In der Folge beschwerten sich wiederum mehrere Personen, unter anderen die
Beschwerdeführenden 1 und 2, bei der Gemeinde über das unbewilligte Parkieren auf der
Parzelle Nr. F._. Sie ersuchten die Gemeinde, Massnahmen zu ergreifen, um die
unzulässige Parkplatznutzung zu unterbinden. Dies erachtete die Gemeinde als nicht
notwendig.4 Am 11. August 2014 reichten die Beschwerdeführenden 1 und 2 bei der
Gemeinde eine baupolizeiliche Anzeige ein. Mit Brief vom 20. August 2014 forderte die
Gemeinde den Beschwerdegegner erneut auf, die unbewilligte Parkplatznutzung auf der
1 Vgl. pag. 3 im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 120/2015/45 und 60 2 Vgl. pag. 8 im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 120/2015/45 und 60 3 Vgl. pag. 12 im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 120/2015/45 und 60 4 Vgl. pag. 15 im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 120/2015/45 und 60
RA Nr. 110/2015/164 3
Parzelle Nr. F._ zu unterlassen und wies auf die Straffolgen von Art. 50 BauG5
sowie die Möglichkeit eines Baugesuchs hin.6 Mit Eingabe vom 7. Januar 2015 gelangten
die Beschwerdeführenden 1 und 2 erneut mit einer baupolizeilichen Anzeige an die
Gemeinde. Gleichzeitig reichten sie eine aufsichtsrechtliche Anzeige beim
Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli ein.7 Mit Verfügung vom 9. April 2015
forderte der Regierungsstatthalter den Beschwerdegegner auf, bis spätestens Ende April
2015 ein Baugesuch für die unbewilligten Parkplätze einzureichen.
3. Mit Eingabe vom 29. April 2015 reichte der Beschwerdegegner bei der Gemeinde ein
nachträgliches Baugesuch für zehn Parkplätze ein (Baugesuch Nr.: 7/2015). Das
Baugesuch wurde am 2. Juli 2015 publiziert. Mit Schreiben vom 20. Juni 2015 verlangten
die Beschwerdeführenden 1 und 2 die Durchführung eines Wiederherstellungsverfahrens
und den Erlass eines Benützungsverbots mit geeigneten Absperrmassnahmen. Auf
Beschwerde hin wies die BVE die Gemeinde mit Entscheid vom 7. September 2015 an,
unverzüglich über das Gesuch um Erlass vorsorglicher baupolizeilicher Massnahmen zu
entscheiden (RA Nr. 120/2015/45). Im Übrigen wies sie das Rechtsmittel ab.8 In der Folge
wies die Gemeinde mit Verfügung vom 14. September 2015 das Gesuch der
Beschwerdeführenden 1 und 2 um Erlass einer Wiederherstellungsverfügung und eines
vorsorglichen Benützungsverbotes ab. Die dagegen erhobene Beschwerde der
Beschwerdeführenden 1 und 2 wies die BVE mit Entscheid vom 25. November 2015 ab
(RA Nr. 120/2015/60).9 Das Verwaltungsgericht bestätigte diesen Entscheid mit Urteil vom
7. April 2016 (VGE 2015/353 vom 7. April 2016).10
4. Am 23. November 2015 erteilte die Gemeinde die Baubewilligung für die Erstellung
von zehn Parkplätzen. Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden 1 und 2 am
9. Dezember 2015 und die Beschwerdeführenden 3 und 4 am 21. Dezember 2015 in zwei
separten Eingaben Beschwerde bei der BVE (RA Nr. 110/2015/164). Sie beantragen die
5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 6 Vgl. pag. 17 im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 120/2015/45 und 60 7 Vgl. unpaginiertes Schreiben an das Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli vom 7. Januar 2015 zwischen pag. 21 und pag. 22 im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 120/2015/45 und 60 8 Vgl. pag. 18 ff. der Archivakten des Rechtsamts der BVE RA Nr. 120/2015/45 9 Vgl. pag. 22 ff. der Archivakten des Rechtsamts der BVE RA Nr. 120/2015/60 10 Vgl. pag. 70 ff. der Archivakten des Rechtsamts der BVE RA Nr. 120/2015/60
RA Nr. 110/2015/164 4
Aufhebung der Baubewilligung und die Erteilung des Bauabschlags. Die
Beschwerdeführenden 1 und 2 fordern zudem, der Beschwerdegegner sei zu verurteilen,
den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Es sei ein Benützungsverbot
auszusprechen und die Fläche so abzusperren, dass eine widerrechtliche Nutzung
verunmöglicht werde. Eventuell beantragen sie, die Sache sei zur Neubeurteilung an die
Gemeinde zurückzuschicken. Zusätzlich verlangen sie ein sofortiges Benützungsverbot
und vorsorgliche Massnahmen, um eine widerrechtliche Nutzung zu stoppen. Sie rügen
zusammengefasst, die Erschliessung über die Parzelle Nr. H._ sei rechtlich nicht
sichergestellt und eine Zunahme des Verkehrs beeinträchtige die Verkehrssicherheit auf
der bestehenden Zufahrt des Areals "G._". In seiner Stellungnahme vom
21. Januar 2016 bestreitet der Beschwerdegegner diese Ausführungen. Sinngemäss
fordert er die Abweisung der Beschwerden und die Bestätigung der Baubewilligung. Auch
die Gemeinde beantragt in ihrer Stellungnahme vom 11. Januar 2016 die Abweisung der
Beschwerden.
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet11, führte den
Schriftenwechsel durch. Es holte bei der Vorinstanz die Vorakten12 sowie die Akten der
beiden Verfahren13 RA Nr. 120/2015/45 und RA Nr. 120/2015/60 ein. Ausserdem edierte es
beim Regierungsstatthalteramt Interlaken-Oberhasli die Baugesuchsakten zum Neubau
eines Appartementhauses auf der Parzelle Nr. F._ (bbew 282/2011). Schliesslich
zog es die Archivakten RA Nr. 110/2013/50 (Neubau eines Appartementhauses), RA Nr.
120/2015/45 (Rechtsverweigerung) und RA Nr. 110/2015/60 (Zwischenverfügung
vorsorgliche Wiederherstellungsmassnahmen) bei. Den Antrag der Beschwerdeführenden
1 und 2 um Erlass eines sofortigen Benützungsverbots und vorsorglicher Massnahmen im
hängigen Beschwerdeverfahren wies das Rechtsamt der BVE mit Zwischenverfügung vom
4. Februar 2016 ab. Dagegen erhoben die Beschwerdeführenden 1 und 2 beim
Verwaltungsgericht Beschwerde (Verwaltungsgerichtsverfahren Nr. 100.2016.42). Dieses
Verfahren vereinigte das Verwaltungsgericht mit dem verwaltungsgerichtlichen Verfahren
unter der Nr. 100.2015.353. Das Verwaltungsgericht wies die Beschwerden, soweit es auf
11 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 12 Blaues Dossier der Gemeinde mit der Beschriftung "Baubeschwerden B._; und C_ RA 110/2015/164" 13 Blaues Dossier der Gemeinde mit der Beschriftung "Baupolizeibeschwerde B._; RA 120/2015/45 und 60"
RA Nr. 110/2015/164 5
diese eintrat, mit Urteil vom 7. April 2016 ab (vgl. VGE 2015/353 vom 7. April 2016). Dieses
Urteil blieb unangefochten.
6. Mit Verfügung vom 28. Juni 2016 nahm das Rechtsamt der BVE das Verfahren
wieder an die Hand. Es führte im Beisein der Parteien einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des
Augenscheins zu äussern und Schlussbemerkungen einzureichen. Davon machten die
Beschwerdeführenden 1 und 2 sowie die Gemeinde Gebrauch. Die Beschwerdeführenden
3 und 4 sowie der Beschwerdegegner haben sich nicht vernehmen lassen. Auf die
Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführenden sind Eigentümer von Wohnungen der Überbauung "G._",
welche gegenüber der Bauparzelle liegen. Ihre Einsprachen wurden abgewiesen. Sie sind
durch den vorinstanzlichen Bauentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichten Beschwerden ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
Angefochten ist der Bauentscheid der Gemeinde vom 23. November 2015. Er umfasst die
Bewilligung für vier bestehende sowie sechs neue Parkplätze entlang der östlichen
RA Nr. 110/2015/164 6
Grundstücksgrenze der noch unbebauten Parzelle Nr. F._. Umstritten ist, ob die
Gemeinde die zehn Autoabstellplätze auf dieser Parzelle zu Recht bewilligte.
3. Fahrwegdienstbarkeit
a) Die bestehenden und geplanten Parkplätze auf der Parzelle Nr. F._ sollen
über die Parzelle Nr. H._ erschlossen werden. Die Parzelle Nr. H._ ist in
Stockwerkseigentumsanteile aufgeteilt. Hinsichtlich der Erschliessung ist das Vorhaben auf
die Nutzung von fremdem Grund angewiesen.
b) Nach Art. 4 Abs. 1 Bst. c BauV14 gelten Erschliessungsanlagen auf fremdem Grund
rechtlich als sichergestellt, wenn für die Grundeigentümer ein verbindlicher Plan besteht
(Überbauungsplan, Strassenplan) oder das Recht zu ihrer Erstellung und Erhaltung vor
dem Bauentscheid vereinbart ist. Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid aus,
der Zugang sei grundbuchlich und damit auch rechtlich gesichert. Auch der
Beschwerdegegner beruft sich auf den Dienstbarkeitsvertrag vom 30. Januar 1986 und auf
das im Grundbuch eingetragene Fuss- und Fahrwegrecht vom 10. März 1986. Die
Beschwerdeführenden stellen sich demgegenüber auf den Standpunkt, die Erschliessung
über die Parzelle Nr. H._ sei rechtlich nicht sichergestellt. Sie gehen davon aus,
dass ein Zugang für zehn Parkplätze entlang der Parzellengrenze vom
Dienstbarkeitsvertrag vom 30. Januar 1986 nicht gedeckt sei und die Dienstbarkeit nur für
den Eigentümer der Parzelle Nr. F._ nicht aber für die Eigentümer der Parzellen
Nr. I._ und Nr. J._ gelte. Bei diesen Streitpunkten handelt es sich um
privatrechtliche Themen. Darüber ist im Baubewilligungsverfahren nur zu entschieden,
wenn die Baugesetzgebung privatrechtliche Tatbestände voraussetzt oder als massgebend
erklärt, oder wenn die Bauherrschaft auf fremdem Boden baut.15 Eine solche Situation liegt
hier zwar vor. Mit Blick auf die Erwägungen 4 bis 6 erübrigen sich jedoch weitere
Ausführungen darüber, ob die bestehende Strassenerschliessung rechtlich genügend
sichergestellt ist. Den Beschwerdeführenden steht es frei, diese Frage vom Zivilgericht
beurteilen zu lassen.
14 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 15 BVR 2004 S. 412 E. 3.2 mit Hinweisen
RA Nr. 110/2015/164 7
4. Überbauungsordnung "G._"
a) Die Überbauungsordnung "G._" vom 28. Oktober 1981 enthält Vorschriften
zur Erschliessung und zur Zufahrt. Der Überbauungsplan Nr. 2 "G._" legt zwar die
Zufahrten nicht räumlich fest. Art. 12 SBV16 schreibt jedoch vor, dass aus Rücksicht auf die
Nachbarn (Lärm- und Geruchsbelästigung), mit Ausnahme der Zufahrt zum offenen
Parkplatz, Zu- und Wegfahrten im Bereich ausserhalb der gegenüberliegenden
Wohnbauten anzulegen sind. Mit den "gegenüberliegenden Wohnbauten" sind jene
Wohnbauten gemeint, die sich im südöstlichen Bereich des Überbauungsplans gegenüber
der Zufahrt zum öffentlichen Parkplatz der Hotel- und Ferienwohnungsanlage
"G._" befinden.17 Vorliegend soll die Erschliessung der umstrittenen Parkplätze auf
der Parzelle Nr. F._ über die bestehende Zufahrt beim öffentlichen Parkplatz
erfolgen, der sich gegenüber diesen Wohnbauten befindet. Das verstösst gegen Art. 12
SBV, was eine Ausnahmebewilligung erforderlich machen würde.
b) Die umstrittenen Parkplätze sollen im unbebauten Teil der Parzelle Nr. F._
angelegt werden. Dieser Teil der Parzelle Nr. F._ liegt zusammen mit der Parzelle
Nr. H._ sowie den Uferparzellen Nr. K._ und Nr. L._ im Perimeter
der Überbauung "G._". Am Augenschein führte der Beschwerdegegner aus, vier
der geplanten Parkplätze seien für Personen vorgesehen, die Boote im Bootshafen
nutzten. Weiter seien für die Bewohner des S._ sowie für die Pächter und
Mitarbeiter des "N._" je zwei Parkplätze vorgesehen. Die restlichen zwei
Parkplätze seien für ihn und seine Familie bestimmt.18 Diese Zuteilung der Parkplätze legte
die Vorinstanz mit einer Auflage im angefochtenen Bauentscheid verbindlich fest (vgl. Ziff.
7.2a des angefochtenen Bauentscheids). In der Stellungnahme vom 15. Februar 2016
bemerkte die Gemeinde zudem, der Beschwerdegegner habe nachgewiesen, dass die
Bandbreite für die Abstellplätze gemäss Art. 51 ff. BauV eingehalten sei.
c) Ob hier die zulässige Anzahl Parkplätze nach BauV ausgeschöpft ist, braucht nicht
näher untersucht zu werden. Der geplante Parkplatz widerspricht der Parkplatzordnung der
16 Sonderbauvorschriften zum Überbauungsplan Nr. 2 "G._" vom 28. Oktober 1981 mit Änderungen vom 7. Juni 2009 17 Siehe dazu im Detail VGE 2013/310 vom 27. November 2014 E. 4.2 18 Vgl. Augenschein Protokoll vom 25. August 2016, S. 5 f. Votum E._
RA Nr. 110/2015/164 8
Überbauungsordnung "G._". Art. 3 Abs. 1 Lemma 5 SBV bestimmt, dass offene
Parkplätze für den Bootshafen und für externe Besucher der Hotel- und
Ferienwohnungsanlage nur an dem im Überbauungsplan festgelegten Standort errichtet
werden dürfen. Dieser befindet sich nicht auf der Parzelle Nr. F._, sondern
gemäss dem Überbauungsplan im Osten der Parzelle Nr. H._ (vormals Parzelle
Nr. M._), wo dafür das Baufeld für betriebsbedingte Einrichtungen ausgeschieden
worden ist. Zudem sind nach den SBV auch die geplanten Parkplätze des
Beschwerdegegners zu seiner Wohnung auf der Parzelle Nr. H._ grundsätzlich
auf dieser Parzelle (Nr. H._) und nicht auf der Parzelle Nr. F._ anzulegen
(Art. 3 Abs. 1 Lemma 4 der SBV). Gleiches gilt für die Parkplätze, die für die Bewohner des
S._ vorgesehen sind. Deren Realisierung ist auf der Parzelle Nr. F._ in
dieser Ausführung mit dem Überbauungsplan Nr. 2 "G._" nicht kompatibel. An
diesem Standort sind Baufelder für Wohn-, Gewerbe- und Bürobauten ausgeschieden
worden (Art. 3 Abs. 3 SBV). Eine offene oberirdische Parkierungsanlage an diesem
Standort widerspricht der Überbauungsordnung, was ebenfalls eine Ausnahme erfordern
würde.
d) Damit steht als Ergebnis fest, dass sowohl die geplante Zufahrt zu den Parkplätzen
wie auch der Standort der Parkplätze der Überbauungsordnung "G._"
widersprechen. Das Vorhaben könnte nur mit Ausnahmebewilligungen nach Art. 26 BauG
bewilligt werden. Nach Art. 26 BauG können Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften
zwar gewährt werden, wenn besondere Verhältnisse es rechtfertigen und keine öffentlichen
Interessen beeinträchtigt werden. Ausnahmen dürfen zudem keine erheblichen
nachbarlichen Interessen verletzen, es sei denn, die Beeinträchtigung könne durch
Entschädigung vollwertig ausgeglichen werden. Diese Voraussetzungen müssen kumulativ
erfüllt sein.19 Nach der Rechtsprechung ist bei Ausnahmen von einer Überbauungsordnung
zudem besondere Zurückhaltung geboten.20
e) Der Beschwerdegegner hat keine Ausnahmegesuche nach Art. 26 BauG gestellt. Die
Voraussetzungen für Ausnahmebewilligungen wären hier auch nicht erfüllt. Hier geht es
um Ausnahmen von der Festlegung der Erschliessung und der Parkplatzordnung. Das sind
wesentliche Bestandteile der Überbauungsordnung "G._". Diese zentralen Punkte
der Überbauungsordnung können nicht im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens auf
19 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 26–27 N. 4 20 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 26–27 N. 4c; vgl. auch Daniel Gallina in: KGP-Bulletin 3/2002 S. 55 f.
RA Nr. 110/2015/164 9
dem Ausnahmeweg geändert werden. Dafür muss die Überbauungsordnung selber
geändert werden. Eine Anpassung der Überbauungsordnung "G._" ist hier auch
geplant: Der Beschwerdegegner erklärte am Augenschein, es sei angedacht, die Baufelder
auf der Parzelle Nr. F._ von Westen her via die Rampe zur
Abwasserreinigungsanlage über die Grünfläche zu erschliessen.21 Über eine allfällige
Anpassung der Überbauungsordnung habe die Gemeinde bereits das Gespräch mit dem
Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) gesucht. Eine vorschriftskonforme
Erschliessung und Bebauung der Parzelle Nr. F._ ist demnach nicht von
vornherein ausgeschlossen. Der Erteilung einer Ausnahmebewilligung stünden auch
öffentliche und wesentliche nachbarliche Interessen entgegen. Aus der nachfolgenden
Erwägung folgt, dass mit dem Mehrverkehr des Bauvorhabens die Verkehrssicherheit auf
dem Fahrweg nicht mehr gewährleistet wäre. Damit würden öffentliche und nachbarliche
Interessen beeinträchtigt. Ausnahmegründe bestehen somit keine.
5. Verkehrssicherheit
a) Umstritten ist, ob die Zufahrt über die Parzelle Nr. H._, die für die
Erschliessung der umstrittenen Parkplätze auf der Parzelle Nr. F._ vorgesehen ist,
die Voraussetzungen an eine genügende Erschliessung erfüllt. Die Beschwerdeführenden
bringen vor, die geplante Parkierungsanlage führe zu Mehrverkehr. Damit sei die
Verkehrssicherheit bei der bereits heute prekären Verkehrssituation auf dem Fahrweg der
Parzelle Nr. H._ nicht mehr gewährleistet. Keine Rolle spielt, ob der fragliche
Fahrweg als bestehende Erschliessung oder als neue Zufahrt eingestuft wird. In beiden
Fällen muss die Verkehrssicherheit gewährleistet sein (Art. 5 Abs. 1 Bst. a BauV und Art. 6
Abs. 3 BauV).
b) Der umstrittene Fahrweg auf der Parzelle Nr. H._ verläuft ab der Zufahrt von
der Kantonsstrasse über den offenen Parkplatz mit 37 Autoabstellplätzen. Danach führt der
Weg nach einer Kurve um die nordöstliche Ecke der Überbauung "G._" in eine
Unterführung. Der Fahrweg verläuft danach auf der nördlichen Seite der Parzelle
Nr. H._ (seeseitig) über die Vorplätze von 16 Einzelgaragen, bevor er wiederum
durch eine Unterführung führt. Die beiden Unterführungen sind 3.10 m bzw. 3.50 m breit
21 Vgl. Augenscheinprotokoll vom 25. August 2016 S. 4 oben, Votum E._
RA Nr. 110/2015/164 10
und 2.35 m bzw. 2.36 m hoch. Nach einer Kurve um die nordwestliche Ecke endet der
Fahrweg schliesslich auf dem Vorplatz, wo sich weitere zehn Einzelgaragen der
Überbauung "G._" befinden. Hier befindet sich auch die Einfahrt zu den vier
bestehenden und sechs geplanten Parkplätzen auf der Parzelle Nr. F._.
c) Die Vorinstanz zog zur Klärung der Frage, ob die Zufahrt zu den Parkplätzen den
Anforderungen der Baugesetzgebung (Art. 7 BauG und Art. 5 f. BauV) genügen, den
Oberingenieurkreis I des Tiefbauamtes des Kantons Bern (OIK I) bei. Dieser stützte sich
bei der Beurteilung des Mehrverkehrs und der Verkehrssicherheit unter anderem auf
seinen früheren Fachbericht vom 23. Mai 2013 betreffend den Neubau eines
Appartementhauses mit Garagenunterbau auf der Parzelle Nr. F._.22 Auch damals
sollte die Erschliessung des auf der Parzelle Nr. F._ projektierten Bauvorhabens
wie hier über den Fahrweg erfolgen, der über die Parzelle Nr. H._ verläuft. Im
Bericht vom 23. Juni 2015 vertrat der OIK I den Standpunkt, die Erschliessungssituation für
die geplante Parkierungsanlage unterscheide sich wesentlich von jener im Zusammenhang
mit dem Neubauprojekt des Appartementhauses. Die Auswirkungen seien deutlich geringer
als die im Fachbericht vom 2013 beschriebenen. Zusammengefasst kam der OIK I zum
Schluss, dass die beantragten Parkplätze den Anforderungen der Baugesetzgebung nicht
grundsätzlich widersprächen und bewilligt werden könnten. Gestützt darauf erteilte die
Vorinstanz die Baubewilligung für die zehn Parkplätze.
d) Der Einschätzung der Vorinstanz und des OIK I kann nicht gefolgt werden. Selbst
wenn man mit dem OIK I davon ausgeht, dass die Auswirkungen der geplanten Parkplätze
deutlich geringer ausfallen als beim Neubauprojekt des Appartementhauses, was die
Beschwerdeführenden bestreiten, ist die Verkehrssicherheit der vorgesehenen
Erschliessung nicht gewährleistet. Aus dem Bericht der Beratungsstelle für Unfallverhütung
(bfu) vom 28. März 2014 folgt, dass die Situation auf dem engen und teilweise
unübersichtlichen Fahrweg bezüglich der Verkehrssicherheit bereits heute – ohne
Mehrverkehr der neu geplanten Parkplätze – problematisch ist.23 Dass diese Problematik
besteht, belegen die vorhandenen Bilder in den Akten.24 Bei einer deutlichen Zunahme des
Verkehrs beurteilte die bfu besonders allfällige Rückwärtsfahrmanöver im Bereich der
22 Vgl. pag. 7 f. der Vorakten im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 110/2015/164 23 Vgl. pag. 183 ff. im Archivdossier des Rechtsamts der BVE RA Nr. 110/2013/50 24 Vgl. pag. 83 ff. im Archivdossier des Rechtsamts der BVE RA Nr. 110/2013/50 (Fotodokumentation zum Fachbericht TBA)
RA Nr. 110/2015/164 11
beiden Gebäudeecken West und Ost sowie in den schmalen Bereichen mit den seitlichen
Zutrittsstellen zum Fahrweg bei den Unterführungen als sehr heikel.25 Insgesamt stufte die
bfu aber schon den bestehenden Fahrweg auf der Parzelle Nr. H._ aus Gründen
der Verkehrssicherheit als ungenügend ein. Zur Verbesserung der Verkehrssicherheit der
bestehenden Erschliessung schlug die bfu folgende Massnahmen vor: Je ein Geländer von
1.50 m an der östlichen und westlichen Ecke, eine Signalisation 10 km/h, eine Schwelle im
Bereich der westlichen und östlichen Ecken sowie bei den Fussgängerzugängen,
Zurückschneiden der Büsche bei der Unterführung zur Strandparzelle, Anzeigen des
Fussweges zur Strandparzelle nur via Durchgang Hotel, Poller und Randmarkierung bei
den Fussgängerzugängen. Die bfu riet aber selbst dann von einer Erschliessung über die
Parzelle Nr. H._ ab, wenn diese Sicherheitsmassnahmen umgesetzt würden.
e) Vorliegend haben sich die Verhältnisse auf dem Fahrweg auf der Parzelle Nr.
H._ seit der Beurteilung durch die bfu nicht massgeblich verändert. Vor den
Unterführungen an der östlichen und westlichen Ecke der Überbauung wurde zwar eine
Geschwindigkeitsbeschränkung von 10 km/h signalisiert, wie der Augenschein zeigte.26
Diese Massnahme allein vermag die Sicherheit jedoch nicht entscheidend zu verbessern.
Wirkungsvolle bauliche Schutzmassnahmen, wie sie von der bfu zur Verbesserung der
Sicherheit auf dem Fahrweg vorgeschlagen wurden, wie namentlich die Montage eines
Geländers an der östlichen und westlichen Ecke, die Montage von Poller und
Randmarkierung bei den Fussgängerzugängen bei den Unterführungen oder den Bau
einer Schwelle im Bereich der westlichen und östlichen Ecke wurden nicht umgesetzt.27
Die Beurteilung der bfu hat somit nach wie vor Gültigkeit. Besonders im Bereich der
östlichen und westlichen Ecke der Überbauung sowie bei den Fussgängerzugängen bei
den engen Unterführungen, wo der Verkehr in beide Richtungen fliesst, bestehen
unübersichtliche und heikle Stellen. Dort besteht für Fussgänger oder manövrierende
Fahrzeuge kein gesicherter Bereich. Daran ändert die Signalisation von 10 km/h nichts.
Heute bestehen bereits vier Parkplätze (zwei für Bewohner des S._ und zwei für
die Betreiber des "N._"). Mehrverkehr entsteht somit von den sechs neu geplanten
Parkplätzen. Davon sollen nach den Akten zwei Parkplätze für den Beschwerdegegner
25 Vgl. pag. 191 Archivdossier des Rechtsamts der BVE RA Nr. 110/2013/50 26 Vgl. Bild Nr. 15, 17 u.18 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 25. August 2016 27 Vgl. Bild Nr. 15 u. 18 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 25. August 2016
RA Nr. 110/2015/164 12
selber und vier Parkplätze für Hafenplatzmieter (Bootshafen) zur Verfügung stehen.28 Vor
allem während der Badesaison, wenn ein erhöhtes Parkplatzbedürfnis besteht, ist davon
auszugehen, dass für die vier neuen Parkplätze des Bootshafens mehr als zwei
Fahrbewegungen pro Tag generiert werden, da der Bootshafen insgesamt sieben
Schiffsliegeplätze umfasst. Dazu kommen die Fahrzeugbewegungen der zwei neuen
Parkplätze, die der Beschwerdegegner selber benutzt, wobei hier gleich wie bei einer
Wohnnutzung von zwei Fahrzeugbewegungen pro Tag auszugehen ist. In der Spitzenzeit,
d.h. während den Sommermonaten, ist demzufolge pro Tag mindestens von 12
zusätzlichen Fahrbewegungen (2 Fahrbewegungen x 6 Parkplätze) auszugehen. Parallel
dazu zirkulieren während dieser Zeit auf dem Fahrweg vermehrt Gäste, die zu Fuss zur
Strandanlage (Seebad, Bootsplätze, N._) unterwegs sind. Dies erhöht das
Konfliktpotential auf dem Fahrweg. Das bestehende Gefahrenpotential auf dem Fahrweg
würde mit dem Mehrverkehr der sechs zusätzlichen Parkplätze, selbst wenn die
Verkehrszunahme als geringfügig eingestuft würde, weiter zunehmen. Gefährdet wären
nicht nur Sachwerte, sondern auch Personen, vor allem Fussgängerinnen und Fussgänger,
die den Fahrweg zur Strandanlage benutzen. Die Verkehrssicherheit ist unter diesen
Umständen auf dem Fahrweg nicht mehr gewährleistet. Der bestehende Fahrweg genügt
somit den Anforderungen an eine genügende Erschliessung nicht (Art. 5 Abs. 1 Bst. a
BauV und Art. 6 Abs. 3 BauV). Das projektierte Vorhaben ist nicht bewilligungsfähig.
6. Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
a) Die Beschwerdeführenden 1 und 2 verlangen die Wiederherstellung des
ursprünglichen Zustands. Zudem beantragen sie den Erlass eines Benützungsverbots mit
geeigneten Absperrmassnahmen, um die widerrechtliche Parkplatznutzung zu
verunmöglichen.
b) Nach den Akten besteht entlang der östlichen Grundstückgrenze im Bereich der vier
Parkplätze Nr. 7, Nr. 8, Nr. 9 und Nr. 10 eine befestigte Fläche.29 Die BVE führte einen
Augenschein durch und verschaffte sich vor Ort ein eigenes Bild über die
Parkierungssituation auf der Parzelle Nr. F._. Die Situation präsentierte sich wie
folgt: Es bestätigte sich, dass heute entlang der südöstlichen Grundstückgrenze eine ca.
28 Vgl. pag. 3 der Vorakten im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 110/2015/164 29 Vgl. pag. 1 im Dossier der Gemeinde RA Nr. 110/2015/164
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43 m2 (ca. 9 m x 4.80 m) grosse befestigte (unbewilligte) Parkplatzfläche für vier
Fahrzeuge besteht.30 Die befestigte Fläche bzw. der Autoabstellplatz ist Richtung Westen
mit einem Holzlattenzaun begrenzt. Der restliche Teil der geplanten Parkplatzfläche
entlang der Parzellengrenze besteht aus unbefestigtem Weideland und ist mit Gras
bewachsen.31 Am Augenschein zeigte sich, dass der unbefestigte Bereich der geplanten
Parkplätze Nr. 1 bis 6 sowie der Bereich des bestehenden Parkplatzes Nr. 7 (vgl.
abgestempelter Situationsplan im Massstab 1:100 vom 2. Oktober 2015) von der Parzelle
Nr. H._ her nicht benutzbar sind. Autos können dort nicht abgestellt werden, weil
der Zugang entweder mit grossen Natursteinblöcken oder einer Hecke versperrt ist.32
Zugänglich ist nur die befestigte Fläche der Parkplätze Nr. 8, Nr. 9 und Nr. 10. Dies
entspricht entlang der Parzellengrenze ungefähr einer Breite von 7.50 m. Am Augenschein
stellte sich weiter heraus, dass sich die befestigte Parkplatzfläche ursprünglich auf die
Fläche der Parklätze Nr. 9 und Nr. 10 beschränkte. Diese Fläche wurde nach den
unbestrittenen Ausführungen des Beschwerdegegners in den Jahren 1985/1986
gekoffert.33 Sie diente als Baupiste für den Umbau der Hotelanlage "G._". Nach
den Angaben des Beschwerdegegners soll zwischen dem damaligen Eigentümer der
Parzelle Nr. F._ und dem Gemeindepräsidenten die Abmachung bestanden
haben, dass die befestigte Fläche nach dem Umbau des Hotels bleiben und als Parkplatz
genutzt werden darf. Aus dem Augenscheinprotokoll vom 8. April 201534 des
Regierungsstatthalteramts Interlaken-Oberhasli geht zudem hervor, dass ungefähr in den
Jahren 2007/2008 ein dritter Parkplatz (Parkplatz Nr. 8) und danach ein vierter Parkplatz
(Parkplatz Nr. 7) mit befestigten Flächen hinzukamen.
c) Aus den Erwägungen 4 und 5 folgt, dass die vier bestehenden Parkplätze Nr. 7, Nr. 8
Nr. 9 und Nr. 10 auf der befestigten Fläche formell und materiell rechtswidrig sind. Wird ein
Bauvorhaben ohne Baubewilligung ausgeführt, so ordnet die Baupolizeibehörde die
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes an. Die Wiederherstellungsverfügung
muss im öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig sein und darf den
Vertrauensgrundsatz (guter Glaube) nicht verletzen.35 Nach Ablauf von fünf Jahren,
30 Vgl. Bild Nr. 1 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 25. August 2016 31 Vgl. Bild Nr. 10 und 19 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 25. August 2016 32 Vgl. Bild Nr. 9 bis 12 der Fotodokumentation zum Augenscheinprotokoll vom 25. August 2016 33 Vgl. S. 13 des Augenscheinprotokolls vom 25. August 2016, Votum Stettler 34 Vgl. pag. 23 im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 120/2015/45 und 60 35 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9
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seitdem die Rechtswidrigkeit erkennbar war, kann die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands nur verlangt werden, wenn zwingende öffentliche Interessen es
erfordern (Art. 46 Abs. 3 BauG). Diese Frist soll verhindern, dass Behörden und
Nachbarschaft einen erkennbaren gesetzwidrigen Zustand während Jahren ausdrücklich
oder stillschweigend billigen, um dann plötzlich einzugreifen, wenn die betroffene Person
nicht mehr damit rechnen musste (Verbot des widersprüchlichen Verhaltens). Sie dient
demnach der Rechtssicherheit und dem Vertrauensschutz. Die Frist greift nur, sofern keine
zwingenden öffentlichen Interessen die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes
erfordern. Als zwingend erscheint die Wiederherstellung, wenn für die Öffentlichkeit
untragbare Verhältnisse bewirkt worden sind wie Beeinträchtigungen der Umwelt,
Störungen des Ortsbildes, Eingriffe in eine schutzwürdige Landschaft und dergleichen.36
Bewirkt der Fortbestand einer Baute bzw. Nutzung gar eine konkrete Gefahr für Leib und
Leben, Gesundheit oder Sicherheit von Personen, so greift die Fünfjahresfrist ebenfalls
nicht.
d) Es ist aktenkundig, dass sich die Beschwerdeführenden ab Mai 2010 gegen die zwei
befestigten Parkplätze Nr. 7 und Nr. 8 zur Wehr setzten. Diese zwei Parkplätze wurden
nach den Akten frühestens 2007 erstellt.37 Aus den Akten geht zudem hervor, dass die
Gemeinde dem Beschwerdegegner erstmals mit Schreiben vom 2. Juli 2010 aufforderte,
die unbewilligte Nutzung der Parkplätze zu unterlassen oder ein nachträgliches Baugesuch
einzureichen.38 Betreffend die Parkplätze Nr. 7 und Nr. 8 ist die Frist nach Art. 46 Abs. 3
BauG von fünf Jahren gewahrt. Es rechtfertigt sich hier, bezüglich des bestehenden
Parkplatzes Nr. 7 ein Benützungsverbot anzuordnen. Gemäss den Feststellungen am
Augenschein befindet sich auf dem Parkplatz Nr. 7 ein Natursteinblock. Es ist daher keine
zusätzliche Wiederherstellungsmassnahme nötig; ein Benützungsverbot reicht. Am
Benützungsverbot besteht ein öffentliches Interesse. Es stellt klar, dass das Parkieren auf
diesem Teil der befestigten Fläche verboten ist. Es dient damit der Einhaltung der
Überbauungsordnung "G._". Das Benützungsverbot ist für den Beschwerdegegner
ohne weiteres zumutbar. Ihm entstehen daraus keine zusätzlichen Aufwendungen.
Das Gleiche gilt bezüglich der befestigten Fläche des Parkplatzes Nr. 8. Auch sie darf nicht
als Parkplatz für Autos genutzt werden. Nebst dem Nutzungsverbot wird der
36 BVR 2001 S. 125 E. 4a; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Bern 2013, Art. 46 N. 9 37 Vgl. pag. 1 im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 120/2015/45 und 60 38 Vgl. pag. 3 im Dossier der Gemeinde Därligen RA Nr. 120/2015/45 und 60
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Beschwerdegegner zusätzlich verpflichtet, die befestigte Fläche des Parkplatzes Nr. 8 bis
zum 31. Januar 2017 – gleich wie das bei der befestigten Fläche des Parkplatzes Nr. 7 der
Fall ist – mit einem grossen Natursteinblock abzusperren, so dass dort keine Autos
abgestellt werden können. Die Wiederherstellungsmassnahmen (Benützungsverbot und
Absperrung mit Natursteinblock) liegen im öffentlichen Interesse. Sie dienen der Einhaltung
der Überbauungsordnung "G._". Sie sind geeignet und genügen, um den
rechtmässigen Zustand herzustellen. Die Wiederherstellungsmassnahme ist für den
Beschwerdegegner auch zumutbar: Die Kosten für einen unbearbeiteten Naturstein mit
einem Gewicht zwischen 200 kg bis 500 kg sind gering (ca. Fr. 50.– pro Stück39). Auch
fallen dafür keine hohen Transportkosten an. Angemessen ist auch die Frist. Der
Natursteinblock lässt sich leicht und ohne grossen Aufwand bis spätestens 31. Januar
2017 organisieren. Der Stein kann zudem witterungsunabhängig aufgestellt werden.
e) Anders verhält es sich hinsichtlich der befestigten Fläche der Parkplätze Nr. 9 und
Nr. 10. Die Fläche dieser zwei Parkplätze wurde in den Jahren 1985/1986 gekoffert. Sie
wird seit diesem Zeitpunkt als Autoabstellplatz genutzt. Damit ist die fünfjährige Frist nach
Art. 46 Abs. 3 BauG offensichtlich abgelaufen. Die Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands oder der Erlass eines Benützungsverbots kann unter diesen Umständen
betreffend die Fläche der Parkplätze Nr. 9 und Nr. 10 nicht mehr verlangt werden. Die zwei
Parkplätze wurden nach den Angaben des Beschwerdegegners von der Gemeinde toleriert
oder zumindest geduldet. Nach den Akten wurden die Parkplätze Nr. 9 und Nr. 10 auch
von den Beschwerdeführenden akzeptiert.40 Diese setzten sich erst ab dem Jahr 2010
gegen die Parkplätze zur Wehr, als die Fläche auf vier Parkplätze ausgedehnt wurde.41 Die
Anordnung des ursprünglichen Zustands, d.h. den Zustand vor 30 Jahren, wäre hier mit
dem Verbot des widersprüchlichen Verhaltens nicht vereinbar. Öffentliche Interessen, die
zwingend die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes auch nach Ablauf der Frist
von fünf Jahren gemäss Art. 46 Abs. 3 BauG erfordern würden, sind nicht ersichtlich.
Solche werden von den Beschwerdeführenden auch nicht ausdrücklich geltend gemacht.
Auch das Interesse der Verkehrssicherheit rechtfertigt keine
Wiederherstellungsmassnahmen. Zu berücksichtigen ist, dass von den vier bestehenden
Parkplätzen neu nur noch zwei Parkplätze zur Verfügung stehen werden. Dies führt – wenn
39 Vgl. z.B. Preisliste 2016 der SHB Steinbruch + Hartschotterwerk Blausee-Mitholz AG, abrufbar unter http://shb-naturstein.ch / Preisliste (letztmals besucht am 29. November 2016) 40 Vgl. S. 9 des Augenscheinprotokolls vom 25. August 2016, Votum B._ 41 Vgl. S. 9 des Augenscheinprotokolls vom 25. August 2016, Votum B._
http://shb-naturstein.ch
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auch nur geringfügig – zu einer Abnahme von Fahrzeugbewegungen auf dem bestehenden
Fahrweg, was sich bereits positiv auf die Verkehrssicherheit auswirkt. Bedeutsam ist
ausserdem, dass mit dem vorliegenden Entscheid bezüglich der Parkplatzsituation auf der
Parzelle Nr. F._ Klarheit geschaffen wird. Damit fällt der beträchtliche
Parkplatzsuchverkehr, der aufgrund des ausgebauten Parkplatzangebots entlang der
ganzen Parzellengrenze bestand, komplett weg. Es ist davon auszugehen, dass dieser
Umstand zu einer erheblichen Verkehrsentlastung führt. Dies wirkt sich ebenso positiv auf
die Sicherheit auf dem bestehenden Fahrweg aus. Von einer konkreten Gefährdung der
Sicherheit von Personen oder Sachwerten oder anderweitig unhaltbaren Zuständen, die
die Frist von fünf Jahren nach Art. 46 Abs. 3 BauG ausser Kraft setzen könnte, kann hier
nicht gesprochen werden.
7. Zusammenfassung
Es steht fest, dass die Gemeinde die Baubewilligung zu Unrecht erteilte. Die zehn
Autoabstellplätze auf der Parzelle Nr. F._ sind nicht bewilligungsfähig. Das
Vorhaben widerspricht in mehreren Punkten der Überbauungsordnung "G._". Mit
dem Mehrverkehr des Bauvorhabens ist die Verkehrssicherheit auf dem Fahrweg nicht
mehr gewährleistet. Der bestehende Fahrweg genügt den Anforderungen an eine
genügende Erschliessung nicht. Dem Vorhaben wird der Bauabschlag erteilt. Die
Beschwerden sind gutzuheissen.
Hinsichtlich der bestehenden Parkplätze Nr. 7 und Nr. 8 wird ein Benützungsverbot
angeordnet. Zusätzlich wird der Beschwerdegegner verpflichtet, die befestigte Fläche des
Parkplatzes Nr. 8 mit einem Natursteinblock abzusperren. So ist nur noch die befestigte
Fläche der Parkplätze Nr. 9 und Nr. 10 für das Parkieren zugänglich. Bezüglich der Fläche
dieser Parkplätze (Nr. 9 und Nr. 10) wird auf die Anordnung von
Wiederherstellungsmassnahmen verzichtet, weil die fünfjährige Frist gemäss Art. 46 Abs. 3
BauG abgelaufen ist. Damit erübrigt es sich, über den Eventualantrag der
Beschwerdeführenden 1 und 2 zu entscheiden.
8. Kosten
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a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG42). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'200.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV43). Für den Augenschein
vom 25. August 2016 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr
von Fr. 300.– erhoben. Die Verfahrenskosten des Beschwerdeverfahrens betragen somit
Fr. 1'500.–. Bei diesem Ausgang des Verfahrens gilt der Beschwerdegegner als
unterliegend. Er muss zwar im Bereich der befestigten Parkplatzflächen Nr. 9 und Nr. 10
den rechtmässigen Zustand nicht wiederherstellen. Dieser Umstand hat hier allerdings nur
eine untergeordnete Bedeutung. Dieser Aspekt wurde im Beschwerdeverfahren auch nicht
näher thematisiert. Es ist daher gerechtfertigt, diesen Umstand bei der Kostenverlegung
nicht zu berücksichtigen. Die Verfahrenskosten von Fr. 1'500.– werden deshalb dem
Beschwerdegegner zur Bezahlung auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Gemäss Art. 52 Abs.
1 BewD44 tragen die Gesuchstellenden die amtlichen Kosten des
Baubewilligungsverfahren. Der Beschwerdegegner trägt demnach auch nach Aufhebung
der Baubewilligung die im Bewilligungsverfahren entstandenen Kosten. Diese betragen
gemäss Ziffer 6 des angefochtenen Entscheids Fr. 1'980.– (Gemeindegebühr von Fr.
1'660.– und der Gebühr von Fr. 320.– für den Fachbericht des OIK I). Diese Kosten setzte
die Vorinstanz im Dispositiv des angefochtenen Entscheids irrtümlicherweise auf Fr.
1'860.– fest. Das ist ein offensichtlicher Redaktionsfehler (Art. 100 Abs. 1 VRPG). Diesen
Fehler berichtigt die BVE von Amtes wegen (vgl. Ziff. 5 des Dispositivs dieses Entscheids).
b) Da die Beschwerdeführenden nicht anwaltlich vertreten sind, haben sie keinen
Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Beschwerdeführenden 1 und
2 machen in ihrer Stellungnahme vom 4. September 2016 für die Teilnahme am
Augenschein zwar eine Entschädigung von Fr. 520.– geltend. Sinngemäss verlangen sie
damit eine Parteientschädigung im Sinn von Art. 104 Abs. 2 VRPG. Nach der Praxis des
Verwaltungsgerichts werden solche Entschädigungen nur ausnahmeweise und mit grosser
Zurückhaltung gesprochen. So bejaht das Verwaltungsgericht Entschädigungen, wenn die
beteiligten Privatpersonen durch sorgfältige Auseinandersetzung mit den sich stellenden
Fragen und durch erheblichen persönlichen Arbeitsaufwand wesentlich zur
42 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 43 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 44 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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Entscheidfindung beitragen.45 Das ist hier nicht der Fall: Im Zusammenhang mit den
Wiederherstellungsmassnahmen, die die Beschwerdeführenden 1 und 2 ausdrücklich
beantragten, war die Sachlage noch unklar. Die BVE führte deshalb einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch. Am Augenschein konnte anhand der Feststellungen vor Ort
und durch die Befragung der Parteien der Sachverhalt geklärt werden. Dazu kommt, dass
die Parteien, die aus einem Begehren eigene Rechte ableiten, wie es die
Beschwerdeführenden 1 und 2 im Rechtsmittelverfahren tun, an der Feststellung des
Sachverhalts mitwirkungspflichtig sind (Art. 20 Abs. 1 VRPG). Parteikosten werden deshalb
keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 2 VRPG).