# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 469f91a0-f1d3-4308-bc4f-62abc5a6ff0c
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_005
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** Criminal
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

Sachverhalt
A. Mit Schreiben vom 6. November 2020 ersuchte A._ bei der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend Staatsanwaltschaft) um Wiederaufnahme eines eingestellten Verfahrens gegen D._ wegen sexuellen Handlungen mit Kindern, angeblich begangen am gemeinsamen Sohn E._. Gleichzeitig beantragte sie die Ausdehnung dieses Verfahrens auf B._ − ehemaliger Berufsbeistand von A._ − und C._ − ehemaliges instruierendes Mitglied der KESB I._ im Falle E._ − wegen Amtsmissbrauchs und Begünstigung.
B. Mit Verfügungen vom 12. Mai 2021, gleichentags mitgeteilt, lehnte die Staatsanwaltschaft die Wiederaufnahme des Strafverfahrens gegen D._ ab und erliess im Zusammenhang mit der Strafanzeige gegen B._ und C._ eine Nichtanhandnahmeverfügung.
C. Gegen die Nichtanhandnahmeverfügung reichte A._ am 25. Mai 2021 Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden ein. Da A._ mit derselben Eingabe auch Beschwerde gegen die Verfügung betreffend Ablehnung der Wiederaufnahme des Verfahrens gegen D._ erhob und in derselben Rechtsschrift ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege stellte, setzte ihr der Vorsitzende der II. Strafkammer des Kantonsgerichts Graubünden am 28. Mai 2021 Frist, um gegen die beiden angefochtenen Verfügungen je eine separate, materiell nicht ergänzte Eingabe sowie für jedes Verfahren ein separates Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege einzureichen.
D. Die separate Eingabe für das vorliegende Beschwerdeverfahren datiert vom 15. Juni 2021. Darin stellt A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) folgende Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden betreffend die Nichtanhandnahme der Strafanzeige gegen B._ und C._ betreffend Amtsmissbrauch und Begünstigung (EK.2020.6359) sei aufzuheben.
2. Die Staatsanwaltschaft Graubünden sei anzuweisen, der Strafanzeige gegen B._ sowie gegen C._ wegen Begünstigung stattzugeben und das diesbezügliche Strafuntersuchungsverfahren zu eröffnen.
3. Die Ausdehnung des Strafverfahrens auf andere Personen im Zusammenhang mit der Fürsorge von E._ bleibt vorbehalten, insbesondere:
 F._ als damaliger Leiter der KESB I._
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 G._ als damalige Beiständin (Vorgängerin im Amt von B._)
 H._ als Kindesvertreterin.
4. Der Beschwerdeführerin sei für kurze Zeit Einsicht in die Akten der Staatsanwaltschaft Graubünden im Verfahren EK.2020.6359 zu gewähren.
5. Der Beschwerdeführerin sei die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und es sei der unterzeichnende Rechtsanwalt als unentgeltlicher Rechtsbeistand einzusetzen.
6. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
7. Weitere Anträge bleiben vorbehalten.
E. Mit prozessleitender Verfügung vom 22. Juni 2021 wurde B._ (nachfolgend Beschwerdegegner) und C._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) Frist für die Einreichung einer Stellungnahme zur Beschwerde angesetzt. In der Folge beantragten beide je einzeln die Abnahme der Frist und deren Neuansetzung nach Vorliegen der Entscheide über die beantragte Entbindung vom Amtsgeheimnis. Mit Verfügungen vom 1. und 15. Juli 2021 wurde den Anträgen stattgegeben.
F. Am 30. Juni 2021 beantragte die Staatsanwaltschaft unter Hinweis auf die Erwägungen in der angefochtenen Nichtanhandnahmeverfügung die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Weiter brachte sie ergänzende Bemerkungen zur Beschwerdelegitimation an.
G. Am 12. Juli 2021 stellte der Beschwerdegegner verschiedene Editionsbegehren. Die Staatsanwaltschaft verzichtete am 16. Juli 2021 auf eine Stellungnahme. Mit Schreiben vom 23. Juli 2021 schloss sich die Beschwerdegegnerin den Editionsbegehren an. Sie stellte zudem Antrag, die beiden Beschwerdeverfahren SK2 21 39 und SK2 21 40 zu vereinen. Diesen Antrag zog sie am 10. September 2021 wieder zurück. Mit prozessleitender Verfügung vom 2. November 2021 hiess der Vorsitzende der II. Strafkammer des Kantonsgerichts die Editionsbegehren teilweise gut. Da in der Zwischenzeit die Entbindungen vom Amtsgeheimnis vorlagen, setzte er zudem dem Beschwerdegegner und der Beschwerdegegnerin Frist für die Einreichung einer Stellungnahme zur Beschwerde an.
H. Mit Schreiben vom 8. November 2021 trug die Beschwerdeführerin in rechtlicher Hinsicht völkerrechtliche Bestimmungen nach. Das Gericht eröffnete dem Beschwerdegegner und der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 10.
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November 2021 die Möglichkeit, sich innert der laufenden Frist zur Stellungnahme zur Beschwerde auch zu der Eingabe vom 8. November 2021 zu äussern.
Am 18. November 2021 reichte die Beschwerdeführerin einen Entscheid des Regionalgerichts Plessur vom 11. November 2021 i.S. E._ gegen D._ und A._ betreffend Erlass vorsorglicher Massnahmen/Kindesschutzmassnahmen etc. ein. Der Beschwerdegegner verzichtete mit Schreiben vom 15. Dezember 2021 auf eine Stellungnahme, die Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 16. Dezember 2021.
I. Mit Datum vom 2. Dezember 2021 reichte die Beschwerdegegnerin ihre Stellungnahme zur Beschwerde ein, mit welcher sie deren kostenfällige Abweisung verlangt, soweit auf sie eingetreten werden könne.
J. Die Stellungnahme des Beschwerdegegners datiert vom 6. Dezember 2021. Auch er beantragt die kostenfällige Abweisung der Beschwerde, soweit auf sie einzutreten sei.
K. Mit Datum vom 13. Januar 2022 reichte die Beschwerdeführerin ergänzende Bemerkungen zur Legitimation ein. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Beschwerdegegner verzichteten auf eine Stellungnahme, die Beschwerdegegnerin liess sich nicht vernehmen.
Erwägungen
1. Gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO in Verbindung mit Art. 322 Abs. 2 StPO und Art. 310 Abs. 2 StPO sowie Art. 22 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EGzStPO; BR 350.100) kann gegen Nichtanhandnahmeverfügungen der Staatsanwaltschaft beim Kantonsgericht von Graubünden Beschwerde geführt werden. Die Beschwerde ist innert zehn Tagen nach Mitteilung der Verfügung schriftlich und begründet einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Vorliegend ging die angefochtene Nichtanhandnahmeverfügung am 14. Mai 2021 dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin zu (act. E.1). Die Beschwerde erfolgte am 25. Mai 2021 (act. A.1) und damit – unter Berücksichtigung des Fristenlaufs an Feiertagen (Art. 90 Abs. 1 StPO) – fristgerecht.
2. Die Beschwerdeführerin erklärt in ihrer Eingabe vom 15. Juni 2021 die Beschwerdeschrift vom 25. Mai 2021 samt Beilagen zu einem integrierenden Bestandteil. Dazu ist festzuhalten, dass die Beschwerdeschrift vom 25. Mai 2021 gegen zwei in separaten Verfahren mit unterschiedlicher Verfahrensleitung
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ergangene Verfügungen der Staatsanwaltschaft gerichtet war, die voneinander abweichende Anordnungen beinhalteten, sich an ungleiche Parteien richteten und verschiedene Straftatbestände betrafen. Aus diesem Grund forderte der Vorsitzende der II. Strafkammer des Kantonsgerichts die Beschwerdeführerin am 28. Mai 2021 auf, gegen die beiden angefochtenen Verfügungen je eine separate Beschwerde einzureichen, wobei materielle Ergänzungen nicht statthaft seien (act. D.1). Dieser Aufforderung ist die Beschwerdeführerin für vorliegendes Verfahren mit ihrer Eingabe vom 15. Juni 2021 nachgekommen. Würde nun die Beschwerdeschrift vom 25. Mai 2021 der Intention der Beschwerdeführerin entsprechend als integrierender Bestandteil der Eingabe vom 15. Juni 2021 betrachtet, so käme dies einer Umgehung der Verfügung des Vorsitzenden der II. Strafkammer des Kantonsgerichts vom 28. Mai 2021 gleich. Das geht nicht an. Es ist zudem nicht am Gericht, die Eingabe vom 25. Mai 2021 aufzuschlüsseln und die verschiedenen Argumente den verschiedenen angefochtenen Verfügungen der Staatsanwaltschaft zuzuweisen beziehungsweise zu mutmassen, welche Argumente die Beschwerdeführerin gegen welche Verfügung vorbringen möchte. Es war vielmehr Sache der Beschwerdeführerin, für jede der angefochtenen Verfügungen genau anzugeben, welche Punkte sie anficht, aus welchen Gründen ein anderer Entscheid getroffen werden sollte und welche Beweise sie anruft (vgl. Art. 385 Abs. 1 StPO). Aufgabe der Beschwerdeführerin war es folglich, sämtliche in der Beschwerdeschrift vom 25. Mai 2021 enthaltenen Argumente in einer eigenen Rechtsschrift dem Gericht vorzulegen. Abzustellen ist daher auf die Eingabe vom 15. Juni 2021; einzig für die Fristwahrung ist die Beschwerde vom 25. Mai 2021 massgebend.
3. Fraglich und im Rahmen der Eintretensvoraussetzungen von Amtes wegen zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO zur vorliegenden Beschwerde legitimiert ist.
3.1. Die Beschwerdeführerin hat sich in ihrer Eingabe vom 13. Januar 2022 eingehend zur Frage ihrer Legitimation geäussert. Wie bereits festgestellt, ging die Nichtanhandnahmeverfügung dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin am 14. Mai 2021 zu. Die 10-tägige Rechtsmittelfrist war am 13. Januar 2022 längst abgelaufen. Die Eingabe kann daher höchstens als Replikschrift entgegengenommen werden. Ergänzungen der Beschwerde können in einer Replikschrift nur gemacht werden, wenn die Stellungnahme der Gegenpartei dazu Anlass gibt und die Anträge und Rügen nicht schon in der Beschwerde hätten vorgebracht werden können (vgl. BGer 1B_51/2019 v. 28.03.2019 E. 2; BGE 132 I 42 E. 3.3.4). Es ist fraglich, ob die Beschwerdeführerin ihre Ausführungen im
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Schreiben vom 13. Januar 2022 in einer Replikschrift noch vorbringen kann, stellt sie ihre Legitimation doch auf eine vollkommen neue Grundlage. Die Frage kann jedoch unbeantwortet bleiben, da die im Schreiben vom 13. Januar 2022 enthaltenen Argumente der Beschwerdeführerin ohnehin nicht zu überzeugen vermögen. Mit dieser Eingabe macht die Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin geltend, das Rechtsmittel namens und im Auftrag der Beschwerdeführerin in deren Funktion als gesetzliche Vertretung ihres Sohnes erhoben zu haben. Dies trifft offensichtlich nicht zu. Zum einen geht aus der Beschwerde selbst deutlich hervor, dass die Beschwerdeführerin diese in ihrem eigenen Namen erhoben hat. Es finden sich in der gesamten Beschwerde keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdeführerin in Vertretung ihres Sohnes gehandelt hätte. Insbesondere zeigen dies die Ausführungen zur Legitimation, die sich allein mit ihrer eigenen, originären Legitimation befassen. Noch deutlicher ergeht im Übrigen der Strafanzeige vom 6. November 2020, dass die Beschwerdeführerin einzig in ihrem eigenen Namen handelt, wollte sie doch nur sich selbst als Privatklägerin konstituieren und Forderungen, die sie allein betrafen, geltend machen (StA act. 1, S. 14 f. Ziff. 15 19, S. 16 Ziff. 4). Die Argumentation in der Eingabe vom 13. Januar 2022 findet in der Beschwerde keine Stütze und ist augenscheinlich eine reine Schutzbehauptung. Zum andern war die Ernennung eines Prozessbeistandes für E._, welche die Beschwerdeführerin in ihrer Eingabe vom 13. Januar 2022 thematisierte, weder im vorinstanzlichen noch im Beschwerdeverfahren notwendig, denn der zur Anzeige gebrachte Sachverhalt erfüllte von Anfang an und leicht erkennbar keinen Straftatbestand (vgl. nachfolgend Erwägung 4).
Die Beschwerdeführerin hat die Beschwerde in eigenem Namen erhoben. Im Folgenden ist daher zu prüfen, ob ihr die dafür notwendige Legitimation zukommt.
3.2. Zur Anfechtung einer Nichtanhandnahmeverfügung sind namentlich die Parteien legitimiert, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung eines Entscheids haben (Art. 322 Abs. 2 StPO, Art. 382 Abs. 1 StPO). Die Beschwerdelegitimation ist damit grundsätzlich den Parteien des Strafverfahrens vorbehalten, was neben der beschuldigten Person und der Staatsanwaltschaft namentlich auch die Privatklägerschaft ist (Art. 104 Abs. 1 StPO). Als Privatklägerschaft gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilklägerin oder -kläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1 StPO). Neben den Parteien gemäss Art. 104 StPO können auch andere Verfahrensbeteiligte im Sinne von Art. 105 StPO zur Beschwerde legitimiert sein, wenn sie in ihren Rechten unmittelbar betroffen sind und die
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Ergreifung eines Rechtsmittels ein zur Wahrung ihrer Interessen erforderliches Verfahrensrecht ist (Art. 105 Abs. 2 StPO). Die Beschwerdeführerin wäre damit zur Beschwerde legitimiert, wenn sie sich entweder als Privatklägerin konstituiert hätte bzw. konstituieren könnte oder als andere Verfahrensbeteiligte im Sinne von Art. 105 StPO unmittelbar betroffen wäre und die Ergreifung eines Rechtmittels ein zur Wahrung ihrer Interessen erforderliches Verfahrensrecht wäre.
3.3. Als andere Verfahrensbeteiligte nennt Art. 105 StPO unter anderem die Person, die Anzeige erstattet (lit. b). Die Beschwerdeführerin hat mit ihrer Eingabe vom 6. November 2020 Strafanzeige gegen den Beschwerdegegner und die Beschwerdegegnerin eingereicht. Aus der Stellung als Anzeigeerstatterin allein lässt sich jedoch keine Beschwerdelegitimation ableiten. Der Anzeigeerstatterin kommt lediglich ein Auskunfts- bzw. Informationsrecht über den weiteren Verfahrensverlauf zu. Darüber hinaus verfügt sie über keine weiteren Verfahrensrechte (vgl. Art. 301 Abs. 2 und 3 StPO). Die Anzeigeerstatterin wird daher durch eine Nichtanhandnahme nicht beschwert und hat kein rechtlich geschütztes Interesse an deren Anfechtung, da das Gesetz kein voraussetzungsloses Beschwerderecht vorsieht. Aus ihrer Stellung als Anzeigeerstatterin kann die Beschwerdeführerin mithin keine Legitimation zur Beschwerde ableiten.
3.4. Die Beschwerdeführerin wäre zur Beschwerde legitimiert, wenn sie sich rechtmässig als Privatklägerin konstituiert hätte bzw. konstituieren könnte. Dazu müsste sie zunächst geschädigte Person sein (Art. 118 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 115 StPO gilt als geschädigte Person, wer durch eine Straftat in seinen Rechten unmittelbar verletzt ist. Dies trifft nur auf den Träger des geschützten Rechtsgutes selbst zu, nicht auf allenfalls indirekt betroffene Angehörige (BGer 1B_82/2012 v. 02.04.2012 E. 2.3.2).
3.4.1. Geschütztes Rechtsgut bei der Begünstigung (Art. 305 StGB) ist das Funktionieren der Strafrechtspflege (BGer 6B_761/2016 v. 16.05.2017 E. 3.4.1). Es werden mithin keine individuellen Rechtsgüter geschützt. Die Beschwerdeführerin kann demzufolge durch eine Begünstigung nicht geschädigt werden, da sie nicht Trägerin des geschützten Rechtsguts sein kann. Bezüglich einer Begünstigung fehlt der Beschwerdeführerin somit die Legitimation (vgl. BGer 1C_661/2020 v. 15.04.2021 E. 4.1). Dasselbe würde im Übrigen für den Sohn der Beschwerdeführerin gelten, auch er wäre durch eine Begünstigung nicht geschädigt.
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3.4.2. Der Straftatbestand des Amtsmissbrauchs (Art. 312 StGB) schützt nebst öffentlichen Interessen sekundär auch das Interesse der Bürgerinnen und Bürger, nicht unkontrollierter sowie willkürlicher staatlicher Machtentfaltung ausgesetzt zu werden (BGE 127 IV 209 E. 1b; BGer 1C_661/2020 v. 15.04.2021 E. 4.1; BGer 6B_214/2019 v. 15.05.2019 E. 4.7). Praxisgemäss gelten bei Strafnormen, die nicht primär Individualrechtsgüter schützen, nur diejenigen Personen als Geschädigte, die durch die in der Strafnorm umschriebenen Tatbestände in ihren mitgeschützten Rechtsgütern beeinträchtigt werden, sofern diese Beeinträchtigung unmittelbare Folge der tatbestandsmässigen Handlung ist (BGer 1C_456/2021 v. 06.01.2022 E. 1.3). Gemäss Strafanzeige sollen der Beschwerdegegner und die Beschwerdegegnerin ihre Amtsgewalt missbraucht haben, indem sie keine Strafanzeige eingereicht haben, nachdem sie von den behaupteten sexuellen Handlungen mit einem Kind erfahren hatten. Wenn in dieser Konstellation überhaupt ein Individualrechtsgut geschützt wird, dann wäre dies die sexuelle Integrität des Sohnes der Beschwerdeführerin. Die Beschwerdeführerin ist nicht Trägerin des allenfalls geschützten Rechtsgutes und damit kann sie nicht in ihren individuellen Rechten verletzt sein. Folge davon ist, dass sie sich nicht als Privatklägerin konstituieren kann, weshalb ihr die Legitimation zur Beschwerde abgeht.
Ob der Sohn der Beschwerdeführerin zur Beschwerde legitimiert wäre, muss nicht näher untersucht werden, da die Beschwerdeführerin die Beschwerde in ihrem eigenen Namen erhoben hat (vgl. Erwägung 3.1). Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Strafanzeige ausdrücklich sich selbst als Privatklägerin konstituieren wollte, nicht jedoch ihren Sohn (StA act. 1, S. 16 Ziff. 4).
3.4.3. Zum selben Ergebnis gelangt man, wenn man davon ausgeht, dass es sich bei E._ um ein Opfer handelt (Art. 116 Abs. 1 StPO). Als Mutter stünden der Beschwerdeführerin dieselben Rechte zu wie dem Opfer, sofern sie Zivilansprüche geltend macht (Art. 117 Abs. 3 StPO). Die Beschwerdeführerin könnte sich somit als Privatklägerin konstituieren, wenn sie Zivilansprüche geltend machen könnte. Vorliegend würde sich ein Strafverfahren jedoch gegen einen Berufsbeistand und gegen das instruierende Mitglied der KESB richten. Bei beiden handelt es sich um im Dienste eines Gemeinwesens stehende Personen und die behauptete strafbare Tat wäre in Ausübung ihrer dienstlichen Tätigkeit geschehen. Damit wären Forderungen gegen beide im Staatshaftungsverfahren geltend zu machen (vgl. Art. 454 Abs. 3 ZGB, Art. 65 des Einführungsgesetzes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch [EGzZGB; BR 210.100], Art. 1 Abs. 1 lit. c des
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Gesetzes über die Staatshaftung [SHG, BR 170.050]). Der Beschwerdeführerin würden folglich keine Zivilforderungen gegen den Beschwerdegegner und die Beschwerdegegnerin zustehen, weshalb sie sich nicht als Privatklägerin konstituieren könnte (vgl. dazu BGer 6B_848/2021 v. 06.09.2021 E. 2). Aus diesem Grund kann offen bleiben, ob E._ als Opfer zu qualifizieren wäre. Die Beschwerdeführerin könnte sich so oder anders nicht als Privatklägerin konstituieren, weshalb sie zur Beschwerde nicht legitimiert ist.

## Considerations