# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** df32861f-e5da-5b2e-80a0-a6b3ed023e23
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2007
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Am 14. August 2000 beantragte die Gemeinde A._ eine
Geschwindigkeitsbeschränkung von 60 km/h auf der Kantonsstrasse Nr. C._
zwischen den Ortstafeln A._ und D._. Das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt (SVSA) überprüfte die Situation und teilte der Gemeinde A._
am 9. Oktober 2000 mit, die Voraussetzungen für die Herabsetzung der
Höchstgeschwindigkeit seien weder von der Situation, noch aufgrund des
Unfallgeschehens oder des Fahrverhaltens erfüllt.
Gestützt auf ein Gesuch von Anwohnern überprüfte das SVSA die Situation im
September 2004 erneut und erstellte ein Gutachten. Es kam erneut zum Ergebnis,
dass eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit nicht gerechtfertigt sei. Es stellte
2
aber in Aussicht, die Situation nach Vollendung der Überbauung der Zone mit
Planungspflicht (ZPP) B (Überbauung E._) zu überprüfen.
2. Mit einer Gesetzesänderung1 wurde der Aufgabenbereich „Signalisation und
Markierung“ per 1. Januar 2005 vom SVSA auf das Tiefbauamt (TBA) übertragen.
Am 19. April 2006 ersuchte die Gemeinde A._ das TBA um erneute
Überprüfung der Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf der Kantonsstrasse Nr.
C._ im Bereich E._ ab Einmündung Strasse „F._“ von 80
km/h auf 50 km/h. In diesem Fall könnte bei der Überbauung E._ auf eine
Lärmschutzwand verzichtet werden. Das TBA teilte der Gemeinde am 22. Mai 2006
mit, die Überbauung E._ wirke wohl als dichte Bebauung, sei jedoch tiefer als
die Kantonsstrasse gelegen und circa 12 m davon entfernt. Die einzelnen Gebäude
seien rückwärtig erschlossen. Bei einer Geschwindigkeitsreduktion würden die
Planungswerte der Empfindlichkeitsstufen II und III weiterhin überschritten. Auf Grund
dieser Beurteilung seien die Voraussetzungen für eine Reduktion der Geschwindigkeit
von 80 km/h auf 50 km/h nicht gegeben. Aus verkehrstechnischer Sicht sei eine
Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf 60 km/h im Hinblick auf die Überbauung
sinnvoll. So könne der veränderten Situation in der E._ genügend Rechnung
getragen werden. Sobald der Rohbau der neuen Überbauung vollendet sei, würde es
die neue Höchstgeschwindigkeit verfügen und signalisieren.
Auf Wunsch der Gemeinde A._ fand ein Augenschein statt. Im Anschluss
daran teilte sie dem TBA mit, es müsse vermieden werden, dass bei der Überbauung
E._ eine sehr hohe und 120 m lange Lärmschutzwand erstellt werden müsse.
Das TBA vertrat die Auffassung, aus Gründen des Lärmschutzes sei eine
Herabsetzung der Geschwindigkeit von 60 km/h auf 50 km/h nicht zwingend
notwendig, da dies nur eine Lärmverminderung von 1.2 dB(A) bewirke. Mit einer
Lärmschutzwand würden die geplanten Gebäude besser geschützt. Die Gemeinde
A._ war mit der Antwort nicht einverstanden und bat das TBA, den Entscheid
in Form einer Verfügung zu eröffnen. Mit Verfügung vom 4. September 2006 lehnte
das TBA das Gesuch der Gemeinde A._ vom 19. April 2006 ab.
1 Gesetz über die Umsetzung der SAR-Massnahmen im Zuständigkeitsbereich der BVE vom 19. April 2004 (BAG 04 – 72)
3
3. Gegen diese Verfügung erhob die Gemeinde A._ am 26. September
2006 bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) Beschwerde. Sie stellt
folgende Anträge:
«1. Die Verfügung des OIK II vom 4. September 2006 sei aufzuheben und die verfügte Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h auf dem besagten Staatsstrassenteilstück sei auf 50 km/h herabzusetzen.
2. Die Reduktion der signalisierten Höchstgeschwindigkeit gemäss Ziff. 1 hiervor sei auf den Zeitpunkt des Baubeginns der Realisierung der Ueberbauung E._ in Kraft zu setzen.
3. Die Reduktion der signalisierten Höchstgeschwindigkeit gemäss Ziff. 1 hiervor sei bereits jetzt auf den Zeitpunkt gemäss Ziff. 2 zu verfügen.»
Zur Begründung führt sie aus, mit der Realisierung der Überbauung E._
entstehe ein zusammenhängend bebautes Gebiet. Daher sei die
Höchstgeschwindigkeit 50 km/h die richtige Limite. In einer vergleichbaren Situation an
der G._strasse in Belp habe der Kanton eine Höchstgeschwindigkeit von 50
km/h verfügt. Eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h sei unter den Gesichtspunkten
der Verkehrssicherheit und des Lärmschutzes richtig.
4. In seiner Stellungnahme vom 16. November 2006 erläutert das TBA, unter
welchen Voraussetzungen die vom Bundesrat festgesetzte Höchstgeschwindigkeit für
bestimmte Strassenstrecken verändert werden kann. Das erforderliche Gutachten sei
für die aktuelle Situation erstellt worden. Künftig werde wohl die Höchstgeschwindigkeit
60 km/h die richtige Geschwindigkeit sein. Sobald die Überbauung E._ im
Rohbau vollendet sei, werde es die Situation überprüfen und anschliessend die
verhältnismässige Höchstgeschwindigkeit verfügen, publizieren und signalisieren. Es
könne nicht von einem zusammenhängend bebauten Gebiet gesprochen werden. Die
Lärmbeurteilung zeige, dass bei den geplanten Gebäuden in der Überbauung
E._ die Planungswerte der Empfindlichkeitsstufen II und III überschritten
würden. Daran ändere eine Geschwindigkeitsreduktion auf 50 km/h nichts.
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5. Das Rechtsamt der BVE, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2,
führte den Schriftenwechsel durch und edierte die Vorakten. Es führte am 7. März
2007 einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung durch. Die Verfahrensbeteiligten
erhielten anschliessend die Gelegenheit, Schlussbemerkungen einzureichen.
6. Auf die Rechtsschriften und das Ergebnis des Beweisverfahrens wird, soweit für
den Entscheid von Belang, in den Erwägungen zurückzukommen sein.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Die BVE prüft die Prozessvoraussetzungen von Amtes wegen. Die Verfügung des Oberingenieurkreises II des TBA kann gestützt auf Art. 62 Abs. 1 Bst. a in
Verbindung mit Art. 67 VRPG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der
BVE angefochten werden. Nach Art. 3 Abs. 4 SVG4 sind Gemeinden zur Beschwerde
berechtigt, wenn Verkehrsmassnahmen auf ihrem Gebiet angeordnet werden. Die
Beschwerdeführerin ist also zur Beschwerde legitimiert und hat ein schutzwürdiges
Interesse im Sinne von Art. 65 Bst. a VRPG an der Aufhebung oder Änderung der
angefochtenen Verfügung. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
daher einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin macht geltend, mit der Realisierung der Überbauung
E._ südlich der Parzelle Nr. B._ werde bis zum heutigen Standort der
Ortstafel A._ ein zusammenhängend bebautes Gebiet entstehen. Damit
werde das Strassenteilstück zwischen der Ortstafel A._ und der Einmündung
„F._“ einseitig an dicht bebautes Gebiet im Sinne von Art. 22 Abs. 3 SSV5
grenzen, was eine Festlegung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit zwischen A._ und D._ auf 50 km/h rechtfertige. Zudem verweist die
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 155.221.191) 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 Strassenverkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01) 5 Signalisationsverordnung vom 5. September 1979 (SR 741.21)
5
Beschwerdeführerin auf die Situation an der G._ in Belp und fordert eine
einheitliche Behandlung. Diese sei über eine Länge von rund 600 m einseitig dicht
bebaut, weshalb der Kanton die Situation als innerorts betrachtet habe und die
Geschwindigkeit dementsprechend auf 50 km/h beschränkt habe. Ausserdem sei das
hier in Frage stehende Strassenteilstück, im Gegensatz zur Situation in Belp, durch die
hangseitige Gebäudegruppe „H._“ beidseitig bebaut.
a) Gemäss Art. 32 Abs. 2 SVG ist es Aufgabe des Bundesrates, die
Geschwindigkeit der Motorfahrzeuge auf allen Strassen zu beschränken. In Art. 4a
VRV6 findet sich die Grundregel für die Festlegung der allgemeinen
Höchstgeschwindigkeiten. So beträgt die allgemeine Höchstgeschwindigkeit unter
günstigen Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen 50 km/h in Ortschaften (Abs. 1
Bst. a) und 80 km/h ausserhalb von Ortschaften, ausgenommen auf Autobahnen (Abs.
1 Bst. b). Das Signal „50 generell“ muss dort angebracht werden, wo die dichte
Überbauung auf einer der beiden Strassenseiten beginnt (Art. 22 Abs. 3 SSV). Bei der
Beurteilung, ob sich eine Strasse in dicht bebautem Gebiet einer Ortschaft befindet, ist
nicht bloss auf ein kurzes Teilstück abzustellen, sondern auf das ganze umliegende
Gebiet.7
b) Das TBA kommt in seinem Gutachten zum Schluss, dass die Kantonsstrasse auf
der Höhe der Überbauung E._ an eine kurze, dichte Bebauung grenze. Diese
sei jedoch rückwärtig durch Quer- und Erschliessungsstrassen erschlossen.
Ausserdem liege deren Lage deutlich unter dem Fahrbahnniveau und weise einen
erheblichen Abstand von rund 12 m zur Kantonsstrasse auf. Hinzu komme, dass im
fraglichen Strassenteilstück zwischen den Ortschaften A._ und D._
Bebauungslücken vorhanden seien. Im Sinne einer umfassenden Situationsbeurteilung
könne demnach nicht von einem zusammenhängend bebauten Gebiet im Sinne von
Art. 22 Abs. 3 SSV gesprochen werden, weshalb die Kantonsstrasse auf besagter
Strecke auch nach der Überbauung weiterhin durch unbebautes Ausserortsgebiet
führen werde.
c) Anlässlich des Augenscheins konnte sich die BVE von der Richtigkeit der
umsichtigen und differenzierten Ausführungen des TBA überzeugen. Die Beurteilung,
6 Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV; SR 741.11) 7 BGE 127 IV 229 E. 3 b
6
ob die umliegende Bebauung eines Strassenteilstücks Innerorts- oder
Ausserortscharakter aufweist, erfolgt unter Berücksichtigung des gesamten
umliegenden Gebiets. Die Überbauung E._ weist einen relativ grossen
Abstand zur Kantonsstrasse auf. Ausserdem liegt sie unter dem Strassenniveau und
wird rückwärtig erschlossen. Unter Berücksichtigung dieser Umstände wird das
Gesamtbild des fraglichen Gebiets auch nach Vollendung der Überbauung
E._ als Ausserortsgebiet lesbar sein.
Der Einwand der Beschwerdeführerin, die Situation sei vergleichbar mit derjenigen an
der G._ in Belp, ist nicht schlüssig. Das TBA hat anlässlich des Augenscheins
überzeugend dargelegt, dass sich die Situation auf der G._ grundsätzlich
anders präsentiert und daher einer unterschiedlichen Beurteilung bedarf. Insbesondere
weisen die Gebäude dort einen geringeren Strassenabstand auf und werden direkt von
der Kantonsstrasse her erschlossen.
Aus diesen Erwägungen folgt, dass sich das fragliche Strassenstück nicht in dicht
bebautem Gebiet einer Ortschaft befindet. Die allgemeine Höchstgeschwindigkeit ist
daher nicht 50 km/h, sondern 80 km/h.
3. Die Beschwerdeführerin macht geltend, eine Herabsetzung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit dränge sich bereits aufgrund der fehlenden Verkehrssicherheit auf. Im Hinblick auf die Überbauung E._ rechtfertige es
sich des Weiteren auch aufgrund der Lärmimmissionen die Höchstgeschwindigkeit auf
50 km/h herabzusetzen.
a) Gemäss Art. 108 Abs. 1 SSV kann die Behörde für bestimmte Strassenstrecken
Abweichungen von den allgemeinen Höchstgeschwindigkeiten (Art. 4a VRV)
anordnen. Die allgemeinen Höchstgeschwindigkeiten können nach Art. 108 Abs. 2
SSV herabgesetzt werden, wenn eine Gefahr nur schwer oder nicht rechtzeitig
erkennbar und anders nicht zu beheben ist (Bst. a), bestimmte Strassenbenützer eines
besonderen, nicht anders zu erreichenden Schutzes bedürfen (Bst. b), auf Strecken
mit grosser Verkehrsbelastung der Verkehrsablauf verbessert werden kann (Bst. c)
oder dadurch eine im Sinne der Umweltschutzgesetzgebung übermässige
Umweltbelastung (Lärm, Schadstoffe) vermindert werden kann, wobei der Grundsatz
7
der Verhältnismässigkeit zu wahren ist (Bst. d). Art. 32 Abs. 3 SVG schreibt vor, dass
vor einer Geschwindigkeitsherabsetzung ein Gutachten erstellt werden muss. Darin
wird abgeklärt, ob die Massnahme nötig, zweckmässig und verhältnismässig ist oder
ob andere Massnahmen vorzuziehen sind (Art. 108 Abs. 4 SSV). Die Anordnung
tieferer als der vom Bundesrat festgesetzten Höchstgeschwindigkeiten ist nur zulässig,
wenn sie aus einem der in Art. 108 Abs. 2 SSV aufgezählten Gründe erforderlich ist.8
Im vorliegenden Fall geht es weder um besonders schutzbedürftige
Strassenbenützerinnen und -benützer noch soll der Verkehrsablauf verbessert werden.
Eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit gestützt auf Art. 108 Abs. 2 Bst. b und
c SSV fällt daher im vorliegenden Fall ausser Betracht.
b) Es ist zu prüfen, ob auf der fraglichen Strassenstrecke eine Gefahr nur schwer
oder nicht rechtzeitig erkennbar ist, und ob das nicht anders als mit einer
Herabsetzung der allgemeinen Höchstgeschwindigkeit behoben werden kann (Art. 108
Abs. 2 Bst. a SSV).
Die Beschwerdeführerin bemängelt, dass das Einbiegen von der Einmündungsstrasse
„F._“ auf die Kantonsstrasse durch die hohe Geschwindigkeitslimite erheblich
erschwert werde. Besonders die Anpassung an die Geschwindigkeit des
Durchgangsverkehrs erweise sich als sehr schwierig. Hinzu komme, dass die Einfahrt
sehr unübersichtlich sei. Ausserdem stehe auf der gegenüberliegenden Strassenseite
der Bauernhof „H._“, welcher durch zwei spitzwinklig angeordnete Zufahrten
erschlossen sei. Die hohe Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Kantonsstrasse stelle
demnach auch für die Landwirtschaftsfahrzeuge des Bauernhauses eine grosse
Gefahr dar. Schliesslich seien die Verkehrsteilnehmer beim Fussgängerstreifen noch
viel zu schnell unterwegs, was mit der Sicherheit der Fussgänger nicht zu vereinbaren
sei.
Das TBA kommt zum Ergebnis, dass die fragliche Strecke keine nicht schwer
erkennbaren Gefahrenstellen aufweise. Die mögliche Gefahrensituation beim
Fussgängerstreifen werde im Hinblick auf die geplante Überbauung durch eine
Mittelinsel entschärft. Die Einmündung „F._“ habe ausserdem unfalltechnisch
8 René Schaffhauser, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I, N. 64
8
nie ein Problem dargestellt. Für Fahrzeuge, die in die Kantonsstrasse einbiegen
wollen, sei die Sichtweite bei der Ausfahrt zwar mangelhaft. Dem könne jedoch mit der
geplanten Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h und dem Zurückschneiden der
Vegetation genügend Rechnung getragen werden.
Anlässlich des Augenscheins konnte sich die BVE von diesem Sachverhalt
überzeugen. Die Kantonsstrasse erscheint übersichtlich und ihr Verlauf ist erkenn- und
erfassbar. Aus den Akten ergibt sich zudem, dass sich auf der fraglichen
Ausserortsstrecke seit dem 1. Januar 1995 kein polizeilich registrierter Verkehrsunfall
ereignet hat. Auch das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass keine schwere, nicht
rechtzeitig erkennbare und nicht anders zu behebende Gefahr vorhanden ist. Dem
Begehren der Gemeinde A._ auf Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit
auf der Kantonsstrasse auf 50 km/h aufgrund mangelnder Verkehrssicherheit im Sinne
von Art. 108 Abs. 1 Bst. a SSV kann aus diesen Gründen nicht stattgegeben werden.
c) Es ist weiter zu prüfen, ob eine Herabsetzung auf die gewünschte
Höchstgeschwindigkeit aus Lärmschutzgründen angezeigt ist. Gemäss Art. 108 Abs. 2
Bst. d SSV kann die allgemeine Höchstgeschwindigkeit namentlich dann herabgesetzt
werden, wenn dadurch eine übermässige Umweltbelastung (Lärm, Schadstoffe) im
Sinne der Umweltschutzgesetzgebung erheblich vermindert werden kann. Dabei ist
der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu wahren. Vor der Festlegung einer
abweichenden Höchstgeschwindigkeit ist demnach mit einem Gutachten abzuklären,
ob die Massnahme nötig, zweck- sowie verhältnismässig ist oder ob andere
Massnahmen angezeigt sind (Art. 108 Abs. 4 SSV). Die Praxis hat bei der Prüfung der
Verhältnismässigkeit bisher einen strengen Massstab angelegt.9 Vor einer Änderung
der Höchstgeschwindigkeit müssen andere geeignete Massnahmen überprüft werden.
Sind diese undurchführbar oder unverhältnismässig, kommt eine Herabsetzung der
Höchstgeschwindigkeit in Frage, sofern dadurch eine erhebliche Verminderung der
Umweltbelastung erzielt werden kann.10
Im Rahmen der Genehmigung der Überbauungsordnung E._ mit Strassenplan
beurteilte das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) das fragliche Gebiet als
eine bestehende, noch nicht erschlossene Bauzone. Das hatte zur Folge, dass die
9 Schaffhauser, a.a.O. N. 56 und 58 mit weiteren Hinweisen 10 VPB 59.63 E. 7 b
9
Erschliessung dieser Zone nur dann erlaubt war, wenn durch planerische,
gestalterische oder bauliche Massnahme die Einhaltung der Planungswerte
sichergestellt werden konnte (Art. 24 Abs. 2 USG11, Art. 30 LSV12).
Lärmschutzgutachten vom 14. Februar und vom 12. Juni 2006 ergaben, dass die
geforderten Planungswerte mit planerischen (Umzonung in eine Wohn- und
Gewerbezone mit Empfindlichkeitsstufe III), baulichen (Lärmschutzwand) und
gestalterischen (Belüftung durch Dachlukarnen) Massnahmen eingehalten werden
können. Die Beschwerdeführerin beschloss daher eine geringfügige Änderung von Art.
28 GBR13 und ergänzte die Vorschriften zur ÜO E._14 mit Massnahmen zur
Einhaltung der Planungswerte. Mit Verfügung vom 13. April 2007 genehmigte das
AGR diese Gemeindebeschlüsse. Die Kosten der Massnahmen nach Art. 24 USG sind
grundsätzlich von den betroffenen Eigentümerinnen und Eigentümern zu tragen.15
Daraus folgt, dass die Einhaltung der Planungswerte mit anderen Massnahmen als der
Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h erreicht werden kann (und
muss). Andernfalls hätte die Erschliessung der ÜO E._ nicht bewilligt werden
dürfen, was zur Folge gehabt hätte, dass der Perimeter der ZPP B nicht überbaut
werden könnte. Das TBA hat eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf
60 km/h in Aussicht gestellt. Es wird diese zu gegebener Zeit verfügen und publizieren.
Eine weiter gehende Temporeduktion ist nicht erforderlich. Sie würde zudem bloss zu
einer geringen Verminderung der Lärmbelastung führen. Dem Begehren der
Gemeinde A._ auf Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf der
Kantonsstrasse auf 50 km/h aufgrund der Lärmsituation kann aus diesen Gründen
nicht stattgegeben werden.
4. Zusammenfassend steht fest, dass sich das fragliche Strassenstück nicht in dicht bebautem Gebiet einer Ortschaft befindet. Die allgemeine Höchstgeschwindigkeit
ist daher nicht 50 km/h, sondern 80 km/h. Es liegen keine Gründe für die
Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf 50 km/h vor. Die Beschwerde
ist daher vollumfänglich abzuweisen.
11 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 12 Lärmschutz-Verordnung vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 13 Baureglement der Einwohnergemeinde A._ vom 29. April 2002, vom AGR genehmigt mit Verfügung vom 4. November 2002 (GBR) 14 Überbauungsordnung E._ vom 2. November 2005, 21. September 2006 und 15. März 2007, vom AGR genehmigt mit Verfügung vom 13. April 2007 (ÜO E._) 15 Wolf, in Kommentar USG, 2000, Art. 24 N. 43
10
5. Gestützt auf Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten grundsätzlich der unterliegenden Partei auferlegt. Gemeinden werden Verfahrenskosten indessen
nur dann auferlegt, wenn sie in ihren Vermögensinteressen betroffen sind (Art. 108
Abs. 2 in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 Bst. c VRPG), was vorliegend nicht der Fall ist.
Es werden daher keine Verfahrenskosten erhoben. Parteikosten sind keine zu
sprechen (Art. 104 Abs. 3 VRPG).