# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e8ced626-1aea-4b1b-b5ef-c5b02ac92f62
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1956, verfügt über keine Berufsausbildung
(
Urk.
7/7/4). Er war seit seiner Einreise in die Schweiz 1978 (
Urk.
7/7/1) als Maurer tätig.
Nach
einem Sturz aus mehreren Metern Höhe am 1
4.
Dezember
2012
(
Urk.
7/12/
3)
nahm er keine Arbeitstätigkeit mehr auf
(
Urk.
7/17/2)
.
Indes war er nach Auflösung seines Arbeitsverhältnisses durch die Arbeitgeberin per Dezember 2014 (
Urk.
7/38) beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) gemeldet (
Urk.
7/40). Im Übrigen absolvierte er i
m August/September 2013
eine
stationäre Rehabilitation
in der
Klinik Y._
(
Urk.
7/12/109) und
steht seither in ambulanter psychiatrischer Behandlung
in der
Z._ (
Urk.
7/27/2).
1.2
Der Unfallversicherer meldete
den Versicherten
im Januar 2
014
unter Beilage eine
s
Anmeldeformulars (
Urk.
7/7)
und
seiner Akten (
Urk.
7/12)
bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
(nachfolgend: IV-Stelle)
,
zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/11). Diese holte einen Auszug aus dem Individu
ellen Konto (
Urk.
7/15) sowie Berichte bei der Arbeitgeberin (
Urk.
7/17)
,
beim
Hausarzt (
Urk.
7/18
und
7/25
, beigelegt weitere Arztberichte
),
beim
A._ (
Urk.
7/21)
und
bei
der
Z._
(
Urk.
7/27)
ein. Inzwischen liess der Unfallversicherer
ihr erneut
A
kten
(
Urk.
7/29)
und
ebenso
seine Verfügung vom 2
6.
November 2014
zukommen, mit
welcher
er dem Versicherten eine
Rente bei einem Invaliditätsgrad von 31
%
ab November 2014 sowie eine Integritätsentschädigung bei e
iner Integritätseinbusse von 10
%
zusprach
(
Urk.
7/31
; später bestätigt
mit
Einspracheentscheid
vom 15.
April
2015,
Urk.
7
/43
).
1.3
Gestützt auf die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 1
7.
Oktober 2014 (
Urk.
7/45/4 f.) kündigte die IV-Stelle dem Versicherten mit
Vorbescheid vom 2
7.
Mai
2015 an, einen Rentenanspruch zu verneinen (
Urk.
7/46
). Dagegen erhob dieser am 2
1.
August
2015 Einwand (
Urk.
7/49).
Infolgedessen
nahm die IV-Stelle im November 2015 eine berufliche Eingliede
rung an die Hand (
Urk.
7/50)
, teilte
dem Versicherten
jedoch bereits
am
8
.
Februar 2016
mit, Eingliederungsmassnahme
n
seien nicht mehr nötig, nach
de
m er sich per März 2016 frühpensionieren lasse (
Urk.
7/60; vgl. auch
Urk.
7/53
,
7/58
und
7/61/2)
. Die IV-Stelle holte eine
letzte
Stellungnahme des
RAD ein (
Urk.
7/62/2) und verneinte
schliesslich mit Verfügung vom 23.
Februar
2016 einen Rentenanspruch des Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 26
%
(
Urk.
7/63).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob der Versicherte mit Eingabe vom
8.
April 2016
Beschwerde und beantragte, ihm ab
1.
Juli 2014 eine
ganze Invalidenrente, ev
en
tualiter eine
Viertelsrente
zuzusprechen (
Urk.
1).
Die IV-Stelle beantragte mit der Beschwerdeantwort vom 2
0.
Mai
2016
die
teilweise Gutheissung der Be
schwerde
im Sinne einer Rückweisung der Sache
zur weiteren medizinischen Abklärung
(
Urk.
6)
. In seiner Stellungnahme vom
6.
Juni 2016 erklärte sich der Beschwerdeführer mit der Rückweisung einverstanden (
Urk.
11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können,
sind
Verwaltung und Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig
ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Schliesslich kann das Gericht die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da
diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die
Rechtsmitte
l
instanz
den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung ab
gelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2). Ei
ne Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt
ferner
möglich, wenn sie allein in der notwen
digen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, es würden keine unfallfremden Einschränkungen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit
vorliegen
.
Der Beschwerdeführer sei in mittelschwe
ren Tätigkeiten wie
Montage-
/
Fertigungsarbeiten oder Sortier-
/
Kontrollarbeiten an Maschinen zu 100
%
arbeitsfähig. Für de
n Einkommensvergleich übernehme
man das
Vali
deneinkommen
von
Fr.
88‘400
.–
gemäss Unfallversicherer, für das
Invalidenein
kommen
ergebe sich gestützt auf die LSE (
Ausgabe
2015),
Tabelle 1,
Ziff.
5-96,
Anforderungsniveau 1
für das Jahr
2013 ein Betrag von Fr.
65‘698.5
0.
Ein Leidensabzug für
die
invaliditätsfremde
n
Einschränkungen rechtfertige sich nicht, so dass ein Invaliditätsgrad von 26
%
resultiere
(
Urk.
2).
2.2
Dem hielt der Beschwerdeführer entgegen,
zusätzlich zu den vom
Kreisarzt der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva)
festgestellten Einschränkun
gen
infolge der somatischen
S
chädigungen
habe sich eine Anpassungsstörung mit reaktiv-depressiver und
psychotraumatologischer
S
ymptomatik entwickelt, welche sich
trotz konsequenter fachmännischer Therapie und Medikation zu
einer mittelgradigen Depression weiterentwickelt
habe
. Es komme neu eine kog
nitive Störung bei
Leukoenzephalopathie
hinzu. Aufgrund der Antriebsarmut, Af
fektstörung
,
Konzentrations-
und
Kurzzeitgedächtnisstörungen betrage die Arbeitsfähigkeit in
einer
angepasste
n
Tä
tigkeit nicht mehr verwertbare 20 bis 25
%
. Dabei sei ausgewiesen, dass die psychische Einschränkung sei
t
Jahren andauere und nicht verbesserungsfähig sei.
Eventualiter
sei
ein Leidensabzug von 20
%
gerechtfertigt. So sei er
aufgrund seines fortgeschrittenen Alters, der langen Tätigkeit als Bauarbeiter
sowie
der
psychischen und kognitiven Defizite zu wenig flexibel für eine berufliche Umstellung. Hinzu kämen das einge
schränkte Belastungsprofil, der Ausländ
erstatus und die Sprachprobleme (
Urk.
1).
2.3
In der Beschwerdeantwort beantragt die
Beschwerdegegnerin eine Rückweisung der Sache zur Durchführung einer psychiatrischen-neuropsychologischen Be
gutachtung im Hinblick auf die kognitive Störung (
Urk.
6). Der Beschwerde
führer erklärte sich mit der Rückweisung und neuropsychologischen Abklärung einverstanden (
Urk.
11).
3.
3.1
Einigkeit besteht zwischen den Parteien
grundsätzlich
bezüglich der
Beurteilung der
somatischen Beschwerden
. Allerdings verweist der Beschwerdeführer konk
ret auf den
letzten
kreisärztlichen Bericht vom 1
1.
November 2014 (
Urk.
1 S. 3),
während die
Beschwerdegeg
nerin lediglich erwog, man koordiniere mit dem Unfallversicherer
(
Urk.
2 S.
2)
, ohne vorerwähnten Bericht beizuziehen und
folglich
das darin
im Detail
definierte
Belastungsprofil in der angefoc
htenen Verfügung z
u
berücksichtigen.
3.2
Dem Bericht zur kreisärztlichen Abschlussuntersuchung vom 1
8.
August 2014
von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie, ist jedenfalls zu entnehmen, objekti
v feststellbar seien eine leichte ventrale Sinterung des L
WK
1, eine leicht einge
schränkte Beweglichkeit im Brust-/Lendenwirbelsäulenbereich sowie
paraverte
brale
Muskelverspannungen im Bereich der Lendenwirbelsäule, im
thorakolum
balen
Übergang sowie
in
der Brustwirbelsäule. Ferner betonte
Dr.
B._
Inkon
sistenzen bei der Untersuchung und illustrierte diese schlüssig mit zwei Bei
spielen. So wies er darauf hin, dass trotz des demonstrierten Schonverhaltens bezüglich des rechten Beines keine muskulären Hypotrophien nachzuweisen seien und der
Langsitz
in 90°-Position möglich sei bei einem Winkel von
60° im
Lasè
gue
-Test. Die Tätigkeit als Mau
rer sei nicht mehr zumutbar, im Übrigen sei weiterhin auf das von der
Y._
erstellte Belastungsprofil abzustellen
(
Urk.
7/29/214 f.
).
Die natürliche Kausalität zwischen Unfallereignis und
Leistenhernie
bezeichnete
Dr.
B._
bereits i
n
seiner
Aktenbeurteilung vom 1
5.
Januar 2014 nur
als
möglich (
Urk.
7/29/158).
Diese blieb von ihm somit un
berücksichtigt, wurde im März 2014
indes auch
operiert
(
Urk.
9/29/224 ff.).
A
us dem
E
inspracheentscheid
des
Unfallv
ersich
erers vom 2
4.
April 2015 ergibt sich
ferner, dass
Dr.
B._
in seiner präzisierenden Beurteilung vom 1
1.
Novem
ber 2014
davon
ausging, dass
aus somatischer Sicht
eine mittelschwere, wechsel
belastende Tätigkeit ohne repetitive Rotationsbewegungen des Oberkörpers noch zumutbar wäre. Zu vermeiden seien Zwangshaltungen wie das Arbeiten in vornübergebeugter Position. Das Heben und Tragen von Lasten soll
t
e
n
körper
nah
erfolgen. Ebenfalls vermieden werden sollten unerwartete asymmetrische Lasteinwirkungen (
Urk.
7/43/4)
.
3.3
Die Befunde stehen im Einklang mit den radiologischen Berichten des Jahres
2013 (
Urk.
7/29/70
minimal progrediente Verformung LWK1, diverse
Diskuspro
trusionen
ohne Affektion neuronaler Strukturen, im Abbau befindlicher
Band
scheibensequester
auf Höhe LWK4, diverse höhengeminderte und dehydrierte Bandscheiben;
Urk.
8/
29/113
keine Fraktur mehr in der
Beckenübersichtsauf
nahme
).
Des Weiteren hatten die Fachleute der
Y._
bereits im Bericht
vom 1
6.
September 2013 – unter Einbez
ug eines neurologischen (
Urk.
7/29/108 ff.
)
und eines psychosomatischen (
Urk.
7/29/97
ff.
) Konsiliums sowie nach fünf
wöchiger Beobachtung – festgestellt, dass man gesamthaft betrachtet die aktu
ellen Beschwerden und Funktionseinschränkungen aufgrund der Diagnosen sowie
der klinischen und radiologischen Befunde nicht gänzlich erklären könne. (
Urk.
7/29/114
; vgl. auch
Urk.
7/29/120 f.).
Die Tätigkeit als Maurer erachteten sie wie
Dr.
B._
als nicht mehr zumutbar, da diese ganztags stehend/gehend ausgeübt werde und wiederholt mit schweren Lasten zu hantieren sei. Ganztags zumutbar sei eine leichtere Verweistätigkeit z.B. im betriebseigenen Magazin. Eine leidensangepasste Tätigkeit, d.h. eine mittelschwere Arbeit, sei ganztags zumutbar. Werde auch die Leistenhernie berücksichtigt, sei
„
derzeit
“
höchstens eine leichte bis mittelschwere Arbeit ganztags zumutbar (
Urk.
7/29/113
).
3.
4
Die fachärztlichen Beurteilungen des aus somatischer Sicht zumutbaren
Belas
tungsprofils
und Arbeitspensums stimmen im Wesentlichen überein.
Es bestehen
somit keine Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der kreisärztlichen Feststellungen, weshalb darauf abzustellen ist (vgl. zum Beweiswert
versiche
rungsinterner
Berichte
auch
BGE 135 V 465).
4.
4.1
Hinsichtlich
der
weiteren
Beschwerden wurde im psychosomatischen Konsilium der
Y._
vom
6.
September 2013 eine Anpassungsstörung mit
reaktiver-depressiver und
psychotra
umatologischer
Symptomatik (ICD-
10: F43
.28) diagnostiziert.
E
s habe sich im Verlauf nach dem Unfall eine reaktiv-depressive Symptomatik eingestellt mit Bedrücktheit, Reizbarkeit, Gedankenkreisen, Vergesslichkeit, Antriebsminderung und quälenden Schlafstörungen. Es kämen vereinzelte
psychotraumatologische
Symptome mit gelegentlichen Intrusionen (Unfallträume, bildhafte Nachhallerinnerungen) hinzu, die aber nicht das Ausmass einer posttraumatischen Belastungsstörung annehmen würden. Der Leidensdruck werde vor allem dadurch generiert, dass der Beschwerdeführer seine Lebenspläne durchkreuzt s
ehe. Die Behandlung mit 12
Surmontil
-Tropfen abends habe die Schlafqualität und die vormaligen Unfallträume verbessert. Derzeit begründe die psychische Störung eine mindestens leichte bis mittel
schwere arbeitsrelevante Leistungsminderung. Insbesondere seien ihm keine Arbeiten mit Höhenexposition zuzumuten, da diese zu einer
Retraumatisierung
bzw. starken Ängsten führen könne. Zudem sei derzeit die psycho-physische Belastbarkeit noch eingeschränkt, was bei Wiederaufnahme einer
Arbeitstätig
keit
anfänglich höchstens ein Teilzeitpensum erlauben würde
(
Urk.
7/29/97).
4.2
Im
Bericht
der
Z._
vom 2
7.
Januar 2014 zuhanden des Unfallversicherers wurden
alsdann
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1) sowie eine leichte kognitive Störung (ICD-10: F06.7) diagnostiziert
unter Hinweis darauf, dass sich im MRT des Schädels vom
3.
Januar 2014 keine
Traumafolgen
hätten nachweisen lassen
,
wohl
aber eine diskrete
Leukoenzephalopathie
. Als Beschwerden wurden angegeben: Grübeln, Zukunftsängste, Affektstörung, Durch
schlafstörungen, Antriebslosigkeit, leichte Konzentrations- sowie leichte Gedächtnis
störungen.
Zum Verlauf wurde festgehalten,
dass die depressive Symptomatik durch die Trennung der Tochter des Beschwerdeführers von ihrem Ehemann begünstigt worden sei. Durch stützende Gespräche und vor allem durch die antidepressive psychopharmakol
ogische Einstellung (täglich 20
mg
Cipralex
und 15 mg
Remeron
) sei eine leichte Verbesserung des Affekts und eine mässige Verbesserung des Schlafes erreicht worden.
Von einer weiteren Behandlung sei eine Antriebssteigerung, Affektstabilisierung und Besserung der Schlafqualität zu erwarten. Aktuell bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vor allem aufgrund der somatischen Beschwerden, bescheinigt durch den Haus
arzt (
Urk.
7/29/171 f.).
4.3
Im darauffolgenden Bericht der
Z._
an den Hausarzt
des Beschwerdeführers
vom 2
5.
Februar 2014
wurden
die gleichen Diagnosen gestellt.
Zum Befund wurde unter anderem notiert, die Konzentration und Merkfähigkeit sei
en
leicht reduziert. Formalgedanklich sei der Beschwerdeführer eingeengt auf die jetzige Situation, er grüble und habe Zukunftsängste. Seine Grundstimmung sei herab
gesetzt und es bestehe eine Störung der Vitalgefühle. Er sei innerlich unruhig und
klagsam
. Sein Antrieb sei reduziert
. E
s seien leichte Durchschlafstörungen vorhanden.
Im Übrigen entsprachen Verlauf und Vermerk
zur
somatisch be
dingten Arbeitsunfähigkeit dem Vorbericht (
Urk.
7/25).
4.4
K
eine neuen Diagnosen finden sich auch i
m zuhanden der Beschwerdegegnerin
am 1
8.
September
2014
von der
Z._
verfassten
Bericht.
Bei den Befunden wurde ergänzt, die Auffassung
des Beschwerdeführers
sei normal,
er
sei
zudem
dysphorisch
und es würden auch leichte Einschlafstörungen bestehen.
D
ie in
nerliche Unruhe
wurde
als leicht beschrieben. Zum Verlauf wurde neu vermerkt, dass die neuropsychologische Abklärung und das klinische Bild auf eine leichte kognitive Störung hinweisen würden, die
ihn
deutlich belaste. Eine ausführliche neuropsychologische Abklärung sei indes aufgrund der Sprachbarriere nicht zustande gekommen. Die depressive Symptomatik werde allenfalls auch durch die leichte kognitive Beeinträchtigung, die Schmerzbeschwerden und psychoso
ziale Faktoren (Trennung der Tochter, Konflikte mit Kindern)
aufrechterhalten. Die kognitiven Defizite würden die Prognose ungünstiger machen.
Ersichtlich ist ausserdem eine leichte Erhöhung der Medikation auf
30 mg
Remeron
pro
Tag
(
Urk.
7/27/1-3
).
Erstmals
äusserten sich die Behandlungspersonen
in diesem Bericht
zur Frage,
wie sich die
psychischen
Einschränkungen auf die Arbeit auswirk
en. Sie hielten fest
, die Antriebsarmut behindere die Initiierung und Aufrechterhaltung der Ar
beitsprozesse. Die Affektstörung vermindere die Flexibilität, die Anpassung, die
Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit, die in der Arbeit im Team und/oder mit
Kunden wichtig sei. Die Konzentrations- und Kurzgedächtnisstörungen würden die Strukturierung, die Durchhaltefähigkeit und die Anpassungsfähigkeit beein
trächtigen.
Beim Belastungsprofil gaben sie
an
, das Konzentrationsvermögen sei
leicht, die Anpassungsfähigkeit mittel und die Belastbarkeit schwer einge
schränkt. Uneingeschränkt sei indessen das Auffassungsvermögen.
Daraus schluss
folgerte
n sie
, es bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit im Rahmen des depressiven Syndroms. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit zu 20 bis 25
%
sei aus psychiatrische
r
Sicht möglich – am ehesten eine Tätigkeit, die meistens im Sitzen erfolge und die aus kognitiver Sicht nicht anspruchsvoll sei.
Die Frage, ob mit der Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit oder Er
höhung der Einsatzfähigkeit zu rechnen sei, v
erneinten sie (
Urk.
7/27/14-6).
4.5
Der RAD-Arzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Anästhesiologie,
schlussfolgerte am
1
7.
Oktober 2014, die diagnostizierte depressive Episode sei für die Invaliden
versicherung nicht relevant, da ihr das Merkmal der Dauerhaftigkeit fehle (
Urk.
7/45/4).
In
der
Stellungnahme vom 2
8.
September 2015 kam
er
ferner
zum Schluss, die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit der
Z._
beziehe sich lediglich auf die Tätigkeit als Maurer, nicht aber auf angepasste Tätigkeiten.
Die
Befunde für eine dauerhafte psychische Störung fehlten, zudem werde aufgezeigt, dass psychosoziale Faktoren vorliegen würden. Auch aus der nur
leichtgradigen
kognitiven Störung sei
bezüglich der noch zu
mut
bar
en mittelschweren Tätig
keiten keine Arbeitsunfähigkeit abzuleiten (
Urk.
7/62/2).
4.
6
4.6.1
Dem RAD-Arzt ist insofern beizupflichten, als
na
ch der Rechtsprechung des Bundesgerichtes
l
eichte bis mittelgradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, einzig dann als invalidisierende Krank
heiten in Betracht
fallen
, wenn sie
erwiesenermassen
therapieresistent sind (statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen thera
peutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Konstellation ist den no
rma
tiven Anforderungen des Art. 7 Abs.
2 zweiter Satz ATSG für eine objektivie
rende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (
BGE 141 V 281
E. 3.7.1 bis 3.7.3
). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein muss, dass die aus fachärztlicher Sicht in
di
zierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (
BGE 140 V 193
E. 3.3
;
BGE
137 V 64
E.
5.2 mit Hinweis; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2 und 9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E.
4.1).
4.6.2
Ebenfalls trifft es zu, dass je
stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohen
der finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das
Be
schwerdebild
mitbestimmen, desto ausgeprägter muss
eine fachärztlich festge
stellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche
von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern
davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psy
chischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen
mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, da
mit
überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende
Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozia
len und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleich
sam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer
Gesundheits
schaden
gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren
aber
zu einer eigentlichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten
oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Ele
menten bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar
invalidi
tätsbegründend
auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni
2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
4.6.3
Inde
s
stellt sich das Problem, dass nichts Näheres über das effektive Bestehen, die Ursache und den voraussichtlichen Verlauf der von der
Z._
festgestellten kognitiven Störung bekannt ist, welche gemäss Einschätzung der
Behandlungs
personen
mitunter
zur Aufrechterhaltung der
depressiven Symptomatik
beiträgt
.
Dies stellt nicht nur die gute Therapierbarkeit des depressiven Syndroms in Frage, das gemäss
Z._
eine – angesichts der eher leichten Symptomatik sicher wohlwollend geschätzte – Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 75 bis 80
%
in jeglicher Tätigkeit zur Folge hat.
(
Die Anmerkung der
Z._
„meistens
im Sitzen
“ schliesst eine auf die Tätigkeit als Maurer beschränkte
Arbeitsfähig
keitse
inschätzung
, wie vom RAD-Arzt angenommen, von vornherein aus.
)
Es ist auch denkbar,
dass
gewisse gesundheitliche Einschränkungen, wie etwa
Kon
zentrations
- oder Gedächtnisstörungen,
dauerhaft
oder
gar
fortschreitend
sind
. Die
s
kann
im Rahmen
d
er Gesamtwürdigung
aller B
eschwerden zu einer
An
passung der Arbeitsfähigkeitseinschätzung
,
des bisherigen Belastungsprofils
(
verbunden mit einem
leidensbedingten Abzug
) oder e
ine
r
Neubeurteilung der Zumutbarkeit eines Berufswechsels
respektive
der Verwertbarkeit der
Rest
ar
beitsfähigkeit
führen
.
5.
Da folglich mit den Parteien davon auszugehen ist, dass aufgrund der bisheri
gen Aktenlage nicht über den Rentenanspruch de
s
Beschwerdeführer
s
entschie
den werden kann, ist die Sache antragsgemäss gestützt auf § 26 Abs. 1
GSVGer
zur Durchführung der notwendigen
Abklärungen und neuer Entschei
dung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen und die angefochtene Verfügung aufzuheben.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- festzusetzen. Nach ständi
ger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Kosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat d
er
obsiegende Beschwerde
führer
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Unter Berücksichtigung der vor
stehenden Grundsätze erscheint eine Prozessentschädigung von
Fr.
2
‘
6
00.--
(inkl.
MWSt.
und Barauslagen) als angemessen.