# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5fc6cca4-3128-4043-bda4-7e5195ac6227
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974, ist gelernter Elektromechaniker (Urk. 7/6/5). Zuletzt war er vom 1.
November
1996 bis am 29. Oktober 2008 als Servicemon
teur bei
Z._
,
ange
stellt (Urk. 7/14/2).
Unter Hinweis auf „Alkohol”, „Depressionen” und „Stress
”
meldete sich der Versicherte bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung für berufliche Massnahmen an, wobei s
eine Anmeldung für berufl
iche Massnahmen am 24. Juni 2009
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, ein
traf (Urk. 7/6)
.
Mit Verfügung vom 31.
August 2011 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab (Urk. 7/38).
Diese Verfügung erwuchs in Rechtskraft.
1.2
Am 21. Oktober 2013 meldete
er
sich unter Hinweis auf ein
e
Aufmerksamkeits
defizit-Hyperaktivitätsstörung
(nachfolgend:
ADHS
)
sowie eine Suchtproblematik erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Eingang bei der IV-Stelle: 28. November 2013
; Urk. 7/39
)
.
D
er Versicherte
teilte der IV-Stelle
mit Schreiben vom
1.
Oktober 2014 (Urk. 7/54)
eine Verbesserung seines Gesund
heitszustandes mit und widerrief die Anmeldung vom 21. Oktober 201
3.
Mit Ver
fügung vom 17. November 2014 (Urk. 7/57) trat die IV-Stelle mangels Glaubhaft
machens einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung nicht auf da
s neue Leistungsbegehren ein
.
1.3
Unter Hinweis auf eine seit der Jugend bestehende emotionale Instabilität und innere Unruhe meldete sich der Versicherte am 27. April 2017 (
Eingang bei der IV-Stelle: 17. Mai 2017;
Urk. 7/59) wiederum bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug
an.
Zum Nachweis einer Verschlechterung seines Gesundheitszu
standes reichte er den Bericht
von
Dr.
med. univ.
A._
,
Ärztlicher Leiter Psychiatrie
des
B._
(
vom 10. Juli 2017 (Urk. 7/70) ein. Mit Vorbescheid vom 13. Oktober 2017 (Urk. 7/72) stellte die IV-Stelle dem Versicherten das N
ichteintreten
auf sein Leistungsbegehren in Aussicht.
In der Folge erhob
der Versicherte am
19. Oktober 2017 (Urk. 7/75) sowie am 8. Januar 2018 (Urk. 7/85) Einwände und
reichte das Schreiben
von
Dr.
A._
,
mittlerweile
Oberarzt an
der
C._
AG
,
vom 3. Januar 2018 (Urk. 7/83) ein. Wie angekündigt trat
die IV-Stelle mit Verfügung vom
22
.
Februar 2018
(Urk
.
2) nicht auf die Neuanmeldung ein.
2.
Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 13. März 2018 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
sei
auf das Le
istungsbe
gehren einzutreten,
sein
Gesundheitszustand
umfassend abzuklären und
sein
Anspruch auf berufliche Massnahmen und/oder eine Invalidenrente
zu prüfen. In prozessualer Hinsicht stellte er ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 16. April 2018 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 25. April 2018 (Urk. 8) mitgeteilt wurde.
Mit der gleichen Verfügung wurde dem Beschwer
deführer die unentgeltliche Pro
zessführung gewährt.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG)
. Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung
(
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
meldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invali
ditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger
Die nämlichen Voraussetzungen gelten auch bei einer Neuanmeldung im Zusammen
hang mit einer Eingliederungsmassahme (BGE 105 V 173). Bei wiederholten Anmeldungen ist zu prüfen,
ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies
nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten
Ableh
nungsverfügung abzustellen. W
ie im Revisi
onsverfahren bleiben allfällige
voran
gehende
Nichteintretensverfügungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begründungsaufwand
es der Verwaltung unbeachtlich (
BGE
130 V 71 E. 3.2.). An die Glaubhaftmachung sind höhere respektive weniger hohe Anforderungen zu stellen, je nachdem, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon länger Zeit zurückliegt (Urk. ZAK 1966 s. 279; vgl. auch BGE 130 V 64 E 5.2 mit Hinweisen). Hierbei
steht
der Verwaltung
ein gewisser Beurteilungsspiel
raum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat.
D
as Gericht
überprüft die
Eintretensfrage
dur
ch die Verwaltung dann
, wenn das Eintreten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung
gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV
Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt
(BGE 109 V 108 E. 2b).
1.
3
Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch (wie auch Drogensucht) begründen nach ständiger Rechtsprechung keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird eine solche Sucht invalidenversicherungsrechtlich erst bedeutsam, wenn sie ihrerseits eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein kör
perlicher oder geistiger die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsscha
den eingetreten ist, oder
aber
wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geis
tigen Gesundheitsschadens ist, welchem Krankheitswert zukommt (vgl.
BGE 124 V 265
E. 3c; AHI 2002 S. 30, I 454/99 E. 2a).
2
.
2
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid, auf
die Neuanmeldung
vom 27. April 2018 nicht einzutreten
damit, dass
aufgrund des Arztberichtes der
B._
keine wesentliche Änderung der beruflichen oder gesundheitlichen Situation habe festgestellt werden können. Der Beschwerdeführer sei aufgrund eines Sucht
leidens in seiner Erwerbsfähigkeit eingeschränkt, was von der Invalidenversiche
rung nicht berücksichtigt werde (Urk. 2 S. 1). Im Einwand vom 19. Oktober 2017 werde ein sekundäres Suchtleiden geltend gemacht.
D
ie
betreffende
psychiat
rische Diagnose
sei
vor de
m Jahr 2017 nie gestellt worden.
D
er Substanzgebrauch
bestehe schon deutlich länger
. Die aktuelle Diagnose sei weder begründet noch nachvollziehbar dargelegt worden (
Urk.
2 S. 2).
2
.2
Dem hält der Beschwerdeführer im Wesentlichen entgegen,
eine psychiatrische Begutachtung dränge
sich auf
, wenn Anhaltspunkte dafür bestünden, dass dem Suchtgeschehen eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwick
lung einer Suchtkrankheit geeignete Gesundheitsstörung zugrunde liege.
Sein
Gesundheitszustand
habe sich
gemäss dem
Bericht von
Dr.
A._
vom 3. Januar 2018 in den letzten zwei Jahren massgeblich verschlechtert. Entsprechend sei auf das Leistungsbegehren einzutreten, der Gesundheitszustand
sei
umfassend abzu
klären und anschliessend
seien
Leistungen der Invalidenversicherung zu gewäh
ren
(Urk. 1 S.
4 ff.
).
3.
Die IV-Stelle ist mit der angefochtenen Verfügung vom
22. Februar 2018
(Urk.
2) auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom
27
.
April
2017 (Urk. 7
/
59
)
nicht
eingetreten.
Damit beschränkt sich dieses Beschwerdeverfahren auf die Frage, ob die Beschwerdegegnerin auf das erneute Leistungsbegehren hätte ein
treten müssen.
Zeitlicher Referenzpunkt für die glaubhaft zu machende Änderung ist die Verfügung vom 31. August 2011 (Urk. 7/38). Nur dieser lag eine rechts
konforme Sachverhaltsabklärung zugrunde. Mit der späteren Verfügung vom 17. November 2014 war die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung vom 21. Oktober 2013 (Urk. 7/39) nicht eingetreten. Diesem Entscheid lag keine materielle Abklärung zu Grunde.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stellte für ihre einen Leistungsanspruch verneinende, rechtskräftige Verfügung vom
31. August 2011 (Urk. 7/38)
auf
die Stellung
nahme von
Dr.
med.
D._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und Arzt ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (nachfolgend: RAD) vom 1
7.
Juni 2012 (Urk. 7/35/
5 f.
) ab. Dieser war zum Schluss gekommen, die in den ärztlichen Berichten der Klinik
E._
vom 15. März 2011 (Urk. 7/
31
) sowie der
C._
Kli
nik vom 6. Juni 2011 (Urk. 7/
34) attestierten Arbeitsunfähigkeiten seien
überwie
gend wahrscheinlich auf ein reine
s Suchtgeschehen zurückzuführen
.
4.2
Dr.
A._
stellte in seinem Bericht vom 1
0
. Juli 2017 folgende Diagnosen (Urk. 7/70/2):
-
Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol: Abhängigkeitssyn
drom, episodischer Substanzgebrauch (ICD-10: F10.26)
-
Psychische und Verhaltensstörung durch Sedativa oder Hypnotika: Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10: F13.25)
-
Psychische und Verhaltensstörung durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10: F17.25)
-
Anamnestisch: Status nach Psychische und Verhaltensstörung durch Kokain: Abhängigkeitssyndrom, episodischer Substanzgebrauch (ICD-10: F14.26)
-
Hyperkinetische Störungen (ICD-10: F90)
-
Emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30)
-
Arterielle Hypertonie (ICD-10: I10)
Aus psychiatrischer Sicht hielt er eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl für Tätigkeiten auf dem freien Arbeitsmarkt als auch für geschützte Stellen fest (Urk. 7/70/2).
4.3
Die RAD-Ärztin
Dr.
med.
F._
, praktische Ärztin, führte am 4. Oktober 2017 (Urk. 7/71/2) aus, die von
Dr.
A._
im Bericht vom 10. Juli 2017 gestellten Diagnosen einer Persönlichkeitsstörung vom emotional instabilen Typ sowie einer hyperkinetischen Störung sei
en
in keinem der bisherigen Berichte erwähnt oder thematisiert worden. Dafür seien Auffälligkeiten im Jugendalter notwendig, solche würden jedoch weder dokumentiert noch erwähnt. Bei weiterhin bestehen
dem Substanzkonsum von Alkohol und Sedativa oder Hypnotika
sei
überwiegend wahrscheinlich
von einem im Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustand auszugehen.
4.4
Auf Anfrage der
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers äusserte sich
Dr.
A._
am 3. Januar 2018
erneut
zu dessen Gesundheitszustand (Urk. 7/83). Er hielt fest, der Beschwerdeführer sei aufgrund des Suchtleidens in seiner Erwerbsfähigkeit eingeschränkt
(Urk. 7/83/1)
.
Der Alkoholabhängigkeit liege eine Persönlichkeits
störung mit emotional-instabilen und impulsiven Anteilen zugrunde. Als Komor
bidität bestehe ein
e
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
(ADHS)
. Sowohl die Persönlichkeitsstörung als auch die ADHS könnten die Arbeitsfähig
keit erheblich reduzieren und seien jeweils Risikofaktoren für eine sekundäre Suchterkrankung. Unter Arbeitsbelastung hätten sich seit dem Behandlungsbe
ginn im Juli 2015 jeweils psychische Dekompensationen gezeigt. Der Gesund
heitszustand habe sich vor allem in den zwei vergangenen Jahren verschlechtert (Urk. 7/83/2). Die Diagnosen einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung und einer hyperkinetischen Störung seien mitunter schwierig zu stellen.
Rückbli
ckend
müsse festgestellt werden, dass sowohl die Persönlichkeitsstörung als auch
die
ADHS
seit der Kindheit/Jugend bestünd
en. Die Diagnosekriterien einer Per
sönlichkeitsstörung seien erfüllt (Urk. 7/83/3).
4.
5
Am 6. Februar 2018
verfasste
RAD-Arzt
d
ipl.
med.
G._
, Facharzt für
Neuro
logie sowie
für
Psychiatrie und Psychotherapie
, eine Aktenbeurteilung zuhanden der Beschwerdegegnerin. Er führte aus, in
den
psychiatrischen Unterlagen vor 2017 sei neben der
Polytoxikomanie
nie eine Persönlichkeitsstörung diagnosti
ziert worden. Die gegenwärtig gestellte Diagnose einer emotional-instabilen
Per
sönlichkeitsstörung sei weder begründet noch nachvollziehbar belegt.
In Absti
nenzphasen sei der Versicherte immer voll arbeitsfähig gewesen, womit der Ein
fluss einer solchen zusätzlichen psychischen Störung bei Abstinenz unerheb
lich sein dürfte. Es sei deshalb weiterhin von einer primären Suchterkrankung auszu
gehen (Urk. 7/87/2).
5.
5.1
Dr.
A._
nannte
in seinen Berichten vom 10. Juli 2017 (Urk. 7/70/2) und vom 3. Januar 2018 (Urk. 7/83/2) jeweils die Diagnose einer emotional instabilen Per
sönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10: F60.30)
. Nach der Definition im gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 setzt die Diagnose einer Persön
lichkeitsstörung voraus, dass die Zustandsbilder nicht auf eine andere psychiat
rische Störung zurückzuführen sind
und es
müssen folgende Kriterien erfüllt sein:
1.
Deutliche Unausgeglichenheit in den Einstellungen und im Verhalten in meh
reren Funktionsbereichen wie Affektivität, Antrieb, Impulskontrolle, Wahr
nehmen und Denken sowie in den Beziehungen zu anderen.
2.
Das auffällige Verhaltensmuster ist andauernd und gleichförmig und nicht auf Episoden psychischer Krankheiten begrenzt.
3.
Das auffällige Verhaltensmuster ist tiefgreifend und in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend.
4.
Die Störungen beginnen immer in der Kindheit oder Jugend und manifestieren sich auf Dauer im Erwachsenenalter.
5.
Die Störung führt zu deutlichem subjektiven Leiden, manchmal jedoch erst im späteren Verlauf.
6.
Die Störung ist meistens, aber nicht stets, mit deutlichen Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit verbunden.
(vgl.
D
illing
/
Mombour
/S
chmidt
[Hrsg.],
Inter
nationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien,
10.
Aufl. 201
5, S. 276 f.).
In seinem Bericht vom 3. Januar 2018 (Urk. 7/83) führte
Dr.
A._
aus, rück
blickend müsse festgestellt werden, dass die Persönlichkeitsstörung seit der Kind
heit / Jugend bestehe (Urk. 7/83/3). Diese Annahme begründete er nicht. In
seinem Bericht vom 10. Juli 2017
hatte
er bezüglich der gestörten Aufmerksam
keit und Aktivität
zwar
einen anamnestischen Beginn in der Kindheit / Jugend fest
gehalten
(Urk. 7/70/2).
Hinweise auf psychische Störungen in der Kindheit oder Jugend ergeben sich aus den Akten
aber
nicht
und e
ine psychiatrische Behandlung vor 2008 ist nicht aktenkundig (vgl. Urk. 7/13/3). Im Widerspruch zu einem Beginn des auffälligen Verhaltens in der Kindheit oder Jugend steht auch die Biografie des Beschwerdeführers: Er schloss im Sommer 1995 eine Lehre zum Elektromechaniker
bei der
H._
erfolgreich ab und war anschlies
send rund 15 Monate bei einer anderen Unternehmung tätig
(Urk. 7/6/5, Urk. 7/11/2)
. Danach wechselte er zu
Z._
, wo er bis zur fristlo
sen Entlassung rund 12 Jahre als Servicemonteur tätig
war (1. November 1996 bis 29. Oktober 2008; Urk. 7/14/2 f.). Krankheitsbedingte Einschränkungen vor dem 1
0.
März 2008 (vgl. Urk. 7/
13
/
6
) sind nicht aktenkundig, womit ein Krank
heitsbeginn im Kindes- oder Jugendalter nicht
überwiegend wahrscheinlich ist
.
Damit sind nicht sämtliche der kumulativ vorausgesetzten Diagnosekriterien erfüllt.
Die Beurteilung
der RAD-Ärzte
Dr.
F._
(Urk.
7
/7
1
/
2
) und
d
ipl.
m
ed.
G._
(Urk.
7
/
87
/
2
), wonach die Diagnose einer
emotional instabilen
Persön
lichkeitsstörung
vom impulsiven Typ
nicht nachvollzogen werden k
ö
nn
e
, ist damit nicht zu beanstanden.
5.2
Weiter diagnostizierte
Dr.
A._
eine Hyperkinetische Störung (ICD-10: F90
; Urk. 7/70/2) beziehungsweise ein
e
ADHS (
ICD-10: F90.0; Urk. 7/83/2). Während die erstere eine Störungsgruppe bezeichnet, handelt es sich bei der Letzteren um ein spezifisches Störungsbild innerhalb dieser Störungsgruppe
.
Hyperkinetische Störungen treten immer früh in der Entwicklung auf; gewöhnlich in den ersten Lebensjahren. Ihre Hauptmerkmale sind ein Mangel an Ausdauer bei Beschäfti
gung
en
, die einen kognitiven Einsatz verlangen, und eine Tendenz, von einer Tätigkeit zu einer anderen zu wechseln, ohne etwas zu Ende zu bringen
(vgl.
D
illing
/
Mombour
/S
chmidt, a.a.O., S. 358 und S. 362).
Auch bezüglich dieser Störungsbilder ist festzustellen, dass ein Beginn in der frühen Kindheit anamnestisch nicht dokumentiert ist. Namentlich fehlt es an Anhaltspunkten, dass die Entwicklung des Beschwerdeführers dadurch tatsäch
lich ungünstig beeinflusst worden ist. Er
konnte
eine Berufslehre erfolgreich abschliessen und
während Jahren eine vollzeitliche Erwerbsarbeit ausüben (
vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.2).
5.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, d
ass
aus den Stellungnahmen der RAD-Ärzte hervorgeht, dass überwiegend wahrscheinlich
weiterhin
einzig
eine primäre Suchterkrankung und
damit kein invalidisierender Gesundheitsschaden besteht (vgl. E. 4.3 und 4.5 vorstehend). Demnach hat der Beschwerdeführer
keine anspruchserhebliche Verschlechterung
sein
es Gesundh
eitszustandes glaubhaft gemacht, weshalb
die Beschwerde abzuweisen
ist
.
6.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis Fr.
1'000.-- festgesetzt. Vorlie
gend erweist sic
h eine Kostenpauschale von
Fr.
6
00.-- als angemessen. Weil die Beschwerde abzuweisen ist, sind die Kosten dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen.
Z
ufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
werden diese
einstweilen auf die
Gerichts
kasse
genommen
.