# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ace2605f-957f-4b56-8c58-07c2db3d550a
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Am 19. März 2019, 18:46 Uhr, fuhr A._ mit seinem Personenwagen
GR B._ auf der Hauptstrasse in C._ innerorts bei signalisierter
Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h mit überhöhter Geschwindigkeit,
nach Abzug der Toleranz von 5 km/h mit 85 km/h und damit 25 km/h
schneller als erlaubt.
2. Das am 15. April 2019 eröffnete Administrativverfahren sistierte das
Strassenverkehrsamt des Kantons Graubünden (nachfolgend
Strassenverkehrsamt) nach einer ersten Rückmeldung von A._ bis
zum Vorliegen eines rechtskräftigen Strafentscheids.
3. Nachdem A._ Einsprache gegen den Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft des Kantons Graubünden vom 5. Juni 2019 erhoben
hatte, verurteilte ihn das Regionalgericht D._ mit Urteil vom
12. Dezember 2019 der einfachen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss
Art. 27 Abs. 1 und Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1
SVG zu einer Busse in der Höhe von CHF 400.--. Das Urteil erwuchs
unangefochten in Rechtskraft.
4. Nach der Wiederaufnahme des Administrativverfahrens und der
Gewährung des rechtlichen Gehörs entzog das Strassenverkehrsamt
A._ mit Verfügung vom 5. März 2020 den Führerausweis für die
Dauer von drei Monaten. Seinen Entscheid begründete das
Strassenverkehrsamt damit, dass es sich bei der sanktionierten
Geschwindigkeitsübertretung um eine schwere Widerhandlung im Sinne
von Art. 16c Abs. 2 lit. a SVG handle.
5. Die von A._ dagegen erhobene Verwaltungsbeschwerde vom 1. April
2020 hiess das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit mit
Entscheid vom 21. Januar 2021 teilweise gut und reduzierte den
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Führerausweisentzug auf zwei Monate, da es in subjektiver Hinsicht das
Verhalten von A._ noch als mittelschwer einstufte.
6. Gegen diesen Entscheid erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer)
am 18. Februar 2021 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Darin verlangte er die Aufhebung des angefochtenen
Entscheids, das Absehen von Kostenauflage und das Aussprechen einer
Verwarnung. Ausserdem beantragte er, dass der Beschwerde die
aufschiebende Wirkung zuerkannt werde. Er begründete seine Anträge im
Wesentlichen damit, dass die Vorinstanz die besonderen Umstände und
die konkreten Verhältnisse des Einzelfalles missachtet habe. Er habe
aufgezeigt, dass sein Fahrverhalten zu keiner konkreten oder
naheliegenden Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer geführt habe;
ausserdem habe er in der nicht als innerörtlich qualifizierbaren
Gefahrenlage in C._ keine erhöhte abstrakte Gefahr hervorgerufen.
Ein mittelschweres Verschulden könne ihm nicht angelastet werden.
7. In seiner Vernehmlassung vom 3. März 2021 beantragte das Departement
für Justiz, Sicherheit und Gesundheit (nachfolgend Beschwerdegegner)
die kostenfällige Abweisung der Beschwerde. Gegen die Gewährung der
aufschiebenden Wirkung hatte der Beschwerdegegner nichts
einzuwenden. Für die Begründung seiner Anträge verwies er auf den
angefochtenen Entscheid.
8. Der Instruktionsrichter gewährte mit Schreiben vom 4. März 2021 die
aufschiebende Wirkung und verfügte den provisorischen Abschluss des
Schriftenwechsels.
9. Mit Replik vom 9. März 2021 machte der Beschwerdeführer weitere
Ausführungen zur administrativ-rechtlichen Beurteilung der
Geschwindigkeitsüberschreitung vom 19. März 2019. Mit Duplik vom
18. März 2021 hielt das Departement an seinen Anträgen fest.
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10. Am 29. April 2021 zog Rechtsanwalt Luzi Bardill namens des
Beschwerdeführers die Beschwerde zurück, was dann aber von diesem
wiederum mit Schreiben vom 16. Mai 2021 dementiert, was mit Schreiben
des Rechtsanwalts vom 21. Mai 2021 wiederum bestätigt wurde. Der
Beschwerdeführer stellte in der Folge mit Eingaben vom 30. Mai und
24. Juni 2021 diverse Beweisanträge, etwa die gerichtliche Einholung
eines Berichts bei der Firma E._ AG betreffend Funktionsweise des
verwendeten Radargeräts. Weiter brachte er vor und dokumentierte mit
zahlreichen Fotoaufnahmen, dass sämtliche vom Tiefbauamt montierten
Signale in C._ punkto Höhe, Anordnung und Inhalt fehlerhaft und
ausserdem auch nicht von den Bundebehörden UVEK, ASTRA etc.
abgenommen worden seien. Aufgrund dieser mangelhaften Signalisation
sei seine Geschwindigkeitsübertretung als ausserorts, und nicht als
innerorts begangen einzustufen. Der Beschwerdegegner verzichtete am
29. Juni 2021 auf eine weitere Stellungnahme.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
den angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt bildet im vorliegenden Verfahren die Verfügung des
Beschwerdegegners vom 21. Januar 2021. Art. 49 Abs. 1 lit. c des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) sieht vor,
dass das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen Entscheide der
kantonalen Departemente beurteilt, soweit diese nicht nach kantonalem
oder eidgenössischem Recht endgültig sind oder bei einer anderen
Instanz angefochten werden können. Die Verfügung des
Beschwerdegegners ist weder endgültig noch kann sie bei einer anderen
Instanz angefochten werden, weshalb sie ein taugliches
Anfechtungsobjekt darstellt. Als Adressat der Verfügung ist der
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Beschwerdeführer berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung auf (Art. 50 VRG). Daher ist auf die im Übrigen form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde einzutreten.
2. Materiellrechtlich stellt sich vorliegend die Frage, ob der
Beschwerdegegner zu Recht gegenüber dem Beschwerdeführer den
Führerausweisentzug von zwei Monaten verfügt hat.
3.1. Das Verwaltungsgericht legt seinem Urteil den Sachverhalt zugrunde, den
die Vorinstanz festgestellt hat. Die Feststellung des Sachverhalts kann nur
gerügt werden, wenn sie offensichtlich unrichtig ist oder auf einer
Rechtsverletzung im Sinne von Art. 51 Abs. 1 lit. b VRG beruht. Im
vorliegenden Fall hat der Beschwerdeführer das Strafurteil des
Regionalgerichts D._ vom 12. Dezember 2019 (vgl.
beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] I/8) akzeptiert, welches seiner
Beurteilung den Sachverhalt zugrunde legte, dass der Beschwerdeführer
am 19. März 2019 um 18:46 Uhr mit dem Personenwagen GR B._
auf der Hauptstrasse in C._ trotz signalisierter Höchstgeschwindigkeit
von 60 km/h mit 85 km/h (nach Abzug einer Toleranz von 5 km/h) und
damit 25 km/h schneller als erlaubt gefahren ist (vgl. Rapport der
Kantonspolizei Graubünden vom 9. April 2019, Bg-act. I/3). Inhaltlich ist
dem Gerichtsurteil und dem dazugehörenden Protokoll nicht zu
entnehmen, ob das Gericht die fragliche Strecke als 'innerorts' oder als
'ausserorts' qualifiziert hat (vgl. Bg-act. II/13). Hingegen hielt das Gericht
fest, dass der Beschwerdeführer aus dem Umstand, dass auf der Strecke
nach F._ das Fernzielsignal als nächste Ortschaft G._ aufführe
anstatt 'C._', nichts zu seinen Gunsten ableiten könne. Eine
Geschwindigkeitsbegrenzung bleibe eine Geschwindigkeitsbegrenzung,
unabhängig von vorgängigen Signalisationen und deren konkrete
Montagesituation, wie etwa bei einer Baustelle oder ähnlichem. Jedenfalls
hätte der Beschwerdeführer nicht einfach dem vor ihm fahrenden
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Fahrzeug folgen dürfen, ohne die Signale und die Geschwindigkeit zu
beachten.
Wenn die Vorinstanz auf diese unangefochtenen Feststellungen des
Regionalgerichts abstellt, ist dies nicht zu beanstanden, zumal keine
offensichtlichen Fehler erkennbar sind. Somit besteht hinsichtlich der
Geschwindigkeitsüberschreitung zunächst in quantitativer Hinsicht
(Überschreitung von 25 km/h, siehe auch nachstehende Erwägungen)
kein zusätzlicher Klärungsbedarf mehr. In qualitativer Hinsicht hat das
Strassenverkehrsamt vor dem Erlass seiner Verfügung bei der
Kantonspolizei das Gutachten und die Publikation betreffend die
Umwidmung der Strecke bei C._ von 'ausserorts' in 'innerorts'
eingeholt (vgl. Bg-act. I/10); sodass es auch diesbezüglich keiner weiteren
Abklärungen bedarf.
3.2. Der Beschwerdeführer bringt vor Verwaltungsgericht neu vor, dass er
Zweifel an der konformen Messung der Geschwindigkeitsüberschreitung
durch die Kantonspolizei habe, weshalb eine Stellungnahme bei der Firma
E._ AG über die Messung einzuholen sei. Liegt ein rechtskräftiges
Strafurteil vor, so ist die Verwaltungsbehörde grundsätzlich daran
gebunden. Von den tatsächlichen Feststellungen im Strafurteil darf die
Verwaltungsbehörde nur dann ausnahmsweise abweichen, wenn sie
Tatsachen feststellt und ihrem Entscheid zugrunde legt, die dem
Strafrichter unbekannt waren oder die er nicht beachtet hat; wenn die
Verwaltung zusätzliche Beweise erhebt, deren Würdigung zu einem
abweichenden Ergebnis führt oder wenn die Beweiswürdigung durch den
Strafrichter feststehenden Tatsachen klar widerspricht, oder wenn der
Strafrichter nicht alle Rechtsfragen abgeklärt hat, insbesondere wenn er
die Verletzung bestimmter Verkehrsregeln übersehen hat (vgl. BGE 137 I
363 E.2.3.2, 124 II 103 E.1c, 119 Ib 158 E.3c). Sofern der Beschuldigte
wusste oder angesichts der Schwere der ihm vorgeworfenen Delikte
voraussehen musste, dass gegen ihn ein Führerausweisentzugsverfahren
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eröffnet würde, muss er im Strafverfahren die ihm garantierten
Verteidigungsrechte geltend machen. Daher darf der Betroffene nicht das
Verwaltungsverfahren abwarten, um allfällige Rügen vorzubringen und
Beweisanträge zu stellen, sondern ist nach Treu und Glauben verpflichtet,
dies bereits im Rahmen des Strafverfahrens zu tun, sowie allenfalls die
nötigen Rechtsmittel zu ergreifen (vgl. BGE 123 II 97 E.3c, 121 II 214 E.3a,
Urteile des Bundesgerichts 1C_536/2016 vom 23. Februar 2017 E.3.3.3,
1C_503/2016 vom 12. Januar 2017 E.3.1.2, 1C_263/2011 vom 22. August
2011 E.2.3, 6A.19/2006 vom 16. Mai 2006 E.1; Entscheid des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden U 19 26 vom 24.
September 2019 E.3.2).
Bezüglich der beschwerdeführerischen Rüge, wonach die Messung der
Geschwindigkeitsüberschreitung grundsätzlich in Frage gestellt werde, ist
demnach mit Blick auf die vorangehenden Ausführungen festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer den entsprechenden Beweisantrag bereits im
Strafverfahren hätte geltend machen müssen, was er jedoch nicht getan
hat, so dass der Beweisantrag um Einholung einer Stellungnahme bei der
Firma E._ AG in Bezug auf Typ, Name, etc. des von der
Kantonspolizei am 19. März 2019 eingesetzten Radarmessgeräts im
vorliegenden Verfahren verspätet erfolgte und dem Antrag damit nicht
stattzugeben ist.
4.1. Der Beschwerdeführer rügt, dass ihn das Gericht wegen einer leichten
Verkehrsregelverletzung verurteilte, während er vom
Strassenverkehrsamt zunächst wegen einer schweren Widerhandlung
sanktioniert worden sei und vom Departement danach immer noch wegen
einer mittelschweren Widerhandlung. Damit würden die
Administrativbehörden das geltende Recht falsch anwenden und die
rechtserheblichen Tatsachen bzw. die wesentlichen Umstände des
Einzelfalls nicht oder ungenügend berücksichtigen. Sein Fahrverhalten
zum Tatzeitpunkt habe zu keiner konkreten oder naheliegenden
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Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer geführt, auch zu keiner erhöhten
abstrakten oder überhaupt einer abstrakten Gefährdung, womit ihm kein
mittelschweres Verschulden vorgeworfen werden könne.
4.2. Das Gesetz unterscheidet zwischen einer leichten, mittelschweren und
schweren Widerhandlung (Art. 16a–c Strassenverkehrsgesetz [SVG; BR
741.01]). Gemäss Art. 16a SVG begeht eine leichte Widerhandlung, wer
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorruft und ihn dabei nur ein leichtes Verschulden
trifft (Abs. 1 lit. a). Eine mittelschwere Widerhandlung begeht, wer durch
Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die Sicherheit anderer
hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG). Nach einer
mittelschweren Widerhandlung wird der Führerausweis für mindestens
einen Monat entzogen (Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG). Eine schwere
Widerhandlung im Sinne von Art. 16c SVG begeht wiederum, wer durch
grobe Verletzung von Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Abs. 1 lit. a).
Die Vorinstanz führt überzeugend und korrekt mit Hinweisen auf die
einschlägige Rechtsprechung aus, dass die mittelschwere Widerhandlung
nach Art. 16b SVG einen Auffangtatbestand darstelle, welcher vorliege,
wenn nicht alle privilegierenden Elemente einer leichten Widerhandlung
nach Art. 16a SVG (leichte Widerhandlung) und nicht alle qualifizierenden
Elemente einer Widerhandlung nach Art. 16c SVG (schwere
Widerhandlung) gegeben seien (vgl. RÜTSCHE/WEBER, in:
NIGGLI/PROBST/WALDMANN (Hrsg.), Basler Kommentar zum
Strassenverkehrsgesetz, Basel 2014, Art. 16b Rz. 7 m.w.H.). Die
Annahme einer leichten Widerhandlung setze voraus, dass der Lenker
durch Verletzung von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorgerufen habe und ihn dabei nur ein leichtes
Verschulden treffe. Dabei müssten eine geringe Gefahr und ein leichtes
Verschulden kumulativ gegeben sein (vgl. Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG;
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RÜTSCHE/WEBER, a.a.O., Art. 16a Rz. 4). Das Bundesgericht bejahe eine
ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer bei einer konkreten oder auch
bei einer erhöhten abstrakten Gefährdung (vgl. Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG;
RÜTSCHE/WEBER, a.a.O., Art. 16c Rz. 8 m.w.H.). Ob solche Gefährdungen
vorliegen, hänge von den jeweiligen Verhältnissen des Einzelfalls ab.
4.3. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird in Bezug auf
Geschwindigkeitsübertretungen folgende schematische Abstufung
angewendet:
Innerorts Ausserorts/ Autostrasse
Autobahn Art der Widerhandlung
1–15 km/h 1–20 km/h 1–25 km/h Ordnungswidrigkeit (Anhang 1 Ziff. 303 OBV)
16–20 km/h 21–25 km/h 26–30 km/h Leichte Widerhandlung (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG)
21–24 km/h 26–29 km/h 31–34 km/h Mittelschwere Widerhandlung (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG)
> 25 km/h > 30 km/h > 35 km/h Schwere Widerhandlung (Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG)
(vgl. dazu BGE 133 II 331 E.3.1, 132 II 234 E.3, 126 II 196 E.2a, 124 II 97
E.2b und 2c, Urteil des Bundesgerichts 1C_263/2011 vom 22. August
2011 E.2.5). Gemäss Bundesgericht ist es auch zulässig, im Bereich der
Geschwindigkeitsüberschreitungen einen gewissen Schematismus
anzuwenden zur Sicherstellung der Rechtsgleichheit und der
Rechtssicherheit; eine solcher ist auch angesichts der Häufigkeit von
Geschwindigkeitsüberschreitungen unabdingbar. Eine schematische
Rechtsanwendung bedeutet, dass die konkreten Umstände des Einzelfalls
grundsätzlich nicht berücksichtigt werden. Liegen indes im Einzelfall
besondere Umstände vor, müssen diese zur Wahrung der
Verhältnismässigkeit bei der Festlegung der Art und Dauer der
ausgesprochenen Massnahmen einbezogen werden (vgl. RÜTSCHE, in:
NIGGLI/PROBST/WALDMANN (Hrsg.), Basler Kommentar zum
Strassenverkehrsgesetz, Basel 2014, Art. 16 Rz. 101 ff.).
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4.4. Da sich aus dem Sachverhalt ergibt, dass die
Geschwindigkeitsüberschreitung innerorts erfolgte, liegt im vorliegenden
Fall somit in objektiver Hinsicht eine schwere Widerhandlung gemäss
Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG vor (vgl. BGE 132 II 234 E.3; WEISSENBERGER,
Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussengesetz,
2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2015, Vorbemerkungen zu Art. 16a–c SVG
Rz. 14). Diesbezüglich kommt es auf Tatsachen, die der Strafrichter
besser kennen könnte, nicht an (vgl. Urteile des Bundesgerichts
1C_282/2011 vom 27. September 2011 E.2.4, 1C_222/2008 vom 18.
November 2008 E.2.4). Dem Protokoll der Hauptverhandlung des
Regionalgerichts D._ vom 12. Dezember 2019 ist zu entnehmen,
dass das Gericht in objektiver Hinsicht ebenfalls von einer schweren
Widerhandlung ausging (vgl. Bg-act. II/13). In subjektiver Hinsicht liegt ein
schweres Verschulden nach Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG vor, wenn der
Lenker zumindest grobfahrlässig handelt (vgl. BGE 126 II 206 E.1a). Dies
ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung in Bezug auf das
Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit bei Vorliegen eines objektiv
schweren Falls in der Regel der Fall, ausser es liegt eine
Ausnahmesituation vor (vgl. BGE 123 II 37 E.1f.; Urteile des
Bundesgerichts 1C_710/2013 vom 7. Januar 2014 E.2.5, 1C_222/2008
vom 18. November 2008 E.2.3). Die Vorinstanz trug der konkreten
Situation insofern Rechnung, als der Beschwerdeführer auf den fehlenden
Innerortscharakter der Strecke hinwies sowie auf den Umstand, dass er
die Strecke jahrzehntelang als 80er-Strecke (ausserorts) gekannt habe,
sie verneinte die Annahme einer besonderen Rücksichtslosigkeit und
einer groben Fahrlässigkeit im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG und hielt dem
Beschwerdeführer ein mittelschweres Verschulden zu Gute (vgl. dazu
BGE 126 II 196 E.2a). Dies führt im Ergebnis zu einer mittelschweren
Widerhandlung nach Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG, weil die schwere
Widerhandlung gemäss Art. 16c Abs. 1 lit. a SVG kumulativ zur schweren
Widerhandlung gegen die Verkehrsregeln ein schweres Verschulden
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verlangt (vgl. RÜTSCHE/WEBER, a.a.O., Art. 16c Rz. 7). Die Vorinstanz
führte zudem zu Recht aus, dass selbst ein leichtes Verschulden an der
soeben genannten Qualifikation nichts ändern würde, weil die leichte
Widerhandlung nach Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG kumulativ eine leichte
Widerhandlung und ein leichtes Verschulden erfordere (vgl. vgl.
RÜTSCHE/WEBER, a.a.O., Art. 16a Rz. 4).
4.5. Der Beschwerdeführer bringt bezüglich der Verhältnismässigkeit keine
spezifischen Rügen vor. Dennoch muss – wie bereits in Erwägung 4.3
ausgeführt – bei der Art und Dauer der Massnahmen stets die
Verhältnismässigkeit geprüft oder eben überprüft werden. Der
Beschwerdeführer weist folgende Einträge im Massnahmenregister auf
(vgl. Bg-act. I/1 f.):
Verfügende Behörde
Massnahme Ablauf Schweregrad der Widerhandlung
26.01.2011 GR Entzug 1 Monat
17.02.2011 Mittelschwer (Geschwindigkeit)
18.02.2011 GR Entzug 6 Monate
29.03.2012 Schwer
Die Vorinstanz wendet Art. 16b Abs. 2 lit. a SVG korrekt an und geht von
einer Mindestdauer des Fahrausweisentzug von einem Monat aus. Weil
sie im Verhalten des Beschwerdeführers ein mittelschweres Verschulden
sieht, was nicht zu beanstanden ist, erscheint eine Erhöhung des
Ausweisentzugs um einen Monat auf zwei Monate sachlich gerechtfertigt.
4.6. Dreh- und Angelpunkt dieser Beschwerde ist, ob die Strecke in C._
als innerorts oder ausserorts zu qualifizieren ist. Weil es sich dabei
klarerweise um eine Innerortsstrecke handelt, lässt die Gesetzgebung
bzw. die korrekt angewandte schematisierte Rechtsprechung nur den
Schluss zu, dass es sich vorliegend um eine schwere oder mittelschwere
Widerhandlung handelt. Die Vorinstanz ist zugunsten des
Beschwerdeführers beim subjektiven Tatbestand von einem
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mittelschweren Verschulden ausgegangen, so dass der Vorfall insgesamt
als mittelschwere Verletzung gemäss Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG qualifiziert
wurde, was korrekt ist. Ebenfalls nicht zu beanstanden ist, dass das
mittelschwere Verschulden es erlaubt und auch als geboten erscheinen
lässt, die konkrete Entzugsdauer des Führerausweises von der
Mindestvorgabe von einem Monat auf zwei Monate zu erhöhen. Der
angefochtene Entscheid erweist ist damit als rechtens und
verhältnismässig, was zu seiner Bestätigung und zur Abweisung der
dagegen als unbegründet erwiesenen Beschwerde vom 18. Februar 2021
führt.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Die
Staatsgebühr wird dabei praxisgemäss auf CHF 1'500.-- (bei
Führerausweisentzug) festgesetzt. Eine aussergerichtliche
Entschädigung steht dem Beschwerdegegner nach Art. 78 Abs. 2 VRG
nicht zu, da er lediglich in seinem amtlichen Wirkungskreis obsiegte.
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