# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 62439fd6-356c-5f83-b434-87df9233b0bd
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1957 geborene
X._
ist bei diversen Arbeitgebern als Reini
gungs
kraft im Stundenlohn tätig (vgl. Urk.
8
/
43
/1-19
).
Am 26. Januar 2005 mel
de
te sich die Versicherte unter Angabe von Dauerschmerzen bei der Invali
den
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/1). Die
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte
einen Auszug aus dem Individuellen Konto der Versicherten
ein (IK-Auszug, Urk. 8/6) und
tätigte
medizinische und erwerb
liche
Abklärungen.
Mit Verfügung vom 2. Mai 2005 verneinte sie einen
Leis
tungs
anspruc
h
der Versicherten (Urk. 8/18).
Diese Verfügung blieb unange
foch
ten.
Am 25. September 2012 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf diverse gesundheitliche Beeinträchtigungen erneut zum Leistungsbezug an
und machte eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes geltend
(Urk. 8/25
-26
).
Mit Ein
gabe
n
vom 17.
u
nd 25.
Oktober 2012 (Urk. 8/32
und Urk. 8/
35
) sowie vom 27. November 2012
(Urk. 8/38)
reichte sie
auf Aufforderung der IV-Stelle
hin
diverse Arztberichte (Urk.
8/33
; Urk. 8/36-37
und Urk. 8/39) und
am 17. Januar
2013
Arbeitsverträge, Lohnabrechnungen und Lohnausweise ein (Urk. 8/43). Die
IV-Stelle liess
in der Folge
einen aktuellen IK-Auszug der Versicherten erstellen (Urk. 8/45)
, zog Akten des
Krankentag
geldversicherers
(AXA Winterthur)
bei (Urk. 8/44)
und holte eine Stellungnahme ihres Regional
en
Ärztlichen Dienstes
(RAD) ein (Urk. 8/48/3
f.).
Mit Vorbescheid vom 29. April 2013 stellte sie die Ab
weisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 8/
50
). Dagegen erhob die
Ver
sicherte
am 29. Mai 2013
Einwand und beantragte berufliche Massnahmen
sowie
medizinische Abklärungen
(Urk. 8/53). Sie reichte
daraufhin
weitere
Arztbe
rich
te
ein (Urk. 8/57 und Urk. 8/62).
Die IV-Stelle holte
erneut
eine Stellung
nahme des RAD ein (Urk. 8/63/3) und
verneinte mit Verfügung vom
4. Dezember 2013
einen Leistungsanspruch der Versicherten (Urk. 8/
65
= Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
13. Januar 2014
Beschwerde und beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei
zur polydisziplinären Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen und
es sei festzustellen, dass
sie
als Gesunde vollerwerbstätig wäre. Eventualiter sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und ihr eine Rente der Invalidenver
si
che
rung zuzusprechen
. Eventualiter sei ein Gutachten durch das Gericht zu ver
an
lassen
(Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 18. Februar 2014 beantragte die
Be
schwerdegegnerin
die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwer
deführerin am 20. Februar 2014 mitgeteilt wurde (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Wartezeit im Sinne Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG gilt in jenem Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit ein
ge
treten ist. Als erheblich in diesem Sinne gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von
20 % (AHI 1998 S.
124 E. 3c; Urteil des Bundesgerichts I 10/05 vom 14. Juni
2005 E. 2.1.1 in
fine
mit Hinweisen). Unter relevanter Arbeitsunfähig
keit im Sinne
dieser Bestimmung
ist eine Einbusse an funktionellem Leistungs
vermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen. Das heisst, es muss arbeitsrechtlich in Erscheinung treten, dass die versicherte Person an Leistungs
vermögen eingebüsst hat, so etwa durch einen Abfall der Leistungen mit ent
sprechender Feststellung oder gar Ermahnung des Arbeitsgebers oder durch ge
häuf
te, aus dem Rahmen fallende gesundheitlich bedingte Arbeitsaus
fälle. Mit ande
ren Worten: Die Leistungseinbusse muss in aller Regel dem sei
nerzeitigen Arbeitgeber aufgefallen sein.
Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte me
di
zinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht. Umge
kehrt ist eine in der
beruflichen Tätigkeit im Vergleich zu einer gesunden Per
son tatsächlich nur reduziert erbrachte Leistung für sich allein gesehen in aller Regel ebenso wenig
ausreichend für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit im Sinne des Gesetzes. Viel
mehr bedarf es dazu regelmässig zusätzlich einer (über
zeugenden) medizi
ni
schen Einschätzung, die
ordentlicherweise
echtzeitlicher Natur ist.
Der Zeitpunkt des Eintritts der Arbeitsunfähigkeit muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sein. Dieser Nachweis darf nicht durch nachträgliche er
werbliche oder medizinische Annahmen und spekulative Überlegungen ersetzt werden (Urteil des Bun
desge
richts 8C_204/2012 vom 19. Juli 2012 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen
).
2.
2.1
In der
angefochtenen
Ver
f
ügung
erwog die Beschwerdegegnerin,
aus den medi
zinischen Unterlagen gehe hervor, dass die Beschwerdeführerin lediglich vom Februar 2012 bis Juni 2012 und ab dem 10
.
Oktober bis zum 20. Oktober 2012
in ihrer Tätigkeit als Reinigungskraft erheblich eingeschränkt gewesen sei. Da
her
sei eine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsunfä
hig
keit nicht ausgewiesen
(Urk. 2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
im
Fest
stellungsblatt
für den Beschluss vom 29. April 2013 werde zu Unrecht davon aus
gegangen, dass das Wartejahr nicht erfüllt sei, obwohl selbst aus den Anga
ben des RAD sinngemäss hervorgehe, dass die angestammte Tätigkeit in der Reini
gung nicht mehr möglich sei, indem selbst für eine angepasste Tätigkeit diverse Einschränkungen aufgeführt würden. Zur Klärung des Umfangs der ver
bleiben
den Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit und auch zur Be
stimmung des Beginns des Wartejahres sei eine polydisziplinäre Begutachtung unabding
bar
. Zur Klärung der komplexen
medizinischen
Situation genüge es nicht, dass der RAD die eingereichten Berichte prüfe und nur einzelne darin ausdrücklich
ärzt
licherseits aufgeführte Phasen der Arbeitsunfähigkeit berücksichtige, sondern
es hätte eine polydisziplinäre Einschätzung der Gesamtarbeitsunfähigkeit erfo
l
ge
n müssen.
Angesichts des Umstandes, dass die Beschwerdegegnerin den
Untersu
chungsgrundsatz
verletzt habe, sei die Sache
zur
Vornahme
einer
polydiszipli
nä
ren
Abklärung
an diese
zurückzuweisen
(Urk. 1
S. 6 f.
).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung vom
4. Dezember 2013
sinngemäss damit, dass
das Wartejahr im Sinne von Art. 28
Abs. 1
lit
. b IVG nicht erfüllt sei und deshalb die
Voraussetzung
en
eines Ren
tenanspruches
nicht gegeben seien
.
Streitig und zu prüfen ist
somit
,
ob
die Be
schwer
deführerin
während
eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durch
schnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig gewesen ist.
3.2
Die Voraussetzungen für die Entstehung eines Rentenanspruches gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG müssen
auch bei
Neuanmeldungen erfüllt sein.
Unter einer relevan
ten Arbeitsunfähigkeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG ist eine Einbusse an funktionellem Leistungsvermögen im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zu verstehen.
Für die Bejahung
einer Arbeitsunfähigkeit (Art.
6 ATSG)
bedarf es
regelmässig einer (überzeugenden) medizinischen Einschätzung, die
ordentli
cher
weise
echtzeitlicher Natur ist. Eine erst nach Jahren rückwirkend festgelegte medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genügt nicht (vgl.
E.
1.3
).
Die von der Beschwerdeführerin beantragte polydisziplinäre Begutachtung zur
– retro
spektiven -
Feststellung der Arbeitsunfähigkeit ist somit nicht angezeigt, son
dern
die
Dauer der
Arbeitsunfähigkeit
ist anhand der echtzeitlichen Arztberichte zu ermitteln.
Im Übrigen ist – e
ntgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
(Urk. 1 S.
8)
–
davon auszugehen, dass die behandelnden Ärzte in ihren Be
rich
ten
jeweils eine Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten, wenn eine solche vorgelegen
wäre
.
3.3
Aus den medizinischen Akten geht hervor, dass
bei der Beschwerdeführerin
kern
spintomographisch
eine hochgradige Einengung des Spinalkanals im Seg
ment
L4/5 aufgrund einer degenerativen Segmentdegeneration mit
Antero
lis
these
des LWK 4 gegenüber LWK 5 nachgewiesen wurde, weshalb
am 22.
Februar
2012 im
Y._
eine Dekompression mit
Spon
dylodese
durch
geführt wurde (
Urk. 8/39/57
f.)
.
F
ür diese Operation war die Be
schwerdeführerin
vom 21. Februar 2012 bis zum
29. Februar 2012 hospitalisiert
. Im
Austritts
be
richt
vom 2. März 2012 wurde eine Arbei
tsunfähigkeit von 100 % vom 21.
Februar 2012 bis zum 15. Mai 2012 attestiert (Urk. 8/
39/59).
Im Bericht des
Y._
vom 15. Mai 2012 wurde ein erfreulicher posto
perativer Ver
lauf mit zum Teil noch
persistierenden Ischialgien festgehalten. Es wurde für vier Wochen eine Leistungsminderung von 50 % attestiert (Urk. 8/39/64).
Ent
sprechend wurde i
m Bericht des
Y._
zuhanden des
Kran
kentaggeld
versicherer
s
vom 16. Mai 2012 ausgeführt, es bestehe eine Arbeits
un
fähigkeit von 100 % vom 21. Februar 2012 bis zum 14. Mai 2012 sowie
eine Arbeitsunfähigkeit
von 50 % vom 15. Mai 2012 bis zum 14. Juni 2012 (Urk. 8/39/65
= Urk. 8/44/3
). Die attestierten Arbeitsunfähigkeiten stimmen auch
mit den von der Beschwerdeführerin in ihrer
IV-
Anmeldung vom 25. September
2012
(Urk. 8/25/6)
gemachten Anga
ben überein
.
Weitere
vorübergehende Ar
beits
unfähigkeit
en
von 100 % wurde
n
sodann
vom
Y._
, De
partement Medizin, wegen eines Erysipel
s
des rechten Ober- und Unterschen
kels vom 10. Oktober 2012 bis 20. Oktober 2012 (Urk. 8/39/
71-
72) und
von
Dr.
med.
Z._
, FMH ORL,
vom
20
. Juni 2013 bis
7. Juli 2013
infolge ei
ner
am 20.
Juni
2013 durchgeführten
Septumplastik
und
Turbinoplastik
aufgrund einer
massiven S-förmigen
Septumdeviation
und Muschelhyperplasie
(Urk. 8/57/1 und
Urk. 8/57/4)
attes
tiert
.
Dass die behandelnden Ärzte darüber hinaus Einschrän
kungen der Ar
beitsfähigkeit
in der bisherigen Tätigkeit
attestiert hätten, ist aus den
Akten nicht ersichtlich
und wird
auch
von der Beschwerdeführerin nicht gel
tend gemacht
.
Somit ist gestützt auf die echtzeitlichen Arztberichte die Vor
aussetzung einer
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch besteh
en
de
n
mindestens 40%
igen durchschnittlichen Arbeitsunfähigkeit in bisheriger Tätig
keit nicht erfüllt.
Dass die Beschwerdeführerin die zeitlichen Vo
raussetz
ungen gemäss Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG für den
Rentenanspruch
nicht erfüllt, wurde denn auch von ihrem damaligen Rechtsvertreter im
Einwand vom 29. Mai
2013
ausdrücklich anerkannt (Urk. 8/53 S. 5).
3.4
Einen Anspruch auf die im
Vorbescheidverfahren
beantragten beruflichen Mass
nahmen (Urk. 8/53) hat die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfü
gung verneint
(Urk. 2)
, was die Beschwerdeführerin im vorliegenden
Be
schwer
de
verfahren
nicht beanstandet hat (Urk. 1). Ausführungen dazu erübrigen sich
deshalb. Es bleibt der Beschwerdeführerin jedoch unbenommen, bei der
Be
schwer
degegnerin
ein neues Gesuch um berufliche Massnahmen zu stellen.
4
.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
eine einjährige Arbeitsunfähigkeit von durchschnittlich mindestens 40 % im Sinne von Art. 28
Abs.
lit
. b IVG weder be
legt noch überwiegend wahrscheinlich ist,
weshalb sich die Beschwerde als un
begründet erweist und abzuweisen ist.
5
.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 600.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).