# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 311e8c6e-3c4c-4bb7-b330-ba4e4b28db6f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965
,
war
seit 2002
als Reinigungsmitarbeiterin bei der
Z._
angestellt
; ihren letzten Arbeitstag hatte sie am
19. Februar 2015
(Urk.
7/14
und Urk. 7/27
). Nach
der
Anmeldung zur
Früherfassung
durch ihre Arbeitgeber
in
am 12. Mai 2015
(Urk. 7/1
)
,
meldete sich die Versicherte am
15. Juli
2015 unter Hinweis auf eine
psychische Erkrankung
bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/10
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte in der Folge die medizinische und erwerbliche Situation ab und zog die Akten der
Kranken
taggeldversicherung
AXA Winterthur
(Urk.
7/15
)
sowie der BVK Personalvor
sorge
des Kantons Zürich
(Urk. 7/40) bei
.
Anschliessend wurde
durch die IV-Stelle
ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auftrag gegeben
(Urk. 7/49)
.
Am
7. September
2017 wurde das
psychiatrische
Teilgutachten durch
Prof.
Dr. med.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
sowie Neurologie
,
von der
B._
erstattet (Urk.
7/51
).
Mit Datum vom 16. September 2017
erging
en
das internistisch-rheumatologische Teilgutachten von
Dr. med.
C._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin sowie Rheumatologie
,
(Urk. 7/52)
und die
bidisziplinäre
Zusammenfassung (
Urk.
7/57)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7
/61,
Urk.
7
/69)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
11. Mai
2018 einen Rentenanspruch (Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
11. Juni
2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom
11. Mai
2018 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr eine
ganze
Invalidenrente ab Januar 2016 zuzusprechen, eventualiter sei die Angele
genheit zur Prüfung von Eingliederungsmassnahmen an die Vorinstanz zurück
zuweisen
(Urk. 1
S. 2
).
Die IV-Stelle
ersuchte
mit Beschwerdeantwort vom
10. August
2018
um
Abwei
sung der Beschwerde
(Urk. 6). Mit
Replik
vom 23. August 2018
erneuerte
die Beschwerdeführerin ihre
Rechtsbegehren
(Urk. 9). Die Beschwerdegegnerin ver
zichtete
am 2
0.
September 2018
auf die Erstattung einer Duplik (Urk. 11)
, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
24. September
2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
12
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1 sowie
130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar
ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 13
9 V 547 E. 5.2 und 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das
(fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungs
zuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokultu
rellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstän
digte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hin
reichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisieren
der psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentlichen Beeinträchti
gung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselb
ständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhän
gig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundes
gerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtge
mäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stam
men, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestat
ten. Insbesondere
darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizi
nische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allsei
tigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231
E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.6
Über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsan
wendung hat sich das Bundesgericht verschiedentlich geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten als auch den Organen der Rechtsanwendung aufgegeben, die Arbeitsfähigkeit im Einzelfall mit Blick auf die normativ vorge
gebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht. Bei der Abschätzung der Folgen aus den diagnostizierten gesundheitlichen Beeinträchti
gungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine wichtige Grundlage für die anschliessende juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 141 V 281 E. 5.2.1).
Die Rechtsanwender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere darauf
hin, ob die Ärzte sich an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen. Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach Massgabe des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden, sondern im Rahmen der Beweiswür
digung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen. Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann als geleistet betrachtet
werden, wenn die Prüfung der massgeblichen Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3
).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung
vom 11. Mai 2018
erwog die Beschwerdegeg
nerin, dass
bei der Beschwerdeführerin keine Invalidität
im Sinne des Gesetzes
vorliege.
Aus rheumatologischer Sicht bestehe keine Erkrankung, welche die Erwerbsfähigkeit erheblich und dauerhaft einschränke. Hinsichtlich der psychischen Beschwerden seien die
nicht zu berücksichtigenden
psychosozialen Belastungsfaktoren bei der Beschwerdeführerin vorherrschend und würden das Störungsbild weiter
hin
aufrechterhalten. Die Karzinomerkrankung habe überdies nur zu einer vorübergehenden Einschränkung der Arbeitsfähigkeit geführt
. Die Arbeitsfähigkeit im Reinigungsdienst sei aus medizinischer Sicht eingeschränkt, andere Hilfstätigkeiten seien hingegen ohne Einschränkung zumutbar
(Urk. 2)
.
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin
in ihrer Beschwerdeschrift vom 1
1.
Juni 2018
(
Urk.
1)
vor, dass
die psychiatrische Einschränkung aufgrund der Karzi
nomerkrankung entstanden sei und entsprechend eigenständigen, invalidisieren
den Charakter habe. Eine
Besserung
der Depression
sei frühestens in einem Jahr und nur mit ungewi
sser Wahrscheinlichkeit möglich
(S. 4)
. Die Ausführungen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) seien überdies unbeachtlich, da dem beur
teilenden Arzt
der notwendige Facharzttitel fehle. Die Beschwerdegegnerin habe überdies zu Unrecht von den Zweifeln am Ergebnis des eingeholten psychiat
rischen Gutachtens direkt auf eine volle Leistungsfähigkeit geschlossen
(S. 5)
.
Gestützt auf das psychiatrische Gutachten sei auf eine volle Erwerbsunfähigkeit zu erkennen (S. 6).
Überdies
sei
ihr die angestammte Tätigkeit als Reinigungsmit
arbeiterin aus rheumatologischer Sicht nicht mehr zumutbar
, weshalb zumindest
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen bestehe
(
S. 7
). Unterlegt wurden die
Ausführungen durch
eine Stellungnahme
vom 1. Juni 2018
von Dr. med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom
E._ (
Urk. 3).
2.3
In der Beschwerdeantwort
vom 10. August 2018
ergänzte
die Beschwerdegegne
rin, dass
bereits vor der Karzinomerkrankung eine depressive Episode bestanden habe und die behandelnden Ärzte bereits dannzumal festgestellt hätten, dass die gesamte Symptomatik als Reaktion auf massive Anforderungen im privaten Kontext interpretiert werden könne. Zweifelsohne würden weiterhin diverse psychosoziale Belastungsfaktoren bestehen. Überdies
stelle
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eine Rechtsfrage dar und
sei
nicht durch den Gutachter vorzu
nehmen. Mangels invalidisierendem Gesundheitsschaden
in Bezug auf die psychischen Beschwerde
n
best
ehe
auch kein Anspruch auf Eingliederungsmass
nahmen (Urk. 6).
2.4
Die Beschwerdefüh
rerin
brachte
in der Replik vom 23. August 2018
(
Urk.
9)
vor
, dass
es
o
hne die K
a
r
zinomerkrankung bei der
gebesserten
Situation wie nach dem Austritt aus der
F._
und der erwarte
ten Wideraufnahme der Arbeitstätigkeit geblieben
wäre
.
Der Wegfall der psycho
sozialen Belastungsfaktoren führe also nicht unmittelbar zum Wegfall der
psychiatrischen
Einschränkung; diese bestehe im Zusammenhang mit der psychischen Reaktion auf die Karzinomerkrankung eigenständig
(
S. 6
).
2.5
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.
1
Zuhanden der AXA Winterthur
verfassten
Dr.
med.
G._
, Assistenzarzt
sowie
Dr.
med.
H._
, Oberarzt
und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
von
der
F._
am 7. Juli 2015 einen Bericht und hielt
en
darin fest, dass
die Beschwerdeführerin am 28. Mai 2015 freiwillig
a
uf Zuweisung ihrer Psychiaterin med.
pract
.
I._
und
vor dem Hintergrund einer depressiven Störung infolge einer chronischen Belastungssituation
in die Klinik eing
etreten sei
(Urk. 7/15/
2
)
.
Dem entsprechenden Bericht von med.
pract
.
I._
vom 22. Juni 2015
ist
dazu
zu
ent
neh
men, dass die Beschwerdeführerin insgesamt dreimal zu einer Konsul
tation erschienen sei und bei ihr seit Jahren eine depressive Verstimmung bestehe, welche in den letzten Monaten deutlich zugenommen habe und mit einem sozialen Rückzug einhergehe. Es bestehe überdies der Verdacht auf eine somato
form
e Schmerzstörung nach ICD-10 F
45.4 (Urk. 7/15/5-6).
Laut den Ärzten der
F._
hat die
Beschwerdeführerin
berichtet, dass es ihr schon lange nicht gut gehe; angefangen habe alles im Jahr 1995, als ihr Ehemann einen Tumor im Magendarmtrakt diagnostiziert erhalten habe.
Infolge
finanzieller Schwierigkeiten
habe die Beschwerdeführerin dann als Reinigungskraft zu arbei
ten
begonnen. Aufgrund von Überbelastung und Überforderung mit der Arbeit und der Betreuung des Ehemannes
und Führung des Haushaltes
habe sie einen Zusammenbruch erlitten. Die Beschwerdeführerin habe bei Klinikeintritt ein schwer depressives Zustandsbild ohne psychotische Symptome
gezeigt, welche
s
mit einer integrierten psychiatrischen Behandlung mit medikamentösen, psycho
therapeutischen, bewegungs- und ergotherapeutischen Ansätzen behandelt werde. Nach dem Austritt werde eine intensive psychotherapeutische Behandlung aufgegleist
,
um festgefahrene Familienmuster zu bearbeiten. Eine zeitliche Prog
nose zur Entwicklung der Arbeitsfähigkeit könne derzeit nicht abgegeben werden (Urk. 7/15/
2
-4).
3.
2
Gemäss
dem
Bericht der
F._
vom
19. August 2015
(
Urk.
7/18) trat
die Beschwer
deführerin am 8. Juli 2015
aus der Klinik aus
(S. 1)
.
Die Ärzte
diagnostizierten
eine schwere depressive Episode ohne psych
otische Symptome
(
ICD-10 F
23.2
)
, ein
en
Verdacht auf eine Somati
sierungsstörung
(
ICD-10 F
45.0
)
sowie ein
en
b
enigne
n
paroxy
smale
n
Schwindel
(S. 2)
, was während des Aufenthaltes
in der
F._
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bedingt
habe (S. 5)
.
Die
erhobene
Symptomatik werde unter anderem auch als Reaktion auf die massiven Anforderungen interpretiert, welche die Beschwerdeführerin mit der Doppelbelastung durch Berufsalltag und Versorgung des Ehemannes zufallen würde
n
. Als negativer Aspekt hinsichtlich einer Stabilisierung weise sich die Unwilligkeit oder gegebenenfalls auch Angst der Beschwerdeführerin aus, etwas an ihrer Beziehung zum Ehemann zu verändern
(S. 4)
.
Während des Klinik
aufenthaltes
sei
eine
Besserung
der depressiven Symptomatik erarbeitet
worden
(S. 5)
.
F
ür die Zeit nach dem Austritt
wurde
n eine Pharmaka- sowie
eine inten
sive Psychotherapie empfohlen
,
um auch die familiären Strukturen und die Beziehung zum Ehemann zu erörtern
,
welche sich auch nach Austritt auf die Arbeitsfähigkeit auszuwirken schienen
(
S. 5
).
3.
3
Am 23. Oktober 2015 erstatte
te
n die behandelnden Fachleute des
E._
einen Bericht.
Sie
erachteten die Beschwerdeführerin
weiterhin
für
vollständig arbeits
unfähig
. Sie leide
an einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psychotische Symptom
e (ICD-10 F33.2)
,
sowie
an
einem
z
ervikozephalen
Sy
n
drom. Die Beschwerdeführerin sei geplagt von Depressionen, Gedankenkreisen, Motivationslosigkeit, Traurigkeit und Rückzug sowie Schwindel, Kopfschmerzen und
Halswirbelsäulen (
HWS
)
-Schmerzen, wobei trotz Medikation bisher keine Verbesserung
eingetreten sei. Aus ihrer Sicht wür
den die Beschwerden
mit den zunehmenden Schmerzen sowie
der
Überbelastung zusammenhängen. Eine Neubeurteilung könne frühestens in sechs Monaten vor
genommen werden (Urk. 7/25).
Dem Verlaufsbericht
des
E._
vom 27. Juni 2016
ist zu entnehmen, dass
die Beschwerdeführerin zunächst zwei Monate lang eine Intensivbehandlung absol
viert
habe
und nun in Einzeltherapie – stattfindend alle 14 Tage – st
ehe
. Ende Mai 2016 sei bei ihr ein Uterustumor diagnostiziert worden und es bestehe aktuell weiterhin eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei der Gesundheitszustand
gleich
geblieben
. Nun müsse
zunächst die Tumorbehandlung
abgewartet werden (Urk. 7/32).
3.4
Am 2
7.
Oktober 2015 erging das von der BVK in Auftrag gegebene vertrauens
ärztliche Gutachten (
Urk.
7/41). Darin nannte
Dr.
med.
J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, als Diagnose eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1; S. 14). Die depressive Entwicklung sei möglicherweise durch das Gefühl der Überbelastung vor etwa zwei Jahren entstanden (S. 13). Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Unter Behandlung sollte es zu einer
B
esserung des Zustandes kommen und die schrittweise Wiederaufnahme der angestammten Tätigkeit möglich sein (S. 15).
3.
5
A
m 23. Juni 20
16
musste
sich die Beschwerdeführerin
im
K._
,
Klin
i
k für Gynäkologie
,
nach
anämisierender
Blutung bei
Zervixkarzinom
einem operativen Eingriff – einer radikalen erweiterten Hysterektomie mit
Adnexektomie
beidseits
–
unterziehen
(
Urk.
7/47/18)
. Anschliessend wurde eine
adjuvante
Chemotherapie empfohlen
,
aber von der Beschwerdeführerin abgelehnt
(Urk. 7/33/5-9
und Urk. 7/51/55
).
3.
6
Im Verlaufsbericht des
E._
vom
9. März 2017
legten
die Fachleute
dar
, dass
im Zusammenhang mit der Operation, der Krankheit und dem Unfall des Ehemannes sowie dem plötzlichen Tod der Mutter weiterhin Traurigkeit, Antriebslosigkeit, eine Konzentrationsstörung sowie insgesamt keine namhafte Besserung
bestehe
. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin vollständig arbeitsunfähig. Nach Diagnos
tizierung des Karzinoms habe sie einen de
pressiven Rückfall erlitten,
ihre
Behandlung für ein halbes Jahr unterbrochen und die Medikation abgesetzt. Am 23. Februar 2017 sei die Behandlung
wieder
aufgenommen
worden (Urk. 7/39).
3.
7
3.7
.1
In der
psychiatrisch
en
Begutachtung durch
Dr.
A._
a
m 7. September 2017
(
Urk.
7/51)
schilderte die Beschwerdeführerin, dass ihre Probleme vor etwa zwei
Jahren begonnen hätten. Nach dem Austritt aus der
F._
sei es ihr deutlich
besser gegangen
; nach wie vor fühle sie s
ich jedoch überhaupt nicht gut (
S.
54). Die Tumorerkrankung habe in ihr massive Ängste ausgelöst und sie fürchte sich vor einem Rezidiv.
S
ie
habe
Schwierigkeiten, sich innerlich zu beruhigen. Sie habe nie Zeit für sich selbst, sondern schwere Mehrfachbelastungen gehabt
und sich eigentlich einen ruhigen Lebensabend vorgestellt. Nach ihrem Spitalaustritt habe ihr Ehemann im Juni 2016 im Kosovo einen schweren Autounfall gehabt, er sei nun stark behindert und auf Schritt und Tritt auf Hilfe angewiesen
(
S. 55
)
.
Über
dies sei ihre Mutter im November 2016 verstorben (
S.
61).
I
hre Lebenssituation habe sich in den letzten Jahren stark verschlechtert; immer sei etwas Neues und stark emotional Belastendes aufgetreten. Sie habe keine Kraft mehr, sei traurig und müsse viel
weinen
. Auch habe sie Angst um ihren Ehemann (
S.
55).
Dr.
A._
legte dar
, dass in der Begutachtung keine Hinweise auf
Verdeut
lichungen
oder Aggravation bestanden hätten
(S. 65)
. Die Beschwerdeführerin habe die Aufmerksamkeit und Konzentration während der rund zweistündigen Exploration halten können. Das Denk-Tempo sei verlangsamt und inhaltlich problemzentriert. Die Beschwerdeführerin sei nur schwach spürbar gewesen. Die Stimmungssituation sei deutlich zum negativen Pol verschoben, der Affekt sei deutlich reduziert, ebenso die Freudfähigkeit und die Interessen. Es bestünden eine unruhige Psychomotorik und ein sozialer Rückzug sowie reduziertes Selbst
werterleben.
Panikattacken seien nicht angegeben worden, überdies bestünde
n
kein
e
Hinweis
e
auf konkrete Suizidg
e
danken oder akute Suizidalität sowie
eine Persönlichkeitsstörung- oder
akzentuierung
(
S.
59
f.
).
Dr.
A._
kam zum Schluss,
im Rahmen der jahrelangen Mehrfachbelastung sei es im Februar 2015 zu einer Erschöpfungsdepression gekommen (S. 65). Nach anfänglicher Besserung
der
gemäss den psychopathologischen Schilderungen nachvollziehbaren schweren depressiven Episode (ICD-10 F32.2) zu einer mittel
gradigen depressiven Episode sei es durch die Tumorerkrankung zu einer erneu
ten Verschlechterung gekommen. S
eit Erkrankungsbeginn
sei
kein stabiler Gesundheitszustand erreicht worden, zumal weitere psychosoziale Belastungsfak
toren eine
Besserung
der Situation verunmöglicht hätten
. Zusammenfassend seien die neun geforderten Kriterien für die Diagnose einer schweren Depression erfüllt. Da das Störungsbild bereits länger als zwei Jahre bestehe, sei von einer beginnenden
Chronifizierung
auszugehen. Das Störungsbild sei nun als rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode
,
nach I
C
D-10 F33.8 einzuordnen
(vgl. auch S. 70)
. Das Störungsbild werde
durch psychosoziale Belastungsfaktoren aufrechterhalten und die Rückkehr in den Arbeitsmarkt werde durch weitere IV-fremde Faktoren
,
wie etwa ungenügende Sprachkenntnisse und d
i
e Abhängigkeit vom Sozialamt
,
erschwert (
S.
66).
Der Gutachter Dr.
A._
führte abschliessend aus, dass er die Situation der Beschwerdeführerin noch für besserungsfähig halte, wobei eine psychosoziale Entlastungssituation eintreten müsse, damit der Gesundheitszustand wesentlich besser
e
.
Es liege ein komplexes Krankheitsgeschehen aus psychischer
Erkran
kung, somatischen Störungen sowie psychosozialen Faktoren
vor, welches sich «teufelskreisähnlich» bisher selbst aufrechterhalten habe
(
S.
67).
Die mittel
schwere bis schwere Fähigkeits
s
törung befähige die Beschwerdeführerin nicht, in einer Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig zu sein; eine Tätigkeit im geschützten Bereich halte er mit einem Pensum von 50
%
für sinnvoll (S. 68).
Dr.
A._
hielt fest
, dass
sämtliche Bewertungen im Zusammenhang mit der
vollständigen Arbeitsunfähig
keit
auf medizinisch-theoretischer Grundlage gesch
ä
he
n
(S. 70)
.
Von dieser Einschätzung seien gegebenenfalls
die
IV-fremden
Anteile abzuziehen, die er, der Gutachter, ausführlich beschrieben habe
; dies sei
eine
juristische Aufgabe
(S. 69)
.
U
nter Wegfall der psychosozialen Belastungs
faktoren
würden die
Voraussetzungen geschaffen, dass die Depression remittieren könnte (Urk. 7/51/
70
).
3.
7
.2
D
em
internistisch-rheumatologische
n
Gutachten
vom 16. September 2017
(Urk. 7/52)
von Dr.
C._
sind
folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
zu entnehmen
(
S.
57)
:
-
V
erminderte Belastbarkeit und rechtsbetonte HWS-Beschwerden bei
-
m
ässiger
Osteochondrose
C5/C6 mit leichter S
p
inalkanalstenose sowie mittelschwerer bis schwerer
Foraminalstenose
C5/C6 links
, o
hne Kom
pr
ession neurogener Strukturen bei
s
ymmetrischer und kräftiger Nacken
muskulatur
-
b
ildgebend seit Jahren im W
esentlichen unverändert
(MRI 09/2017 gegenüber MRI 03/2015
)
,
szintigraphisch
ohne vermehrte Aktivität der HWS
-
o
hne
radikuläre
Zeichen
Dr.
C._
hielt fest, dass die bildgebenden Befunde keineswegs gravierend seien
, insbesondere da keine Kompressionen neurogener Strukturen erkennbar seien
. Da die
Befunde
hauptsächlich links seien und die Beschwerdeführerin die Beschwerden vor allem re
chts, also auf der Gegenseite an
g
egeben habe
, sei es wahrscheinlich, dass diese Befunde der
HWS
keinen Zusammenhang
mit
den geklagten Beschwerden hätten.
Dr.
C._
listete diese Befunde
in der Diag
nose
dennoch auf, um der Beschwerdeführerin nicht «Unrecht zu tun»
, auch wenn diese das Ausmass der angegebenen Beschwerden nur zu einem kleinen Teil erklärten
(
S.
59)
.
Dr.
C._
sind zudem
Diskrepanzen aufgefallen. Oft habe die Beschwerdefüh
rerin
wegen
Schmerzen gestöhnt, dies sei bei Ablenkung aber ausgeblieben. Gleiches gelte für den
gezeigten
hinkenden Gang. Die Untersuchung des Bewegungsapparates sei durch die Gegenspannung der Beschwerdeführerin erschwert worden. Die Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule habe aufgrund des
sen nicht geprüft werden können
, Hals- und Brustwirbelsäule seien normal beweglich
.
Der
Dolorimetriebefund
zeige ein
e
Schmerzausweitung.
Die Bioimpe
danz-Analyse habe eine erfreulich grosse Muskelmasse trotz Adipositas gezeigt, weswegen eine lang andauernde körperliche Schonung daraus nicht abgeleitet werden könne
(S. 58)
. Der Medikamentenspiegel sei hinsichtlich
Trittico
weit unterhalb des therapeutischen Bereichs gelegen. Das Schmerzmittel
Dafalga
n
habe im Blut nicht nachgewi
e
sen werden können, obwohl die B
eschwerdeführe
rin angegeben hab
e, bereits am Morgen des Untersuchungstages 3 g
Dafalgan
gebraucht zu habe
n
(
S. 59
).
Die Beschwerdeführerin sei in einer angepassten
HWS-schonenden
Tätigkeit
zu
100 % arbeitsfähig
(S. 59)
. In ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungsmitar
beiterin bestehe
lediglich
die
Einschränkung, dass das Hantieren mit grösseren Gewichten (über 12.5 kg) nicht bewältigt werden könne, was aber ein selten auf
tretender Teilbereich der Tätigkeit sei (
S.
60).
3.7
.3
In der
bidisziplinären
Zusammenfassung vom 1
6.
September 2017 (
Urk.
7/57)
nannten die Gutachter folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit:
-
b
eginnend
chronifizierte
rezidivierende depressive Störung (> 2 Jahre anhal
tend bestehend);
gegenwärtig schwere Episode; ICD-10 F33.8
-
v
erminderte Belastbarkeit und rechtsbetonte HWS-Beschwerden bei
-
mä
ssiger
Osteochondrose
C5/C6 mit leichter Spinalkanalstenose sowie
mittelschwerer bis schwerer
Foraminalstenose
C5/C6 links
-
ohne
radikuläre
Zeichen
Zur Arbeitsunfähigkeit führten sie aus, dass aus
psychiatrischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit
von
0
%
sowohl
in der angestammten
Tätigkeit als Reinigungs
mitarbeiterin
als auch
in anderer angepasster Tätigkeit
vorliege
. Von dieser
Ein
schätzung der Arbeitsunfähigkeit
seien
gegebenenfalls IV-f
remde Anteile abzuziehen
.
Diese Arbeitsunfähigkeit
besteh
e
anhaltend sei
t Februar
201
5.
3.
8
In der Stellungnahme zum
bidisziplinären
Gutachten hielt d
er RAD-Arzt Dr. med.
L._
, Facharzt für Chirurgie, am 26. September 2017 fest, dass
dem
rheuma
tologische
n
Gutachten von Dr.
C._
zu folgen sei (
Urk.
7/60/7)
. Hingegen sei
auf
das
psychiatrische Teilgutachten von Dr.
A._
nicht
abzustellen
.
Obwohl
dieser die
psychosozialen Faktoren
betont habe
,
habe er
dennoch eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
postuliert
. Z
wei
dieser
Faktoren (Haushaltsbelastung und Arbeitsbelastung)
bestünden nicht mehr
und ein dritter Faktor (die Pflege des Ehemannes)
sei
in Frage zu stellen (Urk. 7/60/
8
).
3.
9
Im nach
Verfügungserlass
zuhanden der Beschwerdeführerin
erstellte
n Bericht des
E._
vom
1. Juni 2018
hielten
die
behandelnden Fachleute
fest
, dass dem Gutachten und den Erwägungen im Vorbescheid nicht gefolgt werden könne. Es entbehre jeglicher Objektivität, wenn psychosoziale Faktoren als Ursache der Depression konstruiert würden. Vielmehr habe die krankheitsbedingte Unmög
lichkeit, die Rolle als Ernährerin der Familie wahrzunehmen, zur Arbeitsunfähig
keit geführt. Ursächlich für die Depression seien die Schmerzen und der Verlust der Fähigkeit, am Arbeitsmarkt teilzunehmen (Urk. 3).
4.
4.1
Zunächst ist festzuhalten, dass aus rheumatologischer Sicht
auf die Einschätzung von Dr.
C._
abgestellt werden kann. Das Gutachten genügt den
praxisge
mässen
Anforderungen
, um ihm Beweiswert zuzusprechen
(vgl. E. 1.5)
; anderes wird von der Beschwerdeführerin auch nicht behauptet.
Die geklagten
rechts
betonten
Beschwerden konnten durch
die erhobenen
Befunde
nicht
vollends
erklärt
werden.
Ins Gewicht fallen
zudem die
von
Dr.
C._
genannten
Diskrepanzen, sei es beim leidensbetonten Auftreten der Beschwerdeführerin, dem
geprüften
Medikamentenspiegel oder de
n
teilweise nicht durchführbaren Untersuchungen aufgrund
aktiver
Gegenspannung
durch die Beschwerde
-
führe
rin
.
Zusammengefasst ergibt sich aus somatischer Sicht
keine rele
vante Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit.
Das Hantieren mit
über
12.5 kg
ist
in der Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin
wohl
selten
nötig
, was von der Beschwerdeführerin auch nicht substantiiert in Abrede gestellt wurde (
Urk.
1 S. 7). W
eitere somatisch bedingte Einschränkungen der Leistungsfähigkeit wurden durch Dr.
C._
nachvollziehbar
verneint
.
Die
Behauptung der Beschwerdeführerin, auch das Arbeiten auf Leitern, über Kopf, kniend oder bückend sei ihr nicht möglich
(
Urk.
1 S. 7), findet in den
medizinischen Unterlagen
keine Stütze.
Die abweichende Beurteilung durch
Dr.
med.
M._
, Physikalische Medizin FMH, die am
8.
Februar 2016 wegen psychischen Leiden und einem Zervikal
-
syn
drom
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestierte (
Urk.
7/47/24)
,
ist nicht begründet und daher nicht geeignet, die gutachterliche Einschätzung in Zweifel zu ziehen.
4.2
Auch das Gutachten von Dr.
A._
erfüllt die notwendigen Voraussetzungen für einen beweiswerten Bericht.
Di
e Stellungnahme des fachfremden
RAD-Arztes ist nicht nachvollziehbar und nicht begründet, so dass dieser
(entsprechend der Argumentation der Beschwerdeführerin)
nicht gefolgt werden kann.
Dr.
A._
hat
ein umfassendes Gutachten erstellt,
dabei
sämtliche
Vorakten
in Kenntnis gezogen, mit der Beschwerdeführerin ein umfassendes Gespräch geführt und seine Beurteilung wie auch die Schlussfolgerungen begründet. Dass Dr.
A._
die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus rein medizinischer Sicht vornimmt, ist nicht zu beanstanden. Wie ausgeführt (E.
1.6
) ist die
abschliessende
Einschätzung des Leistungspotentials
letztlich
eine juristische Aufgabe. Dr.
A._
hat
zwar
die
ausführlich
beschriebenen
IV-fremden Faktoren
in seiner Zumutbarkeitsbeur
teilung
nicht berücksichtigt
, aber dennoch mehrfach in seinem Gutachten aufge
führt, so dass der Rechtsanwender deren Einfluss auf die Leistungsfähigkeit
prüfen
kann
.
Insofern ist nachfolgend der Einfluss der
IV-fremden
Belastungs
faktoren auf die
aus ärztlicher Sicht bescheinigte
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin zu prüfen
, zumal der medizinische Experte eine solche
Prü
fung ausdrücklich nahe gelegt hat.
4.3
Aus
sämtlichen
medizinischen Akten
– sei es seitens
des
Gutachter
s
oder seitens
der
Behandler
in
der
F._
und
im
E._
–
geht hervor, dass
bei der Beschwerde
führerin bereits seit Jahren zahlreiche belastende
und immer wieder neu ent
stehende
Umstände
vor
lagen, die zur Entstehung der depressiven Symptomatik mit nachfolgendem Verlust der Arbeitsstelle geführt hatten
.
Die Beschwerdefüh
rerin
selbst sagte
mehrfach
, dass sie unter der jahrelangen Mehrfachbelastung
–
begründend in der Haushaltsführung, der seit Mitte 2016 intensivierten Pflege des Ehemannes sowie der bis 2015 gleichzeitigen Erwerbstätigkeit in Vollzeit
–
leide.
Ihr Leben habe sich nicht so entwickelt, wie sie es sich erhofft habe.
Dazu kommen
familiäre und eheliche Belastungen sowie finanzielle Schwierigkeiten.
S
eit April 2017 bezieh
t
die Beschwerdeführerin Sozialhilfe, sie ha
t
Schulden und
wird
für Steuerforderungen betrieben.
Sie
fühl
t
e sich sozial isoliert, sie
hat
nur eine Freundin und kein weiteres Netzwerk, zudem schränk
t
sie die Sprachbarriere ein.
Die Beschwerdeführerin macht
e
geltend,
seit
ihrer Tumorerkrankung habe sich ihr depressives Zustandsbild zu einer eigenständigen Erkrankung entwickelt, so dass die
psychosozialen Faktoren
für sich alleine
ihren Gesundheitszustand
nicht
erklären würden. Die Beschwerdeführerin verkennt dabei, dass sie selbst gegen
über dem Gutachter festhielt, dass nebst der Angst vor einem Rezidiv im Juni 2016 ihr Ehemann einen schweren Autounfall erlitten hatte und sie ihn seither pflegen müsse
, was enorm belastend sei
. Ausserdem sei nur wenige Monate später ihre Mutter verstorben.
Dazu kommen die finanziellen Sorgen
.
Insofern
kann der
beschwerdeweise angeführten
Argumentation der Beschwerdeführerin, wonach es ohne die Karzinomerkrankung bei der
gebesserten
Situation geblieben wäre, nicht
gefolgt werden
.
Aus dem Gutachten von Dr.
A._
lässt sich
denn auch
kein eigenständige
r
Gesundheitsschaden ableiten, welcher nicht im Wesentlichen in den psychoso
zialen und soziokulturellen Umständen seine hinreichende Erklärung finden würde.
Dr.
A._
äussert
zwar
die Vermutung einer maladaptiven Krankheits
verarbeitung nach der Tumorerkrankung
, jedoch ohne konkrete Befunde
zu nennen
.
Er wies hingegen darauf hin, dass
bisher kein stabiler Gesundheits
zustand erreicht worden
sei
, da die Beschwerdeführerin immer wieder von weite
ren belastenden Faktoren getroffen worden sei und überdies weitere erschwerende Faktoren wie
die
Abhängigkeit vom Sozialamt und ungenügende Sprachkenntnisse dazu
ge
kommen
seien
.
Aus dem Gutachten geht – entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin – nicht hervor, dass die depressive Problematik in der Karzinomerkrankung gründet und
deswegen
zu einer langfristigen
, eigen
ständigen
Beeinträchtigung geworden ist.
Im Gutachten finden sich dahingehend auch nur mässig ausgeprägte Befunde (vgl. E. 3.
7.
1
).
Dr.
A._
ging
ausser
dem
ausdrücklich
davon aus
, dass mit einer psychosozialen Entlastung
beziehungsweise
einem Wegfall der Belastungsfaktoren
eine wesentliche
Besse
rung
des Gesundheitszustandes
oder
sogar eine Remission der Depression
erreicht werden könnte
(Urk. 7/51/69)
.
Dies
lässt darauf schliessen, dass die belastende Situation das Beschwerdebild unterhält
.
4.4
In Übereinstimmung mit de
n
Gutachtern hielten die
Behandler im
E._
in ihre
n
vor der Karzinomerkrankung
verfassten
Berichten
fest, dass die Beschwerden mit den zunehmenden Schmerzen sowie der generellen Überbelastung zusammen
hängen würden. Nach der Karzinomerkrankung sei ein depressiver Rückfall
aufgetreten
und die Behandlung sei unterbrochen worden.
Sie
führten
aber auch
aus
, dass
die Krankheit und der Unfall des Ehemannes sowie der plötzliche Tod der Mutter der Beschwerdeführerin
Einfluss auf die Verschlechterung der Situa
tion gehabt hätten
.
Der neueste Bericht des
E._
(Urk. 3, vgl. E. 3.
9
) steht zu diesen Schilderungen im Widerspruch
,
da nun die psychosozialen Faktoren als völlig irrelevant bezeichnet
werden
,
ohne
dass die Fachleute
dies begründe
t
hätt
e
n.
Ein eigenständiger
Gesundheitsschaden
ist daher aufgrund der Berichte
des
E._
nicht
erstellt
. In
diesem Zusammenhang
und
unter
Verweis auf die
nicht erläuterte
Widersprüchlichkeit der Berichte
bleibt
zu erwähnen, dass behandelnde Ärzte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc)
, weshalb ihre Berichte
rechtsprechungs
gemäss mit Zurückhaltung zu würdigen sind
.
Das Gutachten steht
zudem
im Einklang mit den Berichten der
F._
. Darin wurden wiederholt die belastenden Umstände namentlich in der Familie angesprochen und die
Erörterung
der diesbezüglichen Probleme empfohlen, was die Beschwer
deführerin jedoch ablehnte.
Die Psychiaterin
Dr.
J._
sah ihrerseits
in der Überbelastung die mögliche Ursache für die depressive Entwicklung.
4.5
Das klinische Beschwerdebild
der Depression
ist damit mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit auf die soziokulturellen und psychosozialen Belastungsfaktoren zurückzuführen, da im Wesentlichen Befunde erhoben wurden, welche in den belastenden Umständen eine hinreichende Erklärung finden – eine davon klar unterscheidbare andauernde Depression ist nicht
mit der erforder
l
ichen
überwie
gend
en W
ahrscheinlich
keit
erstellt. Die zur Arbeitsunfähigkeit beitragenden Symptome werden massgeblich durch die
anhaltende und
ungelöste psychoso
ziale Situation unterhalten.
Insofern ist festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden vorliegt
, weshalb eine
Indikatorenprüfung
unter
bleiben kann
.
Dies
führt zur Verneinung des Rentenanspruch
s
und zur Abweisung der vorliegenden Beschwerde.
Insoweit die Beschwerdeführerin um Eingliederungsmassnahmen
ersuchte, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten, da im angefochtenen Entscheid über keine konkreten Massnahmen befunden wurde.
Die Beschwerdegegnerin wird darüber noch zu entscheiden und dabei zu berücksichtigen haben
, dass
das IVG keinen einheitlichen Invaliditätsbegriff kennt, sondern dem System der leistungsspezi
fischen Invalidität folgt (BGE 126 V 241 E. 4).
5.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.–– anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.