# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 05a0d275-22e4-548b-8649-f31b347bde4c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1990 geborene
X._
absolvierte vom 2
0.
August 2007 bis 19. August 2010 eine Berufslehre als Maler bei der
Y._
AG und arbeitete anschliessend vom 30. August bis zu seiner Auflösung des Arbeitsverhältnisses per 19. Novem
ber 2010 als Maler für die
Z._
AG (
Urk.
9/
1-
3, Urk. 9/5 und Urk. 9/7). Am 29. April 2011 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte mit Hinweis auf Knieschmerzen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/3). Zur Abklärung der erwerblichen und medizi
nischen Verhältnisse zog die IV-Stelle einen Auszug aus dem
i
ndividuellen Konto bei (
Urk.
9/6), holte Arbeitgeberberichte (Urk. 9/5 und
Urk.
9/7) sowie Berichte der behandelnden Hausärztin ein (
Urk.
9/16-17).
Im Mai 2011 schloss der Beschwerdeführer a
n der
S
chule
A._
das
selbstfinanzierte
Handelsdiplom VSH ab (
Urk.
9/15).
Nach erfolgloser Einladung zur Untersuchung durch den
Regionalen Ärztlichen Dienst
(
RAD) am 2
7.
Juli 2011 (
Urk.
9/19) wurde der Versicherte am
7.
Oktober 2011
von Dr. med.
B._
, Facharzt Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, orthopädisch untersucht (Bericht vom 1
0.
November 2011, Urk. 9/21-22). Vom 2
3.
Juli 2012 bis am 2
2.
Januar 2013 absolvierte der Versicherte ein von der IV-Stelle
finan
ziertes Arbeitstraining
in Form eines Praktikums in der Abteilung Rechnungswe
sen der
C._
in Verbindung mit dem Lehrgang Sachbearbeiter Rechnungswesen ab
dem 1
0.
November 2012 bis am 30.
April 2013 (Urk. 9/35-60). Mit Mitteilung vom 2
7.
Mai 2013 wurden die beruflichen
Massnahmen
abgeschlossen (
Urk.
9/61) und mit Verfügung vom
8. Juli 2013 verneinte die
IV-Stelle wie vorb
eschieden einen Rentenanspruch
(Urk. 9/65).
Am
9.
März 2016 meldete sich der Versicherte unter Beilage diverser Arztberichte erneut für berufliche
Massnahmen
an (Urk.
9/66 und
Urk.
9/70-71). Mit Vorbe
scheid vom 14. April 2016 stellte die IV-Stelle dem Versicherten ein Nichteintre
ten auf sein Leistungsbegehren in Aussicht (Urk. 9/77). Aufgrund seines da
gegen erhobenen Einwands vom 13.
Mai 2016 (
Urk.
9/83) wurde er zur Abklärung sei
ner beruflichen Situation zu persönlichen Gesprächen eingeladen (Urk. 9/85, Urk. 9/87 und
Urk.
9/91) und es wurde ein Auszug aus dem individuellen Konto beigezogen (Urk.
9
/88). Nachdem der Versicherte die IV-Stelle mit Schreiben vom 2
3.
September 2016 über seinen Umschulungswunsch zum Bauzeichner infor
miert hatte
(Urk. 9/99)
,
wurde er am
23.
November 2016
informiert
, dass eine Umschulung geprüft werde (Urk. 9/105). Nach mehreren persönlichen Gesprächen erfolgte je eine Kostenübernahme mit Mitteilung vom 3. Mai 2017 für eine
soge
nannte
MODAC-Abklärung bei
D._
(
Urk.
9/126) und mit Mitteilung vom 1
1.
September 2017 für das Coaching zur Lehrstellensuche durch
E._
(Urk. 9/133). Nachdem die IV-Stelle den Versicherten mit Schreiben vom 1
3.
April 2018 (
Urk.
9/137) und mit Schreiben vom 1
3.
Juni 2018 (
Urk.
9/139) zur Wahrnehmung seiner Mitwirkungspflichten aufgefordert hatte
,
stellte sie ihm mit Vorbescheid vom 2
8.
Juni 2018 (
Urk.
9/140) den Abbruch der beruflichen
Massnahmen
wegen mangelnder Mitwirkung in Aussicht. Mit Verfügung vom 10. September 2018 wurden die beruflichen
Massnahmen
abgebrochen (Urk. 9/147). In der Folge holte die IV-Stelle einen aktuellen medizinischen Bericht ein (
Urk.
9/153) und stellte dem Versicherten mit Vorbescheid vom 25. Januar 2019 die Ablehnung des Rentengesuchs in Aussicht (Urk. 9/156). Auf die gegen den Abbruch der beruflichen
Massnahmen
erhobene Beschwerde trat das hiesige Gericht mangels Rechtzeitigkeit mit Beschluss vom
7.
Februar 2019 nicht ein (Verfahren IV.2018.00933,
Urk.
9/157). Mit Verfügung vom
8.
März 2019 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (Urk. 7/159).
Am 1
7.
Dezember 2019 stellte der Versicherte abermals bei der IV-Stelle ein Gesuch um berufliche
Massnahmen
(
Urk.
9/160-161). Nach Aufforderung durch die IV-Stelle
,
die geänderten tatsächlichen Verhältnisse glaubhaft zu machen,
reichte der Versicherte mit Schreiben vom 2
3.
Januar 2020 ein Arztzeugnis und eine
ä
rztliche Bescheinigung ein (
Urk.
9/
163-164). Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Vorbescheid vom 21. April 2019 [Urk. 9/170] und Einwand vom
2.
Juni 2020 [Urk. 9/176]) wurde das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 1
5.
Juni 2020 abgewiesen (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
14. Juli 2020
Bes
chwerde und beantragte, ihm sei
in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
ein Anspruch auf Umschu
lung
/Neu
ausbildung
zu gewähren
. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um einen zweiten Schriftenwechsel sowie um Bewilligung der unentgeltlichen
Rechtspflege (Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
10. September 2020
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8),
was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
11. September 2020
zur Kenntnis gebracht wurde
. Das hiesige Gericht erachtete einen zweiten Schriften
wechsel für nicht notwendig (Urk. 10
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
IVG
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
). Nach Massgabe der Art. 13 und 21 IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich (Abs. 2). Nach Massgabe von Art. 16 Abs. 2
lit
. c IVG besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbs
fähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu erhalten oder zu verbessern (Abs. 2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.3
Gemäss
Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschu
lung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vor
gängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Ver
besserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.4
Nach der Rechtsprechung ist unter Umschulung grundsätzlich die Summe der Eingliederungsmassnahmen berufsbildender Art zu verstehen, die notwendig und geeignet sind, der vor Eintritt der Invalidität bereits erwerbstätig gewesenen ver
sicherten Person eine
ihrer früheren annähernd gleichwertige Erwerbsmöglichkeit
zu vermitteln. Dabei bezieht sich der Begriff der «annähernden Gleichwertigkeit» nicht in erster Linie auf das Ausbildungsniveau als solches, sondern auf die nach erfolgter Eingliederung zu erwartende Verdienstmöglichkeit. In der Regel besteht nur ein Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck angemessenen, notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als diese im Einzelfall notwendig, aber auch genügend ist (BGE 130 V 488 E. 4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_163/2008 vom 8. August 2008 E. 2.2). Schliesslich setzt der Anspruch auf Umschulung voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumutbaren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbseinbusse von etwa 20
%
erleidet, wobei es sich um einen blos
sen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b mit Hinwei
sen auf u.a. AHI 1997 S. 80 E. 1b; ZAK 1984 S. 91 oben, 1966 S. 439 E. 3).
Für die Beurteilung der Gleichwertigkeit im Sinne der erwähnten Rechtsprechung ist in erster Linie auf die miteinander zu vergleichenden Erwerbsmöglichkeiten im ursprünglichen und im neuen Beruf oder in einer der versicherten Person zumutbaren Tätigkeit abzustellen. Zwar geht es nicht an, den Anspruch auf Umschulungsmassnahmen – gleichsam im Sinne einer Momentaufnahme – aus
schliesslich vom Ergebnis eines auf den aktuellen Zeitpunkt begrenzten Einkom
mensvergleichs, ohne Rücksicht auf den qualitativen Ausbildungsstand einerseits und die damit zusammenhängende künftige Entwicklung der erwerblichen Mög
lichkeiten anderseits, abhängen zu lassen. Vielmehr ist im Rahmen der vorzuneh
menden Prognose (BGE 110 V 99 E. 2) unter Berücksichtigung der gesamten Umstände nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkommensentwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellen
wert der beiden zu vergleichenden Berufe mit zu berücksichtigen. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeit in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbil
dungen einen einigermassen vergleichbaren
Wert aufweisen (BGE 124 V 108
E.
3b; AHI 1997 S. 86 E. 2b; Urteile des Bundesgerichts I 826/05 vom 28. Februar 2006 E. 4.1 in
fine
und I 783/03 vom 18. August 2004 E. 5.2 mit Hinweisen; Meyer-Blaser, Zum Verhältnismässigkeitsgrundsatz im staatlichen Leistungs
recht,
Diss
. Bern 1985,
S.
186).
Massnahmen im Sinne von
Art.
17 IVG setzen subjektive und objektive Einglie
derungsfähigkeit voraus (AHI 1997 S. 82 E. 2b/
aa
; ZAK 1991 S. 179 unten f.
E.
3). Nicht unter Umschulung fallen Massnahmen der sozialberuflichen Rehabilita
tion (wie Gewöhnung an den Arbeitsprozess, Aufbau der Arbeits
-
motivation, Sta
bilisierung der Persönlichkeit, Einüben der sozialen
Grund
-
elemente
) mit dem pri
mären Ziel, die Eingliederungsfähigkeit der versicherten Person zu erreichen oder wieder herzustellen (ZAK 1992 S. 367 E. 2b; Urteil des Bundesgerichts I 527/00 vom 30. April 2001).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Abweisung des Umschulungsbegehrens damit, dass der Beschwerdeführer mit dem Handelsdiplom und der Ausbildung zum Sachbearbeiter Rechnungswesen angepasst und angemessen ausgebildet sei und ein marktübliches Einkommen erzielen könne.
Gemäss
Lohnstrukturerhe
bung (LSE) 2018 TA 1 Wirtschaftszweig 43 könne ein Maler pro Jahr
Fr.
73‘690.
--
verdienen.
Gemäss
LSE 2018 TA1 Wirtschaftszweig 82 könne ein Sachbearbeiter Rechnungswesen pro Jahr Fr. 64‘883.-- verdienen. Wenn die LSE 2018 TA17 Berufsgruppe 43 angewendet werde, seien es
Fr.
70‘200
.--
pro Jahr, was die genauere Einschätzung sei. Auch wenn es etwas weniger sei, sei es
gemäss
Rz
. 4011 des
Kreisschre
i
ben
s
über die
Eingliederungsmassnahmen
beruflicher Art immer noch als annähernd gleichwertig anzusehen (weniger als 20
%
Einbusse
). Auch sei es keinesfalls so, dass die IV-Stelle Handelsdiplome (vor allem inkl.
z
usätzlicher Weiterbildung) nicht als Umschulung akzeptiere bzw. finanziere
. Damit das Vertrauensschutzprinzip angewendet werden könne, müsse der Beschwerdeführer aufgrund der damaligen Zusprachen Dispositionen getroffen
haben, aus denen ihm (aufgrund der jetzigen Abweisung) Nachteile entstünden. Solche Nachteile seien jedoch nicht bekannt. Somit sei der Umschulungsanspruch abzuweisen (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, die Beschwerdegegnerin begründe ihr widersprüchliches und schwankendes Handeln damit, dass der Beschwerdeführer seit der damaligen
Zusprache
auf Umschulung keine Dispositionen getroffen habe, aus
welchen
ihm nun aufgrund der jetzigen Abweisung Nachteile entstünden. Da dies nicht der Fall sei, könne er sich nicht auf den Vertrauensschutz berufen. Dieses Argument sei ein Fehlschluss,
massge
bend
sei eben nicht die Frage, ob der Beschwerdeführer
Dispositionen
getroffen
habe
, sondern ob sich seit
Zuspr
ache
des damaligen Umschulungsa
n
s
pruchs der Sachverhalt in
relevanter
Weise verändert habe, welcher den Anspruch auf Umschulung des Beschwerdeführe
rs obsolet machen würde. Dies s
e
i
eben nicht der Fall
.
Er und die meisten seiner Klassenkamera
den könnten ihr Handelsdiplom V
S
H
wirtschaftlich nicht verwerten, da sie keine Stelle nach diesem Abschluss hätten erwerben können. Auch mit einem Praktikum und einer Spezialisierung (Sachbearbeiter Rechnungswesen),
habe
er sich
nicht eingliedern können. Ferner sei es nicht angängig, wie es die B
eschwerdegeg
n
er
in tue, mit einem Lohnniveau zu rechnen, für welches
er
eben über keine
n
Ausbildungsabschluss verfüge sowie e
ine dreijährige Lehre mit einer achtmonatigen Schnellbleiche zu vergleichen. Die
Einkommenseinbusse
sei in jedem Fall grösser als 20
%
und dabei werde eine zukünftige Lohnentwicklung noch gar nicht berücksichtig. Die Gleichwertigkeit der gegenüberstehenden Qualifikationen sei somit nicht gegeben und es bestehe folglich ein Umschulungsanspruch des Beschwerdeführers.
Darüber hinaus
e
rgäbe
sich aus den Schilderungen im Sachverhalt, dass
er sich
im Rahmen der beruflichen
Massnahmen
stark engagiert habe
(
Urk.
1).
3.
3.1
Aufgrund der unklaren Aktenlage bezüglich der Arbeitsfähigkeit de
s
Beschwer
deführer
s
fand am
7. Oktober 2011
eine orthopädische Untersuchung beim RAD statt (Untersuchungsbericht vom
1
0.
November 2011
,
Urk.
9/21
-22
).
Dr.
med.
B._
hielt mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine schmerzhafte Belastungseinschränkung
am linken mehr als
am
rechten
Knie bei
Patelladyspla
sie
Wiberg l bis
ll
bds
. fest
. Bei dem 21-jährigen Maler und Kaufmann sei anhand der
vorliegenden
Berichterstattung sowie der orthopädischen Untersuchung vom 7.
Oktober 2011 ein somatischer Gesundheitsschaden ausg
ewie
sen, der die Arbeitsfähigkeit
beeinträchtige
. In seiner bisherigen Tätigkeit als
Maler
bestehe
sei
t
August 2010 eine volle Arbeitsunfähigkeit. In angepasster Tätigkeit (mit
kör
perlich
leichter bis mittelschwerer Tätigkeit, ohne häufige
kn
i
e
gelenksbel
a
st
e
nde Z
wangshaltungen und Tätigkeiten, wie
Bücken, Hocken, Knien) bestehe
durchge
hend
eine 100%-
ige
Arbeitsfähigkeit
. Der Arztbericht von Frau
Dr.
med.
F._
, Fachärztin Innere Medizin,
ohne Datum, diagnostizier
e
die
Pa
tella
dysplasie
und stelle die Ar
bei
t
sunfä
hi
g
k
eit als
Maler
fest
.
Hier
bestünden keine Differenzen zur heutigen Untersuchung. Differenzen gäbe es in der Einschätzung des Belastungsprofiles für eine angepasste Tätigkeit. Im Gegensatz zur Beurtei
lung von
Dr.
F._
, werde hier keine
Einschränkung
der Beidhändigkeit gesehen. Auch der Beginn der
Arbeitsunfähigkeit
werde zurückdatiert auf
August
2010
,
obwohl
der Beschwerdeführer seine Ausbildung als
Maler
noch zu Ende ge
f
üh
r
t habe, da er die
knienden
Anteile der
Tätigkeit
nur
unter
Schmerzen und Vermeidu
n
g
sverhalten
habe absolvieren können
(
Urk.
9/21/5-6).
3.2
Am
6.
April 2016
nahm
Dr.
med.
G._
,
Fachärztin orthopädische Chirurgie & Traumatologie
,
für den RAD
Stellung.
Zusätzlich zu der bereits bekannten
Patella
dysplasie
mit verminderter Belastbarkeit der Kniegelenke teile
Dr.
med.
H._
, Allgemeinmedizin,
jetzt mit, dass ein
Sulcus
-
ulnaris
-Syndrom bestehe. Die Neurographie
des Nervens
sei
unauffällig
, es sei somit kein dauerhafter Nervenschaden
eingetreten
. Das MRI des Ellenbogens sei unauffällig gewesen. Eine
Operation
werde vom
Beschwerdeführer
nicht gewünscht. Die Beschwerden würden durch verstärkte Ellenbogenbeugung ausgelöst. Aus medi
zinischer Sicht
bestehe
am El
l
enbogen kein dauerhafter Gesundheitsschaden
. Der Hausarzt
habe
berufliche Massnahmen vor
geschlagen
, da
ihm
die Tätigkeit als Maler nicht mehr zumutbar
sei
. Aus medizinischer Sich sei bereits mit der Stel
lungnah
me
vom
8.
Dezember 2011 festgestellt worden, dass die angestammte
Tätigkeit
aufgrund der Knieproblematik nicht geeignet sei.
Daraufhin
habe der Beschwerdeführer eine
Ausbildung
absolviert und das Hande
l
sdiplom
erworben
. Eine administrative
Tätigkeit
könne
ihm
weiterhin zugemutet werden
(Urk.
9/76/2
).
3.3
Dr.
H._
hiel
t in seinem Arztzeugnis vom 26.
Juli 2019 fest, dass der Beschwer
deführer seit Oktober 2010 unter belastungsabhängigen Schmerzen in beiden Kniegelenken leide. Der Beschwerdeführer s
ei
nicht geeignet für körperliche Arbeiten
,
die in
k
nien
der Position
zu verrichten seien
. Ausserdem s
eien
Arbeiten verbunden mit häufigem Treppensteigen und Arbeiten auf Leitern und Gerüsten
zu vermeiden
(Urk. 9/164/1).
3.4
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, bestätigte am 1
5.
Januar 2020, dass der Beschwerdeführer vom 2
6.
Juni bis zum 2
0.
August 2018 insgesamt vier Konsultationen
im Zentrum
J._
wahrgenommen habe (
Urk.
9/164/2).
4.
4.1
Im vorliegenden Fall geht aus den Akten hervor und ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer seiner angestammten Tätigkeit als Maler mit
Eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ)
nicht mehr nachgehen kann
(E. 31.-3.3)
.
Strittig
und zu prüfen ist hingegen, ob der Beschwerdeführer durch das an der
Schule
A._
erworbene Handelsdiplom VSH,
die
anschliessend absolvierte
Wei
terbildung
Sachbearbeiter Rechnungswesen und das sechsmonatige Praktikum
in der Abteilung
Rechnungswesen der
C._
in zureichender und zumutbarer Weise eingegliedert ist
(E. 1.4)
.
4.
2
Aufgrund der Aktenlage ist nicht von der Hand zu weisen, dass
die
Eingliederung des Beschwerdeführers in den kaufmännischen Bereich
, indem er nach dem erworbenen Handelsdiplom VSH ein sechsmonatiges Praktikum
bei
der
C._
sowie nebenbei die Weiterbildung Sachbearbeiter Rechnungswesen
absolvierte
,
nicht erfolgreich war
. Diesbezüglich hielt auch die Berufsberatung im
Verlaufsprotokoll vom
3. Mai 2017 fest,
dass
aus ihrer Sicht der Versuch
,
den Beschwerdeführer mit einem Praktikum und einem Zusatzkurs im Rechnungswe
sen im kaufmännischen Bereich einzugliedern
,
gescheitert sei. Die Wahl einer Handelsausbildung habe er damals selber ohne Mithilfe der Berufsberatung getroffen. Es sei vermutlich eine Verlegenheitslösung gewesen, da er gesundheit
lich nicht mehr als Maler habe arbeiten können (
Urk.
9/125/2). Ferner gelang es dem Beschwerdeführer seit Abschluss der beruflichen Massnahmen Ende April 2013 bis zu seinem Zusatzgesuch auf weitere Unterstützung bei der beruflichen Integration anfangs März 2016
nicht
,
eine Stelle im
Rechnungswesen zu finden (Urk.
1
S. 7
, Urk. 9/83 und Urk.
9/99/3)
, obwohl er ein gutes Arbeitszeugnis der
C._
vorweisen konnte (Urk. 9/69/6)
.
Diese Darstellung wurde von der
Beschwerdegegnerin
nicht bestritten
. Es sind auch keine Indizien auszu
machen, die geeignet wären, Zweifel an dieser Darstellung zu wecken. Im Gegen
teil, die
Schule
A._
bietet mehrere Lehrgänge an. Unter anderem kann das Handelsdiplom VSH intensiv abgeschlossen werden. Der entsprechende Kurs dauert ein Semester und ist als Weiterbildung zu verstehen. Die andere Mög
lichkeit ist die berufliche Grundausbildung «Kauffrau/Kaufmann EFZ» im schuli
schen Modell (ohne Lehrstelle) zu absolvieren. Dabei handelt es sich um eine sechssemestrige Ausbildung
inklusive einem Praktikumsjahr
. Somit ist zumin
dest beim einsemestrigen Kurs, welcher der Beschwerdeführer absolviert
e
, um das Handelsdiplom VSH zu erhalten, nicht von einer mit der kaufmännischen Berufs
lehre vergleichbaren Ausbildung auszugehen
,
zumal
dem Beschwerdeführer
vor allem die Berufserfahrung fehlt
. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer die für eine Anstellung im kaufmännischen Bereich
nötigen Kompetenzen in deutscher
Sprache nicht aufweist, auch wenn er im Bereich Rechnungswesen angestellt würde
(
Urk.
9/15/5)
. Diese Umstände er
kannte auch die Berufsberatung
(Urk.
9/46/1)
. Somit ist es nicht verwunderlich, dass der Beschwerdeführer trotz Praktikum und
Weiterbildung
im Rechnungswesen keine Stelle im kaufmänni
schen Bereich fand. Schliesslich ist bekannt, dass auf dem kaufmännischen Arbeitsmarkt ein Überschuss an Ausgelernten besteht, worauf auch der vom Beschwerdeführer beigelegt Artikel hinweist (
Urk.
9/100). Personen ohne Berufs
ausbildung EFZ und Arbeitserfahrung haben es gerade bei schwieriger Arbeits
marktlage wie heute schwer
,
überhaupt eine Stelle zu finden,
vor allem eine
gut bezahlte. Demnach ist der Beschwerdeführer mit seiner Qualifikation gegenüber zahlreichen anderen Kandidaten mit einer Berufslehre inklusive EFZ und
der Zusatzqualifikation
Sachbearbeiter Rechnungswesen schlechter gestellt, wobei neben den Absolventen der kaufmännischen Lehre im E-Profil alleine schon an diejenigen im B-Profil zu denken ist. Somit ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer bei einer Anstellung im kaufmännischen Bereich – auch wenn er in der Abteilung Accounting tätig
wäre
- überwiegend wahrscheinlich nicht den üblichen Lohn
erzielen kann
,
da er
auf dem Lohnniveau einer Hilfsarbeiter
tätigkeit im kaufmännischen Bereich eingestellt wird.
4.3
Einer Tätigkeit auf dem Lohnniveau einer Hilfsarbeitertätigkeit im kaufmänni
schen Bereich ist jedoch im Vergleich zum erlernten und mit dem Fähigkeitsaus
weis abgeschlossenen Beruf als Maler (Urk.
9/15/9
) das Erfordernis der annähern
den Gleichwertigkeit
abzusprechen, zumal
insbesondere
aufgrund
des Alters des Beschw
erdeführers noch von einer lang
verbleibenden Aktivitätsdauer auszuge
hen ist. Hinzu kommt, dass das berufliche Fortkommen und damit die Erwerbs
aussichten mittel- bis längerfristig betrachtet nicht im gleichen Masse gewähr
leistet sind wie im angestammten Beruf (vgl. BGE 124 V 108 E. 3c), dies
auch unter dem Aspekt der Aussicht
auf
eine gute Verdienstmöglichkeit mit einem selbständigen Malergeschäft.
Überdies ist es offensichtlich, dass der Beschwerdeführer bei diesen Verhältnissen
sowieso
eine
Einkommenseinbusse
von rund 20 % erleidet. Ein Blick auf die Lohnstrukturerhebung 2018 des Bundesamtes für Statistik ergibt, dass im Bauge
werbe, in welchem der Beschwerdeführer tätig war, für praktische Tätigkeiten Löhne von Fr. 5‘962.-- bezahlt werden (Tabelle TA1, Männer, Ziff. 41-43, Kom
petenzniveau 2). Dies führt unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.3 Stunden (Tabelle T 03.02,
Ziff.
41-43) bei einem Vollzeit
pensum zu einem Jahreseinkommen von rund
Fr.
73‘869.--.
Der Lohn
für einfa
che Tätigkeiten im kaufmännischen Bereich (Tabelle TA1, Männer, Ziff. 77,79-
82, Kompetenzniveau 1, Männer, Total), welche für den Beschwerdeführer
auf
grund der geschilderten Umstände in Bezug auf die Entlohnung
nunmehr in Frage kommen, von Fr. 4‘579.--, ergibt bei einer durchschnittlichen Arbeitszeit von
42.2
Stunden
(Tabelle T 03.02,
Ziff.
77
, 79-82
)
ein Jahreseinkommen von rund
Fr.
57‘
970
.
--
und damit
resultiert
eine
Einkommenseinbusse
von 22 %.
5.
Dagegen ist von der Umschulung zum Bauzeichner
, welche vom Beschwerdefüh
rer zuletzt gewünscht wurde,
eine erhebliche
einkommensmässige
Besserstellung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erwarten, was umso wichtiger ist, als es sich beim Beschwerdeführer um einen noch jungen Versicherten handelt. Darüber hinaus ist die Ausbildung durchaus als angemessen zu qualifizieren, da bei der Tätigkeit als Bauzeichner die sprachlichen Kompetenzen
weniger eine
Rolle spie
len, dafür umso mehr das Zahl
enflair des Beschwerdeführers. Auch
liegt beim Beschwerdeführer
gemäss
der
durchgeführten
D._
-Abklärung eine Eig
nung für einen Zeichenberuf vor (Urk. 9/125/2, Urk. 9/128/5 und
Urk.
9/135/1).
Sodann scheint der Beschwerdeführer
,
nachdem er durch die Anmeldung bei der Sozialhilfe (Urk. 9/165) und
einigen
psychiatrischen
Konsultationen
(
E. 3.4
)
begonnen hat
,
sein Leben neu zu sortieren
,
sehr motiviert
zu sein
, sich nun auch eine stabile berufliche Zukunft aufzubauen.
Schliesslich stellte er seine Motiva
tion auch
bereits mehrmals unter Beweis, indem er seine Berufsleh
re als Maler,
das Handelsdiplom
VSH
sowie den Sachbearbeiter Rechnungswesen
abschloss
und
versuchte,
mit einer Weiterbildung als Fitness
I
nstruktor
endlich in der Arbeitswelt
Fuss zu fassen
(
Urk.
9/69/4)
.
Daher erscheint es sinnvoll, die Umschu
lung zum Bauzeichner wiederaufzunehmen.
6.
Nach dem Gesagten ging die IV-Stelle zu Unrecht vom Vorliegen einer angepass
ten und angemessenen Ausbildung durch das Handelsdiplom
VSH
und der Wei
terbildung zum Sachbearbeiter Rechnungswesen aus. Die angefochtene Verfü
gung ist aufzuheben und es ist festzustellen, dass
der Beschwerdeführer
Anspruch auf die Durchführung berufliche
r
Massnahmen
im Sinne einer Umschulung zum Bauzeichner hat
.
Bei diesem Verfahrensausgang erübrigen sich Erweiterungen zum Vertrauens
schutz oder zum widersprüchlichen Verhalten der
Beschwerdegegnerin
.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Ausgangsgemäss steht dem obsiegenden Beschwerdeführer eine Prozessentschä
digung zu, die gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) – ohne Rücksicht auf den Streit
wert – nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens zu bemessen ist.
Nach Massgabe dieser Kriterien erweist sich eine Parteientschädigung von
Fr.
3’500
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
7.3
Damit erweist sich das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung als gegen
standslos.