# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 959f478c-c87f-4f2c-8255-6b722499c3c1
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A.1. A. wurde am 27. Dezember 1995 als Sohn von B. und C. in Z. geboren. Im Dezember 2004 wurde die Ehe von B. und C. geschieden. Das Sorgerecht über A. wurde der Mutter zugewiesen. Mit Beschluss der Vormundschaftsbehörde des Kreises Y. (nachfolgend Vormundschaftsbehörde) vom 13. September 2005 wurde von der Anordnung einer Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 2 ZGB für A. gemäss Scheidungsurteil des Bezirksgerichts X. vom 2. Dezember 2004 Kenntnis genommen und eine Beiständin ernannt. Aufgrund eines Schreibens von Dr. med. D., Chefarzt des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes Graubünden (KJPD), vom 21. September 2006, gemäss welchem er sich veranlasst sah, der Vormundschaftsbehörde die Erweiterung der vormundschaftlichen Massnahmen zu empfehlen, errichtete diese mit Beschluss vom 20. Februar 2007 für A. zusätzlich zur geführten Beistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB eine Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 ZGB. Mandatsträgerin war bis am 22. Februar 2010 E. (Amtsvormundschaft des Kreises Y.). Mit Beschluss der Vormundschaftsbehörde vom 23. Februar 2010 wurde für A. F. (Amtsvormundschaft des Kreises Y.) mit gleichlautendem Auftrag als Beistand ad interim und mit Beschluss vom 22. Juni 2010 als ordentlicher Beistand eingesetzt.
2. Am 29. Juli 2010 unterzeichneten A. und B. eine Zustimmungserklärung, in welcher sie sich einverstanden erklärten, dass A. für die Dauer der restlichen Schulzeit in einer geeigneten Institution (Jugendheim, Sonderschulheim) platziert wird, der Beistand bei der Vormundschaftsbehörde entsprechend Antrag auf Platzierung stellen kann und sie auf Vorsprache vor der Gesamtbehörde anlässlich der Beschlussfassung verzichten. Dieser Erklärung vorausgegangen war die Einleitung einer Strafuntersuchung gegen A. wegen einer Serie von Straftaten, die er zusammen mit anderen Jugendlichen verübt hatte.
3. Am 27. August 2010 beantragte der Beistand die Platzierung von A. in einem Schul- bzw. Sonderschulheim sowie im Zusammenhang mit der Finanzierung der Heimkosten die Ausweitung seines Auftrags auf die entsprechende Rechnungsführung. Am 29. August 2010 teilte er mit, dass der Kanton die Kostengutsprache für die nächsten drei Schuljahre erteilt habe und dass die Zusage vom G. vorliege, gemäss welcher A. nach den Herbstferien (in der Woche vom 25. Oktober 2010) eintreten könne.
4. Anlässlich der Behördensitzung vom 5. Oktober 2010 stellten A. und B. die Notwendigkeit eines Schulheimeintritts in Frage, da sich die Verhältnisse dank des
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zwischenzeitlich erfolgten Wohnungs- und Klassenwechsels erheblich verbessert hätten. Nach Rücksprache mit ihrem damaligen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Mauro Lardi, erklärten sie sich schliesslich unter dem Vorbehalt, dass A. an den Wochenenden jeweils nach Hause darf, mit dem Heimeintritt einverstanden. Mit Beschluss vom gleichen Tag nahm die Vormundschaftsbehörde von der einvernehmlichen Platzierung von A. im Sonderschulheim G. Kenntnis und passte den Auftrag des Beistands entsprechend an.
5. Gegen diesen Beschluss erhoben B. und A. am 18. Oktober 2010 Beschwerde (Proz. Nr. 120-2010-36) beim Bezirksgerichtsausschuss Plessur. Mit Verfügung vom 8. November 2010 wies das Bezirksgerichtspräsidium Plessur das Gesuch um aufschiebende Wirkung ab.
B. An der Behördensitzung vom 27. Oktober 2010 erschienen B. und A. mit ihrem neuen Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Erich Leuzinger. Mit Datum gleichen Tags, mitgeteilt am 1. November 2010, beschloss die Vormundschaftsbehörde betreffend Obhutsentzug und Platzierung in einem Heim was folgt:
„1. Es wird zur Kenntnis genommen, dass B. und A. gegen den Beschluss der Behörde vom 05.10.2010 (Kenntnisnahme einvernehmliche Platzierung von A. im G. und Ausweitung des Auftrags von F.) Beschwerde beim Bezirksgerichtsausschuss erhoben und damit ihr Einverständnis mit der Platzierung von A. zurückgezogen haben.
2. Die elterliche Obhut über A. wird B. (Mutter) entzogen und A. wird zur weiteren Behandlung im Sonderschulheim G. platziert.
3. Der Beistand wird in Ergänzung zu seinem bestehenden Auftrag gemäss den Beschlüssen vom 20.02.2007/22.06.2010/05.10.2010 beauftragt, ein allenfalls notwendiges therapeutisches Setting für eine adäquate Aufarbeitung der Belastungen von A. (z.B. Verarbeitung der zeitweisen Trennung von der Mutter) sicherzustellen.
4. (Gebühren).
5. (Gebühren).“
C.1. Gegen diesen Beschluss erhoben B. und A. mit Eingabe vom 12. November 2010 ebenfalls Beschwerde (Proz. Nr. 10-2010-39) beim Bezirksgerichtsausschuss Plessur mit folgendem Rechtsbegehren:
„1. Es sei der Beschluss der Beschwerdegegnerin (recte Vorinstanz) vom 27. Oktober 2010 betreffend Obhutsentzug und Heimplatzierung von A. vollumfänglich aufzuheben bzw. allenfalls dessen Nichtigkeit festzustellen.
2. Eventuell sei der angefochtene Beschluss abzuändern und A. ohne Obhutsentzug in einer geeigneten Tagesschule unterzubringen bzw. zumindest in einem anderen Sonderschulheim, insbesondere einem im Kanton Graubünden gelegenen.
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3. Es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen.
4. Es sei das Verfahren mit dem bereits pendenten Verfahren Proz. Nr. 120-2010-36 zu vereinigen.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beschwerdegegnerin (recte Vorinstanz).“
2. Mit Verfügung des Bezirksgerichtspräsidiums Plessur vom 15. November 2010 wurde das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung abgelehnt.
3. Mit Schreiben vom 29. November 2010 sistierte der Instruktionsrichter das Verfahren Proz. Nr. 120-2010-39 bis zur Erledigung des Verfahrens Proz. Nr. -36.
D. Am 18. Februar 2011 fand im Verfahren Proz. Nr. 120-2010-36 die Hauptverhandlung vor Bezirksgericht Plessur statt. Dabei machte der Vorsitzende dem Rechtsvertreter der Beschwerdeführer den Vorschlag, im Anschluss an dieselbe die Sistierung des Verfahrens Proz. Nr. 120-2010-39 aufzuheben und dazu – insbesondere aus prozessökonomischen Gründen – ebenfalls gleich die Hauptverhandlung durchzuführen. Rechtsanwalt Leuzinger erklärte sich mit diesem Vorgehen einverstanden. In der Folge wurde auf die erste Beschwerde (Proz. Nr. 120-2010-36) nicht eingetreten. In der anschliessenden Hauptverhandlung betreffend das zweite Beschwerdeverfahren (Proz. Nr. -39) erkannte das Bezirksgericht Plessur als erstinstanzliche Aufsichtsbehörde in Vormundschaftssachen mit Entscheid vom 18. Februar 2011, mitgeteilt am 11. März 2011, wie folgt:
„1. Die Beschwerde wird abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.
2. Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 2'040.00 (Entscheidkosten CHF 400.00; Kosten Bericht KJP CHF 1'640.00) gehen zu Lasten von B. und A.. Dieser Betrag ist dem Gericht innert 30 Tagen mit beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen.
3.a) Gegen diesen Entscheid kann zivilrechtliche Berufung geführt werden (Art. 64 Abs. 1 EGzZGB i.V.m. Art. 308 ff. ZPO). Diese ist beim Kantonsgericht von Graubünden, Engadinstrasse 24, 7000 Y., innert 10 Tagen seit Zustellung des Entscheids schriftlich und begründet einzureichen. Der angefochtene Entscheid ist beizulegen (Art. 311 und Art. 314 Abs. 1 ZPO i.V.m. Art. 7 EGzZPO).
b) Der Kostenentscheid ist selbständig nur mit Beschwerde anfechtbar (Art. 110 i.V.m. Art. 319 ff. ZPO). Diese ist beim Kantonsgericht von Graubünden, Engadinstrasse 24, 7000 Y., innert 10 Tagen seit Zustellung des Entscheids schriftlich und begründet einzureichen. Der angefochtene Entscheid ist beizulegen (Art. 321 Abs. 2 und 3 ZPO i.V.m. Art. 7 EGzZPO).
4. (Mitteilung).“
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E. Gegen diesen Entscheid liessen B. und A. mit Eingabe vom 24. März 2011 Berufung an das Kantonsgericht von Graubünden erklären. Dabei stellten sie folgende Anträge:
„1. Es seien die Ziff. 1 und 2 des angefochtenen Beschlusses der Berufungsbeklagten (recte Vorinstanz) vom 18. Februar 2011 aufzuheben.
2. Es sei der Beschluss der Vormundschaftsbehörde Kreis Y. vom 27. Oktober 2010 betreffend Obhutsentzug und Heimplatzierung von A. vollumfänglich aufzuheben.
3. Eventuell sei der Beschluss der Vormundschaftsbehörde Kreis Y. vom 27.Oktober 2010 abzuändern und A. ohne Obhutsentzug in einer geeigneten Tagesschule unterzubringen bzw. zumindest in einem anderen Sonderschulheim, insbesondere einem im Kanton Graubünden gelegenen.
4. Es sei der Berufung die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen, soweit diese nicht schon von Gesetzes wegen eintreten sollte.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Berufungsbeklagten (recte Vorinstanz) bzw. hinsichtlich der vorinstanzlichen Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Vormundschaftsbehörde Kreis Y..“
In ihrer Begründung rügen die Berufungskläger im Wesentlichen eine Verletzung des Verhältnismässigkeits- und des Subsidiaritätsprinzips, eine ungenügende Abklärung der Sonderschulbedürftigkeit sowie eine willkürliche Beweiswürdigung mit einer unzulässig düsteren Prognose, welche sich nicht belegen lasse, zu ihren Ungunsten aber dennoch geschehe. Zudem fehle es an einer aktuellen kinder- und jugendpsychiatrischen Abklärung. Im Gegenteil werde auf einen erst 2 1⁄2 Jahre später nacherstellten Bericht des KJP vom 22. September 2010 sowie auf einen offenkundig unhaltbaren Bericht der Schuldirektion Y. vom 26. Oktober 2010 abgestellt.
E. Mit Stellungnahme vom 7. April 2011 beantragte die Vormundschaftsbehörde die kostenfällige Abweisung der Berufung sowie des Gesuchs um aufschiebende Wirkung.
F. Mit Verfügung vom 19. April 2011 wies die Vorsitzende der I. Zivilkammer das Gesuch um Erteilung der aufschiebenden Wirkung ab.
G. Am 16. Mai 2011 fand die mündliche Berufungsverhandlung vor dem Kantonsgericht von Graubünden statt. Anwesend waren B. und A. mit ihrem Rechtsvertreter, Rechtsanwalt lic. iur. Erich Leuzinger, sowie der Beistand von A., F.. Die Vormundschaftsbehörde hatte bereits mit Schreiben vom 4. Mai 2011 auf die Teilnahme an der mündlichen Berufungsverhandlung verzichtet. Zunächst
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wurden die Anträge der Berufung verlesen. Einwände gegen die Zuständigkeit und die Zusammensetzung des Gerichts wurden nicht erhoben, woraufhin die Vorsitzende das Gericht für legitimiert erklärte. Im Einverständnis mit den Berufungsklägern wurde auf das Verlesen weiterer Akten verzichtet und zum Beweisverfahren übergegangen. Dieses wurde unter dem Vorbehalt, dass der Rechtsvertreter der Berufungskläger den bereits mit Berufung gestellten Antrag auf Einholung eines kinderpsychiatrischen und -psychologischen Gutachtens im Rahmen seines Plädoyers erneuert, sowie einer richterlichen Befragung von A. und B. geschlossen. Im Anschluss daran wurden sowohl A. als auch B. von der Vorsitzenden befragt. F. verwies in seinen ergänzenden Bemerkungen im Wesentlichen auf die aktenkundigen Berichte. Im darauffolgenden Parteivortrag hielt Rechtsanwalt Leuzinger an seinen Anträgen gemäss Berufung vom 24. März 2011 fest und erneuerte insbesondere den Antrag auf Einholung eines umfassenden kinderpsychiatrischen und –psychologischen Gutachtens.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid, die Ausführungen in den Rechtsschriften und im Plädoyer sowie auf die anlässlich der richterlichen Befragung getätigten Aussagen wird, soweit erforderlich, nachfolgend eingegangen.
II. Erwägungen
1. Der Klarheit halber ist vorab auf die etwas seltsam anmutende Verfahrensleitung der Vorinstanz einzugehen. Diese hat entgegen dem entsprechenden Antrag in der zweiten Beschwerde von einer Verfahrensvereinigung abgesehen und stattdessen zunächst in beiden Verfahren auf den 25. November 2010 zu (separaten) Hauptverhandlungen vorgeladen. Im ersten Beschwerdeverfahren hat sie in der Folge trotz des offensichtlich begründeten und letztlich auch zum Urteil erhobenen Nichteintretensantrags der Vormundschaftsbehörde sowie trotz der Tatsache, dass die erste Beschwerde insoweit gegenstandslos geworden war, als deren Anfechtungsobjekt durch den neuen Beschluss der Vormundschaftsbehörde ersetzt wurde, eine Beweisergänzung (Abklärungsbericht der Kinder- und Jugendpsychiatrie [KJP]) angeordnet. Das zweite Beschwerdeverfahren wurde gleichentags sistiert und schliesslich im Rahmen der zweiten Hauptverhandlung zur ersten Beschwerde die Aufhebung der Sistierung und sofortige Durchführung der Hauptverhandlung zur
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zweiten Beschwerde beschlossen. Diese Verfahrensleitung hat zur Folge, dass in der vorliegenden Angelegenheit zwei Entscheide ergangen sind, wovon lediglich der im zweiten Beschwerdeverfahren (Proz. Nr. 120-2010-39) gefällte Entscheid auch Gegenstand des Berufungsverfahrens bildet. Indes befinden sich praktisch sämtliche relevanten Akten im Dossier des ersten Beschwerdeverfahrens (Proz. Nr. 120-2010-36), welches daher ebenfalls beigezogen werden musste.

## Considerations