# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f44fc726-b19e-41a9-80ea-70f55a1ffd5a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1968 geborene
X._
, diplomierte Mathematikerin
(Urk. 8/6/3)
,
erlitt am 1. Januar 2008 einen Schlittenunfall, bei welchem sie sich
eine
Malleolarfraktur
Typ Weber links sowie eine stabile LWK-1 Fraktur (Impres
sion Vorderkante) zuzog (Urk. 8/
3/11
).
Am
30. Dezember 2016
meldete sie sich
unter
Hinweis auf ein
seit dem Schlittenunfall bestehendes
cervicocephales
und
cervicospondylogenes
Schmerzsyndrom
bedingt durch degenerative
Verände
rungen von C4-C7 mit Facettengelenkssymptomatik
bei der Invalidenversiche
rung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/9). Die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor und teilte der Versicherten am 9. August 2017 mit, dass keine Eingliederungsmass
nahmen möglich seien (Urk. 8/31).
Mit Vorbescheid vom 10. Juli 2018 (Urk. 8/41) stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht,
wogegen die Versicherte am 13. Juli 2018 Einwand (Urk. 8/45) erhob. Am 19. September 2018 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am
22. Oktober 2018 Beschwerde (Urk. 1) und beantragt
e, es sei die Verfügung vom 19.
September 2018 (Urk.
8/49
) aufzuheben und ihr eine
Dreiviertelsrente
auszurichten. Eventuell sei die Sache an die Be
schwerdegegnerin zu
r
weiteren medizinischen Abklärung zurückzuweisen, sub
eventuell sei die Angelegenheit unter
Zusprache
eines grundsätzlichen Leistungs
anspruchs zur Ermittlung des Invaliditätsgrads und der Rentenhöhe an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen. In formeller Hinsicht beantragte sie die un
entgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (S. 2).
Mit Beschwerdeantwort
vom 23. November 2018 (Urk. 7)
schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 17. Dezember 2018 zur Kennt
nis gebracht wurde (Urk. 13).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen
Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmetho
den können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG be
treffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Ver
fahrensregeln entfalten daher bei Einholung von RAD-Berichten keine Wirkung (Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Ok
tober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die leistungsabweisende Verfügung vom 19. September 2018 (Urk.
2
) damit, dass g
emäss de
r
Beurteilung
ihres
RAD
vom
16
. März 2018 keine Diagnosen mit Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit vor
lägen und die dargestellten Einschränkungen keine langdauernde gesundheitliche Beeinträchtigung darstellten, welche die Arbeitsfähigkeit in
erheblichem Masse einschränkten
. Leichte und angepasste
Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne He
ben, Tragen und Transportieren von Lasten über 5 kg, oh
ne Verharren in Zwangs
haltungen und
ohne Armvorhalte und Überkopfarbeiten seien aus medizinischer Sicht zu 100 % zumutbar, weshalb kein
Rentenanspruch
bestehe (S. 1).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
dass die Beschwerdegegnerin ungeachtet de
r
RAD-
Stellungnahme
, wonach die in den Akten liegenden Arztberichte schlüssig seien und darauf abgestellt werden könne, eine
diesbezüglich
widersprüchliche Verfügung erlassen habe. Der behan
delnde Psychiater sei klar
von einer Verminderung der Leistungsfähigkeit von 50 % als Informatikerin respektive in angepasster Tätigkeit ausgegangen.
Der RAD-Arzt sei demgegenüber von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in einer Ver
weistätigkeit ausgegangen, wobei er
als unqualifiziert erscheinende
r
Facharzt für Chirurgie
nicht ausführe, weshalb er
diese
psychiatrische
Frag
estellung abwei
chend beurteile.
Der Entscheid
fusse letztlich
in einer unbegründeten Schlussfol
gerung auf einer reinen Aktenbeurteilung durch eine
n
für die vorliegende medi
zinische Problematik nicht geeigneten Facharzt
einer
andere
n
Disziplin. Entspre
chen
d
drängten sich zusätzliche psychiatrische und psychologische interdiszipli
näre Abklärungen auf (S. 10 f. Ziff. 5).
3.
3.1
Am 9. November 2016 (Urk. 8/16/22) nannte Dr.
Y._
, Facharzt Rheumatologie und Physikalische Medizin FMH, folgende Diagnose:
-
cervicocephales
und
cervi
co
spondylogenes
Schmerzsyndrom bedingt durch degenerative Veränderungen C4-C7 (
Osteochondrosen
und
Spondylarthrosen
) mit Facettengelenkssymptomatik
In seinem Verlaufsbericht vom 3. Mai 2017 (Urk. 8/22/4-5
in Verbindung mit Urk. 8/22/1-3
) wies Dr.
Y._
darauf hin, dass sich der Zustand nicht verändert habe und
sich die
Frage nach
dem Ressourcenprofil in einer angepasste
n
Tätigkeit bei der massiven vegetativen Überlagerung nicht be
antworten lasse
. Betreffend eine allfällige Verminderung der Leistungsfähigkeit
hielt
der Arzt
fest
, dass eine solche wahrscheinlich eher au
f
vegetative und psychische
Grün
de
zurückzufüh
ren sei, obwohl degenerative Veränderungen an der
Halswirbelsäule
(
HWS
)
fest
zu
stellen seien
.
3.2
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin FMH für Neurologie, stellte in ihrem Bericht vom 27. Januar 2017 (Urk. 8/16/23-25) folgende Diagnosen (S. 1):
-
wechselndes linksbetontes
zervikozephales
und
-
brachiales Schmerzsyndrom bei degenerativen Veränderungen an der HWS, zurzeit keine
radikuläre
Reiz- oder Ausfallssymptomatik nachweisbar
-
phasenweise
Wortfindungs- und Gedächtnisstörungen, Verdacht auf funktio
nelle Problematik in psychosozialer Belastungssituation
-
chronis
che
mikr
oangiopathis
che
Ma
rklagerveränderungen im Schädel-
MRI seit 2006 bei bisher einzig Status nach wenig Nikotin als vaskulärer Risiko
faktor
-
rezidivierendes
lumbovertebr
a
genes
Syndrom
-
Status nach Schlittenunfall 01/08 mit stabiler LWK 1-Fraktur, konservativ be
handelt sowie
Malleo
lar
fraktur
Typ B links
osteosynthetisiert
Die Ärztin führte aus, dass sich
trotz der
geklagten
,
stark wechselnd ausgepräg
ten
,
linksbetont
en
zervikozephalen
und
-
brachialen Schmerzen
klinisch-neur
olo
gisch ein normaler Befund und insbesondere kein Hinweis für eine
zervikoradi
kuläre
Reiz- oder Ausfall
s
symptomatik finde. Die
Reinspektion
des im Januar 2016 in der Ukraine angefertigten HWS-MRI zeige degenerative Veränderungen, jedoch ohne eine schwere Kompression neuraler Strukturen, insbesondere nicht der unteren zervikalen Nervenwurze
ln. Im Vordergrund stünden
muskulär be
dingte
zervikozephale
und
-
spondylogene
Beschwerden. Betreffend die geklagten Wortfindungs- und Gedächtnisstörungen
fänden
sich neben dem
klinisch-neuro
logisch
normalen Befund auch im Schädel-MRI und im EEG keine relevanten Auffälligkeiten. Entsprechend bestehe kein Hinweis für eine hirnorganische Ur
sach
e und es stünden stressbedingte
funktionelle Störungen bei psychosozialer Belastungssituation im Vordergrund.
Zur genauen Differenzierung werde eine neuropsychologische Abklärung empfohlen. Als Zufallsbefund zeigten sich im Schädel-MRI chronische
mikroangiopathische
Marklagerveränderungen, die in etwas geringerem Ausmass bereits in Voruntersuchungen im Jahre 2006 sichtbar gewesen seien. Diesbezüglich werde eine Abklärung der vaskulären Risikofakto
ren empfohlen (S. 2).
3.
3
Am 8. Mai 201
7
nannten
Dr.
med.
A._
, Oberarzt, und med.
pract
.
B._
, Assistenzärztin,
C._
,
D._
, folgende Diagnosen (
Urk. 8/29
/1-4
S. 1):
-
linksbetontes
zervikozephales
Schmerzsyndrom bei degenerativen Verände
rungen an der
HWS
, EM 2008:
-
Differenzialdiagnose (DD): chronischer Kopfschmerz vom Spannungstyp (ICHD-III
beta
2.3). DD
:
chronischer posttraumatischer Kopfschmerz b
ei leichter Kopfverletzung (ICH
D-III
beta
5.2.2)
-
anamnestisch (20.05.2017):
s
eit dem Unfall am 01.01.2008; anfangs Rü
cken- und Beinbeschwerden im Vordergrund; Nacken- sowie Kopfschmer
zen im Verlauf; Beginn auf Höhe C7-Th2, zentral, mit Ausstrahlung
ho
lozephal
oder nur in linker Kopfhälfte; Schmerzcharakteristik: stechend, ziehend mit Intensitätsfluktuationen (VAS von 5-10/10), begleitet von Übelkeit,
Schwankschwindel
, gelegentlich Pho
tophobie
-
klinisch: HWS-Beweglichkeit diskret eingeschränkt – schmerzbedingt,
Trig
gerpoints
schmerzhaft, Sensibilität
link
s
Hypästhesie in ganzer Körperhälfte inklusive Gesicht
-
diagnostisch:
HWS
-MRI
vom 06.01.16: degenerative Veränderungen an der HWS, insbesondere auf Höhe
HWK 4/5 mit links leichter
foraminaler
Ste
nose, möglicher Irritation der Wurzel C5,
auf Höhe
HWK 5/6 ebenfalls links betont, leichte Degeneration mit möglicher Irritation der Wurzeln C6 beid
seits. Keine
eigentliche Neurokompression. N
orm
ale Darstellung des Rü
ckenmarks
-
subjektive kognitive Beeinträchtigung:
-
ätiologisch: unklar, DD im Rahmen psychosozialer Belastungssituation
-
anamnestisch: phasenweise Wortfindungs- und Gedächtnisstörungen, Auf
merksamkeitsprobleme, nicht unbedingt mit Kopfschmerzen verbunden
-
diagnostisch: EEG vom 12.01.2017: normale Grundaktivität. Kein Herdbe
fu
nd, keine Epilepsie
-
verdächtige oder sonst pathologische Potenzi
a
le.
Schädel
-MRI
vom 12.01.2017: leichte bis mittelgradige chronische
mikro
an
g
iopathische
Marklagerveränderungen, in auswärtigen Vorbildern 2006 bereits in etwas geringerem Ausmass vorhanden, im Übrigen normaler al
tersentsprechender Befund
-
rezidivierendes
lumbovertebr
a
genes
und brachiales Schmerzsyndrom
-
Status nach Schlittenunfall 01/2008:
-
Malleolar
fraktur
Typ Weber B links
-
stabile LWK 1-Fraktur (Impression Vorderkante)
-
Hyperventilation mit/bei
-
Parästhesi
e
n linke Körperhälfte, kurzfristig Sprachstörung (Taubheitsgefühl im Mund)
Die Ärzte hielten fest, dass in Zusammenschau der Anamnese, klinische
r
Unter
suchung und
der
vorliegenden Bildgebung die von der Beschwerdeführerin ge
klagten ziehenden und stechenden Schmerzen
auf
der Höhe C7-Th2 auf
holoz
e
phal
, linksbetont ausstrahlend, am ehesten muskulär bedingt seien. In der zervi
kalen MRI-Bildgebung vom 6. Januar 2016 zeigten sich degenerative Verände
rungen, jedoch ohne schwere Kompression neuraler Strukturen. Zusätzlich lasse sich aufgrund der durchgeführten neurologischen Untersuchung keine
radikuläre
Symptomatik objektivieren. Differentialdiagnostisch sei bei zeitlichem Zusam
menhang
zwischen dem
Auftreten der Beschwerden und dem Schlittenunfall an einen chronischen posttraumatischen Kopfschmerz bei leichter Kopfverletzung zu denken.
Die
Ätiologie der von der Beschwerdeführerin beschriebenen subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen
lasse sich
aktuell nicht eindeutig zuo
rdnen
, wobei bei dem sowohl unauffälligen klinisch-neurologischen Befund als auch
de
n un
auffälligen
kranialen MRI und EGG am ehesten
von einer stressbedingten funk
tionellen Störung auszugehen sei, bei vorliegender psychosozialer Belastungs
situation. Für weitere Abklärungen werde die Beschwerdeführerin für eine neu
ropsychologische Untersuchung angemeldet (S. 3 f.)
Am 28. Mai 2017
äusserte sich
med.
pract
.
B._
erneut zum Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin (Urk. 8/30/1-5)
und wiederholte im Wesentli
chen die obgenannten Diagnosen.
Sie
hielt fest
,
dass die HWS-Beweglichkeit schmerzbedingt diskret eingeschränkt sei, die
Triggerpoints
schmerzhaft seien und eine linksseitige Hypästhesie
(
inklusive Gesicht
)
vorliege.
Im Zusammenhang mit der medizinisch begründeten Arbeitsunfähigkeit von mindestens 20 % für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit hielt
die Ärztin fest, dass diese
nicht beurteilt und begründet werden könne.
Es bestünden anhaltende Kopf- und Rückenschmerzen, weshalb die Beschwerdeführerin die Körperposition oft wechseln müsse, sowie phasenweise Wortfindungs- und Gedächtnisstörungen. Entsprechend sei die Ar
beitsfähigkeit reduziert und es sei
in einer Verweistätigkeit
aufgrund der Schmer
zen sowie der Konzentrationsprobleme
eine Arbeitstätigkeit von
maximal zwei Stunden
pro Tag möglich (
S. 1 Ziff. 1.1,
S. 2 f.
Ziff.
1.4, Ziff. 1.6 f.
).
3.
4
Im Bericht vom 1. Juni 2017 (Urk. 8/
3
3
/
1
-
3
)
wiederholten
Prof.
Dr.
med.
E._
,
Leitender Arzt,
Psych
ologie-Praktikantin
F._
und
Neuropsychologin
Dr.
phil.
G._
,
C._
,
D._
,
die im
D._
-Beri
cht vom 8. Mai 2017 (vgl. E. 3.3
hievor
) genannten Diagnosen und führten
aus, dass im Vorder
grund der neuropsychologischen Untersuchung eine stark reduzierte Belastbar
keit sowie affektive Auffälligkeiten stünden. Zudem zeigten sich leichte Leis
tungsschwankungen in der parallelen Reizverarbeitung und
der
phasischen
Alertness
sowie eine diskret reduzierte verbale Erfassungsspanne und Arbeitsge
dächtnis
kapazität. Alle anderen geprüften Hirnfunktionen erwiesen sich als in
takt.
Die diskreten Minderleistungen im Bereich der Aufmerksamkeit und Konzentra
tion seien als subklinisch zu werten und liessen sich am ehesten im Rahmen der von der Beschwerdeführerin vorgetragenen Beschwerden interpretieren und stün
den in engem Zusammenhang mit der geschilderten Schmerzsymptomatik und der psychischen Ver
f
assung bei aktueller psychosozialer Belastungssituation. Vor
diesem Hintergrund erachteten die
D._
-Fachpersonen eine zusätzlich
e
psy
chiatrische Differentialdiagnose/Abklärung als indiziert
(S. 3).
3.
5
Der behandelnde Psychiater,
Dr.
med.
H._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH, nannte in seinem Verlaufsbericht vom 1
2.
März 2018 (Urk. 8/39/1-3) folgende Diagnosen
mit Auswirkungen die Arbeitsfähigkeit
(S. 1 Ziff
.
1.2):
-
leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0, seit 2016)
-
Panikstörung (ICD-10 F41.0, seit 2008)
-
Nackenschmerzen (seit 2008)
Dr.
H._
hielt fest, dass sich die Depression gebessert habe. Im Weiteren sei sowohl als Informatikerin als auch in einer angepassten Tätigkeit ein Arbeitspensum von vier Stunden pro Tag zumutbar, wobei die Leistungsfähigkeit um 50 % vermin
dert sei (S. 1 f.
Ziff. 1.3, Ziff.
2.1
f.). Der behandelnde Psychiater wies
sodann
auf eine gute Prognose, eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit durch Psycho- und Pharmakotherapie sowie den Scheidungsprozess der Beschwerdeführerin hin, welche die Krankheit aufrechterhalte (S. 2 f. Ziff. 3.3, Ziff.
4.1, Ziff.
4.4).
3.
6
In seiner Stellungnahme vom 16. März 2018 (Urk. 8/40/4-5)
führte
der RAD-Arzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Chirurgie,
aus, aus den Akten ergäben sich
fol
gende Diagnosen:
-
mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
keine
-
ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Spannungskopfschmerz
(EM 2008)
-
chronische post
t
raumatische
Kopfschmerzen bei
-
Zustand nach Schlittenunfall (2008)
-
leichte kognitive Funktionseinschränkung (Beginn unbekannt)
-
rezidivierendes
lumbo-vertebragenes
und brachiales Schmerzsyndrom
-
linksbetontes
zervikozephales
Schmerzsyndrom bei
-
degenerativer Veränderung an der HWS
Im Zusammenhang mit der
bisher
igen
Tätigkeit als Informatikerin ging der RAD-Arzt von einer 80%iger Arbeitsunfähigkeit vom 17. Juni bis 30. September 2017
respektive einer
solchen von 50 %
seit 1. Oktober 2017 aus. Betreffend die funk
tionellen Einschränkungen bezüglich
der Tätigkeit
als Informatikerin wies er darauf hin, dass schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten sowie das Verharren in Zwangshaltungen zu vermeiden seien.
Mit Bezug auf die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit gemäss Belastungs
profil postulierte der RAD-Arzt
eine
Arbeitsunfähigkeit von 0 % seit
jeher (versi
cherungsmedizinisch-
theoretisch). Als Belastungsprofil nannte er leichte (ange
passte) Tätigkeiten in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 5 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen und ohne Armvor
halte
, wobei
Überkopfarbeiten
medizinisch-theoretisch zu 100 % zumutbar seien
.
Abschliessend
bemerkte der RAD-Arzt, dass die vorliegenden Arztberichte schlüs
sig seien, die angeführten medizinischen Fakten nachvollziehbar und auf diese abgestellt werden könne.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfügung vom 19. September 2018 (Urk. 8/49) auf die Stellungnahme des RAD-Arztes vom 16. März 2018 (vgl. E. 3.6), welcher seinerseits keine eigenen Untersuchungen durchgeführt hatte.
4.2
Unter psychiatrischen Gesichtspunkten diagnostizierte der behandelnde Psy
chiater Dr.
H._
eine leichte depressive Episode sowie eine Panikstörung und attestierte in angestammter Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 80 % vom 17. Juni bis 30
.
September 2017 respektive eine solche von 50 % seit 1. Oktober 201
7.
In angepasster Tätigkeit
postulierte
er
eine 50%ige
Arbeitsunfä
higkeit seit 1. Oktober 2017
(Urk. 8/36/1-5 S. 2 Ziff. 1.6 f., E. 3.
5
hievor
).
D
er RAD-Arzt er
wähnte demgegenüber keine psychi
schen
Störungen
(vgl. E.
3.6
hievor
).
In somatischer Hinsicht gingen die
behandelnden Ärzte und der RAD-Arzt im Wesentlichen von übereinstimmenden Diagnosen (Spannungskopfschmerz, chro
nische posttraumatische Kopfschmerzen, leichte kognitive Funktionseinschrän
kungen, rezidivierendes
lumbo
-
vertebragenes
und brachiales Schmerzsyndrom und linksbetontes
zervikozephales
Schmerzsyndrom) aus. Seitens der behandeln
den Ärzte äusserte sich einzig med.
pract
.
B._
zur Arbeitsfähigkeit, wobei sie in einer
Verweistätigkeit
eine zumutbare Arbeitstätigkeit von maximal zwei Stunden pro Tag statuierte und betreffend
die
Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit darauf hinwies, dass eine solche nicht beurteilt werden
könne (vgl. E. 3.3
hievor
). Der RAD-Arzt erwähnte im Zusammenhang mit den
somati
schen Diagnosen
in der angestammten Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsunfähigkeit vom 17. Juni bis 30. September 2017
beziehungsweise
eine
solche von 50 %
seit 1. Oktober 2017 sowie in einer Verweistätigkeit eine
Arbeitsfähigkeit
von 100 %.
Trotz attestierter Arbeitsunfähigkeit
hielt er fest, es bestünden keine Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (vgl. E. 3.6).
4.3
Ungeachtet seiner Bemerkung
, wonach
auf die schlüssigen
Berichte der behan
delnden
Ärzte
abgestellt werden könne
(vgl. E. 3.6
hievor
)
, wich der RAD-Arzt von de
r
von med.
pract
.
B._
unter somatischen Gesichtspunkten
in einer Verweistätigkeit attestierten Arbeitsfähigkeit von maximal zwei Stunden pro Tag
ab.
Dabei wurde
weder
die
von ihm postulierte uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigke
it
(näher) begründet
noch setzte er
sich mit der Ein
schätzung von med.
pract
.
B._
auseinander.
Die vom RAD-Arzt im Zu
sammenhang mit den somatischen Diagnosen statuierte Arbeitsfähigkeit in an
gestammter Tätigkeit
(80%ige Arbeitsunfähigkeit vom 17. Juni bis 3
0.
September 2017, 50%ige Arbeitsunfähigkeit seit 1. Oktober 2017)
entspricht
sodann
der Ein
schätzung von Dr.
H._
.
Letztere
erfolgte indessen
in psychiatrischer Hinsicht
,
so
dass
im Zusammenhang mit den somatischen Diagnosen nicht darauf abgestellt werden kann. Davon abgesehen, bezog sich die von Dr.
H._
attestierte Arbeitsfä
higkeit nicht nur auf die angestammte, sondern auch auf eine angepasste Tätig
keit.
Im Weiteren ist zu berücksichtigen, dass
der in Chirurgie spezialisierte
RAD-Arzt (Urk. 8/40 S. 5) über keine
psychiatrische
Expertisierung
und somit nicht über die für die Beurteilung von psychischen Beschwerden
und deren
Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit
erforderlichen fachärztlichen Qualifikationen verfügt.
Nach dem Gesagten durfte die Beschwerdegegnerin ihre Leistungsablehnung nicht auf die
teilweise auch in sich widersprüchliche
Einschätzung ihres RAD-Arztes abstützen.
4.4
In den Akten finden sich sodann keine fachärztlichen Beurteilungen, die ein schlüssiges Bild betreffend die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
in soma
tischer Hinsicht
erlauben.
M
ed.
pract
.
B._
konnte betreffend die Arbeits
fähigkeit in
angestammter
Tätigkeit keine Angaben
machen
.
Hinsichtlich
der Leistungsfähigkeit in einer Verweistätigkeit von max
im
al zwei Stunden pro Tag fehlen
-
abgesehen vom
pauschalen
Hinweis auf Schmerzen und Konzentrations
probleme
-
Ausführungen darüber, inwiefern die Beschwerdeführerin
in ihrer Ar
beitsfähigkeit konkret beeinträchtigt ist.
Im Weiteren
ging med.
pract
.
B._
mit Bezug auf wechselbelastende Tätigkeiten von einem ganztägigen Pensum aus (Urk. 8/30/1-5 S. 5)
,
was mit der zuvor
erwähnten Arbeitsfähigkeit von täglich zwei Stunden
nicht im Einklang steht
.
Im Übrigen ist die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Gleiches gilt in psychiatrischer Hinsicht, da der behandelnde Psychiater Dr.
H._
weder die von ihm gestellten Diagnosen noch die
postulierte Arbeits
un
fähigkeit von
80 % respektive
50 % in angestammter und angepasster Tätigkeit
in rechtsgenügender Weise
begründet
e und auch psychosoziale Aspekte nicht ausschied
. Die ange
fochtene Verfügung vom 19. September 2018 (Urk. 8/49) ist deshalb aufzuheben und die Sache zwecks umfassender fachmedizinischer Abklärung
en
an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen.
Hernach wird sie über die Rentenfrage neu
zu
entscheiden
haben
. Bei diesem Ergebnis erübrigen sich Ausführungen betreffend die von der Beschwerdeführerin im Zusammenhang mit dem Einkommensver
gleich gemachten Vorbringen (Urk. 1 S. 11).
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8’0
0.-- anzusetzen. Ent
spre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden
Beschwerde
geg
nerin
aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.
5.2
Dem Verfahrensausgang entsprechend
ist
die Beschwerdegegnerin
zu ver
pflich
ten
, eine Prozessentschädigung zu bezahlen.
Das Gesuch um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
erweist sich als gegenstandslos.
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) be
misst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Be
deutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Ob
siegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Gemäss
§
8 in Verbindung mit
§
7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
)
wird
namentlich für unnöti
gen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Mit Eingabe vom 9. Januar 2019 (Urk. 14)
machte Rechtsanwalt Hansjörg Geissmann für das vorliegende Verfahren einen Aufwand von 15.10
Stunden
geltend. Dieser erscheint mit Blick auf die
Bedeutung der Streitsache und
die
Schwierigkeit des Prozesses nicht angemes
sen
, namentlich in Bezug auf die
In
struktion
, d
ie
Begründung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege und d
ie
Erstellung der
Honorar
note. Im Weiteren sind in der Kostennote Aufwendungen betreffend das Scheidungsverfahren der Beschwerdeführerin enthalten.
Angesichts der
notwendigen Instruk
tion, der
gut
49
Aktenstücke der Beschwer
degegnerin
(Urk.
8
/1
49
),
der
1
2
-
seitigen
Beschwerdeschrift
(wovon 11⁄2 Seiten materielle Begründung
respektive 1⁄2
Seite Begründung des Gesuchs um unent
geltliche Rechtspflege
; Urk. 1)
,
den Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
sowie
der in ähnlichen Fällen zugespro
chenen Beträge ist
die Entschädigung
bei Anwendung des ge
richtsübli
chen Stun
denansatzes von Fr. 220.--
(zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
2
’
3
00
.--
(inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.