# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b4ecff1e-0e50-4a3b-9dad-07060b7f55c5
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y. und B.Y. sind verheiratet und leben seit dem Jahr 2005 getrennt. In der
Steuererklärung 2002 deklarierten sie Einkünfte aus unselbständiger Erwerbstätigkeit
von CHF 46'788 und aus Wertschriften von CHF 6'121. Das kantonale Steueramt
rechnete in den Veranlagungen vom 19. Mai 2010 für das Jahr 2002 bei den Kantons-
und Gemeindesteuern 2002 sowie bei der direkten Bundessteuer 2002 Einkünfte aus
Urheberrechten, Lizenzen und Patenten von CHF 750'000 sowie Einkünfte aus
deliktischen Handlungen in der Höhe von CHF 2'989'559 auf. Beim Vermögen
(Kantons- und Gemeindesteuer 2002) betrug die Aufrechnung CHF 3'500'000. Für die
Kantons- und Gemeindesteuern 2002 wurde ein steuerbares Einkommen von
CHF 3'763'900 und ein steuerbares Vermögen von CHF 4'780'000 und für die direkte
Bundessteuer 2002 ein steuerbares Einkommen von CHF 3'764'700 veranlagt
(act. 8/6/5.3 und 5.4). Das kantonale Steueramt hiess die gegen diese Veranlagungen
erhobenen Einsprachen teilweise gut und veranlagte A.Y. und B.Y. für die Kantons-
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und Gemeindesteuern 2002 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 4‘241‘800
und mit einem steuerbaren Vermögen von CHF 1‘280‘000 und für die direkte
Bundessteuer 2002 mit einem steuerbaren Einkommen von CHF 4‘244‘600.
B. Die hiergegen erhobenen Rechtsmittel wurden von der
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 17. Oktober
2017 teilweise gutgeheissen, soweit darauf eingetreten wurde (Ziffern 4 und 6 des
Dispositivs). A.Y. und B.Y. wurden mit einem steuerbaren Einkommen von
CHF 4'185'000 für die Kantons- und Gemeindesteuern 2002 und von CHF 4'167'800
für die direkte Bundessteuer 2002 veranlagt. Das steuerbare Vermögen von
CHF 1'280'000 blieb unverändert (Ziffern 5 und 7 des Dispositivs). Die
Verfahrenskosten von CHF 2‘400 wurden je zur Hälfte den Steuerpflichtigen und dem
Staat auferlegt (Ziffer 8 des Dispositivs).
C. A.Y. und B.Y. (Beschwerdeführer) erhoben gegen den am 23. Oktober 2017
zugestellten Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe
ihres Rechtsvertreters vom 22. November 2017 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge seien die Ziffern 5,
6, 7 und 8 des angefochtenen Entscheides aufzuheben und die Beschwerdeführer
nach Massgabe ihrer Deklaration zu veranlagen, eventualiter die Angelegenheit an das
kantonale Steueramt zurückzuweisen mit der Anweisung, die Ersatzforderung des
Kantons St. Gallen von CHF 1‘700‘000 zum Abzug zu bringen.
Mit Vernehmlassung vom 20. Dezember 2017 verwies die Vorinstanz auf die

## Considerations

Erwägungen des angefochtenen Entscheides und beantragte die Abweisung der
Beschwerden. Das kantonale Steueramt (Beschwerdegegner) verwies am 8. Januar
2018 auf die akute Verjährungsproblematik, verzichtete im Übrigen auf eine
Vernehmlassung und beantragte die Abweisung der Beschwerde. Die Eidgenössische
Steuerverwaltung (Beschwerdebeteiligte) verzichtete stillschweigend auf eine
Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheides und auf die Vorbringen der
Beschwerdeführer zur Begründung ihrer Anträge sowie auf den Hinweis des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegners zur Verjährung und die Akten wird, soweit wesentlich, in den
Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Da die steuerrechtlichen Vorschriften des Bundes und der Kantone zur Veranlagung
des Einkommens hinsichtlich der Einkünfte und der Abzüge vereinheitlicht sind, hat die
Vorinstanz den Rekurs betreffend die Kantons- und Gemeindesteuern 2002 einerseits
und die Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer 2002 anderseits zu Recht im
gleichen Urteil, aber mit getrennten Dispositivziffern erledigt (BGE 135 II 260 E. 1.3).
Zumal sich auch hinsichtlich der Veranlagungsverjährung angesichts der
übereinstimmenden Regelungen zum Eintritt der absoluten Verjährung (vgl. Art. 183
Abs. 4 des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 120 Abs. 4 des Bundesgesetzes über
die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG) die nämlichen Tatbestands- und
Rechtsfragen stellen, ist es zulässig, dass das Verwaltungsgericht über die
Beschwerden im gleichen Akt entscheidet. Die Beschwerdeverfahren betreffend
Kantons- und Gemeindesteuern 2002 (B 2017/238) und betreffend direkte
Bundessteuer 2002 (B 2017/239) können dementsprechend vereinigt und durch einen
einzigen Entscheid erledigt werden (vgl. BGer 2C_440 und 441/2014 vom 10. Oktober
2014 E. 1.2; VerwGE B 2014/222 und 223 vom 25. Februar 2016 E. 1;
www.gerichte.sg.ch).
2. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 196 Abs. 1 des
Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2 der Verordnung zum
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 145 des Gesetzes über
die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG). Die Beschwerdeführer sind zur
Beschwerde legitimiert, und ihre Eingabe vom 22. November 2017 entspricht zeitlich,
formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 StG in
Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP; Art. 145 in Verbindung mit Art. 140
Abs. 1 und 2 DBG). Auf die Beschwerden ist somit einzutreten.
Die Kognition des Verwaltungsgerichts ist auf Rechtsverletzungen beschränkt; die
beschwerdeführende Person kann sich sodann auch darauf berufen, die angefochtene
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verfügung oder der angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder
unvollständig festgestellten Sachverhalt (Art. 61 VRP). Das Verwaltungsgericht ist im
Steuerrecht nicht an die Begehren der Verfahrensbeteiligten gebunden (Art. 196 Abs. 2
StG) und das Novenverbot im Sinne von Art. 61 Abs. 3 VRP gilt in diesem
Rechtsbereich nicht (vgl. VerwGE B 2007/218 vom 13. März 2008 E. 2.1, B 2012/266
vom 12. Februar 2014 E. 2.4.1 und B 2013/8 und 9 vom 12. Februar 2014 E. 4.1,
www.gerichte.sg.ch).
3. Der angefochtene Entscheid betrifft die Steuerperiode 2002. Von Amtes wegen ist zu
prüfen, ob eine Verjährung eingetreten ist (vgl. BGE 138 II 169 E. 3).
Das Recht, eine Steuer zu veranlagen, ist 15 Jahre nach Ablauf der Steuerperiode auf
jeden Fall verjährt (Art. 183 Abs. 1 StG, Art. 47 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden, SR 642.14, StHG,
Art. 120 Abs. 4 DBG). Es handelt sich bei dieser Verjährung um eine nicht hemmbare
und ununterbrechbare Verwirkungsfrist, weshalb die Veranlagung bis spätestens 15
Jahre nach Ablauf der Steuerperiode rechtskräftig abgeschlossen sein muss (vgl. M.
Beusch, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht,
3. Aufl. 2017, N 18 zu Art. 120 DBG). Die Fristen zur Verwirkung des Rechts zur
Veranlagung sind – wie dargelegt – von Amtes wegen zu prüfen und zu beachten.
Der angefochtene Entscheid der Vorinstanz betrifft die Steuerperiode 2002. Das Recht,
eine Steuerveranlagung für das Jahr 2002 festzusetzen, erlischt nach 15 Jahren ab
Beginn der Steuerperiode 2003, d.h. die Frist beginnt am 1. Januar 2003 zu laufen und
endet am 31. Dezember 2017. Aufgrund der eingetretenen (absoluten) Verjährung sind
der Rekurs und die Beschwerde deshalb gutzuheissen.
4. Aufgrund obiger Erwägungen ergibt sich:
4.1. Es wird festgestellt, dass das Recht, für das Jahr 2002 eine Steuer zu veranlagen,
infolge Verjährung verwirkt ist. Die Beschwerden betreffend die Kantons- und
Gemeindesteuern 2002 sowie die direkte Bundessteuer 2002 sind gutzuheissen und
der angefochtene Entscheid der Vorinstanz ist zusammen mit den angefochtenen
http://www.gerichte.sg.ch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einspracheentscheiden und den ihnen zugrundeliegenden Veranlagungsverfügungen
ersatzlos aufzuheben.
4.2. Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeverfahren dem Staat (Beschwerdegegner) aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1'500 für beide Verfahren ist angemessen (Art. 7
Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Auf die Kostenerhebung ist
entsprechend der verwaltungsgerichtlichen Praxis nicht zu verzichten (Art. 95 Abs. 3
VRP). Die von den Beschwerdeführern in beiden Verfahren geleisteten
Kostenvorschüsse von zusammen CHF 5'000 sind zurückzuerstatten.
Die amtlichen Kosten der vorinstanzlichen Verfahren von CHF 2‘400 sind ebenfalls dem
Staat aufzuerlegen; auf die Erhebung ist hier allerdings entsprechend der
vorinstanzlichen Praxis zu verzichten. Die Vorinstanz ist anzuweisen, den
Beschwerdeführern die von ihnen im Rekurs- und Beschwerdeverfahren geleisteten
Kostenvorschüsse von zusammen CHF 1'600 zurückzuerstatten.
4.3. Die Beschwerdeführer haben antragsgemäss Anspruch auf eine ausseramtliche
Entschädigung zu Lasten des Staates (kantonales Steueramt; Art. 98 Abs. 1 und
Art. 98 VRP). Der Rechtsvertreter hat keine Kostennoten eingereicht. Angemessen
erscheint vorliegend für die Verfahren vor der Vorinstanz und diese
Beschwerdeverfahren eine Entschädigung von insgesamt CHF 1'500 zuzüglich
pauschale Barauslagen von CHF 60 (vier Prozent von CHF 1‘500) und, da die
anwaltlichen Leistungen im Wesentlichen noch vor dem 1. Januar 2018 erbracht
wurden, acht Prozent Mehrwertsteuer (vgl. Art. 6, Art. 22 Abs. 1 lit. b, Art. 28 Abs. 1
und Art. 29 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75;
Ziff. 2.1 der MWST-Info 19 zur Steuersatzänderung per 1. Januar 2018,
www.estv.admin.ch).