# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c531471f-aaf0-4fb0-93fa-35d8c6abcd49
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die im Jahre 1959 geborene
X._
ist gelernte
Datatypistin
und reiste 1990 aus dem heutigen Kroatien in die Schweiz ein. Nach der Geburt des ersten Kindes war die Versicherte überwiegend als Hausfrau tätig; sie ist mittlerweile Mutter von vier Kindern (
Urk.
8/6,
Urk.
8/13).
Mit Scheidungs
urteil vom 20. Mai 2011 wurden die noch minderjährigen drei Kinder unter die elterliche Sorge der Versicherten gestellt, unter Hinwei
s darauf, dass die Tochter zurz
eit in der
Z._
wohne und dies so bleibe. Weiter wurde vorgemerkt, dass die beiden jüngsten Kinder in einer Pflegefamilie untergebracht seien (
Urk.
8/5 S. 4 f.).
Seit dem 6. Juli 2012 besteht
bezüglich der Versicherten
eine Beistandschaft
(
Urk.
8/8).
Infolge psychischer Probleme meldete sich die Versicherte am 25. Juli 2012 bei der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Rentenbezug an (
Urk.
8/6,
Urk.
8/15).
Diese klärte in der Folge die Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit in Beruf und Haushalt ab (Abklärungsbericht vom 25. März 2013,
Urk.
8/24), stellte mit Vorbescheid vom 24. April 2013 und Wirkung ab 1. Februar 2013 die Ausrichtung einer
Dreiviertelsrente
in A
ussicht (Urk.
8/29) und hielt an diesem Entscheid
mit Verfügungen vom 16. September 2013 fest (
Urk.
8/39 ff.).
Am 20. September 2013 wurde die Versicherte mittels ärztlich ausge
stellte
r
FU
(fürsorgerischer Unterbringung)
in das
A._
ein
gewiesen, wo sie sich bis zum 24. September 2013 in stationär-psychiatri
scher Behandlung befand (
Urk.
8/75).
Im Juni 2015 leitete die IV-Stelle die revisionsweise Überprüfung des Renten
anspruchs in die Wege (
Urk.
8/49). In diesem Zusammenhang erfolgte die psychiatrische Begutachtung der Versicherten (Gutachten von
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 15. Juni 2016;
Urk.
8/63).
Mit Vorbescheid vom 6. Juli 2016 stellte die IV-Stelle die Ein
stellung der Rente in Aussicht (
Urk.
8/70) und hielt an diesem Entscheid mit Verfügung vom 16. November 2016 fest (
Urk.
8/80
=
Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob
die Vertreterin
der Versicherten am
15. Dezember 2016 Be
schwerde und beantragte, es sei festzustellen, dass die Beschwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
habe; weiter sei der Be
schwerde die ihr entzogene aufschiebende Wirkung wieder zuzuerkennen, der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und ihr in der Person der Unterzeichnenden eine unentgeltliche Rechtsvertreterin
beizugeben; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 30. Januar 2017 beantragte die Beschwerde
-
gegne
rin
unter Hinweis auf die Akten die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Ge
such hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts;
ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den
Invalidi
tätsgrad
und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert ha
ben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesund
heitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im We
sentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfä
higkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer
an
spruchserheblichen
Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechts
konformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditätsbe
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.2
Das Bundesgericht geht in ständiger Rechtsprechung vom Regelfall aus, dass eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit grundsätzlich auf dem Weg der Selbsteingliederung verwertbar ist (Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG, 3. Auflage, S. 436
Rz
61 zu Art. 30-31). Prak
tisch bedeutet dies, dass aus einer medizinisch attestierten Verbesserung der Arbeitsfähigkeit unmittelbar auf eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ge
schl
ossen und damit ein entsprechen
der Einkommensvergleich (mit dem Er
gebnis eines tieferen Invaliditätsgrades) vorgenommen werden kann. In ganz besonderen Ausnahmefällen hat die Rechtsprechung dennoch nach langjäh
rigem Rentenbezug trotz medizinisch (wieder) ausgewiesener Leistungsfähig
keit vorderhand weiterhin eine Rente zu
gesprochen, bis mit Hilfe von medi
zinisch-rehabilitativen und/oder beruflich-erwerblichen Massnahmen das theoretische Leistungspotential ausgeschöpft werden kann. Es können im Einzelfall Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizi
nisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen
Leistungs
entfaltung
entgegen stehen, wenn aus den Akten einwand
frei hervorgeht, dass
die Verwertung eines bestimmten Leistungspotentials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels
Eigen
anstrengung der versicherten Person nicht möglich ist (Urteil des Bundesge
richts 9C_163/2009 vom 10. September 2010
E. 4.2.2).
Diese Rechtsprechung hat das Bundesgericht im Urteil 9C_228/2010 vom 26. April 2011 dahingehend präzisiert, dass die revisions- oder
wiedererwä
gungsweise
Herabsetzung oder Aufhebung der Invalidenrente bei versicher
ten Personen, die das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen haben, nur zulässig ist, we
nn die Verwaltung zuvor die Not
wendigkeit von Eingliederungsmassnahmen geprüft hat (E. 3.3). Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass diese
Personen aufgrund ihres fortge
schrittenen Alters oder der langen Rentendaue
r und der daraus folgen
den lang
jährigen Arbeitsabstinenz in der Regel nicht selber in der Lage sind, sich dem Arbeitsmarkt zu stellen und sich dort selbständig wieder einzuglie
dern. Die Übernahme der beiden Abgrenzungskriterien bedeutet jedoch nicht, dass die Betroffenen einen Besitzstandsanspruch geltend machen können. Es wird ihnen lediglich, aber immerhin zugestanden, dass die
Selbsteingliede
rung
nicht mehr zumutbar ist (vgl. erwähntes Urteil 9C_228/2010 E. 3.5).
2.
2.1
Unbestritten ist vorliegend, dass die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung
57
Jahre alt war und seit gut
dreieinhalb
Jahren eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung bezog.
Die
Beschwerdegeg
nerin
hielt diesbezüglich fest, dass die Beschwerdeführerin zwar über 55 Jahre alt, aufgrund des kurzen Rentenbezugs aber keine Beratung oder Be
gleitung nötig sei (
Urk.
8/69 S. 5). Entsprechend der zitierten
bundesgericht
lichen
Rechtsprechung sind die Anspruchsvoraussetzung
en
bezüglich Alter und Dauer des Rentenbezugs aber nicht kumulativ zu erfüllen. Vielmehr ge
nügt es, wenn eine versicherte Person allein aufgrund des fortgeschrittenen Alters sich nur erschwert wieder in den Arbeitsprozess eingliedern kann. D
emnach
kann die Beschwerdeführerin
nicht
ohne weiteres
auf den Weg der Selbsteingliederung verwiesen werden und es ist vor einem allfälligen
Ren
tenentzug
eine E
ingliederungshilfe zu gewähren.
Entsprechend der Ausfüh
rungen von
Dr.
B._
in seinem Gutachten vom 1
5.
Juni 2016 sind Einglie
derungsmassnahmen zudem möglich und zumutbar (
Urk.
8/63 S. 44).
2.2
Im Weiteren wäre gemäss bundesgerichtli
cher Rechtsprechung eine
Renten
auf
hebung
ohne Durchführung von beruflichen Massnahmen nur dann nicht zu beanstanden, wenn laut Verfügung die Eingliederung mangels Interesse nicht erfolgsversprechend wäre (BGE 141 V 385 E. 5.3, Urteil 8C_667/2015 vom 6. September 2016 E. 4.2).
Dabei kann aufgrund der bis
lang ausgebliebenen Eingliederungsbemühungen (
Urk.
8/63 S. 43 unten) nicht auf
einen fehlenden Eingliede
rungswillen geschlossen werden, da die Beschwerdeführerin aufgrund ihres Alters eben nicht auf den Weg der Selbsteingliederung verwiesen werden
kann
.
Weiter ist für den Fall, dass eine Rentenaufhebung absehbar ist, in jedem Fall ein persönliches Gespräch mit der versicherten Person zu führen. Allfällige Wiedereingliederungs
-
mass
nahmen
sind ihr aufzuzeigen und im Weiteren mit ihr zu planen (
Kreis
schreiben
über die Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 des IVG
[KSSB],
Rz
. 1004.2). Auf ein solches Gespräch hat die
Beschwerde
gegnerin
bislang verzichtet, ohne hinsichtlich der subjektiven
Eingliede
rungsbereitschaft
über verlässliche Angaben zu verfügen.
2.3
Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin dem ihr obliegenden Eingliederungsauftrag bislang
nicht
nachgekommen ist. Dar
aus ergibt sich, dass die Renteneinstellung so lange nicht gerechtfertigt ist, als die Beschwerdegegnerin die Wiedereingliederung nicht aktiv gefördert oder sich die Beschwerdeführerin nach durchgeführtem Mahn- und
Bedenk
zeitver
fahren
entsprechend geweigert hat, an den angedachten Eingliede
rungsmassnahmen teilzunehmen. Angesichts der mangelnden Fähigkeit zur Selbsteingliederung ist dabei weiterhin von der bisherigen Erwerbsunfähig
keit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszugehen.
Dies führt im Ergebnis zur Gutheissung der Beschwerde mit der Feststellung, dass die Beschwerdeführerin einstweilen weiterhin Anspruch auf die bishe
rige
Dreiviertelsrente
hat.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigen sich Ausführungen zur Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Be
schwerde.
3.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfah
rens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Weiter ist die Beschwe
rdegegnerin zu verpflichten, der
Beschwerdeführerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwendung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 2‘000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch um Gewährung der un
entgeltlichen Prozessführung sowie Rechtsvertretung gegenstandslos.