# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5451656c-bbc8-4a1b-a836-9069178472dc
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1963
,
meldete sich u
nter Hinweis auf
Cluster Kopf
schmer
zen
am
3
1.
Oktober 2011
bei der Invalidenversicher
ung zum
Leis
tungs
bezug
an (Urk. 7/4
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, klärte die medizinische
(Urk. 7/9-24)
und erwerbliche
(Urk. 7/25-29) Situation ab. Am 24. Oktober 2012
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass aufgrund seines Gesundheitszustandes derzeit keine beruflichen Ein
gliede
rungsmassnahmen möglich seien (Urk. 7/31). Die IV-Stelle
holte bei
der
A._
ein
bi
disziplinäres
Gut
achten ein, das am
28. März 2013
erstattet wurde (Urk.
7/37
).
Mit Mitteilung vom 27. August 2013 schloss die IV-Stelle ihre Dienstleistungen im Bereich der beruflichen Eingliederung ab (Urk. 7/41).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/53
; Urk.
7/
54, Urk. 7/58
)
- und unter Auferlegung einer Schadenminderungspflicht (Urk. 7/51) -
sprach die IV-Stelle mit Verfü
gung vom
27. März 2015
dem Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von
50
% eine
halbe
Rente ab
1. Juni 2012
zu (Urk.
7/61 [Begründungsteil], Urk. 7/65
=
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
5. Mai 2015
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
27. März 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm
ab 1. Juni 2012 eine ganze Rente
zuzusprechen, eventuell sei
ein ergänzendes Gut
achten in Auftrag zu geben
(
Urk.
1 S. 2
oben
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5. Juni 2015
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit
Beschluss vom
28. Oktober 2015
wurde dem Beschwerdeführer die Gelegen
heit eingeräumt, zur darin dargelegten Möglichkeit einer Schlechterstellung (
reformatio
in
peius
) Stellung zu nehmen und zu erklären, ob er an der Beschwerde festhalte (Urk. 8). Am 19. November 2015 teilte der Beschwerde
führer mit, er halte an der Beschwerde und den darin gestellten Anträgen fest (Urk. 10). Dies wurde der Beschwerdegegnerin am 20. November 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die den Invaliditätsgrad und dessen Bemessung betreffenden rechtlichen Grund
la
gen (Art. 28 und Art. 29 des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
si
cherung, IVG; Art. 16 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts, ATSG) sind im angefochtenen Entscheid zutreffend wieder
gegeben (Urk. 2 Begründungsteil S. 1). Darauf kann, mit den nachfolgen
den Ergän
zungen, verwiesen werden.
1.2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzu
sehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (vgl. zum Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Beschwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
hielt
in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2; Begrün
dungsteil)
fe
s
t
, gestützt auf das
A._
-Gutachten vom 2. April 2013 und die Beurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer ab April 2011
weiterhin
zu 50 % als Musiker tätig sein könne.
Die angestammte Tätigkeit entspreche laut den medizinischen Abklärungen auch einer leidensangepassten Tätigkeit (S. 2 oben).
Da keine genauen Lohnangaben gemacht worden seien und auch gemäss Aus
zug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) kein genaues
Valideneinkommen
habe eruiert werden können, seien die Tabellen der Lohnstrukturerhebung (LSE) heranzuziehen. Gemäss Tabelle TA1 der LSE 2010 und indexiert auf das Jahr 2012 betrage der Lohn für Tätigkeiten im Bereich Kunst und Unterhaltung Fr. 75‘334.51 (S. 1). Da die bisherige Tätigkeit aufgrund der medizinischen Beurteilung auch einer angepassten Tätigkeit entspreche, sei als
Invalidenein
kommen
die Hälfte des
Valideneinkommens
, mithin ein Einkommen von Fr. 37‘667.25, zu berücksichtigen. Daraus resultiere ein Invaliditätsgrad von
50 %. Der Beschwerdeführer habe daher ab 1. Juni 2012 Anspruch auf eine halbe Rente (S. 2 oben).
Daran hielt die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort fest
, wies aber zudem darauf hin, dass entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Ansicht ein professioneller Schlagzeuger sein Einkommen keinesfalls aus
schliesslich durch öffentliche Auftritte erzielen könne, sondern namentlich auch durch das Erteilen von Privatstunden als Schlagzeuglehrer
(Urk. 6).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1),
er leide seit 2006 an Cluster
Headache
. Im Februar 2011 sei es zu einer Ver
schlimmerung und
Chronifizierung
gekommen, so dass er sich bei der Beschwerdegegnerin habe anmelden müssen (S. 3 oben). Aufgrund dieser Erkrankung sei es ihm in keinem Fall möglich zu 50
%
als professioneller Schlagzeuger zu arbeiten. Die Anforderungen in der angestammten Tätigkeit seien nicht mit seinem Gesundheitsschaden vereinbar. Seine Angst, in der schmerzfreien Zeit durch das Schlagzeugspielen unerträgliche Schmerzen aus
zulösen, sei begründet. Diese Befürchtungen seien im psychiatrischen
Teilgut
achten
des
A._
als nachvollziehbar gewertet worden. Insbesondere seien die Auslöser (Trigger) der Schmerzen zu bedenken: Lärmbelastung, Hitze, helles grelles Licht. Ein Schlagzeuger müsse bei Auftritten in der Halle und an
Openairs
in der Lage sein
,
bei grosser Lärmbelastung, Hitze und mit Blitzlich
tern konzentriert und koordiniert zu arbeiten. Das Tragen eines Gehörschutzes bei Konzerten würde die Lärmbelastung zwar um die Hälfte reduzieren, jedoch sei für einen Cluster
Headache
-Patienten die Lärmbelastung trotzdem sehr hoch. Bedenke man dazu noch die grosse Hitze und bei Konzerten die unvermeidli
chen Lichteffekte, so liege es auf der Hand, dass diese Konstellation mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit zur Auslösung heftiger Schmerzattacken führe (S.
4 f.). Aufgrund der massiven neurologischen Einschränkungen sei nicht vor
stellbar, welche Art der Erwerbstätigkeit er ausführen könn
t
e, ohne dass dabei heftige Kopfschmerzen ausgelöst würden. Es sei nicht rechtens, von
realitäts
fremden
Einsatzmöglichkeiten auszugehen (S. 5 Mitte). Daher sei ihm ab 1. Juni 2012 eine ganze Rente auszurichten (S. 1 oben Ziff. 2).
Daran hielt der Beschwerdeführer mit Stellungnahme vom 19. November 2015 fest (Urk. 10).
2.3
Streitig und zu prüfen ist,
ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in angestammter sowie ange
passter Tätigkeit ab 1. Juni 2012 ausging.
3.
3.1
Sämtliche Ärzte diagnostizierten
beim Beschwerdeführer
ein
Cluster
h
eadache
(vgl. nachstehend E. 3.2 ff.)
. Die
se
Diagnose wurde - soweit aktenkundig - erst
mals im August 2006 von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Neuro
logie, festgehalten (Bericht vom 15. August 2006, Urk. 7/21/7-8).
3.2
Am 20.
April 2010 wurde beim Beschwerdeführer ein MRI des Schädels durch
ge
führt
.
Es
wurden
dem Alter entsprechend unauffällige Befunde
festge
halten
(Urk. 7/21/6).
3.3
Mit Bericht vom 27. Mai 2012 (Urk. 7/18) führte
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie, aus, der Beschwerdeführer sei seit Februar 2011 bei ihm in Behandlung (Ziff. 1.2). Bis zum 5. April 2011 seien von ihm mehrmals Arbeitsunfähigkeiten zu 100 % attestiert worden. Es sei davon auszugehen, dass die Arbeits
fähigkeit
seither weiterhin
neurologisch indiziert nicht habe verbes
sert werden können. Aufgrund der Charakteristik des Krankheitsbildes sei der Beschwerdeführer
unplanbar
und häufig rezidivierenden Kopfschmerzen aus
gesetzt und darüber hinaus nun zusätzlich durch die zum Teil sedierende medi
kamentöse Therapie in seiner Leistungsfähigkeit herabgesetzt. Es sei von daher kaum möglich, dass er eine planbare, wirtschaftlich verwertbare Arbeit durch
führen könne. Dies bei nachvollziehbar guter Motivation zur Therapie und zur Wiedereingliederung in die Arbeitswelt (Ziff. 1.6).
Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar (Ziff. 1.7). Längerfristig sei die Wiederaufnahme der beruf
lichen Tätigkeit nicht auszuschliessen beziehungsweise sei
solches
ange
strebt (Ziff. 1.9).
3.4
Im Bericht vom 3. Juli 2012 hielt
Dr.
C._
fest, es habe sich am Beschwerdebild nichts geändert. Unter der Morphinmedikation habe eine gewisse Stabilität erreicht werden können. Diese Therapieart sei aber kaum längerfristig vertret
bar. Die Zusatztherapie mit
Topiramat
habe noch keine erkennbar
e
zusätzlich günstige Wirkung gezeigt. Die Klassifizierung der Kopfschmerzen als Cluster-Migräne sei aber nie ganz eindeutig gewesen. Als adäquateste mittelfristige Therapie sei dem Beschwerdeführer eine stationäre Behandlung in einem
Kopf
wehzentrum
vorgeschlagen worden.
Ziel sei eine Etablierung einer effektiveren Schmerztherapie und vor allem auch eine bessere Voraussetzung für die Wieder
herstellung der Arbeitsfähigkeit als Musiker und Komponist (Urk. 7/21/3).
3.5
Am 28. März 2013 wurde das neurologisch-psychiatrische Gutachten durch Ärzte des
A._
erstattet (Urk. 7/37). Sie stellten folgende Diagnosen (S. 10
lit
. E):
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
Cluster
headache
,
chronifiziert
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
i
atrogen veranlasster Konsum von Opioiden (ICD-10 F11.2) bei Cluster
headache
leicht ausgeprägte Anpassungsstörung bei psychosozialer Belastungs
situation mit Partnerkonflikt (ICD-10 F43.2)
Gegenüber den Gutachtern berichtete der Beschwerdeführer, die ersten Störun
gen habe er 2006 oder schon vorher gehabt und
diese
seien seit dieser Zeit immer gleich lokalisiert geblieben. Die seither durchgeführten Massnahmen und Therapien hätten zum Teil etwas genutzt, das „Grundübel“ habe man aber nicht weggebracht. Er habe immer Schmerzen gehabt im Bereich der rechten Wange und die Nase sei gelaufen. Das Auge sei nicht unbedingt rot gewesen. Der Schmerz habe erst 20 bis 25 Minuten gedauert, mit den Jahren auch länger. Die Anfallshäufigkeit (oft drei- oder viermal, oft zur gleichen Zeit) am Tag sei ver
schieden gewesen. Seit zwei Jahren nehme er jeden Tag zweimal Morphium und zusätzlich
Topiramat
. Er habe jetzt ein etwas anderes Krankheitsbild
. Er habe nicht mehr unbedingt diese
„
krassen
“
Anfälle. In der Oberkiefergegend innen am Mund empfinde er den Hauptschmerz, einen ständigen, sehr unangenehmen Schmerz. Dieser sei mässig intensiv. Er habe aber ständig Angst, dass es sehr viel schlimmer werden könnte. Deswegen nehme er je
den Tag die
Morphium
tropfen
.
Er habe natürlich auch Angst, das Morphium abzusetzen. Man habe von einer Schmerztherapie gesprochen, der Hausarzt
würde
deswegen mit der Krankenkasse
reden
(S. 5 f.
lit
. C.1).
Seit ungefähr drei Jahren
würde
er beruflich nichts mehr
machen
. Jegliche kör
perliche Anstrengung oder Lärm, jedenfalls habe er den Eindruck, könne das Kopfweh
triggern
(S. 7 Ziff. 5).
Der neurologische Gutachter führte
aus, zusätzliche Abklärungen seien nicht mehr indiziert bei unauffälligem
Kernspintomogramm
des Schädels, erfolgter
Liquorpunktion
mit unauffälligem Resultat und immer normalem neurologi
schem Status. Die Bestimmung einer Arbeitsfähigkeit sei insofern noch schwieriger, da der Beschwerdeführer (
freiberuflicher
Schlagzeuger) angebe, dass laute Geräusche wie das Schlagzeug, neben anderen unklaren Faktoren, die Situation verschlimmern würden. Eine Arbeit in einer Verweistätigkeit könne an dieser Situation nichts Wesentliches ändern (S. 9 Mitte).
Aus psychiatrischer Sicht resultiere weder aus dem Konsum von
Morphium
tropfen
noch aus der leicht ausgeprägten Anpassungsstörung eine Relevanz für die Arbeitsfähigkeit (S. 10 oben).
Aus gesamtgutachterlicher Sicht sei zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
F
ol
gendes auszuführen: Der Beschwerdeführer leide zweifelsfrei an einem Cluster
headache
. Im Verlauf der letzten Jahre sei es zu einer
Chronifizierung
gekom
men, die bis heute therapeutisch nicht befriedigend habe angegangen werden können. Zudem führe die Therapie zu einem iatrogen veranlassten, anhaltenden
Opioidkonsum
. Es liege in der Natur der Sache, dass beim Cluster
headache
keine neurologischen Veränderungen erfasst werden könnten. Auch wenn von psychiatrischer Seite her die Arbeitsfähigkeit nicht tangiert sei, sei diese unter Be
rücksichtigung des Leidensdruck
s mit der chronischen Schmerzsituation mit zusätzlichen Exazerbationen doch betroffen und „dürfte 50 % betragen“. Plau
sibel erscheine der Zeitpunkt der Verordnung der Opioide ungefähr drei Monate vor dem Brief vom 17. August 2011 (S. 10
lit
. F
; vgl. auch S. 13 Ziff. 1 und Ziff. 4a
).
Eine Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit sei bei normalen Befunden nicht vorhanden. Nach Angabe des Beschwerdeführers würden laute Geräusche und körperliche Aktivität wie Sport
attackenauslösend
wirken. Der Beschwer
deführer müsse daher beim Schlagzeugüben einen Ohrenschutz tragen. Auch in einer allfälligen Verweistätigkeit würde dies allenfalls zutreffen. Wegen der zentral dämpfenden Wirkung von Opioiden seien Tätigkeiten an schnell laufen
den Maschinen sowie Tätigkeiten, welche mit dem Führen von Kraftfahrzeugen einhergehen würden, auszuschliessen (S. 11 oben). Somit bestehe sei Mitte Mai 2011 eine Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 50 % in der bisherigen Tätigkeit als freiberuflicher Schlagzeuger sowie in einer Verweistätigkeit (S. 11 Mitte).
Eine Verbesserung des Gesundheitszustandes könne durch eine stationäre Ent
ziehung der Medikamente (eventuell eine Modifikation und Beobachtung, ob die Clusterfrequenz abnimmt) erreicht werden (S. 14 Ziff. 5). Dabei könne aber nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden, in welchem Zeitraum welche pro
zentuale Besserung der Arbeitsfähigkeit erwartet werden könne. Nach der Ent
ziehungskur würde eine Beobachtungsdauer von zwei Monaten dazukommen (Ziff. 6).
3.6
RAD-Arzt med.
pract
.
D._
, Facharzt für Neurologie, hielt mit Stellung
nahme vom 15. Mai 2013 fest, die Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab April 2011 in der bisherigen Tätigkeit sei plausibel. Für eine angepasste Tätigkeit würden sich keine Abweichungen ergeben. Medizinisch-theoretisch sei ein Ver
besserungspotential der Arbeitsfähigkeit mittels
Opioid-Entzugsbe
handlung
möglich (Urk. 7/42/2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der Verfügung vom 27. März 2015 auf das
A._
-Gutachten ab und ging gestützt darauf von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % in der bisherigen Tätigkeit als freiberuflicher Schlagzeuger sowie in
Ver
weistätigkeiten
aus (vorstehend E. 2.1).
Gestützt auf die vorhandenen medizini
schen Akten erscheint die Frage der zumutbaren Arbeitsfähigkeit jedoch unge
nügend abgeklärt.
4.2
Die Stellungnahme des neurologischen Gutachters blieb
v
age: „Die Bestimmung einer Arbeitsfähigkeit ist insofern noch schwieriger, da der Versicherte (Schlag
zeuger) angibt, dass laute Geräusche wie das Schlagzeug, neben anderen unklaren Faktoren, die Situation verschlimmern. Eine Arbeit in einer Ver
weistätigkeit kann an dieser Situation nichts Wesentliches ändern“ (Urk. 7/37/9 Mitte).
Dass die Tätigkeit als Schlagzeuger im Fall des Beschwerdeführers unge
eignet erscheint, ist aufgrund der gestellten Diagnose einleuchtend.
Es ist
jedoch nicht erläutert
worden - und daher auch nicht ohne
weiteres
nachvollziehbar - weshalb
in
eine
r
Verweistätigkeit, die
keine Trigger wie Lärm oder
Lichteffekte mit sich bringt,
die Arbeitsfähigkeit höchstens im selben Umfang zumutbar sein soll, wie in der Tätigkeit als Schlagzeuger. Dies insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass der Beschwerdeführer nicht näher beschreiben konnte, welche allenfalls „andere
n
unklare
n
Faktoren“
seine Schmerzsituation verschlimmern oder auslösen
und ihm häufiges Lesen offenbar problemlos möglich ist (
Urk.
7/37/6)
.
Zur Frage, weshalb für die Tätigkeit als Schlagzeuger dieselbe
Einschätzung bezüglich
Arbeitsfähigkeit wie für jegliche Verweistätigkeiten
gelten soll
, vermag auch der RAD nichts Klärendes beizutragen (vorstehend E. 3.6).
4.3
Sodann ist die Beurteilung des behandelnden Neurologen
Dr.
C._
, der Beschwer
deführer sei für jegliche Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig, ebenfalls nicht nachvollziehbar: Seit Beginn der Opioid-Therapie
konnte
die
Schmerzsi
tuation
stabilisiert werde
n (vgl. vorstehend E. 3.4
) und
„krasse“ Anfälle
blieben seither aus
.
Den Angaben des Beschwerdeführers zufolge verän
derte sich das Krankheitsbild
, indem der Beschwerdeführer seither zwar einen ständigen, sehr unangenehmen Schmerz habe, welcher aber mässig intensiv sei
(vgl. vorstehend E. 3.5)
. Es gehe ihm aufgrund der Medikation mit Morphium besser (vgl. Protokoll zum Eingliederungsberatungsgespräch vom 23. August 2013, Urk. 7/42/3).
4.4
Im
Übrigen sind zwischen der Erstattung des
A._
-Gutachtens und dem
Verfü
gungserlass
zwei Jahre ver
flossen
. Gemäss E
-M
ail vom 15. Januar 2015 (Urk. 7/57/1) von
Dr.
C._
wurde
der Beschwerdeführer im Januar 2015 zur
sowohl von
Dr.
C._
als auch seitens der
A._
-Gutachter vorgeschlagenen stationären Kopfschmerzthera
pie mit Opiat-Entzug angemeldet
.
4.5
Insgesamt ist die Frage der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in einer
Verwei
stätig
keit
ungenügend abgeklärt
. Insbesondere ist näher zu präzisieren, weshalb eine angepasste
Tätigkeit
ohne Trigger lediglich im selben Umfang zumutbar
sein soll
wie die angestammte Tätigkeit als Schlagzeuger.
Die Sache ist daher
zumal, wie nachfolgend aufzuzeigen sein wird, auch Unklarheiten betreffend die erwerbliche Situation sowie betreffend die
Invaliditätsberechnung bestehen
zu weiteren medizinischen Abklärungen zurückzuweisen.
5.
5.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
ein
kommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkom
mens
entwicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
Der bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigenden ausge
gli
chenen Arbeitsmarktlage (Art. 16 ATSG) ist grundsätzlich auch bei der Festsetzung des
Validenlohnes
Rechnung zu tragen, wobei auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstruk
turerhebung
(LSE) abgestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_192/2014 vom 23. Septem
ber 2014 E. 3.2 mit Hinweisen
).
5.2
Für die Ermittlung des
Valideneinkommens
von selbständig erwerbstätig gewe
se
nen Personen, das der Bestimmung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG zugrunde zu legen ist, sollten in erster Linie die aus dem Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) ersichtlichen Löhne herangezogen werden. Weist das bis Eintritt der Invalidität erzielte Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung getretene Schwankungen auf, ist dabei auf den während einer längeren Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2011 vom 29. März 2012 E. 3, E. 4.1 f.).
Bei selbständig Erwerbenden wird namentlich dann nicht auf das zuletzt erzielte Einkommen abgestellt, wenn aufgrund der Umstände mit überwiegender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass der Versicherte im Gesundheitsfall
seine nicht einträgliche selbständige Tätigkeit aufgegeben und eine besser
ent
löhnte
andere Tätigkeit angenommen hätte, oder dann, wenn die vor der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeübte selbständige Tätigkeit wegen ihrer kurzen Dauer keine genügende Grundlage für die Bestimmung des
Validenein
kommens
darstellt, zumal in den ersten Jahren nach Aufnahme der selbständi
gen Erwerbstätigkeit üblicherweise aus verschiedenen Gründen (hohe
Abschrei
bungsquote
auf Neuinvestitionen usw.) die Betriebsgewinne gering sind. Wenn sich hingegen der Versicherte, auch als seine Arbeitsfähigkeit noch nicht beein
trächtigt war, über mehrere Jahre hinweg mit einem bescheidenen Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit begnügt hat, ist dieses für die Festlegung des
Valideneinkommens
massgebend, selbst wenn besser
entlöhnte
Erwerbsmög
lichkeiten bestanden hätten. Das Bundesgericht hat denn auch eine Paralleli
sierung der Einkommen bei selbständig Erwerbenden in der Regel abgelehnt (Urteil des Bundesgerichts 8C_626/2011 vom 2
9.
März 2012 E. 4.4 mit Hinwei
sen auf
BGE 135 V 58
E. 3.4.6-7).
5.3
Mit Schreiben vom 11. September 2012 gab der Beschwerdeführer gegenüber der Beschwerdegegnerin an, er habe an der
E._
Schlagzeug studiert
(zirka 1982 bis zirka 1983; vgl. Urk. 7/4/4 Ziff. 5.3)
und habe danach seinen Unterhalt als Profi-Musiker verdient. Bis vor ein paar Jahren habe er als Selbstständiger davon sowie von einigen Privatstunden als Schlagzeuglehrer leben können. Dann habe seine Leidensgeschichte mit dem Cluster
headache
begonnen (Urk. 7/28).
Aus dem IK-Auszug geht hervor, dass der Beschwerdeführer ab 1990 als nichter
werbstätig erfasst wurde
(Urk. 7/3).
Dennoch zog d
ie Beschwerdegegnerin gestützt auf die LSE
2010
als
Validenein
kommen
einen Jahresverdienst von Fr.
75‘334.50 (vgl. Urk. 2 Begründung S. 2) heran.
Nachdem sich in den Akten keine verlässlichen Angaben zu einem Ein
kommen aus selbständiger Tätigkeit finden lassen, welche ein Abweichen von den im IK-Auszug festgehaltenen Einträgen rechtfertigte, ist dieses Vorgehen nicht haltbar. Die Beschwerdegegnerin wird daher - in Abhängigkeit der im Rahmen der zusätzlichen medizinischen Abklärungen neu gewonnen Erkennt
nisse - hinsichtlich des
Valideneinkommens
des Beschwerdeführers weitere Abklärungen zu tätigen und hierbei insbesondere abzuklären haben, mit wel
chem Einkommen sich der Beschwerdeführer über zwei Jahrzehnte hinweg begnügte (vgl. E. 5.2).
6.
Zusammenfassend ist vorliegend sowohl der medizinische als auch der erwerbli
che Sachverhalt ungenügend abgeklärt worden.
In medizinischer Hinsicht
blieb die Frage unklar,
in welchem Ausmass eine leidensangepasste Tätigkeit ohne die
attackenauslösenden
Faktoren zumutbar ist.
Bei den weiteren Abklärungen wird i
nsbesondere auch zu berücksichtigen sein, ob und welche medizinischen Schlussfolgerungen sich aus dem im Raum stehenden Opiatentzug ergeben.
In erwerblicher Hinsicht
sind weitere Erhebungen insbesondere das
Validenein
kommen
betreffend zu tätigen
.
Aufgrund der
auch
im erwerblichen Bereich bestehenden
Unklarheiten ist kein Gerichtsgutachten anzuordnen, sondern die Sache zur
rechtsgenüglichen
Sach
verhaltsabklärung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Die Beschwerde ist dementsprechend in dem Sinne
gutzuheissen
, als die ange
fochtene Verfügung vom 2
7
. M
ärz
2015 aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist.
7
.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind
sie der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
Damit
erweist sich der Antrag
des Beschwerdeführers
auf
Gewährung der
unent
geltliche
n
Pr
ozessführung (vgl. Urk. 1 S. 2 Ziff. 5) als gegenstandslos
.
7.
2
Der Beschwerdeführer hat eine Prozessentschädigung beantragt (Urk. 1 S. 2 Ziff. 4).
Im Verfahren der Verwaltungsgerichtsbeschwerde darf obsiegenden Behörden oder mit
öf
fent
lichrechtlichen
Aufgaben betrauten Organisationen in der Re
gel keine Parteientschädigung zugesprochen werden. In An
wen
du
ng dieser Bestimmung hat das Bundesgericht der SUVA und den privaten UVG-Versiche
rern so
wie - von Sonderfällen abgesehen - den Krankenkassen keine
Partei
ent
schädigungen
zugesprochen, weil sie als Orga
nisa
tionen mit
öffentlichrechtli
chen
Aufgaben zu qua
lifizieren sind (BGE 112 V 356 E. 6 mit Hinweisen). Das hat grund
sätzlich auch für die Trägerinnen oder Versicherer der berufli
chen Vorsorge gemäss BVG zu gelten (BGE 128 V 124 E. 5b, 126 V 143 E. 4a, 118 V 158 E. 7, 117 V 349 E. 8 mit Hinweis).
Rechtsprechungsgemäss hat der durch die Sozialen Dienste seiner
Wohnge
meinde
vertretene Beschwerdeführer somit keinen Anspruch auf eine
Prozess
entschädigung
.