# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3bd016d3-7a41-4c4b-af67-2a63d1123f88
**Court:** ZH_HG
**Chamber:** ZH_HG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren: (act. 1)
" 1. Die Beklagte 1 sei zu verpflichten, der F._ AG in Liquidation a. CHF 25'480.– zuzüglich 5% Zins seit dem 15. Oktober 2014, b. CHF 1'225'303.65 zuzüglich 5% Zins seit dem 15. Oktober
2014 sowie c. CHF 673'498.85 zuzüglich 5% Zins seit dem 16. Oktober
2014 zu bezahlen.
2. Die Beklagte 2 sei zu verpflichten, der F._ AG in Liquidation CHF 175'557.65 zuzüglich 5% Zins seit dem 15. Oktober 2014 zu bezahlen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien/Beteiligte und ihre Stellung
Die Kläger 1 (Wohnsitz in G._ [Gemeinde im Kanton Zürich]), 2 (Wohnsitz in
H._, USA) und 3 (Wohnsitz in I._, Deutschland) sind gemäss eigenen
Angaben allesamt Aktionäre der F._ AG in Liq.
Bei der F._ AG in Liq. (nachfolgend F._ AG) handelt es sich um eine
Aktiengesellschaft mit Sitz in J._, welche den Erwerb, das Halten und die
Veräusserung sowie die Verwaltung und Finanzierung von Beteiligungen an in-
und ausländischen Unternehmen, insbesondere auf dem Gebiet der ...-technik,
bezweckt (act. 3/1). Anlässlich der ordentlichen Generalversammlung vom tt. Ok-
tober 2014 wurde die Auflösung und Liquidation der F._ AG beschlossen
(act. 3/45).
Die K._ Corporation mit Sitz in L._, ... [Amerikanischer Bundesstaat], ist
eine US-amerikanische Gesellschaft, welche auf Entwicklung, Herstellung und
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Vertrieb von Instrumenten, Kathetern, Geräten, Implantaten sowie auf Systeme
für ... spezialisiert ist. Am tt. Februar 2016 wurde die K._ Corporation an die
M._ LLP verkauft (act. 45 Rz 57; act. 46 Rz 113).
Bei der Beklagten 1 handelt es sich um eine Schweizer Gesellschaft mit be-
schränkter Haftung mit Sitz in J._ ZH, welche die Verwaltung von Beteiligun-
gen, Finanzierungen von ... und ... sowie ... bezweckt (act. 1 Rz 12, act. 3/2). Die
Beklagte 1 ist die Hauptaktionärin der F._ AG und hält 77.17% der Aktien
(act. 1 Rz 41).
Die Beklagte 2 schliesslich ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien mit Sitz in
N._, Deutschland, deren Zweck Erwerb, Halten, Verwaltung und Veräusse-
rung von Beteiligungen an Unternehmen und Investitionen in Venture Capital Be-
teiligungen ist (act. 1 Rz 13; act. 20/4). Auch die Beklagte 2 ist Aktionärin der
F._ AG.
b. Prozessgegenstand
Soweit rechtlich relevant, ist folgender Sachverhalt zwischen den Parteien unbe-
stritten:
Mit Kaufvertrag vom tt. September 2014 verkaufte die F._ AG die insgesamt
305'000 von ihr gehaltenen Aktien der K._ Corporation an die Beklagte 2.
Dabei wurde als fester Anteil ein Kaufpreis von EUR 8.00 pro Aktie vereinbart.
Entsprechend überwies die Beklagte 2 der F._ AG am tt. September 2014
den Betrag EUR 2'440'000.00 als Kaufpreis. Zusätzlich sah der Kaufvertrag noch
einen variablen Anteil des Kaufpreises vor, welcher fällig geworden wäre, wenn
die Beklagte 2 die Aktien der K._ Corporation bis zum 31. Dezember 2015
an einen Dritten zu einem den festen Anteil übersteigenden Preis verkauft hätte.
Dies ist innert der vereinbarten Frist jedoch nicht passiert, weshalb es zu keinen
zusätzlichen Kaufpreiszahlungen gekommen ist (act. 18 S. 12; act. 38 Rz 37;
act. 45 Rz 31; act. 3/33; act. 20/14).
Am tt.mm.2014 (Publikationsdatum) lud der Verwaltungsrat der F._ AG die
Aktionäre durch Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt zur ordentli-
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chen Generalversammlung vom tt.mm.2014 ein (fortan GV 2014; act. 3/43). An-
lässlich dieser wurden unter anderem die Auflösung und Liquidation der F._
AG und eine Dividendenausschüttung in der Höhe von CHF 2'800'000.– (brutto)
beschlossen, deren Fälligkeit auf den 15. Oktober 2014 festgelegt wurde
(act. 3/46). Im Zeitraum vom 15. Oktober bis 11. November 2014 wurden
CHF 2'420'361.70 der Nettodividende an Aktionäre der F._ AG verteilt. Der
verbleibende Dividendenanteil von CHF 73'137.18 wurde bis heute nicht ausbe-
zahlt. Soweit für das vorliegende Verfahren von Belang, wurden am 15. bzw.
16. Oktober 2014 die folgenden Beträge ausgeschüttet (act. 1 Rz 47 ff.; act. 3/44;
act. 18 S. 21; act. 38 Rz 66):
an die Beklagte 1: CHF 25'480.00
CHF 1'225'303.65
CHF 673'498.85
an die Beklagte 2: CHF 175'557.65
Zwischen den Parteien strittig sind im Wesentlichen die folgenden Punkte:
Nach Ansicht der Kläger sind die vorgenannten Ausschüttungen aufgrund ver-
schiedener Verstösse gegen materiellrechtliche Ausschüttungsregeln ungerecht-
fertigt. Zudem seien der Dividendenbeschluss sowie auch alle anderen anlässlich
der GV 2014 gefassten Beschlüsse aufgrund formeller Mängel ohnehin nichtig
(act. 1 Rz 53 ff.; 45 Rz 66). Die Kläger behaupten weiter, dass bei Gültigkeit der
genannten Beschlüsse der Liquidationsbeschluss das Sperrjahr i.S.v. Art. 745
Abs. 2 OR ausgelöst hätte. Gemäss dieser Bestimmung dürfe das Vermögen der
aufgelösten Gesellschaft erst nach Tilgung ihrer Schulden und nach Ablauf eines
Jahres seit dem dritten Schuldenruf an die Aktionäre verteilt werden. Diese Vor-
schriften habe die F._ AG gröblich verletzt. Eine Verteilung der überschüssi-
gen Mittel vor dem Auflösungsbeschluss wäre gemäss den Klägern grundsätzlich
zulässig gewesen, jedoch seien die streitgegenständlichen Ausschüttungen erst
danach vorgenommen worden (act. 1 Rz 77 ff.). Die Kläger beantragen, es seien
die von den Beklagten 1 und 2 am 15. bzw. 16. Oktober 2014 bezogenen Divi-
denden gemäss Art. 678 Abs. 1 OR wieder der F._ AG zurückzuerstatten.
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Die Beklagten stellen sich auf den Standpunkt, die streitgegenständlichen Leis-
tungen gerechtfertigt bezogen zu haben. Die Sperrwirkung i.S.v. Art. 745 Abs. 2
OR sei vorliegend nicht einschlägig, da anlässlich der GV 2014 die Dividenden-
ausschüttung vor dem Liquidationsbeschluss beschlossen worden sei, was sich
aus der Reihenfolge der Traktanden ergebe. Es handle sich daher um eine ohne
Weiteres zulässige Vorausschüttung bzw. Substanzdividende (act. 18 S. 28;
act. 38 Rz 101 f.).
Darüber hinaus haben die Parteien diverse Behauptungen zu weiteren Sachver-
halten aufgestellt. Dabei geht es insbesondere um die zwischen den Parteien
strittigen Fragen, ob O._ die F._ AG treuhänderisch für P._ ge-
gründet habe und inwiefern es in der Folge zur Veruntreuung von P._s Ver-
mögen gekommen sei. Rund um diesen Fragenkomplex sind denn auch weitere
Verfahren anhängig gemacht worden (act. 1 Rz 8; act. 45 Rz 6; act. 18 S. 4;
act. 38 Rz 14 ff.; act. 54 Rz 1). Da diese Sachverhalte für das vorliegende Verfah-
ren jedoch keine rechtliche Relevanz haben, ist darauf nicht einzugehen.
Ergänzend wird auf die Schriftsätze der Parteien (act. 1; act. 18; act. 38; act. 52;
act. 54; act. 61; act. 64; act. 65; act. 67) Bezug genommen. Auf deren Darstellun-
gen ist in den Erwägungen einzugehen, soweit diese für die Entscheidungsfin-
dung wesentlich sind.
B. Prozessverlauf
Die Kläger reichten am 11. September 2015 (Datum Poststempel) die vorliegende
Klage ein (act. 1). Den von ihnen geforderten Vorschuss für die Gerichtskosten
von CHF 42'000.– leisteten sie fristgerecht (act. 4; act. 7). Die Klageantworten der
Beklagten 1 vom 5. September 2016 (act. 38) und der Beklagten 2 vom
25. Januar 2016 (act. 18) wurden innert angesetzter Frist bzw. Nachfrist einge-
reicht (act. 8; act. 16; act. 36). In Gutheissung des Antrags der Beklagten 1 wurde
alsdann der Kläger 2 zur Sicherstellung der Parteientschädigung von
CHF 13'500.– verpflichtet (act. 26; act. 33). Die entsprechende Sicherstellung
wurde rechtzeitig geleistet (act. 35). Im weiteren Verlauf wurde der zweite Schrif-
tenwechsel angeordnet (act. 42). Sowohl die Replik vom 17. März 2017 (act. 45)
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als auch die Dupliken der Beklagten 1 und 2 vom 13. bzw. 27. Juni 2017 ergingen
rechtzeitig (act. 52; act. 54). Daraufhin reichten die Kläger am 29. September
2017 eine Noveneingabe ein (act. 58, act. 59), zu welcher die Beklagten 1 und 2
mit Eingaben vom 13. bzw. 16. Oktober 2017 Stellung nahmen; die Beklagte 2
reichte zudem gleichzeitig ihrerseits eine Noveneingabe ein (act. 64, act. 65 und
act. 66/71). Die Stellungnahme der Kläger hierzu (act. 67) wurde den Beklagten
zugestellt (Prot. S. 24). Schon zuvor hatte die Beklagte 1 eine vom 10. Oktober
2017 datierende Noveneingabe eingereicht, welche danach den Klägern zuge-
stellt worden war (act. 61; Prot. S. 23). Weitere Eingaben ergingen nicht. Mit Ver-
fügung vom 12. Januar 2018 wurde den Parteien Frist angesetzt, um zu erklären,
ob auf die Durchführung einer Hauptverhandlung verzichtet werde, unter Andro-
hung, dass bei Stillschweigen Verzicht auf die Hauptverhandlung angenommen
würde (act. 68). Die Parteien verzichteten innert Frist ausdrücklich auf die Durch-
führung einer Hauptverhandlung (act. 70, act. 71 und act. 72). Der Prozess er-
weist sich als spruchreif (Art. 236 Abs. 1 ZPO).

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
1.1. Zuständigkeit und anwendbares Recht
Die internationale, örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgericht des
Kantons Zürich zur Beurteilung der vorliegenden Klage ist gegeben (Art. 6 Ziff. 1
LugÜ; Art. 6 Abs. 2 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG) und blieb überdies unbestritten.
Die Anwendbarkeit von Schweizer Recht ergibt sich vorliegend aus Art. 154
Abs. 1 IPRG und ist denn auch unbestritten.
1.2. Streitgenossenschaft
Zwischen den Klägern und den Beklagten sollen Rechte und Pflichten beurteilt
werden, die auf gleichartigen Tatsachen und Rechtsgründen beruhen. Die Be-
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klagten bilden hierbei eine einfache Streitgenossenschaft im Sinne von Art. 71
Abs. 1 ZPO. Die Kläger ihrerseits machen in Prozessstandschaft Ansprüche für
die F._ AG geltend und haben dabei als uneigentlich notwendige Streitge-
nossenschaft zu gelten (siehe unten Ziffer 2.2.1.).
2. Rückerstattung aus ungerechtfertigter Gewinnausschüttung gemäss Art. 678 Abs. 1 OR
2.1. Überblick
Die Kläger stützen ihren Anspruch auf die verlangten Rückzahlungen an die
F._ AG auf Art. 678 Abs. 1 OR. Gemäss diesem Artikel ist der Empfänger
von ungerechtfertigten Gewinnausschüttungen unter gewissen Voraussetzungen
rückerstattungspflichtig. Gegenstand der Rückerstattungspflicht nach Abs. 1 von
Art. 678 OR bilden Dividenden, Tantiemen, andere Gewinnanteile oder Bauzinse.
Die Pflicht zur Rückerstattung steht unter zwei Voraussetzungen: (i) im objektiven
Sinn die Ungerechtfertigtheit der Leistung; (ii) im subjektiven Sinn die Bösgläubig-
keit des Empfängers (BSK OR II-VOGT, 5. Aufl., Basel 2016, Art. 678 N 8 f. und
18).
Nachfolgend ist zu prüfen, ob die streitgegenständlichen Ausschüttungen von
Art. 678 Abs. 1 OR erfasst werden und als ungerechtfertigt und bösgläubig bezo-
gen zu qualifizieren sind.
2.2. Aktiv- und Passivlegitimation
2.2.1. Potenziell rückerstattungspflichtig und damit passivlegitimiert sind gemäss
Art. 678 Abs. 1 OR die Empfänger der ungerechtfertigt bezogenen Gewinnanteile,
also Aktionäre, Verwaltungsräte und ihnen nahe stehende Personen oder Gesell-
schaften (BSK OR II-VOGT, 5. Aufl., Art. 678 N 29 f.). Die Passivlegitimation der
Beklagten 1 und 2 als Aktionäre der F._ AG ist vorliegend unbestritten.
Zur Klage legitimiert ist gemäss Art. 678 Abs. 3 OR neben der Gesellschaft selbst
auch jeder einzelne Aktionär, wobei die Aktionärsstellung zum Zeitpunkt der Kla-
geerhebung vorliegen muss. Die Klageberechtigung der Aktionäre ist allerdings
insofern eingeschränkt, als diese gemäss Art. 678 Abs. 3 OR – analog der Rege-
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lung zur Geltendmachung von Ansprüchen aus aktienrechtlicher Verantwortlich-
keit gemäss Art. 756 Abs. 1 OR – nur zur Klage auf Leistung an die Gesellschaft
berechtigt sind. Dabei handelt es sich um ein Prozessführungsrecht für die Ge-
sellschaft im Sinne einer Prozessstandschaft und nicht um ein materielles Recht
des Aktionärs (VON DER CRONE, Aktienrecht, Zürich 2014, § 9 Rz 52). Da ein ma-
terieller Anspruch aus Sicht der Gesellschaft geltend gemacht wird, ist nicht ent-
scheidend, ob alle oder nur einzelne Aktionäre mittels Klage vorgehen. Klagen
mehrere Aktionäre, bilden sie deshalb eine sogenannt uneigentlich notwendige
Streitgenossenschaft: In dieser Konstellation muss die Rechtslage zwar für alle
involvierten Parteien übereinstimmend beurteilt werden. Anders als in Fällen der
notwendigen Streitgenossenschaft wird aber nicht verlangt, dass mehrere oder al-
le dazu Berechtigten als aktive Streitgenossen Klage erheben (C. VON HOLZEN, Die
Streitgenossenschaft im schweizerischen Zivilprozessrecht, Diss. Basel 2006,
S. 82 ff.; KuKo ZPO-DOMEJ, Art. 70 N 1; siehe für weitere Ausführungen dazu Zif-
fer 3.3. der Verfügung vom 24. Juni 2016 [act. 33]).
Vorliegend wird die Aktivlegitimation der Kläger 1-3 bzw. deren Aktionärsstellung
von den Beklagten teilweise bestritten. Entsprechend dem oben Gesagten wäre
die vorliegende Klage auch dann nicht abzuweisen, wenn nicht alle der Kläger 1-3
aktivlegitimiert sein sollten. Die Klageberechtigung eines Klägers ist zur vollum-
fänglichen Beurteilung des klägerischen Anspruchs demnach ausreichend. Der
Vollständigkeit halber ist ferner darauf hinzuweisen, dass die fehlende Aktivlegiti-
mation einzelner Kläger auch auf die Kosten- und Entschädigungsfolgen keine
Auswirkung hätte, da der klägerische Anspruch einheitlich zu beurteilen ist und
die Kläger 1-3 alle vom selben Anwalt vertreten werden (siehe unten Ziff. 3.3.).
2.2.2. Die Kläger waren nach eigenen Angaben (im Zeitpunkt der Klageerhebung)
Aktionäre der F._ AG und somit aktivlegitimiert. Konkret sollen der Kläger 1
86'181, der Kläger 2 327'600 und der Kläger 3 10'000 der insgesamt 4'000'000
Inhaberaktien der F._ AG besitzen (act. 1 Rz 9 ff.; act. 3/1). Zum Beweis rei-
chen die Kläger unter anderem Kopien von Aktienzertifikaten ein, welche deren
Inhaber als Berechtigte an den darauf genannten Aktien erklären; die Einreichung
der Originale wurde vorbehalten (act. 3/9, act. 3/15 und act. 3/16).
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Die Beweislast für das Innehaben der Aktionärsstellung haben nach der allgemei-
nen Regel (Art. 8 ZGB) die Kläger zu tragen. Dabei gilt das Regelbeweismass;
demgemäss ist der Beweis erbracht, wenn das Gericht von der Verwirklichung der
umstrittenen Tatsache «überzeugt» ist. Die zu beweisende Tatsache muss nicht
mit Sicherheit feststehen. Es genügt, wenn die (regelmässig auch) vorhandenen
Zweifel als nicht erheblich erscheinen (DIKE Kommentar ZPO II-LEU, 2. Auflage,
Zürich 2016, Art. 157 N 61).
2.2.3. Während die Beklagte 1 die Aktivlegitimation der Kläger 1 und 3 anerkennt
(act. 54 Rz 17 ff.), bestreitet die Beklagte 2 diese: die der Klageschrift beigelegten
Kopien der Aktienzertifikate könnten die Aktionärsstellung der Kläger zum Zeit-
punkt der Klageerhebung nicht beweisen. Es genüge aber auch nicht, dass die
Kläger die Einreichung der Originale vorbehalten. Denn selbst wenn die Originale
nachgereicht würden, bewiese dies bloss den Aktienbesitz der Kläger 1 und 3
zum Zeitpunkt der Vorlage der Originale, nicht aber zum Zeitpunkt der Klageerhe-
bung (act. 18 S. 4 f.; act. 52 Rz 16).
Zum Nachweis ihrer Aktionärsstellung reichen die Kläger 1 und 3 neben den Ko-
pien der Aktienzertifikate weitere Urkunden ins Recht. Deren Echtheit und Inhalt
sind nicht bestritten: Mit Schreiben vom 10. September 2015 (act. 3/14) – und
somit einen Tag vor Klageeinleitung – haben die Kläger die F._ AG über den
von ihnen behaupteten Aktenbesitz informiert und um die Eintragung in das Ver-
zeichnis über die Inhaberaktionäre gemäss Art. 697l OR gebeten (act. 1 Rz 9 ff.).
Die F._ AG, vertreten durch den Verwaltungsratspräsidenten O._, hat
daraufhin die Aufnahme der Kläger 1 und 3 ins besagte Verzeichnis mit Schreiben
vom 19. Oktober 2014 (act. 46/54) schriftlich bestätigt. Weiter legen die Kläger ein
Schreiben ins Recht, in welchem O._ als Verwaltungsratspräsident dem Klä-
ger 3 am 27. Oktober 2014 schriftlich in Aussicht stellt, er erhalte für jede der von
ihm gehaltenen 10'000 Inhaberaktien eine Bruttodividende von CHF 0.70
(act. 3/47); die entsprechende Ausschüttung wurde dann unbestrittenermassen
auch vorgenommen (act. 3/44). Es ist daher belegt, dass die F._ AG die Ak-
tionärsstellung der Kläger 1 und 3 zum Zeitpunkt der Klageerhebung und im Falle
des Klägers 3 auch zum Zeitpunkt der Dividendenausschüttung anerkannt und
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bestätigt hat. Die Beklagte 2 äussert sich nicht dazu, inwiefern die Richtigkeit die-
ser Bestätigung anzuzweifeln sein könnte; sie beschränkt sich darauf, die Aktio-
närsstellung der Kläger 1 und 3 (zum Zeitpunkt der Klageerhebung) pauschal zu
bestreiten. Mit Blick auf die Schreiben der F._ AG und die Kopien der Ak-
tenzertifikate verbleiben keine ernsthaften Zweifel daran, dass die Kläger 1 und 3
zum Zeitpunkt der Klageerhebung tatsächlich Aktionäre der F._ AG waren.
Auf die von den Klägern offerierte Einholung des Verzeichnisses über die Inha-
beraktionäre bei der F._ AG ist daher zu verzichten (act. 1 Rz 9). Die Kläger
1 und 3 sind nach dem Gesagten zur Klage aktivlegitimiert.
2.2.4. In Bezug auf den Kläger 2 bestreiten die Beklagten den von ihm behaupte-
ten Aktienbesitz nicht. Dennoch komme ihm keine Aktionärsstellung zu, da ihm
das in seinem Besitz befindliche Aktienzertifikat im Jahr 2012 bloss aufgrund ei-
nes administrativen Fehlers zugestellt worden sei. Nach der Gründung der
F._ AG hätten alle Aktionäre der K._ Corporation die Möglichkeit erhal-
ten, im Verhältnis ihres Aktienbesitzes an der K._ Corporation Aktien der
F._ AG zu erwerben. Der Kläger 2 habe aber weder den ihm zugestellten
Optionsvertrag unterzeichnet, noch den darin festgelegten Aktienpreis bezahlt.
Auch habe er selbst bestätigt, dass es mit ihm nie einen Optionsvertrag gegeben
habe. Da er in der Folge trotz Aufforderung die Rückgabe des ihm fälschlicher-
weise ausgehändigten Zertifikates verweigert habe, sei nun eine Klage auf Her-
ausgabe angehoben worden (act. 52 Rz 21 ff.; act. 54 Rz 27 ff.). Der Kläger 2 be-
hauptet seinerseits, bei der Gründung der F._ AG seinen Beitrag zum Ak-
tienerwerb direkt mit P._ geregelt zu haben, als dessen Treuhänder O._
die F._ AG gegründet habe. In der Folge habe O._ ihm das entspre-
chende Zertifikat auf Anordnung von P._ ausgehändigt (act. 45 Rz 11).
Gemäss Art. 930 ZGB wird vom Besitzer einer Urkunde vermutet, dass er ihr Ei-
gentümer ist. Zur Geltendmachung der Aktionärsrechte aus einer Inhaberaktie ist
deshalb der Besitz des Aktientitels notwendig, aber auch genügend (VON DER
CRONE, a.a.O., § 3 Rz 29). Bei unklaren und zweideutigen Verhältnissen kann die
genannte Rechtsvermutung umgestossen werden. Je nach den Umständen ge-
nügen dafür ein schwacher Gegenbeweis oder sogar erhebliche Zweifel an der
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Berechtigung des Besitzes. Dem richterlichen Ermessen kommt hierbei entschei-
dende Bedeutung zu (BGer vom 5. Januar 2009, 5A_521/2008, E.5; vom
18. Dezember 2006, 5P.391/2006, E.6; BSK ZGB II-ERNST, Basel 2015, Art. 930
Rz 7 ff.; BK ZGB-STARK/LINDEMANN, 4. Auflage, Bern 2016, Art. 930 N 6).
Der Kläger 2 macht Angaben zum Erwerb der Aktien, bietet jedoch keine diesbe-
züglichen Beweise an. Dies schwächt den mit dem Besitz der Aktien verknüpften
Rechtsschein des Eigentumsrechts etwas, zumal der Beweis des Erwerbs in
Form eines Kaufvertrages oder einer Kaufquittung nicht schwer zu erbringen wä-
re. Indes kann auch nicht gesagt werden, die klägerische Darstellung des Er-
werbs sei nicht plausibel, zumal die Beklagten nicht ausführen, weshalb ein Er-
werb der Aktien der F._ AG ausschliesslich durch Optionsverträge und nicht
auch in der vom Kläger 2 behaupteten Weise möglich gewesen sein sollte. Die
Behauptungen der Beklagten genügen nicht, um erhebliche Zweifel am rechtmäs-
sigen Besitz des Klägers 2 zu erwecken oder gar den Gegenbeweis zu erbringen.
Die Vermutung gemäss Art. 930 ZGB bleibt somit bestehen, womit der Kläger 2
als Eigentümer der von ihm gehaltenen Inhaberaktien und als zur Klageerhebung
legitimiert zu gelten hat. Selbst wenn der Kläger 2 nicht Aktionär wäre, müsste die
Klage – wie dargelegt – geprüft werden, da an der Aktionärsstellung der Kläger 1
und 3 nicht zu zweifeln ist.
2.3. Bezug von Gewinnanteilen
Neben Dividenden, Tantiemen und Bauzinsen sind von Art. 678 Abs. 1 OR auch
"andere Gewinnanteile" erfasst. Dazu gehören nach der herrschenden Lehre Li-
quidationsanteile in dem Umfang, als sie aufgelaufene Gewinne und nicht Kapital-
rückzahlungen darstellen; andernfalls wäre von "anderen Leistungen" i.S.v.
Art. 678 Abs. 2 OR auszugehen (BSK OR II-VOGT, 5. Aufl., Art. 678 N 10; DEKKER
in: Wibmer [Hrsg.], Aktienrecht Kommentar, Zürich 2016, Art. 678 N 16). Der Be-
zug von Liquidationsanteilen liegt dann vor, wenn nach dem Auflösungsbeschluss
der Generalversammlung Gesellschaftsvermögen an die Aktionäre ausbezahlt
wird. Denn die Auflösung und der Übergang einer Gesellschaft in den Liquidati-
onszustand treten unmittelbar mit dem Auflösungsbeschluss ein; die Eintragung
der Auflösung in das Handelsregister ist dafür nicht konstitutiv (CALDERAN/GEISER,
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in: Wibmer [Hrsg.], Aktienrecht Kommentar, Zürich 2016, Art. 737 N 1). Während
der Liquidationsphase einer Gesellschaft dürfen bis zu deren Beendigung keine
Dividenden mehr ausgeschüttet werden (BGer 4C.139/2001 vom 13. August
2001, E. 3.d.; FORSTMOSER/MEIER-HAYOZ/NOBEL, Schweizerisches Aktienrecht,
Bern 1996, § 56 N 114; BÖCKLI, Aktienrecht, Zürich 2009, 4. Aufl.,§ 17 Rz 28;
POSSA, Die Spezialität von OR-Liquidationen, in IWIR 2/1999, S. 67 ff., S. 69). Je-
doch besteht die Möglichkeit, überschüssige Mittel vor dem Auflösungsbeschluss
durch eine ordnungsgemäss beschlossene Substanzdividende vorweg an die Ak-
tionäre auszuschütten. In diesem Fall liegt keine Auszahlung von Liquidationsan-
teilen vor (BÖCKLI, a.a.O., § 17 N 70; BSK OR II-STÄUBLI, 5. Aufl., Art. 746 N 13;
CALDERAN/GEISER, a.a.O., Art. 745 N 16). Die Unterscheidung ist vorliegend von
Bedeutung, da von der Einordnung der betreffenden Leistung abhängt, welche
Vorschriften bei der Prüfung des ungerechtfertigten Bezugs zu beachten sind.
Die F._ AG wurde mit Beschluss vom tt.mm.2014 aufgelöst; danach erfolg-
ten die streitgegenständlichen Gewinnausschüttungen an die Beklagten am
15. bzw. 16. Oktober 2014. Entsprechend liegt in casu klarerweise eine Ausschüt-
tung nach dem Auflösungsbeschluss vor. Daran ändert auch das beklagtische
Vorbringen nichts, wonach die Ausschüttung gemäss Traktandenliste vor der Auf-
lösung der F._ AG beschlossen worden sei (act. 18 S. 28; act. 38 Rz 101).
Zum einen ist es nicht von Bedeutung, wann die Ausschüttung beschlossen wird;
abzustellen ist einzig auf den Zeitpunkt der tatsächlichen Ausschüttung. Zum an-
deren ist dem Protokoll der GV 2014 zu entnehmen, dass das Traktandum 5 (Auf-
lösung der Gesellschaft) "vorgängig in Anwesenheit des Notars" behandelt wor-
den sei, wie die Kläger zu Recht ausführen (act. 3/46; act. 45 Rz 40). Zudem er-
klärt die Beklagte 2 in ihrer Duplik selbst, das Traktandum 5 sei vorgezogen und
als erstes Traktandum behandelt worden (act. 52 Rz 99). Demnach sind die
streitgegenständlichen Zahlungen nicht nur nach der Auflösung der F._ AG
ausgeschüttet, sondern auch erst danach beschlossen worden. Die ausgeschütte-
ten Gewinnanteile sind nach dem Gesagten als Liquidationsanteile und nicht als
Substanzdividende zu qualifizieren.
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Gemäss der Jahresrechnung 2013/2014 der F._ AG (act. 3/26) und dem
Protokoll der GV 2014 erfolgte die Gewinnausschüttung ausschliesslich aus Bi-
lanzgewinn und nicht aus Kapitaleinlagen. Die Kläger bestreiten zwar, dass tat-
sächlich ein Bilanzgewinn in für die vorgenommenen Ausschüttungen ausrei-
chender Höhe vorhanden gewesen sei. Auf eine allfällige Aufteilung der ausbe-
zahlten Leistungen in thesaurierte Gewinne (Gewinnanteile gemäss Abs. 1 von
Art. 678 OR) und Kapitalrückzahlungen ("andere Leistungen" gemäss Abs. 2)
kann vorliegend jedoch mangels Relevanz verzichtet werden. Denn im Falle des
ungerechtfertigten Bezugs "anderer Leistungen" in Form von Liquidationsanteilen
sind die zusätzlichen Voraussetzungen von Abs. 2 – nämlich das Leistungsmiss-
verhältnis und das Missverhältnis der Leistung zur wirtschaftlichen Lage der Ge-
sellschaft – ohnehin per se erfüllt, und es sind keine weiteren Prüfungen als die-
jenigen gemäss Abs. 1 vorzunehmen (vgl. SPÖRRI, Die aktienrechtliche Rücker-
stattungspflicht, Zürich 1996, § 11 Rz 123). Der einzige Unterschied liegt zu
Abs. 1 in dem Fall darin, dass die Bösgläubigkeit der Leistungsempfänger bei
Abs. 2 vermutet wird und dem Empfänger der Gegenbeweis auferlegt wird (BÖCK-
LI, a.a.O., § 12 Rz 554). Wie nachfolgend aufzuzeigen ist, ist in casu ohnehin von
der Bösgläubigkeit der Beklagten 1 und 2 auszugehen (siehe unten Ziffer 2.5).
Somit hätte es keinen Einfluss auf den vorliegenden Entscheid, würden die streit-
gegenständlichen Ausschüttungen in gewissem Umfang als Leistungen i.S.v.
Art. 678 Abs. 2 OR erachtet. Die ausbezahlten Liquidationsanteile sind daher
vollumfänglich als Gewinnanteile i.S.v. Art. 678 Abs. 1 OR zu qualifizieren.
2.4. Ungerechtfertigter Bezug
Ungerechtfertigt ist eine Leistung, wenn sie in Verletzung von Gesetz und Statu-
ten ausgerichtet wird. Die fehlende Rechtfertigung kann sich aus dem Verstoss
gegen formelle oder materielle Ausschüttungsvorschriften ergeben. Als formelle
Voraussetzung bedürfen die Gewinnausschüttungen insbesondere eines gültigen
Beschlusses der Generalversammlung. An den materiellen Voraussetzungen für
Gewinnanteile fehlt es grundsätzlich, wenn effektiv kein verteilbarer Bilanzgewinn
und keine frei verfügbaren Reserven bestehen. Darüber hinaus können je nach
Art der Gewinnausschüttung weitere materielle Erfordernisse bestehen (SPÖRRI,
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a.a.O., § 6 Rz 9 ff.). Ausschüttungen des Gesellschaftsvermögens an die Aktionä-
re sind während der Liquidationsphasen nur noch unter Einhaltung der Regeln
über die Verteilung von Liquidationsanteilen gemäss Art. 745 OR möglich (BSK
OR II-STÄUBLI, 5. Auflage, Art. 745 N 1 ff.). Unrechtmässig sind daher alle Bezü-
ge, die nach Auflösung der Gesellschaft und vor Ablauf der Sperrfrist nach
Art. 745 Abs. 2 bzw. 3 OR erfolgen. Demgemäss darf eine Verteilung von Liquida-
tionsanteilen frühestens ein Jahr nach dreimaligem Schuldenruf vorgenommen
werden (Abs. 2). Eine Sperrfrist von bloss drei Monaten muss abgewartet werden,
wenn ein Revisionsexperte bestätigt, dass die Schulden der Gesellschaft bezahlt
sind (SPÖRRI, a.a.O., § 7 Rz 236; BSK OR II-STÄUBLI, 5. Aufl., Art. 745 Rz 6 ff.).
Vorliegend ist offensichtlich, dass weder die einjährige noch die dreimonatige
Sperrfrist i.S.v. Art. 745 Abs. 2-3 OR eingehalten wurden, erfolgten die streitge-
genständlichen Gewinnausschüttungen doch bereits zwei Wochen nach dem Auf-
lösungsbeschluss. Daraus ergibt sich ohne Weiteres, dass die Gewinnausschüt-
tungen ungerechtfertigt erfolgt sind. Es kann daher ungeprüft bleiben, ob noch
weitere Gründe vorliegen, welche den Bezug der Liquidationsanteile als unge-
rechtfertigt erscheinen liessen. Insbesondere ist nicht zu prüfen, ob die gesamten
Beschlüsse und damit auch der Ausschüttungsbeschluss anlässlich der GV 2014
anfechtbar bzw. nichtig sind und ob die F._ AG beim Gewinnausschüttungs-
beschluss über den erforderlichen Bilanzgewinn oder die dafür gebildeten Reser-
ven verfügt hat.
2.5. Böser Glaube
Schliesslich setzt Art. 678 Abs. 1 OR Bösgläubigkeit des Leistungsempfängers
voraus. Bösgläubigkeit ist gegeben, wenn der Empfänger im Moment des Emp-
fangs die fehlende Rechtfertigung der Leistung kennt oder bei Anwendung gebüh-
render Sorgfalt hätte kennen müssen (BSK OR II-VOGT, 5. Aufl., Art. 678 N 27;
SPÖRRI, a.a.O., § 9 Rz 111). Massgebend ist dabei Art. 3 ZGB, wonach Gutgläu-
bigkeit solange vermutet wird, als die betreffende Person keinen Anlass hatte, an
der Rechtfertigung für die Ausschüttung zu zweifeln (VON DER CRONE, Aktienrecht,
Zürich 2014, § 9 Rz 50). An den Nachweis der Bösgläubigkeit sind in casu jedoch
keine allzu hohen Anforderungen zu stellen. Denn während gemäss der herr-
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schenden Lehre der böse Glaube insbesondere bei Dividenden schwierig zu be-
stimmen sei, dürfe er im Falle von anderen Gewinnanteilen regelmässig vorliegen
(DEKKER, a.a.O., Art. 678 N 29 m.w.H.; BÖCKLI, a.a.O., § 17 N 74). Handelt es sich
beim Begünstigten um eine juristische Person, wird ihr das Wissen bzw. der böse
oder gute Glaube des sie vertretenden Organmitglieds angerechnet, wenn dieses
am betreffenden Geschäft mitgewirkt hat (BÖCKLI, a.a.O., § 13 Rz 513).
Was die Beklagte 1 betrifft, ist offensichtlich von Bösgläubigkeit auszugehen. De-
ren alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer zum relevanten Zeitpunkt,
O._, nahm an der GV 2014 in einer Mehrfachfunktion teil. Einerseits hatte er
als Verwaltungsratspräsident der F._ AG den Vorsitz; andererseits vertrat er
gleichzeitig als Geschäftsführer der Beklagten 1 auch rund 77% des Aktienkapi-
tals der F._ AG. Hinzu kommt, dass O._ anlässlich der GV 2014 noch
vor der Beschlussfassung über die Gewinnverwendung zum Liquidator der
F._ AG gewählt wurde (act. 3/46). Vom Wissen des Verwaltungsratspräsi-
denten und Liquidators um die zu beachtenden Vorschriften im Liquidationsstadi-
um einer Gesellschaft ist auszugehen, wie die Kläger zu Recht behaupten (act. 45
Rz 166). Demnach stimmte er als Vertreter der Beklagten 1 für eine Gewinnaus-
schüttung, von der er wissen musste, dass sie aufgrund der Regelungen gemäss
Art. 745 OR nicht rechtmässig war. Das Wissen von O._ ist der Beklagten 1
ohne Weiteres zuzurechnen. Somit hat die Beklagte 1 die streitgegenständlichen
Liquidationsanteile bösgläubig bezogen.
An der GV 2014 nahm als damaliges Mitglied des Verwaltungsrats der F._
AG und als Protokollführer (act. 3/46) auch Q._ teil. Die Kläger sind der An-
sicht, als einer von zwei Verwaltungsräten der F._ AG habe auch er um die
Unrechtmässigkeit der Ausschüttung wissen müssen (act. 1 Rz 80). Als beim Auf-
lösungsbeschluss anwesender Protokollführer wusste er um den Eintritt der
F._ AG in die Liquidation. Weiter kann davon ausgegangen werden, dass
ihm als Verwaltungsrat der F._ AG die Bestimmungen betreffend Liquidation
einer Gesellschaft bekannt waren; zumindest hätten sie ihm bei gebührender
Sorgfalt bekannt sein müssen. Den zutreffenden Ausführungen der Kläger folgend
(act. 45 Rz 8 u. 178) ist Q._s Wissen auch der Beklagten 2 zuzurechnen:
- 16 -
Q._ war zum relevanten Zeitpunkt Gesellschafter und einzelzeichnungsbe-
rechtigter Vorsitzender der Geschäftsführung der E1._ GmbH, mit Sitz in
R._ (act. 20/6). Die E1._ GmbH ihrerseits ist die haftende Gesellschaf-
terin der Beklagten 2 und stellt auch deren Vorstand, Leitungsorgan und alleinige
Vertreterin dar. Dies wird im Übrigen von der Beklagten 2 selbst bestätigt (act. 18
S. 5). Daraus ergibt sich, dass das Wissen von Q._ in einem ersten Schritt
der E1._ GmbH und in einem zweiten Schritt der Beklagten 2 zuzurechnen
ist. Demnach wusste auch die Beklagte 2 im Zeitpunkt des Bezugs der Liquidati-
onsanteile um dessen Unrechtmässigkeit und war dementsprechend bösgläubig.
2.6. Rechtsmissbrauch
Die Beklagte 1 wirft den Klägern widersprüchliches und rechtsmissbräuchliches
Verhalten vor, weshalb deren Rechtsschutzinteresse fehle. Die Kläger würden
unbestrittenermassen im Interesse von P._ klagen, welcher sich mit der
F._ AG im Streit befinde. Obwohl die Kläger vorliegend in Prozessstand-
schaft auf Zahlung an die F._ AG klagten, würden sie somit schlussendlich
gegen die Interessen der F._ AG und daher rechtsmissbräuchlich handeln.
Weiter sei das Verhalten des Klägers 3 "venire contra factum proprium", indem er
auf Rückzahlung der an die Beklagten ausgeschütteten Dividenden klage, sich
selbst aber aktiv eine Dividende habe auszahlen lassen (act. 54 S. 6 Rz 4).
Gemäss Art. 2 Abs. 2 ZGB findet der offenbare Missbrauch eines Rechts keinen
Rechtsschutz. Hiervon kann bei den Klägern jedoch nicht die Rede sein. Offenba-
rer Rechtsmissbrauch ist bereits zu verneinen, wenn der Berechtigte irgendein
sachliches Interesse an der Ausübung hat (HAUSHEER/AEBIE-MÜLLER, in: Haus-
heer/Walter (Hrsg.), Berner Kommentar zum Schweizerisches Zivilgesetzbuch,
Einleitung und Personenrecht, Band/Nr.I/1, Bern 2012, Art. 2 N 210). Die
Schutzobjekte von Art. 678 OR sind das Gesellschaftsvermögen, die darauf be-
zogenen Rechte der Aktionäre sowie das Haftungssubstrat der Gesellschaft. Die-
se Bestimmung schützt also keineswegs bloss ausschliessliche Interessen der
Gesellschaft selbst; sofern es solche denn überhaupt geben kann (BSK OR-
VOGT, 5. Auflage, Art. 678 N 3). Die Kläger sind der Ansicht, die Beklagten hätten
die F._ AG mit den streitgegenständlichen Ausschüttungen ohne Beachtung
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der Gläubigerrechte um ihre ganze Substanz gebracht. Zudem seien aufgrund der
an die Beklagten ausgeschütteten Beträge keine Mittel mehr vorhanden, um eine
allfällige Dividende an den Kläger 2 auszuzahlen. Bereits diese geltend gemach-
ten sachlichen Interessen der Kläger an einer Rückzahlung schliessen einen
Rechtsmissbrauch aus. Im Übrigen ist nicht zu beanstanden, dass es im vorlie-
genden Prozess aus Sicht der Kläger in erster Linie um P._' veruntreutes
Vermögen geht; hat dieser gemäss den Klägern doch das Aktienkapital der
F._ AG bei deren Gründung treuhänderisch zur Verfügung gestellt und ist
zudem auch Gläubiger der F._ AG (act. 45 Rz 5 und 144).
Weiter ist im Rahmen von Art. 2 ZGB widersprüchliches Verhalten verboten, wie
die Beklagten es dem Kläger 3 vorwerfen. Läuft die Ausübung eines Rechts of-
fenkundig einer andern Verhaltensweise zuwider, muss sich der Betreffende bei
dieser Verhaltensweise behaften lassen, sofern die Gegenpartei ein schutzwürdi-
ges Interesse daran hat (BK ZGB-HAUSHEER/AEBI-MÜLLER, a.a.O., Art. 2 N 278).
Der Kläger 3 hat unbestrittenermassen eine Dividende bezogen, gab indes bereits
in der Klageschrift an, diese "selbstverständlich" zurück zu bezahlen, sobald die
Beklagten ihren Anteil zurückführen würden (act. 1 Rz 48). Ein widersprüchliches
Verhalten des Klägers 3 im oben genannten Sinne ist dabei nicht zu erblicken.
Es ist daher festzuhalten, dass die Kläger die vorliegende Klage nicht in miss-
bräuchlicher Weise erhoben haben und ihr Rechtsschutzinteresse daher intakt ist.
2.7. Zinsen
Die Kläger machen auf die Forderungsbeträge je 5 % Verzugszins seit dem jewei-
ligen Ausschüttungsdatum geltend. Die Beklagten beantragen zwar die Abwei-
sung des Zinsbegehrens, begründen dies aber nicht. Die Zinsforderung wurde
damit nicht substantiiert bestritten, weshalb sie als vollumfänglich ausgewiesen zu
erachten ist.
2.8. Fazit
Nach dem Gesagten haben die Beklagten 1 und 2 die streitgegenständlichen Li-
quidationsanteile ungerechtfertigt und mit bösem Glauben bezogen, weshalb sie
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von ihnen antragsgemäss i.S.v. Art. 678 Abs. 1 OR vollumfänglich an die F._
AG zurückzuerstatten sind.
3. Kosten- und Entschädigungsfolgen
3.1. Die Prozesskosten (Art. 95 Abs. 1 ZPO) werden gemäss Art. 106 Abs. 1
i.V.m. Art. 105 ZPO der unterliegenden Partei auferlegt. Ausgangsgemäss wer-
den somit die Beklagten 1 und 2 kosten- und entschädigungspflichtig.
Der Anteil der Beklagten 1 und 2 an den Prozesskosten ist in Anwendung von
Art. 106 Abs. 3 ZPO im Verhältnis ihrer Beteiligung am gesamten Streitwert zu
bestimmen (BSK ZPO-RÜEGG, 2. Aufl. 2013, N 9 zu Art. 106 ZPO). Dementspre-
chend hat die Beklagte 1 9/10 und die Beklagte 2 1/10 der Prozesskosten zu tra-
gen. In diesem Verhältnis ist den Klägern auch das Rückgriffsrecht auf die Be-
klagten einzuräumen, soweit die Gerichtskosten aus dem von den Klägern geleis-
teten Kostenvorschuss in der Höhe von CHF 42'000.– gedeckt werden.
3.2. Die Höhe der Gerichtsgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverordnung
des Obergerichts (Art. 96 ZPO i.V.m. Art. 199 Abs. 1 GOG) und richtet sich in ers-
ter Linie nach dem Streitwert bzw. nach dem tatsächlichen Streitinteresse, dem
Zeitaufwand des Gerichts sowie der Schwierigkeit des Falls (§ 2 Abs. 1 lit. a, c
und d sowie § 4 GebV OG). Der gesamte Streitwert beträgt CHF 2'099'840.15
(Art. 91 Abs. 1 ZPO). Die Gerichtsgebühr ist vorliegend aufgrund des Umfangs
der Akten (Klageschrift, zwei Klageantworten, Replik, zwei Dupliken, drei Noven-
eingaben, einschliesslich der zahlreichen Beilagen zu den Rechtsschriften), der
objektiven und subjektiven Klagenhäufung und der Komplexität der sich stellen-
den Rechtsfragen sowie in Nachachtung der erlassenen aufwendigen Verfügung
vom 24. Juni 2016 betreffend Sicherheit für die Parteientschädigung (act. 33) un-
ter Erhöhung der Grundgebühr um einen Drittel auf gerundet CHF 56'000.– fest-
zusetzen. Entsprechend dem Verhältnis ihrer Beteiligung am gesamten Streitwert
hat die Beklagte 1 einen Betrag von CHF 50'400.– und die Beklagte 2 einen von
CHF 5'600.– zu übernehmen.
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3.3. Antragsgemäss ist den Klägern eine Parteientschädigung zuzusprechen.
Mangels Mehraufwands für die Vertretung der drei Kläger ist diese Parteientschä-
digung nicht nach § 8 AnwGebV zu erhöhen. Die Grundgebühr, auf die der An-
spruch mit der Erarbeitung oder Beantwortung der Klage entsteht, deckt auch den
Aufwand für die Teilnahme an der Hauptverhandlung ab. Für die Teilnahme an
zusätzlichen Verhandlungen und weiteren notwendigen Rechtsschriften wird ein
Einzelzuschlag von jeweils höchstens der Hälfte der Grundgebühr berechnet; die-
se darf insgesamt jedoch nicht überschritten werden (§ 11 Abs. 1-3 AnwGebV).
Vorliegend haben die Kläger nach dem ersten Schriftenwechsel zwei und die Be-
klagten gesamthaft fünf weitere Rechtsschriften eingereicht (act. 54, 52, 54, 61,
64 und 65), weshalb die Grundgebühr zu erhöhen ist. Unter weiterer Berücksich-
tigung des Zeitaufwands sowie der Schwierigkeit des Falls ist die von den Beklag-
ten zu bezahlende Parteientschädigung, mithin in Anwendung von § 4 Abs. 1 und
2 sowie § 11 AnwGebV, auf gesamthaft CHF 51'000.– festzusetzen.
Da sich alle Kläger durch denselben Rechtsvertreter haben vertreten lassen,
rechtfertigt es sich, die Parteientschädigung gesamthaft zu berechnen. Entspre-
chend dem Verhältnis ihrer Beteiligung am gesamten Streitwert hat die Beklagte 1
einen Betrag von CHF 45'900.– und die Beklagte 2 einen solchen von
CHF 5'100.– zu übernehmen.
3.4. Bei diesem Verfahrensausgang ist dem Kläger 2 die geleistete Sicherheit
für die Parteientschädigung (CHF 13'480.–) zurückzuerstatten.
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Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Beklagte 1 wird verpflichtet, der F._ AG in Liquidation
- CHF 25'480.– zuzüglich 5% Zins seit dem 15. Oktober 2014,
- CHF 1'225'303.65 zuzüglich 5% Zins seit dem 15. Oktober 2014 sowie
- CHF 673'498.85 zuzüglich 5% Zins seit dem 16. Oktober 2014
zu bezahlen.
2. Die Beklagte 2 wird verpflichtet, der F._ AG in Liquidation
CHF 175'557.65 zuzüglich 5% Zins seit dem 15. Oktober 2014 zu bezahlen.
3. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 56'000.–.
4. Die Kosten werden der Beklagten 1 in Höhe von 50'400.– und der Beklag-
ten 2 in Höhe von CHF 5'600.– auferlegt und vorab teilweise aus dem von
den Klägern 1-3 geleisteten Kostenvorschuss von CHF 42'000.– gedeckt.
Den Klägern 1-3 wird im Umfang von CHF 37'800.– das Rückgriffsrecht auf
die Beklagte 1 und im Umfang von CHF 4'200.– auf die Beklagte 2 einge-
räumt. Im nicht durch den klägerischen Kostenvorschuss gedeckten Betrag
wird die Gerichtsgebühr von den Beklagten 1 und 2 nachgefordert (Beklag-
te 1: CHF 12'600.–; Beklagte 2: 1'400.–).
5. Die Beklagte 1 wird verpflichtet, den Klägern 1-3 eine Parteientschädigung
von gesamthaft CHF 45'900.– zu bezahlen. Die Beklagte 2 wird verpflichtet,
den Klägern 1-3 eine Parteientschädigung von gesamthaft CHF 5'100.– zu
bezahlen.
6. Dem Kläger 2 wird die geleistete Sicherheit für die Parteientschädigung von
CHF 13'480.– nach Rechtskraft dieses Entscheids zurückerstattet.
7. Schriftliche Mitteilung an die Parteien.
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8. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-
wert beträgt CHF 2'099'840.15.