# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ee7fb39d-bcdd-4fd0-976d-9e072bc4869d
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

nicht zum vornherein ausschliessen. Die Sachverhaltsfeststellung genüge somit
nicht, um die Zulässigkeit eines Bewilligungswiderrufs abschliessend zu
beurteilen. Die Sache werde daher an das Verwaltungsgericht zu ergänzender
Abklärung und zu einem Neuentscheid zurückgewiesen.
3. a) In seiner Stellungnahme vom 28. März 2011 wies der Beschwerdeführer darauf
hin, dass die Verschuldung wesentlich im Zusammenhang mit seinem Gesuch
um Familiennachzug stehe. Ihm sei dieser Familiennachzug verweigert worden
mit dem Hinweis auf die fehlenden finanziellen Mittel und er sei damals so
beraten worden, dass er ein höheren Einkommen versteuern müsse, um eben
die Kriterien für den Familiennachzug zu erfüllen. Aus diesem Grunde habe er
in der Steuererklärung ein höheres Einkommen angegeben. Tatsächlich sei
sein Einkommen aber viel tiefer gewesen, so dass er nicht in der Lage gewesen
sei, die veranlagten Steuern zu bezahlen. So hätten sich seine Schulden immer
mehr angehäuft. Daneben habe sein Unternehmen unerwartet stagniert. Er sei
dadurch immer tiefer in die Verschuldung geraten. Er habe dann seine Situation
erkannt und aus Unwissenheit nicht genau gewusst, wie er aus dieser Lage
wieder herauskommen könne. Erst der Beizug des Schuldenberaters ... habe
ihm dann ermöglicht, sukzessive die finanziellen Verhältnisse zu sanieren.
b) Am 14. April 2011 reichte der Beschwerdeführer einen neuen Auszug aus dem
Betreibungsregister ein, gemäss dem noch 3 offene Betreibungen in Höhe von
Fr. 7522.35 und 25 offene Verlustscheine in Höhe von Fr. 41‘769.25
verzeichnet sind.
4. Das Departement (DJSG) beantragte in seiner Stellungnahme vom 5. April
2011 weiterhin die Abweisung der Beschwerde.
5. Am 8. Dezember 2011 reichte der Beschwerdeführer einen neuen Auszug aus
dem Betreibungsregister ein. Danach gibt es 4 offene Betreibungen über
insgesamt Fr. 9‘247.80 und weiterhin 25 offene Verlustscheine über Fr.
41‘769.25.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist die Verfügung vom 24./31. August 2009, worin das
zuständige Departement (DJSG) die vorangegangene Verfügung vom 30.
Oktober 2008 der Vorinstanz (APZ) bestätigte und den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers aus finanziellen Gründen
(Schuldenwirtschaft; Gefahr Sozialhilfeabhängigkeit) schützte. Mit
Verwaltungsgerichtsurteil vom 19. Januar 2010 (VGU U 09 84) wurde die
dagegen erhobene Beschwerde des Beschwerdeführers abgewiesen. Das
Bundesgericht hiess mit Urteil vom 6. Oktober 2010 (BGer 2C_273/2010) die
dagegen erhobene Beschwerde jedoch gut, soweit es darauf eintrat. Das
angefochtene Verwaltungsgerichtsurteil wurde aufgehoben und die
Angelegenheit an dieses zu neuem Entscheid im Sinne der Erwägungen
zurückgewiesen (vgl. Ziff. 1 Dispositiv Urteil BGer).
2. a) Heisst das Bundesgericht eine Beschwerde in öffentlich-rechtlichen
Angelegenheiten ganz oder teilweise gut und hebt es so ein kantonales Urteil
auf, wird die frühere prozessuale Lage wieder hergestellt (BGE 104 Ia 378).
Dies hat zur Folge, dass die Vorinstanz einen neuen Entscheid zu fällen hat
bzw. allenfalls auch die mit der Streitsache vorbefassten Verwaltungsinstanzen
zum Erlass einer Verfügung im Sinne der rechtsverbindlichen Vorgaben und
Anweisungen des Bundesgerichts verpflichtet sind (BGE 95 I 516), soweit das
höchste Gericht in der Sache selbst nicht bereits entschieden hat
(Rhinow/Krähenmann, Schweiz, Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband,
Nr. 42/B/IV; Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Auflage, S. 232, mit
Hinweisen; sowie Kölz/Häner, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, Rz 304).
b) Laut den Erwägungen des Bundesgerichts (Erw. 3.3) vermöge
Schuldenwirtschaft für sich allein den Widerruf der Niederlassungsbewilligung
nicht zu rechtfertigen, sondern es bedürfe erschwerender Merkmale. Blosse
Liederlichkeit rechtfertige einen solchen Widerruf nicht mehr. Die Verschuldung
müsse vielmehr selbstverschuldet und qualifiziert sein. Zu beachten sei
überdies, dass bei ausländischen Personen, die sich wie der Beschwerdeführer
seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz
aufhielten, der Widerrufsgrund der Sozialhilfeabhängigkeit nicht Anwendung
finden dürfe.[...] Solle das (Ausländer-) Gesetz aber eine ausgewogene
Anwendung finden, rechtfertige es sich, nicht leichthin von der Mutwilligkeit des
Schuldenmachens auszugehen. Der ausländerrechtliche Bewilligungswiderruf
sei nicht ein schuldbetreibungsrechtliches Instrument zur Eintreibung
bestehender Schulden.
In Erwägung 3.4 hielt das Bundesgericht sodann noch weiter fest: Für den Fall
der Schuldenwirtschaft als Widerrufsgrund der Niederlassungsbewilligung
bedeute dies, dass die ausländische Person auch nach der Androhung
ausländerrechtlicher Folgen weiterhin mutwillig Schulden gemacht haben
müsse. Seien seit der Verwarnung keine Straftaten hinzu gekommen, sei daher
der Gesichtspunkt der Mutwilligkeit einer allfälligen Neuverschuldung
entscheidend. [...] Es komme vielmehr darauf an, welche Anstrengungen zur
Sanierung unternommen worden seien. Positiv wäre etwa zu würdigen, wenn
vorbestandene Schulden abgebaut worden sein sollten; ein Widerruf wäre
demgegenüber zulässig, wenn in vorwerfbarer Weise weitere Schulden
geäufnet worden wären.
In Erwägung 4.5 wurde schliesslich noch ausgeführt: Die Schulden wirkten sich
beim Beschwerdeführer in erster Linie – wie sich dies allerdings regelmässig
bei Überschuldungen feststellen lasse – auf seine öffentlich-rechtlichen
Verpflichtungen aus. Worauf sie letztlich zurückzuführen seien, sei unklar. Es
bestünden jedenfalls keine Anhaltspunkte für Gründe wie Spielsucht oder
ausschweifender Lebensstil. Immerhin gehe das Verwaltungsgericht von einem
recht hohen Einkommen aus, ohne dass dies allerdings ohne weiteres als
nachgewiesen gelten könne. Die finanzielle Situation des Beschwerdeführers
sei undurchsichtig, und es erscheine auch nicht klar, weshalb das angeblich
recht hohe Einkommen nicht betreibungsrechtlich gepfändet und damit zur
Schuldentilgung verwertet werden können sollte.[...]. Weder die angebliche
Neuverschuldung noch die Mutwilligkeit derselben erwiesen sich (aufgrund der
bisherigen Abklärungen) als belegt. Erhärtet seien einzig die Zunahme der
Betreibungen sowie der totalen Betreibungssumme. Aufgrund der bekannten
Umstände sei daher nicht erstellt, dass der Beschwerdeführer mutwillig
Schulden mache, es lasse sich dies jedoch auch nicht von vornherein
ausschliessen. Die (bisherige) Sachverhaltsfeststellung genüge in diesem
Sinne nicht, um die Zulässigkeit des Bewilligungswiderrufs abschliessend zu
beurteilen. Die Sache sei daher an die Vorinstanz (Verwaltungsgericht)
zurückzuweisen zu ergänzender Abklärung der massgeblichen Tatsachen und
zu neuem Entscheid auf dieser Grundlage.
c) Kernfrage ist somit hier, ob der Beschwerdeführer eine weitere Verschuldung
nach der Verwarnung im Jahre 2004 mutwillig herbeigeführt hat. Träfe dies zu,
so wären die Voraussetzungen für den Widerruf der Niederlassungsbewilligung
als erfüllt zu taxieren. Nach den Erkenntnissen aufgrund der bestehenden und
mit neuen Betreibungsregisterauszügen (vom 14. April 2011 und vom 8.
Dezember 2011) noch ergänzten Akten kann eine solche Mutwilligkeit nicht
begründet werden. Ein wesentlicher Teil der Schulden machten die
Verbindlichkeiten des Beschwerdeführers gegenüber dem Gemeinwesen aus.
Wieso diese Steuerschulden angewachsen sind, hat der Beschwerdeführer
nachvollziehbar und durchaus glaubwürdig erklärt (nämlich um die
Voraussetzungen für den Familiennachzug zu schaffen; dazu absichtlich weit
überhöhtes Einkommen deklariert). Es ist für das Gericht denn auch nicht ohne
weiteres verständlich, weshalb das Departement (DJSG) diese Sachdarstellung
als unglaubwürdig und äusserst unwahrscheinlich bezeichnet hat. Auf jeden
Fall vermag das Departement keine konkreten Angaben zu machen, laut
welchen die Verschuldung des Beschwerdeführers als speziell mutwillig
erscheinen müsste. Eine besondere Verwerflichkeit bei der Falschdeklaration
der Einkommensverhältnisse kann ebenfalls nicht bejaht werden, da die
Familienzusammenführung für den Beschwerdeführer offensichtlich derart
wichtig und zentral war, dass er sich notgedrungen nur noch so zu helfen
wusste. Dieser (unbeholfene) Schwindel musste bei der nächsten
Steuerrechnung aber auffliegen, weshalb bestimmt nicht schon von einem
qualifizierten Verschulden des Beschwerdeführers die Rede sein kann.
d) Aus all den soeben genannten Gründen macht es denn auch keinen Sinn,
wenn das Gericht am ursprünglichen Entscheid (VGU 09 84) des Widerrufs und
der Ausweisung aus der Schweiz (nach über 30-jähriger Anwesenheit des
Beschwerdeführers hierorts) festhalten würde. Im Resultat scheint diese
Neubeurteilung umso begründeter, als der Beschwerdeführer in der
Zwischenzeit tatsächlich eine finanzielle Flurbereinigung vorgenommen hat und
im Prinzip nur noch die 25 offenen Verlustscheine - neben ein paar
unbedeutenden Betreibungen – zu Buche stehen. In diesem Sinne sprechen
die konkreten Fakten und Zahlen ebenfalls zu Gunsten des Beschwerdeführers
(Im Jahre 2004: Noch 41 Betreibungen über insgesamt Fr. 174‘152.60 plus 18
Verlustscheine über total Fr. 87‘022.15; im Herbst 2008: 42 Betreibungen über
total Fr. 198‘439.25 plus 52 Verlustscheine über total Fr. 112‘196.25; [neu] im
April 2011: Nur noch 3 offene Betreibungen über insgesamt Fr. 7‘522.35 plus
25 Verlustscheine über total Fr. 41‘769.25 bzw. im Dezember 2011: 4 offene
Betreibungen plus [unverändert] 25 Verlustscheine in gleichgebliebener Höhe
Fr. 41‘769.25).
3. a) Die angefochtene Verfügung vom 24./31. August 2009 ist nicht rechtens und
wird aufgehoben, was zur Gutheissung der Beschwerde führt.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf Art.
73 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG) dem Kanton
Graubünden bzw. dem für ihn handelnden Departement für Justiz, Sicherheit
und Gesundheit (DJSG) aufzuerlegen. Aussergerichtlich hat der Kanton
Graubünden (DJSG) den anwaltlich vertretenen, obsiegenden
Beschwerdeführer gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG noch angemessen zu
entschädigen, wobei das Gericht die Parteientschädigung ermessensweise auf
gesamthaft Fr. 3‘000.-- (inkl. Mehrwertsteuer) festgesetzt hat.