# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 53350cbd-5ab1-4baa-a499-7a23c3022859
**Court:** ZH_VG
**Chamber:** ZH_VG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
I.
Mit Schreiben vom 5. Juni 2020 teilte die Schulverwaltung der Schulgemeinde Wallisellen A und B mit, dass deren 2013 geborener Sohn D für das Schuljahr 2020/2021 einer 1. Primarklasse im Schulhaus E zugeteilt worden sei. Hiergegen wandten sich A und B mit einem Begehren namentlich um Umteilung von D ins Schulhaus F.
Mit Beschluss vom 23. Juni 2020 wies die Schulpflege Wallisellen dieses Begehren ab.
II.
A und B rekurrierten hiergegen am 6. Juli 2020 beim Bezirksrat Bülach und beantragten, D sei in eine 1. Klasse im Schulhaus F umzuteilen, eventualiter sei ein Bericht der Kantons- bzw. Gemeindepolizei hinsichtlich Gefährlichkeit des Schulwegs einzuholen.
Mit Beschluss vom 5. August 2020 hiess der Bezirksrat Bülach den Rekurs gut, hob den angefochtenen Beschluss vom 23. Juni 2020 auf und wies die Schulpflege Wallisellen an, entweder D in eine 1. Klasse im Schulhaus F umzuteilen oder auf eigene Kosten einen Transport mit einem Schulbus oder einen Begleitdienst am Morgen und nach Schulschluss zu organisieren. Einer Beschwerde gegen diesen Entscheid entzog es die aufschiebende Wirkung.
Hierauf teilte die Schulverwaltung A und B mittels eines Formulars vom 13. August 2020 mit dem Titel "Umteilung" mit, die "[n]eue Klasse SJ 20/21" von D sei die Klasse 01 im Schulhaus F.
III.
Mit Eingabe vom 20. August 2020 führte die Schulgemeinde Wallisellen gegen den bezirksrätlichen Beschluss vom 5. August 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragte, unter Entschädigungsfolge zulasten von A und B den Beschluss des Bezirksrats Bülach vom 5. August 2020 aufzuheben und denjenigen der Schulpflege vom 23. Juni 2020 zu bestätigen, eventualiter, beide Beschlüsse aufzuheben und die Sache "zur Anordnung von Massnahmen" an die Schulpflege zurückzuweisen.
Während der Bezirksrat am 26. August 2020 auf eine Vernehmlassung verzichtete, beantragten A und B mit Beschwerdeantwort vom 7. September 2020 die Abweisung der Beschwerde unter Entschädigungsfolge zulasten der Schulgemeinde.
Daraufhin liessen sich die Schulgemeinde Wallisellen einerseits sowie A und B andererseits mit Eingaben vom 25. September und vom 19. Oktober 2020 abwechslungsweise weiter vernehmen.
Die Kammer

## Considerations

erwägt:
1.
1.1
Das Verwaltungsgericht ist für Beschwerden gegen Rekursentscheide eines Bezirksrats betreffend Anordnungen
einer Schulpflege
nach
§ 75 des Volksschulgesetzes vom 7. Februar 2005 (VSG, LS 412.100) und
§ 41 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2)
zuständig.
1.2
Nach § 49 in Verbindung mit § 21 Abs. 2 VRG sind Gemeinden und andere Träger öffentlicher Aufgaben beschwerdeberechtigt, wenn sie durch die Anordnung wie eine Privatperson berührt sind und ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung haben (lit. a), die Verletzung von Garantien rügen, die ihnen die Kantons- oder Bundesverfassung gewährt (lit. b), oder bei der Erfüllung von gesetzlichen Aufgaben in ihren schutzwürdigen Interessen anderweitig verletzt sind, insbesondere bei einem wesentlichen Eingriff in ihr Finanz- oder Verwaltungsvermögen ([lit. c;] zum Ganzen: Martin Bertschi, in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014 [VRG-Kommentar], § 21 Rz. 102 ff. und 116 ff.).
Das allgemeine Interesse an der richtigen Anwendung des objektiven Rechts verschafft indessen keine Beschwerdebefugnis; insbesondere genügt zur Legitimation nicht, dass ein Gemeinwesen in einem Bereich, in welchem es für die Rechtsanwendung zuständig ist, eine bestimmte Rechtsauffassung vertritt, die im Widerspruch zu derjenigen einer anderen zuständigen bzw. übergeordneten Behörde oder Instanz steht (BGE 134 II 45 E. 2.2.1 mit Hinweisen; VGr, 23. November 2016, VB.2016.00317, E. 1.2, und 19. September 2012, VB.2012.00305, E. 1.2 ff.).
1.2.1
Die Beschwerdeführerin wird durch den vorinstanzlichen Entscheid nicht wie eine Privatperson, sondern in der Wahrnehmung hoheitlicher Funktionen betroffen. § 21 Abs. 2 lit. a VRG findet damit keine Anwendung.
Sie macht geltend, sie sei durch die Anordnung im angefochtenen vorinstanzlichen Beschluss in ihren vermögensrechtlichen Interessen sowie in ihrer Autonomie (vgl. Art. 50 Abs. 1 der Bundesverfassung vom 18. April 1999 [BV, SR 101] und Art. 85 Abs. 1 der Verfassung des Kantons Zürich vom 27. Februar 2005 [LS 101]) betroffen und daher beschwerdelegitimiert.
1.2.2
Die Beschwerdeführerin ist durch den vorinstanzlichen Beschluss in ihrer Eigenschaft als Hoheitsträgerin in schulrechtlichen Belangen berührt (vgl. § 41 f. VSG), weshalb sie zur Beschwerdeerhebung gestützt auf § 49 in Verbindung mit § 21 Abs. 2 lit. b VRG legitimiert ist (vgl. Bertschi, § 21 N. 118 ff.; eine ähnliche Konstellation sowie den Kanton Zürich betreffend: BGr, 19. Juni 2014, 2C_1123/2013, E. 1.3.1 [das Bundesgericht erachtete dort bezüglich einer allfälligen Berufung der Beschwerdeführerin auf die Gemeindeautonomie in Zusammenhang mit einer schulorganisatorisch motivierten Anordnung bzw. einer Klassenumteilung die entsprechende Rüge vornehmlich als nicht hinreichend – im Sinn der Anforderungen des Bundesgerichtsgesetzes – vorgebracht und begründet]; ferner BGr, 29. Juli 2014, 2C_274/2014, E. 1.2, auch zum Folgenden).
Ob die beanspruchte Autonomie im fraglichen Bereich überhaupt besteht und, bejahendenfalls, auch tatsächlich verletzt wurde, ist dabei – sofern es nicht von vornherein offensichtlich an einem kommunalen Autonomiebereich fehlt – nicht eine Frage des Eintretens, sondern der materiellen Beurteilung (vgl. Bertschi, § 21 N. 104, 118 und 120, sowie etwa VGr, 4. November 2015, VB.2015.00402, E. 1.3 Abs. 2 mit Hinweisen).
Ob insbesondere angesichts der Anordnung der Beschwerdeführerin vom 13. August 2020 sodann auch von einem aktuellen Rechtsschutzinteresse auszugehen wäre, könnte allerdings fraglich erscheinen (vgl. Bertschi, § 21 Rz. 102 [am Ende] in Verbindung mit Rz. 24 f.). Hinsichtlich der diesbezüglichen Ausführungen der Beschwerdeführerin ist jedenfalls festzuhalten, dass nicht ersichtlich ist, warum bzw. dass kaum je rechtzeitig eine Überprüfung der Frage der Zumutbarkeit eines entsprechenden Schulwegs möglich sein und vom infrage stehenden Erfordernis daher abgesehen (können) werden sollte. Die Beschwerdeführerin wird insofern frühzeitig mit der Planung zu beginnen und insbesondere auch mögliche Rechtsmittelverfahren einzuberechnen haben.
Wie es sich damit verhält, kann allerdings letztlich offengelassen werden, da die Beschwerde, wie sich nachfolgend zeigt, ohnehin abzuweisen ist.
2.
Wie bereits erwähnt, teilte die Schulverwaltung der Beschwerdegegnerschaft am 13. August 2020, mithin (kurz) nach Erlass des vorinstanzlichen Entscheids vom 5. August 2020 – ohne weitere Ausführungen – die Umteilung von D für das Schuljahr 2020/2021 ("SJ 20/21") in eine 1. Klasse im Schulhaus F mit. Auch die Beschwerdeführerin räumte in der Replik mit Bezugnahme hierauf ein, dass den Eltern "am 13. August 2020 mit dem offiziellen Formular der Schuladministration" die neue Zuteilung bzw. Umteilung von D mitgeteilt worden sei. Dieser besucht entsprechend seit Beginn des Schuljahrs 2020/2021 die betreffende 1. Primarklasse im Schulhaus F.
Eine Woche später, am 20. August 2020, focht die Beschwerdeführerin den bezirksrätlichen Beschluss vom 5. August 2020 mit Beschwerde an, wobei sie im Hauptantrag darum ersuchte, diesen aufzuheben und den Beschluss der Schulpflege vom 23. Juni 2020 zu bestätigen, womit sie die Auffassung vertritt, D sei – ungeachtet dessen, dass er aufgrund ihrer Anordnung vom 13. August 2020 seit nunmehr vier Monaten die entsprechende 1. Klasse im Schulhaus F besucht – ins Schulhaus E umzuteilen.
2.1
Der in Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV verankerte Grundsatz von Treu und Glauben gebietet ein loyales und vertrauenswürdiges Verhalten im Rechtsverkehr. Im Verwaltungsrecht wirkt er sich sowohl in der Form des Vertrauensschutzes als auch in derjenigen des Verbots widersprüchlichen Verhaltens aus (Ulrich Häfelin/Georg Müller/Felix Uhlmann [Hrsg.], Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. A., Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 620 ff.; Pierre Tschannen/Ulrich Zimmerli/Markus Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. A., Bern 2014, § 22 Rz. 2 ff. [beide auch zum Folgenden]).
Nach dem Grundsatz des Vertrauensschutzes hat eine Person Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens in behördliche Zusicherungen oder in anderes, bestimmte Erwartungen begründendes Verhalten der Behörden. Dies setzt voraus, dass eine genügende Vertrauensgrundlage besteht, auf welche sie sich in guten Treuen verlassen durfte, und sie im Vertrauen auf die Richtigkeit des behördlichen Verhaltens Dispositionen getroffen hat, die nicht ohne Nachteil rückgängig gemacht werden können. Die Berufung auf Treu und Glauben scheitert schliesslich, wenn ihr überwiegende öffentliche Interessen entgegenstehen (zum Ganzen BGr, 13. Mai 2019, 2C_706/2018, E. 3.1, sowie BGE 137 I 69 E. 2.5 f. – je mit weiteren Hinweisen; vgl. ferner Häfelin/Müller/Uhlmann, Rz. 624 ff.; René Wiederkehr/Paul Richli, Praxis des allgemeinen Verwaltungsrechts, Bd. I, Bern 2012, Rz. 1970 ff.).
Äusserungen im Verkehr zwischen Behörden und Privaten sind so zu interpretieren, wie die jeweils andere Seite sie nach Treu und Glauben verstehen durfte (vgl. BGE 126 II 97 E. 4b mit Hinweisen; BGr, 11. Mai 2012, 2C_277/2012, E. 5.2).
Die Verwaltungsbehörden dürfen sich gegenüber anderen Behörden oder Gemeinwesen und gegenüber Privaten sodann nicht widersprüchlich verhalten. Insbesondere dürfen sie nicht einen einmal in einer bestimmten Angelegenheit eingenommenen Standpunkt ohne sachlichen Grund wechseln (Häfelin/Müller/Uhlmann, Rz. 712 f.; Tschannen/Zimmerli/Müller, § 22 Rz. 21 ff.).
2.2
2.2.1
Die "Umteilung" bzw. Anordnung vom 13. August 2020 stellt eine Vertrauensgrundlage im erwähnten Sinn dar (zum Charakter einer Klassenumteilung als Verfügung vgl. VGr, 23. Oktober 2013, VB.2013.00557, E. 2, und hierzu den bereits oben erwähnten BGr, 19. Juni 2014, 2C_1123/2013, E. 2.3.1): Im Nachgang zum Entscheid des Bezirksrats vom 5. August 2020 wurde seitens der Beschwerdeführerin eine Neuzuteilung von D vorgenommen und diese "Umteilung" sowie die "[n]eue Klasse SJ 20/21" von D den Eltern mitgeteilt. Diese Anordnung enthielt im Übrigen weder Erläuterung noch Einschränkung oder Vorbehalt. Die Beschwerdegegnerschaft musste (und durfte) sie so verstehen, dass die Beschwerdeführerin den Entscheid des Bezirksrats akzeptiert und nun in Nachachtung bzw. Umsetzung der dortigen Anweisung der Um- bzw. Neuzuteilung von D für das Schuljahr 2020/2021 – damit gleichzeitig dem beschwerdegegnerischen Gesuch entsprechend – ins Schulhaus F vorgenommen hatte.
Die Beschwerdegegnerschaft hatte zu jenem Zeitpunkt keinerlei Möglichkeit zu erkennen und keinen Anlass, davon auszugehen, dass diese Umteilung "selbstverständlich vorläufig" bzw. "für die Dauer des Verfahrens" erfolgt sein sollte, wie die Beschwerdeführerin nun im vorliegenden Beschwerdeverfahren argumentiert, und diese auch nach bzw. trotz der vorgenommenen Umteilung noch die Absicht haben könnte, den Beschluss des Bezirksrats beim Verwaltungsgericht anzufechten (vgl. hierzu sogleich unten). In der bis zum Beginn des Schuljahrs verbleibenden Zeit haben sie D entsprechend auf den Schuleintritt im Schulhaus F vorbereitet.