# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ee8816e3-9891-46ec-b370-e79648e41c92
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. C._, geboren am _ 2011 (nachfolgend: C._), ist die gemeinsame Tochter von A._ (nachfolgend: Mutter bzw. Kindsmutter) und B._ (nachfolgend: Vater bzw. Kindsvater). Die Eltern von C._ waren nie verheiratet.
B. Die Betreuungs- und Unterhaltssituation betreffend C._ wurde durch einen entsprechenden, von der zuständigen Behörde genehmigten Vertrag vom 12. März 2012 geregelt. Nach Durchführung eines Abklärungsverfahrens in Zusammenhang mit der Umsetzung der Besuchsrechtsregelung wurde mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Nordbünden (nachfolgend: KESB Nordbünden) vom 25. Februar 2016 unter anderem eine Besuchsrechtsbeistandschaft für C._ errichtet.
C. Am 10. November 2016 machte der Vater am Regionalgericht Plessur eine Klage betreffend Abänderung der Kindesunterhaltsbeiträge (Proz. Nr. 115-) sowie ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen (Proz. Nr. 135-2016-792) rechtshängig. Im Rahmen dieser Verfahren wurde von Dr. rer. nat. D._ und M.Sc. E._, beide Kinder- und Jugendpsychiatrische Dienste (KJPD) F._, ein forensisch psychiatrisch-psychologisches Gutachten betreffend vorsorgliche Massnahmen hinsichtlich Kindesunterhalt, Kontaktrecht und Kindesschutz über C._ erstellt (nachfolgend: erstes Gutachten). Dieses Gutachten datiert vom 29. Januar 2018, dessen Ergänzung bzw. Erläuterung vom 8. Mai 2018. Nachdem die Parteien am 14. Juni 2018 einen umfassenden Vergleich erzielt hatten, wurden die Verfahren (Proz. Nrn. 115-2016-66 u. 135-2016-792) mit Entscheid des Regionalgerichts Plessur vom 19. Juni 2018 abgeschlossen.
D. Mit Verfügung vom 6. März 2018 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) ein Strafverfahren gegen den Vater wegen Verdachts auf sexuelle Handlungen mit Kindern (VV.2017.2250), welches im Jahr 2017 aufgrund von Ausführungen der Mutter eröffnet worden war, ein.
E. Der Kinderarzt von C._, Dr. med. G._, erstattete am 13. März 2019 gestützt auf Schilderungen der Mutter sowie sich auf dem Mobiltelefon der Mutter befindliche Videos und Fotoaufnahmen von C._ eine Strafanzeige gegen unbekannt wegen Verdachts auf sexuelle Handlungen zum Nachteil von C._. In der Folge eröffnete die Staatsanwaltschaft (erneut) ein entsprechendes Strafverfahren gegen den Vater (VV.2019.1328). Dieses wurde am 10. Dezember 2019 eingestellt.
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F. Aus demselben Anlass reichte Dr. med. G._ am 14. März 2019 ausserdem eine Gefährdungsmeldung betreffend C._ bei der KESB Nordbünden ein, welche daraufhin ein Abklärungsverfahren betreffend Kindesschutzmassnahmen einleitete. Am 1. Mai 2019 erstattete der Leiter der Kindesschutzgruppe des Kantonsspitals J._, Dr. med. H._, der KESB Nordbünden gestützt auf Ausführungen der Mutter eine weitere Gefährdungsmeldung betreffend C._. Mit gleichentags erlassenem superprovisorischem Entscheid verfügte die KESB Nordbünden insbesondere den Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts der Eltern, die vorübergehende Unterbringung von C._ zunächst im "I._" des Kantonsspitals J._, danach im Schulheim K._, sowie die Begleitung sämtlicher Kontakte beider Eltern mit C._. Mit Entscheid vom 8. Mai 2019 betreffend vorsorgliche Massnahmen bestätigte die KESB Nordbünden diese superprovisorischen Anordnungen.
G. Am 8. Mai 2019 erstattete der Vater bei der Staatsanwaltschaft Strafanzeige wegen falscher Anschuldigung gegen die Mutter, woraufhin die Staatsanwaltschaft ein entsprechendes Verfahren gegen die Mutter eröffnete (VV.2020.497).
H. Am 27. September 2019 reichte der Vater beim Regionalgericht Plessur Klage auf Abänderung des Entscheids vom 19. Juni 2018 (Proz. Nrn. 115-2016-66 u. 135-2016-792) ein. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass die dieser Eingabe zugrundeliegende Klagebewilligung fehlerhaft war, reichte der Vater am 14. November 2019 gestützt auf eine zwischenzeitlich ausgestellte neue Klagebewilligung dieselbe Klage erneut ein. Darin verlangte der Vater, ihm sei neu die alleinige Obhut über C._ zuzuteilen, während der Mutter ein angemessenes begleitetes Kontaktrecht einzuräumen sei. Sodann sei der Unterhalt von C._ neu zu regeln. Das Regionalgericht Plessur eröffnete für die Behandlung dieser Klagen je ein Verfahren (Proz. Nrn. 115-2019-58 u. -78 [Letzteres nachfolgend: Hauptverfahren]). Auf die Klage des Vaters vom 27. September 2019 (Proz. Nr. 115-2019-58) trat das Regionalgericht Plessur mit Entscheid vom 8. Juni 2020 nicht ein, da diese gestützt auf eine nichtige Klagebewilligung eingereicht worden war.
I. Mit Massnahmegesuch vom 17. Dezember 2019 ersuchte die Mutter das Regionalgericht Plessur im Wesentlichen darum, die Verfügung der KESB Nordbünden vom 8. Mai 2019 aufzuheben sowie ihr unverzüglich das Aufenthaltsbestimmungsrecht über C._ wiederzuerteilen, Letzteres unter gleichzeitiger Aufhebung der behördlichen Unterbringung von C._ im
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Schulheim K._. Für dieses Gesuch wurde vom Regionalgericht Plessur ein Verfahren mit der Proz. Nr. 135-2019-854 eröffnet. Die Mutter hatte am 10. Dezember 2019 bereits ein entsprechendes Gesuch an die KESB Nordbünden gestellt, welches Letztere am 17. Dezember 2019 an das Regionalgericht Plessur weiterleitete. Das dafür eröffnete Verfahren vor dem Regionalgericht Plessur (Proz. Nr. 135-2019-855) wurde mit Entscheid vom 4. Februar 2020 abgeschrieben.
J. Mit in den Massnahmeverfahren (Proz. Nrn. 135-2019-854 u. 135-) ergangener superprovisorischer Verfügung vom 20. Dezember 2019 des Regionalgerichts Plessur wurde den Eltern von C._ das Aufenthaltsbestimmungsrecht über ihre Tochter entzogen und C._ bis auf Weiteres im Schulheim K._ untergebracht. Überdies enthielt die Verfügung vom 20. Dezember 2019 eine – teilweise durch eine weitere superprovisorische Verfügung vom 9. März 2020 abgeänderte – Regelung der Kontakte der Eltern mit C._, wobei für den Vater zunächst begleitete und anschliessend unbegleitete Besuche, für die Mutter hingegen ausschliesslich begleitete Kontakte vorgesehen wurden.
K. Rechtsanwältin Silvia Däppen wurde mit prozessleitender Verfügung vom 20. Dezember 2019 des Regionalgerichts Plessur zunächst superprovisorisch als Kindesvertreterin von C._ für die Hauptverfahren (Proz. Nrn. 115-2019-58 u. 115-2019-78) und sämtliche aktuellen oder künftigen Nebenverfahren eingesetzt. Diese Einsetzung wurde anschliessend mit Verfügung des Regionalgerichts Plessur vom 5. Februar 2020 bestätigt.
L. Am 20. Januar 2020 ordnete das Regionalgericht Plessur mittels Teilbeweisverfügung (Proz. Nrn. 115-2019-58 u. 115-2019-78) von Amtes wegen die Einholung eines (weiteren) Gutachtens über C._ sowie über die Erziehungsfähigkeit der Kindseltern an und schlug als Gutachterinnen Dr. rer. nat. D._ und M.Sc. E._, welche im Jahr 2018 bereits das erste Gutachten erstellt hatten, vor. In ihrer Eingabe vom 7. Februar 2020 machte die Mutter unter anderem diverse Vorbehalte gegen die vorgeschlagenen Gutachterinnen geltend. Mit prozessleitender Verfügung des Regionalgerichts Plessur vom 11. Februar 2020 wurden die vorgeschlagenen Fachpersonen als Gutachterinnen eingesetzt, der bisherige Fragekatalog ergänzt, verschiedene Anordnungen betreffend die Erstellung des Gutachtens erteilt und die von den Parteien beantragten Ergänzungen des Fragenkatalogs im Übrigen abgewiesen. Die Verfügungen blieben unangefochten.
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M. Mit Entscheid vom 4. Juni 2020 ordnete das Regionalgericht Plessur für die Dauer des Hauptverfahrens verschiedene vorsorgliche Massnahmen an (Proz. Nr. 135-2019-854). Zusammenfassend wurde insbesondere die Verfügung der KESB Nordbünden vom 8. Mai 2019 betreffend Aufenthalt und persönlicher Verkehr aufgehoben, den Eltern von C._ das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen, C._ im Schulheim K._ untergebracht und der persönliche Verkehr zwischen C._ und ihren Eltern geregelt. Der Entscheid blieb unangefochten.
N. Mit Eingabe vom 18. Juni 2020 liess der Vater dem Regionalgericht Plessur eine Kindswohlgefährdung von C._ melden und um superprovisorischen Erlass der notwendigen Kindesschutzmassnahmen ersuchen. Die Gefährdungsmeldung erfolgte, nachdem der Vater auf seinem Mobiltelefon ein Video gefunden hatte, welches C._ damit von sich selbst erstellt hatte. Auf diesem Video war C._ nackt zu erkennen, wobei der Fokus des Videos mehrheitlich auf ihren Geschlechtsteilen lag. Für die Behandlung dieses Gesuchs eröffnete das Regionalgericht Plessur das dem vorliegenden Entscheid zugrundeliegende Verfahren (Proz. Nr. 135-2020-458).
O. Am 24. Juni 2020 erliess das Regionalgericht Plessur einen superprovisorischen Entscheid, mit welchem insbesondere dem Vater unter Androhung der Straffolgen von Art. 292 StGB untersagt wurde, C._ ins Ausland zu verbringen sowie das (begleitete) Besuchsrecht der Mutter neu geregelt wurde. Sodann wurde entschieden, dass von einer zusätzlichen Therapierung, Untersuchung, Begutachtung oder ähnlichem von C._ abzusehen sei. Die Stellungnahmen der Mutter sowie des Vaters zu diesem Entscheid datieren vom 3. Juli 2020 respektive vom 5. August 2020. Die Kindsvertreterin verzichtete am 6. Juli 2020 auf die Einreichung einer Stellungnahme. In der Folge machten die Parteien diverse weitere Eingaben und stellten verschiedene Anträge.
P. Das erwähnte in Auftrag gegebene Gutachten von Dr. rer. nat. D._ und M.Sc. E._ datiert vom 16. September 2020 (nachfolgend: Gutachten oder zweites Gutachten).
Q. Mit Entscheid vom 15. Januar 2021, begründet mitgeteilt am 8. Februar 2021, erkannte der Einzelrichter am Regionalgericht Plessur was folgt:
1. Bis zur Vollstreckbarkeit des Entscheids in der Hauptsache bleibt A._ und B._ das Aufenthaltsbestimmungsrecht über C._, geboren am _ 2011, entzogen und bleibt C._ im Schulheim K._, untergebracht (vgl. Entscheid des Regionalgerichts Plessur vom 04.06.2020, Proz. Nr. 135-2019-854).
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2. C._ ist im Schulheim K._ im Rahmen der Sonderschule zu beschulen.
3. [Verweis auf Regelung der Aufgaben der bestehenden Beistandschaft von C._]
4. Die Ziffer 4 (persönlicher Verkehr) des Dispositivs des Entscheids des Regionalgerichts Plessur vom 04.06.2020 (Proz. Nr. 135-2019-854) wird vorsorglich und für die Dauer des Verfahrens durch die folgende Regelung ersetzt:
- Therapietermine von C._ gehen den Besuchsrechten beider Elternteile vor, wobei die Eltern verpflichtet werden, C._ zu solchen Terminen zu bringen und auch wieder von solchen abzuholen.
- Sämtliche obligatorische Wochenenden und sämtliche Schullager verbringt C._ im Schulheim K._.
- Die übrigen Wochenenden und sämtliche Feiertage und Tage, an welchen das Schulheim K._ geschlossen ist (bspw. interne Weiterbildungen u.ä.) ist B._ berechtigt, C._ zu sich auf Besuch zu nehmen. Die Besuche sind jeweils mindestens zwei Monate im Voraus beim Schulheim anzumelden. Die Hol- und Bringzeiten richten sich jeweils nach den Gegebenheiten des Schulheims. B._ hat die Kontakte jeweils mit der Beistandsperson von C._ oder dem Schulheim K._ vor- und nachzubesprechen.
- Schulferien von längstens 9 Tagen (inkl. Wochenenden) verbringt C._ bei B._. Längere Schulferien werden zwischen B._ und der Entlastungsfamilie, derzeit die Familie P._ hälftig aufgeteilt. B._ hat den Bezug der Ferien mindestens drei Monate im Voraus mit dem Schulheim abzusprechen.
- C._ darf während dem Ferienbesuchsrecht nur dann ins Ausland verbracht werden, wenn jeweils im Zeitpunkt der Abreise (1.) keine behördlichen Empfehlungen auf Bundesebene nichtzwingende Auslandaufenthalte nicht empfehlen und (2.) keine Hinweise bestehen, dass sich C._ nach dem Auslandaufenthalt in Quarantäne begeben müsste.
- A._ ist berechtigt, C._ jede Woche (Montag bis Freitag) zwischen 3 und 4 Stunden zu besuchen, wobei die Besuche durch eine Fachperson (SPF) zu begleiten sind.
- A._ ist zudem berechtigt, C._ bei besonderen Ereignissen – wie z.B. dem Geburtstag von C._, dem Geburtstag der Kindsmutter oder an Feiertagen wie Ostern, Weihnachten etc. – während maximal 3 zusätzlicher Stunden zu besuchen, sofern die Begleitung durch eine Fachperson (SPF) sichergestellt ist.
- A._ ist berechtigt, einmal pro Woche während maximal 15 Minuten mit C._ zu telefonieren (auch Facetime o.ä.), sofern C._ nicht zu Besuch (inkl. Ferien) bei B._ ist, nicht an Unternehmungen mit dem Schulheim teilnimmt (inkl. Schullager) und nicht bei der Entlastungsfamilie weilt. Voraussetzung bildet,
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dass die Telefonate auf Seiten von C._ begleitet werden können.
- C._ darf, sofern sie diesen Wunsch von sich aus äussert und die Möglichkeit im Schulheim besteht, zusätzlich zum Telefonat mit A._ maximal ein Mal pro Woche je 15 Minuten mit jedem Elternteil telefonieren oder diesen Sprachnachrichten, Fotos etc. senden. Bezüglich der Kontakte mit A._ ist diesbezüglich vorausgesetzt, dass auf Seiten von C._ eine Begleitung erfolgen kann.
5. Die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde wird ersucht, für den Vollzug besorgt zu sein.
6. Das im Hauptverfahren (Proz. Nr. 115-2019-78) erstattete Gutachten von Dr. rer. nat. D._ und M.Sc. E._ vom 16.09.2020 wird wie folgt offengelegt:
a) Der für C._ eingesetzten Beistandsperson, derzeit Frau L._, dem Schulheim K._ und der Fachstelle für sozialpädagogische Familienbetreuung in K._ werden, verbunden mit der Auflage, dass nur die C._ jeweils betreuenden Fachpersonen Einsicht darin nehmen dürfen, die folgenden Passagen aus dem Gutachten zur Kenntnis gebracht:
- Ziffer 8.5 C._
- Ziffer 8.5.1 ICD-10 Diagnose
- Frage/Antwort 3 (S. 123)
- Frage/Antwort 19 (S. 129)
b) Dr. med. M._, Kinderpsychologin, wird, unter Hinweis auf ihre Schweigepflicht, das vollständige Gutachten zugestellt.
7. Im Übrigen werden die Anträge abgewiesen, soweit darauf eingetreten wird.
8. [Kosten- und Entschädigungsfolge]

## Considerations