# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 74daff96-7f2d-486d-8737-84baf2bb403e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, g
eboren 1973, wuchs als Auslands
chweizer in
O._
auf, wo er ein Studium in Zahnmedizin abschloss (
Urk.
13/3). Im Jahr 1999 zog er in die Schweiz und ging hier beruflich
verschiedenen
Hilfstätigkeiten nach (
Urk.
13/4/2,
Urk.
13/
9). Am 21. April 2011 meldete er sich bei der Eidgenössi
schen Invalidenversicherung wegen Rückenschmerzen, einem Schleudertraum
a
, Fussschmerzen
sowie
einer depressiven Verstimmung zur beruflichen Integra
tion und zum Rentenbezug an (
Urk.
13/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, nahm erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (
Urk.
13/8,
Urk.
13/9,
Urk.
13/11,
Urk.
13/13,
Urk.
13/14
). Insbesondere zog sie die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt
(Suva)
, der obligato
rischen Unfallversicherung, bei (
Urk.
13/10). Die IV-Stelle bemühte sich in der Folge
,
den Versicherten
mit beruflichen Massnahmen
einzugliedern
(
Urk.
13/38,
Urk.
13/46,
Urk.
13/57
,
Urk.
13/67
)
.
Zunächst
übernahm
sie
die Kosten für eine vom 4. März bis am 1. Juni 2012 dauernde berufliche Abklärung
(
Urk.
13/30), welche im
Zentrum Z._
stattfand (
Urk.
13/40), und
ordnete anschliessend
ein vom 7. Januar bis am 30. Juni 2013 dauerndes
berufliches
Aufbautraining bei der Durchführungsstelle
A._
an
(
Urk.
13/47,
Urk.
13/58). Im Abschlussbericht der
A._
vom
28. Juni 2013
wurde eine Rentenprüfung empfohlen, da es
zurzeit
nicht möglich sei
,
den Versicherten in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren (
Urk.
13/66). Mit Mitteilung vom 9. Juli 2013 hielt die IV-Stelle den Abbruch der beruflichen Massnahmen
fest
(
Urk.
13/68).
Sodann
holte
die IV-Stelle
einen weiteren Arzt
bericht
ein (
Urk.
13/73) und gab bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag, welches dieser am 1. April 2014 erstattete (
Urk.
13/83). Mit Vorbescheid vom 23. Mai 2014 stellte die IV-Stelle eine Verneinung des Rentenansp
ruchs in Aussicht (
Urk.
13/87), wo
gegen
der Versicherte am 24. Juni 2014 Einwand erhob (
Urk.
13/93). Am
2.
September 2014 begründete der Versicherte seinen Einwand und reichte eine Stellungnahme seines behandelnden Psychiaters med. pract.
C._
, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und
–
psycho
-
therapie, vom 25. August 2014 ein (
Urk.
13/97,
Urk.
13/98). Mit Verfügung vom 31. Oktober 2014 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids und verneinte einen Rentenanspruch, da kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesund
heitsschaden
vorliege
(
Urk.
2).
2.
Hiergegen liess der Versicherte, vertreten durch Pro Infirmis Zürich, am
28. November 2014 Beschwerde erheben. Er beantragte, ihm sei eine Rente zuzu
sprechen, eventualiter seien berufliche Massnahmen durchzuführen. Zudem stellte er den Antrag, ihm sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Januar 2015 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
12
) und mit
Verfügung vom 23. Januar 2015 wurde
dem
Versicherten die unentgeltliche Prozessführung bewilligt (
Urk.
14).
Auf
die
Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Jede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein entsprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen Umstände (AHI 1997 S. 43 E. 5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der Regel auf einer persönlichen Untersuchung beruhen (RKUV 2001 Nr. U 438
S. 345, Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E. 5.3 und
I 169/06 vom 8. August 2006 E. 4.4 mit Hinweisen). Für die verlässliche Beurtei
lung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beiz
uziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3
, Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom
16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 4
0 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforde
rli
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Expert
e oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschwe
ren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H. Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 3. Aufl. 1994, S. 24 f.).
1.
5
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientin
nen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170
E. 4
) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgut
achten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anders
lautenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschät
zungen wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende -
Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil
des Bundesgerichts
8C_677/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 7.2
mit Hinweisen, u.a. auf
SVR 2008 IV Nr
. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]
).
2.
2.1
Die IV-Stelle ging in ihrer angefochtenen Verfügung vom 31. Oktober 2014 gestützt auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
B._
davon aus, dass beim Versicherten keine invalidenversicherungsrechtlich relevanten psychischen Beschwerden vorliegen, weshalb keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit und kein Rentenanspruch bestehe (
Urk.
2). Demgegenüber liess der Versicherte in der Beschwerde geltend machen, er leide unter einer Persönlichkeitsstörung und einer Depression,
weshalb er vollständig arbeitsunfähig sei und ihm eine Rente zuzusprechen sei. Zur Begründung verw
ie
s der Versicherte
vor allem auf die Berichte des behandelnden Psychiaters
med. pract.
C._
und die gescheiter
ten beruflichen
M
assnahmen (
Urk.
1).
2.2
2.2.1
Am 15. März 2011 führte der behandelnde Arzt
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Medizin,
aus
, dass der Versicherte aufgrund eines am 25. Dezember 2010 erlittenen Sturzes an einer starken Kontusion der Lendenwirbelsäule leide (
Urk.
13/10/9).
Die damalige Arbeitgeberin des Versicherten meldete
der Suva
am 29. März 2011 einen am 1. März 2011 nach zu langem Sitzen oder Stehen aufgetretenen Rückfall (
Urk.
13/10/8).
2.2.2
Am
5. Mai 2011 hielt
die behandelnde Ärztin
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie, fest, dass der Versicherte aufgrund eines am
25. Dezember 2010 erlittenen Unfalls unter Rückenschmerzen leide und seit dem 4. März 2011 bis auf
W
eiteres als Sacharbeiter Logistik zu 100
%
arbeitsunfähig sei (
Urk.
13/8).
Dr.
D._
hielt
am
20. Juni 2011
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), einen Status nach Kalkaneusfraktur im September 2009, einen Status nach Kontusion der Brust- und Lendenwirbelsäule mit aktiviertem Lumbovertebral
syndrom und eine neurotische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) fest. Zur Arbeitsfähigkeit führte er aus, der Versicherte könne keine
Lasten von mehr als fünf Kilogramm Gewicht
tragen, könne nicht ganztägig
s
tehen
oder
g
ehen und
könne
nicht im Lager arbeiten. Für eine Arbeit ohne solche Tätigkeiten s
ei
der Versicherte ganztags einsetzbar (
Urk.
13/13).
2.3
2.3.1
Der behandelnde Psychiater
med. pract.
C._
führte am 16. Juni 2011 gegen
über der IV-Stelle aus, der Versicherte leide spätestens seit Frühjahr 2010 an einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell mittelgradige Episode (ICD-10 F.33.1) mit starker Somatisierungstendenz (anhaltende somatoforme Schmerzstörung ICD-10 F45.4)
,
im Rahmen einer Persö
nlichkeitsstörung vom ängstlich-
vermeidenden Typus (ICD-10 F60.6).
Das Beschwerdebild sei komplex
, wobei Depressivität mit Angst und die Schmerzproblematik als eher sekundär zu gewichten seien. Diese Störungen würden sich bessern, wenn dem Versi
cherten eine berufliche Perspektive aufgezeigt werden könne. Die Persönlich
keitsstörung habe insofern eine gute Prognose, al
s dass diese Einstellungen und
Verzerrungen modifiz
i
ert werden könnten.
Es f
änden
wöchentlich eine psycho
therapeutische Sitzung sowie alle ungefähr vier Wochen psychiatrische Sitzun
gen als Verlaufskontrollen
statt
. Bei Panikattacken nehme der Versicherte bei Bedarf das
Benzodiazepin
Temesta ein.
Der Versicherte sei psychisch kaum belastbar, da er in seiner zwanghaft kontrol
lierenden Art schnell in eine Überforderung
ssituation hinein
gerate. Die Arbeit als Lagerist sei zumutbar, doch der Versicherte sei aktuell nicht in der psychischen Verfassung
, um
auf dem freien Arbeitsmarkt zu bestehe
n
.
Auf
grund der
depressive
n
Symptomatik sei die Leistungsfähigkeit aktuell zu unge
fähr 50
%
eingeschränkt. Der Versicherte könne
täglich
vier Stunden in nicht belast
e
nder Position arbeiten. Er empfehle
,
dem Vers
icherten eine Arbeit im „zahnär
z
t
lichen Umfeld“ zu s
uchen. Der Versicherte könn
e sich in einem solchen
G
ebiet kompetenter und sicherer fühlen, was nicht unwesentlich zur psychischen Stabil
ität und Arbeitsfähigkeit beitra
ge. Von einer hochqualifizier
ten Arbeit
so
wie dem Nachholen der Zulassung zum Zahnarztberuf sei
jedoch
abzuraten, da der Versicherte nicht mehr über die erforderlichen persönlichen Kompetenzen und die psychische Belastbarkeit verfüge
,
um an solcher Position bestehen zu können (
Urk.
13/14).
2.3.2
Am 20. Januar 2012 hielt med. pract.
C._
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine anankastische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.5), eine rezidivierende leicht-
bis
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1) und eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) fest. Zudem leide der Versicherte anamnestisch an Panikattacken (ICD-10 F41.0), w
as
jedoch
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe. Im Verlaufe der
seit dem 15. Dezember 2010 andauernden
Behandlung sei eine Besserung der depressiven Symptomatik und der Angstzustände eingetreten. Der Versicherte könne trotzdem nicht nachhaltig in den Arbeitsprozess integriert werden, wobei
wahrscheinlich
reale
Belastbarkeit
sprobleme
eine Rolle spielten
.
P
aranoide Ängste, welche sich hinter dem zwanghaft-ängstlichen Verhalten verbergen
würden,
träten
d
eu
tlicher zu Tage.
D
ie
Arbeitsfähigkeit
werde
durch die IV-Stelle
derzeit
im Rahmen von beruflichen Massnahmen
abgeklärt.
D
ie Arbeits
losigkeit mit Zukunftsängsten, der Stellenverlust als Kränkung, die Migration und die Eheprobleme
seien
als nicht-medizinische Gründe zu vermerken, die Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten (
Urk.
13/28).
2.3.3
Am 28. August 2013
diagnostizierte
med. pract.
C._
eine
Persönlichkeits
-
stö
rung vom ängstlich-ve
r
meidenden Typ (ICD-10 F60.6) mit zwanghaften Zügen und eine rezidivierende depressive Störung, aktuell leichte Episode (ICD-10 F33.0), bestehend seit mindestens Frühling 2010.
Er hielt fest, der
Versicherte sei psychisch kaum belastbar, unselbständig, unsicher und zwanghaft kontrollierend. Bei der Arbeit gerate er unter Druck, brauche viel Raum, aber auch Struktur und enge Begleitung, da er sich sonst zu verlieren drohe. Er sei wenig konzentriert und wenig flexibel,
weshal
b
er
nicht auf Unvorhergesehenes reagieren
könne
. Da er unsicher sei, habe er Schwierigkei
ten
,
sich sozial zu integrieren
,
und könne nur schlecht im Team arbeiten.
Die gescheiterten beruflichen Massnahmen zeigten die
Arbeitsunfähigkeit
auf
. Denkbar sei lediglich eine Tätigkeit in einem 50%igen Pensum an einem geschützten Arbeitsplatz (
Urk.
13/73).
2.4
2.4.1
Der psychiatrische Gutachter
Dr.
B._
untersuchte den Versicherten am 27. März 2014 und erstatte der IV-Stelle sein Gutachten am 1. April 2014
(
Urk.
13/83/1). Im Gutachten wurde
zunächst die Vorgeschichte gemäss der Aktenlage wiedergegeben (
Urk.
13/83/2-11). Anschliessend erhob
Dr.
B._
die Anamnese. Dabei hielt er fest, dass der Versicherte mit seiner zu 80
%
erwerbstätigen Ehefrau und seinem neun Jahre alten Sohn in einer 4,5-Zim
merwohung lebe. Es seien Schulden in der Höhe von Fr. 35‘000.-- vorhanden. Der Versicherte habe keine engen Freunde mehr, aber es bestehe ein Koll
e
gen
kreis. Mit seinen Eltern und seinem in
O._
lebenden Bruder
kommuniziere der Versicherte
mit Skype und
Em
ail regelmässig. Doch
zu
seinen drei in der Schweiz lebenden Geschwistern bestehe kein Kontakt mehr. Als Hobbies habe der Versicherte Velofahren, Kinobesuche, spazieren, Autos, die Aktivitäten seines Sohnes und bei finanzieller Möglichkeit
reisen aufgezählt
(
Urk.
13/83/11)
.
Der Versicherte habe berichtet, während
seiner Schulzeit
sei er
kein Aussenseiter gewesen und habe normale Leistungen erbracht. Nach abge
schlossenem Studium in Zahnmedizin habe er fünf Jahre als angestellter Zahn
arzt gearbeitet. Seine Ehefrau habe er bereits mit sechszehn Jahren kennenge
lernt.
Momentan sei die Beziehung zu ihr
durch die finanzielle Situation belas
tet, doch eine Trennung sei nicht geplant
(
Urk.
13/83/12)
.
E
inmal
wöchentlich
finde eine
psychotherapeutische
Sitzung
statt
. Seinen Hausarzt
Dr.
D._
habe er zuletzt im Januar 2014 gesehen. An Medikamenten nehme er
die Antidepressiva
Cital
o
pram und Deprivita
ein
, zudem habe er immer
das
Benzodiazepin
Temesta bei sich
(
Urk.
13/83/12-13)
.
2.4.2
Zum Tagesablauf
habe
der Versicherte an
gegeben
, er stehe gegen 6.30 Uhr auf und bereite das Frühstück für Sohn und Ehefrau
zu
. Manchmal fahre er seine Ehefrau zur Arbeit. Vormittags kaufe er ein und kümmere sich um den Haus
halt. Er koche das Mittagessen und esse gemeinsam mit seinem Sohn. Nach
mittags
nehme er zum Beispiel
Physio- und Psychotherapie
termine wahr oder gehe
mit Kollegen Kaffee trinken, wobei er um 15.30 Uhr zu Hause sein müsse, da dann sein Sohn nach Hause komme.
Anschliessend
helfe
er
dem Sohn bei den Hausaufgaben. Am Montagabend bringe er den Sohn in den Geigenunter
richt.
Zu Abend esse er gemeinsam
mit
seiner
Familie
.
Nach dem Essen
beschäftige er sich mit dem Lesen von Emails,
mit
Skype und
mit
Fernsehen. Am Samstag
entsorge er
tagsüber
den Müll
,
kaufe gemeinsam
mit
seiner Frau
ein
und begleite den Sohn zum Reiten
auf einen Reiterhof. Am
Abend
kämen gelegentlich Kollegen zu Besuch. Sonntags besuche die Familie meist die Messe und unternehme kleine Ausflüge. Zudem sei er
im
Baseballverein seines Sohnes engagiert. Ungefähr zweimal wöchentlich übernehme er einen
etwa
eineinhalb
stündigen
Fahre
insatz für
die Organisation F._
. Am 29. März 2014
werde
er mit der Familie den Europa-Park
besuchen
, da er Freikarten gewonnen habe. Früher sei er dort mit Bahnen gefahren und werde das auch dieses Mal
aus
probieren
(
Urk.
13/83/13)
.
2.4.3
Der Versicherte
habe
erklärt
, er wolle in der Schweiz bleiben und wieder in die Zahnmedizin einsteigen. Vielleicht könne er sich auch selbständig machen. Als Lagerist könne er nicht mehr arbeiten.
Sein Hauptproblem sei
die
Angst. Insbe
sondere die Schulden seien eine grosse Belastung für ihn (
Urk.
13/83/14).
Der Versicherte
habe
über Angst und Konzentrationsschwierigkeiten sowie über Rückenbeschwerden und Fussschmerzen
geklagt
. Der rechte Oberschenkel schlafe ein und nach langem Stehen oder Laufen nähmen die Schmerzen zu (
Urk.
13/83/14).
Weiter
habe
der Versicherte über Kopfschmerzen, Schmerzen der mittleren Brustwirbelsäule, Schmerzen des unteren Rückens und Schmerzen der rechten Ferse
geklagt
(
Urk.
13/83/18).
Durchschnittlich erleide er monatlich einen Angstanfall mit Druck auf der Brust, Wärme im Gesicht, schwitzenden Händen und schnellem Herzschlag, wobei er dann
das Medikament
Temesta einnehme (
Urk.
13/83/15). Der Versicherte
habe
Schuldgefühle
bejaht
und
aus
geführt
, er nehme vieles persönlich. Er
gehe
respektvoll mit anderen Menschen
um
, diese jedoch nicht mit ihm.
G
egenüber seiner Ehefrau
fühle er sich
schul
dig, weil er kein Geld habe und nicht arbeiten könne. Zum Teil schlafe er
schlecht
wegen
der
Sorgen über die Zukunft und
wegen
familiärer Probleme (
Urk.
13/83/16).
2.4.4
D
er Versicherte
habe angegeben
, er könne ungefähr 90 Minuten lang sitzen, zwei Stunden
lang
spazieren und eine Stunde lang stehen. Fahrradfahren könne er vierzig Minuten lang und beim Schwimmen bestehe keine Einschränkung. Vierzig bis sechzig Minuten lang Autofahren sei kein Problem. Letztes Jahr seien sie mit dem Auto in die Ferien gefahren, wobei sie die ungefähr sechs
stündige Fahrt dreimal mit kurzen Pausen unterbrochen hätte
n
. Er liebe Autos
, deshalb
interessiere
er
sich für Automessen und neue Modelle. Kino-, Theater- und Konzertbesuche seien ihm möglich und
täten ihm gut
. Im Haushalt könne er die anfallenden Arbeiten (kochen, staubsaugen, bügeln, Geschirr abräumen und abwaschen, Bad putzen, Fenster putzen, Wäsche waschen, Müll heraustra
gen) erledigen (
Urk.
13/83/17).
2.4.5
Als objektive Befunde hielt der psychiatrische Gutachter fest, der Versicherte sei im Kontakt offen und freundlich gewesen, wobei er im Gespräch weitschweifig und wenig fokussiert gewesen sei.
Der Versicherte habe Sprichwörter nicht nen
nen und erklären können. Zudem habe er den Unterschied zwischen
einem
See und
einem
Fluss nicht erläutern können. Die Konzentration habe während der Untersuchung durchgängig aufrechterhalten werden können. Während der Untersuchung habe der Versicherte keine Hinweise auf Schmerzerleben gezeigt. Erst nach einem Hinweis, dass er die von ihm angegebene Schmerzgrenze von 90 Minuten fürs Sitzen überschritten habe, sei er nach Aufforderung aufgestan
den und habe Gymnastikübungen zur Lockerung durchgeführt. Bezüglich der früheren Konflikte am Arbeitsplatz wirke der Versicherte wenig eigenverant
wortlich und orientiere sich mehr an den vermeintlichen Pflichten und dem Fehlverhalten anderer, statt sich auf die eigene Verantwortung zu konzentrie
ren. Er wirke diesbezüglich etwas bubenhaft-unreif und mit dem Schweizer System überfordert. Gleichzeitig könne er gut Verantwortung für seinen Sohn übernehmen
(
Urk.
13/83/18-19)
.
2.4.6
Gemäss
Dr.
B._
sind
Inkonsistenzen
festzustellen
. Das im Bericht der
A._
beschriebene Funktionsniveau im Rechnen sei zum Beispiel nicht mit
einem
abgeschlossenen Zahnmedizinstudium vereinbar und lasse sich auch nicht durch
die Auswirkungen von
psychische
n
Störungen erklären. Auch die Unkenntnis von Sprichwörtern oder
vom
Unterschied zwischen einem See und einem Fluss irritierten bei einem Akademiker. Es seien zwar keine Hinweise auf Simula
tion
vorhanden, jedoch allenfalls auf eine Aggravation oder mindestens
eine
Verdeutlichung der Beschwerden. Zudem bejahe der Versicherte im ersten
Impuls fast jede Frage nach einer Beschwerde,
was
sich dann in der nachfra
genden Konkretisierung deutlich relativiere (
Urk.
7/13/19-20).
2.4.7
Der
psychiatrische
Gutachter diagnostizierte eine teilremittierte Panikstörung (ICD-10 F41.0) und einen Status nach depressiver Störung (ICD-10 F32)
, welche keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten
. Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hielt er keine fest (
Urk.
13/83/25).
Dr.
B._
begründete
, dass keine depressive Episode vorliege, weil die gemäss ICD-10 aufgeführten Krite
rien nicht oder nicht in genügendem Ausmass
erfüllt seien. Weiter verneinte
er
das Vorliegen einer Schmerzstörung, da es an
belastungsunabhängigen
Dauer
schmerzen fehle und eine Schmerzstörung auch in Bezug auf das beschriebene Alltagsniveau unwahrscheinlich sei. Eine Persönlichkeitsstörung
schloss
der Gutachter
aus
, da es an einem Nachweis mangle, dass die Abweichung im späten Kindesalter oder in der Adoleszenz begonnen habe. Eine Persönlichkeits
änderung liege nicht vor, da
weder eine
übermässige Belastung
noch eine
schwere psychische Störung
vorhanden gewesen seien
(
Urk.
13/83/20-24).
Der Gutachter setzte sich
im Rahmen der Diagnosestellung
mit den abweichenden Einschätzungen des beha
ndelnden Psychiaters
med. pract.
C._
auseinander (
Urk.
13/83/29-30).
2.4.8
Zur Arbeitsfähigkeit
des Versicherten
führte der
Dr.
B._
aus, dass
diese aus psychiatrischer Sicht nicht eingeschränkt sei
. Die vom Versicherten beschriebe
nen Ängste und Befindlichkeitsstörungen erklärten sich durch psychosoziale Belastungsfaktoren. Aufgrund einer mittelgradigen Depression müsse von einer Arbeitsunfähigkeit von 50
%
für die Zeit vom
2.
März bis 31. Dezember 2011 ausgegangen werden. Die darüber hinausgehenden Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit seien auf Auswirkungen der psychosozialen Belastungen zurückzuführen (
Urk.
13/83/28-29).
2.5
Med. prakt.
G._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) hielt in der inter
nen Stellungnahme
vom 3. Oktober 2013 fest, dass sich anhand der Arztzeug
nisse
vo
n
med. pract.
C._
die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht nachvollziehen lasse, weshalb ein psychiatrisches Gutachten notwendig sei (
Urk.
13/85/4). Nach Vorliegen des Gutachtens von
Dr.
B._
führte med. prakt.
G._
am 20. April 2014 aus, dass auf dieses Gutachten abgestellt wer
den könne und die Unklarheiten bezüglich der Diagnose
einer
Persönlichkeits
störung
damit
behoben worden seien (
Urk.
13/85/5).
2.6
Im
Vorbescheid
verfahren reichte der Versicherte eine Stellungnahme
seines behandelnden Psychiaters
med. pract
.
C._
zum Gutachten von
Dr.
B._
ein. In dieser Stellungnahme vom 25. August 2014 kritisierte
med. pract.
C._
, dass
Dr.
B._
das verlangsamte umständliche Denken weder getestet noch
fremdanamnetisch mit Befragung der Ehefrau eruiert habe. Bei Persön
lichkeitsstörungen sei deren Auftreten im Kindheits- und Jugendalter oft schwierig zu rekonstruieren.
Von
Dr.
B._
werde einzig auf die Aussagen des Versicherten abgestützt
, doch e
ine Persönlichkeitsstörung könne nicht alleine wegen der unklaren und nicht mehr rekonstruierbaren Vorgeschichte verworfen werden, wenn sich im jahrelangen Verlauf deutlich entsprechende Symptome abzeichneten. Es sei hypothetisch genauso möglich, dass der Versicherte durch Stützung durch das Elternhaus das Studium einigermassen habe bewältigen können und dann
auf dem freien Arbeitsmarkt oder im Privatleben Schwierig
keiten aufgetreten seien, die den Versicherten zur
Migration veranlasst hätten, wobei
die bestehenden Persönlichkeitszüge dann
in der Schweiz
durch die
migrationsbedingte
erhöhte Belastung und Anforderung
vermehrt
in Erschei
nung getreten sei
en
.
Beim Versicherten bestehe
eine ausgeprägte Persönlich
keitsstörung
und
100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Zum Gutachten von
Dr.
B._
sei anzumerken, dass der Versicherte als Haus
mann viele
Probleme
habe und keine Verantwortung für seinen Sohn überneh
men könne. Er sei auch in der häuslich-väterlichen Rolle überfordert und brau
che die Unterstützung seiner Ehefrau.
Dr.
B._
habe sich diesbezüglich ledig
lich auf die Aussagen des Versicherten abgestützt, ohne diese zu hinterfragen. Es beständen aufgrund der Persönlichkeitsstörung in allen Lebensbereichen Einschränkungen (
Urk.
13/97).
3.
3.1
Was die somatischen
Beschwerden betrifft, so waren
nach dem
Sturz
vom
25. Dezember 2010 aufgrund einer Kontusion
Rückenbeschwerden vorhanden, welche zu Beginn des Jahres 2011
zu einer
vorübergehenden
Arbeitsunfähigkeit
führten
(
Urk.
13/8,
Urk.
13/20/8). Bereits am 20. Juni 2011 ging der behan
delnde Arzt
Dr.
D._
von einer Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten aus (
Urk.
13/13).
Aktuell
befindet sich der Versicherte wegen somatischer Beschwerden soweit ersichtlich nicht mehr in ärztlicher Behandlung und brachte in seiner Beschwerde
(
Urk.
1)
diesbezüglich auch nichts vor.
Der Versi
cherte erklärte gegenüber
Dr.
B._
sogar, dass er im Europa
-P
ark versuchen werde, mit den Bahnen zu fahren (
Urk.
13/83/13)
, was sicherlich rückenbelas
tend ist
.
E
s
ist daher
davon auszugehen, dass keine
massgeblichen
Rückenbe
schwerden mehr vorhanden sind und
festzuhalten, dass die Arbeitsfähigkeit in somatischer Hinsicht nicht eingeschränkt ist.
3.2
3.2.1
Bei spezifischen Persönlichkeitsstörungen handelt es sich um schwere Störun
gen der charakterlichen Konstitution und des Verhaltens, die mehrere Bereiche der Persönlichkeit betreffen. Sie gehen meist mit persönlichen und sozialen Beeinträchtigungen einher.
A
uffällige Verhaltensmuster
sind
andauernd und gleichförmig
vorhanden, wobei
sie
nicht auf
die
Episoden psychischer Störun
gen begrenzt
sind
. Die
spezifischen Persönlichkeitsstörungen
beginnen immer in der Kindheit und Jugend
, anschliessend manifestier
en
sie
sich auf Dauer im Erwachsenenalter (Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 9. Auf
lage, Bern 2014, S. 276-277).
3.2.2
Dr.
B._
verneinte das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung mit der Begrün
dung, dass der Versicherte erst
seit
dem Jahr 2010 Züge und Auffällig
keiten zeige, die an eine Persönlichkeitsstörung denken liessen. Doch in den Jahren zuvor
fehle es an
Hinweise
n
auf eine Persönlichkeitsstörung
. Der Versi
cherte habe in
O._
nämlich
ein zahnmedizinisches Studium abschliessen und anschliessend
diesen
Beruf
ausüben
können. Zudem habe er früh geheiratet und führe mit seiner Ehefrau eine langjährige Beziehung (
Urk.
13/83/23-24).
Der behandelnde Psychiater
med. pract.
C._
brachte vor
, dass die Kindheit und
die
Jugend oft schwierig zu rekonstruieren seien.
Dr.
B._
stütze sich d
iesbezüglich
einzig auf die Aussagen des Versicherten ab. Die Vorgeschichte sei nicht mehr
re
konstruierbar und im aktuellen Verlauf zeigten sich die ent
sprechenden Symptome deutlich. Es sei hypothetisch auch durchaus möglich, dass der Versicherte das Studium lediglich aufgrund der Stützung durch das Elternhaus habe bewältigen können.
Relevant sei, dass der Versicherte keine Verantwortung übernehmen könne, sei
ne
Ehe sehr belastet sei, er dauernd Kon
flikte auslöse, berufliche Massnahmen gescheitert seien und die Beschreibungen einer Persönlichkeitsstörung gemäss den ICD-10 Richtlinien weitestgehend erfüllt seien (
Urk.
13/97).
3.2.3
Eine Persönlichkeitsstörung kann
,
wie von
Dr.
B._
zu Recht festgehalten,
nicht erst im Alter von mehr als 30 Jahren auftreten
. Der Versicherte berichtete von keinen bei einer Persönlichkeitsstörung zu erwartenden
Probleme
n
in seiner Kindheit und Jugend.
Med. pract.
C._
wies
zwar
darauf hin, dass das Ver
schweigen von Schwierigkeiten durch den Versicherten zu einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung passen könnte (
Urk.
13/97/2). Doch eine narzisstische Persönlichkeitsstörung war nie Thema, von
med. pract.
C._
wurden
stets
ängstlich-ve
r
meidende und ana
n
kastische Persönlichkeitsstörungen diagnosti
ziert
(
Urk.
13/14,
Urk.
13/28,
Urk.
13/73
). Ausserdem berichtete
der Versicherte
dem Gutachter durchaus
von
Probleme
n
an seinen
schweizerischen
Arbeitsste
l
len,
von
finanzielle
n
Schwierigkeiten
sowie
von
Konflikte
n
in der ehelichen
Beziehung
(
Urk.
13/82/12
), was
aufzeigt
, dass
er mit
Dr.
B._
durchaus
nicht nur über Erfolge s
prach
.
Bei einem Zahnmedizinstudium handelt es sich um eine äusserst anspruchsvolle Ausbildung
, welche bei relevanten psychischen Problemen
auch mit Unterstüt
zung der Familie
kaum hätte abgeschlossen werden können.
In den ersten zehn Jahren in der Schweiz befand sich der Versicherte zudem nie in psychiatrischer Behandlung.
Die Probleme des Versicherten traten
daher
,
wie von
Dr.
B._
überzeugend ausgeführt
(
Urk.
13/83/23)
,
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
erst
im Jahr 2010
im Zusammenhang mit
der
Arbeitslosigkeit
und
den
sozialen Problemen
sowie
nach gescheiterten Bemühungen, als Zahnarzt in
der Schweiz Fuss zu fassen
,
auf.
Auch die Ehe
konflikte
traten
,
soweit ersichtlich
,
in diesem Zeitraum
auf. Der Versicherte erklärte dem psychiatrischen Gutachter
nämlich
, die Beziehung
zu seiner Frau
sei aktuell durch die finanzielle Situation belastet (
Urk.
13/83/12)
, was nachvollziehbar erscheint
.
Dass der Versicherte in einer derartigen Belastungsphase
dysfunktionale
Züge zeigte (vgl.
Urk.
13/83/23), belegt jedoch keine Persönlichkeitsstörung, sondern stellt eine Reaktion auf
berufliche, finanzielle und soziale
Umstände dar, welche jeden Menschen belasten würden.
Die IV-Stelle verneinte das Vorliegen einer Persönlichkeits
störung somit zu Recht.
3.
3
3.3.1
Gemäss
Dr.
B._
leidet der Versicherte nicht mehr
an
einer
depressiven Stö
rung. Dies begründete
Dr.
B._
mit einer weitgehend ausgeglichenen Stim
mung, einem hohen Tagesaktivitätsniveau, der Fähigkeit sich zu freuen und
traurig mitschwingen zu können
und dem guten Energieniveau des Versicherten (
Urk.
13/83/20-21). Zum beeinträchtigten Selbstwertgefühl hielt
Dr.
B._
fest, dass dieses mit dem missglückten beruflichen Einstieg als Zahnarzt in der Schweiz zusammenhänge, weshalb
es
nicht pathologisch sei. Auch die Schlaf
störungen mit Grübeln passten zu den angegebenen psychosozialen
Belastun
gen
. Der Versicherte klage zwar über ein vermindertes Konzentrationsvermögen, doch ein solches sei objektiv nicht feststellbar gewesen (
Urk.
13/83/21). Zum Verlauf sei festzuhalten, dass ab Ende 2010 allenfalls eine Depression bestanden habe. Die im Bericht des behandelnden Psychiaters vom 16. Juni 2011 beschrie
benen Befunde ständen mit der Diagnose einer mittelschweren Depression im Einklang. Das in den Protokollen der beruflichen Eingliederung im Frühling 2012 und im ersten Halbjahr 2013 beschriebene Aktivitätsniveau spreche
hin
gegen
gegen eine depressive Störung. Die depressive Störung müsse
daher
bis E
n
de 2011 abgeklungen sein (
Urk.
13/83/21-22).
3.3.2
Med. pract.
C._
gab an, dass er
auch
bezüglich der depressiven Störung nicht mit dem Gutachten von
Dr.
B._
übereinstimme.
Dr.
B._
zähle die geschilderten Beschwerden zwar auf, doch er meine
,
diese nicht objektivieren zu können, wobei er eine Testung oder fremdanamnestische Eruierung unterlassen habe (
Urk.
13/97).
Angesichts der vom Versicherten geschilderten vielfältigen Aktivitäten
im Haus
halt und in der Freizeit -
s
kypen mit Verwandten, Fahrrad
fahren, Kino
besuche, Auto fahren, Automessen besuchen,
reisen
, Sohn zu Aktivitäten begleiten,
sich im Baseballverein des Sohns engagieren,
Haushaltsarbeiten
erle
digen
,
kochen, einkaufen
,
Kollegen treffen, fernsehen,
Teilnahme an
Familien
ausflüge
n
, Fahreinsätze für
die Organisation F._
(
Urk.
13/83/11,
Urk.
13/83/13
,
Urk.
13/83/17
)
-
sowie seines Verhaltens während der psychiatrischen Untersu
chung (vgl. E. 2.4.5)
kann eine zum Untersuchungszeitpunkt vorliegende versicherungsrelevante depressive Störung ausgeschlossen werden.
3.3.3
Der Versicherte selbst gab gegenüber der IV-Stelle am 8. September 2011 im Rahmen der Berufsberatung an, er sehe sich als 100
%
arbeitsfähig an (
Urk.
13/38/3-4). Im Bericht vom 20. Januar 2012 diagnostizierte d
er behan
delnde Psychiater med. pract.
C._
noch eine leichte bis mittelgradige depressive Episode, wobei er festhielt, die Depression habe sich im Verlaufe der seit dem 15. Dezember 2010 andauernden Behandlung
ge
bessert (
Urk.
13/28).
Dem Bericht des
Zentrums Z._
vom 16. Mai 2012 (
Urk.
13/40) lässt sich entnehmen, dass der Versicherte
sich
während der beruflichen Abklärun
g vom 5. März bis 1. Juni 2012
ausdauernd über längere
Zeit zu konzentrieren vermocht habe
, sehr zuverlässig
gewesen sei
, über eine gute
Kommunikationsfähigkeit verfügt habe
, sic
h neuen Situationen gut angepasst habe
, einsatzwillig und ausdauernd
gewesen sei und sich gut im Team integriert habe
. Auch wenn ein unzureichen
des Arbeitstempo,
die Notwendigkeit
wiederholte
r
Anleitungen und eine geringe Belastbarkeit
vermerkt wurden
, so lässt sich dieses
Abklärungse
rgebnis dennoch nicht mit einer versicherungsrechtlich relevanten depressiven Störung in Ver
bindung bringen.
Eine allenfalls
ab Ende 2010
bestehende
depressive Störung,
bildete sich somit wie von
Dr.
B._
festgehalten
bis spätestens Ende 2011
zurück
(
vgl.
Urk.
13/83/21-22). In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit g
ing
Dr.
B._
davon aus, dass diese depressionsbedingt nach dem letzten effekti
ven Arbeitstag bei der
Firma H._
vom
2.
März 2011 bis am 31. Dezember 2011 auf 50
%
reduziert war
(
Urk.
13/83/29
)
. Dies erscheint nachvollziehbar. Da die Arbeitsunfähigkeit, auch unter Berücksichtigung der somatisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
(vgl. E. 3.1),
nach
der
Wartezeit eines Jahres nicht
im Umfang von mindestens 40
%
weiterbestand,
begründet die vorübergehende depressive Störung keinen Rentenanspruch.
3.
4
3.4.1
Dr.
B._
hielt fest, der Versicherte leide an Panikattacken. Die erste Panikatta
cke sei meist die stärkste und eindrücklichste. Dies sei auch beim Ver
sicherten der Fall gewesen, welcher im September 2006 deswegen eine Ambu
lanz habe aufsuchen müsse. Die aktuell noch ungefähr einmal im Monat auf
tretenden Angstzustände seien abgesc
hwächte Panikattacken, die mit
dem Medikament T
emesta rasch
behandelt
werden könnten (
Urk.
13/83/22). Die teilremittierte Panikstörung habe keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
13/83/25). Diese Einschätzung
überzeugt
angesichts der durchschnittlich nur einmal monatlich auftretenden und medikamentös gut behandelbaren Angst
zustände
.
Im
Ü
brigen
schätzte auch
med. pract.
C._
die Panikattacken im Bericht vom 20. Januar 2012 als Störung ohne Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit ein (
Urk.
13/28).
3.4.2
Dr.
B._
schloss weiter das Vorliegen einer Schmerzstörung mit erheblichem Krankheitswert aus, da der Versicherte im Wesentlichen
belastungsabhängige
Schmerzen beschreibe (
Urk.
13/83/22-23). Der Versicherte führte tatsächlich aus, dass er ungefähr 30
%
der Zeit schmerzfrei sei, zum Beispiel im Bett
,
und die Schmerzen bei Belastung
en
aufträten (
Urk.
13/83/17).
Es liegt somit keine versicherungsrelevante Schmerzstörung vor
, da
der Versicherte nicht über andauernde Schmerzen klagt und auch sein verhältnismässig hohes Aktivitäts
niveau (vgl. E. 2.4.2 und 2.4.4) nicht zu einer versicherungsrechtlich
relevanten Schmerzstörung passt.
Schliesslich hielt
Dr.
B._
überzeugend
fest, beim Versicherten sei keine Persönlichkeitsänderung eingetreten, da der Versicherte zwar erheblich sozial und psychisch belastet sei, er jedoch keine extreme oder übermässige anhaltende Belastung oder schwere psychische Krankheit
durchlebt
habe (
vgl.
Urk.
13/83/24).
3.5
Zusammengefasst leidet der
Versicherte unter einer teilweise remittierten
Panik
störung
, welche keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hat. Weiter ist von einer mittelgradigen depressiven Störung auszugehen, welche die Arbeitsfähig
keit
in der Zeit
vom
2.
März 2011 bis am 31. Dezember 2011 vorübergehend auf 50
%
reduziert
hat
, inzwischen jedoch remittiert ist
. Weitere
erhebliche
psychi
sche
Störungen
liegen nicht vo
r und die
vorhandenen
psychosozialen Belastun
gen sind nicht von versicherungsrechtlicher Relevanz
.
3.6
3.6.1
Der Versicherte stellte sich in der Beschwerde vom 28. November 2014
zudem
auf den Standpunkt, die Einschätzungen der Fachstelle
Z._
und der
A._
deckten sich mit der Einschätzung des behandelnden Psychiaters
med. pract.
C._
. Während der beruflichen Massnahmen hätten sich die Auswirkungen der Persönlichkeitsstörung eindeutig gezeigt. Der Versicherte könne keine Ver
antwortung übernehmen, leide unter Beziehungsproblemen, könne sich nicht strukturieren, vermeide gewisse Aktivitäten und sei in anderen Angelegenheiten übertrieben gewissenhaft und perfektionistisch (
Urk.
1).
3.
6
.
2
Vom 5. März bis am 1. Juni 2011 fand auf Anordnung der IV-Stelle eine dreimo
natige beruf
liche
Abklärung im Bürobereich bei der
Z._
statt
.
Als Ergeb
nis der Abklärung wurde festgehalten, der Versicherte suche nach externen Begründungen, wenn
etwas
bei der Arbeit nicht laufe. Er führe Arbeiten lang
sam und recht kompliziert aus, habe eine geringe Frustrationstoleranz und sei kaum leistungsfähig.
Der fachliche Aspekt
könne aufgrund der psychischen Einschränkungen kaum abgeklärt werden und die Leistungsfähigkeit liege bei maximal 20
%
. Momentan sehe man den Versicherten nicht im ersten Arbeits
markt und als weitere Massnahme
werde
eine
berufliche
Integrationsmassnahme als sinnvoll erachtet (
Urk.
13/46). Daraufhin ordnete die IV-Stelle ein
beruf
liches
Auf
bautraining bei der
A._
an, welches vom 7. Januar bis am 30. Juni 2013
stattfand
. Im Schlussbericht der
A._
wurde festgehalten, dass der Versicherte sich nur bedingt an die Rahmenbedingungen habe halten kön
nen, wobei die Pünktlichkeit immer wieder ein Thema gewesen sei. Im Verlauf der zweiten Hälfte der Massnahme, habe der Versicherte erklärt, dass er einen grossen Existenzdruck spüre, was sich auf die Gesundheit auswirke. Es sei von aussen spürbar gewesen, dass der Versicherte zunehmend unter Druck gestan
den sei.
Auffallend sei
gewesen, dass
der Versicherte
sich vor und nach schwie
rigen Situationen krank gemeldet habe, wobei er sich durch diese Absenzen einer Beurteilung seiner Leistungsfähigkeit entzogen habe.
D
er Versicherte
habe
grosse Lücken in der mathematischen Grundbildung. Beim Einstufungstest auf dem Niveau einer fünften Klasse habe er eine 3-4 erreicht, wobei er die Aufga
ben mit Bruchrechnen und
mit
Ergänzen von
Zahlenreihen nicht gelöst habe.
E
s
sei
unvorstellbar, dass der Versicherte innerhalb von sechs Monaten Fuss im ersten Arbeitsmarkt fassen könne. Dies zeige sich unter anderem in der fehlen
den Pünktlichkeit und dem fehlenden strukturierten Vorgehen beim Vorbereiten und Ausführen unbekannter und unvorhergesehener Arbeiten. Der Versicherte benötige einen eng
strukturieren Arbeitsplatz und eine klare Ansprechperson, die ihn laufend strukturiere und eng führe. Das fehlende Reflektionsvermögen und die starke Tendenz, sich durch eigene Ideen und Gedanken abzulenken und
den roten Faden zu verlieren, erschwerten eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt. Der Versicherte habe zwar eine Präsenzzeit von 50
%
erreicht, doch es könne keine Aussage über die Leistungsfähigkeit gemacht werden, da er in den entscheidenden Momenten krankheitshalber Absenzen gehabt habe (
Urk.
13/66).
3.
6
.
3
E
s
vermag
rechtsprechungsgemäss ernsthafte Zweifel an den ärztlichen Annah
men zu begründen, wenn eine medizinische Einschätzung der Leistungsfähig
keit in offensichtlicher und erheblicher Diskrepanz zu einer Leistung steht, wie sie während einer ausführlichen beruflichen Abklärung bei einem einwandfreien Arbeitsverhalten/-einsatz des Versicherten effektiv realisiert wurde und wie s
ie
gemäss Einschätzung der Berufsfachleute objektiv realisierbar ist. In solchen Fällen ist das Einholen einer klärenden medizinischen Stellungnahme grund
sätzlich unabdingbar
(
Urteil
des Bundesgericht
9C_737/2011 vom 16.
Oktober
2012
,
E.3.3
mit Hinweis)
.
3.
6
.
4
Der psychiatrische
Gutachter
Dr.
B._
verfügte über die Einschätzung
en
der
Berufsfachleute de
s
Zentrums Z._
sowie
der
A._
(
Urk.
13/83/7-10)
und setzte sich mit diese
n
auseinander.
So hielt
Dr.
B._
fest, das im Bericht der
A._
beschriebene Funktionsniveau
des Versicherten
in der Mathematik
sei nicht mit einem abgeschlossenen Zahnmedizinstudium vereinbar und lasse sich auch nicht durch psychische Störungen, sondern
nur
durch Aggravation oder min
destens Verdeutlichung der Beschwerden
,
erklären (
Urk.
13/83/19). Da der Ver
sicherte bei Primarschulaufgaben mit Bruchrechnen scheiterte (
Urk.
13/66/3), erscheint diese Einschätzung von
Dr.
B._
nachvollziehbar.
Insbesondere an
gesichts dieser Aggravations- oder Verdeutlichungsproblematik ist äusserst fraglich, ob der Versicherte
im Rahmen der beruflichen Massnahmen
die ihm maximal mögliche Leistung erbrachte. Die Berufsfachleute b
eim
Zentrum Z._
und
der
A._
konnten schwerlich unterscheiden, ob die vom Versicherten gezeigten
Einschränkungen anlässlich der beruflichen Abklärung und des
Aufbautrainings allesamt gesundheitlich begründet waren oder nicht. Überdies wiesen die Berufsfachleute
der
A._
im Abschlussbericht selbst darauf hin, dass keine Aussage über die Leistungsfähigkeit des Versicherten gemacht werden könne, da er in den entscheidenden Momenten krankheitshalber Absenzen gehabt habe (
Urk.
13/66/5
). Die
IV-Stelle
stellte
somit aus nachvollziehbaren Gründen nicht auf
die Ergebnisse
der beruflichen Massnahmen ab.
3.
7
Da die Arbeitsfähigkeit des Versicherten nicht durch gesundheitliche Beschwer
den eingeschränkt wird und dies seit November 2010 nie länger als ein Jahr lang der Fall war, besteht kein Rentenanspruch. Mangels gesundheitlicher
Beschwerden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit besteht auch kein Anspruch auf berufliche Massnahmen.
Die
Beschwerde
ist daher abzuweisen.
4.
Da es um die Bewilligung oder
die
Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Kosten dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, jedoch zufolge der gewährten unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Der Beschwerdeführer ist auf
die Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht hinzu
weisen.