# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0c302e5a-8bad-57f3-9fa8-a9c932d6acd6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1971 geborene
X._
war zuletzt bis Juli 2020 als Zimmermädchen beim
Y._
Hotel in
Z._
in einem Pensum vom 50
%
angestellt (Urk. 6/3 und
Urk.
6/24/30).
Am 1
4.
April 2020 (
Urk.
6/3) meldete sie sich unter Hinweis auf einen Bandscheibenvorfall mit weiteren Schmerzen sowie Allergien auf gewisse Medikamente bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen,
führte ein Standortgespräch durch und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei, welcher ein rheumato
logisches Gutachten veranlasst
hatt
e (Expertise vom 3
1.
August 2020; Urk. 6/28/10-27).
Nach Einho
lung weiterer medizinischer Unterlagen stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vorbescheid vom 2
6.
Januar 2021 (
Urk.
6/38) die Abweisung des Leistungsbe
gehrens in Aussicht. Nach erhobenen Einwänden (Urk. 6/39 und
Urk.
6/42) holte die IV-Stelle weitere Arztberichte ein und
gewährte
der Versicherten
am 1
4.
Juni 2021 (
Urk.
6/52)
das rechtliche Gehör
.
Die Versicherte liess sich innert der ange
setzten Frist nicht vernehmen und die IV-Stelle wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 2
7.
August 2021 (
Urk.
2) schliesslich ab.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2
4.
September 2021 (
Urk.
1) Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 2
7.
August 2021 sei aufzu
h
eben und die Sache sei zur Vornahme weiterer Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
2
5.
Oktober 2021 (
Urk.
5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführe
rin am 2
8.
Oktober 2021 (
Urk.
7) zur Kenntnis gebracht wurde.
Am 2
9.
November 2021 (
Urk.
8) reichte die Beschwerdeführerin unaufgefordert eine weitere Stel
lungnahme ein.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
tei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
08.2018
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung vom 2
7.
August 2021 (
Urk.
2) damit, dass mit den aktuell ausgewiesenen Diagnosen eine gesundheitliche Einschränkung vorliege. Diese sei bei der Invalidenversiche
rung jedoch nicht versichert. Die Beschwerdeführerin befinde sich nicht in fach
psychiatrischer Behandlung und habe durch ihren Hausarzt nicht von der Not
wendigkeit einer entsprechenden Behandlung überzeugt werden können. Es sei somit aus Sicht der IV von einem fehlenden Leidensdruck auszugehen.
Insge
samt
werde an der gutachterlichen Einschätzung festgehalten, dass eine 100%ige Erwerbstätigkeit möglich sei.
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin habe den medizinischen Sachverhalt offensichtlich nicht vollständig und damit nicht zweifelsfrei abgeklärt. Aktenkundig sei
en
fachärzt
lich eine zusätzliche Abklärung in Psychiatrie und eine ergänzende Beurteilung i
n
somatischer Hinsicht als notwendig
erachtet
worden. Dieser Mangel sei durch eine bidisziplinäre Begutachtung zu beheben. Das psychiatrische Teilgutachten habe sodann den Anforderungen an ein strukturiertes Beweisverfahren zu genü
gen. Durch die Verneinung eines
IV
-relevanten Gesundheitsschadens mit dem Argument «fehlender Leidensdruck» entziehe sich die Beschwerdegegnerin aber
mals ihrer Abklärungspflicht, greife zu kurz und blende wesentliche Aspekte die
ses Krankheitsgeschehens in sachlich unbegründeter Weise aus (S. 6).
Ihre Erwerbsfähigkeit sei angemessen in Hinsicht auf ein Vollzeitpensum zu beurteilen (S. 7).
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Anästhesie FMH
, hielt in seinem Bericht vom 2
8.
April 2020 (
Urk.
6/24/10-11) folgende Diagnosen fest (S. 1):
-
Persistierende lumbospondylogene und -radikuläre Schmerzen rechts, dermatomal am ehesten L5 DD S1 bei
-
Diskushernie L5/S1, rezessale Einengung recht
s > links, Irritation Ner
venwurzel S1 rechts DD L5 (MRI 08/19)
-
Keine sensomotorischen Defizite
-
Multimodale Schmerztherapie im USZ 09/19
-
Multiple Medikamenten/Analgetikaunverträglichkeiten eigenanamnes
tisch, Status nach ausgeprägten (am ehesten vasovegetativen) Reak
tionen auf Medikamente per os sowie Injektionen
-
Zervikospondylogene Schmerzen bei plurisegmentalen degenerativen Veränderung
en
der Halswirbelsäule, am meisten C3-6
-
Unklare Hypästhesie rechte Körperhälfte
Dr.
A._
berichtete zudem, dass die bis anhin durchgeführten medikamentösen Behandlungsversuche nicht erfolgreich gewesen seien. In der gegenwärti
gen Ver
fassung seien pharmakologische respektive minimalinvasive Mass
nahmen kaum vielversprechend. Leider sei auch eine Wiederholung der
- zumindest akut stark schmerzlindernden - Infusion mit Lidocain angesichts der massiven Reaktion
keine Option. Am ehesten schlage er ein Gespräch mit einem Wirbelsäulenortho
päden vor, damit die Grundsatzfrage der Operation Diskus
hernie L5/S1 geklärt werden könne (S. 2).
3.2
Der behandelnde Hausarzt der Beschwerdeführerin, med. pract.
B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH, nannte in seinem Bericht vom 6. Juni 2020 (
Urk.
6/24/12-14)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
Cervikospondylogenes Schmerzsyndrom (M54)
-
Lumbospondylogenes Schmerzsyndrom L5/S1 (M54)
-
Verdacht auf myofasziales Schmerzsyndrom (M79)
-
Latente Hypothyreose
-
Arterielle Hypertonie
Bei der Beschwerdeführerin sei eine Chronifizierung eingetreten und es komme nicht mehr zu schmerzarmen Episoden. Sie könne nicht mehr als 20 Minuten
s
itzen, habe Schmerzen beim Gehen, Bücken etc. Psychisch sei die Situation stabil, jedoch komme es gelegentlich zu depressiven Verstimmungen.
Eventuell sei eine Zweitmeinung im Fachbereich Psychosomatik oder Rheumatologie not
wendig.
3.3
Der Gutachter med. pract.
C._
, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin FMH, nannte in seinem Gutachten vom 3
1.
August 2020 (
Urk.
6/28/10-27)
zu Händen des Krankentaggeldversicherers
folgende D
iagnose
mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 14):
-
Generalisierte
s
Schmerzsyndrom (ICD-10: M79.0) bei/mit:
-
Initial zerviko- und lumbospondylogene
m
Schmerzsyndrom rechts (Erstdiagnose September 2019)
,
anhaltende
r
Hemihypästhesie rechte Körperhälfte seit Juni 2019
-
Fibromyalgieformer Generalisationstendenz
-
Schon- und Schmerzmeideverhalten mit konsekutiver Dekonditionie
rung und Haltungsinsuffizienz
-
Schmerzverarbeitungsstörung, Differentialdiagnose somatoforme Stö
rung
-
Kriterien zur Diagnose einer Fibromyalgie im WPI-Index erfüllt
(Sum
menwert Teil 1 7 Punkte, Teil 2 9 Punkte)
-
Status nach multimodaler Schmerztherapie Rheumaklinik USZ Septem
ber 2019
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende Diagnosen genannt:
-
Latente Hypothyreose
-
TSH 5.04 mU/l (1
1.
September 2019 - USZ); 5.37 mU/l (
5.
Juni 2020 - HA)
-
Bestimmung per
iphere Schilddrüsenparameter ausstehend
-
Behandelte arterielle Hypertonie
-
Kontrollbedürftig
-
Deutliche diastolische Hypertonie, Differentialdiagnose hypothyreose
assoziiert
Aus rein rheumatologischer Sicht erscheine eine körperlich leichte Tätigkeit medizinisch theoretisch im zuletzt ausgeübten 50%igen Pensum zumutbar. Bei Scheitern der bislang lege artis durchgeführten Interventionen zur Behandlung eines potentiell somatischen Kerns der geklagten Beschwerden seien derzeit keine neuen Empfehlungen zu geben, ausser Fortführung einer körperlich aktivierenden und rekonditionierenden Bewegungstherapie. Eine behandlungsbedü
r
ftige Hypo
thyreose bleibe weiterhin auszuschliessen
(S. 15 f.)
. Aufgrund der im Rahmen des Schon- und Schmerzmeideverhaltens entstandenen Dekonditionierung, die einen grossen Teil der geklagten Beschwerden erklärende Haltungsdefizite unterhalte und begünstige, bestehe eine Minderbelastbarkeit für Tätigkeiten mit schwerem Heben und Tragen von Lasten wie für Arbeiten in rückenbelastenden Zwangs
po
sitionen. Bezüglich durch eine allfällige Psychopathologie zu erklärenden Limi
tierungen sei eine ergänzende psychiatrische Diagnostik und allfällige Therapie empfehlenswert (S. 16 f.).
Die Schmerzverarbeitungsstörung sei als primäres Reintegrationshindernis anzusehen. Seitens des Bewegungsapparates seien bereits weitgehende Massnahmen erfolgt, wobei die ambulante Physiothe
rapie einen seitens der Beschwerdeführerin unverschuldeten Unterbruch gehabt habe und diesbezügliche Defizite noch auszugleichen seien, wobei aktive Therapien mit dem Ziel einer verbesserten Rumpfstabilisation und Haltungs
korrektur im Vordergrund stehen sollten. Bei Nachweis einer manifesten Hypo
thyreose oder einer Depression seien diesbezüglich wirksame Therapien einzuleiten (S. 18).
3.4
In seinem Bericht vom 1
7.
September 2020 (
Urk.
6/29/1-6)
führte med. pract.
B._
aus,
neben dem myofasziale
n
Schmerzsyndrom
bestehe der Verdacht auf eine Angst
- und Panikstörung (S. 3). Die Arbeit werde subjektiv durch die Schmerzen, häufig auch durch psychovegetative Beschwerde
n
verunmöglich
t
(S.
5)
. Die Beschwerdeführerin sei seit dem 1
6.
November 2019 für mittelschwere bis schwere körperliche Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig
(S. 2)
. Einer Einglie
de
rung stünden die Schmerzen und das S
chmerzempfind
en sowie der psychoso
ziale Stress im Wege. Eine psychiatrische Mitbeurteilung der Situation sei daher wichtig (S. 5).
3.5
3.5
.1
RAD-Arzt med. pract.
D._
, Facharzt für Arbeitsmedizin, hielt in seiner Stel
lungnahme vom 2
6.
März 2021 (
Urk.
6/54/
2
-4) fest, dass aufgrund der Bericht
erstattung ein psychischer Gesundheitsschaden möglich sei. Dieser sei bisher nicht ausreichend gewürdigt worden. Bisher sei jedoch auch von einem wesent
lich fehlenden Leidensdruck bezüglich eines eventuellen psychischen Gesund
heitsschadens auszugehen, da bis September 2020 keine Behandlung stattgefun
den habe.
3.5
.2
In einer weiteren Stellungnahme vom 3
0.
Juli 2021 (
Urk.
6/54/4-5) führte med. pract.
D._
aus, dass
sich
die Beschwerdeführerin nicht in fachpsychiat
rischer Behandlung befinde und auch durch ihren Hausarzt nicht von der Notwendigkeit einer entsprechenden Behandlung habe überzeugt werden können. Es sei somit aus versicherungsmedizinischer Sicht von einem fehlenden Leidens
druck der Beschwerdeführerin bezüglich einer psychiatrischen Behandlung auszugehen. Somit sei auch keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähig
keit ausgewie
sen. Es könne weiterhin an der Beurteilung des somatischen Gutachtens im Auf
trag des Krankentaggeldversicherers festgehalten werden. Die Beschwerdeführe
r
in
sei in der Lage
,
ihr bisher ausgeübtes Pensum von 50
%
ohne Einschränkun
gen auszuüben, wobei die bisherige Tätigkeit als leichte und an die somatischen Einschränkungen angepasste Tätigkeit gelte. Es ergebe sich somit eine vollstän
dige Arbeitsfähigkeit im bisherigen Pensum in angestammter sowie angepasster Tätigkeit.
4.
4.1
Unbestritten und im Einklang mit der Aktenlage
ist
, dass die Beschwerde
führerin aufgrund eines ärztlicherseits einheitlich umschriebenen Rückenleidens in der an
gestammten Tätigkeit
im Bereich Housekeeping
im Umfang von 50
%
arbeits
un
fähig ist. Unklar und umstritten ist hingegen,
ob die Beschwerdeführerin als voll
erwerbstätig zu qualifizieren ist und wie sich
etwaige psychische Einschrän
kun
gen
auf die funktionelle Leistungsfähigkeit auswirken.
Die Beschwerdegegne
rin stützte
sich in der
angefochtene
n
Verfügung auf die medizinische Einschätzung von RAD-Arzt
med. pract.
D._
.
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben.
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben
den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts
9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverstän
di
gengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
g
emässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungsinterner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Okto
ber 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
4.3
Was die Stellungnahmen von med. pract.
D._
(E. 3.
5
) zu den psychischen Leiden angeht, lässt sich diesen einzig entnehmen, dass ein psychischer Gesund
heitsschaden zwar möglich
sei
, aufgrund de
r nicht stattfindenden Behandlung jedoch von einem fehlenden Leidensdruck auszugehen
sei
, womit auch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe.
Zum einen handelt es sich bei
diesen Stellungnahmen
um reine Aktenbeurteilun
g
en
, worin
med. pract.
D._
sich damit begnügte, die vorliegenden Unter
lagen
hinsichtlich der Ausführungen zum psychischen Zustand der Beschwerde
führerin
in Frage zu stellen. Aber gerade bei der Bewe
iskraft von Abklärungen zum psy
chischen Gesundheitszustand ist die klinische Untersuchung mit Anam
neseerhe
bung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung entscheidend (Urteil des Bundesgerichts 9C_728/2018 vom 21. März 2019 E. 3.3). Zum anderen schloss
med. pract.
D._
selbst etwa die
von
Gutachter med. pract.
C._
gemachte Ver
mutung (E
3.4
), dass eine
Depression
vorliegen könnte, nicht grund
sätzlich aus, sondern hielt diese einzig aufgrund der
weiteren
fehlenden Angaben als nicht nach
vol
lziehbar
(
Urk.
6/54/3)
. Gleich verhält es sich
mit dem Verdacht auf eine
allfälligen
Angst- und Panikstörung
, wie sie etwa
vom Hausarzt der Beschwer
deführerin, med. pract.
B._
(E.
3.4
)
,
ge
äussert wurde.
Soweit die Beschwerdegegnerin auf
die
fehlende Therapie des psychischen Leidens und damit auf den Leidensdruck Bezug nimmt, greift ihre Argumentation zu kurz. Die Beschwerdeführerin bringt zu Recht vor, dass die Beschwerdegegne
rin auf eine überholte bundesgerichtliche Praxis Bezug
nimmt
, wonach bei feh
lendem Leidensdruck grundsätzlich angenommen werde, dass hieraus keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit resultiere (Urteil des Bundesgerichts 8C_753/2016 vom 15. Mai 2017 E. 4.3; vgl. Urk. 7/38/3). Entscheidend ist aber, welche Auswirkungen eine gesundheitliche Beeinträchtigung auf das funktionelle Leistungsvermögen hat. Gemäss der seit November 2017 geltenden bundesge
richtlichen
Rechtsprechung
(BGE 143 V 409 und 418) gelangt in diesem Zusammenhang grundsätzlich für sämtliche psychi
schen Leiden das indikatorengeleitete Beweis
verfahren im Sinne von BGE 141 V 281 zur Anwendung. Dabei bilden die Behandlungs- und Eingliederungs
resistenz nur einen der einzubeziehenden Fak
toren (vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1).
Die
vorhandenen
Berichte der Behandler lassen
jedoch
ebenfalls keine Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit betreffend den psychischen Gesundheitszustand zu. Sowohl der Gutachter
,
med. pract.
C._
, als auch der Hausarzt, med.
pract.
B._
,
äusserten
lediglich den Verdacht
auf eine
D
epression respektive Angst- und Panikstörung.
Zur Arbeitsfähigkeit
in psychischer Hinsicht
äusserte
n
sie sich nicht.
D
ie Berichte ermöglichen
damit jedenfalls
k
eine Beurteilung der massge
benden Indikatoren. In Nachachtung des geltenden Untersuchungsgrund
satzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) erweisen sich weitere psychiatrische Abklärungen nur schon aus diesem Grund als unumgänglich.
4.
4
Aufgrund des Gesagten erweist sich der medizinische Sachverhalt als ungenü
gend abgeklärt. Es
mangelt
vorliegend an verlässlichen medizinischen Grund
la
gen zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in psychischer Hin
sicht. Zur Beurteilung ihrer invalidenversicherungsrechtlichen Ansprüche bedarf es daher zusätzlicher medizinischer Grundlagen, welche sich zu den offe
nen
Fragen äussern und den rechtsprechungsgemässen Anforderungen genügen.
Die angefochtene Verfügung (Urk. 2) ist folglich aufzuheben und die Sache zur Vornahme weiterer Abklärungen im Sinne der Erwägungen und zu erneutem Ent
scheid über den Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invaliden
versicherung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
5.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen
(BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind er
messensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens steht der Beschwerdeführerin eine Prozess
entschädigung zu, welche in Anwendung von § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes
über das Sozialversicherungsgericht mit Fr. 1’
2
00.-- (inkl. Barauslagen und M
WSt) zu bemessen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen ist.