# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 467d4f6d-8e4d-5341-920c-76ab2877b41d
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 7. Oktober 2009 bei der Stadt Burgdorf mehrere
Baugesuche ein für die Erstellung bzw. Wiederherstellung von Plakatwerbestellen in den
Formaten F4, F12 und F200 an folgenden Standorten:
- Hauptbahnhof und C._ Strasse:  Erstellung 1 F12, D._ Strasse 84, Parzelle Burgdorf Grundbuchblatt Nr. E._
/ Baurecht Nr. F._ (Mischzone 4 / ESP Süd)  Wiederherstellung 1 F12, C._ Strasse 90, Parzelle Burgdorf Grundbuchblatt
Nr. G._ (Bahnareal)  Wiederherstellung 1 F12, C._ Strasse 90, Parzelle Burgdorf Grundbuchblatt
Nr. G._ (Bahnareal)
- Bahnhof H._:
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 Erstellen 2 F4, Bahnhof H._, Parzelle Burgdorf Grundbuchblatt Nr. I._ (Mischzone 4 / Bahnareal / ZPP Bahnhof H._)
 Erstellen 2 F200, Bahnhof H._, Parzelle Burgdorf Grundbuchblatt Nr. I._ (Mischzone 4 / ZPP Bahnhof H._)
- Bahnhof J._:  Erstellen 1 F12, Bahnhof J._, Parzelle Burgdorf Grundbuchblatt Nr. K._
(Bahnareal)  Erstellen 1 F12, Bahnhof J._, Parzelle Burgdorf Grundbuchblatt Nr. K._
(Bahnareal)  Erstellen 1 F200, Bahnhof J._, Parzelle Burgdorf Grundbuchblatt Nr. K._
(Bahnareal)
Mit drei Entscheiden vom 15. Januar 2010 erteilte die Stadt Burgdorf den Bauabschlag für
alle Plakatwerbestellen.
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 4. Februar 2010 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt die
Aufhebung der Entscheide vom 15. Januar 2010 und die Erteilung der Baubewilligung. Sie
macht insbesondere geltend, es sei fraglich, ob die Stadt Burgdorf zuständig sei, über die
Bewilligung von Plakatwerbestellen auf Bahnarealen zu entscheiden. Es gehe darum, eine
Qualitätsverbesserung der Plakatstandorte auf dem Grundeigentum der BLS AG zu
erzielen. Aufgrund der Vorgaben der Stadt Burgdorf sei dies nicht möglich. Fast alle im
Plakatierungsplan definierten Standorte befänden sich auf öffentlichem Grund. Dies führe
zu einem unzulässigen Eingriff in die Wirtschaftsfreiheit und bedeute einen
Wettbewerbsvorteil für die Stadt Burgdorf und deren Konzessionäre. Die verschiedenen
Anbieter würden nicht rechtsgleich behandelt und es käme früher oder später zu einer
Monopolsituation.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein.
Die Stadt Burgdorf beantragt in ihrer Stellungnahme vom 8. März 2010, die Beschwerde
sei abzuweisen. Sie macht insbesondere geltend, die zu beurteilenden Plakatwerbestellen
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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dienten nicht dem Bahnbetrieb und unterständen daher dem kantonalen Recht. Die Stadt
Burgdorf sei somit für das Baubewilligungsverfahren zuständig gewesen. Sie habe
stadteigene Vorschriften, welche die zulässigen Reklamestandorte
grundeigentümerverbindlich festlegten. Die von der Beschwerdeführerin geplanten
Standorte entsprächen diesen Vorschriften nicht. Gründe für die Erteilung von
Ausnahmebewilligungen lägen nicht vor.
4. Auf Aufforderung des Rechtsamtes hin gab die Stadt Burgdorf mit Schreiben vom
3. Mai 2010 bekannt, welche der im Plakatierungsplan vorgesehenen Plakatstandorte für
kommerzielle Werbung (F12, F200 und F200L) sich auf privatem Grund und welche sich
auf öffentlichem Grund befinden. Anschliessend erhielten die Parteien Gelegenheit,
Schlussbemerkungen einzureichen.
Die Beschwerdeführerin führt in ihren Schlussbemerkungen im Wesentlichen aus, das
Reklamereglement führe zu einer Monopolstellung für die Gemeinde. Es gebe zwar
Standorte auf privatem Grund, diese seien aber entweder zu unattraktiv oder bereits durch
langfristige Verträge vergeben.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde gegen den angefochtenen Entscheid zuständig.
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführerin, deren Baugesuche abgewiesen wurden, ist durch die vorinstanzlichen
Entscheide beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Zuständige Bewilligungsbehörde
a) Die meisten Standorte der geplanten Plakatwerbestellen befinden sich auf
Bahnarealen. Vor diesem Hintergrund stellt die Beschwerdeführerin die Zuständigkeit der
Stadt Burgdorf für das Bewilligungsverfahren in Frage und verweist auf die
bundesrechtliche Eisenbahngesetzgebung.
b) Bauten und Anlagen, die ganz oder überwiegend dem Bau und Betrieb einer
Eisenbahn dienen (Eisenbahnanlagen), dürfen gemäss Art. 18 EBG3 nur mit einer
Plangenehmigung erstellt oder geändert werden. Mit der Plangenehmigung werden
sämtliche nach Bundesrecht erforderlichen Bewilligungen erteilt. Kantonale Bewilligungen
und Pläne sind nicht erforderlich. Genehmigungsbehörde in diesem Verfahren ist das
Bundesamt für Verkehr (BAV) und bei gewissen Grossprojekten das Eidgenössische
Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Dagegen
unterstehen die Erstellung und die Änderung von Bauten und Anlagen, die nicht ganz oder
überwiegend dem Eisenbahnbetrieb dienen (Nebenanlagen), dem kantonalen Recht und
damit der Zuständigkeit der kantonalen Bewilligungsbehörden (Art. 18m EBG). Die
kantonalen Behörden müssen allerdings in gewissen Fällen die Zustimmung des
Eisenbahnunternehmens einholen, beispielsweise wenn Bauvorhaben Bahngrundstücke
beanspruchen, oder das BAV anhören, dies unter anderem dann, wenn die Nebenanlage
den künftigen Ausbau der Eisenbahnanlage verunmöglicht oder erheblich erschwert.
c) Plakatwerbestellen auf Bahnarealen dienen weder ganz noch überwiegend dem
Eisenbahnbetrieb. Sie stellen daher Nebenanlagen dar. Zuständig für das
Baubewilligungsverfahren sind somit die kantonalen Behörden, im vorliegenden Fall
erstinstanzlich die Stadt Burgdorf (Art. 33 Abs. 1 BauG). Da die Bauvorhaben der
3 Eisenbahngesetz vom 20. Dezember 1957 (EBG; SR 742.101)
5
Beschwerdeführerin nicht bewilligt wurden, musste die Vorinstanz nicht prüfen, ob die
Zustimmung des Eisenbahnunternehmens erforderlich wäre oder das BAV angehört
werden müsste.
3. Reklamevorschriften und Plakatierungsplan
a) Die Stadt Burgdorf hat kommunale Vorschriften zu Reklamen und Plakatierung
erlassen: Artikel 23 des Baureglements der Stadt Burgdorf vom 21. Februar 2005 (BR)
schreibt vor, dass Reklamen so anzuordnen sind, dass sie das Strassen-, Orts- und
Landschaftsbild, insbesondere in Erhaltungs- und Erneuerungsgebieten, schützens- und
erhaltenswerte Objekte und deren Umgebung, die Wohn- und Aufenthaltsqualität sowie die
Verkehrs-sicherheit nicht beeinträchtigen. Plakatanschlagstellen sind auf wichtige
Verkehrsachsen und publikumsattraktive Bereiche zu beschränken und es ist ein
einheitliches Trägermaterial zu verwenden. Art. 23 Abs. 3 BR gibt den zuständigen
Gemeindeorganen die Kompetenz, die Einzelheiten in weiterführenden Erlassen zu regeln.
Gestützt darauf haben der Stadtrat von Burgdorf bzw. der Gemeinderat ein
Reklamereglement (RR)4 und eine Reklameverordnung (RV)5 erlassen und einen
Plakatierungsplan erstellt. Der Plakatierungsplan bezeichnet unter anderem die zulässigen
Standorte für Plakatanschlagstellen für wechselnde Fremdreklame auf öffentlichem und
privatem Grund (Art. 13 RR).
Bei den Reklamevorschriften der Stadt Burgdorf handelt es sich im Wesentlichen um
spezielle kommunale Ästhetikvorschriften. Die Gemeinden sind im Bereich ihrer Bau- und
Zonenordnung im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen und der übergeordneten
Planung autonom.6 Übergeordnete gesetzliche Bestimmungen betreffend Reklamen
existieren einerseits in der Strassenverkehrsgesetzgebung des Bundes (Art. 6 SVG und
Art. 95 ff. SSV). Diese enthält abschliessende Regeln betreffend die Verkehrssicherheit
von Strassenreklamen. Ergänzende kantonale Vorschriften, namentlich zum Schutz des
Orts- und Landschaftsbildes, bleiben aber ausdrücklich vorbehalten (Art. 100 SSV). Auf
kantonaler Ebene enthält Art. 9 BauG eine ästhetische Generalklausel im Sinne eines
allgemeinen Beeinträchtigungsverbotes, ermächtigt aber die Gemeinden, nähere und
4 Reklamereglement der Stadt Burgdorf vom 7. November 2005 (RR) 5 Verordnung über die Reklame in der Stadt Burgdorf vom 7. November 2005 (Reklameverordnung, RV) 6 Art. 50 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR
101); Art. 109 der Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1); Art. 65 Abs. 1 BauG
6
weitergehende Vorschriften zu erlassen.7 Die Gemeinden sind demnach – unter Vorbehalt
verfassungsrechtlicher Schranken – befugt, Vorschriften betreffend die Einordnung von
Plakatanschlagstellen ins Orts- und Landschaftsbild zu erlassen. Die Stadt Burgdorf hat
ihre Reklamevorschriften im Rahmen ihres Autonomiebereiches, im vorgeschriebenen
Verfahren und durch die zuständigen Behörden erlassen. Diese Normen stellen damit eine
gültige gesetzliche Grundlage dar.
b) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die abschliessende Festlegung einiger
weniger für Fremdreklamen zulässiger Standorte in einem Plakatierungsplan verletze ihre
verfassungsmässig garantierte Wirtschaftsfreiheit und die Reklamevorschriften würden
früher oder später zu einer unzulässigen Monopolsituation für die Stadt Burgdorf und ihre
Konzessionärinnen führen. Dies werde durch den Umstand verschärft, dass viele der
Standorte auf privatem Grund bereits vertraglich langfristig vergeben sind.
c) Wird geltend gemacht, eine Behörde habe eine mit höherrangigem Recht nicht
vereinbare Vorschrift angewendet, so muss die Beschwerdeinstanz diese Norm
vorfrageweise auf ihre Gesetzes- bzw. Verfassungsmässigkeit überprüfen (sogenannte
akzessorische oder konkrete Normenkontrolle).8
Mit dem Reklamereglement und dem Plakatierungsplan der Stadt Burgdorf werden die
zulässigen Standorte für Fremdreklamen parzellengenau festgelegt. Der Plakatierungsplan
beschränkt damit die Nutzungsmöglichkeiten hinsichtlich der einzelnen Grundstücke und
ist demzufolge als Teil der Nutzungsplanung zu betrachten. Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts und des Verwaltungsgerichts ist eine akzessorische Prüfung von
Nutzungsplänen im Baubewilligungsverfahren in der Regel ausgeschlossen, wenn sich die
rechtlichen oder tatsächlichen Verhältnisse seit Planerlass nicht wesentlich geändert
haben. Dies gilt jedenfalls dann, wenn sich die Betroffenen bei Planerlass über die ihnen
auferlegten Beschränkungen im Klaren sein konnten und wenn sie damals die Möglichkeit
hatten, ihre Interessen zu wahren. Sind diese Voraussetzungen erfüllt, können die
Betroffenen den Plan nur anschliessend an dessen Erlass anfechten und nicht auch noch
bei der späteren Anwendung.9 Das Reklamereglement und der Plakatierungsplan wurde
7 BVR 2006 S. 145 E.2.2 mit Hinweisen; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 9/10 N. 4
8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 66 N. 15 9 BGE 127 I 103 E. 6b, 123 II 337 E. 3a; BVR 2005 S. 443 E. 5.5
7
durch den Stadtrat von Burgdorf, dem für den Erlass der baurechtlichen Grundordnung
zuständigen Organ10, am 7. November 2005 beschlossen. Das fakultative Referendum
gegen dieses Reglement wurde nicht ergriffen.11 Das Amt für Gemeinden und
Raumordnung des Kantons Bern (AGR) hat als zuständige kantonale Stelle die
Vorschriften am 2. März 2006 genehmigt. Dass sich die Verhältnisse seither geändert
hätten, wird von der Beschwerdeführerin nicht geltend gemacht und solches ist auch nicht
ersichtlich. Die Beschwerdeführerin macht nicht geltend, dass sie nicht die Möglichkeit
gehabt habe, das Reklamereglement und den Plakatierungsplan bei Planerlass
anzufechten (abstrakte Normenkontrolle). Sie wäre jedenfalls dazu befugt gewesen, da das
Reklamereglement die Plakatierungsmöglichkeiten einschränkt und damit rechtlich
geschützte Interessen der Beschwerdeführerin beeinträchtigt.12 Die Beschwerdeführerin
wie auch die BLS hätten bei Ausarbeitung des Plakatierungsplans ihre Standortwünsche
einbringen müssen. Daher sind die Voraussetzungen für eine akzessorische Überprüfung
der Reklamevorschriften beziehungsweise des Plakatierungsplans im
Baubewilligungsverfahren nicht erfüllt und die Standortfestlegung gemäss
Plakatierungsplan sowohl für die Baubewilligungsbehörde wie auch die Beschwerdeinstanz
verbindlich.
d) Aber selbst wenn eine akzessorische Überprüfung des Plakatierungsplans
vorzunehmen wäre, würde dies an der Verbindlichkeit der Standortfestlegung nichts
ändern: Durch die Plakatierungsvorschriften der Stadt Burgdorf wird zwar die Möglichkeit,
Fremdreklame anzubringen, stark begrenzt, was die Wirtschaftsfreiheit einschränkt.13 Eine
solche Einschränkungen ist aber zulässig, wenn sie auf einer gesetzlichen Grundlage
beruht sowie durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig ist (Art. 36
BV). Eine gesetzliche Grundlage ist mit den Reklamevorschriften der Stadt Burgdorf
vorhanden. Bei diesen Vorschriften handelt es sich im Wesentlichen um Bestimmungen,
die dem Ortsbild- und Landschaftsschutz dienen (Art. 1 Abs. 2 RR). Kein Ziel der
Bestimmungen ist – wie die Beschwerdeführerin meint – eine Qualitätsverbesserung der
Plakatstandorte im Sinne der werbemässigen Attraktivität. Die abschliessende Festlegung
der für Fremdreklamen zulässigen Standorte bezweckt ein einheitliches bzw. aufeinander
abgestimmtes Erscheinungsbild der Plakatanschlagstellen (Art. 13 Abs. 2 RR). Dadurch
10 Vgl. Art. 38 Ziff. 4 der Gemeindeordnung der Stadt Burgdorf vom 18. Juli 2001 11 Vgl. Vollzugs-, Übergangs- und Schlussbestimmungen des Reklamereglements 12 BGer 1P. 84/2006 vom 5. Juli 2006 E.1.2 13 Art. 27 Abs. 1 BV
8
sollten ungewollte Häufungen von Fremdreklamen und sich daraus ergebende negative
Auswirkungen auf das Orts- und Landschaftsbild vermieden werden. Diese Ziele liegen im
öffentlichen Interesse. Das Bundesgericht und das Verwaltungsgericht haben denn auch
mehrfach bestätigt, dass ein öffentliches Interesse an der abschliessenden Festlegung der
für Fremdreklamen zulässigen Standorte besteht.14 Ob die damit verbundene
Einschränkung der Wirtschaftsfreiheit auch verhältnismässig ist, hängt davon ab, ob der
Eingriff geeignet und erforderlich ist, um das im öffentlichen Interesse angestrebte Ziel zu
erreichen und ob der angestrebte Zweck in einem vernünftigen Verhältnis zur
Freiheitsbeschränkung steht.15 Die Reklamevorschriften der Stadt Burgdorf sind objektiv
geeignet, das Orts- und Landschaftsbild zu schützen; indem die Plakatanschlagstellen auf
dem gesamten Gemeindegebiet abschliessend festgelegt wurden, ist die Wahrung des
genannten öffentlichen Interesses bestmöglich gewährleistet. Die in Frage stehenden
öffentlichen Interessen des Ortsbild- und Landschaftsschutzes überwiegen die privaten
Interessen am gewerbsmässigen Aushängen von Plakaten und an der Nutzung von
Privatgrund für Plakatanschlagstellen. Ein unverhältnismässiger Eingriff in die
Wirtschaftsfreiheit und die Eigentumsgarantie wäre gemäss Praxis des Bundesgerichts bei
einem generellen Verbot von Fremdreklamen auf privatem Grund gegeben.16 Im
vorliegenden Fall sind Plakate für Fremdreklame jedoch nicht generell verboten; die
Reklamevorschriften bestimmen nur, dass Fremdreklame einzig an den im
Plakatierungsplan ausgewiesenen Orten aufgestellt werden dürfen. Es handelt sich um
insgesamt dreizehn Plakatanschlagstellen im Format F12 und fünfundzwanzig
Plakatanschlagstellen im Format F200 sowie zwei Plakatanschlagstellen im Format F200L
bei Wartehallen. Hinzu kommen zehn Cityplananlagen sowie verschiedene Standorte für
temporäre Reklamen, Kulturplakate im Format F4 und Kleinplakate. Auf öffentlichem Grund
der Einwohnergemeinde Burgdorf befinden sich nur sechs dieser Standorte. 23 Standorte
befinden sich auf privatem Grund, zwei Standorte auf Parzellen der Burgergemeinde
Burgdorf und neun Standorte auf Parzellen im Eigentum des Kantons. Die überwiegende
Zahl der zulässigen Plakatanschlagstandorte sind somit auf privatem Grund. Ein Verbot
von Fremdreklamen auf privatem Grund liegt nicht vor. Zudem enthält das
Reklamereglement in Art. 11 eine Ausnahmevorschrift, welche es bei Vorliegen wichtiger
Gründe ermöglicht, von einzelnen Reklamevorschriften abzuweichen. Damit ist auch die
14 BGE 128 I 3 E. 3e/bb, 100 Ia 445 E. 5b; BGer 1C_12/2007 vom 8. Januar 2008 E. 6.1; VGE 22814U vom 6. September 2007, E. 5.2
15 BGer 2P.131/2001 vom 13. November 2001, E. 3.e) cc) mit Hinweisen 16 BGer 1P.122/1998 vom 12. Mai 1998, in: ZBL 2000 S. 135 ff.
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Verhältnismässigkeit gewahrt. Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die mit
der Standortfestlegung verbundenen Grundrechtseingriffe gerechtfertigt sind.
Im Übrigen ist es betreffend der Frage eines allfälligen Monopols für die Stadt Burgdorf
irrelevant, wenn Standorte auf privatem Grund vertraglich längerfristig vergeben sind. Auf
diesen Umstand hat die Stadt keinen Einfluss. Es ergibt sich gerade aus der Wirtschafts-
und Vertragsfreiheit, dass private Grundeigentümer frei sind, mit einer
Plakatierungsgesellschaft einen längerfristigen Vertrag abzuschliessen. Dass damit andere
Unternehmen von diesem Standort während längerer Zeit ausgeschlossen sind, ist
Ausfluss der Konkurrenz auf dem freien Markt.
e) Auch Art. 14 RR, wonach der Gemeinderat der Stadt Burgdorf die Plakatierung auf
öffentlichem Grund mittels einer öffentlichen Ausschreibung an eine oder mehrere
Unternehmungen vergeben kann, bewirkt keinen unzulässigen Eingriff in die
Wirtschaftsfreiheit und keine Verletzung des Gebotes der Gleichbehandlung der
Gewerbegenossen17. Das Bundesgericht hat mehrfach entschieden, dass
Plakatanschlagmonopole auf öffentlichem Grund zulässig sind.18 Unverhältnismässig und
damit unzulässig wäre nur ein Monopol, mit dem sich eine Gemeinde durch eine
gesetzliche Grundlage die Anbringung von Plakaten auf ihrem ganzen Gebiet,
einschliesslich der Privatgrundstücke, vorbehalten will.19 Um ein solches Monopol geht es
hier nicht, da gemäss Plakatierungsplänen der Stadt Burgdorf die überwiegende Zahl der
Plakatstandorte auf privaten Grundstücken liegt. Eine Ungleichbehandlung zwischen einer
allfälligen Konzessionärin und anderen Unternehmen liegt auch nicht vor: An die
Bewilligung von Plakatstellen auf Privatgrundstücken und öffentlichen Grundstücken
werden die gleichen Anforderungen gestellt und die Vergabe der Konzession erfolgt in
einem öffentlichen Vergabeverfahren, an dem auch die Beschwerdeführerin teilnehmen
kann.20
4. Standorte der geplanten Plakatanschlagstellen
17 Art. 27 BV 18 BGE 125 I 209 E. 10, übersetzt in Praxis 2000 Nr. 149; BGer 1P.84/2006 vom 5. Juli 2006, E. 3 19 BGE 128 I 3 E. 3b), BGE 125 I 209 E. 10b), übersetzt in Praxis 2000 Nr. 149 20 BGer 1P.84/2006 vom 5. Juli 2006 E. 4
10
a) Fremdreklamen werden gemäss Art. 7 RR nur an den vom Plakatierungsplan
bezeichneten Standortorten für Plakatanschlagstellen bewilligt. Im Plakatierungsplan wird
parzellengenau festgehalten, wo welche Art von Plakaten in welchem Format zulässig sind.
Eigenreklamen werden gemäss Art. 6 Abs. 1 RR in der Regel nur an der Fassade bewilligt.
Freistehende Firmenanschriften und Eigenreklamen können bewilligt werden, wenn dies
aus ästhetischen oder aus anderen Gründen vorzuziehen ist. Gemäss Art. 11 RR können
aus wichtigen Gründen Ausnahmen von einzelnen Reklamevorschriften gewährt werden,
sofern dadurch keine überwiegenden öffentlichen oder privaten Interessen beeinträchtigt
werden.
b) Aus den Akten, insbesondere den Situationsplänen und den Fotomontagen in den
Beilagen zu den Baugesuchen, ist ersichtlich, dass die von der Beschwerdeführerin
geplanten Plakatträger nicht an Orten vorgesehen sind, die gemäss Plakatierungsplan als
Standorte für Fremdreklame zugelassen sind. Dies wird von der Beschwerdeführerin denn
auch nicht bestritten. Da die Stadt Burgdorf für ihr Gebiet die möglichen Standorte für
Fremdreklame abschliessend bezeichnet hat, steht der Baubewilligungsbehörde kein
Ermessensspielraum zu. Sie hat deshalb zu Recht die von der Beschwerdeführerin
geplanten Plakatanschlagstellen für Fremdreklame als nicht bewilligungsfähig beurteilt.
c) Das Gleiche gilt für die Plakatanschlagstellen, die gemäss Angaben der
Beschwerdeführerin für Eigenreklamen ihrer Auftraggeberin, der BLS AG, vorgesehen
sind. Geplant sind an den fraglichen Standorten freistehende Plakatträger und nicht wie
von Art. 6 Abs. 1 RR gefordert, die Anbringung der Reklame an der Fassade eines
Gebäudes der BLS AG. Ästhetische oder andere Gründe, die dafür sprechen würden, an
diesen Standorten freistehende Eigenreklamen zu bewilligen, sind nicht ersichtlich und
werden von der Beschwerdeführerin auch nicht geltend gemacht. Die Vorinstanz hat daher
zu Recht auch die geplanten Plakatanschlagstellen für Eigenreklame als nicht
bewilligungsfähig qualifiziert.
d) Betreffend die zwei Plakatstellen an der C._ Strasse in der Nähe des
Bahnhofs Burgdorf macht die Beschwerdeführerin sinngemäss die Besitzstandsgarantie
geltend. Sie führt aus, dass vor dem Neubau der Eisenbahnbrücke an diesem Standort
bereits zwei Plakatanschlagstellen vorhanden waren. Zusammen mit dem Abbruch der
alten Brücke wurden diese Plakatanschlagstellen entfernt. Damit ist auch der
Besitzstandsanspruch untergegangen. Gemäss Art. 3 BauG werden aufgrund früheren
11
Rechts bewilligte Bauten und Anlagen in ihrem Bestand durch neue Vorschriften und Pläne
nicht berührt und dürfen unterhalten und renoviert werden. Nicht unter die
Besitzstandsgarantie fallen aber der Abbruch und der Wiederaufbau.21 Das bedeutet, dass
Plakatstellen, die vollständig entfernt werden, beispielsweise beim Neubau einer Brücke,
beim Wiederaufbau nicht von der Besitzstandsgarantie profitieren, sondern die geltenden
Vorschriften einhalten müssen. Ein Wiederaufbau ist nur möglich, wenn der Standort im
geltenden Plakatierungsplan vorgesehen ist. Dies ist bei dem von der Beschwerdeführerin
geplanten Ort an der C._ Strasse nicht der Fall. Anders ist es in den von der
Beschwerdeführerin genannten Fällen, in denen offenbar ebenfalls bei
Bahnunterführungen Plakatstellen neu aufgebaut wurden. Die fraglichen
Plakatanschlagstellen befinden sich an gemäss Plakatierungsplan zulässigen Standorten
(Standorte Nr. 6 und Nr. 110). Ob künftig die von der Beschwerdeführerin gewünschten
Standorte in den Plakatierungsplan aufgenommen werden, kann weder von der
Baubewilligungsbehörde der Stadt Burgdorf, noch von der BVE entschieden werden,
sondern muss im Rahmen einer Revision des Plakatierungsplans geprüft werden.
e) Betreffend der geplanten Standorten beim Bahnhof J._ führt die
Beschwerdeführerin aus, es gebe noch eine andere Liste als die von der Stadt Burgdorf
eingereichte, und auf dieser Liste seien auch vier zulässige Standorte beim Bahnhof
J._ vorgesehen (Beilage D zu den Schlussbemerkungen der Beschwerdeführerin
vom 26. Mai 2010). Bei der von der Beschwerdeführerin eingereichten Beilage D handelt
es sich um einen Auszug aus dem Anhang zur Reklameverordnung der Stadt Burgdorf.
Darin sind, wie auch im Plakatierungsplan, tatsächlich vier Standorte beim Bahnhof
J._ vorgesehen (Nr. 67 – Nr. 70). Allerdings handelt es sich nicht um Standorte für
kommerzielle Plakatierung, sondern Standorte für TAPS (= Temporärer Abstimmungs-
Plakat-Stern), F4 KU (=Kulturplakat), kN (= Anschlagstelle für Kleinplakate) und F200L CP
(= Stadtplananlage). Die von der Stadt Burgdorf mit Brief vom 3. Mai 2010 eingereichte
Liste enthält diese Orte nicht, da wie vom Rechtsamt verlangt, nur eine Liste der Standorte
für kommerzielle Plakatstandorte einzureichen war. Es liegt daher keine „absichtliche
Irreführung“ vor.
f) Die Beschwerdeführerin hat im Baubewilligungsverfahren für alle geplanten
Plakatwerbestellen, die sich auf Parzellen der BLS AG, Bern, befinden, um
21 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 3 N 3 und N 4
12
Ausnahmebewilligungen ersucht. Die Gesuche enthalten allerdings keine Begründung. Die
Beschwerdeführerin macht somit keine wichtigen Gründe für die Erteilung von
Ausnahmebewilligungen geltend. Die Vorinstanz hat daher zu Recht die
Ausnahmebewilligungen verweigert.
g) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Baubewilligungsbehörde der Stadt Burgdorf
der Beschwerdeführerin zu Recht den Bauabschlag erteilt hat.
5. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1’000.00.
b) Die Stadt Burgdorf ist eine Behörde im Sinne von Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG und hat
damit gemäss Art. 104 Abs. 4 VRPG keinen Anspruch auf Parteikostenersatz.