# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9ced27d4-266e-4953-a314-41d6f455b58f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1997, meldete sich am 30. September 2015 unter Hin
weis auf eine Adipositas und Essattacken bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 13/19). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, führte in der Folge erwerbliche und medizinische Abklärungen durch und gewährte der Versicherten Kostengutsprachen für ein Bewerbungs
coaching (Urk. 13/51) sowie für
Coachingstunden
im Rahmen der vom 1. August 2016 bis am 31. Juli 2018 dauernden verspäteten erstmaligen beruflichen Aus
bildung zur Detailhandelsassistentin EB
A bei der Z._
(Urk. 13/59). Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung erteilte die IV-Stelle der Versicherten
am 2
6.
März 2019
Kostengutsprachen für ein Job Coaching (Urk. 13/94, Urk. 13/105) und schloss die Eingliederungsberatung schliesslich am 2. April 2020
ab
mit der Begründung, eine Eingliederung in den ersten Arbeitsmarkt sei zurzeit nicht möglich (Urk. 13/125). Nachdem die IV-Stelle eine Stellungnahme des Regionalärztlichen Dienstes (RAD) eingeholt hatte (Urk. 13/134/6 f.), stellte sie der Versicherten mit Vorbescheid vom 13. Juli 2020 die Gewährung einer halben Invalidenrente ab Oktober 2019 in Aussicht (Urk. 13/131). Dagegen erhob die Versicherte am 29. Juli 2020 Einwand (Urk. 13/138) und ergänzte diesen am 2. September 2020 (Urk. 13/143). Am 17. Dezember 2020 verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne (Urk. 13/146 und Urk. 13/152 = Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 28. Januar 2021 Beschwerde mit den Anträ
gen, die Verfügung vom 17. Dezember 2020 sei aufzuheben und es sei ihr ab Juli 2018 eine ganze Rente zuzusprechen; eventualiter sei ihr ab Abschluss der beruf
lichen Massnahmen eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen, welche aufgrund einer weiteren Verschlechterung (Eintritt Ende August 2019) per 1. November 2019 auf eine ganze Rente zu erhöhen sei. In formeller Hinsicht beantragte sie sodann die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1
S. 1
). Mit Beschwerdeant
wort vom 15. April 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 12).
Mit Beschluss vom 1
2.
Mai 2021 teilte das Gericht der
Beschwerdeführer
in
mit, es könnte zum Schluss kommen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und der medizinische Sachverhalt sei durch die Beschwerdegegnerin w
eiter abzu
klären, und räumte der
Beschwerdeführer
in
angesichts der möglichen Schlech
terstellung als Folge einer allfälligen Rückweisung die Möglichkeit zur Stellung
nahme und zum Beschwerderückz
ug ein
, unter Hinweis darauf, dass bei Still
schweigen angenommen werde, dass sie auf eine Stellungnahme verzichte und
an der Beschwerde festhalte
(
Urk.
14
).
Innert Frist ging keine Stellungnahme der Beschwerdeführerin ein, wovon mit Verfügung vom 2
1.
Juni 2021
Vormerk
genommen wurde (
Urk.
16).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des S
ozialversicherungsrechts
;
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer
Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
ditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) über
wiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losig
keit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwer
defall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung aus, die
medizi
nischen Abklärungen hätt
en ergeben, dass der Beschwerdeführerin die ange
stammte Tätigkeit im Detailhandel wie auch eine andere angepasste Tätigkeit im Umfang von 50
%
zumutbar sei. Die Arbeitsunfähigkeit entspreche dem Invali
ditätsgrad. Ein Rentenanspruch entstehe frühestens nach Beendigung der beruf
lichen Massnahmen, weshalb die Beschwerdeführerin ab Oktober 2019 Anspruch auf
eine halbe Rente
habe (
Urk.
2 S.
3).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte dagegen vor,
sie leide unter einer schweren Ein
schränkung der auditiven Merkfähigkeit und ihre kognitiven Möglichkeiten lägen deutlich unter
halb der Altersnorm. Zudem
bestehe
aus psychiatrischer Sicht eine emotionale Störung mit emotionaler Instabilität, niedrigem Selbstwertgefühl und wiederkehrenden Probl
emen in sozialen Beziehungen sowie
eine rezidivierende depressive Störung
und eine chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren (
Urk.
1 S. 4).
Der berufliche Einstieg sei ihr trotz Unterstützung und intensiver Begleitung durch ein Job Coaching und diverse
r
För
dermassnahmen nicht gelungen.
Dem
Abschlussbericht des von der Beschwerdegegnerin zugesprochenen Job-Coachings sei zu entnehmen, dass sie mit einem Pensum von maximal 50
%
eine Arbeitsleistung von maximal 80
%
habe erbringen können. Eine Festanstellung sei abgelehnt worden, was die Zumutbarkeit einer Anstellung für einen Arbeit
geber deutlich in Frage stelle (
Urk.
1 S. 5).
Die vorliegenden aktuellen medizinischen Berichte würden nur oberflächlich oder gar nicht auf die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit eingehen.
Unter anderem werde
in einem angepassten Setting von einer maximal 50%igen Teil
arbeitsfähigkeit mit starker Leistungseinbusse ausgegangen, wobei es sich bei diesem Setting faktisch um einen geschützten Arbeitsplatz handle (
Urk.
1 S. 5).
Auch den Akten der Beschwerdegegnerin sei sodann zu entnehmen, dass sie auf dem freien Arbeitsmarkt nicht oder - was bestritten werde - nur sehr erschwert vermittelbar sei. Aufgrund ihres komplexen Beschwerdebildes mit kognitiven, psychischen und somatischen Anteilen sei sie seit Beginn der Ausbildung bis heute weder dem Druck und den Anforderungen des ersten Arbeitsmarkts gewachsen, noch könne sie einem Arbeitgeber zugemutet werden. Folglich sei davon auszugehen, dass keine Verwertbarkeit der Arbeitsleistung auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehe,
weshalb
ihr eine ganze Invalidenrente zustehe (
Urk.
1 S.
6).
Sollte an einer Arbeitsmarktfähigkeit festgehalten werden, wäre für die Ermitt
lung des
Valideneinkommens
vom Tabellenlohn für Geburts- und Frühbehinderte und für das Invalideneinkommen von einer Leistungsfähigkeit von 40
%
auszu
gehen
und ihr gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 65.6
%
eine
Dreiv
iertels
rente
zuzusprechen
.
Per November 2019 sei diese aufgrund einer
Verschlech
terung des Gesundheitszustandes auf eine ganze Rente zu erhöhen (
Urk.
1 S. 7
f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin
zu Recht
keine
höhere als eine halbe Inva
lidenrente zugesprochen hat
.
3.
3.1
Dr.
med. A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom 1
9.
Oktober 2015 eine Anpassungsstörung, einen Verdacht auf ein
p
olyzystisches Ovarialsyndrom
(
PCOS
)
mit Adipositas,
Hirsutismus
,
H
ypera
ndrogenämie
und Insulinresistenz sowie ein rezidivierendes
lumboverteb
rales
Syndrom. Zur
Arbeitsfähigkeit
der
Beschwerdeführerin
führ
t
e er aus, ihr seien rückenadaptierte Tätigkeiten ohne Drucksituationen und komplexe Abläufe während 8 S
tunden täglich mög
lich (
Urk.
13/
21/3
; vgl. auch Bericht vom 3
1.
März 2016,
Urk.
13/44
).
3.2
Im psychiatrisch-psychologischen Abklärungsbericht vom
8.
Dezember 2015 stellte
Dr.
med. B._
, Oberarzt am
S
ozialpädiatrischen Zentrum des Kantonsspitals
C._
,
wo die Beschwerdeführerin seit Januar 2014 behan
delt wurde,
die Diagnosen einer emotionalen Störung mit psychischer Instabilität (
Borderline
-Tendenz), niedrigem Selbstwertgefühl und wiederkehrenden Prob
lemen in sozialen Beziehungen (ICD-10 F93.8), Essanfällen bei psychischer Belas
tung (ICD-10 F50.4),
einer
Adipositas und
einer
unterdurchschnittliche
n
Intelli
genz (
Urk.
13/27/5). Er kam zum Schluss, bei der Beschwerdeführerin bestünden keine zeitlichen Einschränkungen für die Ausübung einer beruflichen Tätigkeit, Tätigkeiten
,
die hohe Anforderungen an die S
elbstorganisa
tion stell
en, komplexe
Arbeitsabläufe beinhalten, eine langanhaltende Konzentration oder eine beson
dere körperliche Fitness und Ausda
uer voraussetzen
, seien
ihr indessen nicht möglich
(
Urk.
13/27/6 f.)
.
Vom August 2016 bis Juli 2018 durchlief die Beschwerdeführerin in der Folge die seitens der Beschwerdegegnerin unterstützte Ausbildung zur Detailhandelsassis
tentin EBA (
Urk.
13/59,
Urk.
13/85).
3.3
Die Beschwerdeführerin wurde am 2
2.
Oktober 2018 aufgrund eines immobilisie
renden
lumboradikulären
Schmerzsyndroms S1 links notfallmässig in der Klinik für Rheumatologi
e des Universitätsspitals D._
aufgenommen (
Urk.
13/103/1). Der stationäre Verlauf
erwies sich
gemäss den behandelnden Ärzten als erfreu
lich
, es habe eine Schmerzreduktion von VAS 10/10 auf 2/10 erzielt werden können. Die Beschwerdeführerin sei in gutem Allgemeinzustand am 3
0.
Oktober 2018 nach Hause entlassen worden (
Urk.
13/103/2).
3.4
In einem Verlaufsbericht vom
6.
Mai 2019 hielt
Dr.
A._
bei unverän
derten Diagnosen
einen stationären Gesundheitszustand fest
, wobei seit Oktober 2018 mehr belastungsabhängige Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein bestünden. Er
attestierte der
Beschwerdeführerin
eine Arbeitsfähigkeit von vier Stunden pro Tag für die bisherige sowie eine angepasste Tätigkeit
. Ob dabei eine Verminderung der Leistungsfähigkeit vorliege, könne er nicht beantworten
(
Urk.
13/106/3)
.
3.5
Dr.
med. E._
, Fachärztin für I
nnere Medizin, und F._
M.Sc
. Psychologe FSP,
vom Zentrum G._
stellten in ihre
r Beurteilung zu
Handen
des Hausarztes
vom 1
5.
August 2019 die folgenden Diagnosen:
-
Adipositas Grad 3 (BMI 46.4 kg/m2)
-
Binge
Eating
Störung (ICD-10 F
50.9)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
polyzy
stische
s
Ovarialsyndrom
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links
bei
Diskusprotrusion
L5/S1 mit b
ewegungsabhängigen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein bis in die Kleinzehe links, paravertebralem Muskelhartspann und
Myogelosen
der
Glutealmuskulatur
sowie einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
Die Fachpersonen führten aus, die
Beschwerdeführerin leide seit der Kindheit und Jugend an einem stetig steigenden Übergewicht. Bisherige Versuche, das Gewicht zu reduzieren
,
seien langfristig erfolglos geblieben. Im Vordergrund stehe jedoch eine langjährige depressive Erkrankung, die zeitweise fremdanamne
stisch als
emotional instabile P
ersönlichkeitsstörung diagnostiziert worden sei. Ebenfalls leide sie als Spätfolge eines Autounfalles als Kind an einem chronischen Schmerz
erleben. Die
s
beeinflusse
die Stimmung, die Schlafqualität und letztlich
die Lebensqualität zusätzlich (
Urk.
13/113/2).
3.6
Die Beschwerdeführerin hielt sich vom 1
1.
Oktober bis am 2
4.
November 2019 zur psychosomatischen Rehabilitat
ion im
Rehazentrum
H._
auf (
Urk.
13/118/1).
Dr.
med. I._
, Chefärztin, und
MU
Dr
.
J._
, Assistenzärztin,
stellten im Bericht vom
6.
Dezember 2019
in psychi
atri
scher Hinsicht die Diagnosen einer Schmerzstörung mit somatischen und psy
chischen Faktoren (ICD-10 F45.1) und einer mittelgradigen depressiven Reaktion (ICD-10 F32.1), einer
Borderlinestörung
sowie eines Verdachts auf dissoziative Absenzen. Als somatische Diagnosen
nannten
sie ferner ein
lumbospondylogenes
Schmersyndrom links, ein
en
Bruxismus, ein polyzystisches
Ovarsyndrom
sowie eine Adipositas Grad III und eine substituierte Hypothyreose (
Urk.
13/118/1). Sie führten aus, b
ei der Beschwerdeführerin hätten viele belastende Faktoren aus der Kindheit und der Gegenwart gefunden werden können, die als Prädiktoren und
aufrechterhaltende Faktoren
für die Schmerzen nicht zu unterschätzen seien. Insgesamt habe sie sich im Rahmen des stationären Aufenthaltes stabilisieren können (
Urk.
13/118/4). Sie sei vom 1
1.
Oktober bis am 3
0.
November 2019 zu 100
%
arbeitsunfähig, danach werde ihr eine langsame, schrittweise Wiederein
gliederung im Rahmen der Massnahmen der Invalidenversicherung empfohlen (
Urk.
13/118/5).
3.7
Die seit ihrer Beurteilung vom August 2019 (vorstehend E. 3.5) behandelnde
Internistin
Dr.
E._ vom G._
kam
in
ihrem
Bericht vom 1
5.
April 2020 zum Schluss
,
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
hätten
die Binge-
Eating
Störung, die rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, sowie die chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren. Die weiteren Diagnosen
würden
ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bleiben
(
Urk.
13/129/1). Die
chronischen Schmerzen bis hin zu episodischen Ausfällen der Sensorik in den Extremitäten würden zu einer starken Leistungseinbusse füh
ren. Die psychische Belastung und Überlastung hätten sodann mentale Erschöp
fung, Rückzug und Passivität zur Folge. Dies wirke sich bei der Arbeit durch eine generelle Leistungseinbusse und teilweise lange Ausfälle aus. Die bisherige Tätig
keit sei aus mediz
inischer Sicht nicht mehr zumut
bar. Die Beschwerdeführerin müsse in der Lage sein, die Arbeitsposition wechseln zu können (Stehen, Sitzen). Der Umfang der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit sei aktuell
schwie
rig einschätzbar. Sie gehe von einer Tätigkeit im Umfang von maximal 50
%
in einem angepassten Setting aus (
Urk.
13/129/3).
3.8
Dr.
med. K._
, Facharzt für orthopädische Chirurgie und Traumatologie vom
RAD
,
nannte
in seiner Aktenbeurteilung vom
3.
Juni 2020 die folgenden Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
13/134/6
)
:
-
Borderlinestörung
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
grenzwertige Intelligenzminderung
-
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom links
, Bandscheibenvorfall
(
NPP
)
L5/S1
-
Adipositas Grad III
,
BMI 47
Den folgenden Diagnosen mass er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu
(
Urk.
13/134/6)
:
-
Binge-
Eating
Störung (ICD-10 F50.9)
-
Diabetes Mellitus Typ 2
-
Dyslipidämie
-
St
eatosis
hepatis
-
polyzystisches Ovarial-Syndrom
Dr.
K._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen Tätigkeit als Detailhandelsassistentin durch Erschöpfung, Rückzug und Passivität einge
schränkt. Sie
sei in der bisherigen Tätigkeit
sowie in einer den Beschwerden angepassten, wechselbelastenden und leichten Tätigkeit mit vermehrten Pausen seit
dem Eintritt ins Erwerbsleben zu 50
%
arbeitsunfähig
(
Urk.
13/134/ 6 f.).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte ihre Ansicht, die Beschwerdeführerin sei in der bisherigen sowie einer angepassten Tätigkeit zu 50
%
arbeitsfähig, auf die Beur
teilung von RAD-Arzt
Dr.
K._
vom
3.
Juni 202
0.
4.2
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi
gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bun
desgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den pra
xis
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
kationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Ein
holung eines
externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Fest
stel
lungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.3
Bei der Stellungnahme von
Dr.
K._
vom
3.
Juni 2020 (
Urk.
13/138/6 f.)
han
delt es sich
um eine
blosse
Aktenbeurteilung
.
Ihr
könnte
trotzdem volle Beweis
kraft zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom
23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
Hier fällt indes ins Gewicht, dass der RAD-Arzt
die Versicherte nie gesehen hat, was gerade im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung, wo dem Facharzt ein weiter Ermessensspielraum zukommt und der
persönliche Eindruck sowie die klinische Untersuchung massgeblich sind,
rechtsprechungsgemäss
von grosser Bedeutung
ist
(
Urteil des Bundesgerichts 8C_182/2020 vom 1
8.
Mai 2020 E.
5.4).
Dr.
K._
hielt in psychiatrischer Hin
sicht
als Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine
Borderlinestörung
, eine rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode
, und eine chronische
Schmerzstörung mit somatischen und psy
chischen Faktoren fest (
Urk.
13/134/6).
Mit
der Bewertung
dieser psychiatrischen
Diagnosen und deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
verliess er indessen
sein
Fachgebiet der
Orthopädischen Chirurgie und Traumatologie
, was den Beweis
wert seiner Ausführungen deutlich verr
ingert. Eine umfassende Beurtei
lung des psychiatrischen Gesundheits
zustandes durch einen Facharzt für Psychi
atrie ist sodann auch den weiteren medizini
schen Akten nicht zu entnehmen. So verfügen
Dr.
E._
und
Dr.
A._
über den Facharzttitel für Allgemein
medizin
beziehungsweise Innere Medizin
, während
Dr.
I._
zwar
Fach
ärztin
für psychosomatische und psychosozi
ale Medizin ist
. D
er von ihr und
Dr.
J._
anlässlich des Klinikaufenthaltes im Herbst 2019 erhobene psychi
atrische Befund
erschöpft
sich indessen
in der Wiedergabe von ungewürdigt geblie
benen Testresultaten
(
Urk.
13/118/
4
)
.
Zudem erfolgte keine
Angabe
, ob der Befund zu Beginn oder am Ende des stationären Aufenthaltes abgebildet wurde, dies wäre angesichts der während des Aufenthaltes erreichten Stabilisierung indes
sen relevant gewesen
.
Im
Bericht mangelt
es
auch an einer Einschätzung der zumutbaren Arbeitsfähig
keit über den Zeitraum der
Hospitalisation
hinaus (
Urk.
13/118/5).
Da
zudem
Dr.
E._
in ihrem Bericht vom 1
5.
April 2020 auf eine Aktualisie
rung des psychiatrischen Befundes verzichtete, obwohl sich ihrer Anamnese eine seit dem
Vorb
ericht vom 1
5.
August 2019 eingetretene Verbesserung und Stabi
lisierung des psychischen Zustandes entnehmen lässt,
fehlt es an einem
fachärzt
lich festgestellten, lückenlosen aktuellen
Befund
und es
kann
nicht von einem feststehenden medizinischen Sachverhalt im Sinne der bundesgerichtlichen Recht
sprechung ausgegangen werden.
Angesichts des komplexen Beschwerde
bildes
mit mehreren,
von den behandelnden Ärzten teilweise unterschiedlich bewerteten
psychiatrischen Diagnosen
erweist sich eine
umfassende Beurteilung durch einen Facharzt für Psychiatrie
als
unerlässlich, um den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
und die ihr - unter
Ausklammerung allfälliger IV-
fremder, psychosozialer Belastungsfaktoren -
zumutbare Arbeitsfähigkeit
rechts
genüglich
beurteilen zu können.
In Anbetracht der zu den psychiatrischen Diag
nosen hinzukommenden
somatischen
Leiden
einer Adipositas Grad III sowie eines
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms, die allenfalls in einer Wechselwirkung mit den psychiatrischen Diagnosen
stehen - ein Aspekt
.
wozu noch keinerlei A
bklärungen erfolgt sind -
,
ist es
indessen a
ngezeigt
, den psychischen Zustand der Beschwerdeführerin nicht isoliert, sondern im Rahmen einer polydisziplinären Begutachtung umfassend zu
erheben
.
4.
4
Im Weiteren erweist sich auch die
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
K._
als nicht
schlüssig
.
So ging er g
estützt auf den Bericht von
Dr.
E._
vom 1
5.
April 2020
davon aus
, die Beschwerdeführerin sei in ihrer bisherigen Tätigkeit als Detailhandelsassistentin durch Erschöpfung, Rückzug und P
assivität eingeschränkt (
Urk.
13/134/7).
In der Folge
wich
er
jedoch
ohne jegliche Begrün
dung von der Einschätzung von
Dr.
E._
, dass die bisherige Tätigkeit nicht mehr zumutbar sei
,
ab
und kam zum Schluss, dass sowohl die bisherige als auch eine angepasste Tätigkeit zu 50
%
zumutbar sei
. Dabei legte
er
nicht dar, wieso
er
anders als
Dr.
E._
davon ausging, die bisherige Tätigkeit entspreche einer angepassten T
ätigkeit
.
Dies
deckt sich
zwar
mit
der Beurteilung von
Dr.
A._
im Bericht vom
6.
Mai 2019, dessen Einschätzung der Arbeits
fähigkeit allerdings ebenfalls unbegründet und zudem ohne Berücksichtigung der psychischen Beeinträchtigungen erfolgte (
Urk.
13/106/3). Insgesamt setzte sich
Dr.
K._
damit nur ungenügend mit den zumindest in einzelnen Punkten von
einander abweichenden Einschätzungen der behandelnden Ärzte auseinander.
Ebenso
wenig begründete
Dr.
K._
, wieso der Beschwerdeführerin nur noch eine wechselbelastende leichte
Tätigkeit
mit vermehrten
Pausen zumutbar sei
, wobei zudem
ungeklärt
bleibt
, in welchem Umfang diese Pausen notwendig sind und ob diese beim als zumutbar erachteten Pensum von 50
%
bereits einberech
net sind
.
Eine ausführliche Begründung der Leistungsfähigkeit
wäre insbesondere
auch
im Hinblick darauf, dass
Dr.
K._
der
diagnostizierten
Adipositas Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zumass, zu erwarten gewes
e
n.
Diese bewirkt
grundsätz
lich keine zu Rentenleistungen berechtigende Invalidität, wenn sie keine körper
lichen oder geistigen Schäden verursacht und nicht die Folge von solchen Schäden ist
beziehungsweise weder durch geeignete Behandlung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraussicht
lich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit beziehungsweise der Betätigung im bisherigen Aufgabenbereich zur Folge hat
(Urteil des Bundesgerichts 8C_633/2017 vom 12. Dezember 2017 E. 3.2 mit Hin
weisen).
Ob dies
vorliegend
der Fall ist, kann gestützt auf die Aktenbeurteilung von
Dr.
K._
nicht
beurteilt werden.
Auch auf die Beurteilungen der
behan
delnden Ärzte
kann diesbezüglich nicht abgestellt werden. So begründete
Dr.
A._
seine Einschätzung
wie bereits erwähnt
nicht, während
Dr.
E._
die Arbeitsfähigkeit für schwierig einschätzbar hielt und von einer maximal zumutbaren Tätigkeit von 50
%
in einer angepassten Tätigkeit ausging, wobei sie bei den Anforderungen an eine solche Tätigkeit vage blieb
und diese in einer von ihr unterzeichnetet Aktennotiz vom 1
5.
Januar 2021 dahingehend relativierte, dass
sie von einem geschützten Arbeitspatz ausgegangen sei (
Urk.
3).
Beim aktuellen Aktenstand
kann die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Beschwer
deführerin
somit
nicht beurteilt werde
n.
S
odann
grenzen
sowohl
Dr.
K._
als auch die behandelnden Ärzte
die
Auswir
kungen der somatischen und der psychischen Leiden auf die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin
nicht voneinander ab
. Dies erweist sich für die Beurtei
lung der Arbei
tsfähigkeit jedoch als erforderlich
, hat doch
das Bundesgericht
in BGE 143 V 409 und 418 erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterzieh
en sind (vgl. E. 1.4
).
Dies kann ohne eine
vorgängige differenzier
t
e ärztliche Beur
teilung nicht erfolgen.
Dr.
K._
hat diesbezüglich
zu den Indikatoren lediglich einzelne Stichworte aufgeführt, ohne diese herzuleiten oder
nachvollziehbar
zu begründen (
Urk.
13/134/7). Dies genügt den Anforderungen an ein strukturiertes Beweisverfahren nicht. Hinreichende Angaben zu den massgebenden Indikatoren - namentlich zum beweisrechtlich entscheidenden Aspekt der Konsistenz
(BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4)
- lassen sich der Stellungnahme von
Dr.
K._
und auch den Berichten der behandelnden Ärzte nicht entnehmen, eine Beurteilung der Ressourcen auf
grund der systematisierten Indikatoren erweist sich daher beim aktuellen Akten
stand nicht als möglich.
4.
5
Zusammenfassend erfüllt die
Aktenbeurteilung
vom
3.
Juni 2020
von
Dr.
K._
(
Urk.
13/134/6 f.)
die allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an versiche
rungsinterne ärztliche Feststellungen nicht, da nicht unerhebliche Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.4 mit Hinweis).
Sodann kann für die Beurteilung des Gesundheitszustandes ebenfalls nicht auf die Einschätzungen der behandelnden Ärzte abgestellt werden, da sich diesen weder
eine fachärztliche beziehungsweise interdisziplinäre Beurteilung
ein
es lückenlosen
Befund
es
noch eine den bundesgerichtlichen Anforderungen ent
sprechende Einschätzung der Arbeitsfähigkeit entnehmen lässt.
Es
fehlt
daher
an einer beweiskräftigen medizinischen Grundlage, welche es ermöglichen würde, den allfälligen Anspruch der Beschwerdeführerin auf Leistungen der Invaliden
versicherung aus rechtlicher Sicht
abschliessend
zu beurteilen. Da sich der Sach
verhalt somit als ungenügend abgeklärt erweist, wird die Beschwerdegegnerin angesichts des geltenden Untersuchungsgrundsatzes (Art. 43 Abs. 1 ATSG) weitere medizinische Abklärungen vorzunehmen haben (vgl. E. 1.5 vorstehend). Dabei drängt sich eine polydisziplinäre Begutachtung auf, da sowohl somatische als auch psychiatrische Beschwerdebilder vorliegen
und eine Gesamtbetrachtung der Wechselwirkungen zwischen den krankheitswertigen Störungen erforderlich ist. Das einzuholende Gutachten
wird
sich
insbesondere
auch zu den entsprechen
den Standardindikatoren zu
äussern
haben
(vgl. BGE 143 V 409, 143 V 418).
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
und die Sache zur weiteren Abklärung und neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
5.
5.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt und vorliegend auf Fr. 700.-- festgesetzt. Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsprechung als vollstän
diges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Beschwer
degegnerin aufzuerlegen sind.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweis
t sich das von der Beschwerdeführerin
gestellte Gesuch um unentgeltliche Prozessführung als gegenstandslos.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Ent
schädigung wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Nach
Massgabe
dieser Kriterien erweist sich eine Parteientschädigung von
Fr.
1’
3
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.