# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6cc93fa4-5066-4200-bec0-e425fca4a285
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
Fahren in fahrunfähigem Zustand
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht
in Strafsachen, vom 8. Juli 2015 (GB150011)
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Strafbefehl:
Der Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Dietikon vom 11. Februar 2015
(Urk. 2) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 23 und Urk. 25 S. 7 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Einsprecher ist der fahrlässigen einfachen Verletzung von Verkehrsregeln nicht
schuldig und wird freigesprochen.
2. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz.
3. Die Kosten des Strafbefehls Nr. ST.2015.411 vom 11. Februar 2015 werden dem Statt-
halteramt Bezirk Dietikon zur Abschreibung belassen.
4. Dem Einsprecher wird aus der Gerichtskasse eine Entschädigung von Fr. 2'960.50 zuge-
sprochen.
5. (Mitteilungen.)
6. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge:
a) des Statthalteramtes Bezirk Dietikon (Urk. 26 und Urk. 35):
Das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 8. Juli 2015 sei voll-
umfänglich aufzuheben und es sei der Strafbefehl Nr. ST.2015.411
vom 11. Februar 2015 zu bestätigen.
b) des Beschuldigten (Urk. 41):
Die Berufung des Statthalteramtes Bezirk Dietikon sei abzuweisen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Mit Strafbefehl vom 11. Februar 2015 bestrafte das Statthalteramt Bezirk
Dietikon den Beschuldigten wegen fahrlässigen Lenkens eines Motorfahrzeugs in
fahrunfähigem Zustand unter Alkoholeinwirkung gestützt auf Art. 91 Abs. 1 lit. a
SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV sowie Art. 1
Abs. 1 VOBAW mit einer Busse von Fr. 600.–. Ausserdem wurde der Beschuldig-
te verpflichtet, Gebühren in Höhe von Fr. 550.– zu bezahlen (Urk. 2). Gegen
diesen Strafbefehl erhob er innert Frist Einsprache (Urk. 3).
2. Nach Durchführung der Untersuchung hielt das Statthalteramt Bezirk
Dietikon am Strafbefehl vom 11. Februar 2015 fest und überwies die Akten an das
Bezirksgericht Dietikon (Urk. 12). Dieses führte am 8. Juli 2015 die Haupt-
verhandlung durch (Prot. I S. 4 ff.) und sprach den Beschuldigten mit gleichentags
gefälltem Urteil vom Vorwurf der fahrlässigen einfachen Verletzung von Verkehrs-
regeln [recte: des fahrlässigen Lenkens eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem
Zustand unter Alkoholeinwirkung; vgl. Urk. 25 S. 7] frei. Dabei hielt es fest, dass
die Entscheidgebühr ausser Ansatz falle und überliess dem Statthalteramt Bezirk
Dietikon die Kosten des Strafbefehls vom 11. Februar 2015 zur Abschreibung.
Dem Beschuldigten wurde eine Entschädigung von Fr. 2'960.50 aus der Gerichts-
kasse zugesprochen (Urk. 20, 23 und 25). Gegen das mündlich eröffnete Urteil
meldete das Statthalteramt Bezirk Dietikon innert Frist Berufung an (Urk. 21;
Urk. 20a) und reichte – ebenfalls fristgerecht – die Berufungserklärung ins Recht
(Urk. 26; Urk. 24/1).
3. Mit Präsidialverfügung des Obergerichts des Kantons Zürich vom 17. August
2015 wurde dem Beschuldigten eine Kopie der Berufungserklärung des
Statthalteramtes übermittelt und Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu
erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 28), worauf
der Beschuldigte auf die Erhebung einer Anschlussberufung bzw. auf die Stellung
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eines Antrags auf Nichteintreten verzichten liess (Urk. 30). Mit Beschluss des
Obergerichts vom 2. September 2015 wurde hierauf festgelegt, dass das
Berufungsverfahren schriftlich durchgeführt wird und es wurde dem Statthalteramt
Frist angesetzt, um die Berufungsanträge zu stellen und diese zu begründen
(Urk. 32), worauf das Statthalteramt die Frist mit Eingabe vom 10. September
2015 wahrte (Urk. 35 und Urk. 34). Mit Präsidialverfügung des Obergerichts vom
11. September 2015 wurde das Doppel der Berufungsbegründung sodann dem
Beschuldigten zugesandt und gleichzeitig Frist angesetzt, um eine Berufungs-
antwort einzureichen (Urk. 37), worauf dieser mit Eingabe vom 1. Oktober 2015
– innert Frist – die Berufungsantwort einreichen liess (Urk. 41). Die Berufungs-
antwort des Beschuldigten wurde hierauf dem Statthalteramt mit Schreiben vom
5. Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht (Urk. 44). Das vorliegende Verfahren
erweist sich somit als spruchreif.
II. Prozessuales
1. Das Statthalteramt Bezirk Dietikon verlangt mit der Berufung, dass das
vorinstanzliche Urteil vollumfänglich aufzuheben und der Strafbefehl vom
11. Februar 2015 zu bestätigen sei. Das vorinstanzliche Urteil ist somit voll-
umfänglich angefochten (vgl. Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO).
2.1 Gemäss Art. 398 Abs. 1 StPO ist die Berufung zulässig gegen Urteile
erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abge-
schlossen worden ist. Im Rahmen einer Berufung überprüft das Obergericht den
vorinstanzlichen Entscheid üblicherweise frei bezüglich sämtlicher Tat-, Rechts-
und Ermessensfragen (Art. 398 Abs. 3 StPO). Bildeten jedoch ausschliesslich
Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, so schränkt
Art. 398 Abs. 4 Satz 1 StPO die Kognition der Berufungsinstanz ein. In diesen
Fällen darf das angefochtene Urteil lediglich dahingehend überprüft werden, ob es
rechtsfehlerhaft ist, d.h. ob eine Rechtsverletzung durch die Vorinstanz vorliegt,
oder ob eine offensichtlich unrichtige Feststellung des Sachverhaltes durch die
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Vorinstanz gegeben ist. Relevant sind dabei klare Versehen bei der Sach-
verhaltsermittlung, wie namentlich Irrtümer oder offensichtliche Diskrepanzen
zwischen der sich aus den Akten sowie der Hauptverhandlung ergebenden Akten-
und Beweislage sowie der Urteilsbegründung. Weiter in Betracht kommen Fälle,
in denen die gerügte Sachverhaltsfeststellung auf einer Verletzung von Bundes-
recht, in erster Linie von Verfahrensvorschriften der StPO selbst, beruht. Gesamt-
haft gesehen dürften regelmässig Konstellationen relevant sein, die als willkür-
liche Sachverhaltserstellung zu qualifizieren sind (vgl. Schmid, Praxiskommentar
StPO, 2. Auflage, Zürich 2013, N 12 f. zu Art. 398 StPO; Eugster, in: Basler
Kommentar zur StPO, Band 2, 2. Auflage, Basel 2014, N 3 zu Art. 398 StPO).
Willkür bei der Beweiswürdigung liegt vor, wenn der angefochtene Entscheid
offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen Situation in klarem Wider-
spruch steht. Dass eine andere Lösung oder Würdigung ebenfalls vertretbar er-
scheint oder gar vorzuziehen wäre, genügt nicht (vgl. BGE 134 I 140 E. 5.4 mit
Hinweisen). Eine vertretbare Beweiswürdigung ist daher noch nicht willkürlich,
auch wenn die Berufungsinstanz anstelle des Vorderrichters allenfalls anders ent-
schieden hätte.
Das Obergericht hat somit zu überprüfen, ob die vom Statthalteramt vorge-
brachten Beanstandungen von der Überprüfungsbefugnis gemäss Art. 398
Abs. 4 StPO gedeckt sind. In einem allfälligen nicht von der genannten Befugnis
umfassten Umfang kann auf die Einwendungen nicht eingegangen werden. Es ist
mit anderen Worten festzustellen, ob das vorinstanzliche Urteil im Bereich der zu-
lässigen Kognition Fehler aufweist.
2.2 Gemäss Art. 398 Abs. 4 Satz 2 StPO können zudem neue Behauptungen
und Beweise im Berufungsverfahren nicht mehr vorgebracht werden, wenn aus-
schliesslich Übertretungen Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens
bildeten.
2.3 Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegen oder bestätigen muss (vgl. Entscheide
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des Bundesgerichtes vom 9. September 2002, 1P.378/2002, E. 5.1; vom
6. März 2012, 6B_696/2011, E. 2.3; vom 8. Juni 2015, 6B_1130/2014, E. 4 mit
Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid we-
sentlichen Punkte beschränken.
III. Sachverhalt
1.1 Im Strafbefehl des Statthalteramtes Bezirk Dietikon vom 11. Februar 2015
wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am 13. Januar 2015, um ca. 15.55 Uhr, in
Dietikon, auf der ...-Strasse, den Personenwagen Opel Corsa C18, AG ..., ge-
lenkt zu haben, nachdem er alkoholische Getränke konsumiert habe. Dabei habe
der Beschuldigte eine Blutalkoholkonzentration von 0.52 Gewichtspromille aufge-
wiesen und sei somit fahrunfähig gewesen, was er bei pflichtgemässer Vorsicht
hätte bemerken müssen (Urk. 2).
1.2 Diesen Sachverhalt würdigte das Statthalteramt Bezirk Dietikon als fahr-
lässiges Lenken eines Motorfahrzeugs in fahrunfähigem Zustand unter Alkohol-
einwirkung im Sinne von Art. 91 Abs. 1 lit. a SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2
SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV sowie Art. 1 Abs. 1 VOBAW (Urk. 2).
2.1 Mit seiner Einsprache gegen den Strafbefehl liess der Beschuldigte geltend
machen, dass er am 13. Januar 2015 beim Zahnarzt gewesen sei, einen un-
angenehmen Geschmack im Mund gehabt habe und aus diesem Grund einen
Odol-Mundspray benutzt habe. Wenige Minuten später sei er an der ...strasse ...
in Dietikon in eine Polizeikontrolle geraten. Er habe die Polizeibeamten darauf
aufmerksam gemacht, dass er kurz zuvor Odol in den Mund gesprayt habe und
habe ihnen den Spray auch gezeigt. Die Beamten hätten dem Hinweis allerdings
keine Beachtung geschenkt (Urk. 5). Anlässlich seiner Einvernahme durch das
Statthalteramt Bezirk Dietikon vom 23. März 2015 sowie während der vorinstanz-
lichen Hauptverhandlung am Bezirksgericht Dietikon vom 8. Juli 2015 bestätigte
er diese Angaben. So hielt er gegenüber dem Statthalteramt fest, dass er nach-
mittags um 15 Uhr einen Zahnarzttermin gehabt habe, welcher um ca. 15.50 Uhr
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beendet gewesen sei. Er habe eine Spritze gegen die Schmerzen erhalten, da er
sich eine alte Plombe habe ausbohren und auswechseln lassen müssen. Er habe
sich dann in sein Auto gesetzt und eine Zigarette geraucht. Da er ein komisches
Gefühl im Mund gehabt habe, habe er etwa zwei oder drei Mal den Odol-
Mundspray benutzt. Daraufhin sei er losgefahren und etwa drei Minuten später in
die Polizeikontrolle geraten. Er habe an jenem Tag am Vormittag vier Deziliter
Prosecco getrunken, ab 12.00 Uhr habe er jedoch keinen Alkohol mehr konsu-
miert. Durch die Benutzung des Odol-Mundsprays seien die Messergebnisse der
Atemalkoholkontrolle verfälscht worden. Er habe den Odol-Mundspray gegenüber
den Polizisten erwähnt und diesen auch vorgezeigt (Urk. 8 S. 1 ff.). Im Rahmen
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung wiederholte der Beschuldigte seine Aus-
sagen (Prot. I S. 4 ff.). Dass der Beschuldigte unmittelbar vor der Polizeikontrolle
einen Termin beim nur drei bis vier Autominuten entfernt gelegenen C._, ...-
Strasse ..., in Dietikon, wahrgenommen hat, bestätigte dabei Dr. med. dent.
D._ bereits während der Untersuchung (Urk. 10).
2.3 Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen korrekt festgehalten
(vgl. Urk. 25 S. 4 f.). Gemäss Art. 55 Abs. 1 SVG können Fahrzeugführer einer
Alkoholprobe unterzogen werden. Dabei darf eine Atemalkoholprobe frühestens
20 Minuten nach Vornahme einer Mundspülung, unter Beachtung der Angaben
des Geräteherstellers, insbesondere der Bedienungsanleitung des Messgeräts,
durchgeführt werden (Art. 11 Abs. 1 lit. b SKV, Strassenverkehrskontroll-
verordnung; Art. 19 VSKV-ASTRA; Verordnung des Bundesamts für Strassen zur
Strassenverkehrskontrollverordnung). Zur Durchführung einer Atemalkoholprobe
sind dabei zwei Messungen notwendig. Weichen diese mehr als 0,1 Promille
voneinander ab, so sind zwei neue Messungen vorzunehmen (Art. 11 Abs. 4
SKV). Die Fahrunfähigkeit gilt als erwiesen, wenn der tiefere Wert der beiden
Messungen einer Blutalkoholkonzentration von 0.5 Promille und mehr, aber
weniger als 0.8 Promille entspricht und der Fahrzeugführer den Wert unter-
schriftlich anerkennt (Art. 11 Abs. 5 lit. a SKV). Diesem steht jedoch offen, den
mittels Atemalkoholprobe ermittelten Wert nicht anzuerkennen und eine Blut-
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untersuchung zu verlangen (Art. 12 Abs. 1 lit. a Ziff. 2 SKV und Art. 55 Abs. 3 lit. b
SVG).
2.4.1 Der Beschuldigte hat den aus der zweiten Messung resultierenden tieferen
Wert von 0.52 Promille unterschriftlich anerkannt (Urk. 1 S. 6 [bzw. S. 4 des vor
Ort erstellten Protokolls]). Das Statthalteramt stellt sich in diesem Zusammenhang
in seiner Berufungserklärung sowie in der Berufungsbegründung auf den Stand-
punkt, da der Beschuldigte das Resultat der Atemalkoholprobe unterschriftlich
anerkannt habe und es gleichzeitig unterlassen habe, eine Blutalkoholprobe zu
verlangen, stehe seine Fahrunfähigkeit gemäss Art. 11 Abs. 5 lit. a SKV un-
verrückbar fest und es bestehe kein Raum mehr für eine diesbezügliche Beweis-
würdigung. Indem das Bezirksgericht Dietikon Gegenteiliges angenommen habe,
sei dessen Urteil rechtsfehlerhaft im Sinne von Art. 398 Abs. 4 StPO, da die
Strassenverkehrskontrollverordnung verletzt worden sei (Urk. 26 und Urk. 35).
2.4.2 Der Einwand des Statthalteramtes, gemäss welchem keinerlei Raum für
eine Beweiswürdigung mehr besteht, wenn die Fahrunfähigkeit eines Fahrzeug-
lenkers gemäss Art. 11 Abs. 5 lit. a SKV festgestellt wurde, trifft nicht zu. Gemäss
der – bereits durch die Vorinstanz zitierten – bundesgerichtlichen Rechtsprechung
kommt einer Atemalkoholprobe, welche auf eine nicht qualifizierte Blutalkohol-
konzentration hinweist und im Einklang mit den rechtlichen Vorgaben erhoben
worden ist, zwar beweisrechtlich ein bedeutendes Gewicht zu. Dennoch kann der
Richter das Resultat der Atemalkoholprobe nach seiner aus dem Verfahren ge-
wonnenen Überzeugung würdigen. Art. 11 Abs. 5 lit. a SKV schafft somit keine
unumstössliche Beweisvorgabe. Der Richter kann insbesondere zur Auffassung
gelangen, dass das Messresultat nicht korrekt ermittelt wurde (Entscheide des
Bundesgerichts 6B_186/2013 vom 26. September 2013, E. 2.6.4, sowie
6B_776/2011 vom 24. Mai 2012, E. 1.4.2, je mit weiteren Hinweisen). Dies steht
im Einklang mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung im Sinne von Art. 10
Abs. 2 StPO, welcher es verbietet, dass das Gericht die Beurteilung des tatsäch-
lich Vorgefallenen nach generell-abstrakten Vorgaben vornimmt. Dem Gericht ist
es insbesondere verwehrt, Regeln zu folgen, welche die eigene Prüfung und Be-
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wertung der Überzeugungskraft der Beweismittel ausschliessen. Der Grundsatz
der freien Beweiswürdigung versteht sich insofern gerade als eigentliche Abkehr
von starren gesetzlichen oder faktischen Beweisregeln (Hofer, in: Niggli/Heer/
Wiprächtiger, Basler Kommentar zur StPO, 2. Auflage, Basel 2014, N 54 ff. zu
Art. 10 StPO; vgl. auch Wohlers, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, Kommentar zur
StPO, 2. Auflage, Zürich 2013, N 25 ff. zu Art. 10 StPO). Der Vorinstanz stand es
folglich frei, die gesamten vorliegend relevanten Umstände zu würdigen. Aufgrund
von Art. 10 Abs. 2 StPO war sie auch gehalten, die in Art. 11 Abs. 5 lit. a SKV
enthaltene Beweisregel bzw. den diesbezüglich erhobenen Beweis auf dessen
innere Autorität hin zu überprüfen. Soweit sie dabei den Sachverhalt nicht offen-
sichtlich unrichtig festgestellt hat oder eine anderweitige rechtsfehlerhafte Beurtei-
lung vornahm (Art. 398 Abs. 4 StPO), ist ihr Entscheid zu bestätigen. Zwar trifft es
zu, dass der Beschuldigte grundsätzlich eine Blutalkoholmessung hätte verlangen
müssen, nachdem er das Resultat der Atemalkoholmessung in Zweifel zog (vgl.
Urk. 26 S. 2). Dies ändert jedoch nichts daran, dass das Gericht unter Beachtung
der zitierten Rechtsprechung des Bundesgerichts – auch bei unterbliebener Blut-
alkoholmessung – zur Auffassung gelangen kann, dass das Messresultat der
Atemalkoholmessung nicht korrekt ermittelt worden ist, solange die diesbezügli-
che Würdigung des Gerichts – unter dem Blickwinkel der vorliegend anwendbaren
Kognition – nicht offensichtlich unrichtig oder rechtsfehlerhaft erfolgt ist.
2.5 Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass die Atemalkoholmessungen
vorliegend mit einem Messgerät der Marke "Lion Alcometer 500" durchgeführt
worden sind. Zudem hielt sie auch korrekt fest, dass die für dieses Gerät beste-
henden Bedienungsanleitungen angeben, dass sichergestellt werden muss, dass
der Proband seit 20 Minuten nichts im Mund hatte, damit unter Berücksichtigung
von Art. 19 VSKV-ASTRA von einem verwertbaren Messresultat ausgegangen
werden kann (Urk. 25 S. 5, E. 5.2; Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.6.1 Das Statthalteramt geht in seiner Berufungserklärung sowie in der Beru-
fungsbegründung davon aus, bei der Behauptung des Beschuldigten, er habe
kurz vor der Polizeikontrolle einen Odol-Mundspray zur Anwendung gebracht,
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handle es sich um eine blosse Schutzbehauptung, zumal der Polizeirapport kei-
nerlei diesbezügliche Bemerkungen oder Hinweise enthalte. Indem die Vorinstanz
auf diese Behauptung des Beschuldigten abstelle, habe sie den Sachverhalt im
Sinne von Art. 398 Abs. 4 StPO offensichtlich unrichtig festgestellt (Urk. 26 und
Urk. 35).
2.6.2 Die Vorinstanz berücksichtigte in ihrem Entscheid den Umstand, dass dem
Protokoll ("Protokoll bei Verdacht auf Fahrunfähigkeit gemäss VSKV-Astra,
Anhang 2"; Urk. 1 S. 3 ff.) nicht entnommen werden kann, dass der Beschuldigte
bereits anlässlich der Atemalkoholkontrolle geltend gemacht hätte, wenige Minu-
ten vor der Kontrolle einen Odol-Mundspray benutzt zu haben (Urk. 25 S. 6). Der
protokollführende Polizeibeamte Kpl E._ hielt im Protokoll insbesondere fest,
dass auf der Person des Beschuldigten bzw. in dessen Fahrzeug kein Alkohol
und keine Arzneimittel etc. aufgefunden worden seien (Urk. 1 S. 4), was der Be-
schuldigte im Übrigen vorbehaltlos unterschriftlich bestätigte (Urk. 1 S. 5). Obwohl
aufgrund der Aktenlage somit höchst zweifelhaft erscheint, dass der Beschuldigte
den Odol-Mundspray tatsächlich bereits anlässlich der Atemalkoholkontrolle er-
wähnte, erachtete die Vorinstanz dessen Angaben als glaubhaft und sprach ihn in
Anwendung des Grundsatzes "in dubio pro reo" frei. Zur Begründung des Frei-
spruchs wies die Vorinstanz darauf hin, dass der vom Beschuldigten behauptete
Zahnarzttermin durch den Zahnarzt bestätigt worden sei und dass der Termin
nachweislich bis wenige Minuten vor der Atemalkoholkontrolle gedauert habe
(Urk. 25 S. 6; Urk. 10). Zudem zog die Vorinstanz in Erwägung, dass zugunsten
des Beschuldigten gewertet werden müsse, dass die Messwerte der Mund-
alkoholkontrolle innert lediglich acht Minuten von 0,74 Promille auf 0,52 Promille
gesunken seien. Ein rasches Abfallen der Messwerte innert derart kurzer Zeit
spreche für das Vorhandensein von Mundalkohol, welcher sich viel schneller ab-
baue als Blutalkohol (Urk. 25 S. 6). Es müsse vor diesem Hintergrund in Anwen-
dung des Grundsatzes "in dubio pro reo" davon ausgegangen werden, dass die
20 Minuten, in welchen der Beschuldigte gemäss Bedienungsanleitung vor der
Atemalkoholkontrolle nichts im Mund gehabt haben dürfe, nicht eingehalten wor-
den seien (Urk. 25 S. 6).
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2.6.3 Die vorinstanzliche Sachverhaltserstellung erweist sich als offensichtlich un-
richtig im Sinne von Art. 398 Abs. 4 StPO. Dem anlässlich der Atemalkohol-
kontrolle handschriftlich ausgefüllten und vom Beschuldigten an zwei Stellen
eigenhändig unterzeichneten Protokoll ("Protokoll bei Verdacht auf Fahrunfähig-
keit gemäss VSKV-Astra, Anhang 2"; Urk. 1 S. 3 ff.) lässt sich kein einziger Ver-
merk oder Vorbehalt entnehmen, gemäss welchem der Beschuldigte gegenüber
den kontrollierenden Polizeibeamten auf die Verwendung eines Odol-Mundsprays
hingewiesen oder einen solchen gar vorgewiesen hätte (Urk. 1 S. 3 ff.). Es ist da-
von auszugehen, dass ein entsprechender Hinweis bereits durch die Polizei-
beamten im Protokoll vermerkt worden wäre, wenn der Beschuldigte tatsächlich
anlässlich der Kontrolle darauf hingewiesen hätte, dass seine Atemalkoholmess-
werte durch einen Odol-Mundspray verfälscht worden seien, gerade weil er den
Beamten den Spray ja auch gezeigt haben will. Im Protokoll wurde durch den pro-
tokollführenden Beamten aber ausdrücklich vermerkt, dass "keine Arzneimittel
etc." vorgefunden worden seien (Urk. 1 S. 4). Aufgrund des Protokolls ist darüber
hinaus nachgewiesen, dass der Beschuldigte während der Kontrolle auch gefragt
wurde, ob er "Arzneimittel" eingenommen habe, was er gem. Ziff. 7.1 des Proto-
kolls aber auch selbst klar verneinte (Urk. 1 S. 3). Dass der allseits orientierte und
in jeder Hinsicht unauffällige Beschuldigte, welcher Informatiker von Beruf ist, die-
ses Protokoll – und damit auch die Anerkennung der Atemalkoholmesswerte –
ohne jeglichen schriftlich vermerkten Vorbehalt zweifach unterzeichnet hätte,
wenn er die zu hohen Messwerte auf die Verwendung des Odol-Mundsprays zu-
rückgeführt hätte, erscheint nahezu ausgeschlossen.
Auch im Hinblick auf die Differenzen der Atemalkoholmessungen kann nichts zu-
gunsten des Beschuldigten abgeleitet werden. Es fanden innerhalb von lediglich
acht Minuten insgesamt vier Messungen statt. Von diesen vier Messungen er-
gaben drei Messungen Resultate, die in einer Spannbreite von lediglich
0.07 Promille lagen. Einzig die erste Messung lag mit 0.74 Promille deutlich über
den anderen Ergebnissen (vgl. Urk. 1 S. 6). Damit ist davon auszugehen, dass
die erste Messung fehlerhaft war. Dass solch fehlerhafte Messungen erfolgen
können, ist gerichtsnotorisch. Dies stellt gerade den Grund dafür dar, dass ge-
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mäss Art. 11 Abs. 4 SVK bei einer Abweichung von mehr als 0.1 Promille zwi-
schen der ersten und der zweiten Messung zwingend eine zweite Messserie vor-
genommen werden muss. Dass die Vorinstanz dem Beschuldigten diese fehler-
hafte Erstmessung zugute hält und damit faktisch die de lege korrekt erhobene
Zweitmessung aushebelt, erscheint problematisch.
Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass beim Beschuldigten anlässlich der
Kontrolle wässrige bzw. glänzende Augen sowie Alkoholmundgeruch festgestellt
wurde (Urk. 1 S. 4). Diese Umstände sprechen ebenfalls gegen eine unmittelbar
vor der Kontrolle erfolgte Verwendung eines Odol-Mundsprays. Der Einwand des
Beschuldigten, kurz vor der Atemalkoholkontrolle einen Odol-Mundspray benutzt
zu haben, erscheint in Anbetracht der gesamten Umstände als nachgeschobene
und unglaubhafte Schutzbehauptung, für die es – in Anbetracht der Aktenlage –
keinerlei Stütze gibt. Es erscheint nahezu ausgeschlossen, dass der Beschuldig-
te, ohne jeglichen Vorbehalt anzubringen, unterschriftlich anerkannt hätte, dass er
sein Auto mit einem zu hohen Alkoholspiegel gelenkt hat, wenn er tatsächlich der
Meinung gewesen wäre, der Messwert lasse sich durch den verwendeten Mund-
spray erklären. In einem solchen Fall hätte er im Übrigen die Durchführung eines
entlastenden Bluttests verlangen können und auch müssen, worauf er jedoch be-
wusst verzichtete. Dass er unter den von ihm geltend gemachten Umständen auf
die Durchführung eines solchen Bluttests verzichtete, ist nicht nachvollziehbar.
Der Beschuldigte anerkannte mit seiner Unterschrift den tieferen Wert der zweiten
Messserie der Atemalkoholmessungen vorbehaltlos. Direkt über seiner Unter-
schrift wurde er über die Folgen der Anerkennung des Messwertes aufgeklärt
(Urk. 1 S. 6). Der Gesetzgeber hat das vorliegend zur Anwendung gebrachte ver-
einfachte System zur Feststellung der Blutalkoholkonzentration geschaffen, um
die Fahrunfähigkeit bei nicht qualifizierter Blutalkoholkonzentration festzustellen.
Durch die einfache Anwendung der Kontrolle ohne intensiven Eingriff wirkt sich
dieses vereinfachte Verfahren nicht zuletzt zu Gunsten der kontrollierten Person
aus. Indem der Betroffene das Testergebnis ausdrücklich anerkennt, nimmt er
eine mögliche Abweichung vom Resultat einer unterlassenen Blutanalyse in Kauf.
Der Betroffene tut dies regelmässig im Wissen um den vorher konsumierten
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Alkohol, um seine körperliche Verfassung und um die weiteren Begleitumstände.
Gleichzeitig vermeidet er das Risiko, dass die Blutprobe allenfalls zu einer höhe-
ren oder gar zu einer qualifizierten Alkoholkonzentration und damit zu einer Verur-
teilung wegen eines Vergehens führen kann. Vor diesem Hintergrund ändert sich
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung am mit Hilfe dieses vereinfachten
Verfahrens erhobenen Beweisergebnis in aller Regel nichts, wenn die kontrollierte
Person zu einem späteren Zeitpunkt auf ihre Erklärung zurückkommt. Anderen-
falls wäre es ein Leichtes, Beweisschwierigkeiten zu schaffen (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_186/2013 vom 26. September 2013 E. 2.6.4). Durch die nachgescho-
bene und unglaubhafte Behauptung, kurz vor der Kontrolle einen Odol-Mundspray
benutzt zu haben, zielte der Beschuldigte gerade darauf ab, solche Be-
weisschwierigkeiten zu schaffen. In Anbetracht der gesamten Umstände ist dem
Einwand des Beschuldigten, kurz vor der Atemalkoholkontrolle einen Odol-
Mundspray benutzt zu haben, kein Glauben zu schenken. Die gegenteilige
Würdigung der Vorinstanz ist nicht vertretbar und damit offensichtlich unrichtig im
Sinne von Art. 398 Abs. 4 StPO. Die Berufung des Statthalteramtes ist folglich
hinsichtlich des Schuldpunktes gutzuheissen.
IV. Rechtliche Würdigung
Die rechtliche Würdigung des Statthalteramtes Bezirk Dietikon ist korrekt und
wurde durch den Beschuldigten – für den Fall eines Schuldspruchs – nicht be-
mängelt. Demnach ist der Beschuldigte des fahrlässigen Lenkens eines Motor-
fahrzeugs in fahrunfähigem Zustand unter Alkoholeinwirkung gestützt auf Art. 91
Abs. 1 lit. a SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV so-
wie Art. 1 Abs. 1 VOBAW schuldig zu sprechen.
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V. Strafe
1. Der Strafrahmen einer Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 1
SVG beträgt Busse bis Fr. 10'000.– (vgl. Art. 102 Abs. 1 SVG in Verbindung mit
Art. 106 Abs. 1 StGB).
2. Das Tatverschulden des Beschuldigten wiegt innerhalb des Tatbestandes
der konkreten Übertretung leicht. Er hat mit 0.52 Promille den von der Bundesver-
sammlung für eine Strafbarkeit gemäss Art. 91 Abs. 1 Satz 1 SVG festgesetzten
Grenzwert (vgl. Art. 1 Abs. 1 VOBAW) nur leicht überschritten. Leicht straf-
erhöhend ist der getrübte automobilistische Leumund des Beschuldigten zu be-
rücksichtigen. So wurde ihm wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand im Jahr
2004 der Führerausweis für die Dauer von vier Monaten entzogen. Im Jahr 2012
musste er zudem wegen Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeugs ver-
warnt werden (Urk. 7). Strafminderungsgründe sind nicht ersichtlich.
3. Angesichts der gesamten Umstände erweist sich die durch das Statthalter-
amt ausgesprochene Busse in der Höhe von Fr. 600.– als angemessen. Der Be-
schuldigte ist folglich mit einer Busse von Fr. 600.– zu bestrafen.
Gemäss Art. 106 Abs. 2 StGB spricht das Gericht im Urteil für den Fall, dass
die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstrafe von mindestens
einem Tag und höchstens drei Monaten aus. In ständiger Praxis erscheint ein
Umwandlungssatz von einem Tag Ersatzfreiheitsstrafe pro Fr. 100.– Busse als
angemessen. Im vorliegenden Fall ist die Ersatzfreiheitsstrafe folglich auf sechs
Tage festzusetzen.
VI. Kosten
1. Ausgangsgemäss sind dem Beschuldigten die Kosten des Strafbefehls in
Höhe von Fr. 550.– (Urk. 2) sowie die Gerichtsgebühr des vorinstanzlichen Ver-
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fahrens – welche auf Fr. 1'200.– festzusetzen ist – aufzuerlegen (vgl. Art. 426
Abs. 1 StPO).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 1'000.– fest-
zusetzen. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seiner Berufung vollständig. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind
ihm somit ebenfalls aufzuerlegen.