# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ead26dcc-9b46-4557-96ab-60a216711644
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Uster, Einzelrichter in Strafsachen, vom 15. Dezember 2010 (GG100070)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 4. Oktober 2010 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 25).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Angeklagte ist schuldig
− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs.
2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 StGB,
− des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von
Art. 91 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV,
− des vorsätzlichen Lenkens eines Fahrzeugs trotz Entzug des Führe-
rausweises im Sinne von Art. 95 Ziff. 2 SVG i.V.m. Art. 10 Abs. 2 SVG,
− der mehrfachen vorsätzlichen groben Verletzung der Verkehrsregeln
im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 SVG i.V.m. Art. 35 Abs. 2 SVG (Überholen
trotz Gegenverkehr bzw. an einer unübersichtlichen Stelle),
− der vorsätzlichen groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Ziff. 2 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1 und Abs. 5
VRV und Art. 22 Abs. 1 SSV (qualifiziertes Überschreiten der zulässi-
gen Höchstgeschwindigkeit),
− der mehrfachen vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne
von Art. 90 Ziff. 1 SVG i.V.m. Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 36 Abs. 1
SSV (Nichtbeachten des Vortrittsignals Stop),
− der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Ziff. 1 SVG i.V.m. Art. 34 Abs. 1 SVG und Art. 7 Abs. 3 VRV (Linksvor-
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beifahren an einer nicht signalisierten Verkehrsinsel oder einem Hin-
dernis in der Fahrbahnmitte),
− der vorsätzlichen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90
Ziff. 1 SVG i.V.m. Art. 43 Abs. 3 SVG und Art. 36 Abs. 3 VRV (Betreten
von Autobahnen),
− des vorsätzlichen Führens eines nicht betriebssicheren Motorfahrzeugs
im Sinne von Art. 93 Ziff. 2 SVG i.V.m. Art. 29 SVG,
− des Konsums von Betäubungsmitteln im Sinne von Art. 19a Ziff. 1
BetmG.
2. Der Angeklagte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu
Fr. 30.–, wovon 1 Tagessatz als durch Untersuchungshaft geleistet gilt, so-
wie mit einer Busse von Fr. 1'000.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 5 Jahre
festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Angeklagte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen.
5. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 30. April 2009
(Verfahren 2008/5466) ausgefällte, bedingte Geldstrafe von 45 Tagessätzen
zu Fr. 90.– wird widerrufen.
6. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 4'772.30 Untersuchungskosten
Fr. 908.– Kosten der Kantonspolizei
Fr. 5'456.30 Kosten der amtlichen Verteidigung
7. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen. Die übrigen Kosten, inklusive diejenigen der Untersuchung, wer-
den dem Angeklagten auferlegt.
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Berufungsanträge:
a) des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 45 S. 2)
1. A._ sei mit einer Freiheitsstrafe von 12 Monaten Gefängnis zu be-
strafen.
2. Der bedingte Strafvollzug sei ihm zu verweigern.
3. Die Kosten, inklusive diejenigen der amtlichen Verteidigung, seien dem
Verurteilten aufzuerlegen.
b) des Verteidigers des Angeklagten:
(Urk. 63 S. 1)
1. Die Berufung sei abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil, soweit es
angefochten worden ist, zu bestätigen;
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens, inkl. jene für die amtliche Vertei-
digung, seien auf die Staatskasse zu nehmen.
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## Considerations

Das Gericht erwägt:
I.
(Anklagesachverhalt)
Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom
4. Oktober 2010 werden dem Angeklagten A._ (nachfolgend: Angeklagter)
versuchte schwere Körperverletzung, Hinderung einer Amtshandlung, Widerhand-
lung gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie eine Vielzahl an Widerhandlungen
gegen das Strassenverkehrsgesetz vorgeworfen. Für eine detaillierte Umschrei-
bung der einzelnen Anklagesachverhalte sei auf die umfassende Anklageschrift
verwiesen (Urk. 25, S. 2 ff.).
Die Staatsanwaltschaft richtete die Anklageschrift an den Einzelrichter und
beantragte explizit eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen sowie eine Busse.
II.
(Prozessgeschichte)
1. Am 15. Dezember 2010 erging das eingangs genannte Urteil des Be-
zirksgerichts Uster, Einzelrichter in Strafsachen (Urk. 52). Dieser Entscheid wurde
dem Angeklagten gleichentags mündlich (Urk. 37) und der Staatsanwaltschaft am
17. Dezember 2010 schriftlich (Urk. 38) im Dispositiv eröffnet. In der Folge erklär-
te die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 20. Dezember 2010 innert Frist unbe-
schränkte Berufung gegen das Urteil (Urk. 41/B). Das vollständig begründete Ur-
teil wurde den Parteien am 14. April 2011 zugestellt (Urk. 43). Diesbezüglich
reichte die Staatsanwaltschaft am 4. Mai 2011 sodann fristgemäss ihre Bean-
standungen ein, wobei sie die Berufung auf die Dispositivziffern 2 teilweise (Geld-
strafe), 3 (Vollzug) und 7 (Kostenfolgen) des angefochtenen Urteils beschränkte
(Urk. 45). Von Seiten des Angeklagten wurde weder selbständige Berufung noch
Anschlussberufung erklärt. Mit Verfügung vom 17. Juni 2011 überwies die Vo-
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rinstanz schliesslich die Akten ans Obergericht des Kantons Zürich, damit dieses
die Berufung behandle (Urk. 50).
2. Mit Verfügung des Präsidenten der Berufungskammer vom 29. Juni
2011 wurde dem Angeklagten und der Staatsanwaltschaft Frist zur Stellung von
schriftlich begründeten Beweisanträgen angesetzt; ferner wurde der Angeklagte
aufgefordert, innert Frist diverse Dokumente betreffend seine persönlichen Ver-
hältnisse einzureichen (Urk. 54). Vom Recht zur Stellung von Beweisanträgen
machte in der Folge die Staatsanwaltschaft fristgemäss Gebrauch (Urk. 56); von
Seiten des Angeklagten wurde darauf verzichtet bzw. einzig für den Fall, dass die
vom ihm freiwillig begonnene ambulante Therapie keinen Erfolg zeigen sollte und
deshalb eine unbedingte Freiheitsstrafe zu prüfen wäre, vorsorglich ein Antrag auf
Einholung eines Gutachtens betreffend Suchtstoffabhängigkeit, Schuldfähigkeit im
Tatzeitpunkt sowie Massnahmebedarf und -eignung des Angeklagten gestellt
(Urk. 57).
3. Zur Berufungsverhandlung vom 4. November 2011 erschienen der An-
geklagte sowie sein amtlicher Verteidiger, welche die eingangs genannten Anträ-
ge stellten (Prot. II, S. 3).
4. Nach durchgeführter Berufungsverhandlung ordnete das Gericht ge-
stützt auf Art. 20 StGB mit Beschluss vom 15. November 2011 die Einholung ei-
nes psychiatrischen Gutachtens über den körperlichen und geistigen Zustand des
Angeklagten, dessen Schuldfähigkeit zur Zeit der Tat sowie die Zweckmässigkeit
einer Massnahme an (Urk. 68). Das Gutachten von Dr. med. B._ und Dr.
med. C._ vom 28. Februar 2012 ging am 2. März 2012 am Gericht ein (Urk.
77). Mit Verfügung vom 5. März 2012 wurde den Parteien Frist zur freigestellten
Vernehmlassung zum Gutachten angesetzt und ihnen die Möglichkeit eingeräumt,
innert der selben Frist eine Wiederholung der Berufungsverhandlung zu beantra-
gen, ansonsten Verzicht auf eine entsprechende Wiederholung und auf eine öf-
fentliche Urteilsberatung und mündliche Urteilseröffnung angenommen werde
(Urk. 78). Mit Eingaben vom 8. bzw. 16. März 2012 verzichteten die Staatsanwalt-
schaft und die Verteidigung auf Vernehmlassung und auf eine Wiederholung der
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Berufungsverhandlung sowie auf eine öffentliche Urteilsberatung und mündliche
Urteilseröffnung (Urk. 80, Urk. 81).
III.
(Prozessuales)
1. Gemäss Art. 453 Abs. 1 der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen
Eidgenössischen Strafprozessordnung (nachfolgend: CH-StPO) werden Rechts-
mittel gegen noch vor ihrem Inkrafttreten gefällte Entscheide nach bisherigem
Recht und von den bisher zuständigen Behörden beurteilt.
Entsprechend ist die Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Uster,
Einzelrichter in Strafsachen, vom 15. Dezember 2010 in Anwendung der Zürcher
Strafprozessordnung (nachfolgend: StPO) zu beurteilen.
2. Wird Berufung erklärt, kann sie bereits von Beginn weg oder auch noch
bis zum Abschluss der Berufungsverhandlung auf einzelne Schuldsprüche, die
Strafzumessung, die Anordnung von Massnahmen, den Entscheid über Zivilforde-
rungen sowie die besonderen Anordnungen beschränkt werden, wobei in diesem
Fall die Rechtskraft des angefochtenen Urteils lediglich im Umfang der Anfech-
tung gehemmt wird (§ 413 StPO).
Entsprechend ist vorab mit Beschluss festzustellen, dass das Urteil des Be-
zirksgerichts Uster, Einzelrichter in Strafsachen, vom 15. Dezember 2010 bezüg-
lich der Dispositivziffern 1 (Schuldspruch), 2 teilweise (Busse), 4 (Ersatzfreiheits-
strafe), 5 (Widerruf) und 6 (Kostenaufstellung) rechtskräftig ist.
3. Die Staatsanwaltschaft hat sinngemäss zusammengefasst folgenden
Beweisantrag gestellt, welchen es vorab zu behandeln gilt:
Es seien die zusammen mit den Beanstandungen bzw. der Berufungsbe-
gründung vom 4. Mai 2011 eingereichten Aktenkopien (Rapport Kapo ZH vom
25.02.11, Pol-EV A._ vom 27.01.2011, Auszug ...) ins Berufungsverfahren
einzubeziehen (Urk. 56).
Diesem Beweisantrag ist ohne weiteres stattzugeben, wurden die erwähnten
Aktenkopien doch bereits von der Vorinstanz als Urk. 46/1-3 zu den Akten ge-
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nommen, womit sie im Berufungsverfahren der freien richterlichen Beweiswürdi-
gung unterliegen.
IV.
(Strafzumessung, Vollzug und Massnahme)
1. Vorbemerkung: Der Angeklagte hat sämtliche Anklagesachverhalte be-
reits in der Strafuntersuchung eingestanden, weshalb sie in der Folge auch vor
Vorinstanz unbestritten waren (Urk. 52, S. 3; Prot. I, S. 5).
Sodann ist der vorinstanzliche Schuldspruch unangefochten geblieben und
deshalb in Rechtskraft erwachsen (vgl. vorstehend III. 2.).
Entsprechend sind die in der Anklageschrift beschriebenen Sachverhalte
sowie deren rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz für das gegenständliche
Berufungsverfahren massgebend und den weiteren Erwägungen zu Grunde zu
legen.
2. Strafzumessung: Die Staatsanwaltschaft macht sinngemäss zusam-
mengefasst geltend, die von der Vorinstanz ausgefällte Geldstrafe von 180 Ta-
gessätzen zu Fr. 30.– stünde in keinem Verhältnis zu den vom Angeklagten be-
gangenen Straftaten und seinem Verschulden und sei deutlich zu mild (Urk. 45,
S. 2 f.). Die Verteidigung beantragt hingegen die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils (Urk. 63).
a) Allgemein: Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Vo-
raussetzungen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht
zu der Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch
das Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen.
Dabei ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1
StGB). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei der Bildung einer Ge-
samtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB vorab der Strafrahmen für die schwerste
Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat inner-
halb dieses Strafrahmens festzusetzen. Schliesslich ist die Einsatzstrafe unter
Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips ange-
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messen zu erhöhen. Das Gericht hat mithin in einem ersten Schritt gedanklich die
Einsatzstrafe des schwersten Delikts festzulegen, indem es alle diesbezüglichen
straferhöhenden und strafmindernden Umstände einbezieht. In einem zweiten
Schritt hat es die Strafe zu erhöhen, um die weiteren Delikte zu sanktionieren.
Auch dort muss es den jeweiligen Umständen Rechnung tragen (BGE
6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.2.2). Als schwerste Tat gilt jene, die ge-
mäss abstrakter Strafdrohung des Gesetzes mit der höchsten Strafe bedroht ist
(BGE 6B_885/2010 vom 7. März 2011 E. 4.4.1).
Methodisch ist nach der neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur
Strafzumessung im Übrigen wie folgt vorzugehen: Im Urteil ist in einem ersten
Schritt darzutun, wie gross das Tatverschulden (und allenfalls die sich daraus er-
gebende hypothetische Strafe) wäre, wenn keine Verminderung der Schuldfähig-
keit vorläge. In einem zweiten Schritt ist zu begründen, wie sich die Verminderung
auf die Verschuldenseinschätzung auswirkt und welches die daraus resultierende
angemessene (hypothetische) Strafe ist. Diese Strafe ist dann gegebenenfalls in
einem dritten Schritt aufgrund täterrelevanter bzw. tatunabhängiger Strafzumes-
sungsfaktoren zu erhöhen bzw. zu reduzieren (vgl. BGE 6B_585/2008: Urteil vom
19. Juni 2009; BGE 134 IV 132 E. 6.1 S. 135).
Das Gericht misst die Strafe innerhalb des sich ergebenden Strafrahmens
nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters
(Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung
oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Han-
delns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie
weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die
Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB).
Der Begriff des Verschuldens bezieht sich auf den gesamten Unrechts- und
Schuldgehalt der konkreten Straftat, wobei zwischen Tat- und Täterkomponente
zu unterscheiden ist: Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des verschulde-
ten Erfolgs, die Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolgs, die Willensrich-
tung, mit der der Täter gehandelt hat, und dessen Beweggründe zu beachten.
Weiter bedeutsam sind das Mass der Entscheidungsfreiheit beim Täter und die
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Intensität seines deliktischen Willens; je leichter es für den Täter gewesen wäre,
die verletzte Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt seine Entscheidung ge-
gen diese. Die Täterkomponente berücksichtigt demgegenüber etwa den straf-
rechtlichen Leumund des Täters, sein Verhalten nach der Tat und während des
Strafverfahrens, namentlich gezeigte Einsicht, Reue und Kooperation, sowie sei-
ne individuelle Strafempfindlichkeit. Als Ausgangspunkt für die Qualifikation des
Verschuldens ist zunächst die objektive Tatschwere zu bestimmen. Als Gradmes-
ser dient dabei das Mass der Beeinträchtigung des strafrechtlich geschützten
Rechtsguts. Es lässt sich am Ausmass des Erfolgs hinsichtlich Deliktsbetrag, Ge-
fährdung, Sachschaden etc. sowie anhand der Art und Weise des Vorgehens des
Täters bemessen (ähnlich DONATSCH ET AL., StGB-Kommentar, 18. Aufl., Zürich
2010, Art. 47 Rz. 6 ff.).
b) Tatkomponente: Vorliegend schwerste Straftat ist der Tatbestand der
versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 i.V.m. Art. 22
Abs. 1 StGB, welcher mit Geldstrafe nicht unter 180 Tagessätzen oder Freiheits-
strafe von bis zu 10 Jahren bedroht ist (dazu auch Urk. 52, S. 9 f.).
In diesem Zusammenhang ist von folgendem Tathandlungskomplex auszu-
gehen: Im Verlaufe seiner Fluchtfahrt sah sich der Angeklagte kurz vor dem
Bahnübergang D._-Strasse in E._ infolge geschlossener Bahnschran-
ken zum Anhalten gezwungen, worauf auch das ihn verfolgende Polizeifahrzeug
schräg versetzt hinter dem Fahrzeug des Angeklagten stoppte. Daraufhin öffnete
Polizist F._ die Beifahrertüre des Polizeifahrzeugs und beabsichtigte, aus
diesem auszusteigen, wobei der Angeklagte jedenfalls die aufgehende Beifahrer-
türe sah und demzufolge damit rechnen musste, dass der Beifahrer des Polizei-
fahrzeugs im Begriff war, aus diesem auszusteigen. Nichtsdestotrotz setzte der
Angeklagte sein Fahrzeug im Rückwärtsgang zurück und fuhr er so mit überhöh-
ter Geschwindigkeit mit einem Abstand von 20 bis 30 cm am Polizeifahrzeug vor-
bei, wobei sich eine Kollision mit dessen Beifahrertüre bzw. mit Polizist F._,
der bereits sein rechtes Bein ausserhalb des Polizeifahrzeugs hatte, nur noch
dadurch verhindern liess, dass Polizist F._ im letzten Moment sein Bein ins
Polizeifahrzeug zurückziehen und die Beifahrertüre wieder schliessen konnte. An-
schliessend setzte der Angeklagte seine Fluchtfahrt fort (Urk. 25, S. 3 f.).
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Im Rahmen dieses Tathandlungskomplexes schuf der Angeklagte mit sei-
nem Verhalten fraglos eine unmittelbare Gefahr für die körperliche Integrität von
Polizist F._, und zwar dergestalt, dass dadurch eine ernstliche und dringende
Wahrscheinlichkeit bestand, dass letzterer sich eine schwere Verletzung seines
rechten Beins hätte zuziehen bzw. dass dieses hätte verstümmelt oder unbrauch-
bar gemacht werden können, was wohl auch eine bleibende Arbeitsunfähigkeit
(jedenfalls im angestammten Beruf) bedeutet hätte (dazu auch Urk. 52, S. 4 f.).
Zwar blieb die Tathandlung des Angeklagten letztlich im Versuchsstadium ste-
cken und der Verletzungserfolg somit aus, indessen ist zu bedenken, dass dieser
Umstand nicht auf das Verhalten des Angeklagten zurückgeführt werden kann,
war es diesem aufgrund der dynamischen Tatumstände doch gar nicht möglich,
seine unvermittelte und rasante Rückwärtsfahrt so zu kontrollieren, dass er die
dadurch drohende schwere Körperverletzung von Polizist F._ mit Sicherheit
auszuschliessen vermochte. Vielmehr ist der Nichteintritt des Verletzungserfolgs
der Reaktion von Polizist F._ zu verdanken, welcher im letzten Moment sein
Bein ins Polizeifahrzeug zurückziehen und die Beifahrertüre wieder schliessen
konnte. Entsprechend greift die an sich zutreffende Feststellung der Vorinstanz,
dass letztlich ja weder Personen noch Sachen zu Schaden gekommen seien, zu
kurz und vermag der Strafmilderungsgrund des Versuchs den Umfang der ge-
stützt darauf von der Vorinstanz vorgenommenen Strafminderung nicht zu recht-
fertigen (vgl. Urk. 52, S. 10).
Der Angeklagte handelte bezüglich der von ihm geschaffenen unmittelbaren
Gefahr für Polizist F._ mit Wissen und Willen und nahm ein Umschlagen in
einen Verletzungserfolg jedenfalls in Kauf (dazu auch Urk. 52, S. 5 f.). Hingegen
liegen keinerlei Hinweise vor, dass sich der Eventualvorsatz des Angeklagten
auch auf schwerste Verletzungsfolgen innerhalb der denkbaren Bandbreite an un-
ter Art. 122 StGB zu subsumierenden Verletzungen richtete. Dies ändert aber frei-
lich nichts daran, dass die Beweggründe für sein Handeln in hohem Masse ver-
werflich waren, verfolgte er damit doch einzig das Ziel, seine Flucht vor der Polizei
zu sichern und sich so einem Strafverfahren zu entziehen. Der Angeklagte war al-
leine von nichtigen Motiven getrieben, nahm dabei aber eine schwere Verletzung
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der höchsten Rechtsgüter von Polizist F._, namentlich von dessen körperli-
cher Integrität, zumindest in Kauf (näher dazu Urk. 3, S. 4 ff.; Urk. 14, S. 3 ff.).
Im Lichte dieser Umstände ist von einer hypothetischen Strafe von 10 Mona-
ten Freiheitsstrafe auszugehen.
Gestützt auf das Gutachten von Dr. med. B._ und Dr. med. C._
vom 28. Februar 2012 ist die leicht verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten
strafmindernd zu berücksichtigen. Der Angeklagte leidet seit ca. 2005 an einer
Kokainabhängigkeit, mit welcher die von ihm begangenen Straftaten in einem Zu-
sammenhang stehen. Er hatte zur Zeit der Taten zwar eine volle Einsicht in deren
Unrecht, war jedoch zum Handeln gemäss dieser Einsicht teilweise unfähig. Die
Steuerungsfähigkeit war aufgrund der schweren Kokainabhängigkeit in einem ge-
ringen Mass eingeschränkt (vgl. Urk. 77). Der leicht verminderten Schuldfähigkeit
ist im ganzen Ausmass der Verminderung Rechnung zu tragen (BGE 118 IV 1, E.
2 S. 5; BGE 134 IV 132, E. 6.1 S. 135). Es rechtfertigt sich deshalb, die Strafe um
2 Monate auf 8 Monate herabzusetzen.
Angesichts der konkreten Tatumstände bzw. der objektiven und subjektiven
Tatschwere erscheint es somit angezeigt, die Einsatzstrafe bei (8) Monaten Frei-
heitsstrafe festzusetzen.
c) Vorliegend hat sich der Angeklagte nebst der versuchten schweren
Körperverletzung auch noch zahlreicher weiterer Vergehen und Übertretungen
strafbar gemacht, womit die festgesetzte Einsatzstrafe im Sinne von Art. 49
Abs. 1 StGB zu erhöhen ist.
Nicht einzubeziehen sind dabei diejenigen Straftatbestände, die mit einer im
Vergleich zu der für das schwerste Delikt vorgesehenen Strafe ungleichartigen
Strafe bedroht sind; für diese Straftatbestände ist entsprechend eine separate
Strafe auszufällen (ähnlich DONATSCH ET AL., a.a.O., Art. 49 Rz. 4). In casu sind
dies die lediglich mit Busse bedrohten Übertretungen, für welche die Vorinstanz
eine solche von Fr. 1'000.– verhängt hat (Urk. 52, S. 13). Diese Busse ist denn
auch bereits in Rechtskraft erwachsen (vgl. vorstehend III. 2.). Ausserdem ist für
die Hinderung einer Amtshandlung eine eigenständige Strafe zu bilden, da die
Strafandrohung für dieses Delikt nur Geldstrafe bis zu 30 Tagessätzen vorsieht.
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Unter Berücksichtigung der verbleibenden Vergehen, namentlich des vor-
sätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, des vorsätzlichen Lenkens eines
Fahrzeuges trotz Führerausweisentzugs sowie der mehrfachen vorsätzlichen gro-
ben Verletzung der Verkehrsregeln (Urk. 52, S. 7), welche sowohl zur versuchten
schweren Körperverletzung als auch unter sich in echter Konkurrenz stehen,
rechtfertigt es sich somit, unter Berücksichtigung der infolge Kokainsucht leicht
beeinträchtigten Steuerungsfähigkeit und in Beachtung des Asperationsprinzips
die bei 8 Monaten festgesetzte Einsatzstrafe auf 11 Monate Freiheitsstrafe zu er-
höhen.
Weitere Strafmilderungs- oder Strafschärfungsgründe sind vorliegend nicht
ersichtlich.
d) Täterkomponente: Diesbezüglich ist vorab festzustellen, dass der straf-
rechtliche Leumund des Angeklagten einschlägig getrübt ist, wurde er doch be-
reits mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 30. April 2009 we-
gen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Fahrens trotz Führerausweisentzugs so-
wie Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes verurteilt und dafür mit einer be-
dingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 90.– bei einer Probezeit von zwei
Jahren sowie mit einer Busse von Fr. 1'200.– bestraft (Urk. 62).
Entgegen der Vorinstanz geht es jedoch nicht an, dem Angeklagten in die-
sem Zusammenhang "zu Gute zu halten", dass es sich bei der Vorstrafe immerhin
nicht um ein Gewaltdelikt handle, so dass nicht von einer aggressiven, gewaltbe-
reiten Persönlichkeit ausgegangen müsse (Urk. 52, S. 11), ist ihm doch vielmehr
zur Last zu legen, dass er erneut einschlägig delinquierte und dass er dies vor al-
lem auch noch während laufender Probezeit tat, womit er eine gewisse Gleichgül-
tigkeit unserer Rechtsordnung gegenüber zeigte.
Zu Recht zu Gunsten des Angeklagten berücksichtigt wurde demgegenüber
sein Nachtatverhalten (Urk. 52, S. 11), zeigte er sich doch während des ganzen
Strafverfahrens kooperativ, geständig, einsichtig und reuig (Urk. 3, S. 15; Urk. 14,
S. 1; Prot. I, S. 11) und unternahm er freiwillig bis heute andauernde beachtliche
Anstrengungen zur Bekämpfung seiner Kokainsucht (Urk. 35/1-4; Prot. I, S. 4;
Prot. II, S. 5 f.).
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Indessen vermag das positiv zu würdigende Nachtatverhalten des Angeklag-
ten sein erneutes einschlägiges Delinquieren während laufender Probezeit nicht
aufzuwiegen (auch nicht bei Berücksichtigung des bereits in Rechtskraft erwach-
senen Widerrufs der Vorstrafe; vgl. Urk. 52, S. 14 ff., sowie vorstehend III. 2.), so
dass die vorstehend festgesetzte Freiheitsstrafe auf 12 Monate zu erhöhen ist.
e) Fazit: Unter Berücksichtigung sämtlicher vorliegend relevanter Straf-
zumessungskriterien ist das Verschulden des Angeklagten als nicht mehr leicht zu
qualifizieren und erscheint (zusätzlich zur bereits rechtskräftigen Busse für die
begangenen Übertretungen; vgl. vorstehend III. 2. und IV. 2. c) eine Freiheitsstra-
fe von 12 Monaten tat- und täterangemessen. Davon hat ein Tag als durch Unter-
suchungshaft geleistet zu gelten (dazu auch Urk. 52, S. 13).
f) Tatkomponente Hinderung einer Amtshandlung: Der Strafrahmen der
dem Angeklagten im Weiteren zur Last gelegten Hinderung einer Amtshandlung
im Sinne von Art. 286 StGB beträgt Geldstrafe bis zu 30 Tagessätzen.
Trotz der von der Polizei eingeschalteten Matrixleuchte "Stop Polizei" sowie
des eingeschalteten Blaulichts und des Cis-Gis Horns hielt der Angeklagte nicht
an. Dadurch verunmöglichte er der Polizei die Kontrolle. Der Angeklagte verhielt
sich dadurch während längerer Zeit renitent. Der Angeklagte handelte mit direk-
tem Vorsatz (vgl. Urk. 14, S. 3 und S. 9). Seine Angst vor der Kontrolle ist zwar
bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar, rechtfertigt seine Handlung jedoch
keineswegs. Hätte er sich der Kontrolle unterzogen und die Flucht unterlassen,
wären die Konsequenzen für ihn weitaus weniger schlimm ausgefallen. Sowohl in
objektiver wie auch in subjektiver Hinsicht wiegt sein Verschulden nicht mehr
leicht.
Angesichts der konkreten Tatumstände bzw. der objektiven und subjektiven
Tatschwere erscheint es somit angezeigt, die Einsatzstrafe bei 20 Tagessätzen
Geldstrafe festzusetzen.
g) Täterkomponente: Diesbezüglich ist auf lit. d) vorstehend zu verweisen.
Zu ergänzen ist, dass die Vorstrafe in Bezug auf die Hinderung einer Amtshand-
lung nicht einschlägig ist (vgl. Urk. 62), er beging jedoch auch diese während lau-
fender Probezeit, was straferhöhend ins Gewicht fällt. Strafmindernd ist jedoch
das bereits erwähnte Nachtatverhalten des Angeklagten zu berücksichtigen, so
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dass sich die Strafminderungs- und -erhöhungsgründe ausgleichen und die Geld-
strafe bei 20 Tagessätzen zu belassen ist.
h) Tagessatzhöhe: Bei der Geldstrafe richtet sich die Höhe des Tagessat-
zes nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeit-
punkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und – soweit er davon lebt – Ver-
mögen, ferner nach seinem Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstüt-
zungspflichten und nach dem Existenzminimum (Art. 34 Abs. 2 StGB). Ausgangs-
punkt für die Tagessatzberechnung ist das Einkommen, welches dem Täter
durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Dabei bleibt belanglos, aus welcher Quel-
le dieses Einkommen stammt. Abzuziehen ist, was gesetzlich geschuldet ist oder
dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, so etwa die laufenden Steuern und die ob-
ligatorischen Versicherungsbeiträge. Ausserdem ist das Nettoeinkommen um die
Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge zu reduzieren, soweit der Verurteilte
ihnen tatsächlich nachkommt. Nicht zu berücksichtigen sind Schulden und nach
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung in der Regel auch die Wohnkosten
(BGE 134 IV 68 ff.).
Das monatliche Einkommen des Angeklagten beläuft sich auf ca. Fr. 5'500.–
netto pro Monat. Einen 13. Monatslohn erhält er nicht. Seine Ehefrau erhielt nur
bis im August 2011 eine Arbeitslosenentschädigung. Sie haben zwei Kinder im Al-
ter von 3 und 6 Jahren. Er hat kein Vermögen, aber Schulden in der Höhe von
Fr. 25'000.– und Betreibungen im Betrag von Fr. 18'000.– (Urk. 59/1). Für die
Krankenkasse für sich, seine Ehefrau und seine beiden Kinder bezahlt er
Fr. 750.– pro Monat (Prot. II, S. 5). Die Steuern betragen mindestens Fr. 5'225.05
pro Jahr (Urk. 59/4). Angesichts dieser finanziellen Verhältnisse erscheint ein Ta-
gessatz in der Höhe von Fr. 30.– als angemessen.
i) Zusammenfassend ist der Angeklagte für die versuchte schwere Kör-
perverletzung, das vorsätzliche Fahren in fahrunfähigem Zustand, das vorsätzli-
che Lenken eines Fahrzeuges trotz Führerausweisentzugs sowie für die mehrfa-
che vorsätzliche grobe Verletzung der Verkehrsregeln mit einer Freiheitsstrafe
von 12 Monaten und für die Hinderung einer Amtshandlung mit einer Geldstrafe
von 20 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu bestrafen. Anzurechnen an die Freiheitsstrafe
ist die erstandene Untersuchungshaft von einem Tag (Art. 51 StGB).
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3. Vollzug: Die Staatsanwaltschaft macht sinngemäss zusammengefasst
geltend, dem Angeklagten sei aufgrund seiner strafrechtlichen Vorbelastung, der
nunmehr Gegenstand des Berufungsverfahrens bildenden einschlägigen Delikte
sowie einer zwischenzeitlich weiteren angehobenen Strafuntersuchung betreffend
neuerliche einschlägige Delikte eine ungünstige Legalprognose zu stellen, wes-
halb ein bedingter Strafvollzug nicht mehr in Frage komme (Urk. 45, S. 3 f.).
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit
oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten
(Art. 42 Abs. 1 StGB). Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der
Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs
Monaten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt, so
ist der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen
(Art. 42 Abs. 2 StGB). Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder
teilweise auf, so bestimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf
Jahren (Art. 44 Abs. 1 StGB).
Wie bereits erwähnt, erwirkte der Angeklagte bislang eine Verurteilung we-
gen Fahrens in fahrunfähigem Zustand, Fahrens trotz Führerausweisentzugs so-
wie Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes, wofür er mit einer bedingten
Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu Fr. 90.– bei einer Probezeit von zwei Jahren
sowie mit einer Busse von Fr. 1'200.– bestraft wurde (vgl. vorstehend IV. 2. c.
a.A.). Entsprechend sind die objektiven Voraussetzungen für die Gewährung des
bedingten Vollzugs ohne weiteres erfüllt.
Hingegen bestehen durchaus Bedenken, was die subjektiven Vorausset-
zungen betrifft: Zum einen vermochte die obgenannte Vorstrafe den Angeklagten
offensichtlich nicht zu beeindrucken, verübte er die nunmehr Gegenstand des Be-
rufungsverfahrens bildenden einschlägigen Delikte doch nur gut ein halbes Jahr
nach ihrer Ausfällung und somit noch während laufender Probezeit. Zum anderen
wurde zwischenzeitlich eine weitere Strafuntersuchung betreffend neuerliche ein-
schlägige Delikte angehoben, was die Legalprognose jedenfalls nicht verbessert.
Gemäss der vom Verteidiger eingereichten Anklageschrift vom 24. August 2011
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wiederholte sich der für das Berufungsverfahren massgebende Sachverhalt im
Groben in der Nacht vom 26. auf den 27. Januar 2011 (Urk. 64). Die Strafunter-
suchung wurde jedoch noch nicht mit einem Entscheid abgeschlossen (Urk. 62,
Urk. 73), weshalb die Unschuldsvermutung gilt. Allerdings räumte der Angeklagte
anlässlich der Berufungsverhandlung ein, dass er im neuen Strafverfahren ge-
ständig sei (Prot. II, S. 9). Zu Gunsten des Angeklagten zu berücksichtigen ist
zwar Folgendes: Einerseits wurde mit dem vorinstanzlichen Urteil die bedingt
ausgefällte Vorstrafe widerrufen, welcher Entscheid bereits in Rechtskraft er-
wachsen ist (vgl. vorstehend III. 2.). Es besteht somit Grund zur Hoffnung, dass
der Vollzug dieser Geldstrafe den Angeklagten zu beeindrucken und ihm aufzu-
zeigen vermag, welche Konsequenzen erneutes Delinquieren während laufender
Probezeit nach sich zieht. Andererseits unternahm der Angeklagte freiwillig bis
heute andauernde beachtliche Anstrengungen zur Bekämpfung seiner Kokain-
sucht, denen trotz des Rückfalls vom 26./27. Januar 2011 Erfolg beschieden zu
sein scheint (Prot. II, S. 5). Trotzdem ist nicht unberücksichtigt zu lassen, dass die
jahrelange und schwere Kokainabhängigkeit des Angeklagten die Grundlage für
sämtliche Delikte bildet und er bereits mehrfach Therapien abgebrochen hat, um
wieder rückfällig im Kokainkonsum zu werden. So stellten denn auch die Gutach-
ter fest, dass ohne eine entsprechende längerfristige und intensive psychiatrisch-
psychotherapeutische Behandlung die Rückfallgefahr als erheblich anzusehen ist
(Urk. 77, S. 23). Da sich der Angeklagte erst seit ca. September 2011 in einer
ambulanten Behandlung befindet und erst seit ca. Mitte Juli 2011 kein Kokain
mehr konsumiert (vgl. Urk. 77, S. 23), kann eine erhöhte Rückfallgefahr zum heu-
tigen Zeitpunkt noch nicht ausgeschlossen werden. Wie nachfolgend dargelegt
wird, ist der Angeklagte massnahmebedürftig. Unter allen diesen Umständen
kann dem Angeklagten keine günstige Prognose im Sinne von Art. 42 StGB ge-
stellt werden, weshalb der Vollzug der Freiheitsstrafe und der Geldstrafe nicht
aufzuschieben ist.
4. Massnahme: Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe allein
nicht geeignet ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein Be-
handlungsbedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfor-
dert und die Voraussetzungen der Artikel 59-61, 63 oder 64 erfüllt sind (Art. 56
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Abs. 1 StGB). Die Anordnung einer Massnahme setzt voraus, dass der mit ihr
verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die
Wahrscheinlichkeit und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist
(Art. 56 Abs. 2 StGB). Ist der Täter psychisch schwer gestört, ist er von Suchtstof-
fen oder in anderer Weise abhängig, so kann das Gericht anordnen, dass er nicht
stationär, sondern ambulant behandelt wird, wenn der Täter eine mit Strafe be-
drohte Tat verübt, die mit seinem Zustand im Zusammenhang steht und zu erwar-
ten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Täters im
Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB).
Gemäss den Ausführungen der psychiatrischen Gutachter bestand zum Un-
tersuchungszeitpunkt die Diagnose Kokainabhängigkeitssyndrom, gegenwärtig
abstinent, und für den Tatzeitpunkt die Diagnose Kokainabhängigkeitssyndrom,
gegenwärtiger Substanzgebrauch (Urk. 77, S. 28). Die Gutachter kamen zum
Schluss, dass die jahrelange und schwere Kokainabhängigkeit des Angeklagten
die Grundlage für sämtliche Delikte bildet und ohne eine entsprechende länger-
fristige und intensive psychiatrisch-pychotherapeutische Behandlung die Rückfall-
gefahr als erheblich anzusehen sei. Mit einer therapeutischen Behandlung und
gesicherter Abstinenz sei die Rückfallgefahr jedoch als gering anzusehen (Urk.
77, S. 23). Gemäss Gutachten sei die beim Angeklagten vorliegende schwere
Kokainabhängigkeit klar behandlungsbedürftig. Mit einer therapeutischen Behand-
lung sei der Angeklagte einverstanden und er sei therapiefähig (Urk. 77, S. 23).
Die Strafe allein ist gemäss Gutachten nicht geeignet, der Gefahr weiterer Strafta-
ten des Angeklagten zu begegnen. Die Abhängigkeit des Angeklagten erfordert
eine therapeutische ambulante Behandlung, welche erwarten lässt, dass sich
durch sie der Gefahr weiterer mit der Kokainabhängigkeit des Angeklagten im Zu-
sammenhang stehender Taten begegnen lässt (Urk. 77, S. 26 f.).
Da die Voraussetzungen von Art. 56 Abs. 1 und Art. 63 StGB gegeben sind,
ist eine ambulante Behandlung anzuordnen. Diese erscheint vorliegend nicht un-
verhältnismässig.
Da das Gericht nur den Vollzug einer zugleich ausgesprochenen unbeding-
ten Freiheitsstrafe, einer durch Widerruf vollziehbar erklärten Freiheitsstrafe sowie
einer durch Rückversetzung vollziehbar gewordenen Reststrafe zu Gunsten einer
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ambulanten Behandlung aufschieben kann (Art. 63 Abs. 2 StGB), nicht aber den
Vollzug einer Geldstrafe, kann nur der Vollzug der heute auszufällenden Frei-
heitsstrafe, nicht aber derjenige der Geldstrafe zugunsten der ambulanten Mass-
nahme aufgeschoben werden. Der Aufschub einer Freiheitsstrafe zu Gunsten ei-
ner ambulanten Massnahme ist dann angezeigt, wenn damit der Art der Behand-
lung Rechnung getragen werden kann (Art. 63 Abs. 2 StGB). Das Gericht hat bei
der Beurteilung der Frage des Strafaufschubs einen erheblichen Ermessensspiel-
raum, es sind auch hier die Notwendigkeit und Chancen einer Behandlung im
Vergleich zu den Auswirkungen des Strafvollzuges sowie des Erfordernisses,
Straftaten zu ahnden, zu berücksichtigen (Trechsel/Pauen Borer, StGB PK, Art.
63 N 6; BSK Strafrecht I-Heer, Art. 63 N 36).
Gemäss Gutachten kann die ambulante Behandlung zwar auch während
oder erst nach dem Vollzug einer Freiheitsstrafe durchgeführt werden, ohne dass
dadurch die Behandlung verunmöglicht oder erheblich beeinträchtigt würde (Urk.
77, S. 27), im vorliegenden Fall erscheinen die Erfolgsaussichten einer ambulan-
ten Behandlung ohne vorherigen oder gleichzeitigen Freiheitsentzug aber erheb-
lich besser. Die Lebenssituation des Angeklagten ist sehr stabil. Er geht einer Ar-
beit nach und wird von seiner Familie, insbesondere seiner Frau, stark unterstützt.
Durch einen Freiheitsentzug würde er aus diesem Umfeld, das ihm Halt gibt, her-
ausgerissen werden, was sich negativ auf seinen Therapieverlauf auswirken
könnte. Denn es ist notorisch, dass in sehr vielen Fällen die soziale und berufliche
Integration Voraussetzung für das Gelingen einer ambulanten Behandlung dar-
stellt bzw. die Legalbewährung fördert (BSK Strafrecht I-Heer, Art. 63 N 51). Aus-
serdem hat er bereits mit einer ambulanten Therapie begonnen, und es ist nicht
auszuschliessen, dass er diese, würde er sich in einer Strafanstalt befinden, nicht
mehr bei der selben Therapeutin weiterführen könnte. Die begonnene Therapie
verläuft gut und eine durch den Strafvollzug bedingte Zäsur wäre ein Nachteil (vgl.
BSK Strafrecht I-Heer, Art. 63 N 53). Die Straftaten des Angeklagten werden so-
dann dadurch, dass die frühere Geldstrafe widerrufen und die heute auszufällen-
de Geldstrafe zu vollziehen ist, genügend schuldangemessen geahndet, auch
wenn die Freiheitsstrafe zu Gunsten der Massnahme aufgeschoben wird, zumal
es sich um eine relativ kurze Freiheitsstrafe handelt (vgl. Trechsel/Pauen Borer,
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a.a.O., Art. 63 N 6). Somit ist der Vollzug der Freiheitsstrafe zu Gunsten der am-
bulanten Massnahme aufzuschieben.
V.
(Kostenfolgen)
1. Erstinstanzliches Verfahren: Die Staatsanwaltschaft macht sinngemäss
zusammengefasst geltend, es sei weder aus dem vorinstanzlichen Urteil ersicht-
lich, noch überhaupt einzusehen, weshalb die Vorinstanz die Kosten der amtli-
chen Verteidigung des Angeklagten auf die Gerichtskasse genommen und sie so
der Allgemeinheit aufgebürdet habe (Urk. 45, S. 3).
Gemäss § 188 Abs. 1 StPO hat bei einer Verurteilung in der Regel der An-
geklagte die Kosten des Prozesses, einschliesslich derjenigen für seine amtliche
Verteidigung, zu tragen. Bei dieser Norm handelt es sich schon dem Wortlaut
nach um eine Bestimmung, die zwar eine entsprechende grundsätzliche Kosten-
tragungspflicht statuiert, dem Gericht hinsichtlich der Kostenauflage bzw.
-verteilung aber auch ein gewisses Ermessen einräumt (ähnlich DONATSCH/
SCHMID, StPO-Kommentar, Zürich 1996 ff., § 188 Rz. 1 ff.; SCHMID, Strafprozess-
recht, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2004, Rz. 1200).
Vorliegend ist aus dem vorinstanzlichen Urteil in der Tat nicht ersichtlich,
aus welchen Gründen die Kosten für die amtliche Verteidigung nicht dem Ange-
klagten auferlegt, sondern auf die Gerichtskasse genommen wurden. Indessen
kann dieser Kostenentscheid der Vorinstanz alleine deshalb noch nicht als er-
messenswidrig qualifiziert werden. Entsprechend ist die erstinstanzliche Kosten-
auflage zu bestätigen.
2. Zweitinstanzliches Verfahren: Gemäss § 396a StPO erfolgt die Auflage
der Kosten und die Zusprechung einer Entschädigung im Berufungsverfahren in
der Regel im Verhältnis von Obsiegen und Unterliegen der Verfahrensbeteiligten.
Ausgangsgemäss wären die Kosten des Berufungsverfahrens somit weitge-
hend dem Angeklagten aufzuerlegen. Indessen ist zu bedenken, dass die Staats-
anwaltschaft selber vor Vorinstanz im Strafpunkt einen unverhältnismässig milden
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Antrag stellte (so dass gerade noch eine Anklage beim Einzelrichter möglich war)
und die Vorinstanz diesem weitestgehend folgte. Hätte die Staatsanwaltschaft von
Anfang an beim Kollegialgericht die von ihr heute beantragte Strafe verlangt, hätte
sich ein Berufungsverfahren wohl erübrigt. Entsprechend wäre eine Kostenaufla-
ge an den Angeklagten offensichtlich unbillig und rechtfertigt es sich somit, in
casu die Kosten des zweitinstanzlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen der
amtlichen Verteidigung, vollumfänglich auf die Gerichtskasse zu nehmen.