# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 820e15fe-6b38-482a-acb9-bab3d52254e4
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1963, ist gelernte Coiffeuse. Wegen Rücken-,
Hand- und Hüftproblemen musste sie sich diversen operativen Eingriffen
unterziehen. Seit dem 31. März 2014 ist sie in ihrer Arbeitsfähigkeit als
selbstständigerwerbende Coiffeuse erheblich eingeschränkt.
2. Nachdem sich A._ im November 2014 bei der IV-Stelle des
Kantons Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) erstmals zum
Leistungsbezug angemeldet hatte, tätigte diese erwerbliche und
medizinische Abklärungen. Insbesondere liess die IV-Stelle A._
polydisziplinär in den Fachbereichen Allgemeine Innere Medizin,
Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Handchirurgie und
Rheumatologie begutachten. In dem am 3. Mai 2017 erstatteten
Gutachten des BEGAZ Begutachtungszentrums BL (nachfolgend BEGAZ-
Gutachten) stellten die Experten diverse Diagnosen mit Auswirkungen auf
die Arbeitsfähigkeit, so namentlich eine residuelle sensible Neuropathie
des N. medianus rechts mit neuropathischer Schmerzsymptomatik, ein
Lumbovertebralsyndrom mit V.a. radikuläre Schmerzsymptomatik L5 links
und intermittierender radikulärer Reizsymptomatik L5 links sowie
residuelle S1-Symptomatik rechts mit abgeschwächtem ASR rechts, ein
Cervikalsyndrom mit radikulärer Reizsymptomatik sehr wahrscheinlich der
Nervenwurzel C5 und C6 links sowie eine Angst und depressive Störung
gemischt (vgl. IV-act. 86 S. 69 f.). Die Gutachter hielten
gesamtmedizinisch fest, dass in der angestammten Tätigkeit als Coiffeuse
eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit und in einer optimal adaptierten Tätigkeit
lediglich eine 40%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe.
3. Nach Einholung von Beurteilungen des Regional Ärztlichen Dienstes
(RAD) Ostschweiz sowie nach Veranlassung einer Betriebsanalyse wies
die IV-Stelle das Leistungsbegehren von A._ mit Verfügung vom
7. November 2017 ab und verneinte bei einem gestützt auf die als
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zumutbar erachtete Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 60 %
ermittelten Invaliditätsgrad von 0 % einen Rentenanspruch. Die dagegen
von A._ erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden mit rechtskräftigem Urteil vom 4. Dezember 2018 ab
(Verfahren S 2017 158).
4. In der Folge trat die IV-Stelle auf das von A._ im Januar 2020
gestellte Leistungsbegehren mit Verfügung vom 13. März 2020 nicht ein.
5. Am 18. Juni 2021 meldete sie sich erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an (vgl. IV-act. 181) und machte eine Verschlechterung
ihres Gesundheitszustands geltend (vgl. IV-act. 183). Als Beleg dafür
wurde auf Aufforderung hin ein Bericht von Dr. med. B._ vom 7.
Juli 2021 eingereicht.
6. Nachdem RAD-Ärztin Dr. med. C._ in ihrer Beurteilung vom 16.
Juli 2021 zum Schluss gelangt war, dass sich der Gesundheitszustand mit
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht wesentlich verändert habe,
stellte die IV-Stelle A._ mit gleichentags ergangenem
Vorbescheid in Aussicht, nicht auf ihr Leistungsbegehren einzutreten.
Dagegen erhob A._ am 28. September 2021 (Poststempel)
Einwand und reichte einen Bericht ihrer behandelnden Psychiaterin Dr.
med. D._ vom 22. September 2021 sowie einen solchen von Dr.
med. B._ vom 24. September 2021 ein. Zudem ging bei der IV-
Stelle ein Untersuchungsbericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 8.
Oktober 2021 ein.
7. Zu diesen Berichten nahm RAD-Ärztin Dr. med. C._ am 3.
November 2021 Stellung, bevor die IV-Stelle mit Verfügung vom 5.
November 2021 wie vorbeschieden entschied und auf das
Leistungsbegehren nicht eintrat.
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8. Mit dagegen am 3. Dezember 2021 (Poststempel) beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden erhobener Beschwerde
beantragte A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin), auf ihr
Leistungsbegehren sei in Aufhebung der Verfügung vom 5. November
2021 einzutreten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte sie um
Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels und um Gewährung einer
Fristerstreckung zur ergänzenden Begründung der Beschwerde. Letzteres
wies die Instruktionsrichterin mit prozessleitender Verfügung vom 6.
Dezember 2021 ab. Zur Begründung brachte die Beschwerdeführerin im
Wesentlichen vor, ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte würden eine
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands seit der Begutachtung im
Jahr 2017 bestätigen. Zudem reichte sie einen weiteren Bericht von Dr.
med. D._ vom 1. Dezember 2021 ein.
9. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 5. Januar 2022 auf Abweisung der Beschwerde und
verwies dabei zur Begründung primär auf die angefochtene Verfügung
vom 5. November 2021. Zudem brachte sie vor, dass der neu eingereichte
Arztbericht unbeachtlich sei. Selbst wenn aber dieser berücksichtigt
würde, wäre eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustands
nicht glaubhaft gemacht.
10. Die Beschwerdeführerin replizierte am 31. Januar 2022 und legte einen
Bericht von Dr. med. B._ vom 26. Januar 2022 ins Recht.
11. Die Beschwerdegegnerin duplizierte am 10. Februar 2022 und hielt
unverändert an ihrem Rechtsbegehren fest.
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## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Die Verfügung der IV-Stelle des Kantons Graubünden vom 5.
November 2021 stellt eine solche anfechtbare Verfügung der
Invalidenversicherung und folglich ein taugliches Anfechtungsobjekt für
ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art.
57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49
Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100). Als Adressat der strittigen Verfügung ist der Beschwerdeführer
berührt und er weist ein schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung
oder Änderung auf (Art. 1 Abs. 1 IVG i. V. m. Art. 59 ATSG). Die
Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs.
1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b ATSG).
Darauf ist somit einzutreten.
2. Der Streitgegenstand erschöpft sich in der Frage, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht mangels glaubhaft gemachter
Verschlechterung des Gesundheitszustands durch die
Beschwerdeführerin nicht auf deren Leistungsbegehren eingetreten ist.
2.1. Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert,
so wird eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn damit glaubhaft gemacht
wird, dass sich der Grad der Invalidität in einer für den Anspruch
erheblichen Weise geändert hat (Art. 87 Abs. 3 i. V. m. Abs. 2 der
Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV; SR 831.201]; Urteil des
Bundesgerichts 8C_481/2020 vom 15. Dezember 2020 E.2.2.). Eine
solche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse kann namentlich in einer
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Verschlechterung des Gesundheitszustandes mit entsprechend
verminderter Arbeitsfähigkeit oder in geänderten erwerblichen
Auswirkungen einer im Wesentlichen gleich gebliebenen Beeinträchtigung
der Gesundheit liegen. Dagegen stellt eine bloss abweichende Beurteilung
eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts keine relevante
Änderung dar (Urteile des Bundesgerichts 8C_514/2019 vom 23.
Dezember 2019 E.3.1 und 8C_606/2019 vom 5. Dezember 2019 E.3.2 m.
H.). Es obliegt der versicherten Person, die Voraussetzung des
veränderten Gesundheitszustandes glaubhaft zu machen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_455/2020 vom 20. Oktober 2020 E.3.1 m. H.). Mit dem
Beweismass des Glaubhaftmachens sind herabgesetzte Anforderungen
an den Beweis verbunden; die Tatsachenänderung muss also nicht nach
dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Grad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 144 V 427 E.3.2) erstellt sein. Es genügt, dass
für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheblichen
Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn
durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender
Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen.
Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden
kann, der Anspruch auf eine Invalidenrente (oder deren Erhöhung) sei
begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen
sollten (Urteile des Bundesgerichts 9C_725/2019 vom 27. Januar 2020
E.2.2 und 9C_733/2019 vom 2. Dezember 2019 E.2.2.).
2.2. Der Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde von Amtes wegen für
die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen
Sachverhalts zu sorgen hat, spielt insoweit nicht (Urteil des
Bundesgerichts 9C_725/2019 vom 27. Januar 2020 E.2.2). Dieser greift
rechtsprechungsgemäss erst, wenn die Verwaltung auf ein Gesuch eintritt,
folglich ein Verfahren eröffnet und verpflichtet ist, den massgeblichen
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Sachverhalt abzuklären (BGE 130 V 64 E.5.2.5 und Urteil des
Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.5).
2.3. Für die beschwerdeweise Überprüfung einer Nichteintretensverfügung ist
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts der Sachverhalt, wie er sich
der Verwaltung bot, resp. die Aktenlage bei Erlass dieser Verfügung
massgeblich (BGE 130 V 64 E.5.2.5; Urteile des Bundesgerichts
8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.1 und 8C_183/2016 vom 9. Mai
2016 E.2.1). Bei der der Frage des Eintretens auf die Neuanmeldung kann
somit nur auf jene ärztliche Berichte abgestellt werden, die der Verwaltung
im Zeitpunkt ihres Nichteintretensentscheids auch vorgelegen haben
(Urteil des Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.4).
Insofern sind die im vorliegenden Beschwerdeverfahren ins Recht
gelegten Berichte, namentlich jener von Dr. med. B._ vom 26.
Januar 2022 und von Dr. med. D._ vom 1. Dezember 2021
genauso wie die Stellungnahme der RAD-Ärztin Dr. med. C._
vom 20. Dezember 2021 dazu, unbeachtlich.
2.4. Die zeitliche Vergleichsbasis für die Frage, ob eine rentenrelevante
Veränderung des Sachverhalts glaubhaft ist, bildet der Zeitpunkt der
letzten umfassenden materiellen Prüfung (mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs). Der Vergleichszeitraum erstreckt sich
grundsätzlich bis zur Prüfung und Beurteilung des Gesuchs, d. h. bis zum
Erlass der Verfügung betreffend die Neuanmeldung (Urteil des
Bundesgerichts 8C_256/2019 vom 23. August 2019 E.6.1).
3.1. Im hier zu beurteilenden Fall ist somit als Vergleichsbasis auf die
Verfügung vom 7. November 2017 abzustellen, mit welcher das
Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin nach einlässlichen
medizinischen Abklärungen abgewiesen wurde. Dieser Entscheid wurde
vom Verwaltungsgericht mit Urteil vom 4. Dezember 2018 im Verfahren S
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2017 158 geschützt (vgl. IV-act. 148). Die Beschwerdegegnerin verneinte
in der Verfügung vom 7. November 2017 einen Rentenanspruch (vgl. IV-
act. 119). Diesem Entscheid zugrunde lagen insbesondere das vom
Verwaltungsgericht als beweiskräftig erachtete polydisziplinäre BEGAZ-
Gutachten vom 3. Mai 2017 sowie die Stellungnahmen des RAD-Arztes
Dr. med. E._ vom 11. Mai 2017 und 7. November 2017.
3.2. Die BEGAZ-Gutachter diagnostizieren im Gutachten vom 3. Mai 2017 was
folgt (vgl. IV-act. 86 S. 69 f.):
"Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
1. Residuelle sensible Neuropathie des N. medianus rechts mit neuropathischer Schmerzsymptomatik
 St. n. unvollständiger Spaltung des Carpaltunnels rechts 16.05.2014
 St. n. Revision N. medianus im Karpalkanal rechts und Deckung mittels Hypothenarfettgewebelappen 22.08.2014
ICD-10: G51.1, M79.22
2. Lumbovertebralsyndrom mit V.a. radikuläre Schmerzsymptomatik L5 links und intermittierender radikulärer Reizsymptomatik L5 links sowie residuelle S1-Symptomatik rechts mit abgeschwächtem ASR rechts
 St. n. Bandscheibenoperation L5/S1 rechts am 05.08.2010  Begleitende SIG-Blockierung, aktuell rechts  Begleitende Ansatztendinose am medialen Beckenkamm links
(SIPS)
ICD-10: M54.4
 St. n. Dekompression L5/S1 vorne links, Spondylodese mit Zwischenwirbel-Interponat in beidseitiger transpedikulärer Verschraubung am 16.05.2014
ICD-10: M51.1
3. Cervikalsyndrom mit radikulärer Reizsymptomatik sehr wahrscheinlich der Nervenwurzel C5 und C6 links
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ICD-10: M50.1
4. V.a. cervikogen bedingte Schwindelsymptomatik
ICD-10: R42
5. St. n. Implantation Hüfttotalprothese links 22.05.15 bei Coxarthrose bds.
ICD-10: M16.0
6. Muskuläre Dysbalance am Schultergürtel bds.
ICD-10: M79.1
7. Angst und depressive Störung gemischt
ICD-10: F41.2
Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit:
8. V.a. cervikogene Kopfschmerzen links occipital
ICD-10: M54.2
9. V.a. Kopfschmerzen vom Spannungstyp bei Druckgefühl im ganzen Kopf
ICD-10: G44.2
10. Klinisch Verdacht auf beginnende Rhizarthrose rechts
11. Spreizfüsse
Hallux valgus bds.
12. St. n. möglicher posttraumatischer Belastungsstörung mit Restsymptomatik
ICD-10: F43.1
13. Panikstörung
ICD-10: F41.0"
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Gestützt auf die erhobene Anamnese und die klinischen und bildgebenden
Befundungen sowie unter Berücksichtigung der Vorgeschichte der
Beschwerdeführerin kamen die BEGAZ-Gutachter gesamtmedizinisch
zum Schluss, dass in der angestammten Tätigkeit als Coiffeuse eine
60%ige und in einer optimal adaptierten Tätigkeit eine 40%ige
Arbeitsunfähigkeit bestehe (vgl. IV-act. 86 S. 74).
Aus neurologischer Sicht bestehe aufgrund der sensiblen Neuropathie des
N. medianus rechts mit neuropathischer Schmerzsymptomatik, dem
Lumbovertebralsyndrom mit radikulärer Schmerzsymptomatik L5 sowie
Reizsymptomatik L5 links, dem Cervikalsyndrom mit radiulärer Reiz- und
Schmerzsymptomatik der Nervenwurzel C5 und C6 links sowie der
cervikogen bedingten Schwindelsymptomatik eine Beeinträchtigung der
Arbeitsfähigkeit. Wegen der Sensibilitätsstörung im Bereich der Finger III
und IV der rechten Hand sowie der neuropathischen Schmerzsymptomatik
im Bereich der rechten Vola und aufgrund dessen, dass die
Beschwerdeführerin nicht lange stehen könne, liege in der angestammten
Tätigkeit als Coiffeuse eine Arbeitsunfähigkeit von 60 % vor. In einer
angepassten Tätigkeit mit rückenadaptierter Stellung und leichten
körperlichen Arbeiten, mit Vermeidung von über Kopf-Tätigkeiten sowie
eines dauernden Gehens oder Stehens, in organisatorischen oder
administrativen Tätigkeiten, ging der neurologische Facharzt von einer
60%igen Arbeitsfähigkeit aus (vgl. IV-act. 86 S. 72).
Auch nach Ansicht des Facharztes für Handchirurgie bestand als
Coiffeuse eine Arbeitsunfähigkeit von 60 %. Eine höhere Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit sei möglicherweise erreichbar, sofern die
rechte Hand nur sporadisch eingesetzt werden müsste (vgl. IV-act. 86
S. 72).
Aus rein rheumatologischer Sicht liege eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit als Coiffeuse sowohl aufgrund der Beschwerden im
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Bereich der distalen Lendenwirbelsäule als auch wegen der operierten
Coxarthrose links vor. Zudem bestehe ein etwas erhöhter Pausenbedarf
wegen der Coxarthrose rechts und der muskulären Dysbalance am
Schultergürtel beidseits. Retrospektiv habe nach den beiden Operationen
an der Lendenwirbelsäule am 5. August 2010 und am 16. Mai 2014 sowie
nach der Hüftgelenkoperation links am 22. Mai 2015 jeweils eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit während etwa zwei bis drei Monaten bestanden. Seit
Herbst 2016 müsse aus rheumatologischer Sicht wegen der diskogenen
Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung ins linke Bein eine Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 40 % attestiert werden. Darin
sei auch eine Leistungseinschränkung durch erhöhten Pausenbedarf von
etwa 10 % im Rahmen der Coxarthrose-Beschwerden rechts und der
muskulären Dysbalancen am Schultergürtel bds. enthalten. In einer
körperlich leichten, wechselbelastenden, rückenadaptierten Tätigkeit, die
vorwiegend unterhalb der Schulterhorizontale durchgeführt werden könne,
schätzte der rheumatologische Facharzt die medizinisch-theoretische
Arbeitsfähigkeit auf 80 % ein (vgl. IV-act. 86 S. 73 f.).
Schliesslich ist dem BEGAZ-Gutachten vom 3. Mai 2017 in psychiatrischer
Hinsicht zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des
psychischen Zustands allenfalls vermindert belastbar sei; teilweise
benötige sie Pausen. Bezogen auf eine ganztägige Arbeit könne somit seit
der Aufnahme der psychiatrischen Behandlung im Februar 2016 eine etwa
20%ige Leistungseinschränkung begründet werden, dies sowohl in der
angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit (vgl. IV-act. 86
S. 74). In seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung hielt der
psychiatrische Teilgutachter Dr. med. F._ zusammenfassend
fest, es zeigten sich Hinweise darauf, dass die Beschwerdeführerin in der
Kindheit möglicherweise traumatisiert worden sei. Es bestünden Hinweise
auf Flashbacks, die in diese Zeit hineinreichten, teilweise auch
Angstträume. Die Beschwerdeführerin könne im Alltag damit relativ gut
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umgehen. Es bestehe andererseits eine generelle Ängstlichkeit, die auch
schon seit der Kindheit vorliege und je nach Zustand verstärkt auftrete und
die Beschwerdeführerin verunsichere. Manchmal leide sich auch unter
panikartigen Zuständen, weswegen sie dann je nach Situation eine
Begleitung brauche. Aus der Vergangenheit sei auch ein Meideverhalten
für gewisse Umstände bekannt, welches sie erfolgreich habe therapieren
können. Es bestünden auch Verstimmungszustände, allerdings nie in
gravierendem Ausmass. Die Beschwerdeführerin könne sich jeweils
auffangen. Es gelinge ihr auch, Interessen nachzugehen und diese zu
pflegen. Sie kümmere sich um ihre alltäglichen Belange. Es sei deshalb
anzunehmen, dass eine Angst und depressive Störung gemischt vorliege,
möglicherweise überlagert durch eine Panikstörung und zusätzlich noch
Restsymptome einer in der Kindheit abgelaufenen posttraumatischen
Belastungsstörung. Die Beschwerdeführerin sei dadurch teilweise
vermindert belastbar, wobei entscheidend die körperlichen Beschwerden
seien, welche die Beschwerdeführerin zusätzlich verunsicherten. Sie gebe
an, dass sie ohne die körperlichen Beschwerden weiterhin in vollem
Pensum arbeiten würde. Der Beschwerdeführerin sei es möglich, sich an
Termine zu halten und diese wahrzunehmen. Sie könne sich auch in
gewisse Abläufe einfügen, zum Beispiel tägliche Routineabläufe
aufrechterhalten. Sie könne Aufgaben planen, auch strukturieren. Sie
könne sich an gewisse Bedingungen anpassen und umstellen, wobei sie
teilweise wegen der Ängste Mühe habe, sich an schwierige, unbekannte
Situationen anzupassen. Sie könne die sachlichen Kompetenzen
anwenden, sich ein Urteil bilden und Entscheide fällen. In der
Durchhaltefähigkeit sei sie aufgrund des psychischen Zustands allenfalls
leichtgradig beeinträchtigt, dort wirkten sich aber auch eher die
körperlichen Beschwerden aus. Sie könne sich gut selbst behaupten, auch
wenn sie allgemein ängstlich und unsicher sei. Sie pflege Kontakte zu
Dritten. In der Gruppenfähigkeit sei sie nicht beeinträchtigt. Intime
Beziehungen pflege sie keine, da sie keinen Partner finde. Sie versuche,
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Kontakte im verwandtschaftlichen Rahmen zu pflegen. Sie gehe
Aktivitäten nach, soweit dies aufgrund der körperlichen Umstände möglich
sei. In der Selbstpflege und Verkehrsfähigkeit sei sie nicht beeinträchtigt.
An unbekannte Orte müsse sie aber teilweise aufgrund der Ängste
begleitet werden. Im Alltag sei die Beschwerdeführerin dadurch nicht
wesentlich beeinträchtigt; durch die psychische Problematik bestünden
allenfalls leichtgradige Beeinträchtigungen, welche die
Beschwerdeführerin überwinden könne. Es sei deshalb anzunehmen,
dass ihr grundsätzlich eine berufliche Tätigkeit auch möglich sein sollte,
wie sie selbst angebe. Aus diesen Gründen sei nicht so recht
nachvollziehbar, weswegen Dr. med. D._ eine 70%ige
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit annehme. Sie scheine sich
vorwiegend auf die schon im Vorfeld ausgestellte Arbeitsunfähigkeit
abzustützen. Bei der Beeinträchtigung weise sie auf Anspannung bei der
Arbeit und schmerzbedingte Beeinträchtigungen hin, doch weniger auf
psychische Ursachen. Es sei deshalb anzunehmen, dass sie versuche,
die Gesamtsituation zu beurteilen, und nicht nur der psychische Bereich,
wodurch aus versicherungsmedizinischer Sicht eine diskrepante
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit entstehe. Die von ihr gestellten Diagnosen
könnten aber weitgehend übernommen werden. Hinweise auf eine
anderweitige psychiatrische Störung fänden sich nicht, insbesondere nicht
auf eine Persönlichkeitsproblematik. Es bestehe auch keine relevante
dauerhafte affektive Beeinträchtigung oder Suchtstörung (vgl. IV-act. 86
S. 44 ff.).
3.3. RAD-Arzt Dr. med. E._ hielt das BEGAZ-Gutachten in seiner
Abschlussbeurteilung vom 11. Mai 2017 für widerspruchsfrei. Die
medizinischen Schlussfolgerungen seien versicherungsmedizinisch
plausibel nachvollziehbar. Adaptiert seien leichte wechselbelastende
Tätigkeiten, welche vorwiegend unter der Schulterhorizontalen ausgeführt
werden könnten, ohne repetitiven oder über längere Zeit erfolgenden
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Einsatz der rechten Hand (vgl. IV-act. 122 S. 16). Zu den mit dem
damaligen Einwand eingereichten Berichte führte Dr. med. E._
am 7. November 2017 aus, diese enthielten keine neuen medizinischen
Fakten, sondern stellten eine andere Beurteilung der im Rahmen des
Gutachtens bereits bekannten und gewürdigten Einschränkungen dar (vgl.
IV-act. 122 S. 21).
4.1. In der angefochtenen Verfügung vom 5. November 2021 trat die
Beschwerdegegnerin mangels glaubhaft gemachter Veränderung der
Verhältnisse nicht auf das Leistungsbegehren der Beschwerdeführerin ein
(vgl. IV-act. 198). Dabei stützte sie sich auf die Beurteilungen von RAD-
Ärztin Dr. med. C._ vom 16. Juli 2021 und vom 3. November 2021
ab (vgl. IV-act. 197 S. 11 und IV-act. 197 S. 15 ff.). Darin verglich diese
den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin, wie er sich anlässlich
der polydisziplinären Begutachtung präsentierte, mit jenem, wie er aus den
neu vorgelegten Dokumenten hervorging, und kam zum Schluss, dass
sich der Gesundheitszustand mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
nicht wesentlich verändert habe. Es würden keine neuen Diagnosen
genannt, sondern ausschliesslich eine Verstärkung der Symptomatik der
bereits bekannten Leiden. Das polydisziplinäre Gutachten habe nach wie
vor Gültigkeit. Sämtliche Beschwerden seien bei einer Arbeitsunfähigkeit
von 60 % in bisheriger und von 40 % in angepasster Tätigkeit bereits
berücksichtigt worden. Die Schulterproblematik sei im adaptierten
Belastungsprofil bereits enthalten. Eine Stress-Inkontinenz sei ein
postmenopausales Altersproblem mit guten Therapiemöglichkeiten. Dass
sich Ängste in einer sehr dichten Menschenmenge ohne
Auswegsmöglichkeiten entwickeln würden, sei normal. Daraus könne
keine Pathologie abgeleitet werden. Auffällig sei ein beschriebener
finanzieller Engpass und Rentenbegehren mit angedrohtem Suizid, falls
sich die finanzielle Lage nicht bessern würde. Diese Faktoren seien IV-
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fremd. Weitere Abklärungen seien nicht zielführend. Es sei bereits
umfassend abgeklärt worden (vgl. IV-act. 197 S. 11).
4.2. Zu den im Rahmen des Einwandverfahrens eingereichten Berichten hielt
RAD-Ärztin Dr. med. C._ fest, dass sämtliche von Dr. med.
D._ im Bericht vom 22. September 2021 erwähnten
psychiatrischen Diagnosen ausser dem Kontrollzwang, welcher aus
fachpsychiatrischer Sicht nicht unter die Zwangsstörungen zu
subsumieren sei, bereits im polydisziplinären Gutachten vom 3. Mai 2017
aufgeführt und gewürdigt worden seien. Eine Verschlechterung sei nicht
glaubhaft gemacht (vgl. IV-act. 197 S. 15). Zum selben Schluss gelangte
sie auch bei den Berichten des Kantonsspitals St. Gallen vom 8. Oktober
2021 und von Dr. med. B._ vom 24. September 2021. Zu
letzterem führte sie namentlich aus, dass sämtliche darin genannten
neurochirurgischen Diagnosen bereits im polydisziplinären Gutachten
vom 3. Mai 2017 erwähnt und gewürdigt worden seien, ausser der
Schulter, welche aus orthopädischer Sicht gemäss aktueller Beurteilung
des Kantonsspitals St. Gallen keinen Eingang in die Diagnoseliste finde
(vgl. IV-act. 197 S. 16 ff.).
4.3.1. Demgegenüber ist die Beschwerdeführerin der Ansicht, dass sie mit
diesen Berichten eine Verschlechterung ihres Gesundheitszustands seit
der polydisziplinären Begutachtung glaubhaft gemacht hat. Im Einzelnen
lässt sich Folgendes aus diesen Berichten entnehmen:
4.3.2. In seinem Bericht vom 7. Juli 2021 wies Dr. med. B._, Facharzt
für Neurochirurgie, namentlich ein lumbales Schmerzsyndrom mit
persistierender Belastungsinsuffizienz, ein Cervikalsyndrom mit
Radikulopathie C5, C6 links bei Foraminalstenosen, ein CRPS der rechten
Hand nach Carpaltunnelsyndrom, eine posttraumatische Arthropatie der
rechten Schulter sowie eine Coxarthrose beidseits mit
Prothesenversorgung aus. Dazu hielt er fest, der Gesundheitszustand der
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Beschwerdeführerin habe sich seit dem letzten ablehnenden Bescheid
vom 7. November 2017 nachweislich und deutlich weiter verschlechtert.
Die Beschwerdeführerin werde von zahlreichen körperlichen
Einschränkungen des Bewegungsapparats in wechselnd starkem
Ausmass geplagt. Im Vordergrund stünden derzeit wieder intensive
lumbogluteale Schmerzen linksbetont im Sinne einer deutlichen
Belastungsinsuffizienz mit Beschwerdezunahme bereits bei geringen
körperlichen Aktivitäten. Erstmals sei nun auch eine schmerzbedingte
Stress-Inkontinenz aufgetreten. Zudem bestehe eine unfallbedingte
Verschlechterung nach dem Ereignis vom 16. Januar 2021 mit
Arthropathie der rechten Schulter, weshalb sie vorübergehend zu 100 %
arbeitsunfähig geworden sei. Die in vormaligen Beurteilungen
angenommene medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit von 60 % sei von
der Beschwerdeführerin selbst in einer selbstständigen Tätigkeit, bei
welcher die Möglichkeit bestehe, sich die Zeit einzuteilen und Ruhepausen
einzulegen bzw. das Arbeitstempo gegebenenfalls zu verlangsamen, nie
erreicht worden (vgl. IV-act. 188).
4.3.3. Mit Bericht vom 22. September 2021 diagnostizierte Dr. med. D._,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, eine mittelschwere
depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.1), eine
Zwangsstörung mit vorwiegendem Kontrollzwang (ICD-10 F42.1), eine
komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie eine
Panikstörung (ICD-10 F41.0). Dazu führte sie aus, offenbar habe der Sturz
der Beschwerdeführerin im Januar 2021 mit nachfolgender zusätzlicher
Behinderung verschiedene Traumata reaktiviert, die sie zuvor besser habe
verdrängen können. So sei sie im Jahr 2017 zwar belastet gewesen durch
die schon erlebten orthopädischen Operationen und deren nur
gemässigten Erfolgen sowie die anhaltenden Körperbeschwerden. Sie sei
dem Ganzen jedoch tapfer begegnet und habe danach gestrebt,
verbliebene Ressourcen auszunützen, um dem Leben Freude
- 17 -
abzugewinnen. Daher habe damals die Diagnose Angst und depressive
Störung gemischt (ICD-10 F41.2) zugetroffen, bei der sowohl die Angst als
auch die Depression eher leichtgradig gewesen seien.
Inzwischen leide die Beschwerdeführerin deutlich stärker unter den
ausgeprägten Schmerzen, die sich auch mit wiederholten
Injektionsbehandlungen, Physiotherapie und anderen Methoden nicht
mehr in den Hintergrund drängen liessen sowie unter den daraus
resultierenden Einschränkungen ihrer Kraft und
Bewegungsmöglichkeiten. Dazu komme eine ausgeprägte Scham über
diese Einschränkungen, die ihren Ursprung in wiederholten
Beschämungen durch die Mutter und andere Personen in der Kindheit
hätten. Dies habe sich in verschiedener Form im Erwachsenenleben
wiederholt und präge sie stark. Seit Anfang 2021 habe sich eine
mindestens mittelschwere Depression mit somatischem Syndrom
entwickelt mit Mangel an Freude und Interesse, sozialem Rückzug sowie
deutlichem Antriebs- und Kraftmangel, so dass normalerweise
angenehme Aktivitäten nicht mehr hätten verfolgt werden können.
Zusätzlich zeigten sich Durchschlafstörungen, Tagesmüdigkeit,
mangelnder Selbstwert und ein Gefühl von Hilflosigkeit und Sinnlosigkeit
bis zur Lebensmüdigkeit. Von suizidalen Handlungen distanziere sich die
Beschwerdeführerin jedoch eindeutig. Dazu komme ein typisches
Morgentief mit Mühe aufzustehen, Alpträumen und Gedankenkreisen,
wenn sie länger liegen bleibe.
Neu aufgetreten sei eine Zwangsstörung mit vorwiegendem
Kontrollzwang, die wohl durch das Erleben der depressionsbedingten
Konzentrationsstörungen ausgelöst worden sei. Die verschiedenen
Zwangshandlungen nähmen mindestens ein, mitunter zwei Stunden in
Anspruch, wenn sie das Haus verlassen wolle. Dies führe inzwischen
häufiger dazu, dass sie Termine nicht wahrnehmen könne oder sich stark
verspäte.
- 18 -
Während die Beschwerdeführerin schon seit Jahren an einer Panikstörung
leide, die in Menschenmengen, beim Betreten von längeren Gängen oder
beim Befahren von Tunnels aufgetreten sei, sie aber nicht an der Arbeit
gehindert habe, sei nun neu hinzugekommen, dass das Fallenlassen von
Arbeitsgeräten während ihrer Tätigkeit als Coiffeuse einen Panikanfall
auslösen könne, der sie zum Unterbruch der Tätigkeit zwinge. Wenn sie
dann hinausgehe ins Freie, könne sie sich selbst wieder beruhigen, doch
gehe diese Arbeitsunterbrechung mit erheblicher Scham einher.
Diese Panikreaktion bei Missgeschicken während der Arbeit sei wohl als
Ausdruck der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung zu
verstehen, welche die Beschwerdeführerin in ihrer Kindheit entwickelt
habe, als sie gleichzeitig einem alkoholabhängigen und wiederholt
gewalttätigen Vater und einer jähzornigen, sicher auch überforderten und
chronisch depressiven Mutter ausgesetzt gewesen sei und so über Jahre
in ständiger Unsicherheit und Angst gelebt und keinerlei Unterstützung zur
eigenen Entwicklung erfahren habe. Solche Traumata könnten bei guten
Bedingungen jahrelang kompensiert werden, träten aber typischerweise in
belastenden Lebenssituationen verstärkt zutage und erschwerten dann
die Bewältigung dieser Belastung zusätzlich.
Angesichts der Schwere der aktuellen depressiven Symptomatik, der
Angst- und Zwangsstörung sowie der PTBS sei es trotz medikamentöser
und psychotherapeutischer Behandlung nicht möglich, diese Leiden innert
nützlicher Frist zu beheben. Eine Einschätzung der allein durch die
psychischen Leiden bedingten Arbeitsunfähigkeit sei schwierig, da bei der
Beschwerdeführerin gleichzeitig somatische Leiden bestünden und eher
im Vordergrund erschienen. Dr. med. D._ kam in ergänzender
Anwendung des Mini-ICF-P-Ratings zur Beschreibung und Einschätzung
der Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin namentlich zum Schluss,
dass dieser eine ausserhäusliche Verweistätigkeit nicht zuzumuten sei
(vgl. IV-act. 193 S. 7 ff.).
- 19 -
4.3.4. In seinem Bericht vom 24. September 2021 betonte Dr. med. B._
bei den bereits bekannten Diagnosen erneut, dass das polydisziplinäre
Gutachten von 2017 nicht den aktuellen Gesundheitszustand der
Beschwerdeführerin widerspiegle. Nach seiner Einschätzung sei es bei ihr
in den letzten vier Jahren zu einer objektiven Verschlechterung der
Beeinträchtigungen durch körperliche Symptome gekommen, die über
eine geringfügige Verstärkung bereits bekannter Leider hinausgingen. Die
körperlichen Einschränkungen erreichten ein Ausmass, das auch
relevante, gravierende Beeinträchtigungen im Alltagsleben und der
Haushaltsführung bedingten (vgl. IV-act. 193 S. 11 f.).
4.3.5. Im Untersuchungsbericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 8. Oktober
2021 wurden namentlich folgende Diagnosen aufgeführt: unklare
Raumforderung des Os ilium (Spina iliaca posterior superior), DD
Knochenzyste, intraossäres Ganglion sowie lumbosakral-coxogenes
Schmerzsyndrom bei u.a. ISG-Arthropatie links > rechts. Die
untersuchenden Ärzte hielten zur klinischen Verlaufskontrolle ein Jahr
nach der letzten Konsultation fest, glücklicherweise zeige sich eine
grössenstationäre Befundkonstellation, weshalb der Fall abgeschlossen
werde (vgl. IV-act. 196).
5.1. In Würdigung dieser Berichte ist aus dem Vergleich der im
Verfügungszeitpunkt am 5. November 2021 gegebenen medizinischen
Situation und derjenigen, wie sie sich anlässlich der Verfügung vom 7.
November 2017 bot, zu schliessen, dass die Beschwerdeführerin
glaubhaft darlegen konnte, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse in
einer für den Leistungsanspruch erheblichen Weise verändert haben. Dies
geht bei genauerer Betrachtung bereits aus den Beurteilungen der RAD-
Ärztin Dr. med. C._ vom 16. Juli 2021 und 3. November 2021
hervor, spricht diese darin doch selbst von einer "Verstärkung der
Symptomatik der bereits bekannten Leiden" und führt sie neue Elemente
tatsächlicher Natur (z.B. Kontrollzwang) an (vgl. IV-act. 197 S. 11 und S.
- 20 -
15 ff.). Wenn sie letztere in diagnostischer Hinsicht anders als die
behandelnde Psychiaterin Dr. med. D._ einordnet (vgl. IV-act.
197 S. 15), übersieht sie, dass dies bei den bei der Neuanmeldung analog
zur Anwendung gelangenden Grundsätzen zur Rentenrevision (Art. 17
Abs. 1 ATSG in der bis zum
31. Dezember 2021 gültigen Fassung; BGE 130 V 71 E.3.2.3; Urteil des
Bundesgerichts 8C_379/2019 vom 21. August 2019 E.2.2) nicht
entscheidend ist. Massgeblich ist vielmehr eine veränderte Befundlage
(Urteile des Bundesgerichts 8C_121/2021 vom 27. Mai 2021 E.4.2.2,
9C_88/2021 vom 26. Mai 2021 E.3.2 und 9C_346/2019 vom 6. September
2019 E.2.1.1). Diesbezüglich ist in Gegenüberstellung des psychiatrischen
BEGAZ-Teilgutachtens vom 3. Mai 2017 und dem Bericht von Dr. med.
D._ vom 22. September 2021 festzustellen, dass die in letzterem
beschriebenen Kontrollzwänge, namentlich die mehrmalige Kontrolle der
Herdplatten, der Kühlschranktür, der Fenster und der Balkontür bzw. das
wiederholte Händewaschen und Umziehen (vgl. IV-act. 197 S. 5), welche
nach Ansicht der behandelnden Psychiaterin erhebliche funktionelle
Auswirkungen zeitigten (vgl. IV-act. 193 S. 8 ff.), im Zeitpunkt der BEGAZ-
Begutachtung noch nicht vorgelegen haben. Anlässlich dieser wurde vom
psychiatrischen Teilgutachter Dr. med. F._ ausserdem
festgestellt, dass die Beschwerdeführerin durch ihren psychischen
Zustand bei diagnostizierter Angst und depressiver Störung gemischt
(ICD-10 F41.2) nur geringfügig beeinträchtigt würde (vgl. IV-act. 86 S. 45
und S. 47). Im Gegensatz dazu wies Dr. med. D._ in ihrem Bericht
vom 22. September 2021 eine mittelschwere depressive Episode mit
somatischem Syndrom (ICD-10 F32.1) aus, welche sich seit Anfang 2021
entwickelt habe und sich in einem Mangel an Freude und Interesse, einem
sozialen Rückzug, in einem deutlichem Antriebs- und Kraftmangel, in
Durchschlafstörungen und Tagesmüdigkeit, in einem mangelnden
Selbstwert und einem Gefühl von Hilflosigkeit und Sinnlosigkeit bis zur
Lebensmüdigkeit äussere (vgl. IV-act. 193 S. 7). Zwar weist RAD-Ärztin
- 21 -
Dr. med. C._ in ihrer Beurteilung vom 3. November 2021 zu Recht
darauf hin, dass dem besagten Bericht von Dr. med. D._ kein als
solcher bezeichneter Psychostatus entnommen werden kann. Indes führte
diese im Rahmen der Anamneseerhebung aus, die Beschwerdeführerin
sei aufgrund der anhaltenden Schmerzen langsam, weniger leistungsfähig
und zusätzlich müde, erschöpft und vergesslich geworden. Ihr Antrieb sei
stark reduziert. So benötige sie am Morgen bis zu einer Stunde nach dem
Aufwachen, um auch aufzustehen und sie bleibe tagsüber öfters einfach
sitzen. Dann gelinge es ihr einfach nicht, für die nächste geplante Tätigkeit
aufzustehen. Für die resultierenden Misserfolge schäme sie sich sehr (vgl.
IV-act. 193 S. 5). Angesichts dessen und dem Umstand, dass anlässlich
der BEGAZ-Begutachtung lediglich Verstimmungszustände in nicht
gravierendem Ausmass bestanden haben, welche die
Beschwerdeführerin jeweils habe auffangen können und sie ausserdem in
der Lage gewesen sei, ihren Interessen nachzugehen, diese zu pflegen
und sich um ihre alltäglichen Belange zu kümmern (vgl. IV-act. 86 S. 45),
liegt nahe, dass sich seither hinsichtlich der depressiven Symptomatik
eine Verschlechterung eingestellt hat. Gleiches gilt mit Blick auf die
Panikstörung und der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS),
welche im BEGAZ-Gutachten vom 3. Mai 2017 noch den Diagnosen ohne
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zugeordnet wurden (vgl. IV-act. 86
S. 48 f. und S. 70). Während sie mit diesen im Zeitpunkt der Begutachtung
gemäss den Ausführungen des psychiatrischen Teilgutachter Dr. med.
F._ im Alltag relativ gut umgehen konnte (vgl. IV-act. 86 S. 44),
wird im Bericht von Dr. med. D._ vom 22. September 2021
beschrieben, dass die Beschwerdeführerin durch Missgeschicke, wie das
Fallenlassen von Arbeitsgeräten, während ihrer Tätigkeit als Coiffeuse
einen Panikanfall erleiden könne, welcher sie zu einem Unterbruch ihrer
Arbeite zwinge, wobei sie sich erst wieder im Freien beruhigen könne, was
mit erheblicher Scham verbunden und wohl als Ausdruck der komplexen
PTBS zu verstehen sei (vgl. IV-act. 193 S. 7 f.). Mithin bestehen auch
- 22 -
diesbezüglich zumindest gewisse Hinweise darauf, dass sich der
psychische Zustand der Beschwerdeführerin im hier massgeblichen
Vergleichszeitraum in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert
hat. Dies geht auch daraus hervor, als Dr. med. D._ in ihrem
Bericht vom 23. Mai 2016 vor der polydisziplinären BEGAZ-
Beguchachtung noch auf eine hochgradige Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit schloss (vgl. IV-act. 61 S. 3 und IV-act. 86 S. 44), während
sie eine solche aktuell als aufgehoben erachtet (vgl. IV-act. 193 S. 10).
Sollten darin auch fachfremde, insbesondere somatische Aspekte
miteingeflossen sein, ändert dies nichts daran, dass jedenfalls gewisse
Anhaltspunkte für neue Elemente tatsächlicher Natur bzw. für eine
veränderte Befundlage vorliegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_455/2020 vom 20. Oktober 2020 E.4.4).
5.2. Wenn die Beschwerdegegnerin ungeachtet des Vorerwähnten annimmt,
der Bericht von Dr. med. D._ vom 22. September 2021 enthalte
keine hinreichenden Hinweise für eine massgebliche Verschlechterung
des Gesundheitszustandes, wendet sie im Ergebnis das für die materielle
Anspruchsprüfung massgebende Beweismass an (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_57/2021 vom 8. Juli 2021 E.4.4). Damit verkennt sie
jedoch, dass die Beweisanforderungen im Rahmen der Neuanmeldung
herabgesetzt sind, indem nicht im Sinne eines vollen Beweises die
Überzeugung der Verwaltung begründet zu werden braucht, dass seit der
letzten rechtskräftigen Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung
eingetreten ist. Vielmehr genügt es, dass für die geltend gemachten
rechtserheblichen Sachumstände wenigstens gewisse Anhaltspunkte
bestehen, was vorliegend – wie dargelegt – bereits mit dem Bericht der
behandelnden Psychiaterin Dr. med. D._ vom 22. September
2021 erfüllt wurde.
5.3. Da eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes somit
glaubhaft gemacht wurde, kann letztlich offen bleiben, ob die
- 23 -
Voraussetzungen der Glaubhaftmachung auch mit Bezug auf die geltend
gemachte Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustandes
erfüllt sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_207/2019 vom 3. Juli 2019
E.5.1). In diesem Zusammenhang ist jedoch darauf hinzuweisen, dass
selbst RAD-Ärztin Dr. med. C._ in ihrer Beurteilung vom 16. Juli
2021 davon ausging, dass sich die Symptomatik der bereits bekannten
Leiden verstärkt hat (vgl. IV-act. 197 S. 11).
5.4. Insgesamt ist die Beschwerdeführerin somit aufgrund der glaubhaft
gemachten Verschlechterung des Gesundheitszustands der
Beschwerdeführerin zu Unrecht nicht auf deren Leistungsbegehren
eingetreten. Der (Renten-)Anspruch der Beschwerdeführerin ist folglich
rechtsprechungsgemäss in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht allseitig
zu prüfen (BGE 141 V 9; Urteil des Bundesgerichts 8C_379/2019 vom 21.
August 2019 E.2.2). Die Beschwerdegegnerin hat demnach eine
umfassende, somatische und psychiatrische medizinische Abklärung
durch spezialisierte Fachpersonen zu veranlassen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_207/2019 vom 3. Juli 2019 E.5.3), womit es nicht bei
den Beurteilungen durch die RAD-Ärztin sein Bewenden haben kann.
Gestützt auf die dannzumal vollständigen medizinischen Unterlagen wird
die Beschwerdegegnerin die Leistungsansprüche der Beschwerdeführerin
erneut zu prüfen haben.
6.1. Die Beschwerde erweist sich somit als begründet und ist in Aufhebung der
angefochtenen Verfügung gutzuheissen. Die Angelegenheit ist im Sinne
der Erwägungen und zu neuem Entscheid an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen.
6.2. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
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unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Infolge des Ausgangs des Beschwerdeverfahrens, sind diese der
Beschwerdegegnerin zu überbinden
(vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG). Die nicht anwaltlich vertretene
Beschwerdeführerin hat praxisgemäss keinen Anspruch auf
Parteikostenersatz.