# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f3cf33d3-0e93-4194-bcd8-2955115d694b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1958,
ist
seit 1995
als selbständige
Kinesiologin
tätig
(
Urk.
7/6
Ziff.
5.4).
Mit Verweis auf die Folgen eines
Ver
kehrs
unfal
l
es
vom 2
2.
August 2013
meldete sich die Versicherte a
m 1
4.
Januar 2014
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/6
Ziff.
6.2-6.3). Di
e
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizini
sche
und erwerbliche Situation ab
und zog Akten des
T
aggeldversiche
rers
(
Urk.
7/16) sowie einen Polizeirapport (
Urk.
7/34) bei.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/44-52) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 2
5.
März 2015 einen Anspruch auf IV-Leistungen (
Urk.
7/53 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
8.
April 2015 Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfü
gung vom 2
5.
März 2015 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle zu verpflichten, ihr ab August 2014 eine Invalidenrente nach den gesetzlichen Bestimmungen zu leisten. Eventuell seien weitere medizinische Abklärungen zur Frage der Arbeitsfähigkeit durchzuführen (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1-2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
5.
Juni 2015 (
Urk.
6) die Ab
weisung der Beschwerde.
Dies wurde der Beschwerdeführerin am
1.
Septem
ber
2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von
Ge
burts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
ti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
ge
g
lichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
J
ede psychogene Störung, ob einfache oder neurotische Form, kann im Einzel
fall
Krankheitswert haben, weshalb jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden muss. Notwendig sind in jedem Fall ein ausführlicher ärztlicher Bericht oder ein ent
sprechendes fachärztliches Gutachten sowie die Abklärung der erwerblichen Um
stände (AHI 1997 S.
43 E.
5c). Dabei müssen psychiatrische Berichte in der Rege
l auf einer persönlichen Untersuchung beruhen (RKUV 2001 Nr. U 438 S.
345, Urteile des Bundesgerichts 9C_602/2007 vom 11. April 2008 E. 5.3 und I 169/06 vom 8. August 2006 E. 4.4 mit Hinweisen). Für die verlässliche Beurtei
lung des
psy
chischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352
E.
2.2.3., Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februa
r 2011 E.
4.4.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
verneinte einen Leistungsanspruch der Beschwerde
führerin mit der Begründung
,
die ärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit der Be
schwerdeführerin möge
medizinisch
zwar gerechtfertigt sei
n
. Sie sei jedoch nicht
als invalidisierend zu bewerten.
Eine
Arbeitsunfähigkeit aufgrund einer mittel
gradigen depressiven Episode sei aus IV-rechtlicher Sicht überwindbar. Die Be
schwerden seien behandelbar und die Arbeitsunfähigkeit sei nicht dauer
haft be
ziehungsweise längerfristig eingeschränkt. Die Diagnose einer posttrau
mati
schen
Belastungsstörung werde bezweifelt. Es bestü
nden keine typischen Merkmale wie sich aufdrängende Nachhallerinnerungen, kein andauerndes Ge
fühl von
Betäubtsein
und emotionaler Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Men
schen oder Vermeidung von Erinnerungen an das Trauma
(
Urk.
2 S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor,
nach dem Unfall seien erhebliche psychi
sche Probleme aufgetreten, die den Wiedereinstieg in die selbständige berufliche
Tätigkeit als
Kinesiologin
erheblich erschwert hätten (
Urk.
1 S.
3
Ziff.
4). D
ie medi
zinische Lage sei nach wie vor unklar. Es bestünden widersprüchliche An
gaben zu ihrem Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit.
Das Gutachten von
Dr.
med.
Y._
sei von einer Taggeldversicherung in Auftrag gegeben wor
den. Es sei nicht nach den Grundsätzen von
Art.
44 ATSG erstellt worden. Zu
dem
stehe es in Widerspruch zu sämtlichen übrig
en fachärztlichen Beurteilun
gen
(
Urk.
1 S. 6
Ziff.
11).
Das Bundesgericht betone in seiner Rechtsprechung zur Diagnose einer post
traumatischen Belastungsstörung immer wieder, dass sich die versicherte Person beim Unfallereignis in Todesgefahr befunden haben müsse, damit sich die Diag
nose rechtfertige. Diese Voraussetzung sei vorliegend erfüllt (
Urk.
S. 7
Ziff.
14).
2.3
Strittig
und zu prüfen ist
der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Die Beschwerdeführerin zog sich
beim
Verkehrsunfall vom 2
2.
August 2
013
Ver
l
etzungen zu. Vom 2
2.
August bis
6.
September 2013 war sie im
Spital Z._
hospitalis
iert, mit anschliessendem
Rehabilita
tionsauf
enthalt bis zum
5.
Oktober 2013
(
Urk.
7/13
Ziff.
1.3).
Dr.
med.
A._
, Assistenzarzt, und
Dr.
med.
B._
,
Klinik für Un
fallchirurgie,
Spital Z._
, stellten im
Austrittsb
ericht vom 1
2.
September 2013 folgende Diagnosen (
Urk.
7/4 S. 1):
Mehrfachverletzung nach Verkehrsunfall am 2
2.
August 2013 mit
Beckenringverletzung Typ B2 mit
obere Schambeinast
f
raktur rechts
Os
sacrum
-Fraktur links mit Beteiligung des ISGs
intrapelvinem
Hämatom im Bereich des Schambeinastes rechts (5 cm durchmessend)
o
berflächlichem Dammriss
Tibiaplateaufraktur
rechts mit Beteiligung der
Eminentia
intercon
dylaris
(
ossärer
Ausriss des vorderen Kreuzbandes) und
Frakturaus
läufer
in den
Tibiaschaft
m
ultiple Erosionen an linker Schulter, Rücken (gross
flächig),
Ellen
bogen rechts,
und Oberschenkelinnenseite links
Als Nebendiagnosen nannten die Ärzte des
Spitals Z._
:
Status nach Kniedistorsionstrauma vom 2
4.
Juli 2012 Knie rechts mit
vorderer partieller Kreuzbandruptur
Partialruptur des medialen Kollateralbandes
Bone
bruise
in den
Femurkondylen
,
im lateralen
Tibiaplateau
und
Fibulaköpfchen
konservative Therapie
Vitiligo
Dr.
A._
und
Dr.
B._
gaben zum Unfallhergang an
, die Patientin sei als Velofahrerin bei rot an der Ampel von einem Lastwagen erfasst
und
wohl einige
Meter vor dem Lastwagen hergeschoben worden. Sie sei mit dem Velo unter dem
Lastwagen festgesteckt
. Zu einem richtigen Einklemmen sei es
aber
nicht ge
kommen
(S. 3 oben).
3.2
Die Beschwerdeführerin
ist
bei
l
ic
. phil. I
C._
, Fachpsy
chologe für Psychotherapie FSP
, in psychologischer Behandlung.
Lic
. phil.
C._
stellte
im
Bericht vom 1
7.
April 2014 (
Urk.
7/16/26-27) die Diagnose einer posttrau
ma
tischen Belastungsstörung (
Ziff.
1).
3.3
Die
Beschwerdeführerin
ist
zudem
seit
dem 1
6.
Oktober 2013
bei
Dr.
med.
D._
, Oberärztin, Klinik für Orthopädie + Traumatologie,
Spital Z._
, in Behandlung (
Urk.
7/13
Ziff.
1.
2
).
Dr.
D._
antwortete in einem Bericht vom 1
4.
Mai 2014 (
Urk.
7/16/29-30) auf die Fragen des
T
aggeldversicherers.
Die Ärztin
gab an, zirka neun Monate nach der operativen Versorgung
habe sich
die Beweglichkeit des Kniegelenkes
der Beschwerdeführerin
mit
Hilfe von
Physiotherapie deutlich
verbessert
.
Diese habe d
ie verordnete mediz
inische Trainingstherapie (MTT)
endlich begonnen. Die Patientin
klage über
wechselnde Schmerzen im Bereich des Rückens und der Hüfte beziehungsweise des Kreuzes rechtsseitig.
P
sychisch
sei sie
sehr belastet (
Ziff.
1).
Dr.
D._
stellte
ergänzend
die Diagnose: Verdacht auf posttraumatische
Belas
tungsstörung
(
Ziff.
4).
Mit intensiver Physiotherapie und MTT sollte
sich
die muskuläre Stabilisierung
des Beines
verbessern
. Das Gangbild
werde
sich verbessern und die Patientin sich
zunehmend sicherer fühlen (
Ziff.
5.1). Der Hausarzt der Beschwerdeführerin be
gründe die von ihm attestierte Arbeitsunfähigkeit von 100
%
mit einer post
trau
matischen Belastungsstörung. Rein von Seiten des Kniegelenkes und der
Becken
ringverletzung
könnte die Arbeit wieder aufgenommen werden (
Ziff.
6.1). Das Tragen von Lasten sei aktuell noch nicht möglich. Gehen und Stehen sei wahr
scheinlich zeitlich limitiert möglich (
Ziff.
6.2).
3.4
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstattete
am
3.
Juli 2014 im Auftrag
der
Sympany
Versicherungen AG
ein psychiatri
sches
Gutachten
(
Urk.
7/16/77-121).
Dr.
Y._
führte aus, die Beschwerdeführerin habe auf Nachfrage angegeben,
dass sie Probleme beim Biegen der Beine sowie am Becken habe. Auch der rechte
Fuss sei schmerzhaft. Seit einem Monat seien die Schmerzen
deutlich besser geworden. Die psychische Seite sei jedoch verstärkt hinzugekommen. Sie habe
Schmerzen im Rücken, im Becken und
in
den Knien. Sie sei sehr schnell er
schöpf
t und fix und fertig. Sie vermeide Leute (S. 12 f.).
Der Gutachter
be
merkte dazu,
die Angaben der Beschwerdeführerin zu ihren Beschwerden seien insgesamt eher
vage gewesen. Nachfragen seien nicht beantwortet respektive
ausweichend
um
schrie
ben worden. Die Beschwerdeschilderung sei insgesamt bunt
gewesen
(S. 13
oben).
Die Beschwerdeführerin erkläre
auf Nachfrage, dass die
kinesiologische
Praxis noch in ihrem Besitz sei. Sie habe jedoch nicht mehr gearbeitet. Sie könne
es sich nicht mehr vorstellen. Sie habe Mühe, wenn Leute mit Problemen zu ihr kämen. Sie könne dies im Moment nicht anhören.
Auf
grund ihrer Beschwerden könne sie sich nicht vorstellen, wieder zu arbeiten. Die rasche Erschöpfbarkeit und die fehlende Konzentration seien das Hauptproblem. Schmerzen habe sie gelegentlich;
sie
stünden jedoch nicht im Vordergrund (S. 16 f.).
Bei der Untersuchung seien
keine Störungen der Konzentrationsfähigkeit, der Auf
merksamkeit oder der Merkfähigkeit aufgefallen. Im Affekt sei
die Be
schwer
deführerin
eher heiter, jedoch
klagsam
und weinerlich im Hinblick auf ihre Be
schwerden gewesen (S.
18).
Eine Erschöpfung sei nicht wahrnehmbar gewesen. Die Beschwerdeführerin kommuniziere klar, flüssig und strukturiert. Die Aspekte
seien während der gesamten Exploration stabil gewesen
. Eine mehrfach
geklagte
Konzentrationsstörung sei während der gesamten Explora
tion nicht feststellbar
gewesen
(S. 19).
Dr.
Y._
verneinte eine
psychiatrische Diagnose mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
er
einen Verdacht auf
eine
Dysthymie
und einen
Verdacht auf
eine
Neurasthe
nie, differentialdiagnostisch Entwicklung körperlicher Symptome aus psychi
schen
Gründen, (Akten-)anamnestisch
stellte er die Diagnose einer
posttrauma
tische
n
Belastungsstörung, gegenwärtig remittiert (S. 22
Ziff.
4).
Unter Berücksichtigung der geschilderten geringen depressiven Symptomatik sei
an eine
Dysthymia
zu denken. Hierbei handle es sich um eine chronische, we
nig
stens mehrere Jahre andauernde depressive Verstimmung, die weder schwer noch
hinsichtlich einzelner Episoden anhaltend genug sei, um die Kriterien ei
ner schwe
ren, mittelgradigen oder leichten rezidivierenden depressiven Störung zu
erfüllen (S. 34 oben).
Differentialdiagnostisch sei unter Berücksichtigung der Beschwerdeschilderung auch an eine Neurasthenie zu denken (S. 35 oben).
Eine psychische Störung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit liege nicht vor. Im Hinblick auf die mehrfache und durchgängig attestierte
vollständige Arbeits
un
fähigkeit
sei aus versicherungspsychiatrischer Sicht auf die Pers
pektive des be
handelnden Arztes beziehungsweise
Therapeuten und auf die Einschätzung aus gutachterlicher, versicherungspsychiatrischer Sicht hinzuweisen. Zwischen den
beiden
Sichtweisen könne es zu Diskrepanzen kommen, zumal die thera
peu
ti
sche Bindung eine neutrale Einschätzung etwa der Arbeitsfähigkeit erheb
lich erschweren könne (S.
37 f.).
Es seien keine für die Einschätzung der Ar
beits
fähigkeit relevanten Beschwerden mehr festgestellt worden (S. 39 f.
Ziff.
5).
3.
5
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, gab in
einem Bericht
vom
1
2.
September 2014 (
Urk.
7/18) an, die Behandlung im
Spital Z._
sei
abgeschlossen.
Geblieben sei
eine
starke psychische Beeinträchtigung
der Be
schwerdeführerin
, indem das Unfallereignis
immer noch sehr präsent sei oder
alptraumartig wieder aufflackern könne
. Dementsprechend bestehe ein psy
chisch
labiler Zustand
(
Ziff.
1.4).
Dr.
E._
attestierte für
die Tätigkeit als
Kine
sio
login
bis auf
Weiteres
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
1.6). Im Herbst
sei ein Arbeitsversuch mit einem Pensum von 50
%
geplant (
Ziff.
1.7).
3.
6
Die Beschwerdeführerin war daraufhin vom
6.
November bis 1
1.
Dezember 2014
in der Klinik F._
in stationärer Behandlung (
Urk.
7/37 S. 1).
Dr.
med.
G._
,
d
ipl.
p
sych.
H._
und
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberärztin
,
Klinik
F._
,
hielten
im
Bericht vom
1
2.
Januar 2015 (
Urk.
7/37)
fest, die Be
schwer
deführerin habe angegeben,
dass, wenn sie an den
Unfall
denke,
es zu einem Zittern
komme
und es
ihr
ihr den Hals zu
schnüre
(S.
1).
Die Ärzte der Klinik
F._
stellten
die Hauptdiagnose: Posttraumatische
Belastungsstö
rung
. Als Nebendiagnosen nannten sie eine mittelgradige depressive Episode, ein
en
Status
nach Polytrauma mit Nahtoderlebnis bei schwerem Verkehrsunfall am 2
2.
August
2013, Beckenringverletzung,
Tibiaplateaufraktur
rechts mit vor
derem und h
inte
rem Kreuzbandriss,
Vitiligo
.
Dr.
G._
,
d
ipl.
p
sych.
H._
und
Dr.
I._
führte
n aus, die Beschwer
de
führerin habe
kurze Erinnerungslücken oder Filmrisse
beschrieben
. Sie
wisse dann
nicht mehr, was sie gerade vorgehabt habe, könne di
es aber rekonstruie
ren
(S.
1).
Im Moment arbeite sie mit einem Umfang von 10
%
. Der Rest werde durch
das Sozialamt übernommen.
Im Psychostatus
bestünden
leichtgradige
Konzentrations- und Gedächtnisstö
runge
n.
Im Denken sei die Beschwerdeführerin
leichtgradi
g
gehemmt und ein
ge
engt gewesen, mit mittelgradigem Grübeln
. Es habe ein
leichtgradi
ges
Gefühl
der Gefühllosigkeit und eine mittelgradige Störung der Vitalgefühle
bestanden
. Weiter hätten
mittelschwere Durchschlafstörungen, Flashbackerleben,
Hypera
rousal
und ein Vermeidungsverhalten bestanden
. Im Stationsalltag imponiere die Patientin einerseits als sehr selbständige, bewusste, interessierte Person mit herausragenden analytischen, kreativen, spielerischen und sensitiven Fähigkei
ten. Andererseits gerate sie sehr schnell in Konflikt mit den festen Strukturen in der Klinik
(S. 2).
Im klinischen Bild zeigten sich insgesamt intrusive und
konstriktive
Symptome
einer posttraumatischen Belastungsstörung, wie sich aufdrängende Erinnerun
gen
,
Angst, fehlendes Sicherheitsgefühl, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Körpererin
nerungen,
Schmerzsymptome ... (S. 3).
Die Ärzte der Klinik
F._
attestierten eine
Arbeitsunfähigkeit von 100
%
für die Zeit des
Klinikaufenthaltes und bis zum 3
1.
Dezember 201
4.
Perspe
kti
visch gehe man
nach der derzeitigen stationären Therapie
von einer
Teilar
beits
fähigkeit
aus (S. 5).
3.
7
Med.
pra
c
t
.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
(
Regio
nal
ärztlicher
Dienst der Beschwerdegegnerin, RAD)
hielt in einer Stellungnahme
vom 2
3.
Januar 2015 (
Urk.
7/41 S. 5) zum Bericht der Klinik
F._
fest,
ei
ner
seits werde berichtet, dass die Patientin sehr labil, äussert schreckhaft,
an
triebs
los
, kraftlos und traurig
gewesen
sei und sich auch sehr
geschämt habe
. Ande
rerseits imponiere die Patientin als sehr selbständige, bewusste, interes
sierte Person mit herausragenden analytischen, kreativen, spielerischen und sensitiven Fähigkeiten.
Die im Stationsalltag gezeigten Fähigkeiten belegten ein „herausra
gendes Funktionsniveau“, das nicht zur Angabe „antriebsgehemmt und mittel
gra
dig deprimiert“ passe.
An der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung müsse gezweifelt werden.
Es bestünden keine typischen Merkmale wie sich aufdrängende
Nach
hallerinnerungen
, kein andauerndes Gefühl von
Betäubtsein
und emotionaler
Stumpfheit, Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen oder Vermeidung von
Erinnerung
en
an das Trauma. Es sei ohne Weiteres nachvollziehbar, dass der Unfall sehr belastend sei, aber schmerzvolles erneutes Erzählen des Traumas
seien keine „sich aufdrängende Nachhallerinnerungen“. Auch die Diagnose ei
ner
mittelgradigen depres
siven Episode werde bezweifelt angesichts der be
schrie
be
nen herausragenden, analytischen, kreativen, spielerischen und sensiti
ven Fähig
keiten im Stationsalltag.
3.8
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berich
tete
am 1
6.
März 2015 (
Urk.
3) über die Beschwerdeführerin.
Dr.
K._
führte aus, der geplante Wiedereinstieg in die eigenständige
kinesiologisch
therapeu
tische
Tätigkeit sei wegen anhaltender psychischer und somatischer Beschwer
den bis
her nicht oder nur marginal zu Stande gekommen (S. 2
Ziff.
1.2).
D
ie Patientin erlebe kognitive Defizite, insbesondere sei ihre Konzentrations
fähig
keit immer noch eingeschränkt, trotz diesbezüglich kaum bestehender Her
ausforderungen (S.
3
Ziff.
2.1
Mitte
).
Dr.
K._
bestätigte die Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung nach schwerem Verkehrsunfall und
Nah
tod
erlebnis
am 2
2.
August 2013 mit Beckenringverletzung,
Tibiaplateaufraktur
rechts und Kreuzband
ab
rissen rechts. Die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung könne aufgrund der diagnostischen Kriterien eindeutig ge
stellt werden.
Es handle sich um eine chronische posttraumatische
Belastungs
störung
, da sie mehr als drei Monate andauere (S. 4
Ziff.
4).
Die Patientin sei ab dem Moment des LKW-Unfalles vom 2
2.
August 2013 in ihrer Tätigkeit als
Kinesiologin
zu 100
%
eingeschränkt. Arbeitsversuche im
September 2014 mit einem geringen Pensum hätten abgebrochen werden müs
sen
. Sie hätten die Patientin überfordert. Auf
ihren
Wunsch bestehe seit Januar 2015 eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%
. Die Patientin könne die Arbeitsfähig
keit von 20
%
noch nicht umsetzen, wegen rasch wieder auftretender Be
schwerden (S. 4
Ziff.
5).
3.9
Dr.
J._
nahm am
5.
Juni 2015 zum Bericht von
Dr.
K._
vom 1
6.
März 2015 Stellung (
Urk.
7/55).
Dr.
J._
stellte fest, aus psychiatrischer Sicht lägen
im Vergleich mit den
Diagnosekriterien
des ICD keine Symptome
vor, die zur
Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung berechtigten.
Beispiels
weise
werde anstelle von Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen von ei
ner gute
n Beziehung zum Sohn und zur Schwiegertochter berichtet. Zudem lebe die Beschwerdeführerin mit zwei anderen Frauen in einer Wohngemeinschaft (S. 2).
Es solle nicht bestritten werden, dass sich am 2
2.
August 2013 ein schwerer, lebensbedrohlicher Unfall ereignet habe. Die Therapie und der natürliche Ver
lauf hätten inzwischen zu erfreulichen Verbesserungen geführt. Das
Spital Z._
habe am 2
7.
Februar 2014 berichtet
, dass die Beschwerdeführerin zwei- bis dreimal die Woche Schwimmen gehe. Auch insofern liege sicher keine
Anhedonie
vor (S. 2 f.).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin
erlitt am
2
2.
August 2013
einen schweren Verkehrsun
fall
.
Ein
Jahr
danach
waren
allfällig
e
körperliche
Beschwerden in den Hinter
grund getreten. Im Vordergrund stand
dafür
eine
von
Dr.
E._
beschrie
bene
psychische Labilität
der Beschwerdeführerin (vgl. E. 3.5).
Lic
. p
hil.
C._
und
Dr.
K._
sahen
die
Diagnose einer posttraumati
schen
Belastungsstörung als
erfüllt an
(E.
3.2, E.
3.8 hiervor)
.
Dr.
D._
,
Spital Z._
,
diag
nos
tizierte
lediglich
einen Verdacht auf eine posttraumatische
Belastungs
stö
run
g
(E. 3.3 hiervor)
.
Nach Ansicht des
RAD der Beschwerdegegnerin und
dem psy
chiat
rischen Gutachter
Dr.
Y._
sind die Kriterien für
eine solche Störung
da
gegen nicht erfüllt und ist die Beschwerdeführerin nicht
mehr
in ihrer Arbeits
fähigkeit eingeschränkt
(E. 3.4, E. 3.7)
. Die Ärzte der Klinik
F._
stellte
n
wiederum
die Diagnose
einer posttraumatischen Belastungsstörung
sowie
einer mittelgradigen depressiven Episode und attestierten
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bis zum 3
1.
Dezember
2014 (E.
3.6).
Dr.
K._
attestierte
eine Arbeits
un
fähigkeit von 80
%
(E. 3.8).
4.2
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den
Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine
Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren über
haupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn
schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidre
le
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
4.3
Vorliegend
bestehen erhebliche Differenzen
der
beteiligten
Ärzte
n
in
der
Beur
teilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh
rerin
.
So bleibt offen, ob die
Diag
nosen einer posttraumatischen
Belastungs
stö
rung
und einer Depression
gestellt werden können und inwiefern die Beschwer
de
führerin dadurch in ihrer Ar
beitsfähigkeit in der angestammten oder in einer angepassten Tätigkeit einge
schränkt ist.
Da
nicht ohne Weiteres
auf die
eine oder
die andere ärztliche Beurteilung abge
stellt werden
kann
, erweist sich der medizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt
. Die Sache ist daher an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen,
da
mit
sie den Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführe
rin in der angestammten und in e
iner Verweistätigkeit mittels eines psychiatri
schen Gutachtens
abkläre
.
Anschliessend hat die Beschwerdegegnerin über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu zu verfügen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die
Kosten auf
Fr.
7
00.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf
eine Prozessentschädigung hat.
Diese ist beim praxisgemässen Stundenansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich
MWSt
) auf
Fr.
2‘300
.-- festzusetzen.