# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ea2e1e99-a001-57fc-86a3-b3dff81da8d6
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 3. November 2015 bei der Gemeinde Wilderswil
ein Baugesuch ein für den Ausbau der Heizzentrale auf Parzelle Wilderswil Grundbuchblatt
Nr. C._. Der Erweiterungsbau umfasst gemäss Baugesuch eine 4 MW
Holzfeuerungsanlage und eine 4 MW Ölfeuerung als Redundanz sowie die Erweiterung
des Brennstofflagers. Die Parzelle liegt im Gebiet der Überbauungsordnung D._
mit Empfindlichkeitsstufe (ES) IV und im Bereich der Gewässerschutzzone A. Gegen das
Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache.
Mit Gesamtbauentscheid vom 8. April 2016 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Interlaken-Oberhasli die Baubewilligung sowie die Ausnahmebewilligungen für Bauten und
Anlagen im Gewässerraum (Art. 48 WBG1/Art. 41c GSchV2) und für das Unterschreiten des
Strassenabstandes (Art. 80 SG3). Auf die Einsprache trat es nicht ein.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 2. Mai 2016 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die Aufhebung
des Gesamtentscheides vom 8. April 2016 und die Erteilung des Bauabschlags.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet4, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde Wilderswil verzichtet in
ihrer Eingabe vom 26. Mai 2016 auf einen Antrag. Die Vorinstanz hält mit Stellungnahme
vom 13. Mai 2016 am angefochtenen Entscheid fest und beantragt die Abweisung der
Beschwerde. Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 20. Mai
2016 die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Zudem sei der
1 Gesetz vom 14. Februar 1989 über Gewässerunterhalt und Wasserbau (Wasserbaugesetz, WBG; BSG 751.11) 2 Gewässerschutzverordnung des Bundesrates vom 28. Oktober 1998 (GSchV; SR 814.201) 3 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 4 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen. Die BVE hat dieses Gesuch mit
Verfügung vom 6. Juni 2016 abgewiesen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG5. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG6 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Die Beschwerde entspricht den Form- und
Fristvorschriften.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer die materielle
Legitimation abgesprochen und ist auf seine Einsprache nicht eingetreten. Mit seiner
Beschwerde wendet sich der Beschwerdeführer auch gegen diesen
Nichteintretensentscheid, durch den er formell und materiell beschwert ist. Insoweit ist auf
die Beschwerde einzutreten.7
2. Einsprachelegitimation
a) Gemäss Art. 35 Abs. 2 BauG können Personen, welche durch das Bauvorhaben
unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen sind, gegen das Bauvorhaben
Einsprache erheben. Sie müssen durch dieses in höherem Mass als die Allgemeinheit
betroffen sein und zum Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe haben. Die
Betroffenheit kann rechtlicher oder auch nur tatsächlicher Natur sein. Sie muss aber
hinreichend sein, d.h. eine bestimmte Intensität erreichen, so dass von der Abwendung
5 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 6 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 7 Vgl. BVR 1990 S. 224 E. 3
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eines materiellen oder ideellen Nachteils gesprochen werden kann. Der Nachteil muss
persönlich und unmittelbar sein.
Nach der bundesgerichtlichen Praxis sind Konkurrenten eines Bewilligungsempfängers
nicht schon aufgrund der blossen Befürchtung, einer verstärkten Konkurrenz ausgesetzt zu
sein, zur Einsprache legitimiert. Diese Art des Berührtseins liegt vielmehr im Prinzip des
freien Wettbewerbs und schafft keine schutzwürdige besondere Beziehungsnähe.8 Auch
ein indirektes Betroffensein als Gewerbetreibender begründet keine
Einsprachelegitimation.9
b) Die Vorinstanz hält fest, der Beschwerdeführer wohne in Unterseen. Die Distanz zum
Bauvorhaben betrage ca. 4 km Luftlinie. Er bringe gegen das Bauvorhaben Einwände vor,
die politischer Natur sein oder ihn als Gewerbekonkurrenten betreffen könnten. In beiden
Fällen sei er nicht in einer Intensität betroffen, die ihn zur Einsprache berechtige.
Dagegen führt der Beschwerdeführer an, er sei als Gründungsmitglied und Aktionär der
Beschwerdegegnerin an deren positiver Entwicklung interessiert. Ferner habe er einen
Zusammenarbeitsvertrag mit der E._, einer bisherigen Konkurrentin der
Beschwerdegegnerin; die Gemeinden Interlaken, Matten und Unterseen beabsichtigten die
Gründung einer neuen Gesellschaft, welche die E._ mit der Beschwerdegegnerin
in einem Konzern zusammenfasse. Als Beschwerdegründe führt er sinngemäss an, mit
dem Bauvorhaben werde dem Ziel der sparsamen und effizienten Energienutzung gemäss
Art. 34 KEnG10 ungenügend nachgelebt. Die Konzentration auf einen Standort führe zu
unnötigen Transporten, was im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung nicht gewürdigt
worden sei. Weiter sei die Betriebssicherheit der Anlage ungenügend, da nur ein
Hallenkran vorhanden sei. Trete bei diesem eine Panne auf, stehe die Anlage still.
Die Beschwerdegegnerin bestreitet die Legitimation des Beschwerdeführers. Seine
Aktionärsinteressen könne er an der Generalversammlung der Beschwerdegegnerin
einbringen, sie legitimierten ihn nicht zur Beteiligung am baurechtlichen Verfahren. Ob ein
Bauvorhaben sinnvoll sei, bilde nicht Gegenstand des Baubewilligungsverfahrens. Im
8 BGE 127 II 264 E. 2c S. 269; Urteil des Bundesgerichtes 1A.148/2005 vom 20. Dezember 2005, E. 3.4 9 BVR 1990 S. 224 E. 3 10 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1)
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Übrigen sei aus den Bauplänen ersichtlich, dass zwei parallel geführte Krane montiert
würden.
c) Den Ausführungen des Beschwerdeführers lässt sich entnehmen, dass er das
Bauprojekt unter dem Aspekt der Energieeffizienz kritisch beurteilt und als störungsanfällig
betrachtet. Er scheint zudem die Unternehmensstrategie der Beschwerdegegnerin im
Hinblick auf deren eigenes wirtschaftliches Gedeihen zu bemängeln. Aus seinen
Ausführungen geht jedoch nicht hervor, dass er in eigenen schutzwürdigen Interessen
unmittelbar berührt wäre. Als Aktionär der Beschwerdegegnerin ist er nur mittelbar
betroffen. Eine Konkurrenzsituation bzw. ein Interesse an einer Zusammenarbeit im
Rahmen einer Konzernierung begründet nach dem Gesagten keine Legitimation. Auch
wenn der Beschwerdeführer an der Beschwerdegegnerin offenbar ein besonderes
Interesse hat, resultiert daraus kein besonderes Berührtsein in Bezug auf das
Bauvorhaben. Allein das Bauprojekt bildet zudem Gegenstand des angefochtenen
Entscheids. Argumente gegen die Unternehmensstrategie der Beschwerdegegnerin oder
gegen die Energiestrategie der Region können im vorliegenden Baubeschwerdeverfahren
ohnehin nicht gehört werden.
Daraus folgt, dass der Beschwerdeführer nicht zur Einsprache legitimiert war. Die Vor-
instanz ist zu Recht nicht auf seine Einsprache eingetreten. Auch für eine Beschwerde
gegen das Bauvorhaben an sich fehlt ihm die Legitimation. Auf die materiellen Rügen ist
nicht einzutreten.
3. Ergebnis und Kosten
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist. Bei
diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 600.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV11). Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
11 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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