# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7a1c4599-15f9-498d-8567-103fa9ede239
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
versuchte schwere Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung,
vom 17. November 2016 (DG160204)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 22. Juni
2016 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 20).
Urteil der Vorinstanz:
(Urk. 97)
1. Der Beschuldigte ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung i.S.v.
Art. 122 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 22 Monaten Freiheitsstrafe, wovon 188 Tage
durch Haft erstanden sind.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genau-
en Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Fr. 2'000.– zuzüglich 5% Zins
seit dem 12. Mai 2016 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
6. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 26. Mai 2016
beschlagnahmte Taschenmesser (Asservat-Nr. A009'289'252) wird eingezogen und
durch die Lagerbehörde vernichtet.
7. Rechtsanwältin lic. iur. X._ wird für ihre Aufwendungen als amtliche Verteidi-
gerin aus der Gerichtskasse wie folgt entschädigt: Leistungen mit 8.0 % MwSt (ab 1. Januar 2011)
Honorar: 10'000.00
Barauslagen: 376.80 Zwischentotal: 10'376.80
Mehrwertsteuer: 830.15
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Entschädigung total inkl. MwSt (gerundet): Fr. 11'206.95
8. Rechtsanwalt lic. iur. Y._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltlicher
Rechtsbeistand des Privatklägers aus der Gerichtskasse wie folgt entschädigt:
Leistungen mit 8.0 % MwSt (ab 1. Januar 2011)
Honorar: 6'000.00
Barauslagen: 152.50
Zwischentotal: 6'152.50
Mehrwertsteuer: 492.20
Entschädigung total inkl. MwSt (gerundet): Fr. 6'644.70
9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 980.– Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'244.70 Gutachten
Fr. 35.– diverse Kosten
Fr. 6'644.70 Vertreter Privatkläger
Fr. 11'206.95 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Pri-
vatklägerschaft, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der unentgelt-
lichen Vertretung der Privatklägerschaft werden definitiv, jene der amtlichen Ver-
teidigung unter Vorbehalt der Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO auf die
Gerichtskasse genommen.
11. (Mitteilungen)
12. (Rechtsmittel)
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 150):
Keine Anträge.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 108):
(schriftlich)
Keine Anträge.
c) Der Privatklägerschaft (Urk. 147):
1. Der Staatsanwaltschaft sei Gelegenheit zu geben, die Anklage im Sinne der
untenstehenden Ausführungen zu ändern.
2. Eventualiter sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen und diese an-
zuweisen, der Staatsanwaltschaft Gelegenheit zu geben, die Anklage ent-
sprechend Ziff. 1 zu ändern.
3. Der Beschuldigte sei der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von
Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, dem Privatkläger eine Genugtuung von
CHF 20'000.-- zuzüglich 5% Zins seit dem 12. Mai 2016 zu bezahlen.
5. Die Kosten für die unentgeltliche Rechtsvertretung des Privatklägers im Be-
rufungsverfahren seien auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die übrigen Kos-
ten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 97 S. 5 ff.;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 17. November 2016
wurde der Beschuldigte A._ gemäss eingangs wiedergegebenem Urteilsdis-
positivs schuldig gesprochen und bestraft. Gegen dieses Urteil liess er zunächst
innert Frist mit Schreiben vom 24. November 2016 Berufung anmelden (Urk. 86).
Das begründete Urteil wurde der amtlichen Verteidigerin des Beschuldigten in der
Folge am 23. März 2017 zugestellt (Urk. 96/2), woraufhin diese mit Eingabe vom
31. März 2017 den Rückzug der Berufung des Beschuldigten erklärte (Urk. 99
und Urk. 100). Mit Schreiben vom 28. November 2016 meldete indes auch der
unentgeltliche Vertreter des Privatklägers B._ die Berufung gegen das Urteil
vom 17. November 2016 an (Urk. 87). Dem Rechtsvertreter wurde der begründete
Entscheid am 27. März 2017 zugestellt (Urk. 96/3), woraufhin dieser mit Eingabe
vom 13. April 2017 fristgerecht die Berufungserklärung beim hiesigen Gericht ein-
reichte (Urk. 102).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 25. April 2017 wurde dem Beschuldigten und
der Anklagebehörde Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder be-
gründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 106). Mit Eingabe
der Anklagebehörde vom 26. April 2017 teilte diese mit, dass sie weder ein Nicht-
eintreten beantrage, noch Anschlussberufung erhebe (Urk. 108). Gleich liess sich
auch die amtliche Verteidigerin des Beschuldigten mit Schreiben vom 15. Mai
2017 verlauten (Urk. 115).
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1.4. Mit Präsidialverfügung vom 2. August 2017 wurde der Beschuldigte, der
sich bis dahin im vorzeitigen Strafantritt befand, nach vorgängigem Schriften-
wechsel (Urk. 117 bis Urk. 125), aus dem vorzeitigen Strafvollzug entlassen und
auf freien Fuss versetzt (Urk. 127).
1.5. Am 6. November 2017 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher
der Beschuldigte in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin
lic. iur. X._ sowie der Rechtsvertreter des Privatklägers Rechtsanwalt lic. iur.
Y._ erschienen sind (Prot. II. S. 8). Dem Privatkläger wurde das persönliche
Erscheinen zur Verhandlung erlassen (Urk. 143).
2. Umfang der Berufung
2.1. In seiner Berufungserklärung vom 13. April 2017 liess der Privatkläger sei-
ne Berufung auf den Schuldpunkt (Dispositiv Ziffer 1) und auf den Zivilanspruch
(Dispositiv Ziffer 5) beschränken (Urk. 102 S. 2).
2.2. Damit ist das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom
17. November 2016 in den folgenden Punkten nicht angefochten:
− Feststellung der grundsätzlichen Schadenersatzpflicht des Beschuldig-
ten und Verweis des Schadenersatzanspruches des Privatklägers auf
den Weg des Zivilprozesses (Dispositiv Ziffer 4),
− Einziehung (Dispositiv Ziffer 6),
− Entschädigung der amtlichen Verteidigung (Dispositiv Ziffer 7),
− Entschädigung der unentgeltlichen Vertretung des Privatklägers
(Dispositiv Ziffer 8),
− Kostenfestsetzung (Dispositiv Ziffer 9) und
− Kostenauflage (Dispositiv Ziffer 10).
Diese Regelungen sind damit in Rechtskraft erwachsen, was vorab mittels
Beschluss festzustellen ist (Art. 402 StPO i.V.m. 437 Abs. 1 StPO). Hingegen sind
die übrigen Ziffern des vorinstanzlichen Urteils (Dispositiv Ziffer 1-3 und 5) ange-
fochten und im vorliegenden Verfahren zu überprüfen (Art. 404 Abs. 1 StPO).
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2.3. Die Berufung des Beschuldigten ist als durch Rückzug erledigt abzuschrei-
ben (Urk. 99, Urk. 100).
3. Rückweisung und Anklageänderung
3.1. Wie bereits vor Vorinstanz, beantragt der unentgeltliche Vertreter des Pri-
vatklägers auch im Berufungsverfahren, den Beschuldigten wegen versuchter
vorsätzlicher Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen. Zu diesem Zweck sei der Anklagebehörde Gelegen-
heit einzuräumen, die Anklage entsprechend zu ändern. Eventualiter sei die Sa-
che an die Vorinstanz zurückzuweisen und diese anzuweisen der Anklagebe-
hörde Gelegenheit einzuräumen, um die Anklageschrift entsprechend zu ändern
(Urk. 102 S. 2 ff., Urk. 147 S. 3 ff.).
3.2. Nachdem die Vorinstanz im Rahmen der Hauptverhandlung zunächst der
Anklagebehörde und der Verteidigung das rechtliche Gehör zum Antrag der Pri-
vatklägervertretung einräumte und beide Parteien die Abweisung dieses Antrags
verlangten (Urk. 77 und Urk. 78), erwogen die Vorderrichter zusammengefasst,
was folgt: Für den Nachweis über das Willenselement eines Täters könne sich
das Gericht – soweit der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich
feststellbare Indizien und Erfahrungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von
den äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben würden
(BGE 134 IV 29, E. 3.2.2., m.w.H.). Ebensolche äusseren Umstände, welche auf
einen, eine schwere Körperverletzung übersteigenden Vorsatz, schliessen lassen
würden, seien vorliegend nicht auszumachen. Entsprechend bestehe kein Anlass
die Anklage im Sinne von Art. 333 StPO zu erweitern respektive zu ergänzen
(Urk. 97 S. 6 f.).
3.3. Die Privatklägervertretung beanstandet die vorinstanzlichen Erwägungen
insofern, als sie sich auf den Standpunkt stellt, dass das Risiko der Tötung des
Privatklägers vorliegend als sehr hoch einzustufen sei. Der Beschuldigte habe
sich eine schwere Sorgfaltspflichtverletzung zu Schulden kommen lassen. Die
Verwirklichung der Todesfolge habe sich dem Beschuldigten als so wahrschein-
lich aufdrängen müssen, dass seine Bereitschaft, diese als Folge seines Han-
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delns hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme ausgelegt werden
könne. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz hätten somit aufgrund des Sti-
ches in den Hals des Privatklägers sehr wohl äusserliche Umstände vorgelegen,
welche auf den für den Eventualvorsatz erforderlichen Willen schliessen liessen
(Urk. 102 S. 5). Der Rechtsvertreter weist zudem darauf hin, dass gemäss Recht-
sprechung des Bundesgerichts, bereits bei einem einzigen gegen den Oberkörper
des Opfers geführten Messerstich auf vorsätzliche Tötung erkannt werden könne.
Nach der Gerichtspraxis sei bei einem Messerstich, bzw. bei einer Schnittver-
letzung im Halsbereich, eine Todesfolge im allgemein bekannten Rahmen des
Kausalverlaufs und somit vom Vorsatz erfasst. Insgesamt könne festgehalten
werden, dass der aggressiv auftretende Beschuldigte dem Privatkläger mit einem
Taschenmesser, das eine nicht unerhebliche Klingenlänge aufgewiesen habe,
bewusst einen Stich in den Halsbereich versetzt habe (Urk. 147 S. 3 f.).
3.4. Wenn die Privatklägervertretung in ihrer Argumentation davon ausgeht,
gemäss erstelltem Sachverhalt habe der Beschuldigte dem Privatkläger mit dem
Messer in den Hals gestochen, so übersieht sie zunächst, dass die Vorinstanz
gerade dies nicht als erstellt erachtete. Sie kommt nämlich im Rahmen ihrer Be-
weiswürdigung abschliessend wörtlich zu folgendem Schluss: "Zusammenfassend
kann festgehalten werden, dass unter Berücksichtigung der allgemeinen Tat-
umstände sowie der Glaubhaftigkeit der Aussagen des Privatklägers sowie der
Zeugin erstellt ist, dass der Beschuldigte dem Privatkläger mit dem Messer eine
Verletzung am Hals zugefügt hat." (Urk. 97 S. 19). Von einem Stich in den Hals,
kann – wie nachfolgend unter Ziffer. 4.3.1 noch detailliert aufzuzeigen sein wird –
keine Rede sein. Liegt indes kein Stich in den Hals des Privatklägers vor, so fällt
die gesamte Argumentation der Privatklägervertretung, welche auf der Annahme
eines Messerstiches in den Hals des Privatklägers basiert, in sich zusammen.
3.5. Mit der Anklagebehörde und der Vorinstanz sind im hier zu behandelnden
Fall in der Tat keinerlei äusserlichen Umstände auszumachen, welche den
Schluss zulassen würden, dass der Beschuldigte mit seinem deliktischen Handeln
einen, über eine schwere Körperverletzung hinausgehenden, Vorsatz gehabt
hätte. Mit Recht hat die Vorinstanz deshalb den Antrag auf Anklageerweiterung
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respektive -ergänzung im Sinne von Art. 333 StPO abgewiesen (Urk. 97 S. 7).
Gleich ist demnach auch mit dem vorliegend zu behandelnden Antrag der Privat-
klägervertretung zu verfahren.
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
4. Sachverhalt
4.1. Zusammengefasst kam die Vorinstanz im Rahmen ihrer Beweiswürdigung
zum Schluss, der Beschuldigte habe die Geschehnisse an sich widerspruchsfrei
geschildert. Auch würden sich seine Aussagen mit jenen des Privatklägers und
der Zeugin grösstenteils decken, dies indes nur, soweit sie die Vorgeschichte bis
zur Auseinandersetzung mit dem Messer betreffen würden. Mit Bezug auf das
Kerngeschehen müssten seine Depositionen jedoch als lebensfremd und alles
andere als überzeugend bezeichnet werden. Dies habe auch die Verteidigung
einräumen müssen. Demgegenüber hätten sowohl die Zeugin C._, als auch
der Privatkläger den Sachverhalt je einzeln betrachtet glaubhaft und plausibel ge-
schildert. Deren Aussagen seien in den Kernpunkten geradezu deckungsgleich.
Gestützt auf deren Aussagen sei deshalb erstellt, dass der Beschuldigte dem Pri-
vatkläger mit dem Messer eine Verletzung am Hals zugefügt habe (Urk. 97 S. 7
ff.).
4.2. Der Rechtsvertreter des Privatklägers beanstandete die vorinstanzliche
Beweiswürdigung im Rahmen der Berufungsverhandlung – wie bereits oben zur
Thematik der Anklageergänzung erwähnt – in dem Sinne, als er die Feststellun-
gen der Vorinstanz zum Tatvorgang, welcher dem Vorsatz zugrunde liegt, rügte.
Konkret brachte der Privatklägervertreter vor, aufgrund des dynamischen Ge-
schehensablaufs und der Schwungbewegung in Richtung des ungeschützten
Halses des Berufungsklägers, sei das Risiko einer Tötung hoch gewesen. Damit
könne davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte dem Privatkläger die
genannte Stichverletzung im grundsätzlichen Wissen um die allenfalls tödlichen
Folgen solchen Handelns zugefügt habe. Die Verwirklichung der Todesfolge habe
sich ihm dabei als so wahrscheinlich aufdrängen müssen, dass die Bereitschaft,
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sie als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme ausgelegt
werden könne. Somit stünde entgegen der Vorinstanz fest, dass äussere Um-
stände vorgelegen hätten, welche auf den für den Eventualvorsatz erforderlichen
Willen schliessen liessen (Urk. 147 S. 6). Vermeintlich mit der Vorinstanz betrach-
tete der Privatklägervertreter als erstellt, dass der Beschuldigte dem Privatkläger
mit dem Messer einen Stich in den Hals versetzte (Urk. 147 S. 2 f.). Wie bereits
oben erwähnt und nachfolgend noch thematisiert, ging die Vorinstanz nicht davon
aus, dass der Beschuldigte dem Privatkläger einen Stich mit dem Messer in den
Hals versetzte, sondern erstellte lediglich, dass der Beschuldigte dem Privatkläger
eine Verletzung am Hals zufügte.
4.3. Was die Vorderrichter im Vorfeld ihrer Beweiswürdigung zum Theoreti-
schen vorbringen ist in allen Teilen richtig und ohne weiteres zu übernehmen.
Weiter haben sie die Aussagen des Beschuldigten ebenso wie jene des Privatklä-
gers und der Zeugin C._ korrekt zusammengefasst und wiedergegeben. Eine
neuerliche Darstellung erübrigt sich mit Verweis auf die vorinstanzlichen Erwä-
gungen (Urk. 97 S. 9 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Gleiches gilt auch für die materielle
Beweiswürdigung, welche die Vorinstanz sehr gründlich vorgenommen hat. Auf all
diese überzeugenden Erwägungen kann in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO
vollumfänglich verwiesen werden. In Ergänzung zu den vorinstanzlichen Darle-
gungen drängt sich einzig die folgende Präzisierung auf:
4.3.1. Während in der Anklageschrift vom 22. Juni 2016 dem Beschuldigten vor-
geworfen wird, er habe "einen Stich gegen den Hals des Geschädigten" aus-
geführt (Urk. 20 S. 2), erachtete es die Vorinstanz lediglich als erstellt, "dass der
Beschuldigte dem Privatkläger mit dem Messer eine Verletzung am Hals zugefügt
hat" (Urk. 97 S. 19). Über die Frage, wie denn der Beschuldigte dem Privatkläger
die nämliche Verletzung zugefügt haben soll, schweigt sich die Vorinstanz ge-
flissentlich aus.
4.3.1.1. Der Privatkläger selbst gab hierzu an, der Beschuldigte "habe mit seinem
linken Arm eine Bewegung gemacht, worauf er (der Privatkläger) plötzlich voller
Blut gewesen sei". Der Beschuldigte habe "mit seinem linken Arm ausgeholt und
dann an seinen Hals geschwungen" (Urk. 4 S. 2 und 7). Von einem Stich, war bis
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zu der unzulässig suggestiven Frage des befragenden Polizisten "wie oft hat er
zugestochen" (Urk. 4 S. 5 Frage 34) seitens des Privatklägers keine Rede. Hin-
gegen gab der Privatkläger an, er habe das Messer zunächst nicht gesehen. Erst
später habe er bemerkt, dass der Beschuldigte das Messer in seiner linken Faust
gehalten habe. Man habe nur ein oder zwei Zentimeter von der Spitze der Klinge
sehen können (Urk. 4 S. 4). Als Zeuge befragt, gab der Privatkläger gegenüber
dem untersuchenden Staatsanwalt an, der Beschuldigte sei auf ihn zugekommen
und habe ihn gegen das Kinn geschlagen (Urk. 8 S. 5). An anderer Stelle gab der
Privatkläger zu Protokoll, er bleibe dabei, dass der Beschuldigte ihn "geschnitten"
habe (Urk. 8 S. 7).
4.3.1.2. Die Zeugin C._ gab auf entsprechende Fragen zu Protokoll, der Be-
schuldigte habe sich während des Streites gedreht und habe den Privatkläger ver-
letzt. Aus ihrer Sicht habe es der Beschuldigte nicht absichtlich gemacht. Er habe
diese Bewegung in seiner Überdrehtheit gemacht. Er habe sich mit seinem gan-
zen Körper gedreht. Also auch mit dem Arm, in welchem er das Messer gehalten
habe. Es sei alles sehr schnell gegangen (Urk. 6 S. 3). Auch im Rahmen dieser
Befragung stellte der nämliche Polizeibeamte erneut die unerlaubte Suggestivfra-
ge, ob die Zeugin denn gesehen habe, wie der Beschuldigte "zugestochen" habe
(Urk. 6 S. 4 Frage 26). Die Zeugin gab daraufhin zu Protokoll, sie habe nur die
Bewegung gesehen. Es sei mehr eine "Fuchtlerei" gewesen. Genau gesehen ha-
be sie es nicht. Es sei aus der Drehung heraus gekommen. Das Messer habe
man nicht gesehen, der Beschuldigte habe es in der Hand gehalten (Urk. 6 S. 4).
Daraufhin stellte der Polizist zum wiederholten Mal die unerlaubt suggestive Fra-
ge, ob die Zeugin gesehen habe, wie oft A._ "zugestochen" habe (Urk. 6 S. 4
Frage 29). Trotz dieser mehrfachen Suggestion seitens des befragenden Polizei-
beamten, gab die Zeugin kein einziges Mal an, einen Stich respektive eine Stich-
bewegung registriert zu haben. Vom Staatsanwalt als Zeugin befragt gab C._
in freier Erzählweise an, es habe ein Gemenge mit den Händen gegeben. Sie
denke nicht, dass der Beschuldigte etwas extra gemacht habe. Vielleicht sei ihm
die Hand ausgerutscht und er habe B._ am Hals gestreift. Sie habe nur ge-
sehen, dass beide beieinander gestanden hätten und dass es ein Gemenge mit
den Händen gegeben habe. Der Beschuldigte habe sich umgedreht und sei mit
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seiner Hand gegen B._ gefahren. Das sei alles sehr schnell gegangen
(Urk. 9 S. 4).
4.3.1.3. Zusammenfassend kann also gestützt auf die Aussagen des Privatklä-
gers und der Zeugin C._ festgehalten werden, dass von einem Stich, oder
auch nur von einer Stichbewegung weder der Privatkläger selber, noch die Zeugin
jemals gesprochen haben. Dieser Begriff hat einzig aufgrund der entsprechend
suggestiven Befragung durch den Polizeibeamten Eingang in die (polizeilichen)
Befragungsprotokolle gefunden. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass der
untersuchende Staatsanwalt diese Begrifflichkeit bei seinen Befragungen korrek-
terweise kein einziges Mal erwähnte.
4.3.1.4. Bei den Akten befinden sich diverse medizinische Unterlagen.
4.3.1.4.1. So einerseits ein "provisorischer Kurzbericht" des Stadtspitals Triemli
vom 12. Mai 2016. Hier fällt zunächst auf, dass dieser Bericht nicht durch die Un-
tersuchungsbehörden erhoben, sondern offenbar vom Privatkläger angefordert
wurde. Der Bericht stellt damit nichts weiter als eine Parteibehauptung dar. Ab-
gesehen davon, dass der Bericht lediglich von der Assistenzärztin Dr. med.
D._ unterzeichnet wurde und die Unterschrift des zuständigen Oberarztes
fehlt, fällt auch auf, dass er in sich nicht stimmig ist. Während nämlich zunächst
unter dem Titel Diagnose von einer "Messerstichverletzung submandibulär rechts"
die Rede ist, wir unter dem Titel Lokalstatus eine "ca. 1 cm grosse oberflächliche
Schnittverletzung submandibulär rechts" erwähnt. Offenbar wurden die untersu-
chenden Medizinalpersonen vom Privatkläger dahingehend instruiert, als dass er
in einer Drogenkontakstelle von einem anderen Konsumenten bei einer Ausei-
nandersetzung mit einem Messer "gestochen" worden sei (vgl. Titel "Jetziges Lei-
den"). Von einer Stichverletzung ist in der Folge jedoch keine Rede. Diesem Be-
richt kann jedenfalls allein schon aus prozessualen Gründen, aber auch inhaltlich,
nichts entnommen werden, was dem Beschuldigten zum Nachteil gereichen wür-
den.
4.3.1.4.2. Weiter befindet sich bei den Akten ein "Gutachten zur körperlichen Un-
tersuchung", erstellt durch das Institut für Rechtsmedizin der Universität Zürich.
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Offenbar erfolgte die Auftragserteilung durch die Stadtpolizei Zürich mündlich. Ob
und inwiefern der Verteidigung Gelegenheit eingeräumt wurde, sich zur Person
der Gutachterin und/oder zu den Fragen zu äussern, lässt sich den Akten nicht
entnehmen. Offenbar wurde die Verwertbarkeit des Gutachtens durch die Vertei-
digung nicht in Abrede gestellt, weshalb sich an dieser Stelle Weiterungen hierzu
erübrigen. Die Gutachterin stellt in ihrer Beurteilung zunächst fest, dass gemäss
dem Austrittsbericht des Stadtspitals Triemli die Verletzung als Messerstich klas-
sifiziert worden sei, jedoch sei auch eine Schnittverletzung erwähnt, demnach sei
die Läsion auf scharfe Gewalt zurückzuführen (Urk. 11/3 S. 3). Ob es sich nun bei
der festgestellten Läsion um eine Stich- oder eine Schnittverletzung handelte,
konnte durch die Gutachterin nicht (mehr) geklärt werden. Immerhin ist dem Gut-
achten zu entnehmen, dass die festgestellte Verletzung keine Anhaltspunkte für
das Vorliegen einer Lebensgefahr ergeben habe (Urk. 11/3 S. 4).
4.3.1.4.3. Schliesslich befindet sich bei den Akten eine Fotografie der Verletzung
des Privatklägers, welche 24 Stunden nach dem fraglichen Vorfall aufgenommen
wurde (Urk. 3/3). Darauf ist die Verletzung kaum mehr erkennbar, was auch mit
der Feststellung der Gutachterin korrespondiert, wonach diese bereits zwei Tage
nach dem Vorfall keine verlässliche Aussage mehr darüber machen konnte,
ob als Ursache eher eine Schnitt- oder eine Stichverletzung in Frage kommt
(Urk. 11/3 S. 3).
4.3.1.4.4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auch aufgrund der me-
dizinischen Unterlagen keine konkreten Anhaltspunkte für eine Stichverletzung
vorliegen.
4.3.2. Nachdem sowohl der Privatkläger als unmittelbar vom Vorfall betroffene
Person, als auch die Zeugin C._ nie von einem Stich und/oder einer Stich-
bewegung gesprochen haben und auch aus den medizinischen Unterlagen und
dem Fotomaterial keinerlei verlässliche Angaben zur Entstehungsart der Verlet-
zung am Hals des Privatklägers hervorgehen, kann der Anklagesachverhalt in
diesem Punkt nicht zweifelsfrei erstellt werden. Erstellt ist, dass der Beschuldigte
den Privatkläger mit der Klinge seines Taschenmessers, welche Messerspitze
rund 1cm aus der Faust ragte, am Hals verletzt hat. Dass er aber zugestochen
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hätte, lässt sich nicht erstellen. Die vorinstanzliche Beweiswürdigung ist daher im
Ergebnis zutreffend und kann mit den obigen Ergänzungen vollumfänglich über-
nommen werden.
5. Rechtliche Würdigung
5.1. Die Vorinstanz würdigte in Übereinstimmung mit der Anklagebehörde das
Zufügen der Verletzung am Hals durch den Beschuldigten als versuchte schwere
Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB (Urk. 97 S. 22), welche rechtliche Würdigung vom Beschuldigten ak-
zeptiert wurde (Urk. 156 S. 4). Die vorinstanzlichen Erwägungen sind zutreffend
und daher im Berufungsverfahren zu übernehmen (Urk. 97 S. 20 ff., Art. 82 Abs. 4
StPO). Zusammengefasst erwog die Vorinstanz zu den relevanten Punkten, dass
beim Privatkläger keine Lebensgefahr bestanden habe und die erlittene Verlet-
zung in objektiver Hinsicht als einfache Körperverletzung zu qualifizieren sei. Aus
dem Gutachten und auch aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung stehe über-
dies fest, dass durch die Tathandlung des Beschuldigten grundsätzlich die Mög-
lichkeit einer lebensgefährlichen Schädigung bestanden habe. Gestützt darauf
prüfte die Vorinstanz die versuchte Begehung einer schweren Körperverletzung.
Sie kam zum Schluss, dass der Beschuldigte im Bewusstsein, das Messer noch
in der Hand zu halten, sich zu einer Bewegung gegen den Privatkläger entschlos-
sen und diese ausgeführt hatte. Dies im Bewusstsein um die möglichen Gefahren
bezüglich einer solchen Handlung. Die Vorinstanz erwog, es müsse davon aus-
gegangen werden, dass der Beschuldigte im Moment, indem er das Messer in der
Hand behalten und dennoch gegen den Privatkläger eine Bewegung ausgeführt
habe, auch eine gravierendere Verletzung des Privatklägers in Kauf genommen
habe (Urk. 97 S. 21 f.).
5.2. Die vom Privatkläger vorgebrachte rechtliche Würdigung, wonach eine ver-
suchte vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
vorliege, ist, nachdem gestützt auf die Sachverhaltserstellung beim Beschuldigten
kein Wille auszumachen ist, welcher einen Tötungsvorsatz annehmen liesse, an
dieser Stelle nicht mehr zu prüfen.
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5.3. Zusammenfassend ist der Beschuldigte somit der versuchten schweren
Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
III. Sanktion
6. Strafzumessung
6.1. Der Privatkläger beantragt, gestützt auf den beantragten Schuldspruch
wegen versuchter vorsätzlicher Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung
mit Art. 22 Abs. 1 StGB eine angemessen höhere Bestrafung des Beschuldigten
vorzunehmen (Urk. 102 S. 2 ff., Urk. 147).
6.2. Die vorinstanzliche Strafzumessung wird weder vom Privatkläger, noch
vom Beschuldigten selbst oder der Anklagebehörde kritisiert. Nachdem der vom
Privatkläger beantragte Schuldspruch – wie vorstehend erwogen – nicht erfolgt
und es beim Schuldspruch wegen versuchter schweren Körperverletzung i.S.v.
Art. 122 Abs. 1 i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB sein Bewenden hat, kann die
zutreffende und überzeugende Strafzumessung der Vorinstanz in allen Teilen
übernommen werden (Urk. 97 S. 22 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Demnach ist der
Beschuldigte in Bestätigung des angefochtenen Entscheides mit einer
Freiheitsstrafe von 22 Monaten zu bestrafen.
6.3. Gemäss Vollzugsmeldung des Flughafengefängnisses, Abteilung Strafvoll-
zug, vom 11. August 2017 wurde der Beschuldigte am 11. August 2017 aus der
Haft entlassen und auf freien Fuss versetzt. In der Zeit vom 3. August 2017 (Ent-
lassung gemäss Entlassungsbefehl vom 2. August 2017 (Urk. 128) bis zum
11. August 2017 musste der Beschuldigte offenbar eine Ersatzfreiheitsstrafe für
eine nicht bezahlte Busse erstehen. Diese Zeit ist ihm selbstredend nicht auf die
hier auszufällende Strafe anzurechnen. Damit befand sich der Beschuldigte vom
13. Mai 2016 bis zu seiner bedingten Entlassung am 3. August 2017 in Untersu-
chungshaft respektive im vorzeitigen Strafvollzug. Die auf diese Weise erstande-
ne Haft von insgesamt 448 Tagen ist auf die Strafe anzurechnen (Art. 51 StGB).
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7. Vollzug
7.1. Die Vorinstanz hat dem Beschuldigten den bedingten Strafvollzug verwei-
gert, was allseits unangefochten geblieben ist. Weiterungen hierzu erübrigen sich
daher.
IV. Zivilansprüche
8. Genugtuung
8.1. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger eine Ge-
nugtuung von Fr. 2'000.-- zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 12. Mai 2016 zu be-
zahlen. Im Mehrbetrag wies sie das Genugtuungsbegehren des Privatklägers ab
(Urk. 97 S. 27).
8.2. Der Privatkläger beantragte im Berufungsverfahren, ebenso wie zuvor be-
reits vor Bezirksgericht, die Zusprechung einer Genugtuung in der Höhe von
Fr. 20'000.-- zuzüglich 5 % Zins seit dem 12. Mai 2016 (Urk. 102 S. 2 ff.). Zur Be-
gründung liess der Privatkläger ausführen, es sei zunächst darauf hinzuweisen,
dass der Beschuldigte auch nach Ansicht der Vorinstanz vor dem Messerstich
aggressiv gewesen und nahe an ihn herangetreten sei. Es könne daher unter die-
sen Umständen keine Rede davon sein, dass ihn irgendein Selbstverschulden an
der Auseinandersetzung treffe. Vielmehr sei er durch den Beschuldigten bedrängt
worden. Er habe den Beschuldigten in dieser Situation lediglich in angemessener
Art und Weise von sich gestossen. Dies könne ihm keinesfalls als Mitschuld ange-
lastet werden. Weiter brachte der Privatkläger vor, dass er erhebliche Mühe habe,
die Tat psychisch zu verkraften. Aus diesem Grund habe er auch nicht an der
Hauptverhandlung vor Vorinstanz teilnehmen können, denn er wolle dem Be-
schuldigten nach wie vor nicht begegnen. Der hier zu beurteilende Vorfall schrän-
ke ihn aber auch heute noch massiv in seinem täglichen Leben ein. Die Angst,
dass sich so etwas erneut zutragen könnte, sei immer noch gegenwärtig. Unter
Berücksichtigung all dieser Umstände erscheine eine Genugtuung von
Fr. 20'000.-- als angemessen (Urk. 102 S. 6 ff.). Anlässlich der Berufungsver-
handlung wiederholte der Rechtsvertreter des Privatklägers, die Schlussfolgerung
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der Vorinstanz, wonach den Privatkläger durch das Zurückstossen des Beschul-
digten ein minimales Verschulden treffe, sei nicht schlüssig. Die Reaktion des Pri-
vatklägers, indem er den Beschuldigten weggestossen habe, sei nicht nur nach-
vollziehbar, sondern insbesondere auch angemessen und berechtigt gewesen.
Eine Mitschuld könne dem Privatkläger nicht angelastet werden. Schon aus die-
sem Grund sei die dem Privatkläger zugesprochene Genugtuung zu tief. Ergän-
zend führte der Privatklägervertreter aus, der Vorfall sei für das weitere Leben des
Privatklägers extrem einschneidend. Gemäss dem Arztzeugnis von Herrn Dr.
med. E._ (Urk. 148/1) leide der Privatkläger aufgrund dieses Vorfalls noch
heute unter einer ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung mit Schlaf-
störungen, Flash-backs, Vermeidungsverhalten, Reizbarkeit, erhöhter Schreck-
haftigkeit und Hypervigilanz. Dass sein alltägliches Leben durch dieses Ereignis
wesentlich beeinträchtigt sei, zeige sich auch darin, dass er aufgrund seiner
Ängste sich gar gezwungen gesehen habe, aus Zürich wegzuziehen, um dem
Beschuldigten keinesfalls auf der Strasse zu begegnen (Urk. 148/2). Der Privat-
kläger sei somit durch die Tat auch aus seinem gewohnten Umfeld in ... gerissen
worden. Der Privatkläger müsse sich aufgrund dieses Angriffs bis heute psycho-
logisch behandeln lassen und leide immer noch erheblich an den Folgen der Tat,
was genugtuungserhöhend zu berücksichtigen sei (Urk. 147 S. 7 ff.).
8.3. Wer eine Körperverletzung erleidet oder in seiner Persönlichkeit wider-
rechtlich verletzt wird, hat Anspruch auf die Leistung einer Geldsumme als Ge-
nugtuung, sofern dies durch die Schwere der Verletzung als gerechtfertigt er-
scheint und falls die Verletzung nicht anders wieder gut gemacht worden ist
(Art. 47 und Art. 49 Abs. 1 OR). Die Höhe der Genugtuung hängt in erster Linie
von der Art und Schwere der Verletzung, der Intensität und Dauer der Aus-
wirkungen auf die Persönlichkeit der betroffenen Person sowie vom Grad des
Verschuldens des Schädigers am Schadensereignis ab.
8.3.1. In objektiver Hinsicht ist bekannt, dass der Privatkläger durch den Übergriff
des Beschuldigten an der rechten Halsseite unter dem Unterkiefer eine ca. 1.5 cm
lange Hauteröffnung erlitten hat, welche bereits nach einem Tag verkrustet und
entsprechend nach wenigen Tagen vollkommen verheilt war (Urk. 11/3 S. 2). Die
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Verletzungen des Privatklägers hatten für diesen keinerlei schwerwiegenden phy-
sischen Folgen und es bestand keine Lebensgefahr. Wenn die Privatklägerver-
tretung ausführt, der Vorfall schränke den Privatkläger auch heute noch massiv in
seinem täglichen Leben ein, so fällt doch auf, dass sie nicht nachvollziehbar dar-
tut, worin denn eine solche massive Einschränkung konkret zu erblicken wäre.
Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte der Privatklägervertreter vor, der
Privatkläger habe wegen des Vorfalls nach ... umziehen müssen. Dazu reichte er
indessen einzig eine Bestätigung der Sozialbehörde über den Bezug von Fürsor-
geleistungen des Privatklägers ein (Urk. 148/1). Ein Zusammenhang zwischen
der Tat, deren Folgen und dem Umzug ist damit allerdings nicht belegt. Überdies
wirft das Arztzeugnis, welches der Privatklägervertreter anlässlich der Berufungs-
verhandlung einreichte (Urk. 148/1), Fragen auf. Das Zeugnis wurde am 1. No-
vember 2017 ausgestellt. Bereits einen Tag zuvor, am 31. Oktober 2017, stellte
Dr. med. E._ für den Privatkläger ein Arztzeugnis aus. Dieses hält fest, der
Privatkläger leide aktuell unter schweren psychischen Störungen. Diese stünden
unter anderem auch in Zusammenhang mit der Traumatisierung im Mai 2016
(Urk. 142). Mitunter weist das erste Arztzeugnis die Beschwerden des Privatklä-
gers im Unterschied zum zweiten Arztzeugnis nicht klar dem Vorfall vom Mai
2016 zu. Der Privatkläger befand sich bereits vor dem hier zur Beurteilung ste-
henden Vorfall in einer schwierigen Lebenssituation. Jedenfalls zeigt das erste
Arztzeugnis auf, dass er auch wegen anderer Probleme, gemäss Verteidigung
auch schon vor dem Vorfall (Prot. II S. 12), in psychiatrischer Behandlung war.
Gestützt auf die beiden sehr kurz gehaltenen Arztzeugnisse, welche keine kon-
kreten Folgen durch den Vorfall im Alltag des Privatklägers beschreiben, lässt
sich somit die erforderliche Kausalität zwischen der erlittenen versuchten schwe-
ren Körperverletzung und der psychischen Verfassung des Privatklägers nicht er-
stellen. Es bleibt somit unklar, ob der Privatkläger aufgrund des Vorfalls oder aus
anderen Gründen fachärztliche Hilfe in Anspruch nimmt. Wenn die Vorinstanz je-
doch erwägt, es sei naheliegend, dass beim Privatkläger aufgrund des Vorfalls
gewisse Spuren wie Angstzustände eingetreten seien, so ist ihr darin zuzustim-
men. Mit der Vorinstanz ist aber auch festzustellen, dass schwere Folgen der Tat,
welche den Privatkläger in seinem täglichen Leben beeinträchtigen würden, nicht
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belegt wurden. Auch unter Berücksichtigung des Umstandes, dass der Privatklä-
gervertreter zu recht rügte, dass die Vorinstanz ein Mitverschulden des Privatklä-
gers annahm, wovon aufgrund des erstellten Sachverhalts nicht auszugehen ist,
erweist sich die Genugtuungsforderung des Privatklägers als vollkommen über-
höht. Bereits die durch die Vorinstanz zugesprochene Genugtuung von Fr. 2'000.-
- zuzüglich Zins scheint im konkreten Fall – ohne Annahme eines Mitverschuldens
– und gemessen an ähnlich gelagerten Fällen als hoch. Eine Herabsetzung der-
selben verbietet sich aber gestützt auf Art. 391 Abs. 3 StPO.
8.3.2. Zusammenfassend ist der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger
eine Genugtuung von Fr. 2'000.– zuzüglich 5% Zins seit dem 12. Mai 2016 zu be-
zahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren jedoch erneut abzuweisen.
V. Kosten- und Entschädigung
10. Kosten
10.1. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist praxisgemäss auf Fr. 3'000.-- fest-
zusetzen.
10.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien grundsätzlich
nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Für
ihre Verfahren betreffend Genugtuung, erheben die Gerichtsbehörden vom Opfer
keine Kosten (Art. 30 Abs. 1 OHG).
10.3. Der Privatkläger ist Opfer im Sinne von Art. 1 Abs. 1 OHG, weshalb ihm
trotz seines vollumfänglichen Unterliegens im Berufungsverfahren keine Kosten
aufzuerlegen sind.
11. Entschädigung
11.1. Die amtliche Verteidigerin ist antragsgemäss mit Fr. 5'627.35 (inkl. 8%
MwSt.) zu entschädigen (Urk. 136). Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind
definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine Nachforderung dieser Kosten
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gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO kommt gestützt auf Art. 30 Abs. 1 OHG vorliegend
nicht in Frage.
11.2. Der unentgeltliche Vertreter des Privatklägers ist antragsgemäss und er-
gänzt um den Honoraranspruch zufolge Teilnahme an der Berufungsverhandlung,
Studium des Urteils und Besprechung desselben mit dem Klienten, mit
Fr. 4'043.20 (inkl. 8% MwSt.) zu entschädigen (Urk. 149). Die Kosten der unent-
geltlichen Vertretung des Privatklägers sind ebenfalls definitiv auf die Gerichts-
kasse zu nehmen. Eine Nachforderung verbietet sich vorliegend gestützt auf
Art. 30 Abs. 3 OHG.