# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 398be5a9-779b-4f53-8504-f602cc9d7e7d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, meldete sich am 2
6.
Juni 2009 unter Hinweis auf eine Mehlallergie bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/1 =
Urk.
9/21). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte
mit Verfügung vom
2
4.
September 2010
eine
n Rentenanspruch
(Urk.
9/48).
1.2
Am 1
6.
November 2015 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an
(Urk.
9/61
)
.
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(Vorbescheid vom 8.
Janu
ar 2016,
Urk.
9/66
)
reichte der Versi
cherte
zur Glaubhaftmachung der Veränderung
seines
Gesundheitszustandes ei
nen Arztbericht (
Urk.
9/67)
ein. Nach
weiteren Abklärungen erliess die IV-Stelle den
Vorbe
scheid
vom 14. März 2016
(
Urk.
9/70
;
Urk.
9/73
)
und
verneinte mit Verfügung vom 2
5.
April 2016 einen Rentenanspruch (
Urk.
9/77 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
1
0.
Mai 2016
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2
5.
April 2016
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
es sei
auf den Arztbericht von
Dr.
Y._
abzustellen und damit auf sein Gesuch um
N
eu
b
eur
teilung seines Gesundheitszustandes einzutreten
(
Urk.
1 S. 2
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
3.
Juni 2016
(
Urk.
8
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
2
2.
August 2016
wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
10
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen
der
gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen gu
ten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu er
zielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG; BGE 139 V 547 E. 5; 131 V 49 E. 1.2; 130 V 352 E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4.).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar
2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. Novem
ber 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versi
cherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundes
gerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie
hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und her
nach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann revidier
bar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heits
zustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisi
ons
grund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar.
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Ände
rung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen).
1.
5
Zur Frage des Bedeutungsgehalts des
Art.
87
Abs.
2 und 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
hat das Bundesgericht in BGE 130 V 64 E. 5.2.5 festgehalten, dass die versicherte Person mit dem Revisionsgesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsachenänderung glaubhaft machen muss, ihr mithin ausnahmsweise eine Beweisführungslast zukommt. Tritt die Verwal
tung auf
das erneute Leistungsbegehren ein, hat sie demgegenüber ge
stützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und voll
stän
dige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04]; vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a).
1.6
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis). Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu, und es ist nicht zwingend notwendig, dass fremd
anamnestische Angaben eingeholt oder Zusatzuntersuchungen angeordnet werden (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai
2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3). Rechtsprechungsgemäss gibt es keine verbindliche Mindestdauer für eine psychiatrische Exploration, sondern es wird lediglich verlangt, dass die Exper
tise inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig ist, wobei der für eine psy
chiatrische Untersuchung zu betreibende zeitliche Aufwand der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie angemessen sein muss (Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2).
1.
7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzu
sehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (vgl. zum Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Ver
waltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entscheidenden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen mög
lich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (BGE 137 V 210 E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung gestützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere
die Stellungnahmen des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom
1.
und
3.
März
2016
(
Urk.
9/69/
2-3)
, davon aus,
dass die Diagnose einer
schizoaffektiven
Störung bei familiärer Belastung mit Schizophrenie und schwerer Depression anhand der spärlichen Befunde nicht nachvollziehbar sei.
Um von einer
schizoaffektiven
Störung sprechen zu kön
nen, müssten neben dem Vorliegen einer affektiven Störung weitere Kriterien erfüllt sein.
Es bestehe weiterhin kein neuer Gesundheitsschaden im Sinne der Invali
den
versicherung (
Urk.
2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, dass
der Arztbericht von
Dr.
Y._
seine gesundheitliche Situation in Bezug auf seine psychischen Beschwerden klar darstelle.
In der angefochtenen Verfügung finde sich zu
diesem Bericht keine gebührende und
nachvollziehbare Beurteilung res
pektive Auseinandersetzung. Im Bericht von
Dr.
Y._
werde klar dargestellt, dass er ernsthafte, kontroll- und therapiebedürftige psychische Beschwerden habe. Deswegen sei er bei
Dr.
Y._
in Betreuung.
Dr.
Y._
sei Neurologe, be
treue aber sehr viele Landsleute, die auch psychische Beschwerden
hätten
. Seine Deutschkenntnisse seien ungenügend. Er müsse wegen seiner psychischen Probleme in türkischer Sprache betreut werden. Da er keinen geeigneten Psy
chiater oder Psychologen gefunden habe, habe
Dr.
Y._
ihn aufgenommen
(
Urk.
1 S.
1)
.
Ohne seine Betreuung würde es ihm psychisch deutlich schlechter gehen als jetzt. Falls die Beschwerdegegnerin die Beurteilung von
Dr.
Y._
nicht akzeptieren wolle, könne sie ihn begutachten lassen (S. 2).
2.3
Mit
Verfügung vom 14. März 2016 (Urk. 2) ist die IV-Stelle auf die Neuan
mel
dung des Beschwerdeführers vom 16. November 2015 eingetreten. Die
Eintre
tens
frage
ist daher nicht (mehr, vgl. Urk. 9/66) Streitgegenstand, vielmehr ist
s
trittig und zu prüfen
, ob beim Beschwerdeführer seit Erlass der rentenableh
nenden Verfügung vom 2
4.
September 2010 (
Urk.
9/48) eine anspruchsbegrün
dende Verschlechterung des Gesundheitszustandes eingetreten ist.
3.
3.1
Der rentenablehnenden Verfügung vom 2
4.
September 2010 (
Urk.
9/48) lagen im Wesentlichen die nachfolgenden Arztberichte zugrunde:
3.2
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Pneu
mologie, nannte im Bericht vom
6.
Mai 2009 (
Urk.
9/4/10-11) als Diagnose eine
Rhinokonjunktivitis
allergica
mit Sensibilisierung auf Roggenmehl und Wei
zen
mehl (Bäcker-
Rhinokonjunktivitis
) und Sensibilisierung auf Birken- und Eschen
pollen
(S.
1)
. Dazu führte er aus, es bestehe eine arbeitsabhängige
Rhino
konjuktivitis
bei Mehlstaubexposition in der Bäckerei. Im
Rasttest
hätte sich die Sensibilisierung auf Roggen- und Weizenmehl bestätigt. Die Lungenfunktion sei normal gewesen, der
Methacholintest
knapp nicht signifikant positiv. Dyspnoe sei im November noch nicht angegeben worden, jetzt bestehe ein thorakales Druckgefühl bei der Arbeit. Die Versetzung in eine andere Abteilung mit gerin
gerer Mehlexposition sowie die Behandlung mit
Xyzal
und
Aerius
habe keine befriedigende Besserung gebracht.
Die Arbeit mit Mehlstaub sei für den Be
schwerdeführer nicht mehr zumutbar (S. 2).
3.3
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte im Bericht vom 1
6.
Juli 2009 (
Urk.
9/9/3-4) als Diagnose mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit eine
Rhinokonjunktivitis
allergica
mit Sensibilisierung auf Roggen- und Weizenmehl (Bäcker-
Rhinokonjunktivitis
) und als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach
Ureteroendoskopie
und
Konkremententfernung
links im Juni 2008 wegen
Urolithiasis
links (S. 1). Dazu führte er aus,
dass
der Beschwerdeführer seit 2003 in unregelmässigen Abstän
den in hausärztlicher Behandlung
stehe
. Die Hauptbeschwerden im Sommer 2009 hätten in einer
Urolithiasis
links, welche chirurgisch behandelt worden sei
,
und einer rezidivierenden
Rhinokonjunktivitis
allergica
mit Sensibilisierung auf Roggen- und Weizenmehl bestanden. Letztere mache die Ausübung der Tätig
keit als
Bäcker längerfristig unmöglich.
3.4
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, RAD,
führte
in der Stellungnahme vom 3
0.
November 2009 (
Urk.
9/43/3-4)
aus, aus medizinischer Sicht stehe gestützt auf die vorhandenen medizinischen Akten fest, dass der Beschwerdeführer nicht mehr al
s Bäcker oder in einem anderen B
eruf mit Mehlexposition eingesetzt werden sollte. In dieser Tätigkeit bestehe daher eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Für andere Hilfsarbeiten besteh
e eine 100%ige Arbeitsfähigkeit, wobei
Berufe mit
Allergisierungspotential
für andere Stoffe (in der Landwirtschaft, mit Chemikalien) ungünstig
seien
.
4.
4.1
Für die Zeit nach der rechtskräftigen Verfügung vom 2
4.
September 2010 (
Urk.
9/48) finden sich in d
en Akten die folgenden Berichte:
4.2
Dr.
med.
Y._
ist im Bereich der Neurologie und Psychiatrie tätig und
führte in seinem
Bericht vom
5.
Februar 2016 (
Urk.
9/67/1-3)
aus, er behandle den Beschwerdeführer seit Februar 2014 regelmässig neuro-psychiatrisch in türkischer Sprache.
A
ls Diagnose
nannte er
eine ausgeprägte
schizoaffektive
Störung bei familiärer Belastung mit Schizophrenie und schwerer Depression.
Der Beschwerdeführer habe diverse hauptsächlich psychische Beschwerden.
E
r habe
starke Angstgefühle, Unsicherheit, immer wieder Pani
katta
c
ken mit Herz
rasen, Schwitzen, erlebe vergangene durchlebte Ereignisse (eher negative Ereig
nisse) im Kopf weiter im Dialog oder kommentierend. Diese Denkstörung sei stets vorhanden und habe in letzter Zeit zugenommen. Er habe immer wieder das
Gefühl, dass man ihn verfolge oder vergiften w
o
ll
e
. Er fühle sich kraftlos, müde, könne öfters tagelang gar nichts machen, sei stark vergess
lich, könne sich auf eine Aktivität nicht lange und nicht effizient konzentrieren, sei sehr empfindlich, leicht verletzlich, habe seit langem keine Freude/Lust mehr, Mühe in den Morgenstunden aufzustehen und etwas zu machen. Er sei öfters wie blockiert, habe öfters keine Lust oder
keinen
Willen
,
irgendwelche nötigen All
tagsaktivitäten zu erledigen. Es sei ihm schwieriger geworden, sich zu pfle
gen und anständig
zu
k
leiden. Die nötigen kleinen Alltagsaktivitäten kämen ihm
ziem
lich schwer vor
. Er könne sich gar nicht vorstellen, in dieser Verfassung irgend
einer Tätigkeit nachzugehen. Diese Beschwerden seien vor einigen Jahren auf
ge
treten und hätten langsam zugenommen (S.
2 oben). Zu Beginn der Be
hand
lung sei es klar gewesen, dass der Beschwerdeführer er
hebliche psychische Be
schwerden habe, welche kontroll- und therapiebedürftig seien. Es sei trotz
dem nicht einfach gewesen, eine adäquate medikamentöse Be
handlung durch
zu
führen. Schlussendlich sei es gelungen eine Psychopharmaka-Behandlung mit
E
f
e
x
or
und
Seroquel
durchzuführen. Unter dieser Behandlung gehe es dem Be
schwerdeführer etwas besser. Diese Besserung sei aber für seine Arbeitsun
fähig
keit nicht von grosser Bedeutung (S. 2 unten). Die Behandlung und die medizi
nische Betreuung hätten möglicherweise weitere Verschlechte
rungen verhindert, würden aber keine nachhaltige und zunehmende Besserung bringen (S. 3 oben).
Der Beschwerdeführer sei aktuell und möglicherweise auf längere Sicht aus psy
chiatrischer Sicht zu über 70
%
arbeitsunfähig. Man könne durch medizinische Massnahmen auf Grund der vorliegenden Erkrankung nichts nachhaltig ver
bessern. In der freien Wirtschaft könne man dem Beschwerdeführer keine Tätig
keiten zumuten. Eine Beschäftigung in geschütztem Rahmen
sei
dem Beschwer
deführer im Umfang von 50
%
zumutbar
(S. 3 oben)
.
4.3
Med.
pract
.
C._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, RAD,
führte in der Stellungnahme vom
1.
März 2016 (
Urk.
9/69/2) aus, bislang sei lediglich eine Mehlstauballergie be
kannt gewesen. Neu teile
Dr.
Y._
mit, dass diverse psychische Beschwer
den vorl
ä
gen. Die vom Neurologen
Dr.
Y._
genannte Diagnose einer ausgeprägten
schizoaffektiven
Störung bei familiärer Belastung mit Schizo
phrenie und schwe
rer Depression ohne Nennung eines ICD-10 Codes sei anhand der mitgeteilten spärlichen Befunde nicht nachvollziehbar.
Dr.
Y._
schildere die geklagten Be
schwerden und übernehme diese sodann als psychopathologi
sche Befunde. Er stütze seine Diagnose hauptsächlich darauf, dass die gesamte Grossfamilie so
wohl väterlicher- als auch mütterlicherseits mit psychiatrischen Erkrankungen belastet und zum Teil auch
deswegen berentet sei.
Die Kriterien einer
schizo
affektiven
Störung seien nicht erfüllt.
4.4
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte in der Stellungnahme vom
4.
März 2016 (
Urk.
9/69/3) aus, die Diagnose
einer
schizoaffektive
Störung
sei aufgrund der nicht erfüllten Kriterien nicht nach
voll
ziehbar
. Eventuell könnte eine Depression diagnostiziert werden. Die Symp
tome (Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen, Grü
beln, Freude- und Lustverminderung, Energiemangel, Morgentief, Antriebsman
gel, psy
chomotorische Verlangsamung) würden
dafür sprechen
. Allerdings seien auch hier die Kriterien nicht wirklich erfüllt.
Die Depression
habe
bei adäquater psy
chiatrisch-psychotherapeutischer und psychopharmakologischer Behandlung eine gute Prognose. Eine
Arbeitsunfähigkeit
von über 70
%
auf lange Sicht
sei
nicht nachvollziehbar.
Unter
Efexor
gehe es dem Versicherten besser,
d
er Ein
satz der Psychop
h
armaka
sei
jedoch noch nicht ausgeschöpft
.
Es bestehe daher kein lang
anhaltender oder dauerhafter psychischer Gesundheitsschaden.
5.
5.1
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdefüh
rers im relevanten Zeitraum (vgl. E.
2.3) in einer für den Anspruch relevanten Weise verändert hat.
5.2
Aufgrund der Akten gibt es keine Anhaltspunkte und ist unbestritten, dass sich der somatische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im relevanten Zeit
raum wesentlich verändert hätte. Es bleibt daher zu prüfen, ob hinsichtlich der psychischen Situation eine Veränderung eingetreten ist.
Zur Beurteilung der Frage, ob die geltend gemachten psychischen Leiden des Beschwerdefüh
rers invalidisierend sind, liegen
einzig ein Bericht von
Dr.
Y._
(vorstehend E.
4.2) sowie die Stellungnahmen des RAD (vorste
hend E.
4.3-4) vor.
Die Beschwerdegegnerin verneinte gestützt auf die Einschät
zung des RAD vom März 2016 (vorstehend E. 4.3-4) das Vorliegen eines lang
anhaltenden dauerhaften psychischen Gesundheitsschadens und damit einen veränderten Gesundheitszustand (vgl. vorstehend E. 2.1). Dagegen machte der Beschwerde
führer im Wesentlichen geltend, dass er ernsthafte, kontroll- und therapiebe
dürftige psychische Beschwerden habe und sich diese aus dem Bericht von
Dr.
Y._
ergeben würden (vgl. vorstehend E. 2.2).
5.3
Soweit die Beschwerdegegnerin die Ansicht vertritt, dass die Kriterien einer
schi
zoaffektiven
Störung
vorliegend
nicht erfüllt seien, vermag
dies
mit Blick auf den Bericht von
Dr.
Y._
nicht
zu überzeugen.
Bei der
schizoaffektiven
Störung, gegenwärtig depressiv (ICD-10 F25.1), handelt es sich um eine Stö
rung, bei der sowohl schizophrene als auch depressive Symptome während derselben Krankheitsepisode auftreten. Die depressive Stimmung wird gewöhn
lich von mehreren charakteristischen depressiven Symptomen oder Verhaltens
auffällig
keiten begleitet wie Verlangsamung, Schlaflosigkeit, An-triebs-, Appe
tit- oder Gewichtsverlust, Verringerung der üblichen Interessen, Konzentrati
onsstörung, Schuldgefühl, Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Suizidideen. Gleichzeitig oder während derselben Episode müssen andere typische schizo
phrene Symptome vor
handen sein; die betreffende Person kann beispielsweise behaupten, dass ihre Gedanken sich ausbreiten oder gestört werden, oder dass fremde Kräfte ver
suchen, sie zu kontrollieren. Sie kann davon überzeugt sein, dass sie ausspio
niert wird, oder dass ein Komplott gegen sie im Gange ist und dass dieses durch ihr eigenes Verhalten nicht gerechtfertigt ist (vgl. hierzu die klinisch-diagnos
tischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapitel V (F),
Dil
ling
/
Mombour
/Schmidt, Hrsg.,
9.
Auflage, Bern 2014, S.
153 f. sowie zu den ty
pisch schizophrenen Symptomen S. 129)
.
Auch wenn die Diagnosestellung und Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
Y._
aufgrund
der
fehlenden fachlichen Qualifikation den praxisgemässen Anforderungen (vgl. vorstehend E.
1.
6
)
nicht
zu genügen vermag, lassen sich daraus
-
entgegen der Ansicht des RAD
(vgl. vorstehend E. 4.3-4) -
eindeutige Anhaltspunkte
respektive schizophrene Symptome
(„erlebe vergangene durch
lebte Ereignisse im Kopf weiter im Dialog oder kommentierend“, „dass man ihn verfolgt oder vergiften will“)
entnehmen,
aufgrund welcher
die Diagnose einer
schizoaffektiven
Störung
und damit
die Möglichkeit
eine
r
Verschlechterung des Gesundheitszustandes
nicht ohne weitere Abklärungen ausgeschlossen werden kann
.
5.4
Da es vorliegend bis auf die fachfremde Beurteilung durch
Dr.
Y._
an einer fachärztlichen psychiatrischen Untersuchung gänzlich mangelt
(vgl. vorstehend E. 1.5)
, lässt sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und eine Veränderung desselben nur ungenügend feststellen.
Die Beschwerdegeg
nerin, welche nach Eintritt auf das erneute Leistungsbegehren eine Untersu
chungspflicht trifft (vgl. vorstehend E.
1.4), ist damit ihrer Abklärungspflicht nicht nachgekommen.
Nach dem Gesagten kann demnach der aktuelle Gesundheitszustand de
s
Be
schwerdeführer
s
und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ohne wei
ter
gehende Sachverhaltsabklärungen nicht abschliessend beurteilt werden, wes
halb sich eine Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden medi
zini
schen Abklärung als notwendig erweist.
6.
Zusammenfassend erweist sich die vorliegende Aktenlage für eine abschlies
sen
de Beurteilung des Leistungsanspruchs in Bezug auf den medizinischen Sach
verhalt als unvollständig, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen ist, damit diese nach ergänzenden Abklärungen über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
7.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1bis IVG), auf
Fr.
600.-- anzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.
2
Der Antrag auf Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters
(
Urk.
12)
er
weist sich angesichts des Ausgangs des Verfahrens als gegenstandslos.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der
seit September
2016
vertretene
(vgl. Urk.
12-13)
Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat, die ohne Rücksicht auf den Streitwert, nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens (
§
34
Abs.
3
GSVGer
) zu bemessen
ist. Da der Beschwerdeführer sich erst nach Beschwerdeerhebung im September 2016 vertreten liess und sich die Eingaben des Rechtsvertreters im Wesentlichen auf die Mitteilung des Verletzungsverhältnisses, ein Frister
streckungsgesuch und die Mitteilung des
festhaltens
am bereits gestellten Begeh
ren (Urk. 12, Urk. 15-16) beschränkt, ist die Prozessentschädigung
beim praxisgemässen Stun
denansatz von
Fr.
220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) auf
Fr.
3
30.-- (inkl. Bar
auslagen
und
MWSt
) festzusetzen
.