# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 44308f8d-0ed4-49ea-b52b-78bc96acd89d
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am 19. September 1956 in A. geboren und wuchs dort zusammen mit einem drei Jahre jüngeren Bruder in geordneten Verhältnissen auf. In A. besuchte er während neun Jahre die Hauptschule. In der Folge absolvierte er bei der Deutschen Bundesbahn eine dreijährige Lehre als Schalterbeamte und Fahrdienstleiter, welche er erfolgreich abschloss. Seither ist er bei der Deutschen Bahn auf seinem angestammten Beruf tätig; zuletzt in B.. Gemäss seinen Angaben beträgt sein monatliches Nettoeinkommen rund EUR 2'580.00. Er ist Eigentümer eines Einfamilienhauses mit einem Steuerwert von rund EUR 200'000.00.
Seit August 1980 ist X. mit C. geb. C. verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne (Jahrgang 1983 und 1986) hervor. Beide Söhne sind noch in Ausbildung und werden von den Eltern finanziell unterstützt.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X. nicht verzeichnet. Über seinen Leumund ist nichts Nachteiliges bekannt.
B. Am 3. September 2005 fuhren X. und seine Ehefrau C. mit dem Motorrad Suzuki WVBU, 638 ccm, E., auf der D.-strasse von F. in Richtung G.. Nach K. sahen sie auf der Höhe der Örtlichkeit H. einen Rastplatz unterhalb der Strasse und entschieden, dort eine Pause einzulegen. Da sie die Ausfahrt bereits passiert hatten, verlangsamte X. sein Motorrad und fuhr an den rechten Fahrbahnrand. Ohne sich genügend zu vergewissern, ob von hinten Verkehr nahte, setzte er auf der rund 6.30 Meter breiten Strasse zu einem Wendemanöver an, um zum vorgesehenen Rastplatz zu gelangen.
Gleichzeitig fuhr I. mit seinem Motorrad Kawasaki, ZXR 750, 747 ccm, J., als Erster einer Motorradgruppe von K. in Richtung G.. Nach K. überholte er L. und dessen Ehefrau M. auf ihrem Motorrad, N., die mit einer Geschwindigkeit von rund 80 km/h fuhren. Nur Sekunden später prallte I. nach einer Vollbremsung und einer Stopspur von rund 10 Metern mit seiner Maschine auf der Gegenfahrbahn in das linke Heckteil des Motorrades von X.. Gemäss den Unfallspuren hatte dieser im Zeitpunkt der Kollision das Wendemanöver auf der Gegenfahrbahn nahezu abgeschlossen. Durch den heftigen Aufprall wurden das Ehepaar XC. und I. von den Motorrädern geschleudert.
I. erlag noch auf der Unfallstelle seinen schweren inneren Verletzungen. C. wurde mit schwersten Verletzungen am linken Bein ins Universitätsspital Zürich geflogen,
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wo ihr der linke Fuss und ein Teil des Unterschenkels amputiert und mit einer Prothese versorgt werden mussten. Dr.med. O., B., bestätigte mit Schreiben vom 9. Mai 2008, dass C. noch unter wechselnden Nerven- und Phantomschmerzen im amputierten Bein leide; diese Schmerzzustände würden voraussichtlich auf Dauer bestehen bleiben.
X. erlitt beim Unfall eine Fraktur des linken Waden- und Fersenbeins sowie diverse Schürfwunden und musste ins Spital R. überführt werden. Gemäss einer Bestätigung von Dr.med. O., B., vom 9. Mai 2008 sei die von X. erlittene Fussverletzung nach wie vor empfindlich gegen jede Art der Überbelastung und die Beweglichkeit des linken Fussgelenkes eingeschränkt. Zudem leide X. immer noch psychisch unter den Unfallfolgen.
C. Mit Schreiben des Untersuchungsrichteramts Ilanz vom 13. Juni 2006 wurde Dipl. Ing. FH Q. beauftragt, eine verkehrstechnische Unfallexpertise zu erstellen. Das Gutachten datiert vom 29. November 2006.
D. Mit von der Staatsanwaltschaft genehmigter Verfügung vom 8. Mai 2007, mitgeteilt am 11. Mai 2007, stellte der zuständige Untersuchungsrichter das am 23. September 2005 eröffnete Strafverfahren ein. Die Untersuchungsbehörde erachtete es als erwiesen an, dass X. mit seinem Verhalten gegen Art. 36 Abs. 4 SVG und Art. 17 Abs. 4 VRV verstossen hatte. Diesbezüglich wurde das Verfahren gestützt auf Art. 54 StGB eingestellt. In Bezug auf die Tatbestände der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung wurde das Verfahren demgegenüber mangels eines rechtserheblichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Fehlverhalten von X. und dem eingetretenen Erfolg eingestellt.
E. Gegen diesen Entscheid liess P., die Witwe von I., am 4. Juni 2007 Beschwerde bei der Beschwerdekammer des Kantonsgerichts Graubünden stellen mit dem Antrag, es sei die angefochtene Verfügung unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben.
F. Mit Entscheid vom 16. August 2007, mitgeteilt am 4. Februar 2008, wurde die Beschwerde gutgeheissen, die angefochtene Einstellungsverfügung aufgehoben und die Sache zur weiteren Behandlung an die Staatsanwaltschaft Graubünden zurückgewiesen.
G. Nach Ergänzung der Untersuchung wurde X. mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 25. Juli 2008 wegen fahrlässiger Tötung gemäss Art. 117 StGB, fahrlässiger Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2
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StGB sowie wegen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG in Anklagezustand versetzt. In der Ergänzung der Anklageschrift vom 25. Juli 2008 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden folgenden Antrag:
„1. X. sei der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB, der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB sowie der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er zu verurteilen:
- zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 120.--.
Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.
- Zur Bezahlung einer Busse von Fr. 1'000.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 8 Tagen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
Am 13. Mai 2009 fand die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss Albula statt. Der Angeklagte ist in Begleitung seines privaten Verteidigers, RA Dr. iur. Hans-Jürg Tarnutzer sowie seines vormaligen Rechtsvertreters, RA Maximilian W. Lungstras, zur Verhandlung erschienen. Ebenfalls anwesend war der Gutachter Dipl. Ing. FH Q., der sein Gutachten erläuterte und Fragen des Angeklagten und des Gerichts beantwortete.
H. Mit Urteil vom 13. Mai 2009, mitgeteilt am 9. Juli 2009, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Albula:
„1. X. ist schuldig der fahrlässigen Tötung im Sinne von Art. 117 StGB, der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB sowie der Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 36 Abs. 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.
2. Von einer Bestrafung wird abgesehen.
3. Die Kosten des Verfahrens bestehend aus: Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Fr. 3'155.00 Barauslagen der Staatsanwaltschaft Fr. 9'277.80 Gerichtsgebühren Fr. 5'000.00 Kosten Gutachter Fr. 1'900.00 insgesamt Fr. 19'332.80
gehen zulasten von X. und sind innert 30 Tagen mittels beiliegenden Einzahlungsscheines zu bezahlen.
4. Das von X. geleistete Depositum im Umfang von Fr. 1'109.80 wird X. nach Rechtskraft dieses Urteils und nach Zustellung eines Einzahlungsscheines erstattet.
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## Considerations