# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2cdcb15f-435b-471f-a0b8-7abded30f5e8
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2008
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
2
A. Am 5. Januar 2006 schrieb der Y. (im Folgenden: Y.) den Sammeldienst für den Hauskehricht im Verbandsgebiet exklusive A. und B. öffentlich aus. Gemäss Ausschreibung sollte der Auftrag am 1. Juni 2006 beginnen. Am 30. Januar 2006 reichte die X. ihre Offerte ein. In Ziffer 1.8 der Offerte erklärte die erwähnte Unternehmung ihr Angebot bis zum 31. Mai 2006 als verbindlich. Mit Verfügung vom 16. Februar 2006 vergab der Y. den Auftrag an die X., da diese das wirtschaftlich günstigste Angebot eingereicht hatte. Eine von einem Mitkonkurrenten gegen diesen Zuschlag erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht Graubünden mit Urteil vom 8. Mai 2006, mitgeteilt am 10. Mai 2006 (Verfahren U 06 22), ab.
Die X. hatte schon in der Vergangenheit während mehreren Jahren den Kehrichtsammeldienst für den Y. ausgeführt, wobei der alte Vertrag am 31. Mai 2006 auslief. Am 25. April 2006, also noch während Hängigkeit des im vorangehenden Abschnitt erwähnten Beschwerdeverfahrens, beauftragte der Y. die X. mit der Weiterführung des Sammeldienstes für Hauskehricht ab dem 1. Juni 2006 bis zum endgültigen Urteil des Verwaltungsgerichts und der damit eventuell verbundenen Bereinigung des Vertrages, und zwar zu den gleichen Konditionen wie im alten Vertrag. Die X. führte den Abfallsammeldienst ab 1. Juni 2006 im Sinne dieser Übergangsregelung aus.
B/1. Am 26. Mai 2006 stellte der Y. der X. den Vertrag mit Pflichtenheft zur Unterzeichnung zu und bat sie, ihm die unterzeichneten Exemplare zu retournieren. In der Folge kam es zu Diskussionen über den Vertragsinhalt. Am 21. Juni 2006 trafen sich die Parteien zu einer Besprechung. Mit Schreiben vom 12. Juli 2006 an den Y. wies die X. darauf hin, dass die Mengenangaben in der Ausschreibung nicht mit ihren in den früheren Jahren effektiv abgelieferten Mengen übereinstimmten, worauf sie den Y. schon mit Brief vom 30. Januar 2006 aufmerksam gemacht habe. Dieser sei damals nicht bereit gewesen, die entsprechenden Angaben zu korrigieren, weshalb die Offerte auf Grund der grösseren Mengenangabe ausgearbeitet worden sei. Die X. laufe unberechtigterweise in einen Verlust, wenn sie den Vertrag ohne Preisanpassung bei verringerten Tonnagen unterzeichne. Sie bitte den Y. daher, unter Artikel 12 des Vertrages einen entsprechenden neuen Absatz einzufügen. In seinem Schreiben vom 25. Juli 2006 erklärte der Y., anlässlich der Besprechung vom 21. Juni 2006 sei der X. eine Frist bis zum 15. Juli 2006 gewährt worden für den Nachweis der Bestellung der beiden neuen Fahrzeuge sowie für die Unterzeichnung des Vertrages. Anstelle des Nachweises
3
und des Vertrages habe die X. eine in der Ausschreibung nicht vorgesehene Vertragsanpassung gefordert, welche offenbar einen wichtigen Punkt für den Vertragsabschluss darstelle. Der Y. könne einer solchen Anpassung nicht zustimmen, da dies eine Benachteiligung der übrigen Anbieter darstelle. Zudem habe die X. die genauen Tonnagen gekannt und daher die Möglichkeit gehabt, entsprechend zu kalkulieren. Nachdem die X. nicht bereit sei, den Vertrag zu den Bedingungen der Ausschreibung abzuschliessen und sie im Besonderen innert der festgelegten Frist keinen Nachweis für die Beschaffung der Fahrzeuge gemäss Ausschreibung erbracht habe, sei der Vertragsabschluss gescheitert und der Y. gezwungen, eine Übergangslösung zu suchen. Der Sammeldienst gemäss der mündlich vereinbarten Verlängerung ende somit am 31. Juli 2007. Mit Schreiben vom 27. Juli 2006 stellte der Y. klar, dass ihm im Brief vom 25. Juli 2006 ein Versehen unterlaufen sei. Der Sammeldienst ende bereits per 31. Juli 2006 und nicht wie irrtümlich mitgeteilt erst am 31. Juli 2007. Ebenfalls am 27. Juli 2006 teilte der Y. den Verbandsgemeinden und beteiligten Unternehmungen mit, dass die Firma C. ab 1. August 2006 den Sammeldienst für Hauskehricht im Verbandsgebiet exkl. A./B. übernehmen werde.
Mit Schreiben vom 28. Juli 2006 an den Y. machte die X. geltend, sie habe die Kaufverträge der beiden Fahrzeuge mit der Offerte eingereicht und diese würden bestellt, sobald der Vertrag unterzeichnet sei. Sie habe den ihr vorgelegten Vertrag bis am 15. Juli 2006 vernünftigerweise nicht unterzeichnen können, da verschiedene Punkte (Vertragsbeginn, Vertragsende, Einsatztermin der neuen Fahrzeuge) vom Y. noch nicht bereinigt worden seien. Durch den riesigen Druck, den der Y. auf sie ausübe und der vollkommen ungerechtfertigt und nicht fair sei, habe sie nun den Vertrag zu den vom Y. genannten Bedingungen unterzeichnet, um damit ein verwaltungsgerichtliches Verfahren zu verhindern. Der unterzeichnete Vertrag wurde dem erwähnten Schreiben beigelegt. Am 31. Juli 2006 teilte der Y. der X. mit, innerhalb der gegebenen Frist bis 15. Juli 2006 habe keine Vertragsunterzeichnung gemäss Submission stattgefunden. Auch die geforderten Unterlagen gemäss Submission und Besprechung vom 21. Juni 2006 seien bis heute beim Y. nicht eingegangen. Aus diesem Grund werde der Y. den Sammeldienst ab dem 2. August 2006 durch eine andere Unternehmung ausführen lassen.
2. Am 25. August 2006 reichte die X. beim Verwaltungsgericht Graubünden Rekurs ein. Sie beantragte, den Y. zu verpflichten, mit ihr den am 26. Mai 2006 unterbreiteten Vertrag abzuschliessen und zwar mit einer Ergänzung von Art. 12 des Vertrages. Überdies verlangte sie die Feststellung, dass der
4
Vertragsabschluss mit der Firma C. rechtswidrig sei. Im Eventualbegehren beantragte die X., der Y. sei zur Bezahlung von Schadenersatz im Maximalbetrag von Fr. 500'000.-- für entgangenen Gewinn und ungedeckte Kosten zu verpflichten. Anlässlich des zweiten Schriftenwechsels liess die X. ihre Schadenersatzforderung fallen. Mit Urteil vom 7. November 2006, mitgeteilt am 14. November 2006 (Verfahren U 06 91), wies das Verwaltungsgericht Graubünden die Beschwerde der X. ab, soweit es darauf eintrat. Die gegen diesen Entscheid erhobene staatsrechtliche Beschwerde wies das Bundesgericht mit Urteil vom 15. Juni 2007 (2P.329/2006) ab.
C. Mit Vermittlungsbegehren vom 29. November 2006 instanzierte die X. beim Kreispräsidium Oberengadin eine Klage gegen den Y.. Nach erfolglos verlaufener Sühneverhandlung vom 5. Januar 2007 erstellte der Vermittler am 5. März 2007 den folgenden Leitschein:
„Klägerisches Rechtsbegehren
1. Der Beklagte sei zu verpflichten, mit der Klägerin den am 26. Mai 2006 unterbreiteten „Vertrag für den Abfallsammeldienst exkl. A./B.“ gemäss Vergabeentscheid vom 16. Februar 2006 resp. Verwaltungsgerichtsentscheiden vom 8. Mai 2006 (Verfahren U 06 22) und vom 7. November 2006 (Verfahren U 06 91) abzuschliessen, gemäss dem am 28. Juli 2006 unterzeichnet zugestellten Vertrag.
2. Eventualiter sei der Beklagte zu verpflichten, den Vertrag mit folgender Anpassungsklausel als zusätzlichen Absatz 3 zu Art. 12 abzuschliessen: „Fällt die Abfallmenge unter die in der Ausschreibung angegebenen Basismengen, erfolgt eine Anpassung des Tonnenpreises mit dem Mechanismus, wie er während der vergangenen fünfjährigen Vertragsdauer mit der Klägerin erfolgte. Die Anpassung erfolgt bei jeder Unterschreitung.“
3. Der Beklagte sei zur Bezahlung von Schadenersatz für entgangenen Gewinn und nicht abwälzbare Kosten bis zum Maximalbetrag von CHF 100'000.00 zu verpflichten, und zwar für diejenigen Schäden, die der Klägerin in Folge des kurzfristigen Entzugs des Transportauftrages und des unberechtigten Nichtabschlusses entstanden.
4. Eventualiter sei der Beklagte zur Bezahlung von Schadenersatz im Maximalbetrag von CHF 500'000.00 für entgangenen Gewinn zu verpflichten, und zwar für denjenigen Schaden, der bei Abweisung des Rechtsbegehrens gemäss Ziff. 1 entstehen würde.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beklagten.
Beklagtisches Rechtsbegehren
1. Abweisung der Klage.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerin.“
5
Mit Prozesseingabe vom 26. März 2007 prosequierte die X. den Leitschein an das Bezirksgericht Maloja. Dabei reduzierte sie das Schadenersatzbegehren gemäss Ziffer 3 der Klage auf einen Maximalbetrag von Fr. 30'000.--. Im Übrigen blieben die Rechtsbegehren unverändert. In formeller Hinsicht wurde die Durchführung einer Teilverhandlung nach Art. 94 Abs. 1 ZPO sowie einer Expertise für die Beurteilung von Ziffer 4 der Rechtsbegehren beantragt.
Der Y. beantragte in der Prozessantwort vom 1. Mai 2007 unverändert die kostenfällige Abweisung der Klage.
Die X. verzichtete gemäss Schreiben vom 23. Mai 2007 auf eine Stellungnahme nach Art. 87 Abs. 2 ZPO.
D. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Maloja fand am 13. November 2007 statt. Mit Urteil vom 13. November 2007, mitgeteilt am 22. November 2007, erkannte das Bezirksgericht Maloja, wie folgt:
„1. Die Klage wird abgewiesen, soweit auf sie einzutreten ist.
2. Die Verfahrenskosten, bestehend aus einer Gerichtsgebühr von CHF 3'000.-, einem Streitwertzuschlag von CHF 4'000.- und Schreibgebühren von CHF 500.-, sowie die vermittleramtlichen Kosten von CHF 250.- werden der Klägerin auferlegt.
3. Die Klägerin wird verpflichtet, den Beklagten ausseramtlich mit CHF 9'763.75, zuzüglich MWSt., zu entschädigen.

## Considerations