# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 63defc32-09c6-4af1-a872-61dfceb774e0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren am 20. Juni 2009,
wurde in
Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Ziff. 404 des Anhangs der Verord
nung über Geburts
gebrechen (
GgV
) von
ihren Eltern
am
13. Januar
2020
(Eingangsdatum, Urk. 6/1)
bei der Invalidenversicherung zum Bezug von medizinisc
hen Massnahmen ange
meldet. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte daraufhin einen Bericht der behandelnden Ärztin ein.
N
ach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Vorbescheid vom 3. Juli 2020, Urk. 6/10)
lehnte sie
das Begehren um Kostenübernahme für medizinische Massnahmen
mit Entscheid vom 7. Oktober 2020
ab (Urk. 2).
2.
Dagegen liess die Versicherte Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherun
gs
gericht erheben und beantragen
, es sei die angefochtene Verfügung vom 7.
Oktober 2020 aufzuheben und das Gesuch um Kostengutsprache vom 13.
Januar 2020 gutzuheissen.
Ferner
seien keine Ve
rfahrenskosten zu erheben (Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 7.
Dezember 2020 auf Abweis
ung der Beschwerde (Urk.
5), worüber die Beschwerdeführerin mit Ver
fügung vom 9. Dezember 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (Urk. 7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
) notwendigen medi
zinischen Massnahmen (Art. 13 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invaliden
versicherung,
IVG
). Der Bundesrat bezeichnet die Gebrechen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Art. 13 Abs. 2 IVG).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 Satz 1
der Verord
nung über Geburtsgebrechen,
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt
nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeitpunkt, in dem ein Geburtsgebrechen als sol
ches erkannt wird, ist unerheblich (Art. 1 Abs. 1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufgeführt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich anpassen, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpas
sung für die Versicherung insgesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht über
steigen (Art. 1 Abs. 2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburtsgebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und den therapeutischen Erfolg in einfacher und zwec
kmässiger Weise anstreben (Art.
2 Abs. 3
GgV
).
1.1.2
Als Geburtsgebrechen im Sinne von Ziff. 404
GgV
-Anhang gelten Störungen des Verhaltens bei Kindern mit normaler Intelligenz, im Sinne krank
hafter Beein
trächtigung der Affektivität oder Kontaktfähigkeit, bei Störungen des Antriebes, des Erfassens, der perzeptiven Funktionen, der Wahrnehmung, der Konzentra
tions
fä
higkeit sowie der Merkfähigkeit, sofern sie mit bereits gestellter
Diagnose als s
olche vor der Vollendung des neunten
Altersjahres auch behandelt wo
rden sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_932/2010 vom 11. Januar 2011 E. 2.2).
1.1.3
Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) hat im Kreisschreiben über die
medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung (KSME, gül
tig ab 1.
Juli 2020
) die Voraussetzungen der Leistungspflicht für solche Geburts
gebrechen näher umschrieben. So muss die Störun
g zwingend vor dem voll
endeten neunten
Lebensjahr als solche diagnostiziert, dokumentiert und auch be
handelt worden sein. Erworbene Störungen müssen sicher ausgeschlossen sein (
Rz
404.2 KSME).
Nach
Rz
404.5 KSME müssen die Symptome (E. 1.1.2) kumulativ nachgewiesen, jedoch nicht unbedingt gleichzeitig vorhanden sein, sondern können unter Umständen sukzessive auftreten. Wenn bis zum
neunten
Geburtstag nur einzelne der erwähnten Symptome ärztlich festgestellt wer
den, sind die Voraus
setzungen für ein Geburtsgebrechen nach Ziff. 404
GgV
Anhang nicht erfüllt.
Grundsätzlich ist es mö
glich, nach dem Erreichen des neunten
Altersjahres eine erst
malige Anerkennung der Problematik als Geburtsgebrechen gemäss Ziff. 404
GgV
-Anhang zu erreichen. Nachgewiesen w
erden muss aber, dass vor dem neun
ten
Altersjahr sowo
hl eine Diagnose gestellt wurde
als auch eine medizinische Be
handlung stattfand. Bei der Diagnosestellung reicht es nicht aus, eine ADS-Symptomatik als POS zu bezeichnen, sondern die Anerkennungskriterien nach
Rz
404.5 KSME müssen mittels Untersuchung nachvollziehbar belegt worden sein (Ziff. 1.3
Anhang
7 KSME).
1.2
1.2.1
Gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Lei
dens an sich, sondern unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesent
lich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren.
1.2.2
Gemäss
Rz
645-647/845-847.5 KSME können die Kosten für eine Psychothera
pie nach intensiver fachgerechter Behandlung von einem Jahr Dauer übernom
men werden, wenn keine genügende Besserung erzielt wurde und gemäss spezial
ärzt
licher Feststellung bei einer weiteren Behandlung erwartet werden kann, dass der drohende Defekt mit seinen negativen Wirkungen auf die Berufsausbildung und Erwerbsfähigkeit zu einem grossen Teil verhindert wird.
2.
2.
1
Die Beschwerdegegnerin
begründete die Ablehnung
eine
r
Kostenübernahme
gestützt auf
Art. 13 IVG
damit
,
dass
eine Diagnose
nach
Ziff. 404
GgV
-Anhang
erst am 25. November 2019 und somit nach
dem
neunten Altersjahr
gestellt
wor
den
sei
.
Ausserdem
habe sich die Beschwerdeführerin vor Beginn ihres neunten Altersjahres nicht in einer Therapie befunden.
Die
Voraussetzungen für die Anerkennung
des
Geburtsgebrechens nach Ziff. 404
GgV
-Anhang
seien deshalb
nicht erfüllt.
Ferner
könne
eine Kostenübernahme
gestützt auf
Art. 12 IVG
für die am 25.
November 2019 initiierte Psychotherapie
frühestens nach einer
Behandlungs
dauer von einem Jahr
geprüft
werden (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin
bringt vor, es möge zwar zutreffen, dass die Diagnose und der Therapiebeginn erst nach Vollendung des neunten Lebensjahres
erfolgt
sei
en
(Urk. 1 Ziff. 18).
Allerdings sei d
as Geburtsgebrechen
in der
relevanten
Zeit
nicht diagnostiziert und behandelt worden,
da
dies
schlechterdings
nicht
möglich gewesen sei. So habe sie von
Juli 2016
bis
zum Schuljahresbeginn 2019/2020
zusammen mit ihren Eltern
in
einem Entwicklungsland
gelebt
. Dort hätten
es die medizinischen Verhältnisse nicht zugelassen, eine Abklärung vorzunehmen oder eine Therapie zu initiieren
(Urk. 1 Ziff. 9, 16)
.
Indem sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt stelle, die Voraus
setzung
en
nach Ziff. 404
GgV
-Anhang
seien
infolge Überschreiten
s
der Alters
grenze
nicht erfüllt, verletze sie übergeordnetes Recht. So führte die von
der
Beschwerdegegnerin
vorgenommene Auslegung von Ziff. 404
GgV
-Anhang
zum Ergebnis, dass ein nicht geringfügiges, anerkanntes Geburtsgebrechen von der Leistung ausgeschlossen
würde
,
nur
weil die Behandlung unter gestellter Diag
nose nach Vollendung des neunten Altersjahres erfolgt sei
. Dies sei
gemäss
Art.
13 Abs. 2 IVG nicht zulässig
, werde darin festgehalten, dass ein Leistungs
ausschluss nur erfolgen könne, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeu
tung sei
(Urk. 1
Ziff. 19
).
3.
Dr.
A._
, Fachärztin für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und
psychotherapie
,
hielt im Arztbericht zum in
fantilen POS Zi
ff. 404
GgV
-Anhang
vom 8. Februar 2020 fest
(Urk. 6/5/5-7)
, die Diagnose ADHS/POS-Gg404 am 25. November 2019 gestellt zu haben.
Am
selben Tag
seien
sodann spezifische medizinische
Massnahmen
installiert worden
, die sich gezielt auf die Therapie des diagn
ostizierten POS beziehen würden
. Die kinderpsychiatrische Therapie bein
halte eine Verhaltenstherapie und
die
Ritalingabe
. Unter Einbezug der Eltern und
-
bei Bedarf
-
der Schule finde wöchentlich eine Sitzung statt (Urk. 6/5/6).
4.
Aus den Akten geht hervor und ist soweit unumstritten
, dass erst nach Voll
endung des neunten Altersjahres
der Beschwerdeführerin
die Diagnose
eines ADHS
gestellt und
erst nach Vollendung
des neunten Altersjahres
mit
dessen
Behandlung begonnen wurde (Urk. 1 Ziff. 18, Urk. 2
; vgl. auch
E. 3
)
.
Ziff. 404
GgV
-Anhang
sieht vor, dass in einem solchen Fall
kein Geburtsgebrechen ausge
wiesen ist und mithin
keine sich auf Art. 13 IVG abstützende Kostenübernahme erfolgen kann
.
Im Folgenden ist zu prüfen,
ob
- wie von der Beschwerdeführerin vorgebracht
(Urk. 1)
–
der
a
ngefochtene Entscheid
gegen Art. 13 IVG
verstösst
.
4.1
Mit
Entscheid 8C_316/2018 vom 23. Oktober 2018
hat
das Bundesgericht
fest
ge
halten
,
das frühere Eidgenössische Versicherungsgericht
habe
gestützt auf die ständige Rechtsprechung zu den früher gültigen Verordnungsbestimmungen und Verwaltungsweisungen einerseits die Gesetzmässigkeit der Ziff. 404
GgV
-Anhang
(in der seit 1. Januar 1986 geltenden Fassung) und anderseits die Verordnungs
konformität der seit 1. Juni 1986 im Wesentlichen unverän
derten Verwaltungs
weisungen (
Rz
404.5 KSME)
bestätigt (BGE 122 V 113 E. 1b,
SVR 2005 IV Nr. 2 S. 8,
Urteile des Bundesgerichts
I 756/03
vom 3. Mai 2004
E. 3.1
und
9C_932/2010 vom 11. Januar 2011 E. 2.2).
E
s sei
nicht ersichtlich, dass sich daran zwischenzeitlich etwas geändert
habe (E. 4.3).
Zum
in Ziff. 404
GgV
-Anhang
statuierten
Erfordernis d
er Behandlung vor voll
endetem neunten
Altersjahr unter gestellter Diagnose
hat
das Bundesgericht
(
mehrfach
)
klar
gestellt
,
dass
dieses
gesetzeskonform
sei
. Es stelle
eine Anspruchs
voraussetzung und – im Unterschied zu anderen Ziffern der
Geburtsgebrechens
liste
– nicht nur eine widerlegbare Vermutung
auf (BGE 122 V 113,
ZAK 1984 32, Urteil des Bundesgerichts 8C_23/2012 vom 5. Juni 2012 E. 5.1.1
, Meyer Ulrich/
Reichmuth
Marco, in: Stauffer Hans-Ulrich/
Cardinaux
Basile (Hrsg.), Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG), 3. Aufl., Zürich - Basel - Genf 2014, Art. 13 N 51)
.
Weiter
hat
das Bundesgericht fest
gehalten
, d
ie in Ziffer 404
GgV
-Anhang
festgesetzte Altersgrenze
stehe nicht im Widerspruch zu
Art. 13 Abs. 1 IVG. So habe der Gesetzgeber
dem Bundesrat
in Art. 13 Abs. 2 Satz 1 IVG
eine umfassende Kompetenz erteilt, aus der Gesamtheit der Geburtsgebrechen im medizinischen Sinne jene Gebrechen auszuwählen, für welche die Massnahmen nach Art. 13 IVG zu gewähren
seien
. Soweit die gesetzliche Delegationsnorm dem Bundesrat einen Spielraum des Ermessens
lasse
,
habe
sich der Richter, da er nicht sein Ermessen an die Stelle desjenigen des Bundesrates treten lassen
könne
, auf die Prüfung zu beschränken, ob die Verordnungsvorschriften offensichtlich aus dem Rahmen der delegierten Kompetenz herausfallen
würde
n
. Der Bundesrat
habe
daher sowohl die generelle Regel von Art. 1
GgV
-Anhang
als auch die speziellen Voraussetzungen in einzelnen
GgV
-Ziffern aufstellen
dürfen
, wobei er auch Zwecke der Praktikabilität
habe
berücksichtigen
könne
n
. Bei verschiedenen Geburtsgebrechen erg
ä
ben sich Abgrenzungsschwierigkeiten bezüglich der Frage, ob diese Gebrechen bei vollendeter Geburt
bestanden
hätten
(Art. 1
GgV
) oder erst später eingetreten
sei
en
. Aus Gründen der P
raktikabilität
sei
in Ziffer 404
GgV
-Anhang
die Abgrenzung in der medizinisch begründeten Annahme gefun
den
worden
, dass das Gebrechen vor Vollendung des
neunten
Altersjahres diag
nostiziert und behandelt worden wäre, wenn es angeboren gewesen wäre. Eine solche Abgrenzung
sei
durchaus berechtigt. Es
könne
keine Rede davon sein, dass die Umschreibung in Ziffer 404
GgV
-Anhang
den Rahmen der delegierten K
om
petenz offensichtlich sprenge (BGE 105 V 21
, BGE 122 V 11
3
).
Nach dem Gesagten
steht somit fest
, dass Ziff. 404
GgV
-Anhang
gesetzeskonform ist, mithin
die darin statuierte Altersgrenze
ni
cht gegen Art. 13 IVG verstösst
.
Denn ist, je näher die Diagnose erst beim Stichtag (Vollendung des 9. Altersjahrs) gestellt wird oder die komplette Symptomatik besteht, umso weniger von einem angeborenen beziehungsweise desto eher von einem erworbenen Gebrechen aus
zugehen, war der Verordnungsgeber vielmehr befugt, ein zusätzliches Kriterium zu formulieren, um diese (Rechts-)Frage zu entscheiden (Urteil des Bundesgerichts 9C_418/2016 vom 4. November 2016 E. 6.3.1). Mit den in Ziff. 404 Anhang
GgV
umschriebenen Voraussetzungen geht es - im Sinne von Abgrenzungskriterien - ausschliesslich darum, ein bestimmtes Leiden als angeboren zu qualifizieren, damit es als Geburtsgebrechen im Sinne des Gesetzes anerkannt werden kann (BGE 122 V 113 E. 3. b)
bb
)). Das Fehlen von wenigstens einem der beiden Merk
male («mit bereits gestellter Diagnose als solche vor der Vollendung des 9.
Altersjahres auch behandelt») begründet die unwiderlegbare Rechtsvermutung, es liege kein Geburtsgebrechen im Rechtssinne vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_419/2016 vom 2. November 2016 E. 4.2 mit Hinweisen).
Zu keinem anderen Ergebnis
führt
, wenn man berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin längere Zeit im Ausland gelebt hat und
dort
- wie sie vorbringt -
k
eine adäquate medi
zinische Behandlung
hat
in Anspruch nehmen
können
. So
hat
das Bundesgericht im Entscheid 8C_23/2012 vom 5. Juni 2012 klar
gestellt
, dass selbst wenn es -
objektiv betrachtet
-
an sich möglich gewesen wäre, rechtzeitig eine Diagnose zu stellen, dies aber im konkreten Einzelfall - aus welchen Gr
ünden auch immer - nicht geschehen sei
, die Invalidenversicherung gestützt auf Ziff. 404
GgV
-Anhang
keine medizinischen Massnahmen zu erbringen
habe (Urteil des Bundes
gerichts 8C_23/2012 vom 5. Juni 2012 E. 5.1.1).
4.2
Ebenso wenig vermag etwas zu ändern, dass
- wie d
ie Beschwerdeführerin gel
tend
macht
,
-
sie
vor
ihrem Wegzug aus der Schweiz
im Alter von sieben Jahren
noch zu klein gewesen
sei
,
damit
eine Diagnose
hätte ge
stellt
werden können. Dazu
ist festzuhalten, dass
eine solche
gemäss aktuellem
Wissensstand bereits bei vierjährigen oder noch jüngeren Kindern gestellt werden
kann
(
Urteil des Bun
desgerichts 8C_316/2018 vom 23. Oktober 2018 E. 5.2.1)
und - wie
die
Schilde
rungen
der Beschwerdeführerin
vermuten lassen - bereits damals erste Anzeichen (
vgl. Ziff. 2.1.1 und 2.1.4 Anhang 7 KSME
)
einer
P
athologie
nach Ziff. 404
GgV
-Anhang vorgelegen haben
.
So gibt die Beschwerdeführerin an, ihren
Lehrern und
ihren
Eltern
sei aufgefallen
(Urk. 6/5/5 Ziff. 1.4, Urk. 1 Ziff. 10), dass
sie
Mühe bekunde
t habe
, sich der Disziplin in der Klasse zu unterwerfen und sich zu kon
zentrieren (Urk. 1 Ziff. 10, 6/14/2).
4.3
Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin eine Kosten
übernahme nach Art. 13 IVG zu Recht
ver
neint
hat.
Zu ergänzen ist, dass d
ie Ablehnung
des
Antrags durch die Invalidenversicherung
nicht ein Entscheid gegen das Kind oder eine Verneinung seiner Behandlungsbedürftigkeit,
sondern
ein
versicherungsrechtlicher Entscheid
ist
, bei welchem es um die Zuordnung des Leistungsträgers geht (
Ziffer 1.1
Anhang 7
KSME
). Die Abweisung der Beschwerde bedeutet im vorliegenden Fall
(
lediglich
)
, dass die Invaliden
versicherung die Kosten nicht gestützt auf Art. 13 IVG übernehmen kann. Bei
kongenitalen
Hirnstörungen, die erst nach Vollendung des neunten Altersjahres
tatsächlich behandelt werden, besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass die Invalidenversicherung die Kosten gestützt auf Art. 12 IVG übernimmt (
Rz
404.3
KSME
) oder dass die Krankenversicherung sich an den Kosten beteiligt. Nicht jedes zu spät diagnostizierte oder behandelte
ADS bzw. ADHS
führt generell zum Ausschluss von Leistungen der Invalidenversicherung. Massgebend
im Rahmen von Art. 12 IVG
ist, ob im konkreten Einzelfall mit der Fortsetzung der Behand
lung verhindert werden kann, dass die Berufsbildung des Versicherten aufgrund der bestehenden psychischen und sozialen Konflikte beeinträchtigt wird und es gelingt, eine stabile Defektentwicklung zu verhindern (Urteil des Bundesgerichts I 577/04 vom 14. April 2005 E. 2.2).
5.
Zur Frage, ob
die Beschwerdeführerin
gestützt auf Art. 12 IVG Anspruch auf kon
krete medizinische Massnahmen hat,
hielt die Beschwerdegegnerin im ange
fochtenen Entscheid zutreffend fest, dass in Zusammenhang mit der am 25.
November 2019 initiierten Behandlung (
E. 3
)
im Zeitpunkt des erlassenen, ange
fochtenen Entscheids
vom 7. Oktober 2020
noch keine einjährige Behandlungs
dauer
(vgl. zur Zulässigkeit dieser
Voraussetzung
Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2016
vom 18. Juli 2016
E. 4.2)
habe vorgewiesen werden können
.
Dass die Beschwerdegegnerin deshalb eine sich auf Art. 12 IVG abstützende Kosten
übernahme
nicht geprüft hat
, ist deshalb
ebenfalls
nicht zu beanstanden.
Demnach muss es vorliegend damit sein Bewenden haben, dass die Invaliden
versicherung
(
im Moment
)
keine Leistungen
zu erbringen hat
und die Beschwerde daher abzuweisen ist.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig
(Urk. 1)
. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang sind sie
der
unte
rliegenden Beschwerdeführerin
zu auf
erlegen.