# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 269525ac-6395-4528-94ab-adad451d7017
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2008
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ E.G. war seit 2002 in der Politischen Gemeinde X. in einem öffentlich-rechtlichen
Angestelltenverhältnis tätig. . . . . .
Mit Verfügung vom 28. Juni 2007 wurde das Arbeitsverhältnis per 30. September 2007
aufgelöst.
B./ Mit Eingabe vom 5. Juli 2007 erhob E.G. gegen die Verfügung vom 28. Juni 2007
Rekurs beim Departement des Innern und machte im wesentlichen geltend, die
Kündigung sei nichtig. Er sei gemäss ärztlichem Zeugnis bis 31. Juli 2007
arbeitsunfähig. Die Kündigung könne daher aufgrund der vertraglichen Kündigungsfrist
von vier Monaten frühestens per 31. Dezember 2007 ausgesprochen werden.
. . . .
Mit Entscheid vom 11. Dezember 2007 hiess das Departement des Innern den Rekurs
insoweit gut, als die Auflösung des Arbeitsverhältnisses auf den 31. Oktober 2007
festgelegt wurde. Im übrigen wies es den Rekurs ab. Amtliche Kosten wurden keine
erhoben.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
C./ Mit Eingabe vom 17. Dezember 2007 erhob E.G. Beschwerde beim
Verwaltungsgericht und beantragte, die Auflösung des Arbeitsverhältnisses sei auf den
30. November 2007 festzulegen und es sei ihm der vertragliche Lohn für den Monat
November 2007 inkl. Pensionskassenbeitrag des Arbeitsgebers und anteiligen
dreizehnten Monatslohn nachzuzahlen. Zur Begründung macht er geltend, die
Kündigung vom 28. Juni 2007 sei ihm am Montag, 2. Juli 2007, zugestellt worden.
Aufgrund der vertraglichen Kündigungsfrist von vier Monaten ende das
Arbeitsverhältnis somit am 30. November 2007.
Das Departement des Innern beantragt in seiner Vernehmlassung vom 11. Januar
2008, auf die Beschwerde sei nicht einzutreten. Zur Begründung wird vorgebracht,
aufgrund des Novenverbots im Beschwerdeverfahren sei es grundsätzlich nicht
zulässig, durch eine Aenderung der Anträge im Beschwerdeverfahren mehr oder etwas
anderes als im Rekursverfahren zu verlangen. Ebenfalls sei es unzulässig, das
tatsächliche Fundament einer Argumentation bei Abschluss des Rekursverfahrens
gänzlich zu ersetzen. Auch wenn die eingereichten Unterlagen den Empfang der
Kündigung am 2. Juli 2007 belegen würden, hätte der Beschwerdeführer diese
Tatsache und die darauf gestützte Forderung nach Verlängerung der Kündigungsfrist
bereits im Rekursverfahren vorbringen müssen.
. . .

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 2
lit. a Ziff. 4 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt
VRP). Der Beschwerdeführer ist grundsätzlich zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 17. Dezember 2007 wurde rechtzeitig eingereicht und
entspricht formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
2. Nach Art. 61 Abs. 1 VRP können mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht
Rechtsverletzungen geltend gemacht werden. Der Beschwerdeführer kann sich nach
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Art. 61 Abs. 2 VRP auch darauf berufen, die angefochtene Verfügung oder der
angefochtene Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder unvollständig festgestellten
Sachverhalt. Nach Art. 61 Abs. 3 VRP sind neue Begehren unzulässig.
2.1. Art. 61 Abs. 3 VRP regelt das sogenannte Novenverbot. Dieses besagt, dass im
Verfahren vor dem Verwaltungsgericht grundsätzlich keine neuen Begehren gestellt
werden können. Neu ist ein Begehren, wenn im Verfahren vor Verwaltungsgericht eine
gegenüber dem vorangegangenen Rekursverfahren andere oder weitergehende
Rechtsfolgebehauptung erhoben wird (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 919). Eine Ausnahme bildet das Steuerrecht, da
gemäss Art. 196 Abs. 2 des Steuergesetzes (sGS 811.1) das Verwaltungsgericht an die
Begehren der Verfahrensbeteiligten nicht gebunden ist, weshalb es als zulässig
betrachtet wird, dass auch neue Begehren gestellt werden können. Ausdruck des
Novenverbots ist ausserdem, dass das Verwaltungsgericht Tatsachen, die nach
Abschluss des Rekursverfahrens eingetreten sind (echte Noven), grundsätzlich nicht
mehr berücksichtigt (Cavelti/ Vögeli, a.a.O., Rz. 642). Demgegenüber dürfen neue
Tatsachen, die sich vor Abschluss des Rekursverfahrens verwirklicht haben, die der
Vorinstanz aber nicht bekannt waren oder von ihr nicht berücksichtigt wurden (unechte
Noven), im Verfahren vor Verwaltungsgericht vorgebracht werden und sind zu würdigen
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 643). Eine Schranke bei der Berücksichtigung unechter
Noven besteht dann, wenn der der Verfügung oder dem Entscheid zugrunde liegende
Sachverhalt nicht ergänzt oder neu gewürdigt wird, sondern wenn dem
Rechtsbegehren ein neues tatsächliches Fundament unterstellt wird. Eine solche
Aenderung des Klagefundaments ist nach der Praxis gestützt auf Art. 61 Abs. 3 nicht
zulässig. Eine Einschränkung ergibt sich aber aus Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK). Soweit die Vorinstanz des
Verwaltungsgerichts keine richterliche Behörde ist, garantiert Art. 6 Ziff. 1 EMRK in
ihrem Anwendungsbereich eine richterliche Ueberprüfung mit voller Kognition. Eine
solche steht dem Verwaltungsgericht grundsätzlich zu. Das Novenverbot schränkt die
freie Sachverhaltsüberprüfung aber unter Umständen erheblich ein, so dass im
Anwendungsbereich der EMRK zumindest dort auch Noven zu berücksichtigen sind,
wo die Angelegenheit zuvor nicht von einer richterlichen Instanz überprüft wurde
(Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 645 mit Hinweis).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2. Der Beschwerdeführer beantragte im Rekursverfahren, die Kündigung sei als
nichtig zu erklären. Ausserdem hielt er fest, die Kündigung könne frühestens per
31. Dezember 2007 ausgesprochen werden. Im Beschwerdeverfahren verlangt er nun,
die Kündigung sei auf den 30. November 2007 festzulegen. Damit stellt er kein neues
Rechtsbegehren im Sinn von Art. 61 Abs. 3 VRP, sondern ein gegenüber dem
Rekursantrag sogar eingeschränktes Begehren. Ein solches ist im
Beschwerdeverfahren zulässig.
Zutreffend ist, dass der Beschwerdeführer im Rekursverfahren die Tatsache, dass ihm
die Kündigung erst im Juli 2007 zugestellt wurde, nicht explizit vorgebracht hat. Er hat
allerdings auch ausdrücklich festgehalten, dass die Kündigungsfrist vier Monate
betrage und dass die Kündigung frühestens im August 2007 ausgesprochen werden
könne. Mit der Berufung auf die Tatsache, dass er die Kündigung erst im Juli 2007
erhielt, änderte er zwar sein Anspruchsfundament. Diese Aenderung ist im
vorliegenden Fall allerdings zulässig. Als Vorinstanz entschied eine
Verwaltungsbehörde, und grundsätzlich fällt ein vermögensrechtlicher Anspruch aus
dem Dienstverhältnis unter den Geltungsbereich von Art. 6 Ziff. 1 EMRK (vgl. BGE 129 I
207), weshalb der Beschwerdeführer Anspruch auf vollumfängliche Ueberprüfung des
Sachverhalts hat. Damit ist es nicht zulässig, die vor dem Rekursentscheid
eingetretene, aktenmässig ausgewiesene und unbestrittene Tatsache, dass der
Beschwerdeführer das Kündigungsschreiben erst am 2. Juli 2007 erhielt, ausser Acht
zu lassen. Daraus folgt, dass die Beschwerde gutzuheissen ist. Ziff. 1 des
Rekursentscheids ist insoweit abzuändern, als die Auflösung des Arbeitsverhältnisses
auf den 30. November 2007 festzulegen ist.
3. Amtliche Kosten sind keine zu erheben, da die Streitwertgrenze von Art. 343 Abs. 3
OR nicht erreicht ist (Art. 97bis Abs. 1 lit. b VRP). Eine Kostenauflage gestützt auf Art.
95 Abs. 2 VRP rechtfertigt sich im vorliegenden Fall nicht, da es aufgrund der
Argumentation des Beschwerdeführers im Rekursverfahren nachvollziehbar war, dass
er die Tatsache der Zustellung der Verfügung im Juli 2007 nicht geltend machte.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98ter VRP in Verbindung mit
Art. 263 Abs. 3 des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).
Demnach hat das Verwaltungsgericht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/7
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte