# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 454e1382-8809-4cfd-b842-a231fc40a351
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Brandstiftung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, I. Abteilung, vom 12. September 2018 (DG170032)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 21. November 2017
(Urk. D1/23) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 83 S. 54 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB;
− des Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges im Sinne von Art. 93 Abs. 2 lit.
a SVG, Art. 96 Abs. 1 lit. c SVG, Art. 96 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 VRV
sowie Art. 14 Abs. 1 NSAG.
2. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten, wovon 60
Tage durch Haft erstanden sind, und einer Busse von Fr. 500.–.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an
deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von fünf Tagen.
5. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg/ Aarau vom
2. Februar 2016 ausgesprochenen Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 110.– wird wider-
rufen. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
6. Vom Widerruf der mit Strafbefehl des Ministero Pubblico del Cantone Ticino, Lugano, vom
29. November 2016 ausgesprochenen Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird ab-
gesehen.
7. Die von der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat beschlagnahmte Festplatte SK... wird nach
Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Entscheids auf Verlangen an den Beschuldigten
A._ herausgegeben. Die Festplatte ist innert 90 Tagen nach Rechtskraft des vorliegen-
den Entscheides bei der Gerichtskasse nach vorheriger telefonischer Anmeldung abzuho-
len. Wird sie innert Frist nicht abgeholt, wird die Festplatte vernichtet.
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8. Der Beschuldigte A._ wird solidarisch mit B._ und C._ verpflichtet, der Privat-
klägerin 1, D._ AG, Schadenersatz in der Höhe von Fr. 18'070.05 zzgl. 5% Zins ab tt.
Februar 2016 (Rechnung E._ Nr. ...; Rechnungen F._ Nr. ... und ...; Rechnung
G._ Nr. ... zu bezahlen.
Im internen Verhältnis haften die Beschuldigten mit den Anteilen von 45% A._, 45%
B._ und 10% C._ (Art. 50 Abs. 2 OR).
Im Übrigen wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ gegenüber der Privatklägerin 1
dem Grundsatz nach schadenersatzpflichtig ist. Zur Bestimmung der Höhe des weiteren
Schadenersatzes wird die Privatklägerin 1 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
9. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte A._ gegenüber den Privatklägerinnen 2,
H._, 4, I._ AG, und 5, J._, dem Grundsatz nach und solidarisch mit B._
und C._ schadenersatzpflichtig ist.
Im internen Verhältnis haften die Beschuldigten mit den Anteilen von 45% A._, 45%
B._ und 10% C._ (Art. 50 Abs. 2 OR).
Zur Bestimmung der Höhe des Schadenersatzanspruches werden die Privatklägerinnen 2,
4 und 5 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
10. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. X._ für die amtliche Verteidigung wird auf
Fr. 16'690.65 festgesetzt, nämlich Fr. 14'575.– für den Aufwand; Fr. 902.30 für die Baraus-
lagen; Fr. 1'213.35 für MwSt.
11. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'400.00 ; die weiteren Verfahrenskosten betragen:
Fr. 2'100.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 5'210.00 Telefonkontrolle
Fr. 90.00 Auslagen Polizei
Fr. 16'690.65 Entschädigung amtliche Verteidigung lic. iur. X._
Fr. 26'490.65 Total
12. Die Kosten werden dem Beschuldigten A._ auferlegt.
13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Staatskasse genommen.
Vorbehalten bleibt die Verpflichtung des Beschuldigten A._, dem Kanton diese Ent-
schädigung zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.
14. [Mitteilungen]
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15. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 6 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 116 S. 2 f.)
1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der Brandstiftung im Sinne von Art. 221
Abs. 1 StGB freizusprechen.
2. Vom Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Lenzburg/Aarau
vom 2. Februar 2016 bedingt ausgesprochenen Geldstrafe von 30 Tages-
sätzen zu CHF 110.– sei abzusehen.
3. Die Schadenersatzbegehren der Privatklägerinnen 1, 2, 4 und 5 seien ab-
zuweisen. Eventualiter seien diese Privatklägerinnen auf den Zivilweg zu
verweisen.
4. Dem Beschuldigte sei eine angemessene Genugtuung in der Höhe von
CHF 12'000.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
5. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens sowie
des Berufungsverfahrens, inklusive diejenigen der amtlichen Verteidigung,
seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.
Eventualanträge:
1. Eventualiter sei der Beschuldigte der Gehilfenschaft zur Brandstiftung im
Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB schuldig zu
sprechen und zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten zu verurteilen, unter
Gewährung des bedingten Strafvollzuges mit einer Probezeit von zwei Jah-
ren, wobei die erstandene Haft von 60 Tagen anzurechnen sei.
2. Subeventualiter sei der Beschuldigte wegen Brandstiftung im Sinne von
Art. 221 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen und zu einer Freiheitsstrafe von
24 Monaten zu verurteilen, unter Gewährung des bedingten Strafvollzuges
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mit einer Probezeit von zwei Jahren, wobei die erstandene Haft von
60 Tagen anzurechnen sei.
3. Vom Widerruf der obgenannten Vorstrafe sei alsdann abzusehen.
4. Ferner seien die Schadenersatzbegehren der Privatklägerinnen 1,2, 4 und 5
abzuweisen bzw. seien diese Privatklägerinnen auf den Zivilweg zu ver-
weisen.
5. Und abschliessend seien die Kosten der Untersuchung und des erstinstanz-
lichen Verfahrens sowie des Berufungsverfahrens, inklusive diejenigen der
amtlichen Verteidigung, seien ausgangs- bzw. anteilsgemäss auf die Staats-
kasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 98; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung
1. Anklagehintergrund ist eine Brandstiftung, die der Beschuldigte A._
(fortan: A._) in arbeitsteiligem Zusammenwirken mit drei weiteren Personen
– nämlich B._ (fortan: B._), C._ (fortan: C._) und K._
(fortan: K._) – begangen haben soll.
Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 83 S. 5 f.).
2. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil wurde der Beschuldigte unter ande-
rem der Brandstiftung schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von
42 Monaten, davon 60 Tage durch Haft erstanden, bestraft. Ferner widerrief die
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Vorinstanz den bedingten Vollzug einer früheren Geldstrafe und entschied über
Zivilforderungen (Urk. 83 S. 54 ff.).
3. Am 18. September 2018 liess der Beschuldigte durch seinen amtlichen Ver-
teidiger rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 69; Prot. I S. 13, 16 ff.) und mit Ein-
gabe vom 3. Mai 2019 ebenfalls fristgerecht die Berufungserklärung einreichen
(Urk. 88; Urk. 81/3). Auf entsprechende Fristansetzung verzichtete die Staatsan-
waltschaft ausdrücklich auf Anschlussberufung und beantragte die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 96 und 98).
4. Der Beschuldigte lässt die Schuldigsprechung wegen Brandstiftung und die
damit zusammenhängende Sanktion anfechten (Dispositivziffer 1 Spiegelstrich 1,
Dispositivziffer 2 teilweise und Dispositivziffer 3), zudem den Widerruf des beding-
ten Vollzugs der Geldstrafe vom 2. Februar 2016 (Dispositivziffer 5), die Regelung
der Zivilansprüche (Dispositivziffern 8 und 9) und die Kostenregelung (Dispositiv-
ziffern 12 und 13). In diesem Umfang ist das Urteil im Berufungsverfahren zu
überprüfen.
Nicht angefochten ist das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich des Schuldspruchs
wegen Führens eines nicht betriebssicheren Fahrzeuges (Dispositivziffer 1 Spie-
gelstrich 2), der Busse und Ersatzfreiheitsstrafe (Dispositivziffer 2 teilweise und
Dispositivziffer 4), des Verzichts auf Widerruf des bedingten Vollzugs der Geld-
strafe vom 29. November 2016 (Dispositivziffer 6), der Beschlagnahmeregelung
(Dispositivziffer 7) sowie in Bezug auf die Verteidigerentschädigung und die Kos-
tenfestsetzung (Dispositivziffern 10 und 11). Es ist daher vorab mit Beschluss
festzustellen, dass das Urteil in diesen Punkten in Rechtskraft erwachsen ist.
5. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249 E. 1.3.1;
Urteil des Bundesgerichts 6B_46/2018 vom 14. Februar 2018 E. 4 mit Hinweisen).
Das Berufungsgericht kann sich somit auf die für seinen Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken.
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II. Prozessuales
1. Anklageprinzip
1.1 Wie schon vor Vorinstanz rügt die Verteidigung eine Verletzung des Ankla-
geprinzips. Insbesondere moniert sie, dass sich die Anklageschrift zur Teilnahme-
form ausschweige. Mit keinem Wort werde dem Beschuldigten Mittäterschaft vor-
geworfen. So gehe aus ihr nicht hervor, dass die vier Beschuldigten in gleichmas-
sgeblichem Zusammenwirken bei Entschluss, Planung und Durchführung der Tat
zusammen gewirkt hätten. Auch werde nicht ausgeführt, dass der Beschuldigte
A._ einen so wesentlichen Tatbeitrag geleistet habe, dass die Ausführung
des fraglichen Deliktes mit diesem Tatbeitrag stehe oder falle. Entsprechend er-
gebe sich aus der Anklageschrift nicht, weshalb er ein Hauptbeteiligter sein sollte
und inwiefern die einzelnen Taten der anderen Beschuldigten ihm anzurechnen
seien (Urk. 56, S. 4 f. und 8; Urk. 116).
1.2 Die Vorinstanz machte zunächst theoretische Ausführungen zum Anklage-
grundsatz, worauf zu verweisen ist (Urk. 83 S. 6). Sodann hielt sie zum Anklage-
sachverhalt betreffend Brandstiftung in Dossier 1 (fortan: DS1) fest, die angeklag-
ten Tatbestände seien in der Anklageschrift (vgl. DS1 Urk. 23) so aufgeführt, dass
für alle Beschuldigten und deren Verteidigungen klar ersichtlich sei, welcher
Handlungen sie konkret beschuldigt würden. Die Anklageschrift gebe zudem hin-
reichend Auskunft über Ort, Datum und Zeit der Tatausführung. Sie schildere fer-
ner die Art der Tatausführungen und nenne die entsprechenden Folgen präzise.
Im letzten Abschnitt und insbesondere im letzten Satz der Anklageschrift sei so-
dann beschrieben, dass allen Beschuldigten bewusst gewesen sei, dass ein
Brand zum Nachteil der L._ GmbH gelegt werden solle und dass alle damit
einverstanden gewesen seien. Damit seien die einzelnen Tathandlungen und der
Vorwurf, dass alle Beschuldigten mit all diesen Tathandlungen einverstanden ge-
wesen sein, rechtsgenügend dargelegt. Für jeden der Beschuldigten sei klar ge-
wesen, was ihm von der Anklägerin vorgeworfen werde. Die rechtliche Würdigung
der vorgeworfenen Handlungen sei sodann – auch in Bezug auf die Teilnahme-
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form (Mittäterschaft oder Gehilfenschaft) – gemäss dem Grundsatz iura novit
curia dem Gericht überlassen (Urk. 83 S. 7).
Diese Auffassung ist zutreffend und zu teilen. Anzufügen ist das Folgende:
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist die Qualifikation der Täter-
schafts- resp. Teilnahmeform (Mittäterschaft, Anstiftung, Gehilfenschaft) eine
Rechtsfrage und tangiert das Anklageprinzip nicht. Es spielt keine Rolle, ob ein
Beschuldigter ausdrücklich als Mittäter angeklagt worden ist. Es genügt für die
Wahrung des Anklageprinzips, wenn die Anklageschrift die Sachverhaltselemente
nennt, welche zur Annahme von Mittäterschaft führen (Urteil des Bundesgerichts
6B_112/2018 vom 4. März 2019 E. 2.3. und 7.2. a.E.). Analoges gilt im Übrigen,
wenn mittäterschaftlich begangene Handlungen angeklagt sind, vor Gericht aber
nicht auf Mittäterschaft, sondern auf Einzeltäterschaft erkannt wird (Urteil des
Bundesgerichts 6B_648/2019 vom 28. August 2019 E. 1.4.).
Vorliegend sind die erforderlichen Sachverhaltselemente, die auf Mittäterschaft
schliessen lassen, in der Anklageschrift zureichend umschrieben. Die Anklage-
schrift zeichnet das Bild eines gleichwertigen, koordinierten Zusammenwirkens,
so dass auch der Beschuldigte als Hauptbeteiligter dasteht (DS1 Urk. 23 S. 2-4;
vgl. hinten Erw. IV. 3.1 f.).
1.3 Das Anklageprinzip ist nicht verletzt.
2. Verwertbarkeit der Aussagen
2.1 Die Verteidigung bestreitet die Verwertbarkeit der Einvernahmen der Mitbe-
schuldigten zu Lasten des Beschuldigten mit der Begründung, die Teilnahme-
rechte seien nicht gewahrt worden (Urk. 56 S. 5-7).
2.2 Die Vorinstanz ist mit einlässlicher Begründung zum richtigen Schluss ge-
langt, dass die Aussagen der Mitbeschuldigten in den polizeilichen und den
staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen ebenso wie deren Aussagen anlässlich
der Hauptverhandlung als Beweismittel verwertbar sind (Urk. 83 S. 11-14).
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Ergänzend ist festzuhalten, dass in der Untersuchung und bis zur Prozessvereini-
gung vor Vorinstanz am 10. Januar 2018 (DS1 Urk. 28-30) ohnehin kein Anspruch
des Beschuldigten auf Teilnahme an Beweiserhebungen in den getrennt ge-
führten Verfahren der andern Beschuldigten bestand (BGE 140 IV 172 E. 1.2;
BGE 141 IV 220 E. 4.5). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom
25. November 2016 (DS1 Urk. 5) konnten sich die Beschuldigten zu sämtlichen
Aussagen der Mitbeschuldigten äussern und erhielten auch die Gelegenheit, Er-
gänzungsfragen zu stellen. Zudem hatten die an der Hauptverhandlung vom
5. September 2018 vollständig anwesenden und durch ihre amtlichen Vertei-
digungen begleiteten Beschuldigten erneut die Gelegenheit, zu den Aussagen der
Mitbeschuldigten Stellung zu nehmen und Ergänzungsfragen zu stellen (Prot. I
S. 5 ff.; Urk. 50-53). Damit ist auch der Anspruch auf rechtliches Gehör gewahrt.
III. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Der Anklagevorwurf ergibt sich aus der Anklageschrift (DS1 Urk. 23) und ist auch
im angefochtenen Urteil umfassend dargestellt (Urk. 83 S. 16 f.).
Darauf kann ohne Ergänzung verwiesen werden.
Die Anklage basiert auf einem Ereignis am damaligen Arbeitsort der Beschuldig-
ten A._ und B._, der L._ GmbH. Am Abend des tt. Februar 2016
brannte an der ...-Strasse ... in M._ eine Industriehalle, in welcher nebst der
L._ GmbH noch drei weitere Firmen eingemietet waren, bis auf die Grund-
mauern nieder. Es entstand ein Sachschaden von rund Fr. 1.65 Millionen Fran-
ken. Durch die Spurensicherung der Kantonspolizei Zürich wurden Fotos des
Brandobjektes erstellt und es erfolgte eine Inspektion durch die Brandermittler
(DS1 Urk. 1). Als Brandursache konnte eine technische Ursache mit grosser
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Aufgrund des Unter-
suchungsergebnisses und der Auswertung der Videoaufnahmen im Gebäude-
inneren erhärtete sich der Verdacht, dass der Brand vorsätzlich gelegt worden
war (DS1 Urk. 2). Der Brandherd konnte in den Räumlichkeiten der Privatkläge-
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rin 3, L._ GmbH, lokalisiert werden. Daher ging die Polizei davon aus, dass
die Täterschaft sowohl über Ortskenntnisse als auch über Kenntnisse betreffend
die Aufzeichnungsabschnitte der Kameras verfügte. Ins Zentrum der Ermittlungen
rückten deshalb die (ehemaligen und aktuellen) Mitarbeitenden der L._
GmbH. Anschliessend wurde eine rückwirkende Teilnehmeridentifikation und
Auswertung der Mobiltelefonstandorte auf die Mobiltelefonnummern von vier ver-
dächtigen Mitarbeitern durchgeführt (vgl. DS 1 Urk. 11/1-7). Die Auswertung der
rückwirkenden Teilnehmeridentifikation ergab, dass sich die Beschuldigten
B._ und A._ exakt zur Tatzeit in unmittelbarer Nähe des Brandobjektes
in M._ befunden und miteinander telefoniert haben mussten. In der Folge
wurden B._ und A._ am 27. September 2016 verhaftet. Die Verhaftung
des weiteren Beschuldigten C._ erfolgte am 1. November 2016, während der
Beschuldigte K._ nach der polizeilichen Einvernahme vom 7. November
2016 auf freiem Fuss belassen wurde (DS1 Urk. 3; Urk. 83 S. 8 f.).
Die Verfahren der Beschuldigten B._, C._ und K._ sind nicht
(mehr) Berufungsgegenstand (vgl. Urk. 103).
2. Standpunkt des Beschuldigten
2.1 Der Beschuldigte hat den ihm in DS1 vorgeworfenen Sachverhalt sowohl
während der Untersuchung als auch in beiden Gerichtsinstanzen bestritten
(DS1 Urk. 4/-4/4, DS1 Urk. 5, DS1 Urk. 19/9, Urk. 51; Urk. 115). Insbesondere
stellte er konstant in Abrede, dass er und die Mitbeschuldigten gemeinsam ge-
plant hätten, das Lager der L._ GmbH in Brand zu setzen. Er habe nicht ge-
wusst, dass sie einen Brand legen würden, davon sei nicht die Rede gewesen,
bzw. als B._ eine Brandlegung in der Firma angekündigt habe, habe er,
A._, nein gesagt, er würde nicht mitkommen. Er habe nicht erwartet, dass sie
so etwas tun würden. Wenn er gewusst hätte, was B._ mache, hätte er ihn
davon abgehalten und ihn nicht dorthin chauffiert. Er habe die Mitbeschuldigten
nur mitgenommen, weil er befreundet gewesen sei und sein Gesicht nicht habe
verlieren wollen. Er sei nicht in der Lage gewesen, B._ zu widersprechen,
deshalb habe er ihn dorthin gefahren (DS1 Urk. 4/2 Antworten 9, 17, 19; DS1
Urk. 4/3 Antwort 3; DS1 Urk. 4/4 Antworten 18, 24 und 31; DS 1 Urk. 5 S. 10 f.).
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Anlässlich der Schlusseinvernahme bei der Staatsanwaltschaft und vor Vor-
instanz anerkannte der Beschuldigte im Wesentlichen den äusseren Sachverhalt,
machte jedoch nach wie vor geltend, weder gewusst noch gewollt zu haben, dass
eine solche Straftat verübt werde. Er sei nicht damit einverstanden gewesen, sei
kein Typ, der so etwas mache (DS 4/4 Antwort 31 a.E.; Urk. 51 S. 7 f.). Für die er-
folgte Brandlegung lehnt er somit jede Verantwortung ab.
An diesem Standpunkt hielt der Beschuldigte auch vor Berufungsinstanz fest und
gab als Erklärung für seine Handlungen, insbesondere für die Fahrt nach
M._, das Abfüllen und die Bezahlung des Benzins, wiederholt an, er habe
Angst gehabt bzw. sei von B._ unter Druck gesetzt worden. Es sei alles ein
reiner Zufall gewesen (Urk. 115).
2.2 Im Übrigen sind die Aussagen des Beschuldigten im Urteil der Vorinstanz
sehr detailliert dargestellt. Darauf ist zur Vermeidung von Wiederholungen zu
verweisen (Urk. 83 S. 20-24; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Beweismittel und Grundsätze der Beweiswürdigung
Die massgebenden Beweismittel sind im angefochtenen Urteil ausführlich und
samt Belegstellen genannt. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 83 S. 11). Nebst
den Einvernahmen sind auch die Sachbeweise (Polizeirapporte mit Fotografien,
der Bericht des wissenschaftlichen Dienstes über den Brand, die Urkunden betref-
fend die Überwachungsmassnahmen) uneingeschränkt verwertbar.
Soweit die Vorinstanz einleitend zur Sachverhaltserstellung Ausführungen zu den
Grundsätzen der Beweiswürdigung, insbesondere der Würdigung von Aussagen
sowie zur Glaubwürdigkeit der hier involvierten Personen und zu den Kriterien bei
der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen gemacht hat, erweisen sich
diese als korrekt und vollständig, weshalb vorab ebenso darauf zu verweisen ist
(Urk. 83 S. 10 f. und 17; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4. Aussagen der Mitbeschuldigten
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Sodann finden sich auch die Aussagen der Beschuldigten B._, C._ und
K._ in den wesentlichen Zügen im vorinstanzlichen Urteil und brauchen vor-
liegend nicht wiederholt zu werden (Urk. 83 S. 17-20, 24-29; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5. Beweiswürdigung
5.1 Der Anklagesachverhalt basiert weitgehend auf den von Anfang detaillierten,
konstanten, stimmigen und glaubhaften Aussagen des Mitbeschuldigten
K._ zu den Anklagevorwürfen (DS1 Urk. 6/8; DS1 Urk. 6/9; DS1 Urk. 5). Auf
diese Aussagen verwies K._ auch vor Vorinstanz und bestätigte dabei aus-
drücklich, dass seine Angaben gegenüber der Polizei und der Staatsanwaltschaft
der Wahrheit entsprechen würden, dass er alle Fragen wahrheitsgetreu beantwor-
tet und nichts mehr hinzuzufügen habe (Urk. 53 S. 5 und 6 f.). Auf die Sachdar-
stellung von K._, der damit auch sich selbst belastete, ist daher abzustellen.
An der Glaubhaftigkeit seiner Schilderungen ändert nichts, dass sich K._ im
Verlaufe der Untersuchung, namentlich in der Konfrontationseinvernahme mit al-
len vier Beteiligten, teilweise zurückhaltender und gehemmt äusserte und im Zuge
seiner Befragung vor Vorinstanz, als wiederum alle Beschuldigten anwesend wa-
ren (Prot. I S. 5 ff.), schliesslich von seinem Aussageverweigerungsrecht Ge-
brauch machte (Urk. 53 S. 8 ff.).
5.2 Vom Beschuldigten ist nunmehr zusammengefasst anerkannt, dass er den
befreundeten Mitbeschuldigten K._ – den er damals öfters auf Autofahrten
mitnahm, was auch K._ berichtete (DS1 Urk. 6/9 Antwort 11) –, am Nachmit-
tag des tt. Februar 2016 mit seinem ... an dessen Wohnort in N._ abholte,
worauf man zusammen zum Hauptbahnhof O._ fuhr. Dort stiegen B._
und C._, welche der Mitbeschuldigte K._ zuvor nicht gekannt hatte, ins
Fahrzeug ein und nahmen auf der Rückbank Platz. Zu viert fuhr man mit dem Pri-
vatfahrzeug des Beschuldigten nach P._, wo man im Coop eine Flasche
Whisky sowie eine Cola- und Wasserflasche (letztere eventuell auch erst an der
Tankstelle) kaufte (vgl. Urk. 115 S. 7).
Auf einem nahen Parkplatz tranken B._ und C._ bereits einen beträcht-
lichen Teil des Whiskys. An einer Tankstelle beim Bahnhof P._ wurden eine
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oder zwei zuvor geleerte Mineralwasserflaschen mit Benzin gefüllt. Sowohl den
Whisky als auch das Benzin bezahlte der Beschuldigte, der das Benzin mit Hilfe
von K._ auch abgefüllt hatte (DS1 Urk. 4/4 Antwort 25; DS1 Urk. 5 S. 10 f.;
Urk. 51 S. 10; Urk. 115 S. 7). Der Beschuldigte und B._ hatten als damalige
Mitarbeitende der L._ GmbH Differenzen mit der Arbeitgeberin. Gemäss dem
Beschuldigten ist man nach M._ gefahren, weil B._ am Morgen des
Tatgeschehens einen Streit mit dem Chef gehabt hat und von diesem beleidigt
worden sei, daher wütend auf die Firma war, (etwas) schlagen oder kaputt ma-
chen wollte, z.B. einen Van beschädigen. Zudem führte auch C._ aus, dass
B._ an diesem Tag niedergeschlagen gewesen sei, da ihn sein Chef
wegen des zu späten Kommens am Morgen "Hurensohn" genannt habe
(DS1 Urk. 6/5 S. 2; Urk. 52 S. 7). Dem Beschuldigten selber war von der Arbeit-
geberin bereits per Ende Februar 2016 gekündigt worden (letzter Arbeitstag
18. Februar). Laut seinen Angaben hatte er sich über die langen Arbeitszeiten
aufgeregt und dass ihm Überstunden nicht ausbezahlt worden seien (DS1
Urk. 4/2 Antworten 10, 13, 15; DS1 Urk. 4/3 Antwort 3; DS1 Urk. 4/4 Antworten
16, 19 f.; Urk. 51 S. 9, 11).
Vom Beschuldigten zudem anerkannt ist, dass B._ im Auto erwähnte, er
würde einen Brand in der Firma legen, dies bevor B._ nach Benzin verlangt
habe und der Beschuldigte es abgefüllt hatte; dass B._ und C._, die
beide viel Whisky getrunken hatten, in M._ nahe des Lagers aus dem Auto
ausstiegen und die Benzinflaschen mitnahmen, während der Beschuldigte und
K._ sich mit dem Auto ein Stück entfernten, warteten und dass der Beschul-
digte auf B._ Anruf wieder in die Nähe des Lagers fuhr, B._ sowie
C._ ins Auto einlud, davonfuhr und schliesslich alle Mitbeschuldigten nach
Hause brachte (DS1 Urk. 4/3 Antwort 3; DS1 Urk. 4/4 Antwort 13, S. 10 f.; DS1
Urk. 5 S. 11; Urk. 115 S. 7). Unbestritten ist weiter, dass sich B._ und
C._ nach dem Aussteigen in M._ mit den benzingefüllten Flaschen zum
Lagerhaus der L._ GmbH an der ...-Strasse ... begaben, B._ eine Fens-
terscheibe einschlug und mit Unterstützung von C._ per sog. "Räuberleiter"
ins Gebäude eindrang, dort auf der Empore das mitgebrachte Benzin ausleerte,
es in Brand setzte und das Gebäude wieder verliess, um zusammen mit C._
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ins wartende Fahrzeug des Beschuldigten zu steigen, worauf der Beschuldigte
sogleich losfuhr (zum Ganzen auch DS1 Urk. 4/4 S. 4 ff.; Urk. 51 S. 7 f.).
5.3.1 Bei dieser Ausgangslage ist an der einlässlichen und weitestgehend be-
ständigen Sachdarstellung von K._, dass beabsichtigt war, bei der ungelieb-
ten Arbeitgeberin einen Brand zu legen, was dann auch tatsächlich geschah, nicht
zu zweifeln (DS1 Urk. 6/8 Antwort 20; DS1 Urk. 5 S. 3). Ebenso erwiesen ist, dass
alle Fahrzeuginsassen einschliesslich des Beschuldigten als Lenker die diesbe-
zügliche Unterhaltung mitbekamen und somit um den Zweck der Fahrt nach
M._ wussten. Gemäss K._ begann B._ oder A._ mit dem
Thema Brandlegen und sie sprachen dann über Brand. C._ habe immer wie-
der gesagt, er wolle nicht mitmachen, weil er schon andere Probleme habe. Dis-
kutiert zum Brandlegen hätten alle drei. " A._ sprach während der Fahrt die
ganze Zeit mit den beiden, die hinten sassen" (DS1 Urk. 6/9 Antwort 28). Dabei
traten B._ und der Beschuldigte aus K._ Sicht als treibende Kraft in Er-
scheinung, wovon angesichts ihrer beschriebenen Differenzen mit der L._
GmbH klarerweise auszugehen ist (DS1 Urk. 6/8 Antwort 41; auch Urk. 54 S. 8).
C._ wurde dann – nach reichlich Alkoholkonsum – von B._ zum Aus-
steigen überredet und an den Tatort mitgenommen (DS1 Urk. 6/8 Antworten 19,
35, 39 f.). Im Rahmen der Sachverhaltserstellung ist nicht von Belang, ob schon
im Vorfeld oder beim Zusammentreffen der vier Beteiligten am Hauptbahnhof
O._ eine Brandlegung geplant war, was gemäss Aussage von K._ noch
nicht zutraf (DS1 Urk. 6/8 Antwort 10; DS1 Urk. 5 S. 3 f.), oder ob die konkrete
Idee erst unterwegs im Gesprächsverlauf aufkeimte. Aufgrund der aktenkundigen
Verärgerung von B._ und A._ stand – jedenfalls bei diesen beiden – der
Entschluss fest, der Firma ein beträchtliches Übel zuzufügen (vgl. die vorstehen-
de Erw. 5.2 sowie das Votum des Beschuldigten "man muss dem Chef etwas an-
tun", dem B._ zustimmte; DS1 Urk. 6/8 Antwort 19), wobei konkret entschie-
den wurde, das Lager der Arbeitgeberin in Brand zu setzen. Ohne diese beab-
sichtigte Schädigung hätte für den Beschuldigten an jenem Abend kein vernünfti-
ger Grund bestanden, ausgerechnet und gezielt nach M._ zur Lagerhalle der
L._ GmbH zu fahren resp. B._ und C._ an die fragliche Örtlichkeit
hin zu chauffieren, aussteigen zu lassen und etwas später auf deren Anruf wieder
- 15 -
in sein Fahrzeug aufzunehmen. Auch kann es sich bei der Fahrt nicht um einen
reinen Freundesdienst gehandelt haben, wie der Beschuldigte wiederholt Glauben
machen wollte (DS1 Urk. 4/4 Antwort 30; Urk. 51 S. 9). Dass der Beschuldigte
(von B._) gezwungen worden wäre, nach M._ zu fahren, behauptet er
selber nicht und lässt sich auch sonst nicht den Akten entnehmen. Die in der
Hafteinvernahme vom Beschuldigten und auch an der Berufungsverhandlung
wiederum geltend gemachte Druckausübung ist unglaubhaft und als Schutzbe-
hauptung zu werten (DS1 Urk. 4/2 Antwort 19; Urk. 115 S. 7, 10). Auf Nachfrage
des Präsidenten, wie Druck ausgeübt worden sei, wich der Beschuldigte aus und
gab an, Angst vor B._ gehabt zu haben. B._ sei jedoch noch nie gewalt-
tätig geworden (Urk. 115 S. 10 f.). Selbst wenn der Beschuldigte wiederholt von
B._ aufgefordert worden sein sollte, zu seinem Arbeitsort zu fahren (vgl. DS1
Urk. 6/9 Antwort 26), ist erwiesen, dass er mit der Fahrt dorthin einverstanden
war, dies trotz seinem Standpunkt, dass er den Brand nicht selber legen werde
(DS1 Urk. 5 S. 9; DS1 Urk. 6/8 Antwort 39). In diesem Zusammenhang gilt auch
darauf hinzuweisen, dass nur der Beschuldigte ein Fahrzeug hatte und über einen
Führerausweis verfügte (Urk. 115 S. 9). Entsprechend hatte er letztlich die Ent-
scheidgewalt darüber, ob er nach M._ fährt oder nicht. Schliesslich mag zu-
treffen, dass der Beschuldigte (auch) aus Ängstlichkeit ein eigenhändiges Vorge-
hen ablehnte (vgl. DS1 Urk. 5 S. 9), was aber nicht weiter von Belang ist.
5.3.2 Es liegt auf der Hand, dass der Whiskykauf durch den Beschuldigten und
die anschliessende Übergabe der betreffenden Flasche an B._ und C._
dazu dienen sollte, ihnen Alkoholkonsum zu ermöglichen, um – nebst Genuss –
auch allfällige Hemmungen und Ängste vor dem in Aussicht genommenen Ra-
cheakt abzubauen. Von einer bloss freundschaftlichen Geste des Beschuldigten,
weil er wisse, dass die zwei gerne Alkohol trinken würden und zu Besuch ge-
kommen seien (vgl. DS 1/5 S. 10; Urk. 51 S. 10), kann nicht die Rede sein. Auch
der von K._ in seiner dritten Einvernahme genannte Anlass für die Fahrt
nach P._, der Vorschlag sei von B._ und C._ gekommen, da sie
"Lust auf Alkohol" gehabt hätten (Urk. DS1 Urk. 6/9), kann nicht ernst genommen
werden. Ein prägnantes Detail in K._ Schilderungen findet sich darin,
B._ (der Kleinere auf der Rückbank) als einer der Haupttäter habe den "Mit-
- 16 -
läufer" C._ immer wieder zum Trinken aufgefordert, weil dieser sich gegen
eine Mitwirkung gesperrt habe (DS1 Urk. 6/8 Antworten 19 und 35). Entgegen der
Verteidigung (vgl. Urk. 56 S. 11 f. und 15) entlastet der Umstand, dass B._
seinen Freund C._ "bearbeitete", den Beschuldigten als ebenfalls treibende
Kraft nicht. Im Rahmen der stattgefundenen Arbeitsteilung war es fraglos an
B._, den ebenfalls auf der Rückbank sitzenden C._ zum (Mit-)Trinken
und zur Begleitung an den Tatort zu animieren, während der (keinen Alkohol kon-
sumierende) Beschuldigte durchgängig den Fahrdienst leistete sowie den Whisky
und das Benzin für die Brandlegung zur Verfügung stellte (vgl. auch nachstehen-
de Erw. 5.3.3).
Es verwundert im Übrigen nicht, dass B._ und C._ im Anschluss an den
Konsum von – laut K._ – etwa drei Vierteln des Flascheninhalts zunächst auf
dem Parkplatz und dann während der Weiterfahrt nach M._ erheblich alkoho-
lisiert und nach dem Verlassen des Autos wacklig auf den Beinen waren und
kaum laufen konnten, wie von ihm bildhaft beschrieben (DS1 Urk. 5 S. 7). Das
musste auch der mit K._ im Auto verbliebene Beschuldigte mitbekommen
haben.
5.3.3 Mit der Aushändigung der Flaschen mit dem durch den Beschuldigten  und ebenso von ihm bezahlten Benzin an die Mittäter B._ und
C._ verhält es sich ähnlich: Fraglos überliess ihnen der Beschuldigte die Fla-
schen im Hinblick auf die Brandlegung (vgl. DS1 Urk. 5 S. 5; DS1 Urk. 6/9 S. 3).
Daran ändert nichts, dass der Beschuldigte damals auch sein Fahrzeug betankte
und dass B._ den Beschuldigten gebeten haben soll, die Flaschen zu füllen
(DS1 Urk. 4/4 Antworten 26 und 29). Zweifelsfrei war sich der Beschuldigte im
Klaren resp. musste zumindest ernsthaft damit rechnen, dass die beiden, nach-
dem sie sich sog. Mut angetrunken hatten und die Hemmschwelle reduziert war,
mit Hilfe der mitgenommenen Benzinflaschen und wie abgesprochen nun einen
Brand legen würden. Seine Aussagen, er habe damals, beim Abfüllen
des Benzins und als dann die zwei in der Nähe der Lagerhalle mit den gefüllten
Flaschen das Auto verliessen, nicht darüber nachgedacht, was mit dem Benzin
passieren würde, sondern er sei in einem nicht stabilen, verwirrten Zustand ge-
- 17 -
wesen, habe nur seine Familie im Kopf gehabt, seine Mutter sei krank gewesen,
er von seiner Freundin getrennt und arbeitslos (DS1 Urk. 4/3 Antwort 32; DS1
Urk. 4/4 Antworten 23 und 29 f.; Urk. 51 S. 10), sind als Schutzbehauptungen zu
qualifizieren. Dasselbe gilt für seine Behauptung, sie hätten nichts geplant, alles
sei sehr unerwartet geschehen bzw. ein reiner Zufall gewesen (Urk. 51 S. 8;
Urk. 115 S. 15). Ob der Beschuldigte dem Bericht B._ nach dessen Rück-
kehr zum Auto glaubte, dass dieser nach Einschlagen einer Fensterscheibe
ins Gebäude eingedrungen war und den Brand durch Ausgiessen und Anzünden
des Benzins tatsächlich gelegt hatte (vgl. DS1 Urk. 5 S. 11; ferner K._ in DS1
Urk. 6/8 Antworten 22 und 34; DS1 Urk. 5 S. 7), ist irrelevant. Ebenso unmassge-
blich ist, dass bei der Wegfahrt offenbar weder Rauch noch Feuer zu sehen war
(DS1 Urk. 4/2 Antwort 20; ferner K._ in DS1 Urk. 5 S. 6 f.). Immerhin räumte
der Beschuldigte ein, auf der Rückfahrt Nähe Q._ Feuerwehrautos gesehen
und dies mit den Mitbeschuldigten in Verbindung gebracht zu haben (DS1 Urk.
4/2 Antwort 18; ferner K._ in DS1 Urk. 6/8 Antwort 36; DS1 Urk. 6/9 Antwort
30; DS1 Urk. 5 S. 8: es sei ihnen ein Feuerwehrauto mit Blaulicht und Horn ent-
gegengekommen).
5.3.4 Aus alledem ergibt sich entgegen der Auffassung der Verteidigung zweifels-
frei, dass der Beschuldigte wusste und auch wollte, dass B._ und C._ –
wie spätestens unterwegs abgesprochen – in der Lagerhalle bei der L._
GmbH einen Brand legen und dadurch die Arbeitgeberin schädigen würden.
5.4 Abschliessend ist mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 83 S. 29 ff.) das Folgende
festzuhalten:
5.4.1 B._ ist insoweit als Haupttäter zu bezeichnen, als er gemäss seinen
drei Mitbeschuldigten ins Firmengebäude der L._ GmbH eingestiegen ist und
den Brand vorsätzlich gelegt hat. Seine eigenen Aussagen zum Tatgeschehen
sind hingegen sehr widersprüchlich, inkonsistent und daher unglaubhaft. Demge-
genüber erweisen sich die detailreichen und differenzierten Aussagen von
K._, der neben B._ seinen Freund A._ und auch sich selbst belas-
tete, als nachvollziehbar und besonders glaubhaft.
- 18 -
5.4.2 Ausser B._, der sich wenige Stunden vor dem Delikt mit seinem Chef
betreffend Arbeitszeiten gestritten hatte, dabei von diesem beleidigt worden sein
soll und deshalb zornig war, hatte auch der Beschuldigte A._ ein Motiv für
die Tat: Er stand bereits im durch die Firma gekündigten Arbeitsverhältnis und ge-
leistete Überstunden sowie Ferientage waren offenbar noch nicht ausbezahlt. Es
ist nachvollziehbar, dass er wütend auf den Inhaber der L._ GmbH war.
5.4.3 Aufgrund der glaubhaften Aussagen von K._, C._ und A._
selber erscheint A._ als dafür verantwortlich, dass sich die Gruppe überhaupt
getroffen hat. Er stellte das Bindeglied zwischen den beiden Untergruppen
A._/ K._ und B._/ C._ dar. Nachdem er mit seinem Auto zu-
erst K._ in N._ abgeholt hatte, begab er sich zum Hauptbahnhof
O._, um dort B._ und C._ in sein Fahrzeug einsteigen zu lassen. In
der Folge stand er den ganzen Abend im Einsatz als Fahrer. Daher trägt er für
sämtliche Fahrten die Verantwortung. Er konnte jederzeit entscheiden, wie und
wohin man fuhr. Er war nüchtern und nicht gezwungen, die Fahrten zu machen,
konnte solche resp. Destinationen auch ablehnen bzw. Fahrten nicht durchführen.
Er erscheint als treibende Kraft und als Entscheidungsträger hinsichtlich des Kri-
teriums, wohin sich die Gruppe bewegte. Nach dem Treffpunkt Hauptbahnhof fuhr
er alle zum Coop und dann zur Tankstelle nach P._, anschliessend zum Tat-
ort in M._ und danach alle wieder nach Hause. A._ kaufte gemäss
übereinstimmenden Aussagen in P._ die Flasche Whisky (für B._ und
C._) wie auch die Cola- und Wasserflasche im Coop (letztere eventuell an
der Tankstelle) und bezahlte für alles. Darauf fuhr er zur Tankstelle, betankte sein
Auto und füllte Benzin in eine oder zwei 1.5-Liter Pet-Flaschen, dies alles wiede-
rum auf seine Kosten.
5.4.4 Aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der Beteiligten wurden zu Be-
ginn des Treffens verschiedene Arten erörtert, dem Chef zu schaden (Salz in
Tank des Vans schütten, den Van anderswie beschädigen). Dann kam die Idee
einer Brandlegung zur Sprache, wie es K._ sehr anschaulich schilderte, was
noch in O._ gewesen sein muss, da in P._ das Benzin von A._ in
eine oder zwei Pet-Flaschen gefüllt und bezahlt wurde und sich die Gruppe an-
- 19 -
schliessend nach M._ zum Standort der Arbeitgeberin von B._ und
A._ verschob. Dort liess der Beschuldigte die Mitbeschuldigten B._ und
C._ mit dem Benzin aussteigen, entfernte sich ein Stück, wendete sein Fahr-
zeug und wartete, um wenig später B._ und C._ wieder einsteigen zu
lassen und mit der ganzen Gruppe vom Tatort wegzufahren.
5.4.5 Diese Vielzahl flankierenden Handlungen von A._ – Auto zur Ver-
fügung stellen, Alkohol und Benzin bezahlen, Benzin abfüllen, Fahrdienst zum
Tatort und retour – lassen wie erwähnt klar darauf schliessen, dass er die Idee
der Brandlegung, sofern er sie nicht eigenhändig vor Ort umsetzen musste, ohne
Vorbehalte teilte und einer Brandlegung somit zustimmte. A._ war der einzi-
ge, der ein Fahrzeug hatte und über einen Führerausweis verfügte (Urk. 115
S. 9). Er hat das Delikt durch seine Tatbeiträge entscheidend gefördert. Ohne die
Handlungen des Beschuldigten wären B._ und C._ nicht nach M._
gegangen und der Brand wäre nicht gelegt worden.
5.5 Der eingeklagte Sachverhalt ist in objektiver und subjektiver Hinsicht erstellt.
IV. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung
1. Übereinstimmend mit der Staatsanwaltschaft würdigte die Vorinstanz das
Verhalten des Beschuldigten A._ in rechtlicher Hinsicht als in Mittäterschaft
begangene Brandstiftung (Urk. 83 S. 34 und 39). Dass es sich vorliegend um eine
Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB handelt, wird von der Vertei-
digung nicht bestritten.
2. Die Verteidigung stellt sich jedoch nach wie vor auf den Standpunkt, der Be-
schuldigte habe weder bei der Entschliessung noch der Planung des Lagerbran-
des mit den andern Beschuldigten, insbesondere B._, zusammengewirkt. Die
Voraussetzung des gemeinsamen Tatentschlusses sei auf Seiten des Beschuldig-
ten nicht erfüllt. Zudem ist die Verteidigung der Ansicht, der Beschuldigte habe
keinen (Eventual-)Vorsatz betreffend Mittäterschaft zur Brandstiftung gehabt
(Urk. 56 S. 15 ff.; Urk. 88 S. 3; Urk. 116 S. 4 ff.).
- 20 -
3.1 Mittäterschaft wird definiert als gleichwertiges koordiniertes Zusammen-
wirken bei der Begehung einer Straftat, so dass als Mittäter erscheint, wer bei der
Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Delikts vorsätzlich und in mass-
gebender Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so dass er als Hauptbe-
teiligter dasteht (Praxiskommentar StGB-TRECHSEL/JEAN-RICHARD, 3. Aufl., Zürich/
St. Gallen 2018, Vor Art. 24 N 10 ff.; BGE 108 IV 88 E. 2b; Urteil des Bundes-
gerichts 6B_895/2008 vom 14. April 2009 E. 3.2). Damit von Tatherrschaft ausge-
gangen werden kann, muss der Betreffende somit wenigstens in einem dieser
drei Stadien in für die Tat massgebender Weise mit den anderen Tätern zusam-
menwirken. Wann dies der Fall ist, ist letztlich aufgrund einer wertenden Beurtei-
lung der gesamten Umstände zu entscheiden. Was die Deliktsausführung betrifft,
ist insbesondere die Rolle zu berüksichtigen, die ein Beteiligter bei der Aus-
führung des Delikts innehatte (vgl. DONATSCH/TAG, Strafrecht I, Verbrechenslehre,
9. Aufl., Zürich 2013, § 15 S. 177 ff.).
In subjektiver Hinsicht setzt Mittäterschaft Vorsatz und einen gemeinsamen Tat-
entschluss voraus. Der gemeinsame Tatentschluss braucht nicht ausdrücklich zu
sein, er kann auch bloss konkludent bekundet werden, wobei Eventualvorsatz ge-
nügt (BGE 130 IV 58 E. 9.2.1 S. 66; 126 IV 84 E. 2c/aa S. 88; je mit Hinweisen).
Der Mittäter braucht an der ursprünglichen Entschlussfassung nicht von Anfang
an mitgewirkt zu haben, er kann sich den Tatentschluss auch erst sukzessive zu
eigen machen (BSK StGB I-FORSTER, 4. Aufl., Basel 2019, Vor Art. 24 N 12 mit
Hinweisen). Kausale Tatbeiträge werden dem anderen Mittäter angerechnet, auch
wenn er zum besagten Zeitpunkt die Tatherrschaft nicht mehr inne hat, voraus-
gesetzt, die Taten stehen in einer engen zeitlichen, räumlichen und sachlichen
Beziehung (BGE 108 IV 88 E. 2b S. 93).
3.2 Mit der Vorinstanz (Urk. 83 S. 34 und 39) steht die mittäterschaftliche Betei-
ligung des Beschuldigten A._ an der Brandstiftung ausser Frage.
Eine Schädigung der damaligen Arbeitgeberin von B._ und A._ war
zwar nicht von längerer Hand geplant, doch wurde gemäss erstelltem Sachverhalt
im Anschluss an das Treffen am Nachmittag/Abend vor der Tatnacht spätestens
auf der Fahrt vom Hauptbahnhof O._ nach P._ über die Zufügung eines
- 21 -
Übels debattiert und dann gemeinsam der konkrete Entschluss gefasst, im Lager
der L._ GmbH einen Brand zu legen. Die mannigfaltigen Unter-
stützungshandlungen des Beschuldigten zeigen, dass er sich – selbst im Falle an-
fänglicher Skepsis – den Tatentschluss zur Brandlegung zu eigen machte. Entge-
gen der Verteidigung ist ein gemeinsamer Tatentschluss zu bejahen. Dabei über-
nahmen die Täter verschiedene Aufgaben bzw. haben dies zumindest konkludent
vereinbart. Das kommt einer – kurzfristigen – Planung des Tatvorgehens gleich.
Wie gezeigt, lehnte der Beschuldigte A._ es ausdrücklich ab, selber einen
Brand zu legen, d.h. die eigentliche Tat auch auszuführen. Er besorgte und be-
zahlte jedoch das als Brandbeschleuniger gedachte Benzin (Tatmittel) sowie den
Alkohol zum Genuss und zur Enthemmung für B._ und C._ im Hinblick
auf die Tatbegehung und chauffierte sie gezielt zum Tatort und kurz darauf von
dort zurück wieder nach O._ bzw. nach Hause. Abgesehen von der effekti-
ven Tatausführung hat der Beschuldigte mit seinen Handlungen massgebend da-
zu beigetragen, dass der Brand gelegt wurde. Er hatte eine wichtige Rolle inne,
indem er einen grossen Teil der unmittelbaren Rahmenbedingungen für die
Brandstiftung schuf, so dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Die Brandlegung ist
ihm anzurechnen, auch wenn er in jenem Zeitpunkt die Tatherrschaft nicht inne-
hatte. Der enge zeitliche, räumliche und sachliche Zusammenhang ist gegeben.
Weiter wusste der Beschuldigte, dass B._ in seiner Wut auf die Arbeitgeberin
mit Hilfe von C._ die Tat vollbringen werde – zumal die zwei stark alkoho-
lisiert, entsprechend enthemmt und allfällige Ängste bzw. Zurückhaltung dadurch
entschwunden waren – und er wollte dies auch. Wohl hatte der Beschuldigte
A._ keinen Einfluss und auch nicht die Garantie, dass B._ das Verein-
barte tatsächlich in die Tat umsetzen würde. Ebenso wenig war er aber in der La-
ge, B._ (doch noch) davon abzuhalten. Er nahm eine Brandlegung daher
zumindest billigend in Kauf. In Anbetracht der geschilderten Umstände lag das
Risiko einer Tatverwirklichung durch B._ jedenfalls sehr nah. Der Eintritt die-
ses Erfolgs musste sich dem Beschuldigten A._ als so wahrscheinlich aufge-
drängt haben, dass die Bereitschaft, ihn als Ergebnis hinzunehmen, vernünftiger-
weise nur als Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (vgl. BGE 137 IV 1
E. 4.2.3 mit Hinweis).
- 22 -
Mit seinem Verhalten hat der Beschuldigte A._ somit den objektiven und sub-
jektiven Tatbestand von Art. 221 Abs. 1 StGB in Mittäterschaft erfüllt. Mangels
Rechtsfertigungs- und Schlussausschlussgründen ist er in Bestätigung des ange-
fochtenen Urteils diesbezüglich schuldig zu sprechen.
V. Strafzumessung und Vollzug
1. Die Vorinstanz hat sich umfassend und korrekt zum anwendbaren Recht,
zum Strafrahmen, zu den Grundsätzen der Strafzumessung und den Strafzu-
messungskriterien geäussert. Darauf ist ohne Ergänzung zu verweisen (Urk. 83
S. 40-43).
2. Tatkomponenten
2.1 Zur objektiven Tatschwere erwog die Vorinstanz, A._ sei als Mittäter
mitverantwortlich dafür, dass das Fabrikgebäude seines ehemaligen Arbeitgebers
vollständig niederbrannte und ein Schaden von rund Fr. 1.65 Mio. entstand. Er sei
bei der Entschlussfassung beteiligt gewesen, habe den Ausführenden B._
und C._ Alkohol und Benzin gekauft, das Benzin in Flaschen abgefüllt und
die Ausführenden mit seinem Fahrzeug zum Tatort und von dort wieder weg ge-
fahren (Urk. 83 S. 42).
Dieser Beurteilung ist zuzustimmen. Anzufügen ist, dass das betroffene Rechts-
gut gänzlich zerstört wurde. Es kann von Glück gesprochen werden, dass es kei-
ne Verletzten gab, war doch nicht auszuschliessen, dass sich um ca. 20.45 Uhr
noch Mitarbeitende eines der vier eingemieteten Unternehmen im Gebäude be-
finden würden. Im berechnenden und zielgerichteten Vorgehen offenbaren sich
Skrupellosigkeit und hohe kriminelle Energie. Aufgrund des mittäterschaftlichen
Vorgehens sind die im Gebäude vorgenommenen Handlungen von B._ auch
dem Beschuldigten A._ zuzurechnen. Dass er den Brand nicht selber legte,
ist – angesichts seiner weitgehenden und unerlässlichen Unterstützungsleistun-
gen ausserhalb des Kerngeschehens – nur geringfügig zu seinen Gunsten zu
werten. Beim vorliegend anwendbaren, sehr weiten Strafrahmen von einem bis zu
- 23 -
20 Jahren Freiheitsstrafe (Art. 221 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2
StGB) ist die objektive Tatschwere als nicht mehr leicht einzustufen.
2.2 In subjektiver Hinsicht fällt mit der Vorinstanz in Betracht, dass das Motiv
Rache war mit dem Ziel, der Arbeitgeberin Schaden zuzufügen. Das Delikt wurde
durch den Beschuldigten zumindest mit Eventualvorsatz verübt, was sein Ver-
schulden etwas reduziert. Dabei nahm der Beschuldigte auch in Kauf, dass un-
beteiligte Dritte – neben der L._ GmbH auch die übrigen eingemieteten Fir-
men – geschädigt würden. Zu ergänzen ist, dass der Beschuldigte A._ bei
voller Schuldfähigkeit handelte und nach den inneren und äusseren Umständen in
der Lage gewesen wäre, das Unheil zu verhindern, indem er darauf verzichtet
hätte, als Fahrzeuglenker mit der Tätergruppe nach M._ zu fahren.
2.3 Die subjektive Tatschwere vermag das objektive Verschulden etwas zu rela-
tivieren. Das Verschulden von A._ erweist sich gerade noch als leicht. Die
Einsatzstrafe für die Tatkomponente ist übereinstimmend mit der Vorinstanz im
mittleren Bereich des unteren Drittels des Strafrahmens anzusetzen, bei
42 Monaten Freiheitsstrafe.
3. Täterkomponenten
3.1 Der Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
A._ ergeben sich aus diversen Befragungen und Dokumenten (vgl. DS1
Urk. 4/4 S. 8; DS1 Urk. 19/9 S. 4; DS1 Urk. 20/1-5; Urk. 51 S. 1 ff.; Urk. 110/1-2;
Urk. 115). Er ist in R._ in S._ geboren und dort zusammen mit einer äl-
teren Schwester bei seiner Mutter aufgewachsen. Der Vater starb als A._ ca.
10 Jahre alt war. Seine Familie wurde vom Onkel unterstützt. A._ ging
elf Jahre zur Schule und durchlebte eine normale Kindheit. Später wurde er von
militanten Gruppen verfolgt, festgenommen und eingesperrt. Aus diesem Grund
ist er nach seiner Freilassung in die Schweiz geflüchtet, wo er sich seit mm 2011
aufhält. Er hat ein Asylgesuch gestellt, welches bewilligt wurde. Er arbeitete zu-
nächst – wie schon in seiner Heimat – als Chauffeur und zur Zeit bei der Firma
T._ AG im Bereich .... Pro Monat verdient er Fr. 4'300.– brutto und erhält ei-
nen 13. Monatslohn (Urk. 110/2). Der Beschuldigte ist verheiratet. Vermögen hat
- 24 -
er keines, jedoch Schulden von ca. Fr. 5'000.– bis Fr. 6'000.–, welche auf seine
Ausreise aus S._ zurückzuführen sind (Urk. 115 S. 4). Er unterstützt seinen
Onkel in S._ finanziell mit Fr. 150.– bis Fr. 200.– im Monat (Urk. 115 S. 4).
Diese Biografie ist strafzumessungsneutral zu werten.
3.2 Der Beschuldigte weist eine Vorstrafen auf (vgl. Urk. 111). So wurde er am
2. Februar 2016 durch die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau wegen grober Ver-
letzung der Verkehrsregeln zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu
Fr. 110.– und zu einer Busse von Fr. 800.– verurteilt. Für die Geldstrafe wurde
die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Am 29. November 2016 verurteilte ihn der
Ministero pubblico del cantone Ticino Lugano während laufender Strafunter-
suchung wegen Förderung der rechtswidrigen Ein-, Ausreise oder des rechtswid-
rigen Aufenthaltes (AuG) zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 30.–, bei einer Probezeit von 2 Jahren. Zuletzt wurde der Beschuldigte mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 12. Juli 2019 erneut wegen
Förderung der rechtswidrigen Ein-, Ausreise oder des rechtswidrigen Aufenthaltes
(AIG) zu einer unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 80.– verurteilt.
Diese Vorstrafe und Delinquenz während laufender Strafuntersuchung fällt straf-
erhöhend ins Gewicht.
3.3 Ebenfalls leicht straferhöhend ist zu berücksichtigen, dass die Brandstiftung
während laufender Probezeit der von der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau am
2. Februar 2016 auf Bewährung ausgesprochenen und dem Beschuldigten am
4. Februar 2016 eröffneten Geldstrafe wegen grober Verletzung der Verkehrs-
regeln erfolgte, mithin nur rund drei Wochen später.
3.4 Bei der Strafzumessung ist auch das Nachtatverhalten eines Täters mit zu
berücksichtigen. Darunter fällt das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfah-
ren. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines Täters bei der Aufklärung
von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken strafmindernd.
A._ hat nach anfänglichem Zögern den äusseren Sachverhalt in weiten Tei-
len anerkannt. Dies geschah jedoch nicht aus freien Stücken, sondern primär an-
- 25 -
gesichts der Beweislage, nachdem der Beschuldigte namentlich von K._ und
ergänzend von C._ sowie aufgrund der rückwirkenden Telefonkontrolle stark
belastet worden war. Hingegen hat der Beschuldigte bis zuletzt bestritten, dass
die Tat mit seinem Wissen und Willen passiert sei, weshalb er eine Mitverantwor-
tung für die Brandstiftung von sich weist. So führte er etwa aus, er entschuldige
sich dafür, dass er sie (gemeint: die Mitbeschuldigten) mitgenommen habe (DS1
Urk. 5 S. 11) bzw. er möchte sich nochmals entschuldigten, dass er nicht in der
Lage gewesen sei, die Sache zu verhindern (Urk. 51 S. 13). Und im Schlusswort
vor Vorinstanz bat er um Verzeihung, das Ganze sei ohne sein Wissen passiert
(Prot. I S. 11). Von echter Einsicht kann daher nicht gesprochen werden. Das
Teilgeständnis ist jedoch zu Gunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen. Was
die Reue betrifft, ist schliesslich positiv zu vermerken, dass der Beschuldigte
A._ seit Januar 2019, mit Ausnahme vom Monat Februar 2019, monatliche
Ratenzahlungen von Fr. 400.– an die D._ AG,
Winterthur (subrogiert, anstelle der U._ GmbH, ...-Strasse ..., M._) be-
zahlt.
Insgesamt wirkt sich das Nachtatverhalten moderat strafmindernd aus.
3.5 Eine erhöhte Strafempfindlichkeit im Sinne von Art. 47 Abs. 1 StGB (zu be-
rücksichtigende Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters) kann der Beschul-
digte nicht für sich beanspruchen. Die Verbüssung einer Freiheitsstrafe ist für jede
arbeitstätige und in ein familiäres Umfeld eingebettete Person mit einer gewissen
Härte verbunden. Der Vollzug einer Freiheitsstrafe bringt es zwangsläufig mit
sich, dass der Betroffene aus seiner Umgebung sowie seinem sozialen und allen-
falls auch aus einem günstigen beruflichen Umfeld herausgerissen wird. Eine ge-
wisse Härte ist vom Gesetzgeber gewollt. Gemäss konstanter Rechtsprechung ist
eine erhöhte Strafempfindlichkeit nur bei aussergewöhnlichen Umständen, so et-
wa bei hohem Alter oder schwerer Krankheit, und daher nur mit grosser Zurück-
haltung zu bejahen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1321/2016 vom 8. Mai
2017 E. 1.5.; 6B_858/2016 vom 16. März 2017 E. 3.2; 6B_243/2016 vom
8. September 2016 E. 3.4.2; 6B_748/2015 vom 29. Oktober 2015 E. 1.3; je mit
Hinweisen). Solche Umstände sind vorliegend nicht gegeben.
- 26 -
3.6 Aufgrund der vorstehenden Erwägungen heben sich bei der Täterkom-
ponente die straferhöhenden und strafreduzierenden Faktoren insgesamt die
Waage. Die Täterkomponente führt nicht zu einer Änderung der Einsatzstrafe für
die Tatkomponente.
4. Der Beschuldigte ist in Bestätigung des angefochtenen Urteils mit einer
Freiheitsstrafe von 42 Monaten zu bestrafen. Die erstandenen 60 Tage Unter-
suchungshaft sind auf diese Strafe anzurechnen (Art. 51 StGB).
5. Vollzug
Da der (teil-)bedingte Vollzug bei einer Freiheitsstrafe von 42 Monaten bereits aus
objektiven Gründen ausgeschlossen ist (Art. 42 Abs. 1 StGB; Art. 43 Abs. 1
StGB), ist die Freiheitsstrafe zu vollziehen.
VI. Widerruf
Mit der Begründung, dass die Brandstiftung während laufender Probezeit der von
der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau am 2. Februar 2016 ausgesprochenen
bedingt vollziehbaren Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 110.– erfolgt ist so-
wie angesichts der Schwere der neuen Tat und des Umstands, dass diese im sel-
ben Monat wie die erwähnte Vorstrafe verübt wurde, kam die Vorinstanz zum
Schluss, dass sich der Beschuldigte nicht bewährt habe. Sie widerrief daher den
bedingt aufgeschobenen Vollzug der Geldstrafe (Urk. 83 S. 45). Dem ist beizu-
pflichten. Es ist auch deshalb korrekt und verhältnismässig, weil der Beschuldigte
im Strafbefehl des Ministero pubblico del cantone Ticino Lugano vom
29. November 2016 diesbezüglich bereits einmal verwarnt wurde (vgl. Urk. 111;
Urk. 46 Abs. 2 StGB).
VII. Zivilansprüche
Die Vorinstanz hat sich zutreffend zu den Voraussetzungen der Zivilansprüche
geäussert und sich sehr einlässlich und ebenfalls mit richtigem Ergebnis mit der
- 27 -
Haftungsverteilung unter den drei wegen Brandstiftung verurteilten Beschuldigten,
wozu auch A._ zählt, sowie den Zivilansprüchen der Privatklägerinnen 1, 2, 4
und 5 befasst (Urk. 83 S. 46-51). Ihre Erwägungen und Schlussfolgerungen sind
ohne Weiteres zu übernehmen.
Der Beschuldigte bezahlt der Privatklägerin 1 wie erwähnt seit dem 1. Januar
2019 Raten von monatlich Fr. 400.– (Prot. II S. 9), wobei die Einzahlungen für
11 Monate (mit Ausnahme vom Monat Februar 2019) belegt sind (Urk. 110/3). Es
ist deshalb davon Vormerk zu nehmen, dass der Beschuldigte der Privatklägerin 1
bereits insgesamt Fr. 4'400.– bezahlt hat.
Die vorinstanzliche Regelung der Zivilansprüche (Dispositivziffern 8 und 9) ist im
Übrigen zu bestätigen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenauflage
gemäss den Dispositivziffern 12 und 13 zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Der Beschuldigte unterliegt auch mit seinen Anträgen im Berufungsver-
fahren vollumfänglich, weshalb ihm ebenso die Kosten des zweitinstanzlichen
Verfahrens aufzuerlegen sind. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter
Vorbehalt der Nachzahlungspflicht nach Art. 135 Abs. 4 StPO einstweilen auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
3. Für die amtliche Verteidigung des Beschuldigten im Berufungsverfahren
werden Fr. 10'503.70 geltend gemacht (Urk. 113). Dies erscheint als ausgewie-
sen und angemessen. Da der Aufwand für die Berufungsverhandlung sowie eine
Nachbesprechung mit dem Beschuldigten darin noch nicht enthalten ist, ist der
amtliche Verteidiger mit insgesamt Fr. 12'000.– (inkl. MwSt) aus der Gerichts-
kasse zu entschädigen.
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