# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 662c4185-a7c9-4e6e-b2ae-96c9f2151a95
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1975
, hat in
Y._
eine kaufmännische Ausbil
dung a
bgeschlossen und
zwei Jahre
als
kaufmännische Angestellte
in einer Baufirma
gearbeitet
. Nach ihrer
1998 erfolgten Einreise in die Schweiz
arbeitete
sie zunächst als Serviceangestellte und ab Februar 2000
a
ls Sachbearbeiterin bei der
Z._
in
A._
(
Urk.
7/2 S. 4
und
Urk.
7/6
). Ab April 2001 war sie
we
gen
Kr
eislaufproblemen, Müdigkeit,
Rückenproblemen
und
aufgrund
der
deswe
gen
gestellten
Verdachts-Diagnose
Marfan
-Syndrom
zu 50
%
arbeitsunfähig. Die Versicherte
meldete sich am 15. August 2001 bei der
Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons
Zürich, IV-Stelle
,
zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (
Urk.
7/2 S. 6).
Die IV-Stelle nahm erwerbliche (
Urk.
7/6, 7/7
, 7/8
und
Urk.
7/16
) und medizinische (
Urk.
7/9) Abklärungen
vor und veran
lasste ein rheumatologisch-internistisches Gutachten bei
Dr.
med.
B._
, Fach
arzt FMH für Innere Medizin und Rheumaerkrankungen
(
Urk.
7/28 = 7/29
,
Urk.
7
/18-19 und
Urk.
7/45
=7/46
)
. Ausgehend von einer 100%igen Arbeitsfä
higkeit in einer leidensangepassten
, leichten und wechselbelastenden
Tätigkeit lehnte die IV-Stelle
das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom
8.
November 2002
ab und empfahl der Versicherten eine konsequente medizinische
Trai
ningstherapie
zur muskulären Kräftigung sowie
ein Ausdauertraining (
Urk.
7/47
).
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 23. Mai 2008 meldete sich
X._
, vertreten durch Pro
Infirmis
Zürich,
erneut bei der Invalidenversicherung an und machte eine
wesentliche
Verschlechterung des Gesundheitszustandes geltend (
Urk.
7/55).
Die IV-Stelle forderte die Versicherte
daraufhin mit Schreiben vom 1
. Juli 2008
auf, mit ge
eigneten Beweismitteln glaubhaft zu machen, dass sich die tatsächlichen Ver
hältnisse wesentlich verändert hä
tten (
Urk.
7/57
). Nachdem d
er behandelnde Hausarzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für
Allgemeine Medizin
, eine
erhebliche
Zunahme der Rückenschmerzen und chronische
thorako
-vertebrale und
lumbo
-vertebrale/
spondylogene
Beschwerden rechtsbetont attestiert hatte (
Urk.
7/59
),
trat die IV-Stelle auf die
Neuanmeldung ein und
nahm erneut
med
izinische (
Urk.
7/60 und
Urk.
7/64
)
Abklärungen vor
. Nach durchgeführtem
Vor
bescheid
verfahren
(
Urk.
7/68,
7/69
und
Urk.
7/72)
nahm die IV-Stelle
ergänzende er
werbliche
Abklärungen vor (
Urk.
7/76) und veranlasste
die Erstellung eines
po
lydisziplinären
Gutachtens bei der
Abklärungsstelle
D._ (
Urk.
7/83), welches am 9.
Mai 2011 erstattet
und am 14. Juni 2011 ergänzt
wurde (
Urk.
7/85
und
Urk.
7/89)
. Mit Verfügung vom 20. Oktober 2011 verneinte
die IV-Stelle bei einem festgestellten
Invaliditäts
grad
von 15
%
erneut
einen Rentenanspruch der Versicherten (
Urk.
2).
2.
Dagegen r
ichtet sich die Beschwerde vom 19. November 2011, mit welcher die
Versicherte
die
Aufhebung der Verfügung, die Anordnung einer beruflichen Abklärung zur Klärung der tatsächlich vorhandenen Arbeitsfähigkeit
sowie die Anordnung von therapeutischen Massnahmen
inklusive regelmässiger
Trai
ningstherapie
unter fachärztlicher Begleitung und Kontrolle
beant
ragt (
Urk.
1
S. 1
)
. In der Beschwerdeantwort vom 13. Januar 2012
schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Besch
werde (
Urk.
6). Am 9. Februar
201
2
hielt die Beschwerde
führerin
replicando
an ihren Anträgen fest (
Urk.
11
). Die IV-Stelle verzichtete auf eine Duplik (
Urk.
13).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1 des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
1.2
Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie min
destens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 Pro
zent, oder auf eine
Viertelsrente
, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid sind.
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweig
ert, so wird nach Art. 87
Abs.
4
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn d
ie Voraussetzungen gemäss
Abs.
3
die
ser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analo
ger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17
Abs.
1 ATSG vorzuge
hen (vgl. dazu BGE 130 V 71; AHI 1999 S. 84 E. 1b mit Hinweisen; vgl. auch AHI 2000 S. 309 E. 1b mit Hinweisen). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine
anspruchs
begründende
Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im
Beschwer
defall
obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 130 V 71 E. 3.2.2 und 3.2.3, 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 261 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die IV-Ste
lle ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin vom
23. Mai 2008
(Urk. 7/
55
)
eingetreten. Es gilt somit zu prüfen, ob
sich der Gesundheits
zustand der Beschwerdeführerin
im massgebli
chen Zeitraum zwi
schen der ers
ten Verfügun
g
vom 8. November 2002 (
Urk.
7/47),
in wel
chem ein Anspruch auf eine Invalidenrente verneint worden ist, und
der Verfü
gung vom
20. Oktober 2011
(Urk. 2), welche die zeitliche Grenze für den zu be
ur
teilenden Sachverhalt bildet, insoweit verschlechtert hat, dass nunmehr ein Anspruch auf eine Invalidenrente entsteht.
2.2
Massgeblich für die Beurteilung des Gesundheitszustandes im Zeitpunkt der ursprün
glichen Verfügung vom 8. November 2002
war das
rheumatologisch-internistische
Gutachten
von
Dr.
B._
vom 14. März 2002 inklusive der vom Gutachter veranlassten kardiologischen Abklärung durch
Dr.
med.
E._
, Fach
arzt FMH für Innere Medizin, spez. Kardiologie (Bericht vom 25. Februar 2002,
Urk.
7/19
; vgl.
Feststel
lungsblatt
vom
5. Juli 2002
, Urk. 7/
32
).
Dr.
B._
diagnostizierte ein panvertebrales Syndrom
bei Haltungsinsuffizienz,
Dekonditionierungssyndrom
, Grosswuchs, konstitutioneller
Bandlaxizität
sowie eine arterielle Hypotonie und ein Struma
diffusa
(
Urk.
7/29). Aus rheumatolo
gischer Sicht attestierte
Dr.
B._
für eine körperliche leichte,
wechselbelas
tende
, leidensangepasste Tätigkeit (wie zum Beispiel d
i
e zuletzt in
Y._
wech
selbelastend
ausgeübte Bürotätigkeit) eine 100%ige Arbeitsfähigkeit. Für unge
wohnte und/oder nicht ausschliesslich leichte Tätigkeiten ging
Dr.
B._
auf
grund eines muskulären und konditionellen Defizits von einer reduzierten Be
lastbarkeit und einer entsprechend zumutbaren Erwerbstätigkeit von 50
%
aus
. Zur Erreichung einer uneingeschränkte
n
Arbeitsfähigkeit für jede körperlich leichte Tätigkeit innerhalb von maximal 6 Monaten empfahl er eine medizini
sche Trainingstherapie und sportliches Training
(
Urk.
7/45 S. 3). Aus kardiolo
gischer Sicht bestand keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als B
üroangestellte sowie für jegliche körperlich leichten
Arbeiten (
Urk.
7/29 S. 9).
Gestützt auf diese medizinische Begutachtung
kam die IV-Stelle
2002
zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin zwar für die zuletzt
-
ausschliesslich im Sitzen
-
ausgeübte und nicht mit idealer statisc
her Belastung verbundene (Büro -
) Tätigkeit aufgrund des muskulären und konditionellen Defizits lediglich 50
%
arbeitsfähig ist
, dass
hingegen für eine leidensangepasste,
wechselbelas
tende
, körperlich leichte (Büro-) Tätigkeit ohne grössere statische Belastungen eine volle Arbeitsfähigkeit besteh
e
und dadurch ein Erwerbseinkommen ohne invaliditätsbedingte Erwerbseinbusse erzielt werden könne (
Urk.
7/47 S.),
was zur Abwei
sung des Leistungsanspruchs führte.
2.3
2.3.1
Der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
stellte sich im massgebenden Zeitpunkt d
er angefochtenen Verfügung vom 20. Oktober
2011 sodann folgen
der
massen dar:
2.3.2
Nach durchgeführter Abklärung im März 2011 erachteten die
D._
-Gutachter
(Frau med.
pract
.
F._
, Fachärztin FMH für Chirurgie,
Dr.
med.
G._
, Fachärztin FMH für R
heumatologie,
Physikalische Medizin und Rehabilitation und
Dr.
med.
H._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie)
die klinische
Untersu
chung
aus allgemein-chirurgischer Sicht
bis auf den
marfanoiden
Körperhabitus
als
normal, ohne Hinweise für eine Links- oder Rechtsherzinsuffizienz
und stellten fest, dass
alle
zuvor erfolgten
kardiologischen Abklärungen
ebenfalls unauffällig gewesen
s
eien
. Auch im Abdominal- und Neurostatus liessen sich keine pathologischen Befunde erheben. Die Kopfschmerzen entsprächen am ehesten intermittierenden Spannungskopfschmerzen, differentialdiagnostisch einer Migräne. Die Gutachter kamen zum Schluss, dass sich aus internistischer Sicht weder in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit noch in einer dem Alter und dem Habitus angepassten Verweistätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfä
higkeit begründen lasse (
Urk.
7/85 S. 33).
2.3.3
Die Gutachter hielten weiter fest, dass sich b
ei der rheumatologischen
Untersu
chung
eine gross gewachsene Versicherte mit feingliedrigen Extremitäten und
leichtgradiger
Wirbelsäulenfehlform und –
fehlhaltung
im thorakalen Bereich präsentiert habe. Es habe sich wiederum eine deutliche Haltungsinsuffizienz im Schulter-
und
im Beckengürtel gefunden. Die Beweglichkeit sowohl der Wir
belsäule als auch der
Extremitäte
ngelenke
sei uneingeschränkt
,
aber
mit
Schmerzangabe bei LWS-Seitneigung und Extension r
echts lumbal.
Palpatorisch
hätten
deutliche Irritationen der
Erector
spinae
-Muskulatur rechts paravertebral ab LWK1 bis
lumbosakral
im Sinne von
Triggerpunkten
objektiviert werden
können
. Die Wirbelsäule selbst sei rüttel- und druckindolent. Bezüglich des möglichen Vorliegens eines
Marfan
-Syndroms fände sich eine gewisse
Über
streckbarkeit
der Ellenbogen- und Kniegelenke als auch der
Fingergrundge
lenke
, ohne dass dies übermässig erscheine. Die
Beighton
-Kriterien seien in der aktuellen Untersuchung gegenüber den Vorberichten früherer Untersuchungen nicht erfüllt. Es fänden sich keine
Synovitiden
, Tendovaginitiden oder neurolo
gische Defizite. Bildgebend bestehe als Zufallsbefund eine kongenitale
Block
wirbelbildung
HWK 6/7 mit dadurch bedingter leichter
Kyphosierung
. Im Übri
ge
n bestehe eine unauffällige radiologische Untersuchung der HWS, BWS und LWS mit in d
en Funktionsaufnahmen sehr guter
Beweglichkeit aller LWS-Seg
mente, aber ohne Hinweise einer Instabilität.
Zusammenfassend bestehe bei der Versicherten ein chronisches
Vertebralsyn
drom
, aktuell ein
lumbovertebrales
bis
lumbospondylogenes
Schmerzsyn
drom rechts mit inte
rmittierendem
thorakovertebralem
Syndrom.
Dies bei einer deut
lichen muskulären
Dekonditionierung
mit Ausbildung
sowohl
von
myofascialen
Zeichen als auch Haltungsinsuffizienz ohne aber verifizierbare strukturelle Läsion in der Bildgebung. Die festgestellte angeborene Blockwirbelsäule C6/7 habe keinen Krankheitswert. Bezügli
ch des Verdachts auf ein
Marfan
-
Syndrom seien in der aktuellen Untersu
chung keine wesentlichen
Gelenk
überbeweglich
keiten
feststellbar. Aufgrund der objektivierbaren Befunde könne aus rheuma
tologischer Sicht keine dauerhafte Einschränkung d
er Arbeitsfähigkeit in einer
körperlich leichten
, wechselbelastenden Tätigkeit begründet werden (
Urk.
7/85 S. 33 f.)
2.3.4
Die Gutachter führten weiter aus, dass die Beschwerdeführerin bei
der psychiatri
schen Explo
ration ein
eher dysfunktionales Bewältigungsverhalten mit Neigung zu Passivität gezeigt
habe
.
Es komme des Weiteren eher zur Selbstlimitierung, so dass sich die Versicherte auf keinen Fall zutraue, mehr als 50
%
zu arbeiten. Die aufgezählten psychischen Symptome, die seit zirka
zwei bis drei Jahren aufträ
ten, erfüllten weder
die
Kriterien für eine depressive Epi
sode noch diejenigen für eine
Dysthymia
. Da sie aber dennoch klinisch signifi
kant seien, seien sie nach ICD-10 in die Restkategorie für anhaltende affektive Störungen einzuordnen. Gegen ein manifest
es
depr
essives Zus
tandsbild sprec
he auch das Ergebnis der Hamilto
n-Depressionsskala.
Die Kriterien für eine anhal
tende
somatoforme
Schmerzstörung nach ICD-10 seien nicht erfüllt, da ein an
dauernder, schwerer und quälender Schmerz gefordert werde, was bei der Be
schwerdeführerin bei fehlendem Leidensdruck nicht fes
tstellbar sei. Ebenfalls hätten
weder emotionale Konflikte noch psychosoziale Belastungen herausgear
beitet werden
können
, die schwer genug wären, um als entscheidender ursächli
cher Faktor gelten zu können. Rein aus versicherungspsychiatrischer Sicht wäre es sicher sinnvoll und wünschenswert, wenn die Beschwerdeführerin über eine regelmässige Arbeit eine Tagesstruktur aufrechterhalten könnte. Aus
versiche
rungspsychiatrischer
Sicht bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/85
S
. 34).
2.3.5
Aufgrund der chirurgisch-internistischen, rheumatologischen und psychiatri
schen Untersuchungen stellten die Gutachter im Rahmen der interdisziplinären Gesamtbeurteilung im
D._
-Gutachten vom 9. Mai 2011 zusammengefasst fol
gende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
(
Urk.
7/85 S. 30)
:
Ein chronisches panvertebrales Schmerzsyndrom mit aktueller Akzentuierung eines
t
horakovertebralen
und
lumbospon
dylogenen
Schmerzsyndroms rechts
mit/bei: einer leichten
Fehlform
und Fehlhaltung der Wirbelsäule, einer ausge
prä
g
ten muskulären
Dekonditionierung
mit Haltungsin
suffizienz,
myofascialen
Z
eichen, tendenzieller
Hyperlaxizität
und kongenitaler Blockwirbelbildung HWK6/7.
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beschrieben die Gutachter intermittierende Spannungskopfschmerzen, DD: Migräne, eine sonstige anhal
tende affektive Störung (ICD-10: F34.8) und einen Status nach Varizenop
eration rechts 2009 (
Urk.
7/85 S
. 30).
Zusammenfassend und unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Be
funde erachteten die Gutachter die Beschwerdeführerin aus interdisziplinärer Sicht seit jeher sowohl für die aktuelle Tätigkeit als Schmuckverkäuferin als auch für alle leichten, wechselbelastenden Tätigkeiten
(wie auch diejenige
als Sachbearbeiterin und Kleiderverkäuferin, welche die Beschwerdeführerin
zuvor
ausgeübt hatte
)
als
zu 100
%
arbeitsfähig
. Als Servicekraft hingegen erachteten sie die Beschwerdeführerin aufgrund der verminderten Belastbarkeit der Wir
belsäule als nicht geeignet.
Weiter bestätigten die Gutachter frühere Einschätzungen,
wonach
eine konse
quente
Rekonditionierung
mit einer
Therapie über die nächsten 12 Monate eine Steigerung der
muskuloskelettalen
Belastbarkeit
eine Verbesserung der Arbeits
fähigkeit in einer nicht optimal angepassten
, mittelschweren
Tätigkeit
bewirken würde
und empfahlen
zudem
eine Anpassung der medikamentösen Behandlung (
Urk.
7/85 S. 34 f.
und
Urk.
7/89
).
2.4
Gemäss Feststellungsblatt zum Beschluss unte
rbreitete die IV-Stelle das
D._
-Gutachten
vom 9. Mai 2011 (
Urk.
7/85)
sowie die Ergänzung vom 14. Juni 2011 (
Urk.
7/89)
dem
I._
, welcher das Gutachten als
umfassend,
schlüssig und nachvollziehbar erachtete, die Feststellungen bezüg
lich
100%iger Arbeitsfä
higkeit in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit als ausgewiesen
beurteilte
, weitere Abklärungen oder das Auferlegen von
scha
denmindernden
Massnahmen als nicht erforderlich erachtete und der IV-Stelle am 30. Juli
2011 empfahl, auf das
Gutachten abzustellen (
Urk.
7/94 S. 6
), wa
s die IV-Stelle auch tat und mit Verfügung vom 20. Oktober 2011 einen Renten
anspruch verneinte (
Urk.
2)
.
2.5
2.5.1
Die Beschwerdeführerin hatte
vor Erlass der Verfügung
am 25. Mai 2011
und am 25. August 2011
zum
D._
-Gutachten
und der Ergänzung
Stellung
genom
men (
Urk.
7/87 und
Urk.
7/92) und
sinngemäss
aus
geführt
,
dass es nicht zu
treffe, dass sie wie vom
D._
angenommen,
auch ohne Muskeltraining zu
100
% in der jetzigen Tätigkeit im Verkauf arbeitsfähig sei. Die häufigen Kopf- und Rückenschmerzen und die lähmende Müdigkeit liesse
n
dies nicht zu. S
ie
sei wie
schon
bis anhin bereit
, die ihr auferlegte Schadenminderungspflicht zu er
fü
llen. Da das
D._
keine Angaben zu Art, Umfang und Dauer eines Muskel
trainings gemacht habe, solle ihr die IV-Stelle genau beschreiben
, welche The
rapien sie wie lange ausüben solle, wie sie der IV-Stelle gegenüber belegen könne, dass sie die Therapien regelmässig und gewissenhaft ausübe und wie der Erfolg der Therapien verbindlich überprüft und belegt werden könne.
Beschwerdeweise bestätigte sie ihre Vorbringen sinngemäss und beantragte zu
dem ergänzend eine berufliche Abklärung (z.B. in einem Trainingszentrum), da aufgrund des Verdachts auf
ein
Marfan
-
Syndrom, welcher medizinisch
bisher
nicht restlos habe geklärt werden können, nur die Abklärung der Arbeitsfähig
keit unter kontrollierten Bedingungen zuverlässige Auskunft über die tatsächli
che Arbeitsfähigkeit und Belastbarkeit geben könne (
Urk.
1).
Zur Bestätigung hatte die Beschwerdeführerin den B
ericht ihres Hausarztes vom 12.
November 2011 (
Urk.
3/3) beigelegt.
2.5.2
Dr.
C._
führt
e
in diesem Bericht aus, dass er der rheumatologischen Beurtei
lung im
D._
-Gutachten
zustimme
,
wonach
sich objektiv keine ausgeprägten invalidisierenden Befunde im Bereich
der Wirbelsäule erheben liessen
, dass trotzdem schwere funktionelle Beeinträchtigungen bestünden, welche sich vor
wiegend als ausgeprägte Schmerzzustände bei stärkeren und/oder längeren Be
last
ungen der Wirbelsäule zeigten, womit die deutlich eingeschränkte Arbeitsfä
higkeit der letzten Jahre hinreichend erklärt sei. Die therapeutischen Massnah
men inklusive regelmässiger medizinischer Trainingstherapie hätten die Be
schwerden bisher kaum beeinflussen können, weshalb ein nochmaliger intensi
ver Anlauf unbedingt indiziert sei. Aus seiner Sicht beurteilte
Dr.
C._
die zu
sammenfassende Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die IV-Stelle als deut
lich zu optimistisch u
nd
kaum realistisch und ging nach wie vor von einer Ar
beitsfähigkeit von zirka 50
%
aus (
Urk.
3/3).
3.
3.1
Entgegen de
r Ansicht und der Vorbringen der
Beschwerdeführerin
hat die IV-Stelle jedoch
zu Recht auf das polydisziplinäre
D._
-Gutachten vom
9. Mai
2011 abgestellt, da es die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen vollum
fänglich erfüllt: Es beruht auf fachärztlichen, e
igenen Untersuchungen vom
7. März
2011
(chirurgisch-internistischen)
, vom 8. März 2011
(psychi
atrische Un
tersuchung) und vom 11. März
2011 (rheumatologische Unter
suchung) und
be
rücksichtigt die von der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beschwerden (
Urk.
7/
85
S. 15, S. 20 = S. 45 und S. 26 f. =39 f.
). Es
setzt sich mit diesen sowie
mit der bisher
trotz vielfältigen Abklärungen
unbestätigt gebliebenen
(
Urk.
7/73)
,
theo
retisch
grundsätzlich
aber
nach wie vor
möglichen Diagnose
Marfan
-
Syndrom
auseinander
(
Urk.
7/85 S. 22f. und S. 32)
, welche die Beschwerdeführerin für die Einschränkung ihrer Arbeitsfähigkeit und die ausbleibenden Erfolge ihres Mus
kel- und Konditionstrainings verantwortlich macht
.
Das Gutachten wurde zu
dem in Kenntnis der und in Auseinandersetzung mit de
n
Vorakten
(
Urk.
7/85 S. 2 – 11 und S. 32 - 36) abgege
ben
,
ausführlich, nachvollziehbar und schlüssig erläutert und begründet und
mit ihm wurden
sämtliche Unkl
arheiten aus
ge
räumt (
Urk.
7/85 S.
32
).
3.2
Dass die Beschwerdeführerin
ihre gesundheitliche Situation
subjektiv
anders einschätzt, vermag
daran nichts
zu ändern
. Auch die Beurteilung des Hausarz
tes, welcher
(ohne über Facharztkenntnisse im Bereich Rheumatologie zu verfü
gen)
zwar die rheumatologischen Diagnosen der
D._
-Gutachter bestätigt, je
doch
zu ei
ner anderen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit gelangt, kann das
D._
-Gutach
ten nicht entkräften. Das Gericht darf und soll
zudem in Bezug
auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
3.3
Entsprechend dem vorstehend Gesagte
n zielt die Kritik der Beschwerdeführerin
ins Leere und es ist für die Beurteilung der Veränderung des Gesundheitszu
stan
des und der Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdefüh
rerin
vollumfänglich auf das
D._
-Gutachten vom 9. Mai
2011 abzustellen. Es ist daher, wie dies die IV-Stelle korrekt getan hat,
von einer 10
0%igen Arbeitsfähigkeit in einer
leichten, wechselbelastenden
Tätigkeit
(sowohl als Kleider- und Schmuckverkäuferin
als auch
als Sachbearbeiterin) ohne grössere statische Belastungen
(wie zum Bei
spiel bei der Tätigkeit als Servicekraft)
auszugehen
.
3.4
Da die IV-Stelle bereits
im Vergleichszeitpunkt
2002 zum Schluss gekommen
ist
, dass die Beschwerdeführerin zwar für die damals zuletzt - ausschliesslich im Sitzen - ausgeübte und nicht mit idealer statischer Belastung verbundenen (Büro -) Tätigkeit aufgrund des muskulären und konditionellen Defizits
lediglich 50
%
arbeitsfähig war
, dass
hingegen
für eine leidensangepasste,
wechselbelas
tende
, körperlich leichte (Büro-) Tätigkeit ohne grössere statische Belastungen eine volle Arbeitsfä
higkeit bestand
(
Urk.
7/47 S.)
,
stellt sich der gesundheitliche Zustand der Beschwerdeführerin
somit
trotz einiger neu hinzu gekommenen Di
agnosen in Bezug auf die Auswirkungen auf die
Arbeits- und
E
rwerbsfähigkeit unverändert dar
.
Mangels einer Veränderung in der gesundheitlichen Situation beziehungsweise
in
der
en
Auswirkung auf die
Arbeits- und
Erwerbsfähigkeit
erübrigt sich
die Prüf
ung des Invaliditätsgrades
und die Beschwerde ist abzuweisen.
3.5
Mangels dieser Veränderung
kann
damit
auch
offenbleiben
, ob für die Bestim
mung des
Valideneinkommens
,
wie von der Beschwerdeführerin geltend ge
macht, von
ihrem
im Jahr 2001 erzielten Einkommen als Sachbearbeiterin (Junior-Non-Officer) bei der
Z._
auszugehen
und dieses zu indexieren
wäre (
Urk.
7/6)
,
oder
ob
, wie dies die IV-Stelle gemacht hat, vom
gemäss Bundesamt für Statistik erhobenen Lohn (LSE; TA 7
Ziff.
23 für and
e
re kaufmännische-administrative Tätigkeiten) auszugehen wäre.
Offenbleiben kann
auch,
welche Art Aufbautraining die Beschwerdeführerin
durchführen sollte,
ob die Beschwerdeführerin nach Durchführung eines
allfälligen
Muskelaufbau- und Konditionstraining
s effektiv
auch eine mittelschwere Tätigkeit ausüben und was sie damit für ein Einkommen erzielen könnte.
4.
Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass
sich
der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
zwar
insofern
verschlechtert hat,
als
dass zusätzliche Diag
nosen gestellt wurden,
die
Beschwerdeführerin
jedoch
wie bereits im Zeitpunkt der ersten rentenablehnenden Verfügung im Jahr 2002
unverändert
in einer leichten, wechselbelastenden Tätigkeit (wie den bisher ausgeübten Tätigkeiten als Kleider- und Schmuckverkäuferin und auch als Sachbearbeiterin ohne grössere statische Belastungen) zu 100
%
arbeitsfähig ist,
weshalb
der
leistungs
ab
weisende
Entscheid der IV
Stelle zu Recht ergangen ist. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
5.
Abweichend von Art. 61
lit
. a ATSG ist das Beschwerdeverfahren um die Bewilli
gung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Gericht kostenpflichtig. Die Gerichtskosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Die Kosten sind auf Fr. 5
00.-- anzusetzen und entsprechend dem Verfahrens
ausgang der
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.