# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e303e862-8e05-40a1-8419-a2533982246a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die
1963 geborene
X._
rutschte am 1
3.
Juli 2012 an ihrem Arbeitsplatz
im Restaurant
Z._
auf dem Kellerboden, auf dem Seife ausgelaufen war, aus und schlug sich den Kopf an (
Urk.
8/
10/196-197). Am 1
9.
April 2013 meldete sie sich – unter Hinweis auf verschiedene seit dem Unfallereignis bestehende Beschwerden – bei der
Sozialversicherungsan
stalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (
Urk.
8/5). Zur Klärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse zog die IV-Stelle nebst den Akten
der Unfallversicherung (
Urk.
8/1
0 und
Urk.
8/34)
Auszü
g
e
aus dem individuellen Konto bei (
Urk.
8/3, 8/15 und 8/18) und holte einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
8/36) sowie Berichte der behandelnden Ärzte ein (Urk. 8/
16-17 und
Urk.
8/26)
.
Am
9.
Juli
2013 teilte sie mit, dass berufliche Eingliederungsmassnahmen nicht angezeigt seien (
Urk.
8/14).
Mit Vorbescheid vom
2
4.
Februar 2014 stellte die Verwaltung die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/39). Nachdem die Versi
cherte dagegen Einwand erhoben hatte, liess die IV-Stelle durch die
A._
das pol
ydisziplinäre Gutachten vom 14.
Januar 2015 erstellen (
Urk.
8/66/2-35). Mit Verfügung vom
6.
Mai 2015 hielt die Verwaltung – nun insbesondere gestützt auf die
A._
-Expertise – an ihrer im Vorbescheid angekündigten Leistungsablehnung
fest (
Urk.
8/78 = Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
4.
Juni 2015 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr mindes
tens eine halbe Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen; eventuell sei die Verwaltung zu verpflichten, nach erneuter polydisziplinärer Abklärung neu zu verfügen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
9.
Juli 2015 schloss die IV
Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), was der Beschwerdeführerin am 1
5.
Juli 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10). Nachdem die Beschwer
deführerin gegen die mit Verfügung vom 1
2.
November 2015 vorgese
hene Bei
ladung ihres Ehegatten
zum vorliegenden Prozess (Urk. 12)
, der am hiesigen Gericht ebenfalls ein invalidenversicherungsrechtliches
Beschwer
de
verfahre
n
(I
V.2014.00455)
hängig
hat,
keine Einwendungen vorgebracht hatte, wurde Letztgenannter zum Prozess beigeladen
und es wurden die gesamten
Verfah
rensakten
des Prozesses IV.2014.00455 beigezogen
(
Urk.
20/1-21)
.
Gleich
zeitig wurde die Versicherte aufgefordert, zu den widersprechenden Angaben der Eheleute anlässlich ihrer Begutachtungen im
A._
Stellung zu nehmen (Verfü
gung vom 1
0.
Februar 2016 [
Urk.
21]). Dieser Aufforderung kam die Beschwer
deführerin mit Eingabe vom 2
9.
Februar 2016 nach (
Urk.
23).
3.
Die Unfallversicherung stellte die UVG-Lei
s
tungen mit Wirkung per 2
8.
Februar 2013 ein. Die dagegen am 1
7.
Januar 2014 erhobene Beschwerde wurde mit Urteil des hiesigen Gerichts vom
2
9.
Oktober 2015 abgewiesen (Prozess-Nr. UV.2014.00018).
4
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Freden
hagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungsverweigerung
–
unter Hinweis auf die Expertise
des
A._
vom 1
4.
Januar 2015 –
damit,
in
der bisherigen Tätig
keit als Hilfsköchin und Raumpflegerin wie auch in
einer leide
nsangepassten Tätigkeit bestehe
eine reduzierte Leistungsfähigkeit von
85 %
bei ganztä
g
iger Präsenz. Die gegen den orthopädischen Gutachter erhobenen Anschuldig
ungen
seien durch die Gutachterstelle zurückgewiesen worden und die Dolmetscherin könne sich nicht mehr an die Begutachtung erinnern. Auf das
fragliche
A._
-
Gutachten könne da
her weiterhin abgestellt werden.
Zudem
sei
bereits im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren
versucht worden
,
die Beweiskraft der
damals eingeholte
n
Expertise durch Kritik an de
r Länge der Begutachtung in Zweifel zu ziehen (
Urk.
2
und
Urk.
7
).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, auf das
A._
-Gutachten könne bereits aus formellen Gründen nicht abgestellt werden. Das Verhalten des orthopädischen Gutachters
– er habe sie unter anderem angeschrien, war
um sie auf serbisch antworte,
habe mit den Hände
n auf den Tisch geschlagen und
einen Wutausbruch gehabt
–
sei nicht akzeptabel und stelle die Objektivität der Begutachtung in Frage. Dass die Dolmetscherin zum Vorgefallenen nichts sagen wolle, liege daran, dass sie in einem ständigen
Auf
tragsverhältnis
zum
A._
stehe.
Ihre Angaben seien derart präzise und detailliert, weshalb sie nicht als erfunden qualifiziert werden könnten.
Das Gutachten
des
A._
sei zudem unvollständig, da es massgebende Berichte und somatische Diagnosen nicht berücksichtige.
Es
sei angesichts ihrer somatischen Beschwer
den nicht nachvollziehbar, inwiefern ihr eine körperlich mittelschwere Tätigkeit zu 85
%
zumutbar sei. In der angefochtenen Verfügung sei kein
Einkommens
vergleich
vorgenommen worden, was unter Berücksichtigung eines
leidensbe
dingten
Abzugs von 25
%
nachzuholen sei (
Urk.
1 S. 2 ff.).
3.
3.1
Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für Neurologie und Psychiatrie, diagnosti
zierte am 9. November 2012 einen Status nach Commotio cerebri am 13. Juli 2012, einen posttraumatischen Lagerungsschwindel und eine
Zervikozephalgie
. Sie berichtete, im Verlauf der Behandlung sei es zunächst zu einer Zunahme der Beschwerden in Form eines starken Schwindels mit Gangunsicherheit und einer schmerzhaft verspannten Schulter- sowie Nacken- und
Hinterkopfmuskulatur
gekommen. Seit der Intensivierung der Physiotherapie mit Balancetraining sei eine leichte Besserung erkennbar. Sie attestierte eine seit dem Unfalltag beste
hende vollständige Arbeitsunfähigkeit
(Urk. 8/10/187-188
).
3.2
Nachdem er die Beschwerdeführerin am 21. Januar 2013 untersucht hatte, führte
Prof.
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Neurologie,
im
Auftrag der Unfallversicherung verfassten
Gutachten vom 1
8. Februar 2013 (Urk. 8/10/75-93) als Diag
nose eine möglicherweise stattgehabte Commotio cerebri auf (S. 12).
Die Untersuchung
habe
keinen Anhalt für eine behindernde Läsion am zentra
len oder peripheren Nervensystem, der Wirbelsäule sowie der paravertebralen Strukturen
ergeben
. Auffällig
sei
vor allem eine deutliche Diskrepanz zwischen der anamnestisch angegebenen aktuellen Schmerzstärke und dem unbeein
trächtigten klinischen Eindruck
gewesen. Es bestehe ebenfalls
eine deutliche Diskrepanz zwischen der guten spontanen Beweglichkeit des Kopfes und der in der formalen Prüfung demonstrierten Ei
nschränkung. Dementsprechend sei
eine bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von Einschränkungen und Beschwerden als wahrscheinlich anzusehen.
Eine zumindest
fortdauernde
ves
tibuläre
Störung
sei aufgrund des Umstandes, dass in den Lagerungsproben kein Nystagmus habe ausgelöst werden können, n
icht mehr wahrscheinlich
.
Ange
sichts des g
eschilderten Unfallhergangs könne
differentialdiagnostisch
grund
sätzlich eine möglicherweise initial bestehende
Contusio
lab
yrinthi
erwogen werden.
Die bek
lagte Kopfschmerzsymptomatik sei
angesichts der anamnesti
schen Angaben mit migräne-typischen Begleitsymptomen
differentialdiagnos
tisch
am ehesten als Migräne einzuordne
n. Differentialdiagnostisch könne
angesichts der
Schmerzmittel
anam
nese
(
Analgetikafehlgebrauch
) auch ein zumindest anteiliger
Analgetikakopfschmerz
erwogen werden. Diesbezüglich
sei
eine Entgiftung
und Entwöhnung unter
Führung eines Kopfschmerzkale
nders anzuraten
(S. 12 ff
.
).
Eine Abweichung vom gesundheitlichen Status
prae
ante durch den Unfall – so der Gutachter weiter – könne allenfalls für wenige Tage nach dem Unfallereignis als möglich angenommen werden (mögliche
Contusio
labyrinthi
). Die Beschwerdeführerin sei per sofort zu 100 % a
ls Küchenhilfe arbeitsfähig (S.
16).
Gestützt auf die Ergebnisse der psychiatrischen
Untersuchung
vom 21. Januar
2013 stellte Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, im
Gutachten vom 18. Februar 2013
(Urk. 8/10/94-
106
)
folgende Diagnosen (S. 8):
Leichtgradige
depressive Episode (ICD-10 F32.0)
Sedativa-Missbrauch (ICD-10 F13.1)
Mögliche
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.4)
Dem Gutachten kann entnommen werden, dass in der psychiatrischen Anam
nese
vor allem Beschwerden der vegetativen
Imbalance
, Muskelverspannungen mit entsprechenden Kopf- und Rückenschmerzen sowie unspezifische gastroin
testinale
Symptome, Ü
belkeit und Erbrechen beschrieben
worden sind
. Zusätz
lich zu dieser differentialdiagnostisch als
Somatisierungsstörung
diskutierbaren Symptomatik
habe sich ein
als
leichtgradig
zu klassifizierendes depressives Syndrom mit affektiver Beeinträchtigung und Antriebsminderung eingestellt. Eine antidepressive Behandlung mit
Cipralex
sei
zeitnah begonnen
worden. D
azu
sei
bei Bedarf
Oxazepam
zur Schlafregulierung eingesetzt
worden, das die
Beschwerdeführerin
seitdem kontinuier
lich und unkontrolliert einnehme, so
dass wahrscheinlich ein Sedativa-Missbrauch
vorliege
. Depressive Verstimmung und Antriebsminderung könn
t
en in diesem Zusammenhang differentialätiologisch auch auf den Sedativa-Konsum zurückzuführen sein. Sowohl aus diagnosti
schen als auch aus therapeutischen Gründen
– so der Experte weiter –
sollte die missbräuchliche Einnahme von
Oxazepam
ausschleichend beendet werden (Ent
giftung und
Entwöhnung). Darüber hinaus sei
eine Optimierung der
antidepres
siven
Behandlung dringend anzuraten. Eine rein psy
chotherapeutische Behand
lung sei
in der gegebenen klinischen Konstellation nicht den psychiatrischen Leitlinien entsprechend. Der ge
samte klinische Eindruck enthalte
auch Anhalts
punkte für eine bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von
Ein
schränkun
gen und Beschwerden, weshalb
bei einer nicht erheblich ausgeprägten Depressi
vität keine die Arbeitsfähigkeit wesentlich beeinträchtigende Störung auf psychiatrischem Gebiet zu attestieren
sei
. Die notwendige Benzodiazepin-Ent
gif
tung und -Entw
öhnung könne
durchaus neben e
iner Arbeitstätigkeit erfolgen
(S. 8 ff.). Aus psychiatrischer Sicht liege spätestens ab 1. März 2013 eine voll
ständige Arbeitsfähigkeit
in der bisherigen und einer
lei
densangepass
ten
Tätig
keit vor (S. 12).
3.3
Im Bericht von Dr. med.
E._
, Facharzt FMH für Neurologie, vom 1
1.
Juli 2013 über die einmalig durchgeführte Untersuchung der Beschwerdeführerin wurden ein Status nach Sturz auf den Hinterkopf am 13. Juli 2012 mit
Contusio
capitis
rechts
parieto-occipital
und eine Commotio cerebri mit Symp
tomenkom
plex, vor allem Schwindel und Kopfschmerzen, sowie ein
Zervikal
syndrom
geschildert. Das durchgeführte Kopfgelenk-CT habe Zeichen der muskulären
suboccipitalen
Dysbalance
mit
Densdezentrierung
nach links,
rotatorische
Fehl
stellungen C2 bis C5 nach rechts,
Spondylarthrosen
C3/4 links, weniger ausge
prägt auch rechts, sowie C5/6 links und eine schmächtige autochthone
Nacken
muskulatur
im
zerviko
-kranialen Abschnitt mit viel Fett
gewebe in den Faszien gezeigt. Er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Urk. 8/17).
3.4
Die im
F._
am
1.
November 2013 durchgeführte
MR-Ar
thrographie
der rechten Schulter zeigte eine Ruptur der langen
Bizepssehne
mutmasslich im Bereich der
labralen
Insertion (
Urk.
8/42/1).
3.5
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte am 2
5.
Februar 2014 (
Urk.
8/42/2-4) nachstehende Diagnosen (S. 3):
P
ostkommotionelles
Syndrom (ICD-10 F07.2)
Angst und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F41.2)
Er berichtete, die Beschwerdeführerin leide
mindestens seit
der
Behandlungs
aufnahme
an einer depressiven Störung, derzeit an einer mittelgradigen depres
siven Episode nach den Kriterien der internationalen Klassifikation psychischer
Störungen. Im Vordergrund st
ü
n
den
Symptome der Niedergeschlag
enheit sowie
Konzentrations
-
und
Einschlafstörung
en mit psychomotorischer Unruhe
.
Dar
über hinaus
vermeide
d
ie
Versicherte
Sozialkontakte und
habe Zukunftsängste.
Tätigkeiten, die ihr früher Freude
gemacht hätten, könne
sie nicht mehr aus
führen. Die
Behandlung des
postkommotionell
en
Syndroms und der chroni
schen Schmerzen
habe
bisher zu keiner wesentlichen Besserung geführt. Die
Chronifizierung
der somatisch
bedingten Beschwerden erschwere
den
psychiat
rischen Behandlungsverl
auf. Aus psychiatrischer Sicht
– so
Dr.
F._
weiter –
würden bei der Beschwerdeführerin
die Angst-
und
die
depressiven Beschwer
den
im Vor
dergrund stehen, worauf sich auch
die Behandlung konzentriere.
Für
die Beschwerdeführerin werde
es immer schwieriger, die
durch das
postkommo
tionelle
Syndrom bedingten
chronischen Beschwerden und die immer wieder auftretenden Schmerzen im Alltag zu ertragen. Auf die
se belastende Situation reagiere
sie verstärkt mit
Angst und Depression. A
uch ihr Verhalten gegenüber
ihren
Angehörigen
habe
wiederholt Probleme
verursacht. E
ine dauerhafte Sta
bilisierung der Stimmung
habe
bisher nicht erreicht werden
können (S. 2)
.
3.6
Die Ärzte der
H._
hielten in ihrem Bericht vom 2
1.
Februar 2014 fest, bei der Beschwerdeführerin bestehe ein chronisches
lumbospondylo
genes
Schmerzsyndrom mit fehlenden sensomotorischen Ausfällen. In der MRI-Bildgebung habe sich eine
Anterolisthesis
L4/L5 Grad I mit Kompression der austretenden Nervenwurzeln L4 beidseits sowie L5 links gezeigt. Aktuell seien die Schmerzen progredient. Sie empfahlen die Durchführung
von
Physiothera
pie für die Analgesie und die Verbesserung der Muskelfunktion (
Urk.
8/44/4-5).
3.7
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Neurologie, nannte am 1
8.
März 2014 (Urk. 8/44/1-3) folgende Diagnose (S. 1):
Status nach Arbeitsunfall am 1
3.
Juli 2012 mit Commotio cerebri und Rückenprellungen mit
posttraumatischem
cervico-cephalem
Schmerzsyndrom mit
migränoi
den
Exazerbationen der Kopfschmerzen sowie
Verdacht auf posttraumatische periphere
Vestibulopathie
und
Verdacht auf posttraumatischen zervikal bedingten Schwindel
Der nämliche Arzt führte aus, das ausgeprägte
cervico-cephale
Schmerzsyndrom führe immer wieder zu heftigen
Kopfschmerzexazerbationen
mit teilweise deut
lichen Migränemerkmalen. Bei den Drehschwindelgefühlen dürfte es sich am ehesten um einen
vestibulär
bedingten Schwindel handeln. Da der Befund unter der
Frenzelbrille
aber normal gewesen sei, habe sich dies aber nicht beweisen lassen. Die beim Gehen auftretenden
Schwankschwindel
seien am ehesten zer
vikal bedingt. Für eine zentrale Genese hätten sich keine entsprechenden Hin
weise gefunden. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin auf physikalische Behand
lungen angewiesen (S. 3).
3.8
Dr.
F._
stellte in seinem Bericht vom
2.
Dezember 2014 (
Urk.
8/58/1-3) fol
gende Diagnosen (S. 1):
Anhaltende mittel
gradige depress
ive
Episode mit somatischem Syn
drom (ICD-10 F32.2)
Status nach
Arbe
itsunfall
am 1
3.
Juli
2012 mit
Commotio cerebri und Rückenprellungen, mit posttraumatischem
cervico-cephalem
Schmerz
syndrom
mit
migränoiden
Exazerbationen der Kopfschmerzen sowie
posttraumatischem
Tinnitus
Verdacht auf posttraumatische
periphere
Vestibulopathie
Verdacht auf
p
osttraumatische zervikal bedingte
Schwindel
Chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom bei degenerativer
Olisthese
L3/4
Meyerding
Grad l
Dr.
F._
schilderte, bei der Beschwerdeführerin sei es
zu keiner Besse
rung des psychischen Gesundheits
zustands gekommen, obwohl eine tragfähige therapeu
tische Beziehung aufgebaut worden sei
. Die Wahrscheinlichkeit
, mit einer stati
onären oder hal
bstationären
Behandlung einen höheren Behandl
ungserfolg mit Auswirkung auf die A
rbeitsfähigkeit zu erzielen, sei
als gering e
inzustufen. Das Störungsbild sei trotz
adäquater ambulanter psychiatrisch-psychotherapeuti
scher und medi
kamentöser Behandlung in einen
weitgehend
chronifizierten
Zustand getreten
.
Die psychopathologischen
Befunde,
insbesondere die
Antriebs
verminderung
und
der
von einem sozialen Rückzug begleitende
Inte
res
sens
verlust
würden für eine mittel- bis schwere depressive
Episode
sprechen
.
Die Beschwerdeführerin sei durch
ihre a
nhaltende Depressivität absorbiert, in der Aufmerksamkeit und der
Konzentration beein
trächtigt, vermindert bel
astbar,
kaum leistungsfähig
,
blockiert und auf der Beziehungsebene kaum erreichbar. Es sei daher von einer vom Schmerzsyndrom losgelösten p
sychischen Komorbi
dität auszugeh
en, welche die Arbeitsfähigkeit in relevanter Weise einschränke. Hinsich
tlich der willentl
ichen Beeinflussbarkeit
der Symptomatik sei
anzuneh
men,
dass aufgrund der schwer ausgeprägten Ang
st und depressiven Störung eine willentliche
Überwindung
der
Beeinträchti
gungen derzeit verunmöglicht sei.
Die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei deshalb
auch für leichte Arbeiten auf 0
%
reduziert
. Sie sei
in der freien Marktwirtschaft keinem Arbeit
gebe
r zumutbar. Einzig möglich sei
eine Tätigkeit in einem geschützten Rah
men, bei der gehäufte Fehler,
ein
langsamerer Arbeitsablau
f und vermehrte Pausen toleriert
würden
(S. 2).
3.9
Dr.
med.
J._
, Facharzt FMH für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie, berichtete am 4. Dezember 2014, bei der Beschwerdeführerin handle es sich eindeutig um eine therapieresistente Funktionsstörung innerhalb des Gleichgewichtssystems und um eine weitere
Chronifizierung
der Beschwerden. Der Integritätsschaden anhand der SUVA-/UVG-Tabellen 13 und 14 liege bei mindestens 45
%
. Die jet
zigen therapeutischen Massnahmen seien aus interdisziplinärer Sicht notwen
dig, um eine weitere Dekompensation innerhalb des Gleichgewichtssystems auf
zuhalten (
Urk.
8/58/4-5).
3.10
Gestützt auf die Ergebnisse der internistischen, orthopädischen, neurologischen,
otorhinolaryngologischen
und psychiatrischen Untersuchung diagnostizierten die
A._
-Gutachter in ihre
r Expertise
vom 1
4.
Januar 2015 (
Urk.
8/66/2-
35) fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 30 f.)
:
Periphere
vestibulo-cochleäre
Funktionsstörung links (ICD-10 H81.3)
Tinnitus beidseits, links akzentuiert (ICD-10 H93.1)
mittelgradig kompensiert
Chronische Nacken-Schulter-Arm-Handbeschwerden der dominanten rech
ten Seite (ICD-10 M54.2/M79.60)
Status nach Kopfkontusion am 1
2.
Juli 2012
radiologisch mässige
Osteochondrose
und
Diskusprotrusion
HWK6/7 ohne Hinweis für relevante Degeneration, Instabilität oder
Neuro
kompression
(Röntgen
5.
August 2013 und MRI 1
9.
Dezember 2013)
radiologisch Läsion der langen
Bizepssehne
ohne klaren Hinweis für relevante Läsion der
Rotatorenmanschette
(MRI
1.
November 2013)
Zustand nach Schädelprellung mit möglicher Commotio cerebri (ICD-10 S06.0) und HWS-Distorsionstrauma (ICD-10 S13.4) Juli 2012
Chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.5)
radiologisch mittelgradige
Spondylarthrose
der unteren LWS und
Anterolisthese
LWK4/5 Grad
I
(MRI 1
9.
Dezember 2013)
Status nach Fac
ettengelenksin
filtration LWK3/4 beidseits am
8.
Mai
2014 (
H._
)
Den nachstehenden Diagnosen massen sie keinen Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit bei (S. 31):
Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.0)
Verdacht auf
temporomandibuläres
Schmerzsyndrom links (ICD-10 K07.6)
craniomandibuläre
Dysfunktion
Arterielle Hypertonie (ICD-10 I10)
unter medikamentöser Behandlung gut eingestellt
Adipositas (B
MI
33 kg/m
2
;
ICD-10 E66.0)
Die internistische Untersuchung habe – so
Dr.
med.
K._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin – das Bild einer 51-jährigen Versicherten in unauf
fälligem Allgemein- und adipösem Ernährungszustand ergeben. Die klinische Untersuchung des Thorax, des Herzens, der Lunge und des Abdomens habe ausser einer leichten diffusen
Druckdolenz
über dem ganzen Abdomen unauf
fällige Befunde
gezeigt
. Es bestehe eine arterielle Hypertonie, welche medika
men
tös behandelt werde. Die Blutdruckwerte hätten im Normbereich gelegen. Aus allgemeininternistischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdefüh
rerin nicht eingeschränkt (S. 9).
Dr.
med.
L._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete in seinem psychiatrischen Fachgutachten, bei der Beschwerdeführerin bestehe
diagnostisch eine leichte depressive Episode,
welche
durch die ICD-10-Kriterien verminderte Freudeempfindungsfähigkeit, erhöhte Ermüdbarkeit, leicht vermin
derter Appetit und Schlafstörungen
gekennzeichnet sei
.
Sie leide unter
multip
le
n
und wechselnde
n
somatische
n
Beschwerden mit Schwindelbeschwerden, Übelkeit, Brechreiz, Oh
rgerä
uschen, Zittern und ausgeweiteten Schmerzen im Bewegu
ngsapparat. Diagnostisch handle
es sich um eine
Somatisierungsstörung
.
Die Versicherte fühle
sich nicht mehr arbeitsfähig weg
en all ihrer B
eeinträchti
gungen
und habe
keine Hoffnung auf eine Besserung
. Ihre
Krankheitsüberzeu
gung
sei
deut
lich ausgeprägt. Die Prognose sei
deshalb ungünsti
g. Von den Förster-Kriterien sei
das Kriterium des chronischen Verlaufs hinreichend erfüllt. Das Kri
terium des sozialen Rückzugs sei
zum Teil erfüllt.
Von der Familie wür
den
ihr praktisch alle Haushaltsarbeiten abgenommen
. Sie werde
überallhin begleitet
. Dadurch kö
nn
e
ein sekundärer Krankheitsgewinn entstehen, wodurch ihr regressives Verh
alten noch verstärkt w
erden könn
t
e
. Es besteh
e
eine psychi
atrisch-psychotherapeutische Behandlung. Das Antidepre
ssivum, das sie verord
net erhalten habe, besitze
keine Indikation bei somatischen Beschwerden und keine Schlaf anstossenden Eigenschaften. Die therap
eutischen Möglichkeiten seien daher
nicht ausgeschöpft.
Zusammenfassend führte Dr.
L._
aus, aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsf
ähigkeit nicht eingeschränkt (S. 12 f.).
Dr.
med.
M._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
gab in seinem ortho
pädischen Teilgutachten an, auf
orthopädischer Ebene
seien
folgende Befunde ob
jektivierbar: der ebene Gang sei mit
samt den geprüften Varianten unauffällig. Bei der Untersuc
hung der Wirbelsäule habe
sich unter
Gegenspan
nung
eine deutlich bis massiv eingeschränkte Beweglichkeit sämtlicher Abschnitte
gezeigt, doch habe
der initial verme
hrte Finger-Boden-Abstand
durch eine freie Auslenkung im
Langsitz
relativiert werden
können
. Auch an den oberen
und unteren Extremitäten habe
eine freie Auslenkung mit Aus
nahme von Überkopfmanövern an den Schultern
–
unter wiederum erheblicher
Gegenspannung
– bestanden
. Die gesamte ausführliche Untersuchung im Ste
hen
, Gehen, Sitzen und Liegen habe bei ausreichender Kooperation
problemlos durchgeführt werden
können
. Auffallend
seien die
sehr diffuse
n
Druckdolenzen
an Stamm und Extremitäten
gewesen
, welche schlecht reproduzierbar und ana
tom
isch keinesfalls zuordenbar gewesen seien
. Während es bei
der
Untersu
chung der u
nteren Extremitäten in Rückenlage zur
erheblichen Gegenspannung und Schmerzäusserung
gekommen sei, sei die Vornahme dersel
ben Manöver in sitzender Position mit hängenden Beinen offensicht
lich ohne relevanten
Lei
dens
druck
gelungen
. Zumindest vi
er von fünf
Waddell
-Zeichen seien
positiv
gewesen. Auf radiologischer Ebene seien
an
der
Wirbelsäule weder
höhergradige
degenerative Veränderungen, traumatische Läsionen noch klare Hinweise für Neurokompression
en
gefunden
worden
. An der re
chten Schulter würden
mit Ausnahme von Hinweisen für eine Ruptur der langen
Bizepssehne
keine Auffäl
ligkeiten vor
liegen
. In Anbetracht des klinisch objektiv ansonsten we
itestgehend
blanden
Befundes werde
auf die Anfertigung neuer Bilddokumente verzichtet. Zusammenfassend
könne – so der Gutachter weiter –
gesagt werden, dass sich die von der
Beschwerdeführerin
anamnestisch und klinisch diffus präsentierten Beschwerd
en durch die klinischen und radi
ologischen Befunde kaum begründen lassen
würden
. Nachvollziehbar
sei
ein gewisser Leidensdruck angesichts einer
Fehl
haltung im Sinne eines Hohl-Rundrückens samt
Protraktion
von Kopf und Schultern, keinesfalls aber die als invalidisierend angegebe
ne Symptomatik. Die deutlichen I
nkons
istenzen, das weitgehend fehlen
de Ansprechen auf wieder
holte lokale Infiltration
en
,
die
anamnestisch weiterhin intensiv durchgeführte
n
konservative
n
Therapiemassnahmen sowie
die
langdauernde körperliche Scho
nung
und
Arbeitskarenz könnten
als klarer Hinweis für eine im Vordergrund stehende
nicht-organische Beschwerdekom
ponente angesehen werden.
Aus orthopädischer Sicht bestehe für die Tätigkeit als Hilfsköchin wie für andere überwiegend in stehender und gehender Position durchzuführende Verrichtun
gen eine Arbeitsfähigkeit von 90
%
bei ganztägigem Pensum mit um 10
%
reduzierter Leistung aufgrund eines vermehrten Pausenbedarfs. Für körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Verrichtungen mit immer wieder auch sitzenden Anteilen liege dagegen aus rein orthopädischer Sicht eine zeitlich und leistungsmässig uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit vor. Das wiederholte Heben und Tragen von Lasten über zehn Kilogramm bis intermittierend 15 Kilogramm sollte dabei vermieden werden (S. 19 f.).
Dem neurologischen Fachgutachten von
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Neurologie, kann entnommen werden
, dass
die Beschwerdeführerin vor knapp 2.5 Jahren
bei der Arbeit einen Unfall
erlitten hat
, bei we
lchem sie sich eine Schädelprell
ung mit möglicher Commotio cerebri und HWS-Distorsionstrauma
zuzog
en hat
. Anhaltspunkte für eine weitergehende
intrakranielle Schädigung hätten
sich
damals nicht ergeben. Alle
nachfolgenden neurologischen Untersu
chungen
seien
in objektiver Hinsicht unauffällig ausgefallen
. Zu diskutieren sei
ein HWS-Distorsionstrauma,
das aber nur als
leichtgradig
eingeordnet werden könne. Dies stütze
sich auf das Fehlen neurologischer Ausfälle, das Fehlen knö
cherner Verletzungen wie
auch auf
die verspätete Inanspruchnahme
einer ärzt
lichen
Behandlung. Ein bei anhaltenden Beschwerden durchgeführtes MR
I der HWS habe
keine relevante Tangierung neuraler Strukturen aufgeführt. Ein
leichtgradiges
degeneratives HWS- und LWS-Syndrom
falle
in das orthopädi
sche Fachgebiet. E
ine Bet
eiligung neuraler Strukturen sei
auch bei der aktuellen Untersuchung nicht festzustellen.
Auf dem neurologischen
Gebiet
ergebe sich
keine wesentliche, die Arbeitsfähigkeit einschränkende Erkrankung
(S. 24 f.).
In seinem
otorhinolaryngologischen
Teilgutachten schilderte
Dr.
med.
O._
, Facharzt FMH für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie, es könne aktuell eine
l
eichtgradige
Hörschwellenasymmetrie zu Ungunsten von links
ob
jektiviert werden. Im Rah
men dieser Hörschwellen
würden
subjektiv auditive Einschränkungen im Rah
men von Gesprächen mit mehreren Personen sowie unter gesteigertem
Umge
bungsgeräuschpegel
bestehen. Bezüglich des
konstanten Tinnitus beidseits, links akzentuiert, mit Begleitsymptomatik im Sinne von Einschlaf
-
und
Durchschlaf
schwierigkeiten
,
mit konsekutiver Tagesmüdigkeit und
Konzentrationsschwie
rigkeiten
könne dieser
im Rahmen des subjektiven Empfindens als mittelgradi
g kompensiert bezeichnet werden.
Seitens der peripheren
vestibulären
Funktion
hätten
aktuell Befunde einer peripheren
vestibulären
Funktionsstörung mit
Links
nystagmen
sowie leichtem Linksüberwiegen im Rahmen der kalorischen Prüfung objektiviert werden
können. I
n Anbetracht der zusätzlichen
leichtgra
di
gen
cochleären
Funktionsstörung links
könne daher
von einer peripheren
vestibulo-cochleären
Funktionsstörung links ausgegangen werden. Befunde einer zusätzlich möglichen
zervikogen-proprioceptiven
Funktionsstörung
hätten indes
im Rahmen der subjektiv schmerzhaft eingeschränkten HWS-Beweglich
keit nicht provoziert werden
können
. Zusätzlich
habe
sich im Rahmen der aktu
ellen Untersu
chung eine
Retropulsionstendenz
sowie ein unsicheres Gangbild
gezeigt
, wobei sich
Letzteres
im Anschluss an die Untersu
chung beim unbeo
bachteten
Gehen und Überqueren der Strasse nicht mehr
habe beobachten lassen, so
dass der Verdacht auf eine zusätzliche partielle f
unktionelle Überla
gerung bestehe. Des Weiteren seien
aktuell Befunde eines
temporomandibulären
Schmerzsyndroms mit
Druckdolenz
sowie leichter
Subl
uxation im Bereich d
es linksseitigen Kiefergelenkes
bei
cranio
-mandibulärer Dysfunktion
ersichtlich
.
Dr.
O._
führte zur Arbeitsfähigkeit aus, i
m Rahmen der audi
ologischen Untersuchungsbefunde
mit nur
leichtgradiger
Hörschwellenasymmet
rie zu
Ungunsten von links
würden
objektiv keine eigentlichen auditiven Einschrän
kungen
bestehen. Aufgrund des
Tinnitus
sollten einzig
Tätigkeiten unter erhöh
tem Umgebungsgeräuschpegel
gemieden werden
.
Angesichts
der intermit
tie
ren
den Schwindelattacken
bestünden
zusätzliche qualitative Einschränkun
gen der Arbeitsfähigkeit
: auf
sturzgefährdende Tätigkeiten
sei zu verzichten. I
m Rahmen der differenzialdiagnostisch möglichen zusätzlichen
zervikogen-propri
oceptiv
beding
ten Schwindelsymptomatik
sollten
Tätigkeiten mit häufigen
Kopfrotatio
nen
gemieden
werden. Zusammenfassend bestehe folglich aus rein
oto
neurolo
gischer
Sicht in einer angepassten Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von 15
%
(S. 28 f.).
Zur Frage der Arbeitsfähigkeit führten die involvierten Spezialärzte zusammen
fassend aus, die Beschwerdeführerin sei für eine körperlich leichte bis intermit
tierend mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit zu 85
%
arbeits- und leis
tungs
fähig (vollschichtig realisierbar). Körperlich schwere Tätigkeiten sowie solche mit Absturzgefährdung und erhöhtem Umgebungslärmpegel seien nicht mehr geeignet (S. 34).
4.
4.1
Vorab ist zu prüfen, ob aufgrund
des Verhaltens des
A._
-Gutachters
Dr.
M._
auf dessen Voreingenommenheit zu schliessen ist (
Urk.
1
S. 2 ff.).
4.2
Für Sachverständige gelten grundsätzlich die gleichen Ausstands- und
Ableh
nungsgründe
, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die in objektiver Weise und nicht bloss aufgrund des subjektiven Empfindens der Partei geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit und Unvoreingenommenheit der sachverständigen Person zu erwecken. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche medizinischen Gutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit der begutachtenden Ärzte ein strenger Massstab anzulegen (Urteil des Bundesge
richts 8C_
905/2011 vom 6. Juni 2012 E. 4.1
).
4.3
Das Expertenverhalten während der Exploration kann objektiv den Anschein von Befangenheit erwecken. Zu denken ist etwa an Äusserungen, welche die Glaubhaftigkeit der Angaben des Exploranden oder der Explorandin zum Gesundheitszustand und zur Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit von vorn
herein mehr oder weniger offen verneinen, abschätzige Bemerkungen persönli
cher Natur oder unter Umständen die Art und Weise, wie die Untersuchung durchgeführt wird und in diesem Zusammenhang auch die Dauer der Mass
nahme. Die Objektivität der Beurteilung steht auch in Frage, wenn die begut
achtende Person von weitgehend sachfremden Kriterien auf Aspekte des Gesundheitszustandes schliesst, welche für die zumutbare Arbeitsfähigkeit von Bedeutung sind. Schliesslich kann die Abfassung einer medizinischen Expertise in beleidigendem Ton oder sonst auf unsachliche Art und Weise objektiv Zwei
fel an der Unvoreingenommenheit der sachverständigen Person wecken.
Für die Frage, ob bestimmte Äusserungen oder das Verhalten des Experten oder der Expertin objektiv den Anschein der Befangenheit zu erwecken vermögen, kann allenfalls auch von Bedeutung sein, ob das Verhältnis zwischen der sach
verständigen und der zu explorierenden Person angespannt war, ohne dass Anhaltspunkte für ein negatives
unkooperatives
Verhalten seitens der abzuklä
renden Person bestand. Der Umstand, dass ein insbesondere im therapeutischen Kontext wichtiges Vertrauensverhältnis zwischen begutachtendem Arzt und Patient nicht hergestellt werden konnte, lässt jedoch nicht auf Voreingenom
menheit schliessen (Urteil des Bundesgerichts 8C_905/2011 vom 6. Juni 2012 E. 4.2).
4.4
Die Beschwerdeführerin wirft
Dr.
M._
in ihrem Schreiben vom 1
2.
Dezember 2014 unter anderem vor, er habe sie wiederholt angeschrien, mehrmals mit den Händen auf den Tisch geschlagen sowie mit den Füssen auf den Boden gestampft. Er habe einen richtigen Wutausbruch gehabt (
Urk.
8/62).
Dies wird vom betreffenden Gutachter vehement bestritten (
Urk.
8/65/1-2).
Darüber, wie sich das Verhalten des untersuchenden Arztes genau darstellte,
kann am
sach
lichsten
die bei der Begutachtung ebenfalls anwe
sende Dolmetscherin
Auskunft geben.
Frau
P._
gab auf die
Exploration
angesprochen an, dass sie sich nicht mehr erinnern könne (
Urk.
8/70).
Mit Blick auf die erhobenen Vorwürfe, die in ihrem Ausmass erheblich sind, wäre
indes
zu erwarten gewesen, dass
Letztge
nannte
r
ein
sol
ch gravierender
Vorfall
im Gedächtnis geblieben wäre. Ange
sichts dessen, dass sie vom
Q._
vermittelt worden war (
Urk.
8/70
) und damit in keinem ständigen
Auftrags
verhältnis
zum
A._
steht (Urk.
1 S. 3)
,
kann
sodann nicht auf eine fehlende Objektivität
der Dolmetscherin
geschlossen werden. Anzufügen bleibt zudem, dass selbst der Rechtsvertreter in seiner Beschwerdeschrift Zweifel an der Dar
stellung des
Erlebten
zum Ausdruck bringt (
Urk.
1 S. 2).
Vor diesem Hinter
grund
ist davon auszugehen, dass
ein Anschein der
Befangenheit von
Dr.
M._
nicht
erstellt
ist.
4.5
Entgegen den entsprechenden Ausführungen der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 3 f.) begründet der Umstand allein, dass im
A._
viele Ärzte auf enge
m
Raum zusammenarbeiten und laute Stimmen oder Geräusche aus den
Nachbarzim
mern
gut zu hören sind, keinen Zweifel an der pflichtgemässen
Ausübung der Gutachtertätigkeit.
4.6
Das Gutachten des
A._
vom 1
4.
Januar 2015 ist demnach im
praxisgemässen
Rahmen auf seine Beweiseignung beziehungsweise Beweiswertigkeit hin zu überprüfen.
5.
5.1
Das auf einlässlichen
internistischen,
psychiatrischen
, orthopädischen, neurologi
schen und
otorhinolaryngologischen
Untersuchungen beruhende, die
fallrele
van
ten
Vorakten
sowie die geklagten Beschwerden berücksichtigende
A._
-Gut
ach
ten entspricht grundsätzlich den recht
sprechungsgemässen Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.
3
hievor
). Bei der Würdigung der Expertise gilt es jedoch
zu beachten, dass es Sache des (begutachtenden) Mediziners ist
, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit
zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung
unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diag
nose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht nicht kom
petent sind
.
Bei der Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beein
trächtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende
Beurtei
lungskompetenz
zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung
, das heisst
sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärzt
lichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juristische Beurteilung der Frage
, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (
BGE 140 V 193 E. 3.2).
5.2
Was die Auswirkungen der physischen Beschwerden auf das funktionelle Leis
tungsvermögen
betrifft,
hielt
d
er orthopädische Gutachter – unter Hinweis auf eine erhebliche Diskrepanz zwischen den anamnestischen
Schmerzschilderun
gen
und den objektivierbaren Befunden
und das
weitgehend fehlende Anspre
chen auf wiederholte lokale Infiltrationen
– nachvollziehbar fest, dass eine körperlich leichte bis mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit de
r
Beschwer
deführer
in
zu 100
%
zumutbar ist
(
Urk.
8/66/2-34 S. 20 und S. 22).
Eine weiter
gehende
Beeinträchtigung
der Arbeitsfähigkeit
in einer Verweistätigkeit ist auch g
estützt auf die
von
Dr.
I._
konstatierte schmerzbedingte
Bewegungsein
schränkung
der Halswirbelsäule mit
palpatorisch
deutlich verdickter und
druck
dolenter
sowie tonisierter Nacken- und Schultermuskulatur auf beiden Seiten (
Urk.
8/44/1-3 S. 2)
nicht anzunehmen.
Ausserdem ist es der
Versicherten
mög
lich, bis zu zwei Stunden lange Spaziergänge zu unternehmen (
Urk.
8/66/2-35
S. 16).
Die Rüge der Beschwerdeführerin, die von den Ärzten der
H._
gestützt auf die MRI-Bildgebung festgestellte Kompression der austreten
den Nervenwurzel L4 beidseits sowie L5
– de
r
von den n
ämlichen Medizinern nicht
eine mit dem chronischen
lumbospondylogenen
Schmerzsyndrom vergleich
bare Bedeutung zugemessen wurde, wurde doch der entsprechende Befund nicht in die Diagnoseliste aufgenommen
(vgl.
Urk.
8/44/4-5) – habe nicht im
A._
-Gutachten Eingang gefunden (
Urk.
1 S. 5), erweist sich als unzu
treffend. So war den
Medas
-Experten einerseits der betreffende Bericht vom 2
1.
Februar 2014 durchaus
bekannt (
Urk.
8/66/2-34
S. 3), andererseits wies der orthopädische Gutachter in seinem
Fachgutachten explizit auf den
erwähnte
n Befund hin (Urk. 8/66/2-34 S.
21).
In diesem Zusammenhang ist zudem ergän
zend darauf hinzuweisen, dass Schmerzen an sich noch keine Arbeitsunfähig
keit begründen (Urteil des Bundesgerichts I 994/06 vom 2
9.
August 2007 E. 3.3 mit Hinweisen) und die Ärzte der
H._
keine sensomotorischen Ausfälle feststellen konnten (
Urk.
8/44/4-5 S. 2).
Die vom neurologischen
A._
-Experten festgestellte uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit steht sodann im Einklang mit den Ergebnissen
der von Prof.
Dr.
C._
durchgeführten neurologi
schen Begutachtung (vgl. Urk. 8/10/75-93).
Auch der Neurologe
Dr.
I._
berichtete – nebst einer schmerzbedingten Bewegungseinschränkung der
Hals
wirbelsäule
– von einem unauffälligen Status mit mittellebhaft und seitengleich auslösbaren Muskeleigenreflexen und von fehlenden Pyramidenzeichen (
Urk.
8/44/1-3 S. 2).
Der
otorhin
olaryngologische
Experte
Dr.
O._
ging
von einer Leistungsminderung von 15
%
in einer
leidensangepassten Tätigkeit
aus.
Gründe für eine quantitative Einschränkung bei
der Ausübung einer
Verweistä
tigkeit
gehen
aus seiner
Einschätzung
indes keine hervor.
Seiner Beurteilung können
vielmehr
nur qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit ent
nom
men werden
(Urk. 8/66/2-34 S. 29)
, die bereits Eingang im Umstand, dass der Beschwerdeführerin einzig noch
adaptierte Tätigkeiten
zumutbar sind, gefunden haben.
Der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
O._
kann somit insoweit nicht gefolgt werden, als dass er in einer Verweistätigkeit von einer zusätzlichen Einschränkung von 15
%
ausging.
5.3
Betreffend die psychische Symptomatik legte der psychiatrische Gutachter – ge
stützt auf die klinischen Befunde – überzeugend dar, dass
der leichten depressi
ven Episode und der
Somatisierungsstörung
kein Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit zukommt und
folglich
bei der Beschwer
deführerin keine psy
chiatrische Stör
ung mit Krankheitswert besteht
. In Übereinstimmung damit kam
bereits
Dr.
D._
in seinem psychiatrischen Gutachten vom 1
8.
Februar 2013 zum Schluss, dass keine die Arbeitsfähigkeit wesentlich beeinträchtigende psy
chiat
rische Störung vorliegt (
Urk. 8/10/94-106 S. 10
)
.
Die entsprechende Ein
schätzung
wird auch nicht durch die Berichte des behandelnden Psychiaters
Dr.
F._
in Frage gestellt, wobei diesbezüglich auf die einlässliche Auseinan
dersetzung im
A._
-Gutachten verwiesen werden kann
(
Urk.
8/66/2-35 S. 14 f.)
. Zu ergänzen bleibt
, dass nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung e
ine invalidisierende Wirkung einer leichten respektive mittelschweren depressiven Störung – eine gegenwärtig schwere Episode (vgl.
Urk.
8/58/1-3 S. 2) ist weder angesichts der erhobenen Befunde noch des Freizeitverhaltens der Versicherten nachvollzieh
bar – zwar nicht schlechthin auszuschliessen ist. Deren Annahme bedingt jedoch, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist. Fehlt es daran, ist in der Regel keine invalidi
sierende Wirkung des Gesundheitsschadens anzunehmen (vgl. etwa Urteile des Bundesgerichts 9C_863/2015 vom
7.
Januar 2016 E. 1, 8C_303/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 4.4 mit weiteren Hinweisen und 9C_369/2014 vom 19. November 2014). Es sind daher die Umstände des konkreten Falls zu berück
sichtigen. Vorliegend kann
von einer Ausschöpfung der therapeutischen und
medikamentösen Behandlungsmög
lichkeiten nicht gesprochen werden. Die ambu
lante Therapie bei
Dr.
F._
findet ein- bis zweimal im Monat sta
tt (Urk. 8/58/1-3 S. 2 und Urk.
8/
66/
2-35 S. 1
0
).
Eine (teil-)stationäre Behandlung wurde bislang noch keine durchgeführt
. Diesbezüglich ist nicht ersichtlich und wird vom behandelnden Psychiater auch nicht begründet, weshalb er die Erfolgs
aussichten einer stationären Therapie als gering einstuft
(Urk. 8/58/1-3 S. 2)
. A
uch angesichts dieser Intensität der Therapiebemühungen kann
dem Leiden der Beschwerdeführerin keine invalidisierende Wirkung zuerkannt werden.
Zu prüfen bleibt, ob die gutachterliche Einschätzung unter Berücksichtigung der vom Bundesgericht zwischenzeitlich geänderten Schmerzrechtsprechung Stand hält.
5.4
5.4.1
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbemes
sung
stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berück
sichtigen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nieder
schlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Überwindbarkeitsver
mutung
.
Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes
Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – aus
schliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche Stan
dardindikatoren. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatri
schen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Standardindikato
ren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten
Beweisthe
men
und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomati
schen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
5
.4
.2
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder
-
resistenz (E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten
(E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern Indizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang
mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
5
.4
.3
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betref
fend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem
Verfahrens
standard
eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8).
5
.5
Im hier zu beurteilenden Fall sind keine Anhaltspunkte dafür ersichtlich, dass unter Berücksichtigung der mittlerweile massgebenden Standardindikatoren an Stelle der sogenannten Foerster-Kriterien eine Arbeitsunfähigkeit resultieren könnte. Ins Gewicht fällt diesbezüglich namentlich, dass
die Beschwerdeführerin über gute Kontakte innerhalb der Familie verfügt (
Urk.
8/
66/
2-35 S. 10),
längere Spaziergänge unternimmt
(
Urk.
8/
66/
2-35 S. 11
und S. 16
)
,
Einkaufszentren besucht (
Urk.
8/42/2-4 S. 1), Haushaltsarbeiten zumindest teilweise
ausübt (Urk.
8/
66/
2-35 S. 16
und
Urk.
20/11/199/2-41 S. 21
),
ihr Busreisen nach
R._
mögli
ch
(
Urk.
20/11/199/2-41 S. 21) sowie
die therapeutischen Möglich
keiten noch nicht ausgeschöpft sind (Urk. 8/
66/
2-35 S. 1
5
, S. 20 und S.
30)
und
d
ie
A._
-Gutachter – wie bereits Prof.
Dr.
C._
und
Dr.
D._
(Urk. 8/10/75-93 S. 12
und
Urk. 8/10/94-106 S. 9
)
–
über eine deutlich ausgeprägte
Krankheits
überzeugung
und Inkonsistenzen
berichteten (Urk.
8/
66/
2-35 S. 13
, S. 20, S. 22 und S. 29
)
.
Im Einklang damit steht, dass
der behandelnde Psychiater
keine
somatoforme
Schmerzstörung diagnostizierte
(
Urk.
8/58/1-3 S. 1).
5.6
Unter Berücksichtigung sämtlicher Gesundheitsstörungen ist
folglich
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in einer leidensangepassten Tätigkeit anzunehmen. Angesichts der unter Berücksichtigung der vorhandenen Einschränkungen noch bestehenden Leistungsfähigkeit
ist
davon auszugehen
(vgl.
Urk.
1 S. 4)
, dass der ausgeglichene Arbeitsmarkt
der Beschwer
deführer
in noch ein genügend
breites Spektrum an
Arbeitsgelegenheiten
bietet
.
Zu beach
ten
ist in diesem Zusammenhang, dass das Bund
esgericht wiederholt darauf
hin
gewiesen hat, dass körperlich leichte und wechselbelastende Tätigkeiten auf dem allein massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt durchaus vorhanden sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_606/2012 vom 3. Dezember 2012 E. 3.5 mit Hinweisen). Nämliches kann bet
reffend Tätigkeiten, wie sie der Beschwerde
füh
rer
in
noch zumutbar sind, gesagt werden.
6.
6.1
6.1.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.
1.
2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frü
hest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen
Einkommensent
wicklung
angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt wor
den wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweisen).
Ein solcher Ausnahmefall liegt bei
spielsweise dann vor, wenn die versicherte Person ihre Arbeitsstelle infolge konkursbedingter Betriebsschliessung verliert (Urteil des Bundesgerichts 8C_462/2014 vom 18. November 2014 E. 4.2 mit Hinweis).
Der bei der Bemessung des Invalideneinkommens zu berücksichtigenden ausgegli
chenen Arbeitsmarktlage (Art. 16 ATSG) ist grundsätzlich auch bei der Festsetzung des
Validenlohnes
Rechnung zu tragen, wobei auf die Ergebnisse der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen
Lohnstruk
turerhebung
(LSE) abgestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts 9C_192/2014 vom 23. September 2014 E. 3.2 mit Hinweisen).
6.
2
Die Beschwerdeführerin
hatte
bis zu ihrem am 1
3.
Juli 2012
erlittenen Unfall ein volles
Pensum als Hilfsköchin im Restaurant
Z._
inne
. Zusätzlich war sie etwa zwei Stunden täglich bei
Dr.
med.
S._
als Raumpflegerin tätig
(
Urk.
8/66/2-35 S. 8)
.
Vor dem Hintergrund, dass sie bei Letzterer jeweils stundenweise in einem unregelmässigen Arbeitspensum gear
beitet und damit schwankende Einkommen erzielt hatte (
Urk.
8/36 S. 2 und S.
4),
rechtfertigt es sich, vom
Dur
ch
schnittslohn
der letzten
fünf
Jahre für die Bemessung des Einkommens als Reinigungskraft auszugehen. Es ergibt sich gestützt auf den
Auszug aus dem individuellen Konto
(
Urk.
8/15)
ein Einkom
me
n von rund
Fr.
13‘
413
.-- ([
Fr.
12‘830.-- +
Fr.
1
3
‘
889
.-- +
Fr.
1
2
‘
908
.-- +
Fr.
1
2
‘
609
.-- +
Fr.
1
4
‘
827
.--]
/
5)
respektive
unter Berücksichtigung der
Nomi
nallohnentwicklung
ab Mittelwert 2010 (Index 2579) bis 2013 (Index 2648
;
vgl. Die Volkswirtschaft 3/4-2015 S. 89 Tabelle B10.
3 und
www.bfs.admin.ch
Tabelle Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Real
löhne)
von
Fr.
1
3
‘
772.--
. Dies
geht auch mit
dem von der Beschwerdeführerin im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren am 1
0.
Dezember 2010 angegebe
nen monatlichen Einkommen von
Fr.
1‘000.--
konform
(
Urk.
8/10/158-
175 S.
2
f.
).
Angesichts der infolge Konkurses der das Restaurant
Z._
betreibenden Gesell
schaft vorgenommenen Auflösung des Arbeitsverhältnisses (
Urk.
8/66/2-35 S. 8)
sind
zur Ermittlung des
Valideneinkommens
die Tabellenlöhne gemäss LSE 2010 heranzuziehen
, hätte sie doch die letzte Stelle auch bei intakter Gesundheit nicht mehr inne
. Die Beschwerdeführerin absolvierte in ihrem Hei
matland eine Mittelschule
mit Ausbildung
zur diplomierten
chemischen
Techni
kerin. Anschliessend arbeitete sie während zehn Jahren als
Produktionscontrol
ler
in einer Schuhfabrik. Nach der Geburt des zweiten Sohnes 1990 war sie vorwiegend als Hausfrau tätig. 1993
emigrierte sie in d
i
e Schweiz und nahm 1998 eine Erwerbstätigkeit als
Hilfsk
öchin im Restaurant
Z._
auf, die sie bis zu ihrem Unfall im Jahr
2012 ausübte (
Urk.
8/66/2-35 S.
7 f.).
Vor diesem Hin
tergrund ist es am sachgerechtesten, zur Ermittlung des
Valideneinkommens
auf die in
Ziff.
56 der Tabelle TA1 erfasste Branche „Gastgewerbe“ abzustellen. Mangels qualifizierter Fachkenntnisse ist vom Anforderungsniveau 4 auszuge
hen (vgl.
hiezu
Urteil des Bundesgerichts 8C_907
/
2011 vom 3
0.
Juli 2012)
, was eine
m
Wert von
Fr.
3‘825.-- entspricht
. Aufgerechnet auf
die durchschnittliche betriebsübliche Arbeitszeit von 42.4 Stunden pro Woche im Jahr 2013 (Die Volkswirtschaft 3/4-2015 S. 88 Tabelle B9.2) und angepasst an die Entwicklung der Nominallöhne für Frauen von 2579 Punkten im Jahr 2010 auf 2648 Punkte
im Jahr 2013 (Die Volkswirtschaft 3/4-2015 S. 89 Tabelle B10.
3
) ergibt dies im für den Einkommensvergleich massgebenden Jahr 2013 ein
mögliches E
inkom
men von
Fr.
49‘956.--, was mit dem im Restaurant
Z._
erzielten Verdienst vergleichbar ist (13 x
Fr.
3‘850.-- =
Fr.
50‘050.-- [
Urk.
8/10/158-175 S. 2]).
Das
Valideneinkommen
beträgt damit insgesamt
Fr.
63‘
72
8.--
, will man davon ausgehen, dass die Beschwerdeführerin auch weiterhin in einem Pensum über 100
%
erwerbstätig wäre.
6.3
6.3
.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen
Lohnstrukturerhebun
gen
(LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten
Zentral
wert
(Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrun
de liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Zur Bestimmung des Invalideneinkommens auf der Grundlage der LSE kann
– ausnahmsweise – der Lohn eines einzelnen Sektors („Produktion" oder „Dienstleistungen") oder gar einer bestimmten Branche herangezogen werden, wenn es als sachgerecht erscheint, um der im Einzelfall zumutbaren erwerbli
chen Verwertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen, namentlich bei Personen, die vor der Gesundheitsschädigung lange Zeit im betreffenden Bereich tätig gewesen waren und bei denen eine Arbeit in anderen Bereichen kaum in Frage kommt (SVR 2008 IV Nr. 20 S. 63, 9C_237/2007 E.
5.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_667/2013 vom 29. April 2014 E. 5.3).
6.
3
.2
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere
Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest
)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Vergleichsein
kommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des soge
nannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser ange
messen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
6.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens
ist vorliegend ein statistischer Tabellenlohn heranzuziehen. Im für die
Beschwerdeführer
in
noch in Frage kommenden Segment einfacher und repetitiver Tätigkeiten weist die
Tabelle TA1 der LSE 2010 ein Einkommen von
Fr.
4‘225
.-- bei einer 40-Stunden
woche aus, was hochgerechnet auf die im Jahr 2013 betriebsübliche Wochenarbeitszeit von 41.7 Stunden (Die Volkswirtschaft 3-4/2015 S. 88 Tabelle B9.2)
und unter Berücksichtigung der Nomin
allohnentwicklung (von Index 2579
[2010]
auf Index 2648
[2013], Die Volkswirtschaft 3-4/2015 S. 89 Tabelle B10.3) ein mögliches Einkommen von
Fr.
54‘269.
-- ergibt.
6.5
Die Beschwerdeführerin beantragte die Gewährung des maximalen Abzuges vom Tabellenlohn von 25
%
(
Urk.
1 S. 6). Die Beschwerdeführerin führte gar keinen Einkommensvergleich durch (
Urk.
2), äusserte sich demnach nicht hierzu
und liess sich diesbezüglich auch im Beschwerdeverfahren nicht vernehmen. Damit ist der Abzug frei zu prüfen (vgl. hierzu:
BGE 137 V 71 E. 5.1
).
Der Beschwerdeführerin sind körperlich leichte bis intermittierend mittel
schwere, wechselbelastende Tätigkeiten ohne Absturzgefährdung und ohne erhöhten Umgebungslärmpegel zumutbar (E. 3.10 in
fine
).
Vorwegzuschicken ist, dass die
gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, weiter
hin körperlich schwere Arbeit zu verrichten, nicht automatisch zu einer
Ver
minderung des hypothetischen Invalidenlohnes
führt, weil der Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013 vom
4.
Oktober 2013 E. 4.4).
Dies trifft umso mehr bei den Frauenlöhnen zu, welche naturge
mäss auf körperlich weniger strengen Tätigkeiten beruhen. Sodann ist d
er Umstand, dass die versicherte Person gemäss den medizinischen Angaben auf eine Tätigkeit angewiesen ist, die im Sitzen verrichtet werden kann und die Möglichkeit zu gelegentlichen Positionswechseln bietet, ihre
Einsatzmöglich
keiten
daher begrenzt sind, im Hinblick auf den allein massgeblichen ausgegli
chenen Arbeitsmarkt (
Art.
16 ATSG;
BGE 134 V 64
E.
4.2.1) nicht
abzugsrele
vant
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_176/2012 vom 3. September 2012 E. 8).
Weitere Gründe für einen Abzug wurden nicht vorgebracht und solche sind auch nicht ersichtlich. Damit ist bei den vorliegenden Gegebenheiten kein Abzug vom Tabellenlohn gerechtfertigt.
6.6
Der Vergleich des
Valideneinkommens
von
Fr.
63‘728.-- mit dem
Invalidenein
kommen
von
Fr.
54‘269.-- ergibt eine Lohneinbusse von
Fr.
9‘459.-- und damit einen Invaliditätsgrad von 15
%
. Bei diesem Ergebnis hat die Beschwerdeführe
rin kein Anrecht auf eine Rente der Invalidenversicherung, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
6.7
Anzufügen bleibt, dass selbst bei Annahme der - nicht nachvollziehbaren -
Leis
tungseinschränkung
von 15
%
(E. 3.10 in
fine
) kein Invaliditätsgrad von 40
%
resultiert
e
.
Diesfalls
verminderte sich das Invalideneinkommen auf
Fr.
46‘129.
--. Ein Abzug vom Tabellenlohn ist auch bei dieser Variante nicht angezeigt, da d
er Umstand, dass die versicherte Person zwar ganztags arbeitsfä
hig, hierbei aber nur reduziert leistungsfähig ist, im Gegensatz zu gesundheit
lich bedingter Teilzeitarbeit grundsätzlich keinen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 2
8.
Januar 2014 E. 3.1.2 mit Hinweisen).
Bei einem
Validenlohn
von
Fr.
63‘728.-- und einem Invalidenlohn von
Fr.
46‘129.-- resultiert eine Einbusse von
Fr.
17‘599.-- und damit ein
Invalidi
tätsgrad
von 28
%
, welcher nicht rentenbegründend ist.
7.
Nicht zu be
mängeln
ist, dass die Beschwerdegegnerin den Anspruch der Beschwer
deführerin auf berufliche Eingliederungsmassnahmen verneinte. Davon scheint auch die Versicherte auszugehen, findet sich doch in ihrer Beschwerdeschrift (vgl.
Urk.
1 S. 2)
kein entsprechender Antrag
.
8.
Zusammenfassend
ist die angefochtene Verfügung im Ergebnis nicht zu bean
standen. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
9.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
900.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).