# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e0670ff3-1be7-42e1-9455-449781b74c9f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1965 geborene
X._
– verheiratet,
Mutter von vier Kindern (J
ahrgang 1993, 1994, 1998, 2002 sel.)
und
bis Augu
st 2000
teilzeitlich
als Raumpflegerin tätig -
meldete sich am 11. Dezember 2001 wegen chronischer Kopfschmerzen zum Bezug einer Invalidenrente an (Urk. 6/1
,
Urk.
6/3,
Urk.
6/6
). Mit Verfügung vom 12. Februar 2004 (Urk. 6/24) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, der Versic
herten unter Hinweis auf einen Invaliditätsgrad
von 70 % eine ganze Rente
mit Wirkung
ab 1. Januar 2002 zu. Dieser Rentenan
spruch wurde im Zuge zweier Revisionsverfahren mit Mitteilungen vom 18. Juli 2005 (Urk. 6/42) und 7. Januar 2011 (Urk. 6/48) bestätigt.
1.2
Im Rahmen eines im Frühjahr 2013 von Amtes wegen eingeleiteten Revisions
verfahrens
(Urk. 6/58)
hob die IV-Stelle die bisher ausgerichtete ganze Invaliden
rente mit Verfügung vom 8. April 2014 (Urk. 6/83) mit Verweis auf einen Invali
ditätsgrad von 0 % per 31. Mai 2014 auf. Die dagegen von der Versicherten er
hobene Beschwerde vom 23. Mai 2014 (Urk. 6/88
/3-10
)
wies
das hiesige Gericht mit Urteil vom
11. Mai 2016 (Urk. 6/96, Prozess IV.2014.00555
) ab.
1.3
Am 4. Juni 2018 meldete sich die Versicherte
unter Auflage zweier Arbeitsver
träge und eines Lebenslaufs (Urk. 6/110-111)
sowie
unter Hinweis auf Depres
sionen
, Angstzustände
und eine geringe Stressbelastbarkeit erneut
bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/
112), worauf sie am 4. Juli 2018 von der IV-Stelle zur Einreichung von Beweismitteln betreffend die Glaub
haftmachung einer wesentlichen Veränderung der tatsächlichen Verhältnisse auf
gefordert wurde (Urk. 6/114).
Im Anschluss an die
Vorlage
von
diverse
n
Arztbe
richte
n
(Urk. 6/115
-116) durch die Versicherte trat die IV-Stelle nach durchlau
fenem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/118) mit Verfügung vom 1. Oktober 2018 (Urk. 2) auf das Leistungsbegehren nicht ein.
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 31. Oktober 2018 Beschwerde (Urk. 1) und be
antragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur Ab
klärung des Rentenanspruchs an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 27. November 2018 (Urk. 5) schloss die Beschwer
degegnerin auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 28. November 2018 zur Kenntnis gebracht
wurde
(Urk. 7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über
die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.3
Zur Frage des Bedeutungsgehalts des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV hat das Bundes
gericht in BGE 130 V 64 E. 5.2.5 festgehalten, dass die versicherte Person mit
dem Revisionsgesuch oder der Neuanmeldung die massgebliche Tatsachenände
rung glaubhaft machen muss, ihr mithin ausnahmsweise eine Beweisführungslast zukommt. Tritt die Verwaltung auf das erneute Leistungsbegehren ein, hat sie demgegenüber gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen (Art. 43 ATSG, Art. 57 IVG in Verbindung mit Art. 69 ff. IVV; SVR 2006 IV Nr. 10 S. 39 E. 4.1 [I 457/04]; vgl. auch BGE 117 V 198 E. 3a).
1.4
Mit dem Beweismass des Glaubhaftma
chens im Sinne des Art. 87 Abs. 2 und 3
IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsa
chenänderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtserheb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung vom 1. Oktober 2018 (Urk. 2) dafür,
dass sämtliche Diagnosen und Beschwerden, welche in den im Zusammenhang mit der Neuanmeldung eingereichten medizinischen Unterla
gen
aufgeführt worden seien, bereits bei der letzten
Entscheidfindung
bekannt gewesen seien.
Wesentliche Veränderungen seien deshalb nicht festzustellen, weshalb
auf das neue Gesuch nicht eingetreten werden
könne
(S. 1).
2.2
Demgegenüber machte die Beschwerdeführerin geltend (Urk. 1),
dass im Gutach
ten der
Y._
vom 16. Januar 2014 keine psychiatrische Diagnose habe gestellt werden könne
n
, da sich die Befunde völlig unauffällig gezeigt hätten und
damals zudem
eine äusserst niederschwellige psychotherapeutische Behandlung stattgefunden habe. Inzwi
schen habe die Beschwerde
führe
r
in
die Psychotherapie klar intensiviert, wobei es ihr nicht gelungen sei,
mehr als ein
geri
nges Pensum als Reinigungskraft auszu
üben.
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und
A._
, Psychologie
lic
. phil. FSP,
hätten in ihrem
Bericht vom 16. August 2018
in nachvollziehbarer Weise
eine generalisierte Angststörung sowie rezidivierende mittelgradige depressive Störungen
diagnostiziert
, weshalb
es
zumindest glaub
haft
sei
, dass sich der psychische Gesundheitszustand
seit der Rentenaufhebung
massgeblic
h verschlechtert habe
. Im Weiteren werde auch im Bericht von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, auf eine Verschlech
terung in somatischer Hinsicht hingewiesen. Während im
Y._
-Gutachten kei
nerlei organische Grundlagen für die von der Beschwerdeführerin geklagten Be
schwerden genannt worden seien,
bestünden
aktuell gemäss durchgeführter Kernspintomographie
Osteochondrosen
und
Spondylarthrosen
(S. 6).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin auf die Neuanmeldung vom
Juni 2018
zu Recht nicht eingetreten ist. Prozessthe
ma ist demnach die Frage, ob die
Beschwerdeführer
in
im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV glaub
haft ge
macht hat, dass sich
ihre
gesundheitlichen V
erhältnisse seit dem
Zeitpunkt
der
Verfügung vom
8. April 2014
(Urk.
6
/
83
) bis zum Erlass der nun
mehr angefochtenen Verfü
gung vom
1. Oktober 2018
(Urk. 2) in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verändert haben.
3.
3.1
3.1.1
Die
Rentenaufhebung vom 8. April 2014
(Urk. 6/83)
beruhte
im Wesentlichen auf dem von der Beschwerdegegnerin bei der
Y._
veranlassten internistischen, neurologischen und psychiatrischen Gutachten vom 16. Januar 2014 (Urk. 6/69). Die
Y._
-Gutachter stellten keine Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeits
fähigkeit. Den
folgenden (internistischen) Diagnosen
massen sie
keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit bei:
Analgetika-Fehlgebrauch, Analgetika-Kopfschmerz,
Differenzialdiagnose (
DD
)
Spannungskopf
schmerz, Migräne; Übergewicht (
Präadipositas
gemäss WHO
),
BMI 29 kg/m
2
; k
ontrollbedürftige erhöhte Blut
werte, DD arterielle Hypertonie; Nikotinkonsum (<10py);
anamnestisch Status nach
Hepatitis B; anamnestisch Eisenmangelanämie;
leicht
gradige Oberschenkel-
Varikosis
;
Status nach Abtragung einer
Polypenknospe
im dis
talen Sigma, Hä
mor
rhoiden;
Schallleitungsstör
ung beidseits (DD Otosklerose);
Tremor, DD psy
chogen, essentiell, metabo
lisch, endokrin;
multi
ple intrakranielle
Aneurysmata
;
Presbyopie
(S. 28 f.).
3.
1.
2
Y._
-Gutachter KD Dr. med.
C._
,
Facharzt für Innere Medizin und Ne
phrologie, berichtete, die Beschwerdeführerin habe eine psychische Belastung, Kopfschmerzen, ein Zittern der Hände und Lumbalgien vorgetragen. Im klini
schen Befund habe sie aber nicht namhaft schmerzbeeinträchtigt gewirkt, ein
Tremor der Hände sei bei Ablenkung zumindest deutlich geringer ausgeprägt ge
wesen und für die geklagten Lumbalgien habe sich kein behinderungs
rele
vantes Korrelat gezeigt. Die gemessenen Blutdruckwerte seien leichtgradig er
höht gewe
sen. Anhand des klinischen Befundes ergebe sich keine behinde
rungsrelevante Gesundheitsstörung. Er befand, angesichts der anamnestisch be
richteten Analge
tika-Medikation (täglich zwei Tabletten
Dafalgan
500, S. 6 oben) sei vorrangig ein Analgetika-Kopfschmerz zu erwägen, bezüglich wel
chem eine Entgiftung und Entwöhnung anzustreben sei. Bei persistierenden Kopfschmerzen könne im An
schluss gegebenenfalls eine leitliniengerechte Be
handlung unter der
DD
eines Spannungskopfschmerzes erfol
gen. Die differenzialdiagnostisch im Raum stehen
den Kopfschmerz-Entitäten seien gut und aussichtsreich behandelbar. Eine Min
derung der Arbeitsfähigkeit resultiere hieraus nicht, zumal die Beschwerdeführe
rin im klinischen Eindruck auch nicht namhaft schmerzbeeinträchtigt gewirkt habe. Weiter führte er aus, der Tremor lasse die Überlegung einer essenziellen oder auch einer endokrinen oder anderen metabolischen Genese zu, diesbezüglich seien entsprechende La
boruntersuchungen im Rahmen der hausärztlichen Betreu
ung sinnvoll und ausreichend. Der gewonnene klinische Eindruck spreche nicht für eine resultie
rende namhafte Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit. Für die geklagten Lum
balgien habe sich – so KD Dr.
C._
– kein Befundkorrelat ge
funden. Eine Ge
nese im Rahmen des Übergewichts könne erwogen werden, sodass hierzu (und auch mit Blick auf die Ergebnisse der Blutdruckmessung) eine Ge
wichts
reduk
tion zu empfehlen sei. Eine Minderung der Arbeitsfähigkeit sei ange
sichts des klinischen Befundes nicht wahrscheinlich. Sodann bestünden weder Hin
weise auf eine aktive Lebererkrankung noch klinische Zeichen einer manifes
ten Anä
mie. Aufgrund der aktenkundigen Schwerhörigkeit mit Schallleitungs
stö
rung bei Verdacht auf Otosklerose sei bereits eine Anpassung von Hörgeräten vorge
sehen und die
Presbyopie
sei durch eine Lesebrille korrigiert;
Visusein
schrän
kungen
würden nicht geklagt. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der letzten Tätigkeit als Reinigungsangestellte oder in vergleichbaren Arbeiten sei aus internistischer Sicht somit nicht wahrscheinlich (S. 10 ff.).
3.
1.
3
Gegenüber Prof. Dr. med.
D._
, Facharzt für Neurologie, trug die Beschwerde
füh
rerin
im Rahmen der
Y._
-Begutachtung
vorrangig
Kopfschmerzen, Lum
balgien und Schmerzen in der linken Leistenregion vor. Der Sachverstän
dige
hielt fest
, der körperliche Untersuchungsbefund habe keinen Anhalt für eine behinde
rungsbedingte
nervale
Läsion ergeben. Vor allem habe sich kein Korrelat für die geklagten Lumbalgien gefunden (kein Vertebral-Syndrom, freie Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule
[LWS]
, kein
radikulärer
Schmerz auslösbar). Der linksseitige Leistenschmerz könne für eine lokale Läsion (zum Beispiel eine Her
nie) sprechen.
Diesbezüglich sei eine hausärztlich veranlasste Zusatzunter
su
chung sinnvoll, ein behinderungsrelevanter Effekt sei aber hier nicht evident gewesen. Bezüglich der Kopfschmerzen zog Prof. Dr.
D._
eine Migräne,
diffe
rentialdiagnostisch ein
en
Analgetika-Kopfschmerz in Betracht
und empfahl ebenfalls zunächst eine
Entgif
tung und Entwöhnung
sowie bei etwaigen persis
tierenden Kopfschmerzen allen
falls eine daran anschliessende Migränebehand
lung. Auch er schrieb der Kopf
schmerzproblematik keinen
wesentlichen Effekt auf die Arbeitsfähigkeit
zu, zu
mal
in der klinischen Untersuchung kein Anhalt für eine wesentliche Kopf
schmerz-Beeinträchtigung bestanden
habe
.
Er ver
neinte auf neurologischem Ge
biet eine Minderung der Arbeitsfähigkeit und vermerkte, d
ie deutlich
beschwiel
ten
Fusssohlen seien als
sichere
Zeichen
der
regen physischen Aktivität und Mo
bilität der Beschwerdeführerin zu werten und mit der anamnestisch reklamierten Inaktivität und generellen Einschränkun
g nicht in Einklang zu bringen. V
ielmehr machten sie einen bewusstseinsnahen demonstrativen Stör
ungsanteil wahr
scheinlich (S. 18 f.
).
3.
1.
4
Dr. med.
E._
, Facharzt für
Psychiatrie
und Psychotherapie, führte in seiner Be
urteilung aus, a
namnestisch
habe die Beschwerdeführerin
vorrangig eine Ängst
lichkeit, vegetative Störungen (Schwindel, Schlafstörung, Schmerzen, Unruhe) und Phänomene pathologischen Wiedererinnerns geschildert und wei
ter als trau
matisierend beschriebene biographische Ereignisse genannt. Ins
ge
samt bleibe die Beschwerdeschilderung hier aber vage und unkonkret, ohne er
kennbare emotio
nale Beteiligung vorgetragen und somit aufgesetzt wirkend. Die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung
(PTBS)
seien somit nicht hinrei
chend er
füllt. Auch ein namhafter anhaltender innerseelischer Kon
flikt habe sich in der Exploration nicht hinreichend
überzeugend abbilden lassen, so
dass eine somato
forme Schmerzstörung
nicht wahrscheinlich sei
(vgl. auch
S. 30
). Der
von ihm
erhobene klinische Befund sei regelrecht gewesen. Insbesondere hätten sich keine Hinweise auf eine Depressivität gezeigt, womit eine namhafte psychiatrische Komorbidität ausscheide.
Sodann stünden d
ie von der Beschwer
d
e
führerin ge
klagten Symptome in einer deutlichen Diskrepanz zum beobacht
baren Verhalten in- und ausserhalb der f
ormalen Untersuchungs
situation, mit
hin
im Warteraum und vor dem Klinikgebäude. Sie habe durch
gehend nicht namhaft psychisch be
einträchtigt gewirkt. Auch seitens der Behandl
er werde angesichts der niedrig-
frequenten
psychiatrisch-psycho
therapeutischen Therapie und nicht erfolgenden
psychopharmakalogischen
Behandlung offensichtlich keine gravierende psy
chiatrische Erkrankung ange
nommen. Aus psychiatrischer Sicht sei daher eine vollschichtige Arbeitsfähig
keit ohne Einschränkung des Leistungsvermögens zu
konstatieren
. Mit anderen Worten sei der Beschwerde
führerin ein
100 %-Pensum
mit vollem Rendement zumutbar
, dies per sofo
rt geltend (S. 25 f.
).
3.
1.
5
In der zusam
menfassenden Konsensbeurteilung
konstatierten
die
Y._
-
Gut
achter,
aus interdisziplinärer Sicht sei die Beschwerdeführerin in der
zuletzt aus
geübten
und
in jeder anderen körperlich leichten bis mittelschweren Tätig
keit des allgemeinen Arbeitsmarktes
ab sofort zeitlich und leistungsmässig un
einge
schränkt arbeitsfähig
(S. 26).
Allenfalls könne insbesondere wegen der in
trakra
niellen
Aneurysmata
eine medizinisch-theoretische Einschränkung im Sinne eines Ausschlusses von schwerer körperlicher Arbeit empfohlen werden (S. 27). Befragt zum Krankheitsverlauf führten sie aus, d
ie in den Akten
doku
mentierte Arbeitsunfähigkeit fuss
e vorrangig auf psychiatrischen diagnos
tischen Begrün
dungen (Dr.
med.
F._
, Spezialarzt für Psychiatrie und Psychotherapie
)
und einer nicht-ärztlichen Attestierung einer
PTBS
(
lic
. phil.
G._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP
)
. Der hiesige AMDP-kon
forme psychiatrische Befund lasse die
Bescheinigung
einer gravierenden De
pressivität nicht (mehr) zu und negiere die aktenkundig als infaust postulierte Prognose. Die Beschwerdeführerin sei
im aktuellen
Befund nicht namhaft de
pressiv gestört
gewesen
. Die
überwie
gend nicht-ärztliche
Vorbewertung lasse sich also nicht (mehr) aufrechterhalten. Im Übrigen sei auch die Diagnose einer
PTBS
zumindest ex
nunc
bestenfalls noch sp
e
kulativ
.
I
nsbesondere in der neurologischen Untersuchung
seien
auch Be
funde erhoben worden, die mit den anamnestischen Angaben einer alltags
relevanten erheblichen Einschränkung nicht in Einklang zu bringen und somit als Hinweis
e
auf eine bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von Ein
schränkungen und Beschwerden zu wer
t
en seien (S. 27 f.).
Angesichts der vorangehenden Attes
tie
rungen einer gravierenden Depressivität sei der aktuelle Befund als deutliche Bes
serung anzusehen und somit von einer Verbesserung des Gesundheitszu
standes auszugehen. Die aktenkundige Einschätzung einer infausten Prognose und eines fixierten psychiatrischen Defekts widerspreche formal der hiesigen Einschätzung und lasse somit grundsätzlich auch die Überlegung einer fehler
haften diagnosti
schen Einschätzung der
Vorbewerter
zu. Mangels eigener Vor
befunde sei dies für sie – so die Gutachter – jedoch nicht weiter
klärbar
und eine Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes, welche angesichts des aktuellen
blanden
Be
fundes zumindest eingetreten sein müsse, bleibe vor
rangig anzunehmen (S. 29 f.).
3.2
3.2.1
Im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) präsentierte sich die medizi
nische Sachlage
im Wesentlichen
wie folgt:
3.2.2
Dr. med.
H._
, Neurologie FMH, diagnostizierte in seinem Bericht vom 27. Juni 2017
(Urk. 6/116/7-8)
einen essenziellen Tremor
. Die Beschwerdeführe
rin bemerke bereits seit mehr als zehn Jahren eine Bewegungsunruhe der Finger, welche insbesondere beim Schreiben auftrete und in Stresssituationen zunehme
. Ursache der Beeinträchtigung der Hand (
feinschlägiger
Haltetremor der Finger) sei ein typischer essenzieller Tremor, wobei sich ansonsten keine Hinweise für eine weitere extrapyramidal motorische Beeinträchtigung ergäben (S. 1).
3.2.3
Dr.
B._
hielt in seinem Bericht vom 31. Januar 2018 (Urk. 6/116/3-4) fest, dass eine Kernspintomographie der
LWS
Osteochondrosen
bei L3/4 bis L5/S1 ohne Neurokompressionen sow
ie mehrsegmentale
Spondylarthros
en
nach kaudal zunehmend gezeigt habe. Die in der Kernspintomographie dargestellten Verän
derungen könnten die Hauptbeschwerden der Beschwerdeführerin im rechten Bein und in der Leiste
indessen
nicht erklären. Möglicherweise liege eine
Meralgia
paresthetica
vor, weshalb er eine neurologische Untersuchung empfehle.
3.2.
4
In ihrem B
e
richt vom 16. August 2018 (
Urk. 6/115) nannten
Dr.
Z._
und
Psycho
loge
A._
folgende Diagnosen (S. 3):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
rezidivierende mittelgradige depressive Störung, la
r
viert, mit Vitalstörungen
, psychosomatischen Störungen und
dissoziativer Störung (ICD-10 F33)
Die Störungen seien auf dem Hintergrund basaler Traumatisierungen im Kindes- und Jugendalter und später aufgrund von Misshandlungen durch den Vater,
ein
e
m
r
igiden
Erziehungssystem, Misshandlungen durch den vormals im Gefäng
nis traumatisierten Ehemann mit vermutlicher Persönlichkeitsänderung und Misshandlungen durch dessen Vater
sowie
aufgrund der
Chronifizierung
der Pa
thologie zu sehen. Die depressive Störung sei larviert und nur im längeren Setting der Psychotherapie erkenntlich
,
was im Gutachten des
Y._
-Experten Dr.
E._
nicht habe transparent gemacht werden können, da ein solches nur einen Querschnitt und keine Langzeitsicht, welche die Lebensrealität besser ab
bilde, darstelle und bei der Beschwerdeführerin weniger
Erkenntnisgewinn er
bringe
.
Dr.
Z._
und P
sychologe
A._
wiesen
darauf hin, dass wenn die Gut
achter die bei der Beschwerdeführerin aufgetretene Angstanamnese, aus welcher sich regelrecht ein Angstsystem entwickelt h
abe, ernstgenommen hätten, sie - die
Y._
-Experten
-
zu einem anderen Resultat hätten kommen sollen (S. 3).
Al
ternativ könne zusätzlich an eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) gedacht werden, wobei ICD-10 Z60, Z61 und Z63 bei jeder Diagnose obligat miteinzu
rechnen sei
en
(S. 4).
Im Weiteren wurde festgehalten, dass seit Behandlungsbeginn am 22. September 2014 (S. 1) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vorliege. Um den Tatbeweis der Richtigkeit de
s
Y._
-Gutachtens zu geben, sei
die Beschwerdeführerin zur Ar
beit als Reinigungskraft motiviert worden. Dabei sei es seit März 2017 zu einem Arbeitsversuch als Reinigungskraft mit einem Pensum von 5 %
bis aktuell
30 % (8 Stunden pro Woche in zwei Haushalten) in wohlwollendem Milieu gekommen. Ziel sei eine 30-40%ige Arbeitsfähigkeit als Reinigungskraft gewesen, wobei die psychotherapeutischen Bemühungen und die Beschwerdeführerin an ihre Gren
zen gestossen seien. Sinnvoll sei die Fortführung des Arbeitsversuchs sowie die Erledigung des eigenen Haushalts. Eine Beschäftigung sei eher als nicht sinnvoll und demo
tivierend einzuschätzen (S. 4).
4.
4.1
In
somatischer
Hinsicht
standen im Zeitpunkt der Verfügung vom April 2014
Kopfschmerzen, ein Zittern der Hände
, Lumbalgien
sowie Schmerzen in der lin
ken Leistenregion im Vordergrund
(vgl. E. 3.1.2-3.1.3
hievor
)
.
Gemäss
dem
Y._
-Gutachten
wurde
insbesondere
für die geklagten Lumbalg
ien kein Be
fundkorrelat
gefunden
und keine entsprechende Diagnose – weder mit noch ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit - gestellt
(
Urk. 6/69 S. 11, S. 19,
S.
28 f.
).
Im Vergleich dazu
ging Dr.
B._
am 31. Januar 2018 unter Hinweis auf eine Kernspintomographie
der LWS
von
Osteochondrose
n
L3/4 bis L5/
S1
sowie
mehr
s
egmentalen
Spondylarthrosen
aus.
Im Weiteren wies er darauf hin
, dass sich
die im Vordergrund stehenden Leisten
beschwerden
rechts
– und nicht wie
damals
im
Y._
-Gutachten
Leistenschmerzen links
-
mit ventraler Ausstrahlung am Oberschenkel nicht durch die in der Kernspintomographie dargestellten Verände
rungen
erklären liessen
und empfahl
eine
diesbezügliche neurologische
Untersu
chu
ng
(Urk. 6/116/3-4).
Vor diesem Hintergrund ergeben sich
Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des
somatischen Gesundheitszustands im Sinne von Art. 87 Abs. 3
IV
V (vgl. E. 1.2
-1.4
hievor
).
4.2
W
ie es sich mit der
von der Beschwerdeführerin geltend gemachte
n
Verschlech
terung ihres psychischen Gesundheitszustands
verhält
(Urk. 1 S. 6),
kann unter diesen Umständen
offen bleiben
. Immerhin
ist Folgendes zu bemerken: Dr.
Z._
und Psychologe
A._
erwähnten
in ihrem Bericht vom 16. August 2018 (Urk. 6/115)
k
eine nach April 2014 einge
tretene
Veränderung
der psychischen Situation
. Sie
hielten
vielmehr
fest, dass
der psychiatrische
Y._
-Gutachter die Angstanamnese nicht ernst genommen
habe
und die larvierte depressive Störung aufgrund der fehlenden Langzeitsicht
für den Experten
nicht
transparent gewesen
sei
, weshalb es zu Fehlurteilen kommen könne
(Urk. 6/115 S. 3)
.
Dies k
ö
nnte auf
eine unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts
hinweisen
, welcher im revisionsrechtlichen Kontext
(Art. 17 Abs. 1 ATSG)
unbeachtlich
wäre
(BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen
; vgl. auch E. 1.
2
hievor
)
.
Indessen geben
Dr.
Z._
und Psychologe
A._
keine Auskunft über den Verlauf und insbesondere die funktionellen Auswirkungen der von ihnen diagnostizierten Angststörung, der depressiven Störung und der dissoziativen Störung, sodass eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustands in dieser Hinsicht zumindest nicht auszuschliessen ist.
4.3
Nach dem Gesagten liegen zumindest Anhaltspunkte für eine mögliche relevante Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustands vor, was zur Glaubhaft
machung ausreicht (vgl. E. 1.4
hievor
). Die Beschwerdegegnerin ist somit zu Un
recht nicht auf die Neuanmeldung eingetreten, weshalb die Beschwerde gutzu
heissen und die Sache zur materiellen Beurteilung an sie zurückzuweisen ist.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskos
ten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerde
füh
rerin eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwi
erigkeit des Prozesses
,
auf Fr. 1'700.
-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.