# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 00219a6b-d8c2-4db3-b54b-c93b4648dac7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 1
4.
Februar 2008 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
X._
mit Wirkung ab
1.
Juli 2004
eine halbe Invalidenrente
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 54
%
zu (
Urk.
7/48, 7/56/14-15). Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialver
sicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 3
1.
Januar 2010 gut und wies die Sache zu weiteren Abklärungen an die Vorinstanz zurück (
Urk.
7/61
, Prozess I
V
. 2008.00320
).
Mit Verfügung vom 1
1.
März 2014 sprach die IV-Stelle de
r
Versicherten eine
Viertelsrente
vom
1.
Juli 2004 bis 3
1.
Januar 2014 zu. Gleichzeitig
verfügte
sie die Rückforderung
der für diesen Zeitraum
zu viel ausbezahlten Invalidenrenten
in der Höhe von
Fr.
118‘711.--
(
Urk.
2).
2.
Dagegen liess die Versicherte am
1
0.
April 2014
Beschwerde erheben und bean
tragen, die Sache
sei
in Aufheb
ung der Verfügung vom 1
1.
März
2014 an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, eventualiter sei ihr
ab Juli 2004 mindes
tens eine halbe Rente und ab August 2010 mindestens eine
Dreiviertelsrente
auszurichten. In jedem Fall sei von einer Rückforderung abzusehen
(
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom
2
7.
Mai 2014
auf
Vereini
gung des vorliegenden Verfahrens mit dem Prozess IV.2014.00247 in Sachen der Parteien und beantragte die
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Davon wurde der Beschwerdeführerin am 1
0.
Juni 2014 Kenntnis gegeben (Urk.
8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
In Abweichung von
Art.
52
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) teilt die IV-Stelle der versicherten Person den vorgesehenen Endentscheid über ein Leistungsbegehren oder den Entzug oder die Herabsetzung einer bisher gewährten Leistung mittels Vorbe
scheid mit. Die versicherte Person hat Anspruch auf rechtliches Gehör im Sinne von Artikel 42 ATSG (
Art.
57a
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invaliden
versicherung, IVG).
Gemäss höchstgerichtlicher Rechtsprechung handelt es sich bei Streitigkeiten über Rückforderungen um Leistungsstreitigkeiten (Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts I 721/05 vom 1
2.
Mai 2006 E. 4), weshalb vor Erlass einer Rückforderungsverfügung das
Vorbescheidverfahren
durchzuführen ist.
1.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, d.h. eine Darstellung des vom Versicherungs
träger als relevant erachteten Sachverhal
tes und der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Die Begründung eines Entscheides muss so abgefasst sein, dass die betrof
fene Person ihn gegebenen
falls anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Entscheid stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwal
tung ausdrücklich mit jeder
tatbe
ständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; viel
mehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E.
5b/
dd
mit Hinweis, 118 V 56 E. 5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entschei
denden Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den
beschwerdeführenden
Parteien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107
Ia
1 f.). Gemäss der Recht
sprechung des Bundesgerichts kann es jedoch nicht der Sinn des durch die Rechtspre
chung geschaffenen Instituts der Heilung des rechtlichen Gehörs sein, dass Versicherungsträger sich über den elementaren Grundsatz des rechtlichen Gehörs hinweg
setzen und darauf vertrauen, dass sol
che Verfahrensmängel in einem vom durch den Verwaltungsakt Betroffenen allfällig angehobenen
Gerichts
verfahren behoben wür
den. Der Umstand, dass eine solche Heilungsmöglichkeit besteht, rechtfertigt es dem
nach nicht, auf die Anhörung des Betroffenen vor Erlass eines Entscheides zu verzich
ten. Denn die nachträgliche Gewährung des rechtlichen Gehörs bildet häufig nur einen un
vollkommenen Ersatz für eine unterlassene vorgän
gige Anhörung. Abgesehen davon, dass ihr dadurch eine Instanz verloren gehen kann, wird der betroffenen Per
son zugemutet, zur Verwirklichung ihrer Mitwirkungsrechte ein Rechtsmittel zu ergreifen.
2.
2.1
Die IV-Stelle erliess am 28. August 2012 einen Vorbescheid, wogegen die Versi
cherte Einwände erhob (Urk. 7/90, 7/94). Der Vorbescheid äusserte sich einzig
zum Rentenanspruch ab Juli 2004. Zur Rückforderung wurde kein
Vorbescheid
verfahren
durchgeführt, jedenfalls ist kein Vorbescheid aktenkundig. Die Be
schwerdeführerin hat zwar in der Eingabe an die Beschwerdegegnerin vom 6. Februar 2014 einen nicht aufliegenden Vorbescheid vom 10. Januar 2014 erwähnt, doch ersuchte sie mit Blick auf den strittigen Rentenanspruch um Sis
tierung des Rückforderungsverfahrens bis zum rechtskräftigen Abschluss des Rentenverfahrens (Urk. 7/119). Nach Lage der Akten blieb dieser
Verfahrensan
trag
vollständig unbearbeitet, erliess doch die Beschwerdegegnerin dazu weder einen verfahrensleitenden Entscheid noch befand sie darüber in der angefochte
nen Verfügung. Vielmehr verfügte sie am 11. März 2014 ohne Weiterungen, so dass der Beschwerdeführerin die Erhebung von Einwänden gegen die Rückfor
derung verwehrt blieb. Dieses Vorgehen der Beschwerdegegnerin verstösst ge
gen Treu und Glauben, durfte doch die Beschwerdeführerin darauf vertrauen, dass ihr Verfahrensantrag behandelt und ihr - bei Abweisung des
Sistierungs
begehrens
- nochmals Gelegenheit eingeräumt würde, sich zur Rückforderung zu äussern. Der Erlass einer Rückforderungsverfügung ohne
rechtsgenügliche
Anhörung des Verpflichteten im Rahmen eines
Vorbescheidverfahrens
stellt eine schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs dar.
2.2
Im Weiteren
ist der IV-Stelle eine Verletzung der Begründungspflicht vorzuwer
fen.
Im Einwand
zum Vorbescheid vom 2
8.
August 2012
kritisierte
d
i
e Beschwerdeführer
in
das
Y._
-Gutachten vom
4.
April 2007
(
Urk.
7/31)
als un
präzis.
Sie
monierte, gemäss diesem bestehe sowohl eine psychiatrische als auch eine rheumatologische Einschränkung von je 30
%
,
gleichzeitig solle aber auch insgesamt
lediglich eine Einschränkung von 30
%
bestehen, was nicht nach
vollziehbar sei. Weiter sei nicht klar, ob sich diese Einschränkung bloss auf die Arbeitsleistung oder
auch
auf die Präsenz auswirke. Es werde nicht ausgeführt, ob die Beschwerdeführerin ganztags oder nur 70
%
arbeiten könne. Sollte es sich weisen, dass keine ganztägige Arbeitsleistung möglich sei, müsse ein
lei
densbedingter
Abzug von 15
%
vorgenommen werden
(
Urk.
7/94)
.
Dazu hielt die IV-Stelle in der Verfügung vom 1
1.
März 2014
- während sie zu den weite
ren Einwänden
, welche die Einschränkungen im Haushalt betreffen
(vgl. auch
Urk.
7/100)
,
ausführlich Stellung nahm - lediglich fest: „In Ihren Einwendungen sind keine neuen medizinischen Tatsachen und Befunde vorgebracht worden. Aus medizinischer Sicht gehen wir somit weiterhin von einem unveränderten Gesundheitszustand seit 2007 aus.“ Diese Begründung ist zu wenig sachbezo
gen.
Überdies impliziert sie, dass eine Rentenrevision zu beurteilen ist, was aber nicht der Fall ist. Die Ausführungen des Rechtsvertreters zielen auf die Vor
nahme eines Abzugs
vom
Tabellenlohn ab. Nachdem die IV-Stelle keinen sol
chen vorgenommen hat, hätte sie sich zumindest dazu äussern müssen.
2.3
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom
1
1.
März
2014 aufzu
heben und zu neuem Entscheid - unter Wahrung des rechtlichen Gehörs - zu
rückzuweisen. Eine Heilung der
schwer
wiegenden
Verfahrensfehler im vorlie
genden Verfahren
ist ausgeschlossen
. Mit Verfügung vom 3
0.
Januar 2014 hatte die IV-St
elle über den Rentenanspruch der
Beschwerdeführer
in
ab
1.
Februar 2014 entschieden, wogegen ebenfalls
Beschwerde erhoben
worden
war. Da jene
Verfügung wegen (anderweitige
r
) Verfahrensfehler
ebenfalls
aufzuheben ist (vgl. dazu das
heutige
Urteil im Verfahren IV.2014.002
4
7)
in Gutheissung der Beschwerde,
erübrigt sich die beantragte Vereinigung der beiden Prozesse
.
3.
3.1
Gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Verfahren für die unterliegende Partei kos
tenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrens-aufwand und unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) ermessensweise auf
Fr.
500.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
3.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die
Verwal-tung
zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des damaligen
Eidg
. Versicherungsgerichts vom 1
0.
Februar 2004 U
199/02, E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E
.
3), weshalb die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine
Prozess
entschädigung
hat.
Unter Berücksichtigung der massgebenden Kriterien ist die
Prozessentschädi
gung
auf
Fr.
1’
3
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.