# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6e8bb586-0bcb-4dba-8eaf-7b3cfe1a34e7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1966, arbeitete seit
1.
Dezember 2000 als Köchin in ei
nem
Vollzeitpensum für
die
Y._
(
Urk.
7/
12
)
.
Am 1
8.
September 2002 meldete sie sich unter Hinweis auf seit Juli 2001 be
steh
ende Nacken- und Kopfschmerzen infolge eines
erlittenen
Schleu
dertraumas
bei
der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/2).
Die
Sozialve
rsiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte in der
Folge ei
nen Arztbericht (
Urk.
7/6), Arbeitgeberberichte (
Urk.
7/5,
Urk.
7/7 und
Urk.
7/12) sowie einen Aus
zug au
s
dem individuellen Konto der Versicherten (
Urk.
7/9) ein, zog die Akten des Unfallversicherers bei (
Urk.
7/11
und
Urk.
7/42
)
und veranlasste
die Begutachtung der Versicherten
(
Urk.
7/32 und
Urk.
7/
40
)
.
Mit Verfügungen vom 2
7.
Oktober 2005 (
Urk.
7/49
und Urk. 7/66
) sprach die IV-Stelle der Versicherten bei einem Invaliditätsgrad von 65
%
mit Wirkung ab
1.
September 2002 eine halbe und ab
1.
Januar 2004 (
4.
IV-Revision) eine
Drei
viertelsrente
der Invalidenversicherung zu.
1.2
Im Rahmen eines im August 2007 eingeleiteten Revisionsverfahrens (
Urk.
7
/76) holte die IV-Stelle einen Arztbericht (
Urk.
7/77) ein und veranlasste erneut die Begutachtung der Versicherten (
Urk.
7/82).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/86
)
setzte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
1.
Juni 2009 (
Urk.
7/97
-98
) die bisherige
Dreiviertelsrente
ab
1.
August 2009 auf eine
Viertelsrente
herab (Invaliditätsgrad: 44
%
).
Die dagegen
am
8.
Juli 2009
erhobene Beschwerde (
Urk.
7/99/3-8
)
hiess
das hie
sige Gericht mit Urteil vom
2
8.
Februar 2011
in dem Sinne gut, als es die an
gefochtene Verfügung aufhob und die Sache zur erneuten Abklärung und Ver
fügung
an die IV-Stelle
zurückwies (Prozess-Nr. IV.2009.00675;
Urk.
7/106).
1.
3
Im Rahmen dieser Neubeurteilung wandte sich die IV-Stelle erneut
an
die
G
ut
achter (
Urk.
7/111-112
)
.
Mit Vorbescheid vom
3.
Oktober 2011 (Urk.
7/116) teilte
sie
zunächst die Reduktion der Invalidenrente auf eine
Viertelsrente
wegen
verbesserten Gesundheitszustandes (Angewöhnung)
mit
. Nach
Einwanderhe
bung
durch die Versicherte (
Urk.
7/122) und entsprechende
r
Prüfung (
Urk.
7/126) stell
te
die IV-Stelle
mit Vorbescheid
vom
2.
April 2012 (
Urk.
7/127)
die
Ren
ten
auf
hebung
gestützt auf die Schlussbestimmungen
des Bundesgesetzes über die In
va
lidenversicherung (
SchlB
IVG)
der
IVG-
Revision 6a
i
n Aussicht
.
Nach er
neu
ter
Einwanderhebung (
Urk.
7/134), in deren Folge neue Arztberichte aufge
legt wurden
(
Urk.
7/130-133), sowie nach Eingang eines vom Vorsorge
versicherer veranlassten Gutachtens (
Urk.
7/136) und dem
Beizug
der neuen Akten des
Un
fallversicherers
(
Urk. 7/139,
Urk.
7/143 und Urk.
7/150)
verfügte die IV-Stelle
–
nach
erneut
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/
153
und Urk. 7/156
)
–
mit Verfügung vom 1
0.
Juni 2013 (
Urk.
2
) die Einstellung der In
validenrente.
2.
Gegen die Verfügung vom 1
0.
Juni 2013 (
Urk.
2) erhob die Versicherte
am 10. Juli
2013
Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung der Verfügung und
Weiterausrichtung
der bisherigen Rente (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 11. September 2013 (
Urk.
6)
beantragte die Beschwerdegegnerin die Ab
wei
sung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
2.
September 2013 zur
Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die massgebliche rechtliche Grund
lage
betreffend die Revision der Invaliden
rente
(
Art.
17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
cherungs
rechts
, ATSG)
ist
im
Entscheid
vom 2
8.
Februar 2011 (Urk. 7/106 E. 1.1 und E.
1.2)
wiedergegeben
,
wes
halb
mit den nachfolgenden Ergän
zungen darauf verwiesen werden kann.
1.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.3
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten darf und soll das Ge
richt der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
1.4
Damit eine Rente nach Massgabe der
SchlB
IVG
aufgehoben oder herabgesetzt werden kann, bedarf es zwar keiner erheblichen Veränderung des Gesundheits
zustandes im Sinne von Art. 17 ATSG. Indessen ist die Revision an drei Vo
raussetzungen geknüpft: Die
Rentenzusprache
erfolgte ausschliesslich auf Grund
der Diagnose eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwer
de
bilde
s
ohne nachweisbare organische Grundlage
. Nur unter dieser Bedingung
kann die
Überprüfung der Rente nach den
SchlB
IVG eingeleitet werden. Weiter ist für die Herabsetzung oder Aufhebung der Rente erforderlich, dass auch im
Revisionszeitpunkt ausschliesslich ein unklares Beschwerdebild vorliegt. Zu klä
ren
ist daher ferner, ob sich der Gesundheitszustand seit der
Rentenzusprache
allen
falls verschlechtert hat und ob neben den nicht objekti
vierbaren Störungen anhand klinischer psychiatrischer Untersuchungen nun
mehr nicht klar eine Diag
nose gestellt werden kann. Schliesslich ist zu prüfen, ob die „Foerster-Kri
terien
“
als erfüllt zu betrachten sind und eine
Validit
ät
sein
busse
auf diese Weise – trotz des hinsichtlich der invalidisierenden Folgen nicht objektivierbaren
Be
schwerdebildes
– nachweisbar ist.
Da es sich bei den erwähnten Punkten, von deren Beantwortung der Bestand lau
fender Renten abhängt, in erster Linie um solche medizinischer Art handelt, sin
d an die entsprechenden Abklärungen besonders hohe Anforderungen zu stellen. Namentlich muss verlangt werden, dass die Untersuchungen im Zeit
punkt der Revision aktuell sind und sich mit der massgeblichen Fragestellung ausein
an
der
setzen. Soweit die versicherte
Person sich – auch mit Bezug auf Chancen, welche die Wiedereingliederungsmassnahmen bieten – der Beurteilung durch
die Verwaltung und deren Regionalen Ärztlichen Dienst nicht anschlies
sen kann
, d
ürfte sich in der Regel eine neue, polydisziplinäre Begutachtung als unum
gän
g
lich erweisen (
zur Publikation vorgesehenes
Urteil des Bundesgerichts 8C_972/2012
vom 3
1.
Oktober 2013 E. 10.1 und E. 10.2
)
.
1.5
Das Bundesgericht erachtete es aus Gründen der Rechtsgleichheit als geboten, sämtliche
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebilder ohne nachweisbare organische Grundlage den gleichen Anforderungen zu un
terstellen, und hat in der Folge die im Bereich der anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelte „Schmerz-Rechtsprechung“ bei verschiedenen ver
wandten Diagnosen, so bei der Würdigung des invalidisierenden Charakters von
Fibromyalgie
,
Chronic
Fatigue
Syndrome oder Neurasthenie, dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, der dissoziativen Bewegungsstörung sowie einer spezifischen HWS-Verletzung ohne organisch nachweisbare
Funkti
onsausfälle
(HWS- oder Schleudertrauma) zur Anwendung gebracht (
Gäch
ter
/
Siki
, Sparen um jede Preis?, in:
Jusletter
2
9.
November 2010, S. 4, mit zahl
rei
chen
Hinweisen auf die Rechtsprechung des Bundesgerichts).
Das gemeinsame Merkmal dieser Beschwerdebilder, welche die einheitliche An
wendung der „Schmerz-Rechtsprechung“ des Bundesgerichts rechtfertigt, be
steh
t
darin, dass die Betroffenen unter körperlichen Symptomen – wie Rücken
schmerzen, Müdigkeit oder Magen-Darmproblemen – leiden, die sich nicht durch
or
ga
ni
sche Befunde erklären lassen. Weder fallen unter die Anwendung der
„Schmerz-
Rechtsprechung“ somit sämtliche psychiatrischen Diagnosen noch ist ausschlaggebend, ob ein bestimmtes Leiden organischen oder psychischen Cha
rakter hat. (
Gächter
/
Siki
, a.a.O., S. 4, mit zahlreichen Hinweisen auf die Recht
sprechung des Bundesgerichts).
1.6
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende
somatoforme
Schmerz
störung
begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die
somatoforme
Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Vo
raussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352).
2.
2.1
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin.
2.2
Grundlage des angefochten
en
Entscheids bildete
die
Prüfung des
Anspruchs auf eine Invalidenrente im Lichte der
6.
IV
G
-
Revision
, wonach
Renten, welche
bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Be
schwerdebildern
ohne nach
weisbare organische Grundlage gesprochen wurden, revidiert werden, auch wenn
die Voraussetzungen von
Art.
17 Absatz 1 ATSG nicht erfüllt sind.
Die
Be
schwer
degegnerin
ging
gestützt auf ihre medizinischen Abklärungen davon aus, dass der
Beschwerdeführerin ursprünglich eine R
ente aufgrund der Diagnose eine
s
pathogenetisch
-ätiologisch
unklaren
syndromalen
Beschwerdebilds
zuge
sprochen wor
den sei
, weshalb eine Einstellung
der Rente
zu erfolgen habe
(
Urk.
2).
2.
3
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen,
die Überprüfung der Rente gestützt
auf die
SchlB
IVG
sei nicht zulässig, da die ursprünglich
gesprochene
Rente nich
t aufgrund eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromalen
Zu
standsbild
s
ohne nachweisbare organische Grundlagen
ergangen
sei.
Damals wie heute
gingen
die
Gutachter davon aus, dass die Beschwerdeursache objekti
viert wer
den
könne.
S
eit Jahren
leide sie
an einer die Arbeitsfähigkeit beein
träch
ti
gen
den an
haltenden
komorbiden
affektiven Störung
(
Urk.
1 S. 5 ff.).
3.
3.1
Die
Beschwerdegegnerin
stützte sich für die ursprüngliche
Rentenzusprache
in
medizini
scher Hinsicht in erster Linie auf das interdisziplinäre Gutachten des
Z._
vom 1
7.
November 2003 (
Urk.
7/32), worin mit Wirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
cervicocephales
bis
cer
vicospondylogenes
Schmerzsyndrom rechtsbetont mit
myofaszialer
Schmerz
komponente
bei Status nach Distorsions-Trauma
der Halswirbelsäule (HWS
,
vom
Juli 20
01) diagnostiziert wurde (Urk.
7
/3
2
/12). Zusammenfassend wurde fest
ge
halten, dass die
Beschwerdeführerin
bei Beurteilung aller Gegebenheiten und Be
funde wegen der rheumatologischen Problematik im aktuellen Zeitpunkt als Kö
chin nicht arbeitsfähig sei. An einem angepassten Arbeitsplatz ohne die Not
wendigkeit des Hebens und Tragens von Pfannen und ähnlichen Lasten sowie der
Einnahme von Zwangspositionen betrage die Arbeitsfähigkeit aus rheuma
tolo
gi
scher Sicht 50
%
.
Psychiatrischerseits
bestehe (bei der Diagnose einer
An
passungsstörung
mit leichter depressiver Symptomatik [vgl.
Urk.
7
/
32
/13]) eine
normale Arbeitsfähigkeit. Die rheumatologische Erkrankung sei unter konse
quen
ter Therapie besserungsfähig. Empfohlen werde eine möglichst baldige schritt
weise Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit. Dies würde sich auch auf die psy
chi
sche
Situation positiv auswirken (
Urk.
7
/
32
/14 f.). Der präzisierenden Stellung
nahme des
Z._
vom 1
6.
Januar 2004
(
Urk.
7/40)
kann entnommen werden, dass
die Versicherte im
damaligen
Ze
itpunkt an einem angepassten Ar
beitsplatz ohne
die Notwendigkeit des Heben
s und Tragens von schweren Pfan
nen und Harassen
sowie ohne die Einnahme von
Zwangs
posi
tionen
als Köchin
zu 50
% arbeits
fähig sei. Die Reduktion der Arbeits
fähigkeit beruhe auf der rheu
matologischen
Erkrankung, die unter konsequenter Therapie besserungsfä
hig sei. Die Wieder
auf
nahme der Arbeitstätigkeit sollte möglichst bald, jedoch nur schrittweise erfol
gen. Eine Arbeitstätigkeit würde sich auch positiv auf die be
stehenden psy
chi
schen Probleme auswirken. Diese würden die Arbeitsfähig
keit aber nicht beein
trächtigen.
3.2
Laut dem im Revisionsverfahren eingeholten polydisziplinären Gutachten des
Z._
vom
1
8.
November 2008
(
Urk.
7/82
/1-
39
)
konnten anlässlich der rh
euma
tologischen Untersu
chung wie bereits im Rahmen der Vorbe
gutachtung eine Haltungsinsuffi
zienz sowie eine Wirbelsäulenfehlform objektivi
ert werden
, dies
ohne wesentliche Ein
schränkung der Wirbelsäulenbeweglichkeit. Im Bereich der
Halswirbelsäule liessen sich Irritationszonen über den Facettengelenken der mittle
ren HWS Segmente rechtsbetont abgrenzen. Die Sc
hultergelenke waren kli
nisch un
e
in
geschränkt beweglich mit
negativen
Rotatorenmanschetten
-
spe
zifi
schen Tests. Unverändert zur Voruntersuchung von 2003 li
ess sich ein aus
geprägter musku
lärer Hartspann mit abgrenzbaren
Trigg
erpunkten
im
Trapezius
Pars
descen
dens
,
Sternocleidomastoideus
beidseits, Teres
major
links, Extensor
carpi
radia
lis
und
Adductor
pollicis
beidseits feststellen. Es fanden sich kei
ne neurologi
schen Defizite. In der bildgebende
n Verlaufsuntersuchung der
HWS
-
und Lendenwirbelsäule
(LWS)
zeigten sich weitgehend u
nveränderte Befunde mit
erhalte
nen Bandscheibenräumen und
Alignement. Leicht zunehmend be
stand eine diskrete ventrale
spondylophytäre
Reaktio
n im Bereich der HWS und
LW
S
. Eine
Diskopathie
oder Neurokompression konnte
weder
in den
Schicht
bildun
tersuchungen
der LWS vom 2
8.
April 2001
noch
jenen
vom 1
4.
August 2007
ob
jektiviert werden. Auch im Bereich des linken Schul
tergelenks konnten radio
logisch
keine pathologischen Befunde er
hoben werden.
Aufgrund der klinischen und bil
dgebenden Befunde kamen die Gut
achter zum
Schluss, dass bei der Beschwer
deführerin unverändert ein chron
i
sches
cer
vico
c
e
phales
bis
cervico
spondylo
genes
Schmerzsyndrom mit im Vor
dergrund
stehen
der
myofascialer
Schmerzkomponente bei Status nach
HWS-Distorsions
trauma
im Juli 2001 bestehe. Dan
eben liege weiterhin eine ausgeprägte musku
läre
De
kondi
tionierung
mit Haltungsinsuffizienz vor. Neu seien im Bereich des rechten oberen Sprunggelenks (OSG)
residuelle
Beschwerden bei Status nach Distorsion sowie Befunde einer
resid
uellen
Fasziitis
plantaris
beid
seits vorhan
den, wobei d
ie letzten beiden Diagnosen kei
nen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Aufgrund der weiterhin bestehenden ausgeprägten
myofascialen
Schmerz
kom
ponente
bei bildgebend weitgehend unauffälligen Strukturen liege bei der
Be
schwer
deführerin
weiterhin eine gewisse Belastungsintoleranz für repetitive mittelschwere oder schwere Arbeiten vor, wie
sie
in der angestammten Tätig
keit als Köchin häufig vorkämen. Aus diesem Grund bestehe nach wie vor eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Köchin. In einer optimal behinderungsangepassten Tätigkeit, das heisst ohne Tragen und Heben
von schweren Lasten, ohne repetitive Überkopfarbeiten oder dauernde Ein
nahme
von Zwangshaltungen, sei die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
hinge
gen
nicht eingeschränkt
(S. 35)
.
Unter Bezugnahme auf die im Jahr 2006 von der behandelnden Psychiaterin der Beschwerdeführerin gestellten Diagnose
n
(chronisch
e
depressive Entwicklung mit gegenwärtig andauernder mittelgradiger Episode, gekoppelt mit einer gene
rali
sierten Angststörung sowie einer Symptomatik einer posttraumatischen
Be
las
tungsstörung
und einer posttraumatischen Anpassungsstörung) wurde
infolge
der psychiatrischen Untersuchung ausgeführt,
dass keine Symptome objektiviert werden könnten, welche die Diagnose einer depressiven Störung, posttraumati
schen Belastungsstörung oder generalisierten Angststörung
rechtfertigen wür
de
n
. Es
seien
lediglich Kontrollzwänge und eine beginnende Essstörung
zu pos
tulieren
, wobei diese Erkrankungen in der Ausprägung
ohne Einschränkung
auf die Arbeitsfähigkeit sei
(S. 36)
.
3.3
Dres
. med.
A._
, FMH für Innere Medizin, und
B._
, FMH für Physikali
sche Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen
,
führten in der
im
Rahmen der gerichtlich angeordneten Neubeurteilung eingeholten Ergän
zung
vom 1
1.
August 2011 (
Urk.
7/112) zum
Z._
-Gutachten
aus, es sei davon aus
zugehen, dass sich
–
ohne
wesentliche Änderungen
am
Beschwerdebild und den
klinischen Befunden – im Verlaufe der Erst- und Zweitbegutachtung eine Ge
wöh
nung beziehungsweise eine Anpassung an die Beschwerden eingestellt
habe
.
Die entsprechende Verbesserung der Funktionalität wiederspiegle sich ei
nerseits in den angegebenen Alltagsaktivitäten und andererseits in der Beurtei
lung der Ar
beitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit.
3.4
Im Gutachten der
C._
vom 3
1.
Juli 2012 (
Urk.
7/143
/2-105
) zu
handen der AXA Winterthur
(Unfallversicherer)
nannten die Ärzte eine
somato
forme
Schmerzstörung bei affektiver Störung (gemäss Phänomenologie am ehe
s
ten Angst und depressive Störung gemischt) bei anamnestisch verdachtsweise
vor
bestehender
Angstbereitschaft und anamnestischen Hinweisen auf eine gene
ra
lisierte Angststörung (DD Panikattacken mit Agoraphobie) im Rahmen der af
fektiven Störung
als Diagnose mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
S. 81
Ziff.
4.2).
Bei
der leichten bis mittelschweren depressiven Störung dürfe es sich wohl um
eine affektive Störung handeln,
die
im Zusammenhang mit einer Angststörung ent
standen sei (S. 73).
Es sei bekannt, dass im Verlauf einer primär als
Angst
störung
zu diagnostizierenden Psychopathologie Angst und depressive Störung gehäuft miteinander auftr
ä
ten, wobei teils
die
eine, teils die andere Störung
über
wiegen könne beziehungsweise beide affektiven Störungen gemeinsam mani
f
est werden könnten. Diese psychische Störung sei gemäss Akten nicht
durch den Unfall im Jahr 2001 ausgelöst worden, sondern sei mit einer ge
wissen
Latenz im Verlauf nach dem Unfall aufgetreten.
Vor dem Hintergrund der affek
tiven Störung
sei
eine
Chronifizierung
der Schmerzen an
zunehmen
,
die
aktuell im Rahmen einer
somatoformen
Schmerzstörung zu interpretieren sei
(S.
74)
.
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien (
S. 79
f.
Ziff.
4.1):
Seit Jahren bestehende Essstörung
Chronifiziertes
, subjektiv belastungsabhängiges diffuses ausgeweitetes Schmerzsyndrom (rechtsbetont
zervikozephal
,
zervikothorakal
, brachial rechts und rechtsbetont
lumbosakral
)
Multiple Weichteilschmerzen an oberen und unteren Extremitäten
Ausgeprägte muskuläre
Dekonditionierung
mit Haltungsinsuffizienz, vermehrter
Kyphosierung
der Brustwirbelsäule
(BWS)
und
Protrakti
onshaltung
(fehlender konsequenter therapeutischer Massnahmen)
Chronifizierte
Kopfschmerzen vom vor allem Spannungstyp und neu Schmerzpunkt parietal dors
al links intermittierend auftre
tend (MRI Schädel-Hirn anamnestisch unauffällig) sowie allfällig vereinzelt Übergang in eine migräne-ähnliche Symptomatik ohne Aura (
Szinti
graphisch
22.03.2012 kleine Mehranreicherung prä- und
occipital
links,
Osteom
?)
MRI HWS 21.03.2012: unauffällige HWS, minime Vorwölbung Band
scheibe C6/7
CT,
Szinti
-SPECT-Fusion 22.03.2012: HWS ohne Hyperämie, kein
path
. Knochenumbau,
osteophytäre
Ausziehung
atlantodental
,
szinti
graphisch
inaktiv. Leicht aktive AC-Arthrose rechts. Dentogener Be
fund in der linken Maxilla
St
.
n
.
Auffahrunfall von hinten vom 13.07.2001
Schmerzsymptomatik rechter Fuss, belastungsabhängig OSG medial, Mit
tel-
Vorfuss
Überlastungsreaktion im
Calcaneus
, DD Insuffizienz bei Vitamin D-Mangel und Adipositas
Szintigraphie 22.03.2012: im Vergleich zu der Vor-Szintigraphie vom 9/09 zunehmende Hyperämie und zunehmender sehr kräftig ver
mehrter Knochen
um
bau im gesamten
Tuber
calcanei
rechts
MRI 11.05.2012: Diffuse
s
Markraumöde
m
und wahrscheinlich
Stressre
aktion
im
Calcaneus
. Kein Nachweis einer
osteochondralen
Läsion OSG, USG,
d
egenerative Veränderungen im MP-1-Gelenk
St. n. OSG Hyperflexionstrauma Mai 2008
Varicosis
, Op. Eingriff 19.04.2012 (keine Akten vorhanden)
Erhöhte Entzündungsparameter in der Blutentnahme vom 09.03.2012, BSR 24 mm/h, CRP 60,9 mg/l, HLAB 27 negativ normalisiert in der Verlaufskontrolle vom 19.07.2012
Es wurde ausgeführt, dass keine Änderung des Gesundheitszustandes zwischen
dem
3
0.
Juni 2005 und dem Gutachten vom 1
8.
November
2008 zu belegen sei und keine
objektivierbaren Befunde
hätten
erhoben
werden
k
ö
nnen
.
Auch sei
es
zu keiner Zunahme der degenerativen Veränderungen an der Halswirbelsäule gekommen
(S. 75). Die Eskalation der Beschwerden und deren weitere Entwick
lung seien am ehesten vor dem Hintergrund der psychischen Beschwerden zu interpretieren, wobei eine Angststörung im Vordergrund stehe. Letztere sei be
reits vor Jahren verdachtsweise diagnostiziert und im späteren Verlauf als ge
ne
ralisierte Angststörung beschrieben worden (S. 7
5
).
4.
4.1
Vorliegend
ist
zunächst
festzuhalten
, dass beide Parteien übereinstimmend da
von ausgehen, dass keine
erhebliche
Veränderung im Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
eingetreten
ist
(
Urk.
1 S. 5 ff.,
Urk.
2 S. 2
)
.
Dem
ist beizu
pflichten. Obschon die
Dres
.
A._
und
B._
in ihrem Bericht
(
E. 3.3
)
eine
Verbesserung des Gesundheitszustand
e
s infolge Gewöhnung beziehungs
weise An
passung an die Beschwerden nannten,
erscheint solches nicht nach
ge
wiesen
.
So
begründe
te
n sie nicht
, weshalb sich die Beschwerdeführerin – ohne dass we
sentliche Änderungen am Beschwerdebild und den klinischen Befunden vorlie
gen –
an die Schmerzen gewöhnt haben sollte.
Dass es zu keiner Än
de
rung im
Gesundheitszustand
gekommen ist, mithin keine
abweichenden
objek
ti
vierbaren
Befunde hatten erhoben werden
k
ö
nnen
,
geht
auch
aus dem
Gut
achten der
C._
v
om 3
1.
Juli 2012 (Urk.
7/143
S. 7
4
)
hervor
. Auf
dieses
aktu
elle
Gutachten
, das
in sämtlichen Punkten den praxisgemässen An
forderungen
an den Beweiswert einer Expertise entspricht,
ist
vorliegend
abzu
stellen
.
D
em
ge
mäss
ist
keine erhebliche Veränderung im Gesundheitszustand der Be
schwer
de
führerin eingetreten, die eine Revision der Rente rechtfertigen würde.
4.2
4.2.1
Nachfolgend ist zu klären, aufgrund welcher Diagnose die Rente im Oktober 2005 gesprochen wurde.
Diesbezüglich
machte die
Beschwerdeführerin
– entge
gen der Ansicht der Beschwerdegegnerin -
geltend,
die ursprüngliche Rente sei nicht aufgrund eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklare
n
syndromalen
Be
schwerdebildes
ohne nachweisbare organische Grundlagen ergangen. Vielmehr
hätten
objektivierbare Gesundheitsleiden vor
gelegen
, was
in
de
n Erwägungen 2.3
und 2.
4
des
Urteil
s
des Sozialversicherungsgerichts
vom 28. Februar 2011
aus
führ
lich beschrieben worden sei
(
Urk.
1 S. 6).
4.2.2
Die vorgenannten
Erwägungen
setzten sich mit
den
Z._
-
Gutachten vom
17.
No
vember 2003 (Urk. 7/32) und 1
8.
November 2008
(
Urk.
7/82/1-39)
ausei
nan
der
.
Im Gutachten aus dem Jahr 2003 wurde als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein chronisches
cervicocephales
bis
cervicospondyloge
nes
Schmerzsyndrom rechtsbetont mit
myofaszialer
Schmerzkomponente
bei Status nach HWS-Distorsions-Trauma genannt
(
Urk. 7/32
S.
1
2)
. Ein
bildgebend nachweisbares Korrelat für die Schmerzen i
m
Kopf-
und
Nackenbereich
wurde
nicht
bezeichnet
.
Laut
d
em
Gutachten
von
2008
, das Rückschlüsse
auf die Situation im Jahr 2005
zulässt,
konnten
zwar
eine Haltungsinsuffizienz sowie eine
Wirbel
säulen
fehl
form
objektiviert werden
, doch vermochte
n
diese organische
n
Be
fund
e
aufgrund
ihrer Ausprägung
weder eine
Arbeitsunfähigkeit zu bewirken
noch
die Schmerzen
der Beschwerdeführerin
zu erklären.
Hinsichtlich der Be
funde
von
Irritationszonen
sowie
d
es ausgeprägten muskulären Hartspanns
(in
welchem
Rahmen die
Trigger
punkte
zu
verstehen
sind)
verhält es sich gleich wie mit
erhobenen
Schmerz
syndrom
. Es
wurden
keine organischen Be
funde genannt,
welche
ihre
Ursache
erklären würden
.
Dass
folglich
keine we
sentlichen pathologischen Befunde in
fol
ge der durchgeführten Bildgebungen erhoben werden konnten, wurde im Gut
achten vom 18.
November 2008
ent
sprechend
festgehalten (
Urk.
7/82
/1-39
S.
24
f.
).
In diesem Zusammenhang ist
schliesslich
auf das
Gutachten
der
C._
vom 31.
Juli 2012 (
Urk.
7/143
/2-105
) Bezug zu nehmen
.
Den
dortigen
Ärz
ten
er
schien
die
damalige
Diagnose eines
cervicocephalen
bis
cervicospondy
logenen
Schmerzsyndroms
aufgrund der diesbezüglichen Ausführungen
im Gut
achten
vom 1
7.
November 2003 als
zu wenig substantiiert
, da
aus rheumato
logischer Sicht
weder eine Bewegungseinschränkung der HWS erwähnt noch
nennens
werte Schmerzangaben dokumentiert
wurden
.
Z
u
r Situation der
Trigger
punkten
führten sie aus
, dass es
sich
dabei
um einen häufigen muskulären
, mit
hin
gänz
lich unspezifischen Befund handle.
Schliesslich wiesen
sie
darauf hin, dass die
damalige
Diagnostik wenig präzis ausgefallen sei und primär auf den subjekti
ven Angaben der Beschwerdeführerin beziehungsweise auf geringen, objekti
ven, insbesondere nicht eindeutig replizierbaren Befunden basiere, die keines
falls bei einer HWS-Distorsion
gehäuft vork
ä
me
n
(S. 64 f.)
.
4.2.3
Aufgrund
des Dargelegten ist
als erstellt zu erachten
, dass
die Invalidenrente im Oktober 2005 ausschliesslich
wegen
der HWS-Distorsion
, mithin der Diagnose eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebilde
s
ohne
nachweisbare organische Grundlage
gesprochen wurde
.
D
ie Überprüfung der Rente
nach den
SchlB
IVG ist
somit zulässig
.
4.
3
4.3.1
Ob auch im Zeitpunkt der Revision im
Juni 2013
ausschliesslich ein unklares
Be
schwerdebild
vorlag,
ist
nachfolgend
zu
untersuchen
.
Die Ärzte
der
C._
nannten
im Gutachten vom 3
1.
Juli 2012 (
E. 3.4
) eine
somatoforme
Schmerzstörung bei affektiver Störung (gemäss Phänomenologie am ehesten Angst
und depressive Störung gemischt) bei anamnestisch
ver
dachtsweise
vor
bestehender
Angstbereitschaft und anamnestischen Hinweisen auf eine gene
ra
lisierte Angststörung (DD Panikattacken mit Agoraphobie) im Rahmen der affek
tiven Störung als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit
.
Im Vor
dergrund steht damit
neben der
somatoformen
Schmerzstörung
die Diagnose „Angst und depressive
Störung, gemischt
“
.
4.3.2
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist di
e hier massgebende Diagnose
„
Angst und depressive Störung, gemischt" im Grenzbereich dessen zu situieren,
was noch als krankheitswertig im Sinne des Gesetzes anerkannt werden kann. Denn
die Kategorie kommt zum Tragen, wenn weder die Angst noch die De
pression ein Ausmass erreichen, das eine Einzeldiagnose rechtfertigen würde.
Eben
so ist den klinisch-diagnostischen Leitlinien der ICD-10 zu entnehmen, dass
Patienten mit dieser Kombination verhältnismässig milder Symptome in der
Pri
märversorgung
häufig zu sehen seien; noch viel häufiger fänden sie sich in der
Bevölkerung, ohne je in medizinische oder psychiatrische Behandlung zu gelang
en. Es gilt also, besonderes Augenmerk auf die Frage zu legen, ob eine ärztlich bescheinigte Einschränkung der Leistungsfähigkeit im Einzelfall tat
sächlich auf die entsprechende Störung zurückzuführen ist. Angesichts der
„
Grenzwertigkeit" der massgebenden Diagnose (vgl. zur Problematik und Hand
habung derartiger Störungen
Hanfried
Helmchen, Was
heisst ”
unterschwellig"
psychisch krank ?, in:
Wolfgang
Vollmoeller
, Grenzwertige psychische Störungen, Stuttgart 2004, passim) ist von grosser Bedeutung, dass psychosozi
ale und andere
Belastungs
faktoren
, denen nicht Krankheitswert zukommt, kor
rekt ausgeschieden werden.
Damit ein invalidisierender Gesundheitsschaden angenommen werden kann, darf
das klinische Beschwerdebild nach der Rechtsprechung nicht einzig aus Be
ein
trächtigungen bestehen, welche von belastenden psychosozialen oder sozio
kul
turellen Faktoren herrühren; es muss sich vielmehr auf psychiatrisch davon zu un
terscheidende Befunde beziehen. Je stärker solche Faktoren in den Vor
der
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
han
den
sein. Von der psychosozialen
beziehungsweise
soziokulturellen Belas
tungs
situa
tion zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbstständigte psy
chische Stö
rungen mit Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unab
ding
bare Voraussetzung einer Invalidität im Rechtssinne. Wo der Gutach
ter dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und sozio
kul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen
auf
gehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (Ur
teil des Bundesgerichts I 164/06 vom 2
7.
April 2007 E. 3.1 und 3.2 mit Hin
wei
sen).
4.3.3
Im
Gutachten
der
C._
vom 3
1.
Juli 2012 (
Urk.
7/143
/2-105
)
wurde fest
gehalten
, dass der möglichen psychosozialen
Determinierung der
Beschwer
de
entwicklung
wegen
fehlenden objektivierbaren somatischen Befunden wenig Beachtung geschenkt worden sei.
Es sei unklar, w
ann und weshalb eine psychi
atrisch-psychotherapeutische Behandlung eingeleitet
worden sei
.
Aus den ärzt
lichen Berichten
gehe
jedoch
hervor
, dass eine weitere Behandlung
nicht not
wen
dig gewesen sei, da keine psychiatrische Erkrankung
h
ab
e
nachgewiesen werden
können
.
Damit sei keine
über die rheumatologisch festgestellte Arbeits
fähigkeit hinausgehende Leistungseinbusse
angenommen worden
(
S. 6
6
).
Allem
Anschein nach habe die
psychische Störung bereits vor dem Unfall im Jahr
2001
vorgelegen. Die Eskalation der Beschwerden während rund zwei Mo
naten nach dem Unfall seien am ehesten vor dem Hintergrund des negativen Einflusses der psychischen und allenfalls psychosozialen Faktoren zu interpre
tieren (S.
6
7
).
4.3.4
Aus dem Gutachten geht
somit
nicht hervor,
dass es sich bei der Diagnose
„Angst und depressive Störung, gemischt“
um eine eigenständige Krankheit han
delt.
Vielmehr
wurde dargelegt, dass die damals ärztlich bescheinigte Ar
beitsunfähigkeit lediglich aufgrund rh
eumatischer Beschwerden erfolgt
und eben
gerade nicht auf psychische Ursachen
im engeren Sinne
zurückzuführen war. Ge
gen die An
nahme des Vorliegens einer eigen
ständigen
Krankheit spricht auch
der Umstand, dass die Ärzte die psychischen
Beschwerden
lediglich
im zeit
li
chen
Ablauf nach dem Unfall
thematisiert
en
.
Schliesslich ist zu beachten,
dass sich
k
ein
entsprechender
Befund
in der Lebensgeschichte der Beschwerdeführe
rin spie
gel
t
.
Immerhin ist es ihr
mög
lich
,
in einem Pensum von 30
%
zu arbeiten
(
Urk.
7/143
/
2-105
S. 28)
.
Insgesamt erge
ben sich
aus
der
Anamnese
und den
geschilderten Befunden
keine Anhaltspunkte
dafür, dass
die Diagnose
„
Angst und
depressive Störung, gemischt” ein
M
ass angenommen hat, um als eigenständige
psychische Krankheit gefasst zu werden. Eine
Kormorbidität
liegt demnach nicht
vor
.
4.3.
5
Damit ist zu prüfen, ob die übrigen praxisgemässen Kriterien gegeben sind:
Eine chronische körperliche Begleiterkrankung liegt nicht vor (vgl. hierzu Urk.
7/143/2-105 S.
79): Die von den Ärzten erwähnte Essstörung ist ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit und von geringer Intensität sowie nicht als kör
perlich zu fassen. Das Schmerzsyndrom ist ebenfalls nicht auf körperliche
Ur
sachen zurückzuführen. Die Schmerzsymptomatik im rechten Fuss (nach durch
gemachtem Hyperflexionstrauma im Mai 2008)
wurde
als
Überlastungs
reaktion
im
Calcaneus
gefasst, indessen lediglich eine Hyperämie und ein ver
mehrter Knochenumbau samt Markraumödem (bei degenerativen Verände
rung
en) festgestellt. Auch dieser Diagnose wurde kein Einfluss auf die Arbeits
fähig
keit zugeschrieben, da die Problematik von untergeordneter Bedeutung ist.
Zu bejahen ist ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unver
änderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rückbildung, da
sich im Laufe der jahrelangen Entwicklung nie eine Besserung eingestellt hat und
eine unveränderte Problematik vorliegt.
Ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens ist nicht zu ersehen, hat doc
h die Beschwerdeführerin verschiedene Kontakte, namentlich im Rahmen ihrer 30%igen ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit.
Das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unterschiedlichem therapeutischem Ansatz) trotz koope
ra
tiver Haltung der versicherten Person ist zu verneinen. Aus den Akten geht
her
vor, dass lediglich sporadische Therapien stattfanden und die psychische Stö
rung während längerer Zeit nicht mehr behandelt wurde (Urk. 7/143/2-105 S.
7
3
und S.
36 f.). Eine stationäre Therapie erfolgte nie. Vor diesem Hintergrund kann
selbstredend nicht von einem verfestigten, therapeutisch nicht mehr beein
fluss
barer innerseelischen Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlas
tenden Konfliktbewältigung gesprochen werden. Die
Ärzte der
C._
empfahlen im Gegenteil eine medikamentös unterstützte gezielte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung (Urk. 7/143 S. 73).
Bei diesem Ergebnis ist offensichtlich, dass die Kriterien, die ein Abweichen von
der Überwindbarkeitsvermutung erlauben würden, nicht erfüllt sind. Es ist ledig
lich ein Kriterium - das des
chronifizierten
Krankheitsverlaufes - gegeben, wo
bei therapeutische Optionen nicht konsequent genutzt wurden und noch solche offen stehen. Dies genügt vorliegend nicht, um von einer ausnahmsweisen Unmöglichkeit der Überwindbarkeit der Problematik auszugehen.
4.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass alle Voraussetzungen erfüllt sind, wel
che von der Praxis an die Aufhebung einer Rente nach Massgabe der
SchlB
IVG gestellt werden. Die Rentenaufhebung erweist sich demnach grundsätzlich als rechtens.
4.5
4.5.1
Zu beachten ist indes, dass gemäss
lit
. a Abs. 2 der
SchlB
IVG die Bezügerin
oder der Bezüger Anspruch auf Massnahmen zur Wiedereingliederung nach Art. 8a
hat, wenn die Rente herabgesetzt oder aufgehoben wird. Werden Mass
nah
men zur Wiedereingliederung nach Art. 8a durchgeführt, so wird die Rente nach
lit
. a Abs. 3
SchlB
IVG bis zum Abschluss der Massnahmen weiter ausgerichtet,
längstens aber während zwei Jahren ab dem Zeitpunkt der Aufhebung oder Her
absetzung.
Vorliegend stellte die Beschwerdegegnerin die Rentenleistungen ohne weitere
In
tegrationsmassnahmen
ein und liess es mit dem (in der Sachverhaltsschilderung enthaltenen) Hinweis
sein Bewenden haben, die Beschwerdeführerin habe wei
ter
hin die Möglichkeit, sich zu melden, falls sie an Eingliederungsmassnahmen interessiert sei (Urk. 2 S. 4).
4.5.2
Vorweg ist festzuhalten, dass grundsätzlich die Beschwerdegegnerin für die Ein
gliederung von Versicherten zuständig ist, welchen aufgrund der
Gesetzesre
vi
sion
die Rente entzogen wird. Eine Delegation dieser Verantwortlichkeit an die Versicherten ist nicht statthaft. Dies ergibt sich denn auch aus den Materialien, w
urde doch in der Botschaft
zur Änderung des IVG (6. IV-Revision, erstes
Mass
nahmenpaket
) vom 24. Februar 2010
Folgendes festgehalten:
„
Gleichzeitig mit einer allfälligen Herabsetzung oder Auf
hebung der Rente,
soll der Wiedereinstieg ins Arbeitsleben
für betroffene Personen erleichtert werden, indem sie einen
Anspruch auf Wiedereingliederungsmassnahmen während
höchstens zwei aufeinanderfolgenden Jahren erhalten, falls
diese für eine Wiedereingliederung sinnvoll und nutzbring
end sind. Wichtig dürfte insbesondere die Arbeitsver
mitt
lung
sein, die in der Regel eine Eingliederung ins Erwerbs
leben erleichtert und
von der IV-Stelle deshalb praktisch
in jedem Fall zugesprochen werden kann.“
(BBI 2010 S.
1911)
Eine Aufhebung der Rente kann demgemäss nicht ohne weiteres verfügt werden,
sondern lediglich dann, wenn die Beschwerdegegnerin Eingliederungs
massnah
men an die Hand nimmt oder eine allfällige Verweigerung dokumentiert ist. Ob ohne Durchführung eines Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
eine
Rentenein
stell
ung
überhaupt möglich ist, braucht vorliegend nicht geprüft zu werden (vgl. zur
Rechtslage bei Rentenherabsetzung oder -aufhebung bei Versicherten ab Alter 55
oder nach 15-jähriger Bezugsdauer: Urteil des Bundesgerichts 9C_497/2013 vom
30. November 2013 E. 3.3).
4.5.3
Sodann steht fest, dass die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin nicht auf die Rechtsfolgen ihres Entscheides betreffend Eingliederungsmassnahmen
aufmerksam gemacht hat. Nämlich dass ihr die Rente für (höchstens) weitere zwei
Jahre ausgerichtet wird beziehungsweise dass die Rente - bei Verzicht auf Ein
glie
derungsmassnahmen - mit sofortiger Wirkung aufgehoben wird. Demgemäss besteht auch unter dem Titel der Aufklärungspflicht nach Art. 27 Abs. 1 ATSG kein Raum für eine umgehende Aufhebung der Invalidenrente.
4.6
Damit ist die angefochtene Verfügung vom 10. Juni 2013 in dem Sinne zu be
stätigen, dass eine Aufhebung der Invalidenrente grundsätzlich rechtens ist, die Ausrichtung der Rente aber nicht auf das Ende des der Zustellung der Ver
fü
gung folgenden Monats erfolgt, sondern - unter einstweiliger Weiterausrichtung der Rente - erst nach Ende von allfälligen Eingliederungsmassnahmen, jedoch höchstens nach zwei Jahren seit der Rentenaufhebung. In diesem Sinne ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen.
5.
5.1
Die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr. 900.-- festzusetzen und -
angesichts
des überwiegenden Unterliegens - der Be
schwerdeführerin zu zwei Dritteln und der Beschwerdegegnerin zu einem Drittel
aufzuerlegen.
5.2
Ausgangsgemäss hat
die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine
Prozessent
schädigung
, welche ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens fest
zulegen ist (§ 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das
Sozialver
siche
rungs
ge
richt
). Angesichts des bloss geringen Obsiegens rechtfertigt sich die
Zusprache
einer Prozessentschädigung von Fr. 800.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu Las
ten der Beschwerdegegnerin.