# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1ddf776e-700c-5181-a242-f30de0011c75
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1957 geborene
X._
war bis Ende 2007 als Zaunmonteur für die Firma
Y._
tätig (Urk. 8/15). Ab dem 5. Januar 2008 bezog er Taggelder der Arbeitslosenversicherung (Urk. 8/13
S. 1
).
Am 29. November 2008 erlitt er einen Unfall (Urk. 8/22). Für die Folgen dieses Unfalls erbrachte die Suva
die gesetzlichen Leistungen. Die von der Suva am 13. Juli 2009 verfügte Leis
tun
gs
einstellung per 31. Juli 2009 wurde mit Urteil des
Sozialversi
cherungs
ge
richts des Kantons Zürich
vom 20. April 2011 bestätigt (
Verfahren UV.2009.00422
).
Am 23. November 2009 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine unfall
bedingte Kontusion der Lendenwirbelsäule bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an
(Urk. 8/
9
)
.
Die IV-Stelle tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen
und liess den Versicherten bei der
Medas
Z._
interdisziplinär (Orthopädie/Neurologie/Psychiatrie)
begut
ach
ten
(Gutachten vom
12.
Mai 2011,
Urk.
8/36-39).
M
it Verfügung vom 27. Juli 2012
verneinte sie
einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 8/
61
). Die da
ge
gen erhobene Beschwerde
des Versicherten
wurde mit Urteil des Sozialver
siche
rungsgerichts des Kantons Zürich vom
19. September 2013
abgewiesen (Urk. 8/
66
)
.
Der Versicherte nahm in der Folge keine Erwerbstätigkeit mehr auf.
1.2
Am 2. Mai 2017
(Eingangsdatum)
meldete sich der Versicherte erneut bei der IV-
Stelle zum Leis
tungsbezug an (Urk. 8/69).
Auf Aufforderung der IV-Stelle (Urk.
8/74
) reichte der Versicherte am 30. Mai 2017 diverse Arztberichte ein (Urk.
8/77; vgl. auch Urk. 8/82). Am 11. September 2017 teilte die IV-Stelle dem
Versicherten mit, dass keine Eingliederungsmassnahmen möglich seien (Urk. 8/83
). Nach weiteren medi
zi
nischen Abklärungen (Urk. 8/85 und Urk. 8/86/4) sowie
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 19. Dezember 2017
, Urk. 8/87; Einwand vom 26. Januar 2018, Urk. 8/89)
verneinte sie mit Verfügung
vom 13. März 2018 einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 8/93
= Urk. 2
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 14. April 2018 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter sei eine interdisziplinäre Begutachtung zu ver
an
lassen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 28. Mai 2018 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde (Urk. 7)
, was dem Be
schwerdeführer mit Verfügung vom 15. Juni 2018 mitgeteilt wurde. Mit derselben Verfügung wurde das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Prozess
führung mangels Substantiierung abgewiesen (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbsein
kom
men zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281
E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen
und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
geh
end objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bun
desgerichts 8C_604/2017 vom 15.
März 2018
E. 7.4).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuan
mel
dung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invalidi
täts
grades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbe
grün
dende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.7
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.8
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.9
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt
nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nach
vollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Be
rich
ten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht die
selbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
stän
diger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Ab
klärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E.
4.7).
1.10
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt
nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die IV-Stelle,
gemäss der medizinischen Beur
teilung könne aufgrund der Operationen jeweils von einer vorübergehenden Arbeits
unfähigkeit ausgegangen werden. In einer angepassten Tätigkeit bestehe weiterhin eine vollständige Arbeitsfähigkeit (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer macht
e
demgegenüber im Wesentlichen geltend,
seitens der Beschwerdegegnerin werde tatsachenwidrig von einer temporären Arbeitsun
fähigkeit ausgegangen. Laut Bericht von Dr.
A._
vom 13. Juni 2017 seien nach der Hirntumoroperation in der Kleinhirnbrückenwinkelzisterne eine Gleich
gewichtsproblematik und
Hypästhesieproblematik
des Trigeminusnervs links ge
blie
ben und bleibe er zu 100 % krankgeschrieben. Sodann seien
im Bericht der
Klinik
B._
vom 3. April 2017 kognitive Defizite diagnostiziert worden. Des
weiteren
bestehe eine mittelgradige depressive Episode (F32.1), die sich mittlerweile
chronifiziert
habe (Urk. 1).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom
2. Mai 2017 (Urk. 8/69)
eingetreten. Es gilt somit zu prüfen, ob sich die tatsäch
lichen Verhältnisse im massgebenden Zeitraum zwischen der
Verfügung vom
27. Juli 2012
(Urk.
8/61
),
mit welcher ein Anspruch auf eine Invalidenrente verneint wurde (bestätigt durch Urteil des Sozialversicherungsgerichts des
Kan
tons Zürich vom
19. September 2013
, Urk. 8/
66
)
, und der angefochtenen Verfü
gung vom
13. März 2018
(Urk. 2), insofern verändert haben, dass nunmehr ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht
,
bzw.
ob diese Frage gestützt auf die vorliegenden Akten
überhaupt
beurteilt werden kann.
3.2
Die rentenabweisende Verfügung vom
27. Juli 2012
basierte in medizinischer Hin
sicht insbesondere auf dem von der Beschwerdegegnerin eingeholten interdis
zi
plinären Gutachten vom
12. Mai 2011
(Urk. 8/
36-39
).
Darin wurden die folgenden Diagnosen mit
Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit genannt:
-
Chronisches lumbales, zervikales Rückenschmerzsyndrom bei funktio
nel
len Störungen mit
Insertionstendinosen
und
Myogelosen
der paraverte
bralen Muskulatur, mässiger Segmentdegeneration LWK 4/5, HWK 4 bis 7
(ICD M54.80)
-
Outlet
Impingement
des recht
e
n Schultergelenkes bei mässiger Schul
ter
eckgelenksarthrose, Bursitis
subacromialis
, beginnender
Insertionsten
di
nose
der
Supraspinatussehne
und
Bizepssehne
(ICD M75.4)
Aus psychiatri
scher und neurologischer Sicht wurd
en keine Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gestellt
. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde eine subjektiv verminderte Berührungs- und Schmerz
empfindung am linken Arm und partiell am Gesicht links (ICD10 R20.8), welche keinem organischen Korrelat zuzuordnen sei, genannt
(Urk. 8/36 S. 19)
.
Die Gutachter führten aus, der Beschwerdeführer sei im Rahmen der
Medas
-Abklärung aus orthopädischer, neurologischer und psychiatrischer Sicht unter
sucht worden. Weder anamnestisch noch aktuell bestünden Hinweise für eine psy
chiatrische Störung mit eigenständigem Krankheitswert. Insbesondere könne aus psychiatrischer Sicht festgehalten werden, dass beim Beschwerdeführer keine Schmerzverarbeitungsstörung mit eigenständigem Krankheitswert vorliege. Eine depressive Störung bestehe ebenfalls nicht. Aus psychiatrischer Sicht sei der Be
schwerdeführer in seiner bisherigen Tätigkeit sowie in einer aus somatischer Sicht angepassten Tätigkeit zu 100 % als arbeitsfähig zu beurteilen.
In der neurologischen Untersuchung hätten keine einem organischen Korrelat zuzuordnenden Pathologien objektiviert werden können. Während der gesamten Anamnese und der körperlichen Untersuchung hätten keine offensichtlichen Be
wegungseinschränkungen bestanden.
Es sei zu keinen nichtverbalen oder non
ver
balen Schmerzäusserungen gekommen.
Eine neurologische Störung mit Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit sei nicht festgestellt worden. Insbesondere habe ein sensomotorischer Ausfall, welcher mit dem lumbalen
cervico-cephalen
Schmerz
syndrom in Zusammenhang zu sehen wäre, nicht ausgemacht werden können. Auch die subjektiv vermindert beschriebenen Berührungs- und Schmerz
empfin
dungen am linken Arm und partiell am Gesicht hätten keinem organischen Korrelat zugeordnet werden können. Demzufolge sei aus neurologischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu attestieren.
In
der orthopädischen Untersuchung seien
geringgradige
degenerative Verände
rungen festgestellt worden. Es bestehe ein chronisches lumbales
cervicales
Rück
en
schmerzsyndrom bei
funktionellen Störungen mit
Insertionstendinosen
und
Myogelosen
der paravertebralen Muskulatur und mässiger Segmentde
generation LWK 4/5, HWK
4 bis HWK 7 sowie ein Outlet
Impingement
des rechten Schul
tergelenks bei mässiger Schultereckgelenksarthrose,
Bursitits
subacromialis
und
beginnender
Insertionstendinose
der
Supraspinatussehne
und
Bizepssehne
.
Ledig
lich a
ufgrund der aus orthopädischer Sicht beschriebenen Diagnosen könne beim Beschwerdefüh
r
er in der bisherigen Tätigkeit eine
gering
g
radige
Leistungsminde
rung von 10 % attestier
t werden, dies aufgrund der Notw
endig
keit des Einschal
tens schmerzbedingter Pausen
. Eine anderweitige erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne jedoch weder in der bisherigen noch in einer angepassten Tätigkeit attestiert werden.
In einer angepassten mittelschweren wechselbelas
ten
den Tätigkeit bestehe keine Leistungsminderung.
Demzufolge könne aus interdisziplinärer Sicht gestützt auf die orthopädische Beurteilung lediglich in der bisherigen schweren Tätigkeit als Zaun
bauer
eine Leistungsminderung von 10 % attestiert werden. In einer angepassten mittel
schwe
ren wechselbelastenden Tätigkeit bestehe jedoch keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
(Urk.
8/36 S. 23 f.)
.
3.3
Die angefochtene Verfügung vom
13. März 2018
st
ützte sich im Wesentlichen auf die folgenden Berichte:
3.3.1
Dr.
C._
, FMH Chirurgie und Gefässchirurgie, nannte in seinem Bericht vom 8. Mai 2015 die folgenden Diagnosen
(Urk. 8/77 S. 1)
:
-
6 Monats-Verlaufskontrolle bei Z.
n.
Eversionsthrombendarteriektomie
der A.
carotis
interna
rechts am 10.10.2014
-
Epidermoidzyste
im Klei
nhirnbrückenwinkel mit atypischer Trigeminus-Neuralgie
-
bekannte koronare 2-Ast-Erkrankung und Z.
n. PTCA und 2 x Stents (DES) Juni 2013
-
arterielle Hypertonie
-
Hypercholesterinämie
3.3.2
Am 17. September 2015
wurde die Tumorex
s
tirpation in der Klinik
D._
durch
geführt (Urk. 8/77 S. 3 f.
; vgl. Urk. 8/85/10-11
)
3.3.3
Dr.
A._
, Fachärztin für Neurochirur
g
ie, nannte in ihrem Bericht vom 28. September 2015 die folgenden Diagnosen (Urk. 8/77 S. 5):
-
Raumforderung im Bereich des
N.
trigeminus
links, insbesonder
e
W3 durch Verdacht von
Epidermoid
der Kleinhirnbrückenwinkelzisterne mit Ausdehnung in de
r
obere
n
Cisterna
cerebello-medullaris
und die
rostrale
Cisterna
ambiens
(dokumentiert im MRI des Gehirns vom 05.03.2013)
-
atypische Trigeminus-Neuralgie, insbesondere in W2 und W3 links
-
St. n.
Koronarstent
(durchgeführt am 02.06.2013 in der Klinik
D._
)
-
in Doppel-Therapie mit
Plavix
und Aspirin.
-
Aspirin und
Plavix
-Pause seit 22.08.2014
-
St. n.
Thrombarteriektomie
der rechten
Carotis
interna
im Sept. 2014
-
St. n. Kraniotomie zur Entfernung eines Tumors in der
posterioren
Fossa
epidermoiden
Typs am 17.09.2015
Der
Beschwerdeführer
sei für sechs Wochen nach der Operation 100 % krank
geschrieben
(
17.
September bis 28. Oktober 2015).
3.3.4
Im Bericht der Klinik
D._
vom 11. März 2016
wurden die folgenden Diag
nosen gestellt
(Urk. 8/77 S. 7)
:
-
Epidermoid
des linken Kleinhirnbrückenwinkels (36 x 20 x 36 mm)
-
mit atypischer Trigeminusneuralgie/Hypästhesie links
-
St. n.
retromastoidale
osteoplastische Kraniotomie links und weit
geh
end radikale Exstirpation des
Epidermoids
im linken Kleinhirn
brücken
winkel am 17.09.2015
-
Neuropathologie.
Epidermoidzyste
-
koronare 2-Ast-Erkrankung
-
subtotale proximale RIVA-Stenose, hochgradige Stenose, hochgradige Stenose PLRCX (Hauptstamm äquivalent)
-
PCI-Stent-Implantation und PLRCX am 31.05.2013
-
e
rhaltene linksventrikuläre Funktion (EF 75 %)
-
bei Angina
pector
is
CCS-K
lasse II-III
und hochpathologischer Stress-Echokardiographie
-
hochg
radige Abgangsstenose der
Arteria
carotis
interna
rechts (NASCE
T 90 %) mit suffizienter
Mediakollateralisation
im klinischen Stadium I
-
St. n. offener TEA der
Arteria
carotis
communis
und
externa
rechts
3.3.5
Am 12. Nove
m
ber 2016 wurde ein MR
des Schädels und
der HWS durchgeführt. Dies
es
ergab
Resttumoranteile des
Epidermoids
linksseitig, zentriert und im
Be
reich
der
Cisterna
ambiens
sowie keine relevanten degenerativen Veränderungen der HWS (Urk. 8/77 S. 9 f.).
3.3.6
Dr.
A._
führte in ihrem Bericht vom 28. November 2016 aus,
dem Beschwerdeführer gehe es gut. Er habe teilweise ein Taubheitsgefühl in der linken Wange und teilweise auch Schmerzen im
2.
und
3.
Trigem
inusast.
Sie erwähnte
eine
Verbesserung der Gleichgewichts
störung
und eine
totale Verbesserung des
ataxischen
Ganges
.
Der
MRT-Befund
des Gehirns
vom 12. November 2016 zeige im Vergleich zum postoperativen CT von 2015 eine
stabile Situation ohne
Wachs
tum des kleinen Resttumors in der
Cisterna
ambience
und keinen
Hydrocephalus
(Urk. 8/77 S. 12).
3.3.7
Im Bericht des Zentrums
E._
, Pneumologie,
vom 30. Januar 2017 be
tref
fend die
ambulante
pneumologische
Abklärung
vom 12. Januar 2017 wurden die folgenden Diagnosen genannt
(Urk. 8/77 S.
19)
:
-
Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
-
koronare 2-Ast Erkrankung
-
cerebrovaskuläre
Verschlusskrankheit
-
Epidermoidzyste
am Kleinhirnbrückenwinkel mit Trigeminus Neuralgie
-
Urolithiasis
links proximal
-
Arterielle Hypertonie
-
Adipositas Grad I
-
Diabetes mellitus, ED: 2016
-
Depression mittelschweren Grades seit Jahren
Es wurde ausgeführt, die
Polysomnographie
habe die Verdachtsdiagnose einer
obstru
ktiven Schlafapnoe mit einem AHI
von 27.1/h ODI 25.9/h bestätigen können
. Die Einleitung einer CPAP-Therapie zur Behandlung des Schlafapnoe-Syndroms sei in Kürze geplant. In der aktuellen Lungenfunktion bestünden
beim
Exraucher
normale und statische Lungenvolumina. Die Lungenauskultation sei unauffällig. In der arteriellen Blutgasanalyse
falle
allerdings
eine respiratorische Partialin
suf
fizienz auf. Ein im Juli 2016 durchgeführtes Röntgenbild zeige neben
pleuralen
Verkalkungen an der
Thoraxwand
auch einen unklaren Prozess in der Lungen
spitze links
,
zudem eine streifige Transp
arenzminderung lin
k
s basal (Urk. 8/77 S.
20)
3.3.8
Im Bericht der
Klinik
B._
, Psychiatriezentrum
F._
, vom 27.
Januar
2017 betreffend die Konsultation vom 24.
Januar 2017 wurde die folgende Beur
teilung gemäss ICD-10 vorgenommen
(Urk. 8/77 S. 29)
:
-
V.
a. mild
cognitive
Impairment
(F06.7)
-
DD leichte Demenz, nicht näher bezeichnet (F03)
-
DD Pseudodemenz
bei mittelgradiger depressiver Episode (F32.1)
und V.a. anhaltende Schmerzstörung (F45.2)
3.3.9
Dr.
A._
hielt in ihrem Bericht vom 16.
März 2017 fest,
der Be
schwer
deführer habe weiterhin teilweise ein Kribbelgefühl in der linken Wange und eine Hypersensibilität auf Kälte im
2.
und
3.
Trigeminusast. Zudem
retro
o
ccipitale
Kopfschmerzen, welche rezidivierend aufträten.
Die Gleichgewichtsstörungen, die präoperativ bestanden hätten, hätten sich deutlich verbessert.
U
nverändert be
stehe eine gute Lebensqualität im Rahmen der Multimorbidität.
Aufgrund
seiner
Multimorbidität
sei der Beschwerdeführer
aktuell
sicher nicht arbeitsfähig
(Urk.
8/77
S.
30)
.
3.3.10
Im Bericht des Zentrums E._
, Pneumologie, vom 22.
März 2017 betreffend die ambulante kons
iliarische Untersuchung vom 20.
März 2017 wurden die fo
l
gen
den Diagnosen genannt (Urk. 8/77 S.
31):
-
Mittelschweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
-
koronare 2-Gefässerkrankung
-
zerebrovaskuläre
Verschlusskrankheit mit St.
N.
Thrombarthektomie
-
Pleuraschwarte
links
-
COPD Gold Stadium I
Es wurde ausgeführt, die nächtliche Überdruckatmung mit 15cmH2O würde sämt
liche Apnoen zum Verschwinden bringen. Die festgestellte leichte Hypoxämie sei einerseits auf die wahrscheinlich schon vor 20 Jahren entstandene
Pleurasch
warte
links zurückzuführen, zum Teil aber auch durch eine leichte obstruktive Lungenkrankheit ohne Therapiebedarf, nachdem der Beschwerdeführ
er jetzt Nicht
raucher sei (Urk.
8/77 S.
32).
3.3.11
Im Bericht der
Klinik
B._
, Psyc
hiatriezentrum
F._
, vom 3.
April 2017
über die in der Memory
Clinic
durchgeführte Demenzabklärung
wurden die folgenden Diagnosen genannt
(Urk. 8/77 S.
35)
:
-
Kognitive Einschränkungen bei
-
mittelgradiger depressiver Episode (F32.1)
-
anhaltender Schmerzstörung bei St. n.
Epidmoidalzys
te
mit persistie
ren
den
neuralgi
formen
Schmerzen
-
obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom
-
Status nach
Epidmoidalzyste
, Entfernung am linken Kleinhirnbrücken
winkel (September 2015) mit atypischer Trigeminusneuralgie/Hypästhesie links und persistierenden
neuralgiformen
Schmerzen im linken Trigemi
nus
versorgungsbereich
-
koronare Zweiasterkrankung (Status nach PLPCX und zweifacher PCI-Stent 6/2013)
-
zerebrovaskuläre
Verschlusskrankheit mit hochgradiger Abgangsstenose der
Arteria
carotis
interna
rechts, 10/2014
Thrombarteriektomie
ACI rechts und Rekonstruktion
-
arterielle Hypertonie
-
Adipositas Grad I
-
Hypercholesterinämie
-
Diabetes mellitus, ED 2016
-
Schlafapnoe-Syndrom, ED 2017
-
Vitamin D-
Mangel
Es wurde ausgeführt, obwohl sich in mehreren kognitiven Bereichen Defizite zeigten, würde
die Kriterien eines demenziellen Syndroms
trotz der eigen- und fremdanamnestischen Angaben mit hohem
F
unctional
Activi
ties
Questionnaire
(F
AQ)/I-ADL-Score von 20/30 Pkt. a
ktuell als
nicht erfüllt
erachtet. Dies werde auch durch
die unauffällige Bildgebung
untermauert.
Ätiologisch-
pathogenetisch
seien die kognitiven Defizite schwierig einzuordnen. Es sei am ehesten von einer
multifa
ktoriellen Ätiologie auszugehen:
i
m Rahmen einer wahrscheinlich mittel
gradigen depressiven Episode (Aufmerksamkeits-, Gedächtnis- und Exekutiv
funk
tionsdefizite typisch),
des kürzlich
erst
diagnostizierten Schlafapnoe-Syndroms bei generell schlechtem Schlaf und folglich erhöhter Tagesmüdigkeit und mög
licherweise im Rahm
en der persistierenden
neuralgi
formen
Schmerzen
bei St. n.
Epidoidalzyste
(Urk. 8/77 S.
38
= Urk.
8/88 S.
6
).
3.3.12
Dr.
A._
führt
e
in ihrem Bericht vom 13.
Juni 2017 zuhanden des Sozialamtes aus, der Beschwerdeführer
sei seit dem 5. März 2013 bis heute zu 100 % arbeitsunfähig. Er
habe eine schwere Schwindelproblematik und ein kon
stantes Trigeminus-Neuralgie-Gefühl und könne sich nicht mehr als ein bis zwei Stunden mit einer Aktivität beschäftigen. Er
brauche eine 100%
ige IV-Rente, weil nach der
Hintumoroperation
in der Kleinhirnbrückenwinkelzisterne eine
Gleich
gewichtsproblematik
und eine
Hypästhesieproblematik
des Trigeminusnervs links geblieben sei.
Er sei polymorbid. E
r sei am 2.
Juni 2013 in der Klinik
D._
mittels
Koronarstent
-Implantation behandelt worden und er sei in chronischer Therapie mit
Plavix
und Aspirin, so dass eine Tätigkeit mit Unfallge
fahr ein Risiko darstelle (Urk.
8/82
= Urk. 8/88 S.
2
).
3.3.13
Am 31.
Oktober 2017 wurde eine 3-Phasen-Skelettszintigrafie durchgeführt. Diese ergab fokale Mehranreicherungen im Bereich mehrerer Fingergelenke und im Grosszehengrundgelenk rechts, vereinbar mit
arthrotischen
Veränderungen im Sinne einer Po
l
yarthrose
,
und
s
zintigrafisch
keine Hinweise für Arthrit
is (Urk. 8/85 S.
9).
3.3.14
Dr.
G._
, FMH
Allgemeine
Innere Medizin,
nannte in
ihrem Bericht
vom
3.
November 2017 zuhanden der IV-Stelle die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/85 S.
1)
:
-
Epidermoidzyste
am Kleinhirnbrückenwinkel mit Trigeminus Neuralgie
-
Adipositas Grad I
-
kognitive Einschränkungen bei
-
mittelgradiger depressiver Episode (F32.1)
-
anhaltender Schmerzstörung bei St. n.
Epidmoidalzys
te
mit persistie
renden
neuralgi
formen
Schmerzen
-
obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom
-
chronisches
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom mit
-
unspezifischen generalisierten Schmerzen
Dr.
G._
führte aus
,
Schmerzen im Gesicht hätten zur Diagnose eines Klein
hirnbrückenwinkeltumors geführt. In den präoperativen Abklärungen seien eine
Carotisstenose
und eine KHK festgestellt worden, die beide
interventionell
ange
gangen worden seien. Nach einer entsprechenden Wartezeit wegen der Antiag
gre
gationstherapie sei der Kleinhirnbrückentumor im September 2015 operiert wor
den. Seither klage der Beschwerdeführer persistierend über
neur
algiforme
Schm
er
zen im Bereich
der
Wange links. Funktionseinbussen lägen keine vor.
Wegen Gelenkschmerzen sei
in der letzten Woche
eine ergänzende Abklärung
durch
geführt worden, die eine leichte Arthrose im Bereich der Finger und der rechten Grosszehengrundgelenke gezeigt habe.
D
ie Prognose sei ungünstig
,
rein von der psy
chosozialen Struktur und der Persönlichkeitsstruktur her werde der Beschwer
deführer nicht mehr arbeiten, obwohl eine leichte Arbeit somatisch absolut ver
tretbar wäre.
Die eingeleitete psychiatrische Therapie sei nicht umgesetzt worden. Durch die Adipositas und die generalisierten Schmerzen sei eine Trägheit und Antriebslosigkeit entstanden, welche mit dem Tempo einer Arbeitsstelle nicht ver
einbar sei. Es best
ünden eine Verlangsamung und
eine kognitive Einschränkung durch Schmerzen und Depression.
Der Wille einer Änderung und für die Arbeit sei nicht vorhanden (
Urk.
8/85 S. 3 f.)
3.3.15
RAD-Ärztin
Dr.
H._
,
FMH O
rthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, führte
in ihrer Stellungnahme vom 14.
Dezem
ber 2017 au
s, seit 2010 seien häufige Infekte der Luftwege aufgetreten, die jeweils problemlos abgeheilt seien. Bei linksseitigen Gesichtsschmerzen sei im März 2013 als Ursache ein Tumor im Kleinhirnbrückenwinkel mit Druck auf den
N.
Trigeminus gefunden worden. Während der Vorbereitung zur Operation seien zunächst eine KHK und eine
Carotisstenose
behandelt worden. Im Juni 2013
seien ein
Stenting
bei kor
onarer Herzkrankheit und am 10.
Oktober 2014
eine
Operation bei
Carotisstenose
durchgeführt worden
mit unauffälligem Befund bei der p
ostope
rativen Kontrolle. Am 17.
September 2015 sei der gutartige Tumor im Kleinhirn
brückenwinkel entfernt worden. Die CT-Kontrolle habe regelrechte Befunde post
operativ er
geben.
Dr.
A._
habe am 28.
September 2015
eine
Verbesserung des Taubheitsgefühls im Trigeminusbereich links mit normalem Gefühl im Gesicht
berichtet. Der anfangs ataktische Gang habe sich ebenfalls gebessert. Am 16
.
März
2016 habe die Klinik
D._
weiterhin eine Hypästhesie (vermindertes Emp
finden) im Trigeminusbereich berichtet. Seitens der geklagten Beschwe
rden im
Gesicht
läg
en laut Dr.
G._
keine Funktionseinbussen
vor
. Der von Dr.
G._
mitgeteilte klinische Untersuch
ungsbefund sei unauffällig. Dr.
G._
habe berichtet, dass der Beschwerdeführer die ei
n
geleitete psychiatrische Therapie nicht wahrgenommen habe. Sie habe beurteilt, dass eine
körperlich leichte Arbeit somatisch absolut vertretbar
sei. Die Prognose für die Umsetzung der Arbeits
fähigkeit sei ungünstig, da der Beschwerdeführer aufgrund seiner
psychosozialen Struktur
und seiner Persönlichkeitsstruktur nicht mehr arbeiten werde. Sie habe als Belastungsprofil wechselbelastende oder sitzende und gehende Tätigkeiten ohne Bücken, Kauern,
Knien und Überkopfarbeiten mit einer
Gewichtslimite
von 10 kg o
hne höhere Anforderungen an Konz
entration, Anpassungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit beschrieben.
Im Rahmen einer Demenzabklärung sei eine neuropsychologische Testung in der
B._
durchgeführt worden. Im Rahmen der Symptomvalidierung und aufgrund der klinischen Beobachtungen hätten sich dabei Hinweise auf eine mangelnde Motivation und Leistungs
be
reit
schaft ergeben.
Eine Demenz sei ausgeschlossen worden
. Aufgrund der Opera
tio
nen könne von einer jeweils vorübergehenden Arbeitsunfähigkeit ausge
gangen werden. Eine dauerhafte Arbeitsu
n
fähigkeit für angepasste Tätigkei
ten sei nicht ausgewiesen (Urk. 8/86 S.
4).
3.3.16
Dr.
A._
hielt in ihrem
Bericht vom 5.
Februar 2018 fest, dass sich ein stabiler Befund zeige (
MRI Gehirn vom 24.01.2018, Urk.
3/2).
3.3.17
In Ihrem Bericht vom 29.
März 2018 führte
Dr.
A._
aus, der Be
schwerdeführer sei mit der Bitte an sie herangetreten
,
noch einmal einen Bericht bezüglich Arbeitsfähigkeit bzw. Arbeitsunfähigkeit auszustellen. Aus ihrer Sicht sei er aktuell und wahrscheinlich auch auf weitere
Zeit 100 % arbeitsunfähig (Urk.
3/1).
4.
4.1
In somatischer Hinsicht geht aus den medizinischen Akten hervor,
dass beim Beschwerdeführer im März 2013 als Ursache von linksseitigen Gesichtsschmerzen ein Tumor im Kleinhirnbr
ückenwinkel mit Druck auf den
Nervus
Trigeminus festgestellt worden ist.
Im Juni 2013
erfolgte ein
Stenting
bei kor
onarer Herz
krankheit und im
Oktober 2014 eine
operative
Rekanalisierung
der rechten
Carotis
interna
bei
Carotisstenose
mit unauffälligem Befund bei der postoperativen Kon
trolle. Am 17. September 2015 wurde der gutartige Tumor im Kleinhirnbrück
en
winkel operativ entfernt
mit regelrechten Befunden postoperativ
.
Aufgrund der Operation attestierte d
ie behandelnde Neurologin
Dr.
A._
eine 100%-
ige
Arbeitsunfähigkeit vom 17. September bis 28. Oktober 2015
(Urk. 8/77 S.
6
)
. In ihrem Bericht vom 28. November 2016 führte sie aus, dem Beschwerde
führer gehe es gut. Der MRT-Befund vom 12. November 2016 zeige im Vergleich zum postoperativen CT von 2015 eine
stabile Situation
. Der Beschwerdeführer habe teilweise ein Taubheitsgefühl in der linken Wange und teilweise auch Schmerzen im
2.
und
3.
Trigeminusast.
Funktionseinbussen nannte sie keine.
Sie
wies auf
eine
Verbesserung der Gleichgewichtsstörung und eine totale Verbesse
rung des
ataxischen
Ganges
hin
. Eine Arbeitsunfähigkeit attestierte sie nicht
(vgl. Urk. 8/77 S.
12
)
.
In ihrem Bericht vom 16. März 2017 hielt
Dr.
A._
fest,
die Gleichgewichtsstörungen, die präoperativ bestanden hätten, hätten sich deutlich verbessert.
Unverändert bestehe eine gute Lebensqualität im Rahmen der
Multimorbidität.
Aufgrund
der
Multimorbidität
sei der Beschwerdeführer
nicht arbeitsfähig
(
vgl.
Urk. 8/77 S. 29
f.
).
In ihrem Bericht vom 13. Juni 2017 führte sie unter Hinweis auf eine Gleichgewichtsproblematik und eine
Hypästhesieprob
le
matik
sowie auf Polymorbidität aus, der Beschwerdeführer brauch
e eine 100 %-IV-Rente, ohne dies
näher zu begründen.
Im Widerspruch zu ihren vorerwähnten Berichten
ist
nun von einer
schwere
n
Schwindelproblematik
die Rede
. Es entsteht der Eindruck, dass Dr.
A._
bei ihrer Beurteilung allein auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers abgestellt hat, ohne diese kritisch zu hinterfragen.
Die Gleichgewichtsproblematik hat sich gemäss ihren eigenen Angaben postoperativ deutlich verbessert. Inwiefern die
Hypästhesieproblematik
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit haben soll
,
ist nicht ersichtlich, zumal keine Funktionseinbussen bestehen.
Eine
Multimorbidität begründet per se ebenfalls keine Arbeitsunfähigkeit.
Die von
Dr.
A._
vorgenommene Einschät
z
ung
der Arbeitsfähigkeit, wonach der Beschwerdeführer bis auf weiteres für sämtliche Tätigkeiten 100 % arbeitsunfähig sein soll, vermag
vor diesem Hinter
g
ru
nd
nicht zu überzeugen.
Im Weiteren hielt
Dr.
A._
fest, dass aufgrund der Therapie mit
Plavix
und Aspirin eine Tätigkeit mit Unfallgefahr ein Risiko darstelle (vgl. Urk. 8/82). Entgegen der Auffass
ung des Beschwerdeführers (Urk.
1) trifft dies aber nicht für jede Tätigkeit zu, insbesondere nicht für eine körperlich leichte Tätigkeit.
Die Behandlung mit
Thrombozytenaggregations
hemmern
führt lediglich zu einer Arbeitsunfähigkeit für Tätigkeiten mit einem erhöhten Unfallrisiko
, was namentlich bei körperlich schweren Tätigkeiten der Fall sein dürfte
.
Aus den
pneumologischen
Berichten
(Urk. 8/77 S. 19 ff. und Urk. 8/77 S. 31
ff.
)
ergibt sich
ebenfalls
keine
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
und wird auch vom Beschwerdeführer nicht behauptet.
Die Hausärztin des Be
schwerdeführers,
Dr.
G._
, erachtet
e
eine
körperlich leichte Arbeit
aus
soma
tisch
er Sicht denn auch als
absolut vertretbar
(Urk. 8/85 S.
3
)
.
RAD-Ärztin
Dr.
H._
gelangt
e
nachvollziehbar zum Schluss, dass
aufgrund der
besagten
medizinischen Akten
eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit für angepasste Tätig
keiten nicht ausgewiesen
ist
(Urk. 8/86 S.
4
).
Der medizinische Verlauf ist lückenlos dokumentiert und es liegen – abgesehen von der nicht hinreichend begründeten und nicht nachvollziehbaren Arbeitsun
fähigkeitsbeurteilung von
Dr.
A._
- keine diskrepanten medizini
schen
Einschätzungen vor.
Somit
ist
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde
geg
nerin auf weitere Abklärungen des somatischen Gesundheitszustandes verzich
tet hat.
4.2
Aus psychia
trischer
Sicht wurde in den Berichten der
Klinik
B._
vom 27.
Januar und 3.
April 2017
die Diagnose einer mittelgradigen depressiven
Episode (F32.1)
sowie ein Verdacht auf eine anhaltende Schmerzstörung (F45.2) gestellt
(Urk. 8/77 S. 16 und S.
35)
.
Im Befund wurde
n
eine verminderte Freud
fähigkeit und ein Interessenverlust sowie ein reduzierter Antrieb erwähnt. Weiter wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer affektiv niedergestimmt mit Zu
kunftssorgen in Zusammenhang mit der schwier
igen Arbeitssituation sei (Urk. 8/77 S.
37).
Die Hausärztin des Beschwerdeführers,
Dr.
G._
,
wies
darauf hin, dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner
psychosozialen Struktur
und seiner Persönlichkeitsstruktur nicht mehr arbeiten werde
(Urk.
8/
85 S.
3)
. In den Berichten der
B._
wurde
n
nicht krankheitsbedingte
Fak
toren nicht kritisch abgegrenzt
,
obwohl
Anhaltspunkte dafür
bestehen
, dass das psychische Beschwerdebild durch psychosoziale Belastungsfaktoren mitbestimmt wird.
Eine RAD-Stellungnahme eines psychiatrischen Facharztes liegt nicht vor.
Ob eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andau
ernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder ein damit vergleichbarer psy
chischer Leidenszustand besteht, welchem gegenüber einem reaktiven inva
lidi
täts
fremden Geschehen auf psychosoziale Belastungen selbständige Bedeu
tung zukommt, kann aufgrund der vorliegenden Akten nicht beurteilt werden.
Den
psy
chiatrischen
Berichten
sind ausserdem keine
schlüssige
n
medizinische
n
Aus
führungen zu entnehmen, die eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erlauben würden
(vgl. E. 1.2-4)
.
Anhand der vorliegenden
Akten
kann somit nicht eruiert werden, ob seit der psychiatrischen Begutachtung vom 5. Mai
2011 (Urk. 8/37) eine relevante Änderung des psychischen Gesundheitszustandes eingetreten ist
oder
nicht
.
Aufgrund der neuropsychologischen Untersuchung erachteten die Ärzte der
Klinik
B._
die Kriterien eines demenziellen Syndroms als nicht erfüllt, was auch durch die unauffällige Bi
ldgebung untermauert wurde
(Urk. 8/77 S.
38). Diesbezüglich ist daher kein weiterer Abklärungsbedarf ersichtlich.
4.3
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass gestützt auf die aktuelle Aktenlage
der Leistungsanspruch des
Beschwer
deführers
nicht
abschliessend
beurteilt werden kann. Die Beschwerdegegnerin hat den ps
ychischen Gesundheitszustand des
Be
schwerde
führers
ungenügend abgeklärt.
Daran ändert auch der Umstand nichts, dass sich der Beschwerdeführer offenbar zumindest bis März 2018 keiner psy
chiatrischen Behandlung unterzog (Urk. 8/85 S. 3 und Urk. 3/1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_273/2017 vom 9. April 2018 E. 3.1 und E. 3.3 mit Hinweis auf BGE 143 V 409).
Die
angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die
Sache zur
Vornahme ergänzender Abklärungen
im Sinne der vorstehenden Erwägungen sowie zur anschliessenden neuen Verfügung
an die Beschwe
rdegegnerin zurück
zuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Die Kosten des Verfahrens sin
d auf Fr. 7
00.-- festzusetzen und, da die Rück
wei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
ge
n gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuer
legen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung, die in Anwendung von § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) und § 7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebVSVGer
) auf Fr.
800.
-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzusetzen und
von
der Beschwer
degegnerin
zu erbringen
ist.