# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d81c8d67-002f-5198-9ee8-801a1445307a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1969 geborene
X._
meldete sich am 2
6.
Oktober 2000 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/2). Nach Vornahme medizinischer und erwerblicher Abklärungen sprach
ihm
die IV-Stelle mit Verfügung vom
9.
August 20
01 mit Wirkung ab 1.
Novem
ber 1999 eine ganze Rente zu (
Urk.
11/13-14). Ein im Januar 2003 eingeleitetes Revisionsverfahren (
Urk.
11/18) schloss die IV-Stelle mit Mitteilung vom
5.
Mai 2004 mit der Feststellung eines unveränderten Invaliditätsgrades ab (
Urk.
11/21)
.
Im
Februar 2009
leitete die IV-Stelle erneut ein
Revisionsverfahren
ein
(
Urk.
11/27)
. Dieses schloss sie mit Mitteilung vom
4.
März 2010
ab, wobei sie weiterhin einen unveränderten Rentenanspruch festhielt (
Urk.
11/37). Im Jahr 2015 führte die IV-Stelle ein weiteres Revisionsverfahren durch
(
Urk.
11/42-48
)
, welches sie mit Mitteilung vom 2
7.
Oktober 2015 wiederum mit der Feststellung eines unveränderten Rentenanspruchs abschloss (
Urk.
11/49)
.
1.2
Im Juli 2017 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein (
Urk.
11/60). Dabei liess sie einen Auszug aus dem individuellen Konto
erstellen (
Urk.
11/61), holte einen Bericht
von
Dr.
med. Y._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, ein
(
Urk.
11/71)
und
zog
die
Akten des Amts für Zusatzleis
tungen zur AHV/IV der Stadt Zürich (
Urk.
11/73,
Urk.
11/74)
sowie
die Akten
der
Krankenversicherung von
X._
bei (
Urk.
11/75,
Urk.
11/76). In der Folge gab
die IV-Stelle
bei
Dr.
med.
Z._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
dipl
.
-psych
.
A._
, Fachpsycholog
e FSP für Neuropsychologie und für Verkehrspsychologie,
ein
bidisziplinäres
(psychiatri
sches/neuropsychologisches)
Gutachten
in Auftrag (
Urk.
11/79).
X._
war vom 2
1.
November bis am 2
4.
Dezember 2018 in der
B._
hospitalisiert (
Urk.
11/98), weshalb die gutachterlichen Untersu
chungen erst am 3
0.
Januar 2019 (
Urk.
11/105/1) beziehungsweise am
4.
Februar 2019 (
Urk.
11/107/5) stattfanden. Das
bidisziplinäre
Gutachten wurde am 1
8.
März 2019 erstattet (
Urk.
11/107
/33-4
7
).
Nachdem
X._
am 1
4.
Mai 2019 erklärt hatte, (subjektiv) nicht in der Lage zu sein, an Eingliederungsmass
nahmen teilzunehmen, schloss die IV-Stelle mit Mitteilung vom gleichen Tag die Arbeitsvermittlung ab (Urk.
11/111). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/113;
Urk.
11/115,
Urk.
11/117,
Urk.
11/121-123
) stellte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
8.
Dezember 2019 die Rente von
X._
auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats ein (
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom 3
1.
Januar 2020 (
Urk.
1) Beschwerde erheben und beantragen, es sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, ihm die gesetzlichen Leistungen der Invalidenversicherung auszurichten, insbesondere sei ihm weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten. In prozessualer Hinsicht beantragte
er
die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und die Bestellung von Rechtsanwältin Annemarie Gurtner als unentgeltliche Rechtsvertreterin.
Mit Verfügung vom 1
1.
Februar 2020 (
Urk.
5) wurde der Beschwerdegegnerin Frist zur Beschwerdeantwort angesetzt. Gleichzeitig wurde dem Beschwerdeführer das Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit zugestellt, und
es wurde
ihm Frist
angesetzt, um das Formular, vollständig und wahrheitsgetreu ausgefüllt sowie unter Beilage sämtlicher Belege zur aktuellen finanziellen Situation dem Gericht einzureichen. Der Beschwerdeführer reichte das Formular am 1
6.
März 2020 unter Beilage von Belegen dem Gericht ein (Urk. 7
,
Urk.
8,
Urk.
9/2-11
).
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
März 2020 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
10), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 2
3.
März 2020
angezeigt
wurde (
Urk.
12).
Mit Verfügung vom 2
1.
Oktober 2020 (
Urk.
14) wurde dem Beschwerdeführer erneut das Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit zugestellt und Frist angesetzt, um das Formular vollständig, das heisst auch betreffend die von Sozialhilfebezügern normaler
weise nicht zu beantwortenden Fragen, und wahrheitsgetreu ausgefüllt unter Bei
lage sämtlicher Belege
zur
aktuellen finanziellen Situation dem Gericht einzu
reichen. Der Beschwerdeführer reichte das Formular am 2
7.
November 2020 unter Beilage von Belegen ein (
Urk.
17,
Urk.
18,
Urk.
19/1-4).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin erklärte zur Begründung ihres Entscheides im Wesentli
chen
(
Urk.
2
)
, die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers massiv verbessert habe. Eine arbeits
einschränkende psychiatrische Symptomatik liege nicht mehr vor. Der neuropsy
chologische Befund dokumentiere
schwerstgradige
Hinweise auf Aggravation und Simulation, die so weit gingen, dass weder
Konzentration, Aufmerksamkeit,
Merkfähigkeit noch die anderen kognitiven Fähigkeiten adäquat bewertet werden
könnten. Aktuell könne nur noch davon ausgegangen werden, dass die geäusser
ten optischen Halluzinationen bestünden. Diese schränkten den Beschwerdefüh
rer in seiner Arbeitsfähigkeit jedoch nicht weiter ein. Der Beschwerdeführer ver
füge zudem über erhebliche Ressourcen. Er habe innerhalb der letzten
zehn
Jahre in der Türkei
ein Immobilienvermögen
aufgebaut, einen BMW erwor
ben, er sei Auto gefahren, habe
Reisen geplant und verfüge
über erhebliche interaktionelle und kognitive Kompetenzen. Funktionsstörungen seien nicht nachvollziehbar.
In den psychopathologischen Befunden der Berichte des Behandlers seien mehrheit
lich Aussagen des Beschwerdeführers aufgeführt worden. Die beschriebene Symptomatik sei nicht typisch für eine paranoide Schizophrenie.
Dass der Beschwerdeführer in deutscher Sprache nur schwerfällig verbalisieren könne, sei eine Aussage des behandelnden Psychiaters.
Die Gutachter hätten erklärt
, dass die sprachliche Verständigung ohne Dolmetscher problemlos möglich gewesen sei.
1.2
Der Beschwerdeführer liess dagegen im Wesentlichen vorbringen (
Urk.
1
),
d
as Gutachten von
Dr.
Z._
stütze sich auf unrichtige Tatsachen und
sei
in sich widersprüchlich.
Es seien
zudem entscheidende Tatsachen unberücksichtigt
geblieben
.
Dr.
Z._
habe keine Einschränkung bezüglich der Verständigung feststellen könne
n
. Im Eheschutzverfahren habe hingegen der
Richter
seinen Aus
führungen auf Deutsch nicht folgen können. Auch
Dr.
Y._
habe darauf hin
gewiesen, dass er sich in deutscher Sprache nur sehr schwerfällig verbalisieren könne.
Das angebliche Vermögen stütze sich auf Aussagen der Ehefrau im strit
t
ig
en Eheschutzverfahren.
Fest stehe, dass er 1996, vor Eintritt der Arbeitsunfä
higkeit, ein Grundstück seines Vaters in der Türkei geerbt habe. Zusammen mit seiner Ehefrau habe er damals beschlossen, darauf eine Immobilie zu erstellen. Danach habe er keine weiteren Immobilien erworben. Der Besitz von Immobilien sei für die Beurteilung seines Leistungsanspruchs jedoch ohnehin unerheblich.
Dr.
Y._
habe im Gegensatz zu
Dr.
Z._
nicht feststellen können, dass seine Hände sehr rau und schwielig seien.
Dr.
Z._
berücksichtige im Rah
men seines Gutachte
n
s nicht, dass er gelernt habe, mit den Halluzinationen umzugehen. Unter der Kategorie «Antriebs- und psychomotorische Störungen»
habe
der Gutachter lediglich auf Trippelbewegungen mit dem Fuss hin
gewiesen
. Aus dem Gutachten selbst gehe jedoch hervor, dass sein Antrieb stark vermindert sei.
Sein Tag beginn
e
trotz frühem zu Bett gehen und zehn bis elf Stunden Schlaf erst um 12:00 Uhr. Nach der Einnahme von
Leponex
brauche er immer etwa zwei bis drei Stunden, um in den Tag zu kommen. Den Nachmittag verbringe er nur zu Hause. Die Wohnung verlasse er kau
m
. Hobbys habe er kein
e
; w
eder lese er
,
noch erledige er Dinge. Er sitze nur zu Hause und s
chaue
fern.
Die Schlussfolgerung des psychiatrischen Gutachters, es besteh
e
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
C._
-Wagenreiniger, sei bereits im Hinblick auf den bisherigen Krankheitsverlauf, insbesondere unter Berücksichtigung des letzten stationären Aufenthaltes in der
B._
, absurd.
Der
psychiatrische Gutachter
h
ätte sich grundsätzlich die Frage stellen müssen
, ob die angewandten Testverfahren für mit Neuroleptika behandelte Person
en
überhaupt validiert sei
en
.
Wenn das Gericht wider Erwarten die angefochtene Verfügung bestätigen sollte, seien vor der Rentenaufhebung zwingend Eingliederungsmassnahmen zu prüfen. Er habe über 15 Jahre eine Rente bezogen und s
ei
nicht in der Lage, sich selbst einzugliedern. Er sei bereit, an entsprechenden Eingliederungsmassnahmen teil
zun
e
hmen. Während den Abklärungen möglicher Eingliederungsmassnahmen sei die Rente weiterhin auszurichten. Auch wenn er der Beschwerdegegnerin mitge
teilt habe, dass er sich im Mai 2019 nicht in der Lage gefühlt habe, an Eingliede
rungsmassnahmen teilzunehmen, könnten die Leistungen nicht ohne Weiteres eingestellt werden. Leistungen könnten nur gekürzt oder verweigert werden, wenn zuvor ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchgeführt worden sei.
Den Akten sei nicht zu entnehmen, dass die Beschwerdegegnerin dieser Anforderung nachgekommen sei.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Tei
l des Sozialversicherungsrechts,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
2.2.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7,
Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die
es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlau
-
ben
, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141
V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines renten
-
begründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
-
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und
wider
-
spruchsfrei
mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
2.2.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.3
2.3.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.3.2
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu han
deln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Inva
lidenversicherung (IVV)
auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssach
verhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 201
3 E.
3.1.2).
2.3.3
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 55. Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Einglie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten. Ausnahmen von der
diesfalls
grund
sätzlich («vermutungsweise») anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbstein
gliederung liegen namentlich dann vor, wenn die lang
jä
hrige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versi
cherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildungen und Berufserfahrungen verfügt. Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren. Die IV-Stelle trägt die Beweislast dafür, dass entgegen der Regel die versicherte Person in der Lage ist, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial auf dem Weg der Selbsteingliederung erwerblich zu verwerten (BGE 145 V 209 E. 5.1).
2.3.4
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
08.2018
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
3.
3.1
3.1.1
Bei der mit Verfügung vom
9.
August 2001 erfolgten
Zusprache
einer ganzen Rente mit Wirkung ab
1.
November 1999 (
Urk.
11/13-14) war die Beschwerde
gegnerin davon ausgegangen, dass der Beschwerdeführer zu 100
%
invalid sei. Aus medizinischer Sicht hatte sie sich
im Wesentlichen
auf Bericht
e
von
Dr.
Y._
gestützt
(
Urk.
11/12).
Dr.
Y._
hatte mit Bericht
an die Beschwerdegegnerin
vom 1
6.
Februar 2001 (
Urk.
11/11) als Diagnose genannt:
-
p
aranoide Schizophrenie, Differentialdiagnose medikamentös induzierte Psychose
Der Beschwerdeführer sei allseits orientiert. Das Denken sei verlangsamt, auf Familie und familiäre Situation eingeengt. Der Beschwerdeführer berichte von Gedankenabbruch und Gedankeneingebung. Weiter zeigten sich Müdigkeit, Ver
folgungswahn, wechselnde Stimmen- und Geräuschhalluzinationen, gestörte Konzentrationsfähigkeit, psychotische Ängste und sozialer Rückzug. Unter Druck der halluzinierten Stimmen bestehe eine latente, gelegentliche
akute
Suizidalität.
Dr.
Y._
attestierte dem Beschwerdeführer von Mitte 1998 bis Ende Novem
ber 1999 eine 50%ige und ab etwa
1.
Dezember 1999 eine 100%ige Arbeitsunfä
higkeit.
3.1.2
Im Rahmen des mit Mitteilung vom 2
7.
Oktober 2015 (
Urk.
11/49) ab
g
eschlosse
nen Revisionsverfahren
s hatte die Beschwerdegegnerin den
Be
richt von
Dr.
Y._
vom
7.
Oktober 2015 eingeh
olt (
Urk.
11/46).
Dr.
Y._
nannte
dabei als Diagnose eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.04), bestehend seit 199
5.
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei stationär. Der Beschwerdeführer sei voll orientiert. Er sei jedoch ängstlich und im Denken verlangsamt. Es bestün
den eine Ermüd
ung
und eine gedämpfte Grundstimmung. Der
Beschwerdeführer sei wegen zerr
ütteter ehelicher Beziehung sorgenvoll. Er habe Verfolgungsideen und höre Stimmen. Die Konzentrationsfähigkeit sei gestört. Er leide unter psy
chotischen Ängsten, sozialem Rückzug und stehe unter Druck der halluzinierten Stimmen. Eine Suizidalität werde verneint. Der Beschwerdeführer wirke bezüglich aggressiver Handlungen bei Angriffen halluzinierter Verfolger kontrolliert. Eine Arbeitstätigkeit s
ei
nicht möglich.
3.2
3.2.1
Im aktuellen Revisionsverfahren wurden insbesondere die folgenden ärztlichen Berichte aufgelegt:
3.2.2
Dr.
Y._
führte mit Verlaufsbericht an die Beschwerdegegnerin vom
6.
April 2018 (
Urk.
11/7
1
)
als Diagnose eine paranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.04) seit 1995 an. Der Gesundheitszustand sei stationär und gegenüber 2015 unverändert. Die Ausübung einer Arbeitstätigkeit sei dem Beschwerdeführer nicht möglich.
3.2.3
Dr.
med.
D._
, Assistenzärztin, und
Dr.
med.
E._
, Oberarzt, von der
B._
, führten mit Austrittsbericht vom 1
6.
Januar 2019
(
Urk.
11/
98
)
als Diagno
sen an:
-
p
aranoide Schizophrenie (ICD-10 F20.0)
-
Obstipation (ICD-10 K
59.0)
Durch die
Incompliance
des Beschwerdeführers bei
der Einnahme
von
Leponex
sei es bei einmaliger Einnahme der verordne
ten Dosis zu einer Überdosierung gekommen, da nicht schrittweise
aufdosiert
worden sei
. Der Beschw
e
rdefüh
re
r habe
zur Überwachung
auf die Intensivstation
der
F._
verlegt wer
den müssen. Nach
der
Rückkehr habe er sich noch sediert, aber in stabilem All
gemeinzustand gezeigt. Es sei mit der
Eindosierung
von
Leponex
75 mg begon
nen und unter laborchemischer Kontrolle sowie Kontrollen des Blutspiegels schrittweise auf 400 mg
aufdosiert
worden. Die Medikation mit
Solian
sei wäh
renddessen reduziert
worden
und habe schliesslich abgesetzt werden könne
n
. Zur Nachbehandlung sei ein Übertrit
t ins Home-Treatment vorgesehen
gewesen
. D
as Vorgespräch dafür habe am 1
3.
November 2018 stattgefunden. Der Beschwerde
führer habe schliesslich die angebotenen Therapien abgelehnt und es sei die Betreuung durch die psychosoziale Spitex organisiert
worden. Der Beschwerde
führer sei mehrmals über die Wichtigkeit der
Medikamentencompliance
aufge
klärt worden.
Er
sei am 24.
Dezember 2018 in teilweise remittiertem Zustandsbild in die häusliche Umgebung entlassen worden.
3.2
.4
Dr.
Z._
und
dipl.
-psych.
A._
erklärten
im Gutachten vom 1
8.
März 2019 im Rahmen der
Konsensbeurteil
ung
(
Urk.
11/
107/
33-47),
der neuropsychologi
sche Befund dokumentiere
schwergradige
Hinweise auf eine Aggravation und Simulation, die so weit gingen, dass weder
Konzentration, Aufmerksamkeit,
Merkfähigkeit noch die anderen kognitiven Fähigkeiten adäquat bewertet werden
könnten
. Aus
neuropsychologischer Sicht
würden
aufgrund der Inkonsistenzen die erzielten Testergebnisse des kognitiven Leistungsprofiles als ni
cht interpre
tierbar eingestuft
. Aus psychiatrischer Sicht bestehe als Diagnose mit Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit eine paranoid
halluzinatorische
Schizophrenie (ICD-10 F20.0)
,
geringgradig
ausgeprägt (
Urk.
11/107/37
+39
).
Hinsichtlich der fun
ktionellen Auswirkungen der Befunde und Diagnosen erklär
ten die Gutachter, bei der Bewertung der gesamten Untersuchung und innerhalb der Beurteilung der angegebenen Fakten fänden sich nur sehr geringe Einschrän
kungen bezüglich Befunde und Symptome. Funktionelle Auswirkungen fänden sich keine. Zu eventuell relevanten Persönlichkeitsaspekten erklärten sie, der Beschwerdeführer wirke innerhalb der Untersuchung adäquat durchsetzungsfä
hig, teilweise fordernd und klar abgegrenzt. Betreffend Belastungsfaktoren und Ressourcen führten die Gutachter aus, dass aufgrund der sehr schwierigen, aus
geprägten unterschiedlichen Angaben die Ressourcen nur teilweise nachvollzieh
bar seien. Der Beschwerdeführer könne Reisen selber buche
n
,
ohne Einschrän
kung
Auto fahren, sein Vermögen und seine persönlichen Interessen ordnen und den Haushalt selbständig führen. Es sei eine erhebliche Diskrepanz zwi
s
chen den
eigenen anamnestischen Angaben und den Fakten sowie der interaktionellen Kompetenz innerhalb der Untersuchung darzustellen. Persönlichkeit und Res
sourcen würden daher a
uf
grund der Untersuchung
und
der entsprechenden Aktenlage gewertet (
Urk.
11/107/37).
Bei einer paranoiden Schizophrenie fänden sich bei einem erheblichen Anteil der Versicherten bei bestehenden akustischen Halluzinationen auch formale Denk
störungen. Der Beschwerdeführer sei nicht affektiv beteiligt an den Halluzinatio
nen. Im Gegensatz zu typischen Verlaufsformen der paranoiden Schizophrenie komme es nicht zu formalen und kognitiven Einschränkungen. Auch der Bericht der
B._
zeige nur sehr geringe affektive und keine kognitiven Einschränkungen. Explizit finde sich nicht der typische Befund der affektiven Stumpfheit und der formalen Denkstörungen. Die Erkrankung sei als medizinisch nicht nachvollzieh
bar einzustufen. Die Symptome passten nicht zueinander
(
Urk.
11/107/39)
.
Im Entlassungs
bericht der
B._
sei die
Rückverlegung nach der
Verlegung
auf die Intensivstation der
F._
dokumentiert. Dies werde vom Beschwer
deführer
nicht entsprechend angegeben. Im Entlassungsbericht der
B._
finde sich, dass
der Beschwerdeführer zu dies
e
m
Zeitpunkt nicht g
enau gewusst
habe
, wie viel
Le
ponex
und
Solian
er in der letzten Zeit eingenommen habe. Die ver
schriebene Dosis sei zu
viel gewesen, daher habe er weniger eingenommen.
Es sei widersprüchlich, wenn der
Beschwer
deführer
angebe
, es sei ihm vor
der
stationä
ren Aufnahme deutlich
schlechter gegangen,
er jedoch
gleichzeitig
weniger
Medikamente
als verordnet eingenommen habe
(
Urk.
11/107/38)
.
Der Beschwerdeführer habe in der Türkei innerhalb der letzten Jahre ein Immo
bilienvermögen aufbauen könne
n
. Er habe i
m Rahmen
einer sehr komplex
en Scheidung adäquat interagier
en und mit Anwälten sich in einer hochkomplexen Situation adäquat verteidigen können. Dies zeige die Durchsetzungsfähigkeit, den Antrieb und die Kompetenz des Beschwerdeführers.
Im Protokoll
zur
Abänderung
der Eheschutzmassnahmen
werde angegeben, der Beschwerdeführer habe nur ein «kleines Auto, aber er sei nie einen BMW gefahren». In der
gutachterlichen
Untersuchung gebe er
hingegen im Widerspruch dazu
an, er habe einen BMW in der Türkei.
Bei
der oberflächlichen Inspektion zeig
t
en sich
sodann
raue, schwie
lige Hände wie typisch für Arbeiterhände, die rege
l
mässig genutzt würden. Der Beschwerdeführer gebe
jedoch
an, er würde in keiner Weise körperlich arbeiten.
Die
in der neuropsychologischen Testung
erzielten Minderleistungen
könnten
nicht eindeutig
als Funktionsstörungen interpretiert werde
n
. Es sei vielmehr davon auszugehen, dass der Besch
w
erdeführer nicht sein volles kognitives
Potenzial abgerufen habe. Die spezifischen Testverfahren,
welche
die Kooperati
onsbereitschaft in der Testuntersuchung erfassten, hätten Ergebnisse auf einem Zufallsniveau erbracht und begründeten erhebliche Zweifel an der ausreichenden Mit
wirkung des Beschwerdeführers
. Auf der Grundlage der Befunderhebung könnten deshalb keine Aussagen über krankheitsbedingte Funktionsstörungen gemacht werden. Ob eine bewusste Simulation
der
Testergebnisse vorliege, könne nicht mit Sicherheit gesagt, aber auch nicht ganz ausgeschlossen werden. Mög
licherweise li
ege auch nur eine psychiatrisch
bedingte Aggravation vor (
Urk.
11/107/38-40).
Zum aktuellen Zeitpunkt sei von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit auszugehen. Es finde sich keine Leistungseinschränkung (
Urk.
11/107/40).
Auf die Frage der Beschwerdegegnerin, ob sich der Gesundheitsschaden seit der letzten materiellen Stellungnahme
ihres Regionalen Ä
rztlichen Dienstes (RAD)
vom 1
3.
März 2001 verändert habe, erklärten die Gutachter, es zeige sich ein vollständig veränderte
s
Bild sowohl der psychiatrischen Symptomatik als auch der Leistungsfähigkeit. Die Symptomatik sei nur noch anamnestisch in den Angaben des Beschwerdeführers nachweisbar. Sonstige medizinische S
ymptome fänden sich nicht. Es sei
damit von einer vollst
ä
ndig anderen Symptomatik zum Zeitpunkt Januar 2019 auszugehen (
Urk.
11/107/41).
Auf die Frage der Beschwer
degegnerin, ob überhaupt jemals eine psychiatrische Störung vorgelegen habe, antworteten die Gutachter, zum aktuellen Zeitpunkt könne nur basierend auf den anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers eine psychiatrische Erkrankung dokumentiert werden. Der Ausprägungsgrad sei
geringgradig
bis nicht einschrän
kend. Ob zum Zeitpunkt 2001 eine psychiatrische Symptomatik vorgelegen habe, sei weder
auszuschliessen noch zu bejahen
(
Urk.
11/107/41).
3.2.5
Dr.
Y._
nahm am 1
6.
August 2019 zu Händen der Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
zum Gutachten
Stellung (
Urk.
11/121)
,
d
as Gutachten von Dr.
Z._
vermöge aus medizinischer Sicht nicht zu überzeugen und basiere auf offensichtlich falschen Befunden und
falscher
Ana
mneseerhebung. Zunächst verkenn
e der Gutachter nicht nur das offensichtliche sprachliche Unvermögen des sich in deutscher Sprache schwerfällig verbalisierenden
Beschwerdeführers
; im Gegenteil
halte er fest, dass sich
d
er Beschwerdeführer in sehr gutem Deutsch unterhalte
n könne
.
Die Idee der RAD-Ärzti
n
,
einen an der oberen Grenze
neuroleptisch
behandelten Versicherten, welcher unter der an einer Universitätsklinik mehrfach bestätigten
Diagnose einer
Schizophrenie militärbefreit sei, neuropsychologisch zu testen, sei
nicht nachvollziehbar. Es würde ihn erstaunen, wenn auch nur eine
s
der ange
wandten Testverfahren
für Neuroleptika-
behandelte Patienten validiert wäre.
Es sei wenig erstaunlich
, dass in allen Teilbereichen des
n
europsychologischen Teil
gutachtens nicht interpretierbare Ergebnisse resultierten. Weit weniger verständ
lich
sei aber
, wenn der Gutachter seinem Auftraggeber ein Gutachten abliefere unter ausdrücklichem Einbezug einer nicht verwertbaren (da nicht interpretier
baren) neuropsychologischen Begutachtung, welche er unvorsichtigerweise gar noch teilweise als Bestätigung für seine gutachterlich unzureichend geklärten Diskrepanzen verwende und da
m
it einen vor Negativsymptomatik strotzenden, chronisch schizophrenen Menschen – sozusagen blind – de
r
vollen Arbeitsfähig
keit zuführe.
Psychopathologisch unzureichend dargestellt sei im Gutachten die ausgeprägte Negativsymptomatik. Der ängstliche Beschwerdeführer sei affektiv wenig spür
bar, affektstarr, zeige eingeschränkte emotionale Erlebnisfähigkeit, wirke freudlos und affektiv wenig schwingungsfähig. Der Antrieb sei vermindert, er zeige wenig Interessen
und habe keine Hobbys. Mimik und Gestik seien starr, die Stimme monoton.
Das Denken sei verlangsamt, inhaltlich verarmt. Widersprüche in sei
nen Aussage
n bezüglich Immobilien störten den Beschwerdeführer
kaum,
dies
er habe
selbst auf wiederholtes Nachfragen
grösste Mühe, zu diesen präzise Anga
ben zu machen. In diesem Sinne erachte er formale Denkstörungen ebenso wie Aufmerksamkeits-
und
Konzentrationsstörungen
als gegeben
. Nicht unerwähnt bleiben dürfe die gutachterlich erwähnte Beschaffenheit der Hände des Beschwer
deführers. E
r habe sie
getastet und stelle fest, dass
die
kräftigen Männerhände
des Beschwerdeführers
wesentlich geringere Schwielen aufwiesen als
s
eine eigenen, die eines voll berufstätigen Psychiaters. Weiter sei familienanamnestisch darauf hinzuweisen, dass eine Nicht
e
des Beschwerdeführers ähnliche Krankheitssymp
tome entwickelt habe.
Etwa 2005 sei der Beschwerdeführer als Türke zum Militärdienst einberufen wor
den. Es seien 2005 und 2006 ausführliche militärärztliche Untersuchungen in der Türkei mit einer militärischen Au
smusterung im Jahr 2008 erfolgt. Dies
nachdem von einem Ärztegremium die Diagnose einer paranoiden Schizophrenie bestätigt worden sei. Aus seinen damaligen Aufzeichnungen entnehme er folgende Schil
derung des Beschwerdeführers: Der Beschwerdeführer sei in einen Hörsaal zu mehreren Militärpersonen gebeten worden. Die Sitze im Hörsaal seien allesamt von Verfolgern besetzt gewesen und er hätte deshalb gefragt, wo er sich hinsetzen solle. Das Zöge
r
n hätte die Sachkundigen überzeugt, dass Halluzinationen im Spiel seien.
Der Beschwerdeführer halluziniere neben schwarzen und weissen Verfolgern auch En
gel, Kollegen, freundliche Männ
er und hübsche junge Frauen sowie ihn beschützende Sicherheitsleute in militärischen Uniformen. Sicherheitsleute oder Kollegen würden ihn auffordern, seinen äl
te
sten Sohn und seine Ehefrau mit einem Messer zu töten, dann wäre alles gelöst; Engel forderten ihn auf, vom vierten Stock aus herunterzuspringen respektive zu fliegen und versprächen eine schöne Welt ohne Sorgen. Freundliche Männer und Kollegen redeten mit ihm, er könne aber bezüglich Echtheit nie sicher sein. Jün
g
st habe er in seiner Wohnung während einer ganzen Stunde mit seinem jüngsten Sohn diskutiert und danach bei dessen Rückkehr aus dem Ausgang erfahren, dass er in besagter Zeit allein in der Wohnung gewesen sei. Dies hätte sich gleichentags zweimal ereigne
t. Manch
mal könne er seinen Soh
n, welcher mit ihm in Zürich zusammenwohne und ihn ausser Haus begleite, fragen, ob
die
Leute echt seien. Er werde gelegentlich vom Sohn angesprochen, wenn er rede ohne ein reales Gegenübe
r zu haben. In
der Sprechstunde sei
es schon vor
gekommen
, dass er s
ich nur zögern
d
auf den Stuhl
habe
setzen
wollen
, weil bereits ein Verfolger darauf gesessen s
ei.
Der Beschwerdeführer sei in allen Belangen stark verunsichert. Er fahre nach Möglichk
e
it nur kurze, vertraute Strecken allein mit dem Auto, um jederzeit das Steuer abgeben zu können. Er halte stets Abstand von Leuten, glaub
e
fremden Leuten wie
auch vertrauten Personen nur
zöger
lich
oder gar nicht. So klagten Bruder und Kollegen darüber, dass er nicht
s
ernst nehme, was sie ihm sagten. Er zögere und warte stets ab, weil er s
elbst
bei vertrauten Personen unsicher sei, ob sie echt seien oder nicht. Er frequentie
re nur sicher
e
Orte, gehe in ste
ts gleiche Einkaufsläden, wähl
e vertrau
t
e Wege, wäh
l
e wegen Verfolgern bewusst Umwege, verlass
e
mit viel Zeitreserve das Haus bei Terminen, um unterwegs Spielraum für Ausweich
möglichkeiten zu haben, versuch
e
,
nicht berechenbar zu sein, begebe sich beispielsweise erst zwei Stunden später oder zu früh auf den Weg, wechsle unverhofft die Strassenseite etc. Er habe Angst, aggressiv zu reagieren, wenn unklar sei, was passiere. Sei
n
en Zweitwohnsitz in der Türkei habe er in eine andere Stadt verlegt, um eine
aggressive
Handlung
gegenüber
seiner Ehefrau bei überrasche
nden Begegnungen zu verhindern.
Er habe den Beschwerdeführer minutiös auf die gutachterlichen Untersuchungs
situationen vorbereitet, um aggressivem Verhalten vorzubeugen. In
s
besondere die Blutentnahme sowie die Haargewinnung zur Haaranalyse wären für den über
raschten Beschwerdeführer mit bedrohlicher körperlicher Nähe verbunden gewe
sen. Der Gutachter vermerke denn auch folgerichtig, ein «interaktionell kompe
tentes Verhalten» und «Verständnis für die Arbeitstätigkeit des Untersuchers» und habe es als «erhebliche Reflexionsfähigkeit und affektive Schwingungskontrolle»
gedeutet. Der Beschwerdeführer vertraue
ihm
und sei nach Jahren nun rigid auf die Einhaltung seiner Anweisungen eingest
ellt
: bei bedrohlichen Situationen weglaufen, jedenfalls nicht aggressiv reagieren, allenfalls
Temesta
einnehmen.
Wie alle mit Psychopharmaka behandelten Patienten empfinde
der Beschwerde
führer
die Dosierung gelegentlich als zu hoch und sei vermutlich vor seiner Hos
pitalisierung unterdosiert gewesen. Anders als gutachterlich dargestellt, sei die zweite und letzte
Hospitalisation
in der
B._
freiwillig zum Selbstschutz und wegen Gefahr der Fremdaggression gegenüber seiner Ehefrau bei Verfolgern, wel
che unerwartet in seine Wohnung eingedrungen
seien
, erfolgt.
Der Gutachter
erwähne
praktisch in allen Tei
len des Gutachtens wesentliche
Dis
krepanzen bei seiner Untersuchung. Deren exploratorische Klärung gelinge ihm in keiner Weise. Vielmehr scheine er beim Nachfragen neue Varianten oder ins
besondere seine eigene Vorstellung seitens des ängstlichen Beschwerdeführers bestätigt zu erhalten, wodurch die Diskrepanzen verstärkt würden. Im verhaltens
therapeutischen Setting habe der Beschwerdeführer gelernt, sei
n
en Stimmen und seinen halluzinierten Verfolgern ebenso wie den unsicher erkannten realen Men
schen vorsichtig zu begegnen und deshalb mit Reaktionen darauf zuzuwarten. In der gutachterlichen Befragung sei der Beschwerdefü
hrer deshalb reflexartig bereit
, psychopathologische Symptome nicht mehr zu erwähnen oder zu bestäti
gen, wenn der Gutachter in diese Richtung insistent nachfrage. Das entspreche
einem
in der Therapie erlernten Verhalten eines
halluzinatorisch
Verunsicherten.
3.2.6
Dr.
med. G._
Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom RAD der Beschwerdegegnerin, erklärte mit Stellungnahme vom 1
3.
Dezember 2019 (
Urk.
11/127/
3-
4), mit dem Bericht von
Dr.
Y._
seien keine neuen medizinischen Fakten/Tatsachen vorgebracht worden. Aus RAD-Sicht könne wei
terhin auf das plausible nachvollziehbare Gutachten abgestellt werden.
4.
4.1
Die gutachterliche Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit durch den medizinisch-psychiatrischen Sachverständigen unterliegt der (freien) Überprüfung durch die rechtsanwendende Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall durch das Gericht. Von einer lege
artis
erfolgten medizinischen Schätzung ist jedoch nur aus triftigen Gründen abzuweichen. Solche liegen vor, wenn die medizinisch-psychiatrische Annahme einer Arbeitsunfähigkeit letztlich, im Ergebnis, unter dem entscheidenden Gesichtswinkel von Konsistenz und materieller Beweislast der versicherten, rentenansprechenden Person zu wenig gesichert ist und insofern nicht überzeugt. Dabei gilt es zu beachten und gilt es als Leitschnur, dass die
ärztliche Beurteilung - von der Natur der Sache her unausweichlich - Ermessens
züge aufweist, die auch den Rechtsanwender begrenzen. Demnach besteht
zum Einen
das rechtsprechungsgemässe Verbot unzulässiger juristischer Parallelprü
fung im Vergleich zur Arbeitsunfähigkeitsfestlegung durch die Gutachter.
Zum Anderen
umschreibt BGE 141 V 281 die Befugnis, im Rahmen der (freien) Über
prüfung durch den Rechtsanwender von der ärztlichen Folgenabschätzung abzu
weichen. Diese beiden Argumentationslinien sind wie folgt abzugrenzen: In allen Fällen ist durch den Versicherungsträger und im Beschwerdefall durch das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsunfähig
keitsschätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweisthemen) hinreichend und nachvollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychi
atrischen Gutachtensteil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befunden, Diagnosen usw.), d
as heisst
sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kom
petenz fallenden erhobenen medizinisch-psychiatrischen Ergebnisse fachgerech
ter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also
substanziiert
dar
zulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen
.
Kom
men die Experten dieser Aufgabe unter Berücksichtigung der durch BGE
141
V
281 normierten Beweisthemen überzeugend nach, wird die medizinisch-psychi
atrische Folgenabschätzung auch aus der juristischen Sicht des Rechtsanwenders - Durchführungsstelle oder Gericht - Bestand haben.
Andern
-
falls
liegt ein triftiger Grund vor, der rechtlich ein Abweichen davon gebiete
(BGE 145 V 361 E. 4.3).
4.2
4.2.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten von
Dr.
Z._
und
dipl.
-psych.
A._
vom 1
8.
März 2019 erfüllt
die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweis
kräftige ärztliche Entscheidungsgrundlagen
(BGE
134 V 231 E. 5
.1; E. 2.3.4 hier
vor). Insbesondere haben die Gutachter
ihre
Arbeits
(
un
)
fähigkeitsschätzung
unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (
vgl.
E.
2.2.2
) hinreichend und nach
vollziehbar begründet. So legten sie hinsichtlich
des Komplexes «Gesundheits
schädigung» dar
, dass der Schwer
egrad der paranoiden Schizophrenie lediglich als
geringgradig
anzusehen sei. Als einziges Symptom fände sich die Angabe von Halluzinationen, wobei der Beschwerdeführer affektiv nicht auf diese Halluzina
tionen reagiere, was als medizinisch ungewöhnlich anzusehen sei.
Die diagnose
rel
e
vanten Befunde seien als
geringgradig
bis nicht vorhanden zu dokumentieren.
Eingliederungsbemühungen seien keine dokumentiert. Hinweise auf Komorbidi
täten fänden sich nicht.
Hinsichtlich des Komplexes «Persönlichkeit» legten die Gutachter da
r
, dass sich beim Beschwerdeführer gute persönliche Ressourcen fän
den. So könne er reisen, sei in der Lage, im Rahmen einer sehr schwierigen Schei
dung adäquat zu agieren und seine Immobilien
in der
Türkei zu verwalten.
Betreffend «sozialer Kontext» wiese
n
die Gutachter darauf hin, dass
dieser sich
grösstenteils innerhalb der Türkei
zeige
.
Zur Kategorie «Konsistenz» führten die Gutachter aus, dass
sich
in den Bereich
en
a
usserhalb von Arbeitsfähigkeit
fak
tengestützt nur sehr geringe Einschränkungen fänden. Es fänden sich
auch
nur sehr geringe Hinweise für einen Leiden
s
druck. Der Beschwerdeführer
sei nach der Aufnahme in die
B._
notfallmässig in eine somatische Klinik verlegt
worden
, da er den Ärzten nicht mitgeteilt habe, dass er nur eine sehr geringe Dosis oder
gar
keine Dosis von
Clopazin
eingenommen habe. Dies werde auch innerhalb der Untersuchungsbefunde der
B._
als
Complianceproblematik
gewertet
. Es fänden sich nur sehr geringe Hinweise für einen subjektiv empfundenen Leidensdruck inn
erhalb der Gesamtanamnese (Urk.
11/107/42-
4
3)
.
4.2.2
Hinsichtlich des Einwandes des Beschwerdeführers,
es erstaune, dass der Gutach
ter festgehalten habe, er – der Beschwerdeführer – könne sich in sehr gutem De
utsch unterhalten (
Urk.
1 S. 5), obwohl de
r
R
ichter im Ehe
sch
utzverfahren sei
nen A
u
s
führungen auf Deutsch nicht
habe
folgen können und ihn deshalb ange
wiesen
habe
,
auf Türkisch weiter zu reden
,
und
Dr.
Y._
zudem festgehalten
habe
, dass er – der Beschwerdeführer – sich nur sehr schwerfällig in deutscher Sprache
verbalisieren könne, ist festzuhalten, dass sich
aus dem Protokoll des Eheschutzverfahrens tatsächlich
ergibt
, dass der Bezirksrichter Ausführungen des Beschwerdeführers nicht verstanden und ihn angewiesen hatte, auf
T
ürkisch zu antworten
(
Urk.
11/74/51)
.
Dies
betraf die Beantwortung der Frage, wie weit das t
ürk
i
s
che Scheidungsverfahren
fortgeschritten sei
. Wie sich aus der nachfolgend vom Beschwerdeführer auf Türkisch gegeben
en
Antwort unschwer ergibt, handelt es sich dabei um eine komplexe Auskunft (
Urk.
11
/74/51). Aus Schwierigkeiten des Beschwerdeführers diese spezifische Frage als Laie zu beantworten, kann daher nicht geschlossen werden, er wäre nicht in der Lage, im Rahmen der psy
chiatrischen Untersuchung adäquat Auskunft zu geben. Der
Beschwerdeführer selber
hatte denn
im Rahmen des Eheschutzverfahrens
auch angegeben
, sowohl Hoch- als auch Schweizerdeutsch zu verstehen (
Urk.
11/74/50).
Betreffend die von
Dr.
Y._
angeführten sprachlichen Schwierigkeiten des Beschwerdefüh
rers
fällt auf
, dass
Dr.
Y._
selber sich offenbar ohne Kenntnisse der
t
ürki
schen Sprach
e
(
https://doctorfmh.ch/
)
in der Lage
sieht
, den Beschwerdeführer psychiatrisch über viele Jahre zu behandeln, und
dabei Therapieerfolge zu
erzielen
(
Urk.
11/121/
4). Es ist daher nicht nach
vollziehbar, dass er die Sprache des Beschwerdeführers als Hindernis für eine Begutachtung ohne Dolmetscher erachtet.
Soweit der Beschwerdeführer beanstandet,
die Gutachter
sei
en
zu Unrecht auf
grund seiner angeblichen Aktivitäten in der Türkei von Ressourcen ausgegangen
(
Urk.
1 S. 5)
, ist festzuhalten
, dass
er
selber im
Rahmen des Eheschutzverfahrens
anerkennt, dass er ein Appartementhaus in der Türkei besitzt (
Urk.
11/74/73-74
) und
offensichtlich in der Lage
ist
, dieses Haus
zu renovieren beziehungsweise
renovieren zu lassen (
Urk.
11/74/73).
Es fällt zudem auf, dass er im Rahmen der Begutachtung nicht nur eine, sondern mehrere Liegenschaften in der Türkei erwähnte (
Urk.
11/107/16).
Unabhängig davon, ob der Beschwerdeführer in der Türkei noch weitere Liegenschaften besitzt oder nicht, lässt die Tatsache, dass er in der Lage ist, das eigene
Appartementhaus
zu renovieren beziehungsweise renovieren zu lassen, auf Ressourcen schliessen.
Der Beschwerdeführer (
Urk.
1 S. 5) beziehungsweise
Dr.
Y._
(vgl. E. 3.2.5)
kritisiert
en
, im Gutachten sei die Negativsymptomatik unzureichend
dargestellt. Es
fällt jedoch auf, dass der von
Dr.
Y._
angeführte B
efund
nicht nur von demjenigen
, welcher
Dr.
Z._
erhob
(vgl. 11/107/20-21)
,
sondern auch von
demjenigen
, welchen die Ärzte der
B._
erhoben,
erheblich
abweicht. So
hielten die Ärzte der
B._
einen als normal beschriebenen
gerichteten Antrieb fest (Urk.
11/
98
/2).
Dr.
Y._
nannte demgege
nüber einen verminderten Antrieb (
Urk.
11/121/2)
. Während
Dr.
Y._
die Mi
mik und Gestik als starr beschrieb (Urk.
11/
121
/2)
,
erhoben die Ärzte der
B._
reg
elrechte Gestik und Mimik (Urk.
11/
98
/2). Unterschiedliche Befunde erhoben
Dr.
Y._
und die Ärzte der
B._
auch bezüglich Aufmerksamkeit und Konzentration. Während die Ärzte der
B._
keine offensichtlichen Störungen von Aufmerksamkeit und Konzentrations
fähigkeit feststellen konnten
(
Urk.
11/98/2)
, führte
Dr.
Y._
Aufmerksam
keits
- und Konzentrationsstörungen an (
Urk.
11/121/2).
Inwieweit
die von
Dr.
Y._
beschriebene
Episode betreffend militärärztliche Untersuchung
(E. 3.2.5)
gegen die Beweistauglichkeit des Gutachtens spr
e
chen soll, ist nicht ersichtlich. Der Sachverhalt betreffend militärärztliche Untersu
chung basiert zudem ohnehin lediglich auf den Schilderungen des Beschwerde
führers.
Dies gilt im Übrigen auch für die weiteren
Ausführungen
von
Dr.
Y._
betreffend halluzinierte
Stimmen und Personen
, liegen doch
keine Anhalts
punkte dafür vor, dass d
ie Halluzinationen
von
Dr.
Y._
selbst so wahrge
nommen oder bestätigt
worden wären
.
Der Umstand alleine, dass der
Beschwer
deführer sich im Rahmen der Sprechstunde schon nur zögern
d
auf den Stuhl habe setzen wollen, vermag die von
Dr.
Y._
angeführten Einschränkungen jeden
falls nicht zu
begründen (vgl. E. 3.2.5)
.
Es fällt denn auch auf, dass
Dr.
Y._
die Angaben des Beschwerdeführers nicht überprüfte, nahm
der Beschwerdefüh
rer
doch die von ihm als eingenommen deklarierten Medikamente (
Urk.
11/122) nicht
entsprechend
ein (vgl.
Urk.
11/101).
Wie RAD-Ärztin
G._
in ihrer Stel
lungnahme
vom 1
3.
Dezember 2019
zutreffend festhält, gehört das Erkennen von Aggravation/Simulation denn auch nicht zu den Kernaufgaben des Behandlers (
Urk.
11/127/4)
.
Hinsichtlich des Einwandes von
Dr.
Y._
, die gutachterliche Einschätzung stütze sich – unter anderem – auf eine nicht verwertbare neuropsychologische Begutachtung,
ist zu beachten
,
dass die Gutachter ausdrücklich festhielten, dass auf der Grundlage der neuropsychologischen Befunderhebung keine Aussagen über krankheitsbedingte Funktionsstörung
en gemacht werden könnten (Urk.
11/107/40). Entsprechend wurde
für
die
Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit
grossteils
auf die konkrete Interaktion und Untersuchungssituation abgestellt (
Urk.
11/107/39) beziehungsweise wurden Persönlichkeit und Ressourcen auf
grund der Untersuchung und der entsprechenden Aktenlage gewertet (
Urk.
11/107/37). Entgegen dem Einwand von
Dr.
Y._
basiert die gutachter
liche Einschätzung somit grundsätzlich nicht auf der nicht interpretierbaren neu
ropsychologischen Untersuchung.
4.2.3
Der Bericht der Ärzte der
B._
vom 1
6.
Januar 2019
(E. 3.2.3)
stellt die gutachter
liche Einschätzung ebenfalls nicht infrage.
Der von den Ärzten der
B._
ange
führte Befund zeigt nur sehr geringe affektive, aber keine kognitiven Einschrän
kungen. Explizit finde
t
sich gemäss den Gutachtern nicht der typische Befund der affektiven Stumpfheit und der formalen Denkstörungen (U
r
k.
11/107/28).
4.3
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass das Gutachten von
Dr.
Z._
und
dipl.
-psych.
A._
die Anforderungen an ein beweistaugliches Gutachten erfüllt. Da gemäss den Gutachtern eine 100%ige Arbeitsfähigkeit besteht und sich im Ver
gleich zum Zeitpunkt der
Rentenzusprache
e
in vollständig verändert
e
s
Bild sowohl der psychiatrischen Symptomatik als auch der Leistungsfähig
ke
it zeigt (
Urk.
11/107/41)
,
ist ein Revisionsgrund zu bejahen und von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers sowohl in der angestammten als auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit auszugehen.
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, ob
d
er
Beschwerdeführer
seine
Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung noch verwerten kann.
5.2
Der Beschwerdeführer hat während mehr als 20 Jahren eine Invalidenrente bezo
gen. Damit
fällt
er
grundsätzlich unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
Bezügerkreis
(vgl. vorne E.
2
.3.3).
Um Eingliederungsmassnahmen durchführen zu können, muss eine Eingliederungsfähigkeit bestehen, es braucht demnach die objektive Möglichkeit und die subjektive Bereitschaft der versicher
ten Person, von einem durchschnittlichen Arbeitgeber angestellt zu werden. Vorausgesetzt ist immer der Eingliederungswille der versicherten Person, das heisst ihre Bereitschaft und das entsprechende Verhalten, arbeiten zu wollen (
Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung
, IVG
,
3.
Auflage 2014
N 5 und 8 zu
Art.
18 IVG). Nach der Rechtsprechung ist nur dann von fehlendem Eingliederungswillen
beziehungsweise
fehlender subjektiver Einglie
derungsfähigkeit auszugehen, wenn er mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht. Dabei sind insbesondere die gegenüber der Verwal
tung und den medizinischen Experten gemachten Aussagen betreffend Krank
heitsüberzeugung bzw. Arbeitsmotivation zu berücksichtigen. Ebenfalls von Belang sein können die im
Vorbescheidverfahren
und vor kantonalem Versiche
rungsgericht gemachten Ausführungen bzw. gestellten Anträge (Urteil des Bun
desgerichts 9C_231/2015 vom
7.
September 2015 E. 4.2).
Der Beschwerdeführer hat gegenüber den Gutachtern erklärt, er erachte sich als zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
11/107/15).
Diese Selbsteinschätzung begründete er nicht nur mit gesundheitlichen Gründen, sondern er machte auch geltend, dass er seine Unabhängigkeit brauche.
Der Beschwerdeführ
e
r hat
zudem
im Mai 2019
gegenüber der Beschwerdegegnerin s
chrif
t
lich erklärt, auf Eingliederungs
mass
nahmen zu verzichten, da er sich subjektiv nicht in der Lage fühle, an Eingliede
rungsmassnahmen teilzunehmen (
Urk.
11/109). Es erweist sich daher als rechtens, dass die Beschwerdegegnerin
ohne Durchführung eines Mahn- und
Bedenkzeit
verfahrens
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_6
66/2017 vom 6.
September 2018 E. 4.5.2 mit Verweis auf das Urteil 9C_442/2017 vom
8.
Juni 2018 E. 3.2.3)
auf
grund fehlender Eingliederungsbereitschaft
auf Ein
g
liederungsmassnahmen ver
zichtet hat.
Hieran vermag auch die im Vorbescheid- (
Urk.
11/123/13) und
im
Beschwerdeverfahren (
Urk.
1 S. 10 f.)
von der Rechtsvertreterin angeführten Ein
gliederungsbereitschaft des Beschwerdeführers nichts zu ändern.
6.
Zusammenfassend steht mit dem Beweisgrad
der überwiegenden Wahrscheinli
c
h
keit fest, dass der Beschwerdeführer wieder zu 100
%
arbeitsfähig ist. Da die Beschwerdegegnerin zudem zu Recht auf die Durchführung von Eingliederungs
massnahmen verzichtet hat, erweist es sich als rechtens, dass
sie
die Rente des Beschwerdeführers auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats aufgehoben hat. Die Beschwerde erweist sich demzufolge als unbegründet und ist abzuweisen.
7.
7.1
Der Beschwerdeführer beantragte die unentgeltliche Rechtspflege und die Bestel
lung von Rechtsanwältin Annemarie Gurtner als unentgeltliche Rechtsvertreterin (
Urk.
1). Vorliegend sind die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltli
chen Prozessführung und unentgeltlichen Rechtsvertretung gemäss
§
16
Abs.
1 und 2 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt (
Urk.
3,
Urk.
7,
Urk.
8,
Urk.
9/2-11,
Urk.
17,
Urk.
18, urk. 19/1-4), weshalb dem Gesuch stattzugeben ist.
7.2
Die Kosten des Verfahrens (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) sind auf
Fr.
9
00.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse zu nehmen.
7.3
Nach
§
34
Abs.
3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Rechtsanwältin Annemarie Gurtner machte mit Honorarnote vom
3.
April 2020
(
Urk.
13)
einen zeitlichen
Aufwand von 11 Stunden geltend, was sich der Sache als angemessen erweist
mit Ausnahme der geltend gemachten diversen Bespre
chungen mit dem Beschwerdeführer von 1,5 Stunden. Deren Notwendigkeit ist nicht ersichtlich.
Unter Berücksichtigung, dass Rechtsanwältin Annemarie Gurtner nach Einreichung der Honorarnote eine weitere Stellungnahme zu erstat
ten hatte (
Urk.
17)
,
ist die Entschädigung bei einem gerichtsüblichen Stundenan
satz von Fr. 220.
auf Fr. 2'
5
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
7.4
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Prozesskosten und der Auslagen für die unentgeltliche Rechts
vertretung verpflichtet ist, sobald
er
dazu in der Lage ist.