# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3664d5d8-2449-4aaa-9edc-bf9476da2158
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
,
geboren
1994
, besuchte während ihres zehnten Schuljah
res zwei Tage pro Woche die Schule und war – ab dem 1. September 2010 – im Rahmen eines Berufsvorbereitungspraktikums an den restlichen drei Tagen als Praktikantin in einer Pflegeeinrichtung tätig (Urk. 7/Z1). Am 28. September 2010 zog sie sich bei einem Sprung von einem rund drei Meter hoch gelege
nen Vordach auf einen asphaltierten Hausvorplatz (vgl. Urk. 7/Z1 und Urk. 7/Z9) eine Berstungsfraktur des 5. und eine Impressionsfraktur des 2.
Len
denwirbel
körpers
mit
Cauda
-Symptomatik zu (Urk. 7/ZM1).
Mit Verfügung vom 28. Januar 2011 (Urk. 7/Z18) anerkannte die
Zürich
Versi
cherungs
-Gesellschaft AG
(„Zürich“) zwar ihre grundsätzliche Leistungspflicht als obligatorischer Unfallversicherer der Pflegeeinrichtung, welche
X._
im Unfallzeitpunkt beschäftigt hatte, und sicherte die Übernahme der auf das Unfallereignis zurückzuführenden Heilungskosten zu. Sie kürzte aber alle bereits entstandenen und künftig entstehenden Ansprüche auf Geld
leistun
gen (Taggelder, eventuelle Rente und Integritätsentschädigung) um 50 %, weil sie den Sprung vom Vordach als Wagnis qualifizierte. Mit Entscheid vom 16. März 2011 wies die „Zürich“ die von
X._
gegen die Verfü
gung vom 28. Januar 2011 erhobene Einsprache ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2. Mai 2011 Beschwerde mit dem
Rechts
begehren
, es sei der angefochtene
Einspracheentscheid
unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin aufzuheben und auf eine Kürzung von Unfallversicherungsleistungen zu verzichten (Urk. 1 S. 2).
Dazu liess sich die Beschwerdegegnerin am 31. Mai 2011 mit dem Antrag auf Abweisung der Beschwerde vernehmen (Urk. 6). Im Rahmen der Begründung dieses Antrags wies die Beschwerdegegnerin sodann darauf hin, dass die Leis
tungen wegen Grobfahrlässigkeit gekürzt werden müssten, falls das Gericht zum Schluss gelangen sollte, dass kein Wagnis vorliege (Urk. 6 S. 3).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Gemäss Art. 39 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
kann der Bundesrat aussergewöhnliche Gefahren und Wagnisse bezeichnen, die in der Versicherung der Nichtbetriebsunfälle zur Verweigerung sämtlicher Leistungen oder zur Kürzung der Geldleistungen führen Die Verweigerung oder Kürzung kann er in Abweichung von Art. 21 Abs. 1-3 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) anordnen.
1.1.2
Von der ihm mit Art. 39 UVG eingeräumten Gesetzgebungskompetenz machte der Bundesrat mit Art. 50 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) Gebrauch, indem er verordnete, dass bei Nichtbetriebsunfällen, die auf ein Wagnis zurückgehen, die Geldleistungen um die Hälfte gekürzt und in beson
ders schweren Fällen verweigert werden (Art. 50 Abs. 1 UVV). Wagnisse werden in Art. 50 Abs. 2 UVV definiert als Handlungen, mit denen sich die versicherte Person einer besonders grossen Gefahr aussetzt, ohne die Vorkehren zu treffen oder treffen zu können, die das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränken. Der zweite Satz von Art. 50 Abs. 2 UVV besagt, dass Rettungshandlungen auch dann versichert sind, wenn sie an sich als Wagnisse zu betrachten sind.
1.1.3
Lehre und Rechtsprechung unterscheiden zwischen absoluten und relativen Wag
nissen. Ein absolutes Wagnis liegt vor, wenn eine gefährliche Handlung nicht schützenswert ist oder wenn die Handlung mit so grossen Gefahren für Leib und Leben verbunden ist, dass sich diese auch unter günstigsten Umstän
den nicht auf ein vernünftiges Mass reduzieren lassen. Ein relatives Wagnis ist gegeben, wenn es die versicherte Person unterlassen hat, die objektiv vorhande
nen Risiken und Gefahren auf ein vertretbares Mass herabzusetzen, obwohl dies möglich gewesen wäre (
Urteil des Bundesgerichts 8C_504/2007 vom 16. Juni 2008 E. 6.1 mit Hinweisen auf Lehre und Rechtsprechung
).
1.2
1.2.1
Die grundlegende Beweisregel von Art. 8 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuch
s
(ZGB), wonach – sofern das Gesetz nichts anderes bestimmt – derjenige das Vorhandensein einer behaupteten Tatsache zu beweisen hat, welcher aus ihr Rechte ableitet, ist auch im vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten Sozial
versicherungsprozess beachtlich. Allerdings schliesst der
Untersuchungs
grund
satz
eine subjektive Beweisführungslast begriffsnotwendig aus und bedeutet „Beweislast“ im Sozialversicherungsprozess lediglich, dass im Falle der
Beweis
losigkeit
der Entscheid zu Ungunsten jener Partei aus
fällt, die aus dem unbe
wiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ablei
ten wollte. Diese
Be
weisregel
greift
allerdings erst Platz, wenn es sich als un
möglich erweist, im Rahmen des
Un
ter
su
chungsgrundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sach
verhalt zu ermit
teln, der zumindest die Wahr
schei
nlichkeit für sich hat, der Wirk
lichkeit zu entspre
chen (BGE 117 V 261 E. 3b S. 264).
Dass der erstinstanzliche Sozialversicherungsprozess vom
Untersuchungs
grund
satz
beherrscht wird (Art. 61
lit
. c ATSG), bedeutet aber nicht, dass es allein dem Gericht obliegt, für die richtige und vollständige Abklärung des rechtser
heb
lichen Sachverhaltes besorgt zu sein. Denn der Grundsatz der richterlichen Sachverhaltsabklärung von Amtes wegen gilt nicht uneingeschränkt, sondern findet sein Korre
lat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2 S. 195; 122 V 157 E. 1a S. 158; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2 S. 183).
1.2.2
Im Gegensatz zu den anspruchsbegründenden Tatsachen, deren Beweislosigkeit sich zu Lasten der versicherten Person auswirkt, sind leistungsaufhebende oder -mindernde Tatsachen grundsätzlich vom Sozialversicherungsträger – welcher den Sachverhalt vorprozessual von Amtes wegen abzuklären hatte (vgl. Art. 43 ATSG) – zu beweisen oder – soweit er selbst nicht über die gleichen Möglich
kei
ten zur Beweiserhebung wie das Gericht verfügte – zumindest so substanti
iert zu behaupten, dass die versicherte Person die
tatbeständlichen
Sachver
haltsele
mente
gegebenenfalls bestreiten und das Gericht – soweit nötig – dar
über Be
weis erheben kann. Selbst unter der Herrschaft des
Untersuchungs
grund
satzes
ist es nämlich nicht Aufgabe des Gerichts, nach aus der
Sachver
haltsabklärung
des Sozialversicherungsträgers nicht ersichtlichen und von die
sem nicht be
haupteten leistungsaufhebenden oder -mindernden Tatbestand zu forschen. Da auch der am Recht stehende Sozialversicherungsträger dem
Un
tersuchungs
grundsatz
verpflichtet ist, genügt es, wenn das Gericht – nach Klä
rung allfälli
ger strittiger Sachverhaltsbehauptungen – darüber befindet, ob die versicherte Person aufgrund des vom Sozialversicherungsträger als
leis
tungs
aufhebend
oder -mindernd geltend gemachten Tatbestands Anspruch auf unge
kürzte Leistungen hat oder nicht.
2.
2.1
Im Lichte von Erwägung 1.1.3 ist zunächst festzuhalten, dass die
Beschwerde
geg
nerin
die Handlung der Beschwerdeführerin, welche den Unfall zur Folge hatte (ein kontrollierter Sprung aus einer Höhe von rund drei Metern auf den asphaltierten, ebenen Boden), explizit nicht als absolutes, sondern als relatives Wagnis wertete (Urk. 2 S. 2 Ziff. 3a und S. 3 Ziff. 4). Dementsprechend prüfte sie nach eigenen Angaben, „ob nach den persönlichen Fähigkeiten von Frau
X._
und der Art der Durchführung eine Gefahrenherabsetzung möglich gewesen wäre und diese unterlassen wurde“.
Damit anerkannte die Beschwerdegegnerin grundsätzlich, dass das
Verletzungs
ri
siko
bei einem kontrollierter Sprung aus einer Höhe von rund drei Metern auf den asphaltierten, ebenen Boden unter günstigen Umständen auf ein vernünfti
ges Mass reduzierbar ist. Im Rahmen ihrer diesbezüglichen
Sachver
haltsabklä
rungen
setzte sich die Beschwerdegegnerin allerdings nicht mit den im konkre
ten Fall vorgelegenen Umständen und der Behauptung der Beschwer
deführerin auseinander, sie habe vor dem Unfall bereits vergleichbare Sprünge ohne Ver
letzung durchgeführt (vgl. Urk. 7/Z25). Sie hielt der Beschwerdeführe
rin aus
schliesslich entgegen, dass und wie sie den durchgeführten Sprung hätte ver
meiden können; sei es durch Alternativen zum Verlassen des Hauses über das Vordach oder indem die Beschwerdeführerin sich zur Verkürzung des Hö
hen
unterschieds zwischen dem Vordach und dem Boden mit den Händen am Vor
dach festhaltend hätte fallen lassen können (vgl. Urk. 2 S. 2 Ziff. 3c).
Soweit die Beschwerdegegnerin geltend macht, für das Verhalten der Beschwer
deführerin sei kein schützenswerter Grund ersichtlich (Urk. 2 S. 2 Ziff. 3c am Ende) bzw. die sportliche Konstitution der Beschwerdeführerin sei keine Erklärung für den Sprung aus einer Höhe von ca. 3 m (Urk. 6 S. 2 Ziff. 5), stehen diese Vorbringen der Beschwerdegegnerin in Widerspruch zur Qualifi
kation des Sprungs als relatives Wagnis. Die Beschwerdegegnerin verkennt, dass die Durchführung einer als relatives Wagnis qualifizierten Handlung keinen
Recht
fertigungsgrund
erfordert (anderenfalls bedürfte die Ausübung sämtlicher Sport
arten mit einem erhöhten Verletzungsrisiko eines besonderen
Rechtferti
gungsgrundes
), sondern – unter Beachtung der jeweils
gefahrs
spezifischen
Risi
kominderungsmöglich
keiten
– grundsätzlich zulässig ist (d.h. nicht durch
Leis
tungs
kürzungen
sanktioniert werden darf, wenn sich das auch unter Beachtung der erforderlichen Sorgfalt nicht vermeidbare Restrisiko verwirklicht).
2.2
Das für die Qualifikation als Wagnis massgebliche Verletzungsrisiko bei Sprüngen kann das Gericht mangels statistischer Unterlagen und spezifischer sport
medizinischer Kenntnisse nur soweit beurteilen, als nach allgemeiner Lebenser
fahrung die Verletzungsgefahr von der Absprunghöhe und der Boden
beschaf
fenheit abhängt.
Unter diesen Aspekten bergen Sprünge aus 3 m Höhe ins Wasser, in Neuschnee oder auf eine ähnlich nachgiebige Unterlage von hinreichender Dicke selbst für Kinder und Unsportliche wenig Verletzungsgefahr. Für sportliche Jugendliche dürften sodann – wie die Beschwerdeführerin geltend macht (vgl. Urk. 1 S. 6) -
auch 3m-Sprünge von Bäumen auf einen unbefestigten, lockeren oder dicht bewachsenen Erdboden noch ohne übermässige Verletzungsgefahr zu bewälti
gen sein. Bei Sprüngen aus gleicher Höhe auf eine harte, unnachgiebige Unter
lage nimmt allerdings die Kraft, welche auf Knochen und Gelenke einwirkt und durch die Beinmuskulatur aufgefangen werden muss (und damit das
Verlet
zungsrisiko
), stark zu.
Aufgrund der zunehmenden Verbreitung des Akrobatik-Sports „Street
Jumping
“ (vgl. Treffer einer
google
-Suche mit diesen Stichworten) darf aber angenommen werden, dass gut trainierte Jugendliche und junge Erwachsene mit einer gewis
sen Regelmässigkeit kontrollierte Sprünge aus einer Höhe von rund drei Metern auf den asphaltierten, ebenen Boden durchführen, ohne sich dabei zu verletzen.
Unter diesen Umständen hat das Gericht keinen Anlass, die von der
Beschwer
de
gegnerin
vorgenommene Qualifikation des Sprunges, welcher den Unfall zur Folge hatte, als relatives Wagnis in Frage zu stellen.
2.3
Damit stellt sich die Frage, welche risikomindernden Vorkehren die Beschwer
de
führerin treffen musste bzw. welche subjektiven und objektiven Voraus
set
zungen erfüllt sein mussten, um bei ihrem Sprung das Risiko auf ein vernünftiges Mass zu beschränken.
2.3.1
Dazu äussert sich die Beschwerdegegnerin weder in der Begründung des ange
fochtenen
Einspracheentscheids
(Urk. 2) noch in der Beschwerdeantwort (Urk. 6). In der Beschwerdeantwort stellt sich die Beschwerdegegnerin sogar auf den Standpunkt, es bestehe gar kein allgemeiner gesellschaftlicher Konsens hinsichtlich des gebotenen Verhaltens (Urk. 6 S. 3):
„Oftmals besteht eine massgebliche rechtliche Norm etwas zu tun oder zu unter
lassen. Existiert keine Verhaltenspflicht durch objektives Recht, kann nur dann von Grobfahrlässigkeit gesprochen werden, wenn bezüglich des gebote
nen/erwarteten Verhaltens ein breiter gesellschaftlicher Konsens besteht. Ein solcher Konsens wäre im konkreten Fall nicht gegeben.“
Im Übrigen anerkennt die Beschwerdegegnerin, dass die Beschwerdeführerin über eine sportliche Konstitution verfügte (vgl. Urk. 6 S. 2 Ziff.5).
2.3.2
Ob eine allgemein gute sportliche Konstitution und die – nur wenig substanti
iert dargelegte (vgl. Urk. 1 S. 6) – Sprungerfahrung der Beschwerdeführerin ausreichten, um das Verletzungsrisiko bei ihrem Sprung auf ein vernünftiges Mass zu beschränken, erscheint angesichts der Unfallschilderung der Beschwer
deführerin (Urk. 7/Z9 S. 1) zwar als fraglich (dass die Beschwerdeführerin mit ungenügender Vorlage landete, lässt nicht auf eine einer erfahrenen Springerin adäquate Sprungtechnik schliessen).
Aufgrund der allgemeinen Lebenserfahrung können eine im Vergleich mit reifen Erwachsenen höhere Risikobereitschaft von Jugendlichen und jungen Erwach
senen bzw. deren verbreitete Selbstüberschätzung und geringere
Risiko-Beur
teilungsfähigkeit
als gerichtsnotorisch gelten. Hiervon ausgehend und nachdem auch die – zur Risikoanalyse prädestinierte - Beschwerdegegnerin eine hinrei
chende Erfahrung in der Durchführung von Sprüngen aus grösserer Höhe nicht als bei diesem relativen Wagnis erforderliche Vorkehr zur Risikominderung erkannt hat (vgl. E. 3.2.1), kann auch das Gericht der Beschwerdeführerin als 16-jähriger Schülerin im 10. Schuljahr die Nichtbeachtung einer – gegebenen
falls – mangelnden Sprungerfahrung nicht als Sorgfaltspflichtverletzung vorhal
ten.
Unter Hinweis auf vorstehende Erwägung 1.2.2 kann somit von weiteren
Sachver
haltsabklärungen
Abstand genommen und festgestellt werden, dass die Beschwerdeführerin zwar möglicherweise objektiv betrachtet nicht über die persönlichen Vorausset
zungen verfügte, welche bei ihrem Sprung das Risiko auf ein vernünftiges Mass beschränkt hätten, dass ihr aber nicht vorgeworfen wer
den kann, sie habe die
sen Umstand pflichtwidrig ausser Acht gelassen. Daran vermögen auch die Vor
bringen der Beschwerdegegnerin hinsichtlich der Ur
teilsfähigkeit der Beschwer
deführerin (Urk. 6 S. 2 Ziff. 1) und des Risikos einer schweren Verletzung (Urk. 6 S. 3 Ziff. 8) nichts zu ändern. Entscheidend für die Beantwortung der Frage, ob die Beschwerdeführerin mit ihrem Sprung ein
sozi
alversicherungs
rechtlich
sanktionierbares
relatives Wagnis einging, ist, ob sie aufgrund einer von einer 16-jährigen Schülerin im 10. Schuljahr zu erwarten
den sorgfältigen Risikobeurteilung zum Schluss hätte gelangen müssen, dass das dem geplanten Sprung inhärente Risiko einer schweren Verletzung unver
hältnismässig hoch war. Dem ist nach dem Gesagten nicht so.
2.3.3
Kann der Beschwerdeführerin nicht vorgeworfen werden, sie habe Vorkehren unterlassen, welche das Verletzungsrisiko bei ihrem Sprung auf ein vernünftiges Mass beschränkt hätten, ist auch nicht ersichtlich – insbesondere auch von der Beschwerdegegnerin nicht dargetan (vgl. E. 2.3.1) -, inwiefern der Beschwerde
führerin eine grobe Fahrlässigkeit vorgeworfen werden könnte.
3.
3.1
Ob der Sprung, welcher den Unfall der Beschwerdeführerin zur Folge hatte, eine Rettungshandlung (vgl. E. 1.1.2) darstellte, kann offen gelassen werden, da er weder als (relatives) Wagnis noch als grobfahrlässige Handlung zu qualifizieren ist.
Die Beschwerdegegnerin ist jedoch darauf hinzuweisen, dass ihre Vorbringen betreffend andere Möglichkeiten der Beschwerdeführerin als den inkriminierten Sprung, um die elterliche Wohnung verlassen zu können, auf einer unvollstän
digen Sachverhaltsabklärung beruhen.
Im Bericht der
Orthopädische
n K
linik
A._
an den Vertrauensarzt der Beschwerdegegnerin vom 20. Dezember 2010 (Urk. 7/ZM1) wird nämlich auf eine etwas unklare („komische“) Familiensituation hingewiesen, welche es als „eventuell angebracht“ erscheinen lasse, die Kinder- und Jugendpsychiatrie zu involvieren, um die Umstände genauer abzuklären, welche zum Unfall führ
ten. Aus den Akten der Beschwerdegegnerin ist nicht ersichtlich, dass sie diesem Hinweis nachgegangen wäre. Zur Abklärung der Umstände, welche zum Unfall führten, ist nur der Bericht über den Patientenbesuch vom 7. Dezember 2010 (Urk. 7/Z9) aktenkundig, bei dem die Beschwerdeführerin alleine zu Hause an
getroffen und befragt wurde.
Ohne genauere Abklärungen der familiären Situation der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalls kann ihre Darstellung, gemäss der sie sich in einer Notsituation wähnte, welche sie ohne Hilfe (von Familienangehörigen oder aussenstehenden Dritten) bewältigen musste, nicht einfach vom Tisch gewischt werden mit Formulierungen wie: „Jeder Mensch hätte bei der Erklärung der Situation dafür Verständnis gezeigt....“ (Urk. 6 S. 2 Ziff. 2), „Die Beschwerde
führerin hätte problemlos...“ (Urk. 6 S. 2 Ziff. 3), „Es ist nicht glaubwürdig...“ (Urk. 6 S. 2 Ziff. 4). Denn, dass die Beschwerdeführerin - ohne Publikum – nur aus jugendlichem Übermut einen Sprung mit einem hohen Verletzungsrisiko ausgeführt hätte, ist nicht anzunehmen. Vielmehr war ihr – da die familiäre Situation im Zeitpunkt des Unfalls nicht geklärt war - abzunehmen, dass sie gute Gründe hatte – welche sie aus ebenso guten Gründen gegenüber den Mit
arbeiterinnen der Beschwerdegegnerin nicht offen legen wollte oder konnte –, das Risiko einer Verletzung beim Sprung vom Vordach einzugehen, um sich selbständig aus der elterlichen Wohnung zu befreien.
Und wenn sich bei einer genaueren Abklärung der familiären Situation der Be
schwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalls gezeigt hätte, dass die tatsächli
chen Verhältnisse bei rationaler Überlegung ein alternatives Vorgehen zugelas
sen
hätten, wäre noch zu prüfen gewesen, ob der Sprung als Panikreaktion ent
schuldbar war.
3.2
Zusammenfassend ist in Gutheissung der Beschwerde der angefochtene
Ein
sprache
entscheid
aufzuheben und festzustellen, dass aufgrund der Aktenlage sowie der Vorbringen der Beschwerdegegnerin kein leistungsaufhebender oder
mindernder Tatbestand nachgewiesen ist und die Beschwerdeführerin deshalb Anspruch auf die ungekürzten gesetzlichen Leistungen der Beschwerdegegnerin aus dem Unfallereignis vom 28. September 2010 hat.
4.
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin ihre
Partei
kosten
zu ersetzen (§ 34 Abs. 1 des Gesetzes über das
Sozialversiche
rungsgericht
,
GSVGer
). Aufgrund der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (vgl. § 34 Abs. 3
GSVGer
) erscheint eine Entschädi
gung von Fr. 2‘200.-- (inkl.
MWSt
und Barauslagen) als angemessen.