# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** edff09dc-6106-4e5d-ae35-eecdadd2d78f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2006
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972, war als gelernter Schreiner tätig (Urk. 7/3 und Urk. 7/37/2). Am 2. Februar 2004 erlitt er einen Hirninfarkt (vgl. Bericht der
Y._
vom 29. April 2004, Urk. 7/8; Urk. 7/3). Nach Abschluss der Rehabilitation gewährte ihm die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Verfügung vom 6. Juni 2005 (Urk. 7/54) eine Umschulung zum Sachbearbeiter Planung an der
Z._
für den Zeitraum ab 4. Juli 2005 bis 3. Juli 2007.
Im Zuge dieser Umschulung liess
X._
am 22. Juni 2006 durch Dr.
A._
, Augenarzt, ein Gesuch um Kostenübernahme für eine Gleit
sichtbrille stellen (Urk. 7/73). Mit Vorbescheid vom 3. Juli 2006 wies die
IV-Stelle dieses Gesuch ab (Urk. 7/75). Nach ergangener Einsprache vom 13. Juli 2006 (Urk. 7/77 und Urk. 7/81) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. August 2006 (Urk. 2 = Urk. 7/82) einen Anspruch des Versicherten auf eine Gleitsichtbrille.
2.
Dagegen erhob
X._
am 28. August 2006 Beschwerde mit dem Antrag auf Aufhebung des angefochtenen Entscheides und Zusprechung der beantrag
ten Gleitsichtbrille (Urk. 1). In der Beschwerdeantwort vom 5. Oktober 2006 ver
zichtete die IV-Stelle auf eine Stellungnahme und schloss im Übrigen auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Verfügung vom 25. Oktober 2006 wurde der Schriftenwechsel als geschlossen erklärt (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Be
schwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Intertemporalrechtlich ist darauf hinzuweisen, dass das am 1. Januar 2003 in Kraft ge
tretene Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungs
rechts (ATSG) die materielle Rechtslage mit Bezug auf den Anspruch auf Hilfsmittel der Invalidenversicherung nicht modifiziert hat (Urteil des Eid
ge
nös
sischen Versicherungsgerichts in Sachen IV-Stelle Bern c. M. vom 27. August 2004, I 3/04, Erw. 1). Auch der im Zuge der 4. IV-Revision auf den 1. Januar 2004 geänderte Art. 21 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung
(IVG; Anspruch auf Hilfsmittel) führt zu keiner Veränderung der Leis
tungs
be
rechtigung, da es sich bei der eingefügten Anpassung lediglich um eine formale Gesetzesänderung handelt (Urteil des Eidgenössischen Versicherungs
gerichts in Sachen IV-Stelle Bern c. M. vom 27. August 2004, I 3/04, Erw. 1).
2.
2.1
Gemäss Art. 21 Abs. 1 IVG hat die versicherte Person im Rahmen einer vom Bundesrat aufzustellenden Liste Anspruch auf jene Hilfsmittel, deren sie für die Ausübung der Erwerbstätigkeit oder der Tätigkeit im Aufgabenbereich, zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit, für die Schulung, die Aus- und Weiterbildung oder zum Zwecke der funktionellen Angewöhnung bedarf.
2.2
Nach Art. 21 Abs. 1 Satz 2 IVG werden Kosten (unter anderem) für Brillen nur übernommen, wenn diese Hilfsmittel eine wesentliche
Ergänzung medizinischer Eingliederungsmassnahmen
bilden.
Gemäss Ziffer 7.01* des Anhangs zur HVI besteht ein Anspruch auf Abgabe von Brillen, sofern sie eine wesentliche Ergänzung medizinischer Eingliede
rungsmassnahmen darstellen.
Eine wesentliche Ergänzung medizinischer Massnahmen im Sinne von Art. 21 Abs. 1 2. Satz IVG setzt nach der Praxis einen qualifizierten inneren Zu
sam
men
hang zwischen der medizinischen Massnahme gemäss Art. 12 oder 13 IVG und der Notwendigkeit der Versorgung mit dem entsprechenden Hilfsmittel voraus. Das trifft dann zu, wenn im Zusammenhang mit oder bei der Durchführung einer medizinischen Massnahme gemäss Art. 12 oder 13 IVG die Abgabe einer Brille notwendig ist, oder wenn der Erfolg einer medizinischen Massnahme der Invalidenversicherung nur bei Benützung einer Brille gewähr
leistet ist (in BGE 124 V 7 nicht publizierte Erw. 2d des Urteils B. vom 16. März 1998, I 71/97, mit Hinweis auf Pra 1992 Nr. 45 S. 165 Erw. 4; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichtes vom 9. Dezember 2002 in Sachen Z., I 108/02). Regelmässige ärztliche Kontrollen, die bei hochgradig sehschwachen Personen erforderlich sind, fallen nicht unter den Begriff der ärztlichen Behandlung (ZAK 1970 S 492 Erw. 1 mit Hinweisen). Nach der Rechtsprechung ist es unerheblich, ob es sich dabei um eine von der Invalidenversicherung durchgeführte medizinische Massnahme handelt; entscheidend ist vielmehr, dass die Voraussetzungen der Übernahme der ärztlichen Vorkehr als medizi
nische Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung an sich erfüllt wären (BGE 105 V 148 Erw. 1; ZAK 1988 S. 475 Erw. 5).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stützt ihren leistungsverneinenden Entscheid auf den Umstand, dass Gleitsichtbrillen nicht in der HVI-Hilfsmittelliste aufgeführt seien und keiner entsprechenden Hilfsmittelkategorie zugeordnet werden können, weshalb sie nicht für die Kosten von Gleitsichtbrillen aufzukommen habe.
3.2
Demgegenüber macht der Versicherte geltend (Urk. 1), die Umschulung beziehungsweise Wiedereingliederung sei stark gefährdet, weil er sich über längere Zeit nicht konzentrieren könne. Durch Überanstrengung der Augen werde zuerst das Bild am PC unscharf, und zusätzlich bekomme er noch Kopfschmerzen. Daher sei es für ihn wichtig, eine Gleitsichtbrille zu erhalten, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Dies sei seine dritte Brille in anderthalb Jahren, was nach seiner Ansicht nicht normal und klar eine Auswirkung seiner Krankheit sei. Im Weiteren verweist der Versicherte auch auf einen Bericht des Augenarztes Dr.
A._
vom 22. August 2006 (Urk. 3/1; dazu Erw. 4.1) sowie auf ein Schreiben von
B._
, Schulleiter der
Z._
vom 28. August 2006 (Urk. 3/2). Darin führt
B._
unter anderem aus, die Arbeit als Sachbearbeiter erfordere einen hohen Anteil an intensiver Augenarbeit. Es scheine ihnen offensichtlich, dass der Beschwerdeführer durch die ungenügende Sehkorrektur schon nach kurzer Zeit überfordert und überanstrengt sei. Die Fortsetzung der Ausbildung sei auf diese Weise in Frage gestellt. Der Bedarf für eine optimal angepasste Brille sei daher ausgewiesen.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer leidet gemäss dem Bericht von Dr.
A._
vom 22. August 2006 (Urk. 3/1) an einer Akkommodationsschwäche, bedingt durch die Vertebralisdissektion mit Hemisyndrom links. Eine Gleitsichtbrille sei not
wen
dig, damit der Beschwerdeführer in allen Bereichen einen klaren Visus habe. Ohne eine solche Brille sei seine Umschulung gefährdet.
4.2
Brillen werden nach Erwägung 2.2 von der Invalidenversicherung nicht als selbständiges Hilfsmittel finanziert, sondern akzessorisch zu einer von der Invali
denversicherung zu übernehmenden Behandlung gemäss Art. 12 oder 13 Abs. 1 IVG. Dementsprechend ist die Invalidenversicherung für Brillen nicht leis
tungs
pflichtig, wenn und solange keine medizinischen Eingliederungsmass
nah
men durchgeführt worden sind (vgl. auch Urteil des Eidgenössischen Versicherungs
gerichts vom 25. Februar 2000 in Sachen A., I 8/00, Erw. 3).
4.3
Da im massgebenden Zeitraum keine medizinischen Eingliederungsmassnahmen mit Brillen als wesentliche Ergänzung (im Sinne von Erwägung 2.2) durch
geführt worden sind, ist der leistungsverneinende Ent
scheid der IV-Stelle nicht zu
beanstanden. Der Einwand des Beschwerdeführers, wonach die Gleitsicht
brille wegen einer Akkommodationsschwäche für die begonnene Umschulung notwendig sei, ändert daran nichts. Die Beschwerde ist daher abzuweisen. Denn selbst dann wenn eine Brille zu einer von der Invalidenversicherung über
nomme
nen Ausbildung erforderlich ist, hat sie den besonderen Voraus
setzun
gen für die Abgabe dieses Hilfsmittels zu genügen.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG in der seit 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) und auf Fr. 400.-- anzu
setzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.