# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 54bd056d-81c0-5af7-ae41-5c45fde27430
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Mit Anmeldung vom 11. August 2005 und unter Hinweis auf
ein dissoziiertes
Ent
wicklungsprofil, eine Spracherwerbsstörung (auditive Sprachfähigkeitsstö
rung)
sowie auf leichte grobmotorische Unsicherheit meldeten die Eltern
der
1999 gebo
rene
n
X._
die Versicherte
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/1). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte Arztberichte ein (Urk. 8/4)
und lehnte mit Verfügung vom
18. Oktober 2005
mangels ausgewiesenen Geburtsgebrechens
eine Kostengut
sprache
für medizinische Massnahmen
und mit Verfügung vom 19. Oktober 2005 eine Kostengutsprache für Ergotherapie
ab (Urk. 8/6
, 8/7
).
Die dagegen am 16. November
2005 erhobene Einsprache (Urk. 8/9)
wies die IV-Stelle am 7. Dezember 2005 ab (Urk. 8/14).
Mit Verfügung
en
vom 28. Dezember 2005
und vom 6. Februar 2008
erteilte die IV-Stelle
i
n
dessen
Kostengutsprache für Sonder
schulmassnahmen (
Sprachheilbehandlung;
Urk. 8/
16, 8/
17).
1.2
Am
7
. November 2016 meldete die Mutter die Versicherte
erneut bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/21).
Die IV-Stelle holte
abermals
Arztbericht
e
ein (Urk. 8/26
, 8/34
, 8/35
)
, tätigte beruflich-erwerbliche Abklä
run
gen (Urk. 8/37) und
liess die Eingliederungs- und Arbeitsfähigkeit der Ver
sicher
ten abklären
(Urk. 8/40
[
Kostenübernahme Potentialabklärung vo
n
6. September bis 8. Oktober 2017
];
8/43
).
Am 11. Oktober 2017 erteilte die IV-Stelle Kostengut
sprache für ein Aufbautraining
vo
n
16. Oktober 2017 bis 15. April 2018
und richtete Taggelder aus (Urk. 8/48, 8/49
, 8/56, 6/58
, 6/62
, Abschlussbericht vom 13. April 2018
[Urk. 8/65
]
).
Infolge
Erreichens der
Voll
jährigkeit reichte die Ver
sicherte am
1
. Dezember 2017 die Anmeldung für Er
wachsene bei der IV-Stelle ein (Urk. 8/54)
.
Mit Mitteilung vom 19. April 2018 teilte die IV-Stelle der Ver
sicherten die Beendigung des Aufbautrainings mit
und leitete die Rentenprüfung ein
(Urk. 8/66).
Mit Schreiben vom 9. April 2019 beantragte die Versicherte die
Zusprache
einer Rente der Invalidenversicherung ab April 2018 (Urk. 8/99).
In der Folge
veran
lasste
die IV-Stelle
eine medizinische Begutachtung der Versicherten in
den
Diszi
plin
en
«Psychiatrie inklusive Neuropsychologie» (Urk. 8/108)
; das neuropsycho
lo
gische
G
utachten wurde am 14. November 2019 (Urk. 8/114), das psychia
tri
sche Gutachten am 23. November 2019 (Urk. 8/116) erstattet.
Mit Schreiben vom 3. Februar 2020
(Urk. 8/118)
auferlegte die IV-Stelle der Versicherten
sodann
Massnahmen zur Verbesserung des Gesundheitszustandes
(
insbesondere die
Fort
führung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung bei einer Kinder-
und Jugendtherap
eutin in wöchentlicher Frequenz sowie
eine
medika
mentöse Be
handlung mit einem Antidepressivum und Kontrollen dieser Behand
lung
im
Ermessen des Behandlers
)
und klärte erneut die beruflich-erwerbliche Situation de
r Versicherten ab (Urk. 8/123).
Mit Schreiben vom 11. Februar 2020 ersuchte die Versicherte abermals um
Zusprache
einer Invalidenrente (Urk. 8/122).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 17. März 2020 [Urk. 8/125]; Einwand vom
8. April 2020 [Urk. 8/129]
)
lehnte die IV-Stelle mit Verfügung vom 18. Juni 2020
das Gesuch
der Versicherten
um
eine Invaliden
rente ab (Urk. 2 [= Urk. 8/132]).
2.
Gegen die Verfügung vom 18. Juni 2020 (Urk. 2) erhob die Versicherte mit Ein
gabe vom 13. August 2020 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der ange
fochtenen Verfügung und die
Zusprache
einer ganzen Invalidenrente ab April 2018, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen. In prozessualer Hinsicht bean
tragte sie die
Gewährung der
unentgeltliche
n
Rechtspflege
(Urk. 1).
Mit Be
schwerdeantwort vom 21. September 2020 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der
Beschwerdeführerin am 29. September 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Mit Eingabe vom 19. März 2021 reichte die Beschwerdeführerin weitere Unterlagen zu den Akten (Urk. 11, 12/1-5)
, wovon der IV-Stelle Kenntnis gegeben wurde (Urk. 13)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundes
gesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Er
werbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Nicht erwerbstätige Personen vor dem vollendeten 20. Altersjahr gelten als inva
lid, wenn die Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit voraussichtlich eine ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit zur Folge haben wird (Art. 8 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 2
des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art.
28 Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu be
tä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Gemäss dem Grundsatz «Eingliederung vor Rente» sind Rentenleistungen erst dann auszurichten, wenn keine zumutbaren Eingliederungsmassnahmen
mehr in Betracht fallen; ein Rentenanspruch kann grundsätzlich erst nach Beendigung der Eingliederungsmassnahmen entstehen, und zwar selbst dann, wenn diese nur einen Teilerfolg brachten oder scheiterten. Laufen indes keine beruflichen Mass
nahmen und sind solche auch nicht konkret angeordnet, so kann mithin auch dann ein (allenfalls befristeter) Rentenanspruch entstehen, wenn die Möglich
keiten der beruflichen Eingliederung noch nicht ausgeschöpft sind (Urteil des
Bundesgerichts 9C_892/2011 vom 21. September 2012 E. 3.3.1). Demnach be
wirkt
der in der Invalidenversicherung geltende Grundsatz «Eingliederung vor Rente», dass die Rente hinter einer Eingliederungsmassnahme respektive dem da
mit ver
bundenen Taggeld zurücktritt (so Art. 28 Abs. 1
lit
. a IVG), jedoch eine Inva
liden
rente vor dem Zeitpunkt der Beendigung der Eingliederungsmassnah
men, gege
be
nenfalls auch rückwirkend, zuzusprechen ist, wenn die versicherte Person nicht oder noch nicht eingliederungsfähig war (Urteil des Bundesgerichts 9C_689/2019 vom 20. Dezember 2019 E. 3.1 mit Hinweisen
; ferner BGE 121 V 190 E. 4a
).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander
setzt, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vor
akten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, und ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche
die Beantwortung der Fragen er
schweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a; 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die IV-Stelle erwog in der angefochtenen Verfügung im Wesentlichen,
nach Be
endigung der Integrationsmassnahmen im April 2018 sei zwecks Beurteilung des Rentenanspruches der Beschwerdeführerin eine medizinische Begutachtung ver
anlasst worden. Aus dem Gutachten gehe hervor, dass von einer Eingliederungs
fähigkeit auszugehen sei und sich der Gesundheitszustand mittels medizinischer und beruflicher Massnahmen verbessern könne, weshalb im Jahr 2020 erneut berufliche Massnahmen gestartet worden seien. Es gelte der Grundsatz «Einglie
derung vor Rente»; solange Eingliederungsfähigkeit vorliege, bestehe kein An
spruch auf eine Invalidenrente, was auch der von der Beschwerdeführerin ange
führte Entscheid des Bundesgerichts 9C_108/2012 vom 5. Juni 2012 klar fest
halte.
Sobald die Wohnsituation der Beschwerdeführerin geklärt sei, könne mit Inte
gra
tionsmassnahmen begonnen werden, allenfalls unter Ausrichtung von Taggel
dern;
die Rentenfrage werde in einem späteren Zeitpunkt erneut abgeklärt (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin argumentierte demgegenüber,
ein Rentenanspruch könne nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch vor Beendigung von Eingliede
rungsmassnahmen entstehen, sofern eine versicherte Person nicht, nicht mehr oder noch nicht eingliederungsfähig sei.
Sie sei seit
15. April 2018 bis heute nicht eingliederungsfähig, weshalb das Aufbautraining habe beendet werden müssen und
eine Ausbildung erst ab Sommer 2020 geprüft werde. Die fehlende Einglie
derungsfähigkeit gehe
zudem
aus dem Bericht der
i
ntegrierten Psychiatrie
Y._
vom 30. November 2018
sowie dem Be
richt der
Internen
Fachstelle Case Management der Gemeinde
Z._
vom 13. Juli 2020
hervor.
Schliesslich habe sich auch im Rahmen des Gesprächs bei der Be
rufsberatung im März 2020 klar gezeigt, dass
zwar eine grundsätzliche Einglie
derungsfähigkeit vorliege,
eine erstmalige berufliche Ausbildung zum damaligen Zeitpunkt
jedoch
verfrüht gewesen wäre. Die im Gutachten aufgestellte
Behaup
tung, wonach sie in angepasster Tätigkeit unter der Voraussetzung einer betreu
ten Wohnform voll
ausbildungsfähig
sei, habe sich folglich als
nicht zutreffend
erwiesen.
Auch
hinsichtlich der gestellten Diagnosen sei das Gutachten mangel
haft
,
zumal die von der
Y._
im Jahr
2018 gestellten Diagnosen im Bericht des
Kan
tonsspitals
A._
vom 14. Juli 2020 bestätigt
worden seien
.
Aufgrund dieser Diagnosen seien Eingliederungsmassnahmen erst im Anschluss an den geplanten Wechsel in ein betreutes Wohnen durchzuführen, da eine
(parallele) Doppelbelastung höchstwahrscheinlich zu einem Abbruch führen w
ü
rde
.
Folglich benötige sie aus gesundheitlichen Gründen
zunächst eine be
treute Woh
n
form, den Aufbau einer Tagesstruktur und eine bessere psychische Stabilität.
Die Voraussetzungen für einen Rentenanspruch seien somit erfüllt, woran auch der Grundsatz «Eingliederung vor Rente» nichts ändere (Urk. 1).
Mit Eingabe vom 19. März 2021 hielt die Beschwerdeführerin ergänzend fest, sie sei krankheitsbedingt nach wie vor eingliederungsunfähig, was verschiedene Ver
laufsberichte bestätigten (Urk. 11).
3.
Die IV-Stelle stützte sich in der angefochtenen Verfügung
im Wesentlichen auf das neuropsychologische
G
utachten vom
14. November 2019
(Urk.
8/114
) sowie auf das psychiatrische Gutachten vom
23. November 2019
(
Urk. 8/116
).
Dr. med.
B._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/116 S. 16):
-
Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (ICD-10: F63)
-
Leichtgradige depressive Episode (ICD-10: F32.0)
-
Soziale Phobie (ICD-10: F40.1) / Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10: F40.01)
Dr.
B._
führte aus, es liessen sich nur die offenkundigen Symptome diagnos
tisch abbilden, das Gesamtbild werde damit noch nicht erfasst. Eine psychotische Erkrankung sowie eine Persönlichkeitsstörung könnten anhand des psychopatho
logischen Befundes nicht diagnostiziert werden, seien aufgrund der seit Kindheit bestehenden Auffälligkeiten jedoch nicht auszuschliessen
. Die meisten der zahl
reichen gestellten Diagnosen in der Vorgeschichte deckten sich
mit der aktuellen Beurteilung, indes sei eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung
nicht zutreffend
, da insbesondere die ausgeprägte Identitätsschwäche nicht zur ängst
lich-vermeidende
n
Persönlichkeit passe
(Urk. 8/116 S. 17 f.).
Dipl.-Psych. Dipl.-Inf.-Wiss.
C._
, Approbierter Psychologischer
Psycho
-
therapeut
, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP und Verkehrspsycho
logie FSP
, hielt im Rahmen der neuropsychologischen Diagnosen fest, insgesamt habe
sich anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung ein unauffälliges, durchschnittliches kognitives Leistungsprofil gezeigt. Es ergäben sich somit keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/114 S. 14).
Im Rahmen der versicherungsmedizinischen Beurteilung hielten die Gutachter fest, der Beschwerdeführerin sei nach Abschluss der Sekundarschule der Einstieg in das Berufsleben nicht gelungen, sie habe keinen Berufswunsch angeben kön
nen, sondern sich unrealistischen Ideen wie einer Karriere im Musikbusiness in Südkorea hingegeben. Die Neigung zu übermässigem Medienkonsum sei in eine Sucht gemündet und dominiere den Alltag. Soziale Ängste hätten sich intensiviert und den Rückzug in das eigene Zimmer verstärkt. Die Fortschritte der seit 2017 durchgeführten ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung, einschliesslich der tagesklinischen Behandlung im Jahr 2018 sowie der ergän
zenden Therapien (Psychiatrie-Spitex, Ergotherapie), seien bis heute gering, die Beschwerdeführerin führe eine
n
aktivitätsarmen Alltag.
Im Rahmen des durch die Invalidenversicherung veranlassten Aufbautrainings seien soziale Ängste mit Schwierigkeiten in der Kontaktaufnahme und Interaktion als ausgeprägt be
schrieben worden, welche sich im Verlaufe des Trainings zunehmend gebessert hätten.
Auch sei deutlich geworden, dass die sozialen Ängste und Schwierigkeiten in der Kommunikation zu keinem Zeitpunkt Arbeitsabläufe behindert hätten, sondern sich die Beschwerdeführerin bei Problemen aktiv an Vorgesetzte gewandt habe.
Trotz objektiver und subjektiver Einschränkungen seien die gute qualitative und quantitative Leistung der Beschwerdeführerin, ihre Zuverlässigkeit und ihre selbständige Arbeitsweise festgehalten worden.
Trotz subjektiv dokumentierter zunehmender Erschöpfung mit körperlichen Symptomen sei klar festgehalten worden, dass sie immer zuverlässig und gut gearbeitet habe. Die dringende Em
pfehlung einer betreuten Wohnform sei indes an der Bereitschaft der Beschwer
deführerin gescheitert.
Aus diesem Verlauf lasse sich nicht schlussfolgern,
warum eine Ausbildungsfähigkeit per se ausgeschlossen, die Massnahme beendet und stattdessen eine stationäre Behandlung zur weiteren Stabilisierung nahegelegt worden sei.
Tatsächlich schwierig gestaltet habe sich die fehlende Flexibilität und Bereitschaft der Beschwerdeführerin, nach pragmatischen Lösungen für die Be
rufswahl zu schauen. Aus psychiatrischer Sicht sei dies
Ausdruck ihrer grossen Unreife, sie befinde sich auf sehr kindlichem Niveau
, auf welchem die Ent
schei
dung für eine Berufswahl überfordernd sei
.
Dieser Schwierigkeit könne über
externe Vorgaben begegnet werden
, sie
sei dann überwindbar.
Die Forderung eine
s betreuten Wohnens als Voraussetzung einer Lehre stelle eine sinnvolle Überle
gung dar
. Die etablierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung bei einer
Kinder- und Jugendtherapeutin begegne der persönlichen Unreife, die Beschwer
deführerin profitiere von dieser Konstanz. Die verhaltenstherapeutische Ausrich
tung der Therapie sei
manualisiert
und handlungsorientiert und geeignet, sie im Umgang mit manifesten Symptomen, in der Alltagsbewältigung und För
derung sozialer Kompetenzen zu unterstützen. Auch die teilstationäre Behand
lung sei
zur Tagesstrukturierung
geeignet gewesen
(Urk. 8/116 S. 18 f.).
Zur
Ausbildungs
fähigkeit äusserte sich die
psychiatrische
Gutachter
in
dahin
gehend, dass der Arbeitsweg möglichst kurz zu sein habe, das Team klein sein und eine konstante direkte Anleitung, idealerweise durch die unmittelbar vorge
setzte Person, bestehen müsse. Eine Ausbildung im ersten Arbeitsmarkt stelle auf
grund der ausgeprägten Unreife der Beschwerdeführerin eine Überforderung dar. Kreative Tätigkeiten seien aufgrund der hohen Anforderungen an die Fähig
keiten zur Entwicklung und Umsetzung eigener Ideen ungünstig, da es ihr an der Fähig
keit, Fantasien und Vorstellung
en
zu entwickeln, mangle. Günstig würde sich dagegen eine strukturierte und routinierte Tätigkeit in einem kreativen Umfeld erweisen, um ihre Motivation zu fördern.
Anleitung und Führung sollten bereits anlässlich der Berufswahl stattfinden, es sei ihr überdies zumutbar, bei fehlenden eigenen realistischen Ideen eine pragmatische Lösung einzugehen. Aus psychia
trischer Sicht sei in einer angepassten Tätigkeit unter der Voraussetzung einer betreuten Wohnform eine volle Ausbildungsfähigkeit im geschützten Rahmen gegeben (Urk. 8/116 S. 21 f.).
Aus neuropsychologischer Sicht ergäben sich keine Hinweise auf eine Einschrän
kung der Leistungsfähigkeit; für eine einfache Tätigkeit auf dem ersten Arbeits
markt könnten die kognitiven Voraussetzungen der Beschwerdeführerin als aus
reichend
vorhanden
betrachtet werden (Urk. 8/114 S. 15 f.).
4.
4.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung zu Recht verneinte.
4.2
Die IV-Stelle stützte sich, wie ausgeführt, im Wesentlichen auf das von Dr.
B._
sowie Dipl.-Psych. Dipl.-Inf.-Wiss.
C._
erstattete Gutachten vom November 201
9 (vgl. vorstehend E. 3
).
Die Gutachter attestierten der Beschwer
deführerin darin aus psychiatrischer Sicht eine volle Ausbildungsfähigkeit im ge
schützten Rahmen, aus neuropsychologischer Sicht attestierten sie ihr keine Ein
schrän
kun
gen der Leistungsfähigkeit. Überdies hielten die Gutachter ausdrücklich fest, dass angesichts der
Vorakten
nicht nachvollziehbar sei, weshalb die Ausbil
dungs
fähigkeit ausgeschlossen, das Aufbautraining beendet und der Beschwer
defüh
rerin stattdessen eine stationäre Behandlung nahegelegt worden sei. Vor diesem Hintergrund ist von einer Ausbildungsfähigkeit auch nach
Beendigung des Auf
bautrainings im
April 2018 auszugehen.
Das Gutachten
von Dr.
B._
sowie Dipl.-Psych. Dipl.-Inf.-Wiss.
C._
beruht auf
allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und setzt sich mit diesen auseinander. Es wurde in Kenntnis der
Vorakten
abge
geben (Urk. 8/114 S. 3 f., 8/116 S. 5-10
),
erfolgte in detaillierter Auseinander
setzung mit den
Vorakten
(Urk. 8/116 S. 4) und beantwortet die gestellten Fragen (Urk. 8/114 S. 15, 8/116 S. 21 f.). Es erscheint in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge als einleuchtend und begründet die Schlussfol
gerungen in nachvollziehbarer Weise; insbesondere erläuterte Dr.
B._
aus
führlich die Herleitung der Diagnosen und der Differentialdiagnosen (Urk. 8/116 S. 17 f.)
, nahm Stellung zur Beurteilung von Konsistenz und Plausibilität sowie
zu den Fähigkeiten, Ressourcen und Belastungen
der Beschwerdeführerin
(Urk. 8/116
S. 20 f.)
.
Folglich erfüllt das Gutachten die formellen Anforderungen an eine beweiskräftige Expertise (vgl. vorstehend E. 1.4), weshalb darauf abzu
stellen ist.
4.3
Dies gilt umso mehr, als auch der Abschlussbericht Aufbautraining der
D._
vom 13. April 2018 (Urk. 8/65)
die
von den Gutachtern attestierte Ausbildungsfähigkeit stütz
t. So hielt die zuständige Case Managerin
fest,
die Beschwerdeführerin verfüge über viele Kompetenzen, welche sie eigent
lich in der Lage
versetzen würden
, eine gute Arbeit, sinnvollerweise zunächst im geschützten Bereich, zu absolvieren. Sie habe sich vor allem im Umgang mit anderen Menschen respektive in der Kommunikation weiterentwickelt und falle dadurch positiver auf, dass sie offener und zugänglicher wirke. D
ie Panikattacken seien im Laufe der Zeit sehr viel weniger geworden und teilweise über lange Phasen hinweg gar nicht mehr aufgetreten. Indes habe sich hinsichtlich der Bereitschaft respektive der Flexibilität der Beschwerdeführerin, nach beruflichen Lösungen zu suchen, kaum eine Entwicklung beobachten lassen, zumal sie wäh
rend der ganzen Zeit fast gar nicht bereit gewesen sei, über eine andere berufliche Richtung als die, etwas Kreatives zu machen, nachzudenken
und nicht bereit sei, Kompromisse einzugehen
.
Sie wolle zudem keine sehr lange Ausbildung absol
vieren.
Alternativ vorgeschlagene Ausbildungen seien für sie überhaupt nicht in Frage gekommen,
da sie
gemäss eigenen Angaben
bei Arbeitsinhalten, welche sie nicht interessierten, nicht in der Lage sei, ihr Bestens zu geben respektive sich überhaupt für die Arbeit zu motivieren
.
Mit der geringen Flexibilität in Bezug auf die Art der Ausbildung
und
die Lage des Ausbildungsbetriebes in Kombination
mit ihrem Schulabschluss gestalte es sich schwierig, eine adäquate Anschluss
lösung herauszuarbeiten
(
Urk. 8/65
S. 3-
7
)
.
Daraus ist ersichtlich, dass im Rah
men des Aufbautrainings
neben den aufgetretenen
gesundheitliche Schwierig
keiten
(Kopfschmerzen, Müdigkeit, Erschöpfung und Rückenschmerzen)
vor allem die fehlende Flexibilität und Motivation der Beschwerdeführerin einer Weiter
füh
rung im Weg standen
. Auch Dr.
B._
hielt diesbezüglich fest, aus den Unter
lagen sei klar ersichtlich,
dass sich weder die sozialen Ängste noch
die Kom
munikationsschwierigkeiten auf die Arbeitsabläufe ausgewirkt hätten (vgl.
vor
stehend E. 3
)
.
Die fehlende Motivation wurde
ferner
nicht nur im Rahmen des Aufbautrainings festgestellt, sondern auch
im Gutachten dahingehend erwähnt, dass die
dringende Empfehlung einer betreuten Wohnform bislang an der Bereitschaft der Beschwer
deführerin selbst gescheitert sei (vgl. vorstehend E. 3). Schliesslich hielt auch die für die Beschwerdeführerin zuständige Person der Sozialen Dienste der Wohn
gemeinde
fest, die Beschwerdeführerin versuche, sich
hinsichtlich des betreuten Wohnens eine «
Wohlfühlo
a
se
» zu verschaffen. Sobald es aber darum gehe, dass sie Ämtchen zu übernehmen,
mitzumachen
und Regeln einzuhalten
habe
, teile sie mit, dass sie nur das mache, was ihr Spass bereite und was sie interessiere; bei allem anderen werde sie sich zurückziehen. Die Beschwerdeführerin zeige hier eher ein
kindlich
es,
pubertäres Verhalte
n denn eine rein psychische Auffälligkeit, ganz nach dem Motto, was ihr nicht genehm sei, mache sie nicht. Diesbezüglich habe sich ein Verhalten manifestiert, mit dem sie bislang relativ gut durchge
kommen sei (vgl. Urk. 12/3 S. 6 f.).
Nach dem Gesagten ist ersichtlich, dass es der Beschwerdeführerin – unter Auf
bringen der notwendigen Motivation – im entsprechend von den Gutachtern fest
gelegten Rahmen durchaus möglich wäre, eine Ausbildung im geschützten Rah
men zu beginnen.
Wie bereits Dr.
B._
festhielt (vgl. Urk. 8/116 S. 22)
,
wäre es ihr
überdies
zumutbar, ihre Wohnsituation positiv zu verändern und in ein be
treutes Wohnen einzutreten,
wozu sie gestützt auf den in der Invalidenver
sicherung
ganz allgemein
geltenden
Grundsatz, wonach eine versicherte Person, bevor sie Leistungen verlangt, zunächst alles ihr Zumutbare selbst vorzukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern, verpflichtet wäre, zumal dieses Gebot der Selbsteingliederung Ausdruck des in der ganzen Sozial
versicherung geltenden Grundsatzes der Schadenminderungspflicht ist (
vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_506/2014 vom 10. November 2014 E. 4.2
).
Dass - wie die Beschwerdeführerin mehrfach vortragen lässt - vorab eine Tagesstruktur aufzu
bauen, ihre Leistung schrittweise zu steigern und eine bessere psychische Stabili
tät zu erreichen sei, erschliesst sich weder aus dem Gutachten noch aus dem Ab
schlussbericht Aufbautraining.
4.4
An diesem Umstand vermögen
die
von de
r Beschwerdeführerin namentlich
ange
rufenen
Arzt
b
erichte
nichts
zu ändern
, zumal die Gutachter diese in ihre Beurtei
lung ein
fliessen liessen und
dazu
Stellung nahmen
.
Die im Bericht der
Y._
im
November 2018
(vgl. Urk. 8/77)
genannte Diagnose einer ängstlich-vermeiden
den
Persön
lich
keitsstörung wurde denn auch von Dr.
B._
ausdrücklich ver
neint
und ausführlich
sowie
nach
vollziehbar
begründet, weshalb
von keiner ängstlich-
ver
meidenden Persönlich
keitsstörung auszugehen sei (vgl. vorstehend E. 3
; Urk. 8/116
S. 18)
.
Die noch im Bericht des
A._
vom 8. Mai 2017 (vgl. Urk. 8/35) festge
hal
tene teilweise einge
schränkte Spracherwerbsstörung
konnte zudem ge
mäss neu
ropsychologischem Gutachten nicht (mehr) diagnostiziert werden (vgl. Urk. 8/116 S. 18).
4.5
Soweit die Beschwerdeführerin schliesslich auf die von ihr mit Beschwerdeer
he
bung eingereichten Berichte
der Internen Fachstelle für Case Management der Sozialen Dienste der Gemeinde
Z._
vom 13. Juli 2020 (Urk. 3/3) und
des
A._
vom 14. Juli 2020 (Urk. 3/4) sowie auf die mit Eingabe vom 19. März 2021 ein
gereichten weiteren Unterlagen (Verlaufsbericht des
A._
vom 4. Februar 2021 [Urk. 12/1], Mitteilung der IV-Stelle vom 24. Februar 2021 [Urk. 12/2] sowie Verlaufsbericht der
Wohngemeinschaft
E._
vom 22. Februar 2021 [Urk. 12/4]) verweist, ist dara
n
zu e
r
innern
, dass das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Er
lasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abstellt, sich die ge
richtliche Überprüfungsbefugnis mithin auf diesen Zeitpunkt beschränkt (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2; 129 V 1 E. 1.2).
Ohnehin
ist
diesen Bericht
en
nichts
zu
entnehmen, was nicht bereits im Rahmen des Gutachtens
umfassend
berücksichtigt worden wäre; vielmehr
werden bereits
bekannte Beschwerden wiederholt (vgl. Urk. 3/3) und
insbesondere im Bericht de
s
A._
die – von Dr.
B._
explizit
verneinte
– Diagnose einer ängstlich-vermei
denden Persönlichkeitsstörung
erneut
aufgeführt
(vgl. Urk. 3/4)
.
Hingewiesen
wird
im
Verlaufsb
ericht des
A._
indessen
darauf, dass die Um
gebung mittlerweile optimal angepasst worden sei, weshalb es nun an der Be
schwerdeführerin liege, die Schwierigkeiten zu bewältigen
(vgl. Urk. 12/1)
,
was erneut darauf hinweist
, dass
ungeachtet
de
r
vorhandenen gesundheitlichen Ein
schränkungen
insbeson
dere
die fehlende Motivation und die
nachteilige
Wohn
situation, deren
Umge
staltung
bislang an der Bereitschaft der Beschwerdeführerin selbst gescheitert war,
einer Ausbildung
im geschützten Rahmen
im Weg standen
.
4.
6
Zusammenfassend
kann auf das Gutachten vom November 2019 abgestellt werden, weshalb bei der Beschwerdeführerin von einer
seit April 2018 – nach Beendigung des Aufbautrainings – bestehenden
Eingliederungsfähigkeit
auszu
gehen ist
.
5.
Bei
einer insoweit
bestehende
n
Eingliederungsfähigkeit tritt – nach dem Grund
satz «Eingliederung vor Rente» –
die
Rente hinter
einer
Eingliederungsmassnahme zurück (vgl. vorstehend E. 1.3)
, weshalb
vorliegend
der
Anspruch
d
er
Beschwer
deführerin auf eine Rente der Invalidenversicherung
zu verneinen
ist
.
Demnach
erweist sich die Verfügung der IV-Stelle vom
18. Juni 2020
als rechtens, weshalb
die Beschwerde abzuweisen
ist
.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege unter Bestellung von Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler als unentgeltlicher Rechtsvertreter (Urk. 1 S. 2).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Ver
beiständung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin ist ausgewiesen (Urk. 3/5); da auch die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind, ist der Beschwerdeführerin die unent
gelt
liche Prozessführung zu bewilligen und die unentgeltliche Rechtsvertretung in der Person von Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler zu gewähren.
6.2
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.3
Dem unentgeltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler, steht eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu
, welche bei Anwendung des
gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.--
(zuzüglich
Mehrwert
steuer) auf
Fr.
1
’
9
00.--
(
inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen)
festzusetzen ist
.
6.4
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4
des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
)
hingewiesen, wonach
sie
zur Nachzahlung der
ihr
erlassenen Gerichtskosten und der Kosten
ihrer
Rechtsvertretung verpflichtet ist, sobald
sie
dazu in der Lage ist.