# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 277314e7-368a-4bad-859e-8eddeb615ea1
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Drohung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 3. November 2020 (GG200152)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 16. Juli 2020
(Urk. 17) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 34 S. 19 f.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 30.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Das Schadensersatz- und das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin B._ werden
abgewiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.00 Gebühr für das Vorverfahren.
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Beschuldigten
auferlegt.
7. (Mitteilungen)
8. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 5 f.)
a) Der Beschuldigten:
(Urk. 36 und Urk. 77 S. 3; sinngemäss)
1. Die Beschuldigte sei freizusprechen.
2. Ausgangsgemässe Kosten- und Entschädigungsfolgen.
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b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 40; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Vertretung der Privatklägerin B._:
(Urk. 78 S. 1)
" Die Berufung der Beschuldigten sei abzuweisen und das Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich vom 3. November 2020 vollumfänglich zu bestätigen."

## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirks-
gerichtes Zürich, 10. Abteilung – Einzelgericht, vom 3. November 2020, meldete
die Beschuldigte noch vor Schranken Berufung an (Prot. I S. 15, vgl. auch
Urk. 30). Das begründete Urteil der Vorinstanz wurde ihr am 8. Januar 2021
zugestellt (Urk. 33/2), worauf sie am 27. Januar 2021 – und damit fristgerecht –
ihre Berufungserklärung einreichte (Urk. 36).
1.2. Innert angesetzter Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO verzichteten die
Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (nachfolgend auch: die "Staatsanwaltschaft")
und die Privatklägerin B._ (nachfolgend auch: die "Privatklägerin") auf Erhe-
bung einer Anschlussberufung und beantragten die Bestätigung des vor-
instanzlichen Urteils (Urk. 40; Urk. 47).
1.3. Am 14. Januar 2021 wurde ein aktualisierter Strafregisterauszug über die
Beschuldigte eingeholt (Urk. 35).
1.4. Da sich die Beschuldigte Ende April 2021 aufgrund entsprechender Vor-
schriften des Bundes für mehrere Tage in Quarantäne begeben und sie Mitte
August 2021 notfallmässig hospitalisiert werden musste, wobei sie anschliessend
gemäss ärztlichem Zeugnis drei Monate lang nicht verhandlungsfähig war, wurde
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die Berufungsverhandlung zwei Mal verschoben (Urk. 55 ff.; Urk. 60 ff.). Ein
Gesuch der Beschuldigten um eine dritte Verschiebung wurde mit Verfügung vom
31. Januar 2022 mangels Vorliegen eines wichtigen Grunds abgewiesen
(Urk. 69 ff.).
1.5. Zur Berufungsverhandlung vom 7. Februar 2022 sind die Beschuldigte, die
Privatklägerin sowie deren Rechtsvertreter, Rechtsanwalt MLaw X._, er-
schienen. Der Staatsanwaltschaft war das Erscheinen freigestellt worden
(Urk. 53). Das Urteil wurde im Anschluss an die Parteiverhandlungen gefällt und
sogleich mündlich eröffnet (zum Ganzen: Prot. II S. 5 ff.).
2. Prozessuales
Die Beschuldigte focht in ihrer Berufungserklärung den Schuldspruch wegen
Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB an, ohne ihre Berufung zu beschrän-
ken (Urk. 36; vgl. Art. 399 Abs. 4 StPO), wobei sie an der Berufungsverhandlung
erklärte, die Kostenfestsetzung der Vorinstanz (Urteilsdispositiv-Ziffer 5) nicht
anzufechten (Prot. II S. 6). Ebenfalls nicht angefochten wurde die Abweisung der
Zivilansprüche der Privatklägerin (Urteilsdispositiv-Ziffer 4) (Urk. 47; Prot. II S. 6).
Somit sind die vorinstanzlichen Urteilsdispositiv-Ziffern 4 und 5 in Rechtskraft
erwachsen, was entsprechend mittels Beschluss festzuhalten ist (vgl. Art. 402
StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO; BSK StPO-EUGSTER, 2. Aufl. 2014, N 1 f.
zu Art. 402).
3. Sachverhalt
3.1. Der für die Verfolgung eines Drohungsdelikts im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB notwendige Strafantrag der Privatklägerin wurde fristgerecht gestellt
(Urk. 2). Jedoch hat die Beschuldigte durchwegs bestritten, die Privatklägerin im
angeklagten Sinn verbal bedroht zu haben (Urk. 5 S. 3 ff.; Urk. 8 S. 2; Urk. 11
S. 2 f.; Prot. I S. 7 und 10 ff.; Urk. 74 S. 6 f. und 9). Entsprechend ist zu prüfen, ob
der Vorwurf aufgrund der vorliegenden Beweismittel rechtsgenügend erstellt
werden kann. Wie dabei vorzugehen ist, hat die Vorinstanz zutreffend geschildert
(Urk. 34 S. 4 ff.). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es am Staat liegt, der
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Beschuldigten ihre Schuld nachzuweisen, ohne dass daran vernünftige Zweifel
verbleiben. Gelingt dies nicht, ist die Beschuldigte freizusprechen. Nebst der
Würdigung von Sachbeweisen und Aussagen Dritter kommt auch den Aussagen
der direkt involvierten Personen entscheidendes Gewicht zu. Die Beurteilung der
Glaubhaftigkeit von Aussagen hängt zunächst einmal davon ab, ob die Aussagen
grundsätzlich überprüfbar sind (formelle Validität), ob sie mit anderweitig im
Verfahren erhobenen Fakten übereinstimmen/in Einklang zu bringen sind (externe
Validität) und ob sie in sich konsistent sind (interne Validität). Schliesslich vermag
auch die von der Vorinstanz bereits erwähnte inhaltliche Analyse der einzelnen
Aussagen auf das Vorliegen von Realitätskriterien und Lügensignalen Anhalts-
punkte für deren Glaubhaftigkeit zu liefern.
3.2. Was die Glaubwürdigkeit der involvierten Personen angeht, kann vorlie-
gend nicht ignoriert werden, dass sich die Beschuldigte und ihre Familie mit der
Privatklägerin und deren Familie gemäss übereinstimmenden Angaben vor dem
Vorfall bereits seit Jahren im Streit befand (Urk. 3 S. 1 ff. und S. 3; Urk. 4 S. 3;
Urk. 5 S. 2; Urk. 8 S. 2; Urk. 10 S. 3). Einerseits drehte sich dieser um Nachbar-
schaftsanliegen (die Privatklägerin kann angeblich seit Jahren ihren Balkon nicht
benützen, weil die Beschuldigte ihren darüber liegenden Balkon exzessiv giesst
bzw. putzt und das Schmutzwasser hernach ungehindert heruntertropft, vgl.
Urk. 7). Anderseits soll es in früheren Jahren zwischen den Töchtern der beiden
Familien (unter anderem der Zeugin C._) in der Schule ebenfalls zu
Auseinandersetzungen gekommen sein. Kurz vor dem anklagegegenständlichen
Ereignis hatte die Privatklägerin unter anderem aufgrund des Verhaltens der
Beschuldigten bei der Vermieterschaft unter Beizug eines Rechtsanwaltes eine
Mängelrüge eingereicht und die Mietzinshinterlegung angedroht, worauf ihr ein
klärendes Gespräch am runden Tisch in Aussicht gestellt worden war (Urk. 3
S. 2). Diesbezüglich war denn auch die Beschuldigte am Tatmorgen durch die
Liegenschaftsverwaltung kontaktiert worden. Vor diesem Hintergrund
andauernder bzw. offenbar genau zur Tatzeit eskalierender
Nachbarschaftskonflikte sind die Aussagen aller Beteiligter mit besonders kriti-
scher Vorsicht zu würdigen, da ein persönliches Interesse an der Einleitung bzw.
am Ausgang des vorliegenden Strafverfahrens augenscheinlich ist. Denn wäh-
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rend seitens der Beschuldigten selbstredend davon auszugehen ist, dass sie mit
einer weissen Weste aus der Untersuchung herauskommen will, ist mit Blick auf
die Privatklägerin wie auch deren Tochter, die Zeugin C._, davon auszuge-
hen, dass eine Strafuntersuchung bzw. Verurteilung der Beschuldigten ihre Posi-
tion im Mietstreit deutlich verbessern würde. So ist denn auch bezeichnend, dass
die Privatklägerin – während noch laufender Konfrontation – sowohl ihren für die
Mietsache mandatierten Rechtsvertreter zu erreichen versuchte wie auch die
Liegenschaftsverwaltung kontaktierte, indessen erst am Folgetag bei der Polizei
Anzeige erstattete. Dass die Privatklägerin bei der Einreichung ihrer Strafanzeige
von finanziellen Motiven getrieben war, ist – obschon sie sich auch im Zivilpunkt
konstituierte – nicht anzunehmen, zumal sie ihre Zivilansprüche zu keinem Zeit-
punkt bezifferte (Urk. 14/4; Prot. I S. 12).
3.3. Die bisherigen Aussagen der Beschuldigten wurden im angefochtenen Ur-
teil korrekt zusammengefasst (Urk. 34 S. 7 f.). Hierauf kann verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO). Auch heute stellte die Beschuldigte in Abrede, die Privat-
klägerin bedroht zu haben (Urk. 74 S. 6 f. und 9).
Auch die Aussagen der Privatklägerin und der Zeugin C._ (der Tochter der
Privatklägerin) wurden durch die Vorinstanz korrekt zusammengefasst
(Urk. 34 S. 8 ff.).
3.4. Sodann existieren offenbar Fotos und Videoaufnahmen der Auseinander-
setzung, da die Privatklägerin sofort nach Bemerken der von oben auf ihren Bal-
kon geflossenen Wassermassen Beweisfotos erstellte und hernach weiterfilmte.
Indes sind diesen – nicht aktenkundigen – Aufnahmen gemäss Polizeirapport vom
4. Januar 2019 (Urk. 1 S. 3) und Zugabe der Privatklägerin und der Zeugin (vgl.
nachfolgende Ausführungen) keine verbalen Drohungen zu entnehmen, sondern
lediglich (von der Beschuldigten eingestandene) Beleidigungen.
In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass die Privatklägerin in ihrer
ersten polizeilichen Einvernahme den Ablauf derart geschildert hatte, dass die
Beschuldigte, als diese bemerkt habe, dass die Privatklägerin Beweisfotos von
den Wasserlachen erstellte, sie zunächst beleidigt habe ("Du dumme Frau, mach
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nur Videos [...]"), dann erneut Wasser und Dreck heruntergeschüttet und dann mit
Drohungen nachgedoppelt habe (Urk. 3 S. 2). Mithin schilderte die Privatklägerin
einen in sich aufeinander folgenden bzw. geschlossenen Ablauf, der – so die
Privatklägerin wörtlich – "sehr schnell" gegangen sei. Hernach habe sie mit Frau
Trost (von der Baugenossenschaft) telefoniert und ihr von den Beleidigungen und
Drohungen erzählt und mitgeteilt, dass sie Rechtsanwalt Y._ einschalten
werde (Urk. 3 S. 2). Erst auf spätere Nachfrage des Polizeibeamten, ob die
Drohungen auf den Videos zu hören sein sollten, erklärte sie, die Drohungen
seien vermutlich zwischen ihren zwei Telefonaten mit der Verwaltung und dem
Rechtsanwalt ausgesprochen worden und nicht zu hören (Urk. 1 S. 3), was
jedoch im deutlichen Widerspruch zu ihrer ersten Schilderung steht, zumal sie
diesfalls Frau Trost nicht von den Drohungen hätte erzählen können. Auch
anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme schilderte sie den Vorfall
zunächst wieder wie aus einem Guss: Sie habe mit der Kamera die Wasserpfütze
festgehalten, die Beschuldigte habe dies bemerkt und angefangen, sie zu
beschimpfen, worauf die Privatklägerin der Beschuldigten gesagt habe, sie solle
sie nicht beschimpfen und in Ruhe lassen, da habe die Beschuldigte plötzlich mit
Drohungen angefangen (Urk. 9 S. 3). Damit konfrontiert, dass auf dem Video
keine Drohungen zu hören seien, erklärte sie, die Beschuldigte habe damit erst
angefangen, als sie (die Privatklägerin) aufgehört habe zu filmen und schilderte
neu, dass nach den Beschimpfungen Ruhe gewesen sei, dann habe sie nicht
mehr gefilmt und dann habe die Beschuldigte die Drohungen ausgesprochen
(Urk. 9 S. 4).
Die Tochter der Privatklägerin führte ihrerseits gegenüber der Polizei aus, als sie
und ihre Mutter heimgekommen seien, hätten sie entdeckt, dass auf den Balkon
wieder ganz viel Wasser hinuntergeschüttet worden sei. Ihre Mutter habe gleich
Videos und Fotos gemacht. Plötzlich habe die Beschuldigte dann hinunter-
geschrien und die Mutter wüst beschimpft als dumme Frau. Ab da habe sie alles
mitbekommen bis zum Ende. Sie hätten trotzdem weitergefilmt und das alles auch
aufgenommen auf Band, diese Beschimpfungen usw. Auf Nachfrage erklärte sie,
auch gehört zu haben, wie die Beschuldigte die Privatklägerin bedroht habe. Auf
die Frage, welche Äusserungen gefallen seien, sagte die Tochter der Privatkläge-
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rin aus, die Beschuldigte habe irgendeinen Bruder, Rechtsanwalt, ihren Mann o-
der einfach einen Mann erwähnt, den sie losschicken werde. Diese Äusserungen
seien von der Privatklägerin auch aufgezeichnet worden. Leider sei nicht alles von
Anfang an darauf, da ihre Mutter im Schock gewesen sei und nicht gleich auf die
Videotaste habe drücken können. Aber sonst sei alles drauf (Urk. 4 S. 1 f.). Spä-
ter erklärte sie, die Beschuldigte habe ihre Mutter beim Filmen und Fotografieren
gesehen, dafür habe sie sich hinausgelehnt. Dann habe sie angefangen, laut her-
umzubrüllen und zu beleidigen und zu bedrohen (Urk. 4 S. 4). Als Zeugin erklärte
sie bei der Staatsanwaltschaft erneut, sie (gemeint die Privatklägerin und sie) sei-
en vom Einkauf zurückgekommen und hätten auf dem Balkon eine grosse Pfütze
vorgefunden, daraufhin hätten sie das per Video und Foto aufgenommen. Die Be-
schuldigte habe das gesehen und aus dem Nichts ihre Mutter beschimpft als
dumme Frau, als Arbeitslose, sie werde einen Mann vorbeischicken etc. Ihre Mut-
ter sei ruhig geblieben und habe ihr gesagt, dass sie sie nicht belästigen soll. Sie
habe weitergefilmt. Sie hätten dann sofort versucht, den ehemaligen Rechtsan-
walt zu kontaktieren und danach Frau Trost angerufen (Urk. 10 S. 2 f.). Auf Vor-
halt, dass man gemäss Polizei nichts von einer Drohung höre, erklärte sie lapidar:
"Das ist ja klar, man kann ja nicht alles auf Video festhalten" (Urk.10 S.4).
3.5. Die Darstellungen der Beschuldigten, der Privatklägerin und der Zeugin
C._ decken sich grösstenteils. Insbesondere gestand die Beschuldigte von
Beginn an ein, auf ihrem Balkon Wasser vergossen und im Rahmen der
folgenden Auseinandersetzung die Privatklägerin beleidigt zu haben, wofür sie
sich später auch entschuldigte (Urk. 5 S. 3; Urk. 6; Prot. I S. 11). Einzig was die
angeblichen verbalen Drohungen angeht, besteht eine Diskrepanz, indem die
Beschuldigte kategorisch bestreitet, Drohungen ausgesprochen zu haben, zumal
sie – wie aus der Berufungsanmeldung implizit zu entnehmen ist (Urk. 30; vgl.
auch bereits Urk. 5 S. 3 und Urk. 12 S. 1) – offenbar davon ausgeht, dass die
Privatklägerin ihr vorwirft, sie vor deren Wohnungstüre bedroht zu haben, mithin
hinsichtlich des Vorfalls auf dem Balkon diesen Vorwurf gar nicht nachvollziehen
kann. Die Darstellung der Privatklägerin wird zwar durch ihre Tochter gestützt, je-
doch kann hier nicht übersehen werden, dass auch letztere in den langjährigen
Nachbarschaftsstreit involviert ist und klar für ihre Mutter und gegen die Beschul-
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digte und deren Familie Partei nimmt, so spricht sie bspw. konstant von "wir" und
identifiziert sich auch im Nachbarschaftsstreit vorbehaltlos mit der Position der
Mutter. Es gilt zu beachten, dass – wie die Beschuldigte zutreffend vorbrachte
(Urk. 77 S. 1) – die Videoaufnahme, welche gemäss Polizeirapport eben gerade
keine Drohungen dokumentiert, nicht in den Akten liegt, womit der Beschuldigten
der Zugang zu diesem offenbar entlastenden, aus ihrer Sicht zentralen Beweis-
mittel verwehrt blieb. Hinzu kommt nun, dass die Privatklägerin gerade die angeb-
lichen Drohungen nicht mit ihrem Handy dokumentiert, alles Übrige aber offenbar
aufgezeichnet hat (Urk. 1 S. 3). Ihre diesbezüglichen Ausführungen vermögen
diese Unterlassung nicht nachvollziehbar zu erklären. Die Privatklägerin hatte ihr
Handy offenbar von Beginn an in Händen, da sie für ihre eingereichte Mängelrüge
Beweisfotos erstellen wollte und hernach bemüht war, damit ihren Rechtsvertreter
bzw. die Vertreterin der Baugenossenschaft zu erreichen. Dass sie nun genau
dann die Aufnahme unterbrochen haben will, wenn die Beschuldigte von
Beleidigungen zu Drohungen überging, überzeugt nicht, zumal die Beschuldigte
vom oberen Balkon keine freie Sicht auf die Privatklägerin hatte, mithin nicht fest-
stellen konnte, ob die Privatklägerin die Aufnahme beendet hatte oder nicht.
Hinzu kommt weiter, dass sowohl die Privatklägerin wie auch die Zeugin in freier
Rede jeweils einen zügigen, sich in den verbalen Äusserungen steigernden
Ablauf schilderten und erst auf Vorhalt der fehlenden Dokumentation Unterbrüche
im Geschehen geltend machen, welche jedoch wenig authentisch wirken. Vor
diesem Hintergrund verbleiben zu gewichtige Zweifel an der Darstellung der Pri-
vatklägerin bzw. der Zeugin, als dass hierauf rechtsgenügend abgestellt werden
könnte. Daran ändert auch nichts, dass die Beschuldigte sich in ihren Aussagen
wiederholt dazu hinreissen liess, die Privatklägerin bzw. deren Lebenswandel
schlecht zu machen (zumal auch die Privatklägerin und deren Tochter mit Kritik
an der Beschuldigten nicht hinter dem Berg hielten), denn schliesslich ist es nicht
an ihr, ihre Unschuld zu beweisen, sondern am Staat, ihre Täterschaft zweifelsfrei
zu belegen. Lediglich der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass die Beteuerung
der Beschuldigten, sie würde nie jemanden mehr bedrohen, da sie nicht wieder
die Erfahrung einer Untersuchungshaft machen wolle, die sie gemacht habe,
nachdem sie ihren Ex-Ehemann bedroht habe (Urk. 74 S. 10; Prot. II S. 9),
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überzeugend wirkt, da diese Darstellung nachvollziehbar und aus dem Leben ge-
griffen ist. Schliesslich kann nicht ausser Acht gelassen werden, dass die Tochter
der Privatklägerin bei ihrer vagen Schilderung der von der Beschuldigten erwähn-
ten einen Person, die vorbeikommen werde, das Wort "Rechtsanwalt" verwendet
hat. Dies spricht dafür, dass die Beschuldigte – wenn überhaupt – dieses Wort
verwendet hat, zumal dieses Wort von den genannten noch das spezifischste
bzw. auffälligste ist. Selbst wenn die Beschuldigte in Aussicht gestellt hätte, einen
Rechtsanwalt beizuziehen, würde dies kein künftiges Übel im Sinne von Art. 180
Abs. 1 StGB darstellen. Zum Beweis ihrer Schuld genügt vorliegend die Aktenlage
jedenfalls nicht, weshalb sie vollumfänglich freizusprechen ist.
4. Kosten- und Entschädigungsfolgen
4.1. Die Verfahrenskosten werden vom Bund oder dem Kanton getragen, der
das Verfahren geführt hat, soweit sie nicht der beschuldigten Person auferlegt
werden können. Letzteres ist der Fall bei einer Verurteilung (Art. 423 und 426
Abs. 1 StPO). Wird die beschuldigte Person freigesprochen, so können ihr dann
Kosten auferlegt werden, wenn sie die Einleitung des Verfahrens rechtswidrig und
schuldhaft bewirkt oder die Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).
Die Kosten des Berufungsverfahrens sind sodann den Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Bei einem
Freispruch hat die beschuldigte Person nach Massgabe von Art. 429 Abs. 1 lit. a
und Art. 430 StPO Anspruch auf eine angemessene Prozess- bzw. Umtriebsent-
schädigung. Im Rechtsmittelverfahren kann bei einem Antragsdelikt die Privatklä-
gerschaft zur Leistung einer angemessenen Entschädigung an die im Schuld-
punkt obsiegende beschuldigte Person verpflichtet werden (Art. 432 Abs. 2 StPO
i.V.m. 436 Abs. 1 StPO).
4.2. Da die Beschuldigte vollumfänglich freizusprechen ist und sie die
Einleitung des Verfahrens weder rechtswidrig und schuldhaft bewirkt noch dessen
Durchführung erschwert hat, sind die Kosten der Untersuchung und des
erstinstanzlichen Verfahrens auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die
Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von Art. 424 Abs. 1
StPO i.V.m. § 16 Abs. 1 und § 14 GebV OG praxisgemäss auf Fr. 3'000.–
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festzusetzen. Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin haben je die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantragt, womit sie beim vorliegenden
Verfahrensausgang unterliegen. Entsprechend sind die Kosten des
Berufungsverfahren zur Hälfte auf die Gerichtskasse zu nehmen und zur Hälfte
der Privatklägerin aufzuerlegen.
4.3. Die Beschuldigte beantragt sinngemäss eine Umtriebsentschädigung
(Urk. 77 S. 3). Der erhobene Vorwurf erforderte einen vergleichsweise über-
schaubaren zeitlichen Aufwand in Bezug auf die Vorbereitung von bzw. die Teil-
nahme an Terminen in der Untersuchung bzw. im erstinstanzlichen Verfahren,
womit es sich rechtfertigt, der Beschuldigten eine Umtriebsentschädigung von
Fr. 300.– für die Untersuchung und das erstinstanzliche Verfahren aus der Ge-
richtskasse zuzusprechen. Für das zweitinstanzliche Verfahren ist die Umtriebs-
entschädigung unter Berücksichtigung ihres zeitlichen Aufwands für die Vorberei-
tung der bzw. Teilnahme an der Berufungsverhandlung sowie der Kosten für die
Eingabe einer Juristin (Urk. 43 und 45) – deren Beizug seitens der über keine
Rechtskenntnisse verfügenden, gebrochen Deutsch sprechenden Beschuldigten
(Urk. 74 S. 1) ohne Weiteres gerechtfertigt war – auf (pauschal) Fr. 200.–
festzusetzen. Da die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin – die sich am
Berufungsverfahren aktiv beteiligte, indem sie einen Antrag stellen bzw. eine
Berufungsantwort erstatten liess (Prot. II S. 8; Urk. 78) – unterliegen, ist die
Umtriebsentschädigung von diesen je hälftig zu tragen. Entsprechend ist der
Beschuldigten für das zweitinstanzliche Verfahren eine Umtriebsentschädigung
von Fr. 100.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen; die Privatklägerin ist zu
verpflichten, der Beschuldigten eine Umtriebsentschädigung von Fr. 100.– für das
zweitinstanzliche Verfahren zu bezahlen.
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