# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8551bfe7-313c-4447-94e1-3e78f5da5b9c
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend einfache Körperverletzung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in Strafsachen, vom 8. März 2017 (GG160033)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 14. No-
vember 2016 (Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Tätlichkeiten bis zu einem Jahr nach der Scheidung im
Sinne von Art. 126 Abs. 1 und Abs. 2 lit. b StGB;
− der einfachen Körperverletzung bis zu einem Jahr nach der Scheidung
im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 3 StGB;
− der Drohung bis zu einem Jahr nach der Scheidung im Sinne von
Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a StGB;
− der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 5 1⁄2 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit heute 145 Tage durch Untersuchungshaft sowie vorzeitigen Straf-
vollzug erstanden sind, sowie einer Busse von Fr. 600.–.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Wird diese Busse schuldhaft nicht bezahlt, so tritt an deren Stelle eine Er-
satzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.
5. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des Kan-
tons Zürich vom 9. Januar 2015 ausgefällten Geldstrafe von
120 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird widerrufen.
6. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66abis StGB für 5 Jahre des Landes
verwiesen.
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7. Dem Beschuldigten wird im Sinne von Art. 67b Abs. 2 lit. a StGB untersagt,
mit der Privatklägerin B._ in irgendeiner Weise (persönlich, telefonisch,
schriftlich, SMS, Mail etc.) direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufzuneh-
men. Das Kontaktverbot gilt für die Dauer von 3 Jahren.
8. Dem Beschuldigten wird im Sinne von Art. 67b Abs. 2 lit. b StGB untersagt,
sich der Privatklägerin B._ mehr als 50 Meter zu nähern oder sich in ei-
nem Umkreis von 500 Metern ihres jeweiligen Wohnortes (derzeit: ... [Ad-
resse]) aufzuhalten. Das Rayonverbot gilt für die Dauer von 3 Jahren.
9. Die Privatklägerin wird mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 500.– zuzüglich 5 %
Zins ab 15. Oktober 2016 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird
das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
11. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.–; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.– Kosten Kantonspolizei
Fr. 1'733.50 Auslagen (Gutachten)
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
12. Fürsprecher X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger
aus der Gerichtskasse mit Fr. 9'455.60 (inkl. Barauslagen und MwSt.) ent-
schädigt.
13. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltli-
che Vertreterin der Privatklägerin aus der Gerichtskasse mit Fr. 5'306.70
(inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt.
14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerin, werden dem Beschuldigten auferlegt.
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15. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung
der Privatklägerin werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO beim Beschuldig-
ten.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten
(Urk. 62 S. 1 f.)
1. Ziffer 1 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und
durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:
"Der Beschuldigte ist schuldig
- der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB
- der Drohung gemäss Art. 180 StGB
- der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB i.V.m.
Art. 22 Abs. 1 StGB.
Vom Vorwurf der Körperverletzung wird der Beschuldigte freigespro-
chen."
2. Ziffer 2 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und
durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:
"Der Beschuldigte wird verurteilt zu 120 Tagen Freiheitsstrafe und zu
einer Busse von Fr. 500.–, die beide durch erstandene Haft vollständig
abgegolten sind."
3. Ziffer 4 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben.
4. Die erlittene Überhaft von 27 Tagen sei auf einen allfälligen Restvoll-
zug der Geldstrafe gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-
Bremgarten vom 19. Mai 2016 anzurechnen.
5. Ziff. 5 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und
durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:
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"Auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich vom 9. Januar 2015 ausgefällten bedingten Geldstrafe
von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird verzichtet; stattdessen wird die
Probezeit um ein weiteres Jahr verlängert."
6. Ziff. 6 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und
durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:
"Von der Anordnung einer Landesverweisung wird abgesehen."
7. Ziffern 7 und 8 des Dispositivs des angefochtenen Urteils seien aufzu-
heben.
8. Ziff. 10 des Dispositivs des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und
durch folgenden Urteilsspruch zu ersetzen:
"Die Privatklägerin 2 wird mit ihrem Genugtuungsbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen."
9. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 63 S. 1)
1. Es sei der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten, ab-
züglich der erstandenen Haft, sowie mit einer Busse von Fr. 600.– zu
bestrafen.
2. Es sei im Übrigen das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen und die Be-
rufung des Beschuldigten abzuweisen.
3. Es seien dem Beschuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens auf-
zuerlegen.
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## Considerations

Erwägungen:
I.
1.1 Mit Urteil vom 8. März 2017 sprach das Bezirksgericht Dietikon, Einzel-
gericht in Strafsachen, den Beschuldigten der mehrfachen Tätlichkeiten, der ein-
fachen Körperverletzung, der Drohung und der Nötigung schuldig und bestrafte
ihn mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von 5 1⁄2 Monaten sowie mit einer Busse
von Fr. 600.–. Weiter setzte es eine Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall des schuld-
haften Nichtbezahlens der Busse fest und widerrief den bedingten Vollzug der mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 9. Januar 2015
ausgefällten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.–. Ausserdem wurden ei-
ne Landesverweisung im Sinne von Art. 66abis StGB für die Dauer von 5 Jahren
sowie ein Kontakt- und Rayonverbot ausgesprochen. Schliesslich entschied es
über die Zivilforderungen der Privatklägerin und regelte die Kosten- und Entschä-
digungsfolgen (Urk. 46 S. 47 ff.).
1.2 Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 27) meldete der Beschul-
digte rechtzeitig Berufung an (Urk. 32; Art. 399 Abs. 1 StPO). Am 7. November
2017 versandte die Vorinstanz das begründete Urteil an die Parteien (Urk. 54/1-3)
und übermittelte in der Folge die Anmeldung der Berufung zusammen mit den Ak-
ten dem Obergericht.
2.1 Mit Eingabe vom 28. November 2017 liess der Beschuldigte der erken-
nenden Kammer rechtzeitig die schriftliche Berufungserklärung einreichen
(Urk. 45/2; Urk. 49; Art. 399 Abs. 3 i.V.m. Art. 90 StPO).
2.2 Mit Präsidialverfügung vom 1. Dezember 2017 wurde der Privatklägerin
und der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich Frist zur Erklärung der An-
schlussberufung oder zur Begründung eines Nichteintretensantrags angesetzt
(Urk. 50). Die Staatsanwaltschaft erklärte daraufhin mit Eingabe vom
8. Dezember 2017 rechtzeitig Anschlussberufung (Urk. 52).
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2.3 Der Beschuldigte wurde vom Erscheinen an der Berufungsverhandlung
dispensiert (Urk. 58). Diese fand daher heute in dessen entschuldigter Abwesen-
heit, jedoch in Anwesenheit seines Verteidigers statt (Prot. II S. 4 ff.).
II.
1.1 Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, die Privatklä-
gerin am Abend des 15. Oktober 2016 im Verlauf einer Auseinandersetzung in ih-
rer Wohnung zunächst im Wohnzimmer so stark an den Haaren gezogen zu ha-
ben, dass ihre Kopfhaut auch am nächsten Tag noch brannte (Körperverletzung,
leichter Fall), ihr sodann im Schlafzimmer das Mobiltelefon aus der Hand gerissen
zu haben, um den von ihr angekündigten und von ihm befürchteten Anruf bei der
Polizei zu verhindern (Nötigungsversuch), ihr das wieder behändigte Mobiltelefon
über ihr kniend erneut aus der Hand gerissen zu haben, um zu verhindern, dass
die Privatklägerin die inzwischen angerufene Polizei über die konkrete Situation
informieren konnte (Nötigung), sie an den Haaren gezogen und ihr mit der ande-
ren Hand mit voller Wucht einen Faustschlag gegen das rechte Schulterblatt ver-
setzt, ihr damit heftige, während den folgenden zwei Tagen anhaltende Schmer-
zen zugefügt (einfache Körperverletzung) und sie schliesslich angeschrien zu ha-
ben, jetzt sei fertig, er gehe jetzt ein Messer holen, um sie umzubringen (Dro-
hung).
1.2 Die Vorinstanz erachtete den Anklagesachverhalt in allen Teilen als er-
stellt (Urk. 46 S. 5, 9, 12) und würdigte diesen hinsichtlich des zweimaligen Zie-
hens an den Haaren als mehrfache Tätlichkeiten (Urk. 46 S. 16), hinsichtlich des
zweimaligen Entreissens des Mobiltelefons als vollendete Nötigung, wobei sie von
einem auf einem Tatentschluss beruhenden zusammengehörigen Tatgeschehen
ausging (Urk. 46 S. 14 f.), hinsichtlich des Faustschlages gegen das rechte Schul-
terblatt als einfache Körperverletzung (Urk. 46 S. 18 f.) und als Drohung (Urk. 46
S. 19).
1.3 Der Beschuldigte stellt auch im Berufungsverfahren in Abrede, die Pri-
vatklägerin im Wohnzimmer an den Haaren gezogen zu haben. Seine Berufung
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richtet sich folgerichtig zunächst gegen den Schuldspruch wegen Tätlichkeiten im
Sinne von Art. 126 StGB in diesem Punkt. Ferner stellt er sich auf den Stand-
punkt, das zweimalige Entreissen des Mobiltelefons sei rechtlich lediglich als ver-
suchte Nötigung und der Faustschlag gegen das rechte Schulterblatt als Tätlich-
keiten im Sinne von Art. 126 StGB zu würdigen. Er ficht daher den vorinstanzli-
chen Schuldspruch wegen (vollendeter) Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB und
denjenigen wegen einfacher Körperverletzung an. Unangefochten bleibt der
Schuldspruch wegen Drohung im Sinne von Art. 180 StGB. Überdies beantragt er
mit seiner Berufung eine tiefere Strafe, die Anrechnung von Überhaft an die aus-
zufällende Busse sowie an den allfälligen Restvollzug der Geldstrafe gemäss
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 19. Mai 2016, die Ver-
längerung der Probezeit um ein weiteres Jahr anstelle des Widerrufs der mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 9. Januar 2015
ausgefällten bedingten Geldstrafe sowie das Absehen von einer Landesverwei-
sung und von einem Kontakt- und Rayonverbot. Schliesslich verlangt er den Ver-
weis der Genugtuungsforderung der Privatklägerin auf den Zivilweg (Urk. 49
S. 2 f.; Urk. 62 S. 1 f.; vgl. auch Urk. 57). Die Staatsanwaltschaft beantragt mit ih-
rer Anschlussberufung eine Erhöhung der Strafe (Urk. 52 S. 1).
2.1 Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 1 teilweise (Schuldspruch wegen Drohung und Tätlich-
keiten [Haarziehen im Schlafzimmer]), 9 (Verweis der Schadenersatzforderung
der Privatklägerin auf den Zivilweg), 11 bis 15 (Kostendispositiv, Festsetzung Ent-
schädigung amtliche Verteidigung und unentgeltliche Privatklägervertretung) un-
angefochten blieben, ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche
Urteil in diesem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist.
2.2 Bezüglich des Schuldpunkts bleibt im Berufungsverfahren demnach zu
prüfen, ob sich der erste Tatvorwurf des Reissens an den Haaren der Privatkläge-
rin im Wohnzimmer wie in der Anklageschrift umschrieben verwirklicht hat. Aus-
serdem ist in rechtlicher Hinsicht zu beurteilen, ob hinsichtlich des Nötigungsvor-
wurfs eine versuchte oder eine vollendete Tatbegehung vorliegt und ob sich der
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Beschuldigte durch den Schlag auf den Rücken der Privatklägerin der Tätlichkei-
ten oder einer einfachen Körperverletzung schuldig gemacht hat. Ferner ist die
Strafe zu bemessen sowie über die Frage des Widerrufs des mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 9. Januar 2015 gewährten beding-
ten Strafvollzugs, das Kontakt- und Rayonverbot, die Landesverweisung und die
Genugtuungsforderung der Privatklägerin zu entscheiden.
III.
1.1.1 Der Beschuldigte stellt bis heute in Abrede, die Privatklägerin bereits
im Wohnzimmer an deren Haaren gezogen zu haben (Urk. 2/4 S. 2; Prot. I S. 7).
Es ist folglich nach den allgemeingültigen Beweisregeln aufgrund der Akten unter
Berücksichtigung der vor Gericht vorgebrachten Argumente zu prüfen, ob der An-
klagesachverhalt in diesem Punkt rechtsgenügend erstellt werden kann.
1.1.2 Da sich zum angeblichen Tatzeitpunkt lediglich der Beschuldigte und
die Privatklägerin im Wohnzimmer befanden und der diesbezügliche Anklagesa-
chverhaltsabschnitt der Schilderung der Privatklägerin entspricht, kommt ihren
Aussagen - neben denjenigen des Beschuldigten - für den Ausgang des Verfah-
rens entscheidende Bedeutung zu. Zu diesen Vorfällen wurde sie erstmals am
Abend des 15. Oktober 2016 befragt und somit unmittelbar nachdem sich diese
Taten ihren Angaben zufolge ereigneten. Damals erklärte sie, es sei im Wohnbe-
reich in der Stube zu verbalen Beschimpfungen des Beschuldigten ihr gegenüber
gekommen. Ausserdem habe er auf dem Sofa an ihren Haaren gerissen. Auch
habe er ein Bügelbrett gegen sie gestossen. Dies alles sei gewesen, bevor sie
sich ins Schlafzimmer begeben habe (Urk. 3/1 S. 3). In ihrer staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme vom 25. Oktober 2016 erklärte sie sodann im Rahmen ihrer
freien Schilderung der Ereignisse, dass der Beschuldigte sich im Wohnzimmer mit
einem Knie auf das Sofa, auf welchem sie gesessen sei, über sie gekniet habe.
Er habe sie dabei an den Haaren gepackt und sie gefragt, wer sie das Gefühl ha-
be, dass sie sei. Als er dann von ihr weggegangen sei, habe er noch das Bügel-
brett, welches in seinem Weg gestanden sei, gegen sie gestossen (Urk. 3/2 S. 4).
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Das Bügelbrett habe ihr aber nichts gemacht. Weiter gab sie an, dass sie ihm erst
dann in den Korridor Richtung Schlafzimmer gefolgt sei und dass auch erst dann
ihr 5-jähriger Sohn und ihre mittlere Tochter C._ dazugekommen seien, weil
es so laut gewesen sei (Urk. 3/2 S. 5). Auf die Frage, wie er sie im Wohnzimmer
an den Haaren gepackt habe, demonstrierte sie dies, indem sie mit der rechten
Hand die Kopfhaare seitlich festhielt und etwas daran zog. Ergänzend erklärte sie,
dass er sehr fest daran gezogen habe, so dass ihre Kopfhaut gebrannt habe, und
sie dies auch noch am Folgetag gespürt habe. Auf die weitere Frage, wie fest er
an ihren Haaren gezogen habe, gab sie an, dass man sich vorstellen könne, wie
jemand ziehe, wenn er hässig sei. Er habe jedenfalls so fest gezogen, dass ihr
Kopf zur Seite geneigt gewesen sei (Urk. 3/2 S. 6). Die Privatklägerin schilderte
also nicht nur von Beginn an, dass sich die Auseinandersetzung zwischen ihr und
dem Beschuldigten schon im Wohnzimmer anbahnte und sie sich dann im Korri-
dor und im Schlafzimmer fortsetzte, sondern sie erwähnte auch bereits in jener
ersten Einvernahme, dass der Beschuldigte schon im Wohnzimmer an ihren Haa-
ren gerissen habe (Urk. 3/1 S. 3; Urk. 3/2 S. 4). Abgesehen davon, zeichnen ihre
Angaben zu diesem dynamischen Geschehen, welches durch den Beschuldigten
in seinen Grundzügen auch anerkannt wird, ein schlüssiges Bild. Die Schilderun-
gen der Abläufe in ihren beiden Einvernahmen sind weitgehend deckungsgleich
und finden auch hinsichtlich verschiedener Details eine Entsprechung in den An-
gaben des Beschuldigten. So erwähnte auch er beispielsweise das Bügelbrett,
welches er der Privatklägerin im Wohnzimmer entgegen gestossen habe (Urk. 2/4
S. 4). Angesichts der Detailliertheit und Konstanz ihrer diesbezüglichen Angaben,
sowie aufgrund der Übereinstimmungen, welche sich in Bezug auf die Aussagen
des Beschuldigten zeigen, erweisen sich ihre Aussagen als glaubhaft. Daran än-
dert auch nichts, dass sie am Telefon dem Polizisten gegenüber nur von Beleidi-
gungen berichtete und das erste Ziehen an den Haaren unerwähnt liess (vgl.
Urk. 27 S. 4). Wie die Verteidigung richtig festhält, verfolgte die Privatklägerin mit
ihrem Notruf das Ziel, den Beschuldigten mit Hilfe der Polizei zum Verlassen der
Wohnung zu bewegen; es ging ihr nicht darum, ihn einer Strafverfolgung auszu-
setzen. Wenn sie das Geschehene nicht im Detail und für den Beschuldigten be-
sonders nachteilig schilderte, passt dies also zu dem von ihr damals verfolgten
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Ziel. Mit bzw. nach dem Notruf eskalierte dann die Auseinandersetzung bis hin
zur vom Beschuldigten eingestandenen Todesdrohung, wie sich auch der Auf-
nahme vom Notruf der Privatklägerin entnehmen lässt. So fragte der Polizeibeam-
te zunächst, ob jemand am Telefon sei. Dabei sind zunächst verschiedene Stim-
men aus einer gewissen Entfernung zu hören. Nach einigen Sekunden meldet
sich die Privatklägerin und erklärt, wie es der Verteidiger zitierte, dass ihr Ex-
Mann da sei, um seine Sachen zu packen, er die Wohnung aber nicht verlassen
wolle und sie beleidigt habe. Umgehend wird die Privatklägerin nach ihrer Adres-
se und ihrem Namen gefragt. Insbesondere die Angaben zu ihrem Namen muss
sie mehrmals wiederholen, da der Polizeibeamte nicht sogleich versteht bzw. da
er sich mehrmals versichert, ob er die Angaben korrekt notierte. Während dieser
Phase des Gesprächs wirkt die Privatklägerin zwar nervös, kann die Angaben
aber ohne Unterbruch tätigen. Im Hintergrund ist stets eine ruhig wirkende Män-
nerstimme zu hören. Auf die Frage des Polizeibeamten, wo sich ihr Ex-Mann nun
befinde, antwortet die Privatklägerin jedoch nicht mehr. Man hört sie in der Folge
laut schreien, bis die Verbindung abbricht (Urk. 7/3). Diese zweite Phase des Ge-
schehens löste bei der Privatklägerin erst Panik aus. Folgerichtig stand diese
dann im Zentrum ihrer ersten Aussage (vgl. Urk. 3/1 S. 1 f.). Zusammengefasst ist
das (Aussage-)Verhalten der Privatklägerin unter Berücksichtigung der gesamten
Umstände stimmig. Dass sie erst dann und nachdem sie den Teil der Auseinan-
dersetzung geschilderte hatte, der für sie die Situation nachhaltig geändert hatte,
auch erwähnte, dass der Beschuldigte schon vor ihrem Telefonanruf bei der Poli-
zei auf sie losgegangen sei, passt.
1.1.3 Auch der Beschuldigte wurde noch am Abend des 15. Oktobers 2015
erstmals einvernommen. Als er durch den einvernehmenden Polizisten gefragt
wurde, was zuvor an jenem Abend vorgefallen sei, gab er aber nur zögerlich zu,
dass es zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und der Privatklägerin ge-
kommen sei (Urk. 2/1 S. 2 f.). Auf die Frage, wo die Auseinandersetzung stattge-
funden habe, gab er an, keine Ahnung zu haben, es sei in der Stube oder im
Zimmer gewesen (Urk. 2/1 S. 2). Bereits in der staatsanwaltschaftlichen Haftein-
vernahme zwei Tage nach dem Vorfall räumte er aber ein, dass fast alles stimme,
was die Privatklägerin ihm vorwerfe. Allerdings bestritt er nun ausdrücklich, dass
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bereits im Wohnzimmer etwas passiert sei (Urk. 2/2 S. 2). Dass er sie im Schlaf-
zimmer an den Haaren gerissen habe, stellte er dann aber nicht in Abrede
(Urk. 2/2 S. 3). Nicht nur im Schlafzimmer, sondern auch im Wohnzimmer an ih-
ren Haaren gerissen zu haben, bestritt der Beschuldigte auch in der staatsanwalt-
schaftlichen Schlusseinvernahme ausdrücklich. Er beteuerte weiterhin, dass das
ganze "Theater" im Schlafzimmer stattgefunden habe (Urk. 2/4 S. 2). Auch im
weiteren Verlauf jener Einvernahme erklärte er zwar erneut, dass im Wohnzimmer
gar nichts gewesen sei, ergänzte dann aber, dass er dort immerhin ein Bügelbrett
gegen die Privatklägerin gestossen habe (Urk. 2/4 S. 4). Dass er der Privatkläge-
rin im Wohnzimmer an den Haaren gerissen hätte, bestritt er schliesslich auch im
Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung. Hingegen erklärte er neu, dass
er im Wohnzimmer mit dem Fuss gegen die Ecke des Sofas getreten habe (Prot. I
S. 7). Der Beschuldigte räumte das Ausmass der durch ihn begangenen Taten
zum Nachteil der Privatklägerin folglich nur zögerlich ein. So stritt er beispielswei-
se zunächst auch gänzlich ab, ihr einen Faustschlag gegeben zu haben (Urk. 2/1
S. 4). Auch generell erwecken seine vagen Angaben und die nur auf entspre-
chende Vorhalte getätigten Geständnisse den Eindruck, dass er zunächst darum
bemüht war, seine Taten so gut wie möglich zu verschleiern und zu verharmlo-
sen. Insbesondere sein erst im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Schlussein-
vernahme erfolgtes Eingeständnis, der Privatklägerin im Wohnzimmer ein Bügel-
brett entgegengestossen zu haben (Urk. 2/4 S. 4), zeigt, dass es sich bei seinen
anfänglichen Beteuerungen, dass sich die Auseinandersetzung nur im Schlaf-
zimmer abgespielt habe, um Schutzbehauptungen handelte. Hinsichtlich dem
Wahrheitsgehalt seiner Angaben im Zusammenhang mit dem ersten Reissen an
den Haaren der Privatklägerin im Wohnzimmer bestehen daher Zweifel.
1.1.4 Den glaubhaften Aussagen der Privatklägerin stehen die wenig über-
zeugenden Bestreitungen des Beschuldigten gegenüber. Gestützt auf die über-
zeugenden Aussagen der Privatklägerin ist damit rechtsgenügend nachgewiesen,
dass der Beschuldigte die Privatklägerin in der Weise, wie es in der Anklageschrift
umschrieben ist, im Wohnzimmer an den Haaren zog, so dass ihr nachher die
Kopfhaut brannte.
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1.2 Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz des Reissens an den Haaren
der Privatklägerin im Wohnzimmer als Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB
ist zutreffend. Dass es sich beim Reissen an den Haaren einer Person, in der Art
und Weise, wie es der Beschuldigte tat, um Tätlichkeiten handelt, wurde im Übri-
gen auch durch die Verteidigung nicht in Frage gestellt. Im Gegenteil anerkannte
sie, dass das vom Vorgang her identische Reissen an den Haaren der Privatklä-
gerin im Schlafzimmer rechtlich als Tätlichkeiten zu würdigen ist (Urk. 49 S. 2;
Urk. 57). Auf die diesbezüglichen zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz kann
daher verwiesen werden (Urk. 46 S. 12 ff; Art. 82 Abs. 4 StPO). Bezüglich des
Reissens an den Haaren der Privatklägerin im Wohnzimmer hat sich der Be-
schuldigte somit der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB schuldig gemacht.
2.1 Der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB macht sich schuldig, wer je-
manden durch Gewalt oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere
Beschränkung seiner Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder
zu dulden. Vollendet ist die Nötigung erst, wenn sich das Opfer nach dem Willen
des Täters verhält. Misslingt die Bestimmung von Willensbildung- oder betätigung,
so bleibt es beim Versuch (BGE 106 IV 125 E. 2b; TRECHSEL/MONA, in: Trech-
sel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar StGB, 3. Aufl., 2018, N 9 zu Art. 181).
2.2 In tatsächlicher Hinsicht wird vom Beschuldigten in Übereinstimmung mit
der übrigen Aktenlage anerkannt, dass er der Privatklägerin im Wohnzimmer,
nachdem sie angekündigt hatte, die Polizei zu rufen, und dann im Schlafzimmer
als sie mit der Polizei telefonierte, das Mobiltelefon entriss. Im Wohnzimmer ent-
riss er ihr das Mobiltelefon mit dem Ziel, die Privatklägerin daran zu hindern, ei-
nen Anruf bei der Polizei zu tätigen. Obwohl es ihm zunächst gelang, der Privat-
klägerin das Mobiltelefon wegzunehmen, gelang es dieser in der Folge, das Mo-
biltelefon wieder zu behändigen und die Polizei anzurufen. Der Beschuldigte be-
schränkte die Privatklägerin mithin durch die Wegnahme des Mobiltelefons vo-
rübergehend in "anderer Weise" in ihrer Handlungsfreiheit. Da die Privatklägerin
sich von ihrem Telefonat an die Polizei aber letztlich nicht abhalten liess, dem Wil-
len des Beschuldigten also nicht folgte, liegt in dieser Phase des Geschehens le-
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diglich eine versuchte Tatbegehung vor (versuchte Nötigung im Sinne von
Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB).
2.3 Was das Wegnehmen des Mobiltelefons im Schlafzimmer betrifft, ist
festzuhalten, dass dem Beschuldigten bewusst war, dass es der Privatklägerin
bereits gelungen war, sich mit der Polizei in Kontakt zu setzen, als er sich wieder
zu ihr ins Schlafzimmer begab; das geht aus seinen Aussagen hervor. Auf der bei
den Akten liegenden Aufzeichnung ihres Notrufs ist sodann zu hören, dass es der
Privatklägerin möglich war, zu sagen, dass der Beschuldigte die Wohnung nicht
verlassen wolle und er sie beleidigt habe. Auch konnte sie ihren Namen und ihre
Adresse hinterlassen. Erst nachdem sie diese Angaben gemacht hatte, ist auf der
Aufnahme ihr Schreien zu hören (Urk. 7/3). Zudem fällt auf, dass auf der Aufnah-
me des Telefonats neben der Stimme der Privatklägerin gleichzeitig auch diejeni-
ge des Beschuldigten zu hören ist. War der Beschuldigte für den Polizisten zu hö-
ren, war auch der Beschuldigte in der Lage, das Telefonat der Privatklägerin mit-
zuhören. Daraus ist zu seinen Gunsten zu schliessen, dass ihm nicht nur bewusst
war, dass die Privatklägerin bereits Kontakt zur Polizei hergestellt hatte, sondern
dass er auch Kenntnis davon hatte, dass sie gegenüber der Polizei bereits Anga-
ben zu seiner Person, dem Geschehen sowie zu ihren Kontaktdaten hatte ma-
chen können. Dass er mit seiner Intervention nicht mehr verhindern konnte, dass
die Polizei alarmiert wird und ein Polizeieinsatz möglicherweise bevorstand, muss
ihm daher klar gewesen sein. Seine weiteren Aggressionen gegenüber der Pri-
vatklägerin standen somit nicht mehr im Zusammenhang mit seinem Nötigungs-
ziel. Wenn er sich über die Privatklägerin auf das Bett kniete und ihr das Mobilte-
lefon aus der Hand riss und sie schlug, dann also nicht deshalb, weil er die Pri-
vatklägerin darin hindern wollte, gegenüber der Polizei weitere Details zum Ge-
schehensablauf bekannt zu geben, sondern weil er sich darüber ärgerte, dass sie
sich nicht wie von ihm gewünscht verhalten hatte.
2.4 Der Beschuldigte ist folglich (lediglich) der versuchten Nötigung im Sinne
von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
Vom Vorwurf der Nötigung (Anklagepunkt "Körperverletzung, Nötigung") ist er
freizusprechen.
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3.1 Schliesslich verlangt der Beschuldigte, er sei hinsichtlich des Faust-
schlags, welchen er der Privatklägerin auf den Rücken erteilt habe, wegen Tät-
lichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB und nicht wegen einer einfachen Körperver-
letzung im Sinne von Art. 123 StGB zu verurteilen (Urk. 49 S. 2; Urk. 57; Urk. 62
S. 1). So handle es sich bei der Rötung, welche sein Schlag am Schulterblatt der
Privatklägerin unbestrittenermassen hervorgerufen habe, nicht um eine Verlet-
zung, welche den Schweregrad einer einfachen Körperverletzung erreiche, son-
dern um die Folge einer Tätlichkeit (Urk. 27 S. 7; Urk. 62 S. 4).
3.2 Einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB macht sich strafbar, wer vorsätzlich einen Menschen in anderer Weise an
Körper oder Gesundheit schädigt. In anderer Weise schädigt der Täter jemanden
an Körper oder Gesundheit, wenn die Verletzung weder die Voraussetzungen ei-
ner schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB noch diejenigen einer
Tätlichkeit im Sinne von Art. 126 StGB erfüllt (DONATSCH, in: Donatsch/Heim-
gartner/Isenring/Weder [Hrsg.], Kommentar zum StGB, 20. Auflage 2018, Art. 123
N 1). Eine einfache Körperverletzung ist in Abgrenzung zur Tätlichkeit gegeben,
wenn nicht mehr bloss eine harmlose Beeinträchtigung der körperlichen Integrität
oder des gesundheitlichen Wohlbefindens gegeben ist. Die körperliche Integrität
ist dann im Sinne einer einfachen Körperverletzung beeinträchtigt, wenn innere
oder äussere Verletzungen oder Schädigungen zugefügt werden, die mindestens
eine gewisse Behandlung und Heilungszeit erfordern, sofern sie um Einiges über
blosse Kratzer hinausgehen. Auf blosse Tätlichkeiten ist sodann zu erkennen,
wenn Schürfungen, Kratzwunden, Quetschwunden oder bloss blaue Flecken so
harmlos sind, dass sie in kürzester Zeit vorübergehen oder ausheilen und keine
Gesundheitsgefährdung herbeiführen (ROTH/BERKEMEIER, in: Niggli/Wipräch-
tiger [Hrsg.], Basler Kommentar StGB, 3. Aufl., 2013, Art. 123 N 3 f.). Sowohl bei
Tätlichkeiten als auch bei einfachen Körperverletzungen entfällt das Erfordernis
eines Strafantrags, wenn die Tat wie vorliegend während der Ehe oder bis zu ei-
nem Jahr nach der Scheidung zum Nachteil eines Ehegatten begangen wurde
(Art. 123 Ziff. 2 Abs. 4 StGB; Art. 126 Abs. 2 lit. b StGB).
- 16 -
3.3 Zu ihrer Verletzung, welche der Faustschlag des Beschuldigten bei ihr
hervorgerufen habe, erklärte die Privatklägerin in der unmittelbar nach dem Vorfall
durchgeführten Einvernahme, sie habe eine rote Stelle an der Schulter, wo er sie
getroffen habe. Die Frage, ob sie einen Arzt brauche oder ob sie sich deswegen
in ärztliche Behandlung gegeben habe, verneinte die Privatklägerin jedoch
(Urk. 3/1 S. 4). Nachdem sie den Faustschlag auch im Rahmen der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme schilderte, erklärte die Privatklägerin sodann, sie habe
in dieser Zeit fürchterlich geschrien, weil sie Angst gehabt habe (Urk. 3/2 S. 5).
Dass sie aufgrund von starken Schmerzen geschrien hätte, machte sie hingegen
nicht geltend. Weiter gab sie an, dass der Beschuldigte mit voller Wucht geschla-
gen habe. Nach der konkreten Wirkung auf sie gefragt, machte sie anschliessend
geltend, dass sie Schmerz gespürt habe und es furchtbar weh getan habe. Sie
habe dort bei jeder Bewegung jeden Muskel gespürt. Die Nachfrage, ob ihr dem-
nach jede Bewegung der Schulter Schmerzen bereitet habe, bejahte sie. Auf die
Intensität der Schmerzen beim Bewegen der Schulter angesprochen erklärte sie
schliesslich, dass es so gewesen sei, dass sie es gespürt habe. In ihrer Bewe-
gung sei sie dadurch aber nicht gross eingeschränkt gewesen. Ausserdem seien
es zwei Tage gewesen, während welchen sie die Schmerzen noch gespürt habe
(Urk. 3/2 S. 7 f.).
3.4 Der Schlag des Beschuldigten verursachte bei der Privatklägerin nicht
nur Schmerzen, sondern auch eine äusserlich sichtbare Rötung (Urk. 1/3 S. 1;
Urk. 3/3). Dass die Schmerzen so stark gewesen wären, dass sie einen Arzt auf-
gesucht hätte oder die Verletzung eine Behandlung beispielsweise mit Medika-
menten oder Salben benötigt hätte, um abzuheilen, machte die Privatklägerin hin-
gegen nicht geltend. Insbesondere aber auch, da es sich um eine Verletzung
handelte, welche der Privatklägerin nur bei Bewegungen und nicht permanent und
auch nicht für eine längere Zeit als zwei Tage Schmerzen bereitete, erreichte die-
se die Grenze zur einfachen Körperverletzung nicht. Es lag mithin eine Verletzung
im Bereich von Tätlichkeiten vor, welche innert kürzester Zeit ausheilte und keine
Gesundheitsgefährdung herbeiführte.
- 17 -
4. Zusätzlich zu den nicht angefochtenen Schuldsprüchen wegen Drohung
im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB und Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB
(Haarziehen im Schlafzimmer) ist der Beschuldigte somit der versuchten Nötigung
im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie der
mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB hinsichtlich des Reissens
an den Haaren der Privatklägerin im Wohnzimmer und des Faustschlags auf den
Rücken der Privatklägerin schuldig zu sprechen. Vom Vorwurf der Nötigung (An-
klagepunkt "Körperverletzung, Nötigung") ist er freizusprechen.
IV.
1.1 Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) gemäss der Änderung
vom 19. Juni 2015 in Kraft getreten (AS 2016 1249). Der Beschuldigte hat die zu
beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten des neuen Rechts verübt. Nach Art. 2
Abs. 1 StGB wird nach neuem Recht nur beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten
ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat. Hat der Täter ein Verbrechen oder
Vergehen vor Inkrafttreten des neuen Rechts begangen, erfolgt die Beurteilung
aber erst nachher, ist das neue Recht anzuwenden, wenn es für den Täter milder
ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Ob das neue Recht das mildere ist, hat das Gericht nach
der konkreten Methode zu ermitteln (DONATSCH, a.a.O., Art. 2 N 10).
1.2 Wie zu zeigen sein wird, ist der Beschuldigte mit einer kurzen unbeding-
ten Freiheitsstrafe unter 6 Monaten sowie mit einer Busse zu bestrafen (vgl.
Erw. IV.4.6.1; IV.5). Da eine Bestrafung des Beschuldigten nach neuem Recht zur
Ausfällung derselben Strafe und mithin nicht zu einer milderen Bestrafung führen
würde, kommt vorliegend das alte Recht zur Anwendung (vgl. auch nachfolgend
E. V.3).
2.1 Ausgangspunkt für die Strafzumessung ist die schwerste vom Beschul-
digten begangene Tat (vgl. Art. 49 Abs. 1 StGB), also die Drohung im Sinne von
Art. 180 Abs. 1 StGB (vgl. nachfolgend E. IV.4.1.1). Der Tatbestand sieht einen
ordentlichen Strafrahmen von Geldstrafe bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe vor. Aus-
- 18 -
sergewöhnliche Umstände, die es angezeigt erscheinen lassen, diesen Strafrah-
men im vorliegenden Fall zu verlassen, bestehen auch unter Berücksichtigung der
Deliktsmehrheit nicht (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.8). Die Strafe ist mithin innerhalb
des ordentlichen Strafrahmens zu bemessen.
2.2 Für die mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB ist zudem
eine separate Busse auszufällen (Urteil des Bundesgerichts 6B_65/2009 vom
13. Juli 2009 E. 1.2 f.).
3.1 Innerhalb des Strafrahmens bemisst das Gericht die Strafe nach dem
Verschulden des Täters, wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse
des Täters sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen
sind (Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zu den Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2 und
BGE 136 IV 55). Bei der Bemessung der Busse ist nebst dem Verschulden der fi-
nanziellen Leistungsfähigkeit des Beschuldigten Rechnung zu tragen.
3.2. Ist der Täter wie vorliegend wegen einer Mehrheit begangener Taten zu
bestrafen, hat das Gericht basierend auf der Tatkomponente zunächst die Ein-
satzstrafe für das schwerste Delikt zu bestimmen. In einem weiteren Schritt sind
die übrigen Delikte - wiederum basierend auf der Tatkomponente - zu beurteilen,
und es ist dafür unter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände die hypotheti-
sche Strafe zu ermitteln. Soweit für die mehreren zu beurteilenden Straftaten je-
weils gleichartige Strafen als angemessen erscheinen, ist sodann unter Berück-
sichtigung des Asperationsprinzips die hypothetische Gesamtstrafe für sämtliche
Delikte festzulegen (Art. 49 Abs. 1 StGB; BGE 6B_808/2017 E. 2.1.1). Dabei sind
namentlich das Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammen-
hang, ihre grössere oder geringere Selbständigkeit sowie die Gleichheit oder Ver-
schiedenheit der verletzten Rechtsgüter und Begehungsweisen zu berücksichti-
gen. Der Gesamtschuldbeitrag des einzelnen Delikts ist dabei in der Regel gerin-
ger zu veranschlagen, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem en-
gen Zusammenhang stehen (BGE 6B_323/2010 E 3.2). Nach der Festlegung der
hypothetischen Gesamtstrafe für sämtliche Delikte ist schliesslich die Täterkom-
ponente zu berücksichtigen (BGE 6B_865/2009 E 1.6.1; BGE 6B_496/2011 E 2
und E 4.2).
- 19 -
3.3 Bei der Wahl der Sanktionsart sind die Zweckmässigkeit einer bestimm-
ten Sanktion, ihre Auswirkung auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre
präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2).
4.1.1 Da hinsichtlich der Drohung eine vollendete Tatbegehung vorliegt,
wiegt diese Tat schwerer als die ebenfalls zu beurteilende versuchte Nötigung.
Ausgehend vom schwersten der zu bestrafenden Vergehen ist demzufolge zu-
nächst die Tatkomponente der Drohung zu bewerten. Dabei ist dem mit der Ak-
tenlage übereinstimmenden Geständnis des Beschuldigten folgend davon auszu-
gehen, dass er der Privatklägerin mit dem Tod drohte. Dass er diese Drohung mit
dem Hinweis, er gehe jetzt ein Messer holen, unterstrich, kann ihm, wie noch zu
zeigen ist (vgl. E. IV.4.1.2), zwar nicht nachgewiesen werden. Allerdings ist fest-
zuhalten, dass Todesdrohungen an sich objektiv zu den schwersten Drohungen
gehören und der Beschuldigte in einer Situation handelte, in welcher das Sicher-
heitsgefühl der Privatklägerin wegen seiner vorangegangenen Aggressionen be-
reits beeinträchtigt war, womit die Drohung zusätzliches Gewicht erhielt. Das ob-
jektive Tatverschulden wiegt vor diesem Hintergrund gerade noch leicht.
4.1.2 Dass der Beschuldigte die Todesdrohung mit dem Hinweis, er gehe
jetzt ein Messer holen, unterstrich, was das objektive Verschulden erhöhen wür-
de, kann ihm, wie erwähnt, nicht nachgewiesen werden. Die Privatklägerin erklär-
te in ihrer ersten Einvernahme am Abend des Geschehens, der Beschuldigte ha-
be ihr nachgeschrien, er werde sie umbringen. Ausserdem berichtete sie davon,
nachdem sie sich im WC eingeschlossen habe, aus der Küche gehört zu haben,
wie er die Besteckschublade geöffnet habe. Auch auf konkrete Nachfrage, mit
welchen Worten der Beschuldigte ihr gedroht habe, erwähnte die Privatklägerin
noch kein Messer (Urk. 3/1 S. 2). Erst in der staatsanwaltschaftlichen Einvernah-
me vom 25. Oktober 2016 erklärte sie dann, der Beschuldigte habe damals ge-
schrien, er gehe jetzt ein Messer holen, um sie umzubringen. Als sie sich dann im
WC eingeschlossen habe, habe sie hören können, wie die Besteckschublade ge-
öffnet worden sei (Urk. 3/2 S. 5). Ihre Angabe in der zweiten Einvernahme findet
sodann weder in den Aussagen des Beschuldigten noch in jenen ihrer beiden
Töchter eine Entsprechung. Die älteste Tochter der Privatklägerin, D._, er-
- 20 -
klärte im Rahmen ihrer Zeugeneinvernahme zum Ablauf des Geschehens, dass
der Beschuldigte in die Küche gegangen sei, direkt nachdem er gesagt habe, er
bringe die Privatklägerin um. Er habe dort die Besteckschublade aufgemacht. Da
seine Sachen ja nicht in der Küche gewesen seien, habe sie sich gedacht, dass
er ein Messer holen wolle. Er habe die Besteckschublade dann wieder zuge-
macht, habe sie zur Seite gestossen und sei aus der Küche gegangen (Urk. 4/1
S. 4). Dass der Beschuldigte in seiner ausgesprochenen Drohung ein Messer er-
wähnt hätte, lässt sich ihren Aussagen nicht entnehmen. Vielmehr deklarierte sie
klar, dass es sich um eine Annahme ihrerseits gehandelt habe, dass der Beschul-
digte der Besteckschublade ein Messer habe entnehmen wollen. Aus ihrer weite-
ren Schilderung geht zudem hervor, dass er die Besteckschublade dann wieder
schloss, ohne zuvor ein Messer entnommen zu haben. Da sich D._ ihrer
Darstellung nach mit dem Beschuldigten in der Küche befand, als er die Schubla-
de öffnete, hätte sie sehen können, wenn er tatsächlich ein Messer behändigt o-
der gezielt nach einem solchen gesucht hätte. In Anbetracht dessen, dass die Pri-
vatklägerin nicht unmittelbar nach dem Vorfall erwähnte, dass der Beschuldigte
ein Messer in seine Drohung miteinbezogen habe und sich der Zusammenhang
der Drohung mit einem Messer im Übrigen lediglich in Vermutungen ihrer Tochter
widerspiegelt, bestehen Zweifel, dass der Beschuldigte tatsächlich sagte, er wer-
de ein Messer holen.
4.1.3 In Bezug auf die subjektive Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigte lediglich mit Eventualvorsatz handelte. Die Staatsanwaltschaft
wendete im Rahmen der Berufungsverhandlung ein, die Vorinstanz habe dem
Beschuldigten bei der Strafzumessung bei allen Delikten quasi ein "Mitverschul-
den" der Privatklägerin zugebilligt, indem berücksichtigt worden sei, dass die De-
likte im Rahmen eines Beziehungsstreits bzw. in einer belastenden Konfliktsituati-
on begangen worden seien (Urk. 63 S. 1). Entsprechende Tendenzen, der Privat-
klägerin ein Mitverschulden anzulasten, sind aus den Erwägungen der Vorinstanz
entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft jedoch nicht ersichtlich (Urk. 46
S. 22 ff.). Vielmehr wurde durch die Erwähnung der Auseinandersetzung mit der
Privatklägerin, welche damals im Gange war, zum Ausdruck gebracht, dass die
Taten des Beschuldigten nicht geplant waren, sondern sich aus der Situation her-
- 21 -
aus entwickelten. So handelte der Beschuldigte auch hinsichtlich der Drohung aus
dem Moment heraus und stand in jenem Zeitpunkt unter Druck, da er aufgrund
des Notrufs der Privatklägerin damit rechnen musste, dass jederzeit die Polizei
eintreffen könnte, vor welcher er sich hätte rechtfertigen müssen. Da sich dieser
Umstand jedoch wiederum dadurch relativiert, dass er sich bereits zuvor ohne
Weiteres aus der Wohnung der Privatklägerin hätte entfernen können, wirkt sich
die subjektive Tatschwere nicht relativierend auf das objektive Tatverschulden
aus.
4.1.3 Ausgehend von einem insgesamt gerade noch leichten Verschulden ist
die Einsatzstrafe für die Drohung auf gegen 5 Monate Freiheitsstrafe respektive
150 Tagessätze Geldstrafe anzusetzen.
4.2.1 Bei der Bewertung der objektiven Tatschwere der versuchten Nötigung
ist gedanklich vom vollendeten Delikt auszugehen. Der Beschuldigte verfolgte das
Ziel, die Privatklägerin davon abzuhalten, die Polizei zu alarmieren. Wäre ihm
dies gelungen, hätte er der Privatklägerin jedenfalls vorübergehend den Schutz
durch die Polizei verwehrt. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass das Nöti-
gungsmittel (Wegnehmen des Mobiltelefons) vergleichsweise harmlos war. Objek-
tiv ist das Tatverschulden vor diesem Hintergrund als leicht zu gewichten.
4.2.2 In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte
mit direktem Vorsatz handelte. Durch das Verhindern eines Notrufs bei der Polizei
versuchte er in erster Linie, sich selbst vor einer neuerlichen polizeilichen Unter-
suchung und einem erneuten Strafverfahren wegen häuslicher Gewalt zu bewah-
ren. Er verfolgte mithin ein egoistisches Motiv. Das subjektive Tatverschulden
vermag das objektive Tatverschulden daher nicht zu relativieren.
4.2.3 Ausgehend vom vollendeten Delikt ist daher das Tatverschulden des
Beschuldigten insgesamt im Rahmen des Tatbestands der Nötigung als leicht zu
bewerten, womit eine hypothetische Einsatzstrafe von um einen Monat Freiheits-
strafe respektive 30 Tagessätze Geldstrafe als angemessen erscheint.
- 22 -
4.2.4 Diese hypothetisch schuldangemessene Einsatzstrafe ist jedoch auf-
grund des Umstands zu reduzieren, dass es beim Delikt zum Nachteil der Privat-
klägerin beim Versuch geblieben ist. Dabei hängt das Mass der zulässigen Straf-
reduktion unter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs und von
den tatsächlichen Folgen der Tat ab. Je näher der tatbestandsmässige Erfolg und
je schwerwiegender die tatsächlichen Folgen der Tat waren, desto weniger wird
die Strafe reduziert (BGE 121 IV 49 E. 1b).
4.2.5 Dadurch, dass der Beschuldigte der Privatklägerin ihr Telefon aus der
Hand riss, war er zwar hinsichtlich der Verfolgung seines Ziels erfolgreich. Nach-
dem die Privatklägerin ihm das Telefon aber wieder hätte wegnehmen können,
zeigte der Beschuldigte keine Bestrebungen mehr, den Notruf weiter zu verhin-
dern. Die Privatklägerin hatte in der Folge Zeit, die Polizei zu verständigen. Zwar
führte das Handeln des Beschuldigten dazu, dass sich der Anruf bei der Polizei
um einige Augenblicke verzögerte, da sich für die Privatklägerin aufgrund dieser
Verzögerung keine zusätzlichen Nachteile ergaben, ist der Umstand, dass es bei
einem Versuch blieb, deutlich verschuldensmindernd zu berücksichtigen. Vor die-
sem Hintergrund scheint eine Reduktion der hypothetischen Einsatzstrafe für das
vollendete Delikt auf um die 10 Tage Freiheitsstrafe respektive 10 Tagessätze
Geldstrafe angemessen.
4.2.6 In Berücksichtigung des Asperationsprinzips ist die hypothetische Ge-
samtstrafe für die Drohung und die versuchte Nötigung auf 5 Monate Freiheits-
strafe respektive 150 Tagessätze Geldstrafe festzulegen.
4.3.1 Der Beschuldigte wurde am tt. Dezember 1978 in E._, Kroatien,
geboren. Dort sei er bei seinen Eltern zusammen mit einem drei Jahre jüngeren
Bruder und einer ein Jahr älteren Schwester aufgewachsen. Sein Vater sei Chauf-
feur gewesen und seine Mutter Verkäuferin. Sie alle würden heute in E._
wohnen. Seine Kindheit und seine Jugend seien ganz normal verlaufen und die
familiären Verhältnisse seien gut gewesen. Auch die finanziellen Verhältnisse sei-
en normal gewesen. Er habe in Kroatien 8 Jahre die Grundschule besucht. Da-
nach habe er während zwei Jahren eine Lehre als Maschinentechniker gemacht
und dann während eines Jahres einen Abschluss als Autospengler. Bis nach dem
- 23 -
Militärdienst habe er bei seinen Eltern gelebt. Im Jahre 1998 sei er dann das erste
Mal in die Schweiz gekommen. Er habe einige Monate als Tourist in der Schweiz
verbracht und sei dann wieder nach Kroatien zurückgekehrt. In die Schweiz zu-
rückgekehrt sei er dann im Jahre 2000. Damals habe er in Zürich seine erste Ehe-
frau kennengelernt. Nachdem sie im Jahre 2002 geheiratet hätten, seien sie im
selben Jahr zum ersten Mal Eltern geworden (F._, geb. tt.mm.2002). Ein
zweites gemeinsames Kind sei 2005 zur Welt gekommen (G._, geb.
tt.mm.2005). Im Jahre 2008 hätten sie sich getrennt und 2010 oder 2012 sei es
dann zur Scheidung gekommen. Er sei dann alleine gewesen und sei nach
H._/I._ gezogen. Nach einem Jahr habe er den Wohnort erneut ge-
wechselt. Er habe bei einem Kollegen in J._ gewohnt. Dann habe er die Pri-
vatklägerin kennengelernt und sie am 12. Dezember 2012 geheiratet. Eltern seien
sie allerdings schon zuvor geworden. Ihr erstes gemeinsames Kind sei schon am
tt.mm.2011 (K._) zur Welt gekommen. Ein zweites gemeinsames Kind sei im
Jahre 2014 geboren worden (L._, geb. tt.mm.2014). Die Privatklägerin sei
schon damals ein "Sozialfall" gewesen. Bereits im November 2015 sei er dann
nach E._, Kroatien, gegangen. Seine Aufenthaltsbewilligung sei im Dezem-
ber 2015 abgelaufen. Für die Scheidung am 14. Januar 2016 sei er dann kurz in
die Schweiz gekommen, nachher aber wieder nach Kroatien zurückgekehrt. Im
August 2016 sei er dann aber erneut in die Schweiz gekommen. Da er keine Be-
willigung gehabt habe, habe er damals nicht arbeiten können. Er sei aber zurück-
gekehrt, weil die Privatklägerin gesagt habe, sie wolle wieder mit ihm zusammen-
leben und wieder heiraten. Er habe dann in der Schweiz bei einem Kollegen,
Herrn M._, und bei der Privatklägerin gewohnt. Bei Herrn M._ sei er
aber nicht angemeldet gewesen (Urk. 2/1 S. 2; Urk. 2/4 S. 9; Prot. I S. 6 ff.). Zu
seinem beruflichen Werdegang erklärte der Beschuldigte, in der Schweiz als Gip-
ser auf dem Bau gearbeitet zu haben. Er habe eine Festanstellung bis Ende 2013
gehabt. Nachdem er während 4 Monaten arbeitslos gewesen sei, habe er wieder
mit einer Festanstellung zu arbeiten begonnen (Urk. 2/4 S. 7 f.). Nach zwei Wo-
chen sei ihm aber schon wieder gekündigt worden. So habe er seit Oktober 2015
nicht mehr gearbeitet. Seit diesem Zeitpunkt lebe er auch ohne Einkommen. Vor
Oktober 2015 sei er zudem für 2 Jahre wegen eines Unfalls arbeitsunfähig gewe-
- 24 -
sen. Er sei diesbezüglich krankgeschrieben worden (Urk. 2/1 S. 2; Urk. 2/4 S. 7
ff.). Im Rahmen der erstinstanzlichen Hauptverhandlung erklärte er diesbezüglich,
einen IV-Antrag gestellt zu haben, welcher derzeit in Bearbeitung sei (Prot. I
S. 11). Zu seinen finanziellen Verhältnissen erklärte der Beschuldigte zum Zeit-
punkt seiner Verhaftung, dass es schwierig sei, seinen Lebensunterhalt zu be-
streiten. Seine Kollegen hätten ihm früher immer geholfen. Von Kollegen habe er
insgesamt rund Fr. 20'000.– erhalten. In diesem Umfang habe er bei diesen somit
auch Schulden. Er wolle aber nicht vom Sozialamt leben. Derzeit habe er aber
kein Geld für seinen Lebensunterhalt (Urk. 2/1 S. 2; Urk. 2/4 S. 7 ff.). Für seine
beiden Kinder aus erster Ehe sei er verpflichtet, Alimente in der Höhe von
Fr. 900.– pro Monat zu bezahlen. Für seine Kinder aus zweiter Ehe bestehe mo-
mentan keine Unterhaltspflicht, da er im Zeitpunkt der Scheidung keine Arbeits-
stelle gehabt habe (Urk. 2/4 S. 8). Ausserdem erklärte er, Schulden in der Höhe
von ca. Fr. 30'000.– beim Betreibungsamt zu haben, welche beispielsweise we-
gen nicht bezahlter Alimente entstanden seien (Urk. 2/1 S. 5).
Aus der Biografie und den Lebensumständen des Beschuldigten ergibt sich
nichts für die Strafzumessung Relevantes.
4.3.2 Dem Auszug aus dem Schweizerischen Strafregister des Beschuldig-
ten gehen für den Zeitraum zwischen dem 20. Mai 2010 und dem 19. Mai 2016
insgesamt 4 Verurteilungen hervor (Urk. 59):
- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 20. Mai 2010:
Bestrafung mit gemeinnütziger Arbeit von 360 Stunden wegen Fahrens ohne
Führerausweis oder trotz Entzug (Motorfahrzeug);
- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 10. November 2010:
Bestrafung mit einer unbedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.–
wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Motorfahrzeug, qualifizierte Blut-
alkoholkonzentration);
- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 9. Januar
2015: Bestrafung mit einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
Fr. 30.–, wobei die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt und mit Strafbefehl der
- 25 -
Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 19. Mai 2016 um ein Jahr verlän-
gert wurde, sowie mit einer Busse von Fr. 500.– wegen mehrfacher, teilwei-
se versuchter Nötigung, mehrfacher Drohung, Tätlichkeiten und Sachbe-
schädigung;
- Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom 19. Mai 2016: Be-
strafung mit einer unbedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.–
wegen mehrfachen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Verweigerung, Ent-
zug oder Aberkennung des Ausweises.
4.3.3 Neben drei Vorstrafen wegen Widerhandlungen gegen das Strassen-
verkehrsgesetz weist der Beschuldigte somit betreffend die versuchte Nötigung
und die Drohung eine einschlägige Vorstrafe auf. Auch wenn es sich bei den Be-
strafungen wegen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz nicht um
einschlägige Vorstrafen handelt, weist deren Anzahl ebenfalls auf eine gewisse
Gleichgültigkeit und Unbelehrbarkeit hin, was die geltende Rechtsordnung betrifft.
Ausserdem fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigte die vorliegend zu beurteilen-
den Delikte während laufender Probezeit in Bezug auf die mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 9. Januar 2015 ausgefällte Geld-
strafe beging. Diese teilweise einschlägigen Vorstrafen sowie die Tatbegehung
während laufender Probezeit fallen deutlich straferhöhend ins Gewicht.
4.3.4 Zwar stelle der Beschuldigte unmittelbar nach seiner Verhaftung die
ihm durch die Privatklägerin gemachten Vorwürfe sowie auch ihre grundsätzliche
Schilderung des Ablaufs jenes Abends noch in Abrede. Im Laufe des Vorverfah-
rens räumte er jedoch sowohl ein, der Privatklägerin damit gedroht zu haben, sie
umzubringen, als auch, ihr das Telefon weggerissen zu haben, um sie davon ab-
zuhalten, die Polizei zu informieren (Urk. 2/2 S. 3; Urk. 2/4 S. 2 ff.). Sein zwar zö-
gerliches, aber vollumfängliches Geständnis ist daher deutlich strafmindernd zu
berücksichtigen.
4.4 Da das strafmindernd zu berücksichtigende Geständnis die straferhö-
hend zu berücksichtigenden teilweise einschlägigen Vorstrafen sowie die Delin-
quenz während laufender Strafuntersuchung nicht zu überwiegen vermag, führt
- 26 -
die Täterkomponente weder zu einer Straferhöhung noch zu einer Strafminde-
rung. Es bleibt damit bei einer Strafe von 5 Monaten Freiheitsstrafe respektive
150 Tagessätzen Geldstrafe.
4.5.Der Beschuldigte ist wie erwähnt mehrfach vorbestraft. Weder die ange-
ordnete gemeinnützige Arbeit, noch bedingt und unbedingt ausgefällte Geldstra-
fen oder die erstandene Untersuchungshaft von 16 Tagen (vgl. Urk. 59) vermoch-
ten ihn von weiterer Delinquenz abzuhalten. Eine ausgesprochen positive Verän-
derung seiner Lebensumstände ist nicht ersichtlich. Vor diesem Hintergrund ist
die von Art. 41 Abs. 1 StGB als Voraussetzung für eine kurze Freiheitsstrafe ge-
forderte ungünstige Legalprognose erfüllt. Ausserdem ist nicht zu erwarten, dass
eine Geldstrafe vollzogen werden könnte. Der Beschuldigte wurde in der Vergan-
genheit bereits mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten vom
19. Mai 2016 zu einer unbedingten Geldstrafe verurteilt. Da eine freiwillige Bezah-
lung dieser Geldstrafe ausblieb, wurde hinsichtlich dieser Geldstrafe von 180 Ta-
gessätzen zu Fr. 30.– mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten
vom 17. August 2016 der Vollzug einer Ersatzfreiheitsstrafe von 180 Tagen ange-
ordnet (Beizugsakten ST.2016.254 nicht akturierte Verfügung vom 17.08.2016).
Seither haben sich die finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten, der inzwi-
schen wieder in Kroatien lebt (Urk. 62 S. 6), eher noch verschlechtert. Die Wahr-
scheinlichkeit einer freiwilligen Zahlung einer allfälligen Geldstrafe ist vor diesem
Hintergrund als sehr gering einzuschätzen.
4.6.1 Der Beschuldigte ist folglich mit einer Freiheitsstrafe von 5 Monaten zu
bestrafen; Zweckmässigkeitsüberlegungen lassen die Bestrafung mit einer Geld-
strafe nicht mehr zu. Die Freiheitsstrafe ist zu vollziehen. Es kann insoweit auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 46 E. A.V.2) und die vorstehen-
den Erwägungen zur Legalprognose (E. IV.4.5) verwiesen werden.
4.6.2 An die Freiheitsstrafe ist die vom 15. Oktober 2016 bis am 15. März
2017 bereits erstandene Haft von 152 Tagen (Untersuchungshaft und vorzeitiger
Strafvollzug) anzurechnen (Urk. 13/1; Urk. 38; Art. 51 StGB). Die nach der An-
rechnung verbleibenden 2 Tage erstandener Haft werden dem Antrag der Vertei-
- 27 -
digung folgend (Urk. 62 S. 1, S. 5) auf die zusätzlich auszufällende Busse anzu-
rechnen sein.
5. In Bezug auf die mit einer Busse zu ahndenden Tätlichkeiten ist hinsicht-
lich des objektiven Tatverschuldens zu berücksichtigen, dass es sich um eine
mehrfache Tatbegehung innert einer kurzen Zeitspanne zum Nachteil der Privat-
klägerin handelt. Der Beschuldigte riss die Privatklägerin zweimal an ihren Haaren
und schlug sie einmal mit seiner Faust auf ihren Rücken und fügte ihr so Schmer-
zen zu. Er nahm durch sein Handeln auch in Kauf, dass die Privatklägerin in ih-
rem Vertrauen, in ihren eigenen vier Wänden im Rahmen der Familie keine kör-
perliche Gewalt befürchten zu müssen, erschüttert würde. In subjektiver Hinsicht
ist zu beachten, dass Hinweise darauf fehlen, dass der Beschuldigte sein Handeln
plante und schon mit der Absicht, die Privatklägerin körperlich anzugehen, zu ihr
gekommen wäre. Allerdings hätte er die Möglichkeit gehabt, die Wohnung bereits
nach der ersten Aufforderung der Privatklägerin zu gehen, verlassen können. Das
Verschulden bezüglich der Tätlichkeiten wiegt vor diesem Hintergrund insgesamt
nicht mehr leicht. Unter Berücksichtigung seiner knappen finanziellen Verhältnisse
erweist sich eine Busse von Fr. 800.– als angemessen. An die Busse sind die
nach der Anrechnung an die auszufällende Freiheitsstrafe verbleibenden 2 Tage
erstandene Haft zu einem Umwandlungssatz von Fr. 100.–, was Fr. 200.– ent-
spricht, anzurechnen. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall, dass die Busse
(Fr. 600.–) schuldhaft nicht bezahlt wird (vgl. Art. 106 Abs. 2 StGB), ist praxisge-
mäss auf 6 Tage festzusetzen.
V.
1. Mit dem angefochtenen Urteil wurde der bedingte Vollzug der mit Strafbe-
fehl der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 9. Januar 2015 ausgefäll-
ten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.– widerrufen (Urk. 46 S. 30 f.). Da-
gegen opponiert der Beschuldigte mit seiner Berufung und verlangt anstelle des
Widerrufs eine Verlängerung der Probezeit um ein weiteres Jahr (Urk. 49 S. 3).
- 28 -
2. Begeht der Verurteilte während der Probezeit ein Verbrechen oder Ver-
gehen und ist deshalb zu erwarten, dass er weitere Straftaten verüben wird, so
widerruft das Gericht die bedingte Strafe oder den bedingten Teil der Strafe
(Art. 42 Abs. 1 StGB). Ist hingegen nicht zu erwarten, dass der Verurteilte weitere
Straftaten begehen wird, so verzichtet das Gericht auf den Widerruf, wobei es den
Beschuldigten verwarnen oder die Probezeit um höchstens die Hälfte verlängern
kann (Art. 46 Abs. 2 StGB).
3. Die vorliegend zu beurteilenden Delikte beging der Beschuldigte während
der gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
9. Januar 2015 laufenden Probezeit von 2 Jahren. Demnach liess er sich von die-
ser früheren einschlägigen Verurteilung nicht beeindrucken. Dazu kommt, dass
ihn auch die weiteren früheren Verurteilungen zu gemeinnütziger Arbeit oder zu
unbedingten Geldstrafen sowie bereits zuvor durchlebte 16 Tage Untersuchungs-
haft nicht von weiterer Delinquenz abzuhalten vermochten (vgl. Urk. 59). Gemäss
dem forensischen Abklärungsbericht vom 28. Oktober 2016, ist vom Beschuldig-
ten sodann von einem hohen Risiko weiterer Zwischenfälle im Rahmen häuslicher
Gewalt gegen Partnerinnen bzw. einem hohen Rückfallrisiko für Delikte, wie sie
sich in den aktuellen Vorwürfen äusserten, auszugehen (Urk. 6/4 S. 6). Das Rück-
fallrisiko bezieht sich daher nicht nur auf die Privatklägerin, sondern auf jede po-
tentielle Partnerin des Beschuldigten. Bei dieser Ausgangslage kann entgegen
der Verteidigung (Urk. 62 S. 6) nicht mehr vom Fehlen einer ungünstigen Progno-
se ausgegangen werden. Es ist daher der nachträgliche Vollzug der bedingt aus-
gesprochenen Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 30.–, unter Anrechnung der
für diese Strafe bereits erstandenen Haft von 16 Tagen (Beizugsakten A-
5/2014710007841, Urk. HD/12; Urk. HD 10/1; Urk. HD 10/8), anzuordnen. Die
Ausfällung einer Gesamtstrafe für diese zu widerrufende Strafe sowie die für die
neuen Delikte auszufällende Strafe fällt sowohl nach altem als auch nach neuem
Recht ausser Betracht (Art. 46 Abs. 1 aStGB; Art. 46 Abs. 1 StGB).
- 29 -
VI.
1. Mit dem angefochtenen Urteil wurde dem Beschuldigten im Sinne von
Art. 67b StGB untersagt, mit der Privatklägerin für die Dauer von 3 Jahren in ir-
gendeiner Weise direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufzunehmen und sich
ihr mehr als 50 Meter zu nähern oder sich in einem Umkreis von 500 Metern ihres
jeweiligen Wohnorts aufzuhalten (Urk. 46 S. 42 f.). Mit seiner Berufung wehrt sich
der Beschuldigte auch gegen die Anordnung eines solchen Kontaktverbots
(Urk. 49 S. 3). Diesbezüglich machte der Verteidiger sowohl vor Vorinstanz als
auch im Berufungsverfahren geltend, dass gegen ein Rayonverbot an sich nichts
einzuwenden sei, wenn die Privatklägerin ein solches wünsche. Demgegenüber
erachtet er aber ein Kontaktverbot aufgrund des Alters der gemeinsamen Kinder
des Beschuldigten und der Privatklägerin als nicht praktikabel. Diese seien noch
zu jung, um selber ein Telefon zu haben. Zudem müsse es möglich sein, dass die
Eltern vereinbaren könnten, wann und wo der Beschuldigte die Kinder in Zukunft
sehen könne. Zwar habe dieser ein gutes Verhältnis zu den Geschwistern der
Privatklägerin, welche bestimmt zur Herstellung des Kontakts zwischen dem Be-
schuldigten und seinen Kindern mobilisiert werden könnten. Telefonische Kontak-
te zwischen den Parteien müssten aus Sicht der Verteidigung aber dennoch mög-
lich bleiben und seien daher nicht gerichtlich zu verbieten, zumal sich die Privat-
klägerin auch nie darüber beklagt habe, telefonisch belästigt worden zu sein
(Urk. 27 S. 10; Urk. 62 S. 9; Prot. I S. 19; Prot. II S. 11). In diesem Zusammen-
hang wies der Verteidiger zusätzlich auf das Scheidungsurteil der Parteien hin,
mit welchem diesen die gemeinsame elterliche Sorge zugewiesen wurde. Aus der
durch sie diesbezüglich vereinbarten Regelung gehe zudem hervor, dass sie sich
beide verpflichtet hätten, sämtliche wesentlichen Fragen der Pflege, Erziehung
und Ausbildung der Kinder miteinander abzusprechen. Ausserdem sei gerade für
den Fall, dass der Beschuldigte seinen Aufenthaltsort nach Kroatien verlege, ver-
einbart worden, dass sich die Eltern mindestens drei Monate im Voraus über die
Aufteilung der Ferien absprechen würden (Prot. I S. 19; Urk. 11/3/6 S. 3 f.).
2.1 Gemäss Art. 67b StGB kann das Gericht für die Dauer von bis zu fünf
Jahren ein Kontakt- und Rayonverbot aussprechen, wenn jemand gegen eine be-
- 30 -
stimmte Person ein Verbrechen oder Vergehen begangen hat und die Gefahr be-
steht, dass er bei einem Kontakt zu dieser Person erneut Verbrechen oder Ver-
gehen begehen wird.
2.2 Der Beschuldigte ist unter anderem wegen der Drohung im Sinne von
Art. 180 StGB sowie wegen der versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB
in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil der Privatklägerin zu verurtei-
len. Da es sich bei beiden Delikten um Vergehen handelt, welche der Beschuldig-
te gegen die Privatklägerin begangen hat, ist die Anordnung eines Kontakt- und
Rayonverbots im Sinne von Art. 67b StGB für den Beschuldigten grundsätzlich
möglich. Zu prüfen ist weiter, ob auch eine Gefahr besteht, dass der Beschuldigte
weitere Verbrechen oder Vergehen zu ihrem Nachteil begehen könnte, falls es zu
erneutem Kontakt käme. Schon mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft IV des
Kantons Zürich vom 9. Januar 2015 wurde der Beschuldigte unter anderem we-
gen mehrfacher Drohung sowie wegen mehrfacher, teilweise versuchter Nöti-
gung, welche er zum Nachteil der Privatklägerin beging, bestraft. Auch jenem
Strafbefehl lag unter anderem zugrunde, dass der Beschuldigte der Privatklägerin
das Mobiltelefon aus der Hand riss, um zu verhindern, dass diese die Polizei hätte
alarmieren können (Beizugsakten A-5/2014/10007841, Urk. 12 S. 4). Bereits die-
se erste Bestrafung des Beschuldigten wegen zum Nachteil der Privatklägerin
begangener Delikte vermochte diesen somit nicht davon abzuhalten, erneut straf-
bare Handlungen gegen sie zu verüben. Dem forensischen Abklärungsbericht
vom 28. Oktober 2016, welcher für den Beschuldigten bei der Fachstelle Forensic
Assesment der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich in Auftrag gegeben wur-
de, ist sodann zu entnehmen, dass beim Beschuldigten von einem hohen Risiko
weiterer Zwischenfälle im Rahmen häuslicher Gewalt gegen Partnerinnen bzw.
einem hohen Rückfallrisiko für Delikte, wie sie sich in den aktuellen Vorwürfen
äussern, auszugehen ist (Urk. 6/4 S. 6). Vor diesem Hintergrund rechtfertigt es
sich grundsätzlich, ein Kontakt- und Rayonverbot anzuordnen. Allerdings ist nicht
zu übersehen, dass der Beschuldigte sich bis heute einzig im persönlichen (phy-
sischen) Kontakt zu Grenzüberschreitungen gegenüber der Privatklägerin hat hin-
reissen lassen, etwas anderes ist jedenfalls nicht aktenkundig. Zu berücksichtigen
ist weiter, dass sich die Rechtsvertreterin der Privatklägerin im Rahmen des Beru-
- 31 -
fungsverfahrens neu mit der Verteidigung gegen die Anordnung eines Kontakt-
verbots aussprach. Sie teilt die Bedenken der Verteidigung an der Praktikabilität
eines entsprechenden Verbots insofern, als auch die Privatklägerin habe einse-
hen müssen, dass ein solches ohne eine Beistandschaft für die Kinder nicht zu
handhaben sei (Prot. II S. 10). In Anbetracht dessen, dass ein Kontaktverbot im
Sinne von Art. 67b Abs. 2 lit. a StGB zum Schutz der Privatklägerin im Licht der
bisherigen Vorfälle nicht zwingend erscheint, es die Regelung des Besuchsrechts
und anderer Fragen der gemeinsamen elterlichen Sorge zwischen den Parteien
erheblich erschweren würde und selbst seitens der Privatklägerin kein Interesse
mehr an einem solchen Verbot besteht, ist zum Schutz des nach der Scheidung
verbleibenden Familienlebens des Beschuldigten auf eine entsprechende Anord-
nung zu verzichten.
2.3 Dem Beschuldigten ist aber im Sinne von Art. 67b Abs. 2 lit. b StGB zu
untersagen, sich für die Dauer von 3 Jahren der Privatklägerin mehr als 50 Meter
zu nähern oder sich in einem Umkreis von 500 Metern ihres jeweiligen Wohnortes
(derzeit: ... [Adresse]) aufzuhalten. Der Beschuldigte ist sodann darauf hinzuwei-
sen, dass er bei Missachtung des Rayonverbots im Sinne von Art. 294 Abs. 2
StGB mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft werden kann.
VII.
1. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgend, ordnete die Vorinstanz für
den Beschuldigten die nicht obligatorische Landesverweisung im Sinne von
Art. 66abis StGB für die Dauer von 5 Jahren an (Urk. 16 S. 5; Urk. 46 S. 41 f.).
Auch gegen diese Anordnung wendet sich der Beschuldigte mit seiner Berufung.
Er verlangt ein Absehen von einer solchen Landesverweisung, da eine entspre-
chende Anordnung nicht nur unverhältnismässig sei, sondern insbesondere auch
einen Verstoss gegen Art. 8 EMRK darstelle (Urk. 27 S. 10; Urk. 49 S. 3). Im Be-
rufungsverfahren brachte die Verteidigung ausserdem vor, dass eine Landesver-
weisung auch ausser Betracht falle, da sich der Beschuldigte als Staatsbürger
Kroatiens auf das Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU be-
- 32 -
rufen könne, welches den landesrechtlichen Bestimmungen von Art. 66a ff. StGB
vorgehe. Gemäss dem Art. 5 Abs. 1 Anhang 1 des FZA komme es bei der Be-
schränkung des Aufenthaltsrechts nach einer Straftat wesentlich auf die Prognose
des künftigen Wohlverhaltens an, wobei beim Beschuldigten gerade kein Grund
bestehe, von einer gegenwärtigen und hinreichend schweren Gefahr für die öf-
fentliche Ordnung auszugehen (Urk. 62 S. 7).
2.1 Art. 66abis StGB schafft die Möglichkeit, die Landesverweisung bei Delik-
ten anzuordnen, die nicht vom Deliktskatalog gemäss Art. 66a Abs. 1 StGB er-
fasst sind. Der Richter soll nach Ermessen somit auch bei weniger schweren De-
likten eine Landesverweisung anordnen können. Die Bestimmung zielt sodann
insbesondere auf sogenannte Kriminaltouristen (BERTOSSA in: Trechsel/Pieth
[Hrsg.], Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufl., Bern 2017,
Art. 66abis N 1). Im Unterschied zu Art. 66a Abs. 1 StGB, gemäss welcher Be-
stimmung das Gericht eine ausländische Person obligatorisch für 5 bis 15 Jahre
des Landes zu verweisen hat, sollte diese wegen eines Delikts aus dem dort auf-
geführten Deliktskatalog verurteilt werden, sieht Art. 66abis StGB vor, dass das
Gericht eine ausländische Person für 3 bis 15 Jahre des Landes verweisen kann,
sollte diese wegen eines Verbrechens oder Vergehens verurteilt werden, das
nicht vom Katalog gemäss Art. 66a StGB erfasst wird.
2.2 Der Beschuldigte ist Ausländer und heute wegen Drohung im Sinne von
Art. 180 StGB, wegen versuchter Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie wegen mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne
von Art. 126 StGB zu verurteilen, also wegen Delikten, die er nach Inkrafttreten
der Bestimmungen von Art. 66a ff. am 1. Oktober 2016 begangen hat. Die Be-
stimmungen über die Landesverweisung sind daher grundsätzlich anwendbar. Al-
lerdings handelte es sich bei den begangenen Delikten nicht um Katalogtaten im
Sinne von Art. 66a Abs. 1 StGB. Es ist daher einzig zu prüfen, ob für den Be-
schuldigten eine nicht obligatorische Landesverweisung im Sinne von Art. 66abis
StGB anzuordnen ist, wobei zu betonen ist, dass die Tätlichkeiten als Übertretun-
gen eine solche von vornherein nicht zulassen.
- 33 -
2.3 Obwohl bei der Anordnung einer fakultativen Landesverweisung im Sin-
ne von Art. 66abis StGB die Höhe der Strafe laut dem Gesetzestext nicht massge-
bend ist, soll sie gemäss der Botschaft zur Landesverweisung erst ab einer Min-
deststrafe von 6 Monaten die Regel darstellen (BBl 2013, 6001). Diese Mindest-
strafgrenze solle jedoch gleichzeitig nicht absolut gelten und das Gericht soll be-
reits bei einer tieferen Strafe eine Landesverweisung aussprechen können, wenn
die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung die privaten Interessen an
einem Verbleib überwiegen (BBl 2013, 6028). Bei der Prüfung, ob eine fakultative
Landesverweisung ausgesprochen werden soll, ist somit insbesondere der
Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu beachten (FIOLKA/VETTERLI, Die Lan-
desverweisung nach Art. 66a StGB als strafrechtliche Sanktion, in: plädoyer 5/16
S. 82 ff., S. 84.).
2.4 Zwar wies die Vorinstanz zutreffend darauf hin, dass gemäss den Emp-
fehlungen des Vorstands der Schweizerischen Staatsanwälte-Konferenz zu
Art. 66a bis 66d StGB durch die Staatsanwaltschaft grundsätzlich und unabhängig
vom Aufenthaltsstatus eine nicht obligatorische Landesverweisung zu beantragen
ist, wenn das Verhalten, die neu vorgeworfene(n) Straftat(en), die Vorstrafen und
die zu stellende Prognose, den weiteren Verbleib des Ausländers in der Schweiz
als mit dem öffentlichen Interesse unvereinbar erscheinen lassen. Zu beachten ist
aber auch, dass gemäss diesen Empfehlungen unter Vorbehalt eben erwähnter
Konstellation anzunehmen ist, dass das private Interesse des Ausländers am
Verbleib in der Schweiz das öffentliche Interesse an dessen Landesverweisung
überwiegt, wenn die Staatsanwaltschaft in eigener Kompetenz einen Strafbefehl
erlassen kann oder wenn bei Anklageerhebung nicht mehr als 12 Monate Frei-
heitsstrafe bzw. 360 Tagessätze Geldstrafe beantragt werden (vgl. www.ssk-
cps.ch/empfehlungen, zuletzt besucht am 6. April 2018).
3.1 Eine Landesverweisung ist von vornherein nur zulässig, wenn sie mit
den Grund- und Menschenrechten und dabei insbesondere mit Art. 8 EMRK zu
vereinbaren ist (BUSSLINGER/UEBERSAX, Härtefallklausel und migrationsrecht-
liche Auswirkungen der Landesverweisung, in: plädoyer 5/16 S. 96 ff., S. 100).
Art. 8 Ziff. 1 EMRK sieht vor, dass jede Person das Recht auf Achtung ihres Pri-
- 34 -
vat- und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz hat. Weiter wird
in Ziff. 2 dieser Bestimmung festgehalten, dass eine Behörde in die Ausübung
dieses Rechts nur eingreifen darf, soweit der Eingriff gesetzlich vorgesehen und
in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist für die nationale oder öffentli-
che Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur Aufrechterhaltung der
Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der Gesundheit oder der Mo-
ral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer. Bei der Interessenabwä-
gung im Rahmen von Art. 8 Ziff. 2 EMRK sind sodann sowohl die Schwere des
durch den Ausländer begangenen Delikts, die Dauer seines Aufenthalts in der
Schweiz sowie die Auswirkungen einer Landesverweisung auf die primär be-
troffene Person sowie deren familiäre Situation zu berücksichtigen (Urteil des
Bundesgerichts 6B_506/2017 vom 14. Februar 2018 E. 2.1; BGE 135 II 377
E. 4.3).
3.2 Gemäss dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gewährt
Art. 8 EMRK dem Ausländer nicht ein Recht, in das Hoheitsgebiet eines Staates
einzureisen oder sich dort aufzuhalten. Demgegenüber kann die Ausweisung ei-
ner Person aus einem Land, in welchem seine nahen Verwandten wohnen, einen
Eingriff in das durch Art. 8 EMRK gewährte Recht auf Achtung des Familienle-
bens darstellen (Urteil des Bundesgerichts 6B_506/2017 vom 14. Februar 2018
E. 2.2; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte Hasanbasic ge-
gen die Schweiz vom 11. Juni 2013 [requête no 52166/09] § 46). Im Rahmen ihrer
Aufgabe, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, sind die Vertragsstaaten
sodann befugt, einen wegen Straftaten verurteilten Ausländer des Landes zu ver-
weisen. Sofern ein solcher Entscheid jedoch einen Eingriff in die durch Art. 8
Ziff. 1 EMRK gewährten Rechte zur Folge hat, muss dieser im geltenden Recht
vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sein, was
voraussetzt, dass der Eingriff durch ein dringendes soziales Bedürfnis gerechtfer-
tigt und gegenüber dem verfolgten legitimen Ziel verhältnismässig ist (Urteil des
Bundesgerichts 6B_506/2017 vom 14. Februar 2018 E. 2.2; Urteil des Europäi-
schen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 10. Januar 2017 Salija gegen die
Schweiz [requête no 55470/10] § 41; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte vom 18. Oktober 2006 Üner gegen die Niederlande [requête no
- 35 -
46410/99], Recueil de la CourEDH 2006-XII p. 177 § 57). Diesbezüglich ist zu
prüfen, ob die ins Auge gefasste Massnahme in einem ausgewogenen Verhältnis
zwischen dem Recht des Betroffenen auf Achtung seines Privat- und Familienle-
bens einerseits und dem Schutz der öffentlichen Ordnung und der Verhinderung
von Straftaten andererseits steht (Urteil des Bundesgerichts 6B_506/2017 vom
14. Februar 2018 E. 2.2; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrech-
te Hasanbasic gegen die Schweiz vom 11. Juni 2013 [requête no 52166/09] § 56).
Handelt es sich wie vorliegend um einen betroffenen Ausländer, welcher erst im
Erwachsenenalter in die Schweiz kam – der Beschuldigte kam erstmals 1998 im
Alter von 19 Jahren in die Schweiz – sind zur Beurteilung der Frage, ob der Ein-
griff in seine Rechte in einer demokratischen Gesellschaft notwendig und gegen-
über dem verfolgten Ziel verhältnismässig ist, die nachfolgenden Kriterien heran-
zuziehen (Urteil des Bundesgerichts 6B_506/2017 vom 14. Februar 2018 E. 2.2;
Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte vom 22. Mai 2008 [re-
quête no 42034/04] § 68; Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschen-
rechte vom 18. Oktober 2006 Üner gegen die Niederlande [requête no 46410/99],
Recueil de la CourEDH 2006-XII p. 177 § 57):
- die Art und Schwere der durch den Beschuldigten begangenen Straftat;
- die Dauer des Aufenthalts des Beschuldigten in dem Land, aus dem er aus-
gewiesen werden soll;
- die seit der Tatzeit verstrichene Zeitspane und das Verhalten des Beschul-
digten in dieser Zeit sowie
- die Festigkeit der sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zum Gast-
staat und zum Bestimmungsland.
3.3.1 Auch wenn die Auswirkungen der vom Beschuldigten begangenen De-
likte insbesondere auf das Wohlergehen der Privatklägerin keineswegs zu baga-
tellisieren sind, so handelt es sich dennoch nicht um schwere Straftaten, welchen
sich der Beschuldigte strafbar gemacht hat. Sein Verschulden bewegt sich
durchwegs noch im leichten Bereich. Allerdings handelt es sich bei den vorliegend
zu beurteilenden Taten nicht um erstmalige Vergehen seitens des Beschuldigten
gegen die Privatklägerin (Beizugsakten A-5/2014/10007841, Urk. 12 S. 4) und ist
- 36 -
von einem insgesamt hohen Rückfallrisiko für Delikte im partnerschaftlichen Ver-
hältnis, wie sie sich in den diesem Urteil zugrunde liegenden Vorwürfen äussern,
auszugehen (Urk. 6/4 S. 6). Hinweise für eine allgemein hohe Gewaltbereitschaft
gegen Drittpersonen und für ausgeprägte dissoziale Persönlichkeitszüge zeigen
sich beim Beschuldigten aber keine (Urk. 6/4 S. 4).
3.3.2 Hinsichtlich der Dauer des Aufenthalts des Beschuldigten in der
Schweiz ist zu beachten, dass er im Jahre 1998 im Alter von 19 Jahren erstmals
in die Schweiz kam. Wie bereits den Erwägungen zu seinen persönlichen Ver-
hältnissen zu entnehmen ist (vgl. Erw. IV.4.3.1), kehrte er damals nach ein paar
Monaten noch einmal nach Kroatien zurück, bevor er dann im Jahre 2000 in der
Schweiz seine erste Ehefrau kennenlernte, diese heiratete und bis nach der
Trennung von seiner zweiten Ehefrau, der Privatklägerin, bzw. bis im Dezember
2015 in der Schweiz blieb. Die Schweiz verliess er damals, da seine Aufenthalts-
bewilligung nicht verlängert wurde. Er kehrte aber dennoch auch im Laufe des
Jahres 2016 insbesondere für die Scheidung von der Privatklägerin sowie erneut
im August 2016 in die Schweiz zurück. Insgesamt verbrachte der Beschuldigte
somit knapp 20 Jahre und mithin sein halbes Leben in der Schweiz. Während die-
ses Aufenthalts heiratete er zweimal und wurde Vater von insgesamt vier Kindern.
Während seines Zusammenlebens mit der Privatklägerin lebten zudem seine bei-
den Stieftöchter, die Töchter der Privatklägerin aus einer früheren Beziehung, im
selben Haushalt. Der Aufenthalt des Beschuldigten in der Schweiz ist daher aus
seiner Sicht durchaus als prägend zu bezeichnen, obwohl er nicht schon in seiner
Kindheit hierherkam und in der Schweiz aufwuchs.
3.3.3 Seit der Tatbegehung sind mittlerweile rund eineinhalb Jahre vergan-
gen. Nachdem der Beschuldigte ab dem Deliktszeitpunkt, dem 15. Oktober 2016,
insgesamt 152 Tage in Untersuchungshaft und im vorzeitigem Strafvollzug ver-
brachte, lebt er nun seit rund einem Jahr in Kroatien (Urk. 58; Urk. 62 S. 7). Ob-
wohl der Beschuldigte die Schweiz nun bereits verlassen hat und auch bereits
nicht mehr über eine gültige Aufenthaltsbewilligung verfügt (Urk. 14/3), ist nach
wie vor darüber zu entscheiden, ob eine fakultative Landesverweisung anzuord-
nen ist oder nicht. So hat die Anordnung einer Landesverweisung nicht nur zur
- 37 -
Folge, dass Betroffene ihr Aufenthaltsrecht sowie alle Rechtsansprüche auf Auf-
enthalt verlieren, sondern führt auch zur Verpflichtung zum Verlassen des Landes
sowie zu einem Einreiseverbot für die verfügte Dauer (BERTOSSA, a.a.O.,
Art. 66a N 8). Auch wenn der Beschuldigte gemäss seinen Angaben zufolge nicht
die Absicht hegt, längerfristig wieder in die Schweiz zu ziehen und erneut um eine
Aufenthaltsbewilligung zu ersuchen (Urk. 62 S. 7 f.), so würden ihm durch die An-
ordnung einer Landesverweisung auch Einreisen von kurzer Dauer verwehrt.
3.3.4 Was seine sozialen, kulturellen und familiären Bindungen zur Schweiz
betrifft, steht die Beziehung zu seinen vier leiblichen Kindern im Vordergrund. Zu
seinen beiden Kindern aus erster Ehe, welche 13 und 15 Jahre alt sind, erklärte
der Beschuldigte vor Vorinstanz, dass er in den letzten zehn Jahren versucht ha-
be, den Kontakt zu diesen zu halten, was aber nicht funktioniert habe. Er habe ein
Urteil des Obergerichts, in welchem ihm ein Besuchsrecht für diese Kinder ab
dem Jahre 2013 eingeräumt worden sei. Leider sei dies seit 2013 nicht passiert
und er wisse nicht, weshalb. Er habe aber während zehn Jahren die Hoffnung
nicht verloren, dass er seine Kinder sehen könne. Diese Hoffnung verliere er auch
in Zukunft nicht, egal wo er sich befinde (Prot. I S. 23). Dass er sich Kontakt zu
seinen beiden älteren Kindern wünsche, dieser aber durch seine erste Ehefrau
trotz gerichtlich geregeltem Besuchsrecht verhindert werde, geht denn auch aus
einem Bericht des Gewaltschutzes der Kantonspolizei Zürich vom 12. November
2015 hervor, welcher im Zusammenhang mit der Durchführung eines Bedro-
hungsmanagements erstellt wurde (Urk. 6/1 S. 4). Zu seinen beiden 4- und
7- jährigen Kindern aus der Ehe mit der Privatklägerin hegte der Beschuldigte
hingegen auch nach der Trennung von der Privatklägerin regen Kontakt. So er-
klärte auch die Privatklägerin im Verlaufe des Verfahrens, dass sie den Beschul-
digten in der ganzen Zeit seit der Scheidung bei sich habe übernachten lassen,
wenn sich die Kinder dies gewünscht hätten oder wenn es spät geworden sei und
er nicht mehr weggekommen wäre. Er habe dann jeweils im Kinderzimmer ge-
schlafen (Urk. 3/2 S. 9 f., 12). Auch am Abend, an welchem es zu den zur Ankla-
ge gebrachten Vorfällen kam, war gemäss der Privatklägerin ursprünglich vorge-
sehen, dass der Beschuldigte auf ihre beiden gemeinsamen Kinder aufpassen
würde, damit sie mit ihrer ältesten Tochter deren 16. Geburtstag hätte nachfeiern
- 38 -
können (Urk. 3/1 S. 4). Aus diesen Angaben geht einerseits hervor, dass sich der
Beschuldigte stets um seine beiden jüngeren Kinder kümmerte und ihm die Pri-
vatklägerin andererseits hinsichtlich der Kinderbetreuung durchaus vertraute. Mit
Scheidungsurteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 14. Januar 2016 wurden de-
ren gemeinsame Kinder denn auch unter der gemeinsamen elterlichen Sorge der
Privatklägerin und des Beschuldigten belassen, wobei deren Obhut der Privatklä-
gerin allein zugeteilt wurde. Weiter verpflichteten sich die Parteien entsprechend
ihrem Antrag auf gemeinsame elterliche Sorge, sämtliche wesentlichen Fragen
der Pflege, Erziehung und Ausbildung miteinander abzusprechen. Ausserdem
wurden Besuchsrechtsregelungen für den Beschuldigten sowohl für den Fall,
dass er weiterhin in der Schweiz wohnt, als auch für den Fall, dass er nach Kroa-
tien zieht, getroffen. So wurde ein zweiwöchentliches Wochenendbesuchsrecht
sowie ein Ferienbesuchsrecht für 3 Wochen pro Jahr vereinbart, solange der Be-
schuldigte seinen Aufenthaltsort in der Schweiz hat. Für den Fall, dass der Be-
schuldigte seinen Aufenthaltsort ins Ausland bzw. nach Kroatien verlegt, wurde
vereinbart, dass er die Kinder für die Dauer von 6 Wochen pro Jahr (jeweils längs-
tens zwei Wochen am Stück) auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien
nehmen könne, wobei sich die Eltern über die Aufteilung der Ferien mindestens
drei Monate im Voraus absprechen würden (Urk. 11/3/6). Gemäss den Angaben
der Verteidigung sowie der Rechtsvertreterin der Privatklägerin fanden seit April
2017 mehrere Treffen zwischen dem Beschuldigten und seinen beiden Kindern
K._ und L._ in Kroatien und Mulhouse, Frankreich, statt. Auch in den
anstehenden Frühlingsferien werden ihn seine beiden jüngeren Kinder erneut in
Kroatien besuchen. Dabei werden sie von ihrer Halbschwester C._ begleitet
(Urk. 58 S. 1; Urk. 62 S. 8; Prot. II S. 9). Während er somit zumindest zu seinen
beiden jüngeren Kinder, welche bei der Privatklägerin in der Schweiz leben, ein
sehr enges Verhältnis pflegt, besteht seit längerem kein Kontakt mehr zu seinen
beiden älteren Kindern, wobei dieser Umstand nicht fehlenden Bemühungen sei-
tens des Beschuldigten zuzuschreiben ist. Eine enge Bindung fehlt demgegen-
über zu seinen beiden Ex-Ehefrauen. Bezüglich seiner ersten Ehefrau erklärte der
Beschuldigte, diese sei eine Alkoholikerin, mit welcher er keine einzige Sekunde
mehr leben möchte (Prot. I S. 13). Da die Privatklägerin die Anordnung eines Ra-
- 39 -
yonverbots beantragte (Urk. 25 S. 1; Prot. II S. 10), ist sodann augenscheinlich,
dass jedenfalls ihrerseits kein Interesse mehr an einem engen Verhältnis zum Be-
schuldigten besteht.
In beruflicher Hinsicht war der Aufenthalt des Beschuldigten in der Schweiz
von Enttäuschungen und von wenig Erfolg geprägt. So erklärte er vor Vorinstanz
zu seiner Arbeitssituation in den Jahren 2000 bis 2015, er habe drei Jahre auf ei-
ne Bewilligung warten müssen, nachdem er seine erste Ehefrau im Jahre 2002
geheiratet habe. Weil er nicht gewollt habe, dass sie zum Sozialamt gehen müs-
se, habe er sie in den Jahren 2002 bis 2005 von Kroatien aus unterstützt. Im Jah-
re 2005 habe er dann eine B-Bewilligung erhalten und eine Stelle finden können.
Leider habe er zu Beginn Pech mit seinen Arbeitgebern gehabt und teilweise kei-
nen Lohn erhalten. Er habe dann in verschiedenen Temporärbüros gearbeitet und
schliesslich eine Stelle bei der N._ AG gefunden. Dort habe er 14 Monate
lang gearbeitet, dann habe er einen Arbeitsunfall erlitten. Er sei dann ein Jahr
lang ohne Zahlungen gewesen. Er habe sich bei der ALV anmelden wollen. Es sei
aber alles in der Zeit gewesen, in der er sich von seiner ersten Ehefrau habe
scheiden lassen. Er sei fast acht Monate lang arbeitsunfähig gewesen. Im Jahre
2009 sei seine B-Bewilligung abgelaufen und vom Migrationsamt nicht verlängert
worden. Mit einem Brief an das Migrationsamt, gemäss welchem er die Schweiz
verlassen solle, habe seine Ex-Ehefrau zudem alles blockiert. In den Jahren 2009
bis 2012 habe er daher leider keinen Ausweis gehabt. Er habe vier Jahre lang
Rekurs gemacht, aber keinen Ausweis erhalten. Das sei eine schwierige Zeit ge-
wesen, da ihn niemand habe anstellen wollen, obwohl er eine Bestätigung des
Migrationsamts gehabt habe, dass er hier weiterleben könne. Im Jahre 2009 habe
er die Privatklägerin kennengelernt und im Dezember 2012 hätten sie geheiratet.
Im Januar 2013 habe er dann wieder zu arbeiten begonnen. Ende 2012 habe die
Firma dann aber nicht mehr existiert und er habe sich wieder als arbeitslos mel-
den müssen. Alle Firmen, bei welchen er gearbeitet habe, seien schnell kaputt
gegangen. Er sehe das jetzt auch auf seinem BVG-Konto. Nach sieben Jahren
habe er nicht einmal Fr. 4'000.– angespart (Prot. I S. 13 f.). Da der Beschuldigte
somit mit einer Ausnahme nie über länger dauernde Anstellungen verfügte und
insbesondere auch in den letzten Jahren keiner Erwerbstätigkeit nachgehen
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konnte, liegt in beruflicher Hinsicht keine enge Bindung des Beschuldigten zur
Schweiz vor.
Da er gemäss den Angaben der Verteidigung aufgrund von Rückenbe-
schwerden derzeit in seiner Arbeitsfähigkeit als Gipser eingeschränkt sei, gebe es
für ihn im Moment aber auch in Kroatien keine Möglichkeit, einer Erwerbstätigkeit
nachzugehen (Urk. 58 S. 1). Abgesehen davon verfügt der Beschuldigte auch in
Kroatien nach wie vor über intakte soziale Bindungen. So gab er vor Vorinstanz
auf entsprechende Nachfrage an, dass er in den Jahren 2000 bis 2015 regelmäs-
sig nach Kroatien in die Ferien gegangen zu sein. Er sei jedes Jahr im Sommer
drei bis vier Wochen dort gewesen (Prot. I S. 11). Seine Eltern hätten eine Woh-
nung in Kroatien, er aber nicht. Wenn er mit seiner eigenen Kernfamilie dort ge-
wesen sei, hätten sie jeweils irgendwo in einem Hotel gewohnt. Die Familie hätten
sie dann jeweils ein, zwei Tage besucht. Neben seinen Eltern habe er noch eine
Schwester und einen Bruder, die in Kroatien leben würden. Zu allen Verwandten
habe er ein gutes Verhältnis (Prot. I S. 12).
3.3.5 Zusammengefasst ist zu berücksichtigen, dass das Verschulden der
diesem Urteil zugrundeliegenden Straftaten des Beschuldigten zwar nicht schwer
wiegt, trotzdem aber ein gewisses öffentliches Interesse daran besteht, ihn des
Landes zu verweisen, da er bereits mehrfach und teilweise gar einschlägig vorbe-
straft ist. Dieses öffentliche Interesse daran, die Begehung weiterer Straftaten in
der Schweiz zu verhindern, wird dadurch verstärkt, dass ihm eine hohe Rückfall-
gefahr für Delikte, wie sie sich in den diesem Urteil zugrunde liegenden Vorwürfen
äussern, attestiert wurde. Relativierend ist aber wiederum zu berücksichtigen,
dass sich dieses Risiko auf partnerschaftliche Beziehungen beschränkt und sich
beim Beschuldigten keine Hinweise für eine allgemein hohe Gewaltbereitschaft
gegen Drittpersonen zeigen (Urk. 6/4 S. 4 ff.). Zumindest der Rückfallgefahr für
die Begehung von Straftaten zum Nachteil der Privatklägerin kann mit der Anord-
nung des Kontakt- und Rayonverbots begegnet werden. In Anbetracht dessen,
dass beim Beschuldigten keine Anzeichen für eine hohe Gewaltbereitschaft ge-
genüber Drittpersonen bestehen und die Anordnung einer Landesverweisung für
die Privatklägerin zumindest qualitativ kein stärkerer Schutz bieten würde als das
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auszusprechende Rayonverbot, vermag das öffentliche Interesse an einer Lan-
desverweisung den damit verbundenen Eingriff in das Recht des Beschuldigten
auf Achtung seines Familienlebens nicht zu rechtfertigen. Auch wenn der Be-
schuldigte in der Schweiz weder über eine gelungene berufliche Integration noch
über eine intakte partnerschaftliche Beziehung verfügt, so besteht eine enge Be-
ziehung zu seinen beiden Kindern L._ und K._. Dass das Interesse an
einer Kontakterhaltung diesbezüglich beidseitig ist und sich insbesondere der Be-
schuldigte um eine Aufrechterhaltung dieser Vater-Kind-Beziehung stets bemüh-
te, ist unbestritten. Auch vor Vorinstanz erklärte der Beschuldigte ausdrücklich,
dass er seine Kinder nicht im Stich lassen wolle (Prot. I S. 15). Zwar zeigen die
Angaben des Verteidigers zur aktuellen Situation nun, dass ein Besuch der bei-
den Kinder beim Beschuldigten in Kroatien trotz ihres jungen Alters möglich ist,
wenn sie beispielsweise von ihren älteren Halbgeschwister begleitet werden. Al-
lerdings rechtfertigt es sich jedenfalls bei einem - wie vorliegend - nicht besonders
ausgeprägten öffentlichen Interessen an einer Landesverweisung nicht, Dritten
die Mitverantwortung für die Aufrechterhaltung der Vater-Kind-Beziehung zu über-
tragen, indem ihnen eine unverzichtbare Rolle bei der Gewährleistung der Kom-
munikation und/oder die Rolle als Begleitpersonen aufgedrängt wird, weil der Va-
ter seine Kinder in der Schweiz weder abholen noch besuchen kann. Verglichen
mit dem als eher gering einzuschätzenden öffentlichen Interesse an einer Verwei-
sung des Beschuldigten des Landes, erweisen sich die Nachteile, welche eine
entsprechende Massnahme für den Beschuldigten zur Folge hätten, vor diesem
Hintergrund als nicht mehr verhältnismässig.
4. Da es sich somit unabhängig von der Dauer nicht mit dem in Art. 8 Ziff. 1
EMRK festgeschriebenen Recht des Beschuldigten auf Achtung seines Familien-
lebens vereinbaren lassen würde, ihn im Sinne von Art. 66abis StGB des Landes
zu verweisen, ist von einer entsprechenden Anordnung abzusehen. Die Fragen,
ob sich der Beschuldigte entsprechend dem Vorbringen der Verteidigung auf das
Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU berufen könnte und
ob dieses den landesrechtlichen Bestimmungen von Art. 66a ff. StGB vorgehen
würde (Urk. 62 S. 7), können vor diesem Hintergrund offen gelassen werden.
- 42 -
VIII.
1. Mit dem angefochtenen Urteil wurde der Beschuldigte verpflichtet, der
Privatklägerin eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 500.– zuzüglich 5 % Zins seit
dem 15. Oktober 2016 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde das Genugtuungsbe-
gehren der Privatklägerin hingegen abgewiesen (Urk. 46 S. 46). Mit seiner Beru-
fung richtet sich der Beschuldigte gegen diese Anordnung und verlangt stattdes-
sen, es sei die Privatklägerin mit ihrem Genugtuungsbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses zu verweisen (Urk. 49 S. 3).
2.1 Im Berufungsverfahren machte die Verteidigung geltend, bereits die
strafrechtliche Feststellung der Übergriffe des Beschuldigten auf die Privatklägerin
würde für diese eine Genugtuung darstellen. Eine weitergehende Genugtuung in
Form einer Geldforderung würden die insgesamt leichten Eingriffe in ihre physi-
sche Integrität hingegen nicht zu rechtfertigen vermögen. Darüber hinaus seien
die psychischen Beeinträchtigungen, welche sie geltend mache, nicht genügend
substantiiert (Urk. 62 S. 10).
2.2 Entsprechend der Vorbringen ihrer Rechtsvertreterin vor Vorinstanz und
auch im Berufungsverfahren war der Eingriff des Beschuldigten in die psychische
und physische Integrität der Privatklägerin aber geeignet, bei ihr eine genugtu-
ungsbegründende Persönlichkeitsverletzung zu bewirken (Urk. 25 S. 5 ff.; Prot. II
S. 10). Hinsichtlich der Bemessung der Höhe der Genugtuung ist zu berücksichti-
gen, dass die Privatklägerin durch eine Person verbal und körperlich verängstigt
und verletzt wurde, der sie vormals vertraute. Die bei der Privatklägerin verur-
sachten Verletzungen wiegen objektiv zwar vergleichsweise leicht. Allerdings be-
wirkte das gewaltsame Vorgehen des Beschuldigten sowie seine ausgesprochene
Drohung bei der Privatklägerin (verständlicherweise) grosse Ängste (Urk. 25 S. 6
ff.). Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte die Privatklägerin an
jenem Abend auch in eine Hilflosigkeit versetzte, was ihr Schutzbedürfnis gegen-
über ihren Kindern und dem Besuch ihrer Kinder betrifft (Urk. 25 S. 6). Vor diesem
Hintergrund erscheint die durch die Vorinstanz festgesetzte Genugtuung in der
Höhe von Fr. 500.– zuzüglich 5 % Zins ab dem 15. Oktober 2016 (Urk. 46 S. 46),
- 43 -
jedenfalls nicht als zu hoch. Der Zusprechung einer höheren Genugtuung würde
das auch in dieser Hinsicht geltende Verschlechterungsverbot entgegen spre-
chen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin daher ab-
zuweisen.
IX.
1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Unterliegt die Staats-
anwaltschaft, trägt der verfahrensführende Kanton die Kosten (SCHMID, a.a.O.,
Art. 428 N 3). Während die Staatsanwaltschaft bezüglich der durch sie beantrag-
ten höheren Bestrafung gänzlich unterliegt, obsiegt der Beschuldigte mit seiner
Berufung massgeblich. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind dem Beschul-
digten daher zu einem Viertel aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse
zu nehmen. Von der Kostentragungspflicht ausgenommen sind die Kosten der
amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Privatklägervertretung; diese
sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Das Rückforderungsrecht des Staates ge-
genüber dem Beschuldigten bezüglich der Kosten der amtlichen Verteidigung ist
im Umfang von einem Viertel vorzubehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
2.1 Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für seine Bemühungen
im Berufungsverfahren mit Fr. 3'900.– (inkl. MwSt.) zu entschädigen.
2.2 Das Honorar der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Privatklägerin
für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 1'900.– (inkl. MwSt.) festzusetzen.