# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8700c92a-de39-55cd-8dbb-446844c319fb
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegner reichten am 17. Juni 2015 bei der Gemeinde Wilderswil ein
Baugesuch ein für den Neubau eines Zweifamilienhauses mit Studio und vier
Abstellplätzen sowie für den Teilabbruch und die Umnutzung des bestehenden Schopfes
auf Parzelle Wilderswil Grundbuchblatt Nr. G._. Die Parzelle liegt in der Kernzone.
Gegen das Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 17. November 2015 erteilte die Gemeinde Wilderswil die
Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 16. Dezember 2015 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen
die Aufhebung des Gesamtentscheides vom 17. November 2015 und die Abweisung des
Baugesuchs. Sie machen insbesondere geltend, aufgrund der voraussichtlichen Baukosten
sei die Zuständigkeit der Gemeinde nicht gegeben, die Dachgestaltung entspreche nicht
dem Gemeindebaureglement und der erforderliche Gebäudeabstand sei nicht eingehalten.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Beschwerdegegner und die
Gemeinde beantragen die Abweisung der Beschwerde. Auf die Rechtsschriften wird,
soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1)
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angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der fristgerecht
eingereichten Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde,
sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert. Sie sind zudem unmittelbare
Nachbarn des Baugrundstücks, so dass sie die für die Einsprache- und
Beschwerdeberechtigung erforderliche Beziehungsnähe zum Bauvorhaben aufweisen. Die
Beschwerdeführenden sind damit zur Beschwerdeführung legitimiert. Ob die
Beschwerdeführenden an jeder einzelnen Rüge das von Art. 35c Abs. 1 BauG verlangte
schutzwürdige Interesse haben, kann offen bleiben. Ein solches Interesse besteht
jedenfalls an der Rüge, die vorgesehene Dachgestaltung sei unzulässig und diene einzig
einer maximalen Ausnützung (siehe Erwägung 4). Auf die formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden baten die Gemeinde nach Eröffnung des Bauentscheides
im Hinblick auf eine allfällige Beschwerde bei der BVE um Akteneinsicht.4 Sie rügen, die
Gemeinde habe ihrem Anwalt daraufhin lediglich Kopien der Akten zugestellt mit dem
Hinweis, die Pläne würden nicht herausgegeben, diese könnten jedoch bei der Gemeinde
eingesehen werden.5
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG6 gibt den Parteien unter
anderem das Recht, Einsicht in die Akten zu nehmen, soweit nicht überwiegende
öffentliche oder private Interessen deren Geheimhaltung erfordern (Art. 23 Abs. 1 VRPG).
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Vorakten, pag. 100 5 Vorakten, pag. 101 6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Die Akten können am Sitz der entscheidenden Behörde eingesehen werden. Ein Recht, sie
nach Hause mitzunehmen, besteht nicht. Den zur Berufsausübung im Kanton
zugelassenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten werden die Akten jedoch
praxisgemäss zur Einsicht überlassen, da genügend Gewähr dafür besteht, dass sie
vollständig und unverändert wieder zurückgegeben werden.7
c) Die Gemeinde erklärt, sie habe die Akten den anwaltlich vertretenen
Beschwerdeführenden fälschlicherweise nur in Kopie und ohne die Pläne zugestellt. Sie
anerkennt damit, dass sie die Akteneinsicht vorliegend nicht gemäss der genannten Praxis
gewährt hat. Eine Gehörsverletzung liegt hingegen nicht vor. Die Beschwerdeführenden
bzw. ihr Anwalt hätten nachfragen oder die Pläne bei der Gemeinde einsehen können. Die
Beschwerdeführenden machen daher zu Recht nicht geltend, sie hätten einen Nachteil
erlitten, der zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides führen müsste.
3. Zuständigkeit der Gemeinde
a) Es ist unbestritten, dass Wilderswil eine kleine Gemeinde im Sinn von Art. 33 Abs. 2
BauG ist und dass ihr nicht die volle Bewilligungskompetenz übertragen wurde.8 Ihre
Zuständigkeit beschränkt sich daher auf Bauvorhaben mit geringem Koordinationsaufwand
(Art. 33 Abs. 2 BauG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 1 BewD9), sofern weder eine
Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich ist noch die Baukosten Fr. 1'000'000.00
übersteigen (Art. 9 Abs. 2 BewD).
b) Die Beschwerdeführenden bringen vor, die Baukosten für die Erstellung von drei voll
ausgebauten Geschossen mit komplexer Dachgestaltung, mit dem Teilabbruch und der
Neuerstellung von Abstellräumen sowie der Erstellung von vier Abstellplätzen überstiegen
Fr. 1'000'000.00 deutlich. Bei einem Gebäudevolumen von rund 1'250 Kubikmeter und
einem durchschnittlichen Preis von Fr. 850.00 pro Kubikmeter ergäben sich Baukosten von
Fr. 1'062'500.00 bzw. unter Einbezug der Umgebungsgestaltung sowie der Erstellung der
7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 23 N. 12 8 Vgl. www.jgk.be.ch > Baubewilligungen > Baubewilligungsverfahren > Liste der Gemeinden mit voller Bewilligungskompetenz (pdf) 9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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notwendigen Autoabstellplätze von Fr. 1'100'000.00. Die Gemeinde sei für die Erteilung der
Baubewilligung nicht zuständig gewesen.
c) Im Baugesuch sind die Baukosten einschliesslich der Eigenarbeiten, aber ohne
Kosten für Projektierung, Landerwerb, Erschliessung und Bauzinsen zu beziffern; die
Behörde kann in Zweifelsfällen die Vorlage der Kostenvoranschläge verlangen (Art. 11
Abs. 1 Bst. e BewD).
d) Die Baukosten sind im Baugesuch mit Fr. 800'000.00 ausgewiesen. Nach Eingang
der Einsprache der Beschwerdeführenden holte die Gemeinde bei den
Beschwerdegegnern einen detaillierten Kostenvoranschlag ein, der die einzelnen Posten
genau beschreibt und die Baukosten auf Fr. 825'000.00 beziffert.10 Entgegen den
Vorbringen der Beschwerdeführenden sind im Kostenvoranschlag die Umgebungsarbeiten
sowie die geplanten Abstellplätze enthalten.11 Die Beschwerdeführenden zeigen zudem
nicht auf, welche Posten im Kostenvoranschlag unterbewertet sein sollen. Sie kritisieren
den Kostenvoranschlag lediglich pauschal aufgrund der Annahme eines mittleren
Kubikmeterpreises von Fr. 850.00. Kubikmeterpreise können von Bauvorhaben zu
Bauvorhaben erheblich schwanken. Die Annahme eines nicht näher begründeten
Kubikmeterpreises vermag den detaillierten Kostenvoranschlag nicht zu widerlegen.
Zudem liegen die Baukosten gemäss Kostenvoranschlag mit Fr. 825'000.00 deutlich unter
der relevanten Grenze von Fr. 1'000'000.00. Die Rüge der Unzuständigkeit der Gemeinde
ist unbegründet.
4. Dachform und Baudimensionen
a) Geplant ist ein Zweifamilienhaus mit einem Studio. Das Gebäude weist zwei
Vollgeschosse und ein Dachgeschoss auf. Der Grundriss ist gestaffelt; auf der Südfassade
besteht auf der südwestlichen Ecke ein Rücksprung von 3,30 m auf 2,79 m. Geplant ist ein
Dach mit zwei parallel verlaufenden Firsten. Die Firste weisen einen Abstand von lediglich
3,30 m auf und stehen quer zur Gebäudelänge. Die Dachflächen des Hauptdaches bzw.
der Hauptdächer weisen eine Dachneigung von jeweils 30° auf. Vorgesehen sind pro
Dachfläche je eine Lukarne mit einer Dachneigung von 20°.
10 Vorakten, pag. 61; Kostenvoranschlag, pag. 69 f.; Beilage zur Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2016 11 Beilage 3 zur Beschwerdeantwort vom 11. Januar 2016, S. 18
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b) Die Beschwerdeführenden machen geltend, es handle sich um zwei Satteldächer
und zwei Lukarnen. Dies ergebe keine ruhige Dachgestaltung und es bestehe auch keine
vergleichbare Dachgestaltung in Wilderswil. Es gehe rein um eine maximale Ausnützung,
indem die vorgesehene Dachgestaltung einen dreigeschossigen Bau ermögliche. Für die
Beurteilung der Gestaltung sei ein Augenschein durchzuführen und die Kantonale
Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) beizuziehen.
Die Beschwerdegegner bringen vor, es handle sich um ein 2-firstiges Satteldach, welches
vom Gemeindebaureglement nicht verboten werde. In der Umgebung bestehe eine
heterogene Dachlandschaft, die auch nicht besonders schützenswert sei. Die Einwände
der Beschwerdeführenden betreffend Ästhetik vermöchten einen Bauabschlag nicht zu
rechtfertigen, zumal die Gemeinde, welche in Gestaltungsfragen über eine gewisse
Autonomie verfüge, das Bauvorhaben bewilligt habe. Auch die Gemeinde ist der
Auffassung, es liege ein 2-firstiges Satteldach vor und dieses werde vom
Gemeindebaureglement nicht ausgeschlossen.
c) Die Gemeinde weist detaillierte Vorschriften über die Dachgestaltung auf. In der
Kernzone sind für Hauptbauten nur Sattel- und Walmdächer zugelassen; die Dachflächen
sind ruhig zu halten. Die Dachneigung muss 18° bis 30° betragen und die Vordächer
müssen in der Kernzone giebel- und traufseitig mindestens 1,20 m betragen (Art. 6 Abs. 1
GBR12). Dachaufbauten sind nach den detaillierten Vorgaben von Art. 6 Abs. 2 GBR
zulässig, soweit im Rahmen von Art. 5 GBR eine gute Gesamtwirkung erzielt wird.
Dacheinschnitte sind in der Kernzone nicht erlaubt. Weitere Vorgaben betreffen
beispielsweise Parabolantennen und die Materialisierung (Art. 6 Abs. 3 und 4 GBR).
d) Umstritten ist, ob es sich beim geplanten Dach mit zwei Firsten um ein Satteldach im
Sinn von Art. 6 Abs. 1 GBR handelt. Ein Satteldach besteht definitionsgemäss aus zwei
gegeneinander ansteigenden Dachflächen.13 Daraus ergeben sich senkrechte dreieckige
Giebel. Sind mehrere Satteldächer mit ihren Längsachsen nebeneinander angeordnet, so
liegt ein Paralleldach vor.14 Solche sind beispielsweise bei Reihenhäusern verbreitet. Beim
vorliegend geplanten Dach handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Satteldach.
12 Baureglement der Einwohnergemeinde Wilderswil vom 15. September 2008 (GBR) 13 Koepf/Binding, Bildwörterbuch der Architektur, 3. Aufl., Stuttgart 1999, S. 114 f. 14 Koepf/Binding, Bildwörterbuch der Architektur, 3. Aufl., Stuttgart 1999, S. 114 f.
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Insbesondere ergibt sich mit den zwei Firsten auf der Nordfassade eine ungewöhnliche
Form, da hier zwei dreieckige Giebel nebeneinander stehen. Es liegt aber auch nicht ein
typisches Paralleldach vor, da das darunter liegende Dachgeschoss durchgehend ist und
die beiden Firste nahe beieinander stehen. Die Beschwerdegegner und die Gemeinde
bezeichnen die Dachform als "2-firstiges Satteldach". Ob das geplante Dach ein Satteldach
im Sinn von Art. 6 Abs. 1 GBR darstellt, ist nach dem Wortlaut der Bestimmung unklar.
Einzig aus der Bezeichnung "Satteldach" lässt sich nicht schliessen, ob ein Satteldach
auch zwei oder allenfalls sogar mehrere Firste aufweisen darf.
e) Ist der Wortlaut einer Bestimmung nicht eindeutig, muss unter Einbezug der weiteren
Auslegungselemente nach der Lösung gesucht werden, die mit Blick auf die
Wertentscheidung des Gesetzgebers am meisten überzeugt. Dabei sind der
Zusammenhang mit anderen Gesetzesbestimmungen, die Entstehungsgeschichte sowie
der Sinn und Zweck der Norm zu berücksichtigen.15
Die Vorschriften über die Dachgestaltung befinden sich im Abschnitt "Qualität des Bauens
und Nutzens" unter dem Titel "Gestaltung". Aus der systematischen Stellung von Art. 6
Abs. 1 GBR ergeben sich keine direkten Anhaltspunkte über die Zulässigkeit von Dächern
mit mehreren Firsten.
Der Erläuterungsbericht zur Ortsplanungsrevision vom 17. Februar 2009 gibt Hinweise auf
die Entstehungsgeschichte. In Bezug auf die Dachgestaltung geht daraus hervor, dass
diese für das Ortsbild wichtig ist und die Bestimmungen zur Dachgestaltung gegenüber
dem alten Gemeindebaureglement präzisiert wurden.16 Anhaltspunkte zur Zulässigkeit
eines Daches mit zwei oder mehreren Firsten ergeben sich aus dem Erläuterungsbericht
nicht.
f) Die Vorschrift, wonach in der Kernzone nur Sattel- und Walmdächer zugelassen sind,
verfolgt jedenfalls einen ästhetischen Zweck. Im Kommentar zu Art. 6 GBR wird
festgehalten, dass das Ortsbild von Wilderswil durch die bestehende Dachlandschaft
besonders geprägt wird. Dies ergibt sich auch aus dem Erläuterungsbericht.17 Bei der
Beurteilung der Ästhetik ist daher der Dachgestaltung besonderes Gewicht beizumessen.
15 BVR 2015 S. 450 E. 4.1. 16 Erläuterungsbericht Ortsplanungsrevision Wilderswil vom 17. Februar 2009, S. 9 17 Erläuterungsbericht Ortsplanungsrevision Wilderswil vom 17. Februar 2009, S. 9
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Ob das 2-firstige Dach mit zwei Lukarnen der von Art. 6 Abs. 1 GBR geforderten ruhigen
Dachgestaltung entspricht, ist fraglich. Die Frage muss jedoch nicht abschliessend
beantwortet werden und es kann auf einen Augenschein und den Beizug der OLK
verzichtet werden.
Das Gemeindebaureglement von Wilderswil sieht keine Nutzungsbegrenzung über eine
Geschossflächen-, Baumassen- oder Überbauungsziffer vor. Die zulässige Ausnützung
ergibt sich somit ausschliesslich aus den Vorschriften über die Bauabstände und die
Gebäudedimensionen.18 Diese finden sich zur Hauptsache in Art. 2 GBR. So gilt in der
Kernzone von Wilderswil eine Gebäudehöhe von 6 m und eine Firsthöhe von 9 m (Art. 2
Abs. 1 GBR). Es sind zwei Geschosse erlaubt, wobei ein Geschoss ab einer
Kniewandhöhe von mehr als 0,60 m als Vollgeschoss zählt. Aber auch die
vorgeschriebene Dachform sowie die Dachneigung beschränken die Baudimensionen. So
sind für Hauptbauten nur Sattel- und Walmdächer mit einer Dachneigung von 18° bis 30°
zulässig (Art. 6 Abs. 1 GBR). Die Vorschriften über die Gebäude- und Firsthöhe, die
Kniewandhöhe sowie die Dachform und Dachneigung führen in ihrem Zusammenwirken
dazu, dass die Ausnützung im Dachgeschoss bei typischen Satteldächern mit einem First
eingeschränkt wird. Wie sich aus den Materialien ergibt, wurde die Kniewandhöhe mit dem
aktuellen Gemeindebaureglement neu eingeführt, was bei Kreuzfirstdächern zu
Unsicherheiten betreffend die Messweise führte.19 In der Folge wurde die Fussnote 4 bei
Art. 2 GBR ergänzt und klar gestellt, dass "bei Kreuzfirstdächern, welche die ganze
Fassadenlänge des Dachgeschosses in Anspruch nehmen, (...) die Kniewandhöhe in den
Eckpunkten gemessen" wird. Dies unterstreicht, dass die Vorschriften über die
Dachgestaltung auch für die Baudimensionen von Bedeutung sind. Neben der ästhetischen
Zielsetzung bezwecken die Vorschriften zur Dachform und zur Dachgestaltung auch die
Begrenzung des Nutzungsmasses.
g) Die Beschränkung auf Satteldächer (und Walmdächer) zusammen mit den
detaillierten Dachvorschriften (Art. 6 Abs. 1 und 2 GBR) bezwecken also u.a., die Nutzung
des Dachgeschosses zu begrenzen. Vor diesem Hintergrund ist eine Auslegung, wonach
unter dem Begriff "Satteldach" auch 2-firstige Satteldächer zugelassen sein sollen, rechtlich
nicht haltbar. Denn bei zwei- oder mehrfirstigen Satteldächern verlieren die detaillierten
18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 13 N. 7 19 Verfügung des Amts für Gemeinden und Raumordnung (AGR) vom 15. November 2012
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Vorschriften zur Dachgestaltung ihre Wirkung zur Beschränkung des Nutzungsmasses.
Eine mit dem zweifirstigen Dach vergleichbare Ausnützung im Dachgeschoss wäre mit
einem gewöhnlichen Satteldach mit einem First nur möglich, wenn beispielsweise die
zulässige Firsthöhe überschritten, die Dachneigung nicht eingehalten und/oder die
Kniewandhöhe überschritten wird. Das Dach mit zwei Firsten ist daher in der Kernzone
nicht zulässig. Die Beschwerde ist gutzuheissen und dem Baugesuch ist der Bauabschlag
zu erteilen. Bei diesem Ergebnis erübrigen sich Ausführungen zu den weiteren Vorbringen
der Beschwerdeführenden.
5. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdegegner. Sie haben
die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV20).
b) Die Beschwerdegegner haben zudem den Beschwerdeführenden die Parteikosten zu
ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes der Beschwerdeführenden
beträgt Fr. 2'412.70 (Honorar Fr. 2'000.00; Auslagen Fr. 82.50; Mehrwertsteuer Fr. 166.60;
Saldo Geldverkehr Fr. 163.60). Unter dem Titel Saldo Geldverkehr sind Zahlungen an die
Gemeinde Wilderswil vom 5. Dezember 2014 über Fr. 96.50 sowie vom 7. Januar 2016
über Fr. 67.10 für das Kopieren von Akten aufgeführt. Während die Zahlung aus dem Jahr
2016 in den Vorakten ausgewiesen ist,21 betrifft die Zahlung aus dem Jahr 2014 nicht das
vorliegende Beschwerdeverfahren, da sie bereits vor Einreichung des Baugesuchs im Juni
2015 erfolgte. Die Kostennote, die ansonsten zu keinen Bemerkungen Anlass gibt, ist
damit um Fr. 96.50 zu kürzen. Die Beschwerdegegner haben somit den
Beschwerdeführenden die Parteikosten von Fr. 2'316.20 zu ersetzen.
c) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren hat in jedem
Fall der Gesuchsteller zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD). Diese belaufen sich gemäss
20 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21) 21 Vorakten, pag. 101
RA Nr. 110/2015/166 10
Ziff. IV/4.6 des Bauentscheids der Gemeinde Wilderswil vom 17. November 2015 auf
Fr. 2'818.70. Für das Inkasso dieser Kosten ist die Gemeinde Wilderswil zuständig.