# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1288c152-124a-5354-ad7f-d609f04e4676
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2008
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ X. und Y. hatten vom 1. September 2000 bis zum 31. Mai 2002 ihren Wohnsitz im
Kanton St. Gallen. X. war bis zum 30. Juni 2001 in der Geschäftsleitung der M. AG mit
Sitz in St. Gallen tätig, über die am 29. Juni 2001 der Konkurs eröffnet wurde.
Anschliessend war er vom 1. Juli 2001 bis zum 31. Januar 2002 als Geschäftsführer
der A. AG mit Sitz in Winterthur beschäftigt. Über diese Gesellschaft wurde am
15. März 2002 der Konkurs eröffnet. Vom 1. Februar 2002 bis zum 15. März 2002
erhielt X. von der Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich eine Insolvenzentschädigung
und von der Arbeitslosenkasse des Kantons St. Gallen bis Ende März zusätzlich acht
Tage Arbeitslosentaggeld. Am 1. April 2002 trat X. eine neue Stelle bei der S. AG an. Y.
war in den Jahren 2001 und 2002 selbständig erwerbstätig.
Als ausländische Staatsangehörige ohne Niederlassungsbewilligung unterlag das
Ehepaar XY der Quellensteuerpflicht. Im Jahr 2001 wurden X. Fr. 60'837.90
(Fr. 28'494.25 M. AG; Fr. 32'343.65 A. AG) und im Jahr 2002 Fr. 9'915.80 (Fr. 5'245.60
A. AG; Fr. 1'559.00 Arbeitslosenkasse Kt. Zürich, Fr. 81.-- Arbeitslosenkasse
Kt. St. Gallen; Fr. 3'030.20 S. AG) vom Einkommen bzw. dessen Ersatz als
Quellensteuer abgezogen. Mit Schreiben vom 31. März 2001 teilte das kantonale
Steueramt dem Steuerpflichtigen mit, aufgrund der Tatsache, dass sein Gehalt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Fr. 120'000.-- brutto überschritten habe, werde eine nachträgliche ordentliche
Veranlagung durchgeführt.
Die Veranlagungsverfügung und Schlussrechnung für 2001 wurden den Pflichtigen am
13. Dezember 2002 eröffnet. Vom Steuerbetrag der Staats- und Gemeindesteuer in der
Höhe von Fr. 35'784.40 wurden neben der Verrechnungssteuer bereits geleistete
Zahlungen im Umfang von Fr. 16'839.40 in Abzug gebracht. Mit Eingabe vom
30. Dezember 2002 erhob X. gegen diese Rechnung Einsprache mit dem Antrag, es
seien sämtliche von ihm bezahlten Quellensteuern in der Höhe von Fr. 60'837.90 zu
berücksichtigen. Ferner schulde er aufgrund seines Alters keine Feuerwehrabgabe
mehr. Am 27. Januar 2003 erliess das kantonale Steueramt eine neue
Veranlagungsverfügung, worin die Feuerwehrabgabe nur noch für Y. erhoben wurde,
der angerechnete Quellensteuerbetrag wurde jedoch nicht erhöht. Mit Einsprache-
Entscheid samt Schlussrechnung vom 28. Februar 2007 stellte sich das kantonale
Steueramt auf den Standpunkt, dass nicht die auf den Lohnausweisen angegebene
Quellensteuer angerechnet werden könne, sondern lediglich jener Betrag, der dem
kantonalen Steueramt effektiv abgeliefert worden sei. Da seit der Veranlagung eine
zusätzliche Zahlung eingegangen sei, werde der anrechenbare Betrag inkl.
Bezugsprovision auf Fr. 26'881.-- erhöht und dementsprechend die Einsprache
teilweise gutgeheissen.
Da die Steuerpflichtigen für das Jahr 2002 keine Steuererklärung eingereicht hatten,
wurden sie im Dezember 2004 für die Staats- und Gemeindesteuer 2002
ermessensweise veranlagt. In der Schlussrechnung wurden vom Steuerbetrag von
Fr. 5'218.50 unter dem Titel "bisher geleistete Zahlungen" Fr. 5'644.35 und ein Skonto-
Betrag von Fr. 190.50 abgezogen. Mit Eingabe vom 9. Januar 2005 erhoben die
Eheleute XY Einsprache und beantragten, es seien Fr. 22'242.40 (Fr. 9'915.80
zuzüglich des vom Konkursamt Winterthur am 7. November 2002 überwiesenen
Betrages in der Höhe von Fr. 12'326.60) an bezahlten Quellensteuern zu
berücksichtigen. Mit Entscheid samt Schlussrechnung vom 28. Februar 2007 wies das
kantonale Steueramt die Einsprache ab.
B./ Am 11. März 2007 erhoben die Eheleute XY gegen die Einsprache-Entscheide
betreffend die Schlussrechnungen der Staats- und Gemeindesteuern 2001 und 2002
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rekurs bei der Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, sämtliche durch den
Arbeitgeber einbehaltenen und nicht abgeführten Quellensteuern seien in den
Veranlagungsabrechnungen 2001 und 2002 in voller Höhe zu berücksichtigen. Als
Begründung führten die Pflichtigen an, dass der Arbeitgeber verpflichtet gewesen sei,
die Quellensteuer einzuziehen und an die Steuerbehörden weiterzuleiten; dieser habe
deshalb auch als Schuldner der Quellensteuer zu gelten.
Die Verwaltungsrekurskommission hiess am 20. September 2007 den Rekurs gut und
wies die Streitsache zum Erlass einer neuen Schlussrechnung für die Staats- und
Gemeindesteuern 2001 und 2002 an das Steueramt zurück.
C./ Mit Beschwerde vom 26. Oktober 2007 beim Verwaltungsgericht beantragt das
kantonale Steueramt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, unter Kostenfolge
zulasten der Steuerpflichtigen. Als Begründung brachte es im wesentlichen vor, die
Auffassung der Vorinstanz, wonach sämtliche an der Quelle abgezogenen Beträge bei
einer nachträglichen Veranlagung berücksichtigt werden müssten, unabhängig davon,
ob diese an das Steueramt abgeliefert worden seien, nicht sachgerecht sei und nicht
den bundesrechtlichen Vorgaben entspreche. Zudem verstosse das Verhalten des
Steuerpflichtigen gegen Treu und Glauben, weil er als Geschäftsleiter der in Konkurs
gefallenen Unternehmungen dafür verantwortlich gewesen sei, dass die Quellensteuern
nicht abgeliefert worden seien.
Die Verwaltungsrekurskommission verwies in ihrer Vernehmlassung vom 14. November
2007 auf ihren Entscheid und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Die Eheleute XY liessen sich nicht vernehmen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1
des Steuergesetzes, sGS 811.1, abgekürzt StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Das kantonale Steueramt ist zur
Ergreifung der Beschwerde legitimiert, und seine Eingabe entspricht zeitlich, formal
und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 StG in Verbindung mit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Art. 161 StG und Art. 64 Abs. 1 sowie Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2. Im vorliegenden Verfahren ist umstritten, welcher Betrag an Quellensteuern im
Rahmen der nachträglichen ordentlichen Veranlagung nach Art. 112 Abs. 1 StG
anzurechnen ist. Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, dass nur jene Beträge
anzurechnen seien, die effektiv vom Steuerschuldner abgeliefert worden seien.
2.1. Ausländische Arbeitnehmer, welche die fremdenpolizeiliche
Niederlassungsbewilligung nicht besitzen, im Kanton jedoch ihren steuerrechtlichen
Wohnsitz haben, unterliegen der Quellensteuer für ihre Einkünfte aus einem
Arbeitsverhältnis bzw. für entsprechende Ersatzeinkünfte (Art. 105 f. StG). Die
Quellenbesteuerung tritt in der Regel an die Stelle der im ordentlichen Verfahren zu
veranlagenden Einkommenssteuer (Art. 110 Abs. 1 StG). Von diesem Grundsatz sieht
Art. 112 StG eine Ausnahme vor. Übersteigt das Einkommen den Betrag von
Fr. 120'000.-- (Art. 59 Steuerverordnung, sGS 811.11), ist eine ordentliche Veranlagung
durchzuführen. Die bereits an der Quelle abgezogene Steuer wird in diesen Fällen zu
einer reinen Sicherungssteuer. Sie ist an den veranlagten Steuerbetrag zinslos
anzurechnen (Art. 112 Abs. 1 letzter Satz StG).
Die Vorinstanz hat ausgeführt, dass die Berücksichtigung des gesamten an der Quelle
bezogenen Steuerbetrages im Rahmen einer nachträglichen ordentlichen
Steuerveranlagung dem klaren Wortlaut von Art. 112 Abs. 1 StG entspreche. Der
Beschwerdeführer ist demgegenüber der Auffassung, dass diese Bestimmung so zu
verstehen sei, dass nur die für die Steuerperiode geschuldete und entrichtete
Quellensteuer angerechnet werden müsse. Rechtskräftig bezogen sei die Steuer erst
mit der Ablieferung des Steuerbetrages. Die vom Beschwerdeführer als Beleg für diese
Auffassung zitierten Kommentare (Zigerlig/Rufener, Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone
und Gemeinden, Bd. I/1, 2. Aufl., Basel 2002, N 5 zu Art. 34; Richner/Frei/Kaufmann,
Handkommentar zum DBG, N 14 zu Art. 151) sind jedoch nicht dazu geeignet, eine
vom klaren Wortlaut der genannten Bestimmung abweichende Auffassung zu
rechtfertigen. Die zitierte Kommentierung zu Art. 34 des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
(Steuerharmonisierungsgesetz, SR 642.14, abgekürzt StHG) behandelt die Frage nach
der relevanten Steuerperiode für die Bemessung der anzurechnenden Quellensteuer im
Rahmen einer ordentlichen Veranlagung nach dem System der
Pränumerandobesteuerung mit Vergangenheitsbemessung. Die zitierte Kommentierung
zu Art. 151 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (SR 642.11, abgekürzt
DBG) behandelt die Frage, ab welchem Zeitpunkt eine Korrektur der
Quellenbesteuerung im Nachsteuerverfahren zu erfolgen hat. Beide Kommentierungen
beziehen sich damit auf unterschiedliche und im vorliegenden Fall nicht relevante
Fragestellungen.
2.2. Der Beschwerdeführer ist der Auffassung, dass eine an den Wortlaut von Art. 112
Abs. 1 StG anknüpfende Auslegung nicht sachgerecht sei. Es könne so zu Fällen
kommen, in denen die Steuerbehörden namhafte Beträge anrechnen müssten, obwohl
sie diese vom Schuldner der steuerbaren Leistung gar nie erhalten hätten. Das
Inkassorisiko sei deshalb nicht der Steuerbehörde, sondern dem Steuerpflichtigen zu
übertragen, weil dieser in einer näheren Beziehung zum selbst ausgesuchten
Arbeitgeber stehe.
Steuersubjekt der Quellensteuer ist der Arbeitnehmer. Bei ihm muss die
steuerrechtliche Zugehörigkeit gegeben sein und auf seine persönlichen und
wirtschaftlichen Verhältnisse wird bei der Steuererhebung abgestellt. An die
Steuerbehörden abzuliefern ist die Quellensteuer jedoch vom Schuldner der
steuerbaren Leistung, d.h. vom Arbeitgeber, der die geschuldete Steuer
zurückzubehalten und bei Naturalleistungen die Steuer beim Steuerpflichtigen
einzufordern hat (Art. 184 lit. b StG). Auf den Arbeitgeber als Schuldner der
Quellensteuer gehen sämtliche formellen und materiellen Rechte und Pflichten aus dem
Steuerrechtsverhältnis über, womit eine Steuersubstitution vorliegt. In formeller
Hinsicht ist die Substitution kumulativ, insbesondere hat auch der Steuerpflichtige
gegenüber den Steuerbehörden eine Mitwirkungs- und Auskunftspflicht (Art. 185
Abs. 1 StG) und ist zur Einsprache berechtigt (Art. 189 StG). In materieller Hinsicht ist
die Substitution privativ (P. Locher, Kommentar zum DBG, II. Teil, Therwil 2004, N 1 zu
Art. 88; Blumenstein/Locher, System des schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich
2002, S. 76 und 83; Richner/Frei/Kaufmann, a.a.O., N 1 zu Art. 88; Th. Müller, Die
solidarische Mithaftung im Bundessteuerrecht, Bern 1999, § 12 Ziff. 2.1.1.; U. Zinsli,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Quellenbesteuerung des unselbständigen Erwerbseinkommens in der Schweiz,
Bern 1970, S. 18). Der Substitut tritt vollständig in die Steuerschuld des Steuersubjekts
ein und haftet allein für deren Erfüllung (Art. 37 Abs. 1 StHG, Art. 125 StG). Die
gesetzlich vorgesehene Steuersubstitution hat zur Folge, dass die Forderung des
Gemeinwesens nicht gegenüber dem Steuerpflichtigen, sondern dem Schuldner
besteht. Der Steuerpflichtige scheidet nach der Steuerveranlagung und dem
Steuerabzug durch den Steuerschuldner aus dem weiteren Verfahren aus (Weidmann/
Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st. gallische Steuerrecht, 6. Aufl., Muri-Bern
1999, S. 416; Zinsli, a.a.O., S. 19). Dies unabhängig davon, ob es nachträglich zu einer
ordentlichen Steuerveranlagung kommt.
Vor diesem Hintergrund erweist es sich in verschiedener Hinsicht als sachgemäss, der
Steuerbehörde das Risiko für einen Ausfall des Steuerschuldners zu übertragen. Der
Steuerpflichtige hat - anders als die Steuerbehörde (insb. Art. 184 lit. e sowie Art. 184
lit. d und Art. 187 StG) - keine Möglichkeit, die ordentliche Begleichung der
Steuerschulden zu überwachen. Zudem fehlt dem Pflichtigen ein Rechtsanspruch und
ein Rechtstitel, um den nicht abgelieferten Quellensteuerbetrag gegenüber dem
Steuerschuldner geltend zu machen und eine Aus- bzw. Rückzahlung durchzusetzen.
Ebenfalls erfolgt die Zwischenschaltung eines Steuersubstituten für die Veranlagung
und Erhebung der Quellensteuer in erster Linie im Interesse der Steuerbehörden. Durch
die Besteuerung an der Quelle können die Vollzugsschwierigkeiten und
Bezugsprobleme bei der Einkommensbesteuerung von ausländischen Personen und
Personen ohne Wohnsitz in der Schweiz vermindert werden (Locher, a.a.O., N 7 zu
Einführung zu Art. 83 ff.). Das Risiko für einen Ausfall des im Interesse der
Steuerbehörde eingesetzten Steuersubstituten ist deshalb auch durch das
Gemeinwesen zu tragen.
2.3. Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, dass die Quellensteuer ausnahmsweise
beim Steuerpflichtigen erhoben werden müsse, wenn der Bezug beim
Leistungsschuldner nicht möglich ist.
Das Erfordernis der gesetzlichen Grundlage (Legalitätsprinzip) im Abgaberecht ist ein
selbständiges verfassungsmässiges Recht (Art. 127 Abs. 1 der Schweizerischen
Bundesverfassung, SR 101). Danach bedürfen öffentliche Abgaben zwingend einer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
formellgesetzlichen Grundlage (BGE 132 I 159 E. 2.2). Dementsprechend setzt auch
der direkte Bezug der Quellensteuer beim Steuerpflichtigen durch die Steuerbehörden
eine solche Grundlage voraus. Art. 38 Abs. 3 StHG und Art. 185 Abs. 2 StG sehen
ausdrücklich die Möglichkeit für einen Direktbezug der Quellensteuer beim
Steuersubjekt vor. Im interkantonalen Verhältnis ist eine direkte Inanspruchnahme des
Pflichtigen unumgänglich, wenn die Quellenbesteuerung im Wohnsitzkanton des
Steuersubjekts und im Sitz- bzw. Betriebsstättenkanton des Steuerschuldners
unterschiedlich ausgestaltet ist und deshalb ein Rückerstattungs- oder
Nachforderungsverfahren im Wohnsitzkanton notwendig wird (Kommission staatlicher
Steuerbeamter, Harmonisierte kantonale Quellensteuerordnung, Muri-Bern 1994, S. 69
und 72). Gemäss Art. 185 Abs. 2 StG ist der Direktbezug zudem in Fällen zulässig, in
denen die steuerbare Leistung nicht oder nicht vollständig um die Quellensteuer
gekürzt ausbezahlt wurde und ein Nachbezug beim Schuldner der steuerbaren
Leistung (insb. bei Konkurs) nicht möglich ist (Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O.,
S. 416).
Bereits aufgrund des Wortlauts von Art. 185 Abs. 2 StG ist mit der Vorinstanz davon
auszugehen, dass eine direkte Inanspruchnahme des Pflichtigen nur in jenen Fällen
zulässig sein kann, in denen die Quellensteuer dem Arbeitnehmer noch nicht oder nicht
vollständig abgezogen worden ist. Zudem folgt aus Art. 125 StG, dass einzig der
Steuerschuldner für den Quellensteuerbetrag haftet. Das direkte Belangen des
Steuerpflichtigen durch die Steuerbehörde kann deshalb auch nicht über eine
solidarische Haftung des Pflichtigen für die vom Schuldner zu entrichtende
Quellensteuer gerechtfertigt werden.
Die vom Beschwerdeführer gegen diese Auffassung vorgebrachten Einwände sind
nicht stichhaltig. Die von ihm als Beleg für seine gegenteilige Ansicht zitierten
Kommentare (Richner/Frei/Kaufmann, a.a.O., N 10 zu Art. 88; Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Kommentar zum harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. Aufl., Zürich 2006,
N 11 zu § 92) sprechen sich einzig in allgemeiner Form dafür aus, dass die Möglichkeit
des Direktbezuges der Steuer beim Steuersubjekt bestehen soll, wenn der
Steuersubstitut weggefallen ist oder nicht mehr belangt werden kann. Die Frage, ob
dies auch dann gelten soll, wenn die Steuer bereits durch den Schuldner erhoben
wurde, wird jedoch nicht behandelt. Jene Kommentierungen vermögen deshalb eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vom klaren Wortlaut des Gesetzes abweichende Auffassung nicht zu begründen. Auch
der Einwand, dass sich Art. 185 Abs. 2 StG nicht auf die nachträgliche ordentliche
Veranlagung nach Art. 112 StG beziehe, vermag nicht zu überzeugen. Diese
Auffassung steht zum einen im Widerspruch zur Systematik des Gesetzes, das Art. 185
StG unter dem Titel "besondere Verfahrensbestimmungen" und der Marginalie
"Quellensteuer" aufführt und dementsprechend von einer Geltung dieses Artikels für
das gesamte materielle Quellensteuerrecht (Art. 105 129 StG) auszugehen ist. Zum
andern würde durch die Nichtanwendung von Art. 185 StG bei der nachträglichen
ordentlichen Veranlagung nach wie vor die Frage offen bleiben, auf welche gesetzliche
Grundlage sich ein Direktbezug der Quellensteuer durch die Steuerbehörde stützen
könnte. Auch aus dem Hinweis, dass das DBG keine analoge Bestimmung zu Art. 185
Abs. 2 StG enthält, kann der Beschwerdeführer nichts zu seinen Gunsten ableiten. Das
Fehlen einer entsprechenden Bestimmung im DBG hat vielmehr zur Folge, dass im
Bereich der direkten Bundessteuer die gesetzliche Grundlage für einen Direktbezug
durch die Steuerbehörde selbst dann fraglich ist, wenn die Quellensteuer vom
Steuerschuldner nicht oder nicht vollständig erhoben wurde (Locher, a.a.O., N 16 zu
Art. 88).
2.4. Nach Ansicht des Beschwerdeführers ist selbst dann, wenn grundsätzlich von
einer Anrechnung sämtlicher an der Quelle abgezogener Beträge auszugehen ist, im
vorliegenden Fall auf eine solche Anrechnung zu verzichten, weil sich der
Beschwerdegegner widersprüchlich und gegen Treu und Glauben verhalten habe. Als
Direktor bzw. Geschäftsführer mit Einzelunterschrift, der auch für das Rechnungswesen
zuständig gewesen sei, habe sich der Beschwerdegegner seine Lohnausweise selbst
ausgestellt und wäre auch zur Ablieferung der Quellensteuer verpflichtet gewesen. Weil
der Beschwerdeführer dieser Ablieferungspflicht nicht nachgekommen sei, könne er
nun nicht selbst eine volle Anrechnung der an der Quelle abgezogenen, durch ihn nicht
weitergeleiteten Steuerbeträge fordern.
Als Körperschaft handelt eine Aktiengesellschaft durch ihre Organe. Diese sind Teile
der juristischen Person selbst und nicht bloss deren Bevollmächtigte oder
Stellvertreter. Sie tragen den Willen der juristischen Person nach aussen und
verpflichten die Gesellschaft nicht nur durch ihr rechtsgeschäftliches Handeln, sondern
auch durch deliktisches Verhalten (statt vieler Bauen/Bernet, Schweizer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Aktiengesellschaft, Zürich 2007, S. 137 ff. mit Hinweisen). Handlungen der Organe, die
durch den Zweck der Gesellschaft abgedeckt sind, können damit nicht der handelnden
natürlichen Person, sondern müssen der Körperschaft zugeschrieben werden.
Im vorliegenden Fall agierte der Beschwerdegegner, als er - wie vom
Beschwerdeführer behauptet - die Ablieferung der Quellensteuer unterlassen hatte, in
seiner Funktion als Direktor bzw. Geschäftsleiter und damit im Namen und nach dem
Willen der Körperschaft. Im Rahmen des hier vorliegenden Steuerverfahrens handelt
der Beschwerdegegner jedoch als Privatperson. Aufgrund der fehlenden Identität
zwischen dem Beschwerdeführer als Privatperson und den durch ihn handelnden
juristischen Personen kann dem Beschwerdegegner im Steuerverfahren nicht sein
Verhalten als ehemaliger Geschäftsführer bzw. Direktor entgegengehalten werden.
Dementsprechend ist das Verhalten des Beschwerdegegners als Organ der
konkursiten Gesellschaften nicht dazu geeignet, sein Verhalten im privaten
Steuerveranlagungsverfahren als widersprüchlich oder rechtsmissbräuchlich
erscheinen zu lassen.
Wenn sich nach Auffassung des Beschwerdeführers der Beschwerdegegner als
Geschäftsführer bzw. Direktor der in Konkurs gefallenen Gesellschaften einer
Pflichtverletzung schuldig gemacht und dadurch Steuerausfälle verursacht hat, kann
der entstandene Schaden im Rahmen einer Verantwortlichkeitsklage geltend gemacht
werden. Die Durchsetzung eines entsprechenden Anspruchs hat auf dem Zivilweg zu
erfolgen. Sollte der Beschwerdeführer zudem von einem strafrechtlich relevanten
Sachverhalt ausgehen, steht es ihm offen, eine Strafklage wegen Veruntreuung von
Quellensteuern einzureichen (Art. 273 StG). Eine Verrechnung der anzurechnenden
Quellensteuern mit allfälligen Schadenersatzansprüchen des Beschwerdeführers
gegenüber dem Beschwerdegegner aus einem Verantwortlichkeits- oder
Haftungsprozess fällt vor Abschluss dieser im vorliegenden Fall noch nicht
eingeleiteten Verfahren zum vornherein ausser Betracht.
2.5. Zusammenfassend folgt aus dem eindeutigen Wortlaut von Art. 112 Abs. 1 StG,
dass der gesamte an der Quelle abgezogene Betrag an die nachträglich veranlagte
Steuer anzurechnen ist, selbst wenn der Steuerbetrag vom Arbeitgeber nicht an die
Steuerbehörde abgeliefert wurde. Die Zuweisung des Risikos für einen Ausfall des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Steuerschuldners an die Steuerbehörde ist eine Folge aus der im Quellensteuerrecht
vorgesehenen privativen Zahlungssubstitution. Ein direktes Belangen des
Steuerpflichtigen für die ausstehenden Steuerschulden setzt eine ausdrückliche
gesetzliche Grundlage voraus. Da im StG die Möglichkeit eines Direktbezuges der
Quellensteuer beim Steuerpflichtigen durch die Steuerbehörde nur in Fällen, in denen
noch kein Bezug an der Quelle stattgefunden hat, gesetzlich vorgesehen ist, fällt eine
direkte Inanspruchnahme des Beschwerdegegners durch den Beschwerdeführer im
vorliegenden Fall ausser Betracht. Demnach ist der gesamte an der Quelle erhobene
Steuerbetrag in der Höhe von Fr. 60'837.90 für das Jahr 2001 und von Fr. 9'915.80 für
das Jahr 2002 bei der ordentlich veranlagten Steuer anzurechnen. Zusätzlich zu
berücksichtigen ist der vom Konkursamt Winterthur am 7. November 2002 für den
Lohn vom Februar 2002 bis Mai 2002 an das Steueramt überwiesene
Quellensteuerbetrag. Die Streitsache ist zum neuen Erlass der Steuerrechnungen 2001
und 2002 im Sinne der Erwägungen an das kantonale Steueramt zurückzuweisen.
3. Aus den vorstehenden Erwägungen folgt, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Dem
Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen. Der Beschwerdeführer ist
unterlegen, und die Beschwerdegegner haben sich am Verfahren nicht beteiligt (Art.
98bis und Art. 98ter VRP in Verbindung mit Art. 263 Abs. 3 des Zivilprozessgesetzes,
sGS 961.2).
Demnach hat das Verwaltungsgericht