# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c5421293-f8d7-46e7-b81b-f912b0ecbced
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend versuchte schwere Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, I. Abteilung, vom 22. Oktober 2020 (DG190003)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 13. Februar
2019 (Urk. 31) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte C._ ist schuldig der versuchten schweren Körperver-
letzung im Sinne von Art. 122 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte C._ wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wo-
von bis und mit heute 4 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 11. Februar 2019 be-
schlagnahmten Gegenstände:
− 1 Kinderunterwäsche (A010'939'227) − 1 Bügelbrett (A010'942'366)
werden der Beschuldigten nach telefonischer Voranmeldung (...) und unter
Vorweisen eines Personalausweises innert einer Frist von drei Monaten
nach Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben. Nach
Ablauf dieser Frist werden die Gegenstände der Lagerbehörde zur Vernich-
tung bzw. gutscheinenden Verwendung überlassen.
5. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV vom 11. Februar 2019 be-
schlagnahmte Bügelgerät (A010'939'238) wird nach Eintritt der Rechtskraft
definitiv eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung bzw. gutschei-
nenden Verwendung überlassen.
6. Es wird davon Vormerk genommen, dass die ehemalige amtliche Verteidige-
rin der Beschuldigten, Rechtsanwältin lic. iur. X2._, bereits von der
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Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 20. Februar 2018 mit Fr. 4'366.75
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) entschädigt wurde.
7. Die Entschädigung von Rechtsanwalt lic. iur. X._ für die amtliche Ver-
teidigung der Beschuldigten wird auf Fr. 18'311.75 (inkl. Barauslagen und
Mehrwertsteuer) festgesetzt.
8. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.00 die weiteren Kosten betragen:
Fr. 6'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 814.45 Auslagen (Gutachten)
Fr. 578.40 Auslagen (Gutachten)
Fr. 1'993.00 Auslagen Polizei
Fr. 150.00 Entschädigung Zeuge
Fr. 168.75 Entschädigung Dolmetscher
Fr. 1'624.60 Auslagen (Ergänzungsgutachten IRM)
Fr 9'220.00 Auslagen (Ergänzungsgutachten FOR)
Fr. 18'311.75 amtliche Verteidigung RA lic. iur. X._
Fr. 4'366.75 amtliche Verteidigung RAin lic. iur. X2._
Fr. 47'727.70 Total
Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung dieses Urteils, er-
mässigt sich die Entscheidgebühr um einen Drittel auf Fr. 3'000.–.
9. Die Kosten des Vorverfahrens und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf
die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:
(Urk. 84 S. 1)
1. Der Beschuldigte sei mit 36 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen.
2. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei im Umfang von 18 Monaten zu voll-
ziehen. Im Umfang von 18 Monaten sei die Freiheitsstrafe aufzuschie-
ben und die Probezeit auf zwei Jahre festzusetzen.
3. Im Übrigen sei das Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf vom
22. Oktober 2020 bezüglich des Schuldpunktes, der Nebenfolgen des
Urteils und den Kostenfolgen zu bestätigen.
b) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 85 S. 2)
1. Die Berufung der StA sei vollumfänglich abzuweisen;
2. die Beschuldigte sei in Aufhebung des Urteils des BG Dielsdorf vom
22. Oktober 2021, Prozess-Nr. DG190003, von sämtlichen Vorwürfen
der Anklageschrift vom 13. Februar 2019 vollumfänglich freizuspre-
chen;
3. unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich 7.7% MWSt. zu
Lasten der Staatskasse.
4. Eventualiter: Es sei lediglich von einer einfachen Körperverletzung i.S.
von Art. 123 StGB auszugehen.
5. Subeventualiter: Die Beschuldigte sei milde zu bestrafen unter Gewäh-
rung des bedingten Aufschubs einer allfälligen Freiheitsstrafe.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Prozessuales
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richtes Dielsdorf, I. Abteilung, vom 22. Oktober 2020 haben sowohl die Staatsan-
waltschaft als auch die Beschuldigte rechtzeitig Berufung angemeldet (Urk. 65;
Urk. 66; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Erhalt des begründeten Urteils je am
17. März 2021 (Urk. 69/1; Urk. 69/3) reichten die Staatsanwaltschaft am 26. März
2021 und die amtliche Verteidigung mit Eingabe vom 6. April 2021 fristgerecht die
Berufungserklärungen im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO ein (Urk. 71; Urk. 73).
Die Berufung der Staatsanwaltschaft beschränkt sich auf den Strafpunkt. Bean-
tragt wird die Ausfällung einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten, wobei die Frei-
heitsstrafe im Umfang von 18 Monaten zu vollziehen und im Übrigen aufzuschie-
ben sei, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren (Urk. 71; Urk. 84). Die Be-
schuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil vollumfänglich an und beantragte in ihrer
Berufungserklärung einen Freispruch vom Vorwurf der versuchten schweren Kör-
perverletzung, die Freigabe der beschlagnahmten Gegenstände und Vermö-
genswerte sowie die Zusprechung einer Haftentschädigung in der Höhe von Fr.
800.– und einer Genugtuung von Fr. 1'000.– nebst 5 % Zins seit 8. November
2017 (Urk. 73). Anlässlich der Berufungsverhandlung teilte die Verteidigung mit,
dass auf die Herausgabe des beschlagnahmten Bügelgeräts verzichtet werde
(Prot. II S. 50). Die Beschuldigte beantragt einen vollumfänglichen Freispruch un-
ter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Staates, eventualiter sei von
einer einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 StGB auszugehen und
subeventualiter sei sie milde zu bestrafen unter Gewährung des bedingten Auf-
schubs einer allfälligen Freiheitsstrafe (Urk. 85 S. 2).
2. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Beschuldigte ihren Antrag auf Herausgabe der beschlagnahmten Gegenstän-
de anlässlich der Berufungsverhandlung zurückgezogen hat (vgl. vorstehend,
Erw. I.1.), sind die Urteilsdispositivziffern 4 und 5 (Entscheid über beschlagnahm-
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te Gegenstände) des vorinstanzlichen Urteils in Rechtskraft erwachsen, was vor-
ab mittels Beschluss festzustellen ist.
3. Mit Präsidialverfügung vom 8. April 2021 wurden die Berufungserklärun-
gen je der Gegenpartei zugestellt und Frist für Anschlussberufung oder einen
Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 108). Innert Frist teilte die Vertretung des
Privatklägers dessen Verzicht auf Anschlussberufung mit (Urk. 76). Die Staats-
anwaltschaft und die Beschuldigte liessen sich nicht vernehmen.
4. Am 2. Juni 2021 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung auf den
14. Dezember 2021 vorgeladen (Urk. 78) und am 5. Juli 2021 wurde ihnen eine
Änderung der Gerichtsbesetzung mitgeteilt (Urk. 79). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung vom 14. Dezember 2021 liessen die Parteien die eingangs aufge-
führten Anträge stellen (Prot. II S. 5 f.; Urk. 84 S. 1; Urk. 85 S. 2).
5. Mit Eingabe vom 8. Dezember 2021 liess die Beschuldigte die Beweisan-
träge stellen, es seien die Akten der KESB und Familienbetreuung/-begleitung
beizuziehen und die Verfasser der Berichte sowie die Beiständin des Privatklä-
gers, D._, seien als Zeugen zu befragen (Urk. 80). Mit Präsidialverfügung
vom 9. Dezember 2021 wurde den Parteien mitgeteilt, dass über die gestellten
Beweisanträge im Rahmen der Berufungsverhandlung vom 14. Dezember 2021
entschieden werde (Urk. 82). Anlässlich der Berufungsverhandlung hielt die amtli-
che Verteidigung an den bereits gestellten Beweisanträgen fest (Prot. II S. 35 und
S. 41 f.). Wie zu zeigen sein wird, erübrigt sich die Abnahme weiterer Beweismit-
tel, weshalb den Beweisanträgen keine Folge zu leisten ist (nachfolgend, Erw.
II.5.3. ff.).
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
In der Anklageschrift vom 13. Februar 2019 wird der Beschuldigten vorgeworfen,
sie habe am 6. November 2017 ihrem Sohn A._ (nachfolgend: Privatkläger),
geboren am tt.mm.2016, in der Familienwohnung zweimal nacheinander ein heis-
ses Bügeleisen an dessen linke Wange gehalten und ihm dadurch zwei dreieck-
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förmige Verbrennungen 2. Grades auf der linken Wange zugefügt, wobei sie ge-
wollt bzw. in Kauf genommen habe, dass der Privatkläger bleibende und arg ent-
stellende Brandnarben erleiden könnte (Urk. 31 S. 2).
2. Standpunkt der Beschuldigten
2.1. Unbestritten ist, dass sich die Beschuldigte im anklagegegenständlichen
Zeitpunkt alleine mit dem Privatkläger im Wohn-/Esszimmer befand, während der
Ehemann der Beschuldigten im Schlafzimmer der ehelichen Wohnung schlief.
Ebenfalls anerkannt sind die Art sowie das Ausmass der erlittenen Verletzungen
und dass diese durch das beschlagnahmte Bügeleisen der Familie E._,
A._ & C._ verursacht worden sind (Urk. 7/1 S. 7 f. und S. 10; Urk. 7/3
S. 3 und S. 13). Die Beschuldigte bestreitet allerdings, dass sie den Privatkläger
zweimal mit dem Bügeleisen verbrannt habe und macht geltend, es handle sich
um ein Unfallgeschehen. Der Privatkläger habe am Kabel des Bügeleisens gezo-
gen, sodass dieses heruntergefallen sei. Er habe dann geschrien, und sie habe
gesehen, wie er das Bügeleisen in den Händen gehalten habe. Sie habe ihm das
Bügeleisen dann weggenommen und ihn beruhigt (Urk. 7/1 S. 7 f.; Urk. 7/3 S. 2 f.;
Urk. 37 S. 9 f.). Bei dieser Sachverhaltsdarstellung blieb die Beschuldigte auch
anlässlich der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 17 ff.).
2.2. Mit der Beschuldigten stellt auch die Verteidigung in Abrede, dass die
vom Privatkläger erlittenen Verletzungen durch die Beschuldigte verursacht wur-
den. Vielmehr handle es sich um einen Unfall, indem das Bügeleisen zu Boden
gefallen und der Privatkläger sich dann diese Verletzungen selber zugezogen ha-
be. Es sei möglich, dass der Privatkläger das Bügeleisen gar nicht gehalten habe,
sondern dieses vielmehr fallend auf dem Boden zu stehen gekommen sei mit der
Bügelfläche nach oben und der Privatkläger dann kriechenderweise an die heisse
Fläche gekommen sei (Urk. 41 S. 9 ff.; Urk. 59 S. 7 ff.; Urk. 85 S. 14 ff.).
2.3. Der unbestrittene Sachverhaltsteil deckt sich auch mit dem Untersu-
chungsergebnis und ist somit erstellt. Nachfolgend ist daher zu prüfen, ob die
vom Privatkläger erlittenen Verletzungen durch die Beschuldigte verursacht wur-
den oder infolge eines Unfalls durch unfreiwillige Selbstbeibringung entstanden
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sind, wobei sich die urteilende Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einläss-
lich auseinandersetzen und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen
muss (Urteil des Bundesgerichtes 6B_170/2011 vom 10. November 2011, E. 1.2).
3. Übersicht Beweismittel
3.1. Als Beweismittel liegen die Aussagen der Beschuldigten (Urk. 7/1;
Urk. 7/3; Urk. 7/7-10; Urk. 37 S. 9 ff.; Urk. 57 S. 7 ff.; Prot. II S. 17 ff.) sowie dieje-
nigen ihres Ehemannes vor (Urk. 8/1-2; Urk. 8/5). Weiter sind als Beweismittel ei-
ne Zusammenfassung der Aussagen anlässlich der Elterngespräche durch die
Kindesschutzgruppe (Urk. 3), die Strafanzeige des Kinderspitals Zürich sowie
dessen ärztlicher Befund (Urk. 11/3; Urk. 11/14), das Gutachten zur körperlichen
Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin Zürich (nachfolgend: IRM;
Urk. 13/1), die Ergänzungsgutachten des IRM Zürich (Urk. 13/5; Urk. 52) und der
Kurzbericht Spurensicherung an Bügeleisen sowie das Gutachten des Forensi-
schen Instituts Zürich (nachfolgend: FOR; Urk. 14/1; Urk. 56) heranzuziehen.
3.2. Da der Ehemann der Beschuldigten nur beschränkt sachdienliche Aussa-
gen zum anklagegegenständlichen Vorfall machen konnte, sind seine Aussagen
nachfolgend nur kurz zu würdigen.
4. Beweismittel im Einzelnen
4.1. Strafanzeige und ärztlicher Befund des Kinderspitals Zürich
4.1.1. Mit Schreiben vom 8. November 2017 erstattete das Kinderspital Zürich
Strafanzeige gegen unbekannt. Aus diesem Schreiben geht hervor, dass der Pri-
vatkläger am Abend des 7. November 2017 von seinen Eltern in den Notfall ge-
bracht worden sei. Beim Verletzungsmuster des Privatklägers werde mit grösster
Wahrscheinlichkeit von einer zweimaligen Verletzung ausgegangen, welche auch
zweizeitig stattgefunden haben könnte. Die Schilderungen zum Unfallgeschehen
erschienen unklar und teilweise widersprüchlich. Auch spätere Schilderungen ge-
genüber den Mitgliedern der Kinderschutzgruppe würden keine schlüssigen Erklä-
rungen zu der Verletzung ergeben. Das Verletzungsmuster und der durch die
Kindseltern angegebene Unfallhergang sei für die Kinderschutzgruppe und das
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Behandlungsteam nicht konklusiv, weswegen Strafanzeige erstattet werde
(Urk. 11/14).
4.1.2. Aus dem ärztlichen Befund geht hervor, dass sich der Privatkläger eine
oberflächliche Verbrennung im Bereich der linken Wange (Grad IIa) zugezogen
habe. Die Grösse entspreche ca. 1 % der Körperoberfläche. Die Verletzungen
seien oberflächlich, vor allem im Bereich der Wange mit nur geringer Beteiligung
des Lippenrots. Im Bereich der Wange liessen sich zwei annähernd dreieckförmi-
ge Verbrennungen erkennen, welche in ihrer Form der eines Bügeleisens ent-
sprechen würden. Der erste Abdruck verlaufe diagonal über die Wange mit der
Bügeleisenspitze zum Nasenflügel zeigend und in Richtung des Kinns breiter aus-
laufend. Der zweite Abdruck zeige sich dazu im 90° Winkel verdreht, sodass die
Spitze des Bügeleisens in Richtung Schläfe gerichtet gewesen sei. Die Verbren-
nung reiche über den Oberrand des zuerst erwähnten Abdrucks hinaus und sei
von diesem deutlich abgrenzbar. Es zeige sich zudem eine Verbrennung des Lip-
penrots im Bereich der Unterlippe, welche in einer Linie mit dem zweiten Ver-
brennungsabdruck des Bügeleisens liege. Aufgrund dieser identischen, jedoch zu
einander versetzten Abdrücke müsse ein zweimaliger Kontakt mit dem Bügelei-
sen vorgelegen haben, und es sei daher von einem zweizeitigen Geschehen aus-
zugehen. Nach Aussagen der Eltern habe der Privatkläger das kühle, nicht be-
nutzte Bügeleisen vom Bügelbrett am Kabel heruntergezogen, eingeschaltet und
sich dabei die zu sehenden Verbrennungen zugezogen. Um sich ein derartiges
Verbrennungsmuster zuzuziehen, hätte der Privatkläger das Bügeleisen anheben
und zwei Mal an sein Gesicht halten müssen. Eine Selbstbeibringung der Verlet-
zungen sei im Hinblick auf die Zweizeitigkeit der Verbrennung, aufgrund der Kraft
des Privatklägers und dessen motorischen Fähigkeiten im Rahmen seines Alters
auszuschliessen (Urk. 11/3 S. 1 f.).
4.2. Gutachten zur körperlichen Untersuchung des IRM Zürich
4.2.1. Dem Gutachten lässt sich entnehmen, dass der Privatkläger an der linken
Gesichtsseite unterhalb des Auges, von der Nase bis zum Kieferwinkel reichend,
eine bis zu ca. 7 cm lange und etwa 4 cm breite Hautläsion mit rotem Wundgrund
und einzelnen, etwas ausgespart wirkenden Zonen aufweise. An der augennahen
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Partie sei die Läsion relativ scharf begrenzt, kinnwärts laufe die Verletzung un-
scharf begrenzt aus. Es würden sich bräunlich-weissliche Verkrustungen, insbe-
sondere in den kinnwärts liegenden Partien zeigen. Die Hautläsion lasse zwei an-
gedeutete dreiecksförmige Strukturen erkennen, die eine mit ausgeprägt rotem
Wundgrund, tiefere Gewebeschichten betreffend und in Richtung Nase zeigend,
die andere mit blass rosa-bräunlichem Wundgrund, eher oberflächliche Gewebe-
schichten betreffend und in Richtung des linken äusseren Augenwinkels weisend.
In gedachter Fortsetzung einer Geraden der letztgenannten Verletzung zeige sich
zwischen dem linken Nasenloch und der Oberlippe eine rosafarbene, oberflächli-
che und ca. 1.5 cm lange Hautläsion. An der linksseitigen Unterlippe sei eine bis
zu ca. 1 cm lange und etwa 0.5 cm breite, dunkelrötliche, streifenförmige Hautlä-
sion zu erkennen. An der hohen Stirn linksseitig zeige sich eine bis zu ca. 2 cm
durchmessende und zart bläulich durch die Haut schimmernde Hautunterblutung.
Am Hautmantel des Halses, Rumpfes, Windelbereiches und der Extremitäten sei-
en keine Verletzungen erkennbar. Die Untersuchung des knapp 13 Monate alten
Privatklägers habe ca. 48 Stunden nach der angeblichen Verletzungsentstehung
stattgefunden (Urk. 13/1 S. 3).
4.2.2. Im Gutachten wird weiter festgehalten, dass die Verletzung der linken
Wange auf eine umschriebene Hitzeeinwirkung zurückgeführt werden könne. Die
klinischen Angaben, dass es sich hierbei um Verletzungen zweiten Grades (Bla-
senbildung, tiefere Hautschichten können betroffen sein, möglicherweise Abhei-
lung unter Narbenbildung) handle, könne aus rechtsmedizinischer Sicht bestätigt
werden. Ein heisser Gegenstand, wie ein Bügeleisen, sei geeignet, die beschrie-
benen Verletzungen der linken Wange hervorgerufen zu haben. Hinsichtlich des
Entstehungsmechanismus sei aufgrund der Wundform sowie der unterschiedli-
chen Tiefe der Wundteile nicht davon auszugehen, dass die oberflächlichen und
tiefen Wundanteile in einem einzigen Bewegungsablauf entstanden seien. Viel-
mehr liege aus rechtsmedizinischer Sicht die Vermutung nahe, dass es zu einem
zweifachen Kontakt der Wange mit einem heissen Gegenstand gekommen sein
müsse. Eine Verletzungsentstehung im angenommenen Ereigniszeitraum etwa
48 Stunden vor Untersuchung sei plausibel möglich. Die von den Eltern vorgetra-
genen Entstehungsmechanismen seien aus rechtsmedizinischer Sicht nicht ge-
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eignet, die bestehenden Verletzungen an der linken Wange zu erklären. Das Hä-
matom im Bereich der hohen Stirn zeuge von stumpfer Gewalteinwirkung gegen
diesen Bereich. Das Anschlagen des Kopfes an einen Gegenstand (auch Wand
oder Boden) sei geeignet, diese Verletzungen hervorgerufen zu haben. Das Hä-
matom befinde sich an einer Sturz-exponierten Stelle. In der Gesamtschau der
Befunde sei aus rechtsmedizinischer Sicht der Verdacht auf das Vorliegen einer
Kindesmisshandlung durch zweimaliges Aufdrücken eines heissen Gegenstandes
auf die linke Wange gegeben (Urk. 13/1 S. 4).
4.3. Ergänzungsgutachten des IRM Zürich
4.3.1. Im Ergänzungsgutachten des IRM Zürich vom 30. Mai 2018 wird erneut
festgehalten, dass die Verletzungen an der linken Wange des Privatklägers Folge
eines zweimaligen Kontaktes mit einem heissen Gegenstand seien. Das Verlet-
zungsmuster spreche gegen eine Entstehung im Rahmen eines Unfallgesche-
hens, wie es durch die Beschuldigte dargestellt werde. Weder die Lokalisation der
Verletzung des Privatklägers an sich, noch das Fehlen morphologischer Zeichen
stumpfer Gewalteinwirkung in diesem Bereich lasse sich durch die Angabe erklä-
ren, dass der Privatkläger von einem herunterfallenden Bügeleisen getroffen wor-
den sei. Ferner sei aus rechtsmedizinischer Sicht nicht plausibel nachvollziehbar,
dass der Privatkläger das Bügeleisen in der von der Beschuldigten demonstrier-
ten Position gehalten haben soll. In Übereinstimmung mit den ärztlichen Kollegen
des Kinderspitals werde darauf hingewiesen, dass der Privatkläger weder die
Kraft noch die motorischen Fähigkeiten aufweise, welche theoretisch notwendig
wären, um das Bügeleisen (wie von der Beschuldigten demonstriert) zu halten.
Die Verletzung des Privatklägers spreche in keinster Weise für eine Selbstbei-
bringung. Auch weise dieser weder die Kraft noch die motorischen Fähigkeiten
auf, um sich das Bügeleisen selbst – im Sinne einer Selbstbeibringung – an die
Wange heranzuführen und in zwei verschiedenen Ausrichtungen auf die Wange
aufzudrücken. Die Annahme eines derartigen Handlungsablaufs sei aus rechts-
medizinischer Sicht in keinster Weise plausibel. Weder die Kindsmutter noch der
Kindsvater hätten anhand der vorliegenden Einvernahmen den Entstehungsme-
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chanismus der Verbrennung an der linken Wange schlüssig erklären können
(Urk. 13/5 S. 5 f.).
4.3.2. Aus dem zweiten Ergänzungsgutachten vom 4. Juni 2020 geht hervor,
dass eine der Berührungen an der linken Wange der Bügeleisensohle eindeutig
geometrisch habe zugeordnet werden können, da sich ein Teil der Dampfauslass-
Rauten abgezeichnet habe, welcher nur an einer einzigen, klar definierten Stelle
der Sohle vorhanden sei. Die zweite Verletzung, welche näher zum Auge sei, zei-
ge sich nur in kleiner Form (eine teilweise Überlagerung mit der grösseren Verlet-
zung sei möglich). Dabei würden beinahe beliebige Orte der Bügeleisensohle als
verursachende Geometrie in Frage kommen, weil die Wange gewölbt und elas-
tisch sei. Das Verletzungsmuster der Verbrennungen an der linken Gesichtshälfte
spreche gegen eine Selbstbeibringung. Die kindliche Haut sei im Vergleich zur
Haut eines Erwachsenen deutlich dünner und damit gegenüber einer Hitzeeinwir-
kung wesentlich empfindlicher. Kontaktverbrennungen würden durch das Auf-
pressen heisser Gegenstände entstehen, die zu spezifischen, oft geometrisch
konfigurierten und scharf demarkierten Verbrennungsmustern führen würden,
welche den verursachenden Gegenstand abbilden würden. Bei akzidentellen Ver-
brennungen seien zumeist die tastenden Finger oder Handinnenflächen betroffen,
gelegentlich weitere Körperpartien, dann aber mit inhomogenen, verwischten,
streifigen Mustern. Auch wenn davon ausgegangen werde, dass das Bügeleisen
auf dem Boden gelegen sei oder gestanden habe, hätte sich der Privatkläger
zweimal der heissen Fläche des Bügeleisens nähern und zu dieser, um den ge-
formten Abdruck des Bügeleisens zu erzeugen, zumindest kurze Zeit Kontakt ha-
ben müssen, was schmerzbedingt – vor allem bei einem 13 Monate alten Kind –
nicht anzunehmen sei. Aus rechtsmedizinischer Sicht sei eine Selbstbeibringung
durch ein auf dem Boden liegendes oder stehendes Bügeleisen somit nicht vor-
stellbar. Aufgrund des zweizeitigen Verletzungsmusters sowie der Tatsache, dass
ein 13 Monate altes Kind schmerzbedingt nicht innerhalb kurzer Zeit zweimal
Kontakt zu einer heissen Oberfläche haben würde, sei aus rechtsmedizinischer
Sicht ein Unfallereignis ohne Dritteinwirkung mit überwiegender Wahrscheinlich-
keit ausgeschlossen. Das Untersuchungsergebnis spreche stark gegen ein Un-
fallereignis ohne Dritteinwirkung. Dies berücksichtige auch den Umstand, dass die
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stehende Position des Bügeleisens nach dem Herunterfallen vom Bügelbrett als
sehr unwahrscheinlich erachtet werde. Wenn noch weitere Aspekte hinzukommen
würden, wie die Unwahrscheinlichkeit einer zweiten Verletzung und das Fehlen
von entsprechenden Spuren sowie Beschädigungen am Bügeleisen und Boden
sowie das Fehlen von Lärm des Aufpralls auf dem Boden, würden die Ergebnisse
sehr stark gegen ein Unfallereignis sprechen (Urk. 52 S. 5 f.).
4.4. Kurzbericht Spurensicherung an Bügeleisen des FOR Zürich
Diesem Kurzbericht lässt sich entnehmen, dass das Bügeleisen der Familie
E._, A._ & C._ ca. 1'130 g (inkl. Kabel und Restflüssigkeit) wiegt,
das Temperaturwählrad auf Stellung "MAX" stand und über keine automatische
Abschaltung bei längerem Nichtgebrauch verfügt. Weiter wird festgehalten, dass
am Bügeleisen visuell keine Defekte oder Verformungen am Gehäuse und der
Bügelsohle festgestellt werden konnten und die Kanten und Ecken des Bügelei-
sens alle verrundet seien. Das Bügeleisen weise keine scharfen Kanten und
Ecken auf. Das Bügeleisen sei intern vom Team Elektrotechnik auf dessen Funk-
tion geprüft worden, wobei keine Fehlfunktionen festgestellt worden seien. Im
Parkettboden liess sich zudem eine Eindruckspur, ca. 1.2 mm tief, scharfkantig
(Asservat-Nr. A010'943'381) feststellen (Urk. 14/1 S. 3 ff.).
4.5. Gutachten des FOR Zürich
4.5.1. Für die Erstellung dieses Gutachtens wurden sowohl Temperaturmes-
sungen als auch mechanische Versuche mit anschliessenden 3D-
Rekonstruktionen durchgeführt (Urk. 56).
4.5.2. Anlässlich der Temperaturmessungen konnten die Sachverständigen
feststellen, dass beim Einschalten des Temperaturdrehschalters auf "MAX" die
Sohle bei stehendem Bügeleisen und dem Wasserstand wie beim Vorfall eine
Temperatur von ca. 167 °C bis 204 °C erreicht. Das Aufheizen benötige etwa 5
Sekunden, das Abkühlen ja nach Situation zwischen 53 und 208 Sekunden, typi-
scherweise stehend eher am oberen Ende, also um gute 3 Minuten bis zum
nächsten Einschalten. Nach komplettem Abschalten kühle sich die Sohle in einer
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exponentiell fallenden Kurve im Verlauf der Zeit ab, sodass nach 24 Minuten 63
°C vorhanden gewesen seien und nach 75 Minuten noch 28.5 °C. Rund um den
Temperaturdrehschalter werde der Kunststoff um 50 °C bis 70 °C heiss, zur Spit-
ze hin bis über 100 °C (Urk. 56 S. 6 f.).
4.5.3. Bei den mechanischen Versuchen konnten folgende Erkenntnisse ge-
wonnen werden: Das Bügeleisen wurde auf den Bügelbretttisch gestellt gegen die
Kante hin und mit dem Kabel senkrecht nach unten gezogen. Stehe das Bügelei-
sen vollständig auf dem Bügelbretttisch, werde mindestens eine Kraft von ca.
3.5 kg (+/- 0.5 kg) am Kabel benötigt, um es herunterfallen zu lassen, wobei es
dann mit Schwung, ca. 1⁄2 Meter von der Kante weg, auf dem Boden aufschlage.
Das Vergleichs-Bügeleisen sei bei den Versuchen – in Ausgangsposition stehend
gegen den Rand des Bügelbretttisches – stets mit dem Handgriff voran herunter-
gefallen. Je nach Schwung beim Herunterziehen und je nach seitlicher Verdre-
hung der Ursprungsposition stehend auf dem Brett, habe sich das Bügeleisen
kopfüber soweit gedreht, dass es mit der Spitze der Sohle oder dem Vorderteil
der Sohlenkante am Boden aufgeschlagen sei. Das Bügeleisen erreiche am Bo-
den eine Energie von ca. 21 J und eine Geschwindigkeit von ca. 23 km/h. Nach
dem ersten Aufschlag seien weitere dynamische Bewegungen und Drehungen bis
zur Erreichung der Endposition zu beobachten. Die Endposition sei entweder lie-
gend mit der Sohle nach unten oder liegend seitlich am Boden beobachtet wor-
den, wobei die Sohlenfläche gegenüber dem Boden einen Winkel von ca. 97 °C
gebildet habe. Bei 100 durchgeführten Versuchen sei in 48 Fällen die Endposition
liegend flach und in 52 Fällen liegend seitlich erreicht worden. Eine stehende
Endposition sei bei 100 durchgeführten Versuchen nie erreicht worden, auch nicht
annähernd. Weitere Positionen, bei welcher die Sohlenfläche nach oben zeige,
seien ausgeschlossen. Der Grund dafür liege in der Montage des Anschlusska-
bels beim Griff, welches eine solche Position am Boden verhindere (Urk. 56 S. 9
ff.).
4.5.4. Weiter wird im Gutachten festgehalten, dass auf Versuche, das Bügelei-
sen auf den harten Boden fallen zu lassen, verzichtet worden sei, da vermutet
werde, dass sowohl das Bügeleisen als auch der Boden dabei mechanisch und
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der Boden allenfalls auch thermisch beschädigt würden. Auch werde angenom-
men, dass dabei ein erheblicher Lärm entstehe. Im vorliegenden Fall seien weder
Beschädigungen vorhanden gewesen noch ein wahrgenommener Lärm in den
Einvernahmen erwähnt worden. Die abgeformte Delle vom Boden (Asservat Nr.
A010'943'381) sei mit der Geometrie der Ecken und Kanten des Bügeleisens ver-
glichen worden. Dabei hätten keine Ähnlichkeiten mit irgendeiner Ecke des Bü-
geleisens erkannt werden können. Die Delle im Boden sei wesentlich spitzer als
jede Ecke am Bügeleisen. Die Delle müsse deshalb von einem anderen Ereignis
respektive könne nicht vom Bügeleisen stammen (Urk. 56 S. 12).
4.5.5. Gestützt auf die 3D-Rekonstruktion kommen die Sachverständigen zu fol-
genden Schlüssen:
4.5.5.1. Die grösser erscheinende Verletzung an der Wange habe aufgrund der
Einzigartigkeit der Geometrie der Dampfauslass-Rauten eindeutig zugeordnet
werden können. Nur an einer einzigen Stelle der Sohle sei eine solche Geomet-
riezeichnung der Raute vorhanden und somit für die Verletzung möglich. Die klei-
nere Verletzung sei nur am Rande der grösseren ersichtlich. Sie sei mit der obig
positionierten Bügeleisensohle nicht kompatibel und müsse deshalb anlässlich ei-
ner weiteren Berührung entstanden sein. Diese zweite Verbrennungszeichnung
habe nicht eindeutig einer bestimmten Partie der Bügeleisensohle zugeordnet
werden können. Es würden sich darin keine klaren Formen oder Abgrenzungen
finden lassen, sodass eine beinahe beliebige Position der Bügeleisensohle (oder
ein anderer ähnlich heisser Gegenstand) dazu passen könnte (Urk. 56 S. 15).
4.5.5.2. Bei der Position liegend mit Bügeleisensohle flächig auf dem Boden (mit
Wahrscheinlichkeit ca. 50 %) sei eine Berührung der Bügeleisensohle mit der
Wange unmöglich, da die Bügeleisensohle vollständig mit dem Boden in Kontakt
sei (Urk. 56 S. 15 f.).
4.5.5.3. Bei der Position liegend mit Bügeleisensohle seitlich am Boden (mit
Wahrscheinlichkeit ca. 50 %) sei eine Berührung der Bügeleisensohle – mit der
Position der Bügeleisensohle kompatibel und fix zu den Verbrennungsmarken –
ebenfalls praktisch unmöglich. Dazu wären Körperverrenkungen nötig, die nicht
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als plausibel erachtet würden. Die beste Möglichkeit, welche mit der 3D-
Rekonstruktion habe erreicht werden können, sei eine Position gewesen, bei wel-
cher die Arme im Boden versinken müssten, was nicht gehe, und der Kopf extrem
stark nach hinten knicken müsste. Andere denkbare Positionen – immer der Kopf
mit der Verletzung passend zum seitlich am Boden liegenden Bügeleisen – wür-
den entweder ein extremes Abknicken/Abdrehen des Kopfes bedingen oder seien
nicht möglich, weil der Kopf im Boden versinken müsste (Urk. 56 S. 15 f.).
4.5.5.4. Bei der Position stehend (mit Wahrscheinlichkeit ca. 0 %) sei eine Ver-
brennung mit der Wange an der entsprechenden Stelle für die frisch erscheinende
Verletzung möglich. Auch eine sitzende Position wäre denkbar, jedoch resultiere
dann zusätzlich ein Kontakt der Schulter mit der heissen Bügeleisensohle. Die
Eintretenswahrscheinlichkeit der stehenden Endposition des Bügeleisens sei je-
doch sehr klein, vorausgesetzt, das Bügeleisen sei heruntergefallen. Sie sei so
klein, dass sie mit dem Versuchsaufbau nicht habe gemessen werden können
(Urk. 56 S. 17).
4.5.5.5. Eine zufällige Berührung im Sinne einer Eigenhandlung sei relativ un-
wahrscheinlich. Ein zweimaliges Berühren im Sinne eines doppelten Ereignisses
sei sicherlich noch unwahrscheinlicher. Die Ergebnisse würden sehr stark für die
Variante "Hinhalten des Bügeleisens im Sinne einer Fremdhandlung" im Vergleich
zur Variante "Berührung nach dem Herunterfallen im Sinne einer Eigenhandlung"
sprechen (Urk. 56 S. 21). Die Formulierung "sehr stark" bedeute, dass die Ergeb-
nisse sehr stark für eine Hypothese im Vergleich zur jeweiligen Alternative spre-
chen würden. Diese Stufe wiederspiegle eine sehr hohe Sicherheit bzw. eine sehr
geringe Ungewissheit in der Aussage der Bewertenden. Die Befunde seien mit
der Hypothese vereinbar und gleichzeitig unter der Alternativhypothese kaum
plausibel erklärbar. Der Beweiswert sei sehr stark (Urk. 56 Beilage 2).
4.6. Zusammenfassung Aussagen Elterngespräche der Kindesschutzgruppe
4.6.1. Die Kindesschutzgruppe fasste die Aussagen der Beschuldigten anläss-
lich des Erstgesprächs vom 7. November 2017 zum Ablauf des anklagegegen-
ständlichen Vorfalls wie folgt zusammen: Der Privatkläger habe unbeobachtet das
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Bügeleisen am Kabel vom Bügeltisch gezogen, während die Kindsmutter einen
Brief geöffnet habe. Das Bügeleisen sei eingesteckt gewesen, jedoch nicht einge-
schaltet und nicht heiss gewesen. An diesem Tag hätten sie nicht gebügelt. Der
Privatkläger habe das Bügeleisen aus Versehen einschalten müssen. Dabei habe
er sich die linke Wange verbrannt. Die Kindsmutter habe den Unfallhergang nicht
beobachtet; ihre Angaben seien Annahmen (Urk. 3 S. 1).
4.6.2. Anlässlich des Zweitgesprächs fasste die Kindesschutzgruppe die Aussa-
gen wie folgt zusammen: Das Bügeleisen sei am 5. November 2017 letztmalig
vom Kindsvater verwendet worden. Dieser sei darauf angesprochen worden, ob
er gebügelt habe, was dieser mit nein beantwortet habe. Die Kindsmutter habe
den Kindsvater dann erinnert, dass er vor zwei Tagen gebügelt und das Bügelei-
sen nicht weggeräumt habe. Daraufhin habe der Kindsvater dies bejaht. Die
Kindsmutter habe das Bügeleisen nach dem Vorfall sofort angefasst; dies sei
nicht wirklich heiss gewesen. Sie habe es noch gut anfassen können. Es sei le-
diglich etwas erwärmt gewesen (Urk. 3 S. 1 f.).
4.7. Aussagen der Beschuldigten
4.7.1. Polizeiliche Einvernahme vom 8. November 2017
4.7.1.1. Die Beschuldigte führte aus, sie habe ihr Kind sicher nicht verletzt. Es sei
unnötig, es sei keine Körperverletzung. Sie habe diese Verletzungen nicht ge-
macht. Sie müsse besser aufpassen und dass das Bügeleisen in Zukunft nicht
mehr angesteckt sei (Urk. 7/1 S. 1 ff.) Auf die Frage, wie es zur Verletzung des
Privatklägers gekommen sei, gab die Beschuldigte zu Protokoll, sie sei mit ihrem
Sohn A._ nach Hause gekommen, ihr Mann sei noch am Schlafen gewesen.
Auf dem Weg zur Wohnung habe sie die Post geöffnet. A._ sei in diesem
Moment frei in der Wohnung herumgerannt. Er sei dann zum Bügeleisen gegan-
gen, welches eingesteckt gewesen sei, habe das Kabel genommen und sich so
verletzt. Dies habe nicht einmal eine Minute gedauert. Ihr Mann habe am Sonn-
tagabend gebügelt und es eingesteckt gelassen. A._ habe dann geschrien,
und sie sei sofort zu ihm hingegangen. Er habe das Bügeleisen in seinen Händen
- 19 -
gehabt. Sie habe es ihm weggenommen und ihn beruhigt. Ihr Mann sei während-
dessen am Schlafen gewesen (Urk. 7/1 S. 7, Antw. auf Frage 62).
4.7.1.2. Auf die weitere Frage, wie es dem Privatkläger gelungen sein soll, das
Bügeleisen vom Bügelbrett zu nehmen, gab die Beschuldigte zu Protokoll, er ha-
be am Kabel gerissen (Urk. 7/1 S. 7 f., Antw. auf Frage 69) und auf die Frage, ob
sie dies selbst gesehen habe, sagte sie aus, nein, erst als er geschrien habe, sie
sei am Brief öffnen gewesen (Urk. 7/1 S. 8, Antw. auf Frage 70).
4.7.1.3. Weiter führte die Beschuldigte aus, A._ sei dorthin gerannt und habe
am Kabel gezogen. Das sei so schnell gegangen. Sie habe ihn schreien gehört
und sei dann gleich zu ihm hingegangen (Urk. 7/1 S. 8). Auf die Frage, was mit
dem Bügeleisen gewesen sei, als sie zu ihm hingegangen sei, sagte sie aus, er
habe es irgendwie in der Hand gehabt, und sie habe es ihm sogleich weggenom-
men. Sie habe nicht gewusst, dass es am Strom eingesteckt gewesen sei. Sie
habe nur einen Brief geöffnet und schon sei es passiert (Urk. 7/1 S. 8, Antw. auf
Frage 75).
4.7.1.4. Auf die Frage, in welcher Hand A._ das Bügeleisen gehalten habe,
gab die Beschuldigte zu Protokoll, ein Kind könne ein Bügeleisen nicht in einer
Hand halten, sie glaube, das habe er mit beiden Händen gemacht, sie wisse es
nicht genau (Urk. 7/1 S. 9, Antw. auf Frage 84), und auf die Frage, ob sie das Bü-
geleisen gefühlt habe in diesem Moment, sagte sie aus: "Nur kurz. Es war nicht
mega mega heiss. Anfangs sah man gar nichts bei A._, dann wurde es im-
mer röter auf seiner Wange. Ich weiss wirklich nicht, wie das passieren konnte."
(Urk. 7/1 S. 9, Antw. auf Frage 85). Auf die weitere Frage, ob A._ das Bügel-
eisen selbst eingeschaltet haben könnte, führte sie aus, nein, das schaffe er nicht
(Urk. 7/1 S. 9, Antw. auf Frage 86), und auf die Frage, wie sie sich erklären kön-
ne, dass die Verletzungen so aussehen würden, als seien zwei Bügeleisenabdrü-
cke auf seiner Wange zu sehen, gab sie zu Protokoll: "Vielleicht beim Herunterfal-
len. Ich weiss es doch nicht. Ich weiss es echt nicht. Haben Sie das Gefühl, dass
das Bügeleisen flach auf sein Gesicht fällt? Ich kann es mir selbst nicht vorstellen,
wie das runtergefallen ist, wirklich nicht. Sehen Sie doch das erste Bild, darauf
sieht man ein grosser roter Fleck, nicht wie zwei Abdrücke. Ich sah im ersten
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Moment keinen Bügeleisenabdruck. Sie stellen mich echt so dumm dar, ohne
Witz!" (Urk. 7/1 S. 9, Antw. auf Frage 87).
4.7.2. Hafteinvernahme vom 10. November 2017
4.7.2.1. Anlässlich ihrer Hafteinvernahme sagte die Beschuldigte erneut aus, dass
sie A._ nicht verbrannt habe. Es sei anders passiert. Ihr Mann habe den Bü-
geltisch mit dem Bügeleisen darauf stehen gelassen und das eingesteckt in der
Steckdose. Sie sei dann mit A._ am Montag nach Hause gekommen. Sie
habe kurz einen Brief geöffnet. Dann habe ihr Baby geschrien. Sie habe ge-
schaut, wo er sei. Sie habe ihm das Bügeleisen aus der Hand genommen und auf
den Esstisch gelegt (Urk. 7/3 S. 2). Weiter führte sie aus, während der Zeit als sie
den Brief geöffnet habe, sei A._ zum Bügeleisen gerannt und habe dieses
am Kabel heruntergezogen. Sie sei dann erschrocken und habe ihn sofort in den
Arm genommen. Auf die Fragen, wie der Privatkläger sich verbrannt habe und wie
sich ein einjähriges Kind solche Verletzungen zugefügt haben soll, sagte sie aus,
sie wisse es auch nicht. Sie habe es nicht gesehen. Sie habe einfach reagiert,
das Bügeleisen auf den Tisch getan und zu sich genommen. Eigentlich stehe das
Bügeleisen nie dort. Es sei einfach zu schnell passiert. Das Bügeleisen sei auf
dem Bügeltisch gestanden. Ihr Sohn habe sehr Freude an Kabeln. Er sei interes-
siert daran und wolle es immer anfassen. Sie habe nicht gewusst, dass das Bü-
geleisen an gewesen sei, das heisse eingesteckt gewesen sei. Sie seien gerade
erst nach Hause gekommen, und dann habe er sich verbrannt (Urk. 7/3 S. 3,
Antw. auf Fragen 11 f.). Ferner führte die Beschuldigte aus, sie habe das Bügelei-
sen genommen und es auf den Esstisch gelegt, das Kabel ausgesteckt und
A._ beruhigt (Urk. 7/3 S. 5).
4.7.2.2. Diverse Fragen, wie der Privatkläger das Bügeleisen in der Hand gehal-
ten haben soll, beantwortete sie folgendermassen: "Er hatte das Bügeleisen in
der Hand und ich habe es ihm sofort weggenommen.", "So in der Hand. Er sass
am Boden, ich kann mich nicht so genau erinnern.", "In beiden Händen.", "Nicht
dort wo es brennt. So, dort wo es nicht brennt." (Urk. 7/3 S. 5, Antw. auf Fragen
31 ff.). Auf die Frage, ob der Privatkläger es am Griff gehalten habe, gab sie zu
Protokoll, nein, so habe er es nicht gehalten, und auf die weitere Frage, ob er das
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Bügeleisen zwischen den Händen gehabt habe, sagte sie aus: "Ja, so irgendwie.
Ich war in diesem Moment so unter Schock. Ich habe in diesem Moment nicht ge-
schaut wie er das Bügeleisen in den Händen hielt. Ich hatte keine Zeit zum
schauen. Ich habe sofort reagiert." (Urk. 7/3 S. 5, Antw. auf Fragen 35 f.). Auf die
Frage, wie der Privatkläger am Boden gesessen sei, zeigte die Beschuldigte dies
vor und kauerte sich auf den Boden nieder (Urk. 7/3 S. 5), und auf die weitere
Frage, wo das Bügeleisen genau gewesen sei, zeigte die Beschuldigte die Situa-
tion, indem sie auf den Boden kauerte und das Bügeleisen auf Kniehöhe in der
Luft hielt. Dazu führte sie aus, in dieser Position sei er am Schreien gewesen
(Urk. 7/3 S. 6).
4.7.2.3. Zum weiteren Vorgehen führte die Beschuldigte aus, sie habe ihm das
Bügeleisen aus der Hand genommen, dieses auf den Esstisch gelegt und ausge-
steckt. Sie habe es nicht abgestellt. Sie habe einfach das Kabel herausgezogen,
das sei auch abstellen. Auf Vorhalt es sei immer noch nicht klar, wie es zu den
Verbrennungen gekommen sei, gab sie sodann zu Protokoll, sie wisse es nicht,
sie habe es wirklich nicht gesehen (Urk. 7/3 S. 6). Auf die weitere Frage, von wo
der Privatkläger das Bügeleisen heruntergezogen habe, sagte die Beschuldigte
aus, vom Bügeltisch (Urk. 7/3 S. 10, Antw. auf Frage 85). Weiter führte sie aus, er
könne das. Er sei dorthin gerannt und habe es heruntergezogen. Er habe am Ka-
bel vom Bügeleisen gezogen. Anders könne es nicht passieren. Er hätte auch den
Bügeltisch verschieben können, wodurch das Bügeleisen heruntergefallen wäre.
Aber sie glaube, so sei es nicht gewesen, weil der Bügeltisch danach gestanden
sei (Urk. 7/3 S. 10 f.). Auf die weiteren Fragen, ob sie ein Geräusch vernommen
habe, als das Bügeleisen heruntergefallen sei, gab sie zu Protokoll, nein nicht
wirklich, sie sei konzentriert gewesen, und auf die Frage, ob sie denke, dass das
Herunterfallen des Bügeleisens ein Geräusch mache, sagte sie aus, ja, eigentlich
schon. Es könne auch sein, dass das Bügeleisen direkt auf sein Gesicht gefallen
sei. Sie könne sich selber nicht vorstellen, wie das passiert sei (Urk. 7/3 S. 11,
Antw. auf Fragen 90 und 92). Auf die Frage, warum sie denke, dass sie kein Ge-
räusch gehört habe, führte sie zudem aus, als sie ihn genommen habe, habe er
das Bügeleisen in der Hand gehabt (Urk. 7/3 S. 11, Antw. auf Frage 93).
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4.7.3. Staatsanwaltschaftliche Einvernahmen
Anlässlich der weiteren Einvernahmen vom 13. September 2018, 18. Oktober
2018, 21. November 2018 und 15. Januar 2019 hatte die Beschuldigte keine we-
sentlichen Ergänzungen oder Korrekturen zum Ablauf des anklagegegenständli-
chen Vorfalls anzubringen (Urk. 7/7-10).
4.7.4. Befragung vor Vorinstanz
4.7.4.1. Anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung vom 11. September
2019 führte die Beschuldigte wiederum aus, dass sich der Privatkläger in dem
Moment verbrannt habe, als sie einen Brief gelesen habe. Sie habe dann natür-
lich gleich reagiert und den Kinderarzt angerufen. Dieser habe sie gefragt, wie die
Verbrennung genau aussehe. Sie habe ihm gesagt, es sei ganz wenig rötlich. Es
sei nicht sehr rot gewesen. Es habe nicht so schlimm ausgesehen wie auf den
Bildern, welche existieren würden. Dann habe er ihr gesagt, sie solle die Verbren-
nung fotografieren und ihm schicken. Wer dieses Mail gelesen habe und wer am
Telefon gewesen sei, könne sie auch heute nicht beantworten (Urk. 37 S. 10). Auf
die Frage, wo das Bügeleisen gewesen sei, als sie nach Hause gekommen seien,
bestätigte die Beschuldigte erneut, dass dieses auf dem Bügelbrett gewesen sei.
Sie habe im Grossen und Ganzen schon gesehen, dass das Bügeleisen auf dem
Bügelbrett gewesen sei, aber sie habe nicht genau darauf geachtet, wie das da-
gestanden sei (Urk. 37 S. 12). Zudem bestätigte sie erneut, dass sie nicht gehört
habe, wie sich das Bügelbrett bewegt habe oder das Bügeleisen zu Boden gefal-
len sei (Urk. 37 S. 13). Weiter führte sie aus, dass der Privatkläger gesessen sei
und das Bügeleisen auf dem Boden gelegen sei, als er geschrien habe. Sie sei
aber nicht 100 % sicher. Das einzige, was sie gemacht habe, nachdem der Pri-
vatkläger sich verbrannt habe, sei, dass sie das Bügeleisen ausgesteckt und aus
seiner Reichweite genommen habe (Urk. 37 S. 14 f.). Auf die Frage, wie ein sol-
ches Verletzungsbild des Privatklägers hätte entstehen können, wenn es kein
zweizeitiges Geschehen gewesen sei und es nicht zu zwei Kontakten gekommen
sei, sagte die Beschuldigte aus, bei einem Fall bzw. Sturz sehr wahrscheinlich
schon. Es sei auch so passiert. Anders sei es nicht passiert. Es sei so passiert,
wie sie gesagt habe (Urk. 37 S. 26 f.). Auf Vorhalt, sie habe es ja gar nicht gese-
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hen und nicht gesagt, wie es passiert sei, führte sie aus: "Nein, aber als mein
Sohn geschrien hat, habe ich ihn in den Arm genommen und ich habe reagiert.
Aber mein Sohn hat sich nicht zweimal verbrannt", und auf die Frage, wieso sie
das wisse, gab sie zu Protokoll: "Er hat einmal geschrien. Er hat nicht zweimal
geschrien. Da bin ich mir 100%ig sicher." (Urk. 37 S. 27).
4.7.4.2. Anlässlich der Fortsetzung der Hauptverhandlung am 22. Oktober 2020
führte die Beschuldigte auf entsprechende Fragen zunächst aus, sie wisse nicht
mehr, wo das Bügeleisen damals gestanden sei (Urk. 57 S. 8). Auf Vorhalt ihrer
bisherigen Aussage, wonach das Bügeleisen auf dem Bügelbrett gestanden sei,
sagte sie dann allerdings aus: "Gut, ich sage es ehrlich. Es ist realistisch, dass
das Bügeleisen auf dem Bügelbrett stand." (Urk. 57 S. 9). Zudem bestätigte sie
erneut, dass sie das Bügeleisen gesehen habe, als sie nach Hause gekommen
sei. Sie könne aber nicht sagen, ob es eingesteckt gewesen sei oder nicht
(Urk. 57 S. 11 f.).
4.7.5. Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung
Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Beschuldigte zusammenfassend
erneut aus, dass es ein Unfall gewesen sei und sie den Privatkläger definitiv nicht
verbrannt habe. Sie sei gar nicht fähig, so etwas ihrem Kind anzutun. Sie habe
nicht sofort gewusst, was passiert sei. Der Privatkläger habe geschrien und sie
habe ihn in den Arm genommen und getröstet. Sie habe ihn schon angeschaut
und auch das Bügeleisen gesehen, aber sie habe nicht gesehen, dass es irgend-
wie auf seine Wange oder ihn gekommen sei (Prot. II S. 19 ff.). Auf die Frage, ob
sie bezweifle, dass die Verletzung vom Bügeleisen stamme, räumte die Beschul-
digte ein, diese sei ganz klar vom Bügeleisen, das Kind habe sich verbrannt, und
auf die weitere Frage, wo das Bügeleisen zuvor gewesen sei, gab sie zu Proto-
koll, sehr wahrscheinlich auf dem Bügeltisch (Prot. II S. 20 f.).
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4.8. Aussagen von E._, Ehemann der Beschuldigten
4.8.1. E._ konnte keine sachdienlichen Aussagen zum Ablauf des anklage-
gegenständlichen Vorfalls machen, da er zu diesem Zeitpunkt unbestrittenermas-
sen im Schlafzimmer und damit in einem Nebenraum am Schlafen gewesen ist.
4.8.2. Anlässlich seiner Hafteinvernahme vom 10. November 2017 führte er auf
die Frage, wie es dazu gekommen sei, dass sich der Privatkläger verletzt habe,
aus, seine Frau habe ihm das erzählt. Sie habe gebügelt und alles aufgestellt. Sie
habe nur schnell einen Brief öffnen wollen. In diesem Moment habe der Kleine am
Kabel gezogen (Urk. 8/2 S. 2, Antw. auf Frage 10). Auf die mehrfache Wiederho-
lung der Frage, wann er das letzte Mal das Bügeleisen vor dem Vorfall gebraucht
habe, gab er zu Protokoll, ungefähr zwei Wochen vor dem Vorfall (Urk. 8/2 S. 3,
Antw. auf Frage 15). Auf die Frage, wann seine Frau das Bügeleisen das letzte
Mal verwendet habe, sagte er aus, seine Frau habe vielleicht 5-6 Tage vor dem
Vorfall das Bügeleisen gebraucht, um dann eine Frage später auszuführen: "Ich
stelle plötzlich fest, dass ich tags zuvor das Bügeleisen verwendet habe. Also am
Sonntag. Ich habe die Frage vorhin falsch verstanden." (Urk. 8/2 S. 3, Antw. auf
Fragen 16 f.). Weiter führte E._ aus, er habe vergessen das Bügeleisen ab-
zustellen. Es sei die ganze Zeit eingeschaltet gewesen. Er wisse nicht, ob das
Bügeleisen automatisch ausschalte, wenn man es nicht benütze (Urk. 8/2 S. 4).
Auch bestätigte er, das Bügeleisen am Strom angeschlossen gelassen zu haben
(Urk. 8/2 S. 4). Er verneinte, ein Geräusch gehört zu haben, als das Bügeleisen
zu Boden gefallen sei (Urk. 8/2 S. 7). Auf die Frage, ob man es vom Standpunkt
der Beschuldigten aus, und zwar zwischen Wohnzimmer und Küche stehend, hö-
ren würde, wenn ein Bügeleisen zu Boden fallen würde, sagte er aus: "Ich meine,
dass man das hören müsste. Es ist nicht so weit." (Urk. 8/2 S. 8, Antw. auf Frage
65), und auf die Frage, ob der Privatkläger das Bügeleisen selber angeschaltet
habe, führte er aus: "Das glaube ich nicht." (Urk. 8/2 S. 8, Antw. auf Frage 70).
Weiter führte E._ aus, seine Frau habe ihm nur gesagt, dass A._ das
Kabel gezogen habe und das Bügeleisen auf seine Wange gefallen sei (Urk. 8/2
S. 9). Auf die Frage, ob es sein könne, dass der Privatkläger das Bügeleisen
selbständig angeschaltet habe, sagte E._ aus, er habe es nicht gesehen.
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Das könne er sich nicht vorstellen, dass dieser das Bügeleisen heruntergezogen,
dann in die Hände genommen und angeschaltet habe. Das sei fast zu viel (Urk.
8/2 S. 19, Antw. auf Frage 178).
4.8.3. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Januar
2019 sagte E._ aus, er habe keine genaue Vorstellung wie die Verletzungen
des Privatklägers entstanden seien. Er habe viel darüber nachgedacht, wie es zu
diesen Verletzungen gekommen sei. Entweder habe dieser am Kabel des Bü-
geleisens gezogen oder er habe am Bügelbrett gestossen, sodass das Bügelei-
sen heruntergefallen sei (Urk. 8/5 S. 5).
5. Beweiswürdigung
5.1. Allgemeine Grundsätze
Die Grundsätze der Beweiswürdigung und die allgemeingültigen Beweisregeln
wurden von der Vorinstanz korrekt dargelegt, weshalb vollumfänglich darauf ver-
wiesen werden kann (Urk. 70 S. 6 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
5.2. Glaubwürdigkeit
5.2.1. Die Beschuldigte ist vom Strafverfahren direkt betroffen und hat deshalb
ein legitimes Interesse daran, die Geschehnisse in einem für sie günstigen Licht
darzustellen, was dazu führt, dass ihre Aussagen vor dem Hintergrund der Inte-
ressenlage zu würdigen sind. Es liegen aber keine Anhaltspunkte vor, die von
vornherein gegen ihre Glaubwürdigkeit sprechen würden.
5.2.2. Der Ehemann der Beschuldigten, E._, wurde ebenfalls als beschul-
digte Person einvernommen, weshalb er bei seinen Einvernahmen nicht unter
Strafandrohung zur wahrheitsgemässen Aussage verpflichtet war. Zudem könnte
er als Ehemann der Beschuldigten ein legitimes Interesse daran haben, ihre Dar-
stellung zu bekräftigen, was entsprechend zu berücksichtigen ist. Allerdings sind
den Akten keinerlei Hinweise zu entnehmen, welche aufgrund der Familienver-
hältnisse auf eine dadurch begründete Voreingenommenheit schliessen liessen.
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Den Aussagen von E._ ist mit einer gewissen Zurückhaltung zu begegnen,
es besteht aber keine Veranlassung, an seiner Glaubwürdigkeit zu zweifeln.
5.2.3. Im Vordergrund steht aber bei allen erwähnten Personen die Glaubhaf-
tigkeit ihrer Aussagen.
5.3. Würdigung
5.3.1. Das Gericht beurteilt die Schlüssigkeit eines Gutachtens frei (Art. 10
Abs. 2 StPO) und ist nicht an den Befund oder die Stellungnahme des Sachver-
ständigen gebunden. Es hat vielmehr zu prüfen, ob sich aufgrund der übrigen
Beweismittel und der Parteivorbringen ernsthafte Einwände gegen die Schlüssig-
keit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängen. Auch wenn das gerichtlich ein-
geholte Gutachten grundsätzlich der freien Beweiswürdigung unterliegt, darf das
Gericht in Fachfragen nicht ohne triftige Gründe von ihm abrücken und muss Ab-
weichungen begründen. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Expertise bzw.
der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen kann gegen das
Verbot willkürlicher Beweiswürdigung verstossen (Art. 9 BV; BGE 142 IV 49 E.
2.1.3; 141 IV 305 E. 6.6.1, 141 IV 369 E. 6.1; je mit Hinweisen).
5.3.2. Sowohl aus dem ärztlichen Befund des Kinderspitals Zürich als auch aus
den eingeholten Gutachten des IRM und FOR ergibt sich, dass die Verletzungen
des Privatklägers angesichts der zueinander versetzten Abdrücke auf seiner
Wange durch einen zweimaligen Kontakt mit dem Bügeleisen entstanden sein
müssen (Urk. 11/3 S. 1; Urk. 13/1 S. 4; Urk. 56 S. 15). In der Gesamtschau der
Befunde kommen die Gutachter zum Schluss, dass der Verdacht auf das Vorlie-
gen einer Kindesmisshandlung durch zweimaliges Aufdrücken eines heissen Ge-
genstandes auf die linke Wange des Privatklägers gegeben ist (Urk. 13/1 S. 4;
Urk. 56 S. 21). Einer der Verletzungsabdrücke auf der Wange des Privatklägers
konnte zudem einer klar definierten Stelle der Bügeleisensohle zugeordnet wer-
den, da sich ein Teil der Dampfauslass-Rauten abgezeichnet hatte, während für
den zweiten Verletzungsabdruck gemäss Gutachter beinahe beliebige Orte der
Bügeleisensohle in Frage kommen (Urk. 56 S. 15). Diese Schlussfolgerungen,
welche sich so aus dem ärztlichen Befund, aber auch aus dem Gutachten und
- 27 -
Ergänzungsgutachten des IRM ergeben, sind schlüssig und nachvollziehbar.
Nicht gefolgt werden kann zudem der Argumentation der Verteidigung, wonach
die Gutachter voreingenommen ans Werk gegangen seien, da sie einfach die
Darstellung der Anklage übernommen und mit Wahrscheinlichkeitsvarianten ope-
riert hätten (Urk. 85 S. 14 ff.). Die den Gutachten zugrundeliegenden Fragestel-
lungen wurden offen formuliert, indem insbesondere auch Fragen zu einem mög-
lichen Unfallgeschehen respektive zu einer Selbstbeibringung gestellt wurden
(vgl. Urk. 13/5 S. 5 f.; Urk. 52 S. 5 f.; Urk. 56 S. 21), und für die Erstellung der
Gutachten standen den Gutachtern nicht nur die Anklageschrift, sondern sämtli-
che Akten zur Verfügung. Von einer Voreingenommenheit der Gutachter kann
somit keine Rede sein, was somit – entgegen der Auffassung der Verteidigung –
auch nicht zu einer Unverwertbarkeit der Gutachten führt. Im Rahmen des Plädo-
yers vor Vorinstanz zog der Verteidiger im Sinne einer Hypothese in Zweifel, dass
die beiden Verletzungen zeitgleich entstanden seien (Urk. 59 S. 8). Dies erscheint
grundsätzlich nicht ausgeschlossen, wurde jedoch von der Beschuldigten nie so
geltend gemacht. Zudem erscheint äusserst unwahrscheinlich, dass sich der Pri-
vatkläger zwei Mal innert kurzer Zeit (beispielsweise innert wenigen Tagen) selber
versehentlich Brandwunden an der linken Wange zuzog, wobei auch die kleinere
mutmasslich von einem Bügeleisen stammt.
5.3.3. Aus dem ärztlichen Befund des Kinderspitals Zürich und dem Gutachten
des IRM geht zudem klar hervor, dass der Privatkläger aufgrund seines Alters
weder die Kraft noch die motorischen Fähigkeiten gehabt hätte, sich das Bügelei-
sen selber ins Gesicht zu halten und darüber hinaus auch noch zwei Mal in ver-
schiedenen Ausrichtungen auf seine Wange aufzudrücken (Urk. 11/3 S. 2; Urk.
13/5 S. 5 f.). Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 85 S. 15 f.; Prot. II
S. 39 f.) weisen Rechtsmediziner genügend Fachkompetenz auf, um beurteilen zu
können, ob ein Kleinkind motorisch in der Lage ist, sich ein Bügeleisen mit einer
gewissen Intensität ins Gesicht zu halten oder nicht. Ohnehin ist davon auszuge-
hen, dass sich der Privatkläger das heisse Bügeleisen nicht zwei Mal ins Gesicht
gedrückt hätte, da er bereits beim ersten Mal die Erfahrung gemacht hätte, dass
das Bügeleisen heiss ist und erhebliche Schmerzen verursacht. Zudem wäre der
Privatkläger aufgrund seines Alters auch nicht in der Lage gewesen, das Bügelei-
- 28 -
sen selber durch Drehen eines Schalters anzustellen, was so sowohl von der Be-
schuldigten als auch dem Kindsvater bestätigt worden ist, welche beide ausge-
führt haben, der Privatkläger sei dazu nicht in der Lage (Urk. 7/1 S. 9; Urk. 7/3
S. 12; Urk. 8/2 S. 8). Angesichts der Tatsache, dass der Kunststoff rund um den
Temperaturdrehschalter gemäss Gutachten des FOR 50 °C bis 70 °C heiss wird,
zur Spitze hin bis über 100 °C (Urk. 56 S. 7), ist ebenfalls davon auszugehen,
dass der Privatkläger bei einer Berührung sofort vom Bügeleisen abgelassen hät-
te. Auch dass das Bügeleisen eingesteckt gewesen sein soll, wie das die Be-
schuldigte geltend macht, und vom Kindsvater nach dem letzten Gebrauch nicht
ausgeschaltet worden sein soll, was bedeuten würde, dass das Bügeleisen seit
dem Vortrag durchgehend erhitzt gewesen wäre, ist wenig plausibel. Aus dem
Kurzbericht "Spurensicherung an Bügeleisen" des FOR geht diesbezüglich her-
vor, dass das Temperaturwählrad auf Stellung "MAX" gestanden sei und das Bü-
geleisen über keine automatische Abschaltung bei längerem Nichtgebrauch ver-
fügt habe (Urk. 14/1 S. 3). Wäre das Bügeleisen tatsächlich seit dem Vortag
durchgehend erhitzt gewesen, wäre es wohl zu einer Überhitzung mit allfälligen
weiteren Folgen gekommen.
5.3.4. Auch dass der Privatkläger vom herunterfallenden Bügeleisen im Gesicht
getroffen worden sein soll, wie die Beschuldigte dies teilweise glaubhaft zu ma-
chen versuchte (vgl. Urk. 7/1 S. 9; Urk. 7/3 S. 11), lässt sich gestützt auf die Gut-
achten und die Aussagen der Beschuldigten sowie diejenigen des Kindsvaters
ausschliessen. So wird im Ergänzungsgutachten des IRM festgehalten, dass we-
der die Lokalisation der Verletzung an sich noch das Fehlen morphologischer Zei-
chen stumpfer Gewalteinwirkung in diesem Bereich den Schluss zulassen, dass
der Privatkläger von einem herunterfallenden Bügeleisen getroffen worden sei
(Urk. 13/5 S. 5). Da der Privatkläger neben den Brandverletzungen keine weiteren
Verletzungen im Gesicht oder am Körper – insbesondere keine gravierenden
Prellungen oder weitere Wunden – aufwies, was so aus dem Gutachten zur kör-
perlichen Untersuchung des IRM hervorgeht (Urk. 13/1 S. 3) und zu erwarten ge-
wesen wäre, wenn er von einem heissen, 1'130 Gramm schweren (Urk. 14/1
S. 3), vom Bügelbrett herunterfallenden Bügeleisen getroffen worden wäre, lässt
sich ausschliessen, dass ihm dieses ins Gesicht gefallen sein soll. Zudem spricht
- 29 -
bereits der Umstand, dass der Privatkläger Brandverletzungen durch zweimaligen
Kontakt mit einem Bügeleisen erlitt, dagegen, dass ihm dieses ins Gesicht gefal-
len ist, ansonsten er lediglich eine Brandverletzung aufweisen würde. Da das Bü-
geleisen nach einem allfälligen Aufprall auf dem Privatkläger zu Boden hätte fal-
len müssen, hätte dies auch entsprechend Lärm verursacht. Allerdings verneinten
sowohl die Beschuldigte als auch der Kindsvater entsprechenden Lärm gehört zu
haben (Urk. 7/3 S. 5 und S. 11; Urk. 8/2 S. 7 f.; Prot. II S. 21).
5.3.5. Selbst die von der Verteidigung geltend gemachte Version, wonach das
Bügeleisen zu Boden gefallen sein und der Privatkläger sich dann kriechender-
weise an dem auf dem Boden liegenden Bügeleisen verbrannt haben soll (Urk. 41
S. 11; Urk. 59 S. 7), lässt sich gestützt auf die Gutachten des IRM und FOR aus-
schliessen. So geht aus dem Gutachten des FOR und den 3D-Rekonstruktionen
anschaulich hervor, dass bei 100 durchgeführten Versuchen, in 48 Fällen das Bü-
geleisen beim Herunterfallen in der Endposition liegend flach und in 52 Fällen lie-
gend seitlich auf dem Boden zu liegen gekommen ist, wobei in diesen Positionen
eine Berührung mit der Bügeleisensohle unmöglich ist (vgl. vorstehend,
Erw. II.4.5.3. ff.), sodass in diesen Positionen die Verletzungen des Privatklägers
nicht entstanden sein können. Dass das Bügeleisen in einer stehenden Position
auf dem Boden gelandet sein soll, konnten die Gutachter bei den
100 durchgeführten Versuchen nie – nicht einmal annähernd – erreichen, sodass
die Wahrscheinlichkeit für diese Position gemäss Gutachter in der konkreten Ver-
suchsanlage 0 % beträgt (vgl. vorstehend, Erw. II. 4.5.3. ff.).
5.3.5.1. Dass das Bügeleisen vom Bügelbrett auf den Boden gefallen sein soll, al-
lenfalls durch ein Ziehen des Privatklägers am Kabel, wie das die Beschuldigte
glauben machen will (Urk. 7/1 S. 7 f.; Urk. 7/3 S. 10), erscheint mangels Beschä-
digung des Bügeleisens oder zuordenbare Spuren am Boden sowie fehlenden
Lärms ausgeschlossen. Im Gutachten des FOR wird dazu festgehalten, dass, so-
fern der Privatkläger am Kabel des Bügeleisens gerissen hätte, dieses auf dem
Boden aufgeschlagen wäre, sodass mit Beschädigungen sowohl des Bügeleisens
als auch des Bodens zu rechnen gewesen wäre (Urk. 56 S. 12). Allerdings konn-
ten gemäss Kurzbericht Spurensicherung an Bügeleisen des FOR keine Defekte
- 30 -
oder Verformungen am Gehäuse oder der Bügeleisensohle festgestellt werden
(vgl. vorstehend, Erw. II.4.4.). Die Gutachter halten weiter fest, dass das Bügelei-
sen bei einem Herunterziehen an dessen Kabel mit Schwung auf dem Boden auf-
schlägt und nach dem ersten Aufschlag mit einer Geschwindigkeit von 23 km/h
weitere dynamische Bewegungen und Drehungen bis zur Erreichung der Endpo-
sition macht (vgl. vorstehend, Erw. II.4.5.3.), was nicht nur eine Beschädigung des
Parkettbodens, sondern auch erheblichen Lärm verursacht hätte. Sowohl die Be-
schuldigte als auch ihr Ehemann verneinten jedoch, Lärm oder Geräusche von
einem herunterfallenden Bügeleisen gehört zu haben (Urk. 7/3 S. 5 und S. 11;
Urk. 8/2 S. 7 f.; Prot. II S. 21), obwohl sich die Beschuldigte gemäss eigenen Aus-
sagen zwischen Wohnzimmer und Esstisch (vgl. Urk. 7/1 S. 8; Urk. 7/3 S. 3) und
damit in unmittelbarer Nähe zum Bügelbrett (vgl. Urk. 7/4; Urk. 7/5) befand. Zwar
bestätigte die Beschuldigte auf entsprechende Frage, dass der Kindsvater das
Schreien des Privatklägers gehört habe (vgl. Urk. 7/1 S. 8 f., Antw. auf Frage 80),
dass dieser im Nebenzimmer allerdings lediglich den Privatkläger nicht aber den
Lärm durch ein allfälliges Aufschlagen des Bügeleisens auf dem Parkettboden
gehört haben soll, erscheint wenig überzeugend. Auch vor Vorinstanz bestätigte
die Beschuldigte erneut, dass sie nicht gehört habe, wie sich das Bügelbrett be-
wegt habe oder das Bügeleisen zu Boden gefallen sei (Urk. 37 S. 13). Somit lässt
sich auch die Möglichkeit ausschliessen, dass der Privatkläger das Bügelbrett
umge-stossen haben und so das Bügeleisen zu Boden gefallen sein soll, da das
Umfallen des Bügelbrettes zusätzlichen Lärm verursacht hätte, wobei diese Vari-
ante von der Beschuldigten ohnehin nicht geltend gemacht wurde. Ferner wurde
die abgeformte Delle vom Boden von den Gutachtern mit der Geometrie der
Ecken und Kanten des Bügeleisens verglichen, wobei diese zum Schluss kamen,
dass die Delle nicht vom Bügeleisen stammen könne, da diese wesentlich spitzer
sei als jede Ecke des Bügeleisens (vgl. vorstehend, Erw. II.4.5.4.). Eine Beschä-
digung des Bodens durch ein allfälliges Herunterfallen des Bügeleisens liegt somit
ebenfalls nicht vor.
5.3.5.2. Bei einem auf dem Boden liegenden Bügeleisen – selbst für den äusserst
unwahrscheinlichen Fall, dass dieses in stehender Position auf dem Boden ge-
landet wäre – lässt sich ferner nicht erklären, wie es dabei zu einem zweimaligen
- 31 -
Kontakt mit unterschiedlichen Ausrichtungen gekommen sein soll. In einer sol-
chen Situation wäre es naheliegender gewesen, dass der Privatkläger einfach
nach dem Bügeleisen gegriffen hätte und sich so Verbrennungen an seinen tas-
tenden Fingern oder Handinnenflächen zugezogen hätte oder es durch das Vor-
beikriechen am Bügeleisen zu Verbrennungen an weiteren Körperpartien ge-
kommen wäre, welche gemäss Gutachten ein verwischtes, streifiges Muster auf-
gewiesen hätten (vgl. Urk. 52 S. 5). Beim Privatkläger lagen im Gesicht allerdings
Kontaktverbrennungen vor, welche ein scharf demarkiertes Verbrennungsmuster
aufgewiesen und den verursachenden Gegenstand abgebildet haben (vgl. vorste-
hend, Erw. II.5.3.2.), was ebenfalls gegen ein Vorbeikriechen am heissen Bügel-
eisen spricht, ansonsten der Privatkläger verwischte, streifige Verbrennungsmus-
ter im Gesicht aufgewiesen hätte. Zudem hätte der Privatkläger zwei Mal zumin-
dest für kurze Zeit mit dem Bügeleisen in Kontakt kommen respektive zwei Mal
daran vorbeikriechen müssen. Dies ist angesichts der Tatsache, dass der damals
13 Monate alte Privatkläger bereits beim ersten Mal gemerkt hätte, dass dies er-
hebliche Schmerzen verursacht, lebensfremd und hätte ferner dazu geführt, dass
er aufgrund der zweimaligen Verbrennungen auch zwei Mal geweint respektive
aufgeschrien hätte, was von der Beschuldigten verneint worden ist (Urk. 37
S. 27). Gemäss Aussagen der Beschuldigten soll dieser nur einmal geschrien
respektive geweint haben, worauf sie dann sofort zu ihm hingerannt sei (Urk. 7/1
S. 7; Urk. 7/3 S. 4; Urk. 37 S. 27).
5.3.5.3. Die Gutachter kommen somit – entgegen der Auffassung der Verteidi-
gung (vgl. Urk. 85 S. 13 ff.) – schlüssig und nachvollziehbar zum Schluss, dass
die Verletzungen des Privatklägers in keinster Weise für eine Selbstbeibringung
sprechen. Aus rechtsmedizinischer Sicht sei eine Selbstbeibringung durch ein auf
dem Boden liegendes oder stehendes Bügeleisen unvorstellbar (Urk. 52 S. 6).
Wie vorstehend aufgezeigt, sind keine Gründe ersichtlich, die Schlussfolgerungen
der Gutachter in Zweifel zu ziehen.
5.3.6. Die verschiedenen Sachverhaltsdarstellungen der Beschuldigten und des
Verteidigers lassen sich nicht nur durch die schlüssigen und überzeugenden Gut-
achten ausschliessen, sondern stehen teilweise auch in Widerspruch zu den ei-
- 32 -
genen Aussagen der Beschuldigten. So sagte diese anlässlich ihrer Hafteinver-
nahme auf die Frage, wie sie sich dieses zweite Dreieck auf der Wange des Pri-
vatklägers erkläre, aus, vielleicht sei er noch ans Bügeleisen gekommen, als sie
ihn genommen habe (Urk. 7/3 S. 18, Antw. auf Frage 155). Diese Darstellung
lässt sich allerdings nicht in Einklang bringen mit ihren mehrfachen Aussagen,
wonach sie dem Privatkläger das Bügeleisen aus den Händen genommen und
auf den Tisch gestellt haben will, bevor sie ihn getröstet habe (Urk. 7/1 S. 8 f.;
Urk. 7/3 S. 2, S. 5 und S. 11). Sofern die Beschuldigte dem Privatkläger das Bü-
geleisen tatsächlich zuerst weggenommen und dann auf den Tisch gestellt hätte,
bevor sie diesen tröstend in die Arme genommen hat, hätte sich dieser gar kein
weiteres Mal in ihren Armen verbrennen können.
5.3.7. Die Beschuldigte machte teilweise unklare, widersprüchliche und weit-
schweifige Aussagen, worauf auch das Kinderspital Zürich in der Strafanzeige
hingewiesen hat (vgl. Urk. 11/14) und was auch aus der Befragung anlässlich der
Berufungsverhandlung hervorgeht (vgl. Prot. II S. 17 ff.). So führte die Beschuldig-
te gegenüber der Polizei und damit zwei Tage nach dem anklagegegenständli-
chen Vorfall aus, sie habe die Verletzung von A._ fotografiert und dies dem
Kinderarzt geschickt, um ihn zu fragen. Der Kinderarzt habe gemeint, sie solle
ihm mit einem kalten Lappen die linke Wange kühlen. A._ habe dies aber
nicht mit sich machen lassen, weshalb sie nochmals den Kinderarzt angerufen
habe (Urk. 7/1 S. 8 f.). Auch anlässlich ihrer Hafteinvernahme sagte sie aus, sie
habe den Kinderarzt angerufen. Der Arzt habe ihr am Telefon gesagt, sie solle
kühlen. Er habe gesagt, er würde ein Rezept faxen. Er habe gesagt, sie solle ihn
eincremen mit der Creme, die er ihr verschrieben habe, und sie solle ihm Algifor
geben gegen die Schmerzen (Urk. 7/3 S. 2). Im Verlauf dieser Einvernahme gab
die Beschuldigte erneut zu Protokoll, sie habe den Kinderarzt angerufen. Dieser
habe sie ausgefragt. Sie hätten zusammen gesprochen. Dann habe er ihr ein Re-
zept gegeben. Er habe gesagt, sie solle A._ morgen oder übermorgen brin-
gen und bis zu diesem Zeitpunkt diese Creme auftragen und bei Schmerzen Al-
gifor geben (Urk. 7/3 S. 14 f.). In einer späteren Einvernahme und erst nachdem
sie mit den Aussagen des Kinderarztes konfrontiert worden war, welcher in Abre-
de stellte, mit der Beschuldigten telefoniert zu haben (Urk. 7/8 S. 1 f.), korrigierte
- 33 -
sie ihre Aussagen dahingehend, dass sie die Praxis angerufen habe, womit sie
den Kinderarzt gemeint habe (Urk. 7/8 S. 1). Weiter führte sie aus, wenn sie den
Kinderarzt anrufe, dann nehme nicht immer der Arzt ab. Wenn sie ihren Kinder-
arzt anrufe, dann rufe sie in der Praxis an (Urk. 7/8 S. 2). Erst auf mehrfaches
Wiederholen der Frage, ob sie mit dem Kinderarzt Dr. O._ telefoniert habe,
räumte sie ein: "Nein, ich glaube nicht" (Urk. 7/8 S. 2). Weiter führte sie aus, sie
habe angerufen und den Fall geschildert. Dann habe sie eine E-Mail geschrieben,
danach hätten sie ihr das Rezept geschickt (Urk. 7/8 S. 2). Auch anlässlich ihrer
Schlusseinvernahme räumte sie – konfrontiert mit den Aussagen der Praxisassis-
tentin F._ – ein, es würden immer verschiedene Personen den Anruf entge-
gennehmen, der Kinderarzt gehe nicht ans Telefon (Urk. 7/10 S. 1). Diese Aussa-
gen stehen ganz klar im Widerspruch zu ihren bisherigen Aussagen, wonach der
Kinderarzt sie ausgefragt habe, sie zusammen gesprochen hätten und er ihr dann
ein Rezept ausgestellt habe. Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschuldig-
te anfänglich mehrfach zu Protokoll gab, mit dem Kinderarzt gesprochen zu ha-
ben, wenn sie nur mit der Praxisassistentin telefoniert hatte. Da die Beschuldigte
diese Aussagen zwei Tage nach dem anklagegegenständlichen Vorfall machte,
konnte ihr Erinnerungsvermögen aufgrund der kurzen Dauer noch nicht so stark
abgenommen haben, dass sie nicht mehr wusste, ob sie mit einem Mann oder ei-
ner Frau am Telefon gesprochen hatte. Dieses Aussageverhalten macht deutlich,
dass die Beschuldigte ihre Darstellung jeweils dem aktuellen Untersuchungser-
gebnis anpasst.
5.3.7.1. Selbst wenn die Beschuldigte geltend macht, sie sei erschrocken und ha-
be sich nach dem Vorfall in einem aufgeregten Gemütszustand befunden, sollte
sie dennoch in der Lage sein, zu unterscheiden, ob sie mit dem Kinderarzt per-
sönlich gesprochen oder ihr eine Frau am Telefon Auskunft gegeben hatte, zumal
sie sich an die ihr erteilten Anweisungen und insbesondere den Namen des ver-
schriebenen Medikamentes noch sehr genau zu erinnern vermochte. Auch konnte
die Beschuldigte – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 70 S. 16) – nicht
erklären, was genau sie in dieser Situation erschrocken haben soll, zumal sie ja
gerade nicht gesehen haben will, wie der Privatkläger sich am Bügeleisen ver-
brannt haben soll.
- 34 -
5.3.7.2. Ebenfalls widersprüchlich waren ihre Aussagen betreffend das Anfassen
des Bügeleisens nach dem Vorfall. Während sie gegenüber der Polizei und an-
lässlich ihrer Hafteinvernahme noch ausführte, sie habe das Bügeleisen kurz an-
gefasst und dieses sei nicht "mega mega heiss" gewesen (Urk. 7/1 S. 9) respekti-
ve es sei mehr als lauwarm gewesen (Urk. 7/3 S. 13), führte sie später im Wider-
spruch zu ihren bisherigen Aussagen auf die Frage, wie heiss das Bügeleisen
gewesen sei, aus, sie wisse es nicht (Urk. 7/3 S. 6, Antw. auf Frage 43). Auch vor
Vorinstanz gab sie abweichend zu ihren bisherigen Aussagen zu Protokoll, sie
habe das Bügeleisen sicher nicht angefasst, sie habe sich um ihren Sohn ge-
kümmert, sie habe doch keine Zeit gehabt, das Bügeleisen anzufassen (Urk. 37
S. 18). Dass das Bügeleisen nicht "mega mega heiss" gewesen sein soll respekti-
ve mehr als lauwarm, ist angesichts der Tatsache, dass der Privatkläger Verbren-
nungen 2. Grades erlitten hat (Urk. 11/3 S. 1) und gestützt auf das Gutachten des
FOR, wonach das Bügeleisen nach 24 Minuten immer noch eine Temperatur von
63 °C aufweise (Urk. 56 S. 6), ohnehin unglaubhaft.
5.3.8. Auffallend ist zudem, dass die Beschuldigte teilweise ausweichende Ant-
worten gab, ohne die an sie gerichtete Frage zu beantworten oder von sich abzu-
lenken versucht, indem sie Vorwürfe gegen das Kinderspital erhebt, was sie auch
bei ihrer Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung tat (Prot. II S. 22 ff.). So
führte sie auf die Frage, in welcher Funktion das Bügeleisen gewesen sei, als sie
nach Hause gekommen sei, gegenüber der Polizei ausschweifend aus: "Ich
schaute doch. Ich zog es aus dem Kabel und stellte es auf den Essentisch und
wartete bis es abgekühlt war. A._ kommt ja nicht zum Esstisch herauf. Da-
nach habe ich es wieder hinter die Türe versorgt. Auch den Bügeltisch. Die Türe
ist dort immer verschlossen. A._ ist nie in diesem Zimmer." (Urk. 7/1 S. 7,
Antw. auf Frage 68). Auf Vorhalt, dass sie verdächtigt werde, ihrem Kind Verlet-
zungen zugefügt zu haben, sagte sie zusammenfassend zudem aus, sie mache
auch Anzeige gegen das Kinderspital. Diese hätten nicht einmal die Wunde desin-
fiziert. So wie ihr Kind dort behandelt worden sei, sei auch nicht nett. Die hätten
immer alles wieder verschoben. Dann sei wieder ein anderer Arzt gekommen.
Das sei das letzte Mal gewesen, wo sie im Kinderspital gewesen sei. Sie wolle al-
le, die im Kinderspital um A._ gewesen seien, anzeigen, weil sie ihn nicht
- 35 -
behandelt hätten (Urk. 7/1 S. 11). Anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 21. November 2018 erhob die Beschuldigte erneut Vorwürfe ge-
gen das Kinderspital, indem sie aussagte, es sei ihr nicht begründet worden,
wieso ihr Sohn mit zwei blauen Flecken an der Stirn entlassen worden sei und
das sei auch nicht entschuldigt worden (Urk. 7/9 S. 2). Fraglich erscheinen auch
ihre Aussagen "Ich finde, es existiert kein Beweis das ich es gemacht habe" und
"Beweisen Sie, dass ich meinen Sohn verbrannt habe." (Urk. 7/9 S 2 f.). Auch an-
lässlich der Berufungsverhandlung führte sie erneut mehrmals aus, es würden
keine Beweismittel dafür existieren, dass sie ihren Sohn verbrannt habe (Prot. II
S. 7 und S. 48). Vor Vorinstanz führte sie auf Vorhalt, von Interesse sei, wie der
Vorfall wirklich gewesen sei, ausweichend aus: "Ich denke, wenn zum Beispiel ein
Autounfall passiert, kann man auch nicht sagen, es ist so oder so passiert. Man
kann nur sagen, es hätte so und so passieren können." (Urk. 37 S. 22). Auch als
der Beschuldigten vor Vorinstanz die Gefährdungsmeldung des Kinderspitals Zü-
rich an die KESB Dielsdorf vom 8. November 2017 vorgehalten wurde, aus wel-
cher hervorgeht, dass beim vorliegenden Verletzungsmuster mit grösster Wahr-
scheinlichkeit von einer zweimaligen Verletzung ausgegangen werde, welche
auch zweizeitig stattgefunden haben könnte, und die Schilderungen der Beschul-
digten widersprüchlich und unklar seien, nahm die Beschuldigte zum Inhalt dieser
Meldung keine Stellung. Stattdessen machte sie dem Sozialarbeiter Vorwürfe und
gab zu Protokoll: "Aber das Verhalten dieses Sozialarbeiters... Er hat Behauptun-
gen gemacht und ich finde es nicht in Ordnung. Ohne etwas gesehen zu haben,
solche Behauptungen zu machen. Dies würde ich auch nicht machen." (Urk. 37
S. 19 f.). Auch anlässlich der Fortsetzung der Hauptverhandlung machte die Be-
schuldigte auf die Frage, ob sie sich noch erinnern könne, wo sich damals das
Bügeleisen und der Bügeltisch befunden hätten, ausschweifende Aussagen ohne
die eigentliche Frage zu beantworten, indem sie von möglichen Verbrennungen
an einem Backofen oder beim Haarestrecken erzählte (Urk. 57 S. 8). Selbst auf
Wiederholung der Frage beantwortete die Beschuldigte diese nicht, sondern be-
tonte, es sei ihr wichtig, dass ihr Sohn wunschlos glücklich sei und dass dieser
mehr Spielsachen habe als einige andere Kinder (Urk. 57 S. 8).
- 36 -
5.3.9. Nicht schlüssig sind auch gewisse Aussagen des Ehemanns der Be-
schuldigten. So führte dieser im Kinderspital und auch anlässlich seiner Haftein-
vernahme anfänglich jeweils aus, dass die Beschuldigte alles aufgestellt sowie
gebügelt habe und der Privatkläger am Kabel gezogen habe (Urk. 8/2 S. 2), wäh-
rend er seine Aussagen im Verlauf des Gesprächs respektive der Einvernahme
dahingehend korrigierte, dass er tags zuvor das Bügeleisen verwendet habe (Urk.
3; Urk. 8/2 S. 3) und dies, obwohl er gegenüber der Staatsanwaltschaft eine Fra-
ge zuvor noch ausgesagt hatte, er habe das Bügeleisen ungefähr zwei Wochen
vor dem Vorfall letztmals gebraucht (Urk. 8/2 S. 3, Antw. auf Frage 15). In der Zu-
sammenfassung der Aussagen Elterngespräche der Kindesschutzgruppe wird
zudem festgehalten, dass die Beschuldigte ihren Ehemann daran erinnert habe,
dass dieser vor dem Vorfall gebügelt habe, worauf dieser das dann bejaht habe
(Urk. 3). Ebenfalls widersprüchlich sind seine Aussagen hinsichtlich der Frage,
wie ihm die Beschuldigte den anklagegegenständlichen Vorfall geschildert haben
respektive was ihre Darstellung gewesen sein soll. Während er bei seinen ersten
beiden Einvernahmen und damit zeitnah zu den Vorkommnissen mehrfach aus-
sagte, die Beschuldigte habe ihm gesagt, dass der Privatkläger das Bügeleisen
am Kabel heruntergezogen und sich so verletzt habe (Urk. 8/1 S. 4; Urk. 8/2 S. 2,
S. 7, S. 8, S. 9 und S. 10), schwächte er anlässlich seiner staatsanwaltschaftli-
chen Einvernahme vom 15. Januar 2019 seine bisherigen Aussagen ab und sagte
in Abweichung zu diesen plötzlich aus, sie hätten überlegt, wie es dazu habe
kommen können. Sie hätten sich gefragt, ob der Privatkläger am Kabel des Bü-
geleisens gezogen habe. Sie habe gesagt, dass sie nicht wisse, ob er am Kabel
gezogen habe oder ob das Bügeleisen von selbst heruntergefallen sei (Urk. 8/5
S. 3), wobei in einer Protokollnotiz vermerkt wurde, dass die Beschuldigte dazwi-
schengeredet habe (Urk. 8/5 S. 3).
5.3.10. Die Beschuldigte führte gegenüber der Polizei und anlässlich ihrer
Hafteinvernahme mehrfach ganz klar aus, dass sie A._ das Bügeleisen aus
den Händen genommen habe und dies dann auf den Esstisch gestellt habe
(Urk. 7/1 S. 8 f.; Urk. 7/3 S. 2, S. 5 und S. 11). Aufgrund ihrer Formulierung han-
delt es sich dabei – entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 41 S. 10 ff.;
Urk. 85 S. 10 f.) – nicht einfach um eine Hypothese der Beschuldigten, wie sich
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der Vorfall hätte abspielen können, sondern sie bestätigte mehrfach, dass der Pri-
vatkläger das Bügeleisen in den Händen gehalten und sie ihm dieses wegge-
nommen habe. Zudem demonstrierte die Beschuldigte anlässlich ihrer Haftein-
vernahme auch, wie der Privatkläger das Bügeleisen in den Händen gehalten ha-
ben soll (vgl. vorstehend, Erw. II.4.7.2.2.), wobei gemäss Ergänzungsgutachten
des IRM der Privatkläger zum Tatzeitpunkt weder die Kraft noch die motorische
Fähigkeit aufgewiesen habe, das Bügeleisen – wie von der Beschuldigten de-
monstriert – zu halten (Urk. 13/5 S. 5 f.). Diese Darstellung der Beschuldigten
spricht somit auch gegen den von der Verteidigung vorgebrachten Ablauf des an-
klagegegenständlichen Vorfalls, wonach das Bügeleisen bereits auf dem Boden
gestanden haben und der Privatkläger daran vorbeigekrochen und sich so die
Verbrennungen zugezogen haben soll (Urk. 59 S. 7; Urk. 85 S. 18). Gegen die
Verursachung der Verletzungen infolge des Vorbeikriechens des Privatklägers am
heissen Bügeleisen sprechen allerdings nicht nur die Aussagen der Beschuldig-
ten, welche mehrfach ausführte, das Bügeleisen sei auf dem Bügeltisch gestan-
den (Urk. 7/1 S. 7; Urk. 7/3 S. 2 f., S. 8 und S. 20), was sie so erneut anlässlich
der Berufungsverhandlung bestätigte (Prot. II S. 21), sondern auch die klaren
Feststellungen aus den Gutachten sowie weitere Umstände, welche vorstehend
bereits dargelegt wurden (vgl. Erw. II.5.3.5. ff.). Es ist zudem lebensfremd, dass
ein Kleinkind im Alter von 13 Monaten, welches sich eine Verbrennung im Gesicht
zugezogen hat, umkehren und ein zweites Mal mit der gleichen Wange am heis-
sen Bügeleisen vorbeikriechen soll. Noch unwahrscheinlicher erscheint sodann,
dass A._ das Bügeleisen in die Hand genommen hätte, nachdem er sich ein
erstes Mal verbrannt hatte.
5.3.11. Auch dem Einwand der Verteidigung, wonach die Hypothese, dass das
Bügeleisen von Anfang an auf dem Boden gestand sei, nicht unberücksichtigt ge-
lassen werden könne (Urk. 59 S. 7; Urk. 85 S. 18), kann nicht gefolgt werden. So
sagte die Beschuldigte einerseits mehrfach ganz klar aus, dass das Bügeleisen
auf dem Bügelbrett gestanden sei und der Privatkläger das Bügeleisen am Kabel
heruntergerissen habe respektive dieses heruntergefallen sein könnte, was ohne-
hin nur möglich gewesen wäre, wenn dieses auf dem Bügelbrett gestanden wäre.
Andererseits ist es lebensfremd, dass der Ehemann nach dem Bügeln seiner Ar-
- 38 -
beitskleidung am Vortag das Bügeleisen eingesteckt auf den Boden gestellt und
dort stehen gelassen haben soll, zumal er das Bügelbrett ebenfalls nicht wegge-
räumt hatte und ihm wohl bewusst gewesen sein dürfte, dass dies eine erhebliche
Gefahr für den Privatkläger darstellen würde.
5.3.12. Auffallend ist zudem, dass die Beschuldigte sehr bemüht darum ist, zu
betonen, was für eine fürsorgliche Mutter sie sei und wie gut es dem Privatklä-
ger gehe, was sie so auch anlässlich der Berufungsverhandlung wiederholt zu
Protokoll gab (vgl. Prot. II S. 20 ff.). Um dies zu untermauern, reichte die Verteidi-
gung auch diverse Unterlagen – insbesondere Berichte und Protokolle im Zu-
sammenhang mit der sozialpädagogischen Familienbegleitung und der KOFA-
Inten-sivabklärung sowie Fotos des Privatklägers (Urk. 43/1-5/8; Urk. 60/1; Urk.
85 Anhang) – ein. Diesen Unterlagen sowie den beigezogenen Akten der KESB
(Urk. 39/1-98) lassen sich zwar keinerlei Hinweise entnehmen, dass der Privat-
kläger von der Beschuldigten und dem Kindsvater – mit Ausnahme des anklage-
gegenständlichen Vorfalls – nicht kindergerecht umsorgt wird, in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz (Urk. 70 S. 17) schliesst dies jedoch nicht aus, dass die
Beschuldigte auch als fürsorgliche Mutter in einem Moment der Überforderung die
Kontrolle über sich verloren und dem Privatkläger dabei die anklagegegenständli-
chen Verletzungen zugefügt hat.
5.3.13. Was die Beschuldigte wusste, wollte oder in Kauf nahm, betrifft sog. inne-
re Tatsachen und ist damit zwar eine Tatfrage. Da sich diese inneren Tatsachen
bei ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich feststellbare In-
dizien und Erfahrungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von den äusseren
Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil des Bundesge-
richtes 6S.133/2007 vom 11. August 2008 E. 2.4), und die Beurteilung, ob im
Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vorsatz begründet ist, eine
Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines Vorsatzes nachfolgend im Rahmen
der rechtlichen Würdigung (Erw. III.) zu beurteilen (vgl. BGE 133 IV 1 E. 4.1;
BGE 130 IV 58 E. 8.5; BGE 125 IV 242 E. 3c, je m.H.).
- 39 -
5.3.14. Fazit
Insgesamt vermögen die unklaren und widersprüchlichen Aussagen der Beschul-
digten das Verletzungsmuster des Privatklägers nicht zu erklären beziehungswei-
se die überzeugenden Schlussfolgerungen des ärztlichen Befundes des Kinder-
spitals Zürich und der diversen Gutachten des IRM und FOR nicht zu entkräften.
Die beantragte Beweisergänzung (vgl. vorstehend, Erw. I.5.) ist nach dem Darge-
legten nicht geeignet, das Beweisergebnis umzustossen, weshalb sich eine weite-
re Beweisabnahme durch die Berufungsinstanz erübrigt. Eine Selbstbeibringung
der Verletzungen respektive ein Unfallereignis lässt sich gestützt auf die vorlie-
genden Beweismittel ausschliessen. Nach Würdigung sämtlicher Beweismittel –
insbesondere der Gutachten des IRM und FOR – bestehen somit keine unüber-
windbaren Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO, dass die Beschuldigte die
Verletzungen des Privatklägers durch zweimaliges Aufdrücken des heissen Bü-
geleisens auf dessen linke Wange verursacht hat. Der Anklagesachverhalt ist
somit vollumfänglich erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte der versuchten schweren Körperverletzung
im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig ge-
sprochen (Urk. 70 S. 34).
2. Würdigung
2.1. Eine schwere Körperverletzung begeht derjenige, der bei einer anderen
Person die in Art. 122 Abs. 1 bis Abs. 3 StGB aufgeführten Verletzungen verur-
sacht. Namentlich gemäss Art. 122 Abs.1 und Abs. 2 StGB macht sich derjenige
strafbar, der vorsätzlich einen Menschen lebensgefährlich verletzt oder den Kör-
per, ein wichtiges Organ oder Glied eines Menschen verstümmelt oder ein wichti-
ges Organ oder Glied unbrauchbar macht, einen Menschen bleibend arbeitsunfä-
hig, gebrechlich oder geisteskrank macht, das Gesicht eines Menschen arg und
bleibend entstellt.
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2.2. Zur Beurteilung der versuchten schweren Körperverletzung ergibt sich
aus dem Gutachten zur körperlichen Untersuchung des IRM vom 9. November
2017, dass der Privatkläger durch das zweimalige Aufdrücken des heissen Bü-
geleisens eine an der linken Gesichtsseite unterhalb des Auges, von der Nase bis
zum Kieferwinkel reichende bis zu ca. 7 cm lange und etwa 4 cm breite Hautläsi-
on erlitten hat, mit rotem Wundgrund und einzelnen, etwas ausgespart wirkenden
Zonen (Verbrennungen 2. Grades). An der augennahen Partie war die Läsion re-
lativ scharf begrenzt, kinnwärts lief die Verletzung unscharf begrenzt aus. Es zeig-
ten sich bräunlich-weissliche Verkrustungen, insbesondere in den kinnwärts lie-
genden Partien. Die Hautläsion liess zwei angedeutete dreiecksförmige Struktu-
ren erkennen, die eine mit ausgeprägt rotem Wundgrund, tiefere Gewebeschich-
ten betreffend und in Richtung der Nase zeigend, die andere mit blass rosa-
bräunlichem Wundgrund, eher oberflächliche Gewebeschichten betreffend und in
Richtung des linken äusseren Augenwinkels weisend. In gedachter Fortsetzung
einer Geraden der letztgenannten Verletzung zeigte sich zwischen dem linken
Nasenloch und der Oberlippe eine rosafarbene, oberflächliche und ca. 1.5 cm
lange Hautläsion. An der linksseitigen Unterlippe war eine bis zu ca. 1 cm lange
und etwa 0.5 cm breite, dunkelrötliche, streifenförmige Hautläsion zu erkennen
(Urk. 13/1 S. 2 f.). Dem Gutachten ist weiter zu entnehmen, dass die festgestell-
ten Verletzungen des Privatklägers voraussichtlich binnen einiger Wochen abhei-
len würden, eine bleibende Narbenbildung aber möglich sei (Urk. 13/1 S. 4). Die
vom Privatkläger erlittenen Verletzungen stellen objektiv Verletzungen im Sinne
von Art. 123 Ziff. 1 StGB dar, wobei in Übereinstimmung mit der Vorinstanz
(Urk. 70 S. 25) das zweimalige Aufdrücken des heissen Bügeleisens durch die
Beschuldigte auf die linke Gesichtsseite des zum Tatzeitpunkt 13 Monate alten
Privatklägers in objektiver Hinsicht grundsätzlich geeignet gewesen wäre, bei die-
sem bleibende und entstellende Brandnarben und damit Verletzungen im Sinne
von Art. 122 StGB zu verursachen.
2.3. Ein Versuch liegt unter anderem vor, wenn der zur Vollendung der Tat
gehörende tatbestandsmässige Erfolg nicht eintritt oder die strafbare Tätigkeit
nicht zu Ende geführt wird, nachdem der Täter mit der Ausführung des Verbre-
chens begonnen hat (Art. 22 Abs. 1 StGB). Vorausgesetzt wird damit, dass der
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Täter alle subjektiven Merkmale der Tat erfüllt, ohne dass die objektiven Merkma-
le vollumfänglich verwirklicht wurden. Die schwere Körperverletzung setzt Vorsatz
voraus, wobei Eventualvorsatz genügt (Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 12
Abs. 1 und 2 StGB).
2.4. Die Anklage wirft der Beschuldigten eventualvorsätzliches Vorgehen vor.
Nach ständiger Rechtsprechung ist Eventualvorsatz gegeben, wenn der Täter den
Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges für möglich hält, aber dennoch handelt,
weil er den Erfolg für den Fall seines Eintrittes in Kauf nimmt, sich mit ihm abfin-
det, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2 m.H.). Auf der
Wissensseite genügt es, wenn dem Täter die wesentlichen Umstände im Sinne
eines dauernden Begleitwissens mitbewusst waren (BGE 125 IV 242 E. 3e mit
Hinweis). Zu diesen wesentlichen äusseren Umständen gehören die Beweggrün-
de des Täters, die Art der Tathandlung (z.B. die Heftigkeit des Schlages und die
Verfassung des Opfers) und insbesondere das Risiko der Tatbestandsverwirkli-
chung bzw. des Erfolgseintrittes. Nach der Rechtsprechung darf vom Wissen des
Täters auf dessen Willen geschlossen werden, wenn sich ihm die Verwirklichung
der Gefahr als so wahrscheinlich aufdrängte, dass die Bereitschaft, sie als Folge
hinzunehmen, vernünftigerweise nur als Inkaufnahme des tatbestandsmässigen
Erfolges ausgelegt werden kann. Je grösser das Risiko der Tatbestandsverwirkli-
chung ist, desto eher darf gefolgert werden, der Täter habe nicht darauf vertrauen
können, dass sich das ihm bekannte Risiko nicht verwirklichen werde (vgl. Urteil
des Bundesgerichtes 6B_802/2013 vom 27. Januar 2014 E. 2.3.3; BGE 137 IV 1
E. 4.2.3; BGE 125 IV 242 E. 3c; BGE 101 IV 46; vgl. auch BGE 122 IV 122;
BGE 121 IV 253; BGE 119 IV 3; BGE 114 IV 153; BGE 109 IV 140; BGE 104 IV
159).
2.5. Dass ein heisses Bügeleisen mit derart hohen Temperaturen – gemäss
Gutachten liegt die maximale Temperatur zwischen 167 °C bis 204 °C (Urk. 56
S. 6) – im Gesicht eines Menschen und insbesondere bei der empfindlicheren
Haut eines einjährigen Kindes schwere Verbrennungen mit bleibenden und ent-
stellenden Brandnarben verursachen kann, zählt zum Allgemeinwissen. Dieses
Wissen ist der Beschuldigten anzurechnen. Die Beschuldigte musste durch das
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zweimalige Aufdrücken des heissen Bügeleisens auf die linke Gesichtshälfte des
Privatklägers nicht nur damit rechnen, dass es dabei zu gefährlichen Verletzun-
gen, sondern auch zu bleibenden und entstellenden Brandnarben im Gesicht des
Privatklägers hätte kommen können. Das Risiko und die Wahrscheinlichkeit des
Eintrittes des tatbestandsmässigen Erfolges ist beim zweimaligen Aufdrücken des
heissen Bügeleisens auf die gleiche Körperstelle im Gesicht des Privatklägers
derart gross und naheliegend, dass das Verhalten der Beschuldigten nur als In-
kaufnahme dieses Erfolges ausgelegt werden kann. Umso mehr, als es sich beim
Privatkläger um ihren 13 Monate alten Sohn und damit ein schutz- und wehrloses
Kind gehandelt hat. Der subjektive Tatbestand der versuchten schweren Körper-
verletzung ist damit ebenfalls erfüllt.
2.6. Die Beschuldigte hat sich somit der versuchten schweren Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
schuldig gemacht.
IV. Strafzumessung
1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz bestrafte die Beschuldigte mit einer bedingten Freiheitsstrafe von
24 Monaten unter Anrechnung von 4 Tagen Untersuchungshaft und Ansetzung
einer Probezeit von 2 Jahren (Urk. 70 S. 34). Die Staatsanwaltschaft beantragt im
Berufungsverfahren die Bestrafung der Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe
von 36 Monaten, wobei der Vollzug der Freiheitsstrafe im Umfang von 18 Mona-
ten aufzuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre festzusetzen sei (Urk. 71 S. 3;
Urk. 84).
2. Allgemeine Grundsätze
2.1. Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) in Kraft getreten
(AS 2016 1249). Die Beschuldigte hat die zu beurteilende Straftat vor Inkrafttreten
des revidierten Rechts verübt. Nach Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach neuem Recht
nur beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen be-
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gangen hat. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten des
neuen Rechts begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, ist das neue
Recht anzuwenden, wenn es für den Täter milder ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Wie
sich nachfolgend ergibt, ist die Beschuldigte mit einer längeren Freiheitsstrafe zu
bestrafen. In diesem Bereich erweist sich das neue Recht nicht als milder, wes-
halb das alte, bis zum 31. Dezember 2017 geltende Sanktionenrecht anzuwenden
ist.
2.2. Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vor-
instanzlichen Urteil zutreffend wiedergegeben und der massgebliche Strafrahmen
für die schwere Körperverletzung gemäss Art. 122 StGB korrekt mit Freiheitsstra-
fe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren abgesteckt (Urk. 70 S. 25 ff.). Dies
braucht nicht wiederholt zu werden.
3. Tatkomponente
3.1. Objektive Tatschwere
Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass die Beschuldigte dem
13 Monate alten Privatkläger zwei Mal das heisse Bügeleisen in dessen linke Ge-
sichtshälfte und damit auf eine empfindliche Körperstelle drückte. Dabei ist zu be-
rücksichtigen, dass Verletzungen und Narben im Gesicht nicht nur schmerzbe-
dingt stark ins Gewicht fallen, da die Haut dort besonders empfindlich ist, son-
dern diese auch die Schönheit erheblich beeinträchtigen können. Der Privatklä-
ger ist der Sohn der Beschuldigten und war ihr aufgrund seines jungen Alters
schutz- und wehrlos ausgeliefert, was verschuldenserhöhend zu berücksichtigen
ist. Vorausgesetzt, der tatbestandsmässige Erfolg der schweren Körperverletzung
wäre durch eine im Sinne von Art. 122 StGB schwere Verletzung in Form von
bleibenden und angesichts der möglichen Maximaltemperatur des Bügeleisens
argen Entstellungen und Brandnarben im Gesicht des Privatklägers eingetreten,
läge insgesamt eine mittlere objektive Tatschwere vor.
3.2. Subjektive Tatschwere
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Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist zu gewichten, dass die Beschuldig-
te nicht direktvorsätzlich handelte. Es ist nicht davon auszugehen, dass sie den
Privatkläger durch das zweimalige Aufdrücken des heissen Bügeleisens in sein
Gesicht quälen wollte. Vielmehr ist zugunsten der Beschuldigten anzunehmen,
dass dieser Übergriff in einem Moment der Erschöpfung/Überforderung geschah,
was verschuldensmindernd in die Gewichtung miteinzubeziehen ist. Dafür spre-
chen auch die Feststellungen, welche sich aus den Berichten aufgrund der KOFA-
Intensivabklärung und den beigezogenen Akten der KESB ergeben, welche die
Beschuldigte als fürsorgliche Mutter beschreiben. Die Tat wurde zudem nicht im
Voraus geplant und vorbereitet, sondern es handelte sich – wovon wiederum zu-
gunsten der Beschuldigten auszugehen ist – um eine spontane Aktion. Insgesamt
vermag die subjektive Tatschwere die objektive Tatschwere erheblich zu relativie-
ren. Das Verschulden ist gesamthaft dennoch als keineswegs mehr leicht einzu-
stufen. Die Vorinstanz erachtete dafür eine hypothetische Einsatzstrafe von 36
Monaten Freiheitsstrafe als angemessen. Dem kann beigepflichtet werden.
3.3. Verschuldensunabhängige Tatkomponente
Als verschuldensunabhängige Tatkomponente ist zu berücksichtigen, dass der
Privatkläger keine schweren Verletzungen im Sinne von Art. 122 Abs. 2 StGB er-
litten hat, sondern ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB vorliegt. Dies ist
strafmindernd zu berücksichtigen. Das Ausmass der Strafreduktion hängt dabei
von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolges und von der Schwere der tat-
sächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion der Strafe hat umso geringer auszu-
fallen, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je schwerwiegender die Folgen
der tatsächlichen Tat waren (BGE 121 IV 49 E. 1.b). Der Privatkläger erlitt zwei
Brandwunden an der linken Wange, welche keine langen Beeinträchtigungen
der körperlichen Integrität zur Folge hatten. Die Verbrennungen sind in der Zwi-
schenzeit vollständig verheilt und es blieben glücklicherweise keine Vernarbungen
zurück. Obwohl dies nicht dem Zutun der Beschuldigten, sondern vorwiegend
dem Zufall zu verdanken ist, ist strafmindernd zu gewichten, dass der Eintritt des
tatbestandsmässigen Erfolges einer schweren Körperverletzung nicht in unmittel-
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barer Nähe lag. Die Vorinstanz hat die hypothetische Einsatzstrafe auf 30 Monate
Freiheitsstrafe reduziert, was sich als angemessen erweist.
4. Täterkomponenten
4.1. Persönliche Verhältnisse
4.1.1. Die Beschuldigte führte zu ihren persönlichen Verhältnissen in der Unter-
suchung und vor Vorinstanz aus, sie sei in G._, Bosnien, geboren worden
und im Alter von 2 Jahren zusammen mit ihren Eltern in die Schweiz gekommen.
Sie sei zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Bruder bei ihren Eltern in
H._ aufgewachsen. Dort sei sie auch zur Schule gegangen. Sie habe die
Primarschule besucht und anschliessend zuerst die Sek. B, dann die Sek. C und
schliesslich eine Kleinklasse. Danach habe sie eine zweijährige Lehre als Detail-
handelsassistentin absolviert. Nach ihrem Lehrabschluss habe sie ca. 2 Jahre im
I._ gearbeitet. Später habe sie ca. 2 Monate bei J._ und einen Monat
bei K._ gearbeitet, bevor sie bei L._ am Flughafen Zürich begonnen ha-
be. Dort sei sie auf Stundenlohnbasis angestellt gewesen und habe irgendwann
keine Einsätze mehr bekommen. Deshalb sei sie dann 2018 für ca. 3 Monate zu
M._ arbeiten gegangen. Mittlerweile arbeite sie im Verkauf beim N._.
Sie sei im Stundenlohn angestellt und verdiene ca. Fr. 20.– pro Stunde. Seit dem
tt. März 2015 sei sie verheiratet. Sie lebe zusammen mit ihrem Ehemann und ih-
rem Sohn A._, geboren tt.mm.2016, in einer 31⁄2-Zimmerwohnung. Ihr Ehe-
mann arbeite nach wie vor bei L._ und verdiene monatlich ca. Fr. 4'600.–
netto. Sie habe kein Vermögen und keine Schulden (Urk. 7/9 S. 3 ff.; Urk. 37 S. 1
ff.; Urk. 57 S. 2 ff.).
4.1.2. Ergänzend führte die Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung
aus, dass sie seit Februar 2021 von ihrem Ehemann getrennt lebe und die Schei-
dung pendent sei. Sie sei zusammen mit ihrem Sohn in der ehelichen Wohnung
geblieben, für welche der Mietzins inkl. Garagenplatz monatlich Fr. 1'560.– betra-
ge. Sie sei nicht mehr in der Bäckerei angestellt, sondern arbeite als Lieferantin
auf Abruf, indem sie über Mittag Essen ausliefere. Sie habe erst kürzlich mit die-
ser Arbeit begonnen, deshalb wisse sie noch nicht, wie viel sie verdienen werde.
- 46 -
Ihr Ziel sei es, eine Stelle zu finden, welche sie auch behalten könne. Aktuell wer-
de sie vom Sozialamt unterstützt. Es gebe auch ein Urteil, wonach ihr Ehemann
ihr Unterhaltsbeiträge bezahlen müsse. Dieses Geld gehe aber direkt zum Sozial-
amt. Sie habe weder Vermögen noch Schulden. Seit Sommer 2021 gehe ihr Sohn
A._ in den Kindergarten und zusätzlich dreimal pro Woche in den Hort (Prot.
II S. 10 ff.).
4.1.3. Den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten sind keine strafzu-
messungsrelevanten Faktoren zu entnehmen.
4.2. Vorleben
Die Beschuldigte weist keine Vorstrafe auf (Urk. 72). Die Vorstrafenlosigkeit wirkt
sich nicht auf die Strafzumessung aus (BGE 136 IV 1, E. 2.6.4.).
4.3. Nachtatverhalten
4.3.1. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und im
Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten
eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wir-
ken sich strafmindernd aus. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständ-
nisse können eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121
IV 202 E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesondere davon
ab, in welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis erfolgte. Ein Geständnis
kann bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung so-
mit zugunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht
und Reue ist.
4.3.2. Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgesprochen positi-
ves Nachtatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem Drittel führen
kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von allem Anfang an
und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin oder nach
Vorlage entsprechender Beweise oder gar erst nach Ergehen eines erstinstanzli-
chen Schuldspruches. Ferner gehört kooperatives Verhalten in der Untersuchung
dazu, wenn beispielsweise aufgrund des Verhaltens eines Beschuldigten weitere
- 47 -
Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Rechenschaft gezogen werden können, was
ohne sein kooperatives Mitwirken nicht möglich gewesen wäre. Schliesslich ge-
hört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue dazu. Nur wenn all diese Faktoren er-
füllt sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Fehlen einzelne
Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern (WIPRÄCHTI-
GER/KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Auflage 2019, N 169 ff. zu
Art. 47 StGB).
4.3.3. Zwar ist die Beschuldigte nicht geständig und zeigt auch keine Einsicht in
das von ihr verübte Unrecht oder Reue. Zu berücksichtigen ist aber, dass sie sich
unmittelbar nach dem Vorfall um den Privatkläger kümmerte, den Kinderarzt kon-
taktierte, den Privatkläger ins Kinderspital brachte und ihn und seine Wunden
gemäss den Anweisungen der Ärzte pflegte. Ihr fürsorgliches Verhalten unmittel-
bar nach der Tat ist strafmindernd zu berücksichtigen. Zudem sind seit der Tat
mehr als 4 Jahre vergangen, in welchen sich die Beschuldigte wohlverhalten und
sich nichts mehr zu Schulden kommen lassen hat, was ihr ebenfalls zugutezuhal-
ten ist. Die Vorinstanz hat dem Nachtatverhalten der Beschuldigten mit einer Re-
duktion der Einsatzstrafe um 6 Monate angemessen Rechnung getragen. Dies
erweist sich namentlich aufgrund des Umstandes, dass die Beschuldigte durch
das mehrere Jahre dauernde Strafverfahren offensichtlich stark belastet wurde,
als zutreffend.
5. Fazit
Die Beschuldigte ist mit einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten zu bestrafen. Einer
Anrechnung der bereits erstandenen Untersuchungshaft von 4 Tagen steht nichts
entgegen (Urk. 23/1; Urk. 23/8; Art. 51 StGB).
V. Strafvollzug
1. Im vorinstanzlichen Urteil wurden die rechtlichen Voraussetzungen für ei-
nen vollständig bedingten Vollzug gemäss Art. 42 aStGB zutreffend wiedergege-
ben (Urk. 70 S. 30 f.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
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2. Vorliegend ist eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten auszufällen. Die Ge-
währung des bedingten Strafvollzugs ist daher objektiv möglich. Zu prüfen bleibt,
ob der Beschuldigten in subjektiver Hinsicht eine günstige Legalprognose gestellt
werden kann. Die Beschuldigte weist keine Vorstrafe auf (vorstehend,
Erw. IV.4.2.) und hat sich seit der Tat, welche nunmehr 4 Jahre zurückliegt, wohl-
verhalten und sich nichts mehr zu Schulden kommen lassen, sodass es sich um
eine einmalige Verfehlung handelt. Zudem belegen die Berichte aufgrund der
KOFA-Intensivabklärung und die Akten der KESB, dass die Beschuldigte seit dem
Vorfall einen guten Umgang mit dem Privatkläger pflegt und sich fürsorglich um
diesen kümmert, was die gute Prognose untermauert. Da die Beschuldigte auf-
grund der Trennung von ihrem Ehemann die Hauptbetreuungsperson für den Pri-
vatkläger ist, wäre ein nur teilweiser Aufschub des Vollzugs der Freiheitsstrafe
nicht nur für die Beschuldigte, sondern auch für den 5-jährigen Privatkläger äus-
serst einschneidend. Ferner ist davon auszugehen, dass die Beschuldigte sich
sowohl durch das vorliegende Strafverfahren und die erstandene Untersuchungs-
haft von 4 Tagen als auch die auszufällende Freiheitsstrafe genügend beeindru-
cken lässt, um sich in Zukunft gesetzeskonform zu verhalten. Entsprechend ist
der Vollzug der Freiheitsstrafe aufzuschieben.
3. Schiebt das Gericht den Vollzug einer Strafe ganz oder teilweise auf, so
bestimmt es dem Verurteilten eine Probezeit von zwei bis fünf Jahren (Art. 44
Abs. 1 StGB). Die Dauer der Probezeit ist nach den Umständen des Einzelfalls,
insbesondere nach Persönlichkeit und Charakter des Verurteilten sowie der Ge-
fahr seiner Rückfälligkeit, zu bemessen (HEIMGARTNER, in: DO-
NATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER, StGB-Kommentar, 20. Aufl., Zürich 2018,
N 1 zu Art. 44 m.w.H.). Die Beschuldigte ist Ersttäterin, weshalb die Probezeit auf
das gesetzliche Minimum von 2 Jahren festzusetzen ist.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungs-
dispositiv (Dispositivziffern 6-9) zu bestätigen.
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2. Die Beschuldigte und die Staatsanwaltschaft unterliegen mit ihren Berufun-
gen jeweils vollumfänglich, wobei sich die Berufung der Staatsanwaltschaft aller-
dings auf den Strafpunkt beschränkt. Demzufolge rechtfertigt es sich, der Be-
schuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme derjenigen der
amtlichen Verteidigung, im Umfang von zwei Dritteln aufzuerlegen und im Umfang
von einem Drittel auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung für das Berufungsverfahren in der Höhe von Fr. 11'400.– (Urk. 86)
sind auf die Gerichtskasse zu nehmen unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht
der Beschuldigten im Umfang der Kostenauflage von zwei Dritteln (Art. 426 Abs. 1
StPO in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO).