# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 61ed8cca-a9b8-4e26-bb8b-6fba66ed56e7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1978,
zog im Jahr 1990 von Bosnien in die Schweiz, wo seine Eltern
bereits als Saisonniers arbeiteten
. Von 1994 bis 1997 durchlief er eine Lehre als Heizungsmonteur, die er mit dem Eidgenössischen Fähigkeitszeug
nis abschloss. E
r ist Vater von vier Kindern (vgl.
Urk.
7/1-5) und lebt seit April 2014 in getrennter Ehe (vgl. die Angaben in der Anmeldung bei der Invaliden
versicherung vom
7.
November 2014,
Urk.
7/6, und die biografischen Angaben im Gutachten von
Dr.
med. Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom
5.
Dezember 2020,
Urk.
7/228
/10-12
).
1.2
Am 1
8.
September 2014 trat
X._
eine Vollzeitstelle
als Heizungsmon
teur an, die ihm vom
Personalunternehmen Z._
AG vermittelt worden war
(vgl.
Urk.
7/27/64)
.
B
ereits im Juni
und Juli
2014
hatten
Abklärungen wegen Schmerzen in der Lendenwirbe
lsäule stattgefunden
(
B
erichte des
Spitals A._
,
Urk.
7/27/20,
Urk.
7/27/21-22,
Urk.
7/27/
30 und Urk.
7/27/
31),
am 1
8.
September 2014
erfuhr
X._
eine
akute
Schmerzzunahme während der Arbeit (Berichte d
es
Spitals A._
vom 18.
und vom 1
9.
September 2014,
Urk.
7/27/
32 und
Urk.
7/27/28-29
), und
am 3.
Oktober
2014 traten beim Montieren eines Heizkörpers einschiessende Schmerzen in der unteren Lenden
wirbelsäule auf
.
Dieses letzte Ereignis liess
X._
Ende Oktober 2014 der Suva
melden
, nachdem er deswegen
v
om
7.
bis zum 2
4.
Oktober 2014 in der Klinik für Rheumatologie des
Universitätsspitals B._
hospitalisiert
gewesen war
(Austrittsbericht vom 24.
Oktober 2014,
Urk.
7/27/51-56
;
Radio
logieberichte
vom
7.
und vom 9.
Oktober 2014,
Urk.
7/34 und
Urk.
7/33
)
und die Arbeitgeberin das Arbei
tsverhältnis
am 2
4.
Oktober 2014 beendet
hatte
(
Urk.
7/27/64).
Nach einer stationären Rehabilitation in der
Klinik
C._ in D._
(
Bericht vom 1
2.
November 2014,
Urk.
7/22/4-8
) hielt sich
X._
vom 2
7.
Februar bis zum 1
3.
März 2015
wegen erneuter akuter Schmerzzunahme
ein weiteres Mal in der Klinik für Rheumatologie des
Universitätsspitals B._
auf (Austrittsbericht vom 1
3.
März 2015,
Urk.
7/69/37-46
;
Radiologiebericht
e
vom 2
7.
Februar und vom
2.
März 2015,
Urk.
7/69/33 und
Urk.
7/69/34). Dort liess die Suva
am 11.
März 2015 mit ihm eine B
esprechung durchführen
(
Urk.
7/69/48-50
); anschlies
send lehnte sie es mit Schreiben vo
m 2
2.
Mai 2015 ab, über den 30.
April 2015 hinausgehend Leistungen im Zusam
menhang mit dem Ereignis vom 3.
Oktober 2014 zu erbringen (
Urk.
7/69/
24-25). Der Bescheid blieb unbean
standet.
Bereits mit Verfügung vom
8.
Juli 2014 hatte die Suva zudem ihre Leistungen für einen Unfall vom 1
7.
September 2013 per
1.
Augus
t 2014 eingestellt (Urk. 7/22/9
11).
1.3
1.3.1
Am
7.
November 2014 hatte sich
X._
auch bei der Invalidenversiche
rung angemeldet (
Urk.
7/6).
Die Sozialversicherung
sanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog die Akten der Suva zum Ereignis vom Oktober 2014 bei (
Urk.
7/11,
Urk.
7/27 und
Urk.
7/69)
, holte den Bericht
des ambulant behandelnden Rheu
matologen
Dr.
med. E._
, Facharzt für Rheumatologie, vom
8.
März 2015
ein (
Urk.
7/32/1-5 mit den Vorberichten in
Urk.
7/32/6-17)
und
liess durch die Klinik für Rheumatologie des
Universitätsspitals B._
die Berichte vom 1
0.
und vom 2
7.
April 2015 erst
ellen (
Urk.
7/52/12-16 und Urk.
7/52/1-5)
.
Nachdem ein Kontakt mit dem Versicherten zunächst nicht zustande gekommen war (vgl.
Urk.
7/53-63), liess die IV-Stelle mit ihm
schliesslich
am 1
2.
November 2015 ein Gespräch im Hinblick auf die berufliche E
ingliederung führen
, teilte ihm jedoch
Anfang Januar 2016 mit, dass zurzeit keine Eingliederungsmassnahmen ange
zeigt seien, da er sich zu einer Teilnahme daran gesundheitlich nicht in der Lage fühle, und stellte den Entscheid über seinen Rentenanspruch in Aussicht
(Ver
laufspro
tokoll und Mitteilung je vom 5.
Januar 2016,
Urk.
7/64 und
Urk.
7/65).
Im Zuge der weiteren Anspruchsprüfung
nahm die IV-Stelle eine rheumatolo
g
i
sche
Konsiliarbeurteilung
von
Dr.
med. F._
, Facharzt für Rheumato
lo
gie und Innere Medizin, vom 3
1.
März 2015 zuhanden der Zürich
Versiche
rungs
-Gesellschaft AG (Krankentaggeldversicherer der ehemaligen Arbeitsgebe
rin) zu den Akten (
Urk.
7/70/1-10)
. Des Weiteren holte sie den Bericht von
Dr.
med. G._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, vom 2
5.
Februar 2016 (Ein
gang) ein (
Urk.
7/72/1-4 mit dem
Radiologiebericht
vom 1
2.
Oktober 2015,
Urk.
7/72/5) und erfuhr dabei von einem Aufenthalt des Versicherten im
Spital A._
in der zweiten Novemberhälfte
2015 (Austrittsbericht vom 27.
November 2015,
Urk.
7/72/6-7). S
ie liess daher
durch das
Spital A._
, wo der Versicherte ambulant weiterbehandelt wurde,
ebenfalls einen Bericht erstellen (Bericht vo
m 1
0.
November 2016,
Urk.
7/80).
Von Anfang November bis vor Weihnachten 2016 und wiederum ab Mitte Januar 2017 war der Beschwerdeführer in der
p
sychiatrische
n
Klinik H._
, Zentrum für Depressionen, Angsterkrankungen und Psychotherapie,
hospitalisiert
(
Austrittsbericht vom 2
4.
April 2017,
Urk.
7/95/2-8);
nach dem
Austritt von
Ende März 2017
trat er für die ambulante Weiterbehandlung ins
Zentrum für Aku
te Psychische Erkrankungen der p
sychiatrische
n
Klinik H._
über
. Die
IV-Stelle
liess sich über diese Behandlungen wiederum Bericht erstat
ten (
Bericht vom 1
6.
Februar 2017
über den stationären Aufenthalt
, Urk.
7/89;
Bericht
vom
1.
September 2017
über die ambulante Behandlung
, Urk.
7/113) und holte
d
es
Weiteren den Bericht des
Rehazentrums
I._
vom 2
1.
September 2017 zu einem Aufen
thalt vom 1
6.
August bis zum 2.
September 2017 ein (
Urk.
7/115).
1.3.2
Nachfolgend gab die IV-Stelle
auf die Empfehlung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) hin (Stellungnahmen von
Dr.
med. J._
, Facharzt für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie, und
Dr.
med. K._
, Facharzt für Psy
chiatrie und Psychotherapie,
vom 2./
4.
Oktober 2017,
Urk.
7/230/11-12)
eine polydisziplinäre Begutachtung des Versicherten im
L._
in Auftrag; das
L._
stellte das Gutachten am
1.
März 2018 fertig (
Urk.
7/136
und die Beilagen in
Urk.
7/137
;
Dr.
med. M._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
N._
, Facharzt
für
Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med. O._
, Facharzt für Neurologie,
Dr.
med. P._
, Facharzt für Rh
eumatologie, und
lic
. phil. Q._
,
Fachpsychologe für
Neu
ropsycholog
i
e).
Nachdem
Dr.
J._
am
2.
März 2018 zum Gutachten Stellung genommen hatte (
Urk.
7/230/15)
,
wies die IV-Stelle den Versicherten m
it Schreiben vom 2
6.
März 2018 dazu an, sich während drei bis fünf Monaten einer psychiatrisch-psycho
therapeutischen Behandlung zu unterziehen (
Urk.
7/139). Die Klini
k
R._
,
Dr.
med.
S._
, Fachärztin für Psychiatrie u
nd Psychotherapie, und
M.Sc
. T._
,
Eidg
. anerkannte Psychotherapeutin, teilte der IV-Stelle daraufhin am
3.
Mai 2018 mit, dass der Versicherte dort bereits seit dem 1
0.
November 2017 in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung stehe, und informierte sie über den Behandlungsplan (
Urk.
7/145).
Ausserdem verfasste die Klinik
z
uhanden der IV-Stelle
den Verlaufsbericht vom
3.
Oktober 2018 (
Urk.
7/160)
.
Vom
4.
März bis zum
2.
Juni 2019 durchlief der Versicherte in der Institution
U._
ein von der IV-Stelle finanziertes Be
lastbarkeitstraining (vgl. Urk.
7/163-177, insbesondere die Zielvereinbarung in
Urk.
7/170 und den Abschluss
bericht vom 1
1.
Juni 2019,
Urk.
7/177).
An dieses schloss sich ein Auf
bautraining (einschliesslich eines Prakti
kums im Betrieb V._
) an, für das ebenfalls die
U._
verantwortlich zeichnete. Nachdem das Aufbau
training zunächst verlängert worden war, wurde es per
4.
Oktober 2019
vorzeitig
abgebrochen
(vgl.
Urk.
7/178-194, insbesondere die Zielvereinbarung in
Urk.
7/179, die Praktikumsvereinbarung in
Urk.
7/180
, den Zwischenbericht vom
9.
September 2019,
Urk.
7/188, und den Abschlussbericht vom 1
4.
Oktober 2019,
Urk.
7/193; vgl. auch die Notizen der Berufsberatungsstelle über den Austausch mit dem Versicherten und der
U._
,
Urk.
7/195/5-11).
Im Anschluss an diesen Abbruch war der Versiche
rte vom 1
5.
Oktober bis zum 19.
November 2019 erneut im
Zentrum für Depressionen, Angsterkrankungen und Psychothe
rapie der psychiatrischen Klinik H._
hospitalisiert (Bericht vom 1
6.
Januar 2020,
Urk.
7/200)
; danac
h erstattete die Klinik
R._
, med.
pract
. W._
und
M.Sc
.
T._
, der IV-Stelle am 1
7.
Juni 2020
über die damalige ambulante Behandlung
Bericht (
Urk.
7/205).
Am
5.
März 2020 war dem Versi
cherten überdies zur Wahrnehmung der administrativen
A
ngelegenheiten, nament
lich im Zusammenhang mit der Wohnsituation, und zur Unterstützung bei der beruflichen Integration und bei der Etablierung einer Tagesstruktur ein Beistand bestellt worden (Ernennungsurkunden,
Urk.
7/203 und
Urk.
7/209).
1.3.3
Auf A
nraten der RAD-Ärzte
Dr.
J._
und
Dr.
K._
(Stellungnahmen
vom 1./6.
Juli 2020,
Urk.
7/230/17-19) beauftragte die IV-Stelle
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit der Erstellung des psychiat
rischen Verlaufsgutachtens vom
5.
Dezember 2020 (
Urk.
7/228). Nachdem
Dr.
K._
am 1
7.
Dezember 2020 zu
m
Gutachten Stellung genommen hatte (
Urk.
7/230/
19-20), eröffnete die IV-Stelle dem Versicherten mit Vorbescheid vom 1
1.
März 2021, dass sie seinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi
cherung zu verneinen gedenke, da
sich
sein Invaliditätsgrad lediglich auf 30
%
belaufe (
Urk.
7/231; Einkommensvergleich und Feststellungsblatt in
Urk.
7/229 und
Urk.
7/230). Mit Eingabe vom 2
1.
April 2021 liess der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Peter Stadler
,
Einwendungen gegen den Vorbescheid
erheben
(
Urk.
7/239)
und
in materieller Hinsicht
beantragen
,
ihm s
ei eine I
nvali
denrente
zuz
u
sprechen, eventualiter sei zu seinem Gesundheitszustand und zur Arbeitsfähigkeit ein neues psychiatrisches Gutachten einzuholen (
Urk.
7/239/1)
. Als neues Beweismittel liess er eine S
tellungnahme der Klinik
R._
vom 1
9.
April 2021 zum Gutachten von
Dr.
Y._
einreichen (
Urk.
7/236).
Mit Verfügung vom
8.
Oktober 2021 entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vor
bescheids und verneinte den Anspruch des Versicherten auf Leistungen der Inva
lidenversicherung (
Urk.
2 =
Urk.
7/244; Feststellungsblatt in
Urk.
7/243).
Des Weiteren wies sie mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 2021 den Antrag des Ve
r
si
cherten auf die unentgeltliche Rechtsvertretung im
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/239/1) ab (
Urk.
7/249).
2.
Gegen die Verfügung vom
8.
Oktober 2021 liess
X._
durch Rechts
anwalt
Dr.
Peter Stadler mit Eingabe vom
2.
November 2021 Beschwerde erheben (
Urk.
1) und liess seine Anträge, die er im
Vorbescheidverfahren
hatte stellen lassen, erneuern (
Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 1
6.
Dezember 2021 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6).
Mit Verfügung vom
2
0.
Dezember 2021 wurde der Beschwerdeführer von der Beschwerdeantwort in Kenntnis gesetzt. Gleichzeitig wurde ihm antragsgemäss die unentgeltliche Pro
zessführung und die unentgeltliche Rechtsvertretung gewährt (
Urk.
8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2).
2.2
Im Hinblick auf das Erfordernis in Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG hat das Bundes
gericht spezifische Leitlinien aufgestellt. Im Grundsatzurteil vom 3. Juni 2015 (BGE 141 V 281) hat es in Änderung seiner bisherigen Rechtsprechung ein neues Prüfungsraster in Form von spezifischen Standardindikatoren entwickelt, anhand dessen die Auswirkungen von sogenannten
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage, ins
besondere von somatoformen Schmerzstörungen und vergleichbaren Leiden, zu ermitteln sind. Das Raster präsentiert sich wie folgt (BGE 141 V 281 E. 4.1.3 und E. 6):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck.
In einem weiteren Schritt hat das Bundesgericht in zwei Grundsatzurteilen vom 30. November 2017 die Anwendbarkeit der neu entwickelten Standardindi
ka
to
ren auf grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen ausgedehnt, indem es für alle diese Erkrankungen das strukturierte Beweisverfahren als mass
gebend erklärt hat (BGE 143 V 418 E. 7, 143 V 409 E. 4.4 und E. 4.5). Damit hat das Bundesgericht insbesondere seine bisherige restriktive Rechtsprechung zu den depressiven Störungen fallengelassen und nicht länger daran festgehalten, dass Depressionen leicht- bis mittelgradiger Natur nur dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht kommen, wenn sie erwiesenermassen therapieresistent sind. Ferner hat das Bundesgericht mit einem Grundsatzurteil vom 11. Juli 2019 die Unterscheidung zwischen invalidenversicherungsrechtlich irrelevanten pri
mären Abhängigkeitssyndromen und invalidenversicherungsrechtlich relevan
ten krankheitswertigen Folgen oder Ursachen eines Abhängigkeits
syndroms auf
gege
ben und hat neu erkannt, dass bei fachärztlich diagnostizierten Abhängig
keits
syndromen wie bei allen anderen psychischen Erkrankungen nach dem struktu
rierten Beweisverfahren mittels Standardindikatoren zu ermitteln ist, ob und gegebenenfalls inwieweit sich diese Leiden im Einzelfall auf die Arbeits
fähigkeit der versicherten Person auswirken (BGE 145 V 215 E. 7).
2.3
Gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 % oder auf eine
Viertels
rente
, wenn sie mindestens zu 40 % invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalidenein
kom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch entsteht nach Art. 28 Abs. 1 IVG frühestens in dem Zeit
punkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40 % arbeitsunfähig war (
lit
. b), sofern sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (
lit
. c). Zusätzlich kann der Rentenanspruch gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG nicht vor Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung entstehen.
2.4
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Ver
sicherte haben nach Art. 8 Abs.
1 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen. Zu diesen Massnahmen gehören die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung nach
Art.
14a IVG (
Art.
8
Abs.
3
lit
.
a
bis
IVG) und die in
Art.
15 ff. IVG geregelten Massnahmen beruflicher Art (
Art.
8
Abs.
3
lit
. b IVG).
Nach dem Prinzip «
Eingliederung vor Rente», wie es
in
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG in der ab Januar 2008 geltenden Fassung ausdrücklich festgeschrieben worden ist, aber schon vorher gegolten hatte, kann vor der Durchführung von Einglie
de
rungsmassnahmen, insbesondere derjenigen beruflicher Art, eine Rente grund
sätzlich nur gewährt werden, wenn die versicherte Person wegen ihres Gesund
heitszustandes (noch) nicht eingliederungsfähig ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_186/2009 vom 2
9.
Juni 2009 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 121 V 190 E. 4a und c). Ausserdem schliesst das Bundesgericht in bestimmten Kons
tellationen einen Rentenanspruch auch bei an sich eingliederungsfähigen Perso
nen solange nicht aus, als die Erwerbsunfähigkeit nicht oder noch nicht mit geeigneten Eingliederungsmassnahmen tatsächlich behoben oder in einer für den Rentenanspruch erheblichen Weise verringert werden konnte (vgl.
das
Urteil des Bun
desgerichts I 291/05 vom 3
1.
März 2006 E. 3.2 mit Hinweis; vgl. auch die
Urteile des Bundesgerichts 9C_892/2011 vom 2
1.
September 2012 E. 3.3.1 und 9C_420/2011 vom 2
1.
Juli 2011 E. 4.2 mit Hinweisen).
2.5
Im sozialversicherungsrechtlichen Verfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Der Versicherungsträger prüft nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG die Begehren, nimmt die not
wendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Aus
künfte ein, wobei mündlich erteilte Auskünfte schriftlich festzuhalten sind.
Für die Beurteilung von Rechtsfragen, denen medizinische Sachverhalte zugrunde liegen, ist das Gericht auf Angaben und Unterlagen von medizinischen Fach
perso
nen, namentlich von Ärztinnen und Ärzten, angewiesen. Hinsichtlich des Beweis
wertes eines Arztberichtes ist nach höchstrichterlicher Praxis entscheidend, ob der Bericht für die strittigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten oder der Expertin begründet sind (BGE
134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a).
3.
Z
u prüfen sind die Ansprüche des Beschwerdeführers aufgrund seiner A
nmeldu
ng vom
7.
November 2014 (
Urk.
7/6).
Nach
dem die Beschwerdegegnerin die
Unterlagen zu den ambulanten und stati
onären Abklärungen und Behandlungen
beigezogen hatte,
den Beschwerdeführer
durch das
L._
polydisziplinär hatte begutachten lassen
(
Urk.
7/136)
und ihm
auferlegt hatte, sich (weiterhin) der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behand
lung
zu unterziehen
(
Urk.
7/139)
, gewährte
sie ihm
von Anfang März bis Anfang Oktober 2019 Unterstützung in der beruflichen Eingliederung in Form eines Belastbarkeits- und eines A
ufbautrainings (Urk.
7/163-194).
Nach dem vor
zeitigen Abbruch des Aufbautrainings standen keine weiteren Eingliederungs
massnahmen mehr zur Diskussion,
sondern die Beschwerdegegnerin ermittelte anhand der Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen im Gutachten des
L._
und im psy
chiatrischen Verlaufsgutachten von
Dr.
Y._
(
Urk.
7/228) eine gesundheits
bedingte Erwerbseinbusse von 30
%
und
begründete die
anspruchsverneinende Verfügun
g
vom
8.
Oktober 2021
damit, dass der Mindestinvaliditätsgrad von 40
%
nicht erreicht sei (
Urk.
2 S. 2). Da nur der Anspruch auf eine Invalidenrente
einen Mindestinvaliditätsgrad von 40
%
voraussetzt (vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG)
, nicht aber der Anspruch auf andere Leistungen der Invalidenversicherung, namentlich auf berufliche Massnahmen
(vgl.
BGE 130 V 488
E. 4.2), ist als Gegenstand der angefochtenen Verfügung
ungeachtet der
missverständlichen
Formulierung
«Ke
in Anspruch auf IV
Leistungen»
der Rentenanspruch zu erach
ten. Der Anspruch auf (weitere) Eingliederungsmassnahmen ist
aber
insofern ebenfalls Verfahrensgegenstand, als der Grundsatz der «Ein
gliederung vor Rente» stets
die
Prüfung
solcher Massnahmen
gebietet, bevor über
die Rente
befunden wird.
4.
Der B
eschwerdeführer litt in den Jahren 2014 und 2015 verschiedentlich an akuten Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule, ohne dass
jedoch
der behandelnde Rheumatologe
Dr.
E._
(
Urk.
7/32/1-4)
oder
die medizinischen Fachpersonen des
Spitals A._
(September 2014
und November 2015
;
Ur
k.
7/27/20,
Urk.
7/27/21-22
und
Urk.
7/72/6-7
) und der Klinik für Rheumato
logie des
Universitätsspitals B._
(Oktober 2014 und Februar/März 2015
;
Urk.
7/27/51-53 und
Urk.
7/69/37-42
) diese Schmerzen eindeutigen radiologi
schen oder neurologischen Befunden
zuordnen konnten
.
In der
Klinik für Rheu
matologie des
Universitätsspitals B._
wurde
zwar
im Frühjahr 2015
eine
Diskusprotrusion
auf der Höhe L4/5 fest
gestellt
und ein sensibles Ausfallsyndrom
im Bereich S2 konstatiert
; bei fehlenden Anhaltspunkten für Nervenkompressio
nen wurden
als Hauptursache der Schmerzproblematik aber die
ausgesprochen
myofaszialen
Befunde
erachtet
(
Urk.
7/69/38
und
Urk.
7/52/1+3)
.
Dr.
F._
sodann
hielt
die geklagten anhaltenden, massiven Beschwerden in der
Konsiliar
beurteilung
zuhanden der «Zürich» vom März 2015 aus rein somatisch-rheuma
tologischer Sicht nicht für erklärbar (
Urk.
7/70/9), und das
Spital A._
konnte anlässlich der stationären Behandlung des Beschwerdeführers im Novem
ber 2015, wo zusätzlich Kniebeschwerden
zur Spra
che kamen, keine zusätzlichen
Befunde erheben
, welche zur Erklärbarkeit der B
eschwerden aus soma
tischer Sicht beigetragen hätten
; insbesondere liess sich eine vermutete
Psoriasisarthritis
nicht
zweifelsfrei
bestätigen
(
Urk.
7/72/6-7 und
Urk.
7/80).
Die
medizinischen Fachpersonen der
Klinik für Rheumatologie des
Universitätsspitals B._
vermuteten indessen
im Bericht vom März 2015
–
wie
vorher
schon
Dr.
E._
und die Ärzte der Klinik
C._
(
Urk.
7/32/8-9 und
Urk.
7/22/4-5)
–
die Beteiligung einer psychischen P
roblematik am Beschwerdebild, und im Rahmen eines psychiatrischen Konsiliums wurde eine leicht- bis mittelgradige depressive Episode diagnostiziert
,
eine
medikamentöse
an
tidepressive Thera
pie eingeleitet und eine ambulante Psychotherapie empfohlen (
Urk.
7/69/38-39 und
Urk.
7/52/
1+3
)
. Di
e Vermutung einer psychischen Problematik wurde in der Zeit ab November 2016 fachärztlich bestätigt, a
ls der Beschwerdeführer in der p
sy
chiatrischen Klinik H._
hospitalisiert war und anschliessend
dort in eine
ambulant
e Behandlung übertrat
.
W
ährend des stationären Aufenthaltes
sahen
die Ärzte die Kriterien für eine schwere depressive E
pisode
(F32.2
der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheitsorga
nisation [ICD-10]
) als erfüllt an
und diagnostizierten zusätzlich eine posttrauma
tische Belastungsstörung
(ICD-10 F43.1)
nach einem
Autou
nfall
des J
ahres 2013 (
Urk.
7/89/3+5, Urk.
7/95/2+3+5)
;
im Rahmen der
ambulanten Behandlung schloss sich
d
er Arzt des Zentrums für Akute Psychische Erkrankungen
,
Dr.
med. AA._
,
diese
n
Diagnosen
an
(
Urk.
7/113/2) und sprach von einer erschwer
ten Behandelbarkeit angesichts eines bereits
chronifizierten
psychiatrischen Krankheitsprozesses
(Urk.
7/113/4
5)
.
A
uch die medizinischen Fachpersone
n des
Rehazentrums
I._
, wo der Beschwerdefü
hrer auf die Empfehlung von Dr.
AA._
hin (
Urk.
7/113/3+5) die stationäre Rehabilitation vom Herbst 2017 durchlief,
übernahmen die bisherige psychiatrische
D
iagnostik
und nannten
neben
den Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung, aktuell mittel
gradig
(ICD-10 F33.1)
, und einer posttraumatischen Belastungsstörung
(ICD-10 F43.1)
zusätzlich
die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somati
schen und psychischen Faktoren
(ICD-10 F45.41
;
Urk.
7/115/1
)
.
Die
unzureichende Erklärbarkeit der geklagten
körperlichen Beschwe
rden auf der einen Seite und die
festgestellte
psychische
Problematik auf der anderen Seite führte
n
zur Veranlassung der polydisziplinären Begutachtung des Beschwerde
führers im
L._
.
5.
5.1
Die klinische Untersuchung durch den neurologischen Gutachter
Dr.
O._
ergab im Wesentlichen unauffällige Befunde (
Urk.
7/136/41-42)
,
und
der Neuro
loge
gelangte in Analyse der vorhandenen
Radiologieberichte
wie die vorher involvierten Fachpersonen zum Schluss, dass
hinsichtlich des
wiederum festge
stellte
n
sensible
n
Defizit
s
im Bereich S2
k
eine
bildgebend erkennbaren
Anhalts
punkte für eine Wurzelläsion bestünden
(
Urk.
7/136/44-45). Neben den bekann
ten Schmerzen in der Lendenwirbelsäule schilderte der Beschwerdeführer nunmehr auch Kopfschmerzen und Beschwerden, die von der Halswirbelsäule ausgingen;
Dr.
O._
konnte jedoch auch zervikal keine Hinweise auf eine von den Nerven ausgehende Symptomatik erkennen (
Urk.
7/136/44). Dement
sprechend diagnostizierte er aus der Sicht seines Fachgebietes ein
zervikogenes
Schmerzsyndrom ohne Nachweise einer
radikulären
und/oder spinalen Reiz- und A
usfallsymptomatik und
ein
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
mit einem sensiblen Defizit im
Dermatom
S2 rechts, aber
ohne reproduzierbar
es
radikuläres
Reizsyndrom,
und stufte die rezidivierenden Kopfschmerzen als Symptomatik im Rahmen der Schmerzgeneralisierung und eines Medikamentenübergebrauchs ein (
Urk.
7/136/43+45).
Der rheumatologische Gutachter
Dr.
P._
setzte sich insbesondere mit der Verdachtsdiagnose einer
Psori
asisarthritis
auseinander, die der behandelnde Arzt
Dr.
med.
AB._
_
des
Spitals A._
formuliert hatte
(vgl.
Urk.
7/80/
6
7)
, konnte jedoch in einem zusätzlich beigezogenen
Bericht der Klinik AC._
über
eine magnetresonanztomographische Untersuchung der gesamten Wirbelsäule (vgl.
Urk.
7/136/10) nur diskrete Hinweise finden, die diese D
iagnose
hätten
stützen können (
Urk.
7/136/56-57). Als Hauptdiagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er deshalb ein chronisches
lumbospon
dylogenes
Schmerzsyndrom (
Urk.
7/136/54) und wies auf die deutlichen Zeichen einer Schmerzfehlverarbeitung hin (
Urk.
7/136/55)
.
A
ufgrund der erhobenen Befunde und der gestellten Diagnosen gelangten der neurologische und der rheumatologische Gutachter übereinstimmend zur
Beur
teilung, dem Beschwerdeführer sei die angestammte Tätigkeit als Heizungsmon
teur nicht mehr zuzumuten, hingegen sei er in einer angepassten Tätigkeit, vom Neurologen als Tätigkeit mit körperlich leichter bis intermittierend mittelschwerer Belastung ohne Körperzwangshaltungen und ohne repetitives Bücken/Wieder
aufrichten definiert, zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
7/136/46 und
Urk.
7/136/59).
Von Seiten der All
gemeinen Inneren Medizin
ergab sich gemäss
Dr.
M._
keine zusätzliche Problematik mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
Urk.
7/136/14).
5.
2
Der Psychiater
Dr.
N._
sodann stellte im Rahmen des Explorationsgesprächs und des Aktenstudiums die Diagnosen einer rezidivierenden depressiven Störung mit gegenwärtig leichtgradiger Episode
(ICD-10 F33.0) und einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.4
;
Urk.
7/136/22
+28
)
und
begrün
dete
ferner
, weshalb er die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung aufgrund des Autounfalles des Jahres 2013 nicht bestätigen könne (
Urk.
7/136/23
-24
). I
m Einklang
mit der
Beurteilung aus somatisch-medizinischer
Sicht
erachtete er den Beschwerdeführer für die Tätigkeit als Heizungsmonteur auch aus psychiatrischer Sicht
nicht mehr als arbeitsfähig
,
zum einen wegen
der Schmerzen im Rahmen der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
und zum andern aufgrund der depression
sbedingten erhöhten Ermüdbarkeit
; in Bezug auf eine angepasste Tätigkeit, beschrieben als Tätigkeit ohne körperlich schwere Arbeiten und
mit
der Möglichkeit, bei Bedarf kurze Pausen einzulegen, ging er aufgrund der depressiven Symptome aktuell von einer Reduktion von 30
%
aus (
Urk.
7/136/31).
Der neuropsychologische Gutachter
lic
. phil.
Q._
schliesslich stellte bei durch
wegs konsistentem Verhalten eine minimale neuropsychologische Störung mit einer im Schwerpunkt links-
fronto
-temporalen Funktionsschwäche fest und schrieb dieser Störung eine entsprechend minimale bis leichte Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit zu (
Urk.
7/136/
72+
73)
.
5.
3
In der Gesamtbeurteilung übernahmen die
Gutachter die
Diagnosen und die
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung
en
in den einzelnen Fachgutachten
und hielten zusammenfassend fest, dem Beschwerdeführer sei die angestammte Tätigkeit seit 2013 nicht mehr zuzumuten und in einer angepassten Tätigkeit
sei von einer Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit von 30
%
auszugehen (
Urk.
7/136/80-81).
6.
6.
1
Neben der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung äusserten sich die Gutachter des
L._
auch zur medizinischen Behandlung und zur Eingliederung und hielten fest, die umfangreiche analgetische Medikation sei wegen des Risikos einer Verfestigung der analgetisch bedingten Kopfschmerzkomponente ungeeignet, hingegen sei eine leitliniengetreue psychiatrische Behandlung mit suffizienter antidepressiver Medikation zu installieren (
Urk.
7/136/77).
Aufgrund dieser Beurteilung
erging die Anweisung an den Beschwerdeführer
vom 2
6.
März 2018
zur Behandlungsaufnahme
(
Urk.
7/139), und die Beschwerde
gegnerin erfuhr dabei von der bereits begonnen
en
psychiatrischen Behandlung in der Klinik
R._
mit den Zielen der Verarbeitung des traumatisch erlebten Verkehrsunfalles im Jahr 2013, der Reduktion der depressiven Symptomatik, des Erlernens von Schmerzbewältigungsmassnahmen und der Reintegration in den Arbeitsmarkt (
Urk.
7/145). Nachdem die
Psychiaterin Dr.
S._
im Verlaufsbericht
der Klinik
R._
vom
3.
Oktober 2018 unter Nennung der Diag
nosen einer gegenwärtig mittelschweren depressiven Episode und einer
chronifi
zierten
anhaltenden somatoformen Schmerz
störung
eine
langf
ristig gute
Prog
nose für die Wiedererlangung der A
rbeitsfähigkeit gestellt
und ein schrittweise gesteigertes Belastungstraining empfohlen hatte (
Urk.
7/160/5+7), wurde im Früh
jahr 2019 das Belastbarkeits
training
bei der
U._
eingeleitet.
6.
2
Im Abschlussbericht vom 1
1.
Juni 2019
attestierten die Verantwortlichen dem Beschwerdeführer
einerseits
gute Leistungen in Bereichen, die mit seinem beruf
lichen Hintergrund zu tun hätten, und erwähnten seine Fähigkeit, selbständig und zielorientiert zu arbeiten und Aufgaben in der vorgegebenen Zeit zu erledigen.
Anderseits hielte
n sie aber fest, der Beschwerdeführer
habe noch keine stabile Präsenzzeit von vier Stunden im Tag erreichen können, sondern verzeichne beim
Versuch der
Pensumss
teigerung
zunehmende
Fehlzeiten unter
Angabe von
depres
sive
n
Phasen und Schmerzen und wirke
bei erkennbarer depressiver Symp
tomatik
psychisch nicht stabil; des Weiteren wiesen sie auf Instabilitäten in der Arbeitsweise hin, indem der Beschwerdeführer einerseits wegen der Schmerzen sehr eingeschränkt konzentrationsfähig sei und immer wieder Pausen benötige, sich aber anderseits
in eine Arbeit hineinsteigern und stark unter Druck setzen könne
und dabei die Pausen vergesse
(
Urk.
7/177/2-4
).
Im Rahmen des
anschliessenden
Aufbautrainings
erreichte der
Beschwerdeführer gemäss dem Zwischenbericht vo
m
9.
September 2019 zwar zunächst das Ziel
, die Präsenz
zeit von vier Stund
en einzu
halten
,
und den Verantwortlichen schien eine gewisse Besserung des psychischen Z
ustands eingetreten zu sein;
i
m Übrigen
zeigten sich gemäss den Berichterstattern aber immer noch dieselben Problem
kreise wie im Rahmen des Belastbarkeitstrainings
,
mit guten Leistungen in prak
tischen, dem Beschwer
deführer zusagenden Tätigkeiten
und den bekannten
S
chwierigkeiten
durch eine eingeschränkte
Konzentration und Aufnahmefähig
keit auf der einen Seite und
eine zu starke
Verausgabung auf der andern Seite.
Auch hielten die Berichterstatter die Motivation für gewisse Aufgaben für redu
ziert, beispielsweise
im Bereich
EDV und Büro
(wo der Beschwerdeführer ein Praktikum absolvierte)
,
bezeichneten es allerdings als schwierig
, gesundheitliche Aspekte und Aspekte der Motivation auseinanderzuhalten.
Des Weiteren
trat
eine Diskrepanz zu Tage zwischen dem Bestreben des Beschwerdeführers, im Team eine Führungsrolle zu übernehmen, und der mangelnden Initiative und Selbstän
digkeit selbst in privaten Belangen
(
Urk.
7/188/2-4). Gemäss dem Austrittsbericht vom 1
4.
Oktober 2019 gelang es
dem Beschwerdeführer
sodann
auch
im weiteren Verlauf nicht, die Schwierigkeiten zu bewältigen, sondern diese nahmen vielmehr zu
,
und
die Berichterstatter
hielten fest, der Beschwerdeführer habe ein Praktikum im betriebsinternen Take-
away
wegen starker Schmerzen nach wenigen Tagen abbrechen müs
sen und
sei infolge einer kompletten Überforderung auch sonst nicht dazu in der Lage gewesen, in seinen Angelegenheiten Eigeninitiative zu ergreifen und
sich
selbständig zu organisieren (
Urk.
7/193/2-5).
Deshalb
hielten sie g
egenwärtig nicht einmal die Eingliederung in eine Arbeitstät
igkeit im geschütz
ten Rahmen für
möglich (
Urk.
7/193/3).
Zunehmend klagte der Beschwer
deführer
alsdann
über eine Verstärkung der depressiven Symptomatik (
Urk.
7/193/5), was im Oktober 2019 zur e
rneuten
Hospitalisation
in der p
sychi
atrischen Klinik H._
und zum damit einhergehenden Abbruch des Aufbautrainings führte (vgl.
Urk.
7/195/10-11).
6
.3
Über den erneuten Klinikaufenthalt berichtete
n die Fachpersonen der
psychiatrischen Klinik H._
der Beschwerdegegnerin am 1
6.
Januar 20
2
0,
beim Eintritt habe der Beschwerdeführer über Niedergeschlagenheit, Antriebs
losigkeit Konzentrationsstörungen und Lustlosigkeit sowie über Gefühllosigkeit und Schuldgefühle geklagt und er habe auch
Albträum
e
und
Flashbacks aufgrund von Kriegserfahrungen
erwähnt
(
Urk.
7/200/3). Im Behandlungsverlauf sei d
as initial festgestellte depressive Zustandsbild zurückgegangen, nachdem eine Anpassu
ng der
–
längere Zeit sistiert gewesenen
–
Medikation vorgenommen worden sei (
Urk.
7/200/3+8)
;
e
s sei
alle
r
dings zu tageweisen Episoden gekommen
, in denen der Beschwerdeführer submanische Zustände mit Einschlafstörung
sowie mit
Antriebssteigerung und gehobener Stimmungsla
g
e am nächsten Tag gezeigt habe. I
m explorierenden Einzelgespräch habe sich
daraufhin
erwiesen,
dass schon in der Vergangenheit solche manischen Episoden aufgetreten seien und der Beschwerdeführer während dieser Phasen, die Tage oder auch Wochen angedauert hätten
und danach
von
depressive
n
Phasen abgelöst worden seien
, jeweils sehr angetrieben gewesen sei und beispielsweise Sachen gekauft habe, di
e er sich eigentlich nicht habe leisten können (Urk.
7/200/8).
Die so beschriebene Symptomatik war gemäss den Fachleuten
am
ehesten einer bipolaren Störung zuzuordnen, sodass sie die Medikation auf diese Diagnose
–
formuliert
als bipo
lare affektive Störung mit gegenwärtig schwerer depressiver Episode ohne psychotische Symptome (
ICD-10 F31.4;
Urk.
7/200/5)
–
und
auf
die Vermeidung submanischer Zustände
ausrichteten
und hierbei einen Behandlungserfolg registrier
ten
(
Urk.
7/200/8).
I
m Bericht der Klinik
R._
zur nachfolgenden ambulanten Behandlung
wiesen die
Fachpersonen auf die aktualisierte Diagnose einer bipolaren Störung hin und
vermuteten
, dass die
manischen Phasen
zunächst nicht als solche erkannt worden seien, weil sie im Beurteilungszeitraum im Vergleich zu den depressiven Phasen weniger ausgeprägt gewesen seien (
Urk.
7/205/1).
Ferner fassten sie zusammen, dass im Rahmen der Behandlungen seit dem Jahr 2017 zwar punktuell eine leichte Besserung der Symptomatik habe erreicht werden können, dass dies im Gesamt
verlauf jedoch
trotz
Ausschöpfung der Behandlungsmöglichkeiten
zu keiner aus
reichenden Stabilisierung geführt habe
und davon ausgegangen werde, dass der Beschwerdeführer im aktuellen Zeitpunkt und bis auf Weiteres auf dem ersten Arbeitsmarkt zu 100
%
arbeitsunfähig sei (
Urk.
7/205/2).
7.
7.1
D
er dargelegte
Behandlungs- und Eingliederungsverlauf
in der Zeit nach der
Erstellung des polydisziplinären Gutachtens
vom
1.
März 2018
(
Untersuchungen vom Januar 2018;
Urk.
7/136)
entsprach
nicht der
gutachterlichen
Zumutbar
keitsbeurteilung
u
nd auch
nicht den Erwartungen
und
Empfehlungen der Psychi
aterin der Klinik
R._
im Bericht vom
3.
Oktober 2018 (
Urk.
7/160).
Da ausser
dem die Diagnose einer bipolaren Störung neu ins Spiel gebracht worden war, sah sich der RAD-Psychiater
Dr.
K._
zur Empfehlung einer psychiatrischen Verlaufsbegutachtung veranlasst (vgl.
Urk.
7/
230/
18-19)
, die in der Folge von
Dr.
Y._
vorgenommen wurde.
7.2
Dr.
Y._
gelangte im Rahmen der B
egutachtung, wie
Dr.
N._
des
L._
im Jahr 2018
,
zu den Diagnosen einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4) und einer rezidivierenden depressiven
Störung, die er als aktuell
remittiert beurteilte (ICD-10 F33.8); ausserdem vermerkte er den schädliche
n
Gebrauch von Alkohol und Tabak (ICD-10 F10.1 und F17.1) und registrierte akzentuierte Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1;
Urk.
7/228/15).
Hingegen
schloss sich
Dr.
Y._
–
ebenfalls übereinstimmend mit
Dr.
N._
–
der Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung, wie
sie
die Fachpersonen der
p
sy
chiatrischen K
linik
H._
erstmals Ende 2016/Anfang 2017
gestellt (Urk.
7/89/2 und
Urk.
7/95/2) und am 1
6.
Januar 20
2
0
erneut genannt hatten
(
Urk.
7/20
0/5), nicht an
und äusserte auch Zweifel an der Diagnose einer
bipola
ren
Störung (
Urk.
7/228/
16-
17).
Zusammenfassend hielt er fest, es bestünden zahlreiche Gründe, an der Schwere der Erkrankung des Beschwerdeführers zu
zweifeln und sein Verhalten auch als Ausdruck seiner Persönlichkeit zu sehen,
einer Persönlichkeit mit dissozialen Zügen, geringem Schuldbewusstsein und fehlender Empathie sowie der Neigung zu Grenzüberschreitungen (
Urk.
7/228/18).
Hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit wies
Dr.
Y._
darauf hin, dass die angestammte Tätigkeit als Heizungsmonteur dem Beschwerdeführer schon aufgrund des körperlichen Zustands nicht mehr zumutbar sei,
erachtete ihn jedoch
in einer leich
ten bis mittelschweren Tätigkeit mit geringen körperlichen Beanspruchun
gen, die zudem den depressionsbedingten Einschränkungen für Nacht- und Schichtarbeit Rechnung trage,
als
zu 70
%
arbeitsfähig
u
nd
führte dazu aus, es habe sich
im Vergleich zur Begutachtung des Jahres 2018 nichts Wesentliches geändert (
Urk.
7/228/19).
7.3
Dem
Gutachten von
Dr.
Y._
liegt ein Explorationsgespräch zugrunde, das u
mfassendere,
detailliertere
und tiefergehende
Informationen enthält als die anamnetischen Angaben, die
Dr.
N._
im Rahmen der Begutachtung
im
L._
vom Beschwerdeführer erhältlich gemacht hatte (vgl.
Urk.
7/136/16-20).
Zur Kindheit und Jugend erfuhr
Dr.
Y._
, dass der Beschwerdeführer abwechs
lungsweise bei verschiedenen Verwandten in Bosnien aufgewachsen sei
und ver
schiedentlich Gewalterfahrungen gemacht habe, dass er sich in der Schweiz anfänglich schwierig zurechtgefunden habe und
bei problematischer Beziehung zum Vater
nie eine richtige Bezugsperson gehabt habe, dass es ihm allmählich jedoch gelungen sei, sich mithilfe des Sports zu integrieren und dabei oft eine Führungsrolle zu übernehmen, und dass er früh geheiratet habe und der Ehe vier Kinde
r entstammten
. Weiter berichtete der Beschwerdeführer von den Problemen
,
die sich in
der Ehe entwickelt hätten, von seinem Hang zu ausserehelichen Bezie
hungen, von der Ehetrennung
im Jahr 2014 auf die Initiative der Ehefrau hin,
von einer grundsätzlich guten Beziehung zu den Kindern, aber auch von (
von ihm
als unbegründet bezeichneten) Gewaltvorwürfen des einen Sohnes ih
m gegenüber
sowie
davon, dass
er seit 2017 eine Beziehung mit einer Frau führe, die an einer bipolaren S
törung leide
,
und dass er abwechslungsweise bei i
hr und bei seiner Mutter wohne
(
Urk.
7/228/8 und
Urk.
7/228/11-12 und
Urk.
7/228/13).
In der Befragung z
um Gesundheitszustand sodann erwähnte der Beschwerde
führer gegenüber
Dr.
Y._
den Autounfall des Jahres 2013,
seit dem
er an den bekannten andauernden Schmerzen leide
(
Urk.
7/228/8+9)
; des Weiteren schil
derte er Albträume, bei denen seine Erlebnisse anlässlich eines Ferienaufent
haltes in Bosnien
, als er viele Tote und Verletzte gesehen habe,
eine R
olle spielten
(
Urk.
7/228/10)
. Recht ausführlich gab
Dr.
Y._
alsdann die Beschreibung des Beschwerdeführers
zum Verlauf von depressiven und manischen Zuständen wieder, die seit etwa 2017 in dieser Art aufträten und dadurch charakterisiert seien, dass er in manischen Phasen
rastlos und unkonzentriert sei,
rücksichtslos und unbedacht handle,
vieles kaputt mache, eine übersteigerte Libido habe, über
mässig Alkohol konsumiere,
wenig schlafe und
in eine Art K
aufrausch gerate, und dass danach oft ein Erschöpfungszustand folge (
Urk.
7/228/9+13)
.
In beruflicher Hinsicht erwähnte der Beschwerdeführer gegenüber
Dr.
Y._
neben seiner Lehre als Heizungsmonteur unter anderem ein eigenes Unternehmen, das er in der Zeit von etwa 2009 bis 2013 aufgebaut habe,
das
er jedoch wegen nicht näher bezeichneter Probleme zugunsten einer Tätigkeit als Arbeitnehmer wieder aufgegeben habe.
Er erklärte aber
, dass er seit dem Unfall des Jahres 2013 nicht mehr arbeite (
Urk.
7/228/12-13
), und schilderte erhebliche Probleme im Zusam
menhang mit hohen Schulden, unter anderem
Alimentenschulden
, aufgrund derer nunmehr
im Rahmen der bereits bestehenden Beistandschaft
eine behörd
liche Beschränkung seiner Handlungsfähigkeit in finanziellen Angelegenheiten in Betracht gezogen werde (
Urk.
7/228/8-9 und
Urk.
7/228/11).
Darüber hinaus
gelangten
auch namhafte Probleme im Privatleben
zur Sprache; der
Beschwerde
führer
erzählte dem Gutachter, dass ihn seine Freundin zuweilen aus der Woh
nung weise, namentlich im Zusammenhang mit seinem Alkoholkonsum, und er dann bei seiner
Mutter Unterschlupf finde (Urk.
7/228/8+11).
7.4
7.4.1
U
ngeachtet der insgesamt sorgfältig
erhobenen Anamnese gelang es dem Gut
achter nachfolgend jedoch nicht hinreichend,
anhand der Informationen, die er im Rahmen des Explorationsgesprächs gewonnen hatte,
und der
Informationen, die den medizinischen
Vorakten
zu entnehmen sind,
das
G
esamtbild zu schaffen
, das für eine zuverlässige Beurteilung des Krankheitswertes
und der medizinisch relevanten Auswirkungen
der geschilderten und dokumentierten Problemkreise
erforderlich ist.
7.4.2
So zweifelte
Dr.
Y._
zwar
das Bestehen einer rezidivierenden depressiven Störung angesichts der Hinweise in den medizinischen
Vorakten
nicht grundsätz
lich an,
äusserte sich
aber
kritisch
in Bezug auf die erst
neuerdings gestellte
D
iagnose einer bipolaren Störung. Obgleich die Beurteilung dieser neuen Diag
nose
zu den zentralen Punkten des Gutachtensauftrags gehörte, begnügte er sich
aber bei seiner Kritik
mit dem Hinweis darauf, dass die Schilderung der Sympto
matik ausschliesslich vom Beschwerdeführer selbst stamme und im Rahmen der vergangenen stationären Behandlungen keine
e
inschlägigen Symptome hätten beobachtet werden können (
Urk.
7/228/17).
Wie den Fachpersonen der Klinik
R._
in der Stellun
gnah
me vom 1
9.
April 2021 indessen
zu Recht auffiel (vgl.
Urk.
7/236/2), hatte
Dr.
Y._
dabei den Bericht der
p
sychiatrischen Klinik H._
vom 1
6.
Januar 2020 über den stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers im Anschluss an das abgebrochene Aufbautraining (
Urk.
7/200)
,
als
die bipolare Störung erstmals diagnostiziert worden war, unbe
rücksichtigt
gelassen
und den Bericht auch nirgendwo zitiert. Seine Beurteilung ist deshalb entsprechend den zutreffenden Einwendungen in der Beschwerde
schrift (
Urk.
1 S. 6) bereits wegen mutmasslich unvollständiger Aktenkenntnis nicht genügend fundiert.
Des Weiteren gin
g
Dr.
Y._
kaum auf die Berichte zum Verlauf des
Belastbar
keits
- und des Aufbautrainings ein
und befragte auch den Beschwerdeführer nicht dazu,
sondern beschränkte sich
auf die Feststellung, dieses Training habe
die geringe Motivation und die
Fixierung auf die Sch
merzsymptomatik bestätigt
(Urk.
7/228/20).
Dies genügt indessen namentlich deshalb nicht, weil die Berichte zwar tatsächlich Hinweise auf eine mangelnde Motivation in gewissen Tätigkeits
bereichen enthalten, die Beric
hterstatter umgekehrt aber
einen übersteigerten, bis zur Erschöpfung gehenden Einsatz in
anderen Bereichen beschrieben. Es wäre daher angezeigt gewesen, dass
Dr.
Y._
sich mit der Frage
eines allfälligen Krank
heitswertes der
beobachteten Schwankungen
auseinandergesetzt hätte.
A
ls diskussions
dürftig erscheint in diesem Zusammenhang auch die Frage, wieweit die Diskrepanz zwischen dem, was der Beschwerdeführer
sich seinen Aussagen zufolge zutraute
–
Führungsaufgaben, Kontakt mit grossen Firmen (vgl.
Urk.
7/193/3+4)
–
, und der gezeigten grossen Unselbständigkeit Ausdruck eines Krankheitsbildes sein könnte.
Denn ohne eine solche Diskussion ist nicht ohne Weiteres plausibel, dass
Dr.
Y._
den
Beschwerdeführer
als eine Person ein
schätzte, die
über eine grosse Durchsetz
ungsfähigkeit verfügt
und immer
sehr konsequent ihren
eigenen Z
ielen gefolgt ist
(
Urk.
7/228/18)
, und e
s wird mangels Konkretisierung
nicht deutlich, worauf sich
der Gutachter
bei der Feststellung
stützte
, der Beschwerdeführer sei sowohl im Sport als auch später im Beruf übereinstimmend als aktive, umtriebige Führungsperson besc
hrieben worden (
Urk.
7/228/18).
Auch der von
Dr.
Y._
erwähnte (vgl.
Urk.
7/228/16) Umstand, dass der Beschwerdeführer wäh
rend des Aufenthaltes im
Rehazentrum
I._
im Herbst 2017 als äusserst selbstwirksamer und aktiver Patient charakte
risiert worden ist (vgl.
Urk.
7/115/2), bedarf angesichts der anderweitigen Beobachtungen im Zeitverlauf der Einordnung
in die gesamte Aktenlage. Dies gilt umso mehr, als
die Auszüge aus
dem individuellen Konto (
Urk.
7/10
und
Urk.
7/196
) auf eine unstabile Berufsbiograf
ie mit häufig wechselnden Arbeit
gebern und Zeit
en der Arbeitslosigkeit hinweisen
und die Unternehmung des Beschwerdeführers, von der verschiedentlich die Rede war, gemäss einem Inter
net-Handelsregisterauszug vom 1
0.
Mai 2022 (
AD._
_
GmbH; als
Urk.
9 zu den Akten genommen) lediglich gut zwei Jahre
–
von März 2009 bis
September 2011
–
Bestand hatte.
Soweit
Dr.
Y._
ferner die unterschiedlichen Angaben des Beschwerdeführers
gegenüber
Dr.
N._
und gegenüber ihm
zu seinem Alkoholkonsum und zur Libido registrierte und daraus Inkonsistenzen ableitete (
Urk.
7/228/16+
1
8), so
fehlt hierbei
die Au
seinandersetzung damit, ob di
e Unterschiede nicht auch auf eine Veränderung im Laufe der Zeit beziehungsweise auf verschiedene Phasen im Rahmen des Kran
kheitsbildes hindeuten könnten. D
ie Annahme vo
n
Dr.
Y._
, der Drang zu Alkohol
und der gesteigerte Sexualtrieb
bestünden unabhängig von einer gehobenen (manischen) Stimmung (
Urk.
7/228/17)
, steht auf jeden Fall
im
Widerspruch zur Schilderung des Beschwerdeführers, wie sie
Dr.
Y._
wiedergab (vgl.
Urk.
7/228/9
+17
).
7.4.3
In Frage gestellt ist ferner auch die Schlussfolgerung von
Dr.
Y._
, die Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung seien
wegen des zeitweiligen beruflichen Erfolges und des
langjährige
n
angepasst
en
Verhalten
s in der Ehe nicht sicher erfüllt (Urk.
7/228/18). Denn nach dem
Ausgeführten
sind
Zweifel
am beruflichen Erfolg
angebracht,
und
der Schluss auf eine langjährig funktionierende Ehe ist
ebenfalls zu
hinterfragen angesichts dessen, dass der
Beschwerdeführer angab
, die Ehe sei schon bei der Geburt des zweiten Kindes schlecht gewesen und es sei nicht gelungen,
sie
mit den beiden jüngeren Kinder
n wieder zu kitten (
Urk.
7/228/8
).
Was
schliesslich
die Diagnose der posttraumatischen Belastungsstörung betrifft, so
ist zwar nicht
unplausibel
, dass
Dr.
Y._
die Eignung des erwähnten Autoun
fall
es
des Jahres 2013 für die Auslösung einer solchen Stö
rung anzweifelte
und dies damit begründete, dass
d
er Beschwerdeführer weiterhin Auto fahre
(
Urk.
7/228/16-17). Es fällt allerdings auf, dass der besagte Unfall im Laufe der verschiedenen medizinischen Abklärungen und Beurteilungen immer wieder zur Sprache kam, dass
sich die Akten zu diesem Unfall
–
abgesehen von der leistungseinstellenden Verfügung der Suva vom
8.
Juli 2014 (
Urk.
7/22/9-11)
–
jedoch nicht im Dossier der Beschwerdegegnerin befinden. D
ie vorliegend doku
mentierten ärztlichen Äusserungen zur Rolle dieses Unfalles haben daher ledig
lich den Charakter von Annahmen,
die anhand der einschlägigen
Unfallakten zu verifizieren oder zu entkräften wären. E
inleuch
t
end ist
zudem
der Hinweis der Fachpersonen der Klinik
R._
in der Stellungnahme vom 1
9.
April 2021, dass
belastende
Ereignis
se
–
so
vorliegendenfalls
neben einem Unfall
die Wahrneh
mung von Ereignissen aus der Kriegszeit
–
auch dann
ins Gewicht fallen könnten, wenn die Voraussetzungen für die Diagnose einer posttraumatischen Belastu
ngs
störungen nicht erfüllt seien
(vgl.
Urk.
7/236/2).
7.5
7.5.1
Erlaubt das Gutachten von
Dr.
Y._
somit in wesentlichen Punkten keine zuver
lässige, abschliessende Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers, so ist eine erneute psychiatrische B
egutachtung, mit d
er die dargelegten Mängel zu beheben sind, un
umgänglich.
Denn entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
1 S. 10) lassen auch die weiteren bereits vorhandenen Unterlagen noch keinen Entscheid über den Rentenanspruch
zu, da es hierfür an einer stringenten Analyse des gesamten,
bis
weit in die Vergangenheit zurückreichenden Verlaufs fehlt.
Schon
Dr.
N._
des
L._
hatte de
m Zeitverlauf zu wenig Beachtung
geschenkt, wenn er ausgeführt
hatte
, in mehreren Berichten über ambulante und stationäre psychiatrische Behandlungen würden schwere depressive Episoden festgestellt, zum gegenwär
tigen
Zeitpunkt sei jedoch lediglich
von einer leichtgradigen depressiven Episod
e auszugehen (
Urk.
7/136/23+32). Und
die
p
sychiatrische Klinik H._
und
sowie die
Klinik
R._
nahmen schon deshalb keine umfassende Verlaufs
analyse vor, weil bei ihnen der Behandlungsauftrag im Vordergrund stand.
Aus
serdem
geht aus den Berichten der Klinik
R._
nicht klar hervor, welche Fach
personen in welchem Mass tatsächlich in die Behandlung des Beschwerdeführers involviert gewesen waren.
Dr.
S._
, welche die Berichte vom
3.
Mai und vom
3.
Oktober 2018 unterzeichnet hatte (
Urk.
7/145 und
Urk.
7/160), hatte die Klinik
R._
danach offenbar verlassen (
vgl. Urk.
7/236/1), und im Bericht vom 1
7.
Juni 2020 ist als Psychiaterin,
di
e den Beschwerdeführer neben der Psy
chologin
M.Sc
.
T._
behandelt habe,
Dr.
med. AE._
be
zeichnet (
Urk.
7/205/2); diese Ärztin unterschrieb den betreffenden Bericht jedoch nicht und brachte auch auf der Stellungnahme vom 1
9.
April 2021, als deren Verfasser sich die Psychologin
M.Sc
.
T._
und der Psychologe
Dr.
phil. AF._
aus
wiesen, le
diglich ihr Visum an (vgl. Urk.
7/236/3).
Es wird
demnach Aufgabe einer neuen mit der psychiatrischen Begutachtung des Beschwerdeführers betrauten Fachperson sein, eine V
erlaufsanaly
se vorzuneh
men, die den dargelegten Anforderungen genügt und die Feststellungen der behandelnden medizinischen Fachpersonen und der Fachpersonen, die mit der beruflichen Eingliederung des Beschwerdeführers befasst waren, in den erforder
lichen Gesamtzusammenhang stellt. Dabei bietet sich dort,
wo sich Fragen zur gesundheitlichen Situation in der Vergangenheit nicht anhand der Akten beant
worten lassen
,
die Einholung
ergänzender Auskünfte bei den behandelnden Fach
personen an, und dort, wo es gilt, subjektive Angaben zu objektivieren, kommen fremdanamnestische Angaben aus dem persönlichen Umfeld
des Beschwerde
führers
in Betracht.
7.5.2
Sodann
kann der
Beurteilung der RAD-Ärzte
zwar
darin
gefolgt werden (vgl. Urk.
7/230/18), dass vor allem in psychiatrischer Hinsicht Differenzen bestehen,
währenddem
die Feststellungen der Ärzte der somatischen Fachrichtungen im Wesentlichen miteinander übereinstimmten.
Zu beachten ist aber, dass dem Beschwerdeführer auch aus somatischer Sicht gewisse Einschränkungen attestiert worden sind, dass sich aufgrund der Unterlagen zum Autounfall des Jahres 2013, die für die neue Begutachtung beizuziehen sind, Aspekte ergeben könnten, die
auch
für die somatische Beurteilung von Bedeutung sein könnten, und dass im Falle einer somatoformen Schmerzstörung, wie sie vorliegend neben den darge
legten weiteren psychiatrischen Diagnosen zur Diskussion steht, erfahrungs
gemäss Wechselwirkungen zwischen körperlichen und psychischen Beeinträchti
gungen bestehen.
Daher
ist es angezeigt
, dass die Beschwerdegegnerin, an welche die Angelegenheit
zurückzuweisen ist,
den Beschwerdeführer
nicht nur psychiatrisch
,
sondern unter
zusätzlichem
Einbezug
der Fachrichtungen der Neurologie und der R
heumatolo
gi
e ein weiteres Mal
polydisziplinär
begutachten lässt.
8.
Damit ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass die angefochtene Ver
fügung vom
8.
Oktober
2021 aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen ist, damit sie die Abklärungen im Sinne der Erwägungen durchführe und hernach über den Rentenanspruch und allfällige weiteren Ansprüche des Beschwerdeführers neu verfüge.
9.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.--) ermessensweise auf
Fr.
700.-- festzusetzen.
10.
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
] sowie §
§
7 und 8 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Da keine Kostennote eingereicht wurde (vgl. dazu
Urk.
8 S. 2), rechtfertigt es sich, dem unentgeltlichen Rechtsvertreter
eine von Amtes wegen und
u
nter Berück
sichtigung dieser
Kriterien
festgesetzte
Prozessentschädigung von
Fr.
2'800.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.