# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 34066a67-2601-4c0a-9a09-9b036238bdd2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966, ist gelernter Schreiner (Urk. 10/9 Ziff. 5.2) und meldete sich
am 30. August 2010 erstmals unter Hinweis auf verschiedene psy
chische und somatische Beschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 10/9 Ziff. 6.2).
Nachdem d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, mit Vorbescheid vom
8. Dezember 2011 einen Renten
anspruch des Versicherten
verneint hatte
(Urk. 10/29)
, beantragte der Versicherte mit Schreiben vom 20. Dezember 2011 die Prüfung beruflicher Massnahmen (Urk. 10/30). Mit Schreiben vom 2. Juli 2012 (Urk. 10/41)
sowie
16. Oktober 2012
(
Urk.
10/51)
erteilte die IV-Stelle Kostengutsprache für ein
Arbeitstraining
in der Zeit vom 2. Juli bis 7. Dezember 2012
,
welche
s
der Versicherte
erfolgreich ab
schloss (vgl. Urk. 10/55 S. 1, Urk. 10/56).
Nach ergangenem Vorbescheid (Urk. 10/59) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 23. Juli 2013 einen Ren
tenanspruch des Versicherten (Urk. 10/60).
1.2
Am 8. September 2015 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 10/62)
, worauf die IV-Stelle die medizinische (Urk. 10/69/1-6, Urk. 10/72, Urk. 10/83, Urk. 10/95, Urk. 10/97, Urk. 10/102, Urk. 10/111, Urk. 10/133) und erwerbliche Situation
(Urk. 10/84/12-13, Urk. 10/104, Urk. 10/110)
abklärte
und bei der
Medas
Y._
ein poly
disziplinäres Gutachten einholte, welches am 4. Juli 2017 erstattet wurde (Urk. 10/120
, Urk. 10/129-130
).
Mit Schreiben vom
16. November 2016
schloss die IV-Stelle
die Arbeitsvermitt
lung ab (Urk. 10/109)
und sprach dem Versicherten nach ergangenem Vorbe
scheid (Urk. 10/140) mit Verfügung vom
2
4.
April 2018 eine ganze Rente ab 1. März 2016 zu (Urk. 10/157 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 18. Mai 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 24. April 2018 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine ganze Rente ab 1. Juni 2013 zuzusprechen. Zudem sei die unentgeltliche Prozess
führung zu bewilligen (Urk. 1 S. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 22. Juni 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9), was dem Beschwer
deführer am 1
3.
August 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.
2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In je
dem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit un
abhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig er
scheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) aus, seit Juni 2012 bestehe in der früheren Tätigkeit als Schreiner eine volle Arbeitsunfä
higkeit. Nach Abschluss der beruflichen Massnahmen im Mai 2014 habe der Be
schwerdeführer seine Arbeitsfähigkeit leider nicht umsetzen können, der Gesund
heitszustand habe sich ab Juni 2013 verschlechtert
und
der Beschwerdeführer sei für sämtliche Tätigkeiten erwerbsunfähig gewesen. Gemäss den vorliegenden Un
terlagen habe sich der gesundheitliche Zustand ab Juli 2014 verbessert, sodass von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit aus
gegangen werden könne
. Der Anspruch auf eine halbe Rente beginne per 1. Ok
tober 2014 (S. 3). Bereits ein Jahr später, im Juni 2015, habe sich der Gesund
heitszustand wieder verschlechtert. Zwar werde von einer Restarbeitsfähigkeit von 25 % ausgegangen, zurzeit könne diese aber im ersten Arbeitsmarkt nicht verwertet werden. Aus einer vollen Erwerbsunfähigkeit ergebe sich ein Invalidi
tätsgrad von 100 %. Mit Verschlechterung im Juni 2015 könne die Erhöhung auf eine ganze Rente per 1. September 2015 erfolgen. Der Rentenanspruch entstehe jedoch frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs. Die Anmeldung sei am 16. September 2015 eingegangen, die Leistungen würden somit ab 1. März 2016 ausgerichtet (S. 4).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend, die Beschwerdegegnerin habe festgestellt, dass er seit mindestens Juni 2012 arbeitsunfähig sei und An
recht auf eine ganze Rente
von
Juni 2013 bis September 2014 sowie ab September 2015 habe. Von Oktober 2014 bis 31. August 2015 habe er Anrecht auf eine halbe Rente. Die Renten würden trotzdem erst ab 1. März 2016 ausgerichtet (S. 2). Die Beschwerdegegnerin
begründe dies damit,
dass er sich erst im September 2015 zum Rentenbezug angemeldet habe. Dabei habe sie nicht berücksichtigt, dass er psychisch schwer krank sei und sich an der Grenze der Zurechnungsfähigkeit befinde
. Die Begründung im Gutachten für die 50%ige Arbeitsunfähigkeit
vom
1. Oktober 2014 bis 31. August 2015 sei zudem nicht ausreichend, um die ganze Rente zu reduzieren
(S. 3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach die Frage des Rentenbeginns
sowie die Höhe der Invalidenrente
.
3.
3.1
In medizinischer Hinsicht stützte sich die Beschwerdegegnerin - der Stellung
nahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) folgend (vgl. Urk. 10/138 S. 9 f.) - auf das polydisziplinäre Gutachten der Ärzte de
r
Medas
Y._
vom 4. Juli 2017, welche den Beschwerdeführer am 27. April sowie 16. Mai 2017 psychiatrisch, rheumatologisch sowie internistisch begutachtet hat
ten (Urk. 10/120).
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter folgende (S. 24
lit
. III.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F33.10)
-
komplexe posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.8)
-
hochgradiger Verdacht auf
Asperger
-Syndrom (ICD-10 F84.5)
-
chronifiziertes
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
-
intermittierende
Fazettengelenksirritation
der
Fazetten
L3-S1 beidseits
-
osteodiskale
Foramen
- und
Rezessuseinengungen
L4/5 rechtsbetont mit nachgewiesener Wurzelkompression L4
foraminal
rechts und L5
rezessal
rechts
-
aktuell keine Hinweise auf
radikuläre
Reiz- oder Ausfallsymptomatik
-
Asthma bronchiale
-
diverse Allergien, unter anderem Holzstaub
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter im Wesentlichen folgende (S. 25
lit
. III.2):
-
Kokain-Abhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F14.20)
-
Alkohol-Abhängigkeit, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20)
-
diffuse idiopathische
skelettale
Hyperostose
, möglicher Zusammenhang mit Diabetes mellitus
-
kristallinduzierte
Arthropathie
, am ehesten Gicht, unter Therapie normaler Harnsäurespiegel
-
Diabetes mellitus, insulinpflichtig
-
obstruktives Schlafapnoe-Syndrom
-
arterielle Hypertonie, anamnestisch Verdacht auf
hypertensive
Herzkrank
heit
-
Adipositas
Aus psychiatrischer Sicht könne die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung unstrittig bestätigt werden. Aktuell seien die Kriterien für eine mindes
tens mittelgradige Episode erfüllt.
Die diagnostischen Kriterien für das Vorliegen
eines
Asperger
-Syndroms seien erfüllt, wobei zur Diagnosesicherung fremdanam
nestische Angaben nötig wären. Differentialdiagnostisch bestünden Überschnei
dungen zu einer schizoiden Persönlichkeitsstörung, welche bereits vordiagnosti
ziert worden sei, oder einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung.
Der Beschwer
deführer habe mit Hilfe von kognitiven Techniken jahrelang seine Defizite in so
zialen Interaktionen kompensieren können. Auch die vordiagnostizierte
Trauma
folgestörung
sei nachvollziehbar im Sinne einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung. Durch die schweren Beeinträchtigungen, welche er bis 2013 noch soweit habe kompensieren können, dass er an Integrationsprogrammen und Umschulung habe teilnehmen können, habe er zunehmend Kompensationsmittel zur Beruhigung benötigt, entweder Alkohol oder Essen. Zunehmend würden ab 2014 interaktionelle Defizite beschrieben.
Ab Juni 2015 sei ihm auch die Kom
pensation nicht mehr gelungen. Unter Abstinenz von Alkohol seien die Beein
trächtigungen stärker in den Vordergrund getreten und hätten das aktuelle Aus
mass angenommen. Einem Arbeitgeber sei er aufgrund der schweren interaktio
nellen Defizite nicht zumutbar. Denkbar sei höchstens eine selbständige Tätigkeit mit vertrauten Stammkunden ohne Anforderungen an Flexibilität, wobei dadurch seine Ansprüche an Perfektion zu einem Erschöpfungszustand führen würden, da auch die Durchhaltefähigkeit deutlich reduziert sei. Die quantitative Leistungsfä
higkeit könne aktuell auf 25 % reduziert festgestellt werden, mit einer Arbeits
unfähigkeit von 75 % ab spätestens Juni 201
5.
Die Prognose sei nicht ausrei
chend sicher möglich. Es könne jedoch nicht davon ausgegangen werden, dass in absehbarer Zeit eine wesentliche Veränderung der Funktionalität erreicht werden könne trotz intensiver Therapie (S. 18 f.).
Aus rheumatologischer Sicht könne eine leichte bis mittelgradige Reduktion der Belastbarkeit des Achsenskelettes und Funktion der Lendenwirbelsäule sowie des Beckengürtels festgestellt werden. So bestehe eine bleibende Arbeitsunfähigkeit als Schreiner, während für rückenschonende Tätigkeiten mit Möglichkeit zu Wechselpositionen eine Arbeitsfähigkeit von acht Stunden pro Tag zumutbar wäre, ohne zusätzliche Leistungsminderung (S. 19 unten).
Aus psychiatrischer Sicht könne festgestellt werden, dass die drei Krankheitsbil
der mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit als Auslöser für die Alkohol- wie für die Kokain-Abhängigkeit gelten könnten, indem der Beschwerdeführer diese Substanzen im Sinne einer Selbstbehandlung verwendet habe. Ebenso bewirke die Komorbidität mit der komplexen posttraumatischen Belastungsstörung und dem vermuteten
Asperger
-Syndrom eine ungünstige Beeinflussung der depressi
ven Störung (S. 25 Mitte).
Invaliditätsfremde Gründe hätten keinen Einfluss auf die Funktionseinschränkungen des Beschwerdeführers. Im Gegenteil sei die lange
Arbeitslosigkeit und soziale Situation als Folge der Gesundheitsschädigung zu verstehen (S. 22 Ziff. 3).
Ab Oktober 2008 sei der Beschwerdeführer keiner Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr nachgegangen, sei aber von November 2009 bis Juni 2015 in diversen Integrationsmassnahmen eingebunden gewesen. Auch habe er eine na
hezu kontinuierliche ambulante psychiatrische Behandlung und mehrere statio
näre Aufenthalte durchgeführt, ohne dass er eine wesentliche Verbesserung der depressiven Symptomatik erlebt habe (S. 23 oben).
Im Konsens könne für den bisherigen Beruf als Schreiner eine vollständige Ar
beitsunfähigkeit sowohl von somatischer als auch
von
psychi
atri
scher Seite fest
gestellt werden. Dies seit Juni 2012, als erstmals
lumbospondylogene
Beschwer
den erwähnt worden seien. Ebenso könne für die Arbeit als Projektleiter aus psy
chischen Gründen eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit seit spätestens Juni 2015 festgestellt werden (S. 28
lit
. VI.1). In einer bestens angepassten Tätigkeit mit kör
perlich rückenschonenden Anforderungen, mit Möglichkeit zu Wechselpositio
nen, ohne Heben und Tragen von mehr als 15 kg, ohne repetitives Bücken und Aufrichten oder Tätigkeiten in Vorneigung sowie ohne Kontakt mit Vorgesetzten oder Mitarbeitern, mit kaum Kundenkontakten, mit überwiegend gleichbleiben
den Abläufen beziehungsweise
wenigen Anpassungen
, ohne Anforderungen an Flexibilität wäre eine Arbeitsfähigkeit von maximal 25 % möglich. Aufgrund der schweren interaktionellen Defizite wäre der Beschwerdeführer jedoch einem Ar
beitgeber nicht zumutbar, so dass eine solche Tätigkeit auch auf dem idealen Arbeitsmarkt und insbesondere auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht möglich sei. Die Arbeitsunfähigkeit von 75 % könne spätestens ab Juni 2015 attestiert werden. Von 2011 bis zum Ende der Umschulung 2013 könne rückblickend keine wesent
liche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit gesehen wer
den. Zwischen Absage der zugesagten Stelle 2013 und Wiederaufnahme einer Integrationsmassnahme am 28
.
Juli 2014 könne eine zeitlich nicht genau festzu
legende Phase von 100 % Arbeitsunfähigkeit festgestellt werden. Von Juli 2014 bis Juni 2015 würden keine ärztlichen Beurteilungen der Leistungsfähigkeit vor
liegen, so dass anhand der Deskription von der
Z._
eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in angepasster Tätigkeit angenommen werden könne (S. 28
lit
. VI.2).
Im Vergleich zu 2011 könne sowohl von somatischer wie auch vor allem von psychiatrischer Seite eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes erkannt werden. Sowohl die Arbeitsfähigkeit wie auch die funktionelle Leistungs
fähigkeit hätten sich von somatischer Seite
her
leichtgradig, von psychiatrischer Seite her deutlich verschlechtert (S. 29 Ziff. 1).
3.2
Unbestritten und aufgrund
des vorliegenden
Medas
-Gutachtens auch ausgewie
sen ist, dass der Beschwerdeführer aufgrund der bestehenden
somatischen wie auch psychischen Beschwerden
in
den
angestammten Tätigkeit
en
als Schreiner
und Projektleiter seit Juni 2012 nicht mehr arbeitsfähig ist.
Ebenso ist nicht strittig, dass dem Beschwerdeführer
eine leidensangepasste Tä
tigkeit
mit körperlich rückenschonenden Anforderungen, mit Möglichkeit zu Wechselpositionen, ohne Heben und Tragen von mehr als 15 kg, ohne repetitives Bücken und Aufrichten oder Tätigkeiten in Vorneigung sowie ohne Kontakt mit Vorgesetzten oder Mitarbeitern, mit kaum Kundenkontakten, mit überwiegend gleichbleibenden Abläufen beziehungsweise wenigen Anpassungen sowie ohne Anforderungen an
die
Flexibilität
ab Juni 2015 lediglich noch in einem Pensum von 25 % zugemutet werden kann, wobei diese Restarbeitsfähigkeit auf dem ers
ten Arbeitsmarkt aufgrund der schweren interaktionellen Defizite nicht mehr ver
wertbar ist. Diese im Ergebnis vollständige Arbeitsunfähigkeit ab Juni 2015 wurde vom Beschwerdeführer denn auch zu Recht nicht konkret und substantiiert bestritten (vgl. Urk. 1).
Der medizinische Sachverhalt kann
für den Zeitraum ab Juni 2015
in diesem Sinne als erstellt betrachtet werden.
Wie die Restarbeitsfähigkeit in der Zeit von Juni 2013 bis Mai 2015 zu beurteilen ist, kann aufgrund der nachfolgenden Er
wägungen offenbleiben.
4.
4.
1
Was den vorliegend strittigen Rentenbeginn betrifft, entsteht der Rentenanspruch gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendma
chung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG. Gemäss der
bundes
gerichtliche
n
Rechtsprechung
stellt
die
se
Frist von sechs Monaten eine verfah
rensmässige Anspruchsvoraussetzung dar, indem sie an die Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Art. 29 Abs. 1 ATSG anknüpft. Diese Bestimmung sieht vor, dass die Person, die eine Versicherungsleistung beansprucht, sich beim zu
ständigen Versicherungsträger in der für die jeweilige Sozialversicherung gülti
gen Form anzumelden hat (BGE 142 V 547 E. 3.2).
Unter Bezugnahme auf diesen Entscheid hielt das Bundesgericht mit Urteil vom 28. November 2016 betreffend die vereinigten Verfahren 8C_544/2016 und 8C_568/2016 in Erwägung E. 4.2.2 fest, dass eine Nachzahlung von Leistungen nach Art. 48 Abs. 1 IVG einzig den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
, auf medizinische Massnahmen oder auf Hilfsmittel betrifft. Für den Nachzahlungs
anspruch auf Invalidenrenten gilt nach dessen klarem Wortlaut
allein
Art. 29
Abs. 1 IVG. Eine implizite oder analoge Anwendung von Art. 48 IVG auf den Rentenanspruch würde im Widerspruch zur Rechtslage stehen.
4.2
Die Beschwerdegegnerin anerkannte den Eintritt des Versicherungsfalles ab 1. Juni 2013 (vgl. Urk. 2 S. 3).
Nachdem die Anmeldung des Beschwerdeführers bei der Beschwerdegegnerin
unbestrittenermassen am 16. September 2015
einge
gangen ist (
vgl. Aktenverzeichnis zu Urk. 10 S. 3
)
, liegt eine verspätete Anmel
dung vor. Soweit der Beschwerdeführer infolge seines Gesundheitszustandes eine unverschuldete Nichtanmeldung und damit rückwirkende Rentenzahlungen ab 1. Juni 2013 geltend machte (E. 2.2), besteht hierfür keine rechtliche Grundlage. Der Rentenanspruch entsteht vorliegend in Beachtung von Art. 29 Abs. 1 IVG erst ab 1. März 201
6.
5.
5.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen der bestehenden Einschrän
kungen mittels Einkommensvergleich
, wobei grundsätzlich auf die Gegebenhei
ten im Zeitpunkt des hypothetischen Rentenbeginns, mithin auf das Jahr 2016, abzustellen ist.
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG
(vgl. vorstehend E. 1.4)
grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbsein
kommen ziffernmässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewon
nenen Annäherungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vor
genommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annäherungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypotheti
sche Erwerbseinkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Inva
lideneinkommen auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Pro
zentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hy
pothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese
Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
5.2
Nachdem der Beschwerdeführer seit
Juni 2015 auf dem ersten Arbeitsmarkt für jegliche Tätigkeiten vollständig arbeitsunfähig ist (vgl. vorstehend E. 3.2), kann auf einen Einkommensvergleich mittels Tabellenlöhnen verzichtet und ein Pro
zentvergleich durchgeführt werden. Da beim Beschwerdeführer eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorliegt, resultieren ein Invaliditätsgrad von 100 % und damit ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente ab März 201
6.
Der angefochtene Entscheid vom 24. April 2018 erweist sich damit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6.
6.1
In seiner Beschwerde vom 18. Mai 2018 beantragte der Beschwerdeführer die Be
willigung der unentgeltlichen Prozessführung (Urk. 1 S. 1 Ziff. 2).
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen Prozessführung und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die Rechtsvor
kehr nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb an
strengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen).
6.2
In seiner Beschwerde beantragte der Beschwerdeführer die
Zusprache
von Ren
tenleistungen
bereits
ab Juni 201
3.
Dies fällt jedoch aufgrund der klaren, von der Beschwerdegegnerin auf dem Beiblatt zum angefochtenen Entscheid zitierten ge
setzlichen Bestimmung
in Art. 29 Abs. 1 IVG sowie der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung
hierzu
ausser Betracht. Die Beschwerde ist daher als von vorn
herein aussichtslos anzusehen und das Gesuch um Bewilligung der unentgeltli
chen Prozessführung ist zufolge Aussichtslosigkeit abzuweisen.
6.3
Die Kosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
600.-- festzusetzen und nach dem Gesagten dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.