# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 718ffb7c-106a-4970-aecc-468b6d3eb344
**Court:** ZH_SRK
**Chamber:** ZH_SRK_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

hat sich ergeben:
A. A und B (nachfolgend der/die Pflichtige bzw. zusammen die Pflichtigen)
waren im Kalenderjahr 2006 noch verheiratet, zusammenlebend und damit unbestritte-
nermassen gemeinsam steuerpflichtig.
Im Rahmen der Veranlagung bzw. Einschätzung für die Steuerperiode 2006
nahm die Steuerkommissärin gegenüber der Selbstdeklaration verschiedene Aufrech-
nungen vor; dabei ging sie insbesondere davon aus, die Bruttoeinkünfte des Pflichtigen
aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit (Salär der E AG, F) hätten nicht wie deklariert
rund Fr. 200'000.-, sondern Fr. 600'000.- betragen. Gegen diese Aufrechnungen be-
schritt der Pflichtige den Rechtsmittelweg. Das dabei angerufene Steuerrekursgericht
hiess dessen Beschwerde bzw. Rekurs am 21. Dezember 2011 (1 DB.2011.230 und
1 ST.2011.309) aus formellen Gründen teilweise gut und wies die Sache an das kanto-
nale Steueramt zurück. Letzteres vor dem Hintergrund, dass sich die Pflichtigen zwar
per 2008 getrennt hatten, dies aber nicht dazu hätte führen dürfen, die beiden schon
per 2006 nicht mehr gemeinsam als Steuersubjekte zu erfassen.
Mit neuer Veranlagungsverfügung bzw. neuem Einschätzungsentscheid für
die Steuerperiode 2006 vom 24. Januar 2012 korrigierte die Steuerkommissärin im
2. Rechtsgang das formelle Versehen. An den materiellen Aufrechnungen des
1. Rechtsgangs hielt sie fest und eröffnete dergestalt den nunmehr gemeinsam erfass-
ten Pflichtigen die folgenden Steuerfaktoren:
Staats- und Gemeindesteuer Direkte Bundessteuer
Fr. Fr.
Steuerbares Einkommen 567'100.- 569'600.-
Satzbestimmendes Einkommen 601'300.- 604'000.-
Steuerbares Vermögen 646'000.-
Satzbestimmendes Vermögen 646'000.-.
B. Mit Einsprachen vom 24. Februar 2012 liess der Pflichtige die Rechtmäs-
sigkeit der Aufrechnungen erneut bestreiten und zudem die Durchführung einer Ein-
spracheverhandlung verlangen. In der Folge wurde er am 9. April 2013 zu einer steu-
erbehördlichen Anhörung eingeladen. Unter Bezugnahme auf die Letztere liess er der
- 3 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
Steuerbehörde mit Eingabe vom 20. April 2012 noch verschiedene Unterlagen nach-
reichen.
Das kantonale Steueramt hiess in der Folge die Einsprachen mit Entscheiden
vom 22. August 2013 teilweise gut. Durchzudringen vermochte der Pflichtige dabei
aber lediglich in Bezug auf betragsmässig unbedeutende Nebenpunkte; insbesondere
die erwähnte Lohnaufrechnung von rund Fr. 400'000.- wurde hingegen bestätigt bzw.
wurden die Einsprachen insoweit abgewiesen. Insgesamt wurden die Steuerfaktoren
wie folgt leicht nach unten korrigiert:
Staats- und Gemeindesteuer Direkte Bundessteuer
Fr. Fr.
Steuerbares Einkommen 564'500.- 567'000.-
Satzbestimmendes Einkommen 598'600.- 601'300.-
Steuerbares Vermögen 645'000.-
Satzbestimmendes Vermögen 645'000.-.
C. Hiergegen liess der Pflichtige am 23. September 2013 Beschwerde und
Rekurs erheben und beantragen, das steuerbare und satzbestimmende Einkommen in
Berücksichtigung eines Lohns von CHF 199'980.- (exkl. Privatanteil Auto) sowie unter
Berücksichtigung des Abzugs von Sozialversicherungsabgaben und weiterer Abzüge
gemäss Steuerdeklaration 2006 festzusetzen. Zudem wurde die Zusprechung einer
Parteientschädigung verlangt. Alle anderen in den Einspracheentscheiden im Rahmen
von Nebenpunkten bestätigten steuerbehördlichen Aufrechnungen wurden ausdrück-
lich anerkannt.
Das kantonale Steueramt schloss mit Beschwerde-/Rekursantwort vom
10. Oktober 2013 unter Verweis auf die Erwägungen in den Einspracheentscheiden auf
Abweisung der Rechtsmittel. Die Eidgenössische Steuerverwaltung liess sich nicht
vernehmen. Auch von der Pflichtigen ging keine Stellungnahme ein.
- 4 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233

## Considerations

Die Kammer zieht in Erwägung:
1. Mit Präsidialverfügung vom 30. September 2013 wurde die Pflichtige einge-
laden, sich zu den Rechtsmitteln des mittlerweile von ihr geschiedenen Ehemanns ver-
nehmen zu lassen; dies mit der Androhung, dass bei Säumnis davon ausgegangen
werde, sie schliesse sich den Anträgen des Letzteren an.
Nachdem die Pflichtige nicht reagiert hat, nimmt sie damit an der Seite des
Pflichtigen an den vorliegenden Rechtsmittelverfahren teil. Mit dieser Parteistellung
gehen alsdann entsprechende prozessuale Rechtsfolgen einher (insb. Kostenfolgen;
vgl. nachstehend E. 5b).
2. a) Umstritten ist im vorliegenden 2. Rechtsgang allein noch, ob bei der
Festlegung der Einkommenssteuerfaktoren für die Steuerperiode 2006 von Bruttoein-
künften des pflichtigen Ehemanns aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit im Bereich
von Fr. 200'000.- oder von Fr. 600'000.- auszugehen ist.
b) Die unterschiedlichen Auffassungen der Parteien über das vom Pflichtigen
per 2006 bezogene Salär beruhen auf folgendem Hintergrund:
aa) Beide Pflichtige sind deutsche Staatsangehörige. Nach dem Zuzug aus
Deutschland arbeitete der Pflichtige während des ganzen Kalenderjahrs 2006 bei der
von ihm mitbeherrschten E AG, F, deren Tätigkeitsbereich die G von H sowie die I von
J namentlich in den Bereichen K und L umfasst. Sein Lohn wurde zunächst an der
Quelle besteuert. Nachdem dieser den für das Quellensteuerverfahren massgeblichen
Schwellenwert von Fr. 120'000.- p.a. überschritten hatte, war nachträglich eine Veran-
lagung bzw. Einschätzung im ordentlichen Verfahren durchzuführen. In der Folge
reichte der Pflichtige eine Steuererklärung 2006 ein. Dieser legte er einen auf ihn aus-
gestellten Lohnausweis der E AG bei, welcher für die Beschäftigungsdauer 1.1. -
31.12.2006 einen Nettolohn von Fr. 189'653.- sowie Repräsentationsspesen von
Fr. 12'000.- aufführte; das Total dieser beiden Positionen (= Fr. 201'653.-) deklarierte
er unter den Einkünften aus unselbstständiger Erwerbstätigkeit.
- 5 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
Der Lohnausweis datiert vom 25. Januar 2008 und ist vom Pflichtigen selbst
unterzeichnet worden; letzteres offenkundig aufgrund seiner Funktion als einzelzeich-
nungsberechtigter Verwaltungsratspräsident der E AG. Die Steuererklärung selbst hat
der Pflichtige mit Datum vom 1. Mai 2008 unterzeichnet; ausgedruckt wurde diese je-
doch am 14. Juli 2008 und bei der Steuerbehörde ging sie am 15. Juli 2008 ein. Beige-
legt war der Deklaration ein vom 1. Juli 2008 datierendes Begleitschreiben, in welchem
der Pflichtige darauf hinwies, dass er seit April 2008 von seiner Ehefrau getrennt lebe
und diese sich auf Anraten ihres Anwalts weigere, die Deklaration mit zu unterschrei-
ben. Indes habe er alle Werte richtig erfasst, weil ihm alle erforderlichen Belege noch
vorgelegen hätten.
bb) Im Zeitpunkt dieser Deklaration (Juli 2008) befanden sich die Pflichtigen
offenkundig bereits im Eheschutzverfahren vor Bezirksgericht C. Der dort zuständige
Eheschutzrichter erstattete nämlich der Steuerbehörde am 11. August 2008 eine "An-
zeige der Wahrscheinlichkeit einer unvollständigen Versteuerung"; dabei hielt er fest,
dass sich im Eheschutzverfahren folgender Sachverhalt präsentiert habe:
A sei zusammen mit seinem Geschäftspartner M an der E AG beteiligt; beide
hielten je 50% der Aktien. Gemäss Arbeitsvertrag zwischen A und der E AG vom
... 2005 sei ein Jahresbruttolohn von Fr. 600'000.- vereinbart worden. Dieser Lohn sei
offenbar teilweise auch ausbezahlt worden; jedenfalls sei eine entsprechende Lohnab-
rechnung vom Oktober 2006 aktenkundig. Nach Darstellung von A im Eheschutzver-
fahren sei die E AG später in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und sei deshalb
an der "VR-Sitzung" vom ... 2006 eine Lohnreduktion auf Fr. 200'000.- beschlossen
worden. Eine weitere Lohnreduktion auf Fr. 72'000.- soll sodann an der "GV-Sitzung"
vom ... 2007 erfolgt sein.
Diese Darstellung kontrastiere mit der unbestrittenen Tatsache, dass A und B
trotz angeblicher Schwierigkeiten der E AG stets einen ausgesprochen hohen Lebens-
standard gehabt hätten. Nach Angaben der Ehefrau seien pro Monat Fr. 18'000.- bis
25'000.- ausgegeben worden, was A nicht bestritten habe. Unbestrittenermassen wür-
den beide Luxusfahrzeuge fahren und eine luxuriöse 4.5-Zimmer-Eigentumswohnung
mit erlesener Möblierung bewohnen. A habe angeführt, dass die Parteien "auf Pump"
gelebt hätten und der luxuriöse Lebensstil mittels Darlehensaufnahme bei der E AG
finanziert worden sei; es bestünden sehr hohe Schulden aus Darlehen und Kontokor-
rent. Gemäss Saldobestätigung der E AG vom ... 2008 betrage die Schuld von A per
- 6 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
... 2008 insgesamt Fr. 1'377'037.-. All dies sei nicht plausibel. Es sei schwer nachvoll-
ziehbar, weshalb die offensichtlich florierende E AG – andernfalls sie nicht Darlehen in
Millionenhöhe hätte gewähren können – A in seiner Eigenschaft als massgebender
Aktionär, Verwaltungsratspräsident mit Einzelunterschrift und leitender Angestellter
Darlehen gewährt und nicht Lohn ausbezahlt habe. Es bestehe daher die Wahrschein-
lichkeit einer unvollständigen Versteuerung.
Seiner Anzeige legte der Eheschutzrichter den erwähnten Arbeitsvertrag und
die Lohnabrechnung für den Monat Oktober 2006 bei. Beide Pflichtigen bzw. deren
Anwälte bediente er sodann mit einer Kopie der Anzeige.
cc) Neben dieser Anzeige hatte die Steuerkommissärin sodann auch Kenntnis
vom Schreiben der E AG vom 25. Januar 2008, welches diese (unterzeichnet vom
Pflichtigen) der Dienstabteilung Quellensteuer des kantonalen Steueramts sowie der
Ausgleichskasse F hatte zukommen lassen. In diesem war ausgeführt worden, man
habe "aufgrund einer Kombination aus Dummheit und administrativem Unvermögen
falsche Bruttolohnangaben für das Kalenderjahr 2006 angemeldet; es seien Löhne,
Darlehen und Spesen vermischt worden". Im Schreiben an die Quellensteuerabteilung
wurde dabei der korrigierte Lohn des Pflichtigen mit Fr. 205'890.80 brutto angegeben.
dd) Gestützt auf diesen Aktenstand forderte die Steuerkommissärin mit Aufla-
ge vom 14. August 2008 bzw. Mahnungen vom 18. September und 14. Novem-
ber 2008 insbesondere den lückenlosen Auszug aller Zahlungsein- und ausgänge pro
2006 auf dem Salärkonto des Pflichtigen, wobei Zahler und Begünstigter ersichtlich
sein müssten oder allenfalls mit weiteren referenzierten Belegen nachzuweisen seien.
ee) Der Pflichtige reagierte mit Schreiben vom 8. Dezember 2008, wobei er
einleitend auf seine Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Trennung/Scheidung
von seiner Ehefrau ab Frühjahr 2008, aber auch mit seinem Ausscheiden bei der E AG
per Ende 2007/Anfang 2008 hinwies. Die verlangten Kontoauszüge reichte er ein. So-
dann nahm er zur Situation betreffend "Löhne/Darlehen" wie folgt Stellung:
Im Dezember 2005 seien für ihn und seinen ehemaligen Geschäftspartner
Löhne von jeweils Fr. 600'000.- vereinbart worden, weil zwei sehr grosse Geschäfte
durch die E AG getätigt worden seien. Bald habe sich jedoch herausgestellt, dass dem
Unternehmen die vereinnahmten Gelder nicht mit Sicherheit verbleiben würden. Bei
- 7 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
beiden Geschäften habe es nämlich erhebliche Probleme gegeben, wobei noch immer
Rechtsstreitigkeiten im Gang seien. Aus diesem Grund hätten er und sein Geschäfts-
partner bereits im Januar 2006 beschlossen, die Löhne entsprechend anzupassen.
Weil sie beide jedoch einerseits gerne höhere Löhne bezogen hätten und andrerseits
keine wirkliche Buchhaltung geführt hätten, habe es einige Zeit gebraucht, um den Be-
schluss umzusetzen. Dies zeige sich in den Überweisungen (auf seinem Salärkonto),
welche sehr unregelmässig seien. Konsequent umgesetzt hätten sie den Beschluss
erst, als sie von der Revisionsstelle darauf aufmerksam gemacht worden seien, dass
dieser erstens umzusetzen sei und sie (gemeint wohl die E AG) zweitens in finanzielle
Probleme geraten könnten. So seien dann Darlehensverträge für zu viel bezogene
Zahlungen abgeschlossen und auch eine entsprechende Zinspflicht festgelegt worden.
Die Rückzahlung der zu viel bezahlten Gelder und die Bezahlung der Zinsen seien in
zwei Schritten erfolgt. Zum einen seien ab Oktober 2006 keine Löhne mehr ausbezahlt
worden bzw. seien diese laufend mit den Darlehen verrechnet worden. Zum andern
hätten beide Geschäftspartner per 2007 eine Rückzahlung in der Höhe von
Fr. 197'000.- getätigt. Wäre es – wovon der Scheidungsanwalt seiner Ehefrau ausge-
gangen sei – um Lohn und nicht um ein Darlehen gegangen, so hätte er, der Pflichtige,
doch keine Gelder zurückbezahlt und dies bereits vor der von seiner Ehefrau ge-
wünschten Trennung. Entgegen den Behauptungen der Letzteren sei die E AG, aus
welcher er im Januar 2008 als Aktionär um im September 2008 dann auch als Mitarbei-
ter ausgeschieden sei, keine reiche Firma mit Umsätzen in Millionenhöhe. Diese habe
vielmehr erhebliche finanzielle Probleme. Schon bei seinem Ausscheiden habe es Li-
quiditätsprobleme gegeben und nach Aussagen von Dritten sollen mittlerweile Betrei-
bungen, Zahlungsbefehle und Konkursandrohungen in siebenstelliger Höhe vorliegen.
Von einer reichen Firma zu sprechen, sei damit lächerlich. Auch 2008 habe er im Übri-
gen einen erheblichen Teil des Darlehens zurückbezahlt, was wiederum gegen Lohn
spreche.
ff) Die Pflichtige beantworte die Auflage mit Schreiben vom 7. Januar 2009
ihrerseits dahingehend, dass sie keine Auskunft geben könne, weil sie sich mit ihrem
Ehemann im Trennungsprozess befinde und dieser sämtliche Unterlagen und Ordner
in ihrer Abwesenheit sowie ohne ihr Wissen aus der Wohnung entfernt habe. Im Übri-
gen sei sie Hausfrau und Mutter und könnten deshalb die gestellten Fragen ohnehin
nur von ihrem Ehemann beantwortet werden.
- 8 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
gg) Im Rahmen der Veranlagung bzw. Einschätzung im 1. Rechtsgang ging
die Steuerkommissärin gestützt auf dieses Untersuchungsergebnis und insbesondere
die auf dem Salärkonto des Pflichtigen ersichtlichen Zahlungsflüsse davon aus, diesem
sei per 2006 ein Lohn in der Höhe von Fr. 600'000.- zugeflossen. Nachdem sich der
Pflichtige einspracheweise gegen diese Sichtweise zur Wehr gesetzt hatte, wobei er
abermals auf die Lohnanpassung, die Lohnumwandlung in Darlehen sowie auf Darle-
hensrückzahlungen hatte verweisen lassen, führte die Steuerkommissärin im Einspra-
cheverfahren ergänzende Untersuchungshandlungen durch. Dabei verlangte sie mit
Auflage vom 21. März 2011 bzw. Mahnung vom 12. Mai 2011 eine Auflistung seiner
sämtlichen Darlehen bei der E AG samt Detailangaben (Datum der Zah-
lung/Rückzahlung, Betrag, Währung). Weiter sei der vollständige Geldfluss aller Darle-
hen und Lohnzahlungen inkl. Rückzahlungen mittels Bankbelegen nachzuweisen; dazu
gehörten auch vollständige Auszüge der Darlehens- und Privatkonti (Kontokorrent) bei
der E AG. Der Pflichtige liess in der Folge mit Eingabe vom 31. August 2011 zahlreiche
Unterlagen einreichen und hierzu weitere Erklärungen abgeben. Dabei wies er auch
darauf hin, dass mittlerweile das Obergericht (im Eheschutzverfahren) den deklarierten
tieferen Lohn von rund Fr. 200'000.- bestätigt habe. Hiervon gehe nunmehr auch die
Pflichtige aus, weshalb sie die Auflageantwort mit unterzeichnet habe.
Die Steuerkommissärin blieb im Rahmen der Einspracheentscheide vom
19. September 2011 bei ihrer Auffassung, wonach dem Pflichtigen nicht der deklarierte
Lohn von rund Fr. 200'000.-, sondern ein solcher von rund Fr. 600'000.- zugeflossen
sei.
hh) Im 2. Rechtsgang ging es – wie bereits erwähnt – vorab um formelle Kor-
rekturen bzw. die gemeinsame Erfassung beider Ehegatten als Steuersubjekte. Im
Rahmen der Wiederholung des Einspracheverfahrens fand jedoch noch eine Anhörung
des Pflichtigen und dessen Vertreters statt und wurden in diesem Zusammenhang
noch Unterlagen nachgereicht, welche sich grossmehrheitlich bereits bei den Verfah-
rensakten befanden. An der steuerbehördlichen materiellen Auffassung änderte dies
nichts und so wurde im Rahmen der nunmehr angefochtenen Einspracheentscheide
vom 22. August 2013 wiederum am Lohnzufluss von Fr. 600'000.- (brutto) festgehal-
ten.
- 9 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
3. a) Steuerbar sind alle Einkünfte aus privatrechtlichem oder öffentlichrechtli-
chem Arbeitsverhältnis mit Einschluss der Nebeneinkünfte wie Entschädigungen für
Sonderleistungen, Provisionen, Zulagen, Dienstalters- und Jubiläumsgeschenke, Grati-
fikationen, Trinkgelder, Tantiemen und andere geldwerte Vorteile (Art. 17 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer vom 14. Dezember 1990, DBG; § 17
Abs. 1 des Steuergesetzes vom 8. Juni 1997, StG).
b) Nach allgemeiner Beweislastregel haben die Steuerbehörden den Nach-
weis zu erbringen, dass ein Steuerpflichtiger bestimmte Einkünfte erzielt hat, da es sich
hierbei um einen steuerbegründenden Umstand handelt. Der Nachweis eines Rein-
vermögenszuflusses begründet dabei die natürliche Vermutung, dass dieser steuerba-
res Einkommen darstellt.
c) Nach ständiger Doktrin und Praxis gilt Einkommen steuerrechtlich in jenem
Zeitpunkt als zugeflossen und erzielt, in welchem der Steuerpflichtige eine Leistung
vereinnahmt oder einen festen Anspruch darauf erworben hat, über welchen er tat-
sächlich verfügen kann. Voraussetzung des steuerauslösenden Zuflusses ist demnach
ein abgeschlossener Rechtserwerb, welcher Forderungs- oder Eigentumserwerb sein
kann (BGr, 19. Juli 1993 = StE 1995 B 72.13.22 Nr. 31 = ASA 64, 137; Rei-
mann/Zuppinger/Schärrer, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 2. Band, 1963, Vor-
bemerkungen zu §§ 19 - 32 N 19 und 21).
Der Forderungserwerb ist vielfach Vorstufe des Eigentumserwerbs (BGE 113
Ib 23 E. 2e). Erwirbt der Steuerpflichtige eine Forderung, so wird diese i.d.R. bereits
im Zeitpunkt des Forderungserwerbs besteuert und nicht erst dann, wenn die
(Geld-)Leistung erbracht wird (BGr, 11. Februar 2000 = StE 2000 B 23.41 Nr. 3 mit
Verweisungen). Fälligkeit der Leistung ist nicht in jedem Fall Voraussetzung des
Einkommenszuflusses, unter Umständen ist der steuerrechtlich relevante Forderungs-
erwerb schon vor dem Fälligkeitstermin abgeschlossen (Markus Reich, in: Kommentar
zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. A., 2008, Art. 16 N 35 DBG).
Allerdings wird der Forderungserwerb nur dann als einkommensbildend be-
trachtet, wenn die Erfüllung nicht als unsicher erscheint (BGr, 21. Oktober 1996 = StE
1997 B 101.2 Nr. 19, E. 4a = ASA 66, 377; Blumenstein/Locher, System des Steuer-
rechts, 6. A., 2002, S. 267 f.). Liegt Unsicherheit vor, wird auf den Zeitpunkt der tat-
sächlichen Erfüllung – bei einer Geldschuld also die Zahlung – abgestellt. Dies ist vor-
- 10 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
ab dann der Fall, wenn der Schuldner zahlungsunfähig oder nicht zahlungswillig ist
(vgl. Markus Weidmann, Einkommensbegriff und Realisation, 1996, S. 197; Ernst
Känzig, Wehrsteuer [Direkte Bundessteuer], I. Teil, 2. A., 1982, Art. 21 N 7 und Art. 41
N 2). Ein in diesem Sinn von der Rechtsprechung anerkannter Anwendungsfall liegt
etwa vor, wenn der Arbeitgeber bei Liquiditätsschwierigkeiten den Lohn nicht auszahlt,
sondern zur Gutschrift auf einem Arbeitnehmerkonto Zuflucht nehmen muss. Materiell
handelt sich hierbei um eine Stundung oder eine Darlehensgewährung im Umfang der
gutgeschriebenen Lohnsumme. Da durch das Unvermögen des Arbeitgebers zu zahlen
die Erfüllung gefährdet wird, ist in diesem Fall auf den Zeitpunkt der effektiven Zahlung
abzustellen (Weidmann, S. 197 f. und 209; RB ORK 1946 Nr. 2).
4. a) Auszugehen ist zunächst davon, dass dem Pflichtigen gemäss Arbeits-
vertrag, welchen er am ... 2005 mit der E AG abgeschlossenen hatte, ab 1. Janu-
ar 2006 ein Jahreslohn von Fr. 600'000.- brutto zustand.
b) Der Pflichtige macht nun aber geltend, dieser Lohn sei bereits anlässlich
der Verwaltungsratssitzung vom ... 2006 auf Fr. 200'000.- angepasst worden. Ein ent-
sprechendes Protokoll zu dieser Sitzung hat er vorgelegt; gezeichnet ist dieses von
ihm selbst und M, dessen Aktionärsdirektorensalär in gleicher Weise angepasst wor-
den ist. Beigebracht hat er zudem eine ebenfalls vom ... 2006 datierende Ergänzung
zum Arbeitsvertrag, in welcher das Jahresgehalt neu auf Fr. 200'000.- brutto fixiert ist.
c) Wäre gemäss den vorerwähnten Dokumenten bereits Mitte Januar 2006
verbindlich eine massive Reduktion des ursprünglich vereinbarten Bruttosalärs von
Fr. 600'000.- auf Fr. 200'000.- beschlossen worden, so wäre zu erwarten, dass dem
Pflichtigen schon ab Januar 2006 ein auf letzterem Jahressalär basierender Monats-
lohn ausbezahlt worden wäre. Diesen Anschein versuchte der Pflichtige im Rahmen
der Deklaration offensichtlich auch zu erwecken, indem er mit dieser undatierte monat-
liche Lohnabrechnungen mit Betreffnissen von Fr. 16'665.- brutto bzw. Fr. 12'903.65
netto einreichte; auch der vorgelegte Lohnausweis 2006 entspricht dem angepassten
tieferen Lohn. Diese Lohndokumente wurden indes nachträglich erstellt und widerspie-
geln nicht die tatsächlichen Vorkommnisse:
Aktenkundig hat der Pflichtige nämlich noch für den Monat Oktober 2006 eine
Lohnabrechnung erhalten (datierend vom ... 2006 und damit aus der Zeit = Originalab-
- 11 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
rechnung), welche einen Bruttolohn von Fr. 50'000.- und einen Nettolohn von
Fr. 33'516.35 ausweist. Mithin ist davon auszugehen, dass ihm jedenfalls bis und mit
Oktober 2006 auf Basis des ursprünglich vereinbarten höheren Jahressalärs ein Netto-
lohn von Fr. 33'516.35 ausbezahlt worden ist (Jahres-Bruttosalär Fr. 600'000.- ./. 12 =
Monats-Bruttosalär Fr. 50'000.- = Monats-Nettosalär Fr. 33'516.35). Dies bestätigt
denn auch ein Blick in das steuerbehördlich einverlangte Salärkonto des Pflichtigen bei
der N, in welchem folgende Eingänge von Lohnzahlungen der E AG aufgeführt sind:
Datum Inhalt Auszahlung (netto) Bruttolohn
Fr. Fr.
12.4.2006 Lohn Januar-März 100'555.95 150'000.-
6.6.2006 Lohn April/Mai 67'025.80 100'000.-
27.6.2006 Lohn Juni 33'516.35 50'000.-
25.7.2006 Lohn Juli 33'516.35 50'000.-
25.8.2006 Lohn August 33'516.35 50'000.-
25.9.2006 Lohn September 33'516.35 50'000.-
25.10.2006 Lohn Oktober 33'516.35 50'000.-
Total 500'000.-
In den Monaten November und Dezember sind keine Zahlungseingänge mehr
ersichtlich. Auf das Salärkonto abstellend ist dem Pflichtigen damit pro 2006 ein Lohn in
der Höhe von Fr. 500'000.- brutto zugeflossen. Die Steuerbehörde geht insoweit zu Un-
recht von Fr. 600'000.- aus, weil sie – nicht nachvollziehbar – einen im Salärkonto nicht
ersichtlichen weiteren Zahlungseingang über brutto Fr. 100'000.- (netto Fr. 67'026.-) vom
... 2006 auflistet. Dass dem Pflichtigen in der Zeit zwischen Januar und Oktober 2006
ein Bruttolohn von Fr. 500'000.- ausbezahlt worden ist, ergibt sich sodann auch aus den
aktenkundigen Quellensteuerabrechnungen für diese Monate, welche mit der obenste-
henden Auflistung übereinstimmen.
Bei dieser Aktenlage ist steuerbehördlich der Nachweis erbracht, dass der
Pflichtige im Kalenderjahr 2006 insgesamt 10 Monatslöhne à Fr. 50'000.- (brutto) ver-
einnahmt und damit ein Bruttojahressalär von mindestens Fr. 500'000.- erzielt hat. Damit
obliegt es einerseits dem Pflichtigen nachzuweisen, dass dem nicht so ist bzw. die frag-
lichen Lohnüberweisungen der E AG auf sein Salärkonto in Wirklichkeit nicht bzw. nicht
vollumfänglich als Lohn qualifizierten (nachfolgend lit. d). Andrerseits ist ein höheres
Bruttosalär von Fr. 600'000.- allein aufgrund der Zahlungsflüsse nicht nachgewiesen; ob
dem Pflichtigen pro 2006 weitere Fr. 100'000.- (naheliegenderweise die auf dem Ende
- 12 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
2005 vereinbarten Salär basierenden Löhne November und Dezember 2006) zugeflos-
sen sind, wird aber noch zu untersuchen sein (nachfolgend lit. f).
d) Nach dem bereits Gesagten hilft dem Pflichtigen die angerufene Lohnanpas-
sung anlässlich der Verwaltungsratssitzung vom ... 2006 nicht weiter. Zwar ist davon
auszugehen, dass in KMU-Verhältnissen, wo Aktionärsdirektoren für die eigene Gesell-
schaft tätig sind, diese ihre Saläre im Rahmen der obligationenrechtlichen Bestimmun-
gen (vgl. Art. 322 ff. OR) verhältnismässig einfach anpassen können und dabei Anpas-
sungen insbesondere mit dem (guten oder schlechten) Geschäftsgang einher gehen.
Indes müssen sich solche vertragliche Anpassungen selbstredend auch im gelebten
Sachverhalt spiegeln, was hier nicht der Fall ist:
aa) Soweit die Verwaltungsratssitzung im Januar 2006 tatsächlich stattgefunden
hat, wäre aufgrund der vom Pflichtigen über sein Salärkonto vereinnahmten Lohnzah-
lungen davon auszugehen, dass die beschlossene Lohnreduktion durch neuerliche An-
passung im Sinn einer Rückkehr zum ursprünglichen Vertrag wieder zurückgenommen
worden ist. Daraufhin deutet auch die Aussage des Pflichtigen, die Lohnauszahlungen
bis Oktober 2006 auf Basis der Jahresentlöhnung von brutto Fr. 600'000.- gründeten
darin, dass er und sein Geschäftspartner eben "gerne höhere Löhne bezogen hätten"
(vgl. vorstehend E. 2.b.ee).
Wenn gemäss Salärkonto des Pflichtigen in den Monaten November und De-
zember 2006 keine Löhne der E AG mehr überwiesen worden sind, legt dies den
Schluss nahe, dass verbindlich erst zu dieser Zeit beschlossen worden sein konnte, auf-
grund des Geschäftsgangs den ursprünglich vereinbarten Jahresbruttolohn von
Fr. 600'000.- nach unten anzupassen. Eine Reduktion des Bruttolohns unter den für
10 Monate bereits ausbezahlten Betrag von Fr. 500'000.- kam zu diesem Zeitpunkt in-
des nicht mehr in Frage. Hat nämlich ein Einkommenszufluss einmal stattgefunden,
kann dieser – jedenfalls was die steuerlichen Folgen anbelangt – durch nachträgliche
Vereinbarung der Parteien nicht mehr rückgängig gemacht werden. Verzichtet also ein
Aktionärsdirektor Ende Jahr wegen schlechtem Geschäftsgang auf ihm bereits zugeflos-
senen Lohn, so liegt im entsprechenden Umfang eine Kapitaleinlage zur Sanierung der
Unternehmung vor. Soweit der Sanierer – wie vorliegend der Pflichtige – die Unterneh-
mensbeteiligung im Privatvermögen hält, qualifizieren solche Sanierungsmassnahmen
als private Mittelverwendung ohne einkommenssteuerrechtliche Wirkung (Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A., 2009, Art. 58 N 67 DBG,
- 13 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
und Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., 2013, § 64 N 154 StG). Ein solcher
Fall kann demnach nicht mit demjenigen einer zum Voraus vereinbarten Gehaltsvermin-
derung gleich gesetzt werden (vgl. StRK I, 17. Juni 2005, 1 ST.2005.62).
bb) Der Pflichtige beharrt beschwerde- und rekursweise indes auf seiner Dar-
stellung einer per Januar 2006 verbindlich beschlossenen Lohnreduktion und hält den
für das Gegenteil sprechenden Lohneingängen auf seinem Salärkonto bis und mit Okto-
ber 2006 Folgendes entgegen:
Die E AG sei durch Streitfälle in Zusammenhang mit seinen beiden einzigen
Grossprojekten im Jahr 2006 in finanzielle Bedrängnis geraten. Einerseits habe ein Ver-
tragspartner sein Projekt gekündigt. Andrerseits sei das im O vorgesehene P von R
mehrmals verschoben worden (etwa vom ... 2006 auf den ... 2006, wie ein Bericht aus
dem Tages Anzeiger vom ... 2006 belege); schliesslich sei es gänzlich abgesagt wor-
den, denn bekanntlich sei R per 2007 an seinem S gestorben. Vor diesem Hintergrund
hätten die von der E AG getätigten Zahlungen an ihre Aktionärsdirektoren die finanziel-
len Möglichkeiten der Gesellschaft weit überstiegen und seien sie gemäss Verwaltungs-
ratsbeschluss vom ... 2006 denn auch nicht vertragskonform gewesen. Es habe von
daher Einigkeit bestanden, dass die Zahlungen der E AG an die beiden Verwaltungsräte
im Zeitraum von Januar bis Oktober 2006, soweit den angepassten Lohn übersteigend,
zurückzubezahlen und insoweit nur als Darlehen zu verstehen gewesen seien. Nach
dem Intervenieren der Revisionsstelle der E AG sei auf Basis aller Verträge und Be-
schlüsse der Gesellschaft eine Tabelle "Korrekturbuchungen 2006" erarbeitet worden.
Ausgehend vom unbestrittenen Bruttobetrag von Fr. 500'000.- seien dem Pflichtigen per
2006 Lohnnetto- und Darlehenszahlungen von zusammen Fr. 335'163.50 zugeflossen.
Der Lohnanteil für 12 Monate habe netto Fr. 152'632.- bzw. brutto (inkl. Privatanteil Au-
to) Fr. 205'890.80 betragen. Der Darlehensanteil habe in der Differenz von
Fr. 182'530.90 bestanden. Für diese Darlehenszahlungen liege denn auch ein Darle-
hensvertrag vom ... 2006 vor. Auch in der Buchhaltung der E AG sei das Darlehen mit
diesem Betrag erfasst worden; dies neben anderen verzinslichen Darlehen, welcher der
Pflichtige schon früher von der E AG erhalten habe. Nach der Lohnzahlung für das Jahr
2006 von Fr. 152'632.- (netto) seien bis zum Ausscheiden des Pflichtigen aus der E AG
keine weiteren Lohnzahlungen mehr erfolgt; die "Löhne als Forderungen" seien jedoch
mit den "Kontokorrenten (also der Darlehensschuld)" verrechnet worden, so dass sich
die Schuld des Pflichtigen verringert habe. Auf den Lohnabrechnungen sei deshalb ab
November 2006 die Bemerkung "Bezahlung mittels Verrechnung" angebracht worden.
- 14 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
Im Zeitpunkt seines Ausscheidens bei der E AG per September 2008 habe der Pflichtige
in Bezug auf seine dortigen Schulden "tabula rasa" gemacht. Die Gesamtschuld per 30.
September 2008 – bestehend aus den verschiedenen Darlehen (soweit nicht amortisiert)
und den Kontokorrentsaldi – habe sich dabei auf Fr. 1'229'601.05 belaufen. Im Rahmen
eines Schuldübernahmevertrags vom ... 2008 habe M den Pflichtigen dann zwar von
dessen Schuld gegenüber der E AG befreit; damit sei der Pflichtige jedoch Schuldner
gegenüber M geworden. Diesem habe er alsdann im November 2008 einen Betrag von
Fr. 929'601.05 zurückbezahlt. Das Geld habe er zuvor per 2008 bei der T AG abgeho-
ben und in einem privaten Tresor verwahrt gehabt. Die Rückzahlung der Darlehens-
schuld habe in Anwesenheit eines gewissen U stattgefunden. Heute schulde Pflichtige
M noch immer die Restsumme von Fr. 300'000.-.
cc) Will der Pflichtige dergestalt die Lohnzahlungen von Januar bis Okto-
ber 2006 als Darlehen verstanden haben, hat er dies nachzuweisen. Gelungen ist ihm
dies nicht:
aaa) Zunächst hat er die finanziellen Verhältnisse der E AG, welche sich zwi-
schen Dezember 2005 und Januar 2006 dermassen verschlechtert haben sollen, dass
eine Kürzung der Aktionärsdirektorenlöhne auf einen Drittel notwendig wurde, nicht an-
satzweise offengelegt.
Auszugehen ist davon, dass die E AG im Jahr 2006 im Vorjahresvergleich eine
Umsatzsteigerung von Fr. 4.3 Mio. auf Fr. 9.2 Mio. verzeichnete. Ein schlechter Ge-
schäftsgang müsste sich damit auf der Seite des Geschäftsaufwands dokumentieren.
Diesbezüglich wurden jedoch lediglich zwei Ereignisse vage angesprochen. Dabei wur-
de das eine Ereignis ("Absage eines Projekts durch einen Vertragspartner") weder in
zeitlicher noch in inhaltlicher Hinsicht näher substanziiert. Was sodann den Auftritt von R
im O anbelangt, datiert der beigelegte Zeitungsartikel betreffend die Verschiebung des P
vom ... 2006; Auswirkungen auf den Geschäftsgang per Anfang 2006 sind daher nicht
möglich. Im Übrigen hatte R gemäss Internetrecherchen noch im Februar 2006 (V) einen
letzten grossen Auftritt und wurde sein S erst im Juli 2006 entdeckt. Insgesamt ist damit
in keiner Art und Weise nachvollziehbar, wieso ein vom April auf September 2006 ver-
schobenes und letztlich abgesagtes P die im W tätige E AG per Anfang 2006 in finan-
zielle Schwierigkeiten hätte bringen können.
- 15 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
Damit fehlt es zunächst an einem nachgewiesenen Grund für eine massive
Lohnreduktion bereits per Januar 2006.
bbb) In keiner Art und Weise nachvollziehbar ist sodann die Behauptung, vor
dem Hintergrund der finanziellen Schwierigkeiten der E AG per Anfang 2006 qualifizier-
ten die ausbezahlten Löhne (Januar bis Oktober 2006) im Teilbetrag von Fr. 182'530.90
als Darlehen.
Ganz allgemein ist dazu zunächst festzuhalten, dass eine Gesellschaft, die sich
in finanziellen Schwierigkeiten befindet und deswegen ihren Aktionärsdirektoren den
vereinbarten Lohn nicht mehr bezahlen kann, diesen in der Folge auch keine Aktivdarle-
hen ausrichtet; vielmehr resultieren aus Sicht der Gesellschaft in solchen Situationen
häufig nur Passivdarlehen, indem der (gefährdete) Lohn auf dem Kontokorrent des Akti-
onärsdirektors gutgeschrieben, aber nicht ausbezahlt wird.
Wäre im Übrigen – wie behauptet – am ... 2006 tatsächlich ein entsprechender
Darlehensvertrag abgeschlossen worden, so folgte daraus, dass die ganzen Anpassun-
gen eben nicht Anfang, sondern erst Ende 2006 vorgenommen worden sind. Insoweit
läge damit auch keine Darlehensgewährung per Jahresschlussbilanz vor, sondern eine
steuerlich nicht zulässige Umqualifikation von unter dem Jahr bereits ausbezahltem
Lohn in ein Darlehen.
Der angesprochene Darlehensvertrag datiert nun aber gar nicht vom 31. De-
zember 2006; per dieses Datum erfolgte lediglich die Einbuchung einer "Lohnkorrektur"
im Betrag von Fr. 182'530.90 in der Buchhaltung der E AG. Die Letztere wurde gemäss
Angaben des Pflichtigen per 2006 nicht korrekt geführt und ist dementsprechend nach-
träglich erstellt worden; das Visum der Revisionsstelle datiert denn auch vom ... 2008.
Die Verbuchung des Differenzbetrags zwischen dem tatsächlich ausbezahlten höheren
Lohn (brutto Fr. 500'000.-) und dem verfochten tieferen Lohn (brutto Fr. 200'000.-) per
Bilanzabschluss 31. Dezember 2006 geschah mithin in einem Zeitpunkt, in welchem
sich der Pflichtige bereits im Eheschutzverfahren befand und er naheliegenderweise aus
trennungs- bzw. scheidungsbedingten Gründen wohl ein Interesse an einer tieferen Sa-
larierung hatte. Der Buchungstext "Lohnkorrektur" spricht im Übrigen eindeutig für ein
nachträgliches Abändern von bereits geflossenem Lohn und nicht für eine Darlehens-
gewährung.
- 16 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
Ein Darlehensvertrag über den Betrag von Fr. 182'500.- existiert jedoch eben-
falls und wurde der Steuerbehörde auch eingereicht; dieser datiert jedoch nicht wie be-
hauptet vom ... 2006, sondern vom ... 2006. Zu Recht weist die Vorinstanz darauf hin,
dass per letzterem Datum im Kalenderjahr 2006 noch gar kein Monatslohn geflossen
war und also nicht feststand, wieviel Lohn per 2006 zuviel ausbezahlt worden war. Die
Gewährung eines Darlehens über diesen Betrag per ... 2006 hätte im Übrigen aber auch
nicht zur Folge haben können, dass danach das gleiche Darlehen – versteckt in Monats-
Nettolöhnen – tranchenweise nochmals ausgerichtet worden wäre. Der Versuch des
Pflichtigen, diese Widersprüche beschwerde- und rekursweise zu klären, erweist sich als
unbehelflich. So lässt er einerseits geltend machen, der Darlehensvertrag vom ... 2006
über Fr. 182'500.- sei wohl aus Versehen eingereicht worden und habe aber ohnehin nur
historische Bedeutung, nachdem das Darlehen im Mai 2007 ja zurückbezahlt worden
sei; massgebend sei der Vertrag vom ... 2006, welcher der Vorinstanz ebenfalls vorlie-
ge, wie diese im Einspracheentscheid des 1. Rechtsgang bestätigt habe. Soweit die Vor-
instanz in letzterem Entscheid einen Darlehensvertrag vom ... 2006 mit einem Betrag
vom Fr. 182'530.90 erwähnte, stellte sie offensichtlich auf die besagte Verbuchung des
(angeblichen) Darlehens bei der E AG ab und ändert dies nichts daran, dass ihr allein
ein Darlehensvertrag vom ... 2006 vorgelegt worden ist; letzteres unter Bezugnahme auf
die Auflage, sämtliche Darlehen des Pflichtigen bei der E AG im Detail nachzuweisen,
und also keineswegs "aus Versehen".
Mit der Vorinstanz ist demnach davon auszugehen, dass der Darlehensvertrag
vom ... 2006 nachträglich erstellt worden sein muss. Dabei müssen entgegen der vo-
rinstanzlichen Ansicht nicht zwingend Steuerumgehungsgründe ausschlaggebend ge-
wesen sein, sondern könnte die Sache auch einen unterhaltsrechtlichen Hintergrund
haben. Daran ändert nichts, dass der Pflichtige im Einspracheverfahren des 1. Rechts-
gang darauf verwies, dass das Obergericht im Eheschutzverfahren den Bruttolohn von
Fr. 200'000.- bestätigt habe. Einerseits ging es in letzterem Verfahren um die Festlegung
der Unterhaltsansprüche der pflichtigen Ehefrau; insoweit war auf die nachhaltigen Ver-
dienstmöglichkeiten und nicht bloss auf den Lohn 2006 abzustellen. Das Obergericht
stellte im Übrigen fest, dass die von A behaupte Lohnreduktion per 2006 aufgrund der
vorhandenen Unterlagen nicht prüfbar sei. Indes stellten Unterlagen aus den Folgejah-
ren 2007 bis 2009 Indizien für die von A behaupteten finanziellen Schwierigkeiten der
E AG dar. Diese seien aber nicht derart schwerwiegend, als dass sie die von A verfoch-
tene Reduktion des Einkommens auf Fr. 4'857.90 pro Monat zu begründen und schon
gar nicht glaubhaft zu machen vermöchten; plausibel und glaubhaft sei gestützt auf die-
- 17 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
se Unterlagen indes eine Reduktion auf Fr. 200'000.- brutto pro Jahr. Das Obergericht
schloss damit keineswegs aus, dass der Pflichtige per 2006 deutlich mehr als
Fr. 200'000.- brutto verdient hatte; indes ging es gestützt auf die Akten des Eheschutz-
verfahrens davon aus, dass die Lohnhöhe 2006 aufgrund der Geschäftsgangentwick-
lung in der Folge nicht gehalten werden konnte, und erachtete es von daher einen Brut-
tolohn von Fr. 200'000.- als sachgerechte Basis für die Festlegungen der
Unterhaltsansprüche.
e) Nach alledem ist als Zwischenergebnis festzuhalten, dass dem Pflichtigen
nach Massgabe des Mitte Dezember 2005 abgeschlossenen Arbeitsvertrags per 2006
bis und mit Ende Oktober ein Bruttolohn von Fr. 500'000.- (= 10 Monatslöhne à brutto
Fr. 50'000.-) zugeflossen ist.
f) Zu prüfen bleibt die Entlöhnung für die Monate November und Dezem-
ber 2006. Mit Blick auf die gesamten Umstände im vorliegenden Fall und insbesondere
auch die Feststellungen im vorerwähnten Beschluss des Obergerichts ist davon auszu-
gehen, dass finanzielle Schwierigkeiten bei der E AG nicht anfangs, jedoch gegen Ende
2006 auftauchten. Eine (auf dem Arbeitsvertrag vom Dezember 2005 basierende) Aus-
zahlung von weiteren Bruttolöhnen in der Höhe von Fr. 50'000.- war offenbar nicht mög-
lich, weshalb die beiden Aktionärsdirektoren ihren Jahreslohn auf den ihnen bereits aus-
bezahlten Betrag von Fr. 500'000.- brutto beschränkten. Abzustellen ist in der
gegebenen Situation damit nicht auf den ursprünglichen Arbeitsvertrag, sondern auf den
effektiven Zahlungsfluss und diesbezüglich steht fest, dass dem Pflichtigen für die Mo-
nate November und Dezember keine Löhne mehr ausgerichtet worden sind. Entspre-
chende Löhne wurden auch nicht in den Folgejahren nachbezahlt und die E AG hat die-
se auch nicht auf einem Arbeitnehmerkonto gutgeschrieben. Bei dieser Lage der Dinge
bleibt es damit beim Jahressalär von Fr. 500'000.- brutto, was denn auch – wie bereits
erwähnt – mit den ursprünglichen Quellensteuerabrechnungen übereinstimmt.
g) Auch wenn die E AG gegen Ende 2006 in finanzielle Schwierigkeiten geriet,
so konnte deswegen nach dem Gesagten steuerlich bereits ausbezahlter Lohn per Bi-
lanzabschluss nicht nachträglich in ein Darlehen umqualifiziert werden. In diesem Zu-
sammenhang lässt der Pflichtige beschwerde- und rekursweise geltend machen, die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Steuerpflichtigen dürfe nicht nur einzelfallweise,
etwa im Rahmen von monatlichen Lohnabrechnungen betrachtet werden, sondern müs-
se die Beurteilung die gesamte Steuerperiode erfassen, weshalb Zuflüsse durch Abgän-
- 18 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
ge neutralisiert werden könnten. Dem ist entgegen zu halten, dass der Pflichtige über
den ihm zwischen Januar und Oktober 2006 ausbezahlten Lohn uneingeschränkt und im
vollen Umfang hat verfügen können; der Einkommenszufluss als faktischer Vorgang war
damit abgeschlossen und seine wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu dieser Zeit hatte
sich entsprechend erhöht. Die Berücksichtigung von späteren Rückleistungen wider-
spricht dieser – nach herrschender Lehre und Rechtsprechung massgebenden – zeit-
punktbezogenen Betrachtungsweise (vgl. StRG, 27. Januar 2012, 1 DB.2011.2008).
Wenn der Pflichtige Lohnzuflüsse unter dem Jahr (Löhne Januar bis Oktober)
durch Lohnabgänge gegen Ende Jahr (Umwandlung dieser Löhne in Darlehen) kom-
pensieren will, geht er im Übrigen selber davon aus, dass keine Lohnanpassung per
Anfang 2006 stattgefunden hat.
h) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass bei der Festsetzung der Ein-
kommenssteuerfaktoren von einem nachgewiesenen Bruttolohn 2006 des Pflichtigen
von Fr. 500'000.- auszugehen ist.
Im Ergebnis sind damit die Einkommensteuerfaktoren – basierend auf der vo-
rinstanzlichen (im Grundsatz unbestrittenen) Berechnung – wie folgt nach unten zu kor-
rigieren:
Fr. Fr.
Ausbezahlter Bruttolohn 500'000.- statt 600'000.-
Privatanteil Geschäftswagen 11'532.-
Verdeckte Gewinnausschüttung 15'494.-
Putzfrau laut Kontokorrent 6'769.-
Pauschalspesen 12'000.-
Bruttolohn 545'795.- statt 645'795.-
./. AHV/IV/EO (5.05%) 27'563.-
./.ALV (0.1653 %) 903.-
./. UVG/NBU (1.146%) 6'255.-
BVG 3'752.-
Nettolohn 507'322.- statt 600'961.-
Dieser reduzierte Nettolohn führt nach Vornahme der gebotenen Steueraus-
scheidung zu folgenden Einkommensteuerfaktoren:
- 19 -
1 DB.2013.204 1 ST.2013.233
Staats- und Gemeindesteuer Direkte Bundessteuer
Fr. Fr.
Steuerbares Einkommen 471'000.- 473'500.-
Satzbestimmendes Einkommen 504'600.- 507'300.-.
i) Fragen lässt sich allenfalls noch, ob dem Pflichtigen im Zusammenhang mit
Darlehen, welche er von der E AG erhalten und angeblich nach 2006 wieder zurückbe-
zahlt hat, weitere Einkünfte zugeflossen sind. Dies wäre bei Vorliegen von simulierten
Darlehen der Fall, betrifft indes nicht die hier im Streit liegende Steuerperiode 2006,
sondern wird steuerbehördlich in den Folgeperioden zu prüfen sein. Soweit dabei die
behauptete Restschuld des Pflichtigen gegenüber M von Fr. 300'000.- ein Thema wäre,
entspricht dieser Betrag (wohl nicht zufällig) gerade der vorliegend bestätigten Einkom-
mensaufrechnung (Auszahlung E AG an den Pflichtigen von Fr. 500'000.- = Bruttolohn
und nicht Darlehen im Umfang von Fr. 300'000.-), so dass insoweit die Sache ausgegli-
chen wäre.
5. a) Nach alledem sind die Beschwerde und der Rekurs teilweise gutzuheis-
sen.
b) Ausgangsgemäss sind die Kosten des Verfahrens den Parteien anteilsmäs-
sig aufzuerlegen (Art. 144 Abs. 1 DBG und § 151 Abs. 1 StG). Den Pflichtigen ist auf-
grund ihres überwiegenden Unterliegens keine Parteientschädigung zuzusprechen
(Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das Verwaltungs-
verfahren vom 20. Dezember 1968 bzw. § 152 StG i. V. m. § 17 Abs. 2 des Verwal-
tungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959/8. Juni 1997, VRG).