# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 68548de6-8fd9-4eab-b9da-fe68ff820d76
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1
975 geborene
X._
(verheiratet und Vater von 2 Kindern, geboren 2008 und 2013) reiste 2003 als Asylbewerber aus dem
Y._
in die Schweiz ein und war zuletzt vom 1. Februar 2014 bis 31. Januar 2016 als Küchenhilfe im Restaurant der
Z._
bei eine
m 100%-Pensum angestellt (Urk. 6/7 und Urk. 6
/16). Am 16. Juni 2015 rutschte er in der Restaurant-Küche aus und fiel auf den Rücken und Hinterkopf, woraufhin die
Swica
Versicherungen AG als Unfallversicherung auf den Schaden eintrat und Heilbehandlung
sowie Taggeld gewährte (Urk. 6/
12). Am 29. Dezember 2015 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum
Leistungsbezug an (Urk. 6
/7). In der Folge tätigte die
IV-Stelle medizinische und erwerbliche Abklärungen und zog die Akten der Unfallversicherung bei. Mit Schreiben vom 10. Mai 2016 teilte sie
X._
mit, dass bis zur Klärung der medizinischen Situation keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen möglich seien (Urk. 6
/26). Gestützt auf die von der
Swica
in Auftrag gegebene Aktenbeurteilung der Wirbelsäulen- und Schmerz-
Klinik A._
vom 9. Dezember 2015 (Urk. 6
/12 S. 4-9) und auf das Gutachten von Dr. med.
B._
, Spezialarzt FMH für Orthopädische Chir
urgie, vom 15. Juli 2016 (Urk. 6
/37 S. 5-12) stellte die
Swica
ihre Leistun
gen per 31. Mai 2016 ein (Urk. 6
/37 S. 3 f.). Die IV-Stelle liess
X._
durch die
C._
AG polydisziplinär begutachten (
C._
-Gutac
hten vom 30. Januar 2017, Urk. 6
/49). Nach durchgeführte
r Ein
gliederungsberatung (Urk. 6
/54) teilte die IV-Stelle dem Versicherten am 14. März 2017 mit, dass eine Arbeitsvermittlung zurzeit
nicht möglich sei (Urk. 6
/53). Nach durchgeführ
tem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/56, Urk. 6/59, Urk. 6/61, Urk. 6/65 und Urk. 6
/67) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 9. Oktober 20
17 das Leistungsbegehren (Urk. 6/72
).
Die dagegen am 24. Oktober 2017
erhobene Beschwer
de (Urk. 6/73 S. 3-8) wies das
hiesige
Sozialversicherungsgericht mit Urteil IV.2017.01151 vom 21. März 2018 ab (Urk. 6/75
).
1.2
Am 22. Juni 2020 (Eingangsdatum, Schreiben vom 17. Juni 2020, Urk. 6/82) machte
Dr.
D._
, Fach
arzt
FMH, Psychiatrie und Psycho
therapie, einen verschlechterten Gesundheitszustand von
X._
geltend und bat um eine Neubeurteilung der Rentenfrage.
Die IV-Stelle tätigte daraufhin erwerbliche Abklärungen
und holte bei den vom Versicherten angegebenen Behandlern
Arztberichte ein
(Urk. 6/84-87, Urk. 6/89). Am 31. August 2020
teilte sie
dem
V
ersicherten mit, aufgrund seines
gesundheitlichen Zustandes seien zur
zeit keine beruflichen
Massnahmen möglich (Urk. 6/90
).
Nachdem sich die IV-Stelle
beim Versicherten
erkundigt hatte, ob
er
sich auch in neurologischer Behandlung befinde (Urk. 6/91)
, holte sie bei
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Neurologie, einen Arztbericht ein (Urk. 6/94). Im Weiteren aktualisierte die IV-Stelle die medizinische Aktenlage (Urk. 6/99-100).
Nach durchgeführtem
Vor
bescheidverfahren
(Urk. 6/103-104) wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Mai 2021 das Leistungsbegehren ab (Urk. 2, unter Zustellung an di
e
behandelnden Ärzte
Dr.
E._
und Dr.
D._
, Urk. 6/109-111).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 19
.
Mai 2021
Beschwerde und beantragte
sinngemäss
,
die angefochtene Verfügung vom 5. Mai 2021
sei aufzuheben
(Urk. 1
)
.
Mit Beschwerdeantwort vom 5
. Aug
ust 2021
schloss die Beschwerde
gegnerin auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 5
, unter Be
ilage ihrer Akten, Urk. 6/1-111), was dem Beschwerdeführer am 11. August 2021 mitgeteilt wurde (Urk. 7
).
Auf Nachfrage des hiesigen Gerichts bestätigt
e
der Beschwerdeführer, dass er weiterhin Sozialhilfe beziehe und entsprechend auf unentgeltliche Prozessführung angewiesen sei (Urk. 8,
vgl. nachgereichte Unterstützungs
bestätigun
g vom
4.
März 2022
,
Urk.
9
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraus
setzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der ver
sicherten Person in einer für den Anspruch erheblich
en Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (
Urteil des Bundes
gerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochtenen Entscheid (Urk. 2),
gestützt auf ihre Abklärungen sei
eine wesentliche Verän
derung des Gesundheitszustandes
weder psychisch noch körperlich
ausgewiesen.
Damit liege auch weiterhin keine invalidenversicherungsrechtlich relevante gesundheitliche Beeinträchtigung vor.
2.2
Demgegenüber stellte sich
der Beschwerdeführer
auf den Standpunkt (Urk. 1), aus den neuen medizinischen Berichten ergebe sich eine Verschlechterung
seines
Gesundheitszustandes.
3.
3.1
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhalts
abklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.1 mit Hinweisen),
vorliegend
die
mit Gerichts
urteil IV.2017.01151
vom
21. März 2018 (Urk. 6/75
) bestätigte Verfügung der IV-Stelle vom
9. Oktober 2017 (Urk. 6/72
).
3.2
Das hiesige Gerich
t hielt mit Urteil IV.2017.01151
vom
21. März 2018
fest, dass gestützt auf das im Wesentlichen überzeugende
C._
-Gutachten vom 30. Januar 2017 hinsichtlich des somatischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers weder in orthopädisch-
traumatologischer
noch neuro
logischer o
d
er internistischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit bestehe (vgl. E. 4.3 von Urk. 6/75). Das Gericht wich
ferner
von der psychiatrischen gutachterlichen Einschätzung ab und kam zum Schluss, dass eine sich auf die Leistungsfähigkeit auswirkende posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10: F43.1) mangels erfüllter Kriterien nicht gegeben sei (vgl. E. 4.4.1 von Urk. 6/75). Der im Gutachten diagnostizierten mittelschweren depressiven Episode sprach das G
ericht nach
eingehender Würdigung der auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren - insbesondere unter Berücksichtigung der noch vorhandenen Ressourcen sowie des eingliederungs- und behandlungsanamnestisch nicht ausgewiesenen Leidensdrucks - eine ver
sicherungsrechtlich relevante Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ab (vgl. E. 4.4.2 von Urk. 6/75).
4
.
4.1
Die Verfügung vom
5. Mai 2021
(Urk. 2), mit welcher das Leistungsbegehren erneut abgewiesen wurde, basierte auf folgenden medizinischen Beurteilungen:
4.2
Dr.
D._
machte mit seinem Schreiben vom 17. Juni 2020 (Urk. 6/82) zuhanden der Beschwerdegegnerin
einen verschlechterten Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers geltend
und bat um eine Neubeurteilung der Rentenfrage
. Er behandle den Beschwerdeführer seit Jahren ambulant. Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen liege inzwischen psychopathologisch
eine schwere depressive Störung mit chronischem Verlauf vor sowie Ketten von somatischen Beschwerden als Folge des Unfalls und einer unverarbeiteten posttraumatischen
Belastungsstörung. Sowohl der psychopathologische Befund nach AMDP als auch das Ergebnis des MDI (Major Depression
Inventory
) sowie der klinische Gesamt
eindruck wiesen auf eine schwere depressive Störung hin. Zeitweilig wirke der Beschwerdeführer agitiert, dann wieder verzweifelt. Es bestehe eine hochgradige Niedergeschlagenheit im Sinne einer tiefen Bedrücktheit und allgemeinen Freudlosigkeit. Hinzu kämen Interesse- und Energieverlust, eine Verminderung des Antriebes und ein reduziertes Selbstwertgefühl. Schon aufgrund der oben genannten Diagnose gehe hervor, dass die gesundheitliche Situation des Beschwerdeführers äusserst komplex sei. Er befinde sich in einem regelrechten Strudel, der abwärtsgerichtet sei. Durch die Abweisung seines Rentengesuchs und de
n
Druck der Sozialdienste werde er zunehmend verbittert. Es bestehe aus fach
spezifischer Sicht ein psychischer sowie somatischer Gesundheitsschaden mit einer eher langandauernden oder dauerhaften Arbeitsunfähigkeit.
4.3
Im seinem Bericht vom 13. Juli 2020 (Urk. 6/86) zuhanden der Beschwerde
gegnerin
stellte
Dr.
D._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
ohne psychotische Symptome (ICD-10: F33.1)
-
Ch
ronifizierte
posttraumatische Belastungsstörung bei Status nach Unfall
am 16. Juni 2015 und
Reaktualisierung
lebensgeschichtlicher
Traumata
im
Y._
-
Verdacht auf andauernde Persönlic
h
keitsänderung nach Extrembelastung
(ICD-10: F62.0)
Der Beschwerdeführer komme
alle vierzehn Tage zu einem Gespräch
i
n seiner Muttersprache Arabisch
. Sein Zustand habe sich nicht gebessert. Aktuell ständen die Symptome einer Depression und
reaktualisierte
Symptome einer posttrauma
tischen Belastungsstörung
im
Vordergrund.
Bei der Konfrontation mit Trauma
tisierungsthemen zeige er ausgeprägte vegetative Erregbarkeit. Das Bewusstsein des 45-jährigen, vorgealtert wirkenden und etwas ungepflegten Beschwerde
führers sei klar und allseits orientiert. Psychomotorisch wirke er ständig an
gespannt. Konzentrat
ion und Merkfähigkeit seien ein
geschränkt. Im formalen Denken sei er logisch, kohärent, grüblerisch eingeengt auf traumatische Lebens
inhalte und somatische Beschwerden. Im Affekt sei er ständig deprimiert, nieder
geschlagen, hilflos, antriebslos, ängstlich, unsicher, misstrauisch. Er
berichte
über Lebensüberdruss, soziale Isolierung, Antriebsminderung, reduzierten Selbstwert und reduziertes Selbstvertrauen, eine negative Sicht auf sich selbst und die Um
welt. Er leide an Ängstlichkeit, habe ein erhöhtes
Arousal
mit vegetativer Erreg
barkeit, sei ständig angespannt und habe Schlafstörungen. Auf der Hamilton Depressionsskala habe er am 18. Juni 2020 26 Punkte erreicht, was einer mittel
gradigen Depression entspreche. Die Prognose scheine ungünstig zu sein. Der Beschwerdeführer be
f
inde sich
seit
2016 in einer
ambulanten
psychiatrischen Behandlung und dennoch sei es kaum zur Verbesserung seines
psychischen
Zu
standes gekommen. Die Störung zeige einen chronischen Verlauf. Mit einer dauerhaften psychiatrisch bedingten Arbeitsunfähigkeit
sei zu rechnen
.
4.4
Im Bericht der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefässchirurgie des Stadtspitals
F._
vom 29. Mai 2020 (Urk. 6/87 S. 3 f.) wurden folgende Diagnosen auf
geführt:
-
Hämorrhoiden Grad II-III
mit Status nach Inzision einer
Anal
venenthrombose
bei 09:00 Uhr, Steinschnittlage am 17. Mai 2020
-
anamnestisch: Rezidivierende
Hämatochezie
-
Chronische Reflux-Symptomatik
Der Beschwerdeführer sei am 17. Mai 2020 auf der Notfallstation gesehen worden und habe über
seit
circa vier Jahren bestehende anale Blutabgänge berichtet, so
dass eine Koloskopie veranlasst worden sei. Diese sei zweimal nicht möglich gewesen, da der Beschwerdeführer zu wenig a
bg
eführt gehabt habe. Von Seiten der Analvenenthrombose sei er weitgehend beschwerdefrei, klage jedoch noch über etwas Brennen. Ausserdem trinke er sehr wenig, sodass der Stuhlgang oft hart sei. Ausserdem klage er auch über eine rezidivierende Reflux-Symptomatik.
4.5
Dr.
E._
hielt in seinem Bericht vom 6. Januar 2021 (Urk. 6/94) zuhanden der Beschwerdegegnerin fest, dass er den Beschwerdeführer seit der letzten Konsultation am 6. November 2017 am 16. Dezember 2020 wieder untersucht habe
. Der Beschwerdeführer habe vor zwei Jahren einen Arbeitsversuch bei der Passkontrolle am Flughafen gemacht, sei aber abgewiesen
worden wegen seines Hinkens. Er
habe dort manchmal körperlich gegen Widerspenstige intervenieren müssen, was er mit seinem Ge
sundheitszustand nicht könne. Er
sei seit der letzten Konsultation im November 2017 nicht mehr in Behandlung gewesen, ausser beim Psychiat
er
Dr.
D._
. Der Beschwerdeführ
er beklage
Schmerzen im Bereich des Rückens und
des
rechten Bein
s
mit
Schlafstörungen, wobei die Schmerzen massiv seien. Medikamente hätte er nicht vertragen, da diese Magenschmerzen verur
sacht hätten.
Im Tagesablauf mache er kleine Erledigungen, koche das Mittag
essen für die Kinder (zwischen 3 und 12 Jahren). Nachts verspüre er wie Strom im rechten Bein. Beim Beschwerdeführer liege eine chronische
Lumboischialgie
rechts ohne neurologischen Ausfall mit vordergründiger muskuläre
r
Komponente vor, so wie diese bereits in der Krankengeschichte seit 2016 dokumentiert sei. Möglich
seien weitere Abklärungen wie MRI des Rückens oder Untersuchungen im Zentrum für Muskelstörungen des
Spitals G._
. Dem Beschwerdeführer sei beispiel
s
weise Lieferwagen fahren möglich, mit maximal 5
Kilogramm Belastung, Tätig
keiten in
der
Kleinverpackung oder Kleinmontage.
Er empfehle ein Coaching
.
4.6
Im B
ericht der
Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefässchirurgie des S
tadtspital
s
F._
vom 28. Januar 2021 (Urk. 6/100) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt. Der Befund zeige unklare Bauchschmerzen, eine unauffällige Koloskopie, einen Status nach
Perianalvenenthrombose
. Der Beschwerdeführer verweigere die proktologische Untersuchung in der Sprechstunde.
D
as Ressourcenprofil für berufliche Tätigkeiten könne nicht beurteilt werden. Durch die
viszeralchirurgische
Diagnose sei keine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und keine Arbeitsunfähigkeit
gegeben.
Die Motivation des Beschwerdeführers sei gering. Bei fehlender Diagnose könne keine Prognose gemacht werden.
4.7
Im Verlaufsbericht vom 17. Februar 2021 (Urk. 6/99) zuhanden der Beschwerde
gegnerin führte
Dr.
D._
bei einem stationären Gesundheitszustand folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
an
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelschwere Episode
ohne psychotische Symptome 8ICD-10: F33.1)
-
Chronifizierte
posttraumatische Belastungsstörung bei Status nach Unfall
am 16. Juni 2015 und
Re
aktualisierung
lebensgeschichtlicher Traumata im
Y._
-
Verdacht auf andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung
(ICD-10: F62.0)
-
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung als Folge des Unfalls (ICD-10:
F 45.4)
Über das Ressourcenprofil für berufliche Tätigkeiten konnte
Dr.
D._
keine Angaben machen, es bestehe aber eine Verminderung der Leistungs
fähigkeit. Seit
der Beschwerdeführer
in der Hamilton D
epressionsskala
am 18
. Juni 2020 eine Punktzahl von 26 erreicht
habe
, sei es zu keiner wesentlichen Änderung gekommen.
Der Beschwerdeführer sei aktuell einmal monatlich bei ihm in Behandlung. Die Prognose sei unsicher, eher schlecht. Die Arbeitsfähigkeit könne auch durch medizinische Massnahmen nicht verbessert werden.
Die Motivation des Beschwerdeführers sei aufgrund Selbstlimitierung bei 3 von maximal 10 Punkten einzuordnen.
4.8
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Chirurgie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) kommt in seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung vom 27. Februar 2021 (Urk. 6/102 S. 6 f.) zum Schluss, dass weder somatisch noch psychisch eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes zu erkennen sei.
Somatischerseits
sei aus versicherungsmedizinischer Sicht eine Besserung beschrieben; so seien die
geklagten
Schmerzen muskulärer Natur, was bei adäquater me
dika
mentöser und physiotherapeutischer Behandlung als jederzeit überwindbar anzusehen sei. Die augenscheinlich mindestens monatliche Behandlungsfrequenz beim
Psychiater
sei bei
einer
mittelschweren depressiven Episode
als nicht ausreichend anzusehen, da in einem solchen Fall eine mindestens zweiwöchige Behandlungsfrequenz adäquat wäre. Insgesamt werde sowohl 2016 als auch 2020 vom behandelnden Psychiater eine mittelschwere Depression diagnostiziert, die zwischenzeitlich auch im stattgefundenen Gut
achten vom 3
0.
Juli 2017 diagnostiziert worden sei. Somit sei es auf psychiatrischem Fachgebiet zu
keiner Verschlechterung gekommen, wobei die
niederfrequentige
Behandlung eher für einen geringen psychiatrischen Behandlungsbedarf und damit im besten Fall für eine Besserung, zumindest je
doch nicht für eine Verschlechterung spreche.
5.
5.1
Es ist strittig und zu prüfen, ob zur Ermittlung des medizinischen Sac
hverhalts auf die Stellungnahme
des RAD vom 27
. Februar 2021 (Urk. 6/102 S. 6
f.
) ab
gestellt werde
n kann. Bei den Ausführungen des RAD-Arztes
Dr.
H._
handelt es sich um eine reine Aktenbeurteilung, da
er den
Beschwerdeführer
nach der Neuanmeldung nicht persönlich untersuchte.
Eine Aktenbeurteilung ohne eigene Untersuchung kann beweiskräftig sein, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen der RAD (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E. 3.1 mit Hinweis).
5.2
Bereits im
C._
-Gutachten vom 30. Januar 2017,
worauf das hiesige
Gericht mit Urteil IV.2017.01151 vom 2
1.
März 2018 abstellte (vgl. hierzu E. 3.2), wurde unter anderem ein
lumbosakrales
Syndrom ohne behinderungsrelevantes Korrelat diagnostiziert, welches aber aus orthopädisch-
traumatologischer
, neurologischer und internistischer Sicht ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieb. Nach
dem sich der Beschwerdeführer seit November 2017 nicht mehr in neurologischer Behandlung befunden hatte
- wohl mangels ihn beeinträchtigenden Beschwerden
, stellte der langjährige Behandler
Dr.
E._
in seinem Bericht vom 6. Januar 2021 die Diagnose einer
Lumboischialgie
rechts ohne neurologische
n
Ausfall mit vordergründiger muskulärer Komponente (vgl. E. 4.5) und verwies dabei auf den Umstand, dass sich dieses Befundbild bereits 2016 gezeigt habe. Entsprechend überzeugt die Einschätzung von RAD-Arzt
Dr.
H._
, dass sich zwischenzeitlich aus somatischer Sicht keine Verschlechterung ergeben habe. Es ist vielmehr mit ihm davon auszugehen, dass sich aufgrund der hauptsächlich muskulären Natur der Rückenbeschwerden sogar eine Besserung ergibt, welche erfahrungsgemäss mit adäquater medikamentöser und physiotherapeutischer Behandlung
noch weiter erhöht werden kann.
Hinsichtlich der
von
Dr.
D._
genannten
rezidivierenden depressiven Störung, g
egenwärtig mittelschwere
Episode
(vgl. E. 4.3 und E. 4.7)
, ist darauf hinzuweisen, dass
bereits von ihm selbst im Juli 2016 (Urk. 6/34) und auch
im psychiatrischen Teilgutachten der
C._
eine mittelschwere
depressive Episode
diagnostiziert wurde
.
Dies spricht
gegen eine relevante Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes.
Zudem ist aufgrund der
niederfrequentige
n
Behandlung
einmal monatlich
von einem
geringen psychiatrischen Behandlungs
bedarf
auszugehen.
Der Beschwerdeführer vermag sodann auch weiterhin - wie schon 2017 - i
m Tagesablauf kleine Erledigungen
zu machen
, für die Kinder (
nun
zwischen 3 und 12 Jahren)
das Mittagessen koche
n
.
Es
fällt aber auch auf, dass
Dr.
D._
in seinem Schreiben vom 17. Juni 2020 aufgrund des dar
gelegten psychopathologischen Befund noch eine schwere depressive Störung beschrieb (vgl. E.
4.2
), einen Monat später aber wiederum
bei einer weitgehend identischen Befundlage
von einer mittelgradigen Episode im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung berichtete
(vgl. E. 4.3)
, ohne diese
positive Veränderung in irgendeiner Weise zu begründen. Im Weiteren sei der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers bis Januar 2021 stationär geblieben, wobei selbst dessen behandelnder Psychiater die Motivation des Beschwerde
führers bei beobachteter Selbstlimitierung als gering einschätzte (vgl. E. 4.7).
Das V
orliegen
einer posttraumatischen Belastungsstörung wurde bereits mit
rechtskräftigem
Urteil IV.2017.01151 vom 21.
März 2018 nach einlässlicher Auseinandersetzung mangels erfüllter diagnostischer Kriterien
als
nicht gegeben
erachtet
(vgl. E. 4.4.1 von Urk. 6/75).
Daran hat sich auch durch die erneute Nennung dieser Diagnose durch
Dr.
D._
(vgl. E. 4.2, E. 4.3 und E. 4.7)
nichts geändert.
Der geäusserte Verdacht einer andauernden Persönlichkeitsänderung stellt eben
falls keinen veränderten Gesundheitszustand dar, da
Dr.
D._
bereits in seinem Bericht vom 13.
Juli 2016 differentialdiagnostisch eine solche Diagnose gestellt hatte (vgl. Urk. 6/34).
Festzuhalten ist überdies, dass im Zusammenhang mit den neu aufgetreten Hämorrhoiden II-III ein anspruchserheblich verschlechterter gesamtheitlicher Gesundheitszustand nicht geltend gemacht wird und sich auch aus den Berichten des Stadtspitals
F._
vom 2
9.
Mai 2020 (vgl. E. 4.4) und vom 2
8.
Januar 2021 (vgl. E. 4.6) nicht ergibt. Bei fehlender, die Arbeitsfähigkeit beeinflussender Diagnose wurde deswegen ärztlicherseits auch keine verminderte Leistungs
fähigkeit festgestellt.
5.3
Zusammengefasst ist nach dem Ausgeführten eine anspruchsrelevante gesund
heitliche Verschlechterung im hier massgebenden Beurteilungszeitraum nicht erstellt und von weiteren Abklärungen ist in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d und 136 I 229 E. 5.3) kein anderes Ergebnis zu erwarten.
Damit erweist sich die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6
.
6
.1
Zu prüfen bleibt der Anspruch des Beschwerdeführers auf Gewährung der unent
geltlichen Rechtspflege. Der Beschwerdeführer wird gemäss
Unterstützungs
bestätigung vom
4. März 2022 (Urk. 9
)
von seiner Wohngemeinde finanziell unterstützt. Mit Blick darauf ist er im vorliegenden Verfahren bezogen auf den massgebenden Zeitpunkt als prozessual bedürftig zu qualifizieren. Da auch die weiteren Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind, ist dem Beschwerdeführer in Bewilligung seines Gesuchs vom
10. März 2022 (Urk. 8)
die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
6
.2
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen sind (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), sind auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6
.3
Der Beschwerdeführer ist darauf hinzuweisen, dass er zur Nachzahlung der Kosten für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist (§ 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).