# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c13175b3-0597-487a-a4be-663b3f671f5c
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1972, wohnt in B._ und war zuletzt als
Patisseriemitarbeiterin tätig. Am 5. März 2021 meldete sie einen Anspruch
auf Arbeitslosenversicherungstaggelder im Umfang von 70 % ab dem
selbigen Tag an.
2. Mit Verfügung vom 20. April 2021, zugestellt am 22. April 2021, teilte das
Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden (KIGA) A._
mit, dass sie in der Anspruchsberechtigung auf
Arbeitslosenentschädigung für 15 Tage eingestellt werde. Begründend
hielt das KIGA fest, dass A._ für die Zeit vor Beginn der
Arbeitslosigkeit keine persönlichen Arbeitsbemühungen vorweisen könne.
3. Dagegen erhob A._ am 26. Mai 2021 beim KIGA sinngemäss
Einsprache. Sie sei mit der Strafe (Anmerkung des Gerichts: Einstellung
in der Anspruchsberechtigung auf Arbeitslosenentschädigung für 15 Tage)
nicht einverstanden. Ihre Chefin habe ihr eine Erhöhung des Pensums von
50 % auf 80 % in Aussicht gestellt. Da sich die Pandemiesituation
besserte, habe sie zugewartet, sich anderweitig zu bewerben, und sich
daran gehalten, was man ihr gesagt habe und dies respektiert. Ihre
selbständige Erwerbstätigkeit laufe derweil gar nicht gut. Bei den Akten
liegt eine weitere Eingabe an das KIGA, datiert vom 27. Mai 2021, worin
sich A._ erneut zur Sache äusserte. Sie arbeite legal, bezahle alle
Versicherungsgebühren, beziehe keine Sozialhilfe, sei geschieden, lebe
nur mit ihrem Sohn, der noch die Schule besuche, und sei auf das Geld
angewiesen.
4. Mit Einspracheentscheid vom 17. Juni 2021 trat das KIGA nicht auf die
Einsprache ein. Begründend wurde festgehalten, dass die angefochtene
Verfügung vom 20. April 2021 am 22. April 2021 per A-Post Plus zugestellt
worden sei. Damit habe die dreissigtägige Frist am 23. April 2021 zu laufen
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begonnen und folglich am 25. Mai 2021 geendet. Die Einsprache vom
26. Mai 2021 (Datum auf der Eingabe sowie Poststempel) sei somit
offensichtlich verspätet abgegeben worden, weshalb nicht darauf
eingetreten werden könne.
5. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._ (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 8. Juli 2021 sinngemäss Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden mit im Wesentlichen
derselben Begründung wie in der Einsprache vom 26. Mai 2021. Sie sei
mit der "Strafe" nicht einverstanden. Bis Ende des Jahres 2020 habe sie
in einem Pensum von 80 % gearbeitet, jetzt noch in einem solchen von 50
%. Deshalb habe sie sich im Januar bzw. Februar 2021 selbständig
gemacht, damit sie nicht zum RAV gehen müsse. Das Geschäft laufe aber
nicht gut, weshalb sie sich am 5. März 2021 beim RAV angemeldet habe.
Dieses habe sie mit 15 Tagen "bestraft". Am 18. Mai 2021 sei sie beim
RAV gewesen, um mit dem zuständigen Mitarbeiter zu sprechen, welcher
aber in den Ferien gewesen sei. Am 26. Mai 2021 habe er ihr gesagt, dass
sie einen Brief schreiben müsse und diesen in den Briefkasten vom RAV
legen könne, was sie noch am selben Tag gemacht habe.
6. In seiner Stellungnahme vom 23. Juli 2021 beantragte das KIGA
(nachfolgend Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde,
abermals mit der Begründung, die Einsprache vom 26. Mai 2021 sei
verspätet erfolgt. Am 26. Mai 2021 habe die Beschwerdeführerin beim
KIGA persönlich vorgesprochen und man habe sie darauf hingewiesen,
dass sie eine Einsprache erheben müsse, um die Verfügung
gegebenenfalls überprüfen zu lassen. Sie sei auch darauf hingewiesen
worden, dass sie eventuell bereits zu spät für eine Einsprache sei. Noch
am selben Tag habe sie eine Einsprache verfasst und beim KIGA
eingereicht.
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7. Mit Eingabe vom 18. August 2021 reichte die Beschwerdeführerin dem
Verwaltungsgericht verschiedene Unterlagen zu ihrer selbständigen
Erwerbstätigkeit ein.
8. Am 24. August 2021 verzichtete der Beschwerdegegner auf die
Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften sowie
auf den angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid des Beschwerdegegners
vom 17. Juni 2021, womit er auf die Einsprache der Beschwerdeführerin
vom 26. Mai 2021 gegen die Verfügung vom 20. April 2021 nicht eintrat
und an der Einstellung der Anspruchsberechtigung für 15 Tage festhielt.
Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG; SR
837.0) i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs. 1 und Art. 57 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR
830.1) kann gegen Einspracheentscheide aus dem Bereich der
Arbeitslosenversicherung Beschwerde beim kantonalen
Versicherungsgericht erhoben werden. Nach Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m.
Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über die obligatorische
Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung (AVIV; SR 837.02)
ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen Verfügungen
(Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einspracheentscheid wurde vom KIGA als kantonale
Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die örtliche
Zuständigkeit des angerufenen Gerichts gegeben ist. Die sachliche
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Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden ergibt
sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes
über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100).
1.2. Als Adressatin des angefochtenen Entscheids ist die Beschwerdeführerin
berührt und weist ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung
oder Änderung auf, weshalb sie zur Beschwerdeerhebung legitimiert ist
(vgl. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht am 8. Juli
2021 eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG) ist
demnach einzutreten.
2. Das Verwaltungsgericht entscheidet in einzelrichterlicher Kompetenz,
wenn der Streitwert CHF 5'000.-- nicht überschreitet (Art. 43 Abs. 3 lit. a
VRG) und keine Fünferbesetzung (Art. 43 Abs. 2 VRG) vorgeschrieben ist.
Ausgangspunkt für die Bemessung des Streitwerts ist vorliegend der
versicherte Verdienst (Art. 23 AVIG) der Beschwerdeführerin von
CHF 3'033.-- (vgl. Akten des Beschwerdegegners [Bg-act.] 1). Dieser
Verdienst wird zum Taggeldsatz von 80 % (Art. 22 Abs. 1 AVIG)
entschädigt (Bg-act. 1). Die Beschwerdeführerin hat demnach Anspruch
auf ein Taggeld von CHF 111.80 (ermittelt aus CHF 3'033.-- x 0.8 : 21.7
Tage [Art. 40a AVIV]). Aus der vom Beschwerdegegner verfügten, hier
angefochtenen Einstellungsdauer von 15 Tagen in der
Anspruchsberechtigung ergibt sich ein Streitwert von insgesamt CHF
1'677.-- (15 x CHF 111.80). Da der Streitwert somit unter CHF 5'000.-- liegt
und die Streitsache nicht in Fünferbesetzung entschieden werden muss,
ist die Zuständigkeit der Einzelrichterin gegeben.
3. Im Folgenden ist zu prüfen, ob der Beschwerdegegner im angefochtenen
Einspracheentscheid vom 17. Juni 2021 (vgl. Akten der
Beschwerdeführerin [Bf-act.] 2) zu Recht nicht auf die Einsprache der
Beschwerdeführerin vom 26. Mai 2021, ergänzt durch die Eingabe vom
27. Mai 2021 (Bf-act. 3, 9 und 10), eingetreten ist.
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3.1. Gegen Verfügungen kann – mit Ausnahme der vorliegend nicht weiter
interessierenden prozess- und verfahrensleitenden Verfügungen –
gemäss Art. 52 Abs. 1 ATSG innerhalb von 30 Tagen bei der verfügenden
Stelle Einsprache erhoben werden. Diese gesetzliche Frist kann nicht
erstreckt werden (Art. 40 Abs. 1 ATSG). Gemäss Art. 39 Abs. 1 ATSG ist
die Frist nur gewahrt, wenn die Einsprache spätestens am letzten Tag der
Frist dem Versicherungsträger eingereicht oder zu dessen Händen der
Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomatischen oder
konsularischen Vertretung übergeben wird. Läuft die Einsprachefrist
unbenützt ab, so erwächst die Verfügung in formelle Rechtskraft mit der
Wirkung, dass die Einspracheinstanz auf die verspätet eingereichte
Einsprache nicht eintreten darf (vgl. BGE 134 V 49 E.2 m.H.; Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts C-7013/2018 vom 10. November 2020 E.2.2).
3.2. Vorliegend wurde die Verfügung des Beschwerdegegners vom 20. April
2021 am 21. April 2021 per A-Post Plus versandt und am 22. April 2021
zugestellt (vgl. Bg-act. 7 und 8).
3.3. Zunächst gilt es zwischen der Versandmethode der eingeschriebenen
Sendung und der Zustellung mittels A-Post Plus zu unterscheiden. Bei der
Versandmethode A-Post Plus wird die Sendung mit einer Nummer
versehen und ähnlich wie ein eingeschriebener Brief mit A-Post spediert.
Im Unterschied zu den eingeschriebenen Sendungen wird aber der
Empfang durch den Empfänger nicht quittiert. Entsprechend wird der
Adressat im Falle seiner Abwesenheit auch nicht durch Hinterlegung einer
Abholungseinladung avisiert. Die Zustellung wird vielmehr elektronisch
erfasst, wenn die Sendung in das Postfach oder in den Briefkasten des
Empfängers gelegt wird. Auf diese Weise ist es möglich, mit Hilfe des von
der Post zur Verfügung gestellten elektronischen Suchsystems "Track &
Trace" die Sendung bis zum Empfangsbereich des Empfängers zu
verfolgen (vgl. BGE 142 III 599 E.2.2; Urteil des Bundesgerichts
2C_16/2019 vom 10. Januar 2019 E.3.2.2). Gemäss ständiger
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bundesgerichtlicher Praxis erfolgt die fristauslösende Zustellung einer
uneingeschriebenen Sendung bereits dadurch, dass sie in den Briefkasten
oder in das Postfach des Adressaten gelegt wird und damit in den Macht-
bzw. Verfügungsbereich des Empfängers gelangt. Dass der Empfänger
von der Verfügung tatsächlich Kenntnis nimmt, ist nicht erforderlich (vgl.
BGE 142 III 599 E.2.4.1; Urteile des Bundesgerichts 8C_271/2019 vom
11. Juni 2019 E.6.1, 8C_586/2018 vom 6. Dezember 2018 E.5).
3.4. Der vorliegenden Sendungsverfolgung "Track & Trace" der Post lässt sich
entnehmen, dass die Verfügung des Beschwerdegegners vom 20. April
2021 der Beschwerdeführerin am 22. April 2021 (10:28 Uhr) zugestellt
wurde (vgl. Bg-act. 8). Zwar wird mit einem "Track & Trace"-Auszug nicht
direkt bewiesen, dass die Sendung tatsächlich in den Empfangsbereich
des Empfängers gelangt ist, sondern bloss, dass durch die Post ein
entsprechender Eintrag in ihrem Erfassungssystem gemacht wurde. Aus
diesem Eintrag lässt sich aber immerhin im Sinne eines Indizes darauf
schliessen, dass die Sendung in den Briefkasten oder in das Postfach des
Adressaten gelegt wurde (vgl. BGE 142 III 599 E.2; Urteile des
Bundesgerichts 2C_16/2019 vom 10. Januar 2019 E.3.2.2, 4A_10/2016
vom 8. September 2016 E.2.2.1 m.w.H.).
3.5. Mit dem ins Recht gelegten "Track & Trace"-Auszug (Bg-act. 8) ist somit
erstellt, dass der Beschwerdeführerin die Verfügung des
Beschwerdegegners vom 20. April 2021 am Donnerstag, 22. April 2021,
zugegangen ist, was als fristauslösender Moment zu gelten hat. Die
dreissigtägige Frist zur Einreichung der Einsprache gemäss Art. 52 Abs. 1
ATSG begann mithin am darauffolgenden Tag, am Freitag, 23. April 2021,
zu laufen (Art. 38 Abs. 1 ATSG). Somit endete die Frist – unter
Berücksichtigung des Pfingstmontags am 24. Mai 2021 als staatlich
anerkannter Feiertag gemäss Art. 38 Abs. 3 ATSG i.V.m. Art. 7 Abs. 2
VRG (vgl.
https://www.feiertagskalender.ch/feiertag.php?geo=1102&ft_id=35; Stand
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am 24. März 2022) – am Dienstag, 25. Mai 2021. Dies bedeutet, dass die
Einsprache spätestens am 25. Mai 2021 hätte beim Beschwerdegegner
eingereicht oder der Schweizerischen Post übergeben werden müssen
(vgl. Art. 39 Abs. 1 ATSG). Tatsächlich aber verfasste die
Beschwerdeführerin die Einsprache unbestrittenermassen am 26. Mai
2021 und legte sie gleichentags in den Briefkasten des RAV B._,
welches ebenfalls gleichentags den Eingangsstempel anbrachte (Bg-act.
9).
4. Die Beschwerdeführerin äusserte sich weder im vorliegenden
Beschwerdeverfahren (vgl. Beschwerde vom 8. Juli 2021 sowie Eingabe
vom 18. August 2021) noch im vorinstanzlichen Einspracheverfahren (vgl.
Bf-act. 3 und 9 sowie Bg-act. 9) zu der – wie der Beschwerdegegner zu
Recht feststellte – verpassten Einsprachefrist. Ihre angebliche Vorsprache
am 18. Mai 2021 beim Beschwerdegegner ist nicht substanziiert und nicht
dokumentiert. Der Vollständigkeit halber bleibt zu erwähnen, dass die
Beschwerdeführerin auch kein Gesuch um Wiederherstellung der
versäumten Frist stellte und damit dargetan hätte, dass sie
unverschuldeterweise abgehalten worden sei, binnen Frist zu handeln
(Art. 41 ATSG). Solche Wiederherstellungsgründe sind auch nicht aus den
Akten ersichtlich. Die Beschwerdeführerin beschränkte sich stattdessen
auf Ausführungen zu ihrer beruflichen, persönlichen und finanziellen
Situation und zu den Gründen für das Zuwarten mit Bewerbungen und
betonte, mit der Einstellung von 15 Tagen nicht einverstanden zu sein. Der
Beschwerdegegner seinerseits trat nach dem vorstehend Gesagten (vgl.
Erwägung 3.5 hiervor) zu Recht wegen Nichteinhaltung der
dreissigtägigen Einsprachefrist nicht auf die Einsprache vom 26. Mai 2021
ein.
5. Der angefochtene Einspracheentscheid vom 17. Juni 2021 auf
Nichteintreten ist demnach rechtens, was zur Abweisung der dagegen
erhobenen Beschwerde führt.
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6.1. Nach Art. 61 lit. fbis ATSG ist das kantonale Beschwerdeverfahren bei
Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig, wenn dies im jeweiligen
Einzelgesetz vorgesehen ist; sieht das Einzelgesetz keine Kostenpflicht
bei solchen Streitigkeiten vor, so kann das Gericht einer Partei, die sich
mutwillig oder leichtsinnig verhält, Gerichtskosten auferlegen. Da das
AVIG keine Kostenpflicht statuiert und Mutwilligkeit oder Leichtsinn nicht
vorliegen, sind der Beschwerdeführerin keine Kosten aufzuerlegen.
6.2. Dem obsiegenden Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).
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