# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 87bcfa7f-39e7-4ca7-9c96-f244ae93c99b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, erlitt am 28. Mai 2010 einen Auffahrunfall (
Urk.
6/
14/162
Ziff.
4-6
) und meldete sich am
7. November 2010
bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/
10
).
Die Sozialversicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
teilte
ihm
m
it Verfügung v
om 11. Juni 2014 mit, es werde eine polydisziplinäre Begutachtung durch
die
MEDAS
Y._
erfolgen (
Urk.
6/149
=
Urk.
6/160
). Am 9. Juli 2014 teilte der Versicherte
de
r
Y._
mit, er sei bis Ende September 2014 im Ausland, und ersuchte um eine Verschiebung der Untersuchungen in den Oktober, die möglichst an demselben Tag angesetzt werden sollten (
Urk.
6/158). Gleichentags erhob er gegenüber der IV-Stelle ver
schiedene Einwände (
Urk.
6/159
=
Urk.
6/174
).
Mit Verfügung v
om 4. August 2015 (
Urk.
6/
176
=
Urk.
2) hielt die IV-Stelle an der in Aussicht genommenen Abklärungsstelle fest und ersetzte die
Fachdiszip
lin
Rheumatologie durch Orthopädie.
2.
Gegen die Verfügung vom 4. August 2015 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 14.
September 2015 Beschwerde und beantragte, es sei der Grund der Ablehnung des Abklärungsauftrags durch die
MEDAS
Z._
aktenkundig zu machen und es sei die Auswechslung des Rheumatologen durch einen Orthopäden rückgän
gig zu machen (
Urk.
1
S. 1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 20. Oktober 2015 (
Urk.
4) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 2
2.
Oktober 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Am 1. Dezember 2015 forderte das Gericht die Beschwerdegegnerin zu einer ergänzenden Stellungnahme auf (
Urk.
8), welche diese am 25. Januar 2016 erstattete (
Urk.
10), was dem Beschwerdeführer am 29. Februar 2016 zur Kennt
nis gebracht wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Bei d
er angefochtenen Verfügung vom
4. August
2015
(
Urk.
2) handelt es sich um eine verfahrensleitende Verfügung, mit welcher die IV-Stelle an der von ihr gewählten Abklärungsstelle festhielt. Da sie das Administrativverfahren nicht abschliesst, handelt es sich um eine Zwischenverfügung.
1.2
Zwischenverfügungen können gemäss
Art.
55
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
) bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (
Art.
46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
) unter Erhebung aller gesetzlich vorgesehenen Rügen recht
licher und tatsächlicher Natur angefochten werden.
I
m
Kontext der
Gutachten
anordnung
ist gemäss der Recht
sprechung die
Eintretensvor
aussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nachteils für das erstinstanzliche
Beschwerde
verfahren
zu bejahen, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken wird
(BGE 137 V 210 E.
3.4.2.7)
.
1.3
Beschwerdeweise geltend gemacht werden können materielle Einwendungen beispielsweise des Inhalts, die in Aussicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, weil sie - mit Blick auf einen bereits umfassend abgeklärten Sach
verhalt - bloss einer Zweitmeinung entsp
reche (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7
). Sodann können personenbezogen
e
Ausstandsgründe
gerügt werden.
1.4
Polydisziplinäre Gutachten, das heisst solche, an denen drei oder mehr
Fach
diszip
linen
beteiligt sind, haben bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinbarung getroffen hat (
Art.
72
bis
Abs.
1 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV). Gemeint sind die Medizinischen Abklärungsstellen (
MEDAS
) im Sinne von
Art.
59
Abs.
3 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG). Die Vergabe der Auf
träge erfolgt nach dem Zufallsprinzip (
Art.
72
bis
Abs.
2 IVV). Der gesamte Ver
lauf der Gutachtenseinholung wird über die vom BSV einge
richtete, webbasierte Vergabeplattform
SuisseMED@P
gesteuert und kontrolliert (BGE 139 V 349 E.
2.2).
1.
5
Im Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI, Stand
1.
Januar 2015) ist das Verfahren für die Auftragsvergabe von polydisziplinären Gutachten unter Randziffer 2075 ff. wie folgt beschrieben: Kommt die IV-Stelle zum Schluss, dass eine polydisziplinäre Begutachtung notwendig ist, informiert
sie
die versicherte Person mittels Mitteilung ohne Rechtsmittelbeleh
rung. Darin sind die vorgesehenen Fachdisziplinen zu erwähnen. Der
Fragen
katalog
ist bei
zulegen und es ist auf die Möglichkeit hinzuweisen, Zusatzfragen einreichen zu können. Die versicherte Person hat die Möglichkeit, innert zehn Tagen ab Mit
teilung Einwände gegen die Begutachtung und die vorgesehenen
Fachdiszipli
nen
vorzubringen und Zusatzfragen zu stellen. Wurden keine Einwände erho
ben, so wird der Auftrag bei
SuisseMED@P
deponiert. Nach erfolg
ter Zuteilung teilt die IV-Stelle der versicherten Person die Gutachterstelle und die Namen der
Gutachter mit entsprechendem Facharzttitel mit. Innert einer Frist von zehn Tagen kann die versicherte Person dagegen personenbezogene Einwände erhe
ben. Wird den Einwänden nicht oder nur teilweise stattgegeben, erlässt die IV
Stelle eine Zwischenverfügung, worin sie die vorgesehenen Fachdisziplinen sowie den oder die Namen der begutachtenden Person beziehungs
weise Perso
nen festhält und begründet, weshalb den Einwänden nicht Rech
nung getragen wurde.
1.
6
Gemäss
SuisseMED@P
-Handbuch
für Gutachter- und IV-Stellen (Anhang V
KSVI) äussert sich die in Aussicht genommene Gutachterstelle gegebenenfalls zur Durchführbarkeit des Auftrags (Nummer 6). Fehlende Durchführbarkeit ist gegeben, wenn ein
e
zusätzliche Disziplin erforderlich ist, welche die betreffende Gutachterstelle nicht anbietet (Anmerkung 5).
1.
7
Laut
Rz
2080 KSVI prüft die Gutachterstelle, ob die Liste der medizinischen
Fach
disziplinen
angepasst werden muss.
Die fachliche Koordination macht einen zentralen Teil von Interdisziplinarität aus. Die beauftragten Sachverständigen sind letztverantwortlich einerseits für die fachliche Güte und die Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten
Ent
scheidungsgrundlage
, anderseits aber auch für eine wirtschaftliche Abklärung. Mit dieser Gutachterpflicht nicht vereinbar wäre es, wenn ihnen eine
Diszipli
nenwahl
aufgezwungen würde, die sie - auch nach pflichtgemässer Würdigung der für den Auftrag ausschlaggebenden Überlegungen - für (versicherungs-)me
dizinisch nicht vertretbar hielten. Den Gutachtern muss es also freistehen, die in Aussicht genommenen Disziplinen gegenüber der Auftraggeberin zur Diskussion zu stellen, wenn ihnen die Vorgaben nicht einsichtig sind (BGE 139 V 349 E
.
3.3).
2.
2.1
Bei der vorliegend angeordneten medizinischen Untersuchung handelt es sich zweifellos um eine polydisziplinäre Begutachtung, erachtete die Beschwerde
gegnerin
doch schon
mit Mitteilung vom
11. Februar 2014
(
Urk. 6
/
1
34
) eine Untersu
chung in den Fachdisziplinen Allgemeine Innere Medizin,
Rheumatolo
gie, Neurologie
sowie
Psychiatrie
,
und somit in mehr als drei Fachbereichen
,
als notwendig. Folglich ist eine Vergabe des Gutachtensauftrags nach dem Zufalls
prinzip
zwingend
.
Der auf www.bsv.admin.ch veröffentlichten Liste (Stand
1. Juli
2015) ist zu ent
nehmen, dass die
MEDAS Y._
über einen Vertrag mit dem BSV als
polydis
zipli
näre
Gutachterstelle verfügt.
Die Zuteilung erfolgte ferner über die dafür einge
richtete Plattform
SuisseMED@P
(vgl.
Urk.
6/146).
Sie wurde als solche denn auch beschwerdeweise nicht beanstandet.
2.2
Vorangegangen war die zufallsbasierte
SuisseMED@P
-
Zuteil
ung
einer andere
n
MEDAS Z._
, was der Beschwerdegegnerin am 28. April 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
6/140)
. Die
MEDAS
Z._
stellte
am 15. Mai 2014
bei
SuisseMED@P
einen Antrag auf „nicht durchführbar“ (
Urk.
6/144), worauf die
Beschwerdegegnerin
gleichentags den Auftrag an die Z._
stornierte (
Urk.
6/143) und sodann die
genannte zweite Zuteilung (
Y._
) erfolgte
(
Urk.
6/146)
.
Am 11. Juni 2014 teilte
die MEDAS Y._
mit
, aufgrund der Aktenlage sei die
Fachdis
ziplin
Rheumatologie auf Orthopädie gewechselt worden (
Urk.
6/148)
und glei
chentags e
rging die entsprechende
- als
Verfügung
bezeichnete - Mitteilung
der Beschwerdegegnerin an den Beschwerdeführer
(
Urk.
6/149).
Der Beschwerdeführer nahm am 9. Juli 2014 Stellung (
Urk.
6/159) und führte unter anderem aus, es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die
MEDAS
Z._
den Auftrag abgelehnt habe (
Ziff.
1 f.)
,
und es wäre offensichtlich sachdienlicher, wenn ein Rheumatologe dem Gutachter-Team angehören würde statt ein Ortho
päde (
Ziff.
3 f.). Ferner formulierte er einige Vorbehalte zur Person einzelner Gutachter (
Ziff.
5 ff.).
Mit Verfügung vom
4. August
2014 hielt die Beschwerdegegnerin an der
Gutach
tensstelle
und den von ihr genannten Gutachtern fest (
Urk.
6/176 =
Urk.
2).
2.3
Auf Nachfrage des Gerichts (
Urk.
9) führte die Beschwerdegegnerin aus, die
Gut
achtensstelle
Z._
sei in den Ausstand getreten, weil es sich beim Beschwer
deführer um einen Mitarbeiter der Firma gehandelt habe, die seit Jahren für ihre IT- und Telefoninfrastruktur zuständig sei (
Urk.
10). Gleiches ergibt sich aus der entsprechenden Erklärung des
Z._
vom 11. Januar 2016 (
Urk.
11/2).
3.
3.1
Die Ausführungen und Akten der Beschwerdegegnerin (
Urk.
10,
Urk.
11/2) beant
worten nunmehr die Frage, warum die
MEDAS
Z._
sich nicht in der Lage sah, den Auftrag anzunehmen (vorstehend E. 2.3).
Der angeführte Grund ist zwar in Anhang V KSVI - wo nur
ein
einziger die
Nicht
durchführbarkeit
begründender Sachverhalt genannt wird - nicht erwähnt
(vorstehend E. 1.
6
). Es versteht sich jedoch von selber, dass es einer Gutachten
stelle möglich sein muss, einen Auftrag abzulehnen, wenn eine Beziehung zur zu begutachtenden Person
wie die hier genannte der Auftragsausführung ent
gegensteht.
Damit hat sich dieser Aspekt der Beschwerde erledigt.
3.2
Der Beschwerdeführer stellte sich auf den Standpunkt, die Begutachtung unter anderem durch einen Rheumatologen (wie ursprünglich vorgesehen) wäre „offensichtlich geeigneter“ als der auf Empfehlung der Gutachterstelle verfügte
Beizug
eines Orthopäden (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
6), weshalb dieser Wechsel rückgän
gig zu machen sei.
Diesem Begehren steht die Rechtsprechung entgegen, welche den beauftragten Gutachtensstellen diesbezüglich ein fachlich begründetes Ermessen einräumt (vorstehend E. 1.7), das seitens der medizinisch nicht fachkundigen Rechtsan
wendung zu respektieren ist, wenn
es
nicht ihres Sinnes beraubt werden soll.
Überdies hat sich das Bundesgericht auch schon - eindeutig - zur Frage geäus
sert,
wie es sich verhält, wenn offen ist, ob ein
Leiden orthopädisch oder aber rheumato
logisch abgeklärt werden solle, und hat ausgeführt, dass
die beiden medizinischen Disziplinen nicht für unterschiedliche Konzepte stehen, wie ein Gesundheitsschaden und dessen Folgen zu betrachten seien
(Urteil des Bundes
gerichts 9C_134/2011 vom
6.
Juni 2011 E. 3.3).
Vor diesem Hintergrund erscheint es als nachgerade müssig, zur Frage zu pro
zessieren, welcher dieser zwei verwandten medizinischen Disziplinen ein Gut
achter angehören soll. Dies gilt umso mehr, wenn die in Aussicht genommenen Gutachter selber in Kenntnis des Falles die eine der beiden Disziplinen als geeignet(er) beurteilt haben.
Der entsprechende Antrag des Beschwerdeführers ist deshalb abzuweisen.
3.3
Zusammenfassend ergibt sich, dass den vom Beschwerdeführer erhobenen Ein
wänden nicht gefolgt werden kann.
Vielmehr ist die angefochtene Verfügung nicht zu beanstanden, was zur Abwei
sung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
4.
Das es sich
nicht um eine Leistungsstreitigkeit handelt, sind keine
Verfahrens
kosten
zu erheben (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
im Umkehrschluss
)
.