# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c1711bc2-4e60-4d7d-9bb7-b68ef40a652e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1993, erhielt mit Verfügung vom 22. Juni 2000 aufgrund angeborener Wirbelmissbildungen (Geburtsgebrechen Nr. 152 gemäss Anhang zur Verordnung über Geburtsgebrechen [
GgV
]) den Zuspruch für medizinische Massnahmen vom 20. Dezember 1998 bis zum 31. Dezember 2008 (Urk. 6/9). Mit Schreiben vom 8. Mai 2008 informierte die Mutter des Versicher
ten die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dass ihr Sohn im Zusammenhang mit seinem Geburtsgebrechen von dem Allg
emein- und Sportarzt, Dr. med. A._
, FMH Allg./SGSM Medizin, eine physiothera
peutische Langzeitbehandlung verordnet bekommen habe (Urk. 6/13). In der Folge holte die IV-Stelle bei diesem Arzt einen Bericht vom 21. Juli 2008 ein (Urk. 6/14/1-4, inklusive Beilage des Berichtes der Uniklinik
B._
vom 5. März 2007 [Urk. 6/14/5-6]). Nach Stellungnahme durch den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 28. Juli 2008 (Urk. 6/15) wurde mit Vorbescheid vom 27. August 2008 den Eltern des Versicherten mitgeteilt, man gedenke, das Begehren abzuweisen (Urk. 6/17). Nach Erheben von Einwänden (Urk. 6/21) seitens des Versicherten und Einreichen eines Berichtes der Physiotherapie
C._
vom 23. September 2008 (Urk. 6/20), erliess die IV-Stelle am 5. No
vem
ber 2008 ihre abweisende Verfügung (Urk. 2).
2.
Am 28. November 2008 erhoben die Eltern des Versicherten dagegen Beschwer
de und beantragten sinngemäss, die Verfügung sei aufzuheben und es seien die medizinischen Massnahmen in Form der Physiotherapie zu gewähren, zumin
dest bis zum 31. Dezember 2008 (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 18. De
zem
ber 2008 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage ihrer Akten Urk. 6/1-24). Mit Verfügung vom 29. Dezem
ber 2008 wurde der Schriftenwechsel als geschlossen erklärt (Urk. 7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Einzelrichterin zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf medizinische Massnahmen, konkret eine Physiotherapie.
1.2
Die Beschwerdegegnerin verneint einen solchen Anspruch mit der Begründung, bei der anbegehrten Massnahme handle es sich um eine solche der Prophylaxe und nicht um eine solche der Behandlung des anerkannten Geburtsgebrechens, da von einem unveränderten
Kyphosegrad
bei stationärem Verlauf auszugehen sei (Urk. 2 und Urk. 5).
1.3
Seitens des Beschwerdeführers hingegen wird geltend gemacht, dass er – entge
gen dem Bericht der Uniklinik
B._
vom 5. März 2007 - nicht beschwerdefrei sei, sondern im Gegenteil gerade die zunehmenden Beschwerden ihn veranlasst hätten, nun intensiv an seiner Skoliose zu arbeiten (Urk. 1).
2.
2.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Be
schwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.2
Versicherte haben bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch auf die zur Behandlung von Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]) notwendigen medizini
schen Massnahmen (Art. 13 Abs. 1 IVG). Der Bundesrat bezeichnet die Gebre
chen, für welche diese Massnahmen gewährt werden. Er kann die Leistung ausschliessen, wenn das Gebrechen von geringfügiger Bedeutung ist (Art. 13 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]).
Als Geburtsgebrechen gelten diejenigen Krankheiten, die bei vollendeter Geburt bestehen (Art. 3 Abs. 2 ATSG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 Satz 1
GgV
). Die blosse Veranlagung zu einem Leiden gilt nicht als Geburtsgebrechen. Der Zeit
punkt, in dem ein Geburtsgebrechen als solches erkannt wird, ist unerheblich (Art. 1 Abs. 1
GgV
). Die Geburtsgebrechen sind in der Liste im Anhang aufge
führt. Das Eidgenössische Departement des Innern kann die Liste jährlich an
passen, sofern die Mehrausgaben einer solchen Anpassung für die Versicherung insgesamt drei Millionen Franken pro Jahr nicht übersteigen (Art. 1 Abs. 2
GgV
). Als medizinische Massnahmen, die für die Behandlung eines Geburts
gebrechens notwendig sind, gelten sämtliche Vorkehren, die nach bewährter Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sind und
den therapeu
tischen Erfolg in einfacher und zweckmässiger Weise anstreben (Art. 2 Abs. 3
GgV
).
2.3
Die
Geburtgebrechen
nehmen in der Invalidenversicherung eine Sonderstellung ein, da die Versicherten unabhängig von der Möglichkeit einer späteren Ein
gliederung in das Erwerbsleben die zur Behandlung von Geburtsgebrechen not
wendigen medizinischen Massnahmen beanspruchen können. Eingliederungs
zweck ist die Behebung oder Milderung der in Folge eines Geburtsgebrechens eingetretenen Beeinträchtigung (BGE 115 V 205
Erw
. 4e/cc). Schliesslich hat der Versicherte nur Anspruch auf die dem jeweiligen Eingliederungszweck ange
messe
nen notwendigen Massnahmen, nicht aber auf die nach den gegebenen Umständen bestmöglichen Vorkehren. Denn das Gesetz will die Eingliederung lediglich so weit sicherstellen, als dies im Einzelfall notwendig aber auch genügend ist (BGE 124 V 110
Erw
. 2a, 122 V 214
Erw
. 2c, je mit Hinweisen, Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom 14. Februar 2005 in Sa
chen L., I 373/04,
Erw
. 1.3 und vom 16. Dezember 2003 in Sachen D,. I 514/02,
Erw
. 2.1.1).
3.
Der Beschwerdeführer leidet unbestrittenermassen an einer Wirbelmissbildung mit Keilwirbel Th11 (Urk. 6/2/1-5, Urk. 6/5/3, Urk. 6/8), welche unter dem Geburtsgebrechen Nr. 152 gemäss Anhang zur
GgV
zu subsumieren ist. Fraglich ist dagegen, ob die beantragte medizinische Massnahme zur Behandlung des Geburtsgebrechens notwendig ist.
4.
4.1
Dem Bericht von Dr.
A._
vom 21. Juli 2008 ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer als Beschwerden Muskelverspannungen bei Skoliose angibt, und dass der Behandlungsplan eine Verschlechterung des Zustandes verhindern sowie den muskulären Aufbau fördern soll. Für die Befunde wird auf den beigelegten Bericht der Uniklinik
B._
vom 5. März 2007 verwiesen (Urk. 6/14/3-4).
4.2
Gemäss diesem Bericht geht es dem Beschwerdeführer insgesamt sehr gut. Er sei vollkommen beschwerdefrei. Der Schul- und Freizeitsport seien problemlos durch
führbar. Die Röntgenuntersuchung vom 23. Februar 2007 ergab die bekann
te Missbildung mit Keilwirbel Th11, wobei sich die
Kyphosierung
im Vergleich zur Voruntersuchung vom 25. Februar 2005 unverändert mit 23° präsentierte. Ausser eines leichten Schulterhochstandes rechts vom ca. 1 cm und einer Asymmetrie der Taillendreiecke bei Beckengeradstand ergaben sich keine auffälligen klinischen Befunde. Der behandelnde Arzt sprach denn auch von einem stationären Verlauf
ohne Zunahme der
Kyphosierung
und sah weiterhin keine Einschränkungen bezüglich körperlicher Aktivität (Urk. 6/14/5-6).
4.3
Gemäss dem Bericht der Physiotherapie
C._
vom 23. September 2008, bei welcher der Beschwerdeführer die von Dr.
A._
verordnete Physiotherapie seit dem 14. April 2008 durchführt, handelt es sich bei der Trainingstherapie um eine solche zur Stabilisation der Rumpfmuskulatur, Schulung des Körpergefühls sowie Koordinationsverbesserung durch Training mit freien Gewichten. Als Behandlungsergebnis wurde eine ungenügende Belastbarkeit vermerkt, wobei sich Körperhaltung und Körpergefühl stark verbessert hätten (Urk. 6/20).
4.4
Gemäss den Beschreibungen der Eltern des Beschwerdeführers hat dieser bei Beanspruchungen im Sport, beim Wandern, Fussballspielen, Joggen usw. als Folgen der Fehlstatik und Fehlbelastung immer wieder Schmerzen in Rücken, Hüften, Beinen, Füssen. Auch erleide er häufig Zerrungen. Dass der Beschwer
deführer im Bericht der Uniklinik
B._
als „beschwerdefrei“ bezeichnet werde, stelle einen veralteten Hinweis dar, da damals trotz deutlich sichtbarem Schiefstand des Oberkörpers Beschwerdefreiheit im Alltag geherrscht habe (Urk. 6/21/2). Eine von den Ärzten der Uniklinik
B._
vorgeschlagene Opera
tion der Wirbelsäule habe man als Eltern damals abgelehnt, da auch mit einer medizinischen Physiotherapie die Folgen der Keilwirbelbildung sehr wohl mit Erfolg behandelt werden könnten (Urk. 1).
5.
5.1
Aus den vorliegenden Arztberichten geht nicht rechtsgenügend hervor, weshalb genau eine Physiotherapie verordnet wurde. Während Dr.
A._
von der Verhin
derung einer Verschlechterung spricht, ist gemäss den Eltern des Be
schwer
deführers eine solche bereits eingetreten, während die Ärzte der Uniklinik
B._
bei stationärem Verlauf keinerlei Einschränkungen oder Beschwerden feststellen konnten. Ob und inwieweit eine Physiotherapie zur Behandlung des bestehenden Geburtsgebrechens medizinisch notwendig ist, geht aus den Akten somit nicht hervor.
%1.2.
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die notwendigen ärztlichen Informationen einhole und kläre, ob es sich bei der beantragten medizinischen Massnahme in Form einer Physiotherapie um eine zur Behandlung des Geburtsgebrechens notwendige Massnahme handle oder lediglich um eine solche der Prävention, des muskulären Aufbaus und der besseren Koordinationsfähigkeit. Die Beschwerde ist in dem Sinne gutzuheissen.
6.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des Eidg. Versicherungsgerichts vom 10. Februar 2004 i.S. K., U 199/02,
Erw
. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57
Erw
. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28
Erw
. 3). Dementsprechend sind die Gerichtskosten der unterlie
gen
den Beschwerdegegnerin aufzuerlegen und in Anwendung von Art. 69 Abs. 1
bis
IVG (in der seit 1. Juli 2006 in Kraft stehenden Fassung) auf Fr. 300.-- festzusetzen.