# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e3c794db-9333-49d8-b1ae-2e1ff9e983f3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 16. September 2010 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
X._
(geboren am 2. September 1992)
eine ordentl
iche Waisenrente (Mutterwaise)
mit Wirkung ab 1. Oktober 2010 zu (Urk. 6/28).
Am
4. Mai 2011
teilte die Ausgleichskasse der Rentenbezügerin mit, dass infolge Ausbildung über das 18. Altersjahr hinaus eine Rente ausgerichtet werde. Der Anspruch werde jedoch periodisch überprüft, weshalb eine aktuelle Bestätigung der Ausbildungsstätte einzureichen sei
. Ohne Gegenbericht würden die Rentenzahlungen per 30. Juni 2011 eingestellt
(Urk.
6/26
)
. Die Ausbildungsstätte bestätigte mit Schreiben vom 21. Juni 2011, dass
die Rentenbezügerin seit dem 1. August 2008 eine berufliche Grundbildung als Kauffrau absolviere und das Lehrverhältnis voraussichtlich bis 31. Juli 2012 dauere (Urk. 6/25). Mit Schreiben vom 2. Juni 2012 informierte die
Ausgleichs
kasse
die Rentenbezügerin über die bevorstehende Einstellung der Waisenrente per Ende Juli 2012 zufolge Beendigung der Ausbildung (Urk. 6/18
/1
). Dennoch wurde die Waisenrente weiterhin ausgerichtet (vgl. die Steuerbescheinigungen für die Jahre 2012 bis 2014 [Urk. 6/15-17]). Telefonisch bestätigte die
Renten
bezügerin
am 7. Oktober 2015, die Lehre im Juli 2012 abgeschlossen und danach keine weitere Ausbildung absolviert
zu haben
(Urk. 6/14), woraufhin die Ausgleichskasse mit Verfügung vom 8. Oktober 2015 die vom 1. August 2012 bi
s
31. Oktober 2015 zu viel ausgerichteten Waisenrenten in einem Gesamtbe
trag von Fr. 27‘261.-- zurückforderte (Urk. 6/13).
In der Folge stellte die
Ren
tenbezügerin
mit Eingabe vom 14. Oktober 2015 ein Erlassgesuch (Urk. 6/11), welches mit Verfügung vom 30. Oktober 2015 abgewiesen wurde (Urk. 6/10). Die dagegen erhobene Einsprache vom 10. Dezember 2015 (Urk. 6/4) wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 15. Dezember 2015 ab (Urk. 2 [= Urk. 6/3]).
2.
Dagegen erhob die Rentenbezügerin
mit Eingabe vom
30. Januar 2016 Beschwerde und beantragte, der angefochtene
Einspracheentscheid
sei aufzuhe
ben und die Rückerstattung der zu viel bezogenen Waisenrenten im Betrag von Fr. 27‘261.--
sei
ihr
zu erlassen. In p
rozessualer Hinsicht stellte sie
den Antrag auf unentgeltliche Rechtspflege (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 26. Februar 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit Eingabe vom 9. März 2016 (Urk. 7) reichte die Beschwerdeführerin
das Formular zur Abklärung der prozessualen Bedürftigkeit (Urk. 8) sowie zwei Kontoauszüge (Urk. 9/2-3) zur Substantiierung ihres Gesuchs um unentgelt
liche Rechtspflege zu den Akten, woraufhin ihr
m
it Ver
fügung vom 14. April 2016 Frist angesetzt
wurde
, um ihr Gesuch um unent
geltliche Rechtspflege
genügend
zu substantiieren und dem Geric
ht die erfor
derlichen Belege nach
zureichen. Sodann wurde ihr die Beschwerdeantwort vom 26. Februar 2016 zugestellt (Urk. 10). Am 25. April 2016 nahm die Beschwer
deführerin zur Beschwerdeantwort Stellung (Urk. 12) und substantiierte das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (Urk. 13; unter Beilage der notwendigen Belege [Urk. 14/1-8]). In der Folge wurde Rechtsanwalt
Dr.
Rolf
Zwahlen
mit Verfügung vom 6. Juni 2016 als unentgeltlicher Rechtsvertreter der Beschwer
deführe
rin bestellt. Ferner
wurde
n
der Beschwerdegegnerin die
Doppel der Ein
gaben der Beschwerdeführerin (Urk. 7,
Urk.
12 und
Urk.
13) zugestellt (Urk. 15).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Dass die für einen Ze
itraum vom 1. August 2012 bis
31. Oktober 2015 ausgerich
teten Waisenrenten im Gesamtbetrag von Fr. 27‘261.-- zu Unrecht bezo
gen wurden, wurde mit Verfügung vom 8. Oktober 2015 (Urk. 6/13) be
reits rechtskräftig entschieden. Darauf wies
auc
h die Beschwerdeführerin, welche den fehlenden Leistungsanspruch für diesen Zeitraum nicht bestritt, selbst hin (Urk. 1 S. 3
f.)
. Zu prüfen ist
somit
einzig
, ob der
Beschwerdeführerin
die Rück
erstattung der zu Unrecht bezogenen Waisenrenten zu erlassen ist
.
1.2
Gemäss
Art.
25
Abs.
1
des Allgemeinen Teils des Sozialversicherungsrechts (
ATSG
)
sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuerstatten. Wer Leis
tungen in gutem Glauben bezogen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (
vgl. auch Art. 4 f.
der
Verordnung über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[
ATSV
]
).
1.3
Der gute Glaube als Erlassvoraussetzung ist nicht schon mit der Unkenntnis des Rechtsmangels gegeben. Der Leistungsempfänger darf sich vielmehr nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Der gute Glaube entfällt somit einerseits von vornherein, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine arglistige oder
grobfahr
lässige
Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zurückzuführen ist. Andererseits kann sich die rückerstattungspflichtige Person auf den guten Glauben berufen, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten nur leicht
fahrlässig war
. Wie in anderen Berei
chen beurteilt sich das Mass der erforderlichen Sorgfalt nach einem objektiven Massstab, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität
M
ögliche und Zumutbare (Urteilsfähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad usw.) nicht aus
geblendet
werden darf
. Das Verhalten, das den guten Glauben ausschliesst, braucht nicht in einer Melde- oder Anzeigepflichtverletzung zu bestehen. Auch
ein anderes Verhalten, z.B. die Unterlassung, sich bei der Verwaltung zu erkun
digen, fällt in Betracht (
Urteil
8C_243/2016
des Bundesgerichts vom
7.
Juli 2016
E. 4.1 mit weiteren Hinweisen
).
2.
2.1
Es liegt
keine arglistige oder grobfahrlässige Melde- oder Auskunftspflicht
-
verlet
zung
von Seiten der Beschwerdeführerin
vor. Nach Erhalt des Schreibens der Beschwerdegegnerin vom 2. Juni 2012
(
Urk. 6/18
/1
)
, in wel
chem
mitgeteilt worden war
, dass
die Waisenr
ente
per Ende Juli 2012
zufolge Beendigung der Ausbildung
eingestellt werde,
war die Beschwerdeführerin
nicht mehr
verpflich
-
tet
, die der Beschwerdegegnerin
offensichtlich
bereits bekannte Beendigung der Ausbildung
(vgl. auch Urk. 6/25)
anzuzeigen. Die
Beschwerde
gegnerin
machte die Beschwerdeführerin
in ihrem Schreiben vom 2. Juni 2012 denn auch darauf aufmerksam, dass sie bei Änderungen in der
Ausbildungssitu
ation
einen
aktuel
-
len
Ausbildungsnachweis ein
zu
reichen
habe
.
Damit war die Beschwerdeführ
erin im eigenen
Interesse bloss
gehalten, die Aufnahme einer weiteren Ausbildung zu melden. Im Übrigen oblag ihr
jedoch
keine Melde
- oder Auskunfts
pflicht.
2.2
2.2.1
Zu prüfen bleibt allerdings, ob die Beschwerdeführerin
die gebotene
Aufmerk
-
sam
keit
vermissen liess und dadurch die Ausrichtung der unrechtmäs
sig
bezo
-
genen Leistungen erwirkt
e
(resp. nicht ve
rhindert
e)
, indem sie sich
nach Weiter
-
a
usrichtung der Waisenrente – entgegen der Ankündigung der
Renten
einstel
-
lung
–
nicht bei der Beschwerdegegnerin
meldete
und diese auf das Ver
sehen hin
wies
.
2.2.2
Die Beschwerdeführerin brachte diesbezüglich vor, sie habe in ihrem jungen Leben schon schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Sie habe innerhalb kurzer Zeit Vater und Mutter verloren und sei zur Vollwaisen geworden, wobei sie lediglich bezüglich der Mutter Anspruch auf eine Waisenrente gehabt habe. Sie sei in der Folge bei den Grosseltern aufgewachsen, welche sich aufopfe
rungsvoll um sie gekümmert hätten. Insbesondere der Grossvater habe sich aller administrativer Aufgaben angenommen und sich um ihre Finanzen gekümmert. Sie sei damit vielleicht etwas überbehütet worden und habe auf jeden Fall von ihren administrativen und finanziellen Angelegenheiten kaum eine Ahnung gehabt. Es lasse sich heute nicht mehr rekonstruieren, ob sie vom Schreiben der Beschwerdegegnerin bezüglich Rentenein
stellung Kenntnis genommen
oder ob ihr Grossvater dieses einfach zu den Akten gelegt habe. Sie sei jedenfalls davon ausgegangen, dass ihr Anspruch bis zum vollendeten 25. Altersjahr dauern
würde. Zudem sei sie davon ausgegangen, dass die Verwaltung wisse, was sie tue u
nd sicher keine Rente ausbezahl
e, wenn sie dies nicht müsse (Urk. 1 S. 4).
Die Beschwerdegegnerin habe ihren Fehler selber zu verantworten, nachdem sie trotz Ankündigung der Renteneinstellung die Waisenrenten über drei Jahre lang weiter ausgerichtet habe. Ihr grobes Verschulden schliesse schon von vornhe
rein jegliche allfällig verbleibende Fahrlässigkeit auf Seiten der Beschwerde
führerin aus. Diese habe sich in einem Rechtsirrtum befunden, sie habe an einen Rentenanspruch bis zum vollendeten 25. Altersjahr geglaubt (Urk. 1 S. 5).
2.
2.3
Der Beschwerdeführerin ist entgegenzuhalten, dass sie
nicht annehmen konnte, sie habe ohne weiteres einen Rentenanspruch bis zum vollendeten 25. Altersjahr, nachdem ihr bereits am 4. Mai 2011 mitgeteilt worden war, die Rentenzahlungen würden am 30. Juni 2011 eingestellt
werden
, wenn kein Nachweis erbracht werde, dass sie sich in Ausbildung befinde (Urk. 6/26). Schliesslich veranlasste sie selbst (oder ihr Grossvater als Vertreter), dass die Ausbildungsstätte der Beschwerdegegnerin
daraufhin
eine entsprechende Bestä
tigung einreichte (Urk. 6/25). Spätestens nach Erhalt des
Schreiben
s
der Beschwerdegegnerin vom 2. Juni 2012, worin diese die Einstellung der Wai
senrente
per Ende Juli 2012
zufolge Beendigung der Ausbildung
angekündigt hatte
(Urk. 6/18
/1
),
musste der Beschwerdeführerin aber klar
gewesen
sein, dass die Ausrichtung einer Waisenrente über das 1
8.
Altersjahr hinaus mit dem Erfordernis einer Ausbildung verknüpft
ist
.
Von einem Rechtsirrtum ist somit nicht auszugehen. Im Übrigen vermöge sich die Beschwerdeführerin selbst bei Vorliegen
eine
s
Rechtsirrtum
s
nicht zu exkulpieren.
Guter Glaube als
Erlassvor
aussetzung
ist nicht schon mit der Unkenntnis des Rechtsmangels gegeben
(E. 1.3)
. Der Leistungsempfänger darf sich vielmehr nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben (BGE 138 V 218 E. 4).
2.2.4
Sodann
ist
unerheblich, ob die Beschwerdeführerin vom Schreiben der
Beschwer
degegnerin
vom 2. Juni 2012 betreffend Ren
teneinstellung selbst Kenntnis
erhielt od
er ob ihr Grossvater als ihr Vertreter dieses einfach zu den Akten
legte
.
Die Beschwerdeführerin muss sich die
Kenntnis und das Verhalten ihres
Grossvaters
jedenfalls
anrechnen lassen.
Nach
Erhalt
des
Schreibens vom 2. Juni 2012
(der Erhalt wurde von der Beschwerdeführerin nicht bestritten)
musste einem
aufmerksamen Rentenempfänger
bewusst
gewesen
sein, dass die Weiterausrichtung der Waisenrente – entgegen
der
Ankündigung
–
höchst
wahrscheinlich oder immerhin möglicherweise auf einem Versehen beruhte
; dafür waren keine besonderen
Kenntnisse von administrativen und finanziellen Angelegenheiten
erforderlich
. In
einer solchen
Situation
wäre
von einem Ren
tenempfänger
denn auch
zu erwarten gewesen, dass er sich
bei der
Beschwerde
gegnerin
über ein allfälliges Versehen hinsichtlich We
iterausrichtung der Wai
senrente erkundigte
,
was die Beschwerdeführerin jedoch
unterliess. Sie
muss sich daher den Vorwurf gefallen lassen, nicht das Mindestmass an Aufmerk
samkeit aufgewendet zu haben, das von einem verständigen Menschen in glei
cher Lage und unter den gleichen Umständen verlangt werden darf. Ihre Unter
lassung kann somit nicht nur als leichte Nachlässigkeit qualifiziert werden. Vielmehr muss
grobfahrlässiges Verhalten angenommen werden, das den guten Glauben als
Erlassvoraussetzung von vornherein ausschliesst. Der
Fehler der Beschwerdegegnerin, trotz Ankündigung der Renteneinstellung die Waisenrente weiterhin ausgerichtet zu haben
(vgl. auch die Ausführungen der Beschwerde
führerin in der Eingabe vom 25. April 2016 [Urk. 12 S. 2 ff.])
,
vermag die feh
lende Gutgläubigkeit d
er Beschwerdeführerin
schliesslich
nicht wiederherzu
stellen (Urteil 9C_184/2015 vom
8.
Mai 2015
E. 3.4.3).
2.3
Fällt bereits der gute Glaube ausser Betracht, braucht das weitere
Erlasserforder
nis
der grossen wirtschaftlichen Härte nicht geprüft zu werden.
Die Beschwer
deführerin ist somit zur Rückerstattung von zu viel ausgerichteten Waisenren
ten im Gesamtbetrag von Fr. 27‘261.-- an die Beschwerdegegnerin verpflichtet.
Nach dem
Gesagten
erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
3.
Das Gericht setzt die Entschädigung des mit Verfügung vom 6. Juni 2016 als unentgeltlichen Rechtsvertreter bestellten (Urk. 15) Rechtsanwalt Dr. Rolf
Zwahlen
, Volketswil, nach Ermessen fest (§ 8 in Verbindung mit § 7 Abs. 2 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozial
versicherungsgericht [
GebV
SVGer
]). Vorliegend ersche
int eine Entschädigung von Fr. 1‘
8
00.-- angemessen.
Rechtsanwalt Dr. Rolf
Zwahlen
, Volketswil,
ist daher mit
Fr. 1‘
8
00.--
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) a
us
der Gerichts
kasse zu entschädigen.
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das
Sozialversi
che
rungsgericht
(
GSVGer
) hinzuweisen, wonach s
ie zur Nachzahlung
der Ent
schädigung an
Rechtsanwalt Dr. Rolf
Zwahlen
verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.