# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1bd0456a-509b-5f05-8bb3-600a37ebd5a0
**Court:** ZH_BRK
**Chamber:** ZH_BRK_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschluss vom 9. Februar 2021 erteilte der Gemeinderat X der Rechts-
vorgängerin der Y GmbH die baurechtliche Bewilligung für eine Mobilfunk-
Antennenanlage auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1, I. 15 in X.
B.
Gegen diesen Entscheid erhoben der Verein L. und sieben weitere Rekur-
rentschaften mit gemeinsamer Eingabe vom 11. März 2021 rechtzeitig Re-
kurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragten sinnge-
mäss die Aufhebung des Entscheides sowie die Rückweisung der Sache an
die Bauherrschaft zur "Nachbesserung".
Mit gemeinsamer Eingabe vom 12. März 2021 erhoben TZ und CD ebenfalls
gegen den genannten Entscheid rechtzeitig Rekurs und beantragten sinnge-
mäss die Aufhebung des Entscheides und eventualiter die Sistierung des
Baugesuchs. Subeventualiter beantragten sie die Rückweisung des Bauge-
suchs zur Vervollständigung der Baugesuchsakten, die Ausführung des An-
tennenmasts in einer hellen Farbe sowie dessen Kaschierung mit Pflanzen.
C.
Mit Verfügungen vom 15. bzw. 16. März 2021 wurde unter den Geschäfts-
Nrn. R4.2021.00027 und R4.2021.00028 von den Rekurseingängen Vor-
merk genommen und die Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
D.
Mit Eingaben vom 6. April 2021 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der
Rekurse, soweit darauf einzutreten sei, unter Kostenfolge zulasten der Re-
kurrierenden.
Die private Rekursgegnerin beantragte mit Eingaben vom 14. April 2021
ebenfalls die Abweisung der Rekurse, soweit darauf einzutreten sei; dies un-
ter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. der gesetzlichen Mehrwert-
steuer zulasten der Rekurrierenden.
R4.2021.00027 Seite 3
E.
Mit Replik vom 3. Mai 2021 beantragten der Verein L. und die gemeinsam
mit ihm rekurrierenden Personen in Ergänzung der ursprünglichen Rekurs-
begehren die Sistierung des Baugesuchs.
Mit Replik vom 7. Mai 2021 hielten TZ und CD an ihren Anträgen fest.
Mit Duplik vom 1. Juni 2021 im Verfahren G.-Nr. R4.2021.00028 hielt die pri-
vate Rekursgegnerin an ihren Anträgen fest. Im Rekursverfahren G.-Nr.
R4.2021.00027 verzichtete die private Rekursgegnerin stillschweigend auf
die Erstattung einer Duplik.
Die Vorinstanz erstatte mit Eingaben vom 22. Mai 2021 bzw. 2. Juni 2021
ihre Dupliken.
F.
Am 3. Juni 2021 führte die 4. Abteilung des Baurekursgerichts im Beisein der
Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch.
G.
Auf die Vorbringen der Parteien und die anlässlich des Lokaltermins ge-
machten Feststellungen wird, soweit für den Entscheid erforderlich, in den
nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.
R4.2021.00027 Seite 4

## Considerations

Es kommt in Betracht:
1.
Die Rekurse beziehen sich auf dasselbe Bauvorhaben. Die Verfahren sind
daher aus prozessökonomischen Gründen zu vereinigen.
2.1.
Zum Rekurs und zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch die angefochtene
Anordnung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an ihrer Aufhebung
oder Änderung hat (§ 338a des Planungs- und Baugesetzes [PBG]).
2.2.
Ein als juristische Person konstituierter Verband kann in diesem Rahmen
insbesondere zur Wahrung der eigenen Interessen den Rechtsmittelweg be-
schreiten. Er kann aber auch – im eigenen Namen, aber gewissermassen
stellvertretend – die persönlichen Interessen seiner Mitglieder geltend ma-
chen, wenn es sich um solche handelt, die er nach seinen Statuten zu wah-
ren hat, die der Mehrheit oder doch einer Grosszahl seiner Mitglieder ge-
meinsam sind und zu deren Geltendmachung durch Rekurs jedes dieser Mit-
glieder befugt wäre (sogenannte egoistische Verbandsbeschwerde; vgl.
BGE 142 II 80, E. 1.4.2.). Diese Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt
sein; sie sollen die Popularbeschwerde ausschliessen. Wer keine eigenen,
sondern nur allgemeine oder öffentliche Interessen geltend machen kann, ist
nicht befugt, ein Rechtsmittel zu erheben. Das Beschwerderecht steht daher
auch nicht jedem Verein zu, der sich in allgemeiner Weise mit dem fraglichen
Sachgebiet befasst. Vielmehr muss ein enger, unmittelbarer Zusammenhang
zwischen dem statutarischen Vereinszweck und dem Gebiet bestehen, in
welchem die fragliche Verfügung erlassen worden ist (BGE 136 II 539,
E. 1.1).
2.3.
Der Verein L. ist ein Verein im Sinne von Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuches
(ZGB) und besteht aus 33 Mitgliedern. Der Zweck des Vereins wird in Art. 2
der Statuten wie folgt umschrieben (s. act. 27 im Verfahren G.-Nr.
R4.2021.00027):
R4.2021.00027 Seite 5
" Der Verein bezweckt die Beibehaltung oder Verbesserung der  in der Gemeinde X. Die Themen können vielfältig sein wie:
- Kommunikation
- Umwelt
- Verkehr
- Tourismus
- Freizeit
- Bildung
- etc."
Angesichts des dergestalt umschriebenen Vereinszwecks kann nicht von ei-
nem engen, unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem statutarischen
Vereinszweck und dem Gebiet, in welchem die fragliche Verfügung erlassen
worden ist, ausgegangen werden. Selbst wenn die in Art. 2 der Statuten ge-
nannten Themen "Kommunikation" und "Umwelt" noch mit Mobilfunk-Anten-
nenanlagen in Verbindung gebracht werden könnten, kann aufgrund der sehr
allgemein gehaltenen Formulierung höchstens auf eine allgemeine Befas-
sung des Vereins mit dem fraglichen Sachgebiet geschlossen werden. Dies
genügt nach der vorstehend referierten Rechtsprechung nicht, um daraus
die Befugnis zur Einreichung eines Rechtsmittels nach Massgabe des ego-
istischen Verbandsbeschwerderechts abzuleiten. Auf den Rekurs des Ver-
eins L. ist mangels Legitimation mithin nicht einzutreten.
2.4.
RH, OR und TR, WV und MV, IV, RM und DM, die I. AG und EH (nachfol-
gend: Rekurrierende 2 bis 8) sowie TZ und CD (nachfolgend: Rekurrie-
rende 9 und 10) sind allesamt Eigentümer bzw. Bewohner von Liegenschaf-
ten, die sich im gemäss bundesgerichtlicher Definition rechtsmittelberechtig-
ten Umkreis der strittigen Kommunikationsanlage – der hier 1'220 m beträgt
(act. 14.22, S. 5 [Dossier G.-Nr. R4.2021.00027]) – befinden. Sie sind damit
mehr als irgendwelche Dritte oder die Allgemeinheit in ihren eigenen Interes-
sen betroffen sowie aufgrund ihrer Rügen im Sinne von § 338a PBG rechts-
mittellegitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind,
ist auf die Rekurse insoweit einzutreten.
3.
Das Baugrundstück Kat.-Nr. 1 ist je hälftig der Zone für öffentliche Bauten öB
und der kantonalen Landwirtschaftszone Lk gemäss Bau- und Zonenord-
R4.2021.00027 Seite 6
nung der Gemeinde X (BZO) zugewiesen. Das Baugrundstück ist mit diver-
sen Anlagen und Gebäuden der Klär- und Entsorgungsanlage überstellt; dies
im Wesentlichen in dem der Zone für öffentliche Bauten zugewiesenen Be-
reich. In diesem Bereich der Bauparzelle soll nach den Plänen der privaten
Rekursgegnerin eine Mobilfunk-Antennenanlage mit einer Höhe von 27 m
(ohne Blitzfangstab) erstellt werden. Die einzelnen Antennenmodule sollen
auf den Frequenzbändern 700-900, 1'800-2'600 und 3'600 MHz und in den
Azimuten (Abweichung in Grad von Nord) von 5°, 95° und 275° senden.
4.1.
Die Rekurrierenden beantragen die Sistierung des Baugesuchs bzw. des
Projektes und damit sinngemäss des Rekursverfahrens. Dies – nach den
Ausführungen der Rekurrierenden 9 und 10 – bis die gesundheitlichen Aus-
wirkungen von elektromagnetischer Strahlung im Bereich der Anlagegrenz-
werte abschliessend geklärt seien.
4.2.
Der Sistierungsantrag wird mithin sinngemäss mit dem Fehlen eines Nach-
weises der Unbedenklichkeit elektromagnetischer Strahlung begründet. Ob
die Zulässigkeit der erteilten Baubewilligung für die Mobilfunk-Antennenan-
lagen von einem solchen Nachweis abhängt, ist indes eine materielle Frage.
Selbst wenn ein solcher Nachweis zu fordern wäre, vermöge dessen Fehlen
eine Sistierung gegen den Willen der Bauherrschaft nicht zu rechtfertigen.
Es wäre vielmehr zu prüfen, ob die strittige Anlage unter diesem Aspekt zu
Recht bewilligt wurde. Diesbezüglich gilt aber ohnehin, dass der rekurrenti-
scherseits verlangte Nachweis nach konstanter bundesgerichtlicher Recht-
sprechung gestützt auf die umweltschutzrechtlichen Vorschriften nicht ver-
langt werden kann. Dies bereits aus prinzipiellen Gründen. Wissenschaftli-
che gesicherte Aussagen können nur zum Vorhandensein von Effekten ge-
macht werden, während zur Abwesenheit von Effekten nur Wahrscheinlich-
keitsaussagen möglich sind, basierend auf der Häufigkeit von Studien, in de-
nen kein biologischer Effekt gefunden werden konnte. Eine 100-prozentige
Sicherheit ist jedoch nie möglich (BGr 1A.106/2005 vom 17. November
2005, E. 4).
Eine Sistierung des Baugesuchs bzw. des Rekursverfahrens fällt damit aus-
ser Betracht. Es überwiegt der Anspruch der privaten Rekursgegnerin an der
R4.2021.00027 Seite 7
Behandlung der eingereichten Rekurse. Dem Sistierungsantrag ist mithin
nicht stattzugeben.
5.1.
Die Rekurrierende 2 bis 8 machen zunächst geltend, dass der Gemeinderat
nicht in der Lage sei, das Baugesuch zu beurteilen, weil der Gemeinderat
nicht über das notwendige Fachwissen auf dem Gebiet der Funktechnologie
verfüge; dies insbesondere in Bezug auf nichtionisierende Strahlung, deren
Ausbreitung und gesundheitlichen Auswirkungen. Der Gemeinderat sei auch
nicht in der Lage festzustellen, ob die Fakten zu Mobilfunkstrahlung im Rah-
men der Beratung der Gemeinde durch das Amt für Wasser, Abfall, Energie
und Luft (AWEL) richtig wiedergegeben worden seien.
5.2.
Gemäss § 318 PBG entscheidet die örtliche Baubehörde über Baugesuche,
soweit – wie für das vorliegende Sachgebiet – durch Verordnung nichts an-
deres bestimmt ist. Zuständig für die Erteilung baurechtlicher Bewilligungen
ist mangels gegenteiliger Festlegung in der Gemeinde X der Gemeinderat
(vgl. Art. 17 der Gemeindeordnung [GO]). Dies gilt auch hinsichtlich der Be-
handlung von Baugesuchen für Mobilfunk-Antennenanlagen und unabhän-
gig davon, ob einzelne Behördenmitglieder über spezifische Fachkenntnisse
in den von den Rekurrierenden 2 bis 8 genannten Gebieten verfügen. Dies
lässt sich damit rechtfertigen, dass den örtlichen Baubehörden bei der Erfül-
lung der ihr in diesem Zusammenhang zukommenden Aufgabe aufgrund der
Komplexität der Sache eine (kantonale oder städtische) Fachstelle für den
Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NIS-Fachstelle) beratend zur Seite
steht. Die Beratung erfolgt im Zusammenhang mit der Überprüfung der Emis-
sionserklärung (d.h. der Standortdatenblätter) hinsichtlich Vollständigkeit
und Richtigkeit sowie hinsichtlich der Einhaltung bundesrechtlicher Vorga-
ben, wobei die Fachstelle das Ergebnis der Prüfung in der Regel in einem
separaten Bericht festhält. Wie sich aus den weiteren Erwägungen dieses
Entscheides ergibt, besteht vorliegend kein Anlass, um an der Richtigkeit
und Vollständigkeit des im Baugesuchsverfahren der vorliegend strittigen
Mobilfunk-Antennenanlage eingeholten Prüfberichts der kantonalen NIS-
Fachstelle (Abteilung Lufthygiene / Strahlung des AWEL) zu zweifeln. Der
Gemeinderat konnte sich bei der Beurteilung der Anlage deshalb ohne Wei-
teres auf diesen Prüfbericht stützen. Festzuhalten ist, dass es nicht den
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Fachstellen (und auch nicht den Gemeindebehörden oder den Gerichten)
obliegt, Untersuchungen über gesundheitliche Auswirkungen nichtionisie-
render Strahlung durchzuführen (s. hierzu unten, E. 11.3).
5.3.
Soweit die Rekurrierenden monieren, die kantonalen Umweltämter bzw. die
NIS-Fachstellen seien befangen, dringen die Rekurrierenden nicht durch.
Solche Gründe haben sich stets auf eine bestimmte (oder mehrere konkrete)
natürliche Einzelperson(en) zu beziehen und können nicht pauschal gegen
eine Gesamtbehörde geltend gemacht werden (vgl. BGr 2C_305/2011 vom
22. August 2011, E. 2.4 f.).
5.4.