# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a0617701-0bf4-4bfd-b7d9-9d5f23a593a4
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
A. Am 26. Oktober 2013 um ca. 10.30 Uhr begaben sich A., B., C., D. und E.,
allesamt rumänische Staatsangehörige ohne Wohnsitz in der Schweiz, ins
Einkaufsgeschäft F. (Kanton Thurgau). Dort entwendeten sie 33 Zigaret-
tenstangen, indem die drei Frauen die Zigarettenstangen vor dem Durch-
schreiten des Kassenbereichs unter ihren Kleidern versteckten und das
Geschäft ohne die Zigaretten zu bezahlen verliessen. Um 14.58 Uhr alar-
mierte ein Angestellter die Kantonspolizei Thurgau (act. 1, S. 3).
B. Gleichentags entwendeten die Obgenannten 49 Zigarettenstangen im Ein-
kaufsgeschäft G. (Kanton Zürich). Angestellte des Einkaufsgeschäftes G.
versuchten A. et. al. anzuhalten, jedoch gelang diesen die Flucht mit einem
silberfarbenen Opel Zafira. In der Folge alarmierte ein Angestellter die Poli-
zei. Der Kantonspolizei Zürich ist es anschliessend - nach einer Verfol-
gungsjagd, bei welcher A. als Lenker des Fahrzeugs zahlreiche Wider-
handlungen gegen das SVG beging - gelungen, A. et. al. anzuhalten und
festzunehmen. Im Personenwagen wurden 98 Zigarettenstangen sicherge-
stellt, somit 16 mehr als bei den oben erwähnten Sachverhalten entwendet
wurden. Der protokollführende Polizist der Kantonspolizei Zürich hielt dies-
bezüglich fest, dass davon auszugehen sei, dass die 16 Zigarettenstangen
aus einem weiteren Delikt stammten (Verfahrensakten C-3/2013/5283, S.
16 ff.).
C. A. wurde am 27. Oktober 2013 durch die Kantonspolizei Zürich und am
28. Oktober 2013 durch die Staatsanwaltschaft See/Oberland (nachfolgend
"StA See/Oberland") einvernommen. Während er bei der Befragung durch
die Kantonspolizei Zürich die ihm vorgeworfenen Diebstähle bestritt, legte
er bei der StA See/Oberland diesbezüglich ein Geständnis ab (Verfahrens-
akten C-3/2013/5283, S. 31 ff.).
D. C., D., E. und B. wurden einzeln am 26., 27. und 28. Oktober 2013 jeweils
einmal durch die Kantonspolizei Zürich und die StA See/Oberland einver-
nommen, wobei alle ein Geständnis ablegten (Verfahrensakten
C-3/2013/5283, S. 31 ff.).
E. Am 28. Oktober 2013 erliess die StA See/Oberland Strafbefehle gegen B.,
C., D. und E. wegen bandenmässigen Diebstahls. Sie wurden bestraft mit
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einer Freiheitsstrafe von 6 Monaten. Der Vollzug der Freiheitstrafe wurde
aufgeschoben, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren (Verfah-
rensakten C-3/2013/5283, S. 246 ff.). Gegen A. wurde hingegen am
29. Oktober 2013 die Untersuchungshaft verfügt und am 27. Januar 2014
bis 25. April 2014 verlängert (Verfahrensakten C-3/2013/5283, S. 181 ff.).
F. Am 29. Oktober 2013 erteilte die StA See/Oberland der Kantonspolizei Zü-
rich einen Ermittlungsauftrag in Sachen A. Dabei sollte u.a. abgeklärt wer-
den, ob A. weitere Diebstähle verübt habe (Verfahrensakten
C-3/2013/5283, S. 206 ff.). Die Ermittlungen brachten zutage, dass A. am
21. Oktober 2013 in Z. (Kanton Basel-Landschaft) einen bandenmässigen
Diebstahl in Mittäterschaft mit C., B. und zwei unbekannten Mittätern be-
gangen haben soll. Zudem soll er in Y. (Kanton Bern) einen räuberischen
Diebstahl in Mittäterschaft mit C., B. und zwei weiteren Mittätern begangen
haben (act. 1).
G. Am 29. Oktober 2013 bestellte die OStA ZH Rechtsanwalt H. (X. [Kanton
Zürich]) als amtlichen Verteidiger von A. (Verfahrensakten C-3/2013/5283,
S. 221).
H. Mit Ersuchen um Verfahrensübernahme vom 6. Dezember 2013 und
16. Dezember 2013 ersuchte die StA See/Oberland die Staatsanwaltschaft
Basel-Landschaft (nachfolgend "StA BL") um Verfahrensübernahme betref-
fend A. Sie hielt darin fest, dass das polizeiliche Ermittlungsverfahren
betreffend die Diebstähle vom 26. Oktober 2013 abgeschlossen sei
(act. 1.1 und 1.3). Die StA BL lehnte die Übernahme mit Schreiben vom
12. Dezember 2013 bzw. 20. Dezember 2013 ab, und ersuchte ihrerseits
die OStA ZH um Übernahme des bei ihr hängigen Verfahrens (act. 1.2 und
1.4).
I. Am 22. November 2013 wurde A. in Gegenwart seines Verteidigers von der
Kantonspolizei Zürich betreffend die Vorfälle vom 21. Oktober 2013 in W.
(Kanton Bern) und Z. (Kanton Bern) einvernommen, wobei er ein Geständ-
nis ablegte (Verfahrensakten, Akten betr. Fall Y. BE, S. 22 ff.; LI 1 13/2640,
2641, 2642, S. 33 ff.).
J. Am 11. Dezember 2013 wurde A. in Anwesenheit seines Verteidigers durch
die Kantonspolizei betreffend die ihm vorgeworfenen SVG Delikte einver-
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nommen. In diesem Zusammenhang markierte die Kantonspolizei Zürich
die von A. gefahrene Strecke auf einer Karte und erstellte eine diesbezügli-
che Legende (Verfahrensakten C-3/2013/5283, ND 3 S. 10 ff.).
K. Am 17. Januar 2014 fragte die StA See/Oberland die Generalstaatsanwalt-
schaft des Kantons Bern (nachfolgend "GStA BE") um Verfahrensüber-
nahme an (act. 1.5). Diese lehnte die Übernahme mit Schreiben vom
27. Januar 2014 ab (act. 1.6), worauf sich der Oberstaatsanwalt des Kan-
tons Zürich an den stellvertretenden Generalstaatsanwalt des Kantons
Bern wendete (act. 1.8). Mit Schreiben vom 24. Februar 2014 lehnte die
GStA BE die Verfahrensübernahme erneut ab (1.10).
L. Mit Ersuchen um Verfahrensübernahme vom 25. Februar 2014 ersuchte
die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich (nachfolgend "OStA ZH")
die StA BL um Verfahrensübernahme (act. 1.11). Diese lehnte die Über-
nahme mit Schreiben vom 10. März 2014 ab (act. 1.16).
M. Am 26. Januar 2014 ersuchte die OStA ZH die Staatsanwaltschaft des
Kantons Wallis (nachfolgend "StA VS") um Verfahrensübernahme
(act. 1.12). Die StA VS lehnte diese mit Schreiben vom 28. Februar 2014
ab (act. 1.14).
N. Mit Gesuch vom 24. März 2014 stellt die OStA ZH bei diesem Gericht fol-
genden Antrag (act. 1):
"Es seien die Strafbehörden des Kantons Bern, eventualiter die Strafbehör-
den des Kantons Basel-Landschaft für berechtigt und verpflichtet zu erklä-
ren, die den beschuldigten Personen zur Last gelegten Straftaten zu verfol-
gen und zu beurteilen".
O. Die StA VS verzichtete auf die Einreichung einer Gesuchsantwort (act. 3).
Die StA BL stellte am 27. März 2014 den Antrag, es seien die Strafbehör-
den des Kantons Bern, eventualiter die Strafbehörden des Kantons Zürich
für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die den beschuldigten Personen
zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen (act. 4). Die
GStA BE beantragte am 28. März 2014, es seien die Strafbehörden des
Kantons Basel-Landschaft, eventualiter die Strafbehörden des Kantons Zü-
rich für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die den beschuldigten Per-
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sonen zur Last gelegten Straftaten zu verfolgen und zu beurteilen (act. 5).
Die jeweiligen Gesuchsantworten wurden am 31. März 2014 den entspre-
chenden Staatsanwaltschaften zur Kenntnis gebracht (act. 6).

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten
einen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO).
Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren
sich die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentli-
chen Elemente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Ei-
nigung (Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden
verschiedener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbrei-
tet die Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst
war, die Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der
Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40
Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb
welcher die ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Nor-
malfall die Frist von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog an-
zuwenden (vgl. hierzu u. a. TPF 2011 94 E. 2.2). Die Behörden, welche be-
rechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der
Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen
kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO; vgl. hierzu KUHN, Basler Kommen-
tar, Basel 2011, Art. 39 StPO N. 9 sowie Art. 40 StPO N. 10; SCHMID,
Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts, 2. Aufl., Zürich/St. Gal-
len 2013, N. 488; GALLIANI/MARCELLINI, Codice svizzero di procedura pena-
le [CPP] – Commentario, Zürich/St. Gallen 2010, n. 5 ad art. 40 CPP).
1.2 Die Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Auf
das Gesuch ist einzutreten.
2.
2.1 Die Beschwerdekammer kann (wie die beteiligten Staatsanwaltschaften un-
tereinander auch) einen andern als den in den Art. 31 – 37 StPO vorgese-
henen Gerichtsstand festlegen, wenn der Schwerpunkt der deliktischen Tä-
tigkeit oder die persönlichen Verhältnisse der beschuldigten Person es er-
fordern oder andere triftige Gründe vorliegen (Art. 40 Abs. 3 StPO). Ein
solches Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand soll indes die Aus-
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nahme bleiben. Eine Vereinbarung bzw. der Beschluss, einen gesetzlich
nicht zuständigen Kanton mit der Verfolgung zu betrauen, setzt triftige
Gründe voraus; dies kann aus Zweckmässigkeits-, Wirtschaftlichkeits- oder
prozessökonomischen Gründen gerechtfertigt sein (BGE 129 IV 202 E. 2
S. 203; Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2007.2 vom 1. März 2007
E. 3.1 m.w.H.; Entscheid des Bundesstrafgerichts BG.2008.19 vom 21. Ok-
tober 2008, E. 3.1). Ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand ist u. a.
möglich, sofern ein Kanton das Verfahren durch bestimmte Prozesshand-
lungen konkludent übernommen hat. Eine konkludente Anerkennung liegt
u.a. beim Erlass eines Strafbefehls vor (Entscheid des Bundesstrafgerichts
BG.2008.19 vom 21. Oktober 2008, E. 3.2). Gemäss geltender Rechtspre-
chung ist in der Regel eine Änderung des Gerichtsstandes nicht mehr ge-
rechtfertigt, wenn die Untersuchung gänzlich oder nahezu abgeschlossen
ist (BGE 129 IV 202 E. 2 S. 203; Entscheid des Bundesstrafgerichts
BG.2006.13 vom 21. August 2006 E. 4.1).
2.2 Am 26. Oktober 2013 entwendeten A. et. al. im F. und im G. insgesamt 82
Zigarettenstangen. Bei ihrer gleichentags erfolgten Anhaltung stellte die
Kantonspolizei Zürich 98 Zigarettenstangen sicher. Der protokollführende
Polizist der Kantonspolizei Zürich hielt diesbezüglich fest, dass davon aus-
zugehen sei, dass die 16 Zigarettenstangen aus einem weiteren Delikt
stammten. Nach durchgeführten Einvernahmen von A. et. al. erliess die
StA See/Oberland bereits am 28. Oktober 2013 Strafbefehle gegen B., C.,
D. und E. wegen bandenmässigen Diebstahls. Am 29. Oktober 2013 erteil-
te die StA See/Oberland einen Ermittlungsauftrag an die Polizei betreffend
A., wobei u.a. abgeklärt werden sollte, ob A. weitere Diebstähle verübt ha-
be. Das soeben wiedergegebene Vorgehen der StA See/Oberland er-
staunt. Obschon klare diesbezügliche Indizien bestanden und sich die Zür-
cher Strafverfolgungsbehörden bewusst waren, dass A. zusammen mit an-
deren Tätern noch weitere Delikte begangen haben musste, erliess die
StA See/Oberland Strafbefehle gegen C., D., E. und B., ohne vorher weite-
re Ermittlungen zu tätigen. Dieses Vorgehen war zwar einerseits effizient
und verfahrensökonomisch, es erschwert andererseits jedoch auch das
Vorgehen gegen die gleichen Täter bezüglich der in den Kantonen Basel-
Landschaft, Bern und Wallis begangenen weiteren Straftaten. Das Vorge-
hen des Kantons Zürich widersprach somit auch Sinn und Zweck der
Art. 33 und 34 StPO, wonach sämtliche Straftaten eines Täters und mehre-
re Täter für die gleiche(n) Tat(en) von der gleichen Behörde gemeinsam
verfolgt und beurteilt werden sollen.
2.3 Es gilt festzuhalten, dass die StA See/Oberland mit dem Erlass der Strafbe-
fehle gegen C., D., E. und B. den Gerichtsstand betreffend die Diebstähle
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vom 26. Oktober 2013 konkludent anerkannte. Hinzu kommt, dass ein
Wechsel des Gerichtsstandes auch zu vermeiden ist, weil die
Diebstahlsuntersuchung betreffend A. nahezu abgeschlossen ist. Dasselbe
gilt für die A. vorgeworfenen SVG Delikte - die Kantonspolizei hat diese
Widerhandlungen sorgfältig untersucht und ihn dazu einvernommen (siehe
supra lit. J.). Die Untersuchungen in den Kantonen Bern, Basel-Landschaft
und Wallis hingegen befinden sich nicht in diesem Stadium; es liegen ledig-
lich die Aussagen von Auskunftspersonen und A. vor - der Aufenthaltsort
der Mittäter ist unbekannt. Entsprechend konnten diese nicht zur Sache
einvernommen werden.
Aus den soeben genannten insbesondere verfahrensökonomischen Grün-
den sind die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich für berechtigt
und verpflichtet zu erklären, die den Beschuldigten zur Last gelegten Delik-
te zu verfolgen und zu beurteilen.
3. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO).
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