# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 683fc711-4089-4405-b5cc-25925580718a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1971, Mutter eines 1999 geborenen Sohnes, meldete sich am
6.
März
2007
unter Hinweis auf seit März 2006 beste
hende Fibromyalgie-Schmerzen
bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbe
zug
an (Urk. 11/2
Ziff.
7.2-3
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom
2
3.
Oktober 2008
b
ei einem Invaliditätsgrad von 100
%
rückwirkend ab
1.
Februar 2007 eine ganze Rente und ab
1.
April 2008
bei einem Invaliditätsgrad von 64
%
eine Dreivierte
ls
rente
zu (Urk. 11/40 und
Urk.
11/43-46
).
Am 1
5.
September 2010 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Rentenan
spruch sei unverändert (
Urk.
11/58).
1.2
Nach Eingang eines am
5.
Juli 2013
ausgefüllt
en Revisionsfragebogens (Urk. 11/69
) holte die IV-Stelle unter anderem bei
der
Akademie Y._
ein polydiszipl
inäres Gutachten ein, das am 2
2.
Juli 2014 erstattet wurde (Urk. 11/81
). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
11/83,
Urk.
11/85
Urk.
11/89,
Urk.
11/91) stellte
di
e IV-Stelle mit Verfü
gung vom 1
2.
März 2015
di
e bisher ausgerichtete Rente ein (Urk. 11/94
= Urk. 2).
2.
D
ie Versicherte erhob am
7.
April 2015
Besch
werde gegen die Verfügung vom 1
2.
März 2015
(
Urk.
2) und beantragte, di
ese sei aufzuheben und es sei ihr zumindest eine halbe Invalidenrente zuzusprechen (
Urk.
1 S. 1
).
Die IV-Stelle beantra
gte mit Beschwerdeantwort vom
7.
Mai 2015 (
Urk.
10
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 2
6.
Mai 2015
(
Urk.
14
)
wurd
en antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 1
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort
(
Urk.
10)
sowie der Beschwerdegegnerin die Eingaben der Beschwerdeführerin vom 2
2.
M
ai 2015 (
Urk.
12-13) zugestellt
.
Am 2
8.
Juli 2015 (
Urk.
16) reichte die B
eschwerdeführerin ein weiteres ä
rztliches Zeugnis (
Urk.
17) ein, welches der Gegenpartei am 3
0.
Juli 2015 zur Kenntnis zugestellt wurde (
Urk.
18).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach
lit
. a
Abs.
1 der am
1.
Januar 2012 in Kraft getretenen
Schlussbestimmun
gen
der Änderung vom 1
8.
März 2011 des IVG (
6.
IV-Revision, erstes
Mass
nahmenpaket
; kurz:
lit
. a
Abs.
1
SchlB
IVG
6.
IV-Revision
) werden Renten, die bei
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage gesprochen wurden, innerhalb von drei Jahren nach Inkrafttreten dieser Änderung überprüft. Sind die Voraussetzungen nach Artikel 7 ATSG nicht erfüllt, so wird die Rente herabgesetzt oder aufgeho
ben, auch wenn die Voraussetzungen von Artikel 17 Absatz 1 ATSG nicht erfüllt sind. Diese Bestimmung ist verfassungs- und
Europäische
Menschen
rechtskonvention
(
EMRK
)
-konform (BGE 139 V 547 E. 3).
Die in
lit
. a
Abs.
1
SchlB
6.
IV-Revision
vorgesehene Rentenherabsetzung bezie
hungsweise -aufhebung ist nicht auf vor dem
1.
Januar 2008 zugesprochene Renten beschränkt. Erging die fragliche
Rentenzusprache
aber bereits in Beachtung der jeweils relevanten Rechtsprechung zu
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildern ohne nachweisbare organische Grundlage, bleibt kein Raum für ein Rückkommen unter dem Titel der
Schluss
bestimmung
(BGE 140 V 8 E. 2).
Laufende Renten sind vom Anwendungsbereich von
lit
. a
Abs.
1
SchlB
zur 6.
IV-Revision nur ausgenommen, wenn und soweit sie auf erklärbaren Beschwerden, das heisst auf einer nachweisbaren objektivierbaren Grundlage beruhen
. Lassen sich unklare von erklärbaren Beschwerden trennen, können die Schlussbestimmungen der
6.
IV-Revision auf erstere Anwendung finden (
BGE
140 V 197 E. 6.2, in Präzisierung u.a. von
BGE 139 V 547
E. 10.1.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_738/2013 vom
8.
April 2014 E. 3.1.2.1 mit Hinweis).
Demnach ist die Schlussbestimmung bei kombinierten Beschwerden anwendbar,
wenn die unklaren und die „erklärbaren" Beschwerden – sowohl diagnostisch als auch hinsichtlich der funktionellen Folgen – auseinandergehalten werden können. Ein organisch begründeter
Teil
der Arbeitsfähigkeit kann bei Anwend
barkeit der Schlussbestimmung nur neu beurteilt werden, sofern eine Verände
rung im Sinne von
Art.
17 ATSG eingetreten ist. Insoweit wird im Anwen
dungsbereich der Schlussbestimmung vom Grundsatz abgewichen, dass die Verwaltung im Rahmen einer materiellen Revision – um eine solche handelt es sich auch hier – den Rentenanspruch in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend prüft (Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.4.2 mit Hinweisen).
Ist ein „Mischsachverhalt" gegeben, bei dem es unmöglich ist festzustellen, wie gross der Anteil der organisch bedingten Beschwerden bei der
Rentenzuspre
chung
war, wäre ein Abstellen auf die aktuelle
gutachtliche Einschätzung nicht zu vereinbaren mit der Rechtsprechung, wonach der auf erklärbaren Beschwer
den beruhende Teil der Invalidität unter dem Rechtstitel der Schlussbestimmung nicht überprüft werden kann. In einem solchen Fall bestimmt sich die (zu einer
integralen
Neuprüfung führende) Anwendbarkeit der Schlussbestimmung nach folgendem Grundsatz: Besteht (im Zeitpunkt der Rentenzusprechung und/oder
überprüfung
) neben dem
syndromalen
Zustand eine davon unabhängige organische oder psychische Gesundheitsschädigung, so hängt die Anwendbar
keit der Schlussbestimmung davon ab, dass die weitere („
nichtsyndromale
")
Gesund
heits
schädigung
die anspruchserhebliche Arbeitsunfähigkeit nicht
mit
verur
sacht
, das heisst letztlich nicht selbständig zur Begründung des Rentenan
spruchs beigetragen hat.
Wenn sie die Auswirkungen des unklaren
Beschwerde
bildes
bloss verstärkte, bleibt eine Rentenrevision unter diesem Rechtstitel mög
lich
(Urteil des Bundesgerichts 9C_121/2014 vom
3.
September 2014 E. 2.6 mit Hinweisen).
Da der Bestand laufender Renten wesentlich von medizinischen Aspekten abhängt, sind an die entsprechenden Abklärungen besonders hohe Anforderun
gen zu stellen. Namentlich muss verlangt werden, dass die Untersuchungen im Zeitpunkt der Revision aktuell sind und sich mit der massgeblichen Fragestel
lung auseinandersetzen. Soweit die versicherte Person sich – auch mit Bezug auf die Chancen, welche die Wiedereingliederungsmassnahmen bieten – der Beurteilung durch die Verwaltung und deren regionalen ärztlichen Dienst nicht anschliessen kann, dürfte sich in der Regel eine neue, polydisziplinäre Begut
achtung als unumgänglich erweisen (vgl. BGE 139 V 547 E. 10.2).
1.3
Weder für die Verwaltung noch für das Gericht besteht ein Anlass, die Diagnose „Fibromyalgie" in Frage zu stellen, auch wenn diese in der Ärzteschaft umstrit
ten ist. Die Fibromyalgie weist zahlreiche mit den
somatoformen
Schmerzstö
rungen gemeinsame Aspekte auf, sodass es sich beim aktuellen Kenntnisstand aus juristischer Sicht rechtfertigt, die von der Rechtsprechung im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze bei der Würdigung des invalidisierenden Charakters einer Fibromyalgie analog anzuwenden (BGE 132 V 65 E. 4).
1.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Bes
chwerdegegnerin begründete ihre
Verfügung
(Urk. 2) damit, dass die Überprüfung der Invalidenrente gemäss Schlussbestimmung der Änderung des
IVG
vom 1
8.
März 2011 ergeben habe, dass die vorliegenden Diagnosen (gene
ralisiertes Schmerzsyndrom im Sinne einer Fibromyalgie), welche zur
Renten
zusprache
geführt hätten, zu den ätiologisch-
pathogenetisch
unklaren
syndro
malen
Zustandsbildern ohne nachweisbare
medizinische Grundlage
gehör
ten
. Nach Abhandlung der Foerster-Kriterien liege keine unzumutbare
Schmerz
überwindung
vor, mithin kein invalidisierender Gesundheitsschaden (S. 2 f
f
.).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend,
auf das
Y._
-Gutachten könne nicht
abgestellt werden, da es nicht
sachlich sei und ein Parteigutachten darstelle. Ihre Beschwerden seien gar nicht berücksich
tigt worden. Es sei
deshalb au
f den Bericht
der Ärzte
des
Spitals Z._
abzustellen
(S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invali
denrente.
3.
Die mit Verfügung vom
2
3.
Oktober 2008
rückwirkend erfolgte Zusprache einer ganzen Invalidenrente ab
Februar 2007 und einer Dreiviertelsrente ab April 2008
(Urk. 11/40 und
Urk.
11/43-46)
stützte sich im Wesentlich
en auf das Gut
achten
der
Klinik A._
vom 1
2.
Februar 2008 (
Urk.
11/23, vgl. auch Urk. 11/34/3-5).
Die Gutachter der
Klinik
A._
stellten in ihrem
polydisziplinä
ren
Gutachten vom 1
2.
Februar 2008 (
Urk.
11/23) folgende Diagnosen
(S. 17
Ziff.
4):
generalisierte
Tendomyopathie
/
Fibromyalgiesyndrom
18/18
Fibromyalgiesyndrom
-Tend
e
rpoints positiv
Differenzialdiagnose sekundär bei Hypothyreose
ängstlich vermeidende Persönlichkeit, ICD-10 F60.6
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen, ICD-10 F33.11
akute Thyreoiditis Hashimoto mit
hypothyreoter
Stoffwechsellage
lauf
ende
Eltroxintherapie
mit Dosis-
Erhöhung November 2007
Status nach
sectio
c
a
esarea
1999
Die Gutachter führten aus, die Beschwerdeführerin habe zuletzt als Zimmerfrau im Hotel gearbeitet. Das körperliche Anforderungsprofil
für diese Tätigkeit erfülle sie
zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht. Die bisherige Tätigkeit sei ihr nicht mehr zumutbar (S. 19
Ziff.
2.1-2).
Zum Zeitpunkt der Gutachtenerstellung habe eine 40%ige Restarbeitsfähigkeit
bestanden
, welche sich auf körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten beziehe
(S. 20
Ziff.
2.6).
Die Interaktion zwischen dem
Fibromyalgiesyndrom
und dem depressiven Lei
den sei nicht quantifizierbar und zudem liege eine Stoffwechselstörun
g vor, die sowohl die Schmerzen
als auch die psychische Verfassung beeinträchtigen könne (S. 23
Ziff.
3). Anamnestisch habe es schon in früheren Jahren depressive Phasen gegeben, wobei sich die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht rekonstruieren
liessen
. Auch jetzt sei eine derartige Differenzierung nicht mög
lich (S. 23
Ziff.
4).
An relevanten psychosozialen Faktoren bestehe eine durch die Flucht aus dem Ursprungsland resultierend
e
Entwurzelung
,
und die Trennung von den Eltern werde durch die Beschwerdeführerin als subjektiv belastend und deprimierend beschrieben. Zudem bestehe eine Paarproblematik durch die Tatsache, dass der Ehemann zum Lebensunterhalt wenig beitrage und die Verantwortung bei ihr liege. Die Beschwerdeführerin wäge sich
regelmässig
gemäss
psychiatrischer Exploration mit dem Gedanken einer Trennung (S. 24
Ziff.
7).
Der psychiatrische Gutachter führte aus, die psychischen Leiden allein verursach
ten sicherlich einen Teil der bestehenden Arbeitsunfähigkeit. Sie erfüllten aber im Sinne der Invalidenversicherung noch keinen stabilen Gesundheitsschaden
, da die Prognose offen und auch von Massnahmen abhän
gig sei. Die Beschwerdeführerin besuche eine intensive Psychotherapie,
beschäftige sich mit dem Gedanken, sich vom Mann zu trennen und zudem entwachse ihr Kind bald dem Kleinkindalter, so dass es sie nicht mehr so inten
siv brauche. Das seien drei Faktoren,
welche
die depressive Störu
ng positiv beeinflussen könnten. Eine stabile Arbeitsunfähigkeit von
insgesamt 60
%
(somatisch und psychiatrisch zusamme
n) erachte das interdisziplinäre Team von
Clavadel
aber als gegeben (S. 17 oben).
4.
4.1
Im Rahmen des im
Juli 2013
eingeleiteten
Revision
s
verfahrens (Urk.
11/69
) gin
gen folgende Berichte ein:
Dr.
med
.
B._
, Facha
rzt
für Psychiatrie und für Psychotherapie
, nannte in seinem
Bericht vom
9.
Juli 2013 (
Urk.
11/71) als Diagnosen mit Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit eine generalisierte
Tendomyopathie
,
eine substitu
ierte Hypothyreose
und eine
rezidivierende depressive Episode bei
Akutisierung
der Schmerzen,
bestehend seit dem 1
6.
Februar 2006 (
Ziff.
3).
Dr.
B._
führte aus, die Beschwerdeführerin s
ei seit dem 1
0.
Mai 2006 bei ihm
in Behandlung und die letzte Konsultation sei am
1.
Juli 2013 erfolgt (
Ziff.
1-2). Es fänden einmal im Monat stützende Gespräche statt
,
und die Beschwerdefüh
rerin nehme keine Psychopharmaka mehr (
Ziff.
4-5).
4.
2
Die Gutachter der
Akademie Y._
erstatteten am 2
2.
Juli 2014 das von der Beschwerde
gegnerin veranlasste polydisziplinäre Gutachten (
Urk.
11/81). Sie konnten zusammenfassend keine Diagnosen mit Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit stell
en (S. 14
Ziff.
6.1).
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie eine rezidivie
rende depressive Störung, aktuell leicht, ein generalisiertes Schmerzsyndrom im Sinne einer Fibromyalgie, eine substituierte
hypothyreotische
Stoffwechsellage bei Thyreoiditis Hashimoto und eine psychosoziale Belastungssituation (S. 15
Ziff.
6.2).
Die Gutachter der
Akademie Y._
führten
zur Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf respektive in einer Verweistätigkeit
aus,
die Explorandin habe ihr
Touristikstu
dium
in Ecuador nicht abgeschlossen und sei im Jahre 2003 als Flüchtling in die Schweiz migriert. Nach ihrer Migration habe ein Arbeitsverhältnis für rund zwei Jahre als Zimmermädchen vom
1.
November 2004 bis 3
1.
Oktober 2006 bestanden. Nachfolgend sei sie krankheitsbedingt keiner weiteren Berufstätig
keit auf dem ersten Arbeitsmarkt nachgegangen. Sie habe im Rahmen der inter
nistischen Anamneseerhebung berichte
t
, sich für eine körperlich leichte Tätig
keit in einem Pensum von 30
%
arbeitsfähig zu fühlen.
A
ufgrund der fehlenden Berufsausbildung, der nur kurzen Arbeitsdauer und der längeren Absenz vom Arbeitsmarkt
,
sei die Arbeitsfähigkeit in diesem Sinne gegeben, dass d
ie Explorandin in vollem Umfang
in körperlich leichter bis mit
telschwerer, wechselbelastender Tätigkeit
arbeitsfähig sei
. Aufgrund des
Fibro
myalgiesyndrom
s
sollte körperliche Schwerarbeit, Tätigkeiten mit monotonen Arbeitsabläufen und
regelmässigen
Überkopfarbeiten vermieden werden. Auf
grund der affektiven Erkrankung seien Arbeiten, welche mit dem Leisten von Nachtschichten einhergingen
,
sowie Arbeiten, welche Fremd- oder
Eigengefähr
dung
beinhalteten
,
zu vermeiden (S. 16 f.
Ziff.
7.2). Seit dem Bericht vom 2
8.
März 2009 sei es im Verlauf zu einer gesundheitlichen Besserung auf psy
chiatrischem Gebiet gekommen, wobei aufgrund der Vorakten kein genauer Verbesserungszeitpunkt benannt
werden könne. Aus diesem Grund gelte die attestierte Arbeitsfähigkeit ab dem Zeitpunkt dieses Gutachtens (S. 17
Ziff.
7.3).
Aus psychiatrischer Sicht erscheine es wichtig, die Explorandin erneut beruflich eingliedern zu können. Ansonsten seien keine Therapiemöglichkeiten zu benen
nen, welche das Spektrum der Arbeitsfähigkeit relevant verbessern könnte (S.
17
Ziff.
7.4).
Die Gu
tachter der
Akademie Y._
führten aus,
für die Explorandin
stünden
in unveränder
tem Umfang die Schmerzen des Bewegungsapparates mit wechselnder Lokalisa
tion und Symptomatik im Vordergrund und sei
en
dafür verantwortlich, dass sie keiner Arbeitstätigkeit nachgehe.
Aus internistischer Sicht könnten aktuell keine Pathologien erfasst werde
n,
und die Blutuntersuchung ergebe ebenfalls keinen Anhalt für eine spezifische Erkrankung. Von Seiten des Bewegungsapparates würden weiterhin die Krite
rien eines generalisierten
Schmerzsyndromes
im Sinne einer Fibromyalgie erfüllt, ohne dass die Schmerzen somatisch erklärt werden könnten. Insbeson
dere fänden sich keine relevanten degenerativen Veränderungen oder Hinweise auf eine neurologische Erkrankung. Von rheumatologischer Seite her handle es sich um einen unveränderten Zustand, welchem einen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit für körperlich schwer
e Tätigkeiten zugemessen werde
.
Von psychiatrischer Seite her sei seit dem Jahr 2008 eine deutliche Besserung des Gesundheitszustandes zu attestieren. So sei die Depression weitgehend remittiert und aktuell liege nur eine
leichtgradige
rezidivierende depressive Störung vor. Eine phobische Symptomatik oder eine Persönlichkeitsstörung, wie sie in Vorberichten festgehalten worden sei, liege zum Gutachtenszeitpunkt nicht mehr vor (S. 16
Ziff.
7.1.2).
Zusammenfassend habe sich daher der Gesundheitszustand der Explorandin seit dem Vorgutachten vom 1
2.
Februar
2008 und dem Bericht der
K
linik
A._
vom 2
8.
März 2009 aus psychi
atrischer Sicht gebessert (S. 16
Ziff.
7.1.3).
4.
3
Dr.
med.
C._
, Oberarzt, und
Dr.
med.
D._
, Chefarzt,
Rheu
matologie und
muskuloskelettale
Rehabilitation,
Spital Z._
,
stellten in ihrem
Bericht vom 3
0.
September 2014 (
Urk.
11/92
=
Urk.
3
)
folgende Diagnosen (S.
1):
generalisierte
Tendomyopathie
wechselnde multiple neurovegetative Begleitsymptome
chronisch
cervikocephales
Syndrom
intermittierend
lumbospondylogene
bis
radikuläre
Symptomatik
stark verminderte globale Belastungstoleranz
depressive Entwicklung (in psychiatrischer Behandlung)
Residualsyndrom nach schwerer abszedierender Pneumonie rechts
generelle Leistungsminderung
Status nach akuter respiratorischer Insuffizienz mit Intubation Feb
ruar 2009
Status nach Abszedierung, ventraler Pneumothorax rechts
Status nach
Hospitalisation
über mehrere Monate
n
ormochrome
,
normozytäre
Anämie
aus religiösen Gründen keine Blutprodukte erwünscht
Migräne
accompagnée
substitutionspflichtige Hypothyreose
Status nach
Hashimotohyreoiditis
Die Ärzte des
Spitals Z._
führten aus, die Beschwerdeführerin
zeige das klassische Bild einer generalisierten
Tendomyopathie
(
Fibromyalgiesyndrom
)
mit entspre
chend chronisch-rezidivierenden starken
Schmerzexazerbationen
.
Analgetika und Physiotherapie seien dann jeweils punktuell schmerzlindernd. Mehrfach pro Jahr seien i
n den letzten Jahren
Schmerzexaz
erbationen
mit immobilisierenden Schmerzepisoden zu verzeichnen gewesen
, bei zusätzlich starken
lumbospondylogenen
Schmerzen.
Danebst
komme die Beschwerdefüh
rerin jeweils psychop
hysisch an ihre Belastungsgrenze. Die depressive Entwick
lung zeige sich in einem Auf und Ab
,
und die Patientin brauche weiterhin psy
chologische Betreuung und psychiatrische Behandlung. Sie versuche im Alltag stets möglich aktiv zu bleiben und führe
regelmässig
ein leichtes
rekonditio
nierendes
Training durch. Dennoch sei die Belastungstoleranz im Vergleich zur gesunden Bevölkerung stark eingeschränkt. Sie müsse sich jeweils die
Alltags
belastungen
(Haushalt, Einkauf etc.) einteilen, im Sinne eines graduierten
Pacings
. Die Überforderungen im Alltag hätten in der Vergangenheit zu psychophysischen Dekompensationen geführt (S. 1).
Aus rheumatologischer Sicht sei unter Berücksichtigung der psychischen Kompo
nente höchstens eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für angepasste sehr leichte Arbeiten gegeben.
Dies könne sicherlich auch separat der behandelnde Psychi
ater bestätigen. Es wäre wünschenswert, wenn die Invalidenversicherung der Patientin Kurse oder ein Eingliederungsprogramm anbieten oder finanzieren könnte, um ihr die Möglichkeit einer besseren Qualifizierung für den Arbeits
markt zu ermöglichen, sodass die Restarbeitsfähigkeit verwertet werden könnte (S. 2).
4.
4
Dr.
C._
,
Spital Z._
, führte in seinem nachträglich von der Beschwerdeführerin eingereichten Bericht vom
8.
Mai 2015 (
Urk.
13) aus, er bestätige, dass die Pati
entin seit vielen Jahren bei ihnen in Behandlung und Betreuung stehe. Es handle sich hierbei um eine chronische Erkrankung am Bewegungsapparat aus dem rheumatologischen Formenkreis. Daneben lägen eine psychiatrische Erkrankung und Diagnose vor. Weiter sei die allgemeine Leistungsfähigkeit von pulmonaler Seite limitiert, dies nach schwerem lebensbedrohlichem Infekt mit langdauernder IPS-
Hospitalisation
im Jahre 2009.
Dr.
C._
führte aus, aufgrund der vor kurzem erfolgten Rentenrevision bei dieser gesundhe
itlich angeschlagenen Patientin
sei ihr nun die Rente abgespro
chen wo
rden. Die Beschwerdeführerin sei
damit in einen sehr
grossen
finanzi
ellen Engpass geraten und die belastenden Umstände im Rahmen der durch die IV durchgeführten Begutachtungen hätten dazu geführt, dass sie nun seit meh
reren Monaten psychophysisch
dekompensiert
sei. Seines Erachtens liege zudem eine erneute depressive Episode vor, die nun auch intensiviert durch den behandelnden Psychiater behandelt werde.
Aufgrund der komplexen Problematik bei dieser Gesundheitsstörung sei zurzeit und voraussichtlich für längere Zeit nicht mit einer Arbeitsfähigkeit zu rechnen. Sollte sich die Situation in den nächstens 12 bis 18 Monaten dann wieder bes
sern und stabilisieren, wäre längerfristig doch von einer gewissen
Teilarbeitsfä
higkeit
auszugehen. Die Beschwerdeführerin sei vorderhand nicht arbeitsfähig und nicht vermittelbar (S. 1).
5.
5.
1
Die im Oktober 2008 rückwirkend ab Februar 2007 verfügte
Rentenzus
prache
(
Urk.
11/40,
Urk.
11/43-4
6) beruhte im Wesentlichen auf der Einschätzung der Gutachter der
Klinik A._
vom Februar 2008 (vgl. vorstehend E. 3). Diese stellten die Diagnose eines
Fibromyalgiesyndrom
s
und damit eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildes ohne nachweisbare Grundlage.
In psychiatrischer Hinsicht nannten sie eine ängstlich
vermeidende Persönlichkeit (ICD-10 F60.6) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F33.11). Den psychiatrischen Diagnosen wurde
einerseits Einfluss auf die Arbeitsunfähigkeit zugestanden, andererseits das Bestehen als stabiler
Gesund
heitsschaden
unter Hinweis auf die psychosoziale Belastungssituation
und die Therapiemöglichkeiten
im Sinne der Invalidenversicherung verneint.
Es lag demnach ein sogenannter „Mischsachverhalt“ vor.
In Anbetracht der Gegeben
heiten ist vorliegend davon auszugehen, dass die psychischen Einschränkungen die Auswirkungen d
er Fibromyalgie
bloss
verstärkt
und die anspruchserhebliche Arbeitsunfähigkeit nicht eigenständig verursacht haben. Eine Rentenrevision unter der Anwendbarkeit der Schlussbestimmungen ist demnach möglich
(vgl. vorstehend E. 1.2
-3
)
.
5.2
Die Beschwerdegegnerin ging gestützt auf das Gutachten der
Akademie Y._
vom Juli 2014 (vorstehend E. 4
.2
) und unter Anwendung de
r Foe
rster-Kriterien davon aus,
dass kein invalidisierender Gesundheitsschaden bei der Beschwerdeführerin vorliege
(vorstehend E. 2.1)
.
Die
Gutachter der
Akademie Y._
konnten nach ihrer Untersuchung keine
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit mehr
feststellen
und
attestierten der Beschwerdeführerin in angepassten Tätigkeiten eine vollständige Arbeitsfähig
keit.
In psychiatrischer Hinsicht gingen sie von einem verbesserten Gesund
heitszustand aus,
was so auch mit dem Bericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
B._
vom
Juli
2013 (vorstehend E. 4
.1
) einhergeht, welche
r
berichtete, dass lediglich einmal im Monat
stützende Gespräche stattfänden
, auf Psychophar
maka verzichtet werde und es lediglich im Zusammenhang mit den Schmerzen zu depressiven Episode
n
komme.
Dem
Fibromyalgiesyndrom
massen die Gutachter de
r
Akademie Y._
anders als die Gutach
ter der
Klinik A._
keine Auswirk
ung auf die Arbeitsfähigkeit zu und begründeten dies im Wesentlichen damit, dass sich kein organisches Kor
relat, welches die Schmerzen erklären könnte, gefunden habe.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung fällt ein
Fibromyalgiesyndrom
eben gerade
unter die Schmerzstörungen ohne erkenn
bare organische Grundla
gen, beziehungsweise
vergleichbare psychosomatische Leiden
, sodass es sich rechtfertigt, die
von der Rechtsprechung im Bereich der
somatoformen
Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze bei der Würdigung des invalidisie
renden Charakters einer Fibromyalgie analog anzuwenden
(
vgl.
vorstehend E.
1.3
).
5.3
Das Gutachten der
Akademie Y._
vom
Juli 2014
wurde noch vor dem bundesgericht
lichen Urteil 9C_492/2014 vom 3. Juni 2015
(BGE 141 V 281)
erstellt, mit welchem das Bundesgericht die bisherige Rechtsprechung zur
Invaliditätsbemes
sung
bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Grundlage und vergleichbaren psychosomatischen Leiden angepasst hat. Entsprechend ist zu über
prüfen, ob die diagnostizierte
Fibromyalgie
auch nach der neuen bundes
gerichtlichen Rechtsprechung keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zei
tigt
.
5.4
Zu prüfen ist demnach vorab
, ob das
Akademie Y._
-
Gutachten
vom Juli 2014 angesichts von BGE 141 V 281 eine
zureichende Beurteilungsgrundlage
der gesundheitli
chen Situation d
er Beschwerdeführerin darstellt.
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd anschliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die
Invaliditätsbemes
sung
stärker als bisher den
Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berück
sichtigen hat
, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen nieder
schlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130 V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen Versicherungsvollzuges mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der
Überwindbarkeitsver
mutung
. Deren Rechtsnatur kann offen bleiben. Denn an dieser Rechtsprechung ist nicht festzuh
alten. Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturiertes Beweisverfahren er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der rentenansprechenden Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des bishe
rigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) trete
n im Regelfall beachtliche
Standardindikatoren. Diese lassen sich in die Kategorien Schweregrad und Konsistenz der funktionellen Auswirkungen ein
teilen.
Auf den Begriff des primären Krankheitsgewinnes und die
Präponderanz
der psychiatrischen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist recht
lich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Stan
dardindikatoren
wie auch bei deren – rechtlich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zusammen. Im Grunde konkre
tisieren die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psycho
somatischen Leiden die gesetzgeberischen Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Anerkennung eines rentenbegrün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswirkun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindi
katoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt e
s da
ran, hat die Folgen der
Beweislosig
keit
nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
5.5
Nach Aufgabe des Konzepts der Überwindbarkeitsvermutung, welche durch eine ergebnisoffene Beurteilung des funktionellen Leistungsvermögens als zentralem Beweisgegenstand abgelöst wird, scheint der Begriff des Kriteriums nicht mehr geeignet. Das Bundesgericht spricht fortan von Indikatoren, einem Begriff, der massgebliche Beweisthemen bezeichnet, anhand welcher ein bestimmter Sach
verhalt ermittelt wird
(
BGE 141 V 281
E. 4.1.2).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern Indizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
5.6
Wie in
BGE 141 V 281
festgehalten (E. 5.2.1), hat sich das Bundesgericht ver
schiedentlich, so auch jüngst, über das Zusammenwirken von Recht und Medi
zin bei der konkreten Rechtsanwendung geäussert. Danach ist es sowohl den begutachtenden Ärzten al
s auch den Organen der Rechtsan
wendung aufgege
ben, die Arbeitsfähigkeit im E
inzelfall mit Blick auf die nor
mativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechtsanwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzu
ng der Folgen aus den diagnosti
zierten gesundheitli
chen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit.
Seine Einschätzung ist ein
e wichtige Grundlage für die an
schliessende juristi
sche Beurteilung der Frage, welche Arbeitsle
istung der versi
cherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2; Ulrich Meyer, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkei
t und seine Bedeutung in der So
zialversicherung, nament
lich für den Einkomme
nsvergleich in der Invaliditäts
bemessung, in: Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, Schaffhauser/
Schlauri
[Hrsg.], 2003, S. 49).
In diesem Sinne lautet die
normativ bestimmte Gutachterfrage, wie die sachver
ständige Person das Leistungsvermögen einschätzt, wenn sie dabei den ein
schlägigen Indikatoren folgt.
Die Rechtsanwender überprüfen die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die massgebenden nor
mativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die
versiche
rungsmedizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage er
folgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG; vgl. BGE 137 V 64 E. 1.2 in
fine
). Dies sichert die einheitliche und rechtsgleiche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (BGE 140 V 290 E. 3.3.1, 135 V 201 E. 7.1; E. 5.2.2).
5.7
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betref
fend die rechtsstaatlichen Anforderungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem
Verfahrens
standard
eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer Anwendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der massgeblichen Indikatoren er
lauben oder nicht.
Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (
BGE 141 V 281
E. 8).
5.8
Die dargelegte Rechtsprechung von BGE
141 V 281 gelangt gemäss Urteil des Bundesgerichts 9C_354/201
6 vom 2
9.
Februar 2016 auch auf
Rentenüber
prüfungen
gemäss
Schl
Best
. IV6 zur Anwendung.
5.9
Im IV-Rundschreiben Nr. 339 des Bundesamtes für Sozialversicherungen vom
9. September 2015 (nachfolgend
: Rundschreiben) wurde ein Auftrag für medizi
nische Gutachten in der Invalidenversicherung formuliert, welcher die in BGE 141 V 281 festgehaltenen
Standardindikatoren
abdecken soll. Vergleicht
man die in diesem Rundschreiben enthaltenen Themen mit dem
Y._
-Gutachten
vom Juli 2014
, so
erscheinen die relevanten Themen nicht genügend
vertieft
behandelt.
So fehlt es an einer genauen Abhandlung der Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde sowie der geforderten Feststellungen über die konkreten Erscheinungsformen der Gesundheitsschädigung sowie der klaren Abgrenzungen, welche Funktionseinschränkungen auf diese
Gesundheitsschädi
gung
zurückzuführen sind und welche auf invaliditätsfremde Faktoren zurück
gehen. Auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Persönlichkeits
bild fehlt und dem
Y._
-Gutachten
ist
zu den persönlichen Ressourcen wenig zu entnehmen (vgl.
Ziff.
I des Anhangs zum Rundschreiben).
Es fehlt auch
an einer detaillierten
Beurteilung
und
kritischen Würdigung der Auswirkungen der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit in allen vergleich
baren Lebensbereichen
(Ziff. V.
des Anhangs zum Rundschreiben), welche zwar von der Versicherten behauptet wird, zu welcher sich die Gutachter jedoch nicht
näher
äusserten
.
5
.
10
Aufgrund des Gesagten
lassen sich gestützt auf das
Y._
-Gutachten
vom Juli 2014
die bei der Beschwerdeführerin relevanten Indikatoren nicht
abschliessend
beurteilen.
Auch mittels de
r weiteren vorliegenden Berichte
- namentlich jener der behandelnden Ärzte des
Spitals Z._
(vorstehend E. 4.3-4)
-
lassen sich die offenen Fragen im Zusammenhang mit den
I
ndikatoren
gemäss
BGE 141 V 281 nicht beantworten.
Die Beschwerde ist somit in dem Sinne gutzuheissen,
dass die Sache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen ist, damit diese im Zusammenhang mit den bei Schmerzstörungen neu festgelegten Indikatoren ergänzende Abklärun
gen veranlasse und hiernach über den
Rentenanspruch der Beschwerdeführerin
neu entscheide.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
In Anwendung obiger Kriterien ist die Parteientschädi
gung vorliegend auf Fr. 1‘500.--
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und
ausgangs
gemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.