# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3ea4eddd-7136-4f9d-a4f0-3808523827b6
**Court:** AG_OG
**Chamber:** AG_OG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** AG / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Der Kläger, geb. am tt.mm.yyyy, beabsichtigte, seine Kinder, welche in der
Schweiz geboren sind, zu anerkennen. Die Kindesanerkennung konnte
aufgrund der strittigen Personendaten und der ungeklärten Identität des
Klägers noch nicht durchgeführt werden. Strittig sind namentlich der Nach-
name bzw. der Vater des Klägers. Mit Eingabe vom 2. März 2021 stellte
der Kläger ein Begehren um gerichtliche Feststellung der Identität/Perso-
nendaten beim Bezirksgericht Lenzburg (SF.2021.28).
2.
2.1.
Am 18. Juli 2022 fand im Verfahren SF.2021.28 eine Verhandlung statt. Im
Anschluss daran reichte der Kläger eine Vaterschaftsklage ein und bean-
tragte die Feststellung der Vaterschaft des Beklagten. Das Verfahren
SF.2021.28 wurde mit Verfügung der Präsidentin des Familiengerichts des
Bezirksgerichts Lenzburg für die Dauer des vorliegenden Verfahrens be-
treffend Vaterschaftsklage gleichentags sistiert.
2.2.
Die Präsidentin des Familiengerichts des Bezirksgerichts Lenzburg ver-
fügte am 18. Juli 2022:
" 1. Die Akten des Verfahrens SF.2021.28 vor Präsidium des Zivilgerichts Lenzburg (inkl. dessen Beizugsakten) sowie die Akten STA1 ST.2020.8327 der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau werden von Amtes wegen beigezogen.
2. Der Kläger hat innert 10 Tagen einen Kostenvorschuss von CHF 900.00 zu bezahlen.
Bis zur Leistung des Vorschusses bleibt das Verfahren eingestellt.
Fällt der letzte Tag der Frist auf einen Samstag, Sonntag oder einen  Feiertag i.S.v. § 21 EG ZPO, so endet sie am nächsten Werktag (Art. 142 Abs. 3 ZPO). Die Frist steht still vom siebten Tag vor Ostern bis und mit dem siebten Tag nach Ostern, vom 15. Juli bis und mit dem 15. August und vom 18. Dezember bis und mit dem 2. Januar (Art. 145 Abs. 1 ZPO).
3. 3.1. Es ist vorgesehen, von der Kantonsspital Aarau AG, Institut für , Haus 4, Postfach, 5001 Aarau, eine DNA-Analyse zur  der Abstammung (Vaterschaftsgutachten) des Klägers vom  einzuholen.
- 3 -
3.2. Die Parteien können innert 10 Tagen begründete sachliche oder  Einwände gegen die Gutachterin bekannt geben und allfällige  einreichen.
3.3. Die Parteien haben innert 10 Tagen einen Kostenvorschuss von je CHF 500.00 zu bezahlen.
3.4. Bei Fehlen von Einwendungen und nach Eingang des Kostenvorschusses wird das Gutachten mit separater Verfügung definitiv in Auftrag gegeben."
3.
3.1.
Gegen diese Verfügung reichte der Beklagte mit Eingabe vom 2. August
2022 beim Obergericht des Kantons Aargau Beschwerde ein und bean-
tragte die Aufhebung der Verfügung, eventualiter unter Rückweisung an die
Vorinstanz, sowie den Aufschub der Vollstreckung, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen.
3.2.
Mit Verfügung vom 26. August 2022 stellte der Instruktionsrichter die Be-
schwerde an den Kläger zur Erstattung der Beschwerdeantwort innert 10
Tagen zu. Die Verfügung wurde dem Kläger am 30. August 2022 zugestellt.
Der Kläger erstattete mit Eingabe vom 14. September 2022 (Postaufgabe)
eine Beschwerdeantwort.

## Considerations

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
1.1.
Bei der angefochtenen Verfügung der Vorinstanz handelt es sich um eine
prozessleitende Verfügung. Prozessleitende Verfügungen sind nur in den
vom Gesetz bestimmten Fällen anfechtbar, oder wenn durch den Entscheid
ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil droht (Art. 319 lit. b ZPO).
Der Beschwerdeführer wendet sich in seiner Beschwerdebegründung ei-
nerseits gegen die Erstellung des DNA-Gutachtens an sich und anderer-
seits dagegen, dass ihm die Hälfte des Kostenvorschusses für die Beweis-
erhebung auferlegt wurde. Letzteres ist mit Beschwerde grundsätzlich an-
fechtbar (Art. 103 ZPO). Im Übrigen muss mangels expliziter gesetzlicher
Bestimmung betreffend die Anfechtbarkeit von Beweisverfügungen ein
nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil drohen.
1.2.
Die Voraussetzung eines drohenden nicht leicht wiedergutzumachenden
Nachteils ist jedenfalls dann erfüllt, wenn der geltend gemachte Nachteil
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auch durch einen für den Ansprecher günstigen Zwischen- oder Endent-
scheid nicht mehr beseitigt werden kann (FREIBURGHAUS/AFHELDT, in: Sut-
ter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung [ZPO], 3. Aufl. 2016 [ZPO-Komm.], N. 14 zu
Art. 319 ZPO). Es ist Sache des Beschwerdeführers, die Eintretensvoraus-
setzungen darzulegen. Es ist nicht Aufgabe des Gerichts, von Amtes we-
gen Nachforschungen anzustellen, inwiefern ein nicht leicht wiedergutzu-
machender Nachteil gegeben sein sollte, es sei denn, deren Vorliegen
springe geradezu ins Auge (BGE 133 III 629 E. 2.3.1; Urteile des Bundes-
gerichts 1C_135/2011 vom 30. März 2011 E. 5.2, 5A_282/2011 vom
23. Juni 2011 E. 1.3, 5A_403/2011 vom 17. November 2011 E. 2.4; SPÜH-
LER, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schwei-
zerischen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2017, N. 14 zu Art. 319 ZPO). Fehlt
ein drohender, nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil, ist auf die Be-
schwerde nicht einzutreten.
2.
2.1.
Anordnungen betreffend die Beweisführung bewirken nach bundesgericht-
licher Rechtsprechung in aller Regel keinen nicht wiedergutzumachenden
Nachteil (Urteil des Bundesgerichts 5A_745/2014 vom 16. März 2015
E. 1.2.2). Der Beklagte macht auch nicht substantiiert geltend, inwiefern
ihm aufgrund der Verfügung der Vorinstanz vom 18. Juli 2022 ein nicht
leicht wiedergutzumachender Nachteil droht. Insbesondere tut der Be-
klagte nicht dar und ist auch nicht ersichtlich, dass alleine die Tatsache der
Durchführung eines DNA-Tests im Fall der nachträglichen Feststellung der
Unzulässigkeit der Vaterschaftsklage einen nicht leicht wiedergutzuma-
chenden Nachteil darstellen sollte (vgl. Beschwerde S. 6). Das Bundesge-
richt hat bezüglich der Anordnung eines DNA-Gutachtens ausgeführt (Ur-
teil des Bundesgerichts 5A_745/2014 E. 1.2.3), wenn eine Gefährdung der
Gesundheit nicht ausgeschlossen werden könne, dürfe ein nicht wiedergut-
zumachender Nachteil nicht verneint werden. Denn ein Eingriff in die kör-
perliche Gesundheit bedeute einen Eingriff in die Persönlichkeit und damit
in ein absolutes Recht, dessen einmal eingetretene Verletzung real nicht
mehr rückgängig zu machen sei. Das Bundesgericht hat aber mit keinem
Wort ausgeführt, dass und inwiefern der für das DNA-Gutachten in jenem
Verfahren vorzunehmende Wangenschleimhautabstrich eine Gefährdung
der Gesundheit darstellen sollte. Es ist denn auch nicht ersichtlich, inwie-
fern damit bei vernünftiger Betrachtungsweise eine grössere Gesundheits-
gefährdung bzw. ein grösseres diesbezügliches Risiko verbunden sein
sollte als bei Anordnung und Durchführung anderer Beweismassnahmen
(vgl. Art. 168 Abs. 1 ZPO; z.B. Gefahr eines Unfalls auf dem Weg zur Ein-
vernahme vor Gericht, bei der Überbringung einer Urkunde etc.). Demge-
genüber wurde festgehalten, dass nebst der Anordnung der DNA-Untersu-
chung selbstständig deren Verbindung mit der Strafdrohung gemäss
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Art. 292 StGB angefochten worden sei, die für sich allein einen nicht wie-
dergutzumachenden Nachteil bewirken könne. In einem weiteren Ent-
scheid (Urteil des Bundesgerichts 5A_384/2015 E. 1.2) wurde auf dieses
Urteil ohne weitere Ausführungen Bezug genommen und insbesondere
wiederum mit Hinweis auf die in der angefochtenen Beweisverfügung ent-
haltene Strafdrohung ein nicht wiedergutzumachender Nachteil bejaht. Ein-
zig unter Hinweis auf den genannten Entscheid 5A_745/2014 sowie
5A_492/2016 E. 1, worin sich allerdings keinerlei Ausführungen zum nicht
wiedergutzumachenden Nachteil finden, bejahte das Bundesgericht im
Entscheid 5A_906/2020 E. 1 ohne weitere Begründung einen nicht wieder-
gutzumachenden Nachteil durch Anordnung eines DNA-Gutachtens. Es
kann somit festgehalten werden, dass sich aus der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung nicht sachlich nachvollziehbar ergibt, inwiefern – anders
als bei anderen Beweismassnahmen in der Regel – bei Anordnung eines
DNA-Gutachtens ein nicht leicht wiedergutzumachender Nachteil im Sinne
von Art. 319 lit. b Ziff. 2 drohen sollte.
Nachdem durch die angefochtene Verfügung dem Beklagten kein nicht
leicht wiedergutzumachender Nachteil droht, ist auf die Beschwerde in die-
sem Punkt nicht einzutreten.
Anzufügen ist, dass mit der angefochtenen Verfügung die Anordnung des
DNA-Gutachtens erst in Aussicht gestellt wurde und dem Beklagten na-
mentlich noch keine Säumnisfolgen angekündigt wurden (Art. 161 Abs. 1
ZPO), womit ihm auch keine solchen drohen (RÜETSCHI, in: Berner Kom-
mentar, N. 3 ff. zu Art. 161 ZPO; HASENBÖHLER, in: ZPO-Komm., a.a.O.,
N. 11 zu Art. 161 ZPO; SCHMID/BAUMGARTNER, Kurzkommentar ZPO, N. 2
zu Art. 161 ZPO). Sie diente in diesem Stadium vorab der Anhörung der
Parteien (Art. 183 Abs. 1 ZPO) und der Einholung eines Kostenvorschus-
ses für die Beweismassnahmen (Art. 102 ZPO). Die Vorinstanz kündigte
zudem explizit an, dass das Gutachten bei Fehlen von Einwendungen und
nach Eingang des Kostenvorschusses mit separater Verfügung definitiv in
Auftrag gegeben werde. Auch vor diesem Hintergrund ist nicht ersichtlich,
inwiefern dem Beklagten derzeit ein nicht leicht wiedergutzumachender
Nachteil drohen sollte. Dies, zumal prozessleitende Verfügungen, insbe-
sondere auch Beweisverfügungen, jederzeit in Wiedererwägung gezogen,
d.h. abgeändert oder ergänzt werden können (vgl. Art. 154 letzter Satz
ZPO) und die Parteien Gelegenheit erhielten, sich vor der Vorinstanz zum
geplanten Gutachten zu äussern. Der Beklagte kann die Anordnung des
Gutachtens, sollte diese überhaupt erfolgen, was ohnehin voraussetzt,
dass die Kostenvorschüsse für das Verfahren und die Beweiserhebung be-
zahlt werden und die Vorinstanz die Auffassung des Beklagten nicht teilt,
bei Erlass der in Aussicht gestellten Verfügung anfechten.
- 6 -
3.
Der Beklagte wendet sich gegen die Verfügung vom 18. Juli 2022, soweit
von ihm wie vom Kläger ein Kostenvorschuss von Fr. 500.00 für das Gut-
achten verlangt wird (Art. 102 Abs. 2 ZPO). Hiergegen ist die Beschwerde
wie eingangs erwähnt zulässig (Art. 103 ZPO). Demgegenüber ist nicht er-
sichtlich, inwiefern der Beklagte ein Interesse tatsächlicher oder rechtlicher
Natur an der Aufhebung oder Abänderung der entsprechenden Bestim-
mung hätte, d.h. inwiefern er beschwert sein sollte, was Zulässigkeitsvor-
aussetzung jedes Rechtsmittels ist (ausführlich REETZ, in: ZPO-Komm.,
a.a.O., N. 30 ff. zu Vorbemerkungen zu den Art. 308-318 ZPO). Da er die
Einholung eines Gutachtens ablehnt, entsteht ihm aus der einzigen aus der
Nichtleistung des Kostenvorschusses drohenden Konsequenz, der Nicht-
anordnung des Gutachtens, kein Nachteil. Auf die Beschwerde ist auch in
diesem Punkt nicht einzutreten.
4.
Der Antrag des Beklagten auf aufschiebende Wirkung wird mit dem vorlie-
genden Entscheid gegenstandslos.
5.
Ausgangsgemäss trägt der Beklagte die Kosten des Beschwerdeverfah-
rens (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Diese sind auf Fr. 800.00 festzusetzen (§ 11
Abs. 2 VKD) und werden mit dem vom Beklagten geleisteten Kostenvor-
schuss in derselben Höhe verrechnet (Art. 111 Abs. 1 ZPO). Eine Partei-
entschädigung ist dem Kläger mangels Antrags nicht zuzusprechen.