# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 84a6d255-0ceb-4a3a-a64a-630a727f7242
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Unterhalt
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im vereinfachten Verfahren am Bezirksgericht Dietikon vom 7. August 2015 (FK130014-M)
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Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 7. August 2015:
1. Es wird festgestellt, dass der Beklagte der Vater des am tt.mm.2011 von C._ geborenen Kindes B._ ist.
2. Der Beklagte wird verpflichtet, an die Kosten des Unterhalts und der  des Klägers (zuzüglich allfälliger gesetzlicher oder vertraglicher ) monatlich zu bezahlen:
– Fr. 1'000.– rückwirkend vom 1. Mai 2012 bis 30. Juni 2018, – Fr. 1'200.– vom 1. Juli 2018 bis zum ordentlichen Abschluss einer an-
gemessenen Ausbildung (auch über die Mündigkeit hinaus). Die Unterhaltsbeiträge sind an die Mutter des Klägers zahlbar, und zwar
monatlich im Voraus jeweils auf den Ersten eines jeden Monats. Die  gelten über die Mündigkeit hinaus, solange der Kläger im Haushalt der Mutter lebt und keine eigenen Ansprüche gegenüber dem  stellt bzw. keinen anderen Zahlungsempfänger bezeichnet.
3. [Gerichtsübliche Indexierung] 4. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 1'000.– (Pauschalgebühr) festgesetzt. All-
fällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 5. Die Kosten werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Der Anteil des Klä-
gers wird jedoch zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse genommen. Eine Rückforderung gestützt auf Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten.
6. Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen. 7. [Schriftliche Mitteilung] 8. [Rechtsmittelbelehrung]
Berufungsanträge:
des Beklagten und Berufungsklägers (Urk. 55):
"Ich beantrage, der Unterhaltsbeitrag für B._ zu reduzieren auf maximal Fr. 700.--."
des Klägers und Berufungsbeklagten (Urk. 66):
"1. Es sei der Antrag des Berufungsklägers abzuweisen. 2. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon, Einzelgericht, vom 07. August 2015 zu bestätigen. 3. Es sei dem Berufungsbeklagten die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren."
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## Considerations

Erwägungen:
I.
1. Am 30. April 2013 reichte der Kläger beim Bezirksgericht Dietikon (Vor-
instanz) eine Klage auf Feststellung der Vaterschaft des Beklagten und Verpflich-
tung desselben zur Zahlung von Unterhalt ein (Urk. 1). Für den weiteren Verlauf
des erstinstanzlichen Verfahrens kann auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids verwiesen werden (Urk. 56 S. 3). Mit Urteil vom 7. August 2015 stellte
die Vorinstanz die Vaterschaft des Beklagten fest und verpflichtete diesen zur
Zahlung von Unterhalt für den Kläger (Urk. 53 = Urk. 56).
2. Am 21. September 2015 erhob der Beklagte fristgerecht Berufung mit dem
eingangs aufgeführten Berufungsantrag (Urk. 55). Am 2. Oktober 2015 wurde der
Beklagte zur Leistung des Prozesskostenvorschusses verpflichtet, der innert Frist
einging (Urk. 58, 64). Mit Datum vom 7. Oktober 2015 ging eine weitere Eingabe
des Beklagten ein (Urk. 59 - 61). Der Kläger erstattete die Berufungsantwort am
20. November 2015 (Urk. 65 - 67). Ebenfalls unterm 20. November 2015 reichte
der Beklagte erneut zwei Eingaben ein (Urk. 69 - 71, 72/73). Mit Verfügung vom
25. November 2015 wurden die Berufungsantwort sowie die Eingaben des Be-
klagten der jeweiligen Gegenpartei zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 74).
3. Die Einlegung der Berufung hemmt den Eintritt der Rechtskraft nur im Um-
fang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 ZPO). Die Berufung richtet sich gegen die Höhe
der Unterhaltsbeiträge. Nicht angefochten wurde die Feststellung der Vaterschaft.
Dispositiv-Ziffer 1 ist somit mit Ablauf der Anschlussfrist am 24. November 2015
rechtskräftig geworden, was vorzumerken ist.
II.
1. Für die Festsetzung der Unterhaltsbeiträge war die Vorinstanz auf Seiten
des Beklagten von einem durchschnittlichen Einkommen von Fr. 4'500.-- netto pro
Monat und einem Notbedarf von Fr. 3'040.55 ausgegangen (Urk. 56 S. 5, 7). In
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diesem Bedarf waren die vom Beklagten geltend gemachten Unterhaltsbeiträge
von Fr. 1'357.-- für seine Kinder aus erster Ehe nicht berücksichtigt worden. Die
Vorinstanz erwog hierzu, das vom Beklagten eingereichte Scheidungsurteil des
Amtsgerichts Reutlingen vom 22. April 2002 äussere sich nicht zu allfälligen Kin-
derbelangen. Auf entsprechende Aufforderung habe der Beklagte mitgeteilt, er
verfüge nicht über ein behördliches Dokument oder einen Rechtstitel; er habe sich
mit seiner Ex-Frau über die Kinderunterhaltsbeiträge geeinigt. Der Beklagte habe
damit nicht rechtsgenügend nachgewiesen, dass er zu Unterhaltszahlungen ver-
pflichtet sei. Insbesondere liege keine Urkunde vor, welche eine Vaterschaft des
Beklagten gegenüber weiteren Kindern (als dem Kläger) belegen würde (Urk. 56
S. 7).
2. In der Berufung macht der Beklagte erneut geltend, dass auch der Unterhalt
für seine beiden Kinder in Deutschland zu berücksichtigen sei (Urk. 55). Der Klä-
ger hält dem in Übereinstimmung mit der Vorinstanz entgegen, dass der Beklagte
trotz Aufforderung des Gerichts keinen rechtsgenügenden Beweis für die von ihm
behauptete Unterhaltsverpflichtung eingereicht habe (Urk. 66).
3. In Kinderbelangen gilt unabhängig von der Art des Verfahrens der Untersu-
chungs- und Offizialgrundsatz (Art. 296 ZPO). Die Untersuchungsmaxime schreibt
dem Gericht vor, den Sachverhalt von Amtes wegen zu erforschen (Art. 296
Abs. 1 ZPO). Die Untersuchungspflicht reicht so weit und dauert so lange, bis
über die Tatsachen, deren Kenntnis für eine Entscheidung im Kindeswohl von
Bedeutung ist, hinreichende Klarheit besteht (BGer 5A_834/2012 vom 26. Febru-
ar 2013, E. 3.1). Das Gericht ist dabei nicht nur berechtigt, sondern geradezu ver-
pflichtet, alle nötigen Abklärungen zu treffen. Die Untersuchungsmaxime gilt auch
zugunsten des Unterhaltspflichtigen (BGE 128 III 411 = Pra 2003 Nr. 5, E. 3.2.1).
Hingegen entbindet die Untersuchungsmaxime die Parteien nicht von der Pflicht,
aktiv am Verfahren mitzuwirken und ihre eigenen Behauptungen darzulegen
(a.a.O.).
4. Die Grundsätze zur Bemessung des elterlichen Unterhaltsbeitrages sind in
Art. 285 Abs. 1 ZGB geregelt. Nach der Rechtsprechung ergibt sich aus dieser
Vorschrift, dass alle unterhaltsberechtigten Kinder eines Elternteils im Verhältnis
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zu ihren objektiven Bedürfnissen finanziell gleich zu behandeln sind (BGE 137 III
59, E. 4.2). Über die Schranke der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des unter-
haltspflichtigen Elternteils kann sich das Gericht bei der Bemessung des Unter-
haltsbeitrages für die Kinder nach Art. 285 Abs. 1 ZGB aber in aller Regel nicht
hinwegsetzen. Dem Rentenschuldner ist mit Bezug auf alle familienrechtlichen
Unterhaltskategorien zumindest das betreibungsrechtliche Existenzminimum stets
voll zu belassen (a.a.O.). Zur Frage, ob in Ausbildung befindliche 18- bis 20-
jährige Kinder den unmündigen Kindern gleichgestellt werden, ist festzuhalten,
dass die überwiegende Lehre sowie das Bundesgericht bei knappen Verhältnis-
sen – und in Übereinstimmung mit dem Gesetzeswortlaut von Art. 277 ZGB –
vom Vorrang des Unmündigenunterhalts ausgehen (BGer 5C.5/2003 vom 8. Mai
2003, E. 3.3; BGer 5C.238/2003 vom 27. Januar 2004, E. 2.2.1; BK-Hegnauer,
Art. 276 ZGB N 68, Art. 277 ZGB N 102 und Art. 285 ZGB N 10; Hausheer/ Spy-
cher, Handbuch des Unterhaltsrechts, Rz. 08.28 m.w.H.; BSK ZGB I-Breitschmid,
Art. 276 N 19 m.w.H.). Eine etwas andere Regelung gilt nach deutschem Recht.
Nach § 1603 Abs. 2 BGB stehen den minderjährigen unverheirateten Kindern voll-
jährige unverheiratete Kinder bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gleich, so-
lange sie im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben und sich in der all-
gemeinen Schulausbildung befinden.
5. Der Beklagte machte in seiner Eingabe vom 15. August 2013 an die Vor-
instanz geltend, dass er Vater von 17-jährigen Zwillingen sei, die in der Nähe von
... [D] lebten. Er besuche seine Töchter alle zwei Wochen an deren Wohnort. Die
Zwillinge entstammten der im Jahr 2002 geschiedenen Ehe. Er bezahle Unter-
haltsbeiträge von Euro 550.– monatlich pro Kind. Die Zwillinge würden sich noch
in Ausbildung am Gymnasium befinden und hernach studieren (Urk. 16 S. 5). Der
Beklagte verwies dazu auf das Scheidungsurteil sowie auf die Zahlungsbestäti-
gung der Kindsmutter und auf einen Dauerauftrag an die Kreissparkasse ...
(a.a.O.). Der Beklagte hat somit die auch im Bereich der Untersuchungsmaxime
geforderten relevanten Behauptungen vorgebracht. Die Vorbringen sind genü-
gend konkret und teilweise belegt, so dass sie nicht übergangen werden können.
Bei der Beurteilung der Leistungsfähigkeit sind jedenfalls rechtlich geschuldete
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Unterstützungsbeiträge zu berücksichtigen (FamKomm Scheidung/Wullschleger,
Art. 285 ZGB N 39).
6. a) Neben diesen Vorbringen geht aus den Akten hervor, dass die Kinds-
mutter und die Kreissparkasse Zahlungen von monatlich € 1'100.– für Unterhalt
bestätigen (Urk. 17/13+14). Gemäss Steuererklärung 2011/2012 sind die Zwillin-
ge D._ und E._ am tt.mm.1996 geboren (Urk. 21/1+2). Sie sind also
mittlerweile 19 Jahre alt. Im Jahre 2011 erfolgte ein Abzug von € 13'322.– für
minderjährige Kinder, im Jahre 2012 € 15'840.– für den geschiedenen Ehegatten,
wobei fraglich ist, ob es sich bei letzterem Betreff um einen Verschrieb in der
Steuererklärung handelt. Zudem ging der Kläger selbst in der Klagebegründung
davon aus, dass der Beklagte 17-jährige Zwillinge habe, für die er unterstüt-
zungspflichtig sei, und er berücksichtigte in der Unterhaltsberechnung Unterhalts-
beiträge von je Fr. 675.50 (Urk. 1 S. 3). Ebenso anerkannte er im Rahmen einer
Stellungnahme zu den finanziellen Verhältnissen vom 17. Juli 2014 einen Betrag
von Fr. 1'320.– für die Alimente der Zwillinge (Urk. 40 S. 4). Bei dieser Sachlage
kann die vorgebrachte Vaterschaft und die damit in Zusammenhang stehende Un-
terhaltsverpflichtung nicht einfach übergangen werden. Die Vorinstanz wäre bei
Zweifeln an der Vaterschaft vielmehr gehalten gewesen, von Amtes wegen die
notwendigen Personenstandsurkunden aus den (auch deutschen) Registern bei-
zuziehen.
b) Im Laufe des Berufungsverfahrens reichte die Beklagte zwei Abschrif-
ten einer vollstreckbaren Urkunde über die Verpflichtung zu Unterhaltsleistungen
des Kreisjugendamtes ... (Ausstellungdatum 5. Oktober 2015) ein. Darin ver-
pflichtet er sich, für seine Töchter E._ und D._ ab 1. Oktober 2010 Un-
terhalt von je € 550.– zu bezahlen, und er unterwirft sich der sofortigen Zwangs-
vollstreckung (Urk. 61/1-4, Urk. 71/1, Urk. 73). Zudem reichte er eine Bestätigung
der Kindsmutter, F._, über die regelmässige Zahlung des monatlichen Kin-
derunterhalts von € 550.– pro Kind vom 23. September 2015 ein (Urk. 71/2, Urk.
73 [letztes Blatt]). Die Urkunden wurden dem Kläger mit Verfügung vom 25. No-
vember 2015 zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 74), ohne dass seinerseits eine
Reaktion erfolgt wäre. Da der Vorinstanz eine Verletzung der Untersuchungsma-
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xime vorzuwerfen ist, müssen auch diese, erst im Berufungsverfahren eingereich-
ten Urkunden bei der Urteilsfindung berücksichtigt werden.
7. Indem die Vorinstanz in Missachtung des Untersuchungsgrundsatzes keine
näheren Abklärungen zur geltend gemachten Vaterschaft getroffen hat, hat sie
den Sachverhalt unrichtig festgestellt (Art. 310 lit. b ZPO). Die Berufung ist be-
gründet und der vorinstanzliche Entscheid aufzuheben.
8. Gemäss Art. 318 Abs. 1 lit. b ZPO kann die Rechtsmittelinstanz neu ent-
scheiden, oder gemäss Art. 318 Abs. 1 lit. c Ziff. 2 ZPO die Sache an die erste In-
stanz zurückweisen, wenn der Sachverhalt in wesentlichen Teilen zu vervollstän-
digen ist.
Der Sachverhalt ist mit Bezug auf die geltend gemachte Vaterschaft zu vervoll-
ständigen. Im Falle der bei der Bedarfsermittlung zu berücksichtigenden Beiträge
an die zwei Töchter stellen sich auch Fragen zum tatsächlichen Einkommen des
Beklagten. Denn vor dem Hintergrund der Geschwistergleichbehandlung und un-
ter Berücksichtigung der deutschen Rechtslage in Bezug auf Kinder in Ausbildung
kann es nicht genügen, auf das vom Beklagten anerkannte Einkommen abzustel-
len (Urk. 55 S. 7). Da dem Rentenschuldner das Existenzminimum zu belassen
ist, sind die finanziellen Verhältnisse genau abzuklären und das Einkommen des
Beklagten festzulegen. Der Sachverhalt ist somit in einem wesentlichen Teil zu
vervollständigen. Es ist daher zur Wahrung der Zweistufigkeit des Entschei-
dungsprozesses angezeigt, den Prozess zur Ergänzung des Verfahrens und zu
neuer Entscheidung an die erste Instanz zurückzuweisen (Art. 318 Abs. 1 lit. c
Ziff. 2 ZPO).
III.
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es sich, lediglich eine Ent-
scheidgebühr für das Berufungsverfahren festzusetzen und die Regelung der
Kosten- und Entschädigungsfolgen der Vorinstanz zu überlassen, d.h. vom defini-
tiven Ausgang des Verfahrens abhängig zu machen (Art. 104 Abs. 4 ZPO; KUKO
ZPO-Schmid Art. 104 N 7).
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2. Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung der §§ 4
Abs. 1 bis 3 sowie 12 Abs. 1 und 2 GebV OG auf Fr. 2'500.– festzusetzen. Aus-
zugehen ist von einem Streitwert bei Unterhaltsbeiträgen bis zumindest dem
18. Altersjahr von rund Fr. 88'000.–.
3. Der Kläger ersucht um unentgeltliche Prozessführung für das Berufungsver-
fahren (Urk. 55 S. 3). Er gilt als einkommens- und vermögenslos. Seine Mutter
wird von den Sozialbehörden wirtschaftlich unterstützt und ist nicht in der Lage,
die Prozesskosten zu übernehmen (Urk. 66 S. 3). Dem Gesuch ist daher zu ent-
sprechen.