# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 56a89d3f-fd30-4d96-99d6-cad5e981a0c1
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Geldwäscherei etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 13. Januar 2021 (DG200156)
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Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 28. Juli 2020
(Urk. 44) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz betreffend A._: (Urk. 102 S. 71 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des mehrfachen Verbrechens im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b und c in Verbindung
mit Art. 19 Abs. 2 lit. a des Betäubungsmittelgesetzes (BetmG),
− der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB sowie
− der mehrfachen Übertretung im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 des Betäubungsmittelge-
setzes (BetmG).
2. Das Verfahren betreffend mehrfache Übertretung im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG vor
dem 13. Januar 2018 wird eingestellt.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 48 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute
527 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft erstanden sind, und mit einer Busse
von Fr. 500.–.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an
deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen, Verkehrsabteilung,
vom 9. März 2018 für eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 120.– angesetzte Pro-
bezeit wird mit Wirkung ab heute um ein Jahr verlängert.
6. Der Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB für die Dauer von
10 Jahren aus dem Gebiet der Schweiz verwiesen.
Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem (SIS)
angeordnet.
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7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, Fr. 50'000.– als Ersatzforderung für den nicht mehr vor-
handenen unrechtmässigen Vermögensvorteil an den Staat zu bezahlen.
8. Die folgenden, von der Kantonspolizei Zürich am 5. August 2019 und bei der Kantonspolizei
Zürich unter der BM Lager-Nr. B02358-2019 lagernden Gegenstände werden dem Beschul-
digten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausgegeben und
andernfalls nach Ablauf von drei Monaten vernichtet:
− Geldwechselquittungen Post sowie Western Union (Asservat-Nr. A012'889'906),
− Quittung Firma C._ AG, A Conto Zahlung Fr. 7'750.– (Asservat-Nr. A012'889'917),
− Quittung Western Union (Asservat-Nr. A012'889'928),
− Notebook, Dell, Inspiron 15 (Asservat-Nr. A012'889'939),
− Istanbulkart Nr. ...,
− Aufenthaltsbewilligung Türkei, abgelaufen.
9. Die folgenden, von der Kantonspolizei Zürich am 6. August 2019 sichergestellten und bei
der Kantonspolizei Zürich unter der BM-Lagernummer B02358-2019 lagernden Betäu-
bungsmittel werden eingezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses
Urteils zur Vernichtung zu überlassen:
− 1 Block Kokain à 1 Kilogramm brutto in Vakuumverpackung (Asservat-Nr. A012'889'519),
− 1 Minigrip mit 29 Pillen Super Vidalista, 2 Pillen Sildalist sowie 4 Behälter mit  Flüssigkeit (Asservat-Nr. A012'889'531),
− Plastiksack mit Marihuana à 142 Gramm brutto (Asservat-Nr. A012'892'125.
10. Die folgenden, von der Kantonspolizei Zürich am 5. August 2019 sichergestellten und bei
der Kantonspolizei Zürich unter der BM-Lagernummer B02358-2019 lagernden Gegenstän-
de werden eigezogen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zur
gutscheinenden Verwendung überlassen und ein allfälliger Erlös wird zur Deckung der
Verfahrenskosten verwendet:
− Geldzählmaschine, Value Counter (Asservat-Nr. A012'889'871),
− Vakuumiergerät, Solis (Asservat-Nr. A012'889'882),
− IPhone X, Apple (Asservat-Nr. A012'889'940).
11. Die beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznummer K190620-067 / 75617377
lagernden DNA-Spuren sind nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils zu vernichten.
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12. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 6'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 5'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 3'626.50 Auslagen (Gutachten DNA und Spuren)
Fr. 4'390.00 Telefonkontrolle
Fr. 1'475.00 Auslagen Fahrzeugtransport
Fr. 630.00 Auslagen Polizei (Spurensicherung Fahrzeug)
Fr. 22'441.70 amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und Mwst)
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich derjenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
14. [Mitteilungen]
15. [Rechtsmittel]"
Urteil der Vorinstanz betreffend B._: (Urk. 103 S. 30 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte B._ wird freigesprochen.
2. Die Entscheidgebühr fällt ausser Ansatz; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.00 Gebühr Vorverfahren
Fr. 1'500.00 Auslagen Kantonspolizei Zürich
Fr. 698.95 amtliche Verteidigung (Rechtsanwalt MLaw Y2._)
Fr.
8'254.45 Akonto amtliche Verteidigung (Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._)
Fr.
7'736.80
Restzahlung amtliche Verteidigung (Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._, inkl. Barauslagen und Mwst)
Fr. 1'200.00 Gebühr OGZ; Geschäfts-Nr. UB190126-O
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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3. Die Kosten des Verfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden auf die
Gerichtskasse genommen.
4. Der Beschuldigten wird eine Genugtuung von Fr. 15'600.– (zzgl. 5% Zins ab dem
22. September 2019) aus der Gerichtskasse zugesprochen.
5. Der Beschuldigten wird keine Entschädigung zugesprochen.
6. [Mitteilungen]
7. [Rechtsmittel]"
Berufungsanträge betreffend A._: (Prot. II S. 5 ff.)
a) der Staatsanwaltschaft (Urk. 104 S. 3, Urk. 136 S. 1):
"1. Abänderung von Dispositiv-Ziff. 1, zweiter Spiegelstrich des Urteils des
Bezirksgericht Zürich vom 13.01.2021 wie folgt:
«Der Beschuldigte A._ ist schuldig der gewerbsmässigen  im Sinne von Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB»
2. Eventualiter Abänderung von Dispositiv-Ziff. 1, zweiter Spiegelstrich des
Urteils des Bezirksgericht Zürich vom 13.01.2021 wie folgt:
«Der Beschuldigte A._ ist schuldig der schweren Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 2 StGB»
3. Abänderung von Dispositiv-Ziff. 3 des Urteils des Bezirksgericht Zürich vom
13.01.2021 wie folgt: «Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 65 Monaten sowie mit einer Geldstrafe von 50 Tagessät-
zen zu Fr. 30.00.»
4. Kostenfolgen zulasten des Beschuldigten."
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b) der Verteidigung (Urk. 115 S. 2 ff., Urk. 138 S. 1 f.):
"A) Berufung der Staatsanwaltschaft
Die Berufung der Staatsanwaltschaft und sämtliche Berufungsanträge der
Staatsanwaltschaft seien abzuweisen.
B) Anschlussberufung des Beschuldigten A._
1. Der Beschuldigte sei freizusprechen
a) vom Vorwurf des mehrfachen Verbrechens im Sinne von Art. 19
Abs. 1 lit. b und c in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a des
Betäubungsmittelgesetzes (BetmG)
b) vom Vorwurf der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von
Art. 305bis Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen
der mehrfachen Übertretung im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 des
Betäubungsmittelgesetzes.
Das Verfahren betreffend mehrfache Übertretung im Sinne von Art. 19a
Ziff. 1 BetmG vor dem 13. Januar 2018 sei einzustellen.
Im Falle einer Verurteilung gem. Ziff. 3.2 der Anklage sei die Unter-
suchungshaft, die Sicherheitshaft und die Dauer des vorzeitigen Straf-
antrittes von insgesamt betr. 890 Tagen anzurechnen.
3. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Busse von CHF 500.00.
Im Falle einer Verurteilung gem. Ziff. 3.2 der Anklage sei die Unter-
suchungshaft, die Sicherheitshaft und die Dauer des vorzeitigen Straf-
antrittes von insgesamt 890 Tagen anzurechnen.
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4. Die Busse sei zu bezahlen. Sollte der Beschuldigte die Busse schuld-
haft nicht bezahlen, so sei an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe
von 5 Tagen zu treten.
5. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen,
Verkehrsabteilung, vom 9. März 2018 verhängte Geldstrafe von
30 Tagessätzen zu je CHF 120.00 sei nicht zu vollziehen und die an-
gesetzte Probezeit sei nicht zu verlängern.
6. Der Beschuldigte sei nicht aus dem Gebiet der Schweiz zu verweisen
und es sei keine Ausschreibung im Schengener Informationssystem
(SIS) anzuordnen.
7. Der Beschuldigte sei nicht zu verpflichten eine Ersatzforderung für den
nicht vorhandenen unrechtmässigen Vermögensvorteil an den Staat zu
bezahlen.
8. Keine Änderung an Ziffer 8 des Dispositivs des Urteils des Bezirks-
gerichtes Zürich vom 13. Januar 2021.
9. Keine Änderung an Ziffer 9 des Dispositivs des Urteils des Bezirks-
gerichtes Zürich vom 13. Januar 2021.
10. Die folgenden von der Kantonspolizei Zürich am 5. August 2019 si-
chergestellten und bei der Kantonspolizei unter der BM-Lagernummer
B02358-2019 lagernden Gegenstände seien dem Beschuldigten nach
Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils auf erstes Verlangen herausge-
geben:
- Geldzählmaschine, Value Counter (Asservat-Nr.-A012'889'871),
- Vakuumiergerät, Solis (Asservat-Nr. A012'889'882),
- IPhone X, Apple (Asservat-Nr. A012'889'940).
11. Keine Änderung an Ziff. 11 des Dispositivs des Urteils des Bezirks-
gerichtes Zürich vom 13. Januar 2021.
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12. Keine Änderung an Ziff. 12 des Dispositivs des Urteils des Bezirks-
gerichtes Zürich vom 13. Januar 2021.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens
(Vorinstanz und Obergericht), inkl. amtliche Verteidigung seien auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
14. Der Beschuldigte sei für die Zeit der Untersuchungs- Sicherheitshaft
und für die Zeit des vorzeitigen Strafantrittes mit CHF 200.00 pro Tag
Freiheitsentzug, somit mit insgesamt Fr. 178'000.00 zu entschädigen."
Berufungsanträge betreffend B._: (Prot. II S. 8 f.)
a) der Staatsanwaltschaft (Urk. 106 S. 4, Urk. 137 S. 1):
"1. Schuldigsprechung von B._ der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne
von Art. 305bis Ziff. 1 StGB.
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten.
3. Anrechnung der erstandenen Haft.
4. Gewährung des bedingten Vollzugs der Freiheitsstrafe unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von 2 Jahren.
5. Verpflichtung zur Ablieferung einer Ersatzforderung in der Höhe von
CHF 227'760.
6. Kostenfolgen zulasten der Beschuldigten."
b) der Verteidigung (Urk. 113, Urk. 139 S. 1):
"1. B._ sei vom Vorwurf der mehrfachen Geldwäscherei i.S.v. Art. 305bis
Ziff. 1 StGB freizusprechen.
2. Von der Auferlegung einer Ersatzforderung sei abzusehen.
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3. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen gemäss erstinstanzlichem Urteil sei-
en zu bestätigen und die amtliche Verteidigung sei für das Berufungsverfah-
ren gemäss eingereichter Honorarnote zu entschädigen."

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Umfang der Berufung und Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zu den vorinstanzlichen Urteilen betreffend
A._ (nachfolgend: A._) und betreffend B._ (nachfolgend: B._)
kann zwecks Vermeidung von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz in den angefochtenen Entscheiden verwiesen werden (Urk. 102
S. 4 ff. E. I., Urk. 103 S. 3 ff. E. I.).
1.2. Mit Urteilen der Vorinstanz vom 13. Januar 2021 wurden der Beschuldigte
A._ gemäss dem eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositiv schuldig
gesprochen und die Beschuldigte B._ gemäss dem eingangs wiederge-
gebenen Urteilsdispositiv freigesprochen. Gleichentags ordnete die Vorinstanz die
Fortdauer der Sicherheitshaft des Beschuldigten A._ bis zum Strafantritt,
vorerst befristet bis zum 13. Juli 2021, an (Urk. 73). Gegen die beiden vorinstanz-
lichen Urteile meldete die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 14. Januar 2021
fristgerecht Berufung an (Urk. 81), wovon die Vorinstanz den weiteren Parteien
am 2. Februar 2021 Mitteilung machte (Urk. 97/1-2). Am 15. Februar 2021 bean-
tragte der Beschuldigte A._ den vorzeitigen Strafantritt (Urk. 86). Unterm
16. Februar 2021 teilte die Staatsanwaltschaft der Vorinstanz mit, dagegen keine
Einwendungen zu haben (Urk. 87), woraufhin die Vorinstanz dem Beschuldigten
A._ gleichentags den vorzeitigen Strafantritt bewilligte (Urk. 88). Ihre
begründeten Urteile versandte die Vorinstanz am 11. März 2021 (Urk. 98/1-2 und
99/1-2).
1.3. Innert Frist erklärte die Staatsanwaltschaft mit Eingaben vom 25. März 2021
Berufung gegen die vorinstanzlichen Urteile (Urk. 104 und 106). Mit Verfügung
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vom 27. April 2021 wurde den Beschuldigten A._ und B._ Frist ange-
setzt, um zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben wird oder um ein Nichtein-
treten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 111). Mit Eingabe vom 12. Mai 2021
verzichtete die Beschuldigte B._ sinngemäss auf eine Anschlussberufung
(Urk. 113). Der Beschuldigte A._ erhob mit Eingabe vom 18. Mai 2021 frist-
gerecht Anschlussberufung und stellte gleichzeitig Beweisanträge (Urk. 115). Mit
Verfügung vom 20. Mai 2021 wurde der Beschuldigten B._ und der Staats-
anwaltschaft je eine Kopie der Anschlussberufungserklärung des Beschuldigten
A._ zugestellt und Letzterer Frist angesetzt, um zu den Beweisanträgen des
Beschuldigen A._ obligatorisch Stellung zu nehmen (Urk. 117), welcher Auf-
forderung sie mit Eingabe vom 26. Mai 2021 nachkam (Urk. 119). Mit Verfügung
vom 31. Mai 2021 wurde die Kantonspolizei Zürich ersucht, den Polizeirapport
vom 7. März 2019 (betreffend Einbruch in Fahrzeug "J._, ...") der hiesigen
Kammer zukommen zu lassen. Die weiteren Beweisanträge des Beschuldigten
A._ wurden abgewiesen (Urk. 121). Der Rapport der Kantonspolizei Zürich
vom 7. März 2019 betreffend Fahrzeugeinbruchdiebstahl ging am 10. Juni 2021
bei der hiesigen Kammer ein und wurde im Folgenden den Parteien in Kopie zu-
gestellt (Urk. 123).
1.4. Mit Eingabe vom 9. Dezember 2021 reichte die Staatsanwaltschaft die Vi-
deoüberwachungsaufnahmen der M._ Bank zu den Akten (Urk. 127 und
129). Mit Schreiben vom 15. Dezember 2021 wurden diese in Kopie den Beschul-
digten A._ und B._ zugestellt (Urk. 130/1-2).
1.5. Am 10. Januar 2022 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit des
Beschuldigten A._ und seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur.
X._, der Beschuldigten B._ und ihres amtlichen Verteidigers, Rechtsan-
walt Dr. iur. Y1._, sowie der Stellvertretenden Staatsanwältin MLaw Anina
Oertle und des Staatsanwalts Dr. iur. Umberto Pajarola statt (Prot. II S. 5).
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2. Umfang der Berufung
2.1. Beschuldigter A._
Von der Staatsanwaltschaft angefochten wurden die Dispositiv-Ziffern 1 [nur der
zweite Spiegelstrich bzw. nur die rechtliche Qualifikation als mehrfache Geld-
wäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB] und 3 [nur die Höhe der Freiheits-
strafe, zudem wird die Ausfällung einer unbedingten Geldstrafe beantragt], vom
Beschuldigten A._ die Dispositiv-Ziffern 1 [der dritte Spiegelstrich bzw. der
Schuldspruch wegen mehrfacher Übertretung im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 des
Betäubungsmittelgesetzes (BetmG) ausgenommen], 3 [die Auferlegung der Bus-
se von Fr. 500.– ausgenommen], 5-7, 10 und 13 des vorinstanzlichen Urteils
(Urk. 104, Urk. 115 S. 2 ff., Urk. 136 S. 1, Urk. 138 S. 1 f.). Damit blieben
die Dispositiv-Ziffern 1 dritter Spiegelstrich, 2, 3 [nur betreffend die Busse von
Fr. 500.–], 4, 8-9, 11 und 12 unangefochten (vgl. auch Prot. II S. 10) und wurden
damit rechtskräftig, was in Form eines Beschlusses festzuhalten ist. Im
Berufungsverfahren zur Disposition stehen damit die Dispositiv-Ziffern 1 erster
und zweiter Spiegelstrich, 3 [die Auferlegung der Busse von Fr. 500.– ausge-
nommen], 5-7, 10 und 13 des vorinstanzlichen Entscheids.
2.2. Beschuldigte B._
Die Staatsanwaltschaft verlangt einen Schuldspruch im Sinne der Anklage [mit
der Einschränkung, dass sie betreffend Ersatzforderung keine solidarische Haf-
tung mit dem Beschuldigten A._ mehr beantragt]. Nicht angefochten wurden
die Dispositiv-Ziffern 2 [der erste Teilsatz ("Die Entscheidgebühr fällt ausser An-
satz") ausgenommen] und 5 (Urk. 106, Urk. 137 S. 1, Prot. II S. 10) des vo-
rinstanzlichen Urteils, die damit rechtskräftig wurden, was in Form eines Be-
schlusses festzuhalten ist. Im Berufungsverfahren zur Disposition stehen die Dis-
positiv-Ziffern 1, 2 [nur betreffend den ersten Teilsatz ("Die Entscheidgebühr fällt
ausser Ansatz")], 3 und 4 des vorinstanzlichen Urteils.
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3. Prozessuales
3.1. Allgemeines
Soweit für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des eingeklagten Sachver-
haltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies in An-
wendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Erwäh-
nung findet. Weiter ist an dieser Stelle festzuhalten, dass aus dem Anspruch auf
rechtliches Gehör die Pflicht des Gerichts folgt, seinen Entscheid zu begründen.
Die Begründung muss kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen
sich das Gericht hat leiten lassen und auf die es seinen Entscheid stützt. Es darf
sich aber auf die wesentlichen Gesichtspunkte beschränken und muss sich nicht
ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzen und diese widerlegen. Es kann sich mithin auf die für den
Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Ein unverhältnismässiger Motiva-
tionsaufwand kann nicht eingefordert werden. Ebenso wenig lässt sich Art. 6 Ziff.
1 EMRK in der Weise auslegen, dass eine detaillierte Antwort auf jedes Argument
gefordert würde (vgl. dazu statt Weiterer Urteil des Bundesgerichts 6B_689/2019
vom 25. Oktober 2019 E. 1.5.2., mit Hinweisen).
3.2. Anklagegrundsatz
3.2.1. Die Verteidigung des Beschuldigten A._ machte in prozessualer Hin-
sicht vor Vorinstanz wie auch heute geltend, in Bezug auf die angeklagte Geld-
wäscherei sei der Anklagegrundsatz verletzt, weil die Vortat weder umschrieben
noch belegt sei (Urk. 68 S. 9 Rz. 2.3, Urk. 138 S. 15 f. Rz. 45 ff.). Mit diesem
Einwand, der nicht verfängt, hat sich bereits die Vorinstanz zutreffend auseinan-
dergesetzt (Urk. 102 S. 7 f. E. I.2.1.-2.3.), auf deren entsprechende Ausführungen
deshalb vorab verwiesen werden kann. Rekapitulierend und teilweise ergänzend
sei lediglich festgehalten, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung kein
strikter Nachweis der Vortat erforderlich ist. Es ist mithin nicht notwendig, im De-
tail die Umstände der Vortat, insbesondere den Täter, zu kennen. Der geforderte
Zusammenhang zwischen dem Delikt, aus dem die Vermögenswerte stammen,
und der Geldwäscherei ist bewusst schwach. Das Erfordernis einer Vortat ver-
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langt lediglich den Nachweis, dass die Vermögenswerte aus einem Verbrechen
herrühren (statt Weiterer Urteil des Bundesgerichts 6B_729/2010 vom
8. Dezember 2011 E. 4.1.3. und 4.2.2.). Da der strikte Nachweis der Vortat nicht
erforderlich ist, muss diese in der Anklageschrift nicht näher beschrieben werden.
Auch die rechtliche Einordnung der Vortat muss nicht zwingend ausdrücklich aus
der Anklageschrift hervorgehen, sofern die beschuldigte Person aus der Be-
schreibung des Sachverhalts erkennen kann, dass die Vermögenswerte aus einer
Straftat stammten, die ein Verbrechen im Sinne von Art. 10 Abs. 2 StGB darstellte
(Urteil des Bundesgerichts 6B_1185/2018 vom 14. Januar 2019 E. 2.4.). Vorlie-
gend wurde dem Anklageprinzip Genüge getan, indem in der Anklageschrift fest-
gehalten wurde, dass die gewechselten Gelder in der Höhe von insgesamt
Fr. 888'808.35 aus Kokainverkauf stammten, den der Beschuldige A._ teils
selber vorgenommen habe und teils Dritte vorgenommen hätten. Der Sachver-
haltsbeschreibung lässt sich im Weiteren entnehmen, dass der Beschuldigte
A._ im April/Mai 2019 ca. 95 Gramm reines Kokain für Fr. 6'000.– an
D._ verkauft habe. Gemäss Anklagevorwurf stammen somit immerhin Fr.
6'000.– der im April/Mai 2019 bzw. insgesamt gewechselten Gelder aus eigenem
Kokainverkauf des Beschuldigten A._. Der Beschuldigte A._ hat alle für
eine effektive Verteidigung notwendigen Informationen erhalten und der Vorwurf
ist klar, was sich nicht zuletzt darin zeigt, dass sich die Verteidigung detailliert da-
zu äussern konnte.
Es ist zudem nicht Aufgabe der Anklage, die vorgebrachten Behauptungen zu
belegen oder zu beweisen. In die Anklage gehören keine Hinweise auf Beweise
oder Ausführungen, welche die Anklagebehauptungen in sachverhaltsmässiger
Hinsicht oder bezüglich der Schuld- oder Rechtsfragen stützen (Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1030/2015 vom 13. Januar 2017 E. 1.3). Dass in der Anklage-
schrift die Argumente, die auf die Vortat schliessen lassen, nicht im Einzelnen
aufgeführt sind, führt somit nicht zu einer Verletzung des Anklageprinzips.
3.2.2. Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung dargelegt, weshalb die
Anklageschrift die Grundlage für eine Verurteilung des Beschuldigten A._
wegen qualifizierter Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB nicht
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liefert (Urk. 102 S. 8 f. E. I.2.4.), auch darauf kann verwiesen werden, wobei mit
der Vorinstanz festzuhalten ist, dass in der Anklageschrift zwar umschrieben ist,
dass der Beschuldigte A._ seinen Lebensunterhalt mit Kokainverkäufen be-
stritten habe. Die Tatbestandsmerkmale von Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB sind in-
des nicht umschrieben. Dem Beschuldigten A._ wird weder vorgeworfen, die
Geldwechseltätigkeit gewerbsmässig, d.h. nach der Art eines Berufes ausgeübt
zu haben, um dadurch ein regelmässiges Einkommen zu erzielen, das ihm er-
möglichen sollte, seinen Lebensunterhalt in nicht unerheblichem Masse zu be-
streiten (BGE 129 IV 253 E. 2.1), noch, dass er durch das Geldwechseln einen
grossen Umsatz (BGE 129 IV 188 E. 3.2.1.) oder einen erheblichen Gewinn er-
zielt habe (BGE 129 IV 253 E. 2.2). Die Staatsanwaltschaft hielt heute dafür, dass
bei Eigengeldwäscherei das Qualifikationsmerkmal Gewerbsmässigkeit bereits
dann erfüllt sei, wenn der Geldwäscher aus der Vortat einen Gewinn erzielt habe.
Es könne deshalb für die Definition der Gewerbsmässigkeit nicht auf die Formel
für Vermögensdelikte zurückgegriffen werden (Urk. 136 S. 2 f. Rz. 2 ff.). Diese
Auffassung wird von der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht gestützt (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 6B_221/2010 vom 25. Januar 2011 E. 4.2.; BGE 129 IV
253 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 122 IV 211 E. 2d)). Die von der Staatsanwalt-
schaft in diesem Zusammenhang angeführten höchstrichterlichen Erwägungen
(Urteil des Bundesgerichts 6B_993/2017 vom 20. August 2019 E. 4.2.10) betref-
fen den allgemeinen schweren Fall von schwerer Geldwäscherei im Sinne von
Art. 305bis Ziff. 2 StGB und vermögen ihren Standpunkt keineswegs zu stützen.
Auf den allgemeinen schweren Fall von schwerer Geldwäscherei wird bei der
rechtlichen Würdigung einzugehen sein. Der Vorinstanz ist sodann zuzustimmen,
dass – wie ebenfalls bei der rechtlichen Würdigung zu zeigen sein wird – die Tat-
bestandsmerkmale von Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB ohnehin nicht erfüllt sind.
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II. Schuldpunkt - Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Beschuldigter A._
1.1. Anklagevorwurf
1.1. Von den Anklagevorwürfen sind im Berufungsverfahren nunmehr noch
folgende Anklagevorwürfe verfahrensgegenständlich (Urk. 44 S. 5-8):
Dem Beschuldigten A._ wird vorgeworfen, im Zeitraum vom 13. Juni 2018
bis 23. Mai 2019 fünfundzwanzigmal an verschiedenen Automaten der M._
Bank im Kanton Zürich sowie an verschiedenen Poststellen im Kanton Zürich al-
leine oder zusammen mit der Beschuldigten B._, dem Beschuldigten
E._ [rechtskräftig freigesprochen] sowie dem Beschuldigten F._ [rechts-
kräftig freigesprochen] Bargeld in der Gesamthöhe von Fr. 888'808.35 in Euro
gewechselt zu haben. Dabei habe der Beschuldigte A._ gewusst, dass diese
Gelder aus dem Verkauf von Kokain stammten, wobei der Kokainhandel teils
durch ihn selber, teils durch nicht näher bekannte Drittpersonen, vorgenommen
worden sei. Ebenso habe der Beschuldigte A._ gewusst, dass durch den
Wechsel und Bar-Transfer dieser Gelder ins Ausland sowie den Verbrauch dieser
Gelder die Herkunft verschleiert und die Einziehung erschwert worden sei, was er
zumindest in Kauf genommen habe. Der Beschuldigte A._ habe im Zeitraum
von Juni 2018 bis Mai 2019 kein geregeltes Einkommen aus einer Arbeitstätigkeit
erzielt und habe das Geld aus dem Kokainverkauf einerseits zur Bestreitung eines
grossen Teils seiner Lebenshaltungskosten verwendet und andererseits einen
Teil in weitere Kokainkäufe investiert. Des Weiteren habe der Beschuldigte
A._ im April/ Mai 2019 sowie am 9. Juni 2019 in G._ je 100 Gramm Ko-
kain (reine Menge ca. 95 Gramm Kokain) für je Fr. 6'000.– an D._ [separates
durch das Bezirksgericht Bülach rechtskräftig erledigtes Verfahren DG190064-C]
verkauft. Weiter habe der Beschuldigte A._ am 5. August 2019 mit seinem
Fahrzeug, Range Rover, Kennzeichen ..., ein Kilogramm (reine Menge
965 Gramm) Kokain sowie ca. 18 Gramm MDMA von Holland herkommend in die
Schweiz eingeführt, mit der Absicht, das Kokain zu verkaufen, wobei er gewusst
habe, dass es sich um eine Menge handle, die geeignet sei, die Gesundheit vieler
- 16 -
Menschen zu gefährden. Das MDMA habe der Beschuldigte A._ selbst zu
konsumieren beabsichtigt. Dabei habe der Beschuldigte A._ gewusst, dass
jeglicher Handel mit den genannten Betäubungsmitteln (Kokain und MDMA) wie
auch deren Einfuhr und Konsum verboten sei. Zusammenfassend habe sich der
Beschuldigte A._ der mehrfachen qualifizierten Geldwäscherei im Sinne von
Art. 305bis Ziff. 2 StGB und des mehrfachen Verbrechens nach Art. 19 Abs. 2 lit. a
BetmG schuldig gemacht.
1.2. Ausgangslage
Was den Standpunkt des Beschuldigten A._ bzw. den strittigen und den zu
erstellenden Sachverhalt betrifft, kann zunächst auf die grundsätzlich zutreffenden
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 102 S. 11 f. E. II.2.1.-2.3.).
Mit dieser ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte A._ betreffend den
Anklagevorwurf der Geldwäscherei teilweise geständig war. Vor Vorinstanz
wie auch heute hat er die Geldwechselvorgänge und die Höhe der insgesamt
gewechselten Gelder anerkannt (Prot. I S. 38, Urk. 133 S. 10). Von ihm bestritten
wurde dagegen, dass er von der (allfälligen) Vortat Kenntnis hatte bzw. eine sol-
che ernstlich für möglich hielt und in Kauf nahm. Seine Verteidigung hielt zudem
dafür, dass keine Vortat zur Geldwäscherei bewiesen sei. Den Verkauf von brutto
ca. 200 Gramm Kokain an D._ bestritt der Beschuldigte A._ vollum-
fänglich. Insbesondere liess er durch seine Verteidigung geltend machen, die
Aussagen von D._ seien nicht geeignet, ihn als Lieferanten zu identifizieren.
Die wissentliche und willentliche Einfuhr von einem Kilogramm Kokain und ca. 18
Gramm MDMA von Holland in die Schweiz – betreffend Kokain zwecks
Weiterverkaufs – stellte er ebenfalls in Abrede. Diesen Standpunkt vertritt der
Beschuldigte A._ auch im Berufungsverfahren (Urk. 133 S. 10 ff., Urk. 138
S. 12 ff. Rz. 34 ff.). Im Folgenden wird zu prüfen sein, ob sich die bestrittenen
Anklageelemente erstellen lassen.
1.3. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und massgebliche Beweismittel
Was die Vorinstanz zu den massgebenden Grundsätzen der Sachverhalts-
erstellung und den Beweiswürdigungsregeln ausführte, ist nicht zu beanstanden
- 17 -
(Urk. 102 S. 12 f. E. II.3.). Darauf kann zur Vermeidung von Wiederholungen ver-
wiesen werden.
Die Vorinstanz hat die massgeblichen Beweismittel genannt und ihren Inhalt (die
jeweils relevanten Aussagen sprachlich integriert in die Beweiswürdigung) richtig
wiedergegeben. Sie hat zutreffende Ausführungen zur Verwertbarkeit der Be-
weismittel gemacht (Urk. 102 S. 13 ff. E. II.4.-6.). Auf all dies kann uneinge-
schränkt verwiesen werden. Ergänzend ist festzuhalten, dass auch die Video-
überwachungsaufnahmen der M._ Bank als Beweismittel zur Verfügung ste-
hen (Urk. 129). Zudem ist zu konstatieren, dass – nebst den Personalbeweisen –
dem Beschuldigten A._ auch die massgeblichen Sachbeweise vorgehalten
wurden. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sämtliche Beweismittel uneinge-
schränkt verwertbar sind. Die Verteidigung des Beschuldigten A._ hielt heute
wie schon vor Vorinstanz dafür, dass die am 12. August 2019 erfolgte Information
des Polizisten K._ an D._ (fortan: D._), wonach sein Kokainliefe-
rant verhaftet worden sei (DG190064-C Urk. 5/16), zur Unverwertbarkeit der bei-
den nachfolgenden parteiöffentlichen Einvernahmen von D._ führe. D._
sei aufgrund dieser "Vorabinformation" nicht mehr frei in seinen nachfolgenden
Aussagen gewesen (Urk. 138 S. 12 Rz. 35). Entgegen der Ansicht der Verteidi-
gung stellt dies keinen in Art. 140 StPO oder in Art. 141 StPO statuierten Unver-
wertbarkeitsgrund dar. Dieser zweifellos nicht ganz optimale Ablauf ist im Rah-
men der freien richterlichen Beweiswürdigung zu berücksichtigen. Die entschei-
denden Belastungen von D._ erfolgten allesamt vor der Information, dass
sein Kokainlieferant verhaftet worden sei. In den parteiöffentlichen Einvernahmen
nach dieser Information machte D._ im Wesentlichen geltend, sich nicht
mehr erinnern zu wollen bzw. zu können und versuchte teilweise, seine früheren
Aussagen zu relativieren (Urk. 8/1 f.). Er erklärte pauschal, in seinen früheren
Einvernahmen die Wahrheit gesagt zu haben, soweit er sich daran erinnere (Urk.
8/1 F/A 8, Urk. 8/2 F/A 13 f.). Zudem blieb eine sichere Identifikation des Be-
schuldigten A._ als Kokainlieferanten durch D._ aus (Urk. 8/1), was
auch von der Verteidigung so vorgebracht wurde (Urk. 138 S. 13 Rz. 36). Die von
der Verteidigung des Beschuldigten A._ geltend gemachte Aussagekontami-
nation von D._ hat folglich keine Wirkungen entfaltet.
- 18 -
1.4. Verbrechen im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes gemäss Art. 19 Abs. 1
lit. c BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG (Verkauf von ca. 200
Gramm Kokain an D._)
Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachten Sachverhalt gestützt auf die
massgeblichen Beweismittel als erstellt. Sie würdigte die Aussagen von D._
sorgfältig, schlüssig und zutreffend und stellte diese ebenfalls korrekt jenen des
Beschuldigten A._ gegenüber. Auch die vorgebrachten Einwände der Vertei-
digung wurden angemessen in die Würdigung einbezogen. Zusammengefasst
kam die Vorinstanz zum Schluss, dass aufgrund der eingestandenen Kokainkäufe
von D._ und seiner im Rahmen der gegen ihn geführten Strafuntersuchung
gemachten detaillierten Aussagen zu seinem Kokainlieferanten, die exakt zum
Beschuldigten A._ passten, der Anklagesachverhalt erstellt sei (Urk. 102 S.
23-29 E. II.6.1.). Auf diese zutreffenden Erwägungen ist abzustellen. Ergänzend
ist Folgendes festzuhalten. Entgegen der Ansicht der Verteidigung erscheint es
durchaus plausibel, dass D._ den Beschuldigten A._ in dessen Gegen-
wart nicht belasten wollte. Dies nicht zuletzt deshalb, weil D._ gemäss seiner
unbestritten gebliebenen Sachdarstellung die zweite Kokainlieferung "auf Kom-
mission" erhalten und den vereinbarten Kaufpreis von Fr. 6'000.– nicht bezahlt hat
(DG190064-C Urk. 3/4 F/A 20 f. und Urk. 3/3 F/A 11 f.). D._ führte in der
zweiten parteiöffentlichen Einvernahme zudem aus, sich an die Kokainübergaben
nicht mehr erinnern zu wollen ("Ich möchte mich nicht mehr erinnern." Urk. 8/2
F/A 15, 19). Damit liegen mehrere Anhaltspunkte dafür vor, dass D._, wie die
Vorinstanz zutreffend festhielt, in seinem Strafverfahren nicht damit rechnete,
dass es den Strafverfolgungsbehörden gelingt, aufgrund seiner Angaben den Lie-
feranten zu identifizieren, und als dies gelang, er den Beschuldigten A._
nicht belasten wollte. Dass D._ den Beschuldigten A._ in dessen Ge-
genwart nur mit einer höchstens dreissigprozentigen Sicherheit als Kokainliefe-
ranten identifizierte, lässt aufgrund des übrigen Beweisergebnisses, nämlich dass
D._ im Rahmen seines Strafverfahrens detaillierte Informationen zum Liefe-
ranten benennen konnte, die allesamt exakt zum Beschuldigten A._ passen
und dessen Telefonnummer denn auch in seinem Handy gespeichert hatte (vgl.
dazu Urk. 102 S. 26 f. E. II.6.1.5. mit Hinweisen auf die Aktenstellen), keine
- 19 -
rechtserheblichen Zweifel daran aufkommen, dass es sich beim Beschuldigten
A._ um den Lieferanten handelt. Zu bemerken ist ferner, dass D._ den
Beschuldigten A._ bei der Gegenüberstellung zwar nur mit einer höchstens
dreissigprozentigen Sicherheit identifizierte, ihn aber auch nicht entlastete. Der
Beschuldigte A._ machte heute ähnlich wie vor Vorinstanz und in der Unter-
suchung geltend, D._ lüge und mutmasste, D._ kenne ihn von seinem
Praktikum in einer Arztpraxis in L._, wo D._ möglicherweise Patient ge-
wesen sei (Urk. 133 S. 17 f.). Dem ist entgegenzuhalten, dass nichts dafür
spricht, dass dem so war. Eine solche Konstellation würde zudem die detaillierten
Informationen, die D._ über den Beschuldigten hatte, nicht erklären. Es ist
schliesslich kein Grund ersichtlich, weshalb D._ den Beschuldigten A._
zu Unrecht belasten sollte. Diese Vorbringen des Beschuldigten A._ sind da-
her als Schutzbehauptung anzusehen. Entgegen der Darstellung der Verteidigung
ist die freimütige Zugabe des zweiten Kokainbezugs von D._ im Anschluss
an die erste Einvernahme (DG190064-C Urk. 3/2) nicht derart ungewöhnlich, dass
sie ernsthafte Zweifel an der Richtigkeit seiner Aussagen begründete. Auch wenn
die Beweggründe letztlich offen gelassen werden müssen, ist durchaus denkbar,
dass D._ reinen Tisch machen wollte. Dadurch hat er sich nämlich vor allem
selber belastet, wofür er auch die strafrechtlichen Konsequenzen getragen hat. Es
ist kein Grund ersichtlich, weshalb D._ sich selber zu Unrecht belastet haben
sollte, was die Verteidigung sinngemäss suggeriert. Es ist nicht nachvollziehbar,
welche Vorteile ihm daraus erwachsen sein sollten. Insgesamt ist der Anklagesa-
chverhalt mit der folgenden Einschränkung bewiesen. Mit der Vorinstanz ist er-
stellt, dass D._ für die ersten ca. 95 Gramm reines Kokain Fr. 6'500.– und
nicht Fr. 6'000.– zahlte (DG190064-C Urk. 3/6 F/A 19), zumal ein Punkt betroffen
ist, der für die Subsumtion unter den Tatbestand nicht relevant ist. Zudem wurde
wie gesehen beim zweiten Geschäft der Kaufpreis von Fr. 6'000.– vereinbart, von
D._ aber nicht beglichen.
- 20 -
1.5. Verbrechen im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes gemäss Art. 19 Abs. 1
lit. b BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG (Einfuhr von einem Kilo-
gramm Kokain sowie 18.6 Gramm MDMA [Ecstasy] & GBL netto von Holland in
die Schweiz)
Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachten Sachverhalt gestützt auf die
massgeblichen Beweismittel als erstellt. Es kann vorweggenommen werden, dass
den von der Vorinstanz aus dem Beweismaterial gezogenen Schlüssen zur
Sachverhaltserstellung zu folgen ist. Sorgfältig, schlüssig und zutreffend hat die
Vorinstanz die vorhandenen Beweise gewürdigt, indem sie die Aussagen des
Beschuldigten A._ mit den vorhandenen Sachbeweisen verglich und sich
auch mit den Einwänden der Verteidigung auseinandergesetzt hat (Urk. 102 S.
30-37 E. II.6.2.). Darauf sei vollumfänglich verwiesen. Die nachfolgenden Erwä-
gungen sind damit lediglich als punktuell ergänzende und rekapitulierende zu ver-
stehen. Die Anklage stützt sich hauptsächlich auf den Umstand, dass anlässlich
der am 6. August 2019 durchgeführten Untersuchung des Personenwagens Ran-
ge Rover, Kennzeichen ..., des Beschuldigten A._ aus einem Geheimfach
beim Armaturenbrett für den Beifahrerairbag ein Kilogramm Kokain brutto (965
Gramm reines Kokain) sowie 18.6 Gramm MDMA [Ecstasy] & GBL netto sicher-
gestellt wurden. Des Weiteren konnten ab dem Fachboden des Hohlraums im
Armaturenbrett für den Beifahrerairbag DNA-Spuren des Beschuldigten A._
sichergestellt werden. Die Ausführungen des Beschuldigten A._ zu den
DNA-Spuren – wonach vielleicht jemand seine Kleider genommen und an diesem
Platz gerieben habe – wirken konstruiert und lebensfremd. Gemäss den anfängli-
chen Angaben des Beschuldigten A._ hatte nur er einen Schlüssel und nur
er benützte dieses Auto (Urk. 3/3 F/A 89 ff.). Weiter ergibt sich aus dem akten-
kundigen Garantievertrag, dass der Beschuldige A._ das Auto mit dem Kilo-
meterstand von 36'830 übernommen hatte (Urk. 2/4). Gemäss Auszug des Analy-
se-Geräts der J._ AG vom 6. September 2019 erschien bei Kilometerstand
84'303 die Fehlermeldung Stromkreisunterbrechung beim Beifahrerairbag (Urk.
3/5 Anhang zur Einvernahme = Urk. 13/5). Es liegt daher nahe, dass das Geheim-
fach erst nach der Übernahme des Autos vom Beschuldigten A._ eingebaut
wurde. Demgegenüber sind die Bestreitungen des Beschuldigten A._ in wei-
- 21 -
ten Teilen sinnwidrig, widersprüchlich und lebensfremd. Insbesondere vermochte
er nicht plausibel zu erklären, weshalb jemand in sein Auto ein Geheimfach ein-
bauen und Drogen verstauen sollte, zumal es sich dabei um eine äusserst wert-
volle Fracht handelt. Auch fehlt eine plausible Erklärung dafür, wie diese ominöse
Person später wieder zu den Drogen hätte kommen sollen, ohne dass der Be-
schuldigte A._ Verdacht geschöpft hätte. Ebenso verhält es sich mit seiner
Darstellung, jemand müsse das von ihm gekaufte Viagra und MDMA an sich ge-
nommen und ohne sein Wissen in das Geheimfach gelegt haben. Weiter ist eine
taktische Weiterentwicklung in seinen Aussagen zu beobachten, indem er den
Kreis derjenigen Personen, welche Zugang zu seinem Auto gehabt haben sollen
und damit Täter sein sollen, im Laufe des Verfahrens immer weiter öffnete. Heute
versuchte die Staatsanwaltschaft anhand von Berechnungen zu bestimmen, ob
das Geheimfach im Zeitpunkt des zur Anzeige gebrachten Einbruchdiebstahls in
das Auto des Beschuldigten
A._ (Urk. 123) schon vorhanden war (Prot. II S. 17 f.). Auf diese Berechnun-
gen stützte sich auch die Verteidigung in ihrer Argumentation (a.a.O. S. 19). Ob
das Geheimfach vor oder nach dem angezeigten Autoeinbruchdiebstahl einge-
baut wurde, kann ex post nicht mehr zweifelsfrei eruiert werden, ist jedoch auch
nicht entscheidend. Auch wenn das Geheimfach schon eingebaut war, hatte der
Beschuldigte A._ mit einem leeren Fach nichts zu befürchten. Im Übrigen
musste er auch nicht damit rechnen, dass sein Auto und das eingebaute Fach
aufgrund des Autoeinbruchdiebstahls einer umfassenden Untersuchung unterzo-
gen würden. Folglich bildet die Anzeigeerstattung des Autoeinbruchsdiebstahls
entgegen der Ansicht der Verteidigung auch kein Indiz dafür, dass der Beschul-
digte
A._ vom Geheimfach nichts wusste. Insgesamt ist ohne rechtserhebliche
Zweifel davon auszugehen, dass der Beschuldigte A._ dieses Geheimfach
(möglicherweise bei seinem Cousin in Holland, welcher eine Autogarage betrieb)
anfertigen liess und die Drogen darin verstaute. Mit dem im Umfeld des Beschul-
digten A._ bekannten tatsächlichen Autohandel konnte die mit den Holland-
Reisen verbundene Beteiligung im Drogenhandel, aus welchem die vom Beschul-
digten A._ gewechselten Gelder stammen müssen, effizient getarnt werden.
- 22 -
Dazu passt auch, dass die in der Wohnung des Beschuldigten sichergestellte
Geldzählmaschine und das Vakuumiergerät Kokainrückstände aufwiesen (Urk.
2/2, 12/12 und 13/3-6). Der Beschuldigte bestätigte heute, als Arzt den Unter-
schied zwischen Viagra und MDMA zu kennen (Urk. 133 S. 15). Es ist daher nicht
glaubhaft, wenn er geltend macht, nicht gewusst zu haben, dass es sich beim
eingeführten MDMA um MDMA handelte (a.a.O.). Dies gilt umso mehr, als zudem
auch potenzfördernde Tabletten gefunden wurden, die – anders als das MDMA –
entsprechend angeschrieben waren (Urk. 12/1), und welche anerkanntermassen
dem Beschuldigten A._ gehörten (Urk. 133 S. 15). Dies belegt auch, dass er
sich mit potenzfördernden Mitteln auskannte. Aufgrund des Gesagten besteht ei-
ne für die Täterschaft des Beschuldigten A._ überzeugend sprechende Be-
weislage, für die der Beschuldigte keine annähernd plausiblen Erklärungen zu lie-
fern vermag. Fehlen Anhaltspunkte für die Richtigkeit seiner entlastenden
Behauptungen, darf das Gericht in freier Beweiswürdigung zum Schluss kommen,
dessen Vorbringen seien unglaubhaft (vgl. hierzu Urteile des Bundesgerichts
6B_1302/2020 vom 3. Februar 2021 E. 1.4.4 [nicht publ. in BGE 147 IV 176];
6B_678/2013 vom 3. Februar 2014 E. 4.4; 6B_453/2011 vom 20. Dezember 2011
E. 1.6 [nicht publ. in BGE 138 IV 47]; 6B_30/2010 vom 1. Juni 2010 E. 4.1 mit
Hinweisen; 1P.641/2000 vom 24. April 2001, publ. in: Pra 90/2001 Nr. 110, E. 3;
SCHMID/JOSITSCH, Handbuch StPO, 3. Aufl., 2017, N 231; Entscheid des EGMR
vom 8. Februar 1996, Murray gegen Vereinigtes Königreich, in: EuGRZ 1996,
S. 587, Nr. 47; MEYER-LADEWIG/HARRENDORF/KÖNIG, EMRK, Handkommentar,
4. Aufl., 2017, Art. 6 N 138 mit Hinweisen). Die Summe der den Beschuldigten
belastenden Indizien und das Fehlen einer glaubhaften Erklärung dafür lassen –
mit der Vorinstanz – keine vernünftigen Zweifel aufkommen, dass der Beschul-
digte A._ sowohl die rund ein Kilogramm Kokain als auch die 18.6 Gramm
MDMA [Ecstasy] & GBL netto wissentlich und willentlich in Holland erwarb, im
Geheimfach seines Autos verstaute, und diese von Holland herkommend in die
Schweiz einführte, um das Kokain in der Schweiz weiterzuverkaufen. Dieses
Ergebnis steht auch mit den wenigen Monaten früher erfolgten Kokainübergaben
an D._ im Einklang. Der zur Anklage gebrachte Sachverhalt ist damit erstellt.
- 23 -
1.6. Geldwäscherei
Die Vorinstanz hat auch in diesem Punkt die relevanten Beweismittel einer ein-
lässlichen und zutreffenden Würdigung unterzogen (Urk. 102 S. 37-44 E. II.6.3.),
worauf verwiesen werden kann. Die angeklagten Geldwechselvorgänge sind auf-
grund der Dokumentation der M._ Bank mit dem dazugehörigen Bild- und
Videomaterial (Urk. 11/1-2, 17, 129), der Quittungen der M._ Bank (Urk.
19/3), der Quittungen der Post AG (Urk. 13/5) sowie der Aussagen des Beschul-
digten A._, wonach er am 23. Mai 2019 zur Post gegangen sei, nachdem die
M._ Bank keine Geldwechsel mehr angeboten habe (Urk. 3/4 F/A 68) – mit
den von der Vorinstanz zutreffend aufgezeigten Einschränkungen, worauf hier
ebenfalls verwiesen sei (Urk. 102 S. 40 E. II.6.3.2. Absatz 2) – zweifelsfrei erstellt.
Sie wurden vom Beschuldigten A._ vor Vorinstanz und heute auch anerkannt
(Prot. I S. 38, Urk. 133 S. 10). Nachdem sich der Beschuldigte A._ in der Un-
tersuchung noch geständig zeigte, zumindest ab einem gewissen Zeitpunkt von
der illegalen Herkunft des gewechselten Geldes Kenntnis gehabt zu haben, be-
stätigte er dies vor Vorinstanz nicht mehr. Auch heute gab er an, von der illegalen
Herkunft keine Kenntnis gehabt zu haben (Prot. II S. 12). Die Bestreitungen des
Beschuldigten
A._ sind unglaubhaft und enthalten keinen Realitätsbezug, jedoch taktische
Weiterentwicklungen, welche sich dem Stand des jeweiligen Untersuchungser-
gebnisses anpassten. Demgegenüber ist – wie gesehen – erstellt, dass der Be-
schuldigte A._ selbst im Kokainhandel tätig war. In Korrektur zu den Ausfüh-
rungen der Vorinstanz ist festzuhalten, dass der erste Kokainverkauf an D._
den Geldwechselvorgängen nicht nachgelagert war, sondern in den Zeitraum der
Geldwechselvorgänge fällt. Aus legaler Arbeitstätigkeit erzielte er zudem kein
Einkommen, mit dem er seinen Lebensbedarf hätte decken können. Zu bemerken
ist, dass der Beschuldigte A._ nie geltend machte, dass das Geld oder einen
Teil davon aus dem Autohandel stammte, obwohl dies nahe gelegen wäre. Seine
Darstellung bezüglich H._ ist logikarm und unglaubhaft. Insbesondere ist rea-
litätsfern, dass dieser H._ zum Beschuldigten A._ gesagt haben soll, er
könne das Geld nicht selber wechseln, weil er Betreibungen habe (Prot. II S. 12).
Es ist nicht ersichtlich, weshalb dies ein Grund darstellen sollte, nicht selber Geld
- 24 -
zu wechseln. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sämtliche grossen Geldbeträge
an Automaten gewechselt wurden. Ebenso unglaubhaft sind die Vorbringen des
Beschuldigten, wonach er gedacht habe, dieser H._ habe aus steuerlichen
Gründen die Geldwechsel nicht selbst vorgenommen (a.a.O.). Unter all diesen
Umständen sind die Aussagen des Beschuldigten A._ als Schutzbehauptun-
gen zu werten. Es bestehen keine rechtserheblichen Zweifel, dass die von
Schweizer Franken in Euro gewechselten Bargeldbeträge lediglich aus dem Dro-
genhandel, konkret aus dem Kokainhandel, welcher teilweise durch den Beschul-
digten A._ und teilweise durch nicht näher bekannte Drittpersonen – was der
Beschuldigte A._ wusste – vorgenommen wurde, stammen konnten. Der zur
Anklage gebrachte Sachverhalt ist somit mit den von der Vorinstanz zutreffend
aufgezeigten Einschränkungen erstellt.
1.7. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz hat die beiden Kokainverkäufe an D._ und die Einfuhr des
Kokains und MDMA & GBL rechtlich zutreffend gewürdigt (Urk. 102 S. 46 f.
E.III.2.). Es kann vollumfänglich auf die zutreffenden und einlässlichen Ausfüh-
rungen der Vorinstanz verwiesen werden. Der Tatbestand der mehrfachen qualifi-
zierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19
Abs. 1 lit. b und c BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG ist erfüllt.
Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründe sind nicht ersichtlich.
Die Staatsanwaltschaft moniert im Berufungsverfahren, dass die Vorinstanz die
angeklagten Geldwechselvorgänge nicht als gewerbsmässige Geldwäscherei im
Sinne von Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB, eventualiter nicht als allgemein schweren
Fall von Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 2 StGB gewürdigt hat
(Urk. 104 S. 2 und Urk. 136). Die Vorinstanz hat die angeklagten Geldwechsel-
vorgänge rechtlich zutreffend als mehrfache Geldwäscherei im Sinne von
Art. 305bis Ziff. 1 StGB gewürdigt. Auf diese Ausführungen sei vorab verwiesen
(Urk. 102 S. 47-49 E. III.3.). Die folgenden Ausführungen sind als Eventualausfüh-
rungen zu verstehen, sofern eine qualifizierte Tatbegehung vom Anklagesachver-
halt umfasst wäre: Ein schwerer Fall von Geldwäscherei liegt insbesondere dann
vor, wenn der Täter durch gewerbsmässige Geldwäscherei einen grossen Umsatz
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oder einen erheblichen Gewinn erzielt (Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB). Diese Tatbe-
standsvariante erfordert entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft wie gese-
hen, dass die Geldwäscherei nach der Art eines Berufes ausgeübt wurde, um
dadurch ein regelmässiges Einkommen zu erzielen, das dem Täter ermöglichen
sollte, seinen Lebensunterhalt in nicht unerheblichem Masse zu bestreiten. Zu-
dem muss er mit seinem deliktischen Handeln einen grossen Umsatz oder einen
erheblichen Gewinn erzielt haben. Ein Umsatz von Fr. 100'000.– gilt als gross.
Ein Gewinn ist erheblich, wenn er Fr. 10'000.– erreicht (vgl. Urteil des Bundesge-
richts 6B_221/2010 vom 25. Januar 2011 E. 4.2.; BGE 129 IV 253 E. 2.2 mit Hin-
weis auf BGE 122 IV 211 E. 2d)). In der Anklageschrift wird dem Beschuldigten
A._ nicht zur Last gelegt, er habe durch die Geldwechselvorgänge regelmäs-
sige Einkünfte erzielt. Solches machte die Staatsanwaltschaft auch im Berufungs-
verfahren explizit nicht geltend (vgl. Urk. 104 S. 2 und Urk. 136). Die Staatsan-
waltschaft wirft dem Beschuldigten A._ vor, teilweise sein eigener Geldwä-
scher gewesen zu sein und mit dem Drogenhandel einen Gewinn erzielt zu haben
(vgl. a.a.O.). Ein hoher Geldwechselbetrag allein genügt nicht, um Gewerbsmäs-
sigkeit anzunehmen. In Bezug auf die angeklagten Geldwechselvorgänge (vom
13. Juni 2018 bis zum 23. Mai 2019) kann dem Beschuldigten A._ – wie ge-
sehen – einzig eine konkrete Vortat zugeordnet werden, der erste Kokainverkauf
an D._. Daraus erzielte er Fr. 6'500.–. Dieser Erlös ist nicht als gross bzw.
erheblich im Sinne der dargelegten bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu taxie-
ren. Die Verteidigung hat zudem richtig dargetan, dass wenn die Darstellung des
Beschuldigten A._ bezüglich des ominösen H._ als Schutzbehauptung
angesehen werde, ihm auch nicht in Bezug auf sein Vorbringen gefolgt werden
könne, wonach er von H._ 2% Provision für das Geldwechseln erhalten habe
(Urk. 138 S. 4 Rz. 8). Wie gesehen sind die Ausführungen des Beschuldigten
A._ zum ominösen H._ allesamt als Schutzbehauptungen zu werten.
Entsprechend wäre es widersprüchlich, in Bezug auf die vorgetragene Provision
dennoch auf die Darstellung des Beschuldigten abzustellen. Nachdem ein regel-
mässiges Einkommen aus der Geldwäscherei nicht erstellt ist, mithin der Be-
schuldigte A._ die Geldwechsel nicht nach der Art eines Berufes ausgeübt
hat, fällt die Anwendbarkeit von Art. 305bis Ziff. 2 lit. c StGB ausser Betracht. Le-
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diglich am Rande ist zudem zu bemerken, dass sich diese Beurteilung auch mit
der rechtlichen Würdigung des Kokainverkehrs deckt, welcher ebenfalls nicht als
schwerer Fall im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. c BetmG zu qualifizieren ist.
Aus der Formulierung ("insbesondere") ergibt sich, dass die Aufzählung in
Art. 305bis Ziff. 2 StGB nicht abschliessend ist, womit auch andere schwere Fälle
von Geldwäscherei als die explizit geregelten in Betracht kommen. Das Bundes-
gericht spricht in diesem Zusammenhang von einem schweren Fall in der allge-
meinen bzw. "generischen Form" ("cas générique", "forma generica"). Die Taten
müssen gemäss Rechtsprechung indes in objektiver und subjektiver Hinsicht
gleich schwer wiegen wie die Legalbeispiele (vgl. insbesondere Urteil des Bun-
desgerichts 6B_993/2017 vom 20.August 2019 E. 4.2.4. ff.). Der Beschuldigte
A._ hat
– gemäss erstelltem Sachverhalt – während fast eines Jahres insgesamt
Fr. 882'308.35 gewaschen. Es handelt sich um regelmässige Handlungen über einen längeren Zeitraum und eine beträchtliche Höhe an gewechselten Geldern.
Die Gelder wurden teilweise – soweit sie aus eigenem Kokainhandel stammten –
auf eigene Rechnung gewaschen (Eigengeldwäscherei). Wie gesehen kann dem
Beschuldigten A._ indessen nur eine konkrete Vortat zugeordnet werden, der
erste Kokainverkauf an D._, woraus er Fr. 6'500.– erzielte. Zu Gunsten des
Beschuldigten A._ muss deshalb davon ausgegangen werden, dass er nur in
geringem Umfang von den Vereitelungshandlungen profitierte (etwas anderes
lässt sich dem verbindlichen Anklagesachverhalt nicht entnehmen). Die Verteidi-
gung hat zutreffend dargelegt, dass ein hoher Geldwechselbetrag allein nicht ge-
nügt, um einen allgemein schweren Fall von Geldwäscherei anzunehmen
(Urk. 138 S. 6 Rz. 14 ff.). Erschwerende Umstände wie zum Beispiel eine arbeits-
teilige Vorgehensweise, undurchsichtige Geldwechselvorgänge oder aufwändige
Vertuschungshandlungen sind nicht ersichtlich. Vielmehr nahm der Beschuldigte
A._ sämtliche Geldwechselvorgänge selbst bei der M._ Bank oder bei
Poststellen vor. Es handelte sich um transparente, vollständig durch die Wechsel-
stellen dokumentierte, aufgezeichnete Vorgänge. Mit anderen Worten ging der
Beschuldigte A._ auch nicht besonders heimtückisch oder raffiniert vor. Sein
Vorgehen unterscheidet sich wesentlich von den Konstellationen, in denen das
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Bundesgericht einen schweren Fall in der allgemeinen respektive "generischen
Form" bejahte (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_1013/2010 vom 17. Mai 2011
E. 6.3; 6B_461/2018 vom 24. Januar 2019 E. 9.7.2 und 9.7.6). Insgesamt liegt
keine derart hohe kriminelle Energie oder Gefährlichkeit vor, dass sich eine Ana-
logie zu den gesetzlich geregelten Qualifikationsmerkmalen rechtfertigen würde.
Damit bleibt es bei der von der Vorinstanz zutreffend vorgenommenen Subsump-
tion, wonach der Tatbestand der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art.
305bis Ziff. 1 StGB erfüllt ist. Rechtfertigungs- und/oder Schuldausschlussgründe
sind nicht ersichtlich.
2. Beschuldigte B._
2.1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten B._ wird vorgeworfen, sie habe im Zeitraum vom
4. November 2018 bis 16. Februar 2019 zusammen mit ihrem Ehemann, dem
Beschuldigten A._, an verschiedenen Automaten der M._ Bank im Kan-
ton Zürich Bargeld in der Gesamthöhe von Fr. 227'760.– in Euro gewechselt. Da-
bei habe es die Beschuldigte B._ unterlassen, sich näher über die Herkunft
der Gelder zu erkundigen, obwohl sie gewusst habe, dass ihr Ehemann A._
in diesem Zeitraum weder einer geregelten Arbeit nachgegangen sei, noch ein
regelmässiges Einkommen generiert habe, noch über ein nennenswertes Vermö-
gen verfügt habe, und es keine plausible Erklärung gegeben habe, wie ihr Ehe-
mann auf legale Weise innert drei Monaten über Fr. 227'760.– hätte verfügen
können. Deshalb habe die Beschuldigte B._ in Kauf genommen, dass dieses
Geld aus einem Verbrechen gestammt habe, namentlich dem Betäubungsmittel-
handel, da ihr bekannt gewesen sei, dass der Beschuldigte A._ regelmässig
nach Holland gereist sei, wo grosse Mengen Betäubungsmittel importiert würden,
und im organisierten Betäubungsmittelhandel typischerweise mit grossen Bar-
geldsummen operiert werde. Ebenso habe die Beschuldigte B._ gewusst,
dass durch den Wechsel und die Übergabe dieser Gelder an den Beschuldigten
A._, welcher die Gelder anschliessend auf nicht näher bekannte Weise fort-
geschafft und verbraucht habe, die Herkunft dieser Gelder verschleiert und die
Einziehung erschwert worden sei, was sie zumindest in Kauf genommen habe.
- 28 -
2.2. Ausgangslage
Was den Standpunkt der Beschuldigten B._ bzw. den strittigen und den zu
erstellenden Sachverhalt betrifft, kann auf die zutreffenden Ausführungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 103 S. 6 E. II.2.). Demnach ist mit dieser da-
von auszugehen, dass die Beschuldigte B._ bezüglich der äusserlich er-
kennbaren Handlungen beim Geldwechseln geständig ist. Sie bestritt jedoch im
Untersuchungsverfahren und vor Vorinstanz, von der Illegalität der Herkunft der
Gelder beziehungsweise einer Einziehungsvereitelungshandlung gewusst bzw.
für möglich gehalten und diese in Kauf genommen zu haben und erklärte insbe-
sondere, nichts über eine Verbindung des Beschuldigten A._ zum Drogen-
bzw. Kokainhandel gewusst zu haben. Die Zugaben der Beschuldigten B._
decken sich mit den vorliegenden Sachbeweisen (vgl. dazu E. II.2.4.). Diesen
Standpunkt vertritt die Beschuldigte B._ auch im Berufungsverfahren
(Urk. 134 S. 6 ff.). Im Folgenden wird zu prüfen sein, ob sich die bestrittenen
Anklageelemente erstellen lassen.
Die Staatsanwaltschaft machte mit ihrer Berufungserklärung zusammengefasst
geltend, die Vorinstanz – welche die Beschuldigte B._ vom Anklagevorwurf
freisprach – habe alle Indizien nur jeweils einzeln betrachtet und dabei das
Gesamtbild übersehen. Die Beschuldigte habe als Ehefrau die finanziellen Ver-
hältnisse und das Umfeld des Beschuldigten A._ gekannt. Bei einer Bar-
geldmenge dieser Grössenordnung hätte sie sich bzw. ihrem Ehemann Fragen
zur Herkunft des Geldes stellen müssen, auch wenn sie davon ausgegangen sein
sollte, dass es aus dem Autohandel stamme. Die Aussagen der Beschuldigten
B._, wonach sie geglaubt habe, das Geld stamme aus dem Autohandel, sei-
en reine Schutzbehauptungen und unglaubhaft. Die Vorinstanz habe nicht
beachtet, dass der Autohandel nur in sehr geringem Umfang stattgefunden habe
und vom Beschuldigten A._ eher als (erfolgloses) Hobby betrieben worden
sei. Für einen tatsächlichen Autohandel im Umfang der gewechselten Beträge
hätten aus Sicht der Beschuldigten B._ keinerlei Anzeichen bestanden. Es
reiche nicht aus, dass sie ihren Ehemann vielleicht ein oder zwei Mal ein Auto
kaufen gesehen habe. Zusammen mit den weiteren Indizien, wie insbesondere
- 29 -
das Vakuumiergerät, der Stückelung der Noten und dem WhatsApp-Verlauf sei
klar, dass die Beschuldigte B._ nicht die naive Ehefrau gewesen sei, wie sie
sich darzustellen versuche. Auch die Rückreise der Beschuldigten B._ trotz
der Verhaftung des Beschuldigten A._ sei für sie nicht entlastend, da sie
nichts von den Vorwürfen der Geldwäscherei gegen sie selbst oder gegen Letzte-
ren gewusst habe (Urk. 106). Diesen Standpunkt vertrat die Staatsanwaltschaft
auch heute (Urk. 137).
2.3. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und massgebliche Beweismittel
Was die Vorinstanz zu den massgebenden Grundsätzen der Sachverhalts-
erstellung und den Beweiswürdigungsregeln ausführte, ist nicht zu beanstanden
(Urk. 103 S. 7 f. E. II.3.). Darauf kann zur Vermeidung von Wiederholungen ver-
wiesen werden.
Die Vorinstanz hat die massgeblichen Beweismittel genannt und ihren Inhalt (die
jeweils relevanten Aussagen sprachlich integriert in die Beweiswürdigung) richtig
wiedergegeben. Sie hat zutreffende Ausführungen zur Verwertbarkeit der Be-
weismittel gemacht (Urk. 103 S. 8 ff. E. II.4.-6.). Auf all dies kann uneingeschränkt
verwiesen werden. Ergänzend ist festzuhalten, dass auch die Videoüberwa-
chungsaufnahmen der M._ Bank als Beweismittel zur Verfügung stehen
(Urk. 129). Zudem ist zu konstatieren, dass – nebst den Personalbeweisen – der
Beschuldigten B._ auch die massgeblichen Sachbeweise vorgehalten wur-
den. Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sämtliche Beweismittel uneinge-
schränkt verwertbar sind.
2.4. Sachverhaltserstellung
2.4.1. Äusserer Sachverhalt
Die Vorinstanz hat der Beschuldigten B._ die angeklagten Geldwechselvor-
gänge gestützt auf die Dokumentation der M._ Bank und das dazugehörige
Bildmaterial (Urk. 11/1-2 und 17) zugerechnet. Diese Beweiswürdigung ist zutref-
fend und deckt sich mit dem Geständnis der Beschuldigten sowie mit den Video-
überwachungsaufnahmen der M._ Bank. Mit Verweis auf die Erwägungen
- 30 -
betreffend den Beschuldigten A._ ist zudem erstellt, dass die gewechselten
Geldbeträge aus dem Drogenhandel herrühren. Der äussere Anklagesachverhalt
ist damit erstellt.
2.4.2. Innerer Anklagesachverhalt
Die Vorinstanz erachtete den zur Anklage gebrachten inneren Sachverhalt ge-
stützt auf die massgeblichen Beweismittel als nicht erstellt. Es kann vorwegge-
nommen werden, dass den von der Vorinstanz aus dem Beweismaterial gezoge-
nen Schlüssen zur Sachverhaltserstellung zu folgen ist. Sorgfältig, schlüssig und
zutreffend hat die Vorinstanz die Aussagen der Beschuldigten B._ gewürdigt,
indem sie diese auf deren Glaubhaftigkeit überprüfte und sie insbesondere mit
den Aussagen der Mitbeschuldigten A._, E._ und F._ (fortan:
F._) sowie der aus den Sachbeweisen ergebenden Indizienlage verglich. Die
Vorbringen der Staatsanwaltschaft sowie der Verteidigung wurden ebenfalls
angemessen in die Würdigung einbezogen (Urk. 103 S. 19-28 E. II.6.3.). Auf die-
se Ausführungen ist deshalb vorab uneingeschränkt zu verweisen. Die nachste-
henden Erwägungen sind lediglich als die vorinstanzliche Beweiswürdigung
rekapitulierende und punktuell ergänzende zu verstehen.
Ganz wesentlich ist zunächst, dass sich in den gesamten umfangreichen Unter-
suchungsakten keinerlei Hinweise befinden, dass die Beschuldigte B._
Kenntnis von der Beteiligung des Beschuldigten A._ im Kokainhandel hatte.
Es liegen keine Anhaltspunkte dafür vor, dass sie von den im Zusammenhang mit
dem Beschuldigten A._ sichergestellten Betäubungsmitteln und -utensilien
sowie vom Geheimfach im Auto des Beschuldigten A._ wusste. Auch konnte
keine Verbindung zu D._ nachgewiesen werden. Insbesondere beförderte
auch die Auswertung des Mobiltelefons der Beschuldigten B._ keine An-
haltspunkte dafür zu Tage, dass sie Kenntnis vom Kokainhandel hatte, was je-
doch für gewöhnlich zu erwarten wäre, hätte sie als Ehefrau tatsächlich davon
gewusst. Soweit die Staatsanwaltschaft darauf hinwies, dass die Beschuldigte
B._ den Beschuldigten A._ in einer WhatsApp-Unterhaltung als "Mafio-
so" bezeichnet habe (Urk. 137 S. 7), ergibt sich daraus nichts zu Ungunsten der
Beschuldigten B._. Aus dem Gesamtkontext ergibt sich, dass die Beschul-
- 31 -
digte B._ darin ihren Unmut darüber kundtat, dass der Beschuldigte A._
als ausgebildeter Arzt einer Händlertätigkeit nachging ("Du bist nur ein Doktor",
"Erinnere dich soweit", "Du bist kein Händler", "Nicht Mafioso", Urk. 4/5 Anhang).
Gemäss der ihr nicht widerlegbaren Darstellung, meinte sie damit den vom Be-
schuldigten A._ betriebenen Handel mit Gebraucht- bzw. Unfallwagen (Urk.
4/5 F/A 52), worauf noch einzugehen sein wird. Dies erscheint nicht unglaubhaft,
kann doch als notorisch bezeichnet werden, dass Gebrauchtwagenhändler in Tei-
len der Gesellschaft als halbseiden angesehen werden. Die einzige Verbindung
zu Drogen stellte die Beschuldigte B._ selbst her, indem sie auf die Frage,
ob sie beim Beschuldigten A._ aussergewöhnliche Gegenstände gesehen
hatte, ausführte, dieser habe einmal das Vakuumiergerät ihrer Eltern ausgeliehen.
Er habe ihr gesagt, er wolle damit seine Unterhosen vakuumieren, um mehr Platz
im Gepäck für eine Reise zu seinen Eltern zu haben (Urk. 4/3 F/A 22 ff.). Dies
hätte sie aber – wie die Vorinstanz richtig ausführte – kaum gesagt, wenn sie im
Zeitpunkt der Geldwechselvorgänge vom Kokainhandel des Beschuldigten
A._ und damit von der illegalen Herkunft der gewechselten Gelder gewusst
hätte, zumal sie dadurch nicht nur ein Indiz für die Involvierung ihres Ehemannes
A._ in den Kokainhandel lieferte, sondern sich vor allem selbst eines strafba-
ren Verhaltens verdächtig machte. Dass sie nichts von der illegalen Drogenhan-
delstätigkeit wusste, steht auch im Einklang mit den konstanten Aussagen des
Beschuldigten A._, wonach die Beschuldigte B._ – wie auch die beiden
weiteren Personen [der Bruder der Beschuldigten B._ und dessen Kollege
F._], die ihn teilweise zum Geldwechseln begleiteten und jeweils vom Vor-
wurf der mehrfachen Geldwäscherei rechtskräftig freigesprochen wurden – nicht
gewusst habe, woher das gewechselte Geld stammte und er ihr gesagt habe,
dass das Geld aus dem von ihm betriebenen Autohandel herrührte (Urk. 7/1 S.
10, Prot. I S. 44, Urk. 134 S. 12 f.). Den ursprünglich vorgeworfenen Drogenhan-
del zusammen mit dem Beschuldigten A._ brachte die Staatsanwaltschaft
denn auch nicht zur Anklage.
Ob die Beschuldigte B._ dennoch wusste oder für möglich hielt und in Kauf
nahm, dass die gewechselten Gelder aus einem Verbrechen herrührten, ist, da
sie nicht geständig ist, aufgrund der gesamten konkreten Umstände und der Situ-
- 32 -
ation, wie sie sich der Beschuldigten B._ präsentierte, zu beurteilen. Die Be-
schuldigte B._ begleitete den Beschuldigten A._ gemäss erstelltem An-
klagesachverhalt bei den folgenden zwei Geldwechselaktionen: Am 4. November
2018 wurden Fr. 33'560.– in Euro gewechselt (erste Geldwechselaktion). Der
Geldwechselvorgang dauerte 15 Minuten. Am 16. Februar 2019 wurden zunächst
Fr. 132'300.– in Euro gewechselt. Weil dem Automaten die Euros ausgingen
(Prot. I S. 63), wurden in der Folge an einem anderen Automaten weitere
Fr. 61'900.– gewechselt (zweite Geldwechselaktion). Während der erste Geld-
wechselvorgang 55 Minuten dauerte, war der zweite nach 20 Minuten beendet.
Die Ausführungen der Beschuldigten B._, wonach sie in Bezug auf die zwei-
te Geldwechselaktion davon ausgegangen sei, dass insgesamt Fr. 15'000.– bis
Fr. 30'000.– gewechselt worden seien (Urk. 7/1 S. 6, Urk. 134 S. 14), sind nur
schwerlich mit der Tatsache zu vereinbaren, dass sie und der Beschuldigte
A._ insgesamt 75 Minuten an den Automaten standen und Geld wechselten.
Auch wenn sie allenfalls den exakten Betrag nicht wusste, muss ihr bewusst ge-
wesen sein, dass es sich um einen grossen Geldbetrag handelte. Daran ändert
nichts, dass sie beim Geldwechseln offenbar damit beschäftigt war, den Beschul-
digten A._ dazu zu überreden, sie an das Geburtstagsfest ihrer Schwester zu
begleiten (Urk. 134 S. 8). Dass sie wusste, dass es sich um einen grossen Geld-
betrag handelte, wird auch dadurch gestützt, dass die Videoaufnahmen zeigen,
dass sie aktiv beim Geldwechseln mithalf, indem sie teilweise den Automaten be-
diente und fütterte und das Wechselgeld samt Quittung entgegennahm sowie in
ihrer Tasche verstaute (Urk. 129). Dass die Beschuldigte B._ wissentlich und
willentlich beim Wechseln eines grossen (zweite Geldwechselaktion) und eines
mittelgrossen Geldbetrages (erste Geldwechselaktion) mithalf, allein daraus kann
jedoch nicht abgeleitet werden, dass sie um die illegale Herkunft des Geldes
wusste oder damit rechnete und dies in Kauf nahm. Es müssen weitere Umstände
dafür sprechen.
Gemäss der konstanten, glaubhaften und ihr nicht widerlegbaren Sachdarstellung
waren die Geldwechselaktionen nicht geplant, sondern der Beschuldigte A._
hatte ihr jeweils spontan, als sie miteinander unterwegs waren, gesagt, dass er
("schnell") Geld wechseln gehen müsse (Urk. 7/1 S. 6 f., Prot. I S. 56, Urk. 134
- 33 -
S. 11 f.). Dies wurde vom Beschuldigten A._ bestätigt (Prot. I S. 43, Urk. 133
S. 12).
Gemäss dem in Bezug auf den Beschuldigten A._ erstellten Anklagesach-
verhalt, hat er im Rahmen von elf Geldwechselaktionen rund Fr. 420'000.– alleine
(sprich ohne Hilfe eines Dritten) an Automaten gewechselt. Damit im Einklang
steht seine heutige Aussage, wonach er jeweils nicht geplant habe, jemanden
mitzunehmen und es Zufall gewesen sei, wenn er jemanden mitgenommen und
diese Person ihm dann beim Wechseln geholfen habe (Urk. 133 S. 12). Daran
ändert nichts, dass es dem Beschuldigten A._ durchaus eine Erleichterung
bedeutete, wenn eine weitere Person dabei war, weil die Transaktionen rascher
durchgeführt und das Geld besser vor Dritteingriffen geschützt werden konnte.
Gemäss der Beschuldigten B._ ging sie davon aus, dass das gewechselte
Geld aus dem vom Beschuldigten A._ betriebenen Handel mit Unfallwagen
stammte. Dazu führte sie unter anderem aus, zwei bis drei Käufe/Verkäufe aus
eigener Wahrnehmung mitbekommen zu haben. Die Autos habe er zunächst bei
ihrer Familie auf einem Parkplatz zwischengelagert, später habe er hierfür hinter
dem Denner drei Parkplätze gemietet. Weiter habe sie Anfragen von ihm auf Fa-
cebook gesehen, indem sie Zugriff auf seinen Account gehabt habe. Ferner habe
sie ein paar Mal miterlebt, wie er mit Personen wegen Autos telefoniert habe. Der
Beschuldigte A._ habe ihr auf ihre Frage hin, weshalb er Geld in Euro
wechseln müsse, geantwortet, dass wenn er in Deutschland sei, er Bargeld in Eu-
ro benötige, um Autos sogleich zu kaufen (Urk. 134 S. 7, Prot. I S. 58 und 60, Urk.
4/4 F/A 37, Urk. 7/1 S. 7, Urk. 7/2 S. 16). Entgegen der Darstellung der Staatsan-
waltschaft enthalten die Aussagen der Beschuldigten B._ keine wesentlichen
Widersprüche. Gemäss ihren im Wesentlichen gleichbleibenden Ausführungen
hatte der Beschuldigte in der Schweiz und in Deutschland Unfallwagen gekauft
und ihres Wissens anschliessend nach Holland gebracht, um sie dort reparieren
zu lassen. Sie hat zwei bis drei Unfallwagen selber gesehen (Urk. 4/3 F/A 44,
Urk. 4/4 F/A 37, Prot. I S. 59 f., Urk. 137 S. 7 f.). Diese Ausführungen lassen sich
– entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft – zudem mit jenen des Beschul-
digten A._ in Einklang bringen. Der Beschuldigte A._ ging gemäss sei-
nen Angaben etwa im Zeitraum der Geldwechselvorgänge dem Handel mit Un-
- 34 -
fallwagen nach. Er hatte in der Schweiz drei und in Deutschland zwei Autos ge-
kauft und weiterverkauft (Urk. 3/3 F/A 51). Vor seiner Verhaftung hatte er ein wei-
teres Auto in Deutschland gekauft, gab es in Reparatur und konnte es infolge sei-
ner Inhaftierung jedoch nicht mehr abholen (a.a.O. F/A 57 ff.). Die im Ausland ge-
kauften Autos hatte er mehrheitlich in Holland verkauft (Urk. 3/4 F/A 12.). Er reiste
regelmässig dorthin, hat dort Verwandte (Urk. 3/3 F/A 34 ff.), insbesondere einen
Cousin, der eine Autogarage betreibt (Prot. I S. 46). Als sich die Beschuldigte
B._ einmal bei ihm erkundigt habe, habe er ihr gesagt, dass sie wisse, dass
er mit Autos handle. Sie habe gedacht, das Geld stamme aus dem Autohandel
(Prot. I S. 44). Auch die Aussagen von E._ und F._ stützen die Aussa-
gen der Beschuldigten B._. Sie schilderten insbesondere auch, wie sie die
Autos auf den vom Beschuldigten A._ zusätzlich gemieteten Parkplätzen
beim Denner gesehen hatten oder beim Autokauf teilweise dabei waren (vgl. Urk.
7/2 S. 5, 18 und 22, Urk. 6/1 F/A 19). Weiter gaben sie wie die Beschuldigte
B._ an, davon ausgegangen zu sein, dass die gewechselten Gelder vom Au-
tokauf stammten.
Gemäss der Beschuldigten B._ ging sie davon aus, dass der Beschuldigte
A._ seinen Lebensunterhalt mit dem Autohandel bestritt (Urk. 4/5 F/A 23 f.).
Wie hoch seine Einkünfte waren, habe sie nicht gewusst (a.a.O. F/A 25). Sie hät-
ten Probleme in ihrer Beziehung gehabt. Sie habe sich vor allem auf ihr Studium
konzentriert. Er sei ihr nicht so nahe gewesen und habe ihr nicht so viel erzählt
(a.a.O. F/A 22 und 27, Urk. 134 S. 11). Dies sei – nachdem anfänglich das Geld
dafür gefehlt habe – schliesslich der Grund dafür gewesen, weshalb sie religiös
nicht geheiratet hätten (Urk. 134 S. 11). Dies wäre jedoch unbestritten die Vo-
raussetzung dafür gewesen, dass sie hätten zusammen leben dürfen. Diese Dar-
stellung deckt sich ebenfalls mit den Aussagen des Beschuldigten A._, auch
wenn er seinen Lebensunterhalt in Tat und Wahrheit nicht mit dem Autohandel zu
bestreiten vermochte. Dieser führte aus, er rede jeweils nicht viel über seine Ar-
beit. Die Beschuldigte B._ – wie auch E._ und F._ – habe gedacht,
er handle und arbeite mit Autos. Sie alle hätten gedacht, das Geld stamme aus
dem Autohandel (Prot. I S. 44). Dies passt auch zur Lebenssituation der Beschul-
digten B._ und A._. Aufgrund der fehlenden religiösen Hochzeit lebten
- 35 -
sie räumlich getrennt, die Beschuldigte B._ bei ihren Eltern. Sie verfolgte ihre
Ausbildung als Ärztin (Urk. 134 S. 3 f., Prot. I S. 21 f.). Derweilen war der Be-
schuldigte A._, nachdem er in die Schweiz gekommen war, zunächst als Ma-
ler tätig, bis er einen Unfall hatte und SUVA-Gelder erhielt. Als die finanzielle Un-
terstützung endete, versuchte er sich im Autohandel, um damit seinen Lebensun-
terhalt zu bestreiten (Urk. 133 S. 2 ff.). Sie waren finanziell nicht miteinander ver-
flochten (Urk. 7/2 S. 9 und 15). Es erscheint deshalb glaubhaft, dass die Beschul-
digte B._ davon ausging, dass der Beschuldigte A._ mit Einkünften aus
dem Autohandel seinen Lebensunterhalt bestritt. Daran ändert entgegen der An-
sicht der Staatsanwaltschaft nichts, dass die Beschuldigte B._ demgegen-
über über die Höhe der Wohnungs- und Automiete sowie die früheren SUVA-
Leistungen des Beschuldigten A._ im Bilde war.
Weiter ist zu bemerken, dass auch keine Hinweise dafür vorliegen, dass der
Beschuldigten B._ infolge ihrer Mitwirkung bei den zwei Geldwechselaktio-
nen Vorteile zukamen.
Zwar ist der gewechselte Betrag im Rahmen der zweiten Geldwechselaktion
gross. Als Erlös aus dem Verkauf von mehreren Autos über dreieinhalb Monate
ergibt sich diese Summe bei einem Verkauf pro Woche von einem Auto zu
Fr. 15'000.–. Auch wenn die tatsächliche Autohandelstätigkeit weit weniger erfolg-
reich war, ging die Beschuldigte B._ wie gesehen in nachvollziehbarer Weise
davon aus, dass der Beschuldigte A._ damit seinen Lebensunterhalt bestritt.
Auch die Stückelung der gewechselten Bargeldbeträge (nicht wenige Tausender-,
Zweihunderter- und Hunderternoten) war nicht untypisch für einen bargeldintensi-
ven Handel mit Unfallautos.
Dass die Beschuldigte B._ in Kenntnis der Verhaftung des Beschuldigten
A._ umgehend vom Irak zurück in die Schweiz reiste, ist schliesslich nur aber
immerhin ein leichtes Indiz dafür, dass sie keine Kenntnis von der illegalen Her-
kunft der gewechselten Gelder hatte, zumal sie, wie ihre Verteidigung richtig aus-
führte, aus der Verhaftung des Beschuldigten A._ entsprechende Schlussfol-
gerungen hätte ziehen können.
- 36 -
Schliesslich deuteten selbst die heutigen Ausführungen der Staatsanwaltschaft,
wonach die Beschuldigte B._ aufgrund einer Kette von Indizien zwingend
hätte misstrauisch werden müssen (Urk. 137), auf Fahrlässigkeit und nicht auf
Eventualvorsatz hin.
Insgesamt lässt sich nicht ohne rechtserhebliche Zweifel erstellen, dass die
Beschuldigte B._ wusste oder für möglich hielt und in Kauf nahm, dass die
gewechselten Gelder aus einem Verbrechen herrührten. Dies insbesondere auch
deshalb, weil sie unbestritten zweimal spontan vom Beschuldigten A._ in
Geldwechselaktionen involviert wurde. Ein allfälliges späteres Wissen oder ein
allfälliger späterer Verdacht erfüllen den subjektiven Tatbestand nicht.
Damit verbleiben unüberwindbare Zweifel daran, dass die Beschuldigte B._
von der verbrecherischen Herkunft des von Schweizer Franken in Euro gewech-
selten Bargeldes wusste oder diese für möglich hielt und in Kauf nahm. Folglich
kann der Beschuldigten B._ auch nicht nachgewiesen werden, dass sie mit
dem Wechsel und der Übergabe der Bargeldbeträge an den Beschuldigten
A._ eventualvorsätzlich die Herkunft der Gelder verschleiert und die Einzie-
hung dieser erschwert habe. Der innere Anklagesachverhalt kann somit nicht er-
stellt werden, weswegen die Beschuldigte B._ freizusprechen ist.
III. Sanktion, Vollzug und Widerruf betreffend den Beschuldigten A._
1.1. Allgemeines und Strafrahmen
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze der Strafzumessung nach Art.
47 ff. StGB und die bei Betäubungsmitteldelikten besonderen
Strafzumessungskriterien sowie den Strafrahmen des schweren Falls der Wie-
derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz differenziert und zutreffend dar-
gelegt und korrekt festgehalten, dass vorliegend die Strafe innerhalb des ordentli-
chen Strafrahmens festgesetzt werden kann (Urk. 102 S. 50-53 E. 1. f.), auf die
entsprechenden Ausführungen kann verwiesen werden. Für die Geldwäscherei
beträgt der Strafrahmen sodann Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstra-
fe.
- 37 -
Ergänzend ist zudem Folgendes festzuhalten. Die Bildung einer Gesamtstrafe ist
nur bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu
verhängen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige
Strafen ausgesprochen werden. Mehrere gleichartige Strafen liegen vor, wenn
das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen Normverstoss gleichartige
Strafen ausfällen würde. Dass die anzuwendenden Strafbestimmungen abs-
trakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht (BGE 142 IV 265 E. 2.3.2
S. 267 f.; 138 IV 120 E. 5.2 S. 122 f.; je mit Hinweisen). In Bezug auf die quali-
fizierten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz kommt von Ge-
setzes wegen als Sanktionsart jeweils nur eine Freiheitsstrafe in Betracht. Wie
zu zeigen sein wird, sind für die Geldwäschereidelikte ebenfalls jeweils Frei-
heitsstrafen auszufällen. Damit sind die Voraussetzungen für die Bildung einer
Gesamtfreiheitsstrafe gegeben.
Das Bundesgericht unterstreicht in seiner jüngeren Rechtsprechung, dass
Art. 49 Abs. 1 StGB keine Ausnahme von der konkreten Methode erlaubt. Es
schliesst die Ausfällung einer Einheitsstrafe im Sinne einer Gesamtbetrachtung
aus (BGE 144 IV 217 E. 3.5.4 S. 235 f. mit Hinweisen). Diese Rechtsprechung
wurde wiederholt bestätigt (BGE 144 IV 313 E. 1.1.2 S. 317 f. und Urteile
6B_141/2021 vom 23. Juni 2021 E. 1.3.2; 6B_712/2018 vom 18. Dezember
2019 E. 3.1; 6B_1033/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 5.2 und 5.3;
6B_166/2019 vom 6. August 2019 E. 3.2.4; 6B_409/2018 vom 7. Juni 2019
E. 2.3). Damit sind nach der "konkreten Methode" für sämtliche Delikte ge-
danklich Einzelstrafen zu bilden.
Entgegen der Ansicht der Staatsanwaltschaft können weder die Betäubungsmit-
tel- noch die Geldwäschereidelikte zusammen beurteilt werden (Urk. 136 S. 7 ff.).
Denn es liegt jeweils keine natürliche Handlungseinheit vor, da nicht von einem
einheitlichen Willensakt ausgegangen werden kann.
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1.2. Verbrechen im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes gemäss Art. 19 Abs. 1
lit. b BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG (Einfuhr von einem Kilo-
gramm Kokain sowie 18.6 Gramm MDMA [Ecstasy] & GBL netto von Holland in
die Schweiz)
Der Beschuldigte A._ transportierte 965 reines Kokain sowie 18.6 Gramm
MDMA. Folglich überschritt der Beschuldigte die gemäss Bundesgericht für einen
schweren Fall massgebende Menge von 18 Gramm reinem Kokain um ein Viel-
faches. Durch den Transport brachte er – zumindest abstrakt – die Gesundheit
einer Vielzahl von Menschen in erhebliche Gefahr, handelt es sich doch bei Koka-
in um eine harte Droge mit unbestritten stark gesundheitsgefährdender und ab-
hängigkeitserzeugender Wirkung, weshalb von einem hohen Gefährdungspoten-
zial auszugehen ist. Dass das Kokain nicht an Endabnehmer gelangte, ist in ers-
ter Linie dem Umstand geschuldet, dass es von den Strafverfolgungsbehörden
konfisziert wurde. Gemäss Tabelle von FINGERHUTH/SCHLEGEL/JUCKER wird für ei-
ne Menge von 965 Gramm reinem Kokain eine Einsatzstrafe von 42 Monaten
vorgesehen, für eine Menge von 18 Gramm reinem Amphetamin eine Einsatzstra-
fe von 6 Monaten (a.a.O., in: Orell Füssli Kommentar, Betäubungsmittelgesetz mit
weiteren Erlassen, 3. Auflage, Zürich 2016, N 45 zu Nr. 6 Art. 47 StGB). Mit der
Vorinstanz ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte A._ angesichts der
grossen Menge an eingeführtem Kokain und mit Blick auf seine Absatztätigkeit
hierarchisch auf mittlerer Stufe einzuordnen ist. Er war mit weitgehender Autono-
mie ausgestattet, zumal er eine eigene Absatztätigkeit betrieb. Zudem gilt es
Rechnung zu tragen, dass das Amphetamin ausschliesslich für den eigenen Kon-
sum bestimmt war. Unter Berücksichtigung aller denkbaren qualifizierten Wider-
handlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b
BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG wiegt das Verschulden in ob-
jektiver Hinsicht noch nicht erheblich.
Der Beschuldigte A._ handelte direktvorsätzlich und aus finanziellen Motiven.
Nicht zuletzt auch aufgrund seiner Ausbildung und seinen Englisch-Kenntnissen
hätte der Beschuldigte A._ durchaus andere – legale – Möglichkeiten gehabt,
um seine Lebenshaltungskosten zu decken. Soweit er unter anderem die Hoch-
- 39 -
zeit mit der Beschuldigten B._ dadurch finanzieren wollte, kann er jedenfalls
nichts zu seinen Gunsten ableiten.
Die subjektiven Elemente vermögen damit die objektiven Elemente nicht zu
relativieren. Bei einer Gesamtbetrachtung ist das Gesamtverschulden als noch
nicht erheblich zu qualifizieren. Eine Einsatzstrafe von 34 Monaten erscheint da-
mit angemessen.
1.3. Asperation: Verbrechen im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes gemäss
Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG (Verkauf
von ca. 200 Gramm Kokain an D._)
Weil der Beschuldigte A._ zweimal je 95 Gramm reines Kokain zu einem
ähnlich hohen Betrag an D._ verkauft hat, sich die Taten mithin nicht in mas-
sgeblicher Weise unterscheiden, beziehen sich die nachfolgenden Ausführungen
zur Tatkomponente auf beide Delikte.
Der Beschuldigte A._ verkaufte 95 Gramm reines Kokain an D._ zwecks
Weiterverkaufs. Dass D._ den Kaufpreis für die zweite Kokainmenge noch
nicht beglichen hat, fällt nicht zu Gunsten des Beschuldigten A._ in Betracht.
Dieser Umstand ist in erster Linie der Tatsache geschuldet, dass die
Strafverfolgungsbehörden einen grossen Teil der zweiten Portion bei D._
konfisziert haben und er diese folglich noch nicht weiterverkaufen konnte. Für ei-
ne Menge von 95 Gramm reinem Kokain wird eine Einsatzstrafe von 20 Monaten
vorgesehen (FINGERHUTH/ SCHLEGEL/JUCKER, a.a.O., N 45 zu Nr. 6 Art. 47 StGB).
In Übrigen kann betreffend die objektive Tatschwere auf die vorstehenden Erwä-
gungen verwiesen werden (E. III.1.2.). Unter Berücksichtigung aller denkbaren
qualifizierten Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von
Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG wiegt das
Verschulden in objektiver Hinsicht leicht.
Auch betreffend das subjektive Verschulden kann auf die vorstehenden Erwägun-
gen verwiesen werden (E. III.1.2.). Dem Beschuldigten A._ beabsichtigte,
damit einen Teil seiner Lebenshaltungskosten zu bestreiten, was ihm teilweise
- 40 -
auch gelang. Die subjektiven Elemente vermögen die objektiven Elemente nicht
zu relativieren. Bei einer Gesamtbetrachtung ist das Gesamtverschulden als leicht
zu qualifizieren. Eine Einzelstrafe von je 14 Monaten erscheint damit angemes-
sen.
Für die Asperation und die Bemessung der Gesamtstrafe ist dem Verhältnis der
einzelnen Taten untereinander, ihrem Zusammenhang, ihrer grösseren oder ge-
ringeren Selbständigkeit sowie der Gleichheit oder Verschiedenheit der verletzten
Rechtsgüter und Begehungsweisen Rechnung zu tragen. Der Gesamtschuldbei-
trag des einzelnen Delikts wird dabei geringer zu veranschlagen sein, wenn die
Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammenhang stehen (Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_323/2010 vom 23. Juni 2010 E. 3.2). Im Ergebnis
rechtfertigt es sich in Anwendung des Asperationsprinzips für jedes der beiden
Delikte die Einsatzstrafe um je 6 Monate zu erhöhen. Daraus resultiert eine Erhö-
hung der aufgrund des schwersten Delikts festgesetzten Einsatzstrafe um insge-
samt 12 Monate.
1.4. Asperation: mehrfache Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB
Zur Sanktionsart der Geldwäschereidelikte ist zunächst Folgendes festzuhalten.
Der Beschuldigte A._ ist vorbestraft, wenn auch nicht einschlägig, und hat
während laufender Probezeit die vorliegenden Taten begangen (Urk. 108). Er hat
während fast eines Jahres regelmässig Geld gewaschen, womit er eine gewisse
Hartnäckigkeit offenbart hat, weshalb sich bereits in Bezug auf das einzelne Delikt
eine Freiheitsstrafe rechtfertigt und die Ausfällung einzelner Geldstrafen verschul-
densmässig und spezialpräventiv nicht angemessen wäre.
Die schwerste Tat stellt der Geldwechselvorgang vom 16. Februar 2019 in der
M._ Bank I._ dar. Es wurden Schweizer Franken Fr. 132'300.– in Euro
gewechselt. In Bezug auf das objektive (insbesondere in Bezug auf die Stellung
und die Autonomie des Beschuldigten A._) und subjektive Tatverschulden
kann – mit der folgenden Einschränkung – grundsätzlich ebenfalls auf das zuvor
Ausgeführte verwiesen werden (E. III.1.2.), zumal die Geldwäscherei eng mit dem
Drogenhandel verknüpft ist, diente sie doch teilweise der Refinanzierung des
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Drogenhandels bzw. der Finanzierung des Lebensunterhalts des Beschuldigten
A._. Massgeblich zugunsten des Beschuldigten A._ zu berücksichtigen
ist indessen, dass sich lediglich Fr. 6'500.– der insgesamt (konkret der im Ap-
ril/Mai 2019) gewechselten Gelder zweifelsfrei der eigenen Drogenhandelstätig-
keit des Beschuldigten zuordnen lassen bzw. lediglich in diesem Umfang nach-
gewiesen ist, dass er von den Geldwechselvorgängen finanziell profitiert hat. Im
Bereich der eigenen Drogenhandelstätigkeit hat die Geldwäscherei zudem kaum
selbständige Bedeutung. Bei einer Gesamtbetrachtung und vor allem aufgrund
der Tatumstände ist das Gesamtverschulden als sehr leicht zu qualifizieren. Es
erscheint eine Einzelstrafe von vier Monaten Freiheitsstrafe als angemessen. Die
Einsatzstrafe ist damit in Anwendung des Asperationsprinzips um zwei Monate
Freiheitsstrafe zu erhöhen.
Die zweitschwerste Tat stellt der Geldwechselvorgang vom 16. September 2018
ebenfalls in der M._ Bank I._ dar. Es wurden Fr. 89'800.– gewechselt.
Es kann auf das Ausgeführte verwiesen werden (vgl. den vorstehenden Absatz).
Es erscheint eine Einzelstrafe von drei Monaten Freiheitsstrafe als angemessen.
Die Einsatzstrafe ist damit in Anwendung des Asperationsprinzips um 1 1⁄2 Monate
Freiheitsstrafe zu erhöhen.
Die drittschwerste Tat stellt der Geldwechselvorgang vom 13. April 2019 in der
M._ Bank I._ dar. Es wurden Fr. 74'460.– gewechselt. Es erscheint eine
Einzelstrafe von zwei Monaten Freiheitsstrafe als angemessen. Es kann auf das
Ausgeführte verwiesen werden (vgl. den zweiten Absatz). Die Einsatzstrafe ist
damit in Anwendung des Asperationsprinzips um 1 Monat Freiheitsstrafe zu erhö-
hen.
Aufgrund derselben Vorgehensweise und der nicht stark voneinander divergie-
renden Beträge (zwischen Fr. 12'000.– und Fr. 61'900.–) rechtfertigt sich, die wei-
teren 16 Geldwechsel an den Automaten der M._-Bank zusammen zu beur-
teilen. Auch diesbezüglich kann auf das bereits Gesagte verwiesen werden (vgl.
den zweiten Absatz). Es erscheint für jedes Delikt eine Einzelstrafe von 1 Monat
Freiheitsstrafe als angemessen. Die Einsatzstrafe ist damit in Anwendung des
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Asperationsprinzips für jedes Delikt um 1⁄2 Monat Freiheitsstrafe, mithin um insge-
samt 8 Monate Freiheitsstrafe, zu erhöhen.
Aufgrund derselben Vorgehensweise und der ähnlich hohen Beträge (zwischen
Fr. 3'449.70 und Fr. 5’749.50) rechtfertigt sich, die weiteren sechs Geldwechsel
auf verschiedenen Poststellen zusammen zu beurteilen. Auch diesbezüglich kann
auf das bereits Gesagte verwiesen werden (vgl. den zweiten Absatz). Zu berück-
sichtigen ist zusätzlich, dass der Beschuldigte A._ die Gelder in einer Postfi-
liale wechselte, die kriminelle Energie gegenüber den Vorgängen an Geldwech-
selautomaten daher als höher zu taxieren ist. Indessen wechselte er auf den
Poststellen auch deutlich geringere Beträge. Es erscheint für jedes Delikt eine
Einzelstrafe von einem halben Monat Freiheitsstrafe als angemessen. Die Ein-
satzstrafe ist damit in Anwendung des Asperationsprinzips für jedes Delikt um 1⁄4
Monat Freiheitsstrafe, mithin um insgesamt 1 1⁄2 Monate Freiheitsstrafe, zu erhö-
hen.
1.5. Zwischenfazit
Insgesamt resultiert für sämtliche Delikte eine Freiheitsstrafe von 60 Monaten.
1.6. Täterkomponente
In Bezug auf die persönlichen Verhältnisse, das Vorleben und Nachtatverhalten
des Beschuldigten A._ kann vorab – mit den nachfolgenden Einschränkun-
gen – auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden
(Urk. 102 S. 56-58 E. IV.4.). Heute ergab sich hinsichtlich der persönlichen Ver-
hältnisse des Beschuldigten A._ nichts wesentlich Neues (Urk. 133 S. 1 ff.).
Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten wirken sich strafzumessungs-
neutral aus. Das Teilgeständnis des Beschuldigten A._ in Bezug auf die
Geldwäscherei ist aufgrund der erdrückenden Beweislage in Bezug auf den
äusseren Sachverhalt nicht merklich strafmindernd zu berücksichtigen. Es hält
sich mit der nicht einschlägigen Vorstrafe in etwa die Waage.
- 43 -
1.7. Fazit
In Würdigung aller relevanten Strafzumessungsgründe ist der Beschuldigte
A._ mit 60 Monaten Freiheitsstrafe zu bestrafen. In diesem Strafbereich ist
die Freiheitsstrafe zwingend unbedingt auszusprechen. Der Anrechnung der bis-
her erstandenen Haft steht nichts entgegen.
1.8. Widerruf
Die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, weshalb es sich vorliegend rechtfertigt,
die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Schaffhausen, Verkehrs-
abteilung, vom 9. März 2018 für eine Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr.
120.– angesetzte Probezeit um ein Jahr zu verlängern (Urk. 102 S. 58-60 E. 1.-
2.4.). Auf die entsprechenden Ausführungen kann ergänzungslos verwiesen wer-
den. Einem Widerruf oder einer umfangreicheren Verlängerung der Probezeit
würde zudem das Verschlechterungsverbot entgegenstehen.
IV. Landesverweisung und Ausschreibung im Schengener  (SIS)
Die Verteidigung führte heute aus, der Beschuldigte A._ sei der Auffassung,
dass bei ihm ein Härtefall vorliege. Er sei mit der Beschuldigten B._ seit Ja-
nuar 2017 verheiratet. Durch die Länge des Strafverfahrens und auch vorher aus
religiösen Gründen habe die Ehe nicht gelebt werden können. Die Beschuldigte
B._ habe den Beschuldigten A._ praktisch wöchentlich im Gefängnis
besucht. Sie sei in der Schweiz gut integriert und arbeite als Assistenzärztin. Bei
einer Ausweisung würde sie ihm nicht folgen. Die Ehe könnte deshalb nicht gelebt
werden (Urk. 138 S. 16 f. Rz. 47).
Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen für die Anordnung und Dauer der
Landesverweisung sowie der Ausschreibung im Schengener Informationssystem
(SIS) zutreffend wiedergegeben und sich differenziert und zutreffend mit den
Voraussetzungen sowie den Vorbringen der Verteidigung vor Schranken ausei-
nandergesetzt (Urk. 102 S. 60-68 E. VI). Auf diese einlässlichen Ausführungen
kann verwiesen werden. Zu ergänzen bleibt, dass unbestritten ist, dass die Ehe
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zwischen dem Beschuldigten A._ und der Beschuldigten B._ nie gelebt
wurde. Nicht entscheidend ins Gewicht fällt, dass nach einer Zeit mit ernsthaften
Problemen ihre Beziehung zwischenzeitlich offenbar wieder besser ist und die
Beschuldigte B._ den Beschuldigten A._ regelmässig im Gefängnis be-
sucht. Weiter ist festzuhalten, dass eine Rückkehr in den Irak einer Landesver-
weisung nicht entgegensteht und diese deshalb rechtlich durchführbar ist. Der
Beschuldigte A._ verfügt über keine Flüchtlingseigenschaft. Ende 2017 kehr-
te er für die Beendigung seines Medizinstudiums in den Irak zurück. Macht er gel-
tend, er könne nicht in den Irak zurückkehren, weil dort die Situation nach wie vor
problematisch sei (Urk. 66 S. 10), dringt seine Argumentation nicht durch. Hin-
sichtlich einer Landesverweisung ist eine Einzelfallprüfung vorzunehmen. Es ist
unbehelflich, lediglich die allgemeine Lage im Heimatland zu erörtern, ohne ir-
gendwelche individuell konkret gefährdende Umstände namhaft zu machen oder
substanziieren zu können (Urteile des Bundesgerichts 6B_1024/2019 vom 29.
Januar 2020 E. 1.3.6; 6B_841/2019 vom 15. Oktober 2019 E. 2.3 betreffend Irak).
Eine individuell-persönliche Gefährdung, das heisst eine Gefährdung im Sinne
von Art. 83 Abs. 4 AIG, zeigt der Beschuldigte A._ nicht auf. Er führte heute
ausdrücklich aus, im Irak nie Probleme mit der Polizei gehabt zu haben und auch
nie bestraft worden zu sein (Urk. 133 S. 9 f.). Ferner ist festzuhalten, dass sein
Bruder mit seiner Familie nach wie vor im Irak lebt und er mit ihm auch in Kontakt
steht (a.a.O. S. 8 f.). Ein schwerer persönlicher Härtefall im Sinne von Art. 66a
Abs. 2 StGB liegt nicht vor. Nachdem ein schwerer persönlicher Härtefall verneint
wird, erübrigt es sich grundsätzlich, in einem zweiten Schritt das private Interesse
des Beschuldigten A._ an einem Verbleib in der Schweiz dem öffentlichen In-
teresse an einer Wegweisung gegenüberzustellen. Lediglich der Vollständigkeit
halber ist festzustellen, dass selbst unter der Annahme eines Härtefalls im Sinne
von Art. 66a Abs. 2 StGB eine Landesverweisung auszusprechen wäre, weil vor-
liegend ein überwiegendes öffentliches Interesse an der Wegweisung des Be-
schuldigten besteht. Das Bundesgericht hat mehrfach festgehalten, dass dies bei
Betäubungsmitteldelikten regelmässig der Fall ist (vgl. BGE 145 IV 364 E. 3.5.2
S. 372 sowie Urteil 6B_188/2021 vom 23. Juni 2021 E. 2.2.6). Dies gilt auch im
vorliegenden Fall. Der Beschuldigte A._ wird unter anderem wegen Kokain-
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einfuhr und -handels (mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz) zu 60 Monaten Freiheitsstrafe und damit zu einer empfindli-
chen Sanktion verurteilt. Wer Drogendelikte wie die vorliegenden begeht, ist ein
für die Gesellschaft gefährlicher Täter und verdient keinen Schutz seiner persönli-
chen Interessen an einem Verbleib in der Schweiz. Die Dauer der ausgesproche-
nen Landesverweisung muss verhältnismässig sein (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV, Art. 36
Abs. 3 BV, Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Unter Berücksichtigung des Verschuldens des
Beschuldigten A._, der heute auszufällenden Freiheitsstrafe und der Dauer
der Anwesenheit in der Schweiz ist die Dauer der Landesverweisung auf 10 Jahre
festzusetzen. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informa-
tionssystem (SIS) ist anzuordnen.
V. Ersatzforderung und Einziehungen
Das vorinstanzliche Urteil wird im Schuldpunkt bestätigt, womit unter Hinweis auf
die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen (Urk. 102 S. 68-69 E. VII.) der
vorinstanzliche Entscheid auch betreffend Ersatzforderung zu bestätigen ist.
Auf der Geldzählmaschine und dem Vakuumiergerät konnten Kokainspuren
festgestellt werden. Sie stehen mit dem Betäubungsmittelhandel im Zusam-
menhang. Die Geldzählmaschine diente zudem offensichtlich der Geldwäsche-
rei. Es besteht die Gefahr, dass beide Geräte in Zukunft wieder für eine De-
liktsbegehung genutzt werden. Sie sind deshalb in Anwendung von Art. 69 StGB
einzuziehen und der Lagerbehörde nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils
zur gutscheinenden Verwendung zu überlassen. Gleiches gilt für das Mobiltele-
fon IPhone X, da der Beschuldigte A._ nur über ein einziges Gerät verfüg-
te und damit mindestens die Kommunikation mit D._ erfolgte.
- 46 -
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
Die in den angefochtenen Entscheiden getroffenen Kostenregelungen (Urk. 102
S. 71 E. IX. und Urk. 103 S. 28 f. E. III. 1.1.) erweisen sich ausgangsgemäss nach
wie vor als angemessen und sind zu bestätigen.
Ebenfalls zu bestätigen ist die der Beschuldigten B._ zufolge unschuldig erlit-
tener Haft vorinstanzlich zugesprochene Genugtuung in der Höhe von
Fr. 15’600.– zuzüglich 5% Zins ab dem 22. September 2019 (Urk. 103 S. 29 f.
E. III 1.2.-1.5.).
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Gebühr für das Berufungsverfahren ist praxisgemäss auf Fr. 5'000.–
festzusetzen.
2.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Der Beschuldigte A._ unterliegt mit seiner Anschlussberufung vollständig.
Auch die Staatsanwaltschaft unterliegt betreffend den Beschuldigten A._ mit
ihrer Berufung in Bezug auf die von ihr beantragte rechtliche Würdigung und da-
mit zu rund einem Drittel, hingegen obsiegt sie in Bezug auf die Bemessung der
Strafe. In Bezug auf die Beschuldigte B._ unterliegt die Staatsanwaltschaft
vollständig.
Die Kosten des Berufungsverfahrens sind damit dem Beschuldigten A._ zu
einem Drittel aufzuerlegen (die Hälfte von zwei Dritteln) und im übrigen Umfang
auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Be-
schuldigten A._ sind zu zwei Dritteln einstweilen unter Vorbehalt der Nach-
zahlungspflicht nach Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO und zu einem Drittel definitiv auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung der Be-
schuldigten B._ sind definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
- 47 -
2.3. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten A._, Rechtsanwalt lic. iur.
X._, reichte anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung seine Honorarno-
te mit der Auflistung seiner Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren
ein (Urk. 135). Sie sind ausgewiesen und erweisen sich als angemessen. Unter
zusätzlicher Berücksichtigung des zeitlichen Aufwandes für die Dauer der
Berufungsverhandlung (samt längerem Verhandlungsunterbruch und zweimal
Hin- und Rückweg) und eines angemessen erscheinenden zeitlichen Aufwandes
für die Nachbesprechung des vorliegenden Entscheides mit dem Beschuldigten
A._ erscheint es gerechtfertigt, Rechtsanwalt lic. iur. X._ für das Beru-
fungsverfahren mit pauschal Fr. 7'600.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) zu ent-
schädigen.
2.4. Der amtliche Verteidiger der Beschuldigten B._, Rechtsanwalt Dr. iur.
Y1._, reichte mit Eingabe vom 7. Januar 2022 seine Honorarnote mit der
Auflistung seiner Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren ein
(Urk. 132). Sie sind ausgewiesen und erweisen sich als angemessen. Unter
Berücksichtigung, dass die Berufungsverhandlung etwas länger als von Rechts-
anwalt Dr. iur. Y1._ geschätzt gedauert hat (den längeren Verhandlungsun-
terbruch und ein zweites Mal Hin- und Rückweg ebenfalls berücksichtigend),
erscheint es angemessen, Rechtsanwalt Dr. iur. Y1._ für das Berufungsver-
fahren mit pauschal Fr. 4'200.– (inkl. MwSt. und Barauslagen) zu entschädigen.