# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0804ddcd-8a3b-410b-8315-eea557e995cf
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. B._ war als Kundenmaurer für die C._ AG tätig und damit
bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (nachfolgend: SUVA)
obligatorisch gegen Unfälle versichert, als ihm gemäss Unfallmeldung vom
13. Mai 2019 am 10. Mai 2019 bei Betonspitzarbeiten in D._ ein
Fremdkörper ins linke Auge spickte. Dr. med. E._, Facharzt für
Ophthalmologie, attestierte B._ eine Arbeitsunfähigkeit von
100 % bis am 22. Mai 2019; diese Arbeitsunfähigkeit wurde anschliessend
mehrmals verlängert. Die SUVA erbrachte die gesetzlichen Leistungen
(Taggeld und Heilbehandlung).
2. Mit Brief vom 23. September 2019 bzw. anfechtbarer Verfügung vom
2. Juni 2020 stellte die SUVA ihre Leistungen per 30. September 2019 ein.
Hiergegen erhob die A._ als Krankenversicherer von B._
am 26. Juni 2020 Einsprache.
3. Mit Einspracheentscheid vom 15. August 2020 wies die SUVA die
Einsprache der A._ ab.
4. Hiergegen erhob die A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) am
15. September 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden. Sie stellte folgende Rechtsbegehren:
1. Es sei der Einsprache-Entscheid aufzuheben.
2. Es sei die Beschwerdegegnerin zur Übernahme der Heilungskosten im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 10. Mai 2019 zu verpflichten.
Begründend hielt sie im Wesentlichen fest, dass sowohl das linke als auch
das rechte Auge von B._ vor dem Unfall bis auf die Notwendigkeit
des Tragens von Korrekturlinsen völlig gesund gewesen seien. So sei bis
zum Unfall im Jahr 2019 keine einzige ophthalmologische Konsultation
nötig gewesen. Eine Erosio Corneae (Hornhauterosion) mit Infiltrat, wie
sie vorliegend eindeutig und unbestritten am Tag nach dem Unfall
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festgestellt, dokumentiert und behandelt worden sei, bringe üblicherweise
innert kürzerer Zeit eine entzündliche Gewebereaktion mit sich. Damit sei
erwiesen, dass das Infiltrat vom Unfall herrühre und das Trauma so gross
gewesen sei, dass sich der Befund trotz Behandlung nach dem Unfall
vergrössert habe. Weiter machte die Beschwerdeführerin geltend, dass
das Virus Herpes Simplex 1 (HSV 1) eine weit verbreitete Spezies sei,
welche durch ein gesundes Immunsystem in Schach gehalten werde.
Gemäss allgemein anerkanntem medizinischem Verständnis könnten
sowohl lokale (Traumata, lokale Immunsuppression) wie systemische
Stressoren ein Wiederaufflammen einer HSV 1 Infektion provozieren.
Vorliegend sei mit deutlich überwiegender Wahrscheinlichkeit entweder
das erhebliche Trauma der Hornhaut selbst oder die durch den schweren,
sich zunächst verschlimmernden Verlauf der Erosio Cornea notwendige
Behandlung mit starken und immunsuppressiven Kortikosteroiden oder
auch beides in Kombination als auslösendes und adäquates Ereignis im
Sinne des erforderlichen natürlichen Kausalzusammenhangs zu werten,
die HSV 1 Infektion zu reaktivieren. Darüber hinaus hielt die
Beschwerdeführerin fest, dass der SUVA bei der Erstbeurteilung vom
20. September 2019 durch Dr. med. I._, Fachärztin für
Ophthalmologie und Ophthalmochirurgie, gewisse Unterlagen nicht
vorgelegen hätten, sodass ihr der Verlauf grösstenteils unbekannt
gewesen sei.
5. In ihrer Beschwerdeantwort vom 27. Oktober 2020 beantragte die SUVA
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde vom
15. September 2020 und die Bestätigung des Einspracheentscheids vom
15. August 2020. Begründend hielt sie im Wesentlichen fest, dass der
Status quo sine in Bezug auf die unfallbedingte Hornhauterosion am linken
Auge – sofern das angenommene Unfallereignis überhaupt
rechtsgenüglich erstellt gewesen sei – innert weniger Tage erreicht
gewesen sei. Die Hornhautentzündung sowie die herpetische
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Superinfektion seien unfallfremd; sie habe diesbezüglich nie eine
Leistungspflicht anerkannt und es gelinge der Beschwerdeführerin auch
nicht, die Unfallkausalität zu beweisen. Streitgegenstand sei
ausschliesslich das Rechtsverhältnis der Heilbehandlung (Art. 10
UVG/Art. 15 ff. UVV).
6. Am 5. November 2020 hielt die Beschwerdeführerin replicando an ihren
bisherigen Rechtsbegehren fest. Sie bestritt, dass gemäss dem Bericht
von Dr. med. E._, dem Erstuntersuchenden vom 11. Mai 2019,
ein Infiltrat bestanden habe, welches als Zeichen einer Kontaktlinsen-
assoziierten Keratitis gewertet wurde. Stattdessen sei festgehalten
worden, dass eine Erosio mit begleitendem Infiltrat ("Erosio mit Infiltrat")
bestanden habe. Die Entstehung von Infiltraten sei durch den Aufbruch
der Hornhaut (= Erosio) zu erklären. Aufbrüche der Hornhaut
prädisponierten durch den Verlust der natürlichen Barrierefunktion zu
bakteriellen und mykotischen Entzündungen der Hornhaut. Ein solches
Infiltrat könne auch bereits nach 12 bis 18 Stunden bzw. einen Tag nach
einer Läsion der Hornhaut auftreten bzw. nachweisbar sein. Da Erosio und
Infiltrat dasselbe Zentrum teilten, seien beide unfallbedingt. Im Übrigen
vertiefte die Beschwerdeführerin ihre bisherigen Standpunkte.
7. Auch die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 17. November 2020 an
ihrem bisherigen Rechtsbegehren fest. Sie bestritt die Beweiskraft der in
die Replik integrierten Handnotizen, zumal sich daraus nicht ergebe, dass
diese von Dr. med. E._ stammten und den vorliegenden,
streitigen Fall beträfen. Zudem seien sie zum Teil gar nicht lesbar. Darüber
hinaus vertiefte sie ihre bisherigen Standpunkte.
8. Mit Schreiben vom 4. November 2021 lud die Instruktionsrichterin
B._ (nachfolgend: Beigeladener) zur Teilnahme am vorliegenden
Verfahren ein. Der Beigeladene liess sich nicht vernehmen und verzichtete
auf eine Teilnahme am Verfahren.
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Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Einspracheentscheid sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 15. August 2020. Ein solcher Entscheid
kann gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) beim Versicherungsgericht
desjenigen Kantons angefochten werden, in dem die versicherte Person
oder die Beschwerde führende Dritte zur Zeit der Beschwerdeerhebung
Wohnsitz hat. Bei Beschwerdeerhebungen durch andere
Versicherungsträger, wie dies vorliegend der Fall ist, bestimmt sich die
örtliche Zuständigkeit nach dem Wohnsitz der versicherten Person (vgl.
Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 19 39 vom
15. September 2020 E.1 m.H.a. KIESER, ATSG-Kommentar, 4. Auflage,
Zürich/Basel/Genf 2020, Art. 58 Rz. 23). Der versicherte Beigeladene
wohnte im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung im Kanton Graubünden,
womit die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden gegeben ist. Die sachliche Zuständigkeit des angerufenen
Gerichts ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als
Krankenversicherung des Beigeladenen ist die Beschwerdeführerin vom
angefochtenen Einspracheentscheid berührt und sie weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Überprüfung auf (Art. 59 ATSG), da
der Einspracheentscheid unmittelbar ihre prinzipielle Leistungspflicht
begründet (vgl. BGE 134 V 153 E.5.3.1). Auf die im Übrigen frist- und
formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit einzutreten (vgl. Art. 60
und 61 ATSG).
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2. Streitig und nachfolgend zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin ihre
Leistungen zu Recht per 30. September 2019 eingestellt hat oder ob sie
verpflichtet gewesen wäre, neben den Heilbehandlungskosten für die
Hornhauterosion auch jene für die bakterielle Keratitis
(Hornhautentzündung) und die Herpesinfektion zu übernehmen (vgl. BGE
125 V 413 E.1 f. sowie Beschwerdeantwort S. 3).
3. Gemäss Art. 10 UVG hat der Versicherte Anspruch auf die zweckmässige
Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Unfall ist nach Art. 4 ATSG
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
3.1.1. Der äussere Faktor ist das zentrale Begriffscharakteristikum eines jeden
Unfallereignisses; er ist das Gegenstück zur – den Krankheits-
begriff konstituierenden – inneren Ursache (BGE 134 V 72 E.4.1.1; Urteil
des Bundesgerichts 8C_268/2019 vom 2. Juli 2019 E.3). Die Bezeichnung
der massgebenden Genese wird aber erst durch die weiter erforderliche
Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors ermöglicht. Die meisten
Krankheiten beruhen auf einer Wechselwirkung von inneren und äusseren
Faktoren; oft ist die letztlich pathogene innere Ursache ihrerseits ohne
Umwelteinflüsse nicht denkbar. Das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit wurde entwickelt, um die "tausendfältigen kleinen und
kleinsten Insulte des täglichen Lebens, die als solche gänzlich
unkontrollierbar sind und deshalb nur beim Hinzutreten von etwas
Besonderem Berücksichtigung finden sollen", aus dem Unfallbegriff
auszuscheiden. Das Merkmal des Ungewöhnlichen macht den alltäglichen
Vorgang zum einmaligen Vorfall. Einwirkungen, die aus alltäglichen
Vorgängen resultieren, taugen in der Regel nicht als Ursache einer
Gesundheitsschädigung. Liegt der Grund somit allein im Innern des
Körpers, ist Krankheit gegeben. Daran ändert die blosse Auslösung des
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Gesundheitsschadens durch einen äusseren Faktor nichts; Unfall setzt
vielmehr begrifflich voraus, dass das exogene Element so ungewöhnlich
ist, dass eine endogene Verursachung ausser Betracht fällt (BGE 134 V
72 E.4.1.1 m.w.H.; Urteile des Bundesgerichts 8C_842/2018 vom 6. Mai
2019 E.3.3.1, 8C_189/2010 vom 9. Juli 2010 E.3.4). Der äussere Faktor
ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jeweiligen Lebensbereich
Alltäglichen oder Üblichen überschreitet. Ob dies zutrifft, beurteilt sich im
Einzelfall, wobei grundsätzlich nur die objektiven Umstände in Betracht
fallen. Definitionsgemäss bezieht sich das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern
nur auf diesen selbst (vgl. BGE 142 V 219 E.4.3.1, 134 V 72 E.4.1; Urteile
des Bundesgerichts 8C_368/2020 vom 17. September 2020 E.4.2,
8C_268/2019 vom 2. Juli 2019 E.3). Ohne Belang für die Prüfung der
Ungewöhnlichkeit ist, dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende,
unerwartete Folgen nach sich gezogen hat (vgl. BGE 142 V 219 E.4.3.1;
Urteile des Bundesgerichts 8C_368/2020 vom 17. September 2020 E.4.2,
8C_545/2019 vom 14. November 2019 E.9.1, 8C_842/2018 vom 6. Mai
2019 E.3.3.1). Ausschlaggebend ist, dass sich der äussere Faktor vom
Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper
abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begründen keine
Ungewöhnlichkeit (vgl. BGE 142 V 219 E.4.3.1, 134 V 72 E.4.3.1; Urteil
des Bundesgerichts 8C_282/2017 vom 22. August 2017 E.3.1.1).
3.1.2. Die Plötzlichkeit bezieht sich auf die Einwirkung des äusseren Faktors und nicht auf den Gesundheitsschaden; auch ein nicht akuter Schaden kann
eine Leistungspflicht der Unfallversicherung auslösen, wenn nur die
Einwirkung als plötzlich zu qualifizieren ist (NABOLD, in: HÜRZELER/KIESER
[Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen Sozialversicherungsrecht,
UVG, Bern 2018, Art. 6 Rz. 14). Mit dem Kriterium der Plötzlichkeit wird
ein zeitlicher Rahmen gesteckt. Die schädigende Einwirkung muss zwar
nicht auf einen blossen Augenblick beschränkt sein, jedoch innerhalb
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eines relativ kurzen, abgrenzbaren Zeitraums erfolgen. Die
Rechtsprechung hat bisher keine zeitliche Maximaldauer festgelegt. Die
Einwirkung muss plötzlich eingesetzt haben und eine einmalige gewesen
sein (BGE 140 V 220 E.5.1 m.w.H.; Urteil des Bundesgerichts
8C_842/2018 vom 6. Mai 2019 E.3.3.3 m.w.H.).
3.2.1. Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers setzt einen natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und eingetretenem
Schaden voraus. Ursachen im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein
der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen
Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann.
Entsprechend ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige
oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt,
dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
körperliche oder geistige Integrität des Versicherten beeinträchtigt hat, der
Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch
die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele. Ob zwischen einem
schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher
Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber im
Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der freien Beweiswürdigung nach
dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der
überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse
Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungsanspruchs nicht (BGE 142 V 435 E.1, 129 V 177 E.3.1).
3.2.2. Ebenfalls mit überwiegender Wahrscheinlichkeit muss der vom
Unfallversicherer zu beweisende Wegfall des Kausalzusammenhanges
erstellt sein. Während bei der Frage, ob ein Kausalzusammenhang
überhaupt jemals gegeben ist, die versicherte Person beweisbelastet ist,
trägt die Unfallversicherung die Beweislast für einen behaupteten Wegfall
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der Kausalität aufgrund des Erreichens des Zustands, wie er vor dem
Unfall bestand oder sich ohne diesen ergeben hätte (Status quo ante vel
sine). Dabei hat der Unfallversicherer nicht den Beweis für unfallfremde
Ursachen zu erbringen. Welche Ursachen (Krankheit, Geburtsgebrechen
oder degenerative Veränderungen) ein nach wie vor geklagtes Leiden hat,
ist an sich unerheblich. Entscheidend ist allein, ob die unfallbedingten
Ursachen eines Gesundheitsschadens ihre kausale Bedeutung verloren
haben, also dahingefallen sind. Ebenso wenig muss der Unfallversicherer
den negativen Beweis erbringen, dass kein Gesundheitsschaden mehr
vorliege oder dass die versicherte Person nun bei voller Gesundheit sei
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_68/2020 vom 11. März 2020 E.3.2,
8C_840/2019 vom 14. Februar 2020 E.3.2, 8C_570/2014 vom 9. März
2015 E.6.2, 8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2 m.w.H.). Mit dem
Erreichen des Status quo ante vel sine entfällt eine Teilursächlichkeit für
die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo ante
vel sine noch nicht wieder erreicht ist, hat der Unfallversicherer gestützt
auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch
Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch
die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen. Demnach hat die
versicherte Person bis zum Erreichen des Status quo ante vel sine auch
Anspruch auf eine zweckgemässe Behandlung, die auch operative
Eingriffe umfassen kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_715/2016 vom
6. März 2017 E.4.3 m.w.H.).
4.1.1. Das sozialversicherungsrechtliche Verfahren wird vom
Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 61 ATSG). Das Gericht hat den
rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen, aus eigener Initiative
und ohne Bindung an die Vorbringen oder Beweisanträge der Parteien
abzuklären und festzustellen (vgl. BGE 144 V 427 E.3.2). Aus der
Untersuchungsmaxime folgt auch das Prinzip der freien Beweiswürdigung,
wonach das Gericht an keine förmlichen Beweisregeln gebunden ist
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(Art. 61 lit. c ATSG). Das gesamte Beweismaterial ist unvoreingenommen
und sorgfältig auf dessen Stichhaltigkeit zu prüfen. Die Verwaltung als
verfügende Instanz und im Beschwerdefall das Gericht dürfen eine
Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen
überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen
Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes vorsieht, nach dem
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse
Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste erachtet (BGE 144 V 427
E.3.2, 138 V 218 E.6; Urteile des Bundesgerichts 8C_745/2020 vom
29. März 2021 E.1.3, 9C_439/2020 vom 18. August 2020 E.1.3).
4.1.2. Gemäss Rechtsprechung hat die versicherte Person die Umstände des
als Unfall gemeldeten Ereignisses glaubhaft zu machen. Zur
Glaubhaftmachung müssen aber über das konkrete Geschehen genaue
und möglichst detaillierte Angaben namhaft gemacht werden, aufgrund
derer der Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände
ein klares Bild zu machen und diese in objektiver Weise abzuklären (vgl.
BGE 114 V 298 E.5b; Urteil des Bundesgerichts 8C_268/2019 vom 2. Juli
2019 E.3). Unvollständige, ungenaue oder widersprüchliche Angaben zum
Geschehensablauf können die Verneinung der Leistungspflicht der
Unfallversicherung zur Folge haben (vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_338/2018 vom 17. Dezember 2018 E.4.2). Im Streitfall hat das
Versicherungsgericht zu beurteilen, ob die einzelnen Merkmale des
Unfallbegriffs, speziell die Ungewöhnlichkeit des äusseren Faktors,
gegeben sind (vgl. BGE 112 V 201 E.1; Urteil des Bundesgerichts
8C_358/2016 vom 28. September 2016 E.3.4).
4.2.1. Einem ärztlichen Bericht kommt Beweiswert zu, wenn er für die streitigen
Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
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geklagten Beschwerden berücksichtigt, und in Kenntnis der Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und wenn die Schlussfolgerungen des Experten begründet
sind (BGE 134 V 231 E.5.1).
4.2.2. Auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt
schliesslich Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Die Tatsache allein, dass
der befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger
steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit
schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das
Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet
erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den
Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die
Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab
anzulegen (BGE 125 V 351 E.3b/ee). Soll ein Versicherungsfall ohne
Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E.5.2, 135 V 465 E.4.4, 125
V 351 E.3b/ee, 122 V 157 E.1d).
4.2.3. Auch eine reine medizinische Aktenbeurteilung ist gemäss
Rechtsprechung beweiskräftig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über
Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten
unbestritten sind, sodass ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhaltes geht, mithin die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt
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(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_527/2020 vom 2. November 2020
E.3.2, 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3, 8C_397/2019 vom 6. August
2019 E.4.3).
5. Vorliegend ist den Akten mit Bezug auf den Hergang des Ereignisses vom
10. Mai 2019 sowie den Beschwerde-, Behandlungs- und
Beurteilungsverlauf Folgendes zu entnehmen:
5.1. Gemäss Unfallmeldung vom 13. Mai 2019 spickte dem Beigeladenen am
10. Mai 2019 bei Betonspitzarbeiten in D._ ein Fremdkörper ins
linke Auge (vgl. beschwerdegegnerische Akten [Bg-act.] 1).
5.2. Anlässlich der Erstbehandlung beim Hausarzt F._, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin, vom 11. Mai 2019 befundete dieser was folgt:
"Auge li. mit deutlicher Reizung der Bindehaut. Keine sichtbare Beteiligung
der Hornhaut. Kein Fremdkörper gesehen, wobei das ektropieren nicht
funktioniert hat." Er überwies den Beigeladenen an Dr. med. E._
(vgl. Bg-act. 17).
5.3. Dr. med. E._, Facharzt für Ophthalmologie, befundete anlässlich
der Erstkonsultation vom 11. Mai 2019 eine Hornhauterosion (Erosio
Corneae; "Schürfung") beim linken Auge mit Infiltrat, woraufhin er eine
Therapie mittels Augentropfen (Floxal; auch mit Indophtal) und
Augensalbe (Floxal) verordnete. Am 17. Mai 2019 stellte Dr. med.
E._ fest, dass das Infiltrat grösser geworden war und ein
Hornhautödem bestand. Daraufhin verordnete er eine neue Therapie
(Vigamox, Tobrex, Floxal, Indophtal). Am 13., 17., 20., 22. und 27. Mai
2019 fanden weitere Kontrollen bei Dr. med. E._ statt. Anlässlich
der letzten Kontrolle vom 27. Mai 2019 befundete er noch das
Vorhandensein eines Epitheldefekts. Therapiert wurde der Beigeladene
mit 3x täglich Tobradex Augensalbe links (vgl. Bg-act. 14).
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5.4. Am 29. Mai 2019 übernahm Dr. med. G._, Fachärztin für
Ophthalmologie, die Behandlung des Beigeladenen, wobei sie einen
Hornhaut-Ulcus feststellte (vgl. Bg-act. 4; vgl. auch das Arztzeugnis vom
5. Juni 2019 [Bg-act. 7]). Im Arztzeugnis vom 13. Juni 2019 erwähnte sie
schliesslich eine Keratitis (vgl. Bg-act. 8).
5.5. Am 6. Juni 2019 fand eine notfallmässige Untersuchung in der Augenklinik
des Spitals O._ statt. Dabei konnte im Abstrich das Herpes
simplex Virus 1 nachgewiesen werden (vgl. Bg-act. 25). Prof. Dr. med.
H._, Facharzt für Ophthalmologie, stellte in seinem Bericht vom
11. Juni 2019 folgende Diagnosen: "Auge links: Bakterielle Keratitis,
Kontaktlinsen assoziiert ED 10. Mai 2019 mit herpetischer Superinfektion."
Er hielt fest, dass sich in der klinisch ophthalmologischen Untersuchung
ein Hornhautinfiltrat mit lokaler Ausdünnung und einer umgebenden
Erosio zeige, sodass die Diagnose einer bakteriellen Keratitis bestätigt
werden könne (vgl. Bg-act. 25).
5.6. Am 20. September 2019 erstattete die Versicherungsmedizinerin Dr. med.
I._, Fachärztin für Ophthalmologie und Ophthalmochirurgie, ein
Aktengutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin. Darin hielt sie fest,
dass durch die Fremdkörper-Verletzung vom 10. Mai 2019 eine
Hornhauterosion entstanden sei, welche in der Regel ohne vorbestehende
Hornhautinfektionen und unter der lokalen Therapie mittels Floxal
Augentropfen und Augensalbe innerhalb einer Woche abheile.
Unfallkausal seien die Erstuntersuchung und die Kontrollen 1-2 Wochen
lang danach. Die durchgeführten späteren Augenuntersuchungen seien
für die Abklärung und Behandlung einer infektiösen Hornhautkrankheit
nötig gewesen und damit nicht unfallkausal (vgl. Bg-act. 38).
5.7. Am 20. September 2019 fand eine erneute Untersuchung in der
Augenklinik des Spitals O._ statt. Die Dres. med. J._ und
K._, Fachärzte für Ophthalmologie, diagnostizierten im Bericht
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vom 27. September 2019 was folgt: "Auge links: Hornhautulcus bei St. n.
bakterieller Superinfektion bei Herpes Keratitis" (vgl. Bg-act. 46).
5.8. In einem Schreiben vom 15. November 2019 an die Beschwerdeführerin
hielt Dr. med. G._ unter anderem fest, dass die Hornhaut am
13. Juni 2019 im Zentrum eine grosse Erosio gezeigt habe, woraufhin sie
den Beigeladenen erneut notfallmässig in die Augenklinik des Spitals
O._ überwiesen habe (vgl. Bg-act. 56 S. 2).
5.9. In einer erneuten Beurteilung vom 4. Mai 2020 hielt die
Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ fest, der Beigeladene
habe nach seinen Angaben am 10. Mai 2019 eine Fremdkörperverletzung
am linken Auge erlitten, wobei er Kontaktlinsen getragen habe. Gemäss
augenärztlichen Berichten sei er ab der Erstkonsultation vom 11. Mai 2019
wegen einer Kontaktlinsen-assoziierten bakteriellen Keratitis mit Herpes
simplex Suprainfektion behandelt worden. Dies sei eine infektiöse
Krankheit und es bestehe kein kausaler Zusammenhang mit
angegebenem Unfallereignis (vgl. Bg-act. 58).
5.10. Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens verfasste die
Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ am 14. Oktober 2020 eine
weitere Beurteilung mit ausführlicher Anamnese (vgl. Bg-Beilage 1). Sie
hielt an ihrer bisherigen Beurteilung fest, wonach die Hornhauterosion
(Schürfung) mit überwiegender Wahrscheinlichkeit unfallkausal sei; die
Hornhautentzündung sei allerdings nicht unfallkausal, da es sich um eine
bakterielle, Kontaktlinsen-assoziierte Hornhautentzündung mit
herpetischer Superinfektion handle, welche eine Krankheit sei (vgl. Bg-
Beilage 1 S. 2). Auch in ihrer erneuten Beurteilung vom 26. Oktober 2020
bejahte die Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ die
Unfallkausalität der Hornhauterosion am linken Auge, während sie die
Unfallkausalität der Hornhautentzündung und deren Folgen verneinte (vgl.
Bg-Beilage 2).
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6. Nachfolgend wird auf die drei Gesundheitsschädigungen am linken Auge,
d.h. die Hornhauterosion (vgl. nachstehende Erwägungen 7 ff.), die
Hornhautentzündung (vgl. nachstehende Erwägungen 8 ff.) und die
Herpesinfektion (vgl. nachstehende Erwägungen 9.1.1 ff.), je einzeln
eingegangen und die Pflicht der Beschwerdegegnerin zur Übernahme der
Heilbehandlungskosten geprüft.
7. Was die Hornhauterosion anbelangt, beschrieb der Beigeladene den
Sachverhalt anlässlich einer Befragung durch die Beschwerdegegnerin
vom 5. September 2019 wie folgt: "Passiert auf Baustelle in D._.
Auftrag, in Betonmauer ein Loch für Einsatz Sensor zu automatischem
Türöffner auszuspitzen. Ging selber daran, während rund zwei Stunden
mit einem Bohrhammer dieses Loch auszuspitzen. Gängig[e]
Schutzausrüstung getragen, so auch eine Schutzbrille. Kann effektiv nicht
aufführen, dass sich ein einzelnes konkretes Ereignis, wo mir ein Splitter,
ein Steinsplitter oder was vom Spitzeisen, ev. vom Betonmauerwerk ins
linke Auge gespickt wäre. Hatte schlicht während des Spitzens mit dem
Bohrhammer die entsprechenden Einflüsse durch Staub und
herumspickenden Partikeln vom Beton. Schlicht der störende Einfluss
durch diese Bohrrückstände, welche Einfluss aufs linke Auge nahmen. Bei
den Spitzarbeiten keine besonderen Mittel exponierend massgebend
gewesen; schlicht das Spitzen mit Bohrhammer einer trockenen
Betonmauer. Während des Spitzens nicht besonders unterbrochen, stets
weiter mit der Arbeit. Wohl beim Spitzen gemerkt, dass mich etwas im
linken Auge stört; nicht gerieben, schlicht blinzelnd weiter mit dem Bohren,
bzw. dem Spitzen mit der Maschine. Trage generell normale Linsen
tagsüber, diese sassen soweit korrekt, schlicht das aufkommende
störende Gefühl im linken Auge. Alsdann die Spitzarbeiten beendet, stets
anhaltend das störende lästige Gefühl im linken Auge. Bei der Arbeit
zugegen der Arbeitskollege, Handlanger L._. Bat L._, im
Auge zu kontrollieren, ob allenfalls ein Fremdkörper, ein Steinsplitter oder
- 16 -
sonst was sich darin befinden würde. Er vermochte nichts zu sehen.
Sodann weiter mit der Arbeit, den Tag normal die Bauarbeiten
weitergeführt. Stets das störende Gefühl im linken Auge, welches leicht
rötlich seit den Spitzarbeiten war. Linsen noch nicht rausgenommen.
Erstmals solche Situation rund um Arbeiten, rund um Spitzarbeiten erlebt.
Abends daheim, wie gehabt die Linsen raus. Ausser dass das linke Auge
stets rötlich war, noch keine weiteren Besonderheiten. Am nächsten Tag
das linke Auge deutlich stärker rot geworden und zunehmend störendes,
noch nicht schmerzhaftes Empfinden. Da Hausarztpraxis in M._
geschlossen, nach telefonischer Rücksprache am Tag nach Vorfall
Vorsprache bei Dr. F._, Standort N._. Gemäss Dr.
F._ sei zur Sache ein Augenarzt aufzusuchen und so Dr.
E._ in P._ aufgesucht (vgl. Bg-act. 35)."
7.1. Die Beschwerdegegnerin bejaht grundsätzlich die Kausalität zwischen
dem Ereignis vom 10. Mai 2019 und der Hornhauterosion. Gestützt auf die
Beurteilung der Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ vom
20. September 2019 macht sie allerdings geltend, dass der Status quo
sine in Bezug auf die unfallbedingte Hornhauterosion am linken Auge
innert ein bis zwei Wochen nach dem Unfall erreicht gewesen sei (vgl. Bg-
act. 38 S. 2 und 39 sowie Beschwerdeantwort S. 3). Sie habe die Kosten
für die Behandlung der Hornhauterosion übernommen und die Einstellung
der Leistungen per 30. September 2019 verfügt, d.h. rund viereinhalb
Monate nach dem Ereignis vom 10. Mai 2019 (vgl. Bg-act. 39 und 62
sowie Beschwerdeantwort S. 3).
7.1.1. Tatsächlich hielt die Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ in
ihrer Beurteilung vom 20. September 2019 fest, dass durch die
Fremdkörper-Verletzung vom 10. Mai 2019 eine Hornhauterosion
entstanden sei, welche in der Regel ohne vorbestehende
Hornhautinfektion und unter der lokalen Therapie mittels Floxal
Augentropfen und Augensalbe innerhalb einer Woche abheile. Als
- 17 -
unfallkausal bezeichnete sie die Erstuntersuchung und die Kontrollen 1-2
Wochen lang danach. Die durchgeführten späteren
Augenuntersuchungen seien für die Abklärung und Behandlung einer
infektiösen Hornhautkrankheit nötig gewesen und damit nicht unfallkausal.
Es seien keine weiteren unfallbedingten Kontrollen nötig und ein
Fallabschluss empfohlen (vgl. Bg-act. 38 S. 2). Auch Dr. med. E._
ging im ärztlichen Zeugnis vom 21. Mai 2019 (noch) von einer
voraussichtlichen Wiederaufnahme der Arbeit durch den Beigeladenen am
23. Mai 2019 aus (vgl. Bg-act. 3 S. 1; zur Kausalität zwischen dem
Ereignis vom 10. Mai 2019 und der Hornhauterosion vgl. zudem Bg-
act. 14 S. 1: "Erosion links bei Status nach Fremdkörper links am 10. Mai
2019"). In ihren Beurteilungen vom 14. Oktober 2020 und 26. Oktober
2020 hielt die Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ daran fest,
dass die Hornhauterosion überwiegend wahrscheinlich unfallkausal sei,
obschon kein Fremdkörper gefunden oder dessen Entfernung klinisch-
objektiv in den Berichten nicht beschrieben worden sei (vgl. Bg-Beilage 1
S. 2 sowie Bg-Beilage 2 S. 1).
7.1.2. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts kommt den vorstehend
dargelegten versicherungsmedizinischen, fachärztlichen Beurteilungen
von Dr. med. I._ voller Beweiswert zu, da sie als schlüssig
erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind
und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (vgl. dazu
vorstehende Erwägung 4.2.2). Darüber hinaus steht ihnen keine
anderslautende fachärztliche Einschätzung gegenüber. Der Umstand,
dass es sich um reine medizinische Aktenbeurteilungen handelt, vermag
den Beweiswert der versicherungsmedizinischen Beurteilungen von Dr.
med. I._ nicht zu schmälern, zumal die ihr vorliegenden Akten ein
vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status
ergaben und diese Daten unbestritten waren, sodass ein lückenloser
Befund vorlag (vgl. dazu vorstehende Erwägung 4.2.3). Es ist somit nicht
- 18 -
zu beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin in Bezug auf die
Hornhauterosion am linken Auge zum Schluss gelangte, dass der Status
quo sine ein bis zwei Wochen nach dem Ereignis vom 10. Mai 2019
erreicht war und sie den Fall per 30. September 2020 abschloss; der
Wegfall des Kausalzusammenhangs erscheint überwiegend
wahrscheinlich.
7.2.1. Im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens brachte die
Beschwerdegegnerin erstmals vor, dass die per 30. September 2019
erfolgte Leistungseinstellung ex nunc et pro futuro auch deshalb
gerechtfertigt sei, weil der Unfallbegriff i.S.v. Art. 4 ATSG gar nicht erfüllt
sei. So sei der Beigeladene während zwei Stunden bei Spitzarbeiten in der
Luft befindlichen Bohrrückständen (Staub, Betonpartikel etc.) ausgesetzt
gewesen, wobei sich im linken Auge ein störendes Gefühl entwickelt habe.
Der Arbeitskollege, welcher das Auge nach Beendigung der Arbeit
kontrolliert habe, habe keinen bestimmten Fremdkörper feststellen können
(vgl. Bg-act. 35). Daraus ergebe sich, dass keine plötzliche, singuläre
schädigende Einwirkung vorgelegen habe. Ferne entsprächen die im
Rahmen von Spitzarbeiten in der Luft aufgetretenen Bohrrückstände im
Lebensbereich eines Bauarbeiters auch keinem ungewöhnlichen
äusseren Faktor (vgl. zum Ganzen Duplik S. 3; vgl. auch
Beschwerdeantwort Rz. 4.8).
7.2.2. In casu kann offenbleiben, ob das Ereignis vom 10. Mai 2019 den
Unfallbegriff i.S.v. Art. 4 ATSG erfüllt oder nicht; denn die
Leistungseinstellung mit Wirkung ex nunc et pro futuro per 30. September
2019 wäre zufolge Wegfalls des Kausalzusammenhangs zwischen dem
Ereignis vom 10. Mai 2019 und der Hornhauterosion am linken Auge ein
bis zwei Wochen nach dem Ereignis vom 10. Mai 2019 ohnehin zulässig
gewesen (vgl. dazu vorstehende Erwägungen 7.1 - 7.1.2).
- 19 -
8. Was die Hornhautentzündung und die herpetische Superinfektion
anbelangt, hat die Beschwerdegegnerin nie eine Leistungspflicht
anerkannt. Hinsichtlich der Frage, ob zwischen dem Ereignis vom 10. Mai
2019 und der Hornhautentzündung bzw. der herpetischen Superinfektion
nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ein
Kausalzusammenhang besteht, ist somit die Beschwerdeführerin
beweisbelastet (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_819/2016 vom
4. August 2017 E.4.2 und 4.3).
8.1.1. Die Beschwerdeführerin begründet die Kausalität zwischen dem Ereignis
vom 10. Mai 2019 und der Hornhautentzündung im Wesentlichen damit,
dass Dr. med. E._ in seinem Sprechstundenbericht ganz klar
festhalte, dass am 11. Mai 2019 eine Erosio mit begleitendem Infiltrat
("Erosio mit Infiltrat") bestanden habe. Die Entstehung von Infiltraten sei
durch den Aufbruch der Hornhaut (= Erosio) zu erklären. Aufbrüche der
Hornhaut prädisponierten durch den Verlust der natürlichen
Barrierefunktion zu bakteriellen und mykotischen Entzündungen der
Hornhaut. Ein solches Infiltrat könne auch bereits nach 12 bis 18 Stunden
bzw. einen Tag nach einer Läsion der Hornhaut auftreten bzw.
nachweisbar sein. Da Erosio und Infiltrat dasselbe Zentrum teilten, seien
beide unfallbedingt.
Weiter hält die Beschwerdeführerin fest, dass die Schriftstücke, auf welche
sich die Beschwerdegegnerin für die Darstellung einer Kontaktlinsen-
assoziierten Keratitis berufe, ca. vier Wochen nach der Erstbeurteilung
und Erstbehandlung durch Dr. med. E._ entstanden seien.
Insbesondere das Schriftstück des Spitals O._ vom 11. Juni
2019, worin die Kontaktlinsen-assoziierte Keratitis erstmals erwähnt
werde, müsse als Darstellung in zweiter Instanz betrachtet werden und
widerspiegle nicht den Erstbefund von Dr. med. E._. Die im Spital
O._ vorgefundene Situation sei als Ergebnis eines
komplizierenden Verlaufs (virale Superinfektion einer zuvor stattgehabten
- 20 -
bakteriellen Keratitis) zu betrachten. Die bakterielle Keratitis wiederum
fusse auf einer bakteriellen Infektion, welche sich im Rahmen des Unfalls
entwickelt habe und zunächst auch mittels Antibiotika habe gebessert
werden können. An der dort zurückbleibenden Narbe dieses infektiösen
Prozesses habe sich die virale Superinfektion mit Herpes Simplex
sekundär entwickeln können.
8.1.2. Demgegenüber hält die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf das
Aktengutachten der Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ vom
14. Oktober 2020 fest, dass die zeitliche Nähe des am 11. Mai 2019
befundeten Infiltrats zur Hornhauterosion vom 10. Mai 2019 einen
kausalen Zusammenhang zwischen dieser und der Hornhautentzündung
ausschliesse. Letztere müsse somit bereits vor dem Ereignis vom 10. Mai
2019 bestanden haben. Im Weiteren werde die Tatsache einer
vorbestandenen Hornhautentzündung auch dadurch gestützt, dass der
Versicherte Kontaktlinsen trage. Dazu verweist die Beschwerdegegnerin
wiederum auf das Aktengutachten von Dr. med. I._ vom
14. Oktober 2020, wonach Kontaktlinsenträger ein höheres Risiko hätten,
an einer Hornhautentzündung zu erkranken als andere Menschen. Zum
einen könnten die Linsen mit Erregern kontaminiert sein, zum anderen
bedeuteten die Haftschalen für die Hornhaut Stress, vor allem bei längeren
Tragezeiten. Solange eine Kontaktlinse über der Hornhaut liege, werde
diese weniger mit Sauerstoff versorgt, was sie anfälliger für einen
Keimbefall mache (vgl. Bg-Beilage 1 S. 2). Weiter hält die
Beschwerdegegnerin fest, der Standpunkt der Versicherungsmedizinerin
Dr. med. I._ decke sich mit dem Untersuchungsbericht des
Spitals O._ vom 11. Juni 2019, worin ausdrücklich eine
"Kontaktlinsen assoziierte" bakterielle Keratitis diagnostiziert worden sei.
8.2.1. Die Ausführungen der Beschwerdeführerin zur Kausalität zwischen der
Hornhautentzündung und der Hornhauterosion bzw. dem Ereignis vom
- 21 -
10. Mai 2019 (Aufbruch der Hornhaut und Entstehen eines Infiltrats als
Begleiterscheinung) vermögen das streitberufene Gericht nicht zu
überzeugen, zumal sie nicht mit den vorliegenden Einzelfall betreffenden
medizinischen Fachmeinungen unterlegt sind. Soweit sich die
Beschwerdeführerin auf den Bericht von Dr. med. E._ stützt,
welcher anlässlich der Erstkonsultation am 11. Mai 2019 beim linken Auge
eine "Erosion mit Infiltrat" feststellte (vgl. Bg-act. 14 S. 1), ist ihr
entgegenzuhalten, dass diese Formulierung ("Erosion mit Infiltrat") keine
Kausalitätsbeurteilung beinhaltet. Die blosse Feststellung eines Infiltrats
am 11. Mai 2019, d.h. einen Tag nach dem Ereignis vom 10. Mai 2019,
belegt keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Ereignis vom
10. Mai 2019 und der Hornhautentzündung. Die Beschwerdeführerin
argumentiert nach der Formel "post hoc, ergo propter hoc", welche zum
Beweis eines natürlichen Kausalzusammenhangs anerkanntermassen
nicht genügt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_672/2020 vom 15. April
2021 E.4.2, 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E.5.1).
Weiter trifft es zwar zu, dass der Bericht des Spitals O._ vom
11. Juni 2019, worin erstmals eine Kontaktlinsen-assoziierte Keratitis
erwähnt wurde, ca. vier Wochen nach der Erstbeurteilung und -
behandlung durch Dr. med. E._ entstanden ist (vgl. Bg-act. 25).
Allerdings hatte bereits Dr. med. G._ in ihrem ärztlichen Zeugnis
vom 29. Mai 2019 lediglich einen "Hornhaut-Ulcus" erwähnt (vgl. Bg-
act. 4; vgl. auch Bg-act. 7), ohne diesen in Zusammenhang zu setzen mit
der stattgehabten Hornhauterosion, was darauf schliessen lässt, dass sie
nicht von einer traumatischen Genese ausging.
8.2.2.1. Gemäss der Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ hat eine
Kontaktlinsen-assoziierte Hornhautentzündung einen typischen Verlauf:
Zunächst entstünden kleine, punktförmige Läsionen in der Epithelschicht
der Hornhaut (verantwortlich für Fremdkörpergefühl), daraufhin breiteten
sich später die Erreger in der Hornhaut aus und es entstehe ein
- 22 -
Hornhautstroma-Infiltrat (vgl. Bg-Beilage 2 S. 1). Dr. med. I._ hält
in ihrem Aktengutachten vom 26. Oktober 2020 fest, dass vorliegend die
Anzeichen der Kontaktlinsen-assoziierten Keratitis schon bei der
Erstuntersuchung am 11. Mai 2019 vermerkt worden seien
(Hornhautinfiltrat; Bg-Beilage 1 S. 2 sowie Bg-Beilage 2 S. 2). Neben der
Hornhauterosion – welche sie trotz medizinisch nicht dokumentierten
Fremdkörper-Befunds für überwiegend wahrscheinlich unfallkausal halte
– sei das Hornhautinfiltrat schon im augenärztlichen Erstbefund
festgestellt worden; dieses habe nicht aufgrund einer Hornhautläsion vom
Vortrag entstehen können, sondern sei ein Zeichen einer vorbestehenden
Hornhautentzündung (vgl. Bg-Beilage 2 S. 2). Der Umstand, dass der
Beigeladene im Jahr 2019 bis zum Ereignis vom 10. Mai 2019 keine
einzige Konsultation bei einem Ophthalmologen gehabt habe, vermag
gemäss Dr. med. I._ keine "völlig gesunde[n] Augen"
nachzuweisen. Die Schmerzen bei einer bakteriellen Hornhautentzündung
begännen meist dezent und würden im Verlauf stärker. Die Beschwerden
kämen erst, wenn sich die Erreger in der Hornhaut ausbreiteten und es
entstehe ein Hornhautstroma-Infiltrat (vgl. Bg-Beilage 2 S. 2).
Weiter führt die Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ in ihrem
Aktengutachten vom 26. Oktober 2020 aus, dass Kontaktlinsen gemäss
Fachliteratur bei fehlerhafter Anwendung, bei zu langem Tragen oder bei
Kontakt mit anderen Gegenständen oder Umwelteinflüssen zu Irritationen
des Cornea-Gewebes führen könnten. Diese Irritationen könnten sich in
der Folge – bei Nicht-Behandlung der Ursache – zu einer Keratitis
(Hornhautentzündung) weiterentwickeln. [...] Die unfallfremde
Hornhautentzündung habe zu einer Vernarbung der Hornhaut geführt.
Diese Vernarbung habe ihrerseits eine Sehminderung bewirkt. Letztere
habe also nichts mit der Fremdkörperverletzung zu tun. Die
Hornhautvernarbung und die Sehminderung wären auch dann
eingetreten, wenn keine Fremdkörperverletzung erfolgt wäre (vgl. Bg-
Beilage 2 S. 4).
- 23 -
8.2.2.2. Dieser Beurteilung der Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._
stehen aktenmässig keine fachmedizinischen Gegenmeinungen
gegenüber. Der handschriftlichen Dokumentation der Verlaufseinträge
von Dr. med. E._ (vgl. Replik S. 2) sowie dem Schreiben von Dr.
med. G._ vom 15. November 2019 (vgl. Bg-act. 56 S. 2), welche
der Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ im Zeitpunkt der
Erstbeurteilung vom 20. September 2019 noch nicht vorgelegen hatten, ist
hinsichtlich der Frage der Kausalität zwischen dem Ereignis vom 10. Mai
2019 und der Hornhautentzündung nichts zu entnehmen. Dr. med.
G._ schildert in ihrem Schreiben vom 15. November 2019 an die
Beschwerdeführerin lediglich den Behandlungsverlauf bei ihr im Zeitraum
vom 29. Mai 2019 bis 31. Juli 2019 (vgl. Bg-act. 56 S. 2). Es bestehen
somit keine auch nur geringen Zweifel an der Beurteilung der
Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._, wonach die
Hornhautentzündung nicht unfallkausal war; die Beurteilung erscheint als
schlüssig, sie ist nachvollziehbar begründet und in sich widerspruchsfrei.
9.1.1. Hinsichtlich der Kausalität zwischen dem Ereignis vom 10. Mai 2019 und
der herpetischen Infektion hält die Beschwerdeführerin im Wesentlichen
fest, dass das Virus Herpes Simplex 1 (HSV 1) eine weit verbreitete
Spezies mit einer Durchseuchung in der hiesigen Bevölkerung von
schätzungsweise weit über 90 % sei, welches durch ein gesundes
Immunsystem in Schach gehalten werde. Gemäss allgemein anerkanntem
medizinischem Verständnis könnten sowohl lokale (Traumata, lokale
Immunsuppression) wie systemische Stressoren ein Wiederaufflammen
einer HSV 1 Infektion provozieren. Im vorliegenden Fall sei mit deutlich
überwiegender Wahrscheinlichkeit entweder das erhebliche Trauma der
Hornhaut selbst oder die durch den schweren, sich zunächst
verschlimmernden Verlauf der Hornhauterosion notwendige Behandlung
mit starken und immunsupressiven Kortikosteroiden oder auch beides in
Kombination als im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs für die
- 24 -
Reaktivierung der HSV 1 Infektion auslösend zu werten. Die
Beschwerdeführerin weist darauf hin, dass die Behandlung mit Tobradex,
welches Dexamethason, ein starkes Kortikosteroid, enthalte und eine
virale Infektion mit Herpes Simplex begünstige, über mehrere Tage,
zumindest vom 20. Mai 2019 bis zum 3. Juni 2019, durchgeführt worden
sei.
9.1.2. Demgegenüber hält die Beschwerdegegnerin unter Hinweis auf das
Aktengutachten von Dr. med. I._ vom 14. Oktober 2020 fest, dass
die herpetische Superinfektion direkt von Mensch zu Mensch übertragen
werde und nicht durch einen Fremdkörper hervorgerufen werden könne;
ein kausaler Zusammenhang mit dem Ereignis vom 10. Mai 2019 sei
ausgeschlossen. Hinzu komme, dass die Tobradex-Salbe, wenn sie denn
tatsächlich verwendet worden sei, ohnehin der Behandlung der
unfallfremden bakteriellen Infektion/Keratitis und nicht der Behandlung der
unfallbedingten Hornhauterosion gedient habe. Der Umstand, dass die
Tobradex-Salbe eine virale Infektion zu begünstigen vermöge, könne
somit von vornherein nicht als mittelbare bzw. indirekte Unfallfolge in
Frage kommen.
9.2.1. Tatsächlich hält die Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ in
ihrem Aktengutachten vom 14. Oktober 2020 fest, dass die virale Infektion
und ihre Folgen nicht in einem kausalen Zusammenhang zur initialen
Verletzung am 10. Mai 2019 stünden. Eine direkte Übertragung dieser
Krankheit erfolge von Mensch zu Mensch, man könne eine Herpes Virus
Infektion nicht von einem Fremdkörper (oder von einer Pflanze)
bekommen (vgl. Bg-Beilage 1 S. 3). Zudem weist sie darauf hin, dass
vorliegend kein grosser körperlicher Stress oder eine Immunsuppression
bestanden habe, welche zur Reaktivierung eines Virus hätte führen
können. Im Dossier sei kein "erhebliches Trauma der Hornhaut" oder keine
"notwendige Behandlung mit starken und immunsuppressiven
Kortikosteroiden oder auch beides in Kombination" dokumentiert. Es
- 25 -
handle sich in diesem Fall um eine angebliche Fremdkörperverletzung der
Hornhaut, welche zur Erosion geführt habe. Die Hornhauterosion sei in der
Regel innerhalb einer Woche regredient. Es habe am Unfalltag eine
Kontaktlinsen-assoziierte Hornhautentzündung bestanden, welche zur
Hornhaut-Ulceration (Geschwür) geführt habe. Nach der Behandlung der
Herpes-Superinfektion sei die Hornhautentzündung abgeheilt und sie
habe eine tiefe Hornhautnarbe hinterlassen. Die Hornhautentzündung am
linken Auge halte sie für nicht unfallkausal (vgl. Bg-Beilage 2 S. 4).
9.2.2. Auch dieser Beurteilung der Versicherungsmedizinerin Dr. med.
I._ stehen aktenmässig keine fachmedizinischen
Gegenmeinungen gegenüber. Zwar macht die Beschwerdeführerin
geltend, sie habe mit den Dres. med. G._ und E._ je ein
Telefonat geführt, wobei diese nie bezweifelt hätten, dass es sich beim
schwierigen, sich komplizierenden Verlauf (virale Superinfektion einer
zuvor stattgehabten bakteriellen Keratitis) um ein unfallkausales
Geschehen handle; die Beschwerdeführerin belegt dies allerdings nicht.
Zudem hält sie zwar fest, dass ihre Einschätzungen von Medizinern
stammten. Sie will deren Namen allerdings nur auf Nachfrage des Gerichts
offenlegen, was angesichts der Mitwirkungspflicht und des ausgedehnten
Schriftenwechsels im vorliegenden Verfahren nicht nachvollziehbar ist.
Die Beschwerdeführerin argumentiert einmal mehr nach der Formel "post
hoc, ergo propter hoc", welche zum Beweis eines natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht genügt (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_672/2020 vom 15. April 2021 E.4.2, 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013
E.5.1). Zudem vermag sie mit ihren allgemeinen, nicht fallbezogenen
Hinweisen auf medizinische Fachliteratur und das "allgemein anerkannte
medizinische Verständnis" nicht zu überzeugen bzw. die
Fachbeurteilungen der behandelnden Ärzte und der
versicherungsmedizinischen Fachärztin nicht in Zweifel zu ziehen.
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Zwar überzeugt die Beurteilung der Versicherungsmedizinerin Dr. med.
I._ vom 14. Oktober 2020 insofern nicht vollständig, als sie darin
ausführt, es sei bei der lokalen Therapie kein Tobradex und somit kein
Dexamethason, welches eine virale Infektion begünstigen würde,
verwendet worden (vgl. Bg-Beilage 1 S. 3; vgl. auch Bg-Beilage 2 S. 4).
Gemäss dem Sprechstundenbericht von Dr. med. E._, welcher
auszugsweise in die Replik aufgenommen wurde, soll dem Beigeladenen
ab dem 20. Mai 2019 Tobradex verabreicht worden sein (vgl. Replik S. 4).
Auch Dr. med. G._ hielt in ihrem Schreiben vom 15. November
2019 u.a. fest, sie habe die bei Behandlungsübernahme am 29. Mai 2019
vorbestehende Medikation (Floxal und Tobradex) beibehalten (vgl. Bg-
act. 56 S. 2). Da man eine Herpes Virus Infektion allerdings nicht von
einem Fremdkörper (oder von einer Pflanze) bekommen kann und das
Tobradex eingesetzt wurde, um die nicht unfallkausale Keratitis zu
behandeln (vgl. auch Bg-act. 38 S. 2), liegt auch bei der viralen Infektion
mit HSV 1 keine Unfallfolge vor (auch nicht i.S.v. Art. 6 Abs. 3 UVG).
Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts vermögen die
Ausführungen der Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ zur
Medikation (Tobradex/Dexamethason) die Schlüssigkeit und
Nachvollziehbarkeit ihrer Beurteilungen, wonach die Hornhautentzündung
nicht unfallkausal war, gesamthaft nicht in Zweifel zu ziehen. Darüber
hinaus vermag auch der Umstand, dass es sich bei den Beurteilungen der
Versicherungsmedizinerin Dr. med. I._ um reine Aktengutachten
handelt, deren Beweiswert nicht zu schmälern.
10. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als unbegründet. Der
angefochtene Einspracheentscheid mit der Leistungseinstellung per
30. September 2019 ist nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde
abzuweisen ist.
11. Gemäss aArt. 61 lit. a i.V.m. Art. 82a ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungssachen – ausser bei
- 27 -
mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung – kostenlos, weshalb für
das vorliegende Verfahren keine Kosten erhoben werden. Die
obsiegende Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf eine
Parteientschädigung (vgl. Art. 61 lit. g ATSG).