# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 54204f52-2e89-5c84-8aa5-201f2327809f
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit Verfügungen vom 4. Oktober 2010 hielt das Amt für Wasser und Abfall des
Kantons Bern (AWA) fest, dass die Parzellen Roggwil Grundbuchblatt Nr. E._,
F._, G._, H._, I._, J._, K._,
L._, M._, N._ sowie die Baurechtsparzelle Nr. O._ als
belasteter Standort im Sinne von Art. 2 Abs. 1 AltlV1 gelten, dass der Standort
untersuchungsbedürftig sei und dass die Parzellen als Teil des Standortes Nr. P._
in den Kataster der belasteten Standorte des Kantons Bern eingetragen würden.
1 Verordnung über die Sanierung von belasteten Standorten vom 26. August 1998 (AltlV; SR 814.680)
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2. Gegen diese Verfügungen reichten die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 sowie die
Beschwerdeführerin 3 am 4. November 2010 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein.
Die Beschwerdeführerinnen 1 und 2 stellen folgende Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung vom 4. Oktober 2010 sei aufzuheben.
2. Eventualiter sei die Verfügung vom 4. Oktober 2010 aufzuheben und zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der Anweisung, die
Parzellenflächen (Kat.-Nr. E._, F._, G._,
H._, I._, J._, K._, L._,
M._, N._) nur insoweit in den Kataster der belasteten
Standorte aufzunehmen, als feststeht oder mit grosser Wahrscheinlichkeit
zu erwarten ist, dass diese belastet sind.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Die Beschwerdeführerin 3 stellt folgende Rechtsbegehren:
1. Die Verfügung vom 4. Oktober 2010 sei aufzuheben.
2. Eventualiter sei die Verfügung vom 4. Oktober 2010 aufzuheben und zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Die Beschwerdeführerinnen stellen zudem je den prozessualen Antrag, das
Beschwerdeverfahren sei zu sistieren, bis die technische Altlasten-Untersuchung der vom
Katastereintrag betroffenen Parzellen abgeschlossen sei.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, vereinigte die
beiden Verfahren und führte den Schriftenwechsel durch. Mit Verfügung vom 22.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Dezember 2010 lehnte es das Gesuch der Beschwerdeführerinnen auf Sistierung des
Verfahrens ab.
Das AWA beantragt in seiner Stellungnahme vom 6. Dezember 2010 die Abweisung der
Beschwerden.
Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a) Angefochten ist eine Verfügung des AWA nach Art. 32d Abs. 4 USG3 sowie nach
Art. 30 AbfG4. Diese kann gemäss Art. 62 VRPG5 bei der BVE angefochten werden. Die
BVE ist damit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Die Beschwerdeführerinnen 1 und 3 sind als Adressatinnen der Verfügungen vom
4. Oktober 2010 beschwert und damit zur Beschwerdeführung legitimiert. Der
Beschwerdeführerin 2 wurde die Verfügung nicht zugestellt. Sie ist aber Eigentümerin der
Parzellen Nr. E._, F._, G._, H._, I._,
J._, K._, L._, M._, N._, hat am Vorverfahren
vor dem AWA teilgenommen und mehrere Stellungnahmen eingereicht. Mit Schreiben vom
3. Dezember 2009 wurde ihr ausserdem vom AWA Gelegenheit gegeben, zum
vorgesehenene Eintrag der Parzellen in den Kataster der belasteten Standorte Stellung zu
nehmen. Die Beschwerdeführerin 2 ist als Eigentümerin der Parzellen und Teilnehmerin
am Vorverfahren von der Verfügung vom 4. Oktober 2010 beschwert und daher ebenfalls
zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichten
Beschwerden ist einzutreten.
3 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (USG; SR 814.01) 4 Gesetz über die Abfälle vom 18. Juni 2003 (AbfG: BSG 822.1) 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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2. Katastereintrag
a) Die von der Verfügung des AWA vom 4. Oktober 2010 betroffenen Parzellen Roggwil
Grundbuchblatt Nr. E._, F._, G._, H._, I._,
J._, K._, L._, M._, N._ bzw. O._ sind
Teil des sog. „ Q._ -Areals“. An diesem Standort betrieb die Firma Q._ &
Cie. AG von 1865 bis 1995 ihre Textilwerke. Auf den genannten Parzellen im westlichen
Teil des Areals befanden sich die eigentlichen Textilwerke, im Osten die Lagerbetriebe. In
den Textilwerken wurde aus Rohgarn Gewebe hergestellt und Garne sowie Gewebe
gefärbt. Zeitweise wurde auch Garn gesponnen. Die genannten Parzellen wurden bereits
1992 als Teil des Standortes Nr. P._ in den Altlasten- und
Verdachtsflächenkataster des Kantons Bern eingetragen. Es wurden bisher eine
historische und eine unvollständige technische Untersuchung durchgeführt. Mit Verfügung
vom 4. Oktober 2010 wurden die Parzellen als belasteter Standort im Kataster eingetragen.
Die Beschwerdeführerinnen rügen, der Sachverhalt sei ungenügend und willkürlich
ermittelt worden. Aufgrund der bisherigen historischen und technischen Untersuchung
stehe weder fest noch sei mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten, dass die Flächen
belastet seien. Die historische Untersuchung habe nur gezeigt, dass im Bereich der Garn-
und Stückfärberei mit altlastenrelevanten Stoffen gearbeitet worden sei. Daraus dürfe nicht
geschlossen werden, dass der Untergrund tatsächlich mit diesen Stoffen belastet sei. Die
vorgenommenen Untersuchungen hätten vielmehr gezeigt, dass keine altlastenrelevante
Belastung bestehe.
Das AWA führt in seiner Stellungnahme vom 6. Dezember 2010 aus, die Ergebnisse der
historischen und technischen Untersuchung hätten gezeigt, dass der Standort eindeutig mit
Schadstoffen belastet sei und weitere Abklärungen nötig seien. Die historische
Untersuchung habe sich mit der Zeit von 1968 – 1995 befasst, für die Zeit davor bestünden
aufgrund fehlender Quellen grosse Kenntnislücken. Es lägen keine Kenntnisse über
belastungsrelevante Tätigkeiten wie die Entsorgung von Abfällen und Abwässern vor, so
dass alleine für diesen Zeitraum von einer grossen Wahrscheinlichkeit auszugehen sei,
dass der Standort belastet sei.
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b) Die Behörde ermittelt die belasteten Standorte, indem sie vorhandene Angaben wie
Karten, Verzeichnisse und Meldungen auswertet. Sie kann von den Inhabern oder
Inhaberinnen der Standorte oder von Dritten Auskünfte einholen (Art. 5 Abs. 1 AltlV). „Der
für die Feststellung der Eintragungspflicht massgebliche Sachverhalt ergibt sich aus
vorhandenen und gegebenenfalls verfügbar gemachten weiteren Angaben. Diese sind
auszuwerten; dagegen ist die Behörde nicht verpflichtet, weitergehende
Untersuchungshandlungen vorzunehmen. Der Kataster kann somit grundsätzlich allein auf
der Grundlage solcher Informationen, also ohne technische Untersuchungen, erstellt
werden.“6
Der Eintrag in den Kataster der belasteten Standorte erfolgte aufgrund der zu diesem
Zeitpunkt vorhandenen historischen und bisherigen technischen Untersuchungen. In den
Schreiben vom 3. Dezember 2009 an die Beschwerdeführerinnen wurden die verwendeten
Unterlagen detailliert aufgeführt. Das AWA war nicht verpflichtet, vor dem Eintrag
zusätzliche Abklärungen vorzunehmen. Vielmehr erfolgt die Durchführung der historischen
und technischen Untersuchung im Regelfall erst nach dem Eintrag in den Kataster. Im
vorliegenden Fall lagen damit im Zeitpunkt des Katastereintrags umfangreichere
Unterlagen vor, als gemäss Art. 5 Abs. 1 AltlV nötig wären. Der Vorwurf der
unvollständigen und willkürlichen Sachverhaltsabklärung trifft daher nicht zu.
c) Die Behörde trägt diejenigen Standorte in den Kataster ein, bei denen nach den
Absätzen 1 und 2 feststeht oder mit grosser Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dass sie
belastet sind (Art. 5 Abs. 3 AltlV). Gemäss Vollzugshilfe des BAFU7, Branchencheckliste
„Herstellung von Textilien“, gelten als Indizien dafür, dass ein Standort mit grosser
Wahrscheinlichkeit belastet ist, dass das Gebäude oder Gelände effektiv der
Textilherstellung diente, die Inbetriebnahme vor 1985 erfolgte, der Betrieb mehr als zehn
Mitarbeiter beschäftigte und altlastenrelevante Tätigkeit umfasste – z.B. die Herstellung,
das Färben, die Vorbehandlung oder die Veredelung von Textilien wie auch die
Verwendung von leichtflüchtigen Lösungsmitteln (CKW) – , und dass die Verarbeitung nicht
ausschliesslich in höheren Stockwerken oder speziell gesicherten Räumen erfolgte.
6 VGE 21787 vom 13. Dezember 2004, E. 2.3; vgl. Kommentar USG/Tschannen, Art. 32c N 39 7 Vollzugshilfe „Erstellung des Katasters der belasteten Standorte“, hrsg. vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft BUWAL (heute BAFU), Bern 2001 (Vollzugshilfe BAFU), S. 33 ff.
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Die Q._ & Cie. Textilwerke wurden zwischen 1862 und 1995 betrieben. Ab 1975
wurden verschiedene Gebäude zu anderen Zwecken vermietet. Die Folgenutzung der
Textilwerke dauert bis heute an. Bis 1974 umfassten die Produktionprozesse die
Herstellung von Textilien aus Rohgarn sowie das Einfärben von Rohgarn und fertigen
Geweben mit allen zugehörigen Arbeitsschritten. Von 1975 bis 1992 wurde ausserdem
Rohgarn aus Baumwolle hergestellt. Mehrere Bereiche der Produktion werden als
altlastenrelevant eingestuft, insbesondere die Stück- und Garnfärberei sowie der Bereich
technische Dienste, Versorgung und Entsorgung.8 Es ist nicht bekannt, dass diese
Tätigkeiten nur in speziell gesicherten Räumen erfolgt wären. Damit sind vorliegend
sämtliche Kriterien erfüllt, welche gemäss Vollzugshilfe des BAFU mit grosser
Wahrscheinlichkeit auf einen belasteten Standort schliessen lassen.
d) Ist auf einem Betriebsstandort über längere Zeit in erheblichem Umfang mit
umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden, so ist mit grosser Wahscheinlichkeit zu
erwarten, dass dieser Standort mit Abfällen belastet ist.9 Es ist vorliegend erwiesen, dass in
den Q._ & Cie. Textilwerken während 133 Jahren mit altlastenrelevanten Stoffen
gearbeitet wurde. Für den Zeitraum von 1862 bis ca. 1960 finden sich in den vorhandenen
Unterlagen kaum oder keine Angaben zum Betrieb oder allfälligen altlastenrelevanten
Zwischenfällen. Es ist notorisch, dass das Bewusstsein für das
Umweltgefährdungspotential und den korrekten Umgang mit altlastenrelevanten Stoffen, in
Verbindung mit umweltrechtlicher Gesetzgebung, erst ab Mitte des letzten Jahrhunderts
schrittweise einsetzte. Dass es in der langen Betriebsdauer der Textilwerke zu keinerlei
Belastung und keinen Zwischenfällen gekommen sein soll, ist kaum vorstellbar.
Dokumentiert ist mindestens ein Leckagefall im Jahr 1994, der nicht abschliessend
untersucht wurde.10 All dies lässt darauf schliessen, dass der Standort mit grosser
Wahrscheinlichkeit belastet ist.
e) Im Entscheid VGE 100.2009.220 vom 20. Mai 2010 hat sich das Verwaltungsgericht
des Kantons Bern mit der Frage befasst, ob die bisher durchgeführten Untersuchungen
eine verlässliche Beurteilung der Sanierungs- oder Überwachungsbedürftigkeit des
vorliegenden Standorts erlauben. Das Verwaltungsgericht hält fest, dass bei den
Grundwassermessungen erhöhte Konzentrationen an Sulfat, Ammonium und Chrom
8 Historische Untersuchung vom 30. Januar 2004, S. 12 ff. 9 Vollzugshilfe BAFU, S. 16 10 Historische Untersuchung, S. 21 f.
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gefunden wurden. Die Konzentrationswerte seien zwar nicht überschritten, aber nur knapp
eingehalten. Aus den Ergebnissen lasse sich nicht der Schluss ziehen, dass der Standort
keine Belastung aufweise, die in einer Sanierungs- oder Überwachungspflicht münden
könnte. Im Gegenteil sei mit Blick auf die Ergebnisse der Grundwasseranalyse, die
beträchtlichen Schwankungen der Resultate und die nur knapp unterschrittenen
Konzentrationswerte von einer Belastung des Standorts auszugehen, die eine genauere
Abklärung erforderlich mache.11 Die bisherigen Messungen hätten durchaus relevante
Belastungen ans Licht gebracht, ausserdem liege es auf der Hand, dass sich die
Messresultate der wenigen untersuchten Bereiche nicht ohne Weiteres von einem Ort auf
einen andern übertragen liessen.12
Das Rechtsamt sieht keinen Grund, von dieser Einschätzung des Verwaltungsgerichts
abzuweichen. Es steht fest, dass der Standort mit grosser Wahrscheinlichkeit belastet ist.
3. Recht zu vorgängigen Abklärungen
a) Die Beschwerdeführerinnen rügen, sie hätten das Recht, vor dem Katastereintrag
weitere Abklärungen vorzunehmen.
b) Der Ersteintrag in den Kataster erfolgt aufgrund des vorhandenen Materials und
gerade nicht aufgrund umfangreicher Untersuchungen (Art. 5 Abs. 1 AltlV). Der Kataster ist
eine umfassende Entscheidungsgrundlage für die flächendeckende Erfassung und
Triagierung der Standorte. Aufgrund des Eintrags wird über das weitere Vorgehen und die
nötigen Untersuchungen im Bezug auf den Standort entschieden. Der Ersteintrag sagt an
sich nicht mehr aus, als dass bei einem Standort über das weitere Vorgehen gemäss Art. 5
Abs. 4 und 5 AltlV entschieden werden muss. Er hat notwendigerweise provisorischen
Charakter, da im Lauf der Untersuchungen über die Überwachungs- oder
Sanierungsbedürftigkeit oder die Löschung des Standorts aus dem Kataster entschieden
wird.
Gemäss Art. 5 Abs. 2 AltlV ist dem Inhaber oder der Inhaberin des Standorts Gelegenheit
zu weiteren Abklärungen zu geben. Dies kann nicht bedeuten, dass vor dem Eintrag
11 VGE 100.2009.220 vom 20. Mai 2010, E. 2.3.3 12 VGE 100.2009.220 vom 20. Mai 2010, E. 2.3.5
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Gelegenheit gegeben werden muss, um sämtliche Untersuchungen durchzuführen, welche
zur definitiven Beurteilung des Standorts nötig sind. Die definitive Beurteilung eines
Standorts kann Jahre dauern. Würde der Katastereintrag erst nach Abschluss sämtlicher
Untersuchungen erfolgen, bestünde zudem kein Interesse an einer möglichst effizienten
Durchführung der Untersuchungen. Art. 5 Abs. 2 AltlV muss im Zusammenhang mit Art. 5
Abs. 1 AltlV und dem provisorischen Charakter des Ersteintrags gesehen werden. Kann
mittels einer einfachen Abklärung dargelegt werden, dass der Katastereintrag nicht
gerechtfertigt ist, so soll diese Abklärung vorher durchgeführt werden können. Kann der
altlastenrechtliche Status eines Standorts hingegen nur mit aufwendigen, langjährigen
Untersuchungen geklärt werden, so sind diese nach dem Katastereintrag durchzuführen.
c) Vorliegend wurden seit 1998 verschiedene Untersuchungen auf dem Areal
durchgeführt. Die Beschwerdeführerinnen hatten damit ausreichend Gelegenheit zu
eigenen Untersuchungen. Die Rüge, es sie ihnen vor dem Katastereintrag Gelegenheit zu
weiteren Abklärungen zu geben, ist nicht begründet.
4. Verhältnismässigkeit
a) Die Beschwerdeführerinnen rügen, der Katastereintrag greife in die
Eigentumsgarantie ein und müsse daher verhältnismässig sein. Dies sei vorliegend nicht
der Fall. Der Eintrag sei nicht erforderlich. Insbesondere sei unverhältnismässig, dass
neben den Gebäuden auch die unverbauten Flächen des Areals in den Kataster
aufgenommen worden seien. Dort fehle es schlicht an einer genügend grossen
Wahrscheinlichkeit für eine Belastung. Das AWA wäre dafür beweispflichtig gewesen.
Das AWA macht geltend, eine Anpassung der eingetragenen Flächen sei aufgrund des
aktuellen Kenntnisstands nicht möglich, würden aber nach der abschliessenden
Beurteilung des Standortes umgehend vorgenommen. Der Kanton Bern trage bei
Betriebsstandorten jeweils die ganze Parzelle ein, wenn nicht eindeutig unbelastete
Teilflächen, wie z.B. landwirtschaftliche Flächen, ausgeschieden werden könnten. Bei alten
Betriebsarealen habe sich dieses Vorgehen bewährt, da die betriebliche Geschichte häufig
komplex sei und belastungsrelevante Tätigkeiten oft an verschiedenen Standorten
vorgenommen wurden.
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b) Das Altlastenrecht sieht ein schrittweises Vorgehen zur definitiven Beurteilung eines
Standorts vor. Eine erste Triagierung, und damit auch der Katastereintrag der mit grosser
Wahrscheinlichkeit belasteten Standorte, erfolgt aufgrund der vorhandenen Angaben, ohne
dass die Behörden zu weiteren Untersuchungen verpflichtet sind (Art. 5 Abs. 1 AltlV). Erst
in einem zweiten Schritt werden die häufig kostspieligen und zeitintensiven Messungen
und Untersuchungen vorgenommen. Eine gewisse Fehlerquote wird bei diesem Vorgehen
in Kauf genommen.13 Dies ist aber zu vertreten, da Standorte, die sich nachträglich als
unbelastet erweisen, von der Behörde von Amtes wegen wieder aus dem Kataster gelöscht
werden (Art. 6 Abs. 2 Bst. b AltlV).
c) Es steht vorliegend fest, dass die bisher durchgeführten Untersuchungen nur
einzelne Teile des Standorts betreffen und keinesfalls abschliessend sind. Aufgrund der
langen Dauer des Betriebs der Textilwerke und der Kenntnislücken für die Zeit vor 1960
kann das Areal nicht in Bereiche aufgeteilt werden, die mit Sicherheit nicht belastet sind.
Vielmehr ist davon auszugehen, dass auch die unverbauten Flächen mit grosser
Wahrscheinlichkeit belastet sind. Würden die unverbauten Flächen vom Katastereintrag
ausgenommen, so müssten keinerlei weitere Abklärungen mehr durchgeführt werden. Dies
ist aber vorliegend nötig.14 Der Eintrag des gesamten Standorts in den Kataster ist damit
verhältnismässig.
5. Eintrag in den Kataster der belasteten Standorte
Der Eintrag in den Kataster der belasteten Standorte erfolgte vorliegend aufgrund der
vorhandenen Unterlagen und der bereits durchgeführten Untersuchungen, welche ergeben
hatten, dass der Standort mit grosser Wahrscheinlichkeit belastet ist. Die
Beschwerdeführerinnen hatten ausreichend Gelegenheit, selber weitere Untersuchungen
durchzuführen. Der Eintrag des ganzen Areals in den Kataster ist verhältnismässig. Der
Eintrag in den Kataster der belasteten Standorte ist damit gerechtfertigt. Die Beschwerden
werden abgewiesen.
6. Kosten
13 Vollzugshilfe, S. 9 14 VGE 100.2009.220 vom 20. Mai 2010, E. 2.3.7
10
a) Die Grundsätze der Kostenverlegung sind in Art. 108 VRPG geregelt. Demnach
werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Verfahrensausgang gelten die Beschwerdeführerinnen als unterliegend.
Die Kosten für das Verfahren vor der BVE werden auf Fr. 1’800.00 festgesetzt (Art. 19
Abs. 1 GebV15). Die Beschwerdeführerinnen haben keinen Anspruch auf Ersatz ihrer
Parteikosten (Art. 108 Abs. 3 VRPG).