# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b8ac50a0-2565-4131-96a3-baabe98278bb
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der deutsche Staatsangehörige
X._
, geboren 19
80
,
arbeitet s
eit dem 1. September 2015
bei der
Y._
AG als bauleitender Monteur
. In dieser Eigenschaft ist
er
bei der
Suva
gegen die Folgen von Unfällen ver
sichert
(
Urk.
8/1)
. Am 27
.
August 2016 wurde er beim Vorbereiten von Montageteilen
auf
der Haupt
strasse von einem Auto erfasst und weg
geschleudert (Urk.
8/1).
Nebst einer Fraktur des Schulterblatts erlitt d
er Ver
sicherte multip
le Ver
letzungen beckenabwärts
(
Urk.
8/9 S. 1-2). Er wurde mit der Ambulanz in das S
pital
Z._
gefahren, wo
mittels bildgebender Verfahren die verschiedenen Brüche und Ver
letzungen erhoben wurden und die Unterschenkelfraktur mitte
ls Fixateur extern erstversorgt
(Urk. 8/9 S.
1-2, Urk.
8/12)
und a
m
2.
September 2016 operiert
wurde
(Urk. 8/9 S. 1-2,
Urk.
8/10)
. Danach war
er
bis am 1
3
.
September 2016 auf der chirur
gischen Abteilung des Spitals
Z._
hospitalisiert (
Urk.
8/
15
S.
1).
Die Suva er
brachte Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen (vgl.
Urk.
8/4
-8
)
.
Die w
eitere B
ehandlung erfolgte
auf Wunsch des Versicherten in
A._
durch
B._
, Facharzt für Chirurgie
(vgl. Urk.
8/11, Urk. 8/15 S. 2, Urk. 8/18).
Alsdann absolvierte der Versicherte
v
om 18.
Oktober bis 15. November 2016 eine ganz
tä
g
ige ambulante Rehabilita
tion bei der
C._
(
Urk.
8/24
-25
).
Nach der Abschlussuntersuchung in der
C._
wurde dem Versicherten die Fortführung der physiotherapeutischen Behandlung empfohlen (
Urk.
8/25 S. 3).
Am 2
7.
Januar 2017 teilte der Versicherte der Sach
bearbeiterin
der
Suva telefonisch mit, dass er keine Schmerzmittel
mehr
benötige
und
die Physiotherapie abgeschlossen sei.
Er habe seine Arbeit wieder aufgenom
men, übe nun aber mehrheitlich eine überwachende Tätigkeit aus (
Urk.
8/34).
In der Folge kam es a
m 11
.
Dezember 2018
in der
Klinik
D._
zur
Entfernung des
Osteosynthesematerial
s
im rechten Unter
schenkel
(
Urk.
8/49 S. 3
).
Aufgrund der damit verbundenen Arbeitsunfähig
keit des Versicherten erbrachte die Suva erneut Taggeldleistungen (vgl.
Urk.
8/54-56).
B._
hielt sodann
am
1
1.
Januar 2019 fest, dass der Versicherte
ab dem 1. Januar 2019
wieder
arbeitsfähig sei
(Urk.
8/49
S.
2
).
Mit Schreiben vom 1.
Februar 2019 teilte der Rechtsvertreter des Versicherten der Suva mit, dass die Materialent
fernung scheinbar erfolgreich verlaufen sei und der Versicherte seiner Arbeit wieder nachgehen könne. Es stelle sich nun die Frage nach möglichen Spät
folgen (
Arthroserisiko
etc.) sowie, ob ein entschädigungs
pflichtiger Inte
gri
täts
schaden vorliege (
Urk.
8/52). Auf Anfrage der Suva gab ihr
der
Versicherte am 2
0.
März 2019 zur Auskunft, dass die ärztliche und therapeutische Behand
lung abgeschlossen sei (
Urk.
8/59).
Alsdann bat d
ie Suva am 1
6.
Oktober 2019 um eine wohnortnahe Röntgenkontrolle des linken Knies (
Urk.
8/62). Daraufhin begab sich der Versicherte in die Praxis von
B._
, wo gemäss dessen Bericht vom 1
9.
November 2019 eine klinische Untersuchung des Beckens und beider Knie
sowie
Röntgenu
ntersuchungen beider Kniegelenke
sowie des rechten Unterschenkels und des Sprunggelenks
durchgeführt wurden (
Urk.
8/64 S. 2). Die
Suva-Kreisärztin med.
pract
.
E._
, Fachärztin für Chirurgie,
hielt am
6.
März 2020 fest, dass bezüglich des rechten Knies kein Inte
gritätsschaden vor
liege. Am 1
0.
März 2020 führte si
e sodann aus, dass beim
linken Knie
kein Integritätsschaden bestehe
(Urk.
8/71 S. 2). Gestützt darauf teilte die Suva dem Versicherten am
3.
April 2020 mit, dass keine Integritätsent
schädigung geschul
det sei (
Urk.
8/71 S. 1)
. Die Kreisärztin gab am
8.
Juni 2020
zudem
eine medizi
nische Beurteilung ab (Urk.
8/77). Am
9.
Juni 2020 verfügte die Suva, dass der Versicherte keinen Anspruch auf eine Integritätsent
schädigung habe
(
Urk.
8/78). Gegen diese Verfügung erhob der Versicherte am
7.
Juli 2020 Einsprache (
Urk.
8/83), welche
d
ie
Suva
mit
Einspracheentscheid
vom
28
.
Juli 2020
abwies
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
14
.
September 2020
Beschwerde und bean
tragte
(
Urk.
1 S. 2):
«
1.
Der Einsprache-Entscheid sei aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen.
2.
Die Vorinstanz sei zu verpflichten
,
den Gesundheitsschaden zum aktuellen Zeitpunkt sowie das Vorliegen eines Integritätsschadens mittels neutraler Expertise abzuklären.
3.
Eventuell sei die Vorinstanz zu verpflichten
,
den Beschwerdeführer durch einen Kreisarzt oder Kreisärztin der Beschwerdegegnerin persönlich unter
suchen zu lassen
,
um den aktuellen Gesundheitszustand und das Vorliegen eines Integritätsschadens festzustellen.
4.
Subeventualiter
sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen und diese sei zu verpflichten
,
bei Herrn
Dr.
F._
,
Klinik G._
,
den Verlaufs- und Untersuchungsbericht einzuholen und gestützt auf die Erkenntnisse die
ses Bericht
e
s neu zu entscheiden
.
5.
Eventuell sei der Gesundheitszustand und das Vorliegen eines möglichen Integritätsschadens mittels Gerichtsexpertise abzuklären
.
6.
Gestützt auf die Abklärungsergebnisse sei dem Beschwerdeführer eine Integ
ritätsentschädigung auszurichten.
7.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerde
geg
nerin.»
Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom
21
.
Oktober
20
20
Abweisung der Beschwerde (Urk.
7
, unter Beilage
ihrer Akten, Urk.
8/
1-
90
).
Mit Eingabe vom 1
4.
Januar 2021 nahm der Beschwerdeführer zur Beschwerde
antwort vom 2
1.
Oktober 2020 Stellung (
Urk.
14) und reichte die
Sprechstunden
berichte von
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie, vom 1
3.
November und 1
6.
Dezember 2020 (
Urk.
15/6-7
)
ein
.
Der Beschwerdegegnerin wurde am 18. Januar 2021 e
ine Kopie
dieser
Eingabe zur Kenntnisnahme zugestellt (
Urk.
16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Beschwerdeführer
ist
deutscher Staatsangehöriger
mit Wohnsitz in Deutsch
land
(
Urk.
8/1). Er
arbeitet
als
Grenzgänger
in der Schweiz (Urk.
3/5
)
.
Im Zeit
punkt der Beschwerdeerhebung beim hiesigen Gericht
arbeitete
er
bei der
Y._
AG mit Sitz in
H._
(
Urk.
1 S.
3
,
Urk.
3/4
-5
).
Das Sozialversiche
rungsgericht des Kantons Zürich ist gemäss
Art.
58
Abs.
2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungs
rechts (ATSG) örtlich sowie - gestützt auf
§
2
Abs. 1
lit
. e des Gesetzes über das das Sozial
versicherungsgericht (
GSVGer
) -
sachlich zur Beurteilung der vor
liegenden Beschwerde zuständig.
1.2
Gemäss Schadenmeldung UVG der
Y._
AG vom 2
9.
August 2016 war der Beschwerdeführer
dort
in einem 100%-Pensum angestellt (
Urk.
8/1). Soweit ersichtlich
,
war er zum Zeitpunkt des Unfalls vom 2
7.
August 2016 aus
schliesslich in der Schweiz erwerbstätig.
Die
im Anhang II des
Abkommen
s
vom 21.
Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Fr
ei
zügigkeit (FZA
)
als massgebend erklärten, hier anwendbaren Art. 11 Abs. 1 und Art. 11 Abs. 3
lit
. a der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 vom 29. April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit
führen
zur Anwendbarkeit von Schweizer Recht
.
1.3
Gemäss
Art. 6 des
Bundesgesetz
es
über die Unfallversicherung (UVG)
werden -
soweit das
Gesetz nichts anderes bestimmt -
die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Be
rufskrankheiten gewährt
(
Abs.
1)
.
Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
1.4
1.4.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang prak
tisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.5
Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Die Integritätsentschädigung wird in Form einer Kapitalleistung gewährt. Sie darf den am Unfalltag geltenden Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht
übersteigen und wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Art. 25 Abs. 1 UVG).
Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36
der Verordnung über die Unfallversicherung (
UVV
)
Gebrauch gemacht. Abs. 1 bestimmt, dass ein Integritätsschaden als dauernd gilt, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens mindestens in gleichem Umfang besteht; er ist erheblich, wenn die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird. Gemäss Abs. 2 gelten für die Bemessung der Integri
tätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs
3.
Fallen mehrere körperliche, geistige oder psychische Integritätsschäden aus einem oder mehreren Unfällen zusammen, so wird die Integritätsentschädigung nach der gesamten Beeinträch
tigung festgesetzt. Die Gesamtentschädigung darf den Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und bereits nach dem Gesetz bezogene Entschädigungen werden prozentual angerechnet (Abs. 3). Voraus
sehbare Verschlimmerungen des Integritätsschadens werden angemessen berücksichtigt. Revisionen sind nur im Ausnahmefall möglich, wenn die Verschlim
merung von grosser Tragweite ist und nicht voraussehbar war (Abs. 4).
1.6
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
gehenden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärzt
lichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versicherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungs
massnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24 Abs. 2 UVG;
BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen;
Urteil
des Bundes
gerichts
8C_
527/2020
vom 2.
November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen
). Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Mass
gabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Begriffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch weitere (zweck
mässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von weite
ren Massnahmen - wie etwa einer Badekur -
zu erwartender geringfügiger therapeu
tischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In diesem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person prognos
tisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_
363/2020
vom 2
9. September 2020 E. 3.2
mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3).
1.7
1.7
.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.7.2
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzu
nehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.7.3
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befas
sung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (SVR 2010 UV Nr. 17 S. 63, 8C_239/2008 E. 7.2; SZS 2008 S. 393, I 1094/06 E. 3.1.1 in
fine
; Urteil 8C_322/2020 vom 9.
Juli 2020 E. 3 mit Hinweisen).
2
.
2.1
Im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
8.
Juli 2020 führte die Beschwer
de
gegnerin im Wesentlichen aus, dass auf die Beurteilung der Kreisär
ztin vom 9. Juni 2020 abgestellt werden könne. Diese Beurteilung erscheine schlüssig, sei nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei. Sie stütze sich auf die medizinischen Akten, welche ein vollständiges Bild über Anamnese, Ver
lauf und gegenwärtigen Status ge
ben würden
, unbestritten seien und den Untersuchungs
befund lückenlos wiedergeben würden. Auch fänden sich keine Indizien gegen die Zuverlässigkeit der kreisärztlichen Beurteilung. Wenn die Akten eine Beur
tei
lung des
Integritätsschadens zulassen würden, stehe einer Aktenbeurtei
lung unabhängig von der Schwere des Unfalls oder der Art der Verletzung nichts ent
gegen. Anhand der Befunde der behandelnden Ärzte hätten Bewegungsein
schränkungen an den betroffenen Gelenken ausgeschlossen werden können
. Für die Frage, ob eine Arthrose vorliege, würden Röntgenaufnahmen die mass
geb
liche Beurteilungsgrundlage darstellen und es liesse sich nichts dagegen einwen
den, dass diese Fragen vorliegend ohne Untersuchung des Beschwerdeführers
beantwortet worden seien (
Urk.
2 S. 5).
2.2
Der Beschwerdeführer
liess
mit seiner Beschwerde vom 14. September 2020
zusammengefasst vorbringen, dass
die
Beurteilung der Kreisärztin weder plausi
bel noch schlüssig noch nachvollziehbar
sei
. Sie habe sich nicht mit dem Verlauf des Gesundheitsschadens und auch nicht mit den einzelnen Berich
ten der be
han
delnden Ärzte auseinandergesetzt (Urk. 1 S. 7)
.
Er sei von der Kreis
ärztin
zudem
nicht persönlich untersucht worden. Die Beschwerdegegnerin habe auch keine Unter
suchung durch eine Schweizer Spezialärztin oder einen Schweizer Spezial
arzt veranlasst. Stattdessen sei er von
der
Beschwerdegegnerin zu seinem be
han
deln
den Arzt
B._
geschickt worden (Urk. 1 S. 5, S. 7-8). Der Besuch bei
B._
habe
dann
gerade mal 10 bis 15 Minuten gedauert. Anläss
lich dieses Kurzbesuches habe
B._
ihm gegenüber aber bestätigt, dass eine leichte Arthrose bereits vorliege, weitere Behandlungen im Moment aber nicht notwendig seien (Urk. 1 S. 5, S. 8). Er leide aber nach wie vor an Restfolgen der Verletzungen. So könne er das rechte Bein nicht voll belasten, weil das rechte Knie eine Vollbelastung nicht aushalte und Schmerzen verur
sache. Auch das linke Knie schmerze regelmässig, insbesondere beim Wetter
wechsel. Inwieweit die Hüftbrüche und die weiteren Brüche ausgeheilt seien oder ob diese möglich
er
weise bereits jetzt Beschwerden im Alter prophezeien würden, sei wegen man
gelnder Abklärungen durch die Beschwerdegegnerin im Moment nicht beurteilbar (Urk. 1 S. 7).
In seiner Stellungnahme zur Beschwerdeantwort der Beschwerde
gegnerin vom 1
4.
Januar 2021
liess
der Beschwerdeführer sodann zusammen
gefasst
ausführen
, dass
aus den Sprechstundenberichten von Dr.
F._
vom 12. November
und 15.
Dezember
2020 hervorgehe, dass
noch Restbeschwerden
bestünden
, welche vom Unfall vom 27.
August 2016 herrühren
würden
(Urk.
14 S.
3).
Er leide nach wie vor an den Folgen des Unfalls und es seien weitere Behandlungen geplant. Sein Anspruch auf Integritätsentschädigung könne
erst
beurteilt werden,
wenn von medizinischen Massnahmen keine Besserung mehr erwartet könne.
Das Vorliegen eines Integritätsschadens
sei von der Beschwerde
gegnerin somit zu früh beurteilt worden (Urk. 14 S. 4).
3.
3.1
Im Austrittsbericht des
Spital
s
Z._
zur Hospitalisation vom 27. August bis 13.
September 2016 wurden die folgenden Hauptdiagnosen gestellt (
Urk.
8/15
S.
1):
-
1° offene 2-Etagen-Unterschenkelfraktur rechts
-
Gering dislozierte Fraktur Ala
scapulae
links
-
Undislozierte
Beckenringfraktur links (AO 61-B2) mit
-
Ace
ta
bulumnaher
oberer und unterer Schambeinastfraktur
-
Undislozierte
Fraktur Os
Sacrum
links
-
Tibiakopf-Spaltimpressionsfraktur
dorso
-medial mit Ausriss der
Emenentia
intercondylaris links
Diesem Bericht ist weiter zu entnehmen,
dass
die Unterschenkelfraktur rechts am
2
7.
August 2016
notfallmässig mit einem
Fixateur Externe
(
tibiotibal
, Hoffmann II)
stabilisiert
worden sei
(
Urk.
8/15 S. 1-2)
. Am
2.
September 2016 sei es zur Entfernung des Fixateurs und Osteosynthese mittels 7 Loch 3.5 LCP (proximal) und 375/10 mm aufgebohrte
m
Tibia Expert Nagel rechts
gekommen (
Urk.
8/15 S.
1). Die nicht dislozierte
Tibiakopffraktur
links sei in einer Kniegelenksschiene mit Flexionshemmung 0/0/60° stabilisiert worden. Die Becken- und
Scapula
frak
tur
sei
en
ebenfalls konservativ behandelt worden
(
Urk.
8
/15 S. 2).
Zum weiteren Prozedere nach dem Spitalaustritt am 1
3.
September 2016
(Urk.
8/15 S. 1)
wurde
unter anderem
festgehalten
, dass der Eintritt in eine Reha
bilitationsklinik in Deutschland vorgesehen sei (
Urk.
8/15 S. 2).
Dem Beschwerdeführer wurde eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 2
7.
August 2016 bis auf w
eiteres attestiert.
Dazu wurde festgehalten, dass d
ie genaue Fest
legung durch die nachbehandelnden Kolleginnen und Kollegen erfolgen
werde
(
Urk.
8/15 S. 3).
3.2
Bei der Abschlussuntersuchung am 1
4.
November 2016 in der
Reha
C._
war die Beweglichkeit im Bereich der Hüft-, des linken
Knie- und der Sprunggelenke aktiv und passiv altersentsprechend möglich. Zum Lokalbefund am rechten Unterschenkel wurde festgehalten, dass reizlose Narbenverhältnisse, eine minimale Kapselschwellung, aber keine wesentliche Überwärmung, keine Rötung, kein
Druckschmerz und
keine Thrombosezeichen
bestanden hätten. Die Beweglichkeit im Kniegelenk sei noch geringfügig eingeschränkt gewesen. Das Zeichen nach
Zohlen
sei negativ gewesen
(Urk. 8/25 S. 3).
Dem Beschwerdeführer wurde die Fortführung der intensiven physiotherapeutischen Behandlung im Rahmen der Erweiterten Ambulanten Physiotherapie (EAP) für weitere 10 Behand
lungs
einheiten empfohlen (
Urk.
8/25 S.
3
).
3.
3
B._
führte in seinem Bericht vom
4.
Oktober 2018 bei den aktuellen klinischen Untersuchungsbefunden aus, dass eine freie Beweglichkeit des rechten Kniegelenks bestehe, die Wunde sei reizlos, der Kapselbandapparat sei stabil und die Motorik, die Durchblutung und die Sensibilität seien intakt (
Urk.
8/45 S. 1).
3.4
Nach der Untersuchung des Versicherten vom 2
6.
Oktober 2018 hielt
Dr.
I._
, Chefarzt Klinik
D._
,
am 29. Oktober 2018 fest, dass die aktuellen Röntgenaufnahmen eine achs
en
gerechte Frakturkonsoli
dierung zeigen würden (
Urk.
8/43 S. 1-2).
Alsdann hielten die Ärzte
de
r Klinik
D._
in ihrem Bericht vom 1
2.
Dezember 2018 fest, dass bei röntgenologisch gesicherter voll
ständig knöchern
-
konsolidierter Unterschenkelfraktur rechts am 11. Dezember 2018 das Osteosynthesematerial im rechten Unterschenkel vollständig entfernt worden sei. Der
peri
- und postoperative Verlauf habe sich problemlos gestaltet. Die postoperative Röntgenaufnahme des rechten Unterschenkels habe eine voll
ständige Entfernung des Osteosynthesematerials gezeigt. Bis zur uneinge
schränk
ten Mobilisation solle die
Thromboembolieprophylaxe
unter begleitenden Blutbildkontrollen fortgeführt werden. Zum Entlassungszeitpunkt
hätten sich reizlose Wundverhältnisse gefunden. Die periphere Motorik, Durchblutung und Sensibi
li
tät sei
en
intakt gewesen (
Urk.
8/49 S. 3).
3.5
Nach der
Osteosynthesema
terialentfernung vo
m 11. Dezember 2018
attestierte
B._
dem Beschwerdeführer am 1
4.
Dezember 2018 zunächst eine Arbeitsunfähigkeit bis
2.
Februar 2019 (Urk. 8/48
S. 3).
Am 11. Januar 2019
hielt
er
dann fest, dass der
Beschwerdeführer
ab dem 1. Januar 2019 arbeitsfähig sei (Urk. 8/49 S. 3).
3.6
In seinem
Bericht vom 19. November 2019
führte
B._
zu
den aktuel
len klinischen Untersuchungsbefunden aus, dass beim rechten Knie die Achse grobklinisch gerade sei. Alle Wunden seien reizlos abgeheilt. Er habe eine leichte Krepitation des rechten Kniegelenks, ohne
Meniskopathiezeichen
, (mit) festem
Patellaspiel
so
wie guter Bandführung und keinen
Erguss festgestellt. Die Sensi
bilität sei intakt. Der
Einbeinstand
sei rechts gut möglich. Beim linken Knie stellte er eine Krepitation bei Beugung, aber keinen Erguss fest. Der Bandapparat sei stabil. Es bestünden keine sic
heren
Meniskopathiezeichen
. Die Achse sei gerade und die Muskulatur gut ausgebildet. Das Becken sei nach den erlittenen Frakturen unauffällig. Es bestünden kein Bewegungsschmer
z und kein lokaler Druck
schmerz
(Urk.
8/64 S.
2).
Die Ergebnisse der zusätzlichen bildgebenden Diagnostik gab
B._
wie folgt wieder (Urk. 8/64 S. 2):
«
rechtes Kniegelenk:
Sk
l
eroserandbildung
im Bereich
des bereits entfernten
Tibia
nagels
und Verriegelungsschrauben, gerader Gelenkspalt
rechte
r Unterschenkel mit Sprunggelenk: es zeig
t
sich im die Konsolidierte Fraktur der Tibia und der Fibula, mit leichtem Seitversatz und kräftiger Kallus
bildung. Es zeigt sich die
Skleroserandbildung
im Verlauf des entfernten
Tibia
nagels
linkes Kniegelenk: nahezu unauffällige Darstellung, der Tibiakopf erschein
t
homogen, der Gelenkspalt ausgeglichen und
parallel
.
In allen Gelenkanteilen noch keine
Arthrosezeichen
»
3.7
Die Kreisärztin
med.
pract
.
E._
hielt in ihrer medizinischen Beurteilung vom
8. Juni 2020
fest, dass
b
ezüglich der Fraktur im Bereich der Scapula links, welche gut
in einem Muskelmantel vorsorgt gewesen sei, kein Integritäts
schaden
bestehe
. Im Bereich der Beckenringfraktur, welche ebenfalls folgenlos ausgeheilt sei, bestehe ebenfalls kein Integritätsschaden.
D
ie
Unterschenkelfraktur rechts sei osteo
synthetisch versorgt worden. Die
Osteosynthesematerial
entfernung
sei pro
blem
los
gewesen
.
Eine Affektion der Gelenke sei nicht vorhanden. Im Röntgen
bild hätten
sich keine arthrotischen Veränderungen gezeigt, welche zu einem Anspruch auf eine Integritätsentschädigung führ
t
e
n
. Bezüglich der
Tibiakopf
spalt-Impressionsfraktur
dorsomedial
und dem Ausriss der Eminentia der
Inter
kondylaris
links bestehe ebenfalls ein aktuelles Röntgenbild ohne Arthrose im Bereich des Knies. Aktuell sei anhand der Untersuchung beider Knie sowie der Bildgebung beider Knie keine Integritätsentschädigung geschuldet, da die
Erheb
lichkeitsgrenze
für eine Integritätsentschädigung gemäss Tabellen UVG nicht gegeben sei. Sollte sich der Befund im Verlauf des Lebens des Beschwerde
führers verändern, sei eine Rückfallmeldung beziehungsweise eine
Reevaluation
einer Integritätsentschädigung notwendig
(Urk.
8/77).
3.8
In seinem Sprechstundenbericht vom 1
5.
Dezember 2020 gab
Dr.
F._
den Befund und die Beurteilungen der MRI-Unt
ersuchung des rechten Knies vom
1
8.
November 2020 wie folgt wieder (
Urk.
15/7 S. 1-2):
«
MRI-Untersuchung des rechten Knies vom 1
8.
November 2020
Der mediale und der laterale Meniskus sind intakt. Intakte Verhältnisse beider Kreuzbänder. Normale Verhältnisse beider Seitenbänder. Kein Kniegelenkerguss.
Femorotibial
zeigt der Knorpel keine Substanzdefekte. Der
patelläre
Knorpel weist eine Läsion auf in der medialen Facette über eine Weite von 7 mm. Sub
kortikal besteht
weiter kaudal ein Ödem über eine Tiefe von 8 mm. Eine Osteo
nekrose ist nicht demarkiert. Die Patella ist zentriert. Die Knorpelbeschichtung im femoralen
Patellagleitlager
gestaltet sich regelrecht. Intakte Verhältnisse des medialen und lateralen
Retinakulums
. Keine Baker-Zyste. Normale Signalver
hältnisse der
Quadri
zepssehne. Die Patellarsehne ist
deutlich volumenvermehrt und signalerhöht im Rahmen
einer
Tendi
n
opathie
. Der Marknagelkanal
ist
nach
weisbar.
Beurteilung
Knorpelläsion in der medialen Facette der Patella. Ödem subkortikal in der medialen Patella weiter kaudal. Deutliche
Tendinopathie
der Patellarsehne.
Eigene
Zusatzbefundung
Im
Bereich der Patellarsehne, die während der Opera
tion längs
inciciert
wurde, um den Nagel einzuführen, besteht eine Verdickung. Es handelt sich
eigentlich nicht um eine
Tendinose
, sondern um eine Vernar
bung
. Im Bereich des
Hoffa’schen
Fettkörpers finden sich Narben. Der
Markraum
der Tibia ist von Seiten des Nagels immer noch gut sichtbar.»
Die Schmerzen des Beschwerdeführers, die sich an der
Patellaunterfläche
, der Patellarsehne und des
Hoffa’schen
Fettkörpers lokalisier
t
en, seien einerseits auf eine ausgeprägte Verdickung der Patellarsehne durch die
Längsincision
, die zur Einführung des Nagels benutzt worden sei, zurückzuführen, andererseits auf Vernarbungen des
Hoffa’schen
Fettkörpers, die sehr schmerzhaft sein könnten. Daneben bestünden auch
femoropatelläre
Knorpelschäden.
Zum weiteren Prozedere schlug Dr.
F._
(1)
konsequente
Physiotherapie mit lokaler Schmerzbehandlung, (2) eventuell Infiltration des
Hoffa’schen
Fett
körpers, (3) eventuell intraartikuläre diagnostisch/therapeutische Infiltration wegen der Knorpelschäden der Patella vor. Sollten die Schmerzen längerfristig persistieren
,
würde Dr.
F._
eine Arthroskopie mit Evaluation des
Hoffa’schen
Fettkörpers, eventuell eine Resektion von Narben oder instabilem Gewebe
prüfen wollen
.
4.
4.1
Mit dem angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 28. Juli 2020
(
Urk.
2)
bestätigte die Beschw
erdegegnerin ihre Verfügung vom
9. Juni 2020
mit welcher sie einen Anspruch des Beschwerdeführers auf
eine Integritätsentschädigung
verneinte
(Urk. 8/78).
Im Folgenden ist z
u prüfen, ob dieser Entscheid der Beschwerdegegnerin rechtens war.
4.2
4.2.1
D
er Streitgegenstand
beschränkt sich
nicht
einzig auf die Frage, ob
der Beschwer
de
führer Anspruch auf
eine
Integritätsentschädigung
hat.
N
ach der Recht
sprechung des Bundesgerichts
hängt
die Einstellung der vorübergehenden Leistungen wie Heilbehandlung und Taggelder und der Fallabschluss mit
der
Prüfung der Rentenfrage und Integritätsentschädigung derart eng zusammen, dass von einem einheitlichen Streitgegenstand auszugehen ist
(BGE 144 V 354 E. 4.2 mit Hinweisen).
In seiner Stellungnahme zur Beschwerdeantwort vom 14. Januar 2021 bri
ngt der Beschwerdeführer
vor,
aus den Berichten von Dr.
F._
vom 13. November und 16. Dezember 2020 (Urk. 15/6-7)
sei
ersichtlich, dass
noch
behandlungsbedürftige Beschwerden bestünden,
welche
auf den Unfall vom 27.
August 2016 zurückzuführen seien
(Urk. 14 S. 3-4)
. Demnach habe die Beschwerdegegnerin zu früh beurteilt, ob
ein Integritätsschaden vorliege
(Urk.
14 S.
4).
Es ist deshalb
vorab
zu
beurteilen
, ob die Beschwerdegegnerin den Fall bereits abschliessen und den Anspruch der Integritätsentschädigung prüfen durfte.
4.2.2
Dem Sprechstundenbericht von
Dr.
F._
vom 1
2.
November 2020 ist zu ent
nehmen, dass der Beschwerdeführer aktuell an Restbeschwerden im Knie rechts leide (
Urk.
15/6 S. 1). In seiner klinischen Untersuchung erhob
Dr.
F._
ein leichtes
retropatelläres
und
infrapatelläres
Reiben sowie eine
Druckdolenz
im Bereich des
Hoffa’schen
Fettkörpers.
Die
Beschwerden
träten
bei Belastung im proximalen Anteil des rechten Knies, vor allem im Bereich
des
Hoffa’schen
Fett
körpers und des Liga
men
tum patellae sowie am unteren Pol der Patella
auf
(
Urk.
15/6 S. 2).
Die vorgeschlagene mögliche Behandlung erschöpft sich in Phy
siotherapie und lokaler Schmerzbehandlung, allenfalls Infiltrationen. Dass damit eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes erreicht
werden kann,
legt Dr.
F._
nicht dar
. Kommt hinzu, dass der Beschwerdeführer physio
therapeutische Übungen zur Kräftigung der Beinmuskulatur sowie das Einreiben schmerzstillender Salben und Applizieren von Pflaster bei Bedarf auch ohne ärzt
liche Behandlung durchzuführen vermag. Ein Schmerzmittelkonsum ist nach Aktenlage bereits seit Januar 2017 nicht mehr notwendig (vgl. Urk. 8/34).
Ob die von Dr.
F._
befundete Knorpelläsion in
der medialen Facette für die Schmer
zen mitverantwortlich
ist
, erhellt
s
ich aus seinem Bericht nicht, jedenfalls erach
tet
e
er einen allenfalls auch diagnostisch notwendigen invasiveren Eingriff vorerst jedenfalls für nicht angezeigt. Damit kann der Beschwerdeführer mit den von ihm neu aufgelegten Berichten die Notwendigkeit weiterer Heilbehandlung nicht dartun.
Aus d
en Akten der Beschwerdeg
egnerin
ergibt sich sodann
, dass
der Beschwerde
führer nach der
Osteosynthesematerialentfernung vom
11. Dezember 2018 (Urk. 8/49 S. 3)
gemäss seiner Arbeitgeberin
ab
dem
1.
Januar 2019
wieder in einem 100%-Pensum
arbeitete (Urk. 8/54 S. 1). Deren Angaben ist zudem zu ent
nehmen, dass sich der vertragliche Grundlohn des Beschwerdeführers
seit dem Unfall vom 2
7.
August 2016
zwischenzeitlich
von Fr. 4'600.-- (Schadenmeldung vom 2
9.
August 2016, Urk. 8/1) auf Fr. 6'000.-- (Meldung vom 1
1.
Februar 2019, Urk. 8/54 S. 1)
erhöht hatte
.
Als
dann
ersuchte Rechtsanwalt Flury die Beschwer
degegnerin m
it Schreiben vom 1. Februar 2019 darum, die Fragen nach mög
lichen Spät
folgen (
Arthroserisiko
etc.) und nach
einem entschädigungs
pflichtigen
Inte
gritäts
schaden zu prüfen (Urk. 8/52).
Damit ging
der Beschwerdeführer damals selbst davon aus, dass die Zeit für die Beurteilung seines Anspruches auf eine Integritätsent
schädigung gekommen sei.
Der Beschwerdeführer bestätigte der Beschwerde
gegnerin am 20. März 2019 zudem, dass die ärztliche und
physio
therapeutische Behand
lung abgeschlossen sei (Urk. 8/59).
Am 2
5.
März 2019
informierte
die Beschwerdegegnerin, dass gemäss
Kreisarzt Dr. med.
J._
, Facharzt für Chirurgie, eine definitive Stellung
nahme bezüglich des Integra
tionsschadens so kurz nach d
em letzten Eingriff (gemeint war
die Osteo
synthesematerialentfernung vom 11. Dezember 2018,
vgl.
Urk. 8/49 S. 3) noch nicht
möglich
sei. Der Anspruch auf eine Integritätsent
schädigung werde im Juli 2019 erneut geprüft (
Urk.
8/60). Dem widersetzte sich der Beschwerdeführer gemäss den vorliegenden Akten nicht. Er machte damals insbesondere nicht gel
tend, dass noch Restschmerzen bestünden und unfallbedingte Behandlungen noch nicht abgeschlossen seien. Seine nächste Arztkonsultation im Zusammen
hang mit dem Unfall vom 2
7.
August 2016 erfolgte - soweit ersichtlich - erst, als er von der
Beschwerdegegnerin
zur Beurteilung des Integritätsschadens
zu einer
wohnortnahe
n
Röntgenkontrolle des linken Knies
aufgefordert wurde
(Urk. 8/62, Urk. 8/64 S. 2).
Im vorliegenden Fall hat die Beschwerdegegnerin ihre Heilbehandlungs- und Taggeldleistungen formlos eingestellt, denn es findet sich keine entsprechende Verfügung und kein entsprechendes Schreiben
bei den Akten. Anhand dieser Akten kann der Fallabschluss aber auf den
1.
Januar 2019 festgelegt werden, denn damals war der Beschwerdeführer wieder zu 100% arbeitstätig und
die
medizinische Behandlung
abgeschlossen
. Die Verfügung betreffend Integritäts
entschädigung
wurde von der Beschwerde
geg
nerin am 9. Juni 2020 erlassen (Urk. 8/78)
. Sie hat so
mit nicht zu früh über den Anspruch auf eine Integritäts
ent
schädigung entschieden.
4.3
4.3
.1
Zu prüfen bleibt die Beweiskraft und Schlüssigkeit der
Aktenbeurteilung der Kreisärztin
med.
pract
.
E._
vom 8. Juni 2020 (
Urk.
8/77)
beziehungsweise
die Frage,
ob weitere medizinische A
b
klärungen zur Beurteilung des Integritäts
scha
dens not
wendig sind
.
4.3.2
Entgegen den Vorbringen des Beschwerdeführers spricht vorliegend nichts gegen ein reines Aktengutachten (E. 1.7.2). Die anlässlich des Unfalles erlittenen Schä
digungen sind unbestritten und werden hinsichtlich der Residuen einhellig beur
teilt.
B._
hat in seinem
B
ericht vom
19. November 2019 die Befunde von
klinischen Untersuchung
en
und von Röntgenunter
suchungen angegeben
(Urk. 8/64 S. 2). Zu den Röntgenuntersuchungen hat
B._
festge
halten, dass in allen Gelenken noch keine Anzeichen für eine Arthrose bestünden (Urk. 8/64 S. 2). Der Beschwerdeführer behauptet
, dass
B._
ihm gegenüber bestätigt habe, dass eine leichte Arthrose bereits vorliege
(Urk. 1 S. 5
).
Richtig ist, dass
B._
festhielt, im rechten und linken Kniegelenk sei eine Arthrose zu erwarten, weshalb er - offensichtlich nach deutscher Rechtslage - eine 20%igen «
MdE
» für gerechtfertigt hielt (Urk. 8/64 S. 2).
Wie es sich damit
verhält kann offen bleiben.
Die Röntgenbilder
wie auch sämtliche
Vorakten
stan
den
der Kreisärztin zur Verfügung (
Urk.
8/70).
Welche weiteren Erkenntnisse zur Beurteilung des Integritätsschadens aus einer persönlichen Untersuchung zu erwarten wären, erhellt sich nicht.
Es ist somit nicht zu beanstanden, dass die Kreisärztin die Frage, ob ein Integritäts
schaden vorliegt, anhand der in den Akten der Beschwerdegegnerin vorhandenen medizinischen Berichte und Röntgenbilder beurteilt hat
(vgl.
Urk.
8/77)
.
Der Beschwerdeführer ist sodann daran zu erinnern, dass rechtsprechungsgemäss kein Anspruch auf ein versicherungsexternes Gutachten besteht.
Weder aus
Art.
29
Abs.
1 und 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV)
noch aus
Art.
6
Ziff.
1
der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(
EMRK
)
folgt eine Regel, wonach bei streitigen Leistungsansprüchen stets auch versiche
rungsexterne medizinische Entscheidungsgrundlagen einzuholen sind. Im Rah
men der freien Beweiswürdigung ist es
somit
grundsätzlich zulässig, dass Ver
waltung und Sozialversicherungsgerichte den Entscheid allein auf versicherungs
interne E
nt
scheidungsgrundlagen stützen
(BGE 122 V 157 E. 3).
4.3.3
Dem Beschwerdeführer kann schliesslich ebenfalls nicht gefolgt werden, wenn er die medizinische Beurteilung der Kreisärztin vom
8.
Juni 2020 als nicht beweis
kräftig
ansieht. Entgegen der Darstellung des Beschwerdeführers
befasste sich die Kreisärztin in ihrer Beurteilung vom
8.
Juni 2020 nicht
einzig mit dem
rechten Knie
(Urk. 1 S. 6, S. 8), sondern mit sämtlichen beim Unfall vom 27.
August
2016 erlittenen Frakturen (
Urk.
8/77).
Ihre Beurteilung entspricht dem von der Recht
sprechung an den Beweiswert einer ärztlichen Expertise gestellten Anforderungen
(E. 1.7.1)
.
Sodann vermag i
hre Beurteilung, wonach bezüglich der Fraktur
im Bereich der
Scapula links und der Beckenringfraktur (vgl.
Urk.
8/15 S. 1) kein Integritätsschaden bestehe, weil diese Frakturen gut beziehungsweise folgenlos verheilt sin
d,
vollauf
zu überzeugen. Etwas A
nderes ist auch vom Beschwerde
führer nicht behauptet worden.
Der Beschwerdeführer
sieht entschädigungs
pflichtige Arthrosen in den Kniegelenken
(
Urk. 1 S. 5
).
Wie festgehalten, führte
B._
nach den
Röntgenuntersuchungen
in seinem
Bericht vom
19. November 2019
aber aus
, dass in allen Gelenken keine Anzeichen für eine Arthrose bestünden
(Urk. 8/64 S. 2)
. Die Kreisärztin konnte auf den Röntgen
bildern beim linken Knie ebenfalls keine Arthrose feststellen
(
Urk.
8/77)
. Bezüg
lich des rechten Knies hielt sie fest,
dass
das Röntgenbild
keine arthrotische Ver
änderungen zeige, welche zu einem Anspruch auf eine Integritätsentschädigung führe (
Urk.
8/77). In den Akten, welche der Kreisärztin bis zu ihrer Beurteilung vom
8.
Juni 2020 vorgelegen haben, finden sich keine Angaben, welche diese Feststellung
en
der Kreisärztin in Zweifel ziehen könnten
.
Die
auf Veranlassung von
Dr.
F._
am 1
8.
November 2020 - mithin rund ein Jahr nach den Rönt
genuntersuchungen durch
B._
im November 2019 (Urk. 8/64 S. 2-3) -
durchgeführte
MRI-Untersuchung des rechten Knies (
Urk.
15/7 S. 1-2)
vermag an
dieser
Beurteilung nichts zu ändern
.
Dr.
F._
spricht im folgenden
Sprech
stunden
bericht vom 1
5.
Dezember 2020 ebenfalls nicht von einer Arthrose im re
chten Knie
(vgl.
Urk.
15/7 S. 2).
Er befundet
e
eine Läsion des
patellären
Knor
pels in der medialen Facette, hielt aber
femorotibial
keine Subs
tanzdefekte, intakte
Meniskusse
und
eine regelrechte Knorpelbeschichtung im femoralen
Patellagleitlager
fest bei allseits stabilen Bandverhältnissen
. Damit ist ein ent
schädigungspflichtiger Integritätsschaden am Knie (vgl. auch
die von der Suva herausgegebene
Tabelle 5, Integritätsschaden bei Arthrosen
; zu deren Bedeutung:
BGE 124 V 29 E. 1c, 116 V 156 E. 3a
) nicht ausgewiesen. Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass
von Gesetzes wegen
lediglich erhebliche Schäden
einen
Anspruch auf eine Integritätsentschädigung begründen (vgl. Art. 24 Abs. 1 UVG, Art. 36 Abs. 1 UVV)
, die jedenfalls
gemäss der im Anhang
3
gestützt auf Art. 36 Abs. 2 UVV
erlassenen Skala fünf Prozent erreichen oder übersteigen (vgl. Anhang 3 Ziffer 1 Abs. 3).
Die medizinische Beurte
ilung der Kreisärztin vom
8.
Juni 2020 (
Urk.
8/77) erfüllt die an den Beweiswert einer Aktenbeurteilung gestellten Anforderungen und ist
schlüssig und überzeugend. Die Beschwerdegegnerin durfte somit auf diese Beurteilung abstellen.
Demnach erweist sich der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 28. Juli 2020 (
Urk.
2) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.