# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4a68633a-3b05-4f1c-a596-003887fcec19
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ ist Eigentümer der Parzelle Nr. 000_, Grundbuch X._, und die Politische
Gemeinde X._ Eigentümerin der Parzelle Nr. 001_, über welche die Y._-strasse,
Gemeindestrasse erster Klasse führt. Rund 33 m nördlich des südöstlichen
Grenzpunkts der Parzelle Nr. 000_ befindet sich grösstenteils auf der Strassenparzelle
Nr. 001_, teils im Wald (Parzelle Nr. 000_) ein Schopf. Dieser ist seit 1978 in der
Landeskarte der Schweiz, Massstab 1:25'000, Blattnummer 002_, Z._, eingezeichnet
(act. 10/6/19/1, www.geoportal.ch, https://map.geo.admin.ch, Rubrik "Zeitreise"). Am
10. September 2019 widerrief der Gemeinderat X._ die mit Verfügung vom
16. August 2019 angeordnete Schleifung des Schopfes, da er die bundesgerichtliche
Rechtsprechung für einschlägig hielt, wonach der Anspruch der Behörden auf
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im Interesse der Rechtssicherheit
grundsätzlich nach 30 Jahren verwirkt. Gleichzeitig hielt er an der bereits mit Verfügung
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vom 16. August 2019 angeordneten Entsorgung der Altautos und des Unrats auf
Parzelle Nr. 000_ neu bis 31. Dezember 2019 unter Androhung der Ersatzvornahme
fest. Daraufhin schrieb das Baudepartement am 19. September 2019 einen gegen die
Verfügung vom 16. August 2019 von A._ erhobenen Rekurs
(Verfahrensnummer 00-003_) als gegenstandslos geworden ab (act. 10/6/3 f.,
act. 11/1, 6). Nach Durchführung eines Augenscheins am 8. November 2019 ordnete
der Gemeinderat X._ am 24. Januar 2020 unter Androhung der Ersatzvornahme den
Abbruch des Schopfes innert vier Monaten ab Rechtskraft der Verfügung an. Diese
Verfügung erwuchs in der Folge in formelle Rechtskraft (act. 10/6/5, 11). Am
16. Juli 2020 schrieb das Baudepartement einen gegen ein Schreiben des
Gemeinderates X._ vom 25. Juni 2020 von A._ erhobenen Rekurs
(Verfahrensnummer 00-004_) zufolge Rückzugs ab (act. 9/1, 3 f.).
B.
Am 24. Juli 2020/11. August 2020 reichte A._ ein Wiedererwägungsgesuch
(nachfolgend: Gesuch) betreffend Verfügung des Gemeinderates X._ vom
24. Januar 2020 ein. Gleichzeitig beantragte er, von der Ersatzvornahme betreffend
Abbruch des Schopfes sei abzusehen. Eventualiter sei ihm eine Frist zur Einreichung
eines nachträglichen Baugesuchs anzusetzen. Subeventualiter seien die
Abbruchkosten gemäss der Offerte der Q._ AG (im Handelsregister gelöscht am
21. Juni 2007, www.zefix.ch, https://sg.chregister.ch/), von der Poltischen Gemeinde
X._ zu tragen (act. 10/6/19 f.). Mit Beschluss vom 11. August 2020 (act. 10/6/21) trat
der Gemeinderat X._ auf das Gesuch nicht ein (Dispositiv-Ziff. 1). Gleichzeitig verfügte
er den Abbruch des Schopfes und die Entsorgung der Gegenstände rund um die
Deponie auf dem Grundstück Nr. 000_, welche Natur und Umwelt gefährden, auf dem
Weg der Ersatzvornahme am 14. September 2020 – resp. bei Anfechtung der
Verfügung unmittelbar nach Eintritt der Rechtskraft durch vorgängige Anzeige – durch
die Q._ AG zum offerierten Preis von CHF 4'471.90 (Abbruch Schopf) resp.
CHF 246.90 pro Stunde zuzüglich CHF 382.15 pro Tonne (Aufräumarbeiten Deponie).
A._ wurde verpflichtet, während der Abbrucharbeiten anwesend zu sein (Dispositiv-
Ziff. 2). Zudem sicherte ihm die Politische Gemeinde X._ zu, die Abbruchkosten – mit
Ausnahme der Räumungs- und Entsorgungskosten für Gegenstände aus dem Schopf
sowie der Entsorgungskosten der Deponie – zu tragen (Dispositiv-Ziff. 3). Dagegen
rekurrierte A._ am 24. August 2020/11. September 2020 an das Baudepartement
(Verfahrensnummer 00-005_, act. 10/1, 3). Mit Entscheid vom 12. Oktober 2020
(act. 2) wies das Baudepartement den Rekurs gegen Ziffer 1 des Beschlusses des
Gemeinderates X._ vom 11. August 2020 (Nichteintreten auf Gesuch) kostenfällig ab,
soweit es darauf eintrat (Ziff. 1a und 2a). Auf den Rekurs gegen die Ziff. 2 und 3 des
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Beschlusses des Gemeinderates X._ vom 11. August 2020 (Anordnung der
Ersatzvornahme) trat es kostenfällig nicht ein (Ziff. 1b und 2b).
C.
Gegen den Entscheid des Baudepartements (Vorinstanz) vom 12. Oktober 2020 erhob
A._ (Beschwerdeführer) durch seinen Rechtsvertreter am 19. Oktober 2020
Beschwerde beim Verwaltungsgericht (act. 1, B 2020/209 [Anordnung
Ersatzvornahme]; B 2020/211 [Gesuch]). Am 24. November 2020 (act. 5) ergänzte er
seine Beschwerde mit einer Begründung und dem Rechtsbegehren, es sei der
angefochtene Entscheid unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich
Barauslagen und Mehrwertsteuer aufzuheben (Antrag lit. A/I/1 und 5). Von einem
Abbruch seines Schopfs an der Y._-strasse und der Entsorgung der Deponie sei
abzusehen (lit. A/I/2). Eventualiter sei ihm eine Frist zur Einreichung eines
nachträglichen Baugesuchs für den Schopf anzusetzen (lit. A/I/3). Subeventualiter sei
die Angelegenheit zur Neubeurteilung an die Vorinstanz oder die Politische Gemeinde
X._ (Beschwerdegegnerin) zurückzuweisen (lit. A/I/4). Ihm sei die unentgeltliche
Rechtspflege und -verbeiständung zu gewähren (lit. B/3 und E, act. 6). Mit
Vernehmlassung vom 9. Dezember 2020 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerden (act. 8).

## Considerations

Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeeingabe
vom 19. Oktober 2020 (act. 1) erfolgte rechtzeitig (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 VRP). Die Beschwerdebegründung (act. 5, S. 5-9 lit. D) ist weitgehend –
vorbehältlich der Ausführungen unter lit. D/1, 7 und 25 – identisch mit derjenigen in der
Rekursergänzung vom 11. September 2020 (act. 10/3, S. 5-8 lit. D). Nachdem es der
anwaltlich vertretene Beschwerdeführer nicht ausschliesslich bei der Wiederholung
seiner Vorbringen vor der Vorinstanz bewenden lässt, lässt sich seine Begründung
indes nicht als völlig unzureichend beanstanden (vgl. dazu BGer 2C_216/2021 vom
14. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen; VerwGE B 2019/35; B 2019/36 vom
bis
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29. August 2019 E. 1.2 mit Hinweis auf VerwGE B 2012/1 vom 12. Juni 2013 E. 1.3;
VerwGE B 2011/84 vom 11. August 2011 E. 1.2.2 mit Hinweis, siehe zu pauschalen
Verweisen auf Eingaben im Rahmen des vorinstanzlichen Verfahrens auch VerwGE
B 2017/46 vom 20. März 2018 E. 1 mit Hinweisen). Damit erfüllt die Beschwerde vom
19. Oktober 2020/24. November 2020 (act. 1, 5) formal und inhaltlich die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Ungeachtet seiner
Legitimation in der Sache ist der Beschwerdeführer befugt (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP), den angefochtenen Entscheid, soweit darin das erstinstanzliche
Nichteintreten auf das Gesuch bestätigt worden ist (Dispositiv-Ziff. 1a), anzufechten
(vgl. dazu BGer 1C_661/2019 vom 13. Mai 2020 E. 1 und VerwGE B 2017/176 vom
24. September 2018 E. 1 mit Hinweisen). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Der Beschwerdeführer stellt die Beweisanträge (act. 1 lit. A/II/2 f., act. 5, S. 2-5 lit. A/II/
1 f., C/1-3, 5-7), es seien ein Augenschein und eine mündliche und öffentliche
Verhandlung durchzuführen; er sei zu befragen; es seien Expertisen zur Stabilität des
Schopfes sowie zur Notwendigkeit der Nutzung des Schopfes als Lager und
Abstellraum für seinen Landwirtschaftsbetrieb einzuholen.
Laut Art. 64 in Verbindung mit Art. 55 Abs. 1 und 2 VRP ordnet das Verwaltungsgericht
eine öffentliche mündliche Verhandlung an, wenn sie zur Wahrung der Parteirechte
notwendig ist oder zweckmässig erscheint (vgl. dazu auch Art. 29 Abs. 2 und Art. 30
Abs. 3 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft; SR 101, BV).
Nach Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, EMRK) besteht ein solcher Anspruch insbesondere in
Streitigkeiten über zivilrechtliche Ansprüche und Verpflichtungen. Unabhängig vom
betroffenen Sachbereich ist ein Anspruch auf mündliche Verhandlung jedenfalls dann
zu verneinen, wenn ausschliesslich prozessuale Fragen zu behandeln sind (vgl. VerwGE
B 2019/19 vom 11. August 2020 E. 2.1.1 mit Hinweisen). Als ausschliesslicher
Verfahrensgegenstand ist vorliegend zu klären, ob die Vorinstanz das erstinstanzliche
Nichteintreten auf das Gesuch zu Recht bestätigt hat. Diese Frage ist prozessualer
Natur (vgl. dazu auch E. 3.1 hiernach, wonach die Frage, ob neue, rechtserhebliche
Tatsachen vorliegen, im Rahmen der Eintretensvoraussetzungen zu behandeln ist),
weshalb kein Anspruch auf eine öffentliche mündliche Verhandlung besteht. Im
Weiteren ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer auch nicht weiter
dargetan, inwiefern die Beantwortung der hier zu beurteilenden Frage eines
persönlichen Eindrucks des Beschwerdeführers bedürfte. Vielmehr ist der Sachverhalt
umfassend der schriftlichen Darstellung zugänglich (vgl. dazu BGer 2C_410/2020 vom
10. November 2020 E. 3.5.1 mit Hinweisen, zur Publikation vorgesehen). Ebenso wenig
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ist mit Blick auf die nachstehend zu schildernden Gegebenheiten erkennbar und wird
vom Beschwerdeführer auch nicht weiter substantiiert, welche neuen
entscheidrelevanten Erkenntnisse, die sich nicht bereits aus den Akten und dem
Geoportal (www.geoportal.ch) ergeben, durch die beantragte mündliche
Parteibefragung und durch Beweisaussagen des Beschwerdeführers gewonnen
werden könnten. Die Durchführung einer öffentlichen, mündlichen Verhandlung ist
deshalb weder notwendig noch erscheint sie als zweckmässig. Der entsprechende
Antrag des Beschwerdeführers ist demzufolge ebenso abzuweisen wie seine Begehren
um persönliche Anhörung resp. Befragung. Überdies kann auf die weiteren beantragten
prozessualen Vorkehren, insbesondere auf die Durchführung eines Augenscheins im
Sinne von Art. 12 Abs. 1 VRP, verzichtet werden, da davon ebenfalls keine
entscheidrelevanten neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. dazu
BGer 1C_577/2019 vom 4. November 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 144 II 427
E. 3.1.3 und BGer 1C_13/2018 vom 13. März 2019 E. 3 mit Hinweisen).
3.
Der Beschwerdeführer stellt sich auf den Standpunkt (act. 5, S. 5-9 lit. D/1-5, 25), es
bestehe im vorliegenden Fall ein verfassungsmässiger Anspruch auf Wiedererwägung
der Abbruchverfügung vom 24. Januar 2020.
Die Wiedererwägung von Verfügungen (Art. 27 Abs. 1 VRP) ist nicht beliebig zulässig.
Sie darf nicht dazu dienen, rechtskräftige Verwaltungsverfügungen immer wieder in
Frage zu stellen oder Gründe vorzubringen, die der Gesuchsteller von Anfang an
kannte und ohne berechtigten Grund verschwieg. Ein Wiedererwägungsgesuch erlaubt
es nicht, im ersten Verfahren versäumte oder unterlassene Mitwirkungspflichten
gleichsam zu heilen und Tatsachen vorzubringen, die die Partei seinerzeit ins Verfahren
hätte einbringen können (vgl. Wiederkehr/Plüss, Praxis des öffentlichen
Verfahrensrechts, Bern 2020, Rz. 3900; Wiederkehr/Richli, Praxis des allgemeinen
Verwaltungsrechts, Band I, Bern 2012, Rz. 2655). Das Bundesgericht leitet, namentlich
bei Dauerverfügungen (vgl. dazu BGer 1C_462/2015 vom 22. Februar 2016 E. 3.2 mit
Hinweisen), direkt aus Art. 29 Abs. 1 BV im Sinne einer verfahrensrechtlichen
Minimalgarantie einen Anspruch auf Wiedererwägung ab, wenn sich die rechtlichen
oder tatsächlichen Umstände seit der ersten Verfügung erheblich geändert haben
(auch: "Anpassung") oder wenn der Gesuchsteller erhebliche Tatsachen oder
Beweismittel namhaft macht, die im früheren Verfahren nicht bekannt waren oder die
schon damals geltend zu machen für ihn unmöglich war oder keine Veranlassung
bestand (sog. "revisionsähnliche Gründe", auch: "Rücknahme"). Ein
3.1.
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Wiedererwägungsgesuch in diesem Sinne stellt ein eigentliches ausserordentliches
Rechtsmittel dar. Für die Zulässigkeit des Gesuches genügt es, dass die Umstände,
die einen verfassungsmässigen Anspruch auf Wiedererwägung begründen würden,
substantiiert behauptet werden. Ob neue, rechtserhebliche Tatsachen vorliegen, ist
dabei im Rahmen der Eintretensvoraussetzungen zu behandeln. Sind dem Gesuch
nicht genügend substantiierte Wiedererwägungsgründe zu entnehmen, so ist die
Verwaltungsbehörde nicht gehalten, auf das Gesuch einzutreten. Diesfalls reduziert
sich die Wiedererwägung auf einen blossen Rechtsbehelf (vgl. dazu BGer 1C_63/2019
vom 29. Januar 2020 E. 5; BGer 1C_185/2019 vom 12. November 2019 E. 4.1; VerwGE
B 2013/55 vom 14. Mai 2014 E. 3.5 je mit Hinweisen; Wiederkehr/Plüss, a.a.O.,
Rz. 3850-3852, 3855, 3894 f.; A. Mächler, in: Auer/Müller/Schindler [Hrsg.],
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren, Kommentar, 2. Aufl. 2019, N 9 zu
Art. 58 VwVG; G. Steinmann, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.],
St. Galler Kommentar, Die schweizerische Bundesverfassung, 3. Aufl. 2014, N 38 zu
Art. 29 BV; M. Bertschi, in: A. Griffel [Hrsg.], Kommentar zum
Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N 17 zu
Vorbemerkungen zu §§ 86a-86d VRG ZH, und bereits U. Beerli-Bonorand, Die
ausserordentlichen Rechtsmittel in der Verwaltungsrechtspflege des Bundes und der
Kantone, Zürich 1985, S. 171 ff.). In Bezug auf den Rechtsanspruch auf
Wiedererwägung gehen Art. 4 Ingress und lit. c der Verfassung des Kantons St. Gallen
(SR 131.225, sGS 111.1; KV) und Art. 27 Abs. 1 VRP nicht über den
bundesverfassungsmässigen Anspruch auf Eintreten auf ein Wiedererwägungsgesuch
hinaus (vgl. VerwGE B 2019/126 vom 1. Dezember 2019 E. 2.1; VerwGE B 2019/30
vom 6. Juni 2019 E. 2.1; VerwGE B 2018/228 vom 10. Mai 2019 E. 2.1; VerwGE
B 2017/32; B 2017/33 vom 6. August 2018 E. 3.1.2; VerwGE B 2017/244 vom
17. Januar 2018 E. 2; VerwGE B 2014/249 vom 28. April 2015 E. 2 je mit Hinweisen;
T. Tschumi, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 2 und 9 ff. zu
Art. 27 VRP). Die Fehlerhaftigkeit muss von einer gewissen Bedeutung, wesentlich oder
erheblich sein. Das Zurückkommen auf eine Verfügung kommt nur aus wichtigen
Gründen in Frage. Erheblich oder wesentlich ist die ursprüngliche oder nachträgliche
Fehlerhaftigkeit im Allgemeinen dann, wenn angenommen werden kann, dass unter
Berücksichtigung der richtigen Rechts- oder Sachlage ein anderer Entscheid zu
erwarten wäre oder ernstlich in Betracht fällt (vgl. Wiederkehr/Richli, a.a.O., Rz. 2660 f.
mit Hinweisen).
Vorweg behauptet der Beschwerdeführer nicht und es ist auch nicht ersichtlich, dass
3.2.
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ein Anspruch auf Wiedererwägung wegen ursprünglicher Fehlerhaftigkeit der Verfügung
vom 24. Januar 2020 (act. 10/6/11), d.h. wegen Vorliegen von Wiederaufnahmegründen
im Sinne von Art. 81 Abs. 1 VRP, bestehen würde. Vielmehr bestreitet er nicht mehr
(anders noch: Schreiben vom 9. Juli 2019, act. 10/6/2), dass der fragliche Schopf vor
Erlass der Wiederherstellungsverfügung vom 24. Januar 2020 einsturzgefährdet
gewesen war und die Abbruchverfügung – gestützt auf Art. 100 Abs. 1 und 2 lit. a des
Strassengesetzes (sGS 732.1, StrG) – insoweit zu Recht erging (vgl. dazu act. 10/6/1 f.,
act. 5, S. 4 lit. C/5, siehe dazu auch Aktennotiz zum Augenschein vom
8. November 2019, act. 10/6/5). Im Rahmen der in der Beschwerde vorgetragenen
Kritik bringt er vor, er habe den Schopf nach der Wiederherstellungsverfügung der
Beschwerdegegnerin vom 24. Januar 2020 saniert, so dass keine Einsturzgefahr mehr
bestehe (act. 5, S. 4-6 lit. C/5, D/3, 5).
Die Beschwerdegegnerin räumte im Beschluss vom 11. August 2020 (act. 10/6/21,
S. 4-6) zwar ein, dass der Beschwerdeführer Bauarbeiten am Schopf zur Verbesserung
der Statik vorgenommen habe (vgl. dazu die Beschreibung der Arbeiten in der vom
Beschwerdeführer am 24. Juli 2020 eingereichten Fotodokumentation, act. 10/6/19/3).
Gleichzeitig verneinte sie aber das Vorliegen von wesentlich veränderten Verhältnissen:
Gestützt auf die Fotodokumentation des Beschwerdeführers stellte sie fest, dass die
Trocken- resp. Bruchsteinmauer, auf welche das Gewicht des Schopfes zu liegen
komme, an ihrem Standort am unmittelbaren Abhang und aufgrund der nicht
fachgerechten Schichtung nach wie vor instabil und einsturzgefährdet sei. Im
Innenbereich würden zwei Dachträger mittels mobilen Deckenstützen gesichert, was
die festgestellten statischen Mängel dokumentiere. Türangel, Dach und Fassade seien
nach wie vor ausserordentlich schief. Es bestehe weiterhin eine Gefahr für
Strassenbenutzer.
Die Vorinstanz setzte sich in Erwägung 3.2 des angefochtenen Entscheids (act. 2,
S. 12 f.) nicht mit der von der Beschwerdegegnerin abgehandelten Tatfrage
auseinander, ob sich die tatsächlichen Umstände seit der Verfügung vom
24. Januar 2020 so erheblich geändert haben, dass keine Einsturzgefahr und damit
keine unzulässige Strassenbeeinträchtigung im Sinne von Art. 100 StrG mehr vorliegt.
Vielmehr hat sie sich dem Sinn nach darauf beschränkt, dem Beschwerdeführer von
vornherein rechtsmissbräuchliches Verhalten vorzuhalten.
Das Rechtsmissbrauchsverbot gilt als allgemeiner Rechtsgrundsatz in der ganzen
Rechtsordnung mit Einschluss des öffentlichen Rechts sowie des Prozess- und
3.3.
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Vollstreckungsrechts. Es bildet Bestandteil des schweizerischen Ordre public und ist
von jeder Instanz von Amtes wegen anzuwenden. Dies wird heute nicht mehr nur aus
Art. 2 Abs. 2 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) abgeleitet, wonach
der offenbare Missbrauch eines Rechts keinen Rechtsschutz findet. Eine zusätzliche
Grundlage, und zwar bereits auf Verfassungsstufe, enthalten Art. 5 Abs. 3 sowie
Art. 9 BV. Typische Anwendungsbereiche im Verhältnis von Privaten gegenüber dem
Staat finden sich dort, wo der Staat Leistungen erbringt. Das kann insbesondere auf
die Rechtspflege zutreffen. Rechtsmissbrauch liegt unter anderem vor, wenn ein
Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die nicht
in dessen Schutzbereich liegen. Ebenfalls missbräuchlich sind Verfahrensschritte, die
einzig dazu dienen, die Gegenpartei zu schikanieren oder ohne Verfolgung sonstiger
Interessen eine Verzögerung des Verfahrens zu erreichen. Das trifft auch auf das Bau-
und Planungsrecht zu, wo die Frage vor allem im Zusammenhang mit
Haftungsansprüchen praxisrelevant ist. In jedem Fall muss der Rechtsmissbrauch
offensichtlich und entsprechend nachgewiesen sein (vgl. BGer 1C_590/2013;
1C_591/2013; 1C_592/2013 vom 26. November 2014 E. 7.2 f. und BGer 1C_409/2020
vom 16. November 2020 E. 4.2 je mit Hinweisen, siehe dazu auch M. Weiss,
Querulatorische und rechtsmissbräuchliche Eingaben, Überlegungen zur Praxis des
Bundesgerichts, in: AJP 2021, S. 640 ff., S. 641).
Die Vorinstanz erwog (E. 3.2 des angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 12 f.), am nicht
mehr bestimmungsgemäss nutzbaren Schopf seien nicht nur baubewilligungsfreie
Unterhaltsarbeiten, sondern durch den nachträglichen Einbau von Stahlträgern
massive, baubewilligungspflichtige Eingriffe in die Tragkonstruktion des Schopfes
vorgenommen worden. Ein solch eigenmächtiges und unrechtmässiges Vorgehen des
Beschwerdeführers dürfe keinen Rechtsschutz geniessen und nicht zu einer Änderung
der entscheidrelevanten Sachlage führen.
Massstab dafür, ob eine bauliche Massnahme erheblich genug ist, um sie im Sinne von
Art. 22 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz;
SR 700, RPG) und Art. 136 Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1, PBG)
dem Baubewilligungsverfahren zu unterwerfen, ist die Frage, ob mit der Realisierung
der Baute oder Anlage im Allgemeinen, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, so
wichtige räumliche Folgen verbunden sind, dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder
der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle besteht. Die Baubewilligungspflicht soll
es mithin der Behörde ermöglichen, das Bauprojekt in Bezug auf seine räumlichen
Folgen vor seiner Ausführung auf die Übereinstimmung mit der raumplanerischen
3.4.
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Nutzungsordnung und der übrigen einschlägigen Gesetzgebung zu überprüfen (vgl.
BGE 139 II 134 E. 5.2 mit Hinweisen).
Nicht umstritten ist, dass der fragliche Schopf vor Erlass der
Wiederherstellungsverfügung vom 24. Januar 2020 (act. 10/6/11) einsturzgefährdet
war. Falls der Schopf gemäss dem Beschwerdeführer aufgrund der nach Erlass dieser
Verfügung ausgeführten baulichen Massnahmen nicht mehr einsturzgefährdet wäre
und sich die tatsächlichen Verhältnisse dadurch insoweit erheblich geändert hätten,
hätten diese Umbauten zur Behebung der Einsturzgefahr auf dem Strassengrundstück
Nr. 001_ der Beschwerdegegnerin oder im Wald (Parzelle Nr. 000_), wie die
Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, deshalb offenkundig der Baubewilligungspflicht
unterstanden (vgl. dazu auch Art. 136 Abs. 2 Ingress und lit. g PBG e contrario). Daran
ändert nichts, dass die Beschwerdegegnerin, nachdem sie in ihrer Verfügung vom
16. September 2019 (act. 10/6/4) ausdrücklich von der Verwirkung ihrer baurechtlichen
Befugnis zur Anordnung der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands im Sinne
von Art. 158 und Art. 159 Abs. 1 Ingress und lit. d PBG ausgegangen war (vgl. dazu
BGer 1C_535/2012 vom 9. September 2013 E. 4.1.1 mit Hinweisen auf BGE 136 II 359
E. 8; BGE 107 Ia 121 E. 1b, in: BR online 2015 Nr. 114, BR 2015, S. 99, und
demgegenüber neu Medienmitteilung des Bundesgerichts vom 28. April 2021 zum
Urteil BGer 1C_469/2019; 1C_486/2019 vom 28. April 2021, www.bger.ch), die
Wiederherstellungsverfügung vom 24. Januar 2020 (act. 10/6/11) neben Art. 26 Abs. 1
und Art. 36 BV lediglich auf Art. 8, Art. 11 Abs. 1, Art. 17 Abs. 1 und Art. 100 StrG
abstützte. Der Beschwerdeführer behauptet denn auch nicht, er hätte annehmen
dürfen, die ohne Bewilligung ausgeführten Umbauten seien nicht
baubewilligungspflichtig. Wie die Vorinstanz demzufolge zu Recht erwog, handelte der
Beschwerdeführer nicht gutgläubig. Wird eine Änderung der Sachlage durch solch
eigenmächtiges, widerrechtliches, mithin rechtsmissbräuchliches Verhalten
herbeigeführt, wird die Einreichung eines Wiedererwägungsgesuchs zweckwidrig zur
Verwirklichung von Interessen verwendet wird, die nicht in dessen Schutzbereich
liegen. Deswegen hat die Vorinstanz den Nichteintretensentscheid der
Beschwerdegegnerin zu Recht bestätigt. Die Berufung des Beschwerdeführers auf
einen Anspruch auf Wiedererwägung hätte grundsätzlich nur dann Rechtsschutz
verdient gehabt, wenn er vor der Bauausführung und bevor die
Wiederherstellungsverfügung vom 24. Januar 2020 (act. 10/6/11) in formelle
Rechtskraft erwuchs, ein (allerdings nicht von vornherein aussichtsloses, vgl.
nachfolgende E. 3.5 zur vorliegend gegebenen Aussichtslosigkeit) Baugesuch für die
Umbauarbeiten eingereicht hätte. Inwiefern ihm dies nicht möglich gewesen wäre, ist
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4.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12, GKV). Da die gesetzlichen Voraussetzungen
offenkundig erfüllt sind, ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege gutzuheissen und gehen die Kosten deshalb zulasten des Staates (Art. 99
Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 117 der Schweizerischen Zivilprozessordnung,
Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO). Auf die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3
VRP).
Dem Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Rechtsverbeiständung vom
9. November 2020 (act. 6) ist ebenfalls zu entsprechen (Art. 99 Abs. 2 VRP in
Verbindung mit Art. 122 Abs. 1 Ingress und lit. a ZPO) und dessen Rechtsvertreter, der
für das Beschwerdeverfahren keine Honorarnote eingereicht hat, für die
ausseramtlichen Kosten ermessensweise mit CHF 1'600 (80 Prozent von CHF 2'000)
zuzüglich pauschale Barauslagen von CHF 80 (pauschal vier Prozent von CHF 2'000)
und Mehrwertsteuer zu entschädigen (Art. 6, 19, 22 Abs. 1 Ingress und lit. b, 28 und
29 der Honorarordnung; sGS 963.75, HonO; Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes;
sGS 963.70, AnwG). Antrag Ziff. I/2 der Beschwerdegegnerin vom 18. Dezember 2020
nicht ersichtlich und wird von ihm auch nicht dargetan. Die Beschwerde B 2020/211 ist
demzufolge abzuweisen.
Wie die Vorinstanz in Erwägung 3.3 des angefochtenen Entscheids (act. 2, S. 13) bei
gegebener Aktenlage im Übrigen zutreffend ausgeführt hat, verfügte der
Beschwerdeführer dessen ungeachtet nicht über die erforderliche zivilrechtliche
Bauberechtigung für die von ihm eigenmächtig vorgenommenen Umbauarbeiten (vgl.
dazu VerwGE B 2019/146 vom 13. August 2020 E. 7 mit Hinweisen), zumal sich der
strittige Schopf grösstenteils auf der Parzelle Nr. 001_ im Eigentum der
Beschwerdegegnerin befindet (vgl. überdies zum Anwendungsbereich des
strassenrechtlichen Verfahrens nach Art. 39 ff. StrG VerwGE B 2013/212; B 2013/213
vom 19. Februar 2015 E. 4.1 mit Hinweisen). Die Erteilung einer nachträglichen
Baubewilligung wäre somit bereits aus diesem Grund von vornherein ausgeschlossen
gewesen (vgl. zum ausnahmsweisen Verzicht auf ein nachträgliches
Baubewilligungsverfahren VerwGE B 2016/21; B 2016/22 vom 26. September 2018
E. 9.3 mit Hinweisen, bestätigt mit BGer 1C_572/2018; 1C_574/2018 vom
31. Oktober 2019).
3.5.
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/12
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St.Galler Gerichte
im Verfahren B 2020/209 (B 2020/209 act. 13) – "Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge [...]" – bezog sich gemäss Betreff ausschliesslich auf jenes
Verfahren. Dessen ungeachtet steht der Beschwerdegegnerin vorliegend praxisgemäss
ohnehin kein Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2019/146 vom 13. August 2020 E. 13.3
mit Hinweisen).