# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7dfef84b-6ea7-4020-b2d3-684ae2e5b54e
**Court:** BL_SG
**Chamber:** BL_SG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

Sachverhalt:
1. Mit Verfügungen der Staats- und direkten Bundessteuer 2013 vom 25. Juni 2015 wurde
der Pflichtige zum Steuertarif „Einzelperson“ veranlagt und kein Kinderabzug gewährt. Die Ver-
anlagungen blieben unangefochten.
2. Mit Verfügungen der Staats- und direkten Bundessteuer 2014 vom 25. Februar 2016
wurde der Pflichtige wiederum zum Steuertarif „Einzelperson“ veranlagt und kein Kinderabzug
gewährt.
3. Mit Eingabe vom 1. März 2016 mit dem Titel „Einsprache Veranlagungsverfügung
Staatssteuer 2014 vom 25. Februar 2016“ wandte sich der Pflichtige an die Steuerverwaltung
und hielt in der Begründung fest, er erhebe Einsprache gegen die obengenannte Verfügung.
Obwohl er mit seiner Tochter, welche sich in der Ausbildung, welche er finanziere, befinde, zu-
sammenlebe, sei kein Kinderabzug gewährt worden.
4. Mit Einsprache-Entscheid der Staatssteuer 2014 vom 15. April 2016 wurde die Einspra-
che teilweise gutgeheissen und dem Pflichtigen das Vollsplitting sowie der Unterstützungsab-
zug in Höhe von Fr. 2‘000.-- gewährt. Betreffend die direkte Bundessteuer 2014 erfolgte kein
Einsprache-Entscheid.
5. Gestützt auf den Einsprache-Entscheid der Staatssteuer 2014 wandte sich der Pflichtige
mit Eingabe vom 26. Juni 2016 an die Steuerverwaltung, mit dem Begehren, die Veranlagungen
der Staats- und direkten Bundessteuer 2013 sowie der direkten Bundessteuer 2014 seien ent-
sprechend zu korrigieren.
6. Mit Revisions-Entscheid vom 29. Juli 2016 wurde das Gesuch abgewiesen. Zur Begrün-
dung führte die Steuerverwaltung aus, die Veranlagungen des Steuerjahres 2013 seien in
Rechtskraft erwachsen, weswegen das ordentliche Rechtsmittel der Einsprache nicht mehr ge-
geben sei. Dasselbe gelte hinsichtlich der Veranlagung der direkten Bundessteuer 2014, gegen
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welche keine Einsprache erhoben worden sei, habe sich die Eingabe vom 1. März 2016 doch
ausschliesslich gegen die Veranlagung der Staatsteuer 2014 gerichtet. Auch das ausserordent-
liche Rechtsmittel der Revision stehe nicht zur Verfügung, da die Begehren bei Anwendung der
zumutbaren Sorgfalt im ordentlichen Einspracheverfahren hätten gestellt werden können.
7. Mit Eingabe vom 29. August 2016 erhob der Pflichtige mit dem Begehren, der Revisi-
ons-Entscheid sei aufzuheben, Beschwerde. Zur Begründung machte er geltend, gegen die
Veranlagungen des Jahres 2013 sei er nicht vorgegangen, da ihm die Steuerabteilung der Ge-
meinde B._ auf telefonische Rückfrage hin die Richtigkeit derselben versichert habe. Hin-
sichtlich des Jahres 2014 habe er als Laie gutgläubig angenommen, dass eine Einsprache für
alle Steuerfälle gelte, zumal die Veranlagungen der Staats- und direkten Bundessteuern im sel-
ben Couvert zugestellt worden seien. Zumindest hätte die Steuerverwaltung darauf aufmerksam
machen müssen, dass die Einsprache gegen die Veranlagung der Staatssteuer nicht auch für
die direkten Bundessteuern gelte.
8. Mit Vernehmlassung vom 8. November 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Ab-
weisung der Beschwerde.
9. Mit Eingabe vom 29. Januar 2017 zog der Pflichtige die Beschwerde hinsichtlich der
direkten Bundessteuer 2013 zurück.
10. Anlässlich der heutigen Verhandlung halten die Parteien an ihren Begehren fest.

## Considerations

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss Art. 140 des Bundesgesetzes über die direkte Bundes-
steuer (DBG) vom 14. Dezember 1990 zur Anhandnahme der vorliegenden Streitsache zustän-
dig, wobei gemäss § 4 der Vollzugsverordnung DBG vom 13. Dezember 1994 i.V.m. § 129
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Abs. 1 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteuern (Steuergesetz) vom 7. Februar
1974 (StG) Beschwerden, deren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8’000.--
nicht übersteigt, vom Präsidenten und zwei Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beur-
teilt werden. Da die in formeller Hinsicht an eine Beschwerde zu stellenden Anforderungen er-
füllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Aufgrund des Rückzuges der Beschwerde hinsichtlich der direkten Bundessteuer 2013
unterliegt vorliegend einzig noch der Beurteilung, ob die Steuerverwaltung die Eingabe des
Pflichtigen vom 1. März 2016 als Einsprache gegen die Veranlagungsverfügung der direkten
Bundesssteuer 2014 entgegennehmen und darüber materiell hätte entscheiden müssen.
a) Überspitzter Formalismus liegt vor, wenn für ein Verfahren rigorose Formvor-
schriften aufgestellt werden, ohne dass die Strenge sachlich gerechtfertigt wäre, wenn die Be-
hörde formelle Vorschriften mit übertriebener Schärfe handhabt oder an Rechtsschriften über-
spannte Anforderungen stellt und dem Bürger den Rechtsweg in unzulässiger Weise versperrt.
Wohl sind prozessuale Formen unerlässlich, um die ordnungsgemässe und rechtsgleiche Ab-
wicklung des Verfahrens sowie die Durchsetzung des materiellen Rechts zu gewährleisten.
Deshalb ist nicht jede prozessuale Formstrenge verfassungswidrig. Überspitzter Formalismus
ist nur gegeben, wenn die strikte Anwendung der Formvorschriften durch keine schutzwürdigen
Interessen gerechtfertigt ist, zum blossen Selbstzweck wird und die Verwirklichung des materi-
ellen Rechts in unhaltbarer Weise erschwert oder verhindert. So gilt nicht als überspitzt die Zu-
stellfiktion, wonach die Rechtsmittelfrist sieben Tage nach erfolglosem Zustellversuch zu laufen
beginnt, selbst wenn die Post eine längere Abholfrist gewährt. Hingegen ist das Verhalten einer
Rechtsmittelbehörde überspitzt formalistisch, wenn sie einzig deshalb auf einen rechtzeitig er-
hobenen Rekurs nicht eintritt, weil der Rekurrent nicht die vom Gesetz verlangte beglaubigte
Abschrift des angefochtenen Entscheids beilegt oder die Rekursschrift nicht in der Amtssprache
verfasst ist oder nicht die Unterschrift des Rekurrenten oder seines Vertreters enthält. Hingegen
ist es zulässig, wegen derartiger Mängel eine angemessene Nachfrist anzusetzen und bei
Säumnis auf das Rechtsmittel nicht einzutreten (vgl. Zweifel/Casanova, Schweizerisches Steu-
erverfahrensrecht, § 5 N 27, m.w.H.).
b) Überspitzter Formalismus liegt vor, wenn die Behörde den Antrag einer unbehol-
fenen Partei strikt wörtlich nimmt und in der Folge abweist, statt ihn vernünftig zu interpretieren.
Wenn die unbeholfene Partei mit ihrem Antrag um einen amtlichen Verteidiger offensichtlich
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einen unentgeltlichen Rechtsbeistand meint, darf das Ersuchen nicht mit der Begründung ab-
gewiesen werden, das Verwaltungsprozessrecht kenne keine amtliche Verteidigung (vgl.
Kölz/Häner/Bertschi, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, N 26, mit
Verweis auf den Entscheid des Bundesgerichts [BGer] 6A.36/2006 vom 27. Juni 2006, E. 3).
c) Wer binnen der durch die Eröffnung der Bundessteuerveranlagung ausgelösten
Einsprachefrist im parallelen Verfahren bezüglich der kantonalen Steuern eine vollständig aus-
gefüllte, auch die Angaben für die Bundessteuer enthaltende Steuererklärung nachreicht, tut
damit seinen laut Art. 132 DBG unerlässlichen Einsprachewillen rechtzeitig kund. Er erhebt da-
mit formgerecht und gültig Einsprache gegen die Bundessteuereinschätzung (vgl. Entscheid der
Bundessteuer-Rekurskommission Zürich vom 11. September 1997, publ. in: Der Steuerent-
scheid [StE], 1999, B 95.1 Nr. 5). Bei Zweifeln über den Einsprachewillen wäre das Steueramt
gehalten gewesen, Rückfrage bei den Steuerpflichtigen zu nehmen, was es unterlassen habe.
Bei der Steuervertreterin handle es sich um eine national und international tätige Steuerbera-
tungsfirma, bei der ohne Weiteres davon ausgegangen werden dürfe, dass sie gegen die Ver-
anlagungsverfügung explizit Einsprache erhoben hätte, so dies in ihrer Absicht gelegen hätte.
Für die Auslegung der Einsprache nach dem Vertrauensprinzip ist auch das Motiv der Einspre-
chenden zu beachten (vgl. BGer 2C_393/2015 vom 26. Januar 2016, E. 4.1 und 5.3).
d) Vorliegend macht die Steuerverwaltung unter Verweis auf den expliziten Titel
„Einsprache Veranlagungsverfügung Staatssteuer 2014 vom 25. Februar 2016“ der Eingabe
vom 1. März 2016 geltend, diese habe sich ausschliesslich gegen die Veranlagung der Staats-
steuer 2014 gerichtet. Betreffend die direkte Bundessteuer 2014 sei keine Einsprache erhoben
worden, so dass die entsprechende Veranlagung in Rechtskraft erwachsen sei. Anlässlich der
heutigen Verhandlung weist der Vertreter der Steuerverwaltung ergänzend darauf hin, dass
aufgrund des Titels und der Begründung, in welcher lediglich auf eine Verfügung und eben nicht
auf Verfügungen in Mehrzahl hingewiesen worden sei, keinerlei Zweifel bestanden habe, dass
der Pflichtige lediglich die Veranlagung der Staatssteuer 2014 habe anfechten wollen, so dass
die Steuerverwaltung nicht verpflichtet gewesen sei, nachzufragen, ob sich die Einsprache auch
gegen die Veranlagung der direkten Bundessteuer 2014 gerichtet habe. Zudem würden sich
aufgrund des Prozessrisikos einige Steuerpflichtige dazu entschliessen, ganz bewusst lediglich
gegen eine Veranlagungsverfügung Einsprache zu erheben. Der Beschwerdeführer hält dafür,
als Laie habe er gutgläubig angenommen, dass eine Einsprache für alle Steuerfälle gelte, zu-
mal die Veranlagungen der Staats- und direkten Bundessteuern im selben Couvert zugestellt
worden seien. Zumindest hätte die Steuerverwaltung darauf aufmerksam machen müssen,
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dass die Einsprache gegen die Veranlagung der Staatssteuer nicht auch für die direkten Bun-
dessteuern gelte.
e) Mit Eingabe vom 1. März 2016 mit dem Titel „Einsprache Veranlagungsverfü-
gung Staatsteuern 2014 vom 25. Februar 2016“ wandte sich der Pflichtige an die Steuerverwal-
tung und hielt in der Begründung fest, er erhebe Einsprache gegen die obengenannte Verfü-
gung. Obwohl er mit seiner Tochter, welche sich in der Ausbildung, welche er finanziere, befin-
de, zusammenlebe, sei kein Kinderabzug gewährt worden. Weder dem Titel noch der Begrün-
dung der Eingabe ist ein expliziter Hinweis auf den Einsprachewillen des Pflichtigen gegen die
Veranlagung der direkten Bundessteuer zu entnehmen. Der Eingabe fehlt auch eine Beilage,
welche auf letzteres hinweisen würde. Der Wortlaut ist indes nicht allein massgebend, zumal
der Pflichtige in Steuerfragen weder sach- noch rechtskundig ist. Vielmehr ist, wie hiervor gese-
hen, bei der Auslegung der Einsprache nach dem Vertrauensprinzip auch das Motiv des Pflich-
tigen zu beachten. Ein Grund, wieso der Pflichtige einzig die Veranlagung der Staatssteuer hät-
te anfechten sollen, ist nicht erkennbar, ist doch die Sach- und Rechtslage bei beiden Steuerar-
ten dieselbe. Auch welches Prozessrisiko der Pflichtige hätte eingehen sollen, wenn er sowohl
die Staats- als auch die direkte Bundessteuer angefochten hätte, ist nicht ersichtlich. Einerseits
ist das Einspracheverfahren kostenlos. Andererseits hätte für den Fall, dass eine reformatio in
peius, d.h. eine Änderung der Veranlagung zu seinen Ungunsten gedroht hätte, der Pflichtige
auf eine solche Schlechterstellung aufmerksam gemacht und auf die Möglichkeit eines Ein-
spracherückzuges hingewiesen werden müssen. Aus alledem folgt, dass der von der Steuer-
verwaltung gezogene Schluss, mit der fraglichen Eingabe vom 1. März 2016 habe der Einspre-
cher lediglich die Veranlagung der Staatssteuer anfechten wollen, gegen das Verbot des über-
spitzten Formalismus verstösst. Vielmehr hätte für die Steuerverwaltung der Einsprachewillen
trotz Fehlens einer ausdrücklichen Bezeichnung ohne weiteres erkennbar sein müssen. Still-
schweigend davon auszugehen, der Pflichtige habe lediglich eine Steuerart angefochten, ist
damit unzulässig. In solchen Fällen bzw. bei Unklarheiten hinsichtlich des Einsprachewillens ist
die Steuerverwaltung vielmehr verpflichtet nachzufragen, insbesondere dann, wenn für die An-
fechtung lediglich einer Steuerart keinerlei Motiv besteht. Anders wäre allenfalls dann zu ent-
scheiden, wenn die Eingabe von einem Rechtsanwalt oder Treuhänder verfasst worden wäre,
wo die Steuerverwaltung wohl auf den expliziten Wortlaut abstellen dürfte. Dasselbe gilt dort,
wo nur eine Steuerart angefochten wird, weil die Rechtslage unterschiedlich ist, wie beispiels-
weise bei der Vermögenssteuer, welche nur die Staatssteuer kennt, oder bei Garten- und Um-
gebungsarbeiten, welche nur bei der direkten Bundessteuer abziehbar sind.
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Damit erweist sich die Beschwerde als begründet und ist gutzuheissen. Daraus folgt, dass die
Steuerverwaltung die Eingabe des Pflichtigen vom 1. März 2016 als Einsprache gegen die Ver-
anlagungsverfügung der direkten Bundesssteuer 2014 entgegenzunehmen und darüber materi-
ell zu entscheiden hat.
3. Ausgangsgemäss sind dem Pflichtigen gestützt auf Art. 144 Abs. 1 DBG keine Verfah-
renskosten aufzuerlegen.
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