# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 65c78a44-e663-404d-b3bb-abc02dbb2f01
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1971, war
zuletzt bis am 3
1.
Dezember 2006
bei der
Y._
AG angestellt und seither nicht mehr erwerbstä
tig
(
Urk.
7/6
). Unter Hinweis auf rezidivierende depressive Episoden
seit dem Jugend
alter
meldete sich
der Versicherte
am 2
1.
Mai 2012 bei der Invalidenver
siche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab und holte
im Anschluss
ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 2
4.
Juli 2014 erstattet wurde (
Urk.
7/30).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/31;
Urk.
7/44) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
5.
August 2015
einen Rentenanspruch (
Urk.
7/48
=
Urk.
2)
.
2.
Der
Versicherte
erhob am
2
1.
August 2015
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
5.
August 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
en
ihm
ab Januar 2013
die gesetzlichen Leistungen
zuzusprechen
sowie die unent
geltliche Prozessführung zu gewähren
(
Urk.
1 S. 2
Ziff.
2+3
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
2.
September 2015
(
Urk.
6
)
die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
1
0.
Novem
ber 2015
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von
Ge
burts
gebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den aus
ge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorlie
gens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heit
li
chen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zu
dem
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Im Gebiet der Invalidenversicherung gilt ganz allgemein der Grundsatz, dass die invalide Person, bevor sie Leistungen verlangt, alles ihr Zumutbare selber vor
zukehren hat, um die Folgen ihrer Invalidität bestmöglich zu mildern (BGE 113
V 22 E. 4a mit Hinweisen). Dieses Gebot der Selbsteingliederung ist Ausdruck des
in der ganzen Sozialversicherung geltenden Grundsatzes der
Schadenmin
de
rungspflicht
(vgl. BGE 120 V 368 E. 6b, 117 V 275 E. 2b), wobei jedoch von der versicherten Person nur Vorkehren verlangt werden können, die unter Be
rück
sichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzel
falles zumutbar sind (BGE 113 V 22 E.
4a mit Hinweisen auf Lehre und Recht
sprechung; ZAK 1989 S.
214 E.
1c). Als Ausdruck der allgemeinen
Scha
den
minderungspflicht
geht die Pflicht, die notwendigen Schritte zur
Selbstein
glie
derung
zu unternehmen, nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzli
chen
Eingliederungsanspruch vor (Urteil des Bundesgerichts 9C_356/2014 vom 14. Novem
ber 2014 E. 3.1 mit Hinweisen auf Urteile I 116/03 vom 10. Novem
ber 2003 E. 3.1 und I 145/01 vom 12. September 2001 E. 2b).
Für die Beantwortung der Frage nach der Zumutbarkeit der Behandlung oder Ein
gliederungsmassnahme im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG kann auf die zu Art. 31
Abs.
1 IVG in der bis 3
1.
Dezember 2002 gültig gewesenen Fassung er
gangene Rechtsprechung verwiesen werden, da sich diesbezüglich mit dem neuen
Recht nichts geändert hat (vgl. auch SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1, I 744/06;
Urteile des Bundesgerichts I 1068/06 vom 3
1.
August 2007 E. 2.2 und I 824/06 vom 13. März 2007 E. 3.1.1). Danach sind die gesamten persönlichen Verhält
nisse, namentlich die berufliche und soziale Stellung der versicherten Person, zu
berücksichtigen. Massgebend ist aber das objektiv Zumutbare, nicht die subjek
tiv
e Wertung des Versicherten (ZAK 1982 S. 495, E. 3; Urteil des Bundesgerichts I 105/93 vom 11. März 1994 E. 2a; Meyer-Blaser, Zum
Verhält
nismässigkeits
grundsatz
im staatlichen Leistungsrecht,
Diss
. Bern 1985, S. 189). Die gesetzli
che Vorgabe, wonach Massnahmen, die eine Gefahr für Leben und Gesundheit darstellen, nicht zumutbar sind, bedeutet nicht, dass eine Vorkehr, die keine
solche Gefahr darstellt, automatisch zumutbar ist (ZAK 1985 S. 326, E.
1;
Kieser
,
a.a.O., N 60 zu Art. 21; Meyer-Blaser, a.a.O., S. 138 f.); sie weist aber doch darauf hin, dass nur Gründe von einer gewissen Schwere zur Unzumut
barkeit führen. Die Zumutbarkeit ist sodann in Relation einerseits zur Tragweite der Massnahme, andererseits zur Bedeutung der in Frage stehenden Leistung zu beurteilen. Insbesondere bei medizinischen Massnahmen, die einen starken Ein
griff in die persönliche Integrität der versicherten Person darstellen können, ist an
die Zumutbarkeit kein strenger Massstab anzulegen (ZAK 1985 S. 325 f., E. 1). Umgekehrt ist die Zumutbarkeit eher zu bejahen, wenn die fragliche Massnahme unbedenklich ist (RKUV 1995 Nr. U 213 S. 68 f., E. 2b). Sodann
sind die Anforderungen an die Schadenminderungspflicht dort strenger, wo eine erhöhte Inanspruchnahme der Invalidenversicherung in Frage steht, namentlich wenn der Verzicht auf schadenmindernde Vorkehren Rentenleistungen auslöst (BGE 113 V 22 E. 4d.; SVR 2007 IV Nr. 34 S. 121, E. 3.1; Urteil des Bundesge
richts 8C_128/2007 vom 14. Januar 2008 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.3
Die versi
cherte Person muss gemäss
Art.
7 IVG alles ihr Zumutbare unterneh
men
, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (
Art.
6 ATSG) zu ver
ringern und den Eintritt einer Invalidität (
Art.
8 ATSG) zu verhindern (
Abs.
1). Die versi
cherte Person muss an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhal
tung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Erwerbs
leben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich (Aufga
benbereich) dienen, aktiv teilnehmen. Dies sind insbesondere:
a.
Massnahmen der Frühintervention (
Art.
7d);
b.
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche
Eingliede
rung
(
Art.
14a);
c.
Massnahmen beruflicher Art (
Art.
15–18 und 18b);
d.
medizinische Behandlungen nach Artikel 25 KVG;
e.
Massnahmen zur Wiedereingliederung von Rentenbezügerinnen und
Ren
tenbezügern
nach Art. 8a Abs. 2.
1.4
Die Leistungen können gemäss
Art.
7b IVG nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach
Art.
7 dieses Gesetzes oder nach
Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist (
Abs.
1). Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Ver
schuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (
Abs.
3).
1.
5
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er
in
validenversicherungsrechtlich
erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen
Ge
sundheitsschadens
ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesgerichts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2). Dabei ist das ganze für die Alkoholsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzube
ziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen
Sucht
mittelabhängigkeit
und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist
(Urteile des Bundesgerichts I 758/01 vom
5. November 2002 E. 3.2, und I 390/01
vom 19. Juni 2002 E. 2b). Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alko
hol
sucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhäng
igkeit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete
Ge
sundheits
störung
zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der Alko
holsucht darstellt (Urteil des Bundesgerichts I 192/02 vom 23. Oktober 2002 E.
1.2.2 mit Hinweis); es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz unter
geordnete Teilursache handelt (nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesge
richts I 130/93 vom 29. August 1994). Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt (BGE 99 V 28 E. 2; Urteil des Bun
desgerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.2; erwähntes Urteil I 758/01 E. 3.1).
Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alko
holsucht und
krank
heitswertigem
psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen. Um diese Frage beantworten zu können, sind Verwaltung und Gericht auf möglichst detaillierte medizinische Auskünfte über die Verhältnisse zur Zeit der Entste
hung der Alkoholsucht auf der einen und der allfälligen psychiatrischen Komorbidität auf der andern Seite sowie über den allfälligen ursächlichen Zu
sammenhang zwischen den beiden Aspekten angewiesen (vgl. zur Bedeutung medizinischer Auskünfte zur Bestim
mung der Invalidität BGE 115 V 133 E. 2; BGE 124 V 265 E. 3c mit Hinweis, 99 V 28 E. 2; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E. 2b mit Hinweisen; Urteile des Bundes
gerichts I 169/06 vom 8. August 2006 E.
2.2 und 4.2 mit Hinweisen und 8C_672/2010 vom 27. September 2010 E. 2).
1.
6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzu
sehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (vgl. zum Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fen
de Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch ent
s
cheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die
Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen mög
lich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig unge
klärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zu
weisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung gestützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere das psychiatrische Gutachten vom 2
4.
Juli 2014 (
Urk.
7/30), davon aus, dass die Arbeitsunfähigkeit des Beschwer
deführers vor allem durch das Abhäng
igkeitsverhalten begründet sei und des
hal
b keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege (
Urk.
2 S. 1 unten).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde (
Urk.
1) auf den Standpunkt,
dass die medizinischen Schlussfolgerungen im psychiatri
schen Gutachten in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation nicht einleuchten und den vergangenen und aktuellen Gegebenheiten
sowie den Einschätzungen der behandelnden Ärzte widersprechen würden. Da
her
könne auf das psychiatrische Gutachten nicht abgestellt werden. Vielmehr sei
den
nachvollziehbaren und glaubwürdigen Angaben der behandelnden Ärzte zu folgen (S. 6 oben). Eventuell werde die Einholung eines
Obergutach
tens
bean
tragt, da die
depressive Symptomatik sowie die emotional instabile
Persönlich
keitsstörung
nur ungenügend abgeklärt erscheine (S. 6 Mitte).
2.3
Streitig und zu prüfen ist die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen invalidisierenden Gesundheitsschaden ver
neint hat.
3.
3.1
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
sowie
A._
, Dipl. Psychologin FH,
nannte
n im
undatierten Bericht (
Urk.
7/7;
Datum der letzten Kontrolle
9.
August 2012,
Ziff.
1.2) als Diagnosen (
Ziff.
1.1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig bis schwere depressive Episode (ICD-10 F33.1/F33.2) sowie einen gegenwärtigen
Substanz
ge
brauch
von
Cannabinoiden
(ICD-10 F12.24). Der Beschwerdeführer sei seit 5 Jahren nicht mehr arbeitsfähig. Grund dafür sei eine familiär stark belastende Situation, die die
depressive Symptomatik verstärkt
und zu einem totalen Rück
zug geführt habe (
Ziff.
1.4). Die bisherige Tätigkeit sei im Umfang von 50
%
zumutbar (
Ziff.
1.7). Die Aufnahme in ein Belastungs- und Aufbau
training werde als sehr sinnvoll und hilfreich betrachtet (
Ziff.
1.11).
3.2
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie
A._
, Dipl. Psychologin FH, nannten im Bericht vom 2
6.
März 2014 (
Urk.
7/26) als Diagnose einen Verdacht auf eine emotional instabile
Persön
lichkeitsstörung
, impulsiver Typ (ICD-10 F60.30) sowie einen gegenwärtigen Substanzmissbrauch von
Cannabinoiden
(ICD-10 F12.24). Der Beschwerdeführer sei seit 7 Jahren nicht mehr arbeitsfähig und werde durch das Sozialamt unter
stützt. Eine vor vielen Jahren beginnende familiär sehr belastende Situation habe
die depressive Symptomatik verstärkt und zu einem starken sozialen Rückzug und zum Arbeitsverlust geführt. Aufgrund der psychisch und sozio
ökonomisch sehr belastenden Situation hätten sich die emotional instabilen
Persönlichkeits
züge
verstärkt und immer wieder zu problematischen Situationen im Umgang mit dem sozialen Umfeld geführt, was die Wiederaufnahme einer Arbeits
fähig
keit sehr erschwere.
Im Juni 2013 habe der Beschwerdeführer im Rahmen einer Integrationsmassnahme der IV ein Aufbautraining starten kön
nen, welche
s
jedoch nach 3 Wochen habe abgebrochen werden müssen, da es aufgrund der instabilen Persönlichkeitsstörung im Umgang mit den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu problematischen Situationen gekommen sei. Die depressive Symptomatik könne durch die Einnahme von Antidepressiva stabilisiert werden. Jedoch sei der starke soziale Rückzug und die Instabilität der Verhaltensweisen des Beschwerdeführers prognostisch als ungünstig zu be
trachten
(
Ziff.
1.4). Der
Beschwerdeführer sei aktuell und bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig
(
Ziff.
1.6). Eventuell könnte der Beschwerdeführer in ei
nem geschützten Rahmen
Arbeiten erledigen, ohne dabei in einem Team arbei
ten zu müssen (
Ziff.
1.7).
3.3
Prof.
Dr.
med. habil.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und für Neurologie, nannte im psychiatrischen Gutachten vom 2
7.
Juli 2014 (
Urk.
7/30) als psychiatrische Diagnose ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit ein primäres Abhängigkeitssyndrom von Cannabis, gegenwär
ti
ger
Substanzgebrauch (ICD-10 F12.24).
Die vom Beschwerdeführer geschil
der
ten Beschwerden einer Antriebsstörung seien ein klassisches Symptom eines chro
ni
schen Cannabiskonsums.
D
ie impulsiven Durchbrüche
könnten
Sympto
matik des
Cannabiskonsums sein, so dass differentialdiagnostisch eine emotio
nal instabile
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.3) anzudenken sei, jedoch un
ter dem besteh
enden Substanzgebrauch nicht gestellt werden könne
(S. 20 oben)
.
Anhand weniger biographischer Gegebenheiten rechnete er die impulsive Symptomatik schliesslich am ehesten dem chronischen Cannabiskonsum zu (S. 20 oben).
Unter aktuellem Substanzgebrauch von Cannabis könne keine abschliessende Beurteilung der Psychopathologie erfolgen. Daher empfehle er eine
Drogenabs
tinenz
vor erneuter Begutachtung. Eine solche sei
dem Beschwerdeführer
aus psychiatrischer Sicht
zumutbar (S. 20 unten).
Zusammenfassend hielt er fest, dass eine Beurteilung der mittel- und langfristi
gen Arbeitsfähigkeit erst nach Entzug und Entwöhnungstherapie möglich sei. Der
psychiatrische Gesundheitszustand sei aktuell als instabil anzusehen und
könne abschliessend nicht beurteilt werden (S. 21 unten).
Nach erfolgtem
Dro
gen
entzug
und Entwöhnungstherapie könnten sich weitere psychiatrische
Stö
rungsbilder
zeigen (S. 22 oben).
3.4
Dr.
B._
und Frau
A._
(vorstehend E.
3.2)
führten im Bericht vom
5.
Januar 2015 (
Urk.
7/45)
unter anderem
aus, die Entstehung der emotional instabilen Persönlichkeitsstörung gehe in das Kindes- und Jugendalter des Beschwerdeführers zurück.
Dieser
habe in diversen Beispiele aus seiner Biogra
phie beschrieben, dass er immer wieder mit Gewalt auf schwierige, unlösbare Situa
tionen oder Konflikte, vor allem im Kontakt mit höheren Amtsträgern der reli
giösen Gemeinschaft der Mormonen oder in der Schule gegenüber Lehrern und anderen Schülern
,
reagiert habe. Sehr oft sei es dabei um die Klärung von Ge
rechtigkeit oder um erlebten Machtmissbrauch seitens der Amtsträger ge
gang
en.
Den Konsum von Suchtmitteln habe er als Jugendlicher als
Bewälti
gungsstrate
gie
im Sinne
von einer Flucht und Religion gegen die ihm aufer
leg
ten Regeln der religiösen Gemeinschaft missbraucht (S. 2 oben).
Zum Gutachten hielten sie fest, dass dieses die emotional instabile
Persönlichkeitsstörung respektive die biographischen Gegebenheiten zu wenig berücksichtigt habe (S. 2 unten).
4.
4.1
V
orliegend ist mit dem Beschwerdeführer davon auszugehen, dass die
Be
schwer
degegnerin
den massgeblichen Sachverhalt nur unzureichend abge
klärt hat. So
hat diese einen Anspruch auf IV-Leistungen mit der Begründung abgelehnt,
dass
die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers vor allem durch das
Abhängig
keits
verhalten
begründet sei und deshalb keine Invalidität im Sinne des Gesetzes
vorliege (
Urk.
2 S. 1 unten).
4.2
Diese Schlussfolgerung
findet weder in
der
gutachterliche
n
Beurteilung
noch in
de
n
übrigen
medizinischen
Akten
eine genügende Stütze
.
Die
Beschwerdegeg
nerin
bezieht sich in ihrer pauschalen Begründung einzig auf das vorliegende
psychiatrische Gutachten
(
Urk.
2 S. 1 unten)
.
Dieses kommt
hingegen
zum ge
gen
teiligen Ergebnis
,
dass eine Beurteilung der mittel- und langfristigen Ar
beits
fähigkeit des Beschwerdeführers erst nach einem Entzug und
einer
Entwöh
nungs
therapie
möglich sei
, da der
psychiatrische Gesundheitszustand aktuell als instabil anzusehen
sei
und
folglich
nicht abschliessend beurteilt werden
könne
(vorstehend E. 3.3)
.
Demnach
war es dem Gutachter
auch nicht möglich, die
im Raum stehende
emotional instabile
Persönlichkeitsstörung
abschliessend zu be
ur
teilen
und konnte er ein
H
ervortreten von weiteren psychiatrischen
Stö
rungs
bildern
nach erfolgtem Drogenentzug und Entwöhnungstherapie nicht aus
schliessen
(vorstehend E. 3.3).
Angesichts
dieser
klaren gutachterlichen
Aussagen durfte sich
Dr.
med.
D._
vom
Regionalen Ärztlichen Dienst
nicht
ohne eine weitere medizi
ni
sche Auseinandersetzung
über diese Schlussfolgerungen hinwegsetzen
und
sich da
bei
mit dem pauschalen
und unbegründeten
Verweis auf
eine
primäre Sucht be
gnügen
(vgl.
Urk.
7/36 S. 4 oben)
, sondern wäre gehalten gewesen,
der Sach
be
arbeitung
die im Gutachten als notwendig erachteten Massnahmen
(zumin
dest)
darzulegen
.
4.3
Aufgrund des Umstandes, dass
eine abschliessende Beurteilung der Psychopa
thologie
und der Arbeitsfähigkeit
unter aktuellem Substanzgebrauch
nicht mög
lich
ist
und der Gutachter
eine erneute Begutachtung nach
Drogenabstinenz
vor
schlug
(S.
20 unten)
, lässt sich
vorliegend
nicht beurteilen, ob ein
krank
heits
wertiger
psychischer Gesundheitsschaden vorliegt und ob zur
Cannabis
sucht
allenfalls ein Kausalzusammenhang besteht.
Dabei wäre auch einer allfäl
ligen Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer
Be
gleiter
krankung
Rechnung zu tragen (vorstehend E.
1.
5
).
M
it dem Wegfall der Sucht
könnte
unter Umständen
eine vorbestehende Persönlichkeitsstörung wie
der ver
stärkt in den Vordergrund treten
und
invalidenversicherungsrechtlich relevant
werden
(
Urteil des Bundesgerichts
I 30/90
zitiert in: Rechtsprechung des Bun
des
gerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Inva
liden
ver
siche
rung [IVG], bearbeitet von Prof. Dr. Ulrich Meyer und Dr. Marco
Reich
muth
, 3. Auflage, Zürich 2014, N 76 zu Art. 4
).
4.4
Zusammengefasst lässt sich unter aktuellem Substanzgebrauch und gestützt auf die vorliegenden Berichte nicht abschliessend feststellen, ob der Beschwerde
führer unter einer invalidenversicherungsrechtlich relevanten psychischen
Ge
sundheitsstörung
mit Krankheitswert leidet, welche zur Sucht geführt hat oder
als Folge des aktenkundigen Suchtmittelkonsum
s
seit frühesten Jugendjahren
ein
getreten ist
, und für sich allein oder in Zusammenhang mit der durch sie
ver
ursachten Suchtkrankheit zu einer massgeblichen Einschränkung de
r Ar
beits
fähigkeit führt.
5.
Zur Klärung dieser Frage
ist
eine
Drogenabstinenz mit anschliessender
Neube
gutachtung
notwendig und aus psychiatrischer Sicht zumutbar
(vorstehend E.
3.3)
. Nachdem der Beschwerdeführer
bisher offenbar zu einer
Cannabis
ab
st
i
nenz
und Entzugstherapie
wenig
motiviert
war
(vgl.
Urk.
7/30 S.
13 Mitte
,
Urk.
7/45 S. 3 unten
)
, wird
er
im Rahmen seiner
Schadenminderungs- und
Mit
wir
kungspflicht
(vorstehend E.
1.2-3
)
dazu aufzufordern sein, sich
der
not
wendigen Massnahme einer
Drogenabstinenz
-
allenfalls in Verbindung mit einer
Ent
zugstherapie
-
zu unterziehen
,
nötigenfalls unter
Androhung einer
Leis
tungs
verweigerung
(vorstehend E.
1.4
).
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
, damit sie im
Rahmen des ihr obliegenden Untersuchungsgrundsatz
es
die
entsprechende
n
Mass
nahmen ver
anlasse und hernach über den Rentenanspruch neu befinde.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
Damit wird das vom Beschwerdeführer gestellte Gesuch um unentgeltliche
Pro
zessführung
(
Urk.
1 S. 2) gegenstandslos.