# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 84b90c0d-0b5e-4e3b-a956-735e33ab8292
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_005
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Criminal Procedure

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Am 7. Juli 2017 reichte die A._AG bei der Kantonspolizei Graubünden Strafanzeige gegen Unbekannt ein und führte in der Anzeige aus, dass im Zusammenhang mit einer von X._ abgegebenen Kaufofferte für den Erwerb von Grundstücken in O.1_ und einem beigefügten Garantieschreiben der Verdacht aufgekommen sei, dass die beigefügten Dokumente gefälscht sein könnten, und sich der dringende Verdacht stelle, dass Manipulationen getätigt worden seien und eine Scheinfirma, welche kaum existent sein dürfte, eine "Garantie" abgegeben habe. Daher sei die Vermutung sehr gross, dass diverse strafrechtliche Bestimmungen verletzt sein könnten.
B. In der Folge wurde X._ von der Kantonspolizei Graubünden am 16. August 2017 auf den 29. August 2017 vorgeladen.
C. Mit Schreiben vom 28. August 2017 reichte X._, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Hans M. Weltert, das folgende Gesuch ein:
1. Der unterzeichnende Anwalt sei als amtlicher Verteidiger im oben erwähnten Ermittlungsverfahren einzusetzen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates Graubünden.
Gleichzeitig wurde darum ersucht, die Einvernahme vom darauffolgenden Tag absetzen zu lassen und die Kantonspolizei Graubünden damit zu beauftragen, einen neuen Termin mit ihm und seinem Mandanten zu vereinbaren.
D. Mit Schreiben vom 29. August 2017 liess die Staatsanwaltschaft Graubünden dem Rechtsvertreter von X._ das Formular "Erklärung zur Situation des Gesuchstellers um amtliche Verteidigung" zukommen und ersuchte zugleich um Erklärung, inwiefern X._ im Sinne von Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO nicht über die erforderlichen Mittel verfüge, um eine Verteidigung im vorliegenden Ermittlungsverfahren zu bezahlen.
E. Mit Schreiben zuhanden der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 31. August 2017 stellte Rechtsanwalt Dr. iur. Hans M. Weltert klar, dass vorliegend nicht die Einsetzung einer amtlichen Verteidigung nach Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO zur Diskussion stehe, sondern eine notwendige Verteidigung nach Art. 130 lit. b StPO, wonach eine beschuldigte Person verteidigt werden müsse, wenn ihr eine Freiheitsstrafe oder eine freiheitsentziehende Massnahme drohe. Die Voraussetzungen für die Einsetzung der notwendigen Verteidigung nach Art. 130
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StPO seien gegeben. Auch das Bundesgericht sei in einem wegweisenden Entscheid zum klaren Schluss gekommen, dass bei notwendiger Verteidigung die Bestellung eines Offizialverteidigers, dessen Kosten (vorläufig) vom Staat zu bevorschussen seien, keinen Nachweis der finanziellen Bedürftigkeit des Beschuldigten voraussetze (BGE 139 IV 113). Entsprechend sei es bundesrechtswidrig und verletze neben den einschlägigen Verfahrensbestimmungen auch das strafprozessuale Verbot des Selbstbelastungszwangs, wenn die Staatsanwaltschaft von seinem Mandanten verlange, seine finanziellen Verhältnisse darzulegen.
F. Mit Verfügung vom 6. September 2017, mitgeteilt am 8. September 2017, ernannte die Staatsanwaltschaft Graubünden Rechtsanwalt Dr. iur. Hans M. Weltert gestützt auf Art. 130 lit. b und Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO zum amtlichen Verteidiger von X._ (Ziff. 1) und hielt zugleich fest, dass die Weg- und  ab Kantonsgrenze vergütet werde (Ziff. 2).
G. Gegen diese Verfügung erhob X._ mit Eingabe vom 18. September 2017 Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden mit folgenden Anträgen:
1. Die Weg- und Zeitentschädigung für den amtlichen Verteidiger sei ab Aarau zu gewähren.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
H. Die Staatsanwaltschaft Graubünden beantragte in ihrer Stellungnahme vom 2. Oktober 2017 die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde.
I. Auf die weitergehenden Ausführungen in der angefochtenen Verfügung sowie in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. Gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO kann gegen Verfügungen der Staatsanwaltschaft Beschwerde geführt werden. Die Beschwerde ist innert 10 Tagen schriftlich und begründet einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Die Zuständigkeit der II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden als Beschwerdeinstanz ergibt sich im vorliegenden Fall, zumal keine Ausnahme im Sinne von Art. 395 StPO vorliegt, gestützt auf Art. 22 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EGzStPO; BR 350.100) und Art. 10 Abs. 1 der Kantonsgerichtsverordnung (KGV; BR 173.110). Die angefochtene Verfügung
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der Staatsanwaltschaft Graubünden betreffend Ernennung eines amtlichen Verteidigers und Beschränkung der Weg- und Zeitentschädigung stellt ein taugliches Beschwerdeobjekt dar. Sie wurde dem Beschwerdeführer am 8. September 2017 mitgeteilt und von diesem am 18. September 2017 in Empfang genommen (act. B.3), womit die Eingabe der Beschwerde am selben Tag (18. September 2017) fristgerecht erfolgte, sodass einem Eintreten aus Gründen der Fristwahrung nichts im Wege steht.
2. Die Staatsanwaltschaft hält vorab für fraglich, ob der Beschwerdeführer zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt beschwerdelegitimiert sei, nachdem er noch keine Entschädigungsforderung für den Aufwand seines amtlichen Verteidigers gestellt habe und dementsprechend auch noch kein Entscheid von welcher Behörde auch immer vorliege. Entscheidend sei, ob die Partei durch die fragliche Verfahrenshandlung beschwert sei.
Gemäss Art. 382 Abs. 1 StPO kann jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Änderung oder Aufhebung eines Entscheids hat, ein Rechtsmittel ergreifen. Die Legitimation ist Eintretensvoraussetzung für den Rechtsmittelentscheid; andernfalls hat ein Prozessurteil zu ergehen. Das vorausgesetzte rechtlich geschützte Interesse bezieht sich nicht auf den Schutzzweck einer Norm, sondern auf die notwendige Beschwer der betreffenden Partei (Martin Ziegler/Stefan Keller, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 1 zu Art. 382 StPO). Die Legitimation des Beschwerdeführers ist im vorliegenden Fall entgegen der Auffassung der Staatsanwaltschaft selbstredend gegeben, selbst wenn es zurzeit noch an einem konkreten Entschädigungsentscheid fehlt. Dass ein solcher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorliegt, hat seinen Grund einzig darin, dass das Strafverfahren erst am Anfang steht und noch nicht einmal die erste Einvernahme des Beschuldigten durchgeführt wurde. Ungeachtet dessen wird mit der angefochtenen Verfügung die Entschädigungsmodalität des amtlichen Verteidigers für seine zukünftigen Aufwendungen verbindlich festgelegt, was für die Bejahung eines rechtlich geschützten Interesses und damit einer Beschwer im Sinne des Gesetzes ausreichend ist. Der Einwand der Staatsanwaltschaft erweist sich somit als unbegründet und auf die vorliegende Beschwerde ist auch mit Blick auf die Legitimation des Beschwerdeführers einzutreten.
3. Mit der Beschwerde können Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung, die unvollständige oder unrichtige Feststellung des
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Sachverhalts sowie Unangemessenheit gerügt werden (Art. 393 Abs. 2 StPO). Die Beschwerde ist ein umfassendes, d.h. ordentliches und vollkommenes Rechtsmittel. Sie kann – wenn die entsprechende Verfahrenshandlung beschwerdefähig ist – ohne Einschränkung erhoben werden. Das bedeutet, dass mit der Beschwerde alle Mängel des angefochtenen Entscheids geltend gemacht werden können und die Beschwerdeinstanz in diesem Sinne über freie bzw. volle Kognition verfügt. Sie kann damit ihre eigene, rechtlich begründete Ansicht an die Stelle derjenigen der vorinstanzlichen Strafbehörde setzen und die Beschwerde gutheissen, wenn ihr die erhobene Rüge begründet erscheint. Ebenso wenig ist die Beschwerdeinstanz an die Begründung der Parteien und an deren Anträge gebunden. Eine Beschwerde kann damit auch aus anderen als den vom Beschwerdeführer vorgebrachten Gründen gutgeheissen werden (Patrick Guidon, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 15 zu Art. 393 StPO).
4. Ausgehend von dem der angefochtenen Verfügung vorausgegangenen Schriftenwechsel zwischen der Staatsanwaltschaft Graubünden und dem Beschwerdeführer, in dessen Rahmen Erstere Letzterem das Formular "Erklärung zur Situation des Gesuchstellers um amtliche Verteidigung" zukommen liess und ihn gleichzeitig aufforderte zu erklären, inwiefern er im Sinne von Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO nicht über die erforderlichen Mittel verfüge, um eine Verteidigung zu bezahlen, woraufhin Letzterer dieses Vorgehen unter Hinweis auf BGE 139 IV 113 als bundesrechtswidrig bezeichnete (vgl. act. F.3 und F.4), drängen sich vorab mit Blick auf den genannten BGE die folgenden Klarstellungen bezüglich amtlicher und notwendiger Verteidigung auf:
4.1. Die beschuldigte Person ist berechtigt, in jedem Strafverfahren und auf jeder Verfahrensstufe einen Rechtsbeistand ihrer Wahl mit der Verteidigung zu betrauen (Art. 129 Abs. 1 StPO). Gemäss Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO ordnet die Verfahrensleitung eine amtliche Verteidigung an, wenn bei notwendiger Verteidigung nach Art. 130 StPO die beschuldigte Person trotz Aufforderung der Verfahrensleitung keine Wahlverteidigung bestimmt oder der Wahlverteidigung das Mandat entzogen wurde oder sie es niedergelegt hat und die beschuldigte Person nicht innert Frist eine neue Wahlverteidigung bestimmt. Ein Fall notwendiger Verteidigung liegt insbesondere vor, wenn der beschuldigten Person eine Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr oder eine freiheitsentziehende Massnahme droht (Art. 130 lit. b StPO). Nach Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO ordnet die Verfahrensleitung über die Fälle notwendiger Verteidigung hinaus dann eine amtliche Verteidigung an, wenn die beschuldigte Person nicht über die
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erforderlichen Mittel verfügt und die Verteidigung zur Wahrung ihrer Interessen geboten ist.
4.2. Die amtliche Verteidigung wird von der im jeweiligen Verfahrensstadium zuständigen Verfahrensleitung bestellt (Art. 133 Abs. 1 StPO). Die Verfahrensleitung berücksichtigt dabei nach Möglichkeit die Wünsche der beschuldigten Person (Art. 133 Abs. 2 StPO). Die amtliche Verteidigung wird nach dem Anwaltstarif desjenigen Kantons entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO). Die Staatsanwaltschaft oder das urteilende Gericht legen die Entschädigung am Ende des Verfahrens fest (Art. 135 Abs. 2 StPO). Wird die beschuldigte Person zu den Verfahrenskosten verurteilt, so ist sie, sobald es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben, verpflichtet, dem Kanton die Entschädigung zurückzuzahlen (Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO).
4.3. Das Gesetz unterscheidet zwischen amtlicher Verteidigung bei notwendiger Verteidigung (Art. 132 Abs. 1 lit. a StPO) und den übrigen Fällen der (unentgeltlichen) amtlichen Verteidigung. Nur bei Letzteren verlangt das Gesetz (in Übereinstimmung mit der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts) für eine staatliche Bevorschussung der Verteidigungskosten den Nachweis, dass die beschuldigte Person nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO). Bei notwendiger Verteidigung setzt die Bestellung eines Offizialverteidigers, dessen Kosten vom Staat (vorläufig) zu bevorschussen sind, dagegen keinen Nachweis der finanziellen Bedürftigkeit des Beschuldigten voraus (Art. 132 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 130 StPO). Falls sich bei einem notwendig durch einen Offizialanwalt verteidigten Beschuldigten herausstellen sollte, dass er nicht (oder nicht mehr) bedürftig ist, kann die Verfahrensleitung (spätestens am Ende des Strafverfahrens) entscheiden, ob und inwieweit die staatlich bevorschussten Verteidigungskosten an den Beschuldigten zu überwälzen sind (Art. 135 Abs. 2 in Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO). Weder das Gesetz noch die Bundesgerichtspraxis sehen jedenfalls vor, dass eine amtliche Verteidigung ohne weiteres zur definitiven Befreiung des Beschuldigten von staatlich bevorschussten Anwaltskosten führen müsste (vgl. zum Ganzen BGE 139 IV 113 E. 4.1 und 4.2 S. S. 118 f. und E. 5.1 S. 120).
5.1. Die Staatsanwaltschaft Graubünden entschied in der angefochtenen Verfügung, dass die Weg- und Zeitentschädigung des amtlichen Verteidigers des Beschwerdeführers ab Kantonsgrenze vergütet werde (Ziffer 2).
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5.2. Der Beschwerdeführer erblickt im Umstand, dass seinem amtlichen Verteidiger, welcher in Aarau domiziliert ist, nur eine Weg- und Zeitentschädigung ab der Kantonsgrenze gewährt werde, eine Unangemessenheit. Zur Begründung wird ausgeführt, er werde durch diesen Entscheid beschwert, indem er die Weg- und Zeitentschädigung seines Rechtsvertreters zwischen Aarau und der Kantonsgrenze selber tragen müsse. Mit diesem Entscheid habe die Staatsanwaltschaft das ihr zustehende Ermessen klarerweise überschritten. Würde er sich nämlich von einem Anwalt aus dem Kanton Graubünden, namentlich aus dem Engadin, aus dem Bergell oder aus dem Puschlav vertreten lassen, wäre die Weg- und Zeitentschädigung dieses Anwalts von der amtlichen Verteidigung gedeckt. Käme sein Anwalt aus seinem Wohnort (O.1_), so hätte er für die vorgesehenen Befragungen des Beschwerdeführers in Chur einen Anfahrtsweg von knapp zwei Stunden. Seine Reisezeit wäre dann durch die amtliche Verteidigung gedeckt. Reise sein Anwalt mit dem Zug aus Aarau an, so dauere dies gleich lang, je nach Verbindung sogar weniger lang; diese Reisezeit sei von der amtlichen Verteidigung jedoch nicht gedeckt. Dies stelle eine krasse Ungleichbehandlung dar. Es sei nicht ersichtlich, weshalb die Weg- und Zeitentschädigung des bestellten amtlichen Verteidigers nicht ebenfalls umfänglich gedeckt sein soll.
5.3. Die Staatsanwaltschaft Graubünden führte in ihrer Stellungnahme vom 2. Oktober 2017 zur Begründung ihres Entscheids aus, dass aus der Bestimmung von Art. 133 Abs. 2 StPO, wonach die Verfahrensleitung bei der Bestellung der amtlichen Verteidigung nach Möglichkeit die Wünsche der beschuldigten Person berücksichtige, kein Anspruch auf einen Anwalt freier Wahl fliesse. Unter Hinweis auf die Kommentarstellen Ruckstuhl erwog die Staatsanwaltschaft sodann, die beschuldigte Person könne zwar auch einen ausserkantonalen Anwalt als amtlichen Verteidiger wünschen. Diesen Wunsch könne die Verfahrensleitung aber abschlagen, wenn eine auswärtige Verteidigung nicht praktikabel sei. Der Wunsch der beschuldigten Person nach einer bestimmten Person als Verteidigung dürfe nicht willkürlich, d.h. nicht ohne sachlichen Grund, unberücksichtigt bleiben. Das Bundesgericht habe es auch als sachlichen Grund und damit als zulässig erachtet, wenn der Wunsch deshalb unberücksichtigt worden sei, weil eine auswärtige Verteidigung nicht gleich flexibel in der Wahrnehmung von Terminen sei und weil wegen der tarifgemäss zu entschädigenden Anreise höhere Kosten für die Staatskasse entstünden (vgl. Niklaus Ruckstuhl, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 8a und 8b zu Art. 133 StPO). Die
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zitierten Kommentarstellen erweisen sich zwar als zutreffend, indessen scheint die Staatsanwaltschaft zu übersehen, dass sich Ruckstuhl in unmittelbarem Anschluss daran dahingehend äussert, dass das finanzielle Argument unter der Geltung der schweizerischen StPO wohl nicht mehr zulässig sein werde, weil der Gesetzgeber ausdrücklich gewollt habe, dass auch vermehrt dem Wunsch nach einer ausserkantonalen Verteidigung entsprochen werden könne (vgl. Botschaft zur Vereinheitlichung des Strafprozessrechts vom 21. Dezember 2005, BBl 2006 S. 1180). Damit könnten nur noch Gründe der Verfügbarkeit gegen eine auswärtige Verteidigung sprechen. Aber auch diese seien irrelevant, wenn die auswärtige Verteidigung sich zur Übernahme des Mandates grundsätzlich bereit erkläre (Ruckstuhl, a.a.O., N 8b zu Art. 133 StPO). Auch Lieber hält es für fragwürdig, auswärtigen Anwälten die Reisespesen nur ausnahmsweise zu ersetzen, zumal im Lichte der Rechtsvereinheitlichung und der interkantonalen Freizügigkeit den kantonalen Grenzen nur noch beschränkte Bedeutung zukommen könne (Viktor Lieber, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich 2014, N 7 zu Art. 135 StPO; vgl. auch N 6 zu Art. 133 StPO; ähnlich Niklaus Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen 2013, N 2 zu Art. 133 StPO, gemäss welchem immerhin unter Umständen Reisespesen nicht zu entschädigen sind).
5.4. Die II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden schliesst sich diesen Lehrmeinungen insofern an, als die Ansicht, dass das finanzielle Argument unter der Geltung der schweizerischen Strafprozessordnung nicht mehr zulässig sei, wohl zumindest dann zutreffend ist, wenn die zu erwartenden Mehrkosten wie vorliegend in einem bescheidenen Rahmen liegen. In einem Fall, der zwar eine andere Fragestellung als die vorliegende betraf, bezeichnete es das Bundesgericht denn auch als unhaltbar, die im Zug verbrachte Reisezeit gar nicht zu entschädigen, weil die Arbeitsmöglichkeiten für einen Anwalt im Zug schon wegen der fehlenden Büroinfrastruktur beschränkt seien und die erforderliche Diskretion ein effizientes Arbeiten weiter behindere (Urteil des Bundesgerichts 6B_136/2009 vom 12. Mai 2009 E. 4.4). Das gleiche muss nach Auffassung der II. Strafkammer gelten, wenn die Reisekosten bis zur Kantonsgrenze gar nicht entschädigt werden sollen. Darüber hinaus hielt das Bundesgericht in einem anderen Entscheid in Bezug auf die Anwaltskosten fest, dass (jedenfalls in grösseren Kantonen) ein im eigenen Kanton domizilierter entfernt und ein solcher aus dem Nachbarkanton nahe gelegen sein könne, so dass der ausserkantonale Anwalt sogar einen kürzeren Reiseweg habe; ohnehin würden die Reisekosten
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selten merklich ins Gewicht fallen (Urteil des Bundesgerichts 5A_175/2008 vom 8. Juli 2008 E. 5.1). Ob in einem Fall, in welchem mit unverhältnismässig hohen Reisekosten zu rechnen wäre, anders zu entscheiden wäre, kann ausdrücklich offen gelassen werden. Für den vorliegenden Fall, in welchem aufgrund des Anfahrtsweges von Aarau her nicht mit unverhältnismässigen Reisekosten zu rechnen ist, erscheint es mit Blick auf die vorangegangenen Ausführungen jedenfalls nicht vereinbar, dem amtlichen Verteidiger die Reisezeit bis zur Kantonsgrenze gar nicht zu entschädigen. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung von Ziffer 2 der angefochtenen Verfügung. Antragsgemäss ist dem amtlichen Verteidiger die Weg- und Zeitentschädigung im Untersuchungsverfahren gegen den Beschwerdeführer ab Aarau zu entschädigen. Ob diese Anfahrtswege zum vollen oder lediglich zu einem reduzierten Ansatz zu entschädigen sind, ist nicht Gegenstand des vorliegenden Beschwerdeverfahrens und liegt im Ermessen der dannzumal die Entschädigung des amtlichen Verteidigers festzusetzenden Behörde (Staatsanwaltschaft oder erstinstanzliches Gericht), welche diesbezüglich über einen erheblichen Ermessensspielraum verfügt. Es besteht kein Anlass, bereits im jetzigen Verfahrensstadium hierüber zu befinden und damit in deren Ermessen einzugreifen.
6.1. Bei diesem Ausgang gehen die Kosten des Beschwerdeverfahrens, welche auf CHF 1'000.00 festgelegt werden (vgl. Art. 8 der Verordnung über die Gerichtsgebühren in Strafverfahren [VGS; BR 350.210]), zu Lasten des Kantons Graubünden (Art. 428 Abs. 1 StPO) und werden auf die Gerichtskasse des Kantonsgerichts von Graubünden genommen.
6.2. Im Weiteren hat der Kanton Graubünden den Beschwerdeführer gestützt auf Art. 436 Abs. 3 StPO, welcher trotz Verweis auf das Berufungsverfahren auch im Beschwerdeverfahren Anwendung findet (Stefan Wehrenberg/Friedrich Frank, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N 14 zu Art. 436 StPO; Yvona Griesser, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich 2014, N 4 zu Art. 436 StPO), hierfür aussergerichtlich zu entschädigen. Mangels Einreichung einer Honorarnote wird die Parteientschädigung nach richterlichem Ermessen festgelegt (Art. 5 Abs. 2 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte [Honorarverordnung, HV; BR 310.250]). Angesichts der sich stellenden Sach- und Rechtsfragen sowie mit Blick auf den Umfang der eingereichten Beschwerdeschrift erscheint eine aussergerichtliche Entschädigung von CHF 600.00 (inkl. Spesen und MWSt.) als angemessen.
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## Considerations