# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6e64e954-9a54-4dd1-888e-5308f4c29601
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
X._
, geboren 1980,
Mutter zweier 2003 und 2005 geborener Kinder,
war
Gesellschafterin und Geschäftsführerin der
Y._
und führte in dieser Eigenschaft zuletzt
vom 1. September
2006 bis 31. Juli 2008
die
Z._ Tankstelle
(samt
A._-Shop
)
Frauenfeld West
mit
ei
nem Arbeitspensum von 100 %
. Per diesem Datum wurde das Geschäft aufgelöst
(
Urk.
8/2 und Urk. 8/21). Am 18. März 2009 meldete sie sich unter Hinweis auf Depressionen, Schlaflosigkeit und
Bauch
krämpfe
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug (Berufliche Integration) an (
Urk.
8/2). Mit Verfügung vom 27. April 2010 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren ab, da die Versicherte zum Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenanspruches im September 2009 wieder
zu
100 %
arbeitsfähig war (
Urk.
8/32
)
.
Diese Verfügung blieb unangefoch
ten.
2.
Ab
1. Februar 2011 war die Versicherte beim
B._
als Verkaufsangestellte zu einem Arbeitspensum von 100 % angestellt
. Nachdem sie ab 15. September 2012
krank
geschrieben
worden war, kündigte die Arbeit
geberin die Stelle per 31. März 2013
(
Urk.
8/51).
Mit Gesuch vom 2
2.
Mai 2013 meldete sie sich unter Hinweis auf kardiale Be
schwerden (Geburtsgebrechen) erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an
(
Urk.
8/37). Die IV-Stelle zog
die
Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
8/43), einen IK-Auszug (
Urk.
8/44) und medizinische Berichte (
Urk.
8/45-46) bei. Weiter führte sie mit der Versicherten
ein Standortg
espräch
(
Urk.
8/38-39
)
und schloss eine Zielvereinbarung für Frühinterventionsmassnahmen in Form einer Potentialabklärung ab
(
Urk.
8/55)
.
Diese wurde an der
C._
(
C._
) Zürich absolviert (
Urk.
8/63).
Mit Schreiben vom 23. Mai 2014 (
Urk.
8/65) teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass die be
rufliche Eingliederung abgeschlossen und ein Rentenanspruch geprüft werde, da derzeit noch keine gesundheitliche Verbesserung zu verzeichnen sei.
Mit Vorbescheid vom 21. Juli 2014 (
Urk.
8/67) stellte die IV-Stelle die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen die Versicherte am 9. September 2014 beziehungsweise 23. Oktober
2014 (Urk.
8
/
71
;
Urk.
8/76) un
ter Beilage eines ärztlichen Berichtes (
Urk.
8/74) Einwand erhob. Im Nachgang reichte die Versicherte einen weiteren ärztlichen Bericht (
Urk.
8/78-79) ein. Mit Schreiben vom 16. Dezember 2014 (
Urk.
8/81) nahm die Versicherte Stellung zum Feststellungsblatt der IV-Stelle (vgl.
Urk.
8/80). Am 29. Dezember 2014 (Urk. 2) verfügte die IV-Stelle im angekündigten Sinne.
3.
Hiergegen erhob die Versicherte am 13. Januar 2015 Beschwerde mit den Anträ
gen, die Verfügung vom
29. Dezember 2014 sei aufzuheben und es sei ihr eine angemessene Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen, eventualiter seien medizinische und berufliche Abklärungen vorzunehmen
(Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss am 2. Februar 2015 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin am 5. Februar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1
ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens
einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen
werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG
).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV
, bis 31.11.2011: Abs. 4
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für
die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71
E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Es gilt jedoch zu beachten, dass ärztliche Angaben zur Arbeitsfähigkeit zwar eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit von Arbeitsleis
tungen bilden, es jedoch letztlich der rechtsanwendenden Behörde - der Ver
waltung oder, im Streitfall, dem Ge
richt - obliegt, zu beurteilen, ob eine Invali
dität im Rechtssinne, bejahendenfalls eine solche rentenbegründender Art ein
getreten ist. Weil die Arbeitsfähigkeit somit keine rein medizinische, sondern letztlich auch eine juristische Frage ist, können sich Konstellationen ergeben, bei welchen von der von einem medizinischen Bericht festgestellten Arbeitsun
fähigkeit abzuweichen ist, ohne dass dieser seinen Beweiswert verlöre (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.1-2 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2014 vom 23. Dezember 2014 E. 5.1 mit Hin
weisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom Fehlen ei
ner wesentlichen Veränderung im Sinne einer Verschlechterung des Gesund
heitszustandes aus.
Das Vorliegen e
ine
r
p
osttraumatische
n
Belastu
ngsstörung
sei
nicht nachvollziehbar.
In Bezug auf die diagnostizierte somatoforme Schmerzstörung liege
eine
psychische Komorbidität von bestimmter Schwere, Intens
ität, Ausprägung und Dauer
nicht vor, zudem könn
t
en psychosoziale
Be
lastungsfaktoren
gemäss aktueller Rechtsprechung nicht miteinbezogen werden. Die Försterkriterien
seien
nicht erfüllt.
M
it einer zumutbaren
Willensanstren
gung
seien
die geklag
ten Einschränkungen überwindbar
. Weitere medizinische Abklärungen
seien
somit nicht angezeigt
(
Urk.
2)
.
2.2
Demgegenüber
schloss
die Beschwerdeführerin
auf
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
seit dem 2
7.
April 2010
und
eine
100%
ige
A
rbeitsunfä
hig
keit
. Dies
ergebe
sich unter anderem aus der durch die Beschwerdegegnerin angesetzte
n Arbeitsdiagnostik
. Zu
m
selben Schluss
kämen auch die behandeln
den Ärzte
. Etwas anderes
könne
auch den Akten nicht entnommen werden. So
mit
habe sie
An
s
pruch
auf eine
Rente
der Invalidenversicherung (
Urk.
1).
In ihrer Stellungnahme vom 1
6.
Dezember 2014 (
Urk.
8/81) h
atte
die Beschwer
deführerin fest
gehalten
, die von der Beschwerdegegnerin angesetzte und durch
geführte Arbeitsdiagnostik habe ergeben, dass sie im ersten Arbeitsmarkt nicht arbeitsfähig sei. Dem Bericht der Arbeitsdiagnostik sei klar zu entnehmen, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes vorlieg
e
. Weiter ergebe sich aus dem erwähnten Bericht, dass sie aufgrund einer psychischen Problematik arbeitsunfähig sei, welche nicht einfach überwindbar sei. Weiter leide sie seit ungefähr 2011 an
Thoraxschmerzen
. Diesbezüglich sei sie in regelmässiger Be
handlung. Somit liege seit dem 2
7.
April 2010 klarerweise eine Verschlechte
rung des Gesundheitszustandes vor (S. 1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdefüh
rerin im Zeitraum zwischen der ersten leistungsabweisenden Verfügung (27. April 2010
) und der
nun
angefochtenen Verfügung (
2
9.
Dezember 2014
) in einer
an
spruchs
erheblichen
Weise verändert hat.
3.
3.1
Die Verfügung vom 27. April 2010 (Urk. 8/32) fusste im Wesentlichen auf folgen
dem medizinischen Sachverhalt:
3.1.1
Mit Schreiben vom
2.
März 2009 (
Urk.
8/8/17-18) stellte
Dr.
med.
D._
, Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, psychogen bedingte Bauch
schmerzen sowie eine psychosoziale Belastungssituation fest und bescheinigte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bis Ende März 2009, eine solche von 50 % ab
1.
April 2009 und ab
1.
Mai 2009 eine volle Arbeitsfähigkeit (S. 18).
In seinem Bericht vom 3
0.
März 2009 (
Urk.
8/4) diagnostizierte er eine leichte depressive Episode mit somatischen Beschwerden (ICD-10 F32.01) sowie Bauchschmerzen (bestehend seit September 2008; S. 2). Er attestierte vom 1. Februar bis 3
0.
April 2009 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 3).
In seinem Bericht vom
9.
Juli 2009 (
Urk.
8/22) hielt
Dr.
D._
fest, dass die Be
schwerdeführerin motiviert und nicht mehr von ihren Bauchschmerzen geplagt sei – auch nicht mehr klagend und depressiv. Vom 1
5.
Juni bis 3
1.
Juli 2009 bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit und ab
1.
August 2009 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit.
3.1.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt mit Schreiben vom 2
4.
März 2009 (
Urk.
8/11)
zu
H
a
nden
des
Krankentaggeldversi
cherers
fest, dass ein Krankheitswert der Störung bei psychopathologisch objek
tivierbaren berufsrelevanten Befunden ausgewiesen sei und bescheinigte ab Februar 2009 (Abbruch des Arbeitsversuchs) eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.1.3
Hausarzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Pharma
zeutische Medizin, diagnostizierte in seinem Bericht vom
4.
April 2009 (
Urk.
8/6/2-5)
eine depressive Entwicklung bei
depressive
n
Beschwerden klassi
scher Art mit Energiemangel, Somatisierung und Schlafstörungen (S. 2). Er be
scheinigte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vom 2
1.
März bis
4.
Mai 2008, eine solche von 50 % vom
5.
Mai bis
1.
Juni 2008 und wiederum eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit vom
2.
Juni 2008 bis auf
Weiteres
(S. 3).
3.2
Im Rahmen der Neuanmeldung wurden im Wesentlichen die folgenden ärztli
chen Berichte zu den Akten genommen:
3.
2.1
Prof.
Dr.
med.
G._
, Chefarzt der Klinik für Kardiologie,
H._
Zürich, nannte in seinem Bericht vom 2
8.
September 2012 (
Urk.
8/45/39-40) folgende Diagnosen (S.
1)
:
Unklare
Thoraxschmerzen
(letztmalige ambulante Notfallbehandlung am 2
4.
September 2012 im
I._
)
Status nach Verschluss eines
Atriumseptumdefekt
s
(ASD) Typ 2 am 2
4.
August 2011 mit
Amplatzer
ASD-
Occluder
20 mm
Palpitationen
(Status nach dreimalig unauffälligem Langzeit-EKG, zu
letzt im Februar 2012)
Kardiovaskuläre Risikofaktoren: Nikotinkonsum
Prof.
Dr.
G._
hielt fest, echokardiographisch und klinisch bestünden keine Herzinsuffizienzzeichen. Rhythmusstörungen hätten wiederholt nicht nachge
wiesen werden können. Die starken
Thoraxschmerzen
würden nicht durch den
Atriumseptumdefekt
(ASD)-
Occluder
verursacht
(unauffälliges
C
T)
. Eine
Arosion
liege definitiv nicht vor. Er habe der Beschwerdeführerin gesagt, dass die Schmerzen nicht vom ASD-
Occluder
kämen. Ebenfalls habe er sie beruhigt, dass bei ihr keine koronare Herzkrankheit vorliege und sie keine Angst vor einem Herzinfarkt haben müsse. Die Beschwerdeführerin sei von verschiedenen Ärzten
wegen
Thoraxschmerzen
kardial abgeklärt worden, welche klar nicht
kardialer Natur
seien (S.
2
).
3.2.2
Die leitende Ärztin Pneumologie vom
I._
, KD
Dr.
med.
J._
,
nannte in ihrem Bericht vom
3.
Dezember 2012 (
Urk.
8/45/17-19) fol
gende Diagnosen (S. 17):
Unklare chronische
Thoraxschmerzen
subscapulär
links und anfallsartig retrosternal
unauffällige ka
r
d
i
ale Abklärung
unauffällige pulmonale Abklärung
Verdacht auf funktionelles Geschehen
Status nach Verschluss eine
s
ASD Typ 2 08/2011 mit
Amplatzer
ASD-Oc
cluder
Nikotinabusus, kumulativ 15 pack
year
s
(
py
)
Dr.
J._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei ihr mit zwei verschiede
nen Art
en von S
chmerzen zur
pneumologischen
Ab
klärung zugewiesen
worden
. Die erste Schmerzart
habe
nach
dem
Atriumseptumdefekt
Verschluss mit einem
Occluder
begonnen –
die Schmerzen
seien chronisch und
subscapulär
links
. Die anderen Schmerzen
seien
erstmalig
im Mai 2011 auf
getreten. Sie seien extrem
stark und
kämen episodenweise
immer wieder. Zahlreiche Abklärungen
seien
bisher
durchgeführt worden
, ohne dass die Schmerzursache
habe
gefunden wer
den
können
.
Im klinischen
S
t
atus habe
keine
Druckdolenz
im Bereich des Tho
rax ausgelöst werden
können
, auch sonst
sei
dieser unauffällig
gewesen
. Die Lungenfunktionsprüf
u
ngen
hätten
sich etwas schwierig
gestaltet
, indem die
Beschwerdeführerin
bei der
Ventilation
nur mit m
ä
ssigem Einsatz geblasen
habe
und die Dif
f
usionsmessung aufgrund der Kooperation (Mundschluss notwendig bei der Untersuchung) nicht möglich
gewesen sei
und keine
Werte
erhältlich
gewesen seien
.
In der n
ativen Computertomographie
(
CT
,
bei anamnestisch
er Kontrastmittelallergie
)
habe
keine Pathologie
gefunden werden können
(S.
2
).
Somit sei es nicht gelungen, eine somati
sche Ursache
für
die von der
Beschwer
deführerin
eindrücklich geschilderten Beschwerden zu
finden.
Obwohl es s
ich hierbei um eine Ausschluss-
Diagnose
handle
,
sei
es natürlich auch denkbar, dass im Rahmen
von psychosozialen Belastungen
eine gewisse
Somatisierungs
tendenz
entstehe, welche sich in den besc
hriebenen Symptomen manifestiere
(S.
3
).
3.2.
3
Dr.
med.
K._
, Neurologie FMH, welche die Beschwerdeführerin auf Zu
weisung von
Dr.
F._
untersuchte, nannte in ihrem Bericht vom 28. Februar 2013 (
Urk.
8/45/12-13) folgende Diagnosen (S. 12):
02/11 Synkope in der Nacht im Rahmen von
Thoraxschmerzen
, möglich
er
we
ise
vasovagal
, schmerzinduziert
Attacken mit präkordialen Schmerzen, teils assoziiert mit Globusgefühl, Ursache offen – EEG ohne Hinweise für Epilepsie
08/11 ASD-Verschluss
3.2.4
Dr.
med.
L._
, Facharzt
für
Psychiatrie und Psychotherapie FMH, und Dr. phil.
M._
, Fachpsychologe für Psychotherapie FSP, nannten in ihrem Be
richt
(Verlaufsbeurteilung)
vom 2
0.
Juni 2013 beziehungsweise
8.
August 2013 (
Urk.
8/46/6-9; vgl. auch
Urk.
8/46/1-4) folgende Diagnosen (S.
3
):
Posttraumatische Belastungsstörung nach kumulativen innerfamiliären Verlusten (ICD-10 F43.1)
Anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Status nach akuter Belastungsreaktion 2006 (ICS-10 F43.0) sowie Dissozia
tive Amnesie 2010
(ICD-10 F44.0)
Sie gaben
an,
die Beschwerdeführerin
habe 2001 einen lebensbedrohlichen
Skiun
fall
des Ehemannes mit langwieriger Wiedereingliederung und langjähri
ger Invalidität verkraften müssen, im Jahr 2006 den Suizid eines Bruders und 2010 den Unfalltod eines weiteren Bruders.
Sie
zeige mehrere Symptome und Verhaltensweisen, welche für eine posttraumatische Belastungsstörung
typisch
seien
. Sie
könne
sich teils
hypermnestisch
an einzelne Details der höchst belas
tenden Ereignisse erinnern, andererseits
bestehe
für andere Zeitabschnitte keine Er
innerung (
anterograde
Amnesie).
In den Gesprächen
vermeide
sie eine kon
krete Auseinandersetzung mit dem schmerzhaften Verlust ihrer beiden Brüder. Sie zeig
e
mehrere Symptome einer erhöhten psychischen Sensitivität:
Es bestehe eine
Inso
mnie bei abendlicher
Triggerung
, eine Schreckhaftigkeit, Verspannung, Nervosität und
Panik, wenn sie unerwartet ein
e „SMS“ oder einen Telefona
nruf
erhalte
(Angst vor einer tragischen Nachricht)
oder etwas Unerwartetes passiere. A
ffektiv
zeigten sich
höchst prominent Wut, Enttäuschung, Unverständnis und Trauer im Zusammenhang mit beteiligten Personen und den Umständen der Er
eignisse
(S.
2
)
.
D
ie stark verunsicherte Beschwerdeführerin wehre sich gegen eine psychische Zuschreibung der Schmerzen, zum einen aufgrund der somati
schen Befunde und Berichte, zum anderen wegen der Charakteristik der Schmerzen: sie würden unerwartet und ohne ersichtlichen Auslöser
linksthora
kal
auftreten und wie „Anfälle" mit immobilisierender Heftigkeit erlebt (S.
3
).
Sie bescheinigten aktuell eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Aufgrund der mehr
jährigen Krankheitsentwicklung und der über zwölfjährigen Vorgeschichte müsse mit einer längeren Behandlung gerechnet werden. Eine stundenweise Wiederaufnahme der Arbeit sei als Arbeitsversuch mit einem Teilzeitpensum von 20 bis 40 % bei weiter bestehender 100%iger Arbeitsunfähigkeit ab Juli 2013 möglich. Eine schrittweise Verminderung der Arbeitsunfähigkeit werde
erst nach erfolgreichem Arbeitsversuch in Absprache mit dem Hausarzt möglich sein. Im Rahmen eines Arbeitsversuches sei ab Juli 2013 eine andere Arbeit zu
mutbar (S.
4
).
3.
2.
5
KD
Dr.
med.
N._
, leitender Arzt Kardiologie,
I._
, hielt in sei
nem Schreiben vom 1
5.
Oktober 2014 (
Urk.
8/74/1-2
) fest, die Beschwerdefüh
rerin leide seit ungefähr 2011 mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an nicht kardial bedingten
Thoraxschmerzen
. Aktuell sei sie in ihrer ange
stammten Tätigkeit nicht arbeitsfähig. Aufgrund der
Thoraxschmerzen
sei sie nicht in der Lage, Gewichte zu heben. In einer angepassten Tätigkeit sei sie möglicherweise arbeitsfähig, dies hänge unter anderem vom Erfolg von Einglie
derungsmassnahmen ab (S. 1). Die Ursache der chronischen und episodenhaft akzentuiert auftretenden
Thoraxschmerzen
sei und bleibe ungeklärt. Eine Angstkomponente spiele eine Rolle (S. 2).
3.2.
6
Hausarzt
Dr.
F._
hielt mit Schreiben vom
2.
November 2014 (
Urk.
8/78) fest, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit dem 2
7.
April 2010 aufgrund psychischer Belastungsfaktoren im Familienbereich, am Berufsort und krankheitshalber (kardial) verschlechtert habe. In ihrer ange
stammten Tätigkeit sei sie nicht arbeitsfähig. Eine Überforderung körperlicher und psychischer Art sei eindeutig gegeben und nachgewiesen. Ob sie in einer leidensangepassten Tätigkeit arbeitsfähig sei, könne erst nach einer Umschulung beurteilt werden (S. 1).
4.
4.1
Den medizinischen Berichten sind
neu im Wesentlichen
die Diagnosen
Thorax
schmerzen
,
posttraumatische
Bel
astungsstörung sowie anhaltende somatoforme Schmerzstörunge
n
zu entnehmen.
4.2
Bezüglich der
Thoraxschmerzen
ist festzuhalten, dass
Hausarzt Dr.
F._
ohne weitere Begründung
angab, der Gesundheitszustand der Beschwerdeführe
rin habe sich unter anderem krankheitshalber (kardial) verschlechtert, wohinge
gen
die Fachärzte
Prof.
Dr.
G._
und
KD Dr.
J._
– in ausführlicher, nachvollziehbarer und schlüssiger Weise – sowie
KD Dr.
N._
übereinstim
mend
darlegten
, dass diese Schmerzen nicht kardial bedingt sind und es sich dabei um unklare (chronische)
Thoraxschmerzen
handelt. Die Beschwerdeführe
rin musste sich zwar wegen des
Atriumseptumdefekt
s
einer Operation unterzie
hen und verspürt seither täglich einen
stechenden Schmerz. Entsprechende so
matische Befunde konnten jedoch nicht festgestellt werden
; im Gegenteil blieb ein am 3
0.
August 2012 (
Urk.
8/45/57-58) durchgeführtes CT unauffällig.
Auch
hielten
die
Dres
.
L._
und
M._
fest, die Tatsache eines somatischen De
fektes am Herzen – nach wiederholten kardialen Abklärungen –
habe
die
Fehl
attribut
ion
der
Thoraxschmerzen
verstärkt
und die Beschwerdeführerin
habe
eine angstbesetzte Fixierung auf die
Palpitationen
und die stechenden Schmer
zen im linken Brustbereich entwickelt
(
Urk.
8/46 S. 8).
Eine organische Genese ersahen auch sie nicht.
Überdies ist zu berücksichtigen, dass es sich beim
Atriumseptumdefekt
(Loch in der Herzscheidewand zwischen den beiden
Vorhöfen
des Herzens) um einen ange
borenen
Herzfehler
handelt (vgl.
Urk.
8/37 S. 7). Die Beschwerdeführerin konnte mit diesem Geburts
gebrechen
über Jahre stets mit einem 100 % Pensum arbeiten. Aus somatischen Gründen (Herzfehler) ist keine versicherungsrelevante Ver
schlechterung
des Gesundheitszustandes ersichtlich.
Im Gegenteil wurde die Problematik operativ angegangen und der
Septumdefekt
behoben.
Vielmehr sind die
Thoraxschmerzen
unter
die somatoforme
Schmerzstörung
zu subsu
mieren und unter diesem Gesichtspunkt
zu prüfen.
4.3
Hinsichtlich der einzig von den
Dres
.
M._
und
L._
festgestellten posttrau
matischen Belastungsstörung ist festzuhalten, dass die fragliche Diag
nose vorwiegend auf Akten und telefonischen Gesprächen mit dem Hausarzt Dr.
F._
beruht (vgl. Urk. 8/46 S. 6)
und schon aufgrund des Fehlens jegli
cher Anhaltspunkte für ein derartiges Leiden in sämtlichen
übrigen
medizini
schen Berichten als unwahrscheinlich erscheint.
Die Ärzte begründeten ihre Di
agnose denn auch nicht substantiiert, namentlich in Bezug auf die Schwere der stattgehabten Ereignisse. Dies erstaunt auch nicht,
da
es sich bei den
auslösen
den Vorf
ä
ll
en
(lebensbedrohlicher Skiunfall sowie langwierige Wiedereinglie
derung und langjährige Invalidität des Ehemannes, Suizid und tragischer
Un
-
fall
tod
zweier Brüder, Eingriff am Herz,
Thoraxschmerzen
und damit verbun
dene permanente Angst [vgl. etwa Urk.
8
/
46
S.
6 ff.
, Urk.
8
/
63
S.
1 f.
])
– ob
-
schon ihnen
eine
gewisse Eindrücklichkeit nicht abgesprochen werden kann
–
um
keine
traumatische
n
Ereigni
s
s
e
von aussergewöhnlicher Schwere handelte (vgl. hierzu etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_554/2009 vom 18. August 2009 E. 6 in
fine
und E. 7 mit Hinweisen).
4.4
4.4.1
F
ür
die Annahme eines invalidisierenden
Gesundheitsscha
dens
bedarf es grund
sätzlich
einer fachärztlichen, lege
artis
auf die Vorgaben eines an
erkannten Klassifikationssystems abgestützten Diagnose (
BGE 130 V 396
E. 6). Somato
forme Schmerzstörungen und ähnliche Leidenszustände vermögen in der Regel keine lang dauernde, zu einer Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG füh
rende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu bewirken (BGE
130 V 352
E.
2.2.2 und 2.2.3).
4.4.2
Aus der erwähnten Verlaufsbeurteilung
erhellt,
dass unter anderem eine
anhal
tende somatoforme Schmerzstörung
diagnostiziert wurde, welche die Arbeitsfä
higkeit einschränkt.
Mithin sind die Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nach der Rechtsprechung zum Symptomenkomplex der somatoformen Störun
gen beziehungsweise den unklaren Beschwerden zu beurteilen, wonach ein in
validisierender Charakter nur unter spezifischen Voraussetzungen angenommen wird (Urteil des Bundesgerichts 9C_75/2014 vom 1
0.
Juli 2014 E. 4.2.2).
4.4.3
Mit
BGE 141 V 281
hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 u
nd an
schliessende Urteile) ange
passt und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. Auf der Ebene der Arbeitsunfähigkeit bezweckte die durch BGE
130
V 352 begründete Rechtspre
chung die Sicherstellung eines gesetzmässigen
Ver
si
cherungsvollzuges
mittels der Regel/Ausnahme-Vorgabe beziehungsweise (seit E. 7.3 von BGE 130 V 396 und BGE 131 V 49) der Überwindbarkeitsvermutung.
Das bishe
rige Regel/Ausnahme-Modell wird durch ein st
rukturier
tes
Beweis
ver
fahren
er
setzt. An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – aus
schliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesundheitlichen Beeinträchti
gung und objek
tivierte Zumutbarkeitsprüfung bei materieller Beweisl
ast der
rentenanspre
chen
den
Per
son (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch
nichts. An die Stelle des
bisherigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somatoformer Schmerzstörung und
vergleichbaren psychosomatischen Leiden) treten im Re
gelfall beachtliche
Stand
ardindikatoren
. Diese lassen sich in die Ka
tegorien Schweregrad und Konsis
tenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Auf den Begriff des primären
Krank
heitsgewinnes
und die
Präponderanz
der psychiatri
schen Komorbidität ist zu verzichten. Der Prüfungsraster ist rechtlich
er Natur. Recht und Medizin wir
ken sowohl bei der Formulierung der
Standardindikato
ren
wie auch bei deren
– recht
lich gebotener – Anwendung im Einzel
fall zu
sammen. Im Grunde
kon
-
kre
tisieren
die in E. 4 und 5 formulierten Beweisthemen und Vorgehensweisen für die Invaliditätsbemessung bei psychosomatischen Leiden die gesetz
-
geberischen
Anordnungen nach Art. 7 Abs. 2 ATSG. Die
Aner
kennung eines
rentenbegrün
denden
Invaliditätsgrades ist nur zulässig, w
enn die funktionellen Auswir
kun
gen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
-
grundlage
im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit
(zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
gewiesen sind. Fehlt es daran,
hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wi
e vor die materiell beweisbelas
tete versicherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen
Stan
dardindikatoren
, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert wer
den können, umschreibt das Bundesgericht i
n
BGE 141 V 281
wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen; E. 4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener
Lei
dens
druck
(E. 4.4.2)
Die Antworten, welche die medizinischen Sachverständigen anhand der (im Ein
zelfall relevanten) Indikatoren geben, verschaffen den Rechtsanwendern In
dizien, wie sie erforderlich sind, um den Beweisnotstand im Zusammenhang mit der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit bei psychosomatischen Störungen zu überbrücken (E. 4.1.3).
4.4.4
Aufgrund der medizinischen
Akten ist
vorliegend ke
ine erhebliche Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde ersichtlich, da
weder somatisch bedingte Be
schwerden
vorliegen
noch
eine
posttraumatische Belastungsstörung
überzeu
gend dargelegt wurde
(vgl. E.
4.2-3
hievor
). Damit
reduziert sich die Ausprä
gung auf die Schmerz
klagen.
Unter dem Titel „aktuelle Behandlungen“ ist den Akten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
seit 2
5.
Februar 2013
bei
Dr.
L._
in Behandlung ist
(vgl.
Urk.
8/46 S. 1 und 3). Hausarzt
Dr.
F._
behandelt sie seit 2
1.
Januar 2002 (
Urk.
8/6 S. 2). Wie regelmässig diese Behandlungen beziehungsweise Konsultationen sind, ist aber nicht ersichtlich. Auch w
enn sich die Beschwer
deführerin
bezüglich der
Thoraxschmerzen
bei
Dr.
N._
– wie sie selber angab - in regelmässige Behandlung begibt
(vgl.
Urk.
1 S. 4)
, kann angesichts der Tatsache, dass diese lediglich alle drei Monate stattfindet und sich die
Be
schwerdeführerin bis anhin
auch
nie einer intensiven Schmerztherapie unterzo
gen hat
,
nicht von einem
ernsthaften Leiden gesprochen werden. Mangels wei
terer diesbezüglicher medizinischen Unterlagen in den Akten, kann nicht von einem tatsächlichen Behandlungsbedürfnis ausgegangen
werden
(vgl. BGE 141 V 281 E. 4.4.2)
.
Bei der Beurteilung der Komorbidität ist neu eine Gesamtbetrachtung der
Wech
selwirkungen und sonstigen Bezüge der Schmerzstörung zu sämtlichen beglei
tenden krankheitswertigen Störungen vorzunehmen. Neben der somatoformen Schmerzstörung leidet die Beschwerdeführerin an keinen weiteren Erkrankun
gen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
.
Von einer Komorbidität ist bei diese
r Sachlage nicht auszugehen.
Bezüglich des sozialen Kontexts ist anzumerken, dass die Beschwerdeführerin über ein funktionierendes Familienleben verfügt, jedenfalls ist den Akten nichts anderes zu entnehmen. Insbesondere
hat
sie eine g
ute Beziehung zu ihrem Ehemann,
den
beiden
Kindern
sowie
weiteren Verwandten und Bekannten
– der Haushalt funktioniert ebenfalls
(vgl.
Urk.
8/63 S. 2 f.)
.
Die Beschwerdeführerin
lebt demgemäss
in intakten Familienverhältnissen m
it einem wohlwollenden Ehemann
. Sodann bestehen
gute
intellektuelle Ressour
cen,
verfügt die Beschwerdeführerin doch gemäss Hausarzt
Dr.
F._
über die notwendige Intelligenz und ein erhebliches Engagement (
Urk.
8/78 S. 1). Zudem ist sie
im Anschluss an die Oberstufe zu
O._
in den Verkauf gegangen und hat sich im Verlauf der Zeit bis
in eine
leitende Funktion hochgearbeitet (
Urk.
8/46
/
7)
.
Somit sind bei der Beschwerdeführerin persönliche und soziale Ressourcen er
kennbar, welche durch ihre psychischen Probleme nicht in Frage gestellt wer
den.
Hinsichtlich
des Gesichtspunkts
der gleichmässigen Einschränkung des
Aktivitäts
niveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist
zu bemerken
, dass die Beschwerdeführerin
kaum eigene Interessen
hat
(
vgl.
Urk.
8/63 S. 2 f.
).
Mangels weiterer
Angaben
bezüglich
des
Aktivitätsniveau
s
beziehungsweise de
ssen
Einschränkung aufgrund der Beschwerden
ist
nicht
von
einem sozialen
Rückzug in allen Belangen des Lebens
auszugehen
.
Die Prüfung der verschiedenen Indikatoren ergibt, dass diese nicht als in ausge
prägtem Umfang gegeben erachtet werden können, daran ändern auch – entge
gen der Ansicht der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 1 S. 3 f.) – die Ausführungen im Abschlussbericht
(
Modul A Arbeitsdiagnostik
) vom 17.
März 2014
von
der
C._
(
Urk. 8
/
63
) nichts, da dieser nicht von Ärzten verfasst wurde (vgl. S. 7)
und massgeblich auf den nicht hinterfragten Leistungen und Klagen der
Beschwer
deführerin gründet. Da auch kein ausgewiesener behandlungsanamnestischer Leidensdruck besteht (keine Schmerztherapie), ist
i
nsgesamt
eine Unüberwind
barkeit der Auswirkungen der Schmerzproblematik zu verneinen.
Damit ist der Beschwerdegegnerin zu folgen, welche nicht etwa am
Schmerzge
schehen
zweifelte, sondern – nach der überholten bisherigen Praxis – zum Er
gebnis kam, dass die vorliegende Pathologie
invalidenversicherungs
rechtlich
nicht zu einer Leistungspflicht führt.
5.
Zusammenfassend steht fest, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin seit Erlass der rentenabweisenden Verfügung (27. April 2010) nicht in einer anspruchserheblichen Weise verschlechtert hat. Damit steht ihr keine Rente der Invalidenversicherung zu, weshalb sich die angefochtene Verfügung vom 29. Dezember 2014 als rechtens erweist und die Beschwerde abzuweisen ist.
6
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.