# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cd8e0d54-c182-492e-af9e-e6efad334515
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_001
**Year:** 2004
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Vermittlungsfähigkeit ab dem 3.6.2003 bei unverändertem Sachverhalt
anerkannt worden sei.
9. Mit Stellungnahme vom 7.1.2004 verlangt das KIGA Abweisung der
Beschwerde. Die Versicherte sei zur Stellungnahme wegen mangelnden
Arbeitsbemühungen eingeladen worden und habe sich unter anderem damit
gerechtfertigt, dass sie allein erziehende Mutter von zwei Kindern sei, weshalb
es ihr unmöglich sei, eine Arbeit ausserhalb ihrer Wohngemeinde
anzunehmen. Auf einen entsprechenden Fragebogen zu ihrer
Vermittlungsfähigkeit habe sie angegeben, ihre Schwester könne die Kinder
ausnahmsweise zum Mittagessen bei sich aufnehmen, arbeite jedoch zu
100%. Ansonsten gab sie niemanden an, der die Kinderbetreuung
übernehmen könnte. Aufgrund dieser Gegebenheiten sei sie nicht jederzeit
bereit, in der Lage und berechtigt gewesen, eine zumutbare Arbeit
anzunehmen, womit ihr die Vermittlungsfähigkeit gefehlt habe. Daran ändere
auch nichts, dass sie in den Monaten November, Februar, April und Mai einen
Zwischenverdienst erzielt habe, da es sich dabei nur um vereinzelte Tage
oder um Heimarbeit gehandelt habe. Ab dem 3.6.2003 sei die Vermittelbarkeit
dann anerkannt worden, da ab diesem Datum eine Bestätigung ihrer
Schwester vorliege, nach der diese die Kinderbetreuung übernehmen könne.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Vorliegend streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin vom
1.11.2002 bis am 2.6.2003 die Vermittlungsfähigkeit als eine der gesetzlichen
Voraussetzungen des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung im Umfang
von 70% erfüllte (Art. 8 Abs. 1 lit. f des Bundesgesetzes über die
obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung
[AVIG]). Gemäss Art. 15 AVIG ist die versicherte Person vermittlungsfähig,
wenn sie bereit, in der Lage und berechtigt ist, eine zumutbare Arbeit
anzunehmen. Dabei ist entscheidend, wie sich die konkreten Aussichten auf
eine Anstellung auf dem für die versicherte Person in Betracht fallenden
allgemeinen Arbeitsmarkt unter Berücksichtigung der zeitlichen Verfügbarkeit,
aber auch der herrschenden konjunkturellen Verhältnisse sowie aller anderen
Umstände präsentierten (vgl. BGE C 236/02 sowie ARV 1991 Nr. 3).
Einschränkungen in der Vermittlungsfähigkeit können sich aus rechtlichen,
aber auch aus tatsächlichen Gründen ergeben, zu welchen unter anderem
auch familiäre Pflichten oder geografische Gegebenheiten gehören können.
2. a) Nach der Rechtsprechung begründet eine Einschränkung aus familiären
Gründen noch keine Vermittlungsunfähigkeit. Jedoch gilt ein Versicherter
dann als nicht mehr vermittelbar, wenn ihm bei der Auswahl des
Arbeitsplatzes aus den jeweiligen Gründen derart enge Grenzen gesetzt sind,
dass das Finden einer passenden Stelle sehr ungewiss ist (vgl. BGE C
236/02; 123 V 216; 120 V 388; ARV 1991 Nr. 2).
b) Die Beschwerdeführerin hat in ihrer Stellungnahme zu den mangelnden
Arbeitsbemühungen im März 2003 angeführt, es sei ihr aufgrund ihrer
familiären Pflichten unmöglich, ausserhalb ihres Wohnortes eine Stelle
anzunehmen. Auf die im Anschluss daran zur Ermittlung ihrer Vermittelbarkeit
gestellte Frage nach der Betreuung ihrer Kinder antwortete sie, es sei an
ihrem Wohnort unmöglich, eine Tagesmutter zu finden, und auch ihre
Schwester könne die Kinder nur ausnahmsweise betreuen. Erst als auf diese
Antwort hin ihre Vermittlungsfähigkeit tatsächlich verneint und ihr Anspruch
auf Arbeitslosentaggelder gestrichen wurde, reichte sie Bestätigungen ihrer
Schwester und des Vaters der Kinder ein, wonach diese gemeinsam die
Betreuung der Kinder übernehmen. Diese datieren vom 3.6.2003 und sind
nicht rückwirkend formuliert. Eine rückwirkende Bestätigung ab dem
1.11.2002 liegt dagegen erst seit der Einreichung der Einsprache vom
10.9.2003 gegen die Verfügung vom 15.8.2003 vor.
Die Beschwerdeführerin hat sich offenbar erst in dem Moment veranlasst
gesehen, ihre Kinderbetreuung zu organisieren, als ihr aufgrund der
Verfügung klar wurde, dass sie mangels eines Nachweises der
Kinderbetreuung für vermittlungsunfähig erklärt wurde. Aufgrund der
Bestätigungen vom 3.6.2003 wurde denn auch anerkannt, dass die Betreuung
von diesem Moment an gewährleistet war. Nicht erwiesen ist aber damit, dass
auch für die Zeit vorher eine Betreuung verfügbar war. Offenbar hat sie die
Beschwerdeführerin mit ihrer Schwester und dem Vater ihrer Kinder erst
geeinigt, als sie damit rechnen musste, dass sie ohne eine geeignete
Kinderbetreuung auch weiterhin keinen Anspruch auf Arbeitslosentaggelder
haben würde. Damit hat sich in diesem Moment der Sachverhalt grundlegend
geändert. Daran ändert auch nichts, dass die Schwester mit einiger
Verspätung noch eine rückwirkende Bestätigung unterschrieb. Der ersten
Aussage der Beschwerdeführerin, wonach die Betreuung ihrer Kinder nicht
gewährleistet sei, kommt eine grössere Glaubwürdigkeit zu als dieser
Bestätigung, zumal sie unbefangen vom späteren Verfahren gemacht wurde.
Die rückwirkende Bestätigung ihrer Schwester erscheint dagegen eher als
Gefälligkeit. Es kann daher als erwiesen angesehen werden, dass die
Betreuung, wie dies in dem Schreiben vom 13.5.2003 beschrieben wird, in der
Zeit vom 1.11.2002 bis am 2.6.2003 nur für Ausnahmefälle sichergestellt war.
c) Dass die Beschwerdeführerin in den Monaten November 2002 sowie Februar,
April und Mai 2003 Zwischenverdienste erzielte, ändert an diesem Ergebnis
nichts. Bei den Einsätzen im April und Mai 2003 handelte es sich um
Heimarbeit. Die Zwischenverdienste im November 2002 und Februar 2003
wurden zwar auswärts erzielt, jedoch lediglich während weniger Tage. Es wird
nicht bestritten, dass die Kinderbetreuung auch in dieser Zeit für
Ausnahmefälle gewährleistet war. Zwischenverdienste in dem erzielten
Ausmass können ohne weiteres unter solche Ausnahmefälle gezählt werden.
d) Es bleibt zu prüfen, ob die Beschwerdeführerin trotz der fehlenden
Kinderbetreuung in reduziertem Mass vermittlungsfähig war, zumal ihre
Kinder zur fraglichen Zeit bereits neun und zehn Jahre alt waren und die
Schule besuchten. Dabei fällt ins Gewicht, dass es sich beim Wohnort der
Beschwerdeführerin um eine kleine und recht entlegene Ortschaft handelt.
Angesichts der Tatsache, dass die Kinder regelmässig über Mittag betreut
werden mussten, hätte die Beschwerdeführerin ihre Stellensuche auf wenige
Dörfer in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes oder auf Heimarbeit
beschränken müssen. Dazu kommt die zeitliche Einschränkung, die ihr durch
ihre familiären Pflichten diktiert wurde. Damit waren ihr bei der Auswahl eines
Arbeitsplatzes nicht nur aufgrund ihrer familiären Situation, sondern auch in
geographischer Hinsicht so enge Grenzen gesetzt, dass ihre Vermittlung für
diese Zeit extrem schwierig erscheint. Sie muss damit als vom 1.11.2002 bis
am 2.6.2003 vermittlungsunfähig angesehen werden.
3. Gemäss Art. 61 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sowie Art. 11 der kantonalen
Verordnung über das Verfahren in Sozialversicherungsstreitsachen (VVS) ist
das Verfahren mit Ausnahme von leichtsinnig oder mutwillig geführten
Prozessen kostenlos. Es werden daher keine Kosten erhoben.