# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7ee4d289-c002-5552-ade8-1f6491ab76ce
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1963 geborene A_ (nachfolgend: Beschwerdeführer) meldete sich im
Frühling 2010 bei der IV-Stelle Appenzell Ausserrhoden (nachfolgend: Vorinstanz) zum
Leistungsbezug an (vgl. IV-act. 1 und 11), mit der Begründung, er leide unter einer
„psychosomatische[n] Störung (Burnout), Depressionen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit
etc.“ und er sei krankheitsbedingt vom 28. September bis 31. Oktober 2009 zu 100%, sowie
seit dem 1. November 2009 zu 50% arbeitsunfähig gewesen (IV-act. 11, S. 9).
B. Die Vorinstanz holte hierauf einen Arztbericht beim Hausarzt Dr. C_ ein, welcher angab:
„Das Hauptproblem ist die Anpassungsstörung mit Angst und Depression, die meiste Ar-
beitsunfähigkeit ist dadurch bedingt“ (IV-act. 12, S. 4). Beim Assessmentgespräch vom 12.
Mai 2010 berichtete der Beschwerdeführer, er sei zuletzt selbständig als Gastronom er-
werbstätig gewesen, habe seine Erwerbstätigkeit nach dem Entzug des Wirtepatents durch
die Gewerbepolizei gegen seine Raucherbeiz aber per 31. August 2009 aufgegeben. Ohne
die rauchende Kundschaft sei der Umsatz total eingebrochen. Der Beschwerdeführer zeigte
sich interessiert an Unterstützung bei der beruflichen Wiedereingliederung (IV-act. 13).
C. Nach weiteren Abklärungen zum Gesundheitszustand gewährte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer gemäss Mitteilung vom 12. Juli 2010 Beratung und Unterstützung bei der
Stellensuche (IV-act. 23). Aus dem Eingliederungsbericht vom April 2011 ergibt sich, dass
der Beschwerdeführer bemüht sei, eine für ihn passende Stelle zu finden, er habe auf eige-
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ne Kosten zwei Coachingtage zur Optimierung des Bewerbungsdossiers und der Bewer-
bungsgespräche besucht. Er fühle sich gesund und sei bereit, in einem 100% Pensum zu
arbeiten; die passende Stelle suche er aber wenn immer möglich in Marokko. Er sei in der
Lage, sich selbst zu bewerben; in der Zwischenzeit habe er sich in Marokko schon einige
Male vorgestellt. Seine Ehefrau sei Marokkanerin und er kenne das Land und die Leute fast
so gut wie die Schweiz. Da die Vorinstanz dem Beschwerdeführer somit aus IV-fremden
Gründen keine passende Stelle vermitteln konnte (sie hatte ihm diverse Stellen in der nähe-
ren Umgebung vorgeschlagen, welche aber nicht diesen Vorstellungen des Beschwerde-
führers entsprachen), erklärte sich der Beschwerdeführer damit einverstanden, dass die
Vorinstanz die Unterstützung bei der Stellensuche nun beende (IV-act. 30 bis 32).
D. Am 16. Juli 2013 meldete sich der Beschwerdeführer wegen „wiederkehrende[r] Depressio-
nen“ erneut bei der Vorinstanz zum Leistungsbezug an (IV-act. 34). Inzwischen war er vom
26. April 2011 bis Ende März 2012 teilzeitlich in einem Call-Center im Bereich Weinverkauf
tätig gewesen, welches ihm schliesslich mangels passender Projekte die Stelle gekündigt
hatte (IV-act. 46). Der Beschwerdeführer zeigte sich erneut interessiert an beruflicher Ein-
gliederung, er könne es “probieren mit ca. 40/50%“ (IV-act. 47, S. 4).
E. Nach einer Aktualisierung des medizinischen Dossiers durch Einholung diverser Arztberich-
te und Beurteilung durch den RAD (IV-act. 51 bis 55) gewährte die Vorinstanz dem Be-
schwerdeführer mit Mitteilung vom 28. Oktober 2013 erneut Beratung und Unterstützung
bei der Stellensuche (IV-act. 57), lud ihn zu einem Gespräch ein (IV-act. 58) und bediente
ihn in der Folge mit mehreren Stellenmeldungen mit der Bitte, sich auf die Stellen zu bewer-
ben (IV-act. 59 bis 61). Am 13. Mai 2014 berichtete Dr. D_ , der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers habe sich nach dem Tod von dessen Mutter erheblich verschlechtert
und empfahl, die Eingliederungsmassnahmen abzubrechen, da diese aufgrund der Ver-
schlechterung des psychischen Zustandes des Beschwerdeführers nicht durchführbar sei-
en (IV-act. 62). Daraufhin schloss die Vorinstanz die Arbeitsvermittlung mit Verfügung vom
26. Juni 2014 zum zweiten Mal erfolglos (IV-act. 67) ab.
F. Nachdem sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wieder stabilisiert hatte,
unternahm die Vorinstanz einen weiteren Versuch, ihn wieder ins Erwerbsleben einzu-
gliedern und gewährte nochmals berufliche Massnahmen (IV-act. 72). Am 30. März 2015
trat der Beschwerdeführer ein Belastbarkeitstraining in der Dreischiibe an, beginnend mit
zwei Stunden Präsenzzeit pro Arbeitstag (IV-act. 83). Im Verlauf des Trainings hatte der
Beschwerdeführer zunehmend Mühe, sich für die Arbeit zu motivieren (IV-act. 100, S. 2).
Gemäss E-Mail von Dr. D_ an die Vorinstanz vom 2. Juni 2015 ging es dabei „nicht um
die fehlende Motivation, sondern um die schwere[n] Persönlichkeitsdefizite des Patienten.
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Er geht zwar regelmässig in die Dreischiibe, seine Wahrnehmung des Problems ist aber re-
alitätsfremd. Er verträgt störungsbedingt die Struktur nicht [...]. Aus meiner Sicht soll er sich
selber für die 50[%]-ige Stelle bemühen. Ob er dabei genug Ressourcen hätte, kann ich
auch nicht beantworten“ (IV-act. 100, S. 1). Die Vorinstanz brach daraufhin die berufliche
Massnahme per 6. Juni 2015 frühzeitig ab, nachdem auch der Beschwerdeführer selbst an-
gegeben hatte, keinen Sinn im Belastbarkeitstraining zu sehen (IV-act. 101 bis 106).
G. Nach einer weiteren Aktualisierung des medizinischen Dossiers erachtete die Vorinstanz
zur Klärung allfälliger Rentenansprüche eine psychiatrische Begutachtung als notwendig
und beauftragte Dr. E_ , der den Beschwerdeführer bereits zu einem früheren Zeitpunkt
im Auftrag der SWICA begutachtet hatte (Gutachten vom 17. Mai 2010, IV-act. 19, S. 2 ff.)
mit einem entsprechenden Gutachten (IV-act. 112). In seinem Gutachten vom 29. Oktober
2015 (IV-act. 117) diagnostizierte Dr. E_ beim Beschwerdeführer eine rezidivierende de-
pressive Störung, gegenwärtig remittiert, sowie akzentuierte Persönlichkeitszüge (narzis-
tisch, passiv-aggressiv). Diese Diagnosen begründeten gemäss Dr. E_ keine Ein-
schränkung der Arbeitsfähigkeit (IV-act. 117, S. 52 und 57).
H. Am 5. Januar 2016 erliess die Vorinstanz hierauf einen rentenabweisenden Vorbescheid
(IV-act. 124), gegen welchen der Beschwerdeführer Einwand erhob (IV-act. 125). Nach zu-
sätzlichen medizinischen Abklärungen, unter anderem auch Rückfragen beim Gutachter,
hielt die Vorinstanz mit Verfügung vom 4. März 2016 am rentenabweisenden Entscheid fest
(IV-act. 132).
I. Gegen diese Verfügung richtet sich die vom Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsan-
wältin B_, am 18. April 2016 erhobene Beschwerde ans Obergericht (act. 1). Mit
Vernehmlassung vom 10. Juni 2016 (act. 6) verlangte die Vorinstanz deren Abweisung. Mit
Replik vom 7. Juli 2016 (act. 9) hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest. Die
Vorinstanz verzichtete auf die Einreichung einer Duplik. Am 22. November 2016 wurde die
Sache in der dritten Abteilung des Obergerichts in Abwesenheit der Parteien abschliessend
beraten und darüber entschieden. Dem Begehren des Beschwerdeführers gemäss Schrei-
ben vom 25. November 2016 (act. 13) entsprechend, wird das Urteil hiermit mit schriftlicher
Begründung eröffnet.
J. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den vorinstanzlichen Akten sowie die Vor-
bringen der Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfol-
genden Erwägungen näher eingegangen.
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## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen. Ge-
mäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes (JG, bGS 145.31)
beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Die örtliche Zuständigkeit
ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG,
SR 831.20]).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen er-
gibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (insbesondere Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art.
60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1
a. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die versi-
cherte Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Im vorliegenden Fall ist
umstritten, ob der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Invalidenrente hat. Gemäss Art. 28
IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu
70%, auf eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu 60%, auf eine halbe Rente, wenn
sie mindestens zu 50% und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens zu 40% invalid sind.
b. Als Invalidität gilt gemäss Art. 8 ATSG in Verbindung mit Art. 4 IVG die durch einen kör-
perlichen oder geistigen Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit
oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbs-
unfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen
oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie-
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be-
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Der engere Begriff
der Arbeitsunfähigkeit ist in Art. 6 ATSG umschrieben. Danach ist Arbeitsunfähigkeit die
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durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit be-
dingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumut-
bare Arbeit zu leisten; bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen
Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt.
c. Während der Arzt die Arbeitsunfähigkeit einer Person einschätzt, obliegt es dem Versi-
cherungsträger, gestützt auf die ärztlichen Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit die Er-
werbsunfähigkeit festzulegen, welche sich nicht mehr nur auf eine konkrete Tätigkeit be-
zieht, sondern auf den offeneren Fächer der in Frage kommenden Tätigkeiten auf dem aus-
geglichenen Arbeitsmarkt Bezug nimmt (vgl. dazu KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Auflage,
Zürich/Basel/Genf 2015, N 47 zu Art. 6). In diesem Sinn kann eine länger dauernde Arbeits-
unfähigkeit in Erwerbsunfähigkeit münden, welche sich unter Umständen mit der ärztlich
festgestellten Arbeitsunfähigkeit decken kann, aber nicht zwingend muss.
2.2.
a. Während die Vorinstanz gestützt auf die gutachterliche Einschätzung von Dr. E_ da-
von ausgeht, beim Beschwerdeführer bestehe gar keine gesundheitliche Beeinträchtigung,
welche zu einer Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit führen und damit einen Rentenanspruch
gegenüber der Invalidenversicherung begründen würde, macht der Beschwerdeführer gel-
tend, es sei ihm mindestens eine halbe Invalidenrente zuzusprechen.
b. Seine Ansicht begründet der Beschwerdeführer zusammengefasst wie folgt:
• Das Gutachten von Dr. E_ sei unsorgfältig abgefasst und erfülle die formellen
Qualitätskriterien an ein Gutachten nicht (dazu nachfolgend, E. 2.3).
• Die Beurteilung von Dr. E_ sei auch materiell widersprüchlich und nicht nachvoll-
ziehbar (dazu nachfolgend, E. 2.4).
• Insgesamt sei die Beurteilung von Dr. E_ derart weit weg von der komplexen
Persönlichkeit des Beschwerdeführers, dass darauf nicht abgestellt werden könne.
Im Gegensatz dazu habe sich Dr. D_ sehr detailliert mit der Familienanamnese
und der persönlichen Anamnese des Beschwerdeführers auseinandergesetzt. Aus
dessen Beurteilung könne die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers von min-
destens 50% abgeleitet werden (dazu nachfolgend, E. 2.5).
• Zudem äussere sich Dr. E_ im Gutachten nicht zur Überwindbarkeit, was der
neueren bundesgerichtlichen Rechtsprechung widerspreche (dazu nachfolgend, E.
2.6).
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2.3
Insoweit der Beschwerdeführer das Gutachten von Dr. E_ aus formellen Gründen an-
zweifelt, überzeugt diese Auffassung aus folgenden Gründen nicht:
a. Der Beschwerdeführer bezieht seine Kritik unter anderem auf die Ausführung auf S. 53
des Gutachtens (IV-act. 117), wo es heisst, es fänden sich keine Hinweise dafür, dass er
bei den bisher erfolgten Therapien nicht kooperativ gewesen sei, abgesehen davon, dass
er nicht alle verordneten Medikamente einnehme. Zwar kann die letzte Bemerkung tatsäch-
lich nicht aus dem Medikamentenspiegel geschlossen werden, was auch Dr. E_ bei der
Rückfrage der Vorinstanz einräumt. Allerdings ist dieser Punkt im konkreten Fall nicht ent-
scheidend für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und ändert auch
nichts an der diesbezüglichen gutachterlichen Einschätzung, wie sich aus der Nachfrage
der Vorinstanz bei Dr. E_ ausdrücklich ergibt (IV-act. 129). Die Kritik des Beschwerde-
führers ist zwar verständlich und gibt Anlass zur Bemerkung, dass es selbstverständlich
wünschenswert wäre, Dr. E_ würde - gerade in der Funktion als Gutachter - die nötige
Sorgfalt an den Tag legen, damit seine gutachterliche Einschätzung nicht durch irgendwel-
che falschen Schlüsse, auch wenn es sich lediglich um einen Nebenpunkt handelt, Fragen
bezüglich seiner Kompetenz aufwirft. Unter den gegebenen Umständen besteht aber den-
noch kein Grund, Dr. E_ generell jegliche fachliche Kompetenz abzusprechen, was nicht
sachgerecht wäre. Im konkreten Fall ist entscheidend, ob sich der falsche Schluss über-
haupt in massgebender Weise auf das Gutachten ausgewirkt hat. Im vorliegenden Fall, wo
die nachträglich vom Gutachter eingeräumte Ungenauigkeit offensichtlich keine Auswirk-
ungen auf die entscheidende Frage der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde-
führers hatte, besteht kein Grund, dem Gutachten deswegen jeglichen Beweiswert abzu-
sprechen.
b. Der Beschwerdeführer hält Dr. E_ zudem für wirtschaftlich abhängig von der Vorin-
stanz und reicht zum Beweis eine Statistik der SVA St. Gallen ein. Mit dieser Argumentati-
on verkennt der Beschwerdeführer die ständige Rechtsprechung des Bundesgerichts, der
sich das Obergericht anschliesst, wonach der Umstand, dass ein Arzt mehrfach von einem
Sozialversicherungsträger als Gutachter beigezogen wird, für sich allein keinen Ausstands-
grund darstellt, und zwar selbst dann nicht, wenn der betreffende Gutachter sein Einkom-
men vollständig durch Gutachtensaufträge der Invalidenversicherung erzielen würde (vgl.
dazu Urteile des Bundesgerichts 9C_67/2007 vom 28. August 2007, E. 2.4; 8C_86/2013
vom 8. Mai 2013, E. 4; je m.w.H.). Unter dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Abhängig-
keit führen nach gefestigter Rechtsprechung weder der regelmässige Beizug eines Gutach-
ters oder einer Begutachtungsinstitution, noch die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag
gegebenen Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Honorarvolumen für
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sich allein genommen zum Ausstand (BGE 137 V 210, E. 1.3.3). Das gilt auch im vorliegen-
den Fall.
c. Anders als dies bei polydisziplinären Gutachten durch die vorgeschriebene Zufallsver-
gabe über die Vergabeplattform SuisseMED@P der Fall ist, ist es bei mono- und bidiszipli-
nären Gutachten Sache des Versicherungsträgers, den oder die Gutachter im Einzelfall zu
bestimmen. Weil die Akzeptanz einer gutachterlichen Einschätzung unter anderem auch
entscheidend davon abhängt, dass ein Gutachter gewählt wird, gegen den die zu begut-
achtende Person keine Bedenken hegt, liegt es letztlich auch im eigenen Interesse des
Versicherungsträgers, bei der Gutachterwahl so vorzugehen, dass nicht der Eindruck
entsteht, es würden gewisse Gutachter durch eine häufige oder gar ausschliessliche Be-
rücksichtigung bei der Gutachtensvergabe bevorzugt. Wie es sich damit im Fall von Dr.
E_ im Allgemeinen verhält, braucht allerdings nicht weiter diskutiert zu werden. Im kon-
kreten Fall dürfte nämlich die Empfehlung des RAD, Dr. E_ als Gutachter zu wählen, in
erster Linie darauf beruhen, dass dieser den Beschwerdeführer bereits im Jahr 2010 für die
Krankenkasse begutachtet hatte und somit den Beschwerdeführer bereits kannte. Während
der Beschwerdeführer dies als Nachteil auszulegen scheint, gibt es durchaus auch Vorteile,
die in diesem Umstand erblickt werden können. Die im vorliegenden Fall nachvollziehbare
Gutachterwahl ist somit auch abgesehen von den unter E. 2.3.b angeführten Überlegungen
zur vermeintlichen wirtschaftlichen Abhängigkeit nicht dazu geeignet, um allein daraus ir-
gendwelche Schlüsse auf den Beweiswert des Gutachtens zu ziehen.
d. Insoweit der Beschwerdeführer vorbringt, er habe sich weder zur Person von Dr. E_
äussern noch Ablehnungsgründe geltend machen können, trifft dies zudem offensichtlich
nicht zu. Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein Gutachten ei-
ner oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei deren oder
dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen und
Gegenvorschläge machen (Art. 44 ATSG). Das gilt unabhängig davon, ob eine polydis-
ziplinäre Gutachtensvergabe über die Vergabeplattform SuisseMED@P erfolgt oder ob es
sich um ein mono- oder bidiziplinäres Gutachten mit direktem Auftrag der IV-Stelle an den
betroffenen Gutachter handelt: Es sind grundsätzlich dieselben Partizipationsrechte beacht-
lich (BGE 139 V 352, E. 5.1, m.w.H.). Das Vorgehen der Vorinstanz erweist sich im konkre-
ten Fall als korrekt: Dem Beschwerdeführer wurde mit eingeschriebenem Brief vom 21. Juli
2015 (IV-act. 112) mitgeteilt, dass Dr. E_ mit der Begutachtung beauftragt werde. Trotz
ausdrücklichem Hinweis in diesem Schreiben, er könne allfällige Einwendungen gegen die
Art der Begutachtung, die vorgesehene Fachdisziplin oder den Gutachter vorbringen (IV-
act. 112, S. 2), hat der Beschwerdeführer in der Folge stillschweigend auf die Wahrneh-
mung dieser ihm korrekt eingeräumten Verfahrensrechte verzichtet. Es ist nicht ersichtlich,
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inwiefern die Vorinstanz in diesem Zusammenhang bei der Gutachtensvergabe Verfahrens-
garantien verletzt haben soll.
e. Somit besteht zusammengefasst kein formeller Grund, aus dem das Gutachten zum
Vornherein nicht beachtlich wäre.
2.4
a. Hinsichtlich des Beweiswertes nicht nur von Gutachten, sondern eines jeden Arztbe-
richts ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusam-
menhänge sowie der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen
der Experten begründet sind (vgl. anstelle vieler: Urteile des Bundesgerichts 9C_610/2015
vom 29. Oktober 2015, E. 3.1; 8C_125/2016 vom 4. November 2016, E. 2.1.1; je m.w.H.).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Berichten von externen Spezial-
ärzten ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete
Indizien dagegen sprechen (Urteile des Bundesgerichts 9C_432/2014 vom 10. Dezember
2014, E. 3.2.1; 9C_278/2016 vom 22. Juli 2016, E. 3.2.2; je m.w.H.). Es ist notwendig, dass
die sachverständige Person nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, wel-
che ihr die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls
deutlich macht (vgl. KIESER, a.a.O., N 56 zu Art. 44).
b. Im vorliegenden Fall hat Dr. E_ den Beschwerdeführer am 10. und 14. September
2015 während insgesamt rund 2.5 Stunden persönlich untersucht. Ihm lag das vollständige
Dossier der Vorinstanz vor, welches er in seine Beurteilung miteinbezog (vgl. IV-act. 117,
S. 3 bis 18). Zusätzlich gestützt auf seine eigene Erhebung der Anamnese und unter Be-
rücksichtigung der vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden hat Dr. E_ seine
Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Er hat im Gutachten ausführlich zur abwei-
chenden Ansicht von Dr. D_ Stellung genommen und zusätzlich in der auf die Rückfrage
der Vorinstanz hin erfolgten Stellungnahme erklärt, weshalb er dieser nicht in sämtlichen
Punkten zustimmen kann (IV-act. 117, S. 44 ff. sowie IV-act. 129). Abgesehen von für die
Gesamtbeurteilung nebensächlichen Punkten (vgl. dazu E. 2.3.a vorstehend) erscheint das
Gutachten insgesamt schlüssig und nachvollziehbar. Entgegen der Auffassung des Be-
schwerdeführers erfüllt es die an ein Gutachten generell gestellten Anforderungen somit
auch in materieller Hinsicht.
Seite 10
c. Die vom Beschwerdeführer hiergegen vorgebrachte Kritik überzeugt nicht. So kann etwa
in dem Schluss, die von Dr. E_ gestellten Diagnosen hätten keinen anhaltenden Einfluss
auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und der Bemerkung, es sei möglich, dass
sich die akzentuierten Persönlichkeitszüge vorübergehend etwas stärker auswirken, kein
Widerspruch erblickt werden, wie der Beschwerdeführer in Ziff. III 2 der Beschwerde vor-
bringen lässt. Auch hat Dr. E_ die berufliche Anamnese des Beschwerdeführers sehr
wohl in seine Beurteilung miteinbezogen (vgl. dazu die Kritik des Beschwerdeführers in der
Beschwerde, Ziff. III 4; IV-act. 117, S. 26 ff.). Dass sich die Persönlichkeitsstruktur des
Beschwerdeführers erheblich auf dessen Alltags- und Lebensgestaltung auswirkt, wie der
Beschwerdeführer unter Ziff. III 5 der Beschwerde vorbringt, wird von Dr. E_ , der selber
eine sehr umfassende Anamnese erhoben hat, gar nicht bestritten. Dieser Umstand be-
gründet aber nicht automatisch - und auch nicht aus Sicht von Dr. E_ - eine anhaltende
Arbeitsunfähigkeit.
2.5
Insoweit der Beschwerdeführer geltend macht, im Gegensatz zu Dr. E_ habe sich Dr.
D_ detaillierter mit der Anamnese des Beschwerdeführers auseinandergesetzt
(Beschwerde, Ziff. III 9), kann daraus ebenfalls nichts abgeleitet werden, das den
Beweiswert des Gutachtens schmälern würde.
a. Selbstverständlich mag es zutreffen, dass der behandelnde Psychiater Dr. D_
vertrauter ist mit der Persönlichkeit des Beschwerdeführers, weil er ihn schon längere Zeit
regelmässig betreut. Dass aber der vom behandelnden Arzt abgegebenen Einschätzung
nicht generell der Vorzug gegenüber einer gutachterlichen Einschätzung zu geben ist, folgt
bereits aus der Verschiedenheit von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag. Die
behandelnden Ärzte haben sich in erster Linie auf die Behandlung der versicherten
Personen zu konzentrieren. Deren Berichte verfolgen nicht den Zweck einer den
abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objektiven
Beurteilung des Gesundheitszustandes. Wohl kann die einen längeren Zeitraum
abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen, doch lässt es
die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)
Person einerseits und Begutachtungsauftrag des fachmedizinischen Experten anderseits
nicht zu, ein Administrativgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer
Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte zu anderslautenden
Einschätzungen gelangen (vgl. anstelle vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_276/2016 vom
19. August 2016, E. 3.1.1, m.w.H.).
Seite 11
b. Dr. E_ diagnostizierte beim Beschwerdeführer zum einen eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig remittiert (IV-act. 117, S. 52). Vorgängig diagnostizierte
auch Dr. D_ am 10. Oktober 2014 (IV-act. 69) beim Beschwerdeführer eine
rezidivierende depressive Störung, allerdings mit anderen Auswirkungen (Dr. D_ ging
von einer gegenwärtig mittelgradigen Episode mit somatischen Symptomen aus; im
weiteren Verlaufsbericht vom 25. Juni 2015 [IV-act. 108] hielt Dr. D_ an seiner Diagnose
grundsätzlich fest und erwähnte, der Zustand des Beschwerdeführers sei geprägt durch
anhaltende depressive Symptomatik in mittelgradigem bis schwerem Ausmass sowie
schweren Störungen der sozialen Interaktionen). Dass eine rezidivierende depressive
Störung bezüglich Auswirkungen naturgemäss Schwankungen unterworfen ist, ergibt sich
aus der Natur der Sache (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 9C_630/2015 vom 25.
Februar 2016, E. 5.1.3). Der behandelnde Arzt und der Gutachter stimmen bezüglich dieser
ersten Diagnose aber zumindest im Grundsatz überein, d.h. beide gehen von einer
rezidivierenden depressiven Störung aus. Der Gutachter erachtete die rezidivierende
depressive Störung in seinem Gutachten als remittiert (IV-act. 117, S. 56), was Dr. D_ in
seiner ersten Stellungnahme zum Gutachten jedenfalls nicht zu einer Gegenbemerkung
veranlasste (IV-act. 125, S. 3 f.). In der zusätzlichen Stellungnahme vom 25. Januar 2016
(IV-act. 126) erwähnte Dr. D_ schliesslich eine „erneute Verschlechterung“, was darauf
schliessen lässt, dass auch er von einer vorherigen Remission ausging.
c. Eine rezidivierende depressive Störung mit vorübergehend leichten bis mittelgradigen
Episoden, wie sie Dr. E_ beim Beschwerdeführer beschreibt (vgl. IV-act. 117, S. 53 und
S. 56), fällt grundsätzlich nur dann als invalidisierende Krankheit in Betracht, wenn sie
erwiesenermassen therapieresistent ist. Nur in einer solchen - seltenen, da nach
psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut angehbar sind -
gesetzlich verlangten Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2
zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge
getan (vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 9C_58/2016 vom 11. Mai 2016, E. 4.2;
9C_13/2016 vom 14. April 2016, E. 4.2). Eine Remission des depressiven Zustandsbildes
spricht bereits per se gegen eine vorhandene Therapieresistenz. Selbst wenn aber eine
Therapieresistenz vorhanden wäre, so resultiert daraus nicht in jedem Fall automatisch
eine rentenbegründende Invalidität. Dr. E_ hat nachvollziehbar begründet, weshalb er
aus den beim Beschwerdeführer diagnostizierten psychischen Leiden keine anhaltende
Arbeits- bzw. Erwerbsunfähigkeit abgeleitet hat und damit im Resultat von einer
Überwindbarkeit der Auswirkungen der gesundheitlichen Einbussen auf die Arbeitsfähigkeit
ausgeht (vgl. IV-act. 117, insbesondere S. 48 ff.; siehe dazu auch nachfolgend, E. 2.6).
Seite 12
d. Als zweite Diagnose nannte Dr. E_ beim Beschwerdeführer akzentuierte
Persönlichkeitszüge, narzisstisch, passiv-aggressiv (IV-act. 117, S. 52). Demgegenüber
geht Dr. D_ beim Beschwerdeführer von einer kombinierten Persönlichkeitsstörung aus
(IV-act. 69, IV-act. 108, sowie IV-act. 122 und IV-act. 126). Gutachter und behandelnder
Arzt bleiben uneinig in der Frage, ob die beim Beschwerdeführer von beiden Fachpersonen
diskutierte auffällige Persönlichkeit qualitativ das Ausmass einer Persönlichkeitsstörung
erreicht oder nicht. Dieses Ergebnis ist letztlich auf den bei psychiatrischen Diagnosen
unvermeidbar vorhandenen Ermessensspielraum zurückzuführen. Gerade eine
psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen.
Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater praktisch immer einen gewissen Spielraum,
innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich,
zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege artis vorgegangen ist (vgl. dazu
Urteil des Bundesgerichts 9C_77/2015 vom 27. März 2015, E. 5.4, m.w.H.). Daher und
unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Behandlungs- und Abklärungsauftrag
kann es nicht angehen, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets dann
in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden Ärzte nachher zu unterschiedlichen Einschätzungen gelangen oder an
solchen vorgängig geäusserten abweichenden Auffassungen festhalten. Anders würde es
sich hingegen dann verhalten, wenn die behandelnden Ärzte objektiv feststellbare
Gesichtspunkte vorbringen, welche im Rahmen der Begutachtung unerkannt geblieben und
die geeignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesgerichts
I 676/05 vom 13. März 2006, E. 2.4, m.w.H.). Derartiges liegt im vorliegenden Fall entgegen
der Auffassung des Beschwerdeführers nicht vor. Dr. E_ hat die Persönlichkeit des
Beschwerdeführers ausführlich diskutiert und seine von Dr. D_ abweichende
Diagnosestellung nachvollziehbar begründet (vgl. IV-act. 117, S. 44 ff.; IV-act. 129). Hinzu
kommt, dass im konkreten Fall die Diagnosestellung akzentuierte Persönlichkeit oder
Persönlichkeitsstörung letztlich für die Beantwortung der hier interessierenden Frage, ob
eine rentenbegründende Invalidität vorliegt oder nicht, gar nicht zwingend eine
entscheidende Rolle spielt: Auch das Vorhandensein einer Persönlichkeitsstörung bedeutet
nämlich nicht automatisch eine Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit, wie Dr. E_ in
seiner ergänzenden Stellungnahme vom 22. Februar 2016 (IV-act. 129) zu Recht
hervorhebt.
2.6.
Im vorliegenden Verfahren geht es darum, zu beurteilen, ob der Beschwerdeführer aus
sozialversicherungsrechtlicher Sicht erwerbsunfähig ist und damit allenfalls Anspruch auf
eine Invalidenrente hat.
Seite 13
a. Insoweit sich der Beschwerdeführer auf die von Dr. D_ auf 50% festgelegte
Arbeitsunfähigkeit zu berufen scheint, um damit seinen Antrag auf Zusprache einer halben
Invalidenrente zu begründen, ist darauf hinzuweisen, dass der Arztperson bei der
Folgenabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die
Arbeitsfähigkeit ohnehin keine abschliessende Beurteilungskompetenz zukommt. Es ist
weder Aufgabe des behandelnden Arztes noch eines Gutachters, abschliessend und für die
rechtsanwendende Stelle - sei dies die Verwaltung oder im Streitfall das Gericht -
verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer
rentenbegründenden Invalidität führt. Die Arztperson nimmt aber aus medizinischer Sicht
zur Arbeitsunfähigkeit Stellung und gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so
substanziell wie möglich begründet. Diese ärztlichen Angaben sind eine wichtige Grundlage
für die juristische Beurteilung der sozialversicherungsrechtlichen Frage, welche
Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 140 V 193, E. 3.2,
m.w.H.). Im Rahmen der freien Beweiswürdigung darf sich die Verwaltung - und im Streitfall
das Gericht - weder über die medizinischen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch
sich die ärztlichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen zur (Rest-) Arbeitsfähigkeit
unbesehen ihrer konkreten sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu
eigen machen (Urteil des Bundesgerichts 8C_897/2015 vom 15. Januar 2016, E. 2.2). Die
rechtsanwendenden Behörden haben bei der Beurteilung sozialversicherungsrechtlicher
Ansprüche mit besonderer Sorgfalt zu prüfen, ob die ärztliche Einschätzung der
Arbeitsunfähigkeit auch invaliditätsfremde Gesichtspunkte (insbesondere psychosoziale
und soziokulturelle Belastungsfaktoren) mitberücksichtigt, die vom invaliditätsrechtlichen
Standpunkt aus unbeachtlich sind. Wo psychosoziale Einflüsse das Bild prägen, ist bei der
Annahme einer rentenbegründenden Invalidität Zurückhaltung geboten (vgl. anstelle vieler:
Urteil des Bundesgerichts 8C_399/2016 vom 24. August 2016, E. 2.2).
b. Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Während das
Bundesgericht in seiner früheren Rechtsprechung im Bereich von somatoformen
Schmerzstörungen noch davon ausging, diese Zumutbarkeit sei zu vermuten, hat es diese
Rechtsprechung mit dem Entscheid BGE 141 V 281, auf den sich der Beschwerdeführer
beruft (Replik, S. 3) inzwischen aufgegeben. Dies ändert aber weder allgemein noch im
vorliegenden Fall (in welchem ausserdem gar keine somatoforme Schmerzstörung zur
Diskussion steht, sondern andere psychische Leiden; vgl. dazu auch Urteil des
Bundesgerichts 8C_617/2015 vom 20. Mai 2016, E. 4.3.3) etwas an den Regeln der
Zumutbarkeitsbeurteilung, namentlich nicht am Erfordernis einer objektivierten
Beurteilungsgrundlage. Nach Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG liegt eine Erwerbsunfähigkeit
Seite 14
nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist. Für die Frage, ob es der
versicherten Person zuzumuten ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen, ist insofern eine
objektivierte Betrachtungsweise massgebend, als es nicht auf ihr subjektives Empfinden
ankommen kann. Medizinisch-psychiatrisch nicht begründbare Selbsteinschätzungen und -
limitierungen, wie sie, gerichtsnotorisch, ärztlicherseits sehr oft unterstützt werden, sind
nicht als invalidisierende Gesundheitsbeeinträchtigung anzuerkennen (vgl. dazu BGE 141
V 281, E. 3.7.1, m.w.H.).
c. Der Beschwerdeführer rügt, Dr. E_ äussere sich nicht zur Überwindbarkeit
(Beschwerde, Ziff. III 7). Das trifft nicht zu: Die Frage nach der Überwindbarkeit wurde von
Dr. E_ an verschiedenen Stellen in der gutachterlichen Einschätzung aufgegriffen und
diskutiert, auch wenn Dr. E_ dabei nicht ausdrücklich den Terminus „Überwindbarkeit“
verwendet hat. Sowohl im Gutachten (IV-act. 117, z.B. S. 50 f., S. 52, S. 54 f.) als auch in
seiner ergänzenden Stellungnahme vom 22. Februar 2016 (IV-act. 129) nahm Dr. E_
insbesondere zur Konsistenz der vom Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden
Stellung und wies auf die Ressourcen des Beschwerdeführers hin. Seine Schlussfolgerung,
der Beschwerdeführer sei - trotz der festgestellten psychiatrischen Diagnosen - nicht aus
medizinischen Gründen anhaltend in seiner Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, ist überzeugend
begründet und nachvollziehbar. Auch das urteilende Gericht kommt bei der umfassenden
Würdigung der vorliegenden Unterlagen zum Schluss, dass im konkreten Fall vieles dafür
spricht, von einer zumutbaren Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen,
dieser aber die Ausübung einer Arbeit von vielen unrealistischen Bedingungen abhängig
macht, was die Wiedereingliederung entsprechend erschwert:
d. So stellte Dr. E_ bei der Begutachtung fest, dass sich der Beschwerdeführer nicht in
erster Linie über depressive Symptome, sondern vor allem über seine Situation in der
Schweiz beklagte. Er gebe an, er hätte schon wieder Lust, zu arbeiten, aber es komme auf
die Bedingungen an. Was ihn stresse, seien fixe Arbeitszeiten, pünktliches Erscheinen und
Aufhören, er könne keine regelmässigen Arbeitszeiten aushalten und eine körperliche
Tätigkeit vertrage er ebenfalls nicht mehr; er wolle keinen Stress und sich nicht mehr
verbiegen. Wenn es etwas Spannendes gäbe, würde er es machen, aber nicht nur
„irgendeinen Kabis“ (IV-act. 117, S. 48 bis 50). Bei der Beschreibung seines Tagesablaufs
erklärte der Beschwerdeführer, er würde manchmal etwas kochen, „etwas Rechtes, mit
frischen Zutaten, kein Fertigmist“ (IV-act. 117, S. 35). Er berichtete von gelegentlichen
Besuchen bei seiner Schwägerin und seinem Göttibuben sowie von der Absicht, bei
passendem Wetter im Wald Pilze suchen zu gehen (IV-act. 117, S. 36). Seine
Konzentrationsfähigkeit schwanke stark, positive Einflüsse sehe er in Bekannten, guten
Freunden oder dem Wetter (IV-act. 117, S. 44); viele Freunde seien ihm allerdings nicht
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geblieben (IV-act. 117, S. 20 und 46). Er habe die Schnauze gestrichen voll, er rege sich
auf, weil er Rechnungen kriege und er komme sich wegen des Rauchverbots überflüssig
vor. Er warte seit 2013 auf eine Invalidenrente, aber nichts passiere. Er wolle so schnell wie
möglich wieder nach Casablanca gehen, dort halte er sich bei Verwandten auf, auch seine
Frau sei dort, dort gehe es ihm viel besser (IV-act. 117, S.18 ff., S. 46).
e. Im Schlussbericht der Dreischiibe (IV-act. 109) wird dem Beschwerdeführer eine
überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit bezüglich Qualität bzw. - bedingt durch seinen
überdurchschnittlich hohen Qualitätsanspruch - eine durchschnittliche Leistungsfähigkeit
bezüglich Quantität attestiert. Der Beschwerdeführer zeichnete sich bei der Einführung in
neue Aufgaben durch eine schnelle Auffassungsgabe aus und bekundete keine Probleme,
den Computer sowie verschiedene Software-Programme zu bedienen und exakt und genau
zu arbeiten. Sein Arbeitsverhalten gab zu keinen Beanstandungen Anlass. Im persönlichen
Bereich wurden unterschiedliche Verhaltensweisen festgestellt, da der Beschwerdeführer in
der Arbeit einerseits durchaus Flexibilität an den Tag legte, sich aber gleichzeitig nicht
flexibel genug zeigte, seine privaten Strukturen zu verändern und anzupassen. Obwohl der
Beschwerdeführer mit den Aufgaben in der Dreischiibe an sich gut zurecht kam, fiel es ihm
im Verlauf der Massnahme immer schwerer, sich zu motivieren und er erwähnte in diesem
Zusammenhang, auch die aus seiner Sicht zu geringe Höhe des Taggeldes trage nicht zur
weiteren Motivation bei (IV-act. 97). Gegenüber Vorschlägen, die dem Beschwerdeführer
helfen sollten, seinen privaten Alltag besser mit dem Arbeitsalltag kompatibel zu gestalten
(vgl. z.B. IV-act. 109, S. 4 Mitte: Vorschlag, nach der Arbeit eine Aktivität einzubauen
anstatt schlafen zu gehen), nahm der Beschwerdeführer eine passive und ablehnende
Haltung ein. Er liess sich auch nicht auf einen Versuch ein, die Arbeitszeit auf den
Nachmittag zu verlegen; gemäss seinen Aussagen sei die nötige Energie dazu nicht
vorhanden (IV-act. 109, S. 6). Eine erfolgreiche Eingliederung ins Berufsleben würde aber
gerade bedingen, dass der Beschwerdeführer seine bestehenden Strukturen gezielt
verändert und anpasst.
f. Auch aus den übrigen vorinstanzlichen Akten ergibt sich wiederholt, dass der
Beschwerdeführer lieber eine Stelle in Marokko als in der Schweiz finden will und sich als
Fernziel ein Leben in Marokko vorstellt, wo er etwas aufbauen möchte (IV-act. 30 und 47).
Er äusserte gegenüber der Vorinstanz, er halte das bünzlihafte Denken in der Schweiz
kaum noch aus und würde am liebsten ganz nach Marokko auswandern, nur fehle ihm
dafür das nötige Kleingeld (IV-act. 75). Dr. D_ , der dem Wiedereingliederungsversuch
des Beschwerdeführers in der Dreischiibe zunächst positiv gegenüberstand (IV-act. 75 in
fine), schlug schliesslich vor, der Beschwerdeführer solle sich stattdessen besser selbst für
Seite 16
eine Stelle bemühen, liess aber die Frage offen, ob er hierfür genug Ressourcen hätte (IV-
act. 100).
g. Dies lässt insgesamt betrachtet darauf schliessen, dass der Beschwerdeführer weiterhin
über wichtige persönliche Ressourcen verfügt, die er im Einzelfall auch aktivieren kann,
wenn er will, beispielsweise, um sich etwas zu kochen oder Kontakte zu ausgewählten
Personen zu pflegen. Die im Zusammenhang mit der beruflichen Eingliederung auch vom
behandelnden Psychiater angesprochene „fehlende Motivation“ des Beschwerdeführers
(vgl. IV-act. 100: „ [...] aus meiner Sicht geht es nicht um die bewusste fehlende Motivation,
sondern um die schweren Persönlichkeitsdefizite des Patienten“), diese Ressourcen auch
so einzusetzen, dass eine berufliche Wiedereingliederung gelingt, kann nicht völlig
losgelöst von diesem Hintergrund eingeordnet werden. Dr. E_ hat all diese Umstände -
die gerade auch unter dem Gesichtspunkt der sog. Überwindbarkeit eine Rolle spielen -
ebenfalls und zu Recht in seine gutachterliche Einschätzung miteinbezogen.
2.7
Im vorliegenden Verfahren geht es darum, zu beurteilen, ob der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Invalidenrente hat oder nicht. Ist es dem Beschwerdeführer insgesamt
zumutbar, sich wieder in den Erwerbsmarkt einzugliedern, besteht aus
sozialversicherungsrechtlicher Sicht keine rentenbegründende Invalidität. Die Auffassung
von Dr. E_ , depressive Episoden hätten die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
allenfalls vorübergehend eingeschränkt, aber Gründe für eine dauerhafte Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit seien nicht erkennbar, sowie der daraus resultierende Schluss, dem
Beschwerdeführer wäre es objektiv gesehen trotz seiner gesundheitlichen
Beeinträchtigungen zumutbar, sich beruflich wiedereinzugliedern, ist überzeugend
begründet. Die abschliessende Würdigung der dargelegten Umstände führt entgegen der
Ansicht des Beschwerdeführers zum nachvollziehbaren Schluss, dass er über genügend
physische und psychische Ressourcen verfügt, damit von ihm trotz seines Leidens
willensmässig erwartet werden kann, in einem rentenausschliessenden Umfang
erwerbstätig zu sein (vgl. dazu auch Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2016 vom 14. Juli
2016, E. 5.3.2, m.w.H.). Somit besteht auch kein Anlass zu weiteren medizinischen
Abklärungen, welche der Beschwerdeführer eventualiter verlangt. Die Beschwerde ist
abzuweisen.
3. Kosten und Entschädigung
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Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Vorliegend erscheint die in vergleichbaren Fällen übliche
Entscheidgebühr von Fr. 800.-- als angemessen, unter Verrechnung mit dem vom
Beschwerdeführer in gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss.
Es wird keine Parteientschädigung ausgerichtet, da der Beschwerdeführer unterliegt (Art. 1
Abs. 1 IVG i.V.m. 61 lit. g ATSG e contrario) und da die obsiegende IV-Stelle eine
staatliche Einrichtung ist (Art. 61 lit. g ATSG e contrario; KIESER, a.a.O., N 199 f. zu Art. 61
ATSG).
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