# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5fe88941-d344-47e4-a414-9ade5050dc65
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Am 24. August 2018 erstattete A._ telefonisch eine Gefährdungsmeldung betreffend ihre Tochter X._, geboren am _ 1984, an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (nachfolgend: KESB) Nordbünden. Sie führte aus, dass X._ zusammen mit ihrer Tochter B._, geboren am _ 2004, Anfang August 2018 von O.1_ nach O.2_ umgezogen sei. X._ sei psychisch vorbelastet und mit der aktuellen Wohnungssituation (Einrichtung der neuen Wohnung) überfordert (KESB act. 3).
B. Die KESB Nordbünden teilte X._ am 30. August 2018 mit, dass ein Abklärungsverfahren bezüglich einer bei ihr allenfalls vorliegenden Hilfs- oder Schutzbedürftigkeit eröffnet worden sei. Gleichzeitig lud die KESB Nordbünden X._ am 4. September 2018 zu einer Besprechung ein (KESB act. 5).
C. Mit Schreiben vom 4. September 2018 teilte A._ der KESB Nordbünden mit, dass X._ den Brief der KESB erhalten habe. Sie habe jedoch die Befürchtung, dass ihre Tochter nicht zu einem Termin erscheinen werde. Da sie selber keinen Einfluss habe, bitte sie die KESB Nordbünden, sich zugunsten von X._ und B._ der Situation anzunehmen (KESB act. 6).
D. Die KESB Nordbünden hörte X._ am 14. September 2018 an. An diesem Gespräch befragte sie eine Fachmitarbeiterin der KESB Nordbünden insbesondere über die persönliche und gesundheitliche Situation. Ausserdem waren die Beziehungen zu den weiteren Familienmitgliedern sowie die neue Wohnsituation Thema des Gesprächs. X._ gab zu Protokoll, dass sie zwar an einer Zwangsstörung («Sauberkeitsfimmel») leide, sich dieser jedoch bewusst sei und deshalb auch eine Psychologin aufsuche. Auf die Wohnungssituation angesprochen, meinte X._, dass die Wohnung noch nicht fertig eingerichtet sei, der Umzug sich aber richtig anfühle und sich auch B._ mittlerweilen wohlfühle. Weder sie noch B._ hätten Kontakt zum Vater, jedoch bezahle er die Alimente. B._ habe ein inniges Verhältnis zu ihrer Grossmutter A._ (KESB act. 8).
E. Am 16. November 2018 hörte die KESB Nordbünden B._ in einem Gespräch an. B._ gab an, dass sie sich in der neuen Wohnung nicht wohlfühle, da diese immer noch nicht eingerichtet sei, weshalb sie lieber irgendwo anders als zu Hause wohnen möchte. Es gehe ihr grundsätzlich nicht so gut, weil sie sich wie eine erwachsene Person fühle, sie wolle dies jedoch nicht sein. Sie müsse ihre Mutter auch zum Kochen auffordern und darauf achten, dass das Essen nicht anbrenne. Da die Mutter wegen der Arbeit am Mittag nicht zu Hause
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sei, müsse sie dann jeweils kochen. Mit ihrem Vater habe sie keinen Kontakt. Die Schulsozialarbeiterin habe versucht den Kontakt herzustellen, jedoch habe sich der Vater nicht gemeldet (KESB act. 11).
F. Am 7. Dezember 2018 fand bei X._ ein Hausbesuch durch die KESB Nordbünden statt. Aus der Aktennotiz lässt sich entnehmen, dass X._ erst nach zehn Minuten und nach mehrfachem Klingeln die Türe geöffnet habe. Es habe gewirkt, als sei sie aufgeweckt worden. X._ lebe zusammen mit B._ bereits seit vier Monaten in der 3.5 Zimmerwohnung, jedoch seien im Eingangsbereich und im Wohnzimmer Kisten über Kisten sowie Säcke gelagert. Darauf angesprochen, dass sich B._ in der Wohnung nicht wohlfühle, bagatellisierte X._ stark und meinte, dass das nach einem Umzug normal sei und sie angefangen habe, die Wohnung einzurichten (KESB act. 13).
G. Am 13. Dezember 2018 fand ein Telefongespräch zwischen C._, Mitglied KESB Nordbünden, und D._, Psychologin von X._, statt. Die Psychologin führte aus, dass X._ bis anhin fünf Mal in der Besprechung gewesen sei, letztmals am 10. Oktober 2018 zusammen mit B._. Einen neuen Termin habe sie sich nicht notiert. Die Therapie befinde sich in der Anfangsphase. X._ habe über Zwänge berichtet. Allgemein sei es so, dass Menschen mit zwanghaftem Verhalten unter einer schwierigen Erkrankung leiden und auf eine Therapie angewiesen seien (KESB act. 15).
H. Am 2. Januar 2019 fand ein Telefongespräch zwischen C._, und E._, Vater von B._, statt. Anlässlich dieses Gesprächs teilte der Kindsvater mit, dass er keinen Kontakt zu B._ habe. B._ habe in der Vergangenheit selbst versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Es treffe zu, dass er sich nicht gross darauf eingelassen habe (KESB act. 16).
I. Am 25. Januar 2019 fand erneut ein Gespräch zwischen X._ und C._ statt. X._ führte aus, dass sie mit der Errichtung von Erwachsenenschutzmassnahmen im Bereich Wohnen und Gesundheit nicht einverstanden sei. Sie sei nicht auf «fremde» Hilfe angewiesen und könne ihre gesundheitliche Situation selbst am besten einschätzen (KESB act. 22).
J. Am 29. Januar 2019 rief B._ bei C._ an und erkundigte sich nach dem weiteren Vorgehen. B._ erzählte, dass es in der Wohnung immer noch gleich aussehe und ihre Mutter es nicht schaffe, die Wohnung einzurichten. Ausserdem habe ihre Mutter Mahnungen erhalten, da sie die Rechnungen nicht bezahlen könne. Ihre Mutter nehme keine Unterstützung an. Die Bitte von
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C._ um ein Telefongespräch mit X._ lehnte die Mutter mit der Begründung, sie habe zu tun, ab (KESB act. 23).
K. Am 30. Januar 2019 telefonierte C._ mit F._, Schulsozialarbeiterin. Sie teilte mit, dass sich B._ ritzen würde und unter der Situation leide (KESB act. 24).
L. Gleichentags telefonierte C._ mit G._, Vertrauensperson von X._, sowie H._, Betreibungsamt Chur. Beide gaben an, dass X._ offenbar keine Unterstützung wolle (KESB act. 25).
M. Am 6. Februar 2019 fand ein Gespräch zwischen C._ und B._ statt, um sie über das weitere Vorgehen zu orientieren. B._ befürworte es, wenn ihre Mutter Unterstützung bei der Einrichtung der Wohnung erhalte. Ausserdem sei sie mit einer Therapie bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie einverstanden, da es einige Themen gebe, über die sie gerne reden würde (Kontakt mit dem Vater, Rollenumkehr, etc., KESB act. 27).
N. Am 12. Februar 2019 reichte X._ ein Gesuch zur Überprüfung eines Verzichts zur Kostenauferlegung bei der KESB Nordbünden ein (KESB act. 30).
O. Am 12. Februar 2019 fand eine Anhörung vor der KESB Nordbünden statt. Am Gespräch mit den Mitgliedern der KESB habe X._ die Situation rund um die Einrichtung der Wohnung beschönigt und ausgeführt, sie und B._ würden sich in der Wohnung wohlfühlen. Ausserdem wolle sie nicht fremdbestimmt werden und lehne deshalb Hilfe ab (KESB act. 31).
P. Gleichentags erging ein Entscheid der Kollegialbehörde der KESB (KESB act. 33) mit folgendem Dispositiv:
1. Für X._ wird eine Beistandschaft nach Erwachsenenschutzrecht (Art. 390 ZGB) errichtet.
2. Die Beistandsperson erhält die Aufgaben und Kompetenzen, X._ im Rahmen einer Vertretungsbeistandschaft (Art. 394 ZGB) in den nachfolgend aufgelisteten Bereichen zu beraten, zu unterstützen und soweit nötig bei allen damit verbundenen Handlungen (Administration, Rechtsverkehr) zu vertreten:
a. Wohnen: stets für eine geeignete Wohnsituation bzw. Unterkunft für X._ besorgt zu sein (insbesondere Wohnungseinrichtung, Mietverhältnis, evtl. Wohnbegleitung, Psychiatriespitex organisieren);
b. Medizin und Gesundheit: unter Berücksichtigung einer allfälligen Patientenverfügung für das gesundheitliche Wohl von X._ sowie für hinreichende medizinische Betreuung besorgt zu sein (insbesondere Unterstützung beim Finden einer geeigneten Therapie, Verkehr mit Ärzten und anderem medizinischem Betreuungspersonal,
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Prävention), wobei das Vertretungsrecht für medizinische Massnahmen bei Urteilsunfähigkeit (Art. 378 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB) ausdrücklich ausgeschlossen ist.
3. Brigitte Darms (Berufsbeistandschaft Imboden) wird zur Beiständin von X._ ernannt.
4. Die Beistandsperson wird aufgefordert, unverzüglich nach Erhalt der Ernennungsurkunde sich die zur Erfüllung der Aufgaben nötigen Kenntnisse zu verschaffen und mit X._ persönlich Kontakt aufzunehmen.
5. Die Beistandsperson ist gehalten:
a. der KESB bis 30. April 2019 mitzuteilen, wie die Wohnungssituation von X._ aussieht, welche Bemühungen unternommen worden sind und wie sich die Zusammenarbeit mit der Mutter gestaltet. Sollte während angesetzter Frist keine Veränderung möglich sein, sind der Behörde Empfehlungen zum weiteren Vorgehen einzureichen.
b. alle zwei Jahre (erstmals per 31. Januar 2021) einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Lage von X._ und die Ausübung der Beistandschaft, Ausblick mit Empfehlungen) einzureichen.
c. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von X._ während der Rechenschaftsperiode die KESB mit einem Bericht zu informieren und allenfalls ein geeignetes Vorgehen zu empfehlen.
6. Betreffend Verfahrenskosten wird verfügt:
a. Die Kosten im Verfahren Errichtung Beistandschaft werden auf CHF 600.00 festgesetzt.
b. Auf die Erhebung dieser Kosten wird aufgrund der besonderen Umstände verzichtet.

## Considerations