# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 919ee375-30a0-4e04-a831-2d58c8dd515c
**Court:** BL_ZMG
**Chamber:** BL_ZMG_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Criminal Procedure

## Facts

Sachverhalt
Gegen den Beschuldigten wird ein Verfahren unter anderem wegen einfacher
Körperverletzung (begangen am 18. Juni 2011) und diverser SVG-Delikte (begangen vom
31. Oktober 2011 bis zum 10. Januar 2012) geführt. Polizeilichen Vorladungen in diesem
Verfahren hat er bisher keine Folge geleistet. Am 7. März 2007 ist der Beschuldigte unter
anderem wegen einfacher Körperverletzung und verschiedener Widerhandlungen gegen das
SVG zu einer bedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 6 Monaten, Probezeit 3 Jahre und
einer Busse verurteilt worden. Der bedingte Vollzug ist am 17. Dezember 2007 widerrufen
worden. Seither sind am 17. Dezember 2007 und 7. Oktober 2007 sowie einem Urteil des
Kantonsgerichts weitere Verurteilungen unter anderem wegen Körperverletzungsdelikten,
Vermögensdelikten und Widerhandlungen gegen das SVG hinzugekommen. Letztmals ist
die Freiheitsstrafe zugunsten einer stationären Massnahme für junge Erwachsene
aufgeschoben worden. Das Vorstellungsgespräch im Massnahmezentrum Uitikon hat am 11.
Oktober 2011 stattgefunden. Der Eintritt kann allerdings frühestens Mitte Mai 2012 erfolgen.

## Considerations

Erwägungen
1.
(...)
Dem Beschuldigten werden im vorliegenden Verfahren einerseits strafbare Handlungen
gegen Leib und Leben (Angriff und einfache Körperverletzung) vorgeworfen, andererseits
zahlreiche Strassenverkehrsdelikte. Bei den Strassenverkehrsdelikten ist zu beachten, dass
der Beschuldigte ohne jemals im Besitz eines gültigen Führerausweises zum Führen eines
Motorfahrzeuges gewesen zu sein, aktenkundig zweimal einen Personenwagen erworben
hat und beim Führen dieser Motorfahrzeuge nicht nur diverse
Geschwindigkeitsübertretungen begangen und einen Selbstunfall verursacht hat, sondern
auch anlässlich einer Verkehrskontrolle das Haltezeichen der Polizei missachtet hat, mit
unverminderter Geschwindigkeit weitergefahren ist und im Bereich einer unübersichtlichen
Strassenverzweigung einen anderen Personenwagen überholt hat. Dieses gefährliche und
äusserst rücksichtlose Verhalten des Beschuldigten lässt - vor allem auch nach Einsicht in
das forensisch-psychiatrische Gutachten von Dr. med. A._, FMH Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 30. Juni 2009 (welches im Zusammenhang mit dem Urteil des
Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 07.12.2010 erstellt wurde) - einzig den Schluss zu,
dass der Beschuldigte in Kauf genommen hat, nicht nur sich selbst, sondern auch andere
Personen mit seinen Widerhandlungen gegen das Strassenverkehrsgesetz ernsthaft an Leib
und Leben zu gefährden. Es ist lediglich dem Zufall zu verdanken, dass anlässlich der
zahlreichen Fahrten des Beschuldigten keine Personen zu Schaden gekommen sind. Der
Beschuldigte hat durch diese Vergehen die Sicherheit anderer erheblich gefährdet.
Betreffend die Rückfallprognose ist festzustellen, dass die in der Vergangenheit ergangenen
Verurteilungen zu Freiheitsstrafen und auch die mehrfach angeordnete Untersuchungshaft
(zuletzt für insgesamt 646 Tage), den Beschuldigten nicht davon abgehalten haben, kurze
Zeit nach dem Urteil des Kantonsgerichts Basel-Landschaft vom 7. Dezember 2010 erneut
zu delinquieren. Diese weitere Delinquenz steht im Einklang mit den gutachterlichen
Feststellungen vom 30. Juni 2009 betreffend Wiederholungsgefahr in Bezug auf schwere
Straftaten. Der Beschuldigte leidet offenbar noch an einer eher schwer ausgeprägten
psychischen Störung. Das Risiko erneuter Delinquenz im Bereich strafbarer Handlungen
gegen Leib und Leben war und ist hoch. Dazu kommt, dass der Beschuldigte arbeitslos ist,
weshalb er wohl auch keinen geregelten Tagesablauf hat und vom Sozialamt unterstützt
werden muss. In Würdigung sämtlicher Umstände erscheint die Rückfallprognose als
äusserst ungünstig.
Dem Strafregisterauszug vom 5. Dezember 2012 ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte
wegen verschiedener zwischen 2005 und 2009 begangener Delikte viermal verurteilt worden
ist. So wurde er unter anderem wegen versuchter schwerer Körperverletzungen, einfacher
Körperverletzung, teilweise mit einem gefährlichen Gegenstand, Tätlichkeiten, Drohung,
Fahrens ohne Führerausweis, ohne Fahrzeugausweis oder Kontrollschilder sowie ohne
Haftpflichtversicherung zu (teilweise bedingt vollziehbaren) Freiheitsstrafen verurteilt. Am 7.
Dezember 2010 wurde er letztmals vom Kantonsgericht Basel-Landschaft wegen versuchter
schwerer Körperverletzung, falscher Anschuldigung und Konsums von Betäubungsmitteln zu
eine unbedingt vollziehbaren Freiheitsstrafe von 20 Monaten (sowie zu einer Busse von Fr.
200.--) verurteilt, deren Vollzug zu Gunsten einer stationären Massnahme für junge
Erwachsene aufgeschoben wurde. Das Vortatenerfordernis ist damit ebenfalls erfüllt.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass eine Freilassung des Beschuldigten mit
erheblichen, konkreten Risiken für die öffentliche Sicherheit verbunden wäre. Aus einer
systematisch-teleologischen Auslegung von Art. 221 Abs. 1 lit. s StPO ergibt sich, dass es
nicht in der Absicht des Gesetzgebers lag, mögliche Opfer von weiteren schweren Straftaten,
insbesondere von Delikten gegen Leib und Leben (auch als Erfolg von Widerhandlungen
gegen das Strassenverkehrsgesetz), derartigen Risiken auszusetzen. Angesichts der
Besonderheit des vorliegenden Falles erscheint die Sicherheit anderer hier nicht weniger
gefährdet als im Fall der Drohung einer Person, sie werde ein schweres Verbrechen ausfüh-
ren, im Sinne von Art. 221 Abs. 2 StPO. Folglich erweist sich die Haftanordnung als
rechtmässig und notwendig (vgl. BGE 137 IV 13).
Entscheid des Zwangsmassnahmengerichts vom 2. Februar 2012 (350 12 51)