# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 95360100-9e9a-47b8-a1a8-ffe064677600
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) Der srilankische Staatsangehörige A. P., geboren 1960, reiste am 5. Oktober
1982 in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Dieses wurde mit Verfügung vom
25. November 1983 abgewiesen. Gleichzeitig wurde die Wegweisung aus der Schweiz
angeordnet, wobei der Zeitpunkt des Vollzugs auf die offizielle Freigabe der
Rückschaffung von Tamilen verschoben wurde. Gegen die Verweigerung des Asyls
erhob der Gesuchsteller am 23. Dezember 1983 Beschwerde beim Eidgenössischen
Justiz- und Polizeidepartement. Mit Entscheid vom 25. September 1985 wies dieses
die Beschwerde ab. Infolge des damaligen generellen Ausschaffungsstopps für
Tamilen wurde vom Vollzug der Wegweisung aber abgesehen. Ein Gesuch von A. P.
um Erteilung einer ordentlichen Aufenthaltsbewilligung aus humanitären Gründen
wurde mit Verfügung vom 30. Juni 1990 abgewiesen. Diese Verfügung erwuchs in
Rechtskraft.
b) Die srilankische Staatsangehörige Jeyarani S., geboren 1965, reiste am 23. Juni
1985 in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Dieses wurde mit Verfügung vom 4.
Februar 1986 abgewiesen. Auch in diesem Fall wurde die Wegweisung angeordnet,
wobei der Zeitpunkt des Vollzugs auf die offizielle Freigabe der Rückschaffung von
Tamilen verschoben wurde. Gegen die Verweigerung des Asyls erhob die
Gesuchstellerin Beschwerde beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c) Am 15. Februar 1991 erhielten Jeyarani S. und deren Tochter Jeevartha, geboren 18.
August 1986, Aufenthaltsbewilligungen. In der Folge schrieb das Eidgenössische
Justiz- und Polizeidepartement die Beschwerde gegen die Verweigerung des Asyls am
21. März 1991 ab. Am 18. Oktober 1991 heiratete Jeyarani S. den Kindsvater A. P. in
Sennwald.
d) Am 26. Oktober 1992 wies das Ausländeramt das Gesuch des Ehemannes um
Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung ab. Am 16. März 1993 und am 23.
Februar 1995 gebar die Ehefrau die Söhne Jenarthanen und Jenuthan. Im August 1995
verliess der Vater die Schweiz. Am 4. November 1995 reiste er wieder in die Schweiz
ein und stellte erneut ein Asylgesuch. Das Bundesamt für Flüchtlinge trat auf dieses
Gesuch mit Verfügung vom 19. August 1996 nicht ein und verfügte die Wegweisung
aus der Schweiz. Die Schweizerische Asylrekurskommission wies die vom
Gesuchsteller erhobene Beschwerde mit Entscheid vom 17. September 1997 ab. Am 4.
Juli 1998 reiste der Ehemann aus der Schweiz aus. Am 2. Dezember 1998 gebar die
Mutter das Kind Jeyakamalakumar.
e) Zwischen 1999 und 2003 wurden die Aufenthaltsbewilligungen der Ehefrau und der
Kinder jeweils um ein Jahr verlängert, wobei die Mutter verschiedentlich verpflichtet
wurde, sich aktiv um eine Verringerung der Sozialhilfekosten zu bemühen bzw. sich um
eine andere Lösung der Kinderbetreuung zu bemühen, damit sie zumindest eine
Teilzeitarbeit aufnehmen könne. Die Ehefrau und die Kinder wurden ab 1995/1996 von
der Fürsorgebehörde der Wohngemeinde Buchs regelmässig unterstützt.
f) Am 19. Dezember 2003 reiste A. P. als Besucher erneut in die Schweiz ein. Am 12.
März 2004 stellte er ein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im
Familiennachzug.
Am 15. März 2004 ersuchte die Ehefrau um Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung
sowie derjenigen ihrer Kinder. Am 26. April 2004 gebar sie den Sohn Khareram.
Mit Verfügung vom 25. Juni 2004 wies das Ausländeramt das
Familiennachzugsbegehren des Ehemannes ab. Zur Begründung wurde im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
wesentlichen angeführt, die Ehefrau werde vom Sozialamt unterstützt. Die
Unterstützung belaufe sich per März 2004 auf Fr. 325'487.15.
g) Gegen die Verweigerung des Familiennachzugs erhoben die Eheleute Rekurs beim
Justiz- und Polizeidepartement.
Mit Verfügung vom 6. September 2004 wies das Ausländeramt das Gesuch der
Ehefrau (nach gewissen Aktenstücken lautet ihr Name P., nach anderen A.) um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen für sich und ihre Kinder ab. Zur Begründung
wurde angeführt, ein Ende der Sozialhilfeabhängigkeit sei nicht abzusehen. Die
Gesuchstellerin habe die Bedingung, dass die Sozialhilfeabhängigkeit nicht zum
Dauerzustand werden dürfe, nicht eingehalten und werde sie auch weiterhin nicht
einhalten können.
Gegen die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen erhob die
Gesuchstellerin Rekurs beim Justiz- und Polizeidepartement.
B./ Mit Entscheid vom 9. Februar 2005 wies das Justiz- und Polizeidepartement die
Rekurse der Ehefrau und ihrer Söhne gegen die Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligungen ab. Der Rekurs der ältesten, während des Rekursverfahrens
volljährig gewordenen Tochter Jeevartha A. wurde gutgeheissen und das Ausländeramt
eingeladen, ihre Aufenthaltsbewilligung zu verlängern. Der Rekurs des Ehemannes
gegen die Verweigerung des Familiennachzugs wurde ebenfalls abgewiesen.
C./ Mit Eingaben ihres Rechtsvertreters vom 25. Februar und 4. April 2005 erhoben die
Eheleute sowie deren vier minderjährige Söhne Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 9. Februar 2005 sei in den Ziff. 1a, c, 2 und
3 aufzuheben und ihre Aufenthaltsbewilligungen seien zu verlängern und dem Gesuch
des Ehemannes um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des
Familiennachzugs sei zu entsprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur
Begründung wird im wesentlichen geltend gemacht, die Ehefrau habe zwischenzeitlich
einen Anstellungsvertrag abgeschlossen, wobei sie ein monatliches
Erwerbseinkommen von Fr. 3'300.-- erzielen würde. Bei der Gewährung des
Familiennachzugs für den Ehemann wäre das Einkommen für die ganze Familie
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gesichert. Die Familie bedürfte keiner staatlichen Unterstützung mehr und sämtliche
Schulden könnten beglichen werden. Im übrigen entspreche der Bezug von finanzieller
Sozialhilfe einem Grundrecht. Auf die weiteren Vorbringen in der Beschwerde wird,
soweit wesentlich, in den nachstehenden

## Considerations

Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 8. April 2005 auf Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung bringt sie vor, selbst mit dem geltend gemachten
Erwerbseinkommen werde die Belastung der Sozialhilfe weiter ansteigen, zumal mit
zusätzlichen Kosten für die Fremdbetreuung der Kinder sowie für die Bewältigung des
Arbeitsweges (die Arbeitgeberin habe ihren Sitz in Luzern) gerechnet werden müsste.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 25. Februar und 4.
April 2005 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist daher einzutreten.
2./ a) Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt oder Niederlassung. Die Aufenthaltsbewilligung ist
stets befristet (Art. 5 Abs. 1 ANAG).
Gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. a ANAG erlischt die Aufenthaltsbewilligung mit dem Ablauf der
Bewilligungsfrist, sofern diese nicht verlängert worden ist. Nach Art. 9 Abs. 2 lit. b
ANAG kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden, wenn eine mit ihr
verbundene Bedingung nicht erfüllt wird oder wenn das Verhalten des Ausländers
Anlass zu schweren Klagen gibt. Ist beim Vorliegen bestimmter Umstände ein Widerruf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der Aufenthaltsbewilligung zulässig, so ist auch die Verweigerung der Verlängerung
gerechtfertigt (vgl. statt vieler GVP 1996 Nr. 9 und 1998 Nr. 22).
Die Aufenthaltsbewilligungen der Ehefrau und der Kinder liefen am 5. April 2004 ab. Da
die Beschwerdeführer weder aus Gesetz noch aus Staatsvertrag einen Anspruch auf
Erteilung bzw. Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung haben, hatte die
Bewilligungsbehörde ihren Entscheid nach pflichtgemässem Ermessen zu treffen.
b) Beim Entscheid über die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung hat die
Fremdenpolizeibehörde eine Interessenabwägung vorzunehmen, wobei sie die bei der
Ausweisung massgebenden Kriterien analog anzuwenden hat (BGE 116 Ib 117 mit
Hinweis). Die Ausweisung ist nach Art. 10 Abs. 1 ANAG namentlich dann zulässig,
wenn der Ausländer wegen eines Vergehens oder Verbrechens gerichtlich bestraft
wurde (lit. a), wenn sein Verhalten im allgemeinen und seine Handlungen darauf
schliessen lassen, dass er nicht gewillt oder nicht fähig ist, sich an die im Gaststaat
geltende Ordnung einzufügen (lit. b), oder wenn er oder eine Person, für die er zu
sorgen hat, der öffentlichen Wohltätigkeit fortgesetzt und in erheblichem Mass zur Last
fällt (lit. d). Zu berücksichtigen sind insbesondere die Schwere des Verschuldens, die
Dauer der Anwesenheit in der Schweiz und die dem Ausländer und seiner Familie
drohenden Nachteile (Art. 16 Abs. 3 der Eidgenössischen Vollziehungsverordnung zum
ANAG, SR 142.201, abgekürzt ANAV).
Art. 10 Abs. 1 ANAG ist eine typische "Kann-Bestim-mung". Das Gesetz schreibt beim
Vorliegen bestimmter Voraussetzungen nicht zwingend die Anordnung einer
Ausweisung vor. Es räumt der Verwaltung diesbezüglich einen Ermessensspielraum
ein. Das Verwaltungsgericht ist zur Überprüfung der Angemessenheit einer Verfügung
oder eines Entscheides nicht befugt. Es darf daher, auch bei der Prüfung der
Angemessenheit gemäss Art. 11 Abs. 3 Satz 1 ANAG, nicht sein eigenes Ermessen - im
Sinne einer Prüfung der Opportunität bzw. Zweckmässigkeit der Massnahme - anstelle
des Ermessens der Verwaltung ausüben (VerwGE vom 17. August 1999 i.S. J. und S.R.
und vom 5. März 1998 i.S. Y.K. mit Hinweis auf BGE 122 II 435; BGE 125 II 523). Es
kann nur überprüfen, ob ein Entscheid oder eine Verfügung auf einer Überschreitung
bzw. auf einem Missbrauch des Ermessens beruht (vgl. GVP 1996 Nr. 9 mit Hinweisen).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
c) Art. 10 Abs. 1 lit. b ANAG dient unter anderem der Aufrechterhaltung der öffentlichen
Sicherheit und Ordnung. Auch finanzielle oder wirtschaftliche Aspekte können unter
Umständen die öffentliche Ordnung berühren. Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichtes kann das Nichtbezahlen von Schulden einen Verstoss gegen die
öffentliche Ordnung darstellen. Dies gilt jedenfalls dann, wenn die Schulden einen
bedeutenden Umfang erreichen, was bei rund Fr. 100'000.-- bejaht wurde (BGE 122 II
391).
Die Ehefrau und die Kinder beziehen seit 1995 Sozialhilfeleistungen. Diese beliefen sich
per Ende 2004 auf insgesamt Fr. 357'953.90, wobei die Krankenkassenprämien und -
selbstbehalte nicht in diesem Betrag inbegriffen sind. Nach der Rechtsprechung ist
somit davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin und ihre Kinder im Sinne von
Art. 10 Abs. 1 lit. d ANAG der öffentlichen Wohltätigkeit fortgesetzt und in erheblichem
Masse zur Last fallen und somit ein Ausweisungsgrund gegeben ist (VerwGE vom 15.
Juni 2000 i.S. Z.B.S., vom 6. Juli 2000 i.S. S.Z. und vom 18. Juni 2002 i.S. S.S. und
N.S. mit Hinweis auf BGE 119 Ib 6 und 122 II 391).
Das Vorliegen eines Ausweisungsgrundes wird denn auch in der Beschwerde nicht
bestritten oder in Frage gestellt.
Auch der Ehemann hat keinen Rechtsanspruch auf einen Aufenthalt in der Schweiz
bzw. auf eine Erteilung der Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs
zu seiner Ehefrau. Diese verfügt bzw. verfügte lediglich über eine
Aufenthaltsbewilligung und somit nicht über ein Anwesenheitsrecht, welches gestützt
auf Art. 17 Abs. 2 ANAG einen Rechtsanspruch auf Familiennachzug verschafft.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass gegen die Ehefrau und die Kinder ein
Ausweisungsgrund besteht und der Ehemann keinen Anspruch auf Erteilung einer
Bewilligung im Rahmen des Familiennachzugs hat. Zu prüfen bleibt indessen, ob die
Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen für die Ehefrau und die
minderjährigen Kinder und die Verweigerung des Familiennachzugs für den Ehemann
verhältnismässig sind.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
d) Die Ehefrau hält sich seit ihrer Einreise als Asylbewerberin am 23. Juni 1985
ununterbrochen in der Schweiz auf. Allfällige Aufenthalte in Sri Lanka fanden im
Rahmen von Ferienreisen statt. Sie gebar ihre Kinder am 18. August 1986, am 16. März
1993, am 23. Februar 1995 und am 2. Dezember 1998 sowie am 26. April 2004. Unter
diesen Umständen kann es ihr nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass sie seit 1993
kein nennenswertes Erwerbseinkommen erzielen konnte. Aufgrund des Alters und der
Zahl der Kinder war jedenfalls eine Erwerbstätigkeit, die in einem hinreichenden Mass
zur Deckung der Familienlasten hätte beitragen können, als unrealistisch bzw.
unmöglich zu qualifizieren. Im übrigen kann der Beschwerdeführerin die Zahl ihrer
Kinder subjektiv nicht zum Vorwurf gemacht werden.
Weiter fällt auf, dass die erhebliche Sozialhilfeunterstützung der Beschwerdeführerin
und ihrer Kinder im wesentlichen dann begann, als der Ehemann die Schweiz aufgrund
der Verweigerung der Erteilung einer humanitären Aufenthaltsbewilligung verlassen
hatte. 1990 wurden die finanziellen Verhältnisse jedenfalls als in Ordnung bzw.
"geregelt" bezeichnet. 1994 und 1995 sind Leistungen an die Eheleute von Fr. 3'685.60
bzw. Fr. 1'715.-- ausgerichtet worden. Nach dem Wegzug des Ehemannes bezifferte
das Sozialamt die Unterstützung der Ehefrau auf ca. Fr. 3'000.-- pro Monat. Ueber den
Aufenthalt des Ehemannes nach der Einreichung des zweiten Asylgesuchs von 1995
bis 1998 sind den Akten keine näheren Angaben zu entnehmen.
Im vorliegenden Fall stellt sich die Frage, ob nicht nach der Ausreise des Ehemannes
nach Sri Lanka im Jahre 1998 und den bereits in diesem Zeitpunkt erheblichen
Sozialhilfeleistungen die Aufenthaltsbewilligungen der Ehefrau und der Kinder nicht
mehr zu verlängern gewesen wären. Der Ehefrau wurde zwar bei der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung wiederholt die Auflage gemacht, dass sie sich um ein
Erwerbseinkommen bemühen bzw. dass sie ihre Sozialhilfeschulden abbauen müsse.
Realistisch und umsetzbar waren diese Bedingungen angesichts der konkreten
familiären Situation aber nicht.
Mit der Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen der andauernd
sozialhilfeabhängigen Ehefrau und der Kinder wurde so lange zugewartet, bis der
Ehemann wieder in die Schweiz eingereist war. Mittlerweile lebt die Ehefrau seit über
20 Jahren ununterbrochen in der Schweiz. Die Kinder sind allesamt in der Schweiz
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
geboren und halten sich zeitlebens hier auf. Die Vorinstanz ist denn auch von einer weit
fortgeschrittenen sozialen Integration ausgegangen. Eine Verweigerung der
Aufenthaltsbewilligung für die Ehefrau und die Kinder erscheint jedoch aufgrund des
bisherigen sehr lange dauernden Aufenthalts sowie der weitgehenden Integration der
Kinder in die Schweiz bzw. in das hiesige Schulsystem als unverhältnis- mässig.
Dasselbe gilt im konkreten Fall für die Verweigerung der Bewilligung des
Familiennachzugs für den Ehemann. Nach einem Aufenthalt von über zwanzig Jahren
in der Schweiz erscheint es aus der Sicht der Ehefrau und der Kinder unhaltbar, dem
Ehemann bzw. Vater, der seit Oktober 1982 mit einem Unterbruch von fünf Jahren
zwischen 1998 und 2003 zumindest mehrheitlich in der Schweiz lebt, die Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung zu verweigern. Die Beschwerdeführer können auf ihren
Beteuerungen, nach der Zusammenführung der Familie ihr Leben weitgehend
eigenverantwortlich zu bewältigen, behaftet werden. Immerhin wurde dem Ehemann
bei seiner Arbeitsstelle, die er zwischen 1992 und 1995 innehatte, ein sehr positives
Zeugnis ausgestellt. Die Beschwerdeführer haben mit der Erteilung bzw. der
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen die Möglichkeit, ihre Sozialhilfeabhängigkeit
zumindest erheblich zu reduzieren. Falls ihnen dies in den kommenden Jahren nicht
gelingt, ist eine Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung erneut in Betracht zu ziehen,
wobei dannzumal für den Ehemann und die Ehefrau allerdings derselbe Massstab
anzusetzen ist.
e) Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen ist. Offen bleiben
kann, inwiefern der Bezug von Sozialhilfeleistungen im Lichte des Grundrechts gemäss
Art. 12 der Schweizerischen Bundesverfassung (SR 101) zu würdigen ist. Der
Rekursentscheid des Justiz- und Polizeidepartements ist in Ziff. 1a und 1c sowie Ziff. 2
und 3 aufzuheben. Die Angelegenheit ist an das Ausländeramt zur Erteilung bzw.
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligungen im Sinne der Erwägungen zurückzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Staates (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Auf ihre Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der Kostenvorschuss
von Fr. 2'000.-- ist den Beschwerdeführern zurückzuerstatten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Beschwerdeführer haben Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art.
98bis VRP). Ihr Rechtsvertreter hat keine Kostennote eingereicht, weshalb die
Entschädigung ermessensweise festzusetzen ist (Art. 6 der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO). Für das Rekurs-
und das Beschwerdeverfahren ist eine Entschädigung von Fr. 2'500.-- zuzügl. MWSt
angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. a und c HonO).