# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e9115c38-dd3a-4b74-a9d2-040ac1b32f82
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Ungültigkeit etc.
Berufung gegen ein Urteil und Beschluss des Bezirksgerichtes Hinwil vom 19. Dezember 2019; Proz. CP180003
Beschluss der II. Zivilkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich vom 8. Juni 2018; Proz. LB160042
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Rechtsbegehren:
"1. Die letztwillige Verfügung vom 27.10.2008 von I._, geb. tt.10.1924, von ..., gestorben am tt.mm..2011 in J._ ZH, mit letztem Wohnsitz in K._, vom 27.10.2008, sei ungültig zu .
2. Es sei festzustellen, dass die Kläger im Nachlass von I._ mit Quoten von je 1/9 als Erben berufen sind.
3. Eventuell: Es sei die Beklagte Ziff. 5, G._, und es sei der  Ziff. 6, H._, als vermächtnisunwürdig zu erklären.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% MWSt)  der Beklagten."
Beschluss des Bezirksgerichtes:
1. Auf das Rechtsbegehren Ziffer 3 wird nicht eingetreten.
(2./3. Mitteilung und Rechtsmittel)
Urteil des Bezirksgerichtes:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 20'000.00 , die Barauslagen betragen:
Fr. 1'093.50 Kosten L._ AG für Aktenedition
Fr. 630.00 Zeugenentschädigungen
3. Die Gerichtskosten und die Kosten des obergerichtlichen Verfahrens
LB160042 (Entscheidgebühr von Fr. 6'000.–) werden unter solidarischer
Haftung den Klägern und mit den geleisteten Vorschüssen der Kläger von
Fr. 17'150.–, Fr. 2'400.– und Fr. 17'100.– (Verfahren LB160042) verrechnet.
Der Überschuss wird den Klägern zurückerstattet.
Die von den Beklagten 1 und 4 sowie 5 und 6 geleisteten Kostenvorschüsse
von je Fr. 1'500.– werden den Beklagten 1 und 4 bzw. 5 und 6 zurückerstat-
tet.
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4. Die Kläger werden solidarisch verpflichtet, den Beklagten 1 und 4 und den
Beklagten 5 und 6 eine Parteientschädigung von je Fr. 49'000.– (inkl.
Mehrwertsteuer) zu bezahlen. Die vom Kläger 1 geleisteten Sicherheiten
von Fr. 9'000.– und Fr. 9'900.– (Verfahren LB160042) werden in Anrech-
nung an diese Schuld je hälftig den Beklagten 1 und 4 und den Beklagten 5
und 6 ausbezahlt.
(5./6. Mitteilung und Rechtsmittel).
Berufungsanträge:
der Kläger und Berufungskläger (act. 215 S. 2 f.):
"Es sei der Entscheid des Bezirksgerichts Hinwil vom 19. Dezember 2019  und es sei 1. die letztwillige Verfügung von I._, geb. tt.10.1924, von K._, gestor-
ben am tt.mm.2011 in J._ ZH, mit letztem Wohnsitz in K._, vom 27.10.2008, ungültig zu erklären.
2. Es sei festzustellen, dass die Kläger im Nachlass von I._ mit Quoten
von je 1/9 als Erben berufen sind.
3. Eventuell: Es sei die Beklagte Ziff. 5, G._, und der Beklagte Ziff. 6,
H._, als vermächtnisunwürdig zu erklären.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. 8% MWST) zulasten der ".
der Beklagten und Berufungsbeklagten 1 und 4 (act. 228 S. 3):
"1. Es sei die Berufung der Berufungskläger/Kläger vom 12. Februar 2020 voll-
umfänglich abzuweisen.
2. Es seien die Eventualbegehren der Berufungskläger/Kläger vom 12. Februar
2020 vollumfänglich abzuweisen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der
Berufungskläger/Kläger."
der Beklagten und Berufungsbeklagten 5 und 6 (act. 232 S. 2 f.):
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"1. Die Klage sei abzuweisen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen ( 7,7 % MWSt) zu Lasten der Kläger und Berufungskläger.
2. Sämtliche Berufungsanträge seien abzuweisen, unter Kosten- und Entschä-
digungsfolgen (zuzüglich 7,7 % MWSt) zu Lasten der Kläger und ."
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## Considerations

Erwägungen:
I. (Unstrittiger Sachverhalt, Prozessgeschichte sowie Prozessuales)
1. Die am tt. Oktober 1924 in M._ / Österreich (act. 31/4) geborene
I._ geb. ... (im Folgenden: die Erblasserin), verstarb am tt.mm.2011 im Alter
von 86 Jahren im Alters- und Pflegeheim N._ in J._ ZH (act. 31/4). Be-
reits im mm.2005 war der Ehemann der Erblasserin, O._, in diesem Heim
verstorben. Da die Erblasserin verwitwet war und keine eigene Kinder hatte, fiele
die Erbschaft grundsätzlich gemäss gesetzlicher Erbfolge an den Stamm ihrer El-
tern. I._ verfasste indes am 27. Oktober 2008 ein eigenhändiges Testament
(act. 3/2 = act. 31/2), mit welchem sie die gesetzliche Erbfolge abänderte. Am
24. Februar 2011 reichte das Notariat P._ das Testament vom 27. Oktober
2008 dem Einzelgericht des Bezirksgerichtes Hinwil zur Eröffnung ein (act. 31/9).
Am 17. Juni 2011 eröffnete der Erbschaftsrichter am Bezirksgericht Hinwil das
Testament (act. 31/9, act. 31/10).
Die Erblasserin setzte auf ihr Vermögen einen ihrer gesetzlichen Erben ein, ihren
Neffen E._, den Beklagten 1 (act. 3/2). E._ ist der Sohn des vorverstor-
benen Bruders der Erblasserin, E._ sel. Die Erblasserin belastete den Neffen
aber mit sechs teilweise umfangreichen Vermächtnissen. So soll unter anderem
der Beklagte 6, H._, der Sohn einer langjährigen Nachbarin der Erblasserin
(G._ und Beklagte 5), den Hauptanteil des Nachlasses erhalten (Grundei-
gentum und Inventar mit einem Wert im siebenstelligen Bereich, vgl. act. 3/2 Ziffer
6 des Testamentes; act. 3/4). Die Stiftung F._ (Beklagte 4) und G._
(Beklagte 5) wurden von der Erblasserin ebenfalls testamentarisch als Vermächt-
nisnehmerinnen eingesetzt.
Die im Rubrum des Urteils des Bezirksgerichts noch verzeichneten Beklagten 2
und 3 (Q._ und der Spitex-Verein K._) haben die Ungültigkeitsklage an-
erkannt. Entsprechend wurde das Verfahren gegen sie abgeschrieben (act. 126
S. 65, act. 12, act. 13). Der von der Erblasserin testamentarisch bedachte "Verein
R._" existierte bei Testamentseröffnung nicht mehr.
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Im Volltext lautet das Testament wie folgt:
"testament
Ich die unterzeichnende I._
geboren tt.10.1924 in Osterreich M'._
wohnhaft ... [Adresse].
An Vermächtnissen setze ich aus:
1. Q._, ... [Adresse] 20'000 Fr.
2. R._ Verein für Soforthilfe ... [Ortschaft] 20'000 Fr.
3. Spitex K._ 10'000 Fr.
4. F._ ... [Ortschaft] 20'000 Fr.
5. Mein restliches Darlehen an G._ ... [Adresse] wird erlassen.
6. Meinen Besitz P... [Adresse]
Haus und Scheune samt Infentar sowie
allen Grundstücken vererbe ich H._ ... [Adresse]
7. Mein Neffe E._ ... [Adresse] Osterreich erbt mein restliches Vermöge
(Vermög) auch mein Guthaben vom Grundstück -
Verkauf S._ K._.
I._
K._ 27.10.2008"
2.1. Die (ursprünglichen) Kläger und Berufungskläger, A._ und B._, (nachfolgend Kläger) sind zusammen mit T._, die nicht im Prozess auftritt,
Geschwister und die Kinder der vorverstorbenen Schwester der Erblasserin,
U._ geb. .... Sie bzw. die Rechtsnachfolger des am tt.mm.2020 verstorbenen
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B._, würden als Neffen bzw. als Grossneffe und Grossnichte (vgl. act. 240/2,
act. 245- 248; E. 3.2. nachstehend) auch zum Kreis der nächsten lebenden Ver-
wandten gehören und ohne Testament gesetzliche Erben sein. Es ist unbestritten,
dass den (ursprünglichen) Klägern ohne Testament je ein 1/9 der Erbschaft zu-
stehen würde.
2.2. Die Kläger, welche die Errichtung des Testamentes vor dem Hintergrund der
Erbschleicherei sehen, bestreiten im Hauptstandpunkt die Urteilsfähigkeit, das
heisst die Testierfähigkeit (Art. 467 ZGB) ihrer Tante bzw. Grosstante im Zeit-
punkt der Errichtung des Testaments im Herbst 2008. Sie beantragen, das Tes-
tament ihrer Tante vom 27. Oktober 2008 für ungültig zu erklären und es sei ihre
Berechtigung von je 1/9 am Nachlass der Erblasserin festzustellen. Eventualiter
verlangen die Kläger die Feststellung der Erbunwürdigkeit der Beklagten 5 und 6
(act. 2 S. 2).
2.3. Die Klage wurde mit Eingabe vom 25. Januar 2013 beim Bezirksgericht an-
hängig gemacht (act. 1). Am 27. Mai 2016 fällte das Bezirksgericht sein Urteil und wies die Klage ab (act. 121). Die Kläger erhoben gegen das Urteil vom 27. Mai 2016 Berufung beim Obergericht (act. 125 - 126). Mit Beschluss vom 8. Juni 2018
hiess die Kammer die Berufung gut, hob das Urteil vom 27. Mai 2016 auf und
wies die Sache zur weiteren Behandlung im Sinne der Erwägungen, insbesonde-
re zur Durchführung eines Beweisverfahrens an die Vorinstanz zurück (act. 126 =
act. 221/176, nachfolgend nur noch als act. 221/176 zitiert). Es kann, um Wieder-
holungen zu vermeiden, auf die Ausführungen zur Prozessgeschichte im (Rück-
weisungs-)Beschluss (Prozess Nr. LB160042) verwiesen werden (act. 221/176
S. 7 ff. E. I./3.1.-3.2.2.).
2.4. Mit der Aufhebung des bezirksgerichtlichen Urteils wurde das  Verfahren in den Stand versetzt, in dem es sich vor der Entscheidfällung am
27. Mai 2016 befunden hatte. Das Bezirksgericht führte ein Beweisverfahren
durch, in dem es u.a. zu umfangreichen Zeugeneinvernahmen kam (Prot. VI S. 3-
116). Am 19. Dezember 2019 fällte das Bezirksgericht sein Urteil (act. 211 [=
act. 217 = act. 216]; nachfolgend nur noch als act. 217 zitiert), dessen Dispositiv
diesen Erwägungen vorangestellt ist.
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Für Einzelheiten zum vorinstanzlichen Verfahren kann auf die Ausführungen zur
Prozessgeschichte in diesem Urteil verwiesen werden (vgl. a.a.O., insbes. S. 4–
7).
3.1. Die Kläger erhoben mit Schriftsatz vom 12. Februar 2020 rechtzeitig gegen
das Urteil vom 19. Dezember 2019 Berufung und beantragen im Hauptstandpunkt
Aufhebung des Urteils des Bezirksgerichtes und Gutheissung der (Ungültigkeits-)
Klage (act. 215 S. 2 unten, act. 212). Daraufhin wurden die vorinstanzlichen Akten
inklusive der Akten des ersten Berufungsverfahrens, welches zur bereits erwähn-
ten Rückweisung führte (Prozess Nr. LB160042), von Amtes wegen beigezogen.
Es wurde unter Hinweis darauf, dass zur Sicherung der mutmasslichen Gerichts-
kosten für beide kantonalen Instanzen bereits ein Betrag von Fr. 34'250.-- geleis-
tet wurde, von der neuerlichen Auferlegung eines Kostenvorschusses gemäss
Art. 98 ZPO abgesehen (act. 219 S. 3). Die Berufungsantwort der Beklagten 1
und 4 ist datiert vom 9. April 2020 (act. 228), und die Berufungsantwort der Be-
klagten 5 und 6 vom 11. Mai 2020 (act. 232). Damit war der gesetzlich vorgesehe-
ne Schriftenwechsel abgeschlossen.
In prozessualer Hinsicht beantragten sowohl die Beklagten 1 und 4 wie auch die
Beklagten 5 und 6 die Verpflichtung der Kläger zur Sicherstellung der mutmass-
lich geschuldeten Parteientschädigung mit einem Betrag von einstweilen je
Fr. 14'000.--, insgesamt Fr. 28'000.-- (act. 222 S. 3, act. 232 S. 3). Die Kläger
nahmen mit Eingaben vom 11. Mai 2020 (act. 233) und 28. Mai 2020 (act. 236)
Stellung zu den Anträgen auf Sicherheitsleistung einer allfällig der Gegenseite zu-
stehenden Parteientschädigung. Es wurde zur Wahrung des rechtlichen Gehörs
die Stellungnahme der Kläger vom 11. Mai 2020 (act. 233) den Beklagten 1 und 4
(act. 237/1, act. 238/1) und die Stellungnahme der Kläger vom 28. Mai 2020
(act. 236) den Beklagten 5 und 6 zur freigestellten Stellungnahme zugestellt
(act. 237/2, act. 238/2). Es gingen keine Stellungnahmen der Beklagten ein. Die
Anträge der Beklagten auf Sicherheitsleistung wurden bis anhin nicht behandelt.
Sie werden mit dem vorliegenden Entscheid gegenstandslos und sind abzu-
schreiben.
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3.2. Der Vertreter der Kläger musste das Gericht mit Eingabe vom 11. August
2020 über den Tod von Herrn B._, dem Kläger 2, informieren (act. 240/1,
act. 240/2).
Mit Eingaben vom 27. Januar 2021 bzw. mit 29. Januar 2021 teilte der Rechtsver-
treter der Kläger mit, dass die beiden einzigen gesetzlichen Erben, welche
B._ hinterlassen habe, sich entschieden hätten, das Erbe anzunehmen
(act. 244, act. 245). Mit der Eingabe vom 29. Januar 2021 (act. 245) reichte der
Rechtsvertreter der Kläger einen Erbschein ein. Aus der vom zuständigen Einzel-
gericht in Uster original unterzeichneten Erbbescheinigung vom 25. Januar 2021
geht hervor (act. 246), dass die beiden Kinder von B._, C._ und
D._, die einzigen gesetzlichen Erben sind. Gleichzeitig bestätigt das Einzel-
gericht mit der Erbbescheinigung, dass keine Verfügung von Todes wegen zur
amtlichen Eröffnung eingeliefert worden sei. Mit Verfügung vom 8. März 2021
wurde der Eintritt der beiden Erben in den Prozess als Kläger 2a und b vorge-
merkt (act. 248). Die Erben sind bis Februar 2022 durch den bereits ihren Vater
vertretenden Rechtsanwalt X._ vertreten gewesen (act. 247/1, act. 247/2).
Mit Eingabe vom 17. Februar 2022 teilte Rechtsanwalt X._ mit, dass er
D._ und C._ ab sofort nicht mehr vertrete, weshalb das Rubrum ent-
sprechend angepasst wurde (act. 258).
Mit Eingaben vom 23. November 2021 (act. 253) und vom 10. März 2022
(act. 259) liessen der klägerische Rechtsvertreter und die Rechtsvertreterin der
Beklagten 1 und 4, beide unaufgefordert, ihre Honorarrechnungen zukommen.
4. Die Sache ist spruchreif. Den Klägern ist zusammen mit diesem Entscheid
noch je ein Doppel der Berufungsantworten (act. 228 und act. 232) zuzustellen.
5. Die Berufungsfrist von 30 Tagen (Art. 311 ZPO) ist eingehalten (vgl.
act. 212 und act. 215). Die Berufung wurde schriftlich, mit Anträgen versehen und
begründet i.S.v. Art. 311 Abs. 1 ZPO bei der Kammer als zuständiger Berufungs-
instanz erhoben. Es ist daher auf die Berufung einzutreten.
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Mit Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine unrichtige Feststel-
lung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufungs-
instanz verfügt über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen,
einschliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung. Abgesehen von offen-
sichtlichen Mängeln hat sich das Berufungsgericht allerdings grundsätzlich auf die
Beurteilung der in der Berufung und Berufungsantwort gegen das erstinstanzliche
Urteil erhobenen Beanstandungen zu beschränken. Die Rügen der Parteien ge-
ben das Prüfungsprogramm der Berufungsinstanz vor; der angefochtene Ent-
scheid ist grundsätzlich nur auf die gerügten Punkte hin zu überprüfen. Der Beru-
fungskläger hat mittels klarer Verweisungen auf die Ausführungen vor der Vorin-
stanz zu zeigen, wo er die massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Bestrei-
tungen und Einreden erhoben hat. Die Parteien haben die von ihnen kritisierten
Erwägungen des angefochtenen Entscheids wie auch die Aktenstücke, auf die sie
ihre Kritik stützen, genau zu bezeichnen (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer
4A_580/2015 vom 11.04.2016, E. 2.2). In rechtlicher Hinsicht ist das Berufungs-
gericht bei dieser Prüfung jedoch weder an die Erwägungen der ersten Instanz
noch an die mit den Rügen vorgetragenen Argumente der Parteien gebunden,
sondern sie wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 57 ZPO). Das Beru-
fungsgericht kann die Rügen der Parteien auch mit abweichenden Erwägungen
gutheissen oder abweisen (BGer 2C_124/2013 vom 25.11.2013, E. 2.2.2).
Der Einwand der Beklagten 1 und 4, die Kläger hätten an verschiedenen Stellen
in ihren Rechtsschriften das Prinzip der Beweisverbindung verletzt, wurde im
Rückweisungsentscheid aufgenommen und dort bereits behandelt (act. 221/176).
Entsprechend fasste das Bezirksgericht den Beweisbeschluss. Diesbezügliche
Ergänzungen sind keine zu machen.
Nicht bestritten wurde die Sachlegitimation der Beklagten 4, 5 und 6, weshalb sich
diesbezügliche Weiterungen erübrigen.
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II. (Zur Berufung im Einzelnen)
1.1. Betreffend den Rückweisungsauftrag ist vorab auf die Erwägungen im Be-
schluss der Kammer vom 8. Juni 2018 zu verweisen (act. 221/176). Dies gilt na-
mentlich für die Erwägungen zur Beweisführung im Zusammenhang mit dem Be-
weis der Urteilsfähigkeit bzw. Urteilsunfähigkeit (act. 221/176 S. 10-18, E. 1.1.-
4.1.2., S. 18- 54, E. 4.2.1.-6.3.).
Der Rückweisungsauftrag der Kammer im Beschluss vom 8. Juni 2018 beinhalte-
te die Durchführung eines umfassenden Beweisverfahrens (act. 221/176, S. 18-
54). Es war den Klägern Gelegenheit zu geben, die dargelegten Umstände zu
beweisen, die ihrer Ansicht nach für die Annahme einer Urteilsunfähigkeit der Erb-
lasserin im fraglichen Zeitraum sprechen. Den Beklagten stand der Gegenbeweis
zu. Gerade weil im Verlauf einer Demenzerkrankung, unter welcher die Erblasse-
rin unbestrittenermassen gelitten hatte, die kognitive Beeinträchtigung zunimmt,
galt es für die Kläger, ihre Darstellung, wonach sich der geistige Gesundheitszu-
stand der Erblasserin bereits nach dem Tod ihres Ehemannes im mm.2005 immer
mehr verschlechtert hatte, zu beweisen. Parallel zur Verschlechterung des Ge-
sundheitszustandes war die Beweiskraft der (von beiden Seiten) angebotenen
Beweismittel zur Behauptung zu prüfen, die Erblasserin sei in zunehmendem Ein-
flussbereich der Beklagten 5 gestanden und habe zunehmend keine freie Willens-
äusserung mehr besessen.
1.2. Das Bezirksgericht verneinte wie schon im ersten Verfahren auch im zweiten
Durchgang die Urteilsunfähigkeit bzw. Testierunfähigkeit der Erblasserin. Ebenso
wenig stützte das Bezirksgericht den Standpunkt der Kläger, wonach die Testie-
rung aus mangelhaftem Willen erfolgt sei. Die Vorinstanz hat bei ihren Tatsachen-
feststellungen vor allem auf die Befragung der Parteien und auf die Aussagen ei-
ner Reihe von Zeugen abgestellt (Prot. VI S. 33-110). Das Bezirksgericht ist in
Würdigung dieser und weiterer Beweismittel (act. 39/1-11, act. 130/1-20) zum
Schluss gekommen, dass die Urteilsfähigkeit der Erblasserin im Zeitpunkt der Er-
richtung ihres Testaments durchaus noch intakt gewesen sei, etwas anderes sei
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auch nicht mit dem Beweismass der "überwiegenden Wahrscheinlichkeit" bewie-
sen (act. 217 S. 13, E. 3., S. 14 E. 3.1., S. 28 E. 3.6.).
Gemäss dem wichtigsten Zeugen, so das Bezirksgericht, dem Hausarzt der Erb-
lasserin, Dr. med. V._, sei eine dementielle Entwicklung bei der Erblasserin
erst ungefähr im Jahr 2006 manifest geworden (act. 217 S. 14, S. 15). Aus den
Aussagen der anderen Zeugen - W._, AA._, AB._, T._,
AC._, AD._, AE._ - würde sich nichts ergeben, was die klaren Aus-
sagen von Dr. med. V._ in Zweifel ziehen könnten (act. 217 S. 14 f.). Die
Kläger könnten zudem nichts zu ihren Gunsten aus der Ablösung des Treuhän-
ders AF._ durch den Treuhänder AG._ kurz nach dem Tode des Ehe-
mannes der Erblasserin am tt.mm.2005 ableiten (act. 217 S. 17 f.). Es sei entge-
gen der Darstellung der Kläger gestützt auf die Befragung von G._ (Beklagte
5) und der Zeugenaussagen der beiden Treuhänder AF._ und AG._
nicht so gewesen, dass G._ den Treuhänder AG._ beigezogen hätte,
um mit seiner Hilfe ihre eigenen Interessen durchzusetzen (act. 217 S. 18).
AF._ habe nie den Auftrag gehabt, O._ und I._ ehegüterrechtlich
oder erbrechtlich zu beraten (act. 217 S. 17). Die Darstellung von G._, wie es
zur Mandatierung von AG._ gekommen sei, sei absolut glaubhaft und
schlüssig (act. 217 S. 18). Die Erblasserin sei nämlich nach dem Tod ihres Ehe-
mannes konfrontiert gewesen mit finanziellen Ansprüchen aus dessen Verwandt-
schaft; die Nichten und Neffen seien im unklar geschriebenen Testament von
O._ nicht erwähnt worden, und es sei Einsprache erhoben worden (act. 217
S. 17 unten). Die Erblasserin habe sich an sie, G._, gewandt und gefragt,
was sie jetzt machen solle. Sie, G._, habe offeriert, jemanden zu suchen, der
sich in Erbschaftsangelegenheiten auskenne. Das Bezirksgericht Hinwil habe ihr
auf Anfrage zwei in Frage kommende Treuhandfirmen genannt (act. 217 S. 18
oben). Die Erblasserin habe sich dann für die AG._ Treuhand AG entschie-
den. Dass die AG._ Treuhand AG bei dieser Gelegenheit auch die Erledi-
gung der Steuererklärung übernommen habe, habe nichts mit "Austricksen" von
AF._ zu tun (act. 217 S. 18). Treuhänder AG._ habe überdies ausge-
sagt, die Erblasserin sei klar urteils- und handlungsfähig gewesen, als es um die
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(lebzeitige) Übertragung der Liegenschaft ... [Adresse] auf die Beklagte 5 gegan-
gen sei (act. 217 S. 18 unten).
Die beweiswürdigenden Erwägungen des Bezirksgerichtes gehen weiter dahin,
dass die Erblasserin in vielen Angelegenheiten des Alltags, wie auch in psychi-
scher und sozialer Hinsicht auf fremde Unterstützung angewiesen gewesen sei.
G._ (Beklagte 5) sei als langjährige Freundin und Nachbarin dazu prädesti-
niert gewesen, ihr diese Unterstützung zuteil werden zu lassen, und sie sei dazu
auch fähig und willens gewesen (act. 217 S. 24). Wer die Hilfe anderer in An-
spruch nehmen müsse, gerate zwar zwangsläufig in eine gewisse Abhängigkeit.
Eine rechtliche Relevanz mass das Bezirksgericht der festgestellten Abhängigkeit
aber nicht zu.
Zusammenfassend hielt das Bezirksgericht fest, dass die Erblasserin ihre eigen-
händige letztwillige Verfügung vom 27. Oktober 2008 in testierfähigem Zustand
verfasst und dass der Inhalt dieses Testaments ihrem Willen entsprochen habe.
Eine geistige Behinderung, eine psychische Störung oder ein ähnlicher Zustand,
welcher die Fähigkeit der Erblasserin zu vernunftgemässem Handeln erheblich
reduziert hätte, sah das Bezirksgericht weder für den Zeitraum Herbst 2008, noch
für das Testierdatum 27. Oktober 2008 als bewiesen (act. 217 S. 28). Das Be-
zirksgericht ging weiter davon aus, dass das Abfassen des Testaments der Erb-
lasserin nicht leicht gefallen zu sein scheine. Das Testament (act. 3/2) unterschei-
de sich inhaltlich auch erheblich von einem in den Akten liegenden Entwurf
(act. 39/8). Die Erblasserin habe verschiedene Optionen gehabt und man könne
sich gut vorstellen, dass es ihr Mühe gemacht habe, sich zu entscheiden und vor
allem auch, ihren Entscheid der Pflegetochter Q._ zu erläutern (act. 217
S. 28 unten). Die Ungültigerklärung des Testaments würde aber eine klare und
grobe Missachtung des Willens und der Persönlichkeitsrechte der Erblasserin be-
deuten und zu einem offensichtlich stossenden Resultat führen: Es könne nämlich
ausgeschlossen werden, dass sie erhebliche Teile ihres Nachlasses ihren Nichten
und Neffen aus AH._ bzw. AI._ habe zukommen lassen wollen. Was die
Pflegetochter und Zeugin, Q._, sage, sei sicher richtig: A._ und B._
seien nie als Erben vorgesehen gewesen, jedenfalls nicht in nennenswertem
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Ausmass. Es könne im Übrigen festgestellt werden, dass schon im erwähnten
Testamentsentwurf, der zusammen mit AG._ aufgesetzt worden sei,
G._ begünstigt werde. Das Testament vom 27. Oktober 2008 (act. 3/2) un-
terscheide sich von diesem Entwurf vor allem durch eine erhebliche Besserstel-
lung des gesetzlichen Erben E._ als Erbe, den Ausschluss der übrigen ge-
setzlichen Erben und eine markante Schlechterstellung von Q._. Dass ein
Druck seitens von G._ zu dieser Schlechterstellung von Q._ geführt ha-
be, könne aber ausgeschlossen werden (act. 217 S. 29).
Abschliessend hielt das Bezirksgericht fest, aufgrund der Abweisung der Ungül-
tigkeitsklage verbleibe E._ als einziger Erbe. Er sei mit der Ausrichtung der
Vermächtnisse belastet. Die Kläger hätten kein schützenswertes Interesse an ei-
ner Beurteilung der Vermächtniswürdigkeit der Beklagten 5 und 6, weshalb auf
den Eventualantrag nicht einzutreten sei (act. 217 S. 29).
1.3. Gegen den neubeurteilenden Entscheid der Vorinstanz halten die Kläger im
Hauptstandpunkt an ihrem Antrag auf Ungültigerklärung des Testamentes fest
und beantragen eventualiter die Feststellung der Erbunwürdigkeit der Beklagten 5
und 6 (act. 215 S. 2 f.).
Die Kläger bestreiten, dass die Erblasserin im Zeitraum der Errichtung des Tes-
tamentes, demnach im Herbst 2008, noch testierfähig gewesen war. Sie bringen
vor, der Sachverhalt sei vor allem deshalb nicht richtig erstellt worden, weil er un-
vollständig erfasst worden sei, zahlreiche Tatsachen lasse die Vorinstanz uner-
wähnt (act. 215 S. 8, S. 19). Die Beweiswürdigung des Bezirksgerichtes lasse
auch die Einbettung in den Gesamtkontext des Falles vermissen. Die Vorinstanz
nehme keine wirkliche Beweiswürdigung vor und verknüpfe nach wie vor nicht alle
vorliegenden Daten. Der gesamte Akteninhalt sei aber Grundlage der Beweiswür-
digung und das Gericht habe nachprüfbar zu begründen, wie es zu seiner Über-
zeugung gelangt sei (act. 215 S. 8). Auf die einzelnen Vorbringen der Kläger wie
auch auf ihren prozessualen Einwand der Verletzung des Rechts auf Beweis
(act. 215 S. 19) ist an gegebener Stelle, soweit für die Rechtsfindung erforderlich,
einzugehen.
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Die Beklagten schliessen sich der Einschätzung des Bezirksgerichts an, wonach
die Erblasserin angesichts des im Beweisverfahren beschriebenen Gesundheits-
zustandes im massgebenden Zeitpunkt hinsichtlich der Errichtung des Testamen-
tes noch verfügungsfähig gewesen sei (act. 228 Rz 7 ff., act. 232 S. 3 ff.). Sie
stellen in Abrede, dass das Bezirksgericht den Sachverhalt unvollständig festge-
stellt und die Beweise willkürlich gewürdigt habe.
1.4. Die Bewertung von Beweismitteln, die dem Gericht zum Beweis der Testier-
unfähigkeit vorgelegt werden, betrifft die Beweiswürdigung bzw. Sachverhaltsfest-
stellung. Der vorliegende Prozess entscheidet sich in erster Linie auf dieser Ebe-
ne. Zur Beweiswürdigung gehört auch die von den Klägern zu pauschal bean-
standete und deshalb nicht weiter zu erörternde, vorgenommene antizipierte Be-
weiswürdigung der Vorinstanz (BGer 5A_708/2014 vom 23. März 2015 E. 2 mit
Hinweis auf BGE 138 III 374 E. 4.3.2; act. 215 S. 54-57, act. 228 Rz 34, 99).
Das Gericht muss sodann alles berücksichtigen, was im Zusammenhang mit dem
Beweisverfahren zutage gefördert wurde (die hier nicht relevante Problematik des
sogenannten überschiessenden Beweisergebnisses vorbehalten). Was von keiner
Partei behauptet bzw. bei bestrittenen Tatsachen nicht bewiesen wurde und wo-
von auch nicht nach allgemeiner Lebenserfahrung auszugehen ist, darf aber nicht
berücksichtigt werden. (Nur) in diesem Sinne ist den Klägern zuzustimmen, dass
der gesamte Akteninhalt berücksichtigt und bewertet werden muss (act. 215 S. 8,
S. 19). Es ist bei einem Sachverhalt wie dem vorliegenden, wo es darum geht,
post mortem den geistigen Gesundheitszustand einer Person für einen längst
vergangenen Zeitraum zu erfassen, der Sachverhalt aus dem Zusammenspiel der
einzelnen Dokumente, der Zeugenaussagen und der Parteibefragungen umfas-
send zu würdigen. Die Kritik der Kläger in der Berufung an der vorinstanzlichen
Beweiswürdigung trifft zu, dass nicht einzelne Dokumente oder einzelne Ausfüh-
rungen von Zeugen zu würdigen sind, sondern die einzelnen Beweise in eine Be-
ziehung zueinander zu setzen sind und eine Gesamtbetrachtung der erhobenen
Beweise vorzunehmen ist.
Bei einer Beweisführung durch Indizien darf nicht jede Einzeltatsache für sich ge-
wertet werden, sondern es ist eine Gesamtwürdigung vorzunehmen. Zwar muss
- 17 -
jedes Indiz, welches dem Gericht zum Beweis der Testierunfähigkeit vorgelegt
wird, für sich gewertet werden und die Indizienkette muss zur Urteilsunfähigkeit
führen. Im Ergebnis sind aber die Einzeltatsachen zusammen zu führen, und es
ist eine Gesamtschau zu machen. Die Frage der Testierfähigkeit lässt sich nur
durch das Zusammenspiel der verschiedenen Einzeltatsachen beantworten. In
diesem Sinne können die Beklagten nichts für sich ableiten, wenn sie darauf hin-
weisen, dass durch keinen angerufenen Zeugen die Testierunfähigkeit bewiesen
werden konnte bzw. kein angerufener Zeuge die Urteilsfähigkeit der Erblasserin
im 2008 in Abrede stellen konnte (act. 228 Rz 56, act. 232 S. 3, S. 14). Das Gan-
ze ist anders als die Summe der Einzeltatsachen.
2. Es kommt die gesetzliche Vermutung der Urteilsfähigkeit gemäss Art. 16
ZGB zur Anwendung (vgl. act. 221/176 S. 15 unten f., act. 215 S. 12 unten f.,
act. 232 S. 5, act. 228 Rz 44). Der post mortem zu führende Beweis, dass die
Erblasserin im Zeitpunkt der Testierung urteilsunfähig war, ist schwierig zu führen.
Dieser Schwierigkeit begegnet die Praxis sowohl mit einer Herabsetzung des Be-
weismasses als auch mit einer tatsächlichen Vermutung: Führt die Lebenserfah-
rung - etwa bei altersschwachen Personen - zur Vermutung, dass die handelnde
Person ihrer allgemeinen Verfassung nach im Normalfall und mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit als urteilsunfähig gelten muss, ist die Vermutung der Urteilsfä-
higkeit im Zeitpunkt der Errichtung der Verfügung von Todes wegen umgestos-
sen. Für das Gelingen des Gegenbeweises zur Umstossung der natürlichen Ver-
mutung der Urteilsfähigkeit post mortem ist demnach bloss erforderlich, dass der
Hauptbeweis erschüttert wird bzw. dass Zweifel an der Richtigkeit der Vermutung
begründet werden, nicht aber, dass das Gericht von der Schlüssigkeit der Gegen-
darstellung überzeugt wird (Benedikt Seiler, Zürich 2017, die erbrechtliche Ungül-
tigkeit, Rz 495). Die Möglichkeit, dass es sich auch anders verhalten könnte,
schliesst die überwiegende Wahrscheinlichkeit nicht aus, sie darf aber für die be-
treffende Tatsache weder eine massgebende Rolle spielen noch vernünftigerwei-
se in Betracht fallen (BGE 130 III 321 ff., E. 3.2. - 3.3. [hier betreffend Beweiser-
leichterung in einem Versicherungsfall]). Der Gegenpartei (den Beklagten) steht in
diesem Fall der Gegenbeweis offen, dass die betreffende Person in einem luziden
Intervall testiert hat (vgl. zum Ganzen BGE 124 III 5 ff., insb. E. 1 b, 4 b; Prax-
- 18 -
Komm Erbrecht, Alexandra Zeiter, Art. 467 N 25, mit weiteren Hinweisen; Seiler,
a.a.O., Rz 493 ff. mit weiteren Hinweisen; act. 228 Rz 40 ff.; E. 14.).
3.1. Die Urteilsfähigkeit muss immer bezogen auf die konkrete Person, ein be-
stimmtes Rechtsgeschäft und den Zeitpunkt seiner Vornahme oder bezogen auf
eine konkrete Fragestellung beurteilt werden ("Relativität der Urteilsfähigkeit").
Aufgrund der Relativität der Urteilsfähigkeit ist es denkbar, dass eine Person trotz
allgemeiner Beeinträchtigung zwar gewisse Alltagsgeschäfte noch zu besorgen
vermag und diesbezüglich urteilsfähig ist, während ihr für anspruchsvollere Ge-
schäfte die Urteilsfähigkeit fehlt. Urteilsfähigkeit setzt nicht nur kognitive Fähigkei-
ten voraus, sondern auch die Fähigkeit, einen eigenen Willen zu bilden und die-
sen Willen umsetzen zu können (BGE 124 III 5, E. 1.a.; Seiler, a.a.,O., Rz 469).
Die Bildung eines freien Willens ist vielschichtig. Gefühle und Stimmungen spielen
bei der Bildung eines Willens eine grosse Rolle (siehe auch E. 13.5.).
3.2. Dass der Tod ihres Ehemannes am tt.mm.2005 für die Erblasserin nach 43-
jähriger Ehe und gemeinsamer Führung des Hofes ein tiefer Einschnitt gewesen
war, wird durch das Beweisergebnis erhärtet. G._ und ihr Sohn, H._, die
Beklagten 5 und 6, wiesen darauf hin, dass der Tod des Ehemannes für die Erb-
lasserin schon schlimm und ihr Zustand nicht gut gewesen sei (Prot. VI S. 41
oben, S. 61 oben). Sie anerkennen die seelische Hilfsbedürftigkeit der Erblasserin
(act. 232 S. 7). Die Pflegetochter Q._, die am Ausgang des Verfahrens kein
Interesse (mehr) hat, schilderte die Beziehung zu ihren Pflegeeltern sachlich und
nuanciert (act. 154 S. 2, 6, S. 11, 14 unten f.). Sie bestätigte die Aussagen der
Beklagten 5 und 6 zur Verfassung der Erblasserin nach dem Tod ihres Eheman-
nes. Die Zeugin Q._, die durchschnittlich einmal im Monat ihre Pflegeeltern
bzw. ihre Pflegemutter besucht hatte (act. 154 S. 2), hielt überzeugend fest, dass
die Erblasserin nach dem Tod von O._ sehr traurig gewesen sei und viel ge-
weint habe; O._ habe der Erblasserin furchtbar gefehlt (act. 154 S. 9 oben).
Ihre Pflegemutter sei ein wenig anders geworden, sie habe früher ja immer "Haa-
re auf den Zähnen" gehabt. Ihrem Empfinden nach habe sich ihre Pflegemutter
ein Stück weit aufgegeben, sie habe weniger Lebenswillen gehabt und sich im All-
tag überfordert gefühlt (act. 154 S. 9). Deshalb habe sie, Q._, auch Freude
- 19 -
gehabt, dass ihre Pflegemutter eine so gute Beziehung zu Frau G._ und ihre
Hilfe gehabt habe (die sie allerdings zu bezahlen hatte, darauf weisen die Kläger
zu Recht hin; act. 154 S. 9, act. 215 S. 42 f.). Dr. med. V._ erklärte aus der
Erinnerung heraus, der Zustand von I._ habe sich nach dem Tod ihres Ehe-
mannes erstaunlich wenig verändert und mutmasst pauschal, die Beziehung der
Eheleute sei nicht mehr intensiv geführt worden (act. 201 S. 4). Demgegenüber
und verlässlicher, weil der Krankengeschichte entnommen, bestätigte Dr. med.
V._ eine ab 2006 manifest gewordene dementielle Entwicklung und dass die
Patientin ab 2006 nicht mehr sicher in der Lage gewesen sei, ihre Medikamente
richtig einzunehmen (act. 201 S. 5).
Der beeinträchtigte Gesundheitszustand von I._ erforderte gemäss Dr. med.
V._ ab 2006 die Anwesenheit einer Drittperson (act. 201 S. 5). Und  AG._ deponierte als Zeuge, Frau I._ habe zum Ausdruck ge-
bracht, dass sie auf die Betreuung von Frau G._ angewiesen gewesen war
(act. 152 S. 6).
3.3. Der überdurchschnittlich zuverlässige Zeuge Dr. med. V._, Hausarzt
der Erblasserin seit 1991 (act. 201 S. 1), bestätigte sodann die Darstellung der
Beklagten nicht, dass die Erblasserin bis ins 2. Semester des Jahres 2009 bzw.
bis Frühling 2009 geistig gesund gewesen sei (act. 38 S. 3, S. 10, act. 80 S. 9,
S. 27). Er konnte aufgrund der Krankengeschichte auch nicht bestätigen, dass
I._ im Dezember 2009 einen ersten Schlaganfall und im April 2010 einen
zweiten Schlaganfall erlitten habe. Auch ist in den Unterlagen von Dr. med.
V._ kein Spitalaufenthalt im 2009 notiert (act. 201 S. 6). Die Beklagten 5 und
6 trugen vor, dass die Erblasserin im Dezember 2009 einen ersten Schlaganfall
erlitten und sie von dann an gesundheitlich recht schnell abgegeben habe (act. 38
S. 4, S. 15). Vielmehr betonte Dr. med. V._ die Demenzerkrankung, an wel-
cher I._ gelitten habe, und die Schritt für Schritt vorangeschritten sei. Die
Kläger rügen zu Recht, dass sich die Vorinstanz zu selektiv mit den Aussagen
des Hausarztes auseinandersetzt (act. 215 S. 12, S. 14), und dass sich sehr wohl
entgegen den Ausführungen des Bezirksgerichts Aussagen zum Grad der De-
- 20 -
menzerkrankung der Erblasserin im relevanten Zeitraum machen lassen (act. 215
S. 21).
Es fanden während des 20-jährigen Arzt-Patienten-Verhältnisses Konsultationen
der Erblasserin bei Dr. med. V._ in Abständen von einem bis drei Monaten
statt (act. 130/7, act. 201 S. 2). Der Zeuge Dr. med. V._ hat demnach viel
hausärztliches Wissen. Er konstatierte, dass die Demenz, unter welcher die Erb-
lasserin gelitten hatte, im Jahr 2006 manifest geworden sei. Dr. med. V._
fügte sogleich an, eine Demenz komme nicht von einem Tag auf den anderen
(act. 201 S. 2).
Mit der Demenz-Krankheit (Dr. med. V._ spricht davon, dass die Erblasserin
unter dementiellen Entwicklung litt, act. 201 S. 2) einher gehen kognitive Ein-
schränkungen, die im Verlauf der Krankheit zunehmen. Objektiv messbare Krite-
rien, den konkreten Schwächezustand zu ermitteln, gibt es nicht. Indes konnte der
Hausarzt Dr. med. V._ für die Zeit ab 2006 die inzwischen sichtbar (manifest)
gewordene dementielle Entwicklung beschreiben. Störungen im Kurzzeitgedächt-
nis der Erblasserin seien aufgetreten, die Patientin habe die Termine nicht mehr
wahrnehmen können und sie habe viele Termine verpasst (act. 201 S. 5). Dr.
med. V._, welcher zur Beantwortung der Fragen die Krankengeschichte kon-
sultierte (act. 201 S. 2), hielt weiter fest, er habe mit der Patientin bereits am
11. Mai 2006 den Umzug in ein Pflegeheim besprochen (act. 201 S. 5), weil er
den Eindruck gehabt habe, die Patientin sei depressiv und isoliert. Am 22. Juni
2006 habe er den Eintrag gemacht: "Traurig, über die Erbschleicherei der Nich-
ten". Die Patientin habe ihm erzählt, die Nichten wollten sie bedrängen (act. 201
S. 5). I._ habe auch diverse körperliche Gebresten gehabt. Im 2005 und
März 2006 habe sie jedes Auge einzeln operieren müssen, im März 2007, viel-
leicht schon vorher, habe sie Spitex gehabt. Im Dezember 2006 sei sie gestürzt
und habe eine Unterschenkelfraktur erlitten. Sie sei hospitalisiert worden und ha-
be anschliessend Übergangspflege im Altersheim benötigt. Immer wieder habe
Frau I._ über Schwindel geklagt. Er erinnere sich, dass sie deswegen auch
nicht mehr habe Töffli fahren können, wann sie damit aufgehört habe, wisse er
nicht. 2008 habe sie wegen eines Karpaltunnelsyndroms operiert werden müssen
- 21 -
(act. 201 S. 5). Im Dezember 2008 habe er, der Zeuge, in der Krankengeschichte
erneut notiert, die Patientin sei depressiv und isoliert, und er habe mit ihr wieder
besprochen, ob sie nicht in das Altersheim wolle. Frau I._ habe dezidiert ab-
gelehnt (act. 201 S. 5 unten). Am 6. Februar 2009 habe er einen Eintrag gemacht,
Frau I._ sei deprimiert und sie habe erzählt, sie sei bestohlen worden. Er ha-
be dazu in Klammern ein Ausrufe- und ein Fragezeichen gesetzt, weil er sich
nicht sicher gewesen sei, ob dies zutreffe (act. 201 S. 5 unten f.). Frau I._ sei
damals schon deutlich dement gewesen und habe Sachen durcheinander ge-
bracht. Es komme ja häufig vor, dass Patienten paranoide Vorstellungen entwi-
ckelten, vor allem wenn sie isoliert seien (act. 201 S. 6 oben, act. 232 S. 12).
Die Mutmassung des Hausarztes, dass I._ nicht wirklich bestohlen worden
sei, sondern diese Befürchtung mit ihrer Verwirrtheit hätte zusammen hängen
können, deckt sich mit geschilderten Vorfällen aus dem nachbarschaftlichen Um-
feld der Erblasserin. Menschen mit Demenz sind zeitlich und örtlich desorientiert
und verstehen oft nicht, was um sie herum gerade geschieht. Das Umfeld, wie der
Nachbar AC._, nahm die Veränderungen ab dem vom Hausarzt genannten
Zeitpunkt (2006) wahr, ohne diese Veränderung zeitlich exakt einordnen zu kön-
nen, worauf die Beklagten richtigerweise hinweisen (act. 228 Rz 122). Er be-
schrieb, wie I._ rund drei bis vier Jahre vor dem Übertritt in das Altersheim
(das heisst drei bis vier Jahre vor Juni 2010) in seinem Schöpflein nach ihrer Kat-
ze gesucht habe, obwohl sie nicht im Schöpflein habe sein können und er, der
Zeuge, dies I._ auch gezeigt habe (act. 187 S. 3 unten f.). AD._ war ab
1970 Nachbarin von I._ gewesen (act. 188 S. 3). Sie konnte beobachten wie
I._ mit der Zeit geistig nicht mehr alles aufnehmen konnte (act. 188 S. 2 un-
ten). Sie beschrieb ohne ihn zeitlich (genauer als in die Jahre ab 2005 bis zum
Eintritt ins Pflegeheim) einordnen zu können (act. 228 Rz 72) einen Vorfall, der ihr
damals die geistige Verwirrtheit von I._ aufgezeigt habe (act. 188 S. 3).
I._ habe nachts die Haustüre nicht abschliessen wollen, weil O._ noch
nicht zu Hause gewesen sei. Damals aber sei O._ bereits verstorben gewe-
sen (act. 188 S. 3). Der Kläger 2, der frühere Mitarbeiter der Vormundschaftsbe-
hörde, AA._, und AJ._ erwähnten in der Befragung als Partei bzw. als
Zeugen, dass I._ mehrmals an die Polizei gelangt und der Meinung gewesen
- 22 -
sei, sie vermisse Gegenstände (act. 215 S. 49; Prot. VI S. 78, act. 145 S. 2,
act. 184 S. 4), wobei der Zeuge AA._ nicht ganz sicher gewesen war, ob es
sich um I._ gehandelt hatte.
Der Einwand der Beklagten, (auch) der Kläger 2 habe die (angeblichen) Vorfälle
nicht zeitlich einordnen können, trifft zu (act. 228 Rz 80 f.). Zudem hat(te) der Klä-
ger 2 ein Interesse am Ausgang des Verfahrens, weshalb seine Ausführungen kri-
tisch zu würdigen und nicht besonders beweiskräftig sind. AJ._ hat eine ver-
wandtschaftliche Nähe zur Seite der Kläger. Die Aussagen des Klägers 2 und der
Zeugen AD._, AC._ und AA._ widersprechen indes jedenfalls den
Ausführungen des Hausarztes nicht und können zusammen mit der Tatsache, dass Dr. med. V._ die Auffassung der Erblasserin, sie sei bestohlen worden,
in Frage stellte (act. 201 S. 5 unten), ein hinreichendes Bild auf ein krankheitsbe-
dingtes Verhalten der Erblasserin ab 2006 geben.
3.4. Bereits aufgrund dieser Schilderung des Gesundheitszustandes durch den
Hausarzt und der dadurch hervorgerufenen Verhaltensweisen der Erblasserin
durfte die Vorinstanz nicht ohne Weiteres auf Urteilsfähigkeit im Zeitpunkt der
Testamentserrichtung schliessen (act. 217 S. 28), zumal die Vorinstanz, worauf
die Kläger zu Recht hinweisen, die nicht unter dem Druck einer Zeugeneinvernah-
me erstellten und zum Beweis offerierten Berichte des Hausarztes wie auch die
Schriftstücke der damaligen Vormundschaftsbehörde unberücksichtigt liess
(act. 215 S. 14, S. 20, act. 130/1-20). Vorgerichtlich geführte Korrespondenz darf
bezüglich Beweiskraft nicht unterschätzt werden, weil sie aus der Sache und der
Zeit heraus geschrieben ist. Jedenfalls ist erstellt, dass die Erblasserin bereits
zwei Jahre vor der Testamentserrichtung an Demenz litt. Drei Monate nach Tes-
tamentserrichtung, am 6. Februar 2009, war die Erblasserin gemäss Dr. med.
V._ deutlich dement (act. 201 S. 6 oben). Sieben Monate später sah sich
Dr. med. V._ veranlasst mit einem Schreiben vom 23. September 2009 bzw.
mit einer Gefährdungsmeldung an die damalige Vormundschaftsbehörde zu ge-
langen. Er regte die Errichtung vormundschaftlicher Massnahmen für seine Pati-
entin an, weil diese nicht mehr in der Lage sei, ihre Angelegenheiten zu besorgen
und die Gefahr bestehe, dass die Patientin jemandem eine Vollmacht erteilen
- 23 -
würde, der eigene Interessen verfolgen würde (act. 130/7; vgl. auch act. 183 S. 3,
S. 16). Die im Anschluss an den Bericht von Dr. med. V._ vom 23. Septem-
ber 2009 stattgefundene Anhörung durch Vertreter der damaligen Vormund-
schaftsbehörde K._ (und heutigen Zeugen W._ [act. 143] und AA._
[act. 145]) ergab, dass I._ auch einfachste Fragen nicht hatte beantworten
können, so konnte sie keine Angaben zu ihren finanziellen Verhältnissen machen
(act. 143 S. 3, act. 145, act. 130/9, act. 215 S. 16, 20, act. 232 S. 7). I._
wusste auf explizite Frage weder von der Vereinbarung betreffend Betreuung und
Vermögensverwaltung (act. 39/2), welche sie pro Quartal Fr. 2'500.-- kostete,
noch vom gewährten Darlehen an G._ (act. 130/9 S. 3 unten). Zum Hinweis
der Vertreter der Vormundschaftsbehörde, der Sohn von G._ wolle das Land
übernehmen, meinte I._, dies sei noch nicht entschieden (act. 130/9 S. 2
oben; vgl. auch act. 130/10 [Beschluss Errichtung Beistandschaft und Begrün-
dung dazu]). Die landwirtschaftliche Liegenschaft (...-Strasse ...) war aber im
Zeitpunkt der Anhörung bereits durch das streitgegenständliche Testament an
H._ vermacht worden (act. 3/2). I._ wurde zwar nicht ausdrücklich da-
nach gefragt, ob ein Testament existiert (act. 228 Rz 73)
Entgegen den Ausführungen des Bezirksgerichts ist bereits an dieser Stelle fest-
zuhalten, dass fragwürdig ist, inwiefern aufgrund der Lebenserfahrung angesichts
des verwirrten und deprimierten Gesundheitszustandes der isoliert lebenden Erb-
lasserin die Fähigkeit zu vernunftgemässem und unbeeinflusstem Handeln, wozu
auch das Testieren gehört, im Herbst 2008 noch gegeben war. Das Gericht weiss
aus anderen Fällen, dass Belastungen wie der Tod des Ehepartners möglicher-
weise Auslöser für Demenz-Krankheit sein bzw. zu einer Verschlechterung der
degenerativen Prozesse im Gehirn führen kann. Es ist jedenfalls als Zwischener-
gebnis mit den Klägern davon auszugehen, dass die unbestrittenermassen zur
Bewältigung des Alltages auf fremde Hilfe angewiesene Erblasserin im Zeitpunkt
der Testamentserrichtung am 27. Oktober 2008 an Demenz litt. Die Erkrankung,
die bereits im Jahr 2006 offensichtlich war, ist demnach schon früher ausgebro-
chen und war bis Oktober 2008 weiter fortgeschritten (act. 215 S. 13). Im Februar
2009 litt die Erblasserin deutlich an Demenz.
- 24 -
3.5. An diesem Eindruck der manifest gewordenen und daher fortgeschrittenen
Demenz im Herbst 2008 vermögen die von den Beklagten genannten Beweismit-
tel nichts zu ändern (act. 228 Rz 52 ff.). Das Schreiben des österreichischen
Rechtsanwaltes von E._ und AK._ vom 29. Juli 2011, Magister
AL._, (act. 79) wurde nicht als Beweis offeriert und ist daher schon aus die-
sem Grund unbeachtlich (act. 228 Rz 52). Das Schreiben brächte darüber hinaus,
wollte man es als Beweismittel zulassen, aber auch keine neuen Erkenntnisse,
weil es lediglich und ganz generell den Prozessstandpunkt der Beklagten wieder-
gibt, nämlich dass die Erblasserin 2008 geistig in sehr gutem Zustand und dem-
nach testierfähig gewesen sei (act. 79).
3.6. Der Beklagte 1 (E._) sagte in der persönlichen Befragung in eigener
Sache aus, und in diesem Sinne hielt er fest, was er dem Inhalt nach bereits in
den Rechtsschriften erklärte, dass anlässlich seines Besuches im Oktober 2008
bei seiner Tante I._ in der Schweiz alles ganz normal gewesen sei, I._
sei geistig voll da gewesen, auch wenn er seine Tante nur schwer verstanden ha-
be, wegen ihres Dialektes, und G._ ihr beim Kochen und auch sonst ab und
zu geholfen habe (Prot. VI S. 102). Es sei ganz wunderbar und nichts auszuset-
zen gewesen (Prot. VI S. 103, S. 105, S. 107). Es ist für eine Partei bei allem Be-
mühen um Objektivität schwierig, gegen ihre eigenen Interessen auszusagen,
weshalb die zu ihren Gunsten lautenden Aussagen kritisch zu würdigen und nicht
besonders beweiskräftig sind. Auch wenn festzuhalten ist, dass ein drei- bzw.
viertägiger Aufenthalt (Prot. VI S. 100 f., act. 181 S. 2) im Haushalt einer Person
grundsätzlich einen Einblick in die Bewältigung des Alltages dieser Person gibt,
so ergeben sich aus den wenig assoziativen Erklärungen des Beklagten 1 keine
Anhaltspunkte für eine Überzeugungskraft seiner Ausführungen zum angeblich
guten Gesundheitszustand seiner Tante im Oktober 2008. Die geschilderten Um-
stände der Verabredung des Besuches und dann des Besuchs selbst - im Monat
der Testamentserrichtung - erscheinen wenig detailliert bzw. passen auch nicht in
das anhand der übrigen Beweismittel gewonnene Bild des fragilen Zustandes der
Erblasserin. Dass etwa die (unbestrittene) Schwerhörigkeit oder die Schwindelan-
fälle oder die notwendige Medikamenteneinnahme einen Eindruck hinterlassen
hätten, kommt in der Befragung des Beklagten 1 nicht zur Sprache. Die aufgrund
- 25 -
der Nähe zum Beklagten 1 mit Zurückhaltung zu würdigenden Aussagen der Ehe-
frau des Beklagten 1, AM._, gehen immerhin dahin, dass es ihr schon aufge-
fallen sei, dass I._ manches zwei- oder drei Mal gesagt habe, dann habe sie
aber wieder ganz normal gesprochen (act. 181 S. 5, act. 228 Rz 52). Eine
Schwerhörigkeit der Erblasserin erwähnte sie aber auch nicht (act. 181 S. 3).
Entgegen den Ausführungen der Beklagten 1 und 4 konnte Treuhänder AG._
betreffend das Verhältnis zu G._ nicht ein freundschaftliches, gutes Verhält-
nis zweier unabhängiger und freier Menschen bestätigen (act. 228 Rz 124). Treu-
händer AG._ erklärte, das Verhältnis von I._ und G._ sei anfänglich
gut gewesen, und sie beide seien einmal zu einer Besichtigung im Garten ge-
kommen und sie hätten sich damals sehr gut miteinander verstanden (act. 152 S.
10, act. 228 Rz 125). Über die Entwicklung einer Freundschaft konnte der Treu-
händer nichts sagen. Er erklärte aber, wie der Hausarzt Dr. med. V._ auch,
dass I._ abhängig von Hilfe war. Auch der mit der Erblasserin und deren Le-
bensumstände seit jeher vertraute Zeuge AN._ betonte, dass I._ froh
war, dass jemand da war mit dem Auto. I._ sei abhängig von Frau G._
gewesen, Frau G._ sei ihre einzige Bezugsperson gewesen (act. 150 S. 5).
I._ habe nicht direkt gesagt, dass sie Frau G._ fürchte, aber man habe
es gespürt, man habe gespürt, dass sie unter Druck gewesen sei (act. 150 S. 5).
Die damalige Vormundschaftsbehörde schaltete sich im Juli 2009 aufgrund einer
Gefährdungsmeldung von AN._ (bei der Sozialbehörde; AB._) ein. Dass
die Intervention gerechtfertigt war, zeigte die rund vier Monate später durch die
Vormundschaftsbehörde errichtete Beistandschaft für I._ (act. 130/2-3,
act. 130/10, act. 130/16; E. 3.4.). Es trifft zwar zu, wie die Beklagten geltend ma-
chen, dass die Vormundschaftsbehörde aufgrund der Äusserungen in der Anhö-
rung der Erblasserin vom November 2009 davon ausging, dass I._ Frau
G._ vertraute und ihre Hilfe sehr schätzte, wobei die Vormundschaftsbehör-
de allerdings bemerkte, dass Frau I._ die ihr gestellten Fragen zwar ver-
stand, sie aber nicht oder nur sehr vage beantwortete (act. 130/10, act. 228
Rz 125). Die Beklagten 1 und 4 wiesen sodann als Beleg für das freundschaftli-
che Verhältnis zwischen I._ und G._ auf den Schlussbericht der Bei-
ständin vom 26. April 2011 (act. 130/15 S. 3) hin, worin diese festhielt: "Auf Frau
- 26 -
G._, die sie wöchentlich und manchmal öfters besuchte, freute sie sich je-
weils sehr" (act. 228 Rz 125). Indessen war die Erblasserin zunehmend und in
hohem Masse gebrechlich und isoliert zu Hause (bis zum Eintritt ins Pflegeheim
im Juni 2010). Fehlende Kontakte können das Wohlbefinden eines Menschen
weit mehr als eine Krankheit beeinträchtigen. Die Bedeutung sozialer Kontakte für
an das Haus gebundene Menschen ist nicht zu unterschätzen. Selbstverständlich
freute sich die Erblasserin über die Aufmerksamkeit, welche die Beklagte 5 ihr
entgegen brachte (die sie ja auch bezahlte; act. 39/2 "Anteilnahme"). Nach dem
Verlust ihres Ehemannes war die Erblasserin auf physischen und psychischen
Beistand angewiesen (act. 152 S. 16 unten, act. 154 S. 9, act. 187 S. 5 oben,
act. 201 S. 2 ff.; E. 8.1.). Deshalb erstaunt es nicht, dass sie sich gegen das An-
sinnen der Vormundschaftsbehörde, einen Berufsbeistand einzusetzen, wehrte
und dem Argument der Vormundschaftsbehörde, sie sei gemäss Hausarzt nicht
mehr in der Lage, Frau G._ zu kontrollieren, entgegen hielt, Frau G._
sei schon ehrlich (act. 130/9 S. 3). Daraus lässt sich aber für den Testierzeitpunkt
kein Indiz für eine Freundschaft ableiten.
4.1. Das Bezirksgericht geht selbst davon aus, dass die Erblasserin nach dem
Tode ihres Ehemannes in eine nach und nach sich verstärkende Abhängigkeit
von G._ gelangt sei, und es nicht auszuschliessen sei, dass die Erblasserin
mit den Jahren unter dieser Abhängigkeit zu leiden begonnen habe (act. 217
S. 21). Nicht als bewiesen sah die Vorinstanz aber, dass G._ diese Abhän-
gigkeit ausgenützt hätte, um in ungebührlicher Weise Druck auszuüben oder
Angst zu machen, mit dem Ziel eine testamentarische Begünstigung zu erwirken.
Ein solches Vorgehen, so das Bezirksgericht, hätte kontraproduktiv sein können.
Dadurch, dass I._ über ein ansehnliches Vermögen verfügt habe, habe sie
durchaus auch eine gewisse Machtposition genossen. Hätte sie tatsächlich unter
dem Verhalten von G._ gelitten, hätte sie von den diversen Zuwendungen zu
Lebzeiten, jedenfalls aber von ihrer testamentarischen Begünstigung absehen
können (act. 217 S. 24). Die Kläger rügen zu Recht, dass diese Sichtweise die
Gesamtsituation, wie sie sich im Herbst 2008 zeigte, insbesondere auch den all-
gemeinen und geistigen Gesundheitszustand der Erblasserin, ausblendet
(act. 215 S. 12 ff., S. 24, S. 45). Angesichts ihres Gesundheitszustandes und ih-
- 27 -
res Geizes habe sie gar nicht die Überlegung anstellen und in die Tat umsetzen
können, dass sie bspw. aufgrund ihres Vermögens eine Dauerhilfe im Haus hätte
anstellen können (act. 215 S. 45).
Es ist zwar richtig, wie das Bezirksgericht sinngemäss ausführt, dass Abhängig-
keit in einem bestimmten Lebensbereich nicht generell zu einer einseitigen Ab-
hängigkeit vom anderen Menschen führt, so dass das eigene Tun in Vernachläs-
sigung der eigenen Interessen am Willen der unterstützenden Person ausgerich-
tet wird, aus Angst, diesen Menschen zu verlieren. Es ist auch richtig, dass Ver-
mögen Absicherung und Freiheit ermöglicht. Dass I._ zur Bewältigung des
Alltages auf G._ angewiesen war, ist aber lediglich ein Aspekt ihres damali-
gen Unterstützungsbedarfs. Zur Beurteilung der Frage, ob die Erblasserin in der
Lage war, autonom zu handeln, sind die psychosozialen Konsequenzen der Le-
bensumstände der Erblasserin und der Demenzerkrankung einzubeziehen.
4.2. Die Arzt-Patienten Gespräche bei Dr. med. V._ fanden ab 2006 gross-
mehrheitlich im Beisein von G._ statt. Auch die Besprechungen beim Treu-
händer AG._ fanden gemäss eigenen Angaben von G._ in ihrer Anwe-
senheit statt (Prot. VI S. 51). Der Treuhänder AG._ sagte als Zeuge aus,
ausser in Testamentssachen sei Frau G._ im Besprechungsraum anwesend
gewesen (act. 152 S. 11). Er habe die Post für Frau I._ G._ zugestellt
(act. 152 S. 2, 8, 11, 15, 16 f.).
Einer Begleitperson, als die Beklagten 1 und 4 G._ nach dem Tod von
O._ lediglich sehen wollen (act. 228 Rz 130), stellt man nicht ohne weitere
Begründung vertrauliche und wichtige Post zu, was die Kläger zu Recht bean-
standen (act. 215 S. 35, S. 44). G._ bestätigte in der persönlichen Befra-
gung, der Treuhänder AG._ habe ihr (im Dezember 2005) den Entwurf zum
Testament (und weitere Unterlagen [act. 39/9]) zugeschickt, damit sie es I._
nochmals erklären könne, sie solle ihm später Rückmeldung zum Testaments-
entwurf geben, so dass die nächste Besprechung nicht mehr so lange dauere
(Prot. VI S. 55 f.); die Quoten seien für I._ einfach sehr kompliziert gewesen,
I._ habe es beispielsweise nicht verstanden, was es bedeute, jemanden mit
zehn Prozent zu bedenken (Prot. VI S. 56). Die Kläger weisen in diesem Zusam-
- 28 -
menhang zu Recht darauf hin, es mache keinen Sinn, dass die Beklagte 5 ge-
mäss Treuhänder AG._ angeblich in Testamentsgeschäften nicht im Bespre-
chungsraum hätte dabei sein sollen, wo sie doch in der Folge den Entwurf zuge-
schickt erhalten und I._ den Text nochmals hätte erklären müssen (act. 152
S. 11, act. 215 S. 37). Es ist davon auszugehen, dass die Beklagte 5 auch in Tes-
tamentsgesprächen im Besprechungsraum des Treuhänders anwesend gewesen
war.
Die Beklagte 5 anerkennt, dass sie jeweils die Post der Erblasserin durchsucht
bzw. durchgesehen, nicht aber geöffnet, hatte (Prot. VI S. 53). Sie hat eigenen
Angaben zufolge die Post, aber nur diejenigen mit Rechnungen drin, deshalb
durchgesehen, weil I._ Rechnungen zwischen Zeitungen vergessen habe
(Prot. VI S. 53). Das Bezirksgericht meinte, damit habe die Beklagte 5 sicher nicht
gegen den Willen der Erblasserin gehandelt und die Postsendungen des Treu-
händers AG._ an die Beklagte 5 sei im Einvernehmen erfolgt (act. 217 S. 23
unten). Die Kläger beanstanden zu Recht die zu kurz greifende Argumentation
des Bezirksgerichtes (act. 215 S. 35, S. 44, act. 217 S. 23 unten f.). Dass die Be-
klagte 5 nicht nur - geöffnete - Post mit Rechnungen behändigte, um Einzahlun-
gen zu tätigen, ergibt sich aus dem Umstand, dass sie den sehr persönlichen
Brief der Pflegetochter Q._ an die Erblasserin (ohne Datum) behändigte und
den Brief in ihrem Besitz behielt (act. 39/6). Die Absenderin des Briefes, Q._,
stellte im Zeugenstand zu Recht die Frage, wie es möglich sein könne, dass die-
ser Brief in fremde Hände gekommen sei und weshalb Frau G._ ihn benüt-
zen könne (act. 154 S. 6). Die Beklagte 5 sagte dazu, die Beiständin, Frau
W._, habe ihr gesagt, dass sie nach dem Tod von I._ nach Unterlagen
suchen solle (und sie diesen Brief von Q._ fand; Prot. VI S. 53). Die Zeugin
W._ (bzw. W._) verneinte aber, Frau G._ nach dem Tod von Frau
I._ mit solchen Aufträgen betraut zu haben (act. 143 S. 7). Sie erklärte über-
zeugend, dass das Mandat der Beiständin nach dem Tod der verbeiständeten
Person erlösche, weshalb sie nichts Derartiges mache (act. 143 S. 7, act. 232
S. 11). Es liegt anhand der eigenen Aussagen der Beklagten 5 der Schluss nahe,
dass die Beklagte 5 unbefugt Zugriff auf das von der Rechtsordnung geschützte
Briefgeheimnis nahm. Darüber hinaus reichte sie den Brief zu den Prozessakten,
- 29 -
was durch einen angeblichen Auftrag durch die Erbschaftsverwaltung nicht ge-
deckt wäre (act. 228 S. 11). Dass die Beklagte 5 Einblick in die Privatsphäre und
Kontrolle über das Geschehen im Haus der Erblasserin haben und behalten woll-
te, wird bestärkt durch den Hinweis der die Erblasserin hin und wieder besuchen-
den Zeugin AO._, einer Nichte von O._. Man habe gehört, so die Zeu-
gin, dass Frau G._ durch den Keller in das Haus gekommen sei, gesprochen
hätten sie nicht gross miteinander, vielleicht habe sie auch nur hinter der Tür ge-
horcht und sei dann wieder gegangen (act. 147 S. 7).
4.3. Zusammenfassend zeigt die Nähe und Vertrauensstellung die wichtige Rolle
von G._ (so auch die Beklagten 1 und 4, act. 228 Rz 125) und ihren offen-
sichtlichen grossen Einfluss. G._ übernahm es, für die Erblasserin zu spre-
chen. Die eigenen Ausführungen der Beklagten 5 zur Behändigung von persönli-
chen Unterlagen von I._ zeigen aber exemplarisch auf, dass im privaten Um-
feld aus einem Vertrauensverhältnis problematische Abhängigkeitsbeziehungen
entstehen können, die Potential haben für eine Ausnützung der Situation von Per-
sonen, die besonders zu schützen sind.
5.1. Die Art und Weise der Auswechslung des jahrelangen Treuhänders
AF._ untermauern diesen Eindruck und deuten darauf hin, dass die Beklagte
5 nach dem Tod von O._ vor allem auch in finanziellen Angelegenheiten von
I._ an ihr vorbei die Regie übernahm, worauf die Kläger zu Recht hinweisen
(act. 215 S. 34).
Es trifft zwar zu, dass AF._ keinen Auftrag hatte, O._ und I._ erb-
rechtlich zu beraten (act. 217 S. 17). Die Beklagte 5 wies aber in der persönlichen
Befragung selbst darauf hin, dass I._ den Namen von AF._ erwähnt ha-
be, als es darum ging eine Fachperson für die anstehende erbrechtliche Ausei-
nandersetzung im Nachlass von O._ zu finden (Prot. VI S. 42). I._ habe
gesagt, Herr AF._ sei derjenige gewesen, der ihnen immer die Steuern ge-
macht habe. Dies hätte mit den Klägern dafür gesprochen, AF._ mit der an-
stehenden Erbschaftssache und den streitgegenständlichen Geschäften zu be-
trauen (act. 215 S. 34). Die Beklagte 5 erklärte nicht, was naheliegend gewesen
wäre, weshalb es nicht mehr im Interesse von I._ gelegen habe, Herrn
- 30 -
AF._ weiter zu beauftragen, dies auch nicht für die Steuersachen von
I._. Sie erklärte im Gegenteil, sie habe (I._ gegenüber) gesagt, dass sie
- die Beklagte 5 - Herrn AF._ nicht kenne und nicht wisse, ob er die richtige
Person sei. Sie würde aber abklären, ob jemand eine Person kenne, die sich mit
solchen Erbschaftssachen auskenne (Prot. VI S. 42). Sie (die Beklagte 5) habe
dann das Gericht (BG Hinwil) angerufen und sich nach einem Anwalt oder so et-
was erkundigt. Die Dame am Telefon habe ihr dann gesagt, sie kenne Personen,
die sich mit Erbschaftssachen befassten. Sie habe ihr dann Adressen und Tele-
fonnummern von zwei Personen aus P._ gegeben. I._ habe sich dann
für die Person beim Bahnhof wegen besserer Erreichbarkeit mit dem Zug ent-
schieden, falls sie, die Beklagte 5, nicht mehr hätte fahren können. So seien sie
zu Herrn AG._ gekommen (Prot. VI S. 42).
Was auffällt und für eine Federführung der Beklagten 5 spricht und von der Vor-
instanz, wie die Kläger zu Recht beanstanden (act. 215 S. 34), nicht in die Würdi-
gung eingeflossen ist (act. 217 S. 17 f.), ist die konkrete Art und Weise der Abset-
zung des Treuhänders AF._ kurz nach dem Tod des Ehemannes von
I._. AF._ erklärte als Zeuge, er sei sehr überrascht worden durch den
Beizug von Treuhänder AG._ (act. 151 S. 2, S. 4). Er, AF._, habe sich
etwa vier bis fünf Wochen nach dem Tod von O._ telefonisch bei Frau
I._ angekündigt (act. 151 S. 4). Es sei darum gegangen, die Akten zu holen,
um die Steuererklärung per Todestag von O._ zu machen (act. 151 S. 2).
Frau I._ habe (am Telefon) keinen Ton gesagt, das heisst, sie habe kein
Wort darüber verloren, dass sie jemand anders beauftragt habe und dass er
(AF._) nichts mehr machen müsse (act. 151 S. 4). Als er dann etwa rund ei-
ne Woche später zu Frau I._ gegangen sei (act. 151 S. 5), um, wie angekün-
digt, die Akten zu holen, sei Frau G._ im Wohnzimmer gesessen und habe
ihm eröffnet, die Steuererklärungen würden inskünftig durch ihr Büro gemacht
(act.151 S. 2, S. 4). Seinem Verständnis nach sei es beim "ihr Büro" um das Büro
von Frau G._ gegangen, er tippe schon eher auf das Büro von Frau G._
(act. 151 S. 2 unten). Es sei eine kurze Sache gewesen, sicher habe man sich
begrüsst, dann aber habe Frau G._ gesagt, er müsse nichts mehr machen
(act. 151 S. 4). Er habe Frau G._ vorher nicht gekannt (act. 151 S. 5). Frau
- 31 -
I._ habe nichts gesagt, und er sei dann gegangen (act. 151 S. 5 oben).
Q._ meinte, der Beizug von Treuhänder AG._ sei durch Frau G._
initiiert worden, weshalb Herr AG._ beigezogen worden sei, wisse sie aber
nicht, vorher sei Herr AF._ der Treuhänder des Ehepaars I._O._
gewesen (act. 154 S. 10 unten f.). Auf Nachfrage präzisierte Q._, dass sie
nicht wisse, ob Frau G._ den Anstoss gegeben habe, Herrn AG._ bei-
zuziehen, aber sie wisse von ihrer Mutter, dass Herr AF._ einmal bei einer
Verhandlung mit seinen Unterlagen gekommen sei und dass man ihn dann heim-
geschickt habe, er sei der Meinung gewesen, er sei zuständig (act. 154 S. 16).
Die Erblasserin realisierte den Treuhänderwechsel. Sie konnte aber ihrer Pflege-
tochter gegenüber die Gründe für diesen Entscheid nicht nennen.
5.2. Am 11. April 2005, demnach einen Monat nach dem Hinschied ihres Ehe-
mannes, bevollmächtigte die Erblasserin die AG._ Treuhand AG mit der Inte-
ressenwahrung in der Teilung des Nachlasses ihres Ehemannes (act. 91/1). Spä-
ter zeichnete Treuhänder AG._ auch für die lebzeitigen Rechtsgeschäfte der
Erblasserin verantwortlich (E. 7., E. 8.1. - 8.6., E. 9).
6.1. Treuhänder AG._ war also zunächst in die Erbteilung des Nachlasses
von O._ involviert. Die Vorgeschichte bzw. der Zwist um die Verteilung der
Erbschaft von O._ ist ein Indiz zur Beurteilung des Einflusses der Beklagten
5 auf die Erblasserin und wurde von der Vorinstanz zu Unrecht nicht erwogen
(act. 215 S. 34f., S. 42).
Mit Schreiben vom 28. September 2005 gelangte Treuhänder AG._ an die
Beklagte 5 (act. 135/7). In diesem Schreiben vom 28. September 2005 erwähnte
Treuhänder AG._ die Dokumente "Schreiben an die Nichten von Frau
I._; Schenkungsversprechen; geänderte Fassung des Vertrages betr. Lie-
genschaftenzuweisung" (act. 135/7). Weiter schreibt Treuhänder AG._,
adressiert an die Beklagte 5: "Gerne gehen wir davon aus, dass diese Unterlagen
Ihren Vorstellungen entsprechen". Und weiter: " Bis heute haben uns 3 Erben be-
reits ihr Einverständnis signalisiert. Hingegen steht das Einverständnis von
AP._ noch aus. Allenfalls wäre zu prüfen, ob wir die vorgesehene Lösung mit
den zustimmenden Erben einzeln treffen und notfalls nur noch gegen die renitente
- 32 -
Erbin die Erbteilungsklage erheben. Wir bitten Sie, mit Frau I._ bei uns diese
Angelegenheit zu besprechen und erwarten gerne Ihr Telefon für die Terminver-
einbarung." (act. 135/7). Die Adresse, der Text und die an G._ gerichtete
Aufforderung spricht für eine Federführung der Beklagten 5 in der Verteilung der
Erbschaft von O._.
AO._, eine Nichte von O._, hielt als Zeugin fest, es sei ja im Testament
ihres Onkels festgehalten gewesen, dass ihre älteste Schwester, AQ._, die-
ses Haus (...-Strasse ...) erhalten solle, dies zu einem bestimmten Preis (act. 147
S. 3). Für alle erbberechtigten Verwandten von O._ sei klar gewesen, dass
ihre Seite berücksichtigt würde beim Tod von O._ (act. 147 S. 2). Es sei klar
gewesen, dass z.B. das Stöckli Nr. ..., in dem Frau G._ wohne (...-Strasse
...), seiner Nichte AQ._ hätte überschrieben werden sollen, auf keinen Fall
hätte es an Frau G._ gehen sollen (act. 148 S. 3 oben i.V.m. act. 147 S. 2;
act. 147 S. 4 oben). Sie wisse einfach, ihr Onkel habe einmal gesagt, er hätte es
lieber, er hätte diese Frau (G._) nie kennengelernt (act. 147 S. 4). Sie hätten
dann mit AG._ über die ganze Geschichte Kontakt gehabt und ja eben, dass
alles habe gewechselt und das alles sei umgekehrt worden. Sie, AO._, den-
ke nicht, dass ihr Onkel das gewollt habe (act. 147 S. 3). Im Vorfeld der Zeugen-
einvernahme erstellte das Ehepaar AO._ und AN._ eine Aufzeichnung
über "das Verhältnis von G._ und I._ aus unserer Sicht", und sie um-
schrieben darin den Ablauf hinsichtlich der Verteilung der Erbschaft von O._
(act. 148). Dieser Aufzeichnung, auf welche AO._ und AN._ als Zeugen
verwiesen (act. 148 S. 1 i.V.m. act. 147 S. 3, act. 150 S. 5), lässt sich entnehmen,
dass ihnen beim ersten Treffen mit der AG._ Treuhand AG erklärt worden
sei, dass beide Testamente wegen Formfehler ungültig seien und dass O._
im 2002 nicht mehr zurechnungsfähig gewesen sei. Sie, die Zeugen, hätten das
nicht bestätigen können, aber es sei ein Arztzeugnis vorgelegen. Es sei dann al-
les ganz schnell gegangen, sie hätten keine Wahl gehabt. Die ganze Erbangele-
genheit habe Herr AG._ bereits organisiert gehabt und sie hätten nur noch
mitmachen oder sich auf einen langen Rechtsstreit einlassen können (act. 148 S.
2 i.V.m. act. 147 S. 3). Alle Erbberechtigten hätten eigentlich gewusst, was
O._ mit dem Vermögen habe tun wollen (act. 150 S. 2 i.V.m. act. 130/2).
- 33 -
I._ habe nichts gesagt, sie habe sich einer Äusserung enthalten (act. 150 S.
2). Sie, das Ehepaar AN._AO._, hätten dann nichts mehr erwartet, die
Sache sei für sie abgeschlossen, den Kontakt zu I._ sei aber aufrecht erhal-
ten geblieben (act. 150 S. 2). AJ._, die Schwester bzw. Tante der Kläger
(act. 183 S. 1), die zugab, dass sie der Beklagten 5 wegen des Vorgefallenen
nicht die Hand zur Begrüssung reichen könnte (act. 183 S. 11), weshalb ihre Aus-
sagen grundsätzlich im Kontext der von ihr empfundenen belastenden Gefühlen
gegenüber der Beklagten 5 zu werten sind, bestätigte aber, nicht ihren und den
Interessen der Kläger nützend, sie (das Ehepaar I._ und O._) hätten
immer gesagt, der Hof gehöre AR._s (act. 183 S. 5, 12). Sie selbst war da-
von ausgegangen, dass sie von ihrer Tante, mit der sie immer Kontakt gehabt ha-
be (act. 183 S. 1 f., 4, 7 ff., 10, 14), Bargeld erhalten würde (act. 183 S. 15 unten,
act. 154 S. 4).
Die Zeugenaussagen von AO._ und AN._, welche im angefochtenen
Entscheid keine Berücksichtigung fanden (act. 215 S. 42), bekräftigen den Ein-
druck, dass die Auswechslung des Treuhänders einen Kurswechsel in der Vertei-
lung der Erbschaft von O._ zur Folge hatte und den Weg für die Begünsti-
gung der Beklagten 5 und 6 ebnete (act. 215 S. 34, S. 48). Die Zeugen AF._
und AN._AO._ haben kein wirtschaftliches Interesse am Ausgang des
Verfahrens. Das Ehepaar AN._AO._ ist durch das Angehörigenverhält-
nis der Erblasserin verbunden (vgl. auch act. 150 S. 1 f.). Der Treuhänderwechsel
brachte es aus ihrer Sicht mit sich, dass nicht Familienangehörige aus der Ver-
wandtschaft O._, wie eigentlich vorgesehen, "das Land zur Bewirtschaftung"
erhalten hatten (vgl. act. 130/2). Die Aussagen des Ehepaars AN._AO._
enthalten aber keine unnötigen Schärfen und keine Feindseligkeiten, die nahele-
gen würden, dass sie prinzipiell gegen eine Prozesspartei eingestellt gewesen
wären. Im Gegenteil, sie bemühten sich um differenzierte Angaben und sagten,
wenn sie zu einer Frage keine Antwort geben konnten.
6.2. Die Beklagte 5 war nicht nur Ansprechperson für Treuhänder AG._ in
der Erbteilung des Nachlasses von O._. Der Treuhänderwechsel ermöglichte
es der Beklagten 5 auch, bei I._ betreffenden (lebzeitigen) Rechtsgeschäften
- 34 -
Verantwortung zum Vorgehen und den gefundenen Lösungen bzw. den Verträgen
zu übernehmen. Treuhänder AG._ liess der Beklagten 5 die für die Erblasse-
rin bestimmte Post zukommen und korrespondierte mit ihr (act. 215 S. 51,
act. 135/6-8; E. 8.1.- 8.6.). Er setzte die Vereinbarung betreffend Betreuung und
Vermögensverwaltung auf (act. 39/2), den Vertrag betreffend die Abtretung der
Liegenschaft ...-Strasse ... (act. 39/7) und den Testamentsentwurf (act. 39/8)
(act. 217 S. 18 unten, act. 215 S. 35). Das Begleitschreiben vom 7. Dezember
2005 zu den soeben genannten Dokumenten war an die Beklagte 5 adressiert, es
wurde nur sie angesprochen ("Sehr geehrte Frau G._"; act. 39/9) und um
Prüfung der Dokumente ersucht.
Die Umstände sprechen dafür, dass es die bei den Besprechungen anwesende
und als Adressatin der Post fungierende Beklagte 5 war, die die Anliegen dem
Treuhänder gegenüber formulierte. So sagte die Beklagte 5 auf richterliche Frage,
weshalb die Redaktionsarbeit (für act. 39/7 [Abtretungsvertrag]) nicht dem Notari-
at überlassen worden sei, Herr AG._ habe sich mit der ganzen Erbschaft be-
fasst, "wir machten alles bei ihm" (Prot. VI S. 52). Es ist mit den Klägern unver-
ständlich und macht keinen Sinn, wenn die Beklagte 5 in der persönlichen Befra-
gung ausführte, sie sei zwar für den Betreuungsvertrag (der Bezug nimmt auf den
Abtretungsvertrag; act. 39/2, Prot. VI S. 58) zusammen mit I._ beim Treu-
händer gewesen, nicht aber für die Besprechung des Abtretungsvertrages
(act. 39/7), I._ habe mit dem Treuhänder alleine besprochen, was sie wolle
und sie habe ihm gesagt, was sie ihr (der Beklagten 5) geben wolle, der Treuhän-
der AG._ habe das dann aufgeschrieben (act. 215 S. 37). Die Beklagte 5 ist
Erwerberin des Grundstückes gemäss Abtretungsvertrag, welcher dem Notar
vollständig abgefasst, in vollständiger Berücksichtigung der Interessen der Be-
klagten 5, zur Beurkundung vorlegt wurde (act. 39/7; E. 8.4.)
6.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Umstände des Treuhänder-
wechsels einen übermässigen Einfluss der Beklagten 5 in vermögensrechtlichen
Angelegenheiten der Erblasserin als überwiegend wahrscheinlich erscheinen las-
sen. Die Aussagen der Zeugen AF._, AO._ und AN._ deuten da-
rauf hin, dass der Wechsel des Treuhänders von der Beklagten 5 orchestriert war.
- 35 -
Es ermöglichte ihr anstelle der Erblasserin die Federführung in der Verteilung des
Nachlasses von O._ und darüber hinaus. Es bestehen keine Anhaltspunkte
dafür, dass die Erblasserin ohne das Zutun der Beklagten 5 ihren langjährigen
Treuhänder AF._ ausgewechselt hätte. Insofern hatte die Beklagte 5 die Erb-
lasserin beherrscht. Es trifft zu, wie die Beklagten 1 und 4 festhalten, dass die
Zeugin AO._ auf Frage, ob I._ ihr gegenüber zum Ausdruck habe brin-
gen können, was sie wolle und was nicht, erklärte, ja, das eigentlich schon
(act. 147 S. 6, act. 228 Rz 120). Die Aussagen der Zeugin AO._ werden al-
lerdings von den Beklagten verkürzt wiedergegeben. Die Ausführungen der Zeu-
gin AO._ sind so zu verstehen, dass I._ ihre Anliegen in begrenztem
Umfang hat kundtun können. I._ war gemäss Ausführungen der Zeugin
AO._ darauf bedacht, dass der Schlüssel für das Holzlager jeweils wieder
ans richtige Ort hinkommt (act. 147 S. 6). Dieser alltägliche Entscheid bzw.
Wunsch, welcher einem Ordnungsprinzip und der Gewohnheit folgt, ist kein Ar-
gument für Entscheidungsfähigkeit, insbesondere auch nicht bezüglich komplexer
Rechtsgeschäfte, wo die Schwelle für Urteilsfähigkeit viel höher liegt. AO._
nennt ein weiteres Beispiel: "Ich habe auch einmal Wäsche zusammen gelegt und
wollte sie in den oberen Stock bringen. Da sagte mir Frau I._: Du kannst die
Wäsche nicht hinauf tun, Frau G._ hat alle Schränke mit anderem Zeug ge-
füllt. Das habe ich akzeptiert und bin nicht hinaufgegangen" (act. 147 S. 6). Ob
die Schränke gefüllt mit Sachen von Frau I._ oder Frau G._ gewesen
seien, wisse sie nicht (act. 147 S. 7). Dieses Beispiel zeigt, dass die Erblasserin
das gemacht hat, was den Vorstellungen und den Vorgaben der Beklagten 5 ent-
sprochen hatte, und es zeugt nicht von freier Willensbildung und Entscheidungs-
fähigkeit.
7. Die Kläger beanstanden weiter, die Vorinstanz habe das Abhängigkeits- und
Druckverhältnis nicht vor dem Hintergrund der (bereits erwähnten) lebzeitigen
Rechtsgeschäfte (E. 6.2.) geprüft und die Frage nicht beantwortet, ob die Rechts-
geschäfte den Verpflichtungen der Beklagten 5 aus der Vereinbarung vom 20. Ap-
ril 2005 (act. 39/2) standgehalten haben (act. 215 S. 25 ff., S. 38). Die Kritik trifft
zu. Die lebzeitigen Rechtsgeschäfte, insbesondere die Vereinbarung vom 20. Ap-
- 36 -
ril 2005 (act. 39/2) und der Abtretungsvertrag vom 16. Juni 2006 (act. 39/7; lebzei-
tige Zuwendung der ...-Str. ...), sind im Prozess ein Angelpunkt.
8.1. Es ist den Klägern zuzustimmen, dass ein wesentlicher Ausgangspunkt für
alle Betrachtungen die Tatsache ist, dass sich die Beklagte 5 mit der "Vereinba-
rung betr. Betreuung und Vermögensverwaltung" vom 20. April 2005 vertraglich
und gegen Vergütung verpflichtet hatte, I._ u.a. auch in vermögensrechtli-
cher Hinsicht zu beraten und ihr Vermögen zu verwalten (act. 215 S. 52,
act. 39/2). In diesem Zusammenhang beanstanden die Kläger, die Vorinstanz ha-
be nicht gewürdigt, dass alle nach dem Tod von O._ und vor der Testa-
mentserrichtung abgeschlossenen oder in Angriff genommenen Rechtsgeschäfte
(grosse) Vermögensverschiebungen zugunsten der Beklagten 5 enthalten hätten,
ohne dass jeweils eine adäquate Gegenleistung erfolgt sei (act. 215 S. 35 unten).
Fürsorge sei bezahlte Vertragserfüllung gewesen und vor allem systematische
Berechnung der Beklagten 5 (act. 215 S. 42, S. 53).
Die Kläger kritisieren zu Recht, dass das Bezirksgericht unerwähnt liess, dass die
Beklagte 5 sich die Tätigkeiten für die Erblasserin wie Einkaufen, Autotransporte,
Bezahlen aller Rechnungen, "Mithilfe im Haushalt wo nötig, Anteilnahme", mit
rund Fr. 830.-- pro Monat (knapp Fr. 10'000.-- pro Jahr) bezahlen liess (act. 39/2,
act. 215 S. 42). Man hätte es wie die Kläger betonen, auch anders handhaben
und die Tätigkeiten als Gefälligkeiten sehen können, dies bspw. auch in Anbe-
tracht dessen, dass die Beklagte 5 seit dem Hinschied ihres Ehemannes ab 1999
zu einem günstigen Mietzins von Fr. 750.-- pro Monat im Einfamilienhaus der Erb-
lasserin an der ...-Strasse ... wohnen kann (act. 39/10, act. 215 S. 43 oben,
act. 232 S. 11, vgl. auch act. 135/10 S. 4). Tätigkeiten im Ein-Personen-Haushalt
waren laut Vereinbarung nur wo nötig zu erbringen und fielen deshalb nicht in
grossem Umfang an. Jedenfalls erhielten die Tätigkeiten durch die nicht mehr
symbolische Entschädigung einen geschäftlichen Charakter und die Argumentati-
on der Beklagten 5 für die lebzeitige (im Ergebnis unentgeltlich erfolgte) Zuwen-
dung der Liegenschaft ...-Strasse ... (act. 39/7) verliert an Überzeugungskraft; die
Beklagten sehen die lebzeitige Zuwendung der Liegenschaft ...-Strasse ... im
Jahr 2006 im Zusammenhang mit dem gutnachbarlichen, ja freundschaftlichen
- 37 -
Verhältnis sowie der Unterstützung, die die Beklagte 5 der Erblasserin gewährte
und noch gewähren würde (act. 80 S. 17, act. 78 S. 8).
8.2. Die Beklagte 5 wich Fragen zum Zustandekommen der Vereinbarung
(act. 39/2) aus (Prot. VI S. 41), konnte nichts Genaueres zum Inhalt der Vereinba-
rung sagen und machte keine Ausführungen zu den von ihr für die Erblasserin er-
ledigten Arbeiten (Prot. VI S. 43, S. 58). Sie wies darauf hin, sie habe keine Ah-
nung, was die Vereinbarung bedeuten soll, sie hätten das einfach so gemacht
(Prot. VI S. 43). Treuhänder AG._ habe die Betreuungspauschale von
Fr. 2'500.-- pro Quartal festgelegt. Da ihr I._ alles habe schenken wollen, sei
das Darlehen für das Haus und die Betreuungspauschale vereinbart worden. Es
sei wegen den Steuern gewesen, so irgendwie sei das gewesen (Prot. VI S. 58
unten f.). Treuhänder AG._ verneinte indessen, dass der Vertrag wegen den
Steuern so abgefasst worden sei und sagte das Gegenteil (dass der Vertrag ganz
sicher nicht aus steuerlichen Gründen so abgefasst worden sei; act. 152 S. 8 un-
ten f.; act. 215 S. 36 oben). Er konnte sich aber im Übrigen nicht mehr daran erin-
nern, weshalb die Verträge so verfasst worden waren (act. 39/2 und act. 39/7;
act. 152 S. 4, S. 8, 12 f., act. 217 S. 18).
8.3. Die Abgeltung von pauschal Fr. 2'500.-- pro Quartal für die beschriebenen
Tätigkeiten (E. 8.1.) wurde wie folgt vereinbart: "Für diese Betreuung wird eine
Entschädigung von pauschal Fr. 2'500.-- pro Quartal vereinbart. Diese Entschädi-
gung wird derart geleistet, dass jeweils das von Fr. I._ G._ im Zusam-
menhang mit der Liegenschaftsabtretung gewährte Darlehen in diesem Umfang
per Quartalsende amortisiert gilt, erstmals per 30. Juni 2006. P._, 20. April
2005" (act. 39/2 unten).
Diese Regelung ist zunächst nicht verständlich, weil sie offenbar zu einem Zeit-
punkt (April 2005) vereinbart worden war, lange bevor der Abtretungsvertrag vom
16. Juni 2006 (act. 39/7, insbesondere S. 2), auf welchen Bezug genommen wird,
aufgesetzt und unterschrieben worden war. Doch auch wenn man von einem
Tippfehler ("Verschrieb") ausgeht (so der Treuhänder AG._, act. 152 S. 4,
S. 12, act. 228 Rz 146), und der Betreuungs- und Vermögensverwaltungsvertrag
im April 2006 vereinbart worden war, so muss festgehalten werden, dass die Ver-
- 38 -
knüpfung der beiden Verträge (act. 39/2 und act. 39/7) nicht dem üblichen Ge-
schäftsverkehr entspricht. Die Verknüpfung der Verträge macht aus der Eigen-
tumsübertragung der Liegenschaft ...-Strasse ... an die Beklagte 5 ein komplexes
Konstrukt, das der Analyse bedarf. Die Kritik der Kläger trifft zu, wonach sich die
Vorinstanz nicht in differenzierter Weise zum Zustandekommen und zum Inhalt
des Abtretungsvertrages (act. 39/7) geäussert hat (act. 215 S. 33 ff., act. 217
S. 17, S. 19). Weder die Beklagte 5 noch der Treuhänder AG._ konnten er-
klären, weshalb die Eigentumsübertragung der Liegenschaft ...-Strasse ..., die
auch Parzellierungen und die Einräumung von Dienstbarkeiten zulasten des
Grundstückes der Erblasserin beinhaltete, in die nur schwierig zu verstehende,
und demnach verklausulierte Form gegossen wurde, und nicht als das benannt
und abgefasst wurde, was es im Wesentlichen ist, nämlich eine Schenkung von
Grundeigentum. Die verklausulierte Formulierung erscheint umso unverständli-
cher und daher suspekt, als die Beklagte 5 ausführte, sie hätte gemäss Willen von
I._ früher oder später das Haus übernehmen sollen (Prot. VI S. 41, S. 52
oben) und Treuhänder AG._ meinte, sich daran zu erinnern, dass I._ die
Beklagte 5 mit der Überschreibung des Hauses habe belohnen wollen (act. 152
S. 8 oben). Q._ hielt in diesem Sinn fest, dass ihre Pflegemutter gesagt ha-
be, Frau G._ sei quasi ihre Angestellte, sie helfe ihr, sie fahre sie; dafür kön-
ne Frau G._ das untere Haus abverdienen (act. 154 S. 6). Die Kosten für den
Notar, die Handänderung, den Eintrag in das Grundbuch und die Kosten des Par-
zellierens bezahlte entgegen der Usanz einer hälftigen Teilung die Erwerberin, al-
so die Beklagte 5 (act. 39/7 S. 3). Die Beklagte 5 verwies für die Regelung und
Redaktion auch dieser Kostenfolge auf den Treuhänder (Prot. VI S. 52). Treuhän-
der AG._ konnte sich indessen nicht daran erinnern, weshalb die Kosten al-
lein der Erwerberin auferlegt wurden (act. 152 S. 13). Denkbar ist mangels ande-
rer Angaben, dass mit der vereinbarten Kostenregelung kein Risiko eingegangen
werden wollte in Bezug auf mögliche Nachfragen, nachdem die Erblasserin die
Rechnung erhalten hätte. In Bezug auf persönlichkeitsbezogene tatsächliche  besteht die Zugabe, dass die Erblasserin während ihrer Lebtage einen ge-
wissen Geiz an den Tag gelegt hatte bzw. geizig war.
- 39 -
Die Beklagte 5 hat im Ergebnis für die Liegenschaft nichts bezahlt. Die Schätzung
von Fr. 290'000.-- für Haus und Land von elf Aren im Kanton Zürich, angebunden
an den öffentlichen Verkehr, ist keine realistische, dies auch nicht unter Berück-
sichtigung von Landwirtschaftsland (bestehende Gebäude dürfen gemäss Ver-
kehrswertgutachten zweckentfremdet umgebaut werden [act. 135/10 S. 3])
(act. 152 S. 9, S. 14; vgl. auch act. 135/10 S. 5). Um in diesem Zusammenhang
auch das zu erwähnen: Gemäss der Beklagten 5 hat der die Schätzung veranlas-
sende Treuhänder AG._ den Schätzer AS._ nicht gekannt (Prot. VI
S. 52). Demgegenüber hielt Treuhänder AG._ als Zeuge fest, er habe mit
dem Schätzer AS._ immer sehr gute Erfahrungen gemacht. Er hat ihn dem-
nach gekannt (act. 152 S. 9). Auf die richterliche Frage, ob er die Schätzung von
AS._ für realistisch gehalten habe, enthielt sich der Treuhänder AG._ in
ausweichender Art einer Beantwortung der Frage. Er sagte, da er den Zustand
des Gebäudes nicht beurteilen könne, habe er keinen Anlass gehabt, die Schät-
zung nicht für realistisch anzuschauen (act. 152 S. 9).
Einen Teil des Verkaufspreises, Fr. 50'000.--, tilgte die Beklagte 5 gemäss ihrer
Darstellung durch Verrechnung mit den ihr gegenüber I._ zustehenden An-
sprüchen im Zusammenhang mit dem Ausbau des Hauses auf dem Abtretungs-
objekt (act. 39/7 S. 2; act. 232 S. 10). Abgesehen davon, dass die Beklagte 5 kei-
ne Ausführungen macht zu den angeblich vorgenommenen Investitionen, ist in
grundsätzlicher Hinsicht festzuhalten, dass eine Verrechnung mit (angeblichen)
Investitionen nur gerechtfertigt ist, wenn die Investitionen den Marktpreis der Lie-
genschaft nach oben getrieben haben. Hierzu trägt die Beklagte 5 indes nichts
vor.
8.4. Der mit der Beurkundung befasste damalige Notar-Stellvertreter AT._
kann sich nicht mehr konkret an den "Abtretungsvertrag" (act. 39/7) und an eige-
ne Wahrnehmungen erinnern (act. 153 S. 2 f., act. 155). Er verweist auf den all-
gemeinen Beurkundungsablauf. Er sei immer so vorgegangen, dass er zu seinen
Beurkundungen stehen könne und zwar, dass er es auch im Sinne der Vorgaben
gemacht habe. Es sei ja klar, dass er sich auch um die Handlungsfähigkeit der
Parteien gekümmert habe, er gehe den zu beurkundenden Vertrag mit den Par-
- 40 -
teien Punkt für Punkt durch und aufgrund des Gesprächs ergebe sich für ihn, ob
die Parteien verstehen, was sie unterzeichnen würden (act. 153 S. 2 f.).
Als allgemeine Lebenserfahrung gilt, dass der von einem Fachmann dem Notariat
zur Beurkundung übermittelte vollständig ausgearbeitete Vertragstext weniger Er-
läuterungs- und Erklärungsbedarf braucht als wenn der Notar die Vertragsvorbe-
reitung und -abfassung mit dem Laien selbst vornimmt. Im ersten Fall kann die
Frage, ob die Bestimmungen verstanden wurden, mit einem (knappen) "Ja" be-
antwortet werden. Das Antwortprogramm ist sozusagen vorgegeben. Eine andere
Ausgangslage präsentiert sich im zweiten Fall, in welchem der Notar mit offenen
Fragen den Willen der rechtsuchenden Person eruieren muss und sie unter Um-
ständen auf gewisse juristische Risiken hinzuweisen und damit zu beraten hat.
Diese Situation der beurkundungsrechtlichen Willensermittlung lässt einen aussa-
gekräftigeren Schluss bezüglich Einschätzung der Handlungsfähigkeit zu. Das bei
den Beurkundungsvorgängen zu beachtende Prüfungsschema sieht (nämlich nur)
eine beschränkte Ermittlungspflicht vor. Bei der Prüfung der Handlungsfähigkeit
der Parteien darf der Notar bei einer volljährigen Person grundsätzlich von deren
Handlungsfähigkeit ausgehen. Nur bei Zweifeln hat er weitere Abklärungen vor-
zunehmen (§ 239 EG zum ZGB, § 20 der Notariatsverordnung; Zürich Kreis-
schreiben der Verwaltungskommission des Obergerichtes des Kantons Zürich an
die Notariate und Grundbuchämter betreffend Prüfung der Handlungsfähigkeit der
Parteien beim Grundstückserwerb vom 8. Juli 2015). Ohne konkrete Anhaltspunk-
te für eine allenfalls bestehende Geschäftsunfähigkeit hatte der Notar-
Stellvertreter keine Veranlassung an der Handlungsfähigkeit der Erblasserin zu
zweifeln. Dieser im Sommer 2006 erfolgte Beurkundungsvorgang kann nicht als
hinreichender Beweis für eine Testierfähigkeit im Oktober 2008 herangezogen
werden (act. 217 S. 19, act. 215 S. 38 ff., act. 228 Rz 59, Rz 110, act. 232 S. 10).
Für sich alleine betrachtet ist der Beurkundungsvorgang weder für die eine noch
die andere Richtung ein Indiz (vgl. hierzu auch Seiler, a.a.O., Rz 512, mit weiteren
Hinweisen). Die (damals) in der Filiale K._ als Kundenberaterin der Sparkas-
se Zürcher Oberland tätige AU._ sagte als Zeugin aus, sie könne sich
nicht an die Erblasserin erinnern, sie habe aber nie das Gefühl gehabt eine Per-
son vor sich zu haben, bei der die Urteilsfähigkeit zweifelhaft (gewesen) sei (act.
- 41 -
185 S. 2). Aus dieser allgemeinen Aussage lässt sich nichts hinsichtlich des All-
gemeinzustandes und der Verfügungsfähigkeit der Erblasserin zu irgendeinem
Zeitpunkt ableiten.
8.5. Q._ hielt fest, die Erblasserin sei nie so intelligent gewesen (act. 154
S. 7), und Dr. med. V._ sagte, die Erblasserin habe ein einfaches Gemüt ge-
habt (act. 201 S. 7, act. 215 S. 40). Die Beklagten 5 und 6 bestreiten nicht, dass
die Erblasserin auf einem Ohr sehr schlecht hörte und eine eingeschränkte Seh-
fähigkeit hatte. Es ist sodann unbestritten, dass die Erblasserin in schriftlichen
und administrativen Angelegenheiten seit ehedem ungeübt und unerfahren war
und der Ehemann das Schriftliche erledigt hatte (vgl. act. 38 S. 4, S. 14, S. 17,
act. 45 S. 7, S. 34, act. 80 S. 8, S. 19, S. 36, S. 40). I._ hatte seit längerer
Zeit diverse körperliche Leiden, wie Herzrhythmusstörungen, Polyarthrose und
war, seit Dr. med. V._ I._ 1991 kennengelernt hatte, sehr schwerhörig
(act. 201 S. 1, S. 2). Nach dem Tod ihres Ehemannes im 2005 wurde I._
darüber hinaus und neben der beginnenden Demenzerkrankung als depressiv
und isoliert beschrieben (act. 215 S. 40 unter Hinweis auf die Ausführungen des
Hausarztes Dr. med. V._, act. 201 S. 2, S. 5 unten), und als für das Hör- und
Sinnverständnis und das Schriftliche insbesondere auch nach Darstellung des
Treuhänders AG._ auf die Unterstützung Dritter angewiesen (act. 152 S. 6,
S. 16; act. 154 S. 10; E. 3.5., E. 4.1. - 4..3.). Nach Darstellung der Beklagten 5
konnte I._ (im Dezember 2005) beispielsweise Quoten, also der prozentuale
Anteil im Verhältnis zum Ganzen, nicht (mehr) verstehen (Prot. VI S. 56).
8.6. Zusammenfassend ist die Verknüpfung der beiden Dokumente (act. 39/2
und act. 39/7) geeignet, dass über den Inhalt des Abtretungsvertrages kein hinrei-
chendes Bild möglich war, insbesondere nicht für jemanden wie I._.
9. Die Vertrauensstellung der Beklagten 5 erhielt mit der Vereinbarung vom
20. April 2005 (act. 39/2) ein zusätzliches Gewicht. Es gehörte angesichts der ver-
traglich übernommenen Pflichten und der Hilfsbedürftigkeit von I._ zu den
Aufgaben der Beklagten 5, dafür zu sorgen, dass Verträge durch das Interesse
der I._ gedeckt sind. Wenn ein Geschäft die Beklagte 5 und/oder den Be-
klagten 6 begünstigte, so konnte die Beklagte 5 die Prüfung nicht unbefangen
- 42 -
vornehmen bzw. die Handlung nicht aus neutraler Warte einordnen. Das nicht
transparente Verknüpfen der beiden Verträge (act. 39/2 und act. 39/7) diente den
eigenen Interessen der Beklagten 5.
10.1. Die Miete der Scheune der Erblasserin zeigt die Verfolgung eigener Interes-
se. H._ (der Beklagte 6) mietete per 1. Januar 2007 die Scheune mit Stall
und Remise auf dem Grundstück der Erblasserin (act. 2 S. 19, act. 36 S. 6,
act. 78 S. 7, act. 80 S. 22 f.; 39/4). Unbestritten ist, dass der Beklagte 6 den Miet-
vertrag aufsetzte (act. 39/4). Ebenso ist unbestritten, dass es in der Folge zu ei-
nem Umbau der Scheune für einen Betrag von knapp Fr. 23'000.-- gekommen
war, welche Rechnung die Erblasserin beglich (act. 81/2-3).
Zur besseren Verständlichkeit seien die Positionen der Parteien aufgeführt: Die
Kläger machen geltend, der Beklagte 6 habe die Erblasserin mannigfaltig hinter-
gangen (act. 125 S. 31), er habe die Scheune zu billig mieten können, den Miet-
zins nicht bezahlt und die Scheune auf Kosten der Erblasserin saniert (act. 45
S. 17 f.). Sie behaupten, es sei der im Zeitpunkt der Bauarbeiten 84-jährigen und
längst nicht mehr geschäftsfähigen (act. 45 S. 18) Erblasserin völlig unmöglich
gewesen zu beurteilen, welche Sanierung sinnvoll sei. Sie habe gar keine Sanie-
rung wollen können und demzufolge auch nicht gewollt. Es habe ihr die Fähigkeit
gefehlt, die Zweckmässigkeit und die Wirkungen einer Sanierung zu erkennen.
Die Erblasserin habe sodann zu keinem Zeitpunkt von sich aus einen Entsor-
gungsauftrag erteilt (act. 45 S. 33 oben). Die Erblasserin sei erneut Opfer des
Mutter-Sohn Duos geworden (act. 45 S. 17 unten f.). Es sei deshalb zu prüfen,
welche Arbeiten ausgeführt worden seien, weil davon auszugehen sei, dass es
solche seien, deren Ergebnis genau dem Beklagten 6 dienen würden, was sich
auch daraus ergebe, dass genau in dem Zeitpunkt habe saniert werden müssen,
als der Beklagte 6 den Mietvertrag habe abschliessen wollen (act. 45 S. 18 oben).
Die Beklagten halten dem entgegen, dass es sich bei der Teilrenovation der
Scheune um dringende Unterhaltsarbeiten gehandelt habe, die ganz überwiegend
der Erhaltung der Gebäudesubstanz gedient hätten und die unabhängig von ei-
nem Mietverhältnis notwendig gewesen seien. Die AV._ AG sei früher schon
von O._ für Unterhaltsarbeiten beigezogen worden. Der Beklagte 6 sei auf
- 43 -
ausdrücklichen Wunsch der Erblasserin bei der Besichtigung im Zusammenhang
mit der Einholung der Offerte anwesend gewesen, weil die Erblasserin gehofft
habe, dass er mit seiner Berufserfahrung als Bauleiter für besonders günstige
Konditionen sorgen könne. Die teilweise Räumung der Scheune sei sodann mit
Blick auf die Vermietung namens und im Einverständnis der Erblasserin erfolgt
(act. 80 S. 23 oben).
Umstritten ist demzufolge, ob im Zeitpunkt des Vertragsabschlusses notwendige
Unterhaltsarbeiten anstanden (Frage nach der Art und dem Umfang des Werkver-
trages) und die Frage, ob die Erblasserin die Fähigkeit besass, die Komplexität
der zu tätigenden Bauarbeiten und die finanziellen Konsequenzen zu erfassen.
10.2. Der Beklagte 6 selbst erklärte in der persönlichen Befragung, dass er es
gewesen sei, der die Offerte vom 7. November 2007 (act. 81/2) eingeholt habe,
dies nachdem ihm Frau I._ den Auftrag dazu erteilt habe (Prot. VI S. 64; act.
215 S. 26). Der als Zeuge einvernommene Dachdecker AV'._, welcher die
Sanierung durchführte, sagte von sich aus, er habe die Sache, insbesondere den
Einbau des (neuen) Innentors mit H._ besprochen (act. 200 S. 2). Er denke
mal, er habe - im Zusammenhang mit der Definition des Auftragsumfangs - mit
Herrn
oder Frau I._ gesprochen, sicher habe er aber auch mit Herrn H._ ge-
sprochen (act. 200 S. 3). Er könne die Frage, von wem er die Zusage erhalten
habe, nicht beantworten. Er, AV'._, habe aber den Eindruck gehabt, Herr
H._ benutze im Einverständnis mit Frau I._ die Scheune, und ob er den
Auftrag von Herrn H._ erhalten habe, was sicher für das neue Tor gelte, oder
von Frau I._, sei ihm einerlei erschienen (act. 200 S. 4). Es sei schwierig zu
sagen, wer ihn über den Auftragsumfang instruiert habe, es habe sich einfach er-
geben (act. 200 S. 3).
Die Sachdarstellung des Beklagten 6, die damals 83-jährige I._ sei auf ihn
zugekommen und habe ihn gebeten, die Renovation der Scheune an die Hand zu
nehmen, ist wenig überzeugend (Prot. VI S. 64, act. 215 S. 26). Gemäss dem Be-
klagten 6 habe I._ die Initiative ergriffen und ihm mündlich den Auftrag erteilt,
die Scheune zu sanieren, nachdem sie zuvor von irgendjemand, also einer unbe-
- 44 -
kannten Person, auf den renovationsbedürftigen Zustand der Scheune angespro-
chen worden sei (Prot. VI S. 64). Mit diesen Ausführungen ging der Beklagte 6
zunächst selbst davon aus, dass er mit der Montage eines Innentors den (angeb-
lich) mündlich erteilten Auftrag überschritten hatte; den Auftrag für den Einbau ei-
nes Innentors behauptete der Beklagte 6 jedenfalls nicht (Prot. VI S. 64, act. 200
S 2). Bemerkenswert ist, dass nicht der Beklagte 6 als Mieter der Scheune
I._ auf die Renovationsbedürftigkeit hingewiesen haben wollte. Eine unbe-
kannte Person will gemäss Ausführungen des Beklagten 6 den morschen Boden
der Scheune und die eingebrochenen Balken gesehen haben und daraufhin
I._ kontaktiert haben (Prot. VI S. 64). Als Mieter war dem Beklagten 6 der
Zustand der Scheune aber bekannt, und er hatte ein Interesse daran, dass das
Gebäude repariert wurde. Naheliegend ist, dass der Beklagte 6 auf I._ zuge-
gangen war.
Eine vernachlässigte Pflicht der Erblasserin als Vermieterin und Werkeigentüme-
rin, dem Beklagten 6 die gefahrlose Benützung der Scheune zu gewährleisten
(Werkeigentümerhaftung), war allerdings gemäss den Beklagten 1 und 4 nie ein
Thema (act. 228 Rz 86 ff.). Es wurde bspw. nicht geltend gemacht, unter dem
morschen Boden sei ein Hohlraum gewesen und damit habe Absturzgefahr be-
standen. Dachdecker AV'._ erklärte, die Arbeiten seien schon sinnvoll gewe-
sen (act. 200 S. 2). Und auf Nachfrage, was geschehen wäre, wenn die Renova-
tion nicht ausgeführt worden wäre, hält der Zeuge fest, irgendwann wäre jemand
in die Scheune gefahren, zum Beispiel mit dem Traktor, und der Boden wäre ein-
gebrochen (act. 200 S. 2). Die Version der Beklagten 5 und 6, wonach es sich bei
der Renovation der Scheune um dringende und notwendige Unterhaltsarbeiten
gehandelt habe, wird durch das Beweisergebnis nicht bestätigt. Die Scheune
konnte ihren bisherigen Zweck als Lagerhalle weiterhin erfüllen. Für weitergehen-
de Zwecke - Befahren mit schwerem Fahrzeug wie einem Traktor - sind die Bau-
arbeiten aber als nützlich bzw. als notwendig (Stabilisierung des Bodens) zu be-
zeichnen. Die Sanierung diente deshalb einer wirtschaftlicheren und komfortable-
ren Nutzung und mit dem Einbau des Innentors auch der Sicherheit. Die Renova-
tion erfolgte zugunsten des Mieters (dem Beklagten 6) und lag in seinem Interes-
- 45 -
se. Das Interesse der Vermieterin (der Erblasserin) an einer Wertsteigerung der
Scheune ist demgegenüber klar sekundär.
10.3. Im Sinne der vorstehenden Erwägungen beanstanden die Kläger zu Recht
die an der eigentlichen Frage vorbeigehenden vorinstanzlichen Erwägungen
(act. 217 S. 16), dass nämlich die Beklagte 5 bei Erfüllung ihrer Aufgaben als eine
Art Beistandsperson für I._ (act. 39/2) hätte prüfen müssen, ob Kosten von
rund Fr. 23'000.-- (act. 81/3) für die Sanierung der vom Sohn der Beklagten 5 für
Fr. 200.-- pro Monat gemieteten Scheune und der neue Einbau eines Innentors
vom Interesse von I._ geleitet gewesen war. Die Kritik der Kläger (act. 215
S. 27) an der vorinstanzlichen Erwägung und so auch an der Darstellung der Be-
klagten, wonach erst die Räumung und die Sanierung der Scheune wieder eine
vernünftige Nutzung mit Mietzins ermöglicht habe (act. 217 S. 16, act. 232 S. 9,
act. 228 Rz 85 f.), trifft zu. Der Beklagte 6 hatte bereits vor der Sanierung die
Scheune für Fr. 200.-- gemietet (Prot. VI S. 68, act. 215 S. 27; act. 39/4). Es be-
steht Grund zur Veranlassung, dass die Beklagte 5 sich nicht von den Interessen
von I._ leiten liess, sondern ihre bzw. vor allem die Interessen ihres Sohnes
verfolgt bzw. die Verfolgung der eigenen Interessen des Sohnes stillschweigend
toleriert hatte. Jedenfalls befand sich die Beklagte 5 in einem Interessenkonflikt,
der einer Klärung bedurft hätte.
Die von einer bescheidenen AHV-Rente lebende Erblasserin war zur Bezahlung
der Rechnung vom 20. März 2008 für die Sanierungsarbeiten (act. 81/3) auf ihr li-
quides Vermögen angewiesen. Die Investition von Fr. 23'000.--, die lediglich zu
einem um Fr. 20.-- pro Monat (das heisst Fr. 240.-- pro Jahr) höheren Mietzins für
eine 263 Quadratmeter grosse (act. 130/12) und modernisierte Scheune mit In-
nentor führte, steht in einem Missverhältnis zum Ertrag; die Amortisationsdauer ist
sehr lange (act, 215 S. 26). Es ist unüblich, dass ein Vermieter derartige, einseitig
zugunsten des Mieters ausfallende Investitionen tätigt. Grundsätzlich soll der Er-
trag den Wert seiner Investitionen reflektieren.
10.4. Indem die Beklagten 5 und 6 geltend machen, die Sanierung der Scheune
sei dringend geboten gewesen, auf Initiative der Erblasserin erfolgt und von ihrem
Interesse geleitet - und nicht etwa, die Erblasserin habe die Sanierung dem Be-
- 46 -
klagten 6 aus Freundschaft schenken wollen bzw. sie habe sich bei Abschluss
des Vertrages dazu verpflichtet (act. 232 S. 9) -, verschleiern sie die Gegebenhei-
ten, dass nämlich die Vermietung der Scheune mit einhergehender Sanierung al-
lein im Interesse des Beklagten 6 lag (vgl. Prot. VI S. 64). Darauf, dass Regie
durch die Beklagten 5 und 6 geführt wurde, deutet auch die Quittung der Entsor-
gungsfirma vom 15. Januar 2007 über die Entsorgung der in der Scheune gela-
gerten Ware hin. Gemäss Quittung waren die Waren abzuholen, die die Beklagte
5 (und nicht die Erblasserin) zum Abholen bereit stellte ("für Abgeholte Sachen
die Frau G._ bestimmte zum ENTSORGEN; act. 135/1, act. 186). Entsorgt
(für einen Betrag von Fr. 2'300.--) wurde kurz nach Mietantritt des Beklagten 6.
Die Quittung stützt den Standpunkt der Kläger, wonach nicht die Erblasserin von
sich aus einen Entsorgungsauftrag erteilte (act. 45 S. 33). Obwohl mit Rückwei-
sungsentscheid vom 8. Juni 2018 aufgefordert, hat der Beklagte 6 die Belege
über die (angeblich) lückenlos erfolgten Zahlungen der Mietzinse für den Zeitraum
2007 bis November 2009 nicht zu den Akten gereicht (act. 176 S. 41); für diesen
Zeitraum ist die lückenlose Zahlung der Mietzinse damit nicht erstellt. Aufgrund
der Formulierung im Bericht der Berufsbeiständin vom 26. April 2011 ist (lediglich)
davon auszugehen, dass der Beklagte 6 ab Errichtung der Beistandschaft im No-
vember 2009 den monatlichen Mietzins von Fr. 220.-- lückenlos bezahlt hatte
(act. 3/3 S. 3).
10.5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Scheune ihren bisherigen
Zweck als Lagerhalle hätte weiterhin erfüllen können. Die Unterhaltsarbeiten wa-
ren demzufolge nicht notwendig. Sie dienten dem Beklagten 6 für eine ihm pas-
sendere Nutzung des Gebäudes. Der Beklagte 6 zog seine Vorteile aus der Un-
beholfenheit der Erblasserin, damit in seinem Sinne die Scheune teilrenoviert
wurde. Aufgrund des Beweisergebnisses kann entgegen der sinngemässen Dar-
stellung der Beklagten 1 und 4 nicht von einer vollinformierten Erblasserin ausge-
gangen werden, die den Vertrag in Kenntnis der zu tätigenden Bauarbeiten und
der finanziellen Konsequenzen wollte (act. 228 Rz 87; vgl. auch E. 11.2.).
Um abschliessend auch das noch zu erwähnen: Der Zeuge AE._ wurde zum
Beweissatz 7 (Teilrenovation Scheune) nicht als Beweismittel angerufen (aller-
- 47 -
dings zu den Beweissätzen 1 und 2) (Prot. VI S. 3 ff., S. 13, act. 182). Die Beklag-
ten 1 und 4 weisen zudem zu Recht darauf hin, dass AE._ erst wieder im
Frühling 2010 Kontakt zur Erblasserin aufgenommen hatte, weshalb seine Aus-
führungen zur Teilrenovation der Scheune nicht relevant seien (act. 228 Rz 88,
114, act. 182 S. 2).
11.1. Das Interesse des Beklagten 6 am Grundstück ...-Strasse ... ist dem Ent-
scheid zugrunde zu legen (act. 39/3; act. 215 S. 24, S. 51, act. 215 S. 35 unten;
act. 232 S. 13). Der Beklagte 6 selbst hielt fest, dass er ("natürlich") an dieser
Liegenschaft ...-Strasse ... interessiert (gewesen) sei (act. 80 S. 21, S. 22 oben;
act. 3/2). Es kam zur Vereinbarung vom 12. Februar 2006 über den Verkauf der
...-Strasse ... und des Landes (mit dazugehöriger Scheune, Land und Wald; vgl.
act. 130/19, Anhang) für den Verkaufspreis von insgesamt Fr. 450'000.--
(act. 39/3). Der Verkaufspreis war günstig (vgl. hierzu Versicherungswerte in
act. 130/19). Der Beklagte 6 hatte eigenen Angaben zufolge bis März 2005 relativ
geringen Kontakt zur Familie I._O._ (Prot. VI S. 60 unten). Das Bezirks-
gericht äusserte sich nicht zu diesem Rechtsgeschäft (act. 215 S. 24, S. 51). Der
lebzeitige Verkauf des Eigenheims von I._ an den Beklagten 6 ist dann aber
nicht zustande gekommen; erst mit dem streitgegenständlichen Testament wurde
die Liegenschaft ...-Strasse ... dem Beklagten 6 vermacht.
11.2. Der Beklagte 6 setzte eigenen Ausführungen zufolge den Kaufvertrag rund
elf Monate nach dem Tod von O._ auf (act. 39/3), dies nachdem Frau
I._ gesagt habe, sie wolle in eine Wohnung im Dorf ziehen (Prot. VI S. 63).
Die Beklagte 5 gab eine ausschweifende und nicht leicht nachvollziehbare Ant-
wort auf die Frage, wie es zum Abschluss des Verkaufsvertrages vom 12. Februar
2006 zwischen I._ und ihrem Sohn gekommen sei, bestätigte aber, dass
I._ damals (im Februar 2006) in eine Wohnung habe ziehen wollen (Prot. VI
S. 44 f.). Die Kläger weisen zu Recht darauf hin, dass der Verkauf des Eigen-
heims im Widerspruch stehe zu der im Betreuungsvertrag festgehaltenen Absicht
der Erblasserin, möglichst lange in ihrem Haus zu bleiben und der darin über-
nommenen vertraglichen Pflicht der Beklagten 5, durch Unterstützungsleistungen
dafür besorgt zu sein (act. 39/2, act. 215 S. 51).
- 48 -
Die von Mutter und Sohn vorgebrachte Version, wonach I._ ihr Haus habe
verlassen wollen, um in eine Wohnung zu ziehen (Prot. VI S. 45, S. 63), passt
nicht zum übrigen Beweisergebnis. Neben dem bereits erwähnten Betreuungsver-
trag, welcher von einem möglichst langen Verbleib der Erblasserin in der ...-
Strasse ausging und welche Betreuung sich die Erblasserin auch etwas kosten
liess, sind die Ausführungen von Dr. med. V._ zu berücksichtigen. Er be-
sprach mit der Erblasserin den Umzug in ein Altersheim, was I._ aber dezi-
diert abgelehnt habe (act. 201 S. 5; vgl. auch act. 183 S. 10 oben). Treuhänder
AG._ thematisierte nicht einen Umzug in eine Wohnung. Auf Frage, ob er
wisse, weshalb I._ den Hof ...-Strasse an H._ habe verkaufen wollen
(act. 3/2), antwortete Treuhänder AG._, er könne sich nicht daran erinnern.
Er erinnere sich nur, dass G._ ihn einmal gebeten habe, für das zweite
Grundstück auch etwas zu machen. Die richterliche Frage, weshalb er das Man-
dat zur lebzeitigen Übereignung der ...-Strasse an den Beklagten 6 nicht ange-
nommen habe (vgl. act. 39/3), beantwortete Treuhänder AG._ folgender-
massen: "[I]ch kann mich nicht genau erinnern. Ich gehe davon aus, dass es da-
mals meine Überlegung war, dass G._ bereits eine Liegenschaft erhalten
hat. Dann wäre die Frage gewesen: Wieso zusätzlich eine weitere Liegenschaft
und was wäre dafür die Gegenleistung gewesen?" (act. 152 S. 10 unten f., S. 16).
Treuhänder AG._ konnte sodann die Frage, wie I._ ihm gegenüber ihre
Wünsche und Anliegen ausgedrückt habe, nicht beantworten, weil er sich nicht zu
erinnern vermochte (act. 152 S. 5). Er gab in diesem Zusammenhang allgemein
zu bedenken, dass wenn jemand von der Betreuung eines anderen abhängig sei,
natürlich immer ein gewisser Druck bestehe, wobei er sogleich ergänzte, dies sei
eine generelle Überlegung (act. 152 S. 8 unten). Treuhänder AG._ brachte
so die Federführung der Beklagten 5 zum Ausdruck, aber jedenfalls implizit auch
seine Einschätzung, wonach I._ damals (2006) nicht mehr in der Lage gewe-
sen war, selbständig einen Willen zu bilden und einen Entscheid über die Veräus-
serung ihres Eigenheims zu fällen, und sie demzufolge zu schützen war vor einer
weiteren Veräusserung von Grundeigentum.
11.3. Der Beklagte 6 begründet den nicht zustande gekommenen Grundstückkauf
mit fehlender Finanzierungsmöglichkeit (act. 232 S. 13, Prot. S. 63) (So auch zu
- 49 -
Q._: act. 154 S. 9). Er sei auf den Bezug von Vorsorgegelder angewiesen
gewesen. Der Bezug hätte aber Selbstbewohnung erfordert, was aus familiären
Gründen damals nicht möglich gewesen sei (Prot. VI S. 63), und zur gleichen Zeit
habe Frau I._ entschieden, doch im Haus zu verbleiben (Prot. VI S. 63). Es
wäre zu erwarten, dass solche grundlegenden Fragen der Finanzierung im Vor-
feld eines Hauskaufs geklärt werden, weshalb sich die Frage stellt, wie ernsthaft
der entgeltliche Erwerb der Liegenschaft in Angriff genommen worden war.
12.1. Im Zeitraum Ende 2005 kam es zu einer Vorbesprechung über die Errich-
tung eines Testamentes im Büro des Treuhänders AG._. Treuhänder
AG._ besprach den Inhalt des Testamentes mit der Erblasserin (act. 152
S. 7). Er ging davon aus, dass er die Besprechung über den Inhalt des Testamen-
tes mit Frau I._ allein geführt habe (act. 152 S. 7). Allerdings ist erstellt, dass
AG._ im Nachgang zur Vorbesprechung einen Testamentsentwurf ausgear-
beitet hatte (act. 39/8) und diesen der Beklagten 5 schickte mit der Aufforderung,
den Entwurf mit der Erblasserin zu besprechen (act. 39/9, Prot. VI S. 56; E. 4.2.).
Dies spricht dafür, dass die Beklagte 5 auch in der höchstpersönlichen Angele-
genheit der Errichtung des Testamentes an der Besprechung mit Treuhänder
AG._ anwesend war. Treuhänder AG._ wusste, dass die Beklagte 5 die
Vertrauensperson der Erblasserin war (E. 4.2.). Mit der Zusendung des Testa-
mentsentwurfs zur Besprechung anerkannte der Treuhänder implizit den Einfluss
und die Gestaltungsmöglichkeiten der Beklagten 5 in den Angelegenheiten der
Erblasserin.
Die Beklagte 5 kam der Aufforderung des Treuhänders nach, den Testaments-
entwurf mit der Erblasserin zu besprechen. Die Erblasserin schaffte es aber trotz
Vorbesprechung beim Treuhänder und Nachbesprechung mit der Beklagten 5
nicht, das Testament niederzuschreiben bzw. Anpassungen vorzunehmen. Die
Beklagte 5 beschrieb die Überforderung der Erblasserin anhand des Entwurfes
ein Testament niederzuschreiben mit den Worten, die Sache sei liegen geblieben,
weil die Prozentregelung I._ irgendwie aufgeregt habe. I._ habe halt
auch viel anderes zu tun gehabt und sie habe sich nicht darum gekümmert (Prot.
VI S. 56; E. 4.2.).
- 50 -
Vor diesem Hintergrund ist wenig glaubhaft und realitätsfremd, dass die Erblasse-
rin rund drei Jahre später, ohne Vorlage und Unterstützung, allein, frei und ohne
Besprechung ein klares und kohärentes Testament wie das Angefochtene hätte
verfügen können. Hätte die Erblasserin Unterstützung in Anspruch genommen,
wäre dies der Beklagten 5 nicht verborgen geblieben. Im Einzelnen dazu, was
folgt:
12.2. Der Testamentsentwurf setzt die gesetzliche Erbfolge nicht ausser Kraft
(act. 39/8). Er sieht vor, dass die Willensvollstreckerin, die AG._ Treuhand
AG, Vermächtnisse ausrichtet und das restliche Nachlassvermögen, insbesonde-
re auch das Grundeigentum ...-Strasse, verkauft, um die Erbansprüche der ge-
setzlichen Erben ("nach Graden und Stämmen") in bar zu befriedigen (act. 39/8
Punkt 2). Treuhänder AG._ erwiderte auf die Frage, weshalb die ...-Strasse
... im Testamentsentwurf nicht erwähnt worden sei, er sei davon ausgegangen,
dass sie für die Liegenschaft ...-Strasse ... die Abtretung gemacht hätten; im Üb-
rigen hätten sie ja eine Erbeinsetzung (gemeint die Erwähnung der gesetzlichen
Erbfolge), so dass es nicht nötig gewesen sei, die ... [Wohnhaus I._] separat
zu erwähnen (act. 152 S. 7). Tatsächlich sollte die Beklagte 5 gemäss Testa-
mentsentwurf via Vermächtnis das Grundstück ...-Strasse definitiv unentgeltlich
erhalten (durch Erlass der Schulden aus der Übereignung ...-Strasse). Diese
Sichtweise, die im Testamentsentwurf Niederschlag fand - dass das Nachlass-
vermögen den gesetzlichen Erben zu überlassen ist -, korrespondiert mit den
Ausführungen des Treuhänders zum nicht zustande gekommenen Grundstück-
kauf ...-Strasse. Treuhänder AG._ konnte offenbar keinen Willen der Erblas-
serin erkennen, in Abweichung von der gesetzlichen Erbfolge über die ...-Strasse
zu verfügen, und insbesondere der Familie G._ zusätzlich zur Liegenschaft
...-Strasse die Liegenschaft ...-Strasse [Wohnhaus I._] zukommen zu lassen
(E. 11.2.).
Das streitgegenständliche Testament vom 27. Oktober 2008 weicht formal und
inhaltlich vom Entwurf ab; Letzterer diente nicht als Vorlage (act. 232 S. 5). Die
Kläger reden von Kurswechseltestament. Es gibt aber, neben dem Verbindungs-
glied der Vermächtnisnehmer Q._ (im Testamentsentwurf unrichtig Paten-
- 51 -
kind genannt) und den R._, eine wesentliche Konstanz zwischen Entwurf
und Testament: Die Beklagte 5 erhält auch nach Testament definitiv unentgeltlich
die Liegenschaft ...-Strasse durch Erlass der Schulden aus der Übereignung.
Diese Verbindung wird nun verstärkt mit der Berücksichtigung des Sohnes der
Beklagten 5. Der Beklagte 6 erhält testamentarisch das Hauptaktivum, das
Grundstück ...-Strasse, "Haus und Scheune, samt Inventar, und allem Grund-
stück" (act. 3/2). Demnach ist mit den Klägern in substantieller Abweichung vom
Entwurf Hauptbegünstigter der Beklagte 6. Ein Willensvollstrecker ist im Testa-
ment nicht mehr bezeichnet. Ein Willensvollstrecker war aber auch nicht mehr
notwendig, weil die Erblasserin vollständig verfügte. Die Erblasserin setzte die
gesetzliche Erbfolge ausser Kraft, schloss ihre Nichten und Neffen mit Ausnahme
von E._, dem Beklagten 1, von der gesetzlichen Erfolge aus, setzte Letzte-
ren als Erben ein und richtete Vermächtnisse aus (act. 3/2). Nachlasswerte waren
nicht mehr zu verkaufen. Der Beklagte 6 erhielt die Liegenschaft ...-Strasse
[Wohnhaus I._] in natura.
12.3. Die Kläger bezweifeln, dass das Testament von der Erblasserin stammt
(act. 215 S. 48 unter Hinweis auf ihre diesbezüglichen Behauptungen vor Vorin-
stanz). Die Beklagten 1 und 4 bestreiten, dass das Testament nicht von der Erb-
lasserin stammt (act. 228 Rz 140). Die Kläger begründen ihre Vermutung unter
anderem damit, dass etwa für die Zuwendung von Vermächtnissen das Wort
"aussetzen" verwendet worden sei ("An Vermächtnissen setze ich aus: (...)";
[act. 3/2]; [act. 215 S. 48, act. 221/125 S. 34]). Tatsächlich enthält der von  AG._ vorgelegte Testamentsentwurf nicht das Wort "aussetzen" für
die Zuwendung von Vermächtnissen und diente demnach auch diesbezüglich
nicht als Vorlage. Im Entwurf würde für die Zuwendung der Vermächtnisse die
Wörter "Als Vermächtnis bestimme ich..." oder "Weiter ist als Vermächtnis mein
liquides Vermögen ... in bar auszurichten" verwendet (act. 39/8). Die Wortwahl
"ein Vermächtnis aussetzen" ist nicht derart gebräuchlich und wirkt ältlich. Ver-
wendet wird normalerweise für den Akt der Zuwendung die Wendung "ein Ver-
mächtnis verfügen bzw. ausrichten". Nicht auszuschliessen ist eine geläufigere
Verwendung der Wortgruppe "ein Vermächtnis aussetzen" in früheren Tagen der
Erblasserin im damaligen Österreich. Was sodann auffällt, aber weder in die eine
- 52 -
oder andere Richtung zu interpretieren ist, und von der Vorinstanz bereits erwähnt
(act. 217 S. 25), sind Rechtschreibfehler, wie "Scheüne" für "Scheune" und "In-
fentar" für "Inventar", "M'._" anstatt "M._".
Zusammenfassend kann festgehalten werden: Die Behauptung der Kläger, das
Testament stamme gar nicht von der Erblasserin, konnte im Verfahren nicht ab-
schliessend geklärt werden. Jedenfalls kann aber nach dem Gesagten nicht da-
von ausgegangen werden, die Erblasserin habe das Testament ohne Unterstüt-
zung von Dritten formulieren können.
12.4. Das Notariat P._ reichte nach dem Versterben der Erblasserin das Tes-
tament dem zuständigen Einzelgericht in Hinwil zur amtlichen Eröffnung ein
(act. 221/31/9). Das Testament wurde sicher auf dem Notariat aufbewahrt. Wer
das Testament auf dem Notariat abgegeben und wer es dort entgegen genom-
men hatte, blieb ungeklärt (act. 153 S. 5). Die Beklagte 5 hatte eigenen Ausfüh-
rungen zufolge keine Ahnung darüber, wie das Testament zustande gekommen
sei und wer es dem Notariat überbracht habe. Auch habe sie keine Informationen
über den Inhalt des Testamentes und darüber, in wessen Anwesenheit die Erb-
lasserin letztwillig verfügt habe (Prot. VI S. 46 f., S. 56 f.). Sie wisse nicht, wo das
Testament deponiert gewesen sei, I._ habe aber ihr Mofa gehabt, sie sei
noch bis 2009 Mofa gefahren, damit habe sie Sachen erledigt, von denen nie-
mand etwas hätte wissen sollen (Prot. VI S. 55 f.).
Dass die Erblasserin bis 2009 noch mit dem Mofa Kommissionen erledigt hätte,
lässt sich allerdings mit dem übrigen Beweisergebnis nicht in Einklang bringen.
Der Beklagte 6 wies darauf hin, dass die Erblasserin von seiner Mutter Hilfe
brauchte mit der Mobilität (Prot. VI S. 61). Dr. med. V._ hielt als Zeuge für
den Zeitraum ab 2006 fest, Frau I._ habe immer wieder über Schwindel ge-
klagt, er erinnere sich, dass Frau I._ deswegen auch nicht mehr habe Töffli
fahren können, wann sie damit aufgehört habe, wisse er nicht (act. 201 S. 5;
E. 3.3.). Treuhänder AG._ erklärte als Zeuge, Frau I._ sei von Frau
G._ begleitet worden und schon auf ihre Betreuung angewiesen gewesen.
Soweit er sich erinnere, sei Frau I._ darauf angewiesen gewesen, mit dem
Auto von Frau G._ zu ihnen (dem Treuhandbüro) gebracht zu werden
- 53 -
(act. 153 S. 4 f., S. 6, S. 11, S. 16). Die von der Beklagten 5 vorgebrachte Versi-
on, wonach die bereits damals von Alter und Gebresten gezeichnete, als immobil
beschriebene und auf Unterstützung Dritter angewiesene Erblasserin in eigener
Regie das Testament verfasste und es dann mit dem Mofa der Bank (vgl.
act. 221/79) bzw. dem Notariat zur Aufbewahrung überbracht hatte, ist wenig
überzeugend.
12.5. Wenn die Beklagte 5 unter diesen Vorzeichen jegliche Kenntnisse über das
Testament von sich weist, macht sie sich verdächtig und ihre Darstellung ist als
Schutzbehauptung zu werten. Ihre Darstellung, sie habe nichts gewusst über das
Zustandekommen und den Verbleib des Testamentes, ist nicht glaubhaft und rea-
litätsfremd. Die Beklagte 5 und der Treuhänder AG._ räumten für einen rund
drei Jahre früheren Zeitraum die Notwendigkeit von Besprechungen und Beglei-
tung der Erblasserin ein. Die Erblasserin war für die Fahrten zum Berater und zur
Aufbewahrungsstelle auf einen Fahrtdienst angewiesen gewesen, was der Be-
klagten 5 nicht verborgen geblieben wäre, und welche Fahrtdienste die Erblasse-
rin der Beklagten 5 bereits bezahlt hatte (act. 39/2). Hinzu kommt Folgendes: Die
Errichtung des schlüssigen und vollständigen Testamentes erforderte die Mittei-
lung des Willens vonseiten der Erblasserin, die Beratung und die Niederschrift der
Urkunde. Es bedarf Denkarbeit, die Niederschlag findet in Entwürfen. Der Ablauf
der Errichtung des Testamentes wäre der Beklagten 5 aufgefallen, weil sie wuss-
te, mit wem die Erblasserin Kontakt hatte. Anders hätte sie bspw. die Errichtung
des Testamentes nicht in einen Zusammenhang mit dem Besuch des Klägers 2
und des Beklagten 1 im Oktober 2008 bei der Erblasserin bringen können.
I._ sei damals sehr wütend gewesen über B._s (Kläger 2) Aussagen,
vermutlich habe sie gedacht, sie müsse etwas unternehmen (Prot. VI S. 47 f.;
E. 3.6.).
Weder die Beklagten noch die Zeugen nannten eine andere Bezugsperson, der
sich die Erblasserin im relevanten Zeitraum, und schon gar nicht im Zuge der Er-
richtung eines Testamentes, hätte anvertrauen können. Die Beklagte 5 war seit
dem Tod von O._ die Begleitperson im Alltag der Erblasserin und ihre einzi-
ge Bezugs- und Ansprechperson, insbesondere auch was die Errichtung eines
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Testamentes (act. 39/9) anging. Die Beklagte 5 hatte den Überblick über das All-
tagsgeschehen der Erblasserin und erledigte ihre administrativen Angelegenhei-
ten. Q._ führte aus, dass die Beklagte 5 nach dem Tod von O._ bei al-
lem geholfen habe, was schriftlich und amtlich gewesen sei (act. 154 S. 10,
S. 13). Wenn die Beklagte 5 trotz dieser Position im Haus der Erblasserin ent-
schieden nichts über die Entstehung, den Inhalt und die Einlieferung des sie und
ihren Sohn in umfassender Weise begünstigenden Testamentes gewusst haben
wollte, sondern in diesem Bereich auf ganz und gar eigenständiges Handeln der
Erblasserin verwies, so wirkt dies verschleiernd. Verschleiert die Beklagte 5 die
Situation rund um die Entstehung des Testamentes, so gibt dies Raum zur An-
nahme, dass sie mindestens Einfluss auf den Inhalt des Testamentes nahm. Ob
sie darüber hinaus gar den Inhalt diktierte bzw. den Inhalt zur Niederschrift vorle-
gen liess, kann offen bleiben; immerhin bleibt darauf hinzuweisen, dass das voll-
ständige und schlüssig durchdachte Testament eine solche Annahme nicht ab-
wegig erscheinen liesse.
13.1. Es gibt für die Vorinstanz keine Hinweise darauf, dass der verständlich for-
mulierte Inhalt des Testaments nicht dem wahren Willen der Erblasserin entspro-
chen habe oder dass die Erblasserin durch Druckausübung oder Furchterregung
seitens der Beklagten gegen ihren Willen zu diesem Testament gedrängt worden
wäre (act. 217 S. 25). In groben Zügen entspreche der Inhalt des Testaments
dem letzten Willen der Erblasserin, wie er Dr. med. V._ durch die Erblasserin
selbst mündlich bekannt gegeben worden sei (act. 201 S. 9), und es würden di-
verse Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die Erblasserin den Nachlass tatsäch-
lich nicht den Kindern ihrer Schwester AM._ habe zukommen lassen wollen.
So habe sich die Erblasserin bei ihrem Hausarzt Dr. med. V._ über das Ver-
halten ihrer Nichten und Neffen in AI._ beklagt, wobei Dr. med. V._ of-
fenbar irrtümlicherweise davon ausgegangen sei, es gehe um zwei Nichten. Sie
habe ihm gegenüber zum Ausdruck gebracht, dass sie sich durch diese bedrängt
fühle, dass sie sich vor ihnen fürchte und dass sie betrübt sei über deren "Erb-
schleicherei". Am 22. Juni 2006 habe Dr. med. V._, so das Bezirksgericht
weiter, sogar einen entsprechenden Eintrag in die Krankengeschichte gemacht.
Dr. med. V._ habe sich auch daran erinnert, dass I._, wenn sie sich
- 55 -
wieder einmal über ihre Nichten beklagt habe, jeweils erklärt habe, also denen
vermache ich nichts bzw. habe sich in diesem Sinne geäussert (act. 217 S. 25).
13.2. Die Beklagten 5 und 6 bringen gestützt auf die Ausführungen des Bezirks-
gerichts vor, Dr. med. V._ habe sich deutlich dahingehend geäussert, dass
die Erblasserin den Sinn des Testamentes verstanden habe (act. 201 S. 9). Aus
Mühen mit Prozentrechnung dürfe nicht auf Urteilsunfähigkeit geschlossen wer-
den (232 S. 6, S. 12 f.). Nachdem Dr. med. V._ die Dokumente (act. 39/2-4
und act. 39/7-8) vorgehalten worden seien, habe er erneut bestätigt, dass die Erb-
lasserin den grundsätzlichen Inhalt dieser Verträge verstanden und auch habe
äussern können, wie sie ihren Nachlass habe regeln wollen. Die Behauptung,
Dr. med. V._ hätte seinen Brief an die Gesundheitsdirektion (act. 157/3) nicht
oder anders abgefasst, wenn er Kenntnis von all diesen Vorgängen gehabt hätte
(d.h. Umstände betr. Abtretungsvertrag, gescheitertes Geschäft der Übereignung
...-Strasse ... [Wohnhaus I._], Miet- und Werkvertrag Scheune, den Testa-
mentsentwurf), sei eine reine Hypothese und durch die später erfolgte Befragung
von Dr. med. V._ als Zeuge widerlegt (act. 232 S. 6). Die Beklagten 5 und 6
wollen mit der Vorinstanz die Aussage des Hausarztes Dr. med. V._, die Erb-
lasserin habe ihn "ganz grob" über den Inhalt des Testamentes orientiert, sinn-
gemäss dahingehend verstanden haben, dass die Erblasserin Dr. med. V._
ganz allgemein, aber doch in der Sache, über den Inhalt des Testamentes orien-
tiert hatte (act. 232 S. 12). Der Schluss der Vorinstanz überzeuge, so die Beklag-
ten 5 und 6 weiter, wonach Dr. med. V._ als langjähriger Hausarzt die zu-
nehmende gesundheitliche Einschränkungen bestätige, die Urteilsfähigkeit der
Erblasserin im Zeitpunkt der Testamentserrichtung aber als klar gegeben beurteilt
habe, gegenteilige Beweise würden nicht vorliegen (act. 232 S. 8).
13.3. Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass das Schreiben von Dr. med. V._
vom 17. April 2019 an die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich nicht als Be-
weis förmlich offeriert und abgenommen wurde (Prot. VI S. 99, S. 116), Dr. med.
V._ als Zeuge indes den Inhalt des Schreibens bestätigte (act. 201 S. 12),
weshalb das Schreiben im Kontext den Ausführungen des Hausarztes zu würdi-
gen ist. Im Schreiben vom 17. April 2019 an die Gesundheitsdirektion (erstellt im
- 56 -
Zusammenhang mit dem Ersuchen um Entbindung von der beruflichen Schwei-
gepflicht) hielt Dr. med. V._ fest, dass er aufgrund der Krankengeschichte
und insbesondere aufgrund seines Berichts an die (damalige) Vormundschafts-
behörde K._ vom 23. September 2009 (act. 130/7) davon ausgehe, dass die
Patientin (I._) zum Zeitpunkt der Testamentserstellung trotz den vorhande-
nen Kurzzeitgedächtnisstörungen durchaus noch in der Lage gewesen sei, über
die Verteilung ihres Erbes zu entscheiden (act. 157/3 S. 2 oben). Die Patientin ha-
be ihm vor und nach der Testamentserstellung mehrmals mitgeteilt, dass sie ihren
Nichten nichts vermachen wolle, da sich diese nicht um sie kümmern würden.
Wiederholt habe Frau I._ immer wieder betont, dass sie sehr froh sei über
die Hilfe ihrer Nachbarin Frau G._. Aufgrund dieser gemachten Angaben ge-
he er davon aus, dass das Testament den Willen der Patientin ausdrücke
(act. 157/3 S. 2 oben).
Dr. med. V._ ist, wie bereits erwähnt, mit seinem Sachverstand und seiner
Erfahrung ein überdurchschnittlich zuverlässiger Zeuge, zumal er seine als Zeuge
deponierten Aussagen auf die Krankengeschichte stützen konnte (act. 201). In al-
ler Regel kann aber ein Zeuge hinsichtlich der Urteilsfähigkeit in Bezug auf ein
konkretes Rechtsgeschäft keine genaue Angaben machen, ausser er wisse tat-
sächlich genau Bescheid über das fragliche Rechtsgeschäft und die psychische
Verfassung der betreffenden Person (BGE 124 III 5, E. 4.d). Dr. med. V._
beantwortete eine entsprechende Frage zum Inhalt des Testamentes damit, er
wolle inhaltliche Sachen gar nicht genau wissen (act. 201 S. 10). Damit hielt der
Zeuge fest, dass er über das Testament, aber auch über die anderen Rechtsge-
schäfte, nicht (inhaltlich) Bescheid wusste. Damit kann allein aus der Einschät-
zung des Zeugen Dr. med. V._, die Erblasserin sei Ende Oktober 2008 für
das Abfassen eines Testamentes urteilsfähig gewesen, nicht einfach auf die Tes-
tierfähigkeit der Erblasserin geschlossen werden.
13.4. Dr. med. V._ antwortete auf die Frage, ob I._ je über die Rege-
lung ihres Nachlasses bzw. ein Testament gesprochen habe, wie folgt: "Frau
I._ hat mir jeweils so nebenbei, also wenn sie sich wieder einmal über ihre
Nichten beklagt hatte, gesagt: Also denen vermache ich nichts. So in diesem
- 57 -
Sinn. Das ist alles." (act. 201 S 8 unten). Und die Frage, ob I._ fähig gewe-
sen sei, den Sinn des Textes des Testamentes zu verstehen, beantwortete
Dr. med. V._ wie folgt: "Es ist kein komplizierter Text. Ich würde meinen: Ja,
das hat sie verstanden. Es hat ja auch übereingestimmt mit dem, was sie mir
mündlich gesagt hatte, also ganz grob. Vom F._ hat sie mir zum Beispiel nie
etwas erzählt." (act. 201 S. 9). Es wurde bereits erwähnt, dass Dr. med. V._
zum Inhalt des Testamentes nichts sagen kann und will ("Inhaltliche Sachen will
ich gar nicht genau wissen." [act. 201 S. 10]; E. 13.3.). Er konnte deshalb die
Komplexität des Inhaltes des Testamentes nicht beurteilen, weil er den Gesamt-
kontext nicht kannte (act. 215 S. 49; E. 7., E. 8.1.-8.6.). Den Aussagen von
Dr. med. V._ lässt sich einzig entnehmen, dass I._ sich offenbar mehr-
fach und nebenbei über ihre Nichten beklagt hatte, weshalb sie diesen nichts
vermache. Dass sie ein Testament errichtet bzw. errichtet habe, welches den Be-
klagten 6 zum Hauptbegünstigen machte und der Beklagten 5 die Schulden er-
liess, davon war nicht die Rede, dies wäre aber wesentlich gewesen, wie die Klä-
ger zu Recht geltend machen (act. 215 S. 48, act. 232 S. 6, S. 12). Es ist mit den
Klägern zu vermuten, dass sich die vom Zeugen Dr. med. V._ (zeitlich nicht
eingeordneten) Äusserungen der Erblasserin auf die Auseinandersetzung in der
Erbangelegenheit ihres verstorbenen Ehemannes bezog. Nach dem Tode von
O._, welcher, wie gesehen, mit dem Wechsel des zuständigen Treuhänders
einherging, war die Erblasserin in einer erbrechtlichen Auseinandersetzung mit
den Nichten ihres verstorbenen Ehemannes. Die Auseinandersetzung entschied
sich nicht zugunsten der Nichte(n) von O._, zumindest nicht, was die Liegen-
schaft ...-Strasse [Wohnhaus I._] anging (E. 6.1.).
13.5. Die Beklagten wiesen sodann als Belegstellen für die Verfügungsfähigkeit
der Erblasserin auf die Aussage von Dr. med. V._ hin, die Erblasserin habe
sich über ihre Nichten, nicht aber über Frau G._, beklagt (act. 201 S. 8).
Q._, die Pflegetochter, habe der Erblasserin sogar angeboten, den Inhalt des
Testamentes vom 27. Oktober 2008 mit ihr zusammen nachträglich abzuändern,
aber dies habe die Erblasserin auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht gewollt
(act. 228 Rz 24, 78, 114, 132; act. 232 S. 8). Demzufolge habe Q._ ihre
Pflegemutter auch zu einem späteren Zeitpunkt durchaus noch als verfügungsfä-
- 58 -
hig erachtet (act. 228 Rz 25). Die Beklagten 5 und 6 machen geltend, dass keine
(abnorme) Beeinflussbarkeit der Erblasserin im Zeitpunkt der Errichtung des Tes-
tamentes festgestellt werden könne. Im Gegenteil habe Q._ von ihrer Pfle-
gemutter erfahren, dass sich die Beklagte 5 das untere Haus zum Teil habe ab-
verdienen können und der Beklagte 6 das Vorkaufsrecht für die landwirtschaftli-
che Liegenschaft erhalten habe. Das habe klar aufgezeigt, dass I._ über sol-
che Vorgänge informiert gewesen sei und diese so auch gewollt habe (act. 232 S.
8, act. 154 S. 6).
Um urteilsfähig zu sein, braucht es nicht nur kognitive Fähigkeiten. Ebenso wich-
tig ist, sich einen freien und unbeeinflussten Willen bilden, sich auf Werte bezie-
hen und Druckversuchen entgegenwirken zu können. Gemäss höchstrichterlicher
Rechtsprechung ist zur Beurteilung der Testierfähigkeit neben der Willensbil-
dungs- und Willensdurchsetzungsfähigkeit die Frage zu beantworten, ob der Erb-
lasser überdies in einem adäquaten Gemütszustand (affektives Element) gehan-
delt habe (BGer 5A_748/2008 vom 16. März 2009 E. 3.2., 3.3.). Q._, die die
Erblasserin durchschnittlich einmal im Monat besucht hatte (act. 154 S. 2), erklär-
te, sie habe den Eindruck gehabt, Frau G._ und ihre Pflegemutter hätten sich
gemocht. Mama habe erzählt von schönen Ausflügen, die sie miteinander ge-
macht hätten (act. 154 S. 3). Manchmal sei schon ein Misston hineingekommen,
zum Beispiel als Frau G._ den Einbau eines neuen Ofens in die Wohnung
des unteren Hauses (das heisst in das von ihr bewohnte Haus) durchgesetzt ha-
be. Da habe Mama gejammert, dass sie sich bedrängt fühle. Auf der anderen Sei-
te habe sie halt nie gerne Geld in die Hand genommen (act. 154 S. 3). Die Be-
klagte 5 übte über die ihr zukommende Vertrauensstellung grossen Einfluss auf
die Erblasserin aus. Die Beklagte 5 war die einzige Bezugsperson der Erblasserin
und sie versuchte durch ihre Präsenz sicherzustellen, dass die Beziehung zu kei-
ner anderen Person ähnlich intensiv wurde. AO._ erklärte, Frau G._ ha-
be die Erblasserin zum Arzt, zum Einkauf gefahren. Sie sei immer präsent gewe-
sen. Kaum sei man dort gewesen, sei Frau G._ von irgendwoher gekommen
(act. 154 S. 4). Sie sei vielleicht zu viel in die ganzen Angelegenheiten eingedrun-
gen (act. 154 S. 5). Q._ erinnerte sich demgegenüber an eine Anwesenheit
von Frau G._ bei einem ihrer Besuche (act. 154 S. 15). An der Beerdigung
- 59 -
von O._ war aber Q._ eigenen Angaben zufolge nicht anwesend, weil
sie sich nicht erwünscht gefühlt habe (act. 154 S. 8, S. 14); T._ durfte eige-
nen Angaben zufolge auf Geheiss der Erblasserin auch nicht an der Beerdigung
von O._ teilnehmen (act. 183 S. 5). Und vom Wechsel ihrer Pflegemutter ins
Pflegeheim N._, wo Frau G._ damals glaublich gekocht habe (act. 154
S. 12), erfuhr Q._ eigenen Ausführungen zufolge erst durch T._, Frau
G._ habe sie über derartige Angelegenheiten nicht informiert (act. 154 S. 7).
Frau G._ habe der Beiständin nicht mitgeteilt, dass es sie, die Pflegetochter
gebe (act. 154 S. 15). Auch die die Beerdigung gestaltende Frau Pfarrerin habe
nicht gewusst, dass es sie, Q._, überhaupt gebe (act. 154 S. 7). Eine Einla-
dung zur Beerdigung ihrer (Pflege-)Mutter habe sie nicht erhalten, und erst durch
AJ._ (AJ._) vom Tod und der Beerdigung erfahren (act. 154 S. 16). Die
Erblasserin war in einem eigentlichen Abhängigkeitsverhältnis. Dritte hätten mög-
lichst wenig in das Verhältnis Einblick erhalten sollen (E. 3.6., E. 4.2., E. 5.1.-5.2.).
Q._ beschrieb anschaulich, wie die Erblasserin darunter gelitten habe, dass
alle an ihren Besitz haben kommen wollen (act. 154 S. 9) und wie sie selbst ge-
merkt habe, dass sie nicht mehr die Kraft habe, sich gegen die Einflüsse der Be-
klagten 5 zu wehren (act. 154 S. 6). Die Erblasserin gab ihrer jahrzehntelangen
Bekannten nicht nur in einem Geschäft nach, was als normales Verhalten in der
gegebenen Lebenssituation zu werten gewesen wäre, sondern überliess in den
rund drei Jahren nach dem Tod ihres Ehemannes nahezu ihr gesamtes Vermö-
gen den Beklagten 5 und 6, die diesbezüglich als Einheit zu betrachten sind. Die
Pflegetochter Q._ fühlte sich desavouiert und musste aus Enttäuschung über
das Vorgehen ihrer Pflegemutter eine Zeitlang auf Distanz gehen (act. 154 S. 6).
Wegen des alters- und krankheitsbedingten geistigen Abbaus, den körperlichen
Gebresten und der recht isolierten Lebensumstände hätte Widerstand, falls die
Erblasserin dazu überhaupt noch nicht der Lage gewesen wäre, einschneidende
und unangenehme Folgen für die Erblasserin gehabt. Die Beklagte 5 war Be-
zugsperson und Nachbarin und nach dem Verkauf der Liegenschaft ...-Strasse im
Juni 2006 konnte auch diese räumliche Nähe nicht mehr geändert werden. Es ist
nicht erkennbar, inwiefern die hilflose Erblasserin die Kraft und Energie gehabt
hätte, sich von der Beklagten 5 zu trennen und einen Ersatz für sie hätte finden
- 60 -
können. Selbständig leben konnte sie nicht mehr, und in ein Heim wollte sich nicht
gehen. Durch das von verschiedenen Zeugen beschriebene Naturell, sehr gutmü-
tig und sehr liebenswürdig (act. 201 S. 2), gesellig, gesprächig, fröhlich (act. 183
S. 6 unten f.), war sie umso mehr auf Kontakt angewiesen. Die Erblasserin stand
unter dem beherrschenden Einfluss der Beklagten 5.
Wenn sich die Erblasserin gegenüber ihrem Hausarzt positiv über ihre - mutmass-
lich im Sprechzimmer ebenfalls anwesende - Bezugsperson äusserte (act. 201
S. 5; E. 4.2.), auf deren Unterstützung sie angewiesen war, kann jedenfalls dar-
aus nicht der Schluss gezogen werden, diese Person sei bezüglich intellektuell
anspruchsvolleren Fragen - wozu letztwillige Verfügungen gehören - durchset-
zungsfähig gewesen. Es ist im Übrigen nicht nachvollziehbar, inwiefern die Erb-
lasserin vor den beiden Nichten (aus der Verwandtschaft ihres Ehemannes), mit
denen sie kaum Kontakt gehabt haben wollte und die sich (angeblich) nicht für sie
interessiert hätten, Angst zu haben brauchte (act. 201 S. 4). Inwiefern die Ableh-
nung der Verwandtschaft(en) auf freiem, unbeeinflussten Willen der Erblasserin
beruhte, lässt sich nicht abschliessend beurteilen (E. 13.3.). Die Ausführungen
der Vorinstanz, es könne ausgeschlossen werden, dass die Erblasserin ihre
nächsten gesetzlichen Erben hätte berücksichtigen wollen, ist jedenfalls durch
das oben Ausgeführte relativiert (E. 1.2., E. 13.3.). Die Nichten von O._, über
die sich die Erblasserin gegenüber Dr. med. V._ mutmasslich beklagt hatte,
sind aber ohnehin nicht an ihrem Nachlass berechtigt. Q._, die differenziert
ihr nicht immer einfaches Verhältnis zur Erblasserin geschildert hatte (act. 154
S. 2, 6, 8, 11), drückte uneigennützig ihre Verwunderung darüber aus, dass die
Erblasserin ihre Nichte AJ._ (AJ._) testamentarisch nicht berücksichtigt
hatte (act. 154 S. 13). Sie, Q._, könne sich nicht vorstellen, dass ihre Pfle-
gemutter von sich aus auf diese Idee gekommen sei.
14. Insgesamt ergibt sich vor allem zufolge Demenzerkrankung das Bild einer
allgemeinen Geistesverfassung der Erblasserin, das den Schluss zulässt auf eine
im 2008 deutlich eingeschränkte Willensbildungsfähigkeit. Aber auch die  ist deutlich tangiert. Die Einsamkeit, die depressive Stim-
mung, die andauernden körperlichen Gebresten und die Abhängigkeit von Dritten,
- 61 -
das heisst der Beklagten 5, trugen zu einer psychisch labilen Situation der Erblas-
serin bei, was die Erblasserin beeinflussbar machte. Es ist schwierig post mortem
den Beweis zu erbringen, dass die Erblasserin im Zeitpunkt der Testamentserrich-
tung verfügungsunfähig war (E. 2.). Da ein strikter Beweis oft nicht möglich ist, be-
trachtet die Rechtsprechung wie dargelegt eine überwiegende Wahrscheinlichkeit
als ausreichend (E. 2.). Nach dem Beweismass der überwiegenden Wahrschein-
lichkeit gilt ein Beweis als erbracht, wenn für die Richtigkeit der Sachbehauptung
nach objektiven Gesichtspunkten derart wichtige Gründe sprechen, dass andere
denkbare Möglichkeiten vernünftigerweise nicht massgeblich in Betracht fallen
(BGE 144 III 264 E. 5.2.). Demnach genügt es im Zusammenhang mit letztwilligen
Verfügungen, wenn die Umstände es als überwiegend wahrscheinlich erscheinen
lassen, dass auf den Erblasser Einfluss ausgeübt wurde. Dass der Beeinflus-
sungsversuch wirksam war, braucht hingegen nicht besonders nachgewiesen zu
werden, sondern ist zu vermuten, wenn einerseits eine übermässige Beeinfluss-
barkeit feststeht und andererseits davon auszugehen ist, dass eine Beeinflussung
versucht wurde (Seiler, a.a.O., Rz 471 f. mit Hinweisen auf die höchstrichterliche
Rechtsprechung). Die nach dem Tod von O._ rasche Abfolge der lebzeitigen
Rechtsgeschäfte, die in ihren Abfassungen unüblich sind, ein einheitliches Muster
befolgen und alle zum Vorteil der Beklagten 5 und 6 und zum Nachteil der unbe-
strittenermassen sparsamen Erblasserin waren, zeigen die Beeinflussung durch
die Beklagten 5 und 6 auf. Dabei wurde die Grenze der normalpsychologischen
Beeinflussung durch die langjährige Bekannte, die aus dem gleichen Herkunfts-
land stammt und eine ähnliche Biografie hat, im Zusammenspiel mit der De-
menzerkrankung, den kognitiven Fähigkeiten, dem Gemütszustand sowie den er-
wähnten Lebensumstände überschritten. Aufgrund einer Würdigung der Umstän-
de ist davon auszugehen, dass die Beklagte 5, die vertraglich die Interessen der
Erblasserin zu wahren hatte, die Beziehung mit Absicht gelenkt und einen Plan
der maximalen Begünstigung unter Ausnützung der fragilen Lage der Erblasserin
(E. 13.5.) hatte. Die übermässige Beeinflussbarkeit der Erblasserin steht fest und
die Beeinflussung, welche keine unzulässige Mittel voraussetzt, wurde (mindes-
tens) versucht. Es ist daher - in Vergegenwärtigung dessen, dass auch Erblasser
unter strapaziösen Belastungen oder Schwäche verfügen dürfen - der Schluss zu
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ziehen, dass die Erblasserin in Bezug auf den Abschluss eines relativ anspruchs-
vollen Geschäftes, wozu die Errichtung eines Testamentes zählt, aufgrund ihres allgemeinen Gesundheits- bzw. Schwächezustandes im relevanten Zeitraum
Herbst 2008 mit grosser Wahrscheinlichkeit und nach allgemeiner  im Normalfall nicht mehr autonom handeln konnte. Es ist in einem solchen Fall die Testierfähigkeit der Erblasserin im Sinne der Rechtsprechung zu vernei-
nen. Es wurden keine Umstände hervorgehoben, wonach die Erblasserin trotz der
im Normalfall gegebenen Urteilsunfähigkeit zum fraglichen Zeitpunkt ausnahms-
weise urteilsfähig gewesen wäre.
15. Zusammenfassend ist die letztwillige Verfügung von I._ vom 27. Okto-
ber 2008 gestützt auf Art. 519 Abs. 1 Ziff. 1 i.V.m. Art. 467 ZGB für ungültig zu er-
klären, weil sie von der Erblasserin zu einer Zeit errichtet worden war, in welcher
ihr die Verfügungsfähigkeit gefehlt hatte.
16. Es ist wie bereits erwähnt (oben, E. I.2.1.) unbestritten geblieben, dass der
Erbteil der Kläger 1 und 2 ohne die letztwillige Verfügung der Erblasserin vom
27. Oktober 2008 je 1/9 betragen. Nachdem diese letztwillige Verfügung für un-
gültig zu erklären ist, ist festzustellen, dass die Erbteile am Nachlass der Erblas-
serin des Klägers 1 einen Neuntel (1/9) und der Kläger 2a und 2b einen Acht-
zehntel (1/18) betragen.
III.
(Eventualbegehren, Vermächtnisunwürdigkeit)
Das Eventualbegehren (es seien die Beklagten 5 und 6 als vermächtnisunwürdig
zu erklären) wird gegenstandslos bei Gutheissung des Hauptbegehrens. Das Tes-
tament ist ungültig, weshalb es keine Wirkungen zwischen den Klägern und den
Beklagten entfaltet.
Der Beklagte 1 könnte keinen Rückgriff auf die Kläger als Miterben nehmen, wenn
er von den Vermächtnisnehmern in einem allfälligen Nachfolgeprozess auf Geld-
zahlung belangt werden sollte. Die Kläger sind von der Vermächtnisschuld befreit.
Das Interesse der Kläger an einem Entscheid über die Vermächtniswürdigkeit der
- 63 -
Beklagten 5 und 6 ist entfallen. Das Verhältnis zwischen dem Beklagten 1 und
den Beklagten 4, 5 und 6 ist im Übrigen nicht Gegenstand des Prozesses. Im Er-
gebnis ist das Eventualbegehren der Kläger, die Beklagten 5 und 6 seien ver-
mächtnisunwürdig zu erklären, als gegenstandslos geworden abzuschreiben.
IV.
(Kosten- und Entschädigungsfolgen)
1.1. Trifft die Rechtsmittelinstanz einen neuen Entscheid, so entscheidet sie
auch über die Prozesskosten des erstinstanzlichen Verfahrens, zu welchen die
Gerichtskosten und die Parteientschädigung zählen (Art. 318 Abs. 3 ZPO; Art. 95
Abs. 1 ZPO).
1.2. Die Vorinstanz setzte die Entscheidgebühr des erstinstanzlichen Verfahrens
ausgehend von einem Streitwert von Fr. 320'000.-- auf Fr. 20'000.-- fest. Hinzu
kommen die Barauslagen von Fr. 1'093.50 zuzüglich Fr. 630.--. Die Parteient-
schädigung berechnete sie für die Beklagte 1 und 4 bzw. die Beklagten 5 und 6
auf je Fr. 49'000.-- (inkl. Mehrwertsteuer). Die Festsetzung der Kosten und der
Entschädigung wurde von den Klägern "unabhängig vom Ausgang des übrigen
Berufungsverfahrens" als zu hoch beanstandet, die Beklagten schliessen sich der
Berechnung der Vorinstanz an und weisen darauf hin, dass die Parteientschädi-
gung am unteren Rand des Ermessens des Gerichts festgesetzt worden sei
(act. 215 S. 3, S. 57 ff., act. 228 Rz 158 ff., act. 232 S. 14 ff., S. 16).
Die Prozesskosten werden in Anwendung der Gebührenverordnung und der Ver-
ordnung über die Anwaltsgebühren (Art. 96 ZPO) nach Art. 106 Abs. 1 ZPO der
unterliegenden Partei auferlegt. Sind am Prozess mehrere Personen beteiligt, be-
stimmt das Gericht ihren Anteil an den Prozesskosten (Art. 106 Abs. 3 ZPO).
1.3. Ausgangsgemäss werden die Beklagten kosten- und entschädigungspflich-
tig. Die Vorinstanz setzte die Gerichtskosten bestehend aus der Entscheidgebühr
von Fr. 20'000.-- und den Barauslagen von Fr. 1'723.50, auf Fr. 21'723.50 fest.
Die Kostenfestsetzung ist mit Rücksicht auf den unbestrittenen Streitwert von
Fr. 320'000.00 nicht zu beanstanden. Die Gerichtskosten sind den Beklagen auf-
- 64 -
zuerlegen. Die Kläger leisteten im vorinstanzlichen Verfahren einen Kostenvor-
schuss von Fr. 17'150.-- (verbucht im Verfahren CP180003 Bezirksgericht Hinwil).
Sodann leisteten die Kläger im Verfahren CP180003 einen Betrag für Barausla-
gen von Fr. 2'400.-- und die Beklagten 1 und 4 bzw. 5 und 6 einen solchen von je
Fr. 1'500.--. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens sind aus den von den
Beklagten geleisteten Kostenvorschüssen von Fr. 3'000.-- und im Mehrbetrag
(Fr. 18'723.50) aus den von den Klägern geleisteten Kostenvorschüssen zu be-
ziehen. Die Beklagten sind solidarisch zu verpflichten, den Klägern den Betrag
von Fr. 18'723.50 zurückzuerstatten. Die nicht beanspruchten Kostenvorschüsse
der Kläger im Betrag von Fr. 826.50 sind den Klägern unter Berücksichtigung ei-
nes allfälligen Verrechnungsrechts der Gerichtskasse zurückzuerstatten.
Für die interne Aufteilung sind die Kosten unter Hinweis auf den verhältnismässig
kleinen Interessenwert der Beklagten 4 im Umfang von Fr. 723.50 aufzuerlegen.
Im Übrigen sind die Kosten den Beklagten 1, 5 und 6 je zu einem Drittel
(Fr. 7'000.--) aufzuerlegen, unter solidarischer Verpflichtung für den gesamten Be-
trag.
1.4. Die Grundgebühr für die Parteientschädigung beträgt bei einem Streitwert
von unbestrittenermassen Fr. 320'000.-- Fr. 19'800.--. Die Grundgebühr ist zu
verdoppeln auf Fr. 39'600.-- (act. 232 S. 15, act. 228 Rz 162 ff., act. 215 S. 60).
Die Verdoppelung der Grundgebühr rechtfertigt sich unter Hinweis auf den dop-
pelten Schriftenwechsel, die an vier Tagen stattgefundenen Zeugeneinvernahmen
und die Stellungnahme zum Beweisergebnis. Der Mehrwertsteuersatz wurde per
1. Januar 2018 gesenkt von 8% auf 7.7% (act. 45 S. 3). Die Rechtsschriften wur-
den vor 2018 geleistet, das Beweisverfahren fand in den Jahren 2018 und 2019
statt. Ermessensweise sind die Mehrwertsteuersätze von 8 % und von 7.7 % auf
je die Hälfte der Parteienentschädigung (das heisst auf je Fr. 19'800.--) anzuset-
zen. Dies ergibt eine Parteientschädigung von Fr. 21'384.-- (bis Ende 2017) und
von Fr. 21'324.60 (ab 2018), insgesamt Fr. 42'708.60 (inkl. Mehrwertsteuer). Ent-
sprechend dem Umfang ihres Unterliegens bzw. der auferlegten Kosten hat die
Beklagte 4 Fr. 1'424.-- zu tragen, und die Beklagten 1, 5 und 6 insgesamt
Fr. 41'284.60. Beide Kläger bzw. die Rechtsnachfolger des Klägers 2 waren bis
- 65 -
17. Februar 2022 anwaltlich durch Rechtsanwalt X._ vertreten (act. 258). Die
Beklagten 1, 5 und 6 sind deshalb zu verpflichten, die Parteientschädigung von
Fr. 41'284.60 je zur Hälfte (damit im Betrag von je Fr. 20'642.30) dem Kläger 1
und den Klägern 2a und b zu bezahlen, in solidarischer Verpflichtung für den
ihnen auferlegten gesamten Betrag. Die Beklagte 4 ist zu verpflichten, an den
Kläger 1 resp. an die Kläger 2a und b je Fr. 712.-- (inkl. MwSt) zu bezahlen.
Die vom Kläger 1 im Verfahren CP130002 geleistete und auf das Verfahren
CP180003 (beide Verfahren vor Bezirksgericht Hinwil) umgebuchte Sicherheit für
eine mutmassliche Parteientschädigung an die Gegenseite im Betrag von
Fr. 9'000.-- ist ihm unter Vorbehalt eines allfälligen Verrechnungsrechts der Ge-
richtskasse zurückzuerstatten.
2.1. Die Kläger obsiegen im Berufungsverfahren, weshalb die Beklagten auch im
zweitinstanzlichen Verfahren kosten- und entschädigungspflichtig werden. Aus-
gehend vom genannten Streitwert von Fr. 320'000.-- ist die Entscheidgebühr für
das zweitinstanzliche Verfahren (inklusive Verfahren LB160042) gestützt auf § 12
Abs. 1 und 2 GebV OG auf Fr. 17'100.-- festzusetzen. Die Kosten werden aus
dem von den Klägern im Prozess LB160042 geleisteten Kostenvorschuss in näm-
licher Höhe bezogen. Die Beklagten haben den Klägern den Betrag zu ersetzen.
Für die interne Aufteilung sind die Kosten unter Hinweis auf den verhältnismässig
kleinen Interessenwert der Beklagten 4 im Umfang von Fr. 600.-- aufzuerlegen.
Im Übrigen sind die Kosten den Beklagten 1, 5 und 6 je zu einem Drittel, das
heisst zu Fr. 5'500.-- aufzuerlegen, unter solidarischer Verpflichtung für den ge-
samten Betrag.
2.2. Die Beklagten haben den Klägern für das vorliegende Berufungsverfahren
(inklusive Verfahren LB160042) zudem eine volle, das heisst nicht gestützt auf
§ 13 Abs. 2 AnwGebV reduzierte, Parteientschädigung von Fr. 19'800.-- zuzüglich
7.7 % Mehrwertsteuer, insgesamt Fr. 21'324.60 zu bezahlen. Entsprechend dem
Umfang ihres Unterliegens bzw. den ihnen auferlegten Kosten, hat die Beklagte 4
Fr. 800.-- (inkl. MwSt) zu tragen und die Beklagten 1, 5 und 6 insgesamt
Fr. 20'524.60. Die Beklagten 1, 5 und 6 sind deshalb zu verpflichten, die Partei-
entschädigung je zur Hälfte (damit im Betrag von je Fr. 10'262.30, inkl. MwSt)
- 66 -
dem Kläger 1 und den Klägern 2a und b zu bezahlen, unter solidarischer Ver-
pflichtung für den ihnen auferlegten gesamten Betrag. Die Beklagte 4 ist zu ver-
pflichten, an den Kläger 1 resp. an die Kläger 2a und b je Fr. 400.-- (inkl. MwSt)
zu bezahlen.
Die vom Kläger 1 im Berufungsverfahren LB160042 geleistete Sicherheit für eine
mutmassliche Parteientschädigung an die Gegenseite im Betrag von Fr. 9'900.--
ist ihm unter Vorbehalt eines allfälligen Verrechnungsrechts der Gerichtskasse zu-
rückzuerstatten.
V.
(Anträge der Beklagten auf Sicherheitsleistung)
Die Anträge der Beklagten vom 16. März 2020 (act. 222) und vom 11. Mai 2020
(act. 232) auf Verpflichtung der Kläger zur Leistung einer Sicherheit für eine mut-
masslich geschuldete Parteientschädigung im Sinne des Art. 99 ZPO sind aus-
gangsgemäss hinfällig geworden.
VI.
(aufschiebende Wirkung einer allfälligen Beschwerde)
Die Kläger verlangen eine Gestaltung der Rechtslage. Einer allfälligen Beschwer-
de kommt aufschiebende Wirkung zu, weil sie sich gegen ein Gestaltungsurteil
richten würde (Art. 103 Abs. 2 lit. a BGG).