# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ae87db2e-583b-4f46-92ae-a3794f5d91f8
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
versuchte Tötung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster vom 15. September 2011 (DG110012)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 9. Mai 2011
(Urk. 33) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 83)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte wird schuldig gesprochen
- der versuchten Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB;
- des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in
Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. d und Art. 5 Abs. 1 lit. d WG;
- des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19
Ziff. 1 Abs. 4 und 5 BetmG (in der bis zum 30. Juni 2011 gültigen Fassung) sowie
- der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a
Ziff. 1 BetmG.
2. Die mit Entscheid des Justizvollzugs des Kantons Zürich (recte: Schaffhausen) vom
30. Oktober 2009 für eine Reststrafe von 37 Tagen Freiheitsstrafe angeordnete bedingte
Entlassung des Beschuldigten wird widerrufen.
3. Der Beschuldigte wird unter Einbezug der widerrufenen bedingten Entlassung bestraft mit
8 Jahren Freiheitsstrafe sowie einer Busse von Fr. 200.– als Gesamtstrafe, wovon
444 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft bis und mit heute erstanden sind.
Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 2 Tagen.
4. Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB ange-
ordnet.
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5. Folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 23. März 2011
beschlagnahmten Gegenstände werden nach Rechtskraft des Urteils definitiv eingezogen
und der Kantonspolizei zur Vernichtung überlassen:
- Schlagring
- DNA-Spuren ab Schlagring
- Klebebandabzüge ab Kleidung des Privatklägers
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 23. März 2011 be-
schlagnahmten Kleidungsstücke des Privatklägers werden nach Rechtskraft des Urteils
dem Privatkläger auf erstes Verlangen ausgehändigt.
7. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger aus dem einge-
klagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung
des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger auf den Weg des Zivil-
prozesses verwiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger eine Genugtuung von Fr. 10'000.–
zuzüglich 5 % Zins ab 24. Juni 2010 zu bezahlen.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 16'201.10 Untersuchungskosten
Fr. 2'000.– Gebühr Vorverfahren
Fr. 27'853.– Kosten der amtlichen Verteidigung
Fr. 14'707.80 Kosten der Vertretung des Privatklägers
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt, aber abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltli-
chen Privatklägervertretung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt
eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
11. (Mitteilungen)
12. (Rechtsmittelbelehrung)"
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Berufungsanträge:
a) Des Verteidigers des Beschuldigten:
(Urk. 102 S. 1 f.)
1. A._ sei des Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art.
33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. d WG und Art. 5
Abs. 1 lit. d WG sowie des mehrfachen Vergehens gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz i.S.v. Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 5 BetmG sowie der
mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von
Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen.
2. A._ sei vom Vorwurf der versuchten Tötung i.S.v. Art. 111 StGB
i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen.
3. Er sei als Gesamtstrafe mit einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten und
einer Busse von Fr. 200.– zu bestrafen, unter Anrechnung der bereits
erstandenen Haftzeit.
4. Der Entscheid des Amtes für Straf- und Massnahmenvollzug des
Kantons Schaffhausen vom 30.10.2009 betreffend bedingte Entlassung
unter Aufschub der Reststrafe von 37 Tagen sei zu widerrufen.
5. Es sei eine ambulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB anzu-
ordnen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 23.3.2011 beschlag-
nahmten Gegenstände (Schlagring, DNA-Spuren ab Schlagring) seien
definitiv einzuziehen und zu vernichten.
7. Für die Überhaft sei A._ eine angemessene Genugtuung zuzu-
sprechen.
8. Die Zivilklage des Geschädigten (Schadenersatz- und Genugtuungs-
forderungen) seien auf den Zivilweg zu verweisen.
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9. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse
zu nehmen. Die Untersuchungskosten sowie die Kosten des
vorinstanzlichen gerichtlichen Verfahrens seien zufolge des Frei-
spruchs im Hauptanklagepunkt grösstenteils auf die Staatskasse zu
nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 103 S. 1)
1. Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 15. September
2011 mit Ausnahme von Ziffer 3 (Strafe).
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren und einer
Busse von Fr. 500.– zu bestrafen, unter Anrechnung der erstandenen
Haft. Es sei eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen im Falle der schuld-
haften Nichtbezahlung der Busse anzusetzen.
c) Des Vertreters des Privatklägers:
(Urk. 104 S. 1)
1. Der Beschuldigte A._ sei anklagegemäss der versuchten
vorsätzlichen Tötung schuldig zu sprechen.
2. Der Beschuldigte sei in Abänderung des Urteils des Bezirksgerichts
Uster vom 15. September 2011, Disp.-Ziff. 8, zu verpflichten, dem
Privatkläger eine Genugtuung von Fr. 20'000.00 zuzüglich 5% Zins ab
24. Juni 2010 zu bezahlen.
3. Die Kosten der unentgeltlichen Geschädigtenvertretung seien dem
Beschuldigten bzw. der Staatskasse aufzuerlegen.
4. Es sei dem Geschädigten das schriftlich begründete Urteil zuzustellen.
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## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Mit vorstehend wiedergegebenem Urteil vom 15. September 2011 wurde der
Beschuldigte der versuchten vorsätzlichen Tötung, des Vergehens gegen das
Waffengesetz, des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz
sowie der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig ge-
sprochen und unter Einbezug einer Reststrafe von 37 Tagen Freiheitsstrafe aus
einer widerrufenen bedingten Entlassung mit einer Gesamtstrafe von 8 Jahren
Freiheitsstrafe, wovon 444 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft
erstanden waren, sowie mit einer Busse von Fr. 200.– bestraft. Gleichzeitig wurde
eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB ange-
ordnet (und - was sich aus den Erwägungen ergibt - der Vollzug der Freiheits-
strafe zu diesem Zweck nicht aufgeschoben). Weiter entschied die Vorinstanz
über verschiedene beschlagnahmten Gegenstände, stellte fest, dass der
Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger aus dem angeklagten Ereignis dem
Grundsatze nach schadenersatzpflichtig sei, und verpflichtete den Beschuldigten,
dem Privatkläger eine Genugtuung von Fr. 10'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit
dem 24. Juni 2010 zu bezahlen. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtli-
chen Verfahrens wurden dem Beschuldigten auferlegt, aber abgeschrieben, und
die Kosten der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen Vertretung des
Privatklägers wurden unter Vorbehalt der Nachzahlungspflicht gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO einstweilen auf die Gerichtskasse genommen (Urk. 83 S. 118 f.).
1.2. Gegen dieses Urteil meldeten alle Parteien Berufung an: Der Beschuldigte
und die Staatsanwaltschaft je am 16. September 2011 (Urk. 65 und 66) sowie der
Privatkläger am 22. September 2011 (Urk. 71). Rechtzeitig gingen sodann nach
Zustellung des begründeten Urteils (vgl. dazu Urk. 80) auch die entsprechenden
Berufungserklärungen beim Obergericht ein: Jene der Staatsanwaltschaft am
16. Dezember 2011 (Urk. 84) und jene des Beschuldigten und des Privatklägers
am 27. Dezember 2011 (Urk. 86 und 88). Mit Präsidialverfügung vom 25. Januar
2012 wurden die Berufungserklärungen in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3
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StPO den jeweiligen Gegenparteien übermittelt, um gegebenenfalls Anschluss-
berufung zu erheben oder Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen. Gleich-
zeitig wurde der Staatsanwaltschaft und dem Privatkläger Frist angesetzt, um sich
zum Beweisantrag der Verteidigung (Einholung eines neuen psychiatrischen Gut-
achtens, Urk. 86 S. 3) zu äussern (Urk. 92). Am 17. Februar 2012 teilte die
Staatsanwaltschaft mit, keine Einwendungen gegen das Eintreten auf die Beru-
fungen zu erheben und die Abweisung des Beweisantrags zu beantragen
(Urk. 94). Der Beschuldigte und der Privatkläger liessen sich nicht mehr verlauten.
Mit Verfügung vom 12. März 2012 wies der Kammerpräsident den Beweisantrag
der Verteidigung ab (Urk. 97).
1.3. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Beschuldigte
persönlich und in Begleitung des amtlichen Verteidigers RA lic. iur. X._, der
Staatsanwalt lic. iur. R. Geisseler sowie der Vertreter des Privatklägers,
RA lic. iur. Y._, erschienen sind, waren keine Vorfragen zu entscheiden
(Prot. II S. 1 und 6). Der amtliche Verteidiger beantragte, es sei - sofern das
Berufungsgericht seiner Einschätzung betreffend die Verminderung der Schuld-
fähigkeit des Beschuldigten nicht folge - ein neues Gutachten einzuholen
(Urk. 102 S. 29). Das vorliegende Urteil erging im Anschluss an die Berufungs-
verhandlung (Prot. II S. 14 ff.).
2. Umfang der Berufung
Die Staatsanwaltschaft beschränkt ihre Berufung auf die Frage der Strafzu-
messung und möchte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren
sowie einer Busse von Fr. 500.– bestraft sehen (Urk. 84). Der Beschuldigte lässt
das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich des Schuldspruchs betreffend vorsätzliche
Tötung, der Strafzumessung, der Anordnung einer ambulanten Massnahme, der
Regelung der Zivilansprüche sowie der Kostenverlegung anfechten (Urk. 86),
wobei er anlässlich der Berufungsverhandlung ausführen lässt, das vorinstanzli-
che Urteil werde in Bezug auf die Anordnung einer ambulanten Massnahme nicht
mehr angefochten (Prot. II S. 7). Der Privatkläger stellt den Antrag, es sei ihm in
diesbezüglicher Abänderung des angefochtenen Urteils eine Genugtuung von
Fr. 20'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 24. Juni 2010 zuzusprechen (Urk. 88). In den
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folgenden Punkten ist das vorinstanzliche Urteil damit unangefochten geblieben
und demnach in Rechtskraft erwachsen (Art. 399 Abs. 3 StPO in Verbindung mit
Art. 402 und 437 StPO; vgl. Prot. II S. 7):
- Schuldsprüche wegen des Vergehens gegen das Waffengesetz, des mehr-
fachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz und der mehrfachen
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes (Dispositivziffer 1, Abschnitte 2
bis 4);
- Widerruf der für eine Reststrafe von 37 Tagen Freiheitsstrafe durch das Amt
für Justiz, Straf- und Massnahmenvollzug Schaffhausen am 30. Oktober
2009 angeordneten bedingten Entlassung (Dispositivziffer 2);
- Entscheid über die Anordnung einer ambulanten Massnahme im Sinne von
Art. 63 StGB (Dispositivziffer 4);
- Entscheide über verschiedene beschlagnahmte Gegenstände (Dispositivzif-
fern 5 und 6);
- Kostenfestsetzung (Dispositivziffer 9).
Der Eintritt der Rechtskraft dieser Punkte ist vorab vorzumerken.
3. Sachverhalt
3.1. Im Rahmen der - einzig noch strittigen - Thematik der versuchten vor-
sätzlichen Tötung wird dem Beschuldigten von der Staatsanwaltschaft kurz
zusammengefasst vorgeworfen, am Abend des 24. Juni 2010 dem Privatkläger,
mit welchem er sich vorgängig einen telefonischen Disput geliefert hatte, zunächst
mehrere Schläge mit einem Schlagring und hernach mit einem Küchenmesser
einer Klingenlänge von ca. 17 cm einen gezielten Stich in die linke Brustseite
zwischen dem 3. und 4. Rippenzwischenraum versetzt zu haben, bevor er, als er
nochmals habe zustechen wollen, von C._ zurückgehalten worden sei. Der
Beschuldigte habe dem Privatkläger eine mindestens wenige Zentimeter tiefe
Stichverletzung mit Eröffnung der linken Brusthöhle mit Lufteintritt zwischen Lun-
gen- und Rippenfell und Kollaps der linken Lungenflügelseite und Verletzung der
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Lunge zugefügt, dies in unmittelbarer Nähe des Herzens und der herznahen Ge-
fässe. Die Stichverletzungen hätten zur potentiellen Gefahr eines Spannungs-
pneumothorax und mithin einer lebensbedrohlichen Situation geführt, welche
Gefahr dank notärztlicher Hilfe indessen unterblieben sei. Solcherart habe der
Beschuldigte den Tod des Privatklägers gewollt oder zumindest in Kauf genom-
men (im Einzelnen: Anklageschrift S. 3 ff.). Der Beschuldigte bestreitet - ebenfalls
kurz zusammengefasst - nicht, dass die Verletzungen des Privatklägers von dem
von ihm - dem Beschuldigten - geführten Messer herrühren, macht aber geltend,
den Privatkläger unabsichtlich getroffen zu haben, als dieser bei der tätlichen
Auseinandersetzung gestolpert sei.
3.2. Der massgebliche Sachverhalt ist damit zu erstellen. Wie dabei in theoreti-
scher Hinsicht vorzugehen ist, hat die Vorinstanz zutreffend dargelegt (Urk. 83
S. 7 ff.). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.3. Weiter hat die Vorinstanz ausführlich, sorgfältig und zutreffend die mass-
geblichen Aussagen all jener Personen zusammengefasst, die etwas zur Sache
aussagen konnten (Urk. 83 S. 10 ff.). Auch hierauf ist zu verweisen (Art. 82
Abs. 4 StPO).
3.4. Und schliesslich kann vorweggenommen werden, dass den von der
Vorinstanz aus dem Beweismaterial gezogenen Schlüssen ganz grossmehrheit-
lich zu folgen ist. Die folgenden Erwägungen sind deshalb schwergewichtig
ergänzender und präzisierender Natur.
3.4.1. Aus dem Studium aller vorliegenden Einvernahmen ergibt sich, dass
letztlich recht viel des von der Staatsanwaltschaft zur Anklage gebrachten Sach-
verhalts (Anklageschrift S. 3-5) allseitig unbestritten ist. Im Detail liegen dann aber
einige unterschiedliche Schilderungen vor. So steht zunächst fest, dass sich der
Beschuldigte und der Privatkläger vorgängig der zur Diskussion stehenden Tat
am Telefon mehrfach gegenseitig grob beschimpft und beleidigt haben. Offenbar
standen am Ursprung des Ganzen insbesondere Äusserungen des Beschuldigten
über die ehemalige Freundin des Privatklägers, welche an dieser Stelle aber
mangels Relevanz nicht weiter zu vertiefen sind. Fraglos sind anlässlich dieser
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Gespräche die in der Anklageschrift genannten Ausdrücke gefallen. Mit der
Vorinstanz ist deshalb namentlich anzunehmen, dass der Privatkläger den
Beschuldigten einen "kleinen Furz" genannt und unter anderem zu ihm gesagt
hat, er - der Privatkläger - werde seine - des Beschuldigten - Mutter ficken (vgl.
Urk. 83 S. 63/64; vom Privatkläger so eingeräumt: Urk. 7/3 S. 7, 8; Urk. 7/5 S. 10).
3.4.2. Mit der Vorinstanz ist auch davon auszugehen, dass die genannten Äusse-
rungen des Privatklägers den letztlichen Ausschlag dafür gegeben haben, dass
der Beschuldigte unter Mitnahme eines Küchenmessers wutentbrannt seine
Wohnung verlassen hat, um mit dem Privatkläger kämpfen zu gehen (Urk. 8/3
S. 8: "Ich wollte ihn schlagen und er mich"; Urk. 8/4 S. 3: den Privatkläger "kaputt
machen"; Urk. 8/4 S. 5: "Ich wollte B._ nur noch verprügeln und verschla-
gen"). Im Nachhinein räumte der Beschuldigte auch ein, er sei "ein dummer Siech
und zu aggressiv" (Urk. 8/4 S. 7). Immerhin ist aber auch zu sehen, dass der Pri-
vatkläger gemäss eigenem Eingeständnis den Beschuldigten zum Kampf aufge-
fordert hat ("... wenn er schon wolle, dann solle er wie ein Mann kommen und mit
Fäusten kämpfen"; Urk. 57 S. 3). In diesbezüglicher Korrektur bzw. Verdeutli-
chung der Anklageschrift kann damit zwar zwanglos davon ausgegangen werden,
dass der - vor Kollegen und Freundin (D._, C._, E._, F._) -
ausgesprochene Tadel der Mutter des Beschuldigten an dessen Adresse diesen
zwar noch zusätzlich in Erregung versetzt hat, indessen nicht der hauptsächliche
Grund für das Verlassen des Hauses gewesen ist (vgl. dazu zutreffend die Vo-
rinstanz in Urk. 83 S. 64/65; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ebenso ist klarzustellen, dass
der Beschuldigte seine Mutter nicht - was aus der Anklageschrift geschlossen
werden könnte - in Beleidigungsabsicht gefragt hat, ob sie gefickt werden wolle:
vielmehr hat er aufgebracht das "weitergeleitet", was ihm der Privatkläger am Te-
lefon gesagt hatte. Das ergibt sich deutlich einerseits schon aus den Umständen
und andererseits den Aussagen von F._, wonach der Beschuldigte seiner
Mutter in die Augen geschaut und sie gefragt habe, ob sie vom Privatkläger ge-
fickt werden wolle, was er gar noch erläutert habe und was ihm spürbar "weh ge-
tan" habe (Urk. 12/1 S. 6), sowie von D._, der schilderte, dass der Beschul-
digte im Zusammenhang mit der Diskussion über den Privatkläger seine Mutter
gefragt habe, ob sie wolle, dass sie jemand ficke, was sie indessen nicht verstan-
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den habe und wofür er - D._ - den Beschuldigten auch zurechtgewiesen ha-
be (Urk. 9/4 S. 4/5; Urk. 9/5 S. 7), und schliesslich von C._, der gehört habe,
dass der Beschuldigte zu seiner Mutter gesagt habe, es habe einer gesagt, er
wolle sie ficken, was die Mutter nicht verstanden habe und wofür der Beschuldigte
von D._ bzw. gar "allen" gemassregelt worden sei (Urk. 9/1 S. 3; Urk. 9/2 S.
5; Urk. 9/3 S. 8). E._ hatte schliesslich in Erinnerung, dass der Beschuldigte
zu seiner Mutter gesagt habe, niemand dürfe sie beleidigen (Urk. 9/8 S. 4).
3.4.3. Mit der Vorinstanz und deren überzeugenden Erwägungen steht sodann
ebenfalls - anklagegemäss - fest, dass der Beschuldigte, nachdem er mit dem
Messer aus dem Haus gerannt war, von E._ in dessen VW ... aufgenommen
und in Richtung G._ gefahren wurde, und dass C._ und D._ im
VW ... des ersteren folgten (Urk. 83 S. 65/66). Gleichermassen ist nicht davon
auszugehen, dass der Beschuldigte bei der Bahnunterführung und dem Kiesweg,
wo er den sich auf dem Nachhauseweg befindlichen Privatkläger gesehen hatte,
aus dem noch rollenden Fahrzeug E._s gesprungen sei: Dass dieser gesagt
hat, der Beschuldigte sei aus dem mit 20 bis 30 km/h (!) fahrenden Auto ausge-
stiegen (Urk. 9/7 S. 4), kann offensichtlich nicht zum Nennwert genommen wer-
den und ist vielmehr - wenn überhaupt - im übertragenen Sinne zu verstehen. Ob
nun aber das Auto E._s noch leicht rollte oder schon stand, als der Beschul-
digte es verliess, ist letztlich ohnehin nicht von entscheidender Bedeutung.
3.4.4. Es folgt das eigentliche Kerngeschehen:
3.4.4.1. Aufgrund der diesbezüglich übereinstimmenden Aussagen des Beschul-
digten und des Privatklägers steht fest, dass der Beschuldigte nach seinem
Erscheinen auf den Vorschlag des Privatklägers, sie sollten zuerst sprechen,
erwiderte, es gebe kein Sprechen und diesen sogleich angegriffen hat (Urk. 7/3
S. 10; Urk. 7/5 S. 11; Urk. 57 S. 3/4; Urk. 56 S. 6; Urk. 101 S. 8).
3.4.4.2. Während der Beschuldigte von Anfang an dazu gestanden ist, einen
Schlagring eingesetzt zu haben, gehen die Aussagen darüber auseinander, wann
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er das Messer hervorgenommen hat. Der Privatkläger sagte konstant aus, der
Beschuldigte habe das Messer aus der Hose gezogen, als sie sich entgegenge-
laufen seien (Urk. 7/3 S. 10; Urk. 7/5 S. 11; Urk. 57 S. 3/4). Der Beschuldigte will
dagegen - in der aktuellsten Version - sein Messer erst herausgeholt haben, als er
beim Privatkläger "etwas Glänzendes" - er könne nicht sagen, ob es ein Messer
gewesen sei oder sonst was - gesehen und nicht gewollt habe, dass dieser auf
ihn zukomme (Urk. 8/6 S. 1; Urk. 8/7 S. 2, 3, 4, 6, 7; Urk. 8/8 S. 2; Urk. 56 S. 6;
Urk. 101 S. 8).
3.4.4.2.1. Hiezu ist zunächst festzuhalten, dass die singuläre anfängliche Aus-
sage von D._ anlässlich der Tatbestandsaufnahme am 24. Juni 2010, bei der
Auseinandersetzung habe nicht der Beschuldigte, sondern der Privatkläger ein
Messer gehabt (Urk. 1 S. 6), später von niemandem bestätigt und
sodann auch von D._ in seiner nächsten Einvernahme widerrufen
wurde (Urk. 9/4 S. 1, 5; Urk. 9/5 S. 9, 11, 19), und zwar "weil er blöd gewesen sei
und einen Kollegen habe beschützen wollen" (Urk. 9/4 S. 7). Nicht einmal der
Beschuldigte selbst hat jemals - deutlich - behauptet, der Privatkläger habe bei
der Auseinandersetzung ein Messer auf sich getragen.
3.4.4.2.2. Dass er beim Privatkläger "etwas Glänzendes" gesehen und deshalb
"zur Selbstverteidigung" das Messer hervorgenommen habe, brachte der
Beschuldigte erstmals im Brief vom 16. Juli 2010 an die Staatsanwaltschaft vor,
nachdem er bis dahin in den drei vorangegangenen Einvernahmen noch nichts
dergleichen ausgesagt und insbesondere auch hartnäckig in Abrede gestellt
hatte, selbst ein Messer dabei gehabt zu haben (Urk. 8/6 S. 1; vgl. Urk. 8/3 bis
8/5). Auf diesen Umstand angesprochen, erklärte der Beschuldigte in der Einver-
nahme vom 1. Oktober 2010, es sei ihm "in der ersten Einvernahme noch nicht in
den Sinn gekommen, dass ich bei B._ etwas in der Hand sah"
(Urk. 8/8 S. 4). Dazu ist indessen zunächst anzumerken, dass dies dem Beschul-
digten nicht nur in der ersten Einvernahme (polizeiliche Einvernahme am 29. Juni
2010, Urk. 8/3) "nicht in den Sinn gekommen" war, sondern offenbar auch in der
staatsanwaltschaftlichen Hafteinvernahme vom gleichen Tag (Urk. 8/4) und in der
delegierten polizeilichen Einvernahme vom 14. Juli 2010 (Urk. 8/5) immer noch
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nicht. In den Einvernahmen vom 29. Juni 2010 verneinte er auf Frage gar noch
explizit, dass der Privatkläger während der Auseinandersetzung etwas in der
Hand gehabt oder er bei diesem ein Messer gesehen habe (Urk. 8/3 S. 6/7;
Urk. 8/4 S. 2). Dass er sich erst im bereits angesprochenen Brief, welchen er
nach der Einvernahme vom 14. Juli 2010 verfasst hat, sowie in den hernach
folgenden Einvernahmen wieder daran erinnert haben will, dass er beim Privat-
kläger "etwas Glänzendes" gesehen habe, welcher Gegenstand ihn in die sinn-
gemäss geltend gemachte Notwehrsituation versetzt habe, ist vor diesem Hinter-
grund (mit der Vorinstanz: Urk. 83 S. 68) völlig unglaubhaft. Wenn im Rahmen
einer Schlägerei der eine Kontrahent beim andern plötzlich "etwas Glänzendes" in
der Hand sieht und damit eine Waffe bzw. mindestens einen gefährlichen
Gegenstand assoziiert, so ist dies als Ausdruck einer zumindest potentiell klar
nächst höheren möglichen Eskalationsstufe ein Sachverhaltselement, das beim
so Bedrohten zwingend im Gedächtnis haften bleiben und ihm jedenfalls nicht erst
drei Wochen nach dem Vorfall "in den Sinn" kommen wird. Viel eher ist davon
auszugehen, dass dem Beschuldigten die angebliche Bedrohungssituation eben
erst als Schutzbehauptung "in den Sinn gekommen" ist, nachdem er in der
Befragung vom 14. Juli 2010 mehrfach damit konfrontiert worden war, dass
Zeugen ausgesagt hatten, er - der Beschuldigte - habe bei der Auseinander-
setzung ein Messer eingesetzt. Nachdem dem Beschuldigten angesichts dessen
ein weiteres Abstreiten offensichtlich als sinnlos erschien und er sich deshalb zum
erwähnten Brief an die Staatsanwaltschaft veranlasst gesehen hat, liegt nahe,
dass er mit der angeblichen Situation der "Selbstverteidigung" (Urk. 8/6 S. 1)
wenigstens noch ein Element einbrachte, das ihm - in seinen Augen - zur Vermin-
derung seines Verschuldens gereichen würde. Im Sinne der diesbezüglich glaub-
haften Aussagen des Privatklägers, der erst auf der Flucht einen Kugelschreiber
aus der Hosentasche in die Hand genommen habe, ist damit - entgegen den Aus-
sagen des Beschuldigten (Urk. 101 S. 8) und den entsprechenden Ausführungen
der Verteidigung (vgl. Urk. 102 S. 9-11) - davon auszugehen, dass der Privat-
kläger bei der Auseinandersetzung keinen Gegenstand in der Hand gehalten hat,
der vom Beschuldigten als Waffe bzw. wenigstens gefährlichen Gegenstand hätte
interpretiert werden können (vgl. dazu Urk. 83 S. 69; Art. 82 Abs. 4 StPO).
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3.4.4.2.3. Der Privatkläger sagte in der ersten polizeilichen Einvernahme aus, der
Beschuldigte habe aus dessen Hose vorne mit der rechten Hand ein grosses
Messer herausgezogen, während sie sich gegenseitig entgegen gelaufen seien.
Der Beschuldigte habe das Messer dann in die linke Hand gelegt und rechts den
Schlagring gehalten. Der Beschuldigte habe begonnen, mit dem Messer in
Richtung seines - des Privatklägers - Oberkörper zu schneiden oder stechen. Er -
der Privatkläger - habe den Beschuldigten mit seiner rechten Hand einen Faust-
schlag ins Gesicht versetzt und sei seinerseits mit dem Schlagring getroffen
worden (Urk. 7/3 S. 10). In der Befragung vom 1. Oktober 2010 durch den Staats-
anwalt erklärte der Privatkläger, der Beschuldigte sei auf ihn zugekommen, wobei
er nicht sicher sei, ob dieser gerannt oder nur gegangen sei. Der Beschuldigte
müsse das Messer vorne oder hinten auf seiner rechten Körperseite in der Hose
gehabt haben, habe es mit der rechten Hand aus der Hose genommen und
hernach in die linke Hand gewechselt. Dann habe der Beschuldigte begonnen, mit
dem Messer auf Brusthöhe herumzufuchteln, mehrmals nach links und rechts,
und habe versucht, ihn - den Privatkläger - zu schneiden. Ebenso habe dieser mit
dem Schlagring zugeschlagen. Er - der Privatkläger - sei rückwärts gegangen und
habe den Beschuldigten mit der rechten Faust in die linke Gesichtsseite, unter-
halb des Auges geschlagen, und sei wohl seinerseits vom Schlagring getroffen
worden (Urk. 7/5 S. 11). In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung beschrieb der
Privatkläger, dass der Beschuldigte den Schlagring in der Hand getragen und
zügig auf ihn zugelaufen sei. Er habe ebenso ein paar Schritte auf den Beschul-
digten zu gemacht und mit ihm sprechen wollen. Da habe dieser das Messer
bereits herausgezogen gehabt und es in der rechten Hand umgedreht, sodass die
Klinge beim Daumen nach oben geschaut habe. So habe der Beschuldigte ihn
mehrfach mit dem Messer attackiert und zu schneiden und stechen versucht.
Dann habe dieser das Messer in die linke Hand genommen und ihn mit dem
Schlagring getroffen. Weiterhin habe dieser ihn aber auch zu stechen versucht,
wobei er - der Privatkläger - rückwärts gegangen und dem Beschuldigten eben-
falls ein/zwei Schläge verpasst habe (Urk. 57 S. 3/4).
Der Beschuldigte macht bekanntlich geltend, er habe das Messer erst im Verlaufe
der Schlägerei hervorgenommen, als er beim Privatkläger "etwas Glänzendes"
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gesehen und gemeint habe, das sei ein Messer. Er habe deshalb sein Messer
herausgenommen, den Schlagring in die linke Hand genommen und das Messer
vor sich hin- und hergeschwenkt mit dem Ziel, dass der Privatkläger Angst
bekomme und wegrennen würde. Dieser sei denn auch zurückgewichen und
habe Angst vor dem Messer gehabt. Er sei dem Privatkläger gefolgt und habe mit
einem Abstand von 20 cm weiter mit dem Messer gefuchtelt (Urk. 56 S. 6). Bei
der Staatsanwaltschaft zu den Aussagen des Privatklägers Stellung nehmend,
stellte der Beschuldigte ausdrücklich in Abrede, das Messer sofort gezogen zu
haben, als er auf den Privatkläger zugerannt sei (Urk. 8/8 S. 2). Auch anlässlich
der heutigen Berufungsverhandlung bestreitet der Beschuldigte, schon zu Beginn
der Auseinandersetzung das Messer gezogen zu haben. Er habe das Messer erst
in die Hand genommen, als er beim Privatkläger etwas Glänzendes gesehen
habe (Urk. 101 S. 8; so auch die Verteidigung in Urk. 102 S. 9, wonach es
beweismässig nicht erstellt sei, dass der Beschuldigte gleich nach dem Aus-
steigen das Messer hervorgenommen habe).
C._ führte bei der Befragung vom 2. Juli 2010 gegenüber der
Kantonspolizei Zürich aus, der Beschuldigte sei mit dem Schlagring direkt auf den
Privatkläger losgegangen und habe ihn mehrere Male geschlagen. Der Privat-
kläger habe sich dann gewehrt. Er (C._) sei zum Beschuldigten
gerannt, um ihn wegzureissen. Als er schon in der Nähe gewesen sei, habe der
Beschuldigte vorne aus seiner Hose ein grosses Messer herausgezogen (Urk. 9/1
S. 3 f.). Auch anlässlich der polizeilichen Befragung vom 19. August 2010 sowie
bei der Befragung vom 27. Oktober 2010 gegenüber der Staatsanwaltschaft
führte C._ aus, der Beschuldigte habe das Messer erst in einem späteren
Stadium der tätlichen Auseinandersetzung hervorgenommen (Urk. 9/1 S. 4; Urk.
9/2 S. 6; Urk. 9/3 S. 3).
D._ führte anlässlich der Befragung vom 2. Juli 2010 gegenüber der Kan-
tonspolizei Zürich aus, der Privatkläger habe zum Beschuldigten gesagt, er solle
kommen, damit man reden könne. Der Beschuldigte habe aber gesagt, jetzt wer-
de nicht mehr geredet und habe dem Privatkläger mit dem Schlagring ans Kinn
geschlagen. Nachdem der Beschuldigte noch zwei Mal zugeschlagen habe, habe
- 16 -
der Privatkläger zurück geschlagen. Der Beschuldigte habe plötzlich den Schlag-
ring von der rechten in die linke Hand gewechselt und mit der rechten Hand ein
Messer herausgeholt (Urk. 9/4 S. 5). Ebenso schilderte D._ bei der Befra-
gung vom 14. Dezember 2010 vor der Staatsanwaltschaft, dass der Beschuldigte
nicht bereits zu Beginn der tätlichen Auseinandersetzung, sondern erst zu einem
späteren Zeitpunkt das Messer hervorgenommen habe (Urk. 9/5 S. 9, 11).
Wie schon gesehen, müssen die Ausführungen des Beschuldigten infolge seines
widersprüchlichen und offensichtlich absichtsgesteuerten Aussageverhaltens als
unglaubhaft angesehen werden (vgl. dazu schon Erw. 3.4.4.2.2 vorstehend sowie
die Vorinstanz in Urk. 83 S. 68). Auch in diesem Zusammenhang ist davon aus-
zugehen, dass der Beschuldigte - bei seiner Interessenlage naheliegenderweise -
den Zeitpunkt des Messerzückens auf der Zeitachse soweit wie möglich nach
hinten zu verlegen sucht, um sein Verschulden in einem milderen Licht erschei-
nen zu lassen. Sodann widerlegte der Beschuldigte seine Darstellung in der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung - wie auch anlässlich der heutigen Berufungs-
verhandlung - im Grunde genommen gleich selbst, als er anerkannte, das Messer
zuhause mitgenommen zu haben, um zu "bluffen", in der Absicht, "den Privat-
kläger mit dem Messer einzuschüchtern und mit dem Messer ein wenig herum-
zufuchteln, damit dieser wegrennt" (Urk. 56 S. 5; Urk. 101 S. 7). Damit gesteht der
Beschuldigte nämlich ein, bereits im Moment, als er zuhause das Messer einge-
steckt hat, die Absicht gehabt zu haben, es auch einzusetzen. Vor diesem Hinter-
grund ist deshalb nicht glaubhaft, wenn er vorgibt, das Messer erst "zur Selbstver-
teidigung" hervorgenommen zu haben, als er "etwas Glänzendes" in der Hand
des Privatklägers gesehen habe.
Aufgrund der Aussagen der weiteren befragten Personen bleibt jedoch unklar, in
welchem Zeitpunkt der Beschuldigte das Messer hervor nahm und damit auf den
Privatkläger losging. So wird die Sachverhaltsdarstellung des Privatklägers,
wonach der Beschuldigte bereits zu Beginn der tätlichen Auseinandersetzung das
Messer gezückt habe, weder durch die Aussagen der weiteren direkt anwesenden
Personen noch durch diejenigen der unbeteiligten Dritten bestätigt. Wie vorste-
hend ausgeführt, haben sowohl C._ als auch D._ übereinstimmend
- 17 -
ausgesagt, der Beschuldigte habe erst im Verlauf der Auseinandersetzung das
Messer hervorgenommen. Die unbeteiligten H._, I._ und J._
können über den genauen Zeitpunkt, in welchem der Beschuldigte das Messer
hervorgenommen hatte, keine Angaben machen (vgl. Urk. 10/1-4, 11/1-2 und
11/5-6). Schliesslich wird die Sachdarstellung des Privatklägers auch nicht durch
die Aussagen der unbeteiligten K._ gestützt. So konnte diese lediglich aus
dem Dachzimmer den Beginn der Auseinandersetzung beobachten und sagte
aus, es habe einer der Streitenden ein Messer in der Hand gehabt, sei "mega
hässig" gewesen und habe auf den anderen losgehen wollen (11/3-4).
Nach dem Gesagten lässt sich - entgegen der Vorinstanz - nicht in rechts-
genügender Weise erstellen, dass der Beschuldigte das Messer anklagegemäss
gezückt hatte, nachdem er am Ort des Geschehens aus dem Auto von E._
gestiegen war und bevor die Kontrahenten begonnen hatten, die Auseinanderset-
zung tätlich zu führen. Vielmehr ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte erst
im Verlauf der tätlichen Auseinandersetzung das Messer zückte. Allerdings kann -
wie vorstehend erwähnt - der Sachverhaltsdarstellung des Beschuldigten nicht
gefolgt werden, wonach er das Messer deshalb hervorgenommen habe, weil er in
der Hand des Privatklägers "etwas Glänzendes" gesehen hätte.
3.4.4.2.4. Den Messerstich, der beim Privatkläger zu den in der Anklageschrift
genannten und erstellten Verletzungen geführt hat, will der Beschuldigte jenem
unabsichtlich zugefügt haben.
3.4.4.2.4.1. In seinem Brief an die Staatsanwaltschaft vom 16. Juli 2010, wo der
Beschuldigte erstmals einräumte, ein Messer dabei gehabt und eingesetzt zu
haben, und wo er kundtat, er schreibe nun die "reine Wahrheit", brachte er vor,
von seinen Kollegen fest gehalten worden zu sein, und dann sei er fast zu Boden
gefallen. In diesem Moment habe er den Privatkläger "nur leicht in Unterkörper
verletzen wollen". Dieser sei dann aber zu Boden gefallen und deswegen habe er
ihn im Brustbereich getroffen (Urk. 8/6 S. 1).
Darauf in der folgenden Einvernahme am 26. Juli 2010 angesprochen, wieder-
holte der Beschuldigte, er habe dem Privatkläger nur Angst einjagen und ihn nicht
- 18 -
verletzen wollen (Urk. 8/7 S. 1 ff. passim). Dass er den Privatkläger "nur leicht in
Unterkörper verletzen" habe wollen, sei so zu verstehen, dass er ihn mit dem
Schlagring habe verletzen und ihm mit dem Messer habe Angst einjagen wollen.
Auf die Frage, warum denn in den Unterkörper, erwiderte der Beschuldigte
wörtlich: "Wie kann ich es sagen, ich wollte ihm Angst machen mit dem Schlag-
ring und mit dem Herumfuchteln mit dem Messer. Dies, weil ich sah, dass er auch
etwas in der Hand hielt". Wenn C._ nicht gekommen wäre - so der Beschul-
digte weiter - hätte er den Privatkläger mit dem Messer gar nicht
getroffen. C._ habe ihn - den Beschuldigten - beim Zupacken durch die Be-
wegung nach vorne gestossen (Urk. 8/7 S. 2, 3).
In der Einvernahme vom 1. Oktober 2010 bestätigte der Beschuldigte dies im
Wesentlichen. Er habe das Messer hin und her geschwenkt, weil er dem Privat-
kläger habe Angst machen wollen und nicht gewollt habe, dass dieser auf ihn
zukomme. Dann sei C._ auf ihn - den Beschuldigten - zugerannt gekommen
und habe ihn von hinten mit beiden Armen umgreifen wollen; da habe er den Pri-
vatkläger mit dem Messer an der Brust "getüpft". Wenn er - so der Beschuldigte
weiter - den Privatkläger hätte niederstechen wollen, hätte er dies schon am An-
fang machen können (Urk. 8/8 S. 2, 7; vgl. auch Urk. 8/14 S. 7). Dass er den Pri-
vatkläger nicht absichtlich verletzt habe, wiederholte der Beschuldigte sodann in
den weiteren Einvernahmen (Urk. 8/9 S. 1; Urk. 8/10 S. 1; Urk. 8/11 S. 2; Urk.
8/13 S. 2; Urk. 8/14 S. 7).
In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte schliesslich
erneut, dass er das Messer vor sich hin- und hergeschwenkt habe, mit dem Ziel,
dass der Privatkläger Angst bekomme und wegrennen würde. Dieser sei denn
auch stetig zurückgewichen und habe Angst vor dem Messer gehabt. Er sei ihm
gefolgt, weiter mit dem Messer fuchtelnd. Dann sei der Privatkläger gestolpert,
und in diesem Moment habe er diesen deshalb mit dem fuchtelnden Messer un-
absichtlich getroffen (Urk. 56 S. 6, 7).
Auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte aus,
dass er den Privatkläger nicht habe absichtlich verletzen wollen. Er habe mit dem
Messer herumgefuchtelt, damit der Privatkläger wegrennen bzw. nicht näher
- 19 -
kommen würde. Der Privatkläger sei gestolpert und genau in diesem Zeitpunkt
habe er (der Beschuldigte) ihn mit dem Messer getroffen (Urk. 101 S. 9).
3.4.4.2.4.2. Den grundsätzlichen Ablauf der eigentlichen Kampfhandlungen schil-
derte der Privatkläger letztlich recht übereinstimmend mit dem Beschuldigten.
Schlagend und mit dem Messer fuchtelnd sei dieser auf ihn zugekommen, und er
habe einzelne Schläge zurückgeben können. Beim Zurückgehen sei er dann
gestolpert und rücklings zu Boden gefallen. Im Moment des Stolperns habe der
Beschuldigte mit dem Messer erneut zugestochen und ihn in der Brust getroffen
(Urk. 7/3 S. 11). Der Beschuldigte habe dabei das Messer in der rechten Hand
gehalten und seitlich oder gerade auf ihn eingestochen (Urk. 7/3 S. 11/12). In der
Einvernahme vom 1. Oktober 2010 präzisierte der Privatkläger, der Beschuldigte
habe ihn mit dem Messer in der rechten Hand auf Brusthöhe etwa zehnmal zu
schneiden und zu stechen versucht; das Ganze sei sehr schnell gegangen. Beim
Rückwärtsgehen habe er dann mit dem linken Fuss irgendwo eingehängt, und
genau in diesem Moment habe der Beschuldigte ihm Richtung Herz in die Brust
gestochen (Urk. 7/5 S. 11). Infolge des Stolperns habe er - der Privatkläger - sich
nicht mehr auf das Messer konzentrieren können. Beim Stechen habe der
Beschuldigte das Messer so gehalten, dass die Klinge beim Daumen und beim
Zeigefinger aus der Faust geschaut habe (Urk. 7/5 S. 14). Weiter beschrieb der
Privatkläger, wie er gesehen habe, dass der Beschuldigte den Arm zurück-
gezogen und seitlich ausgeholt habe, ihn dann gestreckt und so zugestochen
habe. In diesem Moment habe der Beschuldigte einen aggressiven Blick und die
Zähne zusammengebissen gehabt. Er - der Privatkläger - habe die Zähne
gesehen und erinnere sich noch sehr gut an diese Situation (Urk. 7/5 S. 14).
C._ sei in der Nähe gestanden; von ihm - dem Privatkläger - aus gesehen
auf der rechten Seite des Beschuldigten. Berührt habe C._ diesen aber erst
nach dem Messerstich: Der Beschuldigte habe nochmals auf ihn - den Privatklä-
ger - los gewollt und sei dann von C._ festgehalten worden, der irgendwie
versucht habe, den Beschuldigten aufzuhalten (Urk. 7/5 S. 14/15, 24). Im Wesent-
lichen gleich schilderte der Privatkläger das Geschehen auch in der vorinstanzli-
chen Hauptverhandlung (Urk. 57 S. 4).
- 20 -
3.4.4.2.4.3. Mit der Vorinstanz (Urk. 83 S. 72) ist auch hier vorab auf die dies-
bezüglich glaubhaften Aussagen des Privatklägers abzustellen. Er schilderte das
Geschehen anschaulich und plausibel, konstant, detailreich, und ohne dass
Anzeichen einer falschen oder übermässigen Belastung bestehen würden.
Gegenteils räumt er ein, dass man sich zum Kampf verabredet und dann auch
gegenseitig Schläge ausgeteilt hat, und er stellt auch nicht in Abrede, den
Beschuldigten und dessen Mutter beleidigt zu haben. Den Stich mit dem Messer
schildert er ebenfalls recht nüchtern und überdies begleitet von Details des
Nebengeschehens (Zähne zusammengebissen, Zähne gesehen), die als
Realitätskennzeichen zu werten sind. Demgegenüber erscheinen auch hier die
Aussagen des Beschuldigten als konstruiert und dem Beweisergebnis angepasst.
Dass der Privatkläger zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung nichts "Glänzen-
des" in der Hand gehalten hat und mithin keine (wenigstens sinngemäss geltend
gemachte) Notwehrsituation bestand, wurde bereits abgehandelt. Auch die
behauptete Unfallversion ist aber in hohem Masse unglaubhaft: So ist es schon
physikalisch sehr unwahrscheinlich, dass C._ beim Versuch, den Beschul-
digten vom zurückweichenden Privatkläger wegzureissen, den Beschuldigten
derart nach vorne gestossen haben könnte, dass dies zu einem unbeabsichtigten
Messerstich gegen den Privatkläger geführt hätte. Hinzu kommt aber ohnehin,
dass C._ nach den glaubhaften Aussagen des Privatklägers erst eingegriffen
hat, nachdem der Messerstich bereits erfolgt war. Das entspricht auch den über-
einstimmenden Aussagen von C._ selber, der konstant dabei blieb, erst ein-
gegriffen zu haben, als der Privatkläger bereits getroffen am Boden gelegen habe
(Urk. 9/1 S. 4; Urk. 9/2 S. 6; Urk. 9/3 S. 10, 13), sowie jenen von D._ (Urk.
9/4 S. 5; Urk. 9/5 S. 9, 14/15). Zwar ist den Aussagen dieser beiden mit etwas Zu-
rückhaltung zu begegnen (so die Vorinstanz richtig: Urk. 83 S. 72). Sie werden
aber diesbezüglich - wenn auch vage - gestützt durch die Erklärungen des unbe-
teiligten H._ (Urk. 10/3 S. 1; Urk. 10/4 S. 9). Schliesslich bleibt zu beachten,
dass auch die neuste Unfallvariante unglaubhaft ist. So führte der Beschuldigte
anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung nicht mehr aus, C._ hätte ihn
beim Versuch, ihn vom Privatkläger wegzureissen, derart von hinten gestossen,
dass er dadurch den Privatkläger verletzt habe. Vielmehr machte er - wie bereits
- 21 -
dargelegt - geltend, der Privatkläger sei gestolpert und genau in diesem Moment
habe der Beschuldigte ihn mit dem Messer getroffen (Urk. 101 S. 9). Diese
Sachverhaltsvariante erscheint - entgegen der Ausführungen der Verteidigung
(Urk. 102 S. 13 f.) - konstruiert und ebenfalls physikalisch unwahrscheinlich. Es ist
nicht nachvollziehbar, wie der Privatkläger hätte verletzt werden können, als er
rückwärts dem mit einem Messer herumfuchtelnden Beschuldigten auszuweichen
versuchte und dabei stolperte. Viel wahrscheinlicher und lebensnaher erscheint
es, dass der Beschuldigte den Augenblick ausnutzte, als der Privatkläger ins
Stolpern geriet und dadurch abgelenkt war, um mit dem Messer zustechen zu
können.
Weiter spricht für einen absichtlichen Messerstich auch der Umstand, dass der
Beschuldigte offensichtlich sehr wütend auf den Privatkläger war (vgl. dazu die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz: Urk. 83 S. 72/73; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Der Beschuldigte führte denn auch mehrfach wortreich aus, wie der Privatkläger
ihn vorgängig der tätlichen Auseinandersetzung am Telefon primitiv beleidigt habe
(Urk. 8/3 S. 5, 7; Urk. 8/4 S. 5; Urk. 8/7 S. 8; Urk. 56 S. 5), und er bestätigte, dass
dies der Grund für den Kampf gewesen sei (Urk. 8/3 S. 7; Urk. 8/4 S. 5; Urk. 8/7
S. 8; Urk. 56 S. 5). Nach seiner Absicht für das Treffen mit dem Privatkläger
gefragt, antwortete der Beschuldigte denn auch immer ähnlich: Er habe ihn
schlagen wollen und er ihn; man habe schauen wollen, wer stärker sei, ob er
wirklich nur "blabla mache" und eine grosse Fresse habe; es sei um seine Ehre
gegangen (Urk. 8/3 S. 8); er habe den Privatkläger "nur noch verprügeln und
verschlagen" wollen und das dann auch gemacht; es sei darum gegangen, dass
der Privatkläger ihn vor seinen besten Kollegen und Freunden als Lügner darge-
stellt und seine Familie beleidigt habe (Urk. 8/4 S. 5); er habe mit dem Privat-
kläger "schlegeln" gewollt (Urk. 8/5 S. 14; Urk. 56 S. 5); er habe sich mit ihm
schlagen und beweisen wollen, dass er besser drauf sei als jener (Urk. 8/7 S. 8).
Angesichts dessen ist die Beteuerung des Beschuldigten, er habe dem Privat-
kläger mit dem Messer nur Angst machen wollen, höchst unglaubhaft. Vielmehr
hat er eben gerade provoziert, gekränkt und wutentbrannt eingestandenermassen
eine tätliche Auseinandersetzung gesucht, um den Privatkläger für dessen
Äusserungen zur Rechenschaft zu ziehen. Dass er dafür lediglich geplant haben
- 22 -
will, "mit dem Messer ein wenig herumzufuchteln, damit dieser wegrennt" (Urk. 56
S. 5), kann dem Beschuldigten nicht abgenommen werden.
Auch die Argumentation des Beschuldigten, dass wenn er den Privatkläger
effektiv hätte niederstechen wollen, er dies schon am Anfang hätte tun können (so
auch die Verteidigung in Urk. 60 S. 13, wonach der Beschuldigte "ohne Weiteres"
schon vorher hätte stechen können, wenn er denn gewollt hätte; vgl. ebenso in
Urk. 102 S. 12 f.), verfängt nicht: Zum einen ist sie schon dahingehend wider-
sprüchlich, als der Beschuldigte in anderem Zusammenhang ja bekanntlich
gerade behauptet, er habe das Messer nicht von Anfang an gezückt gehabt. So-
dann ist aber auch nicht anzunehmen, dass sich der Privatkläger so einfach hätte
niederstechen lassen, wie dies der Beschuldigte anzunehmen scheint: Immerhin
misst der Privatkläger nämlich mit 173 cm (Urk. 21/5) über 20 cm mehr als der
Beschuldigte (Urk. 21/2: 151 cm) und verfügt damit über eine ganz erheblich
grössere Reichweite. Wenn sich dieser nun überdies noch - wie er das gemäss
eigenem Bekunden getan habe (Urk. 7/3 S. 10; Urk. 7/5 S. 11; Urk. 57 S. 4) -
während der Auseinandersetzung auf das Messer konzentrierte, um nicht getrof-
fen zu werden, so war es dem Beschuldigten zweifelsohne nicht möglich, den
Privatkläger einfach "ohne Weiteres" zu stechen. So lässt sich denn auch die
Frage des Verteidigers beantworten, weshalb der Beschuldigte prompt und aus-
gerechnet in jenem Moment absichtlich zugestochen haben sollte, in welchem der
Privatkläger ins Stolpern geraten sei (Urk. 60 S. 13): Recht zwanglos kann
nämlich angenommen werden, dass dies dem Beschuldigten eben erst in diesem
Moment möglich war, als der deutlich grössere, zurückweichende, ebenfalls
schlagende Privatkläger ins Stolpern geriet und dadurch abgelenkt wurde - so,
wie es dieser auch selbst ausgesagt hat.
Ganz Ähnliches gilt es zu sagen, wenn der Beschuldigte geltend macht, es hätte
eine grössere Verletzung beim Privatkläger resultiert, wenn er diesen absichtlich
hätte verletzen wollen (Urk. 8/11 S. 2; so auch die Verteidigung anlässlich der
Berufungsverhandlung in Urk. 102 S. 14, wonach die Klinge viel tiefer - als ledig-
lich 2 cm - hätte in die Brust eindringen müssen, wenn beim Stolpern des Privat-
klägers ein gezielter Stich stattgefunden hätte): Auch dies lag offensichtlich nicht
- 23 -
einfach so im Belieben des Beschuldigten, nachdem sich der Privatkläger ja durch
Schläge verteidigte und gleichzeitig zurückwich. Dass der Privatkläger nur - relativ
- leichte Verletzungen erlitt, sagt deshalb keineswegs etwas darüber aus, ob und
allenfalls mit welcher Absicht der Beschuldigte zugestochen hat.
3.4.4.2.5. Die Vorinstanz hat schliesslich entgegen der Anklageschrift als nicht
erstellt erachtet, dass der Beschuldigte nochmals zustechen wollte. Das wird von
der Staatsanwaltschaft im Berufungsverfahren kritisiert: Dass dies eben anders
gewesen sei, beruhe nicht nur auf den Aussagen von C._ und D._,
welchen die Vorinstanz lediglich eine beschränkte Glaubhaftigkeit zuschreibe,
sondern auch auf der Schilderung des Privatklägers, welche vom Gericht als
glaubhaft bezeichnet worden sei. So habe es die Vorinstanz als erstellt erachtet,
dass der Beschuldigte, nachdem er den ersten Messerstich in die Brust des
Privatklägers versetzt habe, nochmals ausgeholt habe. Dass der Beschuldigte,
welcher aufgrund aller Aussagen ausser sich gewesen sei, es nicht bei dieser
blossen Geste habe bewenden lassen wollen, erscheine naheliegend. Die
Aussagen der beiden Zeugen würden zwar teils übertrieben dramatisch scheinen,
die Kernaussagen, wonach der Beschuldigte weiter auf den Geschädigten habe
losgehen wollen, seien aber glaubhaft, ansonsten es wohl kaum zum erstellten
Eingreifen von C._ gekommen wäre. Entsprechend sei auch in diesem Punkt
der Sachverhalt gemäss Anklageschrift erstellt (Urk. 84 S. 2; Urk. 103 S. 3).
Auch der Vertreter des Privatklägers kritisierte die Schlussfolgerung der
Vorinstanz, wonach nicht erstellt sei, dass der Beschuldigte ein weiteres Mal
zustechen wollte (Urk. 104 S. 2-7). Es liege diesbezüglich kein unkonstantes
Aussageverhalten von D._ vor. Der Umstand, dass dieser bei der Polizei
noch nicht explizit erklärt habe, der Beschuldigte habe nach dem Messerstich
nochmals auf den Privatkläger losgehen wollen, lasse bei richtiger Würdigung der
Aussagen entgegen der Vorinstanz überhaupt nicht "aufhorchen". In seiner freien
Schilderung habe D._ die Tathandlung bei beiden Einvernahmen gleich ge-
schildert. Zudem habe der direkt handelnde C._ bei beiden Gelegenheiten
klar und deutlich erklärt, der Beschuldigte habe nochmals auf den am Boden lie-
genden Privatkläger einstechen wollen. Er müsse es am besten wissen; aus ir-
- 24 -
gendeinem Grund habe er sich ja veranlasst gesehen, den Beschuldigten zurück-
zuhalten (Urk. 104 S. 5).
Hiezu kann vorab auf die wiederum ausführlichen und sorgfältigen Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 83 S. 73-76; Art. 82 Abs. 4 StPO). Im
Resultat ist ihr zuzustimmen, wonach nicht rechtsgenügend erwiesen ist, dass der
Beschuldigte im Sinne eines eigentlichen Tathandlungszusammenhangs (so sind
die Überlegungen der Staatsanwaltschaft offensichtlich zu verstehen: "... ver-
hinderten, dass der Beschuldigte sein Vorhaben zu Ende führte und nochmals
zustach", Urk. 84 S. 3) versucht habe, nochmals auf den Privatkläger einzu-
stechen. Entgegen der Vorinstanz steht aber schon nicht mit der erforderlichen
Sicherheit fest, dass der Beschuldigte mit dem Messer nochmals ausgeholt habe
(vgl. Urk. 83 S. 76). In dieser Deutlichkeit ergibt sich dies nämlich nicht einmal aus
den Aussagen des Privatklägers: Aus seinen Erklärungen in der polizeilichen
Einvernahme vom 7. Juli 2010 lässt sich noch lediglich indirekt schliessen, dass
der Beschuldigte ihn nach dem Treffer mit dem Messer nochmals habe angreifen
wollen: Er sagte zu diesem Thema nämlich einzig aus, C._ sei dazwischen-
gegangen und habe den Beschuldigten aufgehalten. Von einem nochmaligen
versuchten Messerstich war hier - jedenfalls explizit - nicht die Rede (Urk. 83 S.
75). In der Einvernahme als Zeuge vom 1. Oktober 2010 erklärte der Privatkläger
dann zunächst ähnlich nur, der Beschuldigte habe nochmals auf ihn los gewollt
(Urk. 7/5 S. 12). Später ergänzte er aber, der Beschuldigte habe mit der rechten
Hand mit dem Messer bereits schon ausgeholt gehabt (Urk. 7/5 S. 15).
In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sagte der Privatkläger dann indessen
einfach wieder, der Beschuldigte habe ihn nochmals zu stechen versucht,
nachdem er - der Privatkläger - zu Boden gefallen sei (Urk. 57 S. 4). Aufgrund
dieses in diesem Punkt undeutlichen Aussageverhaltens kann damit nicht mit der
erforderlichen Sicherheit angenommen werden, dass der Beschuldigte wirklich
bereits nochmals ausgeholt gehabt hätte und ihm C._ praktisch in den Arm
gefallen wäre. Zwar ist klar, dass aus Sicht des Privatklägers angesichts der gan-
zen Umstände ausser Zweifel stand, dass ihn der Beschuldigte weiter angreifen
werde. Und es ist auch durchaus wahrscheinlich, dass der Beschuldigte weiter
auf den Privatkläger "los" wäre, wenn C._ nicht eingegriffen hätte, ging es
- 25 -
doch gemäss seinem eigenem Bekunden darum, dem Privatkläger zu zeigen,
"dass er besser drauf" sei. Dass er aber nochmals zugestochen hätte, als der
Privatkläger am Boden lag (und beispielsweise nicht einfach "nur" auf diesen ein-
getreten oder eingeschlagen hätte), steht nicht mit der erforderlichen Sicherheit
fest. Daran ändern auch die Aussagen von C._ und D._ nichts, die in
ihren Befragungen zumindest teilweise behaupteten, der Beschuldigte habe
nochmals zustechen wollen (Urk. 9/1 S. 4; Urk. 9/3 S. 10; Urk. 9/5 S. 14). Bei
beiden fällt denn auch auf, dass sie ihre Schilderungen im Verlaufe der
Untersuchung interpretierend und dramatisierend zulasten des Beschuldigten an-
reicherten (C._: "Ich bin sicher, er hätte ihn getötet. [...] A._ ist psy-
chisch krank." [Urk. 9/1 S. 4]; "Er ist krank im Kopf." [Urk. 9/3 S. 14]; D._: "Er
[der Beschuldigte] war nicht 'satt', er machte weiter. ... wollte ihn aus der Welt
schaffen. ... Als nächstes wäre die Kehle gekommen." [Urk. 9/5 S. 14]). Das ist
vor dem Hintergrund zu sehen, dass sich C._ und D._ - was sich jeden-
falls exemplarisch aus den Aussagen von D._ ergibt - nach dem Vorfall zu-
gegebenermassen vom Beschuldigten abwandten und auf die Seite des Privat-
klägers schlugen ("Bis vor einem Monat waren wir [D._ und der Beschuldig-
te] jeden Tag zusammen. Dann nicht mehr. ... Weil er immer Scheiss über andere
redet." [Urk. 9/4 S. 1, so auch in Urk. 9/5 S. 1]; "Er [der Beschuldigte] ist krank. ...
Er ist ein dummer Siech..." [Urk. 9/4 S. 2]; "Früher waren wir gute Kollegen. [Urk.
9/5 S. 7]; "Wegen dem Idiot habe ich jetzt so viel Probleme." [Urk. 9/4 S. 6]; "Ich
habe B._ im Spital besucht und gesehen, dass Blut aus der Lunge kommt.
Das hat mir weh getan. Es kann nicht sein, dass A._ damit davon kommt.
Sonst macht er das wieder." [Urk. 9/4 S. 7]).
In diesbezüglich leichter Korrektur der vorinstanzlichen - leicht lebensfremden -
Erwägung, es sei zwar erstellt, dass der Beschuldigte nochmals ausgeholt habe,
aber es sei nicht klar, was er damit beabsichtigt habe, ist mithin zusammen-
fassend festzuhalten, dass nicht erstellt ist, dass der Beschuldigte nochmals aus-
geholt und nochmals auf den Privatkläger hätte einstechen wollen.
- 26 -
3.5. Mit der soeben erwähnten Präzisierung erscheint mithin der Anklagesach-
verhalt im schon von der Vorinstanz umschriebenen Umfang als erstellt
(Urk. 83 S. 77 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
4. Rechtliche Würdigung
4.1. Die Vorinstanz hat das Handeln des Beschuldigten als vorsätzlichen
Tötungsversuch im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB gewürdigt (Urk. 83 S. 91 ff.). Den überzeugenden Erwägungen gibt es -
grundsätzlich (s. sogleich) - nichts beizufügen, sodass vorab darauf zu verweisen
ist (Art. 82 Abs. 4 StGB).
4.2. Hinsichtlich des subjektiven Tatbestands ist der Vorinstanz zunächst beizu-
pflichten, dass auch - wie vorliegend - bei einem einzigen gegen den Oberkörper
des Opfers geführten Messerstich auf vorsätzliche Tötung erkannt werden kann
(Urteil des Bundesgerichts 6B_829/2010 vom 28. Februar 2011 E. 3.2, Tatwaffe
war ein Messer mit einer Klingenlänge von 11 cm, mit Hinweis auf das Urteil
6S.104/2002 vom 22. Oktober 2003 E. 2.; vgl. z.B. auch Urteile 6B_572/2011 vom
20. Dezember 2011 E. 2.6, gezielter Stich in den Oberkörper mit einem 27 cm
langen Messer; 6B_635/2009 vom 19. November 2009 E. 3.3, Stich in die
Nierengegend mit einem Tranchiermesser [Klingenlänge ca. 23.5 cm];
6B_788/2008 vom 26. Dezember 2008 E. 1, kräftige, gezielte Messerstiche in
Brust und Rücken [Klingenlänge ca. 20 cm]; 6B_822/2008 vom 5. November 2008
E. 4.3, Stich mit Kraftaufwand in die Brust mit einem Messer mit einer Klingen-
länge von 15.5 cm; 6S.224/2005 vom 21. Juni 2005 E. 2, Messerstich [Klingen-
länge von 8-10 cm] mit voller Wucht in den Bauch; im Urteil 6B 775/2011 vom
4. Juni 2012 E. 2.5 verneint bei einem Stich seitlich unterhalb der Achsel bei einer
Klingenlänge von 34 mm). Beim vorliegend gegebenen Sachverhalt kann dies vor
dem Hintergrund der angeführten Kasuistik nicht ernsthaft in Frage stehen: Der
Beschuldigte versetzte dem Privatkläger im Rahmen der tätlichen Auseinander-
setzung mit einem insgesamt 25 bis 30 cm langen Küchenmesser und einer
Klingenlänge von ca. 17 cm von vorne einen gezielten Messerstich in unmittel-
barer Herznähe in die linke Brustseite, im grundsätzlichen Wissen um die
möglicherweise tödlichen Folgen solchen Handelns (Urk. 56 S. 7).
- 27 -
Zu korrigieren ist aber die vorinstanzliche Einschätzung, der Beschuldigte habe
sich der direkt vorsätzlichen versuchten Tötung schuldig gemacht. Zwar hat das
Bundesgericht bereits in einem Entscheid vom 24. November 1995 ausgeführt,
dass bei fehlendem Geständnis in Fällen, in welchen die objektiven Umstände
angesichts der allgemeinen Lebenserfahrung das Vorliegen eines direkten
Vorsatzes nahelegen, auch eine indirekte Beweisführung für eine entsprechende
Verurteilung genügen kann (Urteil des Bundesgerichts 6S.563/1995 vom 24. November 1995 E. 2c, in Pra 1996 Nr. 173 S. 638). Bei Messerstechereien
wird in solchen Fällen in der Praxis jedoch - soweit ersichtlich ausnahmslos -
Eventualvorsatz angenommen (vgl. dazu nur BGE 118 IV 227 sowie aus jüngerer
Zeit: Urteile 6B_177/2011 vom 5. August 2011 E. 3, 6B_829/2010 vom 28. Febru-
ar 2011 E. 3.2, 6B_480/2011 vom 17. August 2011 E. 1.4, 6B_432/2010 vom 1.
Oktober 2010 E. 4, 6B_527/2010 vom 30. September 2010 E. 4; 6B_572/2011
vom 20. Dezember 2011 E. 2). Dies muss auch vorliegend gelten, nachdem der
Beschuldigte jeglichen Tötungs- bzw. nur schon Verletzungsvorsatz bestreitet und
ihm ein direkter solcher Vorsatz nicht nachgewiesen werden kann. Insbesondere
ergäbe sich ein Solcher auch nicht aus Äusserungen gegenüber dem Privatklä-
ger, wonach er diesem alle Knochen brechen, ihn aufschlitzen, umbringen und
abschlagen werde (so der Privatkläger: Urk. 7/3 S. 8, Urk. 7/5 S. 9, 10; Urk. 57
S. 3), zumal solche Drohungen vom Beschuldigten weitgehend bestritten werden
(Urk. 8/9 S. 1, 2, Urk. 8/13 S. 2, Urk. 8/14 S. 7; ebenso die Verteidigung in
Urk. 102 S. 6, wonach es entgegen der Vorinstanz nicht erstellt sei, dass der Be-
schuldigte mehrmals mit dem Tode gedroht haben soll). Einzig in der vorinstanzli-
chen Hauptverhandlung räumte er ein, er habe gegenüber dem Privatkläger
Todes- oder ähnliche Drohungen ausgestossen (Urk. 56 S. 5): "... das habe ich
nur einmal dem Privatkläger anlässlich unseres ersten Telefonats gesagt. Er hat
gedroht und ich ihm." In der Hafteinvernahme vom 29. Juni 2010 sprach er zudem
davon, er habe den Privatkläger "kaputt machen" wollen (Urk. 8/4 S. 3). Hierbei ist
aber wiederum zu beachten, dass einerseits der Privatkläger anlässlich der offen-
sichtlich wenig freundlichen Telefongespräche mit dem Beschuldigten diesem
dessen Äusserungen in ungefähr ähnlicher "Währung" erwiderte (Urk. 7/3 S. 8,
Urk. 7/5 S. 9, 10; Urk. 8/3 S. 5; Urk. 8/4 S. 4, 5; Urk. 8/7 S. 8; Urk. 56 S. 5) und
- 28 -
dass andererseits angesichts der im Milieu der Parteien anscheinend üblichen
derb-primitiven Ausdrucksformen (vgl. dazu die Einvernahmen des Beschuldigten,
des Privatklägers sowie jene von C._ und D._) solche Worte auch nicht
unbedingt zum Nennwert genommen werden können. Hinzu kommt schliesslich,
dass auch der Privatkläger dem Beschuldigten nicht vorwirft, unmittelbar vor oder
während des Kampfes Todesdrohungen ausgestossen zu haben (Urk. 7/3 S. 10,
Urk. 7/5 S. 15).
Dass der Beschuldigte den Privatkläger mit direktem Vorsatz hätte töten wollen,
kann ihm deshalb - gemäss vorstehender Erwägung und entgegen den Aus-
führungen der Staatsanwaltschaft (Urk. 103 S. 4) - nicht nachgewiesen werden.
4.3. Zweifelsfrei steht aber fest, dass der Beschuldigte mit Eventualvorsatz - und
damit gleichwohl vorsätzlich - gehandelt hat. Vorsätzlich handelt nämlich auch,
wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2
Satz 2 StGB). Eventualvorsatz ist unter anderem anzunehmen, wenn sich dem
Täter der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs infolge seines Verhaltens als
so wahrscheinlich aufdrängte, dass sein Verhalten vernünftigerweise nur als
Inkaufnahme dieses Erfolgs gewertet werden kann (BGE 109 IV 137 E. 2b mit
Hinweisen).
Das Bundesgericht hat sich bereits mehrfach mit dem subjektiven Tatbestand bei
Messerstechereien befasst (vgl. die vorstehend in Erw. 4.2 zitierten Entscheide
sowie BGE 109 IV 6). Die schon im letztgenannten Entscheid angestellten Über-
legungen können ohne Weiteres auf den vorliegenden Fall übertragen werden:
Wenn das Bundesgericht dort ausführt, ein junger Mann bedürfe keines besonde-
ren Wissens und keiner besonderen Intelligenz, um zu erkennen, dass ungezielte
Messerschnitte in den Hals- und Gesichtsbereich eines Menschen den Tod zur
Folge haben können, so kann - ja muss - dies gleichermassen für den vorliegend
zur Diskussion stehenden gezielten Messerstich in Richtung Herz gelten. Es
gehört zum Allgemeinwissen, dass eine Verletzung des Herzens tödlich enden
kann. Das war dem Beschuldigten, dem gutachterlich eine mittlere Intelligenz
attestiert wird (Urk. 19/10 S. 46), im Übrigen gemäss seiner entsprechenden
- 29 -
Zugabe in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung auch durchaus bewusst
(Urk. 56 S. 7).
Indem der Beschuldigte dem Privatkläger im Rahmen der von ihnen geführten
tätlichen Auseinandersetzung mittels eines Messers mit einer Klingenlänge von
ca. 17 cm einen gezielten Stich in die linke Brustseite versetzte, nahm er mithin
den Tod des Privatklägers in Kauf und hat den Tatbestand von Art. 111 StGB
eventualvorsätzlich erfüllt.
4.4. Keiner ergänzenden Erläuterungen bedarf, dass es beim (vollendeten) Ver-
such im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB geblieben ist (Urk. 83 S. 93).
4.5. Schliesslich ist mit der Vorinstanz (Urk. 83 S. 94 ff.) auch die Eventualargu-
mentation der Verteidigung zu verwerfen, wonach der Beschuldigte des (versuch-
ten) Totschlags im Sinne von Art. 113 StGB schuldig zu sprechen sei (Urk. 60
S. 27/28; Urk. 102 S. 22-24). Die Anwendung dieses privilegierten Tatbestandes
erfordert, dass der Täter in einer nach den Umständen entschuldbaren heftigen
Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung gehandelt haben
müsste. Von der ersten - hier zur Diskussion stehenden - Tatbestandsvariante
werden alle Emotionszustände der Trauer, der Furcht, der Wut, des Glücks, des
Abscheus usw. erfasst, wobei in quantitativer Hinsicht einschränkend eine heftige
Gemütsbewegung vorausgesetzt wird, d.h. ein Gefühl von besonderer Stärke. Der
Affekt muss sodann nach den Umständen entschuldbar sein, und die Reaktion
des Täters hat mehr oder weniger unmittelbar auf den plötzlich auftretenden
Emotionszustand zu folgen. Mit anderen Worten muss also eine Kurzschluss-
handlung vorliegen (vgl. Urk. 55 S. 8; BSK StGB II, a.a.O., N. 7 zu Art. 113 mit
Verweisen).
Die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz kurz zusammengefasst, ist dem
Beschuldigten vor allem deshalb keine Totschlagssituation zuzubilligen, weil sein
Vorgehen nicht als Kurzschlusshandlung, sondern als Abrechnung und Rachetat
zu bezeichnen ist. Die Parteien vereinbarten - auch nach Darstellung des
Beschuldigten selbst ("Am Telefon war ausgemacht worden, dass wir eins gegen
eins kämpfen werden", Urk. 56 S. 6) - recht eigentlich eine Art Duell, bei welchem
- 30 -
es darum gegangen ist, gegenüber dem andern Stärke zu markieren. Selbst-
redend verbietet es solches Gehabe, sich anschliessend auf eine Affekttat
berufen zu wollen.
Ergänzend kommt hinzu, dass auch keine Rede von einer heftigen Gemütsbewe-
gung ausreichender Intensität die Rede sein könnte: Die Bezeichnung eines
Kontrahenten als "kleiner Furz" und der beleidigende Ausspruch, dessen Mutter
zu ficken, ist - entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 102 S. 22 f.) -
nicht ausreichend dafür, beim Angesprochenen einen im Sinne von Art. 113 StGB
relevanten Affekt zu begründen - gerade gemessen mit dem Massstab eines
"Durchschnittsmenschen der Rechtsgemeinschaft, welcher der Beschuldigte nach
Herkunft, Erziehung und täglicher Lebensführung angehört" (BSK StGB II, a.a.O.,
N. 11 zu Art. 113 mit vielen Verweisen): Dem Argument des fremdländischen kul-
turellen Hintergrunds wäre denn auch jedenfalls mit der Vorinstanz (Urk. 83 S. 95)
entgegen zu halten, dass sich der Beschuldigte bereits seit seinem 13. Altersjahr -
mithin zum Tatzeitpunkt seit 11 Jahren - in der Schweiz aufhält (Urk. 50 S. 2) und
sich hier überdies im täglichen Leben offensichtlich in Kreisen bewegt, in welchen
ein, gelinde gesagt, unzimperlicher Umgang herrscht und insbesondere auch das
Wort "ficken" notorischer- und durch viele bei den Akten liegende Einvernahmen
belegterweise eine nahezu inflationäre und damit dessen Bedeutung verwässern-
de Verwendung findet.
Eine Anwendung von Art. 113 StGB fällt damit ausser Betracht.
4.6. Es bleibt mithin beim Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung
im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
5. Strafzumessung
5.1. Die Vorinstanz hat richtig zusammengefasst, wie eine Strafe zuzumessen ist
(Urk. 83 S. 97-99). Auch das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumes-
sung wiederholt dargelegt (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; 135 IV 130 E. 5.3.1; 132 IV
102 E. 8.1; je mit Hinweisen). Auf beides kann verwiesen werden.
- 31 -
5.2. Zutreffenderweise ging die Vorinstanz von einem Strafrahmen zwischen
5 und 20 Jahren Freiheitsstrafe aus (Art. 111 StGB). Da mit den 20 Jahren bereits
die gesetzliche Höchstdauer einer Freiheitsstrafe erreicht ist (Art. 40 StGB), wird
durch die zusätzlich vom Beschuldigten begangenen Widerhandlungen gegen
das Betäubungsmittelgesetz und das Waffengesetz (Art. 19 Ziff. 1 aBetmG bzw.
Art. 19 Abs. 1 BetmG sowie Art. 33 Abs. 1 WG: je Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren
oder Geldstrafe) der Strafrahmen nicht - auch nicht theoretisch - gegen oben
geöffnet.
5.3. Tatschwere der (mutmasslich vollendeten) vorsätzlichen Tötung
5.3.1. Auszugehen ist von der vorsätzlichen Tötung als schwerstes Delikt im
Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB.
Die Staatsanwaltschaft führte zum (sowohl objektiven als auch subjektiven) Tat-
verschulden aus, die von der Vorinstanz angenommene erste Einsatzstrafe von
12 Jahren - ausgehend von einer vollendeten Tat - trage dem gezielten und unbe-
irrten Vorgehen des Beschuldigten und dem Umstand, dass er sich unmittelbar
vor der Tat über die Beschwichtigungsversuche der Mutter und von E._ hin-
weggesetzt habe und unbarmherzig, mit direktem Tötungsvorsatz gegen einen
unbewaffneten vorgegangen sei, welcher vergeblich noch zu beschwichtigen ver-
sucht habe, und einmal das Messer in die Brust gerammt und schliesslich noch-
mals versucht habe, zuzustechen, zu wenig Rechnung. Hier müsste eine Einsatz-
strafe von mindestens 14 Jahren angenommen werden (Urk. 103 S. 4).
Hierzu liess der Beschuldigte - für den Fall einer Verurteilung wegen versuchten
Totschlags - ausführen, es sei bei der Strafzumessung zu berücksichtigen, dass
die Handlung des Beschuldigten durch die Beleidigungen des Privatklägers aus-
gelöst worden seien. Der Beschuldigte sei schwer gekränkt worden, als der
Privatkläger sagte, er werde seine Mutter ficken. Sein Verschulden wäre entspre-
chend zu relativieren. Zudem sei in Rechnung zu stellen, dass nicht von direktem,
sondern von Eventualvorsatz ausgegangen werden müsse. Der Umstand, dass
im Tatzeitpunkt von einer Verminderung der Zurechnungsfähigkeit auszugehen
sei, gehe bereits im privilegierenden Tatbestand von Art. 113 StGB bzw. im ent-
- 32 -
schuldbaren Emotionszustand des Beschwerdeführers auf. Weiter sei strafmin-
dernd anzurechnen, dass es beim Versuch geblieben sei und beim Privatkläger
zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Lebensgefahr bestanden habe. Die tat-
sächlichen Folgen der Tat seien gering gewesen. Angesichts dieser Umstände
wäre eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren angemessen (Urk. 102 S. 27).
5.3.2. In objektiver Hinsicht ist zunächst festzustellen, dass es im Verhältnis zum
Vorgehen des Beschuldigten, der dem Privatkläger einen einzigen Messerstich in
die Brust versetzte, um einiges brutalere und insbesondere auch "sicherere"
Tötungsmethoden gibt. Weder erscheint das Handeln des Beschuldigten - immer
innerhalb des Tatbestandes von Art. 111 StGB - als speziell grausam oder
abstossend, noch müssen die Chancen, so zum Tötungserfolg zu kommen, als
besonders hoch bezeichnet werden: Zwar ist ein Messerstich in Herznähe
- gerade mit einem Messer von 17 cm Klingenlänge - offensichtlich geeignet, den
Tod des Getroffenen herbeizuführen. In manchen Fällen - wie auch vorliegend -
wird das Opfer aber überleben, sei es, weil durch Abwehrhandlungen oder sonsti-
ge Umstände die Einwirkungen des Stichs gemildert werden können, oder sei es,
weil rasch eine lebensrettende medizinische Notversorgung erfolgt. Es ist aber zu
berücksichtigen, dass - entgegen den obgenannten Ausführungen der Staatsan-
waltschaft - nicht erstellt ist, der Beschuldigte hätte versucht, ein weiteres Mal auf
den Privatkläger einzustechen. Zu beachten ist auch, dass der Beschuldigte den
Privatkläger zusätzlich noch mit einem Schlagring traktierte, was selbstredend für
sich alleine einen Körperverletzungstatbestand erfüllen würde, indessen vom
Tötungsdelikt konsumiert wird. Gleichwohl ist das Vorgehen des Beschuldigten
auf einer Skala aller denkbaren vorsätzlichen Tötungsdelikte lediglich im
untersten Drittel anzusiedeln.
5.3.3. In subjektiver Hinsicht ist dem Beschuldigten zugute zu halten, dass er vom
Privatkläger provoziert worden ist; allerdings blieb er diesem auch seinerseits
schon verbal nichts schuldig und ist sodann zu beachten, dass er nicht unwesent-
lich für die Entstehung des Streits verantwortlich war, indem er im Umfeld der
Beteiligten Geschichten vor allem über angebliche oder auch tatsächliche intime
Beziehungen in verschiedenen Konstellationen erzählte und so einiges an Aufruhr
- 33 -
verursachte. Treffend beschreibt der Gutachter dieses Verhalten des Beschuldig-
ten als manipulativ-intrigant (Urk. 19/10 S. 55). Der Beschuldigte scheint sich
fortwährend behaupten und beweisen zu müssen, wohl nicht zuletzt aufgrund des
mit seiner geringen Körpergrösse zusammenhängenden geringen Selbstwert-
gefühls (vgl. dazu Urk. 19/10 S. 51). Auch vom Beschuldigten anerkanntermassen
ging es ihm darum, dem Privatkläger im Rahmen des vereinbarten eigentlichen
"Duells" zu zeigen, wer der Stärkere sei. Hauptmotiv war mithin schlicht Vergel-
tung. Nur ganz leicht strafmindernd (aber immerhin, nachdem die Vorinstanz von
einem verschuldenserhöhenden direkten Vorsatz ausgegangen ist, Urk. 83
S. 100) ist zu berücksichtigen, dass dem Beschuldigten - entgegen den vor-
stehend genannten Ausführungen der Staatsanwaltschaft - lediglich ein Eventual-
vorsatz nachzuweisen ist. Eine grössere Strafminderung verbietet sich deshalb,
weil bei einem gezielten Messerstich in die Herzgegend die Grenze zur Annahme
eines direkten Vorsatzes offensichtlich nicht weit entfernt ist.
5.3.3.1. Wie bereits angetönt, wurde zur Frage der Schuldfähigkeit und Zweck-
mässigkeit einer allfälligen Massnahme im Sinne von Art. 59 ff. StGB ein Gutach-
ten über den Beschuldigten eingeholt und am 30. März 2011 durch Dr. med.
L._ erstattet (Urk. 19/10). Insoweit die Verteidigung dazu auch im
Berufungsverfahren kritisiert, der Gutachter habe "in unzulässiger Weise Beweise
gewürdigt und mit unkorrekten Sachverhaltsdarstellungen operiert" (Urk. 86 S. 3;
vgl. Urk. 60 S. 19-24; Urk. 102 S. 17 ff.), ist ihr zunächst in grundsätzlicher Weise
entgegenzuhalten, was schon die Vorinstanz (Urk. 83 S. 102) und der Kammer-
präsident in der Verfügung vom 12. März 2012 (Urk. 97) ausgeführt haben:
Zwangsläufigerweise muss ein Gutachter in Fällen, bei welchen der angeklagte
Sachverhalt im Zeitpunkt der Begutachtung noch nicht abschliessend geklärt ist,
von bestimmten Annahmen ausgehen, ansonsten ja bei nicht geständigen Tätern
immer ein (überdies wohl rechtskräftiger...) Entscheid des Gerichts über Schuld
und Unschuld abgewartet werden müsste, bevor eine Begutachtung möglich
wäre. Es braucht keine weiteren Erläuterungen dazu, dass dies nicht sein kann
und namentlich auch mit den Grundsätzen des verfahrensrechtlichen Beschleuni-
gungsgebots nicht vereinbar wäre. Selbstverständlich ist es aber hernach Auf-
gabe des zum Entscheid berufenen Gerichts, über eine allfällige Ergänzung bzw.
- 34 -
gar Erneuerung eines Gutachtens zu entscheiden, wenn sich erweisen sollte,
dass der Gutachter von wesentlich anderen sachverhaltlichen Grundlagen ausge-
gangen ist, als sie sich im gerichtlichen Verfahren dann haben erstellen lassen.
Insoweit ist mit der Verteidigung festzustellen, dass die sachverhaltlichen Annah-
men des Gutachters in folgenden Punkten vom Sachverhalt abweichen, wie er
unter Erw. 3 vorstehend erstellt worden ist:
a) Die Frage des Beschuldigten an seine Mutter, ob sie gefickt werden wolle,
liegt nicht in einem despektierlichen Umgang des Beschuldigten begründet.
Vielmehr hat dieser so die am Telefon durch den Privatkläger geäusserte
Beleidigung wiedergegeben, wonach dieser seine - des Beschuldigten -
Mutter ficken werde (Urk. 60 S. 20; Urk. 102 S. 17 ff.; Urk. 19/10 S. 55).
b) Dass der Beschuldigte beim Erblicken des Privatklägers vom Hintersitz des
Fahrzeugs aus die Handbremse gezogen und aus dem Wagen gesprungen
sei, entspricht zwar nicht der Wahrheit, aber immerhin einer der vielen ver-
schiedenen Versionen des Beschuldigten (Urk. 8/3 S. 5). Es ist aber auch
gar nicht klar, ob der Gutachter an der vom Verteidiger kritisierten Stelle
(Urk. 19/10 S. 56; Urk. 60 S. 21) wirklich sachverhaltlich von dieser Version
ausgegangen ist oder ob er diese nur als Aussage des Beschuldigten
wiedergegeben hat. Für letzteres spricht immerhin die Formulierung: "Die
Darstellung, beim Erblicken des Geschädigten..." (Urk. 19/10 S. 56).
c) Der Beschuldigte hat zwar - mit den Annahmen des Gutachters - das
Messer erst im Verlauf der tätlichen Auseinandersetzung gezückt. Doch ist -
entgegen der Annahme des Gutachters - nicht erstellt, dass der Beschuldig-
te das Messer hervorgenommen hatte, als er gemerkt habe, "dass er selbst
mit dem Schlagring den Geschädigten nicht besiegen konnte, sondern gar
noch Schläge erhielt" (Urk. 19/10 S. 56; vgl. Urk. 102 S. 18 f.). Ebenfalls
kann - wie vorstehend dargelegt und entgegen der Verteidigung - nicht
davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte das Messer erst her-
vorgeholt habe, als er beim Privatkläger "etwas Glänzendes" gesehen habe
(Urk. 60 S. 21; Urk. 102 S. 18 f.). Soweit sodann der Verteidiger den Gut-
achter weiter kritisiert, es habe keine "ausweglose Situation ohne Rück-
- 35 -
zugsmöglichkeiten" vorgelegen (a.a.O.), liest er das Gutachten falsch.
Gegenteils hat nämlich Dr. L._ geschrieben: "In diesem Moment [des
Messerzückens] befand er sich nicht in einer ausweglosen, bedrohlichen
Situation ohne Rückzugsmöglichkeiten, sondern er setzt das Messer ein, um
die Oberhand zu gewinnen" (Urk. 19/10 S. 56, Hervorhebung durch das
Gericht).
d) Zurecht weist der Verteidiger schliesslich darauf hin, dass dem Beschuldig-
ten nicht nachgewiesen werden kann, nach dem Stich den Privatkläger
nochmals mit dem Messer angreifen gewollt zu haben (Urk. 60 S. 23;
Urk. 102 S. 20; Urk. 19/10 S. 57).
Soweit der Verteidiger noch in vielen weiteren Punkten den Gutachter rügt, er
sei von sachverhaltlich unrichtigen Vorgaben ausgegangen (Urk. 60 S. 19 ff.;
Urk. 102 S. 17 ff.), ist dies durch das Beweisergebnis widerlegt.
5.3.3.2. Mit den vorerwähnten Kritikpunkten möchte der Verteidiger belegen, dass
die vom Gutachter im Handlungsablauf des Beschuldigten festgestellten "insze-
nierenden Elemente" nicht bestünden (Urk. 60 S. 25; Urk. 102 S. 27 f.). Der Gut-
achter hat dazu Folgendes ausgeführt (Urk. 19/10 S. 58):
Für die zur Last gelegte Gewalthandlung ergeben sich keine Hinweise für eine Ein-
schränkung der Einsichtsfähigkeit .Die Steuerungsfähigkeit wirkt angesichts des
Tatablaufs unter Annahme inszenierender Elemente noch intakt, zudem beruhigte
sich der Explorand nach dem erstmaligen Ausstossen der Beleidigung und kündigte
sein Tatvorhaben auch wiederholt an. Begünstigt wurde die Tathandlung durchaus
durch die emotional instabile sowie der dissozialen Persönlichkeitsstörung und den
narzisstischen Merkmalen, die eine stärkere Reaktion auf die beleidigende Provo-
kation ausübte und damit die Steuerungsfähigkeit belastete sowie den Zugzwang
nährte, unter den sich der Anschuldigte vor den Augen seiner Begleitern sah. Auch
für die Annahme einer leichtgradigen Einschränkung der Steuerungsfähigkeit muss
aber bereits eine relevante Einschränkung aufzeigbar sein. Die Tatvariante unter
Annahme inszenierenden Elemente wird hier gutachterlich zugrunde gelegt. Es ist
daher für die zur Last gelegte Gewalthandlung von einer noch erhaltenen Schuld-
fähigkeit auszugehen. Würde man den inszenierenden Charakter absprechen und
- 36 -
den Antrieb als durchgehend authentisch gegeben ansehen, würde höchstens eine
leichtgradige Minderung der Steuerungsfähigkeit und damit eine leichtgradige
Minderung der Schuldfähigkeit gemäss Art. 19 abs. 2 StGB resultieren. Dieser
Alternativvariante ist aber aufgrund obengenannter Ausführungen Skepsis ent-
gegenzubringen.
Aus diesen Formulierungen ergibt sich, dass der Gutachter den Beschuldigten
offensichtlich nahe der Grenze zur Annahme einer leichtgradigen Einschränkung
der Steuerungsfähigkeit einstuft. Dass der Gutachter schliesslich "noch" von einer
vollständig erhaltenen Schuldfähigkeit ausgeht, begründet er schwergewichtig mit
der "Annahme inszenierender Elemente". Daraus ist wiederum zu folgern, dass er
beim Beschuldigten eine genügende Anzahl solch inszenierender Elemente sieht,
damit diesen gegenüber dem Antrieb durch die emotional instabile und dissoziale
Persönlichkeitsstörung sowie die narzisstischen Merkmale eine vorrangige
Stellung zukommt. Allerdings bleibt der Gutachter insoweit unpräzis, als er dafür
einfach die "Annahme inszenierender Elemente" als ausschlaggebend ansieht,
ohne dies in irgend einer Form zu quantifizieren. Namentlich legt er nicht dar, wie
viele - oder wie gewichtige - solcher inszenierender Elemente wegfallen müssten,
damit auf eine leichtgradige Minderung der Steuerungsfähigkeit zu schliessen
wäre. Zwar könnte aus dem - grammatikalisch ohnehin nicht ganz korrekten -
Satz "Würde man den inszenierenden Charakter absprechen und den Antrieb als  authentisch gegeben ansehen, würde höchstens eine leichtgradige Minderung
der Steuerungsfähigkeit und damit eine leichtgradige Minderung der Schuldfähigkeit ge-
mäss Art. 19 abs. 2 StGB resultieren" geschlossen werden, dass für die Annahme
einer leichtgradig verminderten Steuerungsfähigkeit der Wegfall ausnahmslos
aller inszenierenden Elemente vonnöten wäre. Das kann aber offensichtlich nicht
sein bzw. wäre jedenfalls sehr unplausibel. Vor dem Hintergrund seiner Aus-
führungen ist denn auch nicht anzunehmen, dass Dr. L._ dem Beschuldigten
auch dann eine volle Schuldfähigkeit attestiert hätte, wenn nur ein einziges aller
diskutierten inszenierenden Elemente vorgelegen hätte. An anderer Stelle spricht
er nämlich auch davon, dass für die Annahme einer allenfalls leichtgradigen
Einschränkung der Steuerungsfähigkeit ein "beträchtlicher Teil" der beobachtba-
- 37 -
ren Angetriebenheit keinen inszenierenden Charakter haben müsste (Urk. 19/10
S. 57).
5.3.3.3. Daraus, dass der Beschuldigte seine Mutter despektierlich behandelt
habe (vorstehend lit. a), leitet der Gutachter, soweit ersichtlich, nichts direkt ab
(Urk. 19/10 S. 55 ff.). Demgegenüber geht es bei den vorstehend in lit. b-d ange-
führten Teilsachverhalten (betr. Handbremse, Grund des Messerziehens, Frage
des Nochmals-zustechen-wollens) allesamt um Handlungsabschnitte, in welchen
der Gutachter gewisse inszenierenden Elemente sieht (Urk. 19/10 S. 56/57). Ins-
besondere der Darstellung mit dem Handbremse-ziehen und der - falschen -
Annahme, dass der Beschuldigte nochmals habe zustechen wollen, spricht der
Gutachter inszenierenden Charakter zu. Aber auch die - ebenfalls falsche -
Annahme, der Beschuldigte habe das Messer gezückt, als er gemerkt habe, dass
er den Privatkläger nicht besiegen könne, hat eine bewusste Komponente ("um
die Oberhand zu gewinnen" (Urk. 19/10 S. 56), was sich - wie vorstehend darge-
legt - nicht erstellen lässt.
5.3.3.4. Es ergibt sich mithin, dass aufgrund von sachverhaltlichen Annahmen
des Gutachters, welche sich im gerichtlichen Beweisverfahren als unzutreffend
erwiesen haben, immerhin einige - wenn auch nicht viele - Umstände ins Gutach-
ten eingeflossen sind, aus welchen Dr. L._ das Vorliegen inszenierender
Elemente abgeleitet hat. Vor dem Hintergrund dessen, dass der Gutachter den
Beschuldigten offenbar schon aufgrund seiner eigenen Annahmen als "Grenzfall"
sieht, und zugunsten des Beschuldigten ist deshalb vom Vorliegen einer leicht
eingeschränkten Steuerungsfähigkeit und damit einer leichtgradigen Verminde-
rung der Schuldfähigkeit auszugehen. Dass der Gutachter im Zusammenhang mit
seiner diesbezüglichen Eventualeinschätzung jeweils die Wendungen "eine allen-
falls leichtgradige Einschränkung der Steuerungsfähigkeit" bzw. "... höchstens... "
(Urk. 19/10 S. 57, 58) braucht, steht dem nicht entgegen. Für die vom Verteidiger
für den Fall einer Verurteilung des Beschuldigten geforderte Berücksichtigung
einer im mittleren Grade verminderten Schuldfähigkeit (Urk. 60 S. 34; Urk. 102
S. 29) bestehen beim erstellten Sachverhalt allerdings keine Hinweise. Unter
- 38 -
diesen Umständen besteht auch kein Anlass, dem Beweisantrag des Verteidigers
stattzugeben und ein weiteres Gutachten einzuholen.
5.3.3.5. Im BGE 136 IV 55 E. 5.7 hat das Bundesgericht festgelegt, wie bei einer
Verminderung der Schuldfähigkeit im Sinne einer nachvollziehbaren Strafzu-
messung vorzugehen ist. In Umsetzung dieser Vorgaben ist vorliegend festzuhal-
ten, dass die vorstehend in tatsächlicher Hinsicht ermittelte leichte Verminderung
der Schuldfähigkeit des Beschuldigten sich auch in rechtlicher Hinsicht so aus-
wirkt (vgl. BGE 136 IV 55 E. 5.6). Die als Folge seiner schweren psychischen
Störungen (dissoziale Persönlichkeitsstörung, ICD-10 F60.2; emotional instabile
Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus (ICD-10 F60.31), seiner emotiona-
len Instabilität sowie seiner narzisstisch-infantilen Charakterzügen auftretenden
Erscheinungen (Bedürfnis, sich vor anderen zu inszenieren und sich als mutigen
Kämpfer darzustellen; Bedürfnis, die Ehre seiner Mutter wiederherzustellen;
niederschwellige Bereitschaft zu Gewalt im Beisein von Begleitern; Bedürfnis
nach Vergeltung und Triumph; vgl. Urk. 19/10 S. 57/58) mindern sein Verschulden
in subjektiver Hinsicht leicht. Wird bis dahin mit Blick auf den zur Verfügung
stehenden Strafrahmen von einem gesamthaft noch nicht erheblichen Tatver-
schulden gesprochen, so vermindert sich dieses deshalb auf ein leicht bis noch
nicht erhebliches Mass.
5.3.4. Als hypothetische Einsatzstrafe für das mutmasslich vollendete Tötungs-
delikt rechtfertigt sich mithin eine Freiheitsstrafe von knapp 9 Jahren. Die von der
Vorinstanz angesetzte Einsatzstrafe von 12 Jahren (Urk. 83 S. 103) erscheint
demgegenüber als deutlich zu hoch.
5.4. Bei einem Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht die
Strafe mildern. Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe bei einem - wie
vorliegend - vollendeten Versuch hängt unter anderem von der Nähe des tat-
bestandsmässigen Erfolgs und den tatsächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121 IV
55 E. 1). So fällt deshalb zunächst einmal ins Gewicht, dass der Beschuldigte mit
einem einzelnen Stich in die Brust des Privatklägers ein Vorgehen gewählt hat,
das zwar offensichtlich geeignet ist, den Tod des Opfers herbeizuführen, indessen
nicht a priori auch effektiv zum Tod führen muss (vgl. schon Erw. 5.3.2 vor-
- 39 -
stehend). Das wäre - zum Vergleich - etwa anders bei einem gezielten Schuss in
den Kopf oder auch nur schon bei wiederholten Messerstichen in den Brust- und
Halsbereich. Im konkreten Fall lag der tatbestandsmässige Erfolg denn auch tat-
sächlich nicht sehr nahe: zwar hätte sich infolge der Stichverletzung ein lebens-
gefährlicher sog. Spannungspneumothorax bilden können, das trat aber bis zur
definitiven ärztlichen Versorgung des Privatklägers nicht ein (Urk. 14/12 S. 3).
Gleichwohl ist im Auge zu behalten, dass der Beschuldigte letztlich zum Ausblei-
ben des Erfolgs nichts dazu beigetragen hat, sondern dies ausschliesslich den
Zufälligkeiten zuzuschreiben ist, dass er weder das Herz noch herznahe Gefässe
getroffen und sich auch der bereits angesprochene mögliche Spannungs-
pneumothorax nicht gebildet hat. Festzustellen ist indessen, dass die tatsächli-
chen Folgen der Tat nur verhältnismässig gering geblieben sind: Der Privatkläger
musste eine Woche lang hospitalisiert bleiben (Urk. 14/3) und war während
je ungefähr eines halben Monats zu 100 % und zu 50 % arbeitsunfähig. Eine
unmittelbare Lebensgefahr bestand nie. Bleibende Verletzungen trug er nicht
davon (vgl. dazu Urk. 83 S. 104).
Der Versuch muss mithin - entgegen den Ausführungen der Staatsanwaltschaft,
wonach eine Strafmilderung im Umfang eines Drittels, wie dies die Vorinstanz
angenommen hatte, als viel zu hoch erscheine (Urk. 103 S. 4) - klar strafmindern-
de Konsequenzen haben. Wenn die Vorinstanz in diesem Zusammenhang von
"deutlichem Masse" und rund einem Drittel der Einsatzstrafe spricht (Urk. 83
S. 103), kann ihr gefolgt werden.
5.5. Wegen der zusätzlich vom Beschuldigten begangenen Vergehen gegen das
Betäubungsmittelgesetz und das Waffengesetz ist die laufende Einsatzstrafe in
Anwendung des Asperationsprinzips angemessen zu erhöhen. Wie gesehen,
sieht sowohl Art. 19 Ziff. 1 aBetmG als auch Art. 33 Abs. 1 WG für sich alleine
eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe vor.
Die Vorinstanz hat die konkrete Tatschwere der beiden dem Beschuldigten in
diesem Zusammenhang vorgeworfenen Deliktkomplexe (Anklageschrift S. 5/6;
vgl. dazu Urk. 83 S. 86, 89/90) je als nicht hoch bezeichnet. Unter Verweis auf ih-
re zutreffenden Erwägungen ist dem ohne Weiteres zuzustimmen (Art. 82 Abs. 4
- 40 -
StPO). Zu ergänzen ist, dass hier im Sinne der diesbezüglich klaren Einschätzung
von Dr. L._ von keiner Einschränkung der Schuldfähigkeit auszugehen ist
(Urk. 19/10 S. 58). Es resultiert mithin eine moderate Erhöhung der Einsatzstrafe.
5.6. Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann zunächst
auf die zusammenfassende Wiedergabe im vorinstanzlichen Urteil verwiesen
werden (Urk. 83 S. 105; Art. 82 Abs. 4 StPO). Anlässlich der Berufungsverhand-
lung ergänzte er dazu, dass er derzeit regelmässig eine psychiatrische Therapie
besuche. Zudem werde er eine Anlehre als Industrielackierer beginnen. Diese
Ausbildung werde 2 Jahre dauern (Urk. 101 S. 2 ff.).
5.6.1. Wenn die Vorinstanz dem Beschuldigten die "schwierigen persönlichen
Verhältnisse" in Form von dessen Kindheit im kriegsversehrten M._ [Land im
Osten], die Immigration in die Schweiz als Jugendlicher sowie "vor allem seine
psychischen Beeinträchtigungen" in erheblichem Ausmass strafmindernd anrech-
nen will, kann dem - jedenfalls in dieser pauschalen Form - nicht gefolgt werden.
Alleine der Umstand einer erfolgten Immigration in die Schweiz kann selbstver-
ständlich keine Strafminderung zur Folge haben; das wäre gegenüber von Geburt
an hier ansässigen Personen grob rechtsungleich. Ebenso können sich die psy-
chischen Beeinträchtigungen des Beschuldigten - an dieser Stelle - nicht straf-
mindernd auswirken. Es erscheint auch widersprüchlich, wenn die Vorinstanz
dem Beschuldigten gestützt auf das Gutachten eine volle Schuldfähigkeit zu-
schreibt (und entsprechend keine Strafminderung gewährt), dann aber bei den
Täterkomponenten mit dem Hinweis auf die gleichen psychischen Störungen, wie
sie schon Gegenstand der Diskussion der Schuldfähigkeit gebildet haben, gleich-
wohl eine Strafminderung erheblichen Ausmasses gewähren will. Im Berufungs-
verfahren wurde nun aber dem Beschuldigten ohnehin eine in leichtem Masse
verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt und unter diesem Titel die Strafe gemil-
dert. Eine weitere Strafminderung im Zusammenhang mit den psychischen Beein-
trächtigungen des Beschuldigten kommt daher ohnehin nicht in Betracht. Es bleibt
die Kindheit des Beschuldigten im kriegsversehrten M._: Hiezu ist zunächst
mit der Vorinstanz (Urk. 83 S. 105) festzuhalten, dass die Darstellung des Be-
schuldigten, er sei von den ... als Kindersoldat missbraucht worden (Urk. 31/28 S.
- 41 -
1; Urk. 31/29 S. 2; Urk. 19/10 S. 50), vom Bundesverwaltungsgericht im Verfahren
betreffend Aufhebung der vorläufigen Aufnahme als nachträglich konstruierte
Schutzbehauptung erkannt worden ist, unter anderem darum, weil die Eltern des
Beschuldigten in ihren Befragungen nie solche Begebenheiten geschildert hatten
(Urk. 50). Auch gegenüber dem Gutachter erwähnten die Eltern des Beschuldig-
ten Solches offenbar nicht, sondern sagten lediglich aus, dass der Beschuldigte
Kriegssituationen miterlebt habe und von einer Granate verletzt worden sei.
Darauf habe der Beschuldigte aber - so die Eltern gegenüber Dr. L._ - nicht
durch ausgeprägtere Verhaltensänderungen reagiert. Auch der Gutachter sieht
die ihm gegenüber vom Beschuldigten geäusserten Schilderungen betreffend
Kindersoldat, Vergewaltigungen oder gar eine Verurteilung zum Tode vor allem
als Bestätigung der Tendenz des Beschuldigten, Geschichten zu erfinden bzw. zu
lügen, um mehr Aufmerksamkeit und Achtung zu erzielen, aber auch aus strate-
gisch-manipulativen Gründen zu seinem Vorteil zu argumentieren (Urk. 19/10
S. 50). Wenn der Gutachter dann weiter folgert, die wiederholt erwähnten
Traumatisierungserlebnisse würden insbesondere die emotionale Instabilität des
Beschuldigten und dessen Tendenz zu Selbstverletzungen erklären (a.a.O.),
ergibt sich daraus, dass diese Kindheitserlebnisse und deren Konsequenzen
bereits in die Beurteilung seiner psychischen Störungen und mithin seiner Schuld-
fähigkeit eingeflossen sind. Auch in diesem Zusammenhang kann dem Beschul-
digten daher unter dem Titel "Täterkomponente" keine weitere Strafminderung
mehr gewährt werden.
5.6.2. Massiv straferhöhend schlagen dagegen - wie auch die Staatsanwaltschaft
zu Recht ausführt (Urk. 103 S. 4) - die zahlreichen Vorstrafen des Beschuldigten
zu Buche. Er weist im Zeitraum von Juni 2005 bis April 2009 nicht weniger als fünf
Verurteilungen auf, und zwar zu einem rechten Teil einschlägiger Natur, nicht nur
in Bezug auf die Widerhandlungen gegen das BetmG, sondern auch bezüglich
Gewalttaten, nachdem er bereits dreimal wegen Raubdelikten bestraft werden
musste. Es ist auch eine deutlich aggravierende Tendenz der Delikte des
Beschuldigten erkennbar: So resultierten 2005 noch eine Einschliessung von
14 Tagen und eine Gefängnisstrafe von 30 Tagen, wurde er 2007 bereits mit
einer Freiheitsstrafe von 7 Monaten belegt und musste 2009 dann eine Freiheits-
- 42 -
strafe von 22 Monaten gegen ihn ausgesprochen werden (Urk. 90). Darüber hin-
aus - und dies hat die Vorinstanz unbeachtet gelassen - fällt weiter straferhöhend
ins Gewicht, dass der Beschuldigte die vorliegenden Delikte allesamt während
der Probezeit von einem Jahr begangen hat, welche ihm mit Verfügung vom
30. Oktober 2009 vom Amt für Justizvollzug des Kantons Schaffhausen im
Zusammenhang mit der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug per
15. November 2009 angesetzt worden war (Urk. 31/35).
5.7. Schliesslich ist das Nachtatverhalten eines Täters zu berücksichtigen,
worunter das Verhalten nach der Tat sowie im Strafverfahren fällt. Ein Geständ-
nis, kooperatives Verhalten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie
Einsicht und Reue wirken in der Regel strafmindernd (vgl. BGE 118 IV 349 und
121 IV 202; BSK StGB I-Wiprächtiger, Art. 47 N. 129 ff.).
In Bezug auf den Hauptvorwurf der versuchten vorsätzlichen Tötung war und ist
der Beschuldigte nicht geständig. Gegenteils brachte er immer wieder neue Ver-
sionen vor, wie sich das Geschehen abgespielt habe. Dass er sich im Schluss-
wort in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung beim Privatkläger entschuldigte
und sein Mitleid darüber bekundete, diesen verletzt zu haben (Prot. I S. 19/20),
hat damit nur wenig mit Einsicht in die Tat zu tun, derentwegen er verurteilt wird.
Entgegen der Vorinstanz ist ihm aber nicht straferhöhend anzurechnen, dass er
"keine wirkliche Reue" zeige (Urk. 83 S. 105). Nicht über Schweigen bzw.
Leugnen der Tat hinausgehende fehlende Einsicht und Reue darf gemäss kon-
stanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zulasten eines Beschuldigten
gewertet werden (vgl. BGE 113 IV 56; zuletzt Urteil 6B_759/2011 vom 19. April
2012 E. 2.2 und Urteil 6B_162/2011 vom 8. August 2011 E. 7.4 mit weiteren
Verweisen).
Das Geständnis des Beschuldigten bezüglich des Tragens des Schlagrings fällt
nicht ins Gewicht, zumal der Umstand des Tragens nahezu unbestreitbar war
bzw. anfänglich gar dazu diente, den Einsatz des Messers zu verschweigen.
Zudem machte der Beschuldigte zumindest anfänglich ohnehin auch noch gel-
tend, er sei sich der Illegalität seines Tuns nicht bewusst gewesen (Urk. 8/14 S. 7;
Urk. 56 S. 8). Dass er sich sodann erst in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung
- 43 -
letztlich auch bezüglich des Vorwurfs des Vergehens gegen das BetmG teilweise
geständig erklärt hat (Urk. 56 S. 9/10), hat die Untersuchung in keiner Weise
erleichtert und damit ebenso wenig strafmindernde Wirkung.
Aus dem Nachtatverhalten des Beschuldigten lassen sich damit keine strafzu-
messungsrelevanten Gegebenheiten ableiten.
5.8. Schliesslich hat die Vorinstanz - bereits rechtskräftig geworden - erkannt,
dass der Beschuldigte zufolge seiner mehrfachen Delinquenz während der bereits
angesprochenen Probezeit der per 15. November 2009 erfolgten bedingten Ent-
lassung in den Strafvollzug rückzuversetzen ist. Unter Verweis auf die zutreffen-
den vorinstanzlichen Erwägungen ist damit unter Einbezug der widerrufenen
Reststrafe von 37 Tagen eine Gesamtstrafe zu bilden (Urk. 83 S. 96/97; Art. 82
Abs. 4 StPO).
5.9. Insgesamt erscheint es deshalb als angemessen, den Beschuldigten mit
einer Freiheitsstrafe von 7 Jahren (als Gesamtstrafe) zu bestrafen. Der Anrech-
nung der von ihm bis heute durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie
vorzeitigen Strafvollzug erstandenen 739 Tagen Freiheitsentzug steht nichts im
Wege (Art. 51 StGB).
5.10. Richtig hat die Vorinstanz schliesslich gesehen, dass für die mehrfachen
Übertretungen des BetmG im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Konsum von
Cannabis) eine separate Busse auszufällen ist. Auch für die Bemessung
derselben kann grundsätzlich auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen
verwiesen werden (Urk. 83 S. 105/106). Allerdings ist im Sinne der diesbezüglich
sehr berechtigten Kritik der Staatsanwaltschaft (Urk. 84 S. 4) zu vermuten, dass
die Vorinstanz wohl übersehen - oder dann aber jedenfalls zu wenig gewichtet -
hat, dass der Beschuldigte durch die Erziehungsverfügung der Jugendanwalt-
schaft der Bezirke Bülach und Dielsdorf vom 30. Juni 2005 sowie die Strafbefehle
der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat bzw. Zürich-Sihl vom 20. September 2005
bzw. 27. Februar 2008 bereits dreimal einschlägig vorbestraft ist. Angesichts des-
sen erscheinen die von der Vorinstanz festgesetzten Fr. 200.– als klar zu tief.
Angemessen sind vielmehr die auch von der Staatsanwaltschaft beantragten
- 44 -
Fr. 500.–. Entsprechend ist die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall der schuldhaften
Nichtbezahlung dieser Busse (Art. 106 Abs. 2 StGB) auf 5 Tage anzusetzen.
5.11. Zusammenfassend erweist sich damit eine Freiheitsstrafe von 7 Jahren (als
Gesamtstrafe) sowie eine Busse von Fr. 500.– als dem Verschulden und den
persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.
6. Zivilansprüche
Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für das Zusprechen zivilrechtliche
Ansprüche aus der Straftat im Adhäsionsprozess - worunter sowohl Schadener-
satzforderungen als auch Genugtuungsbegehren fallen - in ihrem Entscheid
richtig aufgeführt (Urk. 83 S. 109 ff.). Es kann darauf verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO).
6.1. Schadenersatz
6.1.1. Die Vorinstanz stellte im angefochtenen Entscheid fest, dass der Beschul-
digte gegenüber dem Privatkläger aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsat-
ze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des
Schadenersatzanspruches wurde der Privatkläger auf den Weg des Zivilprozes-
ses verwiesen (Urk. 83 S. 119).
6.1.2. Der Beschuldigte beantragte im vorliegenden Verfahren - wie bereits vor
Vorinstanz (Urk. 60 S. 2 und S. 37) - dass die Zivilklagen des Geschädigten, mit-
hin die Schadenersatz- und Genugtuungsforderungen, auf den Zivilweg zu ver-
weisen seien. Da der Beschuldigte freizusprechen sei, erweise sich der Sachver-
halt nicht als spruchreif (Urk. 102 S. 2 und 31).
6.1.3. Das Gericht entscheidet über die anhängig gemachte Zivilklage, wenn es
die beschuldigte Person schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Wenn aber
die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig aufwändig
wäre, so kann das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach entscheiden
und sie im Übrigen auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO). In einem
solchen Fall spricht das Strafgericht nicht eine betragsmässig umschriebene
- 45 -
Leistung zu, sondern entscheidet nur über die Haftung und die Haftungsquote,
d.h. ob und in welchem Umfang der Beschuldigte haftet. Die Frage der Höhe des
Schadenersatzanspruchs bleibt demgegenüber einem anschliessenden Zivil-
verfahren vorbehalten (vgl. Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung,
Praxiskommentar, Zürich 2009, N 17 zu Art. 126 StPO).
6.1.4. Mit der Vorinstanz kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführer
auf Grund des zu erfolgenden Schuldspruchs grundsätzlich gegenüber dem
Privatkläger aus dem eingeklagten Ereignis haftet. Die Vorinstanz ist aber von ei-
ner vollumfänglichen Haftung ausgegangen, obwohl sie - gemäss den Erwägun-
gen zur Genugtuung - dem Privatkläger ein leichtes Selbstverschulden vorwirft
(vgl. Urk. 83 S. 110 ff.).
6.1.5. Der Vertreter des Privatklägers bestreitet, dass diesem ein Selbstverschul-
den vorgeworfen werden könne. So sei erstellt, dass die grundsätzlich beleidi-
genden Äusserungen des Privatklägers bereits Stunden zuvor erfolgt seien.
Zudem seien nicht die Worte des Privatklägers, sondern die Unwahrheiten, die
der Beschuldigte über dessen damalige Freundin verbreitet habe, Ursprung der
Auseinandersetzung gewesen. Somit würden der Bezeichnung "kleiner Furz" oder
der Beleidigung der Mutter des Beschuldigten für die Entstehung der Auseinan-
dersetzung keine besondere Bedeutung zukommen (Urk. 104 S. 9). Dabei wird
allerdings verkannt, dass das Selbstverschulden nicht - alleine - darin liegt, dass
der Privatkläger im Vorfeld der Auseinandersetzung den Beschuldigten als
"kleiner Furz" bezeichnete und dessen Mutter beleidigte. Vielmehr ist hier zu
berücksichtigen, dass der Privatkläger - gemäss seinen eigenen Angaben - den
Beschuldigten aufforderte, gegen ihn zu kämpfen (vgl. Urk. 7/3 S. 9; Urk. 7/5
S. 10). Damit hat der Privatkläger zumindest dazu beigetragen, sich mit dem
Beschuldigten zu einem "Duell" zu verabreden. Aufgrund dieses Verhaltens ist
dem Privatkläger durchaus ein leichtes Selbstverschulden vorzuwerfen.
Die Vorinstanz hat zu Recht ausgeführt, dass nach bundesgerichtlicher Recht-
sprechung auch ein untergeordnetes Mitverschulden des Opfers zu einer Reduk-
tion des Genugtuungsanspruchs um einen Viertel bis zu einem Drittel führen kann
(vgl. Urk. 83 S. 114 f.; BGE 124 II 8). Auf diese Erwägungen kann - da sie für Zi-
- 46 -
vilansprüche im Allgemeinen gelten - verwiesen werden. Auf Grund des dem Pri-
vatklägers vorzuwerfenden leichten Selbstverschuldens rechtfertigt es sich vorlie-
gend, die Haftungsquote des Beschuldigten auf 75% zu reduzieren. Zur genauen
Feststellung des Schadenersatzanspruchs ist der Privatkläger auf den Weg des
Zivilprozesses zu verweisen.
6.2. Genugtuung
6.2.1. Der Privatkläger liess vor Vorinstanz sowie auch im vorliegenden Beru-
fungsverfahren beantragen, ihm sei eine Genugtuung von Fr. 20'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 24. Juni 2010 zuzusprechen (Urk. 59 und 88). Zur Begründung wurde
ausgeführt, die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung würden
zweifellos gegeben sein. Die Widerrechtlichkeit der Handlungen des Beschuldi-
gen gegenüber dem Privatkläger sei offensichtlich und ergebe sich aus der straf-
rechtlichen Verurteilung. Sodann liege in objektiver und subjektiver Hinsicht beim
Privatkläger eine schwere Persönlichkeitsverletzung vor. Die Rücksichtslosigkeit
und Intensität der Gewaltanwendung, mit welcher der Beschuldigte ohne jeglichen
Grund gegen den Privatkläger vorgegangen sei, sei genugtuungserhöhend zu
berücksichtigen. In gleicher Weise falle die Notoperation ins Gewicht. Gründe für
eine Reduktion der Genugtuung bestände nicht, insbesondere könne dem Privat-
kläger unter keinem Titel ein Selbstverschulden angelastet werden (Urk. 59
S. 8 ff.; Urk. 104 S. 7 ff.).
6.2.2. Der Beschuldigte liess in seiner Berufungserklärung - wie vor Vorinstanz -
beantragen, die geltend gemachte Genugtuungsforderung sei zufolge des
Freispruchs vom Tötungsvorwurf auf den Zivilweg zu verweisen (Urk. 86 S. 3;
Urk. 102 S. 2).
6.2.3. Bei Tötung eines Menschen oder Körperverletzung kann der Richter unter
Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten oder den Angehörigen des
Getöteten eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen (Art. 47
OR). Die Genugtuung setzt neben der Körperverletzung bzw. der Tötung eines
Menschen die allgemeinen Voraussetzungen der Haftung (Widerrechtlichkeit,
Verschulden, Kausalzusammenhang) voraus. Zudem müssen besondere
- 47 -
Umstände gegeben sein, welche die Zusprechung einer Genugtuung rechtferti-
gen. Solche liegen nicht bereits bei jeder geringfügigen Beeinträchtigung des
Wohlbefindens vor. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass der erlittene körperliche
oder seelische Schmerz von einer gewissen Schwere sein muss (Ingeborg
Schwenzer, Schweizerisches Obligationenrecht, AT, Bern 2009, S. 112; ZHK-Ch.
Müller, N 6 zu Art. 47 OR). Die Genugtuung bezweckt den Ausgleich für erlittene
Unbill, indem das Wohlbefinden anderweitig gesteigert oder die Beeinträchtigung
erträglicher gemacht wird. Die Bemessung der Genugtuung richtet sich vor allem
nach der Art und Schwere der Verletzung, der Intensität und Dauer der Auswir-
kungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen, den Grad des Verschuldens des
Haftpflichtigen, einem allfälliges Selbstverschulden des Geschädigten sowie der
Aussicht auf Linderung des Schmerzes durch die Zahlung eines Geldbetrags. Die
Höhe der Summe lässt sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur schätzen
(132 II 117 E. 2.2.2 S. 119, mit weiteren Hinweisen). Dem Richter kommt dabei
ein erhebliches Ermessen zu. Anhand von konkreten Fällen lassen sich aber
Massstäbe setzen, die in anderen, einigermassen vergleichbaren Fällen Anhalts-
punkte für die Bemessung sein können. Schliesslich bleibt aber stets im Auge zu
behalten, dass die Genugtuungsleistung als Wiedergutmachung immaterieller
Unbill zu verstehen ist, die sich aber nicht in Geld umsetzen lässt, folglich immer
nur ein ungefährer Ausgleich für Schmerzen, Leid und andere Beeinträchtigungen
des körperlichen und seelischen Wohlbefindens sein kann (BGE 112 II 131 E. 2
S. 133 f.).
6.2.4. Angesichts der Verletzung, welche der Privatkläger bei der vorliegend zu
beurteilenden Tat erlitt, sowie der rechtswidrigen und schuldhaften Verursachung
derselben durch den Beschuldigten, sind die Voraussetzungen für die Zu-
sprechung einer Genugtuung ohne Weiteres erfüllt.
6.2.5. In Bezug auf die Höhe der auszusprechenden Genugtuung wird in der
Lehre die Meinung vertreten, dass bei versuchten schweren Körperverletzungen
oder versuchten Tötungen ohne lebensgefährliche Verletzungen oder bleibende
körperliche Beeinträchtigungen sich die Regelgenugtuungen in der Höhe von
Fr. 20'000.– bis Fr. 40'000.– bewegen sollten (Entscheid des Bundesgerichts
- 48 -
6B_289/2008 vom 17. Juli 2008 E. 10.4, mit Hinweis auf Beatrice Gurzeler,
Beitrag zur Bemessung der Genugtuung, 2005, S. 344).
Gemäss der Rechtsprechung werden aber in ähnlich gelagerten Fällen, d.h. bei
versuchter vorsätzlicher Tötung ohne bleibende körperliche Beeinträchtigungen,
grundsätzlich tiefere Genugtuungssummen ausgesprochen. Als Vergleich können
die folgenden Urteile dienen:
- Genugtuung von Fr. 10'000.– (Urteil des Geschworenengerichts des
Kantons Zürich vom 26. Juni 2002): Unvermittelt versetzte der in seiner Persönlichkeit gestörte, minder intelligente 26-jährige Täter seinem Opfer einen Stich mit einem Messer in den Bauch. Der Täter wurde wegen  Tötung verurteilt (Hütte/Ducksch/Guerrero, Zeitraum 2001-2002, Tabelle VIII / 11 Nr. 30).
- Genugtuung von Fr. 5'000.– (Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom
30. Juni 2004): Nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung wurde das Opfer mit einem Revolver aus 3 - 5 m Entfernung angeschossen und in der Lendengegend getroffen. Die Verletzung ist folgenlos verheilt. Der Täter wurde wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt (Hütte/Ducksch/ Guerrero, Zeitraum 2003-2005, Tabelle VIII / 14 Nr. 37).
- Genugtuung von Fr. 10'000.– (Urteil des Geschworenengerichts des
Kantons Zürich vom 4. März 2003): Der Täter stach nach kurzem  ohne Vorwarnung mit einem Messer auf einen ihm nicht bekannten Mann ein, von dem er vermutete, er habe seine Frau vergewaltigt. Das Gericht ging von einem schweren Verschulden des Täters aus. Das Opfer erlitt 9 bis 10 lebensgefährliche Messerstiche in den Oberkörper (/Ducksch/Guerrero, Zeitraum 2003-2005, Tabelle VIII / 20 Nr. 45).
- Genugtuung von Fr. 30'000.– (Urteil des Geschworenengerichts des
Kantons Zürich): Aus nichtigem Grund stach der alkoholisierte Täter  mit voller Wucht ein Messer in den Oberkörper des Geschädigten und verletzte diesen im oberen Bauchbereich lebensgefährlich. Der Täter wurde wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt (Hütte/Ducksch/Guerrero, Zeitraum 2003-2005, Tabelle VIII / 26 Nr. 56).
- Genugtuung von Fr. 12'000.– (Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich
vom 22. Januar 2007): Der Täter versetzte während einer tätlichen Auseinandersetzung dem Geschädigten mehrere, teils heftige Messerstiche. Der Täter wurde wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt (Entscheid des Bundesgerichts 6B_289/2008 vom 17. Juli 2008).
- Genugtuung von Fr. 8'000.– (Urteil des Appellationsgerichts des Kantons
Basel-Stadt vom 30. März 2011): Anlässlich einer Auseinandersetzung stach
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der Täter mindestens zweimal mit einem Dolch auf das Opfer ein und fügte diesem dadurch zwei Schnittverletzungen an der Brust und am Bauch zu. Das Opfer überlebte den Angriff ohne bleibenden Schaden. Der Täter wurde wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verurteilt (Entscheid des  6B_497/2011 vom 22. Dezember 2011).
6.2.6. Die tatsächlichen Folgen der vorliegend zu beurteilenden Tat sind - wie
bereits dargelegt - verhältnismässig gering geblieben. Der Privatkläger wurde
durch einen einzelnen Stich in die Brust verletzt. Er musste eine Woche lang
hospitalisiert bleiben und war während je ungefähr eines halben Monats zu
100 % und zu 50 % arbeitsunfähig. Eine unmittelbare Lebensgefahr bestand nie.
Bleibende Verletzungen trug er nicht davon (vgl. vorstehend Ziff. 5.4.). Die
Vorinstanz ist zudem zu Recht - wie vorstehend dargelegt - von einem leichten
Selbstverschulden des Privatklägers an der Auseinandersetzung mit dem
Beschuldigten ausgegangen. So hat der Privatkläger doch anerkanntermassen
den Beschuldigten beleidigt und dadurch provoziert sowie auch seinen Teil zur
Verabredung der "Duells" beigetragen. Fraglos handelt es sich dabei nur um ein
untergeordnetes Mitverschulden des Privatklägers. Ein solches rechtfertigt aber
bereits eine Reduktion des Genugtuungsanspruchs (vgl. BGE 124 II 8 E. 5c
S. 18).
6.2.7. Unter Berücksichtigung der gesamten Umstände, insbesondere der Art und
Schwere der Verletzung, des Verschuldens des Beschuldigten, des Selbstver-
schulden des Privatklägers und der gerichtlichen Praxis in entsprechend gelager-
ten Fällen, erweist sich die von der Vorinstanz ausgesprochene Genugtuungs-
summe als angemessen. Der Beschuldigte ist somit zu verpflichten, dem Privat-
kläger eine Genugtuung von Fr. 10'000.– zuzüglich Zins zu 5 % seit 24. Juni 2010
zu bezahlen.
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen
7.1. Ausgangsgemäss - es bleibt bei der Verurteilung - sind die Kosten der
Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens mit der Vorinstanz dem
Beschuldigten aufzuerlegen (Urk. 83 S. 117). Mit Blick auf dessen desolaten
finanziellen Verhältnisse und den Umstand, dass er schon seit Ende Juni 2010
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inhaftiert ist, nun eine mehrjährige Freiheitsstrafe zu verbüssen hat und
anschliessend die Schweiz wird verlassen müssen, hat die Vorinstanz die Kosten
sodann abgeschrieben (ebd.), was zweifelsohne sinnvoll und auch hier so anzu-
ordnen ist. Konsequenterweise sind aber auch die Kosten der amtlichen Verteidi-
gung und der unentgeltlichen Verbeiständung der Privatklägerschaft sogleich
definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen und ist auf den Rückforderungsvor-
behalt im Sinne von Art. 135 Abs. 4 StPO zu verzichten. Realistischerweise ist
anzunehmen, dass diese Kosten beim Beschuldigten nie einbringlich sein
würden.
7.2. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen
auferlegt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Mit dem heutigen Urteil unterliegen die Staats-
anwaltschaft und der Privatkläger mit ihren Berufungsanträgen vollständig und der
Beschuldigte ganz weitgehend. In Gewichtung der Themen, die von den jeweili-
gen Berufungsklägern zum Gegenstand des Rechtsmittelverfahrens gemacht
worden sind (Beschuldigter: Schuldspruch wegen versuchter vorsätzlicher Tötung
und damit verbundene Folgeentscheide; Staatsanwaltschaft: Strafzumessung;
Privatkläger: Genugtuung), rechtfertigt es sich deshalb, die Kosten des Beru-
fungsverfahrens zu drei Vierteln dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu je einem
Achtel auf die Gerichtskasse zu nehmen und dem Privatkläger aufzuerlegen. Wie
schon im vorinstanzlichen Verfahren sind die den Beschuldigten treffenden
Kosten infolge offensichtlicher Uneinbringlichkeit sofort abzuschreiben bzw. ist der
entsprechende Anteil der Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltli-
chen Verbeiständung der Privatklägerschaft definitiv auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Entsprechend der Verlegung der übrigen Kosten sind von den Kosten
der amtlichen Verteidigung ein Achtel dem Privatkläger aufzuerlegen und ist hin-
sichtlich des diesen treffenden Anteils der Kosten seiner unentgeltlichen Ver-
beiständung die Rückzahlungspflicht im Sinne von Art. 138 Abs. 1 StPO in
Verbindung mit Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten.
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