# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2202af2f-62d9-41bf-a65b-3e485507fd09
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (nachfolgend KESB) Nordbünden vom 15. Dezember 2016 wurde der persönliche Verkehr zwischen C._ und seinem Vater B._ (nachfolgend Vater) in Abänderung des Entscheids der KESB Mittelland Nord, Kanton O.1_, vom 30. September 2015 neu geregelt (KESB act. 144). In der Folge kam es zwischen C._' Mutter A._ (nachfolgend Mutter) und seinem Vater wiederholt zu Problemen bei der Umsetzung des dem Vater eingeräumten Besuchs- und Ferienrechts. Die bei den KESB Akten befindlichen Dokumente betreffend die Jahre 2016 und 2017 sind geprägt von einem ständigen Kampf des Vaters um sein Besuchsrecht und von einer nach wie vor unnachgiebigen Haltung der Mutter mit dem Bestreben, die Ausübung des persönlichen Verkehrs des Vaters mit C._ zu beschränken.
B. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 9. Februar 2018 wurde lic. phil. D._, Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (nachfolgend kjp), mit der Begutachtung der Erziehungsfähigkeit von Mutter und Vater beauftragt (KESB act. 329).
C. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 13. Februar 2018 wurde Rechtsanwältin Dr. iur. Silvia Däppen (nachfolgend Kindsvertreterin) im Verfahren vor der KESB betreffend Abklärung Kindesschutzmassnahmen als Kindsvertreterin (Verfahrensbeistandschaft gemäss Art. 314abis Abs. 1 ZGB) eingesetzt (KESB act. 344).
D. In der Folge mussten die Besuchskontakte zwischen C._ und seinem Vater mehrmals mittels Entscheid der KESB geregelt werden.
E.a. Am 24. Mai 2018 ging das durch die beiden Gutachter der kjp – D._, MSc, Leitender Psychologe Forensik, und E._, MSc, Psychologin – erstellte Gutachten vom 22. Mai 2018 (nachfolgend Gutachten der kjp vom 22. Mai 2018) betreffend Erziehungsfähigkeit von Mutter und Vater bei der KESB Nordbünden ein (KESB act. 469). Darin erachten die Gutachter die Erziehungsfähigkeit der Mutter in Bezug auf C._ als eingeschränkt und förderungsbedürftig (KESB act. 469 S. 44 und 50/51), jene des Vaters als ausreichend gegeben (KESB act. 469 S. 51). Ein vermehrter Einbezug des Vaters in die Betreuung und Erziehung von C._ werde vor dem Hintergrund der anhaltenden zwischenelterlichen Konflikte, den unterschiedlichen Erziehungsvorstellungen sowie der Distanz der Wohnorte des Vaters (O.1_) und C._ bzw. der Mutter (O.2_) nicht als erfolgsversprechend beurteilt. Es werde empfohlen, dem Vater ein regelmässiges
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Besuchsrecht für C._ einzuräumen, welches schrittweise erweitert werden solle, sodass C._ die Beziehung zu seinem Vater aufbauen, pflegen und aufrechterhalten könne. Schliesslich wurde empfohlen, die Obhut für C._ bei der Mutter zu belassen, zugleich aber unterstützende Massnahmen anzuordnen (Kitabesuche nach dem Kindergarten, sozialpädagogische Familienbegleitung oder Einsetzung eines Triple P Beraters zur Förderung der mütterlichen Erziehungsfähigkeit, psychologische/psychiatrische Behandlung der Mutter; KESB act. 469 S. 52).
E.b. Die Mutter nahm am 21. Juni 2018 zum Gutachten Stellung. Insbesondere wies sie die Feststellung ihrer eingeschränkten Erziehungsfähigkeit zurück; eine eingeschränkte Erziehungsfähigkeit sei, wenn überhaupt, nur auf die belastende Situation und den "Hintergrundstress" zurückzuführen. Die Mutter erklärte sich indessen bereit, die Unterstützung eines Triple P Beraters anzunehmen. Die alleinige Obhut sei, wie im Gutachten festgehalten, bei ihr zu belassen. Sie stimmte einem eintägigen Besuchsrecht des Vaters in O.2_ zu, welches später ausgebaut werden könne (KESB act. 485).
E.c. Die Kindsvertreterin beantragte in ihrer Stellungnahme vom 22. Juni 2018, die Gutachter seien zu verpflichten, zur Frage des Umfangs der anzuordnenden Massnahmen nochmals Stellung zu nehmen, da das Gutachten diesbezüglich sehr rudimentär sei. Angesichts der Pläne des Vaters, nach O.2_ zu ziehen, sollten die Gutachter zudem auch zur Frage Stellung nehme, wie es sich in diesem Fall mit seinen Betreuungsanteilen verhielte (KESB act. 486).
E.d. In seiner Stellungnahme vom 22. Mai 2018 (recte: wohl 22. Juni 2018) beantragte der Vater die Ergänzung des Gutachtens hinsichtlich seines anstehenden Umzuges nach O.2_. Die Gutachter seien anzuhalten, im Hinblick darauf konkrete Vorschläge abzugeben, insbesondere hinsichtlich einer alternierenden Obhut (Obhutsanteil Mutter 60 %; Obhutsanteil Vater 40 %; KESB act. 487).
F.a. Nach Eingang des Gutachtens traf die KESB mit Entscheid vom 10. Juli 2018 wiederum vorsorgliche Regelungen bezüglich des persönlichen Verkehrs und der Betreuung von C._. Dem Vater wurde ab Juli 2018 ein eintägiges, wöchentliches Besuchsrecht eingeräumt (KESB act. 506).
F.b. Mit Entscheid vom 26. September 2018 erteilte die KESB Nordbünden dem Vater und der Mutter die Weisung, sich aktiv an einer Familientherapie mit D._ der kjp zu beteiligen. Der Therapeut wurde insbesondere beauftragt, der KESB
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einen Bericht mit Empfehlungen zur weiteren Ausgestaltung des Kontakts zwischen Vater und Sohn einzureichen, sobald die Grundlagen hierzu erarbeitet worden seien bzw. die Therapie abgeschlossen worden sei. Die Mutter wurde zudem angewiesen, am nächsten "Triple P Gruppentraining Kids" teilzunehmen. Zudem wurde an der vorsorglichen Regelung des persönlichen Verkehrs gemäss Entscheid vom 10. Juli 2018 festgehalten (KESB act. 599 und 613).
F.c. In der Folge kam es zwischen den Eltern zu weiteren Auseinandersetzungen bei der Ausübung des Besuchsrechts durch den Vater.
G.a. Die kjp empfahl in ihrem Bericht an die KESB Nordbünden vom 10. April 2019 aufgrund des Widerstandes der Mutter, das Besuchsrecht bis Schulbeginn auf einen Tag alle zwei Wochen zu reduzieren und dann auf ein zweiwöchentliches Besuchsrecht von Freitag nach der Schule bis Sonntagabend zu erweitern, sowie ab Schulbeginn ein Ferienrecht des Vaters von mindestens drei Wochen jährlich (KESB act. 648). Die KESB Nordbünden gab den Eltern und der Kindsvertreterin Gelegenheit zur Stellungnahme (KESB act. 655). Die Kindsvertreterin teilte in ihrer Eingabe vom 17. Mai 2019 mit, dass sie den Vorschlag der kjp unterstütze; aus ihrem Schreiben geht indessen zweifelsohne hervor, dass ihr Antrag lediglich auf die Weigerungshaltung der Mutter zurückzuführen ist (KESB act. 683). Die Stellungnahmen der Eltern gingen nach einmaliger Fristerstreckung bis am 28. Mai 2019 ein (KESB act. 684 und 686).
G.b. In ihrer E-Mail vom 26. Juli 2019 an D._ von der kjp machte die Mutter "gravierende fachliche Mängel im Gutachten und in der Familientherapie" geltend und unterstellte diesem Befangenheit (KESB act. 715; vgl. auch KESB act. 721).
G.c. Der Vater erklärte mit E-Mail vom 30. Juli 2019 an die KESB Nordbünden, dass er mit der von der kjp vorgeschlagenen Einschränkung seines Besuchsrechts nicht einverstanden sei, da dieses nicht mit dem Kindeswohl vereinbar sei, sondern lediglich aufgrund der emotionalen Empfindung der Mutter angeordnet worden sei (KESB act. 719).
G.d. Die Mutter stellte mit Schreiben vom 23. August 2019 neue Anträge betreffend die Regelung des persönlichen Verkehrs des Vaters. Ein eintägiges Besuchsrecht alle zwei Wochen schütze das Kindswohl am besten. Eventualiter sei aufgrund der Befangenheit von D._ ein Obergutachten zum bestehenden Gutachten anzuordnen (KESB act. 749).
G.e. Der Vater beantragte mit Schreiben vom 26. August 2019, es sei ihm die alleinige Obhut über C._ zuzuteilen, unter Einräumung eines angemessenen
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Besuchsrechts für die Mutter. Eventualiter beantragt er die Anordnung der alternierenden Obhut, subeventualiter die Festlegung eines Besuchs- und Ferienrechts (KESB act. 752).
H.a. Am 28. August 2019 wurden die Eltern, jeweils in Anwesenheit ihrer Rechtsvertreter, sowie die Kindsvertreterin betreffend Regelung persönlicher Verkehr, Obhutswechsel, Erweiterung Kompetenz Beistand, Weisung Familientherapie, Weisung Therapie Mutter, Mandatsträgerwechsel, angehört. Die Kindsvertreterin machte im Hinblick auf eine mögliche Obhutsumteilung eine neue Begutachtung durch die Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste St. Gallen (nachfolgend kjpd SG) beliebt, was vom Vater unterstützt wurde. Die Mutter sprach sich für die Begutachtung durch eine unabhängige Instanz aus, ansonsten müsse sie wieder Beschwerde einreichen. Sie wolle kein Gutachten durch eine von der Kindsvertreterin vorgegebene Institution (KESB act. 753).
H.b. Mit Entscheid vom 28. August 2019, mitgeteilt am 6. September 2019, erkannte die Kollegialbehörde der KESB Nordbünden, soweit vorliegend relevant, was folgt:
1. [...]
2. Die KESB verfügt:
a. Zur Klärung der beantragten Obhutsumteilung wird ein neues Abklärungsverfahren eröffnet.
b. Dr. F._ (Fachpsychologin für Rechtspsychologie FSP, Fachpsychologin für Psychotherapie/Kinder und Jugendliche FSP, Institut für Forensische Psychologische Begutachtung, Altstätten) wird beauftragt, A._ und B._ betreffend Erziehungsfähigkeit über C._ zu begutachten (Art. 446 Abs. 2 ZGB). Die Gutachterin ist berechtigt, für die Begutachtung fachlich geschulte Hilfspersonen aus dem Fachbereich Psychologie/Psychiatrie (Institut für Forensische Psychologische Begutachtung, Altstätten) beizuziehen. Die Gutachterin und ihre Hilfspersonen werden ausdrücklich auf die Strafbestimmungen im Anhang hingewiesen.
c. A._ und B._ werden ausdrücklich auf ihre Mitwirkungspflichten gemäss Art. 448 ZGB im Rahmen der Gutachtenserstellung hingewiesen und für den Fall einer Missachtung dieser Anordnung auf die Straffolgen von Art. 292 StGB aufmerksam gemacht, wonach mit Busse bis zu Fr. 10'0000.--
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bestraft wird, wer einer von einer zuständigen Behörde an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet.
3. Die KESB verfügt:
a. Die mit Entscheid vom 15. Dezember 2016 angeordnete Besuchs- und Ferienregelung wird sistiert, bis gestützt auf das Gutachten von Dr. F._ (Institut für Forensische Psychologische Begutachtung, Altstätten) ein neuer Entscheid gefällt wird.
b. In Abänderung der vorsorglichen Regelung des Besuchsrechts gemäss Entscheid vom 10. Juli 2018 bzw. 26. September 2018 ist B._ für die Dauer des Abklärungsverfahrens betreffend Obhutszuteilung berechtigt, C._ jedes zweite Wochenende, jeweils an einem Tag von 9.00 Uhr bis 19.30 Uhr zu sich auf Besuch zu nehmen.
[...]
11. Der Antrag auf Übernahme der Kosten des Triple P Kurses wird abgewiesen.
[...]

## Considerations