# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d0db00ec-39f3-4b85-8c0e-0ca3543acdfb
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._ bezog seit dem 1. April 2011 Leistungen der Arbeitslosenkasse,
als er am 16. Juni 2011 im Rahmen einer Zwischenverdiensttätigkeit
gemäss Schadenmeldung UVG in einem Steilhang ausrutschte und sich
eine Prellung am rechten Ellbogen mit im MRI nachgewiesenem kleinem
Knorpelflake zuzog (vgl. Bg-act. 8). Nach zunächst konservativer Therapie
erfolgte am 10. August 2011 eine offene Revision und Synovektomie des
rechten Ellbogengelenks. Aufgrund persistierender Beschwerden mit
Ergussbildung und Infekten erfolgten zahlreiche weitere Operationen am
rechten Ellbogen. Die SUVA erbrachte jeweils die gesetzlichen Leistungen
(Heilbehandlung, Taggeld).
2. Mit Schreiben vom 21. Dezember 2017 teilte die SUVA A._ mit, dass
sie die Taggeldleistungen (in Koordination mit der Invalidenversicherung)
per 31. Dezember 2017 einstelle. Ausserdem gewährte sie ihm mit
Verfügung vom gleichen Tag eine Integritätsentschädigung auf der Basis
eines Integritätsschadens von 20 %.
3. Unter Bezugnahme auf das Ende der beruflichen Massnahmen der
Invalidenversicherung per Ende Juli 2019 sprach die SUVA A._ mit
Verfügung vom 13. Juni 2019 bei einer Erwerbsunfähigkeit von 30 % ab
dem 1. August 2019 eine Invalidenrente von 30 % zu. Darüber hinaus
gewährte sie ihm eine zusätzliche Integritätsentschädigung auf der Basis
eines Integritätsschadens von 10 % (Integritätsschaden von total 30 %).
4. Hiergegen erhob A._ am 25. Juni 2019 bzw. am 25. Juli 2019
Einsprache, wobei er im Hauptbegehren die Aufhebung der Verfügung der
SUVA vom 13. Juni 2019 und die Zusprache einer 64%igen, mindestens
jedoch einer 50%igen Rente, sowie einer Integritätsentschädigung von
40 % beantragte.
- 3 -
5. Mit Einspracheentscheid vom 19. März 2020 wies die SUVA die
Einsprache ab.
6. Hiergegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am 13. Mai
2020 Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden.
Dabei stellte er folgende Rechtsbegehren:
"1. Die Verfügung der Suva vom 19. März 2020 in Sachen A._ sei aufzuheben und A._ sei eine 64%-ige UVG-Rente, mindestens jedoch eine 50%-ige UVG-Rente, sowie eine Integritätsentschädigung von 40 % zuzusprechen.
2. Eventualiter sei der Grad der Erwerbsfähigkeit bzw. die effektive Leistungsfähigkeit von A._ durch einen unabhängigen Sachverständigen abklären zu lassen.
3. Alles unter vollumfänglicher Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. 7.7 % MWST) zu Lasten der Beklagten."
In seiner Begründung bemängelte der Beschwerdeführer sowohl das
Valideneinkommen als auch das Invalideneinkommen (samt
Arbeitsfähigkeit und Leidensabzug) sowie die Höhe der
Integritätsentschädigung.
7. In ihrer Vernehmlassung vom 2. Juni 2020 beantragte die SUVA
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde und
die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 19. März 2020.
8. Am 9. Juni 2020 reichte der Beschwerdeführer eine Replik bzw. eine kurze
Stellungnahme zur Vernehmlassung vom 2. Juni 2020 ein. Auch die
Beschwerdegegnerin reichte mit Schreiben vom 7. Juli 2020 eine kurze
Duplik ein.
Auf die Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Einspracheentscheid sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
- 4 -

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 19. März 2020. Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann
gegen einen Einspracheentscheid innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung
Beschwerde an das Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben
werden, in welchem die versicherte Person im Zeitpunkt der
Beschwerdeerhebung ihren Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer wohnt
im Kanton Graubünden, womit die örtliche Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden gegeben ist. Dessen
sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2
lit. a des kantonalen Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG;
BR 370.100). Als formeller und materieller Adressat des angefochtenen
Einspracheentscheids ist er davon überdies berührt und er weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung auf (vgl.
Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist somit einzutreten (vgl. Art. 60 ATSG i.V.m. Art. 1 der
Verordnung vom 20. März 2020 über den Stillstand der Fristen in Zivil- und
Verwaltungsverfahren zur Aufrechterhaltung der Justiz im
Zusammenhang mit dem Coronavirus [COVID-19; SR 173.110.4]; vgl.
auch Art. 61 ATSG).
2. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 1.
Januar 2017 die revidierten Bestimmungen des UVG und der Verordnung
über die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) in Kraft sind (Änderung
vom 25. September 2015). Gemäss Abs. 1 der Übergangsbestimmungen
zur Änderung vom 25. September 2015 werden Versicherungsleistungen
für Unfälle, die sich vor dem Inkrafttreten der Änderung vom 25.
September 2015, mithin vor dem 1. Januar 2017, ereignet haben, [...] nach
- 5 -
bisherigem Recht gewährt. Vorliegend ereignete sich der fragliche Unfall
im Juni 2011, sodass diesbezüglich grundsätzlich die bis zum 31.
Dezember 2016 gültigen Bestimmungen Anwendung finden. Hinsichtlich
der für das vorliegende Verfahren anwendbaren Bestimmungen haben
sich indessen mit Inkrafttreten der neuen Rechtssätze keine Änderungen
ergeben.
3. Streitgegenstand bildet vorliegend die Frage, ob dem Beschwerdeführer
zu Recht eine 30%ige Invalidenrente ab dem 1. August 2019 sowie eine
Integritätsentschädigung auf der Basis eines Integritätsschadens von total
30 % zugesprochen wurde. Mit Bezug auf die Invalidenrente sind dabei
sowohl das Valideneinkommen als auch das Invalideneinkommen (samt
Arbeitsfähigkeit und Leidensabzug) umstritten. Bei der Beurteilung der
streitigen Fragen ist der Sachverhalt zu berücksichtigen, der sich bis zum
Erlass des angefochtenen Einspracheentscheids am 19. März 2020
verwirklicht hat (vgl. BGE 142 V 337 E.3.2.2). Massgeblich ist dabei der
im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (vgl. BGE 141 V 15 E.3.1, 138 V 218 E.6).
4. Gemäss Art. 18 Abs. 1 UVG hat der Versicherte Anspruch auf eine
Invalidenrente, wenn er infolge eines Unfalles zu mindestens 10 % invalid
(Art. 8 ATSG) ist.
4.1. Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust
der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden
ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Zur Beurteilung der
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen, wobei eine Erwerbsunfähigkeit
- 6 -
zudem nur vorliegt, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist
(Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.2. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades wird das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitslage erzielen könnte (Invalideneinkommen), in
Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen; Art. 16 ATSG).
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass
die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst
genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden. Aus der
Einkommensdifferenz lässt sich der Invaliditätsgrad bestimmen
(allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 144 I 21 E.2.1,
142 V 290 E.4, 141 V 15 E.3.2, 128 V 29 E.1; Urteile des Bundesgerichts
9C_225/2019 vom 11. September 2019 E.2, 8C_567/2013 vom
30. Dezember 2013 E.2.1).
5.1. Bei der Feststellung des Gesundheitszustands und der Beurteilung der
Erwerbsfähigkeit der versicherten Person sind die Verwaltung und das im
Streitfall angerufene Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und
gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung stellen. Die Aufgabe des
Arztes besteht darin, mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher
Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die
Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit
erfüllt der Arzt seine originäre Aufgabe, wofür die Verwaltung und das im
Streitfall angerufene Gericht nicht kompetent sind. Bei der
Folgeabschätzung der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen
für die Arbeitsfähigkeit kommt dem Arzt jedoch keine abschliessende
Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr gibt er eine Einschätzung zur
Arbeitsfähigkeit ab, welche er aus seiner Sicht so substanziell wie möglich
- 7 -
begründet. Die ärztlichen Auskünfte bilden sodann eine wichtige
Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen dem
Versicherten konkret noch zugemutet werden können (vgl. BGE 140 V 193
E.3.2, 132 V 93 E.4, 125 V 256 E.4).
5.2.1. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise grundsätzlich frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss
zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das
Gericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen,
objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs
gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden
medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte
Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die
eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (vgl. BGE 125
V 351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231
E.5.1, 125 V 351 E.3a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme
als Bericht oder Gutachten (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c).
Dennoch hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
- 8 -
Beweiswürdigung als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen
medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung
aufzustellen (vgl. BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a).
5.2.2. Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens eingeholten Gutachten von
externen Spezialärzten, welche aufgrund eingehender Beobachtungen
und Untersuchungen sowie nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten
und bei der Erörterung der Befunde zu schlüssigen Ergebnissen gelangen,
ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange
nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen
(vgl. BGE 137 V 210 E.1.3.4, 125 V 351 E.3b/bb). In Bezug auf Berichte
von behandelnden Ärzten darf und soll der Richter auch der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.3.2,
4.4 und 4.5, 125 V 351 E.3a und 3b; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
8C_744/2020 vom 8. März 2021 E.4.2). Sodann kommt auch den
Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte Beweiswert zu,
sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in
sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. BGE 125 V
351 E.3b, 122 V 157 E.1c). Bestehen auch bloss geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE
- 9 -
135 V 465 E.4.3.2 und 4.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_245/2011 vom
25. August 2011 E.5.3).
6. Im vorliegend angefochtenen Einspracheentscheid gelangte die
Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass auf die kreisärztliche
Einschätzung der verbliebenen Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers
abgestellt werden könne. Demzufolge sei dem Beschwerdeführer eine
sehr leichte Tätigkeit ohne anhaltende Arbeiten in Zwangshaltungen des
rechten Armes, ohne Notwendigkeit des kraftvollen Zupackens, ohne
Schläge oder Vibrationen, die auf den rechten Ellbogen fortgeleitet werden
könnten, und ohne Arbeiten auf Leitern in einem Pensum von 70 %
zumutbar. Widersprechende Arztberichte betreffend die generelle
Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt lägen keine bei den Akten (vgl. beschwerdegegnerische
Akten [Bg-act.] 740 S. 10 f.). Nachfolgend gilt es somit zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht auf die kreisärztliche Einschätzung
abgestellt hat oder ob diese durch die übrigen medizinischen Akten in
Zweifel gezogen wird (vgl. nachstehende Erwägungen 7.1 - 7.5.3).
7.1. Der Beschwerde-, Behandlungs- und Beurteilungsverlauf des
Beschwerdeführers präsentiert sich im Wesentlichen wie folgt:
7.1.1. Nachdem sich der Beschwerdeführer am 16. Juni 2011 (Unfall) eine
Prellung am rechten Ellbogen mit im MRI nachgewiesenem kleinem
Knorpelflake zugezogen hatte (vgl. Bg-act. 8), wurde am 10. August 2011
nach zunächst konservativer Therapie eine offene Revision und
Synovektomie des rechten Ellbogengelenks durchgeführt (vgl. Bg-
act. 20). Aufgrund persistierender Beschwerden mit Ergussbildung und
Infekten erfolgten zahlreiche weitere Operationen am rechten Ellbogen.
Dr. med. B._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, stellte in seinem Bericht vom
20. September 2016 folgende Diagnosen (vgl. Bg-act. 544): Status nach
- 10 -
Arthroskopie Ellbogen rechts, Débridement, Lavage, bakteriologischer
Probeentnahme vom 26. Juli 2016 bei komplexer Ellbogenpathologie Arm
rechts nach initialem Trauma vom 16. Juni 2011 mit anamnestisch
Entfernung eines Knorpel-/Knochenflakes im Spital J._ und
anschliessend mehrmals schwerwiegenden Infekten und einigen Re-
Operationen sowie deutlicher Bewegungs- und Belastungseinschränkung
mit Hypersensibilität. Zum Verlauf hielt er fest, dass der Beschwerdeführer
über eine leichte Verbesserung der Sensibilität über den Olecranon
berichte und die Beweglichkeit etwas verbessert worden sei; bei
Flexion/Extension seien die Bewegungsschmerzen im Ellbogenbereich
jedoch unverändert diffus. Er gelangte zum Schluss, dass er chirurgisch
keine Verbesserung (mehr) bewirken könne, weshalb er den
Beschwerdeführer gerne in der Schmerzsprechstunde (bei Dr. med.
C._, Fachärztin für Anästhesiologie; Anmerkung des Gerichts)
vorstellen würde.
7.1.2. Am 22. März 2017 wurde beim Beschwerdeführer ein SCS-Stimulator
implantiert, woraufhin sich die Ellbogenschmerzen rechts um ca. 40 - 50 %
bzw. 60 % verbesserten (vgl. die Berichte von Dr. med. D._, Facharzt
für Neurochirurgie, vom 23. März 2017, 24. März 2017 und 12. April 2017
[Bg-act. 606 f., 609]). Dr. med. C._ hielt in ihrem Bericht vom 20. April
2017 unter anderem Folgendes fest (vgl. Bg-act. 613): "Herr A._
berichtet, dass er von der Stimulation einerseits im Sinne einer
Schmerzreduktion profitiert, da der volare Bereich des Ellbogens weniger
Schmerzen bereitet, wenn er ihn auflegt oder bewegt. Andererseits ist
seine allgemeine Belastbarkeit gestiegen, er kann sich besser und länger
konzentrieren, kann länger am Sozialleben teilnehmen und ist nicht jeden
Nachmittag gegen 16.00-17.00 Uhr fix und fertig. Er berichtet, dass er
anhaltend ca. 60 % mehr Lebensqualität resp. weniger Schmerzen hat."
In ihrem Bericht vom 2. November 2017 hielt Dr. med. C._ fest, dass
sich der Beschwerdeführer im Moment relativ gut im Alltag eingefunden
- 11 -
habe mit der neuen Situation, er den Strombedarf beim SCS etwas habe
erhöhen müssen, die Abdeckung aber immer noch gleich gut sei.
Allerdings sei im Bereich der Schulter-Nacken-Muskulatur rechts eine
deutlich grössere Verspannung zu verspüren, da der Patient viel aktiver
sei, längere Zeiten am Stück unterwegs sei oder bei
Vorstellungsgesprächen länger sitzen müsse. Hier sei sicherlich die
weitere Betreuung mit der Physiotherapie sinnvoll. Der Beschwerdeführer
arbeite mit Unterstützung an der beruflichen Reintegration, was ihn
einerseits motiviere, andererseits körperlich aber auch fordere. Sie gehe
im Moment von einem sehr positiven Verlauf aus, wobei natürlich
festzuhalten sei, dass eine restitutio ad integrum nicht zu erwarten
gewesen sei mit der symptomatischen Schmerzkontrolle mittels SCS.
Trotzdem sehe sie die Integrationsmöglichkeiten des Beschwerdeführers
sehr gut, sie möchte aber festhalten, dass eine regelmässige
Physiotherapie sicherlich indiziert und notwendig sei, da die
Überbelastung der rechten Seite im Rahmen der Fehlbelastung und der
Schiene anhalten werde (vgl. Bg-act. 648).
7.1.3. Am 7. November 2017 fand eine kreisärztliche Abschlussuntersuchung
bei Dr. med. E._, Facharzt für orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, statt. Letzterer stellte folgende
(unfallbezogenen) Diagnosen: Status nach Ellbogenkontusion rechts am
16. Juni 2011 [...] sowie deutlich verminderte Einsetzbarkeit Arm rechts
mit schmerzhaft eingeschränkten Hand- und Ellbogenfunktionen rechts
sowie Beweglichkeitslimitierung durch Oberarmschiene (vgl. Bg-act. 653
S. 6). In seiner Beurteilung hielt er fest, dass es dem Beschwerdeführer
im Vergleich zur Untersuchung vom Mai 2015 [recte: 2017] deutlich
bessergehe, da der Schmerz viel besser kontrolliert werde.
Dementsprechend seien mehr Aktivitäten mit der rechten Hand möglich,
was zu einer vermehrten Belastung der rechten oberen Extremität geführt
habe mit muskulärer Reaktion im Bereich des Schultergürtels rechts.
- 12 -
Aktuell böten sich keine Behandlungsmassnahmen mehr an, die den
derzeitigen Zustand weiter verbessern könnten. Die Unfallrestfolgen seien
dauernd und erheblich (vgl. Diagnoseliste). Die angestammte Tätigkeit sei
dem Beschwerdeführer grundsätzlich (aber) wieder zumutbar. Dabei
handle es sich um eine sehr leichte Tätigkeit ohne anhaltende Arbeit in
Zwangshaltung des rechten Armes, ohne Notwendigkeit zu kraftvollem
Zupacken, ohne Schläge oder Vibrationen, die auf den rechten Ellbogen
fortgeleitet würden. Keine Arbeiten auf Leitern. Für diese geeignete
Tätigkeit sei der Beschwerdeführer ganztags einsetzbar. Der
Beschwerdeführer werde weiterhin der Bewegungsschiene im Bereich des
rechten Armes bedürfen und weiterhin in Kontrolle von Orthopäde und
Schmerzmediziner bleiben. Vorläufig benötige er noch eine
Physiotherapie für drei Monate zur Auftrainierung des rechten
Schultergürtels (vgl. Bg-act. 653 S. 6 f.). Dieser kreisärztlichen
Beurteilung kommt nach Auffassung des streitberufenen Gerichts voller
Beweiswert zu, zumal sie zum gegebenen Zeitpunkt für die streitigen
Belange umfassend war, auf allseitigen Untersuchungen beruhte (vgl. Bg-
act. 653 S. 5 [Befunde]), die geklagten Beschwerden berücksichtigte (vgl.
Bg-act. 653 S. 5 [Angaben des Versicherten]) und in Kenntnis der
Vorakten (vgl. Bg-act. 653 S. 1 ff.) abgegeben wurde. Zudem erscheint sie
als schlüssig, sie ist nachvollziehbar begründet, in sich widerspruchsfrei
(vgl. Bg-act. 653 S. 6 f.) und es sprechen keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit.
7.2.1. Am 16. November 2017 stellte sich der Beschwerdeführer erneut mit
Beschwerden über dem rechten Ellbogen (erneute Hypersensibilität und
Schmerzproblematik im Narbenbereich ulnarseitig mit teilweiser
Ausleitung in das Nervus ulnaris-Dermatom am Unterarm und der Hand)
bei Dr. med. B._ vor. Letzterer gelangte zum Schluss, dass von
Seiten des Gelenkes keine erneute Instabilität bestehe. Die Arthrose sei
bekannt und nicht progredient. Die hauptsächliche
- 13 -
Beschwerdeproblematik werde eher neurogen über dem nervus ulnaris-
Bereich auf Höhe des Ellbogens interpretiert (vgl. Bg-act. 655 [Bericht vom
16. November 2017]). Anlässlich einer Abschlussbesprechung mit dem
Berufsberater der IV-Stelle Graubünden und der Beschwerdegegnerin
vom 8. Dezember 2017 teilte der Beschwerdeführer sodann mit, dass es
ihm gesundheitlich soweit gut gehe und er kürzlich noch für eine Kontrolle
bei Dr. med. B._ gewesen sei, welcher ebenfalls soweit zufrieden sei
(vgl. Bg-act. 657). In der Folge nahm der Beschwerdeführer per 1. Februar
2018 ein Arbeitstraining beim Einsatzprogramm L._ bzw. ab dem
1. Mai 2018 beim M._ auf (vgl. Bg-act. 666 und 668 betreffend die
Kostengutsprachen der IV-Stelle für die Arbeitstrainings).
7.2.2. Im ihrem (Verlaufs-)Bericht vom 5. April 2018 hielt Dr. med. C._
sodann Folgendes fest (vgl. Bg-act. 669): Im Rahmen des
Einsatzprogrammes L._ berichte der Beschwerdeführer, dass die
Alltagsbelastung, vor allem die jeweilige An- und Abreise mit dem Zug, ihn
körperlich doch mehr als erwartet belaste und somit auch mehr
Schmerzen verursache. Er habe seine Schmerzmedikamenteneinnahme
erhöhen müssen, um den Alltagsanforderungen stattzuhalten. Bei der
letzten Konsultation am 16. März 2018 habe sie mit dem
Beschwerdeführer besprochen, dass das Initialpensum von 60 %
sicherlich im Moment nicht gesteigert werden solle. Seine Muskulatur
brauche eine langsamere Eingewöhnungszeit und sie denke, es sei völlig
kontraproduktiv, dass der Beschwerdeführer seine
Medikamenteneinnahme massiv erhöhen müsse, um eine erhöhte
Leistungsbereitschaft zu haben. Weiter habe der Beschwerdeführer im
Rahmen einer telefonischen Rückmeldung berichtet, dass er eventuell die
Möglichkeit erhalten werde, im Rahmen einer leitenden Funktion bei
einem Reintegrationsprogramm mitzuarbeiten. Da eine Neuarbeit mit nicht
nur aktiver Teilnahme und Lernen, sondern auch Verantwortung, je
nachdem gewissen Stressmomenten und Leitungsfunktion, ein anderes
- 14 -
Anforderungsprofil an den Körper psychisch und physisch stelle, habe sie
den Beschwerdeführer auch vor diesem Hintergrund auf 50 %
zurückgestuft. Sie sehe im Laufe der Zeit (aber) auf jeden Fall Potenzial,
dass das Arbeitspensum gesteigert werden könne, ob schlussendlich auf
80 % oder 100 % bleibe sicherlich abzuwarten und auch der persönlichen
Entscheidung des Beschwerdeführers überlassen. Hinsichtlich des
Belastungsprofils sei (schliesslich) anzumerken, dass eine monotone
Tätigkeit mit langen Perioden des Sitzens an einem PC-Arbeitsplatz für
den Patienten eine muskuläre und somit schmerzhafte Belastung
darstelle. Hier sei sicherlich auf eine Wechselbelastung zu achten, ob
eventuell ein höhenverstellbarer Arbeitsplatz einen Vorteil darstellen
könnte, müsse mit dem Patienten direkt vor Ort - oder im Rahmen einer
ergotherapeutischen Arbeitsplatzevaluation - besprochen und getestet
werden.
7.2.3. Auf Wunsch des Beschwerdeführers fand am 17. Mai 2018 eine erneute
kreisärztliche Besprechung (ohne Untersuchung) statt. Der
Beschwerdeführer gab an, dass unter der ganztägigen Belastung (im
Arbeitstraining) erneut Schwellungszustände im rechten Arm mit einer
entsprechenden Schmerzzunahme aufgetreten seien, weshalb Dr. med.
C._ die Arbeitsfähigkeit zu Recht auf 50 % reduziert habe mit der
entsprechenden Reduktion der Arbeitszeit. Aktuell gehe es ihm wieder
deutlich besser, wobei er den rechten Arm in der arbeitsfreien Zeit in
hohem Ausmass schonen müsse. Gestützt darauf und auf den Bericht von
Dr. med. C._ (vom 5. April 2018) korrigierte Dr. med. E._ die
kreisärztliche Beurteilung vom 7. November 2017 wie folgt: "Die Arbeitsfähigkeit in der derzeitigen Tätigkeit wird auf 50 % reduziert. Dabei
handelt es sich um eine rein zeitliche Reduktion. Zweite Hälfte September
2018 (nach vorgängiger Untersuchung durch Dr. med. B._ bzw. Dr.
med. C._) wird eine erneute kreisärztliche Untersuchung
durchgeführt. Es wird sich dann zeigen, ob durch Angewöhnung eine
- 15 -
Steigerung der Arbeitsfähigkeit zumutbar ist und wenn ja, in welchem
Rahmen (Bg-act. 674)." Auch diese (ergänzende) kreisärztliche
Beurteilung ist nach Auffassung des streitberufenen Gerichts voll
beweiskräftig und es liegen keine Indizien vor, die gegen ihre
Zuverlässigkeit sprechen. So deckt sich die zeitliche Reduktion der
Arbeitsfähigkeit auf 50 % mit der Einschätzung der behandelnden Ärztin
Dr. med. C._. Zudem ging auch der Kreisarzt Dr. med. E._ von
einer wechselbelastenden Tätigkeit aus ("Tätigkeit ohne anhaltende Arbeit
in Zwangshaltung des rechten Armes", vgl. vorstehende Erwägung 7.1.3).
7.3.1. Am 20. September 2018 fand eine Konsultation bei Dr. med. B._
statt. Letzterer hielt fest, dass sich von Seiten der ossären Degenerationen
nur eine sehr kleine Veränderung und Zunahme der randständigen
Exophyten zeige. Ein Handlungsbedarf hinsichtlich des Gelenkes dränge
sich nicht auf (vgl. Bg-act. 676). Anlässlich einer Besprechung mit dem
Berufsberater der IV-Stelle vom 12. Oktober 2018 hielt der
Beschwerdeführer fest, dass er gut unterwegs sei im M._ und er per
1. Mai 2019 eine Anstellung bekommen werde. Medizinisch sei er stabil,
aktuell bei einem Pensum von 60 % (vgl. Bg-act. 678; vgl. auch Bg-
act. 679 S. 2 f. und 696 S. 2). Auch Dr. med. C._ hielt in ihrem
Verlaufsbericht vom 19. November 2018 fest, dass der Beschwerdeführer
über einen recht stabilen Verlauf der letzten Wochen berichte. Er habe
sein aktuell doch beträchtlich erhöhtes Arbeitspensum von ca. 60-70 %
halten können, dies jedoch nur, da er eine Wechselbelastung ausüben und
einen beträchtlichen Teil seiner Arbeit von zu Hause aus erledigen könne.
Durch die Heimarbeit habe er natürlich einen optimal eingerichteten
Arbeitsplatz, er habe auch nicht die Zusatzbelastung der langen Anreise,
und mehr Ruhe resp. Pausen. Trotzdem habe der Beschwerdeführer die
punktuelle Mehrbelastung durch den Umzug des Büros, die Einarbeitung
von neuen Mitarbeitern und Reorganisation gut meistern können, er
komme aber körperlich immer wieder an seine Limiten, wenn er den Arm
- 16 -
zu lange oder zu konstant benutzen müsse. Sie sei weiterhin sehr
zufrieden, wie der Beschwerdeführer die berufliche Reintegration
bewältige, ohne im Sinne einer Überbelastung des rechten Armes mit
nachfolgender Muskelverspannung zu dekompensieren. Trotzdem sei
sicherlich auch in Zukunft darauf zu achten, dass das Pensum
wahrscheinlich nicht über 70-75 % erhöht werden könne, ausser es sei ein
Grossteil der Arbeit weiterhin von zu Hause aus zu leisten und es bestehe
weiterhin die Möglichkeit der Physiotherapie (vgl. Bg-act. 682).
7.3.2. Am 18. Dezember 2018 fand die kreisärztliche Abschlussuntersuchung
bei Dr. med. F._, Facharzt für Chirurgie, speziell Allgemein-, Unfall-
und Handchirurgie, statt (vgl. Bg-act. 686 [Bericht vom 20./21. Dezember
2018]). Letzterer hielt in seiner Beurteilung fest, dass die berufliche
Reintegration günstig verlaufe, die Belastbarkeit des Beschwerdeführers
allerdings reduziert sei, sodass das Arbeitspensum bei ca. 60-70 % habe
limitiert werden müssen, obwohl ein Grossteil der Arbeit durch Homeoffice
geleistet werden könne. Zweimal pro Woche besuche der
Beschwerdeführer die Physiotherapie. Unter dieser Belastungslimitierung
unter [recte wohl: und] der Physiotherapie sei der Zustand stabil und der
Patient schmerzkompensiert. Da die Sensibilitätsstörungen der rechten
Hand/des rechten Armes im Verlaufe zugenommen hätten, bat er Dr. med.
G._ darum, den Beschwerdeführer klinisch und
elektroneurographisch erneut zu untersuchen. Er gelangte zum Schluss,
dass dem Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit mit einer
zeitlichen Einschränkung zumutbar sei. Dabei sei zu beachten, dass er
funktionell praktisch einarmig sei und Zwangshaltungen des rechten
Armes vermieden werden sollten. Entsprechend sei eine Belastung der
rechten Hand/des rechten Armes nicht möglich (vgl. Bg-act. 686 S. 7).
Auch dieser kreisärztlichen Beurteilung kommt nach Auffassung des
streitberufenen Gerichts voller Beweiswert zu, zumal sie zum gegebenen
Zeitpunkt für die streitigen Belange umfassend war, auf allseitigen
- 17 -
Untersuchungen beruhte (vgl. Bg-act. 686 S. 6 [Befunde]), die geklagten
Beschwerden berücksichtigte (vgl. Bg-act. 686 S. 5 f. [Angaben des
Versicherten]) und in Kenntnis der Vorakten (vgl. Bg-act. 686 S. 1 ff.)
abgegeben wurde. Zudem erscheint sie als schlüssig, sie ist
nachvollziehbar begründet und in sich widerspruchsfrei (vgl. Bg-act. 686
S. 7 f.). Darüber hinaus sprechen keine Indizien gegen ihre
Zuverlässigkeit.
7.4.1. Dr. med. G._, Facharzt für Neurologie, hielt in seinem Bericht vom
17. April 2019 fest, dass keine Anhaltspunkte für eine
neuropsychologische Störung insbesondere auch nicht der Fahreignung
bestünden. An dem ausgeprägten Residualzustand mit
zwischenzeitlichen exazerbierten Schmerzphasen bei komplexen CRPS
am rechten Arm bestehe übereinstimmend mit den Unterlagen kein
Zweifel. Die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit taxiere er bei
ca. 50 % (vgl. Bg-act. 695).
7.4.2. In einer erneuten, durch die Beschwerdegegnerin veranlassten
kreisärztlichen Beurteilung vom 7. Mai 2019 hielt Dr. med. F._ fest,
dass der Beschwerdeführer in einem 70%igen Pensum in einer
Bürotätigkeit arbeite, wobei zu berücksichtigen sei, dass ein Grossteil der
Arbeit durch Homeoffice geleistet werde. Im Vergleich zur kreisärztlichen
Untersuchung durch Dr. med. E._ vor ca. eineinhalb Jahren hätten
die Beschwerden und die Sensibilitätsstörungen im rechten Arm
zugenommen, sodass die rechte Hand lediglich noch als "Hilfshand"
eingesetzt werden könne. Durch Dr. med. G._ hätten am 17. April
2019 keine Anhaltspunkte für eine neuropsychologische Störung und
insbesondere keine Einschränkung der Fahreignung für Personenwagen
bestätigt werden können. Die angestammte Tätigkeit sei dem
Beschwerdeführer mit einer Einschränkung von ca. 30 % zumutbar.
Belastungen der rechten Hand/des rechten Armes seien nicht möglich,
Zwangshaltungen des rechten Armes sollten vermieden werden (vgl. Bg-
- 18 -
act. 699). Auch diese (ergänzende) kreisärztliche Beurteilung ist nach
Auffassung des streitberufenen Gerichts voll beweiskräftig und es liegen
keine Indizien vor, die gegen ihre Zuverlässigkeit sprechen. Zwar taxierte
Dr. med. G._ die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit bei
ca. 50 % (vgl. vorstehende Erwägung 7.4.1). Diese Einschätzung vermag
die kreisärztliche Beurteilung indessen nicht in Zweifel zu ziehen, zumal
Dr. med. G._ seine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeits-
Einschätzung nicht näher begründete und neben der klinischen
Befundung eines deutlichen Residuums nach CRPS (complex regional
pain syndrome; Anmerkung des Gerichts) keine neurologischen Defizite
oder neuropsychologischen Störungen feststellte (vgl. Bg-act. 695).
7.5.1. Nach dem Gesagten ist es somit nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 13. Juni 2019 zum Schluss
kam, dass die erwerblichen und medizinischen Abklärungen eine
Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit von 30 % ergäben (vgl. Bg-
act. 708). Dem hielt Dr. med. C._ in ihrer Stellungnahme vom 25. Juni
2019 allerdings was folgt entgegen (vgl. Bg-act. 712): Die Zahl (der
Erwerbsunfähigkeit von 30 %; Anmerkung des Gerichts) sei hinsichtlich
der ursprünglichen Arbeitstätigkeit des Beschwerdeführers viel zu tief
angesetzt, da seine angestammte Tätigkeit zu ca. 75 % aus
Computerarbeit resp. manuell unterstützten Tätigkeiten wie das
Hervorholen und Nachschlagen in Büchern, Führen von Notizen,
Sitzungsvorbereitung bestanden habe. Viele dieser Tätigkeiten seien
durch die eingeschränkte Pro- und Supination des Ellbogens massiv
behindert, die Computerarbeit sei deutlich langsamer und immer mit einer
Fehlhaltung im Bereich der Schulter verbunden, was natürlich zusätzlich
ein sekundäres Problem schaffe. Ebenfalls sei zu erwähnen, dass die
aktuelle Arbeitsfähigkeit von 70 % nicht in seinem angestammten
Berufsumfeld sei, sondern in einem Umfeld, in welchem der
Beschwerdeführer sich die Arbeit frei einteilen könne, regelmässig
- 19 -
Homeoffice leiste und je nach seinen Beschwerden frei Pausen einlegen
könne. Dies sei im Rahmen seines angestammten resp. gelernten Berufes
sicherlich nicht gegeben und müsse hier zusätzlich berücksichtigt werden.
Ebenfalls müsse beachtet werden, dass sich bei Erzwingung einer
70%igen Arbeitsfähigkeit die Ausgleichsbewegungen, die der
Beschwerdeführer aufgrund der Einschränkungen im Bereich des
Ellbogens machen müsse, die Schulter deutlich überlastet und der
Schulter-Nackengürtel in der Schmerzintensität ansteigen werde. Ihre
Einschätzung betrage somit aus medizinischer Sicht hinsichtlich der
Beweglichkeit des Ellbogens im Rahmen der angestammten Tätigkeit
50 % im Maximum, die Arbeitsfähigkeit von 70 % in seinem aktuellen Job
sei als nicht gleichwertiger Ersatz der ursprünglichen Tätigkeit zu werten.
7.5.2. Wie der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde zu Recht festhält,
bestätigte Dr. med. C._ in ihrer Stellungnahme vom 25. Juni 2019
zwar eine Arbeitsfähigkeit von maximal 50 %. Diese Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit bezog sich allerdings auf die ursprüngliche Tätigkeit des
Beschwerdeführers. In seinem aktuellen, leidensadaptierten Job erachtete
ihn Dr. med. C._ zu 70 % arbeitsfähig (vgl. vorstehende
Erwägung 7.5.1). Dies stimmt denn auch mit der kreisärztlichen
Beurteilung von Dr. med. F._ vom 7. Mai 2019 überein, wonach die
angestammte Tätigkeit (d.h. der aktuelle Job) mit einer Einschränkung von
ca. 30 % zumutbar sei (vgl. Bg-act. 699). Dass sich diese Beurteilung nicht
auf die ursprüngliche Tätigkeit, sondern auf den aktuellen Job des
Beschwerdeführers bezog, ist den Ausführungen von Dr. med. F._ zu
entnehmen (vgl. Bg-act. 699; vgl. auch Bg-act. 674 und 686 betreffend die
kreisärztlichen Beurteilungen vom 17. Mai 2018 und 18. Dezember 2018):
So hielt er zum einen fest, dass der Beschwerdeführer in einem 70%igen
Pensum in einer Bürotätigkeit arbeite, wobei zu berücksichtigen sei, dass
ein Grossteil der Arbeit durch Homeoffice geleistet werde; zum anderen
wies er daraufhin, dass die Sensibilitätsstörungen im rechten Arm
- 20 -
zugenommen hätten, sodass die rechte Hand lediglich noch als
"Hilfshand" eingesetzt werden könne bzw. dass Belastungen der rechten
Hand/des rechten Armes nicht möglich seien und Zwangshaltungen des
rechten Armes vermieden werden sollten. Nach dem Gesagten vermag
somit auch die Stellungnahme von Dr. med. C._ vom 25. Juni 2019
keine auch nur geringen Zweifel an der kreisärztlichen Beurteilung von Dr.
med. F._ vom 7. Mai 2019 zu wecken. Dies gilt umso mehr, als Dr.
med. C._ in ihrem Verlaufsbericht vom 19. November 2018 noch
festgehalten hatte, dass das Pensum wahrscheinlich nicht über 70-75 %
erhöht werden könne, ausser es sei ein Grossteil der Arbeit weiterhin von
zu Hause aus zu leisten und es bestehe weiterhin die Möglichkeit der
Physiotherapie (vgl. Bg-act. 682), und bis zum 25. Juni 2019 keine
signifikanten medizinischen Änderungen eingetreten waren (vgl. dazu
auch die kreisärztliche Beurteilung von Dr. med. F._ vom 30. Oktober
2019 [Bg-act. 725 S. 2] sowie den Verlaufsbericht von Dr. med. C._
vom 11. September 2019 [Konsultation vom 19. August 2019; Bg-
act. 721], wonach sich die Situation in dem beruflichen Umfeld im Alltag
stabilisiere bzw. die Situation im Moment als stabil einzustufen sei).
Letztlich vermag auch die Bestätigung von Dr. med. C._ vom 12. Mai
2020, wonach die Schmerzmedikation seit Oktober 2019 bzw. nach einer
Belastungssteigerung am Arbeitsplatz erhöht worden sei, keine auch nur
geringen Zweifel an der kreisärztlichen Beurteilung von Dr. med. F._
vom 7. Mai 2019 zu wecken (vgl. beschwerdeführerische Akten [Bf-
act.] 8), zumal davon auszugehen ist, dass die Belastungssteigerung über
das kreisärztliche Zumutbarkeitsprofil hinausging. So ist dem
Verlaufsbericht von Dr. med. C._ vom 11. September 2019
Folgendes zu entnehmen (vgl. Bg-act. 721): "Aufgrund der Aufstockung
der Betriebszeiten ist wieder eine intensive Phase anstehend, welche er
[der Beschwerdeführer] durch deutlich vermehrte Präsenz vor Ort
- 21 -
abfedern muss und welche die Schmerzbelastung deutlich steigert
[Hervorhebungen durch das Gericht]."
7.5.3. Im Ergebnis ist es somit nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin auf die kreisärztliche Einschätzung der verbliebenen
Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers abgestellt hat und zum Schluss
gekommen ist, dass ihm eine sehr leichte Tätigkeit ohne anhaltende
Arbeiten in Zwangshaltungen des rechten Armes, ohne Notwendigkeit des
kraftvollen Zupackens, ohne Schläge oder Vibrationen, die auf den
rechten Ellbogen fortgeleitet werden könnten, und ohne Arbeiten auf
Leitern in einem Pensum von 70 % zumutbar sei (vgl. Bg-act. 740 S. 10);
weitere Abklärungen zur Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
erübrigen sich damit und es kann in antizipierter Beweiswürdigung darauf
verzichtet werden, da keine entscheidrelevanten Erkenntnisse zu erwarten
wären (vgl. BGE 144 V 361 E.6.5, 136 I 229 E. 5.3). Aufgrund der
kreisärztlichen Beurteilungen gilt es das erwähnte Zumutbarkeitsprofil
allerdings dahingehend zu präzisieren, dass der Beschwerdeführer einen
Grossteil der Tätigkeiten im Homeoffice leisten können sollte (vgl. dazu
Bg-act. 699 und 686).
8. Der Beschwerdeführer bestreitet nun allerdings die Verwertbarkeit der ihm
attestierten (Rest-)Arbeitsfähigkeit von 70% auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (vgl. dazu vorstehende Erwägung 4.1). Er macht geltend,
dass die jetzige Tätigkeit optimal an seinen Gesundheitszustand
angepasst sei; er könne seine Arbeit völlig frei und flexibel einteilen, bei
Bedarf Pausen einlegen, viel im Homeoffice arbeiten und
dementsprechend auch genügend Zeit für die Reinigung der Prothese
einplanen. Auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt stehe jedoch eine
solche Tätigkeit nicht zur Verfügung.
- 22 -
8.1. Die Möglichkeit einer versicherten Person, das verbliebene
Leistungsvermögen auf dem allgemeinen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu
verwerten, hängt von den konkreten Umständen des Einzelfalles ab.
Massgebend sind rechtsprechungsgemäss die Art und Beschaffenheit des
Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs-
und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die
Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten,
Ausbildung, beruflicher Werdegang oder die Anwendbarkeit von
Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich. Beim ausgeglichenen
Arbeitsmarkt handelt es sich um eine theoretische Grösse, so dass nicht
leichthin angenommen werden kann, die verbliebene Leistungsfähigkeit
sei unverwertbar. Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist
anzunehmen, wenn die zumutbare Tätigkeit in nur so eingeschränkter
Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht
kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines
durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer
entsprechenden Stelle daher zum Vornherein als ausgeschlossen
erscheint (Urteil des Bundesgerichts 9C_15/2020 vom 10. Dezember
2020 E.6.1 m.w.H.; vgl. auch BGE 138 V 457 E.3.1 m.w.H.).
8.2. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts stehen dem
Beschwerdeführer - trotz seiner Einschränkungen (vgl. dazu insbesondere
vorstehende Erwägung 7.5.3 [Zumutbarkeitsprofil]) - auf dem theoretisch
ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend leidensadaptierte Tätigkeiten
offen. Gemäss Rechtsprechung bietet der ausgeglichene Arbeitsmarkt
sogar für Personen, die funktionell als Einarmige zu betrachten sind,
genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_300/2019 vom 28. Oktober 2019 E.5.3.3 m.w.H.).
Zudem sieht der (theoretisch) ausgeglichene Arbeitsmarkt - gerade - im
kaufmännischen Bereich, an den vorliegend unter anderem aufgrund der
Ergebnisse der erwerblichen und medizinischen Abklärungen beim
- 23 -
Beschwerdeführer zu denken ist (vgl. dazu vorstehende
Erwägungen 7.2.1 ff.), diverse Arbeitsstellen vor, welche
grossmehrheitlich auch von zu Hause aus ausgeführt werden können, da
sie nicht an einen bestimmten Arbeitsort gebunden sind (Urteile des
Bundesgerichts 9C_426/2020 vom 29. April 2021 E.5.3, 9C_15/2020 vom
10. Dezember 2020 E.6.2.3). Darüber hinaus muss beim
Beschwerdeführer angesichts seiner erwerblichen Biographie (vgl. dazu
nachstehende Erwägungen 11.3.1 f.) und seiner Geschäftsführertätigkeit
beim M._ seit Januar 2019 nicht von einem besonderen Umstellungs-
und Einarbeitungsaufwand im Hinblick auf eine Tätigkeit im
kaufmännischen Bereich ausgegangen werden, wenngleich das M._
eine soziale Institution ist (vgl. Bg-act. 694). Schliesslich war der
Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Rentenbeginns erst 46 Jahre alt und
damit nicht in einem fortgeschrittenen Alter, welches zusammen mit
weiteren persönlichen und beruflichen Gegebenheiten dazu führen
könnte, dass seine Resterwerbsfähigkeit auf dem ausgeglichenen
Arbeitsmarkt realistischerweise nicht mehr nachgefragt würde (vgl. Urteil
des Bundesgerichts 8C_28/2017 vom 19. Juni 2017 E.3.2; vgl. auch BGE
145 V 2 E.5.3.1, 138 V 457 E.3.1). Insgesamt ist somit nicht ersichtlich,
weshalb die dem Beschwerdeführer attestierte (Rest-)Arbeitsfähigkeit von
70% auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nicht verwertbar sein sollte.
9. Nachfolgend gilt es nun den Invaliditätsgrad zu ermitteln. Hierfür wird - wie
bereits in vorstehender Erwägung 4.2 dargelegt - das Erwerbseinkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach
Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitslage erzielen könnte (Invalideneinkommen [vgl.
nachstehende Erwägungen 10.1.1 - 10.3]), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
- 24 -
geworden wäre (Valideneinkommen [vgl. nachstehende Erwägungen 11.1
- 11.3.3]).
10.1.1. Für die Festsetzung des Invalideneinkommens ist nach der
Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation
auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Übt sie nach
Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der - kumulativ -
besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist,
dass sie die ihr verbleibende Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll
ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung
als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich
erzielte Verdienst als Invalidenlohn. Ist kein solches tatsächlich erzieltes
Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person
nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an
sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach
der Rechtsprechung entweder die LSE-Tabellenlöhne oder die
sogenannten DAP-Zahlen (DAP = Dokumentation von Arbeitsplätzen
seitens der SUVA) herangezogen werden (BGE 135 V 297 E.5.2 m.w.H.).
10.1.2. Soweit ersichtlich ist vorliegend unbestritten, dass für die Festsetzung des
Invalideneinkommens auf die Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2016
des Bundesamtes für Statistik (LSE 2016), T17 (monatlicher Bruttolohn
nach Berufsgruppen, Lebensalter und Geschlecht), abzustellen ist, zumal
das vom Beschwerdeführer beim M._ erzielte Einkommen als
Soziallohn zu qualifizieren ist (Monatslohn von CHF 2'000.-- zzgl. 1/12
des jährlichen Lohns ohne Zulagen [13. Monatslohn] sowie monatliche
Spesen-Pauschale von CHF 1'000.--; vgl. Bg-act. 718). Umstritten ist
demgegenüber die Frage, welche Berufsgruppe heranzuziehen ist. So
macht der Beschwerdeführer geltend, man könne nicht die Sparte
Allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte heranziehen, da genau diese
Position im gesamten Rahmen der Berufsgruppe 4 nach oben ausschlage
und er aufgrund seiner Einschränkung gerade nicht alle allgemeinen Büro-
- 25 -
und Sekretariatsarbeiten ausführen könne bzw. ihm nur mehr ein ganz
normaler Bürojob zumutbar sei. Vielmehr sei auf das Mittel der
Positionen 41 - 43 abzustützen, eventualiter auf die Position 4.
10.1.3. Gemäss der kreisärztlichen Beurteilung von Dr. med. F._ ist der
Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit (d.h. im aktuellen Job
als Geschäftsführer beim M._) bzw. einer sehr leichten Tätigkeit ohne
anhaltende Arbeiten in Zwangshaltungen des rechten Armes, ohne
Notwendigkeit des kraftvollen Zupackens, ohne Schläge oder Vibrationen,
die auf den rechten Ellbogen fortgeleitet werden könnten, ohne Arbeiten
auf Leitern und mit der Möglichkeit, grossteils im Homeoffice zu arbeiten
zu 70 % arbeitsfähig (vgl. Bg-act. 699 sowie vorstehende
Erwägungen 7.5.2 f.). Angesichts dieses Zumutbarkeitsprofils, der
Ergebnisse der erwerblichen und medizinischen Abklärungen sowie der
Erwerbsbiographie des Beschwerdeführers (vgl. dazu nachstehende
Erwägungen 11.3.1 f.) erscheint es angezeigt, von der Fortsetzung einer
Tätigkeit im angestammten kaufmännischen Bereich mit einer
Einschränkung von 30 % auszugehen bzw. auf T17 (Monatlicher
Bruttolohn nach Berufsgruppen, Lebensalter und Geschlecht), Position 41
(Allgemeine Büro- und Sekretariatskräfte), abzustellen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_58/2021 vom 30. Juni 2021 E.4.1.1). Demgegenüber
wäre es unzulässig, das arithmetische Mittel dreier Medianwerte
heranzuziehen, wie dies der Beschwerdeführer beantragt; denn einem
solchen Durchschnittswert kommt mit Blick auf die hier anwendbaren LSE
keine statistisch zuverlässige Aussagekraft zu (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_58/2021 vom 30. Juni 2021 E.4.1.2 m.w.H.). Zudem
wäre es angesichts der erwerblichen Biographie des Beschwerdeführers
(vgl. dazu nachstehende Erwägungen 11.3.1 f.) nicht angezeigt, auf
Position 4 (Bürokräfte und verwandte Berufe) oder Position 24
(Betriebswirtschafter/innen und vergleichbare akademische Berufe)
abzustellen.
- 26 -
10.2.1. Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durchschnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert
allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden,
dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der
Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder
Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die
Lohnhöhe haben können und die versicherte Person je nach Ausprägung
deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem
erwerblichem Erfolg verwerten kann. Der leidensbedingte Abzug soll aber
nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im
Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und
darf 25 % nicht übersteigen (Urteil des Bundesgerichts 8C_112/2020 vom
13. Mai 2020 E.7.1 m.w.H.). Allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche
Einschränkungen dürfen nicht zusätzlich in die Bemessung des
leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten
Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen (Urteil des Bundesgerichts
8C_433/2020 vom 15. Oktober 2020 E.8.1 m.w.H.). Zudem können für
einen Leidensabzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden,
die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu
bezeichnen sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_82/2019 vom
19. September 2019 E.6.3.2, 8C_61/2018 vom 23. März 2018 E.6.5.2
m.w.H.). Ob ein (behinderungsbedingt oder anderweitig begründeter)
Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen ist, stellt eine Rechtsfrage dar.
Dagegen ist die Höhe des (im konkreten Fall grundsätzlich angezeigten)
Abzugs eine Ermessensfrage (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_383/2020 vom 21. September 2020 E.4.2.1, 8C_112/2020 vom
13. Mai 2020 E.7.2 m.w.H.).
- 27 -
10.2.2. Vorliegend beantragt der Beschwerdeführer einen leidensbedingten
Abzug von mindestens 20 %. Dies insbesondere deshalb, weil aufgrund
des Zumutbarkeitsprofils die mechanische Prothese nur noch als
Hilfshand benutzt werden könne - er sei funktional quasi einhändig - und
keinerlei Belastungen dieser Hand möglich seien sowie Zwangshaltungen
vermieden werden müssten. Die funktionelle Einschränkung der rechten
Hand sei bereits ihrer besonderen Natur nach nicht ohne weiteres mit den
Anforderungen vereinbar, wie sie sich aus den gewöhnlichen betrieblichen
Büroabläufen ergäben, denn nebst Pausen für die regelmässige
Reinigung seien auch Computerarbeiten nur mehr teilweise möglich.
Demgegenüber ist die Beschwerdegegnerin der Auffassung, dass keine
Anhaltspunkte dafür bestünden, dass der Beschwerdeführer aus
objektiver unfallbedingter Sicht seine Arbeitsfähigkeit in einer zumutbaren
Tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur mit
unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten könnte, weshalb
kein leidensbedingter Abzug berücksichtigt werden könne.
10.2.3. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts ist angesichts des
kreisärztlich umschriebenen Zumutbarkeitsprofils (sehr leichte Tätigkeit
ohne anhaltende Arbeiten in Zwangshaltungen des rechten Armes, ohne
Notwendigkeit des kraftvollen Zupackens, ohne Schläge oder Vibrationen,
die auf den rechten Ellbogen fortgeleitet werden könnten, ohne Arbeiten
auf Leitern und mit der Möglichkeit, grossteils im Homeoffice zu arbeiten,
in einem Pensum von 70 %) von einem genügend breiten Spektrum an
zumutbaren Verweisungstätigkeiten auszugehen bzw. es muss nicht
davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage verglichen mit einem gesunden
Mitbewerber nur bei Inkaufnahme einer Lohneinbusse reale Chancen für
eine Anstellung als allgemeine Büro- und/oder Sekretariatskraft hätte (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_495/2019 vom 11. Dezember 2019
E.4.2.2, 8C_174/2019 vom 9. Juli 2019 E. 5.2 m.w.H.). Die funktionelle
- 28 -
Einschränkung des rechten Armes bzw. der rechten Hand des
Beschwerdeführers vermag keinen Leidensabzug zu rechtfertigen.
Gleiches gilt mit Bezug auf den vom Beschwerdeführer geltend
gemachten Pausenbedarf für die regelmässige Reinigung der Prothese
[recte: Orthese], zumal der Beschwerdeführer nicht substanziiert darlegt,
inwiefern eine Reinigung der Orthese während der Arbeitszeit notwendig
sein soll. Auch legt er nicht substanziiert dar, inwieweit und inwiefern ihm
über das kreisärztlich umschriebene Zumutbarkeitsprofil hinaus
Computerarbeiten nur mehr teilweise möglich sein sollen.
10.3. Im Ergebnis beläuft sich das Invalideneinkommen gestützt auf die
LSE 2016, T17, Position 41 für Männer im Alter von 30 bis 49 Jahre,
angepasst an die betriebsübliche durchschnittliche wöchentliche
Arbeitszeit von 41.7 Stunden und aufindexiert auf das Jahr 2019 somit auf
CHF 60'109.-- (= CHF 6'769.-- x 12 x 41.7 / 40 x 1.004 x 1.005 x 1.005 x
0.7 [Arbeitsfähigkeit von 70 %]).
11.1. Für die Ermittlung des Valideneinkommens ist entscheidend, was der
Versicherte im massgebenden Zeitpunkt des Rentenbeginns - vorliegend
am 1. August 2019 - nach dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit als Gesunder (d.h. ohne den Unfall) tatsächlich
verdient hätte. Das Valideneinkommen ist so konkret wie möglich
festzusetzen. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der
Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst
angeknüpft, da es der empirischen Erfahrung entspricht, dass die
bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre.
Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein
(vgl. BGE 139 V 28 E.3.3.2 m.w.H.; vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_563/2020 vom 7. Dezember 2020 E.2.4, 4.2 und 4.2.3, 8C_832/2019
sowie 8C_3/2020 vom 5. Mai 2020 E.6.1, 8C_795/2019 vom 25. März
2020 E.3.2 und 8C_53/2019 vom 9. Mai 2019 E.6.2.1). Zur Ermittlung des
letzten Lohnes dienen primär die entsprechenden Angaben der
- 29 -
Arbeitgeberin. Es kann aber auch auf die im Individuellen Konto (IK) der
gemeldeten beitragspflichtigen Einkommen ausgewiesenen Lohnsummen
abgestellt werden. Den Beteiligten steht allerdings der Nachweis offen,
dass diese Beiträge nicht den tatsächlichen Einkünften entsprechen
(FLÜCKIGER, in: FRÉSARD-FELLAY/LEUZINGER/PÄRLI [Hrsg.], Basler
Kommentar zum UVG, Basel 2019, Art. 18 Rz. 21 m.H.a. Urteil des
Bundesgerichts 8C_611/2007 E.5.1; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
9C_8/2012 vom 12. März 2012 E.2.1.2). Weist das zuletzt erzielte
Einkommen starke und verhältnismässig kurzfristig in Erscheinung
getretene Schwankungen auf, ist auf den während einer längeren
Zeitspanne erzielten Durchschnittsverdienst abzustellen (Urteile des
Bundesgerichts 8C_745/2020 vom 29. März 2021 E.6.3, 8C_581/2020
und 8C_585/2020 vom 3. Februar 2021 E.6.1 m.w.H.). War die versicherte
Person vor dem Unfall arbeitslos, ist i.d.R. an denjenigen Verdienst
anzuknüpfen, den sie zuletzt vor der Arbeitslosigkeit erzielte (FLÜCKIGER,
a.a.O., Art. 18 Rz. 20 m.H.a. Urteil des Eidgenössischen
Versicherungsgerichts U 3/03 vom 4. September 2003 E.6.2 [mit
Abweichung im konkreten Fall]).
11.2.1. Im angefochtenen Einspracheentscheid gelangte die
Beschwerdegegnerin zum Schluss, dass für die Ermittlung des
Valideneinkommens weder auf das zuletzt vor der Arbeitslosigkeit bei der
H._ AG erzielte Einkommen, noch auf das zuvor bei der I._ AG
oder das im Banken- und Finanzsektor als Betriebsökonom erzielte
Einkommen abgestellt werden könne. Stattdessen rechtfertige es sich, bei
der Ermittlung des Valideneinkommens von statistischen
Einkommenswerten für eine Tätigkeit mit allgemeinen Büro- und
Sekretariatsarbeiten im privaten Sektor [recte: im privaten und öffentlichen
Sektor] auszugehen (vgl. LSE 2016, TA17 [recte: T17], Position 41;
Valideneinkommen von CHF 85'871.--).
- 30 -
11.2.2. Dem hält der Beschwerdeführer entgegen, dass er vor seiner
Arbeitslosigkeit nachweislich jahrelang im Finanz- und Bankensektor
gearbeitet und dabei ein Einkommen von mehr als CHF 120'000.-- pro
Jahr erzielt habe. Die jahrelange fordernde Tätigkeit im erwähnten Bereich
habe dazu geführt, dass er zeitweilen habe kürzertreten müssen und er
deshalb in der hauseigenen Firma, der I._ AG, mitgearbeitet habe.
Letztere habe eng mit der H._ AG zusammengearbeitet, weshalb er
sich sodann entschlossen habe, in dieser Firma eine vorübergehende
Anstellung anzunehmen. Die "Abnutzungserscheinungen" der
vergangenen Jahre und eine teilweise Unterforderung hätten im Monat
Oktober 2010 leider zu einem Burn-Out geführt, weshalb er sodann
Krankentaggeldleistungen habe in Anspruch nehmen müssen. Es sei
allerdings immer vorgesehen gewesen, nach der Erholungsphase wieder
im erlernten sowie angestammten Beruf als Betriebsökonom tätig zu sein.
Dies gehe aus unzähligen Verfahrensakten hervor, wobei er bereits kurz
nach dem Unfallereignis festgehalten habe, dass es sein Ziel sei,
inskünftig wieder als Betriebsökonom zu arbeiten. Es sei nicht einzusehen,
weshalb er trotz einer kurzen Überbrückungspause vor dem Unfallereignis
nach dem Unfall nicht wieder als Betriebsökonom gearbeitet hätte.
Nach Auffassung des Beschwerdeführers rechtfertigt es sich nicht, bei der
Ermittlung des Valideneinkommens von einer Tätigkeit mit allgemeinen
Büro- und Sekretariatsarbeiten im privaten Sektor auszugehen, zumal
dieses Einkommen nicht einmal dem Einkommen bei der H._ AG
entspreche und er auch im Rahmen solcher Büroarbeiten seine
Kenntnisse als Betriebsökonom anwenden könne. Man müsse mithin auch
beim Heranziehen der LSE-Tabellenlöhne, TA17 [recte: T17], die
Position 25 [recte: 24] (Betriebswirtschafter und vergleichbare
akademische Berufe) heranziehen bzw. ein Einkommen von CHF 8'123.-
- pro Monat berücksichtigen.
- 31 -
11.3.1. Angesichts der gesundheitlichen und erwerblichen Biographie des
Beschwerdeführers erscheint es nicht überwiegend wahrscheinlich, dass
er ohne das Unfallereignis per 1. August 2019 wieder als Betriebsökonom
im Finanz- und Bankensektor tätig gewesen wäre, hat er doch letztmals
im Jahr 2004 im Finanz- und Bankensektor gearbeitet (vgl. Bg-act. 280 ff.
[N._ AG / Februar bis Mai 2004]). Zuvor (September 1994 bis
Dezember 2000) und danach (September 2005 bis Mai 2010) war er
jahrelang bei der I._ AG, dem Geschäft seiner Familie, tätig (vgl. Bg-
act. 280 ff.). Es ist davon auszugehen, dass er dort Tätigkeiten im
kaufmännischen Bereich ausübte (vgl. Bg-act. 87 S. 8 und 631 S. 5 f.
["Geschäftsführung, Führung der administrativen Geschäfte, Verwaltung,
Personalwesen, Finanzplanung, Marketing und Werbung" bzw.
"Disponent"]). Im Juli 2010 liess er sich bei der H._ AG als
Aussendienstmitarbeiter anstellen, wobei er nach rund drei Monaten
zufolge Burn-Out aussteigen musste (vgl. Bg-act. 701 S. 2 ff., 631 S. 3,
280 S. 2 sowie vorstehende Erwägung 11.2.2). Schliesslich erhielt er ab
April 2011 Leistungen der Arbeitslosenkasse, bevor er im Juni 2011 im
Rahmen einer Zwischenverdiensttätigkeit im Bereich Garten- und
Landschaftspflege verunfallte (vgl. Bg-act. 1). Dass der Beschwerdeführer
bereits kurz nach dem Unfallereignis festgehalten hatte, er wolle inskünftig
wieder als Betriebsökonom arbeiten, ändert nichts daran, dass es
aufgrund seiner Erwerbsbiographie nicht überwiegend wahrscheinlich ist,
dass er ohne das Unfallereignis per 1. August 2019 wieder als
Betriebsökonom im Finanz- und Bankensektor tätig gewesen wäre.
11.3.2. Unter Berücksichtigung des vorstehend Gesagten ist es somit nicht zu
beanstanden, wenn die Beschwerdegegnerin für die Ermittlung des
Valideneinkommens auf die LSE 2016, T17, Position 41 (allgemeine Büro-
und Sekretariatskräfte; Kompetenzniveau 2), Männer, Alter 30 bis
49 Jahre abstellt. Demgegenüber ist es nicht nachvollziehbar, weshalb auf
Position 24 (Betriebswirtschafter/innen und vergleichbare akademische
- 32 -
Berufe; Kompetenzniveau 4) abgestellt werden sollte, wie dies der
Beschwerdeführer beantragt. Obwohl er neben einer Lehre zum
kaufmännischen Angestellten eine Ausbildung zum Eidg. Dipl.
Betriebsökonomen mit Zusatzkurs Unternehmensführung beim
Schweizerischen Institut für Unternehmerschulung (vgl. Bg-act. 87
S. 9 bis 13 [Abschluss im Jahr 1999]) sowie angeblich eine Ausbildung
zum Finanzplaner (vgl. Bg-act. 87 S. 9 [1999 bis 2000; nicht belegt])
absolviert hat, ist es nach Auffassung des streitberufenen Gerichts nicht
überwiegend wahrscheinlich, dass er per 1. August 2019 einen
akademischen Beruf i.S.v. Position 24 ausgeübt hätte. Ebenso wenig
rechtfertigt es sich, auf das vom Beschwerdeführer bei der H._ AG
erzielte Einkommen abzustellen (vgl. dazu Bg-act. 701 S. 2 ff.), zumal er
nach rund drei Monaten zufolge Burn-Out aussteigen musste (vgl. Bg-
act. 631 S. 3 [1. Juli 2010 bis 8. Oktober 2010], 280 S. 2 sowie
vorstehende Erwägung 11.2.2). Hinzu kommt, dass es sich nach Angaben
des Beschwerdeführers von vornherein nur um eine vorübergehende
Anstellung gehandelt hat (vgl. vorstehenden Erwägung 11.2.2).
Schliesslich rechtfertigt es sich denn auch nicht, auf das im Unfallzeitpunkt
im Zwischenverdienst erzielte Einkommen abzustellen.
11.3.3. Das von der Beschwerdegegnerin gestützt auf die LSE 2016, T17,
Position 41 ermittelte Valideneinkommen für Männer im Alter von 30 bis
49 Jahre beläuft sich - angepasst an die betriebsübliche durchschnittliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden und aufindexiert auf das Jahr
2019 - auf CHF 85'871.-- (= CHF 6'769.-- x 12 x 41.7 / 40 x 1.004 x 1.005
x 1.005). Damit liegt es sogar deutlich über dem vom Beschwerdeführer in
den Jahren 2006 - 2009 bei der I._ AG erzielten
Durchschnittseinkommen von rund CHF 69'500.-- (vgl. Bg-act. 280 ff.;
bzw. aufindexiert auf das Jahr 2019 rund CHF 74'400.--), welches bei der
Ermittlung des Valideneinkommens herangezogen werden dürfte. Auch
vor diesem Hintergrund ist es nicht zu beanstanden, wenn die
- 33 -
Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid
sinngemäss davon ausgegangen ist, dass der Beschwerdeführer per
1. August 2019 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ein Einkommen von
CHF 85'871.-- verdient hätte.
Der Vollständigkeit halber sei zudem noch Folgendes festgehalten: Zwar
erzielte der Beschwerdeführer während seiner viermonatigen Tätigkeit bei
der N._ AG im Jahr 2004 ein Einkommen von rund CHF 7'000.-- pro
Monat (vgl. Bg-act. 280 S. 3); abgesehen davon, dass es nicht
überwiegend wahrscheinlich ist, dass er ohne das Unfallereignis per 1.
August 2019 wieder als Betriebsökonom im Finanz- und Bankensektor
tätig gewesen wäre (vgl. dazu vorstehende Erwägung 11.3.1), ist es
allerdings nicht ausgewiesen, dass er jahrelang im Finanz- und
Bankensektor gearbeitet und dabei ein Einkommen von mehr als
CHF 120'000.-- pro Jahr erzielt hätte (vgl. Bg-act. 280 ff.), wie er dies
geltend macht.
12. Bei einem Valideneinkommen von CHF 85'871.-- und einem
Invalideneinkommen von CHF 60'109.-- ergibt sich somit ein
rentenbegründender Invaliditätsgrad von 30 %. Die Beschwerdegegnerin
hat dem Beschwerdeführer somit zu Recht eine 30%ige UVG-Rente
zugesprochen.
13. Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob dem Beschwerdeführer zu Recht eine
Integritätsentschädigung in der Höhe von 30 % zugesprochen wurde.
13.1.1. Gemäss Art. 24 Abs. 1 UVG hat der Versicherte Anspruch auf eine
angemessene Integritätsentschädigung, wenn er durch den Unfall eine
dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder
psychischen Integrität erleidet. Nach Art. 36 Abs. 1 der Verordnung über
die Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) gilt ein Integritätsschaden als
dauernd, wenn er voraussichtlich während des ganzen Lebens
mindestens in gleichem Umfang besteht (Satz 1); er ist erheblich, wenn
- 34 -
die körperliche, geistige oder psychische Integrität, unabhängig von der
Erwerbsfähigkeit, augenfällig oder stark beeinträchtigt wird (Satz 2).
13.1.2. Laut Art. 25 Abs. 1 UVG wird die Integritätsentschädigung in Form einer
Kapitalleistung gewährt (Satz 1). Sie darf den am Unfalltag geltenden
Höchstbetrag des versicherten Jahresverdienstes nicht übersteigen und
wird entsprechend der Schwere des Integritätsschadens abgestuft (Satz
2). Nach Art. 25 Abs. 2 UVG regelt der Bundesrat die Bemessung der
Entschädigung. Von dieser Befugnis hat er in Art. 36 UVV Gebrauch
gemacht. Gemäss Abs. 2 dieser Vorschrift gelten für die Bemessung der
Integritätsentschädigung die Richtlinien des Anhangs 3. Darin hat der
Bundesrat in einer als gesetzmässig erkannten, nicht abschliessenden
Skala (vgl. BGE 124 V 29 E.1b m.w.H.) häufig vorkommende und typische
Schäden prozentual gewichtet.
Für die im Anhang 3 zur UVV genannten Integritätsschäden entspricht die
Entschädigung im Regelfall dem angegebenen Prozentsatz des
Höchstbetrages des versicherten Verdienstes (Ziff. 1 Abs. 1). Die
Entschädigung für spezielle oder nicht aufgeführte Integritätsschäden wird
nach dem Grad der Schwere vom Skalenwert abgeleitet (Ziff. 1 Abs. 2
Satz 1). In diesem Zusammenhang hat die SUVA in Weiterentwicklung der
bundesrätlichen Skala zusätzliche Bemessungsgrundlagen in
tabellarischer Form erarbeitet. Diese in den Mitteilungen der
Medizinischen Abteilung der SUVA herausgegebenen Tabellen zur
Integritätsentschädigung gemäss UVG stellen Feinraster für die
Bemessung dar. Sie sind, soweit sie lediglich Richtwerte enthalten, mit
denen die Gleichbehandlung aller Versicherten gewährleistet werden soll,
mit dem Anhang 3 zur UVV vereinbar (vgl. BGE 124 V 29 E.1c, 116 V 156
E.3a m.w.H.).
13.1.3. Die Feststellung des Integritätsschadens ist eine Tatfrage, die ein
Mediziner zu beurteilen hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_734/2019
- 35 -
vom 23. Dezember 2019 E.4.2, 8C_121/2018 vom 14. Juni 2018 E.4.1,
8C_42/2018 vom 6. Juni 2018 E.5.1 mit Hinweisen unter anderem auf
BGE 132 V 393 E.3.2; vgl. auch BERGER, in: FRÉSARD-
FELLAY/LEUZINGER/PÄRLI [Hrsg.], Basler Kommentar zum
Unfallversicherungsgesetz, Basel 2019, Art. 25 Rz. 13, wonach die
Bestimmung des Grades des Integritätsschadens eine primär
medizinische Aufgabe ist, die entsprechend den Ärzten zufällt). Dabei
beurteilt sich die Schwere des Integritätsschadens einzig nach dem
medizinischen Befund. Bei gleichem medizinischem Befund ist der
Integritätsschaden für alle Versicherten gleich; allfällige individuelle
Besonderheiten der versicherten Person bleiben, im Gegensatz zur
privatrechtlichen Genugtuung, unberücksichtigt (vgl. BGE 115 V 147 E.1,
113 V 218 E.4b; Urteil des Bundesgerichts 8C_812/2010 vom 2. Mai 2011
E.6.2).
13.2.1. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2017 gewährte die
Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer eine
Integritätsentschädigung auf der Basis eines Integritätsschadens von
20 % (vgl. Bg-act. 662). In seiner Beurteilung vom 7. Mai 2019 schätzte
der Kreisarzt Dr. med. F._ einen zusätzlichen Integritätsschaden von
10 %. Er hielt im Wesentlichen fest, dass bei einer völligen
Gebrauchsunfähigkeit der oberen Extremität eine
Integritätsentschädigung von 50 % gewährt werde. Bei vorliegenden
Restfunktionen im Sinne einer Hilfshand werde die
Integritätsentschädigung auf 30 % geschätzt (vgl. Bg-act. 700). Gestützt
darauf erhöhte die Beschwerdegegnerin die Integritätsentschädigung mit
Verfügung vom 13. Juni 2019 um 10 % (vgl. Bg-act. 708).
13.2.2. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts erscheint die kreisärztliche
Integritätsschadensbeurteilung von insgesamt 30 % nachvollziehbar und
beweiskräftig. Es ist den Akten nichts zu entnehmen, was gegen diese
Beurteilung spricht bzw. eine 40%ige Integritätsentschädigung
- 36 -
rechtfertigen würde, wie dies der Beschwerdeführer beantragt. Der
Kreisarzt Dr. med. F._ untersuchte den Beschwerdeführer am
18. Dezember 2018 persönlich, nahm seine Beurteilung am 7. Mai 2019
auf der Grundlage der gesamten Aktenlage vor und berücksichtigte die
geklagten Beschwerden (vgl. Bg-act. 699 f.). Es sind keine Berichte von
anderen (behandelnden) Ärzten vorhanden, die einen höheren
Integritätsschaden angeben; vielmehr äusserte sich nur der Kreisarzt Dr.
med. F._ zu dieser Thematik und dies zuverlässig und schlüssig. Im
Rahmen des Einspracheverfahrens begründete er seine Beurteilung
vertiefter, indem er festhielt, dass ein vollständiger Handverlust mit 40 %
und ein vollständiger Armverlust mit 50 % Integritätsentschädigung
abgegolten werde (vgl. Bg-act. 725; vgl. SUVA Tabelle 3 S. 7). Tatsache
ist, dass dem Beschwerdeführer die rechte obere Extremität als Ganzes
erhalten blieb und sie insbesondere im beruflichen Alltag auch eingesetzt
wird, wie etwa aus den Stellungnahmen von Dr. med. C._ vom
25. Juni 2019 und 11. September 2019 klar hervorgeht (vgl. Bg-act. 712
und 721). Unter Optimierung der Arbeitsabläufe und Bewegungen (inkl.
Autofahren) und wiederholter Einlegung von Pausen beschreibt Dr. med.
C._ die Situation des Beschwerdeführers als stabil (vgl. Bg-act. 721).
Die Beschwerdegegnerin hat die Integritätsentschädigung somit in
Ausübung ihres Ermessens rechtskonform auf 30 % festgelegt. Weitere
Abklärungen hierzu erübrigen sich und in antizipierter Beweiswürdigung
kann darauf verzichtet werden, da keine entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten wären (vgl. BGE 144 V 361 E.6.5, 136 I 229 E.
5.3).
14. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als unbegründet, weshalb
sie abzuweisen ist.
15. Gemäss aArt. 61 lit. a i.V.m. Art. 82a ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungssachen – ausser bei
mutwilliger oder leichtsinniger Prozessführung – kostenlos, weshalb für
- 37 -
das vorliegende Verfahren keine Kosten erhoben werden. Die obsiegende
Beschwerdegegnerin hat keinen Anspruch auf eine Parteientschädigung
(vgl. Art. 61 lit. g ATSG).