# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6125d9e5-4dc4-4583-a9c8-ceb9ac64fe5a
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2006
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. Z. kam am 18. Juli 1957 in A. zur Welt. Gemeinsam mit vier Brüdern wuchs er in geordneten Familienverhältnissen auf. Als er acht Jahre alt war, zog die Familie nach B., wo Z. auch heute noch wohnt. Nach dem Besuch der Primar- und Sekundarschule an seinem Wohnort machte Z. eine Maurerlehre. Anschliessend bildete er sich fortlaufend vom Vorarbeiter und Polier bis zum Bauführer weiter. Nachdem er 27 Jahre bei der Baufirma C., gearbeitet hatte, nahm er eine Arbeitsstelle bei der Firma D., an, wo er immer noch tätig ist. Z. ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder, von denen der Sohn noch in Ausbildung steht. Eigenen Angaben zufolge versteuert Z. ein Einkommen von ca. Fr. 70'000.-- jährlich. An Schulden weist er eine Hypothek von Fr. 250'000.-- aus.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist Z. nicht verzeichnet.
B. Mit Anklageverfügung vom 3. Mai 2005 wurde Z. durch die Staatsanwaltschaft Graubünden wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB sowie wegen fahrlässiger Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde gemäss Art. 229 Abs. 2 StGB in Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage legte die Staatsanwaltschaft Graubünden gemäss Anklageschrift vom 3. Mai 2005 folgenden Sachverhalt zu Grunde:
"Ausgangs E., in Richtung F., bei der Strassenüberführung über die , wurde im Herbst 2002 an der Kantonsstrasse ein neuer Mauerkordon erstellt. Aus Sicherheitsgründen wurden diese Arbeiten zum grössten Teil nachts, wenn kein Bahnverkehr herrschte und die Fahrleitung der Bahn nicht unter Strom stand, verrichtet. Um die Arbeiten auszuführen, war vorschriftsgemäss ausserhalb der Fahrbahn über die RhB-Linie ein Metallschutzgerüst (Leergerüst) erstellt worden. Die Fahrleitung der RhB, welche mit ca. 11'000 Volt geladen ist, befand sich zwischen 30 und 50 cm unterhalb des Metallgerüstes.
Am Montag, 25. November 2002, um ca. 21.00 Uhr, trafen sich der für die Baustelle verantwortliche Baustellenleiter, Z., der Polier X. sowie der Maurer H. auf der erwähnten Baustelle. X. arbeitete an diesem Tag das erste Mal auf der Baustelle, während H. und Z. an den Ausführungen der Arbeit von Anfang an beteiligt waren. Vom Baustellenleiter erhielten X. und I. den Auftrag, das Schutzgerüst zur Demontage vorzubereiten. Dabei wurden sie von Z. mehrfach und unmissverständlich auf die Gefahren der unter Strom stehenden Fahrleitung aufmerksam gemacht und darauf hingewiesen, dass die Arbeiten auf dem Gerüst und oberhalb der Fahrleitung erst nach 23.00 Uhr, d.h. nachdem der Strom der Fahrleitung durch das Personal der RhB abgeschaltet worden war, ausgeführt werden dürften.
Z. wies die beiden nicht ausdrücklich auf die Vorschriften und Weisungen für Arbeiten in der Nähe von Bahnanlagen des Tiefbauamtes Graubünden bzw. der SBB/RhB/FO hin. Gemäss diesen Weisungen sind sämtliche Arbeiten beim Erstellen sowie Abbrechen von Gerüstungen, die in unmittelbarer Nähe (d.h. näher als ca. drei Meter) von Hochspannungsanlagen ausgeführt werden müssen, ausschliesslich bei ausgeschalteter Leitung und in
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Anwesenheit eines Aufsichtsbeamten vom Fahrleitungsdienst der Bahn auszuführen. Nachdem Z. mit den beiden Arbeitern den gesamten Arbeitsablauf der Nacht besprochen hatte, wussten diese, dass die Fahrleitung erst ab 23.00 Uhr keinen Strom mehr führte. Gegen 23.00 Uhr sollte ein Wagen der RhB mit Hebebühne zur Arbeitsstelle kommen, mit deren Hilfe das Gerüst abgebaut werden konnte. Bis zu diesem Zeitpunkt sollten sie Arbeiten neben dem Gerüst erledigen und anschliessend das Gerüst so vorbereiten, dass der grosse Stahlträger desselben um ca. 01.00 Uhr mit dem für diesen Zeitpunkt georderten Pneulader hätte abtransportiert werden können. Nachdem diese Instruktionen erteilt worden waren, begab sich Z. auf eine andere Baustelle, welche er ebenfalls zu beaufsichtigen hatte.
Kurz vor 22.00 Uhr erschien Z. erneut auf der Baustelle in E., wo er mit X. sprach, um dann nach Hause zu fahren. Zu diesem Zeitpunkt regnete es und das Stahlgerüst war nass. Beim Wegfahren bemerkte er wegen des Funkenfluges, dass im Bereich des Gerüstes mit der Trennscheibe gearbeitet wurde. Er unterliess es jedoch, zum Arbeitsort zurückzukehren und seine beiden Untergebenen noch einmal darauf hinzuweisen, dass Arbeiten auf dem Gerüst vor 23.00 Uhr zu unterlassen seien. Rund zehn Minuten später erhielt er einen Anruf und erfuhr, dass es auf der Arbeitsstelle zu einem Stromunfall gekommen war. Dabei hatte der auf dem Gerüst arbeitende X. einen Stromschlag erhalten, durch welchen er schwere Verbrennungen und irreparable Schädigungen des rechten Armes erlitt. H., welcher von unten mit der Trennscheibe am Gerüst arbeitete, blieb unverletzt.
Mit Schreiben vom 8. Februar 2005 macht der Rechtsvertreter von X. adhäsionsweise eine Schadenersatzforderung von Fr. 21'262.50 nebst 5% Zins seit dem 12. Januar 2004 geltend. Die Geltendmachung des Haushaltsführungsschadens für einen weitergehenden Zeitraum sowie weiterer Schadenspositionen und einer Genugtuung werden dabei vorbehalten. Zudem sei Z. zu verpflichten, dem Geschädigten eine angemessene Parteientschädigung zu entrichten."
C. Am 18. August 2005 fand die Verhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss Inn statt. Daran nahmen Z., sein Verteidiger, der Adhäsionskläger und dessen Vertreter teil. In der Ergänzung der Anklageschrift vom 3. Mai 2005, welche verlesen wurde, stellte die Staatsanwaltschaft folgende Anträge:
"1. Z. sei der fahrlässigen schweren Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB sowie der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung von Regeln der Baukunde gemäss Art. 229 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit 5 Tagen Gefängnis und einer Busse von Fr. 600.-- zu bestrafen.
3. Es sei ihm der bedingte Strafvollzug und die vorzeitige Löschung der Busse im Strafregister unter Ansetzung einer Probzeit von zwei Jahren zu gewähren.
4. Kostenfolge sei die gesetzliche."
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Der Adhäsionskläger bzw. sein Rechtsvertreter stellte folgende Anträge:
"1. Es sei Herr Z. zu verpflichten, dem Geschädigten für den Haushaltsführungsschaden für den Zeitraum ab Unfalldatum bis Ende Februar 2005 den Betrag von Fr. 21'262.50 nebst 5% Zins seit mittlerem Verfall (12. Januar 2004) zu bezahlen. Die Geltendmachung des Haushaltsführungsschadens für einen weitergehenden Zeitraum sowie weiterer Schadenersatzpositionen (Lohnausfall, Pflegeschaden, Erschwerung des wirtschaftlichen Fortkommens etc.) und einer Genugtuung wird ausdrücklich vorbehalten.
2. Es sei Herr Z. zu verpflichten, dem Geschädigten eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen."
Der private Verteidiger von Z. stellte im vorinstanzlichen Verfahren in Bezug auf den Strafpunkt den Antrag, Z. sei freizusprechen. Betreffend die Adhäsionsklage lauteten seine Anträge wie folgt:
"1. Die klage sei ad separatum zu verweisen, eventualiter vollumfänglich abzuweisen.
2. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Adhäsionsklägers."
D. Mit Urteil vom 18. August 2005, mitgeteilt am 12. Oktober 2005, hat der Bezirksgerichtsausschuss Inn wie folgt erkannt:
"1. Z. wird der fahrlässigen schweren Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB und der fahrlässigen Gefährdung durch Verletzung von Regeln der Baukunde gemäss Art. 229 Abs. 2 StGB freigesprochen.
2. Die Adhäsionsklage wird auf den Zivilweg verwiesen.
3. Die Kosten, bestehend aus Gerichtsgebühr Fr. 3'000.00 Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Fr. 2'201.20 Total Fr. 5'201.20
gehen zu Lasten der Bezirksgerichtskasse Inn bzw. des Kantons Graubünden.
4. Z. wird von der Bezirkskasse Inn eine ausseramtliche Entschädigung in der Höhe von Fr. 8'831.80 (inkl. Spesen und MwSt.) ausgerichtet.
5. Der Adhäsionskläger wird verpflichtet, Z. mit Fr. 1'006.05 (inkl. Spesen und MwSt.) ausseramtlich zu entschädigen.

## Considerations