# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 064698f4-1488-4fec-9810-331611cd6d61
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Widerhandlung BetmG etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 29.04.2015 (DG150001)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 12. Januar
2015 (Urk. 25) und die Ergänzung vom 24. März 2015 (Urk. 41) sind diesem Urteil
beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. a und lit. c BetmG (Anklage Ziff. 1.1
lit. A und lit. B),
− der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne
von Art. 19a Ziff. 1 BetmG (Anklage Ziff. 1.1 lit. C),
− der mehrfachen versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB
i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Anklage Ziff. 1.3),
− der mehrfachen Begünstigung im Sinne von Art. 305 Abs. 1 StGB
(Anklage Ziff. 1.4).
2. Vom Vorwurf der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB
(Anklage Ziff. 1.2) wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe (wovon
37 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 600.–.
4. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stel-
le eine Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.
6. Von der Anordnung einer stationären oder ambulanten Massnahme wird
abgesehen.
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7. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
vom 13. März 2013 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich
gelagerten Gegenstände werden eingezogen und sind nach Eintritt der
Rechtskraft dieses Urteils durch die Kantonspolizei Zürich zu vernichten:
a) 1 Kartonschachtel als Verpackung einer Waffe Hämmerli Hunter
Force 900 Combo (Gewehr)
b) 1 Kartonschachtel als Verpackung eines Messers Walther (gross)
c) 1 Kartonschachtel als Verpackung eines Messers Walther (klein)
8. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
13. März 2013 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich unter
der Lagernummer ... aufbewahrten 1975 Gramm halbgetrocknete Mari-
huanablüten (Asservat Nr. ...), 1250 Gramm gehäckselte Hanfstauden
(Asservat Nr. ...) sowie die 17 Gramm Hanfsamen (Asservat Nr. ...) wer-
den eingezogen und sind nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils
durch die Kantonspolizei Zürich zu vernichten.
9. Auf die Anordnung einer Ersatzforderung wird verzichtet.
10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 140.– Auslagen (Gutachten)
Fr. 15'085.05 Auslagen MIG
Fr. 200.– Auslagen Polizei
Fr. 5'566.40 Akontozahlung amtliche Verteidigung
Fr. 13'298.95 amtl. Verteidigungskosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden
dem Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der
amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 89 S. 2)
1. Der Beschuldigte sei wegen mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19
Abs. 1 lit. a und lit. c BetmG (Anklage Ziff. 1.1. lit. A und lit. B) schuldig
zu sprechen.
2. Der Beschuldigte sei von der Anklage der Geldwäscherei im Sinne von
Art. 305bis Ziff. 1 StGB (Anklage Ziff. 1.2) freizusprechen.
3. Der Beschuldigte sei von der Anklage der mehrfachen Begünstigung
im Sinne von Art. 305 Abs. 1 StGB (Anklage Ziff. 1.4) freizusprechen.
4. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 18 Mo-
naten (wovon 37 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind) sowie
mit einer Busse von Fr. 600.–.
5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf
fünf Jahre anzusetzen.
6. Eventuell sei eine ambulante Massnahme gemäss Art. 63 StGB anzu-
ordnen und es sei der Vollzug der Freiheitsstrafe zugunsten der ambu-
lanten Behandlung aufzuschieben.
7. Auf die Anordnung einer Ersatzforderung sei zu verzichten.
8. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
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b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland:
(Urk. 88 S. 1 ff.)
Der Beschuldigte A._ sei wie folgt zu verurteilen:
1. Schuldigsprechung im Sinne der Anklage bzw. der Anträge anlässlich
der Hauptverhandlung vom 25. März 2015 (Dispositiv Ziff. 1 und 2):
− des Verbrechens nach Art. 19 Abs. 2 lit. b des Betäubungsmittel-
gesetzes (Bandenbegehung) im Sinne von Art. 19 Abs. 1 BetmG
in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG (Anklageziffer 1.1 A),
− des Vergehens gegen das BG über die Betäubungsmittel im Sin-
ne von Art. 19 Abs. 1 BetmG (Anklageziffer 1.1 B),
− der mehrfachen Übertretung des BG über die Betäubungsmittel
im Sinne von Art. 19a BetmG (Anklageziffer 1.1 C),
− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,
eventualiter der mehrfachen Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB
(Anklageziffer 1.3) und
− der mehrfachen Begünstigung im Sinne von Art. 305 Abs. 1 StGB
(Anklageziffer 1.4)
eventualiter
− des Verbrechens nach Art. 19 Abs. 2 lit. b des Betäubungsmittel-
gesetzes (Bandenbegehung) im Sinne von Art. 19 Abs. 1 BetmG
in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG und Art. 25 StGB,
− des mehrfachen Vergehens gegen das BG über die Betäu-
bungsmittel im Sinne von Art. 19 Abs. 1 BetmG, teilweise in Ver-
bindung mit Art. 25 StGB,
− der mehrfachen Übertretung des BG über die Betäubungsmittel
im Sinne von Art. 19a BetmG,
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− der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB,
− der mehrfachen Begünstigung im Sinne von Art. 305 Abs. 1 StGB
und
− der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB (Anklage-
ziffer 1.4)
2. Bestrafung mit 30 Monaten Freiheitsstrafe sowie einer Busse von
CHF 1'000.–. Anrechnung der erstandenen Haft von 37 Tagen (Dispo-
sitiv Ziff. 3)
3. Vollzug der Freiheitstrafe (Dispositiv Ziff. 4)
4. Festsetzung einer Ersatzfreiheitsstrafe von 10 Tagen bei schuldhafter
Nichtbezahlung der Busse (Dispositiv Ziff. 5)
5. Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 60 Abs. 1
StGB (Suchtbehandlung) (Dispositiv Ziff. 6)
6. Verpflichtung von A._ zur Ablieferung von CHF 3'590.– als Ersatz-
forderung für den unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil an den
Staat
7. Einziehung und Vernichtung der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft
Winterthur / Unterland vom 13. März 2013 beschlagnahmten Gegen-
stände (Dispositiv Ziff. 7)
8. Kostenauflage an den Beschuldigten.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerichts
Bülach, I. Abteilung, vom 29. April 2015 wurde am selben Tag mündlich eröffnet
und im Dispositiv ausgehändigt (Prot. I S. 56). Am Montag, 11. Mai 2015, ging die
Berufungsanmeldung der amtlichen Verteidigung vom 9. Mai 2015 rechtzeitig bei
der Vorinstanz ein (Urk. 50; Art. 399 Abs. 1 StPO; Art. 90 Abs. 2 StPO). Den
Empfang des begründeten Urteils quittierte die Verteidigung am 10. August 2015
(Urk. 54). Ihre Berufungserklärung vom 31. August 2015 (Datum des Poststem-
pels) ging rechtzeitig ein (Urk. 58; Art. 399 Abs. 3 StPO). Mit Präsidialverfügung
vom 3. September 2015 wurde der Staatsanwaltschaft Frist für Anschlussberu-
fung angesetzt (Urk. 60). Am 11. September 2015 erhob die Staatsanwaltschaft
rechtzeitig eine nicht beschränkte Anschlussberufung (Urk. 62; Urk. 63/1-4). Mit
Präsidialverfügung vom 17. September 2015 wurde dem Beschuldigten eine Ko-
pie der Anschlussberufung zugestellt (Urk. 64).
2. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuldspruch we-
gen mehrfacher Begünstigung im Sinne von Art. 305 Abs. 1 StGB (Urteilsdisposi-
tivziffer 1 al. 4), gegen die Strafzumessung, inkl. Vollzug und Verweigerung des
Aufschubes zugunsten einer ambulanten Massnahme (Urteilsdispositivzif-
fer 3, 4 und 6; Urk. 58 S. 3; Art. 399 Abs. 4 StPO).
3. Die Staatsanwaltschaft verlangt mit ihrer Anschlussberufung auch eine
Verurteilung des Beschuldigten wegen des Anklagevorwurfs der qualifizierten Wi-
derhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. b
BetmG (Bandenmässigkeit; vgl. Urk. 25 S. 3 f., S. 10; Urk. 56 S. 10; Urk. 88 S. 2,
4 ff.) und eventualiter wegen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB
(Urk. 88 S. 3, 10) sowie die Bestrafung des Beschuldigten mit 30 Monaten Frei-
heitsstrafe, wobei der Vollzug der Strafe zugunsten einer stationären Massnahme
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im Sinne von Art. 60 Abs. 1 StGB (Suchtbehandlung) aufzuschieben sei, und mit
Fr. 1'000.– Busse. Ausserdem sei der Beschuldigte zur Ablieferung von
Fr. 3'590.– als Ersatzforderung für unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil an
den Staat zu verpflichten (Urk. 62 S. 3 ff.; Urk. 88 S. 3 ff.). Beweisanträge stellte
die Staatsanwaltschaft nicht (Urk. 62 S. 2).
4. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Urteilsdispositivziffern 1 al. 2 – 3 (Schuldspruch, teilweise), 7 und 8 (Einzie-
hungen) sowie 10 und 11 (Kostendispositiv) unangefochten blieben, ist mittels
Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang in
Rechtskraft erwachsen ist.
II. Beweisanträge
1. Die Verteidigung beantragte mit ihrer Berufungserklärung den Beizug ei-
nes Behandlungsberichtes von Frau med. pract. B._, ... [Adresse], eines Be-
handlungsberichts der C._ Klinik, ... [Adresse], sowie eines psychiatrischen
Ergänzungsgutachtens bei PD Dr. med. D._ (zu dessen Gutachten vom
12. Dezember 2013: Urk. 15/8-10; Urk. 58 S. 3 ff.).
2. Aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV; Art. 3 Abs. 2
lit. c StPO) ergibt sich u.a. das Recht der Betroffenen, vor Erlass eines Entschei-
des erhebliche Beweise beizubringen und mit erheblichen Beweisanträgen gehört
zu werden (Art. 107 Abs. 1 lit. e StPO), wenn diese geeignet sind, den Entscheid
zu beeinflussen. Dem Mitwirkungsrecht entspricht die Pflicht der Behörden, die
Argumente und Verfahrensanträge der Parteien entgegenzunehmen und zu prü-
fen sowie die ihr rechtzeitig und formrichtig angebotenen Beweismittel abzuneh-
men (BGE 138 V 125 E. 2.1; BGE 137 II 266 E. 3.2; je mit Hinweisen). Das Ge-
richt kann indessen in willkürfreier, vorweggenommener Würdigung der zusätzlich
beantragten Beweise annehmen, dass seine Überzeugung auch durch die Ab-
nahme von weiteren Beweisen nicht geändert würde (Art. 139 Abs. 2 StPO; WOH-
LERS, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auflage, Zü-
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rich 2014, N 8 ff. zu Art. 139 StPO; BGE 136 I 229 E. 5.3; BGE 134 I 140 E. 5.3,
m.w.H.).
3. Mit Beschluss vom 21. Januar 2016 wurden die beantragten Therapiever-
laufsberichte bei der C._ Klinik und beim E._, E._, über den Be-
schuldigten eingeholt und den Parteien mit der Vorladung zur Berufungsverhand-
lung in Kopie mitversandt. Von der Einholung eines ergänzenden psychiatrischen
Gutachtens bei Prof. Dr. med. D._ wurde einstweilen abgesehen (Urk. 66 ff.;
Urk. 77-81). Wie im Rahmen der nachfolgenden Beweiswürdigung aufzuzeigen ist
(Erw. III.4. ff.), erübrigen sich weitere Beweisabnahmen durch die Berufungs-
instanz.
III. Sachverhalt
1. Nachdem die vorinstanzlichen Schuldsprüche wegen mehrfacher ver-
suchter Nötigung und mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetz
rechtskräftig sind, der Beschuldigte den vorinstanzlichen Schuldspruch wegen
Begünstigung angefochten hat und die Staatsanwaltschaft auch eine Verurteilung
wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz (Ban-
denmässigkeit) und wegen Geldwäscherei anstrebt (vgl. vorstehend, Erw. I.2. ff.),
sind bloss noch die betreffenden Anklagesachverhalte zusammengefasst wieder-
zugeben.
2. Dem Beschuldigten wird in der umständlich formulierten Anklageschrift im
Wesentlichen vorgeworfen, er habe F._, den er im Oktober 2011 in einem
Restaurant kennengelernt und welcher ihm die Idee des Betriebes einer Drogen-
hanfanlage in den Kellerräumlichkeiten unterbreitet habe, erlaubt, im Zeitraum
1. Oktober 2011 bis ca. 1. Oktober 2012, in seiner Liegenschaft, ..., G._, ei-
ne solche Anlage, bestehend aus ca. 17 Mutterpflanzen, ca. 400 Hanfpflanzen
und ca. 700 Setzlingen, zum Anbau und Verkauf von konsumfähigen Cannabis
und von Drogenhanfstecklingen zu betreiben, in der Absicht, damit Einkommen zu
erzielen, nachdem er früher dort selber schon einmal eine solche Anlage betrie-
ben habe. Er habe mit F._ einen monatlichen Mietzins von Fr. 1'500.– ver-
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einbart, sobald dieser mit dieser Anlage Gewinn erzielen würde. Ca. am 1. Okto-
ber 2012 habe der Beschuldigte zudem das Angebot von F._ angenommen,
gegen ein Entgelt von Fr. 1.– pro produziertem Steckling an diesen, selber Dro-
genhanfstecklinge zu produzieren, wobei ein entsprechender Versuch des Be-
schuldigten gescheitert sei (Urk. 25 S. 2 f.; Anklageziffer 1.1.A: Vergehen im Sin-
ne von Art. 19 Abs. 1 BetmG).
2.1. Im Zeitraum ca. 1. Oktober 2012 bis 27. Februar 2013 habe F._
diese Anlage im Einverständnis des Beschuldigten weiterbetrieben, dabei aber
gemeinsam mit H._, I._ und J._ gehandelt. Nachdem der Beschul-
digte nicht in der Lage gewesen sei, die Drogenhanfstecklinge selber zu produzie-
ren, habe er, ohne F._ zu informieren, J._ und I._ damit beauftragt
und instruiert, wobei F._ die Mitarbeit von J._ und I._ nach kurzer
Zeit bemerkt und diesen alsdann die Produktion der Stecklinge direkt übertragen
habe. Ca. an Weihnachten 2012 hätten F._, H._, J._ und I._
an drei Tagen jeweils von ca. 19.00 Uhr bis ca. 02.00 Uhr in gemeinsamer Hand-
arbeit die Blütenstände von ca. 220 Drogenhanfpflanzen ca. 1,7 Kilogramm kon-
sumfähiges Cannabis (Marihuana) mit einem durchschnittlichen THC-Gehalt von
ca. 16 % gewonnen, wozu der Beschuldigte den Genannten von ihm zuvor zum
Zweck der Ernte frisch geschliffene Scheren bereitgestellt habe. Aus dem Ver-
kaufserlös dieser Ernte habe der Beschuldigte von F._ Fr. 3'500.– als Miet-
zins eingenommen. Als dieser die Hanfindooranlage um einen Raum vergrössert
habe, habe ihm der Beschuldigte einmalig beim Streichen von Brettern geholfen.
Hernach hätten die Genannten die Anlage noch bis zum 27. Februar 2013 in der
Liegenschaft des Beschuldigten betrieben (Urk. 25 S. 3 f.; Anklageziffer 1.1.A:
Verbrechen im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG [Bandenmässigkeit]).
2.2. Im selben, vorerwähnten Zeitraum habe der Beschuldigte 30 Drogen-
hanfstecklinge aus der genannten Anlage an eine nicht näher bekannte Kollegin
zu Fr. 3.– pro Stück, zum Zwecke des Betriebes einer eigenen Anlage und der
Produktion von konsumfähigem Cannabis durch diese, verkauft (Urk. 25 S. 4; An-
klageziffer 1.1.B: Vergehen im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG).
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2.3. Im Zeitraum ca. 1. bis 30. November 2012 habe der Beschuldigte von
F._ Fr. 3'500.– in bar als Mietzins für die Räumlichkeiten der Drogenhan-
findooranlage entgegengenommen, im Wissen um die Herkunft dieses Geldes
aus einem Verkauf der von F._, H._, J._ und I._ dort herge-
stellten und geernteten ca. 1,7 kg Marihuana an K._ (Urk. 25 S. 6; Anklage-
ziffer 1.2: Geldwäscherei).
2.4. Dem Beschuldigten wird weiter vorgeworfen, am 28. Februar 2013, ca.
13.54 Uhr, am 6. Februar 2014, ca. 16.30 Uhr und am 11. März 2014, ca. 13.40
Uhr, bei der Polizei und in der Folge auch bei der Staatsanwaltschaft, in Embrach,
bzw. Winterthur, bezüglich der bei ihm aufgefundenen Drogenhanfindooranlage
mehrfach bewusst wahrheitswidrig angegeben zu haben, ca. am 1. März 2011
von einem Freund aus Holland per DHL zwölf weibliche Samen von Cannabis-
pflanzen erhalten zu haben, um damit Marihuana für sich und Dritte zu produzie-
ren, wobei er mit diesen Samen in seinem Keller Setzlinge weiblicher Pflanzen
gezogen und eine Indooranlage aufgebaut habe, wofür er von seinem Freund aus
Holland geliehene ca. Fr. 10'000.– und durchschnittlich täglich eine Arbeitsstunde
investiert habe. Diesen Betrag hätte er aus dem Verkaufserlös des zu produzie-
renden Cannabis zurückzahlen müssen. Aus den Samen habe er ab ca. 1. März
2011 bis zu seiner Verhaftung vom 27. Februar 2013 in seinem Keller 17 Mutter-
pflanzen, ca. 400 Pflanzen und ca. 700 Setzlinge gezogen und daraus ca. 1000
Gramm Cannabis für den Eigenkonsum, zum verschenken oder verkaufen, ge-
wonnen. Zudem habe er bereits ca. 41 Gramm Cannabis gewonnen, welches er
zu je 20 Gramm an zwei Kollegen verschenkt und das eine Gramm als Probe sei-
nem Freund in Holland geschickt habe. Mit dem letztlich produzierten Cannabis
von ca. 1000 Gramm habe er einen Ertrag von ca. Fr. 6'000.– beabsichtigt. Dies
habe der Beschuldigte in drei Einvernahmen wissentlich und willentlich ausge-
sagt, um die Strafverfolgung und Verurteilung auf sich zu nehmen und F._,
H._, J._ und I._ vor einer Strafverfolgung wegen Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz zu schützen, was ihm während rund eines
Jahres gelungen sei (Urk. 25 S. 9 f.; Anklageziffer 1.4: Begünstigung).
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3. Der Beschuldigte hat den Vorwurf des mehrfachen Vergehens gegen das
Betäubungsmittelgesetz (Anklageziffer 1.1.A, 1. Abschnitt; Urk. 25 S. 2 f. und An-
klageziffer 1.1.B; Urk. 25 S. 4; vorstehend, Erw. III.2 und III.2.2.) in der staatsan-
waltschaftlichen Schlusseinvernahme (allerdings noch unter der unzutreffenden
Prämisse einer Tatbeteiligung als Gehilfe) und vor Vorinstanz anerkannt
(Urk. 1/3/9 S. 6 und S. 8; Prot. I S. 21 und S. 27; Urk. 44 S. 3 ff.) und den auf Mit-
täterschaft basierenden (Urk. 41; Urk. 56 S. 8 ff.) vorinstanzlichen Schuldspruch
insoweit akzeptiert (vgl. Urk. 89 S. 2 f.). Auf diesen Eingeständnissen ist er im
Folgenden zu behaften.
3.1. Den Vorwurf der Bandenmässigkeit und den Vorwurf, J._ und
I._ bezüglich der Aufzucht von Stecklingen instruiert zu haben, hat er dage-
gen stets bestritten, resp. bestreiten lassen (Urk. 1/3/7 S. 21 f.; Urk. 1/3/8 S. 7 ff.;
Urk. 1/3/9 S. 7; Prot. I S. 23 ff.; Prot. II S. 27).
3.2. Bezüglich des Vorwurfes der Begünstigung (vorstehend, Erw. III.2.4.)
machte der Beschuldigte anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinver-
nahme – angesichts seiner früheren Aussagen wenig glaubhaft – geltend, seine
Schutzbehauptungen habe er nicht gemacht, um jemanden zu begünstigen. Er
habe verschleiern wollen, seine Garageräumlichkeiten vermietet und dadurch ei-
nen Mietzins eingenommen zu haben. Auch vor Vorinstanz anerkannte er diesen
Tatvorwurf nicht und erklärte, er sei kein Beamter. Er sei nicht verpflichtet gewe-
sen, diese Leute zu verraten (Urk. 1/3/9 S. 13; Prot. I S. 27 f.).
3.3. An diesen Standpunkten hielt der Beschuldigte auch anlässlich der Be-
rufungsverhandlung fest und führte aus, dass er auf ein Strafbefehlsverfahren aus
gewesen sei. Er sei davon ausgegangen, dass er milder bestraft werde, wenn er
alles auf sich nehme (Prot. II S. 28).
4. Die bestrittenen Anklagevorwürfe sind daher aufgrund der Untersu-
chungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemein
gültigen Beweisregeln zu prüfen.
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4.1. Das Gericht legt gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO seinem Urteil denjenigen
Sachverhalt zu Grunde, den es aus seiner freien, aus der Hauptverhandlung und
aus den Untersuchungsakten geschöpften Überzeugung als verwirklicht erachtet.
Ist der Beschuldigte nicht geständig und äussert er andere Sachverhaltsdarstel-
lungen, als sich durch die übrigen Beweismittel und Indizien ergeben, so ist nach
dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung aufgrund der Aussagen und aller in
Betracht fallenden Umstände zu prüfen, ob der nicht mit Sicherheit feststehende
Sachverhalt als gegeben erachtet werden kann (ZR 72 Nr. 80). Dabei sind an den
Nachweis von Täterschaft und Schuld hohe Anforderungen zu stellen. Ein Schuld-
spruch darf nur dann erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten mit hinreichen-
der Sicherheit erstellt ist, mit anderen Worten, wenn Beweise dafür vorliegen,
dass der Beschuldigte mit seinem Verhalten objektiv und subjektiv den ihm zur
Last gelegten Straftatbestand verwirklicht hat. Das Gericht muss eine persönliche
Gewissheit hinsichtlich der Tatschuld erhalten. Nicht ausreichend ist, wenn die
vorliegenden Beweise zwar objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hin-
deuten, das Gericht aber persönlich nicht zu überzeugen vermögen. Dabei kann
jedoch nicht verlangt werden, dass die Tatschuld gleichsam mathematisch sicher
und unter allen Aspekten unwiderlegbar feststeht. Eine bloss theoretische, ent-
fernte Möglichkeit, dass der wirkliche Sachverhalt anders sein könnte, genügt
nicht, um einen Freispruch zu begründen. Es muss genügen, wenn vernünftige
Zweifel an der Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden können. Hinge-
gen ist irrelevant, ob das Gericht tatsächlich zweifelt, denn massgebend ist, ob bei
einer objektiven Betrachtungsweise solche Zweifel angebracht gewesen wären.
Wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen weder von der
Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tatsachen zu über-
zeugen vermag, ist nach dem in Art. 10 Abs. 3 StPO festgehaltenen Grundsatz "in
dubio pro reo" von der für den Beschuldigten günstigeren Sachlage auszugehen
(SCHMID, Handbuch des Schweizerischen Strafprozesses, 2. Auflage 2013,
N 227 ff; SCHMID, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Auf-
lage 2013, N 4 ff. zu Art. 10 StPO).
4.2. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind
diese frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher Umstände,
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die sich aus dem gesamten Verfahren ergeben, zu untersuchen, welche Sachdar-
stellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der Aus-
sagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen. Bei
der Würdigung von Aussagen darf nicht einfach auf die Persönlichkeit oder allge-
meine Glaubwürdigkeit von Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist
vielmehr die Glaubhaftigkeit der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen
(BGE 133 I 33 E. 4.3). Diese sind einer kritischen Würdigung zu unterziehen, wo-
bei auf das Vorhandensein von sogenannten Realitätskriterien grosses Gewicht
zu legen ist (vgl. BENDER, Die häufigsten Fehler bei der Beurteilung von Zeugen-
aussagen, SJZ 81 [1985] S. 53 ff.; DITTMANN, Zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaus-
sagen, Plädoyer 2/97 S. 28 ff., 33 ff.; BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststel-
lungen vor Gericht, 4. Aufl., München 2014, S. 68 ff., 72 ff.). Die wichtigsten Reali-
tätskriterien sind dabei die „innere Geschlossenheit“ und „Folgerichtigkeit in der
Darstellung des Geschehnisablaufes“; „konkrete und anschauliche Wiedergabe
des Erlebnisses“ sowie die „Schilderung des Vorfalles in so charakteristischer
Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selber miter-
lebt hat“; „Kenntlichmachung der psychischen Situation von Täter und Zeuge bzw.
unter Mittätern“; „Selbstbelastung oder unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rol-
le“; „Entlastungsbemerkungen zugunsten des Beschuldigten“, „Konstanz der Aus-
sage bei verschiedenen Befragungen, wobei sich aber sowohl Formulierungen als
auch Angaben über Nebenumstände verändern können“ (HAUSER, Der Zeugen-
beweis im Strafprozessrecht mit Berücksichtigung des Zivilprozesses, Zürich
1974, S. 316). Andererseits sind auch allfällige Phantasie- oder Lügensignale zu
berücksichtigen. Als Indizien für falsche Aussagen gelten „Unstimmigkeiten oder
grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen“, „Zurücknahme oder erhebliche
Abschwächungen in den ursprünglichen Anschuldigungen“, „Übersteigerungen in
den Beschuldigungen im Verlaufe von mehreren Einvernahmen“, „unklare, ver-
schwommene oder ausweichende Antworten“ sowie „gleichförmig, eingeübt und
stereotyp wirkende Aussagen“. Fehlen Realitätskriterien oder finden sich Lügen-
signale, so gilt dies als Indiz für eine Falschaussage.
4.3. Was die Aussagen einer beschuldigten Person betrifft, so steht grund-
sätzlich nichts im Wege, die erwähnten Kriterien in analoger Weise heranzuzie-
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hen, um Aufschluss über die Glaubhaftigkeit einzelner Angaben zu erlangen. Da-
bei ist jedoch zu beachten, dass sich die Motivationslage der beschuldigten Per-
son in der Regel von derjenigen eines Zeugen unterscheidet. Wer eines Deliktes
beschuldigt wird, dürfte als direkt Betroffener ein ganz erhebliches – grundsätzlich
legitimes – Interesse daran haben, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen
Licht erscheinen zu lassen. Daraus darf jedoch nicht bereits der generelle Schluss
gezogen werden, die Aussagen einer beschuldigten Person seien deshalb stets
mit grosser oder grösster Zurückhaltung zu würdigen. Dies liefe auf eine rechts-
staatlich unhaltbare Benachteiligung der beschuldigten Person hinaus, indem zu-
mindest der Anschein oder Eindruck erweckt würde, man glaube ihr von vornhe-
rein weniger als etwa einem Belastungszeugen. Die besondere Motivationslage
ist dennoch insofern von Belang, als die beschuldigte Person bei einzelnen Sach-
verhaltsbereichen ein zusätzliches und offenkundiges Interesse haben kann, nicht
die Wahrheit zu sagen, was bei einem unbeteiligten Zeugen in der Regel nicht der
Fall ist.
4.4. Anlässlich der gemeinsamen staatsanwaltschaftlichen Konfrontations-
einvernahme mit J._, I._, H._ und F._ vom 28. Oktober 2014
gaben sowohl J._ als auch I._ übereinstimmend und auf nochmalige
Nachfrage bestätigend zu Protokoll, der Beschuldigte habe ihnen provisorisch ge-
zeigt, was sie bei der Produktion von Stecklingen zu tun hätten (Urk. 1/3/8 S. 8 f.,
S. 17). Sie seien im Gegenzug zur Miete des oberen Stockes vom Beschuldigten
verpflichtet worden, unten zu helfen. F._ hätte davon nichts erfahren dürfen.
Wie es richtig gehe, habe F._ ihnen später gezeigt. Im Gossen und Ganzen
sei es aber der Beschuldigte gewesen, der ihnen gezeigt habe, was und wie sie
es zu machen hätten. Auch F._ erklärte, er habe J._ und I._ erst
mit den Aufgaben betreut, als er realisiert habe, dass der Beschuldigte sich vor
der ihm übertragenen Drogenhanfstecklingsproduktion gedrückt habe und
J._ und I._ diese Arbeit ausgeführt hätten (Urk. 1/3/8 S. 6 ff., 8). Diese
dem Beschuldigten widersprechende übereinstimmende Darstellung von J._
und I._ wird demnach auch mit der soeben wiedergegebenen Aussage von
F._ bestätigt. Damit haben sich diese auch selber belastet, was ebenfalls für
die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen spricht. Die Darstellung des Beschuldigten
- 16 -
lässt sich demgegenüber nicht halten. Auf die übereinstimmenden Aussagen die-
ser drei in separaten Verfahren ebenfalls als Beschuldigte beurteilten Personen
ist somit in Übereinstimmung mit den Vorderrichtern (Urk. 56 S. 5 f.) abzustellen.
4.4.1. Die Beteuerung des Beschuldigten, er selber habe mit der Aufzucht
von Stecklingen keine Erfahrung gehabt und gar nicht gewusst, wie dies gehe
(Urk. 1/3/7 S. 7; Urk. 1/3/8 S. 9 f.; Prot. I S. 23 f.; Prot. II S. 27) ist auch ange-
sichts seiner langjährigen Erfahrung im Umgang mit Hanf (eigener Anbau in Gha-
na [Prot. I S. 38], Import in die Schweiz, später eigener Anbau in seiner Anlage in
den Kellerräumlichkeiten der Liegenschaft seiner Mutter [Urk. 1/3/7 S. 6 u.; vgl.
Strafbefehl vom 11. Juli 2011; Beizugsakten Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland 2010/7715, dort. Urk. 19], steter Konsum der Droge) entgegen
der Auffassung der Verteidigung (Urk. 44 S. 4 f.; Prot. I S. 42 f.; Prot. II S. 33) als
Schutzbehauptung zu qualifizieren, wie dies bereits die Vorderrichter zutreffend
erkannten (Urk. 56 S. 5 f.).
4.4.2. Ist jemand – aus welchen Gründen auch immer – nicht in der Lage,
Arbeiten persönlich auszuführen, bedeutet dies nicht, dass diese Person ebenso
wenig in der Lage sein muss, vorhandenes Wissen dennoch jemand anderem zu
instruieren und die betreffenden Arbeiten alsdann durch die Instruierten ausführen
zu lassen. Weiter spricht auch die vom Beschuldigten anerkannte Übernahme des
Auftrages von F._, für diesen Stecklinge zu produzieren (Anklageziffer 1.1.B;
Urk. 25 S. 4), für durchaus bei ihm vorhandenes entsprechendes Wissen. Dass
F._ Spezialist für die Wissenschaft Stecklinge zu produzieren gewesen sei,
wie der Beschuldigte anlässlich der Konfrontationseinvernahme und vor Vo-
rinstanz glauben machen wollte (Urk. 1/3/8 S. 9; Prot. I S. 38), widerspricht dia-
metral seiner eigenen Aussage vom 11. April 2014 anlässlich der in Anwesenheit
der Verteidigung durchgeführten delegierten polizeilichen Befragung, als er über
F._ sprechend noch erklärt hatte: "Er hatte vorher noch nie etwas mit Steck-
lingen gemacht." (Urk. 1/3/7 S. 2 Mitte) und seiner weiteren Aussage anlässlich
besagter Konfrontationseinvernahme, als er beifügte, am Anfang sei auch
F._ Anfänger gewesen (Urk. 1/3/8 S. 11). Angesichts solch grober Unstim-
- 17 -
migkeiten in seinen Aussagen erweisen sich die Bestreitungen des Beschuldigten
als unglaubhaft.
4.4.3. Nach dem Dargelegten bestehen keine im Sinne von Art. 10 Abs. 3
StPO unüberwindbaren Zweifel daran, dass zunächst der Beschuldigte J._
und I._ über die Pflege und Aufzucht der Stecklinge instruiert hatte, weshalb
auch der betreffende Sachverhaltsteil (Urk. 25 S. 3 letzter Absatz) erstellt ist.
4.4.4. Hinzu kommen diverse Aussagen des Beschuldigten anlässlich seiner
delegierten polizeilichen Befragung vom 11. April 2014 und der vorerwähnten
Konfrontationseinvernahme vom 28. Oktober 2014 (Urk. 1/3/7; Urk. 1/3/8), in de-
nen er sich – wenn teilweise auch nur am Rande – selber belastete. Aus seinen
eigenen Aussagen geht zweifelsfrei hervor, dass er praktisch zu jedem Zeitpunkt
während des laufenden Mietverhältnisses mit F._ auch über Einzelheiten
bestens Bescheid wusste, welche in den von ihm zur Bepflanzung mit Drogenhanf
an F._ vermieteten Räumlichkeiten abliefen. So räumte der Beschuldigte
beispielsweise ein:
4.4.4.1. Er sei ab und zu unten in den an F._ vermieteten Räumlichkei-
ten gewesen. Öfters, als F._ (dort) bei der Arbeit gewesen sei, habe er mit
einer Flasche Wein dort gesessen und diesem Gesellschaft geleistet und viel-
leicht auch einmal etwas gereicht, was dieser gebraucht habe, und einmal habe
er Bretter gestrichen. Ungefähr jeden dritten Tag sei er dort unten gewesen. Er
habe diese an F._ vermietet, damit dieser mit Stecklingen habe experimen-
tieren können. Ab dem Moment, ab welchem die ganze Sache rentiert hätte, hätte
F._ ihm Fr. 1'500.– Miete bezahlen müssen. Einmal habe F._ Miete an
ihn entrichtet; Fr. 3'500.– von der ersten Ernte. Natürlich habe er gewusst, was in
den Räumen gemacht worden sei. Dennoch habe er das Mietverhältnis nicht auf-
gelöst. F._ bestätigte diese Aussagen des Beschuldigten und dass die Anla-
ge seine Idee gewesen sei (Urk. 1/3/8 S. 11 ff.). Der Beschuldigte erklärte weiter,
er habe sich an der Idee von F._ erfreut und gedacht, er könnte so aus sei-
nen Schulden wieder herauskommen (Urk. 1/3/8 S. 13). Und F._ ergänzte, er
habe diese Anlage so lange betreiben wollen, bis er erwischt würde. Er habe das
Material für die Anlage alleine besorgt und finanziert. Mit der Installation sei er
- 18 -
ungefähr im Februar fertig gewesen. Dann habe er die Samen bestellt und alles
entwickelt. Auch er habe seine Schulden aus der Pleite seines Baugeschäftes
begleichen wollen (Urk. 1/3/8 S. 13 f.). Die Kosten der Anlage für Strom, Wasser
und Dünger sei alles aus seiner Tasche finanziert worden, und L._ habe ihm
beim Strom einmal geholfen (ebenda, S. 17; ebenda, S. 14), während der Be-
schuldigte im Widerspruch dazu geltend machte, er sitze noch auf Fr. 4'000.–
Stromkosten. Die à Konto Stromrechnung habe jeweils Fr. 280.– betragen
(Urk. 1/3/7 S. 13 und S. 17; Urk. 1/3/8 S. 16).
4.4.4.2. Bei der Polizei hatte der Beschuldigte noch eingeräumt, es sei mög-
lich, dass er mal Wasser gegeben habe. Als F._ in die Ferien gegangen sei,
habe dieser ihn gefragt, ob er den Pflanzen Wasser geben könne. Dies habe er
dann zwei-, dreimal gemacht oder so. Er sei natürlich schon ab und zu nach un-
ten gegangen, um zu schauen, was dort laufe. Direkt mit der Anlage habe er
nichts mitgeholfen. Es habe ihn gar nicht interessiert. Er habe nur darauf gewar-
tet, dass er die Miete mal bekommen werde (Urk. 1/3/7 S. 9). Er habe nicht geern-
tet. Er habe zugeschaut, vielleicht mal einen Handgriff. Wie er schon gesagt habe,
habe ihn dies nicht interessiert. Er habe endlich Geld für seine Miete sehen wol-
len. Auf Nachfrage, wie ein solcher Handgriff ausgesehen habe, ergänzte der Be-
schuldigte: "Ich war anwesend, vielleicht mal ein Töpfchen vom Keller in die Ga-
rage rausgetragen, mehr nicht." Es sei von Anfang an beabsichtigt gewesen, dass
er nur Miete bekomme für die Vermietung seiner Garage. Er habe sich dann
schon zu interessieren begonnen, was da in seiner Garage laufe. Er (gemeint:
F._) habe sich ja immer beschwert, dass er (der Beschuldigte) nicht mithel-
fen würde. Es habe ihn interessiert, wie viel dieser in etwa ernte. Von einer Mitar-
beit sei nie die Rede gewesen (Urk. 1/3/7 S. 12). Es sei zutreffend, dass er bei
der ersten Ernte von ihm zuvor zum Zweck der Ernte frisch geschliffene Scheren
zur Verfügung gestellt habe und dass damals ca. 1,7 Kilogramm Cannabis geern-
tet worden sei (z.B. Prot. I S. 26).
4.4.4.3. Ausserdem hatte der Beschuldigte freien Zugang zum Unterge-
schoss. Die Verbindungstüre zum Haus sei offen gewesen. Und anlässlich der
- 19 -
Erweiterung der Anlage strich er Bretter (Urk. 1/3/7 S. 10, 15), resp. habe er ein-
fach einmal eine Türe gestrichen (Prot. I S. 27).
4.4.4.4. Auf Frage gab der Beschuldigte weiter zu Protokoll, F._ habe
die erste Ernte an K._ verkauft. Er sei dabei gewesen, in der Garage. Er ha-
be gesehen, wie K._ – Geld gegen Ware – Fr. 11'900.– in bar für 1700
Gramm hingelegt habe (Urk. 1/3/7 S. 11). Die zweite Ernte sei in einer einzigen
Nacht Ende Februar 2013 erfolgt. Sie wurde anlässlich der Verhaftung des Be-
schuldigten am 27. Februar 2013 sichergestellt. Damals habe F._ von
L._ dafür eine Maschine ausgeliehen (ebenda, S. 15). Bei dieser zweiten
Ernte sei er völlig betrunken zugegen gewesen und habe nur zugeschaut und
seinen Wein getrunken. Insgesamt seien 2,7 kg Blüten geerntet worden und ca.
1'000 Stecklinge (ebenda, S. 16 und S. 17).
4.4.5. Damit steht zweifelsfrei fest, dass der Beschuldigte jederzeit volle
Kenntnis über den Zustand und die Grösse der technischen Anlage, das Ausmass
der illegalen Bepflanzung und deren Wachstumsstadien sowie über den Verkauf
und den erzielten Erlös hatte. All dies und seine weiteren vorstehend wiederge-
gebenen Aussagen belegen, dass er entgegen des wiederholt beteuerten Desin-
teresses an der Anlage ein ungebrochenes wirtschaftliches Interesse an dieser
hatte und einiges mehr mithalf, als er generell einzugestehen bereit ist. Dass der
Beschuldigte eben doch stärker involviert war, als er sich generell anrechnen las-
sen will, geht auch mit aller Deutlichkeit aus dem anerkannten und Bestandteil
des rechtskräftigen Teilschuldspruchs bildenden Verkauf von 30 Drogenhanf-
stecklingen des Beschuldigten an eine Kollegin hervor (Anklageziffer 1.1.B; vor-
stehend, Erw. III.2.2.). Der Beitrag des Beschuldigten beim Betrieb der Indooran-
lage beschränkte sich nach dem Dargelegten entgegen der Auffassung der Ver-
teidigung (Urk. 44 S. 5; Prot. I S. 44; Urk. 89 S. 7) keineswegs bloss auf das Zur-
verfügungstellen der Räumlichkeiten und die einmalige Einnahme von Fr. 3'500.–.
Wenn die Verteidigung vor Vorinstanz in diesem Zusammenhang geltend machte,
dieser Betrag sei (bloss) zur Deckung der Stromkosten bestimmt gewesen, und
F._ habe die Miete, von welcher anfänglich die Rede gewesen sei, gar nie
bezahlt (Urk. 44 S. 5 u.; Prot. I S. 44 u.), lässt sich dies weder mit der Aussage
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des Beschuldigten in Einklang bringen, wonach er noch auf Fr. 4'000.– Stromkos-
ten sitze noch mit jener von F._, wonach dieser u.a. auch für die Stromkos-
ten aufgekommen sei (vgl. vorstehend, Erw. III. 4.4.4.1. a.E.).
4.4.5.1. Auf Frage des Polizeibeamten, wie lange die Anlage hätte betrieben
werden sollen (Urk. 1/3/7 S. 15) sowie auf wiederholte Frage der Verteidigung
(Urk. 1/3/7 S. 18, 21; Urk. 1/3/8 S. 15 f.), machte der Beschuldigte geltend, er sei
im Februar 2013, bevor die Indooranlage aufflog, schwer depressiv gewesen. Es
sei ihm alles zu viel geworden. Er habe Suizidgedanken gehabt. Frau H._
habe mit Verrat gedroht. Sie habe ihm gegenüber stets mit Suizid gedroht. Er ha-
be gegenüber F._ Schuldgefühle gehabt wegen Frau H._. Diese habe
es geschafft, ihn zu verführen. Er habe damals grosse Probleme gehabt und
kaum noch schlafen können. Er habe das Ganze auflösen wollen. Er habe den für
ihn unerträglichen Zustand in seinem Haus auflösen wollen. Er habe alles aufflie-
genlassen wollen. Er wäre sonst gestorben (Urk. 1/3/7 S. 15; Urk. 1/3/8 S. 16).
Gleich im Anschluss an die vorstehend wiedergegebene Erklärung des Beschul-
digten anlässlich der Konfrontationseinvernahme meinte F._ zum Beschul-
digten: "Hättest du doch etwas gesagt, dann hätte ich die Anlage gezügelt
(Urk. 1/3/8 S. 16 u.).
4.4.5.2. Die Aussagen des Beschuldigten zu seinem Befinden und dem sich
angeblich daraus ergebenden Bestreben, den Betrieb der illegalen Anlage aus ei-
genem Antrieb beenden zu wollen, erscheinen übertrieben. So habe er Suizidge-
danken gehabt, und Frau H._ habe ihm "stets mit Suizid gedroht". Er habe
alles auffliegenlassen wollen, er wäre "sonst gestorben". Diese auffälligen Über-
treibungen tragen wenig zur Glaubhaftigkeit seiner diesbezüglichen Darstellung
bei. Bereits diese Auffälligkeit deutet auf eine Schutzbehauptung hin.
4.4.5.3. Ausgerechnet als die zweite Ernte erfolgt und noch am trocknen war
und zum zweiten Mal eine fünfstellige Summe als Verkaufserlös in Aussicht
stand, der Beschuldigte mithin endlich eine baldige, von ihm sehnlichst erwartete
weitere Bezahlung von Mietzins durch F._ in Aussicht hatte (vgl. vorstehend,
Erw. III.4.4.4.1. f.), will er angeblich beabsichtigt haben, die Anlage selber zu
- 21 -
schliessen. Auch dies lässt die geltend gemachte Absicht als wenig glaubhaft er-
scheinen.
4.4.5.4. Die berechtigten Ängste und Befürchtungen des Beschuldigten, der
erneute Betrieb einer illegalen Indooranlage in seinem Haus (vgl. Strafbefehl vom
11. Juli 2011; Urk. 84; Beizugsakten Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland
2010/7715, dort. Urk. 19) könnte Auffliegen, ist daher klar von angeblichen Be-
strebungen für eine Beendigung der illegalen Anlage in seinem Haus zu unter-
scheiden. Es ist nachvollziehbar, dass der Beschuldigte sich angesichts der gel-
tend gemachten Unzuverlässigkeit der an der Anlage auf irgendeine Art beteilig-
ten H._, J._ und I._ vor einem Auffliegen des illegalen Treibens
und den ihm erneut drohenden strafrechtlichen Folgen fürchtete, daher schlecht
schlief, sehr viel Alkohol trank und schliesslich in der Weise ausrastete, dass er
mehrere Karabinerschüsse aus seinem Haus in den Gartenboden abgab. Daraus
allerdings ableiten zu wollen, er habe durch diese impulsive Handlung die illegale
Hanfindooranlage auffliegen lassen wollen, überzeugt überhaupt nicht. Eine sol-
che Deutung stünde auch im Widerspruch zu seinen Aussagen vor Vorinstanz,
wonach J._ und I._ durchtriebene Leute seien, welche bloss Angst vor
einem Rausschmiss (aus seinem Haus) gehabt hätten und ihn und F._ durch
das Rufen der Polizei erpresst hätten. Diese hätten nur die Polizei anrufen kön-
nen und F._ hätte dann das Risiko aufzufliegen gehabt. Ausserdem bestand
laut den weiteren Aussagen des Beschuldigten vor Vorinstanz auch angesichts
der täglichen Besuche seiner Mutter durch die Spitex wegen der Hanfge-
ruchsemmissionen im Haus die Gefahr, dass die Indooranlage hätte auffliegen
können (Prot. I S. 29 f.; Prot. II S. 26), ohne dass es eines Ausrasters des Be-
schuldigten mit dem Karabiner bedurft hätte. Dem Beschuldigten war es somit
vielmehr ein Anliegen, dass die Anlage weiterhin nicht auffliegen würde.
4.4.5.5. Neben den unglaubhaften, vom Beschuldigten zu Protokoll gegebe-
nen verbalen Beteuerungen, den Betrieb der illegalen Anlage aus Angst selber zu
beenden beabsichtigt zu haben, gab es keinerlei objektiven Hinweise für ein sol-
ches Bestreben. Laut unwidersprochen gebliebener Aussage von F._ (vgl.
vorstehend, Erw. III. 4.4.5.1. a.E.), hatte sich der Beschuldigte mit einem solchen
- 22 -
Ansinnen auch nicht etwa an diesen gewandt, was bei vorhandener Absicht ei-
gentlich naheliegend gewesen wäre. F._ wusste nichts davon. Stattdessen
strich der Beschuldigte bei der anstehenden Erweiterung der Anlage noch Bretter
und eine Türe (Prot. I S. 27) und erwartete weiteren Mietzins aus der zweiten Ern-
te.
4.4.6. Zusammenfassend ergibt sich, dass entgegen den verbalen Beteue-
rungen des Beschuldigten keinerlei objektivierbaren Hinweise dafür bestehen,
dass er gewillt gewesen sein könnte, aus eigenem Antrieb für ein Ende der Hanf-
indooranlage in seinem Haus zu sorgen. Es handelt sich vielmehr um eine offen-
kundige Schutzbehauptung. Auch gemäss Aussage von F._ war es dessen
Absicht, die Anlage solange zu betreiben, bis er erwischt würde. Beide wollten sie
laut ihren Aussagen mit Hilfe der illegalen Indooranlage zu Geld kommen, um
damit eigene Schulden bezahlen zu können (vgl. vorstehend, Erw. III.4.4.4.1.);
der Beschuldigte durch die Einnahme von aus dem illegalen Verkaufserlös stam-
menden Mieteinnahmen (vorstehend, Erw. III.4.4.4.2.). Für ein Ende des illegalen
Treibens sorgte demnach einzig die – laut eigenen Aussagen des Beschuldigten
vor Vorinstanz stets befürchtete (vorstehend, Erw. III.4.4.5.4.) – wegen der Kara-
binerschüsse schliesslich erfolgte, polizeiliche Intervention vom 27. Februar 2013.
4.4.7. Die geschönte Darstellung des Beschuldigten zu seinem Tatbeitrag
beim Betrieb der Indooranlage erweist sich insgesamt als unglaubhaft, weshalb
nicht auf diese abgestellt werden kann. Insbesondere aufgrund der glaubhaften
Aussagen von J._ und I._ und der eigenen Eingeständnisse des Be-
schuldigten ist somit auch der von ihm bestrittene Teil des Anklagesachverhaltes
(vgl. vorstehend, Erw. III.2.1. und III.3.1.), wonach F._ die illegale Indooran-
lage in seinem Einverständnis in der Absicht der Einkommenserzielung durch
wiederkehrenden Anbau und Verkauf von Drogenhanf betrieb, wobei zunächst
der Beschuldigte die von F._ übernommene Produktion von Stecklingen an
J._ und I._ übertrug und diese anfänglich selber entsprechend instruiert
hatte, vollumfänglich erstellt.
4.5. Beim Tatvorwurf der Begünstigung (vorstehend, Erw. III.2.4.) anerkann-
te der Beschuldigte anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Schlusseinvernahme
- 23 -
zwar den objektiven Sachverhalt, machte aber in subjektiver Hinsicht geltend, er
habe verschleiern wollen, seine Garageräumlichkeiten vermietet und dadurch ei-
nen Mietzins eingenommen zu haben (Urk. 1/3/9 S. 13).
4.5.1. In seinen früheren Befragungen machte der Beschuldigte indessen
ganz anderslautende Aussagen. Bereits anlässlich der staatsanwaltschaftlichen
Hafteinvernahme vom 1. März 2013 hatte er zu Protokoll gegeben, er sage nichts
gegen seine Untermieter und nehme die beiden in Schutz (Urk. 1/3/3 S. 3). In sei-
ner polizeilichen Befragung zum Vorfall vom 27./28. Januar 2013 verdeutlichte er
am 12. März 2013, nichts zum Nachteil von J._ und I._ aussagen zu
wollen (Urk. 1/3/4 S. 1 f.). Anlässlich der Konfrontationseinvernahme vom 28. Ok-
tober 2014 erklärte er weiter, seine Aussage, wonach er Fr. 10'000.– von einem
Freund geliehen und in die Anlage investiert habe, sei eine Schutzbehauptung
gewesen. Er habe damit bloss F._, J._ und I._ schützen wollen und
deshalb alles auf sich genommen (Urk. 1/3/8 S. 14). In der staatsanwaltschaftli-
chen Schlusseinvernahme vom 24. November 2014 machte er schliesslich gel-
tend, dies nur gesagt zu haben, um vor den anderen gut dazustehen (Urk. 1/3/9
S. 13). Und vor Vorinstanz schob er nach, auf eine Art könne er nicht als Verräter
dastehen. Er sei kein Beamter. Er sei nicht verpflichtet gewesen, diese Leute zu
verraten (Prot. I S. 27 f.).
4.5.2. Auf all diesen früheren Aussagen ist der Beschuldigte zu behaften.
Aus diesen geht deutlich hervor, dass es ihm darum ging, F._, J._ und
I._, der Strafverfolgung zu entziehen. Seine Erklärung, all dies nur gesagt zu
haben, um vor den anderen gut dazustehen, wie auch seine vorstehend wieder-
gegebenen weiteren früheren Aussagen, führen zu keinem anderen Ergebnis. Die
spätere Beteuerung des Beschuldigten, er habe niemanden begünstigen wollen,
sondern bloss die Vermietung seiner Garageräumlichkeiten und daraus erzielte
Mieteinnahmen zu verschleiern versucht, ist daher in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz als nachgeschobene Schutzbehauptung zu würdigen. Ebenso zutref-
fend haben die Vorderrichter erwogen (Urk. 56 S. 18 f.), dass der Beschuldigte zu
keinem Zeitpunkt des Strafverfahrens geltend machte, mit seinem Aussageverhal-
ten bloss eine Verurteilung (lediglich) wegen Widerhandlung gegen die Eigenkon-
- 24 -
sumbestimmung des Betäubungsmittelgesetzes habe erreichen wollen, wie dies
die Verteidigung verstanden haben will (Urk. 44 S. 9; Urk. 89 S. 4). Wäre dem so
gewesen, hätte der Beschuldigte zu Beginn des Verfahrens wohl kaum zunächst
die alleinige Verantwortung für den Betrieb der gesamten Indooranlage auf sich
genommen (vgl. Urk. 1/3/2 S. 1 ff.). Ebenso wenig vermögen die Aussagen an-
lässlich der Berufungsverhandlung zu überzeugen, wonach er alles auf sich ge-
nommen habe, um einen Strafbefehl zu erwirken und dadurch milder bestraft zu
werden. Er habe nicht für Delikte verurteilt werden wollen, die andere in seinem
Haus verübt hätten (vgl. Prot. II S. 28). Diese Ausführungen wirken nachgescho-
ben und konstruiert, sodass sie als unglaubhaft zu qualifizieren sind.
4.5.3. Demzufolge kann nicht auf die Bestreitungen des Beschuldigten ab-
gestellt werden. Aufgrund seiner früheren, miteinander in Einklang stehenden
Aussagen bestehen keine im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO unüberwindbaren
Zweifel daran, dass er diese Personen vor einem Strafverfahren schützen und
dem behördlichen Zugriff entziehen wollte. Der Anklagesachverhalt erweist sich
auch in subjektiver Hinsicht als erstellt.
4.6. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten vom Vorwurf der Geldwäscherei
mit der Begründung freigesprochen, das Tatbestandselement, wonach die (von
F._ als Mietzins) übernommenen Geldmittel aus einem Verbrechen stammen
müssten, sei nicht erfüllt (Urk. 56 S. 11 f.; PIETH, in: Basler Kommentar, Straf-
recht II, 3. Auflage, Basel 2013, N 13 zu Art. 305bis StGB), da von einem Verge-
hen "auszugehen sei". Dabei beachtete die Vorinstanz unzutreffend und der Ver-
teidigung folgend (Urk. 44 S. 6; Prot. I S. 46) bloss das objektive Tatbestandsele-
ment der Herkunft aus einem Verbrechen und liess das ebenfalls vorausgesetzte
subjektive Tatbestandselement (wissen oder annehmen müssen) und die dabei
massgebende "Parallelwertung in der Laiensphäre" (PIETH, a.a.O., N 59 zu
Art. 305bis StGB) zu Unrecht ausser Acht. Dies ändert jedoch nichts am Frei-
spruch vom Vorwurf der Geldwäscherei, da es für eine Verurteilung bereits in tat-
sächlicher Hinsicht an einem konzis formulierten Anklagevorwurf mangelt.
4.6.1. Die Anklagebehörde legt dem Beschuldigten im Anklagesachverhalt
zur Last, im Zeitraum ca. 1. bis 30. November 2012 von F._ Fr. 3'500.– in
- 25 -
bar als Mietzins entgegengenommen zu haben, im Wissen um die Herkunft die-
ses Geldes aus einem Verkauf der von F._, H._, J._ und I._
hergestellten ca. 1,7 kg Marihuana an K._ (Anklageziffer 1.2; Urk. 25 S. 6).
Laut Anklageziffer 1.1.A, 2. Abschnitt (Urk. 25 S. 4; vorstehend, Erw. III.1.1.) sol-
len diese 1,7 kg Marihuana indessen erst ca. an Weihnachten 2012 geerntet wor-
den sein, weshalb im Zeitpunkt der vom Beschuldigten entgegengenommenen
Fr. 3'500.– noch gar kein Deliktserlös aus den erst später geernteten 1,7 Kilo-
gramm Marihuana vorhanden gewesen sein konnte.
4.6.2. Demzufolge lässt sich der zum Vorwurf der Geldwäscherei eingeklag-
te Sachverhalt (Wissen um die deliktische Herkunft der vom Beschuldigten entge-
gengenommenen Fr. 3'500.– im Zeitpunkt der Übergabe gemäss Anklage) nicht
erstellen, weshalb es beim vorinstanzlichen Freispruch von diesem Vorwurf bleibt.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Im angefochtenen Urteil wurden die Voraussetzungen für das Vorliegen
des qualifizierten Tatbestandes der Bandenmässigkeit im Sinne von Art. 19
Abs. 2 lit. b BetmG (resp. Art. 137 und 139 StGB) gemäss Lehre und bundesge-
richtlicher Rechtsprechung korrekt wiedergegeben (Urk. 56 S. 6 ff.; Art. 82 Abs. 4
StPO). In der Folge haben die Vorderrichter zu Recht und mit zutreffender Be-
gründung erwogen, dass der Beschuldigte mit dem Zurverfügungstellen der für
den Betrieb der Indooranlage notwenigen Räumlichkeiten einen sehr wesentli-
chen Beitrag zur Tat geleistet hat, ein Betrieb ohne Räumlichkeiten gar nicht mög-
lich gewesen wäre, weshalb nicht bloss eine untergeordnete Hilfeleistung vorliege
(Urk. 56 S. 9).
2. Dagegen kann den vorinstanzlichen Erwägungen nicht gefolgt werden,
soweit ohne die Voraussetzung der Bandenmässigkeit im Einzelnen zu prüfen er-
kannt wurde, dass trotz der Tatbeiträge des Beschuldigten nicht zweifelsfrei auf
seinen Willen zum Zusammenfinden zur gemeinsamen fortgesetzten Ausübung
des unerlaubten Betäubungsmittelhandels mit F._ geschlossen werden kön-
- 26 -
ne, weshalb zusammenfassend nicht von Bandenmässigkeit auszugehen sei
(Urk. 56 S. 10).
3. Der Gesetzgeber wollte in Art. 19 Ziff. 2 lit. b BetmG den Begriff der Ban-
denmässigkeit nicht anders verstanden wissen als das Bundesgericht bei Anwen-
dung der Art. 137 und 139 StGB (vgl. BGE 124 IV 86 E. 2 a, mit Hinweis).
3.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Bandenmässigkeit
gegeben, wenn zwei oder mehrere Täter sich mit dem ausdrücklich oder konklu-
dent geäusserten Willen zusammenfinden, inskünftig zur Verübung mehrerer
selbständiger, im einzelnen möglicherweise noch unbestimmter Straftaten zu-
sammenzuwirken (BGE 122 IV 265 E. 2b, mit Hinweisen). Es macht hierbei kei-
nen Unterschied, ob zwei oder mehr Täter vorhanden sind; entscheidend ist ein-
zig der ausdrücklich oder konkludent manifestierte Wille, inskünftig zur Verübung
mehrerer selbständiger, im einzelnen noch unbestimmter Straftaten zusammen-
zuwirken, und dieser Zusammenschluss (auch nur zweier Personen) ist es, der
den einzelnen psychisch und physisch stärkt, ihn deshalb besonders gefährlich
macht und die Begehung von weiteren solchen Straftaten voraussehen lässt
(BGE 83 IV 142 E. 5; BGE 78 IV 227 E. 2, mit Hinweis). Es werden gewisse Min-
destansätze einer Organisation (etwa einer Rollen- oder Arbeitsteilung) und eine
gewisse Intensität des Zusammenwirkens verlangt, sodass von einem bis zu ei-
nem gewissen Grade fest verbundenen und stabilen Team gesprochen werden
kann, auch wenn dieses allenfalls nur kurzlebig war. Ist demgegenüber schon die
Zusammenarbeit derart locker, dass von Anfang an nur ein sehr loser und damit
völlig unbeständiger Zusammenhalt besteht, läge keine Bande vor. Für die Beja-
hung des Vorsatzes ist wesentlich, ob der Täter die Tatsachen kannte und wollte,
aus denen das Gericht den rechtlichen Schluss auf bandenmässige Tatbegehung
zieht (BGE 105 IV 181 E. 4b). Bandenmässigkeit ist erst anzunehmen, wenn der
Wille der Täter auf die gemeinsame Verübung einer Mehrzahl von Delikten ge-
richtet ist (vgl. BGE 124 IV 86 E. 2 b).
3.2. Im Rahmen von Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG muss es sich um eine Bande
handeln, die sich zur fortgesetzten Verübung von Betäubungsmitteldelikten zu-
sammengefunden hat. Aus den Vorbereitungen oder der Ausführung der Tat oder
- 27 -
dem Verhalten nach der Tat, soweit es mit dieser zusammenhängt, muss sich er-
geben, dass der Täter das Delikt in Erfüllung der ihm in der Bande zustehenden
Aufgabe begangen hat. Dies trifft insbesondere zu, wenn sämtliche Bandenge-
nossen bei der Ausführung mitwirken. Es genügt aber auch, dass bloss einzelne
von ihnen den Täter bei der Ausführung unterstützen, ja sogar, dass sie ihm das
Verbrechen bloss physisch oder psychisch vorbereiten helfen, ihm auf der Flucht
beistehen, an der Beute teilhaben, Wache stehen usw. Das setzt keine in alle
Einzelheiten gehende Organisation voraus. Wer sich zur fortgesetzten Verübung
von Betäubungsmitteldelikten zusammenfindet, bildet eine Bande, ohne Rücksicht
darauf, ob die künftigen Unternehmen allgemein oder von Fall zu Fall geplant o-
der die einzelne Aktion aus der zufälligen Lage hinaus improvisiert wird (Urteil
BGer 6B_669/2008 vom 8. Dezember 2008 E. 2.2; BGE 83 IV 142 E. 5;
BGE 78 IV 234 E. 2).
3.3. Beim subjektiven Tatbestand verlangt das Gesetz Vorsatz, wobei Even-
tualvorsatz genügt. Der Täter muss sich des Zusammenschlusses und der Ziel-
richtung der Bande bewusst sein. Für die Bejahung des Vorsatzes ist erforderlich,
dass der Täter die Tatsachen kannte und wollte, aus denen das Gericht den
rechtlichen Schluss auf bandenmässige Tatbegehung zieht (BGE 124 IV 86
E. 2.a; BGE 122 IV 265 E. 2b; BGE 105 IV 181 E. 4b). Das Qualifikationsmerkmal
ist folglich dann anzunehmen, wenn der Wille des Täters auf die gemeinsame
Verübung einer Mehrzahl von Delikten sowie auf eine Mitwirkung am gemeinsa-
men, übergeordneten Bandeninteresse gerichtet ist (BGE 124 IV 86, E. 2b; ALB-
RECHT, in: SCHUBARTH, Die Strafbestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes,
Art. 19-28 BetmG, 2. Auflage, Bern 2007, Art. 19 N 246).
4. Der Beschuldigte und F._ haben sich im Oktober 2011 in einem Res-
taurant in G._ kennengelernt. Laut den Aussagen der beiden habe die Idee
für die Indooranlage von F._ gestammt. Es kann indessen nicht ausgeblen-
det werden, dass F._ davor im eigenen Baugeschäft tätig war und vom Be-
schuldigten hinsichtlich der Aufzucht von Hanfpflanzen auch mehrmals als Anfän-
ger bezeichnet wurde (vorstehend, Erw. III.4.4.2.), während er selber aufgrund
seines Vorlebens auf einen grossen Erfahrungsschatz im gesamten Umgang mit
- 28 -
Cannabis zurückgreifen konnte und insbesondere am Ort, wo "die Idee von
F._" stattfinden sollte, nur kurze Zeit vorher bereits selber eine solche Anlage
betrieben hatte und dafür lediglich ca. drei Monate vor dem Kennenlernen von
F._ bestraft wurde (vgl. Strafbefehl vom 11. Juli 2011, Beizugsakten Staats-
anwaltschaft Winterthur/Unterland 2010/7715, dort. Urk. 19).
4.1. Der Beschuldigte und F._ kamen überein, dass F._ diese An-
lage im Rahmen eines Mietverhältnisses in den Räumlichkeiten des Beschuldig-
ten aufbauen konnte. Übereinstimmendes Interesse und Ziel der beiden war es,
mit dem Betrieb dieser Anlage aus dem Verkaufserlös Geld zu verdienen, um
damit Schulden bezahlen zu können; der Beschuldigte in der Form von aus dem
illegalen Verkaufserlös stammenden Mieteinnahmen (vorstehend,
Erw. III.4.4.4.1. f.).
4.2. Ohne die Räumlichkeiten des Beschuldigten wäre das Vorhaben un-
möglich gewesen. Neben dem Zurverfügungstellen der Produktionsräumlichkeiten
gegen Miete ist erstellt, dass der Beschuldigte auch selber Stecklinge aufziehen
wollte und verkaufte und J._ und I._ zunächst selber über die Pflege
und Aufzucht der Stecklinge instruiert hatte (Erw. III.4.4.2. f.). Überdies war er
über alle für den Betrieb der Indooranlage wesentlichen Vorgänge stets bestens
im Bilde, sogar über den Verkaufserlös, und hielt sich – wenn teilweise auch bloss
als Beobachter und betrunken – manchmal täglich in den Räumlichkeiten der An-
lage auf. Es kam aber auch vor, dass er bei Abwesenheiten der verantwortlichen
Person Aushilfe beim Giessen der Pflanzen machte. Wenn nötig, stellte er Werk-
zeug zur Verfügung (geschliffene Scheren), und er strich Bretter, resp. eine Türe,
etc. (vorstehend, Erw. III.4.4.4. ff.).
4.3. Da es zur Erfüllung der Bandenmässigkeit bereits genügt, dass bloss
einzelne Angehörige der Bande den Täter bei der Ausführung unterstützen, ja so-
gar, dass sie ihm das Verbrechen bloss physisch oder psychisch vorbereiten hel-
fen (vorstehend, Erw. IV.3.2.), braucht der Beschuldigte auch nicht eigenhändig in
massgeblicher Weise mitgepflückt oder tatkräftig bei den für den Betrieb der An-
lage notwendigen Arbeiten mitgewirkt zu haben. Es reicht entgegen der Auffas-
sung der Verteidigung (Urk. 44 S. 5; Prot. I S. 45), dass er im Hinblick auf seine
- 29 -
Mietzinseinnahmen für die Räumlichkeiten besorgt war und das Vorhaben im Üb-
rigen am Rande mit untergeordneten Hilfeleistungen weiter unterstützte und
überwachte, während F._ mit seinen weiteren Helfern die Knochenarbeit be-
sorgte.
4.4. F._ hatte ausdrücklich erklärt, die Hanfindooranlage solange be-
treiben zu wollen, bis er erwischt würde (vgl. vorstehend, Erw. III.4.4.4.1.). Der
Beschuldigte versuchte mit seinen Aussagen zwar glauben zu machen, er habe
den Betrieb der Indooranlage aus eigenem Antrieb auffliegen lassen und beenden
wollen. Wie bereits dargelegt, haben sich diese Aussagen als Schutzbehauptung
erwiesen (vorstehend, Erw. III.4.4.6. f.). Überdies stehen ihnen die Aussagen des
Beschuldigten im Zusammenhang mit seinem wirtschaftlichen Interesse an Miet-
zinseinnahmen entgegen. Im Zeitpunkt der polizeilichen Intervention war bereits
die zweite Ernte gerade erfolgt (vorstehend, Erw. III.4.4.4.4.).
4.5. Aus der Gesamtbetrachtung ergibt sich, dass es sich beim Vorhaben
von F._ und dem Beschuldigten demnach nicht bloss um eine lockere Zu-
sammenarbeit und einen von Anfang an nur sehr losen und damit völlig unbe-
ständigen Zusammenhalt handelte. Die beiden haben die Kriterien des ausdrück-
lich oder konkludent manifestierten Willens durch mindestens zwei Täter inskünf-
tig zur Verübung mehrerer selbständiger, im einzelnen noch unbestimmter Straf-
taten zusammenzuwirken, entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen (Urk. 56
S. 10), somit erfüllt.
5. In subjektiver Hinsicht war dem Beschuldigten bewusst und musste ihm
bewusst sein, dass ein Betrieb der Indooranlage von F._ durch seine Lokali-
täten im Keller erst möglich war. Der Beschuldigte trug den Betrieb der Anlage,
mithin den illegalen Hanfanbau, willentlich mit, um damit die gemeinsame finanzi-
elle Zielsetzung der beiden zu erreichen und durch den Betrieb der Anlage Geld
(durch Mietzinseinnahmen aus dem illegalen Erlös) zu verdienen und eigene
Schulden begleichen zu können. Damit sind auch die subjektiven Anforderungen
an das Tatbestandselement der Bandenmässigkeit erfüllt.
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6. Demzufolge hat der Beschuldigte sich auch wegen qualifizierter Wider-
handlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von dessen Art. 19 Abs. 2
lit. b schuldig gemacht.
7. Im angefochtenen Urteil wurden die gesetzlichen Voraussetzungen an die
Tatbestandsmässigkeit der Begünstigung im Sinne von Art. 305 Abs. 1 StGB kor-
rekt aufgeführt und auf die zu beachtende Lehre und Praxis hingewiesen; darauf
kann verwiesen werden (Urk. 56 S. 17 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
7.1. Ausgehend vom erstellten Sachverhalt (vorstehend, Erw. III.4.5. ff., ins-
bes. III.4.5.3.) hatte das Verhalten des Beschuldigten anlässlich der drei früheren
Befragungen zur Folge, dass gegen F._, H._, J._ und I._ wäh-
rend der Dauer rund eines Jahres vorderhand kein Strafverfahren eingeleitet wur-
de, weshalb das Erfordernis des zeitlichen Erschwerens des ungehinderten Gan-
ges des Verfahrens durch den Beschuldigten erfüllt ist. Damit war sein Verhalten
auch kausal dafür, dass F._, H._, J._ und I._ für diesen Zeit-
raum der gebotenen Strafverfolgung entzogen wurden. Es liegt eine Verfolgungs-
begünstigung vor. Der objektive Tatbestand der Begünstigung erweist sich als er-
füllt.
7.2. Als sich der Beschuldigte in seinen früheren Befragungen ausdrücklich
selber belastete und den Betrieb der gesamten Indooranlage zunächst auf sich al-
leine nahm (vorstehend, Erw. III.4.5.1.), war keinerlei Selbstbegünstigungswille
ersichtlich. Hingegen war dem Beschuldigten völlig klar, dass die Genannten
höchstwahrscheinlich von Strafverfolgungsmassnahmen betroffen sein würden,
falls er deren Beteiligung den Behörden offenlegen würde. Dementsprechend
musste er anlässlich seiner früheren Aussagen auch wissen, dass er F._,
H._, J._ und I._ damit mindestens möglicherweise der Strafverfol-
gung entziehen würde. Da er sich dennoch wahrheitswidrig vorderhand als Allein-
täter darstellte, nahm er zumindest in Kauf, die Betreffenden der Strafverfolgung
zu entziehen, weshalb auch der subjektive Tatbestand der Begünstigung erfüllt
ist.
- 31 -
7.3. Da der Beschuldigte mehrere Personen begünstigte, liegt mehrfache
Tatbegehung vor.
Demzufolge ist er auch der mehrfachen Begünstigung im Sinne von Art. 305
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
V. Sanktion
1. Im angefochtenen Urteil wurde der Beschuldigte bestraft mit 2 Jahren
Freiheitsstrafe, wobei deren Vollzug angeordnet wurde. Die Verteidigung hat mit
der Berufung eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten, mit einer maximalen
Probezeit von 5 Jahren, und mit Eventualantrag, bei Ausfällung einer unbedingten
Freiheitsstrafe, den Aufschub derselben zugunsten einer ambulanten Massnahme
gemäss Art. 63 StGB beantragt, während die Staatsanwaltschaft mit ihrer An-
schlussberufung wie vor Vorinstanz eine Bestrafung mit 2 1⁄2 Jahren Freiheitsstra-
fe, aufgeschoben zugunsten einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 60
Abs. 1 StGB und mit Fr. 1'000.– Busse anstrebt (Urk. 58 S. 2; Urk. 89 S. 2, 8;
Urk. 62 S. 2; Urk. 88 S. 3, 11 ff.).
2. Die theoretischen Grundlagen der Strafzumessung mit den Kriterien der
Gewichtung des Verschuldens und der Unterscheidung zwischen der objektiven
und der subjektiven Tatkomponente wurden durch die Vorinstanz korrekt aufge-
führt und zutreffend erwogen, dass angesichts der Gleichartigkeit der für die ein-
zelnen Delikte angedrohten abstrakten Strafrahmen sowie aufgrund der Gesamt-
umstände und der teilweise einschlägigen Vorstrafen die Ausfällung einer Frei-
heitsstrafe als Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB angezeigt ist; mit
Ausnahme der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes, für welche kumulativ
eine Busse zu verhängen ist (Urk. 56 S. 19 ff.). Dies braucht nicht erneut im Ein-
zelnen wiedergegeben zu werden.
3. Nachdem der Beschuldigte wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG zu verurteilen
ist, handelt es sich dabei um die schwerste Straftat gemäss Art. 49 Abs. 1 StGB.
Somit ist nunmehr ein Strafrahmen mit einer Mindeststrafe von nicht unter einem
- 32 -
Jahr bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe, welche mit einer Geldstrafe von bis zu 360
Tagessätzen verbunden werden kann (Art. 19 Abs. 2 BetmG, Art. 34 Abs. 1
StGB), gegeben. Der höchstmögliche Betrag der Busse ist Fr. 10'000.– (Art. 106
Abs. 1 StGB; Art. 19a Ziff. 1 BetmG).
3.1. Der ordentliche Strafrahmen wird durch Strafschärfungs- oder Strafmil-
derungsgründe nicht automatisch erweitert. Der ordentliche Strafrahmen ist zur
Bemessung der Strafe nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung nur
zu verlassen, wenn aussergewöhnliche Umstände vorliegen und die für die betref-
fende Tat angedrohte Strafe im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint
(Urteile des Bundesgerichts 6B_857/2015 vom 21. März 2016 E. 2.3.3,
6B_853/2014 vom 9. Februar 2015 E. 4.2 und 6B_31/2011 vom 27. April 2011
E. 3.4.1; BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63, mit Hinweisen).
3.2. Solche aussergewöhnlichen Umstände sind trotz des Vorliegens der
Strafschärfungsgründe der Deliktsmehrheit und der mehrfachen Tatbegehung
sowie des Strafmilderungsgrundes der bei einem Teil der zu beurteilenden Delikte
mittelgradig verminderten Schuldfähigkeit des Beschuldigten (Urk. 1/15/10 S. 82,
vgl. nachfolgend, Erw. V.3.4.2.1.) nicht gegeben. Der vorstehend abgesteckte
Strafrahmen ist daher nicht zu verlassen. Der Strafmilderungs- und die Straf-
schärfungsgründe sind jedoch innerhalb dieses Strafrahmens strafmindernd resp.
straferhöhend zu berücksichtigen.
3.3. Beim schweren Fall der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-
setz ist ausserdem zu beachten, dass Umstände, die zur Anwendung eines höhe-
ren oder tieferen Strafrahmens führen, innerhalb des geänderten Strafrahmens
grundsätzlich nicht noch einmal als Straferhöhungs- oder Strafminderungsgründe
berücksichtigt werden dürfen (Doppelverwertungsverbot). Die Problematik der
Doppelverwertung stellt sich jedoch nicht bezüglich der Menge, da es bei Canna-
bis keinen mengenmässig schweren Fall im Sinne des Betäubungsmittelgesetzes
gibt (Urteil des Bundesgerichts 6S.323/2005 vom 13. Januar 2006, E. 3.3.3;
BGE 117 IV 314), jedoch bei der Bandenmässigkeit. Das Ausmass eines qualifi-
zierenden oder privilegierenden Tatumstandes ist indessen zu berücksichtigen.
So sind insbesondere die Intensität des bandenmässigen Tatvorgehens bei der
- 33 -
Festsetzung der Strafe innerhalb des qualifizierten Strafrahmens zu bewerten
(BGE 118 IV 347 f.; ALBRECHT, Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz, 3. Auf-
lage, Bern 2016, N 271 zu Art. 19 BetmG; vgl. nachfolgend, Erw. V.3.4.1.).
3.4. Bei Betäubungsmitteldelikten bemisst sich das Verschulden des Täters
zu einem massgeblichen Teil nach Art und Menge des betreffenden Stoffes. Je
grösser die Menge und je schädlicher die Art des Betäubungsmittels ist, desto
schwerer fällt die vom Täter in Kauf genommene gesundheitliche Gefährdung von
Menschen ins Gewicht. Die Strafe darf aber nicht schematisch nach dem von der
Drogenmenge verkörperten Gefahrenpotential bemessen werden. Zu beachten ist
vielmehr auch, wie der Täter in den Besitz der Drogen gelangte und welche Tat-
handlungen er ausführte. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, ob die beschul-
digte Person selber Betäubungsmittel konsumiert und davon abhängig ist, und ih-
re Tathandlungen in einer grösseren Organisation beging. Dabei ist auch zu ge-
wichten, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut beeinträchtigt wurde
und in welcher Art und Weise der Täter vorgegangen ist.
3.4.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass sich die Intensi-
tät des bandenmässigen Tatvorgehens mit den beiden Hauptakteuren F._
und dem Beschuldigten im untersten Bereich dieses Qualifikationsmerkmals be-
wegte und keine typische Drogenhändlerbande vorliegt. Dennoch hat der Be-
schuldigte mit seinen Kenntnissen im Umgang mit Drogenhanf und dem Zurverfü-
gungstellen seiner Räumlichkeiten für den Aufbau und Betrieb der F._ gehö-
renden Indooranlage einen wichtigen, für den Aufbau und Betrieb der illegalen
Anlage unverzichtbaren Tatbeitrag geleistet, auch wenn die Idee dazu von
F._ gestammt haben mag. Er liess F._ die Anlage mit seinem Einver-
ständnis über einen längeren Zeitraum von weit mehr als einem Jahr betreiben,
bis die laufende illegale Produktion von Cannabis unmittelbar nach der zweiten
Ernte einzig aufgrund einer polizeilichen Intervention unfreiwillig beendet wurde
(vgl. vorstehend, Erw. III.4.4.4.4. f.; Erw. IV.4.4.;Erw. III.4.4.6.). Die Indooranlage
bestand aus ca. 17 Mutterpflanzen, 400 Hanfpflanzen und ca. 700 Setzlingen. Die
erste Ernte hatte einen Ertrag von ca. 1,7 kg Marihuana mit einem THC-Gehalt
von ca. 16 % ergeben und dem Beschuldigten Fr. 3'500.– Mietzinseinnahmen be-
- 34 -
schert. Cannabis kann bei lange dauerndem und übermässigem Konsum zu psy-
chischen und physischen Belastungen führen. Dennoch sind die Gefahren, wel-
che vom Cannabiskonsum für die menschliche Gesundheit ausgehen, im Ver-
gleich zu harten Drogen wie Heroin und Kokain weit geringer. Dass der Beschul-
digte sich an der Knochenarbeit bei der Aufzucht, Pflege und Ernte der Hanfpflan-
zen mit Ausnahme des eigenen Versuches, für F._ Stecklinge aufzuziehen
und J._ und I._ zunächst selber für diese Arbeit einzuspannen und zu
instruieren, nur am Rande und lediglich durch gelegentliches Aushelfen, das Zur-
verfügungstellen von Scheren und passives Überwachen beteiligte, vermag die
objektive Schwere seiner Bandenbeteiligung nicht zu mindern. Der Beschuldigte
trug das mit F._ gemeinsame Ziel stets mit, durch wiederkehrenden Anbau
und Verkauf von Drogenhanf Geld für den eigenen Schuldenabbau zu generieren;
er in der diskreteren Form von aus dem illegalen Verkaufserlös stammenden
Mietzinseinnahmen (Urk. 1/3/7 S. 7; vorstehend, Erw. III.4.4.6.). Ausserdem war
er jederzeit bestens über den Zustand und die Grösse der technischen Anlage,
das Ausmass der illegalen Bepflanzung und deren Wachstumsstadien sowie über
den Verkauf und den erzielten Erlös orientiert, was von seinem persönlichen wirt-
schaftlichen Interesse an der Anlage zeugt (vgl. vorstehend, Erw. III.4.4.5.).
Insgesamt erweist sich die objektive Schwere der Tat im Rahmen einer qua-
lifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz aber noch als leicht.
3.4.2. Bei der subjektiven Tatschwere fällt ins Gewicht, dass der Beschuldig-
te über langjährige Erfahrung im Umgang mit Drogenhanf verfügte und bloss we-
nige Monate bevor er F._ im November 2011 getroffen hatte, wegen des Be-
triebes einer eigenen Indooranlage von 2008 bis 2010 am selben Standort schul-
dig gesprochen und bestraft worden war (Urk. 1/3/7 S. 6 f.; Prot. I S. 13; vgl. vor-
stehend, Erw. III.4.4.1.; Strafbefehl vom 11. Juli 2011; Beizugsakten Staatsan-
waltschaft Winterthur/Unterland 2010/7715, dort. Urk. 19). Dennoch stellte er im
vollsten Wissen um die Strafbarkeit dieses Tuns seinem Kollegen F._, wel-
cher gerade mit dessen Baugeschäft Konkurs erlitten hatte, die Räumlichkeiten
gegen einen aus dem Verkaufserlös der Betäubungsmittel zu entrichtenden Miet-
zins zur Verfügung und gab sein Einverständnis für die beabsichtigte künftige
- 35 -
Produktion von Cannabis (Urk. 1/3/7 S. 12; Urk. 1/3/8 S. 11), was von nicht zu un-
terschätzender krimineller Energie und beachtlicher Unbelehrbarkeit zeugt. Die
Bewegründe waren somit einzig geldwerter und damit egoistischer Natur. Der Be-
schuldigte handelte mit voller Absicht, mithin direktvorsätzlich. Er war zu seinem
Vorgehen weder gezwungen noch überredet worden, sondern hatte sich aus
freien Stücken zu dieser Kooperation mit F._ entschieden.
3.4.2.1. Bezüglich der Betäubungsmitteldelinquenz bestand beim Beschul-
digten gemäss dem psychiatrischen Gutachten von Prof. Dr. D._ und von
Dr. med. M._ vom 12. Dezember 2013 aus psychiatrischer Sicht keine Ver-
minderung der Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB (Urk. 1/15/10
S. 82), da der Beschuldigte bei dieser Tat planmässig und zielorientiert vorging
und ein komplexes und langfristig angelegtes Handeln für diese Tat erforderlich
war. Der Gutachter begründete seine Erkenntnisse weiter nachvollziehbar und
überzeugend damit, dass der Beschuldigte seiner Mutter als Eigentümerin und
Mitbewohnerin der Liegenschaft nichts von der Indooranlage erzählt und wegen
der Anlage auch eine Involvierung der Polizei in seinen Konflikt mit J._ und
I._ gemieden hatte, was als "Vorbereiten gegen Entdecken" gewertet werden
könne. Ausserdem sei dem Beschuldigten bewusst gewesen, dass sein Verhalten
illegal war, und er hätte sich auch anders verhalten können. Bei bestehender Ein-
sichts- und Steuerungsfähigkeit habe er sich im Sinne eines durchaus differen-
zierten Abwägungsprozesses für den Aufbau der Anlage (resp. für das Zurverfü-
gungstellen der Räumlichkeiten dazu) entschieden und die Gesetzesverletzung in
Kauf genommen. Die Gutachter kamen ferner zum Schluss, dass diese Tat auch
nicht in kausalem Zusammenhang mit den beim Beschuldigten diagnostizierten
Abhängigkeitssyndromen stand, da er das gewonnene THC nicht selber konsu-
miert habe und bei ihm auch keine Cannabisabhängigkeit diagnostiziert wurde.
Der Beschuldigte habe sich vielmehr in seiner Biographie sehr viel mit Hanfanbau
sowie mit der Beschaffung und dem Verkauf von THC beschäftigt und daraus ne-
ben finanziellen Vorteilen auch Vorteile hinsichtlich Selbstwerterhöhung und
Selbstbestätigung gezogen. Entsprechend seiner dissozialen Persönlichkeitsstö-
rung habe der Beschuldigte bei der damit im Zusammenhang stehenden, ihm klar
bewussten Missachtung und Verletzung sozialer Regeln und Gesetze eine ideo-
- 36 -
logisch aufgeladene und verfestigte, von fehlender Einsicht (vgl. dazu auch die
Aussagen des Beschuldigten anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befra-
gung vom 6. Februar 2014: Urk. 1/3/5 S. 9 ff.), Egozentrik und paradoxen Erwar-
tungen geprägte Haltung aufgewiesen. Die diagnostizierte dissoziale Persönlich-
keitsstörung taxierten die Gutachter jedoch nicht als schwerwiegend, weshalb in
der Gesamtwürdigung im Hinblick auf diese konkrete Tat auch keine Schuldmin-
derung resultierte (Urk. 1/15/10 S. 75 f., S. 82). Von diesen überzeugenden gut-
achterlichen Schlussfolgerungen abzuweichen bestehen keinerlei Gründe oder
Veranlassung.
3.4.2.2. Die subjektive Schwere dieser Tat vermag das objektive Tatver-
schulden demzufolge nicht zu mindern, sondern sogar eher zu erhöhen.
3.4.3. Es bleibt beim im Rahmen der qualifizierten Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz zur Verfügung stehenden Strafrahmen (vorstehend,
Erw. V.3.) insgesamt noch leichten Verschulden. Als hypothetische Einsatzstrafe
erweisen sich 12 Monate Freiheitsstrafe als angemessen.
4. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund und Nachtatverhalten, wie Geständnis, Einsicht, Reue etc.
(HUG, in: DONATSCH/FLACHSMANN/HUG/WEDER, Kommentar zum StGB, 19. Auflage
2013, N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
4.1. Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten wurden durch die Vor-
instanz weder wiedergegeben noch gewürdigt (Urk. 56 S. 25). Insofern ist die vor-
instanzliche Beurteilung der Täterkomponente und damit die Strafzumessung un-
vollständig.
4.2. Der Beschuldigte wurde am tt. März 1958 in ... ZH geboren und ist in
G._ gemeinsam mit seinen Eltern und seiner vier Jahre jüngeren Schwester
aufgewachsen. Seine Kindheit sei geprägt gewesen von der affektiven Labilität
- 37 -
und der Alkohol- und Benzodiazepinproblematik seiner Mutter. Seinen Vater hat
der Beschuldigte als fleissigen, ehrlichen und guten Menschen in Erinnerung, der
auch sehr unter seiner Mutter gelitten habe.
Nach der obligatorischen Schulzeit, welche er mit der Sekundarschule abschloss,
absolvierte der Beschuldigte auf Druck des Vaters eine Lehre als Elektromecha-
niker, welche ihn gelangweilt habe, und arbeitete anschliessend aber nicht mehr
auf diesem Beruf. In der Rekrutenschule begann er erstmals mit regelmässigem
Konsum von Alkohol und Cannabis. Zu Beginn der 80er-Jahre betrieb der Be-
schuldigte eine Autoreparaturwerkstatt in G._. Zur damaligen Zeit verdiente
er sich auch zusätzliches Geld mit dem Import und Verkauf von Cannabis aus Ita-
lien in die Schweiz und konsumierte auch regelmässig davon (Urk. 1/15/9
S. 29 ff., 1/15/10, S. 68 ff.). Durch Ausreise ins Ausland verhinderte er damals
seine Verhaftung, bis er schliesslich in Ägypten verhaftet wurde und in die
Schweiz zurückkehrte. Ein halbes Jahr später reiste er zusammen mit seiner Ehe-
frau und den Kindern auf die Philippinen. Letztere kehrten im Jahre 1984 zurück
in die Schweiz. Anschliessend lebte er während ca. sechs Jahren mit seiner Fa-
milie auf den Philippinen. Dort habe er übermässig Alkohol, vor allem Bier, ge-
trunken und Hanf konsumiert. Im Jahre 1989 kam er freiwillig zurück in die
Schweiz, da er seinen Kindern keine genügende Sicherheit habe bieten können.
Im Jahre 1992 wanderte der Beschuldigte ohne seine Familie nach Westafrika
aus, da er dies als einzige Möglichkeit einschätzte, dort Geld zur Unterstützung
seiner in G._ lebenden Familie verdienen zu können. Diese sei teilweise von
seinen Eltern, teilweise vom Sozialamt, und nachher von ihm unterstützt worden.
In Afrika hielt er sich laut eigenen Angaben während zwei Jahren in Liberia auf
und war dort als Bodyguard tätig. Auch in Ghana lebte er längere Zeit und lebte
dort vom Hanfanbau, den er dann in die Schweiz exportierte. Daneben stieg der
Beschuldigte auch in den Pneuhandel ein, verdiente damit aber nichts. Auch in
Ghana trank er grosse Mengen Bier, konsumierte regelmässig Cannabis und ge-
legentlich auch Kokain. Im Jahre 2000 siedelte der Beschuldigte mit seiner Frau
und zwei Kindern aus zweiter Ehe von Ghana zurück in die Schweiz über, wo er
seither lebt. In der Schweiz habe er im konventionellen Leben nie mehr richtig
Fuss gefasst. Sein Leben sei seither bestimmt gewesen vom Alkohol-, Cannabis-
- 38 -
und Benzodiazepinkonsum (Urk. 1/15/9 S. 32 ff.; Urk. 1/15/10 S. 68 ff.; Prot. I
S. 10).
4.2.1. Seit 2004 erhält der Beschuldigte eine IV-Rente von Fr. 1'700.– pro
Monat und teilweise Ergänzungsleistungen. Er ist Vater von insgesamt 5 Kindern.
Für die beiden jüngsten erhielt er IV-Kinderrenten. Die Jüngere war zur Zeit der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung 18 Jahre und die Ältere 20 Jahre alt und wür-
den inzwischen nicht mehr unterstützt. Weitere Unterhaltsleistungen habe er nicht
erbringen können. Die Mutter des Beschuldigten lebt inzwischen in einem Pflege-
heim und die inkriminierte Liegenschaft in G._ wurde in Zusammenarbeit mit
der Beiständin der Mutter und der KESB verkauft. Der Nettoerlös betrug
Fr. 157'000.– und werde für die pflegerische Unterbringung der Mutter verwendet.
Der Beschuldigte verfügt laut seinen Angaben über Schulden in der Höhe von ca.
Fr. 10'000.–. Vermögen hat er nicht (Prot. I S. 13 ff., S. 20; Urk. 1/15/9 S. 27 f.,
S. 34).
4.2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte der Beschuldigte zu
seinen aktuellen Verhältnissen, dass der Alkohol- und Benzodiazepinentzug in
der C._ Klinik in .../ZH im Jahre 2015 erfolgreich gewesen sei und er seither
abstinent sei. Er rauche lediglich noch ab und zu einen Joint. Die Therapiege-
spräche in der E._ bei Herrn N._ besuche er nach Bedarf. Das letzte
Mal sei er vor einer Woche in der Therapie gewesen. Davor habe er drei Monate
keine Therapiegespräche mehr gehabt, da er im Tessin im Ferienhaus seiner
Tochter gewesen sei und an seiner Biografie geschrieben habe. Weshalb sollte er
zum Arzt, wenn es ihm gut gehe (Prot. II S. 22 ff., insb. 25).
4.2.3. Aus seiner Biographie ergeben sich keine strafzumessungsrelevanten
Faktoren für die vorliegend zu beurteilenden Delikte.
4.3. Der Beschuldigte weist inzwischen noch drei Einträge im aktuellen
Strafregisterauszug auf (Urk. 84; Urk. 1/21/2; Art. 369 StGB).
4.3.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 30. Oktober 2006 wurde er
wegen mehrfacher Gefährdung des Lebens, mehrfacher einfacher Körperverlet-
- 39 -
zung, Sachbeschädigung, Fahrens in angetrunkenem Zustand und Vergehens
gegen das Waffengesetz mit 16 Monaten Gefängnis bestraft. Er hatte im Juni
2003 u.a. in einer Kneipe in ... mit einem Karabiner unter Alkohol- und Benzodia-
zepineinfluss mehrere Schüsse in die Luft abgegeben. Der Beschuldigte befand
sich damals während drei Tagen in Untersuchungshaft. Der Vollzug der Strafe
wurde zugunsten einer ambulanten Behandlung (Art. 43 aStGB) aufgeschoben.
4.3.2. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
28. August 2007 wurde er aufgrund erneuter Verstösse gegen das Strassenver-
kehrsgesetz mit 30 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 70.– und mit Fr. 300.– Busse
bestraft.
4.3.3. Mit Strafbefehl der nämlichen Behörde vom 11. Juli 2011 wurde der
Beschuldigte wegen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von
dessen Art. 19 Abs. 1 BetmG sowie wegen Übertretung desselben im Sinne von
Art. 19a BetmG schuldig gesprochen und mit einer unbedingten Geldstrafe von
180 Tagessätzen zu Fr. 30.– und wiederum mit Fr. 300.– Busse bestraft.
4.3.4. Diesen teilweise einschlägigen Vorstrafen ist merklich straferhöhend
Rechnung zu tragen, da der Beschuldigte nur wenige Monate nach der einschlä-
gigen Verurteilung vom 11. Juli 2011 mit der Vorbereitung seiner Beteiligung an
der vorliegend beurteilten Indooranlage begonnen hatte, womit er offen kundtat,
dass er nicht willens ist, sich an die Betäubungsmittelgesetzgebung zu halten und
damit eine beachtliche Renitenz und Unverfrorenheit manifestierte. Die hypotheti-
sche Einsatzstrafe ist um 4 Monate Freiheitsstrafe zu erhöhen.
4.4. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und
im Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhal-
ten eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue
wirken strafmindernd. Dabei können umfangreiche und prozessentscheidende
Geständnisse eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken
(BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Der Grad der Strafminderung hängt aber insbesonde-
re davon ab, in welchem Stadium des Verfahrens das Geständnis erfolgte. Ein
Verzicht auf Strafminderung ist zulässig, wenn das Geständnis die Strafverfol-
- 40 -
gung nicht erleichtert hat, namentlich weil der Täter nur aufgrund einer erdrü-
ckenden Beweislage oder gar erst nach Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils
geständig geworden ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_558/2011 vom 21. Novem-
ber 2011 E. 2.3). Die bundesgerichtliche Praxis zeigt, dass nur ein ausgespro-
chen positives Nachtatverhalten zu einer maximalen Strafreduktion von einem
Drittel führen kann. Zu einem solchen gehört ein umfassendes Geständnis von al-
lem Anfang an und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf konkrete Vorwürfe hin
oder nach Vorlage entsprechender Beweise. Ferner gehört kooperatives Verhal-
ten in der Untersuchung dazu, wozu gehört, dass beispielsweise aufgrund des
Verhaltens eines Beschuldigten weitere Delikte aufgeklärt oder Mittäter zur Re-
chenschaft gezogen werden können, was ohne sein kooperatives Mitwirken nicht
möglich gewesen wäre. Schliesslich gehört Einsicht ins Unrecht der Tat und Reue
dazu. Nur wenn all diese Faktoren erfüllt sind, kann eine Strafreduktion von einem
Drittel erfolgen. Fehlen einzelne Elemente, ist die Strafe entsprechend weniger
stark zu mindern (WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I,
3. Auflage 2013, N 169 ff. zu Art. 47 StGB; TRECHSEL/AFFOLTER-EIJSTEN, in:
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 2. Auflage 2013, N 22 und
N 24 zu Art. 47 StGB).
4.4.1. Angesichts des Aussageverhaltens des Beschuldigten liegen keine
Erleichterungen der Strafverfolgung vor. Zwar anerkannte er den objektiven
Sachverhalt im Zusammenhang mit der von F._ mit seinem Einverständnis
aufgebauten Indooranlage. Aufgrund der bei der polizeilichen Intervention ange-
troffenen erdrückenden Beweislage blieb ihm indessen vernünftigerweise auch
gar nichts anderes mehr übrig. Die subjektiven Aspekte bestritt er dagegen stets
praktisch vollständig und wollte seine Beteiligung zu Unrecht auf die schlichte –
seiner Meinung nach legale – Einnahme von Mietzins für das Zurverfügungstellen
der Räumlichkeiten beschränkt haben, obwohl er von J._ und I._ über-
einstimmend belastet wurde, diese auch bei der Produktion der Stecklinge einge-
spannt und instruiert zu haben.
4.4.2. Das oberflächliche Eingeständnis der Einnahme von Mietzins ist weit
entfernt von einem umfangreichen, prozessentscheidenden Geständnis und von
- 41 -
kooperativem Mitwirken. Auch Reue und Einsicht lassen sich in den Aussagen
des Beschuldigten nicht finden. Dieses Nachtatverhalten des Beschuldigten ver-
mag daher keine Strafreduktion zu rechtfertigen.
4.5. Für die qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
bleibt es somit bei 16 Monaten Freiheitsstrafe als Einsatzstrafe.
4.6. Diese Einsatzstrafe hält auch einem Vergleich mit den gegen die weite-
ren Beteiligten ausgefällten vorinstanzlichen Strafen durchaus stand.
4.6.1. Der Hauptakteur, Mittäter und Bandengenosse des Beschuldigten bei
der Indooranlage, F._, wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abtei-
lung, vom 5. Mai 2015 wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2
lit. b BetmG sowie wegen mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittel-
gesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 BetmG mit einer bedingten Freiheitsstrafe von
2 Jahren bestraft, wobei die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt wurde. F._ hat
das erstinstanzliche Urteil und somit auch die Anklagevorwürfe akzeptiert, wes-
halb dieses nicht in begründeter Form erging, andererseits aber ein mit bis zu ei-
nem Drittel strafreduzierend berücksichtigtes Nachtatverhalten (Geständnis) bein-
halten dürfte. Aufgrund der minimalen Probezeit und der teilweisen Bezeichnung
des Beschuldigten von F._ als Anfänger ist ausserdem zu schliessen, dass
F._ im Gegensatz zum Beschuldigten über keine straferhöhend taxierten
einschlägigen Vorstrafen verfügte. Im Unterschied zum Beschuldigten hatte
F._ mit diesem Urteil auch noch die Aufzucht von weiteren Stecklingen im
Wert von ca. Fr. 2'000.– in einer anderen Liegenschaft sowie die Gehilfenschaft
bei je einer Ernte von Dritten in der Grössenordnung von insgesamt 4,7 kg sowie
die Übernahme von insgesamt 8,7 kg konsumfähigem Marihuana von Dritten, zu
verantworten (Urk. 85/2 samt Anklage im Anh.).
4.6.2. H._ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abteilung,
vom 9. Juni 2015 wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmit-
telgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. b BetmG
sowie wegen mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sin-
- 42 -
ne von Art. 19 Abs. 1 BetmG mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten
bestraft, wobei die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt wurde. Sie hat dieses Urteil
akzeptiert, weshalb es nicht in begründeter Form erging, andererseits aber ein mit
bis zu einem Drittel strafreduzierend berücksichtigtes Nachtatverhalten (Geständ-
nis) beinhalten dürfte. Die minimale Probezeit lässt im Gegensatz zum einschlä-
gig vorbestraften Beschuldigten bei H._ auf eine Ersttäterschaft schliessen.
Auch wenn sie sich mit ihrer Mitarbeit beteiligte, stellte sie eine Mitläuferin dar und
wollte vor allem ihren damaligen Lebensgefährten F._ unterstützen. Sie hatte
sich in diesem Urteil ausserdem auch noch wegen Gehilfenschaft bei je einer Ern-
te von Dritten von insgesamt 4,7 kg konsumfähigem Marihuana zu verantworten
(Urk. 85/3 samt Anklage im Anh.).
4.6.3. J._ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abteilung,
vom 5. Mai 2015 (einzig) wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2
lit. b BetmG mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten und mit
Fr. 1'000.– Busse bestraft, wobei die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt wurde.
J._ hatte sich ausschliesslich mit ihrer Mitarbeit an der Indooranlage in den
Räumlichkeiten des Beschuldigten beteiligt. Ihr Urteil erging im abgekürzten Ver-
fahren, weshalb der darin festgesetzten Strafe ein vollumfängliches Geständnis
und somit ein mit einem Drittel strafreduzierend berücksichtigtes Nachtatverhalten
zu Grunde liegen dürfte (Art. 358 Abs. 1 StPO). Die minimale Probezeit lässt im
Gegensatz zum einschlägig vorbestraften Beschuldigten bei J._ ebenfalls auf
eine Ersttäterschaft schliessen (Urk. 85/1 samt Anklage im Anh.).
4.6.4. I._ wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abteilung, vom
18. August 2015 (einzig) wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2
lit. b BetmG mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten sowie mit 40
Stunden gemeinnütziger Arbeit anstelle von Fr. 1'000.– Busse bestraft, wobei die
Probezeit für die bedingt aufgeschobene Freiheitsstrafe auf 4 Jahre festgesetzt
wurde. Für I._ trifft auch das vorstehend bezüglich J._ Erwogene zu, mit
der Abweichung, das die doppelt so lange Probezeit darauf schliessen lässt, dass
- 43 -
seine Strafe eine leichte Straferhöhung wegen Vorstrafen mitenthält (Urk. 85/4
samt Anklage im Anh.).
5. Hinsichtlich der objektiven und subjektiven Tatschwere beim einmaligen
Verkauf des Beschuldigten von 30 Drogenhanfstecklingen zu Fr. 3.– (Vergehen
gegen das Betäubungsmittelgesetz i.S.v. Art. 19 Abs. 1 lit. c BetmG; Anklage
Ziff. 1.1 B) ist grundsätzlich auf das bereits Dargelegte zu verweisen (vorstehend,
Erw. V.3.4.1. ff.). Allerdings handelt es sich bei dieser zusätzlichen, separat als
Vergehen vorgeworfenen und rechtskräftig abgeurteilten weiteren Tathandlung
lediglich um einen weiteren Bestandteil der Beteiligung des Beschuldigten am
Umgang mit in der Indooranlage produziertem Hanf, resp. Stecklingen, was keine
zusätzlich ins Gewicht fallende Straferhöhung im Rahmen der Asperation (Art. 49
Abs. 1 StGB) rechtfertigt. Insofern fällt auch nicht ins Gewicht, dass der Beschul-
digte diesen Nebenpunkt eingestand.
6. Versuchte Nötigung vom 27./28. Januar 2013 (rechtskräftiger Schuld-
spruch betr. Anklageziffer 1.3)
6.1. Bei der objektiven Schwere dieser Tat ist zu gewichten, dass der Be-
schuldigte zuerst damit gedroht hatte, I._ zu verprügeln. Später verlangte er
von I._ und J._, sie sollten aus der Liegenschaft abhauen, ansonsten er
sie umbringen bzw. erschiessen würde. Das angedrohte Übel bzw. der ernstliche
Nachteil betraf Leib und Leben, somit das höchste Rechtsgut überhaupt. Er ver-
setzte sie damit in Angst und Schrecken davor, dass er das Angedrohte wahrma-
chen und umsetzen könnte. Sein brachiales Tatvorgehen, das Herumschreien
und Aufbrechen der provisorischen Türe in die Wohnung der beiden im Dachstock
der Liegenschaft, mit dem er seiner Drohung noch zusätzlich Nachdruck verlieh,
zeugt vom erheblichen Aggressions- und Gewaltpotential des Beschuldigten und
von seiner Entschlossenheit, fast alles zu unternehmen, um seine Mieter, J._
und I._, auf nicht legale Weise aus dem Haus zu vertreiben. Das Ziel und die
Vorgehensweise stehen somit in einem offensichtlichen Missverhältnis. Die objek-
tive Tatschwere ist damit als nicht mehr leicht einzustufen. Es rechtfertigt sich,
dies mit einer hypothetischen Einsatzstrafe von 4 Monaten zu veranschlagen.
- 44 -
6.2. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist zunächst dem direktvor-
sätzlichen Handeln Rechnung zu tragen. Der Beschuldigte verängstigte J._
und I._ wissentlich und willentlich mit dem Bestreben, dass sie trotz des be-
stehenden Mietverhältnisses umgehend Hals über Kopf aus der Liegenschaft
ausziehen würden. Dabei hätten ihm auch die legalen Möglichkeiten zu Beendi-
gung des Mitverhältnisses offengestanden. Zur Tatzeit wies der Beschuldigte ei-
nen Blutalkoholgehalt von 1.35 Promille auf (Prot. I S. 30; Urk. 1/3/5 S. 6), was für
sich alleine aber noch keine Verminderung der Schuldfähigkeit hervorrufen konn-
te, aber wohl eine gewisse Enthemmung, weshalb er seinen Aggressionen freien
Lauf liess.
6.2.1. Gemäss den Erkenntnissen der psychiatrischen Gutachter Prof. Dr.
D._ und Dr. med. M._ lag beim Beschuldigten im Zeitpunkt dieser Tat-
handlungen eine mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit vor. Bei der Bewertung
des genannten Promillewertes ist laut den Gutachtern zu berücksichtigen, dass
der Beschuldigte eine Vergröberung (Verrohung) der Persönlichkeit und des So-
zialverhaltens zeigte, was zu einer Verstärkung von Alkoholwirkungen, insbeson-
dere im Sinne von Hemmungsverlusten führen könne. Die Gutachter kamen wei-
ter zum Schluss, dass die verbalen Drohungen in einen Zusammenhang mit der
im Tatzeitpunkt bestehenden Alkoholintoxikation, dem diagnostizierten Abhängig-
keitssyndrom von Alkohol und seiner dissozialen Persönlichkeitsstörung zu stellen
sind. Aus seiner Biographie, den Vorstrafen und den ärztlichen Unterlagen sowie
der Exploration des Beschuldigten sei bekannt, dass er unter Alkoholeinfluss eine
Störung der Impulskontrolle und eine Enthemmung mit erniedrigter Schwelle für
aggressives Verhalten, einschliesslich Gewalt, was sich vor allem bei Provokatio-
nen manifestiere, zeige. Aufgrund des dennoch vorhandenen zielgerichteten Vor-
gehens und gewissermassen folgerichtigen Handelns, des partiell noch kontrol-
lierten, ein gewisses Mass an motorischer Geschicklichkeit erfordernde und ab-
wägende Verhalten des Beschuldigten, sprechen laut Gutachten gegen schwere
Einbussen oder gar eine vollständige Aufhebung seiner Steuerungsfähigkeit
(Urk. 1/15/10 S. 76 ff., S. 82).
- 45 -
6.2.2. Die Erkenntnisse aus der Begutachtung sind nachvollziehbar und
schlüssig. Es besteht keine Veranlassung, diese Diagnose anzuzweifeln. Die
verminderte Schuldfähigkeit im Sinne von Art. 19 Abs. 2 StGB ist verschuldens-
mindernd zu berücksichtigen (BGE 136 IV 55 E. 5.5 ff.; BGE 134 IV 132 E. 6.1).
Die mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit lässt das objektive Tatverschulden
des Beschuldigten daher als noch leicht erscheinen, womit eine Freiheitsstrafe
von 2 Monaten seinem Tatverschulden angemessen Rechnung trägt.
6.2.3. Da es dem Beschuldigten nicht gelang, J._ und I._ mit die-
sen Tathandlungen zu vertreiben, liegt lediglich ein vollendeter Versuch im Sinne
von Art. 22 Abs. 1 StGB vor. Dieser verschuldensunabhängige fakultative Straf-
milderungsgrund berechtigt den Beschuldigten jedoch nicht zu einer Strafredukti-
on, da er gleichzeitig auch vollendete Drohungen gegen die beiden ausgestossen
hatte und es nicht auf sein Verhalten oder sein Zutun zurückzuführen war, dass
sich die beiden schliesslich noch nicht zum Auszug aus der Liegenschaft bewe-
gen liessen.
6.3. Bei der Täterkomponente kann auf das bereits Dargelegte verwiesen
werden (vorstehend, Erw. V.4. ff.). Die Vorstrafen, insbesondere jene vom 30. Ok-
tober 2006, welche hinsichtlich des Aggressions- und Gewaltpotentials unter Al-
koholeinfluss ebenfalls eine Störung der Impulskontrolle und eine Enthemmung
mit erniedrigter Schwelle für aggressives Verhalten, einschliesslich Gewalt bei
wahrgenommenen Provokationen, aufwies, mithin auffallende Parallelen erken-
nen lässt, ist spürbar straferhöhend zu berücksichtigen. Auf der anderen Seite
wirkt sich das Geständnis des Beschuldigten für diese Tathandlungen sowie die
angedeutete Reue und gezeigte Einsicht merklich strafmindernd aus. Da sich die
strafmindernden und straferhöhenden Umstände der Täterkomponente bei die-
sem Delikt in etwa die Waage halten, bleibt es bei einer hypothetischen Einsatz-
strafe von 2 Monaten Freiheitsstrafe.
7. Versuchte Nötigung vom 27. Februar 2013 (rechtskräftiger Schuld-
spruch betr. Anklageziffer 1.3)
- 46 -
7.1. Bei der objektiven Tatschwere dieser Tathandlungen ist einzurechnen,
dass der Beschuldigte J._ und I._ diesmal noch aggressiver verbal ge-
genübertrat und damit drohte, beide und ihren Hund zu erschiessen, wobei
I._ zusehen müsse, wie alle um ihn herum getötet würden. Falls sie noch
dort sein würde, werde er ihnen den Hals durchschneiden. Zudem seien sie tot,
wenn sie die Polizei einschalten würden. Das angedrohte Übel betraf wiederum
Leib und Leben, somit das höchste Rechtsgut überhaupt. Das Tatvorgehen des
Beschuldigten ist als verwerflich und äusserst dreist zu qualifizieren. Seinen üblen
verbalen Drohungen verlieh er berechnend mit einer nächst höheren Eskalations-
stufe durch zwei mit einem Karabiner aus dem Haus in den Gartenboden abge-
gebenen gezielten Schüssen Nachdruck (vgl. Urk. 1/3/1 S. 3). Dass der Beschul-
digte nunmehr bereits zum zweiten Mal vergleichbar gegenüber J._ und
I._ auf übelste Art ausfällig wurde, und diesmal sogar einen Karabiner ein-
setzte, zeigt die kriminelle Energie des Beschuldigten. Wiederum versetzte er die
beiden in Angst und Schrecken. Erneut stehen das Ziel, die beiden auf keinen Fall
mehr in der Liegenschaft dulden zu wollen, und die Vorgehensweise in keinem
Verhältnis zueinander. Die objektive Schwere dieser Tathandlungen ist damit als
keineswegs mehr leicht einzustufen. Eine hypothetische Einsatzstrafe von 8 Mo-
naten Freiheitsstrafe erweist sich als angemessen.
7.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte seine üblen Drohungen und die Schussabgaben aus dem Karabiner
ganz gezielt zum Zweck der nachhaltigen Einschüchterung von J._ und
I._, mithin mit direktem Vorsatz, einsetzte. Sein Motiv lag wiederum darin, die
beiden nun endlich zu einem irregulären Verlassen der von ihnen gemieteten
Dachwohnung zu drängen, obwohl ihm zur Beendigung des Mietverhältnisses
auch die legalen Möglichkeiten zur Verfügung standen.
7.2.1. Die in mittlerem Grad verminderte Schuldfähigkeit des Beschuldigten
auch im Zeitpunkt dieser Tathandlungen infolge Alkoholintoxikation und Verro-
hung seines Sozialverhaltens infolge dissozialer Persönlichkeitsstörung sind wie
bezüglich der vergleichbaren Tathandlungen einen Monat vorher bereits dargelegt
(vorstehend, Erw. V.6.2.1. f.; Urk. 1/15/10 S. 76 ff., S. 82), wiederum erheblich
- 47 -
verschuldensmindernd zu taxieren. Dem entsprechend wird die objektive Schwere
der Tat erheblich gemindert, so dass sich das Verschulden für diese Tathandlun-
gen als nicht mehr leicht erweist und die hypothetische Einsatzstrafe auf 4 Mona-
te Freiheitsstrafe festzulegen ist.
7.2.2. Wiederum ist bloss ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB zu
beurteilen. Diese verschuldensunabhängige Tatkomponente führt gemäss dem
bereits für die Tathandlungen vom 27./28. Januar 2013 Dargelegten (vorstehend,
Erw. V.6.2.3.) erneut zu keiner Strafminderung.
7.3. Bei der Täterkomponente ist auf das bereits Dargelegte zu verweisen
(vorstehend, Erw. V.4 ff. und insbes. Erw. V.6.3.). Die Vorstrafe vom 30. Oktober
2006 ist einschlägig, nachdem der Beschuldigte auch bei den Tathandlungen vom
27. Februar 2013 unter Alkoholeinfluss und in aggressiver und gewaltgeladener
Manier wieder Schüsse aus einem Karabiner abgab, um damit anderen Men-
schen zu drohen oder diese zu nötigen. Einzig der Umstand, dass diese Vorstrafe
inzwischen bald zehn Jahre zurückliegt, führt nicht zu einer empfindlichen Straf-
erhöhung. Das Teilgeständnis des Beschuldigten für diese Tathandlungen ist
strafmindernd einzurechnen. Nachdem er sich jedoch nach wie vor auf den
Standpunkt stellte, die Drohung nicht ernst gemeint zu haben, weshalb für
J._ und I._ nie eine reale Gefahr bestanden habe (Urk. 1/3/1 S. 4;
Urk. 1/3/4 S. 3; Urk. 44 S. 7), kann hier keine Einsicht und Reue ausgemacht
werden. Da die straferhöhenden Umstände der Täterkomponente bei diesen Tat-
handlungen etwas überwiegen, führt dies im Ergebnis zu einer hypothetischen
Einsatzstrafe von 5 Monaten Freiheitsstrafe.
8. Mehrfache Begünstigung (Anklageziffer 1.4)
8.1. Bei der objektiven Tatschwere dieses Deliktes ist zunächst zu berück-
sichtigen, dass Art. 305 Abs. 1 StGB das Rechtsgut des staatlichen Interesses am
ungehinderten Gang des Verfahrens der schweizerischen Strafrechtspflege
schützt (FLACHSMANN, in: DONATSCH/FLACHSMANN/HUG/WEDER, Kommentar zum
StGB, 19. Auflage 2013, N 1 zu Art. 305 StGB). Die raffinierte Art und Weise des
Vorgehens, insbesondere die detailreiche (Selbst-)Inszenierung und das Vorspie-
- 48 -
geln wissenschaftlicher Testversuche führte dazu, die Behörden der Strafverfol-
gung über die Dauer von rund einem Jahr zu täuschen und die vier Mitbeteiligten,
F._, H._, J._ und I._ über den selben Zeitraum vor einer
Strafverfolgung zu bewahren. Der Begünstigungserfolg bzw. die Rechtsgutbeein-
trächtigung waren damit mehrfach und nicht unerheblich. Die objektive Schwere
dieser ist deshalb als nicht mehr leicht einzustufen.
8.2. Bei der subjektiven Schwere dieser Tat ist dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass der Beschuldigte direktvorsätzlich handelte und die Genannten ganz
gezielt vor dem behördlichen Zugriff schützen wollte. Es war ihm daher stets be-
wusst, dass er die weiteren Beteiligten dadurch der Strafverfolgung entzog. Dabei
wäre es ihm ein Leichtes gewesen, sich gesetzeskonform zu verhalten und bei-
spielsweise einfach zu schweigen und damit vom deliktischen Verhalten Abstand
zu nehmen. Ein eigentlicher Nutzen wird in seinem Verhalten nicht offenkundig.
Laut eigenen Aussagen wollte er einfach gut vor ihnen dastehen und sie nicht ver-
raten. Da es sich bei diesem Delikt nicht um eine spontane Impulstat, welche
durch vom Beschuldigten konsumierte Substanzen gefördert worden sein könnte,
sondern um ein sich in seinen Einvernahmen über einen längeren Zeitraum über-
spannendes überlegtes Vorgehen handelt, kann ihm ähnlich wie beiden Betäu-
bungsmitteldelikten auch keine Verminderung der Schuldfähigkeit attestiert wer-
den.
Die subjektive Tatschwere führt somit nicht zu einer anderen Einstufung des
Gesamtverschuldens bei diesem Delikt. Dieses erweist sich als nicht mehr leicht
und rechtfertigt eine hypothetische Einsatzstrafe von 5 Monaten Freiheitsstrafe.
8.3. Bei der Täterkomponente ist zunächst auf das bei den weiteren Delikten
bereits Dargelegte zu verweisen. Die mit einer leichten Straferhöhung generell zu
berücksichtigenden Vorstrafen des Beschuldigten und sein den objektiven Sach-
verhalt dieser Tat betreffendes Teilgeständnis, welches leicht strafmindernd zu
gewichten ist, halten sich in etwa die Waage. Es bleibt daher bei der genannten
Einsatzstrafe von 5 Monaten.
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9. Als in Anwendung von Art. 49 Abs. 1 StGB durch Asperation zu bildende
Gesamtstrafe für alle vorstehend im Einzelnen gewichteten Delikte erweisen sich
schliesslich 24 Monate Freiheitsstrafe als insgesamt angemessen. Der Anrech-
nung der erstandenen Untersuchungshaft von 37 Tagen steht nichts entgegen
(Art. 51 StGB).
10. Die durch die Vorinstanz für die mehrfache Übertretung des Betäu-
bungsmittelgesetzes (Konsum) ausgefällte Busse von Fr. 600.– erweist sich an-
gesichts des Verschuldens und der engen wirtschaftlichen Verhältnisse des Be-
schuldigten als angemessen und ist zu bestätigen (Urk. 56 S. 32 f.). Für den Fall
schuldhafter Nichtbezahlung der Busse ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen
festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB; BGE 134 IV 60 E. 7.3.3).
VI. Vollzug
1. Die Vorderrichter bestraften den Beschuldigten mit 2 Jahren Freiheitsstra-
fe, wobei der Vollzug nicht aufgeschoben und keine Massnahme angeordnet wur-
de. Die Verteidigung beantragt für den Fall der Ausfällung einer unbedingten Frei-
heitsstrafe den Aufschub derselben zugunsten einer ambulanten Massnahme
gemäss Art. 63 StGB. Die Staatsanwaltschaft beantragt den Vollzug der Frei-
heitsstrafe sowie die Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von
Art. 60 Abs. 1 StGB (Urk. 58 S. 2; Urk. 89 S. 2, 8 ff.; Urk. 62 S. 2; Urk. 88 S. 3,
16 f.).
2. Im angefochtenen Urteil wurden die gesetzlichen Voraussetzung für eine
Gewährung des bedingten oder teilbedingten Vollzugs einer Freiheitsstrafe kor-
rekt wiedergegeben (Urk. 56 S. 33 f.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
3. Der Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland vom 11. Juli 2011 im Zusammenhang mit dem Betrieb einer In-
dooranlage in seiner Liegenschaft in den Jahren 2008 bis 2010 wegen Vergehens
gegen das Betäubungsmittelgesetz und Übertretung desselben zu 180 Tagessät-
zen Geldstrafe zu je Fr. 30.– und Fr. 300.– Busse bestraft. Ein (teilweiser) Straf-
aufschub ist daher gemäss Art. 42 Abs. 2 StGB nur bei besonders günstigen Um-
- 50 -
ständen möglich, da diese Vorstrafe innerhalb der letzten fünf Jahre vor der vor-
liegend zu beurteilenden Tat liegt.
4. Angesichts der einschlägigen strafrechtlichen Vorbelastung des Beschul-
digten und insbesondere auch aufgrund seiner Äusserungen im Zusammenhang
mit der Betäubungsmittelgesetzgebung (Urk. 1/3/5 S. 9 ff.) und der sich daraus
ergebenden mangelnden Einsicht in die Illegalität seines Handelns (Urk. 1/15/9
S. 36) liegen keine solche besonders günstigen Umstände vor, weshalb der be-
dingte oder teilbedingte Strafvollzug für den Beschuldigten ausser Betracht fällt.
VII. Massnahme
1. Im erstinstanzlichen Urteil wurde der Verzicht auf die Anordnung einer
stationären Massnahme im Wesentlichen mit dem fehlenden Behandlungswillen,
der fehlenden Bereitschaft des Beschuldigten, sich einer stationären Behandlung
zu unterziehen, begründet (Urk. 56 S. 36 f.). Die Anordnung des Vollzugsauf-
schubes zugunsten einer ambulanten Massnahme verwarf die Vorinstanz im We-
sentlichen mit der Begründung, eine solche sei laut dem psychiatrischen Gutach-
ten vom 12. Dezember 2013 nicht erfolgsversprechend. Weiter sei bekannt, dass
der Beschuldigte im Oktober 2014 eine Depression mit Suizidgedanken gehabt
habe und er deshalb aus Angst vor einem Suizid freiwillig vorübergehend in die
E._ (E._) in die Klinik ... eingetreten sei (Prot. I S. 35). Seit dem
17. Februar 2015 habe der Beschuldigte sich freiwillig in der C._ Klinik zur
Entwöhnung aufgehalten und dort Strategien gelernt, um mit Problemen umzuge-
hen und nicht zum Alkohol zu greifen. Der Klinikaufenthalt habe die Totalabsti-
nenz zum Ziel gehabt (Prot. I S. 36). Die freiwilligen Einweisungen würden zeigen,
dass der Beschuldigte in der Lage sei, sich jederzeit, insbesondere in Krisensitua-
tionen, selber professionelle Hilfe zu holen und sich entsprechend behandeln zu
lassen. Aufgrund dieser Erkenntnis und der geringen Erfolgsaussichten sei von
der Anordnung einer ambulanten Massnahme abzusehen. Dem Beschuldigten
stehe es aber frei, nach seinem Aufenthalt in der C._ Klinik weiterhin auf
freiwilliger Basis eine ambulante Therapie zu besuchen (Urk. 56 S. 37 f.).
- 51 -
2. Über den Beschuldigten liegt bereits ein psychiatrisches Gutachten von
Dr. med. O._, damaliger Oberarzt, und Dr. med. P._, leitender Arzt,
Psychiatrie-Zentrum ..., Stationäre und ambulante Dienste, vom 17. April 2002,
sowie ein Zusatzgutachten von Dr. med. P._ dazu vom 30. November 2005
vor. Die Begutachtung erfolgte im Zusammenhang mit dem Vorwurf des Fahrens
in angetrunkenem Zustand (vgl. Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom
24. Oktober 2002; Urk. 21/5), wobei der Beschuldigte am 19. Mai 2001 mit einem
Blutalkoholgehalt von mindestens 2,13 Gewichtspromille einen Selbstunfall verur-
sacht habe, nachdem er bereits im Jahre 1993 wegen Fahrens in angetrunkenem
Zustand mit mindestens 1,89 Gewichtspromille, zu 42 Tagen Gefängnis verurteilt
worden war. Anlass für das Zusatzgutachten war eine Schiesserei in einem Pub
in ..., wo er am 22. Juni 2003 diverse Schüsse aus seinem Revolver abgegeben
und anwesenden Personen mit Erschiessen gedroht hatte. Im Zusammenhang
mit den aktuell zu beurteilenden Delikten liegt nunmehr das psychiatrische Gut-
achten von Prof. Dr. med. D._, ... [Funktion] der Psychiatrischen Universi-
tätsklinik Zürich, Zentrum für forensische Psychiatrie, vom 12. Dezember 2013 vor
(Urk. 21/13; Urk. 21/14; Urk. 15/8 S. 3 ff.; vgl. Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 4.
Abteilung, vom 30. Oktober 2006; Urk. 21/7).
2.1. Seit der Rekrutenschule konsumierte der Beschuldigte mehr oder weni-
ger regelmässig Cannabis und Alkohol im Übermass. Es gab auch Phasen mit
Kokainkonsum. Ab Mai 2000 erfolgte eine erste ambulante psychiatrische Betreu-
ung bei Psychiater Dr. Q._, Zürich, wobei verschiedene Psychopharmaka
eingesetzt worden seien. Eine psychiatrische Erkrankung im engeren Sinne
(Geisteskrankheit) sei nicht festgestellt worden. Vom 27. November 2000 bis
12. Dezember 2000 erfolgte ein stationärer Aufenthalt im Psychiatrie-Zentrum ...,
wo der Beschuldigte freiwillig zum Alkohol- und Benzodiazepine-Entzug mit Be-
gleitschreiben von Dr. Q._ eingetreten sei. Im Gutachten vom 17. April 2002
wurden beim Beschuldigten eine Persönlichkeitsstruktur mit selbstunsicheren,
misstrauischen und scheuen Zügen sowie sehr subjektiven Wert- und Normvor-
stellungen mit dissozialen Anteilen sowie ein schweres Abhängigkeitssyndrom
von Alkohol mit einerseits Spiegeltrinkverhalten und andererseits zusätzlich mit
Kontrollverlust in affektgeladenen Situationen (ICD F10.2) diagnostiziert
- 52 -
(Urk. 21/3 S. 3 ff., S. 12 f.). Zur Massnahmenindikation hielt dieses Gutachten aus
dem Jahre 2002 fest, dass das schwere Alkoholabhängigkeitssyndrom psychiat-
risch-psychotherapeutisch zu behandeln war, wobei wegen der Schwere eine sta-
tionäre Therapie empfohlen wurde, aufgrund der Persönlichkeitszüge des Be-
schuldigten und seiner Sozialisierung die Entwöhnungsprogramme der vorhande-
nen Suchtkliniken für ihn jedoch als nicht geeignet erachtet wurden. Der Beschul-
digte habe aber Einsicht in sein Alkoholproblem gezeigt und sich glaubhaft be-
handlungswillig geäussert. Als Alternative zu den fehlenden stationären Behand-
lungsmöglichkeiten sei ein ambulanter Therapieversuch ärztlich indiziert. Der
gleichzeitige Strafvollzug wurde als kontraproduktiv erachtet (Urk. 21/3 S. 14).
2.2. Seit November 2000 bis November 2005 war der Beschuldigte insge-
samt dreimal in jeweils eher kurzer, stationärer psychiatrischer Behandlung we-
gen Problemen im Umgang mit Alkohol und Benzodiazepinen. Am 30. März 2002
war es zum zweiten stationären Aufenthalt im Psychiatrie-Zentrum ... (PZ...) bis
am 11. April 2002 gekommen. Am 10. Juni 2002 nahm der Beschuldigte die ge-
richtlich angeordnete Massnahme nach Art. 44 StGB bei der Alkoholfachstelle
Bülach auf. Die dortigen Termine habe er in eher unregelmässigen Abständen
wahrgenommen. Am 9. Oktober 2002 wurde durch die Sozialversicherungsan-
stalt, IV-Stelle Zürich, ein Gutachtensauftrag zur Klärung der Arbeitsfähigkeit an
die Psychiatrische Universitätsklinik Zürich erteilt, worauf eine bipolar affektive Er-
krankung mit einer 100%-igen Arbeitsunfähigkeit ab dem 1. Juni 2000 festgestellt
und eine entsprechende IV-Rente zugesprochen wurde (Urk. 21/4 S. 3 f., S. 6).
2.3. Aufgrund des IV-Gutachtens vom 10. September 2003 und den Ver-
laufsbeobachtungen in der Alkoholfachstelle in Bülach folgte die dritte freiwillige
Hospitalisierung des Beschuldigten am 10. September 2003 zur stationären Be-
handlung der Benziodiazepin- und der Alkoholabhängigkeit sowie der medika-
mentösen Einstellung der festgestellten bipolar affektiven Erkrankung. Nach dem
bereits am 3. Oktober 2003 wieder erfolgten Austritt wurde die ambulant-psychi-
atrische Behandlung im Ambulatorium Bülach aufgenommen. Gleichzeitig hatte
der Beschuldigte seine bisherige Behandlung bei Dr. Q._ beendet. Der Be-
schuldigte erschien regelmässig zu den zweiwöchentlichen Terminen, war be-
- 53 -
handlungswillig und medikamentencompliant. Dennoch kam es anfangs 2004 zu
einer erneuten schleichenden Steigerung des Alkoholkonsums. Am 12. März
2004 erfolgte ein weiterer freiwilliger Einritt in die PZ... zum Alkoholentzug. Der
Austritt erfolgte bereits zehn Tage später, am 22. März 2004. In der Folge nahm
der Beschuldigte regelmässig alle zwei Wochen an der ambulanten Behandlung
im Ambulatorium Bülach teil, und die Psychopharmakotherapie wurde weiter op-
timiert. Seitdem der Beschuldigte aus seinem letzten Auslandaufenthalt in die
Schweiz zurückgekehrt sei, sei er fürsorgeabhängig (Urk. 21/4 S. 6, S. 9; vgl.
auch Urk. 15/8 S. 8 f.).
2.4. Im Zusatzgutachten vom 30. November 2005 wurden die Diagnosen wie
folgt ergänzt, wobei die einzelnen Anteile in wechselseitiger Beziehung zueinan-
der stehen (Urk. 21/4 S. 8; Urk. 15/8 S. 5):
 "Bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte depressive Episode (: F31.3)
 Alkoholabhängigkeit mit gegenwärtigem Substanzgebrauch (ICD-10: F10.24)
 Benzodiazepinabhängigkeit mit gegenwärtigem Substanzgebrauch (ICD-10: F13.23)
 Anamnestische Störung durch Cannabinoide, Abhängigkeitssyndrom (: F12.2)
 Persönlichkeit mit emotional-instabilen, abhängig-ängstlichen, impulsiven und dissozialen Anteilen".
Als Massnahme wurde eine langfristig, vorwiegend ambulante psychiatrische Be-
handlung nach Art. 43 StGB empfohlen, wie sie bereits seit zwei Jahren im Ambu-
latorium Bülach durchgeführt worden war. Das Erreichen einer Alkoholtotalabsti-
nenz sei wünschenswert, scheine zur Zeit jedoch unrealistisch (Urk. 21/4 S. 10 f.;
Urk. 15/8 S. 10).
2.5. Mit Schreiben der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 14. Mai
2013 wurde bei Prof. Dr. med. D._, Chefarzt der Psychiatrischen Universi-
tätsklinik Zürich, Zentrum für forensische Psychiatrie, im Zusammenhang mit den
aktuell zu beurteilenden neuerlichen Deliktsvorwürfen eine weitere psychiatrische
Begutachtung in Auftrag gegeben (Urk. 15/1). Das von Prof. Dr. med. D._ in
Zusammenarbeit mit Dr. med. M._ ausgearbeitete psychiatrische Gutachten
trägt das Datum des 12. Dezember 2013 (Urk. 15/8-10 S. 1 ff.).
- 54 -
2.5.1. Gegenüber dem Gutachter, Prof. Dr. med. D._, gab der Beschul-
digte an (Urk. 15/9 S. 21 f.), damals aktuell pro Tag bis zu 5 Liter Bier sowie meh-
rere Gläser Schnaps zu trinken. Im Gutachten wird weiter festgehalten, dass der
Beschuldigte seit dem Jahre 2000 sich insgesamt 14 Mal in stationär-
psychiatrischer Behandlung befand. Die Hauptdiagnosen waren Abhängigkeits-
syndrome von Alkohol und Benzodiazepinen. Im Rahmen der Hospitalisierungen
wurden jeweils – zum Teil vorzeitig abgebrochene – medikamentengestützte Ent-
züge von diesen Substanzen durchgeführt. Eine längerfristige stationäre Entwöh-
nungsbehandlung ist nicht erfolgt und ein nachhaltiger Behandlungserfolg konnte
bislang nicht erzielt werden. Dabei sei den vorhandenen ärztlichen Berichten und
Angaben widerspruchsfrei zu entnehmen, dass der Beschuldigte gegenüber sei-
ner Abhängigkeitsproblematik deutliche bagatellisierende Tendenzen aufgewie-
sen habe und keine nachhaltige Motivation zu einem abstinenten Leben bestand.
Zudem sei mehrfach auf dessen Neigung zu Kontrollverlusten mit aggressiven
Durchbrüchen v.a. in alkoholintoxikierten und emotional aufgeladenen Situationen
hingewiesen worden (Urk. 15/9 S. 43 ff.). Prof. Dr. med. D._ diagnostizierte
beim Beschuldigten eine Alkoholabhängigkeit (ICD-10: F10.2), eine Benzodiaze-
pinabhängigkeit (ICD-10: F13.2) sowie eine dissoziale Persönlichkeitsstörung
(ICD-10: F60.2; Urk. 15/10 S. 67).
2.5.2. Die sachverständigen Gutachter kamen im psychiatrischen Gutachten
vom 12. Dezember 2013 zusammengefasst zu den Schlussfolgerungen, dass
beim Beschuldigten eine seit ca. 20 Jahren bestehende, schwere Alkoholabhän-
gigkeitserkrankung vorliegt, welche seine Leistungsfähigkeit deutlich einge-
schränkt hat (Urk. 15/10 S. 73). Die dissoziale Problematik bei der diagnostizier-
ten dissozialen Persönlichkeitsstörung taxierten die Gutachter als nicht schwer-
wiegend. Hinzu kommt eine beim Beschuldigten bestehende überdauernde Affini-
tät zu Waffen, von denen er im Rahmen von aggressiven Durchbrüchen mehrfach
Gebrauch machte (Urk. 15/10 S. 74).
2.5.3. Unter Würdigung der schweren Alkoholabhängigkeit, der jeweils als
mittelgradig zu taxierenden Alkoholintoxikation, der Vergröberung seines Sozial-
verhaltens sowie unter Berücksichtigung der mit der Abhängigkeit in Verbindung
- 55 -
stehenden Persönlichkeitsproblematik wurde die Schuldfähigkeit des Beschuldig-
ten im Zusammenhang mit den Tatvorwürfen der Drohung vom 27./28.01.2013
und 27.02.2013 (rechtskräftige erstinstanzliche Verurteilung wegen versuchter
Nötigung; vgl. vorstehend, Erw. I.4.) als mittelgradig vermindert eingestuft. Trotz
Alkoholintoxikation gegen schwere Einbussen oder gar eine vollständige Aufhe-
bung der Schuldfähigkeit führten die Gutachter überzeugend das zielgerichtete
Handeln und gewissermassen die Folgerichtigkeit des Handelns des Beschuldig-
ten sowie das partiell kontrollierte, ein gewisses Mass an motorischer Geschick-
lichkeit erfordernde und abwägende Verhalten bei der Schussabgabe in den Gar-
ten, um niemanden körperlich zu verletzen, und sein Verhalten nach der Aus-
übung der Taten, an, als der Beschuldigte von den ermittelnden Polizeibeamten
nicht in einem bewusstseinsgeminderten, sondern geordneten und nicht relevant
angespannten Zustand vorgefunden worden war (Urk. 15/10 S. 77 ff.).
2.5.4. Ebenso überzeugend verneinten Prof. D._ und Dr. M._ eine
Verminderung der Schuldfähigkeit beim Verstoss gegen das Betäubungsmittelge-
setz im Zusammenhang mit der vom Beschuldigten seit 2011 betriebenen Indoor-
anlage. Begründet wird dies nachvollziehbar mit den eigenen Angaben des Be-
schuldigten, wonach dieser das Ziel verfolgte, in Zusammenarbeit mit und mit fi-
nanzieller Unterstützung durch einen in Holland lebenden, ein Labor betreibenden
Freund, dessen Name er nicht mitteilen wollte, Hanf gemäss selbst entwickelter
biologischer Anbaukriterien anzubauen und das daraus gewonnene THC mittel-
bis langfristig zu verkaufen. Das Vorgehen des Beschuldigten beim Aufbau der
Anlage bewertet der Gutachter zu Recht als planmässig und zielgerichtet, wel-
ches ein komplexes und langfristig angelegtes Handeln erfordert. Da der Be-
schuldigte seiner Mutter nichts von der Anlage erzählte und wegen der Anlage im
Konflikt mit seinen Untermietern J'._ (recte: J._) und I._ eine Invol-
vierung der Polizei gemieden hat, wird vom Gutachter nachvollziehbar als "Vorbe-
reitung gegen Entdecken" der Anlage gewertet. Der Beschuldigte wusste m.a.W.,
dass sein Handeln illegal war. Dennoch hat er sich bei bestehender Einsichts-
und Steuerungsfähigkeit im Sinne eines durchaus differenzierten Abwägungspro-
zesses unter Inkaufnahme des Gesetzesverstosses für den Anbau der Anlage
entschieden. Diese Tat steht für den Gutachter daher nicht in kausalem Zusam-
- 56 -
menhang mit dem beim Beschuldigten stehenden Abhängigkeitssyndrom. Dieser
habe das THC nicht selber konsumiert, und bei ihm war keine Cannabisabhän-
gigkeit zu diagnostizieren. Vielmehr habe sich der Beschuldigte in seiner Biogra-
phie sehr viel mit Hanfanbau und der Beschaffung und dem Verkauf von THC be-
schäftigt. Da die dissoziale Persönlichkeitsstörung nicht schwerwiegend ist, führt
sie in der Gesamtwürdigung laut Gutachten im Hinblick auf diese Tat nicht zu ei-
ner Schuldminderung (Urk. 15/10 S. 75 f., vgl. dazu auch Urk. 15/9 S. 35 f.).
2.5.5. Ohne Behandlung des Beschuldigten besteht laut Gutachten ein ent-
sprechend hohes Rückfallrisiko für erneute Verstösse im Sinne der bereits ein-
schlägigen Delikte (Urk. 15/10 S. 64 ff., S. 82). Als Massnahme empfiehlt der
Gutachter nach Rücksprachen vom 4. Oktober 2013 mit Dr. med. R._, Ober-
ärztin, E._ (E._) und mit Dr. med. S._, Oberarzt, E._, welche
den Beschuldigten früher behandelten und inzwischen eine langfristige Entwöh-
nung im stationären Rahmen befürworten (vgl. Urk. 15/9 S. 50 ff.; Urk. 21/10), aus
kriminalpolitischer und kriminologischer Sicht die Anordnung einer langfristigen
qualifizierten Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung von Alkohol und Benzodia-
zepinen zum Erreichen und Aufrechterhalten einer dauerhaften Abstinenz sowie
zur Reduzierung bzw. Kompensation der zumindest partiell durch die Abhängig-
keitssyndrome bedingten psychischen und sozialen Folgen. Eine erfolgreiche
Durchführung der Behandlung erfordere stationäre, beschützte und kontrollierte
Bedingungen im Sinne von Art. 60 StGB. Die stationäre Entzugs- und Entwöh-
nungsbehandlung müsse im Sinne eines multimodalen bzw. multidisziplinären
Behandlungsplanes psychiatrische, psychotherapeutische, pharmakotherapeuti-
sche, soziotherapeutische und ergotherapeutische Massnahmen beinhalten. We-
sentliche Ziele seien neben dem medikamentengestützten Entzug und gegebe-
nenfalls der Etablierung einer Pharmakotherapie zur Verminderung des Rückfall-
risikos auch die Herstellung einer Änderungsbereitschaft. Daneben sollten ein An-
tiaggressionstraining und ein soziales Kompetenztraining zur Erlernung von Be-
wältigungsstrategien im Umgang mit Aggressionen sowie interpersoneller Reiz-
konstellationen durchgeführt werden. Aufgrund der Schwere und Chronizität der
Abhängigkeitssyndrome sowie der Tatsache des positiven Zusammenhangs zwi-
schen Behandlungsdauer und Therapieerfolg sehen die Unterzeichner des Gut-
- 57 -
achtens hinsichtlich der Dauer der stationärbeschützten Massnahme einen mehr-
jährigen Zeitraum als sinnvoll an. Schliesslich empfiehlt das Gutachten ein dauer-
haftes Verbot, Waffen zu besitzen, gegen den Beschuldigten auszusprechen
(Urk. 15/10 S. 79 f., S. 84).
2.5.6. Angesichts der Schwere und Chronifizierung der Abhängigkeitssyn-
drome, der Vergangenheit wiederholt erfolglos gebliebenen Therapien und dem
als hoch einzustufenden Wiederholungsrisiko, bezeichnet das Gutachten eine
ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB aus psychiatrischer Sicht als nicht aus-
reichend (Urk. 15/10 S. 84).
2.6. Die Verteidigung brachte jedoch anlässlich der Berufungsverhandlung
vor, dass die Empfehlung des Gutachters überholt sei, da sich der Beschuldigte
zwischenzeitlich erfolgreich einer stationären Behandlung in der C._ Klinik
unterzogen habe. Soweit Dr. D._ von der Notwendigkeit einer Weiterführung
der ambulanten Suchtbehandlung ausgehe, sei der Beschuldigte dazu bereit. Zu
einer stationären Suchtbehandlung sei er hingegen im jetzigen Zeitpunkt nicht be-
reit, da auch nicht erkennbar sei, wo eine solche Massnahme vollzogen werde
könne. Eine erneute Behandlung in der C._ Klinik beispielsweise würde kei-
nen Sinn machen (Urk. 89 S. 11 f.). In Bezug auf die Frage des Aufschubs des
Strafvollzuges zugunsten einer ambulanten Massnahme verwies die Verteidigung
auf das Gutachten von Dr. D._. Der Gutachter habe sich diesbezüglich klar
geäussert. Ein vorheriger oder gleichzeitiger Strafvollzug sei nach der Beurteilung
des Gutachters nicht sinnvoll und wäre mit gesundheitlichen Risiken verbunden
(Urk. 89 S. 12).
2.7. Die Staatsanwaltschaft wies anlässlich der Berufungsverhandlung da-
rauf hin, dass die jahrelangen ambulanten Therapien beim Beschuldigten in der
Vergangenheit nicht von nachhaltigem Erfolg gekrönt gewesen seien. Auch die
Therapieberichte der Ärzte der E._ vom 9. März 2015, 11. Juni 2015 und
21. März 2016 würden nicht zu überzeugen vermögen, dass es mit einer erneuten
ambulanten Massnahme gelinge, den Beschuldigten von Rückfällen abzuhalten
(Urk. 88 S. 16 f.).
- 58 -
2.8. Die Situation stellt sich laut den aktuelleren Berichten aus dem vergan-
gen Jahr wie folgt dar: Der Zwischenbericht vom 9. März 2015 der E._ hält
fest, dass der Beschuldigte eine stationäre Entzugsbehandlung in der C._
Klinik gewünscht und selbständig ein Vorgespräch organisiert habe. Am 17. Feb-
ruar 2015 sei er in die C._ Klinik eingetreten (Urk. 78). Der Schlussbericht
der C._ Klinik vom 3. Juni 2015 attestiert, dass sich der Beschuldigte vom
17. Februar 2015 bis 30. April 2015 in stationärer Behandlung in der C._ Kli-
nik aufgehalten habe und nach der Alkoholentzugs- und Entwöhnungsbehandlung
von Alkohol und Benzodiazepin abstinent sei (Urk. 81). Gemäss dem Abklärungs-
bericht vom 21. März 2016 der E._ sei der Beschuldigte seit dem Austritt aus
der C._ Klinik abstinent. Nach dem Klinikaufenthalt habe sich der Beschul-
digte jedoch nicht mehr im Ambulatorium Bülach gemeldet. Auf telefonische An-
frage des leitenden Arztes T._ habe der Beschuldigte erklärt, keine Weiter-
führung der Behandlung im Ambulatorium zu wünschen, da es ihm seit dem Auf-
enthalt in der C._ Klinik gut gehe. Am 7. September 2015 habe sich der Be-
schuldigte selbst beim Ambulatorium gemeldet, worauf die ambulante Behand-
lung am 25. September 2015 wieder aufgenommen worden sei (Urk. 80).
3. Nachdem der Beschuldigte bereits eine stationäre Massnahme absolvier-
te und diese gemäss den vorliegenden Berichten in Bezug auf die Alkohol- und
Benzodiazepinabstinenz erfolgreich verlief (Urk. 80 und Urk. 81), ist die gerichtli-
che Anordnung einer stationären Massnahme nicht mehr notwendig. Obwohl der
Beschuldigte seit einem Jahr in nicht geschützter Umgebung von Alkohol und
Benzodiazepin abstinent lebt, darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass die
Abstinenz noch nicht gefestigt ist, weshalb eine diesbezügliche Hilfestellung im
Sinne einer ambulanten Behandlung erforderlich ist. Die vom Beschuldigte in un-
regelmässigen Abständen besuchten Therapiegespräche bei Herrn N._
(Prot. II S. 25) ändern an dieser Einschätzung nichts. Es ist eine ambulante Be-
handlung im Sinne von Art. 63 StGB (Suchtbehandlung Alkohol und Benzodiaze-
pin) anzuordnen.
4. Das Gericht kann den Vollzug einer zugleich ausgesprochenen unbeding-
ten Freiheitsstrafe zugunsten einer ambulanten Behandlung aufschieben, um der
- 59 -
Art der Behandlung Rechnung zu tragen (Art. 63 Abs. 2 StGB). Grundsätzlich ist
eine ambulante Massnahme während des Strafvollzugs durchzuführen. Dem
Strafaufschub kommt demnach Ausnahmecharakter zu. Ein Aufschub rechtfertigt
sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes nur, wenn die ambulante
Therapie (ausserhalb des Strafvollzuges) im konkreten Einzelfall aktuelle und
günstige Bewährungsaussichten eröffnet, die durch den Strafvollzug zunichte
gemacht oder erheblich vermindert würden. In diesem Fall überwiegt nach dem
Willen des Gesetzgebers der Resozialisierungszweck (der ambulanten Mass-
nahme) die Ziele der Generalprävention bzw. des gerechten Schuldausgleichs
(BGE 129 IV 161 E. 4.3). Wie bereits ausgeführt, lebt der Beschuldigte seit nun-
mehr einem Jahr in nicht geschützter Umgebung von Alkohol und Benzodiazepin
abstinent. Er schreibt an seiner Biografie und hat dadurch eine sinnvolle Aufgabe
und Beschäftigung. Um die vorliegend erlangte Stabilität des Beschuldigten nicht
durch den Strafvollzug zu beeinträchtigen, ist der Vollzug der Freiheitsstrafe im
Sinne einer allerletzten Chance zugunsten der ambulanten Behandlung aufzu-
schieben.
VIII. Ersatzforderung
1. Im angefochtenen Urteil wurde von der Anordnung der durch die Ankla-
gebehörde auch mit der Anschlussberufung wieder beantragten Ersatzforderung
in der Höhe von Fr. 3'590.– für den unrechtmässig erlangten Vermögensvorteil an
den Staat (Urk. 62 S. 2) abgesehen, da der Beschuldigte aufgrund seiner Schul-
den und der bescheidenen IV-Rente nicht in der Lage sei, diese zu bezahlen
(Urk. 56 S. 39).
2. Das Gericht verfügt die Einziehung von Vermögenswerten, die durch eine
Straftat erlangt worden sind oder dazu bestimmt waren, eine Straftat zu veranlas-
sen oder zu belohnen, sofern sie nicht dem Verletzten zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes ausgehändigt werden (Art. 70 Abs. 1 StGB). Das Recht
zur Einziehung verjährt nach sieben Jahren; ist jedoch die Verfolgung der Straftat
einer längeren Verjährungsfrist unterworfen, so findet diese Frist auch auf die
Einziehung Anwendung (Art. 70 Abs. 3 StGB). Lässt sich der Umfang der einzu-
- 60 -
ziehenden Vermögenswerte nicht oder nur mit unverhältnismässigem Aufwand
ermitteln, so kann das Gericht diesen schätzen (Art. 70 Abs. 5 StGB). Sind die der
Einziehung unterliegenden Vermögenswerte nicht mehr vorhanden, so erkennt
das Gericht auf eine Ersatzforderung des Staates in gleicher Höhe (Art. 71 Abs. 1
StGB). Das Gericht kann von einer Ersatzforderung ganz oder teilweise absehen,
wenn diese voraussichtlich uneinbringlich wäre oder die Wiedereingliederung des
Betroffenen ernstlich behindern würde (Art. 71 Abs. 2 StGB; Urteil des Bundesge-
richts 6B_430/2012 vom 8. Juli 2013, E. 3).
3. Die vom Beschuldigten aus dem Verkaufserlös des von F._ produ-
zierten Marihuanas eingenommenen Fr. 3'500.– sowie die durch den eigenen
Verkauf von 30 Stecklingen erzielten Fr. 90.– stellen zweifelsfrei Vermögenswerte
dar, welche durch Straftat erlangt wurden, weshalb die von der Staatsanwalt-
schaft geltend gemachte Summe von Fr. 3'590.– grundsätzlich der Einziehung
unterliegt. Unstrittig ist, dass dieses Geld beim Beschuldigten nicht mehr vorhan-
den ist, weshalb die Staatsanwaltschaft vom Beschuldigten die Ablieferung dieser
Summe als Ersatzforderung an den Staat verlangt. Wie sich aus den persönlichen
Verhältnissen des Beschuldigten ergibt, sind seine wirtschaftlichen Verhältnisse
knapp, was ihn neben der monatlichen IV-Rente in der Höhe von Fr. 1'700.– pro
Monat auch noch zum Bezug von Ergänzungsleistungen berechtigt. Darüber hin-
aus hat er Schulden und verfügt nicht über Vermögen. Da sich die Ersatzforde-
rung unter den gegebenen Umständen voraussichtlich als uneinbringlich heraus-
stellen dürfte und einer einstigen Wiedereingliederung des Beschuldigten eben-
falls abträglich sein würde, ist mit der Vorinstanz von einer Verpflichtung des Be-
schuldigten zur Leistung der beantragten Ersatzforderung an den Staat abzuse-
hen.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massga-
be ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
- 61 -
2. Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen in Bezug auf den Schuld-
spruch betreffend mehrfache Widerhandlung gegen Art. 19 Abs. 1 lit. a und lit. c
BetmG und mehrfache Begünstigung sowie in Bezug auf die Strafhöhe und den
Vollzug. Die Staatsanwaltschaft dringt hingegen mit dem beantragten Schuld-
spruch wegen Geldwäscherei, mit der beantragten Ersatzforderung an den Staat
und bei der Strafhöhe nicht durch. Es rechtfertigt sich daher insgesamt, dem Be-
schuldigten die Kosten des Berufungsverfahrens zur Hälfte aufzuerlegen und zur
Hälfte auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Die Kosten der amtlichen Verteidigung gehen ebenfalls zu Lasten des
Beschuldigten, doch hat er diese nur dann nachträglich im Umfang der Hälfte zu
bezahlen, wenn es seine finanzielle Lage erlaubt (Art. 426 Abs. 1 StPO; Art. 135
Abs. 4 StPO).