# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4a735074-0b1a-4ee3-adf3-56548a540c04
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1959, war ab Oktober 2009 bis zu ihrer Kündigung im September 2019 per Ende März 2020 als stellvertretende Geschäftsleiterin Pen
sionskassen bei der
Y._
AG tätig, wobei sie ab 1
3.
Januar 2020
vollumfänglich
krankgeschrieben war (
Urk.
6/1,
Urk.
6/5
Ziff.
5.4,
Urk.
6/16). Am 3
0.
August 2020 meldete sie sich unter Hinweis auf gesundheitliche Probleme, die nach Eintritt eines neuen Vorgesetzten im Jahr 2017 begonnen hätten, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/3,
Urk.
6/5
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab. Am 1
4.
Oktober 2020 teilte sie der Versicherten mit, dass aufgrund ihres Gesundheitszustands zurzeit keine Eingliederungsmass
nahmen möglich seien (
Urk.
6/13). Nach Durchführung des
Vorbescheidverfah
rens
(
Urk.
6/19,
Urk.
6/28) verneinte sie mit Verfügung vom 3
0.
April 2021
(
Urk.
6/33 =
Urk.
2)
sodann einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversi
cherung.
2.
Am
2.
Juni 2021 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 3
0.
April 2021 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben, und ihr seien die gesetzlichen Leistungen zu gewähren, insbesondere sei ihr ab Februar 2021 eine ganze Rente auszurichten. Eventuell sei die Sache zu weiteren Abklärungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2 oben). Die IV-Stelle bean
tragte mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Juli 2021 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 3
0.
August 2021 (
Urk.
7) zur Kenntnis gebracht.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung
haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1
.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen.
Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) aus, gemäss Beurteilung durch ihren Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) könne die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) nicht übernommen werden. Es fehle das adäquate primäre auslösende Trauma. Es sei nicht nachvoll
ziehbar, dass eine Arbeitsunfähigkeit vorliegen solle. Die Beschwerdeführerin führe weder eine psychotherapeutische Behandlung im engeren Sinn durch noch erfolge eine adäquate psychopharmakologische Medikation (S. 1 unten). Es sei ihr möglich, ein rentenausschliessendes Einkommen zu erzielen (S. 2 oben). Auf
grund des im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
eingegangenen Berichts des behandelnden Arztes sei (nunmehr) zwar davon auszugehen, dass die Diagnose einer PTBS korrekt sei. Das Trauma sei auf den Arbeitsplatzkonflikt bezogen. Dies sei jedoch nicht als langanhaltender, invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden zu werten. Die Beschwerdeführerin sei aufgrund der Scha
denminderungspflicht im Rahmen ihrer Eigenverantwortung dazu angehalten, alles dazu beizutragen, dass sich die gesundheitliche Situation verbessert (S. 2 Mitte).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt dem beschwerdeweise (
Urk.
1) entgegen, der Ent
scheid der Beschwerdegegnerin entbehre jeglicher medizinischen Grundlage (S. 4
Ziff.
7). Wegen psychischer Beschwerden sei sie in ihrer Arbeitsfähigkeit für jeg
liche Tätigkeiten erheblich eingeschränkt. Die Aktenbeurteilung durch den RAD sei fachfremd durch einen Allgemeinmediziner erfolgt. Dieser habe verkannt, dass die Kodierung nach ICD-10 F43.2 nicht für eine PTBS, sondern für eine Anpas
sungsstörung stehe. Auch habe er sich nicht mit den durch den behandelnden Arzt erhobenen Befunden auseinandergesetzt. Es komme nicht auf die Diagnose
an, sondern darauf, welche funktionellen Einschränkungen daraus resultierten. Die Beschwerdegegnerin sei ihrer Abklärungsp
flicht nicht nachgekommen (S. 4 ff.
Ziff.
9-11). In einer aktuellen Stellungnahme vom 2
7.
Mai 2021 äussere sich der behandelnde Arzt (auch) zum massgebenden Zeitraum bis zum
Verfü
-
gungs
erlass
. Daraus gehe hervor, dass die anfängliche PTBS in das klinische Bild einer Anpassungsstörung übergegangen sei und dass weiterhin erhebliche Einschrän
kungen bestünden, weshalb die bisherige Tätigkeit nicht mehr möglich sei (S. 6
Ziff.
12). Die gesundheitlichen Einschränkungen seien auch nicht nur auf den Arbeitsplatzkonflikt bezogen gewesen, lasse die Beschwerdegegnerin doch ausser Acht, dass sie (die Beschwerdeführerin) eine per
1.
April 2020 im Rahmen eines Arbeitsversuchs im Umfang von 50
%
aufgenommene Arbeit wegen der gesund
heitlichen Einschränkungen bereits nach kurzer Zeit wieder habe beenden müs
sen. Auch hier sei die Beschwerdegegnerin ihrer Abklärungspflicht nicht nachge
kommen (S. 6 f.
Ziff.
13). Gestützt auf die Beurteilung des behandelnden Arztes sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ihr die bishe
rige Tätigkeit nicht mehr und eine leidensangepasste Tätigkeit noch im Umfang von 50
%
zumutbar sei. Sollte dieser Einschätzung nicht gefolgt werden, sei die Sache zur Vornahme einer externen psychiatrischen Begutachtung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (S. 7
Ziff.
14). Schliesslich machte die Beschwerdeführerin weitere Ausführungen zur Schadenminderung (S. 7
Ziff.
15-17), zum strukturierten Beweisverfahren (S. 8
Ziff.
18), zur Qualifikation (S. 8
Ziff.
19-20), zum Einkommensvergleich (S. 9 f.
Ziff.
21-25) sowie zur Verwert
barkeit der Restarbeitsfähigkeit (S. 10
Ziff.
26).
2.3
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
5) stellte sich die Beschwerdegegnerin unter Ver
weis auf die Beurteilung durch ihren RAD auf den (ursprünglichen) Standpunkt, dass die Diagnose einer PTBS nicht nachvollzogen werden könne (
Ziff.
3-4). Soweit in der Beschwerde geltend gemacht werde, dass die PTBS in eine Anpas
sungsstörung übergegangen sei, sei eine solche nur vorübergehend. Das gesund
heitliche Leiden der Beschwerdeführerin sei durch den Arbeitsplatzkonflikt und die Kündigung ausgelöst worden. Diese psychosozialen Belastungsfaktoren seien nicht durch die Invalidenversicherung versichert (
Ziff.
5). Es liege keine invali
denversicherungsrechtlich relevante gesundheitliche Einschränkung vor, welche die Beschwerdeführerin langandauernd in ihrer Erwerbsfähigkeit beeinträchtige. Der Sachverhalt sei genügend abgeklärt worden (
Ziff.
6).
2.4
Strittig und zu prüfen ist
der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin und in die
sem Zusammenhang die Frage, ob ein
invalidisierender
psychischer Gesundheits
schaden ausgewiesen ist.
3.
3.1
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am
5.
Oktober 2020 (
Urk.
6/12/7-10), die Beschwerdeführerin stehe seit 2
2.
Januar 2020 in seiner ambulanten Behandlung, wobei bis Juli 2020 zwei
wöchentliche Konsultationen und seither monatliche Konsultationen stattgefun
den hätten (S. 1
Ziff.
1.1-2). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit nannte
Dr.
Z._
eine PTBS (ICD-10 F43.2), Erstdiagnose im Januar 2020 (S. 4
Ziff.
2.5).
Dr.
Z._
führte aus, Selbstbestimmung und exorbitante Tüch
tigkeit und Lebensbewährung zeichneten die Beschwerdeführerin aus. Vor zehn Jahren habe sie ihre letzte Anstellung in höchst verantwortungsvoller Position angetreten und sei von ihrem Chef und ihren sechs untergebenen Mitarbeiterin
nen ausserordentlich geschätzt worden. Vor zweieinhalb Jahren sei ihr Chef pensioniert worden. Der neue Chef habe die Beschwerdeführerin schikaniert, ent
wer
tet, unter Druck gesetzt und Intrigen veranstaltet. Im Sommer 2019 sei sie schlaf
los geworden und habe unter ständig sich steigerndem Kopfweh gelitten. Im Oktober 2019 habe sie ihre Stelle zu fünfzig Prozent kündigen wollen, der neue Chef habe aber auf einem 60
%
Pensum beharrt und die Schikanen ver
mehrt, sodass sie zutiefst erschöpft, von Schlaflosigkeit und
Cephalea
zermürbt am
3.
Januar 2020
(richtig: 2
7.
September 2019,
Urk.
6/16/9)
ihre Stelle auf Ende April 2020
(richtig: 3
1.
März 2020,
Urk.
6/16/9)
ganz gekündigt habe. Noch am gleichen Tag habe der Chef ihr jegliche Kompetenzen entzogen und sie habe erst
mals in ihrem Leben einen psychophysischen Zusammenbruch erlitten. Die Beschwerdeführerin sei über Monate hinweg fassungslos, schlaflos und von Kopf
schmerzen geplagt gewesen. Hinzu gekommen sei ein bis heute andauernder the
rapieresistenter Juckreiz am ganzen Körper. Sie habe sich vollkommen auf ein häusliches Leben zurückgezogen, widme sich ihrer einzigen Enkelin und dem Garten, sei noch von nächtlichen Albträumen geplagt und gerate beim Gedanken an das Geschehene in Panik. Im Frühjahr 2020 habe sie nochmals versucht, in ihrem angestammten Beruf probeweise eine 50%-Stelle anzunehmen, habe aber innert weniger Arbeits
s
tunden erfahren müssen, dass sie auch in der neuen, durchaus wohlwollenden und freundlichen Arbeitsatmosphäre überfordert
sei
und die posttraumatischen Symptome sie einhol
t
en, sodass sie den Versuch wie
der habe abbrechen müssen (S.
3
ff.
Ziff.
2.1-2). Trotz quälendstem psychischen Leiden sei die Beschwerdeführerin nie für eine psychopharmakologische Behand
lung zu gewinnen gewesen (S. 3
Ziff.
2.3). Da sie einer psychotherapeutischen Behandlung im engeren Sinn nicht zugänglich sei, fänden begleitend-beratend-stützende monatliche Konsultationen statt (S. 4
Ziff.
2.8).
In der letzten Tätigkeit als Verantwortliche für das Pensionskassenwesen bei
Y._
bestehe seit 1
3.
Januar 2020 eine volle Arbeitsunfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.3). Die schwer traumatisierte Beschwerdeführerin werde in absehbarer Zeit ihre Arbeitsfähigkeit nicht mehr wiedererlangen (S. 4
Ziff.
2.6), könne sich aber dem Haus, Garten und Betreuungsaufgaben widmen (S. 4
Ziff.
3.1). Diese selbst installierte angepasste Tätigkeit sei ihr halbtags zumutbar (
S. 4
Ziff.
4.2).
3.2
Dr.
med. A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, berichtete am 1
2.
No
vember 2020 (
Urk.
6/17), die Beschwerdeführerin seit 2005 aufgrund eines Schilddrüsenleidens zu behandeln und regelmässig zur Kontrolle der Schilddrü
senfunktion zu sehen. Seit zwei Jahren zeige sie eine zunehmende depressive Entwicklung bei starker Belastung am Arbeitsplatz. Im Herbst 2019 habe sich die Situation zugespitzt und sei über die Festtage 2019/2020 eskaliert. Es sei zu einer Erschöpfung und einer vollen Arbeitsunfähigkeit ab 1
3.
Januar 2020 gekommen und er habe die Beschwerdeführerin am 1
4.
Januar 2020 an
Dr.
Z._
über
wiesen (
Ziff.
2.1). Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
Dr. A._
eine mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F32.1), eventuell auch eine schwere
(
ICD-10 F32.2
;
Ziff.
2.5). Betreffend Prognose zur Arbeitsfähigkeit verwies er auf
Dr.
Z._
(
Ziff.
2.6).
3.3
RAD-Arzt
Dr.
med. B._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, führte in seiner Stellungnahme
zu den Akten
vom 2
1.
Januar 2021 (
Urk.
6/18/4-5) aus, die Diagnose einer PTBS (
ICD-10
F43.2) könne nicht übernommen werden. Es fehle das adäquate primäre auslösende Trauma. Die Beschwerdeführerin führe keine psychotherapeutische Behandlung im engeren Sinne durch und es erfolge auch keine adäquate psychopharmakologische Medikation. Mit einer regelmässigen adäquaten psychotherapeutischen und psychopharmakologischen Behandlung wäre mindestens eine 60%ige Arbeitsfähigkeit innert Jahresfrist, das heisse sicher ab Anfang 2021, möglich gewesen. Daher sei keine invalidenversicherungsrecht
lich relevante, länger anhaltende Einschränkung d
er Arbeitsfähigkeit gegeben (S.
4 unten, S. 5 oben).
3.4
Am 2
7.
Mai 2021 (
Urk.
3/3) berichtete
Dr.
Z._
zu
Handen
der Rechtsver
treterin der Beschwerdeführer
in,
L
etztere
sei seit dem Ausscheiden aus dem Arbeitsverhältnis mit der
Y._
noch täglich mit seelisch höchst belastenden Erinnerungsbildern an die Mobbingsituation konfrontiert und diese bewirkten eine massiv gestörte nächtliche Erholung. Bis heute bestehe eine volle Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit (S. 1 Mitte). Diagnostisch sei das Krankheitsbild einer anfänglichen PTBS in das klinische Bild einer Anpassungs
störung (ICD-10 F43.23) übergegangen mit im Alltagsleben erheblichen kogniti
ven und exekutiven Beeinträchtigungen (S. 1 unten). Die Krankheitsfolgen ver
unmöglichten jede Arbeitsfähigkeit in Arbeitssituationen, die den beruflichen Qualifikationen der Beschwerdeführerin entsprächen. Eine Arbeitsfähigkeit für eine Erwerbstätigkeit mit stark verminderten kognitiven und exekutiven Anfor
derungen erachte er heute hingegen als im Umfang von etwa 50
%
gegeben. Die Beschwerdeführerin lehne jegliche psychiatrische Medikation ab und jegliche psychotherapeutische Einwirkung sei ausgeschlossen, da der von ihrer Herkunfts
mentalität stark geprägten Beschwerdeführerin die Introspektionsfähigkeit dazu fehle (S. 2).
4.
4.1
Ausweislich der Akten begab sich die Beschwerdeführerin im Januar 2020 erst
mals in ambulante psychiatrische Behandlung, dies, nachdem
sie im Zuge eines
Arbeitsplatzkonfliktes einen psychophysischen Zusammenbruch erlitten hatte, welcher eine
durch den Hausarzt attestierte
vollständige Arbeitsunfähigkeit ab 1
3.
J
anuar 2020
n
ach sich zog (vgl. vorstehend E. 3.1-2). Der behandelnde Psy
chiater
Dr.
Z._
diagnostizierte im Zeitpunkt des B
ehandl
ungsbeginns eine PTBS, codierte diese allerdings mit dem Diagnose-Code ICD-10 F43.2, was einer Anpassungsstörung entspricht (vorstehend E. 3.1).
In seiner Stellungnahme vom 2
1.
Januar 2021 (vorstehend E. 3.3) wies RAD-Arzt
Dr.
B._
zutreffend darauf hin, d
ass
sich
die Diagnose einer PTBS
nicht
begründen lässt. Der von der
Beschwerdeführerin geschilderte Konflikt am Arbeitsplatz (vgl.
Urk.
6/3)
mag sie zwar nachvollziehbarerweise belastet haben,
er
stellt
indes
kein auslösendes Trauma
von hinreichender Schwere
(vgl. BGE 142 V 342
E. 5.2.2)
dar
, wie
es
zur Herleitung
der Diagnose einer PTBS
gemäss
ICD-10 F43.1
erforderlich
ist.
Soweit
Dr.
Z._
die ICD-Codierung für eine Anpassungsstörung
(ICD-10 F43.2 beziehungsweise ICD-10 F43.23)
verwendete, erweist sich auch diese Diagnose als nicht lege
artis
anhand der diagnostischen Leitlinien
gestellt,
weder im Bericht vom
5.
Oktober 2020 (vorstehend E. 3.1) noch im Bericht vom 2
7.
Mai 2021 (vorstehend E. 3.4). Dies
mit Blick auf Letzteren
umso mehr,
als
gemäss den Klassifikationskriterien unter F43.2 Störungen erfasst
werden
, deren Symptome meist nicht länger als sechs Monate anhalten
und bei Andauern der Symptome die Diagnose geändert und die andauernden Belastun
gen unter V
erwendung der
Z-Kodierung
en
der ICD-10 gekennzeichnet werden sollte
n,
bei
welchen
es sich
aber
um ein zeitlich begrenztes Phänomen und des
halb rechtsprechungsgemäss
von vornherein
nicht um langdauernde
und damit
potentiell invalidisierende
beziehungsweise
rechtserhebliche Gesundheitsschädi
gungen handelt
(vgl. Urteil
e
des Bundesgerichts
9C_87/
2017 vom 1
6.
März 2017,
8C_551/2015 vom 1
7.
März 2016 E. 5.1).
Anders verhält es sich bei den längeren depressiven Reaktionen (
ICD-10
F43.21
;
vgl.
zum ganzen
Dilling
/
Mombour
/
Schmidt,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V
[F],
Klinisch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Aufl. 2015, S. 209 f.
). Eine solche wurde im vorliegenden F
all jedoch
selbst vom behandelnden Facharzt
nicht diagnosti
ziert
.
Ebenso wenig sind den medizinischen Unterlagen
Anhalts
punkte für eine
Chronifizierung
des Leidens oder für Komorbiditäten zu entneh
men (BGE 1
43
V 409 E. 4.5.3)
, weshalb die Beschwerdegegnerin Weiterungen zu Recht unterlassen hat
.
4.2
Abgesehen von den dargelegten Unzulänglichkeiten in der Diagnosestellung ist festzuhalten, dass
aufgrund der von
Dr.
Z._
in seinen Berichten
angeführ
ten
Befundlage das Vorliegen einer verselbständigten psychischen Störung mit Auswirkungen auf die
Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
nicht erkennbar ist.
Viel
mehr wird daraus deutlich, dass die Beschwerden der Beschwerdeführerin untrennbar mit den Geschehnissen an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz verknüpft sind.
So erschöpft sich der von
Dr.
Z._
im Bericht vom
5.
Oktober 2020
(vorstehend E. 3.1)
angeführte Befund im Wesentlichen in der Feststellung, dass bei der Beschwerdeführerin
ein grosses Leid an dem als grausam empfundenen und die Identität fast auslöschenden Ende
ihrer
Arbeitsbiografie, welche de
n
kos
t
barsten und wichtigsten Teil ihre
s Lebens
beinhaltet habe, bestehe, und dieses
vor allem an den heute
chronifizierten
psychosomatischen Symptomen mit andau
ernder Schlafstörung,
Cephalea
und quälendem P
r
uritus
abgelesen werden könne
(
Urk.
6/12/9
Ziff.
2.4).
Soweit
Dr.
Z._
die Beschwerdeführerin
darüber hin
aus
als im Kontakt auffallend nüchtern, kaum schwingungsfähig, von sprödestem Verhalten und ebensolcher Kontrolliertheit sowie als nahezu introspektionsun
fäh
ig beschrieb, ist nicht erkennbar, inwiefern
darin ein die Arbeitsfähigkeit mass
geblich beeinträchtigendes medizinisches S
ubstrat zu erblicken sein soll
, zumal es naheli
e
gend erscheint, dass
namentlich
die
herabgesetzte
Schwingungs
fähigkeit
ebenfalls
in Zusammenhang mit den belastenden invaliditätsfremden Faktoren steht.
Die Schilderungen im Bericht vom 2
7.
Mai 2021 (vorstehend E. 3.4), wonach die Beschwerdeführerin
noch täglich mit seelisch höchst belastenden Erinnerungsbil
dern an die Mobbingsituation konfrontiert und
dadurch in ihrer
nächtliche
n
Erholung
massiv gestört sei,
verdeutlichen
die enge Verflechtung der geklagten Beschwerden mit den Erlebnissen am ehemaligen Arbeitsplatz.
Dies wird unter
strichen durch die Aussage
von
Dr.
Z._
,
dass
der
Beschwerdeführerin der
Gedanke, an diesen Arbeitsplatz zurückkehren zu müssen, nur Grauen errege (
Urk.
3/3 S. 1 Mitte)
,
sowie
die (sinngemässe)
Aussage
, dass
es bei der Beschwer
deführerin zuweilen zu psychogenen Ausnahmezus
t
änden
beziehungsweise affektiven Ausbrüchen komme mit verzweifelter Wut und Ohnmacht und dem vernichtenden Gefühl, nach so langem treuem Dienen radikal im Stich gelassen worden zu sein, und sie sich nur noch schwer krank und zerstört erlebe (
Urk.
3/3 S. 1 unten).
Vor diesem Hintergrund ist festzuhalten
, dass
die vom behandelnden Psychiater atte
sti
erte Arbeitsunfähigkeit
ihre Erklärung
weitestgehend in psychosozialen Umständen
findet
. Ein psychosozial bedingtes Beschwerdebild vermag
zwar medizinisch die Diagnose einer
Anpassungsstörung,
indes rechtlich keine Invali
dität zu begründen
(vgl.
Art.
7
Abs.
2 und
Art.
8
Abs.
1 ATSG
; Urteil
e
des Bun
desgerichts
9C_543/2018 vom 2
1.
November 2018 E. 4 und
8C_858/2017 vom 1
7.
Mai 2018 E. 3.2)
.
4.3
Abgesehen davon spricht nicht zuletzt
auch
die Tatsache, dass
sich die Beschwer
deführerin weder einer eigentlichen psychotherapeutischen noch einer pharma
kologischen Behandlung unterzieht, gegen das Vorliegen eine
r invalidisierenden psychischen
Störung. Soweit
Dr.
Z._
dies mit einer herkunftsbedingten
(
aus dem bäuerlich-kathol
i
s
chem Oberwallis stammendes und jeder bewusstseinsver
ändernden «Droge» zutiefst abgeneigtes «Kind der Berge», vgl.
Urk.
6/12/9
Ziff.
2.3,
Urk.
3/3 S. 2 Mitte)
Introspektionsunfähigkeit begründet
e
,
vermag
dies
bei gleichzeitig besch
riebenem quälendstem psychischem
Leiden
einerseits und dem Erfolg im Beruf mit Selbstbestimmung, Tüchtigkeit und Lebensbewährung andererseits
(vgl. vorstehend E. 3.1)
nicht zu überzeugen
.
4.4
Schliesslich
kann die Beschwerdeführerin auch aus dem Umstand, dass sie einen i
m Frühjahr 2020 unternommenen
Arbeitsversuch
bei einem neuen Arbeitgeber
bereits nach kurzer Zeit
wieder abbrechen musste,
nichts zu
ihren Gunsten
ablei
ten. Da
ss der Abbruch in Zusammenhang mit einer
invalidenversicherungsrech
t
lich
relevanten psychischen Störung
stand, ist nicht dargetan.
4.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
ein
invalidisierende
r
psychische
r
G
esundheitsschaden
nicht ausgewiesen ist
. Angesichts der klaren Aktenlage kann der Beschwerdegegnerin entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin keine Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes vorgeworfen werden. Von weiteren Abklärungen sind keine neuen Erkenntnisse zu erwarten
,
weshalb
von der
even
tualiter beantragte
n
Rückweisung
abzusehen ist (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 144 V 361 E. 6.5)
.
Ist ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nicht ausgewiesen, hat die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin
zu Recht verneint. Auf die Ausführungen der Beschwerdeführerin zum strukturierten Beweisverfahren, zur Qualifikation, zum Einkommensvergleich und zur Verwert
barkeit der Restarbeitsfähigkeit (
Urk.
1 S. 8 ff.) ist bei diesem Ergebnis nicht wei
ter einzugehen.
D
ie
B
eschwerde ist abzuweisen.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind auf
Fr.
600.-- festzulegen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.