# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e862499f-785b-4e5e-830f-a5216a98d431
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Angelegenheit zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die IV-Stelle, an die
Ausgleichskasse des Kantons Graubünden und an das ABI. Die
Beschwerdeführerin forderte, dass mindestens eine Dreiviertelsrente
zuzusprechen sei. In Bezug auf die Restarbeitsfähigkeit im ABI-Gutachten
vermöge es nicht zu überzeugen, dass der Ärzteschaft nicht bewusst sei, dass
die übliche durchschnittliche Arbeitszeit nicht 8, sondern 8.32 Stunden resp.
8 Stunden und 20 Minuten pro Tag betrage. Weiter seien die Tabellenlöhne
der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) falsch angewendet
worden. Vorweg sei zu erwähnen, dass sie keine Parallelisierung der
Vergleichseinkommen fordere und ihre Restarbeitsfähigkeit sehr wohl anders
sehe als im ABI-Gutachten dokumentiert. Für die Bestimmung des
Invalideneinkommens sei auf ihre erlernte Tätigkeit als Schneiderin
abzustellen. Unter Berücksichtigung der Tabellenlöhne der LSE 2008 liege
der monatliche Bruttolohn (Zentralwert bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von
40 Stunden) für die Herstellung von Bekleidung und Pelzwaren bei Fr. 3'886.--
. Auf der Basis der üblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.6
Wochenstunden ergebe dies ein Jahresgehalt von Fr. 48'497.30. Bei einer
Arbeitsfähigkeit von 40% und einem Leidensabzug von 10% ergebe dies ein
hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 17'459.--. Beim
Einkommensvergleich resultiere daraus ein Invaliditätsgrad von 60.38%, was
einem Anspruch auf eine Dreiviertelsrente entspreche.
8. In ihrer Vernehmlassung vom 29. September 2010 beantragte die IV-Stelle
die Abweisung der Beschwerde. Begründend führte sie aus, dass den Ärzten
nicht bewusst sei, dass die übliche durchschnittliche Arbeitszeit nicht 8,
sondern 8.32 Stunden (41.6 Stunden : 5) resp. 8 Stunden und 20 Minuten pro
Tag betrage. Wenn der Kardiologe des ABI die von ihm festgestellte
Restarbeitsfähigkeit von 50% in Stunden festlege, sei klar, dass er dies mit
ca. 4 Stunden und nicht mit 4.16 Stunden pro Tag tue. Andererseits sei zu
beachten, dass die übliche durchschnittliche Arbeitszeit auch Pausen
enthalte, in der Regel zweimal je 15 Minuten. Die durchschnittliche effektive
Arbeitszeit würde also nur 7 Stunden und 50 Minuten pro Tag betragen. Daher
würde die der Versicherten pro Tag zumutbare Arbeitszeit (ca. 4 Stunden)
mindestens 50% der durchschnittlichen effektiven Arbeitszeit entsprechen.
Bei der Ermittlung des Invalideneinkommens sei auf den durchschnittlichen
Lohn in allen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors abzustellen. Eine
Ausnahme bestehe nur, wenn der Verwertbarkeit der verbliebenen
Arbeitsfähigkeit derart enge Grenzen gesetzt seien, dass praktisch alle
Tätigkeiten eines bestimmten Wirtschaftszweiges ausser Betracht fallen
würden. Davon könne vorliegend keine Rede sein. Der Beschwerdeführerin
seien sämtliche körperlich leichten, überwiegend sitzenden Tätigkeiten
zumutbar. Zudem lasse die Beschwerdeführerin ausser Acht, dass sie in
ihrem erlernten Beruf als Schneiderin über Berufs- und Fachkenntnisse
verfüge, was ein Abstellen auf das Anforderungsniveau 3 rechtfertigen würde.
Es wirke sich also zugunsten der Beschwerdeführerin aus, wenn das
Invalideneinkommen mit dem Zentralwert aller Wirtschaftszweige
(Anforderungsniveau 4) berechnet werde. Der IV-Grad von 48% sei somit
nicht zu bemängeln.
9. In Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels wies die Beschwerdeführerin in
ihrer Replik vom 12. Oktober 2010 darauf hin, dass in Bezug auf die
Arbeitsfähigkeit die Einschätzung ihres Hausarztes vom ABI negiert worden
sei, obwohl mehrere medizinische Berichte ein anderes Ergebnis festhalten
würden. Weiter würden ihr aufgrund der Beurteilung des ABI mehrere
Wirtschaftszweige verwehrt bleiben, weshalb die Berücksichtigung ihres
erlernten Berufs als Schneiderin folgerichtig sei. Schliesslich sei der durch die
IV-Stelle vorgenommene Leidensabzug von 10% zu tief.
10. Die IV-Stelle nahm zu diesen Vorbringen in ihrer Duplik vom 25. Oktober 2010
Stellung. Einerseits habe das ABI die Einschätzung von Dr. med. ...
berücksichtigt und andererseits orientiere sich seine Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit an den tatsächlichen Gegebenheiten einschliesslich der
Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin. Demgegenüber sei das ABI
darauf spezialisiert, den Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin und die
IV-rechtliche Arbeitsfähigkeit objektiv zu beurteilen. In Bezug auf den
Leidensabzug sei schliesslich festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin
nichts Stichhaltiges gegen den Abzug von 10% vorbringe.
Auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Verfügung sowie in den
Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet die
Verfügung der IV-Stelle vom 30. Juli 2010. Zu Recht unbestritten ist die
Zusprechung der ganzen Invalidenrente ab dem 1. September 2007. Streitig
ist die Frage, ob die Beschwerdeführerin ab dem 1. August 2008 nur noch
Anspruch auf eine Viertelsrente besitzt, wobei das ab dem 1. Mai 2008
relevante Invalideneinkommen zu prüfen ist. Demgegenüber ist das
Erwerbseinkommen ohne Behinderung (Valideneinkommen) im Umfang von
Fr. 44'068.30 nicht beanstandet worden.
2. a) Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall
verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsunfähigkeit (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG] in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]). Der
Versicherte hat bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40% Anspruch auf
eine Viertelsrente, ab 50% auf eine halbe Rente, ab 60% auf eine
Dreiviertelsrente und ab 70% auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG). Bei
erwerbstätigen Personen erfolgt die Bemessung der Invalidität aufgrund eines
Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG).
Bei dieser Methode wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person
nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen
Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitslage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen). In der Regel erfolgt der Einkommensvergleich in der
Weise, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig
möglichst genau bestimmt und einander gegenübergestellt werden, worauf
sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad ermitteln lässt (BGE
130 V 343 E. 3.4.2 S. 349, 128 V 29 E. 1 S. 30). Für die Festsetzung des
Invaliditätsgrades kommt es primär auf die wirtschaftliche Erwerbsunfähigkeit
und nicht auf die medizinische Arbeitsunfähigkeit an (PVG 2005 Nr. 11 E. 1a
S. 48 f., 1982 Nr. 80 S. 170). Ohne verlässliche medizinische
Entscheidungsgrundlagen ist es jedoch nicht möglich, die Erwerbsunfähigkeit
(Invaliditätsgrad) zu bestimmen.
b) Bei der Ermittlung des Invaliditätsgrades nach Art. 16 ATSG ist die Verwaltung
und im Beschwerdefall das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ihnen
Ärzte oder allenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben.
Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich
welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Die ärztlichen
Auskünfte und Befunde sind im Weiteren eine wichtige Grundlage für die
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person
noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 S. 261, 115 V 133 E. 2
S. 134, 114 V 310 E. 3c S. 314 f., 105 V 156 E. 1 S. 158 f.; EVG-Urteil I 640/02
vom 6. Mai 2003, E. 2.1). Es ist hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztberichtes entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten
Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen
Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind.
Somit ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die
Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahmen
als Bericht oder Gutachten ausschlaggebend für den Beweiswert (BGE 125 V
351 E. 3a S. 352). In Bezug auf Berichte von Hausärzten darf und soll das
Gericht der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher
zugunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 124 I 170 E. 4 S. 175 mit
Hinweisen).
3. a) Betreffend die Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsgeeigneten Tätigkeit
stellt sich die Frage, ob die IV-Stelle zu Recht davon ausgeht, dass bei der
Beschwerdeführerin seit dem 1. Mai 2008 eine 50%ige Arbeits- und
Leistungsfähigkeit besteht. Die Beschwerdeführerin macht nämlich geltend,
dass eine Arbeitsfähigkeit von ca. 4 Stunden pro Tag nicht mit einer 50%igen
Arbeitsfähigkeit gleichgesetzt werden dürfe. Dem kann nicht gefolgt werden.
Im ABI-Gutachten wird in Ziff. 4.2.5 S. 13 aus kardiologischer Sicht die
Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin für eine körperlich leichte,
überwiegend sitzende Tätigkeit auf ca. 4 Stunden pro Tag beziffert. In Ziff. 6.2
S. 15 und in Ziff. 6.9 S. 16 des Gutachtens wird von einer Arbeits- und
Leistungsfähigkeit von 50% in adaptierter Tätigkeit ausgegangen. Im Hinblick
auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.6 Stunden würde
eine Arbeitsfähigkeit von ca. 4 Stunden pro Tag lediglich einer Arbeitsfähigkeit
von ca. 48% (20 von 41.6 Stunden) entsprechen. Die IV-Stelle legt indessen
nachvollziehbar dar, dass den Ärzten bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
die übliche durchschnittliche Arbeitszeit nicht bewusst ist und sie
normalerweise von 8 Stunden pro Tag ausgehen, weshalb eben die 4
Stunden pro Tag einer Arbeitsfähigkeit von 50% entsprechen. Nur am Rande
sei dazu erwähnt, dass Pausen grundsätzlich nicht als Arbeitszeit gelten (vgl.
Art. 15 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und
Handel [Arbeitsgesetz, ArG]). Deshalb versteht sich die übliche
durchschnittliche Arbeitszeit in der Regel ohne Arbeitspausen. Die Einwände
der Beschwerdeführerin zur Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit durch das
ABI sind damit unbegründet. Es ist nicht zu beanstanden, dass die IV-Stelle
in Anlehnung an das ABI-Gutachten von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit
ausgeht.
b) Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin hat das ABI in Bezug auf
die Arbeitsfähigkeit die Einschätzung von Dr. med. ... berücksichtigt und sich
dazu geäussert. Zu bemängeln ist in dieser Hinsicht jedoch, dass dessen
Aussagen zur Arbeitsfähigkeit im ABI-Gutachten nicht vollständig bzw. nicht
korrekt zitiert worden sind. In Ziff. 6.6 des Gutachtens wird festgehalten, dass
übereinstimmend zum Hausarzt Dr. med. ... die Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit bestätigt werden könne. Zu Verweistätigkeiten habe
sich Dr. med. ... nicht geäussert. Dies trifft so nicht zu. Dr. med. ... hat in
seinem Arztbericht vom 25. bzw. 28. Mai 2008 festgestellt, dass der
versicherten Person weder die bisherige Tätigkeit noch eine andere Tätigkeit
zumutbar sei. Die Patientin sei wohl längerfristig nie mehr arbeitsfähig. In
seinem Bericht vom 15. Januar 2009 hat Dr. med. ... diese Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit bestätigt. Zur Frage einer behinderungsangepassten
Tätigkeit hat er in diesem Bericht angegeben, dass der Patientin vorerst keine
Arbeit mehr zumutbar sei. Dr. med. ... hat aber gleichzeitig auch darauf
hingewiesen, dass die Patientin kardial kompensiert sei und die
Mitralklappenprothese ausgezeichnet funktioniere. In der im April 2008
durchgeführten EKG-Untersuchung hätten keine Rhythmusstörungen mehr
nachgewiesen werden können. Objektiv sei die Prognose bezüglich dem Herz
nach der erfolgreichen Operation günstig. Unter Berücksichtigung dieser
Beurteilung erscheint dem Gericht die vom ABI attestierte Arbeitsfähigkeit von
50% nachvollziehbar. Dies gilt umso mehr, als das Gericht in Bezug auf
Berichte von Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung tragen darf und
soll, dass diese im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in
Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. vorstehende
Erwägung Ziff. 2b).
c) Dr. med. ..., RAD Ostschweiz, hält in seiner Stellungnahme vom 15.
September 2009 fest, dass die attestierte Restarbeitsfähigkeit von 50% in
adaptierter Tätigkeit ab dem 1. Mai 2008 gelte. Begründend führt er aus, dass
zwischen der ambulanten postoperativen Herzkontrolle vom 28. April 2008
und dem Datum der ABI-Begutachtung von einem stationären Verlauf
ausgegangen werden könne. Diese Beurteilung überzeugt das Gericht nicht.
Zum einen äussert sich das ABI-Gutachten, welches sich auf Untersuchungen
der Beschwerdeführerin im Juli 2009 stützt, nicht zum Beginn der
Restarbeitsfähigkeit und zum anderen hält Dr. med. ... noch im Januar 2009
fest, dass auch in behinderungsangepasster Tätigkeit eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit besteht. Deshalb ist es für das Gericht naheliegender, erst
ab dem Datum der Untersuchungen der Beschwerdeführerin im ABI am 6.
bzw. 28. Juli 2009 von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
auszugehen. Unter Berücksichtigung der dreimonatigen Anpassungsfrist
nach Verbesserung des Gesundheitszustandes ist der Beginn des Anspruchs
auf eine Viertelsrente auf den 1. November 2009 festzulegen (vgl. Art. 88a
Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]). Bis Ende
Oktober 2009 steht der Beschwerdeführerin damit unverändert eine ganze
Invalidenrente zu.
4. a) Das Invalideneinkommen wurde hingegen korrekt berechnet. Wie die IV-
Stelle zu Recht erwähnt, sind für die Festsetzung des Invalideneinkommens
aufgrund von Tabellenlöhnen gemäss LSE in der Regel die Lohnverhältnisse
im gesamten privaten Sektor massgebend. Eine Ausnahme besteht nur dann,
wenn der Verwertbarkeit der verbliebenen Arbeitsfähigkeit derart enge
Grenzen gesetzt sind, dass praktisch alle Tätigkeiten eines bestimmten
Sektors ausser Betracht fallen (vgl. BGE 129 V 472 E. 4.3.2 S. 483 f.; RKUV
2001 Nr. U 439 E. 3c/cc S. 348 f.; Meyer, Rechtsprechung des Bundesgerichts
zum IVG, 2. Aufl., 2010, S. 313 f.). Im vorliegenden Fall sind keine
Anhaltspunkte ersichtlich, welche eine solche Ausnahme begründen und ein
Abstellen auf den Wirtschaftszweig „Herstellung von Bekleidung und
Pelzwaren“ – wie dies die Beschwerdeführerin verlangt – rechtfertigen
würden. Gemäss ärztlicher Einschätzung sind der Beschwerdeführerin
sämtliche körperlich leichten, überwiegend sitzenden Tätigkeiten zumutbar.
Ausserdem lässt die Beschwerdeführerin ausser Acht, dass sie in ihrem
erlernten Beruf als Schneiderin über Berufs- und Fachkenntnisse verfügt. Zu
Recht weist die IV-Stelle darauf hin, dass auf das Anforderungsniveau 3
abgestellt werden müsste, wenn für die Ermittlung des Invalideneinkommens
vom erlernten Beruf der Beschwerdeführerin auszugehen wäre. Gemäss LSE
2008 würde diesfalls der monatliche Bruttolohn (Zentralwert) im
Wirtschaftszweig „Herstellung von Bekleidung und Pelzwaren“ bei Fr. 4'235.-
- und im Wirtschaftszweig „Textilgewerbe“ bei Fr. 4'436.-- und damit höher
liegen. Das Vorgehen der IV-Stelle, beim Invalideneinkommen auf den
Zentralwert aller Wirtschaftszweige (Anforderungsniveau 4) abzustellen, wirkt
sich damit zum Vorteil der Beschwerdeführerin aus.
b) Die IV-Stelle hat einen Leidensabzug von 10% gewährt, da der
Beschwerdeführerin nur noch leichte Tätigkeiten zumutbar sind. Das ist nicht
zu beanstanden. Die Beschwerdeführerin bringt nichts Stichhaltiges vor, was
zu einer anderen Beurteilung führen müsste. Bei einer versicherten Person,
die leichte Hilfsarbeiten ohne weitere Einschränkungen noch halbtags
verrichten kann, gilt ein Leidensabzug von 10% als angemessen (Meyer,
a.a.O., S. 315). Dies gilt umso mehr, als sich Teilzeitbeschäftigungen bei
Frauen, insbesondere bei einem Pensum von 50%, im Vergleich zu einer
Vollzeitbeschäftigung eher lohnerhöhend auswirken (EVG-Urteil I 575/00 vom
9. Mai 2001, E. 3b).
c) Gemäss den vorstehenden Ausführungen berechnet sich das
Invalideneinkommen demnach wie folgt: Der monatliche Bruttolohn
(Zentralwert bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden) für einfache
und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4) im privaten Sektor bei
Frauen belief sich im Jahr 2008 gemäss Tabelle TA1 der LSE 2008
durchschnittlich auf Fr. 4'116.--. Dies ergibt auf der Basis der üblichen
durchschnittlichen Arbeitszeit von 41.6 Wochenstunden ein Jahresgehalt von
Fr. 51'367.68 (Fr. 4'116.-- : 40 x 41.6 x 12). Für das Jahr 2008 resultiert damit
bei einer Arbeitsfähigkeit von 50% und einem Leidensabzug von 10% ein
hypothetisches Invalideneinkommen von Fr. 23'115.46 (Fr. 51'367.68 x 0.5 x
0.9). Wenn der Beginn der 50%igen Arbeitsfähigkeit auf den 1. August 2009
festgesetzt wird, ändert dies am IV-Grad nichts. Das unbestrittene
Valideneinkommen von Fr. 44'068.30 und das Invalideneinkommen von
Fr. 23'115.46, welche beide für das Jahr 2008 ermittelt worden sind, müssen
der Nominallohnentwicklung angepasst werden. Für das Jahr 2009 betrug die
Teuerung 2.1% (Bundesamt für Statistik, Lohnentwicklung 2009, Tabelle
T1.93, S. 22), womit sich ein Valideneinkommen von Fr. 44’993.75 und ein
Invalideneinkommen von Fr. 23'600.90 ergibt. Aus dem
Einkommensvergleich resultiert damit ein IV-Grad von 47.55%, aufgerundet
48%. Dieses Ergebnis stimmt mit dem IV-Grad gemäss der angefochtenen
Verfügung vom 30. Juli 2010 (ohne Berücksichtigung der Teuerung 2009)
überein.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Beginn der Viertelsrente anstatt auf
den 1. August 2008 auf den 1. November 2009 (gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV
dreimonatige Anpassungsfrist nach Verbesserung des
Gesundheitszustandes) festzusetzen ist. Bis Ende Oktober 2009 steht der
Beschwerdeführerin eine ganze Invalidenrente zu. Im Übrigen erweist sich die
angefochtene Verfügung als rechtmässig. Die Beschwerde wird damit
teilweise gutgeheissen. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Gerichtskosten werden
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen
von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend setzt das Gericht die
Kosten auf Fr. 700.-- fest. Entsprechend dem Ausgang dieses Verfahrens
werden die Gerichtskosten je zur Hälfte der Beschwerdeführerin und der IV-
Stelle auferlegt. Nach Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde
führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Im vorliegenden Fall
steht der Beschwerdeführerin eine aussergerichtliche Entschädigung nicht zu,
weil sie nicht anwaltlich vertreten ist. Die IV-Stelle hat ebenfalls keinen
Anspruch auf eine aussergerichtliche Entschädigung (Art. 61 lit. g ATSG e
contrario).