# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 75945a2a-5db8-45db-889a-33fa83d67b7c
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
A. Der Beschuldigte A. ist ein einschlägig vorbestrafter Drogenhändler domi-
nikanischer Herkunft. Gemäss Ermittlungsbericht der Stadtpolizei Zürich
vom 9. September 2011 betreffend "Aktion B." wurde A. am 5. August 2009
an einem konspirativen Treffen in Zürich beobachtet, wobei in diesem Zu-
sammenhang Kokain auch durch dessen Hände gegangen sein soll (Akten
Kanton Zürich, act. 2 S. 8). Es ergibt sich daraus, dass in diesem Zeitpunkt
Ermittlungshandlungen der Stadtpolizei Zürich wegen Drogendelikten ge-
gen A. im Gange waren – auch wenn gegen diesen im damaligen Zeitpunkt
formell noch keine Strafuntersuchung eröffnet worden war. A. wurde in der
Folge durch die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich am
25. September 2012 auch zur Verhaftung ausgeschrieben, und zwar für
den Tatbegehungszeitraum April/Mai 2009 bis 19. März 2010 (act. 1 S. 3).
Im Kanton Thurgau wurde demgegenüber ab 16. August 2010 gegen A.
ermittelt, wobei sich an diesem Datum herausstellte, dass eine Kokainliefe-
rung in Z. TG ursprünglich aus dem Lager von A. in einer Wohnung in Y.
ZH stammte (act. 1 S. 2). A. wurde am 3. Juni 2014 in Madrid verhaftet und
in der Folge an die Schweiz ausgeliefert (Akten Kanton Thurgau, Ordner 1,
Faszikel Z, pag. 54, 67).
B. Nachdem sich im Rahmen des durch den Kanton Thurgau angestrengten
Auslieferungsverfahrens herausgestellt hatte, dass gegen A. bzw. wegen
von diesem begangenen Delikten durch den Kanton Zürich bereits vorgän-
gig ermittelt worden war, stellte die Staatsanwaltschaft Frauenfeld mit
Schreiben vom 21. August 2014 ein Ersuchen um Verfahrensübernahme
an die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich (Akten Kanton Thurgau,
Ordner 2, Faszikel BV, pag. 1 f.). Mit Schreiben vom 26. August 2014 lehn-
te die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich die Verfahrensübernahme
ab, im Wesentlichen mit der Begründung, sie habe erst am 7. Juli 2011
(formell) ein Verfahren gegen A. wegen der im Jahre 2009 gehandelten
ca. 500 Gramm Kokain eröffnet (Akten Kanton Thurgau, Ordner 2, Faszikel
BV, pag. 9 f.). Die Generalstaatsanwaltschaft Thurgau wandte sich deshalb
mit Schreiben vom 8. September 2014 an die Oberstaatsanwaltschaft Zü-
rich und ersuchte erneut um Verfahrensübernahme durch den Kanton Zü-
rich (Akten Kanton Thurgau, Ordner 2, Faszikel BV, pag. 14–16). Die
Oberstaatsanwaltschaft Zürich lehnte dieses Gesuch mit Schreiben vom
24. September 2014 ebenfalls ab und ersuchte ihrerseits um Übernahme
des Zürcher Verfahrens (Akten Kanton Thurgau, Ordner 2, Faszikel BV,
pag. 17–20).
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C. Am 30. September 2014 richtete die Generalstaatsanwaltschaft Thurgau
ein Gesuch um Bestimmung des Gerichtsstandes an das hiesige Gericht
(act. 1). Zur Antwort eingeladen, reagierte die Oberstaatsanwaltschaft Zü-
rich mit Gesuchsantwort vom 13. Oktober 2014 und beantragte, die Straf-
verfolgungsbehörden des Kantons Thurgau seien zur Verfolgung und Beur-
teilung der A. zur Last gelegten Delikte für berechtigt und verpflichtet zu er-
klären (act. 3).
D. In der Zwischenzeit stellte der Vertreter von A. dem Gericht mit Schreiben
vom 10. Oktober 2014 ein Gesuch um Akteneinsicht (act. 4, am
14. Oktober 2014 eingegangen).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den nachfolgenden rechtlichen Erwägungen eingegan-
gen.

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Zuständigkeit der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum
Entscheid über Gerichtsstandsstreitigkeiten ergibt sich aus Art. 40 Abs. 2
sowie Art. 449 Abs. 2 der Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0), Art. 37
Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisation der
Strafbehörden des Bundes (Strafbehördenorganisationsgesetz, StBOG;
SR 173.71) sowie Art. 19 Abs. 1 des Organisationsreglements für das Bun-
desstrafgericht vom 31. August 2010 (Organisationsreglement BStGer,
BStGerOR; SR 173.713.161). Voraussetzung für die Anrufung der Be-
schwerdekammer ist, dass ein Streit über einen interkantonalen Gerichts-
stand vorliegt und dass die Kantone über diesen Streit einen Meinungsaus-
tausch durchgeführt haben (DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER, Kommentar zur
Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014,
Art. 40 N. 9). Dabei unterbreitet die Staatsanwaltschaft desjenigen Kan-
tons, welcher zuerst mit der Sache befasst war, die Frage unverzüglich
dem Gericht (Art. 40 Abs. 2 StPO). Nach der Praxis der Beschwerdekam-
mer ist das Kriterium der Unverzüglichkeit erfüllt, wenn das Gerichts-
standsgesuch innert 10 Tagen seit dem Abschluss des Meinungsaustau-
sches eingereicht wird und keine zwingenden Gründe für ein Abweichen
von der 10-Tagefrist vom Gesuchsteller liquid dargelegt werden (siehe Be-
http://links.weblaw.ch/SR-173_710
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schlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2011.7 vom 17. Juni 2011, E. 2.2
und BG.2011.17 vom 15. Juli 2011, E. 2.1).
1.2 Die Generalstaatsanwaltschaft des Kantons Thurgau ist berechtigt, den
Gesuchsteller in interkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Be-
schwerdekammer des Bundesstrafgerichts zu vertreten (Art. 31 Abs. 1
Satz 1 des Gesetzes über die Zivil- und Strafrechtspflege [ZSRG/TG;
TG Rechtsbuch 312.1]). Bezüglich des Gesuchsgegners gilt das Gleiche
für die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich.
Der Gesuchsteller hat mit dem Gesuchsgegner vor Einreichung des Ge-
suchs einen Meinungsaustausch durchgeführt, wobei sich keine Einigung
ergab. Der Meinungsaustausch ist deshalb als abgeschlossen zu betrach-
ten.
Auf das Gesuch um Bestimmung des Gerichtsstandes ist einzutreten.
1.3 Nicht einzutreten ist auf das Akteneinsichtsgesuch von A., da er nicht Par-
tei des vorliegenden Verfahrens ist. Ihm steht das Verfahren nach
Art. 41 StPO offen.
2. Es ergibt sich aus den Akten, dass von den zwei Verfahrensparteien der
Gesuchsgegner als Erster mit der Strafuntersuchung wegen Drogendelik-
ten, für welche sich A. als Täter herausstellte, befasst war, wobei davon
auszugehen ist, dass es sich bei diesen Drogendelikten um Taten handelt,
welche der gleichen Strafdrohung unterliegen. Die Argumentation des
Gesuchsgegners, wonach gegen A. persönlich im Zeitpunkt der Ermitt-
lungshandlungen (5. August 2009) formell noch keine Untersuchung eröff-
net worden war, verfängt nicht, denn es geht bei der Bestimmung des Ge-
richtsstandes gemäss Art. 34 Abs. 1 StPO (forum praeventionis) darum,
welche Behörde bezüglich der im Sinne dieses Artikels gleichartigen Delik-
te zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen hat – keine Rolle spielt
dabei, ob der oder die Täter zu diesem Zeitpunkt identifiziert sind, und ob
gegen diesen oder diese Täter formell eine Untersuchung eröffnet wurde.
Diese Überlegungen führen in der vorliegenden Sache dazu, dass der
Gesuchsgegner (Kanton Zürich) zur Verfolgung und Beurteilung der A. zur
Last gelegten Delikte als zuständig zu erklären ist.
3. Es werden keine Gerichtskosten erhoben (Art. 423 Abs. 1 StPO).
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