# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f41c469f-2e44-40b3-b201-348894418b12
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1963,
war
als Geschäftsführerin bei der
Y._
AG in einem 60 %-Pensum angestellt und in dieser Funktion bei der Suva gegen die Folgen von Unfällen versichert. Am 22. Januar 2017 wurde die Versicherte beim Überqueren des Fussgängerüberganges auf einer dreispurigen Strasse in Berlin von einem Auto erfasst. Dabei sei sie mit dem Hinterkopf und dem Rücken auf der Strasse aufgeschlagen (Schadenmeldung vom 25. Januar 2017, Urk. 8/1).
Im Erstbehandlungsbericht vom 22. Januar 2017 wurde eine Prel
lung des linken Kniegelenks, des Os
sacrum
und der Schädelkalotte diag
nostiziert (Urk. 8/9 S. 1-2).
In der Folge erbrachte die Suva die Versicherungs
leistungen (Schreiben vom 30. Januar 2017, Urk. 8/4
).
Mit Verfügung vom 2. Oktober 2017 führte die Suva aus, aufgrund der Beur
teilung ihres Kreisarztes seien die aktuell bestehenden Beschwerden nicht mehr unfallbedingt, weshalb sie die Leistungen per 1. November 2017 einstellen werde (Urk.
8/65
). Nach Prüfung der dagegen erhobenen Einsprache (Urk. 8/67
+80
)
hiess
die Suva diese gut und erbrachte vorerst weiterhin die gesetzlichen Versi
cherungsleistungen (Schreiben vom 13. April 2018, Urk. 8/95 S. 1).
Aufgrund der zwischenzeitlich erfolgten weiteren Abklärungen stellte die Suva die Versicherungsleistungen mit Verfügung vom 8. Janu
ar 2019 per 1. Februar 2019
mangels Kausalzusammenhang
s
der darüber hinaus anhaltenden Beschwer
den zum Unfall vom 22. Januar 2017
ein
(Urk. 8/166). Die dagegen erhobene Einsprache vom 5. Februar 2019 (Urk. 8/177), welche am 15. März 2019 ergänzt wurde (Urk. 8/184),
wurde mit Entscheid vom 26. Juni 2019 abgewiesen (Urk. 2 = 8/197).
2.
Die Versicherte erhob am
20. August 2019 Beschwerde gegen den
Einspra
che
entscheid
vom 26. Juni 2019 (Urk. 2) und beantragte, dieser sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen über den 1. Februar 2019 hinaus zuzu
sprechen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 17. September 2019 bean
tragte
die Suva die Abweisung
der Beschwerde (Urk. 7).
Im zweiten Schriftenwechsel hielten die Parteien (Replik der Beschwerdeführerin vom 23. Oktober 2019, Urk. 10;
Duplik
der Beschwerdegegnerin
vom 27. November 2019
,
Urk. 14)
je
weils
an ihren Anträgen fest, was den Parteien am 29. November 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 15).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 10 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG)
hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmässige Behandlung ihrer Unfall
folgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss Art. 16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 % invalid, so hat sie Anspruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordentlichen Rentenalters ereignet hat (Art. 18 Abs. 1 UVG). Der Rentenanspruch entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen
Be
-
handlung
keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet
werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenver
siche
run
g abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG).
1.2
1.2.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2.2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchsaufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzu
sammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrundsätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundes
gerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.3
1.3.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kau
salzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.3.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang prak
tisch keine selbständige Bedeutung (BGE 134 V 109 E. 2.1).
1.3.3
Die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden gesundheitlichen Beein
trächtigungen, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurück
zuführen sind, hat nach der in BGE 117 V 359 begründeten Rechtsprechung des Bundesgerichts in analoger Anwendung der Methode zu erfolgen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c). Es ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall eine massgebende Bedeutung für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise der Erwerbsunfähigkeit zukommt. Das trifft dann zu, wenn er eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt. Demnach ist zunächst zu ermitteln, ob der Unfall als leicht oder als schwer zu betrachten ist oder ob er dem mittleren Bereich angehört. Auch hier ist der adäquate Kausal
zusammenhang zwischen Unfall und gesundheitlicher Beeinträchtigung bei leichten Unfällen in der Regel ohne Weiteres zu verneinen und bei schweren Unfällen ohne Weiteres zu bejahen, wogegen bei Unfällen des mittleren Bereichs weitere Kriterien in die Beurteilung mit einzu
beziehen sind. Je nachdem, wo im mittleren Bereich der Unfall einzuordnen ist und abhängig davon, ob einzelne dieser Kriterien in besonders ausgeprägter Weise erfüllt sind, genügt zur Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhangs ein Kriterium oder müssen mehrere heran
gezogen werden.
Als Kriterien nennt die Rechtsprechung hier:
-
besonders dramatische Begleitumstände oder besondere Eindrücklichkeit des Unfalles;
-
die Schwere oder besondere Art der erlittenen Verletzungen;
-
fortgesetzt spezifische, belastende ärztliche Behandlung;
-
erhebliche Beschwerden;
-
ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich verschlimmert;
-
schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
-
erhebliche Arbeitsunfähigkeit trotz ausgewiesener Anstrengungen.
Diese Aufzählung ist abschliessend. Anders als bei den Kriterien, die das Bun
desgericht in seiner oben zitierten Rechtsprechung (BGE 115 V 133) für die Beur
teilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und einer psychischen Fehlentwicklung für relevant erachtet hat, wird bei der Beurteilung
des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall mit Schleuder
trau
ma der Halswirbelsäule und den in der Folge eingetretenen Beschwerden auf eine Differenzierung zwischen physischen und psychischen Komponenten verzichtet, da es bei Vorliegen eines solchen Traumas nicht entscheidend ist, ob Beschwerden medizinisch eher als organischer und/oder psychischer Natur bezeichnet werden (BGE 134 V 109; RKUV 2001 Nr. U 442 S. 544 ff., 1999 Nr. U 341 S. 409 E. 3b, 1998 Nr. U 272 S. 173 E. 4a; BGE 117 V 359 E. 5d/
aa
und 367 E. 6a).
1.3.4
Die zum Schleudertrauma entwickelte Rechtsprechung wendet das Bundesgericht sinngemäss auch bei der Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und den Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas (BGE 117 V 369 E. 4b) oder den Folgen einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung der Halswirbelsäule an (vgl. RKUV 1999 Nr. U 341 S. 408 E. 3b; SVR 1995 UV Nr. 23 S. 67 E. 2; ferner BGE 134 V 109 E. 10.2 f.).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in ihrem
Einspracheentscheid
vom 26. Juni 2019 davon aus (Urk. 2), der Unfall vom 22. Januar 2017 habe zu einer Schädel
p
rellung,
einer Halswirbelsäulen
(HWS)-Distorsion, einer Kreuzbeinprellung sowie einer Schürfwunde am linken Knie geführt. Sämtliche dadurch entstandenen Symp
tome seien drei Monate nach dem Ereignis remittiert gewesen.
Die fortbe
stehenden Beschwerden, insbesondere Konzentrationsschwierigkeiten, visuelle Wahr
nehmungsstörungen mit vegetativer Symptomatik, Kopfschmerzen, wieder
keh
rende Nackenbeschwerden sowie der später diagnostizierte
Upbeat
-Nystag
mus könnten nicht mit dem Beweiswert der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Folge des Unfalles vom 22. Januar 2017 angenommen werden (S. 10 Mitte).
Gestützt auf die Berichte der versicherungsinternen Ärzte seien keine objekti
vierbaren Unfallfolgen mehr ausgewiesen
(S. 11 f.
lit
. b). Die nicht durch orga
nische Unfallfolgen nachweisbaren Beschwerden (S. 12
lit
. c) seien gestützt auf die Adäquanzprüfung bei Schleudertraum
en
gemäss BGE 134 V 109 zu prüfen
(S. 4 ff. Ziff. 4 f.). Da keines der Kriterien erfüllt sei, sei der adäquate Kausal
zusammenhang zwischen den noch bestehenden, nicht auf einem objektivier
baren organischen Substrat beruhenden Beschwerden und dem besagten Unfall insgesamt zu verneinen (S. 15
lit
. c).
In der Beschwerdeantwort stellte die Beschwerdegegnerin fest, die Leistungs
ein
stellung per 1. Februar 2019 sei bereits mangels natürlicher Unfallkausalität der verbliebenen Beschwerden gerechtfertigt, weshalb sich eine Adäquanzprüfung erübrige. Sofern dennoch eine
solche
vorzunehmen sei, habe diese nach der soge
nannten Psycho-Praxis zu erfolgen, da es sich vorliegend
nicht um
eine
Schleu
dertraumaproblematik
handle. Mangels Erfüllung der erforderlichen Kriterien sei nebst der natürlichen auch die adäquate Kausalität zu verneinen (Urk. 7 S. 7 f. Ziff. 4.4).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (
Urk. 1)
,
die Beschwerdegegnerin habe die Unfallkausalität der Beschwerden gestützt auf
die Beurteilung vom 23. September 2017 von
Kreisarzt
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungs
appa
rates,
bereits anerkannt. Es gehe nicht an, gestützt auf den Bericht
der Suva Versicherungsmedizin
von
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neuro
logie,
nun eine Unfallkausalität zu verneinen. Letzterer habe die Beschwerde
führerin nicht persönlich untersucht und seine Beurteilung stehe im Widerspruch zu den übrigen medizinischen Akten
. Er habe den medizinischen Sachverhalt offensichtlich selektiv und unzutreffend gewürdigt, weshalb auf dessen Bericht keinesfalls abzustellen sei
(S. 6 f.
Rn
14 ff.
und S. 8 f.
Rn
19 ff.
). Weiter machte die Beschwerdeführerin geltend, gestützt auf die Berichte der
Klinik
B._
sowie die Beurteilung von
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie sowie Arbeitsmedizin,
sei für die Symptome (Konzentrations
stö
rungen, visuelle Beschwerden, Kopfschmerzen, Gleichgewichtsstörungen und Übelkeit) ein apparativ objektivierbares Korrelat im Sinne eines messbaren (neu
rologischen) Defektzus
tandes gefunden worden (S. 8
Rn
17)
, womit eine natür
liche Kausalität über den 1. Februar 2019 hinaus gegeben sei (S. 10
Rn
23)
.
Es sei
sodann
ein unabhängiges Gutachten zur Kausalitätsproblematik einzuholen (S. 9
Rn
21), zumal auch der K
urzbericht vom 24. Juni 2019 der Versicherungsärztin
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Chirurgie,
nicht auf die eigentliche gesundheitliche Problematik der Beschwerdeführerin eingehe und
d
ie
Ärztin
klarerweise als fachfremd zu bezeichnen sei (
Rn
22).
Mit Replik vom 23. Oktober 2019 (Urk. 10) machte die Beschwerdeführerin so
dann geltend, es handle sich bei der Beurteilung durch
Dr.
A._
um eine unzulässige
second
opinion
, weshalb diese Aktenbeurteilung bereits aus formalen Gründen nicht zu berücksichtigen sei (S. 3
Rn
5).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwe
rdegegnerin wegen der Folgen des Unfalles vom 22. Januar 2017
über den 1. Februar 2019
hinaus Taggeld
leis
tungen und Behandlungskosten oder andere Leistungen der Unfallversicherung zu erbringen hat beziehungsweise
,
ob die nach diesem Zeitpunkt geklagten Beschwerden noch in einem natürlichen und adäquaten Kausalzusammenhang mit den Unfallereignissen stehen.
3.
3.1
Im Erstbehandlungsbericht vom 22. Januar 2017 der Notfallstation des Klinikums
E._
(Urk.
8/9 S. 1-2
) wurde berichtet, die Beschwerdeführerin sei voll orientiert, es liege keine Amnesie vor und die Anamnese sei geordnet mög
lich. Auf der Glasgow-
Coma
-Skala
(GCS) werde ein Punktwert von 15 erreicht. Am Kopf liege eine dezente Schwellung
occipital
mit lokalem DS (wohl: Druck
schmerz)
und ohne Klopfschmerz sowie ohne Stufenbildung des knöchernen Schädels oder offenen Verletzungen vor. Der klinische Befund bezüglich Pupillen, Wirbelsäule, Abdomen oder der oberen Extremitäten sei unauffällig. Es seien Prellmarken über dem Os
sacrum
und dem linken Knie (mit oberflächlicher Schürfung) festzustellen (S. 1).
Der Röntgenbefund habe keinen Hinweis auf eine Fraktur und keinen Anhalt für eine Luxation ergeben (S. 2 oben).
Als Diagnosen wurden eine Prellung des Kniegelenks links, des Os
sacrum
und der Schädelkalotte genannt (S. 2
Mitte
). Die Beschwerdeführerin wurde einige Stunden nach Eintritt in den Notfall mit Schmerzmedikation wieder entlassen.
3.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich am 27. Januar 2017 in der
Klinik
B._
bei
Dr.
med.
F._
, Praktischer Arzt, leitender Arzt Sportmedizin, vor (Urk.
8/6
). Anam
n
e
stisch sei es zu keiner Übelkeit, Erb
r
echen oder
Vigilanz
min
derung
gekommen und es gebe keine Zeichen für eine
Contusio
cerebri. Die Beschwerdeführerin
klage
über Ganzkörpe
rschmerzen im Bereich des Achs
or
gans, des linken Knies, des linken Ellenbogens sowie über eine Unbeweglichkeit im
cervicothorakalen
Übergangsbereich mit Kopfschmerzen und Beschwerden in beiden Armen. Die Beweglichkeit der gesamten Wirbelsäule sei schmerzbedingt eingeschränkt, eine weitere Betonung liege im
lumbosakralen
Übergang und im Os
sacrum
-Bereich (S. 1 «Anamnese»; vgl. auch «Befund» S. 1 f.).
Dr.
F._
stellte folgende Diagnosen:
-
Status nach Anfahrunfall durch PKW am 22. Januar 2017
-
Commotio cerebri mit Prellung der Schädelkalotte
-
Kniegelenksprellung mit Platzwunde am linken Knie
-
Kontusion der gesamten Wirbelsäule mit Betonung im
lumbosakralen
Übergang/Os
sacrum
mit konsekutiver ISG-Blockierung beidseits und reflektorischer Myalgie paravertebral
-
Prellung Ellbogen links
-
HWS-Distorsion mit
Cervicocephalgie
sowie
Cervicobrachialgie
beid
seits
-
multiple
Brustwirbelsäulen(BWS)-Blockierungen nach Kontusion mit CTG-Beteiligung beidseits.
3.3
In der Folge stellte sich die Beschwerdeführerin in der
Klinik
B._
zu Ver
laufskontrollen in unterschiedlichen Abständen vor. Der neurologische Status war
anfänglich unauffällig und die Beschwerden bezüglich Achsorgan, Beweglichkeit im Bereich der HWS und des Kopfes waren stets rückläufig
. Ende Februar 2017 berichtete die Beschwerdeführerin, das Bewegen im Verkehr, das Laufen und die Beweglichkeit im Bewegungsapparat (im Sinne einer schmerzarmen und schmerzfreien Beweglichkeit) habe sich deutlich verbessert.
S
ie leide jedoch insbesondere unter mnestischen Störungen sowie Konzentrationsschwierigkeiten. Kurze Konzentrationsphasen würden zu Kopfschmerzen führen. Gelesene Inhalte könne sie nicht adäquat behalten. Es bestehe ein erhöhter Erholungsbedar
f nach kognitiven Anstrengungen
(vgl. Berichte vom 31. Januar 2017, Urk. 8/11 S. 1 unten; vom 10. Februar 2017, Urk. 8/15; sowie vom 27. Februar 2017, Urk. 8/18). Das aufgrund partieller
Cephalgien
,
Visusschwierigkeiten
und pe
rsistierender mnestischer
Störungen (vgl. Bericht
Klinik
B._
vom 20. März 2017, Urk. 8/22) durchgeführte MRI
(vgl. Urk. 8/23)
habe kein
e Auffälligkeiten des Schädels ergeben, insbesondere keine intrakraniellen
Traumafolgen
(Bericht
Klinik
B._
vom 28. März 2017, Urk. 8/27).
3.4
Im Bericht vom 29. März 2017 der neurologischen Abteilung der
Klinik
B._
(Urk. 8/28)
wurde festgehalten, es bestehe eine
postcommotionelle
Sympto
matik nach Anfahrunfall am 22. Januar 2017
mit Konzentrationsschwächen be
gleitet von
Dysästhesien
und Druckgefühl im
Hinterkopfbereich
sowie Übelkeit, welche vor allem beim Arbeiten vor dem Bildschirm und bei rasch ändernden Bildern auftreten würde. Ein neurologisches Defizit könne
nicht festgestellt wer
den. Es wü
rden vor allem kognitive Defizite vorliegen, welche aber im neuro
psychologischen Screening-Test nicht hätten objektiviert werden können. Es sei im weiteren Verlauf von einer langs
amen Besserung auszugehen. Bei p
ersi
stie
r
ender Symptomatik
sei eine detaillierte neuropsychologische Testung zu emp
fehlen (S. 2 f.). Pathologische
Nystagmen
wurden damals explizit verneint (S. 2 Mitte).
3.5
Im Gespräch
vom 14. Juni 2017
mit der Beschwerdegegnerin gab die Beschwer
deführerin an, es gebe eine Aufwärtstendenz; hinsichtlich des linken Knies und der Hüfte sei sie gar beschwerdefrei. Nach wie vor klagte
sie
über Konzen
tra
tionsschwierigkeiten, Kopf- und Nackenschmerzen und
Visusprobleme
im Zu
sammenhang mit schnellen Bildern. Ihr
werde
dabei übel (Urk.
8/
43 S. 2 oben).
Ab Mitte Juli 2017 begann die Beschwerdeführerin ihre Arbeitstätigkeit im Homeoffice
mit
10 %
und steigerte diese ab 1. August 2017 auf 20 %
(jeweils bezogen auf ihr Teilzeit
pensum von 60 %; Berichte der
Klinik
B._
vom 26. Juni 2017, Urk. 8/48; vom 16. August 2017, Urk. 8/59)
.
Die
Beschwerden persistierten zwar weiterhin, würde
n sich jedoch sukzessive besser
n. Vorübergehend seien auch schmerzhafte Bewegungseinschränkungen der HWS hinzugetreten (Bericht vom 4. Dezember 2017, Urk. 8/79; sowie vom 15. Dezember 2017; Urk. 8/85; Bericht vom 15. Januar 2018, Urk. 8/88). Im Januar 2018 konnte die Arbeitsfähigkeit auf 25 % (des 60 %-Pensums) gesteigert werden.
3.6
Die zwischenzeitliche B
ehandlungsaufnahme im
Z
entr
um G._
(vgl. Berichte vom 16. März 2018, Urk. 8/94; und vom 31. Mai 2018, Urk. 8/107)
zeigte
objektiv eine deutliche Verbesserung und abschwä
chende Symptomatik w
ie Besserung der Ermüdung
. Subjektiv liege für die «ehr
geizige Patientin» ein noch etwas retardierter Verlauf vor.
Physiotherapie für die HWS und
Detonisierung
laufe weiterhin, ebenfalls die
visu
o
motorische
Therapie (Bericht der
Klinik
B._
vom 31. Mai 2018, Urk. 8/110). Der weitere Lang
zeitverlauf gestaltete sich positiv (Berichte vom 13. August 2018, Urk. 8/123; vom 22. Oktober 2018, Urk. 8/140).
3.7
Am 19. Oktober 2018 fand eine
otoneurologische
Untersuchung bei der
Abteilung
Versicherungsmedizin der Beschwerdegegnerin durch
Dr.
C._
statt (
Bericht vom
5. November 2018,
Urk. 8/141
;
vgl. auch Urk. 8/144 S. 2
; siehe auch Stellung
nahme vom 10. September 2018, Urk. 8/128
)
.
Die durchgeführten Untersu
chung
en hätten klinisch und tonaudiomet
r
isch regelrechte Befunde ergeben.
Im ORL-Bereich habe weder eine Hörstörung, ein Tinnitus noch eine peripher-vestibuläre Funktionsstörung im Sinne einer stattgehabten Innenohrkontusion nachgewiesen beziehungsweise objektiviert werden können.
Jedoch seien
beim Blick nach links, in der L
inks- und Rechtsseitenlage sowie der Kopftieflage und bei der Drehung vom Rücken auf die linke Seite vertikale
Upbeat-Nystagmen
, die am ehesten für eine zentrale Pathologie und eine mögliche zentrale Schwindelursache sprechen würden, gefunden worden. Die Blickfolgeprüfung sei pathologisch. Die
Upbeat-Nystagmen
seien zweifellos objektivierbar und würden die visuellen Beschwerden der Beschwerdeführerin, besonders bei der Bildschirmarbeit und der Fixation
schnell sich bewegender Gegenstände, erklären. Ob dies eine unfallkausale Ursa
che habe, könne aus dem ORL-Fachgebiet nicht beantwortet werden, da es sich um ein neurologisches Symptom handle (S. 4 f.).
3.8
Am 21. Dezember 2018 nahm
Dr.
A._
, ebenfalls von der
Abteilung
Versi
cherungsmedizin der Beschwerdegegnerin, eine
neurologisch
e
Aktenbeurteilung vor (
Urk. 8/156
).
Dr.
A._
führte aus, aus dem Initialbefund nach dem Unfall vom 22. Januar 2017 lasse sich schli
essen, dass eine Schädel-
und eine Beckenprellung sowie eine Schürfverletzung am linken Kniegelenk
stattgefunden habe
. Entsprechend hätten die Diagnosen in Berlin gelautet (S. 7 oben). Eine
commotio
cerebri, wie durch Ärzte der
Klinik
B._
diagnostiziert, habe nicht stattgefunden, da diese durch einen zumindest kurzdauernden Bewusstseinsverlust/-einschränkung defi
niert sei. Die ebenfalls in der
Klinik
B._
diagnostizierte HWS-Distorsion sei in der initialen klinischen Untersuchung in Berlin nicht festgestellt worden. Es sei möglich, dass sich die Symptomatik erst mit einer Latenz zum Trauma entwickelt habe. Der Schweregrad der allfälligen HWS-Distorsion übersteige aber keinesf
alls Grad 2 nach der Quebec-
Task
force
-Einteilung, sodass auch für die dadurch bedingten Beschwerden eine Remission innerhalb dreier Monate an
zunehmen sei. Eine rasche Rückbildung dieser Beschwerden sei dazu korrelierend auch in den Berichten der
Klinik
B._
dokumentiert (S. 8 unten).
Fortbestehende Beschwerden, insbesondere die Konzentrationsschwierigkeiten, die visuellen Wahrnehmungsstörungen mit vegetativer Symptomatik, die Kopf
schmerzen und die wiederkehrenden Nackenbeschwerden sowie der sp
äter gefun
dene
Upbeat
-Nystagmus
seien nicht mit der Beweiskraft der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Folge des Unfalles anzunehmen
(S. 9).
Gegen eine Verursachung durch den Unfall spreche, dass die Symptome einer visuellen Wahrnehmungsstörung und einer damit verbundenen vegetativen Symptomatik (Übelkeit) erst Monate nach dem Unfallereignis erstmals erwähnt worden seien. Hätte es sich um Folgen des Unfalles gehandelt, hätten die Be
schwerden in engem zeitlichen Zusammenhang von sofort bis wenigen Stunden danach vorhanden sein müssen. Ob der Nystagmus überhaupt die von der Be
schwerdeführerin geklagte Symptomatik sinnvoll erkläre, sei - auch wenn dies von ORL-Seite vermutet werde - aus neurologischer Sicht zwar möglich, jedoch nicht mit dem nötigen hohen Beweisgrad einer überwiegenden Wahrschein
lich
keit, da bereits der unmittelbare zeitliche Unfallzusammenhang der intermittie
renden Schwi
ndelbeschwerdesymptomatik fehle
. Zu unspezifisch sei auch die Symptombeschreibung der Beschwerdeführerin aus neurologischer Einschätzung für eine überwiegend wahrscheinliche diagnostische Zuordnung und auch vo
n
daher für eine unfallkausale: Der Blick aus dem Zugfenster, der Gang über Brücken, vorbei an Velos oder am Tram schlage ihr auf den Magen und verur
sache Kopfschmerzen und Übelkeit. Es gäbe aber auch Tage, an denen es ihr gut gehe (Angaben bei der ORL-Untersuchung am 5.
November
[
richtig: 19. Oktober
]
2018).
Die Diagnose eines zentralen Schwindels sei offenbar aus dem Nystagmus-Befund abgeleitet worden, obwohl klinisch gar keine
Symptome eines Schwindels vorlä
gen respektive zu einem notwendigerweise unfallnahen Zeitpunkt doku
mentiert worden seien. Symptome eines
Upbeat
-Nystagmus seien hingegen klar beschreibbar als
Oszillopsien
, eine verminderte Sehschärfe und eine Bewegungs
fehlwahrnehmung in der vertikalen Ebene. Darüber hinaus bestehe eine
posturale
Instabilität (Stand- und Gangunsicherheit) mit einer Fallneigung meistens nach vorne (S. 7 f.).
3.9
In den
Bericht
en
der
Klinik
B._
vom 10. Dezember 2018 (Urk. 8/157)
sowie vom 4. Februar 2019
(Urk. 8/183)
wie auch im Bericht
des
G._
vom 17. Januar 2019 (Urk. 8/175) wird eine
weitere deutliche
Besserung der bekannten Beschwer
desymptomatik festgehalten.
Anfang Februar 2019 sei nach Angaben der Be
schwerdeführerin sowohl im Alltag wie auch in Bezug auf die Fokussie
rungs
fähigkeit bei der Arbeit eine Verbesserung erkennbar
. Sie sei vor allem im struk
turierten Handeln effizienter und etwas belastbarer geworden. Nach wie vor leide sie an rezidivierenden, vor allem links parietalen Kopfschmerzen, teils auftretend am Morgen oder bei längerem Sitzen (eher nicht
zervikaler
Genese), welche nach Einnahme von Aspirin oder Kaffee deutlich
bessern
würden. Mühe würden ihr noch immer multisensorische Reize visueller Art zusammen mit vestibulärer Belastung bereiten (Urk. 8/183 S. 1). Die Arbeitsfähigkeit wurde bis am 4. Februar 2019 auf 35 % (eines 60%-Pensums) festgelegt und danach sei je nach klinischem Verlauf eine stufenweise Steigerung von monatlich 5 bis 10 % vorgesehen (Urk. 8/175 S. 3 unten; vgl. auch Urk. 8/183 S. 1 unten
; Arbeitsunfähig
keits
zeugnisse Urk. 8/190 S. 2-5
).
3.10
Ein computerunterstützter neurokognitiver Test vom 8. April 2019 habe Beein
trächtigungen im Bereichen der kognitive
n
Flexibilität und der Exekutivfunktion ergeben
. In der
neuropsychologische
n
Untersuchung vom 24. Juni 2019
i
m Universitätsspital
H._
hätten sich
formal-neuropsychologisch eine leicht unterdurchschnittliche figural-episodische Lernleistung sowie eine leicht redu
zierte
graphomotorische
Verarbeitungsgeschwindigkeit und Flexibilität bei an
sons
ten jedoch altersentsprechenden Leistungen
gezeigt
. I
m Verlauf der Unter
su
chung sei d
ie
Beschwerdeführerin
zunehmend er
schöpft gewesen.
Die ge
nannten Minderleistungen würden ausschliesslich visuell-exploratives Material betreffen und seien gut im Rahmen der visuellen Unverträglichkeit beziehungsweise Über
empfindlichkeit einzuordnen. Aus neuropsychologischer Sicht sei die Beschwer
de
führerin trotz qualitativ mehrheitlich unauffälligen Befunden weiterhin redu
ziert leistungsfähig. Ein reduziertes Arbeitspensum über die gesamte Woche sei empfehlenswert um der Überforderungssituation entgegenzuwirken (
Bericht
G._
vom 18. Juni 2019,
Urk.
8/201
S. 3; vgl. auch
Bericht
H._
vom 24. Juni 2019,
Urk. 3/5).
3.11
Am 24. Juni 2019 beantwortete Kreisärztin
Dr.
D._
Fragen der Administration (Urk.
8/196
):
Traumatisch strukturelle Läsionen im Bereich der HWS seien gestützt auf die bildgebende Diagnostik (MRI vom 11. Dezember 2017 sowie 3-Phasen-Skeletts
zinitigraphie und SPECT-CT vom 20. Dezember 2017) nicht nachweisbar. Es würde ausschliesslich
eine multisegmen
tale beginnende Degeneration mi
t
Osteo
chondrose
C4-C6, mit
erosiver
Komponente C4/C5,
Diskusprotrusionen
/Hernien C5/C6, C4/C5, C6/C7, beginnender Spinalkanalstenose C5/C6, C4/C5, C6/C7 sowie mittelschwerer
Foraminalstenose
C4-C7 beidseits, C5-C7 links vorliegen (Ziff. 1).
Da bildgebend
eine traumatische strukturelle
Läsion/Vernarbung der HWS
nicht nachweisbar
sei,
sei
von einer leichten Prellung/Zerrung der HWS durch den Unfall auszugehen. Solche würden in der Regel innerhalb von ein paar Tagen/
Wochen folgenlos wieder abheilen. Aufgrund der beginnenden multisegmentalen Veränderung sei ein protrahierter Verlauf nachvollziehbar.
J
edoch
seien spätes
tens i
m Zeitpunkt der MRI-Untersuchung vom 11. Dezember 2017 bezie
hungs
weise des SPECT-CT vom 20. Dezember 2017
sämtliche Unfallfolgen im Bereich der HWS abgeheilt (Ziff. 2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stell
t
e sich auf den Standpunkt, eine Commotio cerebri, wie sie in der
Klinik
B._
diagnostiziert worden sei, habe nicht statt
ge
funden, da sie durch einen zumindest kurzandauernden Bewusstseinsverlust be
ziehungsweise -einschränkung definiert sei. Der Schweregrad der HWS-Dis
torsion übersteige keinesfalls Grad 2 nach der Quebec-
Taskforce
-Einteilung, so
dass für die dadurch bedingten Beschwerden eine Remission innerhalb von drei Monaten anzunehmen sei (Urk. 2 S. 9 f.).
Aufgrund der vorliegenden Aktenlage ist der Beschwerdegegnerin beizupflichten, dass
auch in den Berichten der
Klinik
B._
eine rasche Rückbildung
dieser Beschwerden dokumentiert worden ist (vgl. vorstehend E.
3.3
; vgl. auch die Schilderung der Beschwerdeführerin, vor
stehend E. 3.5
).
Im Übrigen steht die Beurteilung, dass der Status quo sine spätes
tens per 1. Februar 2019 - mithin über zwei Jahre nach dem Unfallereignis - erreicht
worden ist, mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Einklang, wonach es der medizinischen Erfahrung entspricht, dass der organische Zustand des Rückens nach allfällig erlittenen Verletzungen wie Prellung, Verstauchung oder Zerrung in der Regel sechs Monate beziehungsweise bei degenerativen Ver
änderungen spätestens ein Jahr nach dem Unfall wieder so weit hergestellt ist, wie er es auch wäre, wenn sich der Unfall nicht ereignet hätte
(vgl. etwa Urteile des Bun
desgerichts
8C_29/2009 vom
1.
Mai 2009, E. 3.5, und
8C_744/2008 vom 26.
November 2008
E. 4)
.
Sodann ist d
ie Beurteilung
allfälliger Unfallfolgen
im Zusammenhang mit der Wirbelsäule durch
Dr.
D._
keineswegs als fachfremd zu bezeichnen (vgl. vorstehend E. 2.2).
Die Kreisärzte der Suva sind nach ihrer Funktion und beruf
lichen Stellung Fachärzte im Bereich der Unfallmedizin. Da sie ausschliesslich Unfallpatienten, unfallähnliche Körperschädigungen und Berufskrankheiten diagnostisch beurteilen und therapeutisch begleiten, verfügen sie über besonders ausgeprägte
traumatologische
Kenntnisse und Erfahrungen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_510/2007 vom 3.
Oktober 2008 = SVR 2009 UV Nr. 9 E.
7.5.4), dies unabhängig von ihrem ursprünglich erworbenen Facharzttitel (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_316/2019 vom 24. Oktober 2019 E.
5.4). Bei dieser Ausgangslage ist kein Gru
nd ersichtlich, weshalb
Dr.
D._
die Kompetenz abzusprechen wäre, die Frage zu beantworten, ob ein bestimmtes Unfallgeschehen einen bestimmten Gesundheitsschaden zu verursachen mag oder nicht.
4.2
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das An
stellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versicherungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
in
ternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
Was die Beurteilung von
Dr.
A._
betrifft, stehen seiner Einschätzung die übrigen vorliegenden medizinischen Berichte nicht entgegen.
Zwar konnte unter anderem durch
Dr.
C._
in der
otoneurologischen
Untersuchung ein
Upbeat
-Nystagmus objektiviert werden. Zur Frage der Unfallkausalität konnte sie jedoch
keine Stellung nehmen und verwies auf eine notwendige Beurteilung aus neuro
logischer Sicht (vgl. vorstehend E. 3.7)
, welche
Dr.
A._
vornahm.
Dr.
A._
ist aufgrund der vorliegenden Akten
beizupflichten, dass eine zeitlich unfallnahe Schilderung von Beschwerden wie
Oszillopsie
,
Gangunsicherheiten oder
Schwin
del
fehlt. Am 10. Februar 2017 wurde
ein unauffälliger neurologischer Status erhoben und explizit auf einen sicheren Gang und Stand hingewiesen (vgl. Urk. 8/15 S. 1 «neurologischer Status»). In der neurologischen Untersuchung vom 29. März 2017 wurde ein Nystagmus verneint und es konnte kein neurologisches Defizit festgestellt werden (vgl. vorstehend E. 3.4). Die von
Dr.
A._
beschrie
benen zentralen Symptome eines
Upbeat
-Nystagmus wurden damals
durch die Beschwerdeführerin
noch nicht beschrieben. Erstmals berichtete sie
anlässlich der Konsultation vom 26. Juni 2017, mithin fünf Monate nach dem Unfallereignis, über Schwindel im Zusammenhang mit bewegten Bildern (vgl. Urk. 8/48 S. 1 «Anamnese und Verlauf»).
Erst
über ein Jahr nach dem Unfallereignis
anlässlich
der Konsultationen vom 1. Februar 2018 und 15. März 2018
ko
nnte
in den
neu
rologischen klinischen Untersuchung
en ein Nystagmus erfasst werden
(Bericht
G._
vom 16. März 2018, Urk. 8/94).
Dr.
A._
legte dementsprechend nachvollziehbar und schlüssig dar, weshalb ein Kausalzusammenhang zwischen dem Nystagmus und dem Unfallereignis vom 22. Januar 2017 zu verneinen ist.
Eine anderslautende neurologische Beurteilung liegt nicht vor. Seine
Beurteilung steht - entgegen der Ansicht der Beschwerde
führerin - auch nicht im Widerspruch zur Kurzbeurteilung von
Dr.
Z._
vom 23. September 2017 (vgl. Urk. 8/61). Dieser hatte
- aus fachorthopädischer Sicht -
zu beurteilen, ob die Beschwerden im Zusammenhang mit den Diagnosen Commotio cerebri, HWS-Distorsion, multiple BWS-Blockierungen, Kontusion der gesamten Wirbelsäule, Prellung des Ellbogens links, Kniegelenksprellung links und eine fokale
Tendopathie
der
Subscapularissehne
im Zeitpunkt der Anfrage - September 2017 - in einem Kausalzusammenhang zum Unfallereignis stehen, was er damals bejahte.
Die Beschwerdegegnerin wies zu Recht darauf hin, dass
Dr.
A._
erstmals eine neurologische Beurteilung eines allfälligen Zusam
men
hangs des zwischenzeitlich neu diagnostizierten Nystagmus zum Unfall
er
eignis vom 22. Januar 2017 vorzunehmen hatte, weshalb
es sich bei
seine
r
Ein
schätzung jedenfalls
nicht
um
eine «
second
opinion
»
handelt
.
4.3
Ob die im Zeitpunkt der Leistungseinstellung per 1. Februar 2019 noch geklagten Beschwerden
wie
insbesondere
rezidivierende Kopfschmerzen
,
Schwierigkeiten im Zusammenhang mit multisensorischen Reizen visueller Art
und Konzentra
tionsschwierigkeiten
(vgl. vorstehend
E. 3.8 und
E. 3.
10
) natürlich kausal zum Unfallereignis vom 22. Januar 2017 sind, kann - im Hinblick auf das Ergebnis der Adäquanzprüfung -
offengelassen
werden
.
5.
5.1
Ob die Adäquanzprüfung nach den in BGE 115 V 133 genannten Kriterien (Psycho-Praxis) oder nach den für die Folgen eines Schleudertraumas der HWS, eines Schädelhirntraumas oder einer dem Schleudertrauma ähnlichen Verletzung in BGE 117 V 359 entwickelten und in BGE 134 V 109 präzisierten Regeln zu erfolgen hat
(vgl. dazu die verschiedenen Ansichten der Beschwerdegegnerin, vorstehend E. 2.1)
, kann offenbleiben, da
selbst
die Beurteilung nach
der für die Beschwerdeführerin günstigeren Schleudertrauma-
Praxis – wie im Folgenden zu zeigen ist – zur Verneinung der Adäquanz führt.
5.2
Als die Beschwerdeführerin am 22. Januar 2017
als Fussgängerin eine dreispurige Autofahrbahn in Berlin überqueren wollte, wurde sie
auf der Höhe des mittleren Fahrstreifens
durch einen Personenwagen angefahren, wobei sie
infolge dieser
Kollision zu Boden fiel (vgl. Unfallschilderungen in Urk. 8/43 S. 1 «Sachverhalt», Urk. 8/49 S. 7 sowie S. 46).
Die Beschwerdegegnerin stufte das Ereignis vom 22. Januar 2017
zu Recht
als
einen mittelschweren Unfall im mittleren Bereich
ein (vgl. Urk. 2 S. 14
lit
.
b.aa
; Urk. 7 S. 7 Ziff. 4.4
)
.
Die Adäquanz eines Kausal
zusammenhanges wäre somit dann zu bejahen, wenn drei der massgeblichen Kriterien (oder eines der Kriterien ausgeprägt) erfüllt wären (Urteil des Bu
ndes
gerichts 8C_476/2010 vom 7. September 2010 E.
4.2).
Die Beschwerdeführerin beanstandete weder die Einordnung der Unfallschwere noch - was vorauszu
schicken ist -
die übrigen Ausführungen der Beschwerdegegnerin zu den Adä
quanzkriterien an sich.
Auch wenn dem Unfallgeschehen
eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzu
sprechen ist, kann nicht gesagt werden, dass es sich unter besonders dramatischen Begleitumständen abspielte.
Der
Schreckmoment
war von kurzer Dauer, zumal die
Beschwerdeführer
in
bei Bewusstsein blieb und
gemäss Zeugenaussage von der Fahrbahn weggehen konnte (Urk. 8/49 S. 49).
Die erlittenen Verletzungen sind nicht als schwer oder von besonderer Art zu bezeichnen, konnten doch
knöcherne Verletzungen ausgeschlossen werden und die Beschwerdeführerin konn
te
einige Stunden nach Eintritt
auf dem
Notfall
das Spital
bereits wieder verlassen (vgl. vorstehend E. 3.1). Zurück in der Schweiz stellte sich die Be
schwer
deführerin in der
Klinik
B._
vor und die weitere
n
Behandlung
en
beschränkte
n
sich auf
eine konservative Therap
ie mit Medikamenteneinnahme,
Physiotherapie
(vgl. Urk. 8/11+15
+26
)
,
Craniosakraltherapie
(vgl. Urk. 8/43 S. 2 oben)
sowie bildgebenden Abklärungen (vgl. Urk. 8/22+23
+58+96+99)
. Der Hei
lungs
prozess wurde als «innerhalb der Norm» bezeichnet (vgl. Urk. 8/18 S. 1 unten)
. Es liegen ebenso keine Anhaltspunkte für eine ärztliche Fehlbehandlung,
einen schwierigen Heilungsverlauf ode
r erhebliche Komplikationen oder eine erhebliche (unfallbedingte) Arbeitsunfähigkeit vor. Letzterem ist anzufügen, dass die Beschwerdeführerin die Arbeitsfähig
keit stetig steigern konnte.
5.3
Somit ist keines der massgebenden Kriterien erfüllt und die Adäquanz des Kausal
zusammenhangs zwischen dem Unfall
vom 22. Januar
2017 und
den
noch geklagten Beschwerden ist zu verneinen.
Die Leistung
s
einstellung per 1. Februar 2019 ist somit nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
Soweit die Beschwerdeführerin verlangt, es seien weitere Abklärungen durch
zuführen (vgl. E. 2.2), kann darauf in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden (BGE 127 V 491 E. 1b S. 494 mit Hinweisen). Der Gesundheitszustand ist aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt. Von weiteren Unter
suchungen wären keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.