# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 059bfad6-8bfe-4e6e-9b25-09edff8ce2b3
**Court:** SO_OG
**Chamber:** SO_OG_004
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SO / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

In Sachen
A._
, vertreten durch Rechtsanwältin Lena Furrer,
Gesuchsteller
gegen
B._
, vertreten durch Rechtsanwältin Cornelia Dippon,
Gesuchsgegnerin
betreffend
vorsorgliche Massnahmen
zieht die Zivilkammer des Obergerichts in
Erwägung
:
1. Die Parteien führen vor dem Richteramt Bucheggberg-Wasseramt ein Scheidungsverfahren. Am 17. März 2022 verfügte der Amtsgerichtspräsident, die Mutter von C._ sei berechtigt, in eigener Kompetenz eine Identitätskarte für ihren Sohn ausstellen zu lassen.
2. A._ (im Folgenden der Gesuchsteller) reichte am 31. März 2022 beim Obergericht ein Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen ein und stellte die folgenden Anträge:
1. Die Vollstreckbarkeit der Verfügung vom 17. März 2022 bzw. 30. März 2022 sei bis zum Entscheid im Berufungsverfahren aufzuschieben, eventualiter: bis zur unbenutzten Berufungsfrist betreffend Verfügung vom 17. März 2022 bzw. 30. März 2022.
2. Der Aufschub der Vollstreckbarkeit sei dem Ausweiszentrum Solothurn [...] unverzüglich mitzuteilen.
3. Die Massnahmen gemäss Ziff. 1 und 2 seien superprovisorisch zu erlassen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. MwSt. zu Lasten der Gesuchsgegnerin; eventualiter seien die Prozesskosten des Massnahmeverfahrens zur Hauptsache zu schlagen.
3. Der Gesuchsteller bringt vor, der Aufschub der Vollstreckbarkeit durch die kantonale Rechtsmittelinstanz stelle eine vorsorgliche Massnahme dar. In sinngemässer Anwendung von Art. 263 ZPO könne ein entsprechendes Gesuch bei der Rechtsmittelinstanz bereits vor Rechtsmitteleinlegung eingereicht werden. Die Begründung der Verfügung sei ihm am 31. März 2022 zugestellt worden. Er werde fristgerecht eine Berufung beim Obergericht einreichen. Vorab aber werde aufgrund der besonderen Dringlichkeit bereits ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen eingereicht.
4. Wie sich auch in den gestellten Anträgen zeigt, will der Gesuchsteller einen Aufschub der Vollstreckbarkeit des Entscheids des Amtsgerichtspräsidenten. Daran ändert auch die Umdeutung seines Antrags in ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen nichts. Die von ihm zitierte Literaturstelle bezeichnet die Anordnung der vorzeitigen Vollstreckung bei hängiger Berufung sowie den Aufschub der Vollstreckung durch die Rechtsmittelinstanz bei ausserordentlichen Rechtsmitteln lediglich als vorsorgliche Massnahmen sui generis (Daniel Staehelin in: Arian Staehelin et al. [Hrsg.], Zivilprozessrecht, Zürich Basel Genf 2019, § 22 Rdz 3a und § 26 Rdz 18). Daniel Staehelin spricht in seinen Ausführungen aber klar von einer hängigen Berufung und der Berufungsinstanz. Ohnehin ist das Obergericht in familienrechtlichen Angelegenheiten für die Anordnung vorsorglicher Massnahmen vor Eintritt der Rechtshängigkeit nicht zuständig (vgl. Art. 5 Abs. 2 ZPO). In diesen Angelegenheiten ist eine Zuständigkeit nur gegeben, wenn das Obergericht als Rechtsmittelinstanz angerufen wird. Auf der anderen Seite setzt Art. 315 Abs. 5 ZPO für einen Aufschub der Vollstreckung vorsorglicher Massnahmen voraus, dass eine Berufung eingereicht ist. Dies ist vorliegend nicht der Fall. Auf das gestellte Gesuch ist demnach auch unter diesem Gesichtspunkt nicht einzutreten. Der Gesuchsteller hat demnach offensichtlich ein unzulässiges Gesuch gestellt, weshalb sogleich ohne Einholung einer Stellungnahme der Gegenpartei auf das Gesuch nicht eingetreten werden kann.
5. Bei diesem Ausgang hat der Gesuchsteller die Kosten des Verfahrens vor Obergericht mit einer Entscheidgebühr von CHF 450.00 zu bezahlen. Eine Parteientschädigung kann ihm nicht zugesprochen werden.
Demnach wird
beschlossen
:
1.
Auf das Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen wird nicht eingetreten.
2.
A._ hat die Kosten des Verfahrens vor Obergericht von CHF 450.00 zu bezahlen.
3.
Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

## Considerations