# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 37bfdeb1-2919-4741-8c6e-6d5ea4bf64a4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1961 geborene
X._
war ab dem 30. Juni 2008 als
Fassadenisoleur
bei der
Y._
AG angestellt
, als er am 7. Juli 2008 beim Schneiden von
Sagexplatten
mit einem Teppichmesser abrutschte und sich dabei eine Schnittwunde an der Oberseite
des linken Daumens zuzog
. Die noch am Unfalltag aufgesuchten Ärzte des Spitals
Z._
diagnostizierten in ihrem Bericht vom
2.
Oktober 2008 eine Strecksehnenruptur, welche mit einer Strecksehnennaht und anschliessenden Hautnaht versorgt wurde, und verord
neten die Ruhigstellung in einer Daumenrinne für drei Wochen. Weiter attes
tierten sie dem Versicherten eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit ab 7. Juli 2008 (
Urk.
10/10/94,
Urk.
10/10/104
).
Infolge einer
Reruptur
der durch den Unfall verletzten Sehnen (Extensor
pollicis
brevis
und Extensor
pollicis
longus
) nahm
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Handchirurgie, am 28. Oktober 2008 eine opera
tive Sehnenrekonstruktion mit einem Transplantat der
Palmaris
longus
Sehne vor
(
Urk.
10/10/71,
Urk.
10/10/85
). Da
d
er
Versicherte
über
bewegungsabhängi
ges
Elektrisieren im Bereich der Entnahmestelle
der
Palmaris
longus
Sehne klagte,
erfolgte
am 7. Mai 2009
durch
Dr.
A._
ein weiterer operativer
Eingriff (Ausgedehnte
Neurolyse
des
Nervus
medianus
,
Beugesehnensynovektomie
[
Urk.
10/10/35
]). Am 7. August 2009 berichtete
Dr.
A._
von einem ausge
prägten Schmerzsyndrom an der linken Hand mit Tendenz zur Ausbreitung auf den ganzen linken Arm (
Urk.
10/10/31
).
1.2
Unter Hinweis auf die Unfallfolgen
und eine anhaltende vollständige Arbeitsunfä
higkeit
meldete sich der Versicherte am 14. November 2009 bei der
Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/3).
Die
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle,
traf daraufhin berufliche Abklärun
gen (
Urk.
10/7-8)
,
zog
die Akten des Unfallversicherers, der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva), bei (
Urk.
10/10,
Urk.
10/14,
Urk.
10/17-18)
und holte bei
Dr.
A._
einen Verlaufsbericht ein (
Urk.
10/11-13)
. A
m 1
2.
Mai 2010 teilte s
ie dem
Versicherten mit, aufgrund seines Gesundheitszustandes
seien
zurzeit keine beruflichen Eingliederungsmassnahmen möglich
.
D
eshalb
werde
der
Anspruch auf eine Rente
geprüft (
Urk.
10/16).
Gemäss Bericht
vom 24. August 2010 gelangte Suva-Kreisarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Chirurgie,
aufgrund seiner Untersuchung des Versicherten
zur Beurteilung, der Versicherte sei unter Berücksichtigung der Unfallfolgen in einer leichten
bis mittelschweren, behinderungsangepassten Tätigkeit arbeitsfähig (
Urk.
10/18/7-10
).
In der
Stellungnahme vom 21. September 2010
attestierte
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie vom Regionalen
Ärztlichen Dienst
(RAD)
,
dem
Beschwerdeführer ab 3. September 2009
eine
50%ig
e
sowie ab 24. August 2010
eine
80%ig
e
Arbeitsfähigkeit in einer
behinderungsange
passten
Tätigkeit
(
Urk.
10/29/4
). Gestützt darauf
stellte die IV-Stelle dem Versi
cherten mit Vorbescheid vom 7. Oktober 2011
die Zusprechung einer rückwir
kend befristeten halben Invalidenrente für die Zeit vom 1. Mai bis 30. Novem
ber 2010 in Aussicht (
Urk.
10/30
). Nachdem der Versicherte dagegen Einwand erhoben hatte (
Urk.
10/38),
zog
die IV
-Stelle die neusten Akten der Suva bei (
Urk.
10/40). Daraus ging hervor, dass
Dr.
med.
D._
, ebenfalls Kreisärztin und Fachärztin für Chirurgie,
in
ihrem
Bericht vom
9. November 2011
(
Urk.
10/40/52-58)
sowie vom 5. Dezember 2011
(
Urk.
10/40/43; vgl. auch
Urk.
10/40/44-48)
das von
Dr.
B._
definierte Profil an zumutbaren Arbeitstätigkeiten
bestätigt hatte
.
Dr.
C._
vom RAD ging in seiner Stel
lungnahme vom 9. Januar 2011 neu davon aus, dass der Versicherte ab 2
2.
November 2011 in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig sei
, und hielt im Übrigen an seiner früheren Beurteilung fest
(
Urk.
10/45/3).
D
arauf
basierend
hielt
die IV-Stelle mit Verfügung vom 6. März 2012
an der Zusprechung
eine
r
rückwirkend
befristete
n
halbe
n
Invalidenrente für die Zeit vom 1. Mai bis 30. November 2010
fest
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt Michael Grimmer, mit Eingabe vom 5. April 2012 Beschwerde
und beantragte die Zusprechung einer unbefristeten ganzen Rente ab 1. Mai 2010; eventualiter sei vom Gericht ein Gutachten bei Prof.
Dr.
med.
E._
vom Kantonsspital
F._
, Prof.
Dr.
med.
G._
vom
H._
oder
Dr.
med.
I._
von der Universitätsklinik
J._
in Auftrag zu geben. Sodann sei ihm die unentgeltliche
Prozessfüh
rung
zu bewilligen und es sei ihm ein unentgeltlicher Rechtsvertreter in der Person von Rechtsanwalt Michael Grimmer zu bestellen (
Urk.
1 S. 2).
Seiner Beschwerde legte er das von ihm eingeholte Gutachten von
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Handchirurgie, vom 28. Februar 2012 bei, wonach er wegen eines CRPS (komplex-regionales Schmerzsyndrom) Typ II mit ausgeprägter Funk
-
t
ionseinschränkung
des gesamten linken Armes in einer
behinderungsangepass
ten
Tätigkeit höchstens zu 30-40
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
3/5).
Mit
Beschwerde
antwort
vom 15. Mai 2012 beantragte die
IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9).
Mit Verfügung vom 21. Mai 2012 wies das Gericht das Gesuch um unentgeltli
che Prozessführung und Rechtsvertretung wegen ungenügender Substantiierung der finanziellen Situation des Beschwerdeführers ab (
Urk.
11). In der Eingabe vom 16. August 2012 legte der Beschwerdeführer seine Finanzen näher dar und beantragte erneut die Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung und Be
stell
ung eines unentgeltlichen Rechtsvertreter
s (
Urk.
18). Mit Verfügung vom
10. September 2012 gewährte das Gericht dem Beschwerdeführer in Gutheis
sung des Gesuchs vom 16. August 2012 die unentgeltliche Prozessführung und bestellte ihm Rechtsanwalt Mic
hael Grimmer als unentgeltlichen
Rechtsvertreter (
Urk.
22)
.
Mit Beschluss vom 16. April 2013 ordnete das Gericht die Einholung eines Gut
achtens zur Beantwortung der aufgeführten Fragen an und setzte den Parteien Frist an, um allfällige Ablehnungsgründe gegen die in Aussicht genommene Expertin (Prof.
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Plastische,
Rekonstruk
tive
und Ästhetische Medizin sowie Handchirurgie) zu nennen sowie Ergänzun
gen zur Fragestellun
g zu beantragen (
Urk.
24
). Nach Eingang der Stellungnah
men der Parteien (
Urk.
26-27
,
Urk.
22) erfolgte die defin
i
tive Bestellung der Gutachterin mit Beschluss vom 25. August 2014 (
Urk.
30; vgl. auch
Urk.
32-35
). Nachdem Prof.
Dr.
E._
dem Gericht am 30. Dezember 2014 mitge
teilt hatte, sie könne die umfangreiche Begutach
t
ung wegen anderweitiger beruflicher Verpflichtungen nun
doch nicht durchführen (
Urk.
36
), nahm das Gericht mit Beschluss vom 11. März 2015 neu
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Rheumatologie und Chefarzt der MEDAS
M._
,
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Chirurgie und Handchirurgie sowie
Dr.
med.
O._
, Fachärztin für Neurologie als Experten in Aussicht und setzte den Parteien erneut Frist an, um allfällige Ablehnungsgründe gegen die genannten
Gutachter
geltend zu machen (
Urk.
42
). Nach Eingang der Stel
lungnahmen der Parteien (
Urk.
44-45
) erfolgte die definitive Gutachtensanordnung mit Beschluss des Geri
chts vom 17. April 2015 (
Urk.
46; vgl. auch
Urk.
48
).
Im Anschluss an den
Eingang des interdiszip
linären Gerichtsgutachtens der MEDAS
M._
vom 23. Dezember 2015 (
Urk.
52
) setzte das Gericht den Parteien Fri
st zur Stellungnahme an (
Urk.
54
).
Die IV-Stelle äusserte sich mit Eingabe vom 18. Januar 2016 zum Gutachten (
Urk.
56).
Mit seiner Stellungna
hme vom 9. Februar 2016 (
Urk.
57
) reichte der Beschwerdeführer die Entgegnungen von
Dr.
K._
sowie
Dr.
med.
P._
, Facharzt für Chirurgie, vom
2.
Februar 2016 zu
m Gerichtsgutachten ein (
Urk.
58
/1-2). Die
IV-Stelle
verz
ichtete am 14
.
März
2016 darauf, sich zu den vom Beschwerdeführer eingereichten medizinischen Beurteilungen zu äussern (
Urk.
60
).
Mit Beschluss vom 19. Mai 2016 machte das Gericht den Beschwerdeführer auf die im Ergebnis mögliche Schlechterstellung im Falle eines Urteils aufmerksam und setzte ihm eine Frist von 20 Tagen an, um zu erklären, ob er an der Beschwerde festhalte (
Urk.
67). Am
2.
Juni 2016 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er an der Beschwerde festhalte (
Urk.
69).
Am 8. Juni 2016 reichte der Beschwerdeführer zwei aktuelle medizinische Berichte zu den Akten und
ersuchte um deren Berücksichtigung bei der
Entscheidfindung
(
Urk.
70,
Urk.
71/1-2).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29
Abs.
1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Altersjahres folgt (
Abs.
1). Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbe
zahlt, in dem der Rentenanspruch entsteht (
Abs.
3).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
IV-Stelle
begründete die Zusprechung der befristeten halben Rente für die Zeit von Mai bis November 2010 in der angefochtenen Verfügung sowie in der Beschwerdeantwort damit, der Beschwerdeführer sei seit dem Unfall vom 7. Juli
2008 zu 100
%
arbeitsunfähig in der bisherigen Tätigkeit. Ab der Untersuchung
des Suva-Kreisarztes
vom 3. September 2009
, welche eine gute Funktionalität der linken Hand ergeben habe, sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in
behin
derungsang
epassten
Tätigkeiten auszugehen. Spätestens ab der erneuten
kreis
ärztlichen
Abklärung vom 24. August 2010 sei von einer 80%igen Arbeitsfähig
keit behinderungsangepasst auszugehen. Ab der neurologischen Untersuchung vom 2
2.
November 2011 sei eine angepasste Tätigkeit zu 100
%
zumutbar.
Der Vergleich von Validen- und Invalideneinkommen ergebe ab 3. September
2009
einen Invaliditätsgrad von 58
%
, ab 24. August 2010 einen solchen von 36
%
sowie ab 2
2.
November 2011 einen
Invaliditätsg
rad von 7
%
.
Da sich der Beschwerdeführer am 18. November 2009 zum Leistungsbezug angemeldet habe, bestehe der Leistungsanspruch ab Mai 2010
. Dementsprechend habe er Anspruch auf eine halbe Rente in der Zeit vom 1. Mai bis 30. November 2010
(
Urk.
2,
Urk.
9
). Auf eine eigentliche Stellungnahme zum MEDAS-Gutachten verzichtete die IV-Stelle. Sie hielt in ihrer Eingabe vom 18. Januar 2016 bloss fest, mit dem Gutachten werde ihre Einschätzung einer 80%igen Arbeitsfähig
keit bestätigt
(
Urk.
56).
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt,
er habe ab 1. Mai 2010
Anspruch auf eine
unbefristete ganze Rente.
Gestützt auf das Gut
achten von
Dr.
K._
vom 28. Februar 2012 stehe
zunächst
fest, dass er an
einem CRPS Typ II leide und in einer leidensangepassten Tätigkeit höchstens zu 30
%
bis maximal 40
%
arbeitsfähig sei (
Urk.
1 S. 3 ff.).
Auf das vom Gericht einge
holte MEDAS-Gutachten vom
23. Dezember 2015
könne demgegenüber nicht abgestellt
werden, da die dortigen Schlussfolgerungen medizinisch nicht begründet seien. Der Meinung der Gutachter, dass eine Nervenläsion ausge
schlossen werden könne, was sie zur Diagnose eines CRPS Typ I und nicht Typ II geführt habe, könne nicht gefolgt werden. Weil
seine Schmerzen charakteris
tisch für Schmerzen nach Nervenverletzungen seien
,
könne gemäss
Dr.
K._
mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen
werden, dass anlässlich des operativen Eingriffs vom 28. Oktober 2008 ein kleiner sensibler Nervenast beschädigt worden sei, welcher nachweislich zu einem begrenzten Defekt sensibler Qualitäten
um die Narbe herum geführt habe
. Dieses Areal gehöre zu den sensiblen
Endästen
des
Nervus
cutaneus
antibrachii
lateralis
. Letztlich sei die Einteilung des CRPS in Typ I und II aber belanglos, weil sie nichts zu tun habe mit dem klinischen Bild und den funktionellen Auswirkun
gen, welche für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit relevant seien (
Urk.
52
S. 4-6). Nicht gefolgt werden könne den Gutachtern ferner, soweit diese eine grosse Diskrepanz zwischen den klinischen Befunden und den Schmerzangaben erblickten. Die von ihnen erwähnte Aggravation und Symptomausweitung sei gemäss
Dr.
K._
und
Dr.
P._
subjektiv geprägt und im Gutachten medizi
nisch nicht nachvollziehbar begründet beziehungsweise in den Gesamtkontext des zu berücksichtigenden CRPS gestellt worden. Auch die von den Gutachtern gestellte Diagnose einer Schmerzverarbeitungsstörung sei nicht überzeugend. Sie könne die komplexen, streng auf die linke Extremität begrenzten Störungen nicht schlüssig erklären, stehe im Widerspruch zur von allen drei Gutachtern anerkannten Diagnose CRPS und falle im Übrigen in den Kom
petenzbereich eines Psychiaters
. Beim CRPS handle es sich um eine somatisch-physische Stö
rung, welche gemäss
Dr.
K._
seine Beschwerden ausreichend erkläre.
Dr.
P._
habe darauf hingewiesen, dass die Schmerzausbreitung zu einem
Quadrantensyndrom
schmerzmedizinisch keine Seltenheit darstelle und neuro
physiologisch mit
neuromodulativen
M
echanismen, „W
ind-
up
-Phänomenen“ im Rückenmark und zentraler Neuroplastizität erklär- und beweisbar sei. Dem Begriff
Allodynie
komme bei der Beschreibung von Schmerzen beim CRPS ein hoher Stellenwert zu. Eine
Allodynie
lasse sich gemäss
Dr.
K._
nicht nur durch oberflächliche Berührung feststellen, sondern es müssten unterschiedlich gear
tete Tests durchgeführt werden, etwa Druckeinwirkungen unterschiedlicher Art und Stärke, an verschiedensten Stellen und in unregelmässigem Takt. Erst die Summe der differenzierten Untersuchungen ergebe schliesslich ein
genaueres Bild über die Ausdehnung und Intensität einer
Allodynie
. Indes seien von den Gutachtern solche Techniken zur Ermittlung der
Allodynie
beziehungsweise des Schmerzes höchstens rudimentär angewendet worden. Gemäss
Dr.
K._
werde im handchirurgischen Teilgutachten nicht angegeben, wo genau die vom Gut
achter festgestellte
Allodynie
lokalisiert gewesen sei, mit welcher Intensität diese bestanden habe und wie die Druckausübung
durch den Gutachter erfolgt sei
. Weshalb die passive Beweglichkeitsprüfung des Daumengrundgelenks zu einer massiven Abwehrreaktion geführt habe und eine Extension des linken Handgelenks nicht habe aktiv durchgeführt werden können, werde durch den handchirurgischen Gutachter nicht erläutert. Dies wäre aber durch eine diffe
renzierte Beschreibung der
Allodynie
auf der Basis einer strukturierten klini
schen Untersuchung durchaus möglich gewesen.
Dr.
K._
habe am Unterarm einige quantitative Messungen erstellt, welche zeigten, dass die Schmerz
schwelle innerhalb der festgestellten
Allodynie
teils bereits bei 30-fach weniger Druckeinwirkung erreicht werde. Dies sei ein aussagekräftiges Mittel zur Bestimmung der Intensität der
Allodynie
. Eine
Allodynie
könne bereits bei akti
ver oder passiver Bewegung von Gelenken durch die auftretende Spannung innerhalb des Gewebes zu Schmerzen führen. Überstiegen die Schmerzen ein gewisses Niveau, komme es beim CRPS zu einer spontanen und unkontrollier
baren Schmerz-Exazerbation, welche über einen längeren Zeitabschnitt andau
ere. Dadurch lasse sich gemäss
Dr.
K._
erklären, weshalb er sich wie von den Gutachtern mehrfach beschrieben bei gewissen Tests verweigert habe oder gegen eine schm
erzhafte Bewegung gesperrt habe
.
Die anlässlich der Untersu
chungen geklagten Schmerzen stünden zudem in enger Beziehung zu den fest
gestellten
Allodynien
;
ausserhalb dieser Bereiche würden keine Schmerzen geklagt.
Auch in den neurologischen und rheumatologischen Teilgutachten würden bei den Befunden zahlreiche nicht tolerierte Bewegungen und
Druck
dolenzen
erwähnt, ohne dass diese mit einer
Allodynie
in Beziehung gebracht würden. Hinsichtlich der Bemerkung des rheumatologischen Gutachters, er könne die Weichteil-
Druckdolenzen
am ganzen linken Arm in mehreren Untersuchungsgängen nicht streng am selben Ort reproduzieren, weise
Dr.
K._
darauf hin, dass es bei einer kritischen Auseinandersetzung mit den für das CRPS spezifischen Fakten und mit einer differenzierten Gründlichkeit möglich gewesen wäre, einen engeren Bezug zwischen den vorgetragenen Beschwerden und den vielfältigen nachweisbaren, jederzeit reproduzierbaren und teilweise objektivierbaren Befunden herzustellen.
Diese
Unzulänglichkeiten seien gemäss
Dr.
K._
geeignet, den Verdacht fehlender Sorgfalt der MEDAS-Gutachter bei der Beurteilung des Schmerzes aufkommen zu lassen.
Dr.
P._
weise schliesslich auf eine weitere
Widersprüchlichkeit hin: Der rheumatologische Teilgutachter habe angegeben, die Schmerzen in der linken Brust nicht beurtei
len zu können, habe dann aber trotzdem Stellung bezogen und keinen Zu
sam
menhang zum CRPS hergestellt
. Dies beeinträchtige die Glaubwürdigkeit des Gutachters (
Urk.
52 S. 6-14)
.
Aus diesen Gründen sei die gutachterliche Beur
teilung der durch das CRPS verursachten funktionellen Defizite, welche in Tat und Wahrheit zu einer weitgehenden
Einhändigkeit
für manuelle Belastungen geführt hätten, falsch und es könne deshalb auch nicht auf die von den MEDAS-Gutachtern vorgenommene Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit abgestellt werden
. Entsprechend der Beurteilung von
Dr.
K._
sei von einer Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit von 30
%
bis maximal 40
%
auszugehen (
Urk.
57).
3
.
3
.1
Z
wischen den Versicherungsmedizinern der
Suva (
Urk.
10/
1
8/7-10,
Urk.
10/40/52-58,
Urk.
10/40/43
)
beziehungsweise des RAD (
Urk.
10/29/4,
Urk.
10/45/3
)
und dem Handchirurgen
Dr.
K._
(
Urk.
3/5
)
ist die
Frage
umstrit
ten
, ob der Beschwerdeführer an
einem CRPS-Typ-II-Syndrom leide und wie stark diese Problematik d
ie Arbeitsfähigkeit einschränke. Da das vergleichsweise ausführliche und detaillierte Gutachten von
Dr.
K._
vom 28. Februar 2012
(
Urk.
3/5)
die Beweiskraft der versicherungsmedizinischen Stellungnahmen
als fraglich erscheinen liess,
holte das Gericht
zur Klärung der Arbeitsfähigkeit
eine
Expertise
ein (vgl.
Urk.
24
).
Von der zunächst beabsichtigten monodisziplinären handchirurgischen
Begutachtung
sah
es – nachdem die angefragte Gutachterin
sich nicht in der Lage gesehen hatte, die Begutachtung
durchzuführen (
Urk.
36
)
– auf Anraten von
Dr.
L._
, Chefarzt der MEDAS
M._
, ab.
Dr.
L._
hatte am 28. Januar 2015 überzeugend dargelegt, die zu beurteilende
Gesund
heitsproblematik
berühre auch die Fachdisziplinen der Rheumatologie und Neurologie, und dem Gericht die Anordnung eines interdisziplinären rheuma
tologischen, handchirurgischen und neurologischen Gutachtens nahegelegt.
Solchenfalls
verringere sich, da der rheumatologische Hauptgutachter bereits gewisse Aufgaben für die anderen Gutachter erledige, auch der Aufwand der handchirurgischen Begutachtung, was es einfacher mache, einen der in der Regel sehr stark ausgelasteten Handchirurgen für den Begutachtungsauftrag zu
gewinnen (vgl.
Urk.
37,
Urk.
39
).
Den Parteien wurde dies mit Beschluss vom 11. März 2015 (
Urk.
42) mitgeteilt.
Der Beschwerdeführer wurde am 27. Juli 2015 durch den Rheumatologen
Dr.
L._
, am 21. August 2015 durch die Neurologin
Dr.
O._
sowie am
15. September 2015 durch den Handchirurgen
Dr.
N._
in der MEDAS
M._
begutac
htet, wobei am 14. Dezember 2015
im Rahmen des Konsensverfahrens unter Federführung von
Dr.
L._
sämtliche
Gutachter dem vollen Wortlaut des Gutachtens vom 23. Dezember 2015 zustimmten (
Urk.
52
S. 1, 23 und 40).
Der Beschwerdeführer gab den Gutachtern an, er habe am ganzen linken
Arm Schmerzen und ein Brennen, welche vom linken Daumen und vom Handgelenk
volarseits
in den Arm über den Ellbogen und die Schulter in den Hals strahlten. Zudem bestehe ein Brennen und eine intermittierende Schwellung im Bereich der linken Brust. Am schlimmsten sei es vorne im Daumen und am Handgelenk
volarseits
, den Daumen könne er praktisch gar nicht bewegen, die Hand nur minimal. Auch in den Nacken rechts und das rechte Ohr strahlten Schmerzen. Er sei nie schmerzfrei, es gebe aber Tage mit weniger Schmerzen. Er wisse nicht, was den Schmerz lindere oder auslöse. Sein aktueller Schmerzpegel liege bei 6 auf der 10er Skala, schwankend von minimal 3 bis maximal 8. Schmerztab
letten würden nicht viel helfen. Er nehme eine bis drei Tabletten am Tag, die letzte Schmerztablette habe er vor zwei Tagen eingenommen. Er könne sich sel
ber anziehen, brauche selten die Hilfe seiner Ehefrau. Auch Essen könne er sel
ber, er könne eine Gabel in der
l
inken Hand ohne Gebrauch des Daumens hal
ten. Er fahre
etwa zweimal wöchentlich während fünf bis zehn Minuten Velo, aber es gehe nicht gut (
Urk. Urk.
52 S.
18 ff.).
Die Gutachter diagnostizierten ein chronisches Schmerzsyndrom der linken Hand und des linken Armes
bei Status nach Unfall am 7. Juli 2008 mit Schnittverletzung über dem Daumen-MCP-Gelenk dorsal mit Strecksehnenruptur, Strecksehnennaht am gleichen Tag und anschliessender Hautnaht
bei Status nach Sehnenrekonstruktion am 28. Oktober 2010 mit der
Palmaris
longus
Sehne bei Re-Ruptur der Extensor
pollicis
brevis
- und Extensor
pollicis
longus
-Sehne auf Höhe des MCP-Gelenkes nach Seh
nennaht
bei Status nach ausgedehnter
Neurolyse
des
Nervus
medianus
und
Beuge
sehnensynovektomie
am 7. Mai 2009
mit einer funktionell schweren Einschränkung der Daumenbeweglichkeit
mit einer
tendomyotisch
bedingten Einschränkung des linken Ellbogen- und Schultergelenkes
ohne Hinweis für eine Läsion eines grösseren Arm- oder Handnervs
mit einem CRPS Typ I sowie Verdacht auf Aggravation
.
Der rheumatologische Gutachter führte in seiner Beurteilung zunächst den inter
national gebräuchlichen Kriterienkatalog, anhand welchem die Diagnose
eines CRPS rein klinisch gestellt wird, auf und legte unter Bezugnahme auf medizinische Studien, die letzte aus dem Jahr 2015, den aktuellen Ken
ntnis
stand zum CRPS dar (
Urk.
52
S. 29 f.). Die klinische Untersuchung ergab einen weitgehend steifen Daumen mit minimaler Beweglichkeit im Daumengrund- und
Interphalangealgelenk
. Mit dem Infrarot-Thermometer konnte eine
Tempe
raturdifferenz
im Vergleich zur rechten Seite objektiviert werden. Der Gutachter hielt fest, die eingeschränkte Beweglichkeit im linken Ellbogengelenk im Sinne eines leichten Streckdefizits und in der linken Schulter (
Periarthropathia
humeroscapularis
) seien am ehesten schmerzbedingt
tendomyotischer
Natur. Der Beschwerdeführer sei während der Untersuchung kooperativ gewesen, solange diese nicht die schmerzhaften Stellen betroffen habe; dann sei es zu einer star
ken
aktiven Abwehr gekommen (
Urk.
52
S. 32). Ferner habe er, der Gutachter, in mehreren Untersuchungsgängen die geklagten
Weichteildruckdolenzen
am ganzen linken Arm (gemäss der dem Gutachten beilie
genden Schmerzzeichnung [
Urk.
52
/1]) nicht streng am selben Ort reproduzieren können, und es sei ihm aufgefallen, dass der Beschwerdeführer mit den Fingern II bis V der linken Hand zwar die Faust schliessen könne, bei der Kraftmessung mit dem
Vigorimeter
aber 0.0 bar auslöse, was etwas an der Koo
peration zweifeln lasse (
Urk.
52
S. 22). Die Diagnose eines CRPS bleibe prinzipiell schwierig und sei mit Unsicher
heiten behaftet. Da der grösste Teil der klinischen Kriterien erfüllt sei – Anhal
tender Schmerz, der durch das Anfangstrauma nicht mehr erklärt wird, Hyper
algesie (Überempfindlichkeit für Schmerzreize) auf spitze Reize, Hyperästhesie (Überempfindlichkeit für Berührung,
Allodynie
) bei Druck auf Gelenke/Knochen/Muskeln, Asymmetrie der Hauttemperatur, reduzierte Beweg
lichkeit, Fehlen einer anderen Diagnose, welche die Schmerzen erklärt – sprächen mehr Gründe für als gegen das Vorliegen eines CRPS. Dazu bleibe zu bemerken, dass der Beschwerdeführer bei der mehrstündigen Befragung nicht schwer schmerzgequält gewirkt habe; dass am linken Arm keine messbare
Um
fangatrophie
im Vergleich zur rechten Seite bestehe, was gegen eine vollstän
dige Schonung spreche; dass die Schmerzmitteleinnahme unregelmässig erfolge, wobei der Beschwerdeführer die letzte Tablette zwei Tage vor der Befragung eingenommen habe; dass er beim Aus- und Ankleiden die Finger II bis V der linken Hand (Hilfshand) mitbenutzt habe und lediglich den linken Daumen steif gehalten habe; dass er funktionell nicht vollkommen einarmig sei, sondern die linke Hand (Finger II bis V) als Hilfshand einsetzen könne; dass er gemäss eige
nen Angaben sogar regelmässig kurze Strecken mit dem Velo fahren könne, was auch für eine Restfunktion der linken Hand spreche. Dies kontrastiere mit
seinen Klagen
, den linken Arm für gar nichts gebrauchen zu können und andauernd starke Schmerzen zu haben, und bestätige die in den
Vorakten
dokumentierte Beobachtung verschiedener Ärzte, dass das Verhalten des Beschwerdeführers inkonsistent und widersprüchlich sei. Weiter führte der Gut
achter aus, die geklagten Schmerzen im Bereich der linken Brust mit angeblich rezidivierender Schwellung könne er aus rheumatologischer Sicht nicht erklä
ren, er sehe keinen Zusammenhang mit der ursprünglichen Verletzung am Daumen beziehungsweise dem CRPS. Die diversen Vorbeurteilungen hätten den Nachteil, dass darin die Symptomatik praktisch immer ausführlich diskutiert worden sei, das Ausmass der Behinderung aber nur wenig erfragt und doku
mentiert worden sei. Dies gelte insbesondere für das ansonsten sehr ausführ
liche Gutachten von
Dr.
K._
. Ein Kern eines somatischen Leidens sei zweifellos vorhanden, die Auswirkungen dieses Leidens
würden vom Beschwerdeführer aber deutlich übertrieben im Sinne einer Aggravation
(
Urk.
52
S. 32 f.).
Ergänzend zu den Feststellungen des rheumatologischen Gutachters führte der neurologische Gutachter in seiner Beurteilung aus, bis anhin habe nie eine Läsion eines grösseren Hand- oder
Armnervs
nachgewiesen werden können, trotz wiederholter Neurographien des
Nervus
medianus
und des
Nervus
ulnaris
. Bei der
Neurolyse
des
Nervus
medianus
am 7. Mai 2009 sei der Nerv als unauf
fällig beschrieben worden.
Dr.
K._
habe ein „
Tinelphänomen
“ im Bereich des schmerzhaften Knötchens am volaren Handgelenk mit einer Ausstrahlung gegen proximal beschrieben und als Ursache ein Neurom des
Nervus
cutaneus
ante
brachii
lateralis
postuliert. Diese Beurteilung sei aus neurologischer Sicht nicht nachvollziehbar. Aktuell werde keine Ausstrahlung in das
Dermatom
des
Nervus
cutaneus
antebrachii
angegeben. Zudem sei gemäss Definition beim
Tinelphä
nomen
ein Elektrisieren distal der Läsion des Nervs – und nicht gegen proximal - zu erwarten. Eine solche Reaktion werde aktuell nicht angegeben, sei in den Unterlagen auch nie so beschrieben worden und würde auch nicht dem
Nervus
cutaneus
antibrachii
entsprechen. Da eine evidente Nervenläsion fehle, könne die Diagnose eines CRPS Typ II nicht gestellt werden
(
Urk.
52 S. 33 f., vgl. auch
Urk.
52
S. 36 und 38).
Der handchirurgische Gutachter hielt in seiner Beurteilung fest, da weder
neuro
graphisch
noch klinisch Nervenläsionen vorlägen, und das CRPS Typ II zwin
gend mit einer Nervenläsion respektive einer neuropathischen Problematik ein
hergehen müsse, könne das Vorliegen eines CRPS Typ II mit Sicherheit ausge
schlossen werden. Hingegen könne aufgrund der subjektiven und objektiven Befunde ein CRPS Typ I diagnostiziert werden. Die Untersuchung habe teilweise etwas widersprüchliche Ergebnisse geliefert: Objektiv seien die relativ extremen Bewegungseinschränkungen im Handgelenk und im Ellbogen nicht nachvoll
ziehbar. Offensichtlich führten die vom Beschwerdeführer angegebenen
Schmerzen zur entsprechenden Abwehrhaltung beim Versuch, die Gelenke pas
siv zu mobilisieren. Ferner habe sich die vom Beschwerdeführer angegebene Überempfindlichkeit im Verlauf der Untersuchung immer etwas unterschiedlich gezeigt; sie habe nicht immer gleich reproduziert werden können. Es sei sicher von einer Schmerzverarbeitungsstörung auszugehen. Diese
führe zu den geschilderten Dystrophien (Funktionseinbussen) im Sinne eines CRPS
(
Urk.
52
S. 34 sowie
Urk.
52
/3 S. 3 f.).
In Beantwortung der Fragen des Gerichts hielten die Gutachter abschliessend fest, das diagnostizierte CRPS Typ I habe sich – soweit sich aus den Unterlagen erschliessen lasse und aufgrund der Angaben des Beschwerdeführers - überwie
gend wahrscheinlich im Anschluss an die zweite Operation (
Sehnenrekonstruk
tion
) vom 28. Oktober 2008 entwickelt. Die
tendomyotisch
bedingten Ein
schränkungen des linken Ellbogen- und Schultergelenkes seien sekundäre Fol
gen
der Schmerzproblematik (
Urk.
52
S. 36 und 38 f.). Die angestammte Tätig
keit als
Fassadenisoleur
sei dem Beschwerdeführer seit dem Unfall nicht mehr zumutbar. Zumutbar seien ihm spätestens seit dem Austritt aus der Rehaklinik
Q._
am 18. März 2009 körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne kräftigen Einsatz des linken Daumens, der nur eingeschränkt belastbar sei. Mit der linken Hand könnten keine kraftaufwändigen und feinmotorischen Arbeiten ausgeführt werden. Der Beschwerdeführer sei aber nicht als funktionell Einarmiger zu betrachten, leichtere Tätigkeiten sowie Kontroll- und Über
wachungsaufgaben seien zumutbar.
Dabei sei – bei vollschichtiger Präsenz – von einer Leistungseinbusse von 20
%
auszugehen.
Die Angaben des Beschwer
deführers über das Ausmass seiner Behinderung wirkten nicht du
rchwegs über
zeugend (
Urk.
52
S. 36 und 39).
3
.2
Dr.
K._
sowie der behandelnde Arzt
Dr.
med.
P._
, Facharzt für Chirurgie, nahmen jeweils am
2.
Februar 2016 zum MEDAS-Gutachten
Stellung
(
Urk.
58
/1-2
; v
gl. dazu die nachfolgende E. 3.3
).
3.3
3.3
.1
Das MEDAS-Gerichtsgutachten beruht auf drei ausführlichen
Explorati
onsge
sprächen
und einer umfassenden Würdigung der medizinischen Situation unter Berücksichtigung der aktuellsten Literatur zum CRPS. Es ist in Kenntnis sämt
licher
Vorakten
erstellt worden. Die medizinischen Zusammenhänge werden darin einleuchtend dargelegt und die gutachterlichen Schlussfolgerungen sind überzeugend begründet. Auch wird ausführlich zu abweichenden ärztlichen Meinungen Stellung genommen. Inso
fern erfüllt das Gutachten die recht
-
sprechungsgemässen Anforderungen an beweiskräftige medizinische
Beurtei
-
lungs
grundlagen
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
Ein Abweichen des Gerichts von der Beurteilung in einem Gerichtsgutachten ist nach der Pra
xis nur bei Vorhandensein zwingender Gründe gerechtfertigt, ins
besondere, wenn gegensätzliche Mei
nungsäusserungen anderer Fachleute dem Gericht als trif
tig genug erschei
nen, die Schlüssigkeit des
Gerichtsgutach
tens
in Frage zu stellen (BGE 125 V 351 E. 3b/
aa
). Die einzelnen Einwendungen des Beschwerdeführers vermögen die Schlüssigkeit des Gerichtsgutachtens indes nicht in Frage zu stellen, wie nachfolgend aufzuzeigen ist.
3.3
.2
Strittig ist zunächst die diagnostische Einordnung des CRPS unter die Typen I oder II. Während
Dr.
K._
die Voraussetzungen für die Diagnose eines CRPS Typ II als gegeben erachtete, diagnostizierten die MEDAS-Gutachter ein CRPS Typ I.
Das
CRPS Typ II
bezeichnet brennende Schmerzen und Störungen des Nervensys
tems als Folge einer definierten peripheren Nervenläsion
. Damit die Diagnose gestellt werden kann, wird eine durch eine neurologische Abklärung festgestellte Nervenverletzung vorausgesetzt
(vgl.
die
Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_232/2012
vom 27. September 2012,
E. 5.3.1
sowie 8C_765/2008 vom
20. Februar 2009, E. 5.3
).
Der neurologische Gutachter der MEDAS legte dar, dass trotz wiederholter Neurographien bisher nie eine Läsion eines grösseren Hand- oder
Armnervs
nachgewiesen werden konnte.
Dr.
K._
leitete seine Vermutung, dass anlässlich der Operation vom 28. Oktober 2008 ein kleiner sensibler
Ner
venast
beschädigt worden sei, aus der vom Beschwerdeführer angegebenen Schmerzcharakteristik, welche neuropathischer Natur sei, sowie dem von ihm erhobenen begrenzten Defekt sensibler Qualitäten um die Narbe herum her.
Das Areal gehöre zu den sensiblen
Endästen
des
Nervus
cutaneus
antibrachii
latera
lis
(
Urk.
3/5 S. 19,
Urk.
3/6,
Urk.
58
/1 S. 3 f.). Bei den von
Dr.
K._
angeführten Befunden handelt es sich indes nicht um objektivierbare
Ergebnisse, welche reproduzierbar sowie von der Person des Untersuchenden und den Angaben des Patienten unabhängig sind.
Die Vermutung von
Dr.
K._
konnte denn auch nicht durch eine Neurographie oder
eine
andere apparative Untersuchung veri
fiziert werden, und der neurologische MEDAS-Gutachter konnte den klinischen Befund von
Dr.
K._
nicht
reproduzieren (
Urk.
52
S. 33; vgl. Urteile des Bun
desgerichts 8C_550/2012 vom 1. Februar 2013, E. 3 sowie 8C_765/2008 vom 20. Februar 2009
, E. 5.3). Zu
beachten ist auch, dass der neurologische
Teilgut
achter
der MEDAS bereits aufgrund seiner
Fachspezia
-
lisierung
als besser geeig
net erscheint, das Vorliegen eines Nervenschadens zu beurteilen, als der
Hand
chirurg
Dr.
K._
.
Der behandelnde Schmerzspezialist
Dr.
P._
schliesslich scheint die diagnostische Einordnung des CRPS zum Typ I nicht zu
beanstanden (
Urk.
58
/2 S. 1). Ein CRPS Typ II ist bei dieser Aktenlage nicht mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit ausgewiesen.
Im Übrigen wies
Dr.
K._
in seiner Stellungnahme vom
2.
Februar 2016
zu Recht darauf hin, dass die Einteilung des CRPS in Typ I und II
von untergeord
neter B
edeutung sei, weil sie nichts zu tun habe mit dem klinischen Bild und den funktionellen Auswirkungen, welche für die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit
relevant seien (
Urk.
58
/1 S. 3).
3.3
.3
Umstritten sind sodann die vom von den MEDAS-Gutachtern diagnostizierten CRPS Typ I ausgehenden funktionellen Einschränkungen und die daraus fol
gende Arbeitsunfähigkeit in leidensangepassten Tätigkeiten.
Entgegen der Behauptung von
Dr.
K._
und
Dr.
P._
haben die Gutachter keine psychiatrische Diagnose gestellt (
Urk.
58
/2 S. 1); insbesondere
haben sie eine differentialdiagnostisch mit zu erwägende somatoforme Schmerzstörung als (Mit-)Ursache für die Symptomatik ausgeschlossen
(
Urk.
52
S. 39 f.). Die vom Handchirurgen bei den Diagnosen gewählte, möglicherweise etwas miss
verständliche Formulierung einer „Schmerzverarbeitungsstörung
“ bezieht sich auf das CRPS. Dies ergibt sich aus dem
Kontext im
handchirurgischen Teil
-
gutachten
, wo der Gutachter
unter anderem
ausführt, der auslösende Faktor eines CRPS sei in der Regel ein nicht zu beherrschender
Schmerzfokus
(
Urk.
52
/3 S. 4 f.).
Ferner ist die Bemerkung des rheumatologischen Gutachters, er könne die geklag
ten Schmerzen im Bereich der linken Brust mit rezidivierender Schwel
lung aus
rheumatologischer Sicht nicht erklären, wobei ein Zusammenhang dieser Symptomatik mit dem CRPS ausgeschlossen werden könne
(
Urk.
52
S. 33), entgegen der Ansicht von
Dr.
P._
(
Urk.
58
/2 S. 2) nicht zwingend widersprüchlich. Der rheumatologische Gutachter, der sich vor Abgabe seiner Beurteilung intensiv mit
der Diagnose CRPS auseinandergesetzt hatte, brachte damit lediglich zum Ausdruck, dass er einen Zusammenhang der Symptomatik in der linken Brust mit dem diagnostizierten CRPS ausschliessen könne, und dass er diese Symptomatik aus rheumatologischer Sicht nicht einer anderen Diagnose zuordnen könne. Wird unterstellt, dass die Gutachter die Beschwerden im linken Brustbereich in ihrer Beurteilung nicht gebührend berücksichtigten, so kann jedenfalls ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass sie keinen wesentlichen Einfluss auf das von den Gutachtern festgelegte Profil an zumut
baren Tätigkeiten haben; die entsprechende Beeinträchtigung liegt nämlich in unmittelbarer räumlicher Nähe zu den von den Gutachtern berücksichtigten Beschwerden im linken Ellbogen- und Schultergelenk.
Ferner
ergeben sich
weder aus den Akten noch insbesondere aus den Berichten von
Dr.
K._
und
Dr.
P._
Anhaltspunkte dafür
, dass es sich bei den
geklagten
Schmerzen
mit rezidivierender Schwellung im Bereich der linken Brust um eine
internmedi
zinisch
e
, etwa kardio
- oder
pulmo
logische
Problematik handelt.
Aus dem blossen Umstand, dass die MEDAS-Gutachter die erhobenen Befunde in der Expertise teils nicht mit dem gleichen Detaillierungsgrad
wiedergegeben haben
wie
Dr.
K._
, kann noch nicht geschlossen werden, dass die gutachter
liche Untersuchung nicht mit der erforderlichen Sorgfalt erfolgte. Insbesondere
ist
nicht nachvollziehbar, wie
Dr.
K._
zum Schluss gelangte, die Gutachter hätten die medizinischen Techniken zur Ermittlung einer
Allodynie
höchstens rudimentär angewendet. Dass sowohl der rheumatologische als auch der
hand
chirurgische
Teilgutachter festhielten, die
Weichteildruckdolenzen
am linken Arm hätten in mehreren Untersuchungsgängen nicht streng am selben Ort reproduziert werden
können (
Urk.
52 S. 22,
Urk.
52
/3 S. 3 f.), spricht
im Gegenteil für eine besonders sorgfältige
Untersuchung. Gleiches gilt für die detaillierte Schmerzskizze im Anhang des Gutachtens (
Urk.
52
/1). Sodann ändern die von
Dr.
K._
in seinem Gutachten vom 28. Februar 2012 (
Urk.
3/5
) sehr detailliert wiedergegebenen Befunde nichts daran, dass die MEDAS-Gut
achter – im Gegensatz zu
Dr.
K._
und
Dr.
P._
– glaubwürdig auf Inkon
sistenzen im Verhalten des Beschwerdeführers beziehungsweise
eine Aggrava
tion während der Untersuchung hinwiesen. Die unterschiedlichen Auffassungen zu diesem Thema können damit erklärt werden, dass die regelmässig mit ver
sicherungsmedizinischen Fragestellungen konfrontierten MEDAS-Gutachter im Beobachten von Inkonsistenzen während der klinischen Untersuchung mehr Übung haben und dieser Thematik bei der Begutachtung des Beschwerdeführers wohl mehr Aufmerksamkeit widmeten als
Dr.
K._
. Der rheumatologische Gut
achter wies denn auch ausdrücklich darauf hin,
Dr.
K._
habe das Ausmass der von den Symptomen ausgehenden Behinderung nur wenig untersucht und
dokumentiert
(
Urk.
52
S. 33).
Angaben zu den trotz der Schmerzangaben noch
möglichen alltäglichen (Freizeit-)Aktivitäten etwa fehlen im Gutachten von
Dr.
K._
(vgl.
Urk.
3/5 S. 5
ff.). Auch das Verhalten des Exploranden in ver
meintlich unbeobachteten
Momenten, die Überprüfung der Einnahme der ver
ordneten Schmerzmedikamente sowie der Vergleich des Umfangs des
beein
trächtigten A
rm
s
mit demjenigen des nicht
beeinträchtigten
Gegenarms zur Prüfung einer allfälligen Schonung sind zur Validierung der subjektiven Schmerzangaben unabdingbar. Es
besteht kein Grund zur Annahme, dass die diesbezüglichen Angaben der MEDAS-Gutachter
(
Urk.
52
S. 32 f.) unzutreffend seien, ebenso wenig wie ihre Beobachtung,
die
Weichteildruckdolenzen
am lin
ken Arm hätten bei wiederholter Untersuchung nicht streng am selben Ort
reproduziert werden können, in Zweifel zu ziehen ist. Eine korrekte Beurteilung der effektiven, vom CRPS ausgehenden funktionellen Einschränkungen ist nur möglich, wenn auf
eine Aggravation zurückzuführende Limitierungen unbe
rücksichtigt bleiben. Die dahingehenden Abklärungen von
Dr.
K._
waren ungenügend, zumal in den
Vorakten
immer wieder von inkonsistentem Verhal
ten des Beschwerdeführers in der Untersuchungssituation die Rede war
(vgl. etwa
Urk.
10/10/54,
Urk.
10/40/47-48
). Es kann deshalb nicht auf seine Beur
teilung, der Beschwerdeführer sei in einer behinderungsangepassten, höchstens leichten bis sehr leichten Tätigkeit noch zu 30-40
%
arbeitsfähig (
Urk.
3/5 S. 17
), abgestellt werden. Hingegen besteht nach dem Gesagten kein Anlass, an der von den MEDAS-Gutachtern nach einem interdisziplinären
Konsensver
fahren
attestierten zumutbaren Restarbeitsfähigkeit in
qualitativer und quanti
tativer Hinsicht zu zweifeln, zumal die Gutachter durchaus gewisse funktionelle Einschränkungen anerkannten und die erhobenen schmerz
-
bedingten
Bewe
gungseinschränkungen
entgegen der Ansicht des Beschwerde
-
führers nicht generell in Frage stellten. Die Beurteilung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit weist
notwendigerweise Ermessenszüge auf (vgl. etwa das Urteil des Bundesge
richts 9C_401/2014 vom 26. November 2014, E. 2)
,
wobei die in
versicherungsmedizi
nischen
Fragen
bewandten
MEDAS-Gutachter
auch diesbezüglich
mehr Erfah
rung und Vergleichsmöglichkeiten haben als
Dr.
K._
.
Abweichend von
Dr.
C._
vom RAD, welcher in sein
en
Stellungnahme
n
vom 21. September 2010
sowie vom 9. Januar 2011
im Wesentlichen
gestützt auf die kreisärztlichen Untersuchungen
der Suva
vom
3. September 2009
(
Urk.
10/10/21-24)
sowie vom 24. August 2010
(
Urk.
10/18/7-10)
auf eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ab 3. September 2009 sowie eine 80%ige Arbeitsfähig
keit ab 24. August 2010 in behinderungsangepassten Tätigkeiten
ge
schloss
en hatte
(
Urk.
10/29/4
,
Urk.
10/45/2-3
), gingen die MEDAS Gutachter davon aus, dass der Beschwerdeführer bereits seit
dem A
ustritt aus der Rehaklinik
Q._
am 18. März 2009
in leidensangepassten Tätigkeiten mit einer
Leistungsein
busse
von 20
%
arbeitsfähig sei.
Es besteht kein Grund, an der gutachterlichen Einschätzung der Arbeitsfähigkeit im zeitlichen Verlauf zu zweifeln. Die Gut
achter haben
aufgezeigt
, dass sämtliche Ärzte mit Ausnahme vo
n
Dr.
K._
Tem
peraturmessungen
a
n den Händen
unterliessen
und das pathologische Gesche
hen deshalb nicht korrekt einem CRPS zuordnen
konnten
(
Urk.
52/37)
. Sodann haben die Gutachter, nicht zuletzt auch zur Beurteilung der Kausalität des diag
nostizierten CRPS, die Entwicklung der Symptomatik im zeitlichen Verlauf sorgfältig
er
analysiert
als die Versicherungsmediziner
(
Urk.
52 S. 24 ff.).
Zu beachten ist sodann, dass Kreisarzt
Dr.
B._
ungeachtet dessen, dass er die Problematik in diagnostischer Hinsicht nicht richtig einordnete, anlässlich
seiner Untersuchung vom 3. September 2009 eine ansprechende Funktion und Kraft der linken Hand erhob und nicht erwartete, dass eine wesentliche Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit fortbestehen werde
(
Urk.
10/10/21-24
). Inso
fern weicht seine Einschätzun
g nicht wesentlich
von derjenigen der Gutachter ab
.
Schliesslich ist
von Bedeutung
, dass
Dr.
C._
vom RAD den Beschwerdeführer nicht persönlich untersucht hat
te
und für seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auch nicht auf gleichlautende Atteste in den von
ihm erwähnten kreisärztlichen Berichten
abstellen konnte
(
Urk.
10/29/4
,
Urk.
10/45/3
)
. Deshalb
vermag
seine Beurteilung
diejenige der MEDAS-Gutach
ter nicht zu erschüttern
.
Den vom Beschwerdeführer
am 8. Juni 2016 eingereichten Berichten der
R._
vom 30. Mai (
Urk.
71/1) sowie vom
26. April 2016 (
Urk.
71/2) ist zu entnehmen, dass er
sich
am 17. Juli 2012
freiwillig in psychiatrische Behandlung
begeben hatte
. Die behandelnden Psychiater hielten
in ihren Berichten
fest, nebst der auf das CRPS zurückzuführenden Schmerzsymptomatik und eingeschränkten Funktion im linken Arm bestehe eine depressive Symptomatik. Diese sei am Anfang fluktuierend gewesen, auch gekoppelt an die damalige Hoffnung des Beschwerdeführers, dass er in den Arbeitsmarkt zurückkehren könne. Spätestens seit November 2015 sei von einer rezidivierenden depressiven Störung mit mittelgradigen bis schweren Episoden auszugehen (
Urk.
71/1 S. 1 f.,
Urk.
71/2 S. 1). Zu beachten ist, dass im vorlie
genden Verfahren nur
die Entwicklung des
(medizinischen) Sachverhalts bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 6. März 2012 massgeblich ist.
Für den relevanten Zeitraum fehlen echtzeitliche medizinische Befunde, welche auf eine die Arbeitsfähigkeit einschränkende depressive Symptomatik schliessen lassen.
Auch gestützt auf die eingereichten Berichte kann nicht rückwirkend auf eine relevante psychische Problematik geschlossen werden; sie decken nur die Zeit ab 17. Juli 2012 ab, wobei aufgrund der Angaben im Bericht vom 30. Mai 2016 davon ausgegangen werden kann, d
ass die depressive Symptomatik
jedenfalls anfänglich nur leicht und nicht invalidisierend war (
Urk.
71/1 S. 1 f.). Ein Einfluss auf die zumutbare Arbeitsfähigkeit im relevanten
Beurteilungszeit
raum
ist damit nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen.
Demnach steht
gestützt auf das MEDAS-Gutachten vom 23. Dezember 2015
fest, dass dem
Beschwerdeführer
spätestens seit dem Austritt aus der Rehaklinik
Q._
am 18. März 2009 körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne kräftigen Einsatz des linken Daumens
sowie ohne kraftaufwändige und feinmotorische
Arbeiten
m
it der linken Hand
bei vollzeitlicher Präsenz mit einer Leistungseinbusse von 20
%
zumutbar sind.
4.
4.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die gesundheitlich bedingte Einschränkung der Arbeits
fähigkeit in erwerblicher Hinsicht auswirkt. Die Invaliditätsbemessung hat mittels eines Einkommensvergleichs zu erfolgen (vorstehend E. 1.3), wobei
sich
die Parteien darin einig
sind
, dass
Validen- und Invalideneinkommen auf
der
Basis der Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes
für Statistik
(LSE) festzusetzen sind
. Der Beschwerdeführer war nämlich vor dem Unfall als ungelernter Hilfsarbeiter immer wieder im Rahmen von
Temporäreinsätzen
im Baugewerbe tätig, welche sich mit Phasen von Arbeitslosigkeit abwechselten, und arbeitete nach dem Unfall nicht mehr
(
Urk.
1 S. 5,
Urk.
2
,
Urk.
10/8
).
Zwar hat der Unfallversicherer das
Valideneinkommen
davon abweichend und ebenfalls unbestrittenermassen aufgrund des letzten vor dem Unfall erzielten Einkommens auf Fr. 64‘370.-- festgesetzt (vgl. das am gleichen Tag ergangene Urteil des Sozialversicherungsgerichts UV.2012.00224, E. 5.2). Es kann aber offen bleiben, ob die IV-Stelle das
Valideneinkommen
auch auf dieser Grundlage hätte festsetzen müssen, da das vom
Unfallversiche
rer
eingesetzte
Valideneinkommen
tiefer ist als das von der IV-Stelle gestützt auf die LSE ermittelte Einkommen, wie nachfolgend noch aufzuzeigen ist.
Weiter ist zu Recht unbestritten
(
Urk.
1 S. 2,
Urk.
2)
, dass angesichts der Anmel
dung des Beschwerdeführers zum Leistungsbezug am 14. November 2009
(
Urk.
10/3
) ein allfälliger Rentenanspruch gestützt auf Art. 29
Abs.
1 IVG frü
hestens sechs Monate später, als
o
im Mai 2010, entstehen konnte (vgl. vorste
hend E. 1.2).
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend (BGE 129 V 222 E. 4.2 in
fine
, 128 V 174, Urteil des Bundesgerichts I 156/02 vom 26. Mai 2003).
4.2
Gemäss der LSE 2010, Tabelle TA1 Ziffer 41-43, betrug der standardisierte Monatslohn (Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstun
den) für einfache und repetitive Tätigkeiten im Baugewerbe
(
Anforderungsni
veau
4)
für Männer Fr. 5‘310.--. Hochgerechnet auf die im Jahr 2010
betriebs
übliche
wöchentliche Arbeitszeit von 41,6 Stunden (vgl. Bundesamt für Statistik [BFS], Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen in Stunden pro Woche
; im Internet abrufbar) resultiert
gestützt auf die LSE
ein
Validenein
kommen
von Fr. 66‘268.80
im Jahr
(Fr. 5‘310.-- x 41.6
/ 40
x 12).
4.3
4.3.1
Zur Festsetzung des Invalideneinkommens ist
vom standardisierten
Monatslohn für
Hilfsarbeiten
in sämtlichen Sektoren (TOTAL)
für Männer gemäss Tabelle TA1 der LSE 2010 von Fr. 4‘901.-- auszugehen. Hochgerechnet auf die im Jahr 2010 betriebsübliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,6 Stunden und angepasst an die noch zumutbare Leistung von 80
%
eines Vollzeitpensums resultiert ein Jahreseinkommen von Fr. 48‘931.60
.
4.3.2
Strittig ist, wie stark dieser Lohn mittels eines leidensbedingten Abzugs zu kür
zen ist. Während die IV-Stelle wegen des von ihr anerkannten eingeschränkten Belastbarkeitsprofils (nur noch leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne
Vib
rations
- und Schlagbelastung des linken Armes, Meidung von Tätigkeiten mit besonderem Anspruch an die Handsensomotorik) einen Abzug von 10
%
für gerechtfertigt hält (
Urk.
2),
macht
der Beschwerdeführer
geltend
, gemäss
Dr.
K._
sei er nur noch in leichten bis sehr leichten Tätigkeiten einsetzbar
. Zudem müsse er morgens und nachmittags mindestens eine Pause von jeweils 15-30 Minuten machen. Ferner sei ihm das Lenken eines Personenwagens ohne Sonderstatus nicht erlaubt. Zu berücksichtigen seien auch sein Alter, die Tatsa
che, dass er über keine Ausbildung verfüge und der deutschen Sprache kaum mächtig sei
,
sowie der Umstand, dass er nur noch teilzeitlich werde arbeiten können. Deshalb sei ein maximaler Abzug vom Tabellenlohn in Höhe von 25
%
gerechtfertigt (
Urk.
1 S. 5 f.).
4.3.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen
Durch
-
schnitts
werten
ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchs
tens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der
Ver
gleichseinkommen
mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
4.3.4
Die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, weiterhin körperlich schwere Arbeit zu verrichten, führt nicht automatisch zu einer Verminderung des hypotheti
schen Invalidenlohnes, weil der Tabellenlohn im Anforderungsniveau 4 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_455/2013 vom 4. Oktober 2013 E. 4.4).
Dennoch rechtfertigt sich der von der IV-Stelle vorgenommene Abzug wegen der funktionellen Ein
schränkung
en
in der linken Hand und im linken Arm
, da sich diese in einer Verweis
ungs
tätigkeit zusätzlich
beeinträchtigend
auswirken
. Wie sich ergeben hat, kann
diesbezüglich
nicht auf das Belastbarkeitsprofil von
Dr.
K._
abge
stellt werden;
vielmehr ist mit den MEDAS-Gutachtern davon auszugehen, dass
der Beschwerdeführer
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeiten ohne kräftigen Einsatz des linken Daumens sowie ohne kraftaufwändige und
fein
motorische
Arbeiten
ausüben kann
. Ferner ist zu beachten, dass es sich bei der
beeinträchtigten
linken Extremität nicht um die dominante Seite handelt
(vgl.
Urk.
52 S. 19)
und im Fall des Beschwerdeführers auch keine faktische Ein
-
h
än
digkeit
vorliegt, weshalb der von der Rechtsprechung in solchen Fällen ver
schiedentlich anerkannte hohe Abzug von 20
%
(vgl. etwa das Urteil des Bun
desgerichts 8C_1050/2009 vom 28. April 2010
sowie
Ulrich Meyer, Recht
sprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage, Zürich 2014
, Art. 28a
Rz
106)
im vorlie
genden Fall nicht gerechtfertigt erscheint.
D
er Beschwerdeführer
kann
wegen seiner eingeschränkten Leistungsfähigkeit in einem Vollzeitpensum faktisch nur no
ch eine Teilzeitarbeit
ausüben
.
Da
bei
Männern statistisch gesehen Teilzeitarbeit vergleichsweise weniger gut
entlöhnt
wird als eine Vollzeittätigkeit
, ist deshalb ebenfalls ein Abzug vom Tabellenlohn vorzunehmen.
Da sich Hilf
sarbeiten (Anforderungsniveau 4 bei den Tabellenlöhnen) gerade dadurch auszeichnen, dass sie ohne besondere Ausbildung ausgeübt werden können, und auch in sprachlicher Hinsicht keine grossen Anforderungen beste
hen, kann
wegen der fehlenden Berufsausbildung un
d der
ei
ngeschränkten Deutschkenntnisse
kein weiterer Abzug anerkannt werden. Ohnehin kann nicht
davon
ausgegangen werden, dass die Deutschkenntnisse des Beschwerdeführers besonders schlecht sind. Er
lebt und arbeitet
nämlich
schon seit Jahren in der Schweiz
. Zudem
musste für die MEDAS-Begutachtung kein Dolmetscher heran
gezogen werden (vgl.
Urk.
52 S. 20). Der Beschwerdeführer war im Jahr 2010 49 Jahre alt und damit noch nicht in einem Alter, welches einen Abzug vom Tabellenlohn rechtfertigt.
Da sodann ohne W
eiteres davon ausgegangen werden kann, dass auch für Arbeitnehmer, denen das
Lenken eines Personenwagens
nicht mehr möglich ist, ein
genügend breites Spektrum an zumutbaren
Ver
weisungstätigkeiten
besteht
, ist diese Einschränkung des Beschwerdeführers nicht abzugsberechtigt.
Unter Würdigung der gesamten Umstände rechtfertigt sich die Vornahme eines leidensbedingten Abzugs von 15
%
. Dies führt zu einem Invalideneinkommen von
Fr.
41‘591.85 (
Fr.
48‘931.60
x 0.85).
4.4
Der Vergleic
h des
Valideneinkommens
von
Fr.
66‘268.80
mit dem
Invalidenein
kommen
von
Fr.
41‘591.85 ergibt bei einer invaliditätsbedingten
Verdienstein
busse
von
Fr.
24‘676.95
einen Invaliditätsgrad von
37
%
.
Damit wird die für den Rentenanspruch relevante Schwelle von 40
%
nicht erreicht,
und es is
t im Sinne einer
Reformatio
in
p
eius
festzustellen, dass der Beschwerdeführer keinen Anspruch auf eine Rente hat.
Dies führt zur Abweisung der Besch
w
erde
, wobei die angefochtene Verfügung, mit welcher eine befristete halbe Rente zuge
sprochen
worden ist
, aufzuheben ist.
5.
5.1
Gemäss
Art. 69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversiche
rung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1'000.-- festge
setzt. Vorliegend erweist sich eine Kostenpauschale von
Fr.
1‘000.-- als ange
messen.
Ausgangsgemäss
sind die Kosten dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge gewährter
unentgeltlicher
Prozessführung aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Michael Grimmer, reichte am 2
5.
April 2016 seine Honorarnote ein (
Urk.
65-66). Dabei wies er das Gericht darauf hin, dass er den Beschwerdeführer auch im parallel zum vorliegenden Verfahren geführten Prozess UV.2012.00224 vertrete
n habe
, wobei seine anwaltlichen Aufwendungen mehrheitlich für beide Verfahren gleichzeitig angefallen seien, aber jeweils nur in einem Verfahren –
hauptsäch
lich
im unfallversicherungsrechtlichen Prozess
–
v
erbucht worden seien. Er bitte das Gericht, dies bei der Festsetzung seiner Entschädigung in den beiden Ver
fahren zu berücksichtigen (
Urk.
66 S. 2).
Mit Blick auf die Ausführungen des Rechtsvertreters rechtfertigt es sich
, das in der Kostennote vom 2
5.
April 2016
für das vorliegende Verfahren
in Rechnung gestellt
e
Honorar für anwaltliche Bemühungen
(zuzüglich Barauslagen und Mehrwertsteuer)
von
Fr.
2‘046.40
(
Urk.
65)
zum Honoraraufwand im
Parallel
verfahren
UV.2012.00224 von
Fr.
7
‘1
82.30
(
Urk.
66)
hinzuzuaddieren
, und dem unentgeltlichen Rechtsvertreter d
ie Hälfte des kumulierten Honorars für beide Verfahren von
Fr.
9‘228.70
, also
Fr.
4‘614.35,
als Entschädigung für dieses Verfahren zuzusprechen.