# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d6f320c6-6677-4b0c-9aac-62288abd9ac7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die
1979
geborene
X._
absolvierte in ihrem Heimatland Slowakei nach der obligatorischen Schulzeit eine Anlehre zur Änderungsschneiderin. Ihre Tochter wurde 1996 geboren. Im Jahr 2012 nahm
die Versicherte
in der Schweiz
Wohnsitz
(
Urk.
10/9)
.
Sie
arbeitete als Service
angestellte
, zuletzt vom
1.
Ju
ni bis 3
1.
Juli 2015
für die
Y._
GmbH
(
Urk.
10/9/6,
Urk.
10/17/1-2
,
Urk.
10/26/5
).
Ab
2
9.
Juli 2015
war sie zu 100
%
krankgeschrie
ben
(
Urk.
10/9/4,
Urk.
10/10)
. Am
2
1.
Dezember 2015
meldete sie sich unter Hin
weis auf
psychische Probleme und eine Skoliose
bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug
an (
Urk.
10/9).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
traf erwerbliche Abklärungen (
Urk.
10/17,
Urk.
10/26,
Urk.
10/28)
und
holte von den behandelnden Ärzten Berichte ein (
Urk.
10/23,
Urk.
10/31,
Urk.
10/34,
Urk.
10/49,
Urk.
10/52
)
. Mit Vorbescheid vom
6.
Juli 2016 teilte sie der Versicherten mit, sie beabsichtige, ihr Leistungsbegehren abzuweisen (
Urk.
10/60; vgl. auch
Urk.
10/59). Nachdem die Versicherte dagegen Einwand erhoben hatte (
Urk.
10/63,
Urk.
10/89
-90
)
,
liess die
IV-Stelle sie von der Gutachtenstelle
Z._
bidisziplinär
psychiatrisch-orthopädisch
begutachten. In der entsprechenden Expertise
von Prof.
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
vom
7.
April 2017
wurde der Versicherten wegen einer
komplexen po
st
t
raumatischen
Belastungs
störung und einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittel
gradig,
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt (
Urk.
10/112/3,
Urk.
10/112/69
). Nach
einer internen Besprechung des Gutachtens
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
1
1.
Oktober 2017 das B
estehen eines Rentenan
spru
chs und begründete dies damit, die
Versicherte
sei unter Berücksichtigung ihrer Ressourcen und der noch nicht ausgeschöpften Therapiemöglichkeiten nicht schwergradig eingeschränkt
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Stephanie Schwarz, mit Eingabe vom
9.
November 2017 Beschwerde mit dem Antrag, es sei ihr eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Januar 2018 beantragte die
IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9). In der Replik vom
2
3.
Februar 2018
hielt die Beschwer
deführerin an ihrem Antrag auf Rentenzusprechung fest und beantragte in prozessualer Hinsicht neu, eventualiter sei durch das Gericht auf Kosten der Beschwerdegegnerin bei
Dr.
med.
A._
ein Ergänzungsgutachten einzuholen (
Urk.
12 S. 4). Die IV-Stelle verzichtete auf das Einreichen einer Duplik (
Urk.
15). Am 1
1.
April 2018 reichte die Beschwerdeführerin einen Verlaufsbericht der behandelnden Ärzte ein (
Urk.
17-18), welcher der IV-Stelle zur Kenntnisnahme zugestellt wurde (
Urk.
19).
Auf die Vorbringen in den Rechtsschriften und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei Vorliegen
psychischer Krankheiten,
nach
BGE 142 V 342 und
BGE 143 V 409 namentlich auch
posttraumatischer Belastungsstörungen und
leichter bis mittelschwerer Depressionen,
sind Indika
toren beachtlich, die das Bundesgericht wie folgt systematisiert hat (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad»
-
Komplex «Gesundheitsschädigung»
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
-
Komorbiditäten
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen)
-
Komplex «Sozialer Kontext»
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Lei
densdruck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der äusserer Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschät
zen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2015 vom 1. März 2016 E. 2.2.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog
. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete ihre Ablehnung des Rentenbegehrens
in der angefoch
tenen Verfügung
im Wesentlichen damit,
die Beschwerdeführerin
leide nicht unter einer schweren Erkrankung, welche sie in der bisherigen Tätigkeit als Servicemitarbeiterin oder in einer leidensangepassten Tätigkeit erheblich ein
schränke. Laut dem
bidiszi
plinären
Gutachten von
Dr.
A._
und
Dr.
B._
hätten die körperlichen Beeinträchtigungen keine Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit. Aus psychiatrischer Sicht seien zwar Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt worden.
Allerdings sei zu beachten, dass sie
regelmässig Auto
fahre
und pünktlich zum festgesetzten Begutachtungstermin erschienen
sei
, so dass ihre Konzentrationsfähigkeit nicht schwer eingeschränkt sein könne. Die im Gutachten erwähnten psychischen Beschwerden basierten grösstenteils auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin und könnten nur teilweise objektiviert werden. Die Beschwerdeführe
rin verfüg
e mit dem Ehe
gatten, der Tochter und den Enkelkindern über ein stabiles soziales Umfeld. Ihr Tagesablauf sei unauffällig
und sie sei in gepflegtem Zustand und gebräunt zur gutachterlichen Untersuchung erschienen, so dass ein Aktivitätsniveau gegeben sei und kein sozialer Rückzug bestehe. Die psychische Störung sei therapierbar, die Therapiemöglichkeiten seien noch nicht ausgeschöpft, die Beschwerdeführe
rin sei motiviert und es könne innert zweier Jahre mit einer Besserung gerechnet werden. Zudem
sei die Diagnose einer komplexen posttraumatischen Belastungs
störung nicht hinreichend erstellt. Die Beschwerdeführerin habe zwar eine schwierige Kindheit gehabt, jedoch habe sie keine nach der aktuellen Rechtspre
chung erforderlichen traumatisierenden Ereignisse von aussergewöhnlicher Schwere erlebt
. Die weitere Voraussetzung, dass solche Störungen innert etwa sechs Monaten nach den Erlebnissen auftreten müssen, sei ebenfalls nicht erfüllt, nachdem die Störung erst nach dem
Alkoholen
tzug im Sommer 2015 ausge
brochen sei
. Unter Berücksichtigung der Ressourcen und der noch nicht ausge
schöpften Therapiemöglichkeiten sei gesamthaft betrachtet davon auszugehen, dass ihre psychischen Einschränkungen nicht schwer ausgeprägt
seien und kein invalidisierender
Gesundheitsschaden vorliege
(
Urk.
2; vgl. auch
Urk.
9,
Urk.
15
).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht demgegenüber geltend,
sie habe Anspruch auf eine Invalidenrente
mit Beginn sechs Monate
nach der Anmeldung (
Urk.
1 S. 2).
Dr.
A._
habe ihr wegen schwerer Fähigkeitsstörungen in für die Arbeits
fähigkeit notwendigen Bereichen eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert und aktuell selbst berufliche Eingliederungsmassnahmen als krankheitsbedingt nicht möglich erachtet. Die IV-Stelle sei
gestützt auf unzutreffende Annahmen
vom klaren psychiatrischen Begutachtungsergebnis von
Dr.
A._
abgewichen
(
Urk.
1 S. 4 f.)
.
Sie sei aufgrund von Angstzuständen und Panikattacken nicht in der Lage, den öffentlichen Verkehr zu benutzen
, und fahre nur Auto, wenn sie sich dazu in der Lage sehe. Daraus könne nicht auf eine Arbeitsfähigkeit geschlos
sen werden, zumal ihre Konzentrationsfähigkeit aufgrund der gutachterlich erhobenen objektiven Befunde in anderer Hinsicht limitiert
sei. Die
Solarium
behand
lungen
seien wegen ihrer Talgdrüsenüberfunktion medizinisch
indiziert.
Im therapeutischen
Skill
-Training
sei ihr empfohlen worden, sich durch TV-Konsum oder Gesellschaftsspiele
beziehungsweise Computerspiele
abzulenken. Ent
sprechende Aktivitäten im Alltag seien deshalb Methoden, um das Leben zu bewältigen
;
daraus dürfe
nicht
auf weitere
Ressourcen
geschlossen
werden.
Fer
ner schöpfe sie sämtliche therapeutischen Optionen aus.
Trotzdem
rechne
Dr.
A._
mit der Notwendigkeit von weiteren zwei Jahren, bevor an eine berufliche Wiedereingliederung gedacht werden könne
(
Urk.
1 S. 5-9
,
Urk.
12 S. 3
). Die IV-Stelle verkenne, dass sie nicht allein an einer posttraumatischen Belas
tungsstörung, sondern an einem komplexen Zusammenspiel von diversen psychischen Beschwerdebildern leide.
Entsprechend genüge es nicht,
lediglich auf die Rechtsprechung bezüglich einer einzelnen psychischen Störung hinzuweisen. Im Übrigen treffe es auch inhaltlich nicht zu, dass sie keine traumatisierenden Ereignisse ausserge
wöhnlicher Schwere erlebt habe
(
Urk.
1 S. 9 f.).
Auch unter Berücksichtigung der neusten Rechtsprechung könne die Arbeitsunfähigkeit gestützt auf das von der IV-Stelle eingeholte Gutachten bestimmt werden. Sollte das Gericht anderer Auffassung sein, werde aus prozessökonomischen Gründen die Einholung eines Ergänzungsgutachtens bei
Dr.
A._
direkt durch das Gericht beantragt (
Urk.
12 S. 4).
3.
3.1
Laut dem Austrittsbericht
des Zentrums für Integrative Psychiatrie der psychiat
rischen
K
linik
C._
vom 1
8.
Dezember 2015 war die Beschwerdeführerin
dort
vom
6.
August bis 1
6.
November 2015 zur Alkoholent
wöhnung hospitalisiert.
Die Ärzte diagnostizierten ein
Alkoholabhängigkeits
syndrom sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige
Episode.
Gemäss
den im Bericht wiedergegebenen anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin
habe
sie in der Vergangenheit wiederholt ihre Stelle verloren, weil sie alkoholisiert zur Arbeit erschienen sei.
Laut den Ärzten
begab sich
die Beschwerdeführerin
freiwillig in die Klinik, erlernte dort Anti
Craving
-Skills beziehungsweise den Umgang mit Suchtdruck und wurde während der stationä
ren Behandlung nicht rückfällig (
Urk.
10/52/8-
12
; vgl. auch
Urk.
10/23/1-3)
.
Anschliessend wurde
s
ie im
Psychiatriezentrum
D._
ambulant
weiter
behan
delt
. Die dortigen
Ärzte bescheinigten der Beschwerdeführerin ab dem 2
9.
Juli 2015 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
10/10
; vgl. auch
Urk.
10/112/32
) aufgrund der Diagnosen mittelgradige depressive Episode sowie Persönlichkeits
störung, nicht näher bezeichnet. Zudem erwähnten sie in ihrem Verlaufsbericht vom 2
4.
Februar 2016 die Diagnose eines Alkoholabhängigkeitssyndrom
s
mit gegenwärtiger Abstinenz (
Urk.
10/31/2; vgl. auch
Urk.
10/23/4,
Urk.
10/49/7
).
Wegen zunehmender Schmerzen in der linken Hüftregion wurde die Beschwer
deführerin ab dem
9.
Februar 2016 auch von den Orthopäden der Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie der Klinik
E._
behandelt. I
n den
Bericht
en
vom 1
1.
Februar
und
2.
März
2016 diagnostizierten diese Ärzte
ISG-Schmerzen beid
seits mit konsekutiver muskulärer Lumbalgie und einen
Hamstring
-Insertions
schmerz am Tuber ischiadicum mit
Hüftabduktorenschmerzen
. Eine Arbeitsun
fähigkeit bescheinigten
sie
der Beschwerdeführerin nicht (
Urk.
10/34/6-9).
V
om 1
1.
August bis
8.
September 2016
erfolgte
in der Privatklinik
F._
eine erneute stationäre Hospitalisation.
A
ufgrund der von der Beschwerdeführerin beschriebenen Symptomatik
wurden dort
neu eine posttraumatische Belastungs
störung und eine schwere
depressive Episode ohne psycho
tische Symptome diag
nostiziert (
Urk.
3/3,
Urk.
10/88). Danach
absolvierte die Beschwerdeführerin
in der Privatklinik
G._
vom
8.
Dezember 2016 bis
2.
Februar 2017
eine
traumaspezifische
stationäre Behandlung (
Urk.
10/108).
3.2
Am 2
1.
März 2017 wurde die Beschwerdeführerin in der Gutachtenstelle
Z._
von
Dr.
A._
psychiatrisch und von
Dr.
B._
orthopädisch begutachtet
. Die Expertise wurde am
7.
April 2017 fertiggestellt
(
Urk.
10/112/1-3).
Dem psychiatrischen Teilgutachten ist
weiter
zu entnehmen, dass die Beschwer
deführerin pünkt
lich zur Untersuchung erschien
, den zweistündigen Weg zur Gutachtenstelle selbst mit dem Auto zurückgelegt hatte
,
s
olariumgebräunt
war und beim Gutachter einen gepflegten Eindruck hinterliess
(
Urk.
10/112/42)
.
Dr.
A._
fand keine Hinweise auf einen aktuellen Gebrauch von Suchtmit
teln. Während des Untersuchungsgesprächs sei es zeitweilig zu kurzen Dissozia
tionen gekommen, insbesondere
bei der Schilderung der
erlittenen Verletzungen
und der erzwungenen Prostitution
. Hinsichtlich des Gedächtnisses hätten während der Untersuchung Zeitgitterstörungen festgestellt werden können. Die von der Beschwerdeführerin geklagten Konzentrations- und Aufmerksamkeits
störungen hätten teilweise objektiviert werden können
. Anzumerken sei, dass s
ie als Selbstfahrerin mit ihrem Personenwagen angereist sei.
Es komme zu Deper
sonalisationserleben, das Denken sei verlangsamt mit deutlicher inhaltlicher Ein
engung auf die erlittenen Traumatisierungen. Die Beschwerdeführerin habe über Intrusionen und Flashbacks
bezüglich
Erlebnisse
n
des
Geschlagenwerdens
berichtet, die teilweise spontan ausgelöst würden, teilweise auch, wenn sie Per
sonen sehe, die ihrem Vater ähnelten, oder Lieder höre, welche sie aus ihrer Kind
heit kenne
; ein erhöhtes Arousal, Vermeidungsverhalten sowie eine gewisse emotionale Abstumpfung seien objektivierbar. Es hätten deutliche Hinweise auf Störungen der Emotionsregulation erhoben werden können: Die Affekte seien verflacht gewesen, die Beschwerdeführerin habe teilweise starr gewirkt, ihre Schwingungsfähigkeit sei weitgehend aufgehoben gewesen. Freudfähigkeit und Interessen seien reduziert, es bestehe ein starker sozialer Rückzug. Der Antrieb sei gemindert gewesen, die Beschwerdeführerin sei psychomotorisch deutlich ange
spannt gewesen
.
Sie habe berichtet, dass sie die Spannungen mit den erlernten Skills zu dämpfen vers
uche, was ihr nur teilweise geli
nge. Es komme dann zu Selbstverletzungen mit
Haarezupfen
, sofortigen Ortswechseln oder dem Zerstören von Gegenständen.
Ihr Selbstwerterleben sei reduziert und sie habe über Energie
losigkeit und Müdigkeit, Anhedonie und diverse Ängste berichtet.
Ferner habe sie über Schmerzen im Nacken-, Kopf- und Wirbelsäulenbereich mit einer Intensität von sechs bis sieben auf einer zehnstufigen Skala
geklagt
; mit Dafalgan k
önne sie diese um etwa 50
%
red
u
z
ieren.
Klinisch hätten sich zudem Hinweise auf eine Persönlichkeitsakzentuierung mit ängstlich-vermeidenden und emotional-instabilen Anteilen ergeben
(
Urk.
10/112/52
-53
,
Urk.
10/112/56-58)
.
Laut
Dr.
A._
besteht ein komplexes psychisches Krankheitsgeschehen mit multiplen Störungen. Wie bereits von den Ärzten der Klinik
G._
festge
stellt, imponiere das Störungsbild vornehmlich als Stressfolgestörung. Auf dieser Grundlage habe sich als
maladaptiver
Selbstbehandlungsversuch
mit bis zu drei Litern Wein und diversen Drogen
eine Alkohol- und Drogenabhängigkeit ent
wickelt
. Nach dem Entzug in der Klinik
C._
seien die Störungen der Emoti
onsregulation und der Impulskontrolle deutlich geworden. Es sei zu selbstver
letzendem Verhalten, einer depressiven Störung und Suizidgedanken gekommen, und die
traumarelevante
Psychopathologie sei zu Tage getreten. Diagnostisch sei von
einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung
(PTBS)
gemäss DSM-V auszugehen. Die diagnostischen Kriterien, insbesondere die A- und B-Kriterien, seien zweifelsfrei erfüllt. Zusätzlich bestehe eine rezidivierende depressive Stö
rung gegenwärtig mittelgradigen Ausmasses (ICD-10: F33.1).
Die geschil
derten Schmerzen seien als myofasziales Syndrom bei anhaltender psycho-physischer Anspannung wegen der Stressfolgestörung einzustufen. Eine somatoforme Störung
liege
nicht
vor
, da der Schmerz gut auf
therapeutische Massnahmen reagiere und kein Zusammenhang mit psychosozialen oder emotionalen Belas
tungsfaktoren, wie etwa Flas
hbacks, bestehe.
Im Rahmen der
akzent
u
ierten Persönlichkeitszüge
bestehe eine deutliche
Störung der Ich-Strukturen, insbeson
dere der Emotions- und Impulsregulation
. Dies verun
mögliche es
der Beschwer
deführerin
aktuell, die Symptome der PTBS
willentlich
zu überwinden.
Zusätzlich sei ein Alkoholabhängigkeitssyndrom zu diagnostizieren, wobei die Beschwerde
führerin gegenwärtig abstinent sei (
Urk.
10/112/64-65). Hinweise für eine Verdeutlichung, Aggravation
oder gar Simulation von Symptomen hätten nicht bestanden,
ebenso wenig für eine signifikante Selbstlimitation oder einen sekun
dären Krankheitsgewinn; d
er Gutachter habe die Beschwerdeführerin während der Untersuchung als authentisch erlebt.
Eine leitliniengerechte störungsspezi
fische Therapie sei bereits eingeleitet worden. Bei der Beschwerdeführerin bestehe ein hoher Leidensdruck, sie sei therapiemotiviert und introspektionsfähig. Auch habe sie die ihr angebotenen therapeutischen Hilfen bisher in Anspruch genom
men. Ein weiterer stationärer Aufenthalt sei für den Monat August geplant
Urk.
10/112/64,
Urk.
10/112/67-68). Das Beschwerdebild sei
aktuell trotz laufen
der Therapie als schwergradig einzustufen; es bestünden schwere Fähigkeitsstö
rungen in
Bereichen, welche sowohl für das Privatleben als auch für eine Arbeits
fähigkeit wesentlich seien
(insbesondere Planung und Strukturierung von Aufga
ben, Flexibilität, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, Durchhalte- und Selbstbe
hauptungsfähigkeit sowie Spontan-Aktivitäten)
.
Die Beschwerdeführerin sei deshalb
gegenwärtig
sowohl in der zuletzt ausgeübten als auch in einer adaptier
ten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig.
Das Störungsbild bestehe mit dem gleichen Schweregrad zumindest
seit
der Selbsteinweisung in die Klinik
C._
. Prog
nostisch sei von einem Zeitraum von rund zwei Jahren auszugehen, bis eine berufliche Wiedereingliederungsfähigkeit bestehe (
Urk.
10/112/67-71).
Der orthopädische Teilgutachter
Dr.
B._
diagnostizierte
eine
Insertions
tendinopathie
der ischiocruralen Muskulatur (
Hamstring
)
am Tuber ischiadicum beidseits und
eine ISG-Blockade beidseits
.
Dr.
B._
konnte ebenfalls keine Anzeichen für eine Verdeutlichungstendenz, Aggravation oder Simulation fest
stellen. Gestützt auf die medizinischen
Vorakten
und seine Untersuchungs
befunde gelangte er zur Schlussfolgerung, dass die Beschwerdeführerin wegen ihrer körperlichen Beschwerden zu keinem Zeitpunkt
mittel- und langfristig um mehr als 20
%
in der zuletzt ausgeübten und in einer behinderungsangepassten Tätigkeit eingeschränkt war (
Urk.
10/112/3,
Urk.
10/112/
110-116
). Aus
bidiszip
linärer
Sicht gingen die beiden Gutachter von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit in sämt
lichen Tätigkeiten aus (
Urk.
10/
112/3).
3.3
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Chirurgie vom RAD, erachtete das
bidiszipli
näre
Gutachten vom
7.
April 2015 als plausibel und nachvollziehbar und
empfahl der IV-Stelle
in seinen Stellungnahmen vom
4.
Mai
sowie
5.
September 2017, wegen der diagnostizierten komplexen
PTBS
bis auf
W
eiteres von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ab dem Eintritt in die psychiatrische Klinik
C._
am
6.
August 2015 auszugehen (
Urk.
10/130/4,
Urk.
10/130/7).
Der zuständige Sachbearbeiter der IV-Stelle besprach den Fall am
5.
Oktober 2017 mit dem internen Rechtsdienst sowie einer Versicherungspsychiaterin d
es RAD. Gestützt darauf
gelangte
er
zu
r
Beurteilung
, dass die psychischen Einschränkun
gen nicht schwer ausgeprägt seien, das psychische Leiden gut therapierbar sei und die Beschwerdeführerin genügende Ressourcen aufweise, um dieses zu über
winden.
S
ie
fahre
regelmässig Auto fahre und
sei
pünktlich zum festgesetzten Begutachtungstermin erschienen, so dass ihre Konzentrationsfähigkeit nicht schwer eingeschränkt sein könne. Die im Gutachten erwähnten psychischen Beschwerden basierten grösstenteils auf den subjektiven Angaben der Beschwer
deführerin und könnten nur teilweise objektiviert werden. Die Beschwerdeführe
rin verfüge mit dem Ehegatten, der Tochter und den Enkelkindern über ein stabiles soziales Umfeld. Ihr Tagesablauf sei unauffällig und sie sei in gepflegtem Zustand und gebräunt zur gutachterlichen Untersuchung erschienen, so dass ein Aktivitätsniveau gegeben sei und kein sozialer Rückzug bestehe. Die psychische Störung sei therapierbar, die Therapiemöglichkeiten seien noch nicht ausge
schöpft, die Beschwerdeführerin sei motiviert und es könne innert zweier Jahre mit einer Besserung gerechnet werden. Zudem sei die Diagnose einer komplexen
PTBS
nicht hinreichend erstellt. Die Beschwerdeführerin habe zwar eine schwie
rige Kindheit gehabt, jedoch habe sie keine nach der aktuellen Rechtsprechung erforderlichen traumatisierenden Ereignisse von aussergewöhnlicher Schwere erlebt. Die weitere Voraussetzung, dass solche Störungen innert etwa sechs Monaten nach den Erlebnissen auftreten müssen, sei ebenfalls nicht erfüllt, nach
dem die Störung erst nach dem Entzug im Sommer 2015 ausgebrochen sei.
Damit sei kein relevanter psychischer Gesundheitsschaden ausgewiesen.
Da sich auch die somatischen Beschwerden nicht wesentlich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten, liege insgesamt betrachtet kein invalidisierender Gesundheitsschaden vor
(
Urk.
10/130/8-9)
.
4.
4.1
Das
bidisziplinäre
Gutachten der
Dres
.
A._
und
B._
vom
7.
April 2017 ist
für die streitigen Belange umfassend,
beruht
auf allseitigen Untersuchungen,
berücksichtigt
die geklagten Beschwerden,
ist
in Kenntnis der
Vorakten
(Anam
nese) abgegeben worden,
leuchtet
in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
und
enthält begründete
Schlussfolgerungen der Experten
. Damit erfüllt es
grundsätzlich
die Anforderungen der Rechtsprechung an beweiskräftige medizinische Entschei
dungsgrundlagen
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
4.2
Die IV-Stelle bestreitet, dass sämtliche Voraussetzungen für die Diagnose einer PTBS erfüllt seien.
Soweit sie bemängelt, die Beschwerdeführerin habe kein im Sinne der Recht
sprechung hinreichend traumatisierendes Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere erlebt, kann ihr nicht beigepflichtet werden. Hauptmerkmal der PTBS ist die Entwicklung charakteristischer Symptome nach der Konfrontation mit einem oder mehre
ren traumatischen Ereignissen. Solche d
irekt erlebte traumatische Ereignisse umfassen unter anderem körperliche Misshandlung in der Kindheit und Zwangsprostitution
(Peter Falkai und Hans-Ulrich Wittchen,
Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen
DSM-5, deutsche Ausgabe 2015
,
S. 373).
Beides hat die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen erlebt
(
Urk.
10/112/43,
Urk.
10/130/8)
, so dass
genügend schwere Traumat
a
ausgewie
sen
sind
.
Zusätzlich wendet die IV-Stelle gegen die diagnostizierte PTBS ein, die Sympto
matik sei nicht wie rechtsprechungsgemäss erforderlich innert
etwa sechs Mona
ten nach den Erlebnissen aufgetreten, sondern
erst nach dem Alkohole
ntzug im Sommer 201
5.
Die IV-Stelle übersieht, dass sich eine PTBS-Diagnose
auch nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht von vornherein bloss aufgrund der fehlenden Latenz von höchstens sechs Monaten verwerfen lässt. Die Diagnose kann auch dann mit hinreichender Wahrscheinlichkeit gestellt werden, wenn der Abstand zwischen dem Ereignis und der Störung mehr als sechs Monate beträgt
, sofern die klinischen Merkmale typisch sind und keine andere Diagnose gestellt werden kann
(
BGE 142 V 342 E. 5.2.2; Urteil des Bundesgerichts 8C_648/2017 vom
2.
März 2018, E. 4.2.1 mit Hinweisen;
vgl.
dazu auch
die
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10
Kapitel
V [F], Klinisch-diagnos
tische Leitlinien, 10. Auflage, Bern 2015, S.
208).
Als einleuchtend erachtete es das Bundesgericht ausserdem, dass ein Leben unter falscher Identität und latenter Gefahr, entdeckt und erneut inhaftiert und unmenschlich behandelt zu werden, den Ausbruch der PTBS-Symptomatik verzögern könne (Urteil des Bundesge
richts
9C_195/2015 vom 2
4.
November 2015, E. 3.3.3)
.
Aufgrund der Akten steht fest, dass die Beschwerdeführerin
seit ihrer Kindheit Alkohol konsumiert
e;
deshalb
wurden ihr
in der Vergangenheit
denn auch
wiederholt Arbeitsstellen gekündigt
(vgl. etwa
Urk.
10/52/9
,
Urk.
10/112/53
)
. G
emäss
Dr.
A._
bezweckte der Konsum die Dämpfung innerer Spannungs
zustände im Sinne eines maladaptiven
Selbstbehandlungsversuches und mündete in eine Alkohol- und Drogenabhängigkeit (
Urk.
10/112/61,
Urk.
10/112/64-65).
Eine vollständige Abstinenz gelang
der Beschwerdeführerin
erst
im Rahmen der stationären Rehabilitation in der Klinik
C._
vom
6.
August bis 1
6.
November 2015 (
Urk.
10/52
/9-12)
.
Danach
kam
laut
Dr.
A._
die spezifische Symptomatik mit Intrusionen, Albträumen
,
Flashbacks
etc.
zum Vorschein
(
Urk.
10/108/3,
Urk.
10/112/52,
Urk.
10/112/57,
Urk.
10/112/64)
.
Es leuchtet ein, dass die Selbstmedikation
mittels massivem
Alkohol- und Drogenkonsum das Auftreten und die Wirkung der typischen PTBS-Symptomatik während Jahren
zu verhindern
oder zumindest
zu
dämpf
e
n
und hinaus
zu
zögern vermocht
e
.
Zudem ist die von
Dr.
A._
erhobene Symptomatik
typisch für eine PTBS
, und der psychiatrische Experte hat
das Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung ausschliessen können (
Urk.
10/112/65-66). Damit sind die Voraussetzungen erfüllt, um die Diagnose einer PTBS stellen zu können, obschon der Abstand zwischen den traumatisierenden Ereignissen und dem Auftreten der Störung mehr als sechs Monate beträgt.
Da die
Diagnose einer
komplexen PTBS im psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
A._
auch sonst nachvollziehbar und überzeugend begründet wurde, besteht entgegen der Ansicht der IV-Stelle kein Anlass, davon abzuweichen.
Selbst wenn davon ausgegangen würde, die Kriterien für eine PTBS seien nicht ausreichend erfüllt,
liesse sich die spezifische Symptomatik der Beschwerde
führerin
im Übrigen
zweifelsohne einer anderen Diagnose zuordnen
(etwa
einer
andauernde
n
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung gemäss ICD-10: F62.0; vgl.
dazu
Wikipedia, Die freie
Enzyklopedie
,
https://de.wikipe
dia.org/wiki/Komplexe_posttraumatische_Belastungsstörung
sowie
Internatio
nale
Klassifikation psychischer Störungen,
a.a.O., S. 208 und 286 f.
).
4.3
Da der Beschwerdeführerin im psychiatrischen Teilgutachten wegen der
PTBS und
der
rezidivierenden depressiven Störung
gegenwärtig mittelgradigen Aus
masses
eine Arbeitsunfähigkeit von
100
% attestiert wurde, ist zusätzlich zu prüfen, ob die aus psychiatrischer Sicht bescheinigte Arbeitsunfähigkeit im Lichte der massgeblichen Indikatoren schl
üssig erscheint (vorstehend E. 1
.2).
Der psychiatrische Teilgutachter
Dr.
A._
berücksichtigte und diskutierte
die massgeblichen Indikatoren in seiner Beurteilung
(
Urk.
10/64/64-70)
.
Er erhob
ein komplexes und schwergradiges psychisches Störungsbild mit Symptomen einer PTBS sowie eine
r
mittelgradig
en
Depression.
Dr.
A._
attestierte der Beschwerdeführerin schwergradige Einschränkungen in den Fähigkeitsbereichen Planung und Strukturierung von Aufgaben, Flexibilität, Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, Durchhalte- und Selbstbehauptungsfähigkeit sowie Spontan-Aktivitäten und leichtere Einschränkungen in weiteren Bereichen
. Ebenso betonte er die aktuelle Instabilität des psychischen Gesundheitszustandes
(
Urk.
10/112/67-68).
Die schwere Symptomatik bestand trotz der seit längerer Zeit intensiv und moti
viert ambulant sowie stationär betriebenen leitliniengerechten Therapie des Störungsbildes (
Urk.
10/112/64,
Urk.
10/112/68). Die Überwindung der Symp
tom
e
wurde durch myofasziale Schmerzen
wegen
anhaltender psycho-physischer Anspannung sowie
durch
akzentuierte emotional-instabile sowie ängstlich-ver
meidende Persönlichkeitszüge mit einer erheblichen Störung der Ich-Strukturen behindert. Als unterstützende Ressourcen nannte
Dr.
A._
die kognitive Begabung im Normbereich mit Introspektionsf
ähigkeit und Krankheitseinsicht.
Dies
und die vorhandene Therapiemotivation
erhöh
t
e
n
die Chancen einer Verbes
serung der Symptomatik mit einer störungsspezifischen Therapie im Sinne einer vor
sichtig optimistischen Prognose; b
is die schrittweise berufliche Wiedereinglie
derung ins Auge gefasst werden
könne, dauere es
aber
wohl noch rund zwei Jahre. Die Beschwerdeführerin gab zudem an, ihren Ehemann als Stütze zu erle
ben (
Urk.
10/112/54,
Urk.
10/112/68,
Urk.
10/112/70).
Einen Teil der berücksichtigten Symptomatik, etwa Dissoziationen beim Gespräch über erlittene Verletzungen, Gedächtnis-, Konzentrations- und Aufmerksamkeits
störungen und Stö
rungen der Emotionsregulation
, konnte
Dr.
A._
zumin
dest
partiell
im Rahmen seiner Untersuchung
objektivieren (
Urk.
10/112/57-58).
Die Angaben
zu den Beeinträchtigungen
und das Verhalten
der Beschwerdefüh
rerin stufte er im Ü
brigen als
k
onsistent ein und hielt fest,
er habe
die Beschwer
deführerin als authentisch
erlebt.
Dr.
A._
fand weder
Hinweise
für eine Aggravation oder ähnliche Erscheinungen
, noch Diskrepanzen zu den in den
Vorakten
dokumentierten Schilderungen
.
Dass die Beschwerdeführerin mit dem Auto zur Begutachtung fahren konnte, spricht entgegen der Ansicht der IV-Stelle noch nicht für eine uneingeschränkte Konzentrationsfähigkeit.
Die
Einschätzung
von
Dr.
A._
, dass auch das Aktivitätsniveau im häuslichen Bereich einge
schränkt
sei
, überzeugt (
Urk.
10/112/64).
Den Angaben im Gutachten ist zu ent
nehmen, dass d
ie Beschwerdeführerin nur mit ihrem Ehemann und ihrer Tochter Kontakt
hatte
, was einem sozialen Rückzug entspricht. Sie hat
te
kein spezielles Hobby (
Urk.
10/112/45)
und benötigte rund ein bis zwei Stunden zum Aufstehen. Um ihren Antrieb zu verbessern, trank sie Kaffee. Sie versuchte, sich durch das Hören von Musik von ihren psychischen Problemen und schlimmen Erinnerun
gen abzulenken.
Regelmässig nahm sie Termine bei Therapeuten wahr.
Die anstehenden Hausarbeiten erledigte sie mit Pausen, wobei sie bei zu starker Belastung verstärkt Schmerzen verspürte. Das Nachtessen kochte der Ehemann.
Den
Abend
verbrachte sie jeweils mit Fernsehen, dem
Betrachten
von Bildern ihrer Tochter und der Enkelkinder oder
mit
einem Gesellschaftsspiel (
Urk.
10/112/54). Entgegen der Ansicht der IV-Stelle kann daraus
nicht
auf ein normales Aktivitätsniveau
und einen unauffälligen Tagesablauf
geschlossen wer
den
. Insbesondere dürfen die genannten Freizeitbeschäftigungen nicht als erwerbliche Ressourcen gedeutet werden
, zumal die Beschwerdeführerin glaub
haft darlegt,
dass es sich hierbei auch um ein therapeutisches Mittel zur Ablenkung handelt
(
Urk.
1 S. 7)
.
Auch aus der
Solariumbräune
allein kann – selbst wenn diese entgegen den Angaben der Beschwerdeführerin nicht speziell der Behandlung ihrer Talgdrüsenüberfunktion dienen würde (
Urk.
1 S. 6) – noch nicht auf erwerblich verwertbare Ressourcen geschlossen werden.
Ein
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck
ist ebenfalls erstellt. Die Beschwerdeführerin befindet sich seit ihrem Eintritt in die Klinik
C._
am
6.
August 2015 ununterbrochen zumindest in ambulanter psychiatrischer Behandlung; anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
A._
hatte sie bereits drei stationäre Hospitalisationen absolviert, die nächste war
schon
geplant (vorstehend E. 3.1;
Urk.
10/112/53,
Urk.
10/112/
55).
Der psychiat
rische Gutachter konnte zudem einen hohen Leidensdruck feststellen (
Urk.
10/112/70).
V
or dem Hintergrund der
konsistent
schweren
Symptome und Fähigkeitsstörun
gen, der aktuellen Instabilität des Gesundheitszustandes, des drohenden Rückfalls in die Alkoholabhängigkeit und der intensiven Therapie mit Aussicht auf beruf
liche Wiedereingliederung
in der mittleren Frist erscheint
die von sämtlichen Ärz
ten attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit in allen Tätigkeiten
als
schlüssig
.
D
er blosse Umstand einer Therapie
r
barkeit eines (körperlichen oder psychischen) Leidens
bedeutet noch lange nicht
, dass das Leiden und
daraus folgende
n
funk
tionelle
n
Einschränkungen
zu
einem gegebenen Zeitpunkt
vor dem erfolgreichen Abschluss der Behandlung
nicht mehr bestehen
(vgl. etwa speziell für leichte bis mittelgradige depressive Störungen BGE 143 V 409 E. 4.4)
. Im psychiatrischen Teilgutachten wur
de denn auch ausdrücklich festge
halten, dass frühestens zwei Jahre nach der Begutachtung an eine schrittweise berufliche Wiedereingliederung gedacht werden könne (
Urk.
10/112/68).
Das Vorgehen der IV-Stelle im hier zu beurteilenden Fall stellt offensichtlich eine vom Bundesgericht als unzulässig bezeichnete juristische Parallelprüfung der Standardindikatoren
dar;
der psychi
atrische
Sachverständi
ge
Dr.
A._
hat die funktionellen Auswirkung
en
des erhobenen komplexen Störungsbildes nämlich anhand der Indikatoren schlüssig festgestellt und damit die normativen Vorgaben eingehalten (BGE 144 V 50
E. 4.3)
.
Gestützt auf das
psychiatrische Teilg
utachten kann von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin für sämtliche Tätigkeiten ab
ihrem
Eintritt
in die Klinik
C._
am
6.
August 2015 ausgegangen werden.
5.
5.1
Da die Beschwerdeführerin nach dem Gesagten in jeder Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig ist, kann
zur Ermittlung des Invaliditätsgrades
auf die ziffernmäs
sig genaue Ermittlung des Einkommens, welches sie ohne ihren Gesundheits
schaden hätte verdienen können (
Valideneinkommen
) verzichtet werden (vgl.
vorstehend E. 1.4
). Bei einem Invalideneinkommen von Null beträgt der Invalidi
tätsgrad auf jeden Fall 100
%
. Bei diesem Invaliditätsgrad hat die Beschwerde
führerin
Anspruch auf eine ganze Rente.
5.2
Die 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestand
laut dem psychiatrischen Gutachter
Dr.
A._
spätestens
ab dem
Eintritt in die Klinik
C._
am
6.
August
201
5.
Allerdings ergibt sich aus den Akten, dass
die Beschwerdeführerin
von den behandelnden Ärzten bereits am 2
9.
Juli
2015
vollständig krankgeschrieben wor
den war
(
Urk.
10/9/4,
Urk.
10/10)
.
Es kann ohne Weiteres davon ausgegangen werden, dass dafür dieselbe Gesundheitsstörung ursächlich war, die zur statio
nären H
ospitalisation ab
6.
August 2015
führte.
Die IV-Stelle hat die einjährige Wartezeit im Sinne von
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG ebenfalls an diesem Datum eröffnet (
Urk.
10/59/5).
Die Wartezeit war folglich am
2
8.
Juli
2016
abgelaufen.
Der Rentenanspruch entsteht gemäss Art. 29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistungsanspruchs nach Artikel 29 Abs. 1 ATSG, jedoch frühestens im Monat, der auf die Vollendung des 18. Alters
jahres folgt
(Abs. 1).
Die Rente wird vom Beginn des Monats an ausbezahlt, in dem der Re
ntenanspruch entsteht (Abs. 3).
Da sich die Beschwerdeführerin
bereits
am
2
1.
Dezember 2015
zum Leistungsbezug angemeldet hatte
(
Urk.
10/9
/8
)
,
war a
m 2
8.
Juli 2016
auch die sechsmonatige Karenzfrist nach der Anmeldung abge
laufen. Die Beschwerdefü
hrerin hat folglich ab
1.
Juli 2016
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
6.
6.1
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
800.-- zulasten der unter
liegenden IV-Stelle (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
6.2
Nach
§
34
Abs.
1 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
In Anbetracht dieser Krit
erien erscheint der in der
Honorarnote
von Rechts
anwältin Stephanie Schwarz vom
6.
Juli 2018 ausgewiesene Zeitaufwand von 11 Stunden und 35 Minuten
nebst Barauslagen von
Fr.
76.45
als angemessen
(
Urk.
20-21)
.
Unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Stundenansatzes für Diens
t
leistungen freiberuflicher Anwälte von
Fr.
220.-- und der Mehrwertsteuer von 7.7
%
resultiert eine Parteientschädigung von
Fr.
2'827.--
.