# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6f188a96-a342-42ba-91f1-e6f4dd9f3d9c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1965 geborene
X._
war ab September 2012
bis
zur
Kündigung
durch die Arbeitgeberin
per 3
1.
August 2014
als Chauffeur bei der
Y._
tätig (
Urk.
6/10/89,
6/13/1, 6/22/2). Bei einem Arbeitsunfall am
1
7.
Feb
ruar 2014 zog er sich eine laterale und mediale Meniskusläsion, eine Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) und eine Ruptur des medialen Seitenbandes (MCL)
im
linken Knie zu (vgl. u.a.
Urk.
6/10/37, 6/10/130). Am 3
1.
Oktober 2014 meldete er sic
h
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (im Folgenden: IV-Stelle)
,
zum Leistungsbezug an
(
Urk.
6/6)
. D
iese verneinte
mit
unangefochten in Rechtskraft erwachsener
Verfügung vom
1
4.
April 2016 einen Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
6/47).
1.2
Am
1
1.
April 2017 ersuchte der Versicherte
die IV-Stelle
um Unterstützung bei der Stellensuche (
Urk.
6/53), worauf
im Auftrag der letzteren
Informationsge
spr
äche bei der Partnerinstitution
Z._
stattfanden (
Urk.
6/59). A
m
6.
Juli 201
7
teilte die IV-Stelle dem Versicherten den Abschluss der Arbeits
vermittlung mit, da er sich von Anfang Juli bis Ende August 2017 in seiner Heimat aufhalte (
Urk.
6/61).
1.3
Mit Schreiben vom 2
6.
November 2018 meldete sich der Versicherte unter Einreichung eines Berichts des
A._
vom
7.
September 2018 neuerlich zum Leistungsbezug an und machte eine Ver
schlechterung vor allem des psychischen Gesundheitszustandes geltend (
Urk.
6/
70-71). Nach Einholung einer Stellungnahme der Fachärztin für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatolo
gie
des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD),
B._
, vom 2
5.
Februar 2019 (
Urk.
6/83/2) holte die IV-Stelle
einen zusätzlichen Bericht beim
A._
ein (
Urk.
6/82) und liess die RAD-Ärztin auch dazu Stellung nehmen (Stellungnahme vom
4.
Mai 2019,
Urk.
6/83/3).
Mit
Vorbesc
heid vom
4.
Juni 2019 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die neuer
liche Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
6/84). Im Rahmen des
Einwandverfahrens
(Einwand vom 2
7.
Juni 2019,
Urk.
6/85) liess dieser einen weiteren Bericht des
A._
vom 1
0.
September 2019 (
Urk.
6/88) einreichen (
Urk.
6/89
), zu welchem die RAD-Ärztin
Dr.
med. C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, am 1
0.
Februar 2020 Stellung bezog (
Urk.
9/95/2). Mit Verfügung vom
5.
März 2020 wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
4.
Mai 2020 Beschwerde mit dem Antrag, die Beschwerdegegnerin sei unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung zu
verpflichten, sein Leistungsgesuch und den Anspruch auf eine Invalidenrente umfassend abzuklären. In formeller Hinsicht sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen (
Urk.
1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss in der Vernehm
lassung vom
4.
Juni 2020 auf Abweisung der Besc
hwerde (
Urk.
5). Davon wurde der
Besch
werdeführer mit Verfügung vom
5.
Juni 2020 in Kenntnis gesetzt und es wurde ihm mitgeteilt, dass das Gericht von der beantragten Anordnung eine
s Schriftenwechsels abs
ehe
(
Urk.
7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Er
werbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1
.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesent
lichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinwei
sen).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge
und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin sprach sich im angefochtenen Entscheid gegen das Vorliegen einer wesentlichen gesundheitlichen Veränderung seit Erlass der Verfügung vom 1
4.
April 2016 aus.
Die im Bericht des
A._
vom
7.
September 2018 genannten somatischen Diagnosen seien bereits bekannt gewesen und die psychiatrischen Diagnosen seien aus versicherungspsychiatrischer Sicht nicht plausibel nachvollziehbar (
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellt sich dagegen
im Wesentlichen
auf den Standpunkt, die Beschwerdegegnerin sei, wovon
er
aufgrund der Formulierung des Dispositivs und der Abklärungsschritte ausgehe, auf seine Neuanmeldung eingetreten und hätte demgemäss eine umfassende Abklärung vornehmen müssen.
Obwohl die RAD-Ärztin eine Verschlechterung des somatischen Gesundheitszustandes nicht ausgeschlossen und die Einholung eines ausführlichen Berichts für notwendig erachtet habe, habe die Beschwerdegegnerin hierauf verzichtet und die soma
tische Diagnose allein aufgrund der Akten überprüft. Was den psychischen Gesundheitszustand anbelange, habe sich die Beschwerdegegnerin
unzulässiger
weise
mit der RAD-Stellungnahme, wonach die von den behandelnden Ärzten gestellte Diagnose nicht nachvollzogen werden könne, begnügt.
Bei
der gegebe
nen Aktenlage
hätte sie
nicht von einem feststehenden medizinischen Sachver
halt
ausgehen dürfen. Vielmehr hätte sie,
wie beantragt, weitere Abklär
ungen in die Wege leiten müssen (
Urk.
1 S. 5 ff.).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist mit dem angefochtenen Entscheid unbestrittener
massen auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom 2
6.
November 2018 (
Urk.
6/71) eingetreten
. Anlass,
von einem blossen Nichteintreten
und damit von einem vom Wortlaut der Verfügung («das Leistungsbegehren wird abgewiesen») abweichenden rechtlichen Bedeutungsgehalt (BGE 120 V 496) auszugehen, besteht nicht.
Was die getätigten
Abklärungsschritte (Einholen eines
Formular
berichts
des
A._
zum bereits mit der Neu
anmeldung eingereichten
, relativ ausführlichen
Bericht
desselben Instituts
,
Urk.
6/70, 6/82, dreimaliges Einholen einer Stellungnahme des RAD,
wobei die erste noch unter dem Titel «Nichteintreten», die zweite unter dem Titel «Anspruch auf IV-Leistungen»
erfolgte,
Urk.
6/83/2 und 6/83/3, 6/95/2)
anbelangt, könnten diese
zwar
unter Umständen
noch
als bloss
einfache
Abklärungshandlungen
im Hinblick auf die
Eintretensfrage
interpretiert werden
(Urteil des Bundesgerichts I 781/04 vom 1
7.
Februar 2005 E. 3
).
Der Umstand aber
, dass die Beschwerdegeg
nerin die explizite Vorbemerkung des Beschwerdeführers, dass er angesichts der Formulierung des Dispositivs des angefochtenen Entscheids und der
getätigten
Bearbeitungsschritte von einem materiellen Entscheid und damit vom Eintreten auf die Neuanmeldung ausgeh
e
(
Urk.
1 S. 4), unerwidert liess (
Urk.
5), lässt darauf schliessen, dass auch sie
das
Eintreten auf die Neuanmeldu
ng
nicht in Frage stellt
, was dem Schluss auf eine irrtümliche Formulierung des Dispositivs der angefoch
tenen Verfügung
entgegensteht.
Entsprechend
ist das von der Verwaltung in Bezug auf die
Eintretensfrage
ausgeübte Ermessen zu respektieren und es
hat eine richterliche Beurteilung
derselben
zu unterbleiben (BGE 109 V 108 E. 2a; Urteil des Bundesgerichts
9C_351/2020 vom 2
1.
Sept
ember 2020 E. 3.1 und E. 3.2.2).
Im Folgenden ist daher
materiell zu prüfen, ob die Beschwerdegegnerin das Vorliegen einer wesentlichen Veränderung des Gesundheitszustandes seit Erlass der Verfügung
vom
1
4.
April 2016 (
Urk.
6/47) gestützt auf die Aktenlage zu Recht verneint hat. Fehlt es an einer solchen und damit
an
einem mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellten
respektive erstellbaren
materiell-rechtlichen Revi
sionsgrund (E. 1.4),
hat
die Beschwerdegegnerin das neuerliche Leistungsgesuch des Beschwerdeführers
entgegen dessen Vorbringen, wonach es sich hierbei lediglich um eine Voraussetzung für das Eintreten auf die Neuanmeldung handelt (
Urk.
1 S. 9), zu Recht verneint.
3.
3.1
Der Verfügung vom 1
4.
April 2016 lag in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen der Austrittsbericht der
D._
vom
5.
Februar 2016 zum stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom 2
9.
Dezember 2015 bis
2.
Februar 2016 (
Urk.
6/43) zugrunde. Gestützt auf denselben mass der RAD-Arzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, am 1
2.
Februar 2016 folgenden Diagnosen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bei (
Urk.
6/45/5):
-
Distorsion linkes Knie (Unfall vom 17.2.2014) mit/bei
-
Medialer und lateraler Meniskusläsion
-
Vorderer Kreuzbandruptur
-
MCL-Ruptur
-
Status nach Arthroskopie linkes Knie mit
Teilmeni
s
kektomie
lateral und Meniskusrand medial am 24.3.2014
-
Status nach Re-Arthroskopie linkes Kniegelenk mit Nachresektion des lateralen Meniskus, Lösen der lateralen Verwachsungen und Resektion der hypertrophen
Plica
mediopatellaris
und der
anterioren
Verwach
sungen am
1
6.
Januar 2015
-
Beginnende
Varusgonarthrose
linkes Knie
Einer ebenfalls im genannten Bericht der
D._
diagnostizierten Anpassung
sstörung
mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21,
Urk.
6/43/1) mass
Dr.
E._
ebenso wie
weiteren
im Bericht der Rheuma
klinik des
F._
vom
4.
Mai 2012
gestellten Diagnosen
(Fingerpolyarthralgien bei
idiopathischer
Hyperostose
,
Epic
ondylitis
humero
ra
dialis
und
humeroulnaris
rechts
, Tr
ommelschlegelfinger und Osteopenie
Urk.
6/33/8) keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bei (
Urk.
6/45/5)
.
Gemäss somatischer Beurteilung im Austrittsbericht der
D._
kam
es nach dem Unfall und nach mehreren operativen Eingriffen zu bewegungs- und belastungsabhängigen Dauerschmerzen, wobei sich zwischenzeitlich eine sekun
däre
femorotibiale
Gonarthrose etabliert habe. Anlässlich der psychosomatischen Abklärung habe der Beschwerdeführer über Ängste bezüglich der andauernden Schmerzproblematik geklagt und eine leicht depressive Symptomatik mit Schlaf
problemen, Schmerzfokussierung, Nervosität, Reizbarkeit, Affektlabilität, Zukunftssorgen und Niedergeschlagenheit beschrieben, welche
sich
allmählich nach der zwe
iten Operation im Januar 2015 entwickelt
habe
. Die beruflichen Perspektiven sowie der Umgang mit den körperlichen Einschränkungen würden den Beschwerdeführer aktuell noch in klinisch bedeutsamer Weise belasten, weshalb von einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion auszu
gehen sei.
Insgesamt erachteten die beteiligten Ärzte
der
D._
das Ausmass der (gemeint wohl: demonstrierten) Einschränkungen mit den klinischen Befunden und bildgebenden Abklärungen sowie den Diagnosen aus somatischer Sicht weitgehend erklärt (
Urk.
6/43/3).
Für die bisherige Tätigkeit als Chauffeur
sei der Beschwerdeführer
seit Februar 2014 zu 100
%
arbeits
un
fähig.
In ei
ner leichten bis mittelschweren
wechselbelastenden Tätigkeit (Stehen/Gehen am Stück bis maximal etwa eine Stunde) ohne Tätigkeiten in der Hocke und/oder auf den Knien sowie ohne häufiges Treppen- und/oder Leiternsteigen, ohne Tätigkei
ten an exponierten Stellen sei der Beschwerdeführer dagegen zu 100
%
arbeits
fähig (
Urk.
6/43/2).
Die Beschwerdegegnerin legte der Verfügung vom 1
4.
April
2016 denn auch
die Annahme einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
in der ange
stammten Tätigkeit
ab 1
7.
Februar 2014 und einer uneingeschränkten Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit zugrunde (
Urk.
6/47).
3.2
3.2.1
Mit der hier zu beurteilenden Neuanmeldung reichte der Beschwerdeführer den Bericht des
A._
vom
7.
September 2018 ein, welchem folgende Diagnosen zu entnehmen sind
(
Urk.
6/70
/3):
-
Rezidivierende depressive Störung,
gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10:
F33.1)
-
Chronische Schmerzen und Invalidität Kniegele
nk
links
(
Dr.
med.
G._
03.05.17)
-
Begi
nnende
Varusgonarthrose
Knie rechts
(
H._
11.08.15)
-
Fingerpolyarthralgie bei idiopathischer
Hyperostose
(Rheumaklinik
F._
05/2012)
-
E
picondylitis
hume
roradialis
und
humeroulnaris
rechts
(Rheumaklinik
F._
05/2012)
-
Trommelschlegelfinger (Rheumaklinik
F._
05/2012)
-
Osteopenie (Rheumaklinik
F._
05/2012)
-
Erysipel
Vorfuss
rechts
(
F._
04.05.12)
Im von
der
Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
I._
sowie dem klinischen Psychologe
n
Dr.
phil. J.
_
unterzeichneten Bericht sprachen sich diese für
das
Vorliegen von sieben Merkmalen einer gegenwärtig mittelgradigen Episode der seit zirka 2015 bestehenden
depressiven Störung
und damit einer klaren Verschlechterung
aus. Zusätzlich zu den in der
D._
2016 festgestellten Symptomen lägen nunmehr auch eine Lust- und Interessenlosigkeit, ein Antriebsverlust, Weinerlichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten sowie Vergesslichkeit und Schuldgefühle bezüglich seines Sohnes vor. Es seien also neue Symptome dazugekommen, welche auf eine klinisch relevante Depression hinweisen würden. Die Arbeitsfähigkeit liege bei 30 Minuten mit Pause, Sitzen in gleicher Position sei mit dem linken Knie maximal eine Stunde möglich
, Stehen maximal 15 Minuten mit ständiger Entlastung des linken Knies. Aufgrund der Knieschmerzen liege objektiv beurteilt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit vor, im Verlauf der
Schmerzchronifizierung
habe sich die depressive Störung entwickelt. Insgesamt sei daher sei
t
2016 eine deutliche Verschlechterung eingetreten (
Urk.
6/70).
3.2.2
Die RAD-Ärztin
B._
sprach sich
in
ihrer Stellungnahme
am 2
5.
Februar
2019
zur Anfrage der Sachbearbeitung betreffend Nichteintreten
auf die Neuan
meldung
dafür aus, dass die Verschlechterung des somatischen Gesundheitszu
standes nicht plausibel begründet sei. Eine Veränderung könne aber nicht
ausgeschlossen werden, weshalb sie darum bat, einen ausführlichen Bericht mit Angaben zur derzeitigen Therapie und Prognose einzuholen (
Urk.
6/83/2).
3.2.3
Der
hierauf
eingeholte
Bericht des
A._
vom 1
2.
April 2019
wurde wiederum einzig von psychiatrischen respektive psychologischen Fachpersonen unterzeich
net. Der Beschwerdeführer stehe seit
1.
Juni 2017 in regelmässiger psychologisch-psychiatrischer Behandlung, gegenwärtig einmal im Monat bis alle drei Monate (je nach Bedarf
). Die aktuelle Medikation bestehe aus
Apranax
550 mg bei Bedarf u
nd
Duloxetin
Mepha
60 mg abends
.
Der Beschwerdeführer leide seit dem Unfall unter chronischen Knieschmerzen links; durch die Fehlbelastung hätten sich auch Knieschmerzen rechts entwickelt. Ausserdem leide er unter Schmerzen in allen Fingergelenken, welche insbesondere bei schlechtem Wetter stark ausgeprägt seien. Aufgrund der Schmerzen habe der Beschwerdeführer eine depressive Störung mit ausgeprägter Antriebslosigkeit, niedergeschlagener Stimmung, Hoffnungslosigkeit, Lust- und Interessenlosigkeit, Ein- und Durchschlafstö
rungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Schuldgefühlen und Appetitzunahme entwickelt.
Im psychopathologischen Befund wurde die Stimmung als leicht-depressiv und der Beschwerdeführer als affektiv kontrolliert, im Gesprächsverlauf verbal mitteilungsaktiv und psychomotorisch leicht unruhig
beschrieben
. Er schildere sein Symptomerleben reflektierend und introspektiv. Kognitiv sei der Beschwerdeführer in der Aufmerksamkeit,
der
Konzentration, Merkfähigkeit und im Gedächtnis verlangsamt. Das
Denken sei formal beweglich, inhaltlich problemzentriert und sachbetont sowie lenkbar.
Seit dem
1.
Dezember 2018 arbeite der Beschwerdeführer zu 50
%
in einer sowohl körperlich als auch kognitiv nicht allzu anspruchsvollen Tätigkeit als Beifahrer bei
K._
. Dennoch befinde er sich damit an seiner oberen Belastungsgrenze; die Prognose für eine Erhöhung sei negativ. Er habe bei der Arbeit starke Knie
schmerzen und die Konzentration lasse bereits nach einer Stunde deutlich nach. Auch beschreibe er sich als wenig belastbar und schnell reizbar (
Urk.
6/82
/
7-9).
3.2.4
Die RAD-Ärztin
B._
nahm hierzu am
4.
Mai 2019 Stellung und stellte sich auf den Standpunkt, der psychopathologische Befund im Bericht des
A._
vom 1
2.
April 2019 weise keines der gemäss ICD-10 für die D
iagnose geforderten Haupt- und keine Zusatzsymptome
auf. Die Stimmung werde als leicht-depressiv beschrieben, die Therapiefrequenz
liege bei
nur
ein- bis dreimonatlich. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht sei die psychiatrische Diagnose nicht plausibel. Die genannten somatischen Diagnosen seien bereits bekannt und vom RAD gewürdigt worden. Eine wesentliche Veränderung sei damit nicht ausgewie
sen. V
isiert wurde diese Stellungnahme
am
5.
Mai 2019
von
der Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
C._
(
Urk.
6/83/3).
3.2.5
Am 1
0.
September 2019 nahm das
A._
zu Fragen des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers vom
4.
September 2019 (
Urk.
6/89) Stellung und erläuterte, das Leitsymptom der «depressiven Stimmung» für eine rezidivierende depressive Störung mittelgradig
werde
im ICD-10 genau
so beschrieben und
mindere
das Ausma
ss der depressiven Störung nicht
. Die zusätzlichen
Leitsymptome
wie der Interessenverlust und die
Antriebsminderung seien im Bericht vom
7.
September 2018 beschrieben worden. Nicht relevant sei das Gewicht für die Depressions
diagnose, dagegen der Appetitverlust als Zusatzsymptom, von ihnen als «unter
schiedlich» beschrieben. Zusätzlich getriggert werde die Depression von chronischen Schmerzen im linken Knie und den linken Zehen, was vor allem die Schlafstörungen fördere. Die Diagnose einer Anpassungsstörung könne nicht mehr aufrechterhalten werden, der Zustand habe sich verschlechtert. Die (noch) von
Dr.
E._
als leicht depressiv beschriebene Stimmung werde im Bericht vom
7.
September 2018 als deut
lich depressiv b
eschrieben, womit am Schluss auch
eine Verschlechterung festgehalten werde
(
Urk.
6/88)
.
3.2.6
Dr.
C._
nahm am 1
0.
Februar 2020 dahingehend Stellung, dass mit dem Bericht des
A._
vom 1
0.
September 2019 keine Veränderung seit der letzten materiellen Prüfung vom
6.
Mai 2019 ausgewiesen sei (
Urk.
6/95/2).
4.
4.1
Was die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes anbelangt, dessen angebliche Verschlechterung insbesondere
Anlass zur Neuanmeldung
gab
(
Urk.
6/71/1)
, erweist sich die von
Dr.
C._
visierte Stellungnahme der RAD-Ärztin
B._
vom
4.
Mai 2019
zwar insofern als zutreffend, als der im Bericht des
A._
vom 1
2.
April 2019 unter Ziffer 2.4 aufgeführte psychopatho
logische Befund
(E. 3.2.3)
alleine den Schluss auf das Vorliegen einer gegenwärtig mittelgradigen Episode der diagnostizierten rezidivierenden depr
essiven Störung nicht zuliesse: Eine solche
verlangt eine Gesamtzahl von mindestens sechs oder sieben
der für eine leichte depressive Episode (F32.0) typischen
respektive häufigen Symptome
(vgl.
Dilling
/
Freyberger
[Hrsg.], Taschenführer zur ICD-10-Klassifikation psychischer Störun
gen,
8.
Aufl. 2016, S. 132 ff.);
unter Ziffer 2.4
des Berichts vom 1
2.
April 2019
sind dagegen lediglich eine leicht-depressive Stimmung und kognitive Verlangsamungen, welche als typische oder häufige Symptome einer depressiven Episode gemäss ICD-10
interpretiert
werden könnten, aufgeführt (E. 3.2.3).
Angesichts der im Beric
ht des
A._
vom
7.
September 2018
aufgeführten
Befunde (E. 3.2.1), welche unter der aktuellen Symptomatik in Ziffer 2.2 des
Berichts vom 1
2.
April 2019 (E. 3.2.3) im Wesentlichen unverändert wiedergegeben wurden,
sowie unter Berücksichtigung
der Stellungnahme des
A._
vom 1
0.
September 2019 (E. 3.2.5) ist aber schwer
zu übersehen
, dass die beteiligten Fachpersonen des
A._
davon ausgingen, dass
weitere
depr
essionstypische
Symptome
wie eine ausgeprägte Antriebslosigkeit, eine
niedergeschlagene
Stimmung, Hoffnungs-, Lust- und Interessenlosigkeit, Ein- und
Durchschlaf
störungen
sowie Schuld
gefühle
vorlagen
. Dass sie diese
im
Bericht vom 1
2.
April 2019
nicht unter den objektiven Befunden
erwähnten
und
die Berichte
des
A._
auch
nicht erkennen lassen
, ob die
aufgeführten
Symptome einzig
auf den
diesbezüglichen Klagen de
s Beschwerdeführers basier
t
en
oder durch psychiatrische Abklärungen
erhärtet
wurden, spricht klarerweise gegen die Beweiskraft der Berichte des
A._
.
Ent
sprechend ist der
Beschwerdegegnerin
auch
darin zuzustimmen, dass die psychiatrische Diagnosestellung durch das
A._
nicht plausibel nachvol
lzogen werden kann.
Hingegen geht es nicht an, dass sich die Beschwerdegegnerin bei der vorliegenden Aktenlage mit der Einholung einer blossen Aktenbeurteilung
des RAD begnügte. Zwar können a
uch
reine Aktenberichte
beweiskräftig sein; dies setzt aber voraus, dass
ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fach
ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (SVR 2010 IV Nr. 46 S. 143,
Urteile des Bundesgerichts
9C_1063/2009
vom 2
2.
Januar 2010
E. 4.2.1
,
8C_119/2012 vom 3
0.
März 2012 E. 4 mit Hinweis).
Nachdem die Berichte des
A._
weder abschliessend auf den relevanten
psy
chopathologische
n
Befund noch den
Schweregrad der Sympto
matik sowie die damit verbundenen Funktionseinschränkungen
schliessen lassen
(Urteil
des Bundesgerichts
9C_273/2018 vom 2
8.
Juni 2018 E.
4.2 mit Hinweisen) und die RAD-Ä
rztinnen
aus den vorhandenen medizinischen Un
terlagen von der Beurteilung der behandelnden Psychiaterin/Psychologin
klar abweichende Schlüsse gezogen
hatt
en, durfte die Beschwerdegegnerin
(
noch
)
nicht von einem
klar feststehenden medizinischen Sachverhalt ausgehen. Zwar ist ihr darin zuzustimmen, dass weder die Therapiefrequenz noch die im Bericht des
A._
vom 1
2.
April 2019 als lediglich leicht depressiv-resigniert
befundete
Stimmung auf einen im Vergleich zu 2016 wesentlich verschle
chterten psychischen Gesund
heitszustand
schliessen lassen.
Doch lässt die aktuelle Aktenlage auch nicht
abschliessend darauf schliessen
, dass die im Bericht des
A._
vom
7.
September 2018 aufgeführten,
mit einer
mittel
gradigen depressiven Episode
grundsätzlich
vereinbaren
Symptome (depressive Stimmung, Interessenverlust, verminderter Antrieb, Müdigkeit, Schuldgefühle,
verringerte Konzentration, Vergesslichkeit, Schlafstörungen) im
massgeblichen Zeitraum vom Zeitpunkt der Neuanmeldung (respektive drei Monate zuvor:
Art.
88a
Abs.
2 IVV
) bis zum Erlass des hier angefochtenen Entscheids nicht vorgelegen und keine Verschlechterung der funktionellen Leistungsfähigkeit im Vergleich zum Zustand 2016 nach sich gezogen haben.
Entsprechend erweist sich
dafür eine Untersuchung durch
einen psychiatrischen Facharzt
des RAD oder eine
externe Begutachtung
unabdingbar
, liegt doch ein noch
nicht klar feststehender
und daher eine zu
sätzliche Abklärung erfordernder
medizinischer
Sachverhalt
vor
(vgl. SVR 2011 IV Nr. 2 S. 7,
Urteil des Bundes
gericht
9C_904/2009
vom
7.
Juni 2010
E. 3.3)
.
4.2
Was den somatischen Zustand im Vergleich zum Zustand bei Erlass der Verfügung vom 1
4.
April 2016 anbelangt, lassen weder
die Vorbringen
des Beschwerdeführers noch die Diagnosen in den Berichten des
A._
vom
7.
Sep
tember 2018 (E. 3.2.1) und vom 1
2.
April 2019 (
Urk.
6/82/8) auf eine relevante Verschlechterung schliessen. Nachdem Wechselwirkungen zwischen den Knie
schmerzen und dem psychischen Zustand des Beschwerdeführers aber nicht auszuschliessen si
nd (vgl. E. 3.2.5), ist der medizinische Sachverhalt auch diesbe
züglich
zu ergänzen
.
4.3
Zusammenfassend
lässt die medizinische Aktenlage keine abschliessende Beurteilung des Gesundheitszustandes
und der Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers zu und damit auch nicht der Frage, ob es seit April 2016 zu
einer
revision
srechtlich
relevanten
wesentlichen
Verschlechterung
gekommen ist. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zur psychiatrisch-ortho
pädisch/rheumatologischen Begutachtung und zum Erlass einer neuen Verfügung zurückzuweisen, wobei darauf hinzuweisen ist, dass bei Vorliegen eines Revi
sionsgrundes
gegebenenfalls
eine Prüfung der Standardindikatoren vorzunehmen
ist (BGE 141 V 281,
141 V 585 E. 5.3).
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
Auf Weiterungen des Verfahrens zur vom Beschwerdeführer «überdies» geltend gemachten Verletzung des rechtlichen Gehörs (
Urk.
1 S. 9) kann bei diesem Ausgang verzichtet werden, zumal selbst der Beschwerdeführer nicht geltend machte, die angefochtene Verfügung
wäre bereits aus diesem Grunde
aufzuheben gewesen, mithin offensichtlich selber von einer Heilung einer allfälligen Gehörs
verletzung (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis) ausging.
5.
5.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ermessensweise auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Entsprechend hat der Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung. Diese ist nach
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
Art.
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Sache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen. In Anwendung dieser Grundsätze rechtfertigt sich die Zusprechung einer Prozess
entschädigung von
Fr.
2‘000.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer).