# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e4fd7711-e07d-469a-a9ae-5509396bb6ae
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Die Staatsanwaltschaft Graubünden erliess am 14. Oktober 2016 folgenden Strafbefehl (act. StA.6 Proz. Nr. _), der am 21. Oktober 2016 mitgeteilt und dem Beschuldigten am 24. Oktober 2016 zugestellt wurde (act. StA.10) [Hervorhebungen entfernt]:
1. X._ ist schuldig der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 2 SVG und Art. 13 Abs. 3 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.
2. Die beschuldigte Person wird bestraft mit einer Busse von CHF 300.00. Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
3. Die Kosten des Verfahrens werden der beschuldigten Person auferlegt.
4. Demgemäss hat die beschuldigte Person zu bezahlen:
- Busse CHF 300.00 - Barauslagen CHF 72.00 - Gebühren CHF 275.00
Rechnungsbetrag CHF 647.00
5. Zustellung an: [...]
Sie erwog dabei als Sachverhalt, dass X._ am 6. September 2016 um 13:37 Uhr das Motorrad A._ mit Kontrollschild _ auf der _ Strasse von O.1_ in Fahrtrichtung O.2_ gelenkt habe. Vor dem Bahnhof O.3_ habe X._ trotz des signalisierten Überholverbotes mehrere Personenwagen überholt und dabei vorschriftswidrig die Sicherheitslinie und die Einspurstrecke überfahren.
B. Gegen diesen Strafbefehl erhob X._ mit Eingabe in schwer lesbarer Handschrift und in französischer Sprache vom 24. Oktober 2016 Einsprache (act. StA.7). Die Eingabe wurde am 27. Oktober 2016 der B._ Post übergeben und ist bei der Staatsanwaltschaft am 31. Oktober 2016 eingegangen. Auf Hinweis der Staatsanwaltschaft vom 31. Oktober 2016 (act. StA.8) hat X._ am 3. November 2016 die Eingabe in Computerschrift nachgereicht (act. StA.9), wobei deren Inhalt marginal abweicht.
C. Aus den Akten ergibt sich (act. StA.14), dass X._ Korrespondenz mit dem Strassenverkehrsamt führte, wobei dieses ihm auf seine E-Mail hin ebenfalls per E-Mail auf Französisch geantwortet hat, dass im Kanton Graubünden die Amtssprachen Deutsch und Italienisch sind (Romanisch wurde nicht erwähnt).
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D. Am 20. Dezember 2016 befragte die Staatsanwaltschaft Adj C._ (act. StA.16) und D._ (act. StA.17) als Zeugen. X._ hatte im Vorfeld gemäss Aktennotiz telefonisch mitgeteilt, er werde auf eine Teilnahme verzichten, und war am Tag der Einvernahmen tatsächlich nicht anwesend.
E. Die Staatsanwaltschaft erliess am 22. Dezember 2016 die Parteimitteilung (act. StA.18), in der sie dem Beschuldigten mitteilte, dass die Strafuntersuchung abgeschlossen sei und ihm eine Überweisung des Strafbefehls ans Gericht in Aussicht stellte. Sie legte eine Frist für allfällige Beweisanträge fest, die unbenutzt verstrich. Am 22. Februar 2017 dann hielt die Staatsanwaltschaft am Strafbefehl fest und überwies diesen wie angekündigt an das Regionalgericht Imboden (act. StA.19).
F. Die Vorsitzende der Strafkammer des Regionalgerichts Imboden lud den Beschuldigten mit französischsprachiger Vorladung vom 12. April 2017 zur Hauptverhandlung vor (Proz. Nr. _). Dieser beantragte mit französischsprachiger Eingabe vom 14. April 2017, Poststempel vom 24. April 2017, von der Teilnahme an der Hauptverhandlung dispensiert zu werden, da er zu weit weg wohne. Das Gesuch wurde gutgeheissen (act. III.1 und III.2 der Proz. Nr. _).
In jener Eingabe führte er – wie schon in der Einsprache – zudem aus, weshalb er einen Freispruch verlange. Der Polizeibeamte, den er überholt habe und der ihn anschliessend befragt habe, habe durch langsames Fahren absichtlich den Stau verursacht. Er (der Beschuldigte) hingegen habe bloss den Polizeibeamten überholt, ohne dabei die Geschwindigkeit zu überschreiten, und habe dazu die Einspurstrecke für Linksabbieger genutzt. Er habe die Fahrbahn für den Gegenverkehr nicht genutzt und sei keine Gefahr für andere gewesen, im Gegensatz zu dem, was der Polizeibeamte behaupte. Dieser habe sich über Touristen lustig gemacht, indem er mal auf Deutsch, mal auf Englisch, mal auf Französisch befragt habe, obwohl er (der Beschuldigte) doch klar gesagt habe, dass er Franzose sei. Man habe über eine Stunde mit etwas verbracht, das in der Schweiz angeblich eine Straftat sei, in Frankreich und vielen anderen europäischen Ländern sowie in den USA hingegen nicht mal zu einer Verwarnung führen würde. Der Polizeibeamte habe ihn letztlich gehen lassen, ohne etwas zu bezahlen, was den guten Glauben des Beschuldigten beweise. Wenn der Polizeibeamte normal gefahren wäre, ohne einen Stau zu verursachen, hätte er (der Beschuldigte) keine Verkehrsregel verletzt.
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G. Am 20. Juni 2017 fand die Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Imboden statt, in Abwesenheit sowohl des Beschuldigten als auch der Staatsanwaltschaft. Gleichentags fällte das Regionalgericht Imboden folgendes Urteil (act. I.3a), welches es, laut diesbezüglichem Protokoll, im Anschluss an die Verhandlung mündlich eröffnete und am 22. Juni 2017 ohne schriftliche Begründung und begleitet mit einer französischen Übersetzung mitteilte (act. I.3b), welche dem Beschuldigten am 30. Juni 2017 zugestellt wurde [Hervorhebungen entfernt]:
1. X._ ist schuldig der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 34 Abs. 2 SVG und Art. 13 Abs. 3 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.
2.a) Dafür wird X._ mit einer Busse von CHF 300.00 bestraft.
b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 3 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3.a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 3'522.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 1'022.00, Gerichtsgebühren CHF 2'500.00) gehen zu Lasten von X._.
b) X._ schuldet dem Regionalgericht Imboden folglich:
Busse CHF 300.00
Verfahrenskosten CHF 3'522.00
Total CHF 3'822.00
c) Wird eine schriftliche Begründung verlangt, erhöhen sich die Gerichtsgebühren um CHF 3'000.00 (inklusive Übersetzungsgebühren) auf CHF 5'500.00
4.a) Das Gericht stellt den Parteien nachträglich ein begründetes Urteil zu, wenn eine Partei dies innert 10 Tagen nach Zustellung des vorliegenden Dispositivs verlangt oder eine Partei ein Rechtsmittel ergreift (Art. 82 Abs. 2 lit. a und b StPO). Andernfalls wird das Urteil ohne schriftliche Begründung rechtskräftig.

## Considerations