# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7e8e14a8-9a22-5b06-a0d9-9abdfb1a15bf
**Court:** ZH_BRK
**Chamber:** ZH_BRK_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
A.
Mit Verfügung vom 14. Juni 2021 verweigerte die Baudirektion Kanton Zürich
A.S. die raumplanungsrechtliche Ausnahmebewilligung (Lage in der Land-
wirtschaftszone) für den Umbau eines Bauernhauses in ein Wohnhaus auf
dem Grundstück Kat.-Nr. 1 an der Z.-Strasse 27 in X.
B.
Gegen diesen Entscheid erhob A.S. mit Eingabe vom 18. August 2021 frist-
gerecht Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons Zürich und beantragte
die Aufhebung des Entscheides unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu-
lasten der Baudirektion.
C.
Mit Verfügung vom 20. August 2021 wurde der Rekurseingang vorgemerkt
und das Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
Mit Verfügungen vom 26. August 2021 bzw. 7. September 2021 wurden Y
und der Zürcher Heimatschutz ZVH in das Rekursverfahren beigeladen.
D.
Mit Eingabe vom 21. September 2021 beantragte die Vorinstanz die Abwei-
sung des Rekurses unter Verweis auf den Mitbericht des Amtes für Raum-
entwicklung vom 20. September 2021.
Der Gemeinderat X beantragte, der Rekurs sei gutzuheissen. Der ZVH und
Y verzichteten stillschweigend auf eine Stellungnahme.
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E.
Mit Replik vom 1. November 2021 bzw. Dupliken vom 17. November 2021
und 23. November 2021 hielten der Rekurrent, die Baudirektion und der Ge-
meinderat an ihren Anträgen fest. Die Beigeladenen liessen sich nicht ver-
nehmen.
Y wurde mit Verfügung vom 3. November 2021 mangels rechtsgültig unter-
zeichnetem Beiladungsgesuch aus dem Verfahren entlassen.
F.
Mit Eingabe vom 15. Dezember 2021 liess sich der Rekurrent ein weiteres
Mal vernehmen.
G.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit zur Entscheidbegründung erfor-
derlich, in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

## Considerations

Es kommt in Betracht:
1.
Der Rekurrent ist als Eigentümer des streitbetroffenen Grundstücks und als
Adressat des angefochtenen Beschlusses im Sinne von § 338a des Pla-
nungs- und Baugesetzes (PBG) ohne Weiteres zur Rekurserhebung legiti-
miert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf den
Rekurs einzutreten.
2.
Das Baugrundstück Kat.-Nr. 1 liegt in der Landwirtschaftszone. Das dort be-
stehende, kommunal unter Schutz gestellte Bauernhaus Assek.-Nr. 1 soll zu
einem Wohnhaus mit sieben Wohneinheiten umgebaut werden.
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Zur Verweigerung der Ausnahmebewilligung nach Art. 24d Abs. 2 des Raum-
planungsgesetzes (RPG; vollständige Zweckänderung von als schützens-
wert anerkannten Bauten und Anlagen) erwog die Baudirektion, das Projekt
sehe den Ausbau bis und mit dem gesamten Dachgeschoss im Wohn- und
Scheunenbereich vor. Eine neue räumliche Organisation des bislang nahezu
ungenutzten Scheunenbereiches sei unter Beibehaltung der Primärkonstruk-
tion mit Blick auf den Schutzumfang grundsätzlich möglich. Das Äussere
sollte dabei sehr sorgfältig ausgestaltet werden und die ursprüngliche Öko-
nomienutzung weiterhin erkennbar lassen. Diesem Ziel werde an den Fas-
saden mithilfe der perforierten Holzschalung, welche eine Belichtung über
die Fassade unter Beibehaltung des geschlossenen, holzverschalten Öko-
nomiecharakters ermögliche, ansatzweise Rechnung getragen. Die perfo-
rierte Holzschalung trage dem Mehrzweckgebäude jedoch nur insoweit
Rechnung, als dass diese Ausgestaltung im Zürcher Unterland die vorherr-
schende Baustruktur darstelle. Der murale Aspekt des Einzelobjekts Vers.-
Nr. 1 werde aber nur ansatzweise wieder aufgenommen; dadurch werde das
Objekt standardisiert, ohne der besonderen Einzigartigkeit des muralen Öko-
nomiekomplexes gebührend Rechnung zu tragen.
Im angestammten Wohnbereich sei der geplante Umbau der bestehenden
Wohnung mit Ausnahme des Ausbaus des Dachgeschosses mit dem
Schutzobjekt verträglich. Die Belichtung separater Wohneinheiten im Dach-
geschoss stelle in der vorliegenden Bautypologie hingegen eine kaum zu lö-
sende Schwierigkeit dar. Zwar werde durch die Verwendung von unter-
schiedlichen Gauben die Teilung von Wohn- und Ökonomiegebäude ver-
deutlicht, jedoch werde die Ursprünglichkeit der durchgängigen Dachfläche
mehrfach durchbrochen. Der Bestand zeichne sich heute durch seine gross-
flächigen, homogenen Dachflächen ohne Dachaufbauten und Dachflächen-
fenster aus. Die Verwendung einer untypischen Schleppgaube im Bereich
des Ökonomiegebäudes verdeutliche die vollständige Umnutzung des land-
wirtschaftlichen Teils nochmals zusätzlich. Hinzu komme, dass die Wohnein-
heiten im Dachgeschoss, sowohl im Scheunenbereich als auch im Wohnteil,
grösstenteils über das Dach belichtet werden müssten. Hierzu würden nebst
den neuen Lukarnen auch Dachflächenfenster eingesetzt. Im Schutzvertrag
werde der Erhalt der strassenseitig ruhigen Dachfläche gefordert. Daher
könne der vollständige Ausbau des Dachgeschosses bei Scheune und
Wohnteil sowohl hinsichtlich der äusseren Gestaltung als auch bezüglich der
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maximalen Ausnutzung des Schutzobjektes nicht nachvollzogen und diesem
demnach auch nicht zugestimmt werden.
Im Anschluss an den Augenschein des Baurekursgerichts (Anmerkung: Ab-
teilungsaugenschein vom 10. November 2017 im Verfahren G.-
Nr. R4.2017.00072 betreffend die Inventarentlassung des vorliegend streit-
betroffenen Gebäudes, Protokoll in act. 34) habe das Baurekursgericht den
Verfahrensparteien beschieden, dass es sich wohl um einen Grenzfall
handle, bei welchem jedenfalls der denkmalpflegerische Situationswert
(nicht aber der Eigenwert) nicht gänzlich von der Hand zu weisen sei. Daher
sei bei einem Ausbau des Gebäudes der Fokus auf die Sichtbarkeit der be-
stehenden Bausubstanz, also der äusseren Erscheinung, zu setzen und
nicht auf den vollständigen Ausbau des Gebäudes. Vorliegend könne das
Gebäude demnach nur soweit ausgebaut werden, als am Äusseren keine
Veränderungen stattfinden würden, die den Situationswert beeinträchtigen.
Durch die geplanten Anpassungen der äusseren Erscheinungen (Dachauf-
bauten, Dachfenster, zusätzliche Fassadenöffnungen, Abbruch der muralen
Elemente des Ökonomieteils und Ersatz durch eine perforierte Holzscha-
lung) werde – so die Baudirektion - die Bausubstanz in ihrem Bestand mas-
sgeblich verändert.
Sodann sei der Nachweis, dass ein vollständiger Ausbau des ehemaligen
landwirtschaftlichen Gebäudes für den Erhalt der Liegenschaft zwingend not-
wendig sei, nicht ausreichend bzw. plausibel erbracht werden können. Die
Finanzierbarkeit der Instandstellung bzw. der langfristigen Instandhaltung
der historischen Bausubstanz sei bereits mit der Modernisierung und dem
Umbau des Wohnteils sowie einem Ausbau des Ökonomieteils – also auch
ohne separate, wohnhygienisch einwandfrei zu belichtende Wohneinheiten
im Dachgeschoss – möglich. Die Kosten für den Erwerb des Grundstückes,
die Vorbereitung der Erschliessung, die Umgebungsgestaltungskosten so-
wie Anwaltskosten seien zu Unrecht in die Kostenberechnung einbezogen
worden; diese zählten nicht zu den Instandhaltungskosten. Weiter seien die
Kosten für den Umbau der Liegenschaft äusserst kritisch zu beurteilen, da
allein schon die aufgeführten Kosten für die Dämmung des Daches, welche
bei Beibehaltung eines Kaltdachs geringer ausfallen würden, die kalkulierten
Umbaukosten stark erhöhen würden und vermieden werden könnten. Somit
sei zwar nachvollziehbar, wie die hohen Kosten für die Sanierung zustande
kämen. Jedoch könnten lediglich die notwendigen Mehrkosten, die über das
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Mass für den durchschnittlichen Erhalt der Bausubstanz hinausgehen wür-
den, berücksichtigt werden.
Grundsätzlich gelte zudem, dass die durch die Umnutzung generierten Geld-
mittel für die Renovation von historisch wertvollen Bauelementen oder für
den eigentlichen Gebäudeerhalt einzusetzen seien. Es bestehe daher kein
Anspruch darauf, dass auch sämtliche Umbaukosten vollständig mit den kal-
kulierten zukünftigen Mieteinnahmen abgedeckt werden könnten. Sollten
(wenn auch nicht nachgewiesen) die Unterhaltskosten des Mehrzweckge-
bäudes Vers.-Nr. 1 nicht durch die Mieteinnahmen gedeckt werden können,
sehe § 207 Abs. 2 PBG eine besondere Regelung vor. Damit sei sicherge-
stellt, dass die Unterschutzstellung keine unzumutbaren finanziellen Ver-
pflichtungen für die Eigentümerschaft nach sich ziehe. Könne die geschützte
Bausubstanz auf diese Weise erhalten werden, liege die Voraussetzung für
eine Umnutzung gemäss Art. 24d Abs. 2 lit. b RPG nicht vor.
Die Trennung von Baugebiet und Nichtbaugebiet sei ein wichtiges Ziel der
Raumplanung. Die Schaffung neuer Wohneinheiten ausserhalb der Bauzo-
nen sei deshalb nur zulässig, wenn diese innerhalb des bestehenden Volu-
mens liegen würden und dadurch keine nachteiligen Auswirkungen auf
Raum und Umwelt entstünden. Die geplante massive Erhöhung von einer
auf sieben Wohneinheiten bringe sehr grosse Auswirkungen auf Raum und
Umwelt mit sich und sei vorliegend nicht mit den übergeordneten Zielen der
Raumplanung vereinbar. Aus der Bestandesgarantie könne kein Anspruch
auf eine zeitgemässe Erschliessung abgeleitet werden. Art. 43a RPV unter-
sage bei sämtlichen Ausnahmebewilligungen ausserhalb der Bauzone einen
mehr als geringfügigen Ausbau der bestehenden Erschliessungen. Er-
schliessungen, die über punktuelle Strassenausbauten und neue Kanalisati-
onen hinausgehen würden, seien somit unzulässig.
Schliesslich könne beim geplanten Projekt nicht von einer vollständigen
Zweckänderung ausgegangen werden, da ein Teil des bestehenden Gebäu-
des bereits zu Wohnzwecken genutzt werde. Das Erweiterungspotential
richte sich demnach nach Art. 24c RPG (altrechtliche Wohnbauten). Abwei-
chungen, welche über das gemäss Art. 42 Abs. 3 lit. a und b der Raumpla-
nungsverordnung (RPV) geltende Mass hinausgehen würden, seien insofern
nur möglich, wenn diese nachweislich für die Sicherung des Erhalts der Lie-
genschaft notwendig seien. Dies sei vorliegend nicht nachgewiesen worden,
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weshalb die Wohnraumerweiterung nach den für altrechtliche Wohngebäude
geltenden Grundsätzen gemäss Art. 24c RPG und Art. 42 Abs. 3 lit. a und b
RPV und der damit verbundenen ständigen Praxis der Baudirektion zu erfol-
gen habe, bisweilen aber im vorliegenden Bauvorhaben nicht eingehalten
werde.
Zu den Voraussetzungen für eine Bewilligung nach Art. 24c RPG in Verbin-
dung mit Art. 42 Abs. 3 lit. a und b RPV erwog die Baudirektion, die Erweite-
rung der Wohnnutzfläche übersteige mit 129,9 % respektive 241,8 m2 den
zulässigen Rahmen deutlich, ebenso die neu erstellten zonenwidrigen Flä-
chen (Wohn- und Nebennutzflächen insgesamt) mit 134,2% respektive 317,4
m2. Sodann dürfe eine Zweckänderung keine vollständige neue Nutzung er-
möglichen und zu keinen wesentlichen neuen Auswirkungen auf die Nut-
zungsordnung, Erschliessung oder Umwelt führen. Das Bauwerk, das an-
ders genutzt werden soll, müsse mindestens zum Teil für einen Zweck ge-
schaffen worden sein, welcher der neuen Nutzung in seinen Auswirkungen
nahestehe. Durch den vollständigen Umbau des Ökonomieteils könne auch
diesem Aspekt nicht Rechnung getragen werden. Eine nachträgliche Aus-
nahmebewilligung nach Art. 24c RPG falle somit ausser Betracht.
Zusammengefasst werde das Projekt viel mehr von der Zielsetzung der ma-
ximalen Ausnutzung des Raumangebots geleitet als von der Absicht, mit
möglichst zurückhaltenden Massnahmen genau so viel verwertbare
Mehrnutzung zu generieren, wie es die langfristige Instandhaltung des Ge-
bäudes als Baudenkmal ausserhalb der Bauzone erfordere. Die Vorausset-
zungen gemäss Art. 24d Abs. 2 RPG seien nicht erfüllt. Das Projekt führe zu
einer überhöhten Ausnutzung des Schutzobjektes sowie zu einer markanten
Veränderung des Erscheinungsbildes und somit des spezifischen Zeugnis-
wertes. Auch eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG falle ausser Be-
tracht, da die geplanten Erweiterungen das zulässige Mass überschreiten
würden.
3.
Es wird die Durchführung eines Augenscheins beantragt (vgl. § 7 des Ver-
waltungsrechtspflegegesetzes [VRG]). Das Baurekursgericht hat unbesehen
von Parteianträgen nur dann einen Augenschein durchzuführen, wenn die
Verhältnisse vor Ort zwar entscheidrelevant, auf Grund der Akten aber noch
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unklar sind. Diese Voraussetzung ist vorliegend nicht erfüllt, so dass kein
Augenschein durchzuführen war.
4.1.
Der Rekurrent macht zunächst geltend, gemäss Rubrum sowie Überschrift
zu Litera A der Erwägungen des angefochtenen Entscheids sei die "Lage in
der Landwirtschaftszone sowie im Geltungsbereich überkommunaler
Schutzanordnung" beurteilt worden. Beim streitbetroffenen Objekt handle es
sich jedoch um ein kommunales Schutzobjekt. Es sei daher nicht Sache des
Amtes für Landschaft und Natur, und auch nicht der kantonalen Denkmal-
pflege, die erfolgten Schutzanordnungen zu überprüfen. Die Vorinstanz habe
ihre Kompetenz überschritten und das Projekt unter der falschen Prämisse
geprüft, es liege ein überkommunales Schutzobjekt vor. Es gehe nicht an,
dass die Vorinstanz eine eingehende Prüfung des Schutzumfangs vornehme
(E. 3.2.2 und 3.2.3 im angefochtenen Entscheid), hierfür einen Bericht der
kantonalen Denkmalpflege vom 21. Januar 2021 mitberücksichtige und zu
einer von der Gemeinde X abweichenden Beurteilung des Bauprojekts ge-
lange. Art. 24d Abs. 2 RPG verlange bloss die Schutzwürdigkeit des Objek-
tes.
4.2.
Die Baudirektion entgegnet, im Falle eines konkreten Baugesuchs sei die
gemäss Art. 25 Abs. 2 RPG zuständige kantonale Behörde befugt, bei der
Anwendung von Art. 24d Abs. 2 RPG eine unabhängige materielle Beurtei-
lung vorzunehmen. Dabei prüfe sie, ob das Objekt von hervorragender Qua-
lität und darum materiell schutzwürdig sei. Diese Beurteilung habe keinen
Einfluss auf die im Rahmen der formellen Unterschutzstellung getroffenen
Schutzmassnahmen, sondern solle ausschliesslich gewährleisten, dass die
bundesrechtlichen Einschränkungen von Art. 24d RPG eingehalten würden
(Rudolf Muggli, in: Praxiskommentar RPG: Bauen ausserhalb der Bauzone,
hrsg. von Heinz Aemisegger/Pierre Moor/Alexander Ruch/Pierre Tschannen,
2017, Art. 24d Rz. 23). Denn selbst wenn eine Prüfung des Schutzumfanges
durch die kommunale Behörde stattgefunden habe, sei es nicht ausge-
schlossen, dass dies zu Nutzungen führe, die den Rahmen von Art. 24d RPG
sprengen würden. Mit der materiellen Prüfung im Baubewilligungsverfahren
werde verhindert, dass kommunale projektbezogene Schutzverträge die
bundesrechtlichen Vorgaben und die kantonale Praxis unterlaufen würden.
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Vorliegend bestünden Anhaltspunkte, dass der im projektbezogenen Schutz-
vertrag definierte Schutzumfang und damit einhergehend das Bauprojekt
über das nach Art. 24d Abs. 2 RPG vertretbare Mass hinausgehen würden.
4.3.
Der Gemeinderat bringt vor, beim streitbetroffenen Gebäude handle es sich
um ein kommunales Schutzobjekt, womit die denkmalschutzrechtliche Zu-
ständigkeit nach Massgabe von § 211 Abs. 2 des Planungs- und Baugeset-
zes (PBG) ausschliesslich bei ihm liege. Für eine vorfrageweise Überprüfung
des kompetenzgemäss abgeschlossenen projektbezogenen Schutzvertrags
durch die Rekursgegnerin gestützt auf den Tatbestand von Art. 24d RPG
verbleibe daher kein Raum, da für ein aufsichtsrechtliches Einschreiten im
Sinne von § 211 Abs. 1 PBG genauso wenig eine sachliche Veranlassung
bestehe. Der Gemeinderat habe mit dem Rekurrenten einen projektbezoge-
nen Schutzvertrag abgeschlossen, welchem ein Umbauprojekt zugrunde
liege.
4.4.
Der Rekurrent repliziert, mit Blick auf die höchstrichterliche Rechtsprechung
zu Art. 24d RPG (BGr 1C_111/2020 vom 11. August 2021, E. 4.3.2 m.w.H.)
werde die grundsätzliche Kompetenz der Baudirektion, im Lichte von
Art. 24d Abs. 2 RPG zu prüfen, ob der Schutz der betroffenen Baute materiell
gerechtfertigt sei, dem Grundsatz nach nicht bestritten. Allerdings habe die
Baudirektion bei der Beurteilung der spezifischen örtlichen Besonderheiten
die nötige Zurückhaltung vermissen lassen, indem sie ohne Not und ohne
sich mit den örtlichen Gegebenheiten selbst vertraut zu machen die Schutz-
würdigkeit des streitbetroffenen Vielzweckgebäudes nicht in gleichem Mass
bejaht habe wie der Gemeinderat. Es gebe keinen sachlich nachvollziehba-
ren Grund, von der materiellen Beurteilung des Gemeinderats abzuweichen,
die sich auf ein Gutachten stütze.
4.5.1.
Die Betitelung der vorinstanzlichen Beurteilung mit "Lage in der Landwirt-
schaftszone sowie im Geltungsbereich überkommunaler Schutzanordnung"
ist ein offensichtliches Versehen. Zu beurteilen war lediglich die Lage in der
Landwirtschaftszone. Auf die Rechtmässigkeit des angefochtenen Ent-
scheids hat dies keine Auswirkung, zumal sich aus den Erwägungen unzwei-
deutig ergibt, dass die Baudirektion vom korrekten Sachverhalt ausging,
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nämlich von einem "kommunal unter Schutz gestellten Bauernhaus" und
nicht von einem Objekt im Geltungsbereich einer überkommunalen Schutz-
anordnung oder im Geltungsbereich eines überkommunalen Inventars.
4.5.2.
Nach Art. 24d Abs. 2 RPG kann die vollständige Zweckänderung von als
schützenswert anerkannten Bauten und Anlagen zugelassen werden, wenn
diese von der zuständigen Behörde unter Schutz gestellt worden sind (lit. a)
und ihre dauernde Erhaltung nicht anders sichergestellt werden kann (lit. b).
Mit dieser im Übrigen als "Rustico-Artikel" bekannten Bestimmung wollte der
Gesetzgeber insbesondere auch im Hinblick auf die Tessiner Verhältnisse
klare Voraussetzungen schaffen, unter denen Umnutzungen bewilligt wer-
den können. Eine Umnutzung nach Art. 24d Abs. 2 RPG darf indessen den
Schutzwert der Baute nicht schmälern. Art. 24d Abs. 2 RPG will verhindern,
dass schutzwürdige Objekte wie z. B. typische Kulturlandschaften, beein-
trächtigt oder zerstört werden, weil jene Bauten, welche entscheidend zur
Prägung der Landschaft beitragen, zerfallen oder abgebrochen werden,
wenn keine Zweckänderung gegenüber der früheren Nutzung zugestanden
wird. Art. 24d Abs. 2 RPG setzt zum einen voraus, dass die Baute, deren
Zweck geändert werden soll, als schützenswertes Einzelobjekt formell unter
Schutz gestellt worden ist. Zum anderen muss die Baute als Einzelobjekt
aber auch materiell schützenswert sein ("als schützenswert anerkannt").
Eine bloss formelle Unterschutzstellung genügt somit nicht. Die materielle
Schutzwürdigkeit bildet Prüfungsgegenstand der Ausnahmebewilligung; dies
gilt selbst in jenen Fällen, da die formelle Unterschutzstellung rechtskräftig
ist (VB.2018.00685 vom 7. März 2019, E. 3.1; VB.2010.00614 vom 29. Juni
2011, E. 6.3; BGr 1C_111/2020 vom 11. August 2021, E. 4.3.1; BGr
1C_397/2011 vom 9. Januar 2014, E. 3.2).
Die Unterschutzstellung von materiell schützenswerten Bauten im Sinne von
Art. 24d Abs. 2 RPG richtet sich nach dem kantonalen Recht. Das Bundes-
recht enthält diesbezüglich - im Unterschied zur Unterschutzstellung von
Bauten im Sinne von Art. 39 Abs. 2 RPV - grundsätzlich keine verfahrens-
rechtlichen Vorgaben. Erforderlich ist nach Art. 24d Abs. 2 RPG immerhin,
dass die materielle Schutzwürdigkeit der Baute in einem formellen Verfahren
nach objektiv-fachlichen Kriterien festgestellt wird. Im kantonalen Ausnah-
mebewilligungsverfahren ist zu prüfen, ob der Schutz der Baute, deren
Zweck geändert werden soll, im Lichte von Art. 24d Abs. 2 RPG materiell
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gerechtfertigt ist (BGr 1C_111/2020, E. 4.3.2.). Zu prüfen ist mithin, ob das
Objekt von hervorragender Qualität und darum schutzwürdig ist (Muggli,
Art. 24d Rz. 23). Gemäss Bundesgericht müssen besondere Eigenschaften
die jeweilige Baute als Einzelobjekt so bedeutsam erscheinen lassen, dass
sie nach Art. 24d Abs. 2 RPG als schützenswert beurteilt werden kann (BGr
1C_111/2020, E. 4.3.4.).
4.5.3.
Die streitbetroffene Baute wurde mit dem verwaltungsrechtlichen Schutzver-
trag vom 15. April 2019 unter Schutz gestellt (act. 25.5). Dass die Baudirek-
tion im Lichte von Art. 24d Abs. 2 RPG zu prüfen hat, ob der Schutz der
Baute materiell gerechtfertigt ist, wird vom Rekurrenten zu Recht nicht be-
stritten. Ebenfalls unbestritten ist, dass es sich vorliegend um eine im Lichte
von Art. 24d Abs. 2 RPG als schützenswert anerkannte Baute handelt und
diese Bestimmung somit anwendbar ist. Streitpunkt bildet die Frage, inwie-
weit die Baudirektion die Zulässigkeit der geplanten baulichen Änderungen
am Schutzobjekt abweichend vom Schutzumfang gemäss Schutzvertrag be-
urteilen darf.
Eine Umnutzung nach Art. 24d Abs. 2 RPG darf wie erwähnt den Schutzwert
der Baute – der Bedingung ist für die Anwendung der genannten Bestim-
mung – nicht schmälern. Eine von der Baudirektion zu prüfende Vorausset-
zung für eine Bewilligung nach Art. 24d RPG ist deshalb, ob die äussere
Erscheinung und die bauliche Grundstruktur im Wesentlichen unverändert
bleiben (Art. 24d Abs. 3 lit. b RPG). "Im Wesentlichen" heisst, dass alle Merk-
male, welche die Schutzwürdigkeit ausmachen, zu erhalten sind (Muggli,
Art. 24d Rz. 30). Die Baudirektion hat somit nicht bloss zu prüfen, ob die
Schutzwürdigkeit im Sinne von Art. 24d Abs. 2 RPG und damit die Anwend-
barkeit dieser Bestimmung gegeben ist. Sie hat auch zu beurteilen, ob das
Bauvorhaben die weiteren Voraussetzungen gemäss Abs. 2 und 3 erfüllt,
was nicht schon dann der Fall sein muss, wenn die Vorgaben des kommu-
nalen Schutzvertrags eingehalten werden. Damit ist das Bauvorhaben und
indirekt der Schutzvertrag hinsichtlich seiner Vereinbarkeit mit Art. 24d
Abs. 2 und 3 RPG zu beurteilen.
Die vom Rekurrenten kritisierten Abweichungen vom Schutzvertrag betreffen
Anpassungen am äusseren Erscheinungsbild durch zusätzliche Fassaden-
öffnungen, die perforierte Holzschalung an der Fassade anstelle der muralen
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Elemente des Ökonomieteils und den vollständigen Ausbau der Dachge-
schosse einschliesslich der dafür notwendigen Dachaufbauten und Dachflä-
chenfenster (s. Erw. 3.2.2. und 3.2.3 im angefochtenen Beschluss). Gemäss
Art. 24d Abs. 3 RPG muss die äussere Erscheinung und die bauliche Grund-
struktur im Wesentlichen unverändert bleiben. Darauf wird weiter unten zu-
rückzukommen sein (s. Erw. 6.3.1. ff.).
5.1.
Der Rekurrent hält dafür, Art. 24d RPG setze keine vollständige Zweckände-
rung voraus. "Vollständig" im Sinn von Art. 24d Abs. 2 RPG heisse nicht,
dass in einem Zug eine vollständige Umnutzung zum Wohnen bewilligt wer-
den müsse, sondern dass ein solches Gebäude insgesamt unter Berücksich-
tigung zusätzlicher bzw. neuer Wohnnutzungen insgesamt bis zu 100% um-
genutzt werden könne.
Sodann bleibe für die Anwendung von Art. 24c RPG kein Platz, da Art. 24d
RPG einschlägig sei. Eine Bewilligung gemäss Art. 24c RPG wäre jedoch
eventualiter zu erteilen, wenn die Praxis eine vollständige Umnutzung (ohne
flächenmässige Begrenzung der Erweiterung gemäss Art. 42 Abs. 3 lit. a und
b RPV) unter diesem Titel zulasse, sofern dies für die Sicherung des Erhalts
der Liegenschaft notwendig sei.
5.2.
Die Baudirektion führt aus, eine vollständige Zweckänderung im Rahmen
des Schutzumfangs sei zwar möglich, nicht aber zwingend. Bauliche Verän-
derungen zur Realisierung von neuen Nutzungen seien nur insoweit zuläs-
sig, als die Eingriffe mit dem Schutzzweck vereinbar und für die Erhaltung
des Schutzobjektes nötig seien. Es bestehe kein Anspruch darauf, das
ganze Volumen der geschützten Baute einer intensiven zonenwidrigen Nut-
zung zuzuführen (Muggli, Art. 24d Rz. 25 und 28). Betreffend das Mass der
zulässigen Zweckänderung bzw. des Schutzumfangs sei deshalb auf die Be-
urteilung der kantonalen Denkmalpflege vom 31. Januar 2021 zu verweisen,
welche sich detailliert mit den Teilaspekten des konkreten Schutzobjektes
auseinandersetze.
Altrechtliche landwirtschaftliche Wohnbauten könnten seit der Teilrevision
des RPG 2011 sowohl nach Art. 24c Abs. 3 RPG als auch nach Art. 24d
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Abs. 1 oder Abs. 2 RPG geändert werden. Da die Voraussetzungen sehr
unterschiedlich ausgestalten seien, könne die für das geplante Vorhaben je-
weils günstigste Norm angewandt werden (Muggli, Art. 24d Rz. 9). Das Er-
weiterungspotential von zonenfremden Wohngebäuden (mit und ohne an-
grenzenden Ökonomieteil) ausserhalb der Bauzone richte sich in erster Linie
nach Art. 24c RPG (altrechtliche Wohnbauten). Abweichungen, welche über
das gemäss Art. 42 Abs. 3 Bst. a und b RPV geltende Mass hinausgehen
würden, seien nur möglich, wenn sie im Sinne von Art. 24d Abs. 2 Bst. b
RPG nachweislich für die Sicherung des Erhalts von schützenswerten Ge-
bäuden notwendig seien.
Im vorliegenden Fall solle das Dachgeschoss des bestehenden Wohnteils
sowie der gesamte Ökonomieteil zu sieben Wohneinheiten ausgebaut wer-
den. Beim Einbau der vier Wohneinheiten im ehemaligen Ökonomieteil
handle es sich nicht um geringfügige Anpassungen. Grosse Teile der Aus-
senfassade des Ökonomieteils sowie die komplette Feinerschliessung der
Wohnungen, die innenliegenden Wände, Zwischenböden, u.v.m. seien um-
bzw. einzubauen. Eine solche Erweiterung überschreite das gemäss Art. 24c
RPG und Art. 42 Abs. 3 Bst. a und b RPV zulässige Mass deutlich. Deshalb
sei geprüft worden, ob das Vorhaben gestützt auf Art. 24d Abs. 2 RPG zum
Erhalt des Schutzobjektes bewilligt werden könne. Die entsprechenden Vo-
raussetzungen würden jedoch ebenfalls nicht erfüllt. Es habe nicht nachge-
wiesen werden können, dass das Gebäude nur erhalten werden könne,
wenn der Ökonomieteil vollständig ausgebaut werde, weshalb die Wohn-
raumerweiterung nach den für altrechtliche Wohngebäude geltenden
Grundsätzen gemäss Art. 24c RPG und Art. 42 Abs. 3 Bst. a und b RPV und
der damit verbundenen ständigen Praxis der Baudirektion zu erfolgen habe.
5.3.
Der Rekurrent repliziert, wenn es für den langfristigen Unterhalt des schüt-
zenswerten Objektes notwendig sei, das ganze Volumen einer Zweckände-
rung zuzuführen und auch die weiteren Bewilligungsvoraussetzungen gege-
ben seien, bestehe ein Anspruch auf Erteilung der nachgesuchten Ausnah-
mebewilligung.
Betreffend das Mass der zulässigen Zweckänderung beziehungsweise des
Schutzumfanges sei nicht auf die Beurteilung der kantonalen Denkmalpflege
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abzustellen. Zum einen handle es sich bei der Frage, ob eine Zweckände-
rung vorliege, um eine Rechtsfrage, die nicht von einer unzuständigen Amts-
stelle zu prüfen sei, zum anderen obliege die denkmalpflegerische Beurtei-
lung bei kommunalen Schutzobjekten den kommunalen Behörden. Vorlie-
gend sei der zuständige Gemeinderat X der Meinung, dass die gemäss
Schutzvertrag zulässigen baulichen Veränderungen mit dem (kommunalen)
Schutzzweck vereinbar seien.
5.4.
Die Rüge zielt auf die Erwägung 3.2.6 im angefochtenen Beschluss, wonach
beim geplanten Projekt nicht von einer vollständigen Zweckänderung ausge-
gangen werden könne, da ein Teil des bestehenden Gebäudes bereits zu
Wohnzwecken genutzt werde. Das Erweiterungspotential richte sich dem-
nach nach Art. 24c RPG. Abweichungen, welche über das gemäss Art. 42
Abs. 3 lit. a und b RPV geltende Mass hinausgehen würden, seien nur mög-
lich, wenn dies für die Sicherung des Erhalts der Liegenschaft notwendig sei
(vgl. Art. 24d Abs. 2 lit. b RPG).
Funktionslos gewordene altrechtliche landwirtschaftliche Bauten dürfen samt
einem angebauten Ökonomieteil nach Art. 24c Abs. 2 und 3 RPG in den
Grenzen von Art. 42 RPV zu nicht landwirtschaftlichem Wohnraum umge-
nutzt, erweitert und sogar wieder aufgebaut werden. Ausdrücklich ausge-
nommen sind jedoch alleinstehende, unbewohnte landwirtschaftliche Bauten
und Anlagen (Art. 41 Abs. 2 RPV). Die Umnutzung solcher Bauten zu Wohn-
zwecken ist nur unter den strengen Voraussetzungen gemäss Art. 24d
Abs. 2 und 3 RPG (schutzwürdige Bauten) bzw. Art. 39 Abs. 2-5 RPV (land-
schaftsprägende Bauten) zulässig, wobei kumulativ die allgemeinen Bewilli-
gungsvoraussetzungen nach Art. 43a RPV zu beachten sind (BGr
1C_62/2018 vom 12. Dezember 2018, E. 5.2.1 = BGE 145 II 83).
Vorliegend ist es in Anwendung von Art. 24c Abs. 3 RPG zulässig, die nicht-
landwirtschaftliche Wohnnutzung in den angebauten Ökonomieteil auszu-
dehnen, dies in den Schranken von Art. 42 RPV. Mit dem streitbetroffenen
Projekt wird aber die anrechenbare Bruttogeschossfläche (Wohnfläche) of-
fensichtlich und unbestritten über das gemäss Art. 42 Abs. 3 lit. a und b RPV
zulässige Mass hinaus erweitert. Damit scheidet eine Ausnahmebewilligung
nach Art. 24c RPG aus.
R4.2021.00152 Seite 15
Eine Kumulation der Erweiterungsmöglichkeiten gemäss Art. 24c RPG mit
denjenigen von Art. 24d RPG ist ausgeschlossen. Da die Voraussetzungen
sehr unterschiedlich ausgestaltet sind, kann die für das geplante Vorhaben
jeweils günstigste Norm angewandt werden. Der Rahmen der jeweils güns-
tigsten Norm bildet die Grenze des Zulässigen (Muggli, Art. 24d Rz. 9). Ab-
zulehnen ist daher die Auffassung der Vorinstanz, wonach Abweichungen,
welche über das gemäss Art. 42 Abs. 3 lit. a und b RPV geltende Mass hin-
ausgehen würden, nur insofern möglich seien, als sie für die Sicherung des
Erhalts der Liegenschaft notwendig seien. Dies läuft auf eine unerlaubte Ku-
mulation der Erweiterungsmöglichkeiten von Art. 24c RPG mit denjenigen
von Art. 24d RPG hinaus.
Bei Schutzobjekten grundsätzlich denkbar ist die separate Beurteilung von
Zweckänderungen von an landwirtschaftliche Wohnbauten angebauten Öko-
nomiebauten nach Massgabe von Art. 24d Abs. 2 RPG, während Bauvorha-
ben betreffend den Wohnteil nach Art. 24c RPG beurteilt werden. Eine da-
hingehend getrennte Beurteilung des Bauvorhabens scheitert vorliegend da-
ran, dass die Wohnungen über ein gemeinsames Treppenhaus mit Lift im
Ökonomieteil erschlossen werden. Ein Technikraum im Erdgeschoss des
Ökonomieteils dürfte ebenfalls dem gesamten Gebäude dienen. Die funktio-
nale Verknüpfung steht einer getrennten Beurteilung der beiden Gebäude-
teile entgegen, weil die gemeinsame Erschliessung einerseits dem Wohnteil
und andererseits dem Ökonomieteil mit den jeweils unterschiedlichen Erwei-
terungsmöglichkeiten zuzurechnen wäre. Eine solche Aufschlüsselung ist
nicht möglich.
Damit ist für das Gesamtprojekt einzig eine Ausnahmebewilligung nach
Art. 24d RPG zu prüfen.
6.1.
Zum Erhalt der Wesensgleichheit (Art. 24d Abs. 3 lit. b RPG) führt der Re-
kurrent aus, die Behauptung der Vorinstanz, mit der geplanten perforierten
Holzschalung würde "der besonderen Einzigartigkeit des muralen Ökono-
miekomplexes" keine Rechnung getragen, sei nicht haltbar. Weder der
Schutzvertrag noch das diesem zugrundeliegende Schutzgutachten würden
auf eine besondere Einzigartigkeit des Mauerwerks schliessen lassen.
Schützenswert sei der Situationswert und nicht die Bausubstanz an sich,
R4.2021.00152 Seite 16
weshalb den muralen Elementen beim Ökonomieteil kein besonders beach-
tenswerter und auf keinen Fall schützenswerter Eigenwert beizumessen sei.
Mit der geplanten perforierten Holzschalung werde die äusserlich wahrnehm-
bare (und schützenswerte) Trennung des Ökonomie- vom Wohnteil beibe-
halten und untermauert und die dahinterliegenden Fensterelemente würden
kaum bis gar nicht in Erscheinung treten. Der Stallbereich solle, wie in Ziffer
2.2 des Schutzvertrages gefordert, durch einen niedrigen Steinsockel, der
Tennbereich ohne Sockelzone gestaltet werden. Dadurch werde den Einzel-
heiten des Mauerwerks hinreichend Rechnung getragen.
Dasselbe gelte für die geplanten Fensteröffnungen im Dachgeschoss des
Wohnteils sowie die Lukarnen und Dachflächenfenster beim Dach des Öko-
nomieteils. Die in den Fensterachsen angeordneten und zurückhaltend ge-
stalteten Gauben würden die Fassadensprache der darunterliegenden Ge-
schosse aufnehmen. Die Dachfläche werde dadurch nur geringfügig durch-
stossen. Wenn aufgrund der Gauben erkennbar werde, dass der Ökonomie-
teil neu der Wohnnutzung zugeführt werde, sei dies im Rahmen der von
Art. 24d Abs. 3 lit. b RPG geforderten Erhaltung der Gebäudeidentität als
zulässig zu erachten. Mit den unterschiedlichen Gauben werde die Teilung
von Wohn- und Ökonomieteil verdeutlicht. Die geplanten Öffnungen dienten
Belichtungszwecken und entsprächen den Vorgaben gemäss Ziffer 2.5 des
Schutzvertrages. Der typische Charakter des Vielzweckbaus bleibt somit un-
verändert wahrnehmbar.
Dem Gebäude sei zwar ein wichtiger Situationswert beizumessen, was aber
nicht bedeute, dass es "demnach nur insoweit ausgebaut werden" könne,
"als am Äusseren keine Veränderungen stattfinden, die den Situationswert
beeinträchtigen". Vielmehr definiere der Schutzvertrag selbst, welche bauli-
chen Massnahmen als mit dem Schutzzweck vereinbar gelten würden. Der
Gemeinderat X habe mit der Genehmigung des projektbezogenen Schutz-
vertrages eine entsprechende Würdigung bereits vorgenommen. Es seien
keine Gründe ersichtlich, weshalb die Vorinstanz hiervon abweichen müsste
(und dürfte). Im Übrigen erlaube Art. 24d Abs. 3 lit. b RPG geringfüge Ver-
änderungen im äusseren Erscheinungsbild. Das projektierte Vorhaben habe
mindestens den wesentlichen denkmalpflegerischen Anforderungen des
Schutzvertrages zu genügen (VB.2016.00780, E. 2.2). Aufgrund der Fassa-
denpläne und Ansichten, die dem Schutzvertrag beigefügt seien und weitge-
hend unverändert den Baueingabeplänen entsprechen würden, lasse sich
R4.2021.00152 Seite 17
das künftige Erscheinungsbild des Vielzweckbaus hinreichend beurteilen.
Insgesamt würden die Eingriffe in die Gebäudehülle moderat ausfallen. Da-
mit bleibe der Vielzweckbau auch nach dem Umbau als solcher erkennbar.
6.2.
Die Baudirektion erklärt, das Vorhaben scheitere bereits an denkmalpflege-
rischen Überlegungen, wie dem Mitbericht der kantonalen Denkmalpflege
(S. 2) zu entnehmen sei: Der vollständige Ausbau des Dachgeschosses bei
Scheune und Wohnteil werde unabhängig von Kostenfaktoren sowohl hin-
sichtlich der äusseren Gestaltung als auch bezüglich der maximalen Ausnut-
zung des Schutzobjektes als kritisch beurteilt. Und im Schutzvertrag werde
der geschlossene Charakter des Ökonomieteils als schutzwürdig bezeich-
net, welcher mit einer für den Wohnbau typischen Lukarne verunklärt würde.
Eine Ausnahmebewilligung nach Art. 24d RPG würde dem öffentlichen Inte-
resse am Denkmal keinen Nutzen bringen.
Grundsätzlich beurteile die kantonale Denkmalpflege die Machbarkeit von
Ausbauten noch leerstehender Ökonomieteile bzw. Ökonomiebauten hin-
sichtlich des Substanzerhalts im Inneren (primäre Tragkonstruktion) sowie
des Erhalts des wesentlichen, für Ökonomienutzung so typischen, geschlos-
senen Charakters. Dieser schutzwürdige Charakter werde bei der umstritte-
nen Liegenschaft auch im Schutzvertrag immer wieder als zu erhalten er-
wähnt. Charakteristisch seien hier nicht nur die geschlossenen Fassaden,
sondern auch die ruhige Dachfläche ohne Durchdringungen. Eine Belichtung
über Dach sei in der Erfahrung der kantonalen Denkmalpflege bei der Be-
treuung von überkommunalen Schutzobjekten am problematischsten hin-
sichtlich der Veränderung des spezifischen Ausdrucks. Dies führe unweiger-
lich zu einer Durchdringung der durchlaufenden Dachfläche und somit hin zu
einer klaren optischen Veränderung zugunsten eines Wohncharakters.
Zum Mauerwerk führt die Baudirektion aus, gemäss Schutzvertrag werde
dem Objekt sowohl ein Situations- als auch ein zumindest teilweiser Eigen-
wert zugemessen. So werde unter Ziffer 2.2 als schützenswerte Substanz
insbesondere festgehalten: "Trauffassade West: Im Bereich des Ökonomie-
gebäudes die Substanz des Mauerwerks sowie das geschlossene Erschei-
nungsbild der Fassade [..]. Giebelfassade Süd: Die Substanz des Mauer-
werks sowie das Erscheinungsbild und die Anordnung der Öffnungen inkl.
R4.2021.00152 Seite 18
Gewände (ausgenommen nachträglich eingebautes Fenster Mitte Erdge-
schoss)". Es sei somit nicht lediglich der Situationswert geschützt.
6.3.1.
Eine Ausnahmebewilligung darf nach Art. 24d Abs. 3 RPG nur erteilt werden,
wenn die in dessen lit. a-e genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Erforder-
lich ist namentlich, dass die äussere Erscheinung und die bauliche Grund-
struktur im Wesentlichen unverändert bleiben (lit. b). Dieses Erfordernis ist
bei Denkmalschutzobjekten offensichtlich zentral. Im Wesentlichen heisst
hier - wie bereits erwähnt –, dass alle Merkmale, welche die Schutzwürdig-
keit ausmachen, zu erhalten sind (Muggli, Art. 24d Rz. 30).
Die raumplanungsrechtliche Voraussetzung von Art. 24d Abs. 3 lit b RPG
überschneidet sich mit den Zielsetzungen der denkmalschutzrechtlichen
Vorschriften gemäss § 203 lit. c PBG und § 25 Abs. 1 der kantonalen Natur-
und Heimatschutzverordnung (KNHV). Gemäss § 25 Abs. 1 KNHV sind Vor-
schriften zu erlassen und Verfügungen zu treffen über die Zulässigkeit von
tatsächlichen Veränderungen des Schutzobjektes, dessen Pflege und Unter-
halt und allfällige Restaurierungen, welche die Zerstörung, den Zerfall oder
die Beeinträchtigung von Denkmalschutzobjekten und ihrer Umgebung ver-
hindern. Die genannten Bestimmungen sind inhaltlich auf Substanzschutz
ausgerichtet (vgl. VB.2015.00362 vom 14. Juli 2016, E. 3.3), denn die be-
sondere Stellung und Lage einer Baute begründen für sich alleine grundsätz-
lich keinen besonderen Situationswert im Sinn von § 203 Abs. 1 lit. c PBG.
Die zu schützende Baute muss vielmehr auch von ihrer besonderen Gestal-
tung und Erscheinung her (Fassaden, Fenster, Dachflächen usw.) sowie hin-
sichtlich der vorhandenen Bausubstanz zur prägenden Wirkung beitragen
(RB 1997 Nr. 73 E. 2). Diese Elemente gilt es zu erhalten. Zweckänderungen
im Rahmen von Art. 24d Abs. 2 RPG sind somit durch die Schutzziele Gren-
zen gesetzt.
6.3.2.
Beim vorliegend streitbetroffenen Vielzweckbauernhaus ist der Stallscheu-
nenteil zur Strasse hin verputzt und auf der Rückseite hauptsächlich holzver-
brettert. Ein ehemaliger Stallbereich ist in rotem Backstein gemauert. Das
gesamte Gebäude ist durch ein geschlossenes Satteldach gedeckt (s. Gut-
achten der Z vom 2. September 2016, S. 4 und 7). Im Gutachten besonders
hervorgehoben wird die gemauerte Giebelwand im Norden. Zusammen mit
R4.2021.00152 Seite 19
den Grün- und Freiräumen würden die Z.-Strasse 27 und 25 (recte 29) vom
hohen situativen Wert am südlichen Ortsausgang von Y zeugen (s. Gutach-
ten S. 7).
Dementsprechend ist gemäss Schutzvertrag das siedlungsprägende Er-
scheinungsbild bzw. der "wichtige Situationswert" zu erhalten. Der Schutz-
umfang wurde soweit hier wesentlich wie folgt festgelegt:
− Giebelfassade Nord: Die Substanz des Massivmauerwerks, der ge-
schlossene Charakter der Fassadengestaltung, die Anordnung der
Fenster. Das Erscheinungsbild des östlichen Schopfes. Zulässige An-
passungen: Öffnungen zu Belichtungszwecken sind reduziert möglich
und dem geschlossenen Charakteristikum unterzuordnen. [..].
− Trauffassade West: Im Bereich des Ökonomiegebäudes die Substanz
des Mauerwerks sowie das geschlossene Erscheinungsbild der Fas-
sade. Im Bereich des Wohnteils die Substanz des Mauerwerks und
Anordnung der Öffnungen inklusive Gewände. [..] Das Erscheinungs-
bild der Fenster mit filigraner Sprossierung und flankierenden Lamel-
lenläden. Zulässige Anpassungen: Ökonomieteil: Das geschlossene
Erscheinungsbild des Ökonomieteils kann als Holzfassade ausgeführt
werden. [..]. Raumhohe Öffnungen sind möglich, insbesondere um
den geschlossenen Charakter der Nordfassade zu wahren; eine La-
mellenstruktur ist den Glasflächen vorzusetzen.
− Giebelfassade Süd: Die Substanz des Mauerwerks sowie das Er-
scheinungsbild und die Anordnung der Öffnungen inkl. Gewände [..].
Das Erscheinungsbild der Fenster mit filigraner Sprossierung und flan-
kierenden Lamellenläden.
− Trauffassade Ost: Im Bereich des Wohnteils die Substanz des Mau-
erwerks und die Anordnung der Öffnungen. [..] Im Bereich des Öko-
nomiegebäudes das Erscheinungsbild des rückwärtigen Tenntores
und des angebauten Schopfes. Zulässige Anpassungen: Im Bereich
des Tenntores ist der Glasfläche eine Lamellenstruktur vorzusetzen.
− Dach: Strassenseitig die ruhige Dachfläche und die filigranen Dach-
abschlüsse, die Traufe sowie die geschlossene Dachuntersicht beim
Wohnteil im Erscheinungsbild. Zulässige Anpassungen: Zu Belich-
tungszwecken ist im Bereich der Ökonomie ostseitig eine längere
R4.2021.00152 Seite 20
Schleppgaube möglich, um die Erscheinung der geschlossenen mas-
siven Nordfassade zu wahren; die Belichtung ist deshalb primär über
die nördliche Schopfwand im DG zu führen. Westseitig ist im Bereich
der Ökonomie ein Gaubenband möglich; im Bereich des Wohnteils
ost- und westseitig sind je zwei zurückhaltend gestaltete, in den Fens-
terachsen angeordnete Gauben möglich.
6.3.3.
Der Ökonomieteil zeichnet sich insbesondere durch die gemauerte strassen-
seitige Trauffassade und die ebenfalls gemauerte Giebelfassade aus. Der
murale Charakter ist wesentlich für das zu erhaltende Erscheinungsbild des
Gebäudes. Wie die Baudirektion im angefochtenen Beschluss zutreffend er-
wägt, wird dem muralen Aspekt durch die perforierte Holzschalung an der
Trauffassade nicht gebührend Rechnung getragen. Es genügt nicht, dem
Gebäude ein für Ökonomieteile typisches Aussehen zu verleihen und derge-
stalt die optische Unterteilung zwischen dem Wohn- und dem Ökonomieteil
beizubehalten. Vielmehr ist der Ökonomieteil in seiner individuellen, beson-
deren Gestaltung und Erscheinung zu erhalten, nicht nur was das geschlos-
sene Erscheinungsbild der Fassade, sondern auch was deren Materialisie-
rung anbelangt. Sodann zeichnet sich das Gebäude durch geschlossene,
ruhige Dachflächen aus, die auch gemäss Schutzvertrag grundsätzlich zu
erhalten sind. Die vorgesehenen Dachaufbauten beeinträchtigen dieses
Schutzziel. Im Widerspruch zum Erhalt des geschlossenen Charakters der
nördlichen Giebelfassade stehen grundsätzlich auch die zusätzlichen Fens-
teröffnungen, die aber für sich allein betrachtet noch nicht zu beanstanden
wären.
Insgesamt führt das Bauprojekt mit den Anpassungen, die der Schutzvertrag
zulassen will, zu einer wesentlichen Veränderung der äusseren Erscheinung.
Das Projekt entspricht damit zwar dem Schutzvertrag, steht aber im Wider-
spruch zu Art. 24d Abs. 3 lit. b RPG. Diese bundesrechtliche Bestimmung
geht den kommunalen Schutzmassnahmen vor. Eine Umnutzung nach
Art. 24d Abs. 2 RPG darf den Schutzwert der Baute nicht schmälern. Art. 24d
Abs. 2 RPG will verhindern, dass schutzwürdige Objekte wie z. B. typische
Kulturlandschaften beeinträchtigt oder zerstört werden, weil jene Bauten,
welche entscheidend zur Prägung der Landschaft beitragen, zerfallen oder
abgebrochen werden, wenn keine Zweckänderung gegenüber der früheren
Nutzung zugestanden wird. Diese Bestimmung kann aber insbesondere
R4.2021.00152 Seite 21
nicht im Rahmen einer Verhältnismässigkeitsprüfung dazu führen, dass von
einem im öffentlichen Interesse erkannten Schutzziel abgewichen wird mit
dem Argument, die Einschränkungen des Privaten seien in Abwägung mit
der gemäss Art. 24d Abs. 2 RPG zulässigen vollständigen Zweckänderung
unverhältnismässig. Art. 24d Abs. 2 RPG will mit anderen Worten den
Schutzwert einer Baute sichern und nicht etwa dazu dienen, das Schutzziel
zu schmälern (VB.2010.00614 vom 29. Juni 2011, E. 6.2).
Aufgrund des zu erhaltenden Situationswerts darf der Rekurrent das Ge-
bäude nicht abbrechen und er muss es ordnungsgemäss unterhalten. Die
Nutzung und bauliche Veränderungen sind zulässig, soweit sie das Schutz-
ziel nicht beeinträchtigen und im Rahmen der raumplanungsrechtlichen Vor-
schriften zulässig sind, namentlich Art. 16a und 24 ff. RPG. Es liegt im Er-
messen des Gemeinwesens, eine im öffentlichen Interesse liegende Schutz-
massnahme anzuordnen, auch wenn die dem Eigentümer des Schutzobjekts
auferlegten Unterhaltsverpflichtungen erheblich sind. Sind die dem Eigentü-
mer auferlegten Verpflichtungen unzumutbar, führt dies nicht zur Schmäle-
rung des Schutzzwecks aus Gründen der Verhältnismässigkeit. Vielmehr be-
stimmt § 207 Abs. 2 PBG, dass die Betreuung durch das anordnende Ge-
meinwesen zu übernehmen und vom Eigentümer zu dulden sei, wenn die
Anordnungen die allgemeine Pflicht des Eigentümers, sein Grundstück zu
unterhalten, in unzumutbarer Weise übersteigen (s. VB.2010.00614, E. 6.4).
Diese Regelung stellt sicher, dass die Unterschutzstellung keine unzumut-
baren finanziellen Verpflichtungen für den Eigentümer nach sich zieht und
damit verhältnismässig ist.
Der vorliegend betroffene Schutzvertrag lässt wie erwähnt Änderungen am
äusseren Erscheinungsbild zu, die im Konflikt zum Schutzzweck stehen. Da-
mit soll die Belichtung der vom Rekurrenten geplanten Wohnnutzung ermög-
licht werden. Aus dem oben Gesagten folgt indes, dass sich damit die
Schmälerung des Schutzzwecks nicht rechtfertigen lässt.
Soweit ergibt sich, dass der Rekurs in diesem Punkt abzuweisen ist, da sich
das Bauvorhaben mit Art. 24d Abs. 3 lit. b RPG, wonach die äussere Erschei-
nung und die bauliche Grundstruktur im Wesentlichen unverändert bleiben
muss, nicht vereinbaren lässt. Die angefochtene raumplanungsrechtliche
Bewilligung wurde somit bereits aus den genannten Gründen zu Recht ver-
weigert.
R4.2021.00152 Seite 22
7.1.
Der Rekurrent stellt sich auf den Standpunkt, er habe den Nachweis, dass
die dauernde Erhaltung der geschützten Bausubstanz einzig durch die Um-
nutzung, namentlich mit dem vollständigen Ausbau des Ökonomiegebäudes,
sichergestellt werden könne, mit Einreichung der Kostenermittlung und Ren-
diteberechnung sowie des Erläuterungsberichts vom 7. Juli 2020 zu den zu
erwartenden Renditemöglichkeiten (act. 5.4) rechtsgenügend erbracht.
Die Vorinstanz verkenne, dass unter dem Aspekt der Erforderlichkeit der
baulichen Massnahmen für den dauernden Erhalt des Schutzobjektes nicht
allein die Instandhaltungskosten massgeblich sein könnten. Für unzumutbar
hohe Instandhaltungskosten sehe § 207 Abs. 2 PBG zwar eine besondere
Regelung vor, es sei indessen nicht ersichtlich, inwiefern die Gemeinde in
eine Kostentragung eingebunden werden könnte, zumal die Kosten primär
dann unzumutbar seien, wenn die Liegenschaft zwar unterhalten, aber nicht
mehr adäquat genutzt werden könne. Bei der Beurteilung, welche Massnah-
men erforderlich seien, um das Objekt vor dem Zerfall zu bewahren, seien
daher sämtliche Kosten mitzuberücksichtigen, welche der Eigentümer oder
ein allfälliger Interessent aufzubringen habe, um die Baute einer zeitgemäs-
sen und wirtschaftlich sinnvollen Nutzung zuzuführen. Andernfalls entfalle
das Interesse, die Liegenschaft zu erhalten, bereits aus wirtschaftlichen
Gründen. Es sei sachlich nicht gerechtfertigt, die Erwerbskosten für das
Grundstück und sämtliche Baukosten (für die Erschliessung, die Umge-
bungsgestaltung und soweit erforderlich auch für den Rechtsmittelweg) aus-
ser Acht zu lassen. Der Erhalt und Unterhalt der Baute müsse eine minimale
Rendite erzielen lassen.
7.2.
Die Baudirektion lässt sich im Sinne der Erwägungen im angefochtenen Ent-
scheid vernehmen. Darüber hinaus bringt sie vor, die raumplanungsrechtli-
chen Rahmenbedingungen seien vor den individuellen Anspruch auf Rendite
bzw. den subjektiven Vorteil zu stellen. Es stelle sich die Frage, ob ein dau-
erhafter Erhalt des Schutzobjektes unter der heutigen Nutzung möglich sei.
Sei die ursprüngliche Nutzung eines Schutzobjektes oder Teilen davon nicht
mehr möglich, könne eine Umnutzung den Erhalt des Schutzobjektes sicher-
stellen. Grundsätzlich sei jedoch sogar bei zonenkonformen Um- und Aus-
bauten immer der Erhalt des spezifischen Schutzcharakters und der vorgän-
gig bestimmten schutzwürdigen Bauteile für das Projekt ausschlaggebend.
R4.2021.00152 Seite 23
Diesbezüglich müsse sogar hinsichtlich der Vereinbarkeit mit den denkmal-
pflegerischen Rahmenbedingungen ein gewisser wirtschaftlicher Minderwert
in Kauf genommen werden. Im vorliegenden Fall liege das kommunale
Schutzobjekt jedoch nicht in einer Wohnzone. Diesbezüglich könne folge-
richtig auch kein Minderwert aufgrund des nicht vollflächigen Ausbaus gel-
tend gemacht werden. Gewisse Faktoren der Berechnung seien für den
Nachweis des "reinen Unterhalts" des Schutzobjektes nicht von Belang, da
sich die Argumentation hinsichtlich Art. 24d RPG vielmehr darauf beziehe,
ob eine grundsätzlich neue Nutzung den Erhalt des Schutzobjektes sicher-
stelle. Dies sei zu bejahen, jedoch könne hierbei geltend gemacht werden,
dass die Ausnützungsziffer in Bezug auf den Erhalt des Schutzobjektes und
dessen Charakters sehr wohl eine beträchtliche Rolle spielen könne. Dies
sei auch beim vorliegenden Projekt dargelegt worden.
7.3.
Der Gemeinderat führt aus, die Überlegungen der Baudirektion zum Tatbe-
stand von Art. 24d RPG seien nicht schlüssig resp. nicht einzelfallgerecht.
So referenziere sie in der angefochtenen Verfügung auf die Bestimmung von
§ 207 Abs. 2 PBG, um eine Kostenübernahme des zuständigen Gemeinwe-
sens zu begründen, obwohl die erwähnte Bestimmung vorliegend nicht ein-
schlägig sei, zumal im projektbezogenen Schutzvertrag eine abweichende
Vereinbarung des öffentlichen Rechts getroffen worden sei.
7.4.1.
Art. 24d Abs. 2 RPG erlaubt eine Zweckänderung von Schutzobjekten nur
insoweit, als es für die dauernde Erhaltung des Objekts unumgänglich ist
(lit. b). Damit soll einem Schutzobjekt ökonomisch der Weiterbestand ermög-
licht werden (Muggli, Art. 24d Rz. 6 und 25). Eine "vollständige" Zweckände-
rung ist nicht zwingend, kann aber unter Umständen für eine wirtschaftlich
sinnvolle Nutzung erforderlich und diesfalls zulässig sein. Sodann be-
schränkt sich die Möglichkeit zur Zweckänderung nicht auf die Wohnnut-
zung; denkbar sind auch andere geeignete Nutzungen.
Der Rekurrent legt eine Berechnung vor, in der den Investitionen (Baukosten
zuzüglich Eigenkapital bzw. Wert des Grundstücks) die zu erwartenden Mie-
terträge gegenübergestellt werden und eine Rendite ermittelt wird. Demge-
mäss wird die angestrebte Rendite von 2,5 % erst mit der vollständigen Aus-
nützung des Gebäudes mit sieben Wohneinheiten erreicht. Es müsse eine
R4.2021.00152 Seite 24
"gewisse, minimale Marge" einkalkuliert werden, damit die erforderlichen Sa-
nierungsarbeiten wirtschaftlich tragbar seien. Der angenommene Richtwert
von mindestens 2,5 % sei erforderlich, damit eine Bank oder ein institutionel-
ler Anleger sich überhaupt bereit erkläre, die Finanzierung mitzutragen. Üb-
lich wäre eine Rendite von 3,0 % bis 3,5 % bei privaten Investoren. Die Ban-
ken müssten bei der Vergabe von Hypotheken von Gesetzes wegen mit ei-
ner Rendite von 5 % rechnen (act. 25.12, Rz. 20).
7.4.2.
Zu prüfen ist die Wirtschaftlichkeit der Nutzung des streitbetroffenen Gebäu-
des nach der geplanten Sanierung. Anhand der vorgelegten Berechnung
lässt sich dies nicht beurteilen, denn es fehlen Angaben zu den erwarteten
Kosten für den Betrieb und den laufenden Unterhalt (inkl. Rücklagen für Re-
novationen) des Gebäudes und für das eingesetzte Kapital. Der Rekurrent
zeigt nicht auf, inwieweit die Kosten erst mit der von ihm angestrebten
(Brutto-)Rendite von 2,5 % gedeckt sind. Damit scheitert der Nachweis, dass
eine ökonomisch sinnvolle Nutzung die besagte Rendite bedingt. Zu verlan-
gen ist eine Kosten-/Ertragsberechnung, die die Wirtschaftlichkeit der ge-
planten Nutzung aufzeigt.
Die Ausnahmebewilligung nach Art. 24d Abs. 2 RPG hat sodann nicht zum
Ziel, dem Eigentümer mit der zonenwidrigen Nutzung des Schutzobjekts eine
Rendite des (u.a. für die Instandsetzung) eingesetzten Kapitals zu ermögli-
chen, wie sie bei bestmöglicher Ausnützung in einer Bauzone erwartet wer-
den dürfte; mithin ist bei den Renditeerwartungen nicht von einer Nutzung
auszugehen, wie sie ohne denkmalschutzrechtliche Beschränkungen in ei-
ner Bauzone möglich wäre. Vielmehr gilt es lediglich, den Weiterbestand des
Schutzobjekts mit einer ökonomisch sinnvollen Nutzung zu ermöglichen
(Muggli, Art. 24d Rz. 6 und 25). Diese ist dann gegeben, wenn die Kosten,
gedeckt sind (u.a. laufende Betriebskosten, Unterhalt inkl. Rücklagen für Re-
novationen, Fremdkapitalkosten) und ein angemessener Ertrag für die ein-
gesetzten eigenen Mittel verbleibt. Damit ist es dem Eigentümer möglich,
sein zonenwidriges Gebäude im Rahmen der ihm zugestandenen Bestan-
desgarantie bzw. der denkmalpflegerischen Schutzmassnahmen weiterhin
zu Nutzen und zu erhalten.
Übersteigen die Unterhaltskosten für ein Schutzobjekt dennoch das dem Ei-
gentümer zumutbare Mass, namentlich wenn die Schutzmassnahmen keine
R4.2021.00152 Seite 25
wirtschaftliche Nutzung zulassen, greift wie bereits erwähnt die Bestimmung
von § 207 Abs. 2 PBG, wonach das Gemeinwesen, das die Schutzmass-
nahme angeordnet hat, zur Übernahme der Kosten verpflichtet ist.
7.4.3.
Im Übrigen ist die Herleitung der Ziel-Rendite von 2,5 % nicht nachvollzieh-
bar. Die Kreditvergabe hängt nicht von einer Rendite im hier vorgebrachten
Sinn ab, wovon der Rekurrent auszugehen scheint. Massgebend sind na-
mentlich die Tragbarkeit (bei Renditeobjekten der Liegenschaftsertrag abzü-
glich Unterhaltskosten und Amortisationen), der Eigenmittelanteil des
Schuldners und der Wert der als Sicherheit dienenden Liegenschaft. Die vom
Rekurrenten genannte "Rendite" von 5 % bei der Vergabe von Hypotheken
betrifft die Tragbarkeitsberechnung, bei der vorsichtshalber üblicherweise
mit einem hypothetisch möglichen Hypothekarzinssatz von 5 % gerechnet
wird. Es handelt sich nicht um die Renditeerwartung an die finanzierte Lie-
genschaft.
Weiter erscheint in der Renditeberechnung zweifelhaft, ob das Grundstück
mit einem Wert von Fr. 1'000'000.-- eingesetzt werden kann. Dies entspre-
che dem Grundstückspreis, den sich der Rekurrent im Rahmen der Erbtei-
lung habe anrechnen lassen (act. 5.4 und 25.12, Rz. 24). Dieser Wert kann
indes nicht unbesehen übernommen werden. Mit einer Fläche von 7'722 m2
geht das in der Landwirtschaftszone gelegene Grundstück weit über einen
angemessenen Umschwung des streitbetroffenen Gebäudes hinaus. Aus-
serdem erscheint fraglich, ob dieser Wert dem eingeschränkten Ertragspo-
tential, das für die Bewertung entscheidend ist, Rechnung trägt.
Schliesslich ist anzumerken, dass der Gesetzgeber in Art. 24c Abs. 2 RPG
bezüglich landwirtschaftlicher Wohnbauten mit angebautem Ökonomieteil
davon ausgeht, dass mit der gemäss Art. 42 Abs. 3 RPV beschränkt mögli-
chen Erweiterung der Bruttogeschossfläche und Brutto-Nebenfläche im
Sinne des Bestandesschutzes ein wirtschaftlich sinnvoller Weiterbestand
solcher Bauten möglich ist. Im Lichte dieser Vorschrift erscheint es im vorlie-
genden Fall in Anwendung von Art. 24d Abs. 2 RPG von vornherein nicht
plausibel, dass die Wirtschaftlichkeit erst mit einer massiven und maximalen
Nutzungsintensivierung gegeben sein soll. Dies zumal die mit der Unter-
schutzstellung verbundenen Mehrkosten nicht derart erheblich zu Buche
R4.2021.00152 Seite 26
schlagen und der Rekurrent noch vor der Unterschutzstellung eine Ge-
samtsanierung (und keinen Neubau im Sinne von Art. 24c Abs. 2 RPG) ge-
plant hatte (act. 25.12, Rz. 5).
Nach dem Gesagten ist nicht erwiesen und muss ernsthaft bezweifelt wer-
den, dass die Erhaltung des streitbetroffenen Gebäudes nicht anders sicher-
gestellt werden kann, als mit dem geplanten vollständigen Ausbau.
8.
Bei diesem Ergebnis ist auf die weitere Rüge des Rekurrenten betreffend die
Erschliessungssituation nicht mehr einzugehen.
9.