# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5b1cf466-6b28-4aa0-89a8-9b07456b145b
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A.1. Aus der 1974 geschlossenen Ehe von Y., geb. 1942, und der kanadischen Staatsangehörigen A., geb. 1953, ging am 4. März 1979 der Sohn X., hervor, welcher am Down-Syndrom (Trisomie 21) leidet. Nachdem die Familie zunächst an verschiedenen Orten in der Schweiz gelebt hatte, wanderte sie 1991 nach Kanada aus, weil X. dort ab diesem Zeitpunkt trotz seiner Behinderung in die öffentliche Volksschule integriert werden konnte. Im Juli 1995 trennte sich A. von ihrem Ehemann und kehrte in der Folge in die Schweiz zurück, um in F. eine Stelle beim Schweizer Blinden- und Sehbehindertenverband anzutreten. In Bezug auf ihren Sohn X. einigten sich die Eheleute auf das gemeinsame Sorgerecht, wobei X. gemäss Trennungsvereinbarung bei seinem Vater in British Columbia/Kanada blieb. X. und seine Mutter sahen sich in der Folge jeweils in deren Ferien, welche A. gemeinsam mit ihrem Sohn in Kanada verbrachte.
2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Imboden vom 19. August 1998 wurde die Ehe von Y. und A. geschieden. Auf eine Regelung der elterlichen Sorge und des Kindesunterhaltes wurde dabei verzichtet, da X. zum damaligen Zeitpunkt sowohl nach schweizerischem als auch nach kanadischem Recht bereits mündig war. Überdies hatte Y. in Aussicht gestellt, die Fragen betreffend Sorge und Unterhalt für seinen Sohn X. von den zuständigen Behörden an dessen Aufenthaltsort in Kanada prüfen zu lassen.
B.1. Da das vereinbarte gemeinsame Sorgerecht nicht funktionierte, reichte A. im Jahre 2000 in Kanada Klage ein, um das alleinige Sorgerecht für ihren Sohn X. zu erhalten. Mit Urteil vom 22. November 2000 stellte die Einzelrichterin am Supreme Court of British Columbia daraufhin fest, dass X. ein Kind der Ehe der Parteien (a child of the marriage) sei und übertrug die alleinige Obhut und die alleinige Sorge (sole custody und sole guardianship) über den jungen Mann dem Beklagten Y.. Ein Begehren des Vaters um Zusprechung von Unterhaltsbeiträgen für den Sohn zulasten der Mutter wurde abgewiesen. Der klagenden Mutter wurde ein Besuchs- und Ferienrecht (access) für jedes zweite Jahr vom 20. Dezember bis 10. Januar und jedes Jahr für den ganzen Monat Juli eingeräumt, wobei ihr erlaubt wurde, den Sohn auf eigene Kosten in die Schweiz zu holen. Eine dagegen erhobene Berufung liess A. am 25. Januar 2001 zurückziehen.
2. In Ausübung des vorerwähnten Besuchs- und Ferienrechts reiste X. am 20. Dezember 2002 zu seiner Mutter nach F.. Aufgrund eigener gesundheitlicher Probleme ersuchte Y. seine Ex-Ehefrau am 23. und 29.
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Dezember 2002 die Ferien von X. in der Schweiz über den 10. Januar 2003 hinaus zu verlängern.
Einerseits aus finanziellen und organisatorischen Gründen und andererseits, weil sie nicht gegen die in Kanada angeordnete richterliche Sorgerechts- und Obhutsregelung verstossen wollte, lehnte A. dies zunächst ab. Soweit es ihm - dem Vater - aber aus gesundheitlichen Gründen tatsächlich nicht möglich sei, X. in Kanada vom Flughafen abzuholen und dort für ihn zu sorgen, sei sie selbstverständlich bereit, ihren Sohn weiterhin bei sich in der Schweiz zu behalten. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass dies dauernd (indefinitely) sei und die Parteien eine entsprechende schriftliche Übereinkunft träfen, welche zur Abänderung der richterlichen Anordnung in British Columbia führe. Y. bestätigte in der Folge, dass er im Moment nicht in der Lage sei, seinen Sohn zu betreuen. Einen Tag später teilte er mit, dass er ins Spital eingeliefert werde.
3. In der Folge blieb X. bei seiner Mutter in F., womit seine dortige soziale und berufliche Integration begann. Er wurde bei der Einwohnerkontrolle in F. angemeldet, bezieht mittlerweile eine Invalidenrente und arbeitet jeweils Montags auf dem Bauernhof C. in D. sowie vier Tage in der Woche bei der ARGO Stiftung, Bündnerische Werkstätten für Behinderte, in F.. Darüber hinaus geht er regelmässig einer auf ihn abgestimmten Freizeitbeschäftigung nach. So betätigt er sich in seiner Freizeit im MiMe-Theaterverein und im Freizeitclub Insieme. Zudem besucht X. einmal in der Woche den Schwimmclub und nimmt zusätzlich Trommelunterricht. Überdies nimmt er regelmässig an organisierten Ferienwochen für Behinderte teil.
4. Am 25. Juli 2003 teilte Y. seiner Ex-Ehefrau mit, dass X. am 8. August 2003 in Begleitung seiner Tante zurück nach Kanada fliegen solle. Sein Arzt habe ihm bestätigt, dass er nunmehr wieder in der Lage sei, sich um seinen Sohn zu kümmern. Am 6. August 2003 antwortete ihm A., sie und X. seien erst zwei Tage zuvor aus den Ferien zurückgekehrt. Die verbleibenden vier Tage würden nicht ausreichen, um X. auf seine Rückkehr nach Kanada vorzubereiten. Er benötige mehr Zeit, um sich von seinen neugewonnenen Freunden zu verabschieden und aus seinem beruflichen Engagement entlassen zu werden.
In der Folge verlangte Y. wiederholt die sofortige Rückkehr seines Sohnes nach Kanada.
C.1. Am 8. August 2003 liess A. gestützt auf Art. 311 ZGB/Art. 42 Abs. 1 EGZGB beim Bezirksgerichtsausschuss Plessur als I. Aufsichtsbehörde in
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Vormundschaftssachen beantragen, es sei ihr in Abänderung des kanadischen Urteils vom 22. November 2000 die alleinige elterliche Sorge und Obhut über den gemeinsamen Sohn X., geb. 4. März 1979, zu übertragen. Demgegenüber schloss Y. in seiner Stellungnahme vom 15. Dezember 2003 auf Abweisung des Gesuchs und beantragte sinngemäss, das vorgenannte kanadische Urteil für vollstreckbar zu erklären.
2. Mit Urteil vom 5. März 2004, mitgeteilt am 18. März 2004, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Plessur als I. Aufsichtsbehörde in Vormundschaftssachen zur Hauptsache wie folgt:
"1. Die örtliche Zuständigkeit der Behörden und Gerichte am Aufenthaltsort von X. in F. ist gegeben.
2. Die anhängigen Gesuche werden nach Eintritt der Rechtskraft des vorliegenden Urteils an die erstinstanzlich zuständige Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur und an das Bezirksgerichtspräsidium Plessur überwiesen.
3. Kosten...“
3. Eine von Y. am 29. März 2004 dagegen erhobene Beschwerde hiess der Kantonsgerichtsausschuss von Graubünden mit Urteil vom 7. Juni 2004 teilweise gut und hob die Dispositivziffern 1 und 2 auf. Auf die Gesuche von A. und von Y. an den Bezirksgerichtsausschuss Plessur wurde nicht eingetreten. Der Bezirksgerichtsausschuss Plessur wurde angewiesen, das Gesuch von A. betreffend Abänderung des Urteils des Supreme Court of British Columbia vom 22. November 2000 an die Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur und das Gesuch von Y. betreffend die Vollstreckbarerklärung des Urteils des Supreme Court of British Columbia vom 22. November 2000 an den Bezirksgerichtspräsidenten Plessur zu überweisen.
4. Mit Verfügung vom 21. Dezember 2004 erklärte das Bezirksgerichtspräsidium Plessur das Urteil des Supreme Court of British Columbia vom 22. November 2000 für vollstreckbar. Eine von A. am 11. Januar 2005 dagegen erhobene Beschwerde wies das Kantonsgerichtspräsidium mit Urteil vom 20. April 2005 ab.
5. Mit Beschluss vom 8. Februar 2005 lehnte die Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur das Gesuch der Mutter um Übertragung der erstreckten elterlichen Sorge über X. ab. Eine von A. am 7. März 2005 hiergegen erhobene Beschwerde hiess der Bezirksgerichtsausschuss Plessur mit Urteil vom 5. Juli 2005 im Sinne der Erwägungen gut und wies die
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Sache zur Vervollständigung der Sachverhaltsabklärung an die Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur zurück. Diese errichtete am 18. Juli 2006 eine Beistandschaft im Sinne von Art. 392 Ziff. 2 ZGB für X.. Als Beistand wurde Rechtsanwalt Dr. iur. Jean-Pierre Menge eingesetzt.
6. Nach Ergänzung des Beweisverfahrens beschloss die Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur am 20. Februar 2007:
„1. Das Gesuch von A. um Übertragung des erstreckten elterlichen Sorgerechts über X. in Abänderung des Urteils des Supreme Court of British Columbia vom 22.11.2000 wird abgelehnt.
2. Die Kosten des Abklärungsberichtes vom 28.09.2006 in Höhe von Fr. 1'200.00 sowie die Aufwendungen des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes Graubünden in Höhe von Fr. 128.00 (insgesamt Fr. 1'328.00) gehen zulasten von A. und sind innert 30 Tagen nach Zustellung an die Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur, PC 70-147-2, zu überweisen.
3. Die behördlichen Aufwendungen in Zusammenhang mit vorliegendem Beschluss in Höhe von Fr. 1’000.00 sowie diejenigen der Beschlüsse vom 05.04.2005 und 18.07.2006 in Höhe von je Fr. 200.00 (insgesamt Fr. 1'400.00) gehen zulasten von A. und sind innert 30 Tagen nach Zustellung an die Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur, PC -2, zu überweisen.

## Considerations