# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 38b71209-a64e-44b8-aead-c5984cd82fd4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1955, meldete sich erstmals am 27. Dezember 2005
unter Hinweis auf
eine beidseitige Schwerhörigkeit bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/1 Ziff. 7.2). Die Sozialversicherungs
an
stalt des Kantons Y._, IV-Stelle, erteilte in der Folge mit Verfügung vom 27. April 2007 Kostengutsprache für ein Hörgerät (Urk. 10/29).
Am 10. November 2006 meldete sich der Versicherte erneut unter Hinweis auf Gelenkprobleme und Allergien bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an (Urk. 10/8 Ziff. 7.2). Mit Verfügung vom 17. Juni 2008 verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Y._, IV-Stelle, einen An
spruch auf eine Invalidenrente (Urk. 10/48).
1.2
Am 8. Oktober 2015 erfolgte die Meldung zur Früherfassung bei der Invaliden
versicherung (Urk. 10/55). Nach einem Gespräch mit einer Fachperson der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (Urk. 10/60), meldete sich der Versicherte am 9. November 2015 zum Leistungsbezug an (Urk. 10/63). Die IV-Stelle tätigte in der Folge erwerbliche (Urk. 10/66) und medizinische (Urk. 10/71, Urk. 10/81) Abklärungen und verneinte nach durchgeführtem Vor
bescheidverfahren (Urk. 10/84, Urk. 10/89) mit Verfügung vom 27. Oktober 2016
einen Rentenanspruch des Versicherten (Urk. 10/93 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
27. November 2016
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 27. Oktober 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von mindestens 50 % eine ent
sprechende Invalidenrente zu entrichten, eventuell sei die Sache zur Neubeur-teilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-2). Mit Beschwerdeantwort vom 23. Januar 2017 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 10. Februar 2017 mitgeteilt wurde (Urk. 11). Gleichzeitig wurden antragsgemäss (Urk. 1 S. 2 Ziff. 3) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt (Urk. 11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
In formeller Hinsicht rügt der Beschwerdeführer die Verletzung des rechtlichen Gehörs. Er macht geltend, weder die Anfrage an den Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom 7. April 2016 noch der entsprechende Bericht liege bei den
Akten, wodurch das rechtliche Gehör schwer verletzt worden sei (Urk. 1 S. 8 f
. Ziff. 23).
Aus den Akten ist ersichtlich, dass der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 26. Mai 2016 das Vertretungs
ver
hältnis bekanntgab (Urk. 10/86) und die Beschwerdegegnerin ihm in der Folge am 3. Juni 2016 die bis dahin vorhandenen IV-Akten (Urk. 10/1-87) zustellte (Urk. 10/88). Im Feststellungsblatt vom 10. Mai 2016 (Urk. 10/83) findet sich die Anfrage an den RAD vom 7. April 2016 (S. 2) sowie dessen Stellungnahme vom 12. April 2016 (S. 3 f.). Nachdem der Beschwerdeführer nicht geltend machte, das Feststellungsblatt vom 10. Mai 2016 beziehungsweise Urk. 10/83 habe bei den ihm zugestellten Akten gefehlt, ist davon auszugehen, dass dem Beschwer
deführer die Akten und insbesondere auch Urk. 10/83 vollständig vorlagen. Im Übrigen fusst die Stellungnahme des RAD vom 12. April 2016 auf den bis dahin vorgelegenen Arztberichten und enthält keine wesentlichen neuen Angaben. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs ist demnach zu verneinen.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die
Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver-gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Inva
lidi
tätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
ver
gleichs;
BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 27. Okto
be
r 2016 (Urk. 2) aus, eine angepasste, körperlich leichte Tätigkeit mit wechs
elnder Körperhaltung (alternierend sitzend, stehend, gehend) sei dem Beschwer
deführer zu 100 % zumutbar. Der Bericht von Dr. Z._ könne nicht be
rücksichtigt werden, da er sich nicht mit den Berichten von Dr. A._ auseinandersetze und keine Befunde einbringe, die den Bericht von Dr. A._ widerlegen könnten. Insgesamt ergebe sich nach Durchführung eines Einkommensvergleiches ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 10 % (S. 2).
3.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend (Urk. 1), die Annahme der Beschwerdegegnerin, dass eine angepasste, körperlich leichte Tätigkeit mit wechselnder Körperhaltung zu 100 % zumutbar sei, finde in den medizinischen Akten keine Bestätigung. Namentlich Dr. Z._ gelange zum Schluss, dass ihm auch in einer behinderungsangepassten Tätigkeit eine Restarbeitsfähigkeit von höchstens 50 % verbleibe (S. 8 Ziff. 22). Betreffend Zumutbarkeit sei den Akten lediglich das von Dr. Z._ erstellte Zumutbarkeitsprofil zu entneh
men, gemäss welchem eine ganztägige Tätigkeit auch in einer körperlich leichten Arbeit nicht möglich sei und er höchstens zu 50 % eine Leistung erbringen könne. Es seien schlicht keine Jobs erkennbar, welche ausbildungs
technisch, intellektuell sowie körperlich realistischerweise in Frage kommen würden (S. 9 Ziff. 24). Die Feststellungen von Dr. Z._ seien glaubwürdig und schlüssig. Würden die Berichte von Dr. Z._ ernsthaft angezweifelt, sei zwingend ein umfassendes, aktuelles Gutachten in Auftrag zu geben. Dies umso mehr, als sich sein Gesundheitszustand sowohl gemäss Dr. Z._ als auch gemäss dem internen Bericht der Beschwerdegegnerin verschlechtert habe. Die entscheidrelevanten Akten in psychiatrischer Hinsicht seien zudem dürftig beziehungsweise inexistent (S. 10 Ziff. 26). Die psychiatrische Erkrankung sei spätestens seit dem 28. Januar 2008 bekannt, als Dr. B._ eine leichte depressive Episode diagnostiziert habe. Die Beschwerdegegnerin habe in der an
gefochtenen Verfügung lapidar vorgebracht, die von Dr. Z._ aufge
führ
ten psychosozialen Faktoren seien invalidenversicherungsrechtlich nicht relevant.
Genau diese psychosozialen Faktoren seien jedoch in der Verfügung vom 17. Juni
2008 als relevant erachtet worden und hätten einen Invaliditätsgrad von 24 % begründet (S. 10 f. Ziff. 27). Bezüglich des Einkommensvergleiches machte er sodann geltend, die Beschwerdegegnerin sei bei der Berechnung des Invaliden
ein
kommens vom Kompetenzniveau 1 ausgegangen, welches für intellektuell
einfache Tätigkeit körperlicher oder handwerklicher Art anwendbar sei. Bezeich
nenderweise seien ihm diese Tätigkeiten jedoch gesundheitsbedingt gerade nicht zumutbar (S. 7 Ziff. 20). Zudem sei ein Maximalabzug von 25 % vorzunehmen (S. 8 Ziff. 21).
3.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers.
4.
4.1
Im Rahmen der erstmaligen Rentenprüfung wurde der Beschwerdeführer im
Auf
trag der IV-Stelle des Kantons
Y._
rheumatologisch begutach
t
et. Dr. med. C._, Facharzt für Rheumatologie, nannte in seinem Gut
achten vom 26. Februar 2007 im Wesentlichen folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/23 S. 9 Ziff. IV.a):
-
hoher Verdacht auf seronegative Spondylarthropathie
-
Verdacht auf Kontaktallergie im Bereich der Hände
Die Kernfrage, ob eine entzündliche Erkrankung im Sinne einer seronegativen Spondylarthropathie vorliege, sei nicht so einfach zu beantworten. Im Szinti
gramm sei eine deutliche Anreicherung an den Fersenansatzstellen der Achilles
sehnen nachgewiesen worden. Ein nachgewiesener Uptake im Bereich des linke
n Iliosakralgelenks habe sich im MRT als degenerativ erwiesen, so dass von einer ISG-Arthrose oder einem Zustand nach ausgebrannter ISG-Arthritis ausge
gangen werden müsse (S. 11 unten). Insgesamt scheine eine seronegative Spon
dylarthritis suggestiv, sie könne aber auch nicht bewiesen werden. Unüberseh
bar seien aber auch diverse Zeichen einer Überlagerung vorhanden. Diverse Befunde im Status könnten nicht mit letzter Sicherheit völlig erklärt werden,
sodass diverse Schmerzzonen als Weichteilsymptomatik gesehen werden müssten
, im Sinne einer zusätzlichen Schmerzmanifestation bei psychogener Belastungs
situation bei nicht einfacher psychosozialer Situation (S. 12). Eine körperliche Schwerarbeit wie auch eine Reinigungstätigkeit, bei welcher er sich repetitiv immer wieder bücken müsse, sei nicht mehr zumutbar. Zumutbar sei eine Tätigkeit, bei welcher der Beschwerdeführer Gewichte über 7.5 kg weder heben, stossen oder ziehen müsse, nicht nur gehen und bei welcher er keine Über
kopfarbeiten ausführen müsse. Seien diese Einschränkungen berücksichtigt, sei ihm eine Tätigkeit ganztags zumutbar. Die derzeitig geleistete Tätigkeit in einem Internet-Café sei an und für sich ideal (S. 12 f. lit. c). Die organische Problematik dürfte überlagert sein durch eine zusätzliche psychosozial nicht einfache Situation, was wahrscheinlich dazu führe, dass der Beschwerdeführer seine Beschwerden vermehrt wahrnehme und empfinde. Für eine zusätzlich
psychogene Problematik spreche, dass eigentlich sämtliche durchgeführten The
ra
pie
massnahmen zu keinerlei Besserung geführt hätten, dies sei organisch so nicht zu erklären (S. 13 f. Ziff. VII.a).
4.2
Am 13. Dezember 2007 sowie 10. Januar 2008 wurde der Beschwerdeführer im Auftrag der IV-Stelle des Kantons Y._ durch Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, begutachtet. In seinem Gutachten vom 28. Januar 2008 (Urk. 10/41) diagnostizierte Dr. B._ eine leichte depressive Episode (S. 9 Ziff. 4). Der Beschwerdeführer zeige ein leichtgradig ausgeprägtes depressives Zustandsbild, im Affekt sei er leicht deprimiert und der Antrieb sei nur leicht vermindert. Dennoch sei es ihm gut möglich, seinen Alltag zu strukturieren und soziale Kontakte zu pflegen. Die Schilderungen des Beschwerdeführers, wie er den Tag verbringe, würden den Schilderungen seiner Beschwerden widersprechen. Den Beschwerden nach wäre er nicht in der Lage, längere Strecken zu laufen. Dennoch befinde er sich mehrere Stunden ausser Haus, um spazieren zu gehen, einzukaufen und Kolle
gen zu treffen. Auch habe er sich während der Untersuchung weitgehend beschwerdefrei bewegt (S. 10 Ziff. 5.3). Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von maximal 10 bis 20 %. Es sei dem Beschwerdeführer zuzumuten, trotz der situationsbedingten, weitgehend bewe
gungs
unab
hängigen verstärkten Schmerzwahrnehmung einer Arbeitstätigkeit nachzugehen. Die Bescheinigung einer Arbeitsunfähigkeit würde aus rein psy-chiatrischer Sicht den Beschwerdeführer in seiner schmerzfehlverarbeitenden Haltung eher bestärken (S. 11 Ziff. 5.4).
4.3
Nach einer radiologischen Untersuchung in der
D._
hielten
die Ärzte in ihrem Bericht vom 16. Juni 2015 (Urk. 10/71/15-16) fest, es be
stünden eine mehrsegmentale überbrückende ventrale Spondylose der Brust-wirbel
säule (BWS) sowie ossäre Spangen kranial an beiden Iliosakralgelenken. Die Befunde würden zu einer diffusen idiopathischen skelettalen Hyperostose (DISH) passen. Zudem liege eine mehrsegmentale Degeneration der Halswirbel
säule (HWS) mit Spinalkanalstenosen vor, was jedoch mit dem vorliegenden MRI-Protokoll nicht weiter klassifiziert werden könne. Auch an der restlichen Wirbelsäule fänden sich einzelne degenerative Veränderungen. Es gebe keinen Nachweis einer entzündlichen Spondylarthropathie und keine ISG-Arthritis (S. 2).
4.4
In seinem Bericht vom 8. Juli 2015 (Urk. 10/71/12-14) nannte Dr. med. A._, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine Innere Medizin, im Wesentlichen folgende Diagnosen (S. 1):
-
PHS tendopathica rechts, derzeit nur diskret auch links
-
belastungsabhängiges Lumbovertebralsyndrom
-
belastungsabhängige Kniearthralgien beidseits
-
Diabetes mellitus II
-
chronisches Handekzem beidseits
-
Gehörverminderung Ohr rechts
Gemäss eigenen Angaben leide der Beschwerdeführer seit rund zehn Jahren unter belastungsabhängigen Schulterschmerzen beidseits, Knieschmerzen beid
seits sowie lumbal betonten Rückenschmerzen. Aktuell gebe es weder anam
nestisch, klinisch noch im Labor oder radiologisch Anhaltspunkte für das Vor-liegen einer seronegativen Spondarthropathie oder einer anderen entzündlichen systemischen rheumatologischen Erkrankung. Die Beschwerden beruhten auf
altersentsprechenden degenerativen Veränderungen, wobei die Schmerzen durch
die infolge Langzeitarbeitslosigkeit begünstigte muskuläre Dekonditionierung ver
stärkt würden. Es werde daher dringend die Durchführung einer die Rücken
muskulatur kräftigende Heimgymnastik und die Aufnahme einer sportlichen Aktivität empfohlen. Aus rein rheumatologischer Sicht bestehe aufgrund der
altersentsprechenden bildgebenden Befunde im Bereich des Bewegungsappa
rates
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer körperlich leichten beruf
lichen Tätigkeit mit wechselnder Körperhaltung (alternierend sitzende, stehende, gehende Tätigkeit). Bei Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit müsse jedoch die aktuelle Dekonditionierung mitberücksichtigt werden und allenfalls eine schrittweise Wiederaufnahme geplant werden (S. 3).
4.5
Dr. med. Z._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, nannte in seinem Bericht vom 8. Dezember 2015 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/71/1-5 Ziff. 1.1):
-
AC Arthrose Schulter rechts, Tendinitis Supraspinatussehne rechts
-
chronisches Lumbovertebralsyndrom bei linkskonvexer Lumbalskoliose, Spondylarthrose, Spondylose, Diskopathien der LWS
-
chronischer Meniskusriss Knie rechts
-
DISH BWS/HWS
Seit dem 13. April 2015 bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % für die bis
herige Tätigkeit in der Reinigung (Ziff. 1.6). Es bestünden Bewegungsein
schrän
kungen in der rechten Schulter und der Wirbelsäule sowie Schmerzen im rechten Knie. Bei belastenden Tätigkeiten komme es zu Schmerzen im rechten Arm, im Rücken sowie im rechten Knie. Die Tätigkeit in der Reinigung sei in diesem Sinne nicht geeignet und nicht mehr zumutbar. Auch in einer leichten Tätigkeit (Büro, Administration) sei nur ein Pensum von 50 % möglich. Auf
grund der Sprachkenntnisse sei die Umschulung vermutlich schwierig (Ziff. 1.7). Eine solche Tätigkeit könne per sofort in einem Pensum von 50 % aufge
nommen werden (Ziff. 1.9).
4.6
Nach einer AC-Gelenksinfiltration rechts im Muskulo-Skelettal Zentrum der E._ nannten die Ärzte in ihrem Bericht vom 11. Januar 2016 (Urk. 10/81/8-9) folgende Diagnosen (S. 1):
-
symptomatische AC-Gelenksarthrose rechts
-
Zustand nach AC-Gelenksinfiltration vom 26. November 2015
-
subacromiales Impingement rechts
-
Zustand nach zweimaliger subacromialer Infiltration ausserhäuslich
Der Beschwerdeführer gebe eine Besserung von ungefähr 50-60 % an. Insge
samt komme er mit der aktuellen Situation zurecht, eine mögliche operative Versorgung komme für ihn aktuell nicht in Frage (Urk. 10/81/8-9).
4.7
Dr. Z._ führte in seinem Bericht vom 5. April 2016 (Urk. 10/81/1-3) bei im Wesentlichen unveränderten Diagnosen (Ziff. 1.1) aus, die Befunde seien statio
när, es sei eher zu einer Verschlechterung gekommen (Ziff. 1.3). Sowohl die bisherige Tätigkeit als auch eine den Beeinträchtigungen angepasste Tätigkeit könne dem Beschwerdeführer im Umfang von 50 % zugemutet werden. Der Beschwerdeführer selber fühle sich derzeit vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 2.1).
4.8
Dr. med. F._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie, RAD, führte am 12. April 2016 aus, es bestünden im Wesentlichen folgen
de Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 10/83 S. 3):
-
PHS tendopathica rechts, derzeit nur diskret auch links
-
belastungsabhängiges Lumbovertebralsyndrom
-
belastungsabhängige Kniearthralgien beidseits
Ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden folgende Diag
nosen (S. 3):
-
Diabetes mellitus II
-
arterielle Hypertonie
-
Dyslipidämie
-
chronisches Handekzem beidseits
-
Gehörverminderung Ohr rechts
-
Status nach Calcaneusschmerz links
-
Status nach leichter depressiver Episode
In Bezug auf die bisherigen Hilfstätigkeiten als Kioskmitarbeiter, Buffet
mit
arbeiter und Küchenhilfe sei der Beschwerdeführer dahingehend eingeschränkt, dass ihm keine schweren oder mittelschweren Tätigkeiten zugemutet werden könnten. In einer körperlich leichten Tätigkeit mit wechselnder Körperhaltung (alternierend sitzende, stehende und gehende Tätigkeit) bestehe keine Ein
schränkung, es habe durchgehend keine Arbeitsunfähigkeit bestanden. Im Laufe
des Alterungsprozesses würden die Verschleissvorgänge physiologischerweise no
ch zunehmen. Es sei nicht davon auszugehen, dass weitere medizinische
Mass
nahmen zu einer relevanten Reduktion der Arbeitsunfähigkeit führten (S. 3).
5.
5.1
Bezüglich der somatischen Beschwerden stützt sich der Beschwerdeführer insbe-sondere auf die Angaben von Dr. Z._, welcher sowohl für die bisherige Tätigkeit als auch eine körperlich leichte Tätigkeit von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % ausging (vgl. E. 4.5, E. 4.7). Bei der Beurteilung durch Dr. Z._ fällt jedoch auf, dass dieser trotz Kenntnis der anderslautenden Einschätzung der Arbeitsfähigkeit durch mehrere Ärzte in seinen Berichten keine nach
voll
ziehbare oder mit Befunden belegte Begründung dafür anführt, dass er dem
Beschwerdeführer auch eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit ni
cht in einem höheren Pensum zumutet als die körperlich mittelschweren Tätigkeiten ohne Möglichkeiten zur Wechselbelastung in der Reinigung, als Küchenhilfe oder als Kioskverkäufer. Ebenso führte er auch nicht näher aus, weshalb er trotz der vom Beschwerdeführer selber beschriebenen Besserung um 50 bis 60 % nach den AC-Gelenksinfiltrationen in der E._ (vgl. E. 4.6) von einer unveränderten Situation beziehungsweise eher einer Verschlechterung ausging (E. 4.7). Insgesamt vermögen die Berichte von Dr. Z._ damit nicht zu überzeugen.
Demgegenüber ging der Rheumatologe Dr. A._ - wie im Jahre 2007 bereits der rheumatologische Gutachter Dr. C._ - von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten, körperlich leichten und wechselbelastenden Tätigkeit aus (E. 4.1, E. 4.4). Der Bericht vom 8. Juli 2015 ist nachvollziehbar und überzeugend unter Hinweis auf die konkreten Befunde begründet und erfüllt die praxisgemäss Kriterien (E. 2.4) vollumfänglich, sodass darauf abge
stellt werden kann.
In somatischer Hinsicht ist somit gestützt auf den Bericht von Dr. A._ davon
auszugehen, dass dem Beschwerdeführer eine körperlich schwere bis mittel
schwere
Tätigkeit nicht mehr zugemutet werden kann, er jedoch in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit seit Juli 2015 vollständig arbeits
fähig ist.
5.2
Bezüglich des psychischen Gesundheitszustandes diagnostizierte Dr.
B._
in seinem Bericht vom 28. Januar 2008 eine leichte depressive Episode (E. 4.2). Zwar führte der Beschwerdeführer bei der Meldung zur Früherfassung im Okto
ber 2015 aus, er leide unter anderem an einer Depression (Urk. 10/55 Ziff. 2), es gibt jedoch in den Akten keine Hinweise darauf, dass er in psy
chiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung wäre, insbesondere reichte der Beschwerde
führer selber keinen psychiatrischen Bericht ein und nannte auch keinen Namen eines behandelnden Psychiaters.
Der erstinstanzliche Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrund
satz beherrscht (Art. 61 lit. c ATSG). Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhaltes zu sorgen. Dieser Grundsatz gilt indessen nicht uneingeschränkt; er findet sein Korrelat in den Mitwirkungspflichten der Parteien (BGE 125 V 193 E. 2, 122 V 157 E. 1a, vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweis
losigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbe
wiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
Führen die von Amtes wegen vorzunehmenden Abklärungen die Verwaltung oder das Gericht bei pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimmter Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und es könnten weitere Beweismassnahmen an diesem feststehenden Ergebnis nichts mehr ändern, so ist auf die Abnahme weiterer Beweise zu verzichten (antizi
pierte Beweiswürdigung). In einem solchen Vorgehen liegt kein Verstoss gegen das rechtliche Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV (BGE 124 V 90 E. 4b; 122 V 157 E. 1d).
Nachdem in den vorliegenden aktuellen Arztberichten seit dem Jahre 2015 weder eine psychiatrische Diagnose gestellt wurde noch aus den Akten Anhalts
punkte für eine stattfindende psychiatrische Behandlung ersichtlich sind und auch der Beschwerdeführer keine entsprechenden Angaben machte, kann auf eine psychiatrische Begutachtung verzichtet werden, und es ist davon auszu
gehen, dass in psychiatrischer Hinsicht keine Beeinträchtigungen vorliegen, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken.
5.3
Insgesamt ist damit der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu betrachten, dass dem Beschwerdeführer eine körperlich schwere bis mittel
schwere Tätigkeit nicht mehr zugemutet werden kann, er jedoch in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit seit Juli 2015 vollständig arbeitsfähig ist.
6.
6.1
Es bleibt die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen der bestehenden Ein
schränkung mittels Einkommensvergleich.
6.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Inva
lidi
täts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
ver
gleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens
ent
wicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung ent
-
spricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden
wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hin
weis).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versi
cherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das Valideneinkommen auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturer
hebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berück
sich
tigen sind (BGE 139 V 28
E. 3.3.2; BGE 128 V 29 E. 4e; Urteil des Bundes
-
gerichts 9C_887/2015 vom 12. April 2016 E. 4.2).
Der Beschwerdeführer war seit seiner Einreise in die Schweiz im Jahre 1991 in verschiedenen Hilfstätigkeiten in den Bereichen Küche, Gärtnerei und Reinigung tätig (vgl. Urk. 10/58/1-2). Seit Februar 2013 war er beim Regionalen Arbeits
vermittlungszentrum (RAV) gemeldet, wurde im Februar 2015 jedoch ausge
steuert (vgl. Urk. 10/60 S. 1). Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin, welche
das Valideneinkommen gestützt auf die Tabellenlöhne berechnete (vgl. Urk. 10/8
2 S. 1), ist damit nicht zu beanstanden.
Das Bundesgericht hat mit BGE 142 V 178 festgehalten, dass den LSE 2012 nach Massgabe des bisher Erwogenen für alle Fälle erstmaliger Invaliditäts
bemessung und auf Neuanmeldung hin nach vorausgegangener rechtskräftiger Ablehnung oder nach Aufhebung der Invalidenrente sowie im Revisionsver
fahren (mit Entstehung des potentiellen oder Veränderung des laufenden Rentenanspruches im Jahre 2012 oder später) Beweiseignung zukommt.
Das Valideneinkommen ist gestützt auf den standardisierten Durchschnittslohn in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors zu bestimmen und es ist vom mittleren Lohn für Männer, die Hilfsarbeiten ausführen, auszugehen. Dieser
belief sich im Jahre 2012 auf monatlich Fr. 5‘210.-- (LSE 2012, S. 35, Tabelle TA1
, Total, Niveau 1), mithin Fr. 62‘520.-- im Jahr (Fr. 5‘210.-- x 12). Unter
Berücksichtigung einer durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Wochen
stunden (betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Erwerbstätigkeit und Arbeitszeit, detaillierte Daten) sowie der Nominallohnerhöhung (Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100], Männer, Stand 2012: 2188, Stand 2015: 2226; www.bfs.admin.ch, Arbeit und Erwerb, Löhne/Erwerbseinkommen, detaillierte Daten, Lohnentwicklung) ergibt dies für das Jahr 2015 ein Valideneinkommen von rund Fr. 66‘309.-- (Fr. 62‘520.-- : 40 x 41.7 : 2188 x 2226).
6.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtspre
chung
Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffent
lich
ten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1 und BGE 133 V 545 E. 7.1). Der
Beizug der
Lohnstatistik erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegeben
heiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7; BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/Reichmuth, IVG, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hin
weisen auf die Rechtsprechung).
Nachdem der Beschwerdeführer bereits vor Eintritt des Gesundheitsschadens überwiegend Hilfstätigkeiten ausgeübt hatte und über keine abgeschlossene Ausbildung verfügt, ist das Invalideneinkommen gestützt auf die Tabellenlöhne zu berechnen und entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers vom Kompe
tenz
niveau 1 auszugehen. Zwar trifft es zu, dass ihm lediglich noch körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeiten zumutbar sind (vgl. E. 5.3), dieser Um
stand wird jedoch im Rahmen des Leidensabzuges (vgl. folgende E. 6.5) berücksichtigt. Das Kompetenzniveau 1 umfasst im Übrigen auch Tätigkeiten im Überwachungs- und Kontrollbereich. Auszugehen ist vom mittleren Lohn für Männer, die Hilfsarbeiten ausführen, und damit insgesamt von Fr. 66‘309.-- (vgl. vorstehend E. 6.3).
6.5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürze
n. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbei
ten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprüng
lich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
-
spre
chung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszu
-
gehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwer
ten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75). Dabei ist zu beachten, dass allfällige bereits bei der Parallelisierung der Vergleichs
einkommen mitverantwortliche invaliditätsfremde Faktoren im Rahmen des sogenannten Leidensabzuges nicht nochmals berücksichtigt werden dürfen (BGE 134 V 322 E. 5.2).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser ange
messen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
Die Beschwerdegegnerin nahm einen leidensbedingten Abzug von 10 % vor
(Urk. 10/82 S. 2), wohingegen der Beschwerdeführer einen solchen von 25 % geltend macht (Urk. 1 S. 8 Ziff. 21). Wie sich aus der nachfolgenden Erwägung ergibt, führt selbst ein Maximalabzug von 25 % nicht zu einem Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
6.6
Unter Berücksichtigung eines - kaum gerechtfertigten - Maximalabzuges von
25 % beträgt das Invalideneinkommen insgesamt rund Fr. 49‘732.-- (Fr. 66‘309.--
x 0.75; vgl. vorstehend E. 6.4), womit sich bei einem Valideneinkommen von
Fr. 66‘309.-- (vgl. vorstehend E. 6.3) eine Einkommenseinbusse von Fr. 16‘577.--
ergibt. Dies entspricht einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von rund 25 %.
Die angefochtene Verfügung vom 27. Oktober 2016, mit welcher ein Renten
an
spruch des Beschwerdeführers verneint wurde, ist damit nicht zu beanstan
den. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie dem Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewäh
rung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Der Beschwerdeführer ist auf
§ 16 Ab. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
hinzuweisen.
7.2
Für das Beschwerdeverfahren wurde das Gesuch des Beschwerdeführers um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsvertretung mit Verfügung vom 10. Febru
ar 2017 gutgeheissen (Urk. 11). Mit Honorarnote vom 8. Januar 2018 machte
Rechts
anwalt Sämi Meier, Wohlen/AG, Aufwendungen von insgesamt 12.25 Stun
den sowie Auslagen von pauschal 3 % geltend (Urk. 15), was noch als angemessen erscheint. Unter Berücksichtigung eines Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist eine Entschädigung von Fr. 2'997.90 zu bezahlen. Der Unterschied zum geltend gemachten Betrag von Fr. 2'867.55 liegt in einem Rechnungsfehler seitens des Vertreters betreffend seinen geltend gemachten Aufwand vom 23. November 2016 bezüglich Verfassens der Be
schwerde (Urk. 15) sowie in der Berücksichtigung eines Mehrwertsteuersatzes von 8 % für bis Ende 2017 erbrachte Leistungen.