# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2ed3a5c5-0273-5ce2-9d39-93cbf9d73920
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ I.Ö., geboren 1966, ist türkischer Staatsangehöriger. Er war von 1989 bis 1995 mit
seiner Landsfrau A.Y. verheiratet. Dieser Ehe entsprossen zwei Kinder.
Am 2. April 2001 heiratete I.Ö. in seinem Heimatort Camköy in der Türkei die in St.
Gallen wohnhafte S.S., geboren 1980. Die Ehefrau ist Staatsangehörige von Serbien
und Montenegro und verfügt über eine Niederlassungsbewilligung. Aufgrund der
Eheschliessung wurde I.Ö. eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des
Familiennachzugs erteilt, welche letztmals bis 10. Juli 2003 verlängert wurde.
Mit Verfügung vom 5. Mai 2004 wies das Ausländeramt das Gesuch von I.Ö. um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab mit der Begründung, es liege eine
Scheinehe vor.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob I.Ö. durch seinen Rechtsvertreter
Rekurs, der vom Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 6. Juni 2005
abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe vom 22. Juni 2005 erhob I.Ö. Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit
dem Antrag, der Rekursentscheid vom 6. Juni 2005 und die Verfügung des
Ausländeramts vom 5. Mai 2004 seien aufzuheben, die Ausweisung sei zu sistieren,
eventuell sei die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im wesentlichen vorgebracht, es sei zu
Unrecht eine Scheinehe angenommen worden. Auf die einzelnen Vorbringen in der
Beschwerde wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 20. Juli 2005 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der Beschwerde.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
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1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeschrift vom 22. Juni 2005
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
Soweit der Beschwerdeführer beantragt, seine Ausweisung sei zu sistieren, ist das
Begehren gegenstandslos. Der Beschwerdeführer wollte mit diesem Begehren
verhindern, dass ihm während des Beschwerdeverfahrens eine neue Ausreisefrist
angesetzt wird, wie dies in Ziff. 1b des Rekursentscheids angeordnet wurde. Bei
hängigen Beschwerdeverfahren wird nach der ständigen Praxis der Ausländerbehörden
in der Regel auf Vollstreckungsmassnahmen verzichtet, und der Beschwerdeführer
konnte daher das vorliegende Verfahren in der Schweiz abwarten.
2./ Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung.
a) Der Ausländer hat nach Art. 4 ANAG grundsätzlich keinen Anspruch auf Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung. Eine Ausnahme besteht, wenn er nahe Verwandte mit
gesichertem Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat. Hinsichtlich ausländischer
Ehegatten von niedergelassenen Ausländern ist dieser Anspruch in Art. 17 Abs. 2
ANAG geregelt. Danach hat der ausländische Ehegatte einer niedergelassenen
Ausländerin Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung,
solange die Ehegatten zusammen wohnen. Dieser Anspruch erlischt bei einem
Verstoss gegen die öffentliche Ordnung, wozu auch das Eingehen einer Scheinehe
gehört.
b) Das Bundesgericht hat in verschiedenen Urteilen die Anforderungen an den
Nachweis einer Scheinehe bzw. Ausländerrechtsehe umschrieben. Es erwog, der
Nachweis, dass die Ehe zur Umgehung der Vorschriften über Aufenthalt und
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Niederlassung der Ausländer geschlossen wurde und nicht der Begründung einer
Lebensgemeinschaft diene, sei in der Regel nicht direkt zu erbringen und könne nur
durch Indizien geführt werden. Solche Indizien seien etwa darin zu erblicken, dass dem
Ausländer die Wegweisung gedroht habe, etwa weil er ohne Heirat keine
Aufenthaltsbewilligung erhalten hätte oder sie ihm nicht verlängert worden wäre.
Sodann könnten die Umstände und die kurze Dauer der Bekanntschaft sowie die
Tatsache, dass die Ehegatten eine Wohngemeinschaft gar nie aufgenommen hätten,
für das Vorliegen einer Ausländerrechtsehe sprechen. Umgekehrt könne aus einer
gewissen Zeit des Zusammenlebens und des Unterhalts intimer Beziehungen nicht
ohne weiteres abgeleitet werden, es sei eine wirkliche Lebensgemeinschaft gewollt
gewesen. Ein solches Verhalten könne auch nur vorgespiegelt sein, um die Behörde zu
täuschen (BGE 122 II 295 mit Hinweisen auf Literatur und Judikatur).
c) Zu prüfen ist im folgenden, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen ist, der
Beschwerdeführer sei eine Scheinehe eingegangen. Wie erwähnt, ist dabei in erster
Linie auf objektive Indizien abzustellen. Im vorliegenden Fall wurden die Eheleute im
Verfahren vor dem Ausländeramt eingehend befragt. Ausländeramt und Vorinstanz
haben sich in den Begründungen ihrer Entscheide ausführlich mit den Vorbringen des
Beschwerdeführers und dessen Ehefrau auseinandergesetzt. Die Rüge der Verletzung
des rechtlichen Gehörs ist daher verfehlt.
d) Fest steht, dass der Beschwerdeführer als türkischer Staatsangehöriger ohne die
Eheschliessung keinen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung in der
Schweiz erlangt hätte. Er hat seine Ehefrau nach eigenen Angaben im Frühjahr 2000
während eines Ferienaufenthaltes in Antalya kennengelernt. In der Folge wollen die
Eheleute nur noch brieflichen Kontakt miteinander gehabt haben. Der Entschluss zur
Heirat kam somit nur nach wenigen gemeinsam verbrachten Tagen zustande. Zudem
hatten die Eheleute erhebliche Sprachschwierigkeiten. Die Ehefrau hielt fest, ihr
Ehemann habe ihre Briefe durch einen Dolmetscher übersetzen müssen. Diese
Umstände sind als Indizien für eine Scheinehe zu betrachten.
Weiter steht fest, dass der Beschwerdeführer und seine Ehefrau widersprüchliche
Angaben zum Verlauf und zu den näheren Umständen der Trauung und der
Hochzeitsfeier machten. Diesbezüglich kann auf die Erwägungen im angefochtenen
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Entscheid (E. 4d) verwiesen werden. Weiter erklärte der Beschwerdeführer, dass er
keine Kontakte zu den Angehörigen seiner Ehegattin habe; diese dürften nicht wissen,
dass sie verheiratet seien. Die Ehefrau erklärte, sie wisse über die Eltern und
Geschwister ihres Ehegatten nichts, eigentlich nichts. Auch konnte sie keine Angaben
machen, welche Tätigkeit ihr Ehemann in der Türkei ausgeübt hatte und weshalb er
sich von seiner ersten Gattin scheiden liess. Der Beschwerdeführer konnte ebenfalls
keine genaueren Angaben über die frühere Berufstätigkeit sowie über das Vorleben
seiner Ehefrau machen. Darin sind ebenfalls gewichtige Anhaltspunkte zu erblicken,
dass die Eheleute keine Gemeinschaft pflegen. Selbst wenn die Ehegatten am Vorleben
des Partners wenig Interesse haben, so ist das fehlende Wissen um solche Umstände
ein starkes Indiz für eine Scheinehe.
Fest steht weiter, dass der Beschwerdeführer rund einen Monat nach der Einreise in
die Schweiz eine Arbeitsstelle in Obfelden im Kanton Zürich antrat. Nach eigenen
Angaben übernachtete er häufig bei seinem Bruder in Dietikon. Seine Ehefrau erklärte,
seit der Heirat sehe sie ihren Ehemann nur am Wochenende. Demgegenüber will der
Beschwerdeführer nur rund zweimal pro Woche bei seinem Bruder übernachtet haben.
Auch diese widersprüchlichen Angaben sind Indizien für das Fehlen einer echten
Lebensgemeinschaft. Dasselbe gilt für die widersprüchlichen Angaben der Eheleute zu
den Arbeitszeiten und allgemein zur Arbeitstätigkeit des Ehegatten. Ebenso begründen
die Aussagen über das Freizeitverhalten und die finanziellen Verhältnisse Indizien für
das Fehlen einer Gemeinschaft. Aufgrund der Gesamtheit der Indizien durfte die
Vorinstanz zu Recht annehmen, dass der Beschwerdeführer eine Scheinehe
eingegangen ist. Seine Einwendungen gegen die Beweiswürdigung der Vorinstanz sind
unbegründet. Es kann vollumfänglich auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid
(E. 4e, aa bis cc) verwiesen werden.
e) Nach Art. 9 Abs. 2 lit. a ANAG kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden,
wenn der Ausländer sie durch falsche Angaben oder wissentliches Verschweigen
wesentlicher Tatsachen erschlichen hat. Als Erschlichen und damit als Widerrufsgrund
gelten dabei auch Scheinehen (Spescha/ Sträuli, Handkommentar zum Ausländerrecht,
Zürich 2001, S. 42). Ist beim Vorliegen bestimmter Umstände ein Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung zulässig, so ist umso mehr auch die Verweigerung von deren
Verlängerung gerechtfertigt (GVP 1998 Nr. 22). Bei Scheinehen wird nach der
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ständigen Praxis eine Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigert (vgl. VerwGE
B 2004/165 vom 7. April 2005 i.S. U.P.M. und B 2004/136 vom 2. Dezember 2004 i.S.
M.B., zurzeit publiziert in: www.gerichte.sg.ch).
Der Beschwerdeführer ist am 11. Juli 2001 in die Schweiz eingereist und befindet sich
somit erst etwas mehr als vier Jahre in der Schweiz. Die Eheleute haben keine
gemeinsamen Kinder. Zur Zeit ist der Beschwerdeführer arbeitslos. Er verfügt über
Angehörige in der Türkei und hat den weitaus grössten Teil seines Lebens in der
Heimat verbracht. Es liegen keine Anhaltspunkte vor, inwiefern eine Rückkehr mit
überdurchschnittlichen Schwierigkeiten verbunden wäre. Unter diesen Umständen ist
die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verhältnismässig und
insbesondere nicht als Missbrauch oder Ueberschreitung des Ermessens zu
qualifizieren. Folglich ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen, soweit darauf
einzutreten ist.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif; sGS
941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).