# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 512c8f80-d66a-5cea-a346-bcc248057441
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. N.Y., geboren 1973, Staatsangehörige von Eritrea, verliess im August 2000 ihr
Heimatland zusammen mit ihrer Tochter R.Y., geboren 1999, und folgte ihrem
Ehemann in den Sudan. Im Jahr 2003 gelangte die Familie über Libyen nach Italien.
Dort wurden ihre Asylgesuche zwar abgewiesen, auf eine Rückschiebung nach Eritrea
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wurde jedoch verzichtet. Am 5. März 2006 kam in Italien die Tochter D.Y. zur Welt. Am
15. Mai 2006 verstarb der Ehemann von N.Y. in einem Gefängnis in Italien. Im
November 2008 reiste N.Y. mit ihren beiden Töchtern in die Schweiz ein und stellte ein
Asylgesuch. Mit Verfügung vom 25. Februar 2009 trat das Bundesamt (heute
Staatssekretariat) für Migration auf das Gesuch nicht ein und ordnete die Wegweisung
nach Italien, dessen Behörden die Rückübernahme zugesichert hatten, und deren
Vollzug an. Die hiergegen erhobene Beschwerde wurde vom
Bundesverwaltungsgericht am 9. März 2009 abgewiesen, soweit darauf eingetreten
wurde. N.Y. und ihre beiden Kinder reisten aber nicht aus. Mit Bussenverfügung des
Untersuchungsamtes Gossau vom 15. April 2010 wurde N.Y. wegen rechtswidrigen
Aufenthalts zu einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je CHF 30 verurteilt
(Vorakten S. 199 f./402). Am 17. Mai 2010 stellten N.Y. und ihre beiden Kinder ein
Härtefallgesuch (Vorakten S. 193/402). Mit Verfügung vom 21. Mai 2010 trat das
Ausländeramt (heute Migrationsamt) auf das Gesuch nicht ein. Das Sicherheits- und
Justizdepartement schrieb den dagegen erhobenen Rekurs am 14. September 2010
zufolge Rückzugs ab (RDRM.2010.00).
Gestützt auf einen Bericht über ein psychiatrisches Konsilium des Schweizerischen
Roten Kreuzes vom 16. August 2010, in welchem nach einem Suizidversuch eine
mittel- bis schwergradige depressive Episode mit somatischem Syndrom und eine
komplexe posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wurden (vgl. act. 6/1
Beilage 3), ersuchte N.Y. am 20. September 2010 um Wiedererwägung des
asylrechtlichen Entscheides. Am 13. Dezember 2010 hob das Bundesamt seine
Verfügung vom 25. Februar 2009 teilweise auf und schob den Vollzug der Wegweisung
wegen Unzulässigkeit zugunsten einer vorläufigen Aufnahme auf (Vorakten S. 239 und
240/402). Am 6. Januar 2013 gebar N.Y. die Tochter A.Y. (Vorakten S. 307/402).
B. Mit Eingabe vom 7. Februar 2014 ersuchten N.Y., R.Y., D.Y. und A.Y. um die
Erteilung humanitärer Aufenthaltsbewilligungen. Mit Verfügung vom 5. November 2014
lehnte das Migrationsamt die Gesuche mit der Begründung ab, N.Y. sei weder
sprachlich noch arbeitsmarktlich und kulturell in der Schweiz integriert, die schulische
und soziale Integration der beiden schulpflichtigen Kinder rechtfertige keine
Gutheissung des Gesuchs, der älteren Tochter könne unabhängig von der
Arbeitsmarkt- und Wirtschaftslage eine Bewilligung zur Erwerbstätigkeit erteilt werden
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und die Zumutbarkeit der Ausreise müsse nicht geprüft werden, da die Aufhebung der
vorläufigen Aufnahme nicht im Raum stehe (Vorakten S. 389 ff./402).
Mit Entscheid vom 10. Februar 2016 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den
Rekurs von N.Y., R.Y., D.Y. und A.Y. gegen diesen Entscheid ab. Der Entscheid wird im
Wesentlichen damit begründet, N.Y. sei trotz Alleinerziehung – der offenbar in der
Schweiz lebende Vater der jüngsten Tochter könnte allerdings in die Betreuung
einbezogen werden – und – nicht mehr geltend gemachter – psychischer Probleme
eine angepasste Erwerbstätigkeit zuzumuten. Sie lege aber weder aktuelle
Bewerbungen noch realistische Aussichten auf einen Stellenantritt vor. Eine
Aufenthaltsbewilligung sei für die Lehrstellensuche durch die älteste Tochter nicht
erforderlich. N.Y. sei sprachlich und sozial schlecht integriert. Auch bei den Kindern,
die sich zwischenzeitlich mit den schulischen und sprachlichen Verhältnissen gut
zurecht fänden, sei eine weitgehende gesellschaftliche Integration nicht nachgewiesen.
C. N.Y., R.Y., D.Y. und A.Y. (Beschwerdeführerinnen) erhoben gegen den Entscheid
des Sicherheits- und Justizdepartements (Vorinstanz) vom 10. Februar 2016 mit
Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 25. Februar 2016 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen mit dem Rechtsbegehren, unter Kosten-
und Entschädigungsfolge, eventuell unter Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung sei der Entscheid der Vorinstanz aufzuheben und das Migrationsamt
anzuweisen, dem Bundesamt (richtig Staatssekretariat) das Härtefallgesuch vom
20. November 2014 zu unterbreiten. Sie reichte unter anderem ein Arbeitszeugnis ein,
wonach sie vom 3. November 2014 bis 20. April 2015 im Q.-Shop X. angestellt war.
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 1. März 2016 die Abweisung der
Beschwerde. Die Beschwerdeführerinnen nahmen dazu am 31. März 2016 Stellung.
Zusammen mit einer weiteren Eingabe vom 8. Juni 2017 reichten die
Beschwerdeführerinnen zudem ein an ihren Rechtsvertreter gerichtetes Schreiben von
R.Y. ein, in welchem sie unter anderem die mit dem Status als vorläufig
Aufgenommene verbundenen Beschränkungen, insbesondere die Unmöglichkeit von
Reisen ins Ausland beispielsweise für einen Sprachaufenthalt, und die Bemühungen
ihrer Mutter um wirtschaftliche Integration schildert und um Erteilung eines „F-Politik-
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Ausweises“ ersucht, der es erlaube, ins Ausland zu gehen. Stellungnahme und
zusätzliche Eingabe wurden der Vorinstanz zur Kenntnis gebracht.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge
und die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2. Ausländerinnen und Ausländer können grundsätzlich nur bei Vorliegen von
bestimmten Zulassungsvoraussetzungen eine Aufenthaltsbewilligung beantragen (vgl.
Art. 18 ff. des Ausländergesetzes; SR 142.20, AuG). Ausnahmsweise kann eine
Aufenthaltsbewilligung ohne deren Vorliegen erteilt werden, insbesondere wenn
schwerwiegenden persönlichen Härtefällen oder wichtigen öffentlichen Interessen
Rechnung zu tragen ist (Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG). Auch vorläufig aufgenommene
Personen, die sich seit mehr als fünf Jahren in der Schweiz aufhalten, können
grundsätzlich eine Härtefallbewilligung erhalten (vgl. VerwGE B 2010/294 vom 31. Mai
2011 E. 3 mit weiteren Hinweisen, www.gerichte.sg.ch). Gesuche um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung von vorläufig aufgenommenen Ausländerinnen und Ausländern,
die sich seit mehr als fünf Jahren in der Schweiz aufhalten, stellen oft einen
Anwendungsfall eines solchen Härtefallgesuchs dar. Sie werden nach Art. 84 Abs. 5
AuG unter Berücksichtigung der Integration, der familiären Verhältnisse und der
Zumutbarkeit einer Rückkehr in den Herkunftsstaat vertieft geprüft. Das Bundesgericht
hat bis zum Inkrafttreten des AuG eine umfangreiche Praxis zum Vorliegen eines
Härtefalls entwickelt, die gemäss dem Willen des Gesetzgebers weiterentwickelt
werden soll (Botschaft des Bundesrates zum Bundesgesetz über Ausländerinnen und
Ausländer vom 8. März 2002, BBl 2002 3786). Danach liegt ein Härtefall vor, wenn sich
die betroffene Person in einer persönlichen Notlage befindet. Ihre Lebens- und
Daseinsbedingungen müssen, gemessen am durchschnittlichen Schicksal von anderen
ausländischen Personen, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein (siehe BGE 130 II
39 E. 3; BGE 128 II 200 E. 4). Der Begriff des schwerwiegenden persönlichen Härtefalls
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ist dabei restriktiv auszulegen (VerwGE B 2010/294 vom 31. Mai 2011 E. 3). Bei der
Prüfung der Kriterien in Art. 31 Abs. 1 der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und
Erwerbstätigkeit (SR 142.201, VZAE; vgl. BVGE C 930/2009 vom 5. Dezember 2012 E.
4.1), das heisst der Integration, der Respektierung der Rechtsordnung, der
Familienverhältnisse, des Zeitpunkts der Einschulung und der Dauer des Schulbesuchs
der Kinder, der finanziellen Verhältnisse sowie des Willens zur Teilhabe am
Wirtschaftsleben und zum Erwerb von Bildung, der Dauer der Anwesenheit in der
Schweiz, des Gesundheitszustands, der Möglichkeit für eine Wiedereingliederung im
Herkunftsland sowie der Offenlegung der Identität, die nicht abschliessend sind, ist
deshalb ebenfalls ein strenger Massstab anzulegen (VerwGE B 2010/294 vom 31. Mai
2011 E. 3). Die Anerkennung als Härtefall setzt aber dennoch nicht zwingend voraus,
dass die Anwesenheit in der Schweiz das einzige Mittel zur Verhinderung einer
persönlichen Notlage darstellt (BVGE C 3770/ 2011 vom 3. Januar 2013 E. 4.2).
Hingegen reichen auch eine lang dauernde Anwesenheit sowie eine fortgeschrittene
soziale und berufliche Integration sowie ein klagloses Verhalten für sich alleine nicht
aus, um einen Härtefall zu begründen. Vielmehr wird vorausgesetzt, dass die
ausländische Person so enge Beziehungen zur Schweiz unterhält, dass von ihr nicht
verlangt werden kann, in einem anderen Land zu leben. Berufliche, freundschaftliche
sowie nachbarschaftliche Beziehungen, welche die betroffene Person während ihres
Aufenthalts in der Schweiz knüpfen konnte, genügen normalerweise nicht für die
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung (BVGE C 188/2014 vom 15. März 2016 E. 5.2).
Immerhin werden bei einer sehr langen Aufenthaltsdauer weniger hohe Anforderungen
an das Vorliegen besonderer Umstände, wie etwa eine überdurchschnittliche
Integration oder andere Faktoren, gestellt, welche die Rückkehr ins Heimatland als
ausgesprochen schwierig erscheinen lassen (BVGE C 3770/2011 vom 3. Januar 2013
E. 4.2 mit weitern Hinweisen). Bei Härtefallgesuchen von Familien gilt es zu beachten,
dass die Situation einzelner Familienmitglieder nicht isoliert betrachtet werden darf, da
das Schicksal der Familie eine Einheit darstellt (BVGE C 3770/2011 vom 3. Januar
2013 E. 4.3). Die familiäre Situation ist also gesamthaft zu betrachten und die
Lebenslage der Gesuchsteller muss gesamthaft betrachtet die Annahme einer
Härtefallsituation der ganzen Familie rechtfertigen. Den Kindern ist dabei besonderes
Augenmerk zu widmen, das heisst deren fortgeschrittenen sozialen und schulischen
Integration wird besonderes Gewicht beigemessen (BVGE C 930/2009 vom
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5. Dezember 2012 E. 4.4). Ein Anspruch auf Erteilung einer Härtefallbewilligung besteht
nicht. Nach der kantonalen Praxis ist eine dauerhafte wirtschaftliche Existenz
anzustreben; berücksichtigt werden dabei die Prognose hinsichtlich
Sozialhilfeabhängigkeit und Arbeitswillen. Ist die Wohngemeinde trotz
Sozialhilfebezugs mit der Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung und damit einer
allfälligen Übernahme künftiger Fürsorgeleistungen einverstanden, kann der Fall dem
Staatssekretariat für Migration zur Zustimmung unterbreitet werden. Je
unwahrscheinlicher die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme ist, desto eher ist von
einem schwerwiegenden persönlichen Härtefall auszugehen (M. Spescha et al.,
Kommentar Migrationsrecht, 4. Aufl., Zürich 2015, N 12 zu Art. 84 AuG). Zu beachten
ist aber, dass Art. 84 Abs. 5 AuG nicht das Ziel verfolgt, eine ausländische Person
gegen die Folgen von Krieg, Bürgerkrieg oder Missbrauch staatlicher Gewalt zu
schützen (BVGE C 930/2009 vom 5. Dezember 2012 E. 4.4). Dafür dienen die
Instrumente des Asyls und der vorläufigen Aufnahme.
2.1. In zeitlicher Hinsicht wird für die Härtefall-Bewilligung gefordert, dass sich jemand
fünf Jahre ununterbrochen legal in der Schweiz aufgehalten hat (LGVE 2013 VI Nr. 2
m.w.H.). N.Y. und ihre älteren beiden Töchter leben seit November 2008 hier und ihre
jüngste Tochter wurde hier geboren. Es muss davon ausgegangen werden, dass die
zeitlichen Voraussetzungen für eine vertiefte Prüfung der Erteilung einer Härtefall-
Aufenthaltsbewilligung somit erfüllt sind. Denn ob die Familie im Jahre 2010 aufgrund
der damals drohenden Rückführung nach Italien wirklich zeitweise untertauchte, ist
umstritten (vgl. Vorakten, vor allem S. 163 ff., S. 195, S. 203, S. 216f., S. 220f. und
S. 247/402; vgl. die im Psychiatrischen Konsilium des Schweizerischen Roten Kreuzes
vom 16. August 2010 wiedergegebenen Schilderungen von N.Y. zum Aufenthaltsort
ihrer Familie seit April 2010, act. 6/1 Beilage 3). Selbst wenn sie untergetaucht sein
sollte, würde dies allerdings nichts daran ändern, dass sich die Familie seit ihrer
vorläufigen Aufnahme im Dezember 2010 und damit bereits im Zeitpunkt des
angefochtenen Rekursentscheides am 10. Februar 2016 und umso mehr im
massgeblichen Zeitpunkt des Beschwerdeentscheides seit mehr als fünf Jahren legal in
der Schweiz aufhält.
2.2. N.Y. hält sich seit November 2008 und damit seit rund neun Jahren in der Schweiz
auf. Ihre Kinder, geboren 1999, 2006 und 2013, sind im Wesentlichen in der Schweiz
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sozialisiert worden. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann zwar nicht
von einer bestimmten Aufenthaltsdauer an schematisierend eine besondere, einen
Anspruch auf die Erteilung eines Anwesenheitsrechts begründende Verwurzelung in
den hiesigen Verhältnissen angenommen werden. Die relativ lange Anwesenheit von
N.Y. und ihrer Kinder in der Schweiz erscheint aber als ein gewichtiger Umstand,
welcher für die Erteilung der anbegehrten Aufenthaltsbewilligung spricht. Diese ist bei
der Beurteilung des konkreten Falles hinsichtlich der Anforderungen an das Vorliegen
besonderer Umstände wie etwa einer überdurchschnittlichen Integration oder anderer
Faktoren zu berücksichtigen, welche die Rückkehr beziehungsweise eine
Wiedereingliederung ins Heimatland als ausgesprochen schwierig erscheinen lassen
(vgl. VerwGE B 2014/240 vom 27. April 2016 E. 3.2.1 mit Hinweisen,
www.gerichte.sg.ch).
2.3. Von den drei Kindern von N.Y. hat einzig die älteste, im Oktober 1999 geborene
und mittlerweile volljährige Tochter einen Bezug zu ihrem Heimatstaat. Sie hat – nach
den Angaben im Asylverfahren – allerdings lediglich die ersten Monate ihres Lebens in
Eritrea verbracht (Vorakten S. 10/402). Nach der Flucht im Jahr 2000 lebte sie bis 2003
im Sudan und anschliessend nach der Weiterreise über Libyen während rund fünf
Jahren – bis zur Einreise in die Schweiz im November 2008 – in Italien. In Italien wurde
2006 die zweite Tochter geboren. Die dritte Tochter kam 2013 in der Schweiz zur Welt.
Die Kinder sind hier sozialisiert worden und – wie aus den Akten zu schliessen ist –
altersgerecht gesellschaftlich integriert. Sie haben keinen Bezug zu ihrem Heimatstaat.
Die älteste Tochter verbrachte lediglich die ersten Lebensmonate in Eritrea. Ihr Bezug
zu Italien, wo sie sich bis zum neunten Lebensjahr aufgehalten hat, ist stärker.
Allerdings hat sie dort lediglich während eines Jahres die Schule besucht (Vorakten S.
12/402). Die 2006 geborene Tochter hat die ersten zweieinhalb Lebensjahre in Italien
verbracht. Als Kleinkind befand sie sich jedoch noch in einem in erster Linie auf die
Mutter beziehungsweise die Eltern bezogenen Alter (vgl. BGE 139 II 393 E. 4.2.2; BGer
2C_453/2015 vom 10. Dezember 2015 E. 5.4).
Eine Rückkehr der ältesten Tochter zusammen mit der Mutter nach Italien oder nach
Eritrea erschiene für sie kaum zumutbar. Die beiden anderen Töchter befinden sich
zwar in einem Alter, welches die bundesgerichtliche Rechtsprechung als
anpassungsfähig bezeichnet, so dass eine Ausreise zusammen mit ihrer Mutter in
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deren Heimatland nicht von vornherein als unzumutbar erscheint. Allerdings ist zu
berücksichtigen, dass auch diese Kinder mit den Verhältnissen in ihrem Heimatstaat
ebenso wenig vertraut sind wie mit jenen in Italien. Zudem ist – auch wenn nach der
neuesten Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts eine Wegweisung nach
Eritrea nicht grundsätzlich als unzumutbar beurteilt werden kann (vgl. BVerwGer
D-2311/2016 vom 17. August 2017) – nicht damit zu rechnen, dass die zuständigen
Behörden auf die vorläufige Aufnahme von N.Y. und ihrer Kinder in der Schweiz
zurückkommen wird, zumal eine zwangsweise Rückführung nach Eritrea derzeit
generell nicht möglich ist (vgl. BVerwGer D-2508/2016 vom 4. September 2017 E. 8.5).
Eine erneute Überprüfung der vorläufigen Aufnahme von N.Y. im Hinblick auf den
Vollzug der Wegweisung nach Italien haben die zuständigen Bundesbehörden nicht
vorgenommen. Insbesondere haben sie seit der Feststellung im Dezember 2010, der
Vollzug der Wegweisung nach Italien sei nicht zulässig, trotz der in Art. 84 Abs. 1 AuG
vorgesehenen periodischen Überprüfung der Voraussetzungen für die vorläufige
Aufnahme keine Abklärungen zur Entwicklung des Gesundheitszustandes von N.Y.
getroffen. Die bestehende und künftige Integration der in der Schweiz geborenen
Kinder, die einen Vollzug der Wegweisung nach Eritrea ebenso wie nach Italien
zunehmend als unzumutbar erscheinen lässt, stellt ein gewichtiges Argument dafür dar,
ihre vorläufige Aufnahme durch eine ordentliche Aufenthaltsbewilligung abzulösen.
Dieser Umstand verstärkt auch die Interessen der Mutter, ihr Anwesenheitsrecht auf
der gleichen Grundlage zu regeln.
2.4. N.Y. erscheint gesellschaftlich und wirtschaftlich lediglich ansatzweise integriert.
Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass hinsichtlich ihrer Integration erschwerende
Umstände bestehen. Einerseits ist sie Mutter dreier Töchter, deren jüngste mittlerweile
knapp fünfjährig ist, und anderseits ist sie gesundheitlich beeinträchtigt. Zwar sollten
sozialhilferechtlich konkrete Massnahmen der beruflichen Integration Alleinerziehender
spätestens für den Zeitpunkt vorgesehen werden, wenn das jüngste Kind das dritte
Lebensjahr vollendet hat. Gemeinsam mit der unterstützten Person ist – immer mit dem
Kindeswohl im Blick – die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familienpflichten
abzuwägen und der berufliche (Wieder-)einstieg zu planen und zu unterstützen. Eine
gute Kinderbetreuung muss dabei in jedem Fall gewährleistet sein (vgl. Schweizerische
Konferenz für Sozialhilfe [Hrsg.], Richtlinien für die Ausgestaltung und Bemessung der
Sozialhilfe, C.1.3; skos.ch). Die Ausübung einer – teilzeitlichen Erwerbstätigkeit stellt
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unter Berücksichtigung des Alters der Kinder selbst an eine in der schweizerischen
Gesellschaft umfassend integrierte alleinerziehende Mutter besondere Anforderungen.
Umso mehr gilt dies für N.Y., deren Leistungsfähigkeit – wie sich aus einem
psychiatrischen Konsilium aus dem Jahr 2010 ergibt – jedenfalls in jener Zeit erheblich
beeinträchtigt war. Immerhin hat sie in den Jahren 2014 und 2015 während knapp
sechs Monaten im Q.-Shop in X. zur Förderung der Eingliederung erwerbsloser
Personen in den Erwerbsprozess einerseits und ihrer sozialen Integration anderseits
eine Erwerbstätigkeit ausgeübt, für welche ihr ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde
(act. 2/4).
3. Abschliessend sind die dargelegten Umstände im Hinblick auf das Vorliegen einer
persönlichen Notlage, welche die Annahme eines schwerwiegenden persönlichen
Härtefalls im Sinn von Art. 84 Abs. 5 in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 lit. b AuG und
Art. 31 Abs. 1 VZAE rechtfertigen, zu würdigen.
Ins Gewicht fällt, dass die Beschwerdeführerinnen bereits seit neun Jahren in der
Schweiz leben. Von Bedeutung ist auch der Umstand, dass die drei Kinder von N.Y. im
Alter von 18, elf und knapp fünf Jahren in der Schweiz altersentsprechend sozialisiert
sind und weder zu ihrem Heimatland Eritrea noch zu Italien, wo ihnen zwar kein Asyl,
aber offenbar ein vorläufiges Aufenthaltsrecht gewährt wurde, einen tragfähigen Bezug
haben. Zudem ist unklar, ob eine allfällige Beendigung der vorläufigen Aufnahme in der
Schweiz mit Blick auf eine Wegweisung nach Italien oder nach Eritrea zu prüfen wäre.
Offen ist auch, ob Italien angesichts der vorläufigen Aufnahme der
Beschwerdeführerinnen in der Schweiz einer Rückübernahme erneut zustimmen
würde. Eine Beendigung der vorläufigen Aufnahme und der Vollzug der Wegweisung
nach Eritrea wurde bis anhin nicht geprüft. Auch der Vollzug der Wegweisung nach
Italien wurde seit der vorläufigen Aufnahme im Jahr 2010 nicht mehr geprüft. N.Y. ist
zwar gesellschaftlich und wirtschaftlich in der Schweiz vergleichsweise schwach
integriert. Dies ist allerdings darauf zurückzuführen, dass sie tatsächlich
alleinerziehende Mutter ist und unter einer psychiatrischen Erkrankung gelitten hat. Sie
war im Lauf des Rekursverfahrens immerhin während rund eines halben Jahres
erwerbstätig. Dabei konnte ihr ein gutes Arbeitszeugnis ausgestellt werden. Unter
Berücksichtigung sämtlicher Umstände erscheint dem Gericht die Nichtunterbreitung
als Härtefall als unverhältnismässig.
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4. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als begründet. Sie ist gutzuheissen
und der angefochtene Entscheid der Vorinstanz ist aufzuheben. Das Migrationsamt ist
anzuweisen, die Angelegenheit dem Staatssekretariat für Migration zur Härtefallprüfung
zu unterbreiten. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Rekursverfahrens von CHF 1‘000 (vgl. Erwägung 5a des angefochtenen Entscheides)
und des Beschwerdeverfahrens von CHF 2‘000 (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12) vom Staat zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Auf
die Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der Staat (Sicherheits- und
Justizdepartement) hat die Beschwerdeführerinnen für das Rekursverfahren zusätzlich
zur Leistung aus unentgeltlicher Rechtsverbeiständung mit CHF 287.50 (5,75 Stunden
à CHF 50 pro Stunde) zuzüglich Mehrwertsteuer und für das Beschwerdeverfahren mit
CHF 2‘000 zuzüglich CHF 80 Barauslagen und Mehrwertsteuer (Art. 19, Art. 22 Abs. 1
lit. b, Art. 28bis und Art. 29 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten;
sGS 963.75, HonO) zu entschädigen (Art. 98 und 98 VRP). Das Gesuch der
Beschwerdeführerinnen um unentgeltliche Rechtspflege fällt dahin.