# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 61b782f7-1402-4340-9827-f203224c14a9
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren B._, war seit dem 1. Juli 2011 in einem 25 %-
Pensum als Autoaufbereiter für die C._ GmbH tätig und im
Rahmen dieser Anstellung bei der Schweizerischen
Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von
Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert. Seit dem 1. August 2009
bezieht A._ aufgrund psychischer Beschwerden eine halbe Rente
(Invaliditätsgrad 55 %) der Invalidenversicherung.
2. Am 9. November 2018 hatte A._ einen Autounfall (Frontalkollision)
und erlitt dabei eine inkomplette Berstungsfraktur LWK5,
Rippenkontusionen, eine Kontusion des linken Daumens sowie
oberflächliche Schürfwunden des Abdomens und des Thoraxes. Ferner ist
eine rezidivierende depressive Störung diagnostiziert.
3. Die inkomplette Berstungsfraktur des LWK5 wurde initial konservativ
behandelt. Bei verzögertem Verlauf und nachdem im MRI ein bestehendes
Knochenmarksödem im LWK5 festgestellt wurde, wurde am 17. Mai 2019
im Kantonsspital D._ durch Dr. med. E._ zur
Schmerzlinderung eine Ballonkyphoplastie durchgeführt.
4. Bei der Verlaufskontrolle bei Dr. med. E._ am 25. Juni 2019
berichtete A._ weiterhin über Restbeschwerden, für welche Dr. med.
E._ von wirbelsäulenchirurgischer Seite her keine Möglichkeit
mehr sah, diese weiter zu verbessern. Er empfahl deshalb eine
Beurteilung in der Schmerzsprechstunde, welche am 20. August 2019
stattfand.
5. Der beratende Arzt der SUVA, Dr. med. F._, empfahl in seiner
Beurteilung vom 15. August 2019 zusätzlich eine intensive Physiotherapie,
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ev. stationär in der Rehaklinik G._, woraufhin A._ von der
SUVA dort angemeldet wurde.
6. Nach dem stationären Aufenthalt in der Rehaklinik G._ vom 4.
September 2019 bis 19. September 2019 stellte die SUVA mit Schreiben
vom 18. Februar 2020 die Heilkosten- und Taggeldleistungen auf den 31.
März 2020 ein und verneinte mit Verfügung vom 16. März 2020 einen
Rentenanspruch, da keine erhebliche unfallbedingte Erwerbseinbusse
bestehe. Für die Folgen des Unfalls sprach die SUVA A._ jedoch eine
Integritätsentschädigung in der Höhe von CHF 7'410.--, basierend auf
einem Integritätsschaden von 5 % zu. Der Anspruch auf
Hilflosenentschädigung wurde verneint. Die von A._ dagegen
erhobene Einsprache vom 31. März 2020 wies die SUVA mit
Einspracheentscheid vom 27. April 2020 ab.
7. Gegen diesen Einspracheentscheid erhob A._ (nachfolgend:
Beschwerdeführer) am 28. Mai 2020 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Darin beantragte er, der
Einspracheentscheid vom 27. April 2020 sei aufzuheben und es sei ihm
eine Invalidenrente auf der Basis einer Erwerbsunfähigkeit von 100 %
zuzusprechen. Für die Bemessung des Integritätsschadens sei die Sache
an die SUVA zurückzuweisen und sie sei zu verpflichten, die als nicht
adäquat kausal erachteten gesundheitlichen Beschwerden zu
berücksichtigen und ihm eine entsprechend erhöhte
Integritätsentschädigung zuzusprechen. Weiter sei ihm eine
Hilflosenentschädigung zuzusprechen. Eventualiter sei die ganze Sache
an die SUVA zurückzuweisen zur Bestimmung der Leistungsansprüche
(Rente, Integritätsentschädigung, Hilflosenentschädigung) aus UVG. Zur
Begründung brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor, die
SUVA hätte bei der Bemessung des Invaliditätsgrades die psychisch
bedingten Beschwerden zu Unrecht nicht berücksichtigt. Die SUVA habe
den Sachverhalt, inwieweit der Unfall die nicht hinreichend
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objektivierbaren Beschwerden begünstigt bzw. deren Ausmass
vergrössert habe, nicht hinreichend abgeklärt, da sie keine Expertise
eingeholt habe. Im Weiteren beanstandete der Beschwerdeführer die
Verneinung des adäquaten Kausalzusammenhangs durch die SUVA.
Entgegen der Ansicht der SUVA sei der Unfall als ein mittelschwerer Unfall
im Grenzbereich zu den schweren Unfällen einzuordnen, jedenfalls aber
als schwerer Unfall im mittleren Bereich. Es sei unzutreffend, dass beide
Fahrzeuge mit unbekannter Restgeschwindigkeit ineinander geprallt
seien. Vielmehr seien die beiden Fahrzeuge ungebremst ineinander
geprallt. Die Kollisionsgeschwindigkeit habe damit mindestens 140 km/h
betragen. Die Krafteinwirkung mit mindestens 140 km/h sei damit deutlich
höher als in allen vom Bundesgericht entschiedenen Fällen, in denen das
Gericht einen mittelschweren Fall im engeren Sinne angenommen habe.
Bei der Prüfung der Adäquanzkriterien seien bei einem
Versicherungsnehmer mit einer bereits vorbestehenden psychischen
Problematik die bestehenden psychischen Probleme als Ausgangspunkt
der Beurteilung zu berücksichtigen. Hinsichtlich des Kriteriums
«besonders dramatische Begleitumstände» hätte die SUVA abklären
müssen, ob bei einem Unfallopfer mit psychischen Vorerkrankungen ein
solches Unfallereignis eindrücklicher
oder dramatischer sei als bei einem gesunden Unfallopfer. Dies sei nicht
erfolgt. Sodann sei das Kriterium des schwierigen Heilungsverlaufs
entgegen der Ansicht der SUVA zu bejahen. Bereits aufgrund der beim
Unfall bestehenden psychischen Vorerkrankung, ergebe sich, dass dies
den durchschnittlichen Heilungsprozess ungünstig beeinflusse. Darüber
hinaus habe der behandelnde Arzt im Bericht vom 14. Mai 2019 die Fraktur
sechs Monate nach dem Unfall als nicht ausreichend geheilt bezeichnet,
weshalb in der Folge eine Ballonkyphoplastie des LKW 5 vorgenommen
worden sei. Auch danach hätten noch Restbeschwerden bestanden.
Weiter sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer weiterhin an
einem Stock gehe und in seinem Lebensalltag auf fremde Hilfe
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angewiesen sei. Aufgrund des Letzteren sei das Kriterium in besonders
ausgeprägter Weise erfüllt. Zudem sei die Behandlung noch nicht
abgeschlossen, da der Beschwerdeführer den Unfall psychisch noch nicht
verarbeitet habe. Ebenfalls sei das Adäquanzkriterium der Schwere oder
besonderen Art der erlittenen Verletzungen zu bejahen. Das
Bundesgericht habe bei Wirbelkörperfrakturen – wie vorliegend – das
Kriterium der besonderen Art der erlittenen Verletzung bejaht, da bei
solchen ein erhöhtes Risiko von Lähmungserscheinungen bestehe und
wiederholt operative Eingriffe erforderlich seien. Dies sei auch im
vorliegenden Fall gegeben. Jedenfalls sei aber das Merkmal aufgrund der
psychischen Prädisposition zu bejahen. Beim Beschwerdeführer sei die
Berstungsfraktur LWK5 als traumatisches Ereignis geeignet gewesen,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen, was sich daran zeige, dass
dies nachfolgend der Fall gewesen sei. Die SUVA hätte durch eine
Expertise prüfen lassen müssen, ob das Verhalten des
Beschwerdeführers auf die Fraktur aufgrund der Vorerkrankung eine
«normale» Reaktion gewesen sei. Weiter sei auch das Adäquanzkriterium
der ungewöhnlich langen Dauer der ärztlichen Behandlung zu bejahen.
Bereits aus der Bejahung des Adäquanzkriteriums des komplizierten
Heilungsverlaufs ergebe sich, dass die ärztliche Behandlung länger
gedauert habe als normal. Auch nach der Operation habe der
Beschwerdeführer über Schmerzen geklagt, wobei es aufgrund der
Vorerkrankung keine Rolle spiele, ob diese somatisch oder psychisch
seien. Die SUVA hätte prüfen müssen, ob die Schmerzproblematik
«normale» Folge der psychischen Vorerkrankung gewesen sei. Auch habe
die Behandlung mit starken, hochdosierten Medikamenten ungewöhnlich
lange gedauert. Das Adäquanzkriterium der körperlichen
Dauerschmerzen sei ebenfalls zu bejahen. So sei die Operation sechs
Monate nach dem Unfall zur Schmerzlinderung erfolgt und auch nach der
Operation spreche Dr. med. E._ in seinem Bericht vom 25. Juni
2019 von einer maximal ausgebauten Schmerzmedikation. Bei der
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Beurteilung des Integritätsschadens gehe die SUVA alsdann unter Ziffer
6.2 selbst von «Dauerschmerzen» aus. Ferner sei der Beschwerdeführer
aufgrund seiner Veranlagung für psychische Störungen – mithin für
Schmerzen – anfälliger und verkrafte die Schmerzen aufgrund seiner
ungünstigen konstitutionellen Prädisposition seelisch weniger gut als ein
Gesunder. Zum Kriterium «Grad und Dauer der physisch bedingten
Arbeitsunfähigkeit» hielt der Beschwerdeführer fest, er sei vorliegend seit
mehr als 1.5 Jahren nach dem Unfall weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig.
Aufgrund der Vorerkrankung komme es nicht darauf an, ob die
Arbeitsunfähigkeit physisch oder psychisch bedingt sei. Etwas anderes
gelte nur, soweit die SUVA nachweisen könne, dass das Verhalten des
Beschwerdeführers trotz der bestehenden Vorerkrankung
aussergewöhnlich sei. In Bezug auf die Invalidenrente führte der
Beschwerdeführer aus, die SUVA gehe von einer 100%-igen
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit aus. Dabei habe sie aber die
psychischen Folgen des Unfalls ausser Acht gelassen, was aufgrund der
Vorerkrankung des Beschwerdeführers nicht korrekt sei. Somit sei der
Einspracheentscheid vom 27. April 2020 aufzuheben und die SUVA
anzuweisen, die Erwerbsunfähigkeit neu zu beurteilen. Hierfür sei ein
externes psychiatrisches Gutachten einzuholen. Bei der Bemessung des
Valideneinkommens sei zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer
aus Serbien stamme, über keine Ausbildung und äusserst rudimentäre
Deutschkenntnisse verfüge. Vor der Anstellung bei der Firma C._
GmbH sei der Beschwerdeführer aufgrund seiner aufgetretenen
Erkrankung arbeitslos gewesen. In seiner bisherigen Stelle bei der Firma
C._ GmbH, die einzig für ihn geschaffen worden sei, habe der
Beschwerdeführer im Jahr 2019 bei einem Pensum von 25 % einen
Bruttolohn von CHF 18'219.-- erzielt. Er habe somit aus
invaliditätsfremden Gründen ein deutlich unterdurchschnittliches
Einkommen erzielt. In Bezug auf das Invalideneinkommen brachte der
Beschwerdeführer vor, die Rehaklinik G._, auf deren
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Austrittsbericht vom 23. September 2019 die SUVA abstelle, habe die
Vorerkrankung nicht berücksichtigt und daher die Arbeitsunfähigkeit nicht
sachgerecht beurteilt, weshalb eine Expertise einzuholen sei. Sodann
beanstandete der Beschwerdeführer den von der SUVA vorgenommenen
Leidensabzug von 5 %, da nicht hinreichend berücksichtigt worden sei,
dass der Beschwerdeführer Serbe sei, keine Ausbildung habe und nur
schlecht Deutsch spreche. Im Weiteren bemängelte der
Beschwerdeführer die Integritätsentschädigung sowie die Ablehnung der
Hilflosenentschädigung, da die SUVA die psychischen Folgen des Unfalls
ausser Acht gelassen habe.
Mit Beschwerdeeinreichung am 28. Mai 2020 stellte der
Beschwerdeführer überdies das separate Gesuch um Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.
8. In ihrer Vernehmlassung vom 24. August 2020 beantragte die SUVA
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde und
die Bestätigung des Einspracheentscheids vom 27. April 2020. Zur
Begründung verwies die Beschwerdegegnerin auf die Erwägungen im
angefochtenen Einspracheentscheid und führte zudem aus, soweit der
Beschwerdeführer geltend mache, es müsse berücksichtigt werden, dass
eine psychisch kranke Person geschädigt worden sei, sei festzuhalten,
dass die Beschwerdegegnerin diesem Umstand soweit als möglich und
zulässig Rechnung getragen habe. Die Psychopraxis gemäss BGE 115 V
133 verlange eine Gesamtwürdigung unter Berücksichtigung besonderer
Kriterien. Bei der Prüfung dieser Kriterien seien jedoch unfallfremde und
psychische Aspekte ausdrücklich nicht zu berücksichtigen. Berücksichtigt
werden müsse aber die in der Rehaklinik G._ beobachtete
erhebliche Symptomausweitung, welche weitgehend auf eine psychische
Störung zurückgeführt worden sei. Das Ausmass der physischen
Einschränkungen habe sich dort mit den objektivierbaren pathologischen
Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung
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sowie den Diagnosen nicht erklären lassen. Solche unfallfremden
Ursachen dürften im Rahmen der Adäquanzprüfung nicht objektivierbarer
bzw. psychischer Beschwerden nicht berücksichtigt werden. Soweit der
Beschwerdeführer geltend mache, die Fahrzeuge seien ungebremst
ineinander geprallt, sei dieses Vorbringen sachverhaltswidrig. Gemäss
den Angaben im Polizeirapport hätten beide Fahrzeuglenker gebremst.
Die Einordnung des Unfallereignisses als mittelschwerer Unfall an der
Grenze zu den schweren Unfällen erscheine – entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers – unter Berücksichtigung der Rechtsprechung nicht
angezeigt. Vielmehr sei der Unfall als mittelschwer zu qualifizieren. In
Bezug auf die Prüfung der Adäquanzkriterien verwies die
Beschwerdegegnerin auf ihre Ausführungen im angefochtenen
Einspracheentscheid, in welchem sämtliche Kriterien verneint worden
seien und betonte, dass entgegen dem Beschwerdeführer bei der Prüfung
der Kriterien der Psychopraxis psychische Aspekte nicht zu
berücksichtigen seien. Hinsichtlich des Valideneinkommens bestritt die
Beschwerdegegnerin, dass der Beschwerdeführer aus invaliditätsfremden
Gründen ein deutlich unterdurchschnittliches Valideneinkommen bezogen
habe. Diesbezüglich brachte sie vor, in der Verfügung vom 16. März 2020
sei das Valideneinkommen für das Jahr 2020 gestützt und analog auf die
Angaben der Invalidenversicherung in ihrer Verfügung im Jahr 2009 ohne
erlittenen Unfall und trotz der vorbestehenden Krankheit ermittelt und in
korrekter Anwendung von Art. 28 Abs. 3 UVV auf CHF 30'637.--
festgesetzt worden. In Bezug auf das Invalideneinkommen sei der von ihr
vorgenommene Leidensabzug nicht zu beanstanden. Der Umstand, dass
die versicherte Person innerhalb des Kompetenzniveaus 1 nur noch
körperlich leichte Tätigkeiten auszuüben vermöge, die rudimentären
Deutschkenntnisse und die Nationalität des Beschwerdeführers sowie
dessen fehlende Berufsbildung rechtfertigten keinen Abzug vom
Tabellenlohn. Folglich erweise sich der angefochtene
Einspracheentscheid in allen Punkten als rechtens.
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9. Mit Eingabe vom 2. Februar 2021 ersuchte der Beschwerdeführer um
Prüfung einer Priorisierung des vorliegenden Verfahrens mit der
Begründung, dass er infolge des streitgegenständlichen Unfalls vom 9.
November 2018 bis heute 100 % arbeitsunfähig sei. Der
Beschwerdeführer lebe mit seiner Ehefrau von der Invalidenrente sowie
von Ergänzungsleistungen, da er über kein Vermögen verfüge. Davon
müsse er seinen Sohn H._ unterstützen, der noch zur Schule
gehe. Die Sozialversicherungsanstalt habe ab dem 1. Januar 2021 die
Ergänzungsleistungen gekürzt und dem Beschwerdeführer nach Art. 14a
ELV erstmals seit dem Unfall vom 9. November 2018 ein hypothetisches
Erwerbseinkommen trotz 100%iger Arbeitsunfähigkeit angerechnet. Der
Beschwerdeführer habe zwar die Revision der IV-Rente beantragt,
allerdings sei das Dossier wegen des vorliegenden Verfahrens bis zu
dessen Ausgang zurückgestellt worden. Der Beschwerdeführer und seine
Familie würden deshalb am Rande des Existenzminimums leben, was den
Beschwerdeführer zusätzlich psychisch belaste.
10. Mit Schreiben vom 30. März 2021 edierte die Instruktionsrichterin die
vollständigen IV-Akten bei der IV-Stelle des Kantons Graubünden und
teilte den entsprechenden Akteneingang den Parteien mit Schreiben vom
7. April 2021 mit. Die IV-Akten wurden in der Folge sowohl dem
Beschwerdeführer als auch der Beschwerdegegnerin zur Einsicht
zugestellt.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und
auf den angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht
liegenden Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
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1. Anfechtungsobjekt ist der Einspracheentscheid vom 27. April 2020
(Beilagen Beschwerdegegnerin [Bg-act.] 145). Gemäss Art. 1 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m.
Art. 56 Abs. 1 und Art. 58 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen
Einspracheentscheide der Unfallversicherer beim Versicherungsgericht
desjenigen Kantons Beschwerde erhoben werden, in dem die versicherte
Person zur Zeit der Beschwerdeerhebung Wohnsitz hat. Der versicherte
Beschwerdeführer wohnt in I._ GR, weshalb die örtliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden
gegeben ist. Dessen sachliche Zuständigkeit ergibt sich alsdann aus
Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Damit ist die Zuständigkeit
des angerufenen Gerichts zu bejahen. Als formeller und materieller
Adressat des angefochtenen Entscheides ist der Beschwerdeführer vom
angefochtenen Einspracheentscheid berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an dessen Überprüfung auf (Art. 59 ATSG). Auf
die im Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist somit
einzutreten (Art. 1 UVG i.V.m. Art. 60 und Art. 61 lit. b ATSG).
2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente sowie eine
Hilflosenentschädigung zu Recht verneint und die
Integritätsentschädigung zu Recht auf 5 % festgesetzt hat. Dabei stellt
sich insbesondere die Frage, ob die Beschwerdegegnerin die adäquate
Kausalität zwischen dem Unfallereignis vom 9. November 2018 und den
psychischen Beschwerden zu Recht verneint hat.
3.1 Ist der Versicherte infolge des Unfalls zu mindestens 10 % invalid, so hat
er Anspruch auf eine Invalidenrente (Art. 18 Abs. 1 UVG). Erleidet der
Versicherte durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat er Anspruch auf
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eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Der
Unfallversicherer ist demnach nur für Gesundheitsschäden
leistungspflichtig, die natürlich und adäquat kausal mit einem versicherten
Unfallereignis zusammenhängen.
3.2 Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle
Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als
eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur
gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser
Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige
oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt,
dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die
körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt
hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne
dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 142 V
435 E.1, 129 V 177 E.3.1, 119 V 335 E.1, 118 V 286 E.1b, je mit
Hinweisen).
3.3 Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache
eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen
Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses
Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint
(BGE 129 V 177 E.3.2, 125 V 456 E.5a). Hervorzuheben ist, dass die
Adäquanz als rechtliche Eingrenzung der sich aus dem natürlichen
Kausalzusammenhang ergebenden Haftung des Unfallversicherers im
Bereich organisch objektiv ausgewiesener Unfallfolgen praktisch keine
Rolle spielt, da sich hier die adäquate weitgehend mit der natürlichen
Kausalität deckt (BGE 134 V 109 E. 2 S. 111 f.; BGE 127 V 102 E. 5b/bb
S. 103). Sind die geklagten Beschwerden natürlich unfallkausal, aber nicht
organisch objektiv ausgewiesen, so ist die Adäquanz besonders zu prüfen.
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Dabei ist vom augenfälligen Geschehensablauf auszugehen, und es sind
gegebenenfalls weitere unfallbezogene Kriterien einzubeziehen (BGE 134
V 109 E. 2.1 S. 111 f.). Hat die versicherte Person beim Unfall eine
Verletzung erlitten, welche die Anwendung der Schleudertrauma-
Rechtsprechung rechtfertigt, so sind hiebei die durch BGE 134 V 109 E.
10 S. 126 ff. präzisierten Kriterien massgebend. Ist diese Rechtsprechung
nicht anwendbar, so sind grundsätzlich die Adäquanzkriterien, welche für
psychische Fehlentwicklungen nach einem Unfall entwickelt wurden (BGE
138 V 248 E.4 m.w.H.).
3.4 Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen
Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage,
worüber die Verwaltung bzw. im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen
der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im
Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines
Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungsanspruches
nicht (BGE 129 V 177 E.3.1, 119 V 335 E.1, 118 V 286 E.1b, je mit
Hinweisen). Die Frage der Adäquanz ist demgegenüber eine Rechtsfrage,
sie ist nicht von medizinischen Sachverständigen, sondern vom Richter zu
beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_770/2008 vom 21. April 2009
E.5.5.2).
4. Zur Abklärung des Kausalzusammenhangs ist die rechtsanwendende
Behörde auf Unterlagen von medizinischen Fachpersonen angewiesen
(BGE 122 V 157 E.1b). Die medizinischen Unterlagen unterliegen wie
sämtliche Beweismittel in sozialversicherungsrechtlichen Verfahren der
freien Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG). Es gilt das gesamte
Beweismaterial objektiv zu würdigen, bei sich widersprechenden
medizinischen Berichten die Gründe anzugeben, warum auf die eine oder
andere medizinische These abzustellen ist, und zu entscheiden, ob die
verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
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Rechtsanspruches gestatten (BGE 143 V 124 E.2.2.2). Hinsichtlich des
Beweiswertes ärztlicher Stellungnahmen ist entscheidend, ob diese für die
streitigen Belange umfassend sind, auf allseitigen Untersuchungen
beruhen, die geklagten Beschwerden berücksichtigen, in Kenntnis der
Vorakten (Anamnese) abgegeben wurden, in der Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen Situation
einleuchten und in den daraus gezogenen Schlussfolgerungen zu
überzeugen vermögen (BGE 135 V 465 E.4.6, 134 V 231 E.5.1, 125 V 351
E.3a). Ausschlaggebend für den Beweiswert ärztlicher Stellungnahmen ist
folglich grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch dessen
Bezeichnung als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351 E.3a). Dennoch
hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) als vereinbar erachtet, in Bezug auf
bestimmte Formen medizinischer Berichte und Gutachten Richtlinien für
die Beweiswürdigung aufzustellen. So kommt den Berichten und
Gutachten versicherungsinterner Ärzte voller Beweiswert zu, sofern sie als
schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich
widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit
sprechen. Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Arztes
allerdings ein strenger Massstab anzulegen (BGE 125 V 351 E.3b/ee).
Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind
ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 139 V 225 E.5.2; Urteil des
Bundesgerichts 8C_246/2020 vom 10. September 2020 E.2.3).
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5. Im Sozialversicherungsprozess tragen die Parteien in der Regel eine
Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu
Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen
Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift erst Platz,
wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des im
Verwaltungsverfahren wie auch im kantonalen
Sozialversicherungsprozess geltenden Untersuchungsgrundsatzes
aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der
zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu
entsprechen (vgl. BGE 138 V 218 E.6; Urteil des Bundesgerichts
8C_17/2017 vom 4. April 2017 E.2.2).
6. Vorliegend liegt ausser Streit, dass von einer Fortsetzung der auf die
körperlichen Unfallfolgen gerichteten ärztlichen Behandlung über den
31. März 2020 hinaus keine namhafte Besserung des
Gesundheitszustandes mehr zu erwarten war. Der Zeitpunkt des
Fallabschlusses (Art. 19 Abs. 1 UVG) wurde vom Beschwerdeführer nicht
substanziiert bestritten und ist aufgrund der medizinischen Akten,
insbesondere des Austrittsberichts der Rehaklinik G._ vom 23.
September 2019 (Bg-act. 90), ausgewiesen. Im besagten Austrittsbericht
wurden folgende Diagnosen gestellt:
«A. Unfall vom 09.11.2018: Frontalkollision mit PKW (Hochenergietrauma)
A1 Berstungsfraktur LWK 5
- 30.04.2019 MRI LWS: Im Zustand nach inkompletter kaudaler
Berstungsfraktur LWK 5 weiterhin Nachweis von ausgeprägten
Umbauvorgängen mit Knochenmarksödem im LWK 5, so dass die Fraktur
als nicht ausreichend geheilt bezeichnet werden muss. Keine weiteren
Frakturen. Keine Nervenwurzelkompression oder Verletzungen der
dorsalen Zuggurtungsstrukturen.
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- 17.05.2019: Transpedikuläre Balkonhypoplastie (recte wohl
Ballonkyphoplastie) LWK 5 bei noch nicht vollständig verheilter kaudaler
Berstungsfraktur LWK 5.
- 25.06.2019: Röntgen lumbosacraler Übergang in zwei Ebenen: Im Vergleich
zu den Voraufnahmen unverändert gute Stellungsverhältnisse mit intakten
Zementplomben und ohne relevantes sekundäres Nachsintern im Bereich
des kyphoplastierten LWK 5. Vorbestehend diskrete Retrolisthese L5
gegenüber S1. Keine Anschlussfrakturen.
- 16.09.2019: Röntgen LWS ap/lateral: Im Vergleich mit 17.05.2019 soweit in
dieser Technik beurteilbar keine sekundäre Nachsinterung nach
Kyphoplastie LWK 5. Unveränderte Retrolisthese L5 gegenüber S1.
B. Gemäss fremdanamnestischen Angaben (Hausarzt Dr. med. J._ in
K._) endogene Depression
- In Behandlung beim Hausarzt und in Chur
- Bezug einer 50 %-IV-Rente»
Im Weiteren wurde im Bericht festgehalten, wegen fehlendem
Rehapotenzial aufgrund von erheblichen psychischen Problemen mit
gleichzeitiger Weigerung einer psychosomatischen Mitbetreuung sei der
Beschwerdeführer vorzeitig entlassen worden. Aus rein somatisch-
funktioneller Sicht empfehle sich eine Serie ambulanter Physiotherapie
inklusive Medizinische Trainingstherapie zum Erhalt und längerfristig einer
sukzessiven weiteren Verbesserung alltagsspezifischer,
berufsspezifischer Kraft- und Ausdauerkomponenten sowie der
schmerzhaft stark eingeschränkten BWS-/LWS-Beweglichkeit. Aufgrund
der im Vordergrund stehenden psychischen Problematik (unfallfremd)
dürfte sich die Umsetzung dieser Massnahmen jedoch bei der derzeit
starken Antriebsminderung des Beschwerdeführers kaum als
erfolgsversprechend erweisen. Da der Beschwerdeführer ein Gespräch im
psychiatrisch-psychologischen Dienst ausdrücklich abgelehnt hätte, sei es
nicht möglich gewesen, geeignete Massnahmen aufzugleisen. Eine
psychiatrische Betreuung erscheine aus ärztlicher Sicht jedoch als
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indiziert. Von der Fortsetzung der Behandlung könne keine namhafte
Besserung mehr erwartet werden (Bg-act. 90 S. 2 f.). Dass die
Beschwerdegegnerin gestützt auf diese Beurteilung der Rehaklinik
G._ vom 23. September 2019 (Bg-act. 90) den Fallabschluss per
31. März 2020 (Bg-act. 111) vorgenommen hat, ist damit nicht zu
beanstanden. In der Beschwerde hat der Beschwerdeführer sodann auch
keine vorübergehenden Leistungen mehr beantragt.
7.1 Streitig und zu prüfen ist hingegen, ob die vorhandenen psychischen
Leiden, welche auch von den Ärzten der Rehaklinik G._ im
Austrittsbericht vom 23. September 2019 (Bg-act. 90) thematisiert wurden,
als (zumindest teilweise) kausale Folge des Ereignisses vom 9. November
2018 anzusehen sind.
7.2 Die Beschwerdegegnerin liess in ihrem Einspracheentscheid vom 27. April
2020 die Frage des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem
Unfallereignis vom 9. November 2018 und den geklagten psychischen
Beschwerden des Beschwerdeführers offen, zumal sie diesbezüglich den
adäquaten Kausalzusammenhang verneinte (Bg-act. 145 E.4). Der
Beschwerdeführer rügt demgegenüber, die Beschwerdegegnerin habe zu
Unrecht den Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis vom
9. November 2018 und den persistierenden psychischen Beschwerden
verneint. In diesem Zusammenhang bringt er im Wesentlichen vor, dass
der Beschwerdeführer bereits vor dem Unfall psychisch krank gewesen
sei und unter Depressionen leide. Es müsse deshalb berücksichtigt
werden, dass eine psychisch kranke Person geschädigt worden sei, die
das Erlebte wegen der psychischen Vorerkrankung nicht auf dieselbe
Weise verarbeite wie «normale» Unfallopfer. Die Beschwerdegegnerin
hätte eine Expertise einholen müssen, um abzuklären, ob der Unfall die
nicht hinreichend objektivierbaren Beschwerden des Beschwerdeführers
begünstigt respektive deren Ausmass vergrössert habe (vgl.
Beschwerdeschrift Rz. 16).
- 17 -
7.3.1 Bezüglich des natürlichen Kausalzusammenhangs ist zunächst auf den
Zustand des Beschwerdeführers vor dem Unfall einzugehen. Vorliegend
ist aktenkundig, dass der Beschwerdeführer vom 1. Mai 2007 bis 31. Juli
2009 eine ganze IV-Rente bezog und seit dem 1. August 2009 aufgrund
psychischer Beschwerden eine halbe IV-Rente (Invaliditätsgrad 55 %)
bezieht (IV-act. 69, 72 und 103). Der damalige Gutachter Dr. med.
L._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnostizierte in seinem Gutachten vom 6. Mai 2008 an die IV-Stelle
Graubünden eine schwere depressive Episode ohne psychotische
Symptome, ICD-10: F32.2 mit/bei multiplen psychosozialen
Belastungsfaktoren, namentlich schlechte Integration, fehlende
Deutschkenntnisse, schwierige finanzielle Situation, schlechte
Perspektive auf dem Arbeitsmarkt, Krankheit des Sohnes (IV-act. 38 S.
21). Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass vor allem die Einsicht, dass
die Krankheit des älteren Sohnes nicht heilbar sei, bei der Entwicklung der
Krankheit des Beschwerdeführers eine wesentliche Rolle gespielt habe.
Depressive Symptome hätten sich offenbar schon über längere Zeit
angebahnt, zur manifesten Krankheit geführt habe schlussendlich der
Treppensturz mit Handgelenksdistorsion, ein Trauma, das unter normalen
Umständen als Bagatelle anzusehen wäre (IV-act. 38 S. 20). Die
Gutachterin Dr. med. M._, Fachärztin für Psychiatrie und
Psychotherapie, stellte im Gutachten vom 9. Oktober 2009 an die IV-Stelle
Graubünden die Diagnosen sonstige depressive Episoden ICD-10 F32.8,
Verdacht auf akzentuierte Persönlichkeitsentwicklung Z73.1, eventuell
Persönlichkeitsstörung sowie differenzialdiagnostisch eine nicht näher
bezeichnete Konversionsstörung F44.9 (IV-act. 56 S. 8). Ihrer Beurteilung
ist zu entnehmen, dass laut den Vorakten seit 2006 ein psychisches
Leiden bestehe, das in Ausprägung und Auswirkung zunehme. Das
Leiden werde gekennzeichnet durch Antriebslosigkeit, Mutismus, starken
Rückzug sowie Gereiztheit mit aggressiven Ausbrüchen. Subjektiv werde
von Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sowie von Schlafstörungen
- 18 -
berichtet. Die Diagnose einer anhaltenden depressiven Störung müsse
wiederholt werden. Mittlerweile müsse auch von einem stabilen
Gesundheitszustand ausgegangen werden, da sich im klinischen Bild
keinerlei Änderungen gezeigt hätten. Die psychosozial belastenden
Faktoren, die zur Entstehung und Unterhaltung der depressiven Störung
beitragen würden, bestünden weiterhin (IV-act. 56 S. 8 f.). Im Zuge einer
Rentenrevision holte die IV-Stelle alsdann einen Verlaufsbericht bei den
Psychiatrischen Diensten des Kantons Graubünden (PDGR) ein. Dem
entsprechenden Verlaufsbericht vom 25. März 2015 (IV-act. 93) ist zu
entnehmen, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
seit der letzten Verfügung verschlechtert habe. Als Diagnose wird eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ICD-10:
F33.2 sowie eine Somatisierungsstörung ICD-10: F45.0 festgehalten. Im
Weiteren ist dem Bericht zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer sich
seit 2006 in psychiatrischer Behandlung befinde. Es seien zwei stationäre
Aufenthalte jeweils wegen einer schweren depressiven Episode ohne
psychotische Symptome erfolgt, namentlich vom 1. November 2006 bis
25. Juni 2007 auf der offenen Akutstation in der Klinik N._ und
vom 23. Februar 2009 bis 3. April 2009 auf der offenen Akutstation der
Klinik O._. Zwischenzeitlich sei die Behandlung im teilstationären
Setting erfolgt. Aktuell befinde sich der Beschwerdeführer seit dem
14. März 2013 erneut in ambulanter psychiatrischer Behandlung in der
Klinik N._. Der Beschwerdeführer sei Kosovo-Albaner und lebe
seit 1991 in der Schweiz. Bis 2005 habe er als P._ arbeiten
können. Seit 2006 leide der Beschwerdeführer an rezidivierenden
depressiven Störungen. Seit 2006 bestehe bei ihm eine Verschlechterung
der Stimmung, des Antriebs sowie des Gedächtnisses und der
Konzentration. Er sei freud- und lustlos, befinde sich in einer
Abwärtsspirale, könne sich zu nichts mehr aufraffen und habe
Einschlafstörungen. Er vergesse sehr viel. Seine Familie stamme aus
Serbien, seien aber Mazedonier und seien dort eine Minderheit gewesen.
- 19 -
Den Krieg hätten sie nicht direkt miterlebt. In den letzten Jahren hätten sie
aber die Heimat immer wieder besucht und seien auch bis heute mit den
Folgen des Krieges konfrontiert. Der Beschwerdeführer habe vier Kinder
(drei Söhne und eine Tochter). Der 13-jährige Sohn leide an einem
angeborenen Autismus und sei 2013 im Q._ platziert worden. Der
Vater des Beschwerdeführers sei mit 48 Jahren auch schwer depressiv
geworden und habe im Vergleich einen ähnlichen Krankheitsverlauf mit
starker Gedächtnisstörung gezeigt wie aktuell der Beschwerdeführer (IV-
act. 93 S. 2). Im Weiteren wurde im Bericht festgehalten, dass es sich beim
Beschwerdeführer um einen langjährigen und komplexen
Krankheitsverlauf handle und von einer Chronifizierung ausgegangen
werden müsse. Es persistierten eine reduzierte Konzentration,
Vergesslichkeit, eine deutlich herabgesetzte Belastbarkeit sowie
gedankliche Einengung und Ängste (IV-act. 93 S. 3). Der Beurteilung des
RAD-Arztes vom 19. Juni 2015 (vgl. IV-act. 104 S. 7) ist zu entnehmen,
dass der Beschwerdeführer und sein Hausarzt Dr. med. R._ von
einem stationären Gesundheitszustand berichten würden. Die Behandler
der PDGR gäben eine Verschlechterung an, der von ihnen beschriebene
Gesundheitszustand stimme aber weitgehend mit den Angaben von Dr.
med. S._ im Jahr 2010 (recte wohl 2009) überein. Es bestehe
deshalb ein im Wesentlichen unveränderter Gesundheitszustand. Mit
Mitteilung vom 6. Mai 2019 teilte die IV-Stelle dem Beschwerdeführer mit,
dass sie bei der Überprüfung des Invaliditätsgrades keine Änderung
festgestellt hätte, die sich auf die Rente auswirke. Es bestehe deshalb
weiterhin Anspruch auf die bisherige IV-Rente (IV-act. 103).
Zusammenfassend kann demnach festgehalten werden, dass der
Beschwerdeführer vor dem Unfallereignis vom 9. November 2018 bereits
seit mehreren Jahren, mithin seit 2006, mit Depressionen zu kämpfen hat,
dieses Leiden zwischenzeitlich zu stationären Klinikaufenthalten und auch
immer wieder zu ambulanten psychiatrischen Behandlungen geführt hat
- 20 -
und von einem komplexen Krankheitsverlauf mit Chronifizierung
auszugehen ist.
7.3.2 Nach dem Unfallereignis vom 9. November 2018 gab der Hausarzt
Dr. med. R._ in seinem Verlaufsbericht zuhanden der IV-Stelle
vom 30. August 2019 (IV-act. 116) an, dass sich der Gesundheitszustand
des Beschwerdeführers verschlechtert habe. Er diagnostizierte eine
schwere endogene Depression sowie ein Hochenergie-Trauma im
Rahmen einer Frontalkollision mit einem Personenfahrzeug am
9. November 2018 mit Berstungsfraktur LWK 5 (IV-act. 116 S. 1). Ebenso
hielt Dr. med. R._ fest, dass seit dem 9. November 2018, mithin
seit dem Unfallereignis, neu ein schweres Schmerzsyndrom nach
Hochenergie-Trauma mit LWK 5 Fraktur hinzugekommen sei und die
Hilflosigkeit und Depression zugenommen und insofern geändert hätten
(IV-act. 116 S. 2). Auch der RAD-Arzt hielt in seiner Beurteilung vom
7. August 2019 fest, dass sich nach dem Unfall der Gesundheitszustand
zumindest vorübergehend verschlechtert habe. Die weitere Entwicklung
bleibe abzuwarten (vgl. Case Report S. 15). Diese beiden ärztlichen
Beurteilungen stellen Indizien dafür dar, dass überwiegend wahrscheinlich
ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen einer – zumindest
vorübergehenden – Verschlimmerung der bereits vor dem Unfall
bestandenen psychischen Beschwerden und dem Unfall vom
9. November 2018 besteht. Dieses Indiz wird alsdann durch den Umstand
verstärkt, dass der Beschwerdeführer offenbar dazu neigt, auf Unfälle mit
einer Verstärkung der depressiven Symptomatik zu reagieren, so hat
gemäss der Einschätzung von Dr. med. T._ bereits im Jahr 2008
ein Unfall, namentlich ein Treppensturz, dazu geführt, dass die
depressiven Symptome zur manifesten Krankheit wurden (IV-act. 38
S. 20). Hinzu kommt sodann, dass auch im Austrittsbericht der Rehaklinik
G._ vom 23. September 2019 (Bg-act. 90 S. 8) von Flash backs
die Rede ist. Da es sich beim natürlichen Kausalzusammenhang
- 21 -
allerdings um eine Tatfrage handelt, wird die Beschwerdegegnerin im
Falle einer Rückweisung zur Einholung eines externen medizinischen
Gutachtens und zu neuem Entscheid den natürlichen
Kausalzusammenhang zu beurteilen haben (vgl. auch das Urteil des
Bundesgerichts 8C_289/2020 vom 17. Februar 2021 E.6.1 f., welches zur
Publikation vorgesehen ist). Zunächst ist allerdings noch zu prüfen, ob die
bestehenden psychischen Beschwerden des Beschwerdeführers auch
(zumindest teilweise) in einem adäquaten Kausalzusammenhang mit dem
Unfall vom 9. November 2018 stehen. Je nach Ausgang dieser Prüfung
erübrigen sich nämlich weitergehende Abklärungen bezüglich der
natürlichen Kausalität dieser Beschwerden.
7.4.1 Im vorliegenden Fall fand bezüglich der Adäquanzprüfung die Psycho-
Praxis Anwendung, was zu Recht nicht beanstandet wird. Ausgangspunkt
der Adäquanzbeurteilung entsprechend der Psycho-Praxis bildet das
objektiv erfassbare Unfallereignis. Im Rahmen einer objektivierten
Betrachtungsweise ist zu untersuchen, ob der Unfall eher als leicht, als
mittelschwer oder als schwer erscheint, wobei im mittleren Bereich
gegebenenfalls eine weitere Differenzierung nach der Nähe zu den
leichten oder schweren Unfällen erfolgt. Massgebend für die Beurteilung
der Unfallschwere ist der augenfällige Geschehensablauf mit den sich
dabei entwickelnden Kräften und die unmittelbar beim Unfall erlittenen
Verletzungen (BGE 140 V 356 E.5.1, 115 V 133 E.6). Nicht zu
berücksichtigen sind das subjektive Erleben des Unfalls durch die
verunfallte Person und die Folgen, welche sich im Lauf der Zeit als
Reaktion auf den Unfall entwickeln (BGE 140 V 356 E.5.3, 115 V 133 E.6).
7.4.2.1 Zwischen den Parteien ist die Unfallschwere umstritten. Während die
Beschwerdegegnerin das Ereignis vom 9. November 2018 als
mittelschweren Unfall im engeren Sinn qualifiziert, macht der
Beschwerdeführer mindestens einen mittelschweren Unfall im
Grenzbereich zu den schweren Unfällen geltend.
- 22 -
7.4.2.2 Die Schwere des erlittenen Unfalls ist aufgrund des augenfälligen
Geschehensablaufs mit den sich dabei entwickelnden Kräften zu
beurteilen. Der Unfall ereignete sich am 9. November 2019 um 20.05 Uhr.
Dem Polizeirapport vom 14. Dezember 2018 (Polizeirapport, Bg-act. 25 S.
5 f.) lässt sich zum Unfallhergang Folgendes entnehmen: Die Lenkerin des
dem Beschwerdeführer entgegenkommenden Personenwagens geriet
aufgrund einer Ablenkung auf die Gegenfahrbahn, wobei sie mit einer
angeblichen Geschwindigkeit von ca. 70 km/h fuhr. Als die Lenkerin des
besagten Personenwagens ihren Blick wieder auf die Strasse wendete,
bemerkte sie den entgegenkommenden Personenwagen des
Beschwerdeführers, welcher ebenfalls mit einer angeblichen
Geschwindigkeit von ca. 70 km/h unterwegs war. Um einer Kollision mit
dem korrekt entgegenkommenden Wagen des Beschwerdeführers zu
entgehen, lenkte sie ihren Wagen abrupt nach rechts und leitete eine
Vollbremsung ein. Gleichzeitig versuchte der Beschwerdeführer mittels
abrupter Lenkbewegung und vorgängiger, leichter Bremsung, nach links,
einer Kollision zu entgehen. Da sich nun beide Fahrzeuge auf der gleichen
Fahrbahn befanden, kollidierten diese mit unbekannter
Restgeschwindigkeit frontal-spitzwinklig miteinander. Den
Personenwagen des Beschwerdeführers drehte es aufgrund der Wucht
durch die Kollision ca. 45 Grad im Gegenuhrzeigersinn um die eigene
Hochachse und er wurde ca. 1.5 Meter in Richtung U._
verschoben. Den anderen Wagen wies es aufgrund der Kollision nach
rechts ab, wo dieser mit der dortigen Randleitplanke kollidierte. Dabei
drehte es den Personenwagen ca. 10 Grad im Uhrzeigersinn um die
eigene Hochachse. Beide Fahrzeuge kamen total beschädigt zum
Stillstand. Im Weiteren geht aus dem Polizeirapport hervor, dass beide
Unfallbeteiligten sich durch den Unfall verletzten, jedoch die total
beschädigten Fahrzeuge selbstständig verlassen konnten.
- 23 -
7.4.2.3 Der Beschwerdeführer bringt vor, es sei unzutreffend, dass beide
Fahrzeuge mit einer unbekannten Restgeschwindigkeit ineinander geprallt
seien und stellt dabei auf seine Aussage in der polizeilichen Einvernahme
ab, wonach er auf die Gegenfahrbahn ausgewichen sei, als die
Unfallverursacherin ca. 30-50 Meter vor ihm gewesen sei (vgl. Polizeiliche
Einvernahme des Beschwerdeführers, Bg-act. 25 S. 3, Frage 12).
Aufgrund dieses Abstandes müssten die Fahrzeuge ungebremst
ineinander geprallt sein (Beschwerdeschrift Ziff. 20). Diesbezüglich ist
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer die Frage, ob er die andere
Verkehrsteilnehmerin habe beobachten könne, verneinte, obwohl die
Strasse dort ziemlich lange und gerade ist (vgl. Polizeiliche Einvernahme
des Beschwerdeführers, Bg-act. 25 S. 5, Fragen 52 und 53). Ebenso gab
er zu Protokoll, dass es dunkel gewesen sei (Polizeiliche Einvernahme des
Beschwerdeführers, Bg-act. 25 S. 5, Frage 50). Auf die Frage, wann die
andere Verkehrsteilnehmerin wieder auf ihre Fahrbahn ausgewichen sei
bzw. wie gross der Abstand gewesen sei, antwortete der
Beschwerdeführer, dies könne er nicht sagen, er sei schon auf ihrer
Fahrbahn gefahren, der Abstand sei ziemlich respektive sehr nahe
gewesen, wie genau könne er nicht sagen, er schätze ca. 30-50 Meter
(Polizeiliche Einvernahme des Beschwerdeführers, Bg-act. 25 S. 2 f.,
Fragen 9 und 10; S. 6, Fragen 56 und 57). Vor diesem Hintergrund
erscheint die Einschätzung des Beschwerdeführers zur Distanz wenig
aussagekräftig, weshalb zur Ermittlung der Unfallschwere von einer
Kollision mit unbekannter Restgeschwindigkeit – wie im Polizeirapport
vom 14. Dezember 2018 festgehalten – auszugehen ist.
7.4.2.4 Die Zuordnung des Unfallereignisses vom 9. November 2018 zu den
mittelschweren Unfällen im engeren Sinne ist nicht zu beanstanden. Die
vom Beschwerdeführer in seiner Beschwerdeschrift zitierten Fälle, in
welchen von mittelschweren Unfällen an der Grenze zu den schweren
Unfällen ausgegangen wurde (vgl. Beschwerde Rz. 24), können aufgrund
- 24 -
der sehr viel höheren Krafteinwirkung nicht mit dem vorliegenden Fall
verglichen werden. Beim erstzitierten Fall des Beschwerdeführers handelt
es sich um eine Kollision zwischen einem Lastwagen und einem
Personenwagen auf einer Autobahn und anschliessender Kollision mit der
rechten und linken Tunnelwand. Bereits aus dem Umstand, dass ein
Lastwagen involviert war und der Unfall auf einer Autobahn erfolgte, ist
von einer höheren Krafteinwirkung als im vorliegenden Fall auszugehen.
Hinzu kommt, dass der Personenwagen nach der Kollision mit dem
Lastwagen sowohl mit der rechten als auch mit der linken Tunnelwand
kollidierte, was nicht zu vergleichen ist mit der Randleitplanke im
vorliegenden Fall. Im zweitzitierten Fall überschlug sich das Fahrzeug und
der Beifahrer wurde aus dem Dachfenster geschleudert. Im hier zu
beurteilenden Fall wurden jedoch keine Personen aus den Fahrzeugen
geschleudert, sondern beide Unfallbeteiligten konnten ihre Wagen
selbständig verlassen. Hinsichtlich des letztzitierten Falls ist ein Vergleich
nicht möglich, da dort für die Einordnung des Unfallereignisses wohl die
Unfallanalyse bzw. die von den Experten errechnete kollisionsbedingte
Geschwindigkeitsänderung bezogen auf den Fahrersitz massgebend war.
Diese liegt im hier zu beurteilenden Fall nicht vor. Demgegenüber sind die
von der Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeant-wort
wiedergegebenen Fälle von mittelschweren Unfällen im engeren Sinn (vgl.
Beschwerdeantwort S. 3 ff.) von der Krafteinwirkung eher vergleichbar mit
dem hier zu beurteilenden Ereignis. Zwar ist die Kollisionsgeschwindigkeit
bei diesen Fällen teilweise mutmasslich tiefer gewesen als im
vorliegenden Fall, doch die sich entwickelnden Kräfte durchaus
vergleichbar. So etwa der Unfall, bei welchem sich das Fahrzeug bei einer
Geschwindigkeit von ca. 90 km/h auf einer Autobahn über eine
Mittelleitplanke hinweg überschlug, wobei die versicherte Person hinaus
geschleudert wurde, und das Fahrzeug mit Totalschaden auf dem Dach
zu liegen kam (Urteil des Bundesgerichts U 492/06 vom 16. Mai 2007
E.4.2) oder bei welchem die versicherte Person bei 80 km/h mit ihrem
- 25 -
Fahrzeug die Leitplanke durchbrach, die Böschung hinab fuhr, das
Fahrzeug sich überschlug und auf dem Dach liegen blieb, wobei die
versicherte Person vorübergehend das Bewusstsein verlor (Urteil des
Bundesgerichts 8C_624/2010 vom 3. Dezember 2010 E.4.1.2). Von der
Beschwerdegegnerin nicht wiedergegeben, erscheinen dem Gericht
insbesondere folgende zwei Unfälle aus der Kasuistik (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 8C_617/2010 vom 15. Februar 2011 E.3.2.2 mit
Hinweisen) – insbesondere auch aufgrund der Kollisionsgeschwindigkeit
– mit dem hier zu beurteilenden Fall vergleichbar. Einerseits der in der
Kasuistik erwähnte Fall der Frontalkollision zweier Personenwagen mit
addierten Geschwindigkeiten von ca. 100 bis 120 km/h (Urteil
Bundesgericht 8C_80/2009 vom 5. Juni 2009 E.6.1) sowie anderseits
derjenige, wonach ein Fahrzeug ungebremst mit etwa 100 km/h in ein mit
ca. 80 km/h fahrendes, noch ein Abbrems- und Ausweichmanöver
einleitendes Auto stiess (Urteil des Bundesgerichts 8C_1021/2009 vom 3.
November 2010 E.8.3). Das Unfallereignis vom 9. November 2018 ist
folglich den mittelschweren Unfällen im engeren Sinne zuzuordnen.
7.4.3 Die Adäquanz eines Kausalzusammenhanges wäre somit nur dann zu
bejahen, wenn eines der relevanten Adäquanzkriterien in besonders
ausgeprägter oder mehrere (mindestens drei) dieser Kriterien in gehäufter
Weise erfüllt wären. Der Katalog dieser Kriterien lautet wie folgt (vgl.
Kriterienkatalog im Urteil des Bundesgerichts 8C_473/2019 vom
11. November 2019 E.5.1):
- besonders dramatische Begleitumstände oder besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls;
- die Schwere oder die besondere Art der erlittenen (somatischen)
Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen;
- eine ungewöhnlich lange Dauer der ärztlichen Behandlung;
- (körperliche) Dauerschmerzen;
- 26 -
- eine ärztliche Fehlbehandlung, welche die Unfallfolgen erheblich
verschlimmert;
- ein schwieriger Heilungsverlauf und erhebliche Komplikationen;
- der Grad und die Dauer der (physisch) bedingten Arbeitsunfähigkeit
7.4.4 Die Beschwerdegegnerin prüfte im angefochtenen Einspracheentscheid
die oben erwähnten Adäquanzkriterien und kam zum Schluss, dass keines
der erforderlichen Kriterien erfüllt sei (Bg-act. 145 E.4.2). Der
Beschwerdeführer beanstandet, dass die Beschwerdegegnerin nicht
berücksichtigt habe, dass vorliegend nicht ein gesunder
Versicherungsnehmer, sondern ein psychischer kranker
Versicherungsnehmer verletzt worden sei (vgl. Beschwerdeschrift Ziff. 28).
7.4.5 Wie das Eidgenössische Versicherungsgericht in BGE 112 V 30 E.3c in
Änderung seiner Rechtsprechung erkannt und in BGE 115 V 133 E.4b
bestätigt hat, darf die Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf
der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine
psychische Gesundheitsschädigung herbeizuführen, in der sozialen
Unfallversicherung nicht auf den psychisch gesunden Versicherten
beschränkt werden. Vielmehr ist auf eine weite Bandbreite der
Versicherten abzustellen. Hierzu gehören auch jene Versicherten, die
aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und
einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde. Die Gründe
dafür, dass einzelne Gruppen von Versicherten einen Unfall langsamer
oder schlechter verarbeiten als andere, können z.B. in einer ungünstigen
konstitutionellen Prädisposition
oder allgemein in einem angeschlagenen Gesundheitszustand, in einer
psychisch belastenden sozialen, familiären oder beruflichen Situation oder
in der einfach strukturierten Persönlichkeit des Verunfallten liegen. Somit
bilden im Rahmen der erwähnten, weit gefassten Bandbreite auch solche
Versicherte Bezugspersonen für die Adäquanzbeurteilung, welche im
Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung eines Unfalles zu einer
- 27 -
Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versicherungsmässiger
Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren. Daraus ergibt sich, dass für
die Beurteilung der Frage, ob ein konkretes Unfallereignis als alleinige
Ursache oder als Teilursache nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und
der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, zu einer bestimmten
psychischen Schädigung zu führen, kein allzu strenger, sondern im
dargelegten Sinne ein realitätsgerechter Massstab angelegt werden muss
(zum Ganzen: BGE 129 V 177 E.3.3, BGE 125 V 462 E.5c).
7.5.1 Ob besonders dramatische Begleitumstände oder eine besondere
Eindrücklichkeit des Unfalls vorliegen, beurteilt sich objektiv und nicht
aufgrund des subjektiven Empfindens bzw. Angstgefühls der versicherten
Person. Zu beachten ist, dass jedem mindestens mittelschweren Unfall
eine gewisse Eindrücklichkeit zu eigen ist, welche somit noch nicht für eine
Bejahung des Kriteriums ausreichen kann. Im Rahmen dieses Kriteriums
wird nur das Unfallgeschehen an sich und nicht die dabei erlittene
Verletzung betrachtet (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_114/2018 vom
22. August 2018 E.6.3 mit Hinweisen).
7.5.2 Vorliegend ereignete sich eine Frontalkollision ohne weitere
erschwerende Umstände. Beide Fahrzeuglenker konnten nach dem
Unfallereignis ihre Fahrzeuge selbständig verlassen. Zu keinem Zeitpunkt
bestand eine Lebensgefahr. Weder hatte sich der Beschwerdeführer
selber oder eine ihm nahestehende Person lebensbedrohlich verletzt
(vgl. Polizeirapport, Bg-act. 25 S. 4 f.) noch befand sich das Fahrzeug
nach der Kollision in einer gefährlichen Lage (vgl. Polizeirapport, Bg-act.
25, S. 3 ff.). Bei Autounfällen ist von besonders dramatischen
Begleitumständen bzw. einer besonderen Eindrücklichkeit etwa bei einer
Massenkarambolage auf einer Autobahn auszugehen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_623/2007 vom 22. August 2008 E.8.1), bei einem
Zusammenstoss zwischen einem Personenwagen und einem Lastwagen
in einem Autobahntunnel mit mehreren sich anschliessenden Kollisionen
- 28 -
mit der Tunnelwand (Urteil des Bundesgerichts 8C_257/2008 vom
4. September 2008 E.3.3.3), bei einem Zusammenprall zwischen einem
Sattelschlepper und einem Personenwagen, wobei der Fahrer des
Sattelschleppers die Kollision zunächst nicht bemerkte und den
Personenwagen der versicherten Person über eine längere Distanz vor
sich herschob und die Insassen dieses Fahrzeugs verzweifelt versuchten,
den Unfallverursacher auf sich aufmerksam zu machen (Urteil des
Bundesgerichts 8C_508/2008 vom 22. Oktober 2008 E.5.3), oder wenn
der im gleichen Fahrzeug mitfahrende nahe Verwandte beim Unfall
verstirbt (Urteil des Bundesgerichts 8C_365/2010 vom 23. August 2010
E.3.1). Umstände dieser Art liegen hier nicht vor, weswegen es nicht zu
beanstanden ist, dass die Beschwerdegegnerin besonders dramatische
Begleitumstände oder eine besondere Eindrücklichkeit des Unfalles vom
9. November 2018 verneint hat.
7.6.1 Zum Kriterium der besonderen Art oder Schwere der erlittenen
Verletzungen, insbesondere ihre erfahrungsgemässe Eignung,
psychische Fehlentwicklungen auszulösen, findet sich eine
Zusammenfassung der aktuellen Kasuistik in BGE 140 V 356 E.5.5.1 (mit
Hinweis auf Urteil des Bundesgerichts 8C_398/2012 vom 6. November
2012 E.6.2.1). Bejaht wurde das Kriterium u.a. bei Wirbelkörperfrakturen,
wobei dem bei solchen Verletzungen bestehenden erhöhten Risiko von
Lähmungserscheinungen und den im konkreten Fall wiederholt
erforderlich gewesenen operativen Eingriffen Rechnung getragen wurde
(Urteil des Bundesgerichts 8C_488/2011 vom 19. Dezember 2011 E.5.2 f)
sowie bei einer instabilen Fraktur eines Lendenwirbels, wobei
berücksichtigt wurde, dass sich der Versicherte damit eine für einen
mittelschweren, im Grenzbereich zu den leichten Ereignissen zu
qualifizierenden Unfall relativ schwere Verletzung zugezogen habe,
welche zudem nach ärztlicher Einschätzung erfahrungsgemäss geeignet
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/2732229f-1949-4b8d-9e6e-a92e284a59ad/citeddoc/4509b625-21d6-4630-9cfc-ebea0d5b4f2f/source/document-link
- 29 -
sei, psychische Fehlentwicklungen auszulösen (Urteil des Bundesgerichts
8C_116/2009 vom 26. Juni 2009 E.4.3).
7.6.2 Der Beschwerdeführer erlitt infolge des Unfallereignisses vom
9. November 2018 eine inkomplette Berstungsfraktur LWK 5,
Rippenkontusionen, eine Kontusion des linken Daumens sowie
oberflächliche Schürfwunden des Abdomens und des Thoraxes zu (Bg-
act. 2). Dem Austrittsbericht des Kantonsspitals D._ vom
27. November 2018 ist zu entnehmen, dass das Röntgenbild nach
Erstmobilisation am 10. November 2018 sowie der Verlaufsröntgenbilder
vom 15. November 2018 und 19. November 2018 stets stationäre
Stellungsverhältnisse der Berstungsfraktur LWK 5 zeigten. Eine
chirurgische Frakturversorgung wurde aufgrund der unbefriedigenden
Schmerzsituation re-evaluiert, eine klare Indikation ergab sich nicht und
der Beschwerdeführer lehnte eine Operation ab. In der Verlaufskontrolle
vom 28. November 2018 (Bg-act. 3) zeigten sich stationäre
Stellungsverhältnisse ohne sekundäre Dislokation oder Zunahme der
Sinterung. In den nachfolgenden Verlaufskontrollen vom 12. Dezember
2018 (Bg-act. 4), 8. Januar 2019 (Bg-act. 5) und 5. Februar 2019 (Bg-
act. 28) wurde eine unveränderte klinische Situation beurteilt. Nachdem
der Beschwerdeführer weiterhin über Schmerzen klagte, empfahl Dr. med.
E._, Leitender Arzt Wirbelsäulenchirurgie am V._, am
10. April die erweiterte Diagnostik mittels MRT mit Frage nach allfälliger
Signalstörungen im ehemals frakturierten Wirbel und zum Ausschluss
weiterer okkulter Frakturen (Bg-act. 47). Im MRI vom 30. April 2019 zeigte
sich sodann weiterhin ein Nachweis von ausgeprägten Umbauvorgängen
mit Knochenmarksödem im LWK 5, sodass die Fraktur nicht als
ausreichend geheilt bezeichnet werden müsse (Bg-act. 51). Aufgrund
dieses Befundes wurde am 17. Mai 2019 eine perkutane transpedikuläre
Ballonkyphoplastie LWK 5 am V._ durch Dr. med. E._
(Bg-act. 56) durchgeführt. Anlässlich der Verlaufskontrolle bei Dr. med.
https://www.swisslex.ch/doc/unknown/d87c7f1e-4ffe-4524-a4a3-beb86a607b32/citeddoc/09de44b5-5c2b-40ee-afd5-fe73f4a25aa9/source/document-link
- 30 -
E._ am 25. Juni 2019 (Bg-act. 62) berichtete der
Beschwerdeführer weiterhin über stark störende Restbeschwerden lumbal
ohne Schmerzausstrahlung in die Beine oder sensomotorische Defizite.
Nach wie vor bestand eine maximal ausgebaute Schmerzmedikation. Dr.
med. E._ hielt in seiner Beurteilung zur Verlaufskontrolle fest, es
persistierten noch immer relevante Restbeschwerden, für welche er von
wirbelsäulenchirurgischer Seite her keine Möglichkeit mehr sah, diese
weiter zu verbessern (Bg-act. 62). Er empfahl deshalb eine Beurteilung in
der Schmerzsprechstunde, welche am 20. August 2019 bei den Ärzten
Dres. med. W._ und X._ stattfand. Diese kamen in ihrer
Beurteilung zum Schluss, dass die vom Beschwerdeführer beschriebenen
Schmerzen im Schulter-, Nacken- sowie Rückenbereich sich mit grosser
Wahrscheinlichkeit auf die multiplen Triggerpunkte sowie den muskulären
Hartspann zurückführen liessen. Es liege eine ungenügende
Rumpfstabilisation vor, die das Auftreten der Myogelosen und der
Triggerpunkte ermöglichen und unterhalten würden. Weiter hielten sie
fest, dass die psychische Co-Morbi-dität des Beschwerdeführers einen
grossen Einfluss auf das Schmerzempfinden habe. Hier sei zu evaluieren,
ob allenfalls eine Anpassung der antidepressiven Medikamente zu einer
Veränderung der Schmerzwahrnehmung führen könnte (Bg-act. 86 S. 3).
7.6.3 Vorliegend wurde die Berstungsfraktur des LWK 5 somit zunächst
konservativ behandelt. Den Verlaufsberichten (u.a. Bg-act. 4, 5 und 28) ist
kein auffälliger Verlauf zu entnehmen. Im Verlaufsbericht vom 5. Februar
2019 (Bg-act. 28) wird sodann anamnestisch darauf hingewiesen, dass
keine neurologischen Ausfälle bestünden. Nachdem in der MRI-
Untersuchung vom 30. April 2019 ausgeprägte Umbauvorgänge mit
Knochenmarksödem im LWK 5 nachgewiesen wurden und die Fraktur
somit als noch nicht ausreichend geheilt betrachtet werden musste (vgl.
Bg-act. 51), musste sich der Beschwerdeführer sieben Monate nach dem
Unfallereignis einem operativen Eingriff im LWK 5 unterziehen. Im
- 31 -
Unterschied zur vorstehend genannten Kasuistik (vgl. Erwägung 7.6.1)
kam es vorliegend jedoch nicht zu wiederholten operativen Eingriffen,
sondern lediglich zu einer einmaligen Ballonkyphoplastie. Sodann ist zwar
eine instabile Fraktur vorhanden, diese wurde aber mit einer
Ballonkyphoplastie minimal-invasiv behandelt und der Beschwerdeführer
wurde danach komplikationslos entlassen (Bg-act. 12). Allerdings war
sechs Wochen nach dem Eingriff nach wie vor eine maximal ausgebaute
Schmerzmedikation angezeigt (Bg-act. 62), in der Folge kam es zu einer
Schmerzsprechstunde im August 2019 (Bg-act. 86) sowie letztlich zu
einem Aufenthalt in der Rehaklinik G._ im September 2019 (Bg-
act. 90). Sodann ist aktenkundig, dass der Beschwerdeführer bereits vor
dem Unfall vom 9. November 2018 seit mehreren Jahren an psychischen
Beschwerden litt (vgl. vorstehende Erwägung 7.3.1) und deswegen eine
IV-Rente bezieht. Die Lendenwirbelverletzung traf damit konkret eine
versicherte Person mit vorbestandener psychischer Komorbidität bzw.
Prädisposition, was entsprechend schwerer wiegt als bei versicherten
Personen, die keine ihren gesundheitlichen Vorzustand betreffende
Auffälligkeiten aufweisen. Andernfalls würde von diesen Versicherten zu
Unrecht verlangt, dem Unfallereignis einen grösseren psychischen
Widerstand entgegenzusetzen, als dies von einer der erwähnten
Bandbreite angehörenden versicherten Personen erwartet würde (vgl.
BGE 115 V 133 E.6c.bb; Urteil des Bundesgerichts 8C_965/2008 vom
5. Mai 2009 E.4.3.2). Eine erhöhte psychische
Vulnerabilität/Prädisposition hat sich beim Beschwerdeführer in der
Vergangenheit bereits einmal dadurch gezeigt, dass das damalige banale
Unfallereignis eines Treppensturzes mit Handgelenksdistorsion gemäss
Beurteilung des Gutachters Dr. med. T._ zur manifesten
Krankheit der Depression beim Beschwerdeführer geführt hat (IV-act. 38
S. 20). Der Beschwerdegegnerin war sodann bekannt, dass der
Beschwerdeführer nach wie vor regelmässig in den PDGR behandelt wird
(vgl. z.B. Bg-act. 78 S. 1, 86 S. 2). Auch im Austrittsbericht der Rehaklinik
- 32 -
G._ vom 23. September 2019 (Bg-act. 90 S. 2) werden die
psychischen Probleme thematisiert. So wurde darin festgehalten, der
Beschwerdeführer sei wegen fehlendem Rehapotenzial aufgrund von
erheblichen psychischen Problemen mit gleichzeitiger Weigerung einer
psychosomatischen Mitbetreuung vorzeitig entlassen worden. Ebenfalls
beobachteten die Ärzte der Rehaklinik G._ eine erhebliche
Symptomausweitung, welche weitgehend auf eine psychische Störung
zurückzuführen sei (Bg-act. 90 S. 2). Im Weiteren geht aus dem Bericht
hervor, dass der Beschwerdeführer immer wieder Angst geäussert habe,
dass er seinem Rücken schaden könnte. Diese Angst habe ihm trotz
langsamen Heranführens an Bewegung und Belastung sowie Erklärungen
bezüglich der physiologischen Vorgänge nicht genommen werden können
(Bg-act. 90 S. 4). Hinzu kommt, dass auch die Dres. W._ von der
Schmerzsprechstunde feststellten, dass die psychische Co-Morbidität des
Beschwerdeführers einen grossen Einfluss auf das Schmerzempfinden
habe (Bg-act. 86 S. 3) und auch die Case Managerin nach dem
Erstgespräch vom 14. Juni 2019 festhielt, der Unfall sei noch nicht
verarbeitet. Ängste seien weiterhin vorhanden sowie Alpträume zur
Frontalkollision (vgl. Case Report S. 10), was wiederum auf eine
psychische Vulnerabilität hindeutet. Trotz all dieser vorhandenen
Anhaltspunkte unterliess es die Beschwerdegegnerin indessen, dem
Punkt, inwiefern die Möglichkeit einer psychischen Fehlentwicklung beim
Beschwerdeführer aufgrund seiner psychischen Vorerkrankung schwerer
wiegt, als bei einer gesunden versicherten Person, nachzugehen.
Insbesondere verzichtete sie darauf, die zuständigen Fachpersonen der
PDGR um entsprechende, den betreffenden Aspekt näher ausleuchtende
Auskünfte zu ersuchen. Ferner erachtete sie es auch nicht für erforderlich,
die (medizinischen) IV-Akten beizuziehen. Ohne allerdings über
zuverlässige medizinische Informationen über die Art der psychischen
Beeinträchtigung und das Ausmass der Prädisposition sowie über den
natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem Unfallereignis und der
- 33 -
psychischen Gesundheitsbeeinträchtigung zu verfügen, kann vorliegend
nicht zum Vornherein verneint werden, dass der Unfall rechtlich geeignet
ist, eine psychische Fehlentwicklung auszulösen. Insbesondere kann
aufgrund des psychischen Vorzustandes des Beschwerdeführers sowie
seiner möglicherweise erhöhten psychischen Vulnerabilität nicht
ausgeschlossen werden, dass das Kriterium der besonderen Art oder
Schwere der erlittenen Verletzungen in ausgeprägter Weise erfüllt ist. In
Anbetracht dieser Umstände ist von einem nur unvollständig erhobenen
Sachverhalt und damit von einer Verletzung des für den
Versicherungsträger in Art. 43 Abs. 1 ATSG festgehaltenen
Untersuchungsgrundsatzes auszugehen.
8.1 Bezüglich des natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem
psychischen Gesundheitszustand und dem Unfall vom 9. November 2018
sind folglich weitere medizinische Abklärungen erforderlich. Zur Klärung
der offenen Fragen ist daher eine psychiatrische Begutachtung des
Beschwerdeführers durch einen externen Experten unter
Berücksichtigung der medizinischen Unterlagen unumgänglich. Dabei ist
auch die Frage zu klären, ob die Reaktion des Beschwerdeführers auf das
Unfallereignis ausserhalb des Bereichs liegt, wofür eine
Unfallversicherung einzustehen hat. Dies insbesondere aufgrund des
Umstandes, dass ein Treppensturz mit Handgelenksdistorsion, was unter
normalen Umständen als Bagatelle anzusehen wäre, gemäss Beurteilung
des Gutachtes Dr. med. T._ zur manifesten Krankheit der
Depression geführt hat (IV-act. 38 S. 20). Auch beurteilten die Dres.
W._ in der Schmerzsprechstunde am 20. August 2019, dass die
psychische Co-Morbidität des Beschwerdeführers einen grossen Einfluss
auf das Schmerzempfinden habe (Bg-act. 86 S. 3). Solange die
Kausalitätsbeurteilung in Bezug auf die psychischen Beschwerden nicht
abschliessend geklärt ist, kann sich die Leistungspflicht der
Beschwerdegegnerin nicht ausschliesslich auf die im Rücken
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vorhandenen Einschränkungen beziehen und kann bezüglich der
Bemessung der Invalidität nicht ohne weiteres auf die Beurteilung der
Ärzte der Rehaklinik G._ vom 23. September 2019 (Bg-act. 90)
abgestellt werden. Denn in dieser wird ausschliesslich den im Rücken
bestehenden Beweglichkeits- und Belastbarkeitseinschränkungen
Rechnung getragen, wenn festgehalten ist, dass der Beschwerdeführer
seine angestammte berufliche Tätigkeit als Autoreiniger nicht mehr
ausführen könne, jedoch für andere berufliche Tätigkeiten mit leichter
Arbeit ganztags einsetzbar sei, sofern die speziellen Einschränkungen
infolge seiner unfallbedingten LWS-Verletzung berücksichtigt würden.
Gleiches gilt für die Beurteilung des Integritätsschadens von Dr. med.
Y._, Facharzt für Chirurgie, speziell Allgemein-, Unfall- und
Handchirurgie, Mitglied FMH, vom 7. Februar 2020 (Bg-act. 110), da diese
lediglich gestützt auf die körperlichen Restbeschwerden, mithin gestützt
auf den Befund einer Frontalkollision mit Personenwagen am 9. November
2018 mit/bei Berstungsfraktur LWK 5 mit/bei transpedikulärer
Ballonkyphoplastie LWK 5 bei noch nicht vollständig verheilter kaudaler
Berstungsfraktur LWK 5, erfolgte. Ebenso wird sich das einzuholende
externe Gutachten über eine Hilflosigkeit des Beschwerdeführers und
gegebenenfalls deren Qualifikation als leicht, mittelschwer oder schwer zu
äussern haben.
8.2 Die Sache ist aus den dargelegten Gründen an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen, damit sie die erwähnten Abklärungen in medizinischer
Hinsicht vornehme. Gestützt auf die Ergebnisse der Abklärungen hat die
Beschwerdegegnerin im Falle der Bejahung der natürlichen wie
adäquaten Kausalität über den Anspruch des Beschwerdeführers auf
Invalidenrente und Integritätsentschädigung sowie
Hilflosenentschädigung neu zu entscheiden.
9. Im Sinne der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde im Sinne des
Eventualantrages unter Aufhebung des Einspracheentscheids vom
- 35 -
27. April 2020 (Bg-act. 145) gutzuheissen und die Streitsache an die
Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ergänzende
Abklärungen im Sinne der Erwägungen vornehme und gestützt darauf im
Falle der Bejahung der natürlichen wie adäquaten Kausalität über die
Invalidenrente, Integritätsentschädigung sowie über den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung einen neuen Entscheid fälle.
10.1 Gerichtskosten werden vorliegend keine erhoben, da das kantonale Be-
schwerdeverfahren in Sozialversicherungsstreitigkeiten gemäss aArt. 61
lit. a ATSG i.V.m. Art. 83 ATSG grundsätzlich kostenlos ist.
10.2 Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende
Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Rückweisung der
Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuem Entscheid
gilt als vollständiges Obsiegen (Urteil des Bundesgerichts 8C_192/2017
vom 25. August 2017 E.8.1), weshalb der anwaltlich vertretene
Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung hat. Diese wird
vom Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den
Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit
des Prozesses bemessen. Die vom Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers eingereichte Honorarnote vom 2. September 2020
beläuft sich auf CHF 8'360.30 (26.99 [recte 24.99] Stunden à CHF 270.--
zuzüglich CHF 475.30 für Barauslagen und 7.7 % Mehrwertsteuer von
CHF 597.70). Eine aktualisierte Honorarnote wurde dem Gericht nicht
eingereicht. Der geltend gemachte Aufwand wie auch die Höhe der
Barauslagen erscheinen dem Gericht – unter Beachtung von Art. 61 lit. g
ATSG – als unangemessen hoch, zumal der Rechtsvertreter bereits im
Einspracheverfahren mandatiert war und im vorliegenden
Beschwerdeverfahren kein ausführlicher zweiter Schriftenwechsel
stattfand. In Anbetracht der Umstände, insbesondere der Komplexität des
Sachverhalts und der sich stellenden Rechtsfragen, handelt es sich um
einen durchschnittlich schwierigen Fall und rechtfertigt es sich nach
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Auffassung des Gerichts, dem Beschwerdeführer eine pauschale
aussergerichtliche Entschädigung von CHF 5'000.-- (inkl. Spesen und
MWST) zuzusprechen. Demzufolge hat die Beschwerdegegnerin den
Beschwerdeführer im Umfang von CHF 5'000.-- (inkl. Spesen und MWST)
aussergerichtlich zu entschädigen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens
wird das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung gegenstandslos.