# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 824bb6c5-8a30-4149-8254-1b1801a9ece2
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1974, war zuletzt als Produktionsmitarbeiter bei der
B._ AG tätig. Im April 2018 meldete er sich bei der IV-Stelle des
Kantons Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug an,
nachdem er bei einer diagnostizierten symptomatischen Coxarthrose
rechts am 29. März 2018 mit einer Hüft-Totalprothese versorgt worden
war. Daneben wies Dr. med. C._ mit Bericht vom 15. Mai 2018 eine
chronische Lumboischialgie bei mehrsegmental degenerativen
Veränderungen mit Radikulopathie L5 rechts, ein obstruktives
Schlafapnoesyndrom mittleren Grades sowie eine Adipositas aus. Nach
durchgeführter Facettengelenksinfiltration und Thermoablation an der
Lendenwirbelsäule mit erfreulichem Resultat nahm A._ seine
Arbeitstätigkeit wieder zu 100 % auf. Mit Verfügung vom 19. September
2019 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
Dieser Entscheid erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
2. Kurze Zeit später, am 17. Oktober 2019, wurde A._ erneut an der
Hüfte operiert, wobei er bei einer ausgewiesenen fokalen Coxarthrose auf
der linken Seite nach durchgeführter Infiltration mit einer
Totalendoprothese versorgt wurde. Als weitere Diagnose bestand eine
chronische Lumbofemoralgie rechtsseitig. In der Folge bestanden
deutliche Beschwerden im Bereich der Leiste sowie des Knies und es
wurde namentlich ein Abriss der Glutealmuskulatur festgestellt. Am
6. März 2020 erfolgte eine Revisionsoperation der Hüft-
Totelendoprothese links sowie eine Refixation der Glutealmuskulatur.
Ende März 2020 meldete sich A._ erneut bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an.
3. Im weiteren Verlauf persistierten Leisten- und Oberschenkelschmerzen
auf der linken Seite und es wurde eine Hüftabduktoreninsuffizienz bei
anteriorem erneutem Abriss und fraglicher septischer Schaftlockerung
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befundet. In weiteren Operationen wurden zunächst am 10. August 2020
die Hüft-Totalendoprothese ausgebaut und die Abduktoren transossär
refixiert, bevor die Hüft-Totalendoprothese am 21. September 2020 mit
erneuter Abduktoren-Refixation links wieder eingebaut wurde. Bereits am
6. Oktober 2020 erfolgte bei fremdmaterial-assoziiertem Frühinfekt eine
Revisionsoperation mit Probeentnahme, Débridement, Spülung,
Kopfwechsel und erneuter transossärer Abduktoren-Refixation. Daraufhin
begab sich A._ zur stationären Rehabilitation in die Kliniken Valens,
wo er für kurze Strecken an zwei Unterarmgehstöcken selbstständig
gehfähig wurde. Im weiteren Verlauf zeigte sich eine (sehr) schwache
Hüftabduktorenfunktion und es traten namentlich ausstrahlende
Nackenschmerzen sowie Kreuzschmerzen auf. Mit Bericht vom
22. Februar 2021 diagnostizierten die Dres. med. D._ und E._
eine chronische Nuchobrachialgie rechts sowie chronische Lumbalgien
mit Ausstrahlung nach gluteal und den proximalen dorsalen Oberschenkel
links. Dr. med. F._ wies in ihrem Bericht vom 9. März 2021 neben
einer chronischen Zervikalgie, chronischen Lumbalgien und einer
Lumboischialgie links zudem eine Omalgie rechts aus.
4. In der Folge liess die IV-Stelle A._ monodisziplinär in der
Fachdisziplin orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparats bei Dr. med. G._ begutachten und eine
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit durchführen. Letztere
ergab eine ganztags ausführbare leichte körperliche Arbeit, wobei eine
erhebliche Symptomausweitung festgestellt wurde. Dieser Einschätzung
konnte Dr. med. G._ sowohl hinsichtlich der Symptomvalidierung als
auch der Leistungsfähigkeit in seinem Gutachten vom 30. Juli 2021 nicht
folgen. Er wies folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit aus: Zustand nach einer endoprothetischen Versorgung
der Hüfte links im Oktober 2019 mit komplikationsbehaftetem Verlauf
(Teilabriss und Insuffizienz der Gesässmuskulatur, septische
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Komplikationen) mit vier notwendigen Revisionsoperationen im 2020;
degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule L4-S1 (beginnende
Bandscheibenschädigung und Facettengelenksarthrosen mit
Neuroforameneinengung) sowie ISG-Arthrosen beidseits; und
degenerative Veränderungen der Halswirbelsäule C3-C7 mit einer
sensiblen radikulären Symptomatik im linken Arm ohne motorische
Ausfälle. Während Dr. med. G._ eine Tätigkeit im angestammten
Beruf als Produktionsmitarbeiter als nicht mehr zumutbar erachtete, wies
er in einer leidensangepassten Tätigkeit nach einer seit Oktober 2019
fehlenden Leistungsfähigkeit als Folge des komplikationsbehafteten
Verlaufs ab März 2021 eine 30%ige und ab Juli 2021 eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit aus.
5. Nachdem A._ angegeben hatte, sich nicht in der Lage zu fühlen, an
Eingliederungsbemühungen mitzuwirken, verneinte die IV-Stelle am
15. Oktober 2021 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen.
6. Mit Vorbescheid vom 7. Dezember 2021 stellte die IV-Stelle A._ die
Ausrichtung einer befristeten ganzen Invalidenrente ab dem 1. September
2019 und ab dem 1. Juli 2021 eine halbe Invalidenrente in Aussicht.
Gemäss den getätigten medizinischen Abklärungen sei ihm die zuletzt
ausgeübte Tätigkeit als Schichtmitarbeiter bei der B._ AG seit
Oktober 2019 nicht mehr zumutbar. Ohne gesundheitliche
Einschränkungen könne er ein jährliches Einkommen von CHF 70'131.--
erzielen. Angepasste Tätigkeiten könne er ab Juli 2021 in einem 50 %-
Pensum (zuvor ab März 2020 zu 30 % steigerbar) ausüben, idealerweise
jeweils zwei bis zweieinhalb Stunden am Vor- und Nachmittag mit einer
längeren Mittagspause. Jegliche Arbeiten im Gehen (z.B. Tragen von
Gewichten, Ziehen/Schieben von Gewichten etc.) seien im Moment noch
nicht möglich. Eine überwiegend sitzende und selten stehende
Arbeitshaltung mit einer ideal angepassten Sitzgelegenheit sei jedoch
zumutbar. Die Arbeitsfähigkeit lasse sich in den nächsten ein bis zwei
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Jahren durch weitere medizinische Mass-
nahmen steigern (Empfehlung zur Gewichtsreduktion). Hierzu werde eine
separate Mitteilung erlassen. Nach Eintritt der gesundheitlichen
Beeinträchtigungen könne gestützt auf die Tabellenlöhne der
Lohnstrukturerhebung des Bundesamts für Statistik (LSE) bei einer
Leistungsfähigkeit von 50 % ein Einkommen von jährlich CHF 34'880.--
erzielt werden. In Gegenüberstellung der beiden Vergleichseinkommen
resultiere ab Juli 2021 ein Invaliditätsgrad von 50.26 %.
Gegen den Vorbescheid liess A._ am 24. Januar 2022 Einwand
erheben. Mit Verfügung vom 2. Mai 2022 entschied die IV-Stelle wie
vorbeschieden und sprach A._ vom 1. September 2020 bis zum
30. Juni 2021 eine ganze und ab dem 1. Juli 2021 eine halbe
Invalidenrente zu.
7. Gegen diesen Entscheid liess A._ (nachfolgend Beschwerdeführer)
am 2. Juni 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden erheben und in Aufhebung der Verfügung vom 2. Mai 2022
beantragen, ihm sei ab dem 1. September 2020 eine unbefristete ganze
Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei die ihm ab dem
1. September 2020 zustehende ganze Invalidenrente ab dem
1. November 2021 auf eine unbefristete Dreiviertelsrente zu reduzieren.
Zur Begründung brachte er im Wesentlichen vor, er könne das verbliebene
Leistungsvermögen auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt insbesondere
aufgrund seiner stark eingeschränkten Mobilität nicht verwerten. Auch
verfüge er über keinen Lehrabschluss und ihm fehlten besondere
Fertigkeiten und eine vielfältige Arbeitserfahrung, auch im Bereich der
Administration und EDV. Sollte die Verwertbarkeit trotzdem bejaht werden,
sei ihm namentlich wegen der aufgrund seiner gesundheitlichen
Einschränkungen, des eingeschränkten Aktivitätsprofils, der mangelnden
Sprachkenntnisse, der fehlenden Arbeitserfahrung sowie aufgrund des
erhöhten Pausenbedarfs um 50 % eingeschränkten Arbeitsfähigkeit ein
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Leidensabzug von mindestens 25 % zu gewähren. Dadurch ergebe sich
ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente über den 1. Juli 2021 hinaus.
Ausserdem erfolge die Herabsetzung der Rente auf den ersten Tag des
Folgemonats nach Ablauf der Zeitspanne von drei Monaten, weshalb die
Rentenreduktion frühestens per 1. November 2021 in Betracht falle.
8. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 17. Juni 2022 auf Abweisung der Beschwerde und
verwies zur Begründung primär auf die angefochtene Verfügung.
Ausserdem legte sie dar, der ausgeglichene Arbeitsmarkt kenne
genügend sitzende Tätigkeiten, gerade im Bereich der dem
Beschwerdeführer offenstehenden Hilfsarbeiten wie leichte
Überwachungs-, Prüf- und Kontrollarbeiten in der Industrie. Auch
angesichts der eingeschränkten Mobilität sei es dem Beschwerdeführer
durchaus zumutbar, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu pendeln. Während
der Zug- bzw. Busfahrt könne er sitzen, die Sitzhaltung nach Bedarf
ändern und auch anderweitig eine relative Bewegungsfreiheit haben. Das
dergestaltige Reisen stelle keine grössere Belastung dar als leichte
Freizeitbeschäftigungen. Mithin könne der Beschwerdeführer die ärztlich
attestierte Arbeitsfähigkeit auch verwerten.
9. Der Beschwerdeführer verzichtete mit Schreiben vom 1. Juli 2022 auf die
Einreichung einer Replik.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, die angefochtene
Verfügung sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 2. Mai 2022 (Akten des
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Beschwerdeführers [Bf-act.] 2). Eine solche Anordnung, die laut
Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsgericht am Ort der
verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden als dem örtlich und sachlich zuständigen
Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m.
Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als
formeller und materieller Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer
von der angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen, und er hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist somit
zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG).
1.2. In den Akten finden sich mit der angefochtenen identische Verfügungen
(der Ausgleichskasse), die auf den 25. April 2022 datieren (Akten der IV-
Stelle [IV-act.] 156 und 159). Eine wurde an den Beschwerdeführer
persönlich adressiert (IV-act. 156), die andere an die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden (IV-act. 159). Da
der Beschwerdeführer allerdings bereits seit dem 20. Dezember 2021
durch die Procap vertreten wurde (IV-act. 145 f.), hätte die Verfügung
dieser eröffnet werden müssen, um rechtswirksam zu sein. Dies erfolgte
gemäss der der Beschwerde beigelegten Verfügung erst am 2. Mai 2022
(Bf-act. 2). Da anzunehmen ist, dass diese Verfügung (der
Ausgleichskasse) per A-Post verschickt wurde (vgl. IV-act. 165), ist die 30-
tägige Rechtsmittelfrist mit der Übergabe der Beschwerdeschrift an die
schweizerische Post am 2. Juni 2022 als eingehalten anzusehen.
1.3. Damit wurde die Beschwerde frist- und zudem auch formgerecht
eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f.
sowie Art. 61 lit. b ATSG), weshalb darauf einzutreten ist.
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2.1. Vorliegend ist unbestritten, dass der Beschwerdeführer vom 1. September
2020 – als Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns infolge der im
März 2020 erfolgten Anmeldung (Art. 29 Abs. 1 IVG) – bis zum 30. Juni
2021 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente hat. Streitgegenstand bildet
daher die Frage, ob dem Beschwerdeführer über den 1. Juli 2021 hinaus
eine höhere als die ihm von der Beschwerdegegnerin zugesprochene
halbe Invalidenrente zusteht. Soweit der Beschwerdeführer die von der
Beschwerdegegnerin in den nächsten 12 Monaten durch
Gewichtsreduktion zu erreichende Steigerung der Arbeitsfähigkeit auf
80 % bis 100 % kritisiert, ist ihm zwar darin beizupflichten, dass sich dies
dem Gutachten von Dr. med. G._ vom 30. Juli 2021 nicht entnehmen
lässt. Vielmehr hat dieser in Anbetracht der Beschwerden und
Einschränkungen am Bewegungsapparat eine ärztlich begleitete
Gewichtsreduktion empfohlen, woraus er sich eine gewisse Stabilisierung
– und nicht Verbesserung – im Verlauf erhofft (IV-act. 125 S. 54 f.). Da die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung indes ausdrücklich
festgehalten hat, dass der Beschwerdeführer seiner Mitwirkungspflicht
gemäss der am 7. Dezember 2021 erlassenen Aufforderung zur
Gewichtsreduktion nachgekommen ist (Bf-act. 2 S. 6 und IV-act. 151 S. 2)
und allfällige Mitwirkungspflichtsverletzungen erst im Rahmen einer
künftigen (vorzeitigen) Rentenrevision zum Tragen kämen (vgl. IV-act. 142
S. 2), erübrigen sich im jetzigen Zeitpunkt Weiterungen dazu.
2.2. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem
1. Januar 2022 die revidierten Bestimmungen des IVG (sowie des ATSG)
und der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) in
Kraft sind (Weiterentwicklung der IV). Da vorliegend der Rentenanspruch
unbestrittenermassen jedoch noch unter Geltung des alten Rechts am
1. September 2020 entstanden ist und auch die Abstufung der ganzen auf
eine sie ablösende tiefere Invalidenrente noch vor dem 1. Januar 2022 zu
liegen kommt, finden die bis zum 31. Dezember 2021 gültig gewesenen
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Bestimmungen Anwendung (vgl. Übergangsbestimmungen des IVG zur
Änderung vom 19. Juli 2020; siehe zur Massgeblichkeit der Rechtssätze,
die bei der Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen
führenden Tatbestandes Geltung haben: BGE 146 V 364 E.7.1 und BGE
144 V 210 E.4.3.1; vgl. auch Kreisschreiben über Invalidität und Rente in
der Invalidenversicherung [KSIR], gültig ab dem 1. Januar 2022,
Rz. 9102).
3. In formeller Hinsicht beanstandet der Beschwerdeführer, die angefochtene
Verfügung sei allgemein gehalten und enthalte textbausteinartige
Ausführungen, weshalb es ihr an einer individuellen Beurteilung und einer
nachvollziehbaren Begründung mangle. Soweit der Beschwerdeführer
sinngemäss eine Verletzung der aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör
gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) fliessenden Begründungspflicht rügen
sollte, verfängt sein Einwand nicht.
3.1. Gemäss Art. 29 Abs. 2 BV und Art. 42 ATSG haben die Parteien Anspruch
auf rechtliches Gehör. Dieser Anspruch dient einerseits der
Sachaufklärung, andererseits stellt er ein persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, der in die
Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das
Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheides zur
Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der
Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich
zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den
Entscheid zu beeinflussen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst
als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen
sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung
bringen kann (BGE 143 V 71 E.4.1, BGE 135 I 279 E.2.3, BGE 135 II 286
E.5.1; KIESER, Kommentar ATSG, Zürich/St. Gallen 2020, Art. 42 Rz. 17
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ff.). Des Weiteren folgt aus dieser Verfahrensgarantie mitunter die
grundsätzliche Pflicht der Behörden, ihren Entscheid zu begründen (vgl.
Art. 49 Abs. 3 ATSG; BGE 145 III 324 E.6.1, BGE 141 V 557 E.3.2.1,
BGE 134 I 83 E.4.1; KIESER, a.a.O., Art. 42 Rz. 42 und Art. 49 Rz. 65 ff.).
Die Begründung muss wenigstens kurz die Überlegungen darstellen, von
denen sich die Behörde leiten liess und auf die sie ihren Entscheid stützt
(BGE 143 III 65 E.5.2, BGE 141 III 28 E.3.2.4, BGE 130 II 530 E.4.3; Urteil
des Bundesgerichts 8C_787/2021 vom 23. März 2022 E.5.2). Doch wird
nicht verlangt, dass sich die entscheidende Behörde mit allen
Parteistandpunkten auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen
ausdrücklich widerlegt. Sie darf sich auf das für den Entscheid
Wesentliche beschränken. Den Betroffenen muss es aber immerhin
möglich sein, sich über die Tragweite des Entscheides Rechenschaft zu
geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die nächsthöhere Instanz
weiterzuziehen. Der Entscheid hat folglich zumindest kurz die
Überlegungen zu nennen, von denen sich die entscheidende Behörde
leiten liess und worauf sie ihren Entscheid stützt (vgl. BGE 147 IV 145
E.1.4.5.2, BGE 145 IV 407 E.3.4.1, BGE 143 IV 40 E.3.4.3, BGE 142 III
433 E.4.3.2).
3.2. Die Beschwerdegegnerin hat sich in der angefochtenen Verfügung mit den
vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vorbringen, insbesondere zur
Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit, dem Leidensabzug und der
Rentenabstufung sowie auch zur depressiven Symptomatik und zur
Gewichtsreduktion, befasst. Sie hat die Zusprache einer ganzen bzw. der
sie ablösenden halben Invalidenrente in einer – wenn auch kurzen –
Begründung erläutert. Die Überlegungen von denen sich die
Beschwerdegegnerin leiten liess, können zumindest im Kern
nachvollzogen werden. Die Motive der Beschwerdegegnerin gehen mit
genügender Klarheit aus der angefochtenen Verfügung hervor. Gestützt
darauf war der Beschwerdeführer denn auch in der Lage, die Verfügung
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vom 2. Mai 2022 (Bf-act. 2) sachgerecht anzufechten. Eine
Gehörsverletzung ist somit nicht auszumachen.
4. Im Nachfolgenden ist die Frage des Rentenanspruchs zu prüfen, wobei
der Sachverhalt, wie er sich bis zum 2. Mai 2022 präsentierte (Erlass der
angefochtenen Verfügung [Bf-act. 2]), massgeblich ist.
4.1. Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt unter
anderem voraus, dass die versicherte Person invalid oder von Invalidität
unmittelbar bedroht ist. Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG gilt als Invalidität die
voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und
nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder
teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht
kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die
Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen;
eine Erwerbsunfähigkeit liegt nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Ein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung ist gemäss Art. 28
Abs. 1 IVG gegeben, wenn eine versicherte Person ihre Erwerbsfähigkeit
nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wiederherstellen,
erhalten oder verbessern kann (lit. a), während mindestens eines Jahres
ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % im
bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich eingeschränkt gewesen ist (lit. b)
und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid ist (lit. c). Sind
diese Voraussetzungen erfüllt, so steht der versicherten Person bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 40 % eine Viertelsrente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 50 % eine halbe Rente, bei einem
Invaliditätsgrad von mindestens 60 % eine Dreiviertelsrente und bei einem
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Invaliditätsgrad von mindestens 70 % eine ganze Rente zu (aArt. 28
Abs. 2 IVG).
4.2. Gemäss Art. 16 ATSG i.V.m. Art. 28a Abs. 1 IVG wird für die Bestimmung
des Invaliditätsgrades (bei erwerbstätigen Versicherten) das
Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität
und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen) (allgemeine
Methode des Einkommensvergleichs; vgl. BGE 144 I 21 E.2.1, BGE 142
V 290 E.4, BGE 130 V 343 E.3.4.2).
4.3. Ausgangspunkt der Anspruchsprüfung nach diesen Bestimmungen ist die
medizinische Befundlage. Eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit
kann immer nur dann anspruchserheblich sein, wenn sie Folge einer
Gesundheitsbeeinträchtigung ist, die fachärztlich einwandfrei
diagnostiziert worden ist (BGE 145 V 215 E.5.1, BGE 143 V 418 E.6,
BGE 143 V 409 E.4.5.2, BGE 141 V 281 E.2.1). Um beurteilen zu können,
in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten einem Versicherten
noch eine Erwerbstätigkeit zugemutet werden kann, sind die Verwaltung
und das im Beschwerdefall angerufene Gericht auf Unterlagen
angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls andere Fachleute zur
Verfügung stellen (BGE 140 V 193 E.3.2, BGE 132 V 93 E.4). Dabei
können sich die IV-Stellen und im Streitfall die
Sozialversicherungsgerichte auf die Regionalen Ärztlichen Dienste (RAD;
aArt. 59 Abs. 2bis Satz 1 IVG bzw. Art. 54a IVG), auf die Berichte der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte oder auf externe medizinische
Sachverständige abstützen (aArt. 59 Abs. 3 IVG). Das Bundesrecht
schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu würdigen sind.
Vielmehr gilt für das gesamte Verwaltungs- und
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Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (BGE 143 V 124 E.2.2.2, BGE 134 V 231 E.5.1,
BGE 125 V 351 E.3). Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen
eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial
zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht
auf die andere medizinische These abstellt (vgl. zum Ganzen BGE 143 V
124 E.2.2.2 und BGE 125 V 351 E.3a).
4.4. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob
der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen
Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt,
in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der
Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten
begründet sind (vgl. BGE 140 V 193 E.3.2, BGE 134 V 231 E.5.1,
BGE 125 V 351 E.3a; statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 9C_26/2022
vom 30. Mai 2022 E.4.1 und 9C_528/2021 vom 11. Februar 2022 E.4.1).
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens (Art. 44 ATSG) eingeholten
Gutachten von externen Spezialärztinnen und Spezialärzten, die aufgrund
eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie nach Einsicht in
die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle
Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die
Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 137 V 210 E.1.3.4, BGE 135
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V 645 E.4.4, BGE 125 V 351 E.3b/bb; Urteile des Bundesgerichts
8C_84/2022 vom 19. Mai 2022 E.2.2, 8C_784/2021 vom 9. Februar 2022
E.4.2, 8C_33/2021 vom 31. August 2021 E.2.2.2, 8C_38/2021 vom
16. August 2021 E.2, 9C_174/2020 vom 2. November 2020 E.8.1 [in BGE
147 V 79 nicht publiziert]). In Bezug auf Berichte von behandelnden
Ärztinnen und Ärzten darf und soll das Gericht auch der
Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf
ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu
Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E.4.5 und BGE 125 V
351 E.3b/cc). Insbesondere lässt es die unterschiedliche Natur von
Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits
und von Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen
Experten (vgl. dazu BGE 124 I 170 E.4) andererseits nicht zu, ein
Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum
Anlass für weitere Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden
Arztpersonen oder Therapiekräfte zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen. Vorbehalten bleiben immerhin die Fälle, in denen sich eine vom
(amtlichen) Gutachten abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die
Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte wichtige – nicht rein der
subjektiven Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der
Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. BGE 135
V 465 E.4.5 f.; statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_80/2022 vom
4. Mai 2022 E.4 und 8C_787/2021 vom 23. März 2022 E.11.2.2). Sodann
kommt auch den Berichten und Gutachten versicherungsinterner
Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (vgl. BGE 139 V 225 E.5.2,
BGE 135 V 465 E.4.4, BGE 125 V 351 E.3b/ee; Urteile des
Bundesgerichts 8C_246/2020 vom 10. September 2020 E.2.3,
8C_532/2020 vom 3. Februar 2021 E.4.4 und 8C_161/2012 vom 5. Juni
2012 E.3.2).
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5. Vorliegend ist unbestritten und es steht damit fest, dass sich der
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers in der Zeit seit der
rentenablehnenden Verfügung vom 19. September 2019 verschlechtert
hat. War es ihm damals zwar trotz der namentlich bekannten chronischen
Lumbalgie und der implantierten Hüfttotalendoprothese rechts letztlich
möglich, vollzeitlich in der angestammten Tätigkeit zu arbeiten (vgl.
Verfügung vom 19. September 2019 [IV-act. 61], Case Reports vom
26. April 2022 [IV-act. 157 S. 4] und vom 19. September 2019 [IV-act. 62
S. 11 f.], Verlaufsprotokoll Eingliederung, Eintrag vom 19. Juli 2019 [IV-
act. 48 S. 9], Schreiben der Eingliederungsberaterin vom 4. Juli 2019 [IV-
act. 46], Bericht von Dr. med. H._ vom 21. Juni 2019 [IV-act. 44]; vgl.
ferner Bericht von Dr. med. I._ vom 6. Mai 2019 [IV-act. 40], Protokoll
Statusgespräch vom 7. Dezember 2014 [wohl recte: 2018] [IV-act. 37];
Verlaufsbericht von Dr. med. J._ vom 13. August 2018 [IV-act. 24],
Berichte von Dr. med. C._ und dipl. med. K._ vom 26. Juni 2018
[IV-act. 20 S. 6 f.] und vom 15. Mai 2018 [IV-act. 20 S. 4]), bestand nun
gemäss dem Gutachten von Dr. med. G._ vom 30. Juli 2021 als
Folge des komplikationsbehafteten Verlaufs nach der endoprothetischen
Versorgung des linken Hüftgelenks ab Oktober 2019 gar keine und ab Juli
2021 lediglich noch eine Arbeitsfähigkeit von 50 % in
Verweisungstätigkeiten (IV-act. 125 S. 54).
5.1. Der Beschwerdeführer stellt indes die Verwertbarkeit seiner
Restarbeitsfähigkeit in Abrede. Er sei in seiner Mobilität stark
eingeschränkt. Für die Fortbewegung innerhalb sowie ausserhalb seines
Heims sei er auf Hilfsmittel und Unterstützung der Familie angewiesen.
Entsprechend bewege er sich nur noch ganz selten aus dem Haus. Kurze
Distanzen könne er zwar mit dem Auto selbstständig zurücklegen, dabei
leide er aber unter starken Schmerzen und sei anschliessend auf
zusätzliche Schmerzmittel und Erholung angewiesen. Für weitere
Distanzen (bereits mehr als 20-30 km) brauche er persönliche Begleitung.
- 16 -
So fahre ihn beispielsweise sein Sohn zu Terminen in die Schulthess
Klinik, wobei auf dieser Strecke mehrfach Pausen eingelegt werden
müssten. Vier bis sechs tägliche Fahrten (Hin- und Rückreise am Vor- und
Nachmittag sowie für die Mittagspause) seien ihm in Eigenregie nicht
zumutbar. Je nach Distanz wäre sogar eine Begleitperson notwendig, was
ebenfalls unzumutbar sei. Unter diesen Umständen könne er weder die
medizinisch indizierte zeitliche Aufteilung der Arbeitseinsätze (2 bis 2 1⁄2
Stunden je am Morgen und am Nachmittag) noch die für die Erholung
zwingend notwendigen längeren Mittagspausen umsetzen.
5.2. Massgebend für die Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit ist
der hypothetisch ausgeglichene Arbeitsmarkt (vgl. Art. 7 Abs. 1 und
Art. 16 ATSG). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts handelt es
sich dabei um einen theoretischen abstrakten Begriff, der dazu dient, den
Leistungsbereich der Invalidenversicherung von demjenigen der
Arbeitslosenversicherung abzugrenzen. Der Begriff umschliesst einerseits
ein bestimmtes Gleichgewicht zwischen dem Angebot von und der
Nachfrage nach Stellen. Anderseits bezeichnet er einen Arbeitsmarkt, der
von seiner Struktur her einen Fächer verschiedenartiger Stellen offen hält
und zwar sowohl bezüglich der dafür verlangten beruflichen und
intellektuellen Voraussetzungen wie auch hinsichtlich des körperlichen
Einsatzes. Nach diesen Gesichtspunkten bestimmt sich im Einzelfall, ob
die invalide Person die Möglichkeit hat, ihre restliche Erwerbsfähigkeit zu
verwerten (vgl. BGE 148 V 174 E.9.1, BGE 134 V 64 E.4.2.1, BGE 110 V
273 E.4b; Urteile des Bundesgerichts 8C_416/2020 vom 2. Dezember
2020 E.4, 9C_766/2019 vom 11. September 2020 E.4, 8C_710/2018 vom
30. Januar 2019 E.7.1 und 8C_458/2018 vom 23. Oktober 2018 E.4.2).
Dabei ist nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen,
sondern nur von Tätigkeiten, die unter Berücksichtigung der gesamten
objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind
(Urteile des Bundesgerichts 8C_369/2021 vom 28. Oktober 2021 E.6.1,
- 17 -
8C_30/2020 vom 6. Mai 2020 E.5.3, 9C_485/2014 vom 28. November
2014 E.2.2). An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und
Verdienstaussichten sind jedoch keine übermässigen Anforderungen zu
stellen (BGE 138 V 457 E.3.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_369/2021
vom 28. Oktober 2021 E.6.1). Die Möglichkeit einer versicherten Person,
das verbliebene Leistungsvermögen auf dem allgemeinen
ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu verwerten, hängt von den konkreten
Umständen des Einzelfalles ab. Massgebend sind
rechtsprechungsgemäss die Art und Beschaffenheit des
Gesundheitsschadens und seiner Folgen, der absehbare Umstellungs-
und Einarbeitungsaufwand und in diesem Zusammenhang auch die
Persönlichkeitsstruktur, vorhandene Begabungen und Fertigkeiten,
Ausbildung, beruflicher Werdegang oder die Anwendbarkeit von
Berufserfahrung aus dem angestammten Bereich. Unverwertbarkeit der
Restarbeitsfähigkeit ist anzunehmen, wenn die zumutbare Tätigkeit in nur
so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem
Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre
und das Finden einer entsprechenden Stelle daher zum Vornherein als
ausgeschlossen erscheint (BGE 148 V 174 E.9.1; Urteile des
Bundesgerichts 8C_192/2022 vom 7. Juli 2022 E.6.6.1, 9C_21/2022 vom
15. Juni 2022 E.2.3.1, 8C_52/2022 vom 2. Juni 2022 E.2.3.1, 8C_55/2022
vom 19. Mai 2022 E.4.3, 9C_366/2021 vom 3. Januar 2022 E.4.2,
9C_520/2021 vom 22. Dezember 2021 E.4.3.1).
5.3. Vorliegend wird im Gutachten vom 30. Juli 2021 festgehalten, dass eine
erhebliche Einschränkung der körperlichen Belastbarkeit und
Leistungsfähigkeit habe festgestellt werden können (IV-act. 125 S. 49). Dr.
med. G._ äusserte sich dabei auch zu der bei der EFL festgehaltenen
erheblichen Symptomausweitung, Verdeutlichung und ausgeprägten
Selbstlimitierung. Aus Sicht der durchführenden Therapeutin sei die
- 18 -
dauerhafte Verwendung einer Unterarmstützkrücke am zweiten Testtag
ein demonstratives Verhalten, und die Verweigerung gewisser Tests (z.B.
Besteigen einer Leiter, Kriechen, Kniebeugen etc.) würden von ihr als
ungerechtfertigte Selbstlimitation aufgefasst. Diese Beurteilung müsse
aus orthopädischer Sicht kritisch hinterfragt werden, da bei Kenntnis
sämtlicher Befunde die dauerhafte Verwendung von Gehhilfen nicht nur
empfehlenswert, sondern notwendig sei und die vorgenannten Tests als
nicht zumutbar beurteilt werden müssten. Daher könnten die Ergebnisse
der EFL, sowohl hinsichtlich der Symptomvalidierung als auch der
Leistungsfähigkeit, nicht für die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
herangezogen werden. Zusammenfassend seien aus orthopädischer
Sicht Arbeiten im Stehen oder Gehen nicht mehr bzw. nur stark
eingeschränkt möglich. Bei der Ausübung einer angepassten Tätigkeit
müsse ebenfalls von einer deutlichen Minderung der Leistungsfähigkeit
ausgegangen werden, da die chronischen Schmerzen, die im
Tagesverlauf aufgrund kumulativer Faktoren zunähmen, nachvollziehbar
seien, und da vor allem auch beim Sitzen eine schmerzbedingte,
konsequente Entlastung des linken Gesässes erforderlich sei (IV-act. 125
S. 50).
5.3.1. Dr. med. G._ definierte ein detailliertes Belastungsprofil. Danach sind
überwiegend sitzende, körperlich leichte Tätigkeiten (z.B. Administration,
EDV etc.) zumutbar. Eine stehende Arbeitshaltung zur Verrichtung von
Arbeiten sei nur kurzfristig im Sinne einer Wechselbelastung zu
empfehlen. Arbeiten im Gehen (z.B. Tragen von Gewichten,
Schieben/Ziehen von Gewichten etc.) seien aufgrund der
Mobilitätseinschränkung und der damit verbundenen Beschwerden nicht
zumutbar (IV-act. 125 S. 53). Die 50%ige Arbeitsfähigkeit in adaptierter
Tätigkeit sei idealerweise auf jeweils 2 bis 2 1⁄2 Stunden am Vormittag und
Nachmittag mit einer längeren Mittagspause aufzuteilen. Zudem sollten
folgende Tätigkeiten vermieden werden: Das Heben von Gewichten über
- 19 -
7.5 kg, wobei das Heben grundsätzlich nur selten gefordert sein sollte; das
Tragen von Gewichten; Arbeitszwangshaltungen mit vermehrter
Belastung der Hals- und Lendenwirbelsäule (z.B. vermehrte
Rotationsbewegungen des Kopfes bei fixiertem Rumpf, vermehrte
Rotationsbewegungen des Rumpfes bei fixiertem Stand der Beine oder
vorgebeugte Arbeitszwangshaltungen ohne die Möglichkeit, sich
abzustützen); Arbeitshaltungen in der Hocke oder im Knien; Arbeiten, die
mit einem Bücken unter Tischkantenniveau verbunden seien; Arbeiten, die
das Überwinden von Niveauunterschieden (z.B. Treppensteigen)
erforderten; jegliche höhenexponierte Arbeiten (z.B. auf Leitern oder
Gerüsten). Zudem sollten stehende Tätigkeiten auf maximal 15 Minuten
am Stück reduziert sein mit anschliessender Möglichkeit zum Wechsel in
eine sitzende Arbeitsposition (IV-act. 125 S. 54).
5.3.2. Auch wenn diese Anforderungen eine Erschwernis darstellen, kann nicht
gesagt werden, dass die zumutbare Tätigkeit nur noch in so
eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene
Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt (vgl. BGE 148 V 174 E.9.1; Urteile des
Bundesgerichts 8C_192/2022 vom 7. Juli 2022 E.6.6.1, 9C_21/2022 vom
15. Juni 2022 E.2.3.1, 8C_52/2022 vom 2. Juni 2022 E.2.3.1, 8C_55/2022
vom 19. Mai 2022 E. 4.3, 9C_366/2021 vom 3. Januar 2022 E.4.2). Zwar
ist dem Beschwerdeführer darin beizupflichten, dass Tätigkeiten in der
Administration oder im EDV-Bereich, die dem gutachterlichen
Anforderungsprofil entsprochen hätten und von Dr. med. G._ als
leidensadaptiert ausgewiesen wurden, wegen der persönlichen
Verhältnisse (fehlende Berufsausbildung und bisherige berufliche
Laufbahn) jedenfalls ohne entsprechende Umschulung nicht in Betracht
fallen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_369/2021 vom 28. Oktober
2021 E.6.1, 8C_30/2020 vom 6. Mai 2020 E.5.3, 9C_485/2014 vom
28. November 2014 E.3.3.2). Allerdings umfasst das hier anwendbare
Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten körperlicher oder
- 20 -
handwerklicher Art) auch dem Beschwerdeführer zumutbare körperlich
leichte und überwiegend sitzende Tätigkeiten (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_369/2021 vom 28. Oktober 2021 E.8.2.2,
8C_143/2021 vom 7. Juni 2021 E.4.3.2, 9C_507/2020 vom 29. Oktober
2020 E.3.3.3.2, 8C_139/2020 vom 30. Juli 2020 E.6.3.3, 8C_151/2020
vom 15. Juli 2020 E.6.2, 8C_586/2019 vom 24. Januar 2020 E.5.3.1,
8C_219/2019 vom 30. September 2019 E.5.2). Zu denken wäre
beispielsweise an leichte Überwachungs‐, Kontroll- oder Prüffunktionen
sowie leichte Montagearbeiten (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_202/2021 vom 17. Dezember 2021 E.5.3, 8C_535/2021 vom
25. November 2021 E.5.4.3, 8C_369/2021 vom 28. Oktober 2021 E.6.4,
8C_462/2020 vom 27. August 2020 E.5.1). Denn auf dem theoretischen
ausgeglichenen Arbeitsmarkt werden praxisgemäss auch reine – ohne
körperliche Anstrengung zu verrichtende – Überwachungstätigkeiten
automatisierter Maschinen und Produktionsabläufe nachgefragt (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 9C_520/2021 vom 22. Dezember 2021 E.4.3.2
und 8C_442/2019 vom 20. Juli 2019 E.4.2). Zudem bietet dieser
Arbeitsmarkt durchaus auch Stellen, bei denen der Erwerbstätige bei
Bedarf jederzeit eine Pause einlegen kann (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 9C_366/2021 vom 3. Januar 2022 E.4.3 und
8C_434/2021 vom 10. August 2021 E. 5.4). Dass der für den
Beschwerdeführer nötige Betreuungsaufwand derart gross wäre, dass ein
entsprechendes Entgegenkommen realistischerweise von einem
durchschnittlichen Arbeitgeber auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht erwartet
werden kann (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_644/2019 vom
20. Januar 2020 E.4.3.2 und 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.5 mit
Hinweisen auf 9C_277/2016 vom 15. März 2017 E.4.3), ist nicht
ersichtlich. Insofern stehen dem Beschwerdeführer auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt genügend Einsatzmöglichkeiten in einer
leidensadaptierten Tätigkeit offen.
- 21 -
5.3.3. Da praxisgemäss für Hilfsarbeiten weder eine Berufsausbildung noch
Erfahrungen oder sonstige Vorkenntnisse vorausgesetzt werden (Urteil
des Bundesgerichts 8C_55/2021 vom 9. Juni 2021 E.5.2.1), fällt die
fehlende Berufsausbildung genauso wenig ins Gewicht wie der Umstand,
dass er seit dem Jahr 2009 beim gleichen Arbeitgeber als
Schichtmitarbeiter tätig war (vgl. Fragebogen für Arbeitgebende vom
14. Juli 2020 [IV-act. 84 S. 1] und vom 18. Mai 2018 [IV-act. 12 S. 1]).
Neben einer schulischen Grundausbildung (vgl. IV-act. 125 S. 40) verfügt
der Beschwerdeführer entgegen seiner Auffassung aufgrund seiner
bisherigen beruflichen Laufbahn mit verschiedenen Tätigkeiten
namentlich als Produktionsmitarbeiter in den Bereichen Kunststoff- und
Metallverarbeitung sowie Textilien und als Schweisser bzw. als
Staplerfahrer (vgl. dazu IK-Auszüge vom 24. Mai 2022 [IV-act. 166], vom
13. Juli 2020 [IV-act. 82] und vom 25. Juli 2019 [IV-act. 52], Formular
Angaben über den Beschäftigungsverlauf vom 4. November 2021 [IV-
act. 139 S. 2], Gutachten vom 30. Juli 2021 [IV-act. 125 S. 40], Bericht zur
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit vom 30. Juni 2021 [IV-
act. 126 S. 4], Fragebogen für Arbeitgebende vom 14. Juli 2020 [IV-
act. 84] und vom 18. Mai 2018 [IV-act. 12 und IV-act. 88 S. 6 f.],
Evaluationsgespräch Eingliederung vom 22. Mai 2018 [IV-act. 11 S. 2 f.]
sowie Verlaufsprotokoll Eingliederung vom 19. Juli 2019 [IV-act. 48]) über
Fertigkeiten und Arbeitserfahrungen, die er durchaus in einer geeigneten
Verweistätigkeit nutzbar machen könnte. Aufgrund der bisher ausgeübten
praktischen Tätigkeiten dürfte sich auch der Umstellungs- und
Einarbeitungsaufwand in eine Verweistätigkeit für den Beschwerdeführer
in Grenzen halten. Positiv zu werten ist des Weiteren auch seine
Persönlichkeitsstruktur als grundsätzlich leistungswillige und motivierte
Person (vgl. Gutachten von Dr. med. G._ vom 30. Juli 2021 [IV-
act. 125 S. 40 und S. 42], wonach der Beschwerdeführer an einer
Ausbildung im EDV-Bereich interessiert wäre, um wieder ins Berufsleben
einsteigen zu können; vgl. ferner Arztbericht der Dres. med. C._ und
- 22 -
L._ vom 31. Januar 2018 [IV-act. 20 S. 2]). Zudem kann auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit einem sozialen Entgegenkommen von
Seiten des Arbeitgebers (Nischenarbeitsplätze) gerechnet werden (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_269/2021 vom 1. Dezember 2021 E.3.2,
8C_627/2021 vom 25. November 2021 E.4.2, 8C_170/2021 vom
23. September 2021 E.5.1.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E.2.2.1).
5.3.4. Fraglich ist jedoch, ob dem Beschwerdeführer die vorgenannten, auf dem
ausgeglichenen Arbeitsmarkt in Betracht fallenden Stellen überhaupt
zugänglich sind. Wie dargelegt, ist die körperliche Belastbarkeit und
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund seiner Beschwerden
erheblich eingeschränkt (vgl. Gutachten von Dr. med. G._ vom
30. Juli 2021 [IV-act. 125 S. 49]). Damit liegt nahe, dass bereits die
Zurücklegung des Arbeitsweges für ihn eine wesentliche Erschwernis
darstellt. Zwar gab der Beschwerdeführer anlässlich der gutachterlichen
Exploration in anamnestischer Hinsicht an, bei Verwendung von zwei
Unterarmstützkrücken Wegstrecken von ca. 2 bis 3 km in langsamem
Tempo zurücklegen zu können (IV-act. 125 S. 43 und S. 53). Dies ist ihm
allerdings nur unter verstärkten Schmerzen möglich (IV-act. 125 S. 43). Zu
beachten ist dabei auch, dass bereits die nächstgelegene Bus- bzw.
Postautostation rund 700 m und der Bahnhof über einen Kilometer vom
Zuhause des Beschwerdeführers entfernt sind (vgl.
https://www.geogr.ch/de/neuer-viewer.html -> Suchbegriff: A._ ->
Messen). Hinzu kämen Wegstrecken, die der Beschwerdeführer von der
Zielhaltestelle des öffentlichen Verkehrsmittels bis zum tatsächlichen
Arbeitsort zurückzulegen hätte. Wird zudem berücksichtigt, dass eine
leidensadapatierte Tätigkeit gemäss gutachterlicher Beurteilung
idealerweise in zwei Blöcken von jeweils 2 bis 2 1⁄2 Stunden am Vor- und
Nachmittag mit einer längeren Mittagspause ausgeübt werden soll (IV-
act. 125 S. 54), mithin die vorgenannten Wegstrecken viermal pro Tag zu
bewältigen wären, erscheint die Zurücklegung des Arbeitswegs mit den
- 23 -
öffentlichen Verkehrsmitteln entgegen der Auffassung der
Beschwerdegegnerin als nicht zumutbar.
5.3.5. Allerdings steht unbestrittenermassen fest, dass der Beschwerdeführer in
der Lage ist, selbständig Auto zu fahren. Dass er für Distanzen von mehr
als 20 bis 30 km auf eine persönliche Begleitung angewiesen wäre, wie
dies beschwerdeweise vorgebracht wird, findet in dieser Absolutheit keine
Stütze in den Akten. Vielmehr gab der Beschwerdeführer anlässlich der
Begutachtung durch Dr. med. G._ an, kurze Strecken bis maximal
30 km selbstständig fahren zu können (IV-act. 125 S. 41). In diesem
Umkreis um das Zuhause des Beschwerdeführers mit zahlreichen
wirtschaftsstarken Agglomerationen erscheint das Auffinden einer
leidensangepassten Tätigkeit nicht als unrealistisch (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_366/2021 vom 3. Januar 2022 E.4.3). Zwar wies
Dr. med. G._ in seinem Gutachten vom 30. Juli 2021 darauf hin, dass
auch beim Sitzen eine schmerzbedingte, konsequente Entlastung des
linken Gesässes erforderlich sei (IV-act. 125 S. 50), wobei er einen weich
gepolsterten Sessel, der es dem Beschwerdeführer ermögliche, zu Hause
während ca. 1 1⁄2 bis 2 Stunden durchgehend an einer Spielkonsole zu
spielen, als ideal angepasst erachtete (vgl. IV-act. 125 S. 53 und S. 40).
Obgleich daher – wie der Beschwerdeführer vorbringt – das Autofahren
insbesondere bei viermaligem Hin- und Herreisen mit einer
Schmerzzunahme einhergehen sollte, erscheint die Zurücklegung des
Arbeitswegs mit dem Auto auf einer Distanz von bis zu 30 km nicht als
unzumutbar. Nicht nur würde ein solcher Arbeitsweg deutlich weniger
lange dauern, als die angegebenen 1 1⁄2 bis 2 Stunden für das
durchgehende Computerspielen auf einem leidensangepassten Gamer-
Sessel. Auch kann mit einer zusätzlichen Polsterung des Autositzes durch
entsprechende Kissen oder Sitzauflagen zumindest bis zu einem
gewissen Grad Abhilfe verschafft werden. Zudem wäre es dem
Beschwerdeführer zumutbar, auf dem Arbeitsweg gegebenenfalls eine
- 24 -
kurze Pause einzulegen, um sich durch das Gehen einiger Schritte
Entlastung zu verschaffen, wie er dies gemäss seinen Angaben auch nach
dem Computerspielen in seiner Wohnung tut und im Gutachten vom
30. Juli 2021 im Sinne einer Wechselbelastung empfohlen wird (IV-
act. 125 S. 40 und S. 53). Auch wenn die wirtschaftliche Verwertbarkeit
der gutachterlicherseits attestierten 50%igen Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit demnach zu bejahen ist, ist die mit der
Schmerzexazerbation während der Autofahrt verbundene
Leistungsminderung auf dem täglich bis zu vier Mal zurückzulegenden
Arbeitsweg im Rahmen des Leidensabzugs zu berücksichtigen (vgl. dazu
Erwägung 5.4.6 und Urteile des Bundesgerichts 9C_15/2020 vom
10. Dezember 2020 E.6.2.3 und 9C_426/2020 vom 29. April 2021 E.5.3
betreffend Arbeitsweg bzw. Homeoffice).
5.4. Der Beschwerdeführer macht des Weiteren geltend, ihm sei insbesondere
aufgrund seiner gesundheitlichen Einschränkungen mit starken
körperlichen Limitierungen, des eingeschränkten Aktivitätsprofils, der
mangelnden Sprachkenntnisse, der einseitigen Arbeitserfahrung und
fehlenden besonderen Fertigkeiten, der auf 50 % reduzierten
Arbeitsfähigkeit sowie wegen des erhöhten Pausenbedarfs ein
Leidensabzug von mindestens 25 % zu gewähren. Die
Beschwerdegegnerin versagte ihm einen solchen in der angefochtenen
Verfügung vom 2. Mai 2022 (Bf-act. 2 S. 8).
5.4.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung können persönliche und
berufliche Merkmale der versicherten Person wie Art und Ausmass der
Behinderung, Lebensalter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität
oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad je nach Ausprägung
Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben, weshalb ein auf höchstens 25 %
begrenzter Leidensabzug von dem nach den LSE-Tabellenlöhnen zu
ermittelnden Invalideneinkommen vorgenommen werden kann, soweit
anzunehmen ist, dass die trotz des Gesundheitsschadens verbleibende
- 25 -
Leistungsfähigkeit infolge eines oder mehrerer dieser Merkmale auf dem
allgemeinen Arbeitsmarkt (vgl. dazu BGE 134 V 64 E.4.2.1) nur mit
unterdurchschnittlichem Einkommen verwertet werden kann (BGE 148 V
174 E.9.2.2, BGE 146 V 16 E.4.1, BGE 135 V 297 E.5.2; Urteile des
Bundesgerichts 8C_115/2021 vom 10. August 2021 E.3.2.1,
8C_330/2021 vom 8. Juni 2021 E.5.1 und 9C_283/2020 vom 17. August
2020 E.7.1.1). Bei der Bestimmung der Höhe des Abzugs ist der Einfluss
aller in Betracht fallender Merkmale auf das Invalideneinkommen unter
Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen
gesamthaft zu schätzen und insgesamt, wie erwähnt, auf höchstens 25 %
des Tabellenlohnes zu begrenzen (BGE 148 V 174 E.6.3, BGE 146 V 16
E.4.1, BGE 135 V 297 E.5.2, BGE 134 V 322 E.5.2; Urteile des
Bundesgerichts 9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1,
9C_787/2018 und 9C_795/2018 vom 19. Juli 2019 E.6.2). Die
Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem
Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen
einer körperlich leichten Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit
eingeschränkt ist (BGE 148 V 174 E.6.3, BGE 146 V 16 E.4.1; Urteile des
Bundesgerichts 9C_42/2022 vom 12. Juli 2022 E.4.2, 8C_115/2021 vom
10. August 2021 E.3.2.1, 9C_42/2022 vom 12. Juli 2022 E.4.2 und
9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1). Zu beachten ist jedoch, dass
allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit
enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die
Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer
doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 148
V 174 E.6.3, BGE 146 V 16 E.4.1; Urteile des Bundesgerichts vom 12. Juli
2022 E.4.2, 8C_115/2021 vom 10. August 2021 E.3.2.1 und 9C_283/2020
vom 17. August 2020 E.7.1.1). Ferner wies das Bundesgericht in BGE 148
V 174 unter Verweis auf die jüngsten Erkenntnisse aus der Wissenschaft
auf die überragende Bedeutung des Leidensabzugs als
Korrekturinstrument für die Festsetzung eines möglichst korrekten
- 26 -
Invalideneinkommens hin (vgl. E.9.2.2 f.). Insofern ist zu prüfen, ob der
Beschwerdeführer auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt verglichen mit
anderen Beschäftigten mit einem Minderverdienst rechnen müsste.
5.4.2. Soweit der Beschwerdeführer einen Abzug mit dem Verweis auf seine
starken körperlichen Limitierungen bzw. seinen Gesundheitszustand
geltend macht, ist ihm entgegenzuhalten, dass die sich aus medizinischer
Sicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkenden Einschränkungen, die bereits
in qualitativer Hinsicht bei der gutachterlichen Festlegung des
Belastungsprofils und in quantitativer Hinsicht bei der reduzierten
Leistungsfähigkeit berücksichtigt worden sind, nicht nochmals – als
abzugsrelevant – herangezogen werden dürfen. Dies käme einer
unzulässigen doppelten Anrechnung derselben Gesichtspunkte gleich
(vgl. BGE 148 V 174 E.6.3, BGE 146 V 16 E.4.1; Urteile des
Bundesgerichts 8C_115/2021 vom 10. August 2021 E.3.2.1, 8C_48/2021
vom 20. Mai 2021 E.4.3.4, 9C_283/2020 vom 17. August 2020 E.7.1.1,
8C_705/2018 vom 16. Mai 2019 E.4.3). Es bestehen denn auch keine
Anhaltspunkte dafür, dass die gesundheitlichen Einschränkungen nicht
bereits vollumfänglich in der Beurteilung der medizinischen
Arbeitsfähigkeit in leidensadaptierter Tätigkeit enthalten sind. Ausserdem
können die doch ausgeprägten qualitativen gesundheitlichen
Einschränkungen auch hinsichtlich körperlich leichter
Hilfsarbeitertätigkeiten als im nachfolgend ausgewiesenen Leidensabzug
von 20 % mitberücksichtigt gelten (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_74/2022 vom 22. September 2022 E.4.4.2).
5.4.3. Nicht abzugsrelevant sind die vom Beschwerdeführer angeführten
mangelnden Sprachkenntnisse sowie die fehlende Berufsausbildung.
Denn diesen Aspekten wird vorliegend mit der Anwendung des
Kompetenzniveaus 1 nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
bereits hinreichend Rechnung getragen (Urteile des Bundesgerichts
8C_627/2021 vom 25. November 2021 E.7.2, 8C_151/2020 vom 15. Juli
- 27 -
2020 E.6.3.4, 8C_549/2019 vom 26. November 2019 E.7.7 und
9C_323/2019 vom 2. September 2019 E.4.2). Wie bereits dargelegt,
werden für Hilfsarbeiten praxisgemäss weder eine Berufsausbildung noch
Erfahrungen oder sonstige Vorkenntnisse vorausgesetzt (Urteil des
Bundesgerichts 8C_55/2021 vom 9. Juni 2021 E.5.2.1). Zudem kann dem
bereits unter dem Aspekt der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit auf
dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt Ausgeführten entnommen werden,
dass der Beschwerdeführer aufgrund seiner bisherigen Erwerbsbiografie
ohnehin über Fertigkeiten und Arbeitserfahrungen verfügt, die er in einer
Verweistätigkeit im Kompetenzniveau 1 nutzbar machen könnte.
5.4.4. Allerdings ist zu beachten, dass bei Männern, die behinderungsbedingt
nur mehr einer Teilzeitarbeit nachgehen können, unter dem Titel
Beschäftigungsgrad allenfalls ein Abzug vom Tabellenlohn anerkannt
wird. Ein solcher entfällt, wenn grundsätzlich vollzeitlich arbeitsfähige
Versicherte aus gesundheitlichen Gründen lediglich reduziert
leistungsfähig sind (Urteile des Bundesgerichts 8C_104/2021 vom
27. Juni 2022 E.6.4.2, 8C_395/2019 vom 20. September 2019 E.6.5.2,
9C_232/2019 vom 26. Juni 2019 E.2 und 3.1). Eine solche Konstellation
liegt hier ausweislich der Akten nicht vor. So wies Dr. med. G._ im
Gutachten vom 30. Juli 2021 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in
leidensangepasster Tätigkeit ab Juli 2021 aus, die in täglich 4 bis 4 1⁄2
Stunden zu verwerten ist (IV-act. 125 S. 53 f.). Selbst wenn davon
ausgegangen wird, dass Männer ohne Kaderfunktion mit einem
Beschäftigungsgrad von 50 bis 74 % gemäss der LSE-Tabelle T18 für das
Jahr 2018 statistisch gut 4 % weniger verdienten als solche mit einem
Beschäftigungsgrad von 90 % und mehr und dies
rechtsprechungsgemäss keine überproportionale Lohneinbusse darstellt
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_329/2021 vom 27. Oktober 2021
E.8.6, 8C_139/2020 vom 30. Juli 2020 E.6.3.2, 8C_151/2020 vom 15. Juli
2020 E.6.3.2, 9C_223/2020 vom 25. Mai 2020 E.4.3.2, 8C_203/2019 vom
- 28 -
18. Juli 2019 E.5.3), ist vorliegend zu berücksichtigen, dass die attestierte
Arbeitsfähigkeit von 50 % in adaptierter Tätigkeit laut Gutachten vom
30. Juli 2021 idealerweise in zwei Blöcke von jeweils 2 bis 2 1⁄2 Stunden
am Vor- und am Nachmittag mit einer längeren Mittagspause aufzuteilen
ist (IV-act. 125 S. 54). Eine solche Einteilung ist aus
betriebswirtschaftlicher Sicht lohnmässig relevant (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 8C_552/2017 vom 18. Januar 2018 E.5.3.1 und
8C_536/2014 vom 20. Januar 2015 E.4.4; Urteil des Verwaltungsgerichts
[VGU] S 18 61 vom 2. April 2019 E.4.4). Somit ist bereits unter dem
Gesichtspunkt des Beschäftigungsgrads ein Abzug vorzunehmen.
5.4.5. Hinzu kommt, dass selbst in diesen kurzen Einsatzzeiten von täglich 4 bis
4 1⁄2 Stunden, idealerweise aufgeteilt auf jeweils 2 bis 2 1⁄2 Stunden am
Morgen und am Nachmittag mit einer längeren Mittagspause, gemäss
gutachterlichem Zumutbarkeitsprofil zusätzlich ein erhöhter Pausenbedarf
besteht. So führte Dr. med. G._ aus, angesichts der berichteten
Leistungsfähigkeit im Alltag (durchgehendes Sitzen von 1 1⁄2 bis 2 Stunden
in einem ideal angepassten Sessel beim Computerspielen,
Fernsehschauen auf der Couch, 2 bis 3 km Gehstrecke unter Verwendung
von Unterarmgehstützen) könne davon ausgegangen werden, dass eine
angepasste, überwiegend sitzende Tätigkeit mit namentlich adaptierter
Sitzgelegenheit 4 bis 4 1⁄2 Stunden täglich mit entsprechenden Pausen
möglich sei (IV-act. 125 S. 53). Dabei ist dem Gutachten in
anamnestischer Hinsicht präzisierend zu entnehmen, dass sich der
Beschwerdeführer, nachdem er ca. 1 1⁄2 bis 2 Stunden auf der
Spielkonsole gespielt habe, aufgrund der starken Beschwerden an der
linken Hüfte für rund 10 bis 15 Minuten hinlegen müsse, bevor es nach
einigen Schritten in der Wohnung wieder gehe (IV-act. 125 S. 40). Da
insofern selbst bei einer ideal angepassten Sitzgelegenheit ein Bedarf
nach zusätzlichen Pausen besteht, während denen sich der
Beschwerdeführer gegebenenfalls auch hinlegen können muss, sind die
- 29 -
funktionellen Einschränkungen nicht ohne Weiteres mit den
Anforderungen vereinbar, die sich aus den gewöhnlichen betrieblichen
Abläufen ergeben. Vielmehr ist aufgrund des vorerwähnten
Belastungsprofils davon auszugehen, dass die darin aufgeführten
Anforderungen auch im Rahmen einer adaptierten Tätigkeit eine
Verwertung der Arbeitsfähigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt nur
mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg erlauben würden.
5.4.6. Schliesslich ist zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer zusätzlich
zur tatsächlich zu erbringenden Arbeitszeit einen Arbeitsweg mit dem Auto
zurückzulegen hat, der für ihn aufgrund der auch in sitzender Position
zunehmenden Schmerzen belastend ist. Wird dabei der von Seiten des
Gutachters als Idealfall ausgewiesenen Aufteilung der Arbeitszeit auf
täglich zwei Blöcke von jeweils 2 bis 2 1⁄2 Stunden am Vor- und Nachmittag
nachgelebt (IV-act. 125 S. 54), ist der Arbeitsweg gar vier Mal pro Tag
zurückzulegen. Dadurch verkürzt sich aber nicht nur die zur Erholung
vorgesehene längere Mittagspause. Vielmehr liegt angesichts dieser
zusätzli-chen, nicht unwesentlichen Belastung nahe, dass sich diese
leistungsmindernd auf die effektiv zu erbringende Arbeitsleistung auswirkt
und gegebenenfalls mit gelegentlichen Arbeitsausfällen gerechnet werden
muss. Auch diesem Umstand ist bei der Bemessung des leidensbedingten
Abzugs vom statistischen Tabellenlohn Rechnung zu tragen, da er
geeignet ist, auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt im Vergleich mit
gesunden Arbeitnehmern zu lohnmässig relevanten Nachteilen führen.
5.5. Nach dem Gesagten rechtfertigt es sich vorliegend bei einer gesamthaften
Betrachtungsweise und unter der Berücksichtigung der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung, einen Leidensabzug von 20 % vom
statistisch bemessenen Invalideneinkommen vorzunehmen. Das
Invalideneinkommen per 2021 beläuft sich somit auf CHF 27'903.60 (LSE
2018, Tabelle TA 1, Kompetenzniveau 1, männlich, umgerechnet auf die
wöchentliche durchschnittliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden, aufindexiert,
- 30 -
Arbeitsfähigkeit 50 %, Leidensabzug 20 % = CHF 5'417.-- x 12 : 40 x 41.7
x 1.009117 x 1.01 x 1.01 x 0.5 x 0.8). Dabei resultiert bei einem
unbestritten gebliebenen, auf der Tätigkeit als Schichtmitarbeiter
basierenden und der Nominallohnentwicklung angepassten
Valideneinkommen (per 2021) von CHF 70'131.-- (IV-act. 144) ein
Invaliditätsgrad von gerundet 60 %, womit – in Übereinstimmung mit dem
Eventualantrag des Beschwerdeführers – ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente besteht.
5.6. Der Beschwerdeführer kritisiert schliesslich die von der
Beschwerdegegnerin vorgenommene Rentenabstufung per 1. Juli 2021.
Seiner Ansicht nach fällt die Herabsetzung der Rente erst auf den ersten
Tag des Fol-gemonats nach Ablauf der Zeitspanne von drei Monaten, d.h.
frühestens per 1. November 2021, in Betracht.
5.6.1. Rechtsprechungsgemäss sind bei einer rückwirkenden Zusprechung einer
abgestuften und/oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision
geltenden Art. 17 Abs. 1 ATSG und Art. 88a IVV über die Änderung des
Leistungsanspruchs bei einer Verbesserung oder Verschlechterung der
Erwerbsfähigkeit analog anzuwenden (vgl. BGE 133 V 263 E.6.1,
BGE 131 V 164 E.2.2, BGE 125 V 413 E.2d; Urteile des Bundesgerichts
9C_555/2021 vom 23. Dezember 2021 E.3.2, 8C_678/2020 vom
10. Dezember 2020 E.3.2, 8C_194/2020 vom 12. Mai 2020 E.2.3,
8C_542/2019 vom 4. Dezember 2019 E.3.2). Dementsprechend richtet
sich der Wechsel bei gleichzeitiger Verfügung über eine ganze und eine
sie ablösende tiefere Invalidenrente nach Art. 88a Abs. 1 IVV. Diese
Bestimmung sieht vor, dass eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für
die Herabsetzung oder Aufhebung einer Rente von dem Zeitpunkt an zu
berücksichtigen ist, in dem angenommen werden kann, dass sie
voraussichtlich längere Zeit dauern wird (Satz 1). Sie ist in jedem Fall zu
berücksichtigen, nachdem sie ohne wesentliche Unterbrechung drei
Monate gedauert hat und voraussichtlich weiterhin andauern wird (Satz 2).
- 31 -
5.6.2. Das Bundesgericht wendet in der Regel den zweiten Satz dieser Vorschrift
an und gewährt oder bestätigt die bisherige höhere Rente drei Monate
über die Veränderung des Gesundheitszustandes hinaus. Auf die
Einräumung einer Wartedauer bis zur Aufhebung ist nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur in Ausnahmefällen zu
verzichten. Die "soforti-ge" Aufhebung rechtfertigte sich etwa, weil eine
Verbesserung bereits seit geraumer Zeit anzunehmen, der Zeitpunkt
dieser Änderung der Arbeitsfähigkeit aber nirgends dokumentiert war,
oder weil sich der Verlauf der Arbeitsfähigkeit nicht annähernd genau
bestimmen und erst gestützt auf das Gutachten verbindlich und
abweichend von der echtzeitlichen Aktenlage einschätzen liess. In diesen
Fällen wurde die Aufhebung auf den Zeitpunkt der Begutachtung
festgesetzt (Urteile des Bundesgerichts 8C_285/2020 vom 15. September
2020 E.5.1, 8C_36/2019 vom 30. April 2019 E.5 und 9C_687/2018 vom
16. Mai 2019 E.2).
5.6.3. Im hier zu beurteilenden Fall versagte die Beschwerdegegnerin die
Anwendung der dreimonatigen Frist mit der Begründung, der Gutachter
habe ab März 2021 bis Juli 2021 vier Monate Zeit gegeben, um die
Arbeitsfähigkeit von 30 % auf 50 % zu steigern, womit direkt ab Juli 2021
auf die 50%ige Arbeitsfähigkeit abgestellt werden könne (IV-act. 157 S. 21
und angefochtene Verfügung vom 2. Mai 2022 [Bf-act. 2 S. 8 f.]). Damit tut
sie indes nicht dar, inwiefern die vorgenannten Ausnahmekonstellationen
von der Regel gegeben sein sollen. Dies ist denn auch nicht ersichtlich.
Vielmehr geht aus dem von der Beschwerdegegnerin selbst angeführten
Gutachten vom 30. Juli 2021 hervor, dass Dr. med. G._ dem
Beschwerdeführer seit der Hüft-Totalendoprothese-Operation auf der
linken Seite im Oktober 2019 aufgrund des komplikationsbehafteten
Verlaufs eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, auch in adaptierter Tätigkeit,
attestierte. Erst ab März 2021 wies er eine Arbeitsfähigkeit in einer
Verweistätigkeit von 30 % und ab Juli 2021 eine solche von 50 % aus (IV-
- 32 -
act. 125 S. 54), wobei er auch im Gutachtenszeitpunkt zehn (recte: neun)
Monate nach dem letzten operativen Eingriff noch nicht von einem
Endzustand ausging (IV-act. 125 S. 50). Zudem konnte er im Juli 2021
einen anhaltenden, niedrigvirulenten "Low grade"-Infekt nicht mit absoluter
Sicherheit ausschliessen und empfahl – nach einer ärztlich begleiteten
Gewichtsreduktion – eine gutachterliche Nachuntersuchung in ca. zwei
Jahren, sofern keine weiteren operativen Eingriffe notwendig sein sollten
(IV-act. 125 S. 54 f.). Insofern kann bereits aus diesen gutachterlichen
Ausführungen mitnichten gesagt werden, der Gesundheitszustand des
Beschwerdeführers habe sich bereits seit geraumer Zeit vor der
Begutachtung verbessert, so dass sich direkt ab dem Zeitpunkt der
gutachterlichen Exploration aufgrund einer voraussichtlich längere Zeit
dauernden Steigerung der Erwerbsfähigkeit eine Rentenherabsetzung
aufgedrängt hätte. Vielmehr war der Gesundheitszustand auch aus
gutachterlicher Sicht nicht stabil und der weitere Krankheitsverlauf mit
Unsicherheiten behaftet. Auch kann das Gutachten vom 30. Juli 2021
mangels ausdrücklicher Auseinandersetzung nicht für sich beanspruchen,
für die Zeit vorher die Verhältnisse verbindlich und abweichend von der
echtzeitlichen Aktenlage einschätzen zu können. Vielmehr hielt Hausarzt
Dr. med. J._ mit Bericht vom 12. April 2021 bei weiterhin attestierter
100%iger Arbeitsunfähigkeit noch fest, es sei für ihn weder klar, wann von
einem stabilen Gesundheitszustand ausgegangen werden könne, noch
wann der Beschwerdeführer wieder ins Arbeitsleben zurückkehren könne
(IV-act. 108 S. 2 f.). Bereits zuvor wies Dr. med. F._ in ihrem Bericht
vom 9. März 2021 eine Omalgie rechts, eine chronische Zervikalgie,
chronische Lumbalgien und eine Lumboischialgie links aus (IV-act. 108
S. 54 ff.), während die Dres. med. D._ und E._ ihrerseits mit
Bericht vom 22. Februar 2021 eine chronische Nuchobrachialgie rechts
sowie chronische Lumbalgien mit Ausstrahlung nach gluteal und den
proximalen dorsalen Oberschenkel links diagnostizierten (IV-act. 108
S. 50 ff.). Zudem berichtete der behandelnde Orthopäde Dr. med.
- 33 -
M._ am 18. November 2020 von einer sehr schwachen
Hüftabduktorenfunktion (IV-act. 98 S. 2), die im weiteren Verlauf zwar
etwas verbessert werden konnte, wobei Dr. med. M._ mit Bericht vom
29. Dezember 2020 jedoch befand, dass eine vollständige Normalisierung
der Hüftabduktorenkraft wahrscheinlich nicht erreicht werden könne (IV-
act. 98 S. 5). Unter diesen Umständen kommt vorliegend der Regelfall
gemäss Art. 88a Abs. 1 Satz 2 IVV zur Anwendung, weshalb die ab Juli
2021 ausgewiesene Verbesserung der Erwerbsfähigkeit auf 50 %, die (im
Gegensatz zu der ab März 2021 attestierten Arbeitsfähigkeit)
rentenrelevant ist, ab dem 1. November 2021 zu berücksichtigen ist. Damit
ist die ganze Invalidenrente ab diesem Zeitpunkt auf eine Dreiviertelsrente
herabzusetzen.
5.6.4. Soweit der Beschwerdeführer mit Blick auf die Rentenherabsetzung weiter
kritisiert, die Beschwerdegegnerin habe die bereits mit dem Einwand
vorgebrachten, bisher unberücksichtigt gebliebenen psychiatrischen As-
pekte mit einem Hinweis des Rechtsanwenders auf eine reaktive Störung
auf einen negativen IV-Entscheid als nicht relevant abgetan, ist ihm zwar
darin beizupflichten, dass Derartiges grundsätzlich durch einen Arzt
festzustellen gewesen wäre. Allerdings hätte der Beschwerdeführer
bereits im Verfahren vor der Beschwerdegegnerin, das mit der
angefochtenen Verfügung vom 2. Mai 2022 seinen Abschluss gefunden
hat, einen Bericht seines behandelnden Psychiaters beibringen können.
Stattdessen liess er es im Einwand vom 24. Januar 2022 bei seinem
Vorbringen bewenden, er sei seit Ende Dezember 2021 aufgrund einer
zunehmenden depressiven Symptomatik bei Dr. med. N._ in
psychiatrischer Behandlung (IV-act. 151 S. 2). Auch wenn das Verfahren
vor der Beschwerdegegnerin – genauso wie das verwaltungsgerichtliche
– vom Untersuchungsgrundsatz beherrscht ist, trifft den Leistungen der
Invalidenversicherung beanspruchenden Beschwerdeführer eine
Mitwirkungspflicht (Art. 28 und Art. 61 lit. c ATSG) und es kann von ihm
- 34 -
erwartet werden, dass er sich an der Ermittlung des Sachverhalts beteiligt.
Den Akten sind denn auch keine Hinweise darauf zu entnehmen, dass der
Beschwerdeführer an einer psychischen Störung, insbesondere einer
depressiven Symptomatik, gelitten hätte. So gab er noch im Oktober 2021
an, neben einer beklagten Müdigkeit aufgrund des ganzen Prozesses trotz
allem keine psychischen Beschwerden zu haben (IV-act. 131). Auch
anlässlich der Begutachtung im Juli 2021 konnte keine Entwicklung
ausserhalb der Norm festgestellt werden (IV-act. 125 S. 52) und auch der
Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. med. J._, wies mit Bericht vom
12. April 2021 keine psychischen Einschränkungen aus (IV-act. 108 S. 2
f.). Ebenso wenig deuten die Angaben des Beschwerdeführers im
Einwand vom 24. Januar 2022 auf einen psychischen
Gesundheitsschaden mit Krankheitswert hin: So gab er lediglich an, vor
der massiven gesundheitlichen Verschlechterung ein aktiver, sportlicher
und sozialer Mann gewesen zu sein. Aufgrund der starken Beschwerden
sei es ihm mittlerweile nur noch sehr beschränkt möglich, sich ausser
Haus zu bewegen und dies zudem auf Gehstöcken. Es sei
nachvollziehbar, dass die dauernden Schmerzen und Einschränkungen in
der Mobilität auf sein Gemüt schlagen würden. Erschwerend komme
hinzu, dass seine Persönlichkeitsstruktur keine Schwäche zulasse (IV-
act. 151 S. 2). Mit diesen allgemeinen Ausführungen – insbesondere auch
mit dem Hinweis darauf, dass ihm seine Situation auf das Gemüt
geschlagen hätte – vermag er jedoch weder aufzuzeigen, dass sein
somatischer Gesundheitszustand krankheitswertige psychische Folgen
gezeitigt hätte, noch nannte er eine entsprechende Diagnose oder
behauptete er eine psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeit, obwohl ihm
dies zu substanziieren angesichts seiner Mitwirkungspflicht zumutbar
gewesen wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_73/2019 vom 4. März
2020 E.4.2). Da – wie aufgezeigt – auch anderweitige Anhaltspunkte für
ein invalidisierendes psychisches Leiden fehlten, durfte die
Beschwerdegegnerin somit von weiteren Abklärungen absehen.
- 35 -
5.7. Insgesamt erweist sich die Beschwerde somit im Eventualstandpunkt als
begründet. Die angefochtene Verfügung vom 2. Mai 2022 ist daher in
Gutheissung der Beschwerde insoweit aufzuheben, als dem
Beschwerdeführer ab dem 1. Juli 2021 eine halbe Invalidenrente
zugesprochen wurde. Ihm steht über diesen Zeitpunkt hinaus eine ganze
Invalidenrente bis zum 31. Oktober 2021 zu. Ab dem 1. November 2021
ist ihm eine Dreiviertelsrente auszurichten. Im Übrigen ist die Beschwerde
abzuweisen.
6. Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG i.V.m. Art. 61 lit. fbis ATSG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Betreffend die Parteientschädigung ist zu berücksichtigen, dass der
Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren zumindest dem Grundsatz
nach obsiegt, weil er – wenn auch nicht in quantitativer Hinsicht – mit
seinem Antrag auf eine (unbefristete) Weiterausrichtung einer höheren als
die ihm zugesprochene Invalidenrente durchgedrungen ist, wobei das
ziffernmässig bestimmte Begehren bzw. die "Überklagung" (ganze
Invalidenrente) keine massgeblichen Auswirkungen auf den
Prozessaufwand hatte. Somit besteht ein Anspruch auf eine ungekürzte
Parteientschädigung (vgl. BGE 117 V 401 E.2c; Urteile des
Bundesgerichts 8C_449/2016 vom 2. November 2016 E.3.1.1,
9C_288/2015 vom 7. Januar 2016 E.4.2, 9C_178/2011 vom 20. Mai 2011
E.3.3.1, 8C_568/2010 vom 3. Dezember 2010 E.4.1 und 9C_580/2010
vom 16. November 2010 E.4.1). Diese Rechtsprechung des
Bundesgerichts betrifft die Parteientschädigung gemäss Art. 61 lit. g
- 36 -
ATSG. Für die Verteilung der Gerichtskosten im Betrag von CHF 200.‐‐
bis CHF 1'000.‐‐ im Sinne von Art. 69 Abs. 1bis letzter Satz IVG besteht
hingegen keine entsprechende Rechtsprechung des Bundesgerichts. Die
Verteilung dieser Gerichtskosten erfolgt mangels gegenteiliger
Regelungen im Bundesrecht und in Nachachtung von Art. 61 Ingress
ATSG nach dem massgebenden kantonalen (Verfahrens‐)Recht und
somit nach Art. 72 ff. VRG (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_176/2020
vom 9. April 2021 E.3, 9C_254/2018 vom 6. Dezember 2018 E.2.1,
8C_304/2018 vom 6. Juli 2018 E.4.2 und 8C_568/2010 vom 3. Dezember
2010 E.4.2; VGU S 16 77 vom 18. Dezember 2018 E.11.1). Gemäss
Art. 73 Abs. 1 VRG hat in einem Rechtsmittelverfahren in der Regel die
unterliegende Partei die Kosten zu tragen. Nach Ansicht des
streitberufenen Gerichts rechtfertigt sich namentlich in der vorliegenden
Konstellation, in der ein reformatorischer Entscheid gefällt wird und der
Beschwerdeführer die Weiterausrichtung einer (unbefristeten, höheren)
Invalidenrente erreichen konnte, eine Verlegung der Gerichtskosten
analog zur rechtsprechungsgemässen Festsetzung der (ungekürzten)
Parteientschädigung (PVG 2020 Nr. 7, VGU S 20 27 vom 23. Februar
2021 E.12). Somit sind die Gerichtskosten im Betrag von CHF 700.--
vollumfänglich der Beschwerdegegnerin zu überbinden.
7. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Die
Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der Rechtsvertretung regelmässig
durch die Schwierigkeit des Prozesses mitbestimmt wird. Im Übrigen wird
die Bemessung der Parteientschädigung gemäss Art. 61 Satz 1 ATSG
nach dem kantonalen Recht bestimmt (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_519/2020 vom 6. Mai 2021 E.2.2, 9C_714/2018 vom 18. Dezember
2018 E.9.2, 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1 und 9C_688/2009
- 37 -
vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG i.V.m. Art. 2 der
Verordnung über die Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen
und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV; BR 310.250) wird die
Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts festgesetzt, wobei es
grundsätzlich von dem in der Honorarnote geltend gemachten (und als
angemessen zu betrachtenden) Aufwand sowie (üblichen) Stundenansatz
ausgeht. Der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers machte in seiner
Honorarnote vom 30. Juni 2022 ein Honorar von CHF 2'395.05 (13.5
Stunden à CHF 160.-- zzgl. 3 % Spesenpauschale und 7.7 % MWST)
geltend. Diese berücksichtigt zwar den praxisgemäss geltenden,
reduzierten Stundenansatz für Hilfsorganisationen, zu denen auch die
Procap Schweiz zu zählen ist (PVG 2010 Nr. 31 und Nr. 32). Indes führt
sie verschiedene Aufwandpositionen auf, die nicht das
verwaltungsgerichtliche, sondern noch das Verfahren vor der
Beschwerdegegnerin betreffen (vgl. auch Stellungnahme der
Beschwerdegegnerin vom 2 August 2022 zur Honorarnote). Zudem
wurden in der Beschwerde vom 2. Juni 2022 im Wesentlichen dieselben
Rügen erhoben wie im Einwand vom 24. Januar 2022. Daher ist der
geltend gemachte Aufwand zu kürzen. Insgesamt erweist sich eine
Entschädigung von pauschal CHF 1'700.-- als angemessen.