# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3cc05b2b-fc3b-4682-b22d-6b59ae5bc213
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1958 geborene
X._
meldete sich am 16. Dezember 2014 unter Hin
weis
auf
seine Füsse, Diabetes sowie auf eine
körperliche und psychi
sche Krank
heit zum Bezug von Leistungen (Berufliche Integration/Rente, Hilfsmittel) bei der
Invalidenversicherung an (Urk. 7/6
-7
).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons
Zürich, IV-Stelle, klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und
erteilte
am 23. April 2015
Kostengutsprache für
orthopädische Serienschuhe
vom
13. Februar 2015 bis 28. Februar 2020 (Urk. 7/27)
. In
der Folge
veranlasste sie
ein
e
polydisziplinäre
Begutachtung (Allgemeine Innere Medizin, Psychiatrie und Orthopädie) beim Zentrum
A._
(
Expertise vom 11. Mai 2016 [Urk. 7/58]
,
und Ergänzung vom 3. November 2016 [Urk. 7/65]
).
Mit Vorbescheid vom 7. Februar 2017 (Urk. 7/67) stellte die IV-Stelle die Abwei
sung des Leistungsbegehrens in Aussicht, wogegen der
Versicherte
Einwand
(Urk. 7/71, Urk. 7/76) erhob
.
Daraufhin legte
IV-Stelle
die
A._
-
Ergänzung ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme
(Urk. 7/78 S. 2 f.)
vor.
Mit Verfügung vom 22. Mai 2017 (Urk. 2) verneinte
sie
unter Hinweis auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit einen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
ver
siche
rung.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 13. Juni 2017 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die Verfügung vom 22. Mai 2017
sei
aufzuheben, auf das polydisziplinäre Gutachten sei abzustellen
und es sei eine Rente aufgrund der im Gutachten
festgestellten
Arbeitsunfähigkeit von 100 % auszurichten. Eventuell sei ein neues psychiatrisches Gutachten einzuholen. In formeller Hinsicht stellte er das Gesuch
um unentgeltliche Prozessführung (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 22. August
2017 (Urk. 6) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde.
D
er Beschwerdeführer
hielt mit Replik vom 3. Oktober 2017 (Urk. 10) an seinen Anträgen fest (S. 2). Die Beschwerdegegnerin
verzichtete am
25. Oktober 2017 (Urk. 12)
auf eine Duplik
, was dem Beschwerdeführer am 31. Oktober 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 13).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegli
che
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unab
hängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weit
geh
end objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben,
warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986
S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psy
chischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nen
falls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.
5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung
(Urk. 2)
damit,
dass der Beschwerdeführer
laut Beurteilung durch den RAD-Arzt
in kör
perlich leichte
n
bis mittelschwere
n
Tätigkeiten
(
ohne Bewegen von Lasten über 10 kg
,
ohne dauernde Zwangshaltung
und ohne Gefahrenpoten
z
ial
) zu 100 % arbeitsfähig sei (S. 1).
Es
fänden sich gemäss der medizinischen Beurteilung keine zusätzlichen psychischen Befunde, welche die Diagnose einer schweren Depres
sion und Persönlichkeitsstörung stütz
t
en. Die psychiatrische Begutachtung sei insgesamt nicht nachvollziehbar, weshalb
nicht
auf das polydisziplinäre Gutach
ten abzustellen sei (S. 2
).
In ihrer Beschwerdeantwort (Urk. 6) wies die Beschwerdegegnerin
darauf
hin,
dass der Leidensdruck des Beschwerdeführers nicht besonders hoch zu sein schein
e
,
da er nur einmal monatlich in die Psychotherapie gehe und sich auch keiner stationären Therapie unterziehe.
G
emäss den medizinischen Akten
sei
die Dekom
pensation aus psychiatrischer Sicht
sodann
nach ausgesprochener Kündigung der Arbeitsstelle und somit aus psychosozialen Gründen
erfolgt
(S. 2 f. Ziff. 7)
.
Indem
mangels Nachvollziehbarkeit der Diagnosen
nicht auf die psychiatrische Begut
achtung abgestellt werde, liege keine Verletzung der Abklärungspflicht der Be
schwerdegegnerin vor, da betreffend den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers genügend
Anhaltspunkte
vorlägen. Entsprechend
gehe der
Antrag
bezüglich
ein
es
neu zu beauftragende
n
psychiatrische
n
Gutachten
s
ins Leere (S. 3 Ziff. 8).
2.2
De
r Beschwerdeführer stellte sich
demgegenüber
in seiner Beschwerde (Urk. 1)
auf den Standpunkt
, die Diagnose
der schweren Depression
beruhe
nicht nur auf subjektiven Kriterien, sondern auch auf von der
psychiatrischen
Gutachterin festgestellten objektiven Tatsachen. Bezüglich der Persönlichkeitsstörung sei es sodann nicht notwendig, dass bereits in der Kindheit oder Jugendzeit entstandene Lebensumstände
vorlägen
, diese könnte
n
auch erst später im Leben erworben worden sein (S. 6).
Die Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach auf das psy
chiatrische Gutachten nicht abgestellt werden könne, sei
zudem
nicht nachvoll
ziehbar.
D
er
Rentenanspruch könne
sodann auch
nicht
dadurch
abgelehnt wer
den, indem auf das psychiatrische Gutachten nicht abgestellt werde, vielmehr müsse eine neue psychiatrische Expertise angeordnet werden (S. 7 Ziff. 3-4
,
vgl. auch
Urk. 10 S. 6 Ziff. 7
).
In der Replik
(Urk. 10) machte der Beschwerdeführer
ferner
geltend, dass gemäss dem Gutachten die Diagnose einer schweren depressiven Störung anhand des Psychostatus mit deutlich herabgesetzter Stimmung, Antriebslosigkeit, innerer Unruhe, Schlafstörung, Appetitlosigkeit,
Anhedonie
sowie sozialen Ängsten mit sozialem Rückzug gestellt worden sei (S.
3 f. Ziff. 4 und S. 5 Ziff. 5). Im Weiteren stehe der Umstand, dass
er
nicht in einer intensiveren Psychotherapie stehe, auch mit der schweren Persönlichkeitsstörung
im
Zusammenhang
(S. 5 Ziff. 5).
Bezüg
lich letzterer
habe die Gutachterin insbesondere Beeinträchtigungen der kom
p
lexen Ich-Funktionen, der Steuerungs- und Introspektionsfähigkeit, der Fähig
keit zur Selbst- und Fremdwahrnehmung, der Realitätsprüfung sowie der Urteils
bildung festgestellt (S. 4).
2.3
Unbestritten (Urk. 1 S. 5 Ziff. 1
,
Urk. 2 S.
1, Urk. 6 S. 2 Ziff. 5 f.)
und aufgrund
der
allgemein-internistischen und orthopädischen gutachterlichen
Beurteilung vom 11. Mai 2016
ausgewiesen
ist, dass der Beschwerdeführer unter somatischen Gesichtspunkten
(
organische
Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähig
keit: chronisches
lumbovertebrogenes
Syndrom mit aktivierter
lumbosacraler
Facette
n
arthrose,
Tendovaginitits
de
Quervain
links, Diabetes mellitus Typ II
mit Spätkomplikationen wie Polyneuropathie und Fusssyndrom
; Urk. 7/58 S. 37)
in
leichte
n
Tätigkeiten im Wechsel von Sitzen, Stehen und Gehen mit überwiegen
dem Sitzen unter Vermeidung von häufigem Bücken, Heben und Tragen von Lasten über 10 kg
sowie ohne Gefahrpoten
z
ial
zu 100 % arbeitsfähig ist
(Urk. 7/58
S. 15,
S. 24
, S. 39 und S. 40
).
Demgegenüber ist
streitig und
zu prüfen, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit in psychischer Hinsicht verhält, und ob diese
rechtsgenüglich
abgeklärt worden ist.
3.
3.1
Dr.
B._
,
Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in ihrer gutach
terlichen Beurteilung vom 11. Mai 2016 (Urk. 7/58 S. 24-35) folgende Diagnosen (S. 31):
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psycho
tische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
Persönlichkeitsstörung, nicht näher bezeichnet (ICD-10 F60.9)
Die Gutachterin hielt fest, der Antrieb des Beschwerdeführers sei vermindert und der Wille beeinträchtigt. Im Kontaktverhalten sei er auffällig, wobei er zeitweise sehr eng im Blickkontakt sei, aber auch misstrauisch, zeitweise wieder sehr zurückgezogen und feindselig wirke (S. 28). Es lägen Ich-Störungen in Form einer verminderten Ich-Aktivität und Ich-Vitalität vor und die Stimmung und der Affekt seien deutlich herabgesti
mmt. Der Beschwerdeführer wirke
gespannt und ärgerlich, wobei sich der Ärger und das Misstrauen gegen Ende des Gesprächs in eine traurige Stimmung wandle und
er
weine. Der Beschwerdeführer habe die Gutachterin mehrfach gebeten, ihm ein Medikament zu geben, um sein Leben zu beenden
. Im Weiteren seien die mnestischen Funktionen deutlich beeinträchtigt und
er
könne sich weder an die Geburtsdaten seiner Kinder und Eltern noch an Daten in seinem Lebenslauf erinnern.
Es
lägen
zudem
Beeinträchtigungen der komplexen Ich-Funktionen vor und es seien insbesondere die Steuerungs
fähig
keit, Introspektionsfähigkeit und die Fähigkeit zu
r
Selbst- und Fremdwahr
neh
m
ung
und deren Abstimmung sowie auch die Realitätsprüfung und Urteilsbil
dung erheblich beeinträchtigt.
A
ngesichts des schlecht eingestellten Diabetes
bestehe
auch eine massiv beeinträchtigte Fähigkeit zur Selbstfürsorge (S. 29).
D
er Beschwerdeführer
habe sich
in sozialen Kontakten massiv zurückgezogen und der einzige kontinuierliche und regelmässige Kontakt
bestehe
mit seiner Tochter. Die psychischen Funktionen seien bezüglich Anpassung an Regeln und Routinen massiv beeinträchtigt und der Beschwerdeführer sei nicht in der Lage, sich in Organisationsabläufe einzufügen, sofern sie nicht vollumfänglich seinen eigenen Vorstellungen entsprächen. Die Planung und Strukturierung sei
en
eben
falls schwer beeinträchtigt und er sei selbst bei einem direkten Anreiz, Geld zu verdienen, nicht in der Lage
,
50 Stunden pro
Monat
einer einfachen Tätigkeit nachzugehen. Die Flexib
i
litäts- und Umstellungsfähigkeit sei
en
mindestens mittel
gradig beeinträchtigt (S. 30).
Dr.
B._
hielt weiter fest, d
ie Anwendung fachlicher Kompetenzen
sei
schwie
rig zu beurteilen;
i
m angestammten Beruf als Hilfsarbeiter sei die Kon
zen
trationsfähigkeit beeinträchtigt. Die Entscheid- und Urteilsfähigkeit sei
en
auf
grund der Persönlichkeitsproblematik oder der kognitiven Einschränkungen leicht-
bis mittelgradig beeinträchtigt
.
Ebenso sei die Durchhaltefähigkeit schwer beein
trächtigt und die Selbstbehauptungsfähigkeit sei leicht
gestört. Die Kontaktfähig
keit zu Dritten sei schwer beeinträchtigt
,
der Beschwerdeführer könne Differenzen zum Gegenüber nicht aushalten
,
sei darauf angewiesen, dass er in seinen An
sich
ten bestätigt werde und fühle sich sehr schnell angegriffen und könne seine eige
nen Anteile an Konflikten nicht wahrnehmen
(S. 30)
.
Dasselbe gelte im entsprechenden Mass auch für die Gruppenfähigkeit. Die Fähig
keit zu Spontanaktivitäten sei ebenfalls stark beeinträchtigt und der Beschwer
deführer sei nicht mehr in der Lage, sich auf veränderte Lebensumstände einzu
stellen und Aktivitäten nachzugehen, welche ihm eventuell Freude bereite
ten
(S.
30)
.
Die Gutachterin führte weiter aus, der Beschwerdeführer lege sich immer wieder mit seiner Umgebung an, wobei auch anlässlich der Untersuchung auffällig sei, wie oft er über Konflikte mit behandelnden Ärzten, Kollegen, Familienmitgliedern oder auch fremden Leuten berichte.
Phänomenologisch fänden sich im Beck-Depressions-Inventar
(BDI)
Hinweise auf eine aktuell schwere depressive Episode mit einer Antriebsstörung, Konzentrationsstörungen, einer ausgeprägten Dyspho
rie, einer Empfindlichkeit sowie mit psychovegetativen Symptomen wie schweren Schlafstörungen und Inappetenz. Auch die Compliance für die Behandlung des Diabetes sei aufgrund der psychischen Voraussetzungen des Bes
chwerdeführers nicht
gegeben
(S. 32 und S. 40)
. Ausserdem bestehe eine seit mehreren Jah
ren vorhandene Impotenz, die ihn
psychisch massiv beeinträchtige (S. 32).
Im Weiteren hielt die Gutachterin
fest, dass der Beschwerdeführer
seit Dezember 2014
aufgrund der aktuelle
n
schweren depressiven Episode
und der vorbesteh
enden Persönlichkeitsproble
matik aus psychiatrischer Sicht sowohl in der ange
stammten als auch in
einer angepassten
Tätigkeit
zu 100 %
arbeits
un
fähig sei (S. 32
und S. 41 f.
).
Die Depression sei medikamentös nicht optimal behandelt, wobei weder aus den Akten noch der klinischen Untersuchung ersichtlich sei, welche Behandlungs
ver
suche bereits getätigt worden seien. Der Beschwerdeführer gehe nach eigenen An
gaben einmal monatlich ins Medizinische Zentrum
C._
für eine psychiatrische Behandlung, wobei er über
deren
Art und Erfolg keine Anga
ben haben machen können (S. 32).
Der Beschwerdeführer sei psychiatrisch be
handlungsbedürftig, wobei angesichts des aktuellen Zustands eine stationäre
Behandlung angezeigt wäre (S. 40).
Theoretisch könne die Depression behandelt werden, angesichts der Persönlichkeitsstörung sei der Erfolg jedoch äusserst frag
lich (S. 42).
Dr.
B._
führte weiter aus, beim Beschwerdeführer stehe die Persönlich
keits
problematik im Vordergrund, wobei die Anamnese betreffend frühkindlic
he Entwicklung und ätiologische
Faktoren, welche für die gestörte Persönlich
keits
entwicklung verantwortlich seien, nicht ergiebig sei, weil der Beschwerdeführer wenig Introspektionsfähigkeit aufweise und auch heikle Themen umgehe, indem er angebe, diese vergessen zu haben. Die kognitiven Defizite müssten im Rahmen der depressiven Entwicklung und/oder als Ausdruck des langjährigen Alkohol
abusus interpretiert werden. Die beginnende Kleinhirnatro
ph
ie sei vermutlich Aus
druck des langjährigen Alkoholkonsums, klinische Manifestationen eines Klei
n
hirnschadens lägen
nicht vor. Die Depression sei theoretisch behandelbar,
wobei die Prognose
angesichts der Persönlichkeitsstruktur mit fehlender Compli
ance und Beeinträchtigun
g der kognitiven Fähigkeiten
auch bei einer guten Behand
lung schlecht
sei
(S.
3
3).
3.2
Am
23. Mai 2016 (Urk. 7/66
) äusserte sich der RAD-Arzt
Dr.
D._
, Psy
chiatrie und Psychotherapie, zu
r
psychiatrischen
A._
-Beurteilung
wie folgt: Die Diagnosen seien nicht nachvollziehbar. Der angegebene BDI-Wert entspreche einer subjektiven Selbsteinschätzung und nicht einem objektiven Befund, wes
halb sich eine schwere Depression mit dem subjektiven BDI nicht begründen lasse. Der Befund passe sodann nicht zu einer schweren Depression, zumal der
Blickkontakt zeitweise sehr intensiv gewesen sei, der Beschwerdeführer
dysthym
gewirkt habe, eine t
raurige Stimmung vorgelegen
und er über sexuelle Lust berichtet habe. Angaben zur Aufmerksamkeit und Konzentration fehlten und es fänden sich auch keine Belege für eine schwer beeinträchtigte Durchhalte
fähig
keit und stark bee
inträchtigte Spontanaktivitäten. Gemäss Gutachte
n
seien die mnestischen Funktionen deutlich beeinträchtigt, gleichzeitig
halte
die Expertin
aber
fest
, dass der Beschwerdeführer heikle Themen umgehe, indem er angebe, diese vergessen zu haben. Die Angaben zum Funktionsniveau und den psychi
schen Funktionen basierten weithin auf den subjektiven Angaben des Beschwer
de
führers, wobei der Umstand, dass er mit einem Bekannten ins
A._
gefahren sei respektive den Weg mit dem
Zug selbst absolviert habe,
im Gutachten nicht gewürdigt worden
sei
(S. 4).
Der RAD-Arzt hielt weiter fest, dass eine Persönlichkeitsstörung laut ICD nicht nur den Nachweis einer aktuellen schweren Störung, sondern biografische Belege seit de
m frühen Erwachsenenalter
e
rfordere. Letztere seien indessen nicht vor
gelegt worden, weshalb keine Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden könne.
Die anhaltend lange Berufstätigkeit weise auf ein gutes berufliches Funktionieren zumindest bis zur
E._
-Kündigung im Jahre 2005 hin. Vor diesem Hintergrund könne allenfalls eine Persönlichkeitsakzentuierung erörtert werden (S. 4).
Im Übrigen best
ü
nden viele Auffälligkeiten: Der Beschwerdeführer könne maxi
mal zwei Stunden pro Nacht schlafen, wobei er im Befu
nd aber nicht müde sei
. Von der zweiten Ehe habe er nichts berichtet. Der Beschwerdeführer würde sich sodann nur draussen bewegen, wenn er wisse, dass es ruhig und leer sei, zur Untersuchung sei er indessen alleine per Zug gekommen. Im Weiteren habe die Gutachterin an der Medikamenteneinnahme gezweifelt, habe aber keinen Labor
befund erhoben. Sie habe sodann einen chronischen Alkoholkonsum erörtert, habe aber
k
eine Sucht-/Alkoholanamnese und keine objektiven Laborwerte erho
ben (S. 4).
3.3
Auf Rückfrage
der Beschwerdegegnerin
vom 23. Mai 2016 (
Urk. 7/66 S. 5,
Urk. 7/60/1)
hielten die
A._
-Gutachter
Dr.
F._
, Allgemeine Innere Medi
zin, und
Dr.
B._
am 3. November 2016 (Urk. 7/65) Folgendes fest: Die Diagnose einer schweren Depression sei anhand des Psychostatus mit deutlich herabgesetzter Stimmung, Antriebslosigkeit, innerer Unruhe, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit,
Anhedonie
, sozialen Ängsten mit sozialem Rückzug sowie dem Hamilton Depressionsindex (47 von 60 Punkten) gestellt worden (S. 1).
Die Übergä
ng
e
zwischen einer Persönlichkeitsakzentuierung und einer Persön
lich
keitsstörung seien fliessend, wobei
davon auszugehen sei
, dass bei einer Persönlichkeitsstörung ein seit Kindheit und Jugend
länger andauerndes
Muster an starren Reaktionen auf bestimmte Situationen vorliege, welches die psychische Funktionsf
ähigkeit sowohl in Bezug auf Ich-Leistungen wie auch auf zwische
n
menschliche Beziehungen massiv beeinträchtig
e und zu schwerwiegenden de
struk
tiven Folgen betreffend ein autonomes Leben und Beziehungen führe. Beim Beschwerdeführer lägen Hinweise vor, dass er seine Schulkarriere nicht regel
kon
form habe abschliessen können. Die Beziehungen zu seinen ersten Bezugsper
so
nen seien in der Beschreibung nicht fassbar geblieben, wobei es familiäre Kon
takte zum Beispiel zu den Schwestern nicht gebe. Persönlichkeitsstörungen gingen oft mit selbstschädigendem Verhalten einher und die Biografien von Be
troffenen seien gefüllt mit Arbeitsp
latzwechseln, rasch wechselnden und
dys
funk
tionalen Beziehungen
sowie
einer stark gestörten Selbst- und Fremdwahr
nehmung. Die
Mentalisierung
respektive Introspektionsfähigkeit sei ebenfalls
massiv beeinträchtigt. Die mangelnde Selbstfürsorge betreffend seinen Diab
etes, das ungepflegte Auftreten
und das
Verhalten des Beschwerdeführers während der Untersuchung zeigten deutliche Hinweise auf eine strukturelle Störung. Somit sei die Diagnose der Persönlichkeitsstörung einerseits aus der Anamnese, bei der immer wieder auftretende Konflikte mit anderen Menschen beschrieben worden
seien, und
aus den Befunden der Untersuchung mit einer deutlichen Störung des Verhaltens, welche sich bei allen Gutachtern gezeigt habe, erschlossen worden (S. 1 f.).
Betreffend Alkoholkonsum hielten die Gutachter fest, dass die Suchtanamnese unvollständig sei, da weder in den Akten noch eigenanamnestisch
eruierbar
sei, ob der Beschwerdeführer je eine spezifische Behandlung durchgeführt habe.
Aufgrund der erhobenen
normalen
Laborwerte
(CDT, GOT
, GPT
)
sei davon aus
gegangen worden, dass der Beschwerdeführer seinen Alkoholkonsum zumindest in den letzten Monaten eingestellt respektive stark reduziert habe (S. 2).
3.4
In seiner Stellungnahme vom 19. Mai 2017 (Urk. 7/78 S. 2 f.) zur Ergänzung der
A._
-Gutachter vom 23. Mai 2016 (vgl. E. 3.3
hievor
) hielt der RAD-Arzt
G._
, Facharzt für Neurologie sowie
Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
fest,
dass das psychiatrische Gutachten aus folgenden Gründen nicht verwertbar sei:
E
ine schwere Depression und eine rezidivierende Störung sei
en
nie zuvor attestiert worden, der psychische Befund sei von einer
dysthymen
Stimmung gekennzeichnet, der forma
le Gedankengang sei unauffällig -
was bei schwere
n Depressionen nie der Fall sei -,
eine Antriebsminderung sei nicht belegt, eine Ich-Störung liege nicht vor und das BDI sei ein Selbstbeurteilungsbogen, welcher nicht einfach übernommen werden könne, zumal kein valides Fremd
beurteilungsinstrument verwendet worden sei (S. 2 f.).
Im Weiteren wies der RAD-Arzt darauf hin, dass sich für eine Persönlich
keits
störung keine Hinweise fänden und der Beschwerdeführer bei der Arbeitsmass
nahme durch das Sozialamt als freundlich und umgänglich beschrieben worden sei. Es lägen sodann keine
Anhaltspunkte
aus der Jugend und der späteren Berufskarriere vor, welche auf Probleme hindeuteten.
Ferner sei
weder die Ver
deutlichung bei den somatischen Untersuchungen ausreichend hinterfragt, noch die Aussagen mit den Akten abgeglichen worden. Die MRT-Befunde seien ohne Voraufnahmen diskutiert worden und es finde sich auch keine Klinik. Schliesslich könne den Akten keine Alkoholabhängigkeit entnommen werden, die erhobenen Laborwerte seien rudimentär und ein Medikamentenspiegel sei nicht
angeordnet
wo
rden (S. 3).
4.
4.1
4.1.1
Die von der psychiatrischen Gutachterin Dr.
B._
gestellte Diagnose einer Persönlichkeitsstörung
gemäss ICD-10 F60.90
ist nicht
vollends
nachvollziehbar.
Bei
Persönlichkeitsstörungen im Sinne von
ICD-10 F60 liegt eine schwere Stö
rung der charakterlichen Konstitution und des Verhaltens vor, die mehrere Be
reiche der Persönlichkeit betrifft. Sie geht meist mit persönlichen und sozialen Beeinträchtigungen einher. Persönlichkeitsstörungen treten häufig erstmals in der Kindheit oder in der Adoleszenz in Erscheinung und manifestieren sich endgültig im Erwachsenenalter (
Dilling
H./
Mombour
W./Schmidt M.H. (Hrsg.),
Interna
tio
nale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V [F], 1
0.
Ü
ber
arbei
tete Auflage
,
2015
,
S. 274 F60).
Betreffend die
Kindheit und Jugend des 1958 geborenen Beschwerdeführers
er
wähnte
die p
sychiatrische Gutachterin
,
dass
Anzeichen
für eine nicht regel
kon
forme Schulkarriere vorlägen (Wiederholen von Klassen in der Primarschule, Mittelschule und im Gymnasium
, verpasste Aufnahmeprüfung an die Universität
; Urk. 7/58/1-44 S. 8
, S. 24
, S. 31
) und
dass
die Beziehungen zu seinen ersten
Bezugspersonen in der Beschreibung nicht fassbar seien
(Urk. 7/65
S. 1 f.). Zu den
entsprechenden Ursachen äusserte sich Dr.
B._
nicht,
vielmehr hielt sie
fest, dass
die frühe Kindheit unauffällig gewesen sei (
Urk.
7/58/1-44 S. 31) res
pek
tive
die Anamnese bezüglich frühkindlicher Entwicklung und ätiologischen
Faktoren
,
welche für
die
gestörte
Persönlichkeitsentwicklung verantwortlich seien,
nicht ergiebig seien (S. 33).
Im Weiteren wies d
ie Gutachterin
auf immer wiederkehrende Konflikte des Beschwerdeführers mit anderen Menschen hin, welche im Rahmen der Begutach
tung einen übermässig grossen Raum eingenommen hätten (S. 26
und S. 32, Urk. 7/65 S. 2
). Nähere Angaben betreffend die Art und Weise dieser Schwierig
keiten, deren Auslöser
und
den
Zeitpunkt
ihres Auftretens
finden
sich im Gut
achten indessen nicht.
Die
Konflikte
respektive
die
von Dr.
B._
erwähnte deutliche Beeinträchtigung der Gruppenfähigkeit (Urk. 7/58/1-44 S. 30)
stehen
zudem
im Wi
derspruch zur Einschätzung in der Integrationsempfehlung der Basisbeschäftigung an die Sozialen Dienste vom 12. Oktober 2009
(Urk. 7/4)
, wonach
sich der Beschwerdeführer im Rahmen
d
er Basisbeschäftigung
im Herbst 2009
in kurzer Zeit in ein Team einfügte, Kontakte knüpfte
und sich im Team kollegial, wohlwollend und
hilfsbereit verhielt (
S. 2).
Eine Erklärung für die
se
Diskrepanz vermochte die Gutachterin nicht zu liefern
, zumal
sie auch kein nach Herbst 2009 eingetretenes Ereignis erwähnte
, welches die
sen Widerspruch plau
sibi
lisiert
(Urk. 7/58/1-44 S. 34).
Gleich verhält es sich betreffend die von Dr.
B._
genannte
massive Beeinträchtigung des Beschwerdeführers, sich an
Regeln und Routinen anzupassen
,
sich in Organisationsabläufe einzufügen
und Aufgaben zu planen und strukturieren (S.
30)
. Der Beschwerdeführer war
im Zusammenhang mit
der Basisbeschäftigung in der Lage, die Rahmenbedingungen einzuhalten, die ihm übertragenen Aufgaben zuverlässig und engagiert umzu
setzen und sich den Arbeitsplatz gemäss Auftrag selber ein
zu
richten (Urk. 7/4 S. 2).
Im Übrigen ist
zu berücksichtigen
, dass der Beschwerdeführer nach seiner Schulzeit einen 18 bis 22 Monate dauernden Militärdienst absolvierte und seit seiner Einreise in die Schweiz i
m Jahre 1990 abgesehen von Phasen der Arbeits
losigkeit und
einer
Krankschreibung wegen Rücken
beschwerden
bis zum Jahre 2006
–wenn auch bei relativ häufig wechselnden Arbeitgebern (Urk. 7/3) -
stets gearbeitet hat
(Urk. 7/58/1-44 S. 7
)
.
Die Gutachterin selbst legte ferner am 3. November 2016 (Urk. 7/65) dar, die Übergänge zwischen einer Persönlichkeitsakzentuierung und einer Persönlich
keits
störung seien fliessend (S. 1)
, was eine eingehende Erörterung der Diagnosen und der erhobenen Befunde erheischt hätte und hier unterblieben ist. Im Weiteren erläuterte die Gutachterin
, die Diagnose der Persönlichkeitsstörung sei aus der Ana
mnese, bei der immer wieder
kehrende Konflikte mit anderen Menschen be
schrieben worden seien, und aus den Befunden der eigenen Untersuchung mit einer deutlichen Störung des Verhaltens, die sich konsistent bei allen Unter
suchern gezeigt habe
, geschlossen worden
(S. 2). Letzteres findet im inter
nis
tischen und orthopädischen Teilgutachten jedoch keine Stütze, denn dort war lediglich - aber immerhin - von diffusen und abschweifenden Aussagen die Rede, welche jedoch nicht mit einer Verhaltensstörung, sondern mit Verdeutlich
ungs
tendenzen in Zusammenhang gebracht worden waren (Urk. 7/58 S. 12 und S. 18).
Allerdings wurde auch im Bericht des
C._
vom 10. März 2015 (Urk. 7/23), wo der Beschwerdeführer seit August 2013 in regelmässiger Behandlung steht (S. 1), der Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung geäussert (S. 6), ohne dass die Diag
nose begründet worden wäre. Daher ist der Schluss, dass diesbezüglich kein (inva
lidisierendes) Krankheitsbild besteht, nicht ohne Weiteres zulässig.
4
.1.2
Weiterer Klärungsbedarf besteht hinsichtlich der von
Dr.
B._
gestellte
n
Diagnose einer rezidivierenden
depressiven
Störung, gegenwärtig schwere Epi
sode
,
ohne psychotische Symptome
im Sinne von
ICD-10 F32.2.
D
ie Diagnose einer schweren depressiven Episode
gemäss ICD-10 F32.2 setzt
das Vorliegen aller drei für eine leichte bis mittelschwere depressive Episode typi
schen Symptome voraus (depressive Stimmung, Verlust von Interesse/Freude, Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit). Zudem müssen
mindestens fünf andere Symptome, von denen einige besonders ausgeprägt sei
n sollten
(verminderte Konzentration/Aufmerksamkeit, vermindertes Selbstwertgefühl/Selbstvertrauen, Schuldgefühle/Gefühl von Wertlosigkeit, negative/pessimistische Zukunftsper
spek
tiven, Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung/Suizidhandlungen, Schlaf
stö
rungen, verminderter Appetit)
,
vorliegen
(
Dilling
H./
Mombour
W./Schmidt M.H
.
[
Hrsg.
]
,
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V [F], 1
0.
überarbeitete Auflage
,
2015, S. 174 F32.2)
.
Dr.
B._
hielt fest, dass der Antrieb des
Beschwerdeführers vermindert
und er nicht in der Lage sei, Aktivitäten nachzugehen, die ihm Freude bereite
te
n (Urk. 7/58/1-44 S. 28 und S. 30)
. Nähere diesbezügliche Ausführungen
, nament
lich inwiefern der Antrieb vermindert sei, fehlen hingegen. Gleich verhält es sich bezüglich des
pauschalen
Hinweises der Gutachterin, der Beschwerdeführer sei
negativistisch
und hoffnungslos
(S. 28)
.
Hinsichtlich
der
gegenüber der Expertin
geäusserten Suizidgedanken ist darauf hinzuweisen, dass sich der Beschwerde
führer
davon
im weiteren Verlauf der Exploration
wieder distanziert
e
(S. 29)
.
Was den Hinweis
von
Dr.
B._
(S. 43) auf den Bericht des
C._
vom
10. März 2015 (vgl. Urk. 7/23/6-8) betrifft, worin unter anderem eine mittelgradige de
pressive Episode diagnostiziert
worden ist
(S. 1), ist festzuhalten, dass es die Gut
achterin bei der pauschalen Angabe belässt, die depressive Episode habe sich seither eher verschlechtert
.
Im
Zusammenhang mit dem
Hinweis, wonach sich der Beschwerdeführer zeitgl
e
ich mit der Kündigung
seitens der
E._
aufgrund einer psychischen Dekompensation in ärztliche Behandlung begeben habe (S. 25 und S. 32), ist zu bedenken, dass psychische
n
Gesundheitsschäden
, welche auf psy
chosoziale und soziokulturelle Umstände zurückzuführen sind,
keine i
nvalidi
sierende Wirkung zukommt
(BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Zu berücksichtigen ist schliesslich
, dass sich der Beschwerdeführer nur einmal pro Monat in psychiatrische Behandlung begab und die Depression medikamentös nicht optimal behandelt w
orden ist
(Urk. 7/58/1-44 S. 32)
,
wobei die Gutachterin einen Erfolg einer stationären Behandlung unter Hinweis auf in der Persönlichkeit liegende Zustandsbilder verneinte. Allein mit Blick auf die Therapierbarkeit eines Leidens kann dessen invalidisierende Wirkung ohnehin nicht mehr beurteilt werden.
Die Gutachterin hat sich auch mit der Frage der psychosozialen Umstände und deren Einfluss auf das Krankheitsgeschehen nicht auseinandergesetzt. Ebenso wenig hat sie die Indikatoren des strukturierten Beweisverfahrens in ihre Ein
schätzung miteinbezogen, was rechtsprechungsgemäss grundsätzlich für sämt
liche psychischen Störungen erforderlich wäre.
4.1.
3
Vor diesem Hintergrund
erweist si
ch das Gutachten von Dr.
B._
als nicht schlüssig, weshalb mangels Beweiswert (E. 1.
4
hievor
) nich
t
darauf abgestellt werden kann.
4.2
Ebenso wenig kann gestützt auf die übrigen medizinischen Unterlagen
in rechts
genügender Weise auf die Arbeits
- und Leistungsfähigkeit des Be
schwerdeführers geschlossen werden.
Abgesehen
vom Gutachten
von
Dr.
B._
liegen in psychiatrischer Hinsicht lediglich der
C._
-Bericht vom 10. März
2015 (Urk. 7/23/6-8) sowie die RAD-Stellungnahmen
vom 23. Mai 2016 (Urk. 7/66 S. 4 f.
, vgl. E. 3.2
hievor
) und
vom
19.
Mai 2017 (Urk. 7/78 S. 2 f.
, vgl. E. 3.4
hievor
)
vor
. Die übrigen
Arztberichte
, insbesondere jener der Universitätsklinik
H._
vom 17. März 2015 (Urk. 7/25/1-3
; vgl. Urk. 6 S. 2 Ziff. 3
), sowie die Stellungnahme des RAD vom 22. Dezember 2016 (Urk. 7/66 S. 6) sind für die Beurteilung des psychischen Gesundheitszustands nicht relevant, da sie von fach
fremden Ärzten verfasst
worden sind.
Im
C._
-Bericht wird auf das Beschäftigungsprogramm der Sozialhilfe sowie auf ein geringes Eingliederungspotenzial im ersten Arbeitsmarkt hingewiesen
(Urk. 7/23/6-8
S. 2
)
, nähere Angaben betreffend den Umfang der Arbeitsfähig
keit, insbesondere in einer angepassten Tätigkeit
,
fehlen indessen. Gleiches gilt betreffend die Aktenbeurteilungen der RAD-Ärzte vom 23. Mai 2016 und 19.
Mai 2017, welche sich einzig mit der Frage nach der Nachvollziehbarkeit des psy
chiatrischen Gutachtens, insbesondere der Diagnosestellung, befassten
(Urk. 7/66 S. 4 f.,
Urk. 7/78
S. 2 f.
)
,
aber
sich nicht
zur Arbeits- und Leistungsfähigkeit
des Beschwerdeführers
äus
serten respektive
diesbezüglich
keine eigene
Beurteilung
vornahmen
.
Mit Bezug auf die RAD-Stellungnahme vom 19. Mai 2017 (Urk. 7/78 S. 2 f.)
bleibt
darauf hinzuweisen, dass diese dem Beschwerdeführer vor Erlass der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) nicht
zugestellt
worden ist, obwohl die Beschwerdegegnerin
im besagten Entscheid (S. 2)
darauf
abgestellt hat.
Vor diesem Hintergrund geht der Hinweis der Beschwerdegegnerin, es bestünden auch ohne psychiatrisches Gutachten genügend medizinische Unterlagen, um den psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zu beurteilen
(Urk. 6 S. 3 Ziff. 8)
, ins Leere
.
Unklar ist sodann
, worauf die Beschwerdegegnerin
ihre Annah
me einer 100%igen Arbeitsfähigkeit
in psychischer Hinsicht
abstützte
(Urk. 2 S. 2)
.
Es geht selbstredend nicht an, aus dem Fehlen einer
entsprechenden
medizi
ni
schen Grundlage ohne Weiteres auf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
zu schliessen.
Davon ist auch die Beschwerdegegnerin, zumindest im November 2015, ausge
gangen, als sie mangels schlüssiger Angaben zur B
eurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
insbesondere
auch eine psychi
atrische
Begutachtung ver
anlasste (Urk. 7/66 S. 3).
4.3
Wenn auch das Abstellen auf das nicht schlüssige Gutachten nicht in Betracht fällt, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht erkannte, sind hier weitere medizi
nische Erhebungen wohl im Sinne einer neuerlichen Begutachtung erforderlich. Der Beschwerdegegnerin ist zwar insofern zuzustimmen, dass die versicherte Per
son rechtsprechungsgemäss als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen kann, so dass grundsätzlich von «Validität» auszu
gehen ist (
BGE 142 V 106
E. 4.3). Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten bestehen jedoch (weiterhin) gewichtige Anhaltspunkte dafür, dass nicht nur in somatischer, sondern auch in psychiatrischer Hinsicht ein massgeblicher Gesundheitsschaden vorliegt. Ob dies zutrifft und ob dieser auch invalidisie
ren
den Charakter hat und falls ja in welchem Umfang, bedarf jedoch weiterer Abklä
rungen, da die fehlende Beweiskraft des Verwaltungsgutachtens nicht zu Lasten des Beschwerdeführers gehen darf. Die entsprechende Untersuchungspflicht trifft nicht das Gericht, sondern obliegt in erster Linie der Beschwerdegegnerin, die selbst einräumte, auf das eingeholte Gutachten könne nicht abgestellt werden.
Entsprechend ist die Verfügung vom 22. Mai 2017 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese ergänzende medi
zinische Ab
klärungen veranlasse
und hernach
über den Rentenanspruch des Be
schwerdeführers neu verfüge.
In diesem Zusammenhang ist die Beschwer
de
geg
nerin
darauf hinzuweisen, dass die für somatoforme Schmerzstörungen entwick
elte Rechtsprechung, wonach in einem strukturierten Beweisverfahren anhand von Indikatoren die tatsächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der betroffenen Person zu ermitteln ist, auf sämtliche
psychischen Erkrankungen Anwendung
findet
(
BGE
143 V 418, 143 V 409).
Im Übrigen
ist
bei der Annahme einer 100
%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit
ein Einkommen
s
ver
gleich vorzunehmen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
5
.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzule
gen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Damit erweist sich das Gesuch de
s
Beschwer
deführer
s
um unentgeltliche Prozessführung (Urk. 1 S. 2) als gege
n
standslos.