# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 25ccd3bc-99c7-4645-a884-127d4191c3e5
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_005
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Am 2. September 2021 reichte A._, C._, vertreten durch
D._, Schreiner und Sanitäranlagen, ein Baugesuch bei der Gemeinde
B._ ein, um die Erneuerung der Heizung und die Installation einer
thermischen Solaranlage mit einer Absorberfläche von 16.8 m2 sowie
einer Luft-Wasser-Wärmepumpe auf Parzelle E._ (Wohnzone) zu
realisieren. Beiliegend wurde auch ein Näherbaurecht mit Zustimmung der
Nachbarn eingereicht.
2. Nach einer ersten Prüfung durch die Baukommission wurde das Gesuch
zurückgestellt, um eine mögliche Installation auf dem Dach anstatt der
freistehenden Konstruktion, die man nicht bewilligen wollte, zu prüfen.
3. Mit Schreiben vom 14. Oktober 2021 begründete die Bauherrschaft
D._ die freistehende Solaranlage damit, dass sowohl das Dach, als
auch die Fassade ungeeignet seien. Einerseits seien die Dachflächen mit
weniger als 20° Neigung und Nord-Ost Ausrichtung sehr ungeeignet für
thermische Anlagen auf über 1450 M.ü.M., andererseits auch die
Fassaden aufgrund von Vordächern, Fenstern und Balkonen. Dabei sei
die Gemeinde B._ mehrmals aufgefordert worden, sich die Situation
vor Ort vor Augen zu führen, welche aber dieser Aufforderung nie Folge
leistete und aufgrund der Akten eine Entscheidung traf.
4. Mit Beschluss vom 26. Oktober 2021, mitgeteilt am 19. November 2021,
erteilte der Kleine Landrat der Gemeinde B._ hierauf eine
Teilbewilligung. In Ziff. 1. wird die Baubewilligung für die Luft-Wasser-
Wärmepumpe erteilt und in Ziff. 2 wird diejenige für die freistehende
Solaranlage abgelehnt. Der Kleine Landrat begründete dies, mit Verweis
auf den Solarleitfaden der Gemeinde B._, wonach freistehende
Solaranlagen eher unerwünscht seien und Installationen auf dem Dach
oder an der Fassade bevorzugt werden. Weiter argumentierte er, dass die
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Begründung des ungeeigneten Daches nicht geschützt werden könne,
denn laut des Solarkataster seien die Dachflächen "gut" bis "sehr gut"
geeignet. Aus diesem Grund sei die Solaranlage auf dem Dach zu
installieren.
5. Gegen die Ziff. 2 der Teilbewilligung der Gemeinde B._ vom 26.
Oktober 2021 (Nichterteilung der Baubewilligung für die freistehende
Solaranlage) erhob die nun anwaltlich vertretene A._ (nachfolgend
Beschwerdeführerin) am 6. Januar 2022 Beschwerde ans
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Die Beschwerdeführerin
führte aus, dass bis heute höchstrichterlich ungeklärt sei, ob die
Bestimmungen des RPG und der RPV auch für Solaranlagen ausserhalb
eines Gebäudes gelten. Weiter sei unbestrittenermassen die
gesetzgeberischen Bestrebungen zu beachten, solche Anlagen auf der
Ebene des Raumplanungsrecht zu fördern. Soweit sei kantonale und
kommunale Gesetzgebung nur zulässig, als sie die Zielsetzungen des
Bundesgesetzgebers umsetzen; sie dürfen auf keinen Fall einschränken.
Da der kantonale Leitfaden für Solaranlagen für Baugesuche für
freistehende Solaranlagen eine einzelfallweise Überprüfung vorsieht,
widerspreche die pauschale Ablehnung von freistehenden und
ausschliessliche Bevorzugung von Dachanlagen kantonalem Recht.
Weiter sei auch keine Delegationsnorm ersichtlich, welche dem kleinen
Landrat eine Kompetenz einräumen würde. Somit würden die Richtlinien
auf einer ungenügenden gesetzlichen Grundlage beruhen, rein
behördenverbindlich sein und können keine eigentümerverbindliche
Wirkung entfalten. So verletzen sie gemäss Beschwerdeführerin das
Legalitätsprinzip. Gemäss dem Leitfaden des Kantons Graubünden sind
für freistehende Anlagen die Gestaltungsvorschriften der kommunalen
Nutzungsplanung sowie die Grundsätze von Art. 32a Abs. 2 RPV
anwendbar. Die kommunale Nutzungsplanung sehe vor, dass Bauten und
Anlagen in Wohnzonen architektonisch so zu gestalten sind, dass sie auf
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ihre Umgebung Bezug nehmen und sich in das Orts- und Landschaftsbild
einordnen. Die Bestimmung in den Richtlinien des kleinen Landrates,
wonach "in der Regel von freistehenden direkt auf dem Boden
aufgestellten und flächenintensiven solaranlagen (über 10 m2) abzusehen
sei", würden die Vorschriften der kommunalen Nutzungsplanung in
unzulässiger Weise einschränken. Es werde auch dem Ortsbild- und
Landschaftsschutz sowie dem raumplanerischen Grundsatz des
haushälterischen Umgang Vorrang eingeräumt, obwohl die Solarenergie
nach Bundesrecht zu fördern sei. Damit werde Bundesrecht verletzt,
indem mit den kommunalen Richtlinien die Zielsetzungen des Bundes in
unzulässiger Weise vereitelt werden. Selbst wenn man die Richtlinien
wider Erwarten der Beschwerdeführerin als gesetzeskonform und nicht
bundesrechtswidrig betrachten würde, hätte die Gemeinde B._ das
Projekt im Sinne einer Ausnahmebewilligung prüfen müssen, da die
Richtlinie nur den Regelfall darstellen würde. Die Gemeinde B._ habe
laut Beschwerdeführerin auf ihre Ermessensausübung verzichtet, da sie
keinen Augenschein vor Ort vorgenommen habe. Auch hätte sie
angesichts der Fläche der Solaranlagen die Bestimmungen über
kleinflächige Solaranlagen prüfen müssen. Dies habe die Gemeinde alles
unterlassen und sich bei der Ablehnung der Baubewilligung pauschal auf
den Grundsatz in den Richtlinien abgestützt. Damit läge eine unzulässige
Ermessensunterschreitung vor. Die Gemeinde sei auch nicht auf
Argumente und Beweisofferten der Beschwerdeführerin und ihres
sachverständigen Vertreters eingegangen, sondern habe diese mit
pauschalen Verweis auf das Verbot von freistehenden Anlagen ignoriert.
Damit sei sie ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen und habe das
rechtliche Gehör verletzt. Weiter sei der Solarkataster, auf welchen die
Gemeinde ihre Argumentation einer Eignung der Installation auf dem Dach
stützt, unbehelflich, da dieser aufgrund von allgemeinen Daten von einer
Drittfirma pauschal erstellt worden sei. Auch die fachkompetenten
Vertreter der Beschwerdeführerin würden bestreiten, dass der
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Solarkataster fachlich genügt. Dabei gäbe es verschiedene Gründe,
warum eine Solaranlage auf dem Dach verworfen wurde (Dachneigung
von nur 18° anstatt min. 20°; Nord-West-Ausrichtung etc.). Vor allem sei
in den Bergkantonen auch im Winter die Sonnenscheindauer sehr hoch,
was aber nicht genutzt werden könnte, wenn der Schnee die Solaranlage
aufgrund der zu geringen Neigung bedeckt. Somit sei die Lösung am Hang
hinter dem Haus ideal, da dort der Schnee abrutschen könne. Der
Solarkataster schliesse all diese Kriterien aus. Somit sei eine Ablehnung
der Bewilligung der freistehenden Anlage mit Verweis auf den
Solarkataster nicht mit den Zielsetzungen des Bundesgesetzgebers
vereinbar, sowie auch nicht mit Bezeichnung als Energiestadt. Somit habe
die Gemeinde dies zu Unrecht ungeprüft gelassen und kein Ermessen
ausgeübt, obwohl sie dazu verpflichtet gewesen wäre. Weiter sei die
Prüfung, ob eine gute Gesamtwirkung gemäss Art. 73 KRG vorhanden sei,
im Einzelfall anhand der konkreten Verhältnisse vorzunehmen. Dabei sei
der Bau nicht nur mit der unmittelbaren Nachbarschaft zu vergleichen,
sondern es sei eine parzellenübergreifende, gebietsbezogene
Betrachtung herbeizuziehen. Somit wäre das vorliegende Projekt aus
Sicht der Beschwerdeführerin unter Beachtung der genannten Kriterien zu
bewilligen gewesen. Die Beschwerdeführerin wies noch darauf hin, dass
die Gemeinde bereits schon diverse Solaranlagen bewilligt habe, die
freistehend sind, was beweise, dass sie in ähnlichen Fällen schon
mehrfach von ihren Grundsätzen abgewichen sei, was den
Gleichbehandlungsgrundsatz verletzen würde.
6. Mit Vernehmlassung vom 17. Februar 2022 beantragte die Gemeinde
B._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin) die Abweisung der
Beschwerde unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdeführerin. Die
Beschwerdegegnerin führte aus, dass über die Richtlinien keine
Rechtsetzungskompetenz beansprucht wird. Vielmehr solle damit die
gleichmässige und einheitliche Bewilligungspraxis im Vollzug
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sichergestellt werden. Denn ausserhalb des Regelungsbereiches von
Art. 18a RPG i.V.m. Art. 32a RPV würden die Bewilligungsbehörden im
Rahmen des dann auf Solaranlagen anwendbaren ordentlichen resp.
vereinfachten Baubewilligungsverfahren nämlich sehr wohl ein
Beurteilungsspielraum verfügen, so dass die Herausbildung einer Praxis
auch im Interesse des Gesuchstellers sei. Weiter würden die kommunalen
Richtlinien auch kein Verbot enthalten, vielmehr sei es nur ein Hinweis,
dass zur Schonung des Landschaftsbildes die Solaranlagen in der Regel
am bestehenden Gebäudepark angebracht werden. Auch habe man im
vorliegenden Fall eine Einzelfallprüfung durchgeführt. Somit würden die
Richtlinien das Legalitätsprinzip nicht verletzen. Auch die
bundesrechtliche Vorschrift, wonach in Bau- und Landwirtschaftszonen für
auf Dächern genügend angepasste Solaranlagen keine Baubewilligung
eingeholten werden muss (und nur dafür gebe es eine verfahrensmässige
Erleichterung), werde durch die Richtlinien nicht eingeschränkt. Die
Beschwerdegegnerin bestritt auch die Argumentation der
Beschwerdeführerin der Verletzung von übergeordneten Vorschriften des
Bundes und des Kantons. Die Beschwerdeführerin stütze ihre
Argumentation, wonach die kommunalen Richtlinien die Vorschriften der
Nutzungsplanung einschränken würden, auf zwei Bundesgerichtsurteile
(1C_26/2016 und 1C_345/2014), welche aber nur für Solaranlagen auf
Dächern gelte und Bundesrecht dafür Kriterien zur genügend
gestalterischen Ausbildung festgelegt sind (Art. 32a RPV). Auch lasse sich
aus den kommunalen Richtlinien entgegen der Behauptung der
Beschwerdeführerin nicht entnehmen, dass freistehende Solaranlagen in
Missachtung des kantonalen Leitfadens für Solaranlagen ohne
Einzelfallprüfung pauschal abzulehnen seien. Im vorliegenden Fall sei
sehr wohl geprüft worden, ob die Solaranlage bewilligungsfähig sei, jedoch
gelangte man nach Abwägung der guten bis sehr guten Eignung der
Dachfläche beim betroffenen Gebäude zur Installation von Solaranlagen
im Vergleich zur Belastung der Umgebung und Landschaft zum Schluss,
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dass die Anlage nicht freistehend gebaut werden dürfe. Somit seien die
kommunalen Richtlinien nicht rechtswidrig. Das C._ Baugesetz greife
nicht weiter als die kantonalen Vorschriften und habe somit keine
selbständige Bedeutung. Bei der Beurteilung der sorgfältigen Gestaltung
habe jedoch die Beschwerdegegnerin ein weites Ermessen. Die
Beschwerdegegnerin habe eine Interessenabwägung zwischen der
ästhetischen Wirkung und der Belastung des Raumes vorgenommen.
Angesichts der Alternativmöglichkeiten sei die Belastung zu hoch. Auch
die von der Beschwerdeführerin vorgebrachten technischen
Einwendungen überzeugen die Beschwerdegegnerin nicht. Die
Beschwerdegegnerin habe ihr Ermessen demnach pflichtgemäss
ausgeübt und auch die Bedenken der Beschwerdeführerin betreffend die
Dachkonstruktion aufgenommen und behandelt. Die Beschwerdeführerin
könne aus bereits bewilligten freistehenden Solaranlagen in der Gemeinde
nichts ableiten, da stets einzelfallweise überprüft wird ob die Installation
einer freistehenden Solaranlage als wirtschaftlich und/oder technisch
sinnvoll erachtet wird.
7. In der Replik vom 3. März 2022 hielt die Beschwerdeführerin unverändert
an ihren bisher gestellten Anträgen fest und ergänzte ihre
Argumentationen.
8. Duplizierend hielt die Beschwerdegegnerin am 15. März 2022 ebenfalls an
ihren Anträgen fest.
9. Mit Schreiben vom 11. Oktober 2022 liess der Instruktionsrichter aus den
Händen der Gemeinde B._ das Baugesuch mit Beilagen betreffend
Erneuerung Heizung und Installation einer thermischen Solaranlage sowie
einer Luft-Wasser-Wärmepumpe edieren sowie aus den Händen der
Beschwerdeführerin die Begründungserklärung "F._" sowie das
dazugehörende Reglement. Die edierten Unterlagen wurden den Parteien
zur Stellungnahme vorgelegt. Die Beschwerdeführerin äusserte sich dazu
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mit Schreiben vom 27. Oktober 2022, die Gemeinde B._ verzichtete
mit Schreiben vom 31. Oktober 2022 auf eine Stellungnahme.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Entscheid sowie die eingereichten Beweismittel wird, soweit erforderlich,
in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend Ziff. 2 der Teilbewilligung vom
26. Oktober 2021, mitgeteilt am 19. November 2021, worin die
Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin die Teilbewilligung für die
freistehende Solaranlage nicht erteilte. Damit war die Beschwerdeführerin
nicht einverstanden und erhob Beschwerde ans Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden. Somit geht es um die Rechtmässigkeit des strittigen
Entscheids.
1.2. Die örtliche, sachliche und funktionale Zuständigkeit des streitberufenen
Verwaltungsgerichts ist vorliegend gegeben. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100)
beurteilt das Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden Beschwerden
gegen Entscheide von Gemeinden, soweit diese nicht bei einer anderen
Instanz angefochten werden können oder nach kantonalem oder
eidgenössischem Recht endgültig sind. Der vorliegend angefochtene
kommunale Entscheid vom 26. Oktober 2021, mitgeteilt am 19. November
2021, ist weder endgültig noch kann er bei einer anderen Instanz
angefochten werden und bildet damit ein taugliches Anfechtungsobjekt im
Sinne von Art. 49 Abs. 1 lit. a VRG.
1.3. Als formelle und materielle Adressatin des angefochtenen Entscheids ist
die Beschwerdeführerin durch den Entscheid besonders berührt und hat
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ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung,
weshalb sie zur Beschwerde gemäss Art. 50 Abs. 1 VRG legitimiert ist.
1.4. Die Beschwerde wie auch das Baugesuch wurde im Namen und mit
Zustimmung aller Stockwerkeigentümer in Vertretung von G._,
D._, eingereicht. Im Anhang zum Reglement der
Stockwerkeigentümergemeinschaft befindet sich eine Liste von
Zuständigkeiten und daraus ist zu entnehmen, dass bezüglich
Ermächtigung zur Prozessführung die Mehrheit der gültig abgegebenen
Wertquoten (MW) nötig sind und bezüglich nützlicher baulicher
Massnahmen die Mehrheit der stimmenden Eigentümer, welche auch die
Mehrheit aller Wertquoten haben (MEW), nötig sind, was vorliegend mit
der Einstimmigkeit erfüllt ist (edierte Beilagen der Beschwerdeführerin 1,
2 und 4). Diesbezüglich ist die Beschwerdeeinreichung nicht zu
beanstanden.
1.5. Die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde gibt zu keinen
weiteren Bemerkungen Anlass, sodass nach Art. 52 Abs. 1 VRG darauf
einzutreten ist.
2.1. Die Beschwerdeführerin rügt, dass ihr Anspruch auf rechtliches Gehör
verletzt worden sei. Dazu führt sie aus, dass die Beschwerdegegnerin zu
Unrecht nicht auf die Argumente und Beweisofferten der
Beschwerdeführerin und ihres sachverständigen Vertreters eingegangen
sei (Dachneigung, Schnee auf dem Dach, keine Sichtbarkeit der
Solaranlage, beantragter Augenschein vor Ort etc.), sondern diese mit
pauschalem Verweis auf das Verbot der freistehenden Anlagen ignoriert
habe. Damit sei sie ihrer Begründungspflicht nicht nachgekommen.
2.2. Zu Beginn ist auf Rüge der Verletzung des Anspruchs auf rechtliches
Gehör einzugehen, da es sich dabei um ein Recht formeller Natur handelt.
Die Verletzung des durch Art. 29 Abs. 2 BV und auf kantonaler Ebene
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durch Art. 16 VRG gewährleisteten Anspruchs auf rechtliches Gehör führt
ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels zur
Gutheissung der Beschwerde und zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids (BGE 144 I 11 E.5.3.). Das rechtliche Gehör dient einerseits
der Sachaufklärung, anderseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheides dar, welcher in die
Rechtsstellung des Einzelnen eingreift. Dazu gehört insbesondere das
Recht des Betroffenen, sich vor Erlass eines solchen Entscheids zur
Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen und Einsicht in die
Akten zu nehmen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als
Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind,
damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung
bringen kann (BGE 144 I 11 E.5.3; 140 I 99 E.3.4). Wie weit dieses Recht
geht, lässt sich nicht generell, sondern unter Würdigung der konkreten
Umstände beurteilen (BGE 144 I 11 E.5.3; 136 I 265 E.3.2). Vorbehalten
bleiben praxisgemäss Fälle, in denen die Verletzung des rechtlichen
Gehörsanspruchs nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird,
dass die Partei, deren rechtliches Gehör verletzt wurde, sich vor einer
Instanz äussern kann, welche sowohl die Tat- als auch die Rechtsfragen
uneingeschränkt überprüft (BGE 132 V 387 E.5.1). Verfügungen oder
Entscheide, die unter Missachtung des rechtlichen Gehörs ergangen sind,
sind daher grundsätzlich aufzuheben und zur Durchführung eines
ordnungsgemässen Verwaltungsverfahrens an die Verwaltungsbehörden
zurückzuweisen (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts R 17 95 vom
18. September 2018 E.7.1 f. mit weiteren Hinweisen).
2.3. Aus dem Grundsatz des Anspruchs auf rechtliches Gehör leitet das
Bundesgericht in ständigen Rechtsprechung die Pflicht der Behörde ab,
ihre Verfügungen und Entscheide zu begründen (BGE 129 I 232 E.3.2;
126 I 97 E.2b). Der Grundsatz des rechtlichen Gehörs als
persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht verlangt, dass die Behörde
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das Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen
auch tatsächlich hört, sorgfältig und ernsthaft prüft und in der
Entscheidfindung berücksichtigt. Der Bürger soll wissen, warum die
Behörde entgegen seinem Antrag entschieden hat. Die Begründung eines
Entscheids muss deshalb so abgefasst sein, dass der Betroffene ihn
gegebenenfalls sachgerecht anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn
sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des
Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens
kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde leiten
liess und auf welche sich ihr Entscheid stützt (BGE 129 I 232 E.3.2; 126 I
97 E.2b mit Hinweisen). Immerhin darf sich die Behörde auf die für den
Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 133 I 277 mit
weiteren Hinweisen). Es ist nicht nötig, dass sich die Behörde mit jeder
tatbestandsmässigen Behauptung und jedem rechtlichen Einwand
auseinandersetzt. Ob die Begründung dann auch rechtlich zutreffend und
haltbar ist, ist nicht eine Frage des formellen Anspruches auf rechtliches
Gehör, sondern der materiellen Beurteilung der Streitfrage (Urteil des
Verwaltungsgerichts R 19 52 vom 15. Februar 2011 E.2.2.).
2.4. Im Rahmen der Teilbewilligung vom 26. Oktober 2021 (mitgeteilt am
19. November 2021) wurde die Bewilligung für die freistehende
Solaranlage abgelehnt. Dies wurde von der Beschwerdegegnerin
dahingehend begründet, dass freistehende Solaranlagen gemäss
Solarleitfaden der Gemeinde B._ eher unerwünscht seien. Bevorzugt
werden Installationen auf dem Dach und allenfalls an der Fassade. Weiter
könne die vorliegende Begründung des ungeeigneten Daches nicht
geschützt werden. Gemäss Solarkataster seien die Dachflächen "gut" bis
sogar " sehr gut" geeignet. Aus diesem Grund solle die Solaranlage auf
dem Dach installiert werden (Bf-act. 2). Folglich verweist die
Beschwerdegegnerin als Begründung auf die bessere Eignung gemäss
Solarkataster, jedoch wird weder näher darauf eingegangen, warum das
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Dach die bessere Option sei noch wird die Entscheidung konkretisiert bzw.
erklärt, auf welchen Überlegungen ihr Entscheid basiert. Aufgrund dessen,
dass vorliegend die Beurteilung äusserst knapp ausgefallen ist und die von
der Beschwerdeführerin eingebrachten Argumente betreffend Neigung
der Dachfläche und Beweisofferten wie die Durchführung eines
Augenscheins vor Ort nicht gewürdigt wurden, ist die Gemeinde ihrer
Begründungspflicht durch den pauschalen Verweis auf den Solarleitfaden
ohne weitergehende Begründung nicht in befriedigendem Masse
nachgekommen (Bf-act. 2).
2.5. Auch wenn mit Blick auf die Begründungsdichte eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs bejaht werden muss, kann der Mangel als nachträglich
geheilt qualifiziert werden, weil es aufgrund des eben geschilderten
Sachverhalts um keine schwerwiegende Verletzung der Parteirechte
handelte und sich die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren im
Rahmen eines doppelten Schriftenwechsels ausführlich zu allen Fragen
äussern konnte. Weiter hatte die Beschwerdegegnerin in der
Vernehmlassung vom 17. Februar 2022 ihren Entscheid nochmals
ausführlich begründet, was eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
ebenfalls heilen würde. Hinzu kommt, dass die Beschwerdeführerin an
ihren Rügen in der Vernehmlassung unabhängig von den Ausführungen
der Beschwerdegegnerin festhielt, so dass kein unnötiger Aufwand seitens
der Beschwerdeführerin durch eine Beschwerdeeinreichung entstand.
Somit entfällt auch eine Entschädigung durch die Gemeinde für unnötig
verursachten Aufwand. Auch würden einer Rückweisung
verfahrensökonomische Überlegungen entgegenstehen, da es sich um
einen prozessualen Leerlauf handeln würde. Der Anspruch auf rechtliches
Gehör wurde daher geheilt (vgl. Urteil des Verwaltungsgerichts R 17 3 vom
4. Juli 2017 E.2e).
3.1. Die Beschwerdeführerin rügt eine Nichtausübung des Ermessens der
Gemeinde bei der einzelfallweisen Überprüfung der Baubewilligung, dass
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sie die Gegebenheiten vor Ort nicht mittels Augenschein überprüft hätte.
Auch hätte die Beschwerdegegnerin aufgrund der Fläche der Solaranlage
die Bestimmungen der kleinflächigen Solaranlagen prüfen müssen und
nicht einfach unter pauschalem Verweis auf die Richtlinien die Bewilligung
ablehnen dürfen.
3.2. Vorweg ist zu erwähnen, dass wenn die verfügende Instanz ihr Ermessen
überschreitet, unterschreitet oder missbraucht eine Rechtsverletzung
vorliegt (Art. 51 Abs. 1 lit. a VRG und vgl. auch Art. 49 lit. a VRG;
WIEDERKEHR, öffentliches Verfahrensrecht, 2. Aufl., Bern 2022, S. 237
Rz. 491).
3.3. Für das gesamte öffentliche Verfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Die betreffende Instanz hat sich frei und
unvoreingenommen ihre Meinung dazu zu bilden, ob der zu beweisende
Sachumstand als wahr zu gelten hat oder nicht. Demnach besitzen alle
Beweismittel grundsätzlich dieselbe Beweiskraft und es gibt keine
Vorgaben, welchen Beweiswert die einzelnen Beweise zueinander haben
(WIEDERKEHR, a.a.O., S. 131 Rz. 279). Laut Art. 11 VRG gilt der
Untersuchungsgrundsatz, wonach die Behörde den Sachverhalt von
Amtes wegen feststellt und sich dabei gemäss Art. 12 VRG folgender
Beweismittel bedient: Urkunden (lit. a), Auskünfte der Parteien (lit. b),
Auskünfte oder Zeugnis von Drittpersonen (lit. c) Augenschein (lit. d) und
Gutachten von Sachverständigen (lit. e). Führen die von Amtes wegen
vorzunehmenden Abklärungen die Verwaltung oder das Gericht bei
pflichtgemässer Beweiswürdigung zur Überzeugung, ein bestimmter
Sachverhalt sei als überwiegend wahrscheinlich zu betrachten und weitere
Beweismassnahmen könnten an diesem feststehenden Ergebnis nichts
mehr ändern, so ist auf die Abnahme weiterer Beweise zu verzichten
(antizipierte Beweiswürdigung, BGE 131 I 157 E.3, 124 V 94 E.4b, 122 III
223 E.3c). Durchführung des beantragten Augenscheins ist nicht
notwendig, da die Bauparzelle sowie die umliegenden Gebäude mit
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Solaranlagen im Dossier durch die Fotodokumentation ausreichend
ersichtlich sind.
3.4. Die Beschwerdeführerin rügt, dass die Beschwerdegegnerin ihr Ermessen
nicht bzw. nicht genügend angewendet habe, in dem sie einen
Ausnahmefall nach der kommunalen Richtlinie nicht überprüft, sondern
einfach auf die Regel abgestellt habe.
Gemäss Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin wurde jedoch sehr
wohl eine Einzelfallprüfung vorgenommen und geprüft, ob eine
freistehende Solaranlage bewilligungsfähig ist (wurde in Vernehmlassung
nochmals verdeutlicht). Das Baugesuch wurde sogar zur Seite gestellt um
eine Alternativmöglichkeit, Installation auf dem Dach, zu prüfen. Sie ist
dann nach Abwägung der guten bis sehr guten Eignung der Dachfläche
beim betroffenen Gebäude zum Schluss gelangt, dass die Anlage nicht
freistehend gebaut werden dürfe. Die Beschwerdegegnerin habe eine
Einschätzung der ästhetischen Wirkung vorgenommen und die Belastung
aufgrund der alternativen Möglichkeiten als zu hoch eingestuft und somit
die Bewilligung für die Solaranlage abgelehnt. Somit wurde das Ermessen
rechtmässig ausgeübt.
4.1. Die Beschwerdeführerin macht eine Verletzung des Legalitätsprinzips
geltend mit der Begründung, dass der kleine Landrat der Gemeinde
B._, als Exekutivbehörde Richtlinien erlassen habe (Solarleitfaden),
für welche keine Rechtsetzungskompetenz vorlag.
4.2. In Bezug auf das anwendbare Recht ist festzuhalten, dass seit dem 1. Juli
2022 die revidierten Bestimmungen der RPV in Kraft sind. Da der hier
beschriebene Sachverhalt jedoch vor dem 1. Juli 2022 stattgefunden hat,
sind die bis zum 30. Juni 2022 gültigen Bestimmungen massgebend.
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4.3. Gemäss Art. 18a Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Raumplanung
(RPG; SR 700) bedürfen in Bau- und Landwirtschaftszonen auf Dächern
genügend angepasste Solaranlagen keiner Baubewilligung nach Art. 22
Abs. 2 RPG. Solche Vorhaben sind lediglich der Behörde zu melden.
Konkretisiert wird dies in Art. 32a der Raumplanungsverordnung (RPV;
SR 700.1). Gemäss Art. 32a Abs. 2 RPV sind konkrete
Gestaltungsvorschriften des kantonalen Rechts anwendbar, wenn sie zur
Wahrung berechtigter Schutzanliegen verhältnismässig sind und die
Nutzung der Sonnenenergie nicht stärker einschränken als Absatz 1. Zu
diesen bundesrechtlichen Bestimmungen hat das Amt für
Raumentwicklung einen Leitfaden für Solaranlagen des Kanton
Graubündens (datiert 2014) herausgegeben, welcher eine gute Grundlage
für die Rechtsanwendung in den Gemeinden bildet. Laut Leitfaden soll es
Grundregeln zur Planung von Solaranlagen aufzeigen, mit welchen eine
hohe Qualität erzielt werden kann. Im Leitfaden selbst wird von
Gestaltungsempfehlungen gesprochen, welche nicht abschliessend seien.
Es müsse im Einzelfall, abgestimmt auf die Bedürfnisse der
Gesuchstellenden, dem Gebäude und dessen charakteristischen
Eigenschaften wie auch der Umgebung beurteilt werden (siehe Leitfaden
für Solaranlagen; https://gvg.gr.ch/sites/default/files/2021-
08/Leitfaden%20f%C3%BCr%20Solaranlagen.pdf). Somit handelt es sich
um Gestaltungsvorschriften, welche gestützt auf Art. 32a Abs. 2 RPV
erlassen worden sind und welche die Nutzung der Solarenergie nicht
stärker einschränken als in Abs. 1 derselben Bestimmung, sowie
verhältnismässig sind. Denn der Leitfaden hilft mit Grundregeln bei
Errichtung einer Solaranlage und gibt Informationen, jedoch handelt es
sich nur um Empfehlungen, welche sinngemäss nicht zwingend immer
befolgt werden müssen. Laut der Gemeinde B._ weise dieser
Leitfaden noch einige Fragen auf, weshalb der kleine Landrat mit
Beschluss vom 3. November 2020 diese mit eigenen Richtlinien
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(Richtlinien Photovoltaik und Solarthermische Anlagen) zu schliessen
versuchte.
4.4. Richtlinien oder Verwaltungsverordnungen richten sich
unbestrittenermassen nur an verwaltungsinterne Instanzen (vgl. Urteil des
Verwaltungsgerichts U 7 86 vom 1. April 2008 E.4). Sie auferlegen
ausserhalb der Verwaltung stehenden Drittpersonen keine unmittelbaren
Rechte und Pflichten. In der Praxis werden jedoch Richtlinien als zulässig
betrachtet, die sich zwar primär an staatliche Instanzen richten, aber
unmittelbare oder mittelbare Auswirkungen auf ausserhalb der Verwaltung
stehende Drittpersonen haben (vgl. BGE 98 Ia 510 ff.). Aus diesem Grund
wird den Richtlinien auch ein allgemein verbindlicher Rechtssatzcharakter
abgesprochen (vgl. BGE 98 Ia 510 E.4d). Dies unterscheidet die
Richtlinien von den Rechtsverordnungen, die Rechte und Pflichten beim
Privaten zu begründen vermögen. Richtlinien dienen allgemein der
Vereinheitlichung der Rechtsanwendung, in dem rechtsanwendende
Behörden angewiesen werden, offene und unbestimmte Normen auf eine
bestimmte Art und Weise zu konkretisieren. Für das Erlassen von
Richtlinien ist eine Rechtsetzungskompetenz nicht relevant, da sich die
Richtlinien nur an verwaltungsinterne Instanzen richtet, namentlich an die
Gemeinde für eine adäquate Rechtsanwendung.
4.5. Dies bedeutet, dass die Gemeinde B._ ohne
Rechtsetzungskompetenz die Richtlinien Photovoltaik und
Solarthermische Anlagen als verwaltungsinterne Grundlage bzw.
Konkretisierung des Solarleitfadens des Kantons Graubünden erlassen
konnte und somit in dieser Hinsicht das Legalitätsprinzip nicht verletzte.
5.1. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung von Bundesrecht, in dem mit
den kommunalen Richtlinien die Zielsetzungen des Bundes in
unzulässiger Weise vereitelt werden. Darum seien diese Richtlinien nicht
anwendbar.
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5.2. Vorweg ist festzuhalten, dass Art. 18a Abs. 1 RPG die
Baubewilligungspflicht von Solaranlagen innerhalb seines
Geltungsbereichs konkretisiert und eine spezialgesetzliche Regelung zu
Art. 22 Abs. 1 RPG darstellt. Das präventive Bauverbot mit
Erlaubnisvorbehalt wurde in diesem Rahmen bundesrechtlich
aufgehoben. Art. 18a RPG definiert zusammen mit Art. 32a Abs. 1 RPV
die Voraussetzungen, unter welchen Solaranlagen ohne Baubewilligung
auf Gebäudedächern angebracht werden dürfen. Unter dem sachlichen
Geltungsbereich ergibt sich jedoch einschränkend, dass sie zum
vornherein nur für Solaranlagen gilt, die auf Dächern (von neuen oder
bestehenden Gebäuden) angebracht werden. Vorausgesetzt ist damit
stillschweigend, dass ein körperlicher Zusammenhang zu einer
Hauptbaute besteht. Von Art. 18a Abs. 1 RPG sind somit keine
freistehenden Solaranlagen erfasst. Für diese richtet sich die
Baubewilligungspflicht und das anwendbare Verfahren nach Art. 22 Abs. 1
RPG und kantonalem Baurecht (WALDMANN, Bauen ohne Baubewilligung?
Von klaren und den Zweifelsfällen, Schweizerische Baurechtstagung
2017, S. 35; JÄGER, in: AEMISEGGER/MOOR/RUCH/TSCHANNEN (Hrsg.),
Praxiskommentar RPG: Baubewilligung, Rechtsschutz und Verfahren,
Zürich/Basel/Genf 2020, S. 33 Rz. 17; GIOVANNINI, in:
GRIFFEL/LINIGER/RAUSCH/THURNHERR (Hrsg.), Fachhandbuch öffentliches
Baurecht, Zürich/Basel/Genf 2016, S. 529 Rz. 5.294). Die Vorschrift in
Art. 18a RPG ist, zusammen mit den Ausführungsbestimmungen auf
Verordnungsstufe, abschliessend und genügend bestimmt, um im
Einzelfall direkt angewendet zu werden. Sie bedarf, jedenfalls in
materieller Hinsicht, keiner kantonaler Ausführungsgesetzgebung, sofern
die Kantone nicht in der Gesetzgebung von den ihnen in Abs. 2 (Art. 32a
RPV) eingeräumten Regelungsspielräumen Gebrauch machen wollen
(JÄGER, a.a.O., S. 27 Rz. 7).
- 18 -
5.3. Was als genügend angepasst gilt, wird in Art. 32a RPV konkretisiert. In
Art. 32a Abs. 2 RPV sind konkrete Gestaltungsvorschriften des
kantonalen Rechts anwendbar, wenn sie zur Wahrung berechtigter
Schutzanliegen verhältnismässig sind und die Nutzung der
Sonnenenergie nicht stärker einschränken als Absatz 1. Somit sind
kantonale wie kommunale Bestimmungen zulässig, soweit sie die
Zielsetzung des Bundes nicht weiter einschränken. Von dieser Möglichkeit
haben verschiedene Kantone Gebrauch gemacht wie vorliegend durch
einen Leitfaden oder Richtlinien (siehe Zürich, Appenzell-Ausserrhoden,
Thurgau). Die Verordnung (RPV) ermächtigt die Kantone, eigene
Gestaltungsvorschriften für Solaranlagen zu erlassen respektive
vorbestehende weiterhin anzuwenden. Diese "Rückgabe" einer gewissen
Regelungszuständigkeit erfolgte zum einen aus Rücksicht auf die
verfassungsrechtliche Kompetenzverteilung im Bereich Raumplanung und
des Natur- und Heimatschutzes, zum anderen im Bewusstsein, dass die
bundesrechtlichen Vorgaben je nach örtlichen Gegebenheiten im
Einzelfall womöglich allzu schematisch sind (JÄGER, a.a.O., S. 37 Rz. 22).
Die Kantone oder Gemeinden sollen die Möglichkeit haben, auf kantonale,
regionale oder lokale Eigenheiten der Siedlungsstruktur zugeschnittene
Gestaltungsvorschriften für Solaranlagen zu erlassen. Solche Vorgaben
können allenfalls "ästhetisch zu befriedigenderen Ergebnissen führen,
ohne die Nutzung der Solarenergie stärker einzuschränken" als die
bundesrechtliche Regelung (JÄGER, a.a.O., S. 27 Rz. 7). Die Kantone
dürfen den Begriff der "genügenden Anpassung" gemäss Art. 18a Abs. 1
RPG somit mit eigenen Regeln konkretisieren. Solche kantonalen
Vorschriften treten diesfalls anstelle der bundesrechtlichen
Gestaltungsvorschriften von Art. 32a Abs. 1 RPV. Sie sind aber nur
zulässig resp. "anwendbar", wenn sie "zur Wahrung berechtigter
Schutzanliegen" verhältnismässig sind (JÄGER, a.a.O., S. 38 Rz. 23).
Handelt es sich dabei um nicht rechtsverbindliche Richtlinien,
Empfehlungen oder Arbeitshilfen, so sind sie für den Projektträger
- 19 -
unbeachtlich, wenn sie den Auslegungsspielraum im Rahmen der
Anwendung der bundesrechtlichen Gestaltungsvorschriften von Art. 32a
Abs. 1 RPV verlassen.
5.4. Gemäss Beschwerdegegnerin handle es sich nur um
Gestaltungsempfehlung, um die Praxis in den Gemeinden zu
vereinfachen. Somit sind die Richtlinien an sich bundesrechtskonform und
widersprechen nicht den Zielen des Art. 18a Abs. 1 RPG i.V.m. Art. 32a
Abs. 1 RPV, da die Möglichkeit der Kantone genau solche
Gestaltungsvorschriften erlaubt, welche den lokalen Eigenheiten in der
Siedlungsstruktur Rechnung tragen sollen.
5.5. Soweit ein Bauvorhaben die Anforderungen aus Art. 18a RPG i.V.m. Art.
32a RPV nicht erfüllt und deshalb im ordentlichen bzw. vereinfachten
Bewilligungsverfahren zu beurteilen ist, hat es auch die gestalterischen
Vorgaben gemäss Art. 73 KRG resp. gemäss den kommunalen Richtlinien
zu erfüllen. In Ziff. 24 der Richtlinie werden einerseits ästhetische
Gestaltungsvorgaben dargestellt, wonach gemäss Wortlaut "in der Regel
von freistehenden, direkt auf dem Boden aufgestellten und
flächenintensiven Solaranlagen (ab 10 m2) abzusehen ist." Andererseits
wird auch ausgeführt, dass die Bestimmung vor dem Hintergrund
vorhandener Realisierungsmöglichkeiten, im Sinne des Landschafts- und
Ortsbildschutzes sowie des haushälterischen Umgangs mit dem Boden
gesehen werden muss. Aus den kommunalen Richtlinien lässt sich
entgegen der Behauptung der Beschwerdeführerin (Beschwerde Rz. 21)
nicht entnehmen, dass freistehende Solaranlagen in Missachtung des
kantonalen Leitfadens für Solaranlagen ohne Einzelfallprüfung pauschal
abzulehnen seien. Weiter muss eine Solaranlage auch den
gestalterischen Anforderungen aus Art. 73 KRG genügen, soweit dafür
eine Baubewilligung notwendig ist. Dabei hat die Bewilligungsbehörde die
Belastung des Orts- und Landschaftsbildes zu beurteilen und
insbesondere dann eine Baubewilligung zu verweigern, wenn die
- 20 -
Beeinträchtigung des Raums angesichts alternativer Lösungen als zu
schwerwiegend erscheint. Soweit eine Solaranlage gut an den bereits
bestehenden Gebäuden angebracht werden kann, müssen deshalb
besondere Gründe für einen freistehenden Standort sprechen.
5.6. So läuft es den Interessen der Förderung der Solarenergie des Bundes
nicht entgegen, da die Richtlinien keine Einschränkung darstellen. Denn
auch in der Richtlinie wird eine breitere Akzeptanz der Solaranlagen in der
Bevölkerung gewünscht. Es wurde in Bezug auf die freistehenden Anlagen
Gestaltungsempfehlungen ausgesprochen, welche nicht jede Form als
bevorzugt einstufen. Diese müssen jedoch nicht zwingend eingehalten
werden und somit ist auch eine Abweichung möglich. Im Zuge der
Interessenabwägung, welche bei der Bewilligung freistehender
Solaranlagen stattfindet, wird gemäss Art. 18a Abs. 4 RPG der
bundesrechtlichen Förderung von Solaranlagen nochmals Rechnung
getragen.
6.1. Zu prüfen ist, ob die Ablehnung der Baubewilligung für die freistehende
Solaranlage mit Bezugnahme auf die kommunalen Richtlinien kantonales
Recht verletzt.
6.2. Wie schon ausgeführt richtet sich das Verfahren für die Installation von
freistehenden Anlagen nach Art. 22 Abs. 1 RPG und somit nach dem
ordentlichen Baubewilligungsverfahren und nach kantonalem Recht (vgl.
Art. 85 des Raumplanungsgesetzes für den Kanton Graubünden [KRG;
BR 801.100]). Voraussetzung einer Bewilligung ist, dass die Bauten und
Anlagen zonenkonform sind und das Land erschlossen ist. Gemäss
Art. 22 Abs. 3 RPG bleiben die übrigen Voraussetzungen des
Bundesrechts und des kantonalen Recht vorbehalten. Gemäss Art. 86
KRG bedürfen Bauten und Anlagen einer schriftlichen Baubewilligung der
kommunalen Behörde. Im vorliegenden Fall wäre dies die Gemeinde
B._. Das ordentliche Baubewilligungsverfahren wird kantonal in Art.
- 21 -
41 ff. der Raumplanungsverordnung für den Kanton Graubünden (KRVO;
BR 801.110) geregelt. Laut Art. 89 Abs. 1 KRG werden Bauvorhaben
bewilligt, wenn alle Vorschriften des kommunalen, kantonalen und
eidgenössischen Rechts eingehalten sind. Abweisungen von
Baugesuchen sind gemäss Art. 46 Abs. 2 KRVO zu begründen.
6.3. Somit ist folglich zu prüfen, ob das Baugesuch kommunale, kantonale und
eidgenössische Vorschriften einhält und ob die Begründung der
Abweisung der Beschwerdegegnerin gestützt auf die Richtlinien das
kantonales Recht verletzt.
6.4. Nach Art. 73 KRG sind Siedlungen, Bauten und Anlagen nach den Regeln
der Baukunst so zu gestalten und einzuordnen, dass sie mit der
Umgebung und der Landschaft eine gute Gesamtwirkung entsteht. Art. 24
Abs. 1 des Baugesetzes der Gemeinde B._ (BauG) lautet, dass
Bauten und Anlagen architektonisch so zu gestalten sind, dass sie auf ihre
Umgebung Bezug nehmen und sich in das Orts- und Landschaftsbild
einordnen. Somit stellt die kantonale Vorschrift eine engere Regelung auf,
denn es muss sich nicht nur in die Umgebung einordnen, sondern auch
noch eine gute Gesamtwirkung erzielen. Gemäss den Fotos der
Beschwerdeführerin haben in der Umgebung der betroffenen Parzelle am
H._ viele Häuser Solaranlagen, jedoch fast nur auf den Dächern oder
an den Hausfassaden (Beschwerdeführerische Beilagen [Bf-act.] 5).
Somit wäre eine freistehende Solaranlage am H._ eher ein Einzelfall
(ausser einer Ausnahme bei Bf-act. 6) in der Umgebung und somit ein
störendes Bild. Somit kann die Begründung, dass gemäss der Gemeinde
Solaranlagen auf dem Dach bevorzugt werden, nicht beanstandet werde,
vor allem nicht vor dem Hintergrund der guten bis sehr guten Eignung der
Dachfläche (Bf-act. 7).
6.5. Weiter muss nach Art. 25 lit. a BauG der Grenzabstand gemäss
Zonenschema in Art. 93 BauG eingehalten werden, um eine optimale
- 22 -
Situierung der Bauten und Anlagen bezüglich Besonnung zu erreichen.
Die Beschwerdeführerin reichte eine Vereinbarung über ein
Näherbaurecht zwischen I._ und seinen Nachbarn A._ und
K._ (Stockwerkeigentümer), wobei I._ für das Bauprojekt der
Installation der Solaranlage die Zustimmung erteilte, den minimalen
Grenzabstand zur gemeinsamen Grenze von 2.5 m um 1.5 m zu
unterschreiten, d.h. es würde nur noch ein Abstand von 1 m vorliegen.
Somit wäre diese formelle Voraussetzung bezüglich des Grenzabstands
eingehalten worden. Ob dadurch die optimale Situierung für die
Besonnung beeinflusst wurde, kann dagegen offengelassen werden, da
es nicht entscheidrelevant ist.
6.6. Der kantonale Leitfaden beinhaltet wie schon erwähnt das Verfahren und
Gestaltungsempfehlungen für Solaranlagen. Somit beinhaltet er keine
gesetzlichen Vorgaben, welche verbindlich sind. Denn laut Leitfaden (S. 1)
möchte der Kanton mit diesem Leitfaden aufzeigen, wie man bei der
Planung von Solaranlagen mit wenig Grundregeln eine hohe Qualität
erreicht. Sinngemäss enthält dies keine verbindliche Vorgabe, denn es
wird einfach eine Optimierung aufgezeigt, welche jedoch nicht zwingend
befolgt werden muss. Weiter gehe es auch darum die Akzeptanz von
Solaranlagen in der Bevölkerung zu steigern. Der kantonale Leitfaden
enthält keine Empfehlungen für freistehende Anlagen; dieses Thema
wurde – wie nachfolgend erläutert wird – durch die kommunalen
Richtlinien konkretisiert. Weiter wird auf Seite 14 hingewiesen, dass die
Gestaltungsempfehlungen nicht abschliessend seien und es sich um eine
einfache Auslegeordnung handelt, wie Solaranlagen sich einzufügen
haben. Dies müsse jedoch Einzelfallweise, abgestimmt auf die
Bedürfnisse der Gesuchstellenden, dem Gebäude und dessen
charakteristischen Eigenschaften wie auch der Umgebung beurteilt
werden. Die kommunale Richtlinie stellt nur eine Konkretisierung dar und
füllt Lücken auf, wie z.B. eine Empfehlung für freistehende Anlagen in
- 23 -
Ziff. 24. Sie widerspricht somit nicht dem kantonalen Leitfaden, sondern
führt diesen zum besseren Verständnis weiter aus. Denn wie erwähnt ist
der kantonale Leitfaden nicht abschliessend geregelt. Auch der
Miteinbezug des Solarkatasters ist zu prüfen, da es ein Mittel zur Planung
ist und nicht allgemeinverbindliche Regeln darstellt, sondern aufzeigt
welche Flächen wie geeignet sind. Der Solarkataster kann als Hilfsmittel
angesehen werden, da es die Dachflächen gemäss ihrer Eignung
aufgrund des Standorts einteilt. Wie die Installation an einem bestimmten
Ort aussieht ist dann im Einzelfall zu betrachten, auch im Hinblick darauf,
dass die Solaranlagen in verschiedenen Winkeln etc. angebracht werden
können.
6.7. Gemäss Art. 1 Abs. 1 Satz 1 RPG sorgen Bund, Kantone und Gemeinden
dafür, dass der Boden haushälterisch genutzt und das Baugebiet vom
Nichtbaugebiet getrennt wird. Aufgrund der vorliegenden
Alternativmöglichkeit der Installation auf dem Dach oder an der Fassade
würde eine freistehende Solaranlage auf dem Boden keinem
haushälterischen Umgang entsprechen, da eine Nutzung von Boden
vorliegt, welche durch eine bessere Möglichkeit vermieden werden kann.
6.8. Vergleicht man die kantonale Vorschrift nach Art. 73 KRG mit dem
kommunalen Leitfaden, stellt man fest, dass bei beiden ästhetische
Anliegen eine Rolle spielen. Die Problematik bei Ästhetikklauseln liegt in
deren unbestimmten Rechtsbegriffen. Deren Anwendung setzt
Verwaltungsermessen voraus. Damit werden die behördlichen
Entscheidungen darüber, was „gut gestaltet“ ist bzw. sich „gut einfügt“
bzw. eine „gute Gesamtwirkung erzielt, in ein Spannungsfeld gesetzt zum
Legalitätsprinzip, zur Rechtssicherheit, zur rechtsgleichen
Anwendungspraxis und zum Vertrauensschutz (FAVRE/BAUMANN, Sorgfalt
als Massstab behördlichen Ermessens, publ. in: ZBl 1/2015, S. 4 f.).
- 24 -
6.9. Wie das Bundesgericht in den letzten Jahren wiederholt entschieden hat,
fällt das öffentliche Baurecht im Kanton Graubünden grundsätzlich in den
Autonomiebereich der Gemeinden (vgl. auch Art. 85 KRG). Nach
konstanter Rechtsprechung des streitberufenen Verwaltungsgerichts
kommt den Gemeinden bei der Auslegung von Ästhetikfragen bzw. bei der
Prüfung der Frage der Eingliederung von Bauten in eine bestehende
Umgebung gemäss Art. 73 KRG ein geschützter (weiter) Beurteilungs-
und Ermessensspielraum zu, in welchen das Gericht nur eingreift, wenn
die Gemeinde diesen Ermessensspielraum missbraucht oder
überschritten hat (statt vieler: Urteile des Verwaltungsgerichts
Graubünden R 12 104 vom 19. März 2013 E.2a, R 03 8 vom 10. April 2003
E.1a, R 02 62 vom 29. Oktober 2002 E.4b, R 00 64 vom 30. August 2000
E.2b, 2c und 2e; PVG 1995 Nr. 25, 1994 Nrn. 19 und 20, 1991 Nr. 75,
1990 Nr. 18, 1987 Nr. 18, 1986 Nr. 33, 1985 Nr. 19, 1984 Nr. 23, 1980 Nr.
27; vgl. überdies Urteile des Bundesgerichts 1C_115/2011 vom 17. Mai
2011 E.3, 1A.9/2007 vom 4. Dezember 2007 E.2.2.1, 2.2.2 und 3.4 am
Ende, 1A.174/2003 vom 4. Mai 2004 E.3.2; BGE 118 Ia 232 E.1a). Die
Kognition des Verwaltungsgerichtes beschränkt sich damit praktisch auf
eine Willkürprüfung, d.h. das Verwaltungsgericht kann nur dann
eingreifen, wenn sich der erlassene Entscheid als sachlich unvertretbar
erweist oder gegen allgemeine Rechtsgrundsätze verstösst (Urteils des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden R 09 46 vom 27. August
2009 E.3a).
6.10. Ohne die Frage der Ästhetik ins Zentrum rücken zu wollen, hat die
Beschwerdegegnerin doch immerhin eine Interessensabwägung
vorgenommen und dabei die Eignung der "guten" bis "sehr guten"
Dachfläche des betroffenen Gebäudes für die Sonnenenergienutzung im
Vergleich zur Belastung der Umgebung bevorzugt. Diesbezüglich ist
auszuführen, dass die Beschwerdegegnerin der Beschwerdeführerin eine
Alternativmöglichkeit mit der Installation auf dem Dach vorgeschlagen hat
- 25 -
und somit nicht die gesamte Anbringung einer Solaranlage vereitelte,
sondern bloss die freistehende Installation vermeiden möchte. Sie
unterstreicht ihren Willen zur Wahrung des Orts- und Landschaftsschutzes
durch ihre Absicht, eine einheitliche Bewilligungspraxis für die Anbringung
von Solaranlagen durchzusetzen, d.h. wenn möglich auf einem
bestehenden Gebäudepark anstatt auf freistehenden Flächen, falls eine
Fläche von über 10 m2 (vorliegend 16.8 m2) vorliegt. Bei einer Installation
auf dem Dach würde u.U. sogar das einfachere Meldeverfahren gemäss
Art. 40b zur Anwendung gelangen, bei welchem keine Baubewilligung
notwendig wäre. Auch im Zusammenhang mit Art. 18a Abs. 4 RPG,
welcher besagt, dass die Interessen an der Nutzung der Sonnenenergie
auf bestehenden oder neuen Bauten den ästhetischen Anliegen
grundsätzlich vorgehen, müsste dem besser geeigneten Standort auf dem
Dach oder an der Fassade gemäss Solarkataster der Vorrang gegeben
werden. Dies war aber für die Beschwerdeführerin nicht akzeptabel, denn
gemäss ihrer Aussage sei erstens auf ihrem Dach bloss eine "gute"
Eignung vorhanden, weiter sei die Neigung mit 18° nicht hinreichend,
sodass vor allem im Winter der Schnee auf dem Solarpanel liegen bleiben
würde und man somit in den sonnenreichen Wintermonaten den Schnee
wegschaufeln müsste. Folglich sei eine Installation auf dem Dach nicht
möglich. Dies obwohl gemäss Solarkataster die ganze Dachfläche der im
Stockwerkeigentum befindlichen Liegenschaft der Beschwerdeführerin
gut bis sehr gut geeignet wäre. Die Stockwerkeigentumseinheit der
Beschwerdeführerin betrifft die östliche Fassade, also die "gute" Eignung.
Da die Baubewilligung durch die gesamte
Stockwerkeigentumsgemeinschaft beschlossen wurde, kann davon
ausgegangen werden, dass auch eine Installation der Solaranlage auf der
"sehr gut" geeigneten Dachhälfte machbar ist. Hinsichtlich der
unzureichenden Neigung der Solarpanels auf dem Dach ist darauf
hinzuweisen, dass der Winkel der Ausrichtung der Solaranlage mit
einfachen Mitteln (z.B. Aufständerung) angepasst und optimiert werden
- 26 -
kann, so dass auch Schneeablagerungen im Winter und eine
unzureichende Neigung des Daches kein Problem darstellen würde. Auch
bezüglich der Argumentation, dass aufgrund der geplanten Hanglage der
Solaranlage der Landverschleiss nur marginal sei, ist festzuhalten, dass
die Panels eine Grösse von 235 cm x 720 cm (16.8 m2; siehe auch edierte
Akten der Gemeinde [Fotos des Baugesuchs]) aufweisen, was auch vor
dem Hintergrund der Neigung nicht als "marginal" betrachtet werden kann.
Somit verläuft die Argumentation der Beschwerdeführerin betreffend die
nicht mögliche Installation auf ihrer nur "gut" geeigneten Dachfläche ins
Leere, wenn sie davon ausgeht, dass nur eine flache Anbringung auf dem
Dach möglich wäre und somit Probleme mit der Neigung der Solarpanels
bestehen würden. Dies auch vor dem Hintergrund des Urteils des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden R 09 46 vom 27. August
2009, bei welchem ein Baugesuch für eine Solaranlage auf dem Dach
abgelehnt und auf die alternative Anbringung an der Fassade verwiesen
wurde. Dieser Entscheid der Gemeinde wurde durch das
Verwaltungsgericht geschützt, obwohl dadurch ein Energieeffizienzverlust
von 30 % in Kauf genommen wurde. Im vorliegenden Fall weist die
Alternativmöglichkeit sogar eine "gute" bis "sehr gute" Eignung zur
Energienutzung auf.
6.11. Vorliegend hat die Gemeinde B._ zu Recht, d.h. innerhalb des ihr
zustehenden Beurteilungsspielraums, eine alternative Installation auf dem
Dach oder an der Fassade bevorzugt und somit dem Interesse der
optimaleren Sonnenenergienutzung und dem haushälterischen Umgang
mit dem Boden den Vorrang gegeben. Somit ist die Abweisung der
Baubewilligung der freistehenden Solaranlage diesbezüglich durch die
Gemeinde B._ zu schützen.
7.1. Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des
Gleichbehandlungsgrundsatzes, in dem die Beschwerdegegnerin andere
- 27 -
gleichartige Baugesuche für freistehende Solaranlagen in der Gemeinde
bewilligt habe, aber jenes der Beschwerdeführerin dagegen nicht.
7.2. Eine rechtsanwendende Behörde verletzt dann den Gleichheitssatz, wenn
sie zwei gleiche tatsächlich Situationen ohne sachlichen Grund
unterschiedlich beurteilt (HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Rz. 587 m.w.H.; BGE
136 I 345 E.5). Der Grundsatz der Gesetzesmässigkeit der Verwaltung
(Art. 5 Abs. 1 BV) geht dem Rechtsgleichheitsprinzip im Konfliktfall in der
Regel vor. Wenn eine Behörde in einem oder einigen wenigen Fällen eine
vom Gesetz abweichende Entscheidung getroffen hat, gibt das den
Privaten, die sich in der gleichen Lage befinden, grundsätzlich keinen
Anspruch darauf, ebenfalls abweichend von der Norm behandelt zu
werden (BGE 139 II 49 E.7.1 ff.). Weicht die Behörde dagegen in ständiger
Praxis – d.h. in mehreren Vergleichsfällen – vom Gesetz ab, gibt sie zu
erkennen, dass sie auch in Zukunft nicht von dieser gesetzeswidrigen
Praxis abweichen wird; stehen der gesetzeswidrigen Begünstigung im
Einzelfall keine gewichtigen öffentlichen Interessen und keine
schutzwürdigen Interessen Dritter entgegen, so können Private verlangen,
dass die widerrechtliche Begünstigung auch ihnen gewährt wird (vgl. Urteil
des Verwaltungsgerichts Graubünden R 15 67 vom 17. Mai 2016 E.4b;
TSCHANNEN/ZIMMERLI/MÜLLER, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl.,
Bern 2014, § 23 Rz. 18 f.). Grundsätzlich gibt es konkret im Baurecht
"keinen Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht", womit die
Beschwerdeführerin heute selbst bei früherer Bewilligung grenzwertiger
Bauprojekte in ästhetischer bzw. baugestalterischer Optik in der gleichen
Gemeinde nichts zu ihren Gunsten herleiten kann (vgl. Urteile des
Verwaltungsgerichts Graubünden R 01 68 vom 19. Oktober 2001 E.5; S
02 145 vom 18. September 2002 E.4, A 07 22 vom 18. September 2007
E.4a; PVG 2008 Nr. 23 E.3g; Urteile des Bundesgerichts 1C_398/2011
vom 7. März 2012 E.3.6, 1C_200/2011 vom 5. September 2011 E.2.4 und
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BGE 135 IV 391 E.3.3, 127 I 1 E.3, 126 V 390 E.6a sowie BGE 122 II 446
E.4a).
7.3. Somit kann sich die Beschwerdeführerin nichts aus anderen bewilligten
Baugesuchen für freistehende Solaranlagen herleiten. Es ist auch nicht
ersichtlich, ob die anderen freistehenden Solaranlagen in der Gemeinde
gesetzeswidrig erlassen wurden oder nicht. Somit ist auch keine
gesetzeswidrige Praxis im vorliegenden Fall zu erkennen.
8.1. Die Kosten des Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden nach Art. 73 Abs. 1 VRG trägt im Rechtsmittel- und im
Klageverfahren in der Regel die unterliegende Partei, was vorliegend die
Beschwerdeführerin darstellt.
8.2. Gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG wird die unterliegende Partei im Rechtsmittel-
und Klageverfahren verpflichtet, der obsiegenden Partei die durch den
Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen. Bund, Kanton
und Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten
Organisationen wird gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG in der Regel keine
Parteientschädigung zugesprochen, wenn sie in ihrem amtlichen
Wirkungskreis obsiegen. Davon abzuweichen besteht vorliegend kein
Anlass.