# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 729df3eb-1b59-4960-81a1-f252af7777e4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1983
,
meldete sich u
nter Hinweis auf
eine mittelgradige depressive Episode
am
13. Februar 2013
bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungsbezug
an (Urk.
7/2
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zü
rich,
IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbli
che Situation a
b und
zog Akten des Krankentaggeldversicherers
bei (Urk.
7/9
)
.
Die IV-Stelle gab bei Prof.
Dr.
med.
A._
ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag (Urk. 7/24). Dem ersten Explorationstermin blieb der Versicherte unentschuldigt fern (Urk. 7/25). Im Rahmen der weiteren Terminfindung sei der Versicherte
ge
genüber Prof.
A._
verbal übergriffig geworden, so dass sich Prof.
A._
subjektiv bedroht gefühlt habe
und
dem Versicherten gegenüber
nach eigenen Angaben
nicht mehr
hätte
unvoreingenommen gegenübertreten könne
n
. Er erklärte sich daher als befangen (Urk. 7/29). Daraufhin
holte
die IV-Stelle
bei
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, Psychiatrie C._
,
ein psychiatrisches
Gutachten ein, das am
1. Oktober 2014 erstattet wurde (Urk. 7/38
).
Mit Schreiben vom 21. Januar 2015 ermahnte die IV-Stelle den Versicherten
unter Hinweis auf die Durchführung einer psychotherapeutischen Behandlung zur Verbesserung seines Gesundheitszustandes an seine Mitwirkungs- und Scha
den
minderungspflicht (Urk. 7/45).
Nach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren (Urk. 7/46
; Urk.
7/53) verneinte
die IV-Stelle mit Verfügung vom
29. Mai 2015
einen
Leistungsanspruch (Urk. 7/64
=
Urk.
2)
.
2.
Der Versicherte erhob am
1. Juli 2015
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
29. Mai 2015
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihm
ab 1. September 2013 eine ganze Rente
zuzusprechen, eventuell sei
en weitere ergänzende Abklärungen durchzuführen sowie fremdanamnestische Einschätz
ungen einzuholen
(
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
7. September
2015
(Urk.
6
)
die
teilweise Gutheissung
der Beschwerde
im Sinne einer Rückweisung zur wei
teren Abklärung
.
Mit Gerichtsverfügung vom
8. September
2015
wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und dem Beschwerdeführer
Gelegenheit zur Stellungnahme zum Antrag der Beschwerdegegnerin auf Rückweisung zur weiteren Abklärung gegeben
(Urk.
8
).
Mit Eingabe vom 9. Oktober 2015 führte der Beschwerdeführer aus, er halte an seiner Beschwerde und den darin gestellten Rechtsbegehren fest (Urk. 10), was
der Beschwerdegegnerin am 11. Dezember 2015 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.3
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das
heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
gemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozial
versicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie
stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
ba
re
n Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches ge
statten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Be
richten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdi
gen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere
medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines
Arztbe
richtes
ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berück
sichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beur
teilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folge
rungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der einge
reichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheid
relevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Von der Rückweisung der Sache an den Versicherungsträger zur Gewährung des rechtlichen Gehörs ist nach dem Grundsatz der Verfahrensökonomie dann abzu
sehen, wenn dieses Vorgehen zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem gleichlaufenden und der Anhörung gleichgestellten Interesse der versicherten Person an einer möglichst
beförderlichen
Beurteilung ihres Anspruchs nicht zu vereinbaren sind (vgl. zum
Ganzen BGE 137 I 195 E. 2.3.2; BGE 136 V 117 E. 4.2.2.2; BGE 133 I 201 E. 2.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im
Ver
waltungsverfahren
anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Administrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
reformatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungsträger
bleibt hingegen mög
lich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht
(unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, b
eim
Beschwerdeführer
würden psychi
atri
sche Diagn
osen
(rezidivierende de
pressive Störung, leichte Episode; einfache Aktivitäts- und
Aufmerksamkeits
störung
mit Suchtverhalten; sowie eine Z-Diagnose) vorliegen, welche
invali
den
versicherungsrechtlich
nicht
relevant seien
(S. 2 oben)
. Die Abklärungen hätten ergeben, dass der
Beschwerdeführer
über erhebliche Ressourcen verfüge.
Es be
stehe daher kein Gesundheitsschaden, welcher in Art und Schwere die Voraus
setzungen nach Art. 8 ATSG erfülle (S. 2 Mitte).
Mit Beschwerdeantwort (
Urk.
6) stellte sich die
Beschwerdegegnerin
auf den Standpunkt, sie habe keine Rückfrage an den Begutachter gestellt, inwiefern die Gesamtproblematik durch das Suchtverhalten begünstigt worden sei (S
. 2 oben). Vorliegend erwei
se sich die Sachlage als ungenügend abgeklärt, weshalb nicht mit der Beweiskraft der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden könne, dass den Einschränkungen des
Beschwerdeführers
keine IV-rele
vante Krankheit zugrunde liege. Es sei eine erneute psychiatrische Abklärung vorzunehmen, welche darüber Auskunft zu geben habe, ob beim
Beschwerde
führer
ein invalidisierendes Leiden vorliege, das die Arbeit
sfähigkeit beein
träch
tige und d
as von der Suchtmittelabhängigkeit überlagert sei. Eine realisti
sche Unterscheidung von krankheitsbedingten und psychosozialen Ursachen bedinge insbesondere eine längere Phase von weitgehender Abstinenz, weshalb für die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit ein Suchtmittelentzug unerlässlich sei (S. 2
Ziff.
2). Es sei die Beschwerde daher teilweise gutzuheissen und die Sache zur weiteren Abklärung zurückzuweisen.
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt
(Urk. 1)
, d
er Gutachter
Dr.
B._
habe ausdrücklich betont, dass eine konsistente ver
sicherungsmedizinische Würdigung schwierig sei. Es sei nicht möglich, die
jenigen Symptome rational zu isolieren, welche durch IV-relevante Störungen (Depres
sion, ADHS) bewirkt würden und welche eben nicht. Die Folgen der
Auf
merksamkeitsdefizit
-/Hyperaktivitätsstörung
(
ADHS
)
und der Depression seien nämlich überlagert durch die Persönlichkeitsstruktur sowie den Drogenkonsum des
Beschwerdeführers
. Ausgewiesen sei aber das hohe Ri
siko für eine drohende
Invalidität, welcher, wenn überhaupt, nur mit einer Kombination aus Therapie und Eingliederungsmassnahmen begegnet werden könne.
Dr.
B._
habe der durch die vorbehandelnden Ärzte at
testierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit
in der angestammten Tätigkeit im ersten Arbeits
markt zugestimmt (S. 9 Mitte). Der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
habe sich der Beurteilung des Gutachters angeschlossen (S. 10
Ziff.
6). Der
Beschwerde
führer
sei sogar in einer ange
passten Tätigkeit im geschützten Rahmen nur zwischen 30 und 40 % arbeits
fähig (S.
10 Ziff. 5). Die Frage, wie sich die
Sucht
problematik
auf die
Gesamt
problematik
auswirke, hätte nach Ansicht des RAD dem Gutachter gestellt werden müssen. Dies sei jedoch nicht erfolgt und von der
Beschwerdegegnerin
ignoriert worden. Allerdings habe der RAD auch aus
geführt, dass die Quali
fi
kation der Sucht (primär/sekundär) nicht wesentlich sei (S. 13 f.; vgl. auch S. 16
Ziff.
16). Dem Gutachter und dem RAD-Arzt sei be
wusst gewesen, dass die Folgen des Suchtverhaltens selbst auf den Gesundheits
zustand und die Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers nach
invalidenversi
cherungsr
echt
li
chen
Kriterien nicht in die Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit miteinbezogen werden dürfen. Dennoch hätten ihm beide
ab 1.
Oktober 2014
eine Arbeits
fähigkeit von lediglich 30
%
in angepasster Tätigkeit attestiert (S. 18 f.
Ziff.
22). Damit sei ein Anspruch auf eine ganze Rente ausgewiesen. Eventuell seien zu
sätzliche fremdanamnestische Abklärungen der Leistungsfä
higkeit des
Beschwer
de
führers
im Sinne eines EFL oder eines Arbeitsversuchs durchzuführen und die Sache an die
Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen (S. 22).
Mit
Stellungnahme
vom 9. Oktober 2015
zum Antrag
der Beschwerdegegnerin
auf
teilweise Gutheissung
und Rückweisung
machte der Beschwerdeführer gel
tend, d
em Antrag auf Rückweisung könne nicht gefolgt werden, da
ihm
bereits gestützt auf das Gutachten von
Dr.
B._
und die RAD-Stellungnahme sowie den Bericht der behandelnden Therapeutin
lic
. phil.
D._
eine ganze Rente zuzusprechen sei
(
Urk. 10)
.
3.
3.1
Seit Dezember 2012 ist der Beschwerdeführer in der
Psychiatrie C._
in Behandlung (Austrittsbericht vom
9. April
2013, Urk. 7/17/2-4; Bericht vom 2. Mai 2015, Urk. 7/22/9-11).
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und
med.
pract
.
F._
, Assistenzärztin,
führten im
Bericht vom 30. August 2013
(Urk. 7/22/1-
8)
aus
, der Beschwerdeführer leide seit zirka fünf Jahren an zunehmender Freud- und Lustlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Nervo
sität und Unruhe. Es sei zu einer Überforderungssituation durch Schulden von zirka Fr. 50‘000.--,
Wohnungslosigkeit und sozialem Rückzug (wenig Kontakt zu Familie) gekommen. Aus der geschilderten Situation sei es zu erhöhtem Can
nabis- und Alkoholkonsum und schliesslich im März 2012 zu einem Suizidver
such mit Amphetaminen und Alkohol gekommen. Der Cannabiskonsum habe ihm hinsichtlich der Konzentrationsproblematik sowie
hinsichtlich der erhöhten
Nervosität und Unruhe geholfen. Im September 2012 sei eine
institut
ionelle Sucht- und Depressionsbehandlung erfolgt mit anschliessender tag
esklinischer Behandlung v
on Dezember 2012 bis März 2013 sowie
seither
ambulanter
Behandlung in der
Psychiatrie C._
.
Zwischenzeitlich habe der Verdacht auf das Vorliegen ei
ner ADHS durch eine neuropsychologische Testung bestätigt werden können. Aufgrund dessen sei eine Psychopharmakotherapie installiert worden. Unter der aktuellen Medikamentendosis sei der Beschwerdeführer motorisch deutlich ruhi
ger geworden, er könne sich besser und länger fokussieren, sich an Gesprä
chen aufmerksam beteiligen und Arbeiten zu Ende bringen. Er fühle sich seit Jahren
erstmals „normal“ (S. 2 Ziff. 1.4). Auch die Symptome der Depression seien rück
läufig (S. 3 Mitte).
Es wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (S. 1 Ziff. 1.1):
mittelgradig depressive Episode ohne somatisches Syndrom (ICD-10 F32.10) seit zirka 2007
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADHS; ICD-10 F90.0) seit Kindheit, Erstdiagnose Mai 2013
Das diagnostizierte Tabakabhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.25) habe keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit.
Am 15. April 2013 habe der Beschwerdeführer eine Arbeit auf einem
Bio
bauern
hof
aufgenommen zu einem Pensum von 50 % (S. 3 oben). Zuvor habe vom
24. August 2012 bis
4. September 2012 und vom 18. Dezember 2012
bis
14. April
2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit be
standen (S. 4 Ziff. 1.6).
Die seit Mitte April 2013 bestehende 50%ige Arbeitsfä
higkeit in einer angepassten Tätigkeit sei auf fünf Tage pro Woche zu verteilen (S. 5 Ziff. 1.7 unten). Aufgrund der ADHS sei darauf zu achten, eintönige
und repetitive
Tätigkeiten auf ein Mini
mum zu beschränken und eine Tätigkeit zu finden, die auch eine geistige und motorische Abwechslung (Bewegung) mit sich bringe (S. 5 Mitte).
Beim Beschwerdeführer bestehe eine leichte Beeinträchtigung bezüglich Anpas
sung an Regeln und Routinen, was die Erfüllung von täglichen Routineabläufen und das Einhalten von Verabredungen anbelange. Aufgrund de
r
ADHS falle es ihm schwer, den Tag und anstehende Aufgaben zu planen und zu strukturieren, angemessene Zeit für Aktivitäten aufzuwenden und diese wie geplant durch
zuführen und zu beenden. Es zeige sich eine mangelnde Fähigkeit, sich im Ver
halten, Denken und Erleben wechselnden Situationen anzupassen. Die
Entschei
dungs
- und Urteilsfähigkeit sei dahingehend beeinträchtigt, dass es ihm teil
weise schwerfalle, Sachverhalte differenziert und kontextbezogen aufzufassen und daraus die angemessene
n
Schlussfolgerungen und Konsequenzen zu ziehen und dies in erforderliche Entscheidungen umzusetzen. Es falle ihm schwer, hin
reichend ausdauernd an einer Tätigkeit zu bleiben und ein durchgehendes Leistungsniveau aufrecht zu halten.
Er gerate im Kontakt mit anderen häufig in Konfliktsituationen, da er Schwierigkeiten habe, seine Emotionen zu regulieren. Dies habe sich aber unter der aktuellen Medikation stark gebessert.
Im Verlaufe der Behandlung habe seine mittelgradige Beeinträchtigung, sich an spontanen Aktivitäten zu beteiligen, abgenommen (S. 5 Ziff. 1.7).
3.2
Am 1. Oktober 2014 erstattete
Dr.
B._
ein psychia
trisches Gutachten (Urk. 7/38
) und stell
t
e folgende Diagnosen (S. 18 f. Ziff. 6.1 f.):
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen, Stö
rungen durch
Cannabinoide
, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F12.24)
psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen, Stö
rungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom, ständiger
Substanz
gebrauch
(ICD-10 F10.25)
Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung mit Akzentuierung von Persönlichkeitszügen mit narzisstischen und
selbst
unsicheren
Anteilen (ICD-10 Z73.1)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen, Stö
rungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F17.2)
Dr.
B._
führte aus, versicherungsmedizinisch zeige sich ein enorm komple
xes Bild. Synoptisch bestehe eine Situation, welche geprägt sei durch ein mehr oder weniger vollständiges Durcheinander. Beginnend mit einerseits schulischen Schwierigkeiten (welche durch das ADHS begünstigt worden seien), andererseits schwierigen familiären Verhältnissen mit Gewalterfahrungen durch den
Adop
tivvater
, frühem und anhaltendem Drogenkonsum, nicht abgeschlossener Be
rufsausbildung, in der Folge unsteten Verhältnissen mit Heimaufenthalten und Kleindelinquenz, subjektiv traumatisierenden Erfahrungen und weiter anhalten
dem Drogenkonsum, sei das Leben des Beschwerdeführers letztlich ausser Kon
trolle geraten. Es habe sich eine depressive Störung entwickelt, welche seit 2007 in unterschiedlichem Schweregrad ständig vorhanden sei und in Kombi
nation mit anderen Faktoren zur Arbeitsunfähigkeit geführt habe (S. 24 oben).
Aufgrund der engen Durchmischung von intrapsychischen Auffälligkeiten und psychosozialen Faktoren sei eine konsistente versicherungsmedizinische Wür
digung schwierig. Es sei nicht möglich, aus dem „bunten Strauss“ diejenigen Symp
tome rational zu isolieren, welche durch IV-relevante Störungen (Depres
sion, ADHS) bewirkt worden seien und welche eben nicht. Die Folgen der ADHS und der Depression seien nämlich überlagert durch die Persönlichkeitsstruktur sowie den Drogenkonsum des Beschwerdeführers. Es sei nicht klar zu entschei
den, in welchem Ausmass der
Substanzabusus
ausgelöst worden sei
durch
krank
heitsbedingte
Faktoren (im Sinne einer Selbstmedikation sowohl der ADHS-Symptomatik als auch der depressiven Anteile) und welchen Anteil da
ran die schwierige psychosoziale Situation gehabt habe. Aus der psychiatrischen Erfah
rung sei andererseits bekannt, dass ein
Substanzabusus
wiederum unter
stützend wirke für die Aufrechterhaltung einer Depression, allenfalls sogar als Auslöser für eine solche angesehen werden müsse (S. 24 Mitte).
Eine realistische Unterscheidung von krankheitsbedingten und psychosozialen Ursachen der Gesamtproblematik würde nur nach einer längeren Phase von weit
gehender Abstinenz getroffen werden können. Au
ch
wenn aus diesen Grün
den keine überzeugende versicherungsmedizinische Beurteilung erfolgen könne, müsse hier das hohe Risiko für eine drohende Invalidität festgestellt werden, welcher - wenn überhaupt - nur mit einer Kombination aus Therapie und Ein
gliederungsmassnahmen begegnet werden könne (S. 24 unten).
In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Dachdecker (vgl. S. 9 Mitte) bestehe auf
grund des nicht auszuschliessenden
intoxikierten
Zustandes und der damit ver
bundenen Gefährdung eine Arbeitsfähigkeit von 0 % (S. 25 Ziff. 8.1.1).
Durch die multifaktoriell bedingte Symptomatik mit eingeschränktem Durch
haltevermögen, verminderter Belastbarkeit, Schwierigkeiten im Planen und ko
nse
quentem Durchführen von Aufgaben sowie niedriger Frustrationstoleranz,
dysfunktionalen
Copingmechanismen
und dadurch sich potentiell verstärken
dem
Suchtdruck mit konsekutiv verstärktem Suchtmittelkonsum würden auch für jede angepasste Tätigkeit erhebliche Einschränkungen bestehen, welche aus den diskutierten Gründen nicht quantifiziert werden können (S. 26 Ziff. 8.2.1).
Als reine Schätzung könne die Gesamtarbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit bei zirka 25 bis 35 % gesehen werden (Ziff. 8.2.5).
Rückwirkend habe seit der Hospitalisierung im September 2012
inital
eine volle Arbeitsunfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit bestanden. Es sei plausibel, dass seit dem Zeitpunkt der Aufnahme der geschützten Tätigkeit Mitte 2013 eine geringe Restarbeitsfähigkeit bestehen würde, welche jedoch, wie diskutiert, nicht quantifiziert werden könne (S. 27 Ziff. 8.2.6).
Die Schätzung der maximal möglichen Arbeitsfähigkeit gelte ab dem
Untersu
chungsdatum
(Juli 2014). Aufgrund der aktuell sich präsentierenden psychoso
zialen Situation (kürzlich umgezogen, Therapeutenwechsel, anstehender
Bei
stands
wechsel
) sei die aktuelle Situation jedoch als zu instabil einzustufen, als dass der Beschwerdeführer umgehend in einen Arbeitsalltag würde eintreten können. Es sei jedoch empfohlen, dass in Rücksprache mit der Therapeutin Frau
D._
dennoch baldmöglichst eine Abklärung der Arbeitsfähig
keit
durch
geführt werde, um der drohenden Invalidität entgegenzuwirken (Ziff. 8.3.1).
3.3
In der Stellungnahme vom 29. Oktober 2014
(Urk. 7/44/5-6)
beurteilte RAD-Arzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, das Gutachten von
Dr.
B._
als umfassend, schlüssig und nachvollziehbar, wes
halb darauf abzustützen sei. Aufgrund der Diagnosen rezidivierende depressive Störung gegenwärtig leichte Episode und ADHS sei ein IV-relevanter
Gesund
heitsschaden
ausgewiesen
(S. 1). In einer angepassten Tätigkeit (ohne erhebliche kognitive Ansprüche, nicht monoton, in verständnisvollem Umfeld, ohne Zeit
druck) bestehe ab 1. Oktober 2014 eine 30%ige Arbeitsfähigkeit (S. 2).
3.4
Zwei
Mitarbeiter
der
Beschwerdegegnerin nahm
en
im Anschluss an die RAD-Be
urteilung eine „Überprüfung der Diagnosen durch den Rechtsanwender“ vor (Stellungnahme vom 13. November 2014,
kontrolliert am 17. November 2014
,
Urk. 7/44/6-10)
:
Durch den RAD sei zu klären, inwiefern sich die Sucht ins
ge
samt auf die Problematik auswirke
,
was von einer Abstinenz erwartet werden könne und ob dies
e
einen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit habe oder nicht. Ausserdem sei fraglich, inwiefern die
Gesamt
problematik
durch das
Sucht
ver
halten
begünstigt worden sei, und ob
eine primäre Sucht
oder
eine Selbstmedi
kation durch die Suchtmittel vor
liege.
Letzteres sei eher unwahrscheinlich, da
der Beschwerdeführer schon Drogen konsumiert habe, be
vor eine Diagnose ge
stellt worden sei (S. 10).
3.5
Dazu führte
RAD-Arzt
Dr.
G._
aus, es sei schwierig zu beantworten, ob eine
primäre oder eine sekundäre Sucht vorliege. Für die aktuelle medizinische Situ
a
tion sei diese Frage nicht wesentlich. Es sei möglich, dass sich die Arbeitsfä
hig
keit bei Totalabstinenz verbessere, dies sei jedoch eine rein medizinisch-the
o
re
tische Möglichkeit, da aufgrund der Grundstörung der Konsum psychotroper Sub
stanzen eher regelhaft vorkomme. Das Auferlegen einer Mitwirkungs- be
ziehungsweise Schadenminderungspflicht ändere daran nichts. Wie
Dr.
B._
im Gutachten ausgeführt habe, beeinflusse der Konsum psychotroper Substan
zen in komplexer Weise die Symptomatik. Sofern die Frage als relevant beur
teilt werde, sei sie dem Gutachter zu stellen (Stellungnahme vom 18. Dezember 2014, Urk. 7/44/11).
3.6
Dem Bericht vom 14. Februar 2015
(Urk. 7/52)
der behandelnden Psychologin
lic
. phil.
D._
, Psychotherapeutin ASP, ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer seit einem Jahr zirka 14-täglich bei ihr in Behand
lung
sei
(S. 1 oben).
Lic
. phil.
D._
diagnostizierte eine schwere ADHS, wobei ihr nicht bekannt sei, ob eine neuropsychologische Abklärung durchgeführt worden sei, und eine mittelgradige Depression (S. 1 unten). Beim Beschwerdeführer bestehe sodann zusammen mit dem Bindungstrauma aus der frühen Kindheit, den Folgen der instabilen Familienverhältnisse, einem trauma
tischen Erlebnis in der Adoleszenz und den vermutlich aus allem resultierenden Depressionen mit Suizidgedanken eine Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typus (ICD-10 F60.30; S. 2 unten).
Der Beschwerdeführer habe es vor zirka zwei Jahren geschafft, seine Alkohol- und Drogenabhängigkeit in den Griff zu bekommen. Er trinke nur noch ganz selten ein Bier (S. 2 oben).
Er sei in einem
sozialen
Projekt beschäftigt, wobei er das Pensum von 40 % oft nicht erreiche. Sie habe den Beschwerdeführer zu 60 % arbeitsunfähig geschrie
ben (S. 2 unten).
4.
4.1
Alkoholismus (wie auch Drogensucht und Medikamentenabhängigkeit) begrün
det für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes. Vielmehr wird er
in
va
lidenversicherungsrechtlich
erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (Urteil des Bundesgerichts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2). Dabei ist das ganze für die Alkoholsucht massgebende Ursachen- und Folgespektrum in eine Gesamtwürdigung einzube
ziehen, was impliziert, dass einer allfälligen Wechselwirkung zwischen
Sucht
mittelabhängigkeit
und psychischer Begleiterkrankung Rechnung zu tragen ist
(Urteile des Bundesgerichts I 758/01 vom 5. November 2002 E. 3.2, und I 390/01
vom 19. Juni 2002 E. 2b). Was die krankheitsbedingten Ursachen der Alkohol
sucht betrifft, ist für die invalidenversicherungsrechtliche Relevanz der Abhäng
ig
keit erforderlich, dass dem Alkoholismus eine ausreichend schwere und ihrer Natur nach für die Entwicklung einer Suchtkrankheit geeignete
Ge
sundheits
störung
zugrunde liegt, welche zumindest eine erhebliche Teilursache der
Alkoholsucht darstellt (Urteil des Bundesgerichts I 192/02 vom 23. Oktober 2002
E.
1.2.2 mit Hinweis); es genügt nicht, wenn es sich nur um eine ganz unter
geordnete Teilursache handelt (nicht veröffentlichtes Urteil des Bundesge
richts I 130/93 vom 29. August 1994). Mit dem Erfordernis des Krankheitswerts einer allfälligen verursachenden psychischen Krankheit wird verlangt, dass diese die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit einschränkt (BGE 99 V 28 E. 2; Urteil des Bun
des
gerichts I 940/05 vom 10. März 2006 E. 2.2; erwähntes Urteil I 758/01 E. 3.1). Wenn der erforderliche Kausalzusammenhang zwischen Alko
holsucht und
krank
heitswertigem
psychischem Gesundheitsschaden besteht, sind für die Frage der noch zumutbaren Erwerbstätigkeit die psychischen und die suchtbedingten Beeinträchtigungen gesamthaft zu berücksichtigen. Um diese Frage beantworten zu können, sind Verwaltung und Gericht auf möglichst detaillierte medizinische Auskünfte über die Verhältnisse zur Zeit der Entste
hung der Alkoholsucht auf der einen und der allfälligen psychiatrischen Komorbidität auf der andern Seite sowie über den allfälligen ursächlichen Zu
sammenhang zwischen den beiden Aspekten angewiesen (vgl. zur Bedeutung medizinischer Auskünfte zur Bestim
mung der Invalidität BGE 115 V 133 E. 2; BGE 124 V 265 E. 3c mit Hinweis, 99
V 28 E. 2; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E. 2b; AHI 2002 S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E.
2b
mit Hinweisen; Urteile des Bundes
gerichts I 169/06 vom 8. August 2006 E.
2.2 und 4.2 mit Hinweisen und 8C_672/2010 vom 27. September 2010 E. 2).
4.2
Dr.
B._
führte in sei
nem Gutachten aus,
die Folgen der ADHS und der
Depression seien überlagert durch die Persönlichkeitsstruktur sowie den Dro
genkonsum des Beschwerde
führers. E
ine konsistente versicherungsmedizinische Wür
digung sei schwierig und es sei derzeit nicht klar zu entscheiden, in wel
chem Ausmass der
Substanz
abusus
ausgelöst worden sei durch
krankheits
be
dingte
Faktoren und welchen Anteil daran die schwierige psychosoziale Situa
tion gehabt habe. Ein
Substanz
abusus
könne wiederum unterstützend wirken für die Aufrechterhaltung einer Depression. Eine realistische Unterscheidung von krankheitsbedingten und psy
chosozialen Ursachen
der Gesamtproblematik könnte gemäss
Dr.
B._
nur nach einer längeren Phase einer weitgehenden Abstinenz getroffen werden (vorstehend E. 3.2).
RAD-Arzt
Dr.
G._
schloss sich der Ansicht von
Dr.
B._
an, dass der Kon
sum psychotroper Substanzen die beim Beschwerdeführer vorliegende Sympto
matik in komplexer Weise beeinflusse. Die Frage, ob eine primäre oder sekun
däre Sucht vorliege, konnte er nicht beantworten. Seiner Ansicht nach sei es möglich, dass eine Totalabstinenz die zumutbare Arbeitsfähigkeit
verbessern
könnte. Er empfahl die Einholung einer Stellungnahme des Gutachters (vorste
hend E. 3.5).
4.3
Die Beschwerdegegnerin unterliess es - weshalb sie eine Rückweisung zur wei
teren Abklärung beantragte (vgl. Urk. 6) - die offenen Fragen im Zusammen
hang mit der Suchtproblematik (vgl. vorstehend E. 3.4)
Dr.
B._
vorzulegen. Vorliegend
offen
blieb die Frage, ob
aktuell noch eine Suchtproblematik besteht (vgl. die Ausführungen von
lic
. phil.
D._
, vorstehend E.
3.6). Sofern nach wie vor eine Suchtproblematik vorliegt, stellt sich weiter die Frage, ob
von
einer
primären oder sekundären Sucht
auszugehen ist
, wobei sich
Dr.
B._
auf den Standpunkt stellte, dies könne nicht beurteilt werden
. Der
Aussage der Mitarbeiter der Beschwerdegegnerin, es habe bereits ein Drogen
konsum stattgefunden, bevor eine psychiatrische Diagnose gestellt worden sei, weshalb eine sekundäre Sucht „eher unwahrscheinlich“ sei (vorstehend E. 3.4)
, stehen die Hinweise aus den medizinischen Akten entgegen, dass die ADHS zwar erst im Erwachsenenalter diagnostiziert worden sei, sie jedoch aufgrund der Anamnese, der schulischen Leistungen sowie der beruflichen Entwicklung mög
licherweise schon länger bestehe
(vgl. Urk. 7/38/21 Mitte, Bericht
Psychiatrie C._
vom 2. Mai 2013 „Frühkindliche und schulische Entwicklung“, Urk. 7/22/10).
Der Beschwerdeführer st
ellte sich auf den Standpunkt, sein
Gesundheitszustand sei bereits ausreichend abgeklärt
,
und insbesondere der RAD habe betont, dass die Qualifikation der Sucht nicht wesentlich sei.
Dr.
B._
legte bereits dar, dass sich beim Beschwerdeführer ein komplexes Bild mit
Wechselwirkung zwischen Suchtmittelabhängigkeit und psychischer Begleiterkrankung
zeigt und die versic
herungsmedizinische Beurteilung
Schwie
rig
keiten aufweist. Gerade
solche
Wechselwirkungen zwischen
Sucht
mittelab
hängigkeit
und psychischer Begleiterkrankung
sind jedoch
invaliden
versiche
rungsrechtlich
von Bedeutung.
4.4
Aufgrund der offenen Fragen und der Empfehlung des RAD wär
e
die Beschwer
degegnerin gehalten gewesen, eine e
rgänzende Stellungnahme bei
Dr.
B._
einzuholen
. Insbesondere hat dieser zu den
„Wechselwirkungen“ nochmals aus
führlich Stellung zu nehmen:
So sind Suchtfolgen
IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusam
menhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesund
heitsschadens bildet; dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmit
telbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychi
atrische Befund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychischer
Gesundheits
schaden
besteht, welcher die Betäubungsmittelabhängigkeit aufrecht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheitsschadens beeinflussen
. R
eine Suchtfolgen
sind aber
IV-rechtlich
irrelevant
, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken
(
Urteil des Bundesgerichts 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.2 mit Hin
weisen auf
BGE 99 V 28
E.
3b,
120 V 95
E.
4c, SVR 2012 IV Nr. 32 S.
127, 9C_776/2010 vom 20. Dezember 2011 E. 2.3.3, ZAK 1992 S. 169).
Sofern aufgrund der
noch einzuholenden Einschätzung
durch
Dr.
B._
nicht bereits von IV-relevanten Suchtfolgen im eben beschriebenen Sinne auszugehen ist, ist
Dr.
B._
zu befragen, ob ein Suchtmittelentzug
aus medizinischer Sicht zumutbar ist und
was
da
von im Hinblick auf die Beurteilung der zumut
baren Arbeitsfähigkeit zu erwarten
ist.
Sollte
ein Entzug aus medizinischer Sicht als zumutbar erachtet
werden
, wäre der Beschwerdeführer im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht aufzufordern, sich dieser
Massnahme
zu unterziehen. Da
nach wäre eine erneute Begutachtung -
vorzugsweise
ebenfalls bei
Dr.
B._
- durchzuführen.
4.5
Nach dem Gesagten ist die Verfügung vom 29. Mai 2015 aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung und zur neuen Entscheidung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 199/02 vom 10. Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 54 E. 3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3
)
.
In Anwendung
obiger
Kriterien
und unter Berücksichtigung der eingereichten Honorarnote vom
24
. Februar 2016 (Urk.
12
)
ist die Parteientschädigung vorlie
gen
d
auf Fr.
2‘936.50
(inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.