# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0f86bb1e-ed24-52a1-bec7-e04451485a7f
**Court:** SG_KG
**Chamber:** SG_KG_001
**Year:** 2007
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Zum Sachverhalt:
1. Am Dienstag, 23. August 2005, um 12.16 Uhr, lenkte X seinen Personenwagen von
Bronschhofen her kommend auf der Hauptstrasse in Richtung Wil. Auf der Höhe
Hauptstrasse 64 wurde er von der Kantonspolizei St. Gallen anlässlich einer
Geschwindigkeitskontrolle innerorts mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h gemessen.
Nach Abzug der technisch bedingten Sicherheitsmarge von 5 km/h resultierte eine
rechtlich relevante Geschwindigkeit von 75 km/h.
2. Mit Strafbescheid des Untersuchungsamtes Gossau wurde der Angeklagte am 10.
Mai 2006 wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln zu einer Busse von Fr. 610.00
verurteilt. Dagegen erhob er Einsprache. Der Einzelrichter des Kreisgerichtes
Alttoggenburg-Wil verurteilte ihn mit Urteil vom 14. September 2006 wegen grober
Verkehrsregelverletzung und fällte eine Busse von Fr. 600.00 aus. Für die Löschung im
Strafregister wurde eine Probezeit von zwei Jahren angesetzt, die Kosten des
Verfahrens wurden dem Angeklagten auferlegt.
3. Dagegen erklärte der Verteidiger fristgerecht Berufung. Er verlangte einen Freispruch
von der groben Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Ziff. 2 SVG) und einen Schuldspruch
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wegen einfacher Verkehrsregelverletzung (Art. 90 Ziff. 1 SVG). Die Staatsanwaltschaft
trug auf Abweisung der Berufung an.

## Considerations

Aus den Erwägungen:
1. Nach Art. 90 Ziff. 2 SVG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
bestraft, wer durch grobe Verletzung der Verkehrsregeln eine ernstliche Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt. Wird die Höchstgeschwindigkeit von
50 km/h innerorts um 25 km/h oder mehr überschritten, ist ungeachtet der konkreten
Umstände objektiv eine schwere Verkehrsgefährdung bzw. grobe
Verkehrsregelverletzung gegeben (vgl. BGE 123 II 40 E. 1d). Wer die
Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h innerorts um 25 km/h oder mehr überschreitet, tut
das in der Regel mindestens grobfahrlässig. Der subjektive Tatbestand der groben
Verkehrsregelverletzung ist hier deshalb regelmässig zu bejahen. Eine Ausnahme
kommt etwa da in Betracht, wo der Lenker aus nachvollziehbaren Gründen gemeint
hat, er befinde sich noch nicht oder nicht mehr im Innerortsbereich (BGE 123 II 41 E.
1f). Auch auf etwas atypischen Innerortsstrecken erfordert die im Vergleich zu Strassen
ausserhalb von Ortschaften grundsätzlich erhöhte Gefahrenlage, eine grobe
Verkehrsregelverletzung schon bei Überschreitungen der signalisierten
Höchstgeschwindigkeit um 25 km/h ungeachtet der konkreten Verhältnisse
anzunehmen (Urteil des Bundesgerichts vom 25. August 2004; 6S.99/2004).
2. Der Angeklagte bringt vor, die Vorinstanz habe den Grundsatz in dubio pro reo
verletzt, wenn sie festhalte, er habe die signalisierte Geschwindigkeit um genau 25 km/
h überschritten. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass er weniger als 25 km/h
zu schnell gefahren sei bzw. dass die errechnete Geschwindigkeit aufgerundet worden
sei.
Die Geschwindigkeitsmessung erfolgte mit Hilfe des Radar-Geschwindigkeitssystems
Multanova 6F, METAS 11614, welches ordnungsgemäss gewartet und installiert wurde
(vgl. act. 10, 12/1 und 2). Das Gerät gibt die Fahrgeschwindigkeit in ganzen
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Kilometerschritten als Mindestgeschwindigkeit an. Es steht damit fest, dass der
Angeklagte mindestens 80 km/h (bzw. 75 km/h nach Abzug der Sicherheitsmarge) und
damit im Minimum 25 km/h zu schnell gefahren ist.
3. Die fragliche Strecke liegt im Innerortsbereich. Aus der Fotodokumentation der
Polizei geht hervor, dass die Signale "Höchstgeschwindigkeit 50 generell" vor
Ortsbeginn gut sichtbar beidseits der Strasse vor einer unübersichtlichen Linkskurve
aufgestellt sind (vgl. act. 11). Das wird vom Beschwerdeführer nicht in Frage gestellt; er
macht auch nicht geltend, die Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h sei rechtswidrig
signalisiert gewesen.
Indem der Angeklagte innerorts mit mindestens 25 km/h zu schnell gefahren ist, hat er
den objektiven Tatbestand der groben Verkehrsregelverletzung erfüllt.
4. Der Angeklagte hätte die deutlich sichtbare Signalisation sehen müssen. Die
ungenügende Aufmerksamkeit entlastet ihn nicht. Damit ist auch der subjektive
Tatbestand erfüllt. Die Ausführungen des Verteidigers, der Vorwurf der groben
Verkehrsregelverletzung lasse sich nicht halten, weil kein einziges der vom
Bundesgericht für die Annahme eines deutlichen Innerortscharakters vorgegebenen
Kriterien erfüllt sei (dichte Überbauung, beidseitige Führung eines Trottoirs usw.; vgl. B/
8 und B/15), wären nur dann relevant, wenn die betreffende Strecke nicht als
Innerortsstrecke mit genereller Höchstgeschwindigkeit signalisiert gewesen wäre (vgl.
BGE 123 II 37 ff.). Es ist daher nicht weiter auf diese Ausführungen einzugehen. Aus
dem gleichen Grund ist auch der Beweisantrag zur Vornahme eines Augenscheins
abzuweisen.
III.
1. Der Angeklagte hat eine grobe Verkehrsregelverletzung begangen. Sein Verschulden
wiegt schon deshalb nicht mehr leicht, weil er die zulässige Höchstgeschwindigkeit
innerorts nicht nur knapp, sondern um die Hälfte überschritten hat. Dennoch wird er
aber nicht, wie sein Verteidiger geltend machte, als "Raser" behandelt und in eine
Reihe mit jenen Tätern gestellt, die in unverantwortlicher Weise Gesundheit und Leben
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anderer Verkehrsteilnehmer leichtfertig aufs Spiel setzen. Beim Angeklagten handelt es
sich vielmehr um einen grundsätzlich verantwortungsbewussten Autolenker, der seit
vielen Jahren völlig klaglos als Aussendienstmitarbeiter regelmässig am
Strassenverkehr teilnimmt. Berücksichtigt man die Vorstrafenlosigkeit, den guten
allgemeinen Leumund sowie die Wirkung des zu erwartenden Führerausweisentzuges
von mindestens drei Monaten (vgl. Art. 16c SVG; BGE 129 II 173 und 123 II 466), so
erscheint eine Geldstrafe von 4 Tagessätzen angemessen (Art. 34 i.V.m. Art. 47 StGB).
Gestützt auf die finanziellen Verhältnisse des Angeklagten (monatliches
Nettoeinkommen inkl. 13. Monatslohn Fr. 8'341.00, Ehefrau nicht berufstätig,
Unterstützung von Sohn bei Ausbildung) wird der Tagessatz auf Fr. 150.00 festgesetzt
(Art. 34 Abs. 2 StGB). Die Voraussetzungen für den bedingten Strafvollzug sind fraglos
erfüllt (Art. 42 StGB). Eine zusätzliche Busse nach Art. 42 Abs. 4 StGB ist vorliegend
nicht angezeigt, da der Angeklagte durch den obligatorischen Führerausweisentzug in
seiner beruflichen Tätigkeit sehr stark eingeschränkt wird. Damit kann keinesfalls
gesagt werden, er erfahre keine spürbare Sanktion durch eine bedingt vollziehbare
Geldstrafe (vgl. BGE 129 II 173 und 123 II 466 zur Notwendigkeit einer
"Gesamtbeurteilung" von Strafen und administrativrechtlichen Massnahmen). Schon
gar nicht kann argumentiert werden, der Angeklagte fahre besser als ein Täter, der nur
eine Übertretung begangen hätte, da jener mit einer (unbedingten) Busse nach Art. 106
StGB bestraft worden wäre. Jener Täter hätte nämlich nur einen Führerausweisentzug
von höchstens einem Monat zu erwarten gehabt, sodass bei einer Gesamtbetrachtung
von Strafe und Administrativmassnahme der Angeklagte letztlich eben doch schlechter
wegkommt, wenn er die Innerortshöchstgeschwindigkeit um mehr und nicht um
weniger als 25 km/h überschreitet.
2. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren
bedingt aufgeschoben. Bewährt sich der Angeklagte während der Probezeit nicht, so
muss die Prognose seines künftigen Legalverhaltens neu gestellt werden und der
Angeklagte müsste mit dem Vollzug der Geldstrafe rechnen. Die Verurteilung zu einer
bedingt vollziehbaren Strafe hätte sodann gleich wie die Verurteilung zu einer
vollziehbaren Strafe im Rahmen der Bewertung der Täterkomponenten Auswirkungen
auf die Festsetzung des Strafmasses bei einer neuen Verurteilung.
Publikationsplattform St.Galler Gerichte Entscheid Kantonsgericht, 22.01.2007 Art. 90 Ziff. 2 SVG, Art. 47, 34, 42 Abs. 1 i.V.m. 44 Abs. 1 StGB, Fahren mit 75 km/h innerorts, grobe Verkehrsregelverletzung; Strafzumessung (Kantonsgericht, Strafkammer, 22. Januar 2007, ST.2006.110).
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2021-09-19T22:57:01+0200 "9001 St.Gallen" Publikationsplattform Kanton St.Gallen