# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 90e42209-2c7a-4130-931c-e5d9d4ca1770
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1979, arbeitete zuletzt seit September 2010 als Produktionsmitarbeiter bei der
Y._
AG in
Z._
(vgl. Urk.
11
/3 S. 4 Ziff. 5.4), als er am 20. November 2011 einen Autounfall mit Arm-, Knie- und Fussverletzungen erlitt (vgl. Urk.
11
/3 S. 4 Ziff. 6.1 bis 6.3). Am 20. Januar 2012 meldete er sich bei der Invalidenversicheru
ng zum Leistungsbezug an (Urk. 11
/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) bei (Urk.
11
/2, Urk.
11/9, Urk. 11
/12, Urk
. 11/14, Urk. 11
/17) und holte einen Auszug aus dem individu
ellen Konto des
Versicherten (IK-Auszug; Urk. 11
/7) sowie einen
Arbeitgeber
bericht
(Urk.
11
/8) ein.
Im Rahmen des
Vorbescheidverfahrens
(Urk.
11
/28-57)
zog
die IV-Stelle weitere
Akten des Unfallversicherers (Urk.
11
/34-35, Urk.
11/41, Urk. 11
/44,
Urk.
11
/47
48, Urk.
11
/50, Urk.
11
/53, Urk.
11
/56) bei und verneinte sodann mit Verfügung vom 8. Mai 2013 (Urk.
11
/58) einen Anspruch des Versicherten auf eine Rente der Invalidenversicherung.
1.2
Gegen die V
erfügung vom 8. Mai 2013 (Urk. 11/58
) erhob der Versicherte am
7. Juni 2013 Beschwerde (Urk. 11/64/3-9
)
, welche vom hiesigen Gericht im Verfahren IV.2013.00535 mit Urteil vom
5.
Mai 2014 in dem Sinne gutgeheis
sen wurde, dass die Sache an d
ie IV-Stelle
zurückgewiesen wurde, damit diese nach erfolgter Abklärung neu verfüge (
Urk.
11/86/1-13).
Die IV-Stelle
veranlasste in der Folge eine psychiatrische und orthopädische Untersuchung des
Versicherten bei ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (
RAD
)
, über welche am 3
1.
August 2015 berichtet wurden (
Urk.
11/117 und
Urk.
11/118).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/124-132) verneinte die
IV
Stelle
mit Verfügung vom 1
9.
Juli 2016 (
Urk.
11/133 =
Urk.
2) einen Anspruch des
Versicherten
auf eine Rente der Invalidenversicherung.
2.
Gegen die Verfügung vom 1
9.
Juli 2016 (
Urk.
2) erhob
der Versicherte am 1
8.
August 2016 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, es sei ihm eine Rente nach Gesetz auszurichten (S. 2
Ziff.
1) und er sei von unabhängiger Stelle psy
chiatrisch begutachten zu lassen, vorzugsweise im Rahmen eines
Gerichtsgut
achtens
(S. 2
Ziff.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
0.
September 2016 (
Urk.
10) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
2
7.
September 2016
wu
rden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und
dem Beschwerdeführer
die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
12
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wi
rd dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welch
em Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesun
dheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine
ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erz
ielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensvergleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkom
mensvergleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf ihre Abklärungen davon aus, dass dem Beschwerdeführer aus somatischer Sicht seine angestammte Tätigkeit seit November 2011 nicht mehr zumutbar sei, er in einer körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeit jedoch zu 100
%
arbeitsfähig sei. Aus psychiatrischer Sicht habe keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgestellt werden können.
Der Untersu
chungsbericht des RAD sei ausführlich und genüge den rechtlichen Standards. Es werde nachvollziehbar beschrieben,
weshalb zum jetzigen Zeitpunkt keine posttraumatische Belastungsstörung me
hr diagnostiziert werden könne. Es wür
den durchaus noch vorhandene Symptome einer posttraumatischen
Belastungs
störung
anerkannt, welche jedoch nicht ausreichen würden für die wissen
schaftlich anerkannte Diagnose. Die Symptome hätten sich mittlerweile klar gebessert.
Es sei auch nachvollziehbar, dass die finanziellen Probleme und die fehlende berufliche Perspektive den Beschwerdeführer schmerzhaft belasten würden. Allerdings handle es sich bei diesen Belastungen um psychosoziale Belastungsfaktoren, welche von der Invalidenversicherung nicht berücksichtigt werden könnten (S. 2 f.).
2.2
Demgegenüber stell
te sich der Beschwerdefü
h
re
r auf den Standpunkt (
Urk.
1), dass
Zweifel am Untersuchungsbericht des RAD bestünden. So sei die RAD-Un
tersuchung am 1
1.
August 2015 erfolgt und divergiere deutlich mit dem Befund, welcher die behandelnde Psychiaterin
Dr.
A._
aufgenommen habe
(S. 5 f.)
.
Ein ähnlicher psychopathologischer Befund könne dem Austrittsbericht der
B._
vom
1.
Juli 2014 entnommen werden.
Der RAD-Bericht äussere sich auch in keiner Art und Weise über das Vorliegen der Diagnose einer Schmerzstörung
(S. 7)
.
Dafür dass er aus medizinischen Gründen eingeschränkt sei, spreche letztlich auch der Umstand, dass er einhellig als motiviert und authentisch beschrieben werde. Der RA
D habe selber ver
merkt, dass keine Anhaltspunkte für Aggravation oder Selbstlimitierung vorliegen würden
. Es fehle jegliche Erklärung des RAD, weshalb es ihm trotz angeblich voller Arbeitsfähigkeit nicht gelinge, sein Pensum zu steigern. Wenn der RAD davon ausgehe, dass auch keine Schmerzstörung vorliege, welche die stark eingeschränkte Arbeitsleistung erklären könnte, so sei der Bericht auch in seinen Schlussfolgerungen nicht widerspruchsfrei
(S. 8
f.
)
.
Im Bericht des RAD finde sich insbesondere auch keine Diskussion und Würdigung seiner Selbsteinschätzung
. Zusammenfassend seien mehr als erhebliche Zweifel an den Schlussfolgerungen des RAD erweckt (S. 9).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, wie es sich mit der Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers verhält und ob er Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Dr. med.
C._
, Oberarzt
D._
, berichtete am 22. Juli 2013 zuhanden des Beschwerdeführers (
Urk.
11/86/33-35) und nannte folgende Diagnosen (S. 2 Ziff. 2):
Anpassungsstörung, längere depressive Reaktion (ICD-10 F43.21)
Differentialdiagnose: depressive Störung (ICD-10 F32)
Differentialdiagnose:
Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.0)
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Nikotinabhängigkeit, ständiger Substanzgebrauch (ICD-10 F17.25)
Er führte aus, der psychische Zustand des Beschwerdeführers habe sich auch nach dessen Rückkehr im März 2013 aus den Ferien im
E._
nicht verändert (S. 1 unten). Der Beschwerdeführer habe die verordneten Psychopharmaka angeblich wegen Nebenwirkungen nicht regelmässig eingenommen beziehungs
weise habe sie abgesetzt. Er sei der Überzeugung, dass ihm weder eine psycho
therapeutische, noch eine psychiatrische Behandlung habe helfen können, wes
wegen er auf eigenen Wunsch und gegen den ärztlichen Rat die Behandlung abgebrochen habe (S. 1 f.). Es sei davon auszugehen, dass ein Teil der Beschwerden, vor allem die Anpassungsstörung, als Folge des erlebten
Unfaller
eignisses
entstanden seien. Er kenne den Beschwerdeführer jedoch zu wenig, um die Teilkausalität zu bestätigen oder zu verneinen. Die Frage der Arbeitsfähig
keit könne nicht beurteilt werden, da der Beschwerdeführer sehr kurz in seiner Behandlung gewesen sei und er ihn zum letzten Mal vor mehr als zwei Monaten gesehen habe. Es sei eine unabhängige psychiatrische Begutachtung durchzu
führen. Aus psychiatrischer Sicht sei bei Anpassungsstörungen mit einer guten Prognose zu rechnen (S. 2).
3.2
Dr. med.
A._
, Oberärztin
D._
, berichtete am 8.
November 2013 (
Urk.
11/74/5-7) und nannte folgende Diagnosen (S. 2):
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
somatische Diagnosen gemäss Dr. med.
F._, Schmerzmedizin Spi
tal
G._
:
komplexes Schmerzsyndrom nach Verkehrsunfall am 20. November 2011 mit multiplen Verletzungen
bewegungsabhängiger Schmerz des El
lbogens mit
Bewegungsein
schrän
kung
, wie auch neuropathischer Schmerz mit Verdacht auf ein
Complex
regional
pain
syndrome
(CRPS)
Kniegelenkschmerz: Retropatellararthrose mit zusätzlich neuropathi
schem Schmerz
Füsse beidseits: Verdacht auf
geringgradige
CRPS-ähnliche Schmer
zen
myofasziales
Schmerzsyndrom
Iliosakralgelenk
(ISG): Syndrom und
Facettensyndrom der unteren Len
denwirbelsäule (LWS)
Verdacht auf Schlafapnoe
Sie führte aus, der Beschwerdeführer leide unter intrusiven Erlebnissen in Form von Flashback-Erleben tagsüber und Albträumen in der Nacht über das
Unfall
ereignis
und auch über erlebte Kriegsszenen und Folter im Rahmen der Inhaf
tierung im
H._
. Ausserdem lege der Beschwerdeführer ein
Vermeidungsver
halten
an den Tag, indem er nur noch tagsüber Auto fahre, jedoch nie bei Dunkelheit (S. 1 f.). Es sei mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass ein Grossteil der Beschwerden als Folge des erlebten Unfallereignisses ent
standen sei. Dies betreffe vor allem die Schmerzen, die Konzentrations- und Schlafstörungen. In der angestammten Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig. Zum jetzigen Zeitpunkt sei in einer leidensangepassten Tätigkeit ein stundenweiser Einstieg mit Steigerung der Arbeitsfähigkeit bis maximal 50 % vorstellbar (S. 2).
3.3
Die Ärzte der
B._
berichteten am
1.
Juli 2014 (
Urk.
11/102) über den stationären Aufenthalt des Beschwerdeführers vom
2.
bis 2
2.
Mai 2014 und nannten folgende Diagnosen:
akute Belastungsreaktion (ICD-10 F43.0)
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
komplexes Schmerzsyndrom nach Verkehrsunfall am 2
0.
November 2011 mit multiplen Verletzungen:
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto
ren (ICD-10 F45.41)
myofasziales
Schmerzsyndrom
Spannungskopfschmerz
t
raumatische
Arthropathie
des Ellenbogen
s
mit
Bewegungsein
schränkung
neuropathischer Schmerz mit Verdacht auf „
Complex
Regional
Pain
Syndrome“ (CRPS)
Kniegelenksschmerz:
retropatellararthrose
mit zusätzlich neuro
pathischem Schmerz
Füsse beidseitig Verdacht auf CRPS-artige Schmerzen
Verdacht auf Schlaf-Apnoe-Syndrom
Sie führten aus, dass der Beschwerdeführer freiwillig zu seinem
1.
p
sychiatri
schen Aufenthalt insgesamt in die Klinik
B._
zur Krisenintervention bei mittelgradiger depressiver Episode gekommen sei
(S. 1)
. Der Eintritt sei auf
grund zunehmender biophysischer Überlastung und Reizbarkeit im Alltag erfolgt, welche ihn und seine Familie belastet hätten
. Auf der Station sei er anfänglich sehr zurückgezogen und sehr leidend gewesen. In den Gesprächen sei seine Kränkung thematisiert worden, dass der Unfallverursacher die
Kontrolle über das Auto verloren habe und ihm so viele Probleme bereitet habe, er sich jedoch nie bei ihm gemeldet oder entschuldigt habe
.
Unter der
multimo
dalen
Therapie auf der Station und der medikamentösen und Gesprächstherapie habe sich der Zustand zunehmend gebessert und die Behinderungen seien nicht mehr so ausgeprägt (S. 3).
3.
4
Dr.
A._
, Oberärztin
D._
, berichtete
erneut
am 8. Oktober 2
014 (Urk. 11/98) und nannte fol
gende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1
Ziff.
1.1):
posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1), klinisch manifest seit Unfallereignis
anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), seit
Unfall
ereignis
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.2), seit Unfallereignis
Status nach PKW-Unfall mit Frontalkollision am 2
0.
November 2011;
Politrauma
; Status nach diversen operativen Eingriffen
Sie führte aus,
dass der Beschwerdeführer seit Februar 2013 bis auf weiteres bei ihr in ambulanter Behandlung sei (S. 2
Ziff.
1.2).
Der Beschwerdeführer sei wach, bewusstseinsklar und allseits orientiert. Die Aufmerksamkeit und Kon
zentration seien deutlich reduziert. Die Auffassung und Gedächtnisfunktion seien soweit unauffällig (S. 3
Ziff.
1.4). Aktuell sei von einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit in der angestammten Tätigkeit sowie im ersten Arbeitsmarkt auszu
gehen. Pri
n
zipiell sei der Beschwerdeführer
weiterhin motiviert, einer Arbeit/Be
schäftigung mit Teilzeitpensum oder einer Arbeit im geschützten Rahmen
im Umfang von
50
%
nachzugehen, was vom medizinischen Standpunkt aus auch nicht vollumfänglich auszuschliessen sei. Es bleibe jedoch derzeit weiterhin der Verlauf abzuwarten (S. 3
Ziff.
1.
4
).
Es werde eine regelmässige,
supp
ortive
,
ressourcen-orientierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung inklusive antidepressiver und sc
hmerzmodulierender medikamentöser Therapi
e
empfohlen.
Im Falle der Planung eines Wiedereingliederungsversuchs in den Arbeitsprozess wäre eine vorangehende tagesklinische Behandlung zur Objekti
vierung/Quantifizierung der Einschränkungen sowie idealerweise eine
arbeits
therapeutische
Abklärung und spezifische Förderung sinnvoll
(S. 3
Ziff.
1.5)
.
Aufgrund der aktuellen Beschwerdesymptomatik
sei weiterhin von einer deutlichen Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit auszu
gehen. Limitierende Faktoren für die Leistungsfähigkeit seien die verminderte Konzentrationsfähigkeit, die verminderte Ausdauer, die verminderte psychische und physische Belastbarkeit, die erhöhte Ermüdbarkeit, die erhöhte
Stress
empfindlichkeit
, die Reizbarkeit und Nervosität und die bestehenden Schmerzen. Die verminderte physische und psychische Belastbarkeit zeige sich nicht nur in
Stresssituationen, sondern auch bei kontinuierlichen
Arbeitsanforderungen in Form eines hohen Niveaus innerer Spannungen mit verbalen Impulsausbrüchen, Zunahme von unerträglichen Erinnerungen an traumatische Erlebnisse und damit verbundene Schlafstörungen, affektiver Unruhe, zunehmende Ermüdung und den Schme
rzen (S. 4
Ziff.
1.7).
Prinzipiell wäre eine einfache Arbeit im geschützten Rahmen mit wenigen Anforderungen an Flexibilität und Belast
barkeit erforderlich, welche in einem ruhigen Arbeitsklima in eigener Einteilung ausgeführt werden könne. In dieser Form wäre eine Tätigkeit aus psychiatri
scher Sicht vermutlich im Rahmen von zwei Stunden pro Tag an fünf Tagen die Woche weiterhin denkbar und
steigerbar
nach klinischem Verlauf
(S. 5
Ziff.
1.7)
. Im optimalen Fall könne
da
mit eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden (S. 5
Ziff.
1.8).
3.5
Med.
pract
.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin berichtete am
19.
/31.
August 2015 (
Urk.
11/117) über die
psychiatrische
Untersuchung des Beschwerdeführers vom 1
1.
August 201
5.
Er
führte aus, gemäss Angaben des Beschwerdeführers
habe dieser in
J._
viele Bekannte gehabt, sich seit dem Unfall jedoch zurückgezogen und besuche niemanden mehr. Ein- bis zweimal in der Woche kontaktiere er per Facebook seine Verwandten im
E._
(S. 1).
Früher sei ihm Arbeit angeboten worden und er habe jeden Monat 40 bis 50 Überstunden gemacht, um den Kindern ein gutes Leben bieten zu können.
Man sei auch jedes Jahr in
den
Urlaub gefahren. Seit dem Unfall gehe das nicht mehr.
Ein Leben ohne Arbeit sei schlecht. Er sei immerfort müde, habe abends häufig schwere und geschwollene Augen, dazu Kopfschmerzen an der Stirn und am Hinterkopf. Nun sei er vom Sozialamt abhängig und habe schon in der Monatsmitte kein Geld mehr. Er habe auch sein Auto aufgeben müssen. Freundlicherweise stelle ihm ein Nachbar bei Bedarf sein Auto zur Verfügung, zum Beispiel zum Einkaufen.
Er fahre wieder selber Auto, aber nachts fahre er nur in Begleitung, weil er sich doch noch angstvoll an den nächtlichen Unfall erinnere. Ab und zu träume er noch von dem Unfall. Die Therapie in der Klinik
B._
sei gut für ihn gewesen. Damals sei er immer wieder ungeduldig und aggressiv gewesen, habe zu Hause eine Tür und den PC kaputt geschlagen. Das habe sich im
B._
gebessert. Und die monatliche ambulante Therapie bei
Dr.
A._
tue ihm weiterhin gut. Nun sei er nicht mehr so gefährlich und nicht mehr so depressiv
(S. 2 oben)
.
Die Tage seien recht unterschiedlich, je nach
dem wie er geschlafen habe. Im Durchschnitt stehe er um 7.45 Uhr auf und bringe die Kinder zum Kindergarten. Dann gehe er nicht mehr nach Hause, sondern nehme in
J._
ein kleines Frühstück ein und gehe zum Bahnhof.
Er gehe dann mit dem Bus und Zug nach
K._
zum
L._
. Seit Anfang August arbeite er dort nicht mehr nur 2 Stunden, sondern 2.5 Stunden pro Tag in der Montage, von 9 Uhr bis 12 Uhr mit einer halbstündigen Pause.
Um zirka 13 Uhr sei er dann wieder in
J._
, mache zu Hause einen Schlaf, esse anschliessend eine Kleinigkeit. Um 17 oder 18 Uhr gebe es ein gemeinsames Abendessen mit der Familie, anschliessend schaue er TV. Meist schlafe er irgendwann vor dem TV ein und die Frau schalte
diesen dann i
rgendwann aus.
Er könne nicht in der Dunkelheit einschlafe
n
, da ihm so viele Gedanken durch den Kopf gehen würden über seine Lage, über den Unfall und allgemeine Gedanken. Er schwitze stark, so dass seine Frau alle zwei, drei Tage den Bettbezug erneuern müsse. Zirka zweimal pro Woche gehe er mit den Kindern ins Hallenbad
(S. 2 Mitte)
.
In den damaligen Kriegswirren sei das Leben sehr schwer gewesen. Er sei als
M._
im
H._
geboren worden und zirka 1984 habe die Familie in den
E._
fliehen müssen. Von dort seien sie 1987/1988 in ein Lager in der
N._
geflo
hen. 1992 hätten sie i
n den
E._
zurückkehren können, wo die Regierung ein neues Dorf erbaut habe. Mit 15 Jahren sei er in die
M._
Armee eingetreten. Schon 1995 habe man wegen des Krieges aber wieder in ein Camp ziehen müssen. 1996 habe er seine im
H._
verheiratete Schwester besucht und sei dort als illegaler Besucher verhaftet worden. Drei Monate sei er im
H._
im Gefängnis gewesen, dann habe man ihn in den
E._
zurückgeschickt. Im
E._
habe man ihn daraufhin verdächtigt, für den
H._
zu arbeiten und erst mal verhaftet. Er sei 10
Tage in enger Einzelhaft gewesen. In den Folgejahren habe er immer wieder versucht auszureisen. Schliesslich habe er im Oktober 1998 in die Schweiz flüchten können.
In der Schweiz habe er als anerkannter Flüchtling bald eine Arbeit gefunden. In den Jahren 2002 bis 2004 hätte er eigentlich wieder in den
E._
ausreisen sollen, aber er habe sich mit einem Anwalt gegen die Ausreise gewehrt und dann habe er wegen des Kriegs bleiben dürfen. 2005 habe er endlich seine Traumfrau heiraten können, die er schon seit seiner Kindheit im Dorf kenne. Für die notwendigen Papiere habe er
Fr.
50‘000 bezahlt. Sie hätten zwei Söhne, welche 2009 und 2012 geboren seien.
Während der zweiten Schwangerschaft seiner Frau sei es am 2
0.
November 2011 zu jener Frontalkollision nachts auf der Strecke zwischen
O._
und
J._
gekommen. Daraufhin sei ihm die
Arbeitss
telle gekündigt worden.
Vom
2.
bis zum 2
2.
Mai 2014 sei er in der Klinik
B._
hospitalisiert gewesen. Die Therapie habe viel gebracht. Seine Frau sei innerhalb des Hauses für die Familie zuständig, er für das Ausserhäusliche wie die Arbeit. Er gehe auch zu den Elternabenden und bringe die Kinder zum Kindergarten, während eine gute Nachbarin die Kinder wieder abhole. Er sei in
z
wischen noch zweimal zu Besuchen in den
E._
und mehrmals in die
N._
gereist
(S. 2 f.)
.
Der Beschwerdeführer
sei
pünktlich und alleine zur Untersuchung ein
getroffen
, sei freundlich und bereitwillig im Kontakt
gewesen
. Das Gespräch
habe
in nor
maler Lautstärke und mit häufige
m Blickkontakt statt
gefunden
. Es
habe
ein flüssiger und zusammenhängender Gedankengang und kein Anhalt für Sinnes
täuschungen
, Ich-Störungen oder inhaltliche Denkstörungen
bestanden
.
Der Beschwerdeführer sei affektiv schwingungsfähig
gewesen
, anfangs noch etwas zurückhaltend, dann allmählich lockerer und bei Scherzen mitlachend. Es sei keine Ungeduld oder Aggressivität spürbar
gewesen
. Die Mimik und Gestik sei leicht reduziert
gewesen
und es
habe
ein unauffälliger Antrieb
bestanden
.
Der Beschwerdeführer sei über die ganze Untersuchungszeit von 2.5 Stunden auf
merksam und konzentriert
gewesen
. Nach anderthalb Stunden
habe
er mehr
mals
gegähnt
. Es gebe keinen klinischen Anhalt für Gedächtnisstörungen. Er sei glaubhaft nicht suizidal und es bestehe auch kein auffälliges Schwitzen
(S. 4 oben)
.
Der Beschwerdeführer habe keine Probleme in Zug und Bus, keine Agoraphobie beim Einkaufen und keine Ängste im Tunnel. Er fahre mit dem vom Nachbar geliehenen Auto.
Er habe Angst, nachts Auto zu fahren, aber mit einer Beglei
tung kö
nne er nachts auch Auto fahren. Auf psychiatrischem Gebiet bestehe kein Anhalt für eine Aggravation oder Selbstlimitierung. Der Beschwerdeführer berichte ohne Erregung und Betonung über die Kriegs- und Hafterlebnisse. Bei der Schilderung seiner früheren Arbeits- und Leistungsfähigkeit falle eine gewisse Selbstüberschätzung auf. Die ärztliche Anmerkung, dass ein derartiges anhaltendes Überstundenpensum auf Dauer ungesund sei, quittiere der Beschwerdeführer unwillig und abwehrend (S. 4 f.).
Es bestünden keine psychiatrischen Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nach ICD-1
0.
Als psychiatrische Diagnosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nannte er psychosoziale Belastungen (fehlende berufliche und finanzielle Perspektive).
Im Bericht der
D._
vom
8.
November 2013 bleibe nicht nachvollziehbar, wieso die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) als Hauptdiagnose
angeführt werde
. Auch die Diagnose einer
somatoformen
Schmerzstörung sei nicht nachvollziehbar, da als entscheidende Ursache der Schmerzen nicht ein emotionaler Konflikt vorliege, sondern die bekannten Unfallverletzungen. Im Bericht
der
D._
vom
9.
Oktober 2014
würden im ärztlichen Befund mehrere subjektive Angaben des Beschwerdeführers wiedergegeben. Es werde sodann einerseits eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit festgestellt, andererseits werde eine tagesklinische Behand
lung zur Objektivierung der Einschränkungen empfohlen, also scheine man sich in der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit doch nicht sicher zu sein.
Die ange
gebene schwere Konzentrationsstörung und deutlich reduzierte Aufmerksamkeit
hätten weder in der aktuellen RAD-Untersuchung noch im Bericht der Klinik
B._
vom
1.
Juli 2014 bestätigt werden können
(S. 5)
.
Insgesamt könne der Bericht der
D._
weithin nicht nachvollzogen werden.
Die aktuellen Laborbefunde vom 1
1.
August 2015 sprächen für eine seltene Ein
nahme von
Seroquel
und
Saroten
, was wiederum dafür spreche, dass der Beschwerdeführer die abendliche Einnahme
für
„
doch nicht so
“
erforderlich halte. Dies spreche für eine nicht so schlechte Schlafqualität. Aktuell könne keine PTBS (mehr) diagnostiziert werden. Auch wenn nachvollziehbar sei, dass der Beschwerdeführer noch unter nächtlichen Angstträumen wegen des Unfalls leide, so habe sich sein Zustand doch inzwischen wesentlich gebessert, da er wieder selber Auto fahre, sogar nachts – dann aber nur in Begleitung. Ebenso liege keine PTBS wegen der Kriegs-/Hafterlebnisse vor, falls sie überhaupt jemals vorgelegen habe. Gegen eine relevante Kriegs-/Haft-PTBS spreche seine anhaltende und hohe Arbeitsfähigkeit seit der Einreise in die Schweiz. Dagegen sprächen auch seine mehrmaligen Reisen in den
E._
und in die
N._
. Er berichte ohne erkennbare Erregung über die Kriegs-/Haf
t
erlebnisse.
Nach der Besserung der psychosozialen Belastungen könne sich der Gesundheitszustand wesentlich ändern (S. 6).
3.6
Med.
pract
.
P._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, RAD, berichtete am 3
1.
August 2015 (
Urk.
11/118) über die Untersuchung des Beschwerdeführers vom 1
1.
August 201
5.
Sie nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8):
Belastungseinschränkung beider Kniegelenke bei
Status nach
Patellafraktur
beidseits
leichte Bewegungseinschränkung linker Ellenbogen bei
Status nach Fraktur
Schmerzen bei Belastung der Füsse bei
Status nach Fraktur
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie fragliche
Hypästhesien
der linken Hand und des rechten Fusses (S. 8). Sie führte aus, dass
der Beschwerdeführer seit seinem Unfall über multiple Beschwerden des Bewe
gungsapparates klage. Besonders betroffen seien beide Knie, insbesondere die Kniescheiben. Der Beschwerdeführer könne nicht mehr schmerzfrei gehen, sitzen oder liegen. Zusätzlich klage er über Schmerzen der rechten Hüf
t
e bei Belastung sowie über Rückenschmerzen durch die Fehlbelastung. Seit dem Unfall leide er auch unter Schmerzen in beiden Fersen und Sprunggelenken, die Füsse seien nicht mehr wie gewohnt belastbar. Weiter leide er unter starken Schmerzen im linken Ellenbogen (S. 1).
Der Beschwerdeführer gebe an, jeden
Morgen zwischen 7 und 7.30 Uhr aufzustehen. Als erstes bringe er seinen Sohn zum Kindergarten. Mittags hole die Nachbarin die Kinder ab. Um 8 Uhr mache er sich auf den Weg zur Arbeit, dort komme er gegen 9 Uhr an. Er arbeite dann bis zirka 13 Uhr und mache sich dann auf den Heimweg. Nachmittags gehe er zweimal in der Woche ins Hallenbad mit den Kindern. Zu Hause habe er meist keine Geduld mehr, sich mit den Kindern zu beschäftigen. Zwischen 18 und 19
Uhr esse die Familie zu Abend. Der Abend vergehe mit fernsehschauen
(S. 3)
.
Er habe immer körperlich gearbeitet, eine andere Arbeit könne er sich auch nicht vorstellen. Subjektiv
käm
en ihm
Tätigkeiten ohne viel Bewegung lang
weilig vor. So etwas könne er nicht. Ressourcen sehe der Beschwerdeführer keine mehr (S. 3 f.).
Bei Druck auf die Dornfortsätze C2-4 klage der Beschwerdeführer über Schmer
zen in der Stirn, ebenso bei Beklopfen der Schädelkalotte. Beim Betasten der Halswirbelsäule (HWS) klage der Beschwerdeführer über Schwindel. Die Rota
tion der HWS nach rechts sei durch
massives Gegenspannen
eingeschränkt. Im spontanen Verhalten sei keine Bewegungseinschränkung der HWS zu beobach
ten.
Die Bewegungsprüfung der Brustwirbelsäule (BWS) und der
Lendenwirbel
säule
(LWS) sei nicht konklusiv möglich. Während der Beschwerdeführer beim An- und Auskleiden und beim Erläutern seiner Beschwerden mühelos die Knöchelregion auch bei gestreckten Beinen mit den Händen erreiche, sei bei der Bewegungsprüfung der Wirbelsäule im Stand ein Finger-Bodenabstand von rund 70 cm zu ermitteln (S. 4).
Der Beschwerdeführer habe aktuelle Berichte aus der Klinik
Q._
vorgelegt. Diesen sei im Wesentlichen der auch im Rahmen der Untersuchung festgestellte Befund beider Kniegelenke zu entnehmen. Im Rahmen der dortigen Untersuchung seien Röntgenaufnahmen angefertigt worden, die beiderseits gut erhaltene Gelenkspalten und eine zentrierte Patella ergeben h
ätt
en. Als MRI
Befund halte
Dr.
R._
fest, dass die nach wie vor bestehenden erheblichen Knieschmerzen klinisch sowie
pathomorphologisch
nicht konsequent nach
empfunden werden könnten. Dem sei aus orthopädischer Sicht nichts hinzuzu
fügen (S. 8). Die früher ausgeübte Tätigkeit sei eine rein stehende und gehende Tätigkeit mit Heben und Tragen von Lasten um 25 kg gewesen. Anhand der vorliegenden medizinischen Berichterstattung und der körperlichen Untersu
chung sei ein somatischer Gesundheitsschaden ausgewiesen, der
die Arbeitsfä
higkeit beeinträchtige
.
In seiner bisherigen Tätigkeit als Produktionsmitarbeiter bestehe seit November 2011 keine Arbeitsfähigkeit mehr. In einer angepassten Tätigkeit mit körperlich leichter wechselbelastender Tätigkeit, ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 15 kg, ohne Arbeiten auf Leitern und
Gerüsten, ohne häufiges Treppensteigen, ohne häufige knie- und
sprungge
lenksbelastende
Arbeiten, sowie ohne Heben und Tragen einseitig links unter ungünstigen Hebeln sei seit Februar 2013 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gege
ben
(S. 9)
.
4.
4.1
Gestützt auf die Akten ist – wie bereits mit Urteil vom
5.
Mai 2014 im Ver
fahren IV.2013.00535 festgestellt
- davon auszugehen, dass dem Be
schwerde
führer seine angestammte Tätigkeit als
Produktionsmitarbeiter aus soma
tischer Sicht nicht mehr zumutbar ist (
vgl. vorstehend E. 3.6). Hinge
gen ging
auch med.
pract
.
P._
davon aus, dass dem Be
schwerdeführer aus somatischer Sicht eine leichte
, wechselbelastende
angepas
ste Tätigkeit ge
mäss beschriebenem Zumutbarkeitsprofil zu 1
00 % zumutbar sei. Unter Berücksichti
gung der Aus
führungen im Verfahren
I
V.2013.00
535
(
Urk.
11/86 S. 10 E. 4.1)
,
auf die ver
wiesen werden kann, ist
aus somatischer Sicht
auf die Einschätzung von
med.
pract
.
P._
abzustellen und von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in
leidens
angepasster
Tätigkeit auszugehen. Weitere Abklärungen in somatischer Hinsicht sind
weiterhin
nicht nötig (antizipierte Beweiswürdigung).
4.2
In Bezug auf den
Gesundheitszustand
und
die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers aus psychiatrischer Sicht
hat die Beschwerdegegnerin nunmehr eine RAD-Untersuchung veranlasst, über welche am 19.
/3
1.
August 2015 berichtet wurde (
Urk.
11/117; vgl. vorstehend E. 3.5).
Die Beschwerdegegnerin stellte zur Beurteilung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwer
deführers insbesondere auf diesen RAD-Untersuchungsbericht ab, wonach beim Beschwerdeführer aus psychiatrischer Sicht keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit habe festgestellt werden können.
Der RAD-Untersuchungsbericht erweist sich als umfassend, beantwortet die
Frage nach der verbleibenden Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht, beruht auf den notwendigen Untersuchungen und berücksichtigt die Beschwerden des Beschwerdeführers.
D
ie medizinischen Zusam
menhänge sowie die medizinische Situation werden eingehend erörtert und die Schlussfolgerungen sind begrün
det.
Er
erfüll
t
demnach die praxisgemässen Kriterie
n (vor
stehend E. 1.5
) und weist
keine Mängel auf. Dieser Einwand vermag somit nicht zu überzeugen, u
nd es kann grundsätzlich auf den
dargeleg
ten
RAD-
Bericht abgestellt werden.
4.3
D
ie psychiatrischen Be
richte der Ärzte der
B._
erscheinen in Bezug auf die Darlegung der medizinischen Zusammenhänge sowie der vorgenommenen
Schlussfolgerungen zu Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
hingegen
nicht ohne weiteres als nachvollziehbar.
Die Beurteilung durch
Dr.
C._
(vgl. vorstehend E. 3.
1
)
stimmt zwar insofern mit der Diagnosestellung durch
Dr.
A._
(vgl. vorstehend E. 3.2 und E.
3.4)
überein, als er einen Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung sowie eine Anpassungsstörung mit grundsätzlich guter Prognose nannte und als Befunde lediglich eine leicht depressive Grundstimmung erhob. Soweit der Ver
dacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung jedoch mit allfälligen Miss
handlungen im
E._
begründet wird, vermag dies nicht zu überzeugen. So erscheint es widersprüchlich,
dass
sich der Beschwerdeführer zu Ferienzwecken in das Land begibt, in welchem ihm Misshandlungen widerfahren sein sollen.
Weiter ist den Ausführungen des RAD-Arztes auch zur Diagnose
stellung der posttrau
matischen Belastungsstörung in Bezug auf den nächtlichen Unfall im Jahre 2011 beizupflichten. So seien
zwar
durchaus noch vorhandene Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung anerkannt.
Auch wenn in der Ver
gangenheit möglicherweise eine solche Diagnose vorgelegen habe, so hätten sich die Symptome mittlerweile klar gebessert.
Die noch verb
leibenden Symp
tome würden jedenfalls
nicht für die wissenschaftlich a
n
erkannte Diagnose
einer posttraumatischen Belastungsstörung
ausreichen
. Diese soll nach den Leitli
nien der ICD nur dann erfolgen, wenn sie nach einem traumatischen Ereignis von aussergewöhnlicher Schwere auftritt.
Rechtsprechungsgemäss wird daher eine posttraumatische Belastungsstörung nur dann als invalidisierend anerkannt, wen
n
sie nach einem Ereignis mit extremem Belastungsfaktor auf
tritt (Urteil des Bundesgerichts 8C_248/2007 vom 4. August 200
8, E. 5.6.1). Auf eine posttrau
matische Belastungsstörung ist gemäss ICD
weiter nur zu erkennen, wenn die Störung innerhalb von sechs Monaten nach einem trauma
tischen Ereignis
auf
getreten ist (Urteil des Bundesgerichts I
715/05 vom 27. Januar 2006, E. 6.2).
Zwar kann auch bei einem grösseren zeitlic
hen Abstand zwischen dem trauma
tisierenden Ereignis und dem Auftreten der Beschwerden eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert werden, wenn die klinischen Merkmale typisch sind und keine andere Diagnose (wie Angst-
oder Zwangsstörung oder depres
sive Episode) gestellt werden kann (Urteil des Bundesgerichts I 715/05 vom 27. Januar 2006 E. 6.2). Solche Fälle kommen allerdings selten vor (Urteil des Bundesgerichts I 750/06 vom 22. August 2007 E. 3.2.1).
Eine diagnostizierte posttraumatische
Belastungsstö
rung
gilt zudem nicht per se als invalidisierend, sondern es muss dargelegt wer
den
, inwiefern sie nicht durch zumutbar
e Willens
anstrengung überwunden wer
den kann (Urteil des Bundesgerichts I 203/06 vom 28. Dezember 2006, E. 4.5).
Weiter gehen die ambulanten psychiatrischen Behandler von einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren aus (vgl. vorste
hend E. 3.1 – E. 3.4). Auch
diese Diagnose erscheint gestützt auf die
Aus
führungen des RAD-Arztes
als nicht nachvollziehbar. Zwar seien die noch vor
handenen Schmerzen des Beschwerdeführers körperlich nicht vollständig erklärbar, jedoch seien keine Belege dafür vorhanden, dass als entscheidende Ursache der Schmerzen
ein emotionaler Konflikt durch die erlittenen Traumata vorliege. Vielmehr seien einerseits die bekannten Unfallverletzungen und andererseits die
finanziellen Probleme und die fehlende berufliche Perspektive
vorhanden
. Bei diesen Belastungen handelt es sich
jedoch
um psychosoziale Belastungsfaktoren, welche von
der Invalidenversicherung
nicht berücksichtigt werden können.
4.4
Weiter erscheint auch die von den
behandelnden Psychiater
n gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode (vgl. vorstehend E. 3.3 und E. 3.4)
aufgrund der konkreten Umstände
als nicht nachvollziehbar
. So
kann
anhand der erhobenen Befunde sowie des Umstandes, dass der Beschwerdeführer die verordneten
Medikamente nur selten
einn
i
m
mt
und eine
psychiatrische Behandlung
lediglich einmal pro Monat
stattfindet
, eher auf einen geringen Leidensdruck geschlossen werden
.
Weiter
erscheint es nicht nachvollziehbar, wenn der Beschwerdeführer Mühe beim Einschlafen angibt und die aktuellen Laborbefunde gleichzeitig für eine seltene abendliche Einnahme von
Sequ
ase
und
Saroten
sprechen.
RAD-Arzt med.
pract
.
I._
schliesst daraus auf eine nicht so schlechte Schlafqualität.
Der
Beschwerdeführer
ist ausserdem trotz der unregelmässigen Einnahme der Medikamente in der Lage, am Morgen aufzu
stehen und seinem geschilderten, regelmäss
igen Tagesablauf nachzugehen.
So bringt er am Morgen vor der Arbeit seinen Sohn in den Kindergarten und nimmt danach sein Frühstück im Dorf ein
,
bevor er auf den Bus beziehungs
weise Zug geht.
Indem
der Beschwerdeführer
zudem zweimal in der Woche mit seinen Kindern das Hallenbad aufsucht,
und demnach in der Lage ist, auch in Situationen, die eine erhöhte Aufmerksamkeit erfordern, zu seinen Kindern zu schauen, verfügt er über Ressourcen.
Die
Bericht
e
von
Dr.
A._
sind nach dem Gesagten
sowohl betreffend Diagno
sen wie auch betreffend die Schlussfolgerung in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
nicht überzeugend. So enthalten sie
keine
ausführlichen
Angaben zur Behandlungsdauer und -frequenz, zu
den
verschriebenen Psychopharmaka
und deren Einnahme
oder
zur Compliance des
Beschwerdeführers
, was im Hinblick auf die Begründung der attestierten Arbeitsunfähigkeit
als geboten erschiene
.
4.5
Nach dem Gesagten
liegt keine
ungenügende Sachverhaltsabklärung seitens der Beschwerdegegnerin
vor und es bestehen keine Zweifel an den Schlussfolgerun
gen der RAD-Ärzte
. Es ist richtig, dass die Beschwerdegegnerin den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären hat, jedoch gilt diese Pflicht nicht unbegrenzt. Die Beschwerdegegnerin hat pf
lichtgemäss ihre Abklärungen ge
tätigt, indem sie weitere Berichte über die Arbeitsfähigkeit
sowohl
in psychischer
wie auch in physischer
Hin
sicht
einholte und eine Untersuchung beim RAD anordnete
. Diese Abklärungen führten insgesamt zum
überzeugenden
Schluss, dass aus
versi
cherungsmedizinischer
Sicht
keine
Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
vorliegen
.
Somit besteht kein weiter
er Abklärungsbedarf, ein inva
lidi
sierender Gesundheitsschaden konnte nic
ht
rechtsgenüglich
erstellt wer
den
.
Der Beschwerdeführer ver
mochte sodann nicht weiter darzutun, inwiefern die Akt
enlage unzutreffend beziehungs
weise unvollständig sein soll.
Da der Sach
verhalt nach dem Gesagten durch genüg
ende medizinische Einschät
zungen von verschiedenen Ärzten abgeklä
rt wurde, erweisen sich die vor
liegenden medizi
nischen Akten als ausrei
chend.
Die Einwände des Beschwerdeführers in Bezug auf die medizinischen Abklärun
gen sind nach dem Gesagten
unbehelflich
. Weitere substantiierte Einwände brachte er nicht vor.
Zusammenfassend wurden somit keine Erkenntnisse vorgebracht, welche die Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit durch die
RAD
-
Ärzte
umzustossen ver
möchten. Auf weitere Abklärungen kann deshalb verzichtet werden (antizipierte
Beweis
würdigung
; BGE 122 V 157).
D
ie angefochtene Verfügung
erweist sich
als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
5
.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung
von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzu
erlegen,
infolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4
GSVGer
.
5.
2
Die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertretung wird
gestützt
auf § 8 in Verbindung mit § 7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschä
digungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) nach dem Zeitauf
wand und den Barauslagen bemessen. Der unentgeltliche Rechtsvertreter reicht dem Gericht hierzu vor dem Endentscheid eine detaillierte Zusammenstellung über
seinen
Zeitaufwand und
seine
Barauslagen ein. Im Unterlassungsfall setzt das Gericht die Entschädigung nach Ermessen fest.
Nachdem der zum unentgeltlichen Rechtsvertreter bestellte Rechtsanwalt
Rainer
Deecke
trotz des Hinweises durch das Gericht
(
vgl. Urk. 12
)
keine Kostennote eingereicht hat, ist die Entschädigung nach Ermessen auf Fr. 1‘
7
50.-- festzu
setzen.