# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8e233f4b-98e6-570e-8bdf-d1cd1bdcbb55
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1969
, meldete sich a
m 4.
Dezember
2003 (vgl.
Urk.
12/13/7) wegen Muskelschwund, chronische
r
Kopfschmerzen, Teiltaubheit und psychische
r
Probleme bei der Invalidenversicherung an (Urk. 12/4). Die Sozia
l
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, verneinte mit Mitteilung vom 13. Januar 2004 einen Anspruch auf berufliche Massnahmen, da die versiche
rungs
mässigen Voraussetzungen nicht erfüllt seien (vgl. Urk. 12/7 in Verbindung mit Urk. 12/13/6).
Am 22. März 2007 meldete sich
X._
wegen Fussbeschwerden erneut bei der Invalidenversicherung an (Urk. 12/15). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
und veranlasste eine psychiatrische Begutachtung der Versicherten durch Dr. med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, der sein Gutachten am 25. Januar 2008 erstattete (Urk. 12/31), sowie
eine polydisziplinäre Begutachtung durch die Ärzte des
I
nstituts
A._
(Gutachten vom 7. Oktober 2008; Urk. 12/38/1-20). Mit Verfügung vom 6. April 2009 (Urk. 12/51) verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch der Versicherten.
Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Am 4. April 2018 (Urk. 12/78) machte die Versicherte eine Verschlechterung gel
tend und meldete sich am 26. September 2018 erneut bei der Invalidenver
siche
rung an (Urk. 12/81; Urk. 12/93). Die IV-Stelle trat auf das neue Gesuch ein (Urk. 12/97) und holte medizinische Berichte ein (Urk. 12/103). Die Versicherte bean
tragte am 14. März 2019 die Wiedererwägung der Verfügung vom 6. April 2009 (Urk. 12/104)
und reichte einen Arztbericht
ein (Urk. 12/109)
.
Am 31. Mai 2019 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es seien keine Eingliederungs
mass
nahmen möglich (Urk.
12/111). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk.
12/117-118; Urk. 12/136; Urk. 12/139; Urk. 12/142), in dessen Rahmen weitere Arztberichte ergingen (Urk. 12/138; Urk. 12/141; Urk. 12/145), verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 15. Mai 2020 einen Rentenanspruch der Versi
cherten und trat gleichzeitig auf das Wiedererwägungsgesuch vom 14. März 2019 nicht ein (Urk. 12/150 = Urk. 2).
Sinngemäss stellte die Versicherte am 20.
Mai
2020 ein Gesuch um Wiedererwägung der Verfügung vom 15.
Mai
2020 (Urk.
12/151
). Am 26. Mai 2020 teilte die IV-Stelle ihr mit, dass sie darauf nicht eintreten werde (Urk. 12/156).
2.
Am 6. Juni 2020 erhob die Versicherte Beschwerde g
egen die Verfügung vom 15.
Mai
2020 (Urk. 2) mit
den materiellen Anträgen
auf deren Aufhebung und Zusprache einer ganzen Rente, eventuell Rückweisung der Sache zur Neubeurtei
lung (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 31. August 2020 (Urk. 11) bean
tragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 22. Oktober 2020 unter gleichzeitiger Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung (vgl. Urk. 1 S. 2) zur Kenntnis gebracht (Urk. 13).
Am 24. Dezember 2020 (Urk. 15) reichte die Beschwerde
füh
rerin einen weiteren Arztbericht (Urk. 16)
sowie eine Stellungnahme (Urk. 17) zu den Akten.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Versicherte mit vollendetem 20. Altersjahr, die vor der Beeinträchtigung ihrer körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit nicht erwerbstätig waren und denen eine Erwerbstätigkeit nicht zugemutet werden kann, gelten nach Art. 5
Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) in Verbindung mit
Art. 8 Abs. 3 ATSG als invalid, wenn eine Unmöglichkeit vorliegt, sich im bishe
rigen Aufgabenbereich zu betätigen. Art. 7 Abs. 2 ATSG ist sinngemäss anwend
bar. Demnach sind für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist.
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
1.4.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblichen Weise geändert hat.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen
Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und her
nach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungs
pflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.4.2
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
be
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
ga
benbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4.3
Gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung
ist von Amtes wegen zu prüfen
, ob seit der ersten Rentenverfügung zwischenzeitlich eine erneute materielle Prüfung des Rentenanspruchs stattgefunden hat. War dies nicht der Fall, so ist auf die Entwicklung der Verhältnisse seit der ersten Ablehnungsverfügung abzustellen; wie im Revisionsverfahren bleiben allfällige, vorangehende
Nichteintretensver
fü
gungen
aufgrund des fehlenden Abklärungs- und bloss summarischen Begrün
dungs
aufwandes der Verwaltung unbeachtlich. Erfolgte dagegen nach einer ersten
Leistungsverweigerung eine erneute materielle Prüfung des geltend gemachten Rentenanspruchs und wurde dieser nach rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensvergleichs (bei Anhalts
punkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheits
zustands) abermals rechtskräftig verneint, muss sich die leistungsansprechende Person dieses Ergebnis – vorbehältlich der Rechtsprechung zur Wiedererwägung oder prozessualen Revision (vgl. BGE 127 V 466 E. 2c mit Hinweisen) – bei einer
weiteren Neuanmeldung entgege
nhalten lassen (BGE 130 V 71 E.
3.2.3
; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.3 f.
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (Urk. 2) wie folgt: Die aktuellen Beeinträchtigungen hätten sich gegenüber denjenigen, wie sie im polydisziplinären Gutachten von 2008 beschrieben worden seien, nicht wesentlich verändert. Der Beschwerdeführerin sei nach wie vor eine angepasste Tätigkeit zu 80 % zumutbar (S. 1). Es bestehe weiterhin ein Invaliditätsgrad von 20 %. Die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung der Verfügung vom 6. April 2009 seien nicht erfüllt. Die Muskelerkrankung sei bereits 2008 berücksichtig
t
worden. Ein klares Fortschreiten zeige sich anhand der Kraftwerte nicht.
Es sei auf
grund der medizinischen Unterlagen nicht von einer wesentlichen Verschlech
terung auszugehen (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber
zusammengefasst
geltend (Urk.
1),
sie habe massive Gewalt durch ihren früheren Ehemann erfahren und leide seit 1997 an einer progredienten distalen
Myopathie
(S. 4). Ihr schlechter Gesund
heits
zustand sei von der Beschwerdegegnerin in keiner Weise berücksichtigt worden (S. 5). Die neueren ärztlichen Berichte seien komplett ignoriert worden (S. 6). Aus näher dargelegten Gründen sei auf die Beurteilung durch Dr.
Z._
, nicht jedoch auf das polydisziplinäre Gutachten abzustellen (S. 7 f.). Die Ver
fügung vom 6. April 2009 sei offensichtlich unhaltbar (S. 11 oben). Die Beschwer
degegnerin habe eine Verschlechterung seit 2009 attestiert, ansonsten sie ein erneutes Verfahren gar nicht aufgenommen hätte (S. 12 unten).
Die Untersu
chungsmaxime sei verletzt worden (S. 13). Ihr Gesundheitszustand habe sich verschlechtert (S. 14).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob im Vergleich zur Situation, wie sie sich bei Erlass der Verfügung vom 6. April 2009 präsentierte, eine anspruchsrelevante Verände
rung eingetreten ist (vgl. vorstehend E. 1.4).
Soweit die Beschwerdeführerin sinngemäss im vorliegenden Verfahren die Ver
pflichtung der Beschwerdegegnerin beantragt, die Verfügung vom 6. April 2009 in Wiedererwägung zu ziehen, so ist auf diesen Antrag nicht einzutreten:
Gemäss Art. 53 Abs. 2 ATSG
«kann»
der Versicherungsträger wiedererwägen, muss aber nicht. Ob er eine Verfügung in Wiedererwägung zieht, liegt in seinem Ermessen. Er kann hierzu weder von der betroffenen Person noch vom Gericht verhalten werden. Es besteht mithin kein gerichtlich durchsetzbarer Anspruch auf Wieder
erwägung. Auf eine Beschwerde gegen ein Nichteintreten auf ein Wiedererwä
gungsgesuch oder allenfalls gegen einen das Nichteintreten bestätigenden Ein
spracheentscheid (vgl. aber BGE 133 V 50 E. 4.2.2) kann das Gericht nicht ein
treten (BGE 133 V 50 E. 4.2.1, 119 V 475 E. 1b/cc mit Hinweisen; Urteil des
Bundesgerichts 8C_210/2017 vom 22. August 2017 E. 8.2 mit weiteren Hinwei
sen).
3.
3.1
Die Verfügung vom 6. April 2009 (Urk. 12/51) erging im Wesentlichen gestützt auf die folgenden medizinischen Berichte.
3.2
Dr.
Z._
stellte in seinem am 25. Januar 2008 unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung von zwei eigenen Untersuchungen erstatteten Gutachten (Urk. 12/31) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 17):
-
unreife Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8) mit
histrionischen
und ver
mutlich auch schizoiden Zügen
-
progressiver Muskelschwund in beiden Unterschenkeln
Eine eigentliche arbeitsfähigkeitsrelevante psychiatrische Erkrankung liege nicht
vor. Hingegen scheine es der Versicherten aus Persönlichkeitsgründen (früher verwöhnt, Fantasiewelt mit Ausblendung der eigenen somatischen Erkrankung) momen
tan nicht möglich zu sein, mir ihrer jetzigen wirklich schwierigen Situa
tion als Asylantin, alleinerziehende Mutter, ohne Partner, mit bedrohlicher kör
perlicher Erkrankung und Entwurzelung adäquat umzugehen. Es sei deshalb sehr unwahrscheinlich, dass sie zum jetzigen Zeitpunkt ihren angestammten Beruf als Chemielaborantin oder eine Alternativtätigkeit ausüben könne
.
Deshalb
sei von voller Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Es erstaune, dass trotz Geltendmachung einer wahnhaften und einer depressiven Störung seit mehreren Jahren keinerlei entsprechende Medikamente zur Anwendung gelangt seien (S. 16). Mit einem etwas stärker auf die Arbeit fokussierten, pharmakologisch unterstützten Thera
pie
ansatz könne die Arbeitsfähigkeit auf mindestens 50 % verbessert werden, sofern somatischerseits keine Verschlechterung eintrete (S. 18).
3.3
Dieses Gutachten wurde
am 18. Februar 2008
von med. pract.
B._
, Praktische Ärztin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD)
,
als hinsichtlich der be
nannten objektivierbaren psychopathologischen Befunde und der daraus gezoge
nen Schlussfolgerungen in Bezug auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit als nicht plausibel eingeschätzt, weshalb ein Obergutachten bei einer Medizinischen Abklärungsstelle einzuholen sei (Urk. 12/43/5 unten f.).
3.4
Die Ärzte des
A._
stellten in ihrem am 7. Oktober 2008
erstatteten Gutachten (Urk.
12/38)
unter Berücksichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer internistischen, psychiatrischen und neurologischen Unter
su
chung folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
17):
-
langsam progrediente distale
Myopathie
unklarer Ätiologie
-
vorwiegend
tendomyogen
bedingtes, rechtsbetontes
Zervikalsyndrom
-
chronische Lumbago
-
atypische
migräniforme
Kopfschmerzen
Die folgenden Diagnosen hätten keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 17):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unreifen und
histrionischen
An
teilen (ICD-10 F61.0)
-
Schmerzverarbeitungsstörung (ICD-10 F54)
-
Status nach ängstlich-depressiver Störung (ICD-10 F41.2)
-
anamnestisch Schwerhörigkeit beidseits unklarer Ätiologie
Aus neurologischer Sicht stehe die langsam progrediente, distale
Myopathie
mit Gangstörung und deutlichen Paresen der Unterschenkel-
und Fussmuskulatur im
Vordergrund. Schwere und mittelschwere körperliche Arbeiten könnten der Explo
randin nicht mehr zugemutet werden. Aufgrund der Gangstörung seien auch Tätigkeiten, die ein permanentes Gehen erforderten, nicht zumutbar. Einfache körperliche Tätigkeiten sowie administrative Arbeiten in abwechslungsreicher, vorwiegend sitzender Position seien jedoch ganztags zumutbar. Aufgrund der bestehenden Nacken- und lumbalen Rückenschmerzen sowie der immer wieder auftretenden
migräniformen
Kopfschmerzattacken besteh
e
ein vermehrter Pau
senbedarf. In einer entsprechend adaptierten Tätigkeit bestehe aus neurologischer Sicht eine Arbeitsfähigkeit von 80 %. Aus rein psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit der Explorandin nicht eingeschränkt. Die
kombinierte Persön
lich
keitsstörung sei einer Psychotherapie zugänglich und begründe keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit. Die Schmerzvera
rbeitungsstörung habe keinen Krankheitswert und schränke die Arbeitsfähigkeit nicht ein. Insgesamt könne somit aus polydisziplinärer Sicht eine 80%ige Arbeits- und Leistungsfähigkeit in
körperlich leichten, adaptierten Tätigkeiten, ganztägig umsetzbar, festgestellt
werden.
Körperlich mittelschwer oder schwer belastende Tätigkeiten seien der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar. Diese Einschätzung gelte mit Sicher
heit ab September 2008 (Urk. 18 unten f.).
Es bestehe eine deutliche Diskrepanz zwischen der gutachterlichen Beurteilung und der Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin, welche sich in einer adap
tierten Tätigkeit lediglich ein Tagespensum von etwa 2 Stunden vorstellen könne. Ursächlich seien wahrscheinlich sowohl die psychiatrischen Diagnosen, welche häufig mit einer Selbstlimitierung einhergingen, aber keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten, als auch IV-fremde Gründe wie die schwierige Situation als alleinerziehende Mutter in einem fremden Land (S. 19 oben).
3.5
Gestützt auf dieses Gutachten (vgl. Urk. 12/43/7) ging die Beschwerdegegnerin von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % und einem IV-Grad von 20 % aus (Urk. 12/51).
4.
4.1
Im Rahmen des Revisionsgesuches vom 26. September 2018 (Urk. 12/81) ergingen die folgenden Arztberichte:
Vom 3. bis 19. Oktober 2015 hielt sich die Beschwerdeführerin stationär im
Reha
z
entrum
C._
auf. Mit Austrittsbericht vom
28
.
Oktober
2015 (Urk. 12/
103/13
) wurden folgende Diagnosen gestellt:
-
Burn-out mit Konzentrationsstörungen und Müdigkeit
-
depressive Entwicklung mit Panikattacken
-
posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS)
mit Störung der Persönlich
keit
mit extremer Anspruchshaltung und schwieriger Mutter-Sohn-Bezie
hung
-
progrediente distale
Myopathie
-
Status nach Transfer M. Flexor
Hallucis
long
u
s
auf Os
cuneiforme
1 links am 31. Januar 2011 bei
Peroneusparese
links
-
Verdacht auf periphere Polyneuropathie
-
sensorineurale
Schwerhörigkeit beidseits
-
unklare
Bauchschmerzen
-
Schwindel
unklarer Ätiologie
-
Verdacht auf atypische Migräne
-
Status nach Hyperthyreose
-
Panvertebralsyndrom und
myofasziale
Beschwerden im Bereich der Beine bei muskulärer Insuffizienz bei Diagnose 1
-
leichte
Erythrozyturie
Die Beschwerdeführerin arbeite aktuell für 4, manchmal 6-8 Stunden pro Woche als Putzfrau
(S. 2 Mitte)
. Empfohlen werde regelmässige Bewegung. Ein psycho
therapeutischer Anschluss sei geplant
(S. 4 oben)
.
4.2
Dr. med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, Hausarzt der Beschwerdeführerin, stellte mit Bericht vom 22.
Mai
2017 (Urk.
12/91/8
= Urk.
12/103/11
) folgende Diagnosen:
-
progrediente distale
Myopathie
-
Verdacht auf periphere Polyneuropathie
-
posttraumatische Belastungsstörung mit Störung der Persönlichkeit
-
mit Konzentrationsstörungen und Müdigkeit sowie depressive Entwick
lung mit Panikattacken
-
Innenohrschwerhörigkeit beidseits
Die Beschwerdeführerin sei angesichts der komplexen Situation mit körperlicher muskulärer Krankheit und zusätzlich psychischer Erkrankung zu 100 % arbeits
unfähig. Deshalb sei auch eine rein sitzende Tätigkeit für wenige Stunden nicht realistisch. Die Gesamtsituation würde für eine 100%ige Rente qualifizieren.
4.3
Mit Bericht vom 27. November 2018 (Urk. 12/91 = Urk. 12/103/7-
10
) diagnos
ti
zierte Prof. Dr. med.
E._
, Leitender Arzt der Klinik für Neurologie am Universitätsspital
F._
, eine
Myopathie
bein- und distal betont ungeklärter Zuordnung (S. 1). Die Patientin berichte aktuell von einer deutlichen Zunahme der Beschwerden. Im Rahmen der klinischen Untersuchung zeigten sich im Ver
gleich zu den Vorberichten aus dem Jahr 2011 insgesamt stabile Befunde mit ei
ner bein- und distal betonten
Tetraparese
mit insbesondere Atrophie der Waden
muskulatur sowie einer leichten Atrophie der intrinsischen Handmuskulatur und einem ausgeprägten
Steppergang
. Vorerst sei keine weitere Verlaufskontrolle geplant (S. 4).
4.4
Dipl. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, diagnos
tizierte mit Bericht vom 11. Januar 2019 (Urk. 12
/103
/1-5) unter Hinweis auf den behandelnden Therapeuten eine posttraumatische Belastungsstörung mit Störung der Persönlichkeit und depressiver Entwicklung mit Panikattacken, zudem einen Verdacht auf
eine
Gastritis, eine Innenohrschwerhörigkeit beidseits und eine pro
grediente distale
Myopathie
unklarer Zuordnung (Ziff. 2.5). Er habe keine Arbeits
unfähigkeit attestiert (Ziff. 1.3).
4.5
Eine Röntgenuntersuchung vom 10. April 2019 des rechten Daumens der Be
schwerdeführerin ergab eine
Rhizarthrose
(Urk. 12/141/12).
4.6
Lic. phil.
Y._
, Ps
ychotherapeut,
diagnostizierte
in seiner
als
Gutach
ten
bezeichneten Stellungnahme
vom 16. Mai 2019 (Urk. 12/109) eine kombi
nierte
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F61.0) als Folge einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F
43.1) mit
retraumatisierenden
Geschehnissen sowie eine Anpassungsstörung beziehungsweise Angst und depressive Reaktion ge
mischt (ICD-10 F43.22). Dazu komme eine generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) im Zusammenhang mit der PTBS sowie
eine sonstige akute vorwiegend wahnhafte psychotische Störung (ICD-10 F23.8), ebenfalls begründet durch die PTBS
(S. 1).
4.7
Dr. med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD
, hielt am 9. August 2019 (Urk. 12/130/4-5) fest,
die Beschwerdeführerin leide an einer
langsam progredienten
distalen
Myopathie
. Bei dieser neurologischen Erkrankung handle es sich um eine langsam fortschreitende Muskelerkrankung, die auch zunehmend die funktionelle Leistungsfähigkeit beeinträchtige. Bei
dipl.
med.
G._
fänden einmal alle 1 bis
3
Monate Konsultationen statt.
Aus dem Bericht des
F._
zeigten sich im Vergleich zu 2011 stabile Befunde. Eine Verschlechterung des psychiatrischen Zustandes sei ebenfalls nicht belegt. An dem
Medas
-Gutachten von 2008 bestünden weiterhin keine Zweifel.
4.8
Dr. med.
I._
, Leitender Arzt und Leiter Technische Orthopädie, Univer
sitätsklinik
J._
, stellte mit Bericht vom 9.
Dezember
2019 (Urk. 12/138) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Fussheber- und
Peronealschwäche
, rechts mehr als links, bei progredienter
Myopathie
-
Peroneusparese
links
-
PTBS mit Persönlichkeitsstörung
-
Depression
-
Burnout
Die Beschwerdeführerin berichte, im Vergleich zu den letzten Konsultationen deutlich weniger Schmerzen zu haben. Dagegen sei der progrediente Muskel
schwund immer deutlicher, insbesondere im Bereich der unteren Extremitäten und distal betont
. Die
Beschwerdeführerin
berichte, sich auch immer schwächer zu fühlen.
Der Befund ergab einen progredient erscheinenden Muskelschwund in beiden Unterschenkeln, etwas diskreter, aber auch vorhanden im Bereich der Oberschenkel, der
Glutealregion
und auch der oberen Extremitäten, zudem eine Fallfusssymptomatik beidseits, rechts mehr als links
(S. 2).
4.9
Dipl. med.
G._
führte mit Bericht vom 13. Dezember 2019 (Urk. 12/138/3-4)
unter Wiederholung der Diagnosen aus, es bestehe eine multifaktorielle Proble
matik mit somatischen und psychischen Faktoren. Aus dieser Perspektive
sei eine
Arbeitsintegration eher mehr als fraglich. Eine weitere diagnostische Abklärung werde
zur Zeit
geplant (S. 2).
4.10
PD Dr. med.
K._
, Leitender Arzt Paraplegie, Facharzt für Neurologie, Zentrum für Paraplegie
J._
, stellte mit Bericht vom 10. Januar 2020 (Urk. 12/141
/1-8
) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Myopathie
bein- und
distalbetont
unklarer Zuordnung
-
ätiologisch:
distalbetonte
spinale Muskelatrophie (
SMA
),
Miyoshi
- oder
Miyoshi
-like-
Myopathie
, hereditäre Einschlusskörpermyositis,
Desmino
pathie
-
klinisch:
Steppergang
beidseits, distal und beinbetonte Atrophien mit Paresen, Trendelenburgzeichen beidseits positiv
-
Status nach Transfer M. Flexor
Hallucis
long
u
s
auf Os
cuneiforme
1 links am 31. Januar 2011 bei
Peroneusparese
links
-
PTBS mit Persönlichkeitsstörung
-
Depression
Die Patientin wirke angespannt, teilweise schreckhaft auf Umgebungsgeräusche. Sie berichte, in den letzten Jahren zunehmend Mühe beim Aufstehen aus einem Stuhl zu haben,
sie
müsse dabei mit den Armen nachhelfen. Insbesondere komme sie auch zu Hause beim Baden in der Wanne kaum mehr hoch, könne nicht mehr aus der Hocke oder aus dem Sitzen auf dem Boden aufstehen. Sie berichte über grössere Schmerzen in den Hüften nach Belastung und beschreibe einen Muskel
schwund in der rechten Hand und könne die Arme nicht mehr gut ausgestreckt halten. Sie habe im Gesicht weniger Spannung (S. 1 unten f.). Sie sei aktuell alle 14 Tage für 2-3 Stunden als Putzfrau tätig, mehr schaffe sie nicht (S. 2).
Aktuell sei die Muskelschwäche deutlich beinbetont,
an den Armen auch
distal
betont
mässig ausgeprägt sowie deutlich die Hüftmuskulatur
betreffend. Vergli
chen mit der klinischen Untersuchung von 2011 und 2018 zeige sich
anhand der reinen Kraftwerte keine klare Progredienz, jedoch zu den Akten von 2002 zeige sich eine deutliche Progredienz, insbesondere der distalen Beinmuskulatur.
Vor allem die im Hause vorbestehenden
Myographien
von 2002 und die neurophysio
logischen Untersuchungen des
F._
von 2011 zeigten vorwiegend neurogene Veränderungen die sicherlich gut mit einer spinalen Muskelatrophie vereinbar seien.
Zusammenfassend zeige sich anamnestisch und anhand der vorhandenen Akten eine langsame Progredienz einer distal betonten
Myopathie
mit zuletzt zunehmender Beteiligung der Beckengürtelmuskulatur. Dass diese
aufgrund der Paresen mit daraus folgender Fehlbelastung
alltagsrelevante Probleme und
Schmerzen verursache und damit eine körperliche Arbeitstätigkeit wie Hausreini
gung verunmögliche, sei gut nachvollziehbar. Das Rentengesuch werde deshalb unterstützt. Weiter plane man eine kardiologische Standortbestimmung (S. 3).
4.11
Dr. med.
L._
, Facharzt für
Interventionelle
Schmerztherapie, Universitätsklinik
J._
, diagnostizierte mit Bericht vom 20.
Januar
2020 (Urk.
12/141/9-11) im Wesentlichen
multilokuläre
Schmerzen unklarer Ursache, eine
Myopathie
bein- und
distalbetont
ungeklärter Zuordnung, eine PTBS mit Persönlichkeitsstörung sowie eine Depression (S. 1).
Die Beschwerdeführerin be
richte, sie versuche täglich 8-10'000 Schritte zu gehen (S. 2).
Es handle sich um eine komplexe langdauernde Schmerzgeschichte bei muskulärer Erkrankung, erschwert durch die aktuell unklare IV-Beurteilung. Aktuell sei die Patientin nicht zu einer medikamentösen Behandlung mit einem Co-Analgetikum bereit (S. 2).
Sie solle das tägliche Gehen beibehalten und auch das Yoga, welches ihr Freude bereite. Wichtig sei bei allen Tätigkeiten, die Intensität nach Massgabe der Be
schwer
den zu dosieren.
Es sei kein Kontrolltermin vereinbart worden (S. 3).
4.12
Dr. med.
M._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin sowie für Kardiologie, Spital
N._
, diagnostizierte mit Bericht vom 17. Februar 2020 (Urk. 12/145) eine Belastungsdyspnoe, am ehesten im Rahmen der Diagnose einer
Myopathie
bein- und distal betont ungeklärter Zuordnung (S. 1). Empfohlen werde eine regelmässige körperliche Aktivität zur Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Verbesserung der pulmonalen Reserven, falls dies im Rahmen der Grunderkrankung möglich sei (S. 3).
4.13
Dr.
H._
hielt
am 29. April 2020 (Urk. 12/149/4-6)
zu den
neu einge
gan
genen Berichten fest, es gehe daraus hervor, dass die Beschwerdeführerin unter einer langsam fortschreitenden Muskelerkrankung leide, was bereits 2008 berück
sichtigt worden sei. Aufgrund der Gangstörung und Paresen der Unterschenkel- und Fussmuskulatur seien mittelschwere und schwere körperliche Tätigkeiten sowie solche, die ein permanentes Gehen erforderten, als nicht zumutbar einge
schätzt worden. Ein klares Fortschreiten verglichen zu den klinischen Untersu
chungen vom
F._
in den Jahren 2018 und 2011 zeige sich anhand der Kraftwerte nicht. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin in der Lage, 8-10'000 Schritte täglich zu gehen und sollte dies auch tun, um ihre Belastbarkeit zu steigern. Sie sei auch in der Lage, einer Putztätigkeit nachzugehen, obwohl eine solche bereits 2008 als nicht mehr zumutbar erachtet worden sei. Angepasst seien weiterhin leichte Tätig
keiten in Wechselbelastung, überwiegend in sitzender Position, ohne dauer
haftes Heben, Tragen und Bewegen von Lasten über 5 kg. Die
multilokulären
Schmerzen unklarer Ursache seien unter der Lokaltherapie mit
Flectoparin
-Pflaster
gut unter Kontrolle, dies sei schmerzmedizinisch abgeklärt
und bestätigt worden. Kardiologisch hätten sich keine Einschränkungen gefunden. Die psychiatrischen Diagnosen seien in den vorgelegten fachärztlichen Untersuchungsberichten nicht weiter begründet oder untersucht worden, sondern würden aktenanamnestisch aufgeführt. Aufgrund der neu eingereichten medizinischen Unterlagen sei von keiner wesentlichen Verschlechterung des Gesundheitszustandes auszugehen. Weitere Abklärungen seien nicht nötig (S. 5 f.).
4.14
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des Einspracheentscheides ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Sie können indessen, unter Wahrung des rechtlichen Gehörs, berücksichtigt werden, wenn sie kurze Zeit nach dem Erlass des angefochtenen Entscheids eingetreten sind, sich ihre Beachtung aus
prozessökonomischen Gründen unbedingt aufdrängt und sie hinreichend klar fe
st
stehen (BGE 105 V 156 E. 2d; ZAK 1984 S. 349 E. 1b). Dies ist der Fall, wenn sie
mit dem Streitgegenstand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind
, die Beurteilung im Zeitpunkt des
Entscheiderlasses
zu beeinflussen (BGE 99 V 98 E. 4 mit Hinweisen).
4.15
Diese Voraussetzungen sind für den von der Beschwerdeführerin eingereichten Bericht
von PD Dr.
K._
vom 15. Juni 2020 (Urk. 9) erfüllt, weshalb er im vorliegenden Verfahren Berücksichtigung findet. Darin wurden eine
Myopathie
bein- und
distalbetont
ungeklärter Zuordnung, eine PTBS mit Persönlichkeits
störung und eine Depression diagnostiziert (S. 1)
. Klinisch-neurologisch zeigten sich im kurzfristigen Verlauf keine wesentlich neuen Aspekte. Hinsichtlich der intern vorhandenen Berichte von 2002 zeige sich eine deutliche Abnahme der Kraftgrade. Die extern vom
F._
vorhandenen Berichte von 2011 zeigten im Wesentlichen ähnliche Kraftgrade zur heutigen Untersuchung mit einer deutlich distal betonten schlaffen
Tetraparese
. Die für den Alltag und für die Arbeits
fähigkeit sicherlich wichtigeren Untersuchungen der Kraft und Ausdauer lägen nicht vor. Man plane hierzu ein
Gangassessment
und einen Vergleich anhand eines
Muskelassessments
. Zusammenfassend zeige sich sicherlich eine langsam progrediente
Myopathie
mit jedoch alltagsrelevanten Einschränkungen. Insbe
son
dere sei hierdurch eine Arbeitsunfähigkeit für körperlich anstrengende Berufe wie Reinigungsdienste gegeben. Es müsse mitbeachtet werden, dass die kurzfristig rekrutierte Kraft in einer Untersuchung bei guter Motivation noch vergleichsweise gut sein könne, diese jedoch nicht im Sinne einer Dauerleistung über mehrere
Stunden im Arbeitsalltag geliefert werden könne. Insbesondere berichte die Pati
entin über eine deutlich verlängerte Erholungsfähigkeit nach körperlicher Belas
tung, was ebenfalls plausibel sei. Aus neuromuskulärer Sicht wäre eine körperlich leichte, angepasste Tätigkeit sicherlich zu einem reduzierten Pensum zumutbar, sofern hier nicht die psychiatrischen Diagnosen einschränkend wirkten. Weiter
hin berichte die Patientin
über
Einschränkungen der Konzentration, so dass zur Objektivierung eine neuropsychologische Standortbestimmung mit Beurteilung der Arbeitsfähigkeit aus neuropsychologischer Sicht
geplant sei (S. 3).
5.
5.1
Soweit die Beschwerdeführerin sich zum Beweiswert des Gutachtens von Dr.
Z._
(vgl. vorstehend E. 3.2) und des
A._
-Gutachtens (vgl. vorstehend E. 3.4) äussert (vgl. vorstehend E. 2.2), verkennt sie, dass diese Frage im vorliegenden Verfahren
nicht mehr zu prüfen ist:
Die Verfügung vom 6. April 2009 ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen und eine Wiedererwägung fällt aus den vorgenannten Gründen (E. 2.3) ausser Betracht.
5.2
Dr.
Z._
diagnostizierte 2008 eine unreife
Persönlichkeitsstörung mit
histrioni
schen
und vermutlich auch schizoiden Zügen sowie einen Muskelschwund in
beiden Unterschenkeln. Die Ärzte des
A._
erachteten die Diagnosen einer lang
s
am progredienten distalen
Myopathie
unklarer Ätiologie, eines vorwiegend
ten
domy
ogen
bedingten rechtsbetonten
Zervikalsyndroms
, einer chronischen Lum
bago und
atypischer
migräniforme
r
Kopfschmerzen als die Arbeitsfähigkeit beein
flus
send. Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit hätten die Diagnosen einer kom
binierten Persönlichkeitsstörung mit unreifen und
histrionischen
Anteilen, einer Schmerzverarbeitungsstörung, eines Status nach ängstlich-depressiver Störung sowie einer anamnestischen Schwerhörigkeit (vgl. vorstehend E. 3.2 und 3.4). Aus neurologischer Sicht standen die Gangstörung und die deutlichen Paresen der
Unterschenkel- und Fussmuskulatur im Vordergrund, weshalb schwere und mitte
l
schwere körperliche Arbeiten sowie Tätigkeiten, die permanentes Gehen erforder
ten, als nicht mehr zumutbar beurteilt wurden. Psychiatrisch bestand keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit.
Einfache körperliche Tätigkeiten sowie admini
stra
tive Arbeiten in abwechslungsreicher, vorwiegend sitzender Position seien
ab September 2008
ganztags
in einem Pensum von 80 %
zumutbar.
Den
Nacken- und lumbalen Rückenschmerzen
und den
migräniformen
Kopfschmerzattacken
wurde mit einem ein vermehrten Pausenbedarf Rechnung getragen.
5.3
Im Vergleich dazu
zeigen sich anhand der seither ergangenen
medizinische
n
Aktenlage in somatischer Hinsicht
folgende Veränderungen
:
Am 31. Januar 2011 fand ein operativer Transfer des M. Flexor
Hallucis
long
u
s
statt (vgl. vorstehend E. 4.1). Medizinische Akten dazu sind nicht vorhanden. Prof.
E._
erkannte im November 2018 (vgl. vorstehend E. 4.3), dass im Vergleich zu 2011 zwar insge
samt stabile Befunde mit einer bein- und distal betonten
Tetraparese
und insbe
sondere Atrophie der Wadenmuskulatur vorhanden seien. Er nannte jedoch neu und zusätzlich eine leichte Atrophie der intrinsischen Handmuskulatur und einen ausgeprägten
Steppergang
. Soweit Dr.
H._
(vgl. vorstehend E. 4.7), welche über einen Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie verfügt,
diesbe
züg
lich der Meinung war, es hätten sich im Vergleich zu 2011 stabile Befunde ergeben, liess sie
diese zusätzlichen Befunde ebenso wie den Umstand
ausser Acht, dass das Jahr 2009 und nicht 2011 die Vergleichsbasis bildet.
Bildgebend
fand sich
weiter
im April 2019 eine
Rhizarthrose
des rechten Daumens (vorste
hend
E. 4.5).
Dr.
I._
stellte im Dezember 2019 einen progredienten Muskel
schwund in beiden Unterschenkeln und zusätzlich, wenn auch diskreter, einen solchen in den Oberschenkeln, in der
Glutealregion
und auch in den oberen Extremitäten
sowie eine beidseitige Fallfusssymptomatik fest (vorstehend E. 4.8). PD Dr.
K._
bestätigte dies im Januar 2020 (vgl. vorstehend E. 4.10) weitgehend und beschrieb zusätzlich eine an den Armen mässig, an der Hüftmuskulatur jedoch deutlich ausgeprägte Muskelschwäche. Zwar stellte er im Vergleich zu 2011 und 2018 anhand der reinen Kraftwerte keine klare, jedoch zu den Akten von 2002 eine deutliche Progredienz fest. Nachdem das Jahr 2009 die vorliegend massgebliche Vergleichsbasis bildet, ist eine anspruchsrelevante Verschlechterung somit nicht ausgeschlossen. PD Dr.
K._
bestätigte eine zuletzt zunehmende Beteiligung der Beckengürtelmuskulatur, welche 2009 noch nicht erwähnt worden war.
Ob gemäss Dr.
H._
- erneut fachfremd beurteilt - tatsächlich einzig anhand der Kraftwerte auf eine unveränderte Arbeitsfähigkeit mit in etwa gleichem Be
lastungsprofil geschlossen werden kann (vgl. vorstehend E. 4.13), erscheint ange
sichts dieser Veränderungen als fraglich. Zudem kann aus den Angaben der Beschwerdeführerin, sie
versuche
täglich
8-10'000 Schritte
zu
gehen (vgl. vor
stehend E. 4.11), nicht auf ihre Arbeitsfähigkeit geschlossen werden.
Vielmehr sind weitere Abklärungen erforderlich. Diesbezüglich aufschlussreich erscheint der Hinweis von PD Dr.
K._
, dass
die kurzfristig rekrutierte Kraft in einer Untersuchung bei guter Motivation noch vergleichsweise gut sein, diese jedoch nicht im Sinne einer Dauerleistung über mehrere Stunden im Arbeit
salltag
erbracht
werden könne, und dass die von der Beschwerdeführerin geschilderte
deutlich verlängerte Erholungsfähigkeit nach körperlicher Belastung plausibel sei
.
Solche Feststellungen könnten sich auf
die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und auf das
Belastungsprofil auswirken.
5.4
Zur Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht ist festzuhalten, dass bereits 2008 psychiatrische Diagnosen vorlagen, denen
damals
jedoch kein Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit beigemessen wurde. Seither wurde insbesondere
neu
eine post
t
rau
matische Belastungsstörung
und eine Depression genannt (vgl. vorstehend E.
4.1,
4.2, 4.4, 4.6, 4.10, 4.11, 4.15), jedoch nicht durch einen Facharzt diagnos
tiziert (vgl. vorstehend E. 1.3). Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass die psychische Verfassung
, möglicherweise beeinflusst durch ihre somatische Erkran
kung,
Einfluss auf
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
haben kann und nach dem Gesagten ohnehin weitere Abklärungen erforderlich sind, wird die Arbeitsfähigkeit auch aus psychiatrischer Sicht abzuklären sein. Sollte sich eine anspruchsrelevante psychiatrische Diagnose bestätigen, so wird das strukturierte Beweisverfahren zu berücksichtigen sein.
Zusammenf
assend ist festzuhalten, dass aufgrund
der vorhandenen medizini
schen
Unterlagen
nicht beurteilt werden kann, ob sich seit Erlass der Verfügung vom 6.
April 2009 eine
anspruchsrelevante Veränderung ergeben hat. Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
5.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.6
Vorliegend wurde der Sachverhalt zu wenig abgeklärt. Die angefochtene Verfü
gung
ist deshalb aufzuheben und die Sache wird an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen, damit sie die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin und eine allfällige Veränderung zur Situation 2009 umfassend prüfe.
Dabei wird
allenfalls
auch der Status der Beschwerdeführerin zu prüfen sein.
Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
5.7
Bei diesem Ausgang erübrigen sich Ausführungen zu den Verfahrensanträgen der Versicherten (Urk. 1 S. 2 insbesondere Ziff. 4 und Ziff. 8) sowie zur Stellung
nahme von lic. phil
Y._
(Urk. 17).
6.
6.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- anzusetzen und
ausgangsgemäss
der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Aufgrund der Vertretung der Versicherten durch eine nicht juristisch geschulte Person, die zudem keinen Nachweis der Entgeltlichkeit der Vertretung erbracht hat, besteht kein Anspruch auf eine Parteientschädigung (Art. 61 lit. g ATSG).