# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d0327ced-d68b-4e4f-8e21-cb941f96fd44
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A.a. B._, geboren am _ 1957, und A._, geboren am _ 1965, heirateten am _ 2009 vor dem Zivilstandsamt O.1_ in L.1_. Aus der Ehe gingen keine gemeinsamen Kinder hervor, jedoch haben beide zwei Kinder aus früheren Partnerschaften. Am 15. Dezember 2014 schlossen die Eheleute einen Ehe- und Erbvertrag ab, in welchem sie wie bereits in einem am 12. Juli 2011 beurkundeten Vertrag den Güterstand der allgemeinen Gütergemeinschaft gemäss Art. 221 f. ZGB vereinbarten und sich gegenseitig sowohl güter- als auch erbrechtlich maximal begünstigten.
A.b. Zu Beginn der Ehe arbeitete B._ als Investmentbanker bei der C._, deren Teilhaber er war. Im Jahre 2010 zog er sich aus der C._ zurück, um sich selbständig zu machen. Im folgenden Jahr erkrankte er an Krebs, was ihn zur Aufgabe seines angestammten Berufes zwang. Heute ist er als Fotograf tätig und hat bereits mehrere Fotobildbände veröffentlicht. A._ verfügt über eine Ausbildung als medizinische Praxisassistentin und arbeitete bis zur Erkrankung ihres Mannes als selbständig erwerbender Business Coach, gab diese Tätigkeit in der Folge jedoch auf, um sich hauptsächlich der Pflege ihres Ehemannes zu widmen. Seit dem Jahr 2013 bietet sie auf ihrem Gebiet als Coach wieder Beratungen und Workshops an und bildet sich regelmässig weiter.
B.a. Am 29. September 2015 leitete B._ ein Eheschutzverfahren ein, in dessen Verlauf er die Anordnung der Gütertrennung verlangte. A._ ihrerseits verlangte daraufhin superprovisorische Sicherungsmassnahmen und beantragte einen monatlichen Unterhaltsbeitrag von CHF 25'000.00 sowie einen Parteikostenvorschuss von CHF 20'000.00, unter Vorbehalt einer Nachbezifferung. In der Folge kam es zu superprovisorischen und provisorischen Anordnungen betreffend Verfügungsbeschränkungen über die von B._ kontrollierten Konti, die aufgrund eines entsprechenden Begehrens der Ehefrau um Erlass vorsorglicher Massnahmen (ZK1 15 169) in abgeänderter Form auch während des nachfolgenden Rechtsmittelverfahrens bis vor Bundesgericht bestehen blieben.
B.b. In der Sache fällte der Einzelrichter des Bezirksgerichts Maloja (seit dem 1. Januar 2017 "Regionalgericht Maloja") seinen Eheschutzentscheid am 18. November 2015. Unter anderem verpflichtete er B._ zur Bezahlung eines Unterhaltsbeitrags von monatlich CHF 9'400.00 ab 1. Oktober 2015 und ordnete per 22. Oktober 2015 die Gütertrennung an, wie dies B._ beantragt hatte. A._ gelangte daraufhin am 3. Dezember 2015 an das Kantonsgericht von
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Graubünden, welches ihre Berufung mit Entscheid vom 26. Juli 2017 teilweise guthiess und insbesondere die von B._ zu leistenden monatlichen Unterhaltsbeiträge auf CHF 15'000.00 erhöhte, während es die Anordnung der Gütertrennung bestätigte (ZK1 15 172/173). Beide Parteien zogen dieses Urteil an das Bundesgericht weiter, welches die Beschwerden mit Urteil vom 22. November 2018 (5A_629/2017 und 5A_668/2017) abwies, soweit darauf eingetreten werden konnte.
B.c. Noch während hängiger Berufung gegen den erstinstanzlichen Eheschutzentscheid vom 18. November 2015 gelangte A._ mit einem Gesuch um Auskunftserteilung im Sinne von Art. 170 ZGB erneut an den Einzelrichter am Regionalgericht Maloja. Dieser wies ihr Gesuch mit Entscheid vom 24. Oktober 2016 ab, nachdem der am 22. Februar 2016 gefällte Nichteintretensentscheid durch das Kantonsgericht von Graubünden in Gutheissung einer Berufung der Gesuchstellerin aufgehoben worden war (ZK1 16 54). Gegen diesen Entscheid erhob A._ Berufung an das Kantonsgericht von Graubünden (ZK1 16 159), bei welchem das Verfahren derzeit noch hängig ist.
C.a. B._ leitete am 24. Juli 2017 beim Regionalgericht Maloja das Scheidungsverfahren (Proz. Nr. 115-2017-31) ein und beantragte in seiner Klage was folgt:
A. Zur Ehescheidung
1. Es sei die am 25. Dezember 2009 vor Zivilstandsamt O.1_ L.1_ zwischen den Parteien geschlossene Ehe in Anwendung von Art. 114 ZGB zu scheiden.
2. Es sei die güterrechtliche Auseinandersetzung wie folgt vorzunehmen:
[...]
B. Verfahrensanträge
4. Es seien die Parteien zu einer Einigungsverhandlung im Sinne von Art. 291 ZPO vorzuladen.
5. Es sei die Beklagte richterlich aufzufordern, vor Durchführung der Einigungsverhandlung durch Einreichung von Belegen wie z.B. der letzten Steuererklärung und Buchhaltungsunterlagen lückenlos Auskunft über ihr Einkommen der letzten 12 Monate und über ihr Vermögen zu erteilen.
C. Vorsorgliche Massnahmen
6. [Wohnungszuteilung]
7. Es sei der Kläger bei seiner Bereitschaft zu behaften, der Beklagten einen angemessenen monatlichen und monatlich vorauszahlbaren Unterhaltsbeitrag mit Wirkung ab Einreichung der vorliegenden Klage und während der Dauer des Prozessverfahrens zu bezahlen, der die Auskünfte gemäss Ziffer 5 hiervor über das Einkommen der Beklagten
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sowie die weiteren aktuellen Umstände berücksichtigt, wobei die Bezifferung dieses Unterhaltsbeitrages und allfällige wesentliche Änderungen in den Verhältnissen vorbehalten bleiben.
[D. Kosten]
Zur Begründung seines Verfahrensantrages Nr. 5 führte er aus, dass die Ehegatten gegenseitig Anspruch auf umfassende Auskunft über ihre wirtschaftlichen Verhältnisse hätten. A._ sei daher richterlich aufzufordern, ihre letzte Steuererklärung und ihre Buchhaltung inkl. Unterlagen zu den Akten zu geben.
Die Scheidungsklage samt Beilagen wurde dem Rechtsvertreter von A._ mit eingeschriebener Postsendung vom 25. Juli 2017 und dem Hinweis, es folge die Vorladung für eine Einigungsverhandlung, zugestellt.
C.b. Die mit der Klage gestellten Begehren auf Erlass vorsorglicher Massnahmen behandelte der Einzelrichter am Regionalgericht Maloja in einem selbständigen Nebenverfahren (Proz. Nr. 135-2017-228) und trat darauf nach Einholung einer Stellungnahme von A._ mit Entscheid vom 2. Oktober 2017 nicht ein. Er begründete dies im Wesentlichen damit, dass kein rechtliches Interesse an einer erneuten vorsorglichen Wohnungszuteilung bestehe und das Regionalgericht Maloja als angerufenes Scheidungsgericht funktionell nicht dazu berufen sei, eine vorsorgliche Unterhaltsregelung zu treffen, während diese noch Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens vor Bundesgericht sei.
D.a. Nachdem das Scheidungsverfahren bis zum Vorliegen des bundesgerichtlichen Urteils im Eheschutzverfahren geruht hatte, ersuchte B._ das Regionalgericht Maloja am 11. Dezember 2018 um dessen Fortsetzung. Mit Eingabe vom 24. Januar 2019 beantragte B._ sodann das Folgende:
1. Die Beklagte sei richterlich und unter Hinweis auf Art. 292 StGB im Widerhandlungsfall zu veranlassen, über ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend Auskunft zu erteilen, namentlich durch Einreichung der folgenden Belege bzw. Kopien davon:
a. Letzte Steuererklärung
b. Jahresabschluss mit Belegen
c. Aktuelle Auszüge über Bank-, ggf. Postcheckkonti
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
B._ reichte dieses Gesuch unter der regionalgerichtlichen Proz. Nr. -228 und mit dem Betreff "B._/A._ betreffend Scheidung" ein und hielt in der Begründung fest, Art. 170 ZGB sei in Anwendung von Art. 276 Abs. 1 ZPO auch im Scheidungsverfahren sinngemäss anwendbar. Ohne die
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Auskunftserteilung werde es nicht möglich sein, anlässlich der bevorstehenden Einigungsverhandlung eine Lösung bezüglich der andauernden, seit nun drei Jahren laufenden Unterhaltspflicht zu finden, weswegen diese richterliche Anordnung dringlich sei. A._ sei anzuhalten, über ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend Auskunft zu erteilen, namentlich durch Einreichung der letzten Steuererklärung, des Jahresabschlusses mit Belegen und von aktuellen Auszügen über Bank-, gegebenenfalls Postcheckkonti. Er führte im Wesentlichen aus, er habe das Auskunftsbegehren bereits in seiner Scheidungsklage vom 24. Juli 2017 gestellt. Am 22. November 2018 habe das Bundesgericht im Eheschutzverfahren einen Entscheid gefällt. Im Scheidungsverfahren gehe es um die Neufestsetzung der Unterhaltsbeiträge. Bislang sei in diesem Zusammenhang das Einkommen von A._ nicht berücksichtigt worden. Sie sei selbständig erwerbend und habe keine weiteren Aufgaben zu erledigen. Sie könne für ihren Lebensunterhalt selber aufkommen.
D.b. Der Einzelrichter nahm die betreffende Eingabe als Gesuch betreffend vorsorgliche Massnahme entgegen und setzte A._ unter der Proz. Nr. -33 mit Verfügung vom 25. Januar 2019 Frist bis zum 4. Februar 2019 zur Einreichung einer schriftlichen Stellungnahme. Nachdem ihr Rechtsvertreter zunächst um eine Fristerstreckung und am 13. Februar 2019 auch um Zustellung der Akten des Massnahmeverfahrens ersucht hatte, wurde diese Frist mit Schreiben vom 14. Februar 2019 um fünf Arbeitstage ab dessen Erhalt erstreckt. Dem Schreiben beigelegt waren Kopien der zum damaligen Zeitpunkt im Massnahmeverfahren erfassten Akten, nicht aber eine Kopie der Klageschrift vom 24. Juli 2017, auf welche in der Gesuchsbegründung Bezug genommen worden war und derentwegen die Akteneinsicht verlangt worden war.
D.c. Die Einigungsverhandlung vor dem Regionalgericht Maloja betreffend Ehescheidung fand am 6. Februar 2019 statt. Da die Parteien über die Scheidungsfolgen keine Einigung erzielen konnten, wurde B._ Gelegenheit gegeben, seine Scheidungsklage vom 24. Juli 2017 zu ergänzen und an die aktuellen Gelegenheiten anzupassen, was er mit Eingabe vom 26. Februar 2019 tat (vgl. act. C.2). Er vertiefte darin seine Ausführungen zur güterrechtlichen Auseinandersetzung sowie zu seinem Antrag, er schulde der Ehefrau keinen nachehelichen Unterhalt. Zum während der Ehedauer geschuldeten Unterhalt bzw. zu seinem Gesuch vom 24. Januar 2019, die Ehefrau habe über ihr Einkommen Auskunft zu erteilen, äusserte er sich nicht.
D.d. Mit Eingabe vom 25. Februar 2019 stellte A._ den Antrag, auf das gegnerische Auskunftsbegehren vom 24. Januar 2019 sei nicht einzutreten,
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eventualiter sei es vollumfänglich abzuweisen. Begründend führte sie an, dass – nachdem die Einigungsverhandlung am 6. Februar 2019 ergebnislos verlaufen sei – auch der einzige Grund für eine Auskunftserteilung dahingefallen sei. B._ erfülle seine Behauptungslast nicht. Es fehle ein schützenswertes Interesse und die Verhältnismässigkeit der beantragten Massnahme.
D.e. Mit Entscheid vom 5. März 2019, gleichen Tages mitgeteilt, erkannte der Einzelrichter am Regionalgericht Maloja was folgt:
1. Das Gesuch wird gutgeheissen und die Gesuchsgegnerin wird angewiesen, innert 20 Tagen seit Erhalt dieses Entscheides die letzte Steuererklärung, den Jahresabschluss mit Belegen und aktuelle Auszüge über Bank-, gegebenenfalls Postkonti, vorzulegen.
2. Diese Anordnung ergeht unter ausdrücklicher Androhung der Straffolge nach Art. 292 StGB, wonach mit Busse bestraft wird, wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafdrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet.
3. Die Prozesskosten bleiben bei der Prozedur.

## Considerations