# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3d7effb5-30b9-40b2-ad39-230933623134
**Court:** ZH_HG
**Chamber:** ZH_HG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren Klage: (act. 1)
" 1. Die Beklagte ist zu verpflichten, dem Kläger Fr. 215'559.50 zzgl. Zins zu 5% seit 1. November 2015 zu bezahlen.
2. Unter gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und  (zzgl. MwSt) zulasten der Beklagten."
Rechtsbegehren Widerklage:
(act. 19)
" [...] der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten CHF 83'618.57 nebst Zins zu 5 % seit dem 27. Juli 2015 zu bezahlen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Klägers."
Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien und ihre Stellung
Der Kläger und Widerbeklagte (nachfolgend vereinfachend als Kläger bezeichnet)
war Gymnasiallehrer an einer Privatschule im Engadin. Die Beklagte und Wider-
klägerin (nachfolgend vereinfachend als Beklagte bezeichnet) ist eine Leasingge-
sellschaft mit Sitz in Zürich, die u.a. den Abschluss und die Abwicklung von Lea-
singgeschäften bezweckt.
b. Prozessgegenstand
Der Kläger hat mit der Beklagten am 5. April 2012 einen Leasingvertrag betref-
fend einen Porsche abgeschlossen. Das Fahrzeug ist Gegenstand eines Kaufver-
trags zwischen der Verkäuferin C._ AG (fortan Lieferantin) und der Beklag-
ten. Mit der vorliegenden Klage verlangt der Kläger CHF 215'559.50 für die be-
reits bezahlten Leasingraten von der Beklagten zurück. Der Kläger stützt seinen
Anspruch auf die gegenüber der Lieferantin erklärte Wandelung des Kaufvertrags,
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womit der Leasingvertrag dahingefallen sei. Andererseits ficht der Kläger den mit
der Beklagten abgeschlossenen Leasingvertrag wegen Willensmängeln an.
Die Beklagte verlangt widerklageweise CHF 83'618.57 für neun unbezahlt geblie-
bene Leasingraten, Entschädigung aus vorzeitiger Auflösung des Leasingver-
trags, Instandstellungs-, Rückführungs- und Betreibungskosten (act. 19 Rz. 15).
B. Prozessverlauf
Am 26. Mai 2016 (Datum Poststempel) reichte der Kläger hierorts die Klage mit
obgenanntem Rechtsbegehren ein (act. 1). Mit Verfügung vom 30. Mai 2016 wur-
de dem Kläger Frist zur Leistung eines Gerichtskostenvorschusses von
CHF 13'400.– angesetzt (act. 5 S. 2). Nach Eingang des Kostenvorschusses wur-
de der Beklagten mit Verfügung vom 21. Juni 2016 Frist zur Klageantwort ange-
setzt (act. 8 S. 2). Am 24. Juni 2016 reichte der Kläger weitere Unterlagen ein
(act. 10 und 11/74), welche mit Verfügung vom 29. Juni 2016 der Beklagten zu-
gestellt wurden (act. 12). Innert mit Verfügung vom 29. September 2016 ange-
setzter Nachfrist reichte die Beklagte die Klageantwort ein und erhob Widerklage
(act. 15, 17 und 19). Mit Verfügung vom 19. Oktober 2016 wurde der Beklagten je
Frist zur Leistung eines Gerichtskostenvorschusses von CHF 8'000.– und zur Ein-
reichung einer weiteren Ausfertigung sämtlicher Beilagen der Klageantwort und
Widerklage angesetzt (act. 21). Nach deren Eingang wurden die Parteien zur
Vergleichsverhandlung auf den 20. Januar 2017 vorgeladen (act. 24). Am
7. Dezember 2016 beantragte die Beklagte, es sei der Kläger und Widerbeklagte
(fortan Kläger) zu verpflichten, eine Bestätigung über seine Urteilsfähigkeit mög-
lichst zeitnah zur Vergleichsverhandlung einzureichen (act. 25). Nach Eingang der
klägerischen Stellungnahme vom 16. Dezember 2016 wurde der beklagtische An-
trag mit Verfügung vom 19. Dezember 2016 abgewiesen (act. 29). Anlässlich der
Vergleichsverhandlung konnte keine Einigung erzielt werden (Prot. S. 12 f.).
Mit Verfügung vom 23. Januar 2017 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeord-
net und dem Kläger Frist zur Replik und Widerklageantwort angesetzt (act. 35).
Das am 20. Februar 2017 gestellte klägerische Ausstandsgesuch gegen die In-
struktionsrichterin zog der Kläger nach Zustellung von deren Stellungnahme am
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13. März 2017 wieder zurück (act. 37 und 42). Nach Eingang der Rep-
lik/Widerklageantwort wurde der Beklagten mit Verfügung vom 27. März 2017
Frist zur Duplik/Widerklagereplik angesetzt (act. 46). Die Beklagte reichte diese
am 13. Juni 2017 hierorts ein (act. 49). Mit Verfügung vom 14. Juni 2017 wurde
dem Kläger Frist zur Erstattung der Widerklageduplik angesetzt (act. 51). Am
26. Juni 2017 ging die klägerische Stellungnahme zur Duplik (act. 53) und am
18. September 2017 die Widerklageduplik hierorts ein (act. 59), die alsdann der
Gegenpartei zugestellt wurden (act. 61). Unter dem 2. Oktober 2017 reichte die
Beklagte ihre Stellungnahme zur Widerklageduplik ein (act. 63). Mit Eingabe vom
6. Dezember 2017 teilte der Kläger seinen Anwaltswechsel mit (act. 65 und 67).
Mit Verfügung vom 20. März 2018 wurde den Parteien Frist angesetzt, um zu er-
klären, ob auf die Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung verzichtet
werde (act. 68). Innert Frist teilten sowohl der Kläger (act. 71) als auch die Be-
klagte (act. 70) mit, auf die Durchführung der mündlichen Hauptverhandlung zu
verzichten.
Auf die Vorbringen der Parteien wird nur eingegangen, soweit sie für die Ent-
scheidfindung notwendig sind.

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
1.1. Sachliche und örtliche Zuständigkeit
Das Handelsgericht des Kantons Zürich ist sowohl für die vorliegende Hauptklage
als auch für die Widerklage örtlich und sachlich zuständig (vgl. Art. 2 i.V.m. Art. 60
LugÜ; Art. 31 ZPO, Art. 6 Abs. 2 und 3 ZPO sowie Art. 6 Ziff. 3 LugÜ, Art. 224
ZPO; zur sachlichen Zuständigkeit hinsichtlich der Widerklage gegen eine natürli-
che Person vor Handelsgericht eingehend BGE 143 III 495 E. 2). Dies blieb denn
auch unbestritten.
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1.2. Übrige Prozessvoraussetzungen
Die übrigen Prozessvoraussetzungen geben zu keinen Bemerkungen Anlass.
Sowohl auf die Klage als auch auf die Widerklage ist einzutreten.
2. Vom Kläger fallen gelassene Vorwürfe
In der Replik hält der Kläger fest, dass er seine, noch in der Klage aufgeworfene
Urteilsunfähigkeit beim Vertragsschluss heute nicht mehr geltend mache (act. 44
S. 15 Rz. 47). Folglich ist darauf nicht weiter einzugehen. Wie sich herausstellte,
betrafen in der Klage noch erhobene Vorwürfe (manipulierter Kilometerstand,
frühere mögliche Inverkehrsetzung [vgl. act. 1 S. 9 Rz. 20]) unbestrittenermassen
ein anderes Fahrzeug (act. 19 S. 8 Ziff. 8; act. 44 S. 9 Rz. 25 bis 29), womit sich
Ausführungen hierzu ebenfalls erübrigen.
3. Rückerstattung der bezahlten Leasingraten infolge Wandelung des 
3.1. Standpunkt des Klägers
Der Kläger führt aus, erst anfangs November 2013 zufällig von einem Garagisten
erfahren zu haben, dass sein Porsche nicht aus dem Jahr 2011, sondern aus dem
Jahr 2009 stammte. Daraufhin habe er am 7. November 2013 Wandelung des
Kaufvertrags (für die Beklagte) erklärt (act. 1 S. 5 Rz. 9). Als Folge der Wande-
lungserklärung gehe das Fahrzeug an die Lieferantin zurück. Da die Beklagte kei-
ne Verfügungsmacht mehr über den Leasinggegenstand habe, falle auch der
Leasingvertrag dahin und die bezahlten Raten seien ihm zurückzuerstatten (act. 1
S. 22 Rz. 4). Die EWG-Zulassungsbescheinigung habe er bei Abschluss des Lea-
singvertrags nicht gekannt oder kennen müssen. Es treffe auch nicht zu, dass da-
raus das Baujahr des Fahrzeugs ablesbar sei (act. 44 S. 11 Rz. 32).
3.2. Standpunkt der Beklagten
Die Beklagte hält dagegen, dass dem Kläger am 5. April 2012 die EWG-
Zulassungsbescheinigung vom 10. November 2009 übergeben worden sei
(act. 19 Rz. 9; act. 44 S. 24 lit. c). Daraus gehe hervor, dass das Fahrzeug im
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Jahr 2009 hergestellt worden sei. Allfällige Fehlvorstellungen wären durch die er-
haltenen Unterlagen ans Licht gekommen. Der Kläger habe bei Erhalt der Unter-
lagen keine Rügen erhoben und auch danach diesbezüglich jahrelang nichts von
sich hören lassen. Dies deute darauf hin, dass der Kläger damals diesbezüglich
gar keiner Fehlvorstellung unterlegen sei (act. 19 Rz. 9; act. 49 Rz. 16 lit. c). Wei-
ter führt die Beklagte aus, dass die vom Kläger geltend gemachten Gewährleis-
tungsansprüche in jedem Fall mehr als ein Jahr nach Erhalt des Leasingfahr-
zeugs bzw. mehr als ein Jahr nach Kenntnis der angeblichen Mängel verwirkt sei-
en. Zudem sei die Verjährung eingetreten (act. 19 Rz. 20 Fn 80).
3.3. Rechtliche Würdigung
3.3.1. Verjährung
Die Beklagte erhebt die Einrede der Verjährung hinsichtlich der angeblichen An-
sprüche des Klägers aus Sachgewährleistung. Es ist daher vorab zu prüfen, ob
die Verjährung in Bezug auf die Sachmängelrechte gemäss Art. 201 ff. OR bereits
eingetreten ist. Wäre dies der Fall, so würde eine Wandelung des Kaufvertrags
ausgeschlossen sein. Damit wäre auch einem Dahinfallen des Leasingvertrags
entsprechend der Boden entzogen.
Das Bundesgesetz vom 16. März 2012 über die Änderung des OR (Verjährungs-
fristen der Gewährleistungsansprüche im Kauf- und Werkvertrag) ist am 1. Januar
2013 – und damit nach Abschluss des Kaufvertrags über das Fahrzeug im Früh-
jahr 2012– in Kraft getreten (AS 2012 S. 5415). Folglich ist vorliegend Übergangs-
recht anzuwenden. Art. 49 SchlT besagt, dass eine bei Inkrafttreten der Regelung
bereits laufende Zweijahresfrist für die Klage auf Gewährleistung wegen Mängeln
i.S.v. Art. 210 OR neu zu laufen beginnt. Im Extremfall beträgt die Frist dann fast
drei Jahre (MILENA STARK, in Kurzkommentar OR, Honsell (Hrsg.), Basel 2014, N7
zu Art. 210). Im vorliegenden Fall begann die Verjährungsfrist somit am 1. Januar
2013 neu zu laufen, und zwar um weitere zwei Jahre. Die Verjährung ist daher
ohne Berücksichtigung allfälliger Verjährungsverzichtserklärungen grundsätzlich
am 1. Januar 2015 eingetreten.
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Unstrittig haben weder die Beklagte noch der Kläger (für die Beklagte) bis zum
1. Januar 2015 eine Gewährleistungsklage gegen den Lieferanten erhoben. Da
der Verjährungsverzicht des Lieferanten vom 9. Mai 2015 explizit festhält, dass
der Verjährungsverzicht nur gelte, sofern die Verjährung am 9. Mai 2015 noch
nicht eingetreten sei (act. 3/65), kommt ihm vorliegend keine Bedeutung zu. Folg-
lich sind die Gewährleistungsansprüche der Beklagten gegenüber der Lieferantin,
auf die sich der Kläger beruft, verjährt. Der klägerische Anspruch ist daher schon
aus diesem Grund abzuweisen. Gleichwohl ist im Folgenden noch kurz auf die
Verwirkungsfrist von Art. 201 Abs. 1 OR einzugehen.
3.3.2. Verwirkung
3.3.2.1. Gemäss Art. 201 Abs. 1 OR soll der Käufer, sobald es nach dem üblichen
Geschäftsgang tunlich ist, die Beschaffenheit der empfangenen Sache prüfen
und, falls sich Mängel ergeben, für die der Verkäufer Gewähr zu leisten hat, die-
sem sofort Anzeige zu machen. Im Säumnisfalle gilt die gekaufte Sache als ge-
nehmigt, soweit es sich nicht um Mängel handelt, die bei der übungsgemässen
Untersuchung nicht erkennbar waren (Art. 201 Abs. 2 OR). Ergeben sich später
solche Mängel, so muss die Anzeige sofort nach der Entdeckung erfolgen, widri-
genfalls die Sache nach Art. 201 Abs. 3 OR auch rücksichtlich dieser Mängel als
genehmigt gilt. Eine Haftung des Verkäufers für Mängel, die der Käufer zur Zeit
des Kaufs gekannt hat, ist ausgeschlossen (Art. 200 Abs. 1). Für Mängel, die der
Käufer bei Anwendung gewöhnlicher Aufmerksamkeit hätte kennen sollen, haftet
der Verkäufer nur, wenn er deren Nichtvorhandensein zugesichert hat (Art. 200
Abs. 2 OR).
3.3.2.2. Der Kläger führt als Mangel das Baujahr 2009 statt 2011 ins Feld. Der
Kläger ist nicht Käufer des Porsches. Käuferin ist vielmehr die Beklagte, die mit
dem Kläger einen Leasingvertrag abgeschlossen hat. Folglich hat der Kläger das
Fahrzeug für die Beklagte von der Lieferantin (Verkäuferin) übernommen. Die Be-
klagte hat den Kaufgegenstand nie selber überprüfen können. Das Fahrzeug ging
direkt von der Lieferantin an den Leasingnehmer. Damit trifft den Kläger für die
Beklagte die Obliegenheit, die Kaufsache zu prüfen.
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3.3.2.3. Die Behauptung der Beklagten, dass die EWG-Zulassungsbescheinigung
am 5. April 2012 von der Verkäuferin an den Kläger übergeben worden sei (vgl.
act. 19 Rz. 9), hat der Kläger nicht substantiiert bestritten. Seine Einwände gehen
vielmehr in die Richtung, dass er das Dokument bei Abschluss des Leasingver-
trags nicht gekannt habe oder hätte kennen müssen, und dass er das Baujahr da-
raus nicht hätte herauslesen müssen (act. 44 S. 11 Rz. 32). Damit ist unbestritten,
dass die EWG-Zulassungsbescheinigung dem Kläger am 5. April 2012 übergeben
worden ist. Die Beklagte hat zutreffend darauf hingewiesen, dass der Kläger auf
Seite 3 seines Schreibens vom 22. Oktober 2014 (vgl. act. 3/56) selber ausführte,
die EWG-Zulassungsbescheinigung erhalten zu haben (act. 19 Rz. 9; (act. 3/56
S. 3):
"[...] Auch aus den eine knappe Woche am Donnerstag, den 5. April 2012, bei Ueber-
gabe des Fahrzeugs (Papiere / Schlüssel etc. ) später beigefügten Unterlagen wie
EWG-Uebereinstimmungserklärung (...) konnte ich als Laie niemals erkennen, wann
der Porsche nun tatsächlich gebaut wurde. Die EWG-Uebereinstimmungserklärung be-
zog sich nach meiner Annahme nur auf die EWG-Konformität der Modellreihe Porsche
Turbo 997 ab Herbst 2009, geltend auch für alle danach gebauten Fahrzeuge des Typs
Porsche 997 Turbo. [...]"
Aus vorgenanntem Auszug ist zu schliessen, dass der Kläger die EWG-Erklärung
gelesen hatte, macht er doch geltend, dass er das Dokument falsch verstanden
habe. Aus der EWG-Zulassungsbescheinigung geht klar hervor, dass sich dieses
Dokument eindeutig auf das streitgegenständliche Fahrzeug bezog, wird doch auf
die Fahrzeug-Identifizierungsnummer hingewiesen. Auf dieser Zulassungsbe-
scheinigung ist unter der Rubrik Datum der "14.09.2009" aufgeführt. Die Bestäti-
gung datiert vom 10. November 2009 (vgl. act. 20/9). Diese zwei Daten schlies-
sen nun aber rein logisch aus, dass das Fahrzeug Baujahr 2011 aufweisen kann,
wovon der Kläger seiner Ansicht nach im Zeitpunkt des Abschlusses des Lea-
singvertrags ausgegangen sein soll. Damit kannte der Kläger den Umstand, dass
es sich nicht um ein Fahrzeug mit Baujahr 2011 handeln konnte bzw. hätte dies
zumindest bei Anwendung gewöhnlicher Aufmerksamkeit aufgrund der zwei auf
der Zulassungsbescheinigung erwähnten Daten in Verbindung mit der Fahrzeu-
gidentifikationsnummer erkennen können und müssen.
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3.3.2.4. Zu prüfen bleibt, ob die Verkäuferin eine Zusicherung i.S.v. Art. 200
Abs. 2 OR gegeben hat, dass das Fahrzeug Baujahr 2011 war. Der Kläger be-
hauptet, dass ihm das Fahrzeug in den Ausstellungsräumen der Lieferantin als
Neuwagen aus dem Jahr 2011 angepriesen worden sei. Andererseits behauptet
der Kläger aber auch, die Lieferantin habe seinen Irrglauben willentlich gefördert,
indem sie gewusst, jedoch nicht mitgeteilt habe, dass das Auto aus dem Jahr
2009 stamme (act. 1 S. 10 Rz. 23) bzw. dass die Lieferantin ihn hätte darüber
aufklären müssen, dass das Fahrzeug nicht Baujahr 2011 aufgewiesen habe
(act. 44 S. 10 Rz. 29). Behauptet der Kläger einerseits ein aktives Tun (Anprei-
sung), andererseits ein passives Verhalten (Verschweigen) ist seine Darstellung
widersprüchlich. Zudem hat der Kläger weder die Umstände einer Zusicherung
(wer, wann, wie) durch die Beklagte noch die Kenntnis einer irrigen Vorstellung
des Klägers durch die Beklagte hinreichend substantiiert und mit Beweismitteln
verbunden. Folglich ist eine Zusicherung i.S.v. Art. 200 Abs. 2 OR nicht erstellt,
welche zu einer Mängelhaftung der Beklagten führen würde.
3.3.2.5. Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass der Kläger im Zeitpunkt
der Übergabe keine Kenntnis des angeblichen Mangels gehabt hätte, so hätte er
innert angemessener Frist das Fahrzeug prüfen, die ihm übergebenen Dokumen-
te studieren und umgehend in Form einer Mängelanzeige reagieren müssen. In-
dem er erst im November 2013, und damit rund eineinhalb Jahre nach Übergabe
des Fahrzeugs und der Dokumente eine Mängelrüge erhoben hat, hat er seine
Mängelrechte verwirkt. Wie gezeigt liegen keine Anhaltspunkte für eine Zusiche-
rung oder – vor dem Hintergrund des Vorhandenseins der EWG-
Zulassungsbescheinigung – für eine absichtliche Täuschung durch Verschweigen
vor. Damit kann auch kein Anwendungsfall von Art. 203 OR vorliegen, der zum
Wegfall der Rügefrist führen würde (vgl. BGE 66 II 138). Folglich erweist sich die
Rüge als offensichtlich verspätet.
3.3.3. Zusammenfassend ergibt sich, dass der Kläger sich nicht auf Mängelrechte
berufen kann, da er Kenntnis davon hatte, dass das Fahrzeug nicht Baujahr 2011
aufwies bzw. diesen Umstand bei gewöhnlicher Aufmerksamkeit hätte erkennen
müssen. Darüber hinaus hat der Kläger verspätet die Mängelrüge erhoben, womit
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er der Mängelrechte verlustig geht. Folglich hat der Kläger die Mängelrechte der
Beklagten verwirkt, womit die Kaufsache als genehmigt gilt (Art. 201 Abs. 2 OR).
Überdies sind die kaufvertraglichen Ansprüche verjährt. Eine Wandelung des zwi-
schen der Lieferantin und der Beklagten bestehenden Kaufvertrags ist somit aus-
geschlossen. Damit kann offen bleiben, ob im "Kaufvertrag" zwischen dem Kläger
und der Lieferantin nicht ohnehin die Mängelrechte ausgeschlossen wurden. Folg-
lich steht dem Kläger unter dem Titel "Wandelung des Kaufvertrags" kein An-
spruch zu, die bezahlten Leasingraten von der Beklagten zurück zu erhalten.
4. Rückerstattung der bezahlten Leasingraten infolge Willensmängeln  des Leasingvertrags (Irrtum, Täuschung, Übervorteilung in Bezug auf Wert, Baujahr, Vorbesitzer)
4.1. Standpunkt des Klägers
Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, dass er das Fahrzeug nicht zu einem
Preis von CHF 380'000.– erworben hätte, wenn er gewusst hätte, dass das Lea-
singfahrzeug Jahrgang 2009 aufgewiesen habe, bereits drei Jahre herumgestan-
den sei und diverse Vorbesitzer gehabt habe. Im Zeitpunkt des Vertragsabschlus-
ses sei er ja selber noch im Besitz eines Porsches Jahrgang 2008 gewesen. Für
den Umstieg auf ein unbedeutend aktuelleres Fahrzeug hätte er nie einen so hor-
renden Preis bezahlt (act. 44 S. 17 Rz. 55). Er sei davon ausgegangen, dass es
sich um einen 2011 direkt vom Porsche-Zentrum in Deutschland importierten
Neuwagen gehandelt habe, der ausser für Ausstellungszwecke und ausser vom
Vorbesitzer D._ vor ihm von niemandem benutzt worden sei (act. 1 S. 7
Rz. 14). Der Kläger habe aufgrund der Ausführungen der Lieferantin, der Be-
zeichnung als "Ausstellungsfahrzeug", "Inverkehrssetzung September 2011" und
Bezeichnung als "Neufahrzeug" im Abgasheft und der Berechnung des Kaufprei-
ses auf der Basis des Neuwagenwertes darauf vertraut, dass das Fahrzeug aus
dem Jahr 2011 stamme und nur die von der Lieferantin bezeichnete Nutzung
durch D._ stattgefunden habe (act. 1 S. 10 Rz. 23). Es sei ihm auch nicht
bekannt gewesen, dass die Lieferantin das identische Fahrzeug ein halbes Jahr
zuvor für nur CHF 300'000.– erworben habe (act. 44 S. 3 Rz. 2). Am 20. Mai 2014
habe er gegenüber der Beklagten die Unverbindlichkeit des Leasingvertrags we-
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gen Willensmängeln (Irrtum und Täuschung) geltend gemacht. Die Bezahlung der
Leasingraten habe er eingestellt (act. 1 S. 7 Rz. 14 mit Hinweis auf act. 3/18 und
19; act. 44 S. 5 Rz. 7). Die Leasingraten habe er bis Mai 2014 weiter bezahlt, da
er Angst vor den Folgen einer vorzeitigen Vertragsauflösung gehabt habe. Das
Fahrzeug habe er seit Herbst 2013 nicht mehr benutzt (act. 44 S. 8 Rz. 21 und
S. 13 Rz. 39). Er habe die Rückgabe des Fahrzeugs am 7. November 2013 und
erneut am 27. Juni 2014 angeboten (act. 44 S. 8 Rz. 23).
Er habe sich über die wesentlichen Vertragsgrundlagen, d. h. über das Alter, die
Herkunft und den Wert der Leasingsache geirrt. Nach gutachterlicher Feststellung sei die Leasingsache beim Kauf vielleicht die Hälfte des bezahlten Preises wert
gewesen. Sodann habe das Fahrzeug mehrere Vorbesitzer gehabt, nämlich die
E._ SA, die F._ AG, die C._ AG, D._ und schliesslich wieder
die C._ AG (act. 1 S. 10 Rz. 23 und act. 44 S. 10 Rz. 27 - 29). Die Lieferantin
C._ AG habe diesen Irrglauben willentlich gefördert, indem sie gewusst und
nicht mitgeteilt habe, dass das Auto aus dem Jahr 2009 stamme (act. 1 S. 10
Rz. 23). Ferner stehe Art. 12 der Allgemeinen Leasingbedingungen (ALB) einer
Irrtumsanfechtung nicht entgegen, da ein Widerruf der Ermächtigung durch die
Beklagte dazu führe, dass die Beklagte die Folgen des Widerrufs selber zu tragen
habe (act. 44 S. 11 Rz. 33 ff.).
Weiter stellt sich der Kläger auf den Standpunkt, die Lieferantin habe ihn über den
Leasinggegenstand getäuscht. Die Täuschungshandlungen seien der Beklagten
nach Art. 101 OR zuzurechnen (act. 1 S. 23 Rz. 2 und 3). Die Lieferantin hätte ihn
darüber aufklären müssen, dass das Auto aus dem Jahr 2009 stamme. Diese feh-
lende Aufklärung sei einer Täuschung gleichzusetzen (act. 44 S. 10 Rz. 30). Die
Täuschung berechtige den Kläger zur Auflösung des Vertrags nach Art. 28 OR,
was der Kläger mehrfach umgesetzt habe, indem er die Auflösung des Vertrags
wegen Willensmängeln erklärt habe. Die geleisteten Leasingraten seien zurück zu
erstatten (act. 1 S. 24 Rz. 4).
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4.2. Standpunkt der Beklagten
Die Beklagte bestreitet nicht, dass der Kläger am 20. Mai 2014 die Unverbindlich-
keit des Leasingvertrags wegen Willensmängeln (Irrtum und Täuschung) geltend
gemacht hat. Sie stellt sich aber auf den Standpunkt, dass die behauptete Irr-
tumsanfechtung des Leasingvertrages bereits daran scheitere, dass der Kläger
das Leasingfahrzeug trotz der von ihm im Herbst 2013 vorgebrachten Vorwürfe
noch bis zum Februar 2015 weiterhin benutzt habe (act. 19 S. 11 Rz. 10). In der
handschriftlichen Vereinbarung vom 31. März 2012 werde darauf hingewiesen,
dass es sich um ein Ausstellungsfahrzeug mit erster Inverkehrsetzung September
2011 handle (act. 19 S. 10 Rz. 9 mit Hinweis auf act. 3/9). Der Kläger sei auch nie
der Meinung gewesen, dass das Leasingfahrzeug erst im Jahre 2011 hergestellt
worden sei (act. 19 S. S. 18 Rz. 18). Vielmehr habe der Kläger von Anfang an
gewusst, bzw. hätte zumindest von Anfang an erkennen können, dass das Fahr-
zeug im Jahr 2009 hergestellt worden sei (act. 19 S. 21 Rz. 19, insb. Fn 68). Die
Irrtumsanfechtung sei daher verwirkt. Aus der EWG-Zulassungsbescheinigung
vom 10. November 2009 ergebe sich unzweifelhaft das Baujahr 2009 (act. 19
Rz. 22). Sodann habe sich die Beklagte nie zum Baujahr des Leasingfahrzeugs geäussert, und es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass der Lieferant dem Kläger
diesbezügliche Zusicherungen gemacht habe bzw. dass das Baujahr überhaupt
Thema bei den Gesprächen zwischen dem Kläger und der Lieferantin gewesen
sei (act. 19 Rz. 21).
Sodann würden die Vorwürfe hinsichtlich der Vorbesitzer nicht zutreffen. Das
Fahrzeug sei nach der Herstellung durch die G._ AG ... [Ort] und der Auslie-
ferung an das H._ GmbH in ... [Ort] von der F._ AG, ... [Ort], erworben
und in die Schweiz eingeführt worden. Weil deren Kunde E._ SA das Inte-
resse daran verloren habe bzw. vom Erwerb abgesehen habe, sei das Fahrzeug
bis Ende Januar 2010 unverzollt im Lager der F._ AG gestanden. Nach di-
versen Tuningarbeiten durch den Lieferanten sei das Fahrzeug schliesslich an
D._ verkauft worden, der es das erste Mal in Verkehr gesetzt habe (act. 19
S. 8 Rz. 8).
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4.3. Rechtliches
Gemäss Art. 24 Abs. 1 Ziff. 4 OR liegt ein Grundlagenirrtum vor, wenn der Irrtum
einen bestimmten Sachverhalt betraf, der vom Irrenden nach Treu und Glauben
im Geschäftsverkehr als eine notwendige Grundlage des Vertrags betrachtet wur-
de. Hat der Irrende, der den Vertrag nicht gegen sich gelten lässt, seinen Irrtum
der eigenen Fahrlässigkeit zuzuschreiben, so ist er zum Ersatze des aus dem
Dahinfallen des Vertrags erwachsenen Schadens verpflichtet, es sei denn, dass
der andere den Irrtum gekannt habe oder hätte kennen sollen (Art. 26 Abs. 1 OR).
Beim Grundlagenirrtum fehlt es im Falle eines "fahrlässigen" Irrtums in aller Regel
schon an der objektiven Wesentlichkeit des irrigerweise angenommenen Sach-
verhalts, denn nach Treu und Glauben im Geschäftsverkehr kann kein schüt-
zenswertes Vertrauen in einen Umstand bestehen, der sich bei gehöriger Abklä-
rung völlig anders darstellen würde. Mangels Wesentlichkeit wird damit ein
Grundlagenirrtum in solchen Fällen zu verneinen sein (KuKo-OR, MAJA L. BLU-
MER, Art. 26 Rz. 3). Ist ein Vertragsschliessender durch absichtliche Täuschung
seitens des anderen zu dem Vertragsabschlusse verleitet worden, so ist der Ver-
trag für ihn auch dann nicht verbindlich, wenn der erregte Irrtum kein wesentlicher
war (Art. 28 Abs. 1 OR).
Wenn der durch Irrtum, Täuschung oder Furcht beeinflusste Teil binnen Jahres-
frist weder dem anderen eröffnet, dass er den Vertrag nicht halte, noch eine
schon erfolgte Leistung zurückfordert, so gilt der Vertrag gemäss Art. 31 Abs. 1
OR als genehmigt. Die Frist beginnt in Fällen des Irrtums und der Täuschung mit
der Entdeckung (Art. 31 Abs. 2 OR). Eine Genehmigung kann durch ausdrückli-
che Erklärung oder konkludentes Verhalten erfolgen. Wer in Kenntnis der An-
fechtbarkeit die eigene Leistung vorbehaltslos und freiwillig erbringt, genehmigt
stillschweigend. Keine Genehmigung ist jedoch in der blossen Weiterbenutzung
der empfangenen Sache zu sehen, namentlich wenn die Gegenpartei die Rück-
nahme ablehnt (INGEBORG SCHWENZER, in: Basler Kommentar zum Obligationen-
recht I, Rz. 17 zu Art. 31 OR).
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4.4. Würdigung
4.4.1. Irrtum über das Baujahr
4.4.1.1. Wie bereits unter E. 3.3 dargelegt, hatte der Kläger aufgrund der ihm
übergebenen EWG-Zulassungsbescheinigung, die er gemäss eigenen Angaben
auch gelesen hat, Kenntnis davon, dass das Fahrzeug aus dem Jahr 2009
stammte bzw. hat kein schützenswertes Vertrauen in das Baujahr 2009, wenn er
die EWG-Zulassungsbescheinigung nicht sorgsam durchliest. Hätte er dies näm-
lich getan, so hätte er ohne weiteres erkennen können, dass es sich beim Fahr-
zeug nicht um ein solches des Baujahrs 2009 handeln kann. Daran vermag auch
der Umstand nichts zu ändern, dass der Kläger bis zum Abschluss des Leasing-
vertrags ein Fahrzeug des selben Herstellers mit Jahrgang 2008 fuhr, denn es
fehlt an einer Fehlvorstellung bzw. der Kläger hat sich eine allfällige Fehlvorstel-
lung selber zuzuschreiben. Damit liegt aber kein wesentlicher Irrtum vor, so dass
der Anfechtung des Leasingvertrags wegen Irrtum über das Baujahr kein Erfolg
beschieden ist.
4.4.1.2. Hinzu tritt, dass der Kläger gemäss eigenen Angaben im November 2013
gegenüber der Lieferantin den angeblichen Mangel (betreffend Baujahr 2009 statt
2011) anzeigte. Zwar kann in der blossen Weiterbenutzung des Fahrzeugs allein
keine Genehmigung gesehen werden, wenn die Rücknahme trotz entsprechen-
dem Angebot verweigert wird. Der Kläger hat nun aber die Leasingraten in Kennt-
nis des Baujahrs 2009 anstandslos und ohne Vorbehalt bis Mai 2014 – selbst
nach Darstellung des Klägers während rund sieben Monaten – weiter bezahlt. In
der weiteren Erfüllung der vertraglichen Pflichten ohne irgendeinen Vorbehalt liegt
eine Genehmigung des Leasingvertrags vor, was einen Grundlagenirrtum aus-
schliesst. Die Argumentation des Klägers, dass er Angst vor einer vorzeitigen Ver-
tragsauflösung gehabt habe, verfängt nicht. Der Kläger hat dann selber im Mai
2014 die Bezahlung der Leasingraten eingestellt. So gross konnte die Angst vor
einer vorzeitigen Vertragskündigung – wie sie denn in der Folge auch eintrat –
nicht sein.
- 15 -
4.4.2. Irrtum über Herkunft und Wert des Fahrzeugs
Soweit der Kläger geltend macht, er habe sich über die Herkunft des Fahrzeugs
geirrt, habe das Fahrzeug doch mehrere Vorbesitzer gehabt, so ist darin kein we-
sentlicher Irrtum zu erkennen. Wie gezeigt kannte der Kläger das Baujahr des
Fahrzeugs. Der Kläger legt nicht dar, inwiefern der Umstand, dass bis zum Ab-
schluss des Leasingvertrags neben dem im Fahrzeugausweis aufgeführten
D._ weitere Personen für kurze Zeit Eigentümer des Fahrzeugs gewesen
sein sollen, einen wesentlichen Irrtum darstellen soll. Solches ist auch nicht er-
sichtlich. Es kann damit auch offen gelassen werden, ob wie von der Beklagten
ausgeführt, die E._ SA von einem Kauf des Fahrzeugs abgesehen hat oder
nicht, da dies nicht relevant ist. Mit einem Eigentümerwechsel alleine ist kein
Wertverlust des Fahrzeugs verbunden. Schliesslich macht der Kläger einen Irrtum
hinsichtlich des Werts des Fahrzeugs geltend. Von Vornherein ausser Betracht
fällt eine Übervorteilung i.S.v. Art. 21 OR, da erstens die nötigen Behauptungen
fehlen und zweitens die Frist zur Geltendmachung – ein Jahr nach Abschluss des
Vertrags – bereits verstrichen ist. Ein Wertirrtum ist aber nur dann beachtlich,
wenn er sich auf eine konkrete Eigenschaft bezieht, ansonsten würde der Wu-
chertatbestand ausgehöhlt. So ist denn der Irrtum über den Wert der Leistung im
Allgemeinen ein blosser Motivirrtum (KuKo-OR, MAJA L. BLUMER, Art. 24 Rz. 18).
Vorliegend würde sich der Wertirrtum zwar auf eine konkrete Eigenschaft bezie-
hen, nämlich das Baujahr des Fahrzeugs. Indes war dem Kläger beim Abschluss
des Leasingvertrags bekannt, dass das Fahrzeug aus dem Jahr 2009 stammte
bzw. er hat sich eine allfällige Fehlvorstellung über die konkrete Eigenschaft, auf
die er seinen Wertirrtum stützt, selber zuzurechnen. Es kann auf die vorstehen-
den Erwägungen unter Ziff. 4.4.1 verwiesen werden. Damit mangelt es auch hier
an der Wesentlichkeit des geltend gemachten Irrtums.
Im Übrigen liegt durch die weitere Bezahlung der Leasingraten eine Genehmi-
gung des Leasingvertrags vor. Es kann auch diesbezüglich auf die Erwägungen
unter Ziff.. 4.4.1 hiervor verwiesen werden.
- 16 -
4.4.3. Täuschung
Schliesslich macht der Kläger geltend, die fehlende Aufklärung darüber, dass das
Fahrzeug aus dem Jahr 2009 stamme, sei einer Täuschung gleichzusetzen. Es
wurde bereits dargelegt, dass der Kläger Kenntnis davon hatte, oder eine allfällige
Nichtkenntnis alleine ihm zuzuschreiben ist, dass das Fahrzeug aus dem Jahr
2009 stammte. Die Lieferantin hat die EWG-Zulassungsbescheinigung anlässlich
der Übergabe des Fahrzeugs an den Kläger übergeben. Damit kann der Beklag-
ten oder der Lieferantin aber keine fehlende Aufklärung vorgeworfen werden. Es
mangelt an einer absichtlichen Täuschungshandlung.
Im Übrigen liegt durch die weitere Bezahlung der Leasingraten eine Genehmi-
gung des Leasingvertrags vor. Es kann wiederum auf die Erwägungen unter
Ziff. 4.4.1 hiervor verwiesen werden.
4.4.4. Zusammenfassung
Zusammenfassend ergibt sich, dass sich der Kläger nicht auf Willensmängel be-
treffend Baujahr, Vorgeschichte und Wert in Bezug auf den Leasingvertrag beru-
fen kann. Vor diesem Hintergrund kann offen gelassen werden, ob Art. 12 der All-
gemeinen Leasingbedingungen (ALB) einer Irrtumsanfechtung entgegen stehen
würde. Ebenfalls dahingestellt bleiben kann, ob die Lieferantin als Erfüllungsgehil-
fin der Beklagten zu betrachten wäre (vgl. act. 44 S. 10 Rz. 29).
5. Zur klägerischen Forderung auf Rückerstattung der bezahlten Leasingraten infolge fehlerhafter Kreditfähigkeitsprüfung (Täuschung, Irrtum)
5.1. Standpunkt des Klägers
Der Kläger stellt sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass die Kreditfähig-
keitsprüfung fehlerhaft gewesen sei, da sie den Vorgaben des KKG (Bundesge-
setz über den Konsumkredit, SR 221.214.1) nicht entsprochen habe (act. 1 S. 12
Ziff. 6). Es könne zwar offen gelassen werden, ob die Anwendbarkeit des KKG
vorliegend so weit gehe, dass die Sanktionen nach Art. 32 KKG Geltung erlangen
würden. Der Kläger habe aber durch die ständige Erwähnung des KKG darauf
vertraut, dass die Beklagte die Kreditfähigkeitsprüfung auch tatsächlich nach den
- 17 -
Regeln des KKG vornehmen werde (act. 1 S. 25 Rz. 4). Die vertraglich vorge-
schriebene Vollkaskoversicherung sei nicht in die Aufwendungspositionen aufge-
nommen worden (act. 1 S. 13 Rz. 3). Aufgrund der fehlerhaften Kreditfähigkeits-
prüfung (fehlerhafte Zusammenrechnung der Aufwandposten, fehlende Berück-
sichtigung der Pensionierung) habe er sich über seine eigene Kreditfähigkeit und
damit über die Risiken des Leasinggeschäfts geirrt (act. 1 S. 23 Ziff. 1). Dabei
handle es sich um ein wesentliches Vertragselement und in Kenntnis der genauen
Umstände hätte er den Vertrag nicht abgeschlossen (act. 1 S. 23 Ziff. 1 und 3).
Sodann habe die Beklagte den Kläger mit der fehlerhaften Zusammenrechnung
der Aufwandposten und der fehlenden Berücksichtigung der Pensionierung über
seine eigene Wirtschaftskraft getäuscht (act. 1 S. 13 Ziff. 4 und S. 23 Ziff. 1 sowie
Ziff. 3). Denn werde die Kreditfähigkeitsprüfung dem Leasingnehmer unterbreitet,
so sei sie geeignet, dessen Entscheid über die Eingehung des Geschäfts mass-
geblich zu beeinflussen (act. 1 S. 23 Rz. 2). Die Beklagte habe dem Kläger sug-
geriert, dass er sich keine Sorgen machen müsse, trotz der Leasingrate würde er
noch über Geld verfügen. Wegen des fehlerhaft angegebenen Freibetrags von
CHF 2'000.– habe sich der Kläger in falscher Sicherheit gewähnt und so zu Un-
recht in der Lage gesehen, den Vertrag abzuschliessen (act. 1 S. 13 Ziff. 4;
act. 44 S. 14 Rz. 43). Vom Kläger als juristischer und ökonomischer Laie könne
nicht erwartet werden, dass er die Kreditfähigkeitsprüfung eines professionellen
Kreditinstituts nachrechne (act. 1 S. 13 Rz. 4).
Mit Schreiben vom 25. Juli 2014 habe er erstmals geltend gemacht, dass die Kre-
ditfähigkeitsprüfung nicht korrekt durchgeführt worden sei (act. 1 S. 15 Rz. 2). Er
habe somit den entstandenen Irrtum über seine Kreditfähigkeit sofort nach Entde-
ckung mitgeteilt (act. 44 S. 15 Rz. 46).
5.2. Standpunkt der Beklagten
Die Beklagte räumt ein, dass sie sich über die Anwendbarkeit des KKG geirrt ha-
be. Ein solcher Irrtum könne aber nicht zur Anwendbarkeit des KKG führen
(act. 19 S. 21 Rz. 19, insb. Fn 69). Selbst wenn das KKG vorliegendenfalls zur
Anwendung gelangen würde, so hätte nach Ansicht der Beklagten die Kreditfä-
higkeitsprüfung kein Hindernis für den Vertragsabschluss dargestellt (act. 19
- 18 -
S. 12 Rz. 12). Es treffe nicht zu, dass die Beklagte dem Kläger mit der Kreditfä-
higkeitsprüfung vorgegaukelt habe, dass er sich das Leasing trotz seines hohen
Alters auch in Zukunft würde leisten können. Bei der Kreditfähigkeitsprüfung gehe
es nur um die aktuelle Zahlungsfähigkeit (act. 19 S. 11 Rz. 11). Ob die ausserhalb
des KKG gemachte Zusammenstellung alle Kostenpositionen des Klägers korrekt
ermittelt und zusammengezählt worden seien, sei ebenso irrelevant wie die Tat-
sache, dass die Beklagte darin weitere unter einer KKG-Betrachtung gar nicht er-
forderliche Positionen aufgenommen habe (act. 10 S. 22 Rz. 19). Die Kosten für
die Vollkaskoversicherung und übrige regelmässige Auslagen im Umfang von
CHF 3'518.50 (act. 19 Rz. 19) oder die mit dem Abschluss des Leasingvertrags
wegfallende bestehende Leasingrate von CHF 1'201.80 seien nicht in der Kredit-
fähigkeitsprüfung nach KKG zu berücksichtigen (act. 19 S. 13 Rz. 12). Mit der
Kreditfähigkeitsprüfung werde dem Leasingnehmer nicht seine eigene Prüfung
der Leistungsfähigkeit abgenommen (act. 19 S. 28 Rz. 23 Fn 107). Der Kläger
habe sich das Leasing leisten können. Anders liesse sich nicht erklären, wie der
Kläger die Leasingzinsen 26 Monate lang ohne Anstände habe bezahlen können
und dies nota bene trotz der im September 2013 erlittenen Lohnkürzung (act. 19
S. 22 Rz. 19).
Ausgehend von den klägerischen Angaben für das Jahr 2012 hätte die Beklagte
sogar von einem Einkommen von brutto CHF 14'083.35 ausgehen können, was
zu einem Freibetrag von CHF 2'919.25 geführt hätte (act. 19 S. 13 Rz. 12; act. 49
S. 11 Rz. 7). Es sei der Kläger gewesen, der die Beklagte über sein Einkommen
getäuscht und damit allfällige spätere Zahlungsschwierigkeiten selbst verursacht
habe. Entgegen der Darstellung des Klägers habe die Beklagte die Lohnabrech-
nungen der Monate Januar bis März 2012 nicht erhalten (act. 19 S. 4 Rz. 3, insb.
Fn 9). Hätte der Kläger damals den Arbeitsvertrag für das Schuljahr 2012/2013
vorgelegt, so hätte die Beklagte den Leasingvertrag nicht genehmigt (act. 49
S. 21 Rz. 14c, insb. Fn 100; act. 50/34; mit Hinweis auf act. 49 S. 12 Rz. 8;
act. 49 S. 27 Rz. 17b). Dass das letzte Jahr des Leasingvertrags in die Pensionie-
rung des Klägers fallen könnte, sei der Beklagten sehr wohl bewusst gewesen
und im Rahmen der Bonitätsprüfung auch berücksichtigt worden. Da der Pensio-
nierungszeitpunkt aber heute oft flexibel gehandhabt würde und manche Pensio-
- 19 -
nierte nach der Pensionierung mehr verdienen würden als vorher, sei dies aber
nicht etwas gewesen, dass die Beklagte in ihrer Bonitätsprüfung besonders habe
beachten müssen (act. 49 S. 27 Rz. 17b). Die Beklagte habe die Einnahmen und
Ausgabenposten nicht falsch addiert, sondern beim Ausdruck habe sich irrtümlich
die Position "übrige regelmässige Auslagen von CHF 3'518.50" eingeschlichen
(act. 49 S. 20 Rz. 14b). Die Beklagte habe mit dieser Zusammenstellung dem
Kläger auch nichts vorgegaukelt resp. beschönigt noch den Kläger getäuscht oder
in falscher Sicherheit gewogen. Der Kläger habe seine eigenen Einkommens- und
Vermögensverhältnisse auch ohne beklagtische Bonitätsprüfung selber nur allzu
gut gekannt. Daneben habe die Beklagte aufgrund des E-Mails annehmen dürfen,
dass neben den in den Bündner Steuererklärungen angegebenen Vermögen
noch weiteres Vermögen des Klägers in Deutschland habe vorhanden sein müs-
sen (act. 10 S. 22 Rz. 19, insb. Fn 73). Sodann werde bestritten, dass die Lea-
singraten die finanziellen Möglichkeiten des Klägers überstiegen hätten. Vielmehr
habe der Kläger angesparte Gelder nicht mehr für das Leasingfahrzeug hingeben,
sondern für seine Alterssicherung behalten wollen (act. 49 S. 17 Rz. 13;
act. 3/45). Im Formular Kreditfähigkeitsprüfung habe der Kläger sodann angege-
ben, dass die der Bonitätsprüfung zugrunde gelegten Zahlen vollständig und rich-
tig seien (act. 19 S. 5 Rz. 4).
5.3. Würdigung
5.3.1. Verwirkungsfrist von Art. 31 Abs. 1 OR
Eine allfällige fehlerhafte Aufstellung mit einem allfällig falsch berechneten Freibe-
trag kann einen Anwendungsfall eines Grundlagenirrtums darstellen. Die entspre-
chende Irrtumsanfechtung des Klägers datiert nun aber vom 25. Juli 2014. Wie
unter Ziff. 4.3 oben dargelegt, unterliegt die Anfechtung wegen Grundlagenirrtum
wie auch wegen Täuschung einer einjährigen Verwirkungsfrist, beginnend mit der
Entdeckung des Irrtums oder der Täuschung. Dabei reichen Zweifel nicht aus,
sondern es ist sichere Kenntnis vorausgesetzt (vgl. BGer vom 16. April 2013,
4A_570/2012 E. 3.5). Entscheidend ist somit, ob der Kläger am 25. Juli 2013
Kenntnis von seiner allfälligen Fehlvorstellung über seine eigene Kreditfähigkeit
- 20 -
bzw. eigene Wirtschaftskraft oder einem allfälligen täuschenden Verhalten der
Beklagten gehabt hat.
Der Kläger führt nun aber selber aus, er habe gleich zu Beginn gespürt, aber da-
mals noch nicht präzise begründen können, dass die Kreditfähigkeitsprüfung
falsch gewesen sei und ihm in täuschender Art und Weise eine wirtschaftliche
Tragweite vorgegaukelt worden sei, die so nicht existiert habe (act. 1 S. 25 lit. c).
Der Kläger hegte damit bereits zu Beginn des Leasingverhältnisses gewisse
Zweifel in Bezug auf die Kreditfähigkeitsprüfung und seine eigene Kreditfähigkeit
bzw. Wirtschaftskraft. Sodann habe er nach wenigen Monaten entdeckt, dass die
monatlichen Raten seine Möglichkeiten übersteigen würden (act. 44 S. 3).
Schliesslich führt der Kläger selber aus, dass er im Herbst 2012 realisiert habe,
dass er sich den Leasingvertrag angesichts der bevorstehenden Pensionierung
und seiner bescheidenen Altersrente nicht würde leisten können (act. 1 S. 14
Ziff. 1). Die Kreditberechnung war ihm seit Vertragsschluss bekannt. Dem Kläger
ist zwar zuzustimmen, dass nicht von ihm erwartet werden konnte, anlässlich des
Abschlusses des Leasingvertrags die Aufstellung über seine Einnahmen und
Ausgaben nachzurechnen (act. 1 S. 13 Rz. 4). Indes wäre von ihm – einem Gym-
nasiallehrer – zu erwarten gewesen, dass er sich bei den von ihm geäusserten
Bedenken mit der Berechnung auseinandergesetzt hätte. Dann hätte er auch um-
gehend gemerkt, dass Einnahmen und Ausgaben nicht den angegebenen Freibe-
trag ergeben konnten. Dass er dies nicht getan hat, kann nun aber nicht der Be-
klagten angelastet werden. Dies hat sich der Kläger selber zuzuschreiben. Wenn
der Kläger nun aber deutlich vor dem 25. Juli 2013 Kenntnis von seiner Fehlvor-
stellung hatte, hat er die Frist i.S.v. Art. 31 Abs. 1 OR ungenutzt verstreichen las-
sen. Dies hat die Genehmigung des Leasingvertrags zur Folge. Damit ist ein Da-
hinfallen des Leasingvertrags wegen Willensmängeln ausgeschlossen.
Gleichwohl soll im Folgenden kurz auf die klägerischen Vorwürfe eingegangen
werden.
- 21 -
5.3.2. Kreditfähigkeitsprüfung nach KKG
Zwischen den Parteien ist richtigerweise unbestritten, dass das Konsumkreditge-
setz (fortan KKG) auf den streitgegenständlichen Leasingvertrag nicht direkt an-
wendbar ist. Dies ist zutreffend, da der Kaufpreis CHF 80'000.– überstieg. Der
Kläger beruft sich denn auch nicht auf die Rechtsfolgen des KKG. Hingegen
macht der Kläger geltend, dass er durch die ständige Erwähnung des KKG gera-
de auch bei der Kreditfähigkeitsprüfung in seiner Wahrnehmung bestärkt worden
sei, dass er den Schutz des KKG geniesse (act. 1 S. 25 Rz. 4). In der Tat finden
sich zahlreiche Bestimmungen, die auf das KKG hinweisen. Die Beklagte erklärt
dies damit, dass sowohl bei Verträgen, die unter das KKG fallen, als auch bei sol-
chen, die die Grenze von CHF 80'000.– übersteigen würden, dieselben AGBs
verwendet werden würden (act. 49 S. 10 Rz. 6). Unstrittig trägt das Formular über
die Aufstellung über die Einnahmen und Ausgaben des Klägers, ob nun "Boni-
tätsprüfung" (so die Beklagte) oder "Kreditfähigkeitsprüfung" (so der Kläger) ge-
nannt, den Titel "Kreditfähigkeitsprüfung gemäss KKG zum Leasingvertrag". So-
dann wurde das Formular zum integrierenden Bestandteil des Leasingvertrags
erklärt (vgl. act. 3/2). Die Beklagte hat schliesslich selber ausgeführt, dass sie irr-
tümlich davon ausgegangen sei, dass auf den abgeschlossenen Leasingvertrag
das KKG Anwendung finde (act. 19 S. 21 Rz. 19). Dieser Umstand kann zwar
nicht dazu führen, dass sämtliche Bestimmungen des KKG trotzdem zur Anwen-
dung gelangen. Davon geht auch der Kläger nicht aus. Indes suggeriere die Er-
wähnung des KKG auf diesem Formular, dass die Kreditfähigkeitsprüfung nach
den Regeln des KKG vorgenommen werden würde (act. 1 S. 25 Rz. 4).
Es ist unbestritten, dass der Kreditfähigkeitsprüfung ein mathematischer Fehler
zugrunde lag, ergibt doch eine Gegenüberstellung von Einkommen und Aufwen-
dungen keinen Freibetrag von CHF 813.40, sondern einen Minusbetrag von
CHF 2'705.10 (vgl. act. 3/2). Weiter ist unbestritten, dass die Position "übrige re-
gelmässige Auslagen von CHF 3'518.50" in der Aufstellung nicht berücksichtigt
worden ist (vgl. act. 49 S. 20 Rz. 14b). Die übrigen Abzüge (Wohnkosten, Sozial-
beträge, Krankenkasse, Steuern nach Quellensteuertabelle, bestehende Kredit-
verpflichtungen) bestreitet der Kläger nicht, womit diese als anerkannt gelten.
- 22 -
Der Kläger stellt sich zwar auf den Standpunkt, dass beispielsweise die Vollkas-
koversicherung in der Aufstellung nicht berücksichtigt worden sei. Er behauptet
aber nicht, dass die Vollkaskoversicherung bei einer KKG-Kreditfähigkeitsprüfung
zwingend hätte berücksichtigt werden müssen. Dem Einwand der Beklagten, eine
Kreditfähigkeitsprüfung müsse bloss die in Art. 28 Abs. 3 KKG erwähnten Positio-
nen berücksichtigen (act. 19 S. 13 Rz. 12), setzt der Kläger nichts entgegen. Da
eine Vollkaskoversicherung gemäss KKG bei der Kreditfähigkeitsprüfung nicht be-
rücksichtigt werden muss, kann der Kläger diesbezüglich auch keiner Fehlvorstel-
lung unterlegen. Weiter macht die Beklagte zu Recht geltend, dass die in der Be-
rechnung erwähnte Leasingverpflichtung über CHF 1'201.80 durch die neue Lea-
singverpflichtung abgelöst wurde. Dieser Posten wurde zwar in die Berechnung
aufgenommen; hätte aber nach KKG nicht berücksichtigt werden müssen. Davon
geht auch der Kläger aus, wenn er ausführt, er sei von einem Freibetrag von
CHF 2'000.– (und eben nicht CHF 813.40) ausgegangen (act. 44 S. 14 Rz. 43).
Der Kläger behauptet nicht, dass die Position "übrige regelmässige Auslagen" bei
einer KKG-Kreditfähigkeitsprüfung zwingend hätte berücksichtigt werden müssen.
Damit fehlt es schon an den nötigen Behauptungen. Selbst wenn der Kläger die
entsprechende Behauptung aufgestellt hätte, so würde dies nichts daran ändern,
dass eine Kreditfähigkeitsprüfung nach KKG nicht zwingend eine Position "übrige
regelmässige Auslagen" zu enthalten hätte. Es wurde auch nicht behauptet, in-
wiefern nach KKG zwingend der Umstand hätte berücksichtigt sein sollen, dass
der Kläger nach vier Jahren Leasingdauer das ordentliche Pensionsalter erreicht.
Auch darüber, wie dieser Umstand genau hätte berücksichtigt werde müssen,
schweigt sich der Kläger aus. Dies ist im übrigen auch nicht ersichtlich.
Soweit der Kläger das Einkommen von CHF 13'179.30 anzweifelt, ist er damit
nicht zu hören. Selbst nach KKG wäre es der Beklagten erlaubt gewesen, sich auf
die Angaben des Klägers zu verlassen (vgl. Art. 31 Abs. 1 KKG). Der Kläger hat
dieses Einkommen unterschriftlich als richtig bestätigt. Darauf ist er zu behaften.
Damit braucht auch nicht näher darauf eingegangen zu werden, ob die Beklagte
die Lohnabrechnungen des Klägers der Monate Januar bis März 2012 erhalten
hat oder nicht. Ohnehin würde der Kläger für diese Behauptung die Beweislast
- 23 -
tragen. Beweisofferten seitens des Klägers liegen keine vor. Somit würde ihm der
Beweis misslingen.
Eine Kreditfähigkeitsprüfung nach KKG hätte nun aber einen Freibetrag von
CHF 2'015.20 ergeben (Minusbetrag von CHF 2'705.10 unter Berücksichtigung
des Wegfalls der Positionen "bestehendes Leasing" über CHF 1'201.80 sowie der
Position "übrige regelmässige Auslagen" von CHF 3'518.50). Da der Kläger selber
von einem Freibetrag von CHF 2'000.– ausgegangen ist (act. 44 S. 14 Rz. 43),
liegt nun aber keine Fehlvorstellung seitens der Klägers vor. Auch die Beklagte
führt aus, dass der Leasingantrag gleichwohl gutgeheissen worden wäre (act. 19
S. 22 Rz. 19).
Der Kläger behauptet nicht, dass von einer Amortisation von 36 Monaten i.S.v.
Art. 28 Abs. 3 KKG hätte ausgegangen werden müssen und eine solche nicht vor-
lag. Daher erübrigen sich grundsätzlich Ausführungen hierzu. Gleichwohl durfte
die Beklagte gestützt auf den Freibetrag von über CHF 2'000.– unter Berücksich-
tigung der vom Kläger unstrittig über den Lieferanten gemachten Angaben (Abse-
hen vom Kauf einer Eigentumswohnung über 1 Mio.) von einer Amortisation innert
drei Jahren ausgehen. Die Beklagte weist denn auch zutreffend darauf hin, dass
die nur über in der Schweiz belegene Vermögenswerte Auskunft gebenden Steu-
erunterlagen Vermögen im Ausland nicht ausschliessen (vgl. act. 10 S. 22
Rz. 19).
Zusammenfassend hätte selbst eine Berechnung nach KKG einen Freibetrag er-
geben, welcher der Vorstellung des Klägers entsprochen hätte. Damit wäre der
Leasingvertrag so oder anders abgeschlossen worden. Somit hat sich der Kläger
weder über die eigene Kreditfähigkeit noch über die Risiken des Leasinggeschäfts
geirrt. Eine absichtliche Täuschung über die eigene Wirtschaftskraft scheitert im
Übrigen bereits daran, dass der Kläger nie behauptet hat, die Beklagte habe ab-
sichtlich das KKG erwähnt.
- 24 -
5.3.3. Fehlerhafte Zusammenrechnung
Es wurde bereits ausgeführt, dass die Zusammenrechnung fehlerhaft erfolgt ist
und sich effektiv unter Berücksichtigung der aufgeführten Einkommens- und Auf-
wendungsposten ein Minusbetrag von CHF 2'015.20 ergeben hätte. Der Kläger
stellt sich nun auf den Standpunkt, durch den fehlerhaften Freibetrag von
CHF 2'000.– habe er sich in falscher Sicherheit gewogen (act. 44 S. 14 Rz. 43).
Damit anerkennt der Kläger, dass er gemäss seiner Vorstellung von einem Frei-
betrag von CHF 2'000.– ausgegangen ist. Dies stimmt denn auch mit dem auf
dem Formular aufgeführten Freibetrag von CHF 813.40 unter Hinzurechnung der
wegfallenden Leasingverpflichtung über CHF 1'201.80 überein (vgl. act. 3/2). Es
bleibt somit zu prüfen, ob der Umstand, dass die "übrigen regelmässigen Ausla-
gen" nicht berücksichtigt worden sind, den Kläger zu einer Fehlvorstellung über
seine Kreditfähigkeit führte und er sich über die Risiken des Leasinggeschäfts ge-
irrt hat. Eine Täuschung fällt mangels gelten gemachter und nachgewiesener Ab-
sicht durch die Beklagte von vornherein weg. Es bleibt somit zu prüfen, ob sich
der Kläger in einem wesentlichen Irrtum befunden hat.
Der Kläger führt aus, dass er sich über seine Kreditfähigkeit und die Risiken des
Leasinggeschäfts geirrt habe. Den Irrtum stützt er also auf das Ergebnis der Prü-
fung, d.h. den resultierenden Freibetrag, und nicht auf die einzelnen Positionen.
Bei der Position "übrige regelmässige Auslagen" handelt es sich gemäss der Be-
klagten um eine Sicherheitsposition, die 1% des Nettofahrzeugwertes entspro-
chen habe (act. 19 S. 22 Rz. 19). Dies blieb unbestritten und lässt sich ohne wei-
teres ausgehend vom Kaufpreis von CHF 351'851.85 (vgl. act. 3/33) berechnen.
Infolge des Kaufs eines Luxusfahrzeugs mit ausserordentlich hohem Kaufpreis
führt eine Sicherheitsposition von 1% des Nettofahrzeugwerts zu einem hohen
Betrag von CHF 3'518.50. Der Kläger behauptet nun aber nicht, er habe tatsäch-
lich Ausgaben in dieser Höhe gehabt bzw. welche konkreten Ausgaben gemäss
seiner Vorstellung von diesem Betrag hätten gedeckt werden sollen. Insbesonde-
re behauptet der Kläger nicht, dass er davon ausgegangen sei, die Vollkaskover-
sicherung sei von diesem Ausgabenposten gedeckt. Vielmehr macht der Kläger
explizit geltend, dass die Kosten für die Vollkaskoversicherung in der Aufstellung
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der Aufwendungsposten fehlen würden (vgl. act. 1 S. 13 Rz. 3). Werden nun aber
zu dieser fiktiven Aufwandposition keine effektiven Auslagen behauptet, so wirkt
sich diese Position nicht auf seine Kreditfähigkeit aus. Damit kann aber zwangs-
läufig auch keine Fehlvorstellung über die Kreditfähigkeit vorliegen.
Während der Kläger ausführt, dass seine bevorstehende Pensionierung in der Be-
rechnung der Beklagten unberücksichtigt geblieben sei (act. 1 S. 23 Ziff. 1 und
Ziff. 3), stellt sich die Beklagte auf den Standpunkt, dass sehr wohl berücksichtigt
worden sei, dass das letzte Jahr des Leasingvertrags in die Zeit nach der Pensio-
nierung des Klägers fallen könnte, das habe die Beklagte aber nicht speziell be-
achten müssen, da der Pensionierungszeitpunkt heute flexibel gehandhabt werde
(act. 49 S. 27 Rz. 17b). Bei der Pensionierung handelt es sich um eine Tatsache,
die dem Kläger durchaus bewusst sein musste, ist er es doch, der am ehesten
genaue Kenntnis davon hat, wann er sich aus dem Erwerbsleben verabschieden
will. Abgesehen davon wurde der Leasingvertrag rund vier Jahre vor dem or-
dentlichen Pensionierungsdatum abgeschlossen, womit maximal ein Jahr der ge-
samten Leasingdauer in die Pensionierungszeit gefallen wäre. Der Kläger legt
denn auch nicht dar, inwiefern der Umstand der Pensionierung hätte in die Be-
rechnung einfliessen sollen, einmal davon abgesehen, dass der Kläger sich das
Leasing selbst bei einer Amortisationszeit von vier Jahren hätte leisten können.
Die Beklagte hält denn auch treffend fest, dass dem Leasingnehmer nicht seine
eigene Prüfung der Leistungsfähigkeit abgenommen werde (act. 19 S. 28 Rz. 23
Fn 107).
5.3.4. Fazit
Zusammenfassend ergibt sich, dass sich der Kläger weder auf Willensmängel
noch auf Täuschung betreffend fehlerhafte Kreditberechnung bzw. fehlende Be-
rücksichtigung der Pensionierung berufen kann.
6. Verletzung der vertraglichen Sorgfalts- und Treuepflicht durch die Beklagte
Der Kläger wirft der Beklagten verschiedentlich eine Verletzung der vertraglichen
Sorgfalts- und Treuepflicht vor (act. 1 S. 24 Rz. 5). So führt er aus, dass er ver-
- 26 -
lange, dass die Kreditfähigkeitsprüfung, wenn schon, dann nach den im KKG ge-
botenen Regeln der Sorgfalt durchzuführen sei (act. 44 S. 13 Rz- 41). Die Beklag-
te verneint das Vorliegen einer Sorgfaltspflichtverletzung. Bezeichnenderweise
würden die Sorgfalts- und Treuepflichten vom Kläger auch nicht näher spezifiziert
und substantiiert (act. 49 S. 26 Rz. 17a, insb. Fn 134).
In der Tat entbehren die klägerischen Vorwürfe einer Sorgfalts- und Treuepflicht-
verletzung durch die Beklagte der nötigen Schärfe. Es bleibt unklar, was der Klä-
ger der Beklagten konkret genau vorwirft. Der Kläger führt nicht aus, durch welche
Handlung die Beklagte genau welche konkrete Sorgfaltspflicht verletzt haben soll.
Er legt auch nicht dar, welche Vertragsbestimmung oder welche gesetzliche Be-
stimmung der Beklagten welche Verpflichtung auferlegt haben soll. Jedenfalls
reicht es nicht aus, sich ohne weiteres auf die Rechtsprechung über die Sorg-
faltspflicht von Banken zu berufen. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass
es vorliegend nicht um einen Dienstleistungs-, sondern um einen Leasingvertrag
geht. Zudem ist unklar, welche Rechtsfolgen der Kläger daraus ableiten würde.
7. Fazit Hauptklage
Aufgrund des vorstehend Ausgeführten ergibt sich, dass der Kläger keinen An-
spruch auf Rückzahlung bereits bezahlter Leasingraten hat. Die Hauptklage auf
Zusprechung von CHF 215'559.50 zzgl. Zins seit 1. November 2015 ist daher ab-
zuweisen.
8. Widerklage
8.1. Zusammensetzung der Widerklageforderung
Die Beklagte verlangt vom Kläger widerklageweise CHF 83'618.57 zzgl. Zins zu
5 % seit dem 27. Juli 2015 (act. 19 S. 2). Die Forderung setzt sich zusammen aus
ausstehenden Leasingraten, einer zusätzlich geschuldeten Entschädigung sowie
Instandstellungs-, Rückführungs- und Betreibungskosten (act. 19 S. 16 Rz. 15).
Der Kläger verlangt vollumfängliche Abweisung der Widerklage (act. 44 S. 2;
act. 44 S. 21 Rz. 13).
- 27 -
8.2. Leasingraten
8.2.1. Parteistandpunkte
Die Beklagte führt aus, den Leasingvertrag mit Schreiben vom 20. Januar 2015
mit sofortiger Wirkung gekündigt und den Kläger aufgefordert zu haben, das Lea-
singfahrzeug zurückzugeben (act. 19 S. 6 Rz. 5; act. 3/57). Der Leasingvertrag
habe demnach bis zur Rückführung des Fahrzeugs in die Schweiz insgesamt 35
Monate gedauert. Der Kläger habe aber bloss 26 Raten bezahlt. Der Kläger
schulde somit noch neun Leasingraten zu CHF 3'290.75 bzw. insgesamt
CHF 29'616.75 (act. 19 S. 16 Rz. 15). Es treffe nicht zu, dass der Kläger den
Leasingvertrag vorher gekündigt habe. Die Einstellung der Zahlung der Leasing-
raten per Juni 2014 könne nicht als Kündigung verstanden werden. Die verschie-
denen Wandelungs- und Widerrufserklärungen und/oder Irrtumsanfechtungen
hätten allesamt auf eine Rückabwicklung ex tunc abgezielt und den Leasingver-
trag nicht wie eine Kündigung voraussetzungslos ex nunc aufheben wollen
(act. 49 S. 31 Rz. 22).
Der Kläger macht demgegenüber geltend, dass er das Vertragsverhältnis bereits
vor der beklagtischen Kündigung widerrufen bzw. gekündigt habe. Entgegen der
Darstellung der Beklagten treffe nicht zu, dass bei einer vorherigen Kündigung bis
zur Rückgabe des Fahrzeugs durch den Kläger im Februar 2015 von einem fakti-
schen Vertragsverhältnis über 35 Monate auszugehen sei. Der Kläger habe zwar
das Fahrzeug erst im Februar 2015 zurückgegeben. Er habe der Beklagten die
Rückgabe des Fahrzeugs aber vorher angeboten und es seit längerem nicht mehr
benutzt (act. 59 S. 3 Rz. 1 ff.).
8.2.2. Würdigung
Es wurde bereits dargelegt, dass dem Kläger die Auflösung des Leasingvertrags
wegen Willensmängeln misslingt. Es kann auf die Erwägungen hiervor verwiesen
werden. Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass keine explizite Kündigung
des Leasingvertrags per Mai 2014 durch den Kläger vorliegt. Es ist folglich zu prü-
- 28 -
fen, ob von einer sinngemässen Kündigung des Leasingvertrags ausgegangen
werden kann.
Bei der Kündigung handelt es sich um ein Gestaltungsrecht, das zur Auflösung
des Vertragsverhältnisses führt. Da eine Kündigung somit weitreichende Konse-
quenzen hat, kann nicht leichthin von einer solchen ausgegangen werden. Weder
vor noch kurz nach dem Mai 2014 hat der Kläger sich je auf den Standpunkt ge-
stellt, dass er das Leasingverhältnis gekündigt habe. Vielmehr ging es durchwegs
um das Dahinfallen des Leasingvertrags aufgrund von Willensmängeln. Da der
Kläger nicht eventualiter, für den Fall, dass der Vertrag nicht dahin gefallen wäre,
diesen gekündigt hat, kann nicht von einer Kündigung ausgegangen werden. Zu-
dem vertritt der Kläger erst auf erhobene Widerklage hin erstmals den Stand-
punkt, dass er den Leasingvertrag vorzeitig gekündigt habe. Es geht nicht an, ei-
ner vor langer Zeit vorgenommenen Willensäusserung rückwirkend eine andere
Bedeutung zuzumessen. Eine frühere Erklärung des Klägers kann nicht in einem
anderen Sinn ausgelegt werden, als er ihr damals selbst geben wollte. Daraus
folgt, dass der Leasingvertrag erst durch vorzeitige Kündigung der Beklagten vom
20. Januar 2015 (vgl. act. 19 S. 6 Rz. 5; act. 3/57) beendet worden ist. Die ver-
tragliche Verpflichtung zur Bezahlung der Leasingraten dauerte damit bis zur vor-
zeitigen Auflösung des Leasingvertrags fort. Die Beklagte hat den Leasingvertrag
unstrittig am 20. Januar 2015 mit sofortiger Wirkung gekündigt. Gemäss Leasing-
vertrag werden angebrochene Monate auf den vollen Monat aufgerundet (vgl.
act. 3/2; unterhalb Tabelle). Der Kläger hat die Leasingraten bis und mit Mai 2014
bezahlt. Entgegen der Behauptung des Klägers hat er neben der ersten Rate von
CHF 130'000.– nicht 26, sondern 25 Raten bezahlt (vgl. act. 1 S. 16 Rz. 8; act. 19
S. 23 Rz. 20; act. 3/72). Unter Berücksichtigung der ersten Leasingrate von
CHF 130'000.– hat er somit weitere 25 Raten zu je CHF 3'290.75 bezahlt. Für den
Zeitraum Juni 2014 bis Januar 2015 besteht somit ein vertraglicher Anspruch der
Beklagten auf Bezahlung von sieben offenen Leasingraten zu je CHF 3'290.75.
Bezüglich Februar 2015 ist festzuhalten, dass sich zwar aus Art. 20 ALB ergibt,
dass der Leasingnehmer verpflichtet ist, die vertraglich vereinbarte Leasingrate
weiterzubezahlen, unabhängig davon, ob er die verspätete Rückgabe schuldhaft
verursacht hat (act. 3/2). Indessen unterlässt die Beklagte jegliche Ausführungen
- 29 -
dazu, inwiefern der Kläger verpflichtet sein sollte, trotz Beendigung des Leasing-
vertrags im Vormonat die Leasingrate oder die Kosten für den ganzen Monat Feb-
ruar 2015 zu bezahlen. Die Ausführungen zum faktischen Vertragsverhältnis
(act. 49 S. 31 Rz. 22) beziehen sich auf den Einwand des Klägers, er habe den
Leasingvertrag früher gekündigt. Selbst wenn man die beklagtischen Ausführun-
gen genügen lassen würde, so führt die Beklagte nicht detailliert aus, welcher
konkrete Schaden ihr für den Monat Februar 2015 entstanden sein soll, zumal nur
ein kurzer Zeitraum von gerade einmal sechs Tagen betroffen sein dürfte, erfolgte
die Übergabe des Leasingfahrzeugs doch unstrittig am 6. Februar 2015 (vgl.
act. 20/6). Aus Art. 20 ALB geht nicht hervor, ob der ganze Monat geschuldet ist
oder nicht. Jedenfalls besteht kein vertraglicher Anspruch auf Bezahlung der Lea-
singrate von CHF 3'290.75 für den Monat Februar 2015. Im Umfang von
CHF 3'290.75 ist die Widerklage somit mangels Substantiierung abzuweisen. Nur
nebenbei sei zu bemerken, dass auch die Beklagte in ihrer Schlussrechnung noch
von sieben ausstehenden Raten auszugehen schien (vgl. act. 3/67).
Damit ist der Kläger zu verpflichten, der Beklagten sieben ausstehende Leasing-
raten zu je CHF 3'290.75 bzw. CHF 23'035.25 (inkl. MwSt) zu bezahlen.
8.3. Zusätzliche Entschädigung gemäss Amortisationstabelle
8.3.1. Parteistandpunkte
Die Beklagte verlangt aufgrund der vorzeitigen Auflösung des Leasingvertrags
eine zusätzliche Entschädigung von CHF 32'546.50. Diese Forderung stützt sie
auf die im Leasingvertrag enthaltene Amortisationstabelle, die Vertragsinhalt des
Leasingvertrags sei (act. 3/2). Die Amortisationstabelle sehe bei einer vorzeitigen
Auflösung des Leasingvertrags auf den 35. Monat eine Entschädigung von
CHF 32'546.50 vor (act. 19 S. 16 Rz. 15). Die Entschädigung von CHF 32'546.50
beruhe auf der Annahme einer Amortisation von CHF 259'331.70 (ohne MwSt)
nach 35 Monaten (CHF 380'000.– [Verkaufspreis] minus CHF 120'668.90 [Rest-
wert]), was sich mit der beim Verkauf des Leasingfahrzeugs ergebenden Entwer-
tung von CHF 250'370.35 (ohne MwSt) auf 3.5 % genau als richtig bestätige. Es
bestehe daher kein Grund, die im konkreten Fall sich ergebenden Entschädigung
- 30 -
von CHF 32'546.50 zu kürzen oder nicht zuzusprechen (act. 49 S. 30 Rz. 21;
act. 3/2; act. 3/61).
Der Kläger sieht in der zusätzlich geltend gemachten Entschädigung eine nach
Art. 266k OR unzulässige Kündigungspönale. Die wegen vorzeitiger Kündigung
geforderte Summe von CHF 32'546.50 sei aufgrund des pönalen Charakters nicht
geschuldet, denn die Summe der geltend gemachten Entschädigung sei nicht
nachvollziehbar. Sodann sei die Tabelle selbst sowie die darin bezifferten Ent-
schädigungsbeträge nicht nach anerkannten Grundsätzen kalkuliert. Der Wertver-
lust sei viel zu hoch und die Tabelle lasse sich nicht dadurch erklären, dass sie
nicht vom Fahrzeugwert ausgehe, sondern vom Wert der Finanzierung. Die Fi-
nanzierung habe CHF 250'000.–, die Anzahlung CHF 130'000.– betragen. Die
Tabelle nehme diesen Finanzierungswert fälschlicherweise als Fahrzeugwert
(act. 44 S. 18 Rz. 1 und 19 Rz. 5 ff.).
8.3.2. Würdigung
Vorab ist zu bemerken, dass die Beklagte die Behauptungs- und Substantiie-
rungslast dafür trägt, dass ihr eine Entschädigung von 32'546.50 zusteht.
Gemäss Art. 266k OR kann der Mieter einer beweglichen Sache, die seinem pri-
vaten Gebrauch dient und vom Vermieter im Rahmen seiner gewerblichen Tätig-
keit vermietet wird, mit einer Frist von mindestens 30 Tagen auf Ende einer drei-
monatigen Mietdauer kündigen. Der Vermieter hat dafür keinen Anspruch auf
Entschädigung. Mit der Bestimmung von Art. 266k Satz 2 OR im Einklang stehen
jedoch Entschädigungsforderungen, die wirtschaftlich als Entgelt für die Ge-
brauchsüberlassung der Leasingsache zu qualifizieren sind (Urteil des Bundesge-
richts vom 18. Dezember 2008 [4A_404/2008] E. 5.4). Eine nachträgliche Erhö-
hung der Leasingraten gestützt auf eine vorzeitige Kündigung ist denn auch mit
dem nicht linear verlaufenden Wertverlust eines Fahrzeugs begründet und enthält
keinen Strafcharakter.
Die Beklagte verneint das Vorliegen einer Kündigungspauschale. Vielmehr ent-
spreche die im Zeitpunkt der vorzeitigen Kündigung in der Tabelle aufgeführte
- 31 -
Entschädigung von CHF 32'546.50 dem zusätzlich erlittenen Wertverlust, der
noch nicht durch die linear berechneten Leasingraten gedeckt worden sei. Im Ein-
zelnen verhalte es sich wie folgt: Der Barkaufpreis des Fahrzeugs habe
CHF 380'000.– betragen. Davon sei der aus der Tabelle ersichtliche Restwert von
CHF 120'668.90 abzuziehen, was zu einem Wertverlust in der Zeit vom Kauf bis
zur Kündigung von CHF 259'331.10 entspreche. Dass dieser Wertverlust zutreffe,
ergebe sich bereits daraus, dass sie (die Beklagte) das Fahrzeug am 20. März
2015 für CHF 129'624.65 verkauft habe. Der Wertverlust habe somit
CHF 380'000.– minus CHF 129'624.65, entsprechend CHF 250'370.35, betragen.
Der Umstand, dass sich die beiden Wertverluste nicht auf den Punkt genau ent-
sprechen würden (Differenz von rund CHF 9'000.–), sei dem Umstand zuzu-
schreiben, dass damit effektiv weniger Kilometer als im Leasingvertrag vereinbart,
gefahren worden seien (act. 49 S. 30 Ziff. 21).
Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, die Beklagte habe ihren Schaden nicht
substantiiert. So könne ein Schaden nicht aus der nicht korrekten Amortisations-
tabelle abgeleitet werden. Hinzu komme, dass das Fahrzeug vom Kläger seit
2012 nicht mehr benutzt worden sei und mangels Verschleiss überhaupt nicht an
Wert verloren habe. Damit sei ein Schaden zu verneinen (act. 59 S. 5 Rz. 8 ff.).
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass der Kaufpreis des Leasingfahrzeugs
inkl. MwSt CHF 380'000.–, d.h. CHF 351'851.85 plus CHF 28'148.15 MwSt, be-
trug (vgl. act. 19 S. 22, insb. FN 77 mit Hinweis auf act. 3/33). Die vorgenannte
beklagtische Berechnung des Wertverlusts ist zwar nachvollziehbar, stützt sich
aber auf den falschen Ausgangswert, geht sie doch vom Kaufpreis inkl. MwSt,
d.h. CHF 380'000.–, aus. Dies ist nicht mit der Tabelle zu vereinbaren, denn diese
rechnet stets mit Werten ohne Mehrwertsteuer (vgl. act. 3/2). Richtigerweise hätte
ausgehend vom Betrag von CHF 351'851.85 der Restwert des 35. Monats abge-
zogen werden müssen. Es mag zwar zutreffen, dass sich aus der Amortisations-
tabelle der Betrag von CHF 32'546.50 herauslesen lässt. Da der Kläger den Be-
trag als nicht nachvollziehbar bestreitet, hat die Beklagte aber die nötigen Be-
hauptungen aufzustellen, wie sie auf diesen Betrag kommt und dass es sich dabei
um den Ausgleich für den erlittenen Wertverlust handelt. Ausführungen oder die
- 32 -
Offenlegung von Berechnungen, wie die Beklagte zu diesem Betrag kommt, lie-
gen nicht vor. Vor dem Hintergrund, dass die Beklagte ursprünglich von
CHF 380'000.– ausgeht, ist mutmasslich auch der angegebene Restwert falsch.
Jedenfalls fehlen die nötigen Behauptungen.
Selbst wenn man der beklagtischen Berechnung folgen würde und die zusätzliche
Entschädigung gemäss Tabelle in etwa dem Wertverlust entsprechen würde, wä-
re der Beklagten kein Erfolg beschieden: Aus den Akten ergibt sich, dass von 35
Leasingraten nur 34 demselben Betrag entsprechen, die erste Leasingrate aber
massiv höher war. Zudem weist der Kläger zutreffend darauf hin, dass hinsichtlich
der ersten Rate über CHF 130'000.– keine Mehrwertsteuer abgemacht worden ist
(vgl. act. 1 S. 11 Rz. 1 mit Hinweis auf act. act. 3/32). Folglich hätte die Beklagte
darlegen müssen, ob für die Entschädigung auf den 34. oder 35. Monat abzustel-
len ist, d.h. ob sie die CHF 130'000.– als erste Rate berücksichtigt hat oder nicht.
Es wäre an der Beklagten gewesen, die nötigen Behauptungen aufzustellen. Es
ist jedenfalls nicht nachvollziehbar, wie die Beklagte auf die in der Tabelle aufge-
führte Entschädigung gekommen ist. Behauptungen zu einer tieferen Berechnung
stellt die Beklagte nicht auf, obwohl der Kläger die Korrektheit der Amortisations-
tabelle bestreitet. Der Anspruch ist daher mangels Substantiierung abzuweisen.
8.1. Rückführungskosten
8.1.1. Parteistandpunkte
Die Beklagte verlangt von der Klägerin die Erstattung der Kosten von
CHF 4'331.27, die im Zusammenhang mit der Rückführung des Fahrzeugs aus
I._ angefallen seien. Im Einzelnen handle es sich um EUR 2'950.–
(CHF 3'150.66) Rückführungs-, CHF 700.– Vermittlungs- und EUR 450.–
(CHF 480.61) Versicherungskosten (act. 19 S. 16 Rz. 15, insb. Fn 48 mit Hinweis
auf act. 20/20). Act. 20/20 erklärt die Beklagte zum integrierten Bestandteil ihrer
Rechtsschrift (act. 49 S. 16 Fn 74). Der Kläger sei gemäss den Ziffern 18 bis 19
der Allgemeinen Leasingbedingungen verpflichtet gewesen, das Fahrzeug in
J._ zurückzugeben. Weil er sich über eine längere Zeit geweigert habe, die-
ser Verpflichtung nachzukommen, sei sie (die Beklagte) gezwungen gewesen,
- 33 -
das Fahrzeug in I._ abzuholen (act. 19 S. 16 Rz. 15 Fn 47; act. 49 S. 32
Rz. 23).
Der Kläger wendet ein, die Beklagte habe das Fahrzeug aus freien Stücken in
I._ abgeholt. Der Kläger habe zu dieser Zeit Wohnsitz in der Schweiz gehabt
und hätte das Leasingfahrzeug der Beklagten zurückbringen können. Die Rück-
führungskosten seien bestritten und nicht belegt. Sodann habe die Beklagte ihre
Schadenminderungspflicht verletzt, indem sie die teuerste Methode gewählt habe
(act. 44 S. 21 Rz. 11 ff.).
8.1.2. Würdigung
Gemäss Art. 20 ALB ist die Beklagte im Fall der Nichteinhaltung des Rückgabe-
zeitpunkts berechtigt, das Fahrzeug auf Kosten des Leasingnehmers (zuzüglich
Mehrwertsteuer) bei ihm abholen zu lassen (vgl. act. 3/2). Der Kläger führt selber
aus, dass die Beklagte den Vertrag mit Schreiben vom 20. Januar 2015 vorzeitig
gekündigt und ihn aufgefordert habe, das Leasingobjekt bis zum 23. Januar 2015
zurückzugeben (act. 1 S. 15 Rz. 3 mit Hinweis auf act. 3/57). Unbestrittenermas-
sen ist der Kläger dieser Aufforderung nicht nachgekommen, obwohl er gemäss
Art. 19 der Allgemeinen Leasingbestimmungen sogar zur sofortigen Rückgabe
verpflichtet gewesen wäre. Sodann sieht Art. 19 ALB vor, dass die Beklagte den
Rückgabeort bestimmt, und Art. 20 ALB, dass die Rückgabe auf Kosten des Lea-
singnehmers erfolgt (act. 3/2). Vor diesem Hintergrund wäre der Kläger verpflich-
tet gewesen, sich um die Rückgabe des Leasingfahrzeugs zu bemühen. Dies hat
er aber trotz Aufforderung zur Rückgabe nicht getan. Deshalb war die Beklagte
berechtigt, das Fahrzeug auf Kosten des Klägers zurückzuführen. Hinsichtlich der
angefallenen Kosten begnügt sich die Beklagte mit einem Verweis auf Beilage
act. 20/20. Dies vermag grundsätzlich dem Erfordernis an eine Substantiierung
nicht zu genügen, wenn sich – wie hier – der Rechtsschrift selber keine Behaup-
tungen entnehmen lassen. Soweit indessen aus der Beilage klar hervor geht, was
gemeint ist, und hierbei kein Interpretationsspielraum seitens des Gerichts be-
steht, ist ein solcher Verweis ausnahmsweise als zulässig zu betrachten (vgl. Ur-
teil des Bundesgerichts vom 22. Januar 2018 [4A_281/2017] E. 5.4). Vorliegend
hat der Kläger die Höhe der Rückführungskosten nicht substantiiert bestritten.
- 34 -
Soweit er diese lediglich pauschal als zu hoch bezeichnet, weil die Beklagte ihre
Schadenminderungspflicht verletzt habe (act. 44 S. 21 Rz. 11), ist er damit nicht
zu hören. Sofern und insoweit die Kosten der Beklagten im Zusammenhang mit
der Rückführung sich klar aus act. 20/20 und den Belegen ergeben, können sie
somit der Beklagten zugesprochen werden. Aus act. 20/20 geht hervor, dass ein
Zurückfahren des Fahrzeugs nicht möglich war. Die von der Beklagten geltend
gemachten Kosten für die Rückführung sind durch die Belege ausgewiesen (vgl.
act. 20/20). Sodann ergibt sich aus den Belegen, dass die Beklagte CHF 3150.66
und CHF 700.– bezahlt hat. Was hingegen den Betrag von CHF 480.61 für die
Transportversicherung anbelangt, so weist zwar eine E-Mail einen Betrag von
EUR 450.– für die Transportversicherung aus. Da jedoch gleichzeitig aus den Bei-
lagen, worauf die Beklagte verweist, hervorgeht, dass die Transportversicherung
bereits in den erwähnten CHF 3'150.66 enthalten ist, kann diese nicht nochmals
vergütet werden. Behauptungen hierzu stellt die Beklagte nicht auf. Folglich ist
der Kläger zu verpflichten, der Beklagten den Betrag von CHF 3'850.66
(CHF 4'331.27 minus CHF 480.61) zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist die Widerklage
in Bezug auf die Rückführungskosten abzuweisen.
8.2. Instandstellungskosten
8.2.1. Parteistandpunkte
Die Beklagte verlangt vom Kläger für die Instandstellung des Leasingfahrzeugs
gestützt auf die Expertise vom 17. Februar 2015 CHF 17'111.75. Diese Expertise
stelle integrierter Bestandteil der Rechtsschrift dar. Was die Schäden betreffe, so
seien diese schon bei der Abholung in I._ vorhanden gewesen. Selbst wenn
es sich um Transportschäden gehandelt hätte, so hafte der Kläger dafür, da er die
Gefahr dafür trage, da er das Fahrzeug beim Lieferanten in J._ hätte zurück-
bringen müssen (act. 19 S. 16 Rz 15, insb. Fn 47; act. 49 S. 16 Fn 74 und S. 32
Rz. 23 unter Hinweis auf act. 3/59).
Der Kläger bestreitet, für die Instandstellungskosten zu haften, da sie nicht durch
ihn verursacht worden seien (act. 44 S. 18 Rz. 1). Der Kläger bestreitet, dass da-
für eine Rechtsgrundlage bestehe, diese tatsächlich entstanden und geschuldet
- 35 -
seien (act. 59 S. 5 Rz. 11). Dem Übergabeprotokoll zwischen Spediteur und ihm
liessen sich sehr geringe Beschädigungen an den Felgen und im Frontbereich
entnehmen. Die von der Beklagten im Nachhinein vorgebrachten Beschädigun-
gen, die Reparaturen im Umfang von CHF 17'111.75 nötig gemacht hätten, seien
im Zeitpunkt der Übergabe nicht erstellt. Das Fahrzeug habe genauso gut erst
während des Rücktransports – für den die Beklagte verantwortlich gewesen sei –,
oder zu einem späteren Zeitpunkt weitere Schäden erleiden können, oder die
nachträglich vorgenommenen Arbeiten hätten lediglich der Verschönerung des
Autos gedient, um einen höheren Wiederverkaufspreis erzielen zu können
(act. 44 S. 9 Rz. 24). Dem Übergabeprotokoll zwischen dem Spediteur und ihm
liessen sich keine Mängel, die später für so viel Geld behoben worden seien, ent-
nehmen. Sodann ende die Gefahrtragung mit der Rückgabe des Fahrzeugs, was
am 6. Februar 2015 geschehen sei (act. 44 S. 21 Rz. 11 ff.). Sodann habe die
Beklagte ihre Schadenminderungspflicht verletzt, indem sie die teuerste Methode
gewählt habe (act. 44 S. 21 Rz. 11 ff.).
8.2.2. Würdigung
8.2.2.1. Gemäss Art. 19 ALB ist das Fahrzeug in einwandfreiem und gereinigtem
Zustand an einem von der Beklagten bestimmten Rückgabeort zurückzugeben.
Der Leasingnehmer und die Beklagte prüfen das Fahrzeug gemeinsam auf Män-
gel und erstellen hierüber ein Abgabeprotokoll. Die Beklagte stellt dem Leasing-
nehmer Mehrkilometer und allfällige Schäden am Fahrzeug in Rechnung. Die
Rechnung ist vom Leasingnehmer innert 10 Tagen zu bezahlen. Gemäss Art. 10
ALB verpflichtet sich der Leasingnehmer, das Fahrzeug gemäss Herstellervor-
schrift zu betreiben, die Wartungsintervalle einzuhalten und das Fahrzeug sorgfäl-
tig zu fahren und zu reinigen. Gemäss Art. 11 ALB trägt der Leasingnehmer ab
Übergabe des Fahrzeugs vom Lieferanten bis zur Fahrzeugrückgabe die Gefahr
für eine Beschädigung, ohne Rücksicht darauf, ob der Schaden auf ein Verschul-
den von ihm, seinen Familienangehörigen oder Hilfspersonen oder Dritten verur-
sacht worden ist. Gemäss Art. 15 ALB haftet der Leasingnehmer der Beklagten
für sämtliche Schäden am Leasingfahrzeug, welche über die im Rahmen der Ser-
viceintervalle normalerweise zu erwartende Abnutzung hinausgehen sowie für ei-
- 36 -
nen allfälligen mängel- oder unfallbedingten Minderwert. Bei der Fahrzeugrückga-
be nicht vorgenommene fällige Servicearbeiten (einschliesslich Ersatz von Ver-
schleissteilen) werden dem Leasingnehmer nachbelastet. Gemäss Art. 20 ALB ist
die Beklagte im Fall der Nichteinhaltung des Rückgabezeitpunkts berechtigt, das
Fahrzeug auf Kosten des Leasingnehmers (zuzüglich Mehrwertsteuer) bei ihm
abholen zu lassen (vgl. act. 3/2).
8.2.2.2. Die Instandstellungskosten umfassen einerseits Servicedienstleistungen,
Reinigungskosten sowie Kosten im Zusammenhang mit Schäden am Fahrzeug
(vgl. act. 3/59). Der Kläger hat sich abgesehen von den im Zusammenhang mit
den Schäden entstandenen Kosten nicht zu den weiteren Kostenpositionen wie
Reinigungs- und Servicedienstleistungen geäussert. Es wurde bereits ausgeführt,
dass ein Verweis auf Beilagen problematisch ist, insbesondere, wenn verschiede-
ne Positionen geltend gemacht werden. Grundsätzlich hat derjenige, der einen
Anspruch geltend macht, die nötigen Behauptungen aufzustellen. Ergibt sich aus
dem Verweis jedoch klar und ohne Interpretation des Gerichts, was behauptet
wird, so ist dies gerade noch als zulässig zu erachten.
Soweit der Kläger rügt, dass die Kosten der Instandstellung nicht belegt seien, so
trifft dies nicht zu. Aus act. 3/59 gehen die einzelnen Positionen hervor. Gemäss
Art. 10, 15 und 19 ALB hat der Kläger die Kosten für die Service- und Reini-
gungsarbeiten zu tragen. Der Kläger bestreitet die aufgeführten Service- und Rei-
nigungsarbeiten nicht substantiiert, sondern bestreitet lediglich, dass er die Schä-
den verursacht habe.
Servicekosten: Da sich aus der Beilage act. 20/20 klar ergibt, was Servicekosten
sind, und der Kläger die Wartung unbestrittenermassen nicht vorgenommen hat,
ist der Kläger zu verpflichten, der Beklagten den Betrag von CHF 2'702.22 (Ser-
vice: Rechnung bis und mit Reifenfüllflasche) zu ersetzen.
Reinigungskosten: Der Kläger schuldet die Rückgabe des Fahrzeugs in gereinig-
tem Zustand. Da die Rechnung jedoch zwei verschiedene Reinigungspositionen
aufführt ("Fahrzeug Reinigen für MFK" und "Fahrzeug komplett reinigen, polieren,
bereit stellen"), liegt ein unzulässiger Interpretationsspielraum des Gerichts vor.
- 37 -
Es wäre an der Beklagten gewesen, sich nicht auf einen blossen Verweis auf
act. 20/20 zu begnügen, sondern die nötigen Behauptungen aufzustellen. Be-
hauptungen, wieso zwei Reinigungen zu vergüten seien bzw. bei welcher Reini-
gung es sich um die nach ALB vorgeschriebene handeln soll, wurden nicht aufge-
stellt. Inwiefern der Beklagten ein vertraglicher Anspruch auf Bezahlung der Posi-
tionen im Zusammenhang mit der MFK zustehen soll, ist auch nicht klar. Da die
Beklagte es unterlässt, hierzu hinreichende Behauptungen aufzustellen, mangelt
es an der nötigen Substantiierung. Der Beklagten kann daher kein Betrag für Rei-
nigungskosten zugesprochen werden.
Schadensbehebungskosten: Die Beklagte weist zutreffend unter Hinweis auf das
in I._ unterzeichnete Übergabeprotokoll daraufhin, dass die Schäden bereits
im Übergabeprotokoll vermerkt sind (act. 19 S. 16 Rz 15, insb. Fn 47 unter Hin-
weis auf act. 20/6). In der Tat kann dem vom Kläger unterzeichneten Übergabe-
protokoll entnommen werden, dass an den Felgen hinten rechts und hinten links
sowie vorne rechts kleine Schäden festgestellt wurden. Sodann wies der Front-
spoiler Karbon leichte Schäden auf, im Frontbereich gab es geringe Steinschläge.
Weiter ist dem Kommentarfeld zu entnehmen, dass das Wartungsheft als Be-
weismittel zusammen mit dem Abgasdokument zurückbehalten worden war. Der
Kilometerstand betrage 11172 (act. 20/6). Der Rechnung für die Instandstellungs-
arbeiten lässt sich entnehmen, dass es sich um Reparaturarbeiten an den hinte-
ren und der vorderen rechten Felge sowie der Frontschürze handelte. Diese Re-
paraturen decken sich mit den bereits in I._ anlässlich der Übergabe festge-
haltenen Schäden. Hingegen lassen sich dem Übergabeprotokoll keine Schäden
an der Seitenwand links und rechts, sog. "Pickel im Lack", entnehmen. Das Über-
gabeprotokoll datiert vom 6. Februar 2015 (act. 20/6). Die Rechnung für die Repa-
raturen wurde am 17. Februar 2015 ausgestellt (act. 3/59). Da die Beklagte sich
auf Schäden am Fahrzeug beruft, trägt sie hierfür die Behauptungs- und Beweis-
last. Der Kläger hat die Schäden bestritten.
Hinsichtlich der im Übergabeprotokoll aufgeführten Mängel gelingt der Beklagten
jedoch der Beweis, dass diese Schäden bereits in I._ vorlagen, hat der Klä-
ger dieses Protokoll doch unterschrieben (act. 20/6). Soweit der Kläger behauptet,
- 38 -
die Kosten für die Mängelbehebung seien zu hoch, handelt es sich um eine pau-
schale Bestreitung, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist. Folglich ist der
Kläger zu verpflichten, der Beklagten für die im Protokoll festgehaltenen Mängel
den Betrag von CHF 7'991.00 (Felgen bis und mit Splitter Carbon "matt" Rohteil)
zu ersetzen.
Von den Schäden an den Seitenwänden, welche gemäss Rechnung repariert
wurden, aber im Übergabeprotokoll nicht erwähnt sind, befinden sich weder Fotos
noch weitere Unterlagen in den Akten. Zwar ist möglich, dass solche Schäden
während der Beförderung des Fahrzeugs nach J._ entstanden sind. Davon
kann aber nicht mit Sicherheit ausgegangen werden. Abgesehen davon fehlen zu
den Pickeln an beiden Seitenwänden irgendwelche Behauptungen in den Rechts-
schriften. Übergabeprotokolle zwischen dem Spediteur und der Beklagten liegen
nicht bei den Akten. Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass die Beklagte
den Substantiierungsanforderungen hinsichtlich der Pickel im Lack nachgekom-
men wäre, so misslingt ihr hinsichtlich der Schäden an den Seitenwänden (Arbei-
ten, Lackierung und Steinschutzfolie von insgesamt CHF 2'923.40) der Beweis
dafür, dass diese bei der Übergabe schon vorhanden oder sich während des
Transports ereignet haben. Damit kann offen gelassen werden, wie es sich ver-
halten hätte, wenn die Schäden nachweislich während des Transports entstanden
wären. Auch hinsichtlich der Arbeiten im Zusammenhang mit dem Steuergerät
Noselift und dem Gerät Noselift selber liegt ein unzulässiger Interpretationsspiel-
raum des Gerichts vor. Es wäre an der Beklagte gewesen, genau auszuführen,
inwiefern diese Schäden durch den Kläger verursacht sein sollen. Aus der Beilage
lässt sich entnehmen, dass sie vermutlich durch eine Überbrückung entstanden
sind. Wer diese vorgenommen hat, bleibt aber unklar. Folglich ist dieser Scha-
densposten mangels Substantiierung abzuweisen.
Demnach ist der Kläger zu verpflichten, der Beklagten für Servicearbeiten
CHF 2'702.22 und für die Behebung der Schäden am Fahrzeug CHF 7'991.00,
d.h. insgesamt CHF 10'693.22 bzw. CHF 11'548.68 (inkl. MwSt) zu bezahlen. Im
übersteigenden Umfang ist die Widerklage in Bezug auf die geltend gemachten
Instandstellungskosten abzuweisen.
- 39 -
8.2.3. Betreibungskosten
Die Beklagte verlangt vom Kläger die Rückerstattung von CHF 103.30 Betrei-
bungskosten (act. 19 S. 16 Rz. 15). Der Kläger stellt sich auf den Standpunkt, die
Betreibungskosten seien nicht geschuldet, da der Widerklageanspruch nicht be-
stehe und der Betreibung kein Erfolg beschieden sei (act. 44 S. 21 Rz. 12).
Der Zahlungsbefehl hat unbezahlte Leasingraten in der Höhe von CHF 16'453.–
sowie übrige Forderungen in der Höhe von CHF 221.80 zum Gegenstand; er da-
tiert vom 4. November 2014 (act. 19 S. 16 Rz. 15; act. 3/58). Folglich können die
Kosten bei der Vollstreckung nicht mehr vorab erhoben werden. Entsprechend
seinem Unterliegen in Bezug auf die Leasingraten ist der Kläger zu verpflichten,
die Kosten des Zahlungsbefehls in der Höhe von CHF 103.30 zu bezahlen.
8.2.4. Verzugszins
Die Beklagte verlangt vom Kläger auf der eingeklagten Widerklagesumme einen
Verzugszins zu 5% seit 27. Juli 2015 (act. 19 S. 16 Ziff. 15 mit Hinweis auf
act. 3/67). Eventualiter seien die Ausstände mit der Betreibung vom 29. Septem-
ber 2015 in Verzug gesetzt worden (act. 49 S. 16 Rz. 76 mit Hinweis auf
act. 3/71). Der Kläger bestreitet die Forderung inkl. Verzugszins seit 27. Juli 2015
vollumfänglich (act. 44 S. 18 Rz. 1). Die Schlussabrechnung vom 17. Juli 2015
über CHF 80'559.95, worauf die Beklagte ihren Verzugszins stützt, stellt entgegen
der Ansicht der Beklagten keine unmissverständliche Aufforderung zur Zahlung
dar. Vielmehr handelt es sich lediglich um ein Ersuchen um Zahlung (vgl.
act. 3/67). Die im Schreiben vom 26. Juli 2015 (act. 3/68) erwähnte Mahnung vom
23. Juli 2015 liegt nicht in den Akten. Hingegen ergibt sich aus dem Zahlungsbe-
fehl vom 29. September 2015 über CHF 75'189.95, dass damit der offene Saldo
aus dem Leasingvertrag betrieben wurde. Der Zahlungsbefehl wurde dem Kläger
am 8. Januar 2016 zugestellt, weshalb der Verzugszins ab 9. Januar 2016 ge-
schuldet ist.
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9. Kosten- und Entschädigungsfolgen
9.1. Gerichtskosten
Die Höhe der Gerichtsgebühr bestimmt sich nach der Gebührenverordnung des
Obergerichts vom 8. September 2010 (GebV OG; Art. 96 ZPO i.V.m. § 199 Abs. 1
GOG) und richtet sich in erster Linie nach dem Streitwert bzw. nach dem tatsäch-
lichen Streitinteresse (§ 2 Abs. 1 lit. a GebV OG). Der Streitwert beträgt vorlie-
gend CHF 232'671.25, da sich Haupt- und Widerklage nur im Umfang von
CHF 17'111.75 (Instandstellungskosten) nicht gegenseitig ausschliessen (Art. 94
Abs. 2 ZPO). Vorliegend erweist sich die ordentliche Gerichtsgebühr von rund
CHF 14'100.– als angemessen. Der Kläger unterliegt mit seiner Hauptklage voll-
umfänglich. Die Beklagte obsiegt mit ihrer Widerklage in der Höhe von
CHF 38'537.89. Folglich obsiegt der Kläger insgesamt zu rund 15 Prozent. Die
Gerichtsgebühr ist ausgangsgemäss dem Kläger im Umfang seines Unterliegens
zu 85 Prozent, entsprechend rund CHF 12'000.–, bzw. im Umfang von 15 Pro-
zent, entsprechend rund CHF 2'100.–, der Beklagten aufzuerlegen und vorab aus
den von den Parteien geleisteten Kostenvorschüssen zu beziehen (Art. 111
Abs. 1 ZPO).
9.2. Entschädigungen
Die Höhe der Parteientschädigung ist nach der Verordnung über die Anwaltsge-
bühren vom 8. September 2010 zu bemessen (AnwGebV; Art. 105 Abs. 2 ZPO).
Grundlage ist auch hier der Streitwert (§ 2 Abs. 1 lit. a AnwGebV). Bei einem
Streitwert von CHF 232'671.25 beträgt die Grundgebühr rund CHF 17'000.–. Sie
ist mit der Begründung bzw. Beantwortung der Klage verdient und deckt auch den
Aufwand für die Teilnahme an einer allfälligen Hauptverhandlung ab. Für die Teil-
nahme an zusätzlichen Verhandlungen und für weitere notwendige Rechtsschrif-
ten wird ein Zuschlag von je höchstens der Hälfte der Grundgebühr berechnet
(§ 11 Abs. 1 und 2 AnwGebV i.V.m. § 4 Abs. 1 AnwGebV). Als angemessen er-
weist sich unter Berücksichtigung der Teilnahme an der Vergleichsverhandlung
sowie des Einreichens einer zweiten Rechtsschrift eine Parteientschädigung von
150%, d.h. CHF 25'500.–. Diese ist – unter Verrechnung der Ansprüche des Klä-
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gers (inkl. MwSt.) – der Beklagten im Umfang von rund CHF 17'500.–, zuzuspre-
chen. Mangels beklagtischen Antrags ist keine Mehrwertsteuer geschuldet.
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Widerklage wird teilweise gutgeheissen und der Kläger/Widerbeklagte
verpflichtet, der Beklagten/Widerklägerin CHF 38'537.89 zzgl. Verzugszins
zu 5 % seit 9. Januar 2016, zu bezahlen. Im übersteigenden Umfang wird
die Widerklage abgewiesen.
3. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 14'100.–.
4. Die Kosten werden im Umfang von CHF 12'000.– dem Kläger/ Widerbeklag-
ten und im Umfang von CHF 2'100.– der Beklagten/Widerklägerin auferlegt
und je aus den von den Parteien geleisteten Kostenvorschüssen gedeckt.
5. Der Kläger/Widerbeklagte wird verpflichtet, der Beklagten/Widerklägerin eine
Parteientschädigung in der Höhe von CHF 17'500.– zu bezahlen.
6. Schriftliche Mitteilung an die Parteien.
7. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-
wert beträgt CHF 232'671.25.
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