# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dcd3cc73-7d7b-5137-8089-65118f4a8d57
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden ersuchten die Gemeinde Scheuren mit Baugesuch vom
12. August 2013 um Bewilligung des Projekts "Abbruch von best. Einfamilienhaus. Neubau
von einem Einfamilienhaus an einem anderen Standort auf dem Grundstück" auf der
Parzelle Scheuren Grundbuchblatt Nr. XXX. Die Parzelle mit Adresse X_ Weg in
Scheuren war damals mit einem älteren Einfamilienhaus sowie mit einem kleinen
Nebengebäude bebaut; sie liegt in der Dorfkernzone und im Ortsbildschutzgebiet. Die
Beschwerdeführenden modifizierten das Projekt mit Eingabe vom 11. November 2013
zunächst insoweit, als nur noch ein Teilabbruch des bestehenden Einfamilienhauses
vorgesehen wurde; in der Folge reduzierten sie das Abbruchsgesuch allein auf das
Nebengebäude, nachdem die Gemeinde Scheuren mit E-Mail vom 18. November 2013
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darauf hingewiesen hatte, dass auch ein Teilabbruch des bestehenden Einfamilienhauses
nicht als bewilligungsfähig erachtet werde. Mit Bauentscheid vom 3. Dezember 2013
bewilligte die Gemeinde Scheuren den Neubau eines Einfamilienhauses und den Abbruch
des Nebengebäudes unter ausdrücklichem Hinweis, dass allein der Abbruch des
Nebengebäudes zulässig sei.
2. Am 10. September 2014 reichten die Beschwerdeführenden erneut ein Baugesuch
ein. Sie umschrieben ihr Vorhaben als "Gesuch um Abbruch der nicht mehr bewohnten
Liegenschaft am X_ Weg in Scheuren. Damit die Gestaltung sowie Erschliessung für
das neue EFH auf Gb. Nr. XXX fertig erstellt werden kann". Die Gemeinde holte einen
Fachbericht des Berner Heimatschutzes ein. Dieser sprach sich gegen einen "Abbruch auf
Vorrat" aus und beantragte, dass das Projekt in dieser Form nicht bewilligt werden solle.
Gestützt auf diesen Fachbericht verweigerte die Gemeinde Scheuren mit Bauentscheid
vom 1. Dezember 2014 die Bewilligung für das Vorhaben.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 18. Dezember 2014 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen
die Aufhebung des Bauentscheides vom 1. Dezember 2014 und die Erteilung der
Abbruchbewilligung. Sie argumentieren, es fehle an einer gesetzlichen Grundlage für das
Abbruchverbot, denn die kantonalen Bestimmungen zu den schützens- und
erhaltenswerten Baudenkmälern seien nicht anwendbar, und die Gemeinden seien nicht
befugt, eigene Vorschriften zum Schutz von Baudenkmälern zu erlassen.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde Scheuren wies in ihrer
Stellungnahme vom 16. Januar 2015 darauf hin, dass sich der Bauabschlag auf die
kommunalen Vorschriften zum Ortsbildschutz stütze. Ein Abbruch ohne Neubau
wiederspreche dem Erhaltungsziel dieser Bestimmungen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 111115 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Baugesuch abgewiesen wurde,
sind durch den vorinstanzlichen Bauentscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Abbruchbewilligung
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Verweigerung der Abbruchbewilligung finde
keine Stütze im kantonalen oder kommunalen Recht und stelle daher einen
ungerechtfertigten Eingriff in die Eigentumsgarantie dar. Das kantonale Recht enthalte in
Art. 10b BauG Abbruchverbote nur für schützens- und erhaltenswerte Baudenkmäler. Das
fragliche Gebäude sei im entsprechenden Inventar der Einwohnergemeinde Scheuren
nicht verzeichnet. Eine nachträgliche "Unterschutzstellung" im Rahmen eines
Baubewilligungsverfahrens sei nicht zulässig. Das kantonale Recht enthalte kein
Abbruchverbot für nicht schützens- oder erhaltenswerte Gebäude; der beantragte Abbruch
müsse daher bewilligt werden.
b) Nach Art. 1a Abs. 2 BauG ist der Abbruch von Bauten baubewilligungspflichtig. Die
Bewilligung wird gemäss Art. 2 Abs. 1 BauG erteilt, wenn die bau- und planungsrechtlichen
Vorschriften und anderen im Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorgaben
eingehalten werden, die öffentliche Ordnung nicht gefährdet wird und dem Vorhaben keine
Hindernisse der Planung im Sinne der Art. 36 und 62 BauG entgegenstehen.
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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3. Ortsbildschutz
a) Zu den Vorschriften, die im Baubewilligungsverfahren zu prüfen sind, gehören die
Bestimmungen zum Ortsbild- und Denkmalschutz. Dabei dürfen Ortsbildschutz und
Denkmalschutz nicht gleichgesetzt werden. Vielmehr ist zu unterscheiden zwischen dem
allgemeinen Ortsbildschutz nach Art. 9 BauG und der Denkmalpflege nach Art. 10a ff.
BauG.
b) Die Denkmalpflege befasst sich mit Schutz und Erhalt von kulturell, historisch oder
ästhetisch besonders wertvoller Bausubstanz. Schützenswerte und erhaltenswerte
Baudenkmäler sind zu inventarisieren und geniessen als Folge davon einen besonderen
Schutz (Art. 10d f. BauG). Schützenswerte Baudenkmäler dürfen nicht abgebrochen
werden (absolutes Abbruchverbot; Art. 10b Abs. 2 BauG). Erhaltenswerte Baudenkmäler
dürfen nur abgebrochen werden, wenn die Erhaltung unverhältnismässig ist. Im Fall eines
Neubaus ist das Baudenkmal durch ein gestalterisch ebenbürtiges Gebäude zu ersetzen
(relatives Abbruchverbot; Art. 10b Abs. 3 BauG).
Dass hier ein schützens- oder erhaltenswertes Baudenkmal vorliegt, wird von keiner Seite
behauptet. Die Vorinstanz stützt sich bei der Verweigerung der Abbruchbewilligung auf ihre
kommunalen Ortsbildschutzvorschriften. Der angefochtene Entscheid nimmt Bezug auf den
Fachbericht des Berner Heimatschutzes, der als neutrale Fachstelle zur Begutachtung
beigezogen wurde. Danach ist das bestehende Wohnhaus "für den Strassenraum des Dorfkerns von Scheuren von grosser Bedeutung. Das Haus
begleitet wie alle typischen Häuser des Dorfkerns den Strassenzug. Es bildet ein öffentliches
"Vorne" und ein privates "Hinten" und steht prägnant und identitätsstiftend zum A- und Bweg.
Mit dem Wegfallen dieses Volumens wird die typische Dorfstruktur geschwächt und verfällt zu
einer generellen Einfamilienhauszone. Die Renovation oder der denkmalpflegerische Ersatz
des bestehenden Wohnhauses muss grundsätzlich studiert werden. Einem Abbruch auf
Vorrat kann nicht zugestimmt werden."
Diesen Ausführungen lassen sich zwei Stossrichtungen entnehmen. Zum einen soll
verhindert werden, dass mit dem Wegfall des Gebäudes die typische Dorfstruktur
geschwächt wird; es soll also keine Lücke entstehen, wo das Ortsbild nach einer
dorftypischen Bebauung verlangt. Zum anderen will die Gemeinde die Abbruchbewilligung
auch nicht "auf Vorrat" erteilen, sondern nur im Zusammenhang mit einem Neubauprojekt,
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das auf seine Übereinstimmung mit den Ortsbildschutzbestimmungen überprüft werden
kann. Dies bekräftigt die Gemeinde auch in ihrer Stellungnahme vom 16. Januar 2015.
c) Gemäss Art. 10e Abs. 1 BauG ist die Aufnahme in das Bauinventar Voraussetzung
für den denkmalpflegerischen Schutz. Objekte, die nicht im Bauinventar verzeichnet sind,
können nicht im Baubewilligungsverfahren als schützens- oder erhaltenswert eingestuft
werden mit der Konsequenz, dass das absolute oder relative Abbruchverbot zur Geltung
kommt.3
Die Stellungnahme des Berner Heimatschutzes stützt sich zumindest teilweise auf
denkmalpflegerische Überlegungen. Die Vorinstanz begründet ihren Entscheid mit dem
Hinweis auf den Fachbericht des Berner Heimatschutzes. Damit werden
denkmalpflegerische und ortsbildschützerische Gesichtspunkte vermischt. Hinsichtlich der
Rechtsfolgen legt die Vorinstanz ihre Ortsbildschutzvorschriften so aus, dass sie sich auf
das streitige Abbruchprojekt faktisch wie eine Denkmalschutzvorschrift auswirken: Die
Abbruchbewilligung wird an das Vorliegen eines bewilligungsfähigen Neubauprojekts
geknüpft. Nach der Rechtsprechung ist nicht restlos geklärt, ob es gemäss Art. 10b Abs. 3
BauG zulässig ist, die Abbruchbewilligung für ein erhaltenswertes Baudenkmal an das
Vorliegen eines bewilligungsfähigen Neubauprojekts zu knüpfen.4 Die Frage kann hier
offen bleiben, da kein als erhaltenswert eingestuftes und inventarisiertes Baudenkmal
vorliegt.
Die Gemeinde geniesst gemäss Art. 9 Abs. 3 BauG eine eigene Regelungskompetenz im
Hinblick auf den Erlass von Ästhetikvorschriften. Diese umfasst jedoch nur die ästhetisch
motivierte Störungsabwehr, welche in Bezug auf die eigentumsrechtliche Eingriffstiefe
weniger weit geht als der Schutz von kulturhistorisch wertvoller Bausubstanz. Hingegen
räumt das Baugesetz den Gemeinden keine Regelungskompetenz bezüglich des Schutzes
von Baudenkmälern ein.
Für die Statuierung eines Abbruchverbots (auch eines relativen) aus kulturhistorischem
Erhaltungsinteresse fehlt demnach eine Gesetzgebungsdelegation an die Gemeinde.
Daher ist es nicht zulässig, das (relative) Abbruchverbot nach Art. 10b Abs. 3 BauG
3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 10a-10f N. 11. Vorbehalten bleiben Entdeckungen, Art. 10f BauG. 4 Vgl. den vor Inkrafttreten der geltenden baurechtlichen Denkmalschutzvorschriften ergangenen Entscheid des Verwaltungsgerichts in BVR 1995 64 E. 2.
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entgegen Art. 10e Abs. 1 BauG auf nicht inventarisierte Objekte auszudehnen. Die
herangezogenen Vorschriften des Gemeindebaureglements enthalten denn auch kein
Abbruchverbot.
d) Der allgemeine Ortsbild- und Landschaftsschutz gilt anders als der Denkmalschutz
nicht nur für besonders bezeichnete Objekte, sondern überall.5 Art. 9 Abs. 1 BauG stellt
eine „ästhetische Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots
auf. Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur
bestehenden Überbauung schafft, der erheblich stört. Schutzobjekt des allgemeinen
Ortsbildschutzes sind Orts- und Strassenbilder. Die Gemeinden dürfen eigene
Ästhetikvorschriften erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können
(Art. 9 Abs. 3 BauG).
Mit der Ermächtigung der Gemeinden zum Erlass von Vorschriften zum allgemeinen
Ortsbildschutz räumt das kantonale Recht den Gemeinden entsprechende Autonomie ein.6
Die Gemeinden können insbesondere die Anforderungen, denen Bauprojekte im Hinblick
auf den allgemeinen Ortsbildschutz genügen müssen, näher umschreiben.
Die Gemeinde Scheuren hat in Art. 49A Abs. 2 GBR7 festgelegt, welche Ziele der
Ortsbildschutz anstrebt: den Erhalt und die Pflege der historisch und kulturell wertvollen
Siedlungsteile und der Bausubstanz innerhalb des Ortsbildschutzperimeters von Scheuren.
Insbesondere geht es darum, der guten Integration von Neubauten ins traditionelle Ortsbild
grosse Aufmerksamkeit zu widmen. In Art. 49A Abs. 3 GBR wird konkretisiert, welche
Aspekte zu erhalten sind: die historische Bauweise, die Gebäudefluchten, die Dachformen
sowie die traditionelle Gliederung der Fassaden. Baugesuche sind der vom Gemeinderat
bezeichneten neutralen Fachstelle zur Begutachtung und Antragstellung zu unterbreiten
(Art. 49A Abs. 10 GBR).
e) Die Vorinstanz führt in ihrer Stellungnahme vom 16. Januar 2015 aus, das fragliche
Gebäude sei Teil eines kleinen bäuerlichen Zentrums, welches gemäss ISOS als der
"intakteste und räumlich reizvollste Teil des Dorfes" gelte. Das Gebäude sei Teil der
südlichen Begrenzung eines grossen "bäuerlichen Platzraums mit Gärten, Spycher,
5 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 1. 6 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4. 7 Baureglement Scheuren, in Kraft getreten am 26. Februar 2002.
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Nussbaum und bekiesten Vorplätzen". Die giebelständige Stellung des Gebäudes am
Strassenraum des X_Wegs sei charakteristisch und ortsbildprägend.
Das streitige Gebäude bzw. dessen Gebäudefluchten sind also nach
ortsbildschützerischen Gesichtspunkten von Bedeutung als Begrenzung des bestehenden
Platzes im bäuerlichen Zentrum des Dorfes. Die Erhaltung der Gebäudefluchten bildet Teil
der Erhaltungsgrundsätze, die in Art. 49A Abs. 3 GBR angeführt werden. Im Rahmen ihrer
Regelungskompetenz nach Art. 9 Abs. 3 BauG steht es den Gemeinden offen, für Neu-
oder Umbauprojekte zum Zweck des Ortsbildschutzes die Erhaltung der bestehenden
Gebäudefluchten zu verlangen. Sie bewegt sich damit grundsätzlich im Rahmen der ihr
zugestandenen Autonomie.
Die Gemeinde kann also zum Zweck des Ortsbildschutzes Anforderungen an Neubauten
stellen. Sie kann jedoch nicht die Errichtung eines Neubaus an sich verlangen, denn dafür
besteht keine gesetzliche Grundlage. Der Ortsbildschutz greift erst und nur dann, wenn ein
Gesuch für einen Neubau (oder Umbau) eingereicht wird. Mangels gesetzlicher Grundlage
kann die Gemeinde auch auf indirektem Weg keine Baupflicht herbeiführen, indem sie eine
Abbruchbewilligung von einem Neubauprojekt abhängig macht.
f) Eine Baubewilligung kann nach Art. 38 Abs. 3 BauG mit Bedingungen und Auflagen
verbunden werden. Da damit die Baufreiheit bzw. die Eigentumsgarantie beschränkt wird,
müssen die entsprechenden Voraussetzungen beachtet werden: Bedingungen und
Auflagen müssen in einem engen sachlichen Zusammenhang mit dem Bauvorhaben
stehen, durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt und verhältnismässig, d.h. zur
Erreichung des angestrebten Ziels notwendig und geeignet sein.8
Vorliegend hat die Vorinstanz nicht eine an Bedingungen oder Auflagen geknüpfte
Bewilligung erteilt, sondern mangels Vorliegens des von ihr gewünschten Neubauprojekts
die Abbruchbewilligung verweigert. Auch dies hat jedoch für die Bauherrschaft die
Beschränkung der Eigentumsgarantie zur Folge; der Eingriff in dieses verfassungsmässig
garantierte Recht ist nicht geringer, als wenn die Abbruchbewilligung unter einer
entsprechenden Bedingung oder Auflage gewährt worden wäre. Deshalb müssen die
8 Zaugg/Ludwig, Art. 38-39 N. 15a.
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Voraussetzungen der gesetzlichen Grundlage, des öffentlichen Interesses, der
Verhältnismässigkeit und der Durchsetzbarkeit beachtet werden.
Das angestrebte Ziel besteht hier in der Pflege des Ortsbildes, namentlich in der Erhaltung
des Charakters des bäuerlichen Dorfzentrums; insbesondere soll die Begrenzung des
bäuerlichen Platzraums durch Erhaltung der bestehenden Gebäudefluchten bewahrt
werden. Nach dem Gesagten besteht aber für das nicht denkmalgeschützte Gebäude
weder eine gesetzliche Grundlage für ein Abbruchverbot, noch kann die Gemeinde die
Errichtung eines Neubaus verlangen oder durchsetzen. Die Verknüpfung der
Abbruchbewilligung mit der Einreichung eines bewilligungsfähigen Neubauprojekts ist
daher nicht geeignet, das angestrebte Ziel zu erreichen, und erweist sich damit als
unverhältnismässig. Es ist demnach nicht zulässig, die Abbruchbewilligung wegen Fehlens
eines bewilligungsfähigen Neubauprojekts zu verweigern.
4. Entsorgung
a) Nach Art. 14 Abs. 1 AbfG9 müssen Bauabfälle auf der Baustelle oder, soweit dies
betrieblich nicht möglich ist, in einer geeigneten Anlage getrennt und vorschriftsgemäss
entsorgt werden. Grössere Abbrucharbeiten – d.h. solche mit mehr als 500 Kubikmeter
umbautem Volumen – dürfen erst durchgeführt werden, wenn die Bewilligungsbehörde die
Deklaration der Entsorgungswege genehmigt hat.10 Die Deklaration der Entsorgungswege
ist in Art. 17 AbfV geregelt. Sie zeigt auf, dass und wie eine rechtmässige Entsorgung
möglich ist. Sie enthält zu diesem Zweck mindestens Angaben zur Bezeichnung der
Baustelle, zur Art der anfallenden Abfälle, zur Menge der erwarteten Abfälle und zum Ort
der Entsorgung der Abfälle.
b) Das Baugesuch enthält keine Angaben zum Gebäudevolumen. Die Geschosszahl
wird mit 2 angegeben. Dem Situationsplan lässt sich entnehmen, dass der Grundriss
deutlich über 200 m2 beträgt. Der Wert von 500 Kubikmeter wird also deutlich
überschritten. Demnach besteht die erwähnte Deklarationspflicht. Diese Annahme wird im
Übrigen dadurch bestätigt, dass mit dem ursprünglichen Abbruch- und Neubaugesuch vom
12. August 2013 eine Deklaration der Entsorgungswege eingereicht worden war. Auch im
9 Gesetz vom 18. Juni 2003 über die Abfälle (Abfallgesetz, AbfG; BSG 822.1). 10 Art. 14 Abs. 2 AbfG und Art. 16 Abs. 1 Bst. c Abfallverordnung vom 11. Februar 2004 (AbfV; BSG 822.111).
10
vorliegenden Verfahren muss daher eine Deklaration der Entsorgungswege erfolgen und
die Abbrucharbeiten dürfen erst aufgenommen werden, wenn die gewählten
Entsorgungswege genehmigt sind. Das ebenfalls einzureichende Formular betreffend
asbesthaltige Materialien liegt bereits vor.11
5. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Unrecht die Bewilligung zum
Abbruchprojekt auf Basis der kommunalen Ortsbildschutzvorschriften verweigert hat. Der
angefochtene Entscheid ist daher aufzuheben und die Abbruchbewilligung kann mit der
Auflage betreffend die Deklaration der Entsorgungswege12 erteilt werden.
b) Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens werden keine Verfahrenskosten
erhoben (Art. 108 Abs. 2 VRPG13). Die Beschwerdeführenden tragen jedoch die Kosten
des erstinstanzlichen Baubewilligungsverfahrens.
c) Die Beschwerdeführenden haben Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten (Art. 108
Abs. 3 VRPG). Mangels Vorliegens besonderer Umstände sind diese von der Vorinstanz
zu tragen. Der Anwalt der Beschwerdeführer macht ein Honorar von Fr. 3'000.– zuzüglich
Auslagen von Fr. 32.– sowie der Mehrwertsteuer von Fr. 242.55, gesamthaft also
Parteikosten in Höhe von Fr. 3'274.55 geltend, wobei er die Bedeutung der Sache als
durchschnittlich und den gebotenen Zeitaufwand sowie die Schwierigkeit des Prozesses
als unterdurchschnittlich wertet. Dies gibt zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass. Die
Vorinstanz hat demnach den Beschwerdeführern die Parteikosten in Höhe von Fr. 3'274.55
zu ersetzen.