# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1b5a909b-8864-4af9-869d-a091dbd27cd3
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2004
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. In den Monaten September/Oktober 1983, Mai/Juni 1990 und April 2002 bis August 2002 befand sich Z. in der Psychiatrischen Klinik Beverin. Zusätzlich war sie in der Zeit von Juni 1999 bis Oktober 2002 insgesamt zehnmal in der Psychiatrischen Klinik Waldhaus hospitalisiert. Die überwiegend zwangsweise bewirkten Klinikaufenthalte standen jeweils in Zusammenhang mit Alkohol- und Medikamentenmissbrauch, Suizidgefahr, Vernachlässigungserscheinungen und anderen Auffälligkeiten. Ein psychiatrisches Gutachten vom 23. August 1999 nannte als Hauptdiagnose F10.2 (Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom) und als Nebendiagnose F13.2 (Psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom) sowie F07.0 (Organische Persönlichkeitsstörung).
Die vorläufig letzte Einweisung in die Psychiatrische Klinik Waldhaus erfolgte am 30. Oktober 2003, in Form eines fürsorgerischen Freiheitsentzuges im Anschluss an eine notfallmässige Einlieferung vom Vortag ins Kantonsspital Chur. Z. focht diese Massnahme mittels Beschwerde beim Bezirksgerichtsausschuss Landquart an. In der Folge wurde das Verfahren in Absprache mit dem Rechtsvertreter der Betroffenen bis auf weiteres sistiert.
B. Am 28. Oktober 2002 wandte sich Z. an die Vormundschaftsbehörde Y. mit dem Antrag, es sei ihr gestützt auf Art. 372 ZGB ein Vormund zu bestellen. Sie sei seit Jahren nicht mehr in der Lage, ihre Angelegenheiten selber zu regeln. Nachdem die Gesuchstellerin zu einer ersten Besprechung eingeladen worden war, liess sie der Vormundschaftsbehörde am 29. November 2002 durch ihren Rechtsvertreter mitteilen, sie ziehe ihr Begehren um Entmündigung wieder zurück.
Mit Schreiben vom 6. Oktober 2003 machte X. vom Regionalen Sozialdienst Prättigau/Herrschaft/Fünf Dörfer die Vormundschaftsbehörde Y. darauf aufmerksam, dass er Z. seit vier Jahren wie ein Vormund betreue. Er verwalte ihr Einkommen, sei Ansprechperson für Vermieter, Ärzte, Sozialversicherungen und Ämter; er werde benachrichtigt, wenn es ihr nicht gut gehe, und er organisiere dann die nötige Hilfe oder er bringe sie selber zum Arzt oder in die Klinik; bei ferienbedingter Abwesenheit des Arztes sei er überdies Antabuskurator. Er sei nicht mehr bereit, ohne förmlichen Auftrag weiterhin in diesem Sinne tätig zu sein, zumal das Verhalten von Z. auch sonst auffälliger werde (unerklärliches Verschwinden etwa), und er ersuche deshalb um die
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Anordnung geeigneter vormundschaftlicher Massnahmen. Nachdem Z. hierzu am 22. Oktober 2003 angehört worden war – sie räumte dabei ein, dass sie aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen auf Sozialhilfe angewiesen sei, lehnte aber die Ergreifung vormundschaftlicher Massnahmen ab –, gab ihr die Vormundschaftsbehörde Y. mit Beschluss vom 30. Oktober 2003 in der Person von X. einen Beistand zur Seite, wobei die Anordnung auf Art. 392 Ziff. 1 ZGB in Verbindung mit Art. 393 Ziff. 2 ZGB abgestützt wurde. Die Mitteilung des Beschlusses erfolgte am 3. November 2003.
In der Zwischenzeit war es indessen zur oben beschriebenen erneuten Klinikeinweisung vom 29./30. Oktober 2003 gekommen. Z. war in verwirrtem Zustand in ihrer verdreckten Wohnung angetroffen worden. Sie war kaum mehr ansprechbar und hatte insbesondere nicht realisiert, dass der Backofen eingeschaltet war und auf der höchsten Leistungsstufe lief. Nach dieser neuerlichen schweren Krise lehnte X. mit Schreiben vom 7. November 2003 die Übernahme der Beistandschaft ab; er ersuchte die Vormundschaftsbehörde, Z. einen Vormund zu bestellen, der dann die notwendigen Betreuungsmassnahmen an die Hand nehmen könne.
C. Die Vormundschaftsbehörde Y. gab am 12. November 2003 bei den Psychiatrischen Diensten Graubünden Klinik Waldhaus über Z. ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag. Es datiert vom 22. Dezember 2003 und ist von der Verfasserin, Assistenzärztin Dr. med. W., sowie von Chefarzt Dr. med. V. unterzeichnet.
Die Expertin gelangte zur Diagnose F10.2 (Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol, Abhängigkeitssyndrom) sowie zu den Nebendiagnosen F07.0 (Organische Persönlichkeitsstörung) und F23.2 (Akute schizophreniforme psychotische Störung), wobei sie als Ergebnis ihrer Abklärungen zusammenfassend festhielt:
„Infolge der Beobachtungen im klinischen Alltag sowie der Äusserungen der Expl. kann von einem Alkoholmissbrauch über mehrere Jahre ausgegangen werden. Im Weiteren spricht die geschilderte Symptomatik für eine Hirnleistungsschwäche im Sinne eines psychoorganischen Syndroms. Momentan im Vordergrund steht eine akute schizophrenieforme psychotische Störung, wobei eine weitere Beobachtung über den Verlauf dieser Erkrankung notwendig ist. In der momentanen Situation ist die Expl. nicht fähig, einer selbständigen
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Lebensführung bzw. einer Wohnform ohne Betreuung nachzukommen. Es besteht weiterhin eine dringende Spital- und Behandlungsbedürftigkeit. Eine Bevormundung der Expl. ist anzuraten.“
Auf die konkreten Fragen, welche ihr unterbreitetet worden waren, antwortete die Gutachterin wie folgt:
Geisteskrankheit/Geistesschwäche „Es liegt eine psychische Störung bei der Expl. vor, diese Störung ist dauerhaft. Diese Störung zeigt sich im Sinne einer über mehrere Jahre bestehenden Abhängigkeit von Alkohol sowie einer missbräuchlichen Einnahme von Sedativa und Hypnotika. Des weiteren besteht bei der Expl. eine organische Persönlichkeitsstörung. Überdies zeigt sie im klinischen Alltag häufig Nervosität, psychomotorische Unruhe sowie Ein- und Durchschlafschwierigkeiten. Die geschilderten Erkrankungen können mit einer medikamentösen Therapie sowie einer Psychotherapie behandelt werden. Diese Behandlung umfasst einen längeren Zeitraum. Unter Berücksichtigung der aktuellen Wesensveränderungen und der sich im klinischen Alltag aufzuzeigenden Defizite ist die Prognose jedoch fraglich und sehr komplex. Nur der weitere katamnestische Verlauf kann Aufschluss über die therapeutischen Möglichkeiten geben.“
Auswirkungen „Die psychische Störung der Expl. äussert sich in einer andauernden reduzierten Fähigkeit, zielgerichtete Aktivitäten durchzuhalten. Hinzu kommt eine ausgeprägte emotionale Instabilität. Es kommt zur Vernachlässigung der Körperpflege, ein leichter Wechsel zwischen Reizbarkeit oder kurz andauernden Wutausbrüchen mit aggressiven Tendenzen wurden beobachtet. Im klinischen Alltag fiel auf, dass die Expl. Bedürfnisse und Impulse meist ohne Berücksichtigung von Konsequenzen oder sozialen Nachteilen äussert. Ihr Misstrauen gegenüber den sie betreuenden Personen beeinträchtigt die Zusammenarbeit und das psychotherapeutische Geschehen. Darüberhinaus fällt eine sehr erniedrigte Frustrationstoleranz auf, die zu einem trotzigen uneinsichtigen Verhalten führt. Auf Grund der Schilderungen im Gutachten kann davon ausgegangen werden, dass eine vollumfängliche selbständige Lebensführung in der momentanen Situation der Expl. nicht möglich ist. Es wird eine geeignete Unterbringung in einer Wohngemeinschaft mit ausreichender Betreuung empfohlen.“
Suchtproblematik „Die Expl. leidet an einer Suchterkrankung in Form einer Alkoholabhängigkeit. Diese Erkrankung lässt sich am besten durch eine kontrollierte Abstinenz und supportive Psychotherapie behandeln. Eine Einstellung auf Antabus ist bereits mehrfach erfolgt. Momentan lehnt die Expl. die Wiedereinstellung auf Antabus ab. Voraussetzung für eine Rückkehr in eine selbständige Wohnform ist eine Sicherung der Abstinenz. Sollte es zu einer Wiedereinstellung auf Antabus kommen, so bezieht dies eine ambulante Betreuung mit ein sowie eine zwei Mal wöchentliche Einnahme von Antabus, z. B. in der Tagesklinik der Klinik Waldhaus.“
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Vormundschaftliche Massnahmen „Auf Grund der beschriebenen Symptomatik bei der Expl. kann die Entmündigung bzw. Errichtung einer Vormundschaft zu einer kurzfristigen Verschlechterung des Geisteszustandes führen, da die Expl. jeglichen Eingriff in ihr Leben deutlich ablehnt. In der Gesamtbetrachtung der Anamnese der Expl. ist jedoch davon auszugehen, dass nur durch eine Errichtung einer Vormundschaft eine vollumfängliche Absicherung der Lebenssituation und der Zusammenarbeit mit der Expl. möglich wird.“
Künftige Wohnform „Wie bereits beschrieben, ist die Expl. momentan nicht fähig, alleine einen Haushalt zu führen. Die dahingehende Empfehlung lautet auf eine Unterbringung in einer geeigneten und betreuten Wohngruppe bzw. Wohnheimform. Dahingehend stehen verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. In den Gesprächen mit der Expl. wurde dieses Thema mehrfach angeschnitten. Die Expl. lehnt eine dahingehende Empfehlung deutlich ab und möchte in die eigene Wohnung zurückkehren."
D. Am 22. Januar 2004 fand zwischen einer Delegation der Vormundschaftsbehörde Y. und Z. sowie ihrem Rechtsvertreter eine Besprechung statt. Unter Hinweis auf die Krankengeschichte und die Empfehlungen im psychiatrischen Gutachten wurde Z. darauf aufmerksam gemacht, dass ihr gegenüber eine Entmündigung in Betracht gezogen werden müsse. Die Betroffene bestritt, dass sie vormundschaftlicher Hilfe bedürfe. Sie sei nicht krank und deshalb auch nicht gewillt, in ein Wohnheim zu übersiedeln oder sonstwie in einem sogenannten geschützten Rahmen zu wohnen. Rechtsanwalt Dr. Menge gab demgegenüber zu bedenken, es müsse näher geprüft werden, ob seiner Klientin nicht auch mit einer milderen Massnahme als einer Vormundschaft geholfen werden könne.
Z. erhielt eine Bedenkfrist bis Ende Januar 2004 eingeräumt, um sich zu der in Aussicht genommenen vormundschaftlichen Massnahme zu äussern. Falls keine Stellungnahme eingehe, werde aufgrund der gegebenen Aktenlage entschieden.
E. Gestützt auf ein entsprechendes Begehren vom 10. November 2003 beschloss die Vormundschaftsbehörde Y. am 5. Februar 2004:
„1. Dem Gesuch betreffend unentgeltlichen Rechtsbeistand von Z. v. d. RA Dr. iur. J.-P. Menge, Chur, wird die behördliche Bewilligung erteilt. Die Honorarnote ist unter detaillierter Aufführung der einzelnen
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Positionen der Behörde einzureichen. Diese setzt das Anwaltshonorar für den im Verfahren entstandenen Aufwand fest.
2. Die Amtskosten der Vormundschaftsbehörde werden erlassen.

## Considerations