# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bc85e627-e935-5c7a-9d73-784cf6b80d6b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1995 geborene
X._
litt seit seiner Kindheit an den Geburts
gebrechen
Ziff. 273
, Ziff. 404 und Ziff. 208
des Anhanges der Verordnung über Ge
burtsgebrechen (
GgV
; vgl. Urk. 14/1, 14/3, 14/5, 14/7, 14/13, 14/15, 14/16
, 14/18, 14/23
, 14/27, 14/28
, 14/32, 14/37
)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des
Kan
tons Zürich, IV-Stelle,
sprach dem Versicherten aus diesem Grund für den Zeit
raum von April 1996 bis
November
20
15
Leistungen der Invalidenver
siche
rung (Sonderschulmassnahmen, medizinische Massnahmen, psychomo
t
o
rische The
rapie
, Psychotherapie
) zu (Urk. 14/4, 14/9, 14/12, 14/17
, 14/19
, 14/25, 14/30
, 14/38
)
.
1.2
Am 10. Dezember 2016 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine Auf
merksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS
,
bestehend seit Geburt
), wie
der
kehrende depressive Phasen, Adipositas und fehlende soziale Kontakte bei der IV-Stelle zum
Leistungsbezug an
(Urk. 14/39)
.
Die IV-Stelle
führte
in der Folge
ein Standortgespräch durch
(Urk. 14/42
, 14/44
)
,
holte Arztberichte ein (Urk. 14/46)
und
aufer
legte
dem Versicherten
mit Schreiben vom 13. April 2017
eine Scha
denminderungspflicht in Form
eine
r
Gewichtsreduktion
(Zielgewicht von 120 kg)
sowi
e einer fachpsychiatrischen/psy
chotherapeutischen Behandlung (Urk. 14/48)
.
Mit Verfügung vom 2. Juni 2017 wies die IV-Stelle, wie mit
Vorbescheid vom
13. April 2017
(U
rk. 14/49)
in Aussicht gestellt,
das
Leistungs
begehren
ab (Urk
. 14/50)
.
1.
3
Unter Hinweis auf eine rezidivierende depressive Störung sowie auf eine Adi
positas dritten Grades meldete sich der Versicherte am 18. Oktober 2019 bei der IV-Stelle
erneut
zum Leistungsbezug an
(
Urk. 14/52
).
Auf
Aufforderung
der IV-Stelle
vom 4. November 2019
hin
(Urk. 14/55)
reichte
der Beschwerdeführer
me
di
zinische Berichte ein
(Urk. 14/56
, 14/57
).
Mit Vorbescheid vom 4. Februar 2020 stellte die IV-Stelle dem Versicherten
abermals
die Ab
wei
sung seines Leis
tungs
begehrens in Aussicht (Urk. 14/59).
Am
7. Februar 2020 liess der Kran
ken
tag
geldversicherer der IV-Stelle die Akten zukommen (Urk. 14/60)
;
d
iese wies mit
Ver
fügung vom 17. März 2020 das Leistungsbegehren des Versicherten ab (Urk. 2 [= Urk. 14/62]).
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom 17. März 2020 (Urk. 2)
erhob der Versicherte mit Ein
gabe vom 12. Mai 2020 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der ange
foch
tenen Verfügung sowie die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle zur Vor
nahme ergänzender medizinischer und beruflich-erwerblicher Abklärungen
und
an
schliessende
r
Neubeurteilung
,
e
ventualiter sei die angefochtene Verfügung auf
zuheben und ihm eine ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen
;
alles
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin
. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Durchführung eines zweiten Schriften
wechsels
(Urk. 1).
Innert mit Gerichtsverfügung vom 19. Mai 2020 ge
währter Nachfrist
(Urk. 5)
beantragte der Beschwerdeführer
mit Eingabe vom 4. Juni 2020
ergänzend
, es sei festzustellen, dass die
ihm mit
Schreiben vom 13. April 2017 auferlegte Schadenminderungspfli
cht zur Gewichtsabnahme auf 120 kg
unzu
mut
bar sei
(Urk. 7)
.
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeantwort vom 15. Oktober 2020
auf
Ab
weisung
der Beschwerde
(Urk. 13), was dem Beschwerdeführer mit Gerichts
ver
fügung vom 16. Oktober 2020 zur Kenntnis gebracht
und
zugleich
mitgeteilt
wurde
, dass ein zweiter Schriftenwechsel als nicht erforderlich erachtet werde
(Urk. 15).
2.2
Mit Eingabe vom 23. Oktober 2020
reichte die Rechtsvertreterin des Beschwerde
führers, Rechtsanwältin Stephanie Schwarz, ihre Honorarnote zu den Akten (Urk. 16
, 17
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundes
ge
setzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Er
werbs
un
fähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
glie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Gemäss Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (
IVV
)
muss
mit einer Neuanmeldung glaubhaft gemacht werden, dass sich der Inva
liditäts
grad anspruchsrelevant verändert hat. Der versicherten Person kommt ausnah
ms
weise eine Beweisführungslast zu (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Die
Eintre
tens
voraussetzung
des Glaubhaftmachens soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher be
gründeten, mithin keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Renten
ge
suchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1). Dies gilt auch für eine erneute An
meldung nach einer vor
angegangenen, aber befristeten
Rentenzusprache
(BGE 133 V 263 E. 6.1; siehe auch
M
osimann
,
in:
Frey/Mosimann/Bollinger [Hrsg.], AHVG/IVG Kom
mentar, 2018,
N 20 zu Art. 17 ATSG).
Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement be
treffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leis
tungs
ab
weisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Renten
berechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren ein
zu
treten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht all
seitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2
;
130 V 71
E. 2.2).
1.
3
Ist
die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV
)
, so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Eine solche Änderung kann insbesondere in einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes mit entsprechend verminderter Arbeitsfähigkeit oder, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, in veränderten Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich liegen. Demgegenüber stellt die bloss abweichende Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhaltes keine relevante Änderung dar
, ebenso wie das blosse Hinzutreten einer neuen Diagnose nicht per se einen Revisionsgrund dar
stellt, weil damit das quantitative Element der erheblichen Gesund
heits
ver
schlechterung nicht zwingend ausgewiesen ist
(BGE
141 V 9 E. 2.3
und E. 5.2
mit Hin
weisen).
2.
2.1
Die IV-Stelle stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt,
die neu eingereichten medizinischen Unterlagen hätten keine neuen Erkenntnisse beinhaltet, zumal die darin genannten Diagnosen alle bereits bekannt seien. Ab 26. Juni 2019 sei eine volle Arbeitsunfähigkeit, ab Mitte September 2019 bereits eine 50%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen, eine Steigerung um weitere 10 % sei im Dezember 2019 geplant gewesen. Da die
«
genannten Diagnosen besserungs
fähig
»
seien, sei keine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgewiesen, welche eine lang
andauernde Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu begründen vermöge
(Urk. 2).
In
ihrer
Vernehmlassung vom 15. Oktober 2020 führ
t
e
die IV-Stelle
ergänzend aus,
Adipositas sei unter Berücksichtigung der besonderen Umstände des Einzel
falles als invalidisierend zu betrachten, sofern sie weder durch geeignete Behand
lung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden könne, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Er
werbsfähigkeit zur Folge habe.
Dies sei vorliegend nicht der Fall.
Der Be
schwer
de
führer befinde sich zurzeit in Behandlung, auch seien eine medikamentöse The
rapie sowie eine Esstherapie geplant, allenfalls seien auch eine Bewegungs
the
rapie oder eine Operation durchzuführen, was allesamt geeignete Behandlungen für eine zumutbare Gewichtsreduk
tion seien.
Weder hinsichtlich des Atemwegs
infektes noch
hinsichtlich
der Fussverletzung seien Komplikationen ausgewiesen worden; da diese Be
schwerden keine relevante Schwere erreicht hätten, sei von weiteren Abklärungen abgesehen worden. Indem sämtliche Unterlagen berück
sichtigt worden seien, sei dem Untersuchungsgrundsatz nachgekommen worden
(Urk. 13).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
zunächst sei das Wartejahr im Zeitpunkt des Verfügungserlasses im März 2020 noch nicht erfüllt gewesen, weshalb der abweisende Entscheid verfrüht ergangen sei.
An
gesichts
der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes sei die IV-Stelle im Herbst 2019 zu Recht auf die Neuanmeldung eingetreten, aufgrund der Verfügung und nach Akteneinsicht sei jedoch davon auszugehen, dass die IV-Stelle keine ge
nügenden Abklärungen getätigt und den Entscheid nicht gestützt auf die aktuelle medizinische Situation getroffen habe
.
Dazu wäre
sie aufgrund der Be
richte des Zentrums
Y._
jedoch ver
pflichtet gewesen, zumal aus diesen nachvollziehbar hervor
gehe, dass er als Folge der morbiden Adipositas an diversen somatischen Be
schwerden leide
, welche sowohl die Ausübung seiner angestammten Tätigkeit ver
unmöglichten als auch zum Abbruch der zweiten Lehre geführt hätten
.
Anläss
lich der Behandlung seiner Adipositas habe er bereits eine Reduktion des Ge
wich
tes erreichen können
.
D
as von der IV-Stelle angeführte Zielgewicht sei je
doch weder erreichbar noch zumutbar, was von seiner behandelnden Ärztin
aus
drücklich
bestätigt werde
, weshalb die diesbezügliche Auflage der IV-Stelle unzumutbar sei
. Die i
ntegrierte Psychiatrie
Z._
, bei der er sich
seit April 2020
einer teilstationären
psychiatrischen
Be
handlung unterziehe
und somit eine der Auflagen zur Schadenminderung erfülle
, be
urteile seine Arbeits
fähigkeit aufgrund der psychiatrischen Diagnosen zudem nach
vollziehbar pessi
mistischer als sein behandelnder Psychiater.
Weitere Ab
klä
rungen hätten auch aufgrund der bekannten Geburts
gebrechen, wegen des
Atem
wegs
infekt
es
und
den erheblichen Fussbeschwerden infolge eines Unfalles
er
folgen müssen, wes
halb
nun die Rückweisung zur polydisziplinären Begut
achtung als angezeigt erscheine, auch um die versäumten aber gebotenen be
ruf
lich-erwerblichen Abklärungen zu tätigen (Urk. 1
und 7
).
Hinsichtlich der Bemessung des hypothetischen
Valideneinkommens
sei an
ge
sichts der seit Kindheit bestehenden Beschwerden zu prüfen, ob er als Frühbehin
derter zu qualifizieren sei; andernfalls sei auf das Einkommen eines Metall
bauers ab
zustellen.
Schliesslich seien aufgrund der noch mehr als ein Jahr dauernden Be
handlung
zur Erlangung einer Teilarbeitsfähigkeit
berufliche Mass
nahmen zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht zu prüfen, auch wenn ihm diese ein grosses An
liegen seien (Urk. 1).
3.
3
.1
Die Frage, ob eine anspruchsbegründende Änderung in den für den Invaliditäts
grad erheblichen Tatsachen eingetreten ist, beurteilt sich durch die Gegenüber
stellung des Sachverhaltes im Zeitpunkt der strittigen Verfügung mit demjenigen, wie er im Zeitpunkt der letzten rechtskräftigen Verfügung bestanden hatte (BGE 130 V 71 E. 3.1). Zeitlicher Ausgangspunkt für die Beurteilung einer anspruchs
er
heblichen Änderung bildet folglich die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruches mit rechtskonformer Sach
ver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleiches beruht (BGE 134 V 131 E. 3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_735/2019 vom 25. Februar 2020 E. 3.2).
3.
2
Mit Verfügung vom 2. Juni 2017 (Urk. 14/50) wies die IV-Stelle
– nach Durch
führung eines Standortgespräches und nach Auferlegung einer Schadenminde
rungspflicht –
das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers ab. Zu prüfen ist folglich, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit Erlass der Ver
fügung vom 2. Juni 2017 bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 17. März 2020 in rentenanspruchsrelevanter Weise verschlechtert hat.
4.
4.1
Die Verfügung vom 2. Juni 2017 (Urk. 14/50) basierte im Wesentlichen auf de
m Bericht von
Dr. med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin FMH, vom 20. März 2017 (Urk. 14/46 S. 1-5)
. Dr.
A._
stellte
–
unter Einbezug der Berichte des Spitals
B._
(Urk. 14/46 S. 6-10) sowie des
Universi
täts
s
pitals
C._
(Urk. 14/46 S. 11-14)
–
folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Obstruktive Ventilationsstörung (ICD-10: J45)
-
Am ehesten
A
dipositas-induziertes Asthma bronchiale
-
Eigensekundenkapazität (FEV1): 66 %
-
Leichtes Schlafapnoe-/Hypopnoe-Syndrom
(ICD-10: G47.3)
-
Morbide Adipositas, WHO-Grad III, BMI 48 kg/m
2
(ICD-10: E66)
-
Adipositas-assoziierte Komorbiditäten: Rückenschmerzen, vermindertes Selbstwertgefühl, Hyperhidrose
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
hielt
sie folgende
fest
:
-
Bekannte ADHS (ICD-10: F90, F98.8)
-
Binge-
eating
-Störung (ICD-10: F50.9)
-
Leichtgradige depressive Episode (ICD-10: F32
.0
)
-
Steatosis hepatis (Fettleber; ICD-10: K76.0)
Dr.
A._
führte aus,
beim Beschwerdeführer bestehe seit der Kindheit Über
ge
wicht, welches sich zu einer morbiden Adipositas ausgeweitet habe. Er
berichte
über Schwierigkeiten bei der Körperhygiene, der Beweglichkeit und bei der All
tags
gestaltung. Seit ein paar Monaten seien nächtliche Atemstörungen sowie morgendliche Müdigkeit aufgetreten. Nach einer Gewichtsreduktion von über 30 % sei die Prognose gut
;
zurzeit bestehe aufgrund der Adipositas eine reduzierte Be
lastbarkeit für mittelschwere und schwere körperliche Tätigkeiten, weshalb der Be
schwerdeführer zu 50-60 % arbeitsunfähig sei. In frühestens sechs Monaten, allenfalls in einem Jahr, könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätig
keit im Umfang von mehr als 50 % gerechnet werden.
4
.2
Vor diesem Hintergrund verneinte die IV-Stelle das Vorliegen eines invalidi
sie
ren
den Gesundheitsschadens und hielt fest, dieser könne sich bei fortbestehendem hohen Gewicht ereignen
(Urk. 14/47 S. 3)
. Sie auferlegte dem Beschwerdeführer
zwecks Verbesserung seines Gesundheitszustandes
mit Schreiben vom
13. April 2017 (Urk. 14/48)
eine Schadenminderungspflicht (Gewichtsreduktion mit Ziel
ge
wicht von 120 kg; fachpsychiatrisch/psycho
thera
peutische Behandlung) und lehnte mit Verfügung vom
2. Juni 2017 (Urk. 14/50)
das Leistungsbegehren ab.
5.
5
.1
Anlässlich der Neuanmeldung vom 18. Oktober 2019
reichte der Beschwerde
führer die folgenden medizinischen Unterlagen zu den Akten:
Dipl.-
M
ed.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte im undatierten Bericht (Urk. 14/56) folgende Diagnosen auf:
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F32.1)
-
Adipositas dritten Grades bei einem BMI von 52.6 (ICD-10: E66.0)
Er hielt fest, der Beschwerdeführer
berichte
über eine gedrückte Stimmungslage und Traurigkeit, seine Fähigkeit, sich zu freuen, sei deutlich gemindert. Zudem be
stünden Angst, innere Unruhe, Gedankenkreisen. Er ziehe sich zunehmend zu
rück, vermeide soziale Kontakte, der Schlaf sei gestört.
Der Beschwerdeführer wirke in der Stimmung traurig und deprimiert, im Affekt gedrückt, angespannt, ängst
lich, im Antrieb gehemmt. Formalgedanklich sei er auf die aktuelle negative Pro
blematik eingeengt, inhaltlich bestehe Gedankenkreisen, jedoch seien keine Wahr
nehmungsstörungen vorhanden. Aufmerksamkeit und Konzentration seien ge
mindert.
Aus diesem Grund sei der Beschwerdeführer seit 26. Juni 2019 zu
100 % und
seit 16. September 2019 zu 50 % arbeitsunfähig. Im Dezember sei eine Steigerung um 10 % geplant.
5
.2
Dr. med.
E._
,
Y._
, führte im Bericht vom 29. November 2019 (Urk. 14/57)
folgende Diagnosen auf:
-
Metabolisches Syndrom mit/bei
-
Adipositas
,
WHO-Grad IV
,
BMI 53.68 kg/m2
-
Diabetes mellitus Typ 2 (
DmT2
)
mit massiver Insulinresistenz nüchtern und postprandial
-
Hyperlipoproteinämie (
HLP
)
-
Hyperuri
k
ämie
-
Hypogonader
Hypogonadismus
-
Verdacht auf Steatosis hepatis
-
Vitamin D-Mangel
-
Depressive Störung
-
ADHS
Sie führte
aus, die Therapie des Beschwerdeführers bedürfe verschiedener Schritte
,
zunächst sei eine psychotherapeutische Behandlung eingeleitet worden.
E
in Ge
wicht von 120 kg sei
zudem
selbst
mit einer chirurgischen Therapie eine absolute Illusion
, das medizinische Zielgewicht betrage 152 kg
;
mittels chirur
gischer The
rapie könne allenfalls ein Gewicht von 130-140 kg erreicht werden, ein tieferes Gewicht
sei hingegen weder nötig noch möglich.
Aufgrund der psy
chia
trischen Situation sei der Beschwerdeführer zurzeit
jedoch
nicht operabel. Ergebnisse seien frühestens in zwölf Monaten zu erwarten; zurzeit sei der Be
schwerdeführer zumindest teilweise arbeitsunfähig,
den genauen
Umfang
der Ar
beits
unfähigkeit
müsse der mitbetreuende Psychiater beurteilen.
5
.3
Dr.
E._
und M.Sc.
F._
, Psychologe FSP,
hielten im Bericht vom
24. Dezember 2019
(Urk. 14/60 S. 23-25)
zuhanden des Krankentaggeldver
sicherers
dieselben wie vorstehend unter E.
5
.2 aufgeführten
Diagnosen fest und führten aus,
der Beschwerdeführer
stehe
seit Jahren in Behandlung wegen de
r
ADHS und der Depression, wobei sich letztere vor allem in Form einer generellen An
triebsschwäche zeige, wodurch er möglicherweise in der körperlichen Aktivität ge
bremst sei.
Die Motivationsanalyse habe einen Leidensdruck unter der jetzigen Gewichtssituation gezeigt, für sportliche Aktivitäten fehlten ihm jedoch Antrieb und Motivation. In seiner Freizeit sei er vor allem zu
H
ause und spiele Com
puter
spiele. Er besuche ungefähr ein-
bis zweimal monatlich seinen behandelnden Psy
chiater. Er wirke in der Schwingungsfähigkeit reduziert, Antriebslosigkeit und Moti
vationsschwäche würden berichtet, er sei psychomotorisch verlangsamt.
5
.4
Dr. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
berichtete
am 27. Januar 2020
zuhanden des Krankentaggeldversicherers
,
er habe den Be
schwer
deführer infolge eines Infektes der oberen Atem
wege am
1. und am
16. Dezember 2019 gesehen.
Aufgrund
eine
s Unfalles mit Verletzung der Fuss
fläche habe zudem eine
Arbeitsunfähigkeit von 10. Januar 2020 bis 22. Januar 2020 vorgelegen
(vgl. auch Urk. 8/3
, 8/4
)
.
Ein Teilpensum sei nicht vorgesehen, viel
mehr
gehe er davon aus, dass
der Beschwerdeführer nach dem Unfall wieder wie zuvor arbeitsfähig sei
(Urk. 14/60 S. 10 f.)
.
5
.
5
Der Beschwerdeführer reichte schliesslich mit Eingabe vom 12. Mai 2020
den Bericht von Dr. med. univ.
H._
und
lic.
phil.
I._
,
Z._
, vom 7. Mai 2020 (Urk. 3/5) zu den Akten. Darin
bestätigten
sie
den
am 20. April 2020 erfolgten
Eintritt des Beschwerdeführers in die Akuttagesklinik zur teil
sta
tionären tagesklinischen Behandlung
sowie d
ie von
D
ipl.-
M
ed.
D._
gestellte Dia
gnose einer
mittelgradigen
depressiven Störung,
zudem eine
ADHS und ein metabolische
s
Syndrom mit Adipositas WHO-Grad IV (ICD-10: F32.1, F90). Es er
gäben sich zudem deutliche Hinweise auf das Vorliegen einer kombinierten Per
sönlichkeitsstörung mit einer ausgeprägten Selbst
wertproblematik, inter
per
sonellen Schwierigkeiten und deutlichen Störungen der Impulskontrolle (ICD-10: F61.0, F63.8), welche einer ausführlichen psychodiagnostischen Abklärung be
dürfe, da sie erhebliche Auswirkung auf den weiteren Behandlungsverlauf habe.
Un
geachtet der
langjährigen hohen psychischen Belastung befinde sich der Be
schwerdeführer erst seit Mitte 2019 in adäquater Behandlung; das jeweilige ge
plante Vorgehen der Arbeitsintegration habe die tatsächlichen aktuellen phy
si
schen und psychischen Kapazitäten weitgehend überschritten.
Er benötige eine längerfristige (mindestens ein Jahr dauernde) kombinierte somatische und psy
chia
trische Behandlung, um wieder arbeitsfähig zu werden. Eine verfrühte Rück
kehr ins Arbeitsleben berge die Gefahr einer Chronifizierung und
einer
weiteren Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes mit allenfalls auch somatischen Fol
ge
schäden. Bei hinreichender Unterstützung und genügend Zeit könne von einer ten
denziell positiven Prognose hinsichtlich der Wiedererlangung einer zumindest teil
weisen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden.
6
.
6.1
Aufgrund der vergleichenden Gegenüberstellung der Sachverhalte im
entscheid
relevanten
Referenzzeitraum bestehen gewisse Anhaltspunkte, dass sich der Ge
sundheitszustand des Beschwerdeführers seit der letztmaligen Rentenprüfung vom 2. Juni 2017 (vgl. vorstehend E. 3.2)
verändert haben könnte.
6.2
Aus somatischer Sicht ist diesbezüglich festzuhalten, dass sich der Grad der Adi
positas erhöht
und zu einem metabolischen Syndrom mit
ein
em
Diabetes mellitus Typ 2, eine
r
Hyperlipoproteinämie, einer Hyperurikämie sowie ein
em
hypo
go
naden
Hypogonadismus
entwickelt hat
.
In
welchem Ausmass diese Beschwerden die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
beeinträchtigen
, lässt sich anhand der Akten nicht feststellen, zumal Dr.
E._
zwar
festhielt,
der Beschwerdeführer sei zu
mindest teilweise arbeitsunfähig, die genaue Arbeitsunfähigkeit könne jedoch nur der
mitbetreuende
Psychiater beurteilen
(vgl. vorstehend E.
5.2
).
Hingegen ist mit der IV-Stelle nicht davon auszugehen, dass der Atemwegsinfekt oder die Fuss
verletzung eine längere Arbeitsunfähigkeit zu begründen ver
moch
ten, zumal der diesbezüglich behandelnde Arzt Dr.
G._
von einer
wiederer
lang
t
en Arbeitsfähigkeit ausging (vgl. vorstehend E. 5.4).
6.3
In psychiatrischer Hinsicht diagnostizierte d
ie behandelnde Ärztin Dr.
A._
im März 2017 eine leichte depressive Episode ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit, begründete dies
e Einschätzung
indes nicht näher (vgl. vorstehend E. 4.1). Dem
gegenüber stellte Dipl.-Med.
D._
im Oktober 2019
die Diagnose einer mittel
gradigen
depressiven
E
pisode,
begründete diese Diagnose ausführlich
und hielt fest, der Beschwerdeführer sei bis Mitte September 2019 vollständig arbeits
un
fähig und ab Mitte September 2019 zu 50 % arbeitsfähig, eine Steigerung um 10 % sei per
Dezember 2019 geplant
.
Die depressive Episode wurde auch von Dr.
E._
und M.Sc.
F._
bestätigt
;
s
ie hielten
im November und Dezember 2019
fest,
der Beschwerdeführer wirke in der Schwingungsfähigkeit redu
ziert, es
lägen Antriebslosigkeit und Motivationsschwäche vor. V
or dem Hinter
grund dieser
psychiatrischen Beschwerden
führten sie aus,
es sei zunächst eine psy
cho
thera
peutische Behandlung eingeleitet worden, da der Be
schwerde
führer aufgrund seiner psychischen Verfassung zurzeit nicht operabel sei (vgl. vor
stehend E. 5.2
und E. 5.3
).
Entsprechende Verlaufsberichte wurden von der IV-Stelle in der Folge nicht ein
geholt
, auch auf Ausführungen zu den Standardindikatoren
–
anhand
welcher
seit BGE 143 V 409 insbesondere auch
die Auswirkungen
leichte
r
bis
mittel
schwere
r
Depressionen
auf die Arbeitsfähigkeit
zu beurteilen sind –
wurde gänz
lich verzichtet
.
Vielmehr stützte sich
RAD-Ärztin Dr. med.
J._
, praktische Ärztin, Mitte Dezember 2019 ausschliesslich auf den Bericht Dipl.-Med.
D._
s, ohne jedoch die Ausführungen
in psychiatrischer Sicht
von Dr.
E._
und M.Sc.
F._
einzubeziehen
, und hie
lt fest, die
gesundheitlichen Beeinträchtigungen
seien besserungs
fähig
(
Urk. 14/58 S. 2
f.)
. Vor diesem Hintergrund lässt
sich
jedoch
auch
der psy
chische Ge
sundheitszustand des Beschwerdeführers nicht ab
schliessend beur
teilen.
Dies gilt umso mehr, als
–
allerdings
erst
mit Beschwerdeerhebung, mithin nicht im Ver
fügungszeitpunkt
(vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2
zur zeitlichen Grenze der ge
richtlichen Überprüfungsbefugnis
)
– im Bericht der
Z._
im Mai 2020
eine mittelgradige depressive Störung
, ein
e
ADHS
sowie deutliche Hinweise auf eine
kombinierte Persönlichkeitsstörung
mit einer ausgeprägten Selbstwertproble
ma
tik, inter
personellen Schwierigkeiten und deutlichen Störungen der Impuls
kontrolle (ICD-10: F61.0, F63.8)
diagnostiziert
wurden (vgl. vorstehend E. 5.5).
6.4
Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass sich der Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers dauerhaft verschlechtert haben könnte, eine schlüssige Beur
tei
lung des Gesundheitszustandes und dessen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgrund der vorhandenen Akten jedoch nicht möglich ist.
Folglich erweist sich der Sachverhalt aus
psychiatrischer
wie auch
aus
somatischer
Sicht
als er
gän
zungs
bedürftig.
Letzteres
gilt auch hinsichtlich
der
dem Beschwerdeführer
von der IV-Stelle auf
er
legten Pflicht zur Gewichtsreduktion auf 120 kg (Urk. 14/48).
Vor dem Hinter
grund, dass Dr.
E._
ein Gewicht von 120 kg
ausdrücklich als
eine
«
absolut
e
Illusion
»
und als
«
weder nötig noch möglich
»
bezeichnete
(vgl. vorstehend E. 5.2)
,
sich RAD-Ärztin Dr.
J._
mit dieser Aussage
hingegen
in keiner Weise
ausein
ander
setzte
(vgl.
Urk. 14/58 S. 3)
, kann vorliegend
ohne weitere
Abklärungen
nicht beurteilt werden, ob eine solche Gewichtsreduktion
für den
Beschwerde
führer zumutbar ist.
6.5
Die angefochtene Verfügung ist demnach aufzuheben und an die
IV-Stelle zu
rück
zuweisen, damit
diese
weitere medizinische
Abklärungen
in Form einer poly
disziplinären Begutachtung
tätige
sowie allenfalls den beruflich-erwerb
lichen Sachverhalt rechtsgenüglich abkläre
und hernach unter Berücksichtigung des gesundheitlichen Verlaufes über den Leis
tungs
anspruch des Beschwerde
führers neu verfüge
. Sollte sich aus psychiatrischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit ergeben, wird zudem
zwecks Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
ein strukturiertes Beweisver
fahren im Sinne von BGE 141 V 281
durch
zu
führen sein
(vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5
.1 f.
; 143 V 418 E. 7.2)
.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.6
Abschliessend ist der Beschwerdeführer, soweit er vorbringt, die angefochtene Ver
fügung vom 17. März 2020 (Urk. 2) sei aufgrund des noch nicht erfüllten Warte
jahres verfrüht erlassen
worden
(vgl. vorstehend E. 2.2)
, darauf hinzu
wei
sen, dass
das Wartejahr nach
Art. 28 Abs.
1
lit
. b
des Bundesgesetzes über die In
validenversicherung (IVG)
von der versicherten Person
im Sinne einer An
spruchsvoraussetzung
im Zeitpunkt der rechts
genüglich erwiesenen Ver
schlech
terung des Gesundheitszustandes respektive des fest
zusetzenden Renten
beginnes bestanden sein muss
(vgl.
Meyer
/
Reichmuth
, Bundesgesetz
über die Invaliden
ver
sicherung, 3. Auflage 2014,
Art. 28 N 23-25
)
.
Verneint die IV-Stelle jedoch
– wie vorliegend –
die Verschlechterung des Gesundheitszustandes, ist sie
ihrerseits
nicht verpflichtet,
vor Erlass der leistungsabweisenden Ver
fügung das Warte
jahr abzu
warten.
7
.
7
.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E.
2.2)
.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Prozessentschädigung
(Art. 61
lit
. g ATSG). Diese ist in Anwendung von § 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
sowie nach Ein
sicht in die Honorarnote vom 23. Oktober 2020 (Urk. 17)
und
unter An
wen
dung des gerichtsüblichen Stundensatzes
von Fr. 220.--
auf Fr.
2'800
.--
(in
klu
si
v
e Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzulegen und der unterliegenden IV-Stelle aufzuerlegen.
7
.2
Die Verfahrenskosten sind auf Fr. 700.-- festzusetzen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und ausgangsgemäss der IV-Stelle aufzuerlegen.