# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0ee3f8c8-2aa4-4a30-b596-bef75635322b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1978, ist Mutter dreier in den Jahren 2001, 2004 und 2008 geborener Kinder. Sie arbeitete seit dem 1. Februar 2000 bei der
Y._
als Verkäuferin, wobei sie diese Erwerbstätigkeit zuletzt zu rund 50 % ausübte und sich daneben ihren Aufgaben als Hausfrau und Mutter widmete (Urk.
7
/13/5, Urk.
7
/18, Urk.
7
/80/3). Am 13. September 2009 kam es am Wohnort der Versicherten zu einer kleinen Auseinandersetzung zwischen ihrer Tochter und dem Sohn eines Nachbarn, in deren Rahmen der Knabe dem Mädchen Gras ins T-Shirt warf. Dies nahm der Ehemann der Versicherten zum Anlass, den Nachbarsjungen zumindest verbal zurechtzuweisen. In der Folge begaben sich der Vater, der 16-jährige Bruder sowie der Onkel des Knaben zur Wohnung der Familie
Z._
, betraten diese ohne anzuklopfen oder die Türklingel zu betätigen, gingen ins Schlafzimmer zum Ehemann der Versicherten und drängten ihn in die Ecke. In der Nähe des Fensters packte ihn einer der Ein
dringlinge von hinten, legte ihm den rechten Arm um den Hals und würgte ihn, so dass dieser Atemprobleme bekam und einen Urinabgang hatte. Gleichzeitig schlug er mit der anderen Faust auf ihn ein. Ausserdem wurde der Ehemann von einem der weiteren Täter von vorne um den Oberkörper festgehalten und mit den Fäusten geschlagen. In der Folge drängten die beiden Schläger den Ehemann gegen den offenstehenden Fensterflügel, wobei dieser aus den Scharnieren fiel, und versuchten ihn mit dem Oberkörper durch das Fenster zu stossen, wogegen sich der Ehemann durch Festhalten am Heizkörper zu wehren versuchte. Schliess
lich hing der Ehemann mit dem Oberkörper ausserhalb des Fensters, wobei er vom einen Angreifer am Unterkörper und vom anderen am Oberkörper festge
halten wurde. Der Vater des vom Ehemann zu
r
echtgewiesenen Nachbarsjungen drohte drei Mal damit, den Ehemann umzubringen. Die sich ebenfalls in der Wohnung befindende Ver
sicherte konnte schliesslich im Nebenzimmer die Polizei anrufen, worauf die Angreifer vom Ehemann abliessen und die Wohnung ver
liessen. Der Ehemann erlitt bei diesem Angriff eine Prellung und Quetschung an den Ellbogen, am Brustbein und im Nacken, einen Bruch des Zeigefingers rechts sowie Kontusionen am Schädel (vgl. Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 10. April 2013, Urk.
7/116/20-24
). Wegen den Folgen dieses Vorfalles meldete sich
X._
am 10.
November 2010 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7
/13). Die Sozialver
siche
rungs
anstalt des Kantons Zürich, IV
Stelle, holte den Arbeitgeberbericht von
Y._
vom 25. November 2010 (Urk.
7
/18) sowie die Arztberichte von Dr. med.
A._
, Spezialarzt FMH für Innere Medizin, vom 1. Dezember 2010 (Eingangsdatum, Urk.
7
/19), und von Dr. med.
B._
,
F
achärztin FMH für
Psychiatrie und
Psychotherapie
, vom 20. Dezember 2010 (Urk.
7
/24) ein. Ausserdem zog sie die Akten der Generali Versicherungen bei (Urk.
7
/22/1-33), insbesondere das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 30. November 2010 (Urk.
7
/22/3-17). Sodann liess die IV-Stelle das psychiatrische Gutachten von Dr. med.
D._
,
F
achärztin FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie
, vom 17. März 2011 erstellen (Urk.
7
/30). Am 19. April 2011 teilte die IV-Stelle
X._
mit, die Abklärungen hätten ergeben, dass ihre Erwerbsfähigkeit mit der
Durchführung einer engmaschigen fachärztlich-psychiatrischen Therapie (Behand
lungsfre
quenz mindestens wöchentlich) mit Optimierung der
Psycho
pharmaka
therapie
wesentlich verbessert werden könne. Die Versicherte werde deshalb im Rahmen ihrer Schaden
minderungspflicht aufgefordert, diese Mass
nahmen umzu
setzen. Dabei sei die Hospitalisation auf einer Psychotherapie
station einer psy
chia
tri
schen Klinik zur Durchbrechung des Chronifizierungs
prozesses dringend indi
ziert. Falls die Versicherte die Massnahme nicht durch
führe, würde der Renten
anspruch so beurteilt, als sei sie durchgeführt worden (Urk.
7
/31). Am 30. Juni 2011 teilte die Versicherte durch Rechtsanwalt Peter Fertig mit, sie werde ent
weder im
E._
oder in der Tagesklinik der
F._
die Behandlung aufnehmen (Urk.
7
/47). In der Folge liess sie sich im
E._
behandeln und die IV-Stelle holte dessen Bericht vom 12. Januar 2012 (Eingangsdatum) ein (Urk.
7
/57). Am 6. Juni 2012 führte die IV-Stelle eine Abklärung im Haushalt von
X._
durch (vgl. Abklärungsbericht vom 12. Juni 2012, Urk.
7
/80). Am 10. Oktober 2012 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, es sei ein weiteres psychiatrisches Gutachten notwendig, welches bei Dr. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, durchgeführt werde (Urk.
7
/82).
X._
machte mit Einwand vom 25. Oktober 2012 gel
tend, es sei ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich, an dieser Begut
achtung mitzu
wirken, da der Begutachtungsort zu weit von ihrem Wohnort entfernt sei (Urk.
7
/84). In der Folge unterbreitete die IV-Stelle diesen Einwand ihrem Rechts
-
dienst, welcher in seiner Stellungnahme vom 3. April 2013 zum Ergebnis ge
langte, es könne grundsätzlich auf die Einholung eines weiteren psychiatri
schen Gutachtens verzichtet werden, da sich aus den vorhandenen Unterlagen ergebe, dass die Versicherte nicht unter einem invalidisierenden Gesundheits
schaden leide (Urk.
7
/91/8-10). Mit Vorbescheid vom 12. April 2013 stellte die IV-Stelle
X._
die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk.
7
/93), wogegen diese am 21. Mai 2013 durch Rechtsanwältin Britta Keller Einwand
erheben liess (Urk.
7
/97). Mit Verfügung vom 22. Mai 2013 wies die IV-Stelle
-
ohne Berücksichtigung des Einwandes - den Rentenanspruch ab (Urk.
7
/98). Gegen diese Verfügung liess
X._
am 21. Juni 2013 Beschwerde erheben (Urk.
7
/104/3-13). Die IV-Stelle hob
in der Folge mit Verfügung vom 20. August 2013 die angefochtene Verfügung vom 22. Mai 2013 wiederer
wä
gungs
weise auf, da sie entgegen ihrer ursprünglichen Ansicht davon ausgehen müsse, dass der Einwand gegen den Vorbescheid rechtzeitig erhoben worden und dieser somit zu berücksichtigen sei (Urk.
7
/107), worauf das hiesige Gericht den Prozess mit Verfügung vom 28. August 2013 als gegenstandslos geworden ab
schrieb (Urk.
7
/110). Die IV-Stelle prüfte den Einwand der Ver
sicherten und wies den Leistungsanspruch mit Verfügung vom 5. November
2013 erneut ab (Urk.
7/115
).
Mit Urteil vom 2
8.
November 2014 hob das Sozialversicherungs
gericht des Kantons Zürich diese Verfügung auf und wies die Sache an die IV-Stelle zurück, damit diese Abklärungen im Sinne der Erwägungen vornehme und danach neu über den Rentenanspruch der Versicherten verfüge (
Urk.
7/118).
1.2
Mit Schreiben vom
5.
September 2016 teilte
X._
der IV-Stelle mit, dass sie seit dem
1.
Mai 2015 im Umfang von rund sieben Stunden pro Woche wieder arbeitstätig sei. Sie habe eine Stelle als Raumpflegerin gefunden, bei der sie allein, ohne anderen Mitarbeitern zu begegnen, arbeiten könne (
Urk.
7/124/3). Die IV-Stelle holte die Arztberichte von
Dr.
med.
H._
, FMH All
gemeine Innere Medizin,
vom 3
0.
September 2016 (
Urk.
7/126/1-6
; unter Beilage weiterer Arztberichte,
Urk.
7/126/7-11) und
von
Dr.
B._
,
vom 13.
Oktober 2016 (
Urk.
7/128) ein. Sodann liess sie das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, vom
2.
Februar 2017 erstellen (
Urk.
7/134).
Mit Vorbescheid vom 30.
März 2017 teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, dass sie das Leistungs
begehren abweisen werde (
Urk.
7/137). Dagegen erhob
X._
durch Rechtsanwältin Keller am
8.
Mai 2017 Einwand (
Urk.
7/142). Mit Verfügung vom 2
9.
Mai 2017 wies die IV-Stelle
das Leistungsbegehren ab (Urk.
7/146).
2.
Gegen diese Verfügung erhob
X._
durch Rechtsanwältin Keller am 2
9.
Juni 2017 Beschwerde mit folgenden Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
«
1.
Die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
9.
Mai 2017 sei aufzuheben.
2.
Es sei eine Ergänzung des Gutachtens einzuholen, um die Einschränkung
der Beschwerdeführerin in der Haushaltsführung zu bestimmen.
3.
Die Beschwerdegegnerin sei aufzufordern, die zur Invaliditätsberechnung
notwendigen Daten zu erheben und die entsprechenden gesetzlichen
Leistungen zu erbringen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl
.
MwSt
zu Lasten der
Beschwerde
gegnerin
.»
Die IV-Stelle ersuchte am
1.
September 2017 um Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was der Beschwerdeführerin am
4.
September 2017 mitgeteilt wurde (
Urk.
8). Am
5.
Oktober 2017 reichte Rechtsanwältin Keller ihre Honorarrechnung ein (
Urk.
9-10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfä
higkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Ein
gliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind aus
schliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichti
gen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare
Eingliederungsmassnahmen wieder
herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
tels
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unent
geltlichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entspre
chend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E.
3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur
Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146
; vgl.
Art.
27 und 27
bis
IVV in der seit dem
1.
Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Änderung der IVV vom
1.
Dezember 2017, in Kraft seit
1.
Januar 2018) wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (vgl. Art. 27 IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtin
va
lidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
(BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
1.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum
es auf die eine und nicht auf die andere medi
zinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswer
tes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Ver
halten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
ein
an
dersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizini
schen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechts
anwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenen
falls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.
5
Nach der allgemeinen Beweisregel (
Art. 8 ZGB
) hat die versicherte Person die invalidisierenden Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung mit dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nachzuweisen. Gelingt dieser Nach
weis nicht, verfügt sie über keinen Leistungsanspruch. Mit anderen Worten wird bei Beweislosigkeit vermutet, dass sich der geklagte Gesundheitsschaden nicht invalidisierend auswirkt: Vermutet wird Validität, nicht Invalidität. An diesem Nachweis kann es unter mehreren Aspekten mangeln: Die Einschränkung ist nicht gesundheitlich, sondern sozial/soziokulturell bedingt (1); die gesundheitliche Ein
schränkung ist nicht evident, wiegt nicht schwer, sodass sie überwindbar und der versicherten Person die Verrichtung einer adaptierten Tätigkeit dennoch zu
mut
bar ist (2); die Einschränkung ist medizinisch angeh- oder gar heilbar (3); die Einschränkung ist nur vorübergehender Natur, sei es, weil sie von selbst oder nach einer medizinischen Behandlung abklingt (4). Die entsprechenden Elemente (gesundheitlicher Charakter, Evidenz und Erheblichkeit, Unheilbarkeit und Dauer
haftigkeit der Beeinträchtigung) sind stets - auch ausserhalb der unklaren Beschwerdebilder - nachzuweisen, damit ein Anspruch auf eine Dauerleistung der
Invalidenversicherung geltend gemacht werden kann (BGE 139 V 547 E. 8.1 und E. 9.4; BGE 140 V 290 E. 3.3.1).
Den unklaren Beschwerden ist eigen, dass mittels klinischer psychiatrischer Unter
suchungen weder Pathologie noch Ätiologie erklärbar sind (BGE 139 V 457 E. 9.4). Gemäss der seit BGE 130 V 352 geltenden Rechtsprechung genügt die
Diagnose eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren Beschwerdebildes ohne orga
nische Grundlage und die allein darauf gestützte medizinische Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit nicht zum Nachweis einer rentenbegründenden Invalidität. Eine Erwerbsunfähigkeit wurde seither nur anerkannt, wenn zusätzliche Kriterien (sogenannte „Foerster-Kriterien“, vgl. ferner BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen) in hinreichendem Ausmass erfüllt waren (BGE 139 V 457 E. 5.9 und E. 6). Dabei kam einer fachgerechten Abklärung besondere Bedeutung zu. Der aus der Diag
nosestellung resultierende Rechtsnachteil der bleibenden Beweislast bedingte eine fachgerechte und aktuelle Untersuchung, welche die rechtsprechungsgemässen Anforderungen an eine Begutachtung erfüllt (BGE 139 V 547 E. 9.2.1).
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine Rechtsprechung zu den Vor
aussetzungen, unter denen anhaltende somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden eine Invalidität zu bewirken vermögen, grundlegend überdacht und teilweise geändert (BGE 141 V 574 E. 3.4). Es erfolgte damit nicht eine Änderung der Voraussetzungen für den Leistungsanspruch, sondern die Schaffung neuer Standardindikatoren für dessen Beurteilung und eines strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahrens (BGE 141 V 281 E. 3.6 und E. 6; BGE 141 V 585 E. 5.3). Unverändert ist auch in Zukunft dem klaren Willen des Gesetzgebers gemäss Art. 7 Abs. 2 ATSG Rechnung zu tragen, wonach im Zuge der objektivierten Betrachtungsweise von der grundsätzlichen „Validität“ der die materielle Beweislast tragenden versicherten Person auszugehen ist (BGE 141 V 281 E. 3.7.2 unter Hinweis auf BGE 139 V 547 E. 8.1; BGE 141 V 585 E. 5.3).
Zwar hatten die Ärztinnen und Ärzte bereits vor der Praxisänderung gemäss BGE 141 V 281 ihre Stellungnahmen zur Arbeitsfähigkeit so substanziell wie möglich zu begründen, und es war für die ärztliche Plausibilitätsprüfung wichtig, in welchen Funktionen die versicherte Person eingeschränkt ist (BGE 140 V 193 E. 3.2; BGE 139 V 547 E. 9.2.1). Die diesbezüglichen Anforderungen hat das Bundesgericht aber nunmehr in BGE 141 V 281 konkretisiert. Aus den medizinischen Unterlagen muss genauer als bisher ersichtlich sein, welche funktio
nellen Ausfälle in Beruf und Alltag aus den versicherten Gesundheitsschäden resultieren. Diagnosestellung und – in der Folge – Invaliditätsbemessung haben somit stärker als bis anhin die entsprechenden
Auswirkungen der diagnose
relevanten Befunde zu berücksichtigen. Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen Ausfällen bei objektivierter Zumut
barkeitsbeurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt. Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan werden kann, trägt weiterhin die materiell beweislastbelastete versicherte Person die Folgen. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung und vergleich
bare Leiden können somit eine Invalidität begründen, sofern funktionelle Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standard
indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit zumindest überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem anspruchserheblichen Ausmass nachgewiesen sind (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 574 E. 4.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte
zur Begründung der
angefochtenen Verfügung aus
, ihr Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin ihre psychia
trischen Behandlungsoptionen nicht wahrgenommen habe.
Eine schwere depressive Störung liege nicht vor, was auch der Umstand zeige, dass die Beschwer
deführerin eine regelmässige Berufstätigkeit aufgenommen habe. Ebenso seien die Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung nicht erfüllt. Aus recht
licher Sicht sei eine invalidisierende Gesundheitsstörung bei der Beschwerde
führerin zu verneinen
(
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin geltend machen, sie sei durch das Erlebnis der «Stürmung» ihrer Wohnung und des Angriffs auf ihren Ehemann derart schockiert gewesen, dass sie in der Folge psychisch schwer erkrankt sei. Ab dieser Straftat habe sie nicht mehr arbeiten können und die Haushaltsführung habe grösstenteils durch ihren Ehemann und ihre Mutter übernommen werden müssen. Die Beschwerdeführerin sei bis im Februar 2015 regelmässig in psy
cho
therapeutischer Behandlung gewesen, es sei jedoch kaum eine Besserung einge
treten und es habe eine Chronifizierung des Zustands festgestellt werden müssen. Dementsprechend habe die Beschwerdeführerin die Psychotherapie auf zwei bis drei Besuche pro Jahr reduziert. Sie nehme auch das Medikament
Temesta
ein, wofür sie von ihrer Psychiaterin jeweils ein Halbjahresrezept erhalte. Im Jahr 2015 habe die Beschwerdeführerin eine berufliche Tätigkeit aufnehmen können. Sie arbeite für rund sieben Stund
e pro Woche als Reinigungskraft, wobei die Arbeit durchführbar sei, weil sie keinen Kontakt mit anderen Personen habe. Ihre Sozialkontakte seien auf ihre Familie und auf eine Freundin beschränkt. Die Beschwerdegegnerin verneine den Rentenanspruch entgegen der Beurteilung der
medizinischen Gutachter, was willkürlich sei. Sie sei offenbar nicht willens, das Vorliegen einer Invalidität bei der Beschwerdeführerin überhaupt in Betracht zu ziehen (
Urk.
1).
3.
3.1
Gemäss dem Arztbericht des Hausarztes Dr.
A._
(Urk. 8/19) besteht bei der Beschwerde
führerin eine Depression seit dem 14. September 2009, wel
che auf den tätlichen Übergriff auf ihren Ehemann vom 13. September 2009 zurück
zuführen sei. Die Beschwerdeführerin weine während der ganzen Kon
sultation, berichte von Ängsten und Schlaflosigkeit. Sie werde psychiatrisch durch Dr.
B._
behandelt und nehme Medikamente ein. Weil die Schläger im gleichen Haus wohnten, hätten sie den Wohnort wechseln müssen. Auch die Kinder seien stark verändert. Die Beschwerdeführerin habe das Gefühl, man habe ihr alles zerstört, und sehe keine Zukunftsperspektiven mehr. Der Haushalt werde zum Teil von ihr und von den Eltern und zum Teil vom Ehemann erle
digt. Ein Arbeitsversuch sei gescheitert. Die Beschwerdeführerin sei seit dem 14. September 2009 zu 100 % arbeitsunfähig. Die Haushaltsarbeiten könne sie nur reduziert vollbringen.
3
.2
Laut dem psychiatrischen Gutachten von Dr.
C._
vom 30. November 2010 (Urk. 8/22/3-17) liegt bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belas
tungsstörung (ICD-10 F43.1) vor. Ihre Arbeitsfähigkeit werde durch Denk
blo
cka
den, Aufmerksamkeits- und Konzentrations
störungen, Antriebs
armut, Ermüd
bar
keit, passives Verhalten, innere Unruhe, Anspannung, Ver
sagenserleben und Ängste beeinträchtigt. Sowohl in der angestammten wie auch in sämtlichen Verweisungs
tätigkeiten betrage die Arbeitsunfähigkeit aktuell 100 %. Die Prog
nose sei nicht schlecht, da posttraumatische Belastungs
störungen in der Regel auch unbe
handelt degressiv verlaufen würden, wenn nicht andere Faktoren, welche bei der Beschwerdeführerin eventuell vorlägen, der Genesung im Wege stehen würden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit könne nur ein stationärer Reha
bi
litationsaufenthalt zu einer Besserung des Zustandes führen, da dann einige den Verlauf ungünstig beeinflussende Faktoren wie die übertriebene Rücksicht
nahme und Fürsorglichkeit ihrer näheren Umgebung wegfallen würden und die Be
schwer
deführerin in eine Tagesstruktur einge
bunden wäre und intensiv behandelt werden könnte. Nach einer solchen Behandlung sei durchaus wieder mit einer vollen Arbeitsfähigkeit zu rechnen.
3
.3
Gemäss dem Bericht der Psychiaterin Dr.
B._
vom 20. Dezember 2010 (Urk. 8/24) besteht bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belas
tungsstörung (ICD-10 F43.1) bei Verdacht auf ängstliche Persönlichkeit. Die Beschwer
deführerin leide unter Ängsten und Flashbacks in Folge des Ereignis
ses
vom 13. September 2009. Sie könne das Haus fast nicht mehr verlassen und nicht zu einer Arbeit gehen. Die Beschwerdeführerin sei vom 13. September bis zum 9. November 2009 zu 100 %, vom 10. November 2009 bis zum 31. März 2010 zu 50 % und ab dem 1. April 2010 wiederum zu 100 % arbeitsunfähig. Die Prognose sei viel schlechter als erwartet, es komme immer wieder zu Rückfällen, die Ängste und Flashbacks nähmen zu. Die Beschwerdeführerin habe Angst vor Rache. Es sei sobald als möglich eine stationäre Behandlung durchzuführen.
3
.4
Laut dem psychiatrischen Gutachten von Dr.
D._
vom 17. März 2011 (Urk. 8/30) besteht bei der Beschwerdeführerin eine schwere, chronifizierte post
traumatische Belastungs
störung (ICD-10 F43.1) mit
komorbid
schwerer depres
siver Episode (ICD-10 F32.2), Agora- und Soziophobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01/F40.1), somatoformer Schmerzkomponente (ICD-10 F45.4) sowie
low
d
ose
Benzo
diazepinabusus
(ICD-10 F13.25). Die akute Symptomatik liege seit dem Trauma vom September 2009 vor. Die schwere psychiatrische Störung führe seit dem 13. September 2009 zu einer gesicherten vollständigen Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit in der freien Wirtschaft, lediglich unterbrochen durch eine attestierte (aber wohl nicht umgesetzte) Arbeitsfähigkeit von 50 % vom 10. November 2009 bis zum 31. März 2010. Generell müsse aufgrund der psychiatrischen Polymorbidität für Tätigkeiten in der freien Wirtschaft von einer anhaltenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Eine ange
passte Tätigkeit könne nicht definiert werden und auch ein geschützter Rahmen könne der Beschwerdeführerin nur in sehr geringem Zeitumfang zuge
mutet werden. Weder die bisherige zweiwöchentliche Therapiefrequenz noch die psycho
phar
makologische Behandlung schienen aber adäquat. Es sei eine sta
tionäre Behand
lung in einer psychiatrischen Klinik angezeigt. Es gelte, den
Chroni
fizierungsprozess
zu durchbrechen. Das wohlwollend umsorgende Famili
en
system, das sich auch heute noch zentral mit dem traumatischen Ereignis beschäftige und gleichzeitig die Symptomatik der Beschwerdeführerin durch die Bestätigung ihrer Hilflosigkeit mit Entlastung und grenzenlosem Ver
ständnis unterhalte, dürfte entscheidend zur Chronifizierung beigetragen haben. Zudem werde die depressive Symptomatik durch die tägliche Konfrontation mit den Unzulänglichkeiten im häuslichen Bereich sowohl als Mutter als auch als Ehe
frau unterhalten. Die Prognose hänge damit einerseits von einer Intensivierung des psychotherapeu
tischen Prozesses und der psychopharma
kologischen Opti
mierung, andererseits aber auch von der Distanzierung von der Familie und damit der dringend notwendigen psychia
trischen Hospitalisierung ab. Für die Beschwerdeführerin sei dieser Schritt allerdings unvorstellbar, da sie fälschli
cherweise der Meinung sei, die Familie auf diese Art erst recht im Stich zu lassen (Urk. 8/30).
3
.5
Gemäss dem Bericht des
E._
(Urk. 8/57) beste
hen bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10
F.43.1) sowie eine Medikamentenabhängigkeit (ICD-10 F13.2) seit Sep
tember 2009. Die Prognose sei unsicher. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer Arbeits
fähigkeit zu 80 % eingeschränkt. Ab Frühsommer 2012 könne mit der Erhöhung der Einsatzfähigkeit auf 50 % gerechnet werden.
3
.6
Im Haushaltabklärungsbericht vom 12. Juni 2012 (Urk. 8/80) wird festgehalten, die Beschwerdeführerin
klage
über häufige Kopfschmerzen und Müdigkeit wegen der Medikamente. Sie habe Probleme wegen des damaligen Überfalls, welche sie in der Seele schmerzten. Auch die Tatsache, dass die Arbeitgeberin ihr bereits nach dreimonatiger Arbeitsabstinenz gekündigt habe, sei für die Beschwerde
führerin unglaublich verletzend gewesen. Von den Medikamenten helfe ihr einzig
Temesta
, die anderen hätten nichts genützt. Ein neues Rezept ihrer Ärztin habe sie nicht eingelöst, wenn sie innerliche Schmerzen habe, esse sie etwas Scharfes wie z.B. eine
Peperoncini
, was ihr helfe. Einen Klinik
auf
enthalt könne sie sich nicht vorstellen, da sie nicht von der Familie
weg wolle
. Der tägliche Besuch der Gesprächstherapie im Oktober und November 2011 sei ihr gar nicht gut bekommen. Es hätten nur alle über ihre schlechten Erfahrun
gen gesprochen, und es sei ihr dadurch noch schlechter gegangen. Sie gehe jetzt nur noch alle 2-3 Wochen zu Dr.
J._
und zu Dr.
B._
. Die Beschwer
deführerin schlafe schlecht. Morgens stehe sie auf und schicke die Kinder zur Schule. Danach tue sie nichts. Sie schlafe auch nicht, sondern tue einfach nichts. Ihre Mutter komme jeden Tag um ca. 11.00 Uhr, um den Haus
halt zu machen und für die Kinder zu kochen. Der Ehemann gehe morgens sehr früh zur Arbeit und komme ent
sprechend bereits zwischen 13.00 Uhr und 13.30 Uhr wieder nach Hause. Er kümmere sich dann ebenfalls um Haushalt und Kin
der. Die Beschwerdeführerin versuche nachmittags einen Spaziergang zu machen und sie sei auch schon mit der kleinen Tochter zum Spielplatz vor dem Haus gegangen. Die öffentlichen Verkehrsmittel könne sie wegen ihren Ängsten nicht benutzen. Die Beschwerde
führerin habe angegeben, bei guter Gesundheit wäre sie weiterhin zu 50 % erwerbstätig. Sie sei zuhause alleine für alles zuständig gewesen, da ihr Ehemann so viel gearbeitet
habe
. Die Abklärungs
person der Beschwerdegegnerin hielt fest, es sei für sie vor Ort nicht nachvoll
ziehbar gewesen, warum die Beschwerde
führerin keinerlei Arbeiten im Haushalt ausführen könne, da sie körperlich nicht eingeschränkt sei. Sie werde aufgrund ihrer psychischen Probleme von ihrer Umgebung mit grosser Rück
sichtnahme und Fürsorglichkeit behandelt und habe keinerlei Verantwort
lichkeiten mehr wahrzunehmen. Alle Arbeiten würden ihr abgenommen. Nach Ansicht der Abklärungsperson könnte die Beschwerde
füh
rerin ihren Haushalt zu 100 % erledigen, wenn sich dieses innerfamiliäre System nicht etabliert hätte und
gar nicht mehr in Frage gestellt würde. Soweit eine Einschränkung aus psychiatri
scher Sicht anerkannt werde, sei von folgenden Zahlen auszugehen: Haushalt
führung
: Anteil 2 %, Einschränkung 0 %; Ernäh
rung: Anteil 30 %, Ein
schränkung 50 %; Wohnungspflege: Anteil 15 %, Einschränkung 50 %; Einkauf und weitere Besorgungen: Anteil 10 %, Einschrän
kung 20 %; Wäsche und Kleiderpflege: Anteil 20 %, Einschränkung 20 %; Betreuung von Kindern und anderen Fami
lienangehörigen: Anteil 20 %, Ein
schränkung 70 %; Verschiede
nes: Anteil 3 %; Einschränkung: 0 %. Gesamthaft ergäbe dies im Haushalt eine Ein
schränkung von 42,5 %.
3
.7.
3
.7.1
Laut Stellungnahme von Dr. med.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerde
gegnerin vom 31. März 2011 (Urk. 8/91/5) erfüllt das Gutachten von Dr.
D._
die relevanten Kriterien, weshalb darauf abgestellt werden könne. Es sei der Beschwerdeführerin aber in Anlehnung an das Gutachten im Rahmen ihrer Schadenminderungspflicht die Auflage zu machen, eine engmaschige psy
chia
trische Therapie mit Optimierung der Psychopharmakotherapie durchzu
führen. Die Hospitalisation in einer psychiatrischen Klinik sei dringend indiziert, liege aber im Ermessensspielraum des behandelnden Psychiaters.
3
.7.2
Am 5. Juli 2011 (Urk. 8/91/5) führte RAD-Arzt Dr.
K._
aus, die Beschwer
de
gegnerin könne der Beschwerdeführerin nicht vorschreiben, bei wel
cher Insti
tution sie die Behandlung durchführe. Es sollte aber sichergestellt wer
den, dass nach einer achtwöchigen Behandlung im
E._
die engmaschige Therapie inkl. Medikamenteneinnahme fortge
setzt werde.
3
.7.3
Am 13. Februar 2012 (Urk. 8/91/6-7) hielten Dr.
K._
und RAD-Ärztin Dr.
med.
L._
, FMH Arbeitsmedizin & Allgemeinmedizin, fest, der Arzt
bericht des
E._
sei nicht plausibel, und es sei ihm nicht zu entnehmen, in welcher Dosierung die Medikamente ver
ordnet worden seien. Die Schadenminderungspflicht könne erst als erfüllt betrachtet werden, wenn die Auflagen ein Jahr durchgeführt worden seien. Zur Überprüfung der Ein
haltung der Schadenminderungspflicht sei deshalb eine weitere psychia
trische Begutachtung durchzuführen.
3
.8
Laut dem Arztbericht von
Dr.
H._
vom 3
0.
September 2016 (
Urk.
7/126/1-6
) bestehen bei der Beschwerdeführerin mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und eine Migräne ohne Aura sowie ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Stamm- und
Astvarikosis
de
r
Vena
saphena
magna hach III links, eine rezidiv-
Varikosis
popliteal
rechts bei Status nach
Crossektomie
, Stripping
vena
saphena
parva
und
Phle
bektomie
Ende 1990,
re-Crossektomie
poplietal
rechts,
Crossektomie
,
Stripping
Vena
saphena
magna bis
infragenigulär
links und
Seitenastphlebektomie
beid
seits.
Die Beschwerdeführerin weise aus psychischen Gründen ein sehr geringes Belastungsvermögen auf.
Sie könne ni
cht mit anderen Leuten zusammen
arbeiten und müsse unbedingt alleine bleiben, da sie sonst eine Panikattacke bekomme.
Die Beschwerdeführerin weise eine verminderte geistige Belastbarkeit und eine starke psychische Leistungsverminderung auf. In welchem Umfang ihr die Aus
übung einer Erwerbstätigkeit noch möglich sei, könne vom Hausarzt
Dr.
H._
nicht beantwortet werden. Weitere Auskünfte seien von der behandelnden Psy
chiaterin
Dr.
B._
einzuholen.
3
.9
Gemäss dem Bericht von
Dr.
B._
vom 2
9.
September 2016 (
Urk.
7/127) bestehen bei der Beschwerdeführerin eine schwere posttraumatische Belastungs
störung seit 2009 (ICD-10 F43.1) sowie eine ängstliche Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6). Sie habe die Beschwerdeführerin letztmals am
4.
Februar 2016 und am
8.
Juni 2015 gesehen, weshalb keine klaren Aussagen möglich seien.
Am
4.
Februar 2016 habe die Beschwerdeführerin knapp 3 1⁄2 Stunden als Putzfrau im
1.
Arbeitsmarkt gearbeitet. Diese Tätigkeit sei behinderungsangepasst. Die Leis
tungsfähigkeit sei um ca. 60 bis 70
%
vermindert gewesen. Trotz Medika
menten sei die Beschwerdeführerin vollkommen erschöpft gewesen. Eine volle Arbeitsfähigkeit sei wahrscheinlich nicht mehr erreichbar. Am 1
3.
Oktober 2016 (
Urk.
7/128) gab
Dr.
B._
in Korrektur ihres Berichtes an, die Beschwerde
führerin habe zwei Mal 4 Stunden pro Woch
e als Putzfrau gearbeitet.
3
.10
Laut dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
I._
vom
2.
Februar
2017 (Urk.
7/134) bestehen bei der Beschwerdeführerin eine posttraumatische Be
las
tungs
störung (ICD-10: F43.1) sowie eine rezidivierende depressive Störung, schwere
depressive Episode (ICD-10: F33.2).
Im Befund zeige sich bei der Be
schwerdeführerin ein gedrückter Affekt mit einer passiv-gekränkten, teilweise miss
trauischen Grundhaltung. Es gebe keine Schwingungsfähigkeit zum positi
ven Pol, einmalig habe die Beschwerdeführerin bei einem emotional be
lastenden Thema geweint. Antrieb, Gestik und Psychomotorik seien vermindert. Eigena
nam
nestisch bestünden Ein- und Durchschlafstörungen und ein Morgen
tief, deut
liche Antriebsminderung tagsüber, eine
Grübelneigung
sowie eine Freudlosigkeit.
Suizidgedanken würden verneint, eigenanamnestisch bestehe ein vollständiger sozialer Rückzug. Die Beschwerdeführerin gebe auf Nachfrage Intrusionen und Flashbacks sowie Vermeidungsverhalten an, kein
Hyperarousal
.
Im Gegensatz zur Begutachtung bei
Dr.
D._
im März 2013 berichte die Beschwerdeführerin über vermehrte Aktivitäten, so gehe sie zwei Mal pro Woche auswärts einer Arbeit nach. Sie fahre auch ihre Kinder zum Arzt, mache den Haushalt, koche und sei auch mit ihrem Mann in den Kosovo in den Urlaub gefahren. Für eine Schmerz
störung bestünden keine Anhaltspunkte, Schmerzen seien von der Beschwerde
führerin nicht thematisiert worden, es lägen keine Berichte vor, dass sie wegen Schmerzen das medizinische System in Anspruch genommen hätte und sie nehme auch keine Schmerzmittel ein. Ein Low-Dose-
Benzodiazepinabusus
könne nicht ausgeschlossen werden, eine Abhängigkeit sei aber unwahrscheinlich, zumal der Spiegel des Beruhigungsmittels
Lorazepam
(
Temesta
) unter der Nachweisgrenze gewesen sei. Die Angabe der Beschwerdeführerin,
dass sie mehrmals pro Tag
Temesta
einnehme, stimme mit dem Laborbefund nicht überein. Es gebe auch keine Hinweise auf eine Persönlichkeitsstörung, die Beschwerdeführerin habe die Schule absolviert, erfolgreich eine Ausbildung abgeschlossen, aufgrund einer Haut
erkrankung den Beruf gewechselt und gearbeitet. Sie habe geheiratet und drei Kinder bekommen. Auffällig sei die sehr niedrige Therapieintensität bzw. die faktisch völlig fehlende Therapie. An invaliditätsfremden Faktoren bestünden eine lange Abwesenheit vom Arbeitsmarkt bzw. eine seit Jahren bestehende gering
fügige Berufstätigkeit. Über weitere invaliditätsfremden Faktoren könne mangels Angaben der Beschwerdeführerin keine Aussage gemacht werden. Für Aggravation gebe es keine sicheren Hinweise, ebenso für ein Suchtleiden. An persönlichen Ressourcen bestünden ein stabiles familiäres Umfeld mit funktio
nierender Ehe und Familie. Ausserdem verfüge die Beschwerdeführerin über eine abgeschlossene Berufs
ausbildung sowie über Berufserfahrung.
Die posttrauma
tische Belastungsstörung und die depressive Störung würden sich gegenseitig negativ verstärken. An verbleibenden Therapieoptionen bestehe zunächst die Möglichkeit einer regelmässigen psychotherapeutischen Behandlung und einer leitliniengerechten Psychopharmakotherapie. Sodann bestehe die Möglichkeit einer tagesklinischen und schliesslich einer vollstationären Behandlung.
Es bestehe bei der Beschwerdeführerin dahingehend eine Diskrepanz, dass sie einen sehr schlechten psychischen Zustand und hohen Leidensdruck beschreibe, jedoch keine Therapie wahrnehme.
In der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin be
stehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
aufgrund der schweren depressiven Antriebs
minderung sowie der mit der posttraumatischen Belastungsstörung verbundenen Intrusionen und Flashbacks. Die Beschwerdeführerin könne deshalb eine Arb
eit, welche regelmässige Kundenkontakt und gute sozialkommunikative Fähigkeiten erfordere, nicht mehr leisten. In ihrer jetzigen Tätigkeit als Putzfrau bestehe eine Restleistungsfähigkeit von 15 Stunden pro Woche, d.h. bezogen auf eine Vollzeitstelle von 37,5
%
. Im zeitlichen Verlauf sei eine Arbeitsfähigkeit für eine angepasste Tätigkeit von 20
%
ab Anfang 2016 und von 50
%
ab Anfang 2017 plausibel.
3
.11
Gemäss der Stellungnahme von RAD-Ärztin
Dr.
med.
M._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
0.
Februar
2017 (Urk. 7/135/3-5) liegt bei
der Beschwerdeführerin ein Gesundheitsschaden vor, der die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit überwiegend wahr
schein
lich seit 2009 verunmöglicht. In einer angestammten (vermutlich gemeint: ange
passten) Tätigkeit liege ab Anfang 2017 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit vor. Das psychiatrische Gutachten von
Dr.
I._
erfülle die Anforderungen und es werde empfohlen auf dessen Beurteilungen abzustellen.
4
.
4
.1
Das psychiatrische Gutachten von
Dr.
I._
erfüllt die praxisgemässen Kriterien (vorstehend E.
1.4), setzt sich mit den Aspekten der gesundheitlichen Beeinträch
tigungen der Beschwerdeführerin auseinander und berücksichtigt auch die medi
zinischen
Vorakten
und begründet Abweichungen, soweit die Beurteilung mit diesen nicht im Einklang steht. Insgesamt erweist sich das Gutachten als nach
vollziehbar und vermag in formaler Hinsicht zu überzeugen
4
.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren,
die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer
Belastungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BG
E 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1).
Die Anerkennung eines rentenbe
grün
denden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl.
BGE 144 V 50 E. 4.3
).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
4
.3
Gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeits
fähig
keitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen normativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, zwar den rechtlich geforderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG) nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychia
trischen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeits
fähigkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die
anschliessende
juristische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit haben sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall gemäss der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechts
an
wender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der
rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit
schliessen
lassen (BGE 14
3
V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechtsanwendern zu überprüfen, ob in
concreto
ausschliesslich
funktionelle Ausfälle bei der medi
zinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbarkeitsbe
ur
teilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprüfung nach
Massgabe
des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch Andreas Traub, in: Ueli Kieser [Hrsg.], Sozialversicherungs
rechtstagung 2016, S. 142
Ziff.
3.3.3), sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizinisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 281 E. 6; Urteil des Bundes
gerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4). Entscheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts
abschliessend
nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine
lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit nur dann
als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der
massgeblichen
Beweis
themen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmiges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht
zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuun
gunsten der rentenansprechenden Person auswirkt (
BGE 144 V 50 E. 4.3, 143 V 418 E. 6
).
4
.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
81) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
-
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
-
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich
entscheidend
ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
4
.5
Hinsichtlich des Komplexes Gesundheitsschädigung ergibt sich,
dass bei der Beschwerdeführerin laut Gutachten von
Dr.
I._
eine posttraumatische Belas
tungsstörung sowie eine rezidivierende depressive Störung, schwere depressive Episode vorliegt.
Wie das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich bereits im Urteil vom 2
8.
November 2014 (
Urk.
7/118/11
E. 3.2) festgehalten hat, steht
vorliegend in Frage, ob bei der Beschwerdeführerin ein traumatisches Ereignis von ausserge
wöhnlicher Schwere aufgetreten ist, welches die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung überhaupt erst recht
fertigt. Die Beschwer
de
führerin ist beim Angriff auf ihren Ehemann völlig unbehelligt geblieben und sie konnte ungehindert die Polizei anrufen. Der Angriff richtete sich zwar gegen ihren Ehemann und somit gegen eine der Beschwerde
führerin zweifellos sehr
nahestehende Person
, er wies aber keine ausser
gewöhnliche Schwere auf, zog sich der Ehemann doch keine bleibenden körper
lichen Schäden zu und es bestand auch keine
Lebens
gefahr.
Eine gewisse Schwere kommt dem Angriff vor allem deshalb zu
,
weil
er in der Wohnung der Beschwerdeführerin stattgefunden hat und somit an jenem Ort, welcher einem üblicherweise das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit verleiht und wo man am wenigsten mit einem
solchen Angriff rechnet, zumal am frühen Abend um 17.30 Uhr.
Ausserdem ist der Angriff durch einen Nachbarn erfolgt, welcher sich aufgrund einer absoluten Lappalie
veran
lasst sah, Rache gegen den Ehemann der Beschwerdeführerin auszuüben.
Nach dem Gesagten sprechen einige Anhalts
punkte dafür, dass an der Diagnose einer
posttraumatischen Belastungsstörung
, die sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt, gewisse Zweifel angebracht sind.
Es sind jedenfalls
Anhaltspunkte
dafür vorhan
den
, dass es der posttraumatischen Belastungsstörung an d
er erforderlichen Schwere fehlt, um damit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu rechtfer
tigen.
Zum Indikator „Behandlungserfolg und -resistenz“ ist dem psychiatrischen Gut
achten zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin
faktisch keine psychothera
peutische Behandlung mehr in Anspruch nimmt. Es ist auch die von den Ärzten empfohlene stationäre Behandlung nicht durchgeführt worden. An Medikamen
ten nimmt die Beschwerdeführerin
Temesta
und bei Bedarf
Frovatriptan
gegen Kopfschmerzen
ein, der Medikamentenspiegel zeigt aber auf, dass sie dies nur höchst unregelmässig tut. Die
von der behandelnden Psychiaterin vorgeschlagene
Einnahme
von Antidepressiva
hat die Beschwerdeführerin abgelehnt.
Von einem therapieresistenten Leiden ist unter diesen Umständen nicht zu sprechen.
An wesentlichen somatischen Begleiterkrankungen, welche ihre Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen, leidet die Beschwerdeführerin nicht. Es
sind keine massgeblichen Komorbiditäten ersichtlich.
4
.6
Zu
den Komplexen „Persönlichkeit“ und „sozialer Kontext“
ist festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin gemäss dem Gutachten von
Dr.
I._
keine Persönlichkeitsstörung besteht. Die Beschwerdeführerin wohnt mit ihrem Ehemann und ihren Kindern zusammen und verfügt über ein intaktes Familienleben. Auch zu ihren Eltern scheint sie ein gutes Verhältnis zu haben und ihre Mutter unterstützt sie bei der Führung des Haushaltes und der Betreuung der Kinder.
Die Beschwer
deführerin
hat wieder eine Teilerwerbstätigkeit aufgenommen und kann selber mit dem Auto zum Arbeitsort fahren.
Damit sind weder limitierende Persönlich
keitsmerkmale noch ein ausgeprägter sozialer Rückzug erkennbar und enthält der soziale Lebenskontext bestätigende, sich potenziell günstig auf die Ressourcen auswirkende Faktoren.
Die Ressourcen der Beschwerdeführerin liegen sodann auch gemäss den Untersuchungsbefunden weitgehend im Normbereich, die Be
schwerdeführerin erschien wach, bewusst
seinsklar
, zu allen Qualitäten voll orien
tiert, in der Auffassung unauffällig und der Konzentration ungestört. Es waren keine Hinweise auf Störungen der Merkfähigkeit oder des Gedächtnisses zu erkennen. Auffälligkeiten in den Angaben der Beschwerdeführerin waren einzig darin zu erkennen, dass sie Fragen
häufig mit „
weiss
ich nicht“ beantwortet
e
und sich im formalen Denken auf den Überfall im Jahre 2009 eingeengt zeigte (Urk. 7/123/18).
4
.7
In der Kategorie „Konsistenz“ ist bezüglich des Indikators „
gleichmässige
Ein
schränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen“ fest
zustellen, dass
die Beschwerdeführerin
zwar
nicht dasselbe Aktivitätsniveau erreicht wie vor dem Zwischenfall im Jahr 200
9.
Sie geht aber wieder in geringerem Umfang
an zwei halben Tagen
einer Erwerbstätigkeit nach und sie verfügt auch über eine aktive Tagesgestaltung, führt den Haushalt und beschäftigt sich mit den Kindern. Sodann hat sie Ferien bei der Familie ihres Ehemannes im Kosovo verbracht, wobei es ihr dort allerdings nicht gefal
len hat (
Urk.
7/134/12-14).
Ansonsten lässt sich über das Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin
n
icht viel sagen, da
die Beschwerdeführerin darüber keine Angaben gemacht hat.
Eine
ausgeprägte
Einschränkung im A
lltag ist jedoch
nicht ersichtlich
und e
ine
gleich
mässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbe
reichen kann nicht als erstellt angesehen werden.
4
.8
Bezüglich des Indikators „behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausge
wiesener Leidensdruck“ ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin
Psychothe
rapie in Anspruch genommen hat, dies aber mittlerweile praktisch nicht mehr tut. Es lässt sich auch nicht erstellen, dass die Psychotherapie jemals besonders inten
siv gewesen wäre
und ebenso wenig hat die Beschwerdeführerin eine von den Ärzten an sich als indiziert erachtete stationäre Behandlung in Anspruch ge
nommen. Mit Ausnahme von
Temesta
hat sie die Einnahme von stimmungsauf
hellenden Medikamenten verweigert. Die Einnahme von
Temesta
findet
ausserdem
wie bereits erwähnt nur
unregelmässig
statt.
Auf einen wesentlichen Leidensdruck kann unter diesen Umständen nicht geschlossen werden.
4.9
Damit ist ein erheblicher funktioneller Schweregrad des Leidens
zu verneinen. Insgesamt
fehlt es
am Nachweis, dass die geltend gemachte Einschränkung durch eine versicherte Gesundheitsbeeinträchtigung begründet ist.
A
us der psychischen Symptomatik
lässt sich
kein invalidisierender Gesundheitsschaden darstellen, welcher es der Beschwerdeführerin verunmöglicht, ihre
Arbeitsfähigkeit in ihrer bisherigen
wie auch in einer
anderen
Tätigkeit vollzeitig zu verwerten.
5.
Im Ergebnis führt das Gesagte dazu
, dass die Beschwerdeführerin aus juristischer Sicht nicht als arbeitsunfähig zu gelten hat. Es ist von einer 100%igen Arbeits
fähigkeit
auszugehen und m
angels eines invalidisierenden Gesundheits
schadens hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch zu Recht verneint. Damit erüb
rigt sich auch die Ermittlung des Invaliditätsgrades aufgrund eines Einkommens
vergleichs. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von
Art.
61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unab
hän
gig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.-- bis
Fr.
1‘000.-- festgelegt. Aus
gangs
gemäss sind sie im Betrag von
Fr.
800.-- der Beschwerdeführerin aufzuer
legen.