# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 14e5ffd3-9966-5e7b-b252-2780a3acf5ab
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 19
61
, war
zuletzt
seit
Februar 1992
als
Koch
tätig
gewesen
(
Urk.
6/9)
.
A
m
1
5.
Mai 2000
meldete er sich
unter Hinweis auf die Fol
gen eines Unfalls
vom 1
9.
Mai 1999
bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (
Urk.
6
/4
).
D
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinisc
he und erwerbliche Situation ab und
zog die Unfallak
ten bei.
Mit Verfügung vom
5.
November 2001 sprach die IV-Stelle dem Versi
cherten bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
ab Juli 2000 eine ganze Rente zu
(
Urk.
6/25).
1.2
Eine im Jahr 2003 veranlasste erste Rentenrevision (
Urk.
6/26) ergab einen un
veränderten Invaliditätsgrad von 100
%
(Mitteilung vom 1
8.
November 2003;
Urk.
6/29)
. Zum gleichen Ergebnis führten
die im Jahr 2007 veranlasste zweite Rentenrevision (
Urk.
6/32; Mitteilung vom 2
2.
August 2007;
Urk.
6/36)
und
die dritte Rentenrevision im Jahr 2010 (
Urk.
6/41; Mitteilung vom 3
1.
Januar 2011;
Urk.
6/50). Einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
wurde
jeweils
in allen Revisionsverfahren verneint (
Urk.
6/31;
Urk.
6/39;
Urk.
6/53).
1.3
Im Rahmen des vierten Revisionsverfahrens, welches nach Eingang des am 2
5.
März 2015 ausgefüllten Fragebogens (
Urk.
6/59) eingeleitet wurde, holte die IV-Stelle
insbesondere ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 2
9.
März 2016
vom
Z._
erstattet wurde (
Urk.
6/84).
Am 2
7.
Juli 2016 teilte die IV-Stelle mit, dass zurzeit keine berufli
chen Eingliederungsmassnahmen möglich seien (
Urk.
6/90). Mit Vorbescheid vom 2
2.
September 2016 stellte die IV-Stelle die Einstellung der Invalidenrente in Aus
sicht (
Urk.
6/94), wogegen der Vers
icherte
Einwände erhob (
Urk.
6/98,
Urk.
6/102,
Urk.
6/106). Mit Schreiben vom 1
1.
April 2017 bot die IV-Stelle dem Versicherten Eingliederungsmassnahmen an (
Urk.
6/111).
Mit Verfügung vom 3
0.
Mai 2017 hob die IV-Stelle die Rente auf (
Urk.
6/117).
Am 2
8.
Juni 2017 erliess die IV-Stelle einen neuen Vorbescheid,
mit
welche
m
in Ersetzung der
Verfügung vom 3
0.
Mai 2017
die rückwirkende Aufhebung der Rente per
1.
Januar 2012
und die
vorsorgliche sofortige Sistierung der
Renten
leistung
in Aussicht gestellt wurde
n
(
Urk.
6
/
1
22).
Gleichentags
verfügte die IV-Stelle die wiedererwägungsweise Aufhebung der Verfügung vom 3
0.
Mai 2017 (
Urk.
6/123), wogegen der Versicherte Einwände erhob (
Urk.
6/128,
Urk.
6/130).
Mit Verfügung vom 1
4.
Februar 2018
sistierte die IV-Stelle die Invalidenrente per Ende Juni 2017 (
Urk.
6/131). Am
9.
August 2018 verfügte sie die Einstellung der
Invalidenrente rückwirkend per
1.
Januar 2012 (
Urk.
2/1) und forderte mit Ver
fügung vom 2
2.
August 2018 die ausgerichteten Rentenleistungen
vo
m
1.
Januar 2012 bis 3
0.
Juni 2017
im Betrag von
Fr.
140'898.--
zurück (
Urk.
2/2).
2.
Der Versicherte erhob am 1
0.
September 2018 Beschwerde gegen die Verfügun
gen vom
9.
und 2
2.
August 2018 (
Urk.
2/1,
Urk.
2/2) und beantragte
, diese seien aufzuheben und es sei ihm weiterhin eine ganze Rente der Invalidenversicherung auszurichten (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
Oktober 2018 beantragte die Beschwerdegegne
rin die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5). Mit Gerichtsverfügung vom 2
0.
De
zember 2018 wurde die
Y._
-Pensionskasse zum Prozess beigeladen (
Urk.
8). Mit Eingabe vom 1
7.
Mai 2019 (
Urk.
10) reichte der Beschwerdeführer einen me
dizinischen Bericht ein (
Urk.
11). Innert angesetzter Frist
reichte
die
Beigeladene
keine Stellungnahme ein, was dem Beschwerdeführer
und der Beschwerdegegne
rin, unter Beilage je einer Kopie von
Urk.
10 und
Urk.
11,
am 2
0.
Mai 2019 mit
geteilt wurde (
Urk.
12).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, wel
che auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Da
bei
braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Re
visionsergebnis gestützt auf Art. 74
ter
lit
. f
der Verordnung über die Invaliden
versicherung (
IVV
)
auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachver
halt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.5
Die Herabsetzung oder Aufhebung der Renten, der
Hilflosenentschädigungen
und der Assistenzbeiträge erfolgt gemäss
Art.
88
bis
Abs. 2 IVV:
a.
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgen
den Monats an;
b.
rückwirkend ab Eintritt der für
den Anspruch erheblichen Änderung, wenn die beziehende Person die Leistung zu Unrecht erwirkt hat oder der ihr nach Art. 77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist, unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrechtmässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung der Leistung war (seit dem 1. Januar 2015 geltende Fassung).
Eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit ist auch im Anwendungsbereich von Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. b IVV erst erheblich, wenn sie gemäss Art. 88a Abs. 1 IVV berücksichtigt werden darf, das heisst, wenn sie aller Wahrscheinlichkeit nach längere Zeit andauern wird oder ohne wesentliche Unterbrechung bereits drei Monate angedauert hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_232/2016 vom 30. September 2016 E. 4 und 9C_1022/2012 vom 16. Mai 2013 E. 3.3.1).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging in der angefochtenen Verfügung davon aus (
Urk.
2
/1
), der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
sei seit Januar 2012
verbessert
und
er
sei
in der bisherigen Tätigkeit als Koch
zu
100
%
arbeitsfähig.
Ü
ber die offensichtliche Verbesserung seiner Gesundheit
habe
er
die IV-Stelle
nicht informiert, was eine Verletzung der Meldepflicht darstelle
. Die nachträglich eingereichten medizinischen Berichte beinhalteten keine neuen Befunde,
sondern lediglich andere
Beurteilung
en
desselben medizinischen Sachverhalts (S. 2).
Da eine Meldepflichtverletzung bestehe, werde die Rente rückwirkend per Januar 2012
eingestellt (S. 3). Auf das
Z._
-Gutachten könne abgestellt
werden, da dieses
die Verbesserung des Gesundheitszu
stands nachvollziehbar begründe
(S. 3).
In der Rückforderungsverfügung vom 2
2.
August 2018 (
Urk.
2/2) erfolgte eine Aufforderung zur Rückerstattung der vo
m
1.
Januar 2012 bis 3
0.
Juni 2017 er
haltenen Rentenleistungen in Höhe von
Fr.
140'898.--.
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer im Wesentlichen ein (
Urk.
1), es könne nicht auf das
Z._
-Gutachten abgestellt werden, welches in nicht nachvollzieh
barer Weise eine Verbesserung des Gesundheitszustands postuliere
(S. 6
Ziff.
2
1 ff.). Zusammenfassend sei im vorliegenden Fall von einer jahrzehntelangen
Chro
nifizierung
einer Gesundheitsstörung in Form einer somatoformen Schmerzstö
rung mit erheblichen psychiatrischen Komorbiditäten in Form einer rezidivieren
den depressiven Störung und Angststörung sowie einem dysfunktionalen Verhal
ten auszugehen. Es könne bei einem solchen Krankheitsbild auch Phasen von relativer Stabilität geben, die jedoch nur von kurzer Dauer seien und keine Ar
beitsfähigkeit begründeten (S. 7
Ziff.
28). Es sei ihm unverändert eine ganze Rente zuzusprechen. Eine Rentenaufhebung sei demgegenüber mit einem den bundes
gerichtlichen Vorgaben entsprechenden neuen Gutachten bei einer anderen Gut
achterstelle zu
begründen (S. 7 f.
Ziff.
29). Es werde ihm zu Unrecht eine Verlet
zung der Meldepflicht vorgeworfen und die Rückforderung der Rentenleistungen verlangt (S. 8
Ziff.
30 f.).
2.3
Streit
ig ist die revisionsweise Aufhebung der bisher ausgerichteten ganzen Rente und die Rückforderung der vo
m
1.
Januar 2012 bis 3
0.
Juni 2017 erhaltenen Ren
tenleistungen
.
Es ist zu prüfen
, ob sich die Verhältnisse seit Erlass der rentenzu
spreche
nden Verfügung vom
5.
November 2001
, welche aufgrund einer materi
ellen Prüfung des Rentenanspruchs mit Sachverhaltsabklärung und Beweiswü
r
digung erging, im Vergleich zu den
hier angefochtenen Verfügung
en
vom
9.
und 2
2.
August 2018 in anspruchsre
levanter Weise verändert haben. Weiter ist zu prüfen, ob eine Meldepflichtverletzung vorliegt, welche eine Rückforderung der Rentenleistungen per
1.
Januar 2012 begründet und
wie es sich mit Eingliede
rungsmassnahmen verhält.
3.
3.1
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, Leitender Arzt, und
Dr.
med.
B._
, Oberassistenzärztin,
C._
,
nannten in ih
rem Austrittsb
ericht vom
3.
April 2000 (
Urk.
6/1/17-22)
über den stationären Aufenthalt vom 2
6.
Januar bis
8.
März 2000
die folgenden Diagnosen (S. 1 f.):
-
generalisierte
Myotendoperiostosen
mit Betonung des linken oberen und etwas weniger auch des unteren Quadranten und Übergreifen auch auf die rechte Körperhälfte mit
-
schmerzbedingter leichtgradiger Bewegungseinschränkung der linken Schulter
-
schwerer Kraftminderung im Bereich der linken Hand
-
ausgeprägten vegetativen Beschwerden (Schwitzen, gastrointestinal, Atmung, Schlaf und Vigilanz)
-
diffusen
Dysästhesien
im Bereich des linken Arms
-
positivem
Tinelzeichen
über
Ramus
superficialis
N.
radialis
und
N.
ul
naris
bei
-
Status nach Kontusion des distalen Vorderarmes und des Handgelenks mit Distraktion des linken Arms
-
Verdacht auf
Stinger
-Syndrom (Zerrung des Plexus
brachialis
)
-
kleiner medianer Diskushernie C5/6 links ohne Kompression neuraler Strukturen
-
Angst und depressive Störung gemischt mit
-
Verdacht auf wechselnd starke Ausbreitung von Schmerzen und kör
perlichen Funktionseinbussen im Sinne einer Konversionsstörung
10 Monate nach Kontusion des distalen Vorderarms und Handgelenks mit Dis
traktion des linken Arms zeige sich nun ein Zustandsbild mit generalisierten
My
otendoperiostosen
, ausgeprägten vegetativen Symptomen und einer schmerzbe
dingt
mässiggradigen
Bewegungseinschränkung der linken Schulter, des Ellbo
gens und des Handgelenks. Eine Teilkausalität der Beschwerden mit dem Unfall sei gegeben, nicht erklärt werde dadurch aber die Ausbreitung der Symptome bis in die linke untere Extremität und auf die rechte Körperseite
. Die kleine parame
diane Diskushernie zeige keine Kompression neuraler Strukturen und spiele für das Beschwerdebild höchstens eine untergeordnete Rolle. Aus neurologischer Sicht sei ebenfalls keine Ursache für die Symptomatik gefunden worden (S. 4 f.).
Im linken Handgelenk bestehe nach
Scaphoidfraktur
1984 und
Pseudoarthrose
sanierung
1985 eine
radioscarpale
und intercarpale Ar
t
hrose, die bis zum aktuel
len Unfall klinisch stumm gewesen sei. Eine Traumatisierung einer bisher stum
men Arthrose könne zwar anhaltende Beschwerden auslösen, erkläre aber nicht die weit ausgebreitete
myotendoperiostotische
Symptomatik (S. 5 Mitte).
Zurzeit seien nur leichte Arbeiten in wechselbelastender Tätigkeit unter Gewähr
leistu
ng vermehrter Pausen und halbtäg
igem Einsatz möglich. Tätigkeiten mit repetitiven Bewegungen oder Krafteinsatz des linken Arms oder Überkopfarbeiten seien nicht möglich (S. 5 unten).
3.2
Dr.
med. D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Leitender Arzt,
C._
,
nannten in ihrem Bericht vom
7.
August 2001
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
6/22)
die folgenden Diagnosen (S. 7):
-
somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Konversionsstörung (ICD-10 F44.9)
-
Angst und Depressivität (ICD-10 F41.2)
Die Grundstimmung sei zumindest gegen aussen hin während der
Hospitalisation
im Februar/März 2000 ausgeglichen gewesen, zwischen Sommer 2000
und
Som
mer 2001 habe sich doch häufiger eine zumindest subdepressive, manchmal auch depressive Grundstimmung gezeigt. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei stark eingeschränkt (S. 5).
Psychopathologisch seien diffuse und hypochondrische Ängste aufgefallen. Da
neben bestünden auch anfallsartige Angstepisoden
. Stimmungsmässig sei im Längsverlauf eine Depressivität vermehrt zutage getreten, zudem habe der Be
schwerdeführer über
vermehrte Stimmungsschwankungen berichtet. Auf der kog
nitiven Seite müsse aufgrund anamnestischer Angaben von wiederholten Episo
den mit veränderter Bewusstseinslage ausgegangen werden. In der direkten Ex
ploration sei die Kognition aber jederzeit intakt gewesen (S. 5 unten). Seine viel
gestaltigen körperlichen Beschwerden, mit dem ausgedehnten Schmerzsyndrom im Zentrum, daneben aber auch passageren Lähmungserscheinungen, Zuständen veränderter Bewusstseinslage, unspezifische
n
Magenbeschwerden und anfalls
weisem Erbrechen würden gleichsam als Abwehr grosser innerer Angst und Ver
unsicherung und möglicherweise auch weiterer tiefer liegenden innerer Konflikte wirken (S. 6 oben).
Aufgrund fremdanamnestischer Angaben müsse davon ausgegangen werden, dass der Beschwerdeführer schon früher zu gewissen Somatisierungen geneigt habe, es ihm aber bis zum Unfallereignis 1999 gelungen sei, ein Gleichgewicht soweit aufrecht zu erhalten, dass er seine beruflichen und familiären Pflichten habe vollumfänglich wahrnehmen können. Im Zusammenspiel zwischen den zwar verhältnismässig geringfügigen körperlichen Folgen des neuerlichen Unfalls und der ohnehin zu hypochondrischen Ängsten neigenden Persönlichkeit sei es zu entsprechend negativen Wechselwirkungen gekommen, schliesslich zu einer Verselbständigung einer Entwicklung hin zu einem Schmerzsyndrom und kör
perlichen Funktionsbeeinträchtigungen, welche nicht mit dem Unfallereignis er
klärbar seien und vom jetzigen Bild her auch nur bedingt einer klassischen weich
teilrheumatischen, generalisierten Erkrankung zugeordnet werden könnten (S. 6 Mitte).
Aus psychiatrischer Sicht spreche vieles für eine Konversionsstörung, in deren Zentrum ein Schmerzsyndrom stehe, aber auch mannigfaltige, wechselnd ausge
dehnte und vorübergehende Körperfunktionsstörungen vorlägen
. Die anfalls
weise auftretenden Ängste erfüllten die geforderten diagnostischen Kriterien für eine Panikstörung nicht, auffallend sei ihr Auftreten in immer denselben oder zumindest vergleichbaren Situationen (S. 6 unten).
Die depressive Entwicklung sei sekundär und eine Folge der stationären schlech
ten körperlichen Verfassung und der zunehmenden sozialen Folgen. Insgesamt falle aber auch hier auf, dass die depressive Verfassung der Schwere des invali
disierenden Gesamtzustands kaum entspreche (S. 6 unten).
Im Vordergrund der klinischen Manifestation stehe zweifelsohne die somatische Seite mit dem schweren ausgedehnten Schmerzsyndrom und den entsprechenden
Funktionseinbussen. Allerdings seien diese Symptome erheblich somatoform mit
geprägt, weshalb aufgrund des gesamten schlechten gesundheitlichen Zustands eine Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht aktuell und in absehbarer Zeit nicht realistisch erscheine. Es sei insofern von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (S. 7 oben).
Eine Wiedererlangung oder Verbesserung der Arbeitsfähigkeit könne nur ein
Fernziel sein. Einstweilen würden
eine Stabilisie
rung der Schmerzsymptomatik,
die Verbesserung der körperlichen Funktionsfähigkeit und mithin auch die Sta
bilisierung der psychischen Situation vordringlich sein (S. 7 Mitte).
3.3
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.2
)
führte in seinem Verlaufsberich
t vom
1.
November 2010
anlässlich des
3.
Revisionsverfahrens
(
Urk.
6/45/1-7)
auf, dass er den Be
schwerdeführer sei 1
2.
Januar 2001 ambulant behandle (
Ziff.
1.2)
,
und nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
chronifizierte
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
-
Konversionsstörung (ICD-10 F44.9)
-
Angst- und depressive Störung, gemischt (ICD-10 F41.2)
-
rezidivierende ängstlich-depressive Störung, gegenwärtig weit
gehend re
mittiert (ICD-10 F33.4). Letzte, erhebliche Störung (mittelgradig) im Sep
tember bis Dezember 2008
Es bestehe eine
chronifizierte
, langjährige Schmerzproblematik, mit ausgeprägter somatoformer und konversionsneurotischer Reaktionsbildung. Eine gewisse Be
ruhigung und Stabilisierung des psychophysischen Zustandsbildes habe erreicht werden können. Leider könne eine Besserung, die eine berufliche
Wiedereinglie
derung
ermöglichen würde,
nicht erwartet werden (
Ziff.
1.4).
Die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei
vom
Sommer 2007
bis Ende 2009 mit etwa 2-monatl
ichen Konsultationen weitergeführt worden. Seit Anfang 2010 melde sich der Beschwerdeführer selbständig in zirka 3-4 monatlichen Abständen, wenn er etwas besprechen wolle (
Ziff.
1.5).
Da das Ausmass der an sich dauernd vorhandenen Schmerzen und körperlichen Beschwerden wechsle und tage- bis wochenweise stark
exazerbieren
könne, sei auch eine behinderungsa
n
gepasste Tätigkeit mit wirtschaftlich verwertbarer Leis
tung weiterhin unrealistisch (
Ziff.
1.7)
.
Seit August 2007 bestehe eine
durchgängige
volle Arbeitsunfähigkeit, sowohl im angestammten Beruf als auch in angepasster Tätigkeit. Eine angepasste Tätigkeit
müsste bezüglich des Schweregrads an körperlicher Belastung durch den Hausarzt eingeschätzt werden.
A
us psychiatrischer Sicht müsse es sich um eine bezüglich der Intensität gleichbleibende Tätigkeit handeln, ohne Stressspitzen, insbesondere mit äusserst flexiblen, praktisch durch den Beschwerdeführer zu bestimmenden Arbeitsze
iten von höchstens 2-2.5
Stunden am Stück. Die subjektive Einschät
zung des Beschwerdeführers,
der zufolge
er an guten Tagen zu bestenfalls
2 x 2.5
Stunden aktiver Betätigung in der Lage sei, beziehe sich auf selbst organisierte, ohne Druck durchgeführte Tätigkeiten. Nac
h etwa 2-2.5
Stunden benötige er eine Ruhe- und Entspannungsphas
e von etwa 3-4
Stunden, um danach allenfalls
noch einmal 2.5
Stunden tätig sein zu können. Auf das letzte Jahr bezogen wäre eine solche Belastung
jedoch
an deutlich weniger als der Hälfte
der
Tage möglich ge
wesen
.
Der Beschwerdeführer sei jedoch mit grosser Wahrscheinlichkeit ausser
stande, auch eine weniger optimistische Belastungsfläche von 2 x 1.5-2 Stunden wirtschaftlich verwertbarer Leistung durchgängig an mehreren aufeinanderfol
genden Tagen zu erbringen (
Ziff.
1.11).
3.4
Dr.
med. F._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte in sei
nem Verlaufsbericht vom 2
9.
November 2010 anlässlich des
3.
Revisionsverfah
rens auf
(
Urk.
6/46)
, dass er den Beschwerdeführer seit 1995 behandle (
Ziff.
1.2)
,
und nannte die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
radikuläres
und
pseudoradikuläes
Syndrom L4 links
-
multiple muskuläre Schmerzen
-
Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.4)
Bezüglich den bestehenden körperlichen, geistigen und psychischen Einschrän
kungen gab er an, dass diese unklar seien. Allenfalls könne eine Arbeitsfähig
keitsevaluation durchgeführt werden, was allerdings früher unergiebig gewesen sei (
Ziff.
1.7). Angesichts des relativ jungen Alters des Beschwerdeführers seien Eingliederungsmassnahmen allenfalls immer noch anzustreben (
Ziff.
1.8).
3.5
Dr.
med. G._
, Facharzt für
A
llgemeine Innere
Medizin, Regionaler Ärztli
cher Dienst (RAD)
, führte in seiner Stellungnahme vom 2
8.
Januar
2011 anläss
lich
des
3.
Revisionsverfahrens
(
Urk.
6/49 S. 3)
aus, der Beschwerdeführer leide gemäss den aktuellen Berichten des behandelnden Psychiaters und Hausarztes nachvollziehbar in unverändertem Ausmass an einer längst
chronifizierten
Angst- und depressiven Störung mit Konversionsreaktionen, vor dem Hinter
grund einer somatoformen Schmerzstörung. Damit könne eine Verbesserung des relevanten Gesundheitsschadens
nicht mehr ausgewiesen werden und es könne weiterhin von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit
in jeder Erwerbstätigkeit aus
gegangen werden (S. 3).
4.
4.1
Dr.
F._
(vorstehend E. 3.4
) führte in seinem Verlaufsbericht vom
6.
Mai 2015 (
Urk.
6/60/1-5) aus, dass keine Veränderung seit der letzten Rentenrevision fest
stellbar sei (
Ziff.
1.3). Ein erneuter Versuch einer Wiedereingliederung, auch in vermindertem Masse, sei zu befürworten (
Ziff.
4.2).
4.2
Dr.
D._
(vors
tehend E. 3.2
) gab
in seinem Verlaufsbericht vom
2
2.
Juli 2015 (
Urk.
6/65) an, dass er den Beschwerdeführer letztmals am 2
4.
September 2011 gesehen habe und er deshalb keine Angaben machen könne (
Ziff.
1.1)
4.3
4.3.1
Die Ärzte des
Z._
erstatteten
im Auftrag der Beschwerdegegnerin am 2
9.
März 2016 ein polydisziplinäres Gutachten
(
Urk.
6/
84
/1-56) und stützten sich auf die ihnen überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben des Beschwerdeführers (S.
25
ff.) und ihre am 1
1.
und 2
8.
Januar 2016 erhobenen orthopä
disch/trau
-
matologischen
(S.
24
ff.), neurologischen (S.
33
ff.), psychiatrischen (S.
40
ff.) und internistischen (S.
49
ff.) Befunde. Sie nannten
keine
Diagnosen mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit (S. 12).
Sie führten die folgenden Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
auf (S. 12): Arthrose des linken Handgelenks mit mittelgradiger Funktionsein
schränkung nach operierter
Scap
h
oidfraktur
nach einem Unfall 1984, chronisch rezidivierende Lumbalgien bei leichten degenerativen Veränderungen ohne Hin
weis auf eine
radikuläre
Defizitsymptomatik, Arthralgie beider Schultergelenke ohne wesentliche Funktionseinschränkungen und ohne Nachweis einer degene
rativen Veränderung, somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), axiale Gleit
hernie und
Refluxösophagitis
, Adipositas, ein Verdacht auf eine Hypercholesteri
nämie, ein Verdacht auf eine arterielle Hypertonie und eine unklare Gewichtsab
nahme.
4.3.2
Aus ort
hopädisch/
trauma
tologischer
Sicht
zeige
sich
seitens der lumbalen Wir
belsäule nur eine leichtgradige Funktionseinschränkung. Klinisch stehe eine Druckschmerzhaftigkeit im rechten
Iliosakralgelenk
im Vordergrund und könne durch eine beginnende Arthrose erklärt werden. Die
g
eklagten Schmerzen in der Kniekehle
könnten nicht zugeordnet werden. Radiologisch zeige sich eine mediale Gonarthrose (S. 30 Mitte).
Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Koch sei nicht eingeschränkt, da das Anforderungsprofil das näher aufgeführte Belastungsprofil nicht über
steige (S. 31 oben).
4.3.3
Die neurologische Untersuchung habe eine deutliche Diskrepanz geklagter Be
schwerden und objektivierbarer Befunde gezeigt. Der neurologische Untersu
chungsbefund sei weitgehend regelrecht ohne Hinweise
auf
radikuläre
Symp
tome
, sowohl im Bereich der oberen als auch der unteren Extremitäten. Ebenso hätten sich keine Hinweise auf periphere Nervenstörungen ergeben (S. 37 unten). Der Tagesablauf des Beschwerdeführers sowie sein therapeutischer Einsatz liessen keinen Schluss auf einen erhöhten Leidensdruck zu. Er sei voll in den Alltag in
tegriert, helfe seiner Frau sogar auch bei schweren körperlichen Tätigkeiten in ihrer Arbeit als Hauswartin und sei intensiv mit Gartenpflege beschäftigt (S. 38 oben).
Bei zwar angegebenen chronischen Rückenschmerzen sei in der Tätigkeit als Koch bei fehlenden
radikulären
Symptomen von keiner neurologischen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit auszugehen. In einer leidensadaptierten Tätigkeit sei nach abgeheilter Akuterkrankung nach Quetschung des Armes 1999 dauerhaft von ei
ner 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
(
S. 38 Mitte).
4.3.4
Im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung gab der Beschwerdeführer an, dass sein psychischer Gemütszustand stark von seinem körperlichen Befinden abhänge
(
S. 40 f.) Aus seiner Sicht bestünden keine psychischen Einschränkungen. Die Depressionen könne er aktuell beherrschen und damit leben. Die Beeinträchti
gungen ergäben sich aus den körperlichen Beschwerden (S. 43 oben). Seit 2012 habe keine psychiatrische Behandlung mehr stattgefunden (S. 41).
Die umfangreichen Interessen des Beschwerdeführers, sein ausgefüllter Tagesab
lauf, seine Kontaktpflege und die Unterstützung seiner Ehefrau bei ihrer Tätigkeit als Hauswartin zeigten vollständig zurückerlangte soziale Kompetenzen ohne Hinweise auf Einschränkungen durch eine psychiatrische Erkrankung. Es werde weder eine multimodale Schmerztherapie, noch eine konsequente psychiatrische Behandlung einschliesslich medikamentöser Therapie durchgeführt. Diesbezüg
lich fühle sich der Beschwerdeführer viel besser und führe seine Einschränkungen lediglich noch auf organische Komponenten zurück (S. 4
4 f.
).
Eine die Arbeitsfähigkeit einschränkende psychische Erkrankung bestehe heute nicht mehr. Eine überlagernde somatoforme Schmerzstörung, wie früher diag
nostiziert, bestehe wahrscheinlich auch aktuell. Der Beschwerdeführer besitze je
doch zahlreiche gesunde und starke Persönlichkeitsanteile und es sei bereits im neurologischen Teilgutachten auf die
aggravatorische
Überlagerung des Be
schwerdevortrags hingewiesen worden (S. 45 oben).
A
nlässlich der psychiatrischen Begutachtung
seien weder eine depressive Stö
rung, noch eine
Angststörung verifizierbar gewesen. Die somatoforme Schmerz
störung müsse als leicht bezeichnet werden und sei auch deutlich
aggravatorisch
überlagert (S. 45 Mitte).
Retrospektiv könne aus psychiatrischer Sicht ab
1.
Januar 2012, spätestens nach Abschluss der psychiatrischen Therapie
,
von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausge
gangen werden. Es sei wahrscheinlich, dass bereits vorher keine volle Arbeitsun
fähigkei
t mehr bestanden habe, was
jedoch retrospektiv schwer zu beurteilen
sei
(S. 47 oben).
4.3.5
Aus internistischer Sicht bestehe aktuell und retrospektiv keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 54 f.).
4.3.6
Die polydisziplinäre Gesamtbeurteilung ergebe keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Koch und in leidensadaptierten Tätigkeiten. Körperlich leichte bis gelegentlich mittelschwere Tätigkeiten mit He
ben und Tragen von Lasten bis 15 kg seien möglich. Die Tätigkeiten könnten überwiegend im Stehen, Gehen und Sitzen durchgeführt werden. Kraftvolles Zu
packen sei durch den Einsatz einer stabilisierenden Handgelenksorthese möglich. Arbeiten mit
diadochokinetischem
Bewegungsmuster, Supination, Extension, Fle
xion seien links zu vermeiden. A
us neurologischer Sicht werde eingeschätzt, dass das Belastungsprofil heute gegenüber den Vorbefunden als deutlich höher angesehen werden müsse. Aus psychiatrischer und internistischer Sicht sei das Belastungsprofil nicht eingeschränkt (S. 14 oben).
Es sei davon auszugehen, dass in der Vergangenheit stärkere psychische Probleme bestanden hätten. Ab
1.
Januar 2012, spätestens nach Abschluss der psychiatri
schen Therapie, könne von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen werden
(S. 14 unten).
4.4
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie,
RAD
, hielt in seiner Stellungnahme
vom 1
8.
April 20
16 zum
Gutachten fest
(
Urk.
6/93/5-6)
, dieses
erscheine
schlüssig
und umfassend, weshalb darauf
abstel
len
und von einem
verbesserte
n
Gesundheitszustand seit Januar 2012
auszugehen sei.
4.5
Im Bericht der
I._
vom
7.
Dezember 20
16
(
Urk.
6/104)
betreffend die stationäre Behandlung vom 2
1.
September bis 1
8.
Dezember 2016 wurden als Diagnosen ein chronisches Schmerzsyndrom im Sinne einer
somatoforme
n
Schmerzstörung
(ICD-10 F45.4)
,
r
ezidivierende
d
epressive
E
pisoden,
aktuell mit
telschwer
(ICD-10 F33.1), und eine näher umschriebene
chronische Angsterkran
kung
(ICD-10 F41.3) genannt. Die psychischen Erkrankungen seien
schwer
chro
nifiziert
.
Alle drei Erkrankungen beeinflussten sich gegenseitig in ungünstiger Weise. Es habe während des Aufenthaltes in der
I._
eine
nur mar
ginale Verbesserung des Zustandes
erreicht werden können
(S. 2
Ziff.
1.4
)
. Der Beschwerdeführer arbeite seit vielen Jahren nicht mehr.
Fragen zur
Arbeitsfähig
keit angestammt aber auch angepasst könnten
nicht
beantwortet werden. Es sei nicht mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit zu rechnen
(S. 3
Ziff.
1.6-1.7,
Ziff.
1.9
)
.
4.6
Dr.
D._
(vorstehen
d E. 3.2
) führte in seiner Stellungnahme
vom 1
0.
Januar 2017
zum
Z._
-Gutachten
zuhanden des Beschwerdeführers
(
Urk.
6/105/1-5) au
s
, der Gesundheitszustand und die Arbeitsfähigkeit im Zeitpunkt der damaligen letzten Behandlung am 2
9.
Sept
ember 2011 seien in etwa gleich
wie im Bericht vom Nov
ember 2010
gewesen
(
S. 1 Mitte;
vgl. vorstehend E. 3.3
). Es wäre Sache der Beschwerdegegnerin gewesen, die tatsächliche Belastbarkeit im Rahmen einer qualifizierten beruflichen Massnahme zu prüfen, falls sie seine damalige Ein
schätzung nicht hätte nachvollziehen können
. Zum jetzigen Zeitpunkt rückbli
ckend ab 2012 von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen, wirke arbiträr und trage der komplexen psychophysischen Situation und Symptomatik, wie sie da
mals vorgelegen habe, in keiner Weise Rechnung
(S. 2 Mitte).
Ziel der Behandlung sei insbesondere gewesen
,
eine Balance zwischen mac
hbaren aber doch regelmässigen
Aktivitäten einerseits und möglichst guter Kontrolle der Schmerz- und körperlichen Beschwerdeproblematik andererseits zu finden, was dem Beschwerdeführer seit zirka 2009/2010 weitgehend gelungen sei, wenngleich es immer wieder zu länger dauernden, mehrwöchigen Krisen gekommen sei. Die
ser Verlauf sei auch in seinem Bericht vom November 2010 bereits klar dargelegt worden und der Beschwerdegegnerin bekannt (S. 3 Mitte).
Es sei weiterhin von einer vollen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Um ernsthaft Aufschluss darüber zu gewinnen, welche Art von Tätigkeit in welchem zeitlichen und
leistungsmässigen Ausmass durchgängig möglich sei, müssten integrierende Massnahmen überprüft werden, was erst möglich sei, wenn der Beschwerdeführer eine relative Stabilität erreiche (S. 4 f.).
4.
7
Die Fachpersonen des
J._
nannten in ihrem Austrittsbericht
vom
5.
Oktober 2017
über den stationäre
n Aufenthalt vom
7.
August
bis 2
9.
Sep
tember
2017
(
Urk.
6/129
/3-7
)
als Hauptdiagnose eine
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10
F45.40)
. Als Nebendiagnosen nannten sie eine re
zidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), eine nicht näher bezeichnete Angststörung (ICD-10 F41.9), eine
Adi
-
posi
tas
, eine
gastroösophageale
Refluxkrankheit
und eine Balanitis (S. 1
; vgl. auch den Bericht zu
Handen
des Beschwerdeführers vom
8.
September 2017,
Urk.
6/129/1-2
).
Der Beschwerdeführer
sei
dank
der
Medikamente und Bewältigungsstrategien bis vor
drei
Jahren in einem vergleichsweise guten Zustand gewesen und nun durch die Intervention der IV-Stelle
dekompensiert
(S. 2).
Aufgrund seiner
Verbitterung
und seines starken Autonomie- und Kontrollbedürfnisses sei eine
vertiefte Klä
rung und Bearbeitung von mit den Schmerzen in Zusammenhang stehenden psy
chologischen Faktoren nicht möglich
gewesen.
Es sei im Verlauf zu diversen Ab
senzen bei den Bewegungstherapien aufgrund von Schon- und
Vermeidungsver
halten
gekommen. Es bestehe eine
Ambivalenz zum Abbau
des
Vermeidungsver
halten
s.
Auf Wunsch des Beschwerdeführers hätten zwei Ernährungsberatungen stattgefunden mit dem Ziel der Gewichtsreduktion. Er habe sich jedoch aufgrund des somatischen Krankheitskonzeptes zu
keine
r
Veränderung des Ess- und Bewe
gungsverhaltens
entscheiden können
.
I
n wenig gebessertem Zustand
sei die
Ent
lassung
erfolgt
(S. 4).
4
.
8
Dr.
med.
K._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD,
führte in seiner Stellungnahme vom 1
4.
November 2017 (
Urk.
6/142 S. 3 f.) aus, der psychiatrische Gutachter habe zu den Standardindikatore
n nur knapp Stellung genommen. D
ie postulierte Verbesserung könne nicht nachvollzogen werden, da eine genaue Begründung fehle. Dem Gutachter hätten Rückfragen gestellt werden müssen (S. 3 f.).
4.
9
Die Ärzte des
Z._
führten in ihrer Stellungnahme vom 2
0.
März 2018 (
Urk.
6/137) zuhanden der Beschwerdegegnerin
aus, dass anlässlich der Begut
achtung im
Januar
2016 (vorstehend E. 4.3
) die diagnostischen Kriterien einer
depressiven Episode nicht vorgelegen hätten. Es zeigten sich keine Hinweise für
eine
pathologische emotionale Auslenkung oder inadäquate Stimmungslage, Af
fektregulationsstörungen,
Interessenverlust, Freudlosigkeit oder sozialen Rück
zug.
Ebenso wenig
habe die Diagnose
einer Angsterkrankung mit Pani
kattacken gest
ellt werden können (S. 3 oben, S
. 4). Die somatoforme Schmerzstörung, wel
che sich durch eine dysfunktionale Verarbeitung eines Unfalls aus dem Jahre 1999 entwickelt habe, sei überwindbar (S. 4 Mitte).
Angsterkrankungen und mit
telgradige depressive Episoden seien des Weiteren prinzipiell psychiatrisch be
handelbar und führten nicht zu einer langandauernden Invalidisierung (S. 3 Mitte).
Im Bericht vom Oktober
2017 des
J._
(vorstehend E. 4.5
) werde ein ausgeprägtes Vermeidungsverhalten beschrieben, welches anlässlich der
Z._
-Begutachtung nicht habe festgestellt werden können, und vor dem Hintergrund der psychiatrischen Beurteilung als Ausdruck einer bewusstseinsna
hen Vermeidungshaltung interpretiert werden könne
, woraus keine Arbeitsunfä
higkeit resultiere (S. 5 oben).
Eine Verschlechterung des psychopathologischen Befundes (mittelschwere
de
pressive Episode, Angststörung sowie weiterhin bestehende somatoforme Schmerzstörung) lasse sich ab Spätherbst
2016 zwar
nicht zuverlässig ausschlies
sen.
Allerdings erscheine d
as dokumentierte Vermeidungsverhalten durchaus wil
lensnah ausgestaltet, nicht zuletzt im Lichte der bereits anlässlich der
Z._
-Begutachtung erwähnten Hinweise auf Aggravation. Zusammenfassend seien die nachgereichten Berichte daher nicht geeignet, eine Änderung der Schlussforde
rungen aus dem
Z._
-Gutachten herbeizuführen (S. 6).
4.
10
Die Fachpersonen der
I._
nannten in ihrem Austrittsbericht vom
2.
Mai 2019 über den stationären Aufenthalt vom 1
4.
Januar bis
3.
April 2019 (
Urk.
11) die folgenden Diagnosen (S. 1):
-
generalisierte Angststörung (ICD-10 F41.1)
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Probleme mit Bezug auf das Berufsleben und den engeren Familienkreis und mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung
(ICD-10 Z56, Z63, Z73)
-
gastroösophageale
Refluxkrankheit
-
Status nach Handgelenksoperation links 1985 und Arbeitsunfall des lin
ken Unterarms 1999
-
Vitamin D-Mangel
-
Mikrohämaturie
Die geklagten Beschwerden habe der Beschwerdeführer insbesondere in Verbin
dung mit dem hängigen IV-Verfahren gebracht (S. 2 oben).
Zu der Arbeitsfähig
keit äusserten sich die Fachpersonen nicht.
5.
5.1
Die erstmalige
Zusprache
der ganzen Rente mit Verfügung vom
5.
November 2001
erfolgte gemäss Feststellungsblatt vom 2
0.
August 2001 (
Urk.
6/23) gestützt auf das psychiatrische Gutachten der
C._
vo
n
August 2001 (vor
stehend E. 3.2
). Im Gutachten wurden eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine Konversionsstörung (ICD-10 F44.9) sowie Angst und Depressivität (ICD-10 F41.2) diagnostiziert und aus psychiatrischer Sicht eine volle Arbeitsun
fähigkeit attestiert.
Anlässlich des dritten
Revisionsverfahrens
(im Jahr 2010)
stellte die Beschwerde
gegnerin - der Stellungnahme des RAD-Arztes
Dr.
G._
folgend (
Urk.
6/49 S. 3) - auf die Berichte des behandelnden Psychiaters
Dr.
D._
und des Hausarztes
Dr.
F._
vom
November 2010 (vorstehend E. 3.3 und E. 3.4
)
ab und bestätigte
mit Mitteilung vom 3
1.
Januar 2011
den
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente (
Urk.
6/50)
.
Dr.
D._
diagnostizierte eine
chronifizierte
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4), eine Konversionsstörung (ICD-10 F44.9), eine Angst- und depressive Störung (ICD-10 F41.2) sowie eine rezidivierende ängst
lich-depressive Störung, die gegenwärtig weitgehend remittiert sei (ICD-10 F33.4), wobei
sich
die letzte erhe
bliche Störung (mittelgradig)
von
September bis Dezember 2008
ereignet habe
.
Dr.
F._
nannte als Diagnosen ein
r
adikuläres
und
pseudoradikulä
r
es
Syndrom L4 links, multiple muskuläre Schmerzen und eine Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.4)
5.2
Für die Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustands stellte die Beschwerde
gegnerin
nach Rücksprache
mit dem Rechtsdienst (
Urk.
6/142 S. 5 f.) auf das polydisziplinäre
Z._
-Gutachte
n vom März 2016 (vorstehend E. 4.3
) ab. Vorab ist festzustellen, dass dieses auf den notwendigen orthopä
disch/
traumatolo
-
gischen, neurologischen,
psychiatrischen
und internistischen Untersuchungen des Beschwerdeführers beruht und in Kenntnis der
Vorakten
erging. Die Gutachter berücksichtigten die
g
eklagten Beschwerden und setzten sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers auseinander. Die me
dizinischen Zusammenhänge und Schlussfolgerungen sind in einer Weise be
gründet, dass sie prüfend nachvollzogen werden können. Das
Z._
-
Gutachten erfüllt daher die praxisgemässen Anforderungen an den Beweiswert ein
es Arzt
berichts (vorstehend E. 1.7
) vollumfänglich.
5.3
Im
Z._
-Gutachten wurden keine Diagnosen mit Auswirkung auf die
Arbeits
fähigkeit genannt
.
Als psychiatrische Diagnose ohne Auswirkung
auf die Arbeits
fähigkeit
nannten
die Gutachter
eine somatoform
e Schmerzstörung (ICD-10 F45.4).
Aus somatischer Sicht wurden die folgenden Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit genannt
(
Urk.
6/84/12 Ziff.2)
:
Arthrose des linken Handgelenks mit mittelgradiger Funktionseinschränkung nach operierter
Scap
h
oidfraktur
nach einem Unfall 1984, chronisch rezidivierende Lumbalgien bei leichten degenerati
ven Veränderungen ohne Hinweis auf eine
radikuläre
Defizitsymptomatik, Arthralgie beider Schultergelenke ohne wesentliche Funktionseinschränkungen und ohne Nachweis einer degenerativen Veränderung, axiale Gleithernie und
Re
fluxösophagitis
, Adipositas, ein Verdacht auf eine Hypercholesterinämie, ein Ver
dacht auf eine arterielle Hypertonie sowie eine unklare Gewichtsabnahme.
5
.4
Die vom Beschwerdeführer
g
eklagten somatischen Beschwerden konnten nur zum Teil klinisch und radiologisch objektiviert werden. Die klinische
Untersuchung
ergab
eine mittelgradige Funktionseinschränkung des linken Handgelenks. Be
züglich der lumbalen Wirbelsäule zeigte sich nur eine leichtgradige Funktions
einschränkung ohne Zeichen einer
radikulären
Defizitsymptoma
tik,
b
e
i
begin
nende
r ISG-Arthrose
.
Radiologisch wurde eine m
ediale Gonarthrose festgestellt, d
as Kniegelenk stellte sich
jedoch
ohne wesentliche Funktionseinschränkung dar
.
Bei der neurologischen Untersuchung waren eine deutliche Diskrepanz geklagter Beschwerden und objektivierbarer Befunde sowie Hinweise auf Aggravation be
obachtbar
,
bei
ansonsten
weitgehend regelrecht
em neurologischen Befund
ohne Hinweise auf
radikuläre
Symptome.
Aus der endoskopisch festgestellten leichten
Refluxösophagitis
bei axialer Gleithernie würden bei Behandlung keine funktio
nellen Einschränkungen resultieren
(vgl. vorstehend E. 4.3.2-4.3.3, 4.3.5)
.
In der ergänzenden Stellungnahme des
Z._
wurde
erneut bestätigt
, dass für das
lum
bospondylogene
Schmerzsyndrom nach bildtechnischer Abklärung kein struktu
relles Korrelat gefunden werden konnte
.
Die degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule seien dem Alter nicht vorauseilend, lindernde Massnahmen in Form von lokalen Facetten-Infiltrationen sowie physiotherapeutische Massnah
men seien zu erwägen (
Urk.
6/137 S. 1).
Das im
Z._
-Gutachten festgehaltene zumutbare Belastungsprofil erscheint un
ter Berücksichtigung der relevanten Befunde als umfassend dargelegt und nach
vollziehbar begründet.
Die angestammte Tätigkeit als Koch in einer Grossküche
, welche insbesondere die Produktion von Grossmengen beinhaltet
,
bewegt sich dabei
mehrheitlich
im Rahmen des beschriebenen Belastungsprofils, wobei eine stabilisierende Handgelenksorthese kraftvolles Zupacken ermöglichen soll.
A
us somatischer Sicht
ist nach dem Gesagten eine
100%ige Arbeitsfähigkeit in einer den
Beschwerden
angepassten Tätigkeit
ausgewiesen.
Die erstmalige
Zusprache
der ganzen Invalidenrente beruhte
ausschliesslich
auf der psychiatrischen Befunderhebung
(vgl. vorstehend E. 3.2
). Aus somatischer Sicht zeigt
sich
im retrospektiven Vergleich ein weitgehend gleichbleibender Ge
sundheitszustand, bei nur teilweiser Objektivierung der angegebenen Beschwer
den
(vgl. auch
Urk.
6/84/21
Ziff.
1)
.
Diese Schlussfolgerungen wurden vom Be
schwerdeführer nicht bestritten (vgl.
Urk.
1).
5.5
Wie bereits erwähnt, wurde in psychiatrischer Hinsicht i
m
Z._
-Gutachten keine Diagnose mit Auswirkung au
f die Arbeitsfähigkeit genannt.
Als psychiat
rische Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Gutachter eine somatoforme Schmerzstörung.
Bereits im Gutachten vom 2
9.
März 2016 hielten die Gutachter fest, es bestehe keine die Arbeitsfähigkeit einschrän
kende psychische Erkrankung, so dass insgesamt von einer Verbesserung des Ge
sundheitszustandes ausgegangen werden müsse (
Urk.
6/84/21
Ziff.
1). Zu dieser Fragestellung und neuen Berichten der behandelnden Ärzte
sowie der
geltend gemachten Verschlechterung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers seit März 2016
äusserte sich d
as
Z._
in seiner ergänzenden Stellungnahme vom März 2018 (vorstehend E. 4.
9
)
zudem
ausführlich und schlüssig.
Insbeson
dere erscheint die Einschätzung des
Z._
-Gutachters,
wonach
die diagnosti
schen Kriterien einer depressiven Episode nicht vorgelegen hätten
, da
sich keine Hinweise für eine pathologische emotionale Auslenkung oder inadäquate Stim
mungslage, Affektregulationsstörungen, Interessenverlust, Freudlosigkeit oder sozialen Rückzug
gezeigt hätten, als nachvollziehbar und überzeugend
.
Dies gilt e
benso
hinsichtlich der
Diagnose einer Angsterkrankung mit Pani
kattacken, zu
mal selbst im Austrittsbericht des
J._
vom Oktober 2017
die depressive Störung und eine nicht näher bezeichnete Angststörung bloss als Ne
bendiagnosen genannt wurden
,
womit diesen klarerweise eine untergeordnete Bedeutung zugesprochen wurde und von einer bloss geringen Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde ausgegangen werden kann.
Ferner
ergeben
sich eine relevante depressive Störung oder Angsterkrankung insbesondere nicht aus den Ausführungen zu Therapie und Verlauf
(vgl. vorstehend E. 4.
7
).
Im Weiteren
wurde weder in den Berichten der
I._
noch des
J._
– trotz längerem Beobachtungszeitraum – keine über den jeweiligen Klini
kaufenthalt hinausgehende medizinisch-theoretische Arbeitsunfähigkeit genannt
(E. 4.5, E. 4.7, E. 4.10)
, was bei einer schwerwiegenden Störung zu erwarten ge
wesen wäre
.
Somit bestand zum Zeitpunkt der Begutachtung im Jahr 2016 im Vergleich zu 2001 hinsichtlich der depressiven Störung und Angst
sowie, wie unten zu zeigen sein wird
,
hinsichtlich der Ausprägung der Schmerzstörung (vgl. nachfolgend E. 5.
9
.1)
eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes, womit ein Revisionsgrund vorliegt.
Zu prüfen ist
sodann die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung, welche die
Z._
-Gutachter als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
stuften (
Urk.
6/84/12)
, in ihrer Ausprägung als nur noch leicht (
Urk.
6/84/45)
be
ziehungsweise in ihrer Stellungnahme als überwindbar bezeichneten (
Urk.
6/137/4 Mitte).
Sie erklärten
diesbezüglich ferner
, nach eingehender psy
chiatrischer Befunderhebung
habe kein Zweifel am Vorliegen einer somatofor
men Schmerzstörung bestanden
(
Urk.
6/137/3 oben
; vgl. auch
Urk.
6/137 unten f.
).
Im Licht der laufenden Rechtsprechung
zur Bewertung von Arbeitsunfähigkeit bei somatoformen/dissoziativen Störungen - beziehungsweise bei fehlender Komorbidität und mit Blick auf ausreichende Ressourcen in den sogenannten In
dikatoren (
Urk.
6/137/6 oben) -
hätten sie im psychiatrischen Gutachten davon ausgehen müssen, dass eine Arbeitsunfähigkeit nicht mehr zu begründen sei (
Urk.
6/137/4 oben).
Auch wenn die Gutachter somit den nach früherer Recht
sprechung einschlägigen Begriff der «Überwindbarkeit» benutzten, führt dies – angesichts deren weiteren Ausführungen – nicht dazu, deren Einschätzung in Frage zu stellen.
Dabei ist weiter darauf hinzuweisen, dass
i
m Austrittsbericht des
J._
vom Oktober 2017 (vorstehend E. 4.
7
) festgehalten
wurde
, dass der Be
schwerdeführer nach eigener Aussage dank Medikamenten und Bewältigungs
strategien bis vor 3 Jahren in einem vergleichsweise guten Zustand gewesen sei und nun durch die Intervention der IV
dekompensiert
sei (
Urk.
6/126 S. 2). Auch gemäss Austrittsbericht der
I._
vom Mai 2019 (vorstehend E. 4.
10
) brachte der Beschwerdeführer die geklagten Beschwerden in Verbindung mit dem hängigen IV-Verfahren (
Urk.
11 S. 2). Dies legt nahe, dass die neuerliche angeb
liche Verschlechterung auf psychosoziale Belastungssituationen zurückgeführt werden kann. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass wenn im Wesentlichen nur Be
funde erhoben werden, welche in den psychosozialen und
soziokulturellen Um
ständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben
ist
(BGE 127 V 294
E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 2
3.
März 2009 E. 2). Im Übrigen führte auch
Dr.
D._
im Januar 2017 (vorstehend E. 4.4) aus, dass der Schluss des
Z._
-Gutachtens insoweit nachvollziehbar sei, als
bei einer Querschnittsbe
urteilung
von der Abwesenheit einer psychischen Störung von Krankheitswert ausgegangen werde (
Urk.
6/105 S. 2 unten).
In den Berichten des
J._
wird
ferner
ein ausgeprägtes Ver
meidungsverhalten aufgeführt, wodurch der Beschwerdeführer insbesondere di
verse Therapietermine nicht wahrnahm (
Urk.
6/3-7/129 S. 4 unten,
Urk.
6/129/1-2 S. 2). Das
Z._
legte in seiner ergänzenden Stellungnahme nachvollziehbar dar, dass vor dem Hintergrund der psychiatrischen
Z._
-Begutachtung eine be
wusstseinsnahe Ausgestaltung des aktuellen Vermeidungsverhaltens angenom
men werden könne. Das bewusstseinsnahe Vermeidungsverhalten führe nach An
gaben der Klinik zu Schwierigkeiten in der Gestaltung der Tagesstruktur und bei Sozialkontakten, was doch in grossem Gegensatz zu dem noch im Januar 2016 beschriebenen aktiven Tagesablauf und Sozialleben steht, sodass auch aktuell In
konsistenzen ersichtlich sind.
Zusammenfassend
ist somit darauf abzustellen, dass eine somatoforme Schmerz
störung vorliegt, die gemäss Einschätzung der
Z._
-Gutachter die Arbeitsfähig
keit nicht einschränkt und hinsichtlich welcher die
Standardindikatorenprüfung
zu erfolgen hat.
5.6
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten
gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
5.
7
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.
8
Aus dem
Z._
-Gutachten vom
März 2016 (vorstehend E. 4.3
)
ergeben sich die notwendigen Hinweise, welche eine sinngemässe Prüfung anhand der einschlä
gigen Indikatoren ermöglichen.
5.
9
5.
9
.1
Hinsichtlich der Kategorie «funktioneller Schweregrad» ist festzuhalten, dass im psychiatrischen Teilgutachten des
Z._
eine somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) diagnostiziert wurde, die jedoch keine Auswirkungen auf die Ar
beitsfähigkeit
aufweise.
Während der Untersuchung zeigte sich der Beschwerde
führer allseits orientiert, konzentriert und aufmerksam, gut schwingungs- und kontaktfähig, ohne Gedächtnisstörungen und mit situationsadäquatem Antrieb ohne Hinweis auf pathologische Antriebsstörungen. Es bestanden keine Hinweise für eine die Arbeitsfähigkeit einschränkende psychische Erkrankung.
Anzeichen für eine depressive Störung
o
der eine Angststörung
waren nicht ersichtlich
.
Ein
zig demonstrativ langsame Bewegungsabläufe sowie eine Aggravationsneigung waren auffällig
(
Urk.
6/84 S. 43 f.)
. Das Vorliegen
der damals
diagnostizierte
n
somatoformen Schmerzstörung
sei
auch aktuell
noch wahrscheinlich, wobei aber insbesondere mit Blick auf das
Aktivitätenniveau
von einer bloss leichten Aus
prägun
g
mit einer deutlichen
aggravatorische
n
Überlagerung
ausgegangen wer
den müsse
(
Urk.
6/84 S. 44 f.)
.
Nach Aussagen des Beschwerdeführers finde seit 2012 keine psychiatrische Be
handlung mehr statt
(
Urk.
6/84 S. 41)
, was ebenfalls
gegen
den grossen
Leidens
druck einer
schweren psychiatrischen Erkrankung spricht und eine bloss noch leichte Ausprägung der somatoformen Schmerzstörung wahrscheinlich erschei
nen lässt.
Des Weiteren gab der Beschwerdeführer
a
nläss
lich des Untersuchungs
gesprächs
an
,
dass er aus seiner Sicht keine psychische Einschränkung habe
und seine früheren
Depressionen beherrschen könne
(
Urk.
6/84 S. 43)
.
Aufgrund des Fehlens jeglicher Anhaltspunkte für eine depressive Störung oder Angststörung kann diesbezüglich von einem Behandlungserfolg ausgegangen werden
. Komor
biditäten sind nicht ersichtlich.
Ein Eingliederungsversuch wurde nicht durchge
führt
(
Urk.
6/84 S. 45)
.
5.
9
.2
Bezüglich des Komplexes «Persönlichkeit»
ist festzuhalten
, dass keine Anzeichen für Persönlichkeitsstörungen beobachtet werden konnten. In der psychiatrischen Untersuchung sind zahlreiche gesunde Persönlichkeitsanteile und persönliche Ressourcen aufgefallen (
Urk.
6/84 S. 46).
Der Beschwerdeführer stehe gegen 8 Uhr morgens auf, sei aber zuvor schon we
gen seiner Schulterschmerzen wach. Er frühstü
cke oder trinke Kaffee, versorge
den Haushalt, für welchen er ungewöhnlich viel Zeit benötige, lese Zeitung, schaue fern oder verbringe Zeit am PC. Anschliessend bereite er das Mittagessen zu. Nachmittags halte er sich meist im Schrebergarten auf, beschäftige sich mit Gartenarbeit, habe diverse Kontakte und Freundschaften mit anderen Gartenbe
sitzern. Der Garten stelle einen sozialen Treffpunkt dar. Spätestens nach 17 Uhr gehe er nach Hause, bereite das Abendessen für sich und seine Ehefrau zu. Nach dem Abendessen gehe er einkaufen oder führe geme
insame Gespräche im Fami
lienkrei
s, schaue fern, sei am Computer
und gehe gegen 22.30 Uhr schlafen. Die Nächte seien meist unruhig, da er aufgrund der Schmerzen nicht durchschlafen könne. Seine Ehefrau ist im von der Familie bewohnten Haus Hauswartin und der Beschwerdeführer helfe ihr bei verschiedenen Arbeiten, beispielsweise staubsauge er das Kellergeschoss oder pflege das Gelände
(
Urk.
6/84 S. 41)
.
Im sozialen Kontext zeigt sich ein intaktes familiäres
und freundschaftliches Netzwerk
mit regelmässiger Kontaktpflege. Der Tagesablauf des Beschwerdefüh
rers weist umfangreiche
und körperlich beanspruchende
Aktivitäten auf. Er geht verschiedenen Hobbys und Interessen nach,
betätigt sich im Garten und pflegt diverse Kontakte und Freundschaften, erledigt selbständig
täglich
anfallende
Hausarbeiten, kocht
für die Familie
und unterstützt seine Ehefrau
aktiv
bei ihrer Tätigkeit als Hauswartin.
Das hohe
Aktivitätenniveau
im privaten Bereich,
die
diversen Interessen und die
regelmässige
Pflege von sozialen Kontakten
deuten auf keinerlei Einschränkungen
im Alltagsleben
hin und zeigen umfangreiche per
sönliche Ressourcen auf.
5.
9
.3
Zu prüfen ist die beweisrechtlich ausschlaggebende Kategorie der «Konsistenz». Hinsichtlich des Gesichtspunkts der gleichmässigen Einschränkung des
Aktivitä
tenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen ist festzuhalten, dass der Be
schwerdeführer wie oben ausgeführ
t (vorstehend E. 5.
9
.2
)
seine Ehefrau in der Erledigung der Hauswartstätigkeit körperlich aktiv unterstützt, über eine intakte Tagesstruktur verfügt, inte
nsiv soziale Kontakte pflegt und
Hobbys
nachgeht, so
dass keine
gleichmässigen Einschränkung
en
des
Aktivitätenniveaus
in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen
vorliegt
.
Des Weiteren war eine Aggravationsnei
gung beobachtbar, sodass
von
eine
r
deutlich
aggravatorische
n
Überlagerung der somatofo
rmen Schmerzstörung ausgegangen
wurde (
Urk.
6/84 S. 44 f.).
Auch bei der neurologischen Untersuchung zeigten sich eine deutliche Diskrepanz geklag
ter Beschwerden und objektivierbarer Befunde sowie Hinweise auf Aggravation, wie beispielsweise demonstrativ langsame Bewegungen, heftige Schmerzreaktio
nen, Stöhnen, Hinken und schlurfendes Gehen, welches keine organische Korre
lation aufzeigte
(
Urk.
6/84 S. 37)
. Dies
steht im Widerspruch
zu der beschriebenen aktiven Tagesstru
ktur, welche auch vielseitige körperliche Aktivitäten beinhaltet.
Hinsichtlich des Gesichtspunkts des behandlungs- und eingliederungsanamnes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks ist schliesslich festzuhalten, dass der
Be
schwerdeführer
von
2012 bis zum Zeitpunkt
der Begutachtung im Januar
2016
keine psychiatrische Behandlung mehr in Anspruch nahm und auch keine multi
modale Schmerztherapie erfolgte. Insgesamt deutet auch dies auf keinen erhöhten Leidensdruck hin.
5.
9
.4
Zusammenfassend ist in Anbetracht der geprüften Standardindikatoren und de
ren Gesamtwürdigung festzuhalten, dass mit Blick auf die bloss geringe diagnos
tische Ausprägung, das hohe
Aktivitätenniveau
des Beschwerdeführers, die per
sönlichen Ressourcen und vorhandenen Inkonsistenzen eine 100%ige Arbeitsfä
higkeit aus psychiatrischer Sicht ausgewiesen ist.
Da
mit
vermögen die nachträglich eingereichten medizinischen Berichte der be
handelnden Ärzte angesichts der auch aktuell bloss geringen Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und der festgestellten Inkonsistenzen keine andere Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu begründen, weswegen keine weiteren Abklä
rungen zu tätigen sind.
Vielmehr wurden d
ie aus somatischer und psychiatrischer Sicht festgestellten Einschränkungen im Rahmen der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Gut
achter des
Z._
vollumfänglich berücksichtigt. Der medizinische Sachverhalt ist dahingehend erstellt, dass aus somatischer und psychiatrischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ausgewiesen ist, weshalb die Aufhebung der Rente nicht zu beanstanden ist.
6.
6.1
Zu prüfen bleibt, ob die rückwirkende Rentenaufhebung per
1.
Januar 2012 recht
mässig war. Dies ist dann der Fall, wenn der Leistungsbezüger seiner nach
Art.
77 IVV zumutbaren Meldepflicht nicht nachgekommen ist (
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV; vgl. vorstehend E. 1.5
).
Nach
Art.
77 IVV haben der Berechtigte oder sein gesetzlicher Vertreter sowie Behörden oder Dritte, denen die Leistung zukommt, jede für den Leistungsan
spruch wesentliche Änderung, namentlich eine solche des Gesundheitszustandes, der
Arbeits- oder Erwerbsfähigkeit (...)
sowie der persönlichen und gegebenenfalls der wirtschaftlichen Verhältnisse des Versicherten unverzüglich der IV-Stelle an
zuzeigen. Eine Meldepflichtverletzung setzt ein schuldhaftes Fehlverhalten vo
raus, wobei bereits eine leichte Fahrlässigkeit genügt (BGE 118 V 214 E. 2a).
6.2
Anlässlich des
3.
Revisionsverfahrens gab
Dr.
D._
in seinem Verlaufsbericht vo
m November 2010 (vorstehend E. 3.3
) an, die rezidivierende ängstlich-depres
sive Störung sei gegenwärtig weitgehend remittiert
, wobei sich die letzte erheb
liche (mittelgradige) Störung
von
September bis Dezember 2008 ereignete. Eine aus
psychiatrischer Sicht angepasste Tätigkeit müsse insbesondere Arbeitszeiten von höchstens 2-2.5 Stunden am Stück beinhalten. Gemäss subjektiver Einschät
zung sei der Beschwerdeführer an guten Tagen zu etwa 2 x 2-2.5 Stunden aktiver Betätigung in der Lage, wobei er nach 2-2.5 Stunden eine Ruhe- und Entspan
nungspause von etwa 3-4 Stunden brauche, um danach allenfalls noch einmal 2-2.5 Stunden tätig sein zu können (
Urk.
6/45
/1-7
S. 4).
Dr.
F._
führte in seinem Verlaufsbericht vo
m November 2010 (vorstehend
E. 3.4
) aus, dass die bestehenden körperlichen, geistigen und psychischen Ein
schränkungen bezüglich der bisherigen Tätigkeit unklar seien und allenfalls eine Arbeitsfähigkeitsevaluation durchzuführen sei. Eingliederungsmassnahmen seien immer noch anzustreben (
Urk.
6/46 S. 2 f.).
D
em Verlaufsbericht von
Dr.
D._
ist eine geringere
Ausprägung der diagnose
relevanten Befunde
sowie neu eine näher aufgeführte
Belastbarkeitseinschätzung
zu entnehmen, was allenfalls auf eine Verbesserung des Gesundheitszustands hindeutete.
Des Weiteren machte
Dr.
F._
darauf aufmerksam, dass die beste
henden Einschränkungen weitgehend unklar seie
n, weshalb
eine Evaluation
oder Eingliederungsmassnahmen
zu erwägen
seien.
Der IV-Stelle wurden alle wesent
lichen
Angaben zur Verfügung gestellt, jedoch tätigte diese
trotz Hinweisen auf eine mögliche Verbesserung
keine
weitere
n Abklärungen und bot auch keine
be
rufliche
n
Massnahmen
an
.
Sie
ging
einzig
gestützt auf die Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte
von einem unveränderten Gesundheitszustand aus und sprach dem Beschwerdeführer weiterhin eine ganze Rente z
u
(vgl.
Urk.
6/50; vor
stehend E. 3.5)
.
Eine Meldepflichtverletzung des Beschwerdeführers ist
– auch nach Beendigung der Therapie bei
Dr.
D._
Ende 2011 -
nicht zu erblicken, zumal aus Sicht der behandelnden Ärzte
sowie aus seiner subjektiven Sicht
wei
terhin eine volle Arbeitsunfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestand
und
Dr.
F._
im Mai 2015 festhielt, es sei keine Veränderung seit der letzten Rentenrevision feststellbar (vgl. vorstehend E. 4.1)
, was auch der Einschätzung de
r
M._
im Mai 2015 entsprach (unveränderte Befunde im Vergleich zu 2010 und 2013,
Urk.
6/62/5)
.
Ausserdem erscheint es – mangels echtzeitlicher medizinischer Einschätzungen – schwierig oder gar beliebig, rückblickend ab 2012 eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes anzunehmen.
6.3
Nach dem Gesagten
besteht keine
Meldepflichtverletzung, daher ist die
rückwir
kende Rentenaufhebung per
1.
Januar 2012 unzulässig.
Gestützt auf d
as
Z._
-Gutachten ist
jedoch
zumindest seit März 2016
eine
volle Arbeitsfähigkeit ausge
wiesen (vgl. vo
rstehend E. 5.4 ff.
), weshalb die
Aufhebung der Rente
ex
nunc
nicht zu beanstanden ist. Gemäss
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV
hat diese
frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung de
r Verfügung folgenden Monats an zu erfolgen. Die Verfügung
der Einstellung der Rente
erging am
9.
August 2018
(
Urk.
2
/1
)
, weshalb
die
Rente per
1.
Oktober 201
8
aufzuheben ist.
Da die vorsorgliche Sistierung per Ende Juni 2017
aufgrund der von der IV-Stelle postulierten Meldepflichtverletzung erfolgte (vgl.
Urk.
6/122,
Urk.
6/131), ist sie für die revisionsweise Rentenaufhebung nicht beachtlich.
7.
7.1
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Einglie
derungsmassnahmen durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medizinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigenanstrengung auszuschöpfen und erwerblich zu verwerten
(vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C
_
163/2009
vom 10 September 2010,
E. 4.2.1
)
.
7.2
Der Beschwerdeführer bezog seit Juli 2000 und damit seit über 15 Jahren eine Rente, weshalb er unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
Bezüger
kreis
fällt.
Mit Schreiben vom 3
0.
Mai 2016 wurde dem Beschwerdeführer ein Gespräch zur Besprechung der Situation im Arbeitsmarkt angeboten (
Urk.
6/86). Aus dem Verlaufsprotokoll ist ersichtlich, dass er
im Juni 2016
einen
Ter
min bei der
N._
wahrnahm, den
Weg
dorthin
aber bereits als zu anstrengend empfand. Aufgrund der gesundheitlichen Situation des Beschwerdeführers und da dieser gemeinsam mit seinem Psychiater einen stationären Aufenthalt in einer Klinik prüfte (
Urk.
6/91 S. 2 f.),
teilte
die IV-Stelle mit Schreiben vom 2
7.
Juli 2016 mit, dass Eingliederungsmassnahmen zurzeit nicht möglich seien (
Urk.
6/90).
Mit Vorbescheid vom 2
2.
September 2016 wurde zufolge einer Verbesserung des Gesundheitszustands die Einstellung der Rente in Aussicht gestellt (
Urk.
6/94).
Zu diesem Zeitpunkt war der Beschwerdeführer bereits 55 Jahre alt.
Nach
gemeinsa
mer Besprechung des
weiteren Vorgehens wurde
n
dem Beschwerdeführer
mit Schreiben vom
1
1.
April 2017 in Zusammenhang mit der angekündigten Renten
aufhebung berufliche Eingliede
rungsmassnahmen angeboten
, wobei in einem ersten Schritt
eine
Potentialabklärung geplant
sei
(
Urk.
6/111).
Am
2
4.
Juli 2017 teilte der Beschwerdeführer mit, dass berufliche Massnahmen bis auf weiteres zurückgestellt werden müss
t
en, da sich sein Gesundheitszustand massiv ver
schlechtert habe (
Urk.
6/112, vgl.
Urk.
6/115 S. 2)
.
7.3
Sowohl im Mai 2016 als auch im April 2017 wurden dem Beschwerdeführer Ein
gliederungsmassnahmen angeboten. Dass diese nicht durchgeführt werden konn
ten, lag an den vom Beschwerdeführer geltend gemachten Beschwerden, welche jedoch nach Würdigung der medizinischen Akten keinen Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit aufweisen. Die von der Beschwerdegegnerin angebotenen Eingliede
rungsmassnahmen sind daher als ausreichend zu betrachten, weshalb die Aufhe
bung der Rente nicht zu beanstanden ist.
8.
Nach dem Dargelegten ist die Be
schwerde bezüglich der Rückforderung
sverfü
gung vom 2
2.
August 2018 (Rückforderung der Leistungen vom
1.
Januar 2012 bis 3
0.
Juni 2017,
Urk.
2/2)
gutzuheissen
.
Hinsichtlich der Einstellung der Inva
lidenrente per
1.
Januar 2012 (Verfügung vom
9.
August 2018,
Urk.
2/1) ist die Beschwerde in dem Sinne gutzuheissen, dass
die Rente ab
1.
Oktober 2018 auf
zuheben
ist
. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
9.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr.
9
00.-- festzusetzen und
e
ntsprechend dem Ausgang des Verfahrens den Par
teien je zur Hälfte aufzuerlegen.