# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9e16fd92-66b7-5e6f-a603-b65b3fbb68ac
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden sind je zur Hälfte Miteigentümer des Wohnhauses auf der
Parzelle Ostermundigen Grundbuchblatt Nr. K._. Zu Gunsten dieser Parzelle
besteht ein Fuss- und Fahrwegrecht zu Lasten der nordwestlich angrenzenden Parzelle
Nr. L._. Mit Gesamtentscheid vom 17. August 2016 bewilligte die Gemeinde
Ostermundigen den Beschwerdeführenden die Erstellung eines Parkplatzes sowie einer
Hauszufahrt von der M._strasse über die Parzelle Nr. L._ zu ihrer
Liegenschaft. Dieser Entscheid ist unangefochten rechtskräftig geworden.
Im Amtsbericht betreffend Strassenanschluss vom 7. Juli 2016 ist unter anderem
festgehalten:
[...]
3) Das bestehende Parkfeld (Blaue Zone) auf der M._strasse Parzelle Nr. N._ muss
infolge der neuen Ein- und Ausfahrt aufgehoben werden. Die Kosten sind durch die Bauherrschaft zu
übernehmen.
4) Damit die Sicht eingehalten wird, ist auf der M._strasse Parzelle Nr. N._ im
Bereich de[s] aufzuhebenden [Parkplatzes] ein Sichtspiegel aufzustellen. Bei der Wahl des
Sichtspiegels ist darauf zu achten, dass dieser bei Kälte nicht gefriert. Die Kosten sind durch die
Bauherrschaft zu übernehmen.
[...]
Die Bedingungen und Auflagen des Amtsberichts betreffend Strassenanschluss vom 7. Juli
2016 sind Bestandteil des Gesamtentscheids vom 17. August 2016.
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2. Im Anschluss an die Erstellung der Hauszufahrt reichten die Beschwerdegegnerinnen
und Beschwerdegegner bei der Gemeinde eine baupolizeiliche Anzeige (datiert vom
4. November 2016) ein. Darin machten sie insbesondere geltend, das
Baubewilligungsverfahren betreffend die Erstellung des Parkplatzes und der Hauszufahrt
sei nicht korrekt durchgeführt worden. Gleichzeitig verlangten sie die Entfernung des
Spiegels; dieser störe ihre Privatsphäre und habe bezogen auf die Verkehrssicherheit
keinerlei Wirkung.
In der Folge kam es zu diversen Abklärungen (insbesondere Einholung eines Fachberichts
des Tiefbauamts des Kantons Bern, Oberingenieurkreis II [TBA OIK II]) sowie
Schriftwechseln und Gesprächen zwischen der Gemeinde und den Parteien. Mit Schreiben
vom 19. November 2018 teilte die Gemeinde den Parteien schliesslich mit, nachdem der
Spiegel neu eingestellt worden sei und der Beschwerdegegner 6 auf seiner Parzelle
Nr. L._ Anpassungen an den Stellwänden und Pflanzgittern vorgenommen habe,
seien die Sichtfelder in beide Richtungen gewährleistet. Folglich könne die Hauszufahrt
nun im Rahmen der mit Gesamtentscheid vom 17. August 2016 erteilten Bewilligung
benützt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt haben die Beschwerdeführenden freiwillig darauf
verzichtet, die Hauszufahrt mit dem Auto zu befahren.
Daraufhin reichten die Beschwerdegegnerinnen und Beschwerdegegner eine weitere
baupolizeiliche Anzeige (datiert vom 3. Dezember 2018) ein. Darin verlangten sie im
Wesentlichen, die Benützung der Hauszufahrt für Autos zu verbieten und den
Gesamtentscheid vom 17. August 2016 zu widerrufen, da die Verkehrssicherheit nicht
gewährleistet sei. Nachdem die Gemeinde einen weiteren Fachbericht des TBA OIK II
eingeholt hatte, erliess sie mit verfahrensleitender Verfügung vom 13. Mai 2019 ein
sofortiges Benützungsverbot für Motorfahrzeuge bezüglich der Hauszufahrt zur
Liegenschaft der Beschwerdeführenden für die Dauer des laufenden Verfahrens.
Gleichzeitig entzog sie einer allfälligen Beschwerde gegen das Benützungsverbot die
aufschiebende Wirkung.
3. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 11. Juni 2019
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
stellen folgende Rechtsbegehren:
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1. Ziffer 4 der verfahrensleitenden Verfügung vom 13. Mai 2019 mit dem vorübergehenden
Benützungsverbot der Hauszufahrt der Liegenschaft M._strasse 20 (Gbbl.
Nr. K._) mit Motorfahrzeugen sei aufzuheben.
2. Der vorliegenden Beschwerde gegen das Benützungsverbot der Hauszufahrt
M._strasse 20 sei die aufschiebende Wirkung zu gewähren.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,1 gab den
Beschwerdegegnerinnen und Beschwerdegegnern Gelegenheit, sich als Partei am
Verfahren zu beteiligen. Gleichzeitig bat es das TBA OIK II sowie die Gemeinde, eine
Stellungnahme bzw. Vernehmlassung einzureichen und edierte die Vorakten.
5. Auf die Rechtsschriften und Vorakten sowie auf die Stellungnahme des TBA OIK II
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 61 Abs. 1 Bst. g VRPG2,
die im Rahmen eines Widerrufsverfahrens nach Art. 43 BauG3 ergangen ist. So hat die
Gemeinde in der Verfügung vom 13. Mai 2019 ausdrücklich darauf hingewiesen, dass das
bei ihr hängige Verfahren ab sofort nicht mehr als baupolizeiliche Angelegenheit, sondern
als Verfahren betreffend den Widerruf des Gesamtentscheids vom 17. August 2016, soweit
dieser die Strassenanschlussbewilligung umfasst, behandelt werde. Der Rechtsmittelweg
von Zwischenverfügungen entspricht demjenigen in der Hauptsache;4 für Verfügungen
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191). 2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 61 N. 7.
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über vorsorgliche Massnahmen ergibt sich dies bereits aus Art. 29 VRPG. Eine
Widerrufsverfügung kann gemäss Art. 43 Abs. 3 BauG wie ein Bauentscheid angefochten
werden. Bauentscheide können innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der
BVE angefochten werden (Art. 40 Abs. 1 BauG). Die BVE ist somit für die Beurteilung der
Beschwerde zuständig.
b) Zwischenverfügungen sind unter anderem dann selbständig anfechtbar, wenn sie
einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken können (Art. 61 Abs. 3 Bst. a
VRPG). Unter einem nicht wieder gutzumachenden Nachteil wird ein schutzwürdiges
Interesse an der sofortigen Aufhebung oder Abänderung der Zwischenverfügung
verstanden. Damit ist nicht ein irreparabler Schaden gemeint. Ein hinreichendes
Rechtsschutzinteresse an der sofortigen Anfechtbarkeit ist bereits gegeben, wenn ein
günstiger Endentscheid für die betroffene Person nicht jeden Nachteil zu beseitigen
vermag. Dabei muss es sich nicht um einen Nachteil rechtlicher Natur handeln. Es genügt
auch ein bloss wirtschaftliches Interesse, sofern es der beschwerdeführenden Person nicht
bloss darum geht, eine Verteuerung oder eine aus wirtschaftlicher Sicht ungünstige
Verlängerung des Verfahrens zu verhindern.5
c) Die Beschwerdeführenden machen geltend, aufgrund des vorsorglichen
Benützungsverbots könnten sie ihre mit Gesamtentscheid vom 17. August 2016 bewilligte
Hauszufahrt nicht mehr frei nutzen. Dies beschränke ihr Eigentum und stelle einen nicht
wieder gutzumachenden Nachteil rechtlicher Natur dar. Zudem seien sie nun gezwungen,
ihr Auto auf gebührenpflichtigen Parkplätzen abzustellen, was zu Mehrkosten führe und
einen nicht wieder gutzumachenden Nachteil wirtschaftlicher Natur darstelle. Die
verfahrensleitende Verfügung vom 13. Mai 2019 sei folglich selbständig anfechtbar.
d) Mit der angefochtenen Zwischenverfügung wurde den Beschwerdeführenden die
Benützung ihrer Hauszufahrt mit Motorfahrzeugen per sofort für die Dauer des bei der
Gemeinde hängigen Widerrufsverfahrens untersagt. Gleichzeitig wurde einer allfälligen
Beschwerde gegen dieses Benützungsverbot die aufschiebende Wirkung entzogen. Die
Beschwerdeführenden sind durch das Benützungsverbot also nicht nur in ihrem
Eigentumsrecht beschränkt, sondern müssen auch eine andere Abstellmöglichkeit für ihr
Auto organisieren. Letzteres hat sowohl Mehrkosten (in den Quartieren von Ostermundigen
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 61 N. 5.
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gilt grundsätzlich die «Blaue Zone», für die Anwohner eine Parkkarte für Fr. 30.– pro Monat
beziehen müssen, sofern sie ihr Auto darin abstellen wollen6) als auch einen zeitlichen
Mehraufwand (Parkplatzsuche und längerer Weg zwischen Haus und Auto) zur Folge. Mit
anderen Worten würde ein günstiger Endentscheid für die Beschwerdeführenden nicht
jeden Nachteil zu beseitigen vermögen. Damit haben sie ein schutzwürdiges Interesse an
der sofortigen Aufhebung oder Abänderung der angefochtenen Zwischenverfügung. Dies
ist im Übrigen auch nicht bestritten.
e) Die Beschwerdeführenden sind als Verfügungsadressatin und -adressat bzw. vom
Benützungsverbot betroffene Grundeigentümerschaft durch die angefochtene Verfügung
beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert (Art. 65 Abs. 1 VRPG). Auf ihre form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Vorsorgliches Benützungsverbot
a) Die Vorinstanz hat beim TBA OIK II mehrere Fachberichte betreffend die
Verkehrssicherheit im Umfeld der Liegenschaft der Beschwerdeführenden eingeholt.
Gestützt auf den Fachbericht vom 16. April 2019 prüft sie nun, ob die Benützung der
Hauszufahrt zur M._strasse 20 mit motorisierten Fahrzeugen untersagt und zu
diesem Zweck die Strassenanschlussbewilligung bzw. der Gesamtentscheid vom
17. August 2016 entsprechend widerrufen werden muss. Aus Gründen der
Verkehrssicherheit ordnete die Vorinstanz gestützt auf Art. 27 Abs. 1 Bst. a VRPG
schliesslich in Bezug auf die fragliche Hauszufahrt ein sofortiges, vorsorgliches
Benützungsverbot für Motofahrzeuge an.
b) Die Beschwerdeführenden bringen dagegen vor, gemäss Fachbericht des TBA OIK II
vom 16. April 2019 dürfe die vorliegende Situation im Gesamtkontext der
Verkehrssicherheit nicht überbewertet werden. So seien in der unmittelbaren
Nachbarschaft und weiteren Umgebung ähnliche Situationen anzutreffen. Im Sinne der
Rechtsgleichheit müsste die Vorinstanz also zunächst alle ähnlichen Situationen,
insbesondere diejenige auf der Nachbarparzelle Nr. L._ (M._strasse 18),
überprüfen und erst dann vorsorgliche Massnahmen treffen. Die Beschwerdeführenden
6 Infos der Gemeinde Ostermundigen betreffend Parkkarten, einsehbar unter: <http://www..ch/online-schalter/parkkarten/>, zuletzt besucht am 8. Juli 2019.
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machen ferner geltend, für die Hauszufahrt zu ihrer Liegenschaft liege seit bald drei Jahren
eine rechtskräftige Bewilligung vor. Eine allfällige Gefährdung der Verkehrssicherheit sei
der Gemeinde bereits seit der ersten baupolizeilichen Anzeige, mithin seit dem
4. November 2016, bekannt gewesen. Die Sach- und Rechtslage habe sich seit diesem
Zeitpunkt nicht verändert. Folglich sei die Anordnung des vorsorglichen Benützungsverbots
zum jetzigen Zeitpunkt unverhältnismässig; es bestehe insbesondere keine zeitliche
Dringlichkeit.
c) Zur Beseitigung gesetzwidriger Anlagen, die von der Baugesetzgebung erfasst
werden, sieht Art. 46 Abs. 1 BauG besondere vorsorgliche Massnahmen vor (Einstellung
der Bauarbeiten und allenfalls Benützungsverbot, wenn ohne oder in Überschreitung einer
Baubewilligung oder in Missachtung von Vorschriften gebaut wird). Das Spezialgesetz
verdrängt in diesen Fällen die generelle Regelung von Art. 27 Abs. 1 VRPG. Soweit die
tatbeständlichen Voraussetzungen von Art. 46 Abs. 1 BauG aber nicht gegeben sind, z.B.
wenn der Widerruf einer Baubewilligung zu beurteilen ist, verbleibt die Möglichkeit
vorläufigen Rechtsschutzes gestützt auf Art. 27 Abs. 1 VRPG.7 Gemäss Bst. a dieser
Bestimmung kann die instruierende Behörde auf Antrag oder von Amtes wegen vor dem
Erlass einer Verfügung oder eines Entscheids, zur Beseitigung gesetzeswidriger oder
gefährlicher Anlagen und Zustände, zur Ausführung dringender Arbeiten und zum Schutz
erheblicher öffentlicher oder privater Interessen, vorsorgliche Massnahmen anordnen. Mit
dem Schutz erheblicher öffentlicher oder privater Interessen ist in erster Linie der Schutz
von wichtigen Polizeigütern (Leib, Leben, Gesundheit) vor konkreten und schweren
Gefahren gemeint.8 Stehen den Interessen am Erlass vorsorglicher Massnahmen andere
private oder öffentliche Interessen gegenüber, so ist über den vorläufigen Rechtsschutz
aufgrund einer Interessenabwägung zu entscheiden. In diesem Zusammenhang kann
mitberücksichtigt werden, ob ein Zustand schon lange andauert bzw. geduldet wurde und
eine sofortige Änderung aus diesem Grund nicht als besonders dringlich erscheint. Dies gilt
in Fällen, in denen es um den Schutz von wichtigen Polizeigütern geht, in besonderem
Masse. Überhaupt ist dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit grosse Bedeutung
zuzumessen.9 Über vorsorgliche Massnahmen muss in der Regel ohne weitere
Beweiserhebungen, mithin aufgrund der Akten, entschieden werden. Es genügt, wenn eine
7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 27 N. 14. 8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 27 N. 16. 9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 27 N. 12 und 16.
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Gefährdung aufgrund summarischer Prüfung zwar als wahrscheinlich erscheint, die
Möglichkeit einer Fehlannahme aber nicht ausgeschlossen werden kann.10
d) Die vom Benützungsverbot betroffene Hauszufahrt befindet sich mitten in einem
Wohnquartier, unmittelbar neben dem Knoten O._weg/M._strasse. Der
O._weg ist eine Verbindungsstrasse und führt von der Bahnunterführung
«P._strasse» zum Dorfzentrum von Ostermundigen. Die M._strasse, in
welche die Hauszufahrt mündet, ist eine untergeordnete Quartierstrasse mit Vortrittsentzug
gegenüber dem O._weg. Entlang der M._strasse sind keine Trottoirs
vorhanden. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt auf dem O._weg
40 Stundenkilometer und auf der M._strasse 50 Stundenkilometer. Gemäss
Feststellungen des TBA OIK II werden die zulässigen Geschwindigkeiten auf beiden
Strassen grundsätzlich eingehalten; im Bereich der Hauszufahrt schätzt das TBA OIK II die
gefahrene Geschwindigkeit aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Knoten
O._weg/M._strasse auf 20 Stundenkilometer. Das Verkehrsaufkommen
sei auf beiden Strassen gering.
Das TBA OIK II kommt in seinen Fachberichten vom 25. August 2017 und 16. April 2019
zusammengefasst zum Schluss, dass die Verkehrssicherheit bei der Einmündung der
Hauszufahrt in die M._strasse nicht gewährleistet sei und die Mängel so
gravierend seien, dass die Strassenanschlussbewilligung bzw. der Gesamtentscheid vom
17. August 2016, soweit dieser die Strassenanschlussbewilligung umfasst, widerrufen
werden müsse. So seien die Sichtverhältnisse bei der Ausfahrt in beide Blickrichtungen
stark eingeschränkt. Nach links wegen dem allfällig auf dem zur Liegenschaft
M._strasse 18 gehörenden Parkplatz abgestellten Fahrzeug, nach rechts wegen
der hohen, im Sommer blickdichten Hecke. Durch den Spiegelmast und den davor
befindlichen Pfosten werde der Verkehr zusätzlich auf die Seite der Ausfahrt geleitet, was
die Situation verschärfe. Der Spiegel könne zwar zur besseren Sicht helfen. Er könne aber
auch eine Sicherheit vortäuschen, indem der Benutzer glaube, eine Übersicht zu haben,
jedoch einen Fussgänger, einen Rollschuh- oder Trottinettfahrer ohne Licht übersehe. Die
Hauszufahrt sei mit 2 m zudem zu schmal. Da die Autos auf Privatboden nicht wenden
könnten, müsste die Zu- oder Wegfahrt schliesslich rückwärts erfolgen. Dies könne
insbesondere bei einer Strasse ohne Trottoir gewisse Risiken mit sich bringen.
10 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 27 N. 3.
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In seiner Stellungnahme vom 21. Juni 2019 bestätigt das TBA OIK II seine bisherige
Einschätzung. Gleichzeitig empfiehlt es, sofern auf der M._strasse selbst nicht
kurzfristig Massnahmen getroffen werden, die Benützung der Hauszufahrt für den
motorisierten Verkehr sofort zu unterbinden, mithin der Beschwerde keine aufschiebende
Wirkung zu gewähren.
e) Es trifft zwar zu, dass das TBA OIK II in seinem Fachbericht vom 16. April 2019
eingangs bemerkt, dass im fraglichen Quartier und in der weiteren Umgebung ähnliche
Situationen anzutreffen seien und dass die vorliegende Situation im Gesamtkontext der
Verkehrssicherheit nicht überbewertet werden dürfe. Daraus können die
Beschwerdeführenden jedoch nichts zu ihren Gunsten ableiten. Einerseits hat das
TBA OIK II mit seiner Empfehlung vom 21. Juni 2019, wonach die Benützung der
Hauszufahrt für den motorisierten Verkehr sofort zu unterbinden, mithin der Beschwerde
keine aufschiebende Wirkung zu gewähren sei, die Bemerkung vom 16. April 2019
relativiert und die Dringlichkeit des Benützungsverbots hervorgehoben. Andererseits geht
es vorliegend um eine vorsorgliche Massnahme, über die in der Regel ohne weitere
Beweiserhebungen, aufgrund einer summarischen Prüfung der vorhandenen Akten,
entschieden wird. Eine eingehende Auseinandersetzung mit der Gesamtsituation ist daher
erst im Rahmen des Endentscheids betreffend den Widerruf des Gesamtentscheids vom
16. August 2017 angezeigt. Vorliegend geht es zudem um eine neue Hauszufahrt, die –
wenn überhaupt – erst seit dem 19. November 2018 mit Motorfahrzeugen befahren wird.
Davor haben die Beschwerdeführenden freiwillig auf eine entsprechende Nutzung
verzichtet. Die vorliegende Situation unterscheidet sich insoweit von den übrigen
Hauszufahrten in der unmittelbaren Nachbarschaft und weiteren Umgebung. Die
Beschwerdeführenden können mit anderen Worten auch aus dem Rechtsgleichheitsgebot
gemäss Art. 8 Abs. 1 BV11 nichts zu ihren Gunsten ableiten. Dieses gebietet bloss,
Gleiches nach Massgabe seiner Gleichheit gleich zu behandeln; demgegenüber ist
Ungleiches nach Massgabe seiner Ungleichheit ungleich zu behandeln.12 Hinzu kommt,
dass die Gemeinde in der Verfügung vom 13. Mai 2019 in Bezug auf die Zufahrt zur
Liegenschaft M._strasse 18 (sowie den Abstellplatz auf der betreffenden Parzelle)
bereits ein Verfahren in Aussicht gestellt hat.
11 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). 12 Kiener/Kälin/Wyttenbach, Grundrechte, 3. Aufl., Bern 2018, S. 426.
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f) Es ist offensichtlich, dass das vorsorgliche Benützungsverbot einen Eingriff in die
privaten Interessen der Beschwerdeführenden darstellt (E. 1d). Diese überwiegen aber
nicht das öffentliche Interesse an der Verkehrssicherheit, die vorliegend gemäss den
nachvollziehbaren und überzeugenden Ausführungen des TBA OIK II bei einer Benützung
der Hauszufahrt (mit Motorfahrzeugen) nicht mehr gewährleistet wäre. So ist es den
Beschwerdeführenden durchaus möglich, bis zum Abschluss des Widerrufsverfahrens eine
Ersatzlösung für ihr Auto bzw. dessen Parkierung zu organisieren. Dies zeigt sich
insbesondere am Umstand, wonach die Beschwerdeführenden bis zum 19. November
2018 freiwillig darauf verzichtet haben, die Hauszufahrt mit dem Auto zu befahren. Es kann
insoweit nicht von einem erheblichen Eingriff in die privaten Interessen der
Beschwerdeführenden gesprochen werden. Gleichzeitig ist die Gefahr von
Zusammenstössen zwischen Motorfahrzeugen und (den besonders verwundbaren)
Langsamverkehrsteilnehmenden, die bei der Benützung der Hauszufahrt mangels
genügender Sicht- und Platzverhältnisse entsteht, als erheblich einzustufen. Daran ändert
auch der Umstand nichts, dass für die Hauszufahrt seit bald drei Jahren eine rechtskräftige
Bewilligung vorliegt und eine Gefährdung der Verkehrssicherheit bereits mit
baupolizeilicher Anzeige vom 4. November 2016 geltend gemacht worden ist. So haben die
Beschwerdeführenden bis zum 19. November 2018 freiwillig auf die Benützung der
Hauszufahrt mittels Auto verzichtet, weshalb bis zu diesem Zeitpunkt auch kein
entsprechendes Verbot seitens der Gemeinde nötig war. Spätestens mit ihrer Beschwerde
haben die Beschwerdeführenden aber deutlich gemacht, dass sie nicht länger gewillt sind,
freiwillig auf die Befahrung der Hauszufahrt mit dem Auto zu verzichten. Die Sachlage hat
sich mit anderen Worten verändert bzw. es besteht nun eine Dringlichkeit, die Benützung
der Hauszufahrt mit Motorfahrzeugen mittels vorsorglicher Massnahme zu verbieten.
g) Eine mildere Massnahme, die gleich geeignet ist, um die Verkehrssicherheit während
des Widerrufsverfahrens zu gewährleisten wie das von der Vorinstanz verfügte
Benützungsverbot, ist nicht ersichtlich. Das Ändern des Spiegelwinkels stellt, entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführenden, jedenfalls keine solche Massnahme dar. So wird
bereits im Protokoll der Q._ AG (Ingenieure und Planer) vom 5. Dezember 201713
festgehalten, dass Verkehrsspiegel generell nur ein relativ kleines Sichtfeld abdecken und
somit etliche «tote Winkel» übrig bleiben, was für langsame Verkehrsteilnehmende zum
13 Anlässlich der Einigungsverhandlung vom 28. November 2017 wurde mit dem Einverständnis sämtlicher Beteiligter entschieden, dass die Q._ AG alle möglichen Einstellungsvarianten evaluiert und den Spiegel anschliessend in der bestmöglichen Position arretiert.
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Verhängnis werden kann. Das angefochtene Benützungsverbot ist folglich auch
verhältnismässig.
h) Dass die Gemeinde – nachdem der Spiegel neu eingestellt worden ist und der
Beschwerdegegner 6 auf seiner Parzelle Anpassungen an den Stellwänden und
Pflanzgittern vorgenommen hat – zunächst zum Schluss gelangt ist, die Hauszufahrt könne
nun benützt werden und dann am 13. Mai 2019 ein vorsorgliches Benützungsverbot verfügt
hat, ist ebenfalls nicht zu beanstanden. So gelangte die Gemeinde erst durch den
Fachbericht des TBA OIK II vom 16. April 2019 zur Erkenntnis, dass die genannten
Massnahmen nach wie vor ungenügend sind, um die Verkehrssicherheit bei der
Einmündung der Hauszufahrt in die M._strasse zu gewährleisten.
i) Zusammenfassend ergibt sich, dass das von der Vorinstanz in Ziffer 4 der Verfügung
vom 13. Mai 2019 angeordnete vorsorgliche Benützungsverbot rechtmässig ist. Die
Beschwerde ist insoweit abzuweisen. Mit dem vorliegenden Entscheid erübrigt sich zudem
die Prüfung des Gesuchs um Gewährung der aufschiebenden Wirkung (Rechtsbegehren
Nr. 2). Es ist daher als gegenstandslos geworden vom Geschäftsverzeichnis
abzuschreiben (Art. 39 Abs. 1 VRPG). Da die massgeblichen Sachverhaltselemente
anhand der zur Verfügung stehenden Akten genügend überprüft bzw. festgestellt werden
konnten, kann schliesslich auch auf den von den Beschwerdeführenden beantragten
Augenschein verzichtet werden. Dies gilt umso mehr, als über vorsorgliche Massnahmen in
der Regel ohne weitere Beweiserhebungen, mithin aufgrund der Akten, entschieden wird
(E. 2c).
3. Entzug der aufschiebenden Wirkung einer allfälligen Verwaltungsgerichtsbeschwerde
a) Aus wichtigen Gründen kann die BVE anordnen, dass einer allfälligen
Verwaltungsgerichtsbeschwerde keine aufschiebende Wirkung zukommt (Art. 82 i.V.m.
Art. 68 Abs. 2 VRPG). Als wichtige Gründe gelten insbesondere bedeutende und dringliche
öffentliche oder private Anliegen, die den Interessen an einem Aufschub der Wirksamkeit
einer Anordnung bis zur endgültigen Klärung der Rechtslage vorgehen. Die aufschiebende
Wirkung darf nur entzogen werden, wenn die Gründe dafür gewichtiger sind als die
Interessen an einem Aufschub. Als wichtiger Grund gilt insbesondere ein öffentliches
Interesse, das den sofortigen Vollzug einer belastenden Verfügung erfordert (Art. 68 Abs. 5
RA Nr. 120/2019/43 12
Bst. a VRPG). Besonderes Gewicht haben die Anliegen am Schutz wichtiger Polizeigüter
vor konkreten Gefahren.14
b) Vorliegend besteht ein öffentliches Interesse an der Verkehrssicherheit bzw. am
Schutz des Langsamverkehrs vor Zusammenstössen mit Motorfahrzeugen, die aus der
Hauszufahrt der Beschwerdeführenden in die M._strasse einmünden. Diesem
Interesse kann nur nachgekommen werden, wenn das von der Vorinstanz verfügte
vorsorgliche Benützungsverbot sofort vollzogen wird. Es überwiegt zudem die privaten
Interessen der Beschwerdeführenden an der uneingeschränkten Nutzung ihrer
Hauszufahrt deutlich, zumal es diesen durchaus möglich ist, eine Ersatzlösung für ihr Auto
bzw. dessen Parkierung zu organisieren (vgl. zum Ganzen E. 2). Einer allfälligen
Verwaltungsgerichtsbeschwerde ist folglich die aufschiebende Wirkung zu entziehen.
4. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 600.– (Art. 103 Abs. 1 und 2 VRPG i.V.m. Art. 19 GebV15).
Die Beschwerdeführenden haften solidarisch für den gesamten Betrag.
b) Parteikosten im Sinne des Gesetzes sind keine entstanden (Art. 104 Abs. 1 und 2
VRPG), weshalb keine solchen zu sprechen sind.