# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c148a0ac-6a07-4fd1-9f59-d5094ec792a3
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Sachbeschädigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - , vom 27. Mai 2021 (GG210058)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 25. Februar 2021
(Urk. D1/10) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 25 S. 35 ff.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB
− des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB
− des geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Ver-
bindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf der Sachbeschädigung gemäss Dossier 3 der Anklageschrift
wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 8 Monaten Freiheitsstrafe sowie mit einer
Busse von Fr. 300.–.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
6. Die folgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
25. Februar 2021 beschlagnahmten Gegenstände
- 2 Sprühdosen rot (A013'312'157)
- 1 Sprühdose violett (A013'312'168)
- 1 Sprühdose schwarz (A013'312'179)
- 1 Tag-Stift silber (A013'312'191)
- 1 Tag-Stift schwarz (A013'312'204)
- 16 Sprühköpfe (A013'312'215)
- Einweghandschuhe (A013'312'226)
- Arbeitshandschuhe (A013'312'237)
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- Mikrospurenbogen Tag-Stift silber (A013'312'339)
- Mikrospurenbogen Tag-Stift schwarz (A013'312'362)
werden eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
7. Auf das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin Bundesamt für Strassen
(ASTRA) wird nicht eingetreten.
8. Folgende Privatklägerinnen werden mit ihrem Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen:
− B._ AG
− C._ AG
− D._
− Stiftung E._
− F._ AG
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der in die Rechte der Privatklägerin
F._ AG eingetretenen AC._ Schadenersatz im Betrag von Fr.
2'295.– zuzüglich Zins zu 5 % seit dem 11. April 2020 zu bezahlen.
10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'400.00 die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.00 Gebühr Anklagebehörde Fr. 6'606.50 Auslagen Anklagebehörde Fr. 7'000.00 Kosten amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
11. Der amtliche Verteidiger wird mit Fr. 7'000.-- (inkl. Barauslagen und MwSt.)
aus der Gerichtskasse entschädigt.
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens – ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie Gerichts- und Unter-
suchungskosten im Umfang von Fr. 1'700.–, welche auf die Gerichtskasse
genommen werden – werden dem Beschuldigten auferlegt.
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13. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO.
14. [Mitteilungen]
15. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 35 S. 1 f.)
1. Der Beschuldigte, A._, sei vom Vorwurf der mehrfachen Sachbe-
schädigung i.S.v. Art. 144 Abs. 1 StGB freizusprechen.
2. Der Beschuldigte, A._, sei für den Hausfriedensbruch i.S.v. Art.
186 StGB und den geringfügigen Diebstahl i.S.v. Art. 139 Ziff. 1 StGB
i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB mit einer bedingten Geldstrafe von 15
Tagessätzen zu CHF 30.00, unter Ansetzung einer zweijährigen Pro-
bezeit und mit einer Busse von CHF 100.00 zu bestrafen.
3. Die Schadenersatzanträge der Privatkläger 2-9 seien abzuweisen.
Eventualiter seien die Privatkläger auf den Weg des Zivilprozesses zu
verweisen.
4. Die Kosten für die Untersuchung und das Gerichtsverfahren (inklusive
diejenigen für das Berufungsverfahren und die amtliche Verteidigung)
seien vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen, eventualiter sei
ein angemessener Teil dem Beschuldigten aufzuerlegen.
b) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(schriftlich, Urk. 30)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte/Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Hinsichtlich des Verfahrensgangs bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur
Vermeidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im an-
gefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 25 = Urk. 21 S. 4).
1.2. Gegen das vorstehend wiedergegebene mündlich eröffnete Urteil vom
27. Mai 2021 meldete die amtliche Verteidigung namens des Beschuldigten innert
Frist Berufung an (Urk. 20). Das begründete Urteil wurde dem Verteidiger und der
Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl (im Folgenden: Staatsanwaltschaft) sowie der Pri-
vatklägerschaft am 5. bzw. 6. Juli 2021 zugestellt (Urk. 24/1-11). Mit Schreiben
vom 16. Juli 2021 ging die Berufungserklärung der Verteidigung fristgerecht ein,
wobei keine Beweisanträge gestellt wurden (Urk. 27). Mit Präsidialverfügung vom
21. Juli 2021 wurde den Privatklägern und der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt,
um Anschlussberufung zu erklären oder begründet ein Nichteintreten auf die Be-
rufung zu beantragen (Urk. 28). Die Staatsanwaltschaft verzichtete hierauf mit
Eingabe vom 27. Juli 2021 auf Anschlussberufung und beantragte die Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 30).
1.3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschien der Beschuldigte in Begleitung
seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. X._. Die Staatsanwalt-
schaft war nicht zum persönlichen Erscheinen verpflichtet (Art. 465 Abs. 3 StPO;
vgl. Urk. 30) Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung (Prot. II
S. 12 ff.).
2. Umfang der Berufung
2.1. In der Berufungsschrift ist anzugeben, ob das Urteil vollumfänglich ange-
fochten wird (Art. 399 Abs. 3 lit. a StPO) oder, falls das Urteil nur in Teilen ange-
fochten wird, welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils verlangt werden
(Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil mit
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seiner Berufung mit Ausnahme der Dispositivziffern 1 al. 2 und 3 (Schuldspruch
wegen Hausfriedensbruchs und geringfügigen Diebstahls), 2 (Freispruch vom
Vorwurf der Sachbeschädigung gemäss Dossier 3), 6 (Verwendung beschlag-
nahmter Gegenstände), 7 (Nichteintreten auf das Schadenersatzbegehren AST-
RA), 10 (Kostenfestsetzung) und 11 (Honorar amtliche Verteidigung) vollumfäng-
lich an. Entsprechend ersucht er ausdrücklich um Aufhebung des Schuldspruchs
betreffend mehrfache Sachbeschädigung und um Einstellung des Verfahrens be-
züglich dieses Vorwurfs, eventualiter Freispruchs von dem Vorwurf, Aufhebung
der Sanktion und deren Vollzugs sowie der erstinstanzlichen Kostenauflage (Urk.
27. S. 2 f., Prot. II S. 5 und S. 12).
2.2. Von der Berufung nicht umfasst sind somit Dispositivziffern 1 al. 2 und 3
(Schuldspruch wegen Hausfriedensbruchs und geringfügigen Diebstahls), 2 (Frei-
spruch vom Vorwurf der Sachbeschädigung gemäss Dossier 3), 6 (Verwendung
beschlagnahmter Gegenstände), 7 (Nichteintreten auf das Schadenersatzbegeh-
ren ASTRA), 10 (Kostenfestsetzung) und 11 (Honorar amtliche Verteidigung). Das
Urteil des Einzelgerichts des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 27. Mai
2021 ist mithin bezüglich dieser Dispositivziffern in Rechtskraft erwachsen, was
vorab mittels Beschluss festzustellen ist.
3. Formelles
Es ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.2; Urteil des
Bundesgerichts 6B_1130/2014 vom 8. Juni 2015 E. 4). Die Berufungsinstanz
kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
4. Prozessuale Einwendungen der Verteidigung
4.1. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz mehrere Einwendungen betreffend
ihrer Ansicht nach fehlender gültiger Strafanträge sowie unverwertbarer Beweis-
mittel (Urk. 15 S. 2 ff.; S. 5 ff.; S. 14 ff.; S 16 ff.; S. 20 ff.; S. 24 f.). Die Vorinstanz
setzte sich mit den Einwendungen der Verteidigung einlässlich auseinander und
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wies diese zurück. So wurden sämtliche Strafanträge als gültig gestellt und die
Beweismittel – soweit relevant – als verwertbar erachtet (Urk. 25 S. 5 – 17). Die
Ausführungen im angefochtenen Entscheid sind überzeugend, weswegen darauf
verwiesen werden kann. Die nachfolgenden Ausführungen verstehen sich ledig-
lich als Hervorhebungen oder Ergänzungen dazu.
4.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde seitens der Verteidigung unter
Verweis auf die Begründung im vorinstanzlichen Plädoyer erneut vorgebracht, die
Strafanträge seien ungültig. Es genüge nicht, wenn im Polizeirapport einzig aufge-
führt werde, dass es sich bei den Antragsstellern um juristische oder bevollmäch-
tigte Vertreter handle, ohne dass eine entsprechende Vollmacht in den Akten lie-
ge (Urk. 35 S. 3 ff.).
Dem ist zu entgegnen, dass die Rechtsprechung des Bundesgerichtes zur Vertre-
tungsbefugnis beim Strafantragsrecht nicht so streng ist, wie bei der Vertretungs-
befugnis im Zivilrecht. Vielmehr darf die Ermächtigung des Vertreters zur An-
tragsstellung namentlich dann angenommen werden, wenn das betreffende Delikt
materielle Rechtsgüter verletzt, mit deren Wahrung oder Verwaltung der Vertreter
allgemein betraut ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_551/2020 vom 24. September
2020 E 2.3.1, mit Hinweisen). Vorliegend widersprechen die Strafanträge sicher
nicht dem Willen bzw. den Interessen der Berechtigten. Vielmehr wurden sie von
Personen gestellt, welche mit der Wahrung des Eigentumsrechts oder der Verwal-
tung der Liegenschaften betraut waren. Die Strafanträge sind deshalb allesamt
als gültig gestellt zu erachten.
4.3. Weiter hielt die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung daran
fest, dass die Aussagen im Polizeirapport, die Videoaufzeichnungen bei der
G._ Bar an der H._-strasse ... sowie die Fotoaufnahmen des Beschul-
digten unverwertbar seien. Die Polizisten hätten formell zu ihren Beobachtungen
befragt werden müssen, damit diese zu Lasten des Beschuldigten hätten verwer-
tet werden dürfen. Es könne entgegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht
erwartet werden, dass eine beschuldigte Person von sich aus aktiv eine Befra-
gung des zentralen Belastungszeugen beantragen müsse und andernfalls ange-
nommen werden dürfe, sie habe stillschweigend auf ihr Konfrontationsrecht ver-
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zichtet. Dies zumal es sich beim Polizeirapport um das einzige Beweismittel hand-
le (a.a.O. S. 4 ff. in Verbindung mit Urk. 15 S. 7 f.).
Zunächst ist klarzustellen, dass die Vorinstanz weder auf Aussagen des Beschul-
digten noch auf solche von Geschädigten, welche im Polizeirapport festgehalten
wurden, abgestellt hat. Auch die Videoaufzeichnungen betreffend den Anklage-
vorwurf D1/I._-strasse 1 und die Fotoaufnahmen des Beschuldigten hat die
Vorinstanz nicht als Beweismittel verwertet. Allerdings befand sie die im Rapport
festgehaltenen polizeilichen Beobachtungen als verwertbar (Urk. 25 S. 8 ff.). Dies
steht im Einklang mit der bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach der Poli-
zeirapport ein zulässiges Beweismittel darstellt (Urteil des Bundesgerichts
6B_1057/2013 vom 19. Mai 2014 E 2.3). Die Beobachtungen, welche die Polizei
im Rapport schriftlich und in Bild festgehalten hat (Urk. D1/1, Urk. D1/2/10,
Urk. D2/1 und Urk. D2/5), sind damit verwertbar.
Anzumerken bleibt, dass der Beschuldigte selbst im Berufungsverfahren noch bis
zu den Parteivorträgen die Möglichkeit gehabt hätte, den Beweisantrag zu stellen,
die rapportierenden Polizisten seien als Zeugen einzuvernehmen (Art. 389 Abs. 3
in Verbindung mit Art. 405 Abs. 1 und Art. 345 StPO). Obwohl die Verteidigung
sowohl vor Vorinstanz als auch im Berufungsverfahren geltend machte, die Poli-
zeirapporte seien unverwertbar, hat sie keinen derartigen Beweisantrag gestellt.
Es ist deshalb von einem bewussten Verzicht darauf auszugehen.
4.4 In Bezug auf den Vorwurf gemäss Dossier 2 wandte die Verteidigung ein,
dass der Spurenbericht des FOR vom 11. Juni 2020 und das Gutachten des FOR
vom 20. November 2020 nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertet werden
dürften. Dies, da die darin festgestellte Übereinstimmung der am Tatort gefunde-
nen (daktyloskopischen) Spur mit einem Fingerabdruck des Beschuldigten unzu-
lässig sei, weil der Fingerabdruck aus dem Jahr 2003 stamme und längst von Am-
tes wegen hätte gelöscht werden müssen. Nach Art. 261 Abs. 1 StPO dürften er-
kennungsdienstliche Unterlagen über die beschuldigte Person ausserhalb des Ak-
tendossiers im Falle einer Verurteilung bis zum Ablauf der Fristen für die Entfer-
nung der Einträge im Strafregister aufbewahrt und, sofern ein hinreichender Tat-
verdacht auf ein neues Delikt bestehe, auch verwendet werden. Die Löschungs-
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fristen für Fingerabdrücke würden sich aber grundsätzlich aus der Verordnung
über die Bearbeitung biometrischer erkennungsdienstlicher Daten ergeben. Ge-
mäss Art. 17 Abs. 1 lit. d dieser Verordnung würden erkennungsdienstliche Daten
fünf Jahre nach Ablauf der Probezeit bei bedingtem oder teilbedingtem Strafvoll-
zug gelöscht (Urk. 35 S. 10 f.).
Der Fingerabdruck des Beschuldigten, welcher im Gutachten des FOR mit der am
Tatort gesicherten daktyloskopischen Spur verglichen wurde, stammt vom
30. September 2003 (vgl. Gutachten FOR, Urk. 9/3 S. 7). Er wurde im Zusam-
menhang mit einem Strafverfahren erhoben, in welchem der Beschuldige am
27. März 2007 mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat unter Anset-
zung einer Probezeit von 2 Jahren zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt wurde.
Der bedingte Vollzug der Geldstrafe wurde am 6. Februar 2008 durch das Bezirk-
samt Brugg widerrufen (vgl. Beizugsakten der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis,
Unt.Nr.: B4/2015/10030317, Urk. 7/1 S. 1).
Wie die Verteidigung zutreffend vorbringt, werden die Löschungsfristen für Fin-
gerabdrücke in der Verordnung über die Bearbeitung biometrischer erkennungs-
dienstlicher Daten (nachfolgend: ED-Verordnung) abschliessend geregelt
(SR 361.3). In Bezug auf Fingerabdrücke geht die ED-Verordnung Art. 261 StPO,
welcher generell erkennungsdienstliche Unterlagen zum Gegenstand hat, als lex
specialis vor (vgl. Zürcher Kommentar StPO-Hansjakob/Graf, 3. Aufl. 2020,
Art. 261 N 1).
Im Zeitpunkt der Abnahme des Fingerabdrucks galt die ED-Verordnung vom
21. November 2001. Diese trat am 1. Januar 2002 in Kraft und wurde am
1. September 2014 durch die ED-Verordnung vom 6. Dezember 2013 ersetzt,
welche heute noch in Kraft ist. Art. 26 der heute geltenden ED-Verordnung regelt
das Übergangsrecht. Nach Abs. 1 dieser Bestimmung werden biometrische er-
kennungsdienstliche Daten, die vor dem 1. September 2014 in AFIS (Automati-
siertes Fingerabdruck-Identifikations-System) erfasst wurden, auf Gesuch der be-
troffenen Person in Anwendung von Art. 17 lit. a und c-k gelöscht.
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Damit kann festgehalten werden, dass der Fingerabdruck aus dem Jahre 2003
zwar auf Gesuch des Beschuldigten hin 5 Jahre nach Bezahlung der Geldstrafe
hätte gelöscht werden können (Art. 17 lit. f ED-Verordnung vom 6. Dezember
2013). Ohne ein derartiges Löschungsgesuch blieb die Aufbewahrung des Fin-
gerabdruckes jedoch rechtmässig, zumal Daten ohne entsprechendes Lö-
schungsgesuch nach Art. 15 Abs. 1 lit. c der altrechtlichen ED-Verordnung 30
Jahre lang aufbewahrt werden durften. Das Gutachten des FOR durfte den Ver-
gleichsfingerabdruck somit verwenden. Seiner Verwertbarkeit steht nichts entge-
gen.
4.5 Darüber hinaus machte die Verteidigung hinsichtlich des Vorwurfes in Dos-
sier 2 geltend, der Fingerabdruckabgleich sei gestützt auf die unverwertbaren
Aussagen des Geschäftsführers der F._ AG, J._, erfolgt und deshalb in-
folge der Fernwirkung eine unrechtmässige Beweiserhebung gewesen (Urk. 35 S.
11 ff.).
Im Polizeirapport vom 15. Juni 2020 wurde unter dem Titel "Ermittlun-
gen/Ergänzungen" festgehalten, dass der rapportierende Polizist nach Vorliegen
des Spurenberichts die Geschädigten über die neue Sachlage informiert habe.
Anlässlich eines Telefonats habe J._ erwähnt, er habe mit Leuten aus der
Graffiti-Szene gesprochen. Man habe ihm erzählt, dass "die Schmiererei" an den
Rollläden des Restaurants von einem bekannten, langjährigen Sprüher namens
"K._" gemacht worden seien (Urk. D2/1 S. 3 f.). Wie die Vorinstanz zu Recht
ausgeführt hat, erfolgte diese "Aussage" von J._ nicht anlässlich einer poli-
zeilichen Einvernahme, sondern hat J._ der Polizei lediglich einen Tipp ge-
geben (Urk. 25 S. 13), welchen Vorgang die Polizei infolge der für sämtliche
Strafbehörden geltenden Dokumentationspflicht im Rapport festhalten durfte bzw.
sogar musste. Es ist nicht einzusehen, weshalb die Polizei einem solchen Tipp
nicht hätte nachgehen dürfen. Ob sie dies in casu getan hat oder nicht kann letzt-
lich aber offen bleiben, da mit der Vorinstanz festzuhalten ist, dass die Polizei die
Identität des Beschuldigten auch ohne den Tipp von J._ abgeklärt hätte. So
lässt sich dem Polizeirapport entnehmen, dass die Polizei die daktyloskopische
Spur bereits vor dem Telefonat mit Herrn J._ gesichert hat und diese gemäss
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Spurenbericht dem Beschuldigten zugeordnet werden konnte. Die Geschädigten
seien erst aufgrund der neuen Sachlage (mithin dem Resultat des Spurenbe-
richts) durch den rapportierenden Polizeibeamten kontaktiert wurden (D2/1 S. 3).
Vor diesem Hintergrund ist es aber nicht problematisch, dass der Verfasser des
Spurenberichts Fw L._ seine Informationen unter anderem von Det Wm mbA
M._ von der Fachstelle Graffiti erhalten hat (vgl. Urk. D2/9/1 S.2), bei wel-
chem es sich um denselben Polizeibeamten handelt, welcher den Tipp von
J._ entgegengenommen hat. Vielmehr wäre es auch ohne den Tipp von
J._ zur Identifizierung des Beschuldigten als Spurenverursacher gekommen.
Damit sind sowohl der Spurenbericht als auch das Gutachten des FOR verwert-
bar.
II. Sachverhalt
1. Dossier 1
1.1. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten unter Dossier 1 vor, zwi-
schen dem 17. und 18. November 2019 mit einem silberfarbenen Tag-Stift am
Fensterrahmen des Schaufensters an der I._-strasse 1, in ... Zürich, den
Schriftzug "N._", an der Eingangstüre der Liegenschaft I._-strasse 2, in
... Zürich, den Schriftzug "N._,, AD._" und an der Hausfassade des
Clubs "AE._" an der O._-strasse ..., in ... Zürich, den Schriftzug
"N._" angebracht und dadurch Schaden verursacht zu haben. Schliesslich
wird dem Beschuldigten vorgeworfen, in demselben Zeitraum mit einem schwar-
zen Tag-Stift die Schriftzüge "N._ AD._ ..." und "N._,,AD._"
an den Schaufenstern der Liegenschaft an der P._-strasse ..., in ... Zürich,
und mit einem silberfarbenen Tag-Stift den Schriftzug "N._,,AD._" an
der Eingangstüre des Tattoo-Shops "Q._" an der R._-strasse ..., in ...
Zürich, angebracht und dadurch Schaden verursacht zu haben (Urk. 10 S. 2 ff.).
1.2. Die Erwägungen der Vorinstanz betreffend die Vorwürfe unter Dossier 1
(Urk. 25 S. 18 – 20) sind als überzeugend zu bezeichnen, weswegen grundsätz-
lich darauf verwiesen werden kann. Die nachfolgenden Erwägungen sind primär
präzisierender Natur.
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1.3. Aus den Feststellungen gemäss Rapport der Stadtpolizei Zürich vom
9. März 2020 geht hervor, dass sich der Beschuldigte im obgenannten Zeitraum
im Bereich der relevanten Liegenschaften in ... Zürich (vgl. den Lageplan
[Urk. D1/2/9]) aufhielt. So beobachtete eine Patrouille der Stadtpolizei Zürich, wie
der Beschuldigte eine Baustellenwand besprayte. Nach kurzer Nacheile konnte er
seitens der Polizei angehalten werden. Beim Beschuldigten wurden sogenannte
Tag-Stifte sichergestellt bzw. ihm abgenommen. Die in der Folge getätigten Ab-
klärungen der Polizei ergaben, dass der vom Beschuldigten an besagter Baustel-
lenwand angebrachte Schriftzug "N._ AD._,," an diversen weiteren Ört-
lichkeiten im näheren Umfeld mit Tag-Stiften angebracht worden war. Jene Tags
waren farblich noch nicht eingetrocknet, wodurch sie sehr frisch sein bzw. kurz
zuvor angebracht worden sein mussten. Die beim Beschuldigten sichergestellten
Tag-Stifte stimmten farblich mit den weiteren Tags überein (Urk. D1/1 S. 5).
1.4. Mit der Vorinstanz (Urk. 25 S. 18 – 20) kann vor diesem Hintergrund eine
andere Täterschaft als diejenige des Beschuldigten mit rechtsgenügender Sicher-
heit ausgeschlossen werden. So wird dem Beschuldigten zwar bezüglich der
Baustellenwand an der S._-strasse ..., wo er in flagranti ertappt wurde, kein
Tatvorwurf gemacht. Der örtliche und zeitliche Zusammenhang zwischen der Auf-
schrift auf der Baustellenwand und den ihm vorgeworfenen Aufschriften ist aber
sehr eng, indem die Distanz zwischen den einzelnen Tatorten maximal wenige
hundert Meter bzw. einige Gehminuten betrug (vgl. den Lageplan [Urk. D1/2/9]).
Anzumerken ist, dass entgegen der Darstellung der Verteidigung (Urk. 15 S. 10)
aufgrund der Akten wie gezeigt sehr wohl klar ist, welche Schriftzüge dem Be-
schuldigte vorgeworfen werden. Aus den in den Akten liegenden Fotobogen (Urk.
D1/2/8 S. 3 ff. Fotos 5 – 11; Urk. D1/2/10) ist ersichtlich, dass die Schriftzüge ein
sehr ähnliches Schriftbild mit breiten Grossbuchstaben und kleinen bzw. keinen
Abständen aufweisen, wobei zu berücksichtigen ist, dass die Tags auf verschie-
denen Höhen angebracht wurden – mal auf Kopf-, mal auf Kniehöhe –, weswegen
ein absolut identisches Schriftbild gar nicht erwartet werden kann und darf. Die
Einholung eines graphologischen Gutachtens erscheint daher nicht zielführend.
Nichtsdestotrotz ist die grosse Ähnlichkeit aber augenfällig, selbst wenn die
Schriftzüge jeweils leicht variieren. Allein daraus könnte selbstverständlich noch
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nicht mit Sicherheit auf die Täterschaft des Beschuldigten geschlossen werden.
Vor dem Hintergrund, dass diese Tags teilweise noch nicht trocken waren (vgl.
Urk. D1/1 S. 5 und S. 7), mithin erst kurz zuvor angebracht worden sein mussten,
und der Beschuldigte Tag-Stifte mit sich führte, die mit den an den relevanten Or-
ten festgestellten Tags farblich übereinstimmten (Urk. D1/2/7), verbleiben jedoch
keine rechtserheblichen Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten. Zudem fällt
auch die Ähnlichkeit der Schrift mit derjenigen des Tatvorwurfs gemäss Dossier 2
ins Auge, bezüglich dem der Beschuldigte mittels einer daktyloskopischen Spur
überführt werden konnte, worauf nachfolgend einzugehen ist.
Anzumerken bleibt, dass die Entlastungsbehauptung des Beschuldigten, er habe
bei der Holzwand zwar sprayen wollen, habe dann aber, weil die Polizei durchge-
fahren sei, nicht einmal auf die Spraydose gedrückt, was man anhand der unge-
brauchten "Caps" eruieren könne (Prot. II S. 12), in den Akten keine Stütze findet.
Sie ist vielmehr als Schutzbehauptung zu werten. Gemäss Polizeirapport vom
9. März 2022 konnten die ausgerückten Polizeifunktionäre den Beschuldigten be-
obachten, wie er eine Baustelle mit schwarzer Farbe besprühte und wurde die si-
chergestellte schwarze Spraydose als "fast leer" beschrieben. Zudem wurden
beim Beschuldigten insgesamt 16 Sprühköpfe sichergestellt, welche teilweise ge-
braucht waren (Urk. D1/1 S. 6 f. und Urk. D1/2/7).
Auch die Annahme der Verteidigung, dass es sich beim Schriftzug "N._
AD._" um ein Crew-Tag handle, das von mehreren Personen angebracht
worden sein könnte, vermag vor dem Hintergrund der oben angeführten, stark in-
einander verwobenen Indizien (insb. grosse Ähnlichkeit der Schrift, passende si-
chergestellte Tag-Stifte, teilweise noch feuchte Tags) nicht zu überzeugen.
Der Anklagesachverhalt gemäss Dossier 1 ist daher erstellt.
2. Dossier 2
2.1. Unter Dossier 2 wirft die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vor, im Zeit-
raum zwischen dem 10. April 2020, ca. 18.00 Uhr, und dem 11. April 2020, ca.
08.30 Uhr, mit einer Farbrolle und schwarzer Farbe an den Aluminiumrollläden an
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der Liegenschaft T._-strasse ..., in ... Zürich, den Schriftzug
"N._*AD._" angebracht zu haben. In der Folge sei die Farbe auch auf
das Mauerwerk und auf die dort befindlichen Tische herabgelaufen. Durch diese
Verschmutzung sei ebenfalls Schaden entstanden (Urk. 10 S. 5).
2.2. Die Erwägungen der Vorinstanz zu den Vorwürfen gemäss Dossier 2
(Urk. 25 S. 20 f.) sind als überzeugend zu bezeichnen, so dass grundsätzlich da-
rauf verwiesen werden kann. Die nachfolgenden Erwägungen sind primär präzi-
sierender Natur.
2.3. Wie bereits unter dem Titel "Prozessuales" erwähnt, ergibt sich aus dem
Rapport der Stadtpolizei Zürich vom 15. Juni 2020, dass am Tatort eine Spurensi-
cherung vorgenommen wurde. Dabei wurde eine daktyloskopische Spur (Finger-
abdruck) gesichert, die letztlich dem Beschuldigten zugeordnet werden konnte
(Urk. D2/1 S. 3). Seitens des Forensischen Instituts Zürich wurden zunächst ein
Spurenbericht vom 11. Juni 2020 (Urk. D2/9/1) und hernach ein formelles Gutach-
ten vom 20. November 2020 (Urk. D2/9/3) erstellt. Daraus erhellt, dass die ab ei-
ner Tischplatte am Tatort gesicherte daktyloskopische Spur vom Beschuldigten
verursacht worden sein musste (Urk. D2/9/3 S.11). Damit drängt sich der zwin-
gende Schluss auf, dass der Beschuldigte, als er mittels einer Farbrolle den frag-
lichen Schriftzug auf dem heruntergelassenen Rollladen anbrachte, mit farbver-
schmutzten Händen sichtbare Spuren in Form u.a. des Fingerabdrucks hinterliess
(vgl. Urk. D2/5 S. 7 Foto Nr. 12), wobei irrelevant ist, ob dies beim Erklettern der
Tische oder durch ein sonstiges Berühren des Tisches geschah.
Die Vorbehalte der Verteidigung hinsichtlich der Objektivität und der Qualität des
Spurenberichts und des Gutachtens (Urk. 35 S. 13 ff.) vermögen nicht zu über-
zeugen. Es bestehen keine stichhaltigen Hinweise für die Voreingenommenheit
der jeweiligen Verfasser. Auch dass der Sachverständige Dipl. Chem. FH
U._ bereits beim Spurenbericht mitwirkte ist nicht zu beanstanden, handelt
es sich bei ihm doch um den Experten Daktyloskopie. Darüber hinaus ist zu beto-
nen, dass sowohl der Spurenbericht als auch das Gutachten von mehreren Per-
sonen unterzeichnet wurden, welche alle den Rückschluss bestätigen, dass die
am Tatort sichergestellte daktyloskopische Spur dem Beschuldigten zuzuordnen
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ist. Die von der Verteidigung erwähnten Ungereimtheiten betreffend die Auswer-
tung und den Spurenabgleich wurden im Gutachten sodann offen gelegt. Der
Sachverständige zeigte in seinem Gutachten differenziert auf, wie er zu seinen
Schlüssen gelangte und mit welchen Problemen er zu kämpfen hatte. Auf das
Gutachten ist abzustellen.
Anzumerken ist, dass der Schriftzug "N._*AD._" (Urk. D2/5 S. 1 ff.) trotz
anderer Grösse eine grosse Ähnlichkeit mit den vom Beschuldigten unter Dossier
1 angebrachten Tags (Urk. D2/6 = D1/2/10), insbesondere jenem, bei dem er von
der Polizei in flagranti ertappt wurde, aufweist. Mithin bleiben keine rechterhebli-
chen Zweifel an der Täterschaft des Beschuldigten betreffend den Tatvorwurf
gemäss Dossier 2. Der Anklagesachverhalt gemäss Dossier 2 ist daher erstellt.
III. Rechtliche Würdigung
Die Erwägungen der Vorinstanz zur rechtlichen Würdigung (Urk. 25 S. 22 f.) sind
zutreffend, weswegen darauf verwiesen werden kann. Der Beschuldigte ist daher
betreffend den Sachverhalt gemäss den Dossiers 1 und 2 der mehrfachen Sach-
beschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
Zu ergänzen ist lediglich, dass die unter Dossier 1 eingeklagten Sprayereien ent-
gegen der Argumentation der Verteidigung (Urk. 35 S. 18 f.) nicht als geringfügige
Sachbeschädigungen im Sinne von Art. 144 StGB in Verbindung mit Art. 172ter
StGB qualifiziert werden können. Zwar mag zutreffen, dass der Beschuldigte im
Zeitpunkt, als er die Graffitis anbrachte, den daraus resultierenden Schaden nicht
genau kannte. Allerdings hat der Beschuldigte es nicht bewusst darauf angelegt,
den Schaden zu begrenzen. Im Gegenteil besprühte bzw. bemalte er wissentlich
und willentlich Schaufenster(-rahmen), Türen und Hausfassaden, womit er es für
möglich hielt und auch in Kauf nahm, dass der dadurch verursachte Schaden an
den Gebäuden einen Betrag von Fr. 300.– überschreitet.
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IV. Strafzumessung
1. Einleitung
Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 8 Mona-
ten und einer Busse von Fr. 300.– (Urk. 25 S. 27). Die Staatsanwaltschaft bean-
tragt die Bestätigung des vorinstanzlichen Entscheids (Urk. 30). Die Verteidigung
beantragt die Bestrafung mit einer bedingten Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu
Fr. 30.– und einer Busse von Fr. 100.– (Urk. 35 S. 2), wobei sie von einem Frei-
spruch vom Vorwurf der mehrfachen Sachbeschädigung ausgeht.
2. Strafrahmen und Zumessungsgrundsätze
Hinsichtlich des Strafrahmens und der Zumessungsgrundsätze kann grundsätz-
lich auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 25
S. 24 f.). Anzumerken ist, dass angesichts der diversen, teilweise einschlägigen
Vorstrafen des Beschuldigten (Urk. 26 S. 1 ff.) nicht anzunehmen ist, dass er sich
von einer Geldstrafe beeindrucken und von der Begehung weiterer entsprechen-
der Vergehen abhalten liesse. Auch für Tatvorwürfe, die nach Art. 34 Abs. 1 StGB
grundsätzlich mit einer Geldstrafe zu ahnden wären, ist daher in Anwendung von
Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB eine Freiheitsstrafe auszusprechen.
3. Tatkomponente
3.1. Mehrfache Sachbeschädigung
3.1.1. Vorbemerkung
Bei den Sachbeschädigungen mittels des Anbringens von Schriftzügen auf Mau-
erwerk, Rollläden, Gartentischen etc. handelte es sich um ein weitgehend identi-
sches Tatvorgehen, das vom selben Vorsatz getragen wurde und das mit Aus-
nahme des Delikts gemäss Dossier 2 innert desselben Zeitraums erfolgte. Es ist
im Folgenden dennoch für jedes Delikt eine einzelne Strafe festzulegen, die da-
nach in Anwendung des Asperationsprinzips bei der Festlegung der Gesamtstrafe
zu berücksichtigen ist.
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3.1.2. Objektives Verschulden
In objektiver Hinsicht verunstaltete der Beschuldigte mit seinen Tathandlungen die
Ansehnlichkeit der betreffenden Objekte und verursachte der Eigentümer-
und/oder Mieterschaft der Objekte einen Reinigungsaufwand mit Kosten von ins-
gesamt mehreren tausend Franken. Schwerstes Delikt ist dabei die Sachbeschä-
digung gemäss Dossier 2. Während bei den Delikten gemäss Dossier 1 jeweils
eine nur relativ kleine Fläche betroffen war, verursachte der Beschuldigte beim
Restaurant F._ an den Rollläden eine doch grossflächige Verschmutzung mit
schwarzer Teerfarbe (vgl. Urk. D2/5, und Urk. D2/9/1 S. 1). Die objektive Tat-
schwere dieser Sachbeschädigung wiegt nicht mehr leicht. Für sie erscheint eine
Einsatzstrafe von 3 Monaten Freiheitsstrafe angemessen. Bei der Bewertung der
fünf Sachbeschädigungen gemäss Dossier 1 fällt auf, dass der Schaden der Pri-
vatklägerin E._ (Graffiti an der Eingangstüre I._-strasse 2) gemäss An-
klage im Vergleich zu den anderen unter Dossier 1 eingeklagten Sachbeschädi-
gungen etwas höher ausfällt. Da aber auch diese Sachbeschädigung in Bezug auf
das Tatvorgehen, das Tatwerkzeug, die Grösse des Schriftzuges etc. ansonsten
mit den anderen unter Dossier 1 eingeklagten Sachbeschädigungen vergleichbar
ist, rechtfertigt es sich für alle fünf Sachbeschädigungen gemäss Dossier 1, deren
objektive Tatschwere jeweils als noch leicht zu werten ist, eine Einsatzstrafe von
je 2 Monaten anzusetzen.
3.1.3. Subjektives Verschulden
In subjektiver Hinsicht ist bezüglich des Motivs des Beschuldigten davon auszu-
gehen, dass es ihm um das Erheischen öffentlicher Aufmerksamkeit ging, wobei
für sein Handeln letztlich kein vernünftiger Grund ersichtlich ist. Jedenfalls ist sein
Handeln aus rein egoistischem Motiv erfolgt zu bezeichnen, soweit es ihm darum
ging, sich mittels seiner "Tags" öffentlich zu inszenieren. Rücksicht auf das frem-
de Eigentum nahm er dabei keine. Anklagegemäss ist davon auszugehen, dass
der Beschuldigte eventualvorsätzlich handelte. Zwar brachte er die Tags wissent-
lich und willentlich an. Über den Umfang des dadurch verursachten Schaden war
er sich jedoch nicht im Klaren. Vielmehr hielt er einen Schaden von jeweils über
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Fr. 300.– für möglich und nahm ihn durch sein Tun in Kauf. Das subjektive Ver-
schulden vermag die objektive Tatschwere nicht merkbar zu relativieren.
Damit bleibt es bei den obgenannten Einsatzstrafen. In Anwendung des Asperati-
onsprinzips ist für die fünf Sachbeschädigung gemäss Dossier 1 je die Hälfte der
jeweiligen Einsatzstrafen zu berücksichtigen. Die Einsatzstrafe von 3 Monaten für
Dossier 2 ist somit um 5 Monate zu erhöhen.
3.2. Hausfriedensbruch
In objektiver Hinsicht ist bei diesem Vorwurf zu berücksichtigen, dass es sich nicht
um den Privatbereich der Geschädigten AF._ Genossenschaft handelte –
worunter etwa Büroräumlichkeiten fallen –, sondern dass der Beschuldigte den
Tatbestand allein deshalb erfüllte, weil er das Verkaufsgeschäft trotz eines beste-
henden Lokalverbots betrat. Die objektive Tatschwere ist daher als leicht zu be-
zeichnen, wobei sie durch das subjektive Verschulden nicht relativiert wird. Für
diesen Vorwurf ist eine Strafe von einem Monat zu veranschlagen, die unter Be-
rücksichtigung des Asperationsprinzips mit einem halben Monat bei der Bildung
der Gesamtfreiheitsstrafe anzurechnen ist.
3.3. Fazit bezüglich Tatkomponente
Insgesamt ist das Tatverschulden des Beschuldigten sowohl von der objektiven
Tatschwere her wie auch unter Berücksichtigung seines subjektiven Verschuldens
innerhalb des von einer Geldstrafe bis drei Jahren Freiheitsstrafe reichenden
Strafrahmens als nicht mehr leicht zu bezeichnen. Gestützt auf die erwähnten
Faktoren nach Würdigung der Tatkomponente gelangt man somit zu einer Frei-
heitsstrafe von 8 1⁄2 Monaten.
4. Täterkomponente
4.1. Geständnis/Reue und Einsicht
Der Beschuldigte ist lediglich beim Vorwurf des Hausfriedensbruchs sowie des
nachfolgend zu würdigenden Übertretungstatbestands des geringfügigen Dieb-
stahls geständig (Prot. I S. 12 f.), die indessen im Rahmen der Strafzumessung
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wie dargelegt von gänzlich untergeordneter Bedeutung sind. Reue und Einsicht
sind bei ihm zudem nicht festzustellen. Ein Geständnis mit strafmindernder Wir-
kung liegt daher nicht vor.
4.2. Vorstrafen/Delinquenz während laufender Strafuntersuchung
Der Beschuldigte weist seit dem Jahr 2014 vier teilweise einschlägige Vorstrafen
in der Schweiz wie auch in Österreich auf (Urk. 33). Dabei ist ersichtlich, dass er
sich auch vor dem Hintergrund mehrerer unbedingter Freiheitsstrafen nicht von
weiterer Delinquenz abhalten liess. Zudem ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
den Vorwurf gemäss Dossier 2 beging, obschon er wenige Monate zuvor, kurz
nach Begehen der Vorwürfe unter Dossier 1, von der Polizei erwischt wurde.
Die Vorstrafen und die Delinquenz während laufender Untersuchung sind leicht
straferhöhend zu berücksichtigen.
4.3. Persönliche Verhältnisse/Vorleben
Vor Vorinstanz führte der Beschuldigte bezüglich seiner persönlichen Verhältnisse
und seines Vorlebens aus, er sei in Zürich geboren worden und in V._ zehn
Jahre zur Schule gegangen. Danach habe er eine Coiffeur-Lehre angefangen,
diese in der Folge aber wieder abgebrochen. Später sei er dann ins Ausland
(Spanien und Österreich) gezogen, habe auf dem Bau und im Sicherheitswesen
gearbeitet. Nun sei er wieder zurück bei den Eltern in W._. Ende Juni 2020
sei er aus einem Drogenentzug gekommen und seither habe es keinen Drogen-
konsum mehr gegeben. Er sei zur Zeit nicht erwerbstätig. Für seinen Lebensun-
terhalt werde er von seinem Vater unterstützt. Zuvor habe er einmal für 2 bis 3
Monate Sozialhilfe bezogen. Zurzeit habe er noch Schulden in einem Umfang von
ein paar Fr. 10'000.– (Prot. I S. 5 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung er-
gänzte er, er lebe immer noch bei seinem Vater, der für seinen Unterhalt auf-
komme. Allerdings habe er eine Arbeitsstelle im Verkauf gefunden. Namentlich
werde er in zwei Wochen im "AA._", einem Skateshop am AB._-platz in
Zürich, zu einem 60% Pensum zu arbeiten beginnen. Er sei anfänglich im Stun-
denlohn angestellt und werde Fr. 30.– pro Stunde verdienen. Er habe nach wie
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vor Schulden im Betrag von einigen Fr. 10'000.– und werde von der Krankenkas-
se betrieben. Drogen konsumiere er keine mehr (Prot. II S. 5 ff.). Die persönlichen
Verhältnisse und das Vorleben des Beschuldigten weisen vorliegend keine straf-
zumessungsrelevanten Elemente auf.
4.4. Strafempfindlichkeit
Eine besondere Strafempfindlichkeit (Wirkung der Strafe auf das Leben des Tä-
ters; Art. 47 StGB) ist beim Beschuldigten nicht gegeben.
4.5. Verfahrensdauer/Zeitablauf
Untersuchung und gerichtliche Verfahren wurden vorliegend beförderlich geführt.
Eine Strafminderung aufgrund der Verfahrensdauer und/oder des Zeitablaufs fällt
daher ausser Betracht.
4.6. Fazit bezüglich Täterkomponente
Insgesamt sind mit den Vorstrafen und der Delinquenz während laufender Unter-
suchung zwei straferhöhende Kriterien festzustellen, während keine strafmindern-
den Elemente gegeben sind. Unter Berücksichtigung der Täterkomponente wäre
die nach Würdigung der Tatkomponente erhaltene Freiheitsstrafe von 8 1⁄2 Mona-
ten daher auf etwa 10 Monate zu erhöhen. Angesichts des Verbots der reformatio
in peius (Art. 391 Abs. 2 StPO) verbietet sich eine Erhöhung der vorinstanzlichen
8 Monate Freiheitsstrafe durch die Berufungsinstanz indessen.
5. Busse und Ersatzfreiheitsstrafe
Die seitens der Vorinstanz für den geringfügigen Diebstahl gemäss Dossier 4
ausgefällte Busse von Fr. 300.– erweist sich vor dem Hintergrund des noch leich-
ten Tatverschuldens und der einschlägigen Vorstrafen zwar angemessen. Doch
ist sie aufgrund der aktuell angespannten finanziellen Verhältnisse des Beschul-
digten auf Fr. 100.– zu reduzieren. Die Busse ist zu bezahlen. Für den Fall der
schuldhaften Nichtbezahlung der Busse ist eine Ersatzfreiheitsstrafe von einem
Tag festzusetzen.
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5. Gesamtwürdigung
In Würdigung sämtlicher dargelegter Strafzumessungsgründe erscheint eine Be-
strafung mit 8 Monaten Freiheitsstrafe und einer Busse von Fr. 100.– dem Ver-
schulden und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen.
V. Vollzug der Freiheitsstrafe
1. Rechtliche Grundlagen
Bezüglich der rechtlichen Grundlagen kann auf die Erwägungen im vorinstanzli-
chen Entscheid verwiesen werden (Urk. 25 S. 27 f.).
2. Würdigung
Während im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids vom 27. Mai 2021 die
Gewährung des bedingten Strafvollzuges nur im Falle des Vorliegens besonders
günstiger Umstände möglich gewesen wäre, da der Beschuldigte innerhalb der
letzten fünf Jahre vor den hier zu beurteilenden Taten zu einer Freiheitsstrafe vom
mehr als sechs Monaten verurteilt wurde (Freiheitsstrafe von 10 Monaten gemäss
Urteil des Landesgerichts Wien/A vom 31. Mai 2016), ist dies heute im Zeitpunkt
des Verfahrens vor Berufungsinstanz nach Ablauf weiterer gut zehn Monate nicht
mehr der Fall. Damit wird die günstige Prognose nach Art. 42 Abs. 1 StGB vermu-
tet. Beim Beschuldigten ergeben sich in subjektiver Hinsicht allerdings aufgrund
der diversen, teilweise einschlägigen Vorstrafen (Urk. 33) und seiner Delinquenz
während laufender Strafuntersuchung erhebliche Bedenken. Zu Gunsten des Be-
schuldigten ist auf der anderen Seite zu berücksichtigen, dass sich in seinem Le-
ben eine gewisse Stabilisierung abzeichnet. So gibt er an, dass er seit seinem
Drogenentzug Ende Juni 2020 keine Drogen mehr genommen hat und nun nach
langer Zeit der Erwerbslosigkeit eine Arbeitsstelle gefunden hat, welche er in zwei
Wochen antreten wird. Um die sich anbahnenden Resozialisierungschancen nicht
zunichte zu machen, ist somit im Sinne einer allerletzten Chance noch einmal da-
von auszugehen, dass sich der Beschuldigte von der Anordnung einer bedingt
ausgesprochenen Freiheitsstrafe genügend beeindrucken lassen wird, um sich in
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Zukunft von der Begehung weiterer Delikte abhalten zu lassen. Unter Würdigung
sämtlicher Umstände erscheint es daher gerechtfertigt, den Vollzug der heute
auszusprechenden Freiheitsstrafe aufzuschieben, wobei die Probezeit, um den
vorgenannten, erheblichen Bedenken Rechnung zu tragen, auf das Maximum von
5 Jahren festzusetzen ist (Art. 44 Abs. 1 StGB).
VI. Zivilansprüche
1. Bezüglich der Zivilansprüche kann vollumfänglich auf die zutreffenden Er-
wägungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 25 S. 30 ff.),
zumal die Verteidigung hierzu keine konkreten Ausführungen machte und die Pri-
vatklägerinnen sich nicht am Berufungsverfahren beteiligten.
2.1. Die folgenden Privatklägerinnen sind mit ihrem Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses zu verweisen:
− B._ AG,
− C._ AG,
− D._,
− Stiftung E._,
− F._ AG.
2.2. Der Beschuldigte ist zu verpflichten, der in die Rechte der Privatklägerin
F._ AG eingetretenen AC._ Schadenersatz im Betrag von Fr. 2'295.–
zuzüglich Zins zu 5 % seit 11. April 2020 zu bezahlen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Kosten- und Entschädigungsdispositiv
Nachdem es auch im Berufungsverfahren beim vorinstanzlichen Schuldspruch
bleibt, ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv gemäss Dis-
positivziffern 10 – 13 des angefochtenen Entscheides ausgangsgemäss zu bestä-
tigen (Art. 426 Abs. 1 Satz 1 StPO).
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2. Kosten des Berufungsverfahrens
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– zu veran-
schlagen. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt im
Hauptpunkt mit seiner Berufung. Zwar konnte er aufgrund seiner aktuellen finan-
ziellen Situation eine Reduktion der Busse erwirken und obsiegt auch insoweit,
als ihm der bedingte Strafvollzug gewährt wurde. Da der Beschuldigte die Vo-
raussetzungen für sein teilweises Obsiegen aber erst im Rechtsmittelverfahren
geschaffen hat, er das Gericht insbesondere aufgrund seiner zukünftigen Arbeits-
stelle davon überzeugen konnte, dass sich seine Verhältnisse stabilisiert haben,
sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens, exklusive derjenigen der amtlichen
Verteidigung, trotzdem vollumfänglich aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 2 lit. a StPO).
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen,
wobei die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO
vorzubehalten ist.
Für den von der Verteidigung beantragten Erlass der Kosten (Urk. 35 S. 22) be-
steht derzeit kein Anlass. Die finanzielle Situation des Beschuldigten ist zwar an-
gespannt, doch hat er in naher Zukunft eine Arbeitsstelle in Aussicht. Zudem kann
allfälligen zukünftigen Zahlungsschwierigkeiten im Rahmen des Kostenbezugs
(Antrag auf Ratenzahlung) Rechnung getragen werden.
2.2. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten ist für das Berufungsverfahren
mit pauschal Fr. 6'400.– (Urk. 37, zuzüglich 3 Stunden Aufwand für die Beru-
fungsverhandlung samt Nachbesprechung und 1 Stunde Weg, inklusive Mehr-
wertsteuer), aus der Gerichtskasse zu entschädigen.