# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0f08ae1d-6b6e-4f87-986d-9c829284bc8f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Z._
(verstorben 2014)
,
A._
und
B._
(verstorben 2012)
, welche alle ursprünglich in
X._
wohnhaft waren, traten in den Jahren 2004, 2006 und 2010 in das von der Stadt
Y._
betriebene Pflegezentrum
C._
,
Y._
, ein (vgl.
Urk.
7/2/4/10/2).
Am
1.
Januar 2011 trat das kantonale Pflegegesetz in Kraft. In der Folge entstand zwischen der Gemeinde
X._
und der Stadt
Y._
Uneinigkeit darüber, welche Gemeinde die ungedeckten Pflegekosten zu tragen habe. Die Gemeinde
X._
übernahm vom
1.
Januar 2011 bis 3
1.
Juli 2012 das kantonale Normdefizit von
Fr.
108‘023.25, nicht aber die sogenannten Übernormkosten von
Fr.
166‘685.35 (vgl.
Urk.
7/2/4/10/6 S. 1 f.)
.
1.2
Mit Beschluss vom
8.
November 2016 (
Urk.
7/
2/2
=
Urk.
7/3/1
=
Urk.
7/2/4/10/8
) lehnte der Stadtrat
Y._
die Teilung der Übernormkosten in der Höhe von
Fr.
166‘685.35 für die Periode vom
1.
Januar 2011 bis 3
1.
Juli 2012 ab. Ebenso lehnte er die anteilsmässige Beteiligung von 50
%
an die bereits bezahlten Über
normkosten ab
1.
August 2012 ab. Die Übernormkosten für diejenige Bewohnerin, welche seit 2006 im Pflegezentrum
C._
gepflegt und betreut werde, seien bis zu ihrem Ableben von der Gemeinde
X._
zu übernehmen.
Gegen den Beschluss vom
8.
November 2016 erhob der Gemeinderat
X._
a
m 1
3.
Dezember 2016 Rekurs an den Bezirksrat
D._
(
Urk.
7/
2/1).
Mit Beschluss vom 2
1.
Juni 2017 trat der Bezirksrat
D._
auf den Rekurs nicht ein und überwies die Sache zur Beurteilung an das hiesige Gericht
(
Urk.
7/1)
.
Dieses trat mit Beschluss vom
6.
Oktober 2017 im Verfahren Nr. KV.2017.00065 auf die erhobene Beschwerde nicht ein und überwies die Sache an die Stadt
Y._
zum Erlass eines Einspracheentscheids (
Urk.
7/7
).
1.3
Mit Einspracheentscheid vom 1
7.
April 2018 (
Urk.
7/10
=
Urk.
2) wies die Stadt
Y._
die Einsprache mit der Feststellung ab, die Gemeinde
X._
sei verpflichtet, die gesamten Restpflegekosten zu übernehmen (S.
Ziff.
1).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 1
7.
April 2018 (
Urk.
2) erhob die Gemeinde
X._
am 1
7.
Mai 2018 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte,
die Stadt
Y._
sei zu verpflichten, ihr den Betrag von
Fr.
273'873.46 nebst Verzugszins zu 5
%
seit 1
3.
Dezember 2016 zu erstatten (S. 2 oben
Ziff.
1), und es sei festzu
stellen, dass für
die drei namentlich genannten Personen bezogen auf den Aufenthalt im
Heim
C._
in
Y._
keine Beiträge der Gemeinde
X._
zu leisten gewesen seien beziehungsweise
zu leisten
seien (S. 2 oben
Ziff.
2).
Die Stadt
Y._
beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
9.
Juni 2018 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei (S. 2
Ziff.
1).
Die Beschwerdeführerin hielt mit Replik vom 1
5.
August 2018 an ihren Anträgen fest (
Urk.
10). Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom
4.
Oktober 2018 an ihren Anträgen fest (
Urk.
13), was der Beschwerdeführerin am
7.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
14).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 25a Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG, in der bis Ende 2018 gültig gewesenen, hier massgeblichen Fassung) dürfen den versicherten Personen
von den nicht
von Sozialversicherungen gedeckten Pflege
kosten höchstens 20
Prozent des höchst
en vom Bundesrat festgesetzten Pflegebei
trages überwälzt werden. Die
Kantone regeln die Restfinanzierung.
1.2
Laut § 9 des am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen Pflegegesetzes des Kantons Zürich (PfleG; LS 855.1) gehen die Kosten der Pflegeleistungen im von der Bundesgesetz
gebung über die Sozialversicherung vorgeschriebenen Umfang zulasten der Versicherer (Abs. 1). Die verbleibenden Kosten werden bei Pflege
leistungen von Pflegeheimen im gemäss Art. 25a Abs. 5 KVG höchstzulässigen Umfang den Leis
tungsbezügerinnen und -bezügern überbunden. Für Personen bis zum vollende
ten 18. Altersjahr wird keine entsprechende Kostenbeteiligung erhoben (Abs. 2). Die restlichen Kosten sind bei von der Gemeinde betriebenen oder beauftrag
t
en Leistungserbringern gemäss § 5 Abs. 1 von der Gemeinde zu tragen (Abs. 4). Wählt eine Person ein nicht von der Gemeinde betriebenes oder beauftragtes Pfle
geheim, leistet die Gemeinde einen pro Tag und Pflegebedarfs
stufe pauschalierten Beitrag an die ungedeckten Kosten der Pflegeleistungen, welcher höchstens dem gemäss §§ 16 und 17 festgelegten Normdefizit für inner
kantonale Leistungs
erbringer entspricht (§ 15 Abs. 1 und 3 PfleG).
1.3
§ 9 Abs. 5 PfleG lautet wie folgt:
Bei Pflegeleistungen von Pflegeheimen sind die Gemeindebeiträge von der Gemeinde zu leisten, in der die pflegebedürftige Person vor dem Eintritt in das Pflegeheim ihren zivilrechtlichen Wohnsitz hatte. Der Aufenthalt in einem Pfle
geheim begründet keine neue Zuständigkeit.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus,
für die von der Beschwerdeführerin geforderte Rückerstattung bereits bezahlter Normdefizit- und sogenannter Übernormkosten gebe es keine Rechtsgrundlage, vielmehr sei die Beschwerdeführerin gemäss
§
9
Abs.
5 PfleG leistungspflichtig gewesen und sei dies infolge unterlassener umfassender Aufklärung der betroffe
nen Personen weiterhin, weshalb sie anzuweisen sei, den noch offenen Restbetrag inklusive Verzugszinsen zu begleichen
(S. 7
Ziff.
7).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), für eine allfällige Rückforderung sei
Art.
25 ATSG massgebend (S. 4
Ziff.
7). Sie habe die drei Personen sehr wohl über die Folgen des weiteren Verbleibs im Pflegeheim informiert. Dabei sei sie gewahr geworden, dass dies
e
in der Stadt
Y._
Wohnsitz genommen hätten. Sie seien freiwillig und
ohne
äusseren zwin
genden Anlass in das genannte Heim eingetreten und hätten
sich
in
X._
im Zusammenhang mit dem Eintritt in das Heim in
Y._
abgemeldet (S. 6). Im damaligen Zeitpunkt (2004, 2006, 2010) sei es rechtsprechungsgemäss durchaus möglich gewesen, durch einen Heimeintritt einen Wohnsitz zu begründen. Ferner seien sie nicht unmittelbar in das Pflegeheim eingetreten, sondern hätten ihren Wohnsitz in das Altersheim verlegt (S. 7 oben).
Übergangsrechtlich sei die gesetzliche Festlegung massgebend, dass zukünftig der Heimeintritt keinen neuen Wohnsitz bewirke. Sei, wie hier, durch einen früheren Heimeintritt ein neuer Wohnsitz begründet worden, so kämen die spezifischen, neuen Zuständigkeits
regelungen des Pflegegesetzes nicht zum Zug (S. 7 unten).
Bei Sachverhalten wie dem vorliegenden - Wohnsitzwechsel vor Inkrafttreten des Pflegegesetzes - könne in übergangsrechtlicher Sicht nicht der Sachverhalt neu definiert werden, weil dies eine unzulässige Rückwirkung des Gesetzes bedeuten würde (S. 8).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, welche der beiden Gemeinden für die Pflegekosten der drei Bewohnerinnen des Pflegezentrums
C._
in
Y._
aufkommen muss.
3.
3.1
Das nicht nur zentrale, sondern nachgerade einzige Argument, mit welchem die Beschwerdeführerin ihre Leistungspflicht bestreitet, betrifft die Auslegung und die Anwendbarkeit von
§
9
Abs.
5 PfleG (vgl. vorstehend E. 1.3).
Sie macht geltend, die
Anwendung der genannten Bestimmung würde auf eine
ihrer Ansicht nach
unzulässige Rückwirkung des 2011 in Kraft getretenen Pflegegesetzes hinauslaufen, denn der mit dem Eintritt in das Pflegezentrum erfolgte Wohnsitzwechsel von
X._
nach
Y._
habe sich vor
Inkrafttre
ten des Pflegegesetzes
ereign
et
(
vorstehend E. 2.2).
3.2
Das Bundesgericht hat sich zu dieser Argumentation in einem in dieser Hinsicht gleichen Fall wie folgt geäussert (Urteil 9C_209/2019 vom 2
2.
Juli 2019 E. 6
; zur Publikation vorgesehen
):
Die Beschwerdeführerin bringt ferner vor, die vorinstanzliche Auslegung verstosse gegen das Verbot der Rückwirkung. Die Vorinstanz erachte den Eintritt in eine bestimmte Institution für massgeblich. Damit knüpfe sie, in einem Jahre später liegenden Zeitpunkt, die Restfinanzierung an einen bereits vorliegenden Sachverhalt an.
Das kantonale Pflegegesetz ist am
1.
Januar 2011 in Kraft getreten. Strittig ist die Finanzierung von später im Zeitraum vom 1
6.
September 2011 bis 1
2.
November 2013 angefallenen Pflegekosten. Dafür wird zwar am vor Oktober 2008 bestehenden Wohnsitz und damit an einem Tatsachenelement angeknüpft, das vor der zeitlichen Geltung der kantonalen Bestimmung eingetreten ist, dies führt jedoch nicht zu einer Rückwirkung des Gesetzes (vgl. zur sog. «Rück
anknüpfung» BGE 144 I 81 E. 4.1
...). Dieser Einwand der Beschwerdeführerin verfängt somit nicht.
Im auf Italienisch verfassten BGE
144 I 81
, auf den im zitierten Entschied verwiesen wird,
nahm das Bundesgericht unter anderem Bezug auf BGE 119 V 200, wo die erwähnte Rückanknüpfung als «unechte Rückwirkung» bezeichnet und wie folgt erläutert wurde:
E
in Erlass
ist
rückwirkend, wenn bei der Anwendung des neuen Rechts an ein Ereignis
an
geknüpft wird, das vor seinem Inkraft
treten abgeschlossen ist. Von dieser Rückwirkung im eigentlichen Sinne zu unterscheiden ist die sogenannte unechte Rückwirkung. Hier findet das
neue Recht - gestützt auf Sachverhalte, die früher eingetreten sind und noch andauern - lediglich für die Zeit seit Inkrafttreten (ex nunc et pro futuro) Anwendung. Diese Rückwirkung ist grundsätzlich als zulässig zu erachten, sofern ihr nicht wohler
worbene Rechte entgegenstehen
(E. 5c/dd).
3.3
Nach dem Gesagten steht fest, dass das Argument, mit welchem die Beschwerde
führerin ihre Leistungspflicht bestreitet, nicht stichhaltig ist. Der im Sinne von
§
9
Abs.
5 PfleG für die Leistungspflicht massgebende letzte Wohnsitz der drei betroffenen
Personen
war beziehungsweise ist
X._
, weshalb die
Beschwerdeführerin
und nicht die Beschwerdegegnerin
leistungspflichtig ist
.
Mit dieser Feststellung ist die Beschwerde abzuweisen.
4.
4.1
Das Verfahren ist kostenlos.
4.2
Bei beiden Parteien handelt es sich um Behörden, die in ihrem amtlichen Wirkungskreis am vorliegenden Verfahren beteiligt waren. Ihnen steht auch bei Obsiegen praxisgemäss keine Prozessentschädigung zu (vgl. BGE 126 V 143 E.
4a).