# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0af311c2-45f4-4fee-bc80-45f329d9e180
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1961, meldete sich am
4
. Dezember 2014 bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/8). Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 8. Januar 2016 mangels Vorliegen einer Invalidität ab (Urk. 11/48).
1.2
Am 6. Mai 2017 meldete sich der Versicherte wieder zum Leistungsbezug an (Urk. 11/55). Mit Verfügung vom 2. Mai 2018 wies die IV-Stelle das Leistungs
begehren erneut mangels Vorliegen einer Invalidität ab (Urk. 11/79).
1.3
Nach
neuerliche
r
Anmeldung vom
14
. Februar 2019
(Urk. 11/80) stellte die IV-Stelle mit Vorbescheid vom 24. April 2019 (Urk. 11/84) in Aussicht, auf das Leis
tungsbegehren nicht einzutreten. Am 24. Mai 2019 meldete sich Dr. med.
Y._
, Hausarzt des Versicherten, telefonisch bei der IV-Stelle (Urk. 11/85), und liess dieser
darauf
hin
diverse medizinische Berichte zukommen (Urk. 11/86). Die IV
Stelle klärte in der Folge die medizinische und erwerbliche Situation weiter ab und verneinte nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 11/117-120) mit Verfügung vom 5. Januar 2021
einen Rentenanspruch (Urk. 11/123 = Urk. 2)
.
2.
Der Versicherte erhob am
5. Februar 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
5. Januar 2021
(Urk. 2) und beant
ragte, diese sei aufzuheben,
es sei
zur Frage der Arbeitsfähigkeit ein polydisziplinäres Gerichtsgutachten einzuholen und alsdann über seinen Rentenanspruch zu befinden (Urk. 1 S. 2), eventuell sei die Angele
gen
heit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine polydiszip
linäre medizinische Begutachtung veranlasse und alsdann gestützt darauf über seinen Anspruch neu befinde. Am 16. Februar 2021 reichte der Beschwerdeführer aufforderungsgemäss (vgl. Urk. 5) weitere Angaben und Unterlagen betreffend sein Gesuch um unentgeltliche Prozessführung
nach
(Urk. 7; Urk. 8/1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
15. März 2021
(Urk.
10
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
16. März 2021 mit der Mitteilung
zur Kenntnis gebracht
, dass über seinen Antrag auf unentgelt
liche Prozessführung zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde
(Urk.
12
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhal
ten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange
umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.6
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funkti
onelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
1.7
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fah
ren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
entscheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
dass der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Bau- oder Hilfsarbeiter aus medizinischer Sicht zu 50
%
arbeitsunfähig sei. E
ine körperlich
sehr leichte, vorwiegend (jedoch nicht ausschliesslich) sitzende Tätigkeit mit der
Möglichkeit, auch einmal die Beine auszustrecken, aufzustehen und kurze Stre
cken zu laufen, sowie unter Vermeidung des Hebens und Tragens von Lasten über 10 kg sei ihm jedoch in einem Pensum von 100
%
zumutbar. Somit lägen keine langandauernde Erwerbsunfähigkeit und entsprechend auch kein Leis
tungs
anspruch vor (S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), die Beschwerdegegnerin habe seinen Gesundheitszustand und seine Arbeitsfähigkeit ungenügend abgeklärt. Die Tatsache, dass er an vielen somatischen Beschwerden leide, werde überhaupt nicht gewürdigt. Einzig die periphere Verschlusskrankheit werde als für die Beurteilung seiner Arbeitsfähigkeit relevant bezeichnet, die übri
gen Beschwerden würden hingegen vollständig ignoriert. Mit dem Umstand, dass der Hausarzt weitere Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt
habe, habe sich der Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienst
es
(RAD) nicht ausei
nan
dergesetzt (S. 8 Ziff. 16).
Die Arbeitsfähigkeit werde nicht nur von einem Beschwerdebild geprägt. So beeinflussten die Gelenkbeschwerden sowohl in den oberen als auch den unteren Extremitäten
seine
Arbeitsfähigkeit zweifelsohne. Selbst wenn sie im Einzelnen nicht geeignet wären, eine Invalidität zu bewirken, könnten sie zusammen mit den multiplen Erkrankungen eine invalidisierende Einschränkung darstellen. Der RAD-Arzt äussere sich dazu in keiner Weise und habe ihn auch nie untersucht. Hinzukommend sei dieser als
Orthopäde
nicht in der Lage, die diversen Leiden, welche andere medizinische Gebiete beschlügen, zu beurteilen. Ferner ergebe sich aus
seiner
Stellungnahme nicht schlüssig, wie sich die Beschwerden auf
die
Arbeitsfähigkeit auswirkten (S. 8 f. Ziff. 17).
An der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der RAD-Stellungnahme bestünden somit Zweifel, weshalb auf sie nicht abgestellt werden könne und ein polydiszip
linäres Gutachten einzuholen sei (S. 9 Ziff. 18).
2.3
Unstrittig ist zu Recht
davon auszugehen
, dass sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Vergleich zum medizinischen Sachverhalt, der der leis
tungsabweisenden Verfügung vom 2. Mai 2018 (Urk. 11/79) zugrunde lag, wesent
lich verschlechtert hat und somit ein Revisionsgrund
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG
vorliegt (vorstehend E.
1.4).
Strittig
und
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend
zu prüfen
ist
demgegenüber
der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbe
sondere die rechtsgenügende Abklärung
seines
Gesundheitszustands
sowie
der
daraus
resultierenden
erwerbsrelevanten
Einschränkungen
durch die Beschwer
degegnerin.
3.
3.1
Der leistungsabweisenden Verfügung vom 8. Januar 2016 (Urk. 11/48) lagen im Wesentlichen die nachfolgenden Arzt
berichte zugrunde:
3.2
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Kardio
logie, Spital
A._
, nannte im Bericht vom 28. Januar 2015 (Urk. 11/21) folgende Diagnose:
Koronare Herzkrankheit
-
Status nach
perkutane
r
koronare
r
Intervention
(PCI) eines chronischen
Ramus
circumflexus
(RCX)-Verschlusses bei elektiver Koronarangio
graphie wegen Angina
pectoris
am 16. Januar 2014
-
Wandunregelmässigkeiten
Ramus
interventricularis
anterior
(RIVA) und der rechten Koronararterie (RCA)
-
Erhaltene systolische linksventrikuläre Funktion
Aufgrund der Befunde dürfe davon ausgegangen werden, dass aus rein kardiolo
gischer Sicht im Verlauf eine 100%ige Arbeitsfähigkeit gegeben sein werde.
3.3
Die Ärzte der Abteilung Fuss- und Sprunggelenk der Universitätsklinik
B._
nannten im Bericht vom 22. Juni 2015 (Urk. 11/30
/5-6
) folgende, hier verkürzt wiedergegebenen Diagnosen (S. 1 oben):
-
lobulierte
, zystische Läsion
tibio-fibular
posterior
distaler linker Unter
schenkel, zirka 3 mal 10 mal 4 mm; Differentialdiagnose (DD)
Varikosis
, Ganglion
-
koronare Zweigefässerkrankung
Der Patient
klage
über belastungsabhängige und zum Teil auch nächtliche Schmer
zen am linken Fuss (S. 1 Mitte). Mit dem genannten Befund könnten nicht alle Beschwerden des Patienten erklärt werden (S. 2 Mitte).
3.4
Dr. med.
C._
,
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für
Angio
logie
, Spital
A._
, nannte im Bericht vom 28. September 2015 (Urk. 11/43) folgende, hier verkürzt wiedergegebenen Diagnosen (S. 1 oben):
-
Beschwerden im linken oberen Sprunggelenk (OSG) unklarer Ätiologie
-
infrarenale
Aortenektasie
(Durchmesser aktuell 2,9 cm)
-
chronische venöse Insuffizienz
-
koronare Zweigefässerkrankung
In der
sonographischen
Untersuchung finde sich kein klinisch relevantes Korrelat für die in einer vorherigen Magnetresonanztomographie (MRI) beschrieben
e
zysti
sche Läsion.
Es bestünden gegebenenfalls einzelne Astvarizen, die das Beschwerdebild nicht erklärten.
Arteriell zeige sich eine normale Durchblutung. Es bestehe eine leichte Ektasie de
r
infrarenalen
Aorta, welche zirka in einem
Jahr nachkontrolliert werde. Der Patient sei nochmals über den schädlichen Nikotin
abusus aufgeklärt worden (S. 2 f.).
3.
5
Dr. med.
D._
, Facharzt für Neurologie, Spital
A._
, nannte im Bericht vom 26. August 2015 (Urk. 11/45) folgende Diagnosen (S. 1 oben);
-
nächtlich betontes Kribbeln und Brennen an den Händen (mit Betonung der Schwurfinger) und Füssen (sockenförmig)
-
elektrodiagnostisch keine Schädigungszeichen, beginnende Kleinfaser-Polyneuropathie an den Füssen nicht ausgeschlossen, Verdacht auf Kar
paltunnel-Syndrom beidseits
-
koronare Herzkrankheit
-
OSG-Beschwerden beidseits, links mehr als rechts, Abklärung in der Uni
versitätsklinik
B._
Nach Erachten des Berichtenden bestehe an beiden Händen ein Karpa
l
tunnel-Syndrom, erfreulicherweise ohne elektrodiagnostische Schädigungszeichen (S. 3).
3.6
Dr. med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, RAD, kam in seiner Stellung
nahme vom 10. September 2015 (Urk. 11/32 S. 4) zum Schluss, es lägen versi
che
rungsmedizinisch keine Gesundheitsschäden vor, die dauerhaft die Arbeits
fähigkeit einschränkten.
4.
4.1
Der leistungsabweisenden Verfügung vom 2. Mai 2018 (Urk. 11/79) lagen im Wesentlichen die nachfolgenden Arzt
berichte zugrunde:
4.2
Die Ärzte der Klinik für Rheumatologie des
Spitals F._
nannten im Bericht vom 14. Oktober 2016 (Urk. 11/58/3-5) folgende Diagnosen (S. 1 oben):
-
chronische Schmerzen und Parästhesien im Bereich der Unterschenkel, Sprunggelenke und Füsse beidseits unklarer Genese
-
DD Polyneuropathie, entzündlich, mechanisch
-
Status nach Ulcus Bulbus
Duodeni
Forest
Grad III im Juli 2016
-
bioptisch
Nachweis von
Helicobacter
pylori
-
leichtgradige Erhöhung der
Alanin-
Aminotransferase
(ALT) und der Gamma-
Glutamyltransferase
(GT)
-
koronare Herzerkrankung, Erstdiagnose (ED) 2014
-
Status nach
Koronarangioplastie
(PCTA)/Stent RCX im April 2014
Spital G._
)
-
diffuse Wandunregelmässigkeiten RIVA und RCA
-
kardiovaskuläre Risikofaktoren: Nikotinabusus
-
infrarenale
Aortenektasie
, ED September 2015
-
chronische venöse Insuffizienz, ED September 2015
-
Hämorrhoiden Grad II, ED Juli 2016
Der Patient berichte, dass er seit zwei Jahren, beginnend nach der Koronaran
giografie, an Beschwerden im Bereich beider Beine leide
. Beim Laufen bemerke er ein Knacken in beiden Knöcheln, zudem habe er stets Schmerzen im Bereich beider Füsse, welche sich nach kranial bis unterhalb des Knies ausbreiten würden. Die Schmerzen seien von brennendem Charakter, stets vorhanden, auch nachts und bei Belastung stärker werdend. Mehr als 500 Meter könne er nicht laufen. Ausserdem leide er oft an schweren Füssen und Parästhesien beider Füsse sowie intermittierend auch an den Handflächen (S. 1 unten). Die Ursache der geschil
derten Beschwerden könne aktuell nicht geklärt werden. Es bestehe der Verdacht auf eine Polyneuropathie (S. 3 Mitte).
4.3
Die Ärzte der Klinik für Neurologie,
Spital F._
, nannten in ihrem Bericht zur elektro
diagnostischen Untersuchung vom 10. März 2017 (Urk. 11/66/8-9
)
unter ande
rem
folgende
, hier
verkürzt
wiedergegebene
Diagnose (S. 1 oben):
-
obliterierende
und
dilatative
Arteriopathie
-
periphere arterielle Verschlusskrankheit der unteren Extremitäten im Stadium I beidseits, aktuell keine Hinweise für eine
hämodynamisch
signifikante Stenose der unteren Extremitäten beidseits
-
koronare Herzerkrankung
-
dilatative
Arteriopathie
,
infrarenale
Aortenektasie
, ED September 2015
K
linisch hätten sich Hinweise für eine distal symmetrische
sensibelbetonte
Poly
neuropathie mit strumpfförmigen Sensibilitätsstörungen und abgeschwächten Mus
keleigenreflexen gezeigt. Elektroneurographisch habe sich eine sensomoto
rische Polyneuropathie vom
axonalen
Schädigungsmuster objektivieren lassen. Die Ätiologie der Polyneuropathie sei momentan am ehesten als äthyltoxisch bei chronischem Alkoholabusus zu interpretieren. Zudem habe ein Karpaltunnel
syndrom (CTS) links nachgewiesen werden können (S. 2 Mitte).
4.4
Im Bericht vom 30. Oktober 2017 (Urk. 11/66/6-7) führten die Neurologen des
Spitals F._
aus, es gebe bei bekanntem CTS links keine Hinweise auf ein beidseitiges CTS (S. 2 Mitte). Die Ursache der Kribbelparästhesien in den Händen sei nicht sicher zuordenbar (S. 2 unten).
4.5
Dr. med.
Y
._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte im Bericht vom 9. November 2017 (Urk. 11/66/2-5) aus, in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Strassenbaumitarbeiter betrage die Arbeitsunfähigkeit 100
%
seit dem 5. Juni 2014 bis auf Weiteres (Ziff. 1.6). Mit einer Wiederaufnahme der beruf
lichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden (Ziff. 1.9).
4.6
Die Neurologen de
s
Spitals F._
hielten im Bericht vom 10. Januar 2018 (Urk. 11/75/1-5) zuhanden der Beschwerdegegnerin fest, zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in angestammter und angepasster Tätigkeit wäre ein arbeitsmedizinisches Gutachten nötig (S. 3 Ziff. 1.11).
4.7
Dr. med.
I._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, RAD, führte in ihrer Stellungnahme vom 27. Februar 2018 (Urk. 11/77 S. 5) aus, die neu festgestellte Polyneuropathie sei nicht geeignet, eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeit zu begründen. Gesamthaft sei keine wesentliche Veränderung gegenüber September 2015 ausgewiesen.
5.
5.1
Dr. med.
J._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, nannte im Bericht vom 6. März 2019 (Urk. 11/86/9-10
= Urk. 11/93/33-34
= Urk. 11/109/3-4
) folgende Diagnosen (S. 1 oben):
-
wahrscheinlich degenerativ bedingte Gelenkbeschwerden
-
Verdacht auf leichte
Coxarthrosen
, mediale Gonarthrose links und Grosszehengrundgelenksarthrosen
-
leichtgradige
Schulterperiarthropathie
links
-
Hepopathie
-
weitere Diagnosen gemäss Zuweisungsschreiben
-
Vitamin D-Mangel
Die Schmerzen würden vorderhand eher als mechanisch-degenerativ denn als entzündlich bedingt beurteilt. Therapeutisch sei am 4. Februar 2019 eine
sub
akromiale
Stereoidinfiltration
links durchgeführt worden, wonach sich die Schul
terschmerzen partiell gebessert hätten (S. 2).
5.2
Die Ärzte der Klinik für Kardiologie,
Spitals F._
, hielten im Bericht vom 15. April 2019 (Urk. 11/86/2-4
= Urk. 11/93/19-21
) fest, der Patient sei im Alltag kardial beschwer
defrei, allerdings aufgrund von Beinschmerzen nicht belastbar. Es bestehe momentan kein Hinweis auf einen Progress der koronaren Herzkrankheit. Die Risikofaktoren seien jedoch nicht behandelt (S. 2 unten). Aufgrund der wahr
scheinlich multifaktoriellen Beinschmerzen und der klinisch jedoch möglichen progredienten
peripheren arteriellen Verschlusskrankheit
(
p
AVK
) sei eine Zuwei
sung in die
angiologische
Sprechstunde veranlasst worden (S. 3 oben).
5.3
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.5) nannte im Bericht vom 16. April 2019 (Urk. 11/86/11-12
= Urk. 11/93/17-18
) folgende Diagnosen (S. 1 oben):
-
s
trenger Verdacht auf
Tarsaltunnelsyndrom
beidseits
-
Karpaltunnelsyndrom beidseits und Loge de
Guyon
-Syndrom beidseits
-
rechts weiterhin keine elektrodiagnostischen Schädigungszeichen
-
anamnestisch koronare Herzkrankheit mit Status nach
Stenting
Es bestünden weiterhin klinisch und elektrodiagnostisch keine Hinweise für eine Polyneuropathie und indem nun die Verdachtsdiagnose von vor 4 Jahre klinisch nochmals klarer geworden sei, falle auch die damals erwogene Differentialdiag
nose einer
small
fiber-Neuropathie weg. Der Patient sei davon markant beim Gehen beeinträchtigt. Das Kribbeln in den Händen sei ebenfalls nicht durch eine Pol
yneuropathie, sondern durch ein
Karpaltunnel- und Loge de
Guyon
-Reizsyn
drom bedingt. Es werde an beiden Stellen auf beiden Seiten eine Infiltration empfohlen. Bei der vorliegenden Beschwerdelast müsse trotz unauffälliger Elek
tro
diagnostik auch das operative Vorgehen diskutiert werden (S. 2 unten).
5.4
Die Ärzte der Klinik für
Angiologie
,
Spital F._
, führten im Bericht vom 24. Juni 2019 (Urk. 11/93/14-16) aus, der Patient
habe über eine
rechtsbetonte
(gemeint wohl: linksbetonte)
Wadenclaudicatio
nach 50 bis 100 Metern Gehstreck
e
geklagt
(S. 2 oben). Es bestehe eine
p
AVK
der unteren Extremitäten im Stadium
IIb
links und Stadium I rechts. Die aktuelle
angiologische
Untersuchung zeige eine mittel
schwer eingeschränkte Ruheperfusion links und eine normale Ruheperfusion der unteren Extremitäten rechts.
Duplexsonographisch
finde sich ein Verschluss der distalen
A
r
teria
femoralis
superficialis
sowie der
Arteria
poplitea
(PI) mit Wieder
verschluss. Aus
angiologischer
S
icht lasse sich die
Wadenclaudicatio
links durch den Befund erklären, die Ursache für die Kribbelparästhesien bleibe jedoch unklar. Aufgrund des hohen Leidensdrucks werde ein ambulanter
Rekanalisationseingriff
links im September geplant (S. 3 Mitte).
Der Bericht vom 3. September 2019
(Urk. 11/93/6-8 = Urk. 11/95)
d
okumentiert die
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom 2. bis 3. September 201
9.
Die Intervention vom 2. Septembe
r 2019 habe der Behandlung der
p
AVK
gedient und ein
e
Jetstream-Atherektomie
(3.4 mm)
bei
Verschluss der distalen
A
r
teria
femo
ralis
superficialis
und hochgradiger
Stenose der
Arteria
poplitea
(PII) mit einer
perkutane
n
transluminale
n
Angioplastie
(PTA
; 6mm) der genannten beiden Arte
rien umfasst.
5.5
Dr.
Y._
(vorstehend E. 4.5)
nannte
im Bericht vom 4. Oktober 2019 (Urk. 11/93/1-5)
folgende, hier verkürzt wiedergegebene Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 3 Ziff. 2.5):
-
Strenger Verdacht auf
Tarsaltunnelsyndrom
beidseits
-
Karpaltunnelsyndrom beidseits und Loge de
Guyon
-Syndrom beidseits
-
degenerativ bedingte Gelenkbeschwerden
-
leichtgradige
Schulterperiarthropathie
links
-
obliterierende
und
dilatative
Arteriopathie
-
Verdacht auf chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
-
rezidivierende Stürze unklarer Zuordnung, ED 4. März 2019
D
ie Arbeit als Strassenmitarbeiter sei dem Beschwerdeführer aufgrund seiner phy
sischen Einschränkungen nicht mehr zumutbar (S. 4 Ziff. 4.1). Auch hinsichtlich einer allfälligen angepassten Tätigkeit werde auf dem ersten Arbeitsmarkt keine geeignete Tätigkeit gesehen (S. 4 Ziff. 4.2). Es bestehe aufgrund von körperlichen Einschränkungen und fehlenden Ressourcen eine sehr ungünstige Prognose betreffend Eingliederung (S.
5
Ziff. 4.3-4). Vermutlich bestünden nebst den diag
nostizierten Erkrankungen auch kognitive Einschränkungen, weshalb eine neuro
psychologische Abklärung empfohlen werde (S. 5 Ziff. 5).
5.6
Dr. med.
K._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, RAD, führte in seiner Stellungnahme vom 16. Oktober 2019 (Urk. 11/116 S. 4 f.) aus, der Gesundheitszustand des Beschwer
deführers habe sich seit dem Zeitpunkt der letzten RAD-Stellungnahme vom 27. Februar 2018 (vorstehend E. 4.7)
definitiv verschlechtert, begründet vor allem in den Gesundheitsschäden auf internistisch-
angiologischem
und neurolo
gischem Fachgebiet: PAVK, dringender Verdacht auf
Tarsaltunnelysndrom
beid
seits, Karpaltunnelsyndrom beidseits und Loge de
G
u
yon
-Syndrom beidseits. Diese Gesundheitsschäden seien instabil, operative Massnahmen seien veranlasst, durchgeführt oder geplant worden. Eine abschliessende versicherungsmedizi
nische Beurteilung sei derzeit nicht möglich.
5.7
Die
Angiologen
des Spitals F._
führten im Bericht zur Verlaufskontrolle vom 27. Januar 2020 (Urk. 11/106/1-4) nach der
Jetstream-Atherektomie
vom 2. September 2019 (vgl. vorstehend E. 5.4) aus, der Patient
berichte
über einen erfreulichen Verlauf. Er habe keine Beschwerden an der linken unteren Extremität. Nach etwas mehr als 200 Metern Gehstrecke bekomme er krampfartige Schmerzen im rechten
Unter
schenkelbereich, so dass er eine kleine Pause einlegen müsse (S. 2 oben
).
Die periphere
arterielle Verschlusskrankheit bestehe aktuell im Stadium I links nach der letzten Intervention und im Stadium
IIa
rechts.
Oszillographisch
bestehe eine schwer eingeschränkte Ruheperfusion der unteren Extremität rechts.
In der aktuellen nichtinvasiven
angiologischen
Untersuchung habe
duplexsono
gra
phisch
eine bereits bekannte hochgradige Stenose der
Arteria
poplitea
bei patho
logischem Flusssignal im PIII-Segment dargestellt werden können. Es werde ein
kathetertechnischer
Eingriff auf der rechten
femoro-poplitealen
Achse im März 2020 geplant (S. 3 Mitte).
5.8
Dr.
Y._
(vorstehend E. 4.5) bestätigte mit ärztlichen Zeugnissen vom 28. Januar 2020 (Urk. 11/106/5) und vom 6. Juli 2020 (Urk. 11/109/1) jeweils, dass der Beschwerdeführer momentan nicht arbeitsfähig sei.
5.
9
Mit Austrittsbericht vom 3. Juli 2020 (Urk. 11/111)
berichteten die
Angiologen
des
Spitals F._
über die gleichentags durchgeführte Behandlung. Die elektive stationäre Aufnahme sei zum
Rekanalisationsversuch
bei peripherer arterieller Verschluss
krankheit im Stadium
IIa
rechts erfolgt. Der Eingriff habe komplikationslos durch
geführt werden können
(S. 2 oben)
.
5.
10
Die Ärzte des Medizinisch Radiologischen Instituts beurteilten im Bericht vom 14. September 2020 (Urk. 11/113/1) zur gleichentags durchgeführten
MR-Arthro
graphie
der linken Schulter ansatznahe artikular- und
bursaseitige
Parti
alrisse der
Supraspinatussehne
mit sehr feinem
transmuralem
Riss, einen
artiku
larseitigen
Partialriss vorne-oben am Ansatz der
Infraspinatussehne
, eine leichte bis mässige, minimal aktivierte Schultereckgelenks (AC)-Arthrose sowie eine leichte bis
mässige Bursitis
subacromialis
/
subdeltoidea
.
5.11
RAD-Arzt Dr.
K._
(vorstehend E. 5.6)
nannte
in seiner Stellungnahme vom 14. September 2020 (Urk. 11/116 S. 6-8)
folgende, hier verkürzt wiedergegebene Diagnose mit möglicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6 Mitte):
-
periphere Verschlusskrankheit, aktuell (Juli 2020) im Stadium I links und
IIa
rechts
Als zusätzliche Diagnosen ohne aktuelle Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (S. 6 unten):
-
koronare Zweigefässerkrankung 2014
-
Hypercholesterinämie
-
arterielle Hypertonie
-
Verdacht auf sensomotorische Polyneuropathie
-
Zustand nach Ulcus Bulbus
D
uodeni
Forrest Grad III (Juli 2016)
-
infrarenale
Aortenektasie
(ED September 2015)
-
chronische venöse Insuffizienz (ED September 2015)
-
Hämorrhoiden Grad II (ED Juli 2016)
-
Vitamin D-Mangel
-
Hepatopathie
-
wahrscheinlich degenerativ bedingte Gelenkbeschwerden bei Verdacht auf leichte
Coxarthrose
beidseits, mediale
Gonartrose
links und Gross
zehen-Grundgelenksarthrose beidseits
-
leichtgradige
Schulterperiarthropathie
links
Die genannten Diagnosen seien gesichert, lediglich die erstgenannte könne aber medizinisch-theoretisch eine länger dauernde Arbeitsunfähigkeit bei bestimmten, vorwiegend stehenden und stark die Beine belastenden Tätigkeiten begründen
. Mittlerweile seien die Diagnosen stabil, die medizinische Behandlung sei abge
schlossen. Bei Vergleich de
r aktuellen Diagnosen mit denje
n
i
gen, die zum Zeitpunkt der letztmassgeblichen RAD-Stellungnahme vom 27. Februar 2018 bekannt gewesen seien, habe sich der Gesundheitszustand insofern verschlech
tert, als wegen einer neu aufgetretenen Diagnose auf
internistisch-angiolo
gi
schem
Fachgebiet mittlerweile eine operative Katheter-Intervention an beiden Beinen habe durchgeführt werden müssen. Soweit bisher bekannt, habe beidseits ein
hämodynamisch
gutes
postinterventionelles
Ergebnis erzielt werden können. Im invalidenversicherungsrechtlichen Sinne sei somit ein Gesundheitsschaden in Form einer peripheren Verschlusskrankheit ausgewiesen. Dieser sei inzwischen stabil (S. 7 Mitte).
Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit gebe es lediglich zwei Kurz
bescheinigungen des Hausarztes aus der direkt
postinterventionellen
Zeit, dass «momentan» der Beschwerdeführer nicht arbeitsfähig sei, ohne weitere Diffe
renzierung, ob diese Aussage für jede Tätigkeit oder nur die zuletzt ausgeübte Gültigkeit habe. Aus versicherungsmedizinischer Sicht sei eine Arbeitsunfähig
keit von 100
%
natürlich prinzipiell für eine gewisse Zeitspanne plausibel, jedoch fehle beide Male eine zeitliche Begrenzung.
Rein medizinisch-theoretisch sei für die zuletzt ausgeübte Tätigk
eit als Bau- oder Hilfsarbeiter -
eine zwangsläufig körperlich und dabei vor allem die Beine durch überwiegend stehende Arbeitshaltung und häufiges Treppen- und Leitersteigen sowie hockende und kniende Posi
tion stark belastende Tätigkeit -
eine dauerhafte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
überwiegend wahrscheinlich, retrospektiv geltend ab der ersten
Katheterintervention
im September 2019 und bis auf Weiteres, wobei in einem Zeitraum von
jeweils zirka 4 Wochen nach den
Intervention
en vom
2. September 2019 und
vom
6. Juli 2020 von einer überwiegend wahr
schein
lich vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei (S. 7 unten).
Für eine behinderungsangepasste Tätigkeit gebe es weder früher noch aktuell Angaben zur Arbeitsfähigkeit, aber rein medizinisch-theoretisch habe überwie
gend wahrscheinlich während zumindest jeweils 2 Wochen nach den beiden Interventionen auch für optimal angepasste Tätigkeiten keine Arbeitsfähigkeit, ansonsten aber eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
bei Beachtung des folgenden Belastungsprofils bestanden: Körperlich sehr leichte und leichte Tätigkeiten, vor
wiegend (aber nicht ausschliesslich) sitzend mit der Möglichkeit, die Beine aus
zustrecken, aber auch mal aufzustehen und kurze Strecken zu laufen. Kein Heben und Tragen von Lasten über 10 kg (S. 8 oben).
5.12
Die
Angiologen
des
Spitals F._
hielten im Bericht zur
angiologischen
Verlaufskontrolle vom 7. Oktober 2020 (Urk. 11/114/1-3) fest, der Patient habe vom Eingriff im Juli 2020 profitiert, es bestehe keine
Claudicatio
intermittens mehr in der rechten wie auch in der linken unteren Extremität. Er gebe hauptsächlich ein Unsicherheits
gefühl in den Beinen nach dem Aufstehen an, welches nach 1-2 Minuten
regre
dient
se
i (S. 2 oben). Es bestehe eine
p
AVK
der unteren Extremitäten im Stadium I beidseits. Drei Monate
postinterventionell
zeige sich ein gutes klinisches und messtechnisches Ergebnis. Es bestehe eine unauffällige arterielle Ruheperfusion beidseits.
Duplexsonographisch
zeige sich die
femoro-popliteale
Achse offen und
stenosefrei
. Bezüglich der kardiovaskulären Risikofaktoren sei der Patient noch nicht optimal behandelt. Es bestehe weiterhin ein Tabakkonsum, Blutdruckmes
sungen erfolgten nicht regelmässig und ein
Statin
werde noch nicht eingenom
men (S. 3 Mitte). Prinzipiell bestünde bei diesem relativ jungen Hochrisiko-Pati
enten eine gute Indikation für eine medikamentöse Prophylaxe. Zunächst werde die regelmässige Einnahme eines
Statins
empfohlen. Die nächste
angiologische
Verlaufskontrolle finde in 6 Monaten statt (S. 3 unten).
5.
13
Dr.
Y._
(vorstehend E. 4.5) attestierte dem Beschwerdeführer am 7. Oktober 2020 eine volle Arbeitsunfähigkeit vom 1. Oktober bis 30. November 2020 (Urk. 11/114/4).
6.
6.1
Die Diagnoseliste des Beschwerdeführers darf als relativ lang bezeichnet werden. RAD-Arzt Dr.
K._
bezeichnete sie in seiner Stellungnahme vom 14. September 2020 (E. 5.11) als gesichert.
Mit dem Beschwerdeführer (Urk. 1 S. 8 Ziff.
15) fehlen
indes in der von Dr.
K._
wiedergegebenen Diagnoseliste
das vom behan
delnden Neurologen Dr.
D._
im April 2019 (E. 5.3) diagnostizierte Karpal
tunnelsyndrom beidseits, das Loge de
G
uyon
Syndrom beidseits sowie der
Ver
dacht auf ein
Tarsaltunnelsyndrom
. Weshalb
sie
fehlen, begründete Dr.
K._
eben
so wenig wie seine Beurteilung, dass lediglich die periphere Versch
lusskrank
heit eine länger dauer
nde Arbeitsunfähigkeit
begründen könne.
Offenbar war Dr.
K._
somit anderer Ansicht als
der
Hausarzt Dr.
Y._
, welcher nicht nur den von ersterem ausgeblendeten Diagnosen Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit zuerkannte, sondern auch den Gelenk- und Schulterbeschwer
den
, der
Arteriopathie
, dem Verdacht auf COPD und – allerdings nicht näher bezeichneten – rezidivierenden Stürzen unklarer Zuordnung (E. 5.5). Dr.
K._
setzte sich allerdings mit dieser Einschätzung durch Dr.
Y._
nicht näher aus
einander, was der Schlüssigkeit und Nachvollziehbarkeit seiner Beurteilung einer vollen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit weiter abträglich ist, zumal Dr.
Y._
auf dem ersten Arbeitsmarkt keine geeignete Tätigkeit sah.
Zudem empfahl
dies
er bei mutmasslichen kognitiven Einschränkungen eine neuropsy
chologische Abklärung. Auch hierauf ging der RAD-Arzt nicht ein.
6.2
Dr.
K._
ist Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gungsapparates. Erkrankungen bestehen beim Beschwerdeführer zwar mittler
weile auch auf orthopädischem, daneben und schwergewichtig aber auch auf kardiologischem, neurologischem und insbesondere
angiologischem
Fachgebiet.
Ohne Dr.
K._
zum Vornherein die Kompetenz absprechen zu wollen, das Zusam
menspiel dieser Erkrankungen und ihre Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen, ist jedenfalls festzustellen, dass er gar nicht erst den Versuch antrat, dieses Gesamtbild zu zeichnen. Dass er ohne eigene Untersuchung des Beschwer
deführers und ohne nähere Begründung lediglich die periphere Verschlusskrank
heit als
arbeits
relevante Diagnose herausgriff, vermag nicht zu überzeugen. Dies umso weniger, als er
sich
bei seiner Einschätzung einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in angestammter und einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit auf keinerlei Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen durch
die
behandelnde
n
Fachä
rzte
abstützen konnte
. In den Akten finden sich
nämlich
lediglich die
entgegen
stehenden
Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen durch den Hausarzt (E. 5.5, E. 5.8, E. 5.13)
.
6.3
Es bestehen demnach begründete Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen
durch Dr.
K._
, weshalb auf diese nicht abgestellt werden kann (E. 1.6).
Bei Berichten von behandelnden Ärzten wiederum ist der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen), sprich deren Arbeits
fähigkeit tendenziell eher tiefer ein
schätzen als dies objektiv gerechtfertigt wäre. Auch für die Arbeitsfähigkeitsbeurteilungen durch Dr.
Y._
gilt
daher
, dass auf diese mangels detaillierter Begründung oder Plausibilisierung durch
fachärztliche
Berichte nicht abgestellt werden kann.
Auch andernfalls würden sie die zuver
lässige Erstellung des medizinischen Sachverhalts kaum ermöglichen
, nachdem der Bericht vom 4. Oktober 2019
nicht mehr als aktuell gelten kann
, die Arbeits
unfähigkeitszeugnisse vom 28. Januar und vom 6. Juli 2020 (E. 5.8) keine nähe
ren zeitlichen Angaben enthalten und dasjenige vom 7. Oktober 2020 (E. 5.13) eine Arbeitsunfähigkeit lediglich bis zum 30. November 2020 beschei
nigt.
6.4
Nachdem der medizinische Sachverhalt derzeit nicht erstellt werden kann,
fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
Indem die Beschwerdegegnerin auf die mangelhafte versicherungsinterne Stellungnahme
vom September 2020
abge
stellt hat, anstatt die notwendigen Abklärungen zur Beurteilung der Arbeits
fähigkeit unter Berücksichtigung aller Beschwerden in die Wege zu leiten, hat sie ihre Untersuchungspflicht verletzt.
Die Sache ist daher an die Beschwer
degegnerin zurückzuweisen, damit diese ein polydisziplinäres Gutachten einhole, danach eine neue Beurteilung vornehme und über den Leistungs
an
spruch des Beschwerdeführers neu verfüge.
In diesem Sinne ist die Beschwerde
gutzuheissen
.
7.
7.1
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
7.2
Nach § 34 Abs. 1
GSVGer
hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streit
wert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Recht
sprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Ab
klärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57
E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwer
deführer Anspruch auf eine Prozessent
schädigung hat.
Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Prozessentschädigung ermessenswe
ise auf Fr. 2’3
00.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und der Beschwerdegegnerin aufzuerle
gen.
7.3
Das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung
und Rechts
vertretung
erweist sich
bei diesem Prozessausgang
als
gegenstandslos.