# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a71a7888-13ba-4e6f-9511-2b8e84828076
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965, war von 1983 bis 2011 bei
verschiedenen Arbeitgebern in unterschiedlichen Tätigkeiten und von
2012 bis Oktober 2018 beim
Alters- und Pflegeheim Y._ in Z._
als Mitarbeiter
i
n Hauswirt
schaft tätig (Urk. 7/24; Urk. 7/26; Urk. 7/68
; Urk. 7/70/1-4
). Unter Hinweis auf
eine beidseitige
Rhizarthrose
meldete sie sich am
20. Januar 2018
bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/13
). Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab,
zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 7/23
)
,
gewährte der Versicherten ab 18. Juni 2018 Frühinterventionsmassnahmen in Form von Arbeitsplatzerhalt (Urk. 7/37), welche per 31. Juli 2018 wieder abge
brochen wurden (Urk. 7/50
),
und
sprach
eine Arbeitsvermittlung Plus vom 7. Januar
2019
bis
11. Februar 2021
zu
(vgl. Urk. 7/66; Urk. 7/72; Urk. 7/75)
, welche
per 11. Februar 2020 abgebrochen wurde (Urk. 7/92). In der Folge
holte
die IV-Stelle
bei
der
MEDAS A._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
23. April 2021 erstattet wurde (Urk. 7/117
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7/123
; Urk.
7/127
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
20. August 2021 bei einem Invaliditätsgrad von 30
%
einen Rentenanspruch (Urk.
7/132
= Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
20. September 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
20. August 2021
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben
,
und es sei ihr
eine Invalidenrente von mindestens 40
%
zuzusprechen
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
20. Oktober 2021
(Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde.
Gleichentags reichte die Beschwerdeführerin auf
forderungsgemäss (vgl. Urk. 4) weitere Unterlagen betreffend ihren Antrag auf
unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung ein (Urk. 8; Urk. 9; Urk. 10/2-17). Mit Gerichtsverfügung vom 9. November 2021 wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt mit dem Hinweis, dass über ihren Antrag auf unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechts
vertretung zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde (Urk. 11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
–
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sach
verhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähig
keit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und
in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf das MEDAS-Gutachten davon aus, dass für die bisherige Tätigkeit in der Hauswirtschaft seit Januar 2018 eine volle Arbeitsunfähigkeit bestehe. Eine körperlich leichte Tätigkeit in wechselbelastender Arbeitsposition könnte jedoch ab September 2018 zu 75
%
ausgeübt werden (S. 1 unten).
Das
Valideneinkom
men
im Jahr 2019 betrage
gestützt auf tatsächliche Werte im zuletzt ausgeübten 80%-Pensum hochgerechnet auf ein 100%-Pensum
unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung
Fr
.
59'644.3
0.
Das Invalideneinkommen im Jahr 2019 betrage gestützt auf statistische Werte bei einem zumutbaren Arbeitspensum von 75
%
und einem Abzug von 10
%
aufgrund des eingeschränkten Belastungs
profils Fr. 37'278.9
0.
Bei einem Teilinvaliditätsgrad von 37
%
resultiere ein Inva
li
ditätsgrad von insgesamt 30
%
und somit kein Rentenanspruch (S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), die Schätzung eines Leidensabzugs von lediglich 10
%
werde der medizinischen G
esamtsituation nicht gerecht. Werde ihr Arbeitsprofil mit demjenigen in BGE 126 V 75 verglichen, sei ein Leidensabzug von mindestens 15
%
zwingend. Sie sei massiv bezüglich aller Organe eingeschränkt (S. 4 Mitte Ziff. 2.1). Bei diesem Profil sei ernsthaft die Frage zu stellen, ob und welche Tätigkeiten ihr überhaupt noch zumutbar seien. Ausserdem sei ihre Vermittelbarkeit zufolge ihrer Polymor
bidität massiv eingeschränkt (S. 4 unten Ziff. 2.1). Es sei nicht nur die Vermittel
barkeit
,
sondern auch die Arbeitsfähigkeit generell in Frage zu stellen (S. 5 oben Ziff. 2.1). Erhöhend für den Leidensabzug sei ihre bisherige Arbeitsbiografie zu berücksichtigen. Sie habe nie qualifizierte Arbeit, sondern lediglich körperlich strapazierende Tätigkeiten als Reinigerin und Mitarbeiterin Hauswirtschaft aus
führen können
.
Ebenso sei ihr Alter von 56 Jahren erhöhend zu veranschlagen. Zusammenfassend sei vorliegend ein Leidensabzug von 20
%
indiziert (S. 5 Mitte Ziff. 2.1).
Betreffend die Qualifikation habe der Sohn (geboren 1994) nach Abschluss der Lehre einen eigenen Haushalt gegründet, weshalb sie spätestens ab dem Jahre 2015 in einem Arbeitspensum von 100
%
gearbeitet hätte, wenn sie gesund geblieben wäre
. Ausschliesslich aus gesundheitlichen Gründen sei es ihr in der Folge nicht möglich gewesen, das Arbeitspensum zu steigern.
Dafür spreche auch,
dass sie auch während ihrer Ehe trotz Mutterpflichten immer erwerbstätig gewe
sen sei. Aus dem Bericht von Dr. med.
B._
vom April 2015 gehe hervor, dass sie ein bereits im März 2012 manifestiertes invalidisierendes Rückenleiden habe. Auch habe sie sich bereits im Jahre 2011 einer Hüftoperation unterziehen müssen
(S. 5 f. Ziff. 2.2). Wäre sie gesund, so wäre sie zu 100
%
erwerbstätig (S. 7 oben Ziff. 2.2). Selbst wenn man davon ausgehe, dass sie in angepasster Tätigkeit zu 75
%
arbeitsfähig wäre
,
ergebe sich unter Berücksichtigung eines Abzugs von 20
%
noch ein Invaliditätsgrad von 45
%
. Entsprechend sei ein Anspruch auf eine Rente von mindestens 45
%
ausgewiesen. Nachdem der Arbeitsversuch per 11. Februar 2020 abgebrochen worden sei, sei der Anspruch auf eine Rente am 1. Februar 2020 entstanden (S. 7 Mitte Ziff. 2.2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Dr. med. B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, nannte in seinem Bericht vom 3. September 2015 (Urk. 7/21/17-18) folgende, hier verkürzt wiedergegebenen Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
lumbospondylogenes
bis wahrscheinlich intermittierend
radikuläres
Syn
drom auf der Höhe des 5. beziehungsweise des 4. Lendenwirbels (L5, L4) links
-
Magnetresonanztomographie (MRI) vom 22. März 2012 (...)
-
anhaltende
myofasziale
Beschwerden Schulterpartie rechts seit Anfang Februar 2015
-
chronische Hepatitis C
Die Beschwerdeführerin mache bereits seit Längerem Physiotherapie, anamnes
tisch handle es sich aktuell um die vierte Serie (S. 2 unten).
3.2
Dr. med. C._
, Facharzt für Chirurgie sowie für
Plastische,
Rekon
struktive
und Ästhetische Chirurgie
, Belegarzt Chirurgie des Spitals
D._
, nannte im Sprechstundenbericht vom 20. Februar 2018 (Urk. 7/90/13) als Diag
nose einen Status nach
Denervations
-Operation des linken Daumensattelgelenks vom 5. Februar 201
8.
Als Raumpflegerin bestehe weiterhin no
ch eine Arbeitsun
fähigkeit von
100
%
.
3.3
Dr. med. E._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie des Bewegungsapparates und für Handchirurgie,
Belegarzt Chirurgie des
Spital
s
D._
, nannte im Operationsbericht vom 16. Mai 2018 (Urk. 7/90/14) als Diagnose eine beginnende
Rhizarthrose
links.
Der Eingriff vom
7. Mai
2018 habe
eine
Denervation
des
Carpometacarpalgelenk
s
(CMC) des linken Daumens umfasst.
3.
4
PD Dr. med. F._
, Facharzt für Handchirurgie sowie für
Plasti
sche,
Rekonstruktive
und Ästhetische Chirurgie
, Belegarzt Chirurgie des Spitals
D._
, nannte im Sprechstundenbericht vom 27. Februar 2019 (Urk. 7/90/5) folgende Diagnose:
-
Rhizarthrose
beidseits mit/bei
-
Status nach
Denervation
beidseits
-
Status nach Stosswellen-Therapie
Solange die Beschwerdeführerin manuell nicht allzu belastet arbeiten müsse, sei die Situation kompensiert und die Beschwerdeführerin beschwerdearm. Sobald die körperliche Belastung steige, stiegen auch die Schmerzen.
3.
5
Im Januar 2020 (Urk. 7/88/1-3) hielt PD
F._
fest, die Beschwerdeführe
rin sei grundsätzlich vollständig arbeitsfähig, aber nicht körperlich (Ziff. 4.2).
Auf entsprechende Nachfrage der Beschwerdegegnerin bezifferte Dr.
F._
am 30. Mai 2020 die theoretische Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
auf
100
%
(Urk. 7/98).
3.
6
Dr. med. G._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
führte in seinem Bericht vom Januar 2020 (Urk. 7/90/1-3) aus, aufgrund der
Polyarthrose
beschwerden
seien keine körperlichen Arbeiten wie Reinigung mehr möglich. In angepasster Tätigkeit wäre eine 50%ige Betätigung möglich, hierzu fehlten der Beschwerdeführerin aber die kognitiven Ressourcen (Ziff. 2.1).
Am 28. Juli 2020 (Urk. 7/101) führte Dr.
G._
aus, der Gesundheitszustand sei seit Januar 2020 unverändert geblieben. In einer optimal angepassten Tätig
keit wäre eine Restarbeitsfähigkeit von 50
%
möglich. Aufgrund der kognitiven Defizite seien Büroarbeiten nur beschränkt möglich.
3.
7
3.
7
.1
Dr. med. H._
, Facharz
t für Allgemeine Innere Medizin,
Dr. med. I._
, Facharzt für Rheumatologie und für Allgemeine I
nnere Medizin, Dr. med. J._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Kinder- und Jugendpsyc
hiatrie, und Dr. phil. K._
, Fachpsy
chologe für Neuropsychologie FSP,
MEDAS A._
, erstatteten am 23. April 2021 ihr polydisziplinäres Gutachten (Urk. 7/117)
.
3.
7
.2
Dr.
H._
nannte im internistischen Teilgutachten (S. 22-34) keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 29 Ziff. 6.1). Als – hier verkürzt wiedergege
bene
–
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte er (S. 29 Ziff. 6.2):
-
Adipositas, Body Mass Index (BMI) 34.2 kg/m
2
-
arterielle Hypertonie, Erstdiagnose (ED) 2005
-
Diabetes mellitus Typ 2, bisher ohne Therapie kompensiert
-
euthyreote
Struma
multinodosa
-
Status nach chronischer Hepatitis C
-
fortgeschrittene Hepatopathie mit
periportaler
und
perizentraler
Fibrose
und Brückenbildung
Im Vordergrund stünden für die Beschwerdeführerin die Beschwerden von Seiten der operierten
Rhizarthrosen
(S. 30 Ziff. 7.1). Aus rein internistischer Sicht resul
tiere keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 32 Ziff. 8.1)
3.
7
.3
Dr.
I._
nannte im rheumatologischen Teilgutachten (S. 35-64) fol
gende rheumatologische Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 52 Ziff. 6.1):
-
manifeste
Rhizarthrose
(M18.0) und
Triscaphoidarthrose
(M19.4) beidseits linksbetont sowie Fingerpolyarthrose mit vorwiegendem Befall der Finger
endgelenke (M15.1)
-
Status nach
Denervation
des CMC-Gelenkes I links im Februar 2018 und rechts im Mai 2018
-
chronisches
Zervikovertebralsyndrom
(M47.92)
-
abgeflachte
Zervikallordose
und leichte rechtskonvexe Skoliose
-
Segmentdegeneration zwischen dem 3. und 4. Halswirbel (C3/4) und C5/C6 mit degenerativ bedingter segmentaler
Gefügelockerung
auf beiden Etagen
-
leichte
Atlantodentalarthrose
-
manifeste sekundäre
Coxarthrose
links mit
Periarthropathia
coxae
(M16.3) bei
-
Coxa
valga
congenita
und insuffizienter
azetabulärer
Überdachung
-
Status nach Hüfttotalprothesenimplantation rechts im Juni 2011
-
symptomatische Tendinitis
calcarea
rechts (M65.20) mit
Periarthropathia
humeroscapularis
-
rezidivierende Lumbalgien (M47.86)
-
Haltungsinsuffizienz und abgeflachte Lendenlordose sowie leichte S
förmige Skoliose
-
fortgeschrittene
Segmentsdegenerationen
L3 bis zum Kreuzbein (S1)
mit
Osteochondrose
und
Spondylarthrose
sowie
ossärer
Neuroforami
naleinengung
L3/4, L4/5 und L5/S1
-
Magnetresonanztomographie (MRI) vom 22. März 2012: medio-links-laterale Diskushernie L3/L4 und ausgeprägter L4/5 mit Kontakt zur Radix L4
foraminal
Als rheumatologische Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsf
ähigkeit nannte Dr. I._
(Ziff. 6.2):
-
asymptomatische Senkspreizfüsse (21.63)
-
Adipositas Grad I, BMI 33.7 kg/m
2
(E.66.00)
Hinsichtlich der
arthrotischen
Veränderungen im Bereich beider Hände seien die
Rhizarthrose
und die Fingerendgelenksarthrose als bildgebend leichtgradig und klinisch mittelgradig, die
Triscaphoidarthrose
rechts als leicht und links als mittelgradig ausgeprägt zu interpretieren. Es bestehe eine manuelle Minder
belast
barkeit beider Hände und der Beschwerdeführerin seien keine manuell schweren und manuell ständig repetitiven Verrichtungen mehr möglich. Auch für Ver
richtungen, die eine ausgesprochen feinmotorische manuelle Geschicklichkeit erfor
derten, bestünden deutliche Einschränkungen (S. 54 Ziff. 6.5).
Die symptomatischen degenerativen Veränderungen im mittleren und unteren Halswirbelsäulenbereich liessen aktuell eine leichte Funktionseinschränkung der Halswirbelsäule (HWS) bei bildgebend deutlichen Befunden erkennen. Einschrän
kungen bestünden für ausgesprochen nackenbelastende Verrichtungen wie stän
dige Zwangshaltungen im Sitzen oder Stehen und häufige Tätigkeiten über Kopf mit
reklinierter
HWS (S. 55 oben Ziff. 6.5).
Bezüglich der symptomatischen linken Hüfte bestehe radiologisch eine leicht
gradige sekundäre
Coxarthrose
. Der Beschwerdeführerin seien keine das Hüft
gelenk belastenden Tätigkeiten zumutbar wie zum Beispiel Arbeiten in aus
schliesslich stehender oder gehender Position, Tätigkeiten in einer ausschliesslich sitzenden Arbeitsposition oder häufige Arbeit
spositionen im Kauern und Knien (S. 55 oben Ziff. 6.5).
Bezüglich der deutlich schmerzhaft eingeschränkten Schulterbeweglichkeit rechts zeig
t
e
n
sich nativ-radiologisch ausser einer Tendinitis
calcarea
kein relevanter pathologischer Befund und insbesondere keine offensichtlichen
Impingement
-Faktoren. Eine Tendinitis
calcarea
könne einer Behandlung zugeführt werden und bezüglich der aktuell schmerzhaften Funktionseinschränkung der rechten Schul
ter sei nicht von einem Endzustand auszugehen. Zum jetzigen Zeitpunkt seien der Beschwerdeführerin keine Verrichtungen mit dem rechten Arm an bezie
hungsweise über der Schulterhorizontalen zumutbar wie auch keine körperlich schweren Arbeiten unter Einsatz der rechten oberen Extremität (S. 55 Mitte Ziff. 6.5).
Bezüglich der vorbekannten lumbalen Rückenschmerzen bezeichne sich die Beschwerdeführerin aktuell als beschwerdearm. Es sei von einer Minderbelastbar
keit des Achsenorgans im Lendenwirbelsäulenabschnitt auszugehen. Nicht
zumut
bar seien körperliche Schwerarbeiten und Arbeiten in einer rückenbelas
tenden Arbeitsposition (vgl. im Detail S. 55 unten Ziff. 6.5).
Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin betrage 0
%
(S. 60 Ziff. 8.1). In einer Verweistätigkeit
sei eine Präsenz von 8.4
Stunden pro Tag möglich. Dabei bestehe eine Einschränkung der Leistungs
fähig
keit von geschätzt 25
%
aufgrund schmerzbedingt vermehrter Pausen und einem langsameren Arbeitstempo. Die Arbeitsfähigkeit in einer Verweistätigkeit werde auf 75
%
geschätzt. Von Januar 2018 bis rund 3 Monate nach der letzten Handoperation im Mai 2018 habe eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
und spätestens ab September 2018 eine 75%ige Arbeitsfähigkeit hinsichtlich einer den Leiden optimal angepassten Tätigkeit bestanden (S. 61 Ziff. 8.2). Das Belastungsprofil sei wie folgt zu formulieren (S. 60 f. Ziff. 8.2, S. 62 f. Ziff. 8.4):
Zumutbar seien körperlich leichte Tätigkeiten in wechselbelastenden Arbeits
positionen. Einschränkungen bestünden bezüglich manuell kraftaufwändiger, ständig repetitiver und ausgesprochen feinmotorischer manueller Verrichtungen, im Weiteren bezüglich für den Nacken und die Lendenwirbelsäule belastender Arbeitspositionen wie Tätigkeiten in einer stehenden oder sitzenden Zwangshal
tung ohne die Möglichkeit, zwischendurch zur Entlastung die Körperposition zu wechseln, wie für häufige Tätigkeiten über Kopf mit
reklinierter
HWS, Tätigkeiten mit häufig vorgeneigtem oder abgedrehtem Oberkörper, Tätigkeiten mit repetiti
ver Rumpfrotation in sitzender Position wie auch für Arbeiten, welche mit Schlä
gen und Vibrationen auf das Achsenorgan
verbunden seien
. Im Weiteren bestün
den arbeitsrelevante Schwierigkeiten hinsichtlich der Hüftgelenke. Hier seien der Beschwerdeführerin keine ausschliesslich
stehenden und gehenden Tätigkeiten zumutbar, wie auch keine häufigen Arbeitspositionen im Knien und Kauern wie auch keine Arbeiten, welche mit Schlägen und Vibrationen auf die Hüftgelenke
verbunden seien
. Hinsichtlich der
Schulterproblematik rechts bestü
nden aktuell Einschränkungen hinsichtlich Tätigkeiten mit dem rechten Arm an beziehungs
weise über der Schulterhorizontalen sowie für gewichtsbelastende Arbeiten mit der rechten oberen Extremität.
3.7.4
Dr.
J._
nannte im psychiatrischen Teilgutachten (S. 65-87) keine psychiat
rischen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 77 Ziff. 6.1) Als Diag
nose ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie Übergewicht (E.66; S. 77 Ziff. 6.
2). Das grösste Leiden betreffe die Hände (S. 66 Ziff. 3.2.1).
Die Arbeits
fähigkeit in der bisherigen
oder in einer angepassten, intellektuell leichten wech
selbelastenden Tätigkeit betrage 100
%
(S. 85 Ziff. 8.1-2).
3.7.5
Dr.
K._
führte im neuropsychologischen Teilgutachten (S. 88-102) aus,
Dr.
G._
habe «kognitive Probleme» postuliert, wobei jedoch unklar bleibe, auf welche objektiven Befunde er diese Beurteilung abstelle (S. 99 Ziff. 7.1). D
ie Beschwerdeführerin verfüge über normale intellektuell-kognitive Fähigkeiten im unteren Normbereich, dies insbesondere im Bereich der Aufmerksamkeit und Kon
zentration, des Gedächtnisses, der exekutiven und
der
visuo
-konstruktiven Funktionen (S. 99 Ziff. 7.4).
Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit betrage aus neuropsychologischer Sicht 100
%
(S. 100 Ziff. 8.1). Grundsätzlich könnten der Beschwerdeführerin aus neuropsychologischer Sicht alle Tätigkeiten zugemutet werden, für die sie beruf
lich qualifiziert sei, wie zum Beispiel einfache administrative Arbeiten, Arbeiten im Verkauf oder Beratungsarbeiten (S. 100 Ziff. 8.2).
3.7.6
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung (S. 103-140) kamen die Gutachter zum Schluss, die Gesamtarbeitsfähigkeit angestammt betrage 0
%
seit der IV
Anmeldung und in einer angepassten Tätigkeit 75
%
ab September 2018 (S. 135 Ziff. 4.9).
Es gelte das rheumatologische Belastungsprofil. Aus neuro
psy
cho
logi
scher Sicht könnten der Beschwerdeführerin alle Belastungen zugemutet werden, für die sie beruflich qualifiziert sei (S. 136 f. Ziff. 4.11.2).
4.
4.1
Das ausführliche und differenzierte polydisziplinäre MEDAS-Gutachten vom 23. April 2021 (E. 3.7) erfüllt die Voraussetzungen an einen beweiskräftigen Bericht (E. 1.4), weshalb grundsätzlich darauf abgestellt werden kann.
4.2
Besonders überzeugend fiel das Teilgutachten Rheumatologie (E. 3.7.3) aus, was entscheidend ist, nachdem die
Beschwerden
der Beschwerdeführerin fast aus
schliesslich
in
diesen
Fachbereich fallen. In schlüssiger und sorgfältiger Weise ging Dr.
I._
auf die einzelnen Pathologien in den Bereichen Hände, Hals
wirbelsäule, Lendenwirbelsäule, Hüfte und Schulter ein, zeigte die jeweilige Ausprägung transparent auf und brachte sie
auf gut verständliche Weise
in Zusammenhang mit den entsprechenden Einschränkungen im Belastungsprofil der Beschwerdeführerin.
4.3
Dieses wurde denn auch von keiner Seite in Frage gestellt, sondern von der Beschwerdeführerin vielmehr ihrer Argumentation für einen höheren leidens
bedingten Abzugs unmittelbar zugrunde gelegt (E. 2.2).
Die vollständige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als
Mitarbei
terin Hauswirtschaft beziehungsweise Reinigung
ist unbestritten und ausgewie
sen. Die gutachterlich attestierte Arbeitsfähigkeit von 75
%
in einer Verweistä
tigkeit gemäss dem erwähnten Belastungsprofil überzeugt und wurde von der Beschwerdeführerin nicht ernsthaft kritisiert. Ihrer Ansicht nach sei zwar die Arbeits
fähigkeit generell in Frage zu stellen, was sie jedoch nicht näher
substan
zierte
und somit keine relevanten Zweifel an den quantitativen gutachterlichen Feststellungen hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
zu wecken vermochte.
4.4
Gleiches gilt für die Berichte der behandelnden Ärzte. Aus Sicht der Beschwerde
führerin stehen
ihre Handbeschwerden
im Vordergrund (E. 3.7.2, E. 3.7.4). Dennoch erachtete
sie
ihr behandelnder Handchirurg
PD
F._
in ange
passter Tätigkeit als zu 100
%
arbeitsfähig (E. 3.5). Selbst ihr Hausarzt Dr.
G._
attestierte ihr eine 50%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit (E. 3.6). In Anbetracht der Erfahrungstatsache, dass
Hausärzte
mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Guns
ten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hin
weisen), vermag dies die gutachterliche Einschätzung
eher zu festigen, jedenfalls
nicht zu erschüttern. Die
nicht näher fundierte hausärztliche Ansicht, wonach Büroarbeiten aufgrund der kognitiven Defizite nur beschränkt möglich seien (E. 3.6), wurden durch den MEDAS-Neuropsychologen Dr.
K._
nach ein
gehender Testung überzeugend widerlegt (E. 3.7.5). Es ist demnach bei der Beschwerdeführerin von normalen intellektuell-
kognitiven
Fähigkeiten im unte
ren Normbereich auszugehen, die sie kognitiv für einfache administrative Arbei
ten, Arbeiten im Verkauf oder Beratungsarbeiten qualifizieren.
4.5
Nach dem Gesagten ist erstellt, dass die Beschwerdeführerin seit September 2018 in
körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeiten
gemäss dem rheumatolo
gisch
en
MEDAS-Belastungsprofil (E. 3.
7.3
)
zu 75
%
arbeitsfähig ist.
Es bleiben die erwerblichen Auswirkungen zu prüfen.
5.
5.1
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invalidi
tätsbemessung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Beson
deren (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerb
lichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massge
bend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11. Mai 2021 E. 3.2 mit Hinweisen).
5.2
Die Beschwerdegegnerin setzte sich mit der Statusfrage nicht vertieft auseinan
der. Dem Feststellungsblatt vom 4. Juni 2021 (Urk. 7/122) ist lediglich zu entneh
men, das Pensum vor Eintritt des Gesundheitsschadens habe 80
%
betragen (S. 2 oben), die Qualifikation sei auf 80
%
Erwerbstätigkeit ohne Aufgabenbereich fest
zusetzen, der Sohn sei bereits erwachsen (S. 9 Mitte). Insoweit diese sehr knappe Argumentation der Beschwerdegegnerin dahingehend zu verstehen ist, dass die Beschwerdeführerin aufgrund des Auszugs ihres erwachsenen Sohnes keine Auf
gaben im Haushalt mehr zu erledigen habe, hält sie vor der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung nicht stand. Denn der Haushaltsanteil wird nicht in Abhängigkeit vom Umfang der im Aufgabenbereich anfallenden Arbeiten festgesetzt; vielmehr entspricht er grundsätzlich der Differenz zwischen dem Erwerbsanteil und einem 100%-Pensum (BGE 141 V 15 E. 4.5).
5.3
Die Beschwerdeführerin erachtet
demgegenüber
eine Qualifikation als Voll
erwerbstätige als korrekt und verweist dabei zu Recht darauf, dass sie auch während ihrer – mittlerweile geschiedenen – Ehe trotz der ab 1994 bestehenden Mutterpflichten immer erwerbstätig gewesen sei (E. 2.2, Urk. 7/26).
Es leuchtet sodann ein
, dass sie mit dem Auszug ihres Sohnes spätestens ab dem Jahre 2015 in einem Arbeitspensum von 100
%
gearbeitet hätte, wenn sie gesund geblieben wäre.
Gerade nachdem Arbeiten im Bereich Hauswirtschaft/Reinigung nicht gut
entlöhnt
sind (vgl. dazu nachstehend E.
6.1
),
wäre es für die Beschwerdeführerin als Gesunde
naheliegend, die vorhandene Arbeitskraft vollständig in Erwerbslohn umzusetzen. Dass bereits im Jahr 2015
beziehungsweise
gar
bereits seit 2012
gewisse gesundheitliche Beschwerden im Rücken und an der Schulter bestanden, die sie hieran gehindert haben dürften, ist durch den Bericht von Dr.
B._
vom September 2015 (E. 3.1) einschliesslich den Verweis auf die dannzumal schon länger wahrgenommene Physiotherapie belegt.
Die Beschwerdeführerin ist demnach als zu 100
%
Erwerbstätige zu qualifizieren.
6.
6.1
Das
von der Beschwerdegegnerin errechnete
Valideneinkommen
im Jahr 2019 bei einem 100%-Pensum in der Höhe von rund Fr. 59'645.— (vgl. Urk. 7/121) wird von der
Beschwerdeführer
in nicht bestritten. Bei der Berechnung stützte sich die Beschwerdegegnerin auf die Angaben des letzten Arbeitgebers, wonach die Beschwerdeführerin seit Januar 2017
bei einem 80% -Pensum
einen Monatslohn von Fr. 3'616.-- und einen Jahreslohn von Fr. 47'008.-- erzielt habe (vgl. Urk. 7/24/1-7 Ziff. 5.1). Aus dem Lohnblatt 2017 (Urk. 7/24/11) ergibt sich indes, dass die Beschwerdeführerin im betreffenden Jahr dank Wochenend
zulagen von insgesamt Fr. 726.25 total ein Einkommen von Fr. 47'806.85 erzielte.
Unter Berücksichtigung der allgemeinen Lohnentwicklung im Jahr 2017 in der Höhe von 0.4
%
und im Jahr 2018 in der Höhe von 0.5 % (Bundesamt für Statistik, Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Real
löhne, 1976-2020, T 39) resultiert somit ein
Valideneinkommen
von rund Fr. 60‘298.-- (Fr. 47’806.85 x 1.004 x 1.005 x
100 :
80).
6.2
Z
ur Berechnung des Invalideneinkommens stellte die Beschwerdegegnerin auf die LSE 2018 (TA1_tirage_skill_level,
Frauen
, Total Kompetenzniveau
1; vgl. im Detail Urk. 7/121
) ab. Die Höhe des so
bei einem zumutbaren Pensum von 75
%
errechneten Jahreseinkommens
von Fr. 41'421.--
vor Vornahme eines allfälligen leidensbedingten Abzugs ist unbestrittenermassen korrekt.
Strittig ist hingegen die Höhe des leidensbedingten Abzugs, welcher
von der Beschwerdegegnerin auf 10
% festge
legt wurde (E. 2.1), während die
Beschwer
de
führer
in einen solchen von 20
% fordert (E. 2.2).
6.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnit
ts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswir
kun
gen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurch
schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht auto
ma
tisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzel
fall nach pflicht
gemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht
übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc
). Die Recht
spre
chung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invaliden
ein
kom
men, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsar
beiter
tätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerde
instanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts
9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
6.4
Die gesundheitlich bedingte Unmöglichkeit, weiterhin körperlich schwere Arbei
ten zu verrichten, führt nicht automatisch zu einer Verminderung des hypo
the
ti
schen Invalidenlohns. Vielmehr ist der Umstand allein, dass nur mehr leichte Arbeiten zumutbar sind, kein Grund für einen zusätzlichen leidensbedingten Abzug, weil der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten Tätigkeiten umfasst. Auch bei fehlender Berufsausbildung und bisher vorwiegend ausgeübten körperlich schweren Arbeiten können unter dem Titel leidensbedingter Abzug grundsätzlich nur Umstände berücksichtigt werden, die auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt als ausserordentlich zu bezeichnen sind (statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_61/2018 vom 23. März 2018 E. 6.5.2, und 9C_72/2009 vom 30. März 2009 E. 3.4).
6.5
Der Blick auf die Kasuistik des Bundesgerichts der letzten Jahre zum leidensbe
dingten Abzug in ähnlich gelagerten Fällen ergibt folgendes Bild:
6.5.1
Einer Versicherten, welcher
nurmehr
körperlich leichte, wechselbelastende Tätig
keiten, überwiegend sitzend, ohne Arbeiten mit Überkopfbewegungen, ohne Ober
körpervorneigeposition, ohne Rotationsbewegungen der Lenden- und Hals
wir
bel
säule und mit nur kurzfristigem Zurücklegen von Gehstrecken in einem Pensum von 70 % zumutbar waren, wurde ein leidensbedingter Abzug von 10 % gewährt.
Die Voraussetzungen für einen derartigen Abzug erachtete das Bundesgericht in
sofern als erfüllt, als die Versicherte selbst bei leichten Arbeiten insbesondere durch die Vorgabe, Rotationsbewegungen der Lenden- und Halswirbelsäule zu vermeiden, eingeschränkt und ihr erwerbliches Leistungsvermögen entsprechend beschränkt war (Urteil des Bundesgerichts 9C_830/2017 vom 16. März 2018 E. 3 und E. 5).
6.5.2
Einem Versicherten, welcher in einer adaptierten leichten bis kurzfristig mittel
schweren Tätigkeit über eine Arbeitsfähigkeit von 70 % verfügte, sofern er keine repetitiven Torsions- und Schwenkbewegungen mit dem Rumpf und dem Ober
körper sowie monotone vorgebeugte kniende oder kauernde Arbeiten ausüben musste, wurde ebenfalls ein leidensbedingter Abzug von 10 % gewährt (Urteil des Bundesgerichts 9C_302/2017 vom 6. Juli 2017 E. 3.1 und E. 3.5).
6.5.3
Einem Versicherten mit einer 80%igen Arbeitsfähigkeit für jegliche körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten mit verschiedenen Erfordernissen wie regel
mässiges Wechseln der Arbeitsplatzposition, nur kurzzeitigen Sitzen oder Stehen an Ort (20 bis 30 Minuten) und Vermeiden von Rotationsbewegungen der
Halswirbelsäule wurde ein leidensbedingter Abzug von 10 % gewährt (Urteil des Bundesgerichts 9C_160/2012 vom 6. Juni 2012 E. 3.1 und E. 4.1.2).
6.5.4
Einem Versicherten, welchem körperlich leichtere bis (nur intermittierend) mittel
schwere Tätigkeiten, die wechselbelastend (zu vermeiden waren längeres fixiertes Sitzen/Stehen an Ort, repetitives Heben, Ziehen, Stossen und Tragen von Lasten
über 15 kg, anhaltende Neigeposition des Oberkörpers sowie stereotype Rota
tions
bewegungen der Wirbelsäule) zu 100
%
zumutbar waren, wurde ein Leidensabzug von 10 % gewährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_259/2011 vom 28. Juni 2011 E. 3.3).
6.5.5
Einer Versicherten mit Knieproblemen, welche in einer perfekt adaptierten Tätig
keit (kein Bücken, kein Niederknien, kein Leitersteigen, Tätigkeit weitgehend sitzend mit der Möglichkeit, das linke Bein leicht gestreckt zu halten und
Posi
ti
onenwechsel
vornehmen zu können) zu 90 % arbeitsfähig war, wurde kein leidens
bedingter Abzug gewährt (Urteil des Bundesgerichts 8C_694/2012 vom 25. Januar 2013 E. 4.2).
6.6
Der Beschwerdef
ührerin sind körperlich leichte wechselbelastende
Tätigkeiten gemäss dem rheumatologischen MEDAS-Belastungsprofil (E. 3.7.3) in einem Arbeitspensum von 75
%
zumutbar (vgl. E. 4.5). Wesentliche qualitative Erschwe
rungen im Vergleich zu den körperlichen Einschränkungen in den erwähnten Bundesgerichtsentscheiden, in welchen ein leidensbedingter Abzug von 10
%
gewährt wurde (E. 6.5.1-4), sind nicht zu erkennen.
Pathologien in den Händen, die Einschränkungen bezüglich manuell kraftauf
wändiger, ständig repetitiver und ausgesprochen feinmotorischer manueller Ver
richtungen begründen, sind zwar
vorliegend
vorhanden, während sie
in den genannten Entscheiden
fehlen. Umgekehrt sind
vorliegend
jedoch lediglich Tätigkeiten mit repetitiver Rumpfrotation zu vermeiden, während
etwa
im Urteil 9C_830/2017
Rotationsbewegungen der Lenden- und Halswirbelsäule ganz zu vermeiden waren. Dieser Einschränkung mass das Bundesgericht das entschei
dende Gewicht bei der Beschrän
kung des erwerblichen Leistungsvermögens und der entsprechenden Gewährung eines Leidensabzugs von 10 % zu (E. 6.5.1).
Es ist demnach nicht erkennbar, dass bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt wurde (E. 6.3).
6.7
Ein Leidensabzug von
mehr als 10
%
erscheint auch vor dem Hintergrund dessen
nicht
angebracht, dass die bestehenden Pathologien als leicht bis höchstens mittel
gradig
einzustufen sind
(E. 3.7.3): Die
Rhizarthrose
und die Fingerend
gelenksarthrose
sind
bildgebend leichtgradig und klinisch mittelgradig, die
Triscaphoidarthrose
rechts leicht und links mittelgradig ausgeprägt, im
Hals
wirbelsäulenbereich besteht
eine leichte Funktionseinschränkung, in der linken Hüfte eine leichtgradige sekundäre
Coxarthro
se
, in der Schulter rechts zeigt
sich ausser einer Tendinitis
calcarea
kein relevanter Befund, die dortigen Beschwerden
sind
zudem behandelbar, bezüglich der lumbalen Rückenschmerzen bezeichne
t
sich die Beschwerdeführerin aktuell als beschwerdearm.
Der Beschwerdeführerin kann daher insofern nicht gefolgt werden, als sie sich als «massiv bezüglich aller Organe eingeschränkt»
und ihre «Vermittelbarkeit zufolge ihrer Polymorbidität massiv eingeschränkt»
erachtet (E. 2.1).
6
.8
Auch der Verweis auf BGE 126 V 75, wo in einer vergleichbaren Konstellation ein Leidensabzug von 15
% gewährt worden war, hilft der
Be
schwerdeführer
in
nicht weiter.
Der genannte
Entscheid datiert vom 9. Mai 2000 und ist demnach deutlich älteren Datums als
die oben zitierten Urteile (E. 6
.5.1-5). Es lässt sich ihm denn auch der wichtige, vom Bundesgericht unterdessen aufge
stellte Grund
satz noch nicht entnehmen, wonach der Umstand allein, dass nur mehr leichte Arbeiten zumutbar sind, kein Grund für einen zusätzlichen leidens
bedi
ngten Abzug darstellt.
Nachdem der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten Tätigkeiten umfasst, ist auch die fehlende berufliche Au
s
bildung der Beschwerdeführerin
nicht von Relevanz (E. 6
.4)
.
Dies umso weniger, als sie durchaus über
eine
langjährige Berufserfahrung verfügt und dabei nebst Reinigungsarbeiten auch diverse weitere Tätigkeiten wie Kinderbetreuung und administrative Arbeiten ausgeführt hat (vgl. Urk. 7/28).
Schliesslich führte die Beschwerdeführerin ihr Alter von 56 (mittlerweile 57) Jahren ins Feld (E. 2.1).
Ein
relativ
fortgeschrittenes Alter alleine vermag aller
dings
noch k
einen Abzug vom Tabellenlohn zu rechtfertigen
, insbesondere nicht im Bereich von Hilfsarbeitertätigkeiten
(vgl. BGE 146 V 16 E. 7.2.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_296/2020 vom 25. November 2020 E. 6.3.2). Weshalb vorlie
gend
altershalber
ein zusätzlicher Abzug gerechtfertigt sein sollte, wurde nicht dargetan und ist nicht ersichtlich.
6.9
Nach dem Gesagten liegt ein leidensbedingter Abzug von 10 %, wie ihn die Beschwerdegegnerin festgelegt hat, zumi
ndest im Rahmen ihres Ermessens und ist nicht zu beanstanden. Damit fehlt es
an einem triftigen Grund, das Ermessen des Gerichts an Stelle desjenige
n der Verwaltung zu setzen (E. 6
.3).
Die Beschwerdegegnerin hat demnach auch das Invalideneinkommen unter Berücksichtigung des genannten leidensbedingten Abzugs korrekt berechnet. Es beträgt
rund
Fr.
37'279.--
, weshalb nach einer Gegenüberstellung mit dem
Validen
einkommen
von
rund
Fr.
60'298.-- ein Invaliditätsgrad von rund 38
% resultiert. Somit besteht kein Rentenanspruch (E. 1.2)
6.10
Die angefochtene Verfügung
erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.
7.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraussetzungen für die Bewilli
gung der
unentgeltlichen Prozessführung und
Rechtsvertretung erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche Vertretung notwendig oder doch geboten ist (Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV); BGE 135 I 1 E. 7.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_686/2020 vom 1
1.
Januar 2021 E. 1).
Da
diese
Voraussetzungen
vorliegend
erfüllt sind, ist das Gesuch um unentgelt
liche
Prozessführung
zu
bewilligen
,
und es ist Rechtsanwältin Christina Ammann als unentgeltliche Rechtsvertreterin für dieses Verfahren zu bestellen.
Zufolge Gewährung der
unentgeltliche
n Prozessführung sind die Gerichtskosten
(E. 7.2)
einst
weilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
.
7.3
Am 10
. Mai 2022 wurde Rechtsanwältin Ammann fernmündlich Gelegenheit zur Einreichung eine
r Honorarnote gegeben (Urk. 11A), worauf diese am 11. Mai 2022 (Urk. 12) ihren Tätigkeitsnachweis (Urk. 13) einreichte. Dabei machte sie einen zeitlichen Aufwand von 14.08 Stunden sowie Barauslagen von Fr. 82.90 geltend. Dies erscheint der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses als noch angemessen
(§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Beim
praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer)
ist die Entschädigung
unter Hinweis der Beschwerdeführerin auf die Nachzahlungspflicht
auf Fr. 3’425.40
(inklusive Bar
aus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.