# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0a65e0f2-9759-4d71-bfdd-b1d471e1b709
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_005
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** Criminal
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Am 18. März 2011 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden auf Strafanzeige von A.X. und B.X. hin eine Strafuntersuchung gegen Y. und Z. unter anderem wegen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 des Strafgesetzbuches (StGB; SR 311.0). Nachdem die zunächst am 3. Mai 2011 vorgesehenen Einvernahmen der beiden Beschuldigten nicht durchgeführt werden konnten, setzte die Staatsanwaltschaft – nach einer Terminrücksprache mit den Rechtsvertretern der Parteien – die Einvernahme von Y. am 22. September 2011 um 9 Uhr, diejenige von Z. am selben Tag um 14 Uhr an. Mit Schreiben datiert auf den 28. Juli 2011 lud die Staatsanwaltschaft die beiden Beschuldigten formell zur Einvernahme vor, gleichzeitig wurden sie fakultativ auch für die Einvernahme des jeweils anderen vorgeladen. Fakultative Vorladungen für beide Einvernahmen erhielten sodann die Rechtsvertretungen der Beschuldigten, Rechtsanwalt Remo Cavegn (Verteidiger von Z.) sowie Rechtsanwältin Yvona Griesser (Verteidigerin von Y.), die Privatklägerschaft, A.X. und B.X., sowie deren gemeinsame Rechtsvertreterin, Rechtsanwältin Kristina Tenchio.
B. Zur Einvernahme von Y. am 22. September 2011 erschienen neben dem Einzuvernehmenden und dessen Rechtsanwältin Griesser auch die Privatkläger und Rechtsanwältin Tenchio sowie Rechtsanwalt Cavegn. Gleich zu Beginn der Sitzung stellte Rechtsanwältin Tenchio den Antrag, Rechtsanwalt Cavegn als Verteidiger des Mitbeschuldigten sei von der Befragung auszuschliessen. Sie begründete ihren Antrag unter Hinweis auf Art. 146 der schweizerischen Strafprozessordnung (StPO; SR 312.0) damit, dass Kollusionsgefahr zwischen den Beschuldigten bestehe und verwies auf Lehre und Rechtsprechung, wonach unter diesen Umständen die Beschuldigten getrennt einzuvernehmen seien. Der die Einvernahme leitende Staatsanwalt lehnte den Antrag ab, worauf Rechtsanwältin Tenchio eine anfechtbare Verfügung und den Unterbruch der Einvernahme verlangte. Diesem Antrag wurde in der Folge stattgegeben.
C. Am 23. September 2011, mitgeteilt am 26. September 2011, erliess der zuständige Staatsanwalt die verlangte Verfügung in dieser Sache und lehnte darin den Antrag, Z. und sein Rechtsvertreter seien von der Befragung von Y. auszuschliessen, ab.
D. Gegen diese Verfügung erhob Rechtsanwältin Tenchio als Rechtsvertreterin der Privatklägerschaft am 7. Oktober 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden, mit folgenden Rechtsbegehren:
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„ 1. Die angefochtene Verfügung vom 23. September 2011 der Staatsanwaltschaft im Strafverfahren Nr. VV.2011.1064/SP sei aufzuheben.
2. Die Staatsanwaltschaft Graubünden sei anzuweisen, die erste Einvernahme des Angeschuldigten 1 in Abwesenheit des Angeschuldigten 2 und dessen Rechtsvertretung durchzuführen sowie die Einvernahme des Angeschuldigten 2 ohne Anwesenheit des Angeschuldigten 1 und dessen Rechtsvertretung durchzuführen und die Einvernahme des Angeschuldigten 2 direkt im Anschluss an die Einvernahme des Angeschuldigten 1 anzusetzen, ohne Unterbrechung.
Eventualiter: In jedem Fall sei durch entsprechende Massnahme sicherzustellen, dass der ersteinzuvernehmende Angeschuldigte 1 oder dessen Rechtsvertretung den zweiteinzuvernehmenden Angeschuldigten 2 und seine Rechtsvertretung nicht während der ersten Einvernahme oder einer allfälligen Pause während der ersten Einvernahme oder zwischen beiden Einvernahmen kontaktieren kann.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge (letztere zuzüglich Mwst) gemäss Gesetz."
E. Der Rechtsvertreter des Beschuldigten Z. beantragt in der Stellungnahme vom 26. Oktober 2011, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Zur Begründung wird im Wesentlichen vorgebracht, dass es der Privatklägerschaft an einem rechtlich geschützten Interesse fehle und sie folglich nicht beschwerdelegitimiert sei. Ebenfalls mit Eingabe vom 26. Oktober 2011 nahm die Rechtsvertreterin von Y. namens ihres Mandanten Stellung zur Beschwerde, wobei sie auf die Stellung von Anträgen verzichtet, indessen geltend macht, dass die Beschwerde verspätet eingereicht worden sei. Die Staatsanwaltschaft Graubünden beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 28. Oktober 2011 die kostenfällige Abweisung der Beschwerde und bringt ebenfalls vor, die Beschwerde erscheine als verspätet. Ferner stellt sie ebenso die Beschwerdelegitimation der Privatklägerschaft in Frage.
F. Auf die weiteren Ausführungen in der angefochtenen Verfügung sowie den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. Gegen Verfügungen und Verfahrenshandlungen der Staatsanwaltschaft kann gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO Beschwerde erhoben werden. Beschwerdeinstanz ist das Kantonsgericht von Graubünden (Art. 22 des
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Einführungsgesetzes zur schweizerischen Strafprozessordnung [EGzStPO; BR 350.100]. Gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO beträgt die Beschwerdefrist zehn Tage und die Beschwerde ist schriftlich und begründet einzureichen. Die Beschwerde vom 7. Oktober 2011 wurde formgerecht bei der zuständigen Instanz eingereicht. Näher einzugehen ist jedoch auf die Frage, ob die Eingabe fristgerecht erfolgt ist.
1.1. Die Staatsanwaltschaft weist in ihrer Vernehmlassung unter Hinweis auf den E-Mail-Verkehr im Zusammenhang mit der Terminumfrage am 28. Juli 2011 (act. 1.5.7.a–c und act. 1.5.9 der Staatsanwaltschaft) zunächst zu Recht darauf hin, dass die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführer entgegen ihrer Behauptungen bereits im Vorfeld von der Zulassung von Z. zur Befragung von Y. wusste und sich dies des Weiteren auch aus der Tatsache erhellt, dass Rechtsanwältin Tenchio an die Einvernahme vom 22. September 2011 Literatur- und Judikaturauszüge (act. 4.2.2. und 4.2.3.) mitbrachte, welche das diesbezüglich interessierende Thema behandeln. Wusste sie jedoch von der Zulassung von Z. zur Einvernahme, so musste sie auch davon ausgehen, dass dessen Rechtsvertreter ebenfalls fakultativ vorgeladen bzw. zugelassen wird. Die Staatsanwaltschaft folgert nun daraus, dass die Beschwerde verspätet sei, macht somit sinngemäss geltend, dass die mit der Beschwerde vorgebrachte Rüge bereits im Vorfeld der Einvernahme hätte geltend gemacht werden können. Diesbezüglich ist festzuhalten, dass neben Verfügungen der Staatsanwaltschaft auch deren andere Verfahrenshandlungen Anfechtungsobjekte der strafrechtlichen Beschwerde bilden (Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO). Der Kreis der beschwerdefähigen Verfahrenshandlungen ist dabei weit und erfasst im Grundsatz jedes Vorgehen der Strafbehörden, welches das Strafverfahren vorantreibt, sofern die Strafbehörde damit gegen aussen in Erscheinung tritt und die Parteien bzw. allenfalls weitere Verfahrensbeteiligte tangiert (vgl. Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung [StPO], Praxiskommentar, Zürich 2009, N 2 zu Art. 393 StPO; Keller, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [StPO], Zürich 2010, N 11 zu Art. 393 StPO). Die Ansetzung der Einvernahme mit Darlegung des vorgesehenen Ablaufs sowie die zugestellten fakultativen Vorladungen (welche anders als die Vorladungen an die Einvernehmenden nicht den Formvorschriften von Art. 201 StPO unterliegen) stellen solche Verfahrenshandlungen dar. Somit hätte bereits die entsprechende Ansetzung der Einvernahme mit der fakultativen Vorladung auch des Mitbeschuldigten und dessen Rechtsvertreter mit Beschwerde angefochten werden können, innert zehn Tagen ab dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme. Diese Frist war am 7. Oktober 2011 fraglos bereits abgelaufen.
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1.3. Des Weiteren kann auch der Rechtsvertreterin von Z. gefolgt werden, soweit sie sinngemäss geltend macht, die Ablehnung des Antrags auf Ausschluss anlässlich der Verhandlung am 22. September 2011 hätte eine beschwerdefähige Verfügung dargestellt. Gemäss Art. 80 Abs. 3 StPO brauchen verfahrensleitende Verfügungen weder besonders ausgefertigt noch begründet zu werden; sie sind lediglich im Protokoll zu vermerken und den Parteien in geeigneter Weise zu eröffnen. Der Erlass der schriftlichen Verfügung durch die Staatsanwaltschaft wäre somit mit Blick auf diese Anforderungen und auch mit Blick auf die Umschreibung der beschwerdefähigen Anfechtungsobjekte in Art. 393 Abs. 1 lit. a StPO nicht zwingend erforderlich gewesen. Nimmt man die Ablehnung des Antrages anlässlich der Einvernahme vom 22. September 2011 als massgebender Zeitpunkt für den Beginn der Beschwerdefrist, so ist die am 7. Oktober 2011 eingereichte Beschwerde wiederum verspätet.

## Considerations