# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7f710dfa-7e23-4d65-96de-287d2787413d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1957 geborene
X._
war zuletzt von 2003 bis 3
0.
Novembe
r 2013 als Arbeitsinspektor bei
Y._
angestellt. Am 1
7.
Februar 2015 meldete er sich unter Hinweis auf eine bipolare Störung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/
3 und
Urk.
7/
8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und sprach dem Versicherten am 1
0.
Juni 2015 vom
4.
Juni bis
3.
Dezember 2015 Frühinterventionsmassnahmen in Form von
Unterstützung bei der Stellensuche und der Arbeitsplatzerhaltung mittels eines Job Coachings
(
Urk.
7/
16) und am
2.
November 2015 vom
7.
Oktober 2015 bis
spätestens 7.
Mai 2016 Frühinter
ventionsmassnahmen in Form von Arbeitsvermittlung direkt (
Urk.
7/
19) zu. Am 2
7.
April 2016 erteilte sie Kostengutsprache für ein Arbeitstraining, Akquisition und Nachbetreuung bei der
Entsorgungsunternehmung
Z._
AG vom
1.
April bis 31. Oktober 2016 (
Urk.
7/
25). Mit Mitteilung vom 2
7.
Februar 2017 (
Urk.
7/
37) schloss sie die Arbeitsvermittlung ab
und
wies
in der Folge
das Leis
tungsbe
gehren mit Verfügung vom 1
9.
Dezember 2017
(Urk.
7/59
) ab
.
Die dage
gen
am
1.
Februar 2018
erhobene Beschwerde (
Urk.
7/61/3-9
) hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom
1
4.
Mai 2018
(Prozess-Nr. IV.2018.00133,
Urk.
7/71
) in dem Sinne gut, als es die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache zur weiteren Abklärung und zum neuen Entscheid über den Leistungsanspruch des Versicherten an die IV-Stelle zurückwies.
1.2
Die IV-Stelle tätigte
weitere
medizinische Abklärungen und liess den Versicherten insbesondere durch
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psycho
the
rapie,
begutachten (Expertise vom
1
7.
April 2019
,
Urk.
7/86
, ergänzt am
5.
August
2019,
Urk.
7/103
). Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/90
und
Urk.
7/9
6
) wies sie das
Leistungsbegehren mit Verfügung vom
11.
November 2019
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1
2.
Dezember 2019
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei
ihm ab September 2015 eine ganze Rente auszurichten.
Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung zu be
willigen. Am
2
8.
Januar 2020
(Urk.
6
) beantragte die IV-Stelle, die Beschwerde sei abzuweisen.
Mit Eingabe vom
4.
Februar 2020 zog der Beschwerdeführer das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege zurück (
Urk.
8). Die Be
schwerdeantwort wurde
dem Besc
hwerdeführer mit Verfügung vom
5.
Februar 2020
zur
Kenntnis gebracht (
Urk.
10).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburtsge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende Ver
fügung vom
1
1.
November 2019
(Urk. 2) damit, dass
keine gesundheitliche Beein
trächtigung ausgewiesen sei, die eine länger andauernde Arbeitsunfähigkeit nach sich ziehe
. Die Stellungnahmen des behandelnden Arztes seien dem Gutachter beziehungsweise dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vorgelegt worden. Im Bericht des behandelnden Arztes vom 2
4.
März 2017 sei erstmals eine Remission genannt worden. Eine Beeinträchtigung durch die chronische Dimension der
Grunderkrankung werde aus den durchwegs guten Arbeitszeugnissen nicht beleg
t. Das Gutachten berücksichtige die
Vorakten
und die geklagten Beschwerden und beruhe auf eigenen Untersuchungen
(S. 1-2).
2.2
De
r
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
das psychiatrische Gutachten leide an diversen - näher dargelegten - gravierenden Mängeln, weshalb es nicht als Grundlage für eine Beurteilung seiner Arbeits
fähigkeit tauge (S. 3-7). Der Gutachter habe seine Krankheit und deren Folgen massiv bagatellisiert. Die Beurteilung sei in Unkenntnis der jahrzehntelangen psychiatrischen Vorgeschichte erfolgt. Gerade bei einer Krankheit wie der bipo
laren Störung mit ihren verschiedenen Intervallen sei das Abstellen allein auf ein bestimmtes Intervall nicht zulässig. In seiner angestammten Tätigkeit als Arbeits
inspektor sei er nach wie vor nicht arbeitsfähig. Der Einkommensvergleich ergebe einen Invaliditätsgrad von über 70 % (S. 7).
3.
3.1
Dr. med.
B._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie,
stellte in seinem Bericht vom 13. April 2015 (Urk.
7
/9) folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 1):
-
Bipolare Störung, gegenwärtig leichte depressive Störung (ICD-10 F 31.3)
Dazu führte er aus, der Beschwerdeführer stehe seit Oktober 2012 in seiner Be
handlung. Es bestehe eine langjährige Krankengeschichte mit wiederholten ma
nischen und depressiven Phasen (inklusive ausgeprägter Suizidalität). Das Leiden habe zu mehreren stationären Aufenthalten und einer nachfolgenden kontinuier
lichen ambulanten Behandlung inklusive intensivierter Psychopharmakotherapie geführt. Seit 2006 sei es immer wieder zu Arbeitsausfällen mit nachfolgendem Wiedereinstieg in einem reduzierten Pensum gekommen. Die letzte mehrwöchige manische Episode habe sich im Frühjahr 2013 ereignet. Der zum damaligen Zeit
punkt seit etwa zehn Jahren als kantonaler Arbeitsinspektor beschäftigte und an sich höfliche und korrekte Beschwerdeführer habe mehrere Autokäufe getätigt, ein teilweise deutlich distanzloses Verhalten mit gereiztem Interaktionsstil ge
zeigt, sei
logorrhoeisch
gewesen und habe einen beschleunigten Gedankengang aufgewiesen. Er habe sich rasch provoziert gefühlt, das inhaltliche Denken sei mitunter inkohärent und zerfahren gewesen. Auch sei es zu einem Kontakt
wunsch mit einer Mitarbeiterin eines von ihm besuchten Unternehmens mit nach
folgender Anzeige wegen sexueller Belästigung gekommen. Infolge der Be
schwer
den sei es zu Konflikten mit dem Arbeitgeber gekommen, aus dem Affekt
heraus habe er nach einem von ihm als Provo
kation erlebten Vorgehen des Ar
beit
gebers ohne Berücksichtigung der Konsequenzen die Kündigung eingereicht. An
schlies
s
end an die manische Episode habe er eine teilweise
schwergradige
de
pres
sive Episode mit massiven Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen und Insuffi
zienz
ge
fühlen erlitten, auch sei es wie bereits in der Vergangenheit zu Sui
zidphantasien ge
kommen. Erst nach einer erneuten Anpassung der Medikation auf Lithium und
Venlafaxin
sei es langsam zu einer Verbesserung des
Zustand
bildes
gekommen, gegenwärtig sei noch ein leicht depressiver Zustand festzustel
len (S. 1 f.).
Mit weiteren manischen und/oder depressiven Episoden müsse angesichts des Verlaufes seit 2006 trotz der
psychopharmakotherapeutischen
Behandlung und der guten Compliance gerechnet werden. Der Beschwerdeführer bedürfe weiterhin einer kontinuierlichen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung mit
Psy
chopharmakotherapie. Er sei im Schnitt seit November 2013 etwa zu 50 % arbeitsfähig und auch für eine Arbeitstätigkeit motiviert und anstrengungsbereit. Seit mindestens 2006 beständen
krankheitsbedingte Beeinträchtigungen mit ent
sprechenden Arbeitsausfällen, allerdings in einem zunächst reduzierteren Um
fang. Es sei mittlerweile von einer generell reduzierten Belastbarkeit auszugehen, wobei er in gesunden Phasen dank seiner Anstrengungsbereitschaft wohl versu
chen werde, ein nahezu vollschichtiges Pensum zu erreichen. In Krankheitspha
sen sei hingegen mit einer vollschichtigen Arbeitsunfähigkeit zu rechnen, ein langsamer Wiedereinstieg habe sich nachfolgend bewährt. Es beständen Ein
schränkungen im Bereich der Teamfähigkeit und die Notwendigkeit eines wohl
wollenden
Umfeldes
. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar
. Eine Tätigkeit im Bereich Verwaltung / KV sei zumutbar
(S.
2 f.).
3.2
Im Bericht vom
24. März
2017
(Urk. 7
/42) stellte der behandelnde
Dr.
B._
folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 1):
-
bipolare Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F31.7)
Dazu führte er aus,
in den letzten beiden Jah
ren habe sich unter der intensivierten Psychopharmakotherapie ein im wesentli
chen stabiles Zustandsbild gezeigt. Die Bewertung der Arbeitsfähigkeit habe sich nicht geändert. Die Anforderungen der ab April 2016 absolvierten beruflichen Massnahme in einem Recycling
unter
nehmen seien gegenüber der letzten Anstel
lung im ersten Arbeitsmarkt nicht zu vergleichen und entsprächen eher den Rah
menbedingungen des zweiten Arbeits
marktes. Einschränkend sei ebenfalls fest
zuhalten, dass die derzeitige stabile Situation zum einen auch im Kontext der Psychopharmakotherapie zu sehen sei und zum anderen auch auf die deutlich reduzierten Anforderungen zurückgeführt werden könne. Ebenfalls von Bedeu
tung sei, dass der Unternehmer den Beschwer
deführer aus früheren Jahren kenne und deshalb mehr Unterstützung möglich gewesen sei als sonst üblich. Von daher
bestehe in der bisherigen Tätigkeit eine maximale Leistungsfähigkeit von 40 %. In einer angepassten Tätigkeit im Bereich Verwaltung
/
KV mit einem wohlwollen
den Umfeld, reduzierten Anforderungen an die Kognition, mit vorgegebenen Auf
gaben und ohne Zeit- und Leistungs
druck sei derzeit eine Arbeitsfähigkeit von maximal 60 % ausgewiesen (S. 2).
Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht noch zumutbar (S.
3
).
3.3
Dr.
B._
hielt im
Bericht vom
1
5.
Dezember 2018
(
Urk.
7/78
) folgende
Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest (S. 1):
-
bipolare Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F31.7)
Dazu führte er aus, gesamthaft sei das Krankheitsbild gegenüber dem Vorbericht als leichtgradig verschlechtert zu bezeichnen. In der bisherigen Tätigkeit sei von einer Arbeitsfähigkeit von 30
%
auszugehen, in angepassten Tätigkeiten bestehe weiterhin eine solche von etwa 60
%
. Eine eher administrative Tätigkeit sei weiterhin zumutbar (S. 2 f.).
3.
4
Dr.
A._
stellte in seinem
Gutachten vom
1
7.
April
2019
(
Urk.
7/86
)
keine
Diagnosen mit
und folgende Diagnose
ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
27
):
-
bipolare affektive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F31.7)
Dazu hielt er fest, der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er einmalig im Jahre 2013 eine manische Episode durchlaufen habe, in deren Anschluss er seine langjährige Arbeitsstelle verloren habe. Seither sei keine manische Episode mehr aufgetreten. Die letzte depressive Episode habe er 2014 gehabt. Zuvor hätten de
pres
sive Episoden ab 2009 bestanden (S. 19). Er stehe seit Oktober 2012 in ambu
lanter psychiatrischer Behandlung, welche aktuell einmal pro zwei Monate für ungefähr je 50 Minuten stattfinde. Bereits seit ungefähr vier Jahren bestehe die jetzige psychopharmakologische Medikation. Eine Veränderung der Medikation sei aufgrund deren Suffizienz nicht notwendig. Durch die Behandlung und ins
besondere die leitliniengetreue Medikation habe eine weitgehende Remission seit mindestens 2014 erreicht werden können. So sei die letzte respektive einzige
manische Episode 2013 aufgetreten und die letzte depressive Episode 201
4
.
Aufgrund der Aktenlage könne ab mindestens 2
4.
März 2017 von einer Remission der bipolaren affektiven Störung ausgegangen werden und es sei seither von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Arbeitsinspektor auszugehen
(S
. 24 und S. 28-30
).
3.5
Dr.
B._
führte in seiner Stellungnahme vom
2
7.
Mai 2019
(
Urk.
7/95
) zum Gutachten aus, unter einer adäquaten Psychopharmakotherapie sei es seit etwa 2014/2015 zu keinen manischen oder depressiven Phasen mehr gekommen, die eine akute Behandlungsbedürftigkeit nach sich gezogen hätten (S. 3). Im Gutach
ten sei die zitierte Aktenlage unvollständig, allein auf die Akten ab dem Jahr 2015 abzustellen sei angesichts der langjährigen Krankengeschichte
nicht aus
reichend (S. 4).
Dr.
A._
begründe nicht, weshalb er genau ab dem 2
4.
März 2017 von einer Remission ausgehe (S. 7). Das Gutachten vermöge nicht zu über
zeugen. Insbesondere sei zu bemängeln, dass die Aktenlage unvollständig sei und der Gutachter sich in ungenügender Weise mit den ihm vorliegenden Akten aus
einandergesetzt habe beziehungsweise im Kontext der Widersprüche zu den Akten die Überlegung erlaubt sei, ob er aktensicher gewesen sei. Ebenso ober
flächlich sei die Würdigung der seit bald dreissig Jahren dokumentierten Kran
ken- und Behandlungsgeschichte
beziehungsweise die Würdigung einer chroni
schen psychischen Erkrankung und deren Auswirkung auf die berufliche und
private Leistungsfähigkeit mit beispielsweise über Jahre hinweg belegbaren kran
kheitsbedingten Ausfällen.
Eine bipolare Störung sei ausgewiesen. Auch wenn das Krankheitsbild remittiert sei, heisse dies nicht, dass der Beschwerde
führer keine psychopathologischen und interaktionellen Auffälligkeiten im Sinne einer
restitutio
ad
integrum
mehr habe. Zudem sei eine generell reduzierte
psycho-physische
Belastbarkeit zu postulieren, die primär in den Kontext der chronischen psychischen Erkrankung eingeordnet werden müsse. Unter Aus
schluss von nicht krankheitswertigen Faktoren wie der psychosozialen Situation
betrage die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit 30
%
und in einer ange
passten Tätigkeit 50-60
%
(S.
9
; vgl. auch die weitere Stellungnahme von Dr.
B._
vom 14. August 2019, Urk. 7/106
).
3.6
Dr.
A._
nahm dazu am
5.
August 2019
Stellung (
Urk.
7/103
) und hielt fest, bei langwierigen Krankheitsverläufen sei es in der Regel nicht möglich, alle Akten zu organisieren, so insbesondere keine Akten aus den 80iger Jahren. Aus diesem Grund sei dies auch nicht angestrebt worden, insbesondere auch, da der Be
schwerdeführer bis 2013 erwerbstätig gewesen sei und seinen Lebensunterhalt selbständig habe bestreiten können
. Im Gutachten werde dargelegt,
dass er an
schliessend von Mai bis August 2015 als Sicherheitsberater zu 80
%
im Rahmen einer Tätigkeit via
C._
tätig gewesen sei und in der Folge im
Bericht des Job-Coachings der p
sychiatrischen
K
linik
D._
, welcher die Zeit von Juni 2015 bis Januar 2016 beinhalte, eine Integration im ersten Arbeitsmarkt als möglich beurteilt werde. Danach sei von April bis Oktober
2016
ein Arbeitstraining erfolgt, wo er beginnend mit
50
%
das Leistungspensum auf 80
% habe steigern können und danach eine Festanstellung angeboten be
kommen habe, welche er zu 100
%
bis Februar 2017 und wieder von November 2017 bis Juni 2018 ausgeübt habe. Durch diese Fakten ergebe sich sehr wohl ein Längssch
n
itt der Erkrankung ab 2013 bis jetzt. Für den Zeitraum zuvor könne davon ausgegangen werden, dass er in der Lage gewesen sei, einer Erwerbs
tätig
keit nachzugehen
(S. 2).
Das Datum 2
4.
März 2017 als mindestens Remissions
datum der bipolaren affektiven Störung sei deswegen gewählt worden, weil an diesem Tag der Arztbericht von
Dr.
B._
erstellt worden sei, welcher erstmalig diese Diagnose beinhaltet habe. Im vorhergehenden Arztbericht vom 1
3.
April 2015 sei noch von einer leichten depressiven Episode ausgegangen worden (S. 3).
Da von einer Remission einer bipolaren affektiven Störung ausgegangen werde, ergäben sich keine relevanten psychopathologischen Befunde, welche eine Arbeitstätigkeit einschränken würden. So werde etwa auch im Zwischenbericht des Job-Coachings der
D._
vom 2
8.
September 2015 festgehalten, dass der Beschwerdeführer ein gutes Arbeitszeugnis erhalten habe und sich gesund
heitlich stabil fühle. Im Bericht vom
C._
vom 1. September 2015 werde festgehalten, dass er kooperativ, höflich und interessiert gewesen sei, Anre
gungen gerne angenommen und diese auch umgesetzt habe. Ihm seien durchwegs gute Arbeitszeugnisse und ein gutes Arbeitsverhalten attestiert worden. Die von
Dr.
B._
genannten möglichen Einschränkungen würden sich deshalb sowie
aufgrund der aktuellen psychopathologischen Befunde nicht belegen lassen (S. 4).
An den im Gutachten formulierten Einschätzungen bezüglich der Arbeitsfähigkeit sei somit festzuhalten (S. 5).
4.
4.1
Das Gutachten von
Dr.
A._
vom
1
7.
April 2019
, ergänzt am 5. August 2019 (
Urk.
7/
86 und
Urk.
7/
103; E. 3.4 und E. 3.6
hievor
), beruht auf den erforderlichen psy
chi
atrischen Untersuchungen, ist für die streitigen Belange umfassend und wurde in Kenntnis der fallrelevanten
Vorakten
erstellt.
Dr.
A._
legte die medi
zinischen Zusammenhänge einleuchtend dar, beurteilte die medizinische Situa
tion überzeugend und setzte sich mit den geklagten Beschwerden und dem
Ver
halten des Beschwerdeführers auseinander. Konsistenz und Plausibilität
wurden von
Dr.
A._
beurteilt, ebenso wurden die
Fähigkeiten,
Ressourcen und Belas
tungen gewürdigt.
Dr.
A._
zeigte auf, dass
die bipolare affektive Störung des Beschwerdeführers dank der psychiatrischen und insbesondere der leitlinien
ge
treuen psychopharmakologischen Medikation remittiert ist, wobei letztmals 2013 eine manische und 2014 eine depressive Episode auftrat. Er legte ausführlich dar, weshalb ein
Beizug
aller Krankenakten seit den 80iger Jahren zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ab 2015 nicht erforderlich ist,
nachdem der Beschwerdeführer bis 2013 zu 100
%
erwerbstätig war und seinen Lebensunterhalt selbständig be
streiten konnte.
Dr.
A._
wies darauf hin, dass dem Beschwerdeführer in den
darauffolgenden Arbeitsversuchen durchwegs gute Arbeitszeugnisse und ein gu
tes Arbeitsverhalten attestiert wurden und dass sich krankheitsbedingte Einschrän
kungen
auch im Längsschnitt seit 2015
nicht belegen lassen.
Dr.
A._
gelangte sodann zum nachvollziehbaren Schluss, dass
der Beschwerdeführer in seiner an
ge
stammten Tätigkeit als Arbeitsinspektor zu 100
%
arbeitsfähig ist.
Das Gut
achten entspricht damit den rechtsprechungsgemässen Anfor
derungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage (vgl. E. 1.4
hievor
).
4.2
4.2.1
Was die vom Beschwerdeführer vorgetragene Kritik am Gutachten angeht, so ist vorab festzuhalten, dass auch von ihm nicht bestritten wurde, dass sich sein Ge
sund
heitszustand gebessert hat und dass dank der psychiatrischen und psycho
pharmakologischen Behandlung letztmals fünf beziehungsweise sechs Jahre vor Erlass der angefochtenen Verfügung eine manische beziehungsweise depressive Episode auftrat und die bipolare Störung inzwischen remittiert ist
und sich die Symptome zurückgebildet haben
.
Dass der Beschwerdeführer durch seine Krank
heit nur noch geringfügig eingeschränkt ist, zeigt sich im Übrigen nicht zuletzt daran, dass er seinen behandelnden Psychiater
lediglich
einmal alle zwei Mon
a
te aufsucht
(
Urk.
7/86
S. 24).
4.2.2
Dass
dem Gutachter
die seit bald dreissig Jahren dokumentierte Kranken- und Behandlungsgeschichte nicht vollständig vorlag
(vgl. dazu
Urk.
1 S. 3-5)
, ist inso
fern
nicht von Relevanz, als
im vorliegenden Verfahren der Gesundheitszustand
erst ab August 2014 zu prüfen ist (Anmeldung bei der Beschwerdegegnerin im Februar 2015)
. D
er Beschwerdeführer
war
bis 2013 zu 100
%
erwerbstätig
und bestritt
seinen Lebensunterhalt selbständig, eine
längerfristige,
invalidenversiche
rungs
rechtlich
relevante
Arbeitsunfähigkeit
bis zu diesem Zeitpunkt konnte
vom Gutachter entsprechend verneint werden.
Im Übrigen wurde von ihm dieselbe Diagnose gestellt wie vom behandelnden Psychiater, weshalb nicht ersichtlich ist, welche für das vorliegende Verfahren relevante
n
zusätzlichen Erkenntnisse er aus älteren medizinischen Berichten hätte gewinnen können. Entsprechend ist
entge
gen der Ansicht d
es Beschwerdeführers (
Urk.
1 S.
4)
auch nicht von Relevanz, ob die
Hospitalisationen
in den Jahren 2006 und 2008 aufgrund eines Nervenzu
sammenbruchs oder einer Eigen- und Fremdgefährdung per FFE erfolgten und ob
er
in den Jahren 2006 und 2013 ein fremdaggressives Verhalten zeigte
.
4.2.3
Nachdem die bipolare Störung inzwischen remittiert ist und sich
auch nach Ein
schätzung des behandelnden Psychiaters
die Symptome zurückgebildet haben, ist entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 5) keine ausführ
li
che Begründung erforderlich, weshalb in der angestammten Tätigkeit als Arbeits
inspektor wiederum eine volle Arbeitsfähigkeit besteht, entsprechend ist auch keine differenzierte Beschreibung dieser Tätigkeit nötig. Wie realistisch die vom Beschwerdeführer angestrebte selbständige Tätigkeit als Kurier ist, ist bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ebenfalls nicht von
Belang, weshalb eine Auseinandersetzung mit diesem Vorhaben seitens des Gut
achters unterbleiben konnte.
4.2.4
Der Beschwerdeführer hat inte
nsiven Kontakt zu seiner Mutter, einen guten und
regelmässigen Kontakt zu seinen Töchtern und
zu
zwei bis drei Kollegen, welche er ab und
an trifft
. Von krankheitsbedingt ganz wenigen und seltenen Kontakten kann demnach nicht gesprochen werden. Inwiefern für den Beweiswert des psy
chiatrischen Gutachtens von Relevanz sein sollte, ob der Beschwerdeführer leicht oder schwer adipös ist, ist zudem nicht
ersichtlich
(vgl. dazu
Urk.
1 S. 5).
4.2.5
Die Einwendungen des Beschwerdeführers vermögen damit nichts an der Beweis
kraft des Gutachtens zu ändern und es ist auf dieses abzustellen.
Es
ist
somit
von
einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszugehen.
Dr.
A._
attestierte eine solche
ab
spätestens
2
4.
März 2017,
doch handelt es sich bei diesem Zeitpunkt um den Bericht von
Dr.
B._
(E. 3.
2
hievor
), in welchem
dies
er erstmals eine Remission der bipolaren Störung festhielt. Nachdem letztmals im Jahr 2014 eine depressive Episode auftrat
und
die depressive Störung auch von
Dr.
B._
als lei
cht eingeschätzt wurde (vgl. E.
3.1
hievor
)
,
die Arbeitsunfähigkeit von April 2014 bis März 2017
gemäss dem behandelnden Psychiater unverändert blieb
(
E. 3.2
hievor
),
dem Beschwerdeführer bereits 2015
in einem Arbeitseinsatz ein gutes Zeugnis a
usgestellt
und im Bericht des
C._
vom
1.
September 2015 ein gutes Verhalten attestiert wurde und
der Job Coach der
D._
am 28.
September 2015 von realen Erfolgschancen
auf einen Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt berichtete (vgl. dazu
Urk.
7/18 S. 3
und
Urk.
7/23
),
der Beschwerdeführer sich im Januar 2016 selbst ein 100
%
-P
en
sum zutraute (Urk.
7/24 S.
2)
und sich seit Juni 2015 psychisch stabil fühlte (
Urk.
7/24 S. 1 und S. 3) und nachdem
er nach einem von April bis Oktober 2016
erfolgreich
absolvierten Arbeitstraining eine
bis
28.
Februar 2017 befristete Voll
zeitan
stellung angeboten bekam (Urk. 7/
30
und
U
rk.
7/34
),
k
ann für den ge
sam
ten rentenrelevanten Zeitraum ab August 2015 nicht auf eine
massgebliche
Ein
schränkung der Arbeits
- und Erwerbs
fähigkeit geschlossen werden.
Zwar han
delte
es sich bei den
genannten
Tätigkeiten nicht um die
angestammte Arbeit des Beschwerdeführers
. Dies
ändert
aber
nichts daran, dass aus den aufgeführten Umständen
zu schliessen ist
, dass die im März 2017 berichtete Remission der psychischen Störung bereits längere Zeit vorher eingetreten
war
und davon aus
gegangen werden kann, dass sich die entsprechenden Symptome bereits spätes
tens
im
August 2015
zurückgebildet hatten
und auch die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht mehr
erheblich
beeinträchtigten
.
Die gesundheits
bedingten Absenzen während der 100%igen Tätigkeit
sprechen nicht dagegen,
erfolgten
diese doch
nicht aufgrund psychischer Beschwerden, sondern insbeson
dere
wegen
einer Grippe, welche sich zu einer Lungenentzündung ausgeweitet hatte
. Auch aus dem Umstand
, dass es
dabei
zu keiner unbefristeten Anstellung
kam,
kann nicht auf eine Versch
lechterung des Gesundheitszustandes geschlos
sen
werden, war dies doch insbesondere
auf wirtschaftliche Gründe zurückzu
führen (vgl. dazu
Urk.
7/36/4-5).
Festzuhalten ist zudem
, dass aufgrund der durchgeführ
ten Integrationsmassnahmen zur beruflichen Eingliederung, wofür dem Beschwe
r
de
führer Taggelder respektive Lohn ausgerichtet wurden, ein Rentenanspruch ab 1. April 2016 von vorneherein ausser Betracht fällt (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_689/2019 vom 20. Dezember 201
9
E. 3.1)
.
4.3
Nach dem Gesagten ist mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer
renten
ausschliessenden
Arbeits
- und Erwerbs
fähigkeit
ab spätestens August 2015
aus
zugehen. D
ie Durchführung eines Einkommensvergleichs
erübrigt sich
. D
ie Be
schwerdegegnerin
hat
das Leistungsbegehren des Beschwerdeführers
zu Recht verneint, was zur Abweisung der Beschwerde führt
.
5
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig und sind die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ermessensweise auf Fr. 700.-- festzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.