# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e13b3c8e-c31b-45f7-8dda-e4fac03db217
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. B._, geboren am ._ 1968, und A._, geboren am _ 1973, haben am _ 2007 in F._ geheiratet. Sie sind Eltern von C._, geboren am _ 2008, und D._, geboren am _ 2010. Seit dem _ 2016 leben die Ehegatten getrennt, wobei die Mutter mit den Kindern anfänglich in der zuvor gemeinsam bewohnten Liegenschaft in H._ verblieb. Im Herbst 2017 verlegte sie ihren Wohnsitz nach J._, wo sie mit den beiden Kindern eine Mietwohnung bezog.
B. Am 3. April 2018 reichte der Ehemann dem Regionalgericht Prättigau/ eine unbegründete Scheidungsklage ein. Im Zuge der Einigungsverhandlung vom 30. Mai 2018 unterzeichneten die Parteien am 11./12./13. Juni 2018 eine Trennungsvereinbarung, welche der Einzelrichter am Regionalgericht Prättigau mit Entscheid vom 15. Juni 2018 (Proz. Nr. 135-2018-206) vollumfänglich genehmigte. Der Vereinbarung der Parteien folgend wurden die beiden Kinder bei Belassung der gemeinsamen elterlichen Sorge unter die alleinige Obhut der Mutter gestellt (Dispositiv-Ziffer 2), das Besuchs- und Ferienrecht des Vaters (unter Einschluss der Übergabemodalitäten) geregelt (Dispositiv-Ziffer 4) und der Vater verpflichtet, an den Unterhalt der Kinder mit Wirkung ab dem 3. April 2018 monatliche Beiträge von CHF 980.00 (Barunterhalt) für C._ respektive von CHF 1'270.00 (Barunterhalt CHF 780.00, Betreuungsunterhalt CHF 490.00) für D._, je zuzüglich Kinderzulagen von derzeit CHF 220.00, zu bezahlen (Dispositiv-Ziffer 5). Des Weiteren wurde davon Vormerk genommen, dass gestützt auf die Grundlagen der Unterhaltsberechnung auf die Vereinbarung eines Ehegattenunterhalts verzichtet werde, ein Antrag auf gerichtliche Zusprechung eines solchen für die Zukunft aber möglich bleibe (Dispositiv-Ziffer 7).
C. Mit Gesuch vom 18. Oktober 2018 an das Regionalgericht Prättigau/Davos beantragte B._ die Abänderung des am 15. Juni 2018 getroffenen Entscheids des Regionalgerichts Prättigau/Davos. Er stellte die folgenden Anträge:
1. Es sei Dispositiv Ziff. 2 des Entscheids des Einzelgerichts Prättigau/Davos vom 15. Juni 2018 (Proz. Nr. 135-2018-206) abzuändern und C._, geb. _2008, unter die Obhut des Gesuchstellers zu stellen.
2. Es sei Dispositiv Ziff. 5a des Entscheids des Einzelgerichts Prättigau/Davos vom 15. Juni 2018 (Proz. Nr. 135-2018-206) aufzuheben und festzustellen, dass der Gesuchsteller ab 18. Oktober 2018 keinen Unterhalt für C._ an die Gesuchsgegnerin schuldet.
3. Unter gesetzlicher Kosten-und Entschädigungsfolge.
3 / 49
Dem Gesuch beigelegt war ein von A._ unterzeichnetes Schreiben vom 16. Oktober 2018 an das Einwohneramt J._, in welchem sie den Behörden mitteilte, dass C._ zu seinem Vater nach H._ ziehen werde. Im Weiteren reichte B._ eine Zustimmungserklärung von A._ in Bezug auf die im Gesuch beantragten Änderungen ein.
D. Anlässlich zweier mündlicher Verhandlungen am 5. November 2018 und am 9. Januar 2019 vor dem Regionalgericht Prättigau/Davos konnten sich die Parteien in Bezug auf die gestellten Anträge nicht einigen. Dies insbesondere deshalb, weil eine durch A._ beantragte Neugestaltung des Sorgerechts und der Besuchsregelung von D._ scheiterte. Aus diesem Grund ordnete der Gerichtspräsident in der Folge die Fortführung des Verfahrens auf schriftlichem Wege an und führte im Hinblick darauf am 23. Januar 2019 eine persönliche Anhörung von D._ durch.
E. Mit Schreiben vom 25. Januar 2019 teilte A._ dem Regionalgericht Prättigau/Davos mit, dass sie per sofort beide Sorgerechte ihrer Kinder abgebe und lebenslänglich für keine Rechnungen im Zusammenhang mit den Kindern aufkommen werde. D._ müsse gleichentags (25. Januar 2019) um 19:30 Uhr bei ihr vor dem Haus abgeholt werden.
F. Mit Eingabe vom 28. Februar 2019 reichte B._ beim Regionalgericht Prättigau/Davos innert der ihm für die Begründung seiner ursprünglich gestellten Abänderungsbegehren gewährten Frist ein an die veränderte Situation angepasstes Gesuch mit den folgenden Anträgen ein:
1. Es sei Dispositiv Ziff. 2 des Entscheids des Einzelgerichts Prättigau/Davos vom 15. Juni 2018 (Proz. Nr. 135-2018-206) abzuändern und die gemeinsamen Kinder C._, geb. _2008, und D._, geb. _2010, unter die alleinige elterliche Sorge und Obhut des Gesuchstellers zu stellen.
2. Es sei das Besuchs- und Ferienrecht für die Dauer des Scheidungsverfahrens zu sistieren.
3. Es sei Dispositiv Ziff. 5 des Entscheids des Einzelgerichts Prättigau/Davos vom 15. Juni 2018 (Proz. Nr. 135-2018-206) aufzuheben und festzustellen, dass der Gesuchsteller ab 18.10.2018 keinen Unterhalt für C._ und ab 26.1.2019 keinen Unterhalt für D._ an die Gesuchsgegnerin schuldet.
4. Es sei die Gesuchsgegnerin zu verpflichten für jedes Kind monatlich im voraus [sic] einen Unterhaltsbeitrag von CHF 900 zu bezahlen mit Beginn der Unterhaltspflicht für C._ ab 1.11.2018 und für D._ ab 1.2.2019.
5. [Verpflichtung der Gesuchsgegnerin zur Herausgabe von den Kindern gehörenden Gegenständen]
4 / 49
6. [Antrag auf Vollstreckungsmassnahmen]
7. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.
G. Mit Gesuch vom 19. März 2019 an das Regionalgericht Prättigau/Davos stellte B._ das Begehren, seine Kinder C._ und D._ superprovisorisch unter seine alleinige Obhut zu stellen. Begründend führte er aus, dass aufgrund eines Vorfalles die Gefahr bestehe, dass die Mutter beide Kinder einfach mitnehmen wolle. So habe ein ebenfalls in H._ wohnhafter Verwandter am _ 2019 D._ abgepasst und zu sich nach Hause genommen. Dort habe A._ auf ihre Tochter gewartet und sie gefragt, ob sie nicht wieder zu ihr ziehen wolle. Am Schluss des Treffens habe sie D._ aufgefordert, niemandem von dem Treffen und dem Gespräch zu erzählen. Im Weiteren habe A._ versucht, von der Mutter einer Schulkameradin von C._ Informationen über ihren Sohn zu erhalten. Aufgrund dieses Verhaltens sei ernsthaft zu befürchten, dass die Mutter eines oder beide Kinder zu sich nach I._ nehmen werde. Nur mit der Zuweisung der alleinigen Obhut an ihn könne er die Kinder im Falle einer Mitnahme wieder zurückholen und verhindern, dass sie je nach Situation einmal bei der Mutter wohnen sollen, um dann plötzlich wieder vor die Türe gestellt zu werden.
H. Mit Entscheid vom 20. März 2019 (Proz. Nr. 135-2018-421) entsprach der Einzelrichter am Regionalgericht Prättigau/Davos dem Gesuch um Erlass einer superprovisorischen Massnahme, stellte die Kinder C._ und D._ in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 2 seines Entscheides vom 15. Juni 2018 unter die alleinige Obhut von B._ und setzte A._ Frist bis zum 8. April 2019, um zum gegnerischen Gesuch vom 19 März 2019 schriftlich Stellung zu nehmen.
I. Mit Stellungnahme vom 5. April 2019 stellte A._ die folgenden Anträge:
1. Es sei Ziff. 2 des Dispositivs des Entscheids des Einzelgerichts Prättigau/Davos vom 15. Juni 2018 (Proz. Nr. 135-2018-206) abzuändern und der gemeinsame Sohn C._, geboren am _ 2008, unter die alleinige Obhut des Gesuchstellers zu stellen.
2. Es sei Ziff. 4 des Dispositivs des Entscheids des Einzelgerichts Prättigau/Davos vom 15. Juni 2018 (Proz. Nr. 135-2018-206) wie folgt abzuändern:
2.1. Der Gesuchsteller sei während der Dauer des Scheidungsverfahrens zu berechtigen und verpflichten, die gemeinsame Tochter D._, geboren am _ 2010, unter Beizug einer Fachperson (begleitetes Besuchsrecht) auf eigene Kosten und ohne Abzug von den Unterhaltsbeitragspflichten wie folgt auf Besuch zu nehmen:
5 / 49
a) Mit Ausnahme derjenigen Samstage, an denen eine Veranstaltung des Blaurings J._ stattfindet, jeden 1. und 3. Samstag eines Monats, von 09.00 Uhr bis 19.00 Uhr.
b) Ein weitergehendes oder anderslautendes Besuchs- und Ferienrecht sei der einvernehmlichen Regelung der Eltern unter Berücksichtigung der Wünsche und des Wohles des Kindes vorbehalten.
2.2. Das Besuchs- und Ferienrecht der Gesuchsgegnerin in Bezug auf den gemeinsamen Sohn C._, geboren am _ 2008, sei für die Dauer des Scheidungsverfahrens zu sistieren.
3. Es sei Ziff. 5 des Dispositivs des Entscheids des Einzelgerichts Prättigau/Davos vom 15. Juni 2018 (Proz. Nr. 135-2018-206) wie folgt abzuändern:
3.1. Der Gesuchsteller sei zu verpflichten, an die Kosten des Unterhalts und der Erziehung von D._ CHF 780.00, zuzüglich Kinderzulagen (von derzeit CHF 220.00) sowie einen Betreuungsunterhalt von CHF 490.00 zu bezahlen. Der Unterhaltsbeitrag sei im Voraus zahlbar, und zwar an die Gesuchsgegnerin, jeweils auf den Ersten eines jeden Monats.
3.2. Es sei festzustellen, dass der Gesuchsteller der Gesuchsgegnerin ab dem 18. Oktober 2018 keinen Unterhalt für C._, geboren am _ 2008, mehr schuldet.
4. [Regelung des ausserordentlichen Kindesunterhalts]
5. [Herausgabe von dem Sohn C._ gehörenden Gegenständen]
6. Alle weitergehenden oder anderslautenden Anträge des Gesuchstellers seien abzuweisen.
7. Der Gesuchsgegnerin sei Gelegenheit zu geben, nach Abschluss des Beweisverfahrens ihre Anträge zu präzisieren und abzuändern oder zu ergänzen.
8. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Gesuchstellers.
J. Mit Eingabe vom 29. April 2019 beantragte B._ die Ansetzung einer mündlichen Verhandlung, das Einholen von schriftlichen Auskünften bei allen Lehrpersonen von C._ und D._, und eine abermalige Anhörung der Kinder. Mit Schreiben vom 1. Mai 2019 gab der Regionalgerichtspräsident des Regionalgerichts Prättigau/Davos den Anträgen statt und führte die genannten Beweiserhebungen in der Folge durch.
K. Am 5. Juni 2019 fand die mündliche Hauptverhandlung statt. Dabei hielt B._ grundsätzlich an seinen Anträgen fest, verzichtete jedoch in Abänderung von Ziff. 1 seiner Anträge auf die Zuteilung der alleinigen elterlichen Sorge. Auch A._ hielt an ihren Anträgen − ausser dem Antrag 7 − ausdrücklich fest.
L. Mit Entscheid vom 5. Juni 2019, mitgeteilt am 27. Juni 2019, erkannte der Regionalgerichtspräsident des Regionalgerichts Prättigau/Davos wie folgt:
6 / 49
1. Das Gesuch um Abänderung von vorsorglichen Massnahmen im Scheidungsverfahren wird teilweise gutgeheissen und Ziff. 2, 4, 5 und 6 des Dispositivs des Entscheids des Einzelgerichts Prättigau/Davos vom 15. Juni 2018 (Proz. Nr. 135-2018-206) werden aufgehoben und der Entscheid betreffend superprovisorische Massnahmen des Einzelgerichts Prättigau/Davos vom 20. März 2019 (Proz. Nr. -421) wird bestätigt.
2. Die gemeinsamen Kinder C._, geboren _ 2008, und D._, geboren _ 2010, werden für die Dauer der Trennung unter die alleinige Obhut von B._ gestellt.
Die elterliche Sorge bleibt für die Dauer des Getrenntlebens weiterhin bei beiden Elternteilen. Entsprechend sind sie verpflichtet, sämtliche wesentliche Fragen der Pflege, Erziehung, Ausbildung, medizinische, therapeutische und zahnmedizinische Massnahmen miteinander abzusprechen. Auch über medizinische Abklärungen, gesundheitliche Zustände und schulische Vorgänge sind die Eltern verpflichtet, sich gegenseitig unaufgefordert und umfassend zu orientieren, wobei jeder Ehegatte die Informationen selber direkt bei den entsprechenden Stellen einholen kann. Die Einholung von Zustimmungserklärungen und Orientierungen kann auch über den Kinderarzt oder die Schule erfolgen.
3. A._ steht ein Besuchsrecht für D._ − mit entsprechender Pflicht − am ersten und dritten Samstag und Sonntag im Monat zu, wie folgt:
a) A._ holt D._ am Samstag in H._ GR ab. Treffpunkt ist Bahnhof H._, 10:10 Uhr. B._ holt D._ am darauffolgenden Sonntag um 18:00 Uhr am Wohnsitz von A._ (derzeit: _ I._ ) ab und bringt sie nach H._ GR zurück.
b) Über Verspätungen und dergleichen ist der andere Elternteil unverzüglich zu informieren.
c) Die Kosten dieser Fahrten trägt jene Person, welche die Kinder begleitet.
d) Die Kosten von D._ während ihres Aufenthaltes bei der Mutter trägt die Mutter.
A._ ist berechtigt und verpflichtet, D._ drei Wochen während der Schulferien (unter Absprache mit dem Vater drei Monate im Voraus) und in den geraden Jahren an Ostern und Neujahr, in den ungeraden Jahren an Pfingsten und Weihnachten, auf ihre Kosten zu betreuen. Während der übrigen Zeit wird D._ vom Vater betreut.
Die Ehegatten können von den fixierten Regelungen durch vorgängig getroffene, übereinstimmende Vereinbarung abweichen. Diesfalls ist die Beistandsperson zu informieren (s. Dispositiv Ziff. 4). Den Eltern ist bekannt, dass das Kindswohl, d.h. das Wohl von C._ und D._, ihren Interessen und Bedürfnissen vorgeht.
4. Für D._ wird eine Beistandschaft mit besonderen Befugnissen gemäss Art. 308 Abs. 2 ZGB errichtet. Zweck dieser Beistandschaft ist die Sicherstellung, dass D._ nach den Besuchswochenenden
7 / 49
oder nach Ferien bei/mit ihrer Mutter A._ wiederum zum Vater B._ zurückkehrt. Die Beistandsperson hat den Auftrag, die Übergaben von D._ an den Kindsvater jeweils am Besuchswochenend-Sonntagabend oder am Abend des letzten Ferientags, den D._ mit ihrer Mutter verbringt, je 18:00 Uhr, am Wohnsitz der Kindsmutter (derzeit: _ I._ ) zu gewährleisten. Sie hat die Kompetenz, eine Dritthilfe (eine Fachperson) einzusetzen, die beim Vollzug der Übergaben von D._ an den Kindsvater dabei ist. Die Beistandsperson hat dem Regionalgericht Prättigau/Davos, Unregelmässigkeiten vorbehalten, alle zwei Monate Bericht zu erstatten. Mit dem Vollzug dieser Massnahme wird die KESB Prättigau/Davos beauftragt.
5. Das Besuchs- und Ferienrecht betreffend C._ wird für die Dauer des Scheidungsverfahrens sistiert.
6. Es wird gerichtlich festgestellt, dass B._ ab 18. Oktober 2018 keinen Unterhalt für C._ und ab 26. Januar 2019 keinen Unterhalt für D._, je an A._, mehr schuldet.
Allfällige von B._ an A._ zu viel geleistete Unterhaltsbeiträge können zurückgefordert werden.
7. A._ wird verpflichtet, die folgenden Kinderunterhaltsbeiträge zu bezahlen:
a) für C._: rückwirkend ab dem 1. November 2018 bis zum 31. Januar 2019: CHF 820.00 pro Monat (Barunterhalt).
b) für C._ und D._: rückwirkend ab dem 1. Februar 2019 bis zum 31. August 2019: je CHF 669.00 pro Monat (Barunterhalt).
c) für C._: ab dem 1. September 2019 CHF 820.00 pro Monat (Barunterhalt).
d) für D._: ab dem 1. September 2019 CHF 700.00 pro Monat (Barunterhalt).
Die Unterhaltsbeiträge sind im Voraus zahlbar, und zwar an den Kindsvater B._, jeweils auf den Ersten eines jeden Monats.
8. Die übrigen Anträge der Parteien werden abgewiesen.
9. Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 2’000.00 gehen zu Lasten von A._ und werden mit dem von B._ geleisteten Kostenvorschuss von CHF 1'000.00 verrechnet. A._ wird verpflichtet, B._ den Betrag von CHF 1’000.00 zu bezahlen. Zudem wird A._ verpflichtet, dem Regionalgericht Prättigau/Davos die noch fehlenden CHF 1'000.00 zu bezahlen.
10. A._ wird verpflichtet, B._ mit CHF 10’631.85 (inkl. Barauslagen und MwSt.) ausseramtlich zu entschädigen.

## Considerations