# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ae15339e-164c-41f4-b703-21d2c3f2698a
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

wesentlich verändert hätten. Der Sachverhalt sei im Wesentlichen gleich
geblieben. Es liege lediglich eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes
vor. Es genüge für die Glaubhaftmachung einer erheblichen
Sachverhaltsänderung nicht, dass in einem medizinischen Bericht der bereits
bekannte, im Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung gegebene
Sachverhalt anders bewertet werde und daraus andere Schlussfolgerungen
gezogen würden als im früheren Verfahren. Vielmehr bedürfe es neuer
Elemente tatsächlicher Natur, die nach der ursprünglichen Rentenverfügung
eingetreten und zu dem damals gegebenen Sachverhalt hinzugekommen seien
oder diesen verändert hätten. Der RAD halte in seinen Beurteilungen vom 7.
Juni und 29. November 2011 fest, dass im Zeugnis von Dr. med. ... vom 2.
Februar 2011 und auch in der Krankentaggeldkarte der ... kein medizinischer
Grund für die attestierte Arbeitsunfähigkeit angegeben werde. Dem Bericht der
Klinik ... vom 29. Dezember 2010 könne entnommen werden, dass die
Beschwerden seit Anfang 2010 gleich bleibend seien. Neu dazugekommen
seien Lendenwirbelsäulenbeschwerden seit August 2010, welche die
Notwendigkeit von vermehrten Kurzpausen begründeten, aber mit einer
dreimonatigen Therapie derart verbessert werden könnten, dass sie keine
Auswirkungen mehr zeitigen würden (keine vermehrten Kurzpausen mehr
nötig). Damit sei eine wesentliche und dauerhafte Verschlechterung nicht
ausgewiesen.
5. Dagegen erhob der Beschwerdeführer am 30. Januar 2012 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht Graubünden. Es sei die Verfügung vom 9. Dezember 2011
aufzuheben und die Vorinstanz zu verpflichten, auf das Leistungsbegehren vom
31. März 2011 einzutreten. Es gehe einzig um die Streitfrage, ob die IV-Stelle
auf das neue Leistungsbegehren hätte eintreten müssen. Es treffe nicht zu,
dass sich der Gesundheitszustand seit dem letzten Verfügungserlass nicht
verschlechtert habe. Unter Bezugnahme auf das Gutachten der Klinik ... vom
29. Dezember 2010 habe er vielmehr einlässlich begründet, dass sich die
Verhältnisse seit der Begutachtung im ABI ... vom 17. November 2009
wesentlich verschlechtert hätten. Zudem werde bestritten, dass der
Beschwerdeführer seit dem 15. Februar 2008 wieder voll arbeitsfähig sei.
6. In der Vernehmlassung vom 10. Februar 2012 beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde. Sie verwies zur Begründung auf die Verfügung
vom 9. Dezember 2011.
7. In der Replik vom 18. April 2012 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen
und Vorbringen der Beschwerdeschrift fest. Er habe in seinem Einwand vom 4.
August 2011 und vom 4. Oktober 2011 unter Hinweis auf das Gutachten der
Klinik ... vom Dezember 2010 hinreichend dargetan, dass sich sein
Gesundheitszustand seit der Begutachtung im ABI ... vom 17. November 2009
wesentlich verschlechtert habe. Auch Dr. med. ... bestätige die
Arbeitsunfähigkeit von 50% in seinem Zeugnis vom 14. Februar 2012, ebenso
Dr. med. ... in seinem Bericht vom 21. März 2012.
8. In der Duplik vom 24. April 2012 hielt die IV-Stelle fest, dass die mit der Replik
eingereichten Arztberichte nicht den massgebenden Sachverhalt beträfen,
welcher sich bis am 9. Dezember 2011 verwirklicht habe. In diesen Berichten
werde über Kopfschmerzen seit Ende Januar respektive Anfangs Februar 2012
berichtet. Diese Berichte trügen daher zur Frage, ob eine wesentliche
anspruchsbegründende Änderung des Sachverhaltes bis am 9. Dezember 2011
glaubhaft gemacht worden sei, nichts bei.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften sowie auf den
angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist die Verfügung der
IV-Stelle vom 9. Dezember 2011. Dabei ist die Frage streitig und zu prüfen, ob
die IV-Stelle zu Recht die Glaubhaftmachung der Veränderung der
tatsächlichen Verhältnisse verneint hat und gestützt darauf auf die
Neuanmeldung der Beschwerdeführererin vom 31. März 2011 nicht eingetreten
ist.
2. a) Nach Art. 17 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) wird die Invalidenrente von Amtes
wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt
oder aufgehoben, wenn sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder
eines Rentenbezügers erheblich ändert. Anlass zur Rentenrevision gibt jede
Änderung der anspruchsbegründenden Tatsachen, die geeignet ist, den
Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch der Versicherten zu
beeinflussen. Revisionsbegründend sind dabei zunächst wesentliche
Veränderungen des Gesundheitszustandes. Aber auch bei gleich bleibendem
Gesundheitszustand fällt eine Rentenrevision in Betracht, wenn sich die
erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben. Ob eine solche Änderung
eingetreten ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts, wie er im
Zeitpunkt der ursprünglichen Rentenverfügung bestanden hat, mit demjenigen
zur Zeit des angefochtenen Einspracheentscheides (BGE 134 V 131, 133 V
108, 130 V 351; Urteil des eidgenössischen Versicherungsgerichts I 526/02
vom 27. August 2003). Nach gefestigter Rechtsprechung handelt es sich bei
der Neuanmeldung sowie der Rentenrevision zwar nicht um identische, wohl
aber um ähnliche Rechtsinstitute, insoweit beide auf eine erneute Prüfung eines
Leistungsanspruchs aufgrund veränderter Verhältnisse zielen.
Dementsprechend knüpft die Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV;
SR 831.201) das Eintreten auf eine Neuanmeldung an dieselben
Voraussetzungen, wie sie im Falle eines Revisionsgesuchs gelten (BGE 133 V
108 E. 5.2, 117 V 198 E. 3a, 109 V 114 E. 2b, 264 f. E. 3; Urs Müller, die
materiellen Voraussetzungen der Rentenrevision in der Invalidenversicherung,
Diss. 2003, S. 215).
b) Wurden IV-Leistungen verweigert, ist auf eine neue Anmeldung nur dann
einzutreten, wenn gemäss Art. 87 Abs. 3 IVV (in Kraft seit 1. Januar 2012,
entspricht aArt. 87 Abs. 4 IVV) die Voraussetzungen gemäss Art. 87 Abs. 2 IVV
(in Kraft seit 1. Januar 2012, entspricht aArt. 87 Abs. 3 IVV) erfüllt sind, d.h.
wenn vom Versicherten glaubhaft gemacht wird, dass sich der Grad der
Invalidität in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Erheblich
im Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV ist eine Sachverhaltsänderung, wenn
angenommen werden kann, der Anspruch auf eine IV-Rente oder deren
Erhöhung sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig
erweisen (Urteil des eidgenössischen Versicherungsgerichts I 484/00 vom 21.
März 2001, E. 1b/bb).
Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung (Bundesgerichtsurteile I 439/98 vom
30. August 1999 und I 99/89 vom 31. Juli 1989) ist unter Glaubhaftmachen im
Sinne von Art. 87 Abs. 2 IVV kein Beweis nach dem im
Sozialversicherungsrecht allgemein massgebenden Grad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit (BGE 121 V 47 E. 2a, 121 V 208 E. 6b) zu verstehen. Die
Beweisanforderungen sind vielmehr herabgesetzt, indem nicht im Sinne eines
"vollen Beweises" (ZAK 1971 S. 525 E. 2) die Überzeugung der Verwaltung
begründet zu werden braucht, dass seit der letzten, rechtskräftigen
Entscheidung tatsächlich eine relevante Änderung eingetreten ist. Vielmehr
genügt es, dass für den geltend gemachten rechtserheblichen Sachumstand
wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit
der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die
behauptete Sachverhaltsänderung nicht erstellen lassen. Grundsätzlich
unterliegt das Glaubhaftmachen nach Art. 87 Abs. 2 IVV weniger strengen
Anforderungen als im Zivilprozessrecht. Dort muss - im Gegensatz zum vollen
Beweis der Richter immerhin überzeugt werden, dass es so, wie behauptet,
wahrscheinlich gegangen ist, nicht aber auch, dass es wirklich so gegangen
sein muss, weil jede Möglichkeit des Gegenteils vernünftigerweise
auszuschliessen ist (Bundesgerichtsurteil I 294/98 vom 03. Januar 2000 E. 1).
3. a) Massgebend für die Beurteilung der anspruchserheblichen Veränderung der
tatsächlichen Verhältnisse bildet der Zeitraum zwischen der letzten, der
versicherten Person eröffneten, rechtskräftigen Rentenverfügung, welche auf
einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines
Einkommensvergleichs beruht (Referenzzeitpunkt), bis zum Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung über die Neuanmeldung (BGE 134 V 131, 133 V 108
E. 5.4 S. 114, 134 V 131 E. 3 S. 132 f.; Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 2.
Auflage, 2009, Rz 22 von Art. 17 ATSG; Urs Müller, a.a.O. Diss. 2003, S. 216
f.).
b) Im vorliegend zu beurteilenden Fall bedeutet dies somit, dass der gegebene
Sachverhalt vom 19. März 2010 bis zum 9. Dezember 2011 massgebend ist.
Mit der letzten rechtskräftigen Verfügung vom 19. März 2010 welche vorliegend
den Referenzzeitpunkt darstellt wurde ein Rentenanspruch des
Beschwerdeführers verneint, da der IV-Grad unter 40 % lag. Dem
Beschwerdeführer wurde eine Arbeitsfähigkeit von 70 % in der angestammten
Tätigkeit zugemutet, woraus ein Invaliditätsgrad von 30 % resultierte. Da sich
sein Gesundheitszustand gebessert hat, kann ihm ab dem 15. Februar 2008
wieder eine volle Arbeitsfähigkeit zugemutet werden.
Mit der Neuanmeldung vom 31. März 2011 machte der Beschwerdeführer eine
Verschlechterung des Gesundheitszustands geltend. Er legte neue Arztberichte
von Dr. med. ... vom 21. März 2012 und von Dr. med. ... vom 14. Februar 2012
vor. Diese Arztberichte können, da sie erst nach Erlass der angefochtenen
Verfügung vom 9. Dezember 2011 entstanden sind, im vorliegenden Verfahren
nicht berücksichtigt werden.
Das Arztzeugnis von Dr. med. ... vom 2. Februar 2011 attestierte dem
Beschwerdeführer infolge Krankheit eine Arbeitsunfähigkeit von 50% ab dem 4.
Mai 2009 bis 17. August 2010. Zudem attestierte es ihm eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit ab dem 18. August 2010 bis 14. September 2010 und eine
Arbeitsunfähigkeit von 50 % ab dem 15. September 2010 bis auf weiteres.
Dieses Zeugnis hält somit für die zurückliegende Zeit bis Mai 2009 eine
abweichende Angabe für die Arbeitsfähigkeit fest. Es ist jedoch in keiner Weise
begründet oder präzisiert, wofür eine Arbeitsunfähigkeit besteht. Zudem betrifft
dieses Zeugnis einen wesentlichen Zeitraum, welcher bereits durch die erste
negative Rentenverfügung abgedeckt ist. Aus diesen Gründen kann dem
Zeugnis keine Beachtung geschenkt werden. Ebenfalls lässt sich in der
Krankentaggeldkarte der ... keine Beschreibung der Arbeitsunfähigkeit
herauslesen, weshalb auch sie nicht beachtet werden kann.
Es bleibt somit noch das Gutachten der Klinik ... vom 29. Dezember 2010 übrig,
welches bezüglich einer Sachverhaltsänderung im Referenzzeitraum
herangezogen werden kann. Aus diesem Gutachten geht hervor, dass die
Beschwerden betreffend der Halswirbelsäule respektive dem Schleudertrauma
sowie die psychischen Beschwerden seit Anfang 2010 gleich geblieben seien.
Neu hinzugekommen seien Lendenwirbelsäulenbeschwerden, welche die
Notwendigkeit von vermehrten Kurzpausen (im Rahmen von zwei Stunden pro
Tag) erfordern würden. Mit einer dreimonatigen Physiotherapie könne die
Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers jedoch gesteigert werden, womit die
Kurzpausen wieder unterbleiben könnten. Der Beschwerdeführer bleibe somit
gemäss Gutachten vom 29. Dezember 2010 sowohl für die bisherige Tätigkeit
als Baudisponent als auch für eine leichte bis mittelschwere,
wechselbelastende adaptierte ganztägige Tätigkeit arbeitsfähig. Aufgrund
dieses Gutachtens, welches dem Gericht schlüssig, nachvollziehbar und
ausführlich erscheint, kann gesagt werden, dass der Beschwerdeführer keine
neuen Elemente tatsächlicher Natur, die nach der rechtskräftigen Verfügung
eingetreten und zu dem damals gegebenen Sachverhalt hinzugekommen
wären oder diesen verändert hätten, aufzuzeigen vermag. Dem
Beschwerdeführer ist demnach weiterhin, wie bei der ABI-Begutachtung in ...
vom 26. Januar 2010 (welche für die Verfügung vom 19. März 2010
massgebend war), eine 100%ige Tätigkeit sowohl in seiner bisherigen als auch
in einer adaptierten Tätigkeit zumutbar (vgl. Schlussfolgerungen und
Empfehlungen Gutachten ...). Eine massgebliche rentenbegründende
Änderung des Sachverhalts, welcher eine Änderung des IV-Grades ergeben
würde, konnte somit vom Beschwerdeführer offensichtlich nicht nachgewiesen
werden. Folgerichtig ist die IV-Stelle auf das Leistungsbegehren vom 31. März
2011 nicht eingetreten.
4. Das Beschwerdeverfahren ist - in Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG gemäss
Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) bei
Streitigkeiten um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Diese Kosten werden je nach
Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Umfang von Fr. 200.--
bis Fr. 1'000.-- festgelegt. Vorliegend setzt das Gericht die Kosten auf Fr. 700.--
fest. Entsprechend dem Ausgang dieses Verfahrens werden die Gerichtskosten
dem Beschwerdeführer auferlegt. Eine aussergerichtliche Entschädigung steht
der Beschwerdegegnerin nicht zu (Art. 61 lit. g ATSG e contrario).