# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 784405c0-a795-4619-af3d-40534f2ab08f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1954,
meldete sich im Juli 2007 erstmals bei der In
va
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/5).
Die
Sozialversiche
rung
s
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte Arztberichte (Urk. 10/9, Urk. 10/25, Urk. 10/33), einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug; Urk. 10/10) sowie Arbeitgeberberichte (Urk. 10/16/8, Urk. 10/17) und Angaben
zur selbstän
di
gen Erwerbstätigkeit (Urk. 10/18, Urk. 10/23)
ein und zog Akten des
Kranken
tag
geldversicherers
(Urk.
10/13, Urk.
10/21
) bei.
Mit Verfügung vom 25. August
2009 wurde ein Rentenanspruch gestützt auf einen
Invalidi
tätsgrad
von 3 % ver
n
eint (Urk. 10/40). Diese Verfügung erwuchs unangefoch
ten in Rechtskraft.
1.2
Am 17. November 2010 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 10/43).
Nach Eingang eines Berichtes der behandelnden Psychiaterin (Urk. 10/55) veranlasste die IV-Stelle ein psychiatrisches Gutachten, welches am
3. Oktober 2011 erstattet wurde (Urk. 10/75).
Nach durchgeführtem
Vorbe
scheid
verfahren
(Urk. 10/80, Urk. 10/92-93) wies die IV-Stelle das
Leistungsbe
gehren
der Versicherten mit Verfügung vom 10. April 2012 gestützt auf einen
Invalidi
tätsgrad
von 21 % ab (Urk. 10/95 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 10. April 2012 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 15. Mai 2012 Beschwerde und beantragte, es seien ihr die gesetzlichen Leistung
en
zuzusprechen, insbesondere eine halbe Rente. Eventuell sei die Sache zur er
gänzenden Abkl
ärung zurückzuweisen.
In verfahrensrechtlicher Hinsicht
ersuchte
die Versicherte um die Einholung eines medizinischen
G
utachtens
durch das Ge
richt
(Urk. 1 S.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom 18. September 2012 beantragte
die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8). Im Rah
men des ange
ord
ne
ten zweiten Schriftenwechsels (Urk. 11)
erstattete die Be
schwerdeführerin am 7. Januar 2013 eine Replik (Urk. 13). Die
Beschwerdegeg
nerin
verzichtete auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 15), was der Beschwer
deführerin am 19. Feb
ruar 2013 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 16).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdeführerin rügte, die Beschwerdegegnerin habe den Anspruch auf
rechtliches Gehör einerseits verletzt, indem sie nicht auf die Einwände der be
han
delnden Psychi
aterin eingegangen sei, andererseits sei der Gehörsanspruch verletzt, da keine Mitteilung erfolgt sei, dass die Begutachtung nicht wie ange
kündigt durch Dr. med.
Y._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, sondern durch med.
pract
.
Z._
,
Fachärztin FMH für
Psychiatrie und Psychotherapie, durchgeführt werde. Sodann machte die Be
schwer
deführerin geltend, es fehle med.
pract
.
Z._
an der Befähigung, eine ADHS zu diagnostizieren, da selbst erfahrene ADHS-Diagnos
tiker fünf bis zehn
Sitzungen benötigen würden, um die Diagnose zweifelsfrei feststellen zu können.
In materieller Hinsicht sei den Ausführungen der behan
delnden Psychiaterin zu folgen und von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (Urk. 1 S. 6 f.
Rz
. 22 ff.). Daran hielt die Beschwerdeführerin in ihrer Replik fest (vgl. Urk. 13).
1.2
Die Beschwerdegegnerin ging in der ang
efochtenen Verfügung davon aus
,
die
Beschwerdeführerin habe nicht ansatzweise dargelegt, inwie
fern gegen med.
pract
.
Z._
Ausstands- oder Ab
lehnungsgründe vorliegen könnten
.
Sie bringe
lediglich vor, das rechtliche Gehör sei verletzt, weil in der Mitteilung vom
3. Februar 2011 Dr. med.
Y._
als Gutachter bekanntgegeben worden sei. Der Beschwerdeführerin sei der Name der Gutachterin jedoch seit der Einladung vom 3. August 2011 bekannt gewe
sen, wobei sie knapp drei Wochen Zeit ge
habt hätte, allfällige Vorbehalte anzu
bringen. Vorliegend hätten sich zwei Fach
ä
rzte, welche zudem zertifizierte Gut
achter seien, mit der Beschwerdeführerin aus
einandergesetzt. Aus formeller Sicht sei das Gutachten verwertbar. Sodann könne
auf das Gutachten auch in materieller Hinsicht abgestellt werden
. Da der
In
validitätsgrad
unter 40 % liege, bestehe kein Anspruch auf eine Invali
den
rente
(Urk. 2 S. 2 f.).
Daran hielt die Beschwerdegegnerin in ihrer Beschwerdeantwort unter Verweis auf die Rück
frage beim zuständigen Arzt des
A._
sowie die Stellungnahme
von med.
pract
.
Z._
fest (Urk. 8).
1.3
Streitig und zu prüfen ist
somit vorab
, ob der Anspruch der Be
schwerdeführerin auf
rechtliche
s
Gehör verletzt wurde.
2.
2.1
Gemäss Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung (BV)
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der
Sachaufklä
rung
, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mit
wirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört ins
besondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstel
lung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebli
che Beweise beizubringen,
Ein
sicht in die Akt
en zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu wer
de
n und an der Er
hebung wesentlicher Beweise ent
weder mit
zuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeig
net ist, den Ent
scheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 S. 370 mit Hinwei
sen).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte sinngemäss vor, ihr Anspruch auf rechtliches
Gehör sei unter anderem verletzt, weil ihr im Vorfeld nicht mitgeteilt worden sei,
dass sie von med.
pract
.
Z._
begutachtet werde.
2.3
2.3.1
Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhalts ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei
deren oder dessen Namen bekannt; diese kann den Gutachter aus triftigen Grün
den ablehnen und Gegenvorschläge machen (Art. 44
Bundesgesetz über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
).
Am 3
.
Februar
201
1
teilte die
Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin mit, dass
eine psychiatrische Abklärung nötig sei, welche von Dr.
Y._
durch
ge
führt werde (Urk. 10
/
58
).
Mit Schreiben vom 3
.
August 2011
(Urk.
10/69
) erhielt die Beschwerdeführerin
das
von med.
pract
.
Z._
unterzeichnete
Aufgebot zur psychiatrischen Be
gut
achtung am
22. August
2011.
Ob allein aus diesem Schreiben für die Be
schwer
deführerin ersichtlich war
,
dass med.
pract
.
Z._
die Begutach
tung durchführen werde
, ist zumindest fraglich
.
Wie
med.
pract
.
Z._
in ihrer Stellungname vom 5
.
September
201
2
(Urk.
9/3
S. 3
) ausführte, sei die
Untersuchung tatsächlich - nachdem sich die Beschwerdeführerin nach einer Bedenkzeit vorgängig damit einverstanden er
klärt habe
–
von ihr selbst und nicht von Dr.
med.
Y._
durchgeführt wor
den
.
Die diagnosti
schen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen, sowie die Ein
s
chät
zung der Ar
beitsunfähigkeit, welche sowohl von Dr.
Y._
als auch von
med.
pract
.
Z._
unterzeichnet wurden, beruhten demnach
auf den Un
t
er
suchungen durch med.
pract
.
Z._
.
2.3
.2
Eine mangelhafte vorgängige Orientierung führt indessen nicht ohne
Weiteres
zur Unverwertbarkeit der entsprechenden Abklärungsergebnisse. Der betroffe
nen
Partei darf aus einer mangelhaften Eröffnung nur (aber immerhin) kein Nachteil
erwachsen (Urteil des Bundesgerichts 8C_547/2007 vom 19. März 2008 E. 2.3 mit
Hinweis). Die Bekanntgabe der Namen dient dem Zweck, das
Abklä
rungsver
fah
ren
der Sozialversicherer derart zu vereinheitlichen, dass dieses nicht im Nach
hinein wegen formeller Mängel in Zweifel gezogen und das Gut
achten nach
träg
lich wegen gesetzlicher Ausstands- und Ablehnungsgründe (im Sinne von Art. 36
Abs. 1 ATSG; vgl. dazu BGE 132 V 93 E. 6.5 mit Hinweisen) in der Person des Gut
ach
ters als beweisuntauglich erklärt werden muss.
Die Nichtbeachtung der
Ausstandspflicht
stellt in der Regel eine schwerwie
gende
Verletzung der Verfahrensvorschriften dar und hat deshalb ungeachtet der ma
te
riellen Interessenlage die Aufhebung des unter Mitwirkung einer
aus
stands
pflichtigen
Person gefassten Entscheids zur Folge (BGE 132 V 376 E. 7.3; Urteil
des Bundesgerichts
8C_547/2007 vom 19. März 2008 E. 2.3).
2.3
.3
Die Vorbringen von Seiten der Beschwerdeführerin richten sich primär gegen med.
pract
.
Z._
. Da eine mangelhafte vorgängige Orientierung nicht ohne
Weiteres zu einer Unverwertbarkeit des Gutachtens führt, ist zu prüfen, ob ge
gen
die genannte Gutachterin
gesetzliche Ausstands- und Ablehnungsgründe geltend
gemacht worden sind, welche die Beweistauglichkeit des psychiatri
schen Gut
ach
tens in Frage stell
en.
2.4
2.4.1
Gemäss Art. 44 ATSG kann die versicherte Person einen Gutachter aus triftigen
Gründen ablehnen und Gegenvorschläge machen. Zum einen werden von den trif
tigen Gründen die eigentlichen gesetzlichen
Ausstandsgründe
(vgl.
Art.
10
Bun
desgesetz über das Verwaltungsverfahren,
VwVG
,
und Art. 36 Abs. 1 ATSG)
erfasst; zum andern zählen auch weitere Aspekte - etwa die fehlende Sach
ken
nt
nis - zu den triftigen Gründen (
Kieser
, ATSG-Kommentar, 2. Auflage, Zü
rich 2009
,
Rz
17 zu Art. 44; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 6.4-5).
Nach der Rechtsprechung gelten für Sachverständige grundsätzlich die gleichen Aus
stands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach
ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Miss
trauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sach
verständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Um
stände
vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Vor
ein
ge
nommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Be
f
ang
enheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das sub
jektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die er
hebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zu
kommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzu
setzen (BGE 132 V 93 E. 7.1, 120 V 357 E. 3).
Deshalb ist ein triftiger Grund auch etwa ge
geben, wenn es dem Gutachter an der im konkreten Fall erforderli
chen Kompe
tenz fehlt oder er aus persönlichen Gründen nicht als geeignet er
scheint (
Kieser
, a.a.O.,
Rz
18 zu Art. 44 mit Verweis auf
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000,
Rz
12 zu Art. 93).
2.4.2
Die
Beschwerdeführerin
warf der Beschwerdegegnerin hauptsächlich
vor, dass
s
ie
wegen der mangelhaften vorgängigen Orientierung keinerlei Ausstands- oder
Ab
leh
nungsgrü
nde
habe geltend machen können
.
Soweit
sie
sinngemäss vorbringt, der Gutachterin fehle es an der fachlichen Kom
petenz, ist ihr nicht zu folgen, da
med.
pract
.
Z._
in fachlicher Hinsicht auf dem Gebiet der Psy
chiatrie mit ei
nem Facharzttitel speziell fachlich qualifiziert
ist (vgl. www.medregom.admin.ch).
Weitere Ausstands- oder Ablehnungsgründe
brachte
die Beschwerde
füh
rerin
weder
nach der Untersuchung vom 22. August 2011
noch
im vorlie
genden Verfahren vor und sind
auch
nach Lage der Akten nicht er
sicht
lich
.
2.5
Soweit die Beschwerdeführerin
im Weiteren
eine Verletzung der
Begründungs
pflicht
monierte, indem sie vorbrachte, die Beschwerdegegnerin habe sich nicht mit der Stellungnahme der behandelnden Psychiaterin auseinandergesetzt (vgl. E. 1.2), ist festzuhalten, dass die Begründungspflicht als Ausfluss des Anspruchs auf rechtliches Gehör nicht bedeutet, dass sich die Behörde mit jedem einzelnen Vorbringen und jedem einzelnen Aktenstück ausdrücklich auseinandersetzen muss. Die Begründung muss kurz die Überlegungen nennen, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich die Verfügung stützt. Nicht erforder
lich ist hingegen, dass sich die Verfügung mit allen Parteistandpunkten einläss
lich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Es genügt, wenn die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht angefochten werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_511/2007 vom 22. November 2007 E. 4.2.2 mit Verweisen). Vorliegend hat die Beschwerdegegnerin ihre Verfügung einge
hend begründet und ist dabei auch auf die wesentlichen Standpunkte der Be
schwerdeführerin eingegangen (vgl. Urk. 2 S. 1 ff.). Die Anforderungen an die Begründungspflicht sind somit erfüllt.
2.6
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
der Anspruch auf rechtliches Gehör nicht
verletzt wurde,
gegen
med.
pract
.
Z._
weder gesetzliche Ausschluss- noch
Ausstandsgründe
geltend gemacht und auch sonst keine triftigen Gründe vorge
bracht wur
den,
die die Verwertbar
keit des Gutachtens in Zweifel zu ziehen ver
möchten.
3.
3.1
Strittig und zu prüfen bleibt, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Ren
ten
anspruch der Beschwerdeführerin verneint hat.
3.
2
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zu
kunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG)
. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen
Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch
zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesent
li
chen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn
sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund
heits
zustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 S. 349 mit Hin
weisen). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Aus
wirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustan
des auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung einer
an
spruchserheblichen
Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräf
tige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheent
scheid
, welche oder
welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit
rechtskonfor
mer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
bemessung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3 S. 75 ff; Urteil des Bundes
ge
richts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
3.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Ver
ordnung über die Invalidenversicherung, IVV)
, so ist im
Beschwerde
verfah
ren
zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch rele
vante
Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hin
weis).
3.
4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwer
defall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stell
ung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 261 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
3.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.
4.1
Der rentenablehnenden Verfügung vom 25. August 2009 (Urk. 10/40) lagen
im Wesentlichen
die folgenden Diagnosen zugrunde (vgl. Berichte von Dr. med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 5. Okto
ber
2007,
Urk. 10/21; Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Kinder- und
Jugend
psy
chi
atrie
und Psychotherapie,
vom 3. Dezember 2007,
Urk. 10/25; Dr. med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, so
wie
lic
. phil.
E._
, Fachpsycho
login für klinische Psychologie und Psy
chothe
rapie
FSP,
vom 15. Juli 2008,
Urk. 10/33; vgl. zum Ganzen auch das
Fest
stellungs
blat
t
vom 15. Juni 2009, Urk. 10/35):
anhaltende affektive Störung im Sinne der
Dysthymie
(ICD-10 F34.1)
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung
(ADHS)
vom unaufmerk
samen Typ (ICD-10 F90)
emotional instabile Persönlichkeit, impulsiver Typ (ICD-10 F60.30)
Angst- und depressive Störung gemischt (ICD-10 F41.2)
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11)
In der
anspruchsverneinende
n
Verfügung stützte
sich die Beschwerdegegnerin
auf
die Beurteilung des
A._
sowie das effektiv ausgeübte Arbei
tspensum der Beschwerdeführerin
:
In einer leidensangepassten
Tä
tigkeit sei die Beschwerdeführerin zu 100 % arbeitsfähig
und
ihre bisherige Tä
tig
keit als Psychologin sei ihr zu 70 % zumutbar (Urk. 10/35/5
).
I
hr
Arbeits
pen
sum
als Psychologin
habe sie
auf 70-80 %
steigern
können
(Urk. 10/35/7
; vgl. auch
Urk. 10/40
).
4.2
Am 3. Oktober 2011 erstatteten Dr.
Y._
und med.
pract
.
Z._
e
in psy
chiatrisches Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 10/75).
Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hielten sie eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis zeitweilig mittelgradige de
pressive Episode (ICD-10 F33.01/F33.11) mit somatischen Symptomen fest (S. 13
Ziff. 5.1).
Die akzentuierten Persönlichkeitszüge mit
histrionischen
, nar
zissti
schen
und emotional instabilen Anteilen (ICD-10 Z73.1) h
ätten
keine Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 13 Ziff. 5.2).
Die gemäss Aktenlage mehr
fach diagnosti
zier
te ADHS lasse sich
aus
gutachterlicher
Sicht nicht nachvoll
ziehen, da die diag
nostischen Kriterien einer ADHS im Erwachsenenalter nicht erfüllt seien.
Insbesondere stünden die beschriebenen oder angegebenen
Auf
merksamkeits
- und
Konzentrationsstörungen im Widerspruch zu den zahlrei
chen erfolgreich absolvierten Ausbildungen bis hin zu einem
Psychologiestu
dium
in den
F._
(S. 16 Mitte).
Auch während der mehrstündigen Untersuchung hätten keine we
sent
lichen Konzentrations- oder
Aufmerksamkeitsschwierigkei
ten
beobachtet
wer
den können (S. 12 oben, S. 13 Ziff. 6).
Die Beschwerdeführe
rin habe zahl
rei
che körperliche und psychische Beschwerden geschildert. Bei der aktuellen Un
ter
suchung habe sich jedoch eine Diskrepanz zwischen den geäus
serten Beschwer
den und d
em klinischen Eindruck sowie den
geschilderten Ak
tivitäten im
Tages
verlauf
ergeben (S. 13 Ziff. 6).
In der angestammten Tätigkeit als Psychotherapeutin/psychologische Beraterin be
st
ehe
bei der Beschwerdeführerin seit dem Jahr 2007 bei einem vollen
Ar
beitspensum
eine Leistungseinschränkung
von
30 %. In einer adaptierten Tätig
keit ohne besonders hohe Anforderungen an die Stress- und
Frustrationstole
ranz
sowie an die sozialen Kompetenzen sei eine Arbeitsunfähigkeit von höchstens 20 % im Sinne einer Leistungsverminderung bei vollem
Arbeitspen
sum
ausge
wie
sen (S. 17 Ziff. 7.1
ff.
).
Mit Stellungnahme vom 5. September 2012 begründete med.
pract
.
Z._
un
te
r
anderem nochmals die von ihr
gestellten Diagnosen und nahm insbe
sondere erneut Stellung, weshalb sie die ADH
S-Diagnose nicht bestätigt habe
(Urk. 9/3).
5.
5.1
D
as psychiatrische
Gutachten
von Dr.
Y._
und med.
pract
.
Z._
vom 3.
Oktober 2011
(vgl. E. 4
.2
) erfüllt die praxisgemässen Anforderungen an eine be
weis
kräftige medizinische Beurteilungsgrundlage (
vgl. E. 3.4):
D
as Gutachten
beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwer
den
(S.
9 ff. Ziff. 3.5 f.
) und wurde in Kenntnis der
Vo
rakten
(Anamnese) abgegeben (S.
2 ff.
Ziff. 2
). Sodann sind die Darlegungen der medizinischen Zusammen
hänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend und die Schluss
f
olgerungen in d
er Expertise sind begründet (S. 13 ff. Ziff. 6
ff.).
5.2
Gestützt auf das Gutachten steht fest, dass
seit der Verfügung vom 25. August 2009
(Urk. 10/40), mit welcher ein Rentenanspruch abgelehnt wurde, keine
ren
tenrelevante
Ver
schlechterung
des Gesundheitszustandes eingetreten
ist
.
So leg
ten
die Gutachter ausführlich und nachvollziehbar dar, dass die diagnostischen Kriterien einer ADHS im Erwachsenenalter nicht erfüllt sind
, wobei sie
sich ein
geh
end mit den früheren Arztberichten auseinander
setzten
und die anders
lau
ten
de Diagnosestellung
begründeten
(vgl.
Gutachten
Urk. 10/75 S.
14
ff. und
S.
18
f
.
Ziff. 8.5,
Urk. 9/3
).
D
ie Leitlinien der Schweizerischen Gesellschaft für Versicherungspsychiatrie für die Begutachtung psychischer Störungen
(
abgedruckt in: Schweizerische
Ärzte
zeitung
2004, S.
1048 ff.)
können bezüglich Anforderungsprofil für die
Fachdis
ziplin
Psychiatrie als Standard herangezogen werden. Sie haben zwar nicht ver
bindlich-behördlichen Charakter, formulieren aber doch den fachlich aner
kannten Standard für eine sachgerechte, rechtsgleiche psychiatri
sche
Beg
ut
ach
tungspraxis
in der Schweiz
.
Die psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen und eröffnet dem begutach
tenden Psy
chiater deshalb praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zu
lässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist. Daher und unter Beachtung der Divergenz von medizinischem Beh
andlungs- und
Abklä
rungs
auftrag
kann es nicht angehen, eine medizinische Administra
tiv- oder
Ge
richtsexpertise
stets dann in Frage zu stellen und zum Anlass wei
terer Ab
klärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Ärzte nachher zu un
terschied
lichen Einschätzungen gelangen oder an vorgängig
geäusserten
abwei
chenden
Auffassungen festhalten. Anders verhält es sich hingegen, wenn die behandeln
den Ärzte objektiv feststellbare Gesichtspunkte vorbringen, wel
che im Rahmen der psychiatrischen Begutachtung unerkannt geblieben und ge
eignet sind, zu einer abweichenden Beurteilung zu führen (Urteil des Bundesge
richts 8C_945/2009
vom 23. September 2010 E. 5 mit weiteren Hinweisen
).
Dies
trifft
vorliegend
mit Blick
auf die Berichte
der behandelnden Psychi
aterin
Dr.
D._
(vgl. Bericht vom 19. Januar 2011, Urk. 10/55; Stellungnahme vom 12. Dezember 2011, Urk. 10/92/1-5)
nicht
zu
.
Dr.
D._
zitierte
ein
zel
ne
Sätze aus dem Gutachten und
führte
dazu aus, es würden sich durch das gesam
te
Gutachten Bemerkungen ziehen, welche ihre Glaubwürdigkeit sowie je
ne der Be
schwerdeführerin grundsätzlich in Zweifel ziehen soll
t
en
(Urk. 10/92/1
-5
)
. Diese Kritik ist nicht nachvollziehbar und unbe
gründet, zumal sich die Gutach
ter in objektiver Art und Weise zu den Berichten
der behandelnden Psychiaterin sowie deren Einschätzung äusserten (vgl. Gut
achten Urk. 10/75 S.
15 f., S. 18 f. Ziff. 8.5)
.
Schliesslich nahm med.
pract
.
Z._
auch zum Verlauf der rezi
divierend
en depressiven Störung Stellung
und führte insbesondere aus, es habe be
i der Beschwerdeführerin weder aktuell noch retrospektiv ein schweres Aus
mass dieser Störung festgestellt werden können
(Urk. 9/3 S. 2)
.
Dies
erscheint
auch nachvollziehbar, da - wie med.
pract
.
Z._
bemerkte -
noch nie eine Be
handlung gemäss den Leitlinien zur Be
handlung von schweren depressiven Epi
soden
stattgefunden
habe
und
eine solch
e
of
fenbar
auch nicht erforderlich
ge
wesen sei
.
5.3
Zusammenfassend ist
festzustellen, dass
g
estützt auf die vorliegenden medizi
ni
schen Akten und insbesondere das psychiatrische Gutachten
vom 3. Oktober 2011
mit überwiegender Wahrscheinlich
keit
feststeht, dass im relevanten Zeit
raum
k
eine revisionsrechtlich bedeutsame Veränderung des Gesundheits
zu
stan
des
eingetreten ist
.
Soweit die
Beschwerdeführer
in
weitere Abklärungen
–
ins
besondere
die Einholung
ein
es
Gerichtsgutachten (Urk. 1 S. 2 Ziff. II.2)
–
ver
langt
,
kann darauf in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden (BGE 127 V 491
E. 1b S. 494 mit Hinweisen). Der Gesundheitszustand und die medizinisch-theo
retische Arbeitsfähigkeit sind aufgrund der medizinischen Ak
ten hinreichend ab
gek
lärt. Von weiteren Untersuchungen wären keine
entscheidwesentlichen
neuen
Erkenntnisse zu erwarten.
6.
D
er
von der Beschwerdegegnerin vorgenommene
Einkommensvergleich wurde von der
Beschwerdeführer
in
nicht
gerügt und ist n
ach Lage der Akten
nicht zu
be
anstanden
, weshalb sich dazu Weiterungen erübrigen und es diesbezüglich sein
Bewenden hat.
Dementsprechend ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von
Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten
sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie
der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen
.