# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b633556e-a4bf-5683-8b02-0468c5874152
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 7. Juli 2015 bei der Gemeinde Muri bei Bern ein
Baugesuch (datiert vom 3. Juli 2015) ein für den Neubau von zwölf Mehrfamilienhäusern
mit jeweils drei Wohneinheiten und einer unterirdischen Einstellhalle auf Parzelle Muri bei
Bern Grundbuchblatt Nr. V._ im W._. Die Parzelle liegt gemäss
Zonenplan1 in der Landhauszone WL. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom 18. August 2017 erteilte die
Gemeinde Muri bei Bern die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden – teilweise separat, teilweise
gemeinsam – Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern
(BVE) ein. In ihren Hauptbegehren beantragen sie allesamt – zumindest sinngemäss – die
(teilweise) Aufhebung des Gesamtentscheids vom 18. August 2017 sowie die Erteilung des
Bauabschlags. Die Beschwerdeführer 1, 3 und 4 beantragen mittels entsprechender
Eventualbegehren zudem sinngemäss eine Projektänderung betreffend die
strassenmässige Erschliessung. Ebenfalls im Sinne eines Eventualbegehrens beantragt
der Beschwerdeführer 3 darüber hinaus sinngemäss eine Projektänderung betreffend die
Ableitung des Meteorwassers. Die Beschwerdeführerin 5, die Beschwerdeführenden 6
und 7 sowie die Beschwerdeführenden 8-16 beantragen schliesslich, ebenfalls
eventualiter, die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz zur Neubeurteilung. Neben der
Erschliessung und der mit dem Bauvorhaben verbundenen Verlegung des auf der
Bauparzelle bestehenden Fuss- und Veloweges rügen die Beschwerdeführenden
insbesondere, die Vorinstanz habe eine Verletzung des rechtlichen Gehörs begangen, das
Vorhaben verletze die massgebenden Gestaltungs- sowie Zonenvorschriften und bedürfe
einer Überbauungsordnung, die geplante Ableitung des Meteorwassers über die
Kanalisation sei unzulässig, das Vorhaben beeinträchtige das Grundwasser und die
Anordnung der geplanten Kinderspielplätze sei unzulässig.
1 Zonenplan mit ökologischen und archäologischen Schutzobjekten der Einwohnergemeinde Muri bei Bern vom 8. März 2015 (Zonenplan).
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3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,2 vereinigte
sämtliche Beschwerdeverfahren unter RA Nr. 110/2017/108, führte den Schriftenwechsel
durch und edierte die Vorakten. Es holte zudem beim Tiefbauamt des Kantons Bern,
Oberingenieurkreis II (TBA OIK II), einen Fachbericht zur Verkehrssicherheit bei der
geplanten Überbauung ein. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Fachbericht des
TBA OIK II zu äussern bzw. Schlussbemerkungen einzureichen. Die Beschwerdegegnerin
beantragt die Abweisung der Beschwerden, soweit auf diese einzutreten sei. Die
Gemeinde beantragt, die Beschwerden seien abzuweisen.
4. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten sowie auf den Fachbericht des TBA OIK II
wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprachen abgewiesen
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1). 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0).
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wurden, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht eingereichten Beschwerden
ist somit grundsätzlich einzutreten. Inwiefern auf die einzelnen Rügen bzw. Anträge
eingetreten werden kann, ist in den nachfolgenden Erwägungen zu prüfen.
c) Soweit der Beschwerdeführer 2 moniert, während der Auflagefrist des vorliegend
umstrittenen Bauvorhabens sei ein weiteres (generelles) Baugesuch der
Beschwerdegegnerin hängig gewesen, das ebenfalls die Erschliessung der Bauparzelle
zum Gegenstand gehabt habe, mithin eine unzulässige Gesuchshäufung vorliege, ist
jedoch bereits an dieser Stelle Folgendes festzuhalten: Die Bauherrschaft kann jederzeit
ein neues Gesuch einreichen und damit ein neues Verfahren einleiten.5 Der
Beschwerdeführer 2 macht zudem nicht geltend und es ist auch nicht ersichtlich, inwiefern
ihm durch die gerügte Gesuchshäufung ein Nachteil entstanden sein sollte. Folglich ist
nicht weiter auf seine diesbezüglichen Ausführungen einzugehen.
2. Streitgegenstand
a) Der Beschwerdeführer 3 beantragt nicht nur die Erteilung des Bauabschlags,
sondern fordert auch eine Aus- bzw. Umzonung der Bauparzelle. Letztere sei nämlich Teil
eines viel besuchten Naherholungsgebiets, das es zu erhalten gelte. Zudem sei es seit der
Einzonung der Bauparzelle als Bauland zu einem markanten Gesinnungswandel bezüglich
haushälterischem Umgang mit unverbautem Kulturland gekommen, der sowohl im RPG6
als auch in den neuen kantonalen Vorschriften Ausdruck gefunden habe und deshalb ernst
zu nehmen sei; dies gelte vorliegend umso mehr, als dass die Bauparzelle in der Zone mit
der tiefstmöglichen Ausnützungsziffer liege. Anstatt das betreffende Grundstück zu
überbauen, solle dieses vielmehr mit einer Landparzelle abgetauscht werden, die eine
höhere Ausnützung zulasse und nicht Teil eines Naherholungsgebiets sei.
b) Anfechtungsobjekt des vorliegenden Verfahrens ist der Gesamtentscheid vom
18. August 2017, mit welchem die Vorinstanz den Neubau von zwölf Mehrfamilienhäusern
mit jeweils drei Wohneinheiten und einer unterirdischen Einstellhalle auf Parzelle Muri bei
Bern Grundbuchblatt Nr. V._ bewilligt hat. Der Streitgegenstand braucht sich nicht
5 BVR 1989 S. 400 E. 2b. 6 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700).
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mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses hinausgehen.
Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand. Die Parteien
können den Streitgegenstand im Verlauf des Verfahrens nicht erweitern, sondern nur
einschränken.7
c) Soweit der Beschwerdeführer 3 eine Aus- bzw. Umzonung der Bauparzelle fordert,
geht dies über den Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens hinaus. Dieses Anliegen
betrifft vielmehr die Ortsplanung. Auf die betreffende Forderung und die diesbezüglich
gemachten Ausführungen des Beschwerdeführers 3 ist folglich nicht einzutreten. Im
Übrigen wäre die BVE für eine allfällige Aus- bzw. Umzonung der Bauparzelle ohnehin
sachlich und funktionell nicht zuständig. Analoges gilt schliesslich auch soweit die
Beschwerdeführenden isoliert den Erlass einer Überbauungsordnung verlangen (im
Übrigen vgl. E. 5).
3. Befangenheit bzw. Ausstandspflicht
a) Das umstrittene Bauvorhaben beruht auf dem Siegerprojekt eines
Architekturwettbewerbs, den die Eigentümerin des Baugrundstücks, die X._, im
Vorfeld des Baubaubewilligungsverfahrens durchgeführt hat. Das Preisgericht bestand aus
zwei Sachpreis- und drei Fachpreisrichtern. Die Entscheidfindung durch das Preisgericht
wurde zudem durch ein achtköpfiges Expertengremium unterstützt. In den Wettbewerb
wurde schliesslich auch eine Begleitgruppe einbezogen, die sich aus der direkten
Nachbarschaft sowie dem Quartierverein «Y._» zusammensetzte.8 Die
Beschwerdeführenden 8-16 machen in ihrer Beschwerde vom 20. September 2017 nun
geltend, die Gemeinde habe den betreffenden Wettbewerb verfolgt und sei in den
gesamten Prozess, insbesondere bei der Bildung der Begleitgruppe, stark miteingebunden
gewesen. Dadurch entstehe der Anschein, die Baubaubewilligungsbehörde sei befangen.
b) Die Rüge der Beschwerdeführenden 8-16 richtet sich gegen die Baukommission als
gesamte Behörde. Die Rüge der Befangenheit kann allerdings nur gegen einzelne
Mitglieder einer Behörde vorgebracht werden, nicht aber gegen eine Behörde als solche.
Denn Ausstands- und Ablehnungsvorschriften gelten für Personen als Träger einer
7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 ff. mit Hinweisen. 8 Vgl. den Bericht des Preisgerichts vom 13. September 2012, S. 7 f. (Vorakten 1/2, pag. 196/197).
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staatlichen Funktion und nicht für die staatliche Funktion an sich.9 Auf die betreffende Rüge
der Beschwerdeführenden 8-16 kann daher nicht eingetreten werden. Dies gilt umso mehr,
als dass diese auch verspätet ist. Denn nach den Grundsätzen von Treu und Glauben und
des Rechtsmissbrauchsverbots, die auch im Verfahrensrecht Geltung beanspruchen, sind
Ausstandsgründe so früh wie möglich geltend zu machen. Ein derartiger Mangel muss
sofort nach Entdecken gerügt werden; das Untätigbleiben bzw. die Einlassung auf das
Verfahren gilt als Verzicht und führt grundsätzlich zum Verwirken des Anspruchs.10 Die
Beschwerdeführenden 8-16 haben die Rüge der Befangenheit erstmals im vorliegenden
Verfahren vorgebracht, obwohl sie bereits im vorinstanzlichen Verfahren Gelegenheit dazu
gehabt hätten. So ist nicht ersichtlich, inwiefern den betreffenden Beschwerdeführenden
die von ihnen gerügten Umstände des Projektwettbewerbs zum damaligen Zeitpunkt nicht
bekannt gewesen sein sollten. Den Einwand, wonach die Vorinstanz den Anschein der
Befangenheit erst mit der Begründung des angefochtenen Entscheids erweckt habe und
die entsprechende Rüge deshalb erst im vorliegenden Verfahren erhoben werden konnte,
bringen die Beschwerdeführenden 8-16 erst in ihren Schlussbemerkungen vor, also
nachdem die Vorinstanz die Rechtzeitigkeit der Befangenheitsrüge bestritten hat. Zudem
ergänzt dieser Einwand die ursprüngliche Begründung der Beschwerdeführenden 8-16
nicht, sondern stellt eine gänzlich neue Argumentationslinie dar. Es ist daher davon
auszugehen, dass es sich dabei um eine blosse Schutzbehauptung handelt, die
unbeachtlich ist.
c) Selbst wenn die Rüge der Befangenheit aber nicht verspätet wäre und sich gegen die
einzelnen Mitglieder der Baukommission persönlich richten würde und deshalb darauf
einzutreten wäre, wäre sie materiell unbegründet: Art. 9 VRPG11 regelt, wann eine Person,
die eine Verfügung oder einen Entscheid zu treffen oder vorzubereiten oder als Mitglied
einer Behörde zu amten hat, in den Ausstand tritt. Vorbehalten bleiben die Vorschriften
über den Ausstand nach dem Gemeindegesetz (Art. 9 Abs. 3 VRPG). Im gemeindeinternen
Verwaltungsverfahren gelten grundsätzlich die gemeinderechtlichen Ausstandsregeln.12
Diese sind in Art. 47 GG13 geregelt. Danach hat in den Ausstand zu treten, wer an einem
Geschäft unmittelbar ein persönliches Interesse hat (Abs. 1). Ausstandspflichtig ist
9 BVR 2002 S. 426 E. 1b/bb mit Hinweisen; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 9 N. 7. 10 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 9 N. 5 mit Hinweisen. 11 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 12 Daniel Arn, in Kommentar zum bernischen Gemeindegesetz, Bern 1999, Vorbem. zu Art. 47 und Art. 48 N. 7. 13 Gemeindegesetz vom 16. März 1998 (GG; BSG 170.11).
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ebenfalls, wer mit einer Person, deren persönliche Interessen von einem Geschäft
unmittelbar berührt werden, in gerader Linie oder in der Seitenlinie bis dem dritten Grade
verwandt oder verschwägert oder durch Ehe, eingetragene Partnerschaft oder faktische
Lebensgemeinschaft verbunden ist (Abs. 2 Bst. a) oder diese Person gesetzlich,
statutarisch oder vertraglich vertritt (Abs. 2 Bst. b). Art. 13 GO14 wiederholt diese
Grundsätze. Bei der Auslegung der Ausstands- und Ablehnungsgründe ist schliesslich die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zu den verfassungsrechtlichen Minimalanforderungen
von Art. 29 und Art. 30 BV15 betreffend unabhängige und unparteiische Richter und
Gleichbehandlung zu berücksichtigen. Für die Unabhängigkeit und Unparteilichkeit
nichtrichterlicher Behördenmitglieder gelten aber nicht die gleichen Grundsätze wie für
Mitglieder von Gerichtsbehörden. Bei nichtrichterlichen Behördenmitgliedern ist dem
spezifischen Umfeld und Aufgabenbereich von Verwaltungs- und Exekutivbehörden
Rechnung zu tragen und die Anforderungen an die Unparteilichkeit sind unter
Berücksichtigung ihrer gesetzlich vorgegebenen Funktion und Organisation zu ermitteln.
Nichtrichterliche Behördenmitglieder haben nur in den Ausstand zu treten, wenn sie am
betreffenden Geschäft ein persönliches Interesse haben, zu einem früheren Zeitpunkt
gegenüber der Partei ihre persönliche Geringschätzung oder Abneigung zum Ausdruck
gebracht haben oder wenn ihnen Verfahrens- oder Ermessensfehler unterlaufen sind, die
nach ihrer Natur oder wegen ihrer aussergewöhnlichen Häufung besonders schwer wiegen
und auf eine gravierende Verletzung ihrer Amtspflichten hinauslaufen.16 Ein
Ausstandsgrund kann unter gewissen Voraussetzungen auch dann vorliegen, wenn sich
eine Amtsperson schon vorher über die konkrete Sache geäussert hat oder mit der Sache
vorbefasst war.17
d) Die Beschwerdeführenden 8-16 machen weder geltend noch ist ersichtlich, dass die
Mitglieder der Baukommission am umstrittenen Bauvorhaben unmittelbar ein persönliches
Interesse haben oder mit einer Person, deren persönliche Interessen vom betreffenden
Bauvorhaben unmittelbar berührt werden, verwandtschaftlich verbunden sind bzw. eine
solche Person gesetzlich, statutarisch oder vertraglich vertreten. Vielmehr machen die
Beschwerdeführenden 8-16 sinngemäss eine unzulässige Vorbefassung geltend. Die
Mitglieder der Baukommission hatten allerdings weder Einsitz im Preisgericht noch waren
14 Gemeindeordnung der Einwohnergemeinde Muri bei Bern vom 24. Februar 2008 (GO). 15 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101). 16 BGE 140 I 326 E. 5.2; BVR 2011 S. 128 E. 2.2. 17 BGer 2C_1007/2013 vom 23.5.2014, E. 2.2 mit Hinweisen.
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sie Teil des Expertengremiums oder der Begleitgruppe; letztere beiden waren ohnehin
nicht stimmberechtigt. Veranstalterin des Projektwettbewerbs war zudem nicht die
Gemeinde Muri bei Bern, sondern einzig die X._. Inwiefern die Mitglieder der
Baukommission in den Wettbewerbsprozess miteinbezogen worden sein sollten, ist daher
nicht ersichtlich und wird von den Beschwerdeführenden 8-16 auch nicht näher dargelegt.
Dies gilt insbesondere auch hinsichtlich der Bildung der Begleitgruppe. Eine unzulässige
Vorbefassung seitens der Mitglieder der Baukommission war dementsprechend gar nicht
möglich. Das blosse «Verfolgen» des Architekturwettbewerbs stellt jedenfalls keine
unzulässige Vorbefassung bzw. keinen Ausstandsgrund dar.
4. Rechtliches Gehör
a) Der Beschwerdeführer 2 macht geltend, die Vorinstanz sei nicht bzw. nur
ungenügend auf seine Rügen betreffend die Gestaltung und Erschliessung des
Bauvorhabens eingegangen und habe damit ihre Begründungspflicht bzw. seinen
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. So äussere sich die Vorinstanz weder zu seinen
Argumenten betreffend die Ausrichtung der geplanten Gebäude und deren Riegelcharakter
noch zu seinem Vorbringen, wonach die Zahlen bezüglich Mehrverkehr in der von einigen
Einsprechenden ins Recht gelegten Erschliessungsanalyse der Z._ AG zu tief
seien.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 26 Abs. 2 KV18 und Art. 21 ff. VRPG
gibt den Parteien das Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen,
Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an
der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis zu äussern. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt zudem, dass die
Behörde die Vorbringen der in ihrer Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig prüft und beim
Entscheid berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihre Verfügung zu
begründen (Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG). Eine Begründung muss so abgefasst sein, dass
die Betroffenen die Verfügung sachgerecht anfechten können. Es müssen wenigstens kurz
die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf
die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde muss jedoch nicht auf jedes Argument der
18 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1).
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Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten
auseinandergesetzt hat.19
c) In Zusammenhang mit der Gestaltung bzw. Ästhetik des Bauvorhabens wird im
angefochtenen Entscheid zunächst ein Auszug der Beurteilung des Preisgerichts
wiedergegeben. Dieser lautet wie folgt:
Die Projektverfassenden setzen auf eine freie Anordnung von Volumen in einer durch Modulationen und
Wasserflächen gestalteten Umgebung. Dabei folgt die Ausrichtung der Gebäude nachvollziehbar der
Geometrie der angrenzenden Bauten. Durch die Auffächerung entsteht ein fast zufällig anmutendes
Bebauungsmuster. Die Baukörper entsprechen in der Volumetrie weitgehend der der vorhandenen
Siedlungsstruktur. [...] Gekonnt werden die Gebäude in die Landschaft so eingefügt, dass diese möglichst
unberührt wirkt. Die auskragenden über Eck geführten Balkone schweben teilweise über den Wasserflächen
und erzeugen sowohl von Aussen wie von Innen ein besonderes Stimmungsbild. [...] Die Grundrisstypologien
erweisen sich als ausgesprochen vielfältig und attraktiv. [...] Das Projekt bietet ein qualitativ hochwertiges
Wohnen in einer parkartig gestalteten Umgebung und ist insgesamt gut durchgearbeitet. [...] Der Entwurf erfüllt
in hohem Masse die gestellten Anforderungen und erzielt, nicht zuletzt durch die kompakten Baukörper, eine
hohe Gesamtqualität und optimale Einordnung in die vorhandene Quartierstruktur.
Die Vorinstanz schloss sich dieser Beurteilung an und führte insbesondere aus, die
Ausrichtung der Gebäude erfolge in Anlehnung an die Geometrie der angrenzenden
Bauten, weshalb bezüglich der Einbettung der Bauten in die Umgebung von einer guten
Gesamtwirkung auszugehen sei und in Bezug auf die Gebäudestellung ein
nachvollziehbarer Zusammenhang mit der baulichen Umgebung bestehe.
Im Zusammenhang mit der Erschliessung des Bauvorhabens führt die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid insbesondere aus, die geplante Überbauung werde zwar in
einem gewissen Umfang Mehrverkehr generieren. Dieser sprenge die Kapazität der
bestehenden Erschliessungsanlagen aber nicht. So sei der mit 36 Wohneinheiten
verbundene Mehrverkehr angesichts der vorhandenen Strassenbreiten und -qualität sowie
des bereits bestehenden Verkehrs überschaubar. Dies ergebe sich im Übrigen auch aus
der Erschliessungsanalyse der Z._ AG. Eine gegenteilige Auffassung sei
angesichts dieser Ausgangslage nicht nachzuvollziehen.
19 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 5 f.
RA Nr. 110/2017/108 11
d) Mit diesen Ausführungen und dem Verweis auf die Beurteilung des Preisgerichts
liess die Vorinstanz nicht nur die Leitgedanken ihrer Entscheidung erkennen, sondern ging
insbesondere auch – zwar nicht ausführlich, jedoch genügend – auf die Vorbringen des
Beschwerdeführers 2 ein. So lässt sich aus der Aussage, wonach die Ausrichtung der
Gebäude in Anlehnung an die Geometrie der angrenzenden Bauten erfolge bzw. in Bezug
auf die Gebäudestellung ein nachvollziehbarer Zusammenhang mit der baulichen
Umgebung bestehe, schliessen, dass die Vorinstanz die Baufluchten der bestehenden
Bauten als respektiert erachtet. Mit dem Verweis auf die Beurteilung des Preisgerichts, in
welcher das Bauvorhaben mit Formulierungen wie «eine freie Anordnung von Volumen»
und «Auffächerung» beschrieben wird, gibt die Vorinstanz zudem zu verstehen, dass sie
der Rüge des Beschwerdeführers 2, wonach das Bauvorhaben einen reglementswidrigen
Riegelcharakter aufweise, nicht folgt. Dass es sich dabei bloss um einen Verweis und nicht
um die eigenen Worte der Vorinstanz handelt, ist nicht zu beanstanden. Denn die
Begründung eines Entscheids kann auch in einem Verweis bestehen.20 Es trifft zudem
nicht zu, dass die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid bloss in pauschaler Art und
Weise auf die Einschätzung des Preisgerichts verweist. Vielmehr zeigen bereits die obigen
Ausführungen, dass die Vorinstanz das Bauvorhaben selbstständig und unabhängig
geprüft hat. Der Erwägung betreffend der Erschliessung des Bauvorhabens lässt sich
schliesslich und entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers 2 entnehmen, dass
die Vorinstanz hinsichtlich des zu erwartenden Mehrverkehrs nicht bloss auf die Zahlen der
Erschliessungsanalyse der Z._ AG abstellt, sondern vielmehr aufgrund eigener
Überlegungen von einem nicht relevanten Mehrverkehr ausgeht. Hinzu kommt, dass
vorliegend ohnehin die Anforderungen an neue Erschliessungsanlagen erfüllt sind,
weshalb der durch das Bauvorhaben zu erwartende Mehrverkehr von Anfang an
unbeachtlich ist (E. 6f ff.). Nach dem Gesagten verfügte der Beschwerdeführer 2 über die
Möglichkeit, sich mit den Argumenten der Vorinstanz auseinander zu setzen und deren
Entscheid gehörig anzufechten. Die Vor-instanz verletzte ihre Begründungspflicht bzw. den
Anspruch auf rechtliches Gehör des Beschwerdeführers 2 somit nicht. Folglich war es auch
nicht nötig, dem Beschwerdeführer 2 Einsicht in die Erläuterungen des Protokolls der
Baukommissionssitzung zu geben, in welcher über das umstrittene Bauvorhaben
abgestimmt worden ist.
20 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 5.
RA Nr. 110/2017/108 12
5. Erfordernis einer Überbauungsordnung
a) Die Beschwerdeführenden 2, 4 und 8-16 machen – insbesondere im Zusammenhang
mit der Gestaltung bzw. der Erschliessung des Bauvorhabens – geltend, für das
umstrittene Bauvorhaben sei eine Überbauungsordnung erforderlich.
b) Die baurechtlichen Grundordnungen der Gemeinden sind in aller Regel auf die
Verhältnisse und Bedürfnisse der konventionellen Bauweise und Nutzungsformen
ausgerichtet. Bauvorhaben, die diesen Rahmen sprengen, bedürfen einer besonderen
planerischen Einordnung. Das Bundesgericht spricht für diese Fälle geradezu von einer
bundesrechtlichen Planungspflicht nach Art. 2 RPG. In diesem Sinne hat das
Bundesgericht bei Bauvorhaben ausserhalb der Bauzonen die Planungspflicht bejaht für
Multikomponenten-Deponien, für Anlagen der Kiesausbeutung, für Golfplätze und andere
grössere Sport- und Freizeitanlagen, für grössere Beschneiungsanlagen, für grössere
Parkplätze und Bootshäfen, für einen grösseren Standplatz für Fahrende sowie in der
Regel für Bauten und Anlagen, für welche eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)
vorgeschrieben ist.21
Das bernische Baugesetz bestimmt allgemein, dass Bauten und Anlagen, die wesentlich
von der baurechtlichen Grundordnung abweichen, nur aufgrund einer
Überbauungsordnung bewilligt werden dürfen (Art. 19 Abs. 1 BauG). Es fasst derartige
Bauvorhaben unter dem Begriff «besondere Bauten und Anlagen» zusammen. Als
besondere Bauten und Anlagen gelten im Rahmen der näheren Bestimmungen von Art. 20
BauG Hochhäuser und Detailhandelseinrichtungen; ausserdem ist der Regierungsrat
ermächtigt, weitere im Lichte der kommunalen Grundordnungen ungewöhnliche
Bauvorhaben dem Erfordernis der Überbauungsordnung zu unterstellen (Art. 19 Abs. 2
BauG). Der Regierungsrat hat in der Bauverordnung zusätzlich Terrassenhäuser als
besondere Bauten und Anlagen bezeichnet (Art. 23 BauV22). Bis zum Inkrafttreten der
revidierten Baugesetzgebung am 1. April 2017 bezeichnete aArt. 29 BauV ausdrücklich
auch noch bestimmte Traglufthallen, grössere gewerbliche Lager- und Abstellplätze,
Residenzplätze sowie allgemein alle Bauvorhaben, die wegen einer Mehrzahl benötigter
Ausnahmen (sogenannte Ausnahmenkumulation) oder wegen einer beanspruchten
21 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 19/20 N. 1 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung. 22 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1).
RA Nr. 110/2017/108 13
besonders weitgehenden Ausnahme in ihrer Erscheinung oder in ihren Auswirkungen mit
der Grundordnung nicht vereinbar waren, als besondere Bauten und Anlagen.23
Darüber hinaus sind die Gemeinden zum Erlass einer Überbauungsordnung verpflichtet,
wenn die Verhältnisse oder die Rechtslage es erfordern (Art. 88 Abs. 1 BauG). Dies ist
namentlich der Fall, wenn ein Gebiet neu erschlossen oder seine Erschliessung wesentlich
verändert werden muss und kein dafür genügender Richtplan besteht; für die Erstellung
von Bauten oder Anlagen im öffentlichen Interesse das Enteignungsrecht benötigt wird;
den Grundeigentümern eine besondere Nutzungspflicht auferlegt werden soll; das
Plangebiet als Zone mit Planungspflicht bestimmt ist. Im Übrigen bestimmen die
Gemeinden im Rahmen ihrer Autonomie frei, für welche Bauvorhaben bzw. Gebiete und
mit welchem Inhalt sie Überbauungsordnungen erlassen wollen.24
c) Die Vorinstanz kam im angefochtenen Entscheid zum Schluss, es bestehe weder
eine Pflicht noch ein Anlass zum Erlass einer Überbauungsordnung. Dieses Ergebnis ist
nicht zu beanstanden. So geht es vorliegend um die Realisierung einer Wohnüberbauung
bestehend aus zwölf Mehrfamilienhäusern mit jeweils drei Wohneinheiten und einer
unterirdischen Einstellhalle innerhalb der Bauzone. Damit stellt das Vorhaben zwar eine
grössere Überbauung dar, die auch mit gewissen Auswirkungen auf Raum und Umwelt
verbunden ist. Das Bauvorhaben bedarf jedoch weder einer UVP noch ist es mit einer
unkonventionellen Bauweise oder Nutzungsform verbunden. Ferner stellt das Vorhaben
keine besondere Baute oder Anlage im Sinne der kantonalen Gesetzgebung dar; es
erfordert insbesondere keinerlei Ausnahmen. Wie sich in den nachfolgenden Erwägungen
zeigen wird, weicht das Bauvorhaben auch sonst nicht von der baurechtlichen
Grundordnung ab. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Gestaltung der geplanten
Bauten (E. 9) sowie die strassenmässige Erschliessung des Bauvorhabens (E. 6).
Bezüglich Letzterer ist zudem bereits an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass der
Umstand, wonach mit der geplanten Erschliessung die gesetzlichen Anforderungen an eine
Neuerschliessung erfüllt werden, nicht mit der Neuerschliessung eines Gebiets
gleichzusetzen ist; vielmehr besteht die geplante Erschliessung bereits heute und diese
wird durch den beabsichtigten Bau eines Trottoirs im Bereich der Hauszufahrt auch nicht
wesentlich verändert (vgl. zum Ganzen E. 6d). Frühere bau- und planungsrechtliche
23 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 19/20 N. 1 und 2. 24 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band II, Bern 2017, Art. 88/89 N. 6; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 19/20 N. 2a.
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Verfahren betreffend die Bauparzelle bzw. den W._ vermögen ebenfalls keine
Pflicht zum Erlass einer Überbauungsordnung zu begründen. Das umstrittene
Bauvorhaben muss einzig der heute geltenden Grundordnung entsprechen. Hinzu kommt,
dass die BVE in einem dieser früheren Verfahren zum Schluss kam, für die Neuanlage
einer ringförmigen Erschliessungsstrasse auf der nördlichen Nachbarparzelle des heutigen
Baugrundstücks sei der Erlass einer Überbauungsordnung gerade nicht erforderlich.25 Ein
Vertrauensschutz, wie ihn insbesondere die Beschwerdeführenden 8-16 für sich
reklamieren, fällt damit von vornherein ausser Betracht. Entgegen den Ausführungen des
Beschwerdeführers 4 ist schliesslich auch nicht ersichtlich, inwiefern die heutigen
rechtlichen, politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Gegebenheiten bzw.
Anschauungen sowie die nachbarlichen Interessen vorliegend die Pflicht zum Erlass einer
Überbauungsordnung begründen sollten. Wie den bisherigen Ausführungen zu entnehmen
ist, bestehen keine zwingenden Gründe für den Erlass einer Überbauungsordnung.
Folglich stand es der Gemeinde frei, eine solche zu erlassen. Dies hat sie jedoch gerade
nicht getan. Zusammengefasst bestehen vorliegend also weder rechtliche noch
tatsächliche Gründe, welche die Gemeinde zum Erlass einer Überbauungsordnung
verpflichtet hätten. Die Rügen der Beschwerdeführenden 2, 4 und 8-16 betreffend den
Erlass einer Überbauungsordnung erweisen sich insoweit als unbegründet.
6. Strassenmässige Erschliessung
a) Die Erschliessung des Bauvorhabens mit dem übergeordneten Strassennetz soll von
der AA._strasse her über das AB._gässli sowie die AC._- und
AD._strasse in den AE._weg und von dort aus über den so genannten
«AF._» erfolgen. Mit Ausnahme der Beschwerdeführerin 5 rügen sämtliche
Beschwerdeführende, die geplante Erschliessung des Bauvorhabens mit total
36 Wohneinheiten und einer Einstellhalle mit 72 Autoabstellplätzen über den
AE._weg und «AF._» erfülle nicht die Anforderungen an eine genügende
Erschliessungsanlage. Die Beschwerdeführenden begründen dies im Wesentlichen damit,
dass die Erschliessung über den AE._weg bzw. «AF._» nicht der
kürzesten und damit auch nicht der emissionsärmsten Routenführung entspreche. Da der
«AF._» zurzeit noch nicht als Erschliessungsstrasse genutzt werde, gehe es
25 BDE vom 12. September 2001, E. 3 (RA Nr. 110/2000/116).
RA Nr. 110/2017/108 15
vorliegend zudem nicht um die Beurteilung einer bestehenden Erschliessungsanlage; im
Übrigen führe das Bauvorhaben ohnehin zu einer Mehrbelastung, die nicht mehr als
verhältnismässig gering bezeichnet werden könne und zudem die vorhandenen
Kapazitäten sprengen würde. Aufgrund der geringen Strassenbreite des
AE._weges sowie den auf dieser Strasse vorherrschenden unzureichenden
Sichtverhältnissen, stünden der geplanten Erschliessung schliesslich auch Aspekte der
Verkehrssicherheit entgegen.
b) Auf diese Rügen ist nachfolgend einzugehen (E. 6c ff.). Soweit die
Beschwerdeführenden eine (zusätzliche) Erschliessung direkt von der
AC._strasse über den nordöstlichen Zipfel des Baugrundstücks verlangen, ist
hingegen darauf hinzuweisen, dass ein solcher Anschluss nicht Gegenstand des
vorliegend in Frage stehenden Baugesuchs ist. Analoges gilt für die vom
Beschwerdeführer 2 geforderte Zweiteilung der Einstellhalle bzw. getrennte Zu- und
Wegfahrt. Diese Forderungen gehen daher über den Streitgegenstand des vorliegenden
Verfahrens hinaus (E. 2b), weshalb insoweit auf die betreffenden Beschwerden nicht
einzutreten ist. Daran ändert auch der Umstand nichts, wonach eine Erschliessung direkt
über die AC._strasse einerseits im Rahmen von früheren Projekten als sinnvoll
bzw. notwendig erachtet worden ist und andererseits in der Erschliessungsanalyse der
Z._ AG als geeignetste Variante bezeichnet wird. Entscheidend ist vorliegend
einzig, dass die geplante Erschliessung den gesetzlichen Anforderungen genügt.
Soweit die Beschwerdeführerin 5 eine umfassende und verbindliche bzw. dingliche
Regelung der Zufahrt zu den Parzellen Nrn. AG._ und AH._ fordert, ist
ebenfalls nicht auf ihre Beschwerde einzutreten. Denn nach Art. 4 BauV müssen bloss
diejenigen Anlagen (rechtlich) sichergestellt sein, die für die Erschliessung des jeweils in
Frage stehenden Bauvorhabens erforderlich sind. Die Zufahrt zu den Parzellen
Nrn. AG._ und AH._ ist für die Erschliessung des umstrittenen
Bauvorhabens aber nicht erforderlich. Die Beschwerdeführerin 5 bezweckt mit ihrer
Forderung offenbar den Abschluss einer privatrechtlichen Vereinbarung betreffend den
Zugang zu ihren beiden Parzellen, der über den nordöstlichen Zipfel des Baugrundstücks
führt. Hierfür ist sie jedoch auf den zivilrechtlichen Weg verwiesen.26
26 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 2 N. 4a.
RA Nr. 110/2017/108 16
Soweit gewisse Beschwerdeführende die neu geplante Führung des Fuss- und Veloweges
(AI._strasse) über die Bauparzelle bzw. den «AF._» bemängeln bzw. die
angeblich damit einhergehende Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit rügen, ist
schliesslich auf die nachfolgende Erwägung (E. 7) zu verweisen.
c) Bauvorhaben dürfen nur bewilligt werden, wenn das Baugrundstück genügend
erschlossen ist (Art. 7 Abs. 1 BauG). Dabei gilt die strassenmässige Erschliessung dann
als genügend, wenn die Zufahrtsstrasse hinreichend nahe an die geplanten Bauten und
Anlagen heranführt und diese für Feuerwehr und Sanität gut erreichbar sind (Art. 7 Abs. 2
Bst. a BauG). Die Erschliessungsstrassen müssen weiter den Beanspruchungen
gewachsen sein, die sich aus der Nutzung des Baugrundstücks und der weiteren
Grundstücke ergeben können, denen sie nach der Planung zu dienen bestimmt sind (Art. 7
Abs. 3 BauG). Der Regierungsrat umschreibt die Anforderungen an eine genügende
Erschliessung näher (Art. 8 Abs. 1 BauG). Er ordnet namentlich auch die Fälle, in denen
eine bestehende Erschliessungsstrasse als genügend geltend kann, obgleich sie den
Anforderungen an eine Neuerschliessung nicht entspricht (Art. 8 Abs. 2 Bst. a BauG) und
die für besondere Fälle möglichen Erleichterungen oder geltenden strengeren
Anforderungen (Art. 8 Abs. 2 Bst. b BauG). So genügen bestehende
Erschliessungsstrassen in einem weitgehend überbauten Gebiet oder ausserhalb der
Bauzone, wenn die insgesamt zu erwartende Mehrbelastung verhältnismässig gering ist
und die Verkehrssicherheit und Brandbekämpfung gewährleistet sind (Art. 5 Abs. 1 Bst. a
BauV). Für die Beurteilung der Verhältnismässigkeit der insgesamt zu erwartenden
Mehrbelastung ist auf die nach den geltenden Zonenvorschriften gesamthaft mögliche
Nutzung abzustellen. Die Mehrbelastung muss im Verhältnis zum gegenwärtigen
Verkehrsaufkommen verhältnismässig gering sein.27 Dabei bedeutet eine erwartete
Verdoppelung des Verkehrsaufkommens nicht automatisch, dass die Mehrbelastung nicht
mehr gering ist. Wesentlich sind auch die örtlichen Verhältnisse (bisherige Nutzung,
Fahrbahnbreite, Länge und Übersichtlichkeit der Zufahrt) sowie die Benützerkategorien
(Personenwagen, Lastwagen, Schulkinder, usw.). Die Verkehrssicherheit ist
vermutungsweise nicht mehr gewährleistet, wenn die Normen für neue Anlagen (Art. 7
und 9 BauV) massiv unter- bzw. überschritten werden.28 In Art. 6 ff. BauV sind die
Anforderungen an neue Zufahrtsstrassen vom allgemeinen Strassennetz zum
Baugrundstück geregelt. Bei der Strassengestaltung, insbesondere bei der Bemessung der
27 BVR 2004 S. 412 E. 4.3. 28 VGE 2012/208 vom 31.1.2013, E. 3.2; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 7/8 N 10.
RA Nr. 110/2017/108 17
Fahrbahnbreite, ist auf die Verkehrssicherheit sowie auf Landschaft und Ortsbild Rücksicht
zu nehmen; besonderen örtlichen Verhältnissen und Bedürfnissen ist Rechnung zu tragen
(Art. 6 Abs. 3 BauV). Für die Fahrbahnbreite sieht Art. 7 BauV Mindest- und Maximalwerte
vor. Diese sind nach Massgabe der Verkehrsbelastung zu bestimmen (Art. 7 Abs. 1 BauV).
So soll die Fahrbahnbreite bei Strassen mit Gegenverkehr grundsätzlich 4.2 Meter nicht
unterschreiten (Art. 7 Abs. 2 BauV), andererseits höchstens 5 Meter, bei
Quartiersammelstrassen höchsten 6 Meter betragen (Art. 7 Abs. 4 BauV). Schliesslich darf
die Steigung von Erschliessungsstrassen in der Strassenachse grundsätzlich höchstens
12 Prozent betragen (Art. 9 Abs. 1 BauV).29
d) Zunächst gilt festzuhalten, dass es vorliegend sehr wohl um die Beurteilung einer
bestehenden Erschliessungsanlage geht. Einerseits ist es unbestritten, dass mit dem
AE._weg, der AD._- und AC._strasse sowie dem
AB._gässli heute bereits eine Strassenverbindung zwischen dem Baugrundstück
und dem allgemeinen Strassennetz besteht, die hinreichend nahe an die geplanten Bauten
und Anlagen heranführt. Andererseits ist den Abbildungen 11 und 13 der
Erschliessungsanalyse der Z._ AG sowie den in den Akten befindlichen Auszügen
aus Google Maps zu entnehmen, dass der «AF._» als Hauszufahrt im Sinne von
Art. 106 Abs. 3 BauG zur Liegenschaft AE._weg 20 (Parzelle Nr. AJ._)
dient. Der Umstand, wonach der «AF._» zukünftig auch als Teil eines Fuss- und
Veloweges genutzt werden soll (E. 7), führt schliesslich nicht dazu, dass die geplante
Erschliessung als neu zu qualifizieren ist. Entscheidend ist einzig, dass die genannten
Erschliessungsanlagen bereits heute die Zufahrt mit Motorfahrzeugen bezwecken.30
e) Die Beschwerdeführenden machen sodann geltend, das Bauvorhaben führe zu einer
Mehrbelastung, die nicht mehr als verhältnismässig gering im Sinne des Gesetzes
bezeichnet werden könne. Diesbezüglich ist vorweg darauf hinzuweisen, dass sich die
Geringfügigkeit der insgesamt zu erwartenden Mehrbelastung im Sinne von Art. 5 Abs. 1
Bst. a BauV nicht – wie von einigen Beschwerdeführenden behauptet – analog zu Art. 6
Abs. 3 BauV bemisst, wonach lediglich eine Zufahrt für nicht mehr als 20 Wohnungen oder
eine verkehrsmässig gleichbedeutende Nutzung eine geringe Verkehrsbelastung darstellt.
Im Rahmen von Art. 5 Abs. 1 Bst. a BauV kommt es vielmehr darauf an, dass die
29 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 7/8 N. 16 f. 30 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 7/8 N. 10 Bst. b.
RA Nr. 110/2017/108 18
insgesamt zu erwartende Mehrbelastung im Verhältnis zum gegenwärtigen
Verkehrsaufkommen verhältnismässig gering ist (E. 6c).
f) Verhältnismässig gering im vorgenannten Sinne dürfte auch die durch das
umstrittene Bauvorhaben insgesamt zu erwartende Mehrbelastung sein. Das Bauvorhaben
umfasst zwar 36 neue Wohneinheiten und eine Einstellhalle mit 72 Autoabstellplätzen
sowie fünf oberirdische Besucherparkplätze. Der Umstand, wonach die bestehenden
Erschliessungsstrassen, insbesondere auch der AE._weg, bereits ein ganzes
Quartier erschliessen, lässt jedoch darauf schliessen, dass der durch das Bauvorhaben zu
erwartende Mehrverkehr insgesamt nicht besonders ins Gewicht fallen wird. Die Frage, ob
vorliegend noch von einer verhältnismässig geringen Mehrbelastung auszugehen bzw. auf
welche Fahrtenzahlen in diesem Zusammenhang abzustellen ist, kann letztlich aber offen
gelassen werden. Denn wie sich sogleich zeigen wird, erfüllt die geplante Erschliessung
bereits die Anforderungen an eine Neuerschliessung.
g) Es wird zu Recht nicht bestritten, dass die geplanten Bauten und Anlagen für die
Feuerwehr und die Sanität gut erreichbar sind. Sämtliche Strassen, die Teil der geplanten
Erschliessung sind, weisen zudem Fahrbahnbreiten von mindestens 5.5 Metern auf.
Problematische Steigungen sind ebenfalls nicht ersichtlich und werden von den
Beschwerdeführenden auch nicht geltend gemacht. Da für die geplante Erschliessung
sodann keine wesentlichen Veränderungen der bestehenden Anlagen nötig sind (lediglich
der «AF._» soll mit einem zwei Meter breiten Trottoir ergänzt werden), erübrigt es
sich in diesem Zusammenhang näher auf die Landschaft und das Ortsbild einzugehen.
Ferner bestehen keinerlei Anhaltspunkte, wonach bereits jetzt oder nach Realisierung des
umstrittenen Bauvorhabens Kapazitätsengpässe bestehen bzw. entstehen könnten.
Einerseits ist davon auszugehen, dass die Strassen, die Teil der geplanten Erschliessung
sind, darauf ausgelegt sind, das gesamte AB._-Quartier, also auch das
Baugrundstück, zu erschliessen. Andererseits wird im Fachbericht des TBA OIK II vom
23. Januar 2018 ausgeführt, dass die betreffenden Quartierstrassen weder zur Umfahrung
noch als Abkürzung missbraucht werden, sondern vollumfänglich dem Quell- und
Zielverkehr dienen; die hauptsächlichen Zufahrtsachsen AE._weg, AD._-
und AC._ strasse würden denn auch nur wenig Verkehr aufweisen und gemäss
Wissen und Beobachtungen des TBA OIK II störungsfrei funktionieren. Im Übrigen kommt
auch die Erschliessungsanalyse der Z._ AG – die notabene von einem Teil der
Beschwerdeführenden in Auftrag gegeben wurde – zum Schluss, dass der zu erwartende
RA Nr. 110/2017/108 19
Mehrverkehr auf keiner der fraglichen Strassen zu Kapazitätsproblemen führen wird; dies
obwohl bei der Analyse nicht mit 36, sondern sogar mit 48 neuen Wohneinheiten gerechnet
worden ist. Schliesslich ist auch nicht ersichtlich, inwiefern Aspekte der Verkehrssicherheit
gegen die geplante Erschliessung sprechen sollten. Die betreffenden
Erschliessungsstrassen sind breit genug und gemäss Fachbericht des TBA OIK II sind in
der Unfalldatenbank keine Unfälle im Umfeld der geplanten Überbauung registriert. Der
AE._weg liegt zudem, wie auch die AC._- und AD._strasse, in
einer verkehrsberuhigten Zone, in der eine Höchstgeschwindigkeit von
30 Stundenkilometern sowie Rechtsvortritt gilt; Strassenkreuzungen und
Garagenausfahrten stellen somit nicht per se eine Gefahr da. Ob die jeweiligen
Verkehrsregeln von allen Verkehrsteilnehmern eingehalten werden, ist für die Frage der
Bewilligungsfähigkeit des umstrittenen Bauvorhabens sodann nicht beachtlich.31 Sämtliche
Strassen, die Teil der geplanten Erschliessung sind, verfügen im Übrigen auf mindestens
einer Seite über ein Trottoir; beim «AF._» ist der Bau eines Trottoirs, wie eingangs
erwähnt, vorgesehen. Folglich wird insbesondere auch dem Aspekt der
Fussgängersicherheit, aber auch der Sicherheit der übrigen nicht motorisierten
Verkehrsteilnehmer genügend nachgekommen. Die von einigen der Beschwerdeführenden
bemängelte Kurve am östlichen Ende des AE._wegs, die eng bzw. unübersichtlich
sein soll, ist schliesslich nicht Teil der geplanten Erschliessung. Im Bereich, der Teil der
geplanten Erschliessung ist, mithin ab der Einbiegung von der AD._strasse, weist
der AE._weg keinerlei Kurven auf, sondern ist völlig gerade. Die übrigen
Erschliessungsstrassen sind ebenfalls übersichtlich, was von den
Beschwerdeführendenden auch nicht bestritten wird. Angesichts dieser Ausgangslage ist
im Übrigen auch nicht ersichtlich, weshalb es nicht möglich sein sollte, den zur
Realisierung des umstrittenen Bauvorhabens notwendigen Baustellenverkehr via die
geplante Erschliessungsroute zu führen. So ist der Umstand, dass sich zwei Lastwagen im
Einzelfall allenfalls nicht kreuzen können nicht ausschlaggebend; entscheidend ist
vielmehr, dass die betreffenden Strassen für einzelne Lastwagen breit genug sind und
genügend Ausweichstellen bestehen, um einem entgegenkommenden Fahrzeug den
Vortritt gewähren zu können. Hinzu kommt, dass die Strassenbaupolizei der Gemeinde
Muri bei Bern in ihrem Amtsbericht vom 5. Mai 2017, der Bestandteil des vorliegend
angefochtenen Entscheids ist (siehe dort im Dispositiv Ziffer 2.7 [recte: 3.7]), festgehalten
hat, dass mindestens 30 Tage vor Baubeginn der Gemeinde ein Verkehrskonzept für die
31 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 7/8 N. 19.
RA Nr. 110/2017/108 20
verschiedenen Bauphasen zur Genehmigung einzureichen ist; in diesem sind die je nach
Bauphase zu erwartende Verkehrsbelastung und die beanspruchten Zu- und Wegfahrten
aufzuzeigen sowie allenfalls die Warteräume für die Anlieferung und
Sicherungsmassnahmen für zu Fuss Gehende zu bezeichnen. Mit anderen Worten betrifft
der Aspekt des Baustellenverkehrs nicht die Bewilligungsfähigkeit des umstrittenen
Bauvorhabens, sondern die Frage der konkreten Bauausführung.
h) Dass das TBA OIK II in seinem Fachbericht vom 23. Januar 2018 zum Schluss
gelangt, beim Strassenanschluss vom «AF._» in den AE._weg werde für
ausfahrende Fahrzeuge in Blickrichtung links (Osten) nicht die gemäss VSS32-Norm
SN 640 273a (Knoten, Sichtverhältnisse in Knoten in einer Ebene) vorgeschriebene
Sichtdistanz von mindestens 20 Metern (aus einer Beobachtungsdistanz von 3 Metern zum
Fahrbahnrand) eingehalten, ist für die Frage der Bewilligungsfähigkeit des umstrittenen
Bauvorhabens im Übrigen nicht relevant. Zwar sind die in diesem Zusammenhang vom
TBA OIK II geforderten Massnahmen, wonach auf der Parzelle Nr. AK._ der
bestehende Zaun geringfügig zurückversetzt und die vorhandenen Büsche
zurückgeschnitten werden müssten nachvollziehbar und überzeugend; nichts anderes gilt
bezüglich des (ergänzenden) Alternativvorschlags (Erstellen einer Trottoirzunge mit
Abschlusspfosten auf dem im Eigentum der Einwohnergemeinde Muri bei Bern stehenden
AE._weg im Bereich des Strassenanschlusses «AF._») sowie der
Empfehlung, den fraglichen Strassenanschluss mit einer so genannten «Tulpen»-
Markierung zu versehen, um so den Rechtsvortritt zu verdeutlichen. Das TBA OIK II spricht
dabei jedoch bloss von einem «gewissen Optimierungspotential» und erachtet die geplante
Erschliessung auch ohne die von ihr geforderten bzw. empfohlenen Massnahmen als
möglich. Hinzu kommt, dass die Strassenbaupolizei der Gemeinde Muri bei Bern in ihrem
Amtsbericht vom 5. Mai 2017 bereits festgehalten hat, dass die Gemeinde nach Vorliegen
einer Baubewilligung die Nachbarn auffordern wird, ihre Hecken, soweit dann überhaupt
noch notwendig, zurückzuschneiden. Soweit die vom TBA OIK II vorgeschlagenen
Massnahmen schliesslich bauliche Veränderungen bzw. Markierungen auf der
gemeindeeigenen AE._strasse betreffen, fallen diese nicht in die Verantwortung
der Beschwerdegegnerin, sondern (ebenfalls) in diejenige der Gemeinde.
32 Schweizerischer Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS).
RA Nr. 110/2017/108 21
i) Nach dem Gesagten erfüllt die geplante Erschliessung also die gesetzlichen
Anforderungen an eine genügende Erschliessung. Dass sich die Vorinstanz im
angefochtenen Entscheid im Zusammenhang mit der Erschliessung teilweise auf die
Einschätzung des Preisgerichts berufen hat, das nach Ansicht einiger
Beschwerdeführenden nicht als neutral gelten könne und dem keine Alternative zur
Erschliessung über den «AF._» zur Auswahl gestanden habe, ist somit von
Anfang an unbeachtlich. Gleiches gilt in Bezug auf zusätzliche Lärm- und
Abgasimmissionen, die der zu erwartende Mehrverkehr allenfalls mit sich bringt. Dies gilt
umso mehr, als dass die geplante Zufahrt über den «AF._» direkt in die
Einstellhalle führt und selbst die Erschliessungsanalyse der Z._ AG festhält, dass
der zu erwartende Mehrverkehr in Bezug auf die jeweiligen Immissionsgrenzwerte
irrelevant sei. Ebenfalls unbeachtlich ist schliesslich der Umstand, dass vorliegend
allenfalls auch andere Varianten, insbesondere eine kürzere Erschliessung direkt über eine
Basis- anstatt über eine Detailerschliessungsstrasse, möglich und aus Sicht gewisser
Beschwerdeführenden auch wünschenswert sind. Denn wie bereits erwähnt (E. 6b), bildet
nur die geplante Erschliessung Gegenstand des vorliegenden Verfahrens. Zudem gibt es
weder in der Rechtsprechung noch im Gesetz ein Gebot, das die kürzeste Erschliessung
vorschreibt. Zusammengefasst erweisen sich die Rügen der Beschwerdeführenden
betreffend mangelhafte Erschliessung somit als unbegründet.
7. Verlegung des Fuss- und Veloweges (AI._strasse)
a) Im Westen der Bauparzelle verläuft ein Teil der AI._strasse. Dabei handelt
es sich um einen Fussgänger- und Veloweg, der den AE._ und die Busendstation
AC._, die sich auf dem Gemeindegebiet der Stadt Bern befindet, miteinander
verbindet. Gemäss Sachplan Veloverkehr33 handelt es sich beim betreffenden Weg nicht
um eine Veloroute mit kantonaler Netzfunktion. Mit der Realisierung des umstrittenen
Bauvorhabens soll das Wegstück, das sich auf dem Baugrundstück befindet, verlegt
werden. Es ist geplant, den Weg neu vom AE._weg via den «AF._» über
den neuprojektierten Quartierplatz (mit Einstellhallenrampe, Besucherparkplätzen und
Containerabstellplätzen) in das westlich davon wegführende Strässchen, das die Zugänge
zu den Gebäuden A, C, F, I und J erschliesst (Westast), zu führen. An der nordwestlichen
33 Abrufbar unter: <https://www.geo.apps.be.ch/de/karten/kartenangebot.html>.
RA Nr. 110/2017/108 22
Parzellengrenze soll die Verbindung schliesslich an den bestehenden Weg angeschlossen
werden.
b) Die Beschwerdeführenden 1, 3, 6 und 7 sowie 8-16 rügen, mit der neuen
Wegführung sei die Verkehrssicherheit auf dem Fuss- und Veloweg nicht mehr
gewährleistet. Insbesondere der Einstellhallenverkehr, den die Velofahrenden neuerdings
kreuzen müssten, stelle ein Risiko dar. Zudem gäbe es für die Fussgänger, welche bei der
Einbiegung vom «AF._» in den AE._weg die Strasse überqueren
möchten, keinen Warteraum. Die Beschwerdeführenden 6 und 7 machen schliesslich
geltend, die Führung mitten durch die Überbauung widerspreche dem Leitbild
Verkehrsentwicklung 2016 der Gemeinde Muri bei Bern sowie dem Leitbild Regionale
Langsamverkehrsplanung der Regionalkonferenz Bern-Mitteland 2012. Danach müssten
Velo-Pendlerrouten nämlich gut ausgebaut und Alltagsrouten des regionalen Velonetzes
insbesondere für Geschwindigkeiten von 25 bis 30 Stundenkilometer ausgestaltet sein; auf
Erholungsrouten des regionalen Velonetzes würden zudem höhere Ansprüche an die
Netzqualität, insbesondere die Sicherheit, gelten. Im Übrigen ist umstritten, ob es sich bei
der fraglichen Verbindung um einen öffentlichen oder privaten Weg handelt.
c) Das TBA OIK II kommt in seinem Fachbericht vom 23. Januar 2018 zum Schluss, die
geplante Verlegung des Fuss- und Veloweges sei unproblematisch. Das TBA OIK II
empfiehlt jedoch den Anschlussbereich vom AE._weg zum Baugrundstück
inklusive der Strassenquerung AE._weg für Fussgängerinnen und Fussgänger,
zusammen mit der Einstellhallenzufahrt, der Anordnung der Besucherparkplätze und der
Quartierplatzgestaltung im Ausführungsprojekt zu verfeinern; wichtigster Aspekt dabei
seien gute Sichtbezüge und eine klärende Gestaltung in Bezug auf die vielseitigen
Nutzungen. So sei vom «AF._» Richtung AE._weg die Sicht nach links
(Osten) dank niedrigerer Bepflanzung zwar deutlich besser als bei der bestehenden
Ausfahrt des Fuss- und Veloweges. Der neue Zugang vom Trottoir AE._weg
erfolge jedoch wie bisher ohne Querungshilfe über die Strasse; vielmehr führe der
Warteraum auf dem beim «AF._» geplanten Trottoir in einen Spitz. Mit der bei der
Erschliessungsfrage bereits erwähnten Trottoirzunge (E. 6h) könne diese Situation für
Fussgängerinnen und Fussgänger aber deutlich verbessert werden. Auf dem im Süden des
Baugrundstücks geplanten Quartierplatz entstehe durch die Zusammenführung des
Veloverkehrs vom AE._weg und dem Westast der Überbauung mit den
ausfahrenden Autos aus der Einstellhalle sodann einer Art Kreuzung mit schlechten
Sichtverhältnissen. Die Container sowie die Gartenecke der Parzelle Nr. AK._
RA Nr. 110/2017/108 23
würden zudem die Sicht für Velofahrende aus dem AE._weg reduzieren. Ferner
müssten die Velofahrenden dort auf dem Manövrierbereich der Besucherparkplätze
verkehren. Die genannten Verhältnisse seien schliesslich auch schlecht für die
Orientierung der Sehbehinderten. Mit einer besonderen Platzgestaltung und gewissen
baulichen Anpassungen könnten die Sichtverhältnisse wie auch die
Sehbehindertenführung jedoch verbessert sowie die Vortrittsverhältnisse verdeutlicht und
damit eine sichere Lösung gefunden werden. So könnte einerseits der Platz mit einem
farbigen Belag, einer Bemusterung oder einer Pflästerung als solcher verdeutlicht und
dabei die Besucherparkplätze reduziert oder ganz in die Einstellhalle verlegt werden.
Andererseits könnten die Abschlussmauern seitlich der Einstellhallenausfahrt zur
Verbesserung der Sicht und der gegenseitigen Wahrnehmung im Anschlussbereich des
Platzes durch Gitter oder Glas oder mit grossen Sichtlöchern versehen werden. Bezüglich
der Führung des Fuss- und Veloweges über den Westast der Überbauung hält das TBA
OIK II schliesslich fest, es spreche nichts gegen eine gemeinsame Nutzung, sofern die
Sichtbeziehungen von den Hauseingängen auf die neue Wegverbindung genügend gut
seien und Letztere sogar ausgeleuchtet werde.
d) Die Sichtverhältnisse sowie die vielseitige Nutzung im Bereich der
Einstellhallenrampe bzw. auf dem neu geplanten Quartierplatz bergen in der Tat gewisse
Defizite. Gemäss Umgebungsplan vom 4. September 2015 (Umgebungsplan) wird die Ein-
und Ausfahrt der Einstellhalle mittels Abschlusssteinen zwar zu einem gewissen Grad
zumindest optisch vom (restlichen) Quartierplatz abgetrennt. Aufgrund der östlichen
Abschlussmauer der Einstellhallenrampe können sich die aus Nordwesten kommenden
Velofahrenden und die aus der Einstellhalle ausfahrenden Fahrzeuglenkenden aber erst
sehr spät sehen. Zudem werden auf dem Quartierplatz neben den Velofahrenden sowie
Fussgängerinnen und Fussgänger (mitunter auch Sehbehinderte) sowohl kleinere als auch
grössere Motorfahrzeuge verkehren bzw. manövrieren; so befinden sich dort nicht nur die
Besucherparkplätze, sondern auch die Containerabstellplätze, die von der Müllabfuhr
geleert werden müssen. Wie das TBA OIK II in seinem Fachbericht vom 23. Januar 2018
aber nachvollziehbar und überzeugend festhält, lassen sich die genannten Defizite ohne
Weiteres beheben, indem einerseits die östliche Abschlussmauer der Einstellhallenrampe
mit genügend grossen Sichtlöchern bzw. Gitter- oder Glaselementen versehen und
andererseits der Quartierplatz mittels farbigen Belags, Bemusterung oder Pflästerung
zusätzlich hervorgehoben wird. Wie die Beschwerdeführenden 8-16 zwar richtig ausführen,
sind die betreffenden Massnahmen weder Bestandteil des Baugesuchs noch des
RA Nr. 110/2017/108 24
angefochtenen Entscheids. Es wäre jedoch unverhältnismässig, wenn deswegen dem
Bauvorhaben gleich der Bauabschlag erteilt würde. Es handelt sich dabei nämlich um
geringfügige, eindeutig bestimmbare Änderungen bzw. Ergänzungen, die für sich
genommen keiner Baubewilligung bzw. Projektänderung bedürfen, sondern lediglich
Gegenstand der konkreten Bauausführung sind; die Bedingung oder Auflage ist dann das
mildere Mittel.34 Der angefochtene Entscheid ist dementsprechend mit zwei zusätzlichen
Auflagen zu ergänzen, wonach einerseits die östliche Abschlussmauer der
Einstellhallenrampe mit genügend grossen Sichtlöchern bzw. Gitter- oder Glaselementen
zu versehen und andererseits der Quartierplatz mittels farbigen Belags, Bemusterung oder
Pflästerung zusätzlich hervorzuheben ist. In ihren Schlussbemerkungen vom 15. Februar
2018 hat sich die Beschwerdegegnerin im Übrigen schon bereit erklärt, entsprechende
Auflagen zu akzeptieren. Eine Reduktion bzw. Verlegung der Besucherparkplätze in die
Einstellhalle erscheint demgegenüber nicht notwendig. Durch die zusätzliche
Hervorhebung des Quartierplatzes können die Vortrittsverhältnisse bereits genügend
verdeutlicht werden. Dies gilt umso mehr, als dass in Wohnquartieren – gemäss
Ausführungen des TBA OIK II – Einstellhallenrampen, Fussgänger- und Veloführung sowie
Parkierung häufig über gemeinsame Flächen erfolgen, ohne dass es dabei zu vielen und
schweren Unfällen kommt.
e) Die vom TBA OIK II vorgeschlagene Erstellung einer Trottoirzunge im Bereich des
Strassenanschlusses «AF._» ist grundsätzlich zwar ebenfalls nachvollziehbar und
überzeugend; insbesondere könnte damit die Fussgängerverbindung zur Busendstation
AC._ attraktiver an das gegenüberliegende Trottoir angebunden werden. Wie
bereits im Zusammenhang mit der Erschliessungsfrage ausgeführt (E. 6h), gilt
diesbezüglich aber zu beachten, dass eine solche Massnahme die gemeindeeigene
AE._strasse betreffen würde und daher nicht im Verantwortungsbereich der
Beschwerdegegnerin, sondern in demjenigen der Gemeinde liegt. Entlang des
«AF._», mithin im Verantwortungsbereich der Beschwerdegegnerin, ist wie bereits
mehrfach erwähnt, im Übrigen ein Trottoir geplant, das den Fussgänger- vom
Einstellhallenverkehr separiert.
34 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 38–39 N. 15a Bst. b und Art. 32–32d N. 12a.
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f) Bezüglich der Führung des Fuss- und Veloweges über den Westast der Überbauung
sieht der Amtsbericht der Strassenbaupolizei der Gemeinde Muri bei Bern vom 5. Mai 2017
sodann folgende Auflagen vor:
a. Die Wegverbindung ist mit einer Wegbreite von mindestens 3 Metern auszuführen.
b. Im Bereich der Hauseingänge sind Bodenmarkierungen zur Verkehrsberuhigung (Temporeduktion)
vorzusehen.
c. Die Umgebungsgestaltung ist so auszuführen, dass die Knotensichtweiten von den Hauseingängen her
mindestens 10 Meter betragen (Beobachtungspunkt 0.5 Meter vom Wegrand rückversetzt).
Wie bereits erwähnt (E. 6g), ist der Amtsbericht der Strassenbaupolizei der Gemeinde Muri
bei Bern vom 5. Mai 2017 Bestandteil des vorliegend angefochtenen Entscheids. Die darin
enthaltenen Auflagen sind für die Beschwerdegegnerin daher verbindlich und zwar
unabhängig davon, ob sich deren Einhaltung bereits aus den Baugesuchsakten bzw. -
plänen ergibt oder nicht. Die betreffenden Auflagen sind zudem präzise formuliert und
somit für die Behörde kontrollier- und durchsetzbar.35 Eine entsprechende Plananpassung,
wie sie von den Beschwerdeführenden 8-16 gefordert wird, ist insofern nicht nötig.
Angesichts der genannten Auflagen der Strassenbaupolizei der Gemeinde Muri bei Bern ist
schliesslich nicht ersichtlich, inwiefern die Sicherheit auf dem Westast für Fussgängerinnen
und Fussgänger sowie Velofahrende nicht gewährleistet sein sollte. Dies gilt umso mehr,
als dass der betreffende Abschnitt gemäss Umgebungsplan am südlichen Ende mit einem
Poller versehen werden soll, womit die (irrtümliche) Einfahrt eines Autos vom Quartierplatz
aus zumindest erheblich erschwert wird. Im Übrigen gilt zu beachten, dass der bestehende
Fuss- und Veloweg teilweise nur halb so breit ist wie der Westast, mithin die Verlegung
sogar eine Verbesserung für das Nebeneinander von Fussgänger- und Veloverkehr mit
sich bringt. Zu diesem Schluss gelangt denn auch das TBA OIK II, welches neben den von
der Strassenbaupolizei der Gemeinde Muri bei Bern geforderten Auflagen lediglich noch
eine genügende Beleuchtung fordert. Dies erscheint, insbesondere aufgrund der
Hauszugänge die in den Westast einmünden, nachvollziehbar und überzeugend. Ob eine
genügende Beleuchtung bereits vorgesehen ist, ergibt sich aus den Baugesuchsakten bzw.
-plänen jedoch nicht. Wie oben erwähnt (E. 7d), ist in einem solchen Fall aber nicht der
Bauabschlag, sondern eine entsprechende Auflage zu verfügen, da dies die mildere bzw.
verhältnismässigere Massnahme darstellt.
35 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 38–39 N. 15a Bst. d viertes Lemma und N. 15c.
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g) Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die geplante Verlegung des Fuss- und
Veloweges (AI._strasse) unter Berücksichtigung der bereits im angefochtenen
Entscheid verfügten sowie den durch das vorliegende Verfahren hinzukommenden
Auflagen nicht zu beanstanden ist. Insbesondere ist nicht ersichtlich, inwiefern die neue
Wegführung den von den Beschwerdeführenden 6 und 7 angeführten Leitbildern
widersprechen sollte. So muss der betreffende Wegabschnitt nach der Umlegung eine
Breite von mindestens 3 Metern aufweisen, womit er insbesondere gut ausgebaut ist. Dass
im Bereich der Hauseingänge und auf dem Quartierplatz Bodenmarkierungen zur
Verkehrsberuhigung angebracht werden müssen, erhöht ferner die Sicherheit für die
Benützer der betreffenden Wegverbindung. Hinzu kommt, dass die genannten Leitbilder
lediglich behördenverbindlich sind, weshalb die Beschwerdeführenden vorliegend ohnehin
nichts daraus zu ihren Gunsten ableiten können. Nach dem Gesagten kann schliesslich
auch offen gelassen werden, ob es sich beim fraglichen Fuss- und Veloweg um einen
öffentlichen oder um einen privaten Weg handelt. Entscheidend ist einzig, dass dieser
(unter Berücksichtigung der genannten Auflagen) genügende Sicherheit für seine Benutzer
bietet. Die Rügen der Beschwerdeführenden 1, 3, 6 und 7 sowie 8-16 betreffend die
Verlegung der AI._strasse erweisen sich somit als unbegründet.
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8. Zonenkonformität
a) Das Baugrundstück befindet sich gemäss Zonenplan in der Landhauszone WL. Die
Beschwerdeführenden 8-16 schliessen daraus, dass Bauten in dieser Zone einen
«Landhauscharakter» bzw. «Villencharakter» aufweisen müssten. Dies treffe in Bezug auf
das umstrittene Bauvorhaben jedoch nicht zu. Dieses sei vielmehr «Landhauszonen»-
fremd. So hätten Landhäuser weder Flachdächer noch Solarpanels. Die geplanten Bauten
würden aber nicht nur hinsichtlich ihrer Dachgestaltung, sondern auch in Bezug auf ihre
Volumetrie und Fassadengestaltung vom geforderten Landhaus- bzw. Villenstil abweichen.
Geplant seien nämlich Würfel, Bauklötzchen oder Schuhkartons mit Klinkerfassaden, die
wiederum mit Betonelementen und Glas versetzt seien. Schliesslich seien die geplanten
Mehrfamilienhäuser nicht wie die umliegenden Landhäuser «auf dem Reissbrett»
gezeichnet bzw. klar strukturiert, sondern unsystematisch und zufällig auf dem
Baugrundstück verteilt. Dem Bauvorhaben mangle es folglich an der Zonenkonformität.
b) Der Begriff «Landhauszone» wird lediglich im Zonenplan verwendet. Das GBR36
spricht dagegen ausschliesslich von der Wohnzone WL und hält in Art. 39 Abs. 1 fest, dass
diese der Wohnnutzung vorbehalten ist und darin nur Gebäude mit höchstens drei
Wohnungen zugelassen sind. Eine Bestimmung, wonach Bauten in der Wohn- bzw.
Landhauszone WL Landhaus- oder Villencharakter aufweisen müssen, gibt es im GBR
entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführenden 8-16 nicht. Ebenso wenig ist eine
Vorschrift ersichtlich, die in der Wohn- bzw. Landhauszone WL Flachdächer verbieten
würde. Vielmehr lässt sich Art. 37 GBR entnehmen, dass Flachdächer grundsätzlich in
allen, zumindest aber in Wohn- und gemischten Zonen, zulässig sind. Die
Beschwerdeführenden 8-16 führen im Übrigen selbst aus, dass es im Quartier bereits
Flachdachbauten gibt. Das Bauvorhaben muss zwar die allgemeinen
Gestaltungsvorschriften einhalten und dabei ist ein besonderes Augenmerk auf die Lage,
Stellung, Proportion, Dach- und Fassadengestaltung des Bauvorhabens sowie der
umliegenden Bauten zu legen. Dies betrifft jedoch nicht die Frage der Zonenkonformität,
sondern einzig diejenige der Ästhetik (E. 9). Den von der Vor-instanz im Rahmen ihrer
Stellungnahme vom 26. Oktober 2017 eingereichten Auszügen aus Google Maps ist
schliesslich zu entnehmen, dass in der gesamten Wohn- bzw. Landhauszone WL, aber
auch in der unmittelbaren Umgebung des Baugrundstücks bereits diverse Bauten
36 Baureglement der Einwohnergemeinde Muri bei Bern vom 6. Juni 1993 (GBR).
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vorhanden sind, die offensichtlich nicht dem von den Beschwerdeführenden 8-16
geforderten Landhaus- bzw. Villenstil entsprechen; so beispielsweise die Liegenschaft
AD._strasse 17 sowie die Liegenschaften AC._strasse 56, 58, 60/60a,
62, 64, 66/66a, 68/68a und 70/70a. Eine kommunale Praxis, wonach Bauten in der Wohn-
bzw. Landhauszone WL Landhaus- bzw. Villencharakter aufweisen müssen, scheint es
folglich nicht zu geben. Vielmehr führt die Vorinstanz in ihrer Stellungnahme aus, in der
Wohnzone WL würden Flachdachbauten mit mehreren Wohnungen in konstanter Praxis
als zonenkonform erachtet. Nach dem Gesagten ist es also nicht zu beanstanden, dass die
Vorinstanz vorliegend unter dem Titel der Zonenkonformität keinen Landhaus- bzw.
Villenstil verlangt hat. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass der Zonenplan von
Landhauszone spricht. Den Gemeinden kommt aufgrund ihrer Autonomie bei der
Auslegung und Anwendung von eigenen, selbständigen Normen nämlich ein gewisser
Beurteilungsspielraum zu. Soweit die Gemeinde die betreffende Norm rechtlich vertretbar
ausgelegt hat, darf eine Rechtsmittelinstanz sie daher nicht anders auslegen.37
c) Es ist unbestritten, dass die geplanten Bauten die Vorgaben gemäss Art. 39 Abs. 1
GBR einhalten. Das Bauvorhaben ist somit zonenkonform. Die Rüge der
Beschwerdeführenden 8-16 betreffend Verletzung der Zonenkonformität ist folglich
unbegründet.
9. Ästhetik bzw. Ortsbild- und Landschaftsschutz
a) Das umstrittene Bauvorhaben umfasst den Neubau von zwölf Mehrfamilienhäusern
mit jeweils drei Wohneinheiten und einer unterirdischen Einstellhalle. Die geplanten
Mehrfamilienhäuser mit extensiv begrünten Flachdächern, auf denen Solarpanels installiert
werden sollen, verfügen jeweils über ein Untergeschoss, ein Erd- und Obergeschoss sowie
eine Attika. Die Gebäude sollen in Massivbauweise erstellt werden. Die Grundrisse sind
jeweils quadratisch (14x14 Meter bis 16.80x16.80 Meter) und auf der gesamten
Bauparzelle verteilt. Jedes Mehrfamilienhaus verfügt entlang seiner Nordfassade über ein
übers Eck zur Ost- bzw. vereinzelt zur Westfassade geführtes Vordach, das jeweils auf
dessen kürzeren Seite durch einen Windfang abgeschlossen wird, der den Haupteingang
zum jeweiligen Gebäude säumt. Entlang der jeweiligen Südfassade sind die Erd- und
37 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 5 mit Hinweisen.
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Obergeschosse sowie Attiken jedes Mehrfamilienhauses mit je einer Terrasse bzw. einem
Balkon versehen, die ebenfalls übers Eck zur West- bzw. vereinzelt zur Ostfassade geführt
werden. Die Terrassen bzw. Balkone entlang der Erd- und Obergeschosse sind zudem
überdacht und verfügen auf je einer Seite ebenfalls über einen Windfang; ferner lassen sie
sich durch verschiebbare Glaswände vollständig schliessen. Die Windfänge und
verschiebbaren Glaswände verleihen den Vordächern und Terrassen bzw. Balkonen je
nach Blickwinkel den Charakter eines Erkers bzw. Anbaus. Die Fassaden bestehen
grösstenteils aus einem Klinkermauerwerk in den Farbtönen grau, beige und weiss. Auf
denjenigen Seiten, wo sich die Vordächer bzw. Treppenhäuser befinden, sind die
Fassaden jeweils zu gewissen Teilen über alle Geschosse hinweg mit einem
strukturartigen Motiv verglast. Die Windfänge, Vordächer und Balkon- bzw.
Terrassenüberdachungen sind aus Beton. Die Balkone sind schliesslich mit gewöhnlichen
Glasbrüstungen versehen. Die Umgebung der Mehrfamilienhäuser besteht überwiegend
aus Rasenflächen und Blumenwiesen, die stellenweise mit verschiedenen Gräsern,
Sträuchern und Bäumen bepflanzt werden sollen. Im nördlichen Teil des Baugrundstücks
soll etwa mittig ein geschwungen geformter Teich angelegt werden, der bis ins Zentrum der
Parzelle reicht. Im südlichen Teil ebenfalls etwa mittig soll ein kleineres, rechteckiges
Wasserbecken angelegt werden. Die Zugänge zum Teich und dem Wasserbecken
bestehen aus einem Kiesbelag. Im Übrigen wird das Baugrundstück von zwei, aus der
nordwestlichen bzw. nordöstlichen Parzellenecke herführenden Strässchen durchschnitten,
die sich im südlichen Teil vereinen und in den bereits erwähnten Quartierplatz mit
Besucherparkplätzen und Containerabstellplätzen sowie der überdeckten Einstellhallenein-
bzw. ausfahrt übergehen. Von den beiden Strässchen führen kurze Wege zu den einzelnen
Mehrfamilienhäusern.
b) Zusammen rügen die Beschwerdeführenden 2, 5 und 8-16, das Bauvorhaben
verletze Art. 14 und 29 GBR. Diese lauten wie folgt:
Art. 14 1 Im ganzen Gemeindegebiet ist nur die offene Bauweise zulässig. [...] 2 [...]
Art. 29 1 Bauten, Anlagen und Tiefbauten sind hinsichtlich ihrer Gesamterscheinung, Lage, Stellung, Proportion, Dach-
und Fassadengestaltung, Material- und Farbwahl sowie anderen wichtigen Einzelheiten so auszubilden, dass
zusammen mit der Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht. Auf schutzwürdige Bauten und Anlagen
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sowie auf das Landschaftsbild, insbesondere die Hänge des Aaretals und des Gümligen- und Dentenberges, ist
Rücksicht zu nehmen. 2 Gebäudestellung sowie Firstrichtung richten sich nach der baulichen Umgebung. Die Bauten sind in der Regel
parallel oder rechtwinklig zur Strasse bzw. zur Hangrichtung zu stellen, wobei bestehende Baufluchten und eine
quartierübliche Ausrichtung zu respektieren sind.
c) Zusammengefasst kam die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid zum Schluss, der
Grundsatz der offenen Bauweise werde mit dem beabsichtigten Bauvorhaben nicht
verletzt. Zudem entsprächen die einzelnen Baukörper, wenn auch in modernem Stil, der
vorhandenen Siedlungsstruktur und auch die Ausrichtung der Gebäude erfolge in
Anlehnung an die Geometrie der angrenzenden Bauten. Das Bauvorhaben führe folglich zu
einer guten Gesamtwirkung mit seiner Umgebung, und auch hinsichtlich Gebäudestellung
bestehe ein nachvollziehbarer Zusammenhang mit der baulichen Umgebung.
d) Die Beschwerdeführenden 2, 5 und 8-16 bringen dagegen im Wesentlichen vor, das
Bauvorhaben entspreche gerade nicht der bestehenden Umgebung. Neben dem
Naherholungsgebiet im Norden sei diese nämlich durch individuelle, symmetrisch zur
Strasse angeordnete Einfamilienhäuser mit unterschiedlichen Volumen im Landhaus- und
Villenstil geprägt. Das Bauvorhaben bestehe aber aus zwölf modernen, im Volumen
gleichartigen kubusförmigen Mehrfamilienhäusern mit Flachdächern und Klinkerfassaden,
die mit Beton- und Glaselementen versetzt seien. Zudem seien die neugeplanten Gebäude
völlig frei und ohne Bezug zur Umgebung auf der Bauparzelle angeordnet. Die zufällige
Anordnung der gleichartigen und grossvolumigen Gebäude verleihe dem Bauvorhaben
ferner einen Riegelcharakter. Schliesslich gebe es im betreffenden Quartier auch keine
Seenlandschaften mit Schilf und schwebenden Balkonen. Insgesamt stelle das
Bauvorhaben also einen Fremdkörper dar, der nicht nur das Quartierbild, sondern auch
das Landschaftsbild bzw. das angrenzende Naherholungsgebiet beeinträchtige. Folglich
könne vorliegend weder von einer guten Gesamtwirkung noch von einer Rücksichtnahme
auf das angrenzende Landschaftsbild gesprochen werden; das Vorhaben verletze zudem
den Grundsatz der offenen Bauweise.
e) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften,
Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt
die «ästhetische Generalklausel» im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots
dar. Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur
bestehenden Überbauung oder Landschaft schafft, der erheblich stört. Schutzobjekt des
Ortsbild- und Landschaftsschutzes ist der Aussenraum, soweit er von einem allgemein
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begangenen Standort aus als Einheit wirkt und als solcher erfassbar ist. Der allgemeine
Landschaftsschutz kann somit nicht angerufen werden gegen Vorhaben, die nur den
Nachbarn stören, für die Allgemeinheit aber ohne Bedeutung sind.38 Die Gemeinden dürfen
schliesslich eigene Ästhetikvorschriften erlassen, die über die kantonalen Vorschriften
hinausgehen können (Art. 9 Abs. 3 BauG). Derartige Vorschriften müssen, um
selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die Anordnungen des
kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders formulieren.39
Wo eine Gemeinde eigene, selbständige Ästhetiknormen erlassen hat, steht ihr aufgrund
der Gemeindeautonomie auch bei der Auslegung und Anwendung der Norm ein gewisser
Beurteilungsspielraum zu. Es ist deshalb vorab Sache der Gemeinde zu bestimmen, wie
sie eine eigene Vorschrift verstanden haben will. Wird die Anwendung einer von ihr
erlassenen Bestimmung Gegenstand eines Beschwerdeverfahrens, haben die
Rechtsmittel-instanzen lediglich zu prüfen, ob die Auslegung der Gemeinde rechtlich
haltbar ist. Sie auferlegen sich mit anderen Worten eine gewisse Zurückhaltung gegenüber
der Auffassung der Gemeinde, in dem sie sich der Prüfung enthalten, ob eine andere
Bedeutung der umstrittenen Bestimmung ebenfalls möglich und rechtlich vertretbar wäre.
Dies gilt auch bei anderen Gemeindevorschriften mit selbständiger Bedeutung, wie
beispielsweise Bestimmungen über die Bauweise und Baugestaltung.40
f) Gemäss Art. 29 Abs. 1 GBR sind Bauten so zu gestalten, dass zusammen mit ihrer
Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht. Vorschriften zu einer guten Gesamtwirkung
wird in der Praxis selbständige Bedeutung zuerkannt. Das Erfordernis der «guten
Gesamtwirkung» ist gemäss Rechtsprechung zudem weder an geringen noch an
besonders hohen architektonischen Qualitäten zu messen. Das bedeutet bei
durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass die Umgebung nicht gestört werden darf
und sich eine Neuüberbauung an den qualitativ hochwertigeren Bauten und Anlagen der
Umgebung zu orientieren hat; dabei ist aber auch eine neuzeitliche Architektur denkbar.41
Ebenfalls selbständige Bedeutung kommt aber auch Art. 29 Abs. 2 und Art. 14 Abs. 1 GBR
38 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 14 mit Hinweisen. 39 BVR 2009 S. 328 E. 5.2; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4 und 13. 40 BVR 2012 S. 20 E. 3.2; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 5 mit weiteren Hinweisen. 41 BVR 2009 S. 328 E. 5.3; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4a zweites Lemma mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung.
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zu, die jeweils konkretisierende Vorschriften bezüglich der Baugestaltung bzw. Bauweise
enthalten.
g) Das Baugrundstück selbst liegt nicht in einem Ortsbildschutzperimeter und ist auch in
keinem Inventar aufgenommen. Es befindet sich aber am Siedlungsrand von Muri bei Bern
und grenzt im Norden an die Grünzone G, in welcher sich der Wirkungsbereich eines
kommunal geschützten Amphibienlaichgebiets befindet, das (teilweise) auch im
Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen ist
(AL._weiher). Dahinter befindet sich zudem ein Naturschutzareal der Stadt Bern.
Schliesslich führt durch diesen Grüngürtel ein Fuss- und Veloweg. Ob diese Umstände
bereits genügen, damit das genannte Gebiet als besonders schöne Landschaft bzw.
bedeutender öffentlicher Aussichtspunkt im Sinne von Art. 9a Abs. 1 Bst. b BauG gilt, kann
jedoch offen bleiben. Denn wie sich sogleich zeigen wird, nimmt das umstrittene
Bauvorhaben sowohl auf die bauliche als auch auf die landschaftliche Umgebung
Rücksicht.
Es ist zwar unbestritten, dass es sich bei den unmittelbar an das Baugrundstück
angrenzenden Gebäuden um individuelle Einfamilienhäuser im Landhaus- bzw. Villenstil
handelt. Dem Situationsplan vom 16. Juni 2015 (Situationsplan) ist jedoch zu entnehmen,
dass auf der gegenüberliegenden Strassenseite westlich der Bauparzelle eine Überbauung
mit gleichartigen Doppeleinfamilienhäusern besteht, die zudem vergleichbare Grundrisse
wie die geplanten Mehrfamilienhäuser aufweisen. Ferner ist den von der Vorinstanz
eingereichten Auszügen aus Google Maps zu entnehmen, dass sich nordöstlich der
Bauparzelle entlang der AC._strasse, ebenfalls am Siedlungsrand und an die
Grünzone G angrenzend, eine Überbauung befindet, die aus modernen quadratischen
bzw. rechteckigen nicht in einem Landhaus- bzw. Villenstil erbauten Gebäuden besteht,
darunter zwei gleichartige und grossvolumige Mehrfamilienhäusern mit Flachdächern;
Letztere sind in der Wohn- bzw. Landhauszone WL gerade zulässig und auch andernorts
bereits vorhanden (vgl. zum Ganzen E. 8b). Angesichts dieser Ausgangslage ist nicht
ersichtlich, inwiefern der Bau von zwölf gleichartigen, kubusförmigen Mehrfamilienhäusern
nicht ortsbild- bzw. quartierverträglich sein sollte. Hinzu kommt, dass Art und Mass der
nach der Zonenordnung zulässigen Nutzung gestützt auf Vorschriften des allgemeinen
Ortsbild- und Landschaftsschutzes in der Regel nicht eingeschränkt werden dürfen.42
42 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 15 mit Hinweisen.
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Aufgrund des Umstands, wonach sich das Baugrundstück überwiegend hinter einer
bestehenden Häuserreihe befindet, ist es von den umliegenden Strassen sodann nur sehr
eingeschränkt einsehbar. Nur gegenüber dem nördlich gelegenen Grüngürtel liegt es offen.
Inwiefern das Bauvorhaben von dort aufgrund seiner Fassaden- und
Umgebungsgestaltung als Fremdkörper wahrgenommen werden sollte, ist aber ebenfalls
nicht ersichtlich. Vielmehr nehmen die geplanten Bauten mit ihren natürlich wirkenden
Klinkerfassaden und den speziell strukturierten Verglasungen, welche die Themen
Gewässer, Schilf und Klinker miteinander verbinden, insbesondere Elemente der
angrenzenden Grünzone auf und entwickeln diese weiter. Dadurch wirken die Gebäude
zurückhaltend und an die Umgebung angepasst. Daran ändern auch die zu den
Vordächern und Terrassen- bzw. Balkonüberdachungen gehörenden, teilweise
freischwebenden Betonelemente nichts. Diese brechen die ansonsten geradlinigen Formen
der Gebäude vielmehr auf und verstärken dadurch deren natürliche und harmonische
Erscheinung. Das viele Grün und die Wasserflächen, welche gemäss Umgebungsplan
vorgesehen sind, führen den angrenzenden Grüngürtel mit seinen Amphibien- bzw.
Naturschutzgebieten schliesslich nahtlos weiter.
Die Ausrichtung bzw. Stellung der geplanten Gebäude folgt zwar nicht durchgehend
derjenigen der Nachbarbauten und umliegenden Strassen. Dies ist aufgrund der Grösse
der Bauparzelle und der unterschiedlichen Ausrichtungen der umliegenden Bauten sowie
der verschiedenen Strassenläufe aber auch gar nicht möglich. Ein Blick auf den
Situationsplan zeigt jedoch, dass sich die umstrittenen Gebäude hinsichtlich ihrer Stellung
grundsätzlich nach ihrer Umgebung richten. So sind die Gebäude A, C, F und I nahezu
parallel zum AM._weg im Westen gestellt. Die Gebäude B, E, H und L orientieren
sich offensichtlich an der Biegung, welche die östlich gelegene AD._strasse auf
dieser Höhe macht. Die Gebäude D, G, J und K schaffen schliesslich einen Kompromiss
zwischen den Stellungen der beiden vorgenannten Häuserreihen zwischen denen sie sich
befinden. Bezüglich Baufluchten gilt sodann festzuhalten, dass der überwiegende Teil der
unmittelbar an das Baugrundstück angrenzenden bestehenden Gebäude nicht den
Baufluchten der jeweiligen Nachbarhäuser folgt. Daher und aufgrund des Umstands,
wonach die unmittelbar an das Baugrundstück angrenzenden Gebäude sehr
unterschiedliche Grundrisse und Ausrichtungen bzw. Stellungen aufweisen, ist es nicht zu
beanstanden, dass die Vor-instanz Art. 29 Abs. 2 GBR als eingehalten erachtet hat. Dies
gilt umso mehr, als dass diese Bestimmung im Zusammenhang mit der Respektierung der
Baufluchten von «in der Regel» spricht. Zusammengefasst richten sich die geplanten
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Bauten hinsichtlich ihrer Ausrichtung bzw. Stellung sehr wohl nach der baulichen
Umgebung und dies sowohl ausserhalb als auch innerhalb der Bauparzelle. Von einer
willkürlichen (scheinbar «gewürfelten») Anordnung der umstrittenen Bauten ohne Bezug
zur Umgebung kann jedenfalls nicht gesprochen werden. Dort wo eine augenfällige
Abweichung von der Umgebung besteht, ist sie nachvollziehbar.
Nach dem Gesagten wirkt sich das umstrittene Bauvorhaben nicht störend auf die
bestehende Überbauung und Landschaft aus. Es nimmt vielmehr Rücksicht auf diese und
passt sich in die Umgebung ein. Dementsprechend ist es auch nicht zu beanstanden, dass
die Vorinstanz zum Schluss gelangt ist, das Bauvorhaben führe zu einer guten
Gesamtwirkung mit seiner Umgebung. Vielmehr muss auch eine moderne Architektur
möglich sein. Folglich ist das Ergebnis der Vorinstanz rechtlich haltbar.
h) Ebenfalls rechtlich vertretbar ist, dass die Vorinstanz keine Verletzung von Art. 14
Abs. 1 GBR betreffend den Grundsatz der offenen Bauweise angenommen hat. So ist
zunächst darauf hinzuweisen, dass Gebäudegruppen aus grösseren Distanzen meistens
als eine Art Riegel in der Landschaft wahrgenommen werden. Zudem ist insbesondere
auch die bestehende Häuserreihe, die unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt, je nach
Perspektive nicht blickdurchlässig. Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers 2
sind also nicht die Anordnung und das Volumen der geplanten Bauten für den von ihm
gerügten Riegelcharakter verantwortlich. Vielmehr handelt es sich dabei um einen
optischen Effekt, der bei vielen Gebäudegruppen geltend gemacht werden könnte. Im
Übrigen bedeutet der Grundsatz der offenen Bauweise ohnehin nur, dass einzelne
Gebäude grundsätzlich nicht aneinander gebaut werden dürfen. Dementsprechend
schreibt Art. 14 Abs. 1 zweiter Satz GBR auch nur vor, die Bauten haben gegenüber dem
nachbarlichen Grund allseitig die in den Zonenvorschriften festgelegten Grenz- und
Gebäudeabstände einzuhalten. Dies trifft in Bezug auf die geplanten Mehrfamilienhäuser
unbestrittenermassen zu.
i) Laut Art. 22 Abs. 1 BewD43 konsultiert die Baubewilligungsbehörde die zuständigen
kantonalen Fachstellen insbesondere, wenn gegen ein Vorhaben Bedenken oder
Einwände wegen der Beeinträchtigung des Ortsbildes oder der Landschaft bestehen, die
nicht offensichtlich unbegründet sind. Das Baugrundstück befindet sich zwar am
Siedlungsrand und grenzt im Norden an eine Grünzone an. Auf den übrigen Seiten ist es
43 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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jedoch vollständig umbaut. Die betreffende Parzelle liegt ferner weder in einem
Ortsbildschutzperimeter noch ist sie in einem Inventar aufgenommen. Im Übrigen ergibt
sich aus den obigen Erwägungen, dass die Einwände der Beschwerdeführenden
betreffend Beeinträchtigung des Ortsbildes und der Landschaft offensichtlich unbegründet
sind. Angesichts dieser Ausgangslage konnte und kann auf einen Beizug der kantonalen
Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) verzichtet werden. Gleiches
gilt bezüglich der ebenfalls von den Beschwerdeführenden 8-16 geforderten Einsetzung
eines Gestaltungsausschusses gemäss Art. 31 Abs. 1 GBR. Dies gilt umso mehr, als dass
es sich dabei um eine «kann»-Vorschrift handelt. Soweit die Beschwerdeführenden 8-16
den Beizug einer sogenannten Fachstelle Stadtplanung fordern, ist ferner darauf
hinzuweisen, dass zumindest in der Gemeinde Muri bei Bern keine solche Stelle existiert.
Folglich sind die diesbezüglichen Vorbringen der Beschwerdeführenden 8-16 von Anfang
an unbeachtlich. Dass die Vorinstanz keinen Augenschein durchgeführt hat, ist auch nicht
zu beanstanden. Es ist nämlich davon auszugehen, dass einer Gemeinde die örtlichen
Gegebenheiten auf ihrem Gebiet bekannt sind. Nach dem Gesagten spielt es keine Rolle,
dass es sich beim Preisgericht, welches das umstrittene Vorhaben im Vorfeld des
Baubewilligungsverfahrens im Rahmen eines Projektwettbewerbs beurteilt und zum Sieger
gekürt hat, keine leistungsfähige örtliche Fachstelle im Sinne von Art. 22 Abs. 2 BewD
darstellt. Ob der genannte Projektwettbewerb, der bloss in Anlehnung an die SIA-
Ordnung 142 durchgeführt worden ist, den Anforderungen an einen Projektwettbewerb
nach anerkannten Verfahrensregeln im Sinne von Art. 22a Abs. 2 BewD bzw. Art. 31
Abs. 1 zweiter Satz GBR gerecht wird, kann zudem offen gelassen werden. Soweit die
Beschwerdeführenden 8-16 schliesslich geltend machen, die Vorinstanz habe sich im
angefochtenen Entscheid bezüglich Gestaltung bzw. Ästhetik des Bauvorhabens
weitestgehend mit dem Verweis auf den durchgeführten Projektwettbewerb sowie die
Ausführungen des Preisgerichts begnügt und damit ihre Begründungspflicht verletzt, ist auf
die obigen Erwägungen betreffend das rechtliche Gehör zu verweisen (E. 4c f.).
j) Die Rügen und Anträge der Beschwerdeführenden 2, 5 und 8-16 betreffend die
Ästhetik des Bauvorhabens erweisen sich zusammengefasst als unbegründet.
10. Entwässerung und Grundwasser
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a) Das Entwässerungskonzept vom 30. Juni 2015 (Entwässerungskonzept) sieht vor,
das auf den Dächern und der Hauszufahrt bzw. den Besucherparkplätzen anfallende
Meteorwasser der Mischwasserkanalisation zuzuführen. Die (Not-)Überlaufe des auf dem
Baugrundstück geplanten Teichs sollen ebenfalls an die Mischwasserkanalisation
angeschlossen werden. Die beiden Strässchen, die das Baugrundstück von Nordwesten
bzw. Nordosten her durchschneiden, sowie die von diesen wegführenden Hauszugänge
und Kieswege sollen seitlich über die jeweiligen Wegränder bzw. angrenzenden Grün- und
Gehölzflächen entwässert werden. Auf Letzteren soll das Wasser schliesslich direkt
versickern.
b) Dagegen bringen die Beschwerdeführenden 3 und 8-16 zusammengefasst vor, das
auf der Bauparzelle anfallende Wasser könne aufgrund der schlechten Durchlässigkeit des
Bodens sowie der vorherrschenden Grundwasserverhältnisse nur sehr schlecht versickern.
Folglich würde sich auf dem Baugrundstück nach starken Regenfällen bereits heute ein
See bilden. Mit der geplanten Ableitung des auf den Gehwegen anfallenden Wassers über
die angrenzenden Grün- und Gehölzflächen würde sich die bestehende
Stauwasserproblematik nun aber noch verschärfen. Dies könne wiederum unabsehbare
Folgen sowohl für die bestehenden als auch die geplanten Häuser haben. Gleichzeitig
habe die beabsichtigte Ableitung eines Grossteils des Meteorwassers in die
Mischwasserkanalisation eine unerwünschte zusätzliche Belastung der Kläranlagen zur
Folge. Das Entwässerungskonzept müsse folglich überarbeitet werden, wobei
insbesondere eine getrennte Ableitung des Meteorwassers anzustreben sei. Im Übrigen sei
ein hydrologisches Gutachten einzuholen, welches nachweise, dass die umstrittene
Überbauung keinen negativen Einfluss auf die bestehenden und geplanten Liegenschaften
habe.
c) Es trifft zwar zu, dass sich das Baugrundstück gemäss Versickerungskarte44 in einer
nur mässig bis schlecht durchlässigen Zone befindet. Inwiefern dies die angeblich
bestehende Stauwasserproblematik verschärfen bzw. Folgen für die geplanten sowie
bestehenden Bauten haben sollte, ist jedoch nicht ersichtlich. Einerseits nimmt die Menge
des auf dem Baugrundstück anfallenden Meteorwassers durch das Bauvorhaben nicht zu.
Folglich müsste der Boden das Meteorwasser, welches von den Gehwegen über die
angrenzenden Grün- und Gehölzflächen versickert werden soll, so oder anders
44 Abrufbar unter: <https://www.geo.apps.be.ch/de/karten/kartenangebot.html>.
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aufnehmen. Andererseits hat das umstrittene Bauvorhaben bzw. das damit verbundene
Entwässerungskonzept sogar zur Folge, dass zukünftig weniger Wasser auf dem
Baugrundstück versickern muss. So soll das auf einer Fläche von 4'890 m2 (= 3'646 m2
Dachfläche + 590 m2 Hauszufahrts- bzw. Parkplatzfläche + 654 m2 Teichfläche) anfallende
Meteorwasser neuerdings der Mischwasserkanalisation zugeführt werden, was gut
31 Prozent der Gesamtfläche des Baugrundstücks entspricht. Angesichts dieser
Ausgangslage ist auch nicht ersichtlich, weshalb die vorherrschenden
Grundwasserverhältnisse dem Bauvorhaben entgegenstehen sollten. Dies gilt umso mehr,
als dass die Bauparzelle weder in der Grundwasserkarte45 noch in der
Gewässerschutzkarte46 besonders verzeichnet ist. Zudem ist das umstrittene Bauprojekt
gemäss Baugesuchsformular 1.0 vom 3. Juli 2015 weder mit Bauten bzw. Pfählen im
Grundwasser noch mit einer Grundwasserabsenkung verbunden. Die
Beschwerdeführenden 8-16 haben für die von ihnen behauptete Absenkung der Garage an
der AD._strasse 19 schliesslich keinerlei Beweise erbracht. Nach dem Gesagten
bestehen vorliegend keine Anhaltspunkte, die auf eine mangelnde Baugrundstabilität oder
eine sonstige konkrete Gefährdung der bestehenden und geplanten Bauten schliessen
lassen. Folglich erübrigt sich auch die Einholung eines hydrologischen Gutachtens.
d) Nach Art. 7 Abs. 2 GSchG47 und Art. 17 KGV48 ist nicht verschmutztes Abwasser
versickern zu lassen, sofern die örtlichen Verhältnisse dies erlauben. Art. 33 Abs. 1 Bst. a
AWR49 präzisiert, dass im Falle, wo weder eine Versickerung noch eine Einleitung in ein
oberirdisches Gewässer möglich ist, nicht verschmutztes Regenabwasser ins
Kanalisationsnetz eingeleitet werden muss. Wie oben ausgeführt (E. 10c), weist das
Baugrundstück eine mässige bis schlechte Durchlässigkeit auf. Das nächstgelegene
Oberflächengewässer ist der AL._weiher. Dieser befindet sich bekanntlich aber im
Wirkungsbereich eines kommunal geschützten Amphibienlaichgebiets, das (teilweise) auch
im Bundesinventar der Amphibienlaichgebiete von nationaler Bedeutung aufgenommen ist.
Die Aare liegt sodann über 350 Meter vom Baugrundstück entfernt. Dazwischen befinden
sich zudem nicht bloss in fremdem Eigentum stehende Parzellen, sondern auch ein Gebiet,
45 Abrufbar unter: <https://www.geo.apps.be.ch/de/karten/kartenangebot.html>. 46 Abrufbar unter: <https://www.geo.apps.be.ch/de/karten/kartenangebot.html>. 47 Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG; SR 814.20). 48 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1). 49 Abwasserreglement der Gemeinde Muri bei Bern vom 9. Dezember 2015 (AWR).
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das insbesondere Teil des kantonalen Naturschutzgebiets «Aarelandschaft Thun – Bern»
und im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung
(BLN) aufgenommen ist. Unter diesen Umständen ist es nicht zu beanstanden, dass das
auf den Dächern und der Hauszufahrt bzw. den Parkplätzen anfallende Meteorwasser
zusammen mit dem über die (Not-)Überläufe des Teichs abfliessende Wasser in die
Mischkanalisation eingeleitet werden soll. Dies gilt umso mehr, als dass mit den extensiv
begrünten Dachflächen (und zumindest in Trockenperioden auch mit dem Teich)
Rückhaltemassnahmen geplant sind, die dafür sorgen, dass das Wasser bei grossem
Anfall möglichst gleichmässig bzw. verzögert in die Kanalisation abfliessen kann. Es ist
schliesslich nicht ersichtlich und wird von den Beschwerdeführenden auch nicht geltend
gemacht, dass die Abflussleistungen der betreffenden Kanalisationsleitungen nicht für die
Aufnahme des (zusätzlichen) Meteorwassers ausreichen sollten.
e) Zusammengefasst erweist sich das Entwässerungskonzept der Beschwerdegegnerin
als nachvollziehbar und rechtskonform. Es ist insbesondere nicht ersichtlich, inwiefern sich
die geplante Entwässerung nachteilig auf die bestehenden und neuen Liegenschaften
auswirken sollte. Die Rügen der Beschwerdeführenden 3 und 8-16 betreffend die
Entwässerung und das Grundwasser sind somit unbegründet. Soweit die
Beschwerdeführenden 3 und 8-16 mit den genannten Rügen auf die Geltendmachung
nachbarrechtlicher Abwehransprüche abzielen, ist zudem nicht auf ihre Beschwerden
einzutreten. Vielmehr sind sie diesbezüglich auf den zivilrechtlichen Weg verwiesen.50
11. Kinderspielplätze
a) Die Beschwerdeführerin 5 rügt, die im Umgebungsplan vorgesehenen Standorte der
beiden mit dem Bauvorhaben geplanten Kinderspielplätze entsprächen nicht den
gesetzlichen Anforderungen. So befänden sich diese jeweils in den Randbereichen der
Bauparzelle, wobei insbesondere der nördlich des Gebäudes L gelegene Kinderspielplatz
von der übrigen Überbauung völlig abgeschirmt sei. Folglich könnten die Kinderspielplätze
von Kleinkindern nicht selbständig, ohne Begleitung von Erwachsenen gut und gefahrlos
erreicht werden. Für die Eltern bestehe mangels Sichtkontakt zu den Kinderspielplätzen
zudem keine Möglichkeit, ihre Kinder auch aus einer gewissen Entfernung zu
50 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 2 N. 4a.
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beaufsichtigen. Die Kinderspielplätze müssten daher neu, an einer zentralen Stelle
innerhalb der geplanten Überbauung platziert werden.
b) Gemäss Art. 15 Abs. 1 BauG hat die Bauherrschaft beim Bau von
Mehrfamilienhäusern Abstellräume und im Freien Aufenthaltsbereiche für die Bewohner,
insbesondere Kinderspielplätze, zu schaffen. In Wohnsiedlungen, die aufgrund eines
einheitlichen Projekts oder einer Überbauungsordnung erstellt werden, ist zudem eine
angemessene grössere Spielfläche vorzusehen (Art. 15 Abs. 2 erster Teilsatz BauG).
Aufenthaltsbereiche und Kinderspielplätze sollen sodann an möglichst sonnigen, dem
Verkehr abgewandten Arealstellen angelegt werden, wobei genügend Schattenplätze
vorzusehen sind (Art. 44 Abs. 1 BauV). Ferner müssen Kinderspielplätze für Kleinkinder
gut und gefahrlos erreichbar sein; der Zugang darf nicht durch Einstellhallen führen (Art. 44
Abs. 3 BauV). Schliesslich sollten Kleinkinderspielbereiche gemäss Ziffer 3.2 AHOP
Nr. 92.251 in der Regel in der Nähe der Wohnungen angeordnet werden und von diesen
aus gut einsehbar sein; ihre Distanz zu den zugeordneten Haustüren sollte 50 Meter nicht
überschreiten.
c) Zunächst ist festzuhalten, dass gemäss Umgebungsplan nicht nur zwei, sondern drei
Kinderspielplätze geplant sind; diese befinden sich zwischen den Gebäuden A und C, F
und I sowie nördlich des Gebäudes L. Zwischen den Gebäuden J und K ist zudem eine
Spielfläche vorgesehen. Nordwestlich des Gebäudes I sowie zwischen den Gebäuden B
und E sind schliesslich zwei Aufenthaltsbereiche beabsichtigt. Es trifft zwar zu, dass sich
die Kinderspielplätze wie auch die Spielfläche und die beiden Aufenthaltsbereiche jeweils
in den Randbereichen der Bauparzelle befinden. Ebenfalls richtig ist, dass der nördlich vom
Gebäude L gelegene Kinderspielplatz vom Rest der geplanten Überbauung abgeschirmt
ist. Dies ist jedoch nicht zu beanstanden. Entscheidend ist vielmehr, dass die
Kinderspielplätze nicht in der unmittelbaren Nähe der umliegenden Strassen, sondern an
von diesen abgewandten Standorten geplant sind; nichts anderes gilt in Bezug auf die
beiden Aufenthaltsbereiche und die Spielfläche. Es ist daher nicht ersichtlich und wird von
der Beschwerdeführerin 5 auch nicht näher dargelegt, inwiefern die geplanten
Kinderspielplätze für Kleinkinder nicht gut und gefahrlos erreichbar sein sollten. Dies gilt
51 Arbeitshilfen für die Ortsplanung (AHOP) Nr. 92.2, Aufenthaltsbereiche und Kinderspielplätze - Empfehlungen für die Projektierung und Gestaltung von benutzerfreundlichen Aussenräumen von Wohnüberbauungen (AHOP Nr. 92.2), abrufbar unter: <http://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/raumplanung/raumplanung/arbeitshilfen/ aufenthaltsbereicheundkinderspielplaetze.html>.
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umso mehr, als dass die jeweiligen Zugänge weder durch die Einstellhalle noch über deren
Ein- und Ausfahrt oder die oberirdischen Besucherparkplätze führen. Der über den
westlichen Teil des Baugrundstücks verlaufende Fuss- und Veloweg stellt bei Einhaltung
der bereits mit dem angefochtenen Entscheid verfügten sowie den mit dem vorliegenden
Entscheid hinzukommenden Auflagen ebenfalls keine Gefahr dar (E. 7). Ferner befinden
sich die drei Kinderspielplätze jeweils an sonnigen Lagen; gleichzeitig bieten die
umliegenden Fassaden und Bäume bzw. Sträucher aber auch schattige Bereiche. Von
mindestens neun der insgesamt zwölf Neubauten besteht schliesslich eine Sichtverbindung
zu einem der drei Kinderspielplätze; von den übrigen drei Häusern (Gebäude G, H und K)
ist zudem die Spielfläche direkt einsehbar. Im Übrigen befindet sich bloss der Hauseingang
zum Gebäude E in einer Distanz von mehr als 50 Meter, nämlich ca. 53 Meter, von einem
der drei Kinderspielplätze entfernt. Angesichts der Grössenordnung der Bauparzelle bzw.
des umstrittenen Bauprojekts ist dies nicht zu beanstanden. Dies gilt umso mehr, als dass
die Empfehlungen der AHOP Nr. 92.2 bloss hinweisenden Charakter haben52 und in Bezug
auf die Erfordernisse an die Lage der Spiel- und Aufenthaltsbereiche lediglich von «in der
Regel» sprechen. Nach dem Gesagten verletzen die im Umgebungsplan vorgesehenen
Standorte für die mit dem Bauvorhaben geplanten Kinderspielplätze die gesetzlichen
Anforderungen nicht. Die diesbezügliche Rüge der Beschwerdeführerin 5 erweist sich
somit als unbegründet.
12. Rechtsverwahrung
a) Die Beschwerdeführer 2 und 4 beantragen schliesslich sinngemäss, von ihren
Rechtsverwahrungen sei Kenntnis zu nehmen und zu geben.
b) Dies hat die Gemeinde im vorinstanzlichen Verfahren bereits getan und die
Rechtsverwahrungen im angefochtenen Gesamtentscheid vorgemerkt und der
Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebracht (vgl. dort Ziffer 4 des Dispositivs). Der
vorinstanzliche Entscheid wird im vorliegenden Beschwerdeverfahren zwar mit drei
Auflagen ergänzt, im Übrigen jedoch bestätigt und seine Anordnungen damit übernommen.
Somit gilt auch die Kenntnisnahme und -gabe der Rechtsverwahrung der
Beschwerdeführer 2 und 4 als erfolgt. Folglich muss dies vorliegend nicht wiederholt
52 BDE vom 19. August 2014, E. 6b (RA Nr. 110/2014/26).
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werden. Den Beschwerdeführern 2 und 4 fehlt es insofern an einem Rechtsschutzinteresse
für diesen Antrag (Art. 65 VRPG), weshalb darauf nicht einzutreten ist.
13. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend ergibt sich, dass das Bauvorhaben der Beschwerdegegnerin bewilligt werden kann, aber drei zusätzliche Auflagen betreffend Verkehrssicherheit
anzuordnen sind. Der angefochtene Entscheid ist entsprechend zu ergänzen. Im Übrigen
ist der Gesamtentscheid der Gemeinde Muri bei Bern vom 18. August 2017 zu bestätigen
und die Beschwerden, soweit darauf eingetreten werden kann, abzuweisen.
b) Die massgeblichen Sachverhaltselemente konnten anhand der zur Verfügung
stehenden Akten (insbesondere auch aufgrund der vorhandenen Pläne, Bilder und
Beschreibungen) genügend überprüft bzw. festgestellt werden. Auf den von den
Beschwerdeführenden 8-16 beantragten Augenschein sowie die vom Beschwerdeführer 4
beantragte Einholung eines ergänzenden Fachberichts betreffend Erschliessung und
Verkehrssicherheit kann daher verzichtet werden, da von diesen keine neuen relevanten
Erkenntnisse zu erwarten sind. In diesem Zusammenhang ist schliesslich darauf
hinzuweisen, dass sich das TBA OIK II in seinem Fachbericht vom 23. Januar 2018 zu
Recht nicht mit allenfalls möglichen Alternativerschliessungen des Bauvorhabens
auseinandergesetzt hat. Einerseits hat das Rechtsamt der BVE nicht danach gefragt und
andererseits bilden solche Erschliessungsvarianten nicht Gegenstand des vorliegend in
Frage stehenden Baugesuchs (E. 6b). Dass der Verkehr im Quartier bzw. auf denjenigen
Strassen, die Teil der geplanten Erschliessung sind, störungsfrei funktioniert, geht aus dem
Fachbericht des TBA OIK II sodann hervor (E. 6g). Entgegen den Ausführungen des
Beschwerdeführers 4 handelt es sich beim TBA OIK II im Übrigen nicht um eine Partei des
vorliegenden Verfahrens, sondern um diejenige Fachstelle, die gemäss Art. 22 Abs. 1
Bst. b BewD zu konsultieren ist, wenn gegen ein Vorhaben Bedenken oder Einwände
betreffend die Gefährdung der Sicherheit oder allgemeinen Gesundheit bestehen, wozu
insbesondere auch die Verkehrssicherheit gehört.
c) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Daran
ändert auch die Tatsache nichts, dass der angefochtene Entscheid mit drei Auflagen
betreffend Verkehrssicherheit ergänzt werden muss. Einerseits haben die
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Beschwerdeführenden keine solchen Auflagen gefordert, sondern lediglich den
Bauabschlag bzw. die Projektänderungen beantragt. Andererseits kommt den fraglichen
Auflagen im Vergleich zu den Rügen, die sich als vollumfänglich unbegründet erwiesen
haben bzw. auf welche gar nicht erst eingetreten worden ist, eine absolut untergeordnete
Bedeutung zu. Die Beschwerdeführenden haben somit die gesamten Verfahrenskosten zu
tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von
Fr. 2'100.– pro Beschwerde (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV53). Werden
in einem einzigen Entscheid mehrere Beschwerden beurteilt, so kann die Pauschalgebühr
für die einzelnen Beschwerdeführenden angemessen reduziert werden (Art. 21 Abs. 3
GebV). Die Pauschalgebühr wird daher um einen Drittel auf Fr. 1'400.– pro Beschwerde
reduziert. Sowohl die Beschwerdeführenden 6 und 7 als auch die Beschwerdeführenden 8-
16 haften jeweils solidarisch für den gesamten auf sie entfallenden Betrag.
d) Die Beschwerdeführenden haben zudem der Beschwerdegegnerin die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdegegnerin
beläuft sich auf insgesamt Fr. 11'263.25 (Honorar Fr. 10'318.–, Auslagen Fr. 140.–,
Mehrwertsteuer Fr. 805.25) und gibt grundsätzlich zu keinen Bemerkungen Anlass. Die
Beschwerdegegnerin ist jedoch mehrwertsteuerpflichtig bzw. Mitglied einer
Mehrwertsteuergruppe54 und profitiert damit letztlich ebenfalls vom Vorsteuerabzug. Ihr fällt
daher betreffend Mehrwertsteuer kein Aufwand an und eine Abgeltung der Mehrwertsteuer
käme einer mit Art. 108 Abs. 3 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 VRPG unvereinbaren
Überentschädigung gleich. Die in der Kostennote des Rechtsvertreters der
Beschwerdegegnerin aufgeführte Mehrwertsteuer ist daher bei der Bestimmung des
Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.55 Folglich belaufen sich die zu
berücksichtigenden Parteikosten der Beschwerdegegnerin auf Fr. 10'458.–. Nach dem
Gesagten haben der Beschwerdeführer 1, der Beschwerdeführer 2, der
Beschwerdeführer 3, der Beschwerdeführer 4, die Beschwerdeführerin 5, die
Beschwerdeführenden 6 und 7 sowie die Beschwerdeführenden 8-16 der
Beschwerdegegnerin je einen Parteikostenanteil von Fr. 1'494.– (mithin je ein Siebtel von
Fr. 10'458.–) zu ersetzen. Im Übrigen haften die Beschwerdeführenden 6 und 7 sowie die
53 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21). 54 Vgl. Unternehmens-Identifikationsnummer-Register, abrufbar unter: <https://www.uid.admin.ch>. 55 BVR 2014 S. 484 E. 6.
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Beschwerdeführenden 8-16 auch in Bezug auf die Parteikosten jeweils solidarisch für den
gesamten auf sie entfallenden Betrag.