# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 21efe1a8-405e-4242-9fe1-dd62d5009121
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1968,
war seit Juni 2007
als
selbständiger
Fahrlehrer tätig (
Urk.
7/16 S. 1
Ziff.
2).
Am 3
1.
August 2010 erlitt er einen Auffa
hrunfall
(
Urk.
7/18 S. 5 oben)
.
Der Versicherte meldete sich a
m 2
6.
März 2011 bei der Inva
lidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3).
Die Sozialversiche
rungs
an
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte medizinische Gutachten (
Urk.
7/29-30) ein. Mit Verfügung vom 2
6.
Februar 2014 (
Urk.
7/70) lehnte
sie
eine Kostengut
sprache für Leistungen der Invalidenversicherung ab, da sich der Versicherte ent
gegen der Aufforderung in der Zwischenverfügung vom 2
4.
September 2013
(
Urk.
7/57)
einer
geplanten
Begutachtung
nicht
unterzogen habe.
1.2
Die Gutachter des
Spitals Y._
erstatteten am
4.
November 2015 (
Urk.
7/80) zuhanden des Bezirksgerichts Zürich ein
interdisziplinäres
Gut
achten. Am 1
8.
Januar 2016 (
Urk.
7/81) stellte der Versicherte bei der IV-Stelle ein neues Leistungsgesuch,
die in der Folge
zusätzlich
ein polydisziplinäres Gutachten (
Urk.
7/119) einholte. Der Versicherte nahm am 1
4.
Oktober 2019 und am 2
6.
März 2020 dazu Stellung (
Urk.
7/123,
Urk.
7/
125).
Mit Verfügung vom 1
0.
August 2020 (
Urk.
7/132 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Der Versicherte erhob
am 1
4.
September 2020
Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
0.
August 2020 (
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es
sei
die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen zu weiteren medizinischen Abklärungen, insbesondere zur Erstellung eines polydisziplinären Verlaufsgutachten
s
durch das
Spital Y._
(
Urk.
1 S. 2 oben).
D
ie IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Oktober 2020 (
Urk.
6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am
2.
Novem
ber 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest,
mit Ver
fügung vom 2
6.
Februar 2014 habe sie einen Anspruch auf Leistungen der Inva
lidenversicherung abgewiesen, da der Beschwerdeführer nicht zu einer
geplanten
Begutachtung erschienen sei. Am
2
0.
Januar 2016 sei eine erneute Anmeldung erfolg
t. Aus medizinischer Sicht sei
in den zahlreichen somatischen Teilgutachten
des
Spitals Y._
keine ausreichende organische Ursache für sämtliche körperliche Be
schwerden
zu finden. Bei zahlreichen Untersuchungen habe sich eine
Aggra
vation und eine
deutliche Selbstlimitierung gezeigt (S. 1 f.).
Dem Beschwerdeführer sei am 2
3.
Juni 2016 im Sinne einer Schadenmin
de
rungspflicht die Wiederaufnahme einer psychiatrischen Behandlung auferlegt worden
. Es hätte
eine stationäre psychiatrische Behandlung stattfinden sollen
. Bis heute
sei
k
eine Therapie aufgenommen worden
(S. 2 oben).
Im Gutachten des
Spitals Y._
sei sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert worden. Weshalb
auch
in sämtlichen
angepassten Tätigkeiten eine Arbeitsunfä
higkeit von 100
%
bestehen sollte
, sei aufgrund des Gutachtens nicht nachvollziehbar. Zumal aus den eingereichten Steuerunterlagen hervorgehe, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 2015 bis 2017 in der Lage gewesen sei, ein Nettoeinkommen zwischen
Fr.
35'135.-- und
Fr.
48'723.-- zu erzielen (S. 2 Mitte).
Nach der Beurteilung durch ihren Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) sei das in der Folge eingeholte polydisziplinäre Gutachten
des
Z._
vom 2
0.
August 2019 plausibel
. Eine Befangenheit
der Gutachter
könne nicht festgestellt werden
. Gemäss dem Gutachten nehme der Beschwerdeführer weiterhin überhaupt keine Behandlung in Anspruch. Es bestün
den daher grosse Zweifel am Schweregrad des Leidens (S. 3 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte vor
, er mache geltend, dass sowohl in der ange
stammten als auch in einer angepassten Tätigkeit eine
volle
Arbeitsunfähigkeit vorliege. Das Gutachten des
Z._
, auf das sich die Beschwerdegegnerin abstütze, weise auf somatischer Ebene entscheidende Abklärungsmängel auf. Das psychia
trische Teilgutachten des
Z._
genüge in keiner Weise den Anforderungen an ein hinreichendes Gutachten. Es basiere auf einer einseitigen Darstellung und Würdi
gung der Aktenlage. Das Ausmass der Objektivitätsmängel spreche für eine erheb
liche Befangenheit der beteiligten Gutachter (
Urk.
1 S. 4
Ziff.
9 oben).
Ein erheb
licher Mangel des Gutachtens des
Z._
liege darin, dass dem Beschwerdeführer
zu Unrecht Aggravation unterstellt worden sei, ohne diesen schwerwiegenden Vo
r
wurf nachvollziehbar zu begründen.
Schon
die Aktenlage
sei
im Gutachten nicht objektiv dargestellt worden (S. 8
Ziff.
22 oben).
Obwohl das psychiatrische Teil
gutachten des
Z._
nicht ansatzweise einen AMDP-Befund
enthalte
, übe es un
berechtigte Kritik am leitliniengerechten AMDP-Befund der
Spital Y._
-Expertise (S. 14
Ziff.
35).
Auf somatischer Ebene hätte
der Beschwerdeführer
durch einen Facharzt
be
ziehungsweise eine
Fachärztin für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde begutachtet werden sollen (S. 12
Ziff.
30).
2.3
Die Beschwerdegegnerin lehnte mit Verfügung vom 2
6.
Februar 2014 (
Urk.
7/
70
) eine Kostengutsprache für Leistungen der Invalidenversicherung
mit der Begrün
dung ab, dass
der Beschwerdeführer zu einer am
7.
Januar 2014 vorgesehenen Begutachtung beim
A._
nicht erschienen
sei
.
Am 1
8.
Januar 2016 (
Urk.
7/81) stellte der Beschwerdeführer ein neues Leistungs
gesuch. Strittig und zu prüfen ist daher, ob neu ein Rentenanspruch besteht.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer erlitt am 3
1.
August 2010
bei der Arbeit
als Fahrlehrer einen A
uffahrunfall (
Urk.
7/18/5).
3.2
Med.
pract
.
B._
, Psychiaterin,
nannte im Bericht vom 1
8.
April 2011 (
Urk.
7/17/1-6)
folgende
Diagnosen (S. 1
Ziff.
1.1):
-
akute Belastungsreaktion auf Unfall mit Depression und Angst gemischt
-
neurokognitive Störung durch den Unfall mit Verletzung
des
k
ranio
zervi
kalen
Überganges mit Defiziten in der Bewegungskoordination und der visuellen Aufmerksamkeit (als Fahrlehrer nicht mehr zugelassen
)
Für
die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Fahrlehrer
attestierte med.
pract
.
B._
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 2
Ziff.
1.6)
.
Sie gab zur Arbeitsfähigkeit an, d
er Beschwerdeführer sei wegen der Problematik der Halswirbelsäule (HW
S
) nicht reisefähig und wegen der kognitiven Einschränkungen vorläufig nicht mehr als Fahrlehrer zugelassen. Ab Juni/Juli 2011 bestehe in einer früheren Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 30
%
(S. 2
Ziff.
1.7).
3.3
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, nannte im Bericht vom
2.
Mai 2011 (
Urk.
7/18/5-6)
folgende
Diagnose (S. 1):
-
cervicales
Beschleunigungstrauma nach Auffahrunfall vom 3
1.
August 2010 mit
-
rechtsseitigem
Cervico-Thoracovertebralsyndrom
-
Myelonkompression
durch
cervicale
Diskushernie
-
gestörte Bewegungswahrnehmung am rechten Auge
-
depressive Entwicklung und Angststörung
-
Status nach zweimaliger
HWS-
Traumatisierung vom
9.
Dezember 2008 und 2
2.
Dezember 2009
3.4
PD
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Ophthalmologie, Augenklinik,
Spital Y._
,
erstattete am 3
1.
August 2011 (
Urk.
7
/29/2-24
)
ein Gutachten (Entwurf)
. Er führte aus, der Beschwerdeführer klage seit dem Unfall vom 3
1.
August 2010 am rechten
Auge und in der rechten Augenhöhlenregion über episodische Sehstörungen (S.
3
oben).
PD
Dr.
D._
nannte als
neuroophthalmologische Diagnose
eine
Störung der subjektiven visuellen Bewegungswahrnehmung (
Akinetopsie
) mittelstarken Aus
masses nach traumatischer Hirnverletzung (S. 14
unten).
Auch wenn der Be
schwer
deführer von einer
s
chmerzbegleitenden
rechtsseitigen
Sehstörung gesprochen habe, sei nicht anzunehmen, dass das Symptom zu einer körperlichen Beein
trä
chtigung führe (S. 12
Ziff.
1 unten). Der Explorand leide als Folge eines zerebralen Traumas an einer Störung der dynamischen visuellen Wahrnehmung.
Es handle
sich um eine Störung der subjektiven visuellen
Bewegungsw
ahrnehmung, wobei
sich der Patient
in einer bewegten U
mwelt schlecht zurechtfinde. Es handle sich um eine eigentliche
Akinetopsie
. Die Sehstörung sei mit
optokinetischen
Reizen objektivierbar und mit Videoaufnahmen zu belegen (S. 14 oben). Die
Akinetopsie
sei eine typische Unfallfolge bei Traumata mit
cerebraler
Beteiligung
, wie
bei Sport-, Velo- und Auffahrunfällen mit dem Auto. Sie komme mit massig variabler Symptomatik bei schwereren Unfällen mit schlechter Heil- und Kompen
sations
tendenz vor (S. 14 unten).
3.5
Med.
pract
.
B._
hielt in ihrem Verlaufsbericht vom
2.
März 2012 fest, dass die bisherige Therapie den Beschwerdeführer stabilisiert habe, so dass dieser nicht psychiatrisch hospitalisiert habe werden müssen. Die psychische Symptomatik habe
sich
um 40 bis 50
%
verbessert
(
Urk.
7/28
Ziff.
1.4)
.
3.
6
Dr.
med.
E._
, Facharzt für HNO-Heilkunde, Allergo
logie, Umweltmedizin, erstattete am
2.
März 2012 (
Urk.
7/30/2-22) ein
fachärzt
liches Gutachten auf dem Gebiet
Hals-Nasen-Ohren und Neurootologie
.
Der Gut
achter führte
in der
Traumaanamnese
unter anderem
aus, im Dezember 2008 sei es zu einem Sturz in einen zirka einen Meter tiefen Schacht auf einem Parkplatz gekommen. Der Beschwerdeführer habe sich einen Fuss verstaucht, eine Rippe gebrochen und sei einige Monate krankgeschrieben
gewesen
. Im September 2009 sei es zu einem leichteren Unfall gekommen. Der Beschwerdeführer habe eine Woche nicht gearbeitet (S. 2 unten).
Dr.
E._
nannte als Diagnose eine multisensorische Integrations
störung bei posttraumatischem
cervico-encephalem
Syndrom. Es lägen
schwere Störungen im Kopfsinnes-
Bereich vor. Geschädigt seien die
gleichtgewichtsver
arbeitenden
Strukturen, das visuelle System und durch die
Hyperakusis
das Gehör (
S. 7 unten). Für den Beruf als Fahrlehrer sei eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
anzusetzen, für die Haushaltsführung betrage diese 50
%
(S. 12 oben).
3.
7
3.
7
.1
Die Gutachter des
Spitals Y._
erstatteten am
4.
November 2015 (
Urk.
7/80) zuhanden
des Bezirksgerichts Zürich ein i
nterdisziplinäres Gutachten. Das neurologische
Haupt
gutachten
vom
4.
November 2015 (
Urk.
7/80/1-61
)
ist von
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Neurologie
,
und Prof.
Dr.
med.
G._
,
Facharzt für Neurologie,
Klinik für Neurologie,
Spital Y._
, unterzeichnet (S. 59).
Dem Hauptgut
achten sind
unter anderem
beigelegt
das neuroradiologische
Teilgutachten
von Prof.
Dr.
med. H._
, Facharzt für Radiologie,
Klinik für Neuroradiologie,
vom 2
3.
April 2015
,
das Teilgutachten
von
Dr.
F._
und Prof.
Dr.
med. I._
, Facharzt für Neurologie,
Interdisziplinäres Zentrum für Schwindel und Gleichgewichtsstörungen,
vom 2
0.
August 2015,
das
orthopädisch-trauma
tologische
Teilgutachten von
Dr.
med.
J._
und Prof.
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewe
gung
s
apparates, Departement für Chirurgie und Klinik für Unfallchirurgie,
das Teil
gut
achten
von
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Ophthalmologie, und Prof.
Dr.
med.
M._
, Fachärztin für Ophthalmologie,
Augenklinik,
vom 2
9.
April
2015,
das psychiatrische Teilgutachten von PD
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Klinik für Psychiatrie und Psycho
therapie,
vom 1
0.
November 2015 und das
neuropsychologische Teilgutachten von
Prof.
Dr.
phil.
O._
, Abteilungsleiter, Klinik für Neurologie,
vom 1
6.
August 201
4.
3.
7
.2
Dr.
F._
und Prof.
G._
führten im Hauptgutachten aus,
der Beschwerde
füh
rer habe als aktuelle Beschwerden Nackenschmerzen, ein Zittern der Augen, einen Tinnitus, eine Funktionsstörung des linken Beines, Atembeschwerden, einen einschiessenden Schmerz
an
der rechten Schläfe, einen
Schwankschwindel
und eine Depression angegeben. Direkt nach dem Unfall habe er Nackenschmerzen
entwickelt mit einer Zunahme
der Beschwerden
im Laufe der folgenden Tage (S.
23
Ziff.
3 unten).
Nach dem
neuropsychologischen Teilgutachten von Prof.
O._
liege
gemäss den
testpsychologischen Resultaten
bei durchschnittlicher Intelligenz eine sehr schwere Minderleistung im Bereich
des
Lernen
s
vor, sowohl verbal als auch nonverbal. In den Bereichen
Tempo, Antrieb, Aufmerksamkeit,
Lernen und Ge
dächt
nis sei
die
Validität der B
efunde nicht gegeben. In der Verhaltens
beobach
tung habe der Explorand in fast allen Testverfahren qualitative Auffälligkeiten gezeigt, welche die Glaubhaftigkeit bezüglich des Schweregrades eines gezeigten D
efizites stark in Frage stelle. Bezüglich der Lern- und
Behaltefunktion
ent
spreche das gezeigte
Kommentierverhalten
nicht dem Verhalten eines hirnge
schä
digten Menschen in der Testsituation (S. 27 f.).
Zusammenfassend könnten die subjektiven Beschwerden aus neuropsychologischer Sicht im Bereich des Sehens zum Teil objektiviert werden. Es bestehe allerdings ein Hang zur Über
treibung im Sinn einer Aggravation. Zu den erlebten Einschränkungen bezüglich Antrieb, Tempo, den Aufmerksamkeitsfunktionen und den Antriebs- und Ge
dächtnisstörungen könne aus neuropsychologischer Sicht nicht Stellung genom
me
n werden, da die Testresultate nicht valide seien (S. 28 oben).
Gemäss dem psychiatrischen Teilgutachten führten die im Rahmen einer
de
pressiven Störung vorlie
genden Konzentrationsstörungen sowie eine
Störung der Affektqualitäten und eine Antriebsstörung zu einer mittleren bis schweren Be
einträchtigung in mehreren Fähigkeitsbereichen. Es handle sich um die An
pas
sun
g an Regeln und Routine, die Planung und Strukturierung von Aufgaben, die Flexibilität
und
Umstellungsfähigkeit, die Selbstbehauptungsfähigkeit etc.
Die im Rahmen
einer
dissoziativen Störung vorliegenden Veränderungen der Sensibilität und des Hörens und Sehens führten zu einer schweren bis vollständigen Beein
trächtigung der Mobilität und der Verkehrsfähigkeit. Die Arbeitsfähigkeit als selbständiger Fahrlehrer sei daher vollständig aufgehoben.
Der
an zwei Stunden pro Abend geleistete Verkehrsunterricht könne nur mit übermässiger Anstren
gung und vorgängigen Ruhephasen erbracht werde
n
(S. 31 f.). Es sei zu vermuten, dass die Arbeitsfähigkeit als Fahrlehrer
seit
Ende 2010/Anfang 2011 substantiell eingeschränkt gewesen sei
. Für den Haushalt bestehe aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung vom 20-30
%
.
Es sei
davon auszugehen, dass
die Arbeits
fähigkeit
im Haushalt
spätestens
seit
April 2011 um 20-30
%
eingeschränkt gewesen sei (S. 32 oben). Aufgrund der mittel
-
bis
schwergradigen
Beeinträch
tigung in de
n
meisten der 13 Fähigkeitsbereiche
werde vermutet, dass
eine Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht auch in einer Verweistätigkeit nicht gegeben
sei
(S. 32 Mitte).
3.
7
.3
Dr.
J._
und Prof.
K._
führten im orthopädisch-
traumatologischen
Teil
gutachten
(
Urk.
7/80/91-118)
aus, die subjektiven Beschwerden an der Hals
wirbel
säule erschienen zu ausgeprägt für die objektivierbaren klinisch-radiolo
gischen Befunde. Ein gewisser Zusammenhang sei überwiegend wahrscheinlich, jedoch nicht in dem geschilderten Ausmass
. Bei chronischen Verläufen seien funktionelle Blockaden der
Fazettengelenke
und damit ei
n
hergehend leichte Schmerzen und leichte funktionelle Einschränkungen im Sinne einer leichten Bewegungseinschränkung nachvollziehbar
(S. 13 unten). Die massiven subjekti
ven Beschwerden seien durch die vorliegende radiologische Bildgebung nicht ein
deutig validierbar
. U
nwahrscheinlich sei, dass solche Symptome durch die vorlie
genden degenerativen Veränderungen entstanden seien
(S. 14 oben).
Der Be
schwerde
führer habe beim Unfall vom 3
1.
August 2010 eine HWS-Distorsion erlitten (S. 15
Ziff.
1.
1
).
3.
7
.4
Dr.
L._
und Prof.
M._
, Augenklinik,
Spital Y._
, führten im Teilgutachten vom 2
9.
April 2015
(
Urk.
7/80/119-128),
aus, der Beschwerdeführer habe
Visusstö
run
gen
dahingehend beklagt, dass die Sehschä
r
fe am rechten Auge seit dem Unfall vom 3
1.
August 2010 abgenommen habe. Der Patient sei mit einer Brille zur Unter
suchung erschienen, die zirka ein Jahr alt sei. Zuvor habe er keine Brille gebraucht (S. 5
Ziff.
2.3 unten). Unmittelbar nach dem Unfall vom August 2010 könne eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
vorgelegen habe
n
. Die Überwach
ungs
akten liessen zumindest eine teilweise Arbeitsfähigkeit während des videodo
ku
mentierten Zeitraumes vermuten. Die Arbeitsfähigkeit müsse interdisziplinär ab
ge
wogen werden (S. 9
Ziff.
6.1).
3.
7
.5
PD
Dr.
N._
führte im psychiatrischen Teilgutachten vom 1
0.
Novem
ber 2015
(
Urk.
7/80/129-207)
aus,
der Beschwerdeführer habe vor dem Unfall im Dezember 2008, als er in einen Lichtschacht gefallen sei, nie psychische Be
schwerden gehabt und sei
nicht in
psychiatrischer Behandlung gewesen (S. 31
Ziff.
4.3 oben).
Kurz nach dem Unfall vom August 2010 habe
er
eine Psycho
therapie
bei med.
pract
.
B._
begonnen. In einer ersten Phase sei er zweimal pro Woche, später einmal pro Woche
zu ihr
gegangen
. Derzeit nehme er keine Ter
mine mehr wahr
(S. 33 oben).
Bei starken visuellen Reizen verspüre er jeweils einen stechenden Schmerz im rechten Stirnbereich.
Beim Gehen, beim
Auto
fahren,
in öffentlichen Verkehrsmitteln oder am Schreibtisch spüre er häufig ein kribbelndes, heisses Gefühl entlang der rechten Seite der Halswirbelsäule, welches in beide Schultern ausstrahle. Die Schmerzen entwickelten sich innert Minuten und gingen erst wieder durch Liegen weg. Er habe die Schmerzen jeden Tag. Wenn er seinen Kopf zu viel drehe, habe er auch einen stechenden Schmerz im mittleren Bereich der Halswirbelsäule (S. 34
Ziff.
4.4 unten).
Sobald er stehe, habe er das Gefühl, dass er vor- und rückwärts schwanke. Einen Drehschwindel ver
spüre er nicht. Gelegentlich falle er deswegen um (S. 35 unten).
Der Beschwerdeführer habe sich seit dem Unfall zunehmend von seinen Freunden und Kollegen zurückgezogen. Neben seinem Partner habe er heute noch Kontakt zu den Eltern und
zu
zwei Bekannte
n
in
P._
(S. 39
Ziff.
4.5 Mitte). Autofahren könne er nicht mehr, da ihm der Fahrausweis aberkannt worden sei. Er sei nicht mehr fahrfähig, da der Verkehr ihn rasch überfordere (S. 40 Mitte). Die mehrfache Überwachung durch Privatdetektive, sogar auf privatem Grund, habe den Beschwerdeführer sehr verunsichert. Seitdem habe er das Gefühl unter ständiger Überwachung zu stehen. Dies und das Gefühl, andere Menschen mit seiner Situation zu belasten,
hätten
dazu geführt, dass er sich immer mehr zu
rückgezogen habe (S. 43
Ziff.
6.1 unten).
PD
Dr.
N._
nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähig
keit eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome (ICD-10 F32.2)
und einen Verdacht auf eine gemischte dissoziative Störung (ICD-10 F44.7) mit Beeinträchtigung von Motorik, Sensibilität und Sinneswahrnehmung (S.
68
Ziff.
7.1).
Die vom Exploranden beklagten Hör- und Sehveränderungen, Taub
heits
gefühle und eine motorische Schwäche im linken Bein und im linken Arm seien unter der Annahme eines fehlenden somatischen Korrelats vereinbar mit einer dissoziativen Genese. Deren Auftreten stehe in zeitlichem Zusammenhang mit dem Unfall vom August 2010 beziehungsweise den sich in der Folge ent
wickelnden psychosozialen Belastungsfaktoren. Damit seien die Kriterien einer gemischten dissoziativen Störung mit Beeinträchtigung von Motorik, Sensibilität und Sinneswahrnehmung erfüllt. Die Beurteilung des Schweregrades der Symp
tome sei aus psychiatrischer Sicht aber schwierig, da diese auf Selbstangaben beruhten, durch eine klinische
psychiatrische
Untersuchung nicht objektiviert
wer
den könnten und eine
aggravierte
Symptompräsentation nicht auszu
schliessen
sei
. Weiter sei nicht sicher auszuschliessen, dass die geschilderten Defizite Aus
druck einer durch das depressive Zustandsbild bedingten Fehlinterpretation nor
maler körperlicher Wahrnehmungen sei
en
(
S. 71 oben).
3.
8
Dipl. med.
Q._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psy
chotherapie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, führte in einer Stellungnahme vom
2
7.
April 2016 (
Urk.
7/91 S. 2 f.) aus, das inter
dis
ziplinäre Gutachten des
Spitals Y._
erfülle die formalen Kriterien, sei nachvollziehbar und in den medizinischen Schlussfolgerungen plausibel.
In den zahlreichen so
matischen Teilgutachten liessen sich für
sämtliche körperliche Beschwerden keine ausreichende organische Ursache finden. Der Beschwerdeführer habe zudem bei zahlreichen Untersuchungen Aggravation und eine deutliche Selbstlimitierung gezeigt. Nicht valide seien auch die neuropsychologischen Testergebnisse. Die aktuellen Beschwerden seien ausschliesslich psychischer Natur (S. 2 unten). Als Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit bestünden eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome seit zirka April 2011 und ein Verdacht auf eine gemischte dissoziative Störung mit Beeinträchtigung von Motorik, Sensibilität und Sinneswahrnehmung (S. 2 f.).
Nach Abschluss des Prozesses gegen den Haftpflichtversicherer und nach der erneuten Aufnahme einer psychiatrischen Behandlung sei unter Umständen mit einer Verbesserung
des Gesundheitszustandes
zu rech
n
en (S. 3 Mitte).
3.
9
3.
9
.1
Die Beschwerdegegnerin gab in der Folge
beim
Z._
ein polydisziplinäres Gut
achten in Auftrag. Es datiert vom 2
0.
August 2019 (
Urk.
7/119) und ist von
Dr.
med.
R._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
S._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
T._
, Facharzt für Neurologie, Dipl. Psych.
U._
und M.
Sc.
V._
unterzeichnet (S. 27).
Zur internistischen Untersuchung durch
Dr.
S:_
_
wurde ausgeführt, der Be
schwerdeführer habe berichtet, dass er niedergeschlagen sei, keine Glücksgefühle habe und dauernd nachdenke und grüble. Alles, was er sehe, ende im Tod. Er habe Todesängste. Seit dem Unfall von 2010 habe er in der linken oberen und
der
unteren Extremität eine leicht verminderte Kraft und das Gefühl sei ebenfalls vermindert. Weiter habe er Durchschlafstörungen (S. 40 f.
Ziff.
3.2).
Dr.
S._
nannte als Diagnosen einen Status nach
Teilstrumektomie
, substi
tuiert, und einen Status nach Tonsi
l
lektomie und Appendektomie im Kindesalter (S. 44
Ziff.
6).
Aus
allgemeinmedizinischer Sicht bestünden keine Erkrankungen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 44
Ziff.
7.1).
3.
9
.2
Dr.
T._
führte zur neurologischen Untersuchung aus, der Beschwerdeführer habe angegeben, dass er selber mit dem Auto gekommen sei. Die Hauptbeschwerden seien eine Niedergeschlagenheit u
nd Hoffnungslosigkeit. Weiter leide
er
unter
Rückenschmerze
n
und unter Schmerzen im Bereich des Nackens und der Brust
wirbelsäule.
Diese
seien in unterschiedlicher Qualität dauernd vorhanden. Wenn er zum Beispiel längere Zeit sitze, würden die Schmerzen an Intensität zunehmen
und er
müsse dauernd die Position wechseln
(S. 46
Ziff.
3.1 und 3.2).
Seit dem
Autounfall Ende August 2010 sei eine Hörminderung linksseitig vorhanden (S. 47
oben).
Bezüglich einer Gang- oder Gleichgewichtsstörung
habe
der Explorand
berichtet, dass
die
Gangstörung
deutlich besser geworden sei. Weiter habe er noch eine Schwäche mit dem linken Arm und dem linken Bein. Im Bereich der linken oberen und unteren Extremität habe er das Gefühl, dass alles «etwas gedämpft» sei. Die Symptomatik sei kurz nach dem Autounfall Ende August 2020 aufgetreten (S. 47 Mitte).
Weiter habe er Schmerzen im rechten Nacken, die im Hinterkopf Richtung Stirne ausstrahlten (S. 47 unten).
Dr.
T._
stellte keine neurologische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähig
keit. Als neurologische Diagnosen ohne Einfluss auf die A
rbeitsfähigkeit nannte er (S. 50
Ziff.
6 oben):
-
sensomotorisch
es
Hemisynd
r
om
links mit distal-
betonten Paresen im Bereich der linken oberen und unteren Extremität verbunden mit einer leichten Ataxie der linken oberen und unteren Extremität ohne
Nachweis einer organischen Ursache
-
Differentialdiagnose: funktionell
-
chronisches
Cerviko
thorako
vertebralsyndrom
-
Status nach
craniocervikalem
Beschleunigungstrauma vom 3
1.
August 2010
-
Verdacht auf
cer
v
ikogene
Kopfschmerzen rechtshemisphärisch
-
intermittierendes Augenzittern
-
Schwerhörigkeit links unklarer Ätiologie
Bei der Prüfung der Beweglichkeit der
HWS
habe
eine eingeschränkte Rotation nach links mit Angabe von rechtsseitigen Nackenschmerzen
bestanden
(S.
50
Ziff.
7.1 unten).
Intermittierend habe sich ein wenige Sekunden dauerndes hori
zontales Augenzittern gezeigt. Der Explorand habe berichtet, dass dies nun wieder gehäuft auftrete, sehr wahrscheinlich im Rahmen der ärztlichen Untersuchungen (S. 51 oben).
Zusammenfassend finde
sich
klinisch
ein sensomotorisches
Hemi
syndrom
mit
distalen-
betonten Paresen im Bereich der linken oberen und unteren Extremitäten verbunden mit einer leichten Ataxie der linken oberen und unteren Extremität, welche wahrscheinlich funktionell bedingt seien (S.
51 unten). Hin
weise für eine Polyneuropathie oder eine Pyramidenbahnläsion bestünden nicht. Bei der Untersuchung der HWS zeigten sich nur geringe, nicht relevant ein
her
gehende degenerative Veränderungen (S. 52 oben). Weiter bestehe ein chroni
sches
Cervikothorakovertebralsyndrom
bei Status nach
kraniocervikalem
Beschleuni
gungs
trauma im August 2010 (S. 52
Ziff.
7.1 unten).
G
emäss den Angaben des Beschwerdeführers habe sich die Gang- und Gleichge
wichtsstörung deutlich gebessert. Zu Beginn habe er an einem Rollator gehen müssen.
Bei der heutigen Untersuchung habe
sich ein leicht hinkendes Gangbild gezeigt. Nach
den
Angaben
des Beschwerdeführers
schenke er den
Nacken
schmerzen und den
thorakalen Schmerzen keine Beachtung (S. 52 f.
Ziff.
7.2).
Er
unterrichte Verkehrstheorie. Dabei sei
er
im Umfang von insgesamt
20
%
als Fahrlehrer tätig. Für die angestammte Tätigkeit als Fahrlehrer sei insgesamt von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszugehen (S. 53
Ziff.
8.1). Aus neurologischer Sicht bestehe auch in einer angepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Für das linksseitige sensomotorische
Hemisyndrom
bestehe keine organi
sche Grundlage (S. 53
Ziff.
8.2).
3.
9
.3
Dr.
R._
führte zur psychiatrischen Untersuchung
aus, der B
eschwerdeführer
sei zirka 2012 im
Spital Y._
in psychiatrischer Behandlung gewesen, mit zirka zwei bis drei Terminen.
Eine weitere psychiatrische
Behandlung
zirka 2012
habe er abge
brochen
(S. 74 Mitte). Der Beschwerdeführer arbeite aktuel
l mit einem Pensum von zirka 20 %. Er erteile
Verkehrsunterricht.
Es sei ihm nicht möglich, eine
grösser
e Arbeitsleistung zu erbringen
(S. 75
Ziff.
3.2.2).
Er
verdiene
damit
zirka
Fr.
3'600.-- bis 3'700.--
netto
monatlich.
Es hätten
insgesamt
Fr.
280'000.--
Fr.
Schulden
bestanden
. Nach dem Vergleich mit der
Haftpflichtv
ersicherung
habe er zirka
Fr.
500'000.-- erhalten, worauf er die Schulden habe bezahlen können
. Auf präzise, aktengestützte Nachfragen habe der Beschwerdeführer be
stätigt, dass vor dem Unfall Verpflichtungen von mehreren zehntausend Franken bei Eltern, Bekannten und Banken vorhanden gewesen seien sowie ein Auto
leasing
(S. 75
Ziff.
3.2.3 Mitte).
Die Prüfungen
für den Fahrausweis
und
zum diplomierten
Fahrlehrer habe er wieder bestanden. Er sei wieder
im Besitz eines Fahrzeuges. Velo fahre er nicht. Das Begutachtungsinstitut habe er mit dem Auto erreicht (S. 75
Ziff.
3.2.3 unten). Die letzte Konsultation bei seinem Hausarzt
Dr.
C._
sei vor vier Wochen erfolgt.
W
eitere medizinische Behandlung
en
nehme der Beschwerdeführer nicht in Anspruch (S. 76
Ziff.
3.2.4).
Formal habe eine
geringgradige
Einschränkung des Gedankenganges auf den Unfall vom August 2010, den Verlauf und die menschenunwürdige Behandlung seitens der Versicherungen bestanden. Die Umstellungsfähigkeit sei gegeben. Der Beschwerdeführer habe glaubhaft berichtet, dass er täglich
«
zwei- bis dreimal sterbe
»
. Er sehe das praktisch vor Augen
,
verfüge aber über Strategien, um damit umgehen zu können
(S. 77
Ziff.
4.
3 unten). Klinisch-psychiatrisch
seien keine kognitiven Störungen eruiert worden (S. 78 oben). Eine depressive Störung, eine Angststörung oder eine Zwangsstörung seien nicht nachweisbar gewesen (S. 78 Mitte).
3.
9
.4
Dr.
R._
nannte als psychiatrische Diagnosen (S. 78
Ziff.
6):
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstisch-verletzlichen Anteilen (ICD-10 Z73.1)
-
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren im Sinne einer Krank
heitsverarbeitungsstörung bei Problemen am Bewegungsapparat (ICD-10 F54)
-
Panikstörung, weitgehend remittiert (ICD-10 F41.0)
-
spezifische Phobie, Agoraphobie/Spitalphobie, im Hintergrund (ICD-10 F40.
2)
Nachvollziehbar sei, dass der Beschwerdeführer langjährig als
Selbständig
er
wer
bender
Verkehrskunde unterrichtet habe (S. 80 oben). Er verfüge über eine gute Sozialisation und eine weitgehend unauffällige berufliche Entwicklung (S. 80 unten).
Gemäss der Observation vom 2
3.
Dezember 2010 bis 2
0.
März 2011 habe sich eine Diskrepanz gezeigt zwischen der Aktenlage und den beobachteten Aktivi
täten. Aufgrund diverser Angaben in den Akten vom 2
6.
März 2011 bis 1
8.
Janu
ar 2016 müsse davon ausgegangen werden,
dass
der damalige Rechtsvertreter und der Beschwerdeführer sozialversicherungsrechtliche Überlegungen angestellt hätte
n
, wobei
sich der Beschwerdeführer
diesbezüglich
selbs
t zielbewusst einge
bracht habe.
Eine vorgeschlagene polydisziplinäre Begutachtung habe
er
nicht wahrgenommen
(S. 84 unten). Vom 2
8.
März bis 1
4.
April 201
2
sei
eine weitere
Observation erfolgt
, die der Beschwerdeführer realisiert habe.
Es sei erneut eine Diskrepanz zwischen der Aktenlage und den Aktivitäten des Beschwe
rdeführers festgestellt worden.
Gemäss dem ophthalmologischen Teilgutachten des
Spitals Y._
erstaune es, dass anlässlich der Observation Tätigkeiten ausgeführt worden seien, die anamnestisch aufgrund von
Akinetopsien
nicht möglich sein sollten (S. 85 oben).
Anlässlich der aktuellen Exploration
habe
kein
relevantes Schmerzgebaren
be
stan
den
. Ein andauernder, schwerer und quälender Schmerz sei
nicht
nachweis
bar
. Dementsprechend könne weder die Diagnose einer anhaltenden somatofor
men Schmerzstörung noch
einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren gestellt werden. Es seien psychologische Faktoren und
Verhaltensfaktoren im Sinne einer Krankheitsverarbeitungsstörung bei Proble
m
en am Bewegungsapparat
zu diagnostizieren
. Die Störung sei leichtgradig ausge
prägt (S. 86 oben).
Nicht mehr nachweisbar sei eine Agoraphobie, da der Be
schwerdeführer in der Lage sei, Auto zu fahren. Die spezifischen Phobien seien ohne Alltagsrelevanz (S. 86 unten).
Von Ende Oktober 2010 bis 2012 habe eine integrativ-psychiatrische Behandlung
bei med.
pract
.
B._
stattgefunden
. Weiter habe
d
er
Beschwerdeführer
laut eige
nen Angaben eine psychiatrische Behandlung im
Spital Y._
in Anspruch genommen
(S. 87
Ziff.
7.2.1 Mitte).
Der Beschwerdeführer habe eine von der Invalidenversi
cherung am 2
3.
Juni 2016 geforderte Schadenminderungspflicht nicht umgesetzt.
Ein längerfristig ausgewiesener, IV-relevanter Leidensdruck könne weder anhand der Aktenlage noch anhand der eigenen Befunde nachgewiesen werden (S. 87
Ziff.
7.2.1 unten).
Sowohl in der angestammten wie in einer adaptierten Tätigkeit li
essen sich Beeinträchtigungen der
Items der Mini-ICF-APP nicht nachweisen. Es sei zu erwähnen, dass urteilsfähige Personen weder Autofahren noch Lehr
stunden erteilen dürften, wenn sie nicht dazu in der Lage seien, auch ohne ent
sprechende psychiatrische Störung (S. 89
Ziff.
7.4.3). Gemäss der verkehrsmedizi
nischen Begutachtung vom 1
8.
Dezember 2012 hätten Hinweise für Aggravation
bestanden (S. 90
Ziff.
7.5). Im psychiatrischen Teilgutachten des
Spital
s
Y._
vom Novem
ber 2015 habe eine
aggravierte
Symptompräsentation nicht ausgeschlossen werden können (S. 91 oben).
Anlässlich der aktuellen Begutachtung sei die Be
richt
erstattung eher defizitär ausgerichtet gewesen. Es habe eine Diskrepanz bestanden zwischen den beklagten Defiziten im Beschwerdevortrag, den erhobe
nen Befun
den und der nachweisbaren Aktivitäten- und Partizipationslage. Eine gleich
mässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen sei nicht nachgewiesen worden. Die im psychiatrischen Teilgut
achten vom November 2015 geschilderten Beschwerden und die gestellten Dia
gnosen korrelierten
nicht
mit den in Anspruch genommenen psychiatrischen Behandlungsmodalitäten (S. 91 unten).
Der Beschwerdeführer sei einer für den
7.
Januar 2014 vorgesehenen poly
dis
ziplinären Begutachtung ferngeblieben. Aus psychiatrischer Sicht wäre ihm die Begutachtung zumutbar gewesen.
Dem psychiatrischen Teilgutachten des
Spital
s
Y._
vom November 2015 könne nicht gefolgt werden.
Im Gefolge des Unfalles vom August 2010 habe vor dem Hintergrund einer
schwierigen psychosozialen Lage eine vorübergehende, jedoch nicht IV-relevante psychiatrische Symptomatik bestanden. Nicht nachweisbar sei eine verfestigte, andauernde,
chronifizierte
IV-relevante psychiatrische Symptomatik. Für die bisherige Tätigkeit könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden (S. 92 f.
Ziff.
8.1 unten). Für eine angepasste Tätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht ebenfalls keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit (S. 93
Ziff.
8.2).
3.
9
.5
Zur neuropsychologischen Untersuchung wurde ausgeführt, der Explorand habe
in erster Linie über Konzentrations- und Gedächtnisprobleme berichtet. Sein Partner schreibe ihm wichtige Dinge auf, damit er diese nicht vergesse (S. 99 oben). In der klinischen Verhaltensbeobachtung seien zwar keine Hinweise für eine bewusste Selbstlimitierung beziehungsweise
eine
Symptomverdeutlichung festgestellt worden. Allerdings mache sich beim Bearbeiten der Aufgaben eine verminderte Frustrationstoleranz bemerkbar. Dies
lege
die Möglichkeit einer her
abgesetzten Anstrengungsfähigkeit des Exploranden nahe. In einem sensitiven
Testverfahren zur Erfassung von Motivation und Anstrengungsbereitschaft hä
tten sich Auffälligkeiten gezeigt, was auf eine möglichweise verminderte Leistungs
bereitschaft hindeute (S. 105 f.). Die Testbefunde würden auf eine
schwergradige
neurokognitive Funktionsstörung hinweisen bei einem Status
bei
chronischem
Cerviko
thorako
vertebralsyndrom
, akzentuierten Persönlichkeitszügen mit nar
zis
s
tisch-verletzlichen Anteilen, psychologischen Faktoren und Verhaltensfaktoren im Sinne einer Krankheitsverarbeitungsstörung bei Problemen am
Bewegungs
appa
rat und einem Verdacht auf
cervikogene
Kopfschmerzen rechtshemis
phä
risch. Unter Berücksichtigung der Auffälligkeiten in der Symptomvalidierung sei die Validität der Befund
e
allerdings nicht vollständig gegeben. Der tatsächliche Schweregrad der neurokognitiven Funktionsstörung sei somit nicht genau ab
schätzbar (S. 106
Ziff. Ziff.
6).
Aufgrund der auffälligen Symptomvalidierung könne der Grad der Arbeitsun
fähigkeit nicht mit ausreichender Sicherheit bestimmt werden. Aus neuropsycho
logischer Sicht sei jedoch die Notwendigkeit einer Anpassung des Arbeitsplatzes indiziert (S. 108
Ziff.
8.1 und 8.2).
3.
9
.6
Die Gutachter stellte
n
in der Gesamtbeurteilung
keine Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 17
Ziff.
4.2):
-
akzentuierte Persönlichkeitszüge mit narzisstisch-verletzlichen Anteilen
-
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren im Sinne einer Krank
heits
verarbeitungsstörung bei Problemen am Bewegungsapparat
-
Panikstörung, weitgehend remittiert
-
spezifische Phobie, Agoraphobie/Spitalphobie, im Hintergrund
-
sensomotorisches
Hemisyndrom
links mit distal-betonten Paresen im Be
reich der linken oberen und unteren Extremität, verbunden mit einer leichten Ataxie der linken oberen und unteren Extremität, ohne Nachweis einer organischen Ursache, Differentialdiagnose: funktionell
-
chronisches
Cervicotho
r
acovertebralsyndrom
bei Status nach
craniocer
vicalem
Beschleunigungstrauma vom 3
1.
Aug
u
st 2010
-
Verdacht auf
cervicogene
Kopfschmerzen rechtshemisphärisch
-
intermittierendes Augenzittern
-
schwergradige
neurokognitive Funktionsstörung, Validität nicht vollstän
dig gegeben, tatsächlicher Schweregrad der neurokognitiven Funktions
störung nicht genau abschätzbar
-
Schwerhörigkeit links unklarer Ätiologie
-
Status nach
Teilstrumektomie
1988 und Re-Operation zirka 2018, sub
sti
tuiert
-
Status nach Tonsil
l
ektomie und Appendektomie im Kindesalter
Die in der psychiatrischen Untersuchung festgestellten akzentuierten Persönlich
keitszüge erreichten nicht
ein
Ausmass, dass es dem Beschwerdeführer nicht möglich gewesen wäre, sich persönlich, sozial, schulich-beruflich und partner
schaft
lich adäquat entwickeln und positionieren zu können. Er zeige eine gute Sozialisation und eine weitgehend unauffällige berufliche Entwicklung (S. 18
Ziff.
4.4).
Gesamthaft bestehe in der angestammten Tätigkeit keine Beeinträchti
gung der Arbeitsfähigkeit (S. 24
Ziff.
4.7). In einer angepassten Tätigkeit bestehe ebenfalls keine
Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit (S. 24
Ziff.
4.8).
3.
10
Dipl. med.
Q._
führte in der Stellungnahme vom 3
0.
August 2019 (
Urk.
7/130 S. 6 f.)
zum Gutachten des
Z._
aus,
in der Vergangenheit habe
keine länger dauernde Einschränkung der funktionellen Leistungsfähigkeit bestanden und
auch aktuell bestehe keine
entsprechende Einschränkung.
Für die angestammte und
eine angepasste
Tätigkeit
liege
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
vor
. Der Gesundheitszustand sei verbessert (S. 7 oben). Eine gleichmässige Einschrän
kung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen sei nicht nach
gewiesen. Die im psychiatrischen Teilgutachten
des
Spital
s
Y._
vom November 2015 geschilderten Beschwerden korrelierten nicht mit den in Anspruch genom
menen psychiatrischen Behandlungen. Es bestünden zahlreiche Diskrepanzen zwischen den subjektiv geschilderten Beschwerden und den objektiv feststellbaren Beein
trächtigungen. Die neuropsychologischen Befunde seien als nicht valide anzu
sehen (S. 7 unten).
3.1
1
Z._
-Gutachter
Dr.
R._
reichte am 2
4.
Juni 2020 (
Urk.
7/128) eine ergän
zende Stellungnahme ein. Er führte aus, wie im Gutachten erwähnt
,
müsse
gemäss den Akten
davon ausgegangen werden, dass der frühere Rechtsvertreter und der Beschwerdeführer sozialversicherungsrechtliche Überlegungen angestellt hätt
en. Der Beschwerdeführer habe sich dabei selbst zielbewusst eingebracht. Es sei davon auszugehen, dass ein monatelang schwer depressiver Patient zu derartigen zielfokussierten Handlungen kaum in der L
age sei (S. 2 oben). Anlässlich der Begutachtung im August 2019 seien keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt worden (S. 2 Mitte).
4.
4.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.2
Nach der Rechtsprechung gelten für medizinische Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die ge
eignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab an
zu
setzen (BGE 132 V 93 E. 7.1; SVR 2013 IV Nr. 35 S.
105, Urteil des Bundesgerichts 9C_689/2012 E. 2.2; vgl. auch BGE 137 V 210 E. 2.1.3
).
So kann das Expertenverhalten während der Exploration objektiv den Anschein von Befangenheit erwecken. Zu denken ist etwa an Äusserungen, welche die Glaubhaftigkeit der Angaben des Exploranden oder der Explorandin zum Ge
sundheitszustand und zur Selbsteinschätzung der Arbeitsfähigkeit von vorn
her
ein mehr oder weniger offen verneinen, an abschätzige Bemerkungen persönli
cher Natur oder unter Umständen an die Art und Weise, wie die Untersuchung durchgeführt wird. Die Objektivität der Beurteilung steht auch in Frage, wenn die begutachtende Person von weitgehend sachfremden Kriterien auf Aspekte des Gesundheitszustandes schliesst, welche für die zumutbare Arbeitsfähigkeit von Bedeutung sind. Schliesslich kann die Abfassung einer medizinischen Expertise in beleidigendem Ton oder sonst auf unsachliche Art und Weise objektiv Zweifel an der Unvoreingenommenheit der sachverständigen Person wecken (Urteil des Bundesgerichts 8C_665/2015 vom 21. Januar 2016 E.
4.1
).
4.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
4.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_
580/2017 vom 16. Januar 2018 E.
3.1 mit Hinweisen).
5.
5.1
Der Beschwerdeführer erlitt am 3
1.
August 2010 einen Auffahrunfall. Akten
kundig sind
zudem
weitere Unfälle
vom
Dezember 2008 und
vom
Dezember 2009 (E. 3.3
und E. 3.6
hiervor)
.
Zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers liegen im Wesentlichen
das interdisziplinäre Gutachten des
Spitals Y._
vom
4.
November 2015 und das
von der Beschwerdegegnerin eingeholte
polydisziplinäre Gutachten d
es
Z._
vom 2
0.
August 2019 vor.
Gutachter PD
Dr.
N._
nannte im psychiatrischen Teilgutachten
des
Spitals Y._
vom 1
0.
November 2015 als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome und einen
Verdacht auf eine gemischte dissoziative
Störung mit Beeinträchtigung vo
n
Motorik, Sensibilität und Sinneswahr
neh
m
ung.
Er
attestierte für die angestammte Tätigkeit als Fahrlehrer und für eine angepasste Tätigkeit
aus psychiatrischer Sicht
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
. Für den Haushalt attestierte er
eine Einschränkung von 20-30
%
. Die psychiatrische Be
urteilung
war
ausschlaggebend für die
im Gutachten des
Spitals Y._
gesamthaft
atte
stierte Arbeitsunfähigkeit
(E. 3.
7
.2
und 3.
7
.5
hiervor
).
Die Gutachter des
Z._
stellten keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähi
g
keit nannten sie
im Wesentlichen
(E. 3.
9
.6):
-
akzentuierte Persön
lichkeitszüge mit narzisstisch
-verletzlichen Anteilen
-
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren im Sinne einer Krank
heitsverarbeitungsstörung bei Problemen am Bewegungsapparat
-
Panikstörung, weitgehend remittiert
-
spezifische Phobie
-
sensomotorisches
Hemisyndrom
links
-
chronisches
Cervicothoracovertebralsyndrom
bei Status nach
craniocervi
calem
Beschleunigungstrauma, August 2010
-
Verdacht auf
cervicogene
Kopfschmerzen rechtshemisphärisch
-
s
chwergradige
neurokognitive Funktionsstörung
, Validität nicht vollstän
dig gegeben
Die Gutachter
verneinten für die angestammte und für eine angepasste Tätigkeit eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (E. 3.
9
.6).
5.2
Das
Gutachten des
Spitals Y._
vom
4.
November 2015
genügt den
Anforderungen an den Beweiswert eines medizinischen Gutachtens nicht.
Die Gutachter attestierten gesamthaft für die angestammte
und
für eine angepasste Tätigkeit eine Arbeits
un
fähigkeit von 100
%
.
Der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
steht insbesondere
die neuropsychologische
Untersuchung
durch
Prof.
O._
entgegen. Der Gut
achter
legte
im neuropsychologischen Teilgutachten
dar
, dass die
Validität der erhobenen B
efunde
nicht gegeben
gewesen sei
,
die
vorgebrachten
subjektiven Beschwerden nur zum Te
il hätten objektiviert werden können
und eine Aggra
va
tion
festgestellt worden
sei
(vorstehend E.
3.
7
.2). Inkonsistenzen wurden sodann
auch
im Rahmen der orthopädisch-
traumatologischen
Begutachtung festgestellt (E. 3.
7
.3).
Zu beachten is
t weiter, dass der Beschwerdeführer
sei
t
Längerem
wieder Verkehrskundeunterricht
mit
einem Pensum von 20
%
erteilte
(vgl.
Urk.
7/80/162
oben
)
.
Die
Beschwerdegegnerin
wies in der angefochtenen Verfügung
in diesem Zusammenhang
darauf hin, dass der Beschwerdeführer in den Jahren 2012 bis 2017 ein Nettoeinkommen zwischen
Fr.
35'135.-- und
Fr.
48'723.--
erzielt habe
(
Urk.
2 S. 2). Vor
dem Hintergrund der effektiv ausgeübten Erwerbstätigkeit
vermag die von PD
Dr.
N._
attestierte
volle
Arbeitsunfähigkeit
für jegliche Tätigkeiten
nicht zu überzeugen.
Zudem lassen die Ergebnisse der Obser
vationen doch auf erhebliche Inkonsistenzen zwischen den geltend gemachten Beschwerden und den beobachteten Aktivitäten schliessen.
Die Beschwerde
geg
nerin hat daher zu Recht ein aktuelles polydisziplinäres Gutachten eingeholt.
5.3
Ausschlussgründe gegen die Gutachter des
Z._
sind nicht ersichtlich.
Insbe
son
dere
lässt sich nicht erkennen, dass die Gutachter dem Beschwerdeführer vor
ein
genommen begegnet wären.
Es oblag ihnen jedoch, Hinweise in den Akten, die für
und gegen
eine Aggravation sprechen, nachzugehen und diese zu würdi
gen.
Dass sie ausschliesslich negative Hinweise berücksichtigt hätten, lässt sich nicht sagen.
Ein Anschein der Befangenheit ergibt sich
jedenfalls nicht (vgl. E. 4.2 hiervor).
Das
Gutachten
des
Z._
beruht auf den
erforderlichen
internistischen, neurolo
gischen, psychiatrischen und neuropsychologischen Untersuchungen. Eine
Unter
suchung auf dem Fachgebiet
Hals-, Nasen- und
Ohrenkrankheiten war nicht
zwingend erforderlich. Wie der Beschwerdeführer
bestätigte
, fand eine neurolo
gische Abklärung der geklagten Hörprobleme statt (
Urk.
1 S. 12
Ziff.
30
oben
).
Die Entscheidung über weiterführende Abklärungen
der
Beschwerden
oblag in erster Linie den Gutachtern
.
Auf die Gang- und Gleichgewichtsstörung wurde im Rahmen der neurologischen Untersuchung eingegangen, wobei sich diese
gemäss
dem Beschwerdeführer
ohnehin verbessert hatte (
E. 3.
9.
2 hiervor)
.
Die Gutachter setzten sich somit
ausreichend mit den geklagten Beschwerden
und den rele
vanten
Vorakten
auseinander.
Das psychiatrische Teilgutachten von
Dr.
R._
erfüllt ebenfalls die beweis
rechtlichen Anforderungen. Der
psychiatrische
Gutachter konnte
sich
aufgrund der
persönliche
n
Untersuchung des Beschwerdeführers
auch ohne
weiterführende
Tests
(vgl.
Urk.
1 S. 14
Ziff.
35)
ein Urteil über das Vorliegen eines depressiven Zustandsbildes bilden.
Dr.
R._
legte
sodann
nachvollziehbar dar
, weshalb er die im psychiatrischen Teilgutachten des
Spitals Y._
gestellten Diagnosen nic
ht bestä
tigen konnte.
Hinweisen, die für eine Aggravation sprechen, durfte er, wie erwähnt, nachgehen.
Das Gutachten des
Z._
erweist sich
somit
auch
hinsichtlich der Darstellung der medizinischen
Zusammenhäng
e
und
der
Schlussfolgerungen der Gutachter als plausibel.
Es
ermöglich
t
sodann die Durchführung eines struk
turierten Beweisverfahrens.
Auf das Gutachten des
Z._
kann daher
entgegen der Kritik des Beschwerdeführers
abgestellt werden.
5.4
Gutachter
Dr.
R._
legte dar
, dass
er
weder
kognitive S
törungen noch
eine
depressive
S
törung, eine
A
ngststörung oder eine
Zwangsstörung
feststellen
konnte
. Die Diagnose
n
psychologische Faktoren und Verhaltensfaktoren im Sinne einer Krankheitsverarbeitungsstörung
sowie spezifischen Phobien
bezeichnete
er
als leichtgradig ausgeprägt
(E. 3.
9
.3
und 3.
9
.4
hiervor). Die diagnoserelevanten Be
funde erweisen sich
somit als eher
geringfügig ausgeprägt.
Eine psychiatrische
Behandlung erfolgte
einzig kurzzeitig
nach dem Unfall vom August 2010 (E. 3.
9
.3). Einer ihm
am 2
3.
Juni 2016
auferlegten Schadenminderungspflicht, sich in sta
tio
näre psychiatrische Behandlung zu begeben
(
Urk.
7/82)
, kam der Beschwerde
führer nicht nach.
Ein
schwerer psychiatrischer Leidensdruck
lässt
sich
aufgrund
der
unzureichenden
medizinischen
Behandlung nicht erkennen und wurde vom Beschwerdeführer nicht nachgewiesen
.
Bei der Prüfung der Konsistenz ist
zudem
zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer die Prüfungen zum Fahrausweis und zum diplomierten Fahrlehrer wieder bestanden hat und er wieder Auto fährt.
Dr.
R._
verneinte daher eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitäts
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 3.
9
.4).
Die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob
sich der psychiatrische Gut
achter
an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen gehalten und das
Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren einge
schätzt
hat (BGE 141 V 281 E.
5.2.2), ist klar zu bejahen.
Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten ge
sundheitlichen Anspruchsgrund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nach
wei
sen,
Somit ist insgesamt von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer angepassten Tätig
keit auszugehen
.
5.5
Zusammenfassend besteht gestützt auf das Gutachten des
Z._
vom 2
0.
August 2019 in der angestammten Tätigkeit als Fahrlehrer eine Arbeitsfähigkeit von
100 %, so dass der
Beschwerdeführer ein rentenausschl
iessendes Einkommen zu erzielen vermag.
Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch in der ange
fochtenen Verfügung
demzufolge
zu Recht verneint.
Der angefochtene Entscheid erweist sich nach dem Gesagten als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.