# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6884aa22-ec30-402c-91d0-b9a2160e1ebf
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. A. wuchs in M. auf. Nach der Primar- und der Sekundarschule besuchte er die landwirtschaftliche Schule N. in O., worauf er sich längere Zeit im Ausland aufhielt. Nach erfolgreich bestandener Maturitätsprüfung immatrikulierte er sich an der ETH Zürich. Im Jahre 1986 schloss er das Studium als dipl. Kulturing. ETH ab. Seit 1992 hat er ein eigenes Ingenieur- und Planungsbüro in M. und beschäftigt zwei Mitarbeiter. A. ist nicht verheiratet und hat auch keine Unterstützungspflichten. Er versteuert ein Reineinkommen von Fr. 79'200.-- und ein Reinvermögen von Fr. 35'100.--.
A. ist nicht vorbestraft und geniesst einen guten Leumund.
B. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 25. August 2008 wurde A. wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen Art. 70 Abs. 2 GSchG in Anklagezustand versetzt. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 25. August 2008 folgender Sachverhalt zu Grunde:
„Vom 14. – 18. März 2007 fand in M. der K.-Final statt. Für die Organisation dieses Anlasses wurde ein Organisationskomitee (OK) gebildet, dem A. als Chef Logistik angehörte. Als solcher war er für die gesamte Infrastruktur dieses Sportanlasses verantwortlich. Unter seiner Federführung hatte das OK mit der Firma I. AG, Q., einen Vertrag betr. Erstellen mehrerer Zelthallen samt Infrastruktur im Zielgelände bei der Talstation des P.-Sesselliftes in M. abgeschlossen. Die entsprechende Auftragsbestätigung der Firma I. AG, die von A. ebenfalls unterzeichnet wurde, datiert vom 21. November 2006. Danach war u.a. ein VIP-Zelt für 1'100 Personen zu erstellen. Betr. Beheizung dieses Zeltes wurde in der Auftragsbestätigung Folgendes festgehalten: ‚Warmluftheizung 150'000 kcal inkl. Tanks à 2'000 lt & Auffangwanne inkl. Warmluftschläuche VIP’.
Mit der Installation der Heizanlagen beauftrage die Firma I. AG die Firma J. AG, R., die somit Unterakkordantin der Firma I. AG war. Die J. AG liess der I. AG am 26. Februar 2007 zwei Auftragsbestätigungen zukommen, in denen sie u.a. Folgendes festhielt: Bauseits: EL-Anschlüsse, Heizöl (Oekoöl) Transport, Mithilfe bei der Montage + Demontage.’ Auf dem Montageplan wurde schriftlich folgender Hinweis angebracht: Tanks + Heizungen müssen auf ebenem und festem Boden stehen.’ Zudem hat C. von der Firma J. AG in einer Besprechung D., Mitinhaber der Firma I. AG, ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, dass Wabenplatten als Unterlage für die Heizanlage nicht genügten, sondern eine feste Unterlage erforderlich sei.
Zwischen dem 5. und 9. März 2007 installierte E. von der Firma J. AG die Heizanlagen für die Zelthallen im Zielgelände in M.. Die Firma
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I. AG hatte es jedoch unterlassen, feste Podeste für die Heizanlage zu erstellen. Stattdessen mussten die Heizungen inkl. Öltanks auf Holzpalette gestellt werden, die ihrerseits auf die Schneedecke gelegt worden waren. Vorher hatte E. von dem vor Ort anwesenden stellvertretenden Projektleiter der Firma I. AG mehrmals, allerdings vergeblich, verlangt, dass für die Heizanlagen feste Podeste erstellt würden. B. erwiderte bloss, er habe dafür keinen Auftrag. Er unterliess es auch, seine Vorgesetzten bei der Firma I. AG zu benachrichtigen.
Am 13. März 2007 herrschte relativ warmes Wetter. Infolge Schneeschmelze kippte der auf einem Holzpalett abgestellte Öltank des VIP-Zeltes um, worauf ca. 300 Liter Heizöl auf einer Fläche von ca. 5 m2 durch den Schnee hindurch in die dort vorhandene Gewässerschutzzone versickerten. A., dem bekannt war, dass das VIP-Zelt in einer Gewässerschutzzone aufgestellt worden war, hatte es unterlassen, sich beim Amt für Natur und Umwelt um eine Bewilligung für das Aufstellen der Lagerbehälter zu kümmern.“
C. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss Plessur am 21. November 2008 waren die Angeklagten A. in Begleitung seines privaten Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. HSG Hermann Just, sowie B. mit seinem privaten Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. Alois Wagemann, anwesend. Die Staatsanwaltschaft hatte auf eine Teilnahme verzichtet.
a) In der Ergänzung zur Anklageschrift stellte und begründete die Staatsanwaltschaft Graubünden folgende Anträge:
„1. A. und B. seien der fahrlässigen Widerhandlung gegen Art. 70 Abs. 2 GSchG schuldig zu sprechen.
2. Dafür seien zu verurteilen:
A.:
- zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 180.--. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
- zur Bezahlung einer Busse von Fr. 1'000.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 6 Tagen.
B.:
- zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 170.--. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
- zur Bezahlung einer Busse von Fr. 1'000.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 6 Tagen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
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b) Der Verteidiger von A., Rechtsanwalt lic. iur. HSG Hermann Just, stellte und begründete folgendes Rechtsbegehren:
„1. Aufgrund der Verletzung des Akkusationsprinzips in Form einer mangelhaften Anklageverfügung, sei das Verfahren wegen einer somit fehlenden zwingenden Prozessvoraussetzung einzustellen.
2. a) Eventualiter sei A. von einer Bestrafung gemäss Art. 70 Abs. 2 GSchG freizusprechen.
b) Subeventualiter sei A. zu einer bedingten Geldstrafe von 5 Tagessätzen und einer Busse von maximal Fr. 200.00 zu verurteilen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
c) Der Verteidiger von B., Rechtsanwalt lic. iur. Alois Wagemann, beantragte die Einstellung des Verfahrens beziehungsweise die Freisprechung seines Mandanten von Schuld und Strafe.
D. Mit Urteil vom 21. November 2008, mitgeteilt am 1 Juli 2009, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Plessur wie folgt:
„1. A. ist schuldig der Widerhandlung gegen Art. 70 Abs. 2 GSchG. 2. Dafür wird er mit einer Geldstrafe von 5 Tagessätzen à CHF
180.00 bestraft.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben.
4. Weiter wird A. mit einer Busse von CHF 200.00 bestraft.
5. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 2 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit A. diese schuldhaft nicht bezahlt.
6. Die Kosten des Verfahrens von CHF 2'722.00 (Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 1'472.00 und Gerichtskoten CHF 1'250.00) gehen zu Lasten von A..
A. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich Total CHF 2'922.00 (Busse: CHF 200.00; Verfahrenskosten: CHF 2'722.00) Dieser Betrag ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Urteils auf das PC-Konto 70-3596-3 des Bezirksgerichtes Plessur zu überweisen.
7. B. wird vom Vorwurf der Widerhandlung gegen Art. 70 Abs. 2 StGB freigesprochen.
8. Die Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von CHF 1'472.00 gehen zu Lasten des Kantons Graubünden.
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Die Kosten des Gerichtsverfahrens in Höhe von CHF 1'250.00 gehen zu Lasten der Gerichtskasse.
B. wird zu Lasten des Kantons Graubünden eine Entschädigung von CHF 3'338.55 (inkl. Barauslagen und 7.6% MWST) und zu Lasten der Gerichtskasse eine solche von CHF 3'338.55 (inkl. Barauslagen und 7.6% MWST) zugesprochen.

## Considerations