# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 43190a03-d54f-473a-b7a6-ea15b0582760
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfachen Mord etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 13. Dezember 2019 (DG190009)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 5. Februar
2019 ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des mehrfachen Mordes im Sinne von Art. 112 StGB (Dossier 1,  2)
− des mehrfachen qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB (Dossier 2) sowie im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1, Ziff. 3 Abs. 3 und Ziff. 4 StGB (Dossier 1)
− der versuchten qualifizierten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB i.V.m. Art. 140 Ziff. 2 StGB und i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 2)
− der Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 2 StGB (Dossier 2)
− des gewerbsmässigen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB (Dossier 6)
− des mehrfachen versuchten gewerbsmässigen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 4, Dossier 5)
− des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 11) − der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1
StGB (Dossier 4, Dossier 10) − der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1
und Abs. 2 StGB (Dossier 2, Dossier 3) − der mehrfachen Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304
Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 4, Dossier 11) − der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
(Dossier 9) − der Störung des Totenfriedens im Sinne von Art. 262 Ziff. 2 StGB
(Dossier 2) − der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von
Art. 33 Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 4 Abs. 1 lit. a WG und Art. 27 WG (Dossier 1, Dossier 2)
− des Fahrens ohne Haftpflichtversicherung im Sinne von Art. 96 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 SVG.
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2. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen von den Vorwür-
fen
− des mehrfachen gewerbsmässigen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB (Dossier 2, Dossier 10)
− des versuchten gewerbsmässigen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 3)
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB (Dossier 1) − der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB (Dossier 1).
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe,
wovon 1'286 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
5. Es wird keine Verwahrung des Beschuldigten angeordnet.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
5. Februar 2019 beschlagnahmten Gegenstände
− 1 Tierabwehrgerät / Selbstverteidigungsgerät JP-4 Compact, Cal. pxn 14x109mm (geladen mit Treibpatronen) (A009'380'454)
− 1 Gasdruckpistole UMAREX CPS ca. 4.5mm (Verschluss offen) Nr. ... (A009'380'476)
− 1 Elektroschockgerät Marke Power 200 inkl. Verpackung und Anleitung (A009'380'545)
− 1 Paar Handschellen inkl. Schlüssel in Gürteltasche (A009'380'556) − Bleigeschoss "Subsonic" in Tasche "hama" (A009'380'589) − Pistole Marke Röhm, Modell RG3, Kaliber 6mm Knall (A009'380'603) − 2 Gaskapseln Umarex (A009'380'625) − 1 Tierabwehrgerät (Guardian Angel) (A009'380'647) − 1 Selbstladepistole Beretta, Modell 71, Kaliber .22 LR, Waffen-Nr. ...
(A009'403'105) − 2 Rollen graues Gewebeklebeband (A009'466'880) − 1 Rolle blaues Gewebeklebeband (A009'466'891) − 1 Blache (wasserabstossend) mit Befestigungsseilen (A009'466'904) − graue Blache mit Gummizug (wasserabstossend) (A009'466'915) − Festplatte (A009'967'651)
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− SSD (A009'967'888) − Festplatte (A009'967'924) − Datensicherung (A009'967'935) − Festplatte (A009'967'946) − Festplatte (A009'967'980) − Speichermedium für Datensicherungen: ... und weitere – Staatsan-
waltschaft IV des Kantons Zürich, B-3/2016/10018869 und 10019195 (A011’757'350)
werden eingezogen und der Bezirksgerichtskasse zur Vernichtung bzw. zur
gutscheinenden Verwendung überlassen.
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
5. Februar 2019 beschlagnahmten Gegenstände
− CD-RW "A._, Verteidiger Post" (A010'206'903) − C4-Kuvert weiss, verschlossen, mögliche Verteidiger-Post enthaltend
(A011'131'707) − Apple iPhone 6 weiss (A009'364'298) − USB Memory Stick SanDisk aus Mittelkonsole, Fach (A009'370'869) − Tablet Apple iPad mini (A009'379'731) − Notebook Compaq (A009'379'833) − Apple iPhone 4 schwarz (A009'380'045) − Firmenunterlagen Firma U._ (Beglaubigung) (A009'380'056) − Apple iPhone 4 schwarz (A009'380'192) − Apple iPhone 4 weiss (A009'380'692) − Desktopcomputer HP Envy (A009'380'987) − Multifunktionsgerät Brother, Modell MFC-J6510DW Wireless
(A009'401'472) − 1 GSM/GPRS/GPS Tracker inkl. Verpackung (A009'466'846) − 1 Verpackung Überwachungskamera "DIGITUS OPTIMAX PRO"
(A009'466'857) − 1 zusammengefaltete Verpackung einer Outdoor PT Dome IP Camera
(A009'466'879) − Apple iPhone 6plus (A009'543'446)
werden dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles her-
ausgegeben.
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8. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
5. Februar 2019 beschlagnahmte Notebook Nr. 5, Model B5100
(A010'206'889) wird dem Gefängnis Zürich nach Eintritt der Rechtskraft des
Urteils herausgegeben.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
5. Februar 2019 beschlagnahmten Gegenstände
− 1 Lieferschein vom 3. Juni 2016 (A009'403'514) − Kaufvertrag Ferrari F430 (A009'447'818) − Mietvertrag für Wohnung an der K._-strasse ... in L._
(A009'447'830) − Arbeitszeugnis vom 30.09.2008 (A009'447'841) − Vergleichsschriften von †M._ (A009'513'477)
werden der Privatklägerin 4 nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles her-
ausgegeben.
10. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
5. Februar 2019 beschlagnahmten Gegenstände
− Unterlagen Mercedes Benz ... (F._) (A009'380'669) − 3 Schlüsselanhänger (A011'832'249)
werden dem Privatkläger 5 nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles heraus-
gegeben.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
5. Februar 2019 beschlagnahmten Gegenstände
− div. Firmenunterlagen (A009'368'198) − 1 Zeitungsausschnitt "Blick" (Titel: ...) (A009'368'336)
werden N._, ... [Adresse], nach Eintritt der Rechtskraft des Urteiles
herausgegeben.
12. Es wird davon Vormerk genommen, dass folgende Gegenstände bereits
ausgehändigt bzw. vernichtet wurden:
− 0747.18.01 Apple iPhone 5, schwarz in gelber Kunststoffhülle (A010’908’324)
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− Datenauslesung/Datensicherung 04201614H02 (A009'967'935).
13. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
5. Februar 2019 beschlagnahmten Gegenstände
− Ausdruck "O._.CH" mit Muldenkipper-Angebot von "†M._ Transporte", mit Notiz "DO 1900, P._-strasse ..., Q._ ZH, ... [Handynummer]" und auf Rückseite "... [Telefonnummer], R._, Suva termin absagen", aus Mittelkonsole, Fach (A009'370'892)
− 1 Tankquittung vom 3. Juni 2016, 21.52.59, S._-strasse ..., T._ und 1 Visitenkarte "U._ GmbH", aus Beifahrerfussraum (A009'371'226)
− Blatt mit Telefonnummern und Zugangsdaten von A._ und V._ (A009'380'103)
− Treuhandvertrag zwischen A._ und N._ (A009'380'169) − 1 Kaufbestellung W._ Ldt vom 01.05.2016 (A009'380'205) − 1 Fahrzeugkaufvertrag DA._ zwischen †M._ und AA._,
datiert vom 3. Juni 2016 in Q._ (...) (A009'380'261) − 2 Beschriftungsanhänger (A009'380'716) − Fahrzeugpapiere "vorläufige Verkehrsberechtigung in der Schweiz",
lautend auf AB._ für Volvo FH 460 6x3 T Kontrollschilder ... (A009'380'727)
− 1 Fahrzeugkaufvertrag DA._ zwischen †M._ und AA._, datiert vom 3. Juni 2016 in Q._ (Sattelschlepper) (A009'397'835)
− 1 A4-Blatt-Kopie des Führerausweises von †M._ (Vorder- und Rückseite) sowie der Identitätskarte von †M._ (Vorder- und ) (A009'397'846)
− 1 A4-Ausdruck von www.O._.ch/surf vom 07.06.2016 - Inserat O._.ch für Sattelschlepper von †M._ (A009'397'857)
− LSVA-Karte "AC._" Private Auslesekarte (nicht unterschrieben) Nr. ... (04/2007) (A009'421'141)
− 1 Werkstattrechnung AD._ vom 29.01.2016 für Auflieger ..., 1 Werkstattrechnung AD._ vom 29.01.2016 für Sattelschlepper ... (A009'421'163)
− 1 A4-Blatt mit diversen Passwörtern (A009'466'868) − RTI-Daten vom Anschluss 1 (A009'934'923) − RTI-Daten CD 2 (A009'934'945) − RTI-Daten-CD 3 (A009'934'956) − RTI-Daten-CD 4 (A009'934'978) − RTI-Daten-CD 5 (A009'935'551)
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− RTI-Daten-CD 6 (A009'935'573) − RTI-Daten-CD PS-Daten (A009'935'595) − RTI-Daten-CD 7 (A009'935'722) − RTI-Daten-CD 8 (A009'935'755) − RTI-Daten-CD 9 (A009'935'777) − Datensicherung der Navigationsgeräte aus den beiden Ford Ranger
(A010'033'768) − Datenträger 0194.17.02.H01 (A010'733'650) − Ordner schwarz – div. Korrespondenz mit A._ (HD-Protokoll 1.4. /
Ordner 1 von 5) (A011’119'112) − A4-Zettel mit Tabelle und Aufzeichnungen über Geldbewegungen zwi-
schen dem 25.06.2014 bis 14.12.2015 (A011’281'746)
werden zu den Akten genommen.
14. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I vom 5. Februar 2019 beschlag-
nahmte Barschaft von (recte) Fr. 254.25 wird zur Deckung der Verfahrens-
kosten verwendet.
15. Die sichergestellte Barschaft von Fr. 10'750.– (Postfinance Konto Nr. ..., lau-
tend auf die U._ GmbH) abzüglich allfälliger Kontoführungsgebühren
wird zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
16. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte den Schadenersatzanspruch des
Privatklägers 1 im Umfang von Fr. 30'000.– anerkannt hat. Im übersteigen-
den Betrag wird die Zivilklage des Privatklägers 1 auf den Zivilweg verwie-
sen.
17. Der Beschuldigte wird in solidarischer Haftung mit der Mitbeschuldigten
V._ (DG190008-C) verpflichtet, der Privatklägerin 2 Schadenersatz in
Höhe von Fr. 7'655.60 zuzüglich 5% Zins ab 16. März 2013 zu bezahlen.
18. Die Zivilklage der Privatklägerin 3 wird auf den Zivilweg verwiesen.
19. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 4 Fr. 40'000.– zuzüg-
lich 5% Zins ab 3. Juni 2016 als Genugtuung zu bezahlen. Davon entfallen
im Innenverhältnis Fr. 20'000.– zuzüglich 5% Zins ab 3. Juni 2016 auf den
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Beschuldigten, Fr. 10'000.– zuzüglich 5% Zins ab 3. Juni 2016 auf die Mit-
beschuldigte V._ (DG190008-C) und Fr. 10'000.– zuzüglich 5% Zins ab
3. Juni 2016 auf den Mitbeschuldigten AA._ (DG190010-C).
20. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 5 Fr. 15'452.– als Scha-
denersatz zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren
abgewiesen.
21. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 5 Fr. 40'000.– als Ge-
nugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren ab-
gewiesen.
22. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 6 Fr. 40'000.– als Ge-
nugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren ab-
gewiesen.
23. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 7 Fr. 5'000.– als Genug-
tuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abge-
wiesen.
24. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 4 für das gesamte Ver-
fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 20'000.– inkl. MWST zu bezah-
len.
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25. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 40'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 30'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 12'444.65 Kosten Kantonspolizei Zürich
Fr. 69'974.10 Gutachten/Expertisen etc. (ausstehend)
Fr. 1'075.– Zeugenentschädigung
Fr. 23'990.90 Auslagen Untersuchung
Fr. 1'003.35 Diverse Kosten
Fr. 300.– Nachträgliche Kosten
Fr. 3'327.65 Ausserkantonale Untersuchungskosten
Fr. 2'570.– Gerichtsgebühr des Entsiegelungsverfahrens GM170005-L
Fr. 216'255.75 Amtliche Verteidigungskosten inkl. MWST, wovon Fr. 100'000.– inkl. MWST bereits ausbezahlt, somit verbleibend Fr. 116'255.75 inkl. MWST
Fr. 68'041.60 Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatkläger Nr. 5 bis 7 inkl. MWST
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
26. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtli-
chen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135
Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden, sowie die Kosten
der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, welche Kosten auf die
Gerichtskasse genommen werden.
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Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 328)
I.
Es sei festzustellen, dass diverse in Ziffer 1. des Urteils des Bezirksgerichts
Bülach vom 13. Dezember 2019 gegen A._, geb. tt. Oktober 1989, er-
gangene Schuldsprüche in Rechtskraft erwachsen sind.
Weiter sei festzustellen, dass infolge Rückzugs der Berufung durch A._
in der Hauptverhandlung vom 8. Juni 2021 zusätzlich folgende Schuldsprü-
che im Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom 13. Dezember 2019 in
Rechtskraft erwachsen sind:
- Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, begangen z.N. der C._ AG in der Zeit vom 16. bis 18. März 2013 (Dossier 11)
- Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, begangen am 16. März 2013 (Dossier 11).
Es sei festzustellen, dass die in Ziffer 2. des Urteils des Bezirksgerichts
Bülach vom 13. Dezember 2019 zu Gunsten von A._, geb. tt. Oktober
1989, ergangenen Freisprüche in Rechtskraft erwachsen sind.
II.
In Abänderung von Ziffer 1. des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom
13. Dezember 2019 sei A._ freizusprechen von den Anschuldigungen
- des Mordes, angeblich begangen am 3./4. Juni 2016 z.N. von †M._ (Dossier 1);
- des Mordes, angeblich begangen am 27./28. April 2016 z.N. von †AE._ (Dossier 2);
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- des Raubes, angeblich qualifiziert begangen am 27./28. April 2016 z.N. von †AE._ (Dossier 2);
- der Erpressung, angeblich qualifiziert begangen am 27./28. April 2016 z.N. von †AE._ (Dossier 2);
- des versuchten Betrugs, angeblich gewerbsmässig begangen am 29. Juni 2015 z.N. der D._ AG resp. der C._ AG (Dossier 4);
- der Veruntreuung, angeblich begangen am 29. Juni 2015 z.N. der D._ AG resp. der C._ AG (Dossier 4)
- der Irreführung der Rechtspflege, angeblich begangen am 29. Juni 2015 (Dossier 4);
- des Betrugs, angeblich gewerbsmässig begangen in der Zeit zwischen dem 17. August und dem 3. September 2015 z.N. von AF._ (Dos-
sier 6);
- der falschen Anschuldigung, angeblich begangen am 4. und 21. Juli 2016, z.N. von AG._ (Dossier 9);
und A._ sei im Zusammenhang mit den Freisprüchen resp.
der Gutheissung der Berufung eine angemessene Entschädigung für die
entstandenen Verteidigungskosten auszurichten (gemäss Honorar- und
Kostennote von Rechtsanwalt X._ als amtlicher Anwalt); die Höhe der
Entschädigung wird ins Ermessen des Bezirksgerichts gestellt. Weiter seien
aufgrund der erwirkten Freisprüche 30 % der auf A._ entfallenden Kos-
ten der Strafuntersuchung und des erstinstanzlichen Hauptverfahrens sowie
die gesamten Kosten des Berufungsverfahrens auszuscheiden und dem
Kanton Zürich aufzuerlegen.
III.
A._ sei stattdessen wegen folgenden Vorwürfen schuldig zu :
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- der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB, begangen am 3. Juni 2016 z.N. von †M._ (Dossier 1);
- des (einfachen) versuchten Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB, begangen am 29. Juni 2015 z.N. der
D._ AG resp. der C._ AG (Dossier 4);
und A._ sei in Abänderung von Ziffer 3. des Urteils des Bezirksgerichts
Bülach vom 13. Dezember 2019
zu verurteilen
1. Zu einer Freiheitsstrafe von maximal 131⁄2 Jahren, unter  der erstandenen Untersuchungs-, Sicherheits-, Polizei- und  sowie der bisherigen Dauer des vorzeitigen Strafvollzugs
von aktuell total 5 Jahren und 17 Tagen resp. 1'843 Tagen (6. Juni 2016 bis 22. Juni 2021).
2. Zu den auf die Schuldsprüche entfallenden, anteiligen, A._ betref-
fenden Untersuchungs- und erstinstanzlichen Gerichtskosten, ausma-
chend 70 % der gesamten, A._ betreffenden erstinstanzlichen Un-
tersuchungs- und Gerichtskosten.
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IV.
Weiter sei
zu verfügen:
1. Ziffer 5. des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom 13. Dezember
2019 sei zu bestätigen. Es sei über A._ also keine Verwahrung anzuordnen.
2. Es sei in Abänderung von Ziffer 6. des Urteils des Bezirksgerichts
Bülach vom 13. Dezember 2019 von der Einziehung folgender  abzusehen und diese seien nach Eintritt der Rechtskraft des
Urteils A._ auszuhändigen:
- Festplatte (A009'967'651);
- SSD (A009'967'888);
- Festplatte (A009'967'924);
- Datensicherung (A009'967'935);
- Festplatte (A009'967'946);
- Festplatte (A009'967'980).
3. In Abänderung von Ziffer 26. des Urteils des Bezirksgerichts Bülach
vom 13. Dezember 2019 seien aufgrund der Freisprüche 30 % der auf
A._ entfallenden Kosten der Strafuntersuchung und des erstin-
stanzlichen Hauptverfahrens auszuscheiden und dem Kanton Zürich
aufzuerlegen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens vor der II. Strafkammer des
Obergerichts des Kantons Zürich seien dem Kanton Zürich aufzuerle-
gen.
5. A._ sei eine angemessene Entschädigung für die im Zusammen-
hang mit den Freisprüchen vor erster und oberer Instanz entstandenen
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Verteidigungskosten auszurichten (vgl. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO); die
Höhe der Entschädigung wird ins Ermessen der II. Strafkammer ge-
stellt.
6. Es sei festzustellen, dass die Ziffern 7. bis 16. sowie 18., 19., 24. und
25. des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom 13. Dezember 2019 in
Rechtskraft erwachsen sind.
7. Das Honorar des amtlichen Verteidigers von A._, Rechtsanwalt
X._, ..., für den Zeitraum ab dem 17. Dezember 2019 sei gemäss
der Honorar- und Kostennote vom 3. Juni 2021 sowie der noch nach-
zureichenden Honorar- und Kostennote für die noch nicht fakturierten
Aufwendungen seit dem 4. Juni 2021 gerichtlich festzusetzen und vom
Kanton Zürich an den amtlichen Anwalt auszurichten.
8. Der Angeschuldigte sei zurück in den vorzeitigen Strafvollzug in die
JVA Lenzburg zu überführen.
9. A._ hat dem Kanton Zürich die Entschädigung der amtlichen Ver-
teidigung zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse er-
lauben (vgl. Art. 135 Abs. 4 StPO).
10. Die weiteren gerichtlichen Verfügungen seien von Amtes wegen zu er-
lassen.
V.
Zivilklagen
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Bülach vom
13. Dezember 2019, soweit die Zivilansprüche der Privatkläger 1, 2, 3
und 4 betreffend, in Rechtskraft erwachsen sind (Urteilsziffern 16., 17.,
18., 19. und 24.).
2. In Abänderung der Ziffern 20. bis 23. des Urteils des Bezirksgerichts
Bülach vom 13. Dezember 2019 seien die von den Privatklägern 5, 6
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und 7 (G._, F._ und H._) geltend gemachten Zivilan-
sprüche abzuweisen, evtl. auf den Zivilweg zu verweisen, subevtl. dem
Grundsatz nach zu beurteilen und im Übrigen auf den Zivilweg zu ver-
weisen (vgl. Art. 126 StPO).
3. Alles (Ziffern 1. und 2. hiervor) unter Kosten- und Entschädigungsfol-
gen gemäss den einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen.
b) Der Vertreterin der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich:
(Urk. 324 S. 3)
1. Dispositivziffer 5 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach vom
13.12.2019 sei aufzuheben und es sei eine Verwahrung im Sinne von
Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB anzuordnen.
2. Eventualantrag: Falls die Voraussetzungen für eine Verwahrung im
Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB gemäss Auffassung des Oberge-
richts aktuell nicht gegeben sind, beantrage ich im Sinne eines Eventu-
alantrags, dass das vorliegende Verfahren sistiert und der weitere Ver-
lauf des bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau wegen Irreführung
der Rechtspflege gegen A._ geführten Verfahrens (Aktenzeichen
ST.2021.3460) abgewartet wird. Falls die Täterschaft von A._ be-
treffend Irreführung der Rechtspflege nachgewiesen werden kann, sei-
en dem psychiatrischen Gutachter die Verfahrensakten zu unterbreiten
und es sei ihm die Frage zu stellen, ob sich an der gestellten Diagnose
und seiner Einschätzung der Rückfallgefahr nach Durchsicht der Akten
Änderungen ergeben.
3. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 13. Dezember 2019
wurde der Beschuldigte schuldig gesprochen, des mehrfachen Mordes, des mehr-
fachen qualifizierten Raubes, der versuchten qualifizierten Erpressung, der Frei-
heitsberaubung und Entführung, des gewerbsmässigen Betruges, des mehrfa-
chen versuchten gewerbsmässigen Betruges, des Betruges, der mehrfachen Ver-
untreuung, der mehrfachen Urkundenfälschung, der mehrfachen Irreführung der
Rechtspflege, der falschen Anschuldigung, der Störung des Totenfriedens, der
mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz sowie des Fahrens ohne
Haftpflichtversicherung. Freigesprochen wurde er vom Vorwurf des mehrfachen
gewerbsmässigen Betruges betreffend Dossiers 2 und 10, des versuchten ge-
werbsmässigen Betruges betreffend Dossier 3, der Urkundenfälschung betreffend
Dossier 1 und der einfachen Körperverletzung betreffend Dossier 1. Der Beschul-
digte wurde bestraft mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe, von der Anordnung
einer Verwahrung wurde abgesehen. Ferner wurde über die Verwendung diverser
beschlagnahmter Gegenstände und Barschaften sowie die Zivilforderungen der
Privatkläger 1-7 entschieden und die Kosten- und Entschädigungsfolgen geregelt
(Urk. 281).
Gegen das Urteil haben die Staatsanwaltschaft und der Beschuldigte fristgerecht
Berufung angemeldet und die Berufungserklärung eingereicht. Die Staatsanwalt-
schaft beantragt die Anordnung einer Verwahrung und im Übrigen Bestätigung
des Urteils der Vorinstanz (Urk. 283). Der Beschuldigte ficht mit seiner Berufung
die Schuldsprüche in Dispositiv-Ziffer 1 wie folgt an: wegen mehrfachen Mordes
(Dossiers 1 und 2), wegen qualifizierten Raubes (Dossier 2), versuchter qualifi-
zierter Erpressung (Dossier 2), gewerbsmässigen Betruges (Dossier 6), Betruges
(Dossier 11), mehrfachen versuchten gewerbsmässigen Betruges und Veruntreu-
ung (Dossier 4), mehrfacher Irreführung der Rechtspflege (Dossier 4 und 11), fal-
- 18 -
scher Anschuldigung (Dossier 9). Seine Berufung richtet sich ferner gegen die
Strafzumessung (Dispositiv-Ziffer 3) sowie die Einziehung und Vernichtung ein-
zelner beschlagnahmter Gegenstände gemäss Dispositiv-Ziffer 6 (Festplatten
A009'967'651, A009'967'924, A009'967'946 und A009'967'980 sowie SSD
A009'967'888 und Datensicherung A009'967'935), die Bezahlung von Schadener-
satz und Genugtuung an die Privatklägerinnen 2, 5, 6 und 7 (Dispositiv-Ziffern 17,
20, 21, 22 und 23) sowie die vollumfängliche Kostenauflage (Dispositiv-Ziffer 26)
(Urk. 286 und Urk. 296). Die Staatsanwaltschaft hat ausdrücklich auf Anschluss-
berufung verzichtet (Urk. 302). Die Privatkläger 5-7 haben ihre Eingabe vom
23. Juli 2020 zwar als Anschlussberufung bezeichnet, aber lediglich die Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils beantragt (Urk. 303 ff.), weshalb mit Verfügung
vom 30. Juli 2020 darauf hingewiesen wurde, dass ihre Eingaben nicht als An-
schlussberufung zu behandeln sind (Urk. 306). Demzufolge ist festzuhalten, dass
keine Anschlussberufungen erhoben wurden.
In der Berufungsverhandlung vom 8. Juni 2021 hat der Beschuldigte A._ die
Berufung betreffend die Schuldsprüche im Zusammenhang mit Dossier 11 (Versi-
cherungsbetrug z.N. der C._ AG und Irreführung der Rechtspflege) zurück-
gezogen (Prot. II S. 30 und Urk. 328 S. 1). Das vorinstanzliche Urteil ist somit
auch in diesem Punkt in Rechtskraft erwachsen.
Das vorinstanzliche Urteil ist somit wie folgt in Rechtskraft erwachsen:
Schuldpunkt:
bezüglich der Schuldsprüche:
- des qualifizierten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs.1, Ziff. 3 Abs. 3
und Ziff. 4 StGB (Dossier 1) (Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 2)
- der Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1
und Abs. 2 StGB (Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 4)
- des versuchten gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und
Abs. 2 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 5) (Dispositiv-Ziffer 1 Spiegel-
strich 6)
- 19 -
- des Betruges im Sinne von Art. 46 Abs. 1 StGB (Dossier 11) (Dispositiv-
Ziffer 1 Spiegelstrich 7)
- der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 10)
(Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 8)
- der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und
Abs. 2 StGB (Dossier 2 und 3) (Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 9)
- der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
(Dossier 11) (Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 10 teilweise)
- der Störung des Totenfriedens im Sinne von Art. 262 Ziff. 2 StGB (Disposi-
tiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 12)
- der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von
Art. 33 Abs. 1 lit a WG i.V.m Art. 4 Abs. 1 lit. a WG und Art. 27 WG (Dispositiv-
Ziffer 1 Spiegelstrich 13)
- des Fahrens ohne Haftpflichtversicherung im Sinne von Art. 96 Abs. 2 SVG
i.V.m Art. 63 Abs. 1 SVG (Dispositiv-Ziffer 1 Spiegelstrich 14)
sowie der Freisprüche (Dispositiv-Ziffer 2)
Beschlagnahmungen:
Bezüglich der beschlagnahmten Gegenstände und des Bargeldes ist das vor-
instanzliche Urteil bezüglich Dispositiv-Ziffern 6 teilweise (mit Ausnahme der
Festplatten A009'967'651, A009'967'924, A009'967'946 und A009'967'980 sowie
SSD A009'967'888 und Datensicherung A009'967'935) sowie 7 bis 15 in Rechts-
kraft erwachsen.
Zivilforderungen:
Betreffend die Zivilforderungen ist das vorinstanzliche Urteil bezüglich Dispositiv-
Ziffern 16 bis 19 in Rechtskraft erwachsen.
- 20 -
Kosten- und Entschädigungsfolgen:
In Rechtskraft erwachsen sind Dispositiv-Ziffer 24 (Verpflichtung des Beschuldig-
ten zur Bezahlung einer Prozessentschädigung an die Privatklägerin 4) und
25 (Kostenfestsetzung).
2. Beweisanträge
Die Privatkläger 5-7 beantragten die Befragung des Beschuldigten und der beiden
Mitbeschuldigten V._ und AA._ sowie die Befragung von AH._ als
Zeuge (Urk. 303 ff.). Die Verfahren gegen den Beschuldigten und die beiden Mit-
beschuldigten werden auch im Berufungsverfahren gemeinsam geführt, entspre-
chend erfolgte die Befragung der drei Beschuldigten in der Berufungsverhand-
lung. Der Beweisantrag betreffend Einvernahme von AH._ wurde nicht be-
gründet. Auch wurde nicht näher ausgeführt, was Thema seiner Befragung sein
soll. Es wurde vielmehr lediglich erwähnt, er sei betreffend polizeiliche Ermittlun-
gen vor Ort in AI._ BE zu befragen. Mit Verfügung vom 1. März 2021 wurde
der Beweisantrag der Privatkläger auf Einvernahme von AH._ einstweilen
abgewiesen (Prot. II S. 9; Urk. 312). Er wurde von den Privatklägern in der Beru-
fungsverhandlung nicht erneuert.
Die Staatsanwaltschaft reichte in der Berufungsverhandlung Drohbriefe an die Ad-
resse des Beschuldigten A._ als Beweismittel zu den Akten (Urk. 325/3-6).
Sie führte aus, die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau habe gegen den Beschul-
digten A._ ein Verfahren wegen Irreführung der Rechtspflege eröffnet. Ihm
werde vorgeworfen, dass er sich selbst anonyme Drohbriefe habe ins Gefängnis
zukommen lassen, um gegenüber den Behörden vorzutäuschen, dass er durch
eine ominöse serbische Gruppierung aus dem Umfeld von AE._ bedroht
werde. Sie beantragte in der Berufungsverhandlung für den Eventualfall, dass die
Voraussetzungen für eine Verwahrung des Beschuldigten A._ nach Auffas-
sung des Obergerichts aktuell nicht gegeben seien, sei das vorliegende Verfahren
zu sistieren bis zum Abschluss des Verfahrens der Staatsanwaltschaft Lenzburg-
Aarau wegen Irreführung der Rechtspflege (Urk. 324 S. 3; Prot. II S. 18). Auf die
als Beweismittel eingereichten Drohbriefe und den Eventualantrag auf Sistierung
- 21 -
des Verfahrens ist nachfolgend im Rahmen der Erwägungen zur Verwahrung ein-
zugehen.
3. Spezialitätsprinzip bei Auslieferung
Der Beschuldigte A._ war am 6. Juni 2016 zusammen mit AA._ in
Deutschland verhaftet worden, als er dort den Lastwagen von M._ sel. ver-
kaufen wollte. Beide Beschuldigten wurden in der Folge an die Schweiz ausgelie-
fert. Der Verteidiger des Beschuldigten AA._ hat mit Eingabe vom 4. Juni
2021, welche am 7. Juni 2021 am Tag vor Beginn der Berufungsverhandlung
beim Gericht einging (Urk. 190 in Proz. Nr. SB200228), geltend gemacht, bezüg-
lich der Delikte, welche nicht im Zusammenhang mit M._ sel. stehen, seien
die Prozessvoraussetzungen nicht erfüllt. Da die Auslieferung nur für die Delikte
im Zusammenhang mit M._ sel. erfolgt sei, stehe das Spezialitätsprinzip der
Auslieferung einer Verfolgung und Verurteilung der weiteren Delikte entgegen. Es
sei auf keinen der Tatvorwürfe mit Ausnahme der Tötung von M._ sel. einzu-
treten, sämtliche Akten mit Ausnahme derjenigen, die das Tötungsdelikt M._
sel. betreffen, seien unverwertbar und aus den Akten zu entfernen. An diesen An-
trägen hielt die Verteidigung von AA._ im Rahmen der Vorfragen in der Beru-
fungsverhandlung fest (Prot. II S. 23; Urk. 192 und Urk. 193 in Proz. Nr.
SB200228). Die Verteidigung von A._ schloss sich in der Berufungsverhand-
lung den Anträgen und der Argumentation der Verteidigung des Beschuldigten
AA._ an (Prot. II S. 24 f.).
Aus den Rechtshilfeakten geht hervor, dass das Bundesland Baden-Württemberg
mit Schreiben an das Bundesamt für Justiz am 20. Juni 2018 die Einwilligung für
die Auslieferung von A._ erteilt hat. Es wird im entsprechenden Schreiben
festgehalten, dass A._ sich mit der vereinfachten Auslieferung einverstanden
erklärt hat und auf die Einhaltung des Spezialitätsprinzips verzichtet hat (Ordner
32 Urk. D1/13/10). Damit sind die Prozessvoraussetzungen für eine Verfolgung
der Delikte im Zusammenhang mit M._ sel. erfüllt.
Bezüglich aller weiteren Delikte bedarf es für deren Verfolgung entweder der Zu-
stimmung des ausliefernden Staates gestützt auf Art. 14 Ziff. 1 AEÜ (SR 0.353.1)
- 22 -
oder gestützt auf Art. VI Abs. 2 des Vertrags zwischen der Schweizerischen Eid-
genossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland über die Ergänzung des
AEÜ des Einverständnisses des Verfolgten, mit welchem sich dieser nach Beleh-
rung über die Rechtswirkungen mit der uneingeschränkten Strafverfolgung oder
Strafvollstreckung einverstanden erklärt. A._, der Schweizerbürger mit
Wohnsitz in der Schweiz ist, der hier aufgewachsen ist und dessen Ehefrau und
Kinder hier leben und der sich nur kurz in Deutschland aufhielt, um den Lastwa-
gen von M._ sel. zu verkaufen, war während des gesamten Verfahrens in der
Schweiz anwaltlich vertreten. Er hat sich bis zur Berufungsverhandlung auch nie
gegen eine uneingeschränkte Strafverfolgung in der Schweiz ausgesprochen.
Ferner wurden verschiedene Schuldsprüche gemäss dem vorinstanzlichen Urteil
betreffend Delikte, welche nicht im Zusammenhang mit M._ sel. stehen, von
ihm nicht angefochten und sind in Rechtskraft erwachsen. Unter diesen Umstän-
den ist von einem Einverständnis des Beschuldigten mit der uneingeschränkten
Strafverfolgung und Strafvollstreckung durch die Schweizer Behörden und Gerich-
te auszugehen. Das Geltendmachen einer fehlenden Auslieferungsbewilligung
durch Deutschland betreffend die nicht mit M._ sel. in Zusammenhang ste-
henden Delikte erst im Berufungsverfahren erscheint unter diesen Bedingungen
als rechtsmissbräuchlich. Das Bundesgericht hat in seinem Entscheid
6B_720/2015, welcher sich mit dem Grundsatz der Spezialität bei der Ausliefe-
rung befasst, ausdrücklich festgehalten, dass das Rechtsmissbrauchsverbot als
allgemeiner Rechtsgrundsatz in der ganzen Rechtsordnung unter Einschluss des
öffentlichen Rechts gilt. Es hielt einem Beschwerdeführer, der sich ausdrücklich
mit einer formlosen Auslieferung aus den Philippinen in die Schweiz einverstan-
den erklärt und auf ein ordentliches Auslieferungsverfahren verzichtet hatte, ent-
gegen, er könne sich nicht auf eine Verletzung des Grundsatzes der Spezialität
berufen (BGer 6B_720/2015 E. 9.3.3. und 9.4.). Auch vorliegend erweist sich die
Geltendmachung fehlender Einwilligung von Deutschland zu einer Auslieferung
für weitere Delikte ausser diejenigen im Zusammenhang mit M._ sel. klar als
rechtsmissbräuchlich.
Die Prozessvoraussetzungen sind daher erfüllt. Auf die Anklage ist in allen Punk-
ten einzutreten.
- 23 -
II. Sachverhaltserstellung
1. Zu erstellender Sachverhalt
Aus der schriftlichen Stellungnahme des Beschuldigten vom 27. August 2019
(Urk. 160), der Schlusseinvernahme vom 18. Dezember 2018 (Urk. D1/02/29)
sowie der Befragung durch die Vorinstanz (Prot. I S. 30 - 176) geht hervor, in wel-
chem Umfang der Anklagesachverhalt vom Beschuldigten anerkannt und in wel-
chem er bestritten wird. An diesem Standpunkt hat er im Berufungsverfahren
festgehalten (Prot. II S. 64 - 119). Betreffend die Tötungsdelikte zum Nachteil von
AE._ sel. und M._ sel. macht der Beschuldigte abweichend vom Ankla-
gevorwurf geltend, er sei von der serbischen Mafia bedroht und zu diesen Tötun-
gen gezwungen worden. Er habe gegenüber der Serbenmafia Schulden in Höhe
mehrerer hunderttausend Franken aus Investitionen in illegale Drogengeschäfte
gehabt. Diese Schulden hätten daraus resultiert, dass eine Drogenlieferung, wel-
che von AE._ hätte überwacht werden müssen, verschwunden sei. Er habe
erfahren, dass AE._ sich habe ins Ausland absetzen wollen und alles ver-
kauft habe. Von der Serbenmafia habe er den Auftrag erhalten, AE._ bei sich
festzuhalten, um den Vorfall mit der verschwundenen Fuhr zu klären. Diese Ser-
benmafia habe ihn am 28. April 2016 an seinem Wohnort in AI._ unter Waf-
fengewalt gezwungen, AE._ zu töten. Nach der Tötung von AE._ sei er
vor dem Hintergrund seiner Schulden gegenüber der Serbenmafia von dieser
aufgefordert worden, einen Lastwagen zu stehlen und den Besitzer zu töten, da-
mit keine Zeugen vorhanden seien. Es sei ihm von der Serbenmafia gedroht wor-
den, dass seine Familie und diejenige von AA._ mit dem Leben bezahlen
werde, wenn er ihrer Aufforderung keine Folge leiste. Vor diesem Hintergrund sei
das Tötungsdelikt zum Nachteil von M._ erfolgt.
Auch der Anklagevorwurf des gewerbsmässigen Betruges in Anklageziffer 1.8.
(Dossier 6) zum Nachteil von AF._ stehe in einem Zusammenhang mit
Schulden gegenüber der Serbenmafia. Er habe dieses Delikt begangen, da ein-
mal eine Fuhr aufgeflogen sei und er und AE._ durch Fahrzeugdiebstähle die
daraus resultierenden Schulden gegenüber der Serbenmafia hätten abarbeiten
müssen.
- 24 -
Der Anklagevorwurf 1.9. betreffend falschen Anschuldigung zum Nachteil von
AG._ wird vom Beschuldigten bestritten. Er macht geltend, AG._ sei als
Kreditvermittler zwischen ihm und der Mafia aufgetreten.
Neben den Delikten gemäss Dossiers 1, 2 und 9, welche nach der Darstellung
des Beschuldigten einen Bezug zur Serbenmafia aufweisen, wurde der Anklage-
sachverhalt bezüglich Dossiers 4 und 6 vollumfänglich oder teilweise vom Be-
schuldigten bestritten. Die Sachverhaltserstellung kann bezüglich der letzteren
zwei Dossiers losgelöst von derjenigen bezüglich Dossiers 1, 2 und 9 erfolgen.
Nachfolgende Erwägungen befassen sich zuerst mit der Sachverhaltserstellung
betreffend die Dossiers 1, 2 und 9 anschliessend mit derjenigen betreffend Dos-
siers 4 und 6.
2. Sachverhaltserstellung betreffend Dossiers 1, 2 und 9
2.1. Vorbemerkungen und Übersicht über die Beweismittel
Die Bestreitungen des Sachverhalts betreffend die Anklageziffern 1.1., 1.3., 1.8.
und 1.9. sind soweit wesentlich alle auf den Umstand zurückzuführen, dass der
Beschuldigte geltend macht, er sei aufgrund von Schulden gegenüber der Ser-
benmafia, welche aus Investitionen in Drogengeschäfte herrührten, von Exponen-
ten der Serbenmafia zu den angeklagten Delikten gezwungen worden, bezüglich
der Tötung von AE._ sel. unter Waffengewalt, bezüglich der weiteren Delikte
durch Drohung gegen das Leben seiner Familie und dasjenige von AA._.
Objektive Beweismittel für die vom Beschuldigten geltend gemachten Drohungen,
Unterdrucksetzung und Gewaltanwendung durch Mitglieder der serbischen Mafia
bestehen keine. Weder sind schriftliche Mitteilungen vorhanden, noch ergeben
sich solche Kontakte aus Telefonprotokollen. Es gibt keine Videoaufzeichnungen,
auf denen die vom Beschuldigten beschriebenen Mafiamitglieder zu sehen wären.
Auf die Aussagen des Mitbeschuldigten AA._, welcher gemäss Darstellung
des Beschuldigten an den Geschäften mit der Serbenmafia beteiligt gewesen sein
soll, wird nachfolgend einzugehen sein. An dieser Stelle kann vorweg erwähnt
werden, dass AA._ die Aussagen des Beschuldigten bezüglich Serbenmafia
nicht bestätigte und sich auch aus den Aussagen der Mitbeschuldigten V._
- 25 -
keine entsprechenden Hinweise ergeben. Zentrales Beweismittel im Zusammen-
hang mit der Bedrohung durch die Serbenmafia sind die Aussagen des Beschul-
digten. Angesichts des grossen Gewichts seiner Aussagen werden diese nachfol-
gend kurz zusammengefasst dargestellt und in einem ersten Schritt für sich be-
trachtet gewürdigt. Anschliessend sind die weiteren Beweismittel darzulegen,
welche hauptsächlich in Aussagen der Mitbeschuldigten sowie zahlreicher Zeu-
gen und Auskunftspersonen bestehen. Nach Darlegung dieser weiteren Beweis-
mittel erfolgt die abschliessende Beweiswürdigung.
2.2. Aussagen des Beschuldigten
2.2.1. Zusammenfassung der Aussagen
2.2.1.1. Hafteinvernahme vom 1. Juli 2016
Der Beschuldigte bestritt, mit der Tötung von M._ sel. etwas zu tun zu haben.
Er habe den Lastwagen gekauft, habe M._ vor der Probefahrt den Kaufpreis
bezahlt (Urk. D1/02/01 S. 2 ). Als er das Fahrzeug in Deutschland habe verkaufen
wollen, habe es geheissen, das Fahrzeug könne nicht verkauft werden, es werde
durch die Polizei in Zürich ermittelt, der Lastwagen sei gestohlen (Urk. D1/02/01
S. 3). Dann sei er verhaftet worden.
Der Beschuldigte führte aus, dass er am 2. Juni 2016 im Gespräch mit M._
einen Kaufpreis von Fr. 38'000.– vereinbart habe. Die Probefahrt sei auf den
nächsten Tag vereinbart worden, nachdem das Geld bei M._ sei und der
Vertrag unterzeichnet sei. Es sei abgemacht worden, dass sie (der Beschuldigte
und AA._) mit ihrem Auto hinterherfahren würden. Auf diese Weise habe so-
wohl er wie auch AA._ eine Probefahrt machen können (Urk. D1/02/01 S. 4).
AA._ und er seien mit dem Ford Ranger der AJ._ GmbH zur Halle von
M._ gefahren. Er habe M._ gesagt, er zeige ihm ihre Führerausweise,
damit er nicht in einen gesetzlichen Konflikt komme (Urk. D1/02/01 S. 5). Vor Be-
ginn der Probefahrt habe er mit M._ den Kaufvertrag gemacht und den Kauf-
preis bezahlt. Er habe den fertigen Vertrag mitgebracht, den seine Frau ausgefüllt
habe, M._ habe nur noch unterschreiben müssen. AA._ sei dabei ge-
- 26 -
wesen, da er die technische Kenntnis für Fahrzeuge habe und eine Garage besit-
ze. Für die Besichtigung habe AA._ nichts bekommen, das sei ein Freund-
schaftsdienst gewesen. Wenn er das Fahrzeug verkauft hätte, hätte er eine
Kommission von Fr. 200.– bekommen (Urk. D1/02/01 S. 5). Weil es über Kom-
mission gelaufen sei, habe der Vertrag auf AA._ gelautet. AA._ habe
den Vertrag am 3. Juni 2016 unterschrieben, als er ihn abgeholt habe (Urk.
D1/02/01 S. 5 f.). Er habe M._ erklärt, dass der Vertrag aus kostentechni-
schen Gründen auf AA._ laute (Urk. D1/02/01 S. 6). Sie hätten eine längere
Probefahrt gemacht, zwischen ein und zwei Stunden. Nach der Probefahrt habe
er M._ mit seinem PW zurückgebracht während AA._ mit dem LKW wei-
ter gefahren sei und diesen bei der AK._ in AL._ hingestellt habe. Er
habe organisiert, dass seine Frau AA._ in AL._ abgeholt habe und ihn
nach AP._ gefahren habe, wo sein Auto gestanden habe (Urk. D1/02/01 S.
8). Er habe M._ in der Nähe der Halle aussteigen lassen, es habe dort noch
ein Feld. Er habe nicht gefragt, weshalb M._ dort habe aussteigen wollen
(Urk. D1/02/01 S. 8).
Das Geld für die Bezahlung des Lastwagens habe er von seiner Mutter bekom-
men. Sie habe ihm eine Schenkung von Fr. 50'000.– gemacht. Davon habe er
Fr. 10'000.– verbraucht und Fr. 40'000.– in bar zu Hause aufbewahrt
(Urk. D1/02/01 S. 10).
Auf die Frage, ob V._ am 3. Juni 2016 mal in Q._ gewesen sei, erklärte
der Beschuldigte, sie habe auf ein Inserat hin etwas abholen wollen, was aber
nicht zustande gekommen sei. Sie habe dann in der Industrie in Q._ gewar-
tet. Sie habe ihnen nachfahren wollen, sie hätten sich dann aber verloren (Urk.
D1/02/01 S. 11). Er habe sie in Q._ noch kurz gesehen, beim ganzen Handel
sei sie nicht vor Ort gewesen (Urk. D1/02/01 S. 11). Auf Vorhalt der Aussage von
V._, wonach er sie darum gebeten habe, wegen der Probefahrt nach
Q._ zu fahren, sagte er, das wisse er nicht, es könne sein, dass er sie ge-
fragt habe (Urk. D1/02/01 S. 13). Er bestätigte, dass ein blauer Anhänger vom
Ford Ranger an den Subaru umgehängt worden sei (Urk. D1/02/01 S. 13). Den
Anhänger habe man dabei gehabt, um die Sachen von V._ zu holen (Urk.
- 27 -
D1/02/01 S. 13 f.). Auf Vorhalt der Aussage von V._, wonach sie nicht ge-
wusst habe, wozu man den Anhänger benötige, antwortete er, das sei komisch
(Urk. D1/02/01 S. 14). Zu den Aussagen von V._ betreffend Tausch der Mo-
biltelefone und Übergabe des Mobiltelefons von M._ an sie zwecks Deponie-
rung desselben in Q._ an einem Feldrand wollte er sich nicht äussern (Urk.
D1/02/01 S. 14). Es stimme nicht, dass er zu Hause einen leeren Kaufvertrag mit
der Unterschrift von M._ hineingebracht habe (Urk. D1/02/01 S. 15). Er wollte
auch nichts dazu sagen, dass er den Wohnort in der Nacht nochmals verlassen
habe und erst drei Stunden später wieder nach Hause gekommen sei (Urk.
D1/02/01 S. 15).
Auf Vorhalt, dass V._ in Abweichung von seiner Aussage erklärt habe, er
habe sie am 6. Juni 2016 aus Lahr angerufen und sie angewiesen, den Vertrag
auszufüllen, und sie die Unterschrift von AA._ gefälscht habe, wogegen er
ausgesagt habe, dass er den Kaufvertrag am 3. Juni 2016 bei M._ unter-
schrieben habe, sagte er aus, er könne dazu nichts sagen, er habe den Vertrag
am 3. Juni 2016 mit M._ ausgefüllt, nicht später. Auf dem Vertrag, den er mit
M._ gemacht habe, sei die Unterschrift von AA._ echt (Urk. D1/02/01 S.
23).
Auf die Frage, ob er Freunde oder Geschäftspartner in Serbien habe, erklärte er,
er habe einen Geschäftspartner in Serbien und kenne in Belgrad nochmals einen
Geschäftspartner. Er spreche kein Serbisch, er habe einmal versucht, es zu ler-
nen (Urk. D1/02/01 S. 32).
Der Beschuldigte bestätigte erneut, dass V._ den Vertrag vor der Probefahrt
mit M._ geschrieben habe und AA._ diesen unterschrieben habe
(Urk. D1/02/01 S. 35).
2.2.1.2. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 4. Juli 2016 (Urk. D1/02/02)
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 4. Juli 2016 erklärte der Be-
schuldigte, er wolle ein Geständnis ablegen. Er führte aus, er habe bei einem ser-
bischen Geschäftsmann Kredite für die AJ._ GmbH aufgenommen. Den letz-
- 28 -
ten Kredit hätte er bis Mai 2016 zurückbezahlen müssen. Sie hätten ihm einen
halben Monat Aufschub gegeben. Man habe ihm eingebläut, wenn er das Geld
nicht unter ihren Bedingungen zurückbezahle, müssten andere Personen mit ih-
rem Leben bezahlen, dabei hätten sie ihm Fotos von seiner Familie, seiner Mutter
und Herrn AA._ gezeigt (Urk. D1/02/02 S. 31). Ein Foto habe seine Frau und
die Kinder zusammen mit der Schwiegermutter beim Einkaufen gezeigt, sie hätten
Name, Adresse und Arbeitsort der Schwiegermutter gehabt. Weiter habe es ein
Foto von seinem Bruder, seiner Frau und deren Baby gegeben, ein Foto von sei-
nem Schwiegervater AM._ und eines von AA._ mit seiner Frau und dem
Kind bei der Garage sowie ein Foto seiner Mutter in ihrem Wohnquartier. Einer
habe ihm eine Pistole an den Kopf gehalten und habe gesagt, er könne ja einen
Fahrzeugkauf vortäuschen. Er habe gesagt, er wüsste nicht, wie er das machen
sollte, er habe nicht einmal eine Waffe. Man habe ihm die Beretta gegeben und
gesagt, er müsse diesen Menschen töten und sie wollten bewiesen haben, dass
dies auch so sei (Urk. D1/02/02 S. 2 f.). Der Betrag des Darlehens habe sich mit
Zins von Fr. 65'000.– auf Fr. 80'000.– erhöht. Er habe versucht, das Geld irgend-
wie aufzutreiben. Von diesem Darlehen habe weder seine Frau noch sonst je-
mand gewusst. Er habe AA._ gefragt, ob er den Lastwagen von M._ in
Kommission verkaufe und habe ihn informiert, dass er auf eine Probefahrt mit-
kommen solle. Am Tag darauf habe er seine Frau informiert, dass sie mitkommen
solle und den Anhänger mitziehen solle. Er habe ihr nicht gesagt, weshalb. Auf
der Probefahrt habe er M._ die Pistole vorgehalten und ihn aufgefordert auf
das Bett zu gehen. Er habe AA._ den Auftrag gegeben, M._ die Hand-
schellen anzuziehen. AA._ sei ziemlich perplex gewesen. Er habe ihm ge-
sagt, er solle einfach machen, was er ihm sage, er werde ihm später alles erklä-
ren, dies wäre zu seinem Schutz und zum Schutz seiner Familie. V._ habe er
später den Befehl gegeben, das Telefon von M._ in Q._ zu deponieren.
Sie habe ihn nur entsetzt angeschaut und habe nicht nachgefragt. Er habe ihr ge-
sagt, dass sie nicht fragen dürfe, es habe alles seine Gründe, und er werde ihr
später einmal alles sagen. Er habe ihr nur gesagt, dass ihre Familie bedroht wer-
de (Urk. D1/02/02 S. 3 f.). Er habe dann M._ auf einem Platz in den Anhä-
nger geladen und mit einem Spannset fixiert. M._ sei unverletzt gewesen
- 29 -
und sei von ihm nicht geschlagen worden. AA._ mit dem LKW und er mit
dem PW mit Anhänger seien zur Firma AK._ gefahren. Dort hätten sie den
LKW abgestellt und seien nach AN._ zur AO._ gefahren, wo sie auch
V._ mit den Kindern getroffen hätten (Urk. D1/02/02 S. 4). Er habe V._
den Auftrag gegeben, AA._ nach AP._ zu fahren. AA._ habe
nochmals zur AK._ fahren müssen, weil er die Kontrollschilder am LKW ver-
gessen habe. Er sei allein nach AI._ gefahren und habe M._ leere Ver-
träge zum Unterschreiben gegeben. Er habe allein M._ mit Klebeband Nase
und Mund zugeklebt, sei weggegangen und habe gewartet, bis M._ tot ge-
wesen sei. Er habe zuerst noch versucht, ob er ihn mit der Waffe töten könnte,
aber er habe nicht abdrücken können. Kurze Zeit später sei seine Frau nach Hau-
se gekommen. Sie habe nicht gewusst, was passiert sei, ob M._ noch da
gewesen sei. Als sie drinnen gewesen sei, habe er M._ in den Kofferraum
des Subaru getan und sei losgefahren. Unterwegs sei er abgefangen worden und
habe zeigen müssen, dass M._ tot sei (Urk. D1/02/02 S. 5). Sie hätten ihm
den Befehl gegeben, ihn irgendwo in Zürich auszusetzen. In AQ._ habe er
M._ aus dem Kofferraum genommen und ihn dort hinunter rollen lassen. Da-
nach sei er nach AI._ gefahren. Am nächsten Tag sei er zusammen mit sei-
ner Frau und den Kindern nach Lahr gefahren und habe den LKW zu AR._
gebracht. Die Utensilien von M._ habe er in einem Abfallsack in Deutschland
auf einem Rastplatz entsorgt. Seine Frau habe nicht gewusst, was im Abfallsack
gewesen sei. Von dort seien sie zurück nach Hause gefahren. Am Montag sei er
mit AA._ nach Lahr gegangen. Vor der Verhaftung habe er seine Frau ange-
rufen und ihr gesagt, dass sie den Vertrag ausfüllen solle und die Unterschrift von
AA._ fälschen solle (Urk. D1/02/02 S. 5).
Er wolle helfen, diese Leute zu finden. Sie hätten jeweils ihn aufgesucht, nicht er
sie. Es sei ein junger aus dem Balkan stammender Mann. Er habe dunkle gegee-
elte Haare und fahre einen grauen BMW M3. Er sei immer beim Kreisel in der
AS._ in AT._ aufzufinden (Urk. D1/02/02 S. 6). Wenn er etwas ge-
braucht habe, habe er sich bei dieser Person melden können. Der Kredit, den er
im August 2015 bei diesem Serben aufgenommen habe, sei ursprünglich Fr.
60'000.– plus Fr. 5'000.– Zins gewesen. Er habe in Serbien mit Leuten Kontakt
- 30 -
gehabt, die in der Schweiz leben. Diese hätten ihm den Kontakt angegeben.
AE._ habe für ihn in Serbien Kontakt hergestellt und übersetzt und habe ihm
nachher einen Kontakt vermittelt. AE._ habe ihm gesagt, er solle in die
AS._ nach AT._ gehen, wo dieser mit dem BMW warte (Urk D1/02/02 S.
7). Dessen Namen kenne er nicht. Auf Vorhalt, dass AE._ seine Angabe be-
stätigen könne, erklärte er, es habe Differenzen zwischen ihnen gegeben.
AE._ sei dann verschwunden, sei aber in Serbien gesehen worden. Er habe
sich nach Serbien begeben. Er wisse auch nicht, wo er derzeit sei. Das letzte Mal,
als er ihn gesehen habe, sei er in Aufbruchstimmung gewesen (Urk. D1/02/02 S.
7). In Serbien habe ihn AU._ noch gesehen. Es handle sich um den Cousin
von AE._, mit welchem er noch Kontakt gehabt habe. Eine Person, welche
ihm das Geld ausgehändigt habe, nicht derjenige mit dem BMW, habe ihn bedroht
betreffend Rückzahlung des Kredits. Er habe dunkle gegeelte Haare, etwa 3 bis 4
cm lang und einen kräftigen Körperbau. Diese hätten immer Serbisch untereinan-
der gesprochen. Er sei im Auto unterwegs gewesen, als man ihm gedroht und die
Pistole an den Kopf gehalten habe. Er wisse nicht, wie diese Leute ihn gefunden
hätten, er habe mehrfach an seinem Auto rumgeschraubt und keinen Tracker ge-
funden. Die Bedrohung sei irgendwann nach Mitte Mai gewesen (Urk. D1/02/02 S.
8).
AA._ habe mehrfach gesagt, das könne er nicht machen. Er habe ihm ge-
sagt, dass dies zum Schutz ihrer Familien sei, weil sie ihn ja auch bedroht hätten,
weil er sehr viel Kontakt mit AA._ habe (Urk. D1/02/02 S. 12).
Er sei nicht sicher, ob er auf dem Handy von M._ den Flugmodus eingestellt
habe oder das Gerät ausgeschaltet habe, als sie sich beim Lidl getroffen hätten.
Er habe V._ das Telefon von M._ gegeben und sie angewiesen, dieses
zu deponieren (Urk. D1/02/02 S. 13).
AA._ sei beim Umladen von M._ in den Anhänger einfach dagestanden
und sei mit der Situation absolut überfordert gewesen, er habe geschlottert und
ganz hoch geatmet (Urk. D1/02/02 S. 15).
- 31 -
Als er mit der Leiche im Kofferraum gefahren sei, sei er von den Kreditgebern ab-
gefangen worden. Es seien vier Personen gewesen. Er wisse nicht, ob sie ihn ob-
serviert hätten, er habe keinen Kontakt zu ihnen gehabt (Urk. D1 /02/02 S. 19).
Auf die Frage, ob er seiner Frau vor seiner Verhaftung erzählt habe, was passiert
sei, antwortete er "das wüsste ich nicht". Seine Frau habe die Waffe vor seiner
Verhaftung versteckt, weil er ihr das so befohlen habe, bevor er verhaftet worden
sei (Urk. D1/02/02 S. 21). AA._ habe erst bei der Verhaftung in Lahr erfah-
ren, was mit M._ passiert sei (Urk. D1/02/02 S. 21). V._ habe M._
nie gesehen, habe nicht gewusst, dass er auf dem Anhänger gewesen sei, er
glaube nicht, dass sie die Pistole unterwegs gesehen habe (Urk. D1/02/02 S. 30).
2.2.1.3. Polizeiliche Einvernahme vom 21. Juli 2016 (Urk. D1/02/03)
Der Beschuldigte bestritt, mit dem Verschwinden von AE._ etwas zu tun zu
haben (Urk. D1/02/03 S. 2 f.). Er erklärte, AE._ habe mit AV._ (recte
AV._) Drogengeschäfte mit Hanf abgewickelt. Er habe sich dort nicht einmi-
schen wollen und habe weggeschaut. Er habe nicht an diesen Geschäften teilge-
nommen, er wolle nichts damit zu tun haben (Urk. D1/02/03 S. 6). Auf Vorhalt,
dass H._ ausgesagt habe, er habe ihm erzählt, dass er AE._ falsch be-
schuldigt habe, ihm Fr. 50'000.– gestohlen zu haben, antwortete der Beschuldig-
te, das stimme nicht, H._ lüge, weil er ihm etwas anhängen wolle und vertu-
schen wolle, dass sein Bruder bei der Mafia sei. Es handle sich um die gleiche
Mafia, die ihn erpresst habe (Urk. D1/01/02/03 S. 7). Auf Vorhalt der Aussage von
H._, dass AW._ ihm erzählt habe, dass AE._ ihn (Beschuldigten)
um Fr. 40'000.– gelinkt habe, antwortete der Beschuldigte, dass dies nicht stimme
(Urk. D1/02/03 S. 7). Weiter wurde dem Beschuldigten vorgehalten, AW._
habe ausgesagt, AE._ habe ihm erzählt, dass er ihm (A._) Fr. 40'000.–
bis Fr. 50'000.– gestohlen habe und der Beschuldigte habe mit AE._ Streit
gehabt, weil er die Firma habe schliessen müssen, wahrscheinlich sei der Streit
des Geldes wegen gewesen. Der Beschuldigte sagte auf diesen Vorhalt, das
stimme nicht, aus der Zwischenbilanz sei schon vorhersehbar gewesen, dass es
soweit kommen würde. AW._ habe das erfunden, um seine Drogengeschäfte
zu vertuschen (Urk. D1/02/03 S. 8). N._ lüge, wenn er aussage, dass er ihm
- 32 -
gesagt habe, er habe das Auto jemandem genommen, welcher ihm Geld schulde
(Urk. D1/02/03 S. 11). Er habe AE._ nie Geld gegeben, er habe gewusst,
dass AE._ an anderen Orten Geld schuldete (Urk. D1/02/03 S. 12).
N._ lüge, wenn er behaupte, er habe ihm gesagt, jemand schulde ihm Fr.
70'000.– und sei zu ihm nach Hause gekommen, wo diese Person nach heftiger
Diskussion ein Messer gezogen habe, worauf er eine Pistole gezogen habe und
ihm der andere freiwillig den Schlüssel gegeben habe (Urk. D1/02/03 S. 12 f.).
An jenem Abend, an welchem AA._ und AE._ nach AI._ gekom-
men seien, habe er mit AE._ ein Gespräch unter vier Augen gehabt.
AA._ und seine Frau seien dann sein Auto holen gegangen. Er wisse nicht
mehr, welches Auto dies gewesen sei. AE._ habe ihm bei diesem Gespräch
erzählt, dass er Streit mit seinem Bruder gehabt habe, möglicherweise mit der Po-
lizei eine Konfrontation gehabt habe, dass er nach Serbien zurückkehren wollte,
aber Angst gehabt habe, die Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz zu verlieren
(Urk. D1/02/03 S. 26). Auf Vorhalt der Dokumente betreffend Baggermiete vom
28. April 2016 und der Frage, ob er mit dem Bagger die Leiche von AE._
vergraben habe, verneinte der Beschuldigte (Urk. D1/02/03).
Das Geld aus den Krediten beim serbischen Geschäftsmann habe er in bar be-
kommen in einem Plastiksack oder einfach lose (Urk. D1/02/03 S. 35). Dem Be-
schuldigten wurde ein Fotobogen mit 8 Personen vorgehalten und er wurde auf-
gefordert, zu erklären, ob er auf einer Aufnahme den Vermittler der Kredite erken-
ne. Er erklärte in der von ihm bezeichneten Person mit 100 % Sicherheit den
Vermittler zu erkennen (Urk. D1/02/03 S. 36). Der Geschäftsmann habe ihm ge-
sagt, er müsse das Geld unter seinen Bedingungen beschaffen und habe ihm Fo-
tos von seiner Frau und seinen Töchtern, von AA._, dessen Frau und Kind,
AX._, AY._, AZ._, AB._, AM._ und seiner Mutter
(BA._) gezeigt. Bei den Fotos habe der jeweilige Name und die Adresse ge-
standen, bei seiner Schwiegermutter sogar, wo sie arbeite. Ihm sei klar gemacht
worden, dass diese Leute mit ihrem Leben bezahlen müssten, wenn er nicht tue,
was sie von ihm verlangten. Sie hätten ihm gesagt, sie würden ihn beobachten
und wüssten immer, was er tue. Der Geschäftsmann habe ihm gesagt, er solle ei-
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nen Fahrzeughandel mit Lastwagen vortäuschen und müsse die Person, die er
ausnehmen solle, nachher töten. Er habe gesagt, er könne das nicht tun. Sie hät-
ten geantwortet, er habe keine andere Wahl, sonst werde seine Familie sterben.
Dabei habe ihm eine Person eine Waffe an die rechte Schläfe gehalten. Es seien
ca. vier oder fünf Personen herumgestanden (Urk. D1/02/03 S. 36). Er habe dem
Geschäftsmann Fr. 60'000.– zuzüglich Fr. 5'000.– Zins geschuldet. Er habe einen
halben Monat Aufschub erhalten ohne Zinserhöhung, danach habe er Fr.
80'000.– gewollt. Er habe dem Geschäftsmann die Fr. 40'000.– gegeben, welche
er von seiner Mutter aus dem Erbe seines Vaters geschenkt erhalten habe (Urk.
D1/02/03 S. 36). Derjenige, der ihm die Waffe an den Kopf gehalten habe, habe
ihm die Waffe gegeben, er wisse nicht mehr, an welchem Datum das genau ge-
wesen sei. Den Mann, der ihn aufgefordert habe, M._ zu töten, beschrieb er
als 29-35 Jahre alt, ca. 190 cm gross, athletisch, ganz kurze Haare ca. 5mm, der
Kamm etwas länger mit Elypse, Haare gegeelt, unschöne Zahnstellung mit
schwarzen Stellen in den Zähnen, Augen relativ weit aussen, grössere Augenhöh-
len, sehr flache Ohren für einen Balkantypen, auf der rechten Hand ein schlecht
gestochenes gräuliches Tattoo, trug einen Fingerring wie einen Siegelring mit ei-
nem Zeichen oder Buchstaben drin (Urk. D1/02/03 S. 37).
Der Beschuldigte bestätigte erneut, dass V._ M._ nie gesehen habe. Er
habe ihr auch nicht gesagt, was er getan habe (Urk. D1/02/03 S. 40).
Mit der Leiche von M._ im Kofferraum sei er einfach ziellos herumgefahren
Richtung BB._, dann in Richtung BC._, dann Richtung BD._. Dort
sei er dann abgefangen worden. Es seien die gleichen Typen gewesen wie das
erste Mal. Sie hätten sehen wollen, ob er es wirklich gemacht habe, er habe ihnen
M._ zeigen müssen (Urk. D1/02/03 S. 41 f.).
2.2.1.4. Schriftliches Geständnis des Beschuldigten betreffend Tötung von
AE._ sel. / untersuchungsrichterliche Einvernahme vom 27. Juli 2016
Am 27. Juli 2016 teilte der Verteidiger des Beschuldigten mit, dass dieser bereit
wäre, eine schriftliche Stellungnahme zum Vorwurf in Sachen AE._ abzuge-
ben, sofern ihm seitens der Staatsanwaltschaft und der Polizei zugesichert werde,
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dass Leib und Leben der bedrohten Personen aus seinem Umfeld im Rahmen der
bestehenden Möglichkeiten geschützt werden. Der Beschuldigte befürchte eine
Bedrohung aus dem Umfeld der Familie AE'._ sowie der weiteren involvier-
ten serbischen Gruppierungen. Eine entsprechende Zusicherung wurde seitens
der Polizei und der Staatsanwaltschaft unterschrieben (Urk. D1/02/04) und ein
schriftliches Geständnis zu den Akten gegeben (Urk. D1/02/06).
In der Einvernahme vom 27. Juli 2016 sagte der Beschuldigte aus, AE._ sei
Mitglied der serbischen Mafia und habe vor allem Drogensachen erledigt, Gras,
Kokain etc.. Er habe Drogenhandel betrieben für die serbische Mafia. Er (Be-
schuldigter) habe nichts damit zu tun gehabt, sei aber damit konfrontiert worden.
In BE._ bei der BF._ gegenüber im 10. Stock bei einer BG._ – er
wisse nicht, wie die Strasse heisse – hätten sie Drogen gelagert. Er habe
AE._ dort zweimal abgeholt und habe in der Wohnung die Ware gesehen. An
der ...-strasse in AT._ in der Nähe der ... Garage hätten sie auch gehandelt
(Urk. D1/02/05 S. 3). Am 27. April 2016 seien AE._ und AA._ bei ihm
vorbeigekommen und hätten den BMW dabei gehabt. AE._ habe unbedingt
mit ihm reden wollen. Er habe vorgängig nicht gewusst, dass die beiden kommen
würden. Sie seien zu ihm gekommen, da auch AA._ mit ihm (Beschuldigten)
habe reden wollen. Das habe aber nichts mit dem Kaufvertrag betreffend den
BMW zu tun gehabt. Den Kaufvertrag betreffend den BMW habe er gefälscht,
damit AA._ etwas habe vorweisen können. AA._ habe abgemacht, dass
der Ausweis übergeben werde, sobald er ausgelöst sei. Nachdem AE._ bei
ihm getötet worden sei, wäre noch die Übergabe des Ausweises offen gewesen.
Er habe AA._ gesagt, er habe den Vertrag mit AE._ noch gemacht und,
dass AE._ nicht mehr ans Telefon gehe und nicht mehr reagiere. Dies habe
er gesagt, damit AA._ keine Fragen stelle, da er nicht gewusst habe, dass
AE._ bereits tot gewesen sei (Urk. D1/02/05 S. 4). AE._ habe nach Geld
für Serbien gefragt, er habe sich nach Serbien aus dem Staub machen wollen,
weil er momentan ziemlich schräge Sachen gedreht habe. Er kenne keine Details,
zu 99 % sei es um Drogen gegangen. AE._ habe ihn gefragt, ob er den Mer-
cedes für ihn verkaufen könne, damit er Geld bekomme (Urk. D1/02/05 S. 5). Am
folgenden Tag sei AE._ mit den Serben zu ihm gekommen. Es sei zwischen
- 35 -
14 Uhr und 16 Uhr gewesen, seine Frau sei nicht zu Hause gewesen. Dann sei
AE._ aufgefordert worden, das Problem zu erledigen, ihn zu töten. Es sei zu
einem Kampf gekommen. AE._ habe versucht, mit dem Messer auf ihn ein-
zustechen, habe ihn aber nicht erwischt. Dann habe er ihm (dem Beschuldigtem)
Faustschläge gegen den Kopf gegeben. Nach relativ langem Hin und Her habe er
AE._ gezielt getroffen. Dieser sei zu Boden gegangen, wo er ihn noch ein
paarmal ziemlich stark geschlagen habe bis er am Boden liegen geblieben sei.
Die Serben hätten gesagt, er bekomme 10 Tage, nicht mehr, und seien wegge-
gangen. Er habe AE._ mit Handschellen gefesselt und ihn angeschrien, ob
er spinne. AE._ habe gesagt, er (Beschuldigter) werde entweder durch ihn
(AE._) oder durch die Serben sterben, egal was er mache. Er habe ge-
schrien, er (Beschuldigter) solle verrecken (Urk. D1/02/05 S. 6). Er habe
AE._ befreit und gesagt, er solle sich verpissen, er wolle ihn nie mehr sehen.
AE._ habe das am Boden liegende Messer genommen und sei auf ihn los
gekommen und habe ihn zwei- oder dreimal seitlich am rechten Unterarm er-
wischt. Dann habe er AE._ wieder zu Boden gebracht und wieder gefesselt.
Dann seien die Serben wieder zurück gekommen. Er habe versucht, zu fliehen,
sei jedoch von den Serben zurückgehalten worden. Sie hätten gesagt, er solle
AE._ töten. Er habe gesagt, er mache das nicht. Sie hätten gesagt, er habe
die Wahl, entweder sterbe AE._ oder er. Sie hätten ihm eine Waffe hinge-
streckt. Der serbische Geschäftsmann habe dann gesagt, er solle AE._ den
Mund mit Klebeband zukleben. Dann habe der Geschäftsmann gesagt, er solle
die Nase zukleben. Zuerst habe er nichts gemacht und sei starr geblieben. Dann
habe ihm der ganz grosse Typ eine Pistole an den Kopf gehalten und gesagt
"los". Er habe AE._ das Klebeband so oft um den Kopf gewickelt bis die
stopp gesagt hätten. Es sei etwa ein bis zwei Minuten gegangen, AE._ habe
die ganze Zeit gezuckt. Dann seien die andern gegangen und hätten gesagt, er
habe 10 Tage Zeit und keinen Tag länger. Falls er die Polizei informiere, wäre
seine Familie schneller tot, als er denken könne (Urk. D1/02/05 S. 8). Der Be-
schuldigte erklärte, AA._ und V._ wüssten von dieser Angelegenheit
nichts. AA._ sei beim Vorfall im Geschäft gewesen, seine Frau sei einkaufen
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gegangen oder habe die Kinder abgeholt. Sie wüssten nicht einmal, dass
AE._ tot sei (Urk. D1/02/05 S. 10).
2.2.1.5. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 28. Juli 2016
(Urk. D1/02/07)
In dieser Einvernahme, welche in AI._ vor Ort durchgeführt wurde, ging es
um die Bergung der Leiche von AE._ sel.. Der Beschuldigte bezeichnete den
Ort, wo er die Leiche vergraben hatte.
2.2.1.6. Polizeiliche Einvernahme vom 25. August 2016 (Urk. D1/02/08)
Der Beschuldigte sagte aus, am 27. April 2016 sei AE._ mit AA._ zu ihm
gekommen. AE._ habe mit ihm unter vier Augen sprechen wollen. AA._
und V._ seien in der Zwischenzeit das Fahrzeug holen gegangen (Urk.
D1/02/08 S. 4). AE._ habe mit ihm das Gespräch gesucht, da er für die Ser-
ben das Geld habe eintreiben müssen. Er habe ihm gesagt, dass er das Geld
noch nicht habe. AE._ habe gesagt, dass dies kein Problem sei und er ihm
helfen könne. Er habe ihn gefragt, was er dafür tun müsse, ob es um Drogen ge-
he. AE._ habe verneint, habe gelächelt und gesagt, er solle ihm vertrauen
(Urk. D1/02/08 S. 4). AE._ habe erzählt, dass er Krach mit seinem Bruder
gehabt habe, mehrere offene Geschäfte habe und alles dafür mache, nach Serbi-
en abhauen zu können, bis sich die ganze Angelegenheit beruhigt habe.
AE._ habe so schnell wie möglich nach Serbien abhauen wollen und habe
darum schnell Geld auftreiben wollen. Aus diesem Grund habe er alles verkaufen
wollen. Während dem Gespräch sei V._ mit dem Mercedes auf den Platz ge-
fahren. AE._ habe ihn gefragt, ob er den Mercedes bei ihm stehen lassen
könne und ob er jemanden kenne, der Interesse am Mercedes habe, damit er
schnell an Geld komme. AE._ habe gefragt, ob er den Mercedes bei ihm
stehen lassen könne, was er bejaht habe (Urk. D1/02//08 S. 4). AE._ sei
dann nach einem Telefonanruf von einem unbekannten Fahrzeug abgeholt wor-
den (Urk. D1/02/08 S. 3). AE._ habe ihn beim Gespräch gebeten, er solle am
nächsten Tag allein zu Hause sein, deshalb habe er V._ gefragt, ob sie am
nächsten Tag einkaufen gehen könne (Urk. D1/02/08 S. 5).
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Am nächsten Tag sei AE._ mit den Serben gekommen. Einer der Serben
habe gesagt, dass er das Geld wolle, er habe geantwortet, er habe das Geld
nicht, er brauche mehr Zeit. Er habe erwidert, dass die Zeit vorbei sei. Der serbi-
sche Geschäftsmann habe AE._ aufgefordert, ihn zu töten. AE._ habe
dann aus seiner rechten Hosentasche ein Messer genommen und habe versucht,
ihn zu stechen. Er habe sich erfolgreich zur Wehr setzen können und habe ihm
das Messer aus der Hand geschlagen. AE._ habe ihn mehrfach mit der
Faust an der Nase getroffen, er habe Nasenbluten bekommen (Urk. D1/02/08 S.
6). Er habe AE._ mit der Faust so stark mit Fuss und Faust geschlagen, dass
er zu Boden gefallen sei und liegen geblieben sei. Die Serben hätten gesagt, er
habe nun 10 Tage Zeit. Einer der Serben habe gesagt, er solle AE._ töten.
Er habe geantwortet, das werde er nicht tun. Als die Serben gegangen seien, ha-
be er AE._ gefesselt und ihn, als er wieder zu sich gekommen sei, ange-
schrien, ob er spinne, weshalb er auf ihn losgekommen sei. AE._ habe ge-
sagt, er werde sterben, entweder werde er (AE._) oder der serbische Ge-
schäftsmann dies tun. Er habe AE._ losgebunden und ihm gesagt, er solle
sich verpissen. AE._ habe das Messer vom Boden aufgehoben und sei wie-
der auf ihn losgekommen. Er habe ihm wieder das Messer wegschlagen und ihm
Handschellen anziehen können. In dem Moment, als er AE._ gefesselt habe,
habe er gehört, dass die Serben wieder zu Fuss dahergekommen seinen (Urk.
D1/02/08 S. 6). Die Serben hätten ihm eine Pistole hingehalten und hätten ge-
sagt, er solle AE._ töten. Er habe gesagt, er werde das nicht tun. Sie hätten
gesagt, er habe die Wahl, entweder sterbe AE._ oder er. Einer der Serben
habe gesagt, er solle AE._ den Mund mit Klebeband zukleben und habe ihm
eine Waffe an den Kopf gehalten. Er habe AE._ den Mund zugeklebt und
man habe ihn aufgefordert, die Augen zuzukleben und mehrmals um den Kopf zu
kleben, am Schluss noch über die Nase. AE._ habe extrem gezuckt. Sie hät-
ten gewartet, bis er sich nicht mehr bewegt habe, und hätten ihm gesagt, wenn er
die Polizei einschalte, würde seine Familie sterben. Sie würden ihn die ganze Zeit
im Blick haben, und er habe 10 Tage Zeit, keinen Tag länger. Wenn er flüchte,
würden sie genau wissen, wo seine Verwandten seien. Er habe die Leiche in den
Anhänger gelegt. Um die Leiche zu vergraben, habe er einen Bagger gemietet.
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Am Abend sei V._ mit den Kindern nach Hause gekommen, er habe ihr
nichts vom Geschehenen erzählt. Als sie das Abendessen zubereitet habe, habe
er mit dem Bagger das Loch ausgehoben und die Leiche dort begraben. Später
sei er mit den Fr. 40'000.–, die er von seiner Mutter erhalten habe, und dem Erlös
aus dem Verkauf des Mercedes, mit insgesamt Fr. 43'800.– mit dem Auto unter-
wegs gewesen in Richtung BH._ und sei in BI._ von den Serben abge-
fangen worden. Er habe den Serben die Fr. 43'800.– als Anzahlung gegeben. Sie
hätten ihn zusammengeschlagen und ihm Fotos von seiner Mutter, Bruder und
Familie, AA._, V._ und den Kindern sowie den Schwiegereltern gezeigt
mit deren Namen und Adressen und Angabe zum Arbeitsort versehen. Sie hätten
ihm gesagt, er müsse unter ihren Bedingungen Geld auftreiben und es wäre doch
schade, wenn den beiden Kleinen etwas passiere. Wenn er die Polizei einschalte
und sich nicht an ihre Regeln halte, müssten die anderen für die Schulden mit ih-
rem Leben gerade stehen. Der eine Serbe habe ihm eine Waffe an den Kopf ge-
halten und habe gesagt, wenn er fliehe, würden sie hinter seine Familie gehen.
Sie hätten ihm gesagt, dass er einen Kauf vortäuschen solle. Er habe gefragt, wie
sie sich das vorstellen würden, er habe ja nicht einmal eine Waffe. Sie hätten ihm
eine Beretta und Munition gegeben. Sie hätten ihm gesagt, dass der Betrag mit
den Zinsen auf Fr. 80'000.– hinauf gehe (Urk. D1/02/08 S.8). Der Beschuldigte
beschrieb nochmals den serbischen Geschäftsmann und die drei Mitglieder der
serbischen Mafia (Urk. D1/02/08 S. 8 f.) sowie das Fahrzeug, mit welchem sie bei
ihm auf den Hof gefahren seien (Urk. D1/02/08 S. 10). Bezüglich des Kontroll-
schilds des Fahrzeugs wurde ihm vorgehalten, er habe erwähnt, dass es ein Gen-
ferkontrollschild gewesen sei, später habe er gesagt, es sei ein Waadtländerkon-
trollschild gewesen, darauf antwortete er, er sei sich damals nicht ganz sicher
gewesen, jetzt sei er sich ganz sicher (Urk. D1/02/08 S. 10). Er habe zuerst das
Problem gehabt, dass er alles verdrängt habe. Als er dann eine Panikattacke bzw.
einen Nervenzusammenbruch im Gefängnis gehabt habe, seien ihm viele Sachen
wieder in den Sinn gekommen, Details wie das Kontrollschild, die letzten drei Zif-
fern und das weiss grüne Kantonswappen.
Bezüglich der serbischen Mafia wisse er nicht viel. Er wisse, dass diese Waffen-
und Drogenhandel gemacht und mit viel Geld Handel betrieben hätten. Er wisse,
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dass sie 15- bis 17-Jährige angestiftet hätten, um Drogen zu verkaufen. Er habe
ein paar Mal solche Dinge mitbekommen (Urk. D1/02/08 S. 12). Er habe
AE._ während verschiedener Gespräche ausgehorcht, ohne dass dieser et-
was davon gemerkt hätte. Er sei regelmässig mit ihm Kaffee trinken gegangen, da
sei er oft vor allem von Kleindealern angesprochen worden, wann die nächste La-
dung komme. In Serbien sei er einmal hereingeplatzt, als er einen Drogendeal
gemacht habe. Weil AE._ ihm dies auch selbst gesagt habe, habe er ge-
wusst, dass es sich um die serbische Mafia gehandelt habe (Urk. D1/02/08 S. 13).
Der Beschuldigte erklärte, V._ sei am Tag der Tötung von AE._ mit den
Kindern den ganzen Tag ausser Haus gewesen und erst am frühen Abend nach
Hause gekommen (Urk. D1/02/08 S. 17 f.). Auf Vorhalt, dass diese Aussage nicht
mit dem Ergebnis der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation übereinstimmt, er-
klärte der Beschuldigte erneut, V._ sei nicht zu Hause gewesen, als die Ser-
ben gekommen seien (Urk. D1/02/08 S. 18).
Der Beschuldigte sagte aus, AA._ habe nichts mit der Tötung von AE._
zu tun (Urk. D1/02/08 S. 24).
2.2.1.7. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 26. September 2016
(Urk. D1/02/09)
Der Beschuldigte wurde zum Vorfall im Spazierhof des Gefängnisses Zürich vom
5. September 2016 befragt. Er sagte aus, BJ._ habe beim Spazieren zu ihm
gesagt "Liebe Grüsse aus Serbien" und dass er sich zweimal überlegen solle, ob
er Aussagen mache oder nicht. Er sei extrem erschrocken, da er im Gefängnis
weder über seine Delikte noch über die Serben gesprochen habe. Von ihm wisse
niemand, warum er im Gefängnis sei. Er sage immer, er sei wegen Drogen- und
Waffendelikten hier. Im Gefängnis habe er nie etwas gesagt betreffend die serbi-
sche Mafia (Urk. D1/02/09 S. 4). Er nehme an, die Information sei von draussen
von den Serben gekommen (Urk. D1/02/09 S. 4). Ein weiterer Insasse habe ihn
mit Hurensohn betitelt. Es habe eine Schlägerei gegeben (Urk. D1/02/09 S. 2).
BK._ sei in unmittelbarer Nähe zu ihm gestanden, als BJ._ gesagt habe
"Liebe Grüsse aus Serbien" und dass er sich zweimal überlegen solle, ob er Aus-
- 40 -
sagen mache, und hätte diese Äusserung von BJ._ hören müssen. Wenn
BK._ sage, dass es nicht stimme, was er sage, habe er es entweder wirklich
nicht gehört oder wolle nicht hineingezogen werden (Urk. D1/02/09 S. 3). Auch
BL._ habe in seiner Nähe gestanden, er glaube nicht, dass er die Äusserung
von BJ._ nicht gehört habe und nehme an, man wolle es nicht gehört haben,
weil es im Gefängnis üblich sei, dass man sich aus allem raushalte (Urk. D1/02/09
S. 5).
Ferner schilderte der Beschuldigte einen zweiten Vorfall im Gefängnis. Er habe in
seiner Zelle bei offenem Fenster gehört, wie zwei Personen miteinander gespro-
chen hätten. BM._ habe der anderen Person gerufen, am Montag 13.30 Uhr
sei dann Staatsanwaltschaft. Der andere habe gefragt, ob er geredet habe, wo-
rauf zuerst die Antwort gekommen sei, er wisse es nicht. Nach ein bis zwei Minu-
ten sei aus der Zelle 304 gesagt worden, 301 habe geredet. Dann habe der ande-
re gesagt, dass sie den zum Schweigen bringen, worauf geantwortet worden sei,
das würden sie morgen besprechen. BM._ sei in der Zelle 224. Die Person,
mit welcher er gesprochen habe, sei in Zelle Nr. 304 (Urk. D1/02/09 S. 7).
2.2.1.8. Polizeiliche Einvernahme zur Person vom 4. November 2016
(Urk. D1/02/11)
Mit Schreiben vom 26. Oktober 2016 wandte sich der Beschuldigte an die Staats-
anwältin. Er schrieb, dass er seine Kinder gerne zusammen mit V._ sehen
wolle und schlug der Staatsanwaltschaft einen Deal vor. Er erklärte, er habe In-
formationen, die die Staatsanwaltschaft zu den Serben bringen. Er könne ca.
12 Drogendealer ausliefern und einen Waffenhändlerring ans Messer liefern, wer-
de aber nur auspacken auf einen fairen Deal hin. Er verlange eine neue Identität,
Haftminderung für seine Frau und ihn, Verlegung ins gleiche Gefängnis wie seine
Frau und die Erlaubnis, sie einmal in der Woche zusammen mit den Kindern zu
sehen (Urk. D1/02/11 Anhang). Auf diesen Brief hin kam es zur Einvernahme vom
4. November 2016.
Der Beschuldigte bestätigte in dieser Einvernahme, dass seine Familie bisher von
der Serbenmafia nicht tangiert worden sei (Urk. D1/02/11 S. 3). Es wurde ihm er-
- 41 -
klärt, dass als Verhandlungsgrundlage Angaben erforderlich seien, die die Unter-
suchungsbehörde überprüfen könne. Auf die Frage, ob er solche Angaben ma-
chen könne, überlegte der Beschuldigte und erklärte, er könne Beweise dafür vor-
legen, dass alles schon früher angefangen habe. Bezüglich des Waffenhändler-
rings brachte er vor, er verfüge über eine Natel-Nummer. Diese stelle aber nur
den Kontakt her, wenn man ihn kenne. Den Namen könne er nicht nennen, aber
er könne den Kontakt herstellen (Urk. D1/02/11 S. 3). Auf Vorhalt, dass er bezüg-
lich der sichergestellten Beretta in der Einvernahme vom 1. Juli 2016 einen
"BO._" erwähnt habe und die Frage, ob dieser Mitglied des Waffenhändler-
rings sein könnte, bejahte der Beschuldigte und erklärte, es handle sich bei
"BO._" nur um einen kleinen Fisch, der nur kleine Geschäfte mache. Die hin-
ter ihm stehenden Leute würden grosse Sachen machen (Urk. D1/02/11 S. 4). Für
ein einmaliges Treffen mit seiner Familie sei er nicht bereit, Informationen zu ge-
ben, das müsste schon regelmässig, d.h. einmal in der Woche erfolgen.
2.2.1.9. Polizeiliche Einvernahme vom 17. November 2016 (Urk. D1/02/12)
Der Beschuldigte sagte aus, AA._ sei am 3. Juni 2016 nach Q._ ge-
kommen im Glauben, dass er wegen der Probefahrt mitkomme, sonst habe er von
gar nichts gewusst. Auch seine Frau habe nichts gewusst. Sie sei einfach mitge-
kommen, weil er sie wegen den Serben nicht habe alleine zu Hause lassen wollen
(Urk. D1/02/11 S. 7). Er habe ihr gesagt, man gehe auf Probefahrt und sie solle
einfach mitkommen, sie habe auch nicht nachgefragt (Urk. D1/02/11 S. 8).
Auf die Frage, was die Mitteilung an AA._ "chasch 10i verdiene" bedeute, er-
klärte der Beschuldigte, er wisse es nicht (Urk. D1/02/11 S. 9). Es habe definitiv
nichts zu tun mit dem Wiederverkauf des Lastwagens von M._, weil es auf
dem Lastwagen keinen Gewinn zu holen gegeben habe, das Geld an die Serben
gegangen sei (Urk. D1/02/11 S. 10). Es treffe zu, dass er AA._ aufgefordert
habe, Handschuhe mitzunehmen. Sein Hintergrund sei gewesen, dass AA._
nicht seine Fingerabdrücke hinterlassen solle. AA._ habe vom Ganzen nichts
gewusst und sei im Glauben gewesen, dass er die Handschuhe mitnehmen solle,
um bei der Besichtigung des Lastwagens geschützt zu sein (Urk. D1/02/11 S. 15
- 42 -
f.). AA._ habe gewusst, dass er Probleme mit der Mafia gehabt habe, von
seinem Vorhaben habe er nichts gewusst (Urk. D1/02/11 S. 19).
2.2.1.10. Polizeiliche Einvernahme vom 17. November 2016 (Urk. D1/02/13)
Der Beschuldigte sagte aus, AA._ sei am Tötungsdelikt z.N. von AE._
sel. nicht beteiligt gewesen (Urk. D1/02/13 S. 2).
Er sei nie mit den Serben in Kontakt getreten, diese hätten immer ihn ge-
sucht, wenn etwas gewesen sei (Urk. D1/02/13 S. 9). Er habe den Serben die
Fr. 3'800.–, welche er durch den Verkauf des Mercedes gelöst habe, und die
Fr. 250.–, welche er mit der Karte von AE._ am Postomaten bezogen habe,
in BI._ übergeben (Urk. D1/02/13 S. 8 f.).
Auf Vorhalt, dass er gesagt habe, er sei von den Serben gezwungen worden,
AE._ und M._ umzubringen und die Frage nach dem Grund dafür, er-
klärte der Beschuldigte, AE._ habe ihn an die Serben vermittelt, und die Ser-
ben seien enttäuscht gewesen. Eigentlich hätte AE._ ihn aus dem Weg
schaffen sollen. Bei M._ sei es darum gegangen, dass die Serben das Geld
haben wollten und keine Zeugen vorhanden sein sollten (Urk. D1/02/13 S. 12).
Er habe nur eine Schusswaffe besessen. Diese sei ihm von den Serben in
BI._ übergeben worden, zehn Tage nach der Tötung von AE._
(Urk. D1/02/13 S. 13). Dem Beschuldigten wurde die Aussage von BO._ vor-
gehalten, wonach er dem Beschuldigten die Waffe Beretta verkauft habe. Der Be-
schuldigte sagte aus, BO._ lüge (Urk. D1/02/13 S. 14).
In einer Whatsapp Mitteilung an BO._ vom 17. Mai 2016 antwortete der Be-
schuldigte auf dessen Frage, wer diese Leute seien, "Alba mafia". Auf Vorhalt,
dass es immer um die serbische Mafia gegangen sei, erklärte der Beschuldigte,
er habe bis dahin nicht genau gewusst, in welcher Mafia die Leute seien. Dann
habe er Recherchen gemacht. Er wisse das genaue Datum nicht auswendig, ab
wann er gewusst habe, dass es die serbische Mafia sei. Er möchte sich nicht da-
zu äussern, wie er habe recherchieren lassen, wer das für ihn recherchiert habe
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(Urk. D1/02/13 S. 17 f.). Er gebe diese Person nicht preis, und so lange sei auch
seine Familie draussen geschützt (Urk. D1/02/13 S. 18).
2.2.1.11. Polizeiliche Einvernahme vom 10. März 2017 (Urk. D1/02/14)
Diese Einvernahme bezieht sich auf den versuchten Versicherungsbetrug z.N. der
BP._ Versicherung (Anklageziffer 1.7., Dossier 5). In diesem Punkt ist der
vorinstanzliche Schuldspruch in Rechtskraft erwachsen. Der Beschuldigte verwei-
gerte über weite Strecken die Aussage. Er bestritt, den Wagen in Brand gesteckt
zu haben (Urk. D1/02/14 S. 9) und machte geltend, er sei zum fraglichen Zeit-
punkt nicht in BQ._ (D) gewesen, wo der VW Passat gemäss Anklage in
Brand gesteckt wurde, sondern in berner Kantonsgebiet (Urk. D1/02/14 S. 9 f.).
Ferner machte er geltend, die der Versicherung eingereichten Werkstattrechnun-
gen seien nicht fingiert gewesen, die Arbeiten seien tatsächlich ausgeführt wor-
den (Urk. D1/02/14 S. 12 f.). Alles, was bei der MFK in AT._ beanstandet
worden sei, sei repariert worden (Urk. D1/02/14 S. 14).
2.2.1.12. Polizeiliche Einvernahme vom 19. Januar 2018 (Urk. D1702/15)
Vor dieser Einvernahme hatte am 9. Januar 2018 eine Einvernahme mit
AA._ stattgefunden. Nach dieser Einvernahme wurde V._ am 9. Januar
2018 in den Räumlichkeiten der Staatsanwaltschaft verhaftet. Der Beschuldigte
reichte am Anfang der Einvernahme ein Schriftstück ein, in welchem er geltend
machte, durch die Verhaftung von V._ hätten die Kinder Schaden genom-
men. AA._ habe seine Aussage aus reiner Rache an ihm gemacht. Er mo-
nierte, dass eine Zellendurchsuchung bei ihm durchgeführt worden sei, während
er nicht zugegen gewesen sei und dass ihm durch Polizei und Staatsanwaltschaft
nicht mitgeteilt worden sei, dass seine Frau verhaftet worden sei und wo seine
Kinder seien. Ausserdem beschwerte er sich über die Zustände in der Untersu-
chungshaft (Anhang zu Urk. D1/02/15).
Gegenstand der Einvernahme bilden eingangs Fragen der Forensikerin an den
Beschuldigten betreffend Fesselung der Opfer, Verletzungen der Opfer, Umlage-
rungen der Opfer, Positionen der Opfer.
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Auf Vorhalt, dass AA._ ausgesagt habe, der Beschuldigte habe ihm erzählt,
V._ sei bei der Überwältigung von AE._ und bei der Verschiebung und
Vergrabung der Leiche dabei gewesen, erklärte der Beschuldigte, das sei erstun-
ken und erlogen. AA._ sage das "um seinen Arsch zu retten". AA._ wol-
le nicht wegen irgendetwas drankommen, daher schiebe er es ihm in die Schuhe.
AA._ versuche, alles auf V._ abzuschieben, damit er besser dastehe
(Urk. D1/02/15 S. 16).
Das Telefon von AE._ war gemäss Gutachten nur selten abgestellt. Es wur-
de am 28.04.2016 um 00:22:54 Uhr ausgeschaltet im Antennenbereich
DB._/DC._ und anschliessend nie mehr eingestellt. Auf Vorhalt, dass
dies darauf hindeute, dass ihm zur Zeit des Ausschaltens etwas passiert sei, er-
klärte der Beschuldigte, das entspreche nicht der Wahrheit (Urk. D1/02/15 S. 17).
Dem Beschuldigten wurde das Schreiben von AA._ mit dem Titel "Tatbeteili-
gung" vorgehalten. Der Beschuldigte erklärte, es stehe sehr viel Scheisse da-
rin. Es stimme nicht, dass sie bei einer Einvernahme Nachrichten hin und her ver-
schoben hätten. Er habe mit AA._ nie über die Mafia diskutiert
(Urk. D1/02/15 S. 17). Weder mit AA._ noch mit seiner Frau habe er Nach-
richten ausgetauscht (Urk. D1/02/15 S. 18). Auf Vorhalt der bei der Hausdurchsu-
chung bei V._ vom 9. Januar 2018 gefundenen Kassiber sagte der Beschul-
digte aus, es stehe darauf nicht, wann sie geschrieben worden seien. Man müsse
ihm beweisen, wann welche Zettel geschrieben worden seien (Urk. D1/02/15 S.
20). Auf Vorhalt des Zettels Beilage 2, auf welchem notiert ist, dass die Einver-
nahme am 30.01. stattfindet und daraus geschlossen werden könne, dass die
Kollusion vor dem 30. Januar stattgefunden habe, antwortete der Beschuldigte,
das sei eine Annahme (Urk. D1/02/15 S. 20).
Auf die Frage, wann er AA._ gesagt habe, dass er AE._ getötet habe,
sagte der Beschuldigte, das sei kurze Zeit danach gewesen (Urk. D1/02/15 S.
24). Es müsse in den nächsten Tagen gewesen sein (Urk. D1/02/15 S. 25).
Am 28. April sei ein Mann namens BR._ dabei gewesen. Dieser wohne beim
Kreisel an der BS._. Der Beschuldigte zeichnete den Wohnort ein.
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BG._, welche in BE._ an der ...-strasse ... im 10. Stockwerk bei
AV._ wohne, kenne den vollen Namen dieses BR._ (Urk. D1/02/15 S.
25).
Er wisse nicht mehr, wann er AA._ gesagt habe, dass er M._ getötet
habe (Urk. D1/02/15 S. 27). AA._ habe schon vor der Fahrt nach Q._
gewusst, dass M._ am Ende sterben werde (Urk. D1/02/15 S. 28). Es treffe
nicht zu, dass AA._ für seine Hilfe im Fall M._ Fr. 10'000.– erhalten hät-
te. Dieser Betrag habe etwas mit einer anderen Straftat zu tun, er wolle sich damit
nicht belasten (Urk. D1/02/15 S. 28). V._ habe nicht gewusst, was sie mit
M._ vorhatten. Es stimme nicht, dass sie in das Vorhaben bei M._ ein-
geweiht gewesen sei, wie AA._ schreibe. Er habe ihr gesagt, sie solle nicht
zu ihnen kommen, weil er den Handel nicht von ihr gestört haben wolle, daher
habe sie sich im Hintergrund gehalten.
Auf Vorhalt des Schreibens gemäss Beilage zu Urk. D1/02/15 mit dem Titel Fall
AQ._ (ZH)/M._ anerkannte der Beschuldigte diesen Brief geschrieben
zu haben (ausser dem Vermerk "Anonimer Informant"). Er wisse nicht, wie dieses
Schreiben in die Wohnung seiner Frau gekommen sei. Er könne nicht zuordnen,
wann er diesen geschrieben habe (Urk. D1/02/15 S. 30 f.). Zum Inhalt dieses
Schreibens wollte der Beschuldigte keine Aussagen und keine näheren Angaben
machen (Urk. D1/02/15 S. 31).
2.2.1.13. Polizeiliche Einvernahme vom 25. Januar 2018 (Urk. D1/02/16)
In dieser Einvernahme bestätigte der Beschuldigte in Abweichung von der frühe-
ren Einvernahme, dass am 23. Januar 2017 während der Einvernahme eine
Kommunikation stattgefunden habe. Es stimme nicht, dass er AA._ einige
Details zu den Tötungsdelikten erzählt habe (Urk. D1/02/16 S. 3). Gemäss seiner
Erinnerung habe er mit V._ die Möglichkeit gehabt, zu sprechen, Irrtum vor-
behalten sei aber nicht über die Tathergänge kommuniziert worden, sondern über
die Kinder. Es stimme ganz klar nicht, das er AA._ erzählt habe, wie V._
ihm bei AE._ geholfen habe (Urk. D1/02/16 S. 4).
- 46 -
In der Zeit vor der Tötung von AE._ seien über sehr lange Zeit einige Geld-
transaktionen geflossen, welche nicht belegbar seien. Was damit gekauft worden
sei, werde er nicht erläutern, da er sich selber nicht belasten müsse. Es sei von
den Serben Geld geflossen, von ihm und von AA._. Das sei eine Zeit lang
gut gegangen bis AE._ Ware habe verschwinden lassen. Weil der Geldgeber
einen Vorschuss bezahlt habe, hätten sie (AA._, AE._ und er) das ab-
arbeiten müssen. Bis ca. einen Monat vor dem Tötungsdelikt sei es normal weiter
gegangen. Dann sei eine ganze Warenlieferung weg gewesen. Er habe die Mittei-
lung bekommen, dass AE._ sein Geld zusammensuche und sich aus dem
Staub machen wolle (Urk. D1/02/16 S. 5). Er habe den Auftrag erhalten,
AE._ bei sich festzuhalten, bis die Serben bei ihm seien. Das habe er auch
gemacht, und AA._ habe geholfen, dass er AE._ habe festhalten kön-
nen. Als V._ aus dem Haus gegangen sei, seien die Serben gekommen, das
sei mit den Serben so abgesprochen gewesen. Er habe in einer früheren Aussage
eine Schutzaussage gemacht, dahingehend, dass AE._ mit den Serben ge-
kommen sei, das habe er gemacht, um AA._ zu schützen (Urk. D1/02/16 S.
6). AE._ sei von ihm und AA._ in AI._ beim Haus überwältigt wor-
den. Beim Gespräch mit AE._ sei herausgekommen, dass er wirklich die ers-
te Ladung gestohlen habe. AE._ habe dann gehen wollen, habe nicht disku-
tieren wollen. Er (Beschuldigter) habe ihm gesagt, er müsse bleiben, sie wollten
es friedlich lösen. Dabei habe er die Pistole im Hosenbund gehabt, sodass
AE._ sie gesehen habe. Er habe AE._ nicht damit gedroht (Urk.
D1/02/16 S. 7). Als AE._ habe dreinschlagen wollen, hätten AA._ und er
AE._ gemeinsam auf den Boden gedrückt und ihm die Hände mit Kabelbin-
dern hinten auf den Rücken gefesselt. AA._ und er hätten den gefesselten
AE._ auf den Estrich gebracht.
Es sei abgemacht gewesen, dass der BMW und der Mercedes zu ihm kommen
für die Schulden von AE._. Er habe V._ und AA._ angewiesen, den
Mercedes zu holen. V._ sei genervt gewesen, habe dies aber gemacht und
sei mit dem Mercedes zurückgekommen. Am nächsten Tag sei V._ den gan-
zen Tag ausser Haus gewesen. Sie habe nicht realisiert, dass AE._ gefesselt
auf dem Estrich gewesen sei. Wenn AE._ gekommen sei, sei sie immer auf
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Distanz gegangen. Er habe ihr immer gesagt, sie solle nichts fragen, dann wisse
sie nichts. Am nächsten Tag seien die Serben gekommen, und es sei zum ge-
schilderten Zweikampf gekommen (Urk. D1/02/16 S. 8). Der Beschuldigte bestritt,
dass AE._ von ihm und AA._ unter falschem Vorwand zu ihm gebracht
worden sei. Das Treffen sei zwischen AA._ und AE._ abgesprochen
worden. Er selber habe keinen direkten Kontakt mit AE._ mehr gehabt, habe
nur auf indirektem Weg mit ihm kommuniziert (Urk. D1/02/16 S. 10). Die Abma-
chung betreffend Schuldentilgung durch Übergabe von BMW und Mercedes habe
er mit AE._ bei einem persönlichen Kontakt in AT._ getroffen. Er wolle
sich nicht dazu äussern, wie es zu diesem persönlichen Kontakt gekommen sei.
AV._ sei bei diesem Treffen dabei gewesen (Urk. D1/02/16 S. 12).
Auf Vorhalt der Mitteilung von ihm an V._ während diese mit AA._ un-
terwegs war um den Mercedes zu holen mit dem Inhalt "Säg AA._ nid zviu"
erklärte der Beschuldigte, bei dieser SMS sei es nicht um AE._ gegangen.
AA._ habe von V._ immer Sachen von der Firma erfahren wollen. Aus-
serdem habe V._ gewusst, dass BT._ AA._ fremdgehe. Wenn sie
dies ausgeplappert hätte, wäre die Luft am Dampfen gewesen (Urk. D1/02/16 S.
14).
Es stimme nicht, dass er AA._ kurz nach der Tötung von AE._ von der
Tötung informiert habe, vielmehr sei AA._ dabei gewesen. Er sei am 28. April
2016 mit dem Töff zu ihm gekommen, sei dabei gewesen, als die Serben ge-
kommen seien und sei bei der Tötung anwesend gewesen. Bis jetzt habe er das
Gefühl gehabt, er müsse AA._ schützen, weil dieser durch ihn in das Ganze
hineingerutscht sei (Urk. D1/02/16 S. 14). AA._ sei an jenem Morgen zu ihm
gekommen, weil er an den Geschäften mit AE._ finanziell auch beteiligt ge-
wesen sei (Urk. D1/02/16 S. 14). Es sei nicht geplant gewesen, dass AE._
getötet würde (Urk. D1/02/16 S. 15), es sei geplant gewesen, zu klären, wo die
Ware sei. Die Serben hätten Kohle oder ihre Ware gewollt, weil sie in diesem
grossen Handel wieder in Vorschuss gegangen seien. AA._ sei mit einem
festen Betrag daran beteiligt gewesen. Darauf beziehe sich seine spätere SMS im
Fall M._ "wotsch 10i verdiene". Dies wären 25 % der Fr. 40'000.– gewesen
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und hätten nichts mit dem Lastwagenverkauf zu tun gehabt, sondern mit den lau-
fenden Geldtransaktionen mit den Serben. AA._ sei informiert gewesen über
die Serbenbedrohung gegen ihn. Auf Vorhalt, dass AA._ ausgesagt habe,
die Sache mit den Serben sei "Bullshit", er möge das nicht mehr hören, erklärte
der Beschuldigte, AA._ hätte sich selbst belastet, wenn er auffliege. Er wis-
se, was für Konsequenzen es gebe, wenn er gegen sie auspacke (Urk. D1/02/16
S. 15). Die ganze Paletten-Geschichte sei eine reine Alibiaktion gewesen. Es sei
darum gegangen, die Geldaktivitäten zu vertuschen (Urk. D1/02/16 S. 15).
AA._ habe sich an der Tötung von AE._ nicht aktiv beteiligt, er habe nur
zugeschaut. Er habe ihn deshalb auch nicht belasten wollen, habe ihn draussen
behalten wollen. Was AA._ das letzte Mal ausgesagt habe, sei absolut un-
sauber gewesen (Urk. D1/02/16 S. 15). AA._ sei nach dem Weggang der
Serben noch zwei bis fünf Minuten bei ihm geblieben und sei dann gegangen. Sie
seien beide erschüttert gewesen. Er habe ihm gesagt, er solle gehen, er werde
sich um das Ganze kümmern. AA._ habe ihm beim Vergraben der Leiche
nicht geholfen (Urk. D1/02/16 S. 16 f.).
Er habe AA._ am nächsten Tag erzählt, was mit dem Leichnam von M._
passiert sei. Sie seien am nächsten Tag zusammen nach Basel gefahren.
AA._ habe auf die Mitteilung der Tötung ziemlich gefasst reagiert, habe nur
Laute gemacht wie "aha" oder "mhmh" (Urk. D1/02/16 S. 16). AA._ habe
gewusst, dass M._ getötet werde. Es sei von den andern klar so vorgegeben
worden, dass er M._ töten müsse. AA._ sei dabei gewesen, als ihm dies
befohlen worden sei. Sie beide hätten bestürzt reagiert (Urk. D1/02/16 S. 16).
2.2.1.14. Polizeiliche Einvernahme vom 9. Februar 2018 (Urk. D1/02/17)
Der Beschuldigte wurde darauf hingewiesen, dass sich aus der Auswertung der
Telefondaten keine Hinweise ergeben, dass AA._ am 28. April 2016 nach
dem Aufstehen BU._ verlassen haben könnte. Dass er das Mobiltelefon den
ganzen Tag rege benutzt habe, spreche dagegen, dass er es zu Hause habe lie-
gen lassen. Trotz dieses Vorhaltes hielt der Beschuldigte daran fest, dass
AA._ anwesend gewesen sei, als AE._ getötet worden sei (Urk.
D1/02/17 S. 2).
- 49 -
Auf Vorhalt der Aussagen von AA._, dass V._ den gefesselten
AE._ in der Küche gesehen habe, sagte der Beschuldigte aus, er könne nicht
sagen, dass V._ das mitbekommen habe, er habe keine Ahnung. Sie sei
drinnen gewesen (Urk. D1/02/17 S. 6). Der Beschuldigte räumte ein, V._ ge-
sagt zu haben, sie solle mit AA._ das Auto holen gehen, er habe mit
AE._ noch etwas zu besprechen. Spätestens in diesem Zeitpunkt habe
V._ gewusst, dass AE._ da gewesen sei (Urk. D1/02/17 S. 12).
Der Beschuldigte sagte aus, es sei mit AA._ besprochen worden, dass die-
ser AE._ unter einem Vorwand zu ihm bringen würde. AA._ habe freie
Hand gehabt. Er (Beschuldigter) habe vorgeschlagen, AA._ solle sagen, er
transportiere für AE._ den BMW gratis zu ihm (Beschuldigtem) oder er sollte
sagen, er (Beschuldigter) habe die Hydroanlage von AE._ bei sich
(Urk. D1/02/17 S. 14).
Das Überwältigen, Fesseln und Festhalten von AE._ sei im Auftrag der Ser-
ben erfolgt. Diese seien am 28. April 2016 um den Mittag bei ihm eingetroffen. Er
habe denen keine Rückmeldung gemacht, denn es habe geheissen, er solle sich
melden, wenn es nicht klappe. Die Serben hätten schon vorher Bescheid ge-
wusst, dass er in der Nacht vom 27. auf den 28. April 2016 AE._ überwälti-
gen und festhalten würde (Urk. D1/02/17 S. 20). Auf die Frage, wie er sich hätte
melden können, erklärte er, er habe verschiedene Anlaufadressen gehabt, eine
Telefonnummer der Serben habe er nicht gehabt (Urk. D1/02/17 S. 20). AA._
habe gewusst, dass er AE._ für die Serben zu ihm locken solle. Es sei um
sein Geld, dasjenige der Serben und dasjenige von AA._ gegangen, das
weggekommen sei (Urk. D1/02/17 S. 21).
2.2.1.15. Polizeiliche Einvernahme vom 26. Februar 2018 (Urk. D1/02/18)
Der Beschuldigte reichte im Verlauf dieser Einvernahme nach der Mittagspause
ein Dokument ein, welches 14 Seiten umfasst (Beilage 1 zu Urk. D1/02/18). Er
beschrieb darin, dass er für AE._ Pakete transportiert habe. Als er Erspar-
nisse von Fr. 60'000.– geäufnet habe, habe AE._ ihm angeboten, dass er
das Geld investieren könne. Wofür investiert worden sei, habe man nicht gefragt.
- 50 -
Er habe Geld für 2-3 Tage ausgeliehen und habe 125 % zurück bekommen. Das
habe er einige Male gemacht. Es habe natürlich auch das Risiko bestanden, dass
alles auf einmal weg wäre, wenn etwas schief laufen würde (Beilage 1 S. 2).
AA._ habe auch mitgemacht, ohne nachzufragen. Nach einiger Zeit habe
AE._ mitgeteilt, dass ihre Leute im Ausland gefasst worden seien. Sie seien
zu den Serben gegangen und hätten ihnen die Situation geschildert. Da die Ser-
ben ihr Geld gewollt hätten, hätten sie es abarbeiten müssen. Als er Fr. 40'000.–
von seiner Mutter bekommen habe, habe er von den Serben Investments erhalten
und habe alles mit AE._ zusammengelegt. AE._ habe sein Geld immer
wieder in eigene Hydroanlagen angelegt. Er habe zusammen mit AE._ meh-
rere Fr. 100'000.– bei den Serben aufgenommen und AA._ habe sich gele-
gentlich auch daran beteiligt. Einmal habe er erfahren, dass eine Lieferung nicht
angekommen sei. Diesmal sei es ein Betrag gewesen, der nicht so schnell wieder
zu beschaffen gewesen wäre. Die Serben hätten ihr Geld gewollt, und sie hätten
alles Mögliche für die Serben tun müssen. AE._ habe Autos geklaut, und er
habe Ausschau gehalten nach gefragten Fahrzeugmodellen. Oder man habe ge-
mietete Luxus Autos ins Ausland gebracht und habe dort Schlüssel nachgemacht.
Danach seien sie geklaut worden bei den Vermietungsfirmen. Er sei aufgefordert
worden, einen LKW zu beschaffen. Man habe ihm gezeigt, wie er das machen
solle, was er bei der Firma BV._ auch getan habe. Er sei mit den Lastwagen
nach Belgrad gefahren, wo er geladen und abgefertigt worden sei. In den Lastwa-
gen sei ein Fach eingeschweisst gewesen. Er habe AA._ mehrere Aufträge
gegeben, solche Stauboxen zu schweissen. Eines Tages sei ihm von Leuten, die
im Auftrag der Serben agierten, mitgeteilt worden, das AE._ seine Hydroan-
lagen verkaufe, seine Schulden begleiche, alles verkaufe und sich nach Serbien
absetzen wolle. Er habe erfahren, dass die Lieferung, die er hätte beaufsichtigen
sollen, nicht am Ziel angekommen sei. Die Serben hätten ihm und AA._ den
Auftrag gegeben, AE._ festzuhalten bis sie da seien, sie würden am nächs-
ten Tag aus dem Ausland kommen.
Der Beschuldigte hielt in dieser Einvernahme vom 26. Februar 2018 an seiner
Darstellung fest, dass AE._ im Dachstock von ihm festgehalten worden und
an einem Balken festgebunden worden sei. Bezüglich der Frage, wann V._
- 51 -
erfahren habe, dass AE._ bei ihnen gewesen sei in der Nacht vom 27. April
auf den 28. April 2016 berief sich der Beschuldige auf sein Aussageverweige-
rungsrecht (Urk. D1/02/17 S. 11). Von den Baggerarbeiten zwecks Beseitigung
der Leiche habe sie nichts realisiert (Urk. D1/02/17 S. 11).
Auf die Frage, was er mit der Mitteilung an seine Frau "säg AA._ nid z viu"
gemeint habe, erklärte er, er habe gemeint, sie solle AA._ nicht zu viel von
der Firma erzählen. Es sei aber auch um das Privatleben gegangen. AA._
habe immer nachgehorcht wegen der Chatterei von V._ und ihm (Urk.
D1/02/18 S. 13).
Am 28. April 2016 seien die Serben kurz vor AA._ bei ihm angekommen. Er
habe mit den Serben zuvor grob abgemacht, wann sie ungefähr kommen würden.
Er habe ein Natel gehabt, mit welchem er mit den Serben Kontakt gehabt habe.
Das hätte er eingesetzt, wenn etwas schief gegangen wäre (Urk. D1/02/18 S. 14
f.). Die Serben hätten ihm dieses Telefon für den Kontakt zu ihnen zur Verfügung
gestellt. Dieses Telefon sei jede Woche ausgetauscht worden, oder sie hätten die
Telefone bei den Anlaufadressen austauschen können. AA._ habe auch so
ein Austauschtelefon gehabt, als er (Beschuldigter) viel im Ausland gewesen sei.
Als er wieder in der Schweiz gewesen sei, habe AA._ sein Serben-
Mobiltelefon wieder abgegeben. Ende April 2016 habe AA._ keines gehabt
(Urk. D1/02/18 S. 15).
Der Beschuldigte verweigerte die Aussage zum Geldbetrag, für dessen Bezah-
lung ihm der Serbe nach der Tötung von AE._ eine Frist von 10 Tagen ange-
setzt hatte, er sprach jedoch von mehreren Fr. 100'000.– (Urk. D1/02/18 S. 21 f.).
In dieser Einvernahme wurde aufgrund der rückwirkenden Teilnehmeridentifikati-
on eruiert, wann der Beschuldigte am 28. April 2016 am Vormittag mit V._ te-
lefoniert hatte. Dies war ca. 09.30 Uhr. Gemäss Aussagen des Beschuldigten war
dies der Zeitpunkt, als die Serben bei ihm auftauchten. Kurz nachher sei
AA._ eingetroffen. Es ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich 16
Minuten nach dem angeblichen Eintreffen der Serben eine Verbindung zwischen
- 52 -
dem Mobiltelefon des Beschuldigten und demjenigen von AA._ feststellen
lässt (Urk. D1/02/18 S. 23).
2.2.1.16. Polizeiliche Einvernahme vom 6. März 2018 (Urk. D1/02/19)
Der Beschuldigte wurde aufgefordert, sich zu den Hintergründen der beiden Tö-
tungsdelikte zu äussern. Er führte aus, er habe AE._ glaublich im Sommer
2014 getroffen im Zusammenhang mit seiner Erwerbstätigkeit als Chauffeur.
AE._ sei unzufrieden gewesen mit seinem Arbeitgeber und habe ihn gefragt,
ob er für ihn fahren dürfe. Das habe er nicht gewollt, da AE._ zu wenig Erfah-
rung gehabt habe. Im Gespräch habe er erwähnt, dass er mit seiner Firma nicht
vorwärts komme. Da habe AE._ gesagt, er habe eine Idee. Es sei darum ge-
gangen, "Sachen" zu transportieren. Er habe nicht wissen dürfen, was in den Pa-
keten gewesen sei. Er habe ein paar Mal so einen Transport gemacht. Auch
AA._ habe Pakete mitgenommen und habe eines Tages zu ihm gesagt, er
wisse, was in den Paketen drin sei (Urk. D1/02/19 S. 5). Er selber wisse nicht,
was in den Paketen gewesen sei, habe AE._ nicht fragen dürfen und habe
nur eine Vermutung, dass Drogen drin gewesen seien (Urk. D1/02/19 S. 6).
AA._ habe von dem Zeitpunkt an, in welchem er gewusst habe, was in den
Paketen gewesen sei, eine Beteiligung an dem Geschäft gewollt. Er (Beschuldig-
ter) habe pro Paket Fr. 1'500.– im Schnitt bekommen. AA._ habe Fr. 500.–,
er Fr. 1'000.– bekommen. Er habe das Geld von AE._ in Bar bekommen und
AA._ in Bar weitergegeben. Nach einer gewissen Zeit habe er sich einen
Stock von ca. Fr. 60'000.– ansparen können. AE._ habe ihm gesagt, er be-
komme ab diesem Betrag ein Investment von den Serben. AE._ habe ihm
vorgeschlagen, dass er bei den Serben Geld aufnehmen könne. Man könne 100
Prozent investieren in den Einkauf von Drogen, diese gewinnbringend verkaufen
und nach 2 oder 3 Tagen 125 Prozent zurückzahlen. Er habe zwei oder drei Mal
ein solches Investment gemacht. Eine Fuhr sei gemäss AE._ im Ausland
aufgeflogen. Sie hätten dann zu den Serben gehen müssen und schildern, was
passiert sei. Die Serben seien in BE._ gewesen, er glaube an der ...-strasse.
Er sei mit AE._ zu diesen gegangen. Sie hätten ihnen gesagt, wohin sie fah-
ren müssen, um die Serben zu treffen. Man habe vorgängig mit diesen Leuten
- 53 -
keinen Kontakt aufgenommen, sei einfach dorthin gefahren (Urk. D1/02/19 S. 8
f.). AE._ sei jeweils aus dem Auto ausgestiegen und habe eine Zigarette ge-
raucht, dann seien sie plötzlich aufgetaucht und hätten ihnen gesagt, wohin sie
fahren müssten. Er wisse nicht, wie derjenige heisse, der herausgekommen sei,
er habe nur einmal den Namen BR._ gehört. Er wolle sich nicht dazu äus-
sern, wie hoch der Betrag gewesen sei, der weggekommen sei, es sei ein grösse-
rer Betrag gewesen (Urk. D1/02/19 S. 9). AE._ und er hätten dann für die
Serben Aufträge ausführen müssen. AE._ habe für die Serben Autos stehlen
müssen, und er habe als Späher agiert, habe nach Autos Ausschau gehalten. Die
Serben hätten ziemlich teure Autos gemietet. Er habe den Schlüssel bekommen
und habe das Fahrzeug ins Ausland fahren müssen. Dort sei der Schlüssel nach-
gemacht worden. Später hätten die Serben das Fahrzeug beim Vermieter stehlen
lassen. Das hätten sie ein paar Mal, sicher 40 Mal, gemacht und hätten mit der
Zeit ihre Schulden abgearbeitet. Dann habe er Fr. 50'000.– von seiner Mutter als
Erbvorbezug erhalten und habe Fr. 40'000.– für zwei oder drei Investments ein-
gesetzt. Es seien dann noch Fr. 20'000.– oder Fr. 30'000.– offen gewesen. Die
Serben hätten gesagt, AE._ und er dürften das abarbeiten, sie sollten einen
Lastwagen stehlen. Er habe bei BV._ den Lastwagen beschafft und sei damit
nach Belgrad gefahren. Dort hätten sie ein Stau-Fach unter dem Chassis ge-
macht. Die Schulden seien nach der widerrechtlichen Aneignung des Lastwagens
beglichen gewesen. Er und AE._ hätten aber ihren Stock bei den Serben
wieder aufbauen wollen und hätten aus diesem Grund weitergemacht. Die Mög-
lichkeit mit dem schnellen Verdienst sei einfach zu verlockend gewesen. Es wäre
nicht mehr so lange gegangen, bis man zu Geld gekommen wäre, das man hätte
in die Firma stecken können. Es sei gut gelaufen, bis AE._ alles, d.h. die
Hydroanlagen, verkauft habe. Von dem Typen in BE._ habe er vernommen,
dass AE._ verschwinden wolle. AE._ hätte eine Fuhr Drogen beaufsich-
tigen sollen. Es sei um Transport von Drogen von Serbien oder Polen nach
CU._ gegangen. Die Fuhr sei verschwunden. An dieser Fuhr seien fünf Par-
teien beteiligt gewesen. Er und AE._ hätten je gleich viel investiert, wobei er
nicht sage, wieviel. AA._ habe Fr. 40'000.– eingeschossen. Ein Albaner habe
Geld investiert und auch die Serben hätten Ware eingekauft. Der von BE._,
- 54 -
er glaube BR._, habe ihm gesagt, dass diese Fuhr nicht am Ziel angekom-
men sei. AE._ habe gesagt, dass er nichts damit zu tun habe (Urk. D1/02/19
S. 13). Es habe dann geheissen, dass AA._ und er AE._ festhalten sol-
len, es seien Probleme zu klären. Am Abend, als er mit AA._ AE._ habe
festhalten müssen, habe dieser zugegeben, dass er die Ware noch habe, ihnen
aber nicht verrate, wo sie sei (Urk. D1/02/19 S.13).
Auf die Frage, wer die Serben seien, erklärte der Beschuldigte, er wisse es nicht,
kenne ihre Namen nicht. Er könne höchstens sagen, wie man an sie herankom-
me. Die erste Anlaufstelle sei BE._. Er wisse, dass BG._ und AW._
immer noch Kontakt zu ihnen hätten. Das wisse er aufgrund seines Informanden
im Gefängnis, den er nicht preisgebe (Urk. D1/02/19 S. 15 f.). Auf die Aufforde-
rung hin, er solle die Polizei zu der Person führen, welche ihn mit den Morden be-
auftragt habe, antwortete der Beschuldigte, er müsse zuerst überlegen, wie er da
ran komme. Er würde das am 16. März sagen (Urk. D1/02/19 S. 17). Auf Vorhalt,
dass er in früheren Einvernahmen davon gesprochen habe, dass er der serbi-
schen Mafia ein Darlehen von Fr. 65'000.– nicht habe zurückzahlen können, in-
klusive Zins habe die Mafia Fr. 80'000.– von ihm verlangt, und auf die Frage,
weshalb er nicht von Anfang an gesagt habe, dass es mehrere Fr. 100'000.– ge-
wesen seien, erklärte der Beschuldigte, die Beträge, die er angegeben habe, sei-
en Schutzbehauptungen gewesen. Er mache keine Aussagen zur aktuellen Höhe
seiner Schulden bei der serbischen Mafia (Urk. D1/02/19 S. 18).
2.2.1.17. Polizeiliche Einvernahme vom 16. März 2018 (Urk. D1/02/20)
Betreffend das Tötungsdelikt zum Nachteil von AE._ verweigerte der Be-
schuldigte die Aussage zur Frage, was V._ wusste (Urk. D1/02/19 S. 5 f.).
Auf Vorhalt der Aussage von V._, wonach sie gewusst habe, dass der Be-
schuldigte und AE._ Krach gehabt hätten, weil sie vor gehabt hätten, Drogen
von Serbien in die Schweiz zu schmuggeln, wofür der Beschuldigte Fr. 40'000.–
investiert habe und ihr gesagt habe, es sei eine sichere Sache und man könne
schnell Geld damit verdienen, erklärte der Beschuldigte, sie habe nur von den
zweiten Fr. 40'000.– gewusst, die er aus dem Erbe investiert habe. Die ersten in-
vestierten Fr. 40'000.– habe er durch Transporte erwirtschaftet (Urk. D1/02/20 S.
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6). Die ersten Fr. 40'000.– seien ungefähr im Jahre 2014/2015 aufgrund einer Po-
lizeiaktion verloren gegangen. Er wisse nicht, wo die ersten Fr. 40'000.– verloren
gegangen seien. Man habe nicht fragen dürfen, und man hätte ihnen keine Aus-
kunft gegeben diesbezüglich (Urk. D1/02/20 S. 7 f.). Er habe für einen Transport
Fr. 40'000.– investiert, habe aber nicht gewusst, für welche Ware. Man setze das
Geld ein, wisse aber nicht, für was, und erhalte nachher 25 % Gewinn (Urk.
D1/02/20 S. 7).
Bezüglich der zweiten Fr. 40'000.– habe AE._ Ware verschwinden lassen.
Es habe sich um eine grosse Ladung gehandelt, in die nicht nur er, sondern auch
die Serben und ein Albaner investiert hätten. Dies sei rund ein bis eineinhalb Wo-
chen vor der Tat gewesen. Er wolle sich nicht dazu äussern, wieviel Geld er bei
dieser Ladung verloren habe, es sei viel mehr gewesen (Urk. D1/02/20 S. 8 und
S. 13).
Der Beschuldigte beschrieb in dieser Einvernahme die Kontaktperson namens
BR._ in BE._, die man habe kontaktieren müssen, wenn etwas Drin-
gendes gewesen sei. Man habe draussen im Auto warten müssen, dann sei er
spätestens nach 15 Minuten rausgekommen. Man habe am Abend zwischen 19
Uhr und 20 Uhr vor sein Haus fahren und neben dem Auto warten können, dann
habe er aus der Wohnung gesehen, dass er da gewesen sei. Der Beschuldigte
bezeichnete auf einem Karten-Bild von Google Earth die Liegenschaft ...-strasse
... in AT._-BE._. Er wisse nicht, in welcher Wohnung dieser BR._
wohnte (Urk. D1/02/20 S. 20). Er sei mehrmals mit AE._, einmal sei
AV._ und etwa 6 Mal allein, insgesamt etwa 20 Mal bei diesem BR._
gewesen. Von BR._ habe jeder von ihnen ein Mobiltelefon erhalten. Die Mo-
biltelefone seien wöchentlich ausgetauscht worden (Urk. D1/02/20 S. 21).
BR._ sei auch bei Treffen der Serben dabei gewesen (Urk. D1/02/20 S. 24).
Man habe die Serben nicht selber anrufen können, habe aber Anrufe und Nach-
richten von den Serben erhalten. Das eigene Mobiltelefon hätten sie bei Einsät-
zen bei AE._ lassen müssen. Sie seien meistens vom Wohnort von
AE._ gestartet. Er habe mehr als 20 Mal seine Frau vor so einem Einsatz
angerufen und ihr gesagt, sie müsse die Polizei verständigen, wenn etwas passie-
- 56 -
re (Urk. D1/02/20 S. 21). Er habe etwa 13 oder 14 Überführungen von Autos mit
manipuliertem Tacho machen müssen, habe jeweils auf das Serbenmobiltelefon
die Adresse mitgeteilt bekommen. Er habe kein Entgelt dafür erhalten, da er seine
Schulden habe abarbeiten müssen. Er habe Autos klauen oder diese Überführun-
gen machen können (Urk. D1/02/20 S. 22 f.).
Auf die Frage, was der Nutzen der Serben daran gewesen sei, ihm mehrere
Fr. 100'000.– zu geben, erklärte der Beschuldigte, diese hätten auch 25 Prozent
Gewinn gemacht (Urk. D1/02/20 S. 25).
BR._ habe ihm etwa eineinhalb Wochen vor der Tötung von AE._ er-
zählt, er habe gehört, dass AE._ abhauen wolle, dass er am Verkaufen der
Hydroanlagen sei (Urk. D1/02/20 S. 26 f.). BW._ habe ihm erzählt, dass
AE._ seine Hydroanlagen am Verkaufen sei (Urk. D1/02/20 S. 27).
2.2.1.18. Polizeiliche Einvernahme vom 21. März 2018 (Urk. D1/02/21)
Der Beschuldigte bestätigte, dass er jede Woche von den Serben ein neues Mo-
biltelefon erhalten habe. Er habe jeweils anfangs Woche von AE._ erfahren,
wo er das Mobiltelefon tauschen könne. Er habe es meistens so geregelt, dass,
wenn er in AT._ an der ...-strasse gewesen sei und das Auto dort parkiert
habe, die Serben ihm ein neues Telefon ins Auto gelegt hätten und das alte mit-
genommen hätten. Er wisse nicht, wer die Telefone getauscht habe. Die Kommu-
nikation habe schriftlich per SMS funktioniert, angerufen worden sei er nur ganz
selten. Er kenne die Namen nicht, könne die Männer aber von der Stimme her
zuordnen. Meistens sei man zu zweit gewesen, wenn man den Auftrag gefasst
habe. Er habe schriftlich mitgeteilt bekommen, wann er wo zu sein habe. Vor Ort
habe er erfahren, was laufe (Urk. D1/02/21 S. 2). Der Beschuldigte beschrieb die
beiden Personen, die die Aufträge persönlich gaben (Urk. D1/02/21 S. 4). Bei ei-
nem Treffen in BX._ habe er den Auftrag erhalten, welcher zur Tötung von
M._ geführt habe (Urk. D1/02/21). Bei diesem Treffen seien drei Personen
anwesend gewesen. Der serbische Geschäftsmann, der Auftraggeber Nr. 2 und
noch einer von den Serben, der auch bei der Tötung von AE._ dabei gewe-
sen sei und am Hals ein Tatoo gehabt habe. Der serbische Geschäftsmann habe
- 57 -
ihm gesagt, er solle einen Lastwagen klauen und diesen verkaufen, damit er
schneller sein Geld kriege (Urk. D1/02/21 S. 7). Auf die Frage, ob er bis zu die-
sem Zeitpunkt schon bedroht worden sei vom serbischen Geschäftsmann, ant-
wortete der Beschuldigte, bis zu diesem Zeitpunkt sei dies nicht der Fall gewesen,
er habe einfach Druck ausgeübt, aber richtig gedroht habe er noch nicht
(Urk. D1/02/21 S. 8). Auf Vorhalt, dass er in seinem schriftlichen Geständnis aus-
geführt habe, er sei schon in BI._ ca. 10 Tage nach der Tötung von
AE._ abgefangen worden, und es seien ihm Fotos von seiner Familie und
der Familie von AA._ gezeigt worden, hielt der Beschuldigte daran fest, dass
er dort bedroht worden sei (Urk. D1/92/21 S. 8). Das Treffen in BX._ liege
zwischen der Tötung von AE._ und dem Abfangen in BI._, habe drei
oder vier Tage nach der Tötung von AE._ stattgefunden (Urk. D1/02/21 S. 9).
Auf die Frage, weshalb er nicht schon früher in der Untersuchung von diesen
Handys erzählt habe, welche ausgetauscht worden seien, erklärte der Beschul-
digte, er habe bisher immer zu verschleiern versucht, in was für Aktivitäten er
verwickelt gewesen sei. Weil AE._ sich nicht mehr dazu äussern könne, ha-
be er ihn nicht noch mehr in ein schlechtes Licht rücken wollen, da er sich nicht
rechtfertigen könne. Das mache man nicht, dass er tot sei, sei schlimm genug
(Urk. D1/02/21 S. 11).
Neben BR._ habe auch BG._ gewusst, wo der serbische Geschäfts-
mann gewesen sei (Urk. D1/02/21 S. 12). Sie habe für ihn mehrmals Kontakt her-
gestellt zum serbischen Geschäftsmann. Einmal sei er bei ihr im 10. Stock gewe-
sen, auch AE._ sei anwesend gewesen. Es sei darum gegangen, dass der
Käufer, dem er Ware hätte übergeben sollen, nicht anwesend gewesen sei. Er
wisse nicht, was es für Ware gewesen sei. Sein Begleiter sei bei diesem Trans-
port AE._ gewesen. Weil der Käufer nicht am vereinbarten Ort gewesen sei,
seien sie zu BG._ gegangen. Sie habe ein Telefon gemacht und es habe ge-
heissen, die Ware müsse nach BY._ im Kanton BZ._ (Urk. D1/02/21
S. 14 f.). Zweimal sei er bei BG._ gewesen, weil einer nicht habe zahlen wol-
len. Ein viertes Mal sei er bei BG._ gewesen, wisse aber nicht, worum es
dann gegangen sei (Urk. D1/02/21 S. 22). Von BG._ habe er 8 oder 9 Tele-
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fone von der Serbenmafia erhalten. Die Telefone habe er nur im Notfall verwen-
den dürfen, daran habe er sich gehalten und Kontakt zur Serbenmafia nur über
BR._, BG._ und für Geldbezüge bei AG._ gehabt (Urk. D1/02/21 S.
23 f.).
Auf die Aufforderung, genau zu schildern, wo, wann und unter welchen Umstän-
den, er den Auftrag in AT._ ein paar Tage vor dem Vorfall bekommen habe,
AE._ festzuhalten, erklärte der Beschuldigte, die Aussage zu verweigern
(Urk. D1/02/21 S. 24). Dann erklärte er, er mache eine Teilaussage. Er habe den
Auftrag erhalten, dass er und AA._ AE._ festhalten sollten. Er habe den
Auftrag an AA._ weitergeleitet. AA._ sei an der Sache so wie er beteiligt
gewesen (Urk. D1/02/21 S. 25). Zur Frage, wie es zum Treffen mit dem Auftrag-
geber gekommen sei und wann es stattgefunden habe, verweigerte er die Aussa-
ge (Urk. D1/02/21 S. 26).
In dieser Einvernahme räumte der Beschuldigte ein, dass er mit AE._ in der
Nacht aus dem Estrich in den unteren Stock ins Kinderzimmer gegangen sei, weil
es oben sehr kalt gewesen sei (Urk. D1/02/21 S. 19). Als V._ am nächsten
Morgen aus dem Haus gegangen sei, habe er ihr gesagt, sie solle den ganzen
Tag weg sein (Urk. D1/02/21 S. 20).
2.2.1.19. Polizeiliche Einvernahme vom 27. März 2018 (Urk. D1/02/22
Der Beschuldigte sagte in dieser Einvernahme erstmals aus, er habe AE._
privat Geld gegeben, da er Probleme gehabt habe mit Mietschulden. Insgesamt
habe er ihm Fr. 30'000.– bis Fr. 50'000.– gegeben, erstmals im November/ De-
zember 2015, wann es das letzte Mal gewesen sei, wisse er nicht mehr
(Urk. D1/02/22 S. 4).
Beim Gespräch mit AE._ am 27./28. April 2016 habe AE._ zuerst abge-
stritten, dann habe er es zugegeben (Urk. D1/02/22 S. 5). Er erinnere sich nicht
genau, was AE._ über die Ladung erzählt habe (Urk. D1/02/22 f.). Der Be-
schuldigte machte keine Angaben zum Wert der Ware, die AE._ habe ver-
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schwinden lassen und nicht zum Betrag, den er selber und AA._ in diesen
Transport investiert hätten (Urk. D1/02/22 S. 7).
Auf Vorhalt der Mitteilungen von H._ mit drohendem Inhalt räumte der Be-
schuldigte ein, dass er AA._ davon in Kenntnis gesetzt habe, da er ihn habe
warnen wollen (Urk. D1/02/22 S. 16 f.). AA._ sei anwesend gewesen, als
AE._ getötet worden sei (Urk. D1/02/22 S. 17). Auf Vorhalt, dass diese Aus-
sage aufgrund der Antennenstandorte von AA._s Handy und der geführten
Gespräche zu diesem Zeitpunkt nicht stimmen könne (Urk. D1/02/22 S. 17 f.),
hielt der Beschuldigte an seiner Darstellung fest und erklärte, es gebe Beweismit-
tel dafür (Urk. D1/02/22 S. 18).
Auf die Frage, woher er das Geld genommen habe, welches er im Betrage von
Fr. 30'0000.– bis Fr. 50'000.– AE._ geliehen habe, erklärte der Beschuldigte,
er habe eine kleine Beteiligung gehabt an seinen Hydroanlagen.
2.2.1.20. Polizeiliche Einvernahme vom 5. April 2018 (Urk. D1/02/25)
Diese Einvernahme erfolgte im Zusammenhang mit dem von der Verteidigung
gestellten Antrag auf Ermittlung/Befragung der vom Beschuldigten bezeichneten
Person namens BR._. Der Beschuldigte sagte aus, er habe diesen
BR._ einige Male gesehen, wenn er Kontakt hergestellt habe. Es seien ge-
schätzt 20 Mal gewesen. Er wisse nicht, ob BR._ ein Spitzname oder der
Taufname dieser Person sei (Urk. D1/02/25 S. 4). Der Beschuldigte erstellte zu-
dem eine Zeichnung betreffend den Ort, an welchem er diesen BR._ jeweils
getroffen habe (Urk. D1/02/25 S. 5). Er habe jeweils nicht länger als eine Viertel-
stunde dort stehen müssen, bis BR._ ihn gesehen habe. BR._ sei dann
einfach herausgekommen, er wisse nicht, wie BR._ gemerkt habe, dass er
dort gewesen sei, ob er aus der Wohnung Blick auf die Strasse gehabt habe (Urk.
D1/092/25 S. 6). Zwischen 19.00 Uhr und 21.00 Uhr sei immer jemand herausge-
kommen. BR._ habe verschiedene Male Arbeitskleidung in grauer Farbe ge-
tragen. Er müsse etwas Handwerkliches machen und - da die Arbeitskleidung
sauber gewesen sei - am ehesten in der Produktion (Urk. D1/02/25 S. 7).
BR._ sei muskulös, ein Kraftprotz, sodass es bald nicht mehr natürlich ge-
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wesen sei. Er wisse nicht, ob er Steroide genommen habe (Urk. D1/02/25 S. 8).
BR._ sei zwischen 185-190 cm gross, muskulös gepanscht breit, nicht über-
gewichtig, eher fülliges Gesicht, ca. 35 Jahre alt, habe Tätowierung am linken Un-
terarm über den Ellbogen Richtung Oberarm (Urk. D1/02/25 S. 8).
2.2.1.21. Polizeiliche Einvernahme vom 5. April 2018 (Urk. D1/02/26)
Diese Einvernahme bezieht sich auf den Versicherungsnachweis in Bezug auf die
Probefahrt mit dem Sattelzug von M._. In diesem Punkt ist der vor-
instanzliche Schuldspruch betreffend Fahren ohne Haftpflichtversicherung in
Rechtskraft erwachsen, weshalb auf diese Einvernahme nicht mehr weiter einzu-
gehen ist.
2.2.1.22. Polizeiliche Einvernahme vom 23. April 2018 (Urk. D1/02/28)
Die Einvernahme dreht sich am Anfang um die Frage, ob AE._ nach der
Überwältigung durch den Beschuldigten und AA._ auf den Estrich oder in die
Küche gebracht wurde (Urk. D1/02/28 bis S. 9). Auf Vorhalt der Aussagen von
AA._, wonach AE._ in die Küche gebracht worden sei, erklärte der Be-
schuldigte, das stimme nicht, er könne das mit Aufzeichnungen der Videokamera
beweisen. Diese Aufzeichnungen würden sich in einem Versteck bei einer Dritt-
person befinden (Urk. D1/02/28 S. 6). Er gebe momentan die Aufzeichnung nicht
heraus, weil er sowieso als Lügner dargestellt werde und eh nur der Buhmann sei
(Urk. D1/02/28 S. 8).
Es stimme nicht, wenn V._ aussage, dass sie beim Toilettengang von
AE._ dabei gewesen sei und die Waffe in der Hand gehalten habe
(Urk. D1/02/28 S. 12). Es stimme auch nicht, dass sie sich gemäss den Aussagen
von AA._ aktiv an der Diskussion mit AE._ beteiligt habe (Urk. D1/02/28
S. 19).
Der Beschuldigte erklärte erneut, er sage nicht, um welches Geld und welche Wa-
re es gegangen sei, weil AE._ voll drin gewesen sei und sich heute nicht
rechtfertigen könne, das mache er aus Respekt ihm gegenüber nicht
(Urk. D1/02/28 S. 22). Er habe mitgeteilt bekommen, dass die Ware nicht ange-
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kommen sei, dass sich AE._ mit der Ware aus dem Staub gemacht habe und
alles am Verkaufen sei und sie ihn festhalten sollten (Urk. D1/02/28 S. 23). Er
mache keine Aussagen dazu, um welche Menge es gegangen sei (Urk. D1/02/28
S. 23). V._ habe Kenntnis von den Drogengeschäften gehabt, sei aber nicht
aktiv gewesen. Sie habe gewusst, wofür das Geld eingesetzt werde
(Urk. D1/02/28 S. 24).
Nach dem Telefongespräch mit V._ am 28. April 2016 vor dem Eintreffen der
Serben habe er sein Handy bei den Paletten draussen unter dem Vordach abge-
legt. Auf Vorhalt der Anrufversuche von seinem Handy in der Zeit, in welcher nach
seiner Darstellung die Serben hätten bei ihm sein müssen, erklärte der Beschul-
digte, er glaube, das Handy habe selbständig Anrufversuche getätigt
(Urk. D1/02/28 S. 37). Er nehme an, das sei die automatische Rückruffunktion
gewesen, diese baue die Verbindung automatisch wieder auf, wenn man wieder
Netz habe. Das Netz sei bei ihm schlecht gewesen (Urk. D1/02/28 S. 38). Die An-
rufe, welche vom Handy von AA._ und auf dessen Handy getätigt wurden in
der Zeit, in welcher AA._ nach Darstellung des Beschuldigten bei ihm gewe-
sen sei, als die Serben da waren, erklärte der Beschuldigte damit, dass AA._
möglicherweise sein Handy in der Werkstatt gelassen habe und sein Kollege In-
go, der AA._ unregelmässig in der Werkstatt geholfen habe, Anrufe auf dem
Handy von AA._ entgegen genommen oder selber getätigt habe (Urk.
D1/02/28 S. 34). Auf Vorhalt, dass er in der Zeit, als die Serben nach seiner Dar-
stellung bei ihm gewesen seien, mit zwei verschiedenen Mobiltelefonen versucht
habe, AA._ anzurufen, erklärte der Beschuldigte, er könne keine Stellung
nehmen dazu (Urk. D1/02/28 S. 39).
Auf Vorhalt, dass V._ ausgesagt habe, dass sie am 28. April 2016 nach dem
Einkauf in der Migros um 09.39 Uhr direkt nach Hause gefahren sei
(Urk. D1/02/28 S. 46 f.) und die Serben noch hätte antreffen müssen, erklärte der
Beschuldigte, das stimme nicht, sie habe das nur gesagt, weil sie von den Einver-
nehmenden beeinflusst worden sei (Urk. D1/02/28 S. 47).
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2.2.1.23. Schlusseinvernahme vom 18. Dezember 2018 (Urk. D1/02/29)
In der Schlusseinvernahme vom 18. Dezember 2018 sagte der Beschuldigte be-
treffend das Tötungsdelikt zum Nachteil von M._ sel. aus, er bestätige ganz
klar nicht, dass AA._ und V._ bereits im Zeitpunkt der Tatplanung mit
der Tötung von M._ gerechnet hätten. Auch den Punkt mit den Fr. 10'000.–
bestätige er nicht. Ansonsten verweise er auf seine bisherigen Aussagen (Urk.
D1/02/29 S. 9 f.). Bezüglich des Zeitpunkts, in welchem AA._ und V._
mit der Tötung von M._ gerechnet haben, verwies der Beschuldigte auf seine
schriftliche Stellungnahme (Urk. D1/02/29 S. 10).
Betreffend das Tötungsdelikt zum Nachteil von AE._ verwies der Beschuldig-
te über weite Strecken auf seine schriftliche Stellungnahme (Urk. D1/02/29 S. 26).
Er sagte aus, er wisse nicht, was AA._ und AE._ miteinander kommuni-
ziert hätten. Von den Fr. 400.– habe er nichts gewusst (Urk. D1/02/29 S. 26). Das
mit der Küche stimme nicht, er verweise auf seine schriftliche Stellungnahme. Die
Erstellung des Kaufvertrages für den BMW insbesondere das Imitieren der Unter-
schrift von AE._ gab der Beschuldigte zu (Urk. D1/02/29 S. 33).
Bezüglich Dossier 3 sagte er aus, er habe nicht alle Dokumente gefälscht, wollte
jedoch keine Aussagen dazu machen, welche Unterlagen er gefälscht habe
(Urk. D1/02/29 S. 35). Es sei ihm bei der Stellenbewerbung nicht um den Vermö-
gensvorteil gegangen, vielmehr habe er untertauchen wollen. Bei CA._ hätte
er im Ausland fahren müssen und wäre weggewesen aus der Schweiz. Er sei
nicht zur Probefahrt erschienen, weil ihm klar geworden sei, dass es das Problem
nicht löse, wenn er einfach davonlaufe (Urk. D1/02/29 S. 36).
Dossier 4 wurde vom Beschuldigten grundsätzlich anerkannt, er machte jedoch
geltend, die Fr. 1'000.–, die er erhalten habe, seien nicht für seine Mithilfe, son-
dern für Auslagen wie Diesel und Maut gewesen und er habe gegenüber der Ver-
sicherung keine Stellungnahme abgegeben, vielmehr habe er Herrn I._ am
Telefon immer wieder abgewimmelt (Urk. D1/02/29 S. 39).
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Bezüglich Dossier 5 erklärte der Beschuldigte, es stimme nicht, dass V._
gewusst habe, dass das Fahrzeug als gestohlen gemeldet worden sei. Sie sei
einfach vor vollendete Tatsachen gestellt worden. Es stimme, dass sie ihn auf
dem Posten abgeholt habe (Urk. D1/02/29 S. 41). Es treffe nicht zu, dass wahr-
heitswidrige Rechnungen ausgestellt worden seien. Aus dem Fahrzeugprüfbericht
gehe detailliert hervor, welche Dinge am Fahrzeug ausgewechselt werden muss-
ten (Urk. D1/02/29 S. 41). Er bestritt, das Fahrzeug absichtlich in Brand gesteckt
zu haben (Urk. D1/02/29 S. 42).
Betreffend Dossier 6 anerkannte der Beschuldigte den Abschluss des mündlichen
Kaufvertrags und verwies im Übrigen auf seine schriftliche Stellungnahme
(Urk. D1/02/29 S. 43).
Dossier 9: Der Beschuldigte hielt daran fest, dass es sich bei der Belastung von
AG._ nicht um eine Schutzbehauptung handelte (Urk. D1/02/29 S. 45).
Dossier 11: Der Beschuldigte erklärte, der Einbruch habe stattgefunden. Es seien
aber nicht alle aufgelisteten Gegenstände weggekommen. Das Bargeld der
CB._ AG sei wirklich weggekommen. Nur er habe Anzeige erstattet, V._
nicht (Urk. D1/02/29 S. 50).
2.2.1.24. Schriftliche Stellungnahme vom 27. August 2019 (Urk. 160)
In seiner schriftlichen Stellungnahme für das Gericht vom 27. August 2019
(Urk. 160) beschrieb der Beschuldigte, wie er mit AE._ Drogentransporte mit
Fahrten nach Serbien und innerhalb der Schweiz ausgeführt und Geldinvestments
bei den Serben gemacht habe. Bis er die Fr. 40'000.– aus dem Erbvorbezug in-
vestiert habe, habe er V._ nichts erzählt von den Drogengeschäften. Erst
dann habe sie davon erfahren. Sie habe nicht gewusst, dass AA._ dabei ge-
wesen sei (Urk. 160 S. 8). Ferner legte er dar, dass er an der Verschiebung ge-
stohlener Autos beteiligt gewesen sei. Er habe AE._ Fr. 10'000.– geliehen für
seine Mietschulden, da er sonst hätte unterbrechen müssen mit den Drogenge-
schäften, die er mit ihm gemacht habe. Sie hätten zusammen einige Fr. 100'000.–
von den Serben aufgenommen (Urk. S. 160). Als eine Lieferung nicht angekom-
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men sei, habe das angefangen, was heute im Raum stehe. Die Serben hätten ihm
gesagt, er müsse sich einen LKW beschaffen durch Entwendung. Es sei ihm ge-
zeigt worden, wie man dies mache, und er habe dies bei der Firma BV._ AG
dann auch getan.
AE._ habe sich nach Serbien absetzen wollen. Eines Tages sei ihm von Leu-
ten, die im Auftrag der Serben agiert hätten, mitgeteilt worden, dass AE._
seine Hydroanlagen verkaufe, seine Schulden bei Freunden begleiche und alles
verkaufe. Sein BMW sei weggebracht worden, und sie hätten vermutet, dass er
ihm aus diesem Grund den BMW und den Mercedes noch nicht gebracht habe
(Urk. 160 S. 17). Er habe erfahren, dass die Lieferung, die AE._ hätte beauf-
sichtigen sollen, nicht am Ziel angekommen sei und er weg wollte. Er habe sich
an die Serben gewendet. Diese hätten ihm und AA._ den Auftrag gegeben,
AE._ so lange festzuhalten, bis sie da seien. Sie hätten gesagt, wenn sie ihn
hätten, sollten sie sich melden, sie würden am nächsten Tag zu ihm kommen. Es
sei nie die Rede davon gewesen, dass AE._ etwas passieren würde, es sei
nur darum gegangen, das Ganze zu klären (Urk. 160 S. 18). AA._ und er
hätten AE._ mit der Hydroanlage und Ware geködert, die er unbedingt ge-
wollt habe. AE._ sei davon ausgegangen, dass niemand zu Hause sei. Er
habe ein Auto bei der Milchannahmestelle in AI._ abgestellt. Nach der aufge-
flogenen Ladung habe er AE._ ein privates Darlehen gegeben, um die Ge-
schäfte wieder zu starten. Er habe ihm als Sicherheit dafür die Autos und die Hyd-
roanlagen gegeben. Er sei gezwungen gewesen, ihm das zu borgen, weil er ohne
ihn durch die Sprachbarrieren in Serbien und Kroatien Probleme gehabt hätte. Er
habe AE._ etwas mehr als Fr. 70'000.– geborgt, davon seien nach Abzug
des BMW und des Mercedes sowie bereits geleisteter Anzahlungen noch etwas
mehr als Fr. 30'000.– offen gewesen (Urk. 160 S. 18). Sie hätten beschlossen, ein
Ding zu machen, ohne die Serben. AE._ sei dann in CC._ in eine ganz
gefährliche Lage geraten, und er habe ihn mit ihren Leuten herausholen können
(Urk. 160 S. 18). Er sollte zusammen mit AA._ AE._ in AI._ in ei-
nen Hinterhalt locken und festhalten bis am nächsten Tag. V._ sei an jenem
Tag im Solebad oder sonst unterwegs gewesen und sei sehr knapp in AI._
angekommen, daher habe er alles allein machen müssen. Sie habe nur gewusst,
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dass sie mit ihm sprechen wollten und sei nicht begeistert gewesen, dass dies bei
ihnen zu Hause stattfinden sollte (Urk. 160 S. 18). Als AA._ und AE._
ausgestiegen seien, sei er aus dem Hinterhalt herausgekommen und habe
AE._ mit der Waffe vorne sichtbar in die Hose gesteckt erklärt, dass er sein
Domizil erst verlassen dürfe, wenn er das mit den Serben geklärt habe. Die Waffe
sei nicht geladen gewesen und nicht auf AE._ gerichtet, jedoch hätten er und
AA._ einen Pfefferspray gehabt. Danach sei AE._ von AA._ durch-
sucht worden, erst dann habe er die Beretta in der Hand gehalten. AA._ ha-
be AE._ die Hände auf dem Rücken gefesselt mit Kabelbindern, die er
(A._) aus dem Schrank unter dem Dach geholt habe. V._ sei im Wohn-
zimmer gewesen, während er, AA._ und AE._ zum Dachboden hoch
gegangen seien. Dort oben habe er AE._ mit langen Kabelbindern an einem
Balken festgebunden (Urk. 160 S. 29). Die langen Kabelbinder habe er suchen
müssen. V._ habe ihn gefragt, was er suche und gesagt, er solle in der
Werkstatt schauen (Urk. 160 S. 29). AA._ und V._ hätten den Ranger
und den Anhänger mit dem BMW darauf geholt. Als sie zurückgekommen seien,
habe er V._ den Mercedesschlüssel gegeben und gesagt, sie solle zusam-
men mit AA._ den Mercedes in AT._ holen. Sie sei genervt gewesen,
habe es aber gemacht (Urk. 160 S. 33). Seine SMS "Säg AA._ nid z viu" ha-
be sich nicht auf AE._ bezogen, sondern auf ihr Privatleben, da AA._
immer habe wissen wollen, wie das mit der offenen Ehe laufe (Urk. 160 S. 33).
Nachdem V._ wieder nach Hause gekommen sei, habe sie ihn gefragt, ob er
noch da sei, was er bejaht habe. Sie habe gesagt, er solle ihn herunterholen in
die Wärme, ihm etwas zum Essen und zum Trinken anbieten und ihm ermögli-
chen, auf die Toilette zu gehen (Urk. 160 S. 34). Er habe AE._ dann ins Kin-
derzimmer gebracht. Als AE._ habe zur Toilette gehen müssen, habe er
V._ die Tierschreckschusswaffe gegeben, er selber habe die Beretta getra-
gen (Urk. 160 S. 35). Es sei nie die Rede davon gewesen, dass AE._ ster-
ben würde, sonst hätte er ihn gehen lassen. Wenn er tot gewesen wäre, hätte er
nicht an Ware und Geld kommen können, was ihm wichtig gewesen sei (Urk. 160
S. 39). Am anderen Tag habe V._ das Haus früh verlassen und sei die Kin-
der holen gegangen. Er habe AE._ wieder auf den Dachboden gebracht.
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Während der Abwesenheit von V._ seien die Serben gekommen und seien
30 bis 40 Minuten bei ihm gewesen. Sie hätten AE._ in die Waschküche ge-
bracht, wo er AE._ die Hände habe befreien müssen. Dann habe der serbi-
sche Geschäftsmann AE._ befohlen, ihn anzugreifen und habe ihm ein Mes-
ser gegeben. Dieser habe begonnen, ihn anzugreifen (Urk. 160 S. 40). Er habe
AE._ das Messer aus der Hand nehmen können. Dann habe AE._ an-
gefangen, zu schlagen und zu treten, seine Schläge seien unkoordiniert und plan-
los gewesen. Er habe ihn (A._) mehrmals ins Gesicht getroffen, sodass sei-
ne Nase geblutet habe. AE._ sei aus dem Nichts plötzlich umgefallen. Der
Serbe habe zu ihm (A._) gesagt, er bekomme 10 Tage, keinen Tag mehr.
Die Serben seien ohne AE._ gegangen. Er habe AE._ gesagt, er wolle
wissen, wo die Ware und das Geld sei. AE._ habe gesagt, dass er es nicht
habe. In der Nacht habe er dagegen noch gesagt, er habe die Ware und das
Geld, aber er sage nicht wo. AE._ habe nach dem Messer gegriffen, welches
er ihm abgenommen habe und sei auf ihn zugekommen. Er habe AE._ eini-
ge Schläge verpasst, worauf dieser zu Boden gegangen sei und mit offenen Au-
gen nicht mehr reagiert habe. Die Serben seien zurückgekommen und der serbi-
sche Geschäftsmann habe ihm befohlen, AE._ zu töten. Er habe gesagt,
dass er das nicht tue. Der serbische Geschäftsmann habe gesagt, er habe die
Wahl, entweder sterbe AE._ oder er. Der Serbe habe gesagt, er solle
AE._ den Mund mit Klebband zukleben. AE._ sei von den Männern mit
einer Pistole bedroht worden. Der serbische Geschäftsmann habe ihm befohlen,
AE._ Mund und Nase richtig fest zuzukleben. Einer der Serben habe ihm ei-
ne Waffe an den Kopf gehalten. Er habe begonnen, AE._ das Klebeband
über Mund, Nase und Augen zu kleben. AE._s Haut habe sich verändert, sei
rot geworden, danach grünlich blau (Urk. 160 S. 42). AE._ habe versucht,
nach Luft zu ringen, habe den Kopf ganz schnell hin und her bewegt bis er ganz
langsam den Kopf zu senken begonnen habe und nach wenigen Sekunden aus
der sitzenden Position zu Boden gegangen sei und noch ein paar Mal gezuckt
habe bis er tot gewesen sei. Er sei gezwungen worden, alles mit anzuschauen.
Dann hätten die Serben sein Domizil verlassen. Er habe die Leiche von AE._
auf den Anhänger getan. Die Kleider, welche Blutspritzer von ihm aufgewiesen
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hätten, habe er ausgezogen und diese im Hausmüll entsorgt. Er habe die Bag-
gervermietung angerufen und einen Bagger bestellt für 17 Uhr. AE._s Handy
habe er im Feuer zerstört. Als V._ zurück gekommen sei, habe er ihr gesagt,
dass AE._ tot sei und er es nicht freiwillig gemacht habe, keine andere Wahl
gehabt habe (Urk.160 S. 45). V._ habe kein Wort mehr mit ihm gesprochen
und sei ihm aus dem Weg gegangen. Er habe ihr nicht mehr in die Augen schau-
en können (Urk. 160 S. 47). Er habe nach der Aushebung des Grabes V._
gebeten, ihm zu helfen. Sie habe dies nicht gekonnt und sei daneben stehen ge-
blieben. Sie sei ihm nur im Weg gewesen und sei extrem gereizt gewesen (Urk.
160 S. 47).
Nach Ablauf der 10 Tage sei er von den Serben abgefangen worden. Sie hätten
ihm eingebläut, wenn das Geld nicht unter ihren Bedingungen zurückbezahlt wer-
de, würden sie seine Familie töten. Sie hätten ihm Fotos von seiner Familie ge-
zeigt (Urk. 160 S. 51). Sie hätten ihm befohlen, wenn er den Lastwagen an sich
gebracht habe, müsse er den Zeugen töten, und sie hätten es auch bewiesen ha-
ben wollen, dass dies so gemacht wurde. Er wisse nicht, wieso sie es diesmal so
gemacht haben wollten, bisher sei es gegangen, ohne jemanden zu verletzen. Er
nehme an, sie hätten ihn noch mehr in der Hand haben wollen (Urk. 160 S. 51).
Beim ersten Treffen habe er M._ eine kurze Probefahrt vorgeschlagen. Die-
ser habe nicht ohne Kennzeichen und um diese Tageszeit gewollt. Hätte V._
gewusst, worum es ging, wäre sie nicht nach Q._ gekommen. Er habe
AA._ zuvor angerufen und ihm gesagt, er solle auf jeden Fall Handschuhe
mitnehmen. AA._ sei eingeweiht gewesen (Urk. 160 S. 53). Er habe V._
gesagt, dass AA._ einen LKW kaufe. Sie habe ihm das von Beginn weg nicht
geglaubt, sei aber trotzdem gekommen. Sie habe gedacht, es würde so laufen
wie bei AF._. Er habe während der Fahrt V._ angerufen und gesagt, sie
solle ihnen folgen, aber den Handel nicht stören (Urk. 160 S. 56). Beim ersten
Halt auf dem Kiesplatz, als sie alle drei im Fahrzeug gewesen seien, habe er die
Waffe hervorgeholt (Urk. 160 S. 57) und habe sie M._ vorgehalten. Er habe
AA._ Handschellen gegeben, um M._ zu fesseln. AA._ habe zu-
dem mit Klebeband Beine und Oberschenkel von M._ gefesselt, während er
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die Waffe gehalten habe (Urk. 160 S. 58). Auf dem Rastplatz DD._ habe er
Druck auf V._ gemacht, sie solle das Handy in Q._ deponieren gehen
(Urk. 160 S. 59). Während dem Umladen von M._ in den Anhänger in
DE._ habe AA._ aufgepasst, dass niemand komme und habe die Waffe
gehalten. In AN._ habe er AA._ den Auftrag gegeben, ins Auto von
V._ umzusteigen, damit sie ihn nach AP._ habe fahren können. Er sei
mit der Fahrzeugkombination nach AI._ gefahren und habe M._ blind
leere Verträge unterzeichnen lassen. Danach habe er M._ wie verlangt getö-
tet, indem er ihm Mund und Nase verklebt habe. Dieser habe sich im Anhänger
trotz des Spannsets hin und her gerollt. Er habe sich aus dem Anhänger weg be-
geben. Nach 30 Sekunden sei es ganz still geworden und M._ sei tot gewe-
sen. Ca. 10 bis 15 Minuten später sei V._ zurück gekommen (Urk. 160 S.
64). Sie habe nicht gewusst, was mit M._ geschehen sei. Als er M._ das
Klebeband entfernt habe, sei V._ herausgekommen und habe Panik be-
kommen und habe in einer Kurzschlussreaktion das Auto samt Anhänger wegbe-
wegt (Urk. 160 S. 65). Sie habe wohl gedacht, er sei daran, M._ zu töten. Er
habe ihr gesagt, sie solle einfach niemandem etwas sagen, er werde alles regeln.
Sie habe gesehen, wie er M._ in den Kofferraum des Subaru gelegt habe
(Urk. 160 S. 66). In AQ._ hab er die Leiche die Böschung runter rollen las-
sen.
2.2.1.25. Konfrontationseinvernahmen mit den Mitbeschuldigten V._ und
AA._
a) Konfrontationseinvernahme vom 29. November 2016 (Urk. D1/06/01)
Diese Einvernahme betrifft das Delikt zum Nachteil von M._ sel.. V._
und AA._ verweigerten die Aussage. A._ sagte aus, beim ersten Halt
mit dem Lastwagen mit Aufkippen habe er im Innern des Lastwagens die Pistole
hervorgenommen, habe zu M._ gesagt, er solle ruhig bleiben und habe
AA._ befohlen, M._ die Hände zu fesseln. AA._ habe gezögert, er
habe es ihm mehrfach sagen müssen (Urk. D1/06/01 S. 9). Beim nächsten Halt
habe er V._ das Handy von M._ und sein Handy gegeben und ihr Han-
dy genommen. Sie habe nachfragen wollen. Er habe abgeblockt und habe ge-
- 69 -
sagt, es sei zum Schutz der Familie (Urk. D1/06/01 S. 10). Sie habe nicht ge-
wusst, worum es gehe. Er habe ihr gesagt, sie solle ihn anrufen, wenn sie in
Q._ sei. Das habe sie getan, da er aber nicht abgenommen habe, habe sie
AA._ angerufen. AA._ habe ihr grob gesagt, wo sie das Handy deponie-
ren solle und habe ihr gesagt, dass sie sich in AN._ treffen würden (Urk.
D1/06/01 S. 10). Er und AA._ seien Richtung AL._ gefahren. Unterwegs
habe man M._ vom Lastwagen in den Anhänger umgeladen. Nach dem Ab-
stellen des LKW bei AK._ seien er und AA._ nach AN._ gefahren,
wo sie V._ getroffen hätten. Sie habe AA._ zu seinem in AP._ ab-
gestellten Fahrzeug gebracht. Er sei direkt nach Hause gefahren und habe dort
M._ die Verträge vorgehalten, die dieser habe unterzeichnen müssen. Dann
habe er ihn getötet. Kurze Zeit später sei dann V._ nach Hause gekommen.
Sie habe von der ganzen Sache nichts mitbekommen (Urk. D1/06/01 S. 10). Mit
der Leiche im Anhänger sei er Richtung Zürich gefahren. Unterwegs sei er von
den Serben abgefangen worden. Diese hätten sehen wollen, ob er es wirklich ge-
tan habe. Sie hätten ihm gesagt, er solle die Leiche in Zürich aussetzen (Urk.
D1/06/01 S. 18).
A._ sagte aus, AA._ hätte für den Verkauf des Lastwagens in Kommis-
sion Fr. 200.– erhalten (Urk. D1/06/01 S. 13).
Er habe M._ töten müssen, er möchte im Moment noch nicht sagen, weshalb
er dies habe tun müssen, er werde zu einem späteren Zeitpunkt darauf zurück-
kommen. Eigentlich habe es bei AE._ angefangen (Urk. D1/06/01 S. 14).
Dieser habe ihm einen Kredit vermittelt für ein Geschäft mit Europaletten. Der
Kreditgeber sei die Person mit dem grauen BMW gewesen, die er auf dem Foto-
bogen früher bezeichnet habe. Die ersten Male sei dies kein Problem gewesen, er
habe das Geld bekommen und es wieder zurückbezahlt, bis dann plötzlich das
Geld weggewesen sei. Er habe einen Aufschub für die Rückzahlung bekommen
unter der Bedingung, dass er Fahrten nach Serbien für diese mache. Er habe
Fahrten von Serbien in die Schweiz machen müssen und habe AU._ mit-
nehmen müssen, einen Cousin von AE._, der in Serbien wohne. Dann habe
es plötzlich geheissen, er müsse mit einem eigenen Fahrzeug fahren, er müsse
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eine blaue Sattelzugmaschine der Marke Volvo entwenden. Dann sei die Halle in
CU._/DE dazu gekommen (Urk. D1/06/01 S. 15). Sie hätten gewollt, dass er
noch mit anderen Varianten Geld beschaffe wie Ware anbieten, Geld kassieren
und dann die Ware nicht liefern. Er habe dann das ganze Geld abdrücken müs-
sen und habe die LKW's von CD._ und den blauen Volvo von AF._ ver-
kauft und das Geld den Serben gegeben. Sie hätten gewollt, dass er auf andere
Weise Geld beschaffe. Sie hätten gesagt, er solle einen Handel vortäuschen und
der Besitzer des Fahrzeugs müsse verschwinden, sie wollten dass dieser sterbe.
Sie hätten ihm klar gemacht, was mit seiner Familie passieren würde, wenn er es
nicht tue. So sei es zum Handel mit M._ gekommen (Urk. D1/06/01 S. 16).
AA._ habe bemerkt, dass etwas nicht korrekt laufe, habe gesagt, es sei Be-
trug. Er habe AA._ erzählt, was Sache sei und dass das mit M._ das
Letzte sei, was er tun müsse. Er habe AA._ nicht gesagt, dass die Person
getötet werden müsse, er habe gesagt, er müsse M._ den Serben liefern.
AA._ habe gesagt, er werde ihm helfen. Er habe nichts von einer Tötung ge-
wusst (Urk. D1/06/01 S. 16). AA._ habe in Lahr vor der Verhaftung erstmals
erfahren, was geschehen sei (Urk. D1/06/01 S. 19). Irgendwann nach der Tötung
von AE._ habe er AA._ erzählt, dass die Serben von ihm eine Fahrzeu-
gentwendung verlangen und der Besitzer müsse ihnen übergeben werden
(Urk. D1/06/01 S. 22). Er habe AA._ gesagt, die Serben würden M._
wahrscheinlich einschüchtern (Urk. D1/06/01 S. 24). Er habe AA._ keine de-
taillierten Angaben zum Tatablauf vom 3. Juni 2016 gegeben, denn er habe ja
keinen Plan gehabt (Urk. D1/06/01 S. 22). Er habe gehofft, dass sich die ganze
Sache anders klären würde. Er habe AA._ gesagt, bei den anderen Malen
sei es auch gegangen, und er solle sich nicht gross Gedanken darüber machen.
Er habe nicht gewusst, dass man von ihm die Tötung von M._ verlangt habe.
Er habe ihm erzählt von der Entwendung des Scania und von der Sache vom
LKW von CD._. Nur von der geforderten Tötung habe er nichts gewusst (Urk.
D1/06/01 S. 23). Man habe gemerkt, dass es AA._ bei der Entwendung nicht
wohl gewesen sei, er habe ihm (A._) aus der Sache heraushelfen wollen,
damit das Ganze ein Ende nehme (Urk. D1/06/01 S. 23). AA._ habe ihm
beim Überstellen des Fahrzeugs nach AL._ helfen wollen. Er habe nicht ge-
- 71 -
wusst, dass er eine Waffe dabei gehabt habe (Urk. D1/06/01 S. 24). Er habe ihm
gesagt, er helfe ihm aus diesem "Seich" heraus und dies sei das letzte Mal, sonst
werde die Polizei eingeschaltet (Urk. D1/06/01 S. 24). Betreffend das Vorgehen
bei der Entwendung des Fahrzeugs habe er AA._ gesagt, er solle ihm ver-
trauen, er solle machen, was er ihm sage und habe ihm nichts erläutert (Urk.
D1/06/01 S. 25).
Auf die Frage, weshalb er habe Fahrten nach Serbien machen und Partner mit-
nehmen müssen, erklärte A._, dies sei ihm nicht genau erläutert worden, und
er habe nicht nachgefragt. Auf Vorhalt, ob es um Drogen gegangen sein könnte,
erklärte er, er mache keine Aussagen (Urk. D1/06/01 S. 21).
Die Serben hätten von ihm die Entwendung des LKW's von AF._ gefordert,
was er alleine getan habe (Urk. D1/06/01 S. 21 f.).
Den Erlös aus dem Verkauf der Lastwagen von AF._ und CD._ von ins-
gesamt Fr. 40'000.– habe er den Serben gegeben (Urk. D1/06/01 S. 26). Der
Kredit, den er von den Serben erhalten habe, habe mehrere Fr. 100'000.– betra-
gen (Urk. D1/06/01 S. 27). Er habe den Serben Fr. 50'000.– zurückbezahlt, zu-
züglich, Fr. 3'800.– vom Mercedes von AE._, Fr.140.– vom Postkonto von
AE._, Fr. 30'000.– von CE._, den Erlös von Fr. 43'000.– aus dem Ver-
kauf des Scania von M._ hätte er gegeben. Für die Fuhren, die er gemacht
habe, hätten die Serben ihm darüber hinaus Fr. 130'000.– von seiner Schuld er-
lassen. Heute sei die Schuld gegenüber den Serben noch Fr. 130'000.–
(Urk. D1/06/01 S. 27). Auf die Frage, was mit dem Geld aus dem Erbe seiner Mut-
ter sei, antwortete er, die Fr. 40'000.– habe er auch an die Serben abgegeben
(Urk. D1/06/01 S. 28).
Die Serben hätten ihm unter Vorhalt von Fotos und Adressen der Familie
AA._ und seiner Familie gedroht, dass diese Personen für seine Schulden
zahlen müssten, wenn er nicht zurückzahle (Urk. D1/06/01 S. 28).
Er sei gegenüber M._ mit seiner wahren Identität aufgetreten. AA._ ha-
be sich glaublich nur mit "..." vorgestellt. Vor der Probefahrt habe M._ ihre
- 72 -
Führerscheine sehen wollen und habe sowohl seinen wie denjenigen von
AA._ angeschaut (Urk. D1/06/01 S. 31).
Er habe auf dem Parkplatz in ... AA._ aufgefordert, M._ die Handschel-
len anzulegen und ihn an den Füssen und Knien mit Klebeband zu umwickeln
(Urk. D1/06/01 S. 31). Beim Umladen von M._ in den Anhänger habe
AA._ nur Schmiere gestanden (Urk. D1/06/01 S. 34).
Er habe AA._ und V._ nach der Tötung von M._ in den kommen-
den Tagen nicht erzählt, was wirklich passiert sei. Er habe V._ nicht gesagt,
weshalb sie das Telefon von M._ nach Q._ zurückbringen müsse, sie
habe auch nicht gefragt. Sie habe gemerkt, dass er bedrückt gewesen sei und
nicht gross gesprochen habe (Urk. D1/06/01 S. 35 f.). Er habe V._ nie von
der Sache mit der serbischen Mafia erzählt, er habe sie schützen wollen, denn sie
wäre zur Polizei gegangen (Urk. D1/06/01 S. 36). Er habe V._ am 3. Juni
2016 auf die Probefahrt mitgenommen, damit sie mit den Kindern nicht alleine sei
(Urk. D1/06/01 S. 36). AA._ habe nicht gefragt, wie es mit M._ verlaufen
sei und habe erst am Montagabend erfahren, was passiert sei (Urk. D1/06/01 S.
35).
Auf die Frage, woher er die Waffe gehabt habe, die er gegen M._ eingesetzt
habe, erklärte A._, er wolle die Aussage verweigern. Die Waffe, die er von
der serbischen Mafia erhalten habe, habe er AE._ zurückgegeben (Urk.
D1/06/01 S. 36). Die Beretta, welche bei der Hausdurchsuchung gefunden wor-
den sei, habe er von AE._ vermittelt bekommen, da er in Serbien wochen-
lang alleine im Lastwagen gelassen worden sei und hätte überfallen werden kön-
nen. Die Beretta habe er von BO._ (BO._). In BI._ hätten ihm die
Serben eine Waffe übergeben. Er habe gesagt, er wolle das nicht und habe die
Waffe an AE._ zurückgegeben. Seine anfängliche Aussage, dass er die Be-
retta von den Serben erhalten habe, sei eine Schutzbehauptung gewesen, da er
sich selbst des widerrechtlichen Erwerbs einer Waffe belastet hätte (Urk.
D1/06/01 S. 38 f.).
- 73 -
A._ erklärte, die Fotografie mit den Klebebandrollen und dem Gesicht, wel-
che er am 31. Mai 2016 an AA._ geschickt habe, stehe damit in Zusammen-
hang, dass er mit dem Vermieter CV._ Diskussionen gehabt habe, weil er
immer wieder Siloballen beschädigt habe. AA._ habe ihn regelmässig damit
hochgenommen. Die Fotografie sei ein Scherz gewesen (Urk. D1/06/01 S. 39/40).
b) Konfrontationseinvernahme vom 20. Januar 2017 (Urk. D1/06/02)
A._, V._ und AA._ verweigern die Aussage.
c) Konfrontationseinvernahme vom 23. Februar 2017 (Urk. D1/06/03)
Die drei Beschuldigten A._, V._ und AA._ verweigern die Aussage
auf Ergänzungsfragen der Verteidiger und der Geschädigtenvertretung.
d) Konfrontationseinvernahme vom 23. Februar 2017 (Urk. D1/06/04)
A._ bestritt, M._ Gewalt angetan zu haben (Urk. D1/06/04 S. 4). Auf
Vorhalt der Ermittlungen im Zusammenhang mit seinen Angaben betreffend die
serbische Mafia insbesondere die Abklärungen bei AG._ und dessen Befra-
gungen, die Befragungen der Gefängnisinsassen, deren Gespräch über ihn er am
Fenster mitbekommen haben will (BN._ und CN._) sowie des Gefäng-
nisaufsehers CO._ verweigerte A._ die Aussage. Auch V._ und
AA._ verweigerten die Aussage.
e) Konfrontationseinvernahme vom 29. Mai 2018 (Urk. D1/06/17)
A._ sagte aus, zwischen ihm und AA._ sei abgemacht worden, dass
AA._ AE._ unter einem Vorwand zu ihnen locke. AE._ habe Dro-
gen verschwinden lassen, und es sei darum gegangen, herauszufinden, wo die
Drogen sind. Eine Tötung von AE._ sei nie zur Diskussion gestanden, es sei
immer nur darum gegangen, ihn festzuhalten. Wenn ihm etwas passiert wäre, wä-
ren sie nicht an die Drogen gekommen (Urk. D1/06/17 S. 13). AA._ habe ihn
gefragt, wie er das konkret machen solle. Er habe ihm gesagt, er solle AE._
sagen, dass die Hydroanlage noch bei ihm im Anhänger sei. Er (A._) habe
den Auftrag gehabt, AE._ festzuhalten bis sie bei ihm seien (Urk. D1/06/17
- 74 -
S. 15). Er glaube V._ habe ein bis zwei Tage vorher erfahren, dass sie mit
AE._ sprechen und ihn festhalten müssten. Sie sei genervt gewesen, dass
dies bei ihnen stattfinden solle (Urk. D1/06/17 S. 15).
Beim Eintreffen von AA._ und AE._ in AI._ sei er aus einem Ver-
steck hervorgekommen und habe AE._ gefragt, ob er eine Waffe habe und
habe ihn aufgefordert, die Hände hochzuhalten. AA._ habe AE._ durch-
sucht und eine kleine silbrige Waffe auf AE._ gefunden. Er habe AA._
angewiesen, Kabelbinder aus der Werkstatt zu holen und AE._ damit zu fes-
seln, da er in der Aufregung vergessen habe, die Handschellen mitzunehmen. Sie
seien zu Dritt über die Aussentreppe nach oben in den Estrich gegangen.
V._ sei im Haus gewesen und habe geschaut, dass der Hund keinen Lärm
mache, damit man meine, es sei niemand zu Hause (Urk. D1/06/17 S. 19). Im
Estrich habe er AA._ die Waffe gegeben und gesagt, dass er Kabelbinder
hole. Er habe die 1 m Kabelbinder geholt um AE._ an den Balken zu binden
(Urk. D1/06/17 S. 19).
Den Ranger habe er bei der Milchsammelstelle abgestellt gehabt, damit es so
aussehe, als ob sie nicht da seien, den Subaru habe er hinter dem Schopf ver-
steckt, als V._ nach Hause gekommen sei. V._ und AA._ seien zu-
sammen weggefahren, um den Ranger und den BMW zu holen. Er habe
AE._ den Schlüssel des Mercedes abgenommen und habe V._ und
AA:_ beauftragt, den Mercedes zu holen. Die Mitteilung an V._, sie solle
AA._ nicht zu viel sagen, habe sich auf Privates bezogen. AA._ habe
nicht gewusst, dass sie eine offene Beziehung führten (Urk. D1/06/17 S. 24). Er
habe keine Gewalt gegen AE._ angewendet (Urk. D1/06/17 S. 26). Die Ver-
treter der serbischen Mafia hätten ihm gesagt, er solle AE._ so lange festhal-
ten, bis sie da seien (Urk. D1/06/17 S. 27). Er habe AE._ auf Anregung von
V._ dann ins Kinderzimmer gebracht. Als er mit AE._ zur Toilette ge-
gangen sei, habe er AE._ gesagt, er solle keinen Scheiss machen, er sei
nicht alleine. Er habe V._ die Tierschreckschusswaffe gegeben. Am nächs-
ten Morgen sei V._ um ca. 07.00 Uhr aus dem Haus gegangen, sicher um
die Kinder zu holen. Sie habe aus der Migros angerufen. In diesem Zeitpunkt sei-
- 75 -
en die Serben bei ihm gewesen, weshalb er sie abgewürgt habe. Wo sie nach der
Migros noch hingegangen sei, wisse er nicht, sie sei um ca. 10.30 Uhr/11.00 Uhr
nach Hause gekommen (Urk.D1/06/17 S. 32). Als die Serben gekommen seien,
hätten sie ihm gesagt, er solle die Handschellen lösen, was er gemacht habe. Der
eine Serbe habe zu AE._ gesagt, er solle mit dem Messer auf ihn losgehen.
Dieser sei sofort auf ihn losgegangen. Er habe AE._ das Messer abgenom-
men. Dann habe dieser versucht, auf ihn einzuschlagen. Er habe zurückgeschla-
gen und ihn gezielt im Gesicht getroffen, sodass er zu Boden gegangen sei. Er
habe von den Serben einen Aufschub von 10 Tagen bekommen zur Bezahlung
der Schulden. Dann seien sie wieder gegangen. Er habe AE._ die Hand-
schellen angelegt und habe mit ihm reden wollen, weshalb er auf ihn losgegangen
sei. AE._ sei total ausgerastet und habe gesagt, sie würden sterben, er solle
verrecken. Dann sei es nicht lange gegangen, und die Serben seien wieder dage-
standen. Der eine Serbe habe ihm eine Waffe hingehalten und habe zu ihm ge-
sagt, er solle AE._ töten. Er habe gesagt, er tue das nicht. Der eine Serbe
habe gesagt, er solle Klebeband holen und AE._ damit töten. Er habe die
Wahl, entweder sterbe AE._ oder er. Er habe sich mehrmals geweigert bis
einer die Waffe auf ihn gerichtet habe und er das Klebeband um das Gesicht von
AE._ gewickelt habe. Sie hätten gesagt, wenn er nicht mitmache oder zur
Polizei gehe, passiere das Gleiche mit ihm (Urk. D1/06/17 S. 33 f.). Auf die Frage,
wo AA._ in dieser Zeit gewesen sei, verweigerte A._ die Aussage, er
habe nicht gelogen, als er gesagt habe, dass AA._ dabei gewesen sei (Urk.
D1/06/17 S. 34). Die Leiche habe er auf der Blache in den Anhänger gehoben.
Als V._ nach Hause gekommen sei, habe er ihr gesagt, dass AE._ tot
sei (Urk. D1/06/17 S. 35). Als er die Leiche in das ausgebaggerte Loch habe brin-
gen wollen, habe er V._ um Hilfe gebeten, sie habe gesagt, sie könne das
nicht und sei nur herumgestanden. Soviel er wisse, habe V._ die Leiche und
die Blache nicht berührt. Er habe sich beholfen mit einer Schalttafel und habe die
Leiche in der Blache darauf heruntergleiten lassen (Urk. D1/06/17 S. 37).
- 76 -
f) Konfrontationseinvernahme vom 28. Juni 2018 (Urk. D1/06/18)
Am Beginn der Einvernahme reichte A._ eine schriftliche Stellungnahme ein
und erklärte, er habe in der Strafuntersuchung viele falsche Angaben gemacht
und Schutzbehauptungen getätigt. In dieser schriftlichen Stellungnahme habe er
alles berichtigt (Urk. D1/06/18 S. 3).
Es treffe zu, dass er V._ gesagt habe, dass er AE._ habe töten müssen,
weil er sonst ihrer Familie etwas angetan hätte (Urk. D1/06/18 S. 7).
Auf die Frage, wann AA._ von der Tötung von AE._ erfahren habe, bzw.
ob AA._ bei der Tötung anwesend gewesen sei, verweigerte A._ die
Aussage (Urk. D1/06/18 S. 12 und S. 13).
In Lahr seien sie nebeneinander in der Zelle gewesen und hätten kommuniziert.
Sie hätten abgemacht, dass AA._ schweige und er (A._) die ganze
Schuld auf sich nehme (Urk. D1/06/18 S. 18).
A._ sagte aus, V._ habe beim Delikt zum Nachteil von M._ nicht
genau gewusst, um was es gehe, ihre Aussagen seien zutreffend (Urk. D1/06/18
S. 35). AA._ habe er auf der Fahrt nach Q._ gesagt, was alles geplant
sei (Urk. D1/06/18 S. 33). Er habe AA._ gesagt, dass er die Pistole dabei
habe. Er habe AA._ gefragt, ob er die Handschuhe dabei habe. AA._
habe bejaht und habe noch ein paar andere Sachen dabei gehabt, er glaube Ka-
belbinder und eventuell ein Messer. Auf die Frage, weshalb AA._ die weite-
ren Sachen gekauft habe, sagte A._, es sei klar gewesen, dass sie M._
festhalten werden (Urk. D1/06/18 S. 34). Bei vorgängigen Treffen im Zeitraum von
15 Tagen vor dem 3. Juni 2016 habe er AA._ gesagt, dass er eine Waffe
mitnehme, bei einem Treffen sei es um das Fesseln gegangen, wie er sich das
vorstelle. Sie hätten offen gelassen, ob Fesseln oder Kabelbinder verwendet wür-
den (Urk. D1/06/18 S. 35). Er habe schon am 2. Juni 2016 die Sache alleine ma-
chen wollen und sie nicht hineinziehen wollen, doch dann habe das nicht ge-
klappt, weil noch jemand bei der Einstellhalle gewesen sei. Schon am 2. Juni ha-
be er eine Pistole im Auto dabei gehabt (Urk. 1/06/18 S. 35). Er habe am 3. Juni
- 77 -
2016 mit AA._ nicht besprochen, wie die Pistole eingesetzt werde
(Urk. D1/06/18 S. 37). AA._ habe aber gewusst, dass die Waffe zum Drohen
und Festhalten dabei sei, nicht aber zum Verwenden (Urk. D1/06/18 S. 37).
Er habe gewusst, dass M._ am Ende des Tages sterben müsse, AA._
habe das nie konkret angesprochen, sie hätten nie darüber gesprochen, auch
V._ habe das nicht gewusst (Urk. D1/06/18 S. 37). Er wisse nicht mehr, ob
V._ auf sein Telefon oder dasjenige von AA._ angerufen habe, um zu
fragen, wo sie das Telefon von M._ in Q._ deponieren solle. Er wisse
nur noch, dass er nicht mit ihr gesprochen habe, da er gerade damit beschäftigt
gewesen sei, M._ vom Lastwagen in den Anhänger umzuladen. AA._
habe bei ihm Rückfragen gestellt, und er sei etwas wütend gewesen und habe
gesagt, er habe jetzt keine Zeit, er solle selbst schauen (Urk. D1/06/18 S. 38). Er
habe AA._ die Waffe gegeben, und dieser sei beim Umladen von M._ in
den Anhänger dort gestanden mit der Beretta in der Hand und habe geschaut,
dass niemand komme (Urk. D1/06/18 S. 39).
AA._ bestritt die Darstellung von A._ und hielt daran fest, dass er erst in
Deutschland bei der Verhaftung vom Tod von AE._ erfahren habe. Wenn er
Handschuhe, Kabelbinder und Messer für einen Überfall auf M._ gekauft hät-
te, hätte er sicher nicht die Quittung aufbewahrt und mit seiner Postkarte bezahlt
(Urk. D1/06/18 S. 42). Bezüglich des Betrugs zum Nachteil der C._, Liefer-
wagen TATA, verwies AA._ auf seine Aussagen bei der Polizei und seine
Stellungnahme (Urk. D1/06/18 S. 42 ff.). Er bestätigte, dass er habe aus dem
Leasingvertrag aussteigen wollen und verhindern wollen, dass seine GmbH das
Fahrzeug kaufen müsse und A._ auf die Idee gekommen sei mit dem Versi-
cherungsbetrug. Er habe das Fahrzeug und Fr. 1'000.– A._ übergeben, der
das Fahrzeug in Serbien abgeliefert habe (Urk. D1/06/18 S. 44). A._ bestä-
tigte die Darstellung von AA._ und sagte aus, er habe das Auto an AU._
übergeben als Anzahlung an seine Schulden. Die Fr. 1'000.–, die er von
AA._ bekommen habe, hätten gerade für Diesel und Mautgebühren gereicht
(Urk. D1/06/18 S. 46).
- 78 -
Betreffend den Betrug zum Nachteil der BP._ Versicherung, VW Passat,
sagte A._ aus, AA._ habe das Fahrzeug angezündet, er sei nicht dabei
gewesen und wisse nicht, wie und mit welchem Brennstoff AA._ dies ge-
macht habe (Urk. D1/06/18 S. 48 f.). Das Auto sei für kriminelle Machenschaften
verwendet worden und die serbische Mafia habe von ihm verlangt, dass das Auto
in die Schleuserei gehe zwecks Schuldenrückzahlung (Urk. D1/06/18 S. 49).
AA._ bestritt, das Auto angezündet zu haben (Urk. D1/06/18 S. 50). Es treffe
auch nicht zu, dass fingierte Reparaturrechnungen ausgestellt worden seien, die
Arbeiten seien alle erledigt worden (Urk. D1/06/18 S. 51). V._ sagte aus, sie
habe A._ nach Deutschland begleitet, als er dort das Auto als gestohlen ge-
meldet habe (Urk. D1/06/18 S. 51). Sie habe gewusst, dass das Auto nicht ge-
stohlen worden sei. Sie seien in einer finanziellen Notlage gewesen, sie sei nicht
begeistert gewesen, habe aber auch nichts dagegen gesagt (Urk. D1/06/18 S.
52).
g) Schriftliche Stellungnahme zu den Konfrontationseinvernahmen (Beilage 1
zu Urk. D1/06/18)
Am Anfang der Konfrontationseinvernahme vom 28. Juni 2018 reichte A._
eine schriftliche Stellungnahme ein und erklärte, er habe in der Strafuntersuchung
viele falsche Angaben gemacht und auch Schutzbehauptungen getätigt. Diese
habe er in der schriftlichen Stellungnahme berichtigt (Urk. D1/06/18 S. 3). Die
schriftliche Stellungnahme befindet sich im Anhang zu dieser Einvernahme (An-
hang 1 zu Urk. D1/06/18). Nachfolgend ist darauf nur soweit einzugehen als die
Ausführungen in der Stellungnahme nicht bereits Gegenstand der Einvernahme
selber bildeten.
A._ führte aus, er habe sich auf ein Angebot von AE._ eingelassen und
mit Pakettransporten angefangen. Er habe nicht fragen dürfen, was drin sei (Stel-
lungnahme S. 4). Als er mit diesen Transporten einen Betrag von Fr. 60'000.– an-
gespart habe, habe AE._ gesagt, er könne das Geld investieren. Am Anfang
sei es bei zwei bis drei Touren um Cannabis gegangen, bei den grossen Invest-
ments dann um diverse Drogenarten. Es sei alles gehandelt worden, was bestellt
worden sei. Sie hätten Handys gehabt mit serbischen Nummern, die alle Wochen
- 79 -
ersetzt worden seien. Die Handys seien von AE._ oder Dritten getauscht
worden. AE._ habe einen Drittschlüssel für den Ford Ranger gehabt, den
hätten sie verwendet, um die Handys zu tauschen. Er sei immer auf der Arbeit
gewesen, als sie getauscht worden seien. V._ habe nichts gewusst von den
Drogengeschäften bis er die Fr. 40'000.– des Erbvorbezugs investiert habe. Sie
habe nichts davon gewusst, dass auch AA._ dabei gewesen sei (Stellung-
nahme S. 7). AA._ sei naiv gewesen wie er und habe alles mitgemacht.
Nach einiger Zeit habe AE._ ihm gesagt, dass einer ihrer Leute im Ausland
gefasst worden sei. Sie seien zu den Serben gegangen und hätten die Situation
geschildert. Da diese ihr Geld gewollt hätten, hätten sie es abarbeiten müssen.
Als er das Erbe von seiner Mutter bekommen habe, sei es weiter gegangen wie
zuvor. V._ habe wissen wollen, wofür er das Geld wolle, daher habe er ihr
das erste Mal von den Drogengeschäften erzählt und nicht gesagt, dass er bereits
länger mit solchen Dingen zu tun habe. Sie sei skeptisch gewesen, er habe sie
aber überzeugen können, ihm zu vertrauen. Er habe von den Serben ein Invest-
ment bekommen und habe mit AE._ alles zusammengelegt. AE._ und
er hätten bei den Serben regelmässig mehrere Fr. 100'000.– aufgenommen. Er
habe AE._ Fr. 10'000.– für seine Mietschulden geliehen, weil er sonst hätte
unterbrechen müssen mit den Drogengeschäften. Er habe von einem ihrer Leute
erfahren, dass die Ladung nicht angekommen sei. Sie hätten sofort zu den Ser-
ben gehen müssen wegen deren Geldes. Sie hätten alles Mögliche für die Serben
machen müssen, da sie drei Investments aufgenommen hatten. So habe
AE._ Autos geklaut, er habe nach gesuchten Fahrzeugmodellen Ausschau
gehalten oder sie hätten gemietete Luxusautos ins Ausland gebracht und die
Schlüssel nachgemacht oder Tachos an Fahrzeugen manipuliert. Sie hätten ge-
sagt, er müsse einen LKW nehmen. Es sei ihm gezeigt worden, wie man das ma-
che und er habe die Masche bei AF._ angewendet. Mit diesem LKW habe er
Fahrten nach Serbien machen müssen (Stellungnahme S. 8). In den LKW's sei
ein Fach eingeschweisst gewesen. Er habe AA._ mehrere Aufträge gege-
ben, solche Stauboxen einzuschweissen (Stellungnahme S. 9). Die Halle in
CU._ sei gemietet worden, damit man die EU nicht habe verlassen müssen
und das Nachtfahrverbot habe umgangen werden können. Es hätten mitten in der
- 80 -
Nacht LKW's nach CU._ kommen können. Für den Transport der Ware in die
Schweiz seien auch präparierte Matratzen in der Kabine der Sattelzugmaschine
verwendet worden (Stellungnahme S. 10).
Eines Tages habe er von Leuten, die im Auftrag der Serben agierten, erfahren,
dass AE._ seine Hydroanlagen verkaufe, alles verkaufe und seine Schulden
bei Freunden begleiche. Dies sei ihm erzählt worden, als er ein Paket abgegeben
habe und sein Handy getauscht habe. Er habe sich zu BR._ begeben, der
die Notfalladresse gewesen sei. Gemäss dessen Infos wollte sich AE._ nach
Serbien absetzen. Er habe vermutet, dass AE._ ihm deshalb den BMW und
den Mercedes nicht gebracht habe. Er und AE._ hätten schon länger abge-
macht gehabt, dass er ihm die beiden Fahrzeuge für die Schulden überlasse. Er
habe AE._ nach der aufgeflogenen Ladung ein privates Darlehen gegeben,
um die Geschäfte wieder zu starten und habe als Sicherheit die Autos und die
Hydroanlage erhalten. Von den mehr als Fr. 70'000.–, die er AE._ geborgt
habe, seien nach Abzug des BMW und des Mercedes sowie bereits geleisteter
Abzahlungen noch mehr als Fr. 30'000.– offen gewesen. Er habe erfahren, dass
die Lieferung, die AE._ hätte beaufsichtigen sollen, nicht am Ziel angekom-
men sei, und er habe weggehen wollen. Er habe sich an die Serben gewandt, die
ihm und AA._ den Auftrag gegeben hätten, AE._ so lange festzuhalten,
bis sie da seien, sie würden am nächsten Tag kommen. Es sei nie die Rede da-
von gewesen, dass AE._ etwas passiere, es sei nur darum gegangen, das
Ganze zu klären. Wenn sie ihn nicht erwischen sollten, sollten sie sich sofort mel-
den (Stellungnahme S. 12).
In dieser Stellungnahme schilderte A._, dass er nach der Tötung von
M._ planlos mit der Leiche im Kofferraum Richtung Zürich gefahren sei und
die Leiche schliesslich bei AQ._ die Böschung habe hinunterrollen lassen
(Stellungnahme S. 23).
In der Haft in Deutschland hätten ihn die Serben vier Mal zusammenschlagen las-
sen und hätten gesagt, er solle nicht reden. Beim letzten Mal sei er bewusstlos ins
Krankenhaus gebracht worden. Dort sei festgestellt worden, dass er zwei Rippen
- 81 -
und das Nasenbein gebrochen habe und von oben bis unten blau geprügelt ge-
wesen sei (Stellungnahme S. 24).
h) Konfrontationseinvernahme vom 19. Juli 2018 (Urk. D1/06/19)
A._ sagte aus, V._ sei rausgekommen, als er das Klebeband von
M._ weggenommen habe, als dieser tot gewesen sei. Sie habe nicht gese-
hen, was im Anhänger vorgegangen sei, er denke, sie sei davon ausgegangen,
dass die Tötung passiere. Sie sei ausser sich gewesen und habe gesagt, das
könne er nicht machen. Sie sei dann mit dem Anhänger losgefahren und bei der
Kurve nach dem Hof stehen geblieben. Er habe sie beruhigt und habe das Fahr-
zeug zurück zum Hof gefahren (Urk. D1/06/19 S. 3). Er wisse nicht mehr, wann
AA._ erfahren habe, dass M._ tot sei. Er habe es ihm gesagt. Er sei
nicht mehr sicher, würde sagen am nächsten Tag in Basel, aber sicher nicht erst
in Lahr (Urk. D1/06/19 S. 4b f.).
Da die Freisprüche betreffend Betrugsvorwurf und Schuldspruch von A._ be-
treffend den Vorwurf der Veruntreuung mit Bezug auf Dossier 10 in Rechtskraft
erwachsen sind, erübrigen sich Zusammenfassungen der Aussagen in diesem
Punkt.
2.2.1.26. Befragung vor Vorinstanz vom 9. September 2019
Tötungsdelikt AE._ sel.
Der Beschuldigte räumte ein, dass im Zeitpunkt der Verhaftung Betreibungen von
rund Fr. 120'000.– und Verlustscheine von über Fr. 50'000.– gegen ihn und gegen
die von ihm geführte GmbH Betreibungen von rund Fr. 250'000.-- bestanden.
V._ und er hätten im Jahr 2016 auch über einen Privatkonkurs gesprochen
(Prot. I S. 24). Ferner bestätigte er, dass er von seiner Mutter Fr. 150'000.– und
von einem befreundeten Anwalt Fr. 30'000.– erhalten habe. Dieses Geld sei in
kriminelle Aktivitäten geflossen, bis einmal Ladungen aufgeflogen seien und sie
das Geld hätten zurückzahlen müssen (Prot. I S. 23 f.).
- 82 -
Der Beschuldigte verwies in der Befragung zur Sache auf seine Stellungnahme
vom 27. August 2019, welche er dem Gericht eingereicht hatte (Urk. 160). Betref-
fend das Tötungsdelikt zum Nachteil von AE._ sel. sagte er aus, es treffe zu,
dass er AE._ unter dem Vorwand, dass er eine Indoor-Hanfanlage und Dro-
gen abholen könne, angelockt habe (Prot. I S. 32). Sie hätten die Anweisung ge-
habt, AE._ festzuhalten. Für ihn sei klar gewesen, dass ihm nichts gesche-
hen werde, er ihnen einfach sagen müsse, wo es sei, sie ihn am nächsten Tag
übergeben würden und die Sache erledigt sei (Prot. I S. 33). Er glaube, er habe
V._ das mit der Indoor-Hanfanlage und den Drogen kurz vorher gesagt, sei
sich aber nicht mehr sicher (Prot. I S. 34). Erst kurz vorher habe er V._ ge-
sagt, dass sie am nächsten Tag kommen würden und er dann weg sei. Er glaube,
er habe ihr gesagt, dass AE._ da bleibe und er mit ihm reden würde. Er
glaube nicht, dass er ausdrücklich gesagt habe, dass sie ihn festhalten würden
(Prot. I S. 34). Aufgrund der Schulden, die AE._ bei ihm gehabt habe, sei
abgesprochen gewesen, dass die beiden Fahrzeuge zu ihm kommen würden. Es
sei nie ein Diebstahl zur Diskussion gestanden (Prot. I S. 35). Er habe AE._
im Auftrag der Serbenmafia festgehalten, bis diese bei ihm eingetroffen sei, es sei
auch darum gegangen, wo sein Geld und seine Drogen gewesen seien (Prot. I S.
35 f.). Er und V._ hätten nicht mit der Anwendung von Gewalt gerechnet, er
vermute auch AA._ nicht (Prot. I S. 37). Den Erlös aus dem Verkauf des
BMW hätte er den Serben weitergegeben (Prot. I S. 37). AE._ habe ihm am
Abend, als er bei ihm in AI._ gewesen sei, gesagt, dass er ihm den Merce-
des überlasse. Der BMW und der Mercedes seien als Sicherheit für ein Darlehen
an ihn gegangen, welches er AE._ gewährt habe. Er sei sich zu 80 % sicher,
dass er AA._ von dieser Vereinbarung erzählt habe (Prot. I S. 39). Es treffe
nicht zu, dass er AA._ ein Entgelt versprochen habe (Prot. I S. 40). Von sei-
ner Seite und von der Seite von AA._ sei nicht geplant gewesen, Gewalt an-
zuwenden, um AE._ gesprächswillig zu machen. Es sei ihrerseits auch nie
zur Diskussion gestanden, AE._ zu töten (Prot. I S. 42). V._ sei nicht
anwesend gewesen, als er die Fahrzeuge umparkiert habe (Prot. I S. 43). Er habe
ihr gesagt, sie solle kein Licht brennen lassen. Er vermute, V._ habe ge-
wusst, dass sie ihn festhalten werden, aber nicht mehr (Prot. I S. 44). AE._
- 83 -
sei von AA._ mit Kabelbindern gefesselt worden, die Waffe sei zu diesem
Zeitpunkt nicht geladen gewesen, und er habe diese gar nicht gezogen (Prot. I S.
45). V._ habe AE._ nie gefesselt gesehen und habe am Gespräch mit
ihm nicht teilgenommen (Prot. I S. 46). AA._ sei voll dabei gewesen. Er habe
AA._ gesagt, er solle den Mercedes holen. V._ sei die ganze Zeit am
Telefon gewesen am Schreiben. Er wisse nicht, ob sie mitbekommen habe, was
er mit AA._ besprochen habe. Er sei davon ausgegangen, dass AA._ ihr
klar sagen würde, was im Raume stehe. Er habe sie schlussendlich darum gebe-
ten, zusammen mit AA._ den Mercedes zu holen (Prot. I S. 50). Der Be-
schuldigte sagte aus, er habe V._ die Tierschreckschusspistole gegeben, um
AE._ zu bewachen, als dieser auf die Toilette habe gehen müssen (Prot. I S.
54). Weiter bestätigte er, dass der Tötungsakt durch Verschliessen von Mund und
Nase mit Klebeband als solcher unabhängig von den Umständen unbestritten sei
(Prot. I S. 55). Zur Frage, ob AA._ bei der Tötung dabei gewesen sei, bzw.
wann er von der Tötung erfahren habe, erklärte der Beschuldigte keine Aussagen
mehr zu machen, AA._ müsse selbst entscheiden, was er mit seinem Gewis-
sen vereinbaren könne (Prot. I S. 55 f.). V._ habe er über die Tötung infor-
miert, als sie zurück gekommen sei, wobei er den exakten Zeitpunkt nicht mehr
wisse (Prot. I S. 56). Zuerst habe er V._ gesagt, sie solle ihm beim Vergra-
ben der Leiche behilflich sein, aber sie sei einfach da gestanden und mehr im
Weg gestanden als etwas anderes. Schlussendlich habe er es alleine gemacht
(Prot. I S. 57). Auf die Frage, ob er AE._ getötet habe, weil er keine Informa-
tion bezüglich der Ware und den Fr. 40'000.– habe geben wollen, erklärte der Be-
schuldigte, wenn er ihn getötet hätte, wäre er ja gar nie mehr zu diesen Sachen
gekommen. Er bestätigte auf Vorhalt seiner bisherigen Aussagen, dass er und
AA._ bei den Serben Schulden in der Höhe von mehreren Hunderttausend
Franken gehabt hätten, AE._ sei Teil der Drogenmafia gewesen. Die Serben
seien am Folgetag bei ihm aufgetaucht, hätten verlangt, dass er AE._ die
Handschellen entferne. Darauf hätten sie AE._ aufgefordert, ihn mit dem
Messer zu töten, worauf es zu einem Kampf gekommen sei. Er habe AE._
kampfunfähig machen können. Der serbische Geschäftsmann habe ihm dann be-
fohlen, AE._ zu töten. Er sei mit einer Pistole bedroht worden, AE._
- 84 -
Mund und Nase zuzukleben (Prot. I S. 60 f.). Der Beschuldigte bestätigte, dass
AE._ Waren habe verschwinden lassen, welche er mit Fr. 40'000.– vorfinan-
ziert habe (Prot. I S. 63). Zusätzlich habe er AE._ Fr. 30'000.– für die Bezah-
lung von Schulden gegeben. Der Beschuldigte sagte aus, Verwirrung bezüglich
der Beträge sei dadurch entstanden, dass am Anfang relativ viele Schutzbehaup-
tungen getätigt worden seien. Er habe AE._ mehrmals Fr. 10'000.– oder sol-
che Beträge gegeben. Wenn er ihn nicht unterstützt hätte, hätte er nicht mit der
Drogensache weiterfahren können (Prot. I S. 64). Der Beschuldigte hielt daran
fest, dass AG._ ein Mittelsmann gewesen sei und erklärte, BR._ habe
er erst erwähnt, als die Sache mit den Drogen aufgedeckt gewesen sei. Der Be-
schuldigte anerkannte den Vorwurf betreffend Fälschung des Kaufvertrages
zwecks Herausgabe des Fahrzeugausweises durch H._ und bestätigte, dass
V._ den Ausweis bei H._ holte. Er nehme an, dass V._ im Zeit-
punkt, als sie den Fahrzeugausweis entgegen genommen habe, gewusst habe,
dass der Kaufvertrag gefälscht war und es darum ging, den Fahrzeugausweis zu
bekommen, um das Fahrzeug verkaufen zu können (Prot. I S. 78 f.).
Tötungsdelikt M._ sel.
Als er M._ kontaktiert habe, sei der Plan gewesen, ihm den Lastwagen weg-
zunehmen, wobei er es so habe drehen wollen, dass es nicht zu einer Tötung
kommen würde. Diese hätten gesagt, dass keine Zeugen übrig bleiben dürfen,
wenn sie durch ihn auffliegen würden, würden sie ihn auch dran bekommen (Prot.
I S. 86). Er habe AA._ gesagt, dass es so ablaufen werde wie bei AF._
(Prot. I S. 88). Er habe bereits, bevor er M._ das erste Mal aufgesucht habe
gewusst, dass eine Tötung im Raum stehe. Er wisse nicht, ob er AA._ dies
so gesagt habe (Prot. I S. 89). Er habe eingeplant, dass V._ mitwirke, da er
gewollt habe, dass sie nicht allein zu Hause sei, da sie gesagt hätten, sie würden
auf die Familie losgehen, wenn er es nicht mache (Prot. I S. 88 ff.). Er wisse nicht
mehr, ob er ihr gesagt habe oder sie mitbekommen habe, dass es darum ging,
den Lastwagen zu entwenden (Prot. I S. 90). Er bestätigte, dass sie vereinbart
hätten, den Lastwagen zu entwenden, sonst wisse er nicht mehr, was alles be-
sprochen worden sei (Prot. I S. 92). Er wisse, dass er AA._ gesagt habe,
- 85 -
dass er Handschuhe mitnehmen solle, was er ihm bei diesem Telefonat sonst
noch gesagt habe, wisse er nicht mehr. Er wisse nicht, ob er AA._ gesagt
habe, dass er die Absicht gehabt habe, das Opfer zu töten (Prot. I S. 93). Der Er-
lös aus dem Verkauf des Lastwagens wäre an die Serben geflossen (Prot. I S.
95). V._ habe gewusst, dass er mit solchen Leuten zu tun habe, er habe
aber immer versucht, sie überall rauszuhalten (Prot. I S. 95). Die Fr. 10'000.–, die
er AA._ versprochen habe, habe Geld betroffen, welches man in Drogen-
und Waffengeschäfte investiert habe. V._ habe auf der Fahrt nach DF._
noch nicht gewusst, dass ein Gefangener bei ihm gewesen sei (Prot. I S. 113). Er
habe V._ und AA._ nie gesagt, was mit M._ passieren soll. Sie hät-
ten auch nicht gefragt (Prot. I S. 122 f.). Auf die Frage, welchen Sinn es mache,
dass die Leute von der Mafia von ihm verlangt hätten, dass er den Lastwagen
stehle und versilbere und dazu noch den Besitzer töte und dies nachweisen müs-
se, erklärte der Beschuldigte, er nehme an, es seien Machtspiele gewesen, er
wisse es nicht (Prot. I S. 133). Er sei in BD._ von den Serben abgefangen
worden und habe den Leichnam zeigen müssen. Er wisse nicht, wie diese wuss-
ten, wo er war, er könne sich nur vorstellen, dass es bei seinem Fahrzeug einen
Tracker gehabt habe (Prot. I S. 133). Er habe gegenüber V._ und AA._
nie erwähnt, dass er von den Serben gezwungen worden sei, M._ zu töten
(Prot. I S. 134).
Betreffend den Anklagevorwurf Dossier 4 (Versicherungsbetrug etc.) bestätigte
der Beschuldigte, sie hätten dies gemacht, um die Schulden bei den Serben ab-
zuarbeiten (Prot. I S. 152).
2.2.1.27. Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung vom 8. Juni 2021
Tötungsdelikt AE._ sel.
Anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte der Beschuldigte, dass er
AE._ in einen Hinterhalt gelockt und festgehalten habe, um Auskunft über
das Geld oder die Ware zu bekommen. Bei der Ware habe es sich um Drogen,
und zwar diverse Substanzen, gehandelt. Um wie viel Geld es sich gehandelt ha-
be, könne er nicht genau beziffern, es sei aber mehr als Fr. 40'000.– gewesen.
- 86 -
Weiter bestätigte der Beschuldigte, dass er V._ eine Waffe gegeben und sie
angewiesen habe, dafür zu sorgen, dass AE._ nicht fliehen könne, als er mit
diesem zur Toilette gegangen sei. Allerdings wisse er nicht mehr, ob er ihr die
Luftpistole oder eine richtige Waffe gegeben habe. Auf die Frage, ob er AE._
im Verlauf der Nacht mehrere Faustschläge ins Gesicht versetzt habe, führte der
Beschuldigte aus, dieser habe sich halbwegs befreien können, dann sei es zu ei-
nem Gerangel gekommen. Er habe diesen aber nur zurückgestossen, als dieser
auf ihn losgegangen sei. Geschlagen habe er diesen nicht. Er nehme an, dass die
Verletzungen bei der Schlägerei am nächsten Tag entstanden seien. Es sei am
nächsten Tag zu einem Treffen mit anderen Leuten gekommen, bei welchem es
darum gegangen sei, wo die Ware sei. Es sei darum gegangen, dass sie das mit-
einander ausfechten würden. Dort sei es dann zu Handgreiflichkeiten gekommen.
Auf Nachfrage, was er mit "anderen Leuten" meine, gab der Beschuldigte zu Pro-
tokoll, das seien diejenigen, welche im Drogenbusiness tätig gewesen seien, wel-
chen die Ware auch gehört habe. Es sei abgemacht gewesen, dass sie sich mit
diesen Leuten am nächsten Tag treffen würden. Vor Ort seien dann er, AE._
und noch 4 oder 5 andere Leute gewesen. Sie hätten nur Spitznamen voneinan-
der gewusst, sie hätten keine vollen Namen gekannt. Auf die Frage, wann diese
Leute gekommen seien, führte der Beschuldigte aus, irgendwann am Morgen
müsse das gewesen sein. Er wisse nicht mehr, ob es am Morgen oder nach dem
Mittag gewesen sei. V._, seine Kinder und AA._ seien nicht anwesend
gewesen. Er hätte sich mit diesen Leuten hinter dem Haus getroffen. Dort habe
es eine Art Schotterplatz gegeben. Zuerst habe es Diskussionen gegeben. Er ha-
be vieles nicht verstanden, da sie auf Serbisch gesprochen hätten. Dort sei es
dann handgreiflich zwischen denen und AE._ geworden. Am Schluss habe
es geheissen, es müsse geklärt werden, wer von ihnen beiden die Verantwortung
trage. Dann sei es zu diesem Gerangel gekommen, welches mit Schlägen und al-
lem ausgeartet sei. Er habe den Auftrag gehabt, AE._ festzuhalten. Er habe
gesagt, wenn er diesen nicht festhalten könne, würde er sich bei ihnen melden.
Auf die Frage, ob die Aufforderung von den Serben gekommen sei, er immer von
Mafia gesprochen habe, und ob er diesen Begriff auch heute verwenden würde,
- 87 -
sagte der Beschuldigte aus, dieser Ausdruck sei so von der KaPo geäussert wor-
den, sein Ausdruck sei "serbische Geschäftsleute" gewesen (Prot. II S. 64 ff.)
Weiter führte der Beschuldigte aus, es habe dann geheissen, einer von ihnen bei-
den müsse geradestehen. Zuerst sei es zu einem Wortgefecht gekommen, dann
sei es zu einem Stossen und Schlägen gekommen. Zu diesem Zeitpunkt sei
AE._ nicht gefesselt gewesen. Die Handschellen seien diesem abgenommen
worden, als es um die Diskussion gegangen sei. Zuerst sei ein Messer im Spiel
gewesen, welches er AE._ aber schnell abgenommen habe. Dieser sei von
den Reflexen her wirklich nicht schnell gewesen. Dann sei der Kampf nur noch
mit Fäusten gewesen. Auf Vorhalt, er habe in einer früheren Einvernahme gesagt,
AE._ sei mit diesen Serben zu ihm gekommen, und zwar nachmittags zwi-
schen 14.00 Uhr und 16.00 Uhr, obwohl dieser mit AA._ bereits einen Tag
zuvor bei ihm gewesen sei, führte der Beschuldigte aus, er habe dies so ausge-
sagt, weil er die anderen habe schützen wollen, sodass man diese nicht in Ver-
bindung bringt mit dem Festhalten. Deshalb habe er gesagt, dieser sei erst dann
gekommen. Auf die weitere Frage, wann es jetzt gewesen sei, ob am Morgen o-
der am Nachmittag, gab der Beschuldigte zu Protokoll, er könne den Zeitpunkt
wirklich nicht sagen. Er habe damals diese Aussage getroffen, dass dieser erst
gekommen sei an diesem Tag, um die anderen beiden aus dem Geschehenen
herauszuhalten. Er habe das dann ja auch berichtigt und gesagt, dass dies nicht
wahr sei (Prot. II S. 76 ff.).
Auf die Frage, wie es dann weitergegangen sei, führte der Beschuldigte aus, es
sei dann so weit gekommen, dass sie AE._ auf den Boden gesetzt hätten.
Zuerst habe es dann geheissen, er solle diesem den Mund verkleben. Das habe
er auch gemacht. Als es dann geheissen habe, Mund und Nase, habe er dies zu-
erst nicht gewollt, es dann aber doch getan. Das habe er auch zugegeben. Er
stehe dazu, dass er das gemacht habe. Auf entsprechende Frage bestätigte der
Beschuldigte, dass AE._ in der Folge gestorben sei. Auf Vorhalt, er habe völ-
lig anders ausgesagt und früher ausgeführt, nach dem Kampf seien die Serben
weggegangen, gab der Beschuldigte weiter zu Protokoll, diese seien nicht weg
gewesen, sondern sie seien nur hinter den Siloballen gewesen. Diese hätten das
- 88 -
Gelände nicht verlassen. Da gehe es nur um Minuten. Diese seien zuerst wegge-
gangen und hätten gesagt, sie würden einen Moment Zeit haben, um das zu klä-
ren. Dann seien sie zurückgekommen und hätten gesagt, nein, wir klären das
jetzt. Weiter bestätigte der Beschuldigte, dass AA._ nicht dabei gewesen sei.
Auf Vorhalt, dass er in einer früheren Einvernahme behauptet habe, AA._ sei
bei der Tötung dabei gewesen, sagte der Beschuldigte, das habe er nachher ja
widerrufen. Er habe ja gesagt, dass er ihm dort eins habe "reinbremsen" wollen.
Er habe auch gesagt, dass er das bereue. Dies sei dann mit der Verhaftung von
V._ und allem gewesen. Er habe dann aber klar gesagt, dass dies gelogen
gewesen sei. Er habe AA._ von A bis Z überall geschützt. Durch diesen sei
ja dann nachher V._ verhaftet worden, was gegen die Absprache gewesen
sei, welche sie gehabt hätten (Prot. II S. 79 ff.).
Auf die Frage, ob er AE._ auch Klebeband über die Augen geklebt habe,
sagte der Beschuldigte aus, man habe begonnen beim Mund, nachher sei man
nach oben gegangen. Dort selber habe dieser kein Klebeband um die Augen ge-
habt. Auf Vorhalt, dass er diesem einmal Klebeband über die Augen geklebt ha-
be, führte der Beschuldigte aus, erst als sie diesen festgehalten hätten auf dem
Estrich, aber dieses habe man nachher weggenommen. Es sei darum gegangen,
dass dieser nichts sehe. Auf die Frage, wann er den Entschluss gefasst habe,
AE._ zu töten, gab der Beschuldigte zu Protokoll, wie gesagt, dies sei nicht
freiwillig von ihm aus gekommen. Auf die weitere Frage, wie viele Lagen Klebe-
band er diesem über die Nase geklebt habe, führte er aus, drei Umrundungen
müssten das gewesen sein. Er könne es nicht sagen. Auf die weitere Frage, ob er
zugesehen habe, wie dieser gestorben sei, führte der Beschuldigte aus, nein, er
habe versucht, wegzusehen, aber er sei anwesend gewesen. Dieser Vorgang sei
ein paar Sekunden gegangen. Er wisse nicht, ob nachher die Bewusstlosigkeit
eingetreten sei. Dieser sei nach maximal 30 Sekunden regungslos gewesen.
Mehr könne er dazu nicht sagen. Der Beschuldigte bestätigte, daran festzuhalten,
dass er auf Aufforderung von vier serbischen Geschäftsleuten diese Tat began-
gen habe (Prot. II S. 81 ff.).
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Auf weitere Frage, was er V._ gesagt habe, gab der Beschuldigte zu Proto-
koll, die einzige Aussage, die er ihr gegenüber geäussert habe, sei gewesen,
dass dieser tot sei. Mehr habe er nicht gesagt. Er habe ihr gegenüber auch die
Serbenmafia nicht erwähnt, da sie an diesem Tag kein Wort miteinander gespro-
chen hätten. Es könne aber nicht sein, dass sie von allem nichts gewusst haben
solle, da er ihr jedes Mal, wenn er zu Treffen mit diesen gegangen sei, gesagt ha-
be, falls er nicht zurückkehre, solle sie die Behörden informieren. Sogar AA._
habe er darauf aufmerksam gemacht, dass wenn sie nach CC._ gehen wür-
den und etwas schief laufen würde, er zur Polizei gehen solle. Dass er gar nichts
gesagt habe, stimme also nicht. Auf die Frage, warum diese Leute von ihm die
Tötung von AE._ gefordert haben sollten, führte er aus, was ihr Hintergrund
sei, wisse er nicht. Er könne nicht beurteilen, warum diese es so weit hätten
kommen lassen. Er hätte ja keinen Nutzen gehabt, wenn er AE._ einfach et-
was angetan hätte, dann wäre er ja weder an Geld noch an sonst etwas gekom-
men. Auf Vorhalt, dass er gesagt habe, er hätte Schulden bei diesen Leuten ge-
habt, und auf die Frage, wie hoch diese gewesen seien, sagte der Beschuldigte
aus, es gehe um diese Drogenlieferungen. Den effektiven Betrag, den er noch
geschuldet hätte, habe er nicht gesehen. Auf Vorhalt, dass er in der Strafuntersu-
chung viele falsche Angaben und Schutzbehauptungen getätigt habe, und auf die
Frage, ob es sich bei seiner Mafia-Version nicht auch um eine Schutzbehauptung
handle, gab der Beschuldigte zu Protokoll, nein, dort sei es um die Verteidigung
der Mitbeschuldigten gegangen (Prot. II S. 84 ff.).
Auf die weitere Frage, was er mit der Leiche gemacht habe, führte der Beschul-
digte aus, man habe diese in den Anhänger getan bis am Abend und nachher
diesen Graben ausgehoben. Er und V._ hätten diese nachher zu zweit nach
unten getan, begraben und den Graben aufgefüllt. Er und V._ hätten diese in
den Graben getan. Die anderen Leute seien, als AE._ tot gewesen sei, ge-
gangen. Auf Vorhalt, dass er früher anders ausgesagt und zu Protokoll gegeben
habe, V._ sei zwar dabei gewesen, habe selber aber nichts gemacht, führte
der Beschuldigte aus, dies sei gewesen, um sie zu schützen. Er habe alles auf
sich genommen, es seien nun aber viele Faktoren dazu gekommen, die ein Um-
denken bewirkt hätten. Dass er es alleine gemacht haben solle, sei gar nicht mög-
- 90 -
lich gewesen. Dies wäre nicht machbar gewesen. Er habe zu dieser Zeit einen of-
fenen Bruch am Arm gehabt. Bewegungen und solche Sachen seien alleine gar
nicht gegangen. Er habe einfach das Gefühl gehabt, wenn er alles auf sich neh-
me, sei dies die sauberste Lösung, damit die anderen möglichst schnell heraus-
kommen würden. Er habe viel gelogen, das sei Fakt. Als es darum gegangen sei,
die Leiche in den Anhänger zu tun, habe er diese über einen Holzladen hinaufzie-
hen können. Das sei gegangen. Das andere wäre aber nicht gegangen, weil es
eine relativ weite Strecke gewesen sei. Auf weitere Fragen führte der Beschuldig-
te aus, der BMW und Mercedes seien verkauft und der Erlös weitergegeben wor-
den an die Leute, mit denen er zu tun gehabt habe. Er habe noch diverse Aufträ-
ge für diese erledigt, und beim Abarbeiten habe er es dann einfach übergeben. Er
wisse nur noch, dass es einige Geldbeträge gewesen seien. Mehr wisse er wirk-
lich nicht mehr (Prot. II S. 88 ff.).
Tötungsdelikt M._ sel.
Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte dazu aus, er habe
M._ nie Schläge oder Tritte zugefügt. Das stimme nicht. Es sei eigentlich da-
rum gegangen, diesem den Lastwagen wegzunehmen und ihn dann wieder frei-
zulassen. Dass man diesen noch mitgenommen habe und solche Sachen, das sei
alles wirklich nicht durchdacht oder ganz klar geplant gewesen. Es sei einfach da-
rum gegangen, das Geld zu beschaffen. Auf die Frage, ob er es nicht im Auftrag
der serbischen Mafia, dieser Geschäftsleute getan habe, gab der Beschuldigte zu
Protokoll, doch, um das Geld zu beschaffen. Auf die weitere Frage, was diese ihm
gesagt oder vorgegeben hätten, führte er aus, diese hätten ihm gesagt, dass er
das Geld so schnell wie möglich beschaffen müsse und nichts auf sie zurückfallen
dürfe. Dass man alles eliminieren solle. Auf die Frage, ob er mit AA._ und
V._ übereingekommen sei, dass sich diese daran beteiligen würden,
M._ zu überwältigen, bestätigte der Beschuldigte, dass dies so gewesen sei.
Er habe ja immer gesagt, sie wüssten von nichts. Aber niemand komme freiwillig
mit, wenn man nicht wisse, um was die ganze Sache gehe. Beide hätten von An-
fang an sagen können, das, was gewesen sei, stopp, da würden sie gar nicht erst
mitkommen. Dann gehe man nicht noch in einen Store Sachen kaufen. V._
- 91 -
habe gewusst, dass M._ der Lastwagen abgenommen werde und man die-
sen dabei festhalte. Ins Detail sei man nicht gegangen, aber es hätten beide
Kenntnis gehabt, dass es unter Waffeneinfluss stattfinden werde. Auf die Frage,
ob er das unter Waffeneinfluss beiden gesagt habe, bestätigte der Beschuldigte
dies und auf Vorhalt, dies habe er bis heute aber nicht gesagt, machte er geltend,
um diese zu schützen. Auf die weitere Frage, weshalb er diese jetzt nicht mehr
schütze, sagte er aus, er habe auch einiges lernen dürfen im Vollzug. V._
und AA._ hätten gewusst, dass diese Waffen vorhanden waren. Auf weiteren
Vorhalt, dass Vorhandensein und Einsetzen nicht dasselbe sei, gab der Beschul-
digte zu Protokoll, nach dem Fall mit AE._ sei dies klar gewesen. Auf die
Frage, was AA._ von der Überwältigung konkret gewusst habe, sagte der
Beschuldigte aus, man habe sich vorher etwas abgesprochen. Dieser habe an
diesem Tag extra auch noch Termine verschoben. Dass es darum gehe, den
Lastwagen abzunehmen und alles, was im Zusammenhang stehe. Man sei nicht
ins Detail gegangen. Er habe nie gesagt, es werde gleich ablaufen von seiner Sei-
te wie bei AF._. Er habe sich nie geäussert in dieser Hinsicht (Prot. II S. 93
ff.).
Auf die weitere Frage, wieso die Mitbeschuldigten dann gewusst hätten, dass er
eine Waffe einsetzen würde, gab der Beschuldigte zu Protokoll, als sie sich auf
den Weg gemacht hätten, sei das im Raum gestanden im Gespräch. Man habe
sich vorab, bevor man zur Garage in Q._ gegangen sei, getroffen, und dort
habe jeder genau gewusst, was dabei sei. Diese könnten nicht sagen, sie hätten
es nicht gewusst. Dort hätten beide ja immer noch die Möglichkeit gehabt, stopp
zu sagen und dass sie jetzt weggehen würden, aber dies hätten beide nicht ge-
tan. Er habe AA._ gefragt, ob dieser Handschuhe dabei habe. Er habe aber
nichts gesagt, wegen Fingerabdrücken. Er habe einfach gesagt, dass dieser
Handschuhe dabei habe. Dieser habe ja gewusst, was geplant gewesen sei. Auf
die Frage, ob er AA._ ein Entgelt in Aussicht gestellt habe, führte der Be-
schuldigte aus, definitiv nicht. Dies sei eine Aussage gewesen, welche von der
Staatsanwältin gekommen sei. Dort sei es um einen anderen Betrag gegangen.
Dies sei völlig aus dem Zusammenhang gerissen worden. Auf Vorhalt, er habe
früher einmal ausgesagt, dass AA._ mit der Situation völlig überfordert ge-
- 92 -
wesen sei und geschlottert habe, gab der Beschuldigte zu Protokoll, dies sei ge-
logen gewesen. Dieser sei, nachdem M._ gefesselt gewesen sei, noch aus-
gestiegen und eins rauchen gegangen. Auf die Frage, wer M._ die Knie und
Füsse gefesselt habe, führte der Beschuldigte aus, sie beide hätten es getan. Zu-
erst habe er die Waffe gehalten und AA._ habe M._ befestigt. Nachher
bei den Knien sei er es gewesen. Er habe AA._ dann die Waffe gegeben,
dieser habe sie gehalten, und er habe nachher weiter gefesselt. Er könne aber
nicht mehr genau sagen, wie die Abläufe im Lastwagen gewesen seien. Auf die
weitere Frage bestätigte der Beschuldigte, V._ den Befehl gegeben zu ha-
ben, das Telefon von M._ in Q._ zu deponieren (Prot. II S. 97 ff.).
Auf Vorhalt, dass er bestreite, M._ Schläge verpasst zu haben, auf seinen
Handschuhen und Schuhen aber Blutspuren festgestellt worden seien, führte der
Beschuldigte aus, dass dies in der Plache, in welcher dieser eingewickelt gewe-
sen sei, dass dort Gefässe geplatzt seien und nachher Blut daran gekommen sei,
aber geschlagen habe er diesen nie. Auf die Frage, wann er den Entschluss ge-
fasst habe, M._ zu töten, sagte der Beschuldige aus, da würde er gerne auf
die bisher gemachten Aussagen verweisen. Er habe es aber nicht frei gemacht.
Auf die Frage, weshalb er einen Anhänger mitgeführt habe, führte er aus, das
könne er nicht sagen, und auf Vorhalt, der Schluss liege nahe, dass er darin
M._ habe transportieren wollen, gab er zu Protokoll, dann hätte er andere
Optionen gehabt, weil auf dem Pickup sei ein Hardtop gewesen. Dann hätte er
den nehmen können. Er könne es nicht sagen, er wisse es wirklich nicht. Weiter
bestätigte der Beschuldigte, M._ angewiesen zu haben, den Kaufvertrag zu
unterschreiben. Er habe diesem einen Stift in die Hand gegeben und an einem
"Anklemmbrett" den Vertrag befestigt. Er habe die Handschellen nicht gelöst, und
dieser habe den Vertrag im Anhänger unterschrieben. Auf die Frage, wie er
M._ getötet habe, führte der Beschuldigte aus, mit Klebeband. Er habe zwei
Lagen verwendet. Er habe nicht zugesehen, wie M._ gestorben sei. Er sei
dann davon ausgegangen, dass dieser tot sei. Er habe nicht den Puls gemessen.
Er habe sich nicht vergewissert, ob dieser effektiv tot sei. Er sei weggegangen
und dann nach ca. 3 bis 4 Minuten wieder zu diesem hingegangen. Auf die weite-
- 93 -
re Frage, wann V._ dann eingetroffen sei, sagte der Beschuldigte aus, dies
sei einige Minuten nach all dem gewesen (Prot. II S. 100 ff.).
Weiter gab der Beschuldigte zu Protokoll, dass der Anhänger geschlossen und
V._ direkt ins Haus gegangen sei und nicht gefragt habe. Er habe ihr nichts
gesagt, und sie habe dann noch die Kinder ins Bett gebracht. Er habe dann be-
gonnen, den Anhänger zu öffnen, aber er habe M._ nicht alleine umladen
können. Dies sei nicht gegangen. Dort habe sie ihm geholfen, diesen ins andere
Auto umzuladen. V._ habe ihm geholfen, M._ vom Anhänger ins andere
Auto zu tragen. Auf entsprechenden Vorhalt, dass er dies früher ebenfalls anders
ausgesagt habe, indem er zu Protokoll gegeben habe, diese hätte es einfach ge-
sehen, bestätigte er, dass er dies nur so gesagt habe, um sie zu schützen (Prot. II
S. 107 ff.).
Weiter führte der Beschuldigte aus, er sei danach Richtung Zürich gefahren, und
auf entsprechende Frage gab er zu Protokoll, er wisse nicht mehr, was auf dem
Weg alles gewesen sei. Er müsse auf das verweisen, was er bisher gesagt habe.
Er sei dann bei diesem Wald gewesen und habe nochmals kehren müssen, bis
klar gewesen sei, wo er alles andere mache. Es sei eine öffentliche Strasse ge-
wesen. Er habe also schon damit rechnen müssen, dass jederzeit jemand hinzu-
komme. Auf die Frage, ob die Idee gewesen sei, dass man den Leichnam bald
einmal finden würde, sagte der Beschuldigte aus, er könne es nicht sagen. Als er
erfahren habe, dass dieser gefunden worden sei von der Polizei, sei es für ihn
persönlich eine Erleichterung gewesen. Auf die Frage, ob auf der Fahrt von
AI._ nach AQ._ etwas gewesen sei, sagte der Beschuldigte aus, er
könne es nicht sagen. Er wisse es wirklich nicht mehr. Auf Vorhalt, dass er bisher
gesagt habe, er sei auf dieser Fahrt von der Serbenmafia abgepasst worden, und
diese hätten sich den Leichnam zeigen lassen, gab er zu Protokoll, das sei relativ
kurz nach dem Abfahren gewesen, ja. Auf die Frage, ob diese dann plötzlich auf
der Autobahn gewesen seien, führte er aus, nein, das sei irgendwo innerorts ge-
wesen. Da ja bauliche Arbeiten gewesen seien, habe er nicht einfach Richtung
CF._ und auf die Autobahn fahren können. Auf die weitere Frage, woher die-
se Leute gewusst haben sollten, dass er unterwegs sei, sagte er aus, das könne
- 94 -
er nicht sagen. Das wisse er nicht. Weiter führte der Beschuldigte aus, dass der
Erlös aus dem Verkauf dieses Lastwagens weitergegeben worden wäre an diese
Personen. Auf die Frage, wann AA._ überhaupt erfahren habe, was mit
M._ passiert sei, sagte der Beschuldigte aus, das könne er nicht mehr sa-
gen, da müsse er auf das verweisen, was er bisher gesagt habe, und auf die Fra-
ge, wann dieser erfahren habe, dass er AE._ getötet habe, gab er zu Proto-
koll, dies sei knapp einen Tag nach der Tötung von AE._ gewesen (Prot. II
S. 109 ff.).
Auf Vorhalt, er habe ausgesagt, V._ und AA._ hätten gewusst, dass
M._ der Lastwagen abgenommen und dieser festgehalten werde, und auf die
Frage, wann man das mit dem Festhalten von M._ besprochen habe, gab
dieser zu Protokoll, das sei dort gewesen. als es konkreter geworden sei und man
über das Inserat gesprochen habe. Er könne es nicht genau sagen. Er müsse ei-
ne Schätzung abgeben, vielleicht 14 Tage vor dieser ganzen Sache ungefähr. Auf
die weitere Frage, ob die Mitbeschuldigten auch gewusst hätten, dass eine Waffe
zum Einsatz komme bei diesem Festhalten und Überwältigen, führte er aus, er sei
schwer davon ausgegangen, dass diese das auch so wahrnehmen würden. Also
es sei nie Thema gewesen, dass es nicht so wäre. Dies sei im Verlauf vorher be-
sprochen worden, aber den Zeitpunkt könne er wirklich nicht sagen. Es habe zwi-
schen ihm und AA._ regelmässig Treffen gegeben, welche bei diesem vor
Ort stattgefunden hätten. Es sei auch vorgekommen, dass V._ dabei gewe-
sen sei. Er wisse nicht, ob man dort etwas thematisiert habe, er möchte ihr nichts
unterstellen. Zuvor sei es oft so gewesen, dass er mit AA._ etwas bespro-
chen und V._ nachher zuhause darüber informiert habe. Auf die Frage, ob
etwas abgemacht gewesen sei, was mit dem Geld aus dem Verkauf des Lastwa-
gens passiere, sagte der Beschuldigte aus, es sei von Anfang an klar gewesen,
dass sie dies abgeben müssten, und auf die weitere Frage, wem dies klar gewe-
sen sei, gab er zu Protokoll, ihm definitiv. Er sei zu diesem Zeitpunkt relativ viel
weg gewesen. Die Kommunikation habe zum Teil dürftig stattgefunden. Auf die
weitere Frage, was die beiden Mitbeschuldigten für ein Interesse gehabt hätten,
bei dieser Tat mitzuwirken, sagte der Beschuldigte aus, er könne verweisen auf
das, was er gesagt habe. Dass diese sich nicht dazu bekennen würden, sei klar,
- 95 -
sonst würden diese sich ja noch mehr schuldig machen an der ganzen Geschich-
te offiziell. Weiter bestätigte der Beschuldigte, dass er AA._ über die Bedro-
hung informiert habe. Dieser habe darüber Bescheid gewusst. Auch V._ ha-
be davon gewusst. Spätestens zu dem Zeitpunkt, als diese Sache gelaufen sei in
CC._, welche völlig eskaliert sei, hätten beide darüber Bescheid gewusst.
Beide hätten vollumfänglich Bescheid gewusst. AA._ habe sich ja nachher
auch noch eingeklinkt und habe nachgeforscht, wo AE._ sei (Prot. II S. 114
ff.).
Weitere Delikte gemäss Dossier 4 und 6
Diesbezüglich führte der Beschuldigte aus, dass er Ausführungen dazu seinem
Anwalt überlasse respektive darauf verweise, was er bisher gesagt habe (Prot. II
S. 113).
2.2.2. Aussagenwürdigung
Aus der vorstehenden Zusammenfassung geht hervor, dass der Beschuldigte in
verschiedener Hinsicht widersprüchliche Aussagen machte. Einerseits ergeben
sich diese Widersprüche aus den unterschiedlichen Schilderungen betreffend die
Beteiligung von AA._ und V._ an den Delikten zum Nachteil von
AE._ sel. und M._ sel.. Widersprüche ergeben sich auch aus dem Um-
stand, dass der Beschuldigte zuerst alles abstritt, um dann schliesslich mit Aus-
nahme der Vorbringen im Zusammenhang mit der Serbenmafia ein weitgehendes
Geständnis abzulegen. Auch seine Aussagen betreffend diese Mafia sind in sich
nicht konstant. Die Widersprüche im Zusammenhang mit der Beteiligung von
V._ und AA._ lassen sich zwanglos damit erklären, dass der Beschul-
digte seine Ehefrau und den mit ihm befreundeten AA._ möglichst weitge-
hend schützen wollte. Dies geht denn auch aus den Kassibern hervor, welche bei
der Hausdurchsuchung bei V._ gefunden wurden und aus dem Umstand,
dass es - wie der Beschuldigte einräumte - in der Einvernahme vom 23. Juni 2017
zu Kollusion unter den drei Beschuldigten gekommen ist. Damit ist denn auch
vereinbar, dass der Beschuldigte anfing, AA._ zu belasten, nachdem dieser
V._ in seiner Einvernahme vom 9. Januar 2018 belastet hatte und dies zu ih-
- 96 -
rer erneuten Verhaftung führte. Seine Ehefrau dagegen belastete der Beschuldig-
te durchwegs nur soweit, als ihm eigene belastende Aussagen von V._ oder
entsprechende Beweismittel (z.B. Ergebnisse der Auswertung der Mobiltelefone)
vorgehalten wurden. Die Hintergründe für die Widersprüche betreffend die Belas-
tung der Mitbeschuldigten sind zwar erkennbar, dies ändert jedoch nichts daran,
dass sein dem Stand der Untersuchung angepasstes strategisches Aussagever-
halten geeignet ist, Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Darstellung des Beschuldig-
ten aufkommen zu lassen. Anlässlich der Berufungsverhandlung räumte der Be-
schuldigte auch ein, er habe wahrheitswidrig ausgesagt, dass AA._ bei der
Tötung von AE._ anwesend gewesen sei, um AA._ eins "reinzubrem-
sen" (Prot. II S. 80). Er habe dies dann widerrufen und deutlich gesagt, dass dies
gelogen gewesen sei (Prot. II S. 80). Aufgrund der Aussagen von AA._ sei
später V._ verhaftet worden, was gegen die Absprache gewesen sei, welche
sie gehabt hätten (Prot. II S. 80 f.). Auch hinsichtlich V._ wich der Beschul-
digte von seinen bisherigen Belastungen ab, indem er anlässlich der Berufungs-
verhandlung erstmals aussagte, die Beteiligung von V._ sei bislang so im
Raum gestanden, dass diese nichts geholfen und gemacht habe, was so aber
nicht zutreffe, auch vom Wissen her (Prot. II S. 65). Er und V._ hätten ge-
meinsam den Leichnam von AE._ in den Graben getan und den Graben
dann aufgefüllt (Prot. II S. 88 f.). Er habe damals nur gesagt, sie hätte nichts ge-
macht, um sie zu schützen (Prot. II S. 89). Auch im Zusammenhang mit dem Tö-
tungsdelikt zum Nachteil von M._ sel. führte der Beschuldigte abweichend
aus, dass V._ ihm geholfen habe, dessen Leichnam vom Anhänger in den
Subaru-Kofferraum zu tragen (Prot. II S. 108). Zudem habe sie gewusst, dass
beim Festhalten und Überwältigen von M._ eine Waffe zum Einsatz komme
(Prot. II S. 95 und S. 115).
Nicht erklärbar sind die Widersprüche in seinen Ausführungen betreffend die Ge-
schäfte mit den Serben und den Umfang dieser Geschäfte, bzw. sein finanzielles
Engagement. In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 4. Juli 2016
sprach er von Krediten, welche ihm die Serben für die AJ._ GmbH gegeben
hätten und deren Rückzahlung sie verlangt hätten unter Bedrohung für das Leben
seiner Familienangehörigen, indem ihm eine Pistole an den Kopf gehalten worden
- 97 -
sei und er angewiesen worden sei, einen Fahrzeugkauf vorzutäuschen und einen
Menschen zu töten. Die Kreditsumme bezifferte er in der polizeilichen Einvernah-
me vom 21. Juli 2016 auf Fr. 60'000.– zuzüglich Fr. 5'000.– Zins und erklärte, er
habe dem serbischen Geschäftsmann Fr. 40'000.– aus seinem Erbvorbezug ge-
geben. Diese Aussagen des Beschuldigten betreffend die Kredite, die er sich bei
den Serben beschafft habe, sind vereinbar mit der desolaten finanziellen Situation
und dem Umstand, dass die von ihm betriebene AJ._ GmbH Konkurs war. In
seinem schriftlichen Geständnis vom 27. Juli 2016 und der untersuchungsrichter-
lichen Einvernahme vom gleichen Datum führte der Beschuldigte aus, er habe
nichts mit den Drogengeschäften von AE._ zu tun gehabt, welcher Mitglied
der serbischen Mafia gewesen sei. In keiner der zahlreichen weiteren Einvernah-
men korrigierte er seine Darstellung betreffend Kredite und deren Höhe bis er
schliesslich in der polizeilichen Einvernahme vom 25. Januar 2018 erstmals von
Geldtransaktionen sprach, an denen er und AA._ beteiligt gewesen seien. Er
schilderte erstmals, dass AE._ Ware habe verschwinden lassen, bzw. eine
Warenlieferung verschwunden sei, und er von den Serben den Auftrag erhalten
habe, AE._ festzuhalten, bis die Serben bei ihm seien. In der Einvernahme
vom 26. Februar 2018 reichte der Beschuldigte ein Schreiben ein, in welchem er
beschrieb, dass er für die Serben Pakete transportiert habe, für jeden Transport
Fr. 1'500.– bekommen habe, Fr. 60'000.– habe auf die Seite legen können und
AE._ ihm angeboten habe, dass er das Geld investieren könne, was er
mehrmals gemacht habe. Erstmals ist die Rede davon, dass er zusammen mit
AE._ mehrere Fr. 100'000.– bei den Serben aufgenommen habe und sich
AA._ gelegentlich daran beteiligt habe. Es sei denn auch um mehrere Fr.
100'000.– gegangen, als die Serben ihm nach der Tötung von AE._ Frist an-
gesetzt hätten. In der Einvernahme vom 6. März 2018 sagte er aus, die ursprüng-
liche Aussage betreffend die Darlehen von Fr. 65'000.– sei eine Schutzbehaup-
tung gewesen. Dieses widersprüchliche Aussageverhalten betreffend die Kredit-
aufnahme bzw. die Geldinvestitionen in Drogengeschäfte lässt ebenfalls an der
Glaubhaftigkeit der Darstellung des Beschuldigten zweifeln, sprach er doch selber
mehrfach davon, dass er Schutzbehauptungen getätigt habe. In der Einvernahme
vom 21. März 2018 erklärte er auf die Frage, weshalb er nicht früher ausgeführt
- 98 -
habe, in welche Aktivitäten er verwickelt gewesen sei, er habe AE._ nicht
noch mehr in ein schlechtes Licht rücken wollen, da er tot sei und sich nicht recht-
fertigen könne. Diese Erklärung ist vor dem Hintergrund, dass AE._ sel. auf
Anweisung der Serben versucht haben soll, den Beschuldigten umzubringen,
nicht nachvollziehbar. Unerklärlich bleibt denn auch, weshalb der Beschuldigte
dann doch noch einen Sinneswandel durchgemacht haben soll und AE._ sel.
in ein schlechtes Licht rückte. Ganz allgemein ist festzuhalten, dass sich nicht
vernünftig erklären lässt, weshalb der Beschuldigte das Vorgehen der Serbenma-
fia und die Verstrickung von AE._ sel. mit dieser Mafia, nicht bereits in einem
frühen Stadium der Untersuchung darlegte, wären diese Umstände doch offen-
kundig geeignet, die Tatschwere der von ihm eingestandenen Tötungsdelikte
stark zu relativieren und seine Position im Verfahren zu verbessern. Dass er in
der Konfrontationseinvernahme vom 28. Juni 2018 erklärte, er habe in der Straf-
untersuchung viele falsche Angaben und Schutzbehauptungen getätigt, welche er
nun in seiner schriftlichen Stellungnahme berichtige (Urk. D1/06/18 S. 3) und
auch in der Befragung vor Vorinstanz festhielt, er habe am Anfang relativ viele
Schutzbehauptungen getätigt (Prot. I S. 64), spricht nicht für die Glaubhaftigkeit
seiner Darstellung. Auch anlässlich der Berufungsverhandlung bestätigte der Be-
schuldigte, dass er relativ viel gelogen habe; das sei Fakt (Prot. II S. 90). Es
drängt sich vielmehr die Frage auf, ob denn die letzte Schilderung der Gescheh-
nisse wieder eine neue Schutzbehauptung darstellt. Die Inkonstanz in der Darstel-
lung erweckt den Eindruck, dass der Beschuldigte seine Aussagen dem jeweili-
gen Ermittlungsergebnis anpasst und die Anpassung als Richtigstellung einer
Schutzbehauptung deklariert. Als Beispiel dienen kann das Aussageverhalten im
Zusammenhang mit der Frage, wie er in den Besitz der bei der Hausdurchsu-
chung sichergestellten Waffe Beretta gekommen sei. In der Einvernahme vom
4. Juli 2016 sagte er aus, die Serben hätten ihm die Pistole Beretta gegeben und
gesagt, er müsse einen Fahrzeugkauf vortäuschen und diesen Menschen töten
(Urk. D1/02/02 S. 2 f.). An dieser Darstellung betreffend den Erhalt der Waffe hielt
er auch in der Einvernahme vom 25. August 2016 fest (Urk. D1/02/08 S. 8) und
erklärte in der Einvernahme vom 17. November 2016, BO._ lüge, wenn er
aussage, A._ habe die Berettta bei ihm gekauft (Urk. D1/02/13 S. 14). In der
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Konfrontationseinvernahme vom 29. November 2016 räumte er schliesslich ein,
er habe die Beretta von BO._ gekauft. Seine anfängliche Aussage, dass er
die Berettta von den Serben erhalten habe, sei eine Schutzbehauptung gewesen,
da er sich selbst des widerrechtlichen Erwerbs einer Waffe belastet hätte (Urk.
D1/06/01 S. 38 f.). Vor dem Hintergrund, dass erstellt und vom Beschuldigten an-
erkannt ist, dass er zwei Menschen umgebracht hat, ist schwer nachvollziehbar,
dass er, der massiv von der Serbenmafia bedroht worden sein soll, sich Gedan-
ken darüber macht, ob man ihm den widerrechtlichen Erwerb einer Waffe vorwer-
fen könnte. Aufhorchen lässt, dass er nicht zögerte, die Übergabe der Waffe auf
die Serben abzuwälzen. Dies wirft grundsätzlich die Frage auf, wo in der Darstel-
lung des Beschuldigten die Wahrheit und wo eine blosse Schutzbehauptung liegt.
Wichtig erscheint sodann, dass die Aussagen des Beschuldigten betreffend die
mit den Serben getätigten illegalen Geschäfte weitgehend schwammig und diffus
ausgefallen sind. Sowohl in der Untersuchung wie auch vor Vorinstanz wurde er
aufgefordert, seine Aussagen zu konkretisieren, ohne dass er dieser Aufforderung
nachgekommen wäre. Häufig verweigerte er auf konkretes Nachfragen die Aus-
sage oder erklärte, er werde das nicht näher ausführen, da er sich nicht selbst be-
lasten müsse. So machte er lange Zeit keine Angaben zur "Ware", in die er seine
Investments getätigt habe, um dann einzuräumen, dass es um Drogen gegangen
sei. Selbstredend darf die Aussageverweigerung nicht zulasten des Beschuldigten
gewürdigt werden und ist er nicht gehalten, sich selbst zu belasten. Dies ändert
jedoch nichts daran, dass seine über weite Strecken pauschale und nicht über
Andeutungen hinausgehende Darstellung betreffend die mit den Serben getätig-
ten Geschäfte, die Kriterien der Detaillierung und Konstanz nicht erfüllt, welche
Merkmale für die Glaubhaftigkeit von Aussagen darstellen. Der Beschuldigte wur-
de vor Vorinstanz denn auch darauf hingewiesen, dass seine Schilderungen be-
züglich Waren, Drogen, aufgeflogene Ladungen und Paketen ohne jegliche De-
tails und ohne jegliche Lebensnähe erfolgt seien. Er wurde aufgefordert, Details
dazu zu schildern und erklärte, er wolle nicht darauf eingehen. Er gebe zu, dass
er das gemacht habe, aber er gehe nicht weiter darauf ein (Prot. I S. 84). Nicht zu
überzeugen vermag ferner das Vorbringen des Beschuldigten, dass er aus Rück-
sichtnahme auf AE._ nicht sage, um welche Ware und welches Geld es ge-
- 100 -
gangen sei, da dieser tot sei und sich nicht wehren könne, zumal er AE._ sel.
gleichzeitig massiv belastete und pauschal geltend machte, dieser gehöre der
serbischen Mafia an und habe auf Geheiss der Mafia versucht, ihn zu töten.
Seine Darstellung betreffend die Kontaktaufnahme mit den Serben über die Per-
son namens BR._ mutet insofern seltsam an, als der Beschuldigte stets ein-
fach ohne vorgängige Ankündigung oder Abmachung eines festen Turnus an
dessen Wohnort gefahren sein will und dieser BR._ dann ohne längere War-
tezeiten herausgekommen sei. In die gleiche Richtung geht die Behauptung des
Beschuldigten, die Serben hätten ihn abgefangen, als er ziellos mit der Leiche
von M._ im Kofferraum herumgefahren sei. Er wisse auch nicht, woher diese
gewusst hätten, wo er sich aufgehalten habe, er habe nie einen Tracker an sei-
nem Fahrzeug festgestellt (Urk. D1/02/02 S.8).
Das Vorbringen des Beschuldigten, wonach die Serben AE._ aufgefordert
hätten, ihn umzubringen, erscheint als nicht plausibel. Es ist in keiner Weise er-
kennbar, was für ein Vorteil für die Serben aus dem Tod ihres Schuldners (des
Beschuldigten) resultiert haben sollte, der ihnen nach Darstellung des Beschuldig-
ten mehrere Fr. 100'000.– geschuldet haben soll und nach dem Verlust einer ers-
ten Fuhre brav seine Schulden abgearbeitet haben soll. Auch eine Tötung von
AE._ sel. erweist sich nicht als zielführend für das Auffinden der Drogen, die
dieser habe verschwinden lassen. Der Beschuldigte machte nicht geltend,
AE._ habe gesagt, wo sich die Ware befindet. Unter diesen Umständen hätte
seine Tötung das Auffinden der verschwundenen Ware verunmöglicht, was kei-
nen Sinn macht. Aus den gleichen Gründen leuchtet nicht ein, weshalb die Ser-
ben ihren Schuldner (Beschuldigter) anweisen sollten, eine Person (M._ sel.)
umzubringen, zumal die Gefahr bestand, dass ihr Schuldner verhaftet würde, was
vorliegend dann auch geschah. Wie bereits erwähnt wirkt es völlig lebensfremd,
dass die Serben dem mitten in der Nacht planlos mit einer Leiche im Kofferraum
herumfahrenden Beschuldigten abgepasst haben sollen, um sich die Leiche zei-
gen zu lassen. Diese Personen hatten nach der eigenen Darstellung des Be-
schuldigten keinen Kontakt mit ihm, wussten nicht, wann und wo er M._ sel.
umbringen und sich der Leiche entledigen würde.
- 101 -
Die Auswertung der Mobiltelefone hat ergeben, dass zum Zeitpunkt der Tötung
von AE._ sel., welche gemäss Darstellung des Beschuldigten am 28. April
2016 zwischen ca. 09.30 Uhr und 10.15 Uhr erfolgt wäre (Urk. D1/02/18 S. 23),
das Mobiltelefon von AA._ den Antennenstandort an dessen Arbeitsort und
nicht am Wohnort des Beschuldigten hatte und dass in dieser Zeit Telefonate von
diesem Mobiltelefon aus getätigt wurden (Beilage zur Urk. D1/02/18 Anrufliste
vom 27. und 28.04.2016 RTI A._, AA._, V._). Diese Ergebnisse der
Telefonauswertung stimmen mit den Aussagen von AA._ überein, nicht da-
gegen mit der Darstellung des Beschuldigten, wonach AA._ dabei gewesen
sei, als die Serben ihn aufgesucht hätten und AE._ umgebracht wurde. Die
Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte betreffend
den Zeitpunkt der Tötung von AE._ sel. inkonstant aussagte (Urk. 281 S. 28
f.) und seine Aussagen dem Stand der Ermittlungen betreffend die Abwesenheit
von V._ anpasste. Es kann auf ihre Erwägungen verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO; Urk. 281 S. 28 f.). Somit ist festzuhalten, dass der Beschuldigte zu-
erst aussagte, die Serben seien am Mittag bzw. am frühen Nachmittag in
AI._ gewesen, um dann nach Ermittlung der Antennenstandorte von V._
sowie der Erfassung ihrer Cumulus-Karte am früheren Morgen in der Migros ver-
bunden mit ihrer Aussage, dass sie nach dem Einkaufen direkt nach Hause ge-
fahren sei, zu erklären, es sei möglich, dass die Serben früher bei ihm eingetrof-
fen seien.
Das Aussageverhalten des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung
zeigt erneut deutlich, dass er grösstenteils detailarm und diffus aussagte, die ihm
gestellten Fragen lediglich ausweichend beantwortete und seine Aussagen wider-
sprüchlich und inkonsistent waren. Zudem schreckte er nicht davor zurück, die
Mitbeschuldigten falsch zu belasten, was er so auch einräumte, indem er zu Pro-
tokoll gab, er habe AA._ mit seiner wahrheitswidrigen Belastung eins "rein-
bremsen" wollen.
Die Aussagen des Beschuldigten betreffend Drohungen, Zwang und Gewaltan-
wendung durch die Serbenmafia, welche schon für sich betrachtet nicht schlüssig,
über weite Strecken diffus und detailarm sind und während der Untersuchung
- 102 -
auch ständig etwas angepasst wurden, erscheinen insgesamt als nicht glaubhaft.
Nachfolgend bleibt zu prüfen, ob die Darstellung des Beschuldigten eine Stütze
findet in weiteren Beweismitteln.
2.3. Weitere Beweismittel
2.3.1. Aussagen von AA._ und V._
2.3.1.1. Aussagen von AA._
AA._ äusserte sich in seiner untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 9.
Januar 2018 (Urk. D1/02/11) und in der Konfrontationseinvernahme mit dem Be-
schuldigten und V._ vom 22. Mai 2018 (Urk. D1/06/14) klar zum Thema der
serbischen Mafia: Auf die Frage, was er von der Aussage von A._ betreffend
die serbische Mafia halte, erklärte AA._ in der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme vom 9. Januar 2018 zuerst, er mache keine Aussagen zu dieser Frage
(Urk. D1/03/11 S. 22). Im weiteren Verlauf dieser Einvernahme sagte er aus, bei
der Einvernahme von Herrn und Frau AE._ im Sommer hätten V._,
A._ und er die Möglichkeit zur Kollusion gehabt. A._ habe ihm gesagt,
er solle seine Aussagen denjenigen von A._ anpassen. Bis zu jenem Tag sei
er der Meinung gewesen, dass etwas mit der serbischen Mafia los sei, weil einige
Male Fahrzeuge mit serbischen Kennzeichen bei ihm zuhause herum gewesen
seien. Er habe A._ gefragt, ob er etwas zu befürchten habe, er habe gesagt,
er und V._ hätten nichts zu befürchten, die wollten nur ihn (A._) (Urk.
D1/03/11 S. 29). Er habe ihn gefragt, wann er AE._ getötet habe. A._
habe geantwortet, das sei gewesen, als V._ und er den Mercedes holen ge-
gangen seien. Er denke, dass A._ mit der Drogengeschichte eine grosse
Menge Geld verloren gegangen sei. Nach seiner Ansicht sei es Rache gewesen.
Bei M._ sei es ums Geld gegangen. Es habe niemand wegen der Mafia ster-
ben müssen, sondern man habe den Lebensstandard nicht mehr finanzieren kön-
nen. Wenn er von AE._ gewusst hätte, wäre er bei M._ gar nicht mitge-
gangen (Urk. D1/03/11 S. 30). Auf die Frage, warum A._ das für den Kauf
eines Anhängers investierte Geld von Fr. 2'000.– bzw. Fr. 3'000.– nicht der serbi-
schen Mafia gegeben habe, antwortete AA._ schliesslich: "Hören Sie doch
- 103 -
auf mit dieser serbischen Mafia! Das ist alles Scheisse! Das gibt es doch nicht!
Das hat er doch in den eigenen Sack getan! Ich weiss nicht, was er mit dem Geld
gemacht hat, Ich habe für mein Geld gearbeitet. Ich kann das Wort Mafia nicht
mehr hören. Den Bullshit gibt es sicher nicht" (Urk. D1/03/11 S. 45). Diese an
Deutlichkeit nicht zu übertreffende Äusserung von AA._ lässt keine Zweifel
daran aufkommen, dass AA._ sich nicht von einer Serbenmafia bedroht fühl-
te. Daran hielt er auch in der Konfrontationseinvernahme mit dem Beschuldigten
fest:
In der Konfrontationseinvernahme vom 22. Mai 2018 (Urk. D1/06/14) sagte
AA._ bezüglich AE._ sel. aus, es sei geplant gewesen, dass er mit
AE._ zu A._ nach Hause gehe und die beiden dort miteinander spre-
chen würden. Er habe gewusst, dass A._ von AE._ betrogen worden sei
(Urk. D1/06/14). A:_ habe vorgeschlagen, er solle sagen, A._ sei nicht
zu Hause. Er habe AE._ gesagt, sie würden die Indooranlage holen, die bei
A._ stehe. A._ habe ihm gesagt, er wolle das Geld von AE._ zu-
rückerhalten, er wolle mit AE._ reden und würde alles andere selbst regeln.
Er sei davon ausgegangen, es könnte ein Handgemenge geben oder eine verbale
Auseinandersetzung. Er habe nichts zu tun haben wollen mit den Geschäften, die
die beiden miteinander hatten (Urk. D1/06/14 S. 4). Als er A._ gesagt habe,
dass das Auto von AE._ kaputt sei, habe er gesagt, das sei gut, er wolle das
Auto auch haben und er solle dafür sorgen, dass es zusammen mit AE._ zu
ihm komme. Er habe mit V._ nicht über die Angelegenheit gesprochen.
V._ habe gewusst, um wieviel Geld es gehe, mit dem AE._ betrogen
habe. Was sie sonst gewusst habe, das wisse er nicht (Urk. D1/06/14 S. 7). Er
habe AE._ gesagt, er kenne jemanden, der den BMW flicke. Auf der Fahrt an
den Wohnort von A._ seien sie an der Post vorbeigefahren, da habe
AE._ Geld abgehoben. Er habe ihm gesagt, er brauche einen Vorschuss. Bei
A._ angekommen habe dieser "Hände hoch" gerufen und sie sollten sich auf
den Boden legen. A._ habe ihm Handschellen gegeben, die er AE._
angelegt habe. Dann seien sie in die Küche gegangen (Urk. D1/06/14 S. 8). Er
habe gedacht, sie könnten miteinander reden, dass es schlimmstenfalls ein
Handgemenge gebe. Er habe A._ gefragt, ob er einen Pfefferspray habe,
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das wäre die letzte Option gewesen (Urk. D1/06/14 S. 10). Er habe ein bisschen
Kenntnis davon gehabt, dass es um illegale Aktivitäten gegangen sei, da würde ja
keiner heulend zur Polizei rennen (Urk. D1/06/14 S. 11). Beim Gespräch in der
Küche sei es zwischen den beiden laut geworden. Zwischenzeitlich sei auch
V._ hinzugekommen und habe sich beteiligt. Es sei darum gegangen, dass
A._ sein Geld und seine Ware wolle. AE._ habe gesagt, er sei verarscht
worden, sie hätten ihn gefickt. V._ habe gesagt, es gehe ja nicht gerade um
wenig, er solle die Ware herausrücken (Urk. D1/06/14 S. 12). Am nächsten Tag
habe A._ erzählt, dass es gut gegangen sei und dass AE._ mit einer
Vertrauensperson von A._ nach Serbien gefahren sei, um die Ware abzuho-
len. Der Fahrzeugausweis für den BMW sei nicht vorhanden gewesen. A._
habe gesagt, er solle H._ sagen, dass sie das Auto von AE._ gekauft
hätten und den Fahrzeugausweis bräuchten. Er habe H._ angerufen, wel-
cher einen Vertrag habe sehen wollen. A._ habe ihn gefragt nach ein paar
Daten, die er in den Vertrag hineinschreiben könne, dann habe er (AA._) den
Vertrag H._ geschickt. A._ habe V._ geschickt, den Fahrzeugaus-
weis abzuholen. Später sei H._ zwei Mal bei ihm vorbeigekommen und habe
nach dem Verbleib von AE._ gefragt und Vorwürfe gemacht, man habe
AE._ umgebracht (Urk. D1/06/14 S. 13). A._ habe die Polizei gerufen,
diese sei gekommen und habe H._s Personalien kontrolliert. Danach habe er
nichts mehr von H._ gehört und sei davon ausgegangen, dass AE._
sich gemeldet habe und alles wieder gut sei. Er habe H._ nicht gesagt, dass
AE._ in Serbien sei, da er dann über die illegalen Sachen hätte sprechen
müssen, über die er nicht Bescheid wisse und da A._ zu ihm gesagt habe, er
solle H._ nicht zu viel erzählen (Urk. D1/06/14 S. 14).
Beim Gespräch in der Küche habe meistens A._ gesprochen, V._ habe
sehr wenig gesagt, und er habe sich ziemlich rausgehalten, da er nicht 100 %
gewusst habe, worum es gegangen sei (Urk. D1/06/14 S. 22). A._ habe zu
AE._ gesagt, wegen ihm gehe alles kaputt, er wolle die Ware, das Geld zu-
rück, er habe ihn um viel Geld gebracht. V._ habe gesagt, er solle sagen, wo
das Geld sei, er solle das zurückgeben. Er (AA._) habe ein Stück weit ver-
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sucht, zu vermitteln, habe gesagt, sie sollten doch das Problem lösen (Urk.
D1/06/14 S. 22).
Er habe sich vorstellen können, dass AE._ eins aufs Maul bekomme und ha-
be mitgemacht, damit A._ das Geld zurückerhalte. Bei der Kollusion habe
A._ gesagt, AE._ habe sein Leben zerstört (Urk. D1/06/14 S. 27).
Auf Vorhalt, dass ihm A._ am 7. Mai 2016 Screenshots aus der Kommunika-
tion mit H._ geschickt habe, in welcher H._ ihm vorwerfe, dass er
AE._ ermordet habe, erklärte AA._, es könne sein, dass er A._ da-
rauf angesprochen habe, was das solle. Er habe A._ nicht zugetraut, dass er
fähig sei, jemanden umzubringen (Urk. D1/06/14 S. 41). Im Telefongespräch mit
A._ im Anschluss an die Zustellung der Mitteilung betreffend die Vorwürfe
von H._ habe er A._ gefragt, ob das stimme oder nicht. Es sei ziemlich
naheliegend, dass er geantwortet habe, dass er niemanden umgebracht habe. Er
könne sich nicht an das Telefonat erinnern, aber A._ habe ihm nie gesagt,
dass er jemanden umgebracht habe. Wenn es so gewesen wäre, hätte er die Po-
lizei kontaktiert oder den Kontakt zu A._ abgebrochen. Als H._ wieder
bei ihm (AA._) gewesen sei, habe A._ die Polizei gerufen. Auch die er-
fahrenen Beamten hätten gesagt, es sei nur blabla, deshalb habe auch er nicht
gedacht, dass an diesen Vorwürfen etwas dran sei (Urk. D1/06/14 S. 42). Er habe
versucht, AE._ anzurufen, es sei aber immer die Combox gekommen. Nach-
dem es ruhig geworden sei, H._ nicht mehr gekommen sei, habe er gedacht,
AE._ sei wieder aufgetaucht (Urk. D1/06/14 S. 43).
Bevor der Polizist ihn angerufen habe, habe ihn A._ informiert, dass die Poli-
zei ihn kontaktieren werde. Er solle sagen, dass er mit ihm zusammen gewesen
sei, sie den BMW zusammen gekauft hätten und AE._ nach CF._ ge-
fahren sei (Urk. D1/06/14 S. 44).
Auf die Frage, was er von der Geschichte von A._ halte, dass er die Tö-
tungsdelikte habe begehen müssen wegen Drohungen der serbischen Mafia,
lachte AA._ und erklärte, das sei realitätsfern, er denke, diese Aussagen sei-
en zustande gekommen, damit er als Person im Mittelpunkt stehe und nicht als
- 106 -
Nebenrolle dastehe, damit er im Gefängnis sagen könne, er habe das tun müs-
sen, um vor seinen Mitgefangenen besser dazustehen und nicht grundlos jeman-
den umgebracht zu haben (Urk. D1/06/14 S. 48).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass AA._ mit aller Deutlichkeit zum
Ausdruck brachte, wie er das Vorbringen des Beschuldigten betreffend die Be-
drohung durch die Serbienmafia beurteilt. Aus seinem Vorbringen geht hervor,
dass er nichts von der Serbenmafia und von Drohungen gegen A._ und des-
sen Familie oder gegen ihn und seine Familie weiss und solche auch für unrealis-
tisch hält. Da erstellt ist, dass AA._ bei der Festhaltung von AE._ sel.
beteiligt war (der vorinstanzliche Schuldspruch gegen ihn betreffend Freiheitsbe-
raubung und Entführung ist in Rechtskraft erwachsen) und auch beim Delikt ge-
gen M._ sel. beteiligt war, ist davon auszugehen, dass seine Tatbeiträge in
einem günstigeren Licht erscheinen würden, wenn sie unter dem Eindruck einer
massiven Drohung gegen ihn, seine Familie, gegen seinen Freund A._ und
dessen Familie erfolgt wären. Es bestünde daher ein Interesse von AA._ da-
ran, das Vorbringen des Beschuldigten betreffend die Serbenmafia zu bestätigen.
Da A._ und AA._ miteinander befreundet waren und - wie die Auswer-
tung des Chatverkehrs ergab - regen Kontakt miteinander unterhielten, wäre zu
erwarten, dass A._ AA._ von der Bedrohungssituation in Kenntnis ge-
setzt hätte. Dass AA._ die Darstellung des Beschuldigten betreffend Bedro-
hung durch die Serbenmafia nicht bestätigt, stellt vor diesem Hintergrund ein wei-
teres Indiz gegen die Glaubhaftigkeit der Darstellung des Beschuldigten dar.
2.3.1.2. Aussagen von V._
In der polizeilichen Einvernahme vom 6. September 2016 sagte V._ auf Vor-
halt, dass A._ in seinem schriftlichen Geständnis geschrieben habe, er sei
von Serben bedroht worden und auf die Frage, was sie dazu sagen könne, viel-
leicht sei er von jemandem bedroht worden, aber sie wisse nicht von wem. Sie
hätten überall Überwachungskameras gehabt. Der Beschuldigte habe sich ihr ge-
genüber konkret nicht über eine Bedrohung geäussert, er habe sich einfach vor
allem dann geäussert, als der Bruder von Herrn AE._ erschienen sei. Dieser
habe auch SMS Drohungen geschickt (Urk. D1/05/08 S. 19). Auf die Frage, ob
- 107 -
auch die Familie von AA._ von einer serbischen Gruppierung bedroht wor-
den sei, erklärte sie, sie wisse, dass der Bruder von Herrn AE._ auch bei der
Familie von AA._ gewesen sei (Urk. D1/05/08 S. 20).
In der polizeilichen Befragung vom 2. März 2018 wurde V._ vorgehalten,
dass A._ aussage, er sei von Serben gezwungen worden, AE._ zu tö-
ten, er habe das machen müssen, weil sie sonst ihn oder seine Familie töten wür-
den. Sie erklärte, sie könne es sich nicht vorstellen, dass es wirklich so gewesen
sei. Sie habe nie mitbekommen, dass sie direkt bedroht worden seien. Er habe
Beziehungen zu Serben, aber so wie er beschreibe zur serbischen Mafia, könne
sie es sich nicht vorstellen (Urk. D1/05/14 S. 7).
In der polizeilichen Einvernahme vom 15. März 2018 sagte sie aus, A._ habe
ihr vor oder nach dem 3. Juni 2016 nie erzählt, dass er Schulden bei Serben oder
ihr unbekannten Personen zurückzahlen müsse (Urk. D1/05/15 S. 15). Auf die
Frage, ob A._ in den Tagen vor der Fahrt nach Q._ am 3. Juni 2016 ha-
be verhindern wollen, dass sie und die Kinder alleine an ihrem Wohnort bleibe,
verneinte sie und erklärte, es habe meistens geheissen, sie solle zu Hause blei-
ben (Urk. D1/05/15 S. 20).
V._ sagte in der Einvernahme vom 5. April 2018 im Zusammenhang mit der
Tötung von AE._ sel. aus, A._ habe gesagt, er habe das tun müssen.
Sie glaube, er habe Angst gehabt vor der Familie von AE._. Er habe wegen
der Familie von AE._ auch die weiteren Überwachungskameras zugelegt.
Sie denke, wenn er AE._ frei gelassen hätte, hätte dieser das nicht einfach
so hingenommen. A._ habe ja auch öfter gesagt, es sei gefährlich wegen der
Drogensache und es sei besser, wenn sie nicht zu viel wisse. A._ habe nie
gesagt, er habe einen Auftrag erhalten, AE._ festzuhalten. Er habe ihr nie
erzählt, er werde von Serben oder anderen Menschen ausser der Familie
AE._ bedroht (Urk. D1/05/18 S. 3). A._ habe zusätzliche Überwa-
chungskameras angeschafft wegen der Familie AE._. H._ sei ein paar
Mal bei ihnen aufgetaucht. Sie habe Angst gehabt wegen der Kinder, habe Be-
denken gehabt, wenn er mitten in der Nacht auftauchen würde (Urk. D1/05/18 S.
13). Sie halte es nicht für möglich, dass die serbische Mafia am 28. April 2016
- 108 -
aufgetaucht sei, nachdem sie weggefahren sei, um die Kinder zu holen, da sie
nicht so lange weggewesen sei und niemanden gesehen habe, als sie wieder
heim gekommen sei, vorher nie etwas von dieser serbischen Mafia gehört habe
und nicht wisse, ob es diese gebe (Urk. D1/05/18 S. 15). A._ habe bis zu
seiner Verhaftung nie von der serbischen Mafia gesprochen. Er habe immer nur
von der Familie AE._ gesprochen und dass dies eine grössere Familie mit
einem Netzwerk sei (Urk. D1/05/18 S. 16). Ihre diesbezügliche Aussage stimmt
überein mit den Ausführungen des Beschuldigten in seinem ersten schriftlichen
Geständnis vom 25. Juli 2016, in welchem er schrieb, er habe Angst, dass es ein
Blutbad gebe, wenn der Leichnam von AE._ gefunden werde. Deshalb forde-
re er Schutz der Personen, die bedroht worden seien. Die Familie AE._ sei
eine eigene Mafia und werde den Tod rächen (Urk. D1/02/06 S. 10).
In der polizeilichen Befragung vom 17. April 2018 sagte V._ aus, sie glaube
die ganze Serben- und Mafia-Theorie nicht (Urk. D1/05/19 S. 24). A._ habe
ihr, als sie mit den Kindern nach Hause gekommen sei, erzählt, dass er AE._
getötet habe und die Leiche im Anhänger sei. Er habe es tun müssen, habe keine
andere Wahl gehabt. Er habe AE._ nicht mehr gehen lassen können, weil er
sonst ihn oder sie getötet hätte oder den Kindern etwas angetan hätte (Urk.
D1/05/15 S. 28). In die gleiche Richtung geht ihre Aussage in der polizeilichen
Einvernahme vom 7. Mai 2018, wonach A._ ihr nach der Tötung von
AE._ gesagt habe, sie solle aufpassen, die Familie sei gefährlich. Er habe
gesagt, er habe keine andere Wahl gehabt, er habe das tun müssen, sonst hätten
sie ihr oder den Kindern etwas angetan. Sie habe es ihm geglaubt, da das für sie
eine Rechtfertigung gewesen sei, dass er das gemacht habe, um sie zu schützen
(Urk. D1/05/20 S. 2). A._ habe nicht gesagt, welche Person ihn dazu ge-
zwungen habe (Urk. D1/05/20 S. 3). H._ sei bei ihnen und bei AA._ ge-
wesen. Von der serbischen Mafia habe sie erst im Geständnis von A._ gele-
sen (Urk. D1/05/20 S. 3). A._ habe ihr erklärt, er habe das gemacht, um sei-
ne Familie zu schützen, vor allem sie und die Kinder, er habe das machen müs-
sen, weil sonst AE._ ihnen etwas angetan hätte. Von der serbischen Mafia
habe er nichts erzählt (Urk. D1/05/20 S. 25).
- 109 -
In der polizeilichen Einvernahme vom 14. Mai 2018 sagte sie aus, dass A._
bei CE._, einem Anwalt und ehemaligen Schulkollegen von A._, Geld
aufgenommen habe für das Palettengeschäft. Das sei gewesen als das ganze
Drogengeschäft angefangen habe. A._ habe das Palettengeschäft unbedingt
machen wollen. Er habe sich damit verrechnet. Sie wisse nichts davon, dass
A._ das Geld der serbischen Mafia habe geben müssen (Urk. D1/05/22 S.
14).
In der Konfrontationseinvernahme vom 24. Mai 2018 schilderte V._, dass
A._, bevor AE._ zu ihnen gekommen sei, gesagt habe, sie solle mit den
Kindern weg sein. Er wolle mit AE._ sprechen, er wolle die Ware oder das
Geld von AE._ zurückerhalten. Am 27. April habe sie die Kinder zu ihrer Mut-
ter gebracht und sei mit ihrem Date ins Thermalbad gegangen. Danach habe sie
A._ angerufen und gesagt, dass sie auf dem Heimweg sei. Er habe gesagt,
sie solle sich beeilen und habe sie angewiesen, das Auto neben den Schopf auf
die andere Strassenseite zu stellen und das Haus abzudunkeln, da AE._
meine, sie seien in den Ferien. Sie habe mitgeholfen, indem sie die Storen run-
tergelassen habe. Sie sei nicht beteiligt gewesen am Wegstellen der Fahrzeuge
(Urk. D1/06/15 S. 13). Als ein Auto herangefahren sei, sei A._ nach draussen
gegangen, sie sei im Haus geblieben und habe versucht, auf dem iPad zu sehen,
was draussen passiere, habe aber nichts gesehen, da die Kamera diesen Blick-
winkel nicht aufgezeichnet habe. Sie habe dann gehört, wie drei Personen die
Aussentreppe zur Laube hochgegangen seien. Nach einer gewissen Zeit seien
A._ und AA._ heruntergekommen und hätten sich gefreut, dass die Fal-
le so gut geklappt habe. Vorher sei sie nicht über den Tatplan eingeweiht gewe-
sen (Urk. D1/06/15 S. 14). Sie habe erfahren, dass sie AE._ unter dem Vor-
wand, dass sie in den Ferien seien, nach AI._ gelockt hätten, AE._ ei-
gentlich nicht mit A._ habe reden wollen und sie ihn überwältigt und gefesselt
hätten (Urk. D1/06/15 S. 3 ff.). A._ sei nochmals in den Estrich gegangen,
um nachzusichern, sei dann wieder heruntergekommen und habe ihr den Auto-
schlüssel des Mercedes in die Hand gedrückt und habe gesagt, sie solle mit
AA._ nach AT._ fahren und den Mercedes holen. Das hätten sie ge-
macht. AA._ sei dann nach BU._, sie nach AI._ gefahren. A._
- 110 -
habe bei ihrer Rückkehr gesagt, AE._ habe noch immer keine Antwort gege-
ben, die Autos seien schon mal ein Anteil, eine Anzahlung. Es sei um die Fr.
40'000.– gegangen, die A._ vom Erbe seiner Mutter gehabt habe, welche
man Ende 2015 für die Drogenlieferung aus Serbien investiert habe (Urk.
D1/06/15 S. 16). Am nächsten Morgen habe sie die Kinder abgeholt und habe
A._ gesagt, wenn sie nach Hause komme, müsse AE._ weg und das
Kinderzimmer frei sein (Urk. D1/06/15 S. 27). Sie habe die Kinder bei ihrer Mutter
abgeholt und sei in die Migros in CG._ gefahren. Von dort aus habe sie
A._ angerufen und gefragt, ob es gut sei, wenn sie jetzt nach Hause komme.
Zu Hause angekommen habe sie A._ gefragt, ob AE._ weg sei. Er habe
ihr beiläufig geantwortet, dass er ihn getötet habe. Er habe das tun müssen, habe
keine andere Wahl gehabt. Er habe ihn nicht gehen lassen können, sonst hätte
jemand aus ihrer Familie dran glauben müssen, er habe das für sie getan. Er ha-
be ihn mit Klebeband erstickt, die Leiche sei im Anhänger draussen (Urk.
D1/06/15 S. 7 f.).
Am 7. Mai habe ihr A._ die Screenshots von H._s AE._s Nachrich-
ten geschickt, als sie mit einer Kollegin unterwegs gewesen sei. Sie habe Angst
bekommen. A._ habe gesagt, sie sei in Sicherheit, den Kindern passiere
auch nichts. Er werde die Sicherheitsmassnahmen aufrüsten und es käme alles
gut (Urk. D1/06/15 S. 10).
Bei ihrem Anruf am 28. April 2016 habe A._ nichts von der serbischen Mafia
erzählt (Urk. D1/06/15 S. 27). Sie habe nie etwas von der serbischen Mafia mit-
bekommen. Sie wisse nicht, was mit diesen Drogensachen alles gelaufen sei.
Vielleicht gebe es ein Fünkchen Wahrheit in dem, was er erzählt habe. Sie wisse
nicht, mit was für Leuten er in dieser Drogengeschichte zu tun gehabt habe
(Urk. D1/06/15 S. 31). Sie würde es gerne glauben, dass er von der serbischen
Mafia zur Tötung gezwungen worden sei, aber sie glaube es nicht (Urk. D1/06/15
S. 31).
V._ antwortete in der Konfrontationseinvernahme vom 19. Juli 2018 auf die
Frage, ob A._ sie informiert habe, dass er Angst um sein Leben habe, wenn
er zu Geschäften mit kriminellen Leuten gegangen sei, es sei ein bis zwei Mal
- 111 -
vorgekommen, dass er gesagt habe, sie solle ihn suchen gehen, wenn er sich bis
dann und dann nicht melde, aber sie habe ja nicht mal gewusst, wo sie ihn su-
chen sollte. Er habe ein oder zwei Mal gesagt, sie solle die Polizei orientieren,
wenn er nicht zurückkomme (Urk. D1/06/19 S. 63).
In der Befragung vor Vorinstanz wiederholte sie betreffend die Tötung von
AE._ sel., A._ habe gesagt, er habe das tun müssen, weil sonst ihm o-
der seiner Familie irgendetwas passiert wäre, er habe es machen müssen für die
Sicherheit der Familie (Prot. I S. 322). Dadurch, dass H._ drohend bei ihnen
zu Hause aufgetaucht sei und plötzlich Videoüberwachungen um das ganze Haus
installiert worden seien, habe sich dies verdichtet und sie sei davon ausgegan-
gen, dass es wirklich zu ihrem Schutz habe sein müssen (Prot. I S. 374). Die Kin-
der seien auf der Fahrt nur mitgekommen, weil sie keine Zeit mehr gehabt habe,
etwas anderes zu organisieren und es geheissen habe, es werde nicht lange ge-
hen (Prot. I S. 377). Am Anfang hätten sie zwei Überwachungskameras gehabt,
eine bei der Haustüre und eine beim Hausplatz. Letztere habe nie funktioniert,
danach hätten sie nur diejenige bei der Haustür gehabt. Nach dem Vorfall mit
H._ habe A._ die Videoüberwachungskameras aufgestockt. Das Haus
sei dann eigentlich rundherum mit drei oder vier Kameras überwacht gewesen
(Prot. I S. 380 f.). Auf die Frage, was sie zum Thema der serbischen Mafia sage,
antwortete sie, sie würde es gerne glauben, aber ganz ehrlich glaube sie nicht da-
ran. Wenn sie die ganzen Beträge höre, dann frage sie sich, warum er sie mit die-
sen Schulden habe leben lassen, wenn er wirklich so viel Geld gehabt hätte (Prot.
I S. 382).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass V._ vor dem Verfahren nichts von
einer Bedrohung durch die Serbenmafia wusste. Sie sagte konstant aus, A._
habe ihr nichts davon erzählt. Drohungen erwähnte sie seitens von H._ und
stellte auch die Installation zusätzlicher Überwachungskameras in Zusammen-
hang mit der Bedrohung durch die Familie von AE._ sel. nach dessen Ver-
schwinden. Es ist zwar denkbar, dass A._ seiner Ehefrau nichts von Drohun-
gen, Zwang und Gewaltanwendung seitens der serbischen Mafia erzählte, um sie
nicht zu verängstigen, jedoch ist festzuhalten, dass ihre Aussagen mit denjenigen
- 112 -
von AA._ übereinstimmen, der gemäss A._ Kenntnis von den Drohun-
gen der Serbenmafia hätte haben müssen. Jedenfalls ergibt sich aus ihren Aus-
sagen kein Hinweis, der die Darstellung des Beschuldigten im Zusammenhang
mit der Serbenmafia stützen würde.
2.3.2. Einvernahmen von Drittpersonen und Ergebnisse zu polizeilichen Er-
mittlungen
a) Fahrzeug der Serbenmafia
Der Beschuldigte hatte das Fahrzeug, in welchem die Serben gefahren seien, als
anthrazitfarbenen BMW mit einem waadtländer Kontrollschild mit den Zahlen ...,
... und ... als letzte Ziffern beschrieben (Urk. D1/02/06/08 S. 10 f.). Ermittlungen
der Kantonspolizei Waadt führten zu keiner Übereinstimmung der 5 ermittelten
Halter bzw. Lenker entsprechender Fahrzeuge mit den Beschreibungen des Be-
schuldigten betreffend die Serben, welche im fraglichen BMW gefahren seien
(Urk. D1/01/41 S. 2). Das Ergebnis der Ermittlungen ist ohne entscheidende Be-
deutung, zumal nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Beschuldigte sich
über die Nummer täuschte.
b) Abklärungen betreffend AG._
Der Beschuldigte sagte in seiner staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
4. Juli 2016 aus, AE._ habe ihm einen Kontakt vermittelt, bei welchem er
Kredite für den Palettenhandel habe aufnehmen können. Bei der Kontaktperson
handle es sich um jemanden, der in der AS._ mit dem BMW gewartet habe
und dessen Namen er nicht kenne (Urk. D1/02/02 S. 7). Es sei ein junger aus
dem Balkan stammender Mann, der dunkle gegeelte Haare habe und einen BMW
M3 fahre. Er sei immer zu finden gewesen beim Kreisel in der AS._ in
AT._, dritte Ausfahrt gleich bei den parkierten Autos (Urk. D1/02/02 S. 6). Die
Kontaktaufnahme sei so erfolgt, dass er in die AS._ gegangen sei und ge-
schaut habe, ob diese Person da sei (Urk. D1/02/02 S. 6 f.). In der polizeilichen
Einvernahme vom 21. Juli 2016 identifizierte der Beschuldigte auf Vorhalt eines
Fotobogens mit 8 Personen mit 100 %-iger Sicherheit AG._ als diesen Ver-
- 113 -
mittler (Urk. D1/02 S. 36). In der Folge wurde der Wohnort von AG._ durch
die Polizei ermittelt, eine Hausdurchsuchung am Wohnort durchgeführt, die Ver-
haftung von AG._ während des Militärdienstes an dessen Dienstort durchge-
führt und sein Mobiltelefon ausgewertet (Urk. D1/01/49 S. 2 ff.). Die Auswertung
des Mobiltelefons ergab keine Kontakte zu oder von Rufnummern in Serbien, kei-
ne fallrelevanten Chatverläufe und keine Hinweise auf eine Verbindung zu einer
kriminellen Organisation (Urk. D1/01/49 S. 3 f.). AG._ lebte bei seinen Eltern
in geordneten Familienverhältnissen, in stabilen finanziellen Verhältnissen, ging
einer Erwerbstätigkeit von mehr als 100 % nach und war nicht vorbestraft. Aus-
serdem ist er nicht serbischer sondern mazedonischer Herkunft (Urk. D1/07/58 S.
3). Gemäss Aussagen von AG._ in seiner polizeilichen Einvernahme vom 13.
Januar 2017 kannte er AE._ sel. seit 1999. Er sei damals sein Nachbar ge-
wesen. Als Kinder hätten sie viel miteinander unternommen, bis AE._ weg-
gezogen sei. Seither habe er ihn unregelmässig gesehen (Urk. D1/07/58 S. 10).
AE._ sei sein einziger Kontakt zu Serben gewesen. Er sei an der Beerdigung
von AE._ in Serbien gewesen (Urk. D1/07/58 S. 3 f.). AG._ bestritt die
Vorwürfe des Beschuldigten und erklärte, den Beschuldigten nicht zu kennen,
noch nie mit ihm gesprochen zu haben. AG._ sagte aus, er habe AE._
einmal in Begleitung eines Mannes mit einer korrigierten Brille beim Kreisel getrof-
fen. Dieser Mann sei 20 bis 30 Jahre alt gewesen, habe sehr kurze Haare oder
eine Glatze gehabt, sei 170 bis 180 cm gross gewesen und schlank. AE._
habe gesagt, der Mann sei sein Chef oder ähnlich (Urk. D1/07/58 S. 11).
AE._ und der Mann seien in einem grossen dunklen Wagen gesessen, wel-
cher eine Kabine und hinten eine Brücke gehabt habe, es sei eine Art Pickup ge-
wesen (Urk. D1/07/58 S. 11). AG._ bestätigte in seiner Einvernahme als
Auskunftsperson vom 6. Oktober 2017, dass er AE._ gekannt habe und an
dessen Beerdigung gewesen sei. Der Name des Beschuldigten sage ihm nichts.
Er denke, dass er den Beschuldigten einmal mit AE._ gesehen habe, als er
mit seinem Bruder an einer Tankstelle in CH._ in der Nähe von CI._
gewesen sei. AE._ habe ihm die Person vorgestellt und gesagt, es sei sein
Chef. Auch sein Bruder vermute, dass es sich bei der Person um den Beschuldig-
ten gehandelt habe (Urk. D1/07/78 S. 3 f.). Ein weiteres Mal habe er diese Person
- 114 -
gesehen, als er vom grossen zum kleinen Kreisel BS._ gefahren sei und ihm
jemand Lichtsignale gegeben habe. AE._ habe ihn gerufen, und er habe mit
ihm kurz gesprochen. Der Begleiter von AE._ habe eine Brille getragen und
kurze oder gar keine Haare gehabt. Die beiden hätten ein dunkles Auto gefahren
mit einem Schriftzug und einer Brücke hinten (Urk. D1/07/78 S. 4). AG._
wies das Vorbringen des Beschuldigten betreffend Kreditvermittlung von sich. Er
sagte aus, er sei bei gutem Wetter am Feierabend mit seinem Bruder, seinem
Cousin, seinem Vater und dessen Kollegen jeweils auf einem Bänkli in der Nähe
des Kreisels (Urk. D1/07/78 S. 4).
Der Bruder von AG._, CJ._, sagte in der Zeugeneinvernahme vom 20.
Juni 2017 (Urk. D1/07/74) aus, AG._ sei ein ruhiger Mensch, es sei undenk-
bar, dass er mit der serbischen Mafia zu tun habe (Urk. D1/07/74 S. 7). Er habe
sein ganzes Leben lang mit seinem Bruder zusammengewohnt, AG._ wohne
auch jetzt bei ihm (Urk. D1/07/74 S. 7).
Die Vorbringen des Beschuldigten betreffend Kreditaufnahme für Palettenhandel
wurden von ihm im Verlaufe der Untersuchung angepasst, schliesslich war die
Rede von Investitionen in Drogengeschäfte. Schon aufgrund dieses Widerspru-
ches kommen Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Darstellung des Beschuldigten
auf. Wie bereits im Zusammenhang mit dem unbekannten BR._ ausgeführt
wurde, erscheint es eher lebensfremd, dass AG._, der zudem mehr als 100
% arbeitete, jeweils ohne vorgängige Kontaktaufnahme stets in der Nähe des
Kreisels AS._ vom Beschuldigten angetroffen wurde, wenn er dorthin fuhr.
Wie schon die Vorinstanz zutreffend ausführte (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 281
S. 32 Ziff. 2.3.3.9), lässt auch der Umstand aufhorchen, dass der Beschuldigte
"BR._" erst erwähnte, nachdem sich keine Anhaltspunkte für eine Beteiligung
von AG._ an einer Serbenmafia ergaben. Seine Erklärung für die späte Er-
wähnung von BR._, er habe vertuschen wollen, was sonst noch gewesen
sei, von Betrug und so weiter, das ganze Drum und Dran (Urk. D1/02/25 S. 10 f.),
erscheint reichlich unbestimmt und passt in die durchwegs allgemein gehaltenen
über weite Strecken diffusen Ausführungen des Beschuldigten zur Serbenmafia.
- 115 -
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Belastungen des Beschuldigten be-
treffend AG._ keine Stütze in den Ermittlungen finden. Es konnte kein Hin-
weis auf eine Verbindung von AG._ zu einer serbischen Mafia oder eine In-
volvierung in Drogenhandel ermittelt werden. Die gleichbleibenden Aussagen von
AG._ erscheinen glaubhaft und sind in Einklang zu bringen mit seinen ge-
ordneten familiären und finanziellen Verhältnissen. Die widersprüchlichen Aussa-
gen des Beschuldigten betreffend die Beteiligung von AG._ und eines
BR._ dagegen wirken konstruiert und erwecken den Eindruck von Schutzbe-
hauptungen. Das gegen AG._ gestützt auf die Aussagen des Beschuldigten
eingeleitete Strafverfahren wegen Unterstützung einer kriminellen Organisation
wurde von der Staatsanwaltschaft denn auch mit Verfügung vom 9. März 2018
eingestellt (Ordner 53; Urk. D9/04).
c) Einvernahmen von Mithäftlingen
aa) Am 5. September 2016 kam es im Gefängnishof zu einer tätlichen Ausei-
nandersetzung zwischen BJ._ und dem Beschuldigten. Der Beschuldigte
sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 5. September 2016 aus, der Insasse
aus der Zelle 221 namens CK._ oder BJ._ habe zu ihm auf der Hof-
gang-Runde gesagt, "Liebi Grüess us Serbiä, überleg dir zwei Mal, ob du wötsch
ussäge oder nöd" (Urk. D1/07/28 S. 2). Er habe erwidert, er solle ihn in Ruhe las-
sen. Dann habe sich ein zweiter, dessen Namen er nicht kenne, eingemischt und
habe gesagt "Schissnuttesohn, Schissmörder". Der Mann namens CK._ oder
BJ._ sei auf ihn losgekommen. Die anderen Mitinsassen seien schnell dazwi-
schen gegangen. Als er weggegangen sei, habe der zweite Mann gesagt, sie
würden ihm jetzt das Leben zur Hölle machen. Derjenige, der am nächsten zu ihm
gestanden sei, sei der Insasse aus der Zelle ... gewesen und müsste das gehört
haben. Die Worte von BJ._ hätten bewirkt, dass er für den Moment gegen
die Serben nichts mehr sagen möchte (Urk. D1/0728 S. 5). In der untersuchungs-
richterlichen Einvernahme vom 26. September 2016 bestätigte der Beschuldigte
seine Aussage betreffend die Äusserung von BJ._ zu den Grüssen aus Ser-
bien und er solle zweimal überlegen, ob er Aussagen mache. Er sei extrem er-
- 116 -
schrocken, da er im Gefängnis weder über die Delikte noch über die Serben ge-
sprochen habe (Urk. D1/02/09 S. 2).
BJ._ wurde am 6. September 2016 polizeilich zum Vorfall als Auskunftsper-
son befragt (Urk. D1/07/27). Er verweigerte über weite Strecken die Aussage be-
stritt jedoch klar, gesagt zu haben "Liebi Grüess us Serbiä, ich würd zweimal
überlege, ob du usseisch" und erklärte, er habe nichts mit der serbischen Mafia zu
tun, die Äusserung sei völlig erfunden. Er habe auch nicht gehört, dass irgendje-
mand so etwas zum Beschuldigten gesagt habe.
In der Zeugeneinvernahme vom 26. September 2016 sagte CL._ (Insasse
der Zelle ...) aus, er habe nicht gesehen, nur gehört, was vorgefallen sei. Er habe
nur eine Beschimpfung gehört, er vermute, es sei BJ._ gewesen, der gesagt
habe, "A._, ich werde deine Mutter ficken" (Urk. D1/07/29 S. 3 f.). Er habe
lediglich die Beschimpfung gehört, von der serbischen Mafia wisse er nichts (Urk.
D1/07/29 S. 5).
BK._ wurde am 26. September 2016 als Zeuge befragt. Er bestätigte seine
Aussage in der polizeilichen Einvernahme, wonach BJ._ ein paar Mal zum
Beschuldigten gerufen habe "A._, A._" und der Beschuldigte geantwor-
tet habe "Leck mich am Arsch, ich will nicht mit dir reden", worauf BJ._ den
Beschuldigten angegriffen habe und gesagt habe "Du Hurensohn, ich ficke deine
Mutter" (Urk. D1/07/30 S. 3 f.). Er hielt ferner daran fest, dass es nicht stimme,
dass BJ._ gesagt habe "Liebe Grüsse aus Serbien, ich würde mir zwei Mal
überlegen, ob du Aussagen machst" (Urk. D1/07/30 S. 4).
BL._ sagte in seiner Zeugeneinvernahme vom 26. September 2016 aus, er
sei beim fraglichen Vorfall hinter dem Beschuldigten gegangen und habe gehört,
wie BJ._ zum Beschuldigten gesagt habe "Du Nuttensohn, wenn ich dich et-
was frage, musst du antworten". Dann sei BJ._ auf den Beschuldigten los-
gegangen und habe ihn gestossen. Weiteres habe er nicht gehört (Urk. D1/07/31
S. 3). Die Äusserung betreffend Grüsse aus Serbien und er solle sich zwei Mal
überlegen, ob er Aussagen mache, habe er nicht gehört, das habe er von der Po-
lizei das erste Mal gehört (Urk. D1/07/31 S. 4).
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Die Zeugen sind Mitinsassen des Beschuldigten. Sie gaben alle an, dass ihr Ver-
hältnis zum Beschuldigten ungetrübt sei und sie betreffend ihrer Aussage von
keiner Seite unter Druck gesetzt worden seien. Keiner steht in einem näheren,
kollegialen oder gar freundschaftlichen Verhältnis zu BJ._. Es ist auch sonst
nicht erkennbar, dass sie einen Vorteil ziehen könnten aus einer wahrheitswidri-
gen Bestreitung der fraglichen Äusserung betreffend Grüsse aus Serbien. Somit
fehlt ein erkennbares Motiv für eine Falschaussage seitens dieser Zeugen. Über-
einstimmend sagten sie aus, nichts betreffend Grüsse aus Serbien gehört zu ha-
ben. Der Umstand, dass BJ._ die Äusserung bestritt und keiner der Zeugen
die Darstellung des Beschuldigten bestätigte, spricht gegen die Glaubhaftigkeit
seiner diesbezüglichen Aussage und lässt den Verdacht aufkommen, dass der
Beschuldigte diese Äusserung erfunden haben könnte, um sein Vorbringen be-
treffend Drohung und Zwang seitens der serbischen Mafia im Zusammenhang mit
den beiden Tötungsdelikten zu untermauern.
bb) Der Beschuldigte schilderte in der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme
vom 26. September 2016 einen weiteren Vorfall im Gefängnis. Er sagte aus, er
habe am 21. September 2016 um 21.23 Uhr in seiner Zelle bei offenem Fenster
gehört, wie zwei Personen am Fenster miteinander gesprochen hätten. Die Per-
son namens BM._ habe zum anderen gerufen, am Montag 13.30 Uhr sei
Staatsanwaltschaft. Der andere habe gefragt "hät er gredet?", worauf zuerst ge-
antwortet worden sei, er wisse es nicht und zwei Minuten später aus der Zelle 304
gesagt worden sei, "301 hät gredet": Daraufhin habe der andere gesagt, "de brin-
gemer zum schwiige" (Urk. D1/02/09 S. 7). Es mache den Anschein, aber er wis-
se es nicht, dass die Person aus Zelle 304 und BM._ mit der serbischen Ma-
fia zu tun hätten (Urk. D1/02/09 S. 8).
In der Zeugeneinvernahme vom 4. April 2017 sagte CM._ aus, er habe am
Abend des 21. September 2016 mit "BM._" am Zellenfenster gesprochen. Er
habe ihn gefragt, wie es bei ihm im Verfahren weitergehe. BM._ habe ge-
antwortet, es sei alles gut und es habe Einvernahmen gegeben. Er habe am Mon-
tag einen Termin. Es stimme nicht, dass bei diesem Gespräch gesagt worden sei,
dass 301 geredet habe und man den zum Schweigen bringe. Es stimme nicht,
- 118 -
dass er bei der serbischen Mafia sei, er sei ja auch kein Serbe (Urk. D1/07/68 S.
4).
CN._ wurde am 4. April 2017 als Zeuge einvernommen (Urk. D1/07/69). Er
sagte aus, er habe den Beschuldigten beim Spazieren getroffen und mit ihm ge-
sprochen. Er habe ihm erzählt, dass zwei Menschen umgebracht worden seien.
Mit dem einen Fall habe er etwas zu tun, mit dem anderen Fall nicht. Den Fall mit
dem Lastwagen habe er zugegeben, den anderen nicht. Für den Fall, den er nicht
zugegeben habe, habe er mit der Staatsanwaltschaft einen Deal gemacht, dass
er fünf Jahre bekomme, wenn er es zugebe (Urk. D1/07/69 S. 3 f.). A._ habe
immer gesagt, er habe Angst vor der serbischen Mafia, man wolle ihn töten. In
Deutschland habe man ihn verschlagen. Er habe immer Angst gehabt und sei
teilweise 10 Tage nicht spazieren gegangen. Der Beschuldigte habe ihm erzählt,
er sei von der serbischen Mafia unter Druck gesetzt worden, jemanden zu töten.
Der Beschuldigte habe verängstigt gewirkt (Urk. D1/07/69 S. 4). Es könne sein,
dass es zu einem Gespräch am Fenster mit CM._ gekommen sei, aber eine
Drohung über das Fenster habe er sicher nicht gehört (Urk. D1/07/69 S. 5). Auf
Vorhalt des Gesprächsinhaltes gemäss Aussage von CM._ erklärte er, er
könne sich nicht erinnern, aber es sei möglich, dass das Gespräch so gewesen
sei (Urk. D1/07/69 S. 5). Auf Vorhalt der Aussage des Beschuldigten betreffend
den Inhalt des Gesprächs erklärte der Zeuge, er schwöre, dass er das nicht ge-
hört habe (Urk. D1/07/69 S. 6). CN._ schilderte seinerseits, er habe in Maze-
donien einen Kredit über Fr. 50'000.– aufgenommen, den er mit 20 % Zins hätte
zurückzahlen sollen. Der Mazedonier habe ihm gedroht, er müsse das Geld brin-
gen, sonst würden sie seinen Sohn umbringen. So sei er in die Betäubungsmittel
hineingerutscht (Urk. D1/07/69 S. 6). Er habe seinem Zellennachbarn mal im Ver-
trauen erzählt, dass er einen Kredit aufgenommen habe und dann bedroht wor-
den sei. Dieser Zellennachbar habe mit A._ häufig Kontakt gehabt. Es könne
auch sein, dass er dem Beschuldigten selber mal davon erzählt habe (Urk.
D1/07/69 S. 7). Die Aussagen des Beschuldigten zum Gespräch am Zellenfenster
vom 21. September 2016 seien nicht zutreffend. Er habe mit CM._ nie so et-
was besprochen, wie es der Beschuldigte behaupte. Fakt sei aber, dass der Be-
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schuldigte immer Angst vor der serbischen Mafia gehabt habe, das habe er immer
wieder gesagt (Urk. D1/07/69 S. 8).
CO._ wurde am 4. April 2017 als Zeuge einvernommen (Urk. D1/07/70). Er
arbeitete zur fraglichen Zeit als Chef Sicherheit und Technik im Gefängnis Zürich.
Er sagte aus, der Beschuldigte habe einen Hausbrief geschrieben und habe ver-
langt mit ihnen oder mit der Polizei zu sprechen. Er habe zusammen mit Herrn
CP._ ein Gespräch mit dem Beschuldigten geführt. Der Beschuldigte habe
gesagt, er mache sich Sorgen um seine Familie. Eine Person habe bei dem Fens-
tergespräch gesagt, man solle ihn zum Schweigen bringen. Wegen des Fenster-
gesprächs hätten sie verlangt, dass er dieses schriftlich festhalte. Das habe er
gemacht (Urk. D1/07/70 S. 4). Der Beschuldigte habe bei dem Gespräch schon
ein bisschen Angst gehabt und sei aufgrund des Briefes, den er geschrieben ha-
be, verlegt worden (Urk. D1/07/70 S. 5).
Die Aussagen der Zeugen stützten die Darstellung des Beschuldigten betreffend
den Inhalt des Gesprächs am Zellenfenster vom 21. September 2016 nicht. Aus
ihren Aussagen ergeben sich keine Anhaltspunkte, dass die beiden Gesprächs-
teilnehmer einen Bezug zur serbischen Mafia haben könnten. CM._ machte
seinerseits bereits in der gegen ihn geführten Untersuchung lange bevor er den
Beschuldigten kennenlernte geltend, er sei von Mazedoniern bedroht worden be-
treffend Rückzahlung von Krediten und sei so in Drogengeschäfte hineingeraten
(Urk. D1/07/71 S. 6). Zugunsten des Beschuldigten fällt ins Gewicht, dass
CM._ aussagte, der Beschuldigte habe ihm erzählt, er habe Angst vor der
serbischen Mafia, auch CO._ sagte aus, der Beschuldigte habe schon ein
bisschen Angst gehabt. Diese Feststellungen, dass der Beschuldigte Angst ge-
habt habe, stützen eher seine Darstellung betreffend die Drohungen. Andererseits
kann aber auch nicht ausgeschlossen werden, dass der Beschuldigte die Angst
bloss behauptete oder zwar Angst hatte aber vor der Familie von AE._, sei-
tens welcher schon vor seinem Geständnis der Verdacht geäussert worden war,
dass er AE._ umgebracht habe.
Betreffend beide vom Beschuldigten erwähnten Vorfälle im Gefängnis bleibt es
als einziges Beweismittel bei den Aussagen des Beschuldigten. Keiner der Mitin-
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sassen bestätigte die Darstellung von A._ betreffend Serbenmafia auch nur
ansatzweise. Hinzukommt, dass es seit der Inhaftierung des Beschuldigten weder
gegenüber der Familie von AA._ noch gegenüber der Familie von A._
zu Drohungen oder Einschüchterungen gekommen ist.
f) Aussagen BO._
BO._ sagte in der polizeilichen Befragung vom 3. November 2016 aus, der
Beschuldigte habe ihn mehrmals gefragt, ob er ihm Geld geben könne oder einen
Kontakt zu Geldgebern vermitteln könne. Er habe ihm die Nummer von CQ._
gegeben. A._ habe ihm mitgeteilt, dass er schlimme Leute kenne, diese sei-
en von der "Alba Mafia" (Urk. D1/07/41 S. 14). Weiter sagte BO._ aus, sein
Cousin CR._ habe ihm im Januar 2015 eine Waffe Beretta gegeben. Diese
habe er auf Anfrage von AE._ im Jahre 2015 für Fr. 900.– an A._ ver-
kauft.
In der Befragung als Auskunftsperson vom 6. Oktober 2017 (Urk. D1/07/77) sagte
BO._ aus, AE._ habe einmal eine Waffe bei ihm im Auto liegen sehen
und habe sich erkundigt, wieviel diese koste, er kenne jemanden namens
A._, der sie für Fr. 900.– kaufen würde (Urk. D1/07/77 S. 3). Er habe sich
dann mit A._ zwischen Oktober 2015 und Dezember 2015 getroffen und ha-
be ihm die Waffe verkauft. Später habe sich A._ ab und zu bei ihm gemeldet
und gefragt, ob er mehr Munition oder andere Waffen habe (Urk. D1/07/77 S. 4).
Einmal habe der Beschuldigte ihn Anfang 2016 gefragt, ob er jemanden kenne,
der Geld verleihen würde, er brauche Geld, um die Mitarbeiter zu bezahlen.
A._ habe keine sehr grossen Beträge gewollt, es sei die Rede von Fr.
20'000.– gewesen (Urk. D1/07/77 S. 5). Anfangs 2016 habe A._ ihn einmal
gefragt, wo AE._ sei. Er wisse nicht, weshalb er ihn gesucht habe (Urk.
D1/07/77 S. 5 f.). Einmal habe A._ ihn im Sommer 2016 angerufen und ge-
sagt, dass der Bruder von AE._ ihn (A._) suche und behaupte, er habe
AE._ umgebracht. A._ habe am Telefon schon etwas ängstlich getönt.
Er habe ihm gesagt, er solle ihn deswegen nicht mehr anrufen (Urk. D1/07/77 S.
6). Auf Vorhalt eines Chats zwischen ihm und A._ vom 16. Mai 2016 erklärte
er, A._ habe ihm immer wieder geschrieben, er wolle mehr Waffen. Darauf
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habe er A._ geschrieben, er solle ihn in Ruhe lassen, nicht mit solchen Sa-
chen stressen und sich auf sein Geschäft konzentrieren. Er habe trotzdem immer
weiter gefragt und gesagt, es sei die Albanische Mafia, die ihn stresse (Urk.
D1/07/77 S. 8).
Den Aussagen von BO._ ist zu entnehmen, dass der Beschuldigte am Tele-
fon etwas ängstlich tönte, als er erzählt habe, der Bruder von AE._ suche ihn
und behaupte, er habe AE._ umgebracht und dass A._ in einem Chat
vom 16. Mai 2016 ihn nach mehr Waffen fragte. Dies ist in Übereinstimmung zu
bringen mit den Aussagen von AA._ und V._, wonach der Beschuldigte
nach dem Auftauchen von H._ zusätzliche Überwachungskameras installier-
te. Ferner ist die Aussage von BO._ von Interesse, wonach der Beschuldigte
ihm erzählt habe, er kenne schlimme Leute von der albanischen Mafia. Indessen
lässt sich aus dieser pauschalen Erwähnung, welche zudem noch die albanische,
nicht die serbische Mafia betrifft, nichts Konkretes betreffend das vom Beschuldig-
ten geltend gemachte Bedrohungsszenario ableiten. Insbesondere fällt auf, dass
BO._ aussagte, der Beschuldigte habe am Telefon ängstlich getönt, als er
erzählt habe, dass der Bruder von AE._ ihm vorwerfe, diesen umgebracht zu
haben. Die Feststellung von BO._ stimmt mit derjenigen von V._ über-
ein, wonach der Beschuldigte nach dem Auftauchen von H._ die Überwa-
chungskameras aufrüstete.
g) Zeugenaussage CS._
Bei CS._ handelt es sich um einen ehemaligen Mithäftling von AA._. In
seiner Zeugeneinvernahme vom 20. Januar 2017 sagte er aus, was er im Ge-
fängnis über einen jungen Italiener, der zusammen mit AA._ in der gleichen
Zelle gewesen sei, betreffend die beiden Tötungsdelikte erfahren habe. Dieser
habe ihm im Gespräch erzählt, was AA._ ihm erzählt habe (Urk. D1/07/57 S.
5). Er (Zeuge) habe erfahren, dass die LKW-Geschichte nicht so geplant gewesen
sei. Es sei abgemacht gewesen, den LKW-Verkäufer zu zwingen, den Lastwagen
viel billiger, Fr. 30'000.– oder Fr. 40'000.– billiger, zu verkaufen. Dieser habe sich
dagegen gewehrt. Das einzige, was AA._ getan habe, sei dem LKW-Besitzer
Handschellen anzulegen und ihn in den Kofferraum zu tun (Urk. D1/07/57 S. 4).
- 122 -
Der Kollege von AA._ habe ihn dann stranguliert. AA._ sei nicht dabei
gewesen und habe das auch nicht gewollt. Sein Kollege habe AA._ für die
Hilfe bei der Erpressung des LKW-Besitzers Fr. 5'000.– versprochen (Urk.
D1/07/57 S. 4). Bezüglich des anderen, der erschossen worden sei, habe
AA._ gesagt, dass er damit nichts zu tun habe. Sein Kollege habe diesen
wegen eines BMW umgebracht, der einen Wert von Fr. 8'000.– gehabt habe, und
AA._ habe nicht gewusst, dass der Kollege so etwas vor habe. Diese Person
sei anscheinend erschossen worden, und die Leiche sei auf dem Hof des Kolle-
gen aufgefunden worden (Urk. D1/07/57 S. 5).
Die Aussagen von CS._ enthalten keine Angaben betreffend die Mafia. Die
Aussagen dieses Zeugen sind in erster Linie im Zusammenhang mit der Tatbetei-
ligung von AA._ von Bedeutung. An dieser Stelle ist nicht mehr weiter darauf
einzugehen.
h) Aussagen CT._ und B._
aa) CT._
In der polizeilichen Einvernahme vom 10. Februar 2017 sagte CT._ aus,
A._ sei im Frühling 2016 bedrückt gewesen wegen der Auflösung seiner Fir-
ma. Er habe gesagt, dass AE._ etwas damit zu tun habe, da AE._ einen
Transport für die Firma AJ._ angenommen habe, ohne die Information an die
AJ._ weiterzuleiten. Der Transport sei nicht ausgeführt worden, und A._
habe dieser Firma eine Konventionalstrafe bezahlen müssen. Der Verlust sei in
einer Höhe gewesen, dass er diesen nicht habe bezahlen können. Soweit er sich
erinnere, habe A._ von einem Verlust zwischen Fr. 50'000.– bis Fr.
100'000.– gesprochen. Das habe ihm A._ in der Zeit etwa zwischen Januar
und April 2016 erzählt (Urk. D1/07/60 S. 4). So wie A._ über die Sache ge-
sprochen habe, habe er den Eindruck gehabt, er hasse AE._ (Urk. D1/07/60
S. 5).
Er (CT._) habe für AJ._ Fahrten mit Europaletten nach Serbien und Po-
len gemacht. Er habe sich schon gefragt, ob das Geschäft rentieren könne. Er
- 123 -
wisse nicht, ob etwas im Lastwagen versteckt worden sei (Urk. D1/07/60 S. 11).
Er habe nie festgestellt oder gemerkt, dass im Lastwagen Betäubungsmittel
transportiert worden seien (Urk. D1/07/60 S. 12). Im Ausland habe er nie eine
Waffe bei A._ gesehen, jedoch einmal im Sommer 2015 im Kanton AT._
eine Pistole im Handschuhfach des Ford Ranger (Urk. D1/07/60 S. 13).
In der Zeugeneinvernahme vom 30. März 2017 (Urk. D1/07/65) sagte CT._
aus, er habe im Frühling 2015 angefangen, für AJ._ zu arbeiten. Es sei ein
gutes Arbeitsverhältnis, ein gute Kollegschaft gewesen (Urk. D1/07/65 S. 3).
AA._ kenne er ebenfalls von der Arbeit für AJ._, dasselbe gelte bezüg-
lich AE._. Letzterer habe für die AJ._ disponiert und habe für ihn über-
setzt in Serbien und am Telefon (Urk. D1/07/65 S. 7). Das Arbeitsverhältnis zu
A._ sei Ende Winter 2016, im Januar, Februar oder März, beendet worden
wegen Konkurses der AJ._ (Urk. D1/07/65 S. 9). A._ habe ihm dies bei
einem Treffen gesagt. Als Grund habe er erwähnt, dass er eine Konventionalstra-
fe bezahlen müsse, weil ein Transport nicht ausgeführt worden sei. A._ habe
gesagt, AE._ habe einen Transport angenommen und dies A._ nicht
mitgeteilt. Der Transport sei nicht durchgeführt worden, deshalb habe es eine
Konventionalstrafe gegeben. Er bestätigte auf Vorhalt seiner Aussage in der poli-
zeilichen Befragung vom 10. Februar 2017, dass der Verlust zwischen Fr.
50'000.– bis Fr. 100'000.– betragen habe (Urk. D1/07/65 S. 10). Das Verhältnis
zwischen A._ und AE._ sei gut gewesen, bis zum Zeitpunkt als sie sich
trennten, es habe sich ab anfangs 2016 verschlechtert. Nach dem Bruch habe
A._ nach seinem persönlichen Eindruck einen leichten Hass auf AE._
gehabt. A._ habe ihm anfangs 2016 gesagt, dass er AE._ nicht mehr
sehen wolle (Urk. D1/07/65 S. 11). Dies sei gewesen, weil AE._ einen Auto-
diebstahl habe begehen wollen. Er habe die Oldtimer des Vermieters der Halle in
CU._ stehlen wollen. AE._ habe Zugang zum Schlüssel des Haustre-
sors gehabt, in welchem sich die Schlüssel dieser Fahrzeuge befanden. A._
sei einmal zu ihm (CT._) gekommen und habe gesagt, AE._ habe im
Sinn, die Autos zu stehlen. A._, B._ und er hätten daher die Halle be-
wacht und einen Lastwagen quer vor den Eingang gestellt und die Batterie abge-
hängt. Sie hätten auch die Türschlösser zur Halle ausgewechselt (Urk. D1/07/65
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S. 12). Dies hätten sie so gemacht, bis AE._ die Schlüssel zu den Autos ir-
gendwann im Februar 2016 nach CU._ zurück gebracht habe (Urk. D1/07/65
S. 13). Er habe nie das Gefühl gehabt, dass AE._ und A._ in Serbien il-
legale Geschäfte machten (Urk. D1/07/65 S. 15). Überlegt habe er es sich schon,
aber es sei ihm nichts aufgefallen (Urk. D1/07/65 S. 16). Im Sommer, Herbst oder
Winter 2015 habe er einmal eine Waffe, eine schwarze Pistole, bei A._ ge-
sehen (Urk. D1/07/65 S. 17). Er habe nie etwas davon gehört, dass AE._ der
serbischen Mafia angehöre. Er könne es sich aber vorstellen, weil AE._ Ser-
be sei und Serbien ein korruptes Land (Urk. D1/07/65 S. 18/19).
bb) B._
In seiner Befragung als Auskunftsperson vom 22. Februar 2018 sagte B._
aus, er habe mit AA._ darüber gesprochen, ob man aus Serbien oder Polen
Material holen und in die Schweiz bringen könnte. Er habe vorgeschlagen, einen
Sattelschlepper zu kaufen, um Material in Serbien zu holen. AA._ habe ihn
mit A._ bekannt gemacht. Sie hätten darüber geredet, Paletten in Serbien zu
kaufen. Er habe dann einen Sattelschlepper gekauft. Mit diesem und dem Sattel-
schlepper von A._ seien sie nach Serbien gefahren, hätten dort Ware aufge-
laden und seien in die Schweiz gefahren. Dann sei keine nächste Fuhr mehr ge-
kommen, und AA._ habe ihm gesagt, dass das Finanzielle nicht geklärt sei.
Er habe ihm dann Geld geliehen, und sie hätten wieder fahren können. Ein paar
Tage später habe es wieder Probleme gegeben mit Geldmangel von A._. Er
habe eine zweite Summe geliehen, und sie hätten nochmals eine Tour gemacht
(Urk. D1/07/90 S. 3 f.). Anschliessend seien sie dann nicht mehr nach Serbien,
sondern nach Polen gefahren. Dann habe A._ gesagt, die Sache mit den Pa-
letten sei jetzt abgeschlossen. Er habe A._ auf entsprechende Anfrage die
Karte und den Schlüssel seines Sattelschleppers gegeben. A._ habe seinen
Sattelschlepper verkauft. Er habe nur sehr kurz für A._ gearbeitet, er glaube
von Ende 2015 bis Ende Februar 2016/Anfang März 2016 (Urk. D1/07/90 S. 7). Er
habe nie den Verdacht gehabt, dass etwas anderes als Paletten in den Lastwa-
gen gewesen seien (Urk. D1/07/90 S. 7/8). B._ kannte AE._ sel. nicht
- 125 -
und konnte keine Angaben zu einem Streit zwischen A._ und AE._ sel.
machen.
cc) Würdigung
CT._ und B._ waren beide für die AJ._ im Palettentransport tätig.
Keiner der beiden machte verdächtige Beobachtungen betreffend allfällige Dro-
gentransporte in den von ihnen gelenkten Lastwagen. Da keine Anhaltspunkte für
eine Involvierung von CT._ und B._ in die Drogengeschäfte vorliegen
und zudem davon auszugehen ist, dass sie beide ein Interesse daran haben, sich
nicht durch Preisgabe verdächtiger Beobachtungen selber zu belasten, lassen
sich aus ihren Aussagen keine Rückschlüsse ziehen bezüglich der vom Beschul-
digten behaupteten Drogentransporte in eingeschweissten Stauräumen in den
Lastwagen. Von Interesse für den vorliegenden Fall sind die Ausführungen von
CT._ betreffend die angefallene Konventionalstrafe und den Umstand, dass
A._ einen leichten Hass auf AE._ gehabt habe, da dieser für die Kon-
ventionalstrafe verantwortlich gewesen sei. Auch CV._, dem Vermieter von
A._, erzählte letzterer, dass der Geschäftsführer der Firma AJ._ Kon-
ventionalstrafen in der Höhe von Fr. 800'000.– verursacht habe, dass Aufträge
nicht termingerecht ausgeführt worden seien (vgl. nachfolgend Erw. II.2.3.2.n.).
Darauf ist im Rahmen der Gesamtwürdigung der Beweismittel unter Erw. II.2.5.4.
nachfolgend zurückzukommen. Den Aussagen der beiden Zeugen CT._ und
B._ sind keine Anhaltspunkte betreffend eine mögliche Beteiligung der Ser-
benmafia zu entnehmen.
i) Aussagen von CE._
Er sagte in der polizeilichen Befragung vom 14. Februar 2017 aus, der Beschul-
digte habe von ihm zwei Darlehen im Betrage von je Fr. 30'000.– bekommen. Das
erste Darlehen habe er ihm im Jahre 2014 gewährt, dieses sei per April 2014
vollumfänglich von der Mutter von A._ zurückbezahlt worden aus dem Erlös
eines Hausverkaufs (Urk. D1/07/62 S. 2). Am 31. Oktober 2015 habe er A._
ein zweites Darlehen gewährt, dieses sei am 20. April 2016 im Umfang von Fr
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13'000.– (Erlös aus einem Lastwagenverkauf) zurückbezahlt worden, den Restbe-
trag habe er in Betreibung gesetzt (Urk. D1/07/62 S. 3 und S. 5).
Die Aussagen von CE._ bestätigen die aktenkundige Tatsache, dass sich
der Beschuldigte bereits in den Jahren 2014 und 2015 in einem finanziellen Eng-
pass befand. Seine Aussagen decken sich mit den Ausführungen von BA._,
der Mutter des Beschuldigten (vgl. nachfolgend Erw. II.2.3.2.o.aa.).
k) Aussagen Familie F._/G._/H._/AE._
aa) Aussagen H._
H._ sagte in seiner Befragung als Auskunftsperson vom 24. März 2017 (Urk.
D1/07/64) aus, sein Bruder AE._ sei in den letzten Wochen vor seinem Ver-
schwinden verändert gewesen, habe nicht mehr gelacht. Irgendetwas müsse ihn
beschäftigt haben. Diese Veränderung habe er seit dem Ausstieg aus dem Ge-
schäft bei A._ im November/Dezember 2015 bemerkt (Urk. D1/07/ 64 S. 8).
AE._ habe mit A._ einen Handel mit Europaletten betrieben. Sie hätten
in Serbien eine Firma gefunden, die günstig Paletten verkaufe und hätten eine
hälftige Beteiligung am Gewinn abgemacht. AE._ habe einen guten Abneh-
mer in der Schweiz gefunden, eine Ziegelbaufirma. A._ habe dann mit
AE._ keine Geschäfte mehr machen wollen, sei nach Polen gefahren und
habe seinen Bruder aus dem Geschäft ausschliessen wollen. Es sei zum Bruch
gekommen, als AE._ vom Palettenimport aus Polen erfahren habe (Urk.
D1/07/64 S. 9 f.).
Nach dem Verschwinden von AE._ habe er A._ und AA._ aufge-
sucht. A._ habe gesagt, er habe die restlichen Sachen von AE._ zu
AV._ (AW._) gebracht (Urk. D1/07/64 S. 21). Er sei zu AV._ gefah-
ren. Dieser habe nicht gewusst, wo AE._ sei, er habe ihn im letzten Monat
nicht gesehen. Dann sei er zu AA._ gefahren. AA._ habe ebenfalls ge-
sagt, er habe AE._ zu AV._ gebracht (Urk. D1/07/64 S. 21). Nach dem
Besuch bei AA._ sei er nochmals zu AV._ gefahren. AV._ habe
ihm erzählt, dass A._ bei ihm gewesen sei und AE._ gesucht habe. Da-
- 127 -
bei soll A._ ein abnormales Verhalten an den Tag gelegt haben wie ein psy-
chisch Kranker. Dies müsse im Januar/Februar 2016 gewesen sein (Urk.
D1/07/64 S. 27). AV._ habe bestritten, dass A._ oder AA._
AE._ oder Sachen von AE._ zu ihm gebracht hätten (Urk. D1/07/64 S.
28). H._ bestätigte, dass AV._ ihm erzählt habe, dass AE._
A._ um Fr. 40'000.– gelinkt habe. Er habe Theorien gehabt, dass A._
das Geld allenfalls mit Gewalt hätte zurückverlangen können, zumal die beiden
Fahrzeuge gefehlt hätten (Urk. D1/07/64 S. 29). H._ bestritt, dass AE._
mit der serbischen Mafia zu tun habe. Weder AE._ noch er hätten mit Dro-
genhandel zu tun (Urk. D1/07/64 S. 33). Es treffe nicht zu, dass er zusammen mit
seinem Bruder eine Hanf-Indooranlage betrieben habe (Urk. D1/07/64 S. 34).
bb) Aussagen F._
In der Einvernahme als Privatkläger vom 23. Juni 2017 (Urk D1/07/75) sagte der
Vater von AE._ sel. aus, er habe AA._ vom Fenster aus gesehen, als er
mit AE._ verhandelt und den BMW verladen habe. Die beiden seien um
22.00 Uhr weggefahren. AE._ habe ihn am Mittag dieses Tages gefragt, ob
er am Abend den Mercedes holen dürfe, was er ihm erlaubt habe (Urk. D1/07/75
S. 4). V._ habe er am 1. oder 2. Mai das erste Mal gesehen, als sie bei ihm
geläutet habe und den Fahrzeugausweis des BMW haben wollte. Sie habe ge-
sagt, AE._ habe das Auto verkauft und sie brauche den Ausweis, um das
Auto weiterverkaufen zu können. Er sei unsicher gewesen und habe gedacht,
sein Sohn würde das Auto nie verkaufen. V._ sei dann nochmals bei ihnen
vorbeigekommen und habe ihm einen Kaufvertrag gezeigt mit einem Kaufpreis
von Fr. 12'500.–. Er habe seinen ältesten Sohn angerufen, der den Vertrag ange-
schaut und fotografiert habe und ihm gesagt habe, es stimme offenbar und er sol-
le der Frau den Fahrzeugausweis geben (Urk. D1/07/75 S. 5). AE._ habe
seinen Mercedes ausleihen dürfen, ein Verkauf sei nie Thema gewesen
(Urk. D1/07/75).
- 128 -
cc) Aussagen G._
In der Zeugeneinvernahme der Mutter von AE._ sel. vom 23. Juni 2017
(Urk. D1/07/76) finden sich keine sachverhaltsrelevanten Aussagen, weshalb auf
eine Zusammenfassung verzichtet werden kann.
dd) Würdigung
Aus den Aussagen des Vaters von AE._ sel. ergeben sich keine sachdienli-
chen Hinweise bezüglich der geschäftlichen und privaten Beziehung zwischen
A._ und AE._ sel.. Dafür, dass F._ in irgendeiner Weise in mafiöse
Machenschaften verwickelt sein könnte, bestehen keine Anhaltspunkte. Aufgrund
dessen Gehörlosigkeit und der daraus fliessenden Probleme bei der Kommunika-
tion erscheint dies auch höchst unwahrscheinlich. Solches wird denn auch vom
Beschuldigten betreffend den Vater von AE._ sel. nicht geltend gemacht.
Bezüglich H._ war A._ auch nicht in der Lage, konkrete Angaben zu
dessen angeblicher Beteiligung in der serbischen Mafia zu machen. Der Um-
stand, dass er nach dem Verschwinden von AE._ sel. bei A._ und
AA._ auftauchte und sie verdächtigte, seinen Bruder AE._ umgebracht
zu haben, sowie die in diesem Zusammenhang im Chat ausgesprochenen Dro-
hungen zeugen nicht von einer Beteiligung an der Mafia, vielmehr sind sie Aus-
druck der Sorge um den verschwundenen Bruder. Sein Verdacht, dass A._
etwas mit dem Verschwinden und dem Tod von AE._ sel. zu tun haben
könnte, hat sich denn auch erhärtet.
l) Zeugenaussage CW._ (Urk. D1/07/79)
Der Zeuge war ein Kollege von AE._ sel. und hat mit ihm gemeinsam zwei
Jahre die Lehre absolviert. Er kennt die Beschuldigten A._ und AA._ nur
vom Sehen her, V._ ist ihm nicht bekannt (Urk. D1/07/79 S. 2). Er sagte aus,
er habe AE._ letztmals eine oder zwei Wochen vor seinem Verschwinden
gesehen (Urk. D1/07/79 S. 4). Er erklärte, er sei AE._ recht nahe gestanden,
dieser habe nicht der serbischen Mafia angehört. AE._ habe abfällig über
Serben gesprochen, habe diese nicht gemocht, habe von "scheiss Serben" ge-
- 129 -
sprochen (Urk. D1/07/79 S. 4). AE._ habe ihm gesagt, dass er Bosnier sei
(Urk. D1/07/79 S. 9). AE._ habe ihm erzählt, er habe Stress bekommen mit
A._ im Zusammenhang mit dem Palettenhandel. A._ habe AE._
gesagt, dass die Paletten aus Serbien nicht kommen würden. Im Nachhinein habe
AE._ diesbezüglich aber eine Abrechnung oder Bestätigung gefunden, aus
der hervorgegangen sei, dass die Paletten doch gekommen seien und der andere
das Geld habe in seinen Sack stecken wollen. Dies habe dazu geführt, dass
AE._ keinen Kontakt mit A._ mehr haben wollte (Urk. D1/07/79 S. 5).
AE._ habe erzählt, es sei zu einer Konfrontation gekommen, so wie er ver-
standen habe, hätten sie sich gegenseitig geschlagen (Urk. D1/07/79 S. 6). Er
wisse nichts aus eigener Wahrnehmung betreffend den Vorwurf, dass AE._
A._ um Fr. 40'000.– betrogen habe. Er habe davon beiläufig gehört von
CX._ (Urk. D1/07/79 S. 7). Der Zeuge erklärte auf entsprechenden Vorhalt,
er sei wegen Betäubungsmittel zwei Monate im Gefängnis gewesen. An diesen
Vorfällen seien keine Personen aus dem vorliegenden Verfahren beteiligt gewe-
sen (Urk. D1/07/79 S. 9).
Die Aussagen von CW._ bringen keine Erkenntnisse zu einer möglichen Be-
teiligung von AE._ sel. an Drogenhandel. Seine pauschale Äusserung, er sei
AE._ nahe gestanden, dieser habe nicht der serbischen Mafia angehört, ist
nichts weiter als eine Einschätzung des Zeugen und ist nicht beweisbildend für
die Frage einer Beteiligung von AE._ sel. an der Serbenmafia.
m) Aussagen AU._ (Urk. D1/07/80)
AU._ ist ein Cousin von AE._ sel.. In der Befragung als Auskunftsper-
son vom 31. Oktober 2017 sagte er aus, AE._ habe ihn jeweils einmal im
Jahr im Urlaub für 10 Tage besucht (Urk. D1/07/80 S. 3). A._ habe er in Bel-
grad über AE._ kennengelernt. Dieser habe einen Kontakt für den Verkauf
von Europaletten gebraucht. Er habe A._ einen Kontakt zu einer Firma ver-
mittelt, die Holzpaletten produziert (Urk. D1/07/80 S. 4). Einmal sei er mit einem
Lastwagen mit A._ in die Schweiz gefahren, weil ein Fahrer allein nicht eine
so lange Strecke fahren dürfe (Urk. D1/07/80 S. 8). Auf entsprechenden Vorhalt
erklärte AU._, es sei nicht möglich, dass AE._ ein Mitglied der serbi-
- 130 -
schen Mafia gewesen sei, denn er habe in der Schweiz gearbeitet und sei nur
einmal im Jahr gekommen (Urk. D1/07/80 S. 13). Er (AU._) habe nichts mit
der serbischen Mafia zu tun (Urk. D1/07/80 S. 14). A._ habe sich einmal bei
ihm beklagt, das AE._ bei ihm Geld genommen habe, er denke, A._ ha-
be 70'000.– Franken oder Euro erwähnt, und habe ihn nach der Adresse von
AE._ gefragt. Er habe A._ die Adresse der Eltern von AE._ gege-
ben (Urk. D1/07/80 S. 15 f.). Auf Vorhalt des Chatverlaufs zwischen ihm und
AE._ sel. vom 21. Februar 2016 bestätigte er, dass er AE._ gefragt ha-
be, ob A._ ihm etwas ausbezahlt habe und AE._ geantwortet habe, er
habe Fr. 40'000.– bezahlt (Urk. D1/07/80 S. 20). Ob er dieses Geld bekommen
habe oder es gestohlen habe, wisse er nicht. AE._ und A._ hätten je
das Gegenteil erzählt (Urk. D1/07/80 S. 21). AE._ habe Marihuana und Ko-
kain konsumiert. Er habe ihm gesagt, dass er aufhören solle (Urk. D1/07/80 S.
22).
Den Aussagen von AU._ ist zu entnehmen, dass A._ AE._ gesucht
habe und ihm erzählt habe, AE._ habe ihm Fr. 70'000.– gestohlen. Dass
verschiedene Personen aussagten, A._ habe erwähnt, AE._ habe ihm
einen bedeutenden Betrag gestohlen/genommen oder eine hohe Konventional-
strafe verursacht, lässt die Darstellung vom AU._ als glaubhaft erscheinen.
n) Zeugenaussage CV._ (Urk. D1/07/95)
CV._ ist der Vermieter des Hauses, in welchem A._ und V._ mit
den Kindern wohnten. Er sagte in der Zeugeneinvernahme vom 13. März 2018
aus, A._ habe ihm erzählt, dass die Firma AJ._ Konkurs gegangen sei.
Er bestätigte auf Vorhalt seiner bei der Polizei gemachten Aussagen, dass
A._ gesagt habe, dass er einen Geschäftsführer angestellt habe, der die Auf-
träge nicht termingerecht habe erledigen können, wodurch Konventionalstrafen in
der Höhe von Fr. 800'000.– angefallen seien (Urk. D1/07/95 S. 6).
Die Aussage von CV._ entspricht den Aussagen verschiedener anderer Per-
sonen, gemäss welchen A._ AE._ sel. die Schuld am Konkurs seiner
- 131 -
Firma AJ._ zuwies. Darauf wird bei der Prüfung des Tatmotivs zurückzu-
kommen sein (nachfolgend Erw. IV.3.2.1.1.b.).
o) Aussagen Angehörige des Beschuldigten
aa) BA._
BA._, die Mutter von A._, sagte in der polizeilichen Einvernahme als
Auskunftsperson vom 24. August 2016 aus, A._ habe seit ca. November
2015 fünf bis sechs Mal Geld von ihr verlangt. Sie bestätigte, dass er einmal ge-
sagt habe, er brauche dringend Geld, sonst würden seine Kinder kaputt gemacht
(Urk. D1/07/23 S. 2 und S. 5). Im Juli 2015 habe er Fr. 50'000.– aus dem Erbe
seines verstorbenen Vaters erhalten und habe gesagt, er sei nun schuldenfrei und
glücklich (Urk. D1/07/23 S. 5).
In der polizeilichen Befragung vom 13. Dezember 2016 bestätigte sie, dass
A._ im Jahre 2015 im Sommer oder Herbst einmal gesagt habe, er brauche
dringend Geld, es eile, sonst würden sie seine Familie kaputt machen. Sie habe
ihm mehrmals Geld gegeben, einmal im September 2015 habe er Fr. 50'000.–
aus dem Erbe als Schenkung erhalten. Schon im Dezember 2014 habe er sie um
die Unterschrift bei einem Darlehen bei einem Schulkollegen CE._ gebeten.
Sie habe mit ihrem Haus gebürgt und das Darlehen im Betrage von Fr. 30'000.–
später an CE._ zurückbezahlt (D1/07/52 S. 4 f.).
In der Zeugeneinvernahme vom 8. Juni 2017 (Urk. D1/07/72) sagte BA._
aus, sie habe A._ im Dezember 2014 oder 2015 Geld gegeben, er habe ge-
sagt, er benötige das Geld sofort, da sie ihn und die Kinder kaputt machen wür-
den. Sie habe für ein Darlehen bürgen müssen, es habe pressiert. A._ sei to-
tal aus dem Häuschen gewesen und habe gesagt, wenn er nicht sofort bezahlen
könne, würden sie ihm die Kinder kaputt machen (Urk. D1/07/72 S. 4). Sie habe
ihm mehrere Male Geld gegeben, insgesamt über ein Jahr verteilt ca. Fr.
100'000.– inklusive Erbvorbezug von Fr. 50'000.– (Urk. D1/07/72 S. 5). A._
habe ihr nie Rückzahlungen gemacht, sie habe auch nie Rückzahlungen verlangt
(Urk. D1/07/72 S. 9). Ende 2015 sei ein Krach zwischen ihnen entstanden, ab
- 132 -
dann habe sie keine Zahlungen mehr geleistet. A._ sei nicht mehr er selbst
gewesen, habe keine Zeit mehr gehabt, sei irrsinnig unter Druck gestanden. Sie
habe mit ihm reden wollen, dies sei aber nicht zu Stande gekommen. Er sei we-
gen irgendetwas so unter Druck gestanden und habe Angst gehabt. Sie wisse
nicht, weshalb er unter Druck gestanden habe und Angst gehabt habe. Er habe
sein Verhalten ab Sommer 2015 geändert, sei nicht mehr viel nach Hause ge-
kommen und sei sehr gereizt gewesen (Urk. D1/07/72 S. 10). Seit dem Krach im
Dezember 2015 habe sie keinen Kontakt mit A._ mehr gehabt. Sie habe
nicht einmal gewusst, dass er verhaftet worden sei (Urk. D1/07/72 S. 11).
Die Aussagen der Mutter des Beschuldigten weisen keine Widersprüche auf, sind
klar und zeugen von keinerlei Übertreibungen. Zudem werden sie gestützt durch
die Aussagen von CE._. Es kann auf ihre glaubhaften Aussagen abgestellt
werden. Gestützt darauf ist erstellt, dass der Beschuldigte bereits im Jahre 2014
und im Jahre 2015 namhafte Beträge von total Fr. 100'000.– von seiner Mutter
erhalten hat. Dies dokumentiert, dass er sich im Zeitpunkt der Tötungsdelikte
schon längere Zeit in angespannten finanziellen Verhältnissen befand. BA._
erklärte, seit einem Krach im Dezember 2015 keinen Kontakt mit dem Beschuldig-
ten mehr gehabt zu haben. Daraus geht hervor, dass die von ihr erwähnte Äusse-
rung, er brauche dringend Geld, sonst mache man seine Kinder kaputt sowie ihre
Feststellung, dass er unter Druck gestanden habe und Angst gehabt habe, sich
auf die Zeit vor Dezember 2015 beziehen muss und keinen Bezug aufweist zu
den vom Beschuldigten geltend gemachten Drohungen seitens der Serbenmafia
im Zusammenhang mit den Tötungsdelikten im April 2016 und im Juni 2016.
bb) AX._
In der polizeilichen Befragung vom 22. November 2017 sagte der Bruder des Be-
schuldigten A._ aus, er sei nicht bedroht worden von Angehörigen der bei-
den Opfer. Er habe H._ nur einmal flüchtig gesehen, als er wegen seines
verschwundenen Bruders nach AI._ gekommen sei und ihm komische Fra-
gen gestellt habe (Urk. D1/07/81 S. 2). Er sei auch sonst von niemandem bedroht
worden, auch nicht seine Frau oder seine Kinder oder V._ und deren Kinder
(Urk. D1/07/81 S. 3).
- 133 -
Auf die Frage, ob er glaube, dass A._ in der Lage sei, einen Menschen zu tö-
ten, erklärte er, er hätte das nicht für möglich gehalten. Er sei schon ein "Gross-
schnurri", aber wenn es darum gehe, hinzustehen, ziehe er sich zurück. Er sei
immer mehr Schein als Sein (Urk. D1/07/81 S. 5).
Er wisse, dass AE._ und der Beschuldigte A._ am Schluss Differenzen
gehabt hätten, um was es genau gegangen sei, wisse er nicht. A._ habe ihm
nur erzählt, dass AE._ Paletten verkauft habe in den eigenen Sack, weshalb
er ihn rausgeworfen habe. A._ habe gesagt, dass er von AE._ einmal
mit einem Messer bedroht worden sei und er ihn darauf zum Teufel gejagt habe.
Die Drohung müsse irgendwann nach Weihnachten 2015 gewesen sein (Urk.
D1/07/81 S. 6).
Betreffend den Palettenhandel habe er A._ gesagt, es sei nicht schlau Palet-
ten zu einem Preis von Fr. 7.– zu verkaufen. Er habe geantwortet, man müsse die
Kunden zuerst ködern. Er habe A._ mal vorgerechnet, dass das nicht funkti-
onieren könne. Dieser habe das Gegenteil behauptet. A._ sei ein guter Ver-
käufer, könne die Kunden gut ködern. Als es um die Selbstkosten gegangen sei,
habe er wohl keine Ahnung gehabt (Urk. D1/07/81 S. 7). A._ habe ihm von
einem grösseren Auftrag betreffend Paletten erzählt, bei welchem eine Konventi-
onalstrafe angefallen sei, da der Transport nicht geklappt habe. Es habe etwas
nicht geklappt mit dem Chauffeur, die Paletten seien nicht abgeholt worden.
A._ habe nebenbei erwähnt, dass er schauen müsse wegen einer Konventi-
onalstrafe von ein paar Hunderttausend (Urk. D1/07/81 S. 8). Er wüsste nichts
darüber, dass nicht nur Paletten aus Serbien transportiert worden seien
(Urk. D1/07/81 S. 8).
A._ habe nicht verändert auf ihn gewirkt. Als er kurz vor seiner Verhaftung
einen neuen Anhänger gekauft habe, habe er sich richtig gefreut, sei sehr unbe-
kümmert und fröhlich gewesen (Urk. D1/07/81 S. 10).
A._ habe einmal gesagt, er habe das Gefühl, dass ihn jemand beobachte, er
habe einen Pfefferspray und einen Elektroschocker für V._ zu Hause ge-
- 134 -
kauft. Das müsse gewesen sein, nachdem H._ auf dem Hof gewesen sei und
AE._ gesucht habe (Urk. D1/07/81 S. 11).
A._ habe ihm nie etwas erzählt von einer Bedrohung durch die serbische
Mafia (Urk. D1/07/81 S. 13).
In der Zeugeneinvernahme vom 19. April 2018 (Urk. D1/07/101) antwortete
AX._ auf die Frage, ob er oder seine Familie seit der Verhaftung von
A._ durch irgendjemanden bedroht oder verfolgt worden seien, am Anfang
sei die Presse vor Ort gewesen, irgendwann hätten sie dann aufgegeben. Sie hät-
ten eine Kamera aufgestellt und gesehen, dass später mal ein Auto vor dem Haus
gewesen sei. Es habe sich herausgestellt, dass dies vom Blick gewesen sei (Urk.
D1/07/101 S. 8). V._ habe in der Zeit zwischen ihren Verhaftungen auf den
Bericht im Blick angesprochen gesagt, dass sie nicht an die Geschichte mit der
serbischen Mafia glaube (Urk. D1/07/101 S. 9). A._ könne gut manipulieren,
jemanden überzeugen, ihm zu helfen. Der andere meine dann, er helfe für etwas
Konkretes, ohne zu wissen, dass er eigentlich für eine andere Sache helfe. Der
Angestiftete realisiere gar nicht, was er mache (Urk. D1/07/101 S. 9). Er wisse,
dass AE._, A._ einmal betrogen habe, Genaueres wisse er aber nicht.
Das Arbeitsverhältnis sei von A._ aufgelöst worden, da AE._ ihn betro-
gen habe. Das wisse er von A._ (Urk. D1/07/101 S. 10). Auf die Frage, ob er
etwas von einer Drohung von AE._ mit einem Messer wisse, antwortete der
Zeuge, von einer mündlichen Drohung wisse er, aber mit einem Messer wisse er
nicht mehr. Es stimme aber, wenn er dies bei der Polizei so ausgesagt habe.
A._ habe ihm einmal gesagt, dass AE._ mit Drogen handelte, er wisse
nicht, mit was für Drogen (Urk. D1/07/101 S. 10). Kurz vor der Verhaftung habe
ihm A._ geschrieben, dass er einen neuen Anhänger habe, er sei voll im
Elan gewesen (Urk. D1/07/101 S. 11).
AX._ bestätigte, dass weder er noch andere Familienmitglieder nach der
Verhaftung von A._ von irgendjemandem bedroht worden seien. Auch vor
seiner Verhaftung sei es nicht zu Drohungen seitens der Familie AE._ ge-
kommen. Dieser Umstand spricht dafür, dass die an A._ und AA._ ge-
richteten Drohungen von H._ vor deren Verhaftung damit in Zusammenhang
- 135 -
standen, dass H._ seinen verschwundenen Bruder AE._ finden wollte
und den Beschuldigten Konsequenzen für den Fall der Tötung von AE._ an-
drohte. Dies hat jedoch nichts mit einer Bedrohung der Familien von A._ und
AA._ zu tun und führt nicht zum Schluss, dass die Familie AE._ Teil der
serbischen Mafia bildet. Dass die Familien von A._ und AA._ nach de-
ren Verhaftung nicht von dieser Mafia tangiert wurden, widerlegt zwar nicht, dass
der Beschuldigte bedroht wurde, stellt aber ein weiteres Indiz gegen eine solche
Bedrohung dar.
2.4. Fazit betreffend Drohung und Zwang seitens der Serbienmafia
Wie bereits vorstehend (Erw. II.2.2.2.) dargelegt, erscheinen die Aussagen des
Beschuldigten zur Bedrohung und zur Anwendung von Zwang durch die Serben-
mafia in Ermangelung einer detaillierten und konstant gleichbleibenden Darstel-
lung der diesbezüglichen Abläufe, der von ihm eingeräumten mehrfachen Schutz-
behauptungen, der aufgezeigten Widersprüche und Ungereimtheiten als nicht
glaubhaft. Soweit der Beschuldigte konkretere überprüfbare Angaben machte,
führten die getätigten Ermittlungen nicht zu Hinweisen auf eine Beteiligung der
serbischen Mafia. Es kann diesbezüglich auf die vorstehenden Erwägungen im
Zusammenhang mit den Ermittlungen betreffend das von den Serben gefahrene
Fahrzeug, den Kreditvermittler AG._ und die behaupteten Bedrohungen im
Vollzug durch BJ._ oder CM._ und CN._ verwiesen werden (Erw.
II.2.3.2.).
Von zentraler Bedeutung ist, dass die beiden Mitbeschuldigten AA._ und
V._ gemäss deren glaubhaften Aussagen nichts von Bedrohungen der Ser-
benmafia wussten, dagegen Kenntnis hatten von den aktenkundigen Drohungen
seitens von H._ nach dem Verschwinden von AE._ sel..
Da die Aussagen von A._ betreffend Bedrohung durch die Serbenmafia nicht
als glaubhaft erscheinen und durch keine weiteren Beweismittel gestützt werden,
erweist sich seine diesbezügliche Darstellung als reine Schutzbehauptung. Daher
bleibt nachfolgend sein wahres Tatmotiv bzw. der innere Sachverhalt zu prüfen.
- 136 -
Betreffend Dossier 9 (falsche Anschuldigung zum Nachteil von AG._) ist der
Sachverhalt erstellt, da das Vorbringen des Beschuldigten betreffend die serbi-
sche Mafia sich als Schutzbehauptung erwies.
2.5. Innerer Sachverhalt gemäss Anklage
2.5.1. Anklagevorwurf
Betreffend Dossier 1 wirft die Anklage dem Beschuldigten A._ vor, er habe
den Entschluss gefasst, M._ anlässlich der Probefahrt unter Einsatz einer
Schusswaffe zum Widerstand unfähig zu machen, ihn in einem Anhänger zu fes-
seln und an seinen Wohnort zu transportieren, ihn zum Unterschreiben des Kauf-
vertrags für den Lastwagen zu zwingen und ihn dann zu töten (Anklageschrift S. 4
Ziff. 1). Es sei ihm einzig darum gegangen, den Erlös aus dem Weiterverkauf des
entwendeten Lastwagens für den eigenen Lebensunterhalt zu verwenden (Ankla-
geschrift S. 11 Ziff. 26).
Betreffend Dossier 2 wird A._ vorgeworfen, er habe den Plan gehabt,
AE._ an seinen Wohnort aufzulauern, ihn zu überwältigen, zu fesseln, ge-
fangen zu halten und ihn auf diese Weise dazu zu bringen, ihm Auskunft über den
Verbleib der geschuldeten Gelder und Drogen zu geben. Weiter habe er beab-
sichtigt, AE._ dessen Fahrzeug BMW M3 im Wert von ca. Fr. 12'000.– zu
entwenden, um sich dadurch einen Vermögensvorteil zukommen zu lassen, auf
welchen er keinen Anspruch gehabt habe und AE._ im Anschluss daran zu
töten (Anklageschrift S. 17 f. Ziff. 3). Er habe aus reinem Egoismus gehandelt, da
es ihm einzig darum gegangen sei, sich an AE._ zu rächen und darüber hin-
aus Informationen zum Verbleib der durch AE._ veruntreuten Barschaft und
Ware zu erhalten (Anklageschrift S. 23 Ziff. 26).
2.5.2. Standpunkt des Beschuldigten
Der Beschuldigte machte bezüglich Dossier 1 und Dossier 2 geltend, von der ser-
bischen Mafia zu den Tötungen gezwungen worden zu sein. Dass es sich bei den
behaupteten Drohungen, Gewaltanwendungen und Druckausübung seitens der
serbischen Mafia um Schutzbehauptungen seitens des Beschuldigten handelte,
- 137 -
wurde im Rahmen vorstehender Erwägungen dargetan. Somit ist zu prüfen, ob
sich der innere Sachverhalt gemäss Anklage aufgrund der vorhandenen Beweis-
mittel erstellen lässt.
2.5.3. Tötungsdelikt zum Nachteil von M._ sel.
Wie aus dem vorerwähnten Anklagevorwurf hervorgeht, wirft die Anklage dem
Beschuldigten einen bereits vor Beginn der Tatausführung gefassten Tötungsvor-
satz vor.
Die Vorinstanz führte zutreffend aus (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 281 S. 56 f.), dass
sich im Umstand, dass der Beschuldigte Waffe, Klebeband und Handschellen
mitnahm und sich mit personeller Verstärkung zur "Probefahrt" begab, manifes-
tierte, dass der Beschuldigte den Entschluss gefasst hatte, M._ sel. zu über-
wältigen und festzunehmen, sollte er ihm den Lastwagen nicht auf Rechnung
aushändigen und ihn alleine auf die Probefahrt gehen lassen. Darauf, dass er
auch die Möglichkeit einer Tötung von M._ sel. in Kauf nahm, deutet der
Umstand hin, dass er keine Vorsichtsmassnahmen getroffen hat, um zu verhin-
dern, dass M._ sel. seine wahre Identität feststellen konnte. Insbesondere
wies er sich M._ sel. gegenüber mit seinem richtigen Namen aus und telefo-
nierte mit ihm von seiner Mobiltelefonnummer aus. Ferner hätte M._ sel. auf-
grund des Kontrollschildes am Ford Ranger herausfinden können, wer der Eigen-
tümer war (Prot. I S. 104). Der Beschuldigte wusste, dass der Garagenplatz von
M._ videoüberwacht war. Ein weiteres Indiz zulasten des Beschuldigten bil-
det ferner der Umstand, dass ein Anhänger mitgeführt wurde, für dessen Verwen-
dung kein anderer Grund ersichtlich ist, als dass er dafür vorgesehen war, den
überwältigten M._ sel. zu transportieren. Zugunsten des Beschuldigten ist
davon auszugehen, dass er eingangs darauf hoffte, M._ sel. werde ihm den
Lastwagen auf Rechnung übergeben. In diese Richtung weist auch der Umstand,
dass er die Beschuldigte V._ aufbot, obwohl diese die Kinder bei sich hatte.
Bezüglich der Anwesenheit der Kinder ist aber auf der anderen Seite auch darauf
hinzuweisen, dass sich V._ stets im Hintergrund hielt und M._ sel. nie
gesehen hat. Dadurch war auch sichergestellt, dass die Kinder nichts davon mit-
bekommen konnten. Nachdem dies nicht wie erhofft eintrat, ist immer noch denk-
- 138 -
bar, dass er plante, den Lastwagen zu rauben und M._ sel. derart einzu-
schüchtern, dass dieser sich nicht bei der Polizei melden würde. Dafür wäre je-
doch das Mitführen eines Anhängers nicht notwendig gewesen. Spätestens als
der Beschuldigte V._ das Mobiltelefon von M._ sel. übergab mit dem
Auftrag, dieses in Q._ zu deponieren, ihr Mobiltelefon an sich nahm und ihr
sein eigenes übergab, musste er den Entschluss gefasst haben, M._ sel. zu
töten, da die Aktion mit dem Deponieren des Handys von M._ sel. unter Mit-
nahme des Handys des Beschuldigten doch offensichtlich dazu dienen sollte, vor-
zutäuschen, dass M._ sel. mit A._ nach Q._ zurückgekehrt sei.
Hätte er M._ sel. lediglich einschüchtern wollen, hätte er ihn ja tatsächlich
nach Q._ zurückbringen können. Schliesslich spricht die Tatsache, dass
A._ M._ sel. tötete, kurze Zeit nachdem dieser die Vertragsurkunden
unter Zwang unterzeichnet hatte, eindeutig gegen die Annahme, der Beschuldigte
habe nur die Absicht gehabt, M._ sel. einzuschüchtern und habe sich dann
erst während der Tatausführung entschieden, M._ sel. zu töten. Hinzu-
kommt, dass die Tötung von AE._ sel. bis zu diesem Zeitpunkt unentdeckt
geblieben war, für den Beschuldigten bis dahin alles einfach gelaufen war, es ihm
sogar gelungen war, die Polizei abzuwimmeln, welche auf die Vermisstenanzeige
der Familie AE._ hin bei ihm vorstellig geworden war. Dass der Beschuldigte
zudem völlig andere Vorkehrungen getroffen hatte, als bei der Tat zum Nachteil
von AF._, zeigt, dass er von Beginn an einen alternativen Tatablauf im Kopf
hatte. Es bestehen daher keine rechtserheblichen Zweifel daran, dass der Be-
schuldigte von Anfang an den Entschluss gefasst hat, M._ sel. umzubringen,
falls dieser ihm den Lastwagen nicht gegen Rechnung überlassen sollte. Da die
Beschuldigten durch die Überwältigung und Fesselung von M._ sel. und dem
Wegfahren mit dem Lastwagen dessen Herrschaftsmacht über das Fahrzeug be-
reits gebrochen hatten, konnte es nach der erzwungenen Vertragsunterzeichnung
bei seiner Tötung nur noch darum gehen, die illegale Wegnahme des Fahrzeugs
und das gewaltsame Vorgehen zu vertuschen und zu verhindern, dass M._
sel. sich an die Polizei wenden und versuchen könnte, das Fahrzeug wieder zu
erlangen. Das Tatmotiv für die Tötung bestand unter diesen Umständen letztlich
im Beseitigen des Tatzeugen.
- 139 -
Betreffend das finanzielle Tatmotiv im Zusammenhang mit dem angeklagten
Raub ist zu erwähnen, dass der Beschuldigte in den Jahren 2014 und 2015 ge-
mäss glaubhafter und unbestrittener Darstellung seiner Mutter von ihr insgesamt
Fr. 150'000.– erhalten hat (Prot. I S. 23). Gemäss der Zeugenaussage von
CE._ hat er A._ im Jahre 2014 und 2015 je ein Darlehen von Fr.
30'000.– gewährt. Während das erste Darlehen von der Mutter des Beschuldigten
aus dem Erlös eines Hausverkaufs zurückbezahlt worden sei, sei das zweite Dar-
lehen am 20. April im Umfang von Fr. 13'000.– aus einem Lastwagenverkauf zu-
rückbezahlt worden, den Rest habe er in Betreibung gesetzt (Urk. D1/07/62 S. 3
und S. 5). Die Aussagen von CE._ wurden vom Beschuldigten nicht bestrit-
ten und werden durch die Aussagen von BA._ gestützt, weshalb darauf ab-
gestellt werden kann. Trotz der hohen Unterstützungsbeträge seitens von
BA._ und der aufgenommenen Darlehen wies die AJ._ GmbH in den
Jahren 2014 bis 2016 offene Betreibungen im Gesamtbetrag von über Fr.
250'000.– (inklusive einer Konventionalstrafe von rund Fr. 100'000.–) auf und er-
folgte die Konkurseröffnung am 24. Mai 2016 (Urk. D1/01/162 Beilage 4; Prot. I S.
24). Aus dem Betreibungsregisterauszug lautend auf A._ geht hervor, dass
der Beschuldigte in den Jahren 2013 bis 2016 Verlustscheine im Gesamtbetrag
von Fr. 53'358.55 generierte (Urk. D1/01/162 S. 4 und Beilage 2). Angesichts der
desolaten wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten ist erstellt, dass es
dem Beschuldigten darum ging, den Erlös aus dem Weiterverkauf des entwende-
ten Lastwagens für den eigenen Lebensunterhalt zu verwenden.
Der innere Anklagesachverhalt ist daher betreffend die Tötung von M._ sel.
erstellt.
2.5.4. Tötungsdelikt zum Nachteil von AE._ sel.
AE._ sel. war ein Bekannter von A._. Sie waren eine gewisse Zeit auch
gemeinsam geschäftlich im Palettentransport zwischen der Schweiz und Serbien
tätig.
Wie vorstehend erwähnt wirft die Anklage A._ vor, er habe beabsichtigt,
AE._ das Fahrzeug BMW zu entwenden, um sich einen Vermögensvorteil
- 140 -
zukommen zu lassen, auf welchen er keinen Anspruch gehabt habe und
AE._ im Anschluss daran zu töten. Auch betreffend dieses Tötungsdelikts
wird ihm somit vorgeworfen, den Entschluss zur Tötung von Beginn weg gefasst
zu haben.
Gemäss übereinstimmender Darstellung des Beschuldigten sowie der beiden Mit-
beschuldigten war A._ der Ansicht, dass AE._ sel. im Rahmen seiner
Tätigkeit im Drogenhandel Bargeld in der Höhe von Fr. 40'000.– und Drogen in
einer unbekannten Menge unterschlagen habe. Die Motivation für die Überwälti-
gung, das Fesseln und das Festhalten von AE._ sel., gründete zweifellos da-
rin, dass AE._ sel. dazu gebracht werden sollte, Auskunft über den Verbleib
der unterschlagenen Ware zu geben. Soweit wird der innere Anklagesachverhalt
vom Beschuldigten denn auch anerkannt, und sein Geständnis wird durch die
Aussagen von AA._ und V._ gestützt. Entsprechend ist auch der vo-
rinstanzliche Schuldspruch betreffend Freiheitsberaubung und Entführung im Sin-
ne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB in Rechtskraft erwachsen.
Bestritten wird seitens des Beschuldigten, dass er beabsichtigte, das Fahrzeug
BMW von AE._ sel. zu entwenden und sich dadurch einen Vermögensvorteil
zukommen zu lassen, auf welchen er keinen Anspruch hatte. Entsprechend wird
von ihm auch der vorinstanzliche Schuldspruch des qualifizierten Raubes betref-
fend Dossier 2 angefochten. Erstellt ist, dass der Beschuldigte A._ sich den
BMW von AE._ sel. wie auch den Mercedes von dessen Vater aneignete.
Dass er einen Kaufvertrag betreffend den BMW fälschen musste, um in den Be-
sitz des Fahrzeugausweises zu kommen, und der Mercedes von V._ und
AA._ in AT._ geholt werden mussten, während AE._ sel. von
A._ in AI._ weiter festgehalten wurde, widerlegt die Behauptung des
Beschuldigten, wonach zwischen ihm und AE._ bei einem persönlichen Kon-
takt abgemacht worden sei, dass der BMW und der Mercedes zwecks Schulden-
tilgung zu ihm kommen sollten (Urk. D1/02/16 S. 7 und S. 12 ). Beim Mercedes
handelte es sich um das Fahrzeug des Vaters von AE._ sel.. Er sagte in sei-
ner Einvernahme als Privatkläger glaubhaft aus, AE._ habe ihn am Tag als
der BMW durch AA._ aufgeladen worden sei gefragt, ob er den Mercedes
- 141 -
am Abend holen dürfe, was er erlaubt habe (Urk. D1/07/75 S. 4), dagegen sei nie
die Rede von einem Verkauf des Mercedes gewesen, AE._ hätte das Auto
niemals verkaufen dürfen (Urk. D1/07/75 S. 10). Aufgrund dieser glaubhaften
Aussage kann ausgeschlossen werden, dass der Beschuldigte und AE._
sich betreffend den Mercedes geeinigt hätten. Gegen eine vereinbarte Übergabe
des BMW an den Beschuldigten spricht auch der Umstand, dass AE._ sel.
den BMW reparieren lassen wollte und davon ausging, AA._ überführe den
aufgeladenen BMW in die Reparaturwerkstatt. Dass das Fahrzeug nach AI._
gebracht wurde, ist darauf zurückzuführen, dass AE._ sel. vorgetäuscht wur-
de, er könne dort seine Hanf-Indooranlage holen und der Beschuldigte sei abwe-
send. Somit ist auch der Vorsatz von A._ erstellt, die Fahrzeuge BMW und
Mercedes zu entwenden, um sich einen Vermögensvorteil zukommen zu lassen,
auf welchen er keinen Anspruch hatte.
Zu prüfen bleibt, wann der Beschuldigte den Vorsatz zur Tötung von AE._
sel. fasste. Eine von Anfang an bestehende Tötungsabsicht lässt sich nicht erstel-
len. Bereits die Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass keine Vorbe-
reitungshandlungen getätigt wurden, insbesondere der Bagger erst am nächsten
Tag organisiert wurde, was gegen einen durchdachten Plan spricht (Urk. 281 S.
44). Es ist nicht erkennbar, was der Beschuldigte für einen Vorteil aus der Tötung
von AE._ sel. hätte ziehen können. Insbesondere ist davon auszugehen,
dass mit dessen Tod das Auffinden des Geldes oder der Drogen nicht mehr ge-
währleistet war. Selbst wenn AE._ sel. Angaben über den Ort gemacht hätte,
an dem sich Ware und Geld befanden, musste immer noch damit gerechnet wer-
den, dass die Angaben nicht der Wahrheit entsprechen könnten, und nach sei-
nem Tod nicht mehr auf AE._ sel. zurückgegriffen werden konnte oder, dass
AE._ sel. Ware und Geld an einem Ort deponiert hatte, wo nur unter seiner
Mitwirkung darauf Zugriff genommen werden konnte. Angesichts des illegalen
Hintergrundes der Drogengeschäfte wäre auch nicht damit zu rechnen gewesen,
dass AE._ sel. sich wegen der Überwältigung, des Gefangenhaltens und der
Wegnahme der Fahrzeuge an die Polizei gewendet hätte. Naheliegend ist, dass
der Beschuldigte Vergeltungsmassnahmen seitens AE._ sel. und dessen
Familie wegen der Überwältigung, dem Gefangenhalten und der Wegnahme der
- 142 -
Fahrzeuge befürchtete und es darum ging, durch die Tötung den Tatzeugen zu
beseitigen. Hinzukommt, dass A._ mit AE._ sel. zerstritten war und mit
ihm vor der Gefangennahme am 27. April 2016 länger keinen Kontakt mehr hatte.
A._ war der Ansicht, dass AE._ sel. Fr. 40'000.– unterschlagen hatte,
die A._ von seiner Mutter aus dem Erbe seines Vater erhalten hatte. Wie
schlecht es um die finanzielle Situation des Beschuldigten und dessen Firma
stand, wurde vorstehend im Zusammenhang mit der Tötung von M._ sel.
dargelegt. Der Beschuldigte war für den Unterhalt seiner Familie dringend auf
Geld angewiesen. CT._ sagte in seiner Zeugeneinvernahme aus, das Ar-
beitsverhältnis zwischen ihm und A._ sei im Januar, Februar oder März 2016
wegen des Konkurses der AJ._ GmbH beendet worden. A._ habe ihm
als Grund angegeben, AE._ habe eine hohe Konventionalstrafe verschuldet,
welche zu einem Verlust von zwischen Fr. 50'000.– bis 100'000.– geführt habe
(Urk. D1/07/65 S. 10). Das Verhältnis zwischen AE._ und A._ sei gut
gewesen, bis sie sich getrennt hätten, es habe sich anfangs 2016 verschlechtert.
Nach seinem Eindruck habe A._ einen leichten Hass auf AE._ gehabt
und habe ihm anfangs 2016 gesagt, dass er AE._ nicht mehr sehen wolle
(Urk. D1/07/65 S. 11). Die Aussagen von CT._ weisen darauf hin, dass
A._ AE._ sel. verantwortlich machte für den Konkurs der AJ._
GmbH. Vor dem Hintergrund, dass A._ AE._ sel. die Schuld am Kon-
kurs seiner Firma und damit seiner prekären finanziellen Situation gab, erscheint
es als naheliegend, dass auch ein Rachemotiv bei der Tötung von AE._ sel.
mitspielte. Wann A._ den Tötungsvorsatz fasste, lässt sich nicht genau be-
stimmen. Dass dies bereits vor der Gefangennahme von AE._ sel. erfolgte,
lässt sich nicht erstellen. Zu seinen Gunsten ist davon auszugehen, dass er den
entsprechenden Vorsatz erst in einem späteren Zeitpunkt fasste. Das Tatmotiv
bildete eine Kombination von Rache, Beseitigen eines Tatzeugen und Beutesi-
cherung bezüglich der beiden Fahrzeuge.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der innere Sachverhalt betreffend Dos-
sier 2 gemäss Anklage mit Ausnahme des Vorwurfs, dass die Tötung von
AE._ sel. von Anfang an geplant war, erstellt ist.
- 143 -
3. Sachverhaltserstellung betreffend Dossiers 4 und 6
3.1. Dossier 4
Betreffend die Sachverhaltserstellung in Dossier 4 kann vollumfänglich auf die zu-
treffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO;
Urk. 281 S. 60 ff.). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschuldigte be-
stritt, den Lieferwagen verkauft und den Erlös für sich verwendet zu haben und
gegenüber der Versicherung Stellungnahmen abgegeben zu haben. Der Be-
schuldigte machte geltend, den Erlös an die serbische Mafia weitergegeben zu
haben. Da die Geschichte betreffend die serbische Mafia als Schutzbehauptung
zu werten ist und AA._ ebenfalls keinen Erlös aus dem Verkauf des Fahr-
zeugs erhalten hat, ist erstellt, dass der Erlös an A._ geflossen ist, welcher
bereits im Jahre 2015 in finanziellen Schwierigkeiten steckte und seine Mutter
mehrfach um Unterstützung anging. Ob die Fr. 1'000.–, die der Beschuldigte von
AA._ erhielt, für Spesen vorgesehen waren, spielt keine Rolle, da auch eine
solche Entschädigung für Spesen im Zusammenhang mit der Deliktsbegehung
geleistet wurde. Ebenfalls zu folgen ist der Vorinstanz darin, dass die Angaben,
die A._ nach seiner eigenen Darstellung gegenüber dem Versicherungsver-
treter machte, über das blosse Abwimmeln hinausgehen und als Stellungnahme
gegenüber der Versicherung zu würdigen sind.
3.2. Dossier 6
Den Erwägungen der Vorinstanz folgend (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 281 S. 66) ist
der Anklagesachverhalt erstellt. Dieser wurde vom Beschuldigten in der Befra-
gung vor Vorinstanz weitgehend anerkannt (Prot. I S. 163 ff.). Er machte einzig
geltend, AF._ habe ihm nicht erzählt, dass er Erkundigungen über ihn einge-
holt habe. AF._ habe ihn lediglich gefragt, ob er Herrn CY._ kenne, er
habe nicht gewusst, in welchem Zusammenhang dies gewesen sei. Der Beschul-
digte bestätigte, dass er bei CY._ mal einen Aufleger gekauft habe und er-
klärte, dass sich die Händler in der Transportfahrzeugbranche eigentlich gut ken-
nen (Prot. I S. 164). Der Beschuldigte bestritt somit den Vorwurf, er habe ge-
wusst, dass AF._ sich bei CY._ nach seiner Zahlungsfähigkeit und Zah-
- 144 -
lungswilligkeit erkundigt hatte und aufgrund positiver Referenzen von der soforti-
gen Barzahlung des Kaufpreises oder auch vom Einholen einer Auskunft über ihn
beim Betreibungsamt absehen würde. Es lässt sich nicht erstellen, dass der Be-
schuldigte wusste, dass AF._ sich bei CY._ nach seiner Zahlungsfähig-
keit und Zahlungswilligkeit erkundigt hatte. Solches lässt sich (abgesehen davon,
dass diese Einvernahme auch nicht zulasten des Beschuldigten verwertbar wäre)
auch der polizeilichen Einvernahme von AF._ vom 16. Mai 2017 (Urk.
D6/02/01) nicht entnehmen. Soweit ihm vorgeworfen wird, er habe Kenntnis von
den Erkundigungen bei CY._ gehabt, lässt sich der Anklagesachverhalt nicht
erstellen. Hinzukommt, dass zwischen A._ und AF._ abgemacht war,
dass er den Lastwagen bei Abholung bar bezahlen würde. AF._ hatte vor
den Hintergrund der vereinbarten Barzahlung gar keine Veranlassung, Erkundi-
gungen über die Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit des Beschuldigten ein-
zuholen. Erst als er den Lastwagen abholen kam, erklärte der Beschuldigte, er
habe entgegen der Vereinbarung das Bargeld nicht mitgenommen, da er mit dem
Zug angereist sei.
III. Rechtliche Würdigung
1. Dossier 1
1.1. Tötungsdelikt zum Nachteil von M._ sel.
1.1.1. Mord im Sinne von Art. 112 StGB
Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zum objektiven und subjektiven Tat-
bestand des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB und der Abgrenzung zu vorsätz-
licher Tötung im Sinne von Art. 111 StGB kann auf die zutreffenden Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 281 S. 75 ff.).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass besondere Skrupellosigkeit als Qualifi-
kationsmerkmal für Mord sich sowohl aus inneren Merkmalen (Beweggrund,
Zweck) als auch aus äusseren Merkmalen (Ausführung) ergeben kann und eine
Gesamtwürdigung der inneren und äusseren Umstände massgebend ist (Urk. 281
S. 76). Hervorzuheben ist unter Hinweis auf die von der Vorinstanz zitierte Lehre
- 145 -
und bundesgerichtliche Rechtsprechung, dass Tötung eines Menschen zum Zwe-
cke eines Raubes einen typischen Fall für eine Mordqualifikation darstellt und es
genügt, wenn die Tötung im Rahmen der Verübung des Raubes stattfand
(Urk. 281 S. 76 f.).
1.1.2. Würdigung
Zweifellos handelte der Beschuldigte mit Wissen und Willen betreffend den Eintritt
des Todes bei Zukleben von Mund und Nase des Opfers. Direkter Tötungsvorsatz
ist ohne weiteres zu bejahen.
Mit zutreffender Begründung hat die Vorinstanz auch Skrupellosigkeit bejaht
(Urk. 281 S. 78 f.). Es ist ihr darin zu folgen, dass der Beschuldigte sich zur Tö-
tung eines ihm beinahe fremden Menschen entschloss, um sich den Lastwagen
des Opfers anzueignen, Spuren der Tat bzw. einen Tatzeugen zu beseitigen und
nicht für die Straftat zur Verantwortung gezogen zu werden. Die Wegnahme des
Lastwagens ist - wie sogleich darzulegen sein wird - als Raub zu qualifizieren.
Vorstehend wurde festgehalten, dass die Verübung einer Tötung aus Habgier im
Rahmen eines Raubes einen typischen Fall für eine Mordqualifikation darstellt.
Die Vorinstanz hat denn auch zutreffend darauf hingewiesen, dass Tötung zum
Zwecke des Raubes und zur Verhinderung strafrechtlicher Verfolgung ein Regel-
beispiel verwerflicher Beweggründe darstellt (Urk. 281 S. 78). Es ist ihr auch darin
zu folgen, dass finanzielle Sorgen, wie sie der Beschuldigte im Tatzeitpunkt hatte,
zwar belastend sind, jedoch in einem Sozialstaat wie der Schweiz keine existen-
zielle Bedrohung darstellen.
Auch das Tatvorgehen durch Verkleben der Atemwege zeugt von besonderer
Grausamkeit und brachte für das Opfer einen schlimmen Todeskampf bei vollem
Bewusstsein mit sich. Die Wahl der Tötungsart, nachdem das Opfer bereits über
mehrere Stunden gefesselt in einem Anhänger menschenunwürdig transportiert
worden war und Todesangst erlebt haben muss, zeugt von ausgesprochener
Kaltblütigkeit und Gefühlskälte.
- 146 -
Zusammenfassend sind sowohl der Zweck der Tat als auch die Tatausführung
besonders verwerflich und sind die Voraussetzungen für eine rechtliche Qualifika-
tion als Mord im Sinne von Art. 112 StGB klar erfüllt.
Betreffend Dossier 1 ist der Beschuldigte A._ daher des Mordes im Sinne
von Art. 112 StGB schuldig zu sprechen.
1.2. Weitere Delikte gemäss Dossier 1
Der vorinstanzliche Schuldspruch betreffend qualifizierten Raub im Sinne von
Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1, Ziff. 3 Abs. 3 und Ziff. 4 StGB ist betreffend Dossier 1 in
Rechtskraft erwachsen, ebenso die Schuldsprüche betreffend Widerhandlung ge-
gen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 4 Abs. 1
lit. a WG und Art. 27 WG, das Fahren ohne Haftpflichtversicherung im Sinne von
Art. 96 Abs. 2 SVG i.V.m. Art. 63 Abs. 1 SVG und die Freisprüche betreffend Ur-
kundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB und der einfachen Körperver-
letzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. Dossier 2
2.1. Tötungsdelikt zum Nachteil von AE._ sel.
2.1.1. Allgemeines
Hinsichtlich der Abgrenzung zwischen den Tatbeständen der vorsätzlichen Tö-
tung im Sinne von Art. 111 StGB und des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB und
der Tatbestandsmerkmale des Mordes gelten die gleichen Grundsätze wie bereits
beim Tötungsdelikt gemäss Dossier 1 dargelegt. Es kann darauf verwiesen wer-
den.
2.1.2. Würdigung
Wie im Rahmen der Sachverhaltserstellung erwogen, bestand der Zweck der Tat
darin, durch die Tötung die vorgängige Überwältigung und Gefangennahme von
AE._ sel. und die illegale Wegnahme der beiden Fahrzeuge zu vertuschen.
Die Angst vor Vergeltung durch das Opfer und seine Familie dürfte neben der
- 147 -
Angst vor Strafverfolgung im Vordergrund gestanden haben. Hinzukommt wie be-
reits erwähnt auch ein zusätzliches Rachemotiv wegen des Verlustes der Fr.
40'000.-, für den der Beschuldigte AE._ sel. verantwortlich machte. Mit der
Vorinstanz ist darauf hinzuweisen, dass eine Eliminationstötung aus Angst vor
den Folgen einer Tat einen typischen Fall des Mordes darstellt (Art. 82 Abs. 4
StPO; Urk. 281 S. 91). Dass zusätzlich noch ein Rachemotiv dazu gekommen ist,
vermag an der Mordqualifikation nichts zu ändern, zumal besondere Skrupellosig-
keit auch durch das Vorgehen des Verschliessens der Atemwege zu bejahen ist.
Zudem erfolgte auch die Tötung von AE._ sel. im Rahmen eines Raubes be-
treffend die Wegnahme der beiden Fahrzeuge (vgl. nachstehend 2.2.1.), weshalb
besondere Skrupellosigkeit auch unter diesem Aspekt zu bejahen ist.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Tatbestand des Mordes im Sinne
von Art. 112 StGB auch betreffend die Tötung von AE._ sel. erfüllt ist.
2.2. Weitere Delikte betreffend Dossier 2
2.2.1. Qualifizierter Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 StGB
Erstellt ist, dass der Beschuldigte AE._ sel. bei dessen Ankunft in AI._
unter Vorhalten einer Waffe bedrohte, ihn fesselte bzw. durch AA._ fesseln
liess, ihn während mehreren Stunden gefangen hielt und ihm die Fahrzeuge BMW
und Mercedes wegnahm.
Bezüglich des BMW ist festzuhalten, dass dieses Fahrzeug durch AA._ auf-
grund einer mit A._ geplanten List auf einen Anhänger geladen und nach
AI._ gebracht wurde. Durch das Verladen auf den Anhänger und das Ver-
bringen an den Wohnort von A._ war der Gewahrsam von AE._ sel.
über das Fahrzeug bereits aufgegeben. Ohne die Mitwirkung von
AA._/A._ konnte AE._ sel. nicht mehr über das Fahrzeug verfügen.
Der Anhänger war am Ford Ranger von AA._ angebracht, dieser konnte den
Ford Ranger mitsamt Anhänger und dem aufgeladenen BMW an irgendeinen
AE._ sel. unbekannten Ort bringen. Die Wegnahme des BMW durch Täu-
schung erfüllt nicht den Tatbestand des Raubes. Die Überwältigung von
- 148 -
AE._ sel. erfolgte erst, nachdem sich das Fahrzeug bereits im Gewahrsam
von A._/AA._ befand und im Hinblick auf die Erpressung von AE._
sel.. Da der Geschädigte den Gewahrsam bezüglich des Fahrzeugs BMW auf-
grund von List aufgegeben hatte, ist der Tatbestand des Raubes nicht erfüllt.
Indem der Beschuldigte dem gefesselten und im Haus gefangen gehaltenen
AE._ sel. den Schlüssel zum Mercedes gegen seinen Willen wegnahm und
V._ und AA._ beauftragte, den Mercedes in AT._ zu holen und
nach AI._ zu bringen, hat A._ dem durch ihn widerstandsunfähig ge-
machten AE._ sel. das Fahrzeug Mercedes entwendet. Wie im Rahmen der
Sachverhaltserstellung dargelegt, hatte der Beschuldigte keinen Anspruch auf
dieses Fahrzeug, insbesondere bestand keine Vereinbarung zwischen AE._
sel. und A._ betreffend Übergabe der Fahrzeuge zwecks Schuldentilgung.
A._ wusste, dass er keinen gerichtlich durchsetzbaren Anspruch gegenüber
AE._ sel. aus dem Drogengeschäft hatte, er handelte in der Absicht un-
rechtmässiger Bereicherung. Damit hat er bezüglich des Mercedes den Tatbe-
stand des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB erfüllt.
Bezüglich des Fahrzeugs Mercedes ist nicht angeklagt, dass der Beschuldigte
Kenntnis davon hatte, dass AE._ sel. den Autoschlüssel des Fahrzeugs sei-
nes Vater auf sich trug. Dem Beschuldigten wird denn auch nicht vorgeworfen, er
habe von Anfang an beabsichtigt, AE._ sel. den Mercedes zu entwenden,
vielmehr geht der Anklagevorwurf dahin, dass er beabsichtigt habe, den BMW M3
zu entwenden (Anklage D2 Ziff. 3 S. 16). Der Einsatz der Waffe bei der Überwäl-
tigung von AE._ sel. stand somit nicht im Zusammenhang mit dem Raub des
Mercedes. Abgesehen davon stellt sich, da die von A._ eingesetzte Pistole
nicht geladen war, die Frage, ob der qualifizierte Tatbestand gemäss Art. 140 Zif-
fer 2 StGB erfüllt ist. Die Vorinstanz bejahte dies unter Hinweis darauf, dass der
Beschuldigte die Munition im Tresor aufbewahrte und die Waffe jederzeit hätte
geladen werden können (Urk. 281 S. 95). Diese Argumentation ist unter dem As-
pekt der teleologischen Auslegung von Art. 140 Ziff. 2 StGB zu prüfen. Sinn und
Zweck der Qualifikation im Sinne dieser Bestimmung, welche im Mitführen einer
Schusswaffe oder einer anderen gefährlichen Waffe besteht, liegt darin, die objek-
- 149 -
tive Gefährlichkeit gegenüber dem Grundtatbestand zu erhöhen. Nicht massge-
bend ist der Eindruck, der beim Opfer entsteht (Trechsel/Pieth, Schweizerisches
Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. A., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 139 N 19).
Die Rechtsfrage, ob eine ungeladene Schusswaffe unter den qualifizierten Tatbe-
stand fällt, wird in Lehre und Rechtsprechung kontrovers diskutiert (Niggli/Riedo,
Basler Kommentar, Art. 139 N 147). Ist die Munition am Tatort nicht verfügbar,
kann die Gefährlichkeit objektiv nicht erhöht sein und kommt der Grundtatbestand
zur Anwendung. Wenn die Munition für den Täter greifbar ist und er die Waffe am
Tatort laden könnte, ist dagegen denkbar, dass die Gefährlichkeit erhöht wird.
Entscheidend erscheint, wie nahe die Möglichkeit einer erhöhten Gefährlichkeit
ist. Dies wiederum kann nicht ohne Würdigung der konkreten Umstände beurteilt
werden. Vorliegend kann die Frage offen gelassen werden, da die Anklage dem
Beschuldigten nicht vorwirft, dass Munition am Tatort verfügbar gewesen wäre.
Insoweit ist der Vorwurf der Vorinstanz, dass die Munition sich im Tresor im Haus
befand und die Waffe während der Gefangennahme von AE._ sel. hätte ge-
laden werden können (Urk. 281 S. 95), nicht durch die Anklage gedeckt. Auf eine
diesbezügliche Ergänzung der Anklage kann verzichtet werden, da keine An-
haltspunkte dafür vorliegen, dass der Beschuldigte während des Tatablaufs je in
Betracht gezogen hätte, die Pistole zu laden. Darauf weist auch hin, dass er
selbst in jenem Zeitpunkt, in welchem er den Entschluss fasste, das Opfer umzu-
bringen, die Waffe nicht geladen hat. Daher sind die Voraussetzungen für den
qualifizieren Tatbestand von Art. 140 Ziff. 2 StGB nicht erfüllt.
Die Vorinstanz hat ferner eine Qualifikation im Sinne von Art. 140 Ziff. 4 StGB mit
zutreffender Begründung verneint, indem sie festgehalten hat, dass die Fesselung
und stundenlange Gefangennahme durch den Tatbestand der Freiheitsberaubung
erfasst sind (Urk. 281 S. 95).
Zusammenfassend ist der Beschuldigte betreffend die Wegnahme des Mercedes
des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
- 150 -
2.2.2. Versuchte qualifizierte Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und
Ziff. 3 i.V.m. Art. 140 Ziff. 2 StGB und i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
a) Allgemeines
Betreffend die allgemeinen Ausführungen zum objektiven und subjektiven Tatbe-
stand kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 281 S. 96 f.).
b) Würdigung
Erstellt ist, dass der Beschuldigte A._ zusammen mit dem Beschuldigten
AA._ AE._ sel. überwältigte, fesselte, mehrere Stunden gefangen hielt
und er ihn aufforderte, ihm die Drogen und das Geld zu übergeben oder Informa-
tionen über deren Verbleib zu geben.
Zweifellos ist Gewaltanwendung durch die Fesselung und das Gefangenhalten zu
bejahen und erfolgte diese im Hinblick darauf, AE._ sel. dazu zu bestimmen,
die verschwundenen Fr. 40'000.– zu übergeben oder Informationen über den
Verbleib des Geldes zu geben. Durch das mittels Gewaltanwendung erzwungene
Verhalten hätte sich AE._ sel. am Vermögen geschädigt, dieses hätte sich
um Fr. 40'000.– verringert. Lediglich am Rande sei mit der Vorinstanz festgehal-
ten, dass Drogen keine verkehrsfähige Sache darstellen und nicht Tatobjekt einer
Erpressung sein können (Urk. 281 S. 97).
Da der Erfolg nicht eingetreten ist, liegt versuchte Tatbegehung vor. Der objektive
Tatbestand der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB ist erfüllt.
In subjektiver Hinsicht handelte der Beschuldigte direktvorsätzlich bezüglich der
objektiven Tatbestandsmerkmale. Mit der Vorinstanz und unter Hinweis auf die
von ihr zitierte Lehrmeinung (Urk. 281 S. 97) liegt bezüglich der Absicht unge-
rechtfertigter Bereicherung kein Irrtum des Erpressers über die Unrechtmässigkeit
der Bereicherung vor, wenn er sich nach den Anschauungen krimineller Kreise als
Anspruchsberechtigter fühlt, vielmehr ist entscheidend, ob er sich vorstellt, dass
- 151 -
er seinen Anspruch auf gerichtlichem Weg im Zivilprozess durchsetzen könnte.
Letzteres trifft für den Anspruch des Beschuldigten aus Drogenhandel offensicht-
lich nicht zu, weshalb auch die Absicht ungerechtfertigter Bereicherung - entge-
gen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 327 S. 28) - zu bejahen ist.
Der Beschuldigte ist somit der versuchten Erpressung im Sinne von Art. 156
Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen. Da ent-
sprechend den vorstehenden Erwägungen hinsichtlich des Einsatzes einer
Schusswaffe die Voraussetzungen von Art. 140 Ziff. 2 StGB nicht erfüllt sind, ist
für die Strafdrohung betreffend die Erpressung aufgrund des Verweises gemäss
Art. 156 Ziff. 3 StGB auf Art. 140 StGB vorliegend lediglich der Grundtatbestand
von Art. 140 Ziff. 1 StGB einschlägig und ist die Strafdrohung sechs Monate bis
10 Jahre Freiheitsstrafe.
2.3. Dossier 4 und Dossier 6
2.3.1. Gewerbsmässiger Betrug Dossiers 4 und 6
Die rechtliche Würdigung als versuchter Betrug wurde seitens des Beschuldigten
vor Vorinstanz anerkannt, dagegen wandte er sich gegen die Würdigung als ge-
werbsmässige Tatbegehung. Die Vorinstanz bejahte Gewerbsmässigkeit mit der
Begründung, der Beschuldigte habe im zweiten Halbjahr 2016 (recte 2015) in Ab-
stand von wenigen Monaten drei teilweise versuchte Betrüge begangen und damit
einen Betrag von insgesamt mindestens Fr. 26'700.– erbeutet (zuzüglich des Er-
löses in Dossier 4), was einem monatlichen Einkommen von Fr. 4'450.– entspro-
chen habe und einen wesentlichen Teil seiner Lebenshaltungskosten gedeckt ha-
be (Urk. 281 S. 109). Die Vorinstanz bejahte daher Gewerbsmässigkeit.
Der Betrugsvorwurf in Dossier 4 bezieht sich auf die Angaben des Beschuldigten
gegenüber der C._ Versicherung, die Tatbegehung erfolgte am 17. Dezem-
ber 2015. Nicht angefochten wurde vom Beschuldigten die Verurteilung betreffend
versuchten gewerbsmässigen Betrug betreffend Dossier 5 (Personenwagen
VW Passat, Tatbegehung 29. Dezember 2015). Weiter wird ihm betreffend Dossi-
er 6 (Lastwagen AF._, Tatbegehung 17. August 2015) gewerbsmässiger Be-
- 152 -
trug vorgeworfen. Der entsprechende vorinstanzliche Schuldspruch wurde ange-
fochten. Mit der Vorinstanz hat für die Beurteilung der Gewerbsmässigkeit eine
Gesamtbetrachtung der Deliktsvorwürfe in den Dossiers 4, 5 und 6 zu erfolgen.
Dass das Verhalten des Beschuldigten A._ betreffend Dossiers 4 und 5 als
Betrug bzw. Betrugsversuch zu würdigen ist, bedarf keiner weiteren Ausführun-
gen. Betreffend Dossier 6 konnte nicht erstellt werden, dass der Beschuldigte
wusste oder davon ausgehen musste, dass AF._ Referenzen über seine
Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit eingeholt hatte. Entgegen der vorgängig
getroffenen Vereinbarung, wonach der Beschuldigte bei der Abholung des Last-
wagens den Kaufpreis hätte bar bezahlen müssen, brachte er das Geld nicht mit
und erklärte, er habe mit dem Zug anreisen müssen und habe das Bargeld nicht
mitnehmen wollen, er werde den Kaufpreis noch am selben Abend überweisen.
Die Erklärung des Beschuldigten stellt eine einfache Lüge dar. Er hatte zur Täu-
schung von AF._ über seinen Zahlungswillen und seine Zahlungsfähigkeit
keine besonderen Vorkehrungen getroffen ausser seiner Lüge, dass er das Geld
nicht habe mitnehmen wollen, da er im Zug angereist sei. Der Beschuldigte
täuschte mittels einfacher Lüge seinen Zahlungswillen vor. Einfache Lügen kön-
nen das Merkmal der Arglist erfüllen, wenn sie nicht oder nur mit besonderer Mü-
he überprüfbar sind, eine Überprüfung nicht zumutbar ist, der Täuschende den
Getäuschten von der Überprüfung abhält oder der Täuschende erkennt, dass
der Getäuschte aufgrund der Umstände (z.B. besonderes Vertrauensverhältnis)
voraussieht, dass der Getäuschte von einer Überprüfung absieht (BGE 142 IV
153 E. 2.2.2.). Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Vorspiegelung
des Leistungswillens grundsätzlich arglistig, da der Vertragspartner dies nicht di-
rekt überprüfen kann und führt, wenn eine weitere Prüfung nicht handelsüblich ist,
weil sie sich im Alltag als unverhältnismässig erweist, dennoch zur Annahme von
Arglist (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2). Der Beschuldigte hat durch sein Verhalten im
Rahmen des Gesprächs bei der Vertragsunterzeichnung und das Auftischen einer
Geschichte bezüglich der Anreise mit dem Zug und des deshalb nicht mitgebrach-
ten Bargeldes das Vertrauen von AF._ erwirkt und ihn, insbesondere auch
durch seine Zusicherung, er werde die Zahlung vornehmen, arglistig über seinen
fehlenden Zahlungswillen getäuscht.
- 153 -
Kurze Zeit vor der Begehung der Betrugsdelikte gemäss Dossiers 4 (Tatbege-
hung am 17. Dezember 2015 wahrheitswidrige Stellungnahmen zum Ablauf des
Diebstahls gegenüber der Versicherung) und 5 (Tatbegehung 6. Januar 2016
Diebstahlsmeldung gegenüber der Versicherung) hatte der Beschuldigte im Sep-
tember 2015 den Lastwagen von AF._ betrügerisch erlangt. Auch bei den
Betrugsdelikten gemäss Dossiers 4 und 5 ging es um namhafte Deliktsbeträge,
bei Dossier 5 um Fr. 10'300.– und bei Dossier 4 um Versicherungsleistungen un-
bekannter Höhe, welche im Bereich von mehreren tausend Franken gelegen ha-
ben müssen, ansonsten nicht ein so grosser Aufwand für die Verschiebung des
Fahrzeuges betrieben worden wäre und A._ nicht Spesen von Fr. 1'000.–
bezahlt worden wären. Aus dem bei den Akten liegenden Leasingvertrag geht
denn auch hervor, dass das Fahrzeug im Dezember 2013 von der Leasinggeberin
für Fr. 28'684.95 gekauft wurde (Urk. D4/01/02 Beilage 3). Innert weniger Monate
hätte der Beschuldigte mittels dieser Betrüge einen namhaften Beitrag an seinen
Lebensunterhalt erhältlich machen wollen. Aufgrund der mehrfachen Tatbege-
hung ist erstellt, dass der schon damals hoch verschuldete Beschuldigte in der
Absicht handelte, einen massgeblichen Beitrag an seine Lebenshaltungskosten
zu erzielen und bereit war zur Begehung einer Vielzahl von Betrugsdelikten. Da-
mit ist mit der Vorinstanz gewerbsmässige Tatbegehung zu bejahen.
Da gewerbsmässiger Betrug im Sinn von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB ein
Kollektivdelikt darstellt und Deliktsmehrheit wie auch versuchte Deliktsbegehung
damit abgegolten sind (Niggli/Riedo, BSK, Strafrecht II Art. 139 N 113), ist der
Beschuldigte betreffend Dossiers 4 bis 6 des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne
von Art. 146 Abs. 1 und Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.
2.3.2. Veruntreuung Dossier 4
Hinsichtlich der allgemeinen Ausführungen zum Tatbestand der Veruntreuung
kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 281 S. 109 f.). Zu folgen ist der Vorinstanz auch in ihren Ausführungen be-
treffend Mittäterschaft des Beschuldigten A._ (Urk. 281 S. 111). Da A._
das Fahrzeug nach Serbien verbrachte und damit einen wesentlichen Tatbeitrag
leistete und zudem gegenüber der Versicherung wahrheitswidrige Angaben
- 154 -
machte, sind seine Tatbeiträge von einer Bedeutung, welche seine Beteiligung als
Mittäterschaft erscheinen lassen.
Es ist erstellt, dass das Fahrzeug AA._ als Leasingnehmer anvertraut war
und im Eigentum der Leasinggeberin verblieb. Indem AA._ dieses Fahrzeug
unter Mitwirkung von A._ nach Serbien verkaufte, hat er sich das Fahrzeug
angeeignet, um sich oder einen andern damit unrechtmässig zu bereichern.
AA._ hat den Tatbestand der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 StGB er-
füllt. Veruntreuung stellt ein Sonderdelikt dar, welches nur von derjenigen Person
begangen werden kann, der die Sache oder der Vermögenswert anvertraut wurde
(Niggli/Riedo BSK, Art. 138 N 134). Zu prüfen bleibt, ob A._ als Mittäter ge-
stützt auf Art. 26 StGB dennoch gestützt auf die Bestimmung des Sonderdelikts
schuldig zu sprechen, jedoch milder zu bestrafen ist oder ob er gestützt auf den
Grundtatbestand des Art. 137 StGB schuldig zu sprechen ist. Die Frage wird in
der Lehre kontrovers diskutiert (Niggli/Riedo, BSK, Strafrecht II, Art. 138 N 143).
Es wird darauf hingewiesen, dass in Art. 26 StGB nur Teilnehmer erwähnt wer-
den, was von einem Teil der Lehre dahingehend ausgelegt wird, dass Mittäter
nicht von dieser Bestimmung erfasst werden, ein anderer Teil der Lehre argumen-
tiert, in Analogie zur Teilnahme müsse auch die Mittäterschaft unter Art. 26 StGB
fallen (vgl. Ausführungen zu den verschiedenen Lehrmeinungen bei Niggli/Riedo,
BSK, Strafrecht II, Art. 138 N 143). Vorliegend bleibt diese Frage ohne Konse-
quenzen auf die konkrete Strafzumessung: Folgt man der Auffassung, dass Art.
26 StGB auf Mittäter anwendbar sei, ist der Beschuldigte A._ der Veruntreu-
ung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen, welche Bestimmung
einen Strafrahmen von Geldstrafe bis 5 Jahre Freiheitstrafe aufweist und ist ge-
stützt auf Art. 26 StGB milder zu bestrafen. Verneint man die Anwendbarkeit von
Art. 26 StGB auf Mittäter, ist der Beschuldigte der unrechtmässigen Aneignung im
Sinne von Art. 137 StGB schuldig zu sprechen, welche Bestimmung einen Straf-
rahmen von Geldstrafe bis drei Jahre Freiheitsstrafe aufweist. Die Lehrmeinung,
welche keine Differenzierung zwischen Mittäter und Teilnehmern (Gehilfe und An-
stifter) vornimmt und Art. 26 StGB als analog auf Mittäter anwendbar erachtet,
führt zur stringenteren Lösung, zumal nicht nachvollziehbar ist, dass der Mittäter
des weniger schweren Deliktes gemäss Art. 137 StGB schuldig zu sprechen wä-
- 155 -
re, Gehilfe oder Anstifter in dieser Konstellation dagegen des schwereren Deliktes
gemäss Art. 138 StGB schuldig zu sprechen wären. Der Beschuldigte A._ ist
daher der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen.
2.3.3. Irreführung der Rechtspflege Dossier 4
Bezüglich der Irreführung der Rechtspflege kann vollumfänglich auf die in allen
Punkten zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO; Urk. 281 S. 111 f.). Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der
Beschuldigte und AA._ einen gemeinsamen Tatplan fassten, den Lieferwa-
gen als gestohlen zu melden. Zudem leistete der Beschuldigte einen unerlässli-
chen Tatbeitrag indem er das Fahrzeug in Serbien verschwinden liess. Deshalb
liegt Mittäterschaft vor und hat er sich die Diebstahlsmeldung durch AA._ zu-
rechnen zu lassen.
Der Beschuldigte ist daher der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304
Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2.4. Dossier 9
Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte die Verteidigung vor, dass der Be-
schuldigte vom Vorwurf der falschen Anschuldigung freizusprechen sei, da dieser
AG._ lediglich als Mittelsmann von Angehörigen der serbischen Mafia be-
zeichnet und nicht als Mitglied einer kriminellen Organisation beschuldigt habe
(Urk. 327 S. 48). Dieser Argumentation der Verteidigung kann nicht gefolgt wer-
den, da nicht nachvollziehbar ist, inwiefern es sich bei der Bezeichnung als Mit-
telsmann der serbischen Mafia nicht um eine falsche Anschuldigung handeln soll.
Ohnehin wird eine konkrete Benennung, welchen Straftatbestand ein allfälliges
Verhalten erfüllen soll, zur Erfüllung des Tatbestandes der falschen Anschuldi-
gung nicht vorausgesetzt. Des Weiteren kann betreffend den Vorwurf der falschen
Anschuldigung zum Nachteil von AG._ ebenfalls in allen Teilen auf die Er-
wägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 281
S. 115 ff.). Es ist somit festzuhalten, dass der Beschuldigte AG._ bewusst
- 156 -
wahrheitswidrig als Mittelsmann der serbischen Mafia bezichtigte. Aufgrund seiner
Äusserung wurde AG._ verhaftet und ein Strafverfahren gegen ihn eröffnet,
was für den Beschuldigten voraussehbar war und was er in Kauf nahm. Damit ist
der Tatbestand von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in objektiver und subjektiver Hin-
sicht erfüllt, und der vorinstanzliche Schuldspruch ist zu bestätigen.
IV. Sanktion
1. Übersicht Schuldsprüche
Für die Strafzumessung ist vorweg festzuhalten, in welchen Punkten der Be-
schuldigte insgesamt unter Berücksichtigung der in Rechtskraft erwachsenen
Schuldsprüche schuldig zu sprechen ist und welcher gesetzliche Strafrahmen für
die einzelnen Delikte gilt:
- des mehrfachen Mordes im Sinne von Art. 112 StGB (Dossiers 1 und 2), le-
benslängliche Freiheitsstrafe oder Freiheitsstrafe nicht unter 10 Jahren
- qualifizierter Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1, Ziff. 3 Abs. 3 und
Ziff. 4 StGB (Dossier 1), Freiheitsstrafe nicht unter 5 Jahren
- Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB (Dossier 2), Freiheitsstrafe von
6 Monaten bis zu 10 Jahren
- versuchte Erpressung im Sinne von Art. 156 Ziff. 1 und Ziff. 3 StGB i.V.m.
Art. 140 Ziff. 1 StGB und Art. 22 Abs. 1 StGB (Dossier 2), Freiheitsstrafe von 6
Monaten bis zu 10 Jahren
- gewerbsmässiger Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB (Dossiers
4 bis 6 ), Freiheitsstrafe bis 10 Jahre oder Geldstrafe nicht unter 90 Tagessätzen
- Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von Art. 183 Ziff. 1 Abs. 1 und
Abs. 2 (Dossier 2), Freiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe
- Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Dossier 11), Freiheitsstrafe bis
5 Jahre oder Geldstrafe
- 157 -
- Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 4), Frei-
heitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe
- mehrfache Urkundenfälschung Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 2 StGB (Dos-
siers 2 und 3), Freiheitsstrafe bis 5 Jahre oder Geldstrafe
- falsche Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Dossier 9),
Freiheitsstrafe oder Geldstrafe
- mehrfache Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1
StGB (Dossier 4 und Dossier 11), Freiheitsstrafe bis 3 Jahre oder Geldstrafe
- Störung des Totenfriedens im Sinne von Art. 262 Ziff. 2 StGB (Dossier 2),
Freiheitsstrafe bis 3 Jahre oder Geldstrafe
- mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33
Abs. 1 lit. a WG i.V.m. Art. 4 lit. a WG und Art. 27 WG (Dossiers 1 und 2), Frei-
heitsstrafe bis 3 Jahre oder Geldstrafe
- Fahren ohne Haftpflichtversicherung im Sinne von Art. 96 Abs. 2 SVG i.V.m.
Art. 63 Abs. 1 SVG (Dossier 1), Freiheitsstrafe bis 3 Jahre oder Geldstrafe
2. Allgemeine Vorbemerkung
Aus der vorstehenden Liste der Schuldsprüche geht hervor, dass der Beschuldig-
te des mehrfachen Mordes im Sinne von Art. 112 schuldig gesprochen wird. Der
Strafrahmen gemäss Art. 112 StGB erstreckt sich von Freiheitsstrafe nicht unter
10 Jahren bis lebenslängliche Freiheitsstrafe. Sollte für eines oder für beide die-
ser Morddelikte eine lebenslängliche Freiheitsstrafe resultieren, somit die Höchst-
strafe überhaupt auszufällen sein, würden die Strafen für die weiteren Delikte da-
von absorbiert. Dabei ist zu berücksichtigen, dass gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung bei Konkurrenz zweier Delikte, welche mit lebenslänglicher Frei-
heitsstrafe bedroht sind, eine lebenslange Freiheitsstrafe als Gesamtstrafe ausge-
fällt werden kann, wenn für keines der Delikte für sich allein betrachtet eine le-
benslängliche Freiheitsstrafe ausgefällt worden wäre, vielmehr für beide eine zei-
tige Freiheitsstrafe als Einzelstrafe ausgefällt worden wäre (BGE 141 IV 61
- 158 -
E. 6.1.2.). Nachfolgend ist daher in einem ersten Schritt unter Berücksichtigung
des Asperationsprinzips gestützt auf Art. 49 Abs. 1 StGB die Gesamtstrafe für die
beiden Morddelikte zu bilden.
3. Strafe für die Morddelikte
3.1. Strafzumessungskriterien
Die bei der Strafzumessung anwendbaren Strafzumessungskriterien wurden von
der Vorinstanz zutreffend dargelegt, es kann darauf verwiesen werden (Urk. 281
S. 122 ff.).
3.2. In concreto
3.2.1. Mord zum Nachteil von AE._ sel.
3.2.1.1. Tatkomponente
a) Objektive Tatschwere
Auch wenn zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen ist, dass er die Tö-
tung von AE._ sel. nicht von langer Hand geplant hat, ist ihm entschlossenes
und durch die Wahl einer sicheren Tötungsart, welche keine Blutspuren hinter-
lässt, auch durchdachtes Vorgehen vorzuwerfen. Dies zeugt von erheblicher kri-
mineller Energie. Schwer zu Lasten des Beschuldigten fällt ins Gewicht, dass er
AE._ sel. einen qualvollen langsamen Tod erleiden liess, indem er ihm die
Atemwege zuklebte, sodass er bei vollem Bewusstsein gefesselt und wehrlos
vergeblich nach Luft ringend einem angsterfüllten Todeskampf ausgesetzt war. Zu
berücksichtigen ist allerdings, dass zwischen dem Beschuldigten und AE._
sel. bereits vor der Tat eine Konfliktsituation bestanden hat. In objektiver Hinsicht
wiegt das Verschulden schwer bis sehr schwer.
b) Subjektive Tatschwere
In subjektiver Hinsicht liegt zielgerichtetes Vorgehen vor. Das Tatmotiv bestand in
einer Mischung von Rache gegenüber dem Opfer, welches dem Beschuldigten
- 159 -
nach seinem Dafürhalten grossen finanziellen Schaden zugefügt hatte und der
Beseitigung des Zeugen betreffend die weiteren vom Beschuldigten begangenen
schwerwiegenden Delikte wie versuchte Erpressung, Freiheitsberaubung und
Raub. Die im Tatmotiv zum Ausdruck kommende besondere Skrupellosigkeit stellt
jedoch bereits ein objektives Tatbestandsmerkmal des Mordes dar und darf nicht
doppelt berücksichtigt werden. Dagegen ist im Rahmen der Verschuldensbewer-
tung die Intensität dieser besonderen Skrupellosigkeit zu berücksichtigen, und
diese ist vorliegend besonders hoch, da sie in mehrfacher Hinsicht erfüllt ist, so-
wohl aufgrund des verwerflichen Beweggrundes als auch aufgrund der Art der
Tatausführung. Die dem Rachemotiv zugrundeliegende Unterschlagung von
Fr. 40'000.– durch AE._ sel. und der Wert eines Menschenlebens stehen in
einem krassen Missverhältnis. Der Beschuldigte war zudem nach gutachterlicher
Einschätzung, welche vom Beschuldigten zu Recht nicht angezweifelt wird, voll
schuldfähig. Auf das Gutachten ist nachfolgend im Rahmen der Erwägungen zur
Verwahrung im Detail einzugehen. An dieser Stelle ist festzuhalten, dass die
Schlussfolgerung voller Schuldfähigkeit vom Gutachter nachvollziehbar begründet
wurde und keine Zweifel an seiner Beurteilung bestehen.
c) Fazit Tatkomponente
Betreffend den Mord an AE._ sel. wiegt das Tatverschulden insgesamt
schwer bis sehr schwer. Die Einsatzstrafe ist im Bereich von 17 bis 20 Jahren
festzulegen. Auf eine genauere Festlegung der Einsatzstrafe kann unter Hinweis
auf die nachstehenden Erwägungen betreffend die Strafe für den Mord an
M._ sel. verzichtet werden.
3.2.1.2. Täterkomponente
Die Täterkomponente stellt sich bei beiden Morden gleich dar. Deshalb ist darauf
für beide Delikte gemeinsam nach Beurteilung der Tatkomponente betreffend den
Mord zum Nachteil von M._ sel. einzugehen.
- 160 -
3.2.2. Mord zum Nachteil von M._ sel.
3.2.2.1. Tatkomponente
a) Objektive Tatschwere
Betreffend den Mord zum Nachteil von M._ sel. gelten die gleichen Überle-
gungen wie betreffend den Mord zum Nachteil von AE._ sel. bezüglich der
Intensität der besonderen Skrupellosigkeit, welche sowohl bezüglich des Tatvor-
gehens als auch des Tatmotivs erfüllt ist. Bezüglich des Tötungsvorgangs kann
auf vorstehende Erwägungen verwiesen werden. Bei M._ sel. kommt er-
schwerend hinzu, dass er für den Beschuldigten eine nahezu fremde Person war,
die ihm rein gar nichts zuleide getan hatte und der ihr Leben einzig deshalb ge-
nommen wurde, weil der Beschuldigte den von ihm begangenen Raub vertu-
schen, das Opfer als Zeugen eliminieren wollte. Hinzukommt, dass M._ sel.
vor dem qualvollen Todeskampf auch noch über Stunden gefesselt unter men-
schenunwürdigen Umständen in einem Anhänger transportiert wurde und schon
über diese lange Zeit Todesangst ausstehen musste. Die objektive Tatschwere
wiegt sehr schwer.
b) Subjektive Tatschwere
In subjektiver Hinsicht kann vorweg auf die Erwägungen zum Tötungsdelikt zum
Nachteil von AE._ sel. verwiesen werden. Erschwerend kommt betreffend
das Delikt zum Nachteil von M._ sel. hinzu, dass der Beschuldigte von An-
fang an den Entschluss gefasst hat, M._ sel. umzubringen, falls dieser ihm
den Lastwagen nicht gegen Rechnung überlassen sollte. Auch bezüglich dieses
Deliktes liegt volle Schuldfähigkeit des Beschuldigten vor. Die subjektive Tat-
schwere wiegt sehr schwer.
c) Fazit Tatkomponente
Dem insgesamt sehr schweren Tatverschulden angemessen erscheint eine le-
benslängliche Freiheitsstrafe.
- 161 -
3.2.2.2. Täterkomponente
a) Persönliche Verhältnisse
Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf die Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 281 S. 142 f.). Aus der Befra-
gung in der Berufungsverhandlung haben sich keine für die Strafzumessung rele-
vanten Änderungen in den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten erge-
ben (vgl. Prot. II S. 38 ff.).
Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass sich den persönlichen Verhältnissen des
Beschuldigten keine straferhöhenden oder strafmindernden Umstände entneh-
men lassen.
b) Vorstrafen
Die Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten und sein Wohlverhalten im Strafvollzug
sind neutral zu bewerten.
c) Erhöhte Strafempfindlichkeit
Die Vorinstanz hat ferner zutreffend ausgeführt, dass eine erhöhte Strafempfind-
lichkeit des Beschuldigten aufgrund der Trennung von seinen Kindern mangels
aussergewöhnlicher Umstände nicht in Betracht fällt und die Diabetes des Be-
schuldigten sowie die Probleme im Zusammenhang mit dem Magenbypass nicht
den Grad einer gesundheitlichen Beeinträchtigung erreichen, welche zu einer
Strafminderung führen könnte (Urk. 281 S. 143 f.).
d) Teilgeständnis
Das Teilgeständnis des Beschuldigten betreffend die Tatsache der Tötung der
beiden Opfer ist nicht Ausdruck von Einsicht und Reue. In erster Linie ergibt sich
dies aus seiner Schutzbehauptung betreffend Bedrohung durch die Serbenmafia,
an der er bis heute festhält und aufgrund welcher der Untersuchungsaufwand
massiv erhöht wurde. Gefolgt werden kann der Einschätzung der Vorinstanz,
dass die Bekanntgabe des Ortes, wo er die Leiche von AE._ sel. vergraben
- 162 -
hatte, lediglich aus prozesstaktischen Gründen erfolgte, da er erkannte, dass die
Untersuchungsbehörden Kenntnis von der Baggermiete durch ihn erlangt hatten
und er den Fundort der Leiche preisgab nach der Ankündigung der Staatsanwalt-
schaft, dass man die Leiche suchen werde (Urk. 281 S. 144). Zutreffend hat die
Vorinstanz auch darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte das Geständnis be-
treffend die Tötung von M._ sel. erst unter Einfluss der erdrückenden Be-
weislage ablegte (Urk. 281 S. 145).
Unter diesen Umständen fällt das Teilgeständnis des Beschuldigten nicht straf-
mindernd ins Gewicht.
e) Verletzung des Beschleunigungsgebotes
Wie bereits die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat, ist die Dauer des Verfah-
rens zu einem grossen Teil auf das Verhalten des Beschuldigten zurückzuführen,
ist die Gesamtdauer der Untersuchung aufgrund der Schwere und der Anzahl der
Vorwürfe erklärbar und kam es zu keinen Phasen, in denen das Verfahren grund-
los geruht hätte (Urk. 281 S. 145 f.). Angesichts des grossen Aktenumfangs und
der Komplexität des Falles ist auch im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren keine
Verletzung des Beschleunigungsgebotes auszumachen. Ganz im Gegenteil hat
die Vorinstanz das Verfahren vorbildlich gefördert und erging das vorinstanzliche
Urteil bereits rund 10 Monate nach Eingang der Anklageschrift. Verzögerungen
sind auch bei der Abfassung des begründeten Urteils durch die Vorinstanz und im
Berufungsverfahren nicht auszumachen.
3.3. Fazit Sanktion für die Morddelikte
Da sich aufgrund der Täterkomponente keine strafmindernden Faktoren ergeben,
bleibt es bei der aufgrund der Tatkomponente resultierenden lebenslänglichen
Freiheitsstrafe.
4. Strafe für die weiteren Delikte
Für die beiden Morddelikte ist bereits die höchstmögliche Sanktion einer lebens-
länglichen Freiheitsstrafe auszufällen. Eine weitere Erhöhung durch Asperation
- 163 -
für die weiteren Delikte fällt daher ausser Betracht. Unter diesen Umständen erüb-
rigt sich die Vornahme einer Strafzumessung für die weiteren Delikte, da diese
ohne Auswirkung auf die Sanktion bleiben würde.
5. Fazit Sanktion
Der Beschuldigte ist mit einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe zu bestrafen unter
Anrechnung 1836 Tagen erstandener Haft und vorzeitigen Strafvollzugs.
V. Verwahrung
1. Entscheidungsgrundlagen
1.1. Psychische Störung oder besondere Persönlichkeitsmerkmale
Betreffend den Beschuldigten A._ hat die Staatsanwaltschaft bei Prof. Dr.
med. CZ._ ein umfassendes psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben.
Das Gutachten wurde am 13. September 2017 erstattet (Urk. D1/34/04/30). Es
wurde lege artis erstellt und erweist sich als fundiert und schlüssig. Der Gutachter
kam nachvollziehbar zum Ergebnis, dass beim Beschuldigten keine Anhaltspunk-
te für eine schwere psychische Störung vorliegen. Er diagnostizierte eine narziss-
tische Persönlichkeitsakzentuierung und verneinte das Vorliegen einer Persön-
lichkeitsstörung (Urk. D1/34/04/30 S. 122). Sodann ergeben sich aus Sicht des
Gutachters keine Einschränkungen der Schuldfähigkeit (Urk. D1/34/04/30 S. 123).
Im Ergänzungsgutachten vom 23. November 2018, welches nach Ergänzung des
anklagerelevanten Sachverhalts durch die Staatsanwaltschaft eingeholt wurde,
diagnostizierte der Gutachter beim Beschuldigten zusätzlich dissoziale Persön-
lichkeitsmerkmale, wobei im Vordergrund weiterhin die narzisstische Problematik
stehe. Hinsichtlich der Schuldfähigkeit ändere sich aufgrund der zusätzlichen dis-
sozialen Merkmale nichts (Urk. D1/34/04/40 S. 30). Abschliessend stellte der
Gutachter die Diagnose einer narzisstisch-dissozialen Persönlichkeitsakzentuie-
rung, welche keine Persönlichkeitsstörung im engeren Sinn und keine schwerwie-
gende psychische Störung darstelle (Urk. D1/34/04/40 S. 32).
- 164 -
Auf die nachvollziehbare Diagnose gemäss Gutachten ist abzustellen, sie wird
denn auch von keiner Seite in Frage gestellt. Eine Verwahrung gestützt auf
Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB kommt mangels Vorliegens einer psychischen Störung
nicht in Betracht. Zu prüfen bleibt, ob die Voraussetzungen für eine Verwahrung
gestützt auf Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB erfüllt sind. Ausser Frage steht, dass mit den
beiden Morddelikten Anlasstaten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB vorliegen und
die physische Integrität der beiden Mordopfer schwer beeinträchtigt wurde. Damit
bleibt zu prüfen, ob ernsthaft zu erwarten ist, dass der Beschuldigte weitere Taten
dieser Art begeht.
1.2. Rückfallgefahr
1.2.1. Rechtliche Grundlagen
Die Vorinstanz hat sich ausführlich und zutreffend zu den rechtlichen Grundlagen
einer Verwahrung gestützt auf Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB geäussert. Auf ihre Aus-
führungen kann vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 281 S. 147
ff.). Festzuhalten ist, dass für eine Verwahrung gemäss Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB
eine qualifizierte, hohe Rückfallgefahr vorausgesetzt ist. Eine solche liegt vor,
wenn kaum vorstellbar ist , dass der Täter keine weiteren Straftaten dieser Art
begeht. Blosse Vermutungen, vage Wahrscheinlichkeiten oder latente Gefahr sind
nicht ausreichend.
1.2.2. Gutachten
Zur Frage der Rückfallgefahr hat sich der Gutachter insgesamt vier Mal geäus-
sert:
a) Im Gutachten vom 13. September 2017 hielt er fest, das Rückfallrisiko im-
poniere primär situativ bedingt und sei dann erhöht, wenn der Beschuldigte nach
seiner Entlassung erneut in eine ähnlich belastende und komplexe Situation gera-
te. Der Gutachter nahm damit Bezug auf die im Zeitraum von ca. 2013 bis 2016
eingetretenen potentiell selbstwertschädigenden Belastungen in mehreren wichti-
gen Lebensbereichen (berufliche Schwierigkeiten, Schulden, Untreue der Ehe-
frau, gesundheitliche Probleme). Insgesamt liege ein im Vergleich zur Normalbe-
- 165 -
völkerung erhöhtes aber im Vergleich zu einer Population von Gewaltstraftätern
geringeres, allenfalls mittelgradiges Rückfallrisiko für einschlägige Gewaltdelikte
vor (Urk. D1/34/04/30 S. 121). Eine abschliessende Beurteilung der Tatmotive sei
anhand der vorliegenden Informationen nicht möglich. Der gesamte Verlauf spre-
che dafür, dass der Beschuldige im Rahmen umfassender Überforderungssituati-
onen über limitierte Bewältigungsstrategien verfügte und aufgrund einer narzissti-
schen Motivstruktur (Vermeidung von Gesichtsverlust/Selbstwertkompensation
über Leistung, Egozentrizität) nicht in der Lage gewesen sei, die zunehmend es-
kalierende Situation abzuwenden (Urk. D1/34/04/30 S. 123). Angesichts der tiefen
Basisrate für Deliktrückfälle von Mördern und Totschlägern sowie des Umstandes,
dass keine schwere psychische Störung vorliege, seien erneute Tötungsdelikte
mit geringer Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Sollte sich der Beschuldigte bei Ent-
lassung in ähnlich belastenden Lebensumständen wiederfinden, wäre von einem
insgesamt moderaten Rückfallrisiko auszugehen (Urk. D1/34/04/30 S. 124).
b) Aufgrund der von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Sachverhaltsergän-
zungen führte der Gutachter im Ergänzungsgutachten vom 23. November 2018
(Urk. D1/34/04/40) aus, die stärkere dissoziale Persönlichkeitskomponente mit
kaltblütig-rücksichtsloser Vorgehensweise und planerisch-strategischer Kompo-
nente sei kriminalprognostisch bedenklich (Urk. D1/34/04/40 S. 32).
c) Im Ergänzungsgutachten vom 4. Dezember 2019 (Urk. 247) legte der Gut-
achter dar, dass sich Aussagen zur Rückfallgefahr für einen über 3 bis 5 Jahre
hinausreichenden Zeitraum nur dann erstellen lassen, wenn entsprechende Ver-
handlungsbereitschaften über längere Zeiträume hinweg stabil handlungsrelevant
wurden. Beim Beschuldigten seien aggressive Verhaltensauffälligkeiten im Vor-
feld der aktuell zur Verhandlung stehenden Delikte nicht aufgefallen. Insofern
würden sich betreffs Gewaltdelikten Schwierigkeiten bei der langfristigen Krimi-
nalprognose ergeben. Es sei nicht möglich, die Rückfallwahrscheinlichkeiten über
einen Zeitraum von mehr als 3 bis 5 Jahren hinaus zu kalkulieren und in einer
Weise zu quantifizieren, wie dies im Fragenkatalog des Gerichts enthalten sei
(Urk. 247 S. 15 f.). Ferner führte der Gutachter aus, der Beschuldigte werde nicht
durch eine schwere psychische Störung daran gehindert, rechtskonform zu han-
- 166 -
deln und sei in der Lage, gesetzliche Vorgaben zu berücksichtigen und nachteili-
ge Konsequenzen der Delinquenz auch bei künftigen Handlungen zu berücksich-
tigen, er sei durch Strafen erreichbar. Kriminalprognostische Bedenken würden
sich auf seine Bereitschaft beziehen, dies auch in Krisensituationen zu tun. Reso-
zialisierender Strafvollzug könne die Auftretenswahrscheinlichkeit von ähnlichen
Krisen wie vor der Verhaftung, z.B. durch berufliche Ausbildungsangebote, redu-
zieren (Urk. 247 S. 18). Die deliktrelevanten narzisstisch-manipulativen Strategien
seinen zeitstabil und dürften auch zukünftig problematisch werden, wenn der Be-
schuldigte keine alternative Bewältigungsstrategien erlerne (Urk. 247 S. 21). Als
protektive, risikosenkende Faktoren erwähnt er fehlende Vorgeschichte mit Ge-
waltdelikten, dass unreife Persönlichkeitsanteile innerhalb der nächsten Jahre
auch ohne Behandlung in den Hintergrund treten können und der Beschuldigte
den Willen bekundet hat, sich beruflich fortzubilden, was im Rahmen einer länge-
ren Freiheitsstrafe erfolgen könnte. Dagegen wird als risikoerhöhender Faktor be-
urteilt, dass in Belastungssituationen an eigenen Bedürfnissen und Interessen
orientierte narzisstisch-dissoziale Persönlichkeitszüge des Beschuldigten erneut
handlungsrelevant werden können. Ebenfalls risikoerhöhend aufgefasst werden
könne seine Tendenz zur Manipulation und dazu, sich auf vermeintlich günstige
Gelegenheiten unkritisch einzulassen (Urk. 247 S. 22).
d) In der mündlichen Befragung des Sachverständigen durch die Vorinstanz
am 13. Dezember 2019 (Prot. I S. 487 ff.) hielt der Gutachter erneut fest, dass es
eine kurze Zeitspanne mit sehr gravierenden und weitreichenden Delikten gewe-
sen sei, das Leben des Beschuldigten bis dahin nicht von einer hohen Gewaltbe-
reitschaft gekennzeichnet gewesen sei, was bei der Prognosestellung zu berück-
sichtigen sei (Prot. I S. 488). Damit längerfristige Aussagen über die Rückfallge-
fahr gemacht werden können, müsste eine Zeitstabilität vorhanden sein, sodass
man den Verlauf über mehrere Jahre verfolgen könne, was vorliegend nicht der
Fall sei (Prot. I S. 489/490). Es stelle sich die Frage, ob sich das Bedingungsge-
füge, welchem für die Delikte neben den Persönlichkeitseigenschaften des Be-
schuldigten grosse Bedeutung zukomme, nach 10 oder 15 Jahren gleich darstelle
oder ob der Beschuldigte die Inhaftierung nutzen könne, um bestimmte Bereiche
zu ordnen und die Auftretenswahrscheinlichkeit von solchen Krisen zu verringern
- 167 -
(Prot. I S. 491). Der Beschuldigte sei schuldfähig und in der Lage, sein Verhalten
selbständig zu modifizieren oder Erfahrungen wie eine Sanktion dazu zu nutzen,
einen anderen Weg einzuschlagen (Prot. I S. 492).
Für den Fall einer Entlassung des Beschuldigten in einem überschaubaren Zeit-
raum könne man drei Szenarien skizzieren: ein sehr günstiges, ein mittleres und
ein ungünstiges. Das günstige würde darin bestehen, dass der Beschuldigte eine
Berufsausbildung hätte und sich finanzieren könnte, ein sozialer Empfangsraum
mit stabilen prosozialen Bezügen vorbereitet wäre, die wirtschaftliche Situation
geordnet wäre und er Distanz zu manipulativen Strategien einnähme. Dieses
günstige Szenario erscheine unwahrscheinlich, da aktuell die Voraussetzungen
dafür fehlen würden. Ein mittleres Szenario wäre, dass die beruflichen und priva-
ten Perspektiven unklar seien, Manipulationstendenzen unverändert und die wirt-
schaftliche Situation labil seien, dagegen weitgehend prosoziale Kontakte bzw.
eine Distanz zu einem kriminellen Milieu bestehen würden. Ungünstig wäre eine
unklare berufliche und private Perspektive, unveränderte Manipulationstenden-
zen, eine sehr angespannte wirtschaftliche Situation, brüchige bzw. konflikthaft
prosoziale Kontakte und eine Hinwendung zu problematischen Peers. Im ungüns-
tigen Szenario wäre das Gewaltrisiko hoch. Gemäss Einschätzung des Gutach-
ters sei das günstigste Szenario das unwahrscheinlichste, gefolgt vom ungünsti-
gen. Das mittlere sei das wahrscheinlichste, es sei zu erwarten, dass das mittel-
gradige Szenario herstellbar sei (Prot. S. 496 f.).
Im vorliegenden Fall sei speziell, dass die Delikte in Serie stattgefunden hätten.
Der Beschuldigte sei dazwischen nicht gesetzlich sanktioniert worden, weshalb es
nicht als Rückfall, sondern als Tatserie zu werten sei (Prot. I S. 498).
2. Würdigung
2.1. Aktenlage bis zur Berufungsverhandlung
Vorweg ist nochmals in Erinnerung zu rufen, dass eine Verwahrung gestützt auf
Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB zu prüfen ist, da beim Beschuldigten keine psychische
Störung diagnostiziert wurde, und dass für eine Verwahrung gestützt auf Art. 64
- 168 -
Abs. 1 lit. a StGB eine qualifizierte, hohe Rückfallgefahr vorausgesetzt ist. Eine
solche liegt vor, wenn kaum vorstellbar ist, dass der Täter keine weiteren Strafta-
ten dieser Art begeht. Dagegen genügen latente Gefahr, blosse Vermutung oder
vage Wahrscheinlichkeit nicht (BGE 127 IV 59 E. 6.3). Ferner ist darauf hinzuwei-
sen, dass in der Lehre die Ansicht vertreten wird, dass die Verwahrung gegen-
über psychisch gesunden Ersttätern nur in Extremfällen ausgesprochen werden
darf (BGer 6B_28/2017 vom 23.01.2018 E. 3.3.2 m.w.H; Heer/Habermeyer, BSK
Strafrecht I, N 51 zu Art. 64).
Festzuhalten ist, dass der Beschuldigte vor den heute zu beurteilenden Morden
nicht durch Gewalttätigkeiten aufgefallen ist. Da zwischen den beiden Taten kein
Verfahren eingeleitet wurde, der erste Mord zunächst unentdeckt blieb und keine
Verurteilung erfolgte, kann auch nicht von einem Rückfall gesprochen werden,
welcher die Prognose belasten würde.
Beim Beschuldigten liegt keine psychische Erkrankung vor. Es ist deshalb davon
auszugehen, dass er in der Lage ist, aus einem langjährigen Strafvollzug seine
Lehren zu ziehen und die negativen Konsequenzen der Delinquenz zu erkennen.
Dies kann in der Rückfallprognose als protektiver Faktor gewertet werden.
Dagegen sind die deliktrelevanten narzisstisch-manipulativen Strategien den Aus-
führungen des Gutachters folgend zeitstabil und dürften auch zukünftig problema-
tisch werden, wenn der Beschuldigte keine alternative Bewältigungsstrategien er-
lernt (Urk. 247 S. 21). Ebenfalls risikoerhöhend gewertet werden kann seine Ten-
denz zur Manipulation und dazu, sich auf vermeintlich günstige Gelegenheiten
unkritisch einzulassen (Urk. 247 S. 22).
Der Gutachter führt nachvollziehbar aus, dass das Rückfallrisiko primär situati-
onsbedingt ist und davon abhängt, wie sich die Situation sozial, beruflich und fi-
nanziell im Zeitpunkt einer allfälligen bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug
präsentiert. Dem Gutachten kann auch in der Einschätzung betreffend die drei
möglichen Szenarien gefolgt werden sowie in der Einschätzung, dass die Verwirk-
lichung des günstigen Szenarios unwahrscheinlich erscheint, zumal bis heute kei-
ne Anzeichen dafür bestehen, dass es dem Beschuldigten gelingen könnte, Dis-
- 169 -
tanz zu seinen manipulativen Tendenzen zu nehmen. Auch ein stabiles soziales
Netz dürfte angesichts der Problematik der Aufrechterhaltung der Beziehung zu
den Kindern während des Vollzuges, deren Volljährigkeit im Zeitpunkt der Entlas-
sung, der dannzumal erfolgten Scheidung und des aufgrund ihres sehr fragilen
gesundheitlichen Zustandes zu erwartenden Todes seiner Mutter kaum mehr be-
stehen. Indessen ist auch der Eintritt des schlechten Szenarios weniger wahr-
scheinlich als der Eintritt des mittleren Szenarios. Wie bereits die Vorinstanz zu-
treffend erwähnte (Urk. 281 S. 159) ist nicht davon auszugehen, dass das bishe-
rige soziale Umfeld des Beschuldigten vollständig wegfallen wird, zumal während
des laufenden Verfahrens noch Kontakte zu Mutter, Bruder, Patentante und ehe-
maligem Lehrer aufrecht erhalten wurden. Wieweit die Beziehung zu den dann-
zumal erwachsenen Kindern aufrecht erhalten werden kann, ist heute unklar.
Derzeit bestehen zu den Kindern briefliche Kontakte und der Bruder des Beschul-
digten, bei dem die Kinder leben, hat den Kontakt zum Beschuldigten nicht abge-
brochen. Die bestehenden Schulden dürften infolge Privatinsolvenz keine beson-
dere Belastung mehr darstellen. Zwar werden neue Schulden aufgrund des Ver-
fahrens anfallen, jedoch ist davon auszugehen, dass der Sozialdienst den Be-
schuldigten bei der Klärung der Schuldensituation unterstützen wird. Mit der Vo-
rinstanz (Urk. 281 S. 159 f.) ist darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte kaum
in eine unklare berufliche Situation entlassen wird, da im Strafvollzug die Resozia-
lisierung angestrebt wird und die Existenz des Beschuldigten nach der Entlassung
gesichert sein wird. Eine bedingte Entlassung nach 15 Jahren ist zwar möglich,
aber nur dann, wenn eine günstige Legalprognose gestellt werden kann. Nach
Art. 64 Abs. 2 StGB geht der Vollzug der Strafe einer Verwahrung voraus. Durch
den Ausschluss einer Anwendung der Bestimmungen über die bedingte Entlas-
sung nach Art. 86 bis 88 StGB soll sichergestellt werden, dass grundsätzlich die
gesamte Strafe vollzogen wird. Unter diesen Umständen ist ein ordentlicher Über-
tritt in die Verwahrung bei einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe nicht möglich.
Entsprechend lässt sich die Situation, in welcher ein zu einer lebenslänglichen
Strafe Verurteilter nach Ablauf der Mindestverbüssungszeit in die nachträgliche
Verwahrung gelangen könnte, nicht denken, weil eine ungünstige Prognose, die
für einen Antritt der Verwahrung erforderlich ist, der Strafaussetzung entgegen-
- 170 -
stünde (HEER, in: NIGGLI/WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Aufl.,
Basel 2019, N 124 zu Art. 64 StGB). Das Bundesgericht hat es allerdings als zu-
lässig erachtet, nebst einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe die Verwahrung an-
zuordnen (Urteil des Bundesgerichtes 6B_513/2015 vom 4. Februar 2016). Damit
eine Verwahrung neben einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe angeordnet werden
kann, müssen jedoch die Voraussetzungen gemäss Art. 64 Abs. 1 StGB erfüllt
sein, was gemäss der hier gestützt auf das Gutachten vertretenen Auffassung
nicht zutrifft. An dieser Stelle ist festzuhalten, dass eine bedingte Entlassung aus
einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe auch ohne gleichzeitige Anordnung einer
Verwahrung nicht einfach zu bewerkstelligen ist. Die Prognose über das künftige
Wohlverhalten im Sinne von Art. 86 StGB, ist gemäss bundesgerichtlichen Recht-
sprechung in einer Gesamtwürdigung zu erstellen, welche nebst dem Vorleben,
der Persönlichkeit und dem Verhalten des Täters während des Strafvollzuges vor
allem dessen neuere Einstellung zu den Taten, seine allfällige Besserung und die
nach der Entlassung zu erwartenden Lebensverhältnisse berücksichtigt. Eine be-
dingte Entlassung aus dem Strafvollzug ist ferner an strengere Bedingungen ge-
knüpft, je hochwertiger das gefährdete Rechtsgut und damit das Schutzbedürfnis
der Allgemeinheit ist (BGE 133 IV 203 E 2.3.). Da es sich vorliegend mit dem ge-
fährdeten Rechtsgut des Menschenlebens um das höchste Rechtsgut überhaupt
handelt, sind für eine bedingte Entlassung entsprechend hohe Anforderungen an
eine günstige Prognose zu stellen. Es würde also - entgegen der Auffassung der
Staatsanwaltschaft (Urk. 324 S. 10) - keineswegs genügen, wenn sich der Be-
schuldigte A._ im Gefängnis gut verhält.
Gemäss gutachterlicher Einschätzung wäre das Risiko erneuter Gewalttaten nur
beim ungünstigen Szenario als hoch zu bewerten. Dass dieses Szenario eintritt,
ist weniger wahrscheinlich als der Eintritt des mittleren Szenarios. Deshalb sind
die Voraussetzungen einer qualifizierten, hohen Rückfallgefahr, die zu bejahen
wäre, wenn kaum vorstellbar ist, dass der Täter keine weiteren Straftaten dersel-
ben Art begeht, nicht erfüllt. Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass die Gefahr
weiterer Gewaltdelikte durch den Beschuldigten nicht derart hoch ist, dass sie ei-
ne so starke Freiheitsbeschränkung, wie sie mit einer Verwahrung verbunden wä-
re, rechtfertigen könnte (Urk. 281 S. 161).
- 171 -
An dieser Einschätzung vermag das Vorbringen der Staatsanwaltschaft im Beru-
fungsverfahren nichts zu ändern. Sie machte geltend, die vom Gutachter geschil-
derte ungünstige Variante sei keineswegs unwahrscheinlich. Der Beschuldigte
werde mit einem Schuldenberg aus dem Vollzug kommen, müsse beruflich ganz
neu anfangen. Der Vergleich mit seinem Umfeld werde den Beschuldigten als
Mensch mit ausgeprägt narzisstischen Merkmalen stark frustrieren und verletzen.
Der Beschuldigte sei therapeutisch nicht erreichbar und verstecke sich hinter billi-
gen Schutzbehauptungen, dies sei gefährlich. Das ungünstige Szenario sei vor-
programmiert (Urk. 324 S. 7). Diese Einschätzung wird in Übereinstimmung mit
der Vorinstanz und dem Gutachter vorliegend nicht geteilt. Es kann auf die vor-
stehenden Erwägungen verwiesen werden.
2.2. Neues Vorbringen der Staatsanwaltschaft und neue Beweismittel im Beru-
fungsverfahren
Anlässlich der Berufungsverhandlung übte die Staatsanwaltschaft hinsichtlich des
im Gutachten gewählten Prognoseinstrumentes VRAG Kritik, ohne allerdings ein
Obergutachten zu beantragen. Sie machte geltend, dass mit statistischen Metho-
den das Rückfallrisiko des Beschuldigten A._ nicht gefasst werden könne.
Die gängigen Prognoseinstrumente seien auf Serienmörder wie A._ nicht
ausgerichtet. Rein statistisch gesehen seien Rückfälle nach Tötungsdelikten sel-
tener als Rückfälle nach weniger schweren Gewalttaten, zum Beispiel im Rahmen
von häuslicher Gewalt. Der Beschuldigte A._ sei aber ein Serienmörder, der
ausserhalb einer Beziehungskonstellation in nur kurzer Zeit zwei Mal getötet ha-
be. Damit sei er ein Ausnahmefall, der von einem rein statistisch entwickelten
Rückfallprognoseinstrument nicht hinreichend erfasst werden könne (Urk. 324 S.
11). An dieser Stelle ist zu wiederholen, dass sich das Gutachten als fundiert,
schlüssig und überzeugend erweist und bezüglich der Prognose auf anerkannten
wissenschaftlichen Grundlagen beruht. Nur aus triftigen Gründen dürfte von ei-
nem Gutachten abgewichen werden, und solche sind hier nicht erkennbar.
Für den Fall, dass das Gericht ihrer Argumentation bezüglich der Verwahrung
nicht folgen sollte, beantragte die Staatsanwaltschaft eine Sistierung des Verfah-
rens bis zum Abschluss des bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau wegen Ir-
- 172 -
reführung der Rechtspflege gegen den Beschuldigten A._ geführten Verfah-
rens. Für den Fall, dass seine Täterschaft nachgewiesen werden könne, sei eine
ergänzende gutachterliche Einschätzung der Rückfallgefahr einzuholen. Zur Be-
gründung brachte sie vor, es bestehe der dringende Verdacht, dass der Beschul-
digte A._ sich anonyme Drohbriefe habe ins Gefängnis zukommen lassen,
um gegenüber den Behörden vorzutäuschen, dass er durch eine ominöse serbi-
sche Gruppierung aus dem Umfeld von AE._ sel. bedroht werde, mit dem
Ziel, seine Schutzbehauptung, dass er von der serbischen Mafia zur Tötung von
AE._ sel. und M._ sel. gezwungen worden sei, zu untermauern (Urk.
324 S. 12 f.). Wenn der Vorwurf zutreffe, dass A._ die erhaltenen Drohbriefe
selber geschrieben habe oder das Verfassen in Auftrag gegeben habe, dann sei
dies für das vorliegende Verfahren relevant. Es würde seine hochgradig manipu-
lativen Wesenszüge offenbaren und zeigen, dass er bereit sei, einen sehr hohen
Aufwand in Kauf zu nehmen, um die Behörden zu täuschen. Dies mache ihn zu
einem nicht kalkulierbaren Risiko für die öffentliche Sicherheit und die Legalprog-
nose müsste nochmals gutachterlich geprüft werden. Der Inhalt der Drohbriefe
könnte zudem sadistische Neigungen des Beschuldigten A._ offenbaren, es
wäre schon sehr heftig, wenn A._ derartige Grausamkeiten zu Papier ge-
bracht hätte, denn um eine Bedrohungslage geltend zu machen, hätte es auch
gereicht, lediglich das Töten der Kinder in Aussicht zu stellen, die grausamen
Ausführungen wären nicht nötig gewesen. Allfällige sadistische Charakterzüge
seien relevant für die Risikoeinschätzung. Es wäre eine erneute gutachterliche
Einschätzung einzuholen (Urk. 324 S. 15 f.).
Betreffend die manipulativen Wesenszüge des Beschuldigten A._ und seine
Bereitschaft durch hohen Aufwand die Behörden zu täuschen, legen die vorlie-
genden Akten, insbesondere die aufgrund seiner Schutzbehauptungen betreffend
Bedrohung durch die Serbenmafia getätigten Ermittlungen ein beredtes Zeugnis
ab. Sollte sich erstellen lassen, dass er sich im Hinblick auf das Berufungsverfah-
ren selber Drohbriefe geschrieben oder Dritte mit dem Verfassen solcher Briefe
beauftragt hat, würde dies im Einklang stehen mit der bereits bisher geltend ge-
machten Bedrohungsszenario durch die Serbenmafia und wäre nicht per se ge-
eignet, eine abweichende Risikoeinschätzung im Hinblick auf eine Verwahrung
- 173 -
mit sich zu bringen. Unter diesem Aspekt ist eine Sistierung des vorliegenden
Verfahrens nicht angezeigt.
Der Staatsanwaltschaft ist darin zu folgen, dass der Inhalt der eingereichten
Drohbriefe (Urk. 325/3-6) teilweise grausam ist und prima vista Ausdruck sadisti-
scher Neigungen des Verfassers sein könnte. Dieser Umstand rechtfertigt jedoch
keine Sistierung des vorliegenden Verfahrens, zumal die Ermittlungen betreffend
die Umstände der Abfassung dieser Drohbriefe und deren Urheberschaft lange
Zeit in Anspruch nehmen kann und noch längere Zeit verstreichen dürfte, bis ein
rechtskräftiger Entscheid darüber vorliegt. Ausserdem ist darauf hinzuweisen,
dass eine nachträgliche Verwahrung gestützt auf Art. 65 Abs. 2 StGB vorbehalten
bleibt, sollte sich in einem späteren Zeitpunkt aufgrund neuer Tatsachen und Be-
weismittel, z.B. einer erneuten Begutachtung im Zusammenhang mit den Droh-
briefen, eine qualifizierte, hohe Rückfallgefahr beim Beschuldigten ergeben.
Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf Sistierung des Verfahrens ist abzuweisen.
2.3. Fazit
Da mit dem Gutachter und der Vorinstanz das Vorliegen einer hohen Rückfallge-
fahr des Beschuldigten A._ im Sinne von Art. 64 Abs. 1 lit. a StGB zu vernei-
nen ist, ist von der Anordnung einer Verwahrung abzusehen.
VI. Zivilforderungen
1. Schadenersatzforderung des Privatklägers 5
Der Privatkläger 5 beantragte die Zusprechung von Schadenersatz im Betrage
von Fr. 15'712.– (Urk. 182 S. 35).
Hinsichtlich der Verpflichtung des Beschuldigten zur Bezahlung von Schadener-
satz für die Todesfallkosten des Begräbnisses in Serbien sowie der Kaufentschä-
digung des Mercedes gemäss Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 21. De-
zember 2018 kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden und ist festzuhalten, dass der Schadenersatzanspruch im Umfang von
Fr. 400.– nicht ausgewiesen ist, da nicht erstellt ist, dass der Beschuldigte die von
- 174 -
AE._ sel. auf der Poststelle bezogenen Fr. 400.– an sich nahm (Urk. 281 S.
169) und ihm dies in der Anklage auch nicht vorgeworfen wird. Die vom Privatklä-
ger 5 geltend gemachte Schadenersatzforderung von Fr. 15'712.– (Urk. 182
S. 35) ist im Betrage von Fr. 15'312.– ausgewiesen.
Der Beschuldigte A._ ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger 5 Schaden-
ersatz im Betrag von Fr. 15'312.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Schadener-
satzbegehren abzuweisen.
2. Genugtuungsforderung der Privatkläger 5 bis 7
2.1. Allgemeine Grundsätze
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze für die Bemessung der Genugtu-
ung zutreffend dargelegt. Es kann vorab darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO; Urk. 281 S. 163 f.).
2.2. Bemessung der Genugtuung in concreto
2.2.1. Privatkläger 5 und 6
Bei den Privatklägern 5 und 6 handelt es sich um die Eltern von AE._ sel.
Beide sind gehörlos und darauf angewiesen, sich in Gebärdensprache verständi-
gen zu können. Mit ihrem ermordeten Sohn verband sie ein enges und gutes Ver-
hältnis. Er beherrschte die Gebärdensprache, sie waren für die Kommunikation
nach aussen von ihrem Sohn abhängig. Schon der Tod eines Kinders per se stellt
für die betroffenen Eltern einen besonders schweren Schicksalsschlag dar. Die
Kenntnis von den Umständen unter denen ihr Sohn ums Leben kam, dass er bei
vollem Bewusstsein erstickte und einen grausamen Todeskampf durchleiden
musste, sind für die Hinterbliebenen traumatisierend. Das Verschulden des Be-
schuldigten A._ wiegt zudem schwer bis sehr schwer. Die von der Vorinstanz
auf je Fr. 40'000.– festgelegte Genugtuungssumme trägt diesen Umständen in
angemessener Weise Rechnung und ist zu bestätigen.
- 175 -
2.2.2. Privatkläger 7
Der Privatkläger 7 ist der Bruder von AE._ sel.. Die Vorinstanz hat zu Recht
hervorgehoben, dass die beiden Brüder zwar nicht mehr im gleichen Haushalt
lebten, jedoch in engem Kontakt standen. Ferner wurde glaubhaft dargelegt, dass
aufgrund des Umstandes, dass die Eltern taubstumm sind und auf die Hilfe der
beiden Kinder angewiesen sind, ein enges familiäres Verhältnis bestand. Vor die-
sem Hintergrund ist von einer starken Belastung des Privatklägers 7 durch
den Tod seines Bruders auszugehen. Auch für ihn dürfte sich zudem die grausa-
me Tötungsart besonders belastend auswirken. Wie bereits erwähnt wiegt das
Verschulden des Beschuldigten A._ schwer bis sehr schwer. Mit der Vo-
rinstanz sind die Voraussetzungen für die Zusprechung einer Genugtuung gege-
ben. Den vorerwähnten Bemessungsfaktoren trägt die Vorinstanz mit Zuspre-
chung einer Genugtuung von Fr. 5'000.– in angemessener Weise Rechnung. Der
Beschuldigte A._ ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger 7 eine Genugtu-
ung von Fr. 5'000.– zu bezahlen.
VII. Beschlagnahmungen
Der Beschuldigte beantragte im Berufungsverfahren, es sei in Abweichung vom
vorinstanzlichen Entscheid (Dispositiv-Ziffer 6) von der Einziehung abzusehen be-
treffend Festplatte (A009'967'651), SSD (A009'967'888), Festplatte
(A009'967'924), Datensicherung (A009'967'935), Festplatte (A009'967'946) und
Festplatte (A009'967'980) (Urk. 296 S. 2). Zur Begründung machte er geltend, auf
diesen Datenträgern seien ausschliesslich private Dateien abgespeichert, die alle
keinen Konnex zu den ihm vorgeworfenen Straftaten aufweisen (Urk. 327 S. 62).
Die Staatsanwaltschaft hat gegen die Herausgabe dieser Datenträger nicht oppo-
niert, sie sind dem Beschuldigten A._ daher nach Eintritt der Vollstreckbar-
keit herauszugeben.
- 176 -
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Vorverfahren und erstinstanzliches Gerichtsverfahren
Der Beschuldigte unterliegt mit seinem Standpunkt praktisch vollumfänglich. In
Bestätigung der vorinstanzlichen Kostenregelung sind ihm daher die Kosten des
Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme der-
jenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung der
Privatkläger 5 bis 7 aufzuerlegen (Art. 426 StPO). Angesichts der Ausfällung einer
lebenslänglichen Freiheitsstrafe und seiner Überschuldung sind die dem Beschul-
digten auferlegten Kosten zu erlassen, soweit sie nicht durch die Beschlagnah-
mungen gedeckt sind, und sind die Kosten der amtlichen Verteidigung und der
unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatkläger 5 bis 7 definitiv auf die Ge-
richtskasse zu nehmen.
2. Berufungsverfahren
Der Beschuldigte unterliegt im Berufungsverfahren mit seinen Anträgen auf Frei-
sprüche. Ferner unterliegt er bezüglich der Strafhöhe und der Zivilforderungen.
Die Staatsanwaltschaft unterliegt mit ihrem Antrag auf Anordnung einer Verwah-
rung. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahren, mit Ausnahme
derjenigen der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten zu drei Vierteln aufzu-
erlegen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428 StPO).
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind angesichts der vom Beschuldigten zu
verbüssenden lebenslänglichen Freiheitsstrafe und seiner hohen Schuldenlast de-
finitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Aus denselben Gründen ist der dem Be-
schuldigten aufzuerlegende Anteil der Gerichtskosten zu erlassen.
Das Honorar der amtlichen Verteidigung für das Berufungsverfahren ist gestützt
auf die Honorarnote von Rechtsanwalt lic. iur. X._ vom 3. Juni 2021 (Urk.
322) auf Fr. 30'000.– festzusetzen. Angesichts des sehr grossen Umfangs des
Verfahrens und des entsprechenden Aufwands ist die Gerichtsgebühr für das Be-
rufungsverfahren im Rahmen, welcher gemäss § 14 Abs. 1 lit. b i.V.m. § 16 Abs. 1
GebVO bis Fr. 45'000.– reicht, auf Fr. 40'000.– festzusetzen.
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