# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 74599d5c-202e-5c0e-b593-7459ff097fbb
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1961, meldete sich am
3.
August 2015 bei der Invaliden
versicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
9/8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, erteilte am 2
7.
Oktober 2015 Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining (
Urk.
9/35). Dieses wurde am 1
8.
Februar 2016 aus ge
sundheitlichen Gründen auf Empfehlung des behandelnden Psychiaters abgebro
chen (
Urk.
9/51 S. 2
Ziff.
6.1).
Die IV-Stelle holte unter anderem ein psychiatrisches Gutachten ein, das am 1
7.
Januar
2017 erstattet und am 1
3.
Februar 2017 ergänzt wurde (
Urk.
9/72,
Urk.
9/75). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
9/79,
Urk.
9/83,
Urk.
9/89) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
8.
Juli 2017 einen Leis
tungsanspruch (
Urk.
9/91 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am
7.
September 2017 Beschwerde gegen die Verfügung vom 2
8.
Juli 2017 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr berufliche Massnahmen zu gewähren (
Urk.
1 S. oben
Ziff.
1-2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
Oktober 2017 (
Urk.
8)
die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom
6.
November 2017 wurde antragsgemäss (vgl.
Urk.
1 S. 2 oben
Ziff.
4) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt (
Urk.
13).
Mit Replik vom
6.
Februar 2018 beantragte die Beschwerdeführerin, eventuell sei die Sache zu einer erneuten psychiatrischen Begutachtung an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen (
Urk.
16 S. 2
Ziff.
1). Die Beschwerdegegnerin verzich
tete am 1
2.
März 2018 auf Duplik (
Urk.
18), was der Beschwerdeführerin am 1
3.
März 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
19).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalide oder von einer Invalidität bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliede
rungsmassnahmen, soweit (Abs. 1):
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Ein
gliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige be
rufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.2
Versicherte, die seit mindestens sechs Monaten zu mindestens 50 % arbeitsunfä
hig sind, haben Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (Integrationsmassnahmen), sofern dadurch die Voraus
setzungen für die Durchführung von Massnahmen beruflicher Art geschaffen werden können (Art. 14a Abs. 1 IVG). Als Integrationsmassnahmen gelten ge
mäss Abs. 2 gezielte, auf die berufliche Eingliederung gerichtete Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation (
lit
. a) und Beschäftigungsmassnahmen (
lit
. b). Es geht darum, bei denjenigen Versicherten, die aktuell nicht eingliederungsfähig sind oder deren Eingliederungsfähigkeit verloren zu gehen droht, die Eingliede
rungsfähigkeit herzustellen oder zu erhalten (
BBl
2005 4521 ff., 4564; Erwin
Murer
, Invalidenversicherung: Prävention, Früherfassung und Integration, Bern 2009, N. 4 und 31 zu Art. 14a IVG; Silvia Bucher, Die Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung nach Art. 14a IVG, in: Soziale Sicherheit – Soziale Unsicherheit, Festschrift für Erwin
Murer
zum 65. Geburts
tag, 2010, S. 111). Ist aber jemand in einer anderen zumutbaren Tätigkeit arbeits
fähig, so ist er (in dieser anderen Tätigkeit) bereits eingliederungsfähig; er braucht keine Integrationsmassnahmen mehr, um die Eingliederungsfähigkeit herzustel
len. Es gibt keinen Grund, Massnahmen zur Ermöglichung einer beruflichen Ein
gliederung durchzuführen, wenn auch ohne solche Massnahmen eine berufliche Eingliederung bereits umgesetzt werden kann (BGE 137 V 1 E. 7.2.3).
1.3
Gemäss
Art.
4
quater
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) haben Versicherte, die fähig sind, mindestens zwei Stunden täglich während mindestens vier Tagen pro Woche an Integrationsmassnahmen teilzunehmen, Anspruch auf Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung
(Abs.
1
)
.
Anspruch auf Massnahmen zur sozialberuflichen Rehabilitation haben Versi
cherte, die in Bezug auf Massnahmen beruflicher Art noch nicht eingliederungs
fähig sind (Abs. 2).
Anspruch auf Beschäftigungsmassnahmen haben Versicherte, deren Eingliede
rungsfähigkeit in Bezug auf Massnahmen beruflicher Art verloren zu gehen droht (
Abs.
3).
1.4
Als
Massnahmen der sozialberuflichen Rehabilitation
(Gewöhnung an den Ar
beitsprozess, Förderung der Arbeitsmotivation, Stabilisierung der Persönlich
keit, Einüben sozialer Grundfähigkeiten)
gelten
das Belastbarkeitstraining, das Auf
bautraining und die wirtschaftsnahe Integration mit Support am Arbeitsplatz.
Als Beschäftigungsmassnahme
(Aufrechterhaltung einer Tagesstruktur für die Zeit bis zum Beginn von Massnahmen beruflicher Art oder bis zu einem Stellen
antritt auf dem freien Arbeitsmarkt)
gilt die Arbeit zur Zeitüberbrückung (
vgl.
Art.
14a
Abs.
2 IVG; Art. 4
quinquies
IVV
;
vgl.
Rz
1010
Kreisschreiben des Bundes
amtes für Sozialversicherungen
,
BSV über Integrationsmassnahmen
,
KSIM
vom 1. Januar 2012
,
Stand:
1.
Januar 2018).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) davon aus, eine psychiatrische Diagnose sei ausgewiesen (S. 1). Die Beschwerdeführerin verfüge jedoch über zahlreiche Ressourcen (S. 1 f.).
Sie
sehe sich selbst nicht in der Lage, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Aus medizinischer Sicht wäre
eine solche
durchaus zumutbar, eine berufliche Tätigkeit sei jedoch wegen der starken Selbstlimitierung nicht möglich. Es bestehe keine langandauernde und erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Sachbearbeiterin (S. 2).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
8)
wies
sie
darauf hin, die Beschwerdeführerin habe dem psychiatrischen Gutachter berichtet, dass sie sich nicht in der Lage, fühle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten. Dieser habe ihr aber eine 50%ige Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt attestiert. Mit ihrer Tätigkeit im geschütz
ten Rahmen
schöpfe
sie
ihre objektive Arbeitsfähigkeit nicht aus, weshalb die subjektive Eingliederungsfähigkeit momentan nicht gegeben sei.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1), der psychiatrische Gutachter habe bestätigt, dass die Arbeitsunfähigkeit von 50
%
lediglich auf Leiden mit Krankheitswert beruhe und dass keine invaliditätsfrem
den Faktoren hätten ausgemacht werden können (S. 4 Mitte).
Seit Dezember
2016 sei sie zwei Tage in der Woche
in einem Restaurant
im
2.
Ar
beits
markt in einem ungefähren 35%-Pensum tätig, was sie selber in die Wege geleitet habe.
Es seien ihr berufliche Massnahmen zur Wiederintegration in den ersten Arbeitsmarkt zu gewähren, dies im Sinne eines Aufbautrainings an ihrem jetzigen Arbeitsplatz (S. 5
Ziff.
10).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf berufliche Massnahmen zur Wiederintegration in den ersten Arbeitsmarkt, mithin Integra
tionsmassnahmen gemäss
Art.
14a
Abs.
1 IVG (vorstehend E. 1.2), hat.
3.
3.1
Vom
13. Mai
bis 2
6.
Juni 2
015
weilte
die Beschwerdeführerin in
der
Klinik
Z._
, worüber am 6. August 2015 berichtete wurde (Urk. 9/21/8-14
=
Urk.
9/58/5-12
). Es wurden folgende Diagnosen genannt (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
psychophysischer Erschöpfungszustand (ICD-10 Z73.0)
Beim Klinikaustritt habe die Beschwerdeführerin eine leichte Reduktion des dys
funktionalen Gedankenkreisens, der
Deprimiertheit
, der inneren Unruhe so
wie
e
ine Reduktion der Störung der Vitalgefühle, der Insuffizienzgefühle und
de
s sozialen
Rückzugs angegeben
(S. 2 unten)
. Es sei eine Verbesserung des Antriebs und eine Reduktion des sozialen Rückzugs erfolgt (S.
3 oben
).
Es wurde eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % vom 1
3.
Mai bis 1
4.
Juli 2015 attestiert (S. 3
).
3.2
A._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, führte in ihrem
Bericht vom 27. August 2015 (Urk. 9/21
/6-7
)
aus, sie behandle die Be
schwerdeführerin seit dem 1
5.
April 2015 (
Ziff.
1.2). Sie nannte folgende Diag
nosen (
Ziff.
1.1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Erschöpfungssyndrom (ICD-10 Z73.0)
-
anamnestisch: diverse Belastungen in der Kindheit (Z61.8)
Es
sei
eine ausgeprägte depressive Symptomatik (Sorgsamkeit, verminderter An
trieb und Langsamkeit, gefühl
s
mässig geringe Belastbarkeit, Trauer und Ängst
lichkeit, was die Zukunft betreffe) festzustellen
(
Ziff.
1.4)
.
B
ei Verbesserung des aktuellen Zustandsbildes
sollten
erste Arbeitsversuche
möglich sein, diese wären auf
Beginn 201
6
überprüfbar
.
Zu Beginn sei eine reduzierte Leistungsfähigkeit sehr wahrscheinlich, ein sukzessiver Aufbau
mit
einer Arbeitsfähigkeit von
20 %
sei empfohlen
(
Ziff.
1.
7
)
.
3.3
Am 2
1.
Dezember 2015 wurde über eine neurologische Beurteilung bei unklaren Episoden berichtet (
Urk.
9/64/1-2). Die Ursachen für die von der Patientin be
schriebenen Episoden sei
en
unklar geblieben, am ehesten könnten sie als disso
ziativ gewertet werden (
S. 2 oben).
3.
4
Med.
pract
. B._
, Oberärztin, Psychiatriezentrum C._
, führte in ihrem Bericht vom 1
0.
Mai 2016 (
Urk.
9/54)
aus,
es habe vom 1
2.
Oktober bis 3
0.
Dezember 2015 eine tagesklinische Behandlung stattgefunden (
Ziff.
1.2). Als Diagnose nannte sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige depressive Episode (F33.1), aktuell bestehend sei 2015 (
Ziff.
1.1). Die Ar
beitsfähigkeit sei nicht beurteilt worden (
Ziff.
1.6)
3.
5
Dr. med. D._
, Facharzt für Neurologie und für Psychiatrie und Psy
chotherapie,
nannte
in seine
m Bericht vom 3
0.
Mai 2016 als Diagnose kognitive Defizite im Rahmen affektiver Symptome, ohne Hinweis auf organische kognitive Defizite. Die beklagten kognitiven Defizite beurteile er als Folge der affektiven Symptome (
Urk.
9/58/15).
3.
6
Dr. med. E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, führte in sei
nem Bericht vo
m 9. August 2016 (Urk. 9/58
/1-4
)
aus, er behandle die Beschwer
deführerin seit dem
2.
September 2009 (
Ziff.
1.2). Er nannte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
•
hartnäckiger psychophysischer Erschöpfungszustand mit im Vordergrund ste
hend neurosthenischen Beschwerden und als äusserst quälend empfundenen kognitiven Minderleistungen, gemäss ICD-10 am ehesten als rezidivierende de
pressive Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode mit somati
schem Syndrom (F33.11) einzuordnen: vorliegend seit rund 10 Jahren
•
dieser Problematik zugrundeliegend und wohl hauptsächlich für den bislang nur sehr langsam voranschreitenden Genesungsprozess verantwortlich ausgeprägte
maladaptive / dysfunktionale Persönlichkeitszüge mit unter anderem einge
schränkter Selbstwahrnehmung; Mühe im Erkennen, Einordnen und Regulieren von Affekten; diffusem und unscharfem Selbstbild; hohen Leistungsansprüchen an sich selber; Selbstwertproblematik und nur marginal entwickelten Fähigkeit zur Selbstfürsorge (F60.8); diese Problematik liegt mindestens seit dem
Adoles
zentenalter
vor.
Gegenwärtig
erfolgte
eine teilstationäre Behandlung in einer Tagesklinik (
Ziff.
1.4).
Nach Beendigung der teilstationären Behandlung werde die Beschwer
deführerin vermutlich in der Lage sein, halbtags in geschütztem Rahmen zu ar
beiten (
Ziff.
1.7).
Er empfehle, die Patientin so schnell wie möglich für vorerst rund 2 Jahre zu 100
%
zu berenten. In dieser Zeit solle sie in geschütztem Rahmen tätig sein, beginnend mit einem Pensum von 50
%
. Aus seiner Sicht sei
dies
die erfolgver
sprechendste Vorgehensweise, um die Patientin doch noch in den ersten Arbeits
markt zurückführen zu können (
Ziff.
1.11).
3.
7
Dr.
med.
F._
, Leiten
der Arzt, und
lic
. phil. G._, Psychologin,
Psychiatriezentrum
H._
, führten in ihrem Bericht vom
24. Au
gust
2016
(
Urk.
9/60) aus, es erfolge seit dem
4.
März 2016 eine teilstationäre Behand
lung (
Ziff.
1.2). Als Diagnosen nannten sie eine rezidivierende mittel- bis
schwer
gradige
untypische Depression mit starken kognitiven Defiziten auf dem Hinter
grund einer schwierigen Kindheit und Vergangenheit mit diversen Trau
ma
tisie
rungen (ICD-10 F33.2), akzentuiert seit Anfang 2015 (
Ziff.
1.1). Zum jetzigen Zeitpunkt sei die Patientin nicht arbeitsfähig; es sei unklar, wie lange der Hei
lungsprozess noch dauere (
Ziff.
1.7).
Zur Prognose führten sie aus, e
ine Arbeitsintegration
sei
zum jetzigen Zeitpunkt
weiterhin
nicht sinnvoll. Längerfristig könne eine Teilzeitarbeitsfähigkeit nicht ausgeschlossen werden. Die
Patientin selber wolle
unbedingt wieder arbeiten (
vor
Ziff.
1.5).
3.
8
Dr.
med. I._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, erstat
tete am
17. Januar 2017
ei
n Gutachten
im Auftrag der Beschwerdegegnerin
(Urk. 9/72).
Er stützte sich auf die ihm
überlassenen Akten (S. 3 ff.), die Angaben der Beschwerdeführerin (S. 6 ff.) und die bei der
am 1
0.
Januar 2017
(S. 1)
er
folgte
n
Untersuchung
erhobenen Befunde (S. 10 f.).
Im Zusammenhang mit dem Tagesablauf führte der Gutachter aus, die Beschwer
deführerin arbeite mittwochs und donnerstags von 08.30 bis 15.00 Uhr im Res
taurant
J._
(S. 9
lit
. f).
Der
Gutachter führte aus, in der aktuellen Untersuchung habe
eine rezidivierende
Störung, gegenwärtig
mittelgradige
Episode
(ICD-10 F33.1)
ausgemacht werden können
.
Ferner seien s
tark ausgeprägte akzentuierte Persönlichkeitszüge mit emotional-instabiler Färbung (ICD-10 Z73.1)
auszumachen gewesen (S. 15 oben)
.
Die von
Dr.
E._
unter anderem diagnostizierte Persönlich
keitsstörung (ICD-10 F60.8)
könne nicht bestätigt w
erden.
Es
fehle an Brückensymptomen
und
eine Persönlichkeitsstörung
sei
mit dem Curriculum
vitae
der
Versicherte
n nicht zu vereinbaren; sie habe praktisch während ihres ganzen Berufslebens
zu
100 % ge
arbeitet (
S.
16
oben
).
Zur Arbeitsfähigkeit führte der Gutachter aus, a
ufgrund der Beschwerden von Seiten der rezidivierenden mittelgradigen depressiven Störung (ICD-10 F33.1) so
wie seitens der akzentuierten Persönlichkeitszüge mit emotionaler instabiler Fär
bung (ICD-10 Z73.1) lasse sich aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50 % für die zuletzt ausgeübte, angestammte Tätigkeit als Sachbearbeiterin ausmachen
, dies seit dem 22. Februar 201
5.
Eine zusätzliche Verminderung der Leistungsfähigkeit bestehe nicht
(S. 16
Ziff.
5.2
lit
. a)
.
Die Coping-Strategien der Versicherten seien als hinreichend gut zu beurteilen (S. 17 oben). Auf diese und die verbleibenden Ressourcen könne sich die Versi
cherte bei der Ausübung einer Tätigkeit stützen (S. 17 Mitte).
Die Versicherte gehe davon aus, dass sie im Moment nicht in der Lage sei, einer Berufstätigkeit nachzugehen (S. 18
lit
. b). Aus rein psychiatrischer Sicht lasse sich eine derart hohe Arbeitsunfähigkeit nicht begründen. Ein Pensum von 100
%
wäre jedoch nicht zumutbar (S. 19 oben).
Inkonsistenzen und Aggravationstendenzen hätten keine ausgemacht werden können (S. 19
lit
. c).
B
erufliche Massnahmen
seien aus rein
psychiatrischer Sicht
indiziert im Sinne einer
Stellenvermittlung
.
Sie sollten der Explorandin beim Wiedereinstieg ins Erwerbsleben behilflich sein (S. 19 f.
lit
. e).
Jedoch sei die Beschwerdeführerin sub
jektiv davon überzeugt, im Moment noch keiner ausserhäuslichen Tätigkeit nach
gehen zu können
. Aus rein psychiatrischer Sicht lasse sich eine derart hohe Ar
beits
unfähigkeit nicht begründen. Deshalb müsse, soweit die
Arbeitsun
fähig
keit
nicht durch
somatische Faktoren
begründet werden könne,
von einer sub
jektiven Krankheits- und Behinderungsüberzeugung sowie einer dadurch beding
ten Selbstlimitierung aus
gegangen werden
. Berufliche Massnahme
n
seien
also
nicht durchführbar
(S. 20 oben)
.
Die Prognose sei nicht ungünstig, dies vor allem, weil die Motivation der Be
schwerdeführerin überdurchschnittlich sei (S. 20
lit
. f).
Am 13. Februar
2017 nahm der Gutachter zu Ergänzungsfragen Stellung (
Urk.
9/77). Zum Belastungsprofil führte er aus,
dass zeitlich flexible Tätigkeiten ohne permanenten Zeit- und Termindruck bei geringem Publikumsverkehr, ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen mög
lich seien.
Ein möglichst wohlwollendes und konfliktarmes Arbeitsfeld wäre vor
zuzuziehen, sei aber nicht unverzichtbar («sine qua non»).
Eine klar strukturierte Tätigkeit in ruhiger und emotional spannungsarmer Atmosphäre sei zu empfeh
len. Eine solche Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin ebenfalls seit dem 23. Feb
ruar 2015 zu 50 % möglich, bezogen auf eine Leistungsfähigkeit von 100 %
(
S.
3
). Das Arbeitspensum
könne
in Schritten jeweils 10 % pro zwei Wochen ab sofort gesteigert werden. Es ergebe sich somit eine Steigerung von 10 % bis 50 % innerhalb von
zirka
10 Wochen (
S. 4
).
3.
9
Med.
pract
. K._
, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Beurteilung vom 2
2. Februar 2017
(
Urk.
9/77 S. 9) aus, es sei ein G
esundheits
schaden
vorhanden
, der die Arbeitsfähigkeit mittel bis langfristig einschränke
.
In der angestammten wie in einer angepassten Tätigkeit
betrage die Arbeitsfähigkeit laut Gutachten 50
%
.
Berufliche Massnahmen (aus psychiatrischer Sicht: Stellen
vermittlung) seien
- so das Gutachten (S. 19 f.) -
nicht durchführbar, da kein Wunsch zur Aufnahme einer ausserh
äuslichen Betätigung bestehe (Selbstlimitie
rung). Eingliederungsmassnahmen seien
- so das Gutachten (S. 20)
-
im Grunde zumutbar, jedoch wegen der starken Selbstlimitierung nicht möglich; die Versi
cherte sei subjektiv davon überzeugt, im Moment noch keiner ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen zu können.
3.
10
Gemäss
der Arbeitszeiterfassung
des Bistro
J._
- dem Restaurant mit Ar
beitsplätze
n im zweiten Arbeitsmarkt
, in welchem die Beschwerdeführerin
gemäss eigenen Angaben
seit Dezember
2016
tätig war
(
Urk.
1 S. 5
Ziff.
10)
- leistet
e sie
von Februar bis Juni 2017 folgende Arbeits
stunden (
Urk.
3/4):
Februar (total 65):
-
Mi 1.:
6.5
-
So 5.:
6
-
Do 2.:
3.5 + 5.5 = 9
-
Mi 8.:
-
-
Do 9.:
6.5
-
So 12.:
4.5
-
Mi 15.:
6.5
-
Do 16.:
6.5
-
Sa 18.:
7
-
Mi 22.:
6.5
-
Fr 24.:
6
März (total 74)
-
Mi 1.:
6.5
-
Do 2.:
6.5
-
So 5.:
6
-
Mi 8.:
-
-
Do 9.:
6 + 5 = 11
-
Mi 15.:
6.75
-
Do 16.:
6.75
-
Fr 17.:
6
-
Mi 23.:
6.5
-
Do 24.:
-
-
Mo 27.:
6.75
-
Mi 29.:
6.75 + 4.25 = 11
April (total 11)
-
Do 27.:
6
-
Fr 28.:
5
Mai (total 75.25)
-
Do 4.:
5
-
Fr 5.:
3
-
Di 9.:
3
-
Do 11.:
4.5
-
Fr 12.:
7.25
-
Sa 13.:
6
-
Mi 17.:
7.5
-
Fr 19.:
7.25
-
Sa 20.:
5
-
Mi 24.:
7.5
-
Fr 26.:
7
-
Mo 29.:
5.25
-
Mi 31.:
7
4.
4.1
In der angefochtenen Verfügung hielt die Beschwerdegegnerin fest, eine psychi
atrische Diagnose sei ausgewiesen. Die Beschwerdeführerin sehe sich selbst nicht in der Lage, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, mithin sei eine berufliche Tätigkeit wegen der starken Selbstlimitierung nicht möglich. Es bestehe keine langandauernde und erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit als Sachbe
arbeiterin. In der Beschwerdeantwort machte sie dann geltend, der Gutachter habe der Beschwerdeführerin eine 50%ige Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt attestiert. Mit ihrer Tätigkeit (lediglich) im geschützten Rahmen schöpfe sie ihre objektive Arbeitsfähigkeit nicht aus, weshalb die subjektive Eingliederungsfähig
keit momentan nicht gegeben sei (vorstehend E. 2.1).
4.2
Im Zeitpunkt der Begutachtung und damit auch im Verfügungszeitpunkt bestand ein Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit um 50
%
einschränkte. Diese vom RAD-Arzt bestätigte Feststellung des Gutachters ist massgebend. Der Hin
weis seitens der Sachbearbeitung, die Beschwerdeführerin treffe gelegentlich Be
kannte, fahre Velo, gehe ins Fitness und besorge ihren Haushalt (
Urk.
9/77 S. 10), ist mangels fachlicher Kompetenz nicht geeignet,
die medizinische Feststellung eines die Arbeitsfähigkeit einschränkenden Gesundheitsschadens in Frage zu stel
len, dies weder nach der Rechtslage im Verfügungszeitpunkt noch im Sinne des heute massgebenden strukturierten Beweisverfahrens.
Dass, wie in der angefochtenen Verfügung angeführt, keine langandauernde und erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit be
stehe, erweist sich angesichts der ärztlich fest
gestellten Einschränkung von 50
% als unzutreffend und stellt deshalb keine hinreichende Begründung dar, um einen Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin zu verneinen.
4.3
Der Gutachter berichtete, die Beschwerdeführerin
gehe davon aus, dass sie im Moment nicht in der Lage sei, einer Berufstätigkeit nachzugehen
(S. 18
lit
. b). Sie sei
subjektiv davon überzeugt, im Moment noch keiner ausserhäuslichen Tätigkeit nachgehen zu könne
n, weshalb
von einer subjektiven Krankheits- und Behinde
rungsüberzeugung
sowie einer dadurch bedingten Selbstlimitierung ausgegangen werden
müsse und b
erufliche Massnahme nicht durchführbar
seien
(S. 20). Dies wurde vom RAD-Arzt
so übernommen (vorstehend E. 3.9
) und fand Eingang in die Begründung der angefochtenen Verfügung.
Diese Feststellungen des Gutachters stehen im Gegensatz zum von im Gutachten festgehaltenen Umstand, dass die Beschwerdeführerin im Begutachtungszeit
punkt an zwei Tagen pro Woche je 71⁄2 Stunden (im zweiten Arbeitsmarkt) arbei
tete (S. 9
lit
. f). Entweder hat der Gutachter dies übersehen, oder er bezog die von ihm berichtete Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin implizit auf den ersten Arbeitsmarkt.
Angesichts der von der Beschwerdeführerin nach der Begutachtung und vor Ver
fügungserlass in geschütztem Rahmen erbrachten Ar
beitsleistung (vorstehend E.
3.18
)
lässt sich die in der angefochtenen Verfügung getroffene Annahme, sie
sehe sich selbst nicht in der Lage, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen,
und
eine berufliche Tätigkeit
sei infolge
Selbstlimitierung nicht möglich
, nicht auf
recht
erhalten.
Somit ist auch dies keine hinreichende Begründung, um einen Anspruch der Be
schwerdeführerin auf Eingliederungsmassnahmen zu verneinen.
4.4
Der von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Anspruch auf Integrations
massnahmen ist in
Art.
4
quater
IVV näher geregelt. Insbesondere
wird verlangt, dass die versicherte Person fähig ist, «mindestens zwei Stunden täglich während mindestens vier Tagen pro Woche an Integrationsmassnahmen teilzunehmen» (
Abs.
1). Dem Zweck der Integrationsmassnahmen entsprechend ist die regelmäs
sige Anwesenheit besonders wichtig, und die in der Bestimmung genannten zwei Stunden stellen keinen Durchschnittswert dar, sondern sind täglich zu absolvie
ren, dies mindestens während vier Tagen pro Woche (Erwin
Murer
, Invalidenver
sicherungsgesetz (
Art.
1-27
bis
IVG),
Stämpflis
Handkommentar, Bern 2014, N 75 zu
Art.
14a).
Diese Anspruchsvoraussetzung war im Verfügungszeitpunkt nicht erfüllt. Die Be
schwerdeführerin hat zwar im geschützten Rahmen eine beachtliche Anzahl Stund
en gearbeitet (vorstehend E. 3.10
), dies aber regelmässig nur an zwei, aus
nahmsweise drei
,
Tagen
pro
Woche. Damit fehlte es leider an der verlangten Kon
stanz im Wochenverlauf.
4.5
Aus diesem Grund erweist sich die angefochtene Verfügung, soweit mit ihr ein Anspruch auf Integrationsmassnahmen verneint wurde, im Ergebnis als zutref
fend
, so dass sie zu bestätigen und die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.
Bei dieser Beurteilung handelt es sich aufgrund der zu prüfenden Anspruchs
voraussetzungen um eine ausgesprochene Momentaufnahme, so dass sie einer er
neuten Anmeldung der Beschwerdeführerin bei veränderten Umständen nicht entgegensteht.
5.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
sind ermessensweise auf
Fr.
600.-- festzusetzen, ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen und infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung einstweilen auf die Ge
richtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).