# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d9a8f28d-c85e-43d7-ad29-157d1471f605
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ M.K., geboren 1981, ist türkischer Staatsangehöriger. Er reiste am 7. Juli 2001
illegal in die Schweiz ein und stellte ein Asylgesuch. Am 19. April 2002 heiratete er in
St. Gallen die Schweizer Bürgerin R., geboren 1980. In der Folge wurde ihm am 30.
April 2002 eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs erteilt. Das
Asylverfahren wurde nach dem Rückzug des Asylgesuchs abgeschrieben.
Mit Verfügung vom 13. Mai 2004 wies das Ausländer-amt das Gesuch von M.K. um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab mit der Begründung, die Ehegatten hätten
nur zehn Monate in ehelicher Gemeinschaft gelebt und die Ehefrau wolle sich scheiden
lassen. Der Gesuchsteller halte rechtsmissbräuchlich an der Ehe fest.
B./ Gegen die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung erhob der
Gesuchsteller Rekurs, der vom Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 28.
April 2005 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe vom 12. Mai 2005 erhob M.K. Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit dem Antrag, der Rekursentscheid sei aufzuheben und es sei seine
Jahresaufenthaltsbewilligung zu verlängern. Ausserdem beantragte er, eine mündliche
Verhandlung durchzuführen.
Nachdem der Beschwerdeführer zur Leistung eines Kostenvorschusses aufgefordert
worden war, beantragte er am 31. Mai 2005 die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung. Dieses Gesuch wurde vom Verwaltungsgerichtspräsidenten mit
Verfügung vom 6. Juni 2005 wegen Aussichtslosigkeit des Rechtsmittels abgewiesen.
In seiner Beschwerdeergänzung vom 20. Juni 2005 hält der Beschwerdeführer an
seinen Anträgen fest. Er bestreitet, rechtsmissbräuchlich an der Ehe festzuhalten, und
macht geltend, der Sachverhalt sei ungenügend festgestellt worden.
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Die Vorinstanz beantragt in ihrer Vernehmlassung vom 14. Juli 2005 die Abweisung der
Beschwerde.
Die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen werden,

## Considerations

soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 12. Mai und 20.
Juni 2005 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2./ Der Beschwerdeführer beantragt die Durchführung einer mündlichen Verhandlung.
Nach Art. 55 VRP ist eine mündliche Verhandlung durchzuführen, wenn sie zur
Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint. Eine
Notwendigkeit einer mündlichen Verhandlung zur Wahrung der Parteirechte besteht im
vorliegenden Fall nicht. Namentlich gebietet Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Konvention
zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK)
keine Durchführung einer öffentlichen Verhandlung. Art. 6 Ziff. 1 EMRK kommt bei
Verfahren betr. ausländerrechtliche Aufenthaltsbewilligungen nicht zum Tragen (vgl.
Frowein/Peukert, Europäische Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., Kehl/Strassburg/
Arlington 1996, N 52 zu Art. 6, Fn 198). Dem Begehren um Durchführung einer
mündlichen Verhandlung ist daher nicht stattzugeben.
3./ Nach Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) hat der ausländische Ehegatte einer
Schweizer Bürgerin Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Kein solcher Anspruch besteht nach Absatz 2 dieser Vorschrift,
wenn die Ehe eingegangen worden ist, um die Vorschriften über Aufenthalt und
Niederlassung von Ausländern und namentlich jene über die Begrenzung der Zahl der
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Ausländer zu umgehen. Erfasst wird davon die sogenannte Scheinehe bzw.
Ausländerrechtsehe, bei der die Ehegatten von vornherein keine echte eheliche
Gemeinschaft beabsichtigten (BGE 128 II 151, 127 II 55 mit Hinweisen). Auch wenn die
Ehe nicht bloss zum Schein eingegangen worden ist, heisst dies nicht, dass dem
ausländischen Ehepartner der Aufenthalt ungeachtet der weiteren Entwicklung
gestattet werden muss. Zu prüfen ist insbesondere, ob sich die Berufung auf die Ehe
nicht anderweitig als rechtsmissbräuchlich erweist (BGE 128 II 151 mit Hinweis).
a) Rechtsmissbrauch liegt vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirklichung
von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen will (BGE 128 II
151, 127 II 56 je mit Hinweisen). Im Zusammenhang mit Art. 7 ANAG ist dies dann der
Fall, wenn sich der Ausländer in einem fremdenpolizeilichen Verfahren auf eine Ehe
beruft, welche nur noch formell und ohne Aussicht auf Aufnahme bzw.
Wiederaufnahme einer ehelichen Gemeinschaft besteht (BGE 128 II 151 mit Hinweis
auf BGE 127 II 56, 123 II 50 f.). Ein Rechtsmissbrauch darf nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht leichthin angenommen werden, namentlich
nicht schon deshalb, weil die Ehegatten nicht mehr zusammenleben oder ein
Eheschutz- oder Scheidungsverfahren eingeleitet worden ist (BGE 128 II 151).
Erforderlich sind konkrete Hinweise darauf, dass die Führung einer
Lebensgemeinschaft nicht mehr beabsichtigt und nicht mehr zu erwarten ist (BGE 128
II 151, 127 II 57). Wie es sich damit verhält, entzieht sich in der Regel dem direkten
Beweis und ist oft nur durch Indizien zu ermitteln (BGE 128 II 152, 127 II 57).
b) Die Eheleute trennten sich im Februar 2003, nur rund zehn Monate nach der Heirat.
Zwar ist aufgrund der Trennung der Eheleute nicht ohne weiteres auf eine
rechtsmissbräuchliche Berufung auf den formalen Bestand der Ehe zu schliessen.
Aufgrund der vorliegenden Akten kann es jedoch keinem vernünftigen Zweifel
unterliegen, dass sich zumindest die Ehefrau definitiv und unwiderruflich dazu
entschlossen hat, die eheliche Gemeinschaft nicht wieder aufzunehmen. Sie hielt
gegenüber dem Ausländeramt schriftlich fest, ihr Ehewille sei endgültig erloschen.
Dieselben Aeusserungen machte sie gegenüber der Familienrichterin. Eine Bekannte
der Ehefrau erklärte im Ehescheidungsverfahren als Zeugin unter Strafandrohung, der
Beschwerdeführer habe seine Ehefrau geschlagen. Wohl kehrte diese während des
Rekursverfahrens nochmals zum Beschwerdeführer zurück und lebte von Juli 2004 bis
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Februar 2005 mit ihm zusammen. Wie die Vorinstanz aber zutreffend festhält, kann
dieses Verhalten auch auf Druck des Beschwerdeführers zurückzuführen sein. Hinzu
kommt, dass die nochmals aufgenommene eheliche Gemeinschaft seit Februar 2005
wieder aufgelöst ist, weshalb mit der Vorinstanz davon auszugehen ist, dass der
Ehewille der Ehefrau spätestens seit der neuerlichen Trennung definitiv erloschen ist.
Eine Befragung der Ehefrau erscheint aufgrund ihrer klaren Aeusserungen im
Scheidungsverfahren und gegenüber dem Ausländeramt nicht geeignet, neue und
wesentliche Erkenntnisse zu liefern, zumal der Ehewille ohnehin eine innere Tatsache
ist, die einem strikten Beweis nicht zugänglich ist. Aussagen der direkt beteiligten
Eheleute führen in der Regel nicht zu einer weiteren Klärung der Sachlage, weshalb auf
objektive Anhaltspunkte abzustellen ist.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass Ausländeramt und Vorinstanz zu Recht davon
ausgegangen sind, der Beschwerdeführer berufe sich rechtsmissbräuchlich auf die Ehe
mit einer Schweizer Bürgerin.
c) Zu prüfen bleibt, ob die Behörde das ihr in Art. 4 ANAG eingeräumte Ermessen
pflichtgemäss wahrgenommen hat.
Das Verwaltungsgericht übt lediglich eine Rechtskontrolle aus (Art. 61 Abs. 1 und 2
VRP). Im Streitfall kann somit nur geprüft werden, ob die Verwaltung ihr Ermessen
überschritten oder missbraucht hat und damit rechtswidrig handelte, als sie die
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigerte (vgl. statt vieler GVP 1996 Nr. 9
und 1998 Nr. 71).
Nach der Praxis des Ausländeramts wird die Aufenthaltsbewilligung in gewissen Fällen
zwar auch nach der Auflösung der Ehe bzw. der ehelichen Gemeinschaft verlängert. Als
massgebend werden dabei nach den Weisungen des Bundesamts für Migration (Ziff.
654) unter anderem die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, insbesondere wenn
Kinder vorhanden sind, die berufliche Situation, die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage
sowie das Verhalten und der Integrationsgrad betrachtet. Zu berücksichtigen sind
ferner die Umstände, die zur Auflösung der Ehe geführt haben. Nach der ständigen
Praxis des Ausländeramts wird bei einer Dauer der ehelichen Gemeinschaft von fünf
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Jahren und mehr in der Regel eine Jahresaufenthaltsbewilligung nicht mehr widerrufen
(ABl 2001, S. 32).
Die eheliche Gemeinschaft dauerte gesamthaft weniger als zwei Jahre. Der
Beschwerdeführer hält sich zudem erst seit Juli 2001 und damit erst seit rund vier
Jahren in der Schweiz auf. Ausserdem blieb die Ehe kinderlos. Der Beschwerdeführer
ist als Hilfskoch tätig, weshalb auch im Lichte der Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage
keine Gründe bestehen, die eine Verlängerung der Bewilligung rechtfertigen. Unter
diesen Umständen ist es nicht als rechtswidrig zu bezeichnen, dass die
Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers nicht mehr verlängert wurde.
d) Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass die
Beschwerde als unbegründet abzuweisen ist.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).