# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 04c7b8c1-9a2b-42ae-a83e-551ab9341066
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 12
I. Sachverhalt
A. Am 21. November 2007 stellte X. einen schriftlichen Antrag auf Unterstützung bei der Vormundschaftsbehörde der Kreise Oberengadin/Bergell. Mit Beschluss vom 13. Dezember 2007 errichtete die Vormundschaftsbehörde eine Beistandschaft auf eigenes Begehren gemäss Art. 394 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210). Unter keinen Umständen wollte X. in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt werden.
Er trat am 18. Februar 2008 in die Klinik Waldhaus in Chur ein, weil er an einer allgemeinen psycho-physischen Erschöpfung litt. Am 15. August 2008 verliess X. die Klinik wieder. Seine Krankenkasse war nicht mehr bereit, die Kosten für ein Einzelzimmer zu übernehmen. Seither ist sein Aufenthaltsort unbekannt.
Da der Beistand anfangs 2008 die ungenügende Kooperation von X. bemängelte und für eine zweckmässige Aufgabenerfüllung eine andere vormundschaftliche Massnahme als notwendig erachtete, wurde der Klinik Waldhaus ein Gutachten in Auftrag gegeben. Es sollte Auskunft über die Urteils- und Handlungsfähigkeit von X. sowie über allenfalls empfohlene Massnahmen erteilen. Im Gutachten vom 5. September 2008 wurde eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert.
B. Mit Schreiben vom 7. November 2008 teilte Rechtsanwalt Andreas Howald der Vormundschaftsbehörde der Kreise Oberengadin/Bergell mit, dass die Schwester von X. ihn beauftragt habe, die Interessen ihres Bruders zu wahren. X. habe in dieses Vorgehen eingewilligt (act. 06.1/9) und am 17. Oktober 2008 eine Anwaltsvollmacht unterschrieben (vgl. act. 01.1/2).
C. Die Ehe zwischen X. und seiner Ehefrau wurde mit Urteil vom 24. November 2008 durch das Amtsgericht Sursee geschieden. X. wurde zu einer güterrechtlichen Ausgleichszahlung von Fr. 580'000.– an seine Ehefrau verpflichtet. Er verfügte offensichtlich über grosse Vermögenswerte. Sein Vorschlag betrug im September 2001 über Fr. 1'200'000.– (act. 06.1/10 S. 24 f.) und er war Eigentümer von sechs Liegenschaften in A., welche sein Eigengut darstellten (act. 06.1/10 S. 13).
D. Ende 2008 begann X., Vorwürfe gegen die Klinik Waldhaus und die Vormundschaftsbehörde der Kreise Oberengadin/Bergell zu erheben. Er reichte Beschwerden beim Bezirksgericht Maloja ein. Im Januar 2009 wurde das Verfahren betreffend Überprüfung der vormundschaftlichen Massnahme sistiert, weil X. ein zweites ärztliches Gutachten beibringen wollte. Rechtsanwalt Andreas
Seite 3 — 12
Howald verfasste zwischen Anfang 2009 bis Mitte 2009 mehrere Schreiben für ihn zuhanden der Vormundschaftsbehörde.
E. Gegen das Scheidungsurteil des Amtsgerichts Sursee vom 24. November 2008 erklärte X. Appellation beim Obergericht des Kantons Luzern. Aufgrund neuer Urkunden wurde ihm am 30. April 2009 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt und Rechtsanwalt Thomas Wüthrich, Luzern, als Rechtsbeistand bestellt (act. 06.1/27).
F. Mit ärztlichem Bericht vom 15. August 2009 teilte Dr. med. B. der Vormundschaftsbehörde mit, dass bei X. keine narzisstische Persönlichkeitsstörung, sondern das Chronische Müdigkeitssyndrom (CFS) vorliege.
G. Am 1. Oktober 2009 wendete sich Rechtsanwalt Thomas Wüthrich an die Vormundschaftsbehörde der Kreise Oberengadin/Bergell. Er schrieb, dass X. ihn mit der Interessenwahrung beauftragt habe, und ersuchte um Aufhebung der Beistandschaft (act. 06.1/28). Dem Schreiben lag eine Vollmacht von X. vom 29. September 2009 bei.
Am 23. Oktober 2009 stellte Rechtsanwalt Thomas Wüthrich bei der Vormundschaftsbehörde ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege. Er verwies dabei auf den Entscheid des Obergerichts des Kantons Luzern vom 30. April 2009, in welchem er als unentgeltlicher Rechtsbeistand bestellt worden war. Daraufhin teilte die Vormundschaftsbehörde ihm am 10. November 2009 mit, dass der Entscheid des Obergerichts des Kantons Luzern sie nicht davon entbinde, das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege eigenständig zu prüfen. Deshalb ersuche sie ihn, dieses in finanzieller Hinsicht (Bedürftigkeit des Gesuchsstellers) im Einzelnen zu begründen (act. 06.1/32). Mit Schreiben vom 7. Januar 2010 kam Rechtsanwalt Thomas Wüthrich dieser Aufforderung nach und reichte Urkunden betreffend die finanziellen Verhältnisse von X. ein (act. 06.1/34).
Rechtsanwalt Thomas Wüthrich ergänzte seinen Antrag auf Aufhebung der Beistandschaft mit Schreiben vom 1. Februar 2010. Er machte geltend, die Auffassung der Vormundschaftsbehörde treffe nicht zu, dass die Beistandschaft nicht aufgehoben werden könne, da ein Verfahren betreffend Errichtung einer anderen vormundschaftlichen Massnahme hängig sei. Ein solches Verfahren sei nie ordnungsgemäss eröffnet worden. Zudem weise das Gutachten der Klinik Waldhaus vom 5. September 2008 erhebliche Mängel auf und sei veraltet. X. sei in der Lage, selbst Hilfspersonen beizuziehen, wenn er Hilfe benötige. Eine
Seite 4 — 12
vormundschaftliche Massnahme sei deshalb nicht notwendig. Sie wäre auch gar nicht vollziehbar, weil X. nicht gewillt sei, mit einer Betreuungsperson der Amtsvormundschaft Oberengadin/Bergell zusammenzuarbeiten.
H. Mit Urteil vom 28. April 2010 erkannte das Obergericht des Kantons Luzern, dass sich die Appellation von X. im Güterrechtspunkt als unbegründet erweise und vollumfänglich abzuweisen sei. Das Gericht ging wie die Vorinstanz bis zum September 2001 von einem gemeinsamen ehelichen Vermögen von weit über einer Million Franken aus (vgl. act. 06.1/42).
I. Am 17. August 2010, mitgeteilt am 1. September 2010, erliess die Vormundschaftsbehörde der Kreise Oberengadin/Bergell folgenden Beschluss:
„1. Die für X. von der Vormundschaftsbehörde der Kreise Oberengadin und Bergell am 13./20. Dezember 2007 errichtete vormundschaftliche Massnahme, eine Beistandschaft auf eigenes Begehren gemäss Art. 394 ZGB, wird aufgehoben.
2. Der vom Beistand C., Amtsvormund, eingereichte Schlussbericht vom 12. August 2010 wird genehmigt.
3. Herr C. wird unter Vorbehalt der Geltendmachung der Verantwortlichkeit gemäss Art. 426 ff. ZGB und Art. 454/455 ZGB mit bestem Dank für die gelei[s]teten Dienste aus seinem Amt als Beistand entlassen und entlastet.
4. Die Gesuche um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung werden abgewiesen. Hiergegen steht die zivilrechtliche Beschwerde gemäss [Art.] 232 ZPO offen, welche innert 20 Tagen bei[m] Kantonsgericht Graubünden erhoben werden kann.
5. Für seine Bemühungen vom 20. Dezember 2007 bis zum 17. August 2010 wird der Beistand mit Fr. 4'500.– entschädigt. Der Betrag geht zulasten von X. und ist innert 30 Tagen seit Mitteilung dieses Beschlusses zuhanden der Amtsvormundschaft Oberengadin, 7503 Samedan, mittels beiliegenden Einzahlungsscheins zu begleichen.
6. Die Amtskosten der Vormundschaftsbehörde für dieselbe Periode betragen Fr. 1'400.– und die Gebühren Fr. 600.–. Hinzu kommen die Kosten für das Gutachten der Klinik Waldhaus/PDGR in Höhe von Fr. 1'930.00. Herr X. wird angewiesen, den zu seinen Lasten gehenden Gesamtbetrag von Fr. 3'930.00 innert 30 Tagen seit Mitteilung dieses Beschlusses der Vormundschaftsbehörde einzuzahlen.
7. (Mitteilung).“
Mit Schreiben vom 30. August 2010 reichte Rechtsanwalt Thomas Wüthrich eine Honorarnote über insgesamt Fr. 1'226.65 inkl. Mehrwehrsteuer für das Verfahren vor der Vormundschaftsbehörde ein.
Seite 5 — 12
J. Gegen den Beschluss der Vormundschaftsbehörde erhob X., vertreten durch Rechtsanwalt Andreas Howald, am 13. September 2010 Beschwerde beim Bezirksgerichtsausschuss Maloja. Er stellte folgende Rechtsbegehren:
„1. Die Ziffern 2, 3, 5 und 6 des Beschlusses der Vormundschaftsbehörde der Kreise Oberengadin/Bergell vom 17. August 2010/1. September 2010 seien aufzuheben.
2. Der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -“
Am gleichen Tag stellte er das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege für das Beschwerdeverfahren vor dem Bezirksgerichtsausschuss Maloja.
K. Weiter reichte Rechtsanwalt Andreas Howald am 22. September 2010 beim Kantonsgericht von Graubünden Beschwerde gegen die Abweisung des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ein. Er stellte folgende Anträge:
„1. Ziffer 4 des Beschlusses der Vormundschaftsbehörde der Kreise Oberengadin/Bergell vom 17. August 2010/1. September 2010 sei aufzuheben.
2. Dem Beschwerdeführer sei die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung, unter Beiordnung des Unterzeichneten als Rechtsbeistand, zu gewähren.
- unter Kosten- und Entschädigungsfolge -“
In der Begründung führte der Beschwerdeführer aus, einerseits bedürfe einer anwaltlichen Betreuung im vorliegenden Fall nicht bloss die Behandlung des Gesuches um Aufhebung der bestehenden Massnahme, sondern es sei eine umfassende Interessenwahrung angezeigt gewesen. Anderseits sei es unzulässig, sich bei der Beurteilung der Prozessbedürftigkeit auf blosse Mutmassungen und zusätzlich auf eine offensichtlich unrichtige Sachverhaltsdarstellung abzustützen. Zudem gelte bei einem Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege die Untersuchungsmaxime. Im vorliegenden Fall würde aus den Beilagen hervorgehen, dass die Prozessbedürftigkeit sowohl heute wie auch im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung vorliege bzw. vorgelegen habe.
L. In ihrer Stellungnahme vom 8. November 2010 beantragte die Vormundschaftsbehörde der Kreise Oberengadin/Bergell, dass die Beschwerde abzuweisen sei, soweit darauf eingetreten werden könne. Es werde bestritten, dass Rechtsanwalt Andreas Howald aktivlegitimiert sei, den Beschluss betreffend Rechtsverbeiständung überhaupt anfechten zu können. Zudem sei unklar, wo sich X. aufhalte, welche tatsächlichen Auslagen ihm entstehen und über welche
Seite 6 — 12
Vermögenswerte er verfüge. Die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im obergerichtlichen Scheidungsverfahren könne jedenfalls nicht als Präjudiz gelten, das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege auch im vormundschaftlichen Verfahren gutzuheissen. Diese Vernehmlassung wurde dem Beschwerdeführer mit dem Hinweis zugestellt, ein weiterer Schriftenwechsel sei nicht vorgesehen.
M. Am 16. November 2010 reichte Rechtsanwalt Andreas Howald unaufgefordert eine Stellungnahme ein, worin er darlegte, dass es einer Partei jederzeit freistehe, in einem laufenden Verfahren ihre anwaltliche Verbeiständung zu wechseln. Zur Legitimation des Rechtsvertreters bedürfe es lediglich einer Vollmacht. Zudem begründete er seine Auffassung, warum eine anwaltliche Vertretung im vorliegenden Fall notwendig gewesen sei. Weil dieses Schreiben ohne Rücksprache mit seinem Klienten erfolgte, nahm er am 19. November 2010 eine Ergänzung der Eingabe vor, nachdem er Kontakt mit dem Beschwerdeführer aufgenommen hatte. Er wies nochmals darauf hin, dass es in Anbetracht der drohenden Rechtsnachteile, insbesondere angesichts des drohenden Entzugs der Handlungsfähigkeit, dem Beschwerdeführer nicht zuzumuten gewesen sei, als juristischer Laie seine Rechte ohne anwaltliche Verbeiständung selbständig zu wahren.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften sowie im angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1.a) Unentgeltliche Rechtspflege, verstanden als Oberbegriff, kann zwei Wirkungen besitzen, nämlich einerseits die Befreiung von der Bezahlung von Gerichtskosten sowie andererseits die Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters. Beim vorliegenden Anfechtungsobjekt handelt es sich um einen Beschluss der Vormundschaftsbehörde. Für die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege im vormundschaftlichen Verfahren finden sich die Rechtsgrundlagen in den Art. 46, 58 und 63 des Einführungsgesetztes zum Schweizerischen Zivilgesetzbuch (EGzZGB; BR 210.100). Nach Art. 58 Abs. 2 EGzZGB richten sich die Voraussetzungen, Bestellung und Kostenfolge des unentgeltlichen Rechtsbeistandes nach den Bestimmungen der Zivilprozessordnung des Kantons Graubünden (ZPO; BR 320.000). Dies gilt für die Verfahren vor allen Instanzen (Art. 58 Abs. 4 EGzZGB). Bezüglich der amtlichen Kosten enthält das
Seite 7 — 12
Vormundschaftsrecht eine autonome Regelung, weshalb diesbezüglich das zivilprozessuale Verfahren nicht zur Anwendung gelangt. Im Falle der Bedürftigkeit können die Verfahrenskosten erlassen werden (Art. 46 Abs. 2 Satz 1 und Art. 63 Abs. 3 EGzZGB). Das Rechtsmittel gegen den erst mit dem Endentscheid zu fällenden Kostenentscheid ist das gleiche wie gegen den Entscheid in der Hauptsache. Deshalb muss bezüglich der Überbindung der amtlichen Kosten Beschwerde an den Bezirksgerichtsausschuss Maloja geführt werden (vgl. Art. 61 EGzZGB; zum Ganzen PKG 2002 Nr. 16 E. 1 S. 137 f.). Mit Beschwerde vom 13. September 2010 hat X. auch den Kostenentscheid der Vormundschaftsbehörde beim Bezirksgerichtsausschuss Maloja angefochten. Er hat aber nicht gerügt, dass die Voraussetzungen für den Kostenerlass gemäss Art. 46 Abs. 2 Satz 1 EGzZGB vorgelegen hätten.

## Considerations