# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3ef55819-bad8-4ecb-958b-f724af940771
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1970, Inhaber
des Einzelunternehmens
Y._
, war
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
bis zum 3
1.
Mai 2021
als
Selbständigerwerbender
anges
chlossen (vgl. www.zefix.ch und
Urk.
7/126).
Am 1
6.
September 2020
(Eingangsdatum)
meldete sich
der
Versicherte
bei der Ausgleichskasse zum Bezug einer Erwerbsausfallentschädigung
(Betriebs
schliessung)
gestützt auf die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusam
menhang mit dem
Coronavirus
(
Covid
-19-Verordn
ung Erwerbsausfall) an (Urk. 7/45).
Mit Schreiben vom 1
4.
Oktober 2020 teilte die Ausgleichskasse de
m Versicherten mit, dass er
aus dem Zeitraum
von
2015 bis 2019 noch persönliche Beiträge in der Höhe von insgesamt
Fr.
21'237.45 schulde (
Urk.
7/64). Nachdem
der Versi
cherte
ein Ratenzahlungsgesuch gestellt hatte
(
Urk.
7/65)
, erklärte die Aus
gleichs
kas
se am
5.
November 2020, dass
für die Jahre 2015 und 2016 Ratenzah
lungen à monatlich
Fr.
400.-- gewä
hrt werden könnten (
Urk.
7/68
).
Mit
Abrechnung vom 1
8.
November 2020 teilte die A
usgleichskasse
mit, dass der Versicherte
in der Periode vom 1
9.
März bis zum 1
6.
September 2020
infolge
Härtefalls
Anspruch auf
Corona-
Erwerbsersatzentschädigung bei einem Tages
ansatz von
Fr.
32.80 habe (
Urk.
7/73).
Daraufhin
meldete sich der V
ersiche
rte für die Zeit ab dem 1
7.
September
2020
zum Bezug einer Corona-Erwerbsersatzent
schädigung an (
Urk.
7/
81-82,
Urk.
7/88
,
Urk.
7/93
,
Urk.
7/98
,
Urk.
7/106
und
Urk.
7/122-123
).
Mit Eingabe vom
8.
Januar 2021 beantragte der Versicherte eine Neuberechnung des Tagesansatzes (
Urk.
7/79).
Mit
Abrechnung
en
vom
1.
F
eb
ruar, 2
4.
respektive 3
0.
März 2021
hielt
die Ausgleichskasse
fest
, dass
in der Periode vom
1
7.
September bis zum 31.
Dezember 2020 Anspruch auf
eine
Erwerbs
ersatzentsc
hädigung bei einem Tagesansatz
von
Fr.
32.
80,
in der Period
e vom
1.
bis zum 3
1.
Januar 2021
bei einem Tagesansatz
von
Fr.
80.80
und
in der Periode vom
1.
bis zum 2
8.
Februar 2021
bei einem Tagesansatz
von
Fr.
32.80
bestehe
(
Urk.
7/90,
Urk.
7/100 und
Urk.
7/104)
.
Mit
Eingabe vom
1
0.
Februar
2021 be
antragte der Versicherte erneut
eine Neuberechnung d
es Tagesansatzes (
Urk.
7/94). Mit Eingabe vom
2
9.
März 2021
erneuerte er dieses Gesuch und bean
tragte
statt einer Barauszahlung die Verrechnung mit den offenen AHV-Beiträgen
(
Urk.
7/105)
. Mit Eingabe v
om 7
.
April 2021 (Eingangsdatum)
zeigte
Rechtsanwalt
Dr.
Albrec
ht Metzger der Ausgleichskasse
an
,
dass er den Versi
cherten betreffend Corona-Erwerbsersatzentschädigung vertrete
(
Urk.
7/107
/1-2
)
; d
ie
s
unter Beilage einer
entsprechenden
Vollmacht (
Urk.
7/108).
Rechtsanwalt
Dr.
Metzger
ersuchte
u
m
Zustellung der Akten mi
t den Berechnungsgr
un
dlagen. Zudem beantragte er
die
Neuberechnung der Erwerbsersatzentschädigung
und
deren
Verrec
hnung
mit den offenen AHV-
Beiträgen.
Mit Abrechnung vom
8.
April 2021 teilte die Ausgleichskasse mit, dass der Versicherte in der Periode vom
1.
bis zum 3
1.
März 2021 Anspruch auf
eine
Erwerbsersatzentsc
hädigung bei einem Tagesansatz
von
Fr.
32.80 habe (
Urk.
7/109).
Mit Eingabe vom
7.
Mai 2021 verlangte Rechtsanwalt
Dr.
Metzger erneut Akteneinsicht (
Urk.
7/114).
Mit
E-Mail vom 1
0.
Mai 2021 teilte
er
der Ausgleichskasse
mit
, dass der Versicherte die
selbständige Erwerbstätigkeit per 1
0.
Mai 2021 aufgegeben habe (
Urk.
7/115).
Mit Schreiben vom
1.
Juni 2021
erläuterte die Ausgleichskasse, wie sie die
Corona
Erwerbsersatz
entschädigung
berechnet hatte
(
Urk.
7/119).
Hierzu liess sich
Rechtsanwalt
Dr.
Metzger
mit Eingabe vom
4.
Juni 2021 vernehmen und verlangte
eine
Wiedererwägung der Höhe der Entschädigungen sowie eventuell den Erlass anfechtbarer
Verfügungen
(
Urk.
7/124). Mit Schreiben vom
8.
Juni 2021 teilte die Ausgleichskasse
mit, dass das
Abrechnungskonto
des Versicherten
per 3
1.
Mai 2021 aufgehoben werde (
Urk.
7/126).
Mit E-Mail vom
8.
Juni 2021
erklärte
sie
, dass
Rechtsanwalt
Dr.
Metzger
lediglich eine Vollmacht betreffend Erwerbsersatzentschädigung, aber keine generelle Vollmacht eingereicht habe. Damit
ihm
alle Abt
eilungen der Ausgleichskasse
Auskunft erteilen könnten, sei eine solche erforderlich (
Urk.
7/128
/2
).
Mit E-Mail vom
9.
Juni
2021 reichte
Rechtsanwalt
Dr.
Metzger
eine entsprechende Vollmacht ein (
Urk.
7/128/1 und
Urk.
7/129). Mit Rückforderungsverfügung vom 2
9.
Juni 2021 forderte die Aus
gleichskasse vom Versicherten
für die Periode
vom
1.
b
is
zum
3
1.
Januar 2021 Erwerbsersatzentschädigung von
Fr.
1'409.15 zurück (
Urk.
7/130).
Mit Abrech
nung vom 2
9.
Juni 2021 teilte
sie
mit, dass
er
in der Periode
vom
1.
April bis
zum
3
1.
Mai 2021 Anspruch auf Erwerbsersatzentschädigung bei einem Tages
ansatz von
Fr.
32.80 habe (
Urk.
7/131). Gegen die Rückforderungsverfügung vom
2
9.
Juni
2021 erhob
der Versicherte
am
9.
Jul
i 2021 Einsprache (
Urk.
7/138), welche die Ausgleichskasse m
it Entscheid vom 18.
August 2021
abwies
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
0.
September 2021 Beschwerde mit folgen
den Anträgen (
Urk.
1 S. 2):
1.
Die Beschwerdegegnerin sei anzuweisen, dem Gericht und dem Rechtsvertreter
umgehend die vollständigen, relevanten Akten zur Einsicht zukommen zu lassen
und es sei dem Beschwerdeführer die Möglichkeit einzuräumen, die vorliegende
Beschwerde nach ermöglichter Akteneinsicht innert 30 Tagen zu ergänzen oder zu
berichtigen.
2.
Dem
Beschwerdeführer
sei die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
3.
Der Einspracheentscheid sei aufzuheben; eventuell sei die Sache an die Vorinstanz
zurückzuweisen zum materiellen Entscheid über den Härtefall bezüglich
der
Rück
zahlung.
4.
Es sei festzustellen, dass die Beschwerdegegnerin sich mehrerer krasser
Rechts
verzögerungen und Rechtsverweigerungen schuldig machte und demgemäss
sei sie
anzuweisen, auf die Anträge des
Beschwerdeführers
gemäss den Eingaben
vom
4.
Juni und
9.
Juli 2021 einzutreten und die Abrechnungen vom 1
9.
März
2020
bis 3
1.
Mai 2
021 zu rektifizieren und zum Tagesansatz von
Fr.
80.80 abzurechnen
oder für alle Abrechnungsperioden anfechtbare Verfügungen zu erlassen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin.
Mit Verfügung vom 2
2.
September 2021 hielt das Gericht fest, dass die Beschwerde den Anforderungen von
§
18
Abs.
2 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht (GSVGer) genüge. Es bestehe daher kein Anlass, eine Nach
frist im Sinne von
§
18
Abs.
3 GSVGer zu gewähren. Der Beschwerdeführer könne sich aber im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels noch einmal äussern. I
m Weiteren sei in Bezug auf dessen
Gesuch um Gewährung der unent
gelt
lichen Prozessführung darauf hinzuweisen, dass das vorliegende Beschwer
dever
fahren kostenlos sei
. Gleichzeitig wurde der Beschwerdegegnerin Frist zur Erstat
tung der Beschwerdeantwort gesetzt
(
Urk.
5).
Die Beschwerdegegnerin bean
tragte mit Beschwerdeantwort vom
6.
Oktober 2021 die Abweis
ung der Beschwerde (
Urk.
6). Mit
Replik vom
8.
November 2021 hielt der Beschwerde
führer an seinen Anträgen fest (
Urk.
9).
Die Beschwerdegegnerin teilte am 1
3.
Dezember 2021 mit, dass sie auf das Einreichen einer Duplik verzichte (
Urk.
12). Dies wurde dem Beschwerdeführer am 1
4.
Dezember 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Beschwerdeführer machte in der Beschwerde geltend,
dass
sich
die Beschwer
degegnerin
wiederholt der
Rechtsverzögerung
und
–
verweigerung
bedient
habe. Das Gericht sei aufgerufen und gebeten, diesem systematischen Vorgehen ein Ende zu setzen und die Vorinstanz anzuweisen, auf alle
vom Beschwerdeführer
und dessen Rechtsvert
reter in den Eingaben gestellten Anträge
einzugehen und
diese materiell zu behandeln. Dies betreffe speziell die Ausstellung anfechtbarer Verfügungen für die einzelnen Abrechnungsperioden. Im Weiteren sei
dem Beschwerdeführer
bislang jegliche Akteneinsicht verweigert worden
(
Urk.
1 S.
14).
Diese Einwände gegen das vorinstanzliche Verfahren sind vorab zu prüfen.
1.2
1.2.1
Als Minimalanforderung an ein rechtsstaatliches Verfahren gewährleistet Art. 29 Abs. 1 der Bundesverfassung (BV) den Erlass eines Entscheides innerhalb einer angemessenen Frist (BGE 144 II 486 E. 3.2). Eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 BV – sowie gegebenenfalls von Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; BGE 130 I 174 mit Hinweisen) – liegt nach der Rechtsprechung unter anderem dann vor, wenn eine Gerichts- oder Verwaltungsbehörde ein Gesuch, dessen Erledigung in ihre Kompetenz fällt, nicht an die Hand nimmt und behandelt. Ein solches Verhalten einer Behörde, welche pflichtwidrig völlig untätig bleibt oder auf eine ihr frist- und formgerecht unter
breitete Sache nicht eintritt, obschon sie darüber befinden müsste, wird in der Rechtsprechung als formelle Rechtsverweigerung bezeichnet (vgl. BGE 135 I 6 E. 2.1, 134 I 229 E. 2.3, 133 V 188 E. 3.2; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts
2C_526
/2020 vom 20. Oktober 2020 E. 3.6.2). Art. 29 Abs. 1 BV ist aber auch verletzt, wenn die zuständige Behörde sich zwar bereit zeigt, einen Entscheid zu treffen, diesen aber nicht binnen der Frist fasst, welche nach der Natur der Sache und nach der Gesamtheit der übrigen Umstände als angemessen erscheint (Rechts
verzögerung); die Angemessenheit der Dauer bestimmt sich nicht absolut.
Sie ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der gesamten Umstände einer Ange
legenheit wie der Art, Bedeutung und des Umfangs des Verfahrens, der Schwie
rigkeit der Materie, des Verhaltens der Beteiligten, der Bedeutung für die Betroffe
nen sowie der für die Sache spezifischen Entscheidungsabläufe zu prüfen
(vgl.
BGE 144 II 486 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts
9C_315
/2018 vom 5. März 2019 E. 3.2.1). Für die Rechtsuchenden ist es unerheblich, auf welche Gründe –
beispielsweise auf ein Fehlverhalten der Behörde oder auf andere Umstände – die Rechtsverweigerung oder Rechtsverzögerung zurückzuführen ist; entschei
dend ist ausschliesslich, dass die Behörde nicht oder nicht fristgerecht handelt.
Bei der Feststellung einer übermässigen Verfahrensdauer ist daher zu prüfen, ob sich die Umstände, die zur Verlängerung des Verfahrens geführt haben, objektiv recht
fertigen lassen
(vgl. BGE 144 II 486 E. 3.2; Urteil des Bundesgerichts
9C_315
/2018 vom 5. März 2019 E. 3.2.1).
1.2.2
In der Gerichtspraxis wurde
eine Untätigkeit des Versicherungsträgers während neun beziehungsweise zwölf Monaten
im Rahmen der Abklärungen
als rechts
verzögernd betrachtet (
Kieser
, ATSG
-Kommentar, 4. Auflage
, 2020, N 35
zu Art. 56 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
). Hingegen
verneinte das
Sozial
versicherungsgericht
eine Rechtsverzögerung etwa dort, wo die IV-Stelle bei ihren Abklärungen während weniger als zwei beziehungsweise während maximal sechseinhalb Monaten untätig blieb (Urteile des Sozialversicherungsgerichts
IV.2014.00454
vom 22. August 2014 E. 3.3 und
IV.2012.01124
vom 28. Januar 2013 E. 2.3).
1.2.3
Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Gehörs von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen).
1.3
1.3.1
Fest steht, dass die Beschwerdegegnerin
nach der
Anmeldung des Beschwerde
führers zum Bezug einer Erwerbsersa
tzentschädigung am
16.
September 2020
(Eingangsdatum)
ab dem 1
8.
November 2020
diesbezüglich
– für sämtliche bean
tragten Monate
–
Abrechnungen erliess.
Zur vom Beschwerdeführer
am
8.
Januar 2021
erstmals verlangten
Neuberechnung des Tagesansatzes
nahm
die Beschwer
de
gegnerin mit Schreiben vom
1.
Juni 2021 Stellung.
Seinem
Gesuch
vom
4.
Juni 2021, es seien anfechtbare Verfügungen betreffen
d die Zeit vom 1
9.
März
2020
bis zum
bis zum 3
1.
März 2021
zu erlassen
(
Urk.
7/124/2)
, kam die Beschwer
de
gegnerin ausweislich der Akten bis zum Erlass des angefochtenen E
inspracheent
scheids vom 1
8.
August 2021
nur hinsichtlich des Monats Januar 2021 (aufgrund der Rückforderung) nach
.
Im Lichte der
Rechtsprechung
, welche an das Vorliegen einer Rechtsverzögerung relativ hohe Hürden stellt – vorausge
setzt wird regel
mässig ein
Untätigbleiben
d
es Versicherungsträgers
während mehr als
einem halben Jahr
(vgl. E. 1.2.2)
–
ist
eine solche hier
nicht gegeben.
Insoweit ist die Beschwerde abzuweisen.
1.3.2
Der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin dem Rechtsvertreter
des Beschwer
deführers
seit
dem
7.
April 2021, als dieser erstmals ein
Akte
neinsichtsgesuch
betreffend
Corona-
Erwerbsausfallents
chädigung stellte (
Urk.
7/107/1-2
)
,
bis zum
Zeitpunkt,
als
er die
Beschwerdeschrift vom 20.
September 2021
einreichte
(
Urk.
1)
,
die Verfahrensakten
nicht zustellte
, stellt
eine schwerwiegende Verlet
zung des rechtlichen Gehörs dar. Da
sich der
B
eschwerdeführer
im Rahmen des vorliegenden Beschwerdeverfahrens
vor dem Sozialversicherungsgericht,
dem
umfas
sende Kognition
zukommt
, nach Einsicht in die vollständigen Verfahrens
akten
mit Replik vom
8.
November 2021
äussern konnte
(
Urk.
9)
und eine Rück
weisung der (spruchreifen) Sache zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, kann indes von einer Rückweisung an die Verwaltung abgesehen werden.
2.
2.1
Nach Art. 185 Abs. 3
BV
kann der Bundesrat Verordnungen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohenden schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf maximal sechs Monate; vgl. Art.
7d
Abs. 2 lit. a des Regierungs- und Verwaltungsorganisationsgesetzes,
RVOG
).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat
–
nebst anderen Ver
ordnungen im Zusammenhang mit der
Covid
-19-Pandemie, die sich teilweise auch auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen
–
am 20. März 2020 die
Covid
-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall. Die
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall wurde rück
wirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt
(Art. 11 Abs. 1
). Seit Inkrafttreten hat die Verord
nung mehrfach
Änderung
en
erfahren und gilt
nunmehr
bis zum 3
1.
Dezember 2022 (Art. 11 Abs. 7). Mit dem
Covid
-19-Gesetz vom 25. Septem
ber 2020 wurde rückwirkend per 17. September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die
Covid
-19-Verordnung
Erwerbsaus
f
all
geschaffen (Art. 15 in Verbindung mit Art. 21 Abs. 3
Covid
-19-Gesetz).
2.2
I
n zeitlicher Hinsicht sind grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei der Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 130 V 445 E. 1.2.1). Weiter stellt das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles grundsätzlich auf den bis zum Zeitpunkt des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens eingetretenen Sachverhalt ab (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E.
1b
).
Vorliegend streitig ist die Höhe des
Anspruch
s
des Beschwerdeführers auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung im Monat Januar
202
1.
Entsprechend sind die in diesem Monat gültigen Bestimmungen anwendbar.
2.3
Laut Art. 1 der
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassun
gen) sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts (ATSG) auf die Entschädigungen gemäss dieser Ver
ord
nung anwendbar, soweit die nachstehenden Bestimmungen nicht ausdrück
lich
eine Abweichung vom ATSG vorsehen. Nach Art. 8 Abs. 5 der
Covid
-19-Ver
ord
nung Erwerbsausfall (gemäss sämtlichen Fassungen) wird die Entschä
digung im formlosen Verfahren nach Artikel 51 ATSG festgesetzt. Dies gilt in Abwei
chung von Artikel 49 Absatz 1 ATSG auch für erhebliche Entschädigungen.
2.4
Gemäss Art. 2 Abs.
3
bis
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall
(Stand: 19.
Dezem
ber 2020)
sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 ATSG, die nicht zur
Schliessung des Betriebs verpflichtet oder direkt vom Veranstaltungsverbot betrof
fen waren, anspruchsberechtigt wenn:
a.
ihre Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen
zur Bekämpfung der
Covid
-19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist;
b.
sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall erleiden; und
c.
sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbseinkommen
von mindestens Fr. 10'000.-- erzielt haben; diese Voraussetzung gilt
sinn
gemäss, wenn die Tätigkeit nach dem Jahr 2019 aufgenommen wurde;
wurde die Tätigkeit nicht während eines vollen Jahres ausgeübt, so gilt diese
Voraussetzung proportional zu deren Dauer.
Die Erwerbstätigkeit gilt gemäss Art. 2 Abs.
3
ter
Satz 1
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall
(in der vom 19. Dezember 2020 bis
zum
31. März 2021 geltenden Fassung)
als massgeblich eingeschränkt, wenn pro Monat eine Umsatzeinbusse von min
destens 40
Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen monatlichen Umsatz der Jahre 2015–2019 vorliegt
.
2.
5
2.
5
.1
Gemäss Art. 5
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall (in der rückwirkend seit 17. März 2020 geltenden Fassung) beträgt das Taggeld 80 Prozent des durch
schnittlichen Erwerbseinkommens, das vor Beginn des Anspruchs auf die Ent
schädigung erzielt wurde (Abs. 1). Für die Ermittlung des Einkommens
ist
Art. 11 Abs. 1 des Erwerbsersatzgesetzes (
EOG
) sinngemäss anwendbar (Abs. 2).
Mit der
Änderung vo
m
19. Juni 2020
wurde rückwirkend auf den 17. März 2020 ein zweiter Satz eingefügt
(in Kraft bis 16. September 2020)
: Nach der Festlegung
der Entschädigung kann eine Neuberechnung der Entschä
digung nur vorgenom
men werden, w
enn eine aktuellere Steuerveran
lagung bis zum 16. September 202
0 der anspruchsberechtigten Per
son zugestellt wird und diese den Antrag zur Neuberechnung bis zu diesem Datum einreicht.
Nach dem rückwirkend auf den 17. September 2020 eingefügten Abs.
2
bis
von Art. 5
Covid
-19-Verordnung Erwerbs
ausfall
bleibt
f
ür
a
nspruchsberechtige
Selbständigerwerbende
(nament
lich nach Art. 2 Abs.
3
bis
)
,
die bereits eine Entschädigung gemäss der bis zum 16.
September 2020 geltenden Version der
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall bezogen haben, die Berechnungsgrundlage die gleiche
.
2.
5
.2
Nach Art. 11 Abs. 1
EOG
bildet Grundlage für die Ermittlung des durch
schnitt
lichen vordienstlichen Erwerbseinkommens das Einkommen, von dem die Bei
träge nach dem Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(
AHVG
) erhoben werden. Der Bundesrat erlässt Vorschriften über die Bemessung der Entschädigung und lässt durch das Bundesamt für Sozialversicherungen
(
BSV
) ver
bindliche Tabellen mit aufgerundeten Beträgen aufstellen.
Gestützt auf Art. 7 Abs. 1 der Erwerbsersatzverordnung (
EOV
, in der bis 30. Juni 2021 gültig gewesenen Version) wird bei
Selbstän
digerwerbenden
die Entschä
di
gung auf Grund des auf den Tag umgerechneten Erwerbseinkommens berechnet, das für den letzten vor dem Ein
rücken verfügten AHV-Beitrag massgebend war. Wird für das Jahr der Dienst
leistung später ein anderer AHV-Beitrag verfügt, so kann die Neuberechnung der Entschädigung verlangt werden.
2.6
Laut
Rz. 1065 des
Kreisschreiben
s
über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
-
Corona-Erwerbsersatz (
KS
CE
; Stand: 18. Dezem
ber 2020
)
bildet grundsätzlich das Erwerbseinkommen, welches im Jahr 2019 erzielt wurde
, Grundlage für die Bemessung der Entschädigung für selbstständig Erwerbende
. Als Basis ist das Einkommen zu verwenden, welches für die Festset
zung der Beitragsrechnungen für das Jahr 2019 (
Akontorechnungen
) herange
zogen wurde. Liegt im Zeitpunkt der Festsetzung der Entschädigung die definitive Steuerveranlagung für das Jahr 2019 bereits vor, ist auf diese abzustellen. Für
Anspruchsberechtig
te,
die bereits eine Entsc
hädigung gemäss der bis zum 16.
September 2020 geltenden Version der
Covid
-19-Verordnung Erwerbsausfall bezogen haben, bleibt die B
erechnungsgrundlage die gleiche
.
Die vom
BSV
herausgegebenen Tabellen zur Ermittlung der EO-Entschädigung (
318.116) gelten auch für diese Entschädigung (Rz. 1061
KS
CE
).
Sobald die Höhe der Entschädigung festgesetzt wurde, kann sie nicht auf der
Grundlage einer aktuelleren Berechnungsgrundlage neu berechnet werden (
Rz. 1068
KS
CE
, Stand: 1
8.
Dezember 2020).
2.
7
Mit
Urteil
9C_53
/2021 vom 30. Juni 2021, publiziert in
BGE 147 V 278
,
hat
das Bundesgericht
– unter Hinweis auf die zu den Art. 11 Abs. 1
EOG
und Art. 7 Abs. 1
EOV
ergangene Recht
spre
chung – entschieden, dass die Ausgleichskasse bei der erstmaligen Prüfung eines Anspruchs
gemäss
Art.
2
Abs.
3
bis
Covid
-19-Ver
ordnung Erwerbsausfall
(
in der vom 2
3.
April bis
5. Juli 2020 geltenden Fassung) auf die im Verfügungszeit
punkt aktuellste ihr vorliegende Beitragsver
fügung für das Jahr 2019 abzustellen hat. Dabei kann es sich um die definitive Beitragsverfügung oder eine (auch nach dem 17. März 2020 bis zur erstmaligen Verfügung über den Corona-Erwerbsersatz ergangene)
Akontobeitragsverfügung
handeln. Bei Bestehen eines Missbrauchs
verdachts liege es an der Ausgleichs
kasse, die ver
sicherte Per
son aufzufordern, das von ihr gemeldete Einkommen näher zu plausibilisieren (BGE 147 V 278 E. 5.2 bis E. 5.4).
2.
8
Verwaltungsweisungen, wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben, richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Kon
kre
tisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestre
ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwen
dung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
2.
9
Unrechtmässig bezogene Leistungen sind zurückzu
erstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt (
Art.
25
Abs.
1 ATSG).
Zu Unrecht bezogene Geldleistungen, die auf einer formell rechtskräftigen Ver
fügung beruh
en, können
unabhängig davon, ob die zur Rückforderung Anlass gebenden Leistungen förmlich oder formlos verfügt worden sind, nur zurückge
fordert werden, wenn entweder die für die Wiedererwägung (wegen zweifelloser Unrichtigkeit und erheblicher Bedeutung der Berichtigung [
Art.
53
Abs.
2 ATSG]) oder die für die prozessuale Revision (wegen vorbestandener neuer Tatsachen oder Beweismittel [
Art.
53
Abs.
1 ATSG]) bestehenden Voraussetzungen erfüllt sind (BGE 130 V 318 E. 5.2, 129 V 110 E. 1.1). Gemäss der bundesgerichtlichen Recht
sprechung kann die Verwaltung allerdings während eines Zeitraumes, welcher der Rechtsmittelfrist bei formellen Verfügungen entspricht, vorausset
zungslos, das heisst ohne Rechtstitel, auf ihren Entscheid zurückkommen (BGE 129 V 110 E. 1.2).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete
die geltend gemachte Rückforderung
damit,
dass die Berechnung der Corona-Erwerbsersatzentschädigung normalerweise auf der Basis des provisorischen Jahreseinkommens 2019 beruhe. Gemäss der Ver
ordnungsbestimmung, welche am Anfang der Pandemie in Kraft gewesen sei, habe als Berechnungsgrundlage alternativ das letzte definitive Jahreseinkommen verwendet werden können, falls dieses höher gewesen sei. Da das letzte definitive Jahreseinkommen
von
2016 von
Fr.
14'600.-- höher als das provisorische Ein
kommen von 2019 sei, sei dieses als Basis für die Entschädigung verwendet worden.
Im September 2020 habe der Be
schwerdeführer für das Jahr 2019
ein höheres Jahreseinkommen gemeldet. Abgesehen davon, dass eine nachträgliche Anpassung des Erwerbseinkommens nicht mehr möglich sei, sobald die Höhe der Entschädigung festgesetzt worden sei, hätten Anpassungen, welche nach März 2020 getätigt würden, keinen Einfluss auf die Höhe der En
tschädigung. F
ür den Monat Januar 2021 sei fälschlicherweise
eine zu hohe Entschädigung ausbezahlt worden
. Der
überschüssig bezahlte Betrag werd
e deshalb zurückgefordert (Urk.
7/119 und
Urk.
2).
3.2
Der Beschwerdeführer machte
in der Beschwerde
geltend, dass
seine Spezialität der Taxi- und
Limous
ine
ndienst
vom Gebiet Pfannenstiel/Goldküste zum Flug
hafen Zürich und zurück gewesen sei. Corona habe seine Firma nach dem Lock
down zerstört.
Dass das definitive Einkommen von 2016 höher als das provi
sorische von 2019
sei
, sei falsch und aktenwidrig.
Sein für den Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung massgebendes beitragspflichtiges Einkom
men für das Jahr 2019
habe
Fr.
3
6'100.-- betragen. Dies hätte mindestens zu einem Tagesansatz von
Fr.
80.80 geführt.
Dass der Beschwerdeführer
das provi
sorische Einkommen 2019
im September 2020
nachträglich erhöht habe, werde bestritten. Hinzu komme, dass die Beschwerdegegnerin
erst am
18.
No
vember 2020 über den
Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung entschieden habe.
Damals hätten ihr mit Sicherheit alle
relevanten
Daten über die bisherig
en Einkommen
vorgelegen.
Im Weiteren
sei die Beschwerdegegnerin auf den
Even
tualantrag
, wonach
ihm
wegen grosser Härte
die
Rückerstattung
zu erlassen sei
,
widerrechtlich
nicht
eingetreten
(
Urk.
1 S. 4 ff.
).
In der Replik brachte
der Beschwerdeführer
vor
, dass
er sei
t 2007 ausschliesslich als
Chauffeur
für die Firma
Y._
gearbeitet habe. Bis zur
Scheidung
habe diese Firma
auf den Namen seiner Ehefrau und ab 2016 auf seinen
eigenen
Namen
gelautet
.
Seit
2007
sei er
selbständige
r
werbend
gewesen.
Der Entscheid der Suva, wonach er als
unselbständigerwerbend
zu gelten habe,
sei haltlos und habe auf einer
elementaren Verletzung der Offizialmaxime
gegrün
det.
Unter Beachtung
von
Art.
2 ZGB und
Art.
27 ATSG
sei es bedrückend, dass es der
Beschwerdegegnerin oder der Suva
nicht
aufgefallen sei, dass der B
eschwerdeführer
nicht verstanden habe, was man von ihm gewollt habe
. Es wäre angezeigt gewesen, dass ihm dies im
Rahmen einer
persönlichen Bespre
chung
erklärt worden wäre
.
Der Beschwerdeführer habe
seine Steuerpflicht erfüllt und nicht erkennen können, weshalb die Beschwerdegegnerin erst im August 2020 d
arauf gekommen sei, dass er
doch
selbständigerwerbend
sei.
Wie
die Beschwerdegegnerin für das Jahr 2016
auf ein beitragspflichtiges
Einkommen von
Fr.
14'600.-- komme, sei
unklar und unbelegt.
Im Weiteren übersehe die Beschwerdegegnerin, dass
KS
CE
Rz. 1068 inzwischen gestrichen
worden sei.
Der Gesetzgeber sei somit der Meinung
, dass frühere falsche Abrechnungen korri
gierbar seien.
Bei der Beschwerdegegnerin bestehe entweder ein systemischer Mangel oder gewisse Beamte hätten sich negativ auf den Beschwerdeführer «kon
zentriert».
Dies zeige sich auch daran
, dass
zwei
Schreiben an die Adresse seiner Ex-E
hefrau geschickt worden seien
, an welcher
der Beschwerdeführer noch nie gewohnt habe; dies zu einem Zeitpunkt, als er längst anwaltlich vertreten gewe
sen sei. Hierbei handle es sich zumindest um eine fahrlässige Verletzung des A
mtsgeheimnisses (
Urk.
9
S. 2 ff.
).
4.
4.1
Aktenkundig ist,
dass
der Beschwerdeführer der
Beschwerdegegnerin bis zum 31.
Dezember 2014 als
Selbständigerwerbender
angeschlossen war (
Urk.
7/31).
Am
8.
Januar 2017 meldete er
sich
bei der Beschwerdegegnerin
mit der Einzel
firma
Y._
erneut
als
Selbständigerwerbender
an
(
Urk.
7/1).
Daraufhin teilte
die Beschwerdegeg
nerin
ihm
mit Schreiben vom 31.
Januar 2017 mit, dass er gemäss seiner Anmeldung in einer Branche tätig sei, die der Suva unterstellt sei. Zur Prüfung seiner sozialversicherungsrechtlichen Stellung seien die Unterlagen an die
Suva Z._
weitergeleitet worden
(Urk.
7/2). Mit S
chreiben vom 2
4.
Mai 2017 erklärte die Suva, dass der Beschwer
deführer den Mitwirkungspflichten bei der Abklärung des sozialversicherungs
rechtlichen Status hinsichtlich seiner Tätigkeit als Taxifahrer trotz mehrmaliger Aufforderung nicht nachgekommen sei. Aufgrund d
er
ihr vorliegenden Akten gelte er bei dieser Tätigkeit a
ls
unselbständigerwerbend
(Urk.
7/8). Mit Schreiben vom
8.
Juni 2017 teilte die Beschwerdegegnerin de
m Beschwerdeführer mit, dass sie
an den Entscheid der Suva, welche ihn als
unselbständigerwerbend
eingestuft habe, gebunden sei. Seinem Begehren zur Registrierung als
Selb
ständigerwer
bender
könne
nicht entsprochen werden (Urk.
7/9).
Nachdem die Beschwerdegegnerin Kenntnis vom Handelsregistereintrag
des Ein
zelunternehmens
Y._
erhalten hatte (
Meldung
Neueintrag vom 2
9.
März 2019;
Urk.
7/19), stellte sie dem Beschwer
deführer
mit Schreiben vom
1.
April 2019
den Fragebogen für
Selbständig
erwerbende
zu
(Urk.
7/20; vgl. auch Erinnerungsschreiben vom
7.
Mai 2019,
Urk.
7/21). Am 4.
Juni 2019 retournierte der Beschwerdeführer den ausgefüllten Fragebogen. Als Datum der Erwerbsau
fnahme gab er den
1.
Januar 2019
an (
Urk.
7/22). In der Folge
leitete die Beschwerdegegnerin die Unterlagen zwecks Prüfung der sozialversicherungsrechtlichen Stellung erneut an die Suva weiter
(
Urk.
7/26).
Mit Schreiben vom
7.
August 2019 teilte die Suva mit, dass der Beschwer
deführer die Voraussetzungen für eine selbständige Erwerbstätigkeit nicht erfülle, da der Betrieb gemäss dessen A
ngaben aufgelöst worden sei. Seine Tätigkeit
als Taxifahrer gelte bei den Sozialversicherungen daher als
unselbstän
digerwerbend
(
Urk.
7/27
/2
). Mit Schreiben vom 1
9.
August 2019 teilte die Beschwer
degegnerin dem Beschwerdeführer
unter Bezugnahme auf
dieses
Schrei
ben der Suva
wiederum
mit, dass
seinem
Begehren zur Registrierung als
Selbständigerwerbender
nicht entsprochen werden
könne
(
Urk.
7/28).
M
it Schreiben vom 2
5.
Juni 2020 erklärte
die Beschwerdeg
egnerin dem Beschwer
deführer
, dass er
gemäss Meldung des Kantonalen Steueramts
auch in den J
ahren 2015 und 2016
ein Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit versteuert habe. Sollte diese Meldung nicht korrekt sein,
werde um eine Stellung
nahme gebeten
. Ohne eine Rückmeldung innert 30 Tagen
würden
das
Abrech
nungskonto wiedereröffnet und die Beiträge verfügt
(
Urk.
7/31).
Nachdem sich der Beschwerdeführer nicht hatte vernehmen lassen, setzte die Beschwerdegeg
nerin die persönlichen Beiträge m
it definitiven Verfügungen vom 1
8.
August 2020
gestützt auf die Meldungen des Steueramts
für das Jahr 2015 basierend auf einem beitragspflichtigen Einkommen von
Fr.
26'900.--
und für das Jahr 2016 basierend auf einem beitra
gspflichtigen Einkommen von Fr.
14'600.-- fest
(
Urk.
7/34
-35
).
Mit Eingabe vom 1
5.
September 2020 teilte der Beschwerdeführer mit, dass er zwar nicht mehr im Handelsregister eingetr
agen sei. Er werde aber
weiterhin als Taxifahrer arbeiten. Bis zum
Lockdown
Anfang März 2020 habe er ein Einkommen von total ca.
Fr.
9'000.
-- erzielt
(
Urk.
7/49
/2
).
Am 1
6.
September 2020
(Eingangsdatum)
meldete sich
der Beschwerdeführer
bei der
Beschwerde
gegnerin
zum Bezug einer
Corona-
Erwerbsersatz
entschädigung
an (Urk. 7/45).
Gestützt auf dessen
Selbstangaben setzte die Beschwerdegegnerin m
it Mitteilun
g
en
vom 2
9.
September 2020
die
Akontobeiträge
für das Jahr 2017 basierend auf einem beitragspflichtigen Einkommen von
Fr.
57'200.--, für das
Jahr 2018 basierend auf einem
Einkommen von
Fr.
64'500.--, für das Jahr 2019 basierend
auf einem Einkommen von
Fr.
36'100.
--
und für das Jahr 2020 basierend auf einem Einkommen von
Fr.
9'400.
--
fest (
Urk.
7/55-58
).
Mit
Abrechnung vom 1
8.
November 2020 teilte die
Beschwerdegegn
erin erstmals
mit, dass der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Corona-E
rwerbsersatzentschädigung habe
(
Urk.
7/73).
4.2
Wie aufgrund der dargelegten Akten erhellt, wurde der Beschwerdeführer v
on der Beschwerdegegnerin
– nachträglich –
für die Jahre 2015 bis 2020 als
selb
ständigerwerbend
anerkannt.
Als Basis
für die
Bemessung der Corona-Erwerbs
ersatzentschädigung
ist
vorliegend das Einkommen zu verwenden, welches für die Festsetzung der Beitragsrechnungen
des
Jahr
es
2019 (
Ako
ntobeiträge
) heran
gezogen wurde
(vgl. E.
2.
6
)
.
Dabei ist auf die im Zeitpunkt der erstmaligen Anspruchs
beurteilung aktuellste Beitragsverfügung respektive Beitragsmittei
lung abzustellen (vgl. E. 2
.7)
und sind
gemäss
BGE 147 V 278
E.
5.3.3
auch all
fällige
, nach dem 1
7.
März 2020 erfolgte
Mitteilungen der Ausgleichskassen betreffend
AHV-
beitragspflichtige Einkommen sowie darauf beruhende
Akonto
rechnungen
für d
as Jahr 2019 zu berücksichtigen
(vgl. auch Urteil des Bun
desgerichts
9C_442
/2021 vom 17. März 2022 E. 6.2.1 f.)
. Massgebend für die Berech
nung der Erwerbsersatzentschädigung ist vor diesem Hintergrund
die Mitteilung vom 2
9.
September 2020, welche
r
für das Jahr 2019
ein beitrags
pflichtiges
Einkommen von
Fr.
36'100.-- zugrunde lag
. Für ein Abstellen auf
die definitive
Verfügung vom 1
8.
August 2020
betreffend das Jahr 2016
, welcher ein beitragspflichtiges Einkommen von
Fr.
14'600.-- zugrunde lag – was nach
der aufgehobenen
Rz. 1065.1 des
KS
CE
, Stand:
3.
Juli 2020
,
auf entsprechenden Antrag hin
an sich
möglich gewesen wäre
–
besteht kein Raum.
Die Rz. 1068
KS
CE
,
Stand: 1
8.
Dezember 2020,
auf welche
sich die Beschwerdegegnerin beruft
(vgl. E. 2.
6
)
, bezieht sich lediglich auf nachträgliche Änderungen der Entschädi
gung aufgrund
der
Anpassung des Erwerbseinkommens
;
sie
beschlägt hingegen
nicht Konstellationen, in denen die erstmalige Festlegung
der Entschädigung strittig ist (
vgl.
BGE 147 V 278 E. 5.3.3
).
Da der Beschwerdeführer nach der ersten formlosen Zusprache vom 18. November 2020 innert angemessener Frist
(vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar, 4. Aufl., 2020, N 22 zu Art. 51 ATSG)
eine zu tief bemessene Entschädigung beanstandet und in der Folge auch eine anfechtbare Verfügung verlangt hat (vgl. Art. 51 Abs. 2 ATSG), kann ihm
die frühere Berech
nungsgrundlage
nicht entgegengehalten werden.
Es kommen deshalb die Grund
sätze für die erstmalige Anspruchsbeurteilung zur Anwendung.
Mit der Abrechnung vom 24. März 2021 sprach die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer für den Monat Januar 2021 bei einem Tagesansatz von Fr. 80.80 und 31
zu entschädigenden
Tagen eine Erwerbsersatzentschädigung
von brutto Fr.
2'504.80 zu (Urk. 7/100).
Bei einem jährlichen Erwerbseinkommen von
Fr.
36'100.-- beträgt der Tagesansatz gemäss
den Tabellen zur Ermittlung der EO-Tagesentschädigung des
BSV
(gültig ab 1. Januar 2009
; S. 3
)
Fr. 80.8
0.
Die Abrechnung vom 24. März 2021 erweist sich somit als korrekt, was eine Rück
forderung ausschliesst.
4.3
Dass die Beschwerdegegnerin im angefochtenen E
insprachee
ntscheid auf das Erlass
gesuch des Beschwerdeführers in der Einsprache vom
9.
Juli 2021 nicht einging (
Urk.
2), ist zutreffend. Die Beschwerdegegnerin hatte allerdings bereits in der angefochtenen Rückforderungsverfügung vom 2
9.
Juni 2021 darauf hin
ge
wiesen, dass (erst) nach Eintritt der Rechtskraft der Rückforderungsver
fügung die Möglichkeit bestehe, innert 30 Tagen ein begründetes Erlassgesuch zu stellen (
Urk.
7/130/2).
Im angefochtenen Einspracheentscheid vom 1
8.
August 2021
wurde einzig die Rechtmässigkeit der Rückforderung beurteilt
.
Soweit der Beschwerdeführer im vorliegenden Beschwerdeverfahren eventuell beantragte, es sei die Sache in Aufhebung des angefochtenen Entscheids an die Vorinstanz zurückzuweisen zum materiellen Entscheid über den Härtefall bezüglich der Rück
zahlung, ist darauf
mangels Anfechtungsgegenstandes nicht einzutreten.
Was die geltend gemachten sprachlichen Verständnisschwierigkeiten im Zusam
menhang mit den Schreiben der Beschwerdegegnerin betrifft
(
Urk.
9 S. 2 f.)
, ist
zu
bemerken, dass von einer versicherten Person erwartet werden
kann und darf
, dass sie diese Schreiben
im Rahmen ihrer Möglichkeiten und mit der
ihr zumut
baren Sorgfalt prüft. Dies schliesst
etwa auch Erkundigungen beim pers
önlichen Umfeld mit ein.
Die Aufklärungs- und Beratung
spflicht nach Art.
27
Abs.
1 bzw.
2 ATSG geht nicht derart weit, dass die Beschwerdegegnerin
oder die Suva
sämt
liche
v
ersicherten Personen, welche ihre
Schreiben
möglicherweise nicht richtig verstehen, zu persönlichen Gesprächen einladen müsste.
Ob es sich beim
mut
masslich
versehentlichen Versand der Schreibe
n der Beschwerdegegnerin vom
1.
Juni 2021 (
Urk.
10/1-2)
an die Adresse der Ex-Ehefrau des Beschwerdeführers um ein strafrechtlich relevantes Verhal
ten h
andelt, ist zu bezweifeln und
nicht
im vorliegenden sozialvers
icherungsrechtlichen Verfahren zu beurteilen.
5
.
In teilweiser Gu
theissung der Beschwerde ist der
angefochtene
Einspracheent
scheid
demnach aufzuheben.
Im Übrigen
ist die Beschwerde abzuweisen, soweit auf sie einzutreten ist.
Schliesslich ist der Vollständigkeit halber
darauf hinzuweisen, dass die B
eschwer
degegnerin
die vom Beschwerdeführer jeweils beanstandeten Abrechnungen
betref
fend Erwerbsersatzentschädigung
des
Zeitraum
s
vom 19.
März bis zum
3
1.
Dezember 2020 und vom
1.
Februar bis zum 3
1.
Mai 2021
ebenfalls
basierend auf einem Tagesansatz von
Fr.
80.
80
neu zu berechnen hat.
6
.
Da Rechtsanwalt
Dr.
Metzger den Beschwerdeführer «pro
bono
» (ohne Entgelt) vertrit
t (
Urk.
1 S. 3), ist dem Beschwerdeführer
keine Prozessentschädigung zuzusprechen (vgl. Beschluss des Kassations
gerichts des Kantons Zürich Nr.
...
vom 2
9.
Mai 2009 E.
IV.2
).