# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 46fad36b-ddfa-46ef-ba79-fed367d14b5b
**Court:** ZH_VG
**Chamber:** ZH_VG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

hat sich ergeben:
I.
A
ist Inhaber des Einzelunternehmens
X
. Am 27.
Januar 2014 verfügte das Handelsregisteramt des Kantons Zürich die Löschung des Einzelunternehmens wegen fehlenden Rechtsdomizils
sowie einen entsprechenden Handelsregistereintrag nach Eintritt der Rechtskraft
,
auferlegte
die Eintragungsgebühr
en von
Fr. 148.-
dem Beschwerdeführer, belegte ihn in Dispositiv-Ziff. 4 "[
w
]
egen Nichtgenügens der Anmeldepflicht
"
mit einer Ordnungsbusse von Fr. 400.-
und hielt in Dispositiv-Ziff. 5 fest, der Betrag von Fr. 548.- (Fr. 148.- plus Fr. 400.-) werde nach der Eintragung in Rechnung gestellt
.
II.
Am 19. Februar 2014 gelangte A an das Verwaltungsgericht und beantragte sinngemäss, es sei von der Löschung des Handelsregistereintrags seines Einzelunternehmens, der Erhebung von Gebühren und der ausgefällten Busse abzusehen. Das Handelsregisteramt beantragte am 26. Februar 2014, die Beschwerde sei abzuweisen.
Die Kammer

## Considerations

erwägt:
1.
1.1
Gemäss § 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2) prüft das Verwaltungsgericht seine Zuständigkeit von Amtes wegen. Nach ständiger Praxis ist das Verwaltungsgericht
betreffend
Anordnungen in Handelsregistersachen bzw. entsprechende Bussenverfügungen die sachlich zuständige Beschwerdeinstanz (vgl. Art. 165 Abs. 2 der Handelsregisterverordnung vom 17. Oktober 2007 [HRegV, SR 221.411]
;
§ 1 und § 41 Abs. 1 in Verbindung mit § 19 Abs. 1 lit. a sowie §§ 42–44 VRG; VGr, 29. Mai 2013, VB.2012.00857, E. 1.1 mit weiteren Hin
weisen).
1.2
Vorliegend wendet sich der Beschwerdeführer sowohl gegen die Löschung seines Einzelunternehmens aus dem Handelsregister als auch gegen die ihm auferlegten Gebühren und
die
Busse. Angesichts der wirtschaftlichen Auswirkungen der Löschung eines Einzelunternehmens geht das Bundesgericht – sofern nicht gegenteilige Anhaltspunkte vorliegen – von einem Fr. 30'000.- übersteigenden Streitwert aus (BGr, 11. April 2011, 4A_578/2010, E. 1.1). Anhaltspunkte für einen tieferen Streitwert sind vorliegend
nicht
ersichtlich. Entsprechend ist die Beschwerde durch die Kammer zu behandeln (§ 38 Abs. 1 und § 38b Abs. 1 lit. c VRG). Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Beschwerde einzutreten.
2.
Wird dem Handelsregisteramt mitgeteilt, dass eine Rechtseinheit angeblich über kein Rechtsdomizil mehr verfüg
t
, fordert es deren oberstes Leitungs- oder Verwaltungsorgan auf, innert 30 Tagen ein neues Rechtsdomizil zur Eintragung anzumelden oder zu bestäti
gen, dass das eingetragene Rechtsdomizil noch gültig sei. Dabei muss die Aufforderung auf die massgebenden Vorschriften und die Rechtsfolgen der Verletzung dieser Pflicht hinweisen (Art. 153a Abs. 1
HRegV
; vgl. Art. 941 des Obligationenrechts [OR, SR 220]). Gemäss Art. 153a Abs. 2 lit. a HRegV ist diese Aufforderung mit eingeschriebenem Brief an das im Handelsregister eingetragene Rechtsdomizil sowie an allfällige weitere im Handelsregister eingetragene Adressen zuzustellen. Wird innert der Frist von Art. 153a Abs. 1 HRegV keine Anmeldung oder keine Bestätigung eingereicht, so veröffentlicht das Handelsregisteramt die Aufforderung im Schweizerischen Handels
amtsblatt; dabei weist die Aufforderung wiederum auf die massgebenden Vorschriften und die Rechtsfolgen der Verletzung dieser Pflicht hin (Art. 153a Abs. 3 HRegV). Wird dieser Aufforderung innerhalb der Frist keine Folge geleistet, so verfügt das Handelsregisteramt im Falle eines Einzelunternehmens insbesondere dessen Löschung und spricht gegebenen
falls eine Ordnungsbusse gemäss Art. 943 OR aus (
vgl.
Art. 153b Abs. 1 HRegV).
Die entsprechende
Verfügung
eröffnet es n
ach Massgabe des kantonalen Rechts oder nach den Besti
m
mungen über den elektronischen Geschäftsverkehr an
die in der Schweiz wohnhafte Inh
a
berin oder den in der Schweiz wohnhaften Inhaber
d
es Einzelunternehmens
(Art. 153b Abs. 2 lit. a Ziff. 1 HRegV).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer
macht geltend
, er h
abe
sich wirtschaftlich und privat in einer schwierigen Periode befunden, was zu einer Vernachlässigung seiner Pflichten geführt habe. Dabei habe er nie die Absicht gehabt
,
sein Einzelunternehmen aus dem Handelsre
gister zu löschen. Durch die Löschung fehle ihm ein wichtiges Instrument, was den bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung hemme. Die damit verbundenen Kosten und Umtriebe wären ein zusätzliches Erschwernis.
3.2
Der Beschwerdeführer legt
nicht dar, weshalb die
angefochtene
Verfügung nicht recht
mässig sein soll
te
bzw. der Registerbehörde in diesem Zusammenhang eine Rechtsverlet
zung vorgeworfen werden könnte. Vielmehr erkennt
er
ausdrücklich an, dass er seine Pflichten vernachlässigt
e
und die vom Beschwerdegegner angesetzten Fristen ungenutzt verstreichen liess.
Folglich hat
der Beschwerde
führer auch
die
ihm
angedrohten Säumnis
folgen zu
tragen. Di
e Löschung des Einzel
unter
nehmens
,
die Eintragungsgebühren sowie
die
Busse
wurden vom Beschwerdegegner grundsätzlich zu Recht verfügt; der Beschwerdegegner hat das gesetzlich bzw. von der Verordnung vorgesehene Verfahren richtig durchgeführt.
4.
Gemäss Art. 16 der Verordnung vom 3. Dezember 1954 über die Gebühren für das Handelsregister (GebV HReg, SR 221.411.1) dürfen geschuldete Gebühren – mit gewissen Ausnahmen – weder erlassen noch ermässigt werden. Eine Abschreibung der Gebühren als uneinbringlich ist nach Art. 20 Abs. 1 GebV HReg unter anderem möglich, wenn der Schuldner nachweislich mittellos ist. Zuständig ist das Handelsregisteramt. Auf dessen Verlangen sind die Behörden des Wohnortes des Schuldners verpflichtet, über dessen persönliche Verhältnisse schriftlich und gebührenfrei Auskunft zu erteilen (Art. 20 Abs. 2 GebV HReg). Der Beschwerdeführer macht weder geltend
,
er sei mittellos
,
noch
er
sucht er
das Gericht
explizit um Abschreibung der auferlegten Gebühren
;
eine allfällige Weiter
leitung der Beschwerde als Erlassgesuch an den Beschwerdegegner − gestützt auf § 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 2 Satz 1 VRG −
kommt deshalb
vorliegend nicht in Betracht.
5.
5.1
Soweit der Beschwerdeführer um Aufhebung der Ordnungsbusse ersucht, ist dazu Folgendes festzuhalten: Verpflichtet das Gesetz die Beteiligten zur Anmeldung, so hat die Registerbehörde gegen die Fehlbaren von Amtes wegen mit Ordnungsbussen im Betrag von Fr. 10.- bis 500.- einzuschreiten (Art. 943 Abs. 1 OR;
Art. 153b Abs. 1 lit. e HRegV; vgl. auch
Art. 38 lit. b HRegV). Zu büssen ist jeder absichtliche oder fahrlässige Verstoss gegen die in Gesetz oder Verordnung geregelte Pflicht, eine Eintragung im Handelsregister anzumelden (BGE 104 Ib 261 E. 3). Die Ordnungsbusse gemäss Art. 943 Abs. 1 OR ist als Verwaltungsstrafe zu qualifizieren und dient der Sanktionierung von Verstössen gegen die Bestimmungen des Handelsregisterrechts. Als Beugestrafe zufolge Ungehorsams darf sie nur dann verhängt werden, wenn sie zuvor angedroht worden ist (
vgl. Art. 941 OR
;
Art.
153a Abs.
1 und 3 [jeweils letzter Satz] in Verbindung mit Art.
153b Abs. 1 lit. e HRegV; Martin Eckert, Basler Kommentar, 2012, Art.
943
OR N. 1
ff.; vgl. zum Ganzen
Manfred Küng, Berner Kommentar, 2001, Art. 943 OR N. 14 ff. mit Hinweisen)
.
5.2
Der Beschwerdegegner hat seine Mahnung, ein neues Rechtsdomizil anzumelden
be
ziehungsweise die Weitergeltung des bisherigen zu bestätigen, ausdrücklich mit dem Hin
weis auf Art. 943 OR verbunden. Auch in der Publikation im Schweizerischen Handelsamtsblatt vom 6. Dezember 2013 wurde explizit auf die Sanktion gemäss Art. 943 OR hinge
wiesen. Der Beschwerdegegner ist damit dem Erfordernis vorgängiger Strafa
n
drohung nachgekommen. Die Bussenauflage erweist sich deshalb grundsätzlich als zu
lässig.
5.3
Der Beschwerdegegner hat
vorliegend
eine Busse
in der Höhe
von Fr. 400.-
verhängt
. Nach Art. 943 Abs. 1 OR beträgt die Bussenhöhe zwischen 10 und 500 Franken. Die Fes
t
legung der Höhe der Busse liegt im Ermessen des Beschwerdegegners, wobei Verschulden und Schwere der Pflichtverletzung zu berücksichtigen sind (Adrian Tagmann in:
Rino Siffert/Nicolas Turin [Hrsg.], Handelsregisterverordnung [HRegV], Bern 2013
, Art. 152 N. 47).
Eine
U
nterschreitung
des Ermessens
liegt vor, wenn sich die Verwaltung als g
e
bunden erachtet, obschon sie Ermessen walten lassen sollte, wenn sie also
das
ihr
eingeräumte
Ermessen gar nicht ausschöpft
; f
ordert der Gesetzgeber bewusst eine differenzie
rende Behandlung bestimmter Fragen, behandelt jedoch die Verwaltung alle Fälle ohne die gebotene Differenzierung schematisch gleich, so liegt eine Ermessens
unterschreitung vor, die als Rechtsverletzung zu qualifizieren ist
(
vgl. BGr, 17. August 2005, C 123/05, E. 2.3;
Marco Donatsch in: Alain Griffel [Hrsg.], Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich [VRG], 3. A., Zürich etc. 2014, § 20 N. 21, § 50 N. 26;
René Wiederkehr/Paul Richli, Praxis des allgemeinen Verwaltungs
rechts, Bd. I, Bern 2012, Rz. 1525 ff.
insbesondere
mit Hinweis
auf VGr, 19. Mai 2004, VB.2004.00123 E. 4.3.1).
Dem Verwaltungsgericht ist aus zahlreichen Verfahren bekannt, dass der Beschwerdegegner die Busse unabhängig von der konkreten Fallkonstellation und ohne nähere Begründung stets auf Fr. 400.- festzusetzen pflegt (vgl. zuletzt VGr, 12. März 2014, VB.2014.00076 und VB.2014.00084 − 4. Oktober 2013, VB.2013.00540 – 24. September 2013, VB.2013.00481 – 29. Mai 2013, VB.2012.00857 – 23. April 2013, VB.2013.00094 – 5. April 2013, VB.2012.00827 – 26. März 2013, VB.2013.00017 und VB.2012.00701 – 21. Februar 2013, VB.2013.00028 – 10. Januar 2013, VB.2012.00664 [unter www.vrgzh.ch publiziert sind nur die Entscheide vom 12. März 2014 und 29. Mai 2013]). Indem der Beschwerdegegner sich mit seiner Praxis davon dispensiert, eine dem jeweiligen Einzelfall angemessene Sanktion auszusprechen, unterschreitet er seinen Ermessensspielraum, was eine Rechtsverletzung darstellt.
Die Ausgangsverfügung ist insofern aufzuheben und die Angelegenheit zur neuen Festsetzung der Bussenhöhe an den Beschwerdegegner zurückzuweisen.
5.4
Anzumerken bleibt schliesslich
, dass d
er Beschwerdegegner
seine
Verfügung vom
27
. Januar 2014
dem Beschwerdeführer
"zur Kenntnisnahme" zu
sandte
, obwohl
dieser Adressat
der
selben
war
(vgl. auch Art. 153b Abs. 2 lit. a Ziff. 1 HRegV)
. Ein solches Vorgehen widerspricht dem Grundsatz von Treu und Glauben, weil damit der falsche Ein
druck erweckt wird, d
er A
dressat sei vom Inhalt des Schreibens bzw. der Verfügung gar nicht persönlich betroffen.
6.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde teilweise gutzuheissen. Dispositiv-Ziff. 4 und Dispositiv-Ziff. 5 − Letztere allerdings nur, insofern sie die Ordnungsbusse bzw. den Ordnungsbussenbetrag zum Gegenstand hat − der Verfügung des Beschwerdegegners vom 27. Januar 2012 sind aufzuheben und die Sache im Sinn der Erwägungen an den Beschwerdegegner zurückzuweisen. Im Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen.
7.
Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten dem Beschwerdeführer zu 9/10 und dem Beschwerdegegner zu 1/10 aufzuerlegen (§ 65a Abs. 2 in Verbindung mit § 13 Abs. 2 Satz 1 VRG). Für die Bemessung der Gerichtsgebühr ist dabei die Gebührenverordnung des Verwaltungsgerichts vom 23. August 2010 (GebV VGr, LS 175.252) massgeblich (vgl. VGr, 17. Mai 2011, VB.2011.00266, E. 5.2).
8.