# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f6809b93-c3f1-4847-b100-05b384d32201
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Am 6. August 2019 erliess der Gemeinderat Q._ im Zusammenhang mit der
Einführung einer Tempo-30-Zone das Strassenbauprojekt "Massnahme Tempo 30
X._/Y._" sowie den Teilstrassenplan "X._/Y._". Das Strassenbauprojekt beinhaltet
die für die Umsetzung der Tempo-30-Zone vorgesehenen baulichen Massnahmen (act.
G 10/6/1 f. [B 2021/130]). Am 10. Oktober 2019 verfügte das Polizeikommando der
Kantonspolizei St. Gallen die Verkehrsanordnungen für die Signalisation als Tempo-30-
Zone sowie als Parkverbotszone (ausgenommen markierte Parkfelder) und erliess die
Anordnung "Signalisation als erweiterte Blaue Zone" (act. G 10/16/1 [B 2021/129]). Die
Verfügung wurde am 18. Oktober 2019 wie folgt amtlich publiziert: Reduktion der
Höchstgeschwindigkeit auf 30 km/h und Signalisation als Tempo-30-Zone sowie als
Parkverbotszone (ausgenommen markierte Parkfelder) (act. G 10/16/4 [B 2021/129]).
Die Anordnung einer erweiterten blauen Zone (EBZ) wurde darin nicht erwähnt.
A.a.
Während der öffentlichen Auflage des Strassenprojekts mit Teilstrassenplan erhoben
unter anderen C._, D._ und B._ sowie A._ dagegen Einsprache. Mit Beschluss vom
7. Januar 2020 wies der Gemeinderat Q._ die Einsprachen betreffend
Strassenbauprojekt und Teilstrassenplan ab. Soweit sich die Einsprachen gegen
Verkehrsanordnungen richteten, trat der Gemeinderat darauf nicht ein (Dispositivziffer
2). Zur Begründung hielt er unter anderem fest, eine hinreichende Koordination
zwischen Strassenbauprojekt und Teilstrassenplan einerseits und
Verkehrsanordnungen anderseits sei gewährleistet. Die Pfosten mit Stelen am Eingang
A.b.
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B.
der Tempo-30-Zone seien vorgeschrieben und die weiteren Gestaltungs- und
Verkehrsberuhigungselemente zur Einhaltung der angeordneten Geschwindigkeit nötig.
Da eine flächendeckende Geschwindigkeitskontrolle nicht möglich sei, sei mit
baulichen Massnahmen die Tempoanpassung durch die Verkehrsteilnehmer auf 30 km/
h sicherzustellen. Die baulichen Massnahmen im Bereich der O._-strasse und E._-
strasse seien aufgrund der Geschwindigkeitsmessung gemäss Gutachten sowie zur
Verbesserung der Situation für Fussgänger notwendig. Die überfahrbaren
Pflästerungen im Bereich von Einlenkern mit Rechtsvortritt verlangsamten den Verkehr
und reduzierten die Unfallgefahr, ohne die Befahrbarkeit zu beeinträchtigen. Die
baulichen Massnahmen würden sich auf das absolute Minimum beschränken.
Pflanzungen und Rabatten seien an gut einsehbaren und übersichtlichen Stellen
geplant; hiervon gehe keine erhöhte Unfallgefahr aus (act. G 10/1 Beilage
[B 2021/130]).
Gegen den Beschluss vom 7. Januar 2020 erhoben - neben einer weiteren Person -
A._, B._ und C._, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Thomas Stadelmann,
St. Gallen, am 21. Januar 2020 Rekurs beim Bau- und Umweltdepartement mit dem
Rechtsbegehren, Dispositivziffer 2 des Beschlusses vom 7 Januar 2020 sei
aufzuheben und es sei auf das Strassenbauprojekt und den Teilstrassenplan zu
verzichten (act. G 10/1, 10/3 [B 2021/130]). Nach Durchführung eines
Rekursaugenscheins am 24. August 2020 (act. G 10/23 [B 2021/130]) sowie Einholung
von Amtsberichten des Tiefbauamtes (act. G 10/9, G 10/36 [B 2021/130]) und der
Abteilung der Verkehrstechnik der Kantonspolizei (act. G 10/13 [B 2021/130]) wies das
Baudepartement die erhobenen Rekurse mit Entscheid vom 19. Mai 2021 ab, soweit es
darauf eintrat (act. G 2 [B 2021/130]).
Die gegen die Verkehrsanordnung des Polizeikommandos unter anderen von C._,
D._ und B._ und A._ erhobenen Rekurse (act. G 10/1-9 [B 2021/129]) wies das
Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen (SJD) mit Entscheid vom
19. Mai 2021 ab, soweit es darauf eintrat (act. G 2 [B 2021/129]).
A.c.
Gegen diese Rekursentscheide erhob Rechtsanwalt Stadelmann für A._, B._ und
C._ mit Eingabe vom 2. Juni 2021 (act. G 1 [B 2021/129 f.]) Beschwerde mit den
Anträgen, die Dispositiv-Ziffern 1 lit. a, 2 lit. a, 2 lit. c und 3 des Rekursentscheids des
BD seien (soweit die Beschwerdeführer betreffend) aufzuheben und es sei sowohl auf
B.a.
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## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdeverfahren B 2021/129 (Verkehrsanordnung) und B 2021/130
die Einführung einer Tempo-30-Zone "X._/Y._" generell als auch im Speziellen auf
das aufgelegte Strassenbauprojekt samt baulicher Massnahmen sowie die aufgelegte
Änderung der Strassenklassierung (Teilstrassenplan) zu verzichten (Ziffer 1). Die
Dispositiv-Ziffern 1, 2 und 3 des Entscheids des SJD seien (soweit die
Beschwerdeführer betreffend) aufzuheben, und es sei sowohl auf die Einführung einer
Tempo-30-Zone generell als auch im Speziellen auf die damit in Zusammenhang
stehenden Verkehrsanordnungen (Tempo-30-Zone und Parkverbotszone
einschliesslich Markierungen und Signalisationen) zu verzichten (Ziffer 2). Unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdebeteiligten, eventuell
zulasten der Vorinstanzen bzw. des Staates (Ziffern 3 und 4). In der
Beschwerdeergänzung vom 29. Juni 2021 bestätigte und begründete der
Rechtsvertreter die gestellten Anträge (act. G 7 [B 2021/129 f.]).
In den Vernehmlassungen vom 10. und 19. August 2021 beantragten die Vorinstanzen
1 und 2 Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Zur Begründung
verwiesen sie auf die angefochtenen Entscheide (act. G 9 [B 2021/129 f.]). Die
Beschwerdebeteiligte, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. Benedikt Fässler, St. Gallen,
stellte in der Vernehmlassung vom 13. September 2021 die Anträge, die Beschwerden
abzuweisen. Zur Begründung verwies sie auf die Ausführungen in den angefochtenen
Entscheiden und äusserte sich ergänzend zu den Vorbringen in den Beschwerden (act.
12 [B 2021/129 f.). Hierzu reichten die Beschwerdeführer Stellungnahmen vom
18. Oktober 2021 ein (act. G 16 [B 2021/129 f.]). Mit Eingabe vom 20. Oktober 2021
teilte die Beschwerdebeteiligte den Verzicht auf eine weitere Äusserung mit (act. G 18
[B 2021/129 f.]).
B.b.
Mit Verfügung vom 25. Mai 2022 genehmigte das Tiefbauamt den Teilstrassenplan
X._/Y._.
B.c.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben der vorliegenden
Verfahren wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
B.d.
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(Strassenbauprojekt) betreffen den gleichen sachlichen Gegenstand (Tempo-30-Zone
X._/Y._) und basieren zu einem erheblichen Teil auf denselben Akten. Die
Verfahrensbeteiligten treten in beiden Verfahren auf. Es rechtfertigt sich daher, die
beiden Beschwerdeverfahren zu vereinigen und in einem einzigen Entscheid zu
behandeln. Das Verwaltungsgericht ist zum Sachentscheid zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP); da es vorab um die
Frage der Rechtmässigkeit der Anordnung der Tempo-30-Zone geht, liegt die
Zuständigkeit bei der Abteilung III des Verwaltungsgerichts. Die Beschwerdeführer sind
als Empfänger der angefochtenen Entscheide und Grundeigentümer im Perimeter des
streitigen Strassenbauprojekts zur Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art.
45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerden wurden mit Eingaben vom 2. Juni 2021 (act. G 1
[B 2021/129 f.]) rechtzeitig erhoben und erfüllen zusammen mit den Ergänzungen vom
29. Juni 2021 (act. G 7 [B 2021/129 f.]) in formeller und inhaltlicher Hinsicht die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 sowie Art. 48 Abs.
1 und 2 VRP). Auf die Beschwerden ist einzutreten.
2.
bis
Streitig ist vorliegend, ob die Vorinstanzen die Rekurse der Beschwerdeführer gegen
die Verkehrsanordnung (Tempo-30-Zone und Parkverbotszone X._/Y._) und gegen
das Strassenbauprojekt (Massnahme Tempo 30 X._/Y._) mit Teilstrassenplan (X._/
Y._) zu Recht abwiesen. Die Beschwerdeführer beantragen die Durchführung eines
Augenscheins (act. G 7 und 16 [B 2021/129 f.). Der Augenschein ist die unmittelbare
sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die entscheidende Instanz. Er dient dem
besseren Verständnis des Sachverhalts. Ob ein Augenschein durchzuführen ist, liegt im
pflichtgemässen Ermessen der urteilenden Instanz. Unbestrittene Tatsachen brauchen
nicht durch einen Augenschein überprüft zu werden, sofern eine Nachprüfung nicht
durch öffentliche Interessen geboten ist (vgl. B. Märkli, in: Rizvi/Schindler/Cavelti
[Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen
2020, N 50 zu Art. 12-13 VRP). Die tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich vorliegend
hinreichend aus den bei den Akten liegenden Planunterlagen, dem
Augenscheinprotokoll vom 2. September 2020 (act. G 10/23 [B 2021/130]), dem
Geoportal (www.geoportal.ch) und aus den übrigen Verfahrensakten; sie sind im
Wesentlichen auch nicht umstritten. Für die Klärung der von den Beschwerdeführern
angeführten Gegebenheiten bedarf es - wie sich auch aus den nachstehenden
Erwägungen ergeben wird - keines weiteren Augenscheins, weshalb darauf zu
verzichten ist.
2.1.
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2.2.
Der Koordinationsgrundsatz ist in Art. 25a RPG verankert. Nach Art. 25a Abs. 3 RPG
sollen die Verfügungen keine Widersprüche enthalten. Eine Koordination ist auch nötig,
wenn für die verschiedenen Bewilligungen nur eine Behörde zuständig ist. Die Natur
der zu koordinierenden Bewilligungen - namentlich wenn es sich um raumplanungs-
bzw. umweltschutzrechtliche oder um gewerbepolizeiliche Verfügungen handelt - ist
dabei unerheblich (Waldmann/Hänni, Raumplanungsgesetz, Handkommentar, Bern
2006, N 22 zu Art. 25a RPG). Die Koordinationspflicht setzt voraus, dass zwischen den
anzuwendenden Vorschriften ein enger sachlicher Zusammenhang besteht, womit
diese Vorschriften nicht getrennt und unabhängig voneinander beurteilt werden dürfen,
ansonsten die gesonderte Behandlung sachlich zu unhaltbaren Ergebnissen führen
könnte (vgl. P. Hänni, Planungs-, Bau- und besonderes Umweltschutzrecht, 5. Aufl.
2008, S. 458). Spezialbewilligungen von untergeordneter Bedeutung, die separat erteilt
werden können, fallen dagegen nicht unter die Koordinationspflicht. Das ist dann der
Fall, wenn feststeht, dass die Bewilligungen mit den übrigen Entscheiden nicht
abgestimmt werden müssen, die Rechte des Baugesuchstellers und der
Drittbetroffenen nicht tangiert werden und soweit die Abtrennung aufgrund des
kantonalen Rechts zulässig ist (VerwGE B 2020/80 und 82 vom 23. Mai 2019, E. 6.1
m.H.; VerwGE B 2013/232 vom 16. April 2014 E. 2.1 m.H.; VerwGE B 2004/157 vom
2. Dezember 2004 E. 3. m.H.). Vorausgesetzt wird für eine Koordination zwischen
Strassenbauprojekt und Verkehrsanordnungen, dass die verkehrspolizeilichen
Massnahmen nicht bloss Folge des Projekts sind, sondern dieses vielmehr
präjudizieren (vgl. VerwGE B 2013/232 a.a.O., E. 2.6). Die genannten Grundsätze gelten
gemäss Art. 25a Abs. 4 RPG für das Nutzungsplanverfahren sinngemäss.
2.2.1.
In den angefochtenen Entscheiden hielten die Vorinstanzen zur Koordination der
Anordnung einer erweiterten blauen Zone (EBZ) mit den weiteren Massnahmen fest,
hierauf sei mangels Anfechtungsobjekt nicht einzutreten. Örtliche
Verkehrsanordnungen gemäss Art. 3 Abs. 4 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01;
SVG), die durch Vorschrifts- oder Vortrittsignale oder durch andere Signale mit
Vorschriftscharakter angezeigt würden, seien von der Behörde zu verfügen und mit