# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4905bb49-c86f-4359-9ea4-cbaf19e1e614
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1989, trat am 21. März 2013 bei der
Y._
eine Stelle als
Officemitarbeiter
an (Urk. 7/8). Diese Stelle kündigte die Arbeitgeberin am 30. Mai 2014 auf den 30. Juni 2014 (Urk. 7/6; vgl. auch
Urk.
7/10). Am 2. Juni 2014 meldete sich der Versicherte zur Arbeits
vermittlung an und am 4. Juni 2014 stellte er Antrag auf
Arbeitslosenentschä
digung
ab 1. Juli 2014 (Urk. 7/1,
Urk.
7/5).
Nach vorgängiger Anhörung des Versicherten zu den Gründen für die arbeitgeberseitige Kündigung (vgl.
Urk.
7/23) verfügte die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich, wegen selbstver
schuldeter Arbeitslosigkeit ab 1. Juli 2014
für die Dauer von 36 Tage
eine Ein
stellung in der Anspruchsberechtigung (Urk. 7/22). Die vom Versi
cherten dage
gen erhobene Einspra
che (Urk. 7/26) wies die Arbeitslosenkasse mit
Einsprache
entscheid
vom 15. Januar 2015 ab und hielt an der Sanktion fest (
Urk.
2 = Urk. 7/65).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 15. Januar 2015 erhob der Versicherte am 23. Januar 2013 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene Ent
scheid sei aufzuheben (Urk. 1). Die
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich bean
tragte in der Beschwerdeantwort vom 11. März 2015 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Auf die Ausführungen der Parteien und die Akten wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in
die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Die Einstellung in der Anspruchsberechtigung wegen selbstverschuldeter Arbeits
losigkeit gemäss
Art.
30
Abs.
1
lit
. a des Bundesgesetzes über die obli
gatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (AVIG) in Verbindung mit
Art.
44
Abs.
1
lit
.
a
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenzentschädigung (
AVIV
)
setzt keine Auflösung des Arbeitsverhältnisses aus wichtigen Gründen gemäss
Art.
337 beziehungsweise
Art.
346
Abs.
2 des Obligationenrechts (OR) voraus. Es genügt,
dass d
as allgemeine Verhalten der versic
herten Person Anlass zur Kündigung beziehungsweise Entlassung gegeben hat; Beanstandungen in berufl
icher Hin
sicht müssen nicht vorgele
gen haben. Mithin gehören dazu auch charakterliche
Eigen
schaften im weiteren Sinne, die den Arbeitnehmer oder die Arbeitnehme
rin für den Betrieb als untragbar erscheinen lassen. Ei
ne Einstellung in der Anspruchs
berechtigung kann jedoch nur verfügt werden, wenn das der versi
cherten Person zur Last gelegte Verhalten kla
r feststeht (BGE 112 V 242 E. 1 und Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2014 vom 12. Januar 2015 E. 4, je mit weiteren Hinweisen
).
Das vorwerfbare Verhalten muss zudem nach
Art.
20
lit
. b des Übereinkommens Nr. 168 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) über Beschäftigungs
-
för
derung
und den Schutz gegen Arbeitslosigkeit vo
m 21. Juni 1988
(SR 0.822.726.8
) vorsätzlich erfolgt sein, wobei Eventualvorsatz genügt (vgl. BGE 124 V 234 E. 3b, welche Rechtsprechung gemäss Urteil des Bundesgerichts C 5
3/00 vom 17. Oktober 2000 E. 3b
auch im Bereich von
Art.
44
Abs.
1
li
t
. a AVIV anwendbar ist
).
Eventualvorsatz ist gegeben, wenn die betroffene Person wissen konnte und musste, dass sie durch ihr Verhalten womöglich eine Kündi
gung bewirkt, und sie eine solche dennoch in Kauf nimmt (Urteile des Bundes
gerichts 8C_466/2007 vom 19. November 2007, E. 3.1, und 8C_326/2014 vom 14. August 2014 E. 2, je mit Hinweisen)
.
Bei Differenzen zwischen Arbeitgeber und Beschäftigten darf nicht ohne weite
res auf ein fehlerhaftes Verhalten des Arbeitnehmers oder der Arbeitnehmerin geschlossen werden, wenn der Arbeitgeber nur unbestimmte Gründe geltend zu machen vermag, für welche er keine Beweise anführen kann (BGE 112 V 242 E.
1 mit Hin
weisen;
zum Ganzen vgl. auch Barbara Kupfer Bucher, Bundesgesetz über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung, 4. Auflage, Zürich
/Basel/Genf
2013, S. 161 ff., und Thomas Nussbaumer, Arbeitslosenversicherung, in: Schweizerisches
Bundesverwaltungsrecht [SBVR], 3
. Aufl
age, Basel 2015, S. 2515
Rz
837
).
2.2
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach
dem Grad des Verschuldens (
Art.
30
Abs.
3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31
bis 60 Tag
e bei schwerem Verschulden (
Art.
45
Abs.
3 AVIV).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin führte zu ihrem Entscheid aus,
es stehe fest, dass der Beschwerdeführer wiederholt verspätet zur Arbeit erschienen und am 11. Mai 2014 deswegen schriftlich verwarnt worden sei. Unbestrittenermassen sei er hernach wieder verspätet zur Arbeit erschienen. Schlussendlich habe die
Y._
die Stelle gekündigt. Zwischen dem Fehlverhalten des Beschwerdeführers und der Kündigung bestehe erwiesenermassen ein direkter Zusammenhang. Die anderslautenden Vorbringen des Beschwerdeführers seien Schutzbehauptungen und er könne
daraus
nichts
zu seinen Gunsten
ableiten (Urk. 2 S. 3 f
f
.,
Urk.
6 S. 2).
3.2
Der Beschwerdeführer macht geltend, er sei nicht oft und
nicht
mit erheblichen Verspätungen zur Arbeit erschienen. Beim 11. Mai 2014 habe es sich zudem um einen freien Tag gehandelt, an dem er
auf Anfrage hin
für einen Einsatz einge
sprungen sei. Die Verwarnung vom 11. Mai 2014 habe
er nur unterschrieben,
weil er unter Druck gesetzt worden sei. Das Argument der Beschwerdegegnerin, aufgrund der Verwarnung hätte er
in der Folge jeweils einen früheren Zug zur Arbeit nehmen sollen, sei willkürlich. Insgesamt fehle es an einem genügenden Grund, um eine Einstellung wegen selbstverschuldeter Arbeitslosigkeit zu rechtfertigen. Zu Unrecht habe die Beschwerdegegnerin keinen Auszug aus der Arbeitszeiterfassung beigezogen. Damit hätte sich das Ausmass der Verspätun
gen überprüfen lassen. Hinzu komme, dass
die
Stelle bei der
Y._
nicht zumutbar gewesen sei. Es sei mehrfach zu Verletzungen
gesamtar
beitsvertraglicher
Vorgaben gekommen. Zu beachten sei schliesslich, dass es sich um eine
Rachekündigung gehandelt habe
(Urk. 1 S. 1 f.).
4.
4.1
Fest steht, dass der Beschwerdeführer am 11. Mai 201
4
von seiner Arbeitgeberin schriftlich verwarnt worden war
(Urk. 7/20)
.
Zur Begründung wurde in der Verwarnung festgehalten, der Beschwerdeführer sei am 11. Mai 2014 nicht anweisungsgemäss um 07.30, sondern 45 Minuten später zur Arbeit erschienen.
Bereits zuvor sei es mehrfach zu Verspätungen gekommen. Mehrere Gespräche mit dem Vorgesetzten hätten an diesen Vorkommnissen nichts geändert. Zudem enthielt die Verwarnung den ausdrücklichen Hinweis, dass weitere Verwarnun
gen zu einer Vertragsauflösung führen könnten.
Die Verwarnung kannte der Beschwerdeführer. Sie trägt
dessen
eigenhändig unterzeichnete Bestätigung, diese gelesen und zur Kenntnis genommen zu haben.
Auch in der Stellungnahme vor Erlass der Einstellung anerkannte der Beschwerdeführer
ausdrücklich, er sei schriftlich verwarnt und für den Fall einer erneuten Verspätung sei ihm die Kündigung angedroht worden (Urk. 7/23 S. 1).
4.2
Durch welche Mittel er zur Unterzeichnung
der Verwarnung
genötigt worden sein soll, führte
d
er
Beschwerdeführer
nicht näher aus.
Mangels Substantiierung kann
nicht näher
auf
diesen
Einwand
eingegangen werden.
N
icht näher einzu
gehen ist
sodann
auf den Einwand
, die
Sachverhaltsdarstellung in der
Verwar
nung
sei nicht korrekt
.
Einwände zu den zur Verwarnung führenden Vorkomm
nissen erhob der Beschwerdeführer erst
,
als ihm eine
Einstellung
in der
Anspruchsberechtigung
drohte
. Echtzeitliche Einwände sind weder aktenkundig noch brachte der Beschwerdeführer vor, solche gegenüber der Arbeitgeberin erhoben zu haben.
Somit kann nicht ausgeschlossen werden
, dass
verfahrens
taktische
Überlegungen dazu geführt haben.
Nicht relevant ist ferner, dass der Arbeitseinsatz vom 11. Mai 2014 kurzfristig zustande kam, weil ein anderer Mitarbeiter ausgefallen war (vgl.
Urk.
1 S. 1,
Urk.
7/23 S. 2). Der Beschwerde
führer war gleichwohl gehalten, rechtzeitig zur Arbeit zu erscheinen. Dies tat er indessen nicht, was zur aktenkundigen Verwarnung führte.
4.3
Der Beschwerdeführer anerkannte,
auch
nach der Verwarnung vom 11. Mai 2014
wiederum
verspätet zum Dienst erschien
en zu sein
(Urk.
7/23 S. 2). Dass es sich, wie der Beschwerdeführer geltend macht, nur um eine Verspätung von wenigen Minuten gehandelt hat, vermag ihn nicht zu entlasten. Der Beschwer
deführer war
zuvor aufgrund von
wiederholten verspäteten Dienstantritten
förmlich
verwarnt worden.
Dass ein rechtzeitiger Arbeitsbeginn ganz allgemein zu den elementaren Pflichten eines Arbeitnehmers gehört, bedarf keiner nähe
ren Erörterung. Nach der Verwarnung war das künftige rechtzeitige Erscheinen f
ür den For
tbestand des Arbeitsverhältnisses am Arbeitsplatz
von besonderer Bedeutung. Aus arbeitslosenversicherungsrechtlicher Sicht war der Beschwer
deführer in dieser Situation gehalten, alles Zumutbare vorzusehen, um weitere Verspätungen zu verhindern. Dazu hätte es
entgegen
seiner
Auffassung (vgl.
Urk.
1 S. 1,
Urk.
7/26 S. 1)
gehört, eine Zugverbindung zu wählen, die trotz einer allfälligen Verzögerung
im Bahnverkehr
den rechtzeitigen Arbeitsbeginn erlaubt hätte.
4.4
Die erneute Verspätung nach der a
usdrücklichen Verwarnung ist ein
nachvoll
-
zieh
barer
und vom Beschwerdeführer
gesetzter
Grund für die Auf
lö
sung des Arbeitsverhältnisses
.
Die anderen vom Beschwerdeführer genannte
n
Gründe, dass es sich um eine Rachekündigung gehandelt habe, überzeugen nicht. Dies behauptete er erstmals im Beschwerdeverfahren
. In
der Stellung
nahme vom 20. August 2014
,
vor Erlass der Einstellung
,
war davon nicht die Rede, ebenso wenig
in der Einsprache.
Dort
hatte er dafür geltend gemacht, es habe sich um eine nicht zumutbare Anstellung gehandelt. Der Beschwerdeführer wies auf Vertragswidrigkeiten seitens der Arbeitgeberin hin, ohne dies
e
aber zu substantiieren. Eine Prüfung dieser Einwände im
Einspracheverfahren
unter
blieb somit zu Recht (Urk.
7/26 S.
1).
Auch anderweitige
Sachverhaltsabklärun
gen
, insbesondere im Zusammenhang mit der Arbeitszeiterfassung,
waren nicht angezeigt
. Wie dargelegt wurde,
ist
die genaue
Dauer der Verspätung nicht entscheidend (vgl. vorstehende E. 4.3).
4
.5
Es steht nach dem G
esagten mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer wiederholt
verspätet
zur Arbeit erschien
en ist
, wobei auch eine förmliche
Abmahnung
nichts daran änderte
. Die in diesem Zusammenhang erfolgte Auflösung des Arbeitsverhältnisses muss sich der Beschwerdeführer als selbstverschuldete Arbeitslosigkeit im Sinne von
Art.
30
Abs.
1
lit
. a AVIG ent
gegenhalten lassen. Die Einstellung erfolgte somit zu Recht.
5.
Die Einstellung von 36 Tagen Dauer entspricht einer Sanktion im Bereich des schweren Verschuldens. Nachdem der Beschwerdeführer förmlich abgemahnt und ihm für den Fall künftiger Verspätungen die Auflösung des Arbeitsverhält
nisses ausdrücklich angedroht worden war, erschien er wiederum zu spät, ohne dass hierfür ein von ihm
nicht
zu vertretender Grund vorlag (vgl.
Urk.
7/23
S. 2). Damit verhielt sich der Beschwerdeführer grobfahrlässig, was eine Sanktion im Bereich des schweren Verschuldens rechtfertigt. Die Einstellung von 36 Tagen Dauer ist mithin nicht zu beanstanden. Dies hat die Abweisung der gegen den Entscheid der Beschwerdegegnerin erhobenen
Beschwerde
zur Folge.