# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6fa25aa7-a706-4707-87b3-8b41fadaeb77
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Brandstiftung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 26. Januar 2012 (DG110317)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 30. September 2011 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. HD 15).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB;
− der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 3 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe (wovon 91 Ta-
ge durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft
nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem B._ Schadenersatz von
Fr. 17'805.20 zuzüglich 5 % Zins ab 18. September 2010 zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird der Privatkläger mit seinen Zivilansprüchen auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen.
6. Die Privatklägerinnen C._ AG, ARGE D._ und E._ AG werden
mit ihren Zivilansprüchen auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der F._ AG Schadenersatz von
Fr. 500.– zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die Privatklägerin mit ihrem
Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Das Genugtuungsbegehren der F._ AG wird abgewiesen.
9. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 30. September 2010 be-
schlagnahmte Mobiltelefon Nokia (Sachkautions-Nr. ...) wird dem Beschul-
- 3 -
digten nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils auf erstes Verlangen heraus-
gegeben.
10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 3'500.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'200.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. 1'700.– Kosten der Kantonspolizei
Fr. Kanzleikosten Untersuchung
Fr. 7'957.– Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliess-
lich derjenigen der amtlichen Verteidigung, werden einstweilen auf die Ge-
richtskasse genommen. Eine Nachforderung erfolgt, sobald es die wirt-
schaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten erlauben.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 44 S. 1)
A._ ist wegen Brandstiftung freizusprechen.
Er ist wegen Tätlichkeit schuldig zu sprechen und zu einer Busse von
Fr. 500.00 zu verurteilen.
Eventualiter: A._ ist wegen Brandstiftung und Tätlichkeit zu verurteilen
und zu einer maximalen Freiheitsstrafe von 2 Jahren zu verurteilen. Es sei
dabei eine bedingte Strafe auszusprechen.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse.
- 4 -
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(schriftlich, Urk. 39)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. 1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 7. Abteilung, vom 26. Januar 2012 wurde der Beschuldigte der Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB
sowie der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB schuldig gesprochen. Er
wurde bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 3 1⁄2 Jahren sowie einer Busse
von Fr. 500.–. Sodann wurde der Beschuldigte zu Schadenersatzzahlungen
an das B._ von Fr. 17'805.20 zuzüglich 5 % Zins ab 18. September
2010 sowie an die F._ AG von Fr. 500.-- verpflichtet. Im übersteigenden
Betrag wurden die Zivilansprüche der genannten Geschädigten auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen, ebenso die Zivilansprüche der C._ AG,
ARGE D._ und E._ AG. Das Genugtuungsbegehren der F._
AG wurde abgewiesen (Urk. 35 S. 23 ff.).
1.2. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte am 3. Februar 2012 rechtzeitig die Berufung an (Urk. HD 30). Mit Eingabe vom 24. April 2012 reichte er innert
Frist die Berufungserklärung ein (Urk. 36, vgl. Urk. HD 34/1), worin er mit Aus-
nahme der Verurteilung wegen Tätlichkeit (Anklageziffer B) einen Freispruch be-
antragte. Da sich die Berufung somit nicht gegen den Schuldspruch hinsichtlich
der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB richtet, ist vorzumerken, dass dieser
Teil des erstinstanzlichen Urteils rechtskräftig geworden ist. Ebenso ist Dispositiv-
Ziffer 9 (Herausgabe des mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 30. Septem-
- 5 -
ber 2010 beschlagnahmten Mobiltelefons Nokia an den Beschuldigten) rechtskräf-
tig geworden.
1.3. Die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerschaft erhoben keine Berufung und verzichteten auch auf Anschlussberufung (vgl. Urk. 37 und 38/1-7, Urk. 39).
Die Staatsanwaltschaft stellte sodann ein Dispensationsgesuch im Hinblick auf
die Teilnahme an der Berufungsverhandlung, welches bewilligt wurde, und erklär-
te, sich am weiteren Verfahren nicht aktiv beteiligen zu wollen (Urk. 39 und 40).
1.4. Beweisergänzungsanträge wurden keine gestellt. Wie sich aus  Erwägungen ergibt (Ziff. 2.2.1.), erwies es sich als notwendig, den Brander-
mittler der Kantonspolizei Zürich als sachverständigen Zeugen einzuvernehmen.
Er wurde am 26. September 2012 auf den 19. Oktober 2012, mithin den Termin
der Berufungsverhandlung, vorgeladen (Urk. 41). Mit Schreiben vom 1. Oktober
2012 stellte der Zeuge ein Verschiebungsgesuch, welches gutgeheissen wurde
(Urk. 42, vgl. auch Urk. 41). Der Zeuge wurde am 28. November 2012 in Anwe-
senheit des amtlichen Verteidigers befragt (Prot. II S. 5 f.; Urk. 47). Die Staatsan-
waltschaft verzichtete auf eine Teilnahme. Im Anschluss an die Zeugeneinver-
nahme wurde den Parteien Frist zur schriftlichen Stellungnahme angesetzt
(Urk. 48 und 53). Innert erstreckter Frist nahm der amtliche Verteidiger dazu Stel-
lung (Urk. 51). Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Stellungnahme
(Urk. 55). Der Prozess erweist sich als spruchreif.
1.5. Vorliegend ist die Schweizerische Strafprozessordnung anwendbar (Art. 454 Abs. 1 StPO).
II. Prozessuales
2.1. Die Verteidigung rügte vor Vorinstanz in prozessualer Hinsicht die Verletzung des Anklageprinzips. Dem Beschuldigten werde vorgeworfen mithilfe eines Gum-
mischlauchs durch Anblasen mindestens 100 Liter Dieseltreibstoff aus einem
Tank auslaufen gelassen zu haben. Dies widerspreche physikalischen Gesetzen.
- 6 -
Durch Anblasen eines Schlauches könne keine Flüssigkeit aus einem Behälter
auslaufen (Urk. HD 27 S. 2 f.).
Die Vorinstanz hat diesen Einwand völlig zutreffend entkräftet, worauf ohne Wei-
terungen zu verweisen ist (Urk. 35 S. 3 f. Erw. 2.2. und 2.3.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
An der Berufungsverhandlung wiederholte der Verteidiger diesen Einwand denn
auch nicht mehr (Urk. 44 S. 2).
2.2. Weiter brachte die Verteidigung vor Vorinstanz vor, weder der Brandexperte noch die Bauarbeiter seien als Zeugen befragt und auch kein wissenschaftliches
Gutachten sei beigezogen worden. Somit könne einzig auf die Rapporte und die
Fotos und die allgemeinen physikalischen und chemischen Gesetze abgestellt
werden (Urk. HD 27 S. 7). Insbesondere stellte der Verteidiger verschiedene
Feststellungen und Schlussfolgerungen des polizeilichen Brandermittlungsbe-
richts in Frage (Urk. HD 27 S. 4 - 7).
2.2.1. Die Strafprozessordnung kennt keine Begrenzung der Beweismittel (Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 139 StPO N 1; BSK StPO-Gless, Art. 139
N 14). Gemäss Art. 145 StPO sind schriftliche Berichte anstelle von Einvernah-
men vorgesehen für Verfahren, in denen komplizierte, nur im Zusammenhang mit
Belegen verständliche Vorgänge darzustellen und zu erläutern sind oder tech-
nisch Auskünfte erteilt werden. Schriftliche Berichte sind auch dann sinnvoll, wenn
Behörden Auskünfte über Vorgänge in ihrem Amts- oder Berufsbereich zu erteilen
haben (vgl. hierzu auch Art. 195 StPO; Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 139
StPO N 4; BSK StPO-Häring, Art. 145 N 2 f.). Ein solcher Bericht erfolgt nicht un-
ter der Strafandrohung der falschen Zeugen- oder Sachverständigenaussage ge-
mäss Art. 307 StGB und stellt - wie die Verteidigung zu Recht ausführt (Urk. 51
S. 2 f.) - kein Gutachten dar. Im Streitfall muss deshalb die berichtsverfassende
Person förmlich als Zeugin oder Zeuge, als Auskunftsperson oder als sachver-
ständige Person befragt werden, falls der Bericht im betreffenden Fall beweis-
mässig bedeutsam ist (Franz Ricklin, StPO Kommentar, Art. 145 N 3 f.; BSK
StPO-Häring, Art. 145 N 4; Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 145 StPO N 7).
Der Bericht des Brandermittlers der Kantonspolizei Zürich hält u.a. fest, dass das
Dieselöl aus dem Baustellentank 2 über die Fahrbahn zum Baustellentank 1 ge-
- 7 -
flossen und dort mittels einer unbekannten Zündquelle in Brand gesetzt worden
sei (Urk. ND 1/3 S. 7). In der Anklage wird dem Beschuldigten vorgeworfen, Die-
selöl aus dem Baustellentank 2, das vor den Baustellentank 1 geflossen sei, an-
gezündet zu haben (Urk. HD 15). Diese vom Verteidiger hinterfragte Feststellung
erscheint für den Sachverhalt beweismässig bedeutsam, wird dem Beschuldigen
doch vorgeworfen, er habe dieses Dieselöl, aus dem zweiten Tank, angezündet.
Aus diesem Grund rechtfertigte es sich, den Brandermittler G._ als sachver-
ständigen Zeugen gemäss Art. 162 ff. StPO einzuvernehmen.
2.2.2. Die Einvernahme weiterer Zeugen, wie Bauarbeiter, oder die Einholung  wissenschaftlichen Gutachtens, erweisen sich, wie noch zu zeigen sein wird,
als nicht notwendig.
2.3. Die Verteidigung machte in ihrer Stellungnahme zur Zeugeneinvernahme des Brandermittlers G._ geltend, dieser sei dadurch, dass er bereits als polizeili-
cher Ermittler tätig gewesen sei, in seiner Einvernahme vorbefasst gewesen
(Urk. 51 S. 2 f.). Worin diese Vorbefasstheit liegen soll, ist nicht ersichtlich.
G._ wurde weder von der Staatsanwaltschaft noch vom Gericht als Gutach-
ter oder Sachverständiger bestellt, sondern lediglich als sachverständiger Zeuge
befragt. Seine Einvernahme unterstand damit den allgemeinen Regeln der Zeu-
geneinvernahme (BSK StPO-Heer, Art. 183 N 2). Selbst wenn in Bezug auf die
dem Brandermittler über seine Wahrnehmungen hinaus als Experten gestellten
Fragen Art. 183 Abs. 3 StPO zur Anwendung gelangt, ist vorliegend kein Aus-
standsgrund gegeben. Gemäss Art. 56 lit. b StPO hat eine in einer Strafbehörde
(u.a. Polizei) tätige Person in den Ausstand zu treten, wenn sie in einer anderen
Stellung, insbesondere als Sachverständiger oder Zeuge, in der gleichen Sache
tätig war. Der sachverständige Zeuge G._ war einer der ermittelnden Poli-
zeibeamten, verfasste in dieser Funktion seinen Bericht und wurde hernach durch
das Obergericht als sachverständiger Zeuge zu seinem Bericht befragt. Als
Brandermittler hatte er damit bereits bei der Polizei die Stellung eines fachlich
spezialisierten Ermittlers inne. Dies hat sich bei seiner Einvernahme vor Oberge-
richt nicht geändert. Er ist somit nicht in einer anderen Stellung tätig geworden,
weshalb auch keine Befangenheit anzunehmen ist.
- 8 -
III. Schuldpunkt
A. Sachverhalt
3.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, am tt. September 2010, kurz nach 02.00 Uhr, einen Brand auf der D._ in H._ gelegt zu haben. Dabei habe
er auf der dortigen Baustelle aus einem Tank (Fassungsvermögen ca. 2000 Liter)
mithilfe eines Gummischlauchs durch Anblasen (Siphoneffekt) mindestens 100 Li-
ter Dieseltreibstoff auslaufen lassen und diesen auf nicht näher bekannte Weise
angezündet. Das Feuer habe Sachschaden an Baumaschinen, am Bauwerk sel-
ber und der sonstigen Baustelleninfrastruktur von über einer halben Million Fran-
ken verursacht. Der Brand habe nur dank eines Grossaufgebotes der Feuerwehr
gelöscht und unter Kontrolle gebracht werden können.
3.2. In der Untersuchung und vor Vorinstanz machte der Beschuldigte von seinem Recht auf Aussageverweigerung Gebrauch. Von den Berufungsverhandlungen
vom 19. Oktober 2012 und vom 28. November 2012 liess er sich krankheitshalber
dispensieren (Urk. 43 und 46). Der amtliche Verteidiger hielt am Antrag auf Frei-
spruch vom Vorwurf der Brandstiftung fest (Urk. 44 S. 1 und Urk. 51 S. 12).
3.3. Die Täterschaft des Beschuldigten begründet die Anklagebehörde mit  des Beschuldigten, die am Tatort am Ende eines Elastomer-Schlauchs
gefunden wurden. Der Schlauch ragte aus der Öffnung im Dom des Baustel-
lentanks 2 und lag mit dem anderen Ende in der Dieselöl-Lache (Urk. ND 1/3 S. 4;
Urk. ND 1/4/2 Foto Nr. 5). Gemäss Bericht des Brandermittlers der Kantonspolizei
Zürich, Det Wm mbA G._, sei offensichtlich Dieseltreibstoff im Hundertliter-
Bereich absichtlich im Siphon-Prinzip aus dem Baustellentank 2 abgelassen und
auf die Brückenoberfläche geleitet worden. Über den Brückenbelag sei der Die-
seltreibstoff unter den Hochdruckpumpen-Aggregaten in Richtung ...-Strasse zum
Baustellentank 1 geflossen und habe in diesem Bereich eine riesige Lache aus
brennbarem Brandbeschleunigungsmittel gebildet. Durch die Fahrbahnverbindung
über den Pfeiler sei der Dieseltreibstoff unter die Brücke gelangt. Eventuell sei
- 9 -
aus dem Baustellentank 1 in der Folge mittels der mechanischen Pumpe über die
Tankarmatur weiterer Dieseltreibstoff entnommen und auf die Strasse, in das Ar-
maturenabteil oder gar über den Baustellentank geschüttet worden (Urk. ND 1/3
S. 6). Der Dieseltreibstoff sei dann im Bereich des Baustellentank 1 mittels einer
unbekannten Zündquelle in Brand gesetzt worden. Es sei davon auszugehen,
dass die Täterschaft gewollt habe, dass die gesamte Lache aus Dieseltreibstoff in
Brand gerate, um den gesamten Maschinenpark in Brand zu setzen (Urk. ND 1/3
S. 7).
3.4. Die Verteidigung bringt zunächst vor, aus den Akten ergäbe sich nicht, dass der aus dem Baustellentank 2 ausgelaufene Dieseltreibstoff angezündet worden
sei. Aufgrund des Brandherdes und den Brandspuren sei wahrscheinlich, dass
aus dem Tank 1 auf unbekannte Weise Treibstoff ausgeflossen sei und dass des-
halb dort auf unbekannte Weise ein Brand entstanden sei (Urk. HD 27 S. 7, vgl.
auch Urk. 44 S. 3 ff. und Urk. 51 S. 3 ff.).
3.4.1. Sie begründet dies damit, dass auf Foto Nr. 5 (Urk. ND 1/4/2) ersichtlich sei, dass das Dieselöl nicht Richtung Brandherd, sondern in die Gegenrichtung
geflossen sei. Wenn zudem der Dieseltreibstoff gemäss Zusatzrapport effektiv
Richtung Baustellentank 1 geflossen wäre, so hätte sich zweifellos das Feuer so-
fort explosionsartig - aufgrund der brennbaren Flüssigkeit und Dämpfe - über den
Fluss des Dieseltreibstoffes Richtung Baustellentank 2 ausgebreitet und der gan-
ze Fluss des Dieseltreibstoffes hätte zwischen Tank 1 und 2 lichterloh brennen
müssen (Urk. HD 27 S. 6, Urk. 44 S. 3, Urk. 51 S. 3 ff.).
3.4.2. Sodann wendet die Verteidigung ein, aus den Akten gehe nicht hervor, wie viel Dieseltreibstoff insgesamt tatsächlich ausgelaufen sei. Zunächst sei unklar,
wie der Sachbearbeiter zur Feststellung gelangt sei, dass die Baustellentanks mit
einem Fassungsvolumen von je 2000 Liter zu 2/3 mit Dieseltreibstoff gefüllt ge-
wesen seien. Sodann stehe nicht fest, ob diese Menge vor oder nach dem Brand
vorhanden gewesen sei. Aufgrund welcher Feststellungen die Untersuchungsor-
gane zur Mengenangabe "grössere Menge im 100-Liter-Bereich" gelangt seien,
könne mit den vorliegenden Akten nicht festgestellt werden (Urk. HD 27 S. 5,
Urk. 44 S. 3 f., Urk. 51 S. 5 f.).
- 10 -
3.4.3. Unklar sei sodann, weshalb bei einem Schlauch mit Siphon-Effekt bei Tank 2 lediglich ein kleiner Teil des Dieselöls ausgeflossen sei. Wäre durch den
Siphoneffekt tatsächlich Dieseltreibstoff aus dem Treibstofftank ausgeflossen, so
hätte er aufgrund der physikalischen Druckverhältnisse und der Länge des
Schlauchs praktisch leer sein müssen. Dass lediglich eine vergleichsweise gerin-
ge Menge ausgelaufen sei, spreche dafür, dass der Dieseltreibstoff nicht durch
den Schlauch auf die Strasse geflossen sei. So müsse sich auch die Frage stel-
len, ob denn überhaupt Dieselöl aus diesem Tank 2 oder nicht nur aus Tank 1 ge-
flossen sei. Diese Frage sei nie in diesen Akten aufgrund der Tatortspuren be-
antwortet worden. Stammte diese Flüssigkeit möglicherweise aus Tank 1 über die
mechanische Handpumpe, die von der Polizei im Rapport erwähnt worden sei,
liege allenfalls gar keine Brandstiftung vor (Urk. HD 27 S. 6).
3.5. Diesen Einwendungen wurde bereits im vorinstanzlichen Urteil Rechnung , worauf vorab zu verweisen ist (Urk. 35 Erw. 6.1. - 6.3.; Art. 82 Abs. 4
StPO).
3.5.1 Ergänzend ist anzufügen, dass der Brandermittler G._ als Zeuge am 28. November 2012 vor dem Obergericht bestätigte, dass Dieseltreibstoff aus
Tank 2 zu Tank 1 bzw. zum Brandherd geflossen ist. Insbesondere gab er an, der
Brandherd habe sich beim Baustellentank 1 befunden, dem Tank, der näher Rich-
tung I._-Platz gelegen habe. Beim Baustellentank 2 habe der Domdeckel of-
fen gestanden. Ein Schlauch habe aus dem Domdeckel geschaut und bis zum
Boden geführt und in eine Lache unterhalb des Baustellentanks gemündet, wel-
che aus Dieseltreibstoff bestanden habe. Das Dieselöl, welches gebrannt habe,
stamme offensichtlich - aufgrund der Strassenlage - aus dem Tank 2, welcher nä-
her am J._-Platz liege. Die D._ weise in dem Bereich, in welchem sich
die Baustelle befunden habe, ein leichtes Gefälle in Richtung I._-Platz auf.
Zwischen Tank 2 und Tank 1 habe es eine durchgehende Lache gegeben. Zwar
könne nicht ausgeschlossen werden, dass dem Baustellentank 1 auch Dieselöl
entnommen worden sei, aber Flüssigkeit könne bekanntlich nicht bergauf fliessen
(Urk. 47 S. 2 f.).
- 11 -
Auf entsprechende Frage der Verteidigung präzisierte der Brandermittler, dass
man auf der D._ den Asphalt mittels Wasserhöchstdruck entfernt und es
dadurch auf der Strecke auch kleine Unterschiede in der Bearbeitungstiefe (Un-
ebenheiten) gegeben habe, so dass die Lache auch einige Meter auf die andere
Seite habe fliessen können. Trotzdem sei der Gesamteindruck ein Gefälle Rich-
tung I._-Platz gewesen. Dies sei visuell offensichtlich gewesen (a.a.O. S. 5
f.).
Nach diesen klaren Aussagen des Brandermittlers überzeugen die Ausführungen
der Verteidigung, welche nach wie vor daran festhält, dass keine durchgehende
Lache zwischen Tank 2 und Tank 1 vorgelegen und kein Gefälle vom Baustellen-
tank 2 zum Baustellentank 1 existiert habe (Urk. 51 S. 4), nicht. Entgegen der Ar-
gumentation der Verteidigung (Urk. 51 S. 4 f.) ist es denn auch nicht nötig, dass
Wahrnehmungen eines Zeugen, welche dieser klar und widerspruchsfrei zu Pro-
tokoll gibt, mit technischen Mitteln überprüft bzw. gemessen wurden.
3.5.2. Die weiter aufgeworfene Frage, weshalb der Brand trotz durchgehender Lache nicht auf den Baustellentank 2 Übergriff genommen habe, erklärte der
Brandermittler plausibel damit, dass Dieselöl einen höheren Flammpunkt als Ben-
zin aufweise. Der Flammpunkt bei Dieselöl liege bei 55 Grad, derjenige von Ben-
zin seines Wissens bei ungefähr minus 20 Grad. Da nur die gasförmige Phase
des Dieseltreibstoffs brenne, bedinge das eine gewisse Erwärmung des flüssigen
Mediums. Erst wenn die Flüssigkeit den Flammpunkt erreiche, könne sich das
Feuer ausbreiten. Wenn man den Dieseltreibstoff in einer grossen Lache punktu-
ell anzünde, habe nur der Dieseltreibstoff in gerade diesem Bereich über 55 Grad
erreicht, so dass er brenne. Dort, wo das Feuer noch nicht sei und der Diesel
noch kalt sei bzw. noch nicht 55 Grad erreicht habe, könne der Diesel nicht bren-
nen (a.a.O. S. 3 f.). Die gegenteiligen Ausführungen der Verteidigung, welche auf
einer eigenen physikalischen Berechnung beruhen (Urk. 51 S. 9 ff.), lassen keine
Zweifel an den Schlussfolgerungen des Brandermittlers aufkommen, wonach es
das Dieselöl aus dem Tank 2 war, welches beim Tank 1 brannte.
3.5.3. Darüber hinaus bestätigte der Brandermittler, dass er aufgrund seiner  wisse, dass es möglich sei, dass das Dieselöl dem Tank 2 mittels Sipho-
- 12 -
neffekt entnommen worden sei (a.a.O. S. 3 und S. 7). Die diesbezüglich neue,
mithin nach der Zeugeneinvernahme, vorgebrachte Argumentation der Verteidi-
gung, der Dieseltreibstoff habe aufgrund der von ihm angestellten physikalischen
Berechnungen nicht mittels Siphoneffekt angesaugt werden können (Urk. 51 S. 7
ff.), zielt damit ins Leere.
3.5.4. Im Brandermittlungsbericht ist auch festgehalten, dass zum Abbinden des Dieseltreibstoffes auf der Fahrbahn von der Feuerwehr eine grössere Menge Öl-
bindemittel gestreut wurde (Urk. ND 1/3 S. 2). Dies ist auf Foto Nr. 5 als weissli-
cher Belag zwischen Tank 2 und einem Hochdruckpumpenaggregat bzw. auf Foto
Nr. 2 im Bereich des Tank 1 ersichtlich. Dies belegt ebenfalls das Bestehen der
Dieselöllache, wie sie auf der Planbeilage vom Brandermittlungsexperten einge-
zeichnet wurde (Urk. ND 1/4/3 Blatt 2) bzw. den Fluss des Dieseltreibstoffs von
Tank 2 zu Tank 1. Zudem bestätigte der Brandermittler anlässlich seiner Zeugen-
einvernahme, dass er auf Foto Nr. 5 nach wie vor eine Dieseltreibstofflache sehe
und es auch so in Erinnerung und im Rapport festgehalten habe. Zu berücksichti-
gen sei, dass er auch den Bauschutt, welcher mit einer grünlichen Flüssigkeit
(Dieselöl) richtiggehend getränkt gewesen sei, als Lache bezeichnet habe
(Urk. 47 S. 6 f.).
Auch diese Aussagen des Brandermittlers sind klar und stimmen zudem mit der
Fotodokumentation überein. Insbesondere lässt sich auf Foto Nr. 5 - entgegen der
Ansicht der Verteidigung (Urk. 51 S. 6) - bei der mit "Dieselöl-Lache" bezeichne-
ten Fläche auf der rechten Seite des Tanks tatsächlich eine grünlich-gelbe Ver-
färbung der Flüssigkeit ausmachen (Urk. ND 1/4/2 S. 3). Daran ändert auch die
Argumentation des Verteidigers nichts, wonach der Brandermittler erst nach Lö-
schung des Brandes am Tatort eingetroffen sei und es für ihn deshalb wohl äus-
serst schwierig gewesen sei zu unterscheiden, wo sich vor dem Einsatz des Was-
sers tatsächlich eine Dieselölspur befunden habe (Urk. 51 S. 4).
3.6. Was die Einwände des Verteidigers zu den vorgefundenen DNA-Spuren am Plastikschlauch angeht (Urk. HD 27 S. 11, Urk. 44 S. 8 und Urk. 51 S. 11 f.), so
hat die Vorinstanz auch diese zutreffend entkräftet, worauf vollumfänglich verwie-
sen werden kann (Urk. 35 Erw. II.8.1.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Dazu kommt Folgen-
- 13 -
des: Der Beschuldigte weigerte sich, Aussagen zu machen. Das Recht des Be-
schuldigten, zu schweigen und sich nicht selber mit Aussagen zu belasten ist ne-
ben Art. 113 Abs. 1 StPO ausdrücklich in Art. 14 Ziff. 3 lit. g des Internationalen
Pakts über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II) verankert. Gemäss
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR)
leitet sich aus dem Recht zu Schweigen ein für den Richter geltendes Verbot ab,
einen Schuldspruch ausschliesslich oder im Wesentlichen darauf zu stützen, dass
der Beschuldigte schwieg oder sich weigerte, Fragen zu beantworten oder Aus-
sagen zu machen. Das Recht zu Schweigen ist aber nicht absolut. Wenn belas-
tende Beweise nach einer Erklärung rufen, die der Beschuldigte geben müsste, er
dies jedoch nicht tut, ist der Schluss zulässig, dass es keine mögliche Erklärung
gibt und der Beschuldigte schuldig ist (vgl. die Rechtsprechung des EGMR hierzu:
Urteil vom 8. Feburar 1996 i.S. Murray c. Vereinigtes Königreich, Ziff. 45; Urteil
vom 6. Juni 2000 i.S. Averill c. Vereinigtes Königreich, Ziff. 45; Urteil vom 2. Mai
2000 i.S. Condron c. Vereinigtes Königreich, Ziff. 56). Das Bundesgericht hat die-
se Auffassung nachvollzogen (BGE 121 II 257, E. 4a; Urteil 1P.641/2000 vom
24. April 2001, publ. in: Pra 90/2001 Nr. 110, E. 3). Das Schweigen des Beschul-
digten ist deshalb vor diesem Hintergrund so zu werten, dass es keine Erklärung
gibt, die dazuführen würde, eine andere Möglichkeit als jene der Anklage in Be-
tracht zu ziehen. Insoweit ist die diesbezügliche Begründung der Vorinstanz zu re-
lativieren, wonach sich die Aussageverweigerung des Beschuldigten für die Be-
weiswürdigung neutral auswirke (Urk. 35 S. 11). Die vom Verteidiger des Be-
schuldigten vorgebrachten Ausführungen vermögen daran nichts zu ändern und
wurden, wie bereits erwähnt, von der Vorinstanz zutreffend gewürdigt.
4. Als Indiz für die Täterschaft des Beschuldigten ist sodann der Umstand zu , dass er kurze Zeit nach der Brandlegung in unmittelbarer Nähe des Tatortes
(auf dem Aufgang zur D._ für Fussgänger) zwischen 02:45 und 03:00 Uhr
einer polizeilichen Personenkontrolle unterzogen wurde (Urk. ND 1/7/2). Gemäss
eines schriftlichen Berichts des damit befassten Polizeibeamten habe der Be-
schuldigte erklärt, er wohne an der I._-Strasse ... und sei unterwegs in den
Ausgang in den ... (Urk. ND 1/7/2). Wie die Vorinstanz zu Recht ausführt, ist dies
zwar durchaus denkbar. Indessen schliesst das eine das andere nicht aus, dass
- 14 -
nämlich der Beschuldigte die Folgen seiner Tat begutachten wollte, um nachher
noch allenfalls in den Ausgang zu gehen. Aufgrund der zeitlichen Koinzidenz - der
Brand wurde um 02:27 Uhr der Polizei gemeldet, der Beschuldigte zwischen
02:45 - 03:00 Uhr in unmittelbarer Nähe des Tatortes betroffen - sind erhebliche
Zweifel angebracht, diese sei zufällig.
5. Entgegen der Ansicht der Untersuchungsbehörde und der Vorinstanz stellt  die Zugehörigkeit des Beschuldigten zur sog. "Häuserbesetzerszene" kein
Indiz für die Täterschaft des Beschuldigten dar.
6. Insgesamt ist der Sachverhalt, wie er in der Anklage festgehalten ist, als erstellt zu erachten. Die Täterschaft des Beschuldigten ergibt sich aus der DNA-Spur, die
auf dem aus dem Dieselöltank 2 ragenden Plastikschlauch festgestellt wurde,
welche zusammen mit seiner Aussageverweigerung dazu führt, dass nach Mass-
gabe des gesunden Menschenverstandes (vgl. Pra 90 (2001) Nr. 110) der
Schluss zu ziehen ist, es gebe keine mögliche, den Beschuldigten entlastende
Erklärung dafür. Dazu kommt als Indiz die zeitliche Übereinstimmung des Auftre-
tens des Beschuldigten am Tatort. Der Tatverlauf ergibt sich sodann aus dem Be-
richt und der Zeugenaussage des Brandermittlers. Diese Beweismittel lassen kei-
ne erheblichen und unüberwindbare Zweifel an seiner Täterschaft aufkommen.
B. Rechtliche Würdigung
7. Die rechtliche Würdigung der Vorinstanz ist zutreffend und wurde auch im  nicht von der Verteidigung beanstandet (Urk. 35 Erw. III.;
Urk. 44 und 51). Das objektive Tatbestandsmerkmal der Feuersbrunst ist gege-
ben, wie sich auch aus den Aufnahmen ergibt (Urk. ND 1/4/1): Der Täter wäre
nicht mehr in der Lage gewesen, diese Feuersbrunst zu bezwingen (BGer vom
19.01.2004, 6P.91/2003). Sodann wurde ein Schaden zum Nachteil eines Dritten
verursacht. Überdies ist direkter Vorsatz zu bejahen. Somit ist der Beschuldigte
der Brandstiftung im Sinne von Art. 221 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
- 15 -
IV. Strafe
8. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen (Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr  Brandstiftung und Busse betreffend Tätlichkeit) zutreffend dargestellt
(Urk. 35 Erw. IV.1 und 2.). Innerhalb dieses Strafrahmens bemisst sich die Strafe
nach dem Verschulden des Täters, wobei das Vorleben und die persönlichen
Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das Leben des Täters zu berück-
sichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB). Für die Übertretung ist gemäss Art. 126 eine
Busse auszusprechen. Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung
oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Han-
delns, den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie
weit der Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die
Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Bei der Bemes-
sung der Busse ist zudem den finanziellen Verhältnissen Rechnung zu tragen
(Art. 106 Abs. 3 StGB; Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, Kommentar StGB,
18. A., Zürich 2010, Art. 106 N 4). Zu unterscheiden ist zwischen der Tat- und Tä-
terkomponente. Bei der Tatkomponente sind das Ausmass des verschuldeten Er-
folges, die Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, die Willensrichtung,
mit welcher der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des Beschuldigten zu
beachten. Sodann sind für das Verschulden auch das "Mass an Entscheidungs-
freiheit" beim Täter sowie die sogenannte Intensität des deliktischen Willens be-
deutsam (Donatsch/Flachsmann/Hug/Weder, a.a.O., Art. 47 N 7 ff. mit weiteren
Verweisen). Je leichter es für ihn gewesen wäre, die Norm zu respektieren, desto
schwerer wiegt die Entscheidung gegen sie (Bundesgerichtsentscheid
6S.43/2001 vom 19. Juni 2001, E. 2; Bundesgerichtsentscheid 6S.333/2004 vom
23. Dezember 2004, E. 1.1; BGE 122 IV 241 und Pra 2001 S. 832 lit. a; Straten-
werth, Schweizerisches Strafrecht AT II, 2. Auflage, Bern 2006, § 6 N 13). Das
Gericht hat in seinem Urteil die Überlegungen, die es bei der Bemessung der
Strafe angestellt hat, in den Grundzügen darzustellen. Dabei muss es in der Re-
gel die wesentlichen schuldrelevanten Tat- und Täterkomponenten so erörtern,
dass festgestellt werden kann, ob alle rechtlich massgeblichen Gesichtspunkte
Berücksichtigung fanden und wie sie gewichtet wurden. Insgesamt müssen seine
- 16 -
Erwägungen die ausgefällte Strafe rechtfertigen, d.h. das Strafmass muss als
plausibel erscheinen (BGE 127 IV 101, E. 2; Bundesgerichtsentscheid
6S.83/2006, E. 3.1 vom 5. Februar 2007; Art. 50 StGB).
9.1.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere ist zu veranschlagen, dass der  mit seinem Vorgehen einen enormen Schaden von gegen einer halben
Million Franken zum Nachteil Dritter verursacht hat. Verschuldenserhöhend wirkt
sich sein planmässiges Vorgehen aus. Sodann ist die Tat als reiner Vandalismus
zu qualifizieren und zeugt von einer erheblichen kriminellen Energie. Allerdings
richtete sich die Tat in erster Linie gegen Sachwerte und war nicht darauf ausge-
richtet, Menschen an Leib und Leben zu gefährden, was das Verschulden wiede-
rum etwas relativiert, obwohl, wie die Vorinstanz ebenfalls zutreffend festgehalten
hat (Urk. 35 Erw. IV.4.1.), durch die Feuersbrunst eine abstrakte Gefahr für Leib
und Leben von Menschen geschaffen wurde. Das objektive Tatverschulden ist als
nicht mehr leicht bis erheblich einzustufen. In subjektiver Hinsicht hat der Be-
schuldigte mit direktem Vorsatz gehandelt. Seine Motivation bleibt zufolge seiner
Aussageverweigerung im Dunkeln. Entgegen der Vorinstanz lässt sich darin auch
keine ideologische Motivation erkennen, zumal sich das Bekennerschreiben
(Urk. ND 1/2) nicht dem Beschuldigten zuschreiben lässt. Das subjektive Tatver-
schulden vermag das objektive nicht zu mindern. Die hypothetische Einsatzstrafe
ist im Bereich von knapp 3 Jahren festzusetzen.
9.1.2. Für die Tätlichkeit ist mit der Vorinstanz von einem geringen Verschulden auszugehen. Die zwei Schläge des Beschuldigten mit der Hand gegen den Bauch
und das Gesicht waren nicht heftig (Urk. ND 2/6 S. 4).
9.2. Was die persönlichen Verhältnisse angeht, so hat die Vorinstanz die wenigen Eckdaten zutreffend wiedergegeben, nämlich dass der Beschuldigte am
tt.mm.1977 in K._ geboren wurde, ledig ist und in H._ wohnt. Ein Beruf
des Beschuldigten ist nicht bekannt und er hat kein steuerbares Vermögen bzw.
Einkommen (Urk. HD 12/2 und 12/3). Der Beschuldigte hat sich in der Untersu-
chung und vor Vorinstanz weder zu seinen persönlichen noch zu seinen finanziel-
len Verhältnissen geäussert (Urk. HD 6 S. 3 f.; Urk. 25). Aus den persönlichen
Verhältnissen lassen sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren entnehmen.
- 17 -
9.3. Der Beschuldigte wurde am 26. Februar 2004 vom Bezirksgericht Zürich  Drohung und Hausfriedensbruch zu 3 Monaten und 2 Wochen Gefängnis
verurteilt, wobei der Strafvollzug aufgeschoben und die Probezeit auf 4 Jahre
festgesetzt wurde. Diese Vorstrafe fällt kaum straferhöhend ins Gewicht, zumal
sie nicht einschlägig ist und schon weiter zurückliegt. Sodann delinquierte der Be-
schuldigte während laufender Strafuntersuchung wegen der am 3. August 2010
begangenen Tätlichkeit (ND 2). Dies wirkt sich leicht straferhöhend aus.
9.4. Weitere Strafzumessungsgründe betreffend die Brandstiftung sind nicht . Deutlich strafmindernd wirkt sich sein Geständnis betreffend der Tätlich-
keit sowie der Umstand aus, dass sich der Beschuldigte gemäss Angaben seines
Verteidigers beim Geschädigten dafür entschuldigt hat (Urk. HD 27 S. 15).
9.5. Ausgehend von der Einsatzstrafe im Bereich von knapp 3 Jahren und unter Berücksichtigung sämtlicher Strafzumessungsgründe erscheint eine Freiheitsstra-
fe von 3 Jahren und unter Berücksichtigung seiner finanziellen Verhältnisse eine
Busse von Fr. 200.-- als angemessen. An die Strafe sind 91 Tage Haft anzurech-
nen (Art. 51 StGB). Die Ersatzfreiheitsstrafe bei schuldhafter Nichtbezahlung der
Busse ist auf 2 Tage festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 StGB).
V. Vollzug
10.1. Gemäss Art. 43 StGB kann das Gericht den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr und höchstens drei Jahren nur teilweise aufschieben,
wenn dies notwendig ist, um dem Verschulden des Täters genügend Rechnung
zu tragen (Abs. 1), wobei der unbedingt vollziehbare Teil die Hälfte der Strafe
nicht übersteigen darf (Abs. 2) und sowohl der aufgeschobene wie auch der zu
vollziehende Teil mindestens sechs Monate betragen müssen (Abs. 3). Dabei gel-
ten auch für die teilbedingte Strafe die subjektiven Voraussetzungen von
Art. 42 StGB: Während bei einer eigentlichen Schlechtprognose die Strafe in vol-
lem Umfang zu vollziehen ist, ist zumindest ein Teil der Strafe auf Bewährung
- 18 -
auszusetzen, wenn es an einer negativen Legalprognose fehlt (BGE 134 IV 1,
E. 5.3.1).
10.2. Hinsichtlich der Kriterien für die Prognose über das zukünftige Verhalten des Täters geht die bundesgerichtliche Rechtsprechung davon aus, dass eine Ge-
samtwürdigung aller wesentlichen Umstände vorzunehmen ist, wobei in die Beur-
teilung neben den Tatumständen auch das Vorleben und der Leumund sowie alle
weiteren Tatsachen, die gültige Schlüsse auf den Charakter des Täters und die
Aussichten seiner Bewährung zulassen, mit einzubeziehen sind. Unerlässlich für
die Einschätzung des Rückfallrisikos ist ein Gesamtbild der Täterpersönlichkeit,
das u.a. strafrechtliche Vorbelastung, Sozialisationsbiographie und Arbeitsverhal-
ten, das Bestehen sozialer Bindungen und Hinweise auf Suchtgefährdungen be-
rücksichtigt. Die persönlichen Verhältnisse sind bis zum Zeitpunkt des Entschei-
des mit einzubeziehen (BGE 134 IV 1, E. 4.2.1).
10.3. Vorliegend ist zunächst darauf hinzuweisen, dass der Beschuldigte eine Vorstrafe vom 26. Februar 2004 aufweist, welche somit über sechseinhalb Jahre
seit der Tatbegehung zurückliegt (Urk. HD 12/1) und nicht einschlägig ist. In
Rechnung zu stellen ist anderseits, dass über die Lebensumstände des Beschul-
digten nicht viel bekannt ist. Immerhin kann den Akten entnommen werden, dass
der Beschuldigte sich um eine Arbeitsstelle bemüht hat und erfolgreich eine Fahr-
zeuganhängerprüfung bestanden hat (Urk. HD 27 S. 14). Sodann engagiert sich
der Beschuldigte gegen Rechtsradikale und für Häuserbesetzer und eine ...
Schule (Urk. HD 27 S. 13). Insgesamt ist ihm sicher eine gesellschaftskritische
Gesinnung zuzugestehen, was auch sein Verteidiger ausführt (Urk. HD 27 S. 14).
Die vorliegende Tat des Beschuldigten erscheint in ihrer Sinnlosigkeit indessen
nicht in diese Grundhaltung zu passen. Es ist deshalb nicht davon auszugehen,
dass sich der Beschuldigte erneut zu einer solchen Tat hinreissen lassen wird,
insbesondere nach Verbüssung eines Teils der Strafe.
10.4. Erkennt das Gericht auf eine teilbedingte Strafe, hat es den  und den zu vollziehenden Strafteil festzusetzen, wobei diese in einem ange-
messenen Verhältnis stehen müssen. Dabei ist das Verhältnis der Strafteile so
festzusetzen, dass darin einerseits die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung
- 19 -
des Täters und andererseits dessen Einzeltatschuld hinreichend zum Ausdruck
kommen (BGE 134 IV 1, E. 5.6). Davon ausgehend, dass das Verschulden des
Beschuldigten doch als nicht unerheblich erscheint und hinsichtlich der Wahr-
scheinlichkeit seiner Legalbewährung gewisse Zweifel angebracht sind, jedoch
wie erwähnt auch gewisse positive Elemente nicht zu verkennen sind, erscheint
es angemessen, die Freiheitsstrafe im Umfang von 12 Monaten (abzüglich
91 Tage, die durch Untersuchungshaft erstanden sind) zu vollziehen und ihren
Vollzug im Umfang von 24 Monaten aufzuschieben. Gewissen fortbestehenden
(jedoch keine eigentliche Schlechtprognose rechtfertigenden) Bedenken ist durch
Festsetzung einer Probezeit (vgl. Art. 44 Abs. 1 StGB) von vier Jahren Rechnung
zu tragen.
VI. Zivilforderungen
11.1. Die Vorinstanz hat die Schadenersatzbegehren des B._ im Umfang von Fr. 17'805.20 zuzüglich Zins gutgeheissen und die Privatklägerin im Mehrbetrag
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Sodann hat sie den Beschuldigten
verpflichtet, der F._ AG Schadenersatz von Fr. 500.– zu bezahlen. Im Mehr-
betrag hat sie die Privatklägerin mit ihrem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses verwiesen und deren Genugtuungsbegehren abgewiesen. Die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz sind zu bestätigen (Urk. 35 Erw. VI.3.).
11.2. Die Schadenersatzansprüche der weiteren Privatkläger wurden auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen. Mangels Berufung der Privatkläger hat es
damit sein Bewenden (Art. 392 Abs. 3 StPO; BSK StPO-Martin Ziegler, Art. 392
N 6).
- 20 -
VII. Kostenfolgen
12.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die vorinstanzliche Kostenregelung (dort Dispositiv Ziffern 10 und 11) vollumfänglich zu bestätigen. Dass die Vor-
instanz eine leicht höhere Freiheitsstrafe ausgefällt hat, hatte keinen Einfluss auf
die entstandenen Kosten.
12.2. Hingegen ist im Berufungsverfahren davon auszugehen, dass der  insofern obsiegt, als die Strafe leicht reduziert wurde. Allerdings unterliegt er
mit dem beantragten Freispruch, was deutlich mehr ins Gewicht fällt. Dennoch ist
dem teilweisen Obsiegen des Beschuldigten dadurch angemessen Rechnung zu
tragen, dass ihm die Kosten des Berufungsverfahrens nur zu 2/3 aufzuerlegen
und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen sind.
12.3. Wie bereits vor Vorinstanz sind die Kosten der amtlichen Verteidigung auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO im Umfang von 2/3 der Kosten vorbehalten bleibt.