# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 80aad193-3601-4729-a29c-41f52c65cb19
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2008
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

abzustellen. Der Sachverhalt sei genügend abgeklärt, weshalb sich weitere
Untersuchungen erübrigten. Auf den Zeitpunkt des Beginns der
somatoformen Schmerzstörung komme es daher nicht an. Ebenso sei kein
Leidensabzug vorzunehmen, da die Versicherte ihre bisherige Tätigkeit im
Room-Service oder eine andere adaptierte Tätigkeit ausüben könne, ohne
dass ein Arbeitgeber weitere nennenswerte gesundheitlich bedingte
Einschränkungen des Leistungsvermögens zu gewärtigen hätte. Die
verminderte Konzentrationsfähigkeit sei bereits bei der Schätzung der
medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit berücksichtigt worden. Der IV-
Grad betrage insgesamt neu 58%.
8. Hiergegen liess die Versicherte am 21. November 2007 form- und fristgemäss
Beschwerde beim Verwaltungsgericht erheben. Sie beantragte, den
Einspracheentscheid aufzuheben und ihr mindestens eine 3⁄4-Rente
zuzusprechen, da bei der Berechnung des IVE vom Tabellenlohn noch ein
Leidensabzug vorzunehmen sei. Ein über den ganzen Tag verteiltes 50%-
Pensum bringe einem Arbeitgeber keinen ökonomischen Nutzen, weshalb
sich die beschränkte Leistungsfähigkeit erwerbsmindernd auswirke. In der
angestammten Tätigkeit sowie generell bei Tätigkeiten des
Anforderungsniveaus 4 sei die Beschwerdeführerin in besonderer Weise
eingeschränkt, da diese Tätigkeiten in der Regel nicht leicht und
wechselbelastend seien. Die verlangsamte Arbeitsweise und zu erwartende
schmerzbedingte Absenzen, Alter, Herkunft und Ausbildungsniveau der
Beschwerdeführerin müssten ebenfalls lohnmindernd berücksichtigt werden.
Da es für die Beschwerdeführerin unzumutbar sei, Graubünden zu verlassen,
sei auch diesbezüglich ein Abzug vorzunehmen, allenfalls die Tabellenlöhne
für die Ostschweiz zur Berechnung des Invalideneinkommens heranzuziehen.
Im Übrigen sei in vergleichbaren Fällen von der Beschwerdegegnerin ein
Leidensabzug vorgenommen worden, weshalb die Rechtsgleichheit verletzt
sei.
9. In ihrer Vernehmlassung beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde und bezog sich dabei im Wesentlichen auf die bereits im
Einspracheentscheid vorgebrachten Argumente. Den geltend gemachten
Einschränkungen sei bereits durch die Wahl des Anforderungsniveaus 4
Rechnung getragen worden.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird - soweit erforderlich - in den
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Da zwischen den Parteien hinsichtlich der grundsätzlichen Bemessung des
VAE und IVE sowie hinsichtlich der Bezugsdauer keine Differenzen mehr
bestehen, ist in diesem Verfahren lediglich noch strittig und zu klären, ob die
Vorinstanz zu Recht keinen Leidensabzug vom Tabellenlohn vorgenommen
hat und infolgedessen der angefochtene Entscheid, in dem ein IV-Grad von
unter 60% und damit eine halbe IV-Rente festgesetzt wurden, zu schützen ist.
2. a) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (EVG U v. 25. Oktober 2005,
I 284/05, E. 2.2.1) ist bei der Verwendung statistischer Tabellenlöhne zu
berücksichtigen, dass gesundheitlich beeinträchtigte Personen, die selbst bei
leichten Hilfsarbeitertätigkeiten behindert sind, im Vergleich zu voll
leistungsfähigen und entsprechend einsetzbaren Arbeitnehmern lohnmässig
benachteiligt sind und deshalb in der Regel mit unterdurchschnittlichen
Lohnansätzen rechnen müssen. Sodann ist dem Umstand Rechnung zu
tragen, dass weitere persönliche und berufliche Merkmale einer versicherten
Person, wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität und
Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad, Auswirkungen auf die
Lohnhöhe haben können. Die Frage, ob und in welchem Ausmass
Tabellenlöhne herabzusetzen sind, ist von sämtlichen Umständen des
konkreten Einzelfalls abhängig. Der Einfluss aller Merkmale auf das
Invalideneinkommen ist nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu
schätzen, wobei der Abzug auf höchstens 25% zu begrenzen ist (BGE 129 V
481 Erw. 4.2.3 mit Hinweisen). Bei der Überprüfung des gesamthaft
vorzunehmenden Abzugs, der eine Schätzung darstellt und kurz zu
begründen ist, darf das Sozialversicherungsgericht sein Ermessen nicht ohne
triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung (bzw. des
Versicherers) setzen (BGE 126 V 81 Erw. 6 mit Hinweis).
b) Zu prüfen ist daher, ob die Beschwerdeführerin wegen der bestehenden
psychischen Beeinträchtigungen und der anderen von ihr geltend gemachten
Umstände auch im Rahmen einer Tätigkeit des Anforderungsniveaus 4 im
50%-Pensum in ihrer Leistungsfähigkeit soweit eingeschränkt ist, dass dies
zu einer entsprechenden Lohneinbusse Anlass geben kann. Hierbei ist
festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin gemäss den Arztberichten an
keinen psychischen Beschwerden mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit leidet.
Dem Gutachten von Dr. ... (S. 3) ist zu entnehmen, dass die Versicherte aus
rheumatologischer Sicht sowohl in der angestammten als auch einer
adaptierten Tätigkeit zu mehr als 50% arbeitsfähig ist; die psychischen
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Beschwerden wurden daher in der Arbeitsunfähigkeit von 50% bereits
vollumfänglich berücksichtigt. Das Gericht sieht keinen Grund, an den
schlüssigen und umfassenden Ausführungen der Experten zu zweifeln. Nach
ärztlicher Auffassung sind der Beschwerdeführerin alle körperlich leichten,
wechselbelastenden Tätigkeiten ohne Heben und Tragen von schweren
Gewichten und ohne ungünstige, positionsmonotone Haltungen zumutbar.
Dazu gehören etwa Kontroll- und Überwachungsarbeiten in Industrie und
Gewerbe, einfache Montagearbeiten oder Maschinenbedienungsfunktionen,
jedoch auch ihre bisherige Tätigkeit im Room-Service. Solche Tätigkeiten sind
im Anforderungsniveau 4 (einfache und repetitive Tätigkeiten) typischerweise
zahlreich und keineswegs nur im untersten Bereich dieser Kategorie
vertreten. Mit einer leidensbedingten Lohneinbusse allein lässt sich daher ein
Abzug vom Tabellenlohn nicht begründen.
c) Weil die Versicherte auch in einer angepassten Tätigkeit lediglich zu 50 %
arbeitsfähig ist, besteht grundsätzlich Anspruch auf einen Abzug wegen
Teilzeitbeschäftigung. Dieser entfällt jedoch vorliegend, weil
teilzeitbeschäftigte Frauen insbesondere bei einem Beschäftigungsgrad von
50% proportional mehr verdienen als Vollzeitbeschäftigte. Für die im
Anforderungsniveau 4 bei einem Beschäftigungsgrad zwischen 50% und 74%
erwerbstätigen Frauen beläuft sich der statistische Mehrverdienst auf rund
5.5% (vgl. LSE 2004, S. 25). Auch das Lebensalter der Beschwerdeführerin
im massgeblichen Zeitpunkt wirkt sich vorliegend statistisch um 1.6%
lohnerhöhend aus (vgl. LSE 2004, S. 65, Tabelle TA9, Anforderungsniveau 4,
Frauen 40-49 Jahre). Hierbei sei angemerkt, dass in der - von der
Beschwerdeführerin bald erreichten - Kategorie „Frauen 50-63/65 Jahre“ der
entsprechende Mehrlohn noch deutlicher auf 6.6% ansteigen würde. Was das
Kriterium der Aufenthaltskategorie betrifft, verfügt die Beschwerdeführerin
über die Niederlassungsbewilligung C. Nach den Tabellenlöhnen ergibt sich
für diese Aufenthaltskategorie gegenüber der Gesamtheit der im
Anforderungsniveau 4 erwerbstätigen Frauen eine statistische Lohneinbusse
von 2.8% und gegenüber den in diesem Bereich erwerbstätigen Frauen
schweizerischer Nationalität eine solche von 7.9% (vgl. LSE 2004, S. 69,
Tabelle TA12, Anforderungsniveau 4, Frauen). Hierbei ist jedoch auch zu
berücksichtigen, dass die Versicherte seit über 20 Jahren in der Schweiz lebt
und offensichtlich über gute Deutschkenntnisse verfügt (so bescheinigt bereits
im Arbeitszeugnis vom 15. November 1982, ...), mithin begründet von einem
niedrigeren als dem statistischen Durchschnittsabzug ausgegangen werden
kann.
d) Weiter lässt die Beschwerdeführerin ihre fehlende berufliche Ausbildung
sowie mangelnde Berufserfahrung ausserhalb des Gastgewerbes ins Feld
führen. All dies wurde jedoch bereits bei der Einstufung in das
Anforderungsniveau 4 berücksichtigt; hätte die Beschwerdeführerin Berufs-
und Fachkenntnisse, wäre sie dem Anforderungsniveau 3 zugeordnet
worden. Auch hieraus lässt sich demzufolge kein Abzug rechtfertigen.
e) Zudem macht die Beschwerdeführerin geltend, sie könne aus familiären
Gründen Graubünden nicht verlassen, weshalb aufgrund der hier zu
erzielenden, statistisch geringeren Einkünfte ein Abzug vom
Invalideneinkommen vorzunehmen sei. Hierzu kann auf die höchstrichterliche
Praxis verwiesen werden: gemäss der Rechtsprechung des (ehemaligen)
Eidgenössischen Versicherungsgerichts (EVG) ist bei der Bemessung des
Invalideneinkommens zwingend auf die gesamtschweizerischen Löhne
abzustellen (Urteil vom 22. August 2006, I 424/05, E. 3.2.3; Urteil vom 12.
Oktober 2006, U 75/03; Urteil vom 18. Oktober 2006, I 790/04, E. 4.2).
Abgesehen davon, dass eine allfällige Ortsgebundenheit ein
invaliditätsfremder Faktor und schon daher nicht im Rahmen dieses Abzugs
zu berücksichtigen ist, käme es einer Umgehung der bundesgerichtlichen
Grundsätze gleich, würde man die regional niedrigeren
Durchschnittseinkommen im Rahmen eines Leidensabzugs berücksichtigen.
f) Gesamthaft betrachtet liegen bei der Beschwerdeführerin sowohl
lohnerhöhende als auch lohnmindernde Faktoren vor, die sich letztlich in etwa
aufheben. Der Vorinstanz kann daher nicht der Vorwurf gemacht werden,
ermessensfehlerhaft oder gar willkürlich entschieden zu haben, indem sie
keinen Leidensabzug vornahm. Auch ist nicht ersichtlich, inwieweit der
verfassungsmässige Grundsatz der Rechtsgleichheit verletzt sein sollte; die
Beschwerdegegnerin verweist hier nur allgemein auf „vergleichbare Fälle“,
bringt jedoch nicht konkret vor, in welchem gleich gelagerten Fall ein
Leidensabzug zugelassen worden wäre. Zumindest dies hätte ihr aber im
Rahmen ihrer Mitwirkungspflicht oblegen, weshalb sie mit diesem Einwand
nicht gehört werden kann.
g) Die Bescheinigung einer medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit von 50%
und die darauf beruhende Zuerkennung eines IV-Grads von 58% aufgrund
des Einkommensvergleichs erscheinen bereits recht grosszügig bemessen.
Insgesamt bleibt es daher bei der Feststellung, dass die angefochtene
Invaliditätsbemessung zu Recht besteht.
3. a) Der angefochtene Einspracheentscheid erweist sich damit in jeder Beziehung
als rechtmässig, was zu seiner Bestätigung und zur Abweisung der
Beschwerde führt.
b) Gerichtskosten werden nicht erhoben, da die Einsprache noch vor dem
Inkrafttreten von Art. 69 Abs. 1bis des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) am 1. Juli 2006 erhoben wurde und
daher das bisherige Recht zur Anwendung kommt (Übergangsbestimmungen
zur Änderung vom 16. Dezember 2005, AS 2006, 2004). Das Verfahren ist
daher vorliegend gemäss Art. 61 lit. a des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) noch
grundsätzlich kostenlos. Eine aussergerichtliche Entschädigung entfällt
(Umkehrschluss aus Art. 61 lit. g ATSG).