# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cb71433b-e819-4b88-b139-5da7b48ecc03
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ M., geb. 1985, erwarb den Führerausweis für Personenwagen am 30. August 2004.
Wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand (Blutalkoholkonzentration 1,41 bzw. 0,98
Gew.-‰) wurde ihm der Führerausweis am 18. Februar 2005 für fünf Monate und am
24. November 2005 für 18 Monate entzogen.
Am 16. Juli 2007 wurde M.G. der Führerausweis wieder ausgehändigt. Am
28. November 2007 wurde er in Buchs bei einer Polizeikontrolle angehalten. Dabei trug
er ein Minigripsäckchen mit Marihuana sowie ein weiteres Minigripsäckchen mit
Kokainrückständen auf sich. Mit Zwischenverfügung vom 8. Januar 2008 ordnete das
Strassenverkehrsamt eine spezialärztliche Untersuchung an, um eine allfällige
Suchtmittelabhängigkeit bzw. einen verkehrsrelevanten Suchtmittelmissbrauch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
abzuklären. Im gutachtlichen Bericht vom 4. März 2008 hielt das Institut für
Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen fest, die Fahreignung könne "vorderhand
im Kontext mit einem Suchtmittelmissbrauch mit Suchtgefährdung bei allerdings erst
vor kurzem eingeleiteter Verhaltensänderung befürwortet werden". Es wurde eine
Auflage empfohlen, dass eine Drogen- und Alkoholabstinenz mit fachtherapeutischer
Betreuung einzuhalten sei, wobei die Abstinenz mit monatlichen Blutuntersuchungen,
kurzfristig und unregelmässig veranlassten Urinproben sowie ergänzenden
Haaranalysen zu kontrollieren sei. M.G. äusserte dazu sein Einverständnis. Das
Strassenverkehrsamt ordnete in der Folge mit Verfügung vom 26. März 2008 eine
entsprechende Auflage an. Am 17. Juni 2008 entnahm das Institut für Rechtsmedizin
eine Haarprobe, deren Analyse positiv auf Kokain und Cannabis ausfiel. Daraufhin teilte
das Strassenverkehrsamt M.G. am 19. August 2008 mit, dass die Auflagen weiterhin
Gültigkeit hätten. Eine weitere Haaranalyse vom 23. Oktober 2008 fiel in bezug auf
Kokain und Cannabis positiv aus. Das Institut für Rechtsmedizin hielt fest, bei beiden
Substanzen könne aufgrund der Ergebnisse zwar nicht zwischen Konsum oder Kontakt
sicher differenziert werden; positive Haarbefunde seien aber nicht geeignet, eine
Abstinenz zu belegen. Unter Einbezug der Vorbefunde schienen sich die
Konsumgewohnheiten nicht geändert zu haben.
Mit Verfügung vom 24. November 2008 ordnete das Strassenverkehrsamt gegen M.G.
einen vorsorglichen Entzug des Führerausweises an. Einem allfälligen Rekurs wurde die
aufschiebende Wirkung entzogen. In der Verfügung wurde darauf hingewiesen, dass
nach Vorliegen einer mindestens sechsmonatigen "sauberen" Abstinenz mit negativer
Haarprobe das Verfahren weitergeführt werde.
B./ Gegen die Verfügung vom 24. November 2008 erhob M.G. durch seine
Rechtsvertreterin mit Eingaben vom 1. Dezember 2008 und 15. Januar 2009 Rekurs bei
der Verwaltungsrekurskommission. In formeller Hinsicht beantragte er, es sei eine
mündliche Verhandlung durchzuführen und es sei dem Rekurs die aufschiebende
Wirkung zuzuerkennen, eventualiter sei das Verfahren dringlich zu behandeln. In
materieller Hinsicht wurde beantragt, die Verfügung vom 24. November 2008 sei
aufzuheben und der Führerausweis sei unverzüglich wieder zu erteilen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mit Entscheid vom 5. Mai 2009 wies der Abteilungspräsident der
Verwaltungsrekurskommission den Rekurs ab. Er erwog, es bestünden ernsthafte
Bedenken an der Fahreignung des Rekurrenten, weshalb der Führerausweis zu Recht
vorsorglich entzogen worden sei. Das Strassenverkehrsamt habe die Weiterführung
des Verfahrens von einer sechsmonatigen Abstinenz mit negativer Haarprobe abhängig
gemacht, was nicht zu beanstanden sei. Der Antrag auf Gewährung der
aufschiebenden Wirkung des Rekurses sei mit dem Entscheid in der Sache
gegenstandslos geworden.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 5. Juni 2009 erhob M.G. Beschwerde in
öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten beim Bundesgericht und beantragte, der
Beschwerde sei aufschiebende Wirkung zu erteilen, der Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission vom 5. Mai 2009 sei aufzuheben und der Führerausweis
sei - unter weiterer Abstinenzauflage gemäss Verfügung vom 26. März 2008 - sofort
wieder zu erteilen, die Vorinstanz sei anzuweisen, dass die Abstinenzauflage solange
erfüllt sei, als Urin- und Blutproben, ergänzt durch günstige Berichte und Prognosen
der Suchtfachleute, eine Abstinenz glaubhaft machen und eine allfällige Haaranalyse
keinen sicheren Nachweis für aktiven Suchtmittelkonsum erbringe, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge.
Die Verwaltungsrekurskommission äusserte sich mit Eingabe vom 12. Juni 2009 zur
Beschwerde. Das Strassenverkehrsamt verzichtete auf eine Vernehmlassung an das
Bundesgericht.
Mit Verfügung vom 30. Juni 2009 wies der Präsident der I. öffentlich-rechtlichen
Abteilung des Bundesgerichts das Gesuch um Gewährung der aufschiebenden
Wirkung der Beschwerde ab.
Das Bundesamt für Strassen äusserte sich in seiner Vernehmlassung vom
10. September 2009, ohne einen förmlichen Antrag zu stellen.
Das Bundesgericht entschied am 23. November 2009 über die Angelegenheit
(1C_240/2009). Es hielt fest, es habe mit Urteil vom 6. November 2009 (1C_346/2009)
erkannt, dass die Verwaltungsrekurskommission auf dem Gebiet der Massnahmen im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Strassenverkehr kein oberes Gericht im Sinne von Art. 86 Abs. 2 des
Bundesgerichtsgesetzes (SR 173.110, abgekürzt BGG) sei. Das Bundesgericht trat auf
die Beschwerde nicht ein und überwies die Sache zur weiteren Behandlung an das
Verwaltungsgericht.

## Considerations

Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie auf die Vorbringen des
Beschwerdeführers und der weiteren Verfahrensbeteiligten wird, soweit wesentlich, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (BGE 1C_240/2009
vom 23. November 2009). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerdeeingabe vom
5. Juni 2009 an das Bundesgericht entspricht formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen des kantonalen Rechts (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1
bzw. Abs. 3 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1. Der Beschwerdeführer rügt, zum Entscheid sei nicht der Abteilungspräsident
zuständig gewesen. Es liege materiell keine vorsorgliche Massnahme im Sinn von Art.
98 BGG vor. Vielmehr handle es sich um eine materiell abschliessende Verfügung, weil
eine vollständige tatsächliche und rechtliche Beurteilung über einen
Führerausweisentzug und einen Lebenssachverhalt erfolge, über dessen
Rechtmässigkeit in keinem weiteren Endentscheid geurteilt werden könne. Vielmehr
werde in einem nächsten Entscheid darüber entschieden, ob gestützt auf die nächsten
medizinischen Abklärungen der Ausweis entzogen bleibe, oder ob er wieder erteilt oder
ob die Auflagen verändert werden. Es gehe vorliegend hauptsächlich um einen
Ausweisentzug wegen "bestrittener" Auflagenmissachtung und damit um eine
eigenständige Massnahme. Daher sei der Präsident der Verwaltungsrekurskommission
sachlich nicht als Einzelrichter zuständig gewesen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Vorinstanz hält fest, Gegenstand der angefochtenen Verfügung sei ein vorsorglicher
Entzug des Führerausweises gestützt auf Art. 30 der Verkehrszulassungsverordnung
(SR 741.51, abgekürzt VZV) wegen ernsthafter Bedenken an der Fahreignung gewesen.
Über Rekurse gegen vorsorgliche Massnahmen entscheide der Vorsitzende der in der
Hauptsache zuständigen Rekursinstanz (Art. 44 Abs. 1 und 2 VRP).
2.2. Zu prüfen ist, was Gegenstand der Verfügung des Strassenverkehrsamts vom
24. November 2008 ist. Handelt es sich um eine vorsorgliche Massnahme im Sinn von
Art. 18 Abs. 1 VRP, war nach Art. 44 Abs. 2 VRP der Abteilungspräsident zuständig.
Handelt es sich um eine Massnahme, die einer Endverfügung gleichkommt, lag die
Zuständigkeit bei der Verwaltungsrekurskommission als Kollegialgericht.
Nach Art. 44 Abs. 1 VRP sind vorsorgliche Massnahmen und
Vollstreckungsmassnahmen von Verwaltungsbehörden, einschliesslich der Androhung
des Vollstreckungszwangs, bei der in der Hauptsache zuständigen Rekursinstanz
anfechtbar. Für die Regierung entscheidet das zuständige Departement, für die übrigen
Kollegialbehörden der Vorsitzende (Art. 44 Abs. 2 VRP). Entscheide über
Vollstreckungsmassnahmen sowie Entscheide der Verwaltungsrekurskommission und
des Versicherungsgerichtes über vorsorgliche Massnahmen sind endgültig (Art. 44
Abs. 3 VRP).
Soweit Art. 44 Abs. 3 VRP Entscheide der Verwaltungsrekurskommission über
vorsorgliche Massnahmen als endgültig bezeichnet, widerspricht er der in E. 1
angeführten Rechtsprechung. Nachdem das Bundesgericht entschieden hat, die
Verwaltungsrekurskommission sei in Bereichen des Strassenverkehrs kein oberes
Gericht im Sinne von Art. 86 Abs. 2 BGG, müssen ihre Entscheide über vorsorgliche
Massnahmen der Beschwerde unterliegen. Das st. gallische Verfahrensrecht geht zwar
davon aus, dass Entscheide über vorsorgliche Massnahmen von einer einzigen
gerichtlichen Instanz beurteilt werden (vgl. ABl 2006, S. 835 und 839 f.). Wäre die
Beschwerde an das Verwaltungsgericht aber nicht möglich, so könnten Entscheide
über vorsorgliche Massnahmen der Verwaltungsrekurskommission nach der neuen
Praxis nicht an das Bundesgericht weitergezogen werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.3. Gegenstand der Verfügung vom 24. November 2008 ist der vorsorgliche Entzug
des Führerausweises und dementsprechend die Aberkennung des Rechts,
Motorfahrzeuge jeglicher Kategorien (inkl. Motorfahrräder) zu lenken, ebenso die Pflicht
zur sofortigen Abgabe des Führerausweises und der Entzug der aufschiebenden
Wirkung. In diesem Umfang kann die Verfügung als vorsorglicher Entzug des
Führerausweises und damit als vorsorgliche Massnahme nach Art. 18 Abs. 1 VRP
betrachtet werden, die gestützt auf Art. 44 Abs. 2 VRP an den Abteilungspräsidenten
der Verwaltungsrekurskommission weitergezogen werden konnte. Unter dem Titel
"Hinweise" wurde in der Verfügung vom 24. November 2008 allerdings noch vermerkt,
dass nach Vorliegen einer mindestens sechsmonatigen "sauberen" Abstinenz mit
negativer Haarprobe das Verfahren weitergeführt werde. Ein neuer
Untersuchungstermin sei dem Strassenverkehrsamt mitzuteilen, damit dieses vorher
der zuständigen Stelle die Akten übermitteln könne.
Die Vorinstanz entschied, das Strassenverkehrsamt habe die Weiterführung des
Verfahrens von einer sechsmonatigen Abstinenz mit negativer Haarprobe abhängig
gemacht, was nicht zu beanstanden sei. Diesbezüglich hält das Bundesamt für
Strassen in seiner Vernehmlassung an das Bundesgericht fest, diese Massnahme sei
nicht zulässig. Damit werde dem vorsorglichen Sicherungsentzug der Charakter einer
provisorischen Massnahme genommen mit der Folge, dass er die Wirkung eines
definitiven Sicherungsentzuges habe. Für einen derart schwerwiegenden Eingriff in den
Persönlichkeitsbereich des Betroffenen sei jedoch in jedem Fall und von Amtes wegen
eine genaue Abklärung der persönlichen Verhältnisse und insbesondere der
Trinkgewohnheiten bzw. der Konsumgewohnheiten bezüglich anderer Drogen
vorzunehmen. Der Beschwerdeführer sei zwar am 25. Februar 2008
verkehrsmedizinisch untersucht worden, und gemäss dem entsprechenden Gutachten
sei die Fahreignung unter Auflagen als gegeben betrachtet worden. Bis zum
angefochtenen Entscheid seien indessen eineinhalb Jahre vergangen. Während dieses
Zeitraums habe der Beschwerdeführer nach Auffassung der
Verwaltungsrekurskommission gegen die verfügten Auflagen verstossen. Es wäre
daher nicht unverhältnismässig gewesen, wenn die Vorinstanz den Beschwerdeführer
einer nochmaligen verkehrsmedizinischen oder verkehrspsychologischen
Untersuchung zugewiesen hätte, ohne jedoch den damit einhergehenden vorsorglichen
Entzug mit Auflagen zu versehen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.4. Dem Beschwerdeführer wurde durch den vorsorglichen Entzug das Lenken von
Motorfahrzeugen unverzüglich verboten. Diese Massnahme erschiene für sich allein als
vorsorgliche Anordnung. Zusätzlich hielt aber das Strassenverkehrsamt fest, dass nach
Vorliegen einer mindestens sechsmonatigen sauberen Abstinenz das Verfahren
weitergeführt werde.
Der vorsorgliche Entzug nach Art. 30 VZV stellt eine vorsorgliche Massnahme zur
Sicherung gefährdeter Interessen bis zum Abschluss des Hauptverfahrens dar (vgl.
BGE 1C_119/2009 vom 1. April 2009 mit Hinweis auf BGE 125 II 396 E. 3). Dies
bedeutet, dass im Streitfall zum vorsorglichen Entzug die bisher angeordnete Auflage
der Abstinenz fortgesetzt wurde, allerdings mit einem anderen Zweck. Aufgrund der
angefochtenen Verfügung hat der Beschwerdeführer nunmehr die Auflage einzuhalten,
damit das Verfahren nach sechs Monaten überhaupt weitergeführt wird. Vor dem
vorsorglichen Entzug bezweckte die Auflage, die - grundsätzlich als gegeben erachtete
- Fahreignung sicherzustellen bzw. nachzuweisen. Es widerspricht dem Wesen des
vorsorglichen Entzugs, diesen für längere Zeit anzuordnen und dabei die Einhaltung
von Auflagen zu verlangen. Auf den Anlass, welcher Grund für einen vorsorglichen
Entzug gibt, soll möglichst rasch ein definitiver Entscheid über den Entzug oder das
Belassen des Führerausweises, allenfalls mit Auflagen, folgen. Nachdem im
vorliegenden Fall offenbar nicht genügend Beweise vorlagen, dass der
Beschwerdeführer aufgrund seiner Drogenkonsumgewohnheiten fahrunfähig war, hätte
bei zusätzlichen Verdachtsmomenten eine vertiefte Untersuchung bzw. eine
verkehrsmedizinische und/oder verkehrspsychologische Abklärung erfolgen müssen.
Eine solche ist im vorliegenden Fall gerechtfertigt. Aufgrund der wiederholten
Warnungsentzüge wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand, der kurzen Rückfallfrist,
der einschlägigen Vorstrafe wegen Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz
sowie zweier kritischer Analyseergebnisse bestehen Zweifel an der Fahreignung des
Beschwerdeführers, welche einen vorsorglichen Entzug nach Art. 30 VZV rechtfertigen.
Der Beschwerdeführer konsumierte anerkanntermassen Cannabis und Kokain. Die
kontrollierte Abstinenz zum Nachweis der Fahrfähigkeit akzeptierte er. Bei der Kontrolle
der Abstinenz wurden zwei Haarproben entnommen, die bezüglich Kokainkonsums
auffällig waren. Wohl konnte dem Beschwerdeführer aufgrund der Analyseergebnisse
gemäss der Beurteilung des Instituts für Rechtsmedizin ein aktiver Konsum nicht
zweifelsfrei nachgewiesen werden. Die Vorinstanz hat jedoch zutreffend und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nachvollziehbar dargelegt, dass aufgrund der Analysen Anhaltspunkte für eine
Missachtung der Auflagen bestehen. Zwar wird im Schrifttum die Möglichkeit erwähnt,
dass Drogenstaub durch kontaminierte Hände auf die Haare gelangen und dadurch in
diesen belastende Substanzen feststellbar sind (I. Thiele, in: Jahrbuch zum
Strassenverkehrsrecht 2005, St. Gallen 2005, S. 115 f.). Die Vorinstanz hat sich indes
auch mit dieser Möglichkeit auseinandergesetzt und sie im Lichte der übrigen
Ergebnisse als unerheblich qualifiziert. Es ist im Streitfall nicht ausschlaggebend, ob
dem Beschwerdeführer nach strafprozessualen Grundsätzen ein Konsum von illegalen
Drogen nachgewiesen werden kann. Jedenfalls liegen Anhaltspunkte für eine
Missachtung der Abstinenz vor, die aufgrund der belastenden Vorgeschichte
zusätzliche Abklärungen gebieten. Diese sind durch das Strassenverkehrsamt zu
veranlassen. Dabei kann durchaus eine Abstinenz gefordert werden, aber nicht wie in
der angefochtenen Verfügung als Bedingung, dass überhaupt das Verfahren
weitergeführt wird, sondern als Merkmal für das Vorliegen der Fahrfähigkeit. Dem
Beschwerdeführer bleibt es auch unbenommen, die Auflage im Hinblick auf eine
verkehrsmedizinische und/oder verkehrspsychologische Untersuchung freiwillig
einzuhalten. Aufgrund der Ergebnisse der Untersuchung ist ein definitiver Entscheid
über einen allfälligen Sicherungsentzug oder über eine Wiedererteilung des Ausweises,
allenfalls wiederum unter Auflagen, zu fällen.
2.5. Zusammenfassend ergibt sich aufgrund der vorstehenden Erwägungen, dass die
Beschwerde gegen die Auflage als Bedingung für die Fortsetzung des Verfahrens
gutzuheissen ist. Somit sind die Verfügung des Strassenverkehrsamts vom
24. November 2008 und der Entscheid der Vorinstanz vom 5. Mai 2009 insoweit
aufzuheben, als sie die Auflage einer sechsmonatigen Abstinenz mit negativer
Haarprobe zum Gegenstand haben. Im übrigen ist die Beschwerde abzuweisen, und
die Angelegenheit ist zur weiteren Abklärung im Sinne der Erwägungen und zur
Beurteilung und Entscheidung an das Strassenverkehrsamt zurückzuweisen.
2.6. Soweit der Beschwerdeführer die Verweigerung einer mündlichen Verhandlung
rügt, erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Ihm wurde von der Vorinstanz am
9. Februar 2009 mitgeteilt, dass keine mündliche Verhandlung vorgesehen sei. Dazu
äusserte sich seine Rechtsvertreterin nicht, weshalb die Vorinstanz ohne
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rechtsverletzung davon ausgehen durfte, dass an dem in der Rekursergänzung
gestellten Begehren nicht festgehalten wurde.
2.7. Derjenige Teil des angefochtenen Entscheids, der nicht in die Zuständigkeit des
Abteilungspräsidenten fiel, ist wie erwähnt aufzuheben. Soweit der angefochtene
Entscheid bestätigt wird, fällt er in die Zuständigkeit des Abteilungspräsidenten, da es
sich um eine vorsorgliche Massnahme handelt. Auf die Frage der Zuständigkeit des
Abteilungspräsidenten ist daher nicht weiter einzugehen.
2.8. Über das Begehren um Erteilung der aufschiebenden Wirkung entschied der
Präsident der zuständigen Abteilung des Bundesgerichts. Für das Verfahren vor
Verwaltungsgericht erübrigt sich ein Entscheid über den Suspensiveffekt, da mit dem
Beschwerdeentscheid der vorsorgliche Entzug des Ausweises bestätigt wird.
3. Der Ausgang des Verfahrens entspricht einem überwiegenden Obsiegen des
Beschwerdeführers. Der vorsorgliche Entzug des Führerausweises wird zwar bestätigt;
die Weiterführung der Abstinenz während des vorsorglichen Entzugs und damit die
weitgehende Vorwegnahme eines Sicherungsentzugs wird jedoch aufgehoben. Daher
rechtfertigt es sich, die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens zu drei Vierteln
dem Staat und zu einem Viertel dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622
Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 2'000.-- ist zu
verrechnen und der Rest von Fr. 1'500.-- dem Beschwerdeführer zurückzuerstatten.
Auf die Erhebung des Anteils des Staates ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP).
Die amtlichen Kosten des Rekursverfahrens von Fr. 800.-- sind ebenfalls zu drei
Vierteln dem Staat und zu einem Viertel dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95
Abs. 1 VRP).
Der Beschwerdeführer hat aufgrund des überwiegenden Obsiegens Anspruch auf eine
ausseramtliche Entschädigung für das Rekurs- und das Beschwerdeverfahren (Art. 98
Abs. 1 und Abs. 2 in Verbindung mit Art. 98bis VRP). Diese ist auf die Hälfte der vollen
Entschädigung festzusetzen (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 183 mit Hinweisen). Eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/12
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Entschädigung von Fr. 2'000.-- zuzügl. MWSt für das Rekurs- und das
Beschwerdeverfahren ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. a und b der Honorarordnung
für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75).
Demnach hat das Verwaltungsgericht