# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1af2ac46-58dc-45dd-97be-837cb0cf6fc5
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
A. A. (Verurteilter) wurde mit Urteil des Bundesstrafgerichts SK.2015.45 vom 18.
März 2016 wegen Beteiligung an einer kriminellen Organisation (Art. 260ter Ziff. 1
Abs. 1 StGB), versuchter Förderung der rechtswidrigen Einreise in die Schweiz
(Art. 116 Abs. 1 lit. a AuG und Art. 22 StGB) und Förderung des rechtswidrigen
Aufenthalts in der Schweiz (Art. 116 Abs. 1 lit. a AuG) zu einer Freiheitsstrafe von
4 Jahren und 8 Monaten verurteilt.
B. Die Strafkammer des Bundesstrafgerichts verfügte mit Beschluss SN.2016.5 vom
18. März 2016, dass der Verurteilte zur Sicherung des Strafvollzugs vorerst befris-
tet bis 17. Juni 2016 in Sicherheitshaft zu behalten sei. Anschliessend entschied
die Strafkammer des Bundesstrafgerichts mit Beschluss SN.2016.12 vom 14. Juni
2016, dass der Verurteilte vom 17. Juni 2016 bis 16. September 2016 sowie mit
Beschluss SN.2016.18 vom 8. September 2016, dass er vom 17. September 2016
bis zum 16. Dezember 2016 zur Sicherung des Strafvollzuges in Sicherheitshaft
zu behalten sei.
C. Das begründete Urteil SK.2015.45 wurde am 30. August 2016 versandt. Der Ver-
teidiger des Verurteilten, Rechtsanwalt Remo Gilomen, legte dagegen mit Eingabe
vom 30. September 2016 Beschwerde in Strafsachen beim Bundesgericht ein.
Das Verfahren ist derzeit noch am Bundesgericht hängig und das Urteil
SK.2015.45 ist demzufolge noch nicht in Rechtskraft erwachsen.
D. Ebenfalls am 30. September 2016 ersuchte Rechtsanwalt Gilomen das Bun-
desstrafgericht um die Haftentlassung des Verurteilten. Dieses Gesuch wies das
Gericht mit Verfügung vom 6. Oktober 2016 ab. Das Bundesgericht wies die da-
gegen erhobene Beschwerde mit Urteil 1B_407/2016 vom 28. November 2016 ab.
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## Considerations

Die Strafkammer erwägt:
1.
1.1 Gemäss Art. 231 Abs. 1 lit. a StPO entscheidet das erstinstanzliche Gericht mit dem
Urteil, ob eine verurteilte Person zur Sicherung des Straf- oder Massnahmevollzugs
in Sicherheitshaft zu setzen oder zu behalten ist (FORSTER, Basler Kommentar,
Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage, Basel 2014, Art. 231 StPO N. 3).
Die Sicherheitshaft zielt darauf ab, den effektiven Strafvollzug des Verurteilten si-
cherzustellen, wenn konkrete Indizien vorliegen, dass er die Absicht hat, ins Aus-
land zu fliehen oder sich in der Schweiz zu verstecken (LOGOS, Commentaire ro-
mand, Code de procédure pénale suisse, Bâle 2011, Art. 231 StPO N. 7). Das Bun-
desgericht hat hervorgehoben, dass die in jedem Verfahren vorhandene abstrakte
Möglichkeit der Flucht für die Verhaftung nicht genügt, sondern dass Gründe vor-
liegen müssen, die eine Flucht nicht nur als objektiv möglich, sondern als wahr-
scheinlich erscheinen lassen (BGE 107 Ia 3 E. 5). Für die Annahme der Fluchtge-
fahr bedarf es einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass sich der Beschuldigte, wenn
er in Freiheit wäre, dem Strafverfahren und dem Vollzug der Strafe durch Flucht
entziehen würde (BGE 117 Ia 69 E. 4a). Die Schwere der drohenden Strafe darf als
ein Indiz für Fluchtgefahr gewertet werden (BGE 117 Ia 69 E. 4a). Sie genügt jedoch
für sich allein nicht, um den Haftgrund zu bejahen. Vielmehr müssen die konkreten
Umstände des betreffenden Falles, insbesondere die gesamten Verhältnisse des
Beschuldigten, in Betracht gezogen werden (BGE 117 Ia 69 E. 4a). Es sind auch
der Charakter des Beschuldigten, seine finanziellen Ressourcen, sein Bezug zum
Land, welches ihn strafrechtlich verfolgt, und seine Kontakte zum Ausland zu ana-
lysieren.
1.2 Das Gericht hat bei einer Anordnung von Sicherheitshaft immer das Prinzip der
Verhältnismässigkeit zu wahren. Im Speziellen hat es gemäss Art. 212 Abs. 3 StPO
stets zu berücksichtigen, dass die Sicherheitshaft nicht länger dauert als die zu er-
wartende Freiheitsstrafe. Eine übermässige Haft stellt nämlich eine unverhältnis-
mässige Beschränkung des Grundrechts der persönlichen Freiheit dar (BGE 123 I
268 E. 3a; FORSTER, a.a.O., Art. 227 StPO N. 8). Bei der Prüfung der zulässigen
Haftdauer ist der Möglichkeit einer bedingten Entlassung aus dem ordentlichen
Strafvollzug nur in Ausnahmefällen Rechnung zu tragen, nämlich wenn bereits im
hängigen Strafverfahren aufgrund der konkreten Umstände absehbar ist, dass eine
bedingte Entlassung mit grosser Wahrscheinlichkeit erfolgen dürfte (Urteil des Bun-
desgerichts 1B_407/2016 vom 28. November 2016 E. 4.1). Eine Haftentlassung
unter Anordnung von Ersatzmassnahmen (Art. 237–240 StPO) ist von Amtes we-
gen zu prüfen.
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1.3 Die Regel, wonach die Dauer der Sicherheitshaft zu begrenzen ist, gilt auch dann,
wenn sie vom erstinstanzlichen Gericht in Anwendung von Art. 231 StPO verhängt
wird (BGE 139 IV 94 E. 2.3.1). Die Auslegung von Art. 229 Abs. 3 StPO verweist
auf die analoge Anwendung der Art. 225–227 StPO (BGE 137 IV 180 E. 3.5). Ge-
mäss Art. 227 Abs. 7 StPO ist Untersuchungshaft – bzw. analog die Sicherheitshaft
– auf längstens drei Monate, in Ausnahmefällen auf sechs Monate zu befristen.
Nach Ablauf der Frist von 227 Abs. 7 StPO hat das Gericht die Haftvoraussetzun-
gen von Amtes wegen neu zu prüfen und die Haft gegebenenfalls für eine be-
stimmte Dauer zu verlängern (BGE 139 IV 94 E. 2.3.2).
2. Der Verurteilte ist gemäss eigener Angabe irakischer Staatsangehöriger. Gemäss
seiner Aussage an der Hauptverhandlung hat er den Irak im Jahre 2010 wegen ei-
nes politischen Grundes verlassen, um nach Syrien zu gehen. Dort blieb er ungefähr
ein Jahr und einen Monat. Anschliessend reiste er 2012 via Türkei und Italien in die
Schweiz. Hier ersuchte er um Asyl, was er vorher erfolglos bereits bei der UNO in
Syrien und in die Türkei getan hatte. Er ist aufgrund einer Verletzung invalid und an
den Rollstuhl gebunden. Von der Migrationsbehörde wurde er dem Kanton Schaff-
hausen zugeteilt. Dort war er bis zum Jahre 2013 in einem Altersheim. Im Paraple-
gikerzentrum in Nottwil wurde er dann untersucht und mehrfach operiert. Vor seiner
Verhaftung am 21. März 2014 lebte er in Z. Er hat eine noch nicht rechtskräftig wi-
derrufene Aufenthaltsbewilligung B. Er bezeichnet einige wenige Personen in der
Schweiz namentlich als seine Freunde bzw. Bekannten. Einen vertieften Sozialbe-
zug zur Schweiz hat er nicht. Als Beruf gibt er Erdölingenieur an.
3. Auf die Frage des Tatverdachts ist nicht näher einzugehen, da ein erstinstanzliches
Urteil vorliegt. Darauf kann verwiesen werden.
4. Für die Annahme einer Fluchtgefahr spricht folgendes:
Der Verurteilte hat in der Schweiz eine befristete Aufenthaltsbewilligung B, mit wel-
cher er ohne behördliche Bewilligung nicht arbeiten darf, deren Widerruf zwar be-
hördlich verfügt, aber noch nicht rechtskräftig ist. Mit einer Arbeitsbewilligung kann
er in Anbetracht des konkreten hängigen Strafverfahrens nicht rechnen. Dazu
kommt, dass er als Invalider aus einem Drittstaat Schwierigkeiten hätte, eine Arbeit
zu finden und auch vor seiner Verhaftung keine solche hatte. Er hat eine längere
Freiheitsstrafe zu erwarten. Trotz Invalidität bewegte er sich vor seiner Einreise in
die Schweiz in diversen Staaten im Raum zwischen Irak und der Schweiz, sodass
er als durchaus agil zu bezeichnen ist. Er hat in der Schweiz keine sozialen Bezugs-
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punkte, welche ein integriertes Leben indizieren. Er unterhielt vor seiner Haft Kon-
takte zu seinen irakischen und syrischen Schleusern und kennt die Möglichkeiten,
sich jenseits behördlicher Blicke in diversen Ländern zu bewegen. Dass er in den
letzten Monaten keine Anstalten zur Flucht traf, ist die Folge der seit rund 23⁄4 Jahren
bestehenden Haft. Fluchtgefahr ist zu bejahen.
Zum gleichen Schluss gelangte auch das Bundesgericht im Urteil 1B_407/2016 vom
28. November 2016.
5. Wirksame Ersatzmassnahmen fallen nicht in Betracht.
6. Zusammenfassend steht fest, dass der Verurteilte zur Sicherung des Strafvollzugs
weiterhin in Sicherheitshaft zu behalten ist (Art. 231 Abs. 1 lit. a StPO).
7. In Analogie zu Art. 227 Abs. 7 StPO ist die Verlängerung der Sicherheitshaft jeweils
auf längstens drei Monate, in Ausnahmefällen auf sechs Monate, zu befristen. Da
eine Änderung der tatsächlichen Verhältnisse in den nächsten sechs Monaten nicht
zu erwarten ist, rechtfertigt sich in concreto eine Verlängerung um sechs Monate.
Mit einem Antritt des Strafvollzugs vor Ende dieser Frist endet die Sicherheitshaft
von Gesetzes wegen. Die Verlängerung um sechs Monate steht auch der Möglich-
keit nicht entgegen, dass das Gericht auf den Zeitpunkt hin, da der Verurteilte zwei
Drittel der gegen ihn ausgesprochenen Freiheitsstrafe verbüsst hat, prüft, ob sich
eine Entlassung aus der Sicherheitshaft ausnahmsweise rechtfertige (Urteil des
Bundesgerichts 1B_407/2016 vom 28. November 2016, E. 4.1).
Damit bleibt in Anbetracht der vom erstinstanzlichen Gericht ausgesprochenen Frei-
heitsstrafe auch die Verhältnismässigkeit gewahrt (vorne E. 1.2). Die Sicherheitshaft
kann bei Fristablauf verlängert werden.
8. Es werden keine Kosten erhoben.
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