# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6d75b6c0-5fea-53e1-b4e8-fbdba629243a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung vom 21. Dezember 2005 wies die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, das Gesuch von
X._
vom 17. Oktober 2005 (Urk. 2/9/6) um unentgeltliche
Verbeiständung
im
Einspracheverfahren
ab (Urk. 2/9/4).
Hiegegen
erhob der Versicherte mit Eingabe vom 3. Februar 2006 Beschwerde und beantragte sinngemäss die Aufhebung dieses Entscheides und die Gewäh
rung der unentgeltlichen Rechtsvertretung im Verwaltungsverfahren (Urk. 2/1 S. 2).
2.
Mit Urteil vom 16. Oktober 2007 wies das Sozialversicherungsgericht des Kan
tons Zürich die Angelegenheit betreffen den Anspruch des Beschwerdeführers auf unentgeltliche Rechtsvertretung im Verwaltungsverfahren zum Erlass
eines
Einspracheentscheids
an die Beschwerdegegnerin zurück (Prozess IV.2006.00150; Urk. 2/40
Erw
. 1.3 und Dispositiv Ziff. 1 Absatz 2).
Die dagegen erhobene Verwaltungsgerichtsbeschwerde von
X._
hiess das Bundesgericht mit Urteil vom 30. Dezember 2008 in diesem Punkt gut und wies das hiesige Gericht an, bezüglich der Frage der unentgeltlichen
Ver
beiständung
im
Einspracheverfahren
zu entscheiden (Urk. 1 Dispositiv-Ziffer 1).
3.
Das Verfahren wurde daraufhin unter der Prozessnummer IV.2009.00086 neu angelegt. Die Akten aus dem Verfahren IV.2005.00150 wurden als Urk. 2/0-47 zu den Akten genommen.
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Aufgrund des bundesgerichtlichen Urteils vom 30. Dezember 2008 (Urk. 1) ist vorliegend allein der Anspruch des Beschwerdeführers auf unentgeltliche
Ver
beiständung
im
Einspracheverfahren
zu prüfen.
Diese Angelegenheit übersteigt den Streitwert von Fr. 20’000.-- nicht und fällt daher in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Die IV-Stelle verneinte in der angefochtenen Verfügung vom 21. Dezember 2005 den Anspruch des Beschwerdeführers auf unentgeltliche
Verbeiständung
im
Einspracheverfahren
mit der Begründung, eine anwaltliche Vertretung sei gar nicht notwendig gewesen, da der Beschwerdeführer seit 1. November 2005 durch die Sozialberatung Winterthur vertreten sei (Urk. 2/9/4).
Der Beschwerdeführer machte beschwerdeweise zur Hauptsache geltend, die Einsprache sei nicht aussichtslos gewesen (Urk. 2/1 S. 23 f.).
2.
2.1
Gemäss Art. 37 Abs. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) wird der gesuchstellenden Person im Sozial
versicherungsverfahren ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt, wo die Verhältnisse es erfordern. Unentgeltliche
Verbeiständung
im Verwaltungsver
fahren wird gewährt, wenn die Partei bedürftig ist, die Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheinen und die Vertretung im konkreten Fall sachlich geboten ist (vgl. Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung, BV). Eine anwaltliche Mitwirkung drängt sich nur in Ausnahmefällen auf, wenn schwierige rechtliche oder tat
sächliche Fragen dies als notwendig erscheinen lassen und eine
Verbeiständung
durch Verbandsvertreter, Fürsorger oder andere Fach- und Vertrauensleute sozialer Institutionen nicht in Betracht fällt (BGE 132 V 200
Erw
. 4.1 mit Hinwei
sen; vgl. BGE 125 V 32).
Der Gesetzgeber hat die vom Eidgenössischen Versicherungsgericht (EVG) entwi
ckelte Praxis, wonach im Verwaltungsverfahren an die Voraussetzung der sachlichen Notwendigkeit einer
Verbeiständung
ein strengerer Massstab anzule
gen ist als im kantonalen Gerichtsprozess, übernommen und dadurch zum Aus
druck gebracht, dass im Verwaltungsverfahren der Gesuch stellenden Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand bewilligt wird, wo die Verhältnisse es erfordern (Art. 37 Abs. 4 ATSG), im kantonalen Prozess, wo die Verhältnisse es rechtferti
gen (Art. 61
lit
. f Satz 2 ATSG; Urteil des EVG vom 24. Januar 2006 in Sachen A., I 812/05
Erw
. 4.3).
2.2
Ob dies der Fall ist, beurteilt sich nach den konkreten objektiven und subjekti
ven Umständen. Praktisch ist im Einzelfall zu fragen, ob eine nicht bedürftige Partei unter sonst gleichen Umständen vernünftigerweise eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt beiziehen würde, weil sie selber zu wenig rechtskundig ist und das Interesse am Prozessausgang den Aufwand rechtfertigt (BGE 103
V 47, 98 V 118; vgl. auch BGE 130 I 182
Erw
. 2.2, 128 I 232
Erw
. 2.5.2 mit Hin
weisen).
Beim Erfordernis der Notwendigkeit einer
Verbeiständung
im Verwaltungsverfah
ren wird ein strenger Massstab angelegt. Wo eine an den Unter-
suchungsgrundsatz
gebundene Behörde wie die Sozialversicherungsorgane im Verwaltungsverfahren über das Leistungsgesuch eines Versicherten zu befin
den hat, erscheint die Mitwirkung eines Rechtsanwaltes regelmässig als nicht erforderlich. Ein Anspruch auf unentgeltliche
Verbeiständung
entfällt insbeson
dere, wenn die geltend gemachten Leistungsansprüche durch das normale Ab
klärungsverfahren ausgewiesen werden beziehungsweise die Verwaltung dem Leistungsgesuch entspricht (BGE 114 V 235
Erw
. 5b).
Zudem ist auch die sachliche Gebotenheit der unentgeltlichen Rechtsverbeistän
dung im konkreten Fall entscheidend. Falls ein besonders starker Eingriff in die Rechtsstellung des Bedürftigen droht, ist die
Verbeiständung
grundsätzlich ge
boten, andernfalls bloss, wenn zur relativen Schwere des Falls besondere tat
sächliche oder rechtliche Schwierigkeiten hinzukommen, denen der Gesuchstel
ler auf sich alleine gestellt nicht gewachsen ist. Die Offizialmaxime rechtfertigt es jedoch, an die Voraussetzungen, unter denen eine
Verbeiständung
durch ei
nen Rechtsanwalt sachlich geboten ist, einen strengen Massstab anzulegen (BGE 125 V 35 f.
Erw
. 4b mit Hinweisen).
2.3
Das EVG hat die Notwendigkeit einer unentgeltlichen
Verbeiständung
im
Einspra
cheverfahren
etwa bejaht in Fällen, wo sich die versicherte Person mit mehreren Arztberichten und Gutachten und einem Abklärungsbericht Haushalt auseinander zu setzen und zu dem im Rahmen der gemischten Methode vorge
nommenen Einkommensvergleich Stellung zu nehmen hatte (Urteil des EVG in Sachen O. vom 27. April 2005, I 507/04,
Erw
. 7.3), oder wo die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit sehr umstritten, die Einkommensberechnung in der Verfü
gung nicht nachvollziehbar und zudem weitere Einkommensbestandteile um
stritten waren (Urteil des EVG in Sachen H., I 75/04,
Erw
. 3.3), oder in einem Fall, in welchem sich der Versicherte während Jahren wiederholt und erfolglos an die Verwaltung gewandt hatte, ohne dass für die ausserordentlich lange Ver
zögerung fallbezogene Gründe ersichtlich waren (Urteil des EVG in Sachen W. vom 12. Oktober 2004, I 386/04,
Erw
. 4.2).
Verlangt werden somit qualifizierende, besondere Umstände (Urteil des EVG vom 8. November 2006 in Sachen R., I 746/06,
Erw
. 3.2).
3.
3.1
Nach Lage der Akten ist ausgewiesen, dass die Beschwerdegegnerin nach der Anmeldung zum Leistungsbezug am 23. September 2004 (Urk. 2/9/69) und durchgeführten beruflichen Abklärungen (vgl. entsprechende Übersicht im Ur
teil des hiesigen Gerichts vom 16. Oktober 2007, Urk. 2/40
Erw
. 4.1) mit Verfü
gung vom 13. September 2005 in der Sache über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers entschieden und die berufliche Abklärung im Bereich der in
dustriellen Montage als beendet erklärt hatte (Urk. 2/9/7). Diese Verfügung wurde dem damals nicht (mehr) vertretenen Beschwerdeführer persönlich eröff
net (Urk. 2/9/7; vgl. auch Mandatsniederlegung des vormaligen Rechtsvertreters am 20. Dezember 2004, Urk. 2/9/61).
Aufgrund der später auch im versicherungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren aufgelegten Vollmacht beauftragte der Beschwerdeführer Rechtsanwältin Pia Dennler-Hager am 30. August 2005 mit seiner Rechtsvertretung (Urk. 2/4). Diese informierte die Beschwerdegegnerin am 9. Oktober 2005 über ihre Man
datierung (Urk. 2/9/39, Urk. 2/9/41) und führte am 17. Oktober 2005 Einsprache gegen die Verfügung vom 13. September 2005; gleichzeitig beantragte sie die unentgeltliche
Verbeiständung
(Urk. 2/9/6 S. 2 und S. 15), welches Begehren sie am 23. November 2005 substantiierte (Urk. 2/3/4 = Urk. 2/9/37).
3.2
Aus den zur Abklärung der unentgeltlichen Bedürftigkeit am 23. November 2005 (Urk. 2/3/4 = Urk. 2/9/37) eingereichten Unterlagen geht hervor, dass der Beschwerdeführer seit Oktober 2004 von der Sozialberatung Winterthur unter
stützt wurde (Urk. 2/9/29; vgl. auch Urk. 2/37 Ziff. 4 und Ziff. 5 in
fine
, Urk. 2/17/14, Urk. 2/9/6). Dies traf offenbar auch am 8. Juni 2006 noch zu, wie sich der auf Aufforderung durch das Gericht vom 8. Mai 2006 (Urk. 2/10) ein
gereichten Bestätigung der Sozialberatung Winterthur vom 29. Juni 2006 ent
nehmen lässt (Urk. 2/13).
In Anbetracht dieser laufenden Unterstützung durch die Fürsorgebehörde Winter
thur ist der Beschwerdegegnerin beizupflichten, dass sich der Beschwer
deführer im
Einspracheverfahren
durch diese hätte vertreten lassen können. Aktenmässig ausgewiesen ist nämlich, dass sich die Fürsorgebehörde nicht nur um die Deckung des Lebensunterhalts des Beschwerdeführers und seiner Familie kümmerte, sondern diesen auch gegenüber den Steuerbehörden und beim In
kassobüro vertrat (vgl. Beilagen zu Urk. 2/9/29).
3.3
Es kann auch nicht gesagt werden, dass das
Einspracheverfahren
besondere Schwierigkeiten geboten hätte. Die medizinischen Akten waren nicht derart
umfangreich, widersprüchlich oder komplex, dass sich deren Würdigung als ausserordentlich schwierig und mühevoll erwiesen hätte.
In der
Einspracheschrift
fiel die Darstellung der subjektiven Einschätzung des Beschwerdeführers bezüglich seiner gesundheitlichen und sozialen Situation denn auch weit ausführlicher aus als die eigentliche Auseinandersetzung mit der medizinischen Aktenlage. Die erwerbliche Situation und namentlich die Er
mittlung der massgebenden Einkommen wurde
einspracheweise
gar nicht bestritten (Urk. 2/9/6).
Da die bereits befasste Fürsorgebehörde die Vertretung insoweit durchaus unent
geltlich hätte wahrnehmen können, ist die Notwendigkeit der anwaltlichen Vertretung im
Einspracheverfahren
zu verneinen. Dies wurde im Übrigen vom Beschwerdeführer beschwerdeweise auch nicht in Abrede gestellt (Urk. 2/1 S. 23 f.).
Der angefochtene Entscheid vom 21. Dezember 2005 ist daher nicht zu beanstan
den, was zur Abweisung der Beschwerde betreffend die unentgeltliche Ver-
beiständung
im
Einspracheverfahren
führt.
4.
Insoweit der Beschwerdeführer die unentgeltliche
Verbeiständung
im Gerichts-ver
fahren beantragte (Urk. 2/1 S. 2 Ziff. 5) bleibt festzuhalten, dass die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers am 30. August 2007
hiefür
insgesamt einen Aufwand von 24.75 Stunden, zuzüglich Barauslagen von Fr. 307.05, gel
tend gemacht hatte (Urk. 2/39a). Diese Bemühungen wurden trotz des teilweisen Nichteintretens auf die Beschwerde mit Urteil vom 16. Oktober 2007 vollum
fänglich mit Fr. 5'656.-- abgegolten (Urk. 2/40
Erw
. 7 und Dispositiv-Ziffer 3).
Unter diesen Umständen besteht daher mit Blick auf die anwaltlichen Aufwendun
gen für die Frage der unentgeltlichen
Verbeiständung
im
Einspra
cheverfahren
keine Veranlassung für die Zusprache einer weiteren Entschädi
gung für das Gerichtsverfahren.