# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 69beabd8-120d-457b-85d6-cdba189b64a5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1975, zuletzt als Assistentin/
Rezeptionistin
bei
der
Y._
AG tätig, meldete sich am 12. Februar 2014
unter Hinweis auf eine psychische Beeinträchtigung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und berufliche Abklärungen und wies das Leistungsbegehren nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/17) mit Verfügung vom 24. September
2014 (Urk. 2 = Urk. 8/21) ab (vgl. auch Urk. 8/16 [Auferlegung der Schadensminderungspflicht
im Hinblick auf
eine
erneute
Anmeldung]).
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 27. Oktober 2014 (Urk. 1) Be
schwerde erheben mit dem Antrag, es sei ihr ab 1. August 2014 eine auf einem Invaliditätsgrad von 100 % basierende ganze Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der IV-Stelle. Zudem liess sie um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels sowie um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsbeistandes und Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung ersuchen. Die IV-Stelle schloss in ihrer
Beschwerde
antwort
vom 2. Dezember 2014 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde.
Repli
cando
liess die Versicherte an ihren Anträgen festhalten und ergänzen, dass eventuell eine psychiatrische Expertise einzuholen sei (Urk. 11). Am 27. Januar 2015 verzichtete die IV-Stelle auf die Er
stattung einer Duplik (Urk. 15), wovon der Beschwerdeführerin am 28. Januar 2015 Kenntnis gegeben wurde (Urk. 16). Diese reichte am 5. Februar und 20. April 2015 Arztberichte nach (Urk. 17-18, Urk. 20-21), wozu sich die Beschwerdegegnerin nicht mehr äusserte (Urk. 22).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze
oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medi
kamentenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Geset
zes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden ein
getreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se
invaliditäts
begründend
sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie
sich als Folgen selbst
ändiger Gesundheitsschädigungen darstellen (Art. 6
ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psychosozialen oder soziokulturellen Umständen und fachärztlich festgestellten psychischen Störungen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives
Zu
standsbild
bei einer (angenommenen) positiven Veränderung der
suchtbeding
ten
psychosozialen Problematik wesentlich bessern (und die damit verbundene Beeinträchtigung des Leistungsvermögens sich entsprechend verringern) würde (Urteil des Bun
desgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.1 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.1).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung (BGE 120 V 95 E. 4c; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014,
Rz
51 zu Art. 4 IVG) ist nicht entscheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten
Gesundheitsscha
den
steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irre
levant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang
mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht – einem Symptom gleich – Teil eines
Gesundheitsscha
dens
bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmittelabhängigkeit auf
recht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psychosozi
ale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheitsschadens beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.2 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.2).
Im
Urteil 8C_582/2015
vom 8. Oktober 2015
E. 4
hat das Bundesgericht in ei
nem Fall von durch schädlichem Gebrauch von Alkohol, Cannabis und Kokain verursachten Störungsbildes festgehalten, dass - da keine anhaltende
somato
forme
Schmerzstörung oder ein vergleichbares psychosomatisches Leiden zur Diskussion stehe und der vorinstanzliche Entscheid sich zu Recht nicht auf BGE 130 V 352 stütze - die neue Rechtsprechung von BGE 141 V 281 keine Auswir
kungen habe (kritisch dazu allerdings
Liebrenz
/
Uttinger
/Ebner, Sind
Abhängig
keitserkrankungen
aus höchstrichterlicher Sicht [weiterhin] nicht mit anderen psychischen Störungen [z.B.
somatoformen
Störungen] vergleichbar? - Eine Urteilsbesprechung von BGE 8C
582/2015 im Lichte der theoretischen Anwend
barkeit des ergebnisoffenen, strukturierten Beweisverfahrens, in: SZS 1/2016 S. 96 ff.).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre leistungsabweisende Verfügung vom 24. September 2014 (Urk. 2) damit, die Abklärungen hätten ergeben, dass die Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin vor allem durch das
Abhängigkeits
verhalten
begründet sei und deshalb keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege. Aus medizinischer Sicht handle es sich um keine IV-relevante Störung, welche nicht therapierbar wäre
beziehungsweise
eine langfristige Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit habe. Eine Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin nach Überwindung der Suchtproblematik zu 100 % zumutbar.
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen vortragen, sie leide an einem invalidisierenden Gesundheitsschaden.
I
n der Vergangenheit
habe sie
mehrfach in der
Z._
hospitalisiert werden müssen. Dort seien unter anderem die Diagnosen „F52.2 Gemischte
schizoaffektive
Störung,
manischdysphorisch
, aggressive und affektlabile
Anteile
und paranoider Wahn DD bipolare Störung,
ggw
. manische Episode“ sowie „Status nach psychischer und körperlich-tätlicher Traumatisierung“ gestellt worden. Es liege zudem
eine psychotische Störung vor. Die Auffassung der Beschwerdegegnerin, wonach
aus
schliesslich ein Suchtgeschehen vorliege, basiere nicht auf einer schlüssigen Be
gründung. Die Beschwerdeführerin sei seit mindestens April 2013 nicht mehr arbeitsfähig (Urk. 1 und 11).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invali
denrente hat.
3.
3.1
Oberarzt
Dr.
med. univ.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie, und Assistenzärztin
Dr.
med.
B._
von der
Z._
stellten in ihrem Bericht vom 26. November
2013 (Urk. 8/9/7-11) folgende Diagnosen:
Psychiatrische Diagnosen und Belastungsfaktoren nach ICD-10
F10.0
Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol: Akute Intoxikation (akuter Rausch)
F10.2
Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol: Abhängigkeitssyndrom
F10.8
Psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol: Sons
tige psychische und Verhaltensstörungen
F12.5
Psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabino
ide
: Psychotische Störung DD Erkrankung aus dem F2-Spektrum
F12.5
Psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabino
ide
: Abhängigkeitssyndrom
Somatische Diagnosen nach ICD-10
E53.8
Mangel an sonstigen näher bezeichneten Vitaminen des Vitamin-B-Komplexes: B12 und
Folat
W92.9
Unfall durch künstliche Hitze: St. n. Inhalationstrauma am 27.10.2013
Die Beschwerdeführerin habe sich vom 26. September bis 11. Oktober 2013 (ers
te
Hospitalisation
) und vom 21. Oktober bis 4. November 2013 (zweite
Hospitali
sation
) in der Klinik aufgehalten. Auch während der zweiten
Hospitalisation
habe sie sich angetrieben,
dysphorisch
und paranoid-wahnhaft präsentiert. Sie habe sich durch einzelnen Mitglieder des Personals (Stationsleiter, Psychologin, Ergotherapeutin und Sozialarbeiterin) beeinträchtigt, verfolgt und beschädigt gefühlt, was sich in massiven Anschuldigungen, Abwertungen und verbalen Drohungen geäussert habe. In der Nacht vom 26./27. Oktober 2013 habe die Beschwerdeführerin eine Pflegeperson tätlich angegriffen und habe überwältigt werden müssen. Sie sei anschliessend
zwangsmediziniert
worden. Mithilfe eines in ihrer Unterwäsche aufbewahrten Feuerzeugs sei es ihr wenig später gelungen, im Isolationszimmer Feuer zu legen. Dadurch seien insgesamt sieben Personen leicht verletzt worden (Rauchgasvergiftung). Dem Behandlungsteam gegenüber habe sich die Beschwerdeführerin immer wieder abwertend und für eine Therapie gänzlich unmotiviert
verhalten
. Bei fehlendem Behandlungsauftrag sowie fehlenden akuten Gefährdungsaspekten sei sie schliesslich auf eigenen Wunsch und bezüglich der wahnhaften Symptomatik in teilremittiertem Zu
stand aus der Klinik entlassen worden. Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Nachbehandlung sei dringend indiziert.
3.2
Am 7. April 2014 diagnostizierte Oberärztin
Dr.
med.
C._
von der
Z._
,
D._
,
unter anderem
eine
”
gemischte
schizoaffektive
Störung, manisch-
dysphorisch
, aggressive und affektlabile Anteile
und paranoider Wahn
”
, Diffe
rentialdiagnose: bipolare Störung, gegenwärtig manische Episode. Da die Be
schwerdeführerin keinerlei Krankheits- oder Behandlungseinsicht zeige, sei die Prognose aktuell eher schlecht (Urk. 8/12).
3.3
Assistenzarzt
Dr.
med.
E._
, Oberärztin
F._
und der Leitende Arzt PD
Dr.
med.
G._
von der
H._
führten in der Anordnung einer medizinischen Massnahme ohne Zustimmung (elektive Zwangsbehandlung gemäss Art. 434 Abs. 1 des Zivilgesetzbuches) vom 22. Mai 2014 (Urk. 12/1) zur Begründung aus, dass eine Fremd- und Selbstgefährdung im Rahmen einer
akuten
Psychose bestehe. Während des Aufenthalts
in der Klinik
Z._
im Herbst 2014 habe die Beschwerdeführerin Feuer gele
gt. Es sei zu mehreren Anzeigen wegen Körperverletzung gekommen; rückblickend seien diese Taten am ehesten im Rahmen von wahnhaften Verkennungen zu erklären. Das Potential solch aggressiver Handlungen ohne nachvollziehbare Begründung stelle ein erhebliches Risiko für die Beschwerdeführerin und ihre Umgebung dar. Ziele der Massnahme seien eine Remission der psychotischen Symptomatik, eine Stabilisierung des Zustandsbildes, die Bildung einer Krankheitseinsicht und die Etablierung einer Dauermedikation.
3.4
Oberarzt med.
pract
.
I._
und Assi
stenzarzt med.
pract
.
J._
vom
K._
hielten in ihrem Bericht vom 23. Mai 2014 (Urk. 3/3) über die
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin vom 1
0.
bis 25. April 2014 als Hauptdiagnose eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.25) fest. Im Verlauf des Aufenthalts habe sich die Beschwerdeführerin immer häufiger unangepasst, verbal drohend und beleidigend gegenüber dem Pflegepersonal gezeigt. Angesichts fehlender Motivation zum Substanzentzug und zur Teilnahme an Gruppentherapien sei die Beschwerdeführerin nach Aussprache mehrerer nicht befolgter Ermahnungen entlassen worden. Bei Entlassung
sei sie in stabilem psychischem und gutem physischem
Zustand gewesen
,
ohne Hinweise für eine akute Fremd- oder Selbstgefährdung. Es werde dringend der Neubeginn einer ambulanten Psychotherapie empfohlen.
3.5
Dr.
med.
L._
, Fachärztin FMH für Arbeitsmedizin und Allgemeinmedizin,
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (
RAD
) der Beschwerdegegnerin
äusserte sich am 9. Juli 2014 dahingehend, dass seit Jahren ein starker Alkoholkonsum und seit 2012 ein regelmässiger Cannabiskonsum sowie ein multipler Substanzgebrauch bestehe. Die Beschwerdeführerin werde seit dem 14. März 2014 ni
cht mehr durch die
Z._
betre
ut, sondern nur noch durch einen Allgemeinmediziner. Davor
seien
ab September 2013 lediglich in drei- bis zweiwöchentlichen Abständen Konsultationen in der
Z._
erfolgt
. Ein Drogenentzug habe nicht stattgefunden. Da die Beschwerdeführerin seit Jahren Alkohol und Cannabis konsumiere sowie höchstwahrscheinlich weitere Drogen, hingegen noch nie in psychiatrischer Betre
uung betreffend
schizoaffektive
Störung gewesen sei, sei überwiegend wahrscheinlich von einem primären Suchtgeschehen auszugehen.
Es handle sich somit (noch) nicht um eine IV-relevante, das heisse erhebliche und
chronifizierte
Störung, welche nicht therapierbar wäre und eine langfristige Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit (in einer Bürotätigkeit) habe. Eine solche Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin nach Überwindung der IV-fremden
Sucht
problematik
zu 100 % zumutbar. Wenn eine mindestens sechsmonatige absolute Drogenkarenz eingehalten sei und danach immer noch eine psychotische/
affek
tive Restsymptomatik vorhanden wäre, könn
t
e diese neu evaluiert werden (Urk. 8/15/3).
3.6
Assistenzärztin
Dr.
med.
M._
und Oberärztin
F._
von der
H._
, wo die Beschwerdeführerin vom 16. Mai bis 11. Juli 2014 hospitalisiert war, stellten in ihrem Bericht vom 6. August 2014 (Urk. 12/2) folgende Diagnosen (nach ICD-10):
F25.1
Schizoaffektive
Störung,
ggw
. manisch
F10.2
Psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol:
Ab
hängigkeitssyndrom
(am 16.05.2014 um 0:40 0.83 Pro
mille AAT)
E53.8
Mangel an sonstigen näher bezeichneten Vitaminen des Vitamin-B-Komplexes
Der
Klinike
intritt sei per
fürsorgerische
r
Unterbringung wegen Selbst- und Fremdgefährdung vor dem Hintergrund eines bekannten Alkohol- und
Canna
bisabhängigkeitssyndroms
mit einer akuten Wahnsymptomatik erfolgt (S. 1). Die
Beschwerdeführerin habe sich oberflächlich angepasst gezeigt; es habe keine Krankheitseinsicht bestanden. Im Verlauf habe sich eine deutlich verminderte affektive Belastbarkeit gezeigt. Sie habe auf alltägliche Belastungen
dyspho
risch-gereizt
bis hin zur Fremdaggressivität reagiert. Zweimal sei eine
Zwangs
medikation
notwendig gewesen. Da die Beschwerdeführerin die Behandlung weiter abgelehnt habe, sei eine elektive Zwangsbehandlung mit
Zyprexa
und
Temesta
e
ingeleitet worden, gegen die sie
nicht rekurriert habe. Hierunter habe sich der psychopathologische Befund nur geringfügig gebessert. Im Weiteren habe die Beschwerdeführerin einer Behandlung mit
Valproat
zugestimmt. Dies habe eine deutliche Verbesserung des Befundes gebracht, so dass sie freundlich im Kontakt geworden sei. Kurz
z
eitig hätten geordnete und lösungsorientierte Gespräche geführt werden können. Bei Beurlaubungen im Rahmen der
Aus
trittsvorbereitung
habe sie jedoch wieder Alkohol und Cannabis konsumiert. Der psychopathologische Befund habe sich wieder verschlechtert; sie habe erneut teilweise die Medikation verweigert. Zum Zeitpunkt des Austrittes hätten keine
Hinweise auf eine Selbst- oder F
remdgefährdung vorgelegen
.
Die Patientin scheine
aktuell nicht zur Aufrechterhaltung der
Abstinenz in der Lage zu sein (S. 3 f.).
3.7
Oberärztin med.
pract
.
N._
und die Psychologin
MSc
O._
von der
Z._
hielten in ihrem Bericht vom 25. Januar 2015 (Urk. 18) fest, dass die Beschwerdeführerin, die vom 2
1.
bis 25. Januar 2015 erneut in der Klinik hospitalisiert war, eine geplante Medikation zur Spannungsregulation durchgehend und verbal-aggressiv abgelehnt habe.
3.8
Assistenzärztin
Dr.
med. univ.
P._
und Oberärztin
Dr.
med. univ.
Q._
von der
R._
führten in ihrem Bericht vom 15. April 2015 (Urk. 21) aus, dass sich die Zusammenarbeit mit der Beschwerdeführerin während der gesamten vom 9. März bis 15. April 2015 dauernden
Hospitalisation
sehr schwierig gestaltet habe. Die Beschwerdeführerin habe ihre Empfehlungen abgelehnt. Zudem sei es zu mehreren Konfliktsituationen mit dem Behandlungsteam geko
mmen. Die Beschwerdeführerin sei
am 15. April 2015 ohne Anhaltspunkte für eine akute Fremd- und/oder Selbstgefährdung ausge
treten. Die Nachbehandlungssuche habe sich sehr schwierig gestaltet, da die Beschwerdeführerin alles habe selbst organisieren wollen.
4.
4.1
Aufgrund der vorliegenden medizinischen Akten ist ausgewiesen, dass die Be
schwerdeführerin alkohol- und cannabisabhängig ist. Weiter
wurde namentlich
im Bericht der
H._
vom 6. August 2014 (Urk. 12/2) eine
schizoaffektive
Störung, gegenwärtig manisch (ICD-10 F25.1)
,
diagnostiziert.
Im Licht
e
der
in
E. 1.2
hievor
dargestellten Praxis
gilt es
zu klären, ob die Alko
hol- und Drogensucht, die als solche
wie
erwähnt
nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes führ
t
, vorliegend
denn
och invaliden
versicherungs
rechtlich
relevant
ist. Wie ausgeführt
, sind leistungsmindernde Suchtfolgen dann IV-rechtlich relevant,
wenn
sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigen
ständigen Gesundheitsschaden stehen.
Dies kann der Fall sein, wenn die
S
ucht – einem Symptom gleich – Teil eines
Gesundheitsschadens bildet
; dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des
Rauschmittelkon
sums
, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsun
fähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn
daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die
Betäub
ungsmittelabhängigkeit
aufrecht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt.
Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese)
wie andere psychosoziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn
und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines G
esundheitsschadens beein
flussen
.
4.2
Die Arbeits- und Allgemeinmedizinerin und RAD-Ärztin
Dr.
L._
war
der
Ansicht, dass bei der Beschwerdeführerin
überwiegend wahrscheinlich von einem
primären Suchtgeschehen auszugehen sei und
es sich dabei noch nicht um
eine IV-relevante erhebliche,
chronifizierte
und nicht
therapierbare Störung handle. Nach Überwindung der Suchtproblematik sei der Beschwerdeführerin eine Bürotätigkeit zu 100 % zumutbar. Diese Einschätzung begründete
Dr.
L._
damit, dass die Beschwerdeführerin zwar wegen ihrer Alkohol- und Drogen
sucht psychiatrisch
betreut worden
sei, nicht jedoch wegen der
schizoaffektiven
Störung.
Immerhin
aber
brachte
Dr.
L._
implizit
gewisse Zweifel an ihrer Beurteilung zum Ausd
ruck, indem sie ausführte, dass
falls nach einer sechsmonatigen Drogenkarenz immer noch eine psychotische/affektive Restsymptomatik vorlie
gen sollte, diese neu zu evaluieren
wäre
.
Weiter
bleibt
festzuhalten, dass
Dr.
L._
nicht Psychiaterin
ist
;
d
ies ist von besonderer Bedeutung, weil
sich vorliegend
Abgrenzungsfragen spezifisch psychiatrischer Natur
stellen (E. 1.
2 und 4.1
hievor
)
. Die Begründung von
Dr.
L._
, wonach von einem primären Suchtgeschehen auszugehen sei, weil die Beschwerdeführerin nie wegen ihrer
schizoaffektiven
Störung in Behandlung gewesen sei,
überzeugt auch inhaltlich nicht,
weil
aus der Nichtbehandlung einer Gesundheitsstörung nicht zwingend
auf deren (IV-rechtliche
) Irrelevanz geschlossen werde
n kann
.
Sodann wird im
Bericht der
Z._
vom 7. April 2014 (Urk. 8/12; oben E. 3.2) d
ie
s
chizoaffektive
Störung
in der Diagnoseliste
an erster Stelle genannt
,
und es ist im Übrigen ersichtlich
,
dass die Beschwerdeführerin in der Familienanamnese eine Vorbelastung in Bezug auf die bipolare Störung und eine Erkrankung aus de
m schizophrenen Formenkreis hat
.
Jedenfalls kann allein gestützt auf die Beurteilung von Dr.
L._
nicht ohne weiteres von nicht invalidisierenden (reinen) Folgen der Alkohol- und Drogenproblematik ausgegangen werden.
Die übrigen medizinischen Expertinnen und Experten äusserten sich zum Ver
hältnis zwischen der
schizoaffektiven
Störung (beziehungsweise einer
ebenfalls
diagnostizierten Anpassungsstörung oder Psychose) einerseits und der Alkohol- und
Drogensucht andererseits nicht, so dass nicht beurteilt werden kann, ob die von der Praxis formulierten Kriterien
für eine IV-rechtliche Relevanz
(vgl. E. 1.2 und 4.1
hievor
) erfüllt sind oder nicht. Es lässt sich
vorderhand
nicht entschei
den, ob das Suchtgeschehen in einem engen Zusammenhang mit der psychi
schen Gesundheitsbeeinträchtigung
(namentlich
s
chizoaffektive
Störung) steht
,
beziehungsweise
ob die Sucht ein Symptom der psychischen Störung
bildet, und
nicht allein die unmittelbare Folge des Alkohol- und Drogenkonsums, sondern
wesentlich der psychische Gesundheitsschaden selber für die Arbeitsunfähigkeit verantwortlich ist; ferner auch nicht, ob (bei allfälliger Annahme reiner
Sucht
folgen
) die psychische Störung die Folgen der Alkohol-
und
Drogenabhängkeit
allenfalls massgeblich verstärkt (vgl. zum Ganzen E.
1.2
hievor
)
. Diesbezüglich ist auch der Hinweis
im Bericht der
H._
vom 6.
August 2014
, wonach
durch
die Behandlung mit
Valproat
und
Zyprexa
sowie unter Abstinenz eine deutliche Befundbesserung habe erreicht werden können (Urk. 12/2 S. 4), zu wenig aussagekräftig, um die streitentscheidenden Fragen
abschliessend zu beantworten
.
4.3
Aus dem Gesagten folgt, dass
d
ie angefochtene Verfügung vom 24. September 2014 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache zur weiteren medizinischen Abklärung und Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
ist
. Diesbe
züglich wird
auch
die Frage
zu beantworten sein
, ob zur Begutachtung der
Besc
hwerdeführerin aus medizinischer
Sicht
eine vorgängige Drogen- und
Alko
holabstinenz
notwendig ist.
5.
5.1
Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG sind ermessensweise auf
Fr. 8
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss
der Beschwerdegegnerin
a
ufzuerlegen
.
5
.2
5.2.1
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der
Partei
kosten
. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Nach ständiger Rechtsprechung gilt die
Rückwei
sung
der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
5
.2.2
Mit Honorarnote vom 26. Januar 2016 (Urk. 24) machte Rechtsanwältin Am
mann einen Aufwand von 18,75 Stunden sowie Barauslagen von Fr. 170.40 geltend. Dies erscheint
gerade noch
angemessen. Der gerichtsübliche
Stunden
ansatz
betrug bis Ende 2014 Fr. 200.--; seit 1. Januar 2015 beläuft er sich auf Fr. 220.-- (je
weils zuzüglich Mehrwertsteuer). Demzufolge sind die im Jahre 2014 erbrachten Leistungen (14,13 Stunden) mit Fr. 200.-- und die späteren (4,62 Stunden) mit Fr. 220.-- (jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer) zu entschädi
gen. Daraus ergibt sich eine Aufwandsentschädigung von Fr. 4‘149.80 (= [14,13 x Fr. 200.
] + [4,62 x Fr. 220.
] x 1,08). Hinzu kommen die geltend gemach
ten Barauslagen von Fr. 170.40 beziehungsweise
Fr.
184
.05 (inklusive Mehr
wertsteuer).
Somit ist
die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin eine Prozessentschädigung in der Höhe von
Fr. 4‘333.85
(inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer)
zu bezahlen.
Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege erweist
sich damit als gegenstandslos.