# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b809c0e6-14dc-43e4-8206-632b937e6a2b
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 20
I. Sachverhalt
A. X. wurde am _ in A. geboren und wuchs zusammen mit 6 Geschwistern bei den Eltern in B. und C. auf. Nach Abschluss der Sekundarschule absolvierte er bei der Gemeindeverwaltung in C. eine kaufmännische Lehre. In diversen Seminaren und Kursen bildete er sich zum eidgenössisch diplomierten Immobilientreuhänder weiter. Nach der Lehre arbeitete er während rund zwei Jahren beim Zivilstandsamt der Stadt D. und danach ca. neun Jahre beim Bauamt der Gemeinde E.. Anschliessend arbeitete er rund zehn Jahre als Steuerkommissär des Kantons D.. Danach war er ca. acht Jahre bei der Treuhandfirma F. AG in D. angestellt. 1998 machte er sich selbständig und gründete die Einzelfirma X., Steuerrechts- und Treuhandpraxis mit Sitz in B.. Ein Jahr später gründete er die Firma H. GmbH Revisionen + Treuhand mit Sitz in G.. Im Februar 2008 wurde der Sitz der Einzelfirma X., Steuerrechts- und Treuhandpraxis von B. nach G. verlegt. Gemäss seinen eigenen Angaben verdient X. ca. CHF 10'000.00 bis 12'000.00 pro Monat netto.
X. ist seit 1975 mit K., geborene L., verheiratet. Aus dieser Ehe stammt eine erwachsene Tochter.
B. Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X. nicht verzeichnet. Dem einfachen Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden vom 4. August 2010 ist nichts Negatives über seine Lebensführung zu entnehmen.
C. Mit Strafmandat bei Verbrechen und Vergehen gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Strafrechtspflege (StPO-GR; BR 350.000) vom 13. Juli 2010, gleichentags mitgeteilt, wurde X. vom Kreispräsidenten des Kreises M. der Widerhandlung gegen Art. 40 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Zulassung und Beaufsichtigung der Revisorinnen und Revisoren (RAG; SR 221.302) schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 300.00, bedingt bei einer Probezeit von zwei Jahren, und zu einer Busse von CHF 600.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 2 Tagen, verurteilt. Gegen dieses Strafmandat erhob X. am 20. Juli 2010 Einsprache beim Kreisamt M..
D. Mit Anklageverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 7. September 2010 wurde X. wegen mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 40 Abs. 1 lit. a RAG in Anklagezustand versetzt. Gemäss Anklageschrift vom gleichen Tage wurde der Anklage folgender Tatbestand zugrunde gelegt:
Seite 3 — 20
„Im Jahre 1999 gründete X. die H. GmbH Revisionen + Treuhand (nachfolgend H. GmbH) mit Sitz in G.. Deren Zweck war unter anderem der Betrieb eines Revisions- und Treuhandbüros sowie aller damit zusammenhängenden Geschäfte. Der Angeklagte war seit der Firmengründung Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift (act. 5.2). Ab dem 1. Januar 2008 verfügten weder er noch die H. GmbH über die ab diesem Zeitpunkt erforderliche Zulassung seitens der Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde für die Erbringung von Revisionsdienstleistungen. Am 15. Januar 2008 reichten X. und die H. GmbH je ein elektronisches Gesuch bei der Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde um Zulassung als Revisoren ein und bezahlten die entsprechenden Gebühren für die Beurteilung der Gesuche. Trotz Aufforderung seitens der Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde wurden diese Gesuche in der Folge nicht formgerecht auf Papier und mit den notwendigen Unterlagen eingereicht. Infolgedessen verfügten weder der Angeklagte noch die H. GmbH über eine Zulassung als Revisoren (act. 4.11 S. 2). Nachdem X. damals die entsprechenden Organe auf die neuen Revisionsbestimmungen aufmerksam gemacht und dabei eine mögliche Tätigkeit seitens der H. GmbH offen gelassen hatte, nahm er im Sommer 2009 die Revision der Buchführung und der Jahresrechnung der R.-Stiftung mit Sitz in D. für das Geschäftsjahr 2008 vor und erstattete am 27. August 2009 den entsprechenden Bericht an den Stiftungsrat (act. 6.4.2). Im Sommer 2009 nahm er auch die Prüfung der Buchführung und der Jahresrechnung der Stiftung für P. mit Sitz in D. für das Geschäftsjahr 2008 vor und erstattete am 3. September 2009 entsprechenden Bericht an den Stiftungsrat (act. 6.4.7).“
E. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss O., auf Antrag von X. vom 21. Oktober 2010 auf den 28. Oktober 2010 verschoben, war der Angeklagte X. persönlich anwesend.
In der Ergänzung der Anklageschrift stellte und begründete die Staatsanwaltschaft Graubünden folgende Anträge:
1. X. sei der mehrfachen Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetzt gemäss Art. 40 Abs. 1 lit. a RAG schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je CHF 300.00 zu bestrafen. Der Vollzug der Geldstrafe sei unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufzuschieben. Zusätzlich sei er mit einer Busse von CHF 600.00, ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 2 Tagen, zu bestrafen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.
X. sagte zur Sache aus, es störe ihn sehr, dass er wegen „mehrfacher“ Widerhandlung angeklagt worden sei, obwohl in Bezug auf die R.-Stiftung die zuständigen Stiftungsorgane im Dezember 2008 der Eidgenössischen Aufsichtsbehörde die Liquidation in Aussicht gestellt hätten. Er sei der Meinung gewesen, die Grenze für die Vornahme einer Revision ohne die erforderliche
Seite 4 — 20
Zulassung liege bei einer Bilanzsumme unter CHF 200'000.00. Es sei ihm in jenem Moment nicht bewusst gewesen, dass es in jedem Fall einer Bewilligung bedürfe respektive dass er sich um eine entsprechende Ausnahme hätte bemühen müssen. Nur weil er sich nicht um die Voraussetzungen für derartige Ausnahmen gekümmert habe, würde dies nicht heissen, dass er die Gesetzesübertretung in Kauf genommen habe. Er habe für diese Stiftungen nichts Widerrechtliches erreichen wollen. Es gehe ihm vorliegend um die Verhinderung des Strafregistereintrages.
F. Mit Urteil vom 28. Oktober 2010, per Dispositiv eröffnet am 28. Oktober 2010, mitgeteilt am 13. Januar 2011, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss O. was folgt:
1. X. ist schuldig der mehrfachen Widerhandlung gegen das Revisionsaufsichtsgesetz gemäss Art. 40 Abs. 1 lit. a RAG.
2. Dafür wird er zu einer Geldstrafe von zehn Tagessätzen zu je CHF 300.00 und einer Busse von CHF 600.00, ersatzweise bei deren schuldhaften Nichtbezahlung mit einer Freiheitsstrafe von zwei Tagen, bestraft.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und dem Verurteilten eine Probezeit von zwei Jahren angesetzt.
4. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus: - der Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft von CHF 1'040.00 - den Barauslagen der Staatsanwaltschaft von CHF 110.00 - den kreisamtlichen Kosten von CHF 300.00 - der Gerichtsgebühr von CHF 2'200.00 - total somit CHF 3'650.00 gehen zu Lasten des Verurteilten X.. Der nach Abzug der geleisteten Zahlung von CHF 1'490.00 verbleibende Betrag von CHF 2'160.00 ist vom Verurteilten – zusammen mit der Busse von CHF 600.00 – innert 30 Tagen dem Bezirksgericht O. zu überweisen.

## Considerations