# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 353bfcc9-0861-4b6f-8b4a-445553c7a4df
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._, geboren am _1980, und Y._, geboren am _1973, schlossen am 12. Dezember 1998 in O.1_ (D) die Ehe. Sie sind Eltern der Kinder A._, geboren am _1999, und B._, geboren am _2001. Im Jahr 2007 trennten sich die Ehegatten X.Y._. Der Ehemann verblieb am vormaligen ehelichen Wohnsitz in O.2_ (I), während die Ehefrau zu ihrem neuen Lebenspartner auf einen Hof in O.3_ zog. In den Jahren 2008 und 2009 wurde sie Mutter von zwei weiteren Kindern. Die gemeinsamen Kinder A._ und B._ wohnten nach der Trennung ihrer Eltern zunächst für kurze Zeit beim Vater in O.2_ und danach bei der Mutter in O.3_. Bis ins Jahr 2011 fanden regelmässige Kontakte zwischen den Kindern und dem Vater statt, zunächst in O.2_, ab 2010 aber vermehrt auch in O.3_, auf dem Hof der Mutter und ihres Lebenspartners.
B. Am 3. März 2011 reichte die gemeinsame Rechtsvertreterin von X._ und Y._, Rechtsanwältin lic. iur. Charlotte Schucan, dem Einzelrichter in Zivilsachen am Bezirksgericht Inn ein gemeinsames Scheidungsbegehren, datierend vom 7. Februar 2011, ein. Gleichzeitig beantragte sie eine Sistierung des Verfahrens, um eine vollständige Scheidungskonvention zu erarbeiten. Mit Datum vom 1./6. September 2011 unterzeichneten die Ehegatten X.Y._ eine Teil-Ehescheidungskonvention, die dem Gericht am 19. September 2011 eingereicht wurde. In der Konvention wurden alle Nebenfolgen der Ehescheidung mit Ausnahme des persönlichen Verkehrs zwischen dem Vater und den gemeinsamen Kindern geregelt. Am 10. Januar 2012 wurden die Ehegatten vom Bezirksgerichtspräsidenten Inn getrennt und gemeinsam angehört.
C. Mit Eingabe vom 17. November 2011 hatte Y._ ein Gesuch auf Erlass vorsorglicher Massnahmen gestellt. Darin beantragte er, dass ihm ab sofort und für die Dauer des pendenten Scheidungsverfahrens ein regelmässiges Besuchsrecht zu gewähren sowie für die Kinder eine Erziehungsbeistandschaft anzuordnen sei. X._ stellte anlässlich der Hauptverhandlung vom 10. Januar 2012 den Antrag, das Gesuch abzuweisen. Mit Verfügung vom 11. Januar 2012 beauftragte der Einzelrichter lic. phil. C._, Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (KJP GR), die beiden Kinder A._ und B._ in Bezug auf die Zuteilung der elterlichen Sorge und die Regelung des persönlichen Verkehrs anzuhören. Die entsprechende Anhörung fand am 27. Januar 2012 statt, wobei deren Ergebnisse im Bericht der KJP GR vom 31. Januar 2012 festgehalten wurden. Aus dem erwähnten Bericht geht unter anderem hervor, dass sowohl
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B._ als auch A._ während der Anhörung offen und ohne grössere sichtbare Belastung über die Trennung ihrer Eltern reden und ihre Situation schildern konnten. Im Laufe des Gesprächs habe sich indes gezeigt, dass beide Kinder zurzeit eine starke Abneigung gegenüber der neuen Partnerin ihres Vaters hegten. Sodann sei der Eindruck entstanden, dass ihre jeweilige gegenwärtige Beziehung zum Vater für ihre Entwicklung nicht förderlich sei und Klärungsbedarf bestehe. In der Anhörung habe nicht ausreichend geklärt werden können, aufgrund welcher Zusammenhänge diese Belastung entstanden sei. Es hätten sich Hinweise darauf ergeben, dass der Vater nach der elterlichen Trennung während der Besuche aus Sicht der Kinder zu wenig auf ihre jeweiligen Bedürfnisse eingegangen sei und sie deshalb den Kontakt heute nicht mehr wünschten. Gleichzeitig ergäben sich aber auch Hinweise, dass von der Mutter die entwicklungspsychologische Bedeutung der jeweiligen Beziehung der beiden Kinder zu ihrem leiblichen Vater unterschätzt worden sei und sie diese Beziehung in der Neugestaltung nach der elterlichen Trennung zu wenig gefördert habe. Beide Eltern liessen sich zum Anhörungsbericht vernehmen. Mit Entscheid vom 8. März 2012, mitgeteilt am 14. März 2012, wies der Einzelrichter in Zivilsachen am Bezirksgericht Inn das Gesuch auf Erlass vorsorglicher Massnahmen ab. Zur Begründung führte er im Wesentlichen aus, dass Klärungsbedarf bestehe, weshalb die Kinder gegenüber dem Vater eine ablehnende Haltung hätten. Eine Anhörung genüge nicht, um die schwierige Situation zu analysieren und zu klären, welche Regelung im Sinne des Kindeswohls sei. Hierfür sei das Einholen eines umfassenden Gutachtens notwendig, was jedoch im Rahmen des Hauptverfahrens erfolgen müsse. Im Massnahmeverfahren könne aufgrund des Alters der beiden Kinder und ihres klar geäusserten Willens ohne Begutachtung kein Besuchs- und Ferienrecht eingeräumt werden. Auch die Frage, ob eine Beistandschaft zu errichten sei, müsse im Rahmen einer Begutachtung im Hauptverfahren beantwortet werden.
D/1. Am 4. April 2012 wurde Y._ Frist angesetzt zur Einreichung schriftlich begründeter Rechtsbegehren im Hinblick auf die strittig gebliebene Scheidungsfolge des persönlichen Verkehrs. Mit Eingabe vom 7. Mai 2012 erhob Y._ folgende Rechtsbegehren:
„1. Der Ehemann sei für berechtigt zu erklären, die Kinder A._ und B._ am ersten und dritten Wochenende jeden Monats von Samstag, 9.00 Uhr, bis Sonntag, 19.00 Uhr, sowie zusätzlich in den Jahren mit gerader Jahreszahl von Karfreitag bis Ostermontag und in den Jahren mit ungerader Jahreszahl von Pfingstsamstag 9.00 Uhr bis Pfingstmontag 19.00 Uhr sowie jährlich vom 26. Dezember 9.00 Uhr bis am 27. Dezember 19.00 Uhr auf eigene Kosten zu sich oder an
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einen Aufenthaltsort seiner Wahl auf Besuch zu nehmen. Ferner sei ihm das Recht einzuräumen, die Kinder jährlich während 14 Tagen auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen.
2. Es sei für die Kinder A._ und B._ gestützt auf Art. 308 Abs. 1 und 2 eine Erziehungsbeistandschaft anzuordnen. Der Beistand sei zu beauftragen, die Eltern mit Rat und Tat zu unterstützen und insbesondere dafür besorgt zu sein, dass die Kinder und der Vater das vom Gericht angeordnete Besuchs- und Ferienrecht ausüben und den Kontakt miteinander pflegen können.
3. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“
Darüber hinaus stellte er den Beweisantrag, betreffend die Kinderbelange ein ausführliches kinderpsychologisches Gutachten anzuordnen.
D/2. X._ beantragte in ihrer Stellungnahme vom 30. Mai 2012, was folgt:
„1. Es seien die klägerischen Ziffern 1 und 2 abzuweisen.
2. Der Kläger sei für berechtigt zu erklären, die Kinder A._ und B._ wann immer die Kinder wollen auf eigene Kosten zu besuchen oder mit sich zu nehmen.
3. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungspflicht zulasten des Ehemannes.”
E. In seinen prozessleitenden Verfügungen vom 7. Juni 2012 bzw. vom 13. August 2012 gab der Gerichtsvorsitzende ein Gutachten über die Frage der Zuteilung der elterlichen Sorge und der Ausgestaltung des persönlichen Verkehrs zwischen den Kindern und dem Elternteil, welcher nicht über die elterliche Sorge verfügt, in Auftrag. Mit der Erstellung des Gutachtens wurde am 13. September 2012 wiederum lic. phil. C._, KJP GR, beauftragt. Am 29. Januar 2013 legte der Genannte dem Bezirksgericht Inn sein Gutachten, mitunterzeichnet von Dr. med. D._, vor. Darin wurde dem Gericht empfohlen, keinen geregelten persönlichen Verkehr zwischen dem Vater und den beiden Kindern festzulegen, obwohl es kinder- und jugendpsychologisch sinnvoll wäre. Des Weiteren empfahl der Gutachter, eine Beistandschaft für die Kinder zu errichten, mit dem Auftrag, sowohl beiden Kindern als auch dem Vater einen roten Faden des jeweiligen persönlichen Entwicklungsverlaufs zu vermitteln, und mit dem Ziel, die Wiederannäherung der Kinder zu ihrem Vater vorzubereiten. Gestützt auf einen Antrag von Y._ vom 8. März 2013 ordnete der Vorsitzende am 24. April 2013 eine Erläuterung bzw. Ergänzung des Gutachtens an. Am 30. Mai 2013 lag das Ergänzungsgutachten vor, wobei dem Gericht darin empfohlen wurde, den Kindeswillen in der Entscheidfindung massgeblich zu berücksichtigen.
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F. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Inn fand am 18. Juli 2013 statt. Ein zuvor gestellter Antrag von X._, die Kinder A._ und B._ an der Verhandlung teilnehmen zu lassen, war vom Vorsitzenden mit Verfügung vom 2. Juli 2013 abgelehnt worden. Mit Urteil vom 18. Juli 2013, mitgeteilt am 10. Oktober 2013, erkannte das Bezirksgericht Inn, wie folgt:
„1. Die von den Parteien am 12. Dezember 1998 vor dem Zivilstandsamt O.1_ (DE) geschlossene Ehe wird geschieden.
2. Die von den Parteien am 6./9. September 2011 abgeschlossene Ehescheidungskonvention wird genehmigt und nachfolgend in den Entscheid aufgenommen:
(Wiedergabe Teil-Ehescheidungskonvention)
3. Der Ehemann wird berechtigt, die Kinder A._ und B._ am ersten und dritten Wochenende jeden Monats von Samstag, 9:00 Uhr bis Sonntag, 19:00 Uhr, sowie zusätzlich in den Jahren mit gerader Jahreszahl von Karfreitag bis Ostermontag und in den Jahren mit ungerader Jahreszahl von Pfingstsamstag 9:00 Uhr bis Pfingstmontag 19:00 Uhr sowie jährlich vom 26. Dezember 9:00 Uhr bis am 27. Dezember 19:00 Uhr auf eigene Kosten zu sich oder an einen Aufenthaltsort seiner Wahl auf Besuch zu nehmen. Ferner wird ihm das Recht eingeräumt, die Kinder jährlich während 14 Tagen auf eigene Kosten zu sich oder mit sich in die Ferien zu nehmen.
4. Für die Kinder A._ und B._ wird gestützt auf Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB eine Erziehungsbeistandschaft angeordnet. Der Beistand wird beauftragt, die Eltern mit Rat und Tat zu unterstützen und insbesondere dafür besorgt zu sein, dass die Kinder und der Vater das vom Gericht angeordnete Besuchs- und Ferienrecht ausüben und den Kontakt miteinander pflegen können.
5.a) Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 13‘400.00 (Entscheidgebühr CHF 2‘500.00, Kosten der Beweisführung inkl. Gutachten CHF 8‘500.00, Kosten Verfahren vorsorgliche Massnahmen (Proz. Nr. -243) CHF 2‘400.00) sind zu 4/5 von der beklagten Partei und zu 1/5 von der Klägerschaft zu bezahlen und gehen infolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für beide Parteien (Proz. Nr. -60 und 135-2011-61) – unter Vorbehalt von Art. 123 ZPO – zu Lasten des Kantons Graubünden und werden auf die Gerichtskasse genommen.
b) Die beklagtische Partei hat die klägerische Partei aussergerichtlich zu 4/5 der klägerischen Kosten zu entschädigen, die klägerische Partei hat ihrerseits die beklagte Partei zu 1/5 der beklagtischen Kosten zu entschädigen. Die unentgeltlichen Rechtsbeistände werden – unter Vorbehalt von Art. 123 ZPO – zu Lasten des Kantons Graubünden gemäss Kostenentscheide (Proz. Nr. 135-2011-60 und 135-2011-61) entschädigt. Die Entschädigung wird aus der Gerichtskasse bezahlt.

## Considerations