# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0d198b28-b50b-4627-8cfd-c7e952326a90
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
ist seit
dem Jahr
2016 von
Y._
geschieden
,
mit welcher
er
weiterhin
die
gemeinsame elterliche Sorge über die Kinder
Z._
(geb. 2003) und
A._
(geb. 2005)
hat. Gemäss
Scheidungsurteil
des Kreis
gerichts St. Gallen vom
6.
Januar
2016
wohnen die Kinder bei ihrer Mutter
(
Urk.
7/8
). S
eit
dem
1.
April 2020
arbeitet
X._
im Spital
B._
(Urk. 7/13)
, welche
Arbeitgeberin
der
Familienausgleichskasse der
Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich,
ange
schlossen ist.
Mit Gesuch vom
2
6.
Februar 2020
(Eingang
bei der Familienausgleichskasse
)
beantragte
X._
über seine Arbeitgeberin bei der Familienausgleichskasse Familienzulagen für seine beiden Kinder
(
Urk.
7/2,
Urk.
7/13)
. Mit Verfügung vom 1
9.
Juni 2020 verneinte die Familienausgleichskasse einen Anspruch
von
X._
auf Familien
zu
lagen
ab
dem
1.
April 2020
,
was sie
im Wesentlichen
damit begründete, dass
beide Elternteile
erwerbstätig seien
und sich die elterliche Sorge teilen würden, weshalb – da
die Kinder überwiegend bei der Kindsmutter leben würden
-
die Zulagen durch die Kindsmutte
r
bei der für sie zuständigen Familienaus
gleichs
kasse zu beantragen
seien (Urk.
7/14). Dag
egen erhob
X._
am 13.
Juli 2020 E
insprache (Urk.
7/15), welche die Familienausgleichskasse mit
Einsprache
ent
scheid
vom
9.
Oktober 2020 abwies (
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
9.
Oktober 2020 erhob
X._
hierorts
am
2.
November 2020 Beschwerde und beantragte, dass die seit
1.
April 2020 aus
stehenden Familienzulagen
an ihn auszuzahlen seien (Urk.
1). Mit
Vernehm
lassung vom 2.
Dezemb
er 2020
stellte
die Familienausgleichskasse
Antrag auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
6), was dem Beschwerdeführer mit
gerichtlicher Verfügung vom 10.
Dezember 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Familienzulagen sind einmalige oder periodische Geldleistungen, die ausgerichtet werden, um die finanzielle Belastung durch ein oder mehrere Kinder teilweise auszugleichen (
Art.
2 des Bundesgesetzes über die Familienzulagen,
FamZG
). Für das gleiche Kind wird nur eine Zulage derselben Art ausgerichtet. Die Diffe
renz
zahlung nach
Art.
7
Abs.
2
FamZG
bleibt vorbehalten (
Art.
6
FamZG
).
1.2
Haben mehrere Personen für das gleiche Kind Anspruch auf Familienzulagen nach eidgenössischem oder kantonalem Recht, so steht der Anspruch nach
Art.
7
Abs.
1
FamZG
in nachstehender Reihenfolge zu:
a.
der erwerbstätigen Person;
b.
der Person, welche die elterliche Sorge hat oder bis zur Mündigkeit des Kindes hatte;
c.
der Person, bei der das Kind überwiegend lebt oder bis zu seiner Mündigkeit lebte;
d.
der Person, auf welche die Familienzulagenordnung im Wohnsitzkanton des Kindes anwendbar ist;
e.
der Person mit dem höheren AHV-pflichtigen Einkommen aus
unselbststän
-
diger
Erwerbstätigkeit;
f.
der Person mit dem höheren AHV-pflichtigen Einkommen aus selbstständiger Erwerbstätigkeit.
1
.3
Gemäss
Rz
404.1 der Wegleitung über die Familienzulagen
(
FamZWL
)
kann
e
ine Scheidungskonvention oder ein Scheidungsurteil vorsehen, wer die
Familienzu
lagen im Endeffekt er
hält und allenfalls zu
welchem Zweck sie verwendet wer
den
sollen (Krankenversicherungsprämien, Kleider, usw.). Die erstanspruchsbe
rech
t
igte
Person wird indes immer ge
stützt auf Artikel 7
FamZG
von der FAK bestimmt.
1.
4
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Die Familienausgleichskasse begründete den angefochtenen
Einspracheentscheid
unter Hinweis auf
Rz
404.1
FamZWL
im Wesentlichen damit, dass d
ie erstan
spruchsberechtigte Person immer gestützt auf
Art.
7
FamZG
von der FAK zu ermitteln sei
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer macht dagegen zur Hauptsache geltend, dass
Rz
404
.1
Fam
Z
WL
im vorliegenden Fall nicht anwendbar sei, da
keine Konkurrenzsit
u
ation gegeben
sei. Denn sein vorrangiger Anspruch sei
seit der Scheidung etabliert, was zu respektieren
und auch seitens der
SVA Thurgau und
der
SVA St. Gallen seit Anbeginn der Trennung so respektiert
worden sei
.
Überdies
werde der Aufent
haltsort der Kinder immer fluktuierender
und gehe in eine alternierende Obhut über
(z
.B.
anstehendes Studium von
Z._
)
.
Der
eigentliche Aufenthaltsort der Kinder
könne
immer weniger trennscharf beurteilt werden
, welcher Umstand die bestehende und etablierte Regelung
ebenfalls
stütze
(
Urk.
1).
3.
3.1
Soweit der Beschwerdeführer
(
wie schon in seiner Einsprache
)
zur Hauptsache geltend macht, dass
keine Anspruchskonkurrenz
nach
Art.
7
FamZ
G
bestehe, da
er
gemäss
Vereinbarung mit der Kindsmutter die Familienzulagen
seit 2013
beziehe, und dieses
Vorgehen
seit der Trennung
(Jahr 2013)
bzw.
Scheidung
(Jahr 2016)
so
etabliert und auch von anderen Familienausgleichskassen respektiert worden sei, ergibt dies nichts zu seinen Gu
n
sten.
Wie das Bundesgericht in BGE 139 V 429 klar festgehalten hat, ist aufgrund der Materialien ersichtlich, dass der Gesetzgeber kein Wahlrecht mehrerer anspruchsberechtigter Personen einführen wollte, wer von ihnen die Zulage beziehen soll
(vgl. E. 4.2 von BGE 139 V 429);
vielmehr ist
die
Prioriätenordnung
nach
Art.
7
Abs.
1
Fa
mZG
zwingend und
in jedem Fall
zu beachten
.
Wegen des Vorrangs der
zwingenden öffentlic
h-recht
lichen Regelung von Art. 7 Abs.
1
FamZG
wäre
denn etwa auch
ausgeschlossen, dass ein Zivilgericht
(
etwa
im Scheidungsverfahren)
über den Bestand und d
ie Höhe
dieses
öffentlich-rechtl
i
chen An
spr
u
chs entscheiden könnte
(vgl. dazu
Kieser/Reichmuth,
Bundesgesetz über die Familienzulagen,
Praxiskommentar,
2010
, insbes.
Rz
4 zu
Art.
8
FamZG
).
E
ntgege
n der Meinung des Beschwerde
füh
rers
kann mithin
allein
aus
der von ihm geltend gemachten
etablierten
Praxis
(und zwar ungeachtet der dieser zugrundeliegenden Verhältnisse)
allein
kein
An
spruch
auf die Zulagen
a
bgel
e
i
tet werden.
3.2
Nach dem Gesagten
hat die Verwaltung
den Anspruch des Beschwerdeführers
zu Recht
anhand der vom Gesetz vorgegebenen
Ordnung
ge
prüft
. Wenn
sie
dessen Anspruch
-
gestützt auf
Art.
7
Abs.
1
lit
. c
FamZG
- verneinte bzw
.
bei der Mutter sah,
ist
jedoch
festzustellen, dass
die
vorliegenden
Akten
diese Zuordnung n
icht
abschliessend
erlauben.
So
ist (
mit Blick auf
Art. 7 Abs. 1
lit
. a
FamZG
)
aufgrund der Angaben des Beschwerdeführ
ers im
Anmeldefo
r
mular z
war ersichtli
c
h
,
dass
nicht nur der Beschwerdeführer
,
sondern
(
s
eit
1.
Oktob
er 2019
)
auch die Kind
s
mutter
einer unselbständigen Erwerbstätigkeit nachgeht
(vgl.
Urk.
7/
2 S. 3
bzw.
Urk.
7/13 S. 3
)
.
Da
der Gesetzgeber mit dem
Vorrang der erwerbstätigen Per
s
o
n nach
Art.
7
Abs.
1
lit
. a
FamZG
sicherstellen wollte, dass
die Zulagen für Erwerbs
tätige den Zulagen für Nichterwerbstätige
prinzipiell
vorangehen,
ist jedoch
je
weils auch
vora
usgesetzt, dass eine Er
werbstäti
gkeit
auch
den Anspruch auf die Zulage
(als erwerbstätige Pe
r
son)
begründet, wozu das Erreichen des nötige
n
Mindesteinkommen
s voraus
ges
e
t
z
t ist
(
Art.
13
Abs.
3
FamZG
;
vgl. Kieser/Reich
muth, a.a.O., Art. 7
Rz
44 ff.
).
Ob dies
im Falle der Kindsmutter
zutrifft, ist
aus
den Akten
jedoch
nicht ersichtlich
, ist diesen doch einzig zu ent
nehmen, das
s
deren
Einkommen
n
ied
riger als dasjenige des Beschwerdeführers ist
(vgl. wiede
rum
Urk.
7/2 S. 3
bzw.
Urk.
7/13 S. 3
)
.
Nach Lage der Akten
lässt sich mithin nicht beantworten
, ob auch
die Kindsmutter
als Erwerbstätige
im Sinne von
Art.
7
Abs.
1
lit
.
a
FamZG
gilt,
weshalb zur Höhe der
Erwerbseinkünfte
der Kindsmutter
ergä
nzende Ab
klärungen
notwendig sind (vgl. denn auch bereits
den entspre
chen
den
Hinweis in
Urk.
7/9).
Sollte
n
die
Abklärungen eine anspruchsbegründende Er
wer
bstä
t
igkeit
auch der Kindsmutter
ergeben
und damit eine Zuordnung
des Anspruchs
gestützt auf
Art.
7
Abs.
1
lit
.
a
FamZG
nicht möglich sein,
und nachdem
auch
das Kri
t
e
ri
u
m
nach
Art.
7
Abs.
1
lit
. b
FamZG
mit Blick auf die
vereinbarte
gemeinsame elterliche Sorge
keine Zuordnung erlaubt
, wäre
weiter
das
Kriterium
nach
Art.
7
Abs.
1
lit
. c
FamZG
(
Per
s
on
,
bei der
das Kind überwiegend lebt
) zu
p
r
ü
f
en
.
Dabei wird
die Verwaltung
–
was
bisher weder
i
m
angefochtenen
Einsprachee
n
t
scheid
noch in der Vernehmlassung
geschah - auch
zu den
bereits
einspracheweise
vor
getragenen V
o
r
bringen
Stellung zu nehmen
haben, wonach der
Aufenthaltsort der Kinder immer fluktuierender werde und in eine alternierende Obhut übergehe
.
3.3
Der
angefochtene
Ei
nspracheentscheid
ist daher aufzuheben und die S
ache an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen
,
damit diese die
erforderlichen
ergänzenden Abklärunge
n tätige und hernach über den Ans
p
r
uch des Beschwerdeführers neu entscheide.