# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 021bb77d-28e9-485c-8df9-6c43b5172068
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Mit Verfügung
en
vom
1
4. Ma
i 2013
(Urk.
8/8/50-69
) und diese bestätigen
dem Ein
spracheentscheid vom
3
0.
Oktober 2013
(
Urk.
8/8/12-14 =
Urk. 2)
stellte
die
Sozialbehörde der
Ge
meinde
Y._
rückwirkend ab
1.
September 2010 die Zusatzleistungen für
X._
, geboren 19
64
,
ein und verpflichtete diese
zur Rückerstattung von
in der Zeit vom
1.
September 2010 bis 3
0.
April 2013 zu Unrecht bezogenen Zusatz
leis
tungen in der Höhe von Fr.
38‘438
.--.
2.
Dagegen erhob die Ver
sicherte
am 2
2.
November 2013
Beschwerde mit dem An
trag auf Aufhebung des Entscheides und
Feststellung, dass der Rückforderungs
anspruch verjährt sei (Urk. 1 S. 2
).
Mit Beschwerdeantwort vom
2
2.
Januar 201
4
beantragte die
Beschwerdegegnerin
die Abweisung der Be
schwerde (Urk.
7
).
Mit
Replik vom 2
1.
Februar 2014 hielt die Beschwerdeführerin an den gestellten An
trägen fest (
Urk.
10)
. M
it Duplik vom 1
9.
März 2014, welche der Beschwer
de
füh
rerin am
2
1.
März 2014
zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
13
),
hielt die Beschwerdegegnerin am Antrag auf Abweisung der Beschwerde fest (
Urk.
12
)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach dem gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen
zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) im Ergänzungs
leis
tungsbereich anwendbaren Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsre
chts (ATSG) sind unrecht
mässig bezo
ge
ne
Leis
tungen zurückzuerstatten (Satz 1).
Gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG erlischt der Rückforderungsanspruch mit dem Ab
lauf eines Jahres, nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis er
hal
ten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrich
tung der einzelnen Leistung (Satz 1).
1.2
In Bezug auf die einjährige Verjährungsfrist ist der Zeitpunkt massgeblich, in welchem die Verwaltung unter Beachtung der ihr zumutbaren Aufmerksamkeit hätte feststellen können und müssen, dass der Beschwerdeführerin zu Unrecht Zu
satzleistungen ausgerichtet worden sind, wie hoch die unrechtmässigen Zu
satzleistungen waren und an wen die Rückerstat
tungsverfügung zu richten war. Um die Voraussetzungen für eine Rückerstat
tung beurteilen zu können, müssen der Verwaltung alle im konkreten Einzelfall erheblichen Umstände zugänglich sein, aus deren Kenntnis sich der Rückfor
derungsanspruch dem Grundsatz nach,
aber auch in seinem Ausmass gegen
über einem oder einer bestimmten Rücker
stattungspflichtigen ergibt. Für die Beurteilung des Rückforderungsanspruchs ge
nügt es also nicht, dass dem Amt bloss Umstände bekannt werden, die mög
li
cher
weise zu einem solchen An
spruch führen können, oder dass dieser An
spruch
bloss dem Grundsatz nach, nicht aber in masslicher Hinsicht feststeht. Vor Erlas
s der Rückerstattungsver
fügung muss die Gesamtsumme der unrecht
mässig aus
bezahlten Leistungen fest
stellbar sein (BGE 112 V 181 E
. 4a mit Hinweisen).
Die Verwaltung hat dabei die ihr zumutbare Aufmerksamkeit auch bei den sich
allenfalls aufdrän
genden Erhebungen anzuwenden, damit ihre noch ungenü
gen
de
Kenntnis so vervollständigt wird, dass der Rückforderungsanspruch die nötige Be
stimmtheit erhält. Wenn die Verwaltung nicht die erforderlichen An
streng
ungen unter
nimmt, um über ihre noch ungenügend bestimmte Forderung innert absehbarer Zeit ein klares Bild zu erhalten, so darf sich ihre Säumnis nicht zu ihren Guns
ten und zu Ungunsten der versicherten Person auswirken. In einem
solchen Fall ist der Beginn der Verwirkungsfrist vielmehr auf den Zeit
punkt fes
t
zusetzen, in welchem die Verwaltung ihre vollständige Kenntnis mit dem erfor
derlichen und zumutbaren Einsatz so hätte ergänzen können, dass der Rück
for
derungsan
spruch die nötige Bestimmtheit erhält und der Erlass einer Verfü
gung
möglich wird (BGE 112 V 182 E
. 4b).
Soweit der Versicherungsträger somit noch zusätzliche Abklärungen zu tätigen
hat, sind diese innert angemessener Zeit vorzunehmen. Als angemessen wurde eine einmonatige Frist nach Kenntnisnahme der Ehescheidung angesehen, um Fak
to
ren für die Rentenneuberechnung zu erhalten (SVR 20014 IV Nr. 41 I 62/04
E.
4). In anderen Fällen ging die Rechtsprechung von einer zumutbaren Frist von zwei (Urteil des Bundesgerichts 9C_1010/2009 vom 2
8.
Mai 2010)
be
zieh
ungsweise bis zu vier Monaten aus (Urteil des Bundesgerichts 8C_64/2011 vom
7.
November 2011 E. 2.2).
2.
2.1
Vorweg stellt sich die Frage, ob d
er angefochtene Entscheid
hinreichend be
gründet wurde, was die Beschwerde
führe
ri
n bestreite
t
(Urk. 1 S.
4 f.
).
2.2
Verfügungen der Versicherungsträger müssen, wenn sie den Begehren der Par
teien nicht voll entsprechen, eine Begründung enthalten, das heisst eine Dar
stellung des vom Versicherungsträger als relevant erachteten Sachverhaltes und
der rechtlichen Erwä
gungen (
Art.
49
Abs.
3 Satz 2 ATSG). Gemäss
Art.
52
Abs.
2
Satz 2 ATSG werden Einspracheentscheide begründet. Die Begründung eines Ent
scheides muss so abgefasst sein, dass die betrof
fene Person ihn gege
benenfalls
anfechten kann. Dies ist nur dann möglich, wenn sowohl sie als auch die Rechts
mittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich der Versicherungsträger leiten liess und auf welche sich der Ent
scheid
stützt. Dies bedeutet indessen nicht, dass sich die Verwaltung ausdrücklich mit jeder tatbe
ständlichen Behauptung und jedem rechtlichen Ein
wand auseinander setzen muss; vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen
Gesichtspunkte beschränken (BGE 126 V 75 E.
5b/dd mit Hinweis, 118 V 56 E.
5b).
Der Mangel eines nicht oder nur ungenügend begründeten Entscheides kann gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung im Rechtsmittelverfahren geheilt
werden, sofern die fehlende Begründung in der Vernehmlassung der entschei
den
den Behörde zum Rechtsmittel enthalten ist oder den beschwerdeführenden Par
teien auf andere Weise zur Kenntnis gebracht wird, diese dazu Stellung nehmen können und der Rechtsmittelinstanz volle Kognition zukommt (BGE 107 Ia 1).
2.3
Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass die Beschwerdegegnerin im ange
fochtenen Einspracheentscheid auf die
einspracheweise vorgebrachten Ausfüh
rungen zur
Erfüllung der Meldepflicht und
zur
Verjährung nicht eingehe
(
Urk.
1 S.
4 f.)
.
Dazu äusserte sich die Beschwerdegegnerin jedoch in ihrer Vernehm
lassung (
Urk.
7 S.
2 E.
2), und die Beschwerdeführerin nahm dazu im Rahmen des
zweiten Schriftenwechsels Stellung (
Urk.
10 S. 2 ff.). Damit hat ein allfälli
ger Mangel eines ungenügend begründeten Entscheides als geheilt zu gelten.
3.
3.1
Zu prüfen ist sodann, ob die Beschwerdegegnerin die Rückforderung innerhalb der einjährigen relativen Verjährungsfrist geltend gemacht hat.
3.2
Unbestritten und aufgrund der Akten erstellt ist, dass die
da
malige Sachbe
ar
bei
terin der Beschwerdegegnerin
im Zusammenhang mit der Änderung des Vor
namens der Beschwerdeführerin auch Kenntnis von der
2010 erfolgten
Eintra
gung der Partnerschaft der Bes
chwerdeführerin mit Elisabeth Ammann
erhielt
.
Dies bestätigte sie auf Anfrage hin ausdrücklich
(
Urk.
8/8/529
=
Urk.
3/4
; vgl. auch Urk. 8/527
)
. Den berichtigten Vornamen
der Beschwerdeführerin
verwendete die Sachbearbeiterin in der Folge
bereits
in den Re
visions
verfügungen vom 2
4.
Mai 2011 (
Urk.
8/8/
272-274)
und vom
3
1.
Dezem
ber
2012
(
Urk.
8/8/22
8
-22
9
)
. Hingegen unterliess sie es
, eine Neuberechnung der Zusatzleistungen
infolge Änderung des Zivilstandes
unter Berücksichtigung der Vermögens- und Einkommensverhältnisse der eingetragenen Partnerin vor
zu
nehmen
.
Dazu gab sie an, einfach nicht „geschaltet“ zu haben, dass Zusatz
leis
tungen bei gleichgeschlechtlichen Paaren wie bei Ehepaaren zu berechnen seien (
Urk.
8/8/529).
Die
Eintragung der Partnerschaft
am 2
5.
August 2010 (
Urk.
8/2/2-5)
stellt
unbe
strittenermassen
eine Ta
tsache
dar
,
die zur Anpassung der Ergänzungsleistun
gen hätte führen müssen. Dass die
se
Zivilstandsänderung
- gleich wie bei der Eheschliessung -
auch Einfluss auf d
e
n
Anspruch auf die
Ergänzungsleistungen
einer Versicherten
haben kann, wäre bei entsprechender Rechtskenntnis für die Verwaltung sofort
erkennbar gewesen und hätte spätestens bei der Revision im Mai 2011 berücksichtigt werden müssen. Die fehlende Rechtskenntnis der
Ver
waltung
darf
dabei nicht der Beschwerdeführerin zum Nachteil gereichen.
Soweit
für die Neuberechnung
weitere Abklärungen notwendig gewesen wären - wie die Einforderung
d
e
r
Partnerschaftsurkunde als Beleg für die eingetragene Partnerschaft
und Belege über die Einkommensverhältnisse der Par
tnerin
-
so hätten diese innert einer kurzen
Frist
, jedenfalls aber innert
zwei Monaten
ab mündlicher Mitteilung,
beigebracht werden können.
Nach Eingang dieser Belege wäre die Gesamtsumme der unrechtmässig ausbezahlten Leistungen feststellbar gewesen und die Beschwerdegegnerin hätte
über sämtlich
e
Informationen ver
fügt, um eine Neuberechnung der Ergänzungsleistungen vorzunehmen
(vgl. vor
stehend E.
1.2
)
.
F
ristauslösend
war
damit die mündliche Mitteilung der Eintragung
der Partner
schaft im Jahre 2010
, denn damit
hätt
e ein hinreichendes Indiz für eine Neube
rechnung
der Ergänzungsleistungen
vorgelegen
.
Da die B
eschwerdegegnerin
di
es
in der Folge unterliess,
war ihr Rückforderungsanspruch im Zeitpunkt des Er
lasses der Rückforderungsverfügung
en
am
1
4.
Ma
i
2013 verwirkt.
3.3
Anzufügen bleibt, dass
nach
Eingang der Steuererklärung 2010 am 1
1.
April 2012
ein
weiterer
schriftliche
r
Beleg
vor
lag
, der auf
die Eintragung der Partner
schaft
im Jahre 2010
hinweist (
Urk.
8/8/234)
. Die Beschwerdeführerin wies sel
ber
ebenfalls schriftlich
und unter Beilage der Partnerschaftsurkunde (Urk. 8/2-5)
ausdrücklich
auf den geänderten Zivilstand hin (
Urk.
8/1)
, und die Beschwerde
gegnerin brachte
auf dem undatierten Schreiben
noch
de
n
Vermerk
„Erledigt
am 13.04.2011/nol“
an
.
Selbst
wenn d
ies
er
Zeit
punkt
als fristauslösend betrach
tet würde, so wäre der Rückforderungsanspruch im Zeitpunkt des Erlasses der Rückforderungsverfügungen ebenfalls
verwirkt gewesen.
3.
4
Entgegen
der Auffassung der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7 S.
2 E. 2b
)
ist damit als fristauslösender Zeitpunkt nicht erst auf die periodische Überprüfung
mit
tels
Revisionsverfügung vom
3
1.
Oktober 2012
abzustellen.
Denn entscheidend ist
nicht, wann eine gesamthafte Überprüfung der Akten (ohnehin) hätte statt
fin
den müssen, sondern wann ein entsprechende
r
Hinweis
vorlag, welches die Be
schwerdegegnerin
zur Neuberechnung hätte veranlassen müssen.
Als nicht einschlägig erweist sich
in diesem Zusammenhang
der von der Be
schwerdegegnerin angeführte BGE 139 V 570
(
Urk.
7 S.
2 E.
2b
)
, denn daraus
folgt nur
, dass nicht von Gesetzes wegen von einer zum
utbaren Kenntnis der
EL-Durchführungsstelle von einer allfälligen fehlerhaften erstmaligen An
spruchs
berechnung und Leistungsfestsetzung auszugehen ist; massgebend ist viel
mehr
jener Zeitpunkt, in dem die Beschwerdegegnerin später bei der gebo
tenen und zu
mutbaren Aufmerksamkeit, etwa aufgrund eines zusätzlichen Indi
zes, den Fehler
hätte erkennen können. Die periodische Überprüfung der Zu
satzleis
tung
en löst somit nicht automatisch eine Verwirkungsfrist aus, sondern es braucht ein zusätzliches Element, welches vorliegend
mit der Mitteilung der eingetra
genen Partnerschaft
klar erfüllt ist.
Sodann
ist der
Beschwerde
gegnerin
darin beizupflichten, dass
die
Beschwerde
führerin die
ihr
nach Eintragung der Partnerschaft
im Rahmen der Revisions
verfügungen zugestellten allgemeinen Angaben jeweils unterzeichnete
,
ohne den
Vermerk „ledig“ zu berichtigen
(
Urk.
7 S.
2 E. 2b
)
. Dies mag allenfalls die -
hier nicht zu prüfende - Frage des guten Glaubens beschlagen, steht jedoch dem
Lauf der Verwirkungsfrist nicht entgegen.
3
.
5
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als begründet, weshalb sie gut
zuheissen ist.
4.
4
.1
Das Verfahren ist kostenlos (
Art.
61 lit. a ATSG).
4
.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Mit Honorarnote vom 2
7.
März 2014 (
Urk.
14) hat die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin einen Aufwand von
8.5
Stunden und Spesen von
Fr.
120.45
geltend gemacht, was als angemessen erscheint. Demnach ist die Prozessent
schä
digung unter Berücksichtigung des notwendigen Aufwandes und der Schwie
rig
keit des Prozesses auf
Fr.
2‘425.15
(inklusive Barauslagen und MWSt) festzu
legen
.