# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9bcb024b-7cf5-4082-95b0-ce7e13b2ecae
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1957 geborene
X._
führte seit
1.
September 1998 für die
Y._
Bauwerksabdichtungen aus und war im Rahmen dieses Ar
beitsverhältnisses bei der Suva obligatorisch unfallversichert (
Urk.
6/1). Am
3
0.
Mai 2014
schoss er sich
auf dem Balkon seines gemieteten Hausteils
mit ei
nem Sturmgewehr 57 in den Kopf und erlitt dabei schwer
e Hirn-,
Schädel- und
Augenverletzungen (
Urk.
6/48 und
Urk.
6/80 S. 6). Mit Verfügung vom
27. Mai 2015 verneinte die Unfallversicherung ihre Leistungspflicht für die Folgen des Ereignisses vom Mai 2014 mit der Begründung, der Versicherte habe den Ge
sundheitsschaden absichtlich herbeigeführt (
Urk.
6/82). Die dagegen von
X._
erhobene Einsprache (
Urk.
6/87) wies sie – nun insbesondere unter Hin
weis
auf die
im Zeitpunkt der versuchten Selbsttötung nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
belegte
gänzlich
e
Urteilsunfähigkeit des Versicherten
– mit Entscheid vom
7.
Januar 2016 ab
(
Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
8.
Februar 2016 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Einspracheentscheid sei aufzuheben und die Unfallversicherung zu verpflichten, ihm die gesetzlich geschuldeten Leistungen auszurichten. In prozessualer Hinsicht
ersuchte er um
Durchführung einer öf
fentlichen Hauptverhandlung, anlässlich welcher unter anderem seine Ehefrau als Zeugin zu befragen sei (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
März 2016 schloss die SUVA auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was dem Be
schwerdeführer mit Gerichtsverfügung vom 1
6.
März 2016 zur Kenntnis ge
bracht wurde (
Urk.
7).
Am
3.
November 2017 teilte er den Verzicht auf die Durchführung einer Hauptverhandlung mit (
Urk.
9).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die
Zusp
rache
von Leistungen der
obligatorischen Unfallversicherung setzt grundsätzlich das Vorliegen eines Berufsunfalles, Nichtberufsunfalles oder einer
Berufskrankheit voraus (
Art.
6
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Unfallversi
cherung [UVG]). Als Unfall gilt die
plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Kör
per, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (
Art.
4 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
1.2
Hat die versicherte Person den Gesundheitsschaden oder den Tod absichtlich herbeigeführt, so besteht gemäss
Art.
37
Abs.
1 UVG mit Ausnahme der Be
stattungskosten kein Anspruch auf Versicherungsleistungen. Diese Bestim
mung findet indes keine Anwendung, wenn die versicherte Person zur Zeit der Tat ohne Verschulden gänzlich unfähig war, vernunftgemäss zu handeln, oder wenn die Selbsttötung, der Selbsttötungsversuch oder die Selbstverstümmelung die eindeutige Folge eines versicherten Unfalles war (Art. 48 der Verordnung über die Unfallversicherung [UVV]).
1.3
Die leistungsansprechende Person muss, da sie das Vorliegen eines Unfalles zu beweisen hat, auch die Unfreiwilligkeit der Schädigung und bei Suizid oder Sui
zidversuch die Urteilsunfähigkeit nach
Art.
16 des Schweizerischen Zivil
gesetz
buches (ZGB
) zur Zeit der Tat
nachweisen
.
Den Parteien obliegt jedoch in dem vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten Sozialve
rsicherungsprozess keine subjek
tive Beweisführungslast im Sinne von Art. 8 ZGB. Eine Beweislast besteht nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der E
ntscheid zu Ungunsten jener Par
tei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf Grund einer Beweiswür
digung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die überwiegende Wahr
scheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen. Dass die versicherte Person absichtlich aus dem Leben geschieden ist oder scheiden wollte, darf nur dann als nachgewiesen gelten, wenn gewichtige Indizien jede andere den Um
ständen angemessene Deutung ausschliessen. Zunächst ist von der durch den Selbsterhaltungstrieb gegebenen Vermutung auszugehen, es liege keine Selbst
tötung respektive kein Selbsttötungsversuch vor. Diese Vermutung kann indes durch überzeugende Umstände widerlegt werden (
Urteil des Bun
desgerichts 8C_496/2008 vom 17.
April 2009 E. 2.2 mit weiteren Hinweisen
).
1.4
Die Urteilsfähigkeit der versicherten Person ist in Bezug auf die in Frage ste
hende konkrete Handlung und unter Würdigung der bei ihrer Vornahme herr
schenden objektiven und subjektiven Verhältnisse zu prüfen. Ob die Tat ohne Wissen und Willen erfolgte, ist nicht entscheidend; denn eine Absicht, und sei es auch nur in Form eines völlig unreflektierten, dumpfen Willensimpulses, ist
stets festzustellen; sonst liegt keine Selbsttötung respektive kein Suizidversuch vor.
Massgeblich ist einzig, ob im e
ntscheidenden Moment
jenes Mini
mum
an Besinnungsfähigkeit zur kritischen, bewussten Steuerung der
endothymen
(das heisst vor allem der triebhaften innerseelischen) Abläufe vorhanden war. Damit eine Leistungspflicht des Unfallversicherers entsteht, muss mit anderen Worten eine Geisteskrankheit, Geistesschwäche oder eine schwere Störung des Bewusst
seins nachgewiesen sein, welche im Zeitpunkt der Tat, unter Würdigung der herrschenden objektiven und subjektiven Umstände sowie in Bezug auf die in Frage stehende Handlung, die
Fähigkeit gänzlich aufgehoben
hat,
vernunft
ge
mäss zu handeln. Dazu müssten psychopathologische Symptome wie etwa Wahn, Sinnestäuschungen, depressiver Stupor (plötzlicher Erregungszustand mit Selbsttötungstendenz), Raptus (plötzlicher Erregungszustand als Symptom einer seelischen Störung) ausgewiesen sein. D
as Motiv zum Suizid oder Suizid
versuch muss sodann aus der geisteskranken Symptomatik stammen
, mit ande
ren Worten muss die Tat „unsinnig“ sein. Eine blosse „Unverhältnismässigkeit“ der Tat, indem der Suizident seine Lage in depressiv-verzweifelter Stimmung einseitig und voreilig einschätzt, genügt zur Annahme von Urteilsunfähigkeit nicht. Für deren Nachweis ist nicht bloss die zu beurteilende Suizidhandlung von Bedeutung und somit nicht allein entscheidend, ob diese als unvernünftig,
uneinfühlbar
oder abwegig erscheint. Vielmeh
r ist auf Grund der gesamten Um
stände, wozu
das Verhalten und die Lebenssituation der versicherten Person vor dem Selbsttötungsereignis insgesamt gehören, zu beurteilen, ob sie in der Lage gewesen wäre, den Suizid oder Suizidversuch vernunftmässig zu vermei
den oder nicht. Der Umstand, dass die Suizidhandlung als solche sich nur durch einen krankhaften, die freie Willensbetätig
ung ausschliessenden Zustand er
klä
ren lässt, stellt nur ein Indiz für das Vorliegen von U
rteilsunfähigkeit dar.
An deren Nachweis sind keine
strengen Anforderungen zu stellen; er gilt als ge
leistet, wenn eine durch übermächtige Triebe
gesteuerte Suizidhandlung als wahrscheinlicher erscheint als ei
n noch in erheblichem Masse ver
nunftgemässes und willentliches Handeln (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_496/2008 vom 1
7.
April 2009 E. 2.3 mit weiteren Hinweisen; siehe auch bereits Urteil des da
maligen Eidgenössischen Versicherungsgerichts U 256/03 vom
9.
Januar 2004 E. 3.2 mit weiteren Hinweisen
).
2.
Aufg
rund der Akten steht fest und ist unbestritten, dass es sich bei dem in Frage stehenden Ereignis vom 3
0.
Mai 2014 um eine versuchte Selbsttötung handelte. Streitig und zu prüfen ist hingegen, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des
Suizidversuchs (ohne Verschulden) gänzlich unfähig war, vernunftgemäss zu handeln.
Während die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid vom
7.
Januar 2016 gestützt auf die Beurteilung ihres
Konsiliarpsychiaters
med.
pract
.
Z._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 1
9.
Mai 2015 erwog, es sei bei den gegebenen Umständen nicht von einer kompletten Urteilsunfähigkeit des Versicherten auszugehen (
Urk.
2), stellte sich der Be
schwerdeführer auf den Standpunkt, der Suizidversuch sei nicht geplant gewe
sen, weshalb es sich um eine Impulstat gehandelt habe; er sei zum Zeitpunkt des fraglichen Ereignisses gänzlich urteilsunfähig gewesen (
Urk.
1).
3.
Nachdem er am 2
4.
April 2015 zwei Stunden mit der Ehefrau und der Tochter des Beschwerdeführers gesprochen hatte, führte med.
pract
.
Z._
in seiner versicherungspsychiatrischen Beurteilung vom 1
9.
Mai 2015 (
Urk.
6/80) aus, durch deren Schilderungen habe sich bezüglich Grund- respektive Vorpersön
lichkeit des Versicherten das Bild eines höchst pflichtbewussten und aktiven Menschen
ergeben
, der zeitlebens in schwerer körperlicher Tätigkeit auf dem Bau gearbeitet habe, emotional jedoch wenig aus sich herausgegangen sei sowie Disku
ssionen gemieden habe
.
Er habe
insgesamt unter einem eher tiefen Selbstwertgefühl gelitten
. Seine
Ehefrau habe auf Nachfrage bestätigt, dass Al
kohol eigentlich seit jungen Jahren ein gewisses Problem gewesen sei
, aller
dings habe dies nie zu
Arbeitsausfällen geführt. Wenn der Beschwerdeführer viel Alkohol konsumiert habe, sei er nicht etwa gereizt oder gar ausfällig oder gewalttätig geworden, sondern eher „still“; er habe sich noch mehr zurückgezo
gen (S. 4). Sowohl die Ehefrau wie auch die Tochter hätten nie ein Verhalten oder Äusserungen wahrnehmen können, welche für sie nicht nachvollziehbar oder unverständlich gewesen seien und welche aus psychiatrischer Sicht als Hinweise auf psychotische Symptome oder gar einen psychotischen Zustand zu interpretieren gewesen wären. Ebenso h
ätten si
e
in der Zeit vor dem fraglichen Ereignis nie Verhaltensweisen oder Auffälligkeiten beobachten können, wie sie nachher anlässlich des Spitalaufenthalts im Rahmen der
deliranten
Symptoma
tik aufgetreten seien
(S. 5).
Zwar sei – so der Psychiater weiter – die Auffassung der Angehörigen durchaus nachvollziehbar, dass die Pläne des Beschwerdefüh
re
rs sowohl bezüglich der Arbeit
am ersten Tag
der kommenden Woche wie auch der Einkauf des Lunch
es
hierfür für eine Kurzschlusshandlung, also eine impulsive Tat sprächen. Umgekehrt sei bei der Vorpersönlichkeit des Versicher
ten aber ebenso davon auszugehen, dass er über Suizidgedanken wahrscheinlich nie gesprochen, solche eher verborgen habe. Insofern sei auch in Betracht zu
ziehen, dass er schon zu früheren Zeitpunkten wiederholt Suizidgedanken ge
habt haben könnte und dass die tatsächlich erfolgte Suizidhandlung zwar au
s der Situation am Tattag
aufgrund eines impulsiven Entschlusses heraus gesche
hen sei, letztlich aber doch auf dem Boden einer gedanklich auch schon früher in Erwägung gezogenen Möglichkeit. Die unmittelbaren
Tatvorbereitungen hätten ein solches Mass an Steuerung erfordert, dass insgesamt eine Impulstat im engeren Sinn mit völlig aufgehobener Steuerungsfähigkeit nicht mit genü
gender Wahrscheinlichkeit attestiert werden könne. Zum Zeitpunkt der Tat, aber auch in den Tagen und Wochen davor habe es keine Hinweise für psychotische Symptome gegeben. Die kontinuierlich aufrechterhaltene Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
wie
auch
die
Angaben der Angehörigen würden das Vorlie
gen einer Geisteskrankheit praktisch ausschliessen. Hingegen sei aufgrund der wahrscheinlich langjährigen Alkoholabhängigkeit eine leichte Geistesschwäche zumindest in Betracht zu ziehen. Diese würde aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine zum Zeitpunkt der Tat vollständig aufgehobene Fähig
keit, vernunftgemäss zu handeln
,
begründen lassen (S. 6 f.). Zwar habe der Be
schwerdeführer auch in den Stunden vor dem Ereignis offensichtlich grössere Mengen an Alkohol zu sich genommen. Dabei handle es sich grundsätzlich um eine den Bewusstseinszustand erheblich beeinträchtigende Intoxikation. Aller
dings werde diese Beeinträchtigung des Bewusstseinszustands beim Versicherten insofern relativiert, als er wegen seiner durch die starke Alkoholabhängigkeit bedingte Toleranzentwicklung des Gehirns ins
gesamt weniger beeinträchtig ge
wesen sei
, als es bei einer nicht alkoholabhängigen Person der Fall gewesen wäre.
Med.
pract
.
Z._
schilderte weiter, im Alkoholmissbrauch ergebe sich aus psychiatrischer Sicht der bedeutendste Faktor hinsichtlich einer überwie
gend wahrscheinlichen, wohl erheblichen Herabsetzung der Fähigkeit
,
ve
rnunft
gemäss zu handeln. Es sei
aber zu bedenken, dass der Beschwerdeführer selbst in diesem nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ schwer beeinträchtig
ten Bewusstseinszustand in der Lage
gewesen sei
, das Sturmgewehr und den Gewehrverschluss zu holen, die Waffe in schussbereiten Zustand zu versetzen und schliesslich auf dem Balkon, einem – im Vergleich zur Wohnung – öffent
lich weit exponierteren Tatort, den Selbsttötungsversuch vorzunehmen. Dieser Ablauf spreche eher gegen den vollständigen Verlust der Fähigkeit, vernunft
gemäss zu handeln (S. 8).
4.
4.1
Unzweifelhaft
ist, dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des Selbsttötungsver
suchs durch finanzielle Probleme belastet war und an einer
psychiatrischen Erkrankung
– sein Hausarzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, behandelte ihn seit
7.
Februar 2014 aufgrund einer depressiven Symptomatik (
Urk.
6/46 S. 2) – litt. Daraus kann jedoch nicht auf eine volle Urteilsunfähigkeit im Tatzeitpunkt geschlossen werden.
In den Akten sind – gestützt auf die Schilderungen der nächsten Angehörigen und die Beur
teilung von med.
pract
.
Z._
– keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer die Urteilsfähigkeit des Beschwerdeführers gänzlich aufhebenden schwerwie
genden psychopathologi
schen Symptomatik auszumachen.
Auch
der
Hausarzt
des Versicherten
verneinte auf Nachfrage des S
uva
-Psychiaters hin, dass es keine Hinweise auf eine psychotische Symptomatik (im enger
en Sinn) gegeben habe (
Urk.
6/80
S. 7).
Auch
eine
Geisteskrankheit
erscheint –
wie med.
pract
.
Z._
schlüssig erläutert (
Urk.
6/80 S. 7)
– nicht mit überwiegender Wahr
s
cheinlichkeit belegt.
Der nämliche Psychiater
legte zudem nachvollziehbar dar, dass das Absetzen des Antidepressivums
Efexor
respektive die fehlende Ein
nahme ohne Einfluss auf den Bewusstseinszustand des Versicherten zum Zeit
punkt des Suizi
dversuchs war (
Urk.
6/80 S. 9).
4.2
Angesichts
der langjährigen Alkoholabhängigkeit
und der im Zeitpunkt der Tat vorhandenen Alkoholintoxikation ist
davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer
– der ein Gewohnheitstrinker war (
Urk.
6/80 S. 4) –
über ein
(stark)
ver
mindertes Mass an Besinnungsfähigkeit zur rationalen Steuerung seiner inner
seelischen Abläufe verfügte
. Aufgrund der Handlungsweise des Versicherten
bei der versuchten Selbsttötung
ist
indes
davon auszugehen, dass der
intoxizierte
Zustand weiterhin eine bewusste gesteuerte und willentliche Handlung zuge
lassen hat.
So
geht
aus den S
chi
lderungen der
Ehefrau
des Versicherten
hervor
,
dass
er in der Lage war,
sein Sturmgewehr 57 im Schlafzimmer
unter der Kom
mode hervorzuholen
(Urk.
6/48 S. 4) und sein an einem anderen Ort verstauten Gewehrverschluss zu beschaffen
(
Urk.
6/80 S.
8). Um das Sturmgewehr in schussbereiten Zustand zu versetzen, musste er
– wie im Reglement des Ausbil
dungschefs der schweizerischen Armee betreffend das Sturmgewehr 57 und die Gewehrgranaten 50 vom 1
6.
Oktober 1967 beschrieben
(siehe insbesondere Seite 30 ff.)
– den Kolben durch Druck auf die Kolbensicherung mit einer Dre
hung nach links entfernen.
Anschliessend musste
er den
Verschluss
einschieben. Hierzu drückt der Daumen den Auswerfer nach rechts und der Zeigefinger hält Verschlusskopf und das Steuerstück auseinander. Nachher musste der Be
schwerdeführer wiederum den Kolben, der über einen Bajonettverschluss ver
fügt, einsetzen und mit dem Dorn der Schliessfeder den Verschluss in das
Ver
schlussgehäuse einschieben. Aus dem Polizeirapport der Kantonspolizei Zürich
(
Urk.
6/48
/2-5
S. 3)
ist sodann zu schliessen, dass
d
er Beschwerdeführer
da
nach
zwei Patronen ins Magazin
abspitzte
und Letzteres einrastete. Hernach erfolgte die Ladebewegung und der Beschwerdeführer drückte ab.
Vor diesem Hinter
grund wird klar, dass um ein Sturmgewehr 57 sch
ussbereit zu machen,
nebst einer teilweisen Demontage des Gewehrs – es ist der Kolben zu entfernen und wieder einzusetzen –
verschiedene Handgriffe nötig sind,
die – im Gegensatz zum
Einlegen einer Kaffeekapsel in eine Nespresso-Maschine (vgl.
Urk.
1 S. 6) –
erhebliche
manuelle
Fertigkeiten verlangen. Dass dieser Vorgang bei einem sehr erfahrenen Schützen – was gemäss den Ausführungen der Ehefrau auf den Ver
sicherten zutrifft (Urk. 1 S. 6) – einem Automatismus gleicht
, ist zwar nachvoll
ziehbar, ändert aber nichts daran, dass auch weiterhin bestimmte koordinative Fähigkeiten
– hierbei ist insbesondere an das Einsetzen des Verschlusses zu denken –
gefordert sind, um die Waffe zu laden.
Aufgrund der gesamte
n
Tat
umstände ermangelte es dem Beschwerdeführer im massgebenden Tatzeitpunkt
folglich
nicht gänzlich an der Fähigkeit, vernunftgemäss zu handeln.
Zu keinem anderen Ergebnis führt der Umstand, dass
der Suizidversuch nicht geplant war (
Urk.
1 S. 5).
Ob die Tat ohne Wissen und Willen erfolgte, ist – wie bereits er
wähnt (vgl. E. 1.4) – nicht entscheidend; denn eine Absicht, und sei es auch nur in Form eines völlig unreflektierten, dumpfen Willensimpulses, ist festzustellen
.
Aufgrund der Vorgehensweise des Beschwerdeführers
bei der versuchten Selbsttötung
ist weiterhin davon auszugehen, dass ein noch in gewissem Masse vernunftgemässes (wenn auch unverhältnismässiges) und willentliches Handeln wahrscheinlicher war, als eine gänzlich durch übermächtige Triebe gesteuerte Suizidhandlung.
Vor diesem Hintergrund
und insbesondere angesichts der beschriebenen Vorge
hensweise des Beschwerdeführers beim Suizidversuch
ist von der beantragten persönlichen Befragung der Ehefrau des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 2) kein
entscheidrelevanter
Aufschluss zu erwarten, zumal sie sich bereits beim Ge
spräch mit dem S
uva
-Psychiater ausführlich zu den Vorgängen vor der suizi
dalen Tat äusser
te
.
Bei dieser Sachlage besteht auch kein Anlass für die Einho
lung eines Gerichtsgutachtens (
Urk.
1 S. 7).
Entsprechend ist im Sinne einer an
tizipierten Beweiswürdigung davon abzusehen (BGE 124 V 94 E.
4b, 122 V 157 E. 1d).
Ebenfalls erübrigen sich weitergehende Ausführungen zum Beweiswert der versicherungspsychiatrischen Beurteilung durch den
Konsiliarpsychiater
der Beschwerdegegnerin
.
4.3
Dass eine Blutalkoholkonzentration von 2.9 bis 3 Promille im Strafrecht zur Schuldunfähigkeit führt (
Urk.
1 S. 4 f.), trifft sodann in dieser Absolutheit nicht zu.
Nach
der Rechtsprechung
fällt
bei einer Blutalkoholkonzentration von über 2
Gewichtspromillen
eine Verminderung der Z
urechnungsfähigkeit in Betracht.
Der
Blutalkoholkonzentration kommt bei der Beurteilung der Zurechnungsfä
higkeit allerdings nicht alleinige Bedeutung zu. Sie is
t eine grobe Orientie
rungshilfe
. Wie im medizinischen Schrifttum hervorgehoben wird, gibt es keine feste Korrelation zwischen Blutalkoholkonzentration und darauf beruhender forensisch relevanter Psychopathologie; stets sind Gewöhnung, Persönlichkeit und Tatsituation in die Beurteilung einzubeziehen. Als grobe Faustregel kann lediglich davon ausgegangen werden, dass bei einer Blutalkoholkonzentration von unter 2 Promille in der Regel keine Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit vorliegt, während bei einer solchen von 3 Promille und darüber meist Schuld
unfähigkeit gegeben ist
. Bei einer Blutalkoholkonzentration zwischen 2 und
3
Promillen
kann somit im Regelfall von einer verminderten Zurechnungsfähig
keit ausgegangen werden (BGE 122 IV 49 E. 1b).
Allein aus den Werten der Blutalkoholkonzentration lässt sich somit das Ausmass einer alkoholtoxischen Beeinträchtigung
nicht ableiten (Urteil des Bundesgerichts 6B_957/2016 / 6B_1022/2016 vom 2
2.
März 2017 E. 3.3).
4.4
Nach dem Gesagten ist der fragliche Selbsttötungsversuch vom 3
0.
Mai 2014 nach der unbestrittenermassen restriktiven Praxis nicht als Unfallereignis ein
zustufen, zumal die Fähigkeit des Beschwerdeführers, vernunftgemäss zu han
deln, im Tatzeitpunkt
nicht
überwiegend wahrscheinlich gänzlich aufgehoben war.
Damit entfällt eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin, sodass der angefochtenen Einspracheentscheid vom
7.
Januar 2016 nicht zu beanstanden ist.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.