# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2513056e-e6ee-4b51-b12e-05b21dc83659
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1973 geborene X._
(ledig und kinderlos)
war seit Juli 2008 bei der Y._
AG als IT-Produktentwicklerin
i
n
einem 100
%
-Pensum tätig
(
Urk.
8/13)
. Die Versicherte verursachte am 8. Januar 2010
unter Alkoholeinfluss
einen Auto-Selbstunfall
und erlitt dabei eine Schädel
kon
tusion und
eine
Halswirbelsäulen
(
HWS
)
-Distorsion. Die Y._ AG (nachfolgend: Y._
) trat als Unfallversicherung auf den Scha
den ein und
gewährte
Heilbehandlung und Taggelder bis 30. September 2010
(vgl.
Urk.
8/21/109-112)
. N
ach
dem
X._
ihre Arbeitstätigkeit wieder
auf
genommen hatte,
war
sie
seit
dem 15. November 2011
wegen einer Exazer
ba
tion von Schwindel und Erbrechen
wieder zu 100 % arbeitsunfähig geschrie
ben.
Daraufhin meldete die Y._
als Krankentaggeld-Versicherung die Versi
cher
te zur Früherfassung (Urk. 8/3
)
. Auf entsprechende Aufforderung hin
(Urk. 8/5) meldete sich X._
am 6. März 2012 (Eingangsdatum) b
ei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/7).
In der Folge tätigte die IV-Stelle medizinische und erwerbliche Abklä
run
gen und zog die Akten der Y._
bei.
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
(Urk.
8/32 und Urk. 8/34-35
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
28. November 2012
einen Leistungsanspruch
(Urk. 8/36).
1.2
X._
trat am 1. April 2014 eine bis 31. August 2014 befristete Anstel
lung als Rollout-Koo
rdinatorin bei der Z._
AG an
(
Urk.
8/63/5)
und fiel ab dem 8. Mai 2014 wegen eines Lamblien-Infekts zu 100 % aus
.
Am 5. November 2014 (Eingangsdatum) meldete sich
X._
auf
Anraten
ihrer Krankentaggeld-Ve
rsicherung A._
AG
(nachfolgend: A._
)
zur Früherfassung (Urk. 8/43) und reichte am 1. Dezember 2014 (Ein
gangsdatum) der IV-Stelle ihre Anmeldung zum Leistungsbezug ein (Urk. 8/47).
Daraufhin
tätigte die IV-Stelle erneut medizinische und erwerbliche Abklärun
gen und zog die Akten der A._
bei. Am
15. Mai 2015 (Urk. 8/64)
teilte die
IV-Stelle
der Versicherten
mit, dass sie aufgrund ihres Gesundheitszustandes
zurzeit
nicht in der Lage sei, an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen und das Renten
prüfungsverfahren eingeleitet werde. Nachdem im Bericht der
B._ AG, Psychiatriezentrum C._
, vom 10. Juli 2015 eine Alkoholabhängigkeit,
episodischer
Substanzgebrauch (ICD-10: F10.2
6
) sowie eine mittelgradige depres
sive Episode
, partielle Remission
(ICD-10: F32.1) diagnostiziert worden waren
(
Urk.
8/69; vgl. a
uch Bericht zu Händen der A._
vom 1
0.
Juli
2015,
Urk.
8/77/72 ff.)
, a
uferlegte die IV-Stelle X._
mit Schreiben vom 1. Oktober 2015 unter dem Titel «Durchführung einer Massnahme zur Verbesse
rung des Gesundheitszustandes» als
Schadenminderungspflicht eine mindestens sechsmonatige Alkoholabstinenz (Urk. 8/78)
, womit die Versicherte nicht einver
standen war (Urk. 8/81, Urk. 8/87-89). Daraufhin verzichtete die IV-Stelle auf die Auferlegung der Schadenminderungspflicht und holte
aktuelle
Arztberichte
zum Verlauf
ein (Urk. 8/90). Die Versicherte wurde in der Folge von der
D._
im Auftrag der
IV-Stelle interdisziplinär
(allgemein-internistisch, neuropsy
chologisch
, psychiatrisc
h, neurologisch und orthopädisch
)
begutachtet
(interdis
zi
plinäres
Gutachten vom
28. Februar 2017, Urk. 8/134), wobei sich die Ver
sicherte - vorläufig - weigerte, sich einer H
aaranalyse zu unterziehen (vgl.
E-Mail vom 11. Januar 2017, Urk. 8/127- 129).
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
ver
fahren
(Urk.
8/140, Urk. 8/148, Urk. 8/152)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
19. Oktober 2018 (Urk. 8/158
) einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente. Diese Verfügung ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
1.3
Am
12. März 2020
(Eingangsdatum) meldete sich
X._
unter Hinweis auf ei
ne eingetretene gesundheitliche
Verschlechterung
erneut zum Leis
tungs
bezug an
und beantragt berufliche Wiedereingliederung
(Urk. 8/164
-165
). Mit Schreiben vom
30. März 2020
forderte die IV-Stelle die Versicherte
auf, die
Ver
schlechterung
durch Arztberichte zu belegen
(Urk. 8/167), woraufhin sie zwei Berichte ihrer sie behandelnden Ärzte
nach
reichte (Urk. 8/172-173). Am 25. Mai 2020 erfolgte eine weitere Aufforderung zur
Glaubhaftmachung
einer Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, wobei
insbesondere
ein kontrollierter Absti
nenzbefund gefordert wurde
(Urk. 7/174).
Nach Eingang der
durch die behan
de
lnde Hausärztin Dr. med. E._
, Allgemeine Innere Medizin FMH, eingereichten
Laborwerte vom
2.
Juni 2020
(Urk. 8/177
/1-5
)
sowie des Austritts
berichts der Privatklinik
B._
AG vom
4.
Januar 2019 einschliesslich der von ihnen erhobenen Laborbefunde (
Urk.
8/177/6-18)
,
setzte die IV-Stelle
der Versicherten mit Schreiben vom 24. Juni 2020 eine nochmalige Frist bis spätes
tens 13. Juli 2020 zur Einreich
ung entsprechender Beweismittel, die eine Ver
schlech
terung glaubhaft machten
(Urk. 8/178). Mit E-Mai
l vom 10. Juli 2020 bat X._
sinngemäss um eine Nachfrist (Urk. 8/181), welche ihr aber nicht gewährt wurde (Urk. 8/182). Schliesslich ging am 14. Juli 20
20 der Bericht des Spitals F._
vom 9. Juli 202
0 samt Schmerzsprechstundenbericht vom 27. Mai 2020 ein (Urk. 8/183).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
, im Rahmen
dessen die Versicherte weitere Arztberichte einr
eichte,
(Urk. 8/185 und Urk.
8/189-190
) trat die IV-Stelle
mit Verfügung vom 9. Oktober 2020
auf das erneute Leis
tungsbegehren nicht ein (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am
22. Oktober 2020
Beschwerde und bean
tragte
sinngemäss
, die Sache sei unter Aufhebung der Verfügung vom
9. Oktober 2020
an die Beschwerdegegnerin zur materiellen Prüfung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte
sie
um die Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 20. Januar 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 8/1-194), was der Beschwerdeführerin am 27. Januar 2021 mitgeteilt wurde (Urk. 9).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Eine
Neuanmeldung wird - wie auch das Gesuch um Leistungsrevision - nur materiell geprüft, wenn die versicherte Person glaubhaft macht, dass sich die tat
sächlichen Verhältnisse seit der letzten, rechtskräftigen Entscheidung in einem für den Rentenanspruch erheblichen Mass verändert haben (
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
; BGE 130 V 71 E. 2.2 S. 72 mit Hinweisen). Gelingt ihr dies nicht, so wird auf das Gesuch nicht eingetreten. Ist die anspruchserhebliche Änderung glaubhaft ge
macht, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzu
treten und es in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht umfassend zu prüfen (SVR 2014 IV Nr. 33 S. 121, 8C_746/2013 E. 2); sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17 ATSG vorzugehen (vgl. dazu BGE 130 V 71). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad oder die Hilflosigkeit seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die fest
gestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidi
tät oder Hilflosigkeit zu bejahen, und hernach zu beschliessen.
Diese Regeln gelten nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts analog, wenn Eingliederungsleistungen strittig sind (BGE 130 V 64 E. 2).
1.2
Mit dem Erfordernis der Glaubhaftmachung kommt der
versicherten Person aus
nahmsweise eine Beweisführungslast zu (vgl. BGE 130 V 64 E. 5.2.5). Die
Ein
tretensvoraussetzung
des Glaubhaftmachens soll verhindern, dass sich die Ver
waltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, mithin keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahin
gehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechts
kräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts
aus dem ge
sam
ten für die Leistungs
berechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwür
dig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leis
tungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2).
1.3
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtser
heb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3
; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2
).
Analoges muss gelten, wenn es um Eingliederungsmassnahmen geht.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) fest, mit dem neuen Gesuch sei nicht glaubhaft dargelegt worden, dass sich die tat
säch
lichen Verhältnisse seit der letzten Verfügu
ng wesentlich verändert hätten.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie habe sich am 1
1.
März
2000
erstmals für eine berufliche Massnahme ange
meldet
und sei wegen anhaltender gesundheitlicher Einschränkungen nicht in der Lage, auf direktem Weg mit Stellensuche wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu
gelangen. Eine berufliche Massnahme ermögliche ihr den schrittweisen Wieder
aufbau ihrer Erwerbsfähigkeit. Mit den von ihr eingereichten Arztzeugnissen habe sie belegt, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe und die Indi
kation für eine berufliche Massnahme gegeben sei. Sie beantrage daher, dass die IV-Stelle solche durchführe.
3.
3.1
Vorab ist festzuhalten, dass auf den materiellen Beschwerdeantrag, es seien beruf
liche Massnahmen anhand zu nehmen, nicht eingetreten werden kann. Das Ge
richt hat lediglich zu prüfen, ob die
Nichteintretensverfügung
vom
9.
Oktober 2020 rechtens ist, das heisst die Beschwerdegegnerin zur Recht auf das Leistungs
begehren mangels Glaubhaftmachung einer Veränderung nicht eingetreten ist (vgl.
BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a)
.
Über den Leistungsanspruch selber kann erst entschieden werden, wenn auf das Begehren einzutreten wäre und
die Abklärungsergebnisse vorliegen
(siehe E. 1.1)
.
Bei der Überprüfung der
Nichteintretensverfügung
hat
das Gericht den Sach
ver
halt zugrunde zu legen, wie er sich der Verwaltung bot (BGE 130 V 64 E. 5.2.5).
3.2
Mit der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 19. Oktober 2018 (Urk. 8
/158) verneinte
die Beschwerdegegnerin einen Rentenanspruch der Beschwerdefüh
rerin.
Sie begründete dies einerseits damit, dass ihr die bisherige Tätigkeit als Informatikerin
ab Mai 2010 wiederum vollumfänglich zumutbar gewesen
sei
, sie deshalb auch das für den Rentenanspruch erforderliche Wartejahr nicht erfüllt habe. Seit Juli 2012 bestehe eine 10%ige Einschränkung, womit nicht während eines Jahres eine mindestens durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von 40
%
gegeben sei. Damit bestehe kein Anspruch auf Leistungen der Invaliden
ver
siche
rung. Entgegen diesem Wortlaut des letzten Satzes, wurde lediglich der Anspruch auf eine Rente geprüft und verneint.
Vor dem Rentenprüfverfahren verneinte die
Beschwerdegegnerin mit Mitteilung vom 1
5.
Mai 2015 (
Urk.
8/64) einen Anspruch der Beschwerdeführerin auf
Ein
glie
derungsm
assnahmen.
Zur Begründung wurde ausgeführt, dass die Beschwer
deführerin gemäss den Berichten ihrer Behandler zurzeit aufgrund des Gesund
heits
zustandes nicht in der Lage sei, an Eingliederungsmassnahmen teilzu
neh
men. Daher werde jetzt der Rentenanspruch geprüft.
Mit der angefochtenen Verfügung vom
9
.
Oktober 2020
(Urk. 2) ist
die Beschwer
de
gegnerin auf die Neuanmeldung vom
12. März 2020
(Urk. 8/164
)
nicht einge
treten.
Z
u prüfen
ist daher
, ob die Beschwerdeführerin bis zum Erlass der ange
fochtenen Verfügung vom
9. Oktober 2020
im Sinne von Art. 87 Abs. 3 IVV
g
laubhaft dargetan hat, dass in den tatsächlichen Verhältnissen eine leistungs
relevante Änderung eingetreten ist. Massgebender Bezugspunkt ist nicht nur der Zeitpunkt des Erlasses letzten rentenverneinenden Verfügung vom 1
9.
Oktober 2018 (
Urk.
8/158), sondern hinsichtlich des für den Anspruch auf Eingliede
rungsmassnahmen massgeblich
en
Sachverhalt
s
auch
der Zeitpunkt der Mitteilung vom 1
5.
Mai 2015 (
Urk.
8/64).
3.
3
Die r
entenablehnende Verfügung vom 19
. Oktober 2
018 (Urk. 8/158
) basierte
auf dem polydisziplinären (allgemein-internistischen, neuropsychologischen, psy
chia
trischen, neurologischen und orthopädischen) Gutachten der
D._
vom 28. Februar 2017
(Urk. 8/134). Darin wurde
- unter Einbezug der eingeholten und bis zur Begutachtung aktenkundigen medizinischen Berichte
(S. 6-18
) -
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte neuropsycho
lo
gische Funktionsstörung bei schädlichem Gebrauch von Alkohol und chroni
schem Kombinationskopfschmerz gestellt. Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben folgende Diagnosen
(S. 54)
:
-
chronischer Kombinationskopfschmerz mit
-
Migräne mit Verdacht auf migräneassoziierten Schwindel und
-
Cervikocephales
Syndrom mit Verdacht auf
cervikogene
Kopfschmerzen und teilweisem
cervikogenem
Schwindel
-
Rezidivierende Schwindelattacken unklarer Genese bei möglichem Morbus
Menière
bei leichter peripher-vestibulärer Unterfunktion links
-
Rezidivierende
Extremitätenparästhesien
unklarer Genese, möglicherweise
pseudoradikulär
bei panvertebralem Syndrom
-
Status nach Commotio cerebri im Rahmen eines leichten Schädel-Hirn-
Traumas am 8. Januar 2010
-
Status nach HWS-Distorsion am 8. Januar 2010 ohne Hinweise für eine
cervikale
,
radik
u
läre
oder
medulläre
Läsion (Unterdiagnose)
-
Unfall
un
abhängig:
-
Chronische
Zervikozephalgie
vertebragen
und
myofascial
bei WS-
Fehl
hal
tung
-
Bandlaxizität
und muskuläre
Dysbalance
-
leichtgradige degenerative Veränderungen der mittleren bis
unteren HWS ohne
spinale
Enge und leichtgradige
Engstellung der
Foranina
C4/5 links als rechts, C6/7
rechtsbetont und C6/7 beidseits
-
Osteopenie
- nach WHO-Definitio
n
, T-score L1/2 -1.6 (Erstdiagnose
2011)
-
Status nach einmaliger
Aclastainfusion
2016, abgesetzter
Hormonsubstitution
-
aktuell mit Vitamin D3 und Calcium behandelt seit August
2016
-
Knochendichtemessung (3. August 2016) signifikante
Abnahme der Knochenmaterialdichte um 3.8 % im Vergleich
zur DXA-Untersuchung vom 19. Dezember 2011
-
Status nach Insuffizienzfraktur MT1 und MT3 Fuss rechts (19. Mai
2015), knöchern verheilt
-
Reizdarmsymptomatik
-
Sta
t
us nach Infekt mit
Gardia
lamblia
AA 2014
Die polydisziplinäre Diagnosestellung
und Einschätzung der Arbeits-
und
Leis
tungsfähigkeit
wurde
n
wie folgt begründet
(S. 57 ff.
)
:
D
ie Beschwerdeführerin
habe
beim Unfall vom 8. Januar 2010 (frontal-tangentiale Kollision zweier PKW im alkoholisierten Zustand) ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, vermutlich mit einer Gehirnerschütterung im Sinne der Commotio cerebri erlitten. Eine unfall
bedingte Hirnsubstanzläsion sei weder klinisch-neurologisch
noch
bildmorpho
logisch festzustellen. Ohne Nachweis einer hirnsubstanziellen Läsion und ohne Schädigung neuraler Strukturen an der HWS seien neurokognitive Einschrän
kungen und Kopfschmerzen (über die Dauer eines halben Jahres nach dem Unfall) nicht mehr unfallbedingt zu erklären, sondern müssten andere Ursachen haben.
Im Vordergrund der geistigen Leistungsminderung ständen nach der neuropsy
cho
logischen Testung leichtere Leistungsminderungen im Aufmerksamkeits- und Konzentrationsvermögen sowie in den exekutiven Leistungen.
Die Ausprägung sei leicht und zudem vom Störmuster her nicht typisch für eine hirntraumatische Verursachung nach dem Unfall von 201
0.
Am ehesten erklärbar seien die neuro
kognitiven Einschränkungen durch die chronische Schmerzsymptomatik und auch nutritiv-toxische Schäden bei schädlichem Gebrauch von Alkohol. Eine Einschränkung der Funktionsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei aufgrund der geringen Intensität der festgestellten kognitiven Beeinträchtigungen im Alltag und auch unter den meisten beruflichen Anforderungen nicht zu erwarten. Ledig
lich bei Aufgaben und Tätigkeiten mit hohen Anforderungen sei die Funktions
fähigkeit eingeschränkt, damit auch bei der angestammten Tätigkeit als ange
lernte IT-Kraft, wofür auch die berufliche Anamnese spreche. So habe es in der vorletzten Tätigkeit Schwierigkeiten gegeben das Pensum zu halten, jedoch nicht bei der zuletzt ausgeübten temporären einfacheren Tätigkeit.
Die ständig
vorhan
denen Kopfschmerzen im N
acken-/
Hinterkopfbereich
erschienen am ehesten HWS-bedingt. Sie erstreckten sich vom Übergang der BWS bis zu den Ansätzen der Nackenmuskulatur am Schädel. Der typische chronische Kopfschmerz vom
Spannungstyp mit
holocephalen
Kopfschmerzen lasse sich nicht angrenzen. Ge
schildert würden aber typische Migräneattacken mit wöchentlicher Frequenz - bei gelegentlichen, mig
r
änefreien
Episoden
von bis zu zwei Monaten. Die Migrä
neattacken liessen sich
partiell
mit
Zolmitripan
kupieren, das leichte Müdigkeit auslöse. Aufgrund der Zahl der Migräneattacken und der partiellen Behandel
barkeit bestehe keine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Bei den meist wöchentlich für ein bis zwei
Tage
auftretenden
occipitalen
Schmerzen im
Mastoid
-Bereich links, die
nach
einer dortigen Prellung vom 8. Januar 2010 verblieben seien, dürfte es sich vorwiegend um einen
myoligamentären
Schmerz handeln.
Funktionelle
Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit entständen durch diese Kopfschmerzform, die ohne jegliche
Medikation
toleriert werde
,
und unter Berücksichtigung der
bisherigen
beruflichen An
amnese seit dem Unfallereignis
nicht. In
wieweit es
sich
bei den rezidivierenden
Schwankschwindelzuständen
in
Assoziation
mit stärkerer Übelkeit teils hin bis zum Erbrechen und auch teilweise mit Tinnitus (ohne Hörminderung) ausschliesslich um migrän
easso
zi
i
erten Schwindel handle, lasse sich nicht aus
reichend sicher beantworten. Es
sei zu
prüfen, welche
Besserung
eine Migräneprophylaxe bringe. Differentialdia
gno
s
tisch
käme bei nachgewiesener Minderfunktion des linken
Labyrinthorganes
zu
sätzlich ein atypischer Morbus
M
enière
(atypisch wegen fehlender Hypakusis
während
der Schwindelattacken) in Betracht.
Eine dauerhafte Rumpfunsicherheit bestehe nicht. Einschränkungen bei der Arbeitsfähigkeit ergäben sich aufgrund von lang
dauernden Schwindelzuständen lediglich für Tätigkeiten mit höheren Anforde
rungen an das Gleichgewicht. Aus orthopädischer Sicht bestehe eine unfall
un
abhängige chronische
vertebragene
und
myofas
ciale
Zervikozephalgie
bei WS-Fehl
haltung. Dies infolge einer
Bandlaxizität
und muskulärer
Dysbalance
. Des Weiteren beständen leichtgradige degenerative Veränderungen der mittleren bis unteren HWS ohne spinale Enge
und eine leichtgradige Engstellung der
Foramin
a
C4/5 links mehr als rechts, C6
/7 rechtsbetont und C6/7
b
eidseits. Auch bestehe bei vorzeitiger Menopause eine
Osteopenie
, aktuell progredient unter Calcium und
Vitamin
D-Substitution. Die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin sei aus
orthopädischer
Sicht gegeben. Aus allgemein-intern
i
stischer Sicht bestehe eine endokrine Symptomatik mit fr
üher Menopause und beginnender
O
steopenie
, aber auch eine Alkoholproblematik mit typischem Labor. Eine Abstinenz sei dringe
nd empfohlen. Die L
eistungsfähigkeit sei gegeben. Aus psychiatrischer Sicht beständen aktuell keine Erkrankungen, welche die Beschwerdeführerin in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigten.
Sicher sei zu erwähnen, dass die Be
schwerdeführerin verschiedene Lebensereignisse erlitten
habe
, auf die sie wahr
scheinlich mit Anpassungsstörungen, vor allem mit depressiven Symptomen, vielleicht aber auch mit Angst, Sorgen, Unsicherheit reagiert habe. Diesbezüglich
seien der Unfall, aber auch die Absage der Hochzeit und die Erkrankung mit dem tropischen Parasiten zu nennen. Rückwirkend sei aber eine detaillierte chrono
logische Abfolge nicht möglich. Des Weiteren bestehe eine Suchtproblematik bezüglich Alkohol, die sicher grösser sei, als von der Beschwerdeführerin zuge
geben, was die Laborparameter bewiesen. Polydisziplinär bestehe eine leicht ver
minderte Belastbarkeit aufgrund
v
on leichten neuropsychologischen Funktions
stö
rungen bei schädlichem Gebrauch von Alkohol und chronischem Kombina
tions
kopfschmerz.
Die Beschwerdeführerin habe eine kaufmännische Ausbildung und eine berufs
begleitende Weiterbildung zur Informatikerin gemacht. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als IT-Fachfrau sei bei
d
er Y._
von 2008 bis 2012 gewesen. Aus neurologischer Sicht bestehe in dieser zuletzt aus
geübten Tätigkeit aufgrund der l
eichten kognitiven Defizite eine 90%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein 100%-Pensum. Tätigkeiten mit erhö
h
ten Anforderungen an das Gleich
gewicht könnten nicht zugemutet werden. Auf Tätigkeiten mit
höherkonzen
trativ
en
, besonders verantwortungsvollen und stressbelasteten Tätigkeiten, auch mit hohem Publikumsverkehr, sollte verzichtet werden
(S. 59 f.)
. Aus ortho
pä
discher und allgemein-internistischer Sicht bestehe eine 100%ige
Arbeitsfähig
keit. So fänden sich keine Funktionseinschränkungen, die eine mittel- bis lang
fristige Arbeitsunfähigkeit begründeten. Bei der angestammten Tätigkeit als Informatikerin handle es sich um eine leichte wechselbelastende Tätigkeit, die dem zumutbaren Leistungsprofil der Beschwerdeführerin entspreche. Aus psy
chia
trischer Sicht bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit. Polydiszi
plinär bestehe also eine 90%ige Arbeitsfähigkeit bezogen auf ein 100%-Pensum aufgrund der leichten kognitiven Defizite. Die Beschwerdeführerin sei in der angestammten Tätigkeit
seit dem 8. Oktober (richtig: 8. Januar) bis 7. April 2010 zu 100 % und vom 8. April bis 7. Juli 2010 zu 50 % arbeitsunfähig gewesen. Unter Berücksichtigung des beruflichen Verlaufes und der testpsychologischen Befunde gelte die Arbeitsunfähigkeit von 10 % seit dem Leistungseinbruch ab Juli 2012
(S. 60)
.
In einer adaptierten Tätigkeit bestehe aus polydisziplinärer Sicht ab dem 8. Juli 2010 - sechs Monate nach dem Unfall - eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Einschränkungen ergäben sich aufgrund von langdauernden Schwindel
zuständen lediglich für Tätigkeiten mit höheren Anforderungen an das Gleich
gewicht. Zumutbar seien leichte wechselbelastende Tätigkeiten ohne schweres Heben und Tragen von Lasten bis maximal 5-10 Kilogramm Gewicht, ohne ein
seitige Zwangshaltungen der Wirbelsäule, ohne regelhafte
Reklination
und Rota
tion der HWS
(S. 60 f.)
.
Eine Verbesserung der neurokognitiven Einschränkungen liesse sich durch Ausbau der Schmerztherapie am Kopf und am Skelett erreichen,
weiter aber auch durch Thematisierung des schädlichen Gebrauchs von Alkohol. Durch
weitestgehende
Alkoholabstinenz über mindestens ein halbes Jahr könnte ebenfalls eine Verbesserung der neurokognitiven Leistung zur Folge haben, was durch entsprechende Testung überprüft werden sollte. Gegebenenfalls seien ent
spre
chende Hilfen zur Umsetzung der Abstinenz sinnvoll. Die Alkoholproble
matik sollte unbedingt angegangen werden
(S. 61)
.
3.4
Die
angefochtene
Nichteintretensv
erfügung
vom 9. Oktober 2020 (Urk. 2) basierte
auf folgenden medizinischen Beurteilungen
:
3.4
.1
Dr.
E._
, welche die Beschwerdeführerin hausärztlich betreut, hielt in ihrem Schrei
ben vom 8. März 2020 (Urk. 8/165/1
)
zuhanden der Beschwerdegegnerin fest, dass die Beschwerdeführer
in gegen Ende 2018 eine deutliche Verschlech
terung ihres körperlichen Gesundheitszustandes erlitten habe. Mit verschiedenen ärztlichen und therapeutischen Massnahmen habe sich die Situation unterdessen soweit gebessert und stabilisiert, dass eine Abklärung hinsichtlich beruflicher Wiederintegration indiziert sei.
3.4
.2
Im Berich
t der Klinik G._
v
om 11. März 2020 (Urk. 8/164/
2) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurde bestätigt, dass die Beschwerdeführerin seit dem 14. Januar 2019 regelmässig bis auf Weiteres in tagesklinischer Behandlung stehe und seit dem Eintritt zu 100 % arbeitsunfähig sei.
Wegen deutlicher Verschlechterung ihres körperlichen wie auch psychischen Gesundheitszustandes seit einem Jahr sei eine Anmeldung bei der IV begründet. Die Beschwerdeführerin sei wegen einer depressiven Entwick
lung in Behandlung. Aus psychiatrisch-fachärztlicher Sicht sei sie für die Wie
dereingliederung ins Berufsleben auf eine Abklärung auf berufliche Massnahmen angewiesen.
3.4
.3
D
ipl. med. H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie und Ärztlicher Leiter
der Klinik G._
,
berichtete am
14.
Mai 2020 (Urk. 8/172/
1) zuhanden der Beschwerde
gegnerin, dass die Beschwerdeführerin vom 30. November bis 24. Dezember 2018 in der Psychiatrischen Klinik
B._
hospitalisiert gewesen sei, nach
dem
sie sich
zuvor im Spital F._
eine
r
Alkohol-Entzugsbehandlung
unterzogen habe
. Nach der psychiatrischen
Hospitalisation
sei die Abstinenz durch die behandelnde Hausärztin
Dr.
E._
kontrolliert worden. Bis heute sei kein Rückfall mit Alkohol geschehen. Im Austrittsbericht der
Klinik B._
vom 4. Januar 2019 sei nebst der Alkoholabhängigkeit auch eine de
pressive Störung (ICD-10: F 33.0), damals leichter
e
n Ausm
asses, diagnostiziert
worden. Es
sei eine tagesklinische Behandlung empfohlen worden, welche seit dem
14. Januar 2019 stattfinde. Das bei ihnen meist mittelschwere depressive Grund
leiden habe mit der
teilstationären Behandlung soweit stabilisiert werden können,
dass die Beschwerdeführerin ihren Haushalt wieder bewältigen könne, soweit dies aufgrund der somatischen Befunde schmerzbedingt möglich sei. Bei der Erledi
gung administrativer Angelegenheiten brauche sie noch zeitweise Hilfe. Ein be
ruf
licher Einstieg sei aus psychiatrischer Sicht seit eineinhalb Jahren bis heute wegen einer vollen Arbeitsunfähigkeit nicht möglich gewesen. Es sei ein Wie
deraufbau der beruflichen Fähigkeiten im Rahmen einer IV-Massnahme mit Potenzialabklärung und Bel
astbarkeitstraining indiziert.
3.4
.4
Am 18. Mai 2020 bestätigte Hausärz
tin
Dr.
E._
(Urk. 8/172/
2) zuhanden der Beschwerdegegnerin, dass sie die Beschwerdeführerin in regelmässigen Ab
ständen sehe und sie seit nun 18 Monaten zu 100 % alkoholabstinent sei. Die Beschwerdeführerin habe in den letzten eineinhalb Jahren vorbildlich und sehr motiviert sämtliche Therapien sowohl im somatischen als auch psychiatrischen Bereich mit grossem Engagement absolviert. Trotzdem persistierten auch soma
tische Beschwerden im Bereich des Bewegungsapparates sowie auch deutliche Konzentrationsschwierigkeiten, welche die Beschwerdeführerin im Alltag ein
schränkten. Die
Beschwerdeführerin stehe weiterhin in psychiatrischer Behand
lung sowie aufgrund der Beschwerden des Bewegungsapparates in regelm
ässiger Behandlung bei
Dr.
med. I._
, FMH für orthopädische Chirurgie
, sowie bei
Dr.
J._
, FMH für physikalische Medizin und Reha
bilitation. Da die Beschwerdeführerin seit vielen Monaten absolut alkoholabsti
nent sei, sei eine berufliche Wiedereingliederung der 45-jährigen Beschwerde
führerin das absolute Ziel. Dazu sei sie auf eine Abklärung hinsichtlich beruflicher Massnahmen durch die IV-Stelle angewiesen.
3.
4
.5
Bezugnehmend auf die Aufforderung der Beschwerdegegnerin vom 25. Mai 2020 hin (Urk. 8/174, vgl. Sachverhalt E. 1.3), reichte
Dr.
E._
im Zusammen
hang mit der kontrollierten Alkoholabstinenz die regelmässig bestimmten Leber
werte der Beschwerdeführer
in
ein (Urk. 8/177
/
1-5). Die aufgrund des Alkohol
konsums 2018 stark erhöhten Leberwerte hätten sich s
eit der stationären Alko
holentzu
gsbehandlung normalisiert und lägen seitdem nun im Normbereich, was als Parameter für die anhaltende Alkoholabstinenz gelte.
Gleichzeitig legte sie den Austrittsbe
richt der Privatklinik B._
vom 4. Januar 2019 bei (Urk. 8/177
/6-10), worin über die der E
ntzugsbehandlung im Spital F._
anschliessenden Therapien berichtet und die folgenden Diagnosen
aufge
führt wurden:
-
Psychische und
Verhaltensstörungen durch Alkohol:
Abhängigkeits
-
syndrom
(ICD-10: F10.2)
-
Psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak: Abhängigkeitssyndrom
(ICD-10: F17.2)
-
Rezidivierende depressive
Störung, gegenwärtig leichte Episode
3.4
.6
Mit
Schreiben vom 9. Juli 2020
des Spitals F._
(Urk. 8/183/
1) wurde die Be
schwerdegegnerin darauf hingewiesen, dass die Beschwerdeführerin durch die chronische,
multilokuläre
Schmerzproblematik ei
ne wesentliche Einbusse ihrer Ar
beits- und Konzentrationsfähigkeit erfahren habe.
Bek
a
nntlicherweise
führten chronische Schmerzen zu multiplen Komorbiditäten aus dem psychischen For
menkreis
, weshalb auf die Berichte von
Dr.
med. H._
verwiesen werde. Im letzten Jahr habe sich die Schmerzintensität deutlich gesteigert, was auch den anamnestischen Angaben des beiliegenden Konsultationsberi
chtes zu entnehmen sei. Somit hätt
e
n
sich
am
gesundheitliche
n
Zustand
der Beschwerdeführerin einige Symptome und Krankheitsbilder wesentlich verändert, was eine erneute Beu
rteilung rechtfertigen dürfte. E
in Alkoholabusus bestehe nicht mehr, jedoch beständen chronische, teils invalidisierende Schmerzen lumbal, zervikal,
cephal
, an den Schultern und an den Hüften.
Im beiliegenden Schmerzstundenbericht
vom 27. Mai 2020 (Urk. 8/183/
2-4) zu
handen der Hausärztin
Dr.
E._
wurden folgende Diagnosen aufgeführt:
-
Chronisches
lumbospondylogenes
/-
radikuläres
Schmerzsyndrom
(Erstmani
festation 2019)
-
Linksforaminale
Diskushernie L3/4 mit möglicher Irritation der L3-
Nerve
n
wurzel links sowie flache dorsale
Protrusion
der Bandscheibe
L4/5 mit
r
ezessaler
Tangierung der N5-Nervenwurzel beidseits,
Schmorl’sche
Knoten LWK1 und LWK2, linkskonvexe LWS-
Skoliose, kein Nachweis einer lumbalen
Osteochondrose
(MRI LWS
Januar 2020)
-
Anamnestisch: Nervenwurzel-Infiltration L3 negativ (2020)
-
we
itere diagnostische/therapeutische Infiltrationen geplant
-
Zervikos
p
ondylogenes
Schmerzsy
ndrom, perkutane
Denervierung
C
2/3/4
links mit guter Wirksamkeit (2019)
-
Migräne ohne Aura, seit
Denervierung
C2 bis C4 2019 keine Beschwerden
-
Intermittierende Neuralgie
Nervus
occipitalis
-
Tendinitis
calcarea
Schulter rechts, aktuell beschwerdefrei
-
Impingement
/Bursitis Schulter links
-
Hüft-/Oberschenke
lschmerzen links: ausgedehnter La
brumriss
antero
-
superior
links sowie
Insertionstendinopathie
der
Glutea
l
muskulatur
und
Trochanter
major
-
Osteoporose (Erstdiagnose 2015)
-
vorzeitige Menopause seit 2010
-
2015: einmalig
Aclasta
, wahrscheinlich allergische Reaktion
-
Erosive
Refluxösophagitis
-
Status nach chronischem Alkoholabusus
-
stationärer Alkoholentzug
Spital F._
und Privatklinik B._
November bis Dezember 2018
-
seither abstinent
-
Rezidivierende depressive Episoden (Erstdiagnosen langjährig), aktuell
remittiert
Die hausärztliche Zuweisung sei zur Beurteilung einer langanhaltenden
multilo
kulären
Schmerzstörung
erfolgt
, wobei aktuell vor allem die lumbalbetonten Schmerzen im Vordergrund ständen. Die Ätiologie der Schmerzen sei noch nicht ganz klar, es ständen aber noch weitere Abklärungen an. Ebenso sei die Be
schwerdeführerin psycho- und physiotherapeutisch gut aufgehoben; auch die hausärztliche Versorgung sei bestens. Somit bleibe als Verbesserungsmassnahme der aktuellen Situation neben der Unterstützung bei der beruflichen Reintegration über die IV einzig die medikamentöse Therapie, welche bisher unbefriedigend
ge
wesen sei, da bisher kein Medikament einen wirklich guten analgetischen E
ffekt gehabt habe.
4.
Das auf Untersuchungen vom Januar 2017 beruhende
D._
-Gutachten
nennt
aus orthopädischer Sicht in erster Linie
chronische
cervikocephale
Schmer
zen bei W
irbelsäulenfehlhaltung und leichtgradigen degenerativen Verände
run
g
en an der HWS (E. 3.3
). Den Gutachtern w
ar bekannt, dass seitens des K._
im Mai 2012 bereits zusätzlich über ein
lumbovertebrales
Syndrom bei
(
unter ande
rem
)
Bandlaxizität
mit segmentalen Dysfunktionen lumbal berichtet wurde. Den damals
aktuell geklagten
Beschwerden wurde aus gutachterlicher Sicht jedoch keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in bisheriger und angepasster Tätig
keit zugeschrieben und die geklagte Symptomatik eher einer
ligamentären
und
myotendinogenen
Störung bei Fehlhaltung und muskulärer
Dysbalance
zu
geord
net
(vgl.
Urk.
8/134 S. 40)
. Dem Schmerzstundenbericht vom 2
7.
Mai
2020 (E.
3.
4
.6) lässt sich entnehmen, dass sich im Jahre 2019 ein chronisches
lumbo
spondylogenes
Schmerzsyndrom erstmanifestierte, wobei sich bildgebend in der Lendenwirbelsäule degenerative Veränderungen zeigten.
Ob es sich hierbei tat
sächlich um erst im Jahre 2019 aufgetretene Beschwerden handelt und mit wel
chen
Auswirkungen ist fraglich.
Wohl bewirkt eine neu
hinzugetretene Dia
gnose nicht unbesehen eine höhere Arbeitsunfähigkeit. Massgebend für den Grad der Arbeitsunfähigkeit ist nicht die Diagnose oder die Zahl der erhobenen Diagnosen, sondern die daraus resultierende Leistungseinschränkung, welche sich auch durch eine zusätzliche Beeinträchtigung nicht zwangsläufig erhöhen muss (vgl. Urteil
des Bundesgerichtes 9C_804/2015 vom 21. Juni 2016 E. 3.2). Für eine Neuan
mel
dung reicht es daher nicht aus, eine gesundheitliche Verschlechterung
durch
eine neu hinzugetretene Diagnose glaubhaft zu machen, da damit über das quanti
ta
tive Element einer relevanten, die Arbeitsfähigkeit schmälernde Verände
rung des Gesundheitszustandes nicht zwingend etwas ausgesagt wird (vgl. Urteil des Bun
desgerichtes 8C_244/2016 vom 21. Juni 2016 E. 3.5).
Unter diesem Gesichts
punkt
ist auch die von den Behandlern
erneut
aufgeführte depressive Störung
, im Schnitt
als mittelgradig bezeichnet,
(E.
3.4
.3,
3.4
.5)
zu sehen, welche
damals
vom psy
chiatrischen Gutachter als nicht arbeitsrelevant betrachtet wurde und die daher
nicht
einmal
in seiner Diagnoseliste Aufnahme fand.
Vorliegend kommt jedoch hinzu, dass die Beschwerdeführer
in
nach Darlegung der behan
delnden Fachper
so
nen seit Ende 2018 abstinent ist. Die
D._
-Gutachter erwarteten durch eine
weitestgehende
Alkoholabstinenz auch eine Verbesserung der neurokog
ni
ti
ven Leistung. Wohl spricht dies
gerade
nicht für eine renten
wirksame Ver
schlech
te
rung des Gesundheitszustandes, jedoch vermag dies Aus
wir
kungen auf die An
spruchsvoraussetzungen für eine Eingliederungsmass
nah
me zu haben.
Ausser
dem
ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin seit der befristeten Anstel
lung keiner, jedenfalls keiner länger dauernden Erwerbs
tätigkeit mehr nachging und ihre beruflichen Erfahrungen
im Informatikbereich
zumindest auch aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen, welche sich offenbar im Jahre 2019 zu
mindest in der Lendenwirbelsäule akzentuierten, eine geraume Zeit zurückliegen
.
Nach neuster Praxis des Bundesgerichts (BGE 145 V 215) können auch primäre
Abhängigkeitssyndrome beziehungsweise Substanz
kon
sums
törungen unter ge
wissen
Voraussetzungen invalidenversicherungsrecht
lich relevante Gesundheits
schäden darstellen, weshalb
ihre funk
tionellen Aus
wirkungen
einer näheren Ab
klä
rung bedürfen.
Hierzu ist darauf hinzuweisen, dass die Beschwerdeführerin w
ährend der Alkoholentzugsbehandlung
und darü
ber hinaus
von ihren behan
delnden Fachpersonen
mehr als eineinhalb Jahre
arbeitsunfähig geschrieben
war (
E.
3.4
.3), was auf massgebliche invaliditätsbedingte Einschränkung
en
hindeutet,
weshalb die Notwendigkeit von Eingliederungs
mass
nahmen nicht nur mit der fak
tischen Erwerbsuntätigkeit begründet werden kann. Jedenfalls ergibt sich auf
grund der von der Beschwerdeführerin bis zum an
gefochtenen Entscheid vom
9.
Oktober 2020 aufgelegten Akten, dass zumin
dest für Eingliederungsmass
nah
men relevante Änderungen im massgeblichen Sach
verhalt eingetreten
sein könnten
.
Damit ist der Beschwerdeführerin gelungen, eine jedenfalls für Ein
glie
derungsmassnahmen relevante Änderung im massgeb
lichen Sachverhalt glaub
haft zu machen.
Aus diesem Grund wäre die Be
schwerdegegnerin verpflichtet
gewesen, auf das Neuanmeldungsgesuch vom 1
2.
März 2020, womit ausschliess
lich berufliche Massnahmen beantragt worden
waren, einzutreten und die ent
sprechenden Anspruchsvoraussetzungen umfassend
abzuklären.
5.
5.1
Gestützt auf diese Erwägungen ist die Beschwerde in Aufhebung der ange
foch
tenen Verfügung vom
9.
Oktober 2020 gutzuheissen und die Sache an die Be
schwer
degegnerin zurückzuweisen, damit sie auf das Leistungsbegehren vom 1
2.
M
ärz 2020 eintrete und es im Rahmen ihrer Untersuchungspflicht prüfe.
5.2
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert festzulegen sind (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), sind auf Fr. 600.-- anzusetzen. Ent
sprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der
Beschwerdegegnerin
aufzu
erlegen
.
Damit erweist sich das Gesuch der Beschwerdeführerin um unentgeltliche Pro
zessführung als gegenstandslos.
Das Gericht
erkennt:
1.
In Gutheissung der
Beschwerde wird
die angefochtene Verfügung vom
9.
Oktober 2020 aufgehoben und die Sache an die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zurückgewiesen, damit sie auf das Leistungsbegehren vom 1
2.
Mä
rz 2020 eintritt
und den Leistungsanspruch
prüft
.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
600
.-- werden
der Beschwerdegegnerin
auferlegt
. Rechnung und Einzahlungsschein werden der Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zu
gestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X._
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.