# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3feb30e1-9daa-4eba-add6-a94a3e1de28a
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

den Akten entnommen:
A. A._ (Rekurrent) und B._ (Rekurrentin; zusammen: Rekurrenten) teilten der Gemeinde E._ am 20. Juli 2018 mit, dass sie per 31. Juli 2018 ihren gemeinsamen
Haushalt aufheben würden und ab Steuerjahr 2018 getrennt zu veranlagen seien (Akten
Vorinstanz, pag. 232 und 234). Mit Verfügungen vom 20. Mai 2019 wurden die Rekurrenten von
der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region _ (Steuerverwaltung), gleichzeitig für
die Steuerjahre 2014, 2015 und 2016 veranlagt. Dabei teilte die Steuerverwaltung das zunächst
für beide Rekurrenten gemeinsam festgesetzte steuerbare Einkommen und Vermögen auf den
Rekurrenten und die Rekurrentin auf (Akten Vorinstanz, pro 2014: pag. 246 ff., pro 2015:
pag. 135 ff., pro 2016: pag. 40 ff.).
B. Gegen sämtliche Veranlagungsverfügungen erhoben die Rekurrenten am 15. Juni 2019 Einsprache (pag. 244) und beantragten Anpassungen in Zusammenhang mit der beruflichen
und der gebundenen privaten Vorsorge. In einer weiteren Eingabe, datiert vom 28. Juni 2019
(pag. 235), machten die Rekurrenten zum einen höhere Steuerschulden geltend und
beantragten zum anderen, dass der Steuerwert ihrer Beteiligung an der C._ AG
reduziert werde. Die Einsprache wurde von der Steuerverwaltung mit Einspracheentscheiden
vom 3. September 2019 teilweise gutgeheissen, in Bezug auf den Steuerwert der Beteiligung
jedoch abgewiesen (pro 2014: pag. 185 ff., pro 2015: pag. 97 ff., pro 2016: pag. 1 ff.). Die
Steuerfaktoren wurden dabei wie folgt festgesetzt und auf die beiden Ehegatten aufgeteilt
(gerundete Beträge; nur kantonale Steuern):
Steuerbares Einkommen Steuerbares Vermögen Steuerjahr Gemeinsam Rekurrent Rekurrentin Gemeinsam Rekurrent Rekurrentin 2014 54'800 30'600 24'200 1'971'000 986'000 985'000
2015 88'900 56'600 32'300 1'863'000 932'000 931'000
2016 67'400 50'100 17'300 1'831'000 916'000 915'000
C. Mit Eingabe vom 8. September 2019 haben die Rekurrenten gegen diese Einspracheentscheide Rekurs an die Steuerrekurskommission des Kantons Bern
(Steuerrekurskommission) erhoben. Sie beantragen im Wesentlichen, dass der Steuerwert ihrer
Beteiligung an der C._ AG um einen Abzug für Minderheitsanteile reduziert werde. Zur
Begründung wird ausgeführt, dass beide Ehegatten als separate Steuersubjekte zu betrachten
seien. Zusätzlich stellen die Rekurrenten die Rechtmässigkeit der von der Vorinstanz gewährten
Frist zur Einreichung der Einsprache infrage.
D. Am 16. Oktober 2019 hat sich die Steuerverwaltung vernehmen lassen und die Abweisung der Rekurse beantragt. Sie führt aus, dass die Rekurrenten in den fraglichen
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Steuerjahren in ungetrennter Ehe gelebt hätten und daher die Voraussetzungen für eine
Reduktion des Steuerwerts der Beteiligung an der C._ AG nicht gegeben seien. Weiter
seien die gesetzlichen Bestimmungen betreffend Einsprachefrist im vorliegenden Fall korrekt
angewandt worden.
E. Mit Schreiben vom 18. Oktober 2019 hat (ausschliesslich) der Rekurrent zur Vernehmlassung der Steuerverwaltung Stellung genommen. Er erklärt, dass er – entgegen dem
entsprechenden Vermerk in der Vernehmlassung – nicht durch die Rekurrentin vertreten werde.
Im Übrigen bestätigt und präzisiert er das bereits in der Rekursschrift Vorgebrachte.
F. Am 22. Mai 2020 hat sich der Rekurrent schriftlich an die Steuerverwaltung gewandt (mit Kopie an die Steuerrekurskommission) und u.a. beantragt, den amtlichen Wert und den
Eigenmietwert des Grundstücks E._ Gbbl. Nr. 1._ in den vom Rekurs
betroffenen Steuerjahren 2014, 2015 und 2016 zu reduzieren.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in
den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission angefochten werden (Art. 195
ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Die Rekurrenten sind im vorinstanzlichen Verfahren mit
ihren Anträgen nicht durchgedrungen. Sie sind daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art.
195 Abs. 2 StG i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die
Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf den form- und fristgerecht eingereichten
Rekurs ist deshalb einzutreten.
Da der Streitwert unter CHF 10'000.-- liegt, fällt der vorliegende Entscheid in die
einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2. Vorliegend ist in erster Linie strittig, ob der Steuerwert der von den Rekurrenten gehaltenen Aktien der C._ AG um einen Pauschalabzug wegen Minderheitsbeteiligung
zu reduzieren ist. Vorab ist jedoch auf formelle Aspekte des Verfahrens und entsprechende
Einwände der Rekurrenten einzugehen.
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2.1 Zu klären ist zunächst die verfahrensrechtliche Stellung der Rekurrenten. In den Jahren 2014 bis 2016 lebten die verheirateten Rekurrenten in einem gemeinsamen Haushalt an der
D._strasse 7 in E._. Der gemeinsame Haushalt wurde (erst) per 31. Juli 2018
aufgehoben (die Rekurrentin wohnt immer noch an der genannten Adresse). Für die hier zu
beurteilenden Steuerjahre 2014, 2015 und 2016 sind die Rekurrenten demnach gemeinsam zu
veranlagen (Art. 10 Abs. 1 i.V.m. Art. 68 StG). Allerdings haften die Rekurrenten seit ihrer
Trennung nicht mehr solidarisch für die noch offenen Steuerschulden, weshalb die
Steuerverwaltung die jeweilige Haftungsquote festzusetzen hat (Art. 15 Abs. 2 StG). Wie aus
der unter Bst. B hiervor aufgeführten Tabelle hervorgeht, hat die Steuerverwaltung hierzu die
zunächst auf gemeinsamer Basis ermittelten Steuerfaktoren (Einkommen und Vermögen) auf
beide Ehegatten aufgeteilt, wobei der Steuerbetrag für beide Ehegatten anhand des
Steuersatzes des Gesamteinkommens und -vermögens bestimmt wurde. Dieses Vorgehen ist
korrekt, was in der Stellungnahme vom 18. Oktober 2019 auch von den Rekurrenten
zugestanden wird.
2.2 Aus der per Ende 2016 noch ungetrennten Ehe ergibt sich weiter, dass die Rekurrenten ihre Verfahrensrechte und -pflichten gemeinsam ausüben, selbst wenn Zustellungen seit der
Trennung an beide Ehegatten gesondert erfolgen (Art. 156 Abs. 1 und 5 StG). Rechtsmittel und
andere Eingaben gelten auch dann als rechtzeitig eingereicht, wenn bloss ein Ehegatte innert
Frist handelt (Art. 156 Abs. 3 StG). Aus dieser Bestimmung wird die Vermutung abgeleitet, dass
jeder Ehegatte den anderen im Verfahren vertritt. Dies gilt für gemeinsam zu veranlagende
Steuerperioden selbst dann, wenn sich das Ehepaar in der Zwischenzeit getrennt hat (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 6 zu Art. 113 DBG).
Somit entfalten im vorliegenden Fall die einzig vom Rekurrenten unterschriebenen Eingaben
vom 18. Oktober 2019 und vom 22. Mai 2020 auch für die Rekurrentin Wirkung.
2.3 Ebenfalls verfahrensrechtlicher Natur ist die von den Rekurrenten geforderte Überprüfung des Vorgehens der Steuerverwaltung in Bezug auf die Einsprachefrist. Sie kritisieren zum
einen, dass die Veranlagungsverfügungen für die Steuerjahre 2014 bis 2016 gleichzeitig am
20. Mai 2019 eröffnet worden seien, wodurch ihnen nur 30 Tage zum Verfassen der Einsprache
zur Verfügung gestanden hätten, anstatt insgesamt 90 Tage bei separater Eröffnung. Zum
anderen habe der Rekurrent erst am 12. Juni 2019 von den Veranlagungsverfügungen Kenntnis
erhalten, nachdem er von einem Auslandaufenthalt zurückgekehrt sei. Er ist der Auffassung,
dass die 30-tägige Frist erst zu jenem Zeitpunkt zu laufen begonnen habe.
2.3.1 Hierzu ist festzuhalten, dass die Steuerverwaltung auf die fristgerecht am 15. Juni 2019 erhobene Einsprache gegen die Verfügungen vom 20. Mai 2019 eintrat und den Rekurrenten
sodann Gelegenheit bot, ihre Begründung bis am 1. Juli 2019 zu ergänzen (Schreiben vom
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19.6.2019, pag. 238). Nachdem die Rekurrenten davon mit Schreiben vom 28. Juni 2019
(pag. 235) Gebrauch gemacht hatten, sandte die Steuerverwaltung am 1. Juli 2019 beiden
Rekurrenten je einen Vorabdruck der geplanten Einspracheentscheide zu (pag. 211 ff.) und
gewährte ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme. Diese blieb ungenutzt, weshalb die
Steuerverwaltung am 3. September 2019 die mit dem Vorabdruck übereinstimmenden
Einspracheentscheide eröffnete. Im Verlauf des Einspracheverfahrens erhielten die
Rekurrenten somit ausreichend Gelegenheit, ihre Eingabe zu ergänzen und sich zum
Sachverhalt zu äussern. Es ist fraglich, inwieweit eine allfällige unrichtige Anwendung der
gesetzlichen Bestimmungen bezüglich Einsprachefrist durch die Steuerverwaltung für das
vorliegende Rekursverfahren von Bedeutung ist bzw. ob die Rekurrenten diesbezüglich
überhaupt ein schutzwürdiges Interesse haben, das für ein Eintreten auf das entsprechende
Rechtsbegehren vorausgesetzt wird.
2.3.2 Angesichts der eindeutigen Sach- und Rechtslage kann diese Frage indes offenbleiben und es ist festzuhalten, dass die Steuerverwaltung die gesetzlichen Bestimmungen betreffend
Einsprachefrist korrekt angewendet hat: Eine Einsprache ist innert 30 Tagen seit der Eröffnung
der Verfügung einzureichen (Art. 190 Abs. 1 StG). Es existiert keine gesetzliche Bestimmung,
wonach bei gleichzeitig eröffneten Veranlagungsverfügungen für mehrere Steuerperioden die
Einsprachefristen zu kumulieren wären. Die Rechtsmittelfrist beginnt am Tag nach der
Eröffnung zu laufen (Art. 151 StG i.V.m. Art. 41 Abs. 1 VRPG). Ein Entscheid gilt als eröffnet,
wenn der Adressat ihn tatsächlich in Empfang nimmt oder wenn er in dessen
Herrschaftsbereich gelangt und zur Kenntnis genommen werden kann
(Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege im
Kanton Bern, 1997, N. 2 zu Art. 44 VRPG). Vorliegend datieren die Veranlagungsverfügungen
vom 20. Mai 2019. Sie sind einige Tage vor diesem Datum mit gewöhnlicher Post an beide
Ehegatten versandt worden, wobei sich das gemäss Art. 159 Abs. 3 StG erforderliche
inländische Zustelldomizil des Rekurrenten an der Adresse der Rekurrentin befand (siehe
entsprechende Vollmacht vom 20.7.2018, pag. 233). Hinweise auf eine verspätete Zustellung
existieren nicht. Die Einsprachefrist wäre demnach am 20. Juni 2019 abgelaufen. Die vom
Rekurrenten geltend gemachte Auslandabwesenheit bis am 12. Juni 2019 hätte unter den
gegebenen Umständen aus mehreren Gründen keine Wiederherstellung der Frist im Sinn von
Art. 161 Abs. 3 StG bewirken können.
3. Das eigentliche Rechtsbegehren der Rekurrenten betrifft den Vermögenssteuerwert der von ihnen gehaltenen Aktien der C._ AG. Sie machen geltend, dass seit dem
Steuerjahr 2008 der zuvor gewährte Pauschalabzug für Minderheitsanteile gestrichen worden
sei. Zur Begründung habe die Steuerverwaltung damals vorgebracht, dass die
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Beteiligungsquoten von Ehegatten zu addieren und gemeinsam zu bewerten seien, denn sie
beträfen das gleiche Steuersubjekt. Diese Begründung sei für die hier zu beurteilenden
Steuerjahre 2014, 2015 und 2016 nicht mehr haltbar, weil die Steuerverwaltung die
Rekurrenten getrennt veranlagt habe. Dabei handle es sich um eine "Subjektaufteilung", die zur
Folge habe, dass sowohl der Rekurrent als auch die Rekurrentin ein eigenes Steuersubjekt
darstellten (Rekursschrift vom 8.9.2019).
3.1 Soweit das Steuergesetz keine abweichenden Bestimmungen enthält, wird das Vermögen zum Verkehrswert bewertet (Art. 48 StG). Für Wertpapiere des Privatvermögens ohne
regelmässige Kursnotierung existiert indes eine Sondernorm in Art. 49 Abs. 2 StG: Diese
werden nach dem sogenannten inneren Wert bewertet. Der innere Wert wird in der Praxis
anhand des Kreisschreibens Nr. 28 vom 28. August 2008 der Schweizerischen Steuerkonferenz
bestimmt ("Wegleitung zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert für die
Vermögenssteuer", abrufbar unter: <https://www.steuerkonferenz.ch>, Menü: "Dokumente >
Kreisschreiben" [besucht am 11.9.2020], im Folgenden: Kreisschreiben 28). Das
Kreisschreiben 28 bezweckt eine in der Schweiz einheitliche Bewertung von Wertpapieren, die
an keiner Börse gehandelt werden (RZ 1 Abs. 1). Dem beschränkten Einfluss des Inhabers
einer Minderheitsbeteiligung auf die Geschäftsleitung und auf die Beschlüsse der
Generalversammlung sowie der eingeschränkten Übertragbarkeit von Gesellschaftsanteilen
wird mit einem Pauschalabzug auf dem errechneten inneren Wert Rechnung getragen (RZ 61
Abs. 1). Der Pauschalabzug beträgt 30 % und wird in der Regel für Beteiligungen bis und mit
50 % des Gesellschaftskapitals gewährt (RZ 61 Abs. 3 und RZ 62 Abs. 1). Laut dem ebenfalls
von der Schweizerischen Steuerkonferenz gleichenorts veröffentlichten Kommentar zum
Kreisschreiben 28 sind die Beteiligungsquoten von gemeinsam besteuerten Ehegatten
zusammenzuzählen (Kommentar zu Kreisschreiben 28, Version 2019, S. 76).
3.2 Die Rekurrenten hielten gemäss Steuererklärungen in den Jahren 2014 bis 2016 durchgehend insgesamt 35 von 50 Aktien an der C._ AG, was einem Anteil von 70 %
entspricht. Davon entfallen 25 Aktien (50 % des Aktienkapitals) auf den Rekurrenten und 10
Aktien (20 % des Aktienkapitals) auf die Rekurrentin (pro 2014: pag. 274; pro 2015: pag. 176;
pro 2016: pag. 80). Die Rekurrenten bringen sinngemäss vor, dass sie aufgrund der von der
Steuerverwaltung vorgenommenen Steueraufteilung zwei verschiedene Steuersubjekte
verkörpern und folglich nicht als "gemeinsam besteuerte Ehegatten" betrachtet werden dürften.
Zwar trifft es zu, dass Ehegatten zwei verschiedene Steuersubjekte darstellen, die beide
gleichberechtigt und selbstständig handeln können. Dies gilt freilich für alle verheirateten
steuerpflichtigen Personen, mithin auch für solche, die in rechtlich und tatsächlich ungetrennter
Ehe leben (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 8 zu Art. 9 sowie N. 2 zu Art. 113
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DBG; siehe auch E. 2.2 hiervor). So betrachtet war die von der Steuerverwaltung bei der
Veranlagung pro 2008 gewählte Formulierung, wonach nunmehr ein gemeinsames
Steuersubjekt vorliege, unpräzis (siehe Rekursbeilage 3). Dies hat freilich nichts mit der Frage
zu tun, ob Ehegatten gemeinsam oder getrennt veranlagt bzw. besteuert werden. Wie sich aus
E. 2.1 hiervor ergibt, sind die Rekurrenten für die Steuerjahre 2014 bis 2016 (und auch für das
hier nicht zu beurteilende Steuerjahr 2017) aufgrund des erst per 31. Juli 2018 aufgelösten
gemeinsamen Haushalts gemeinsam zu veranlagen. Dass die aufgrund der addierten
Einkommen und Vermögenswerte festgesetzten Steuern auf beide Ehegatten aufgeteilt werden,
hat – wie ebenfalls in E. 2.1 bereits ausgeführt – nichts mit der eigentlichen Veranlagung zu tun,
sondern mit dem Wegfall der gemeinsamen und solidarischen Haftung beider Ehegatten für den
gesamten Steuerbetrag. Nach den Bestimmungen des Kreisschreibens 28 haben die
Rekurrenten für die Steuerjahre 2014 bis 2016 demnach keinen Anspruch auf einen
Pauschalabzug infolge Minderheitsbeteiligung.
3.3 Die Rekurrenten machen in ihrer Stellungnahme vom 18. Oktober 2019 geltend, dass das Kreisschreiben 28 nicht rechtsverbindlich sei, sondern lediglich eine Wegleitung darstelle.
Tatsächlich handelt es sich beim Kreisschreiben 28 um eine sogenannte
Verwaltungsverordnung, die sich vorab an die Steuerbehörden richtet. Gegenüber den
steuerpflichtigen Personen und Gerichten stellen Verwaltungsverordnungen
rechtsunverbindliche Äusserungen der Verwaltung über die Auslegung und Anwendung der
einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen dar. Allerdings weichen die Gerichte nicht ohne
triftigen Grund von einer Verwaltungsverordnung ab, sofern diese eine dem Einzelfall
angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen
zulässt. Auf diese Weise nehmen die Gerichte das Anliegen der Verwaltung auf, anhand
interner Weisungen einen rechtsgleichen, einheitlichen und sachgemässen Vollzug der
massgebenden Rechtssätze herbeizuführen (vgl. BGer 2C_375/2015 vom 1.12.2015, E. 3.2;
BGer 2C_264/2014 vom 17.8.2015, E. 2.4 mit Hinweisen). Das hier zur Diskussion stehende
Kreisschreiben 28 gilt nach langjähriger Praxis des Bundesgerichts als zuverlässige Grundlage
zur Bestimmung des Verkehrswerts nichtkotierter Aktien und wird auch von der Lehre anerkannt
(BGer 2C_504/2009 vom 15.4.2010, E. 3.3 mit Hinweisen). Vorliegend ist nicht ansatzweise zu
erkennen, weshalb die im Kreisschreiben 28 (bzw. dem Kommentar dazu) enthaltene Regelung
bezüglich Addition von Anteilen gemeinsam besteuerter Ehegatten für die Gewährung oder
Nichtgewährung des Pauschalabzugs für Minderheitsbeteiligungen sachwidrig oder
unangemessen wäre. Hinzu kommt, dass sich die rechtliche Grundlage für den von den
Rekurrenten beanspruchten Pauschalabzug ebenfalls aus dem Kreisschreiben 28 ergibt;
weshalb dieses konsequenterweise auch für dessen Anwendbarkeit im Einzelfall heranzuziehen
ist.
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3.4 Irrelevant ist schliesslich das vom Rekurrenten in der Stellungnahme vom 18. Oktober 2019 vorgebrachte Argument, wonach er als "Geschäftsführer und 50 %-Teilhaber" keinen
beherrschenden und massgeblichen Einfluss auf die Geschäftstätigkeit der C._ AG
ausüben könne, weil die Steuerverwaltung bei deren Veranlagung verbuchte Löhne teilweise in
Gewinnausschüttungen umqualifiziert habe. Die (hier nicht zu beurteilenden) Aufrechnungen
bei der Veranlagung der C._ AG haben offensichtlich nichts mit dem Pauschalabzug
für Minderheitsbeteiligungen zu tun. Im Ergebnis sind Rekurse pro 2014, 2015 und 2016, soweit
sie den Vermögenssteuerwert der Beteiligung an der C._ AG betreffen, abzuweisen.
4. Mit vom 22. Mai 2020 datierten und an die Steuerverwaltung adressierten Schreiben beantragen die Rekurrenten u.a., dass für ihre Liegenschaft E._ Gbbl. Nr. 1._
in den Veranlagungen der Steuerjahre 2014 bis 2018 ein tieferer amtlicher Wert sowie ein
tieferer Eigenmietwert festgesetzt werde. Die Rekurrenten machen geltend, dass es gemäss
einem Urteil des Bundesgerichts unzulässig sei, ihre Photovoltaik-Anlage im amtlichen Wert
und im Eigenmietwert zu berücksichtigen. Soweit die kantonalen Steuern pro 2014 bis 2016
betroffen sind, ist die Steuerrekurskommission grundsätzlich für die Beurteilung dieser Anträge
zuständig (sogenannter "Devolutiveffekt", vgl. Silvia Hunziker in: Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und Gemeinden [StHG], 3. Aufl., 2017, N. 6a zu Art. 50 StHG). Allerdings ist es nicht
Aufgabe der ersten verwaltungsunabhängigen Justizinstanz, sich erstmals fundiert mit einem
Sachverhalt auseinanderzusetzen. Weil die amtliche Bewertung und der Eigenmietwert im
Veranlagungs- und Einspracheverfahren kein Thema waren und die Sache diesbezüglich nicht
spruchreif ist, wird die Angelegenheit zur Fortsetzung des Einspracheverfahrens betreffend
amtlicher Wert und Eigenmietwert an die Steuerverwaltung zurückgewiesen.
5. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Rekurrenten kostenpflichtig. Sie haben die gesamten Verfahrenskosten zu tragen einschliesslich allfälliger Auslagen für Gutachten
oder andere externe Kosten (Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2, 53, 58 und 59 des Dekrets
vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die Verwaltungsgebühren der
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]).
Die Verfahrenskosten, festgesetzt auf CHF 1'000.--, werden mit dem geleisteten
Kostenvorschuss verrechnet.
Da die Rekurrenten im vorliegenden Fall unterliegen, werden keine Parteikosten gesprochen
(Art. 200 Abs. 4 StG).
6. Rückweisungsentscheide gelten nach der Regelung des geltenden Verfahrensrechts des Kantons Bern als Zwischenentscheide. Dies gilt namentlich auch dann, wenn – wie vorliegend –
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für ein und dasselbe Steuerjahr bezüglich einzelner Aspekte des Streitfalls entschieden,
bezüglich anderer zur weiteren Abklärung und neuen Veranlagung zurückgewiesen wird (VGE
100 2019 50/51 vom 9.7.2020, E. 1.2 mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung). Zwischenentscheide können unter den Voraussetzungen von Art. 74 Abs. 1
und 3 i.V.m. Art. 61 Abs. 3 und 4 VRPG mit dem in der Hauptsache offenstehenden
Rechtsmittel, hier mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht des Kantons Bern,
selbstständig angefochten werden (statt vieler VGE 100 2019 131/132 vom 18.7.2019, E. 1.3).