# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1dfc3784-71f3-4494-bbd9-651fd89a5a37
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
A. Am 3. Mai 2013 ging bei der Kantonspolizei Basel-Stadt eine Meldung ein,
wonach die Lehrtochter A. ihrer Chefin gegenüber gesagt habe, sie sei in
der Vergangenheit zuhause durch ihren Stiefvater B. vergewaltigt worden
und dieser würde sie nun bedrohen (Akten BS, pag. 41 f.). Am 21. Oktober
2013 wurde A. durch die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt zur Sache einver-
nommen (Akten BS, pag. 54 ff.).
B. Auf Grund der von A. gemachten Angaben zu verschiedenen Vorfällen und
zu den Orten des jeweiligen Geschehens ersuchte die Staatsanwaltschaft
Basel-Stadt am 24. Oktober 2013 die Staatsanwaltschaft Zürich – Limmat
um Übernahme des Strafverfahrens (Akten BS, pag. 17). Dieses Ersuchen
wurde am 31. Oktober 2013 abgewiesen (Akten BS, pag. 18 f.). In der Fol-
ge ersuchte die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt die Staatsanwaltschaft des
Kantons Solothurn erfolglos um Übernahme des Verfahrens (Akten BS,
pag. 20 ff.). Nachdem die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt von der Staats-
anwaltschaft Zürich – Limmat und der Staatsanwaltschaft des Kantons So-
lothurn nochmals je eine negative Antwort auf entsprechende Gerichts-
standsanfragen erhalten hatte (Akten BS, pag. 23 ff.), ersuchte sie am
27. Januar 2014 die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Solothurn um
Prüfung des Gerichtsstandes (Akten BS, pag. 32a). Letztere teilte am
24. Februar 2014 mit, die Zuständigkeit des Kantons Solothurn nicht aner-
kennen zu können (Akten BS, pag. 33 f.). Auch die entsprechende, am
26. Februar 2014 an die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich ge-
richtete Anfrage (Akten BS, pag. 35) wurde mit Schreiben vom 25. März
2014 abschlägig beantwortet (Akten BS, pag. 36 f.).
C. Mit Gesuch vom 26. März 2014 gelangte die Staatsanwaltschaft Basel-
Stadt an die Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts. Sie beantragt,
es seien die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Solothurn, eventualiter
diejenigen des Kantons Zürich, zur Strafverfolgung des B. für zuständig zu
erklären (act. 1).
Die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich beantragt in ihrer Ge-
suchsantwort vom 3. April 2014, es seien die Strafverfolgungsbehörden
des Kantons Solothurn zur Verfolgung und Beurteilung der dem Beschul-
digten vorgeworfenen Straftaten für berechtigt und verpflichtet zu erklären
(act. 3). Die Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn schliesst in ihrer
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Gesuchsantwort vom 8. April 2014 auf Abweisung des Hauptantrags der
Staatsanwaltschaft Basel-Stadt (act. 4). Die Gesuchsantworten wurden den
Parteien am 10. April 2014 wechselseitig zur Kenntnis gebracht (act. 5).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, so-
weit erforderlich, in den folgenden rechtlichen Erwägungen Bezug genom-
men.

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Die Strafbehörden prüfen ihre Zuständigkeit von Amtes wegen und leiten
einen Fall wenn nötig der zuständigen Stelle weiter (Art. 39 Abs. 1 StPO).
Erscheinen mehrere Strafbehörden als örtlich zuständig, so informieren
sich die beteiligten Staatsanwaltschaften unverzüglich über die wesentli-
chen Elemente des Falles und bemühen sich um eine möglichst rasche Ei-
nigung (Art. 39 Abs. 2 StPO). Können sich die Strafverfolgungsbehörden
verschiedener Kantone über den Gerichtsstand nicht einigen, so unterbrei-
tet die Staatsanwaltschaft des Kantons, der zuerst mit der Sache befasst
war, die Frage unverzüglich, in jedem Fall vor der Anklageerhebung, der
Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts zum Entscheid (Art. 40
Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 37 Abs. 1 StBOG). Hinsichtlich der Frist, innerhalb
welcher die ersuchende Behörde ihr Gesuch einzureichen hat, ist im Nor-
malfall die Frist von zehn Tagen gemäss Art. 396 Abs. 1 StPO analog an-
zuwenden (vgl. hierzu u. a. TPF 2011 94 E. 2.2). Die Behörden, welche be-
rechtigt sind, ihren Kanton im Meinungsaustausch und im Verfahren vor der
Beschwerdekammer zu vertreten, bestimmen sich nach dem jeweiligen
kantonalen Recht (Art. 14 Abs. 4 StPO).
1.2 Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt ist berechtigt, den Gesuchsteller bei in-
terkantonalen Gerichtsstandskonflikten vor der Beschwerdekammer zu ver-
treten (Art. 40 Abs. 2 StPO i.V.m. § 49 Abs. 2 des Gesetzes betreffend
Wahl und Organisation der Gerichte sowie der Arbeitsverhältnisse des Ge-
richtspersonals und der Staatsanwaltschaft des Kantons Basel-Stadt vom
27. Juni 1895 [Gerichtsorganisationsgesetz, GOG/BS; SG 154.100]). Auf
Seiten der Gesuchsgegner steht diese Befugnis dem Oberstaatsanwalt des
Kantons Solothurn (§ 73 Abs. 1 des Gesetzes über die Gerichtsorganisati-
on des Kantons Solothurn vom 13. März 1977 [GO/SO; BGS 125.12]) und
der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich zu (§ 107 Abs. 1 lit. b des
Gesetzes über die Gerichts- und Behördenorganisation im Zivil- und Straf-
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prozess des Kantons Zürich vom 10. Mai 2010 [GOG/ZH; LS 211.1]). Die
übrigen Eintretensvoraussetzungen geben zu keinen weiteren Bemerkun-
gen Anlass, weshalb auf das Gesuch einzutreten ist.
2.
2.1 Hat eine beschuldigte Person mehrere Straftaten an verschiedenen Orten
verübt, so sind für die Verfolgung und Beurteilung sämtlicher Taten die Be-
hörden des Ortes zuständig, an dem die mit der schwersten Strafe bedroh-
te Tat begangen worden ist. Bei gleicher Strafdrohung sind die Behörden
des Ortes zuständig, an dem zuerst Verfolgungshandlungen vorgenommen
worden sind (Art. 34 Abs. 1 StPO).
Die Beurteilung der Gerichtsstandsfrage richtet sich nach der aktuellen
Verdachtslage. Massgeblich ist nicht, was dem Beschuldigten letztlich
nachgewiesen werden kann, sondern der Tatbestand, der Gegenstand der
Untersuchung bildet, es sei denn, dieser erweise sich von vornherein als
haltlos oder sei sicher ausgeschlossen. Der Gerichtsstand bestimmt sich
also nicht nach dem, was der Täter begangen hat, sondern nach dem, was
ihm vorgeworfen wird, das heisst, was aufgrund der Aktenlage überhaupt in
Frage kommt. Dabei stützt sich die Beschwerdekammer auf Fakten, nicht
auf Hypothesen. Es gilt der Grundsatz in dubio pro duriore, wonach im
Zweifelsfall auf den für den Beschuldigten ungünstigeren Sachverhalt ab-
zustellen bzw. das schwerere Delikt anzunehmen ist (vgl. zuletzt u. a. die
Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BG.2014.6 vom 21. März 2014, E. 2.4;
BG.2013.18 vom 20. August 2013, E. 2.1; BG.2013.15 vom 27. Juni 2013,
E. 2; jeweils m.w.H.).
2.2
2.2.1 Hauptgegenstand der Untersuchung bildet eine Reihe von Delikten gegen
die sexuelle Integrität, welche der Beschuldigte B. zum Nachteil von A. ver-
übt haben soll. Zwischen den Parteien ist insbesondere die rechtliche Qua-
lifikation eines Vorfalls, der sich im Jahr 2010 in Z. (Kanton Solothurn) er-
eignet haben soll, umstritten. Der Gesuchsteller sieht darin zusammen mit
dem Gesuchsgegner 2 eine gegenüber den anderen Vorfällen mit schwere-
rer Strafe bedrohte Vergewaltigung bzw. Schändung. Der Gesuchsgegner
1 hält demgegenüber dafür, dass die sich zeitlich vorher im Kanton Zürich
ereigneten Vorfälle als sexuelle Nötigungen zu qualifizieren seien, weshalb
diese mit gleicher Strafe bedroht seien wie eine allfällige Schändung.
2.2.2 Hinsichtlich des Vorfalls in Z. können den bisher vorliegenden Akten ledig-
lich die Aussagen der Geschädigten A. entnommen werden (Akten BS,
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pag. 57 f.). Demzufolge habe der Beschuldigte B. ihr verschiedene Schlaf-
tabletten verabreicht. Sie sei um 22 Uhr ins Bett gegangen und habe bis
10 Uhr morgens geschlafen. Zum Sexualdelikt selbst führte sie aus: "Also
ich war kurz wach. Er kam zu mir. Er umarmte mich, ich weiss bis heute
nicht, was er alles genau mit mir gemacht hat." Angesprochen auf den Vor-
halt, sie habe ihrer Chefin vor mehreren Monaten gesagt, sie sei von ihrem
Stiefvater vor einiger Zeit vergewaltigt worden, führte A. aus: "Ja, also ich
weiss nicht, ich habe Frau C. gesagt, ich sei sexuell belästigt worden und
quasi wie vergewaltigt. Aber das weiss ich doch nicht, ich habe ja Tabletten
eingenommen und geschlafen, ich weiss nicht, was er alles gemacht hat,
also ich weiss nicht, ob er mich vergewaltigt hat. Es war, als ich 16 Jahre
alt war". Vorgängig beschuldigte A. B., er habe schon zwischen ihrem
9. und ihrem 13. Lebensjahr im Kanton Zürich an ihr sexuelle Handlungen
verübt (Akten BS, pag. 55).
2.2.3 Der sexuellen Nötigung macht sich schuldig, wer eine Person zur Duldung
einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Handlung nötigt,
namentlich indem er sie bedroht, Gewalt anwendet, sie unter psychischen
Druck setzt oder zum Widerstand unfähig macht (Art. 189 Abs. 1 StGB).
Nach Art. 190 Abs. 1 StGB wird wegen Vergewaltigung bestraft, wer eine
Person weiblichen Geschlechts zur Duldung des Beischlafs nötigt. Einer
Schändung macht sich hingegen schuldig, wer eine urteilsunfähige oder ei-
ne zum Widerstand unfähige Person in Kenntnis ihres Zustandes zum Bei-
schlaf, zu einer beischlafsähnlichen oder einer anderen sexuellen Hand-
lung missbraucht (Art. 191 StGB).
2.2.4 Hinsichtlich des im Vordergrund stehenden Vorfalls ist für die Bestimmung
des Gerichtsstandes auszugehen, dass B. sein weibliches Opfer durch Ve-
rabreichen von Medikamenten zum Widerstand unfähig gemacht hat. Un-
klar bleibt auf Grund der aktuellen Lage, ob er dadurch das Opfer zur Dul-
dung des Beischlafs nötigte. Als Beischlaf im Sinne von Art. 190 Abs. 1
StGB gilt die naturgemässe Vereinigung der Geschlechtsteile, wobei es
unerheblich ist, wieweit das männliche Glied in den weiblichen Ge-
schlechtsteil eindringt und ob der Same in die Scheide ausgestossen wird
(BGE 99 IV 151 E. 1 S. 152 f.). Daran, ob es zum Beischlaf gekommen ist,
kann sich A. auf Grund ihrer damaligen Betäubung nicht erinnern. Sie sei
nur kurz wach gewesen. Diesbezüglich könne sie sich daran erinnern, dass
B. zu ihr gekommen sei und sie umarmt habe. Was er aber alles genau mit
ihr gemacht habe, wisse sie bis heute nicht. Immerhin aber hielt sie Bezug
nehmend auf diesen Vorfall ebenso fest, sie sei sexuell belästigt und quasi
wie vergewaltigt worden. Dass diese ersten Aussagen alleine für eine Ver-
urteilung wegen Vergewaltigung am Ende des Verfahrens nicht ausreichen,
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ändert nichts daran, dass bei der Festlegung des Gerichtsstandes ent-
scheidet, welche Straftat aufgrund der Aktenlage überhaupt in Frage
kommt. Angesichts der bereits zuvor mehrfach begangenen sexuellen
Handlungen zum Nachteil von A. kann im Sinne des hier anzuwendenden
Grundsatzes in dubio pro duriore demnach nicht ausgeschlossen werden,
dass es bei jenem Vorfall in Z. zu einer Vergewaltigung im Sinne von
Art. 190 Abs. 1 StGB gekommen ist. Da dieser Vorwurf die mit der
schwersten Strafe bedrohte Tat darstellt, liegt der gesetzliche Gerichts-
stand vorliegend im Kanton Solothurn (Art. 34 Abs. 1 StPO).
3. Ein Abweichen vom gesetzlichen Gerichtsstand drängt sich nicht auf. Das
Gesuch erweist sich daher als begründet und es sind die Strafbehörden
des Gesuchsgegners 1 für berechtigt und verpflichtet zu erklären, die B. zur
Last gelegten Delikte zu verfolgen und zu beurteilen.
4. Es sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art. 423 Abs. 1 StPO).
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