# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 62327413-cc9e-588f-b0db-962bb99e36da
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 31. August 2017 bei der Gemeinde Sigriswil ein
Baugesuch ein für den Umbau und die Sanierung von zwei zusammengebauten
Wohnhäusern (D._weg Nr. 9 und Nr. 11) in Aeschlen ob Gunten. Die Wohnhäuser
befinden sich auf den Parzellen Sigriswil Grundbuchblatt Nr. E._ und
Nr. F._. Diese liegen in der Kernzone K2, die der Lärmempfindlichkeitsstufe III (ES
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III) zugeordnet ist.1 Die Wohnhäuser befinden sich zudem im Perimeter des
Ortsbilderhaltungsgebiets. Der Beschwerdegegner plant, die bestehenden Wohnhäuser
umzubauen und zu sanieren. Das Bauvorhaben umfasst nach den Baugesuchsunterlagen
unter anderem folgende Gegenstände: Umnutzung des Estrichs in Wohnraum,
energietechnische Sanierung der Gebäudehülle (Fassaden, Fenster, Dach, Boden),
Umbau und Sanierung der Nasszellen, Montage von Solarmodulen für eine
Photovoltaikanlage über der west- und ostseitigen Dacheindeckung, Einbau von drei
Dachflächenfenstern, Installation einer aussen aufgestellten Luft-Wasser-Wärmepumpe
anstelle einer Stückholzheizung. Gegen das Bauvorhaben erhoben die
Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 15. Oktober 2017 Einsprache.
2. Im Verlauf des Baubewilligungsverfahrens reichte der Beschwerdegegner der
Gemeinde das Meldeformular für baubewilligungsfreie Solaranlagen sowie überarbeitete
Projektpläne ein. Mit Entscheid vom 27. Februar 2018 erteilte die Gemeinde Sigriswil für
das Vorhaben die Baubewilligung.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 7. April 2018
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen:
"- die Baubewilligung bzgl. der Wärmepumpe aufzuheben und für das geplante Projekt der
Wärmepumpe den Bauabschlag zu erteilen,
- die im Bauentscheid unter C.4. getroffene nichtzutreffende Feststellung für die Parzellen
E._ (Haus 9) und F._ (Haus 11), "dass die drei ausgewiesenen offenen
und altrechtlich bewilligten Parkplätze innerhalb der Bandbreite von 2 bis 7 Parkplätzen
nach Art. 49ff. BauV liegen", aufzuheben und für die nicht mit Parkplätzen ausgestattete
Parzelle F._ (Haus 11) mit den beiden Wohnungen im EG und OG / DG als
Auflage gemäss BauV dementsprechend die Einrichtung von Parkplätzen einzufordern,
- die im Bauentscheid getroffene nichtzutreffende Feststellung, dass die
Photovoltaikanlage den kantonalen Richtlinien entsprechen würde, aufzuheben und die
Vorlage einer verbesserten Planung für die Photovoltaikanlage, unter Berücksichtigung
der örtlichen Begebenheiten, ohne die derzeitige erhebliche Blendwirkung sowie mit
1 Vgl. Art. 40 Abs. 1 des Baureglements der Einwohnergemeinde Sigriswil vom 22. Juni 1996 (genehmigt durch das AGR am 20. April 1998)
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einer verbesserten Integration der Photovoltaikanlage in das hellrot geziegelte Ostdach
und des Ostdaches mit der Photovoltaikanlage in die Umgebung /
Ortsbilderhaltungsgebiet, einzufordern."
Die Beschwerdeführenden erheben diverse formelle und materielle Rügen. Unter anderem
rügen sie die Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör und kritisieren das
Vorgehen der Gemeinde während des Baubewilligungsverfahrens. Sie befürchten, die
geplante Luft-Wasser-Wärmepumpe erzeuge störende Lärmimmissionen. Zudem rügen
sie, die Luft-Wasser-Wärmepumpe halte den Strassenabstand nicht ein. Zur bereits
installierten Photovoltaikanlage bringen sie vor, diese sei Bestandteil der angefochtenen
Baubewilligung. Sie beanstanden deren Blendwirkung sowie deren mangelhafte Integration
ins Ortsbild. Ausserdem beanstanden sie, das Bauvorhaben weise zu wenig Abstellplätze
für Motorfahrzeuge aus. Schliesslich bringen sie vor, mit den nachgereichten Projektplänen
sei das Baugesuch in Bezug auf die Parkierung entlang des L._ im Verlauf des
Baubewilligungsverfahrens erweitert worden.
4. Der Beschwerdegegner beantragt die Abweisung der Beschwerde. Auch die
Gemeinde schliesst in ihrer Eingabe vom 9. Mai 2018 sinngemäss auf Abweisung der
Beschwerde.
5. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Gemeinde Sigriswil die Vorakten ein. Danach
führte es im Beisein der Parteien und einer Vertretung des beco einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch. Am Augenschein und mit Schreiben vom 30. Juni 2018
teilte der Beschwerdegegner mit, er beabsichtige neu eine Luft-Wasser-Wärmepumpe des
Typs "MDN30D "des Herstellers I._ statt den ursprünglich geplanten Typ "HM-
S12L-M-C" des Herstellers G._ zu installieren. Diese Änderung behandelte das
Rechtsamt als Projektänderung. Nach dem Augenschein erhielten die
Verfahrensbeteiligten ausserdem Gelegenheit, Vergleichsverhandlungen zu führen, welche
jedoch erfolglos verliefen.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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6. Das Rechtsamt holte beim beco zum geänderten Wärmepumpentyp eine neue
lärmtechnische Beurteilung ein. Zudem holte es bei der Gemeinde Sigirswil die Akten zur
Baubewilligung vom 2. September 2011 für den Bau von drei Parkplätzen auf der Parzelle
Nr. E._ ein. Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zum Protokoll des
Augenscheins und zum Beweisverfahren zu äussern sowie Schlussbemerkungen
einzureichen. Von dieser Möglichkeit sowie dem Recht auf Akteneinsicht machten die
Beschwerdeführenden mehrfach Gebrauch. Auf die Eingaben der Parteien und
vorliegenden Akten wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Fristen, die durch eine Mitteilung ausgelöst werden, beginnen am folgenden Tag zu
laufen (Art. 41 Abs. 1 VRPG4). Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, ein Sonntag oder
ein vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet sie am
nächstfolgenden Werktag (Art. 41 Abs. 2 VRPG).
Der angefochtene Bauentscheid datiert vom 27. Februar 2018. Er wurde am 28. Februar
2018 mit eingeschriebener Post versandt. Die Sendung wurde den Beschwerdeführenden
am 1. März 2018 mit einer siebentägigen Frist, d.h. bis zum 8. März 2018, zur Abholung
gemeldet. Die Beschwerdeführenden holten die Sendung am letzten Tag der Abholfrist am
Schalter bei der Poststelle Sigriswil ab.5 An diesem Tag gilt der Entscheid als zugestellt
(Art. 44 Abs. 3 VRPG). Die dreissigtägige Beschwerdefrist begann demzufolge am 9. März
2018 zu laufen. Da der dreissigste Tag auf den Samstag, 7. März 2018, fiel, endete die
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 5 Vgl. Sendenummer Track and Trace 98.34.109874.00000103
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Rechtsmittelfrist nach Art. 41 Abs. 2 VRPG am nächsten Werktag, d.h. am Montag, 9. April
2018. Die Beschwerdeführenden reichten ihre Beschwerde am 9. April 2018 fristgerecht
bei der BVE ein.
c) Die Beschwerdeführenden werfen der Gemeinde vor, sie habe ihr Recht, den
Bauentscheid anfechten zu können, beschnitten. Die Gemeinde habe in Kenntnis ihrer
Ferienabwesenheit bis zum 11. März 2018 den Versand des Bauentscheids so terminiert,
dass sie vom Bauentscheid nichts hätten erfahren können. Nur weil sie am 8. März 2018
unvorhergesehen aus den Ferien zurückkehrt seien, hätten sie den Bauentscheid bei der
Post am letzten Tag der Abholfrist abholen können. Das Vorgehen der Gemeinde sei
regelwidrig.
Nach dem Gesagten reichten die Beschwerdeführenden ihre Baubeschwerde rechtzeitig
bei der BVE ein. Den Beschwerdeführenden ist im Zusammenhang mit der Zustellung des
angefochtenen Bauentscheids weder ein tatsächlicher noch ein rechtlicher Nachteil
entstanden. Die Beschwerdeführenden vermögen mit ihrer Kritik daher zum vornherein
nichts zu ihren Gunsten abzuleiten.
Im Übrigen sind die Parteien in einem hängigen Verfahren verpflichtet, sich nach Treu und
Glauben zu verhalten. Das heisst unter anderem, dass sie dafür zu sorgen haben, dass
ihnen Verfügungen oder Entscheide zugestellt werden können. Sie sind verpflichtet, ihre
Post entgegenzunehmen oder, falls sie sich nicht an ihrem Wohnsitz aufhalten, dafür zu
sorgen, dass sie ihre Post dennoch erhalten. Das bedeutet insbesondere, dass sie sich die
Post nachsenden lassen, einen Vertreter bestimmen oder eine Benachrichtigungsadresse
mitteilen müssen.6 In den Akten findet sich zwar ein Schreiben der Beschwerdeführenden
vom 17. Februar 2018, worin sie die Gemeinde auf ihre Ferienabwesenheit vom 17.
Februar 2018 bis 11. März 2018 hinweisen. Das reicht nach dem Gesagten nicht: Das
Schreiben enthält weder eine Benachrichtigungsadresse noch eine Vertretung, an die die
Post während der Ferienabwesenheit hätte gesendet werden können. Dazu kommt, dass
das Schreiben den Akten zufolge erst am 19. Februar 2018 und somit verspätet bei der
Gemeinde eintraf. In diesem Zeitpunkt befanden sich die Beschwerdeführenden bereits in
den Ferien. Es war der Gemeinde nicht möglich, die Beschwerdeführenden auf dem
Postweg zu erreichen, um sie um Angabe einer Benachrichtigungsadresse oder einer
6 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 44 N.11; BGE 141 II 429 E. 3.1; 139 IV 228 E. 1.1; 138 III 225 E. 3.1; 130 III 396 E. 1.2.3; je mit Hinweisen
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Vertretung während den Ferien zu bitten. Ein verspäteter Hinweis auf eine
Ferienabwesenheit ohne Angabe einer Benachrichtigungsadresse oder einer Vertretung
stellt keine genügende Massnahme dar, besonders – wenn wie hier – die Parteien
aufgrund des Verfahrensstands bei gebotener Aufmerksamkeit damit rechnen mussten,
dass die Eröffnung eines Entscheids mit fristauslösender Wirkung (30-tägige
Rechtsmittelfrist) kurz bevorsteht. In derartigen Konstellationen darf nach dem Grundsatz
von Treu und Glauben sowie im Interesse der Prozessökonomie von einer Partei erwartet
werden, dass sie die Behörde rechtzeitig über die geplante Ferienabwesenheit informiert,
im Schreiben zumindest eine Benachrichtigungsadresse oder die Angabe einer Vertretung
bezeichnet oder sich die Post nachsenden lässt. Diese Vorkehrungen haben die
Beschwerdeführenden nicht oder nicht rechtzeitig getroffen. Anders zu entscheiden würde
bedeuten, dass eine Partei die Verfahrensdauer mittels Ferien- und Auslandabwesenheiten
beliebig beeinflussen könnte. Das wäre mit den zentralen Verfahrensrechten von Art. 29
Abs. 1 BV7, die Anspruch auf ein faires Verfahren gewähren, nicht mehr vereinbar.
Unbehelflich erweist sich nach dem Gesagten die Argumentation der
Beschwerdeführenden, im Zeitpunkt ihres Schreibens vom 17. Februar 2018 hätten für sie
keinerlei Fristen zur Bearbeitung bestanden. Es kann somit der Gemeinde Sigriswil kein
treuwidriges Verhalten vorgeworfen werden, wenn sie den angefochtenen Entscheid an die
ihr bekannte Zustelladresse der Beschwerdeführenden sandte.
d) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2
BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde, sind als direkte
Nachbarn durch den vorinstanzlichen Bauentscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
grundsätzlich einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Im Beschwerdeverfahren sind der Sachentscheid wie auch das Verfahren
grundsätzlich auf den Streitgegenstand begrenzt. Zur Bestimmung des Streitgegenstands
ist vom angefochtenen Bauentscheid, dem sogenannten Anfechtungsobjekt, auszugehen.
7 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101)
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Der Streitgegenstand braucht sich mit dem Anfechtungsobjekt nicht zu decken, doch gibt
dieses den Rahmen des Streitgegenstands vor. Innerhalb dieses Rahmens bezeichnen die
Parteien den Streitgegenstand in ihren Rechtsmitteleingaben. Ausgangspunkt zur
Beantwortung der Frage, was behördlicher Überprüfung bedarf, sind gestützt auf das
Rügeprinzip die Rechtsbegehren der beschwerdeführenden Partei. Diese müssen im
Zusammenhang mit der Begründung und den darin enthaltenen Rügen gelesen werden.
Als Rügen gelten die Einwände (Sachbehauptungen) gegen die vorinstanzliche
Beurteilung. Mit ihren Rügen legt die beschwerdeführende Partei somit fest, in welcher
Richtung und inwieweit sie das streitige Rechtsverhältnis überprüfen lassen will.8
b) Anfechtungsobjekt ist im vorliegenden Fall die Baubewilligung der Gemeinde Sigris-
wil vom 27. Februar 2018 für den Umbau und die Sanierung der Wohnhäuser
D._weg Nr. 9 und Nr. 11 auf den Parzellen Nr. E._ und Nr. F._.
Die Bewilligung umfasst in erster Linie die Umnutzung des Estrichs zu Wohnraum, die
energietechnische Sanierung der Gebäudehülle (Fassaden, Fenster, Dach, Boden),
Fassadenanpassungen, den Umbau und die Sanierung der Nasszellen, den Einbau von
drei Dachflächenfenstern und die Installation einer aussen aufgestellten Luft-Wasser-
Wärmepumpe anstelle einer Stückholzheizung.
c) Strittig ist zunächst, ob die Photovoltaikanlage Bestandteil der angefochtenen
Baubewilligung ist (vgl. Erwägung 4). Umstritten sind zudem die Wärmepumpe auf der
Parzelle Nr. E._ sowie die Parkierung. Die übrigen Änderungen an den
Wohnhäusern D._weg Nr. 9 und Nr. 11, namentlich die Umnutzung des Estrichs
zu Wohnraum, die energietechnische Sanierung der Gebäudehülle (Fassaden, Fenster,
Dach, Boden), die Fassadenanpassungen sowie der Umbau und die Sanierung der
Nasszellen, sind nicht bestritten. Diese Gegenstände sind folglich nicht Thema des
Beschwerdeverfahrens. Insoweit ist der Entscheid der Gemeinde Sigriswil vom 27. Februar
2018 in Rechtskraft erwachsen. Das wird im Dispositiv dieses Entscheids der Klarheit
halber festgestellt.
d) Die Beschwerdeführenden thematisieren in ihrer Beschwerde neben den genannten
Anlagen eine Wärmepumpe, die auf der Parzelle Nr. 1605 (D._weg Nr. 13) steht.
Diese Wärmepumpe hat keinen Zusammenhang zum vorliegenden Bauprojekt. Dieser
8 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 25 N. 13 f., Art. 72 N. 7
RA Nr. 110/2018/54 8
Rügepunkt geht über den Streitgegenstand hinaus; darauf wird nicht eingetreten. Weiter
thematisieren die Beschwerdeführenden den in ihrem Eigentum stehenden
Garagenvorplatz. Sie stören sich daran, dass dieser ohne ihre Erlaubnis durch Dritte als
Ausweichstelle und Abstellplatz genutzt wird. Auch dieser Rügepunkt geht über den
Verfahrensgegenstand hinaus, da der Garagenvorplatz nicht Bestandteil des Baugesuchs
ist. Im Übrigen hat die Abwehr von Besitzstörungen ohnehin auf dem zivilrechtlichen Weg
und nicht im Verwaltungsjustizverfahren zu erfolgen. Nicht beurteilt werden in
Verwaltungsjustizverfahren schliesslich strafrechtliche Fragestellungen. Die Zuständigkeit
hierfür obliegt den Strafgerichten bzw. der Staatsanwaltschaft. Soweit die
Beschwerdeführenden in ihren Eingaben vorbringen, es lägen strafrechtlich relevante
Handlungen vor, kann auf die Beschwerde ebenfalls nicht eingetreten werden.
3. Rechtliches Gehör
a) Zunächst kritisieren die Beschwerdeführenden, ihnen seien die im Dispositiv des
Bauentscheids vom 27. Februar 2018 genannten Pläne mit Datum vom 27. Februar 2018
weder vor noch mit dem Bauentscheid zur Beurteilung und Stellungnahme zugestellt
worden. Zudem bemängeln die Beschwerdeführenden, der Lärmschutznachweis der
Wärmepumpe vom 2. September 2017 sowie der Bericht des beco vom 26. September
2017 seien ihnen erst zusammen mit dem Bauentscheid zugestellt worden. Damit rügen
die Beschwerdeführenden die Verletzung ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern. Er umfasst insbesondere auch das Recht der Parteien, von jedem eingereichten
Aktenstück Kenntnis zu nehmen und sich dazu äussern zu können, und zwar unabhängig
davon, ob dieses Aktenstück neue Tatsachen oder Argumente enthält.9
c) Soweit die Beschwerdeführenden vorbringen, ihnen seien die Pläne mit Datum vom
27. Februar 2018 nicht zugestellt worden, kann ihrer Kritik nicht gefolgt werden. Vorliegend
9 BGE 133 I 100, Regeste und E. 4.3 ff.
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stempelte die Gemeinde die Pläne am 27. Februar 2018, dem Datum des Bauentscheids,
ab. Es ist aktenkundig, dass die Beschwerdeführenden diese Pläne vor dem Bauentscheid
zur Kenntnis erhielten.10 Das geht einerseits aus der verfahrensleitenden Verfügung der
Gemeinde vom 20. November 2017 und andererseits aus der E-Mail vom 1. Dezember
2017 der Gemeinde an den Beschwerdeführer 2 hervor. Auch erhielten die
Beschwerdeführenden Gelegenheit, sich zu diesen Plänen zu äussern. So bezogen sich
die Beschwerdeführenden in ihrem Schreiben "Aufrechterhaltung der Einsprache" vom
8. Dezember 2017 ausdrücklich auf die bewilligten Pläne.11 Zusätzlich wurden dem
Beschwerdeführer 2 die Projektpläne, die die Gemeinde am 27. Februar 2018 als bewilligt
abstempelte, am Augenschein gezeigt und erklärt, dass es sich beim Datum vom
27. Februar 2018 nicht um das Erstellungsdatum der Projektpläne, sondern um den
Datumsstempel der Gemeinde handelt. Der Einwand der Beschwerdeführenden, wonach
ihnen die im Dispositiv genannten Pläne mit Datum vom 27. Februar 2018 nicht zugestellt
worden seien, ist demnach unbegründet.
d) Anders liegen die Dinge, soweit die Beschwerdeführenden rügen, der
Lärmschutznachweis der Wärmepumpe vom 2. September 2017 sowie der Bericht des
beco vom 26. September 2017 seien ihnen erst mit dem Bauentscheid zugestellt worden.
Die Gemeinde Sigriswil stellte den Fachbericht des beco mit verfahrensleitender Verfügung
vom 19. Oktober 2017 nur dem Beschwerdegegner zur Stellungnahme zu.12 Die
Beschwerdeführenden, die sich zwischenzeitlich als Einsprechende am
Baubewilligungsverfahren beteiligten, erhielten den Fachbericht nicht. Weder wurde ihnen
der Fachbericht des beco zugestellt, noch erhielten sie die Möglichkeit, sich zum
Fachbericht des beco vor Erlass des Bauentscheids zu äussern. Dies, obwohl die
Beschwerdeführenden die Wärmepumpe auf der Bauparzelle Nr. E._ in ihrer
Einsprache vom 15. Oktober 2017 sowie im Schreiben vom 8. Dezember 2017
thematisierten. Die Gemeinde Sigriswil hat demnach das rechtliche Gehör der
Beschwerdeführenden verletzt.13
10 Vgl. Ziff. 1 der verfahrensleitenden Verfügung der Gemeinde vom 20. November 2017 im Register 4 der Vorakten der Gemeinde Sigriswil; siehe auch E-Mail vom 1. Dezember 2017 an B._ im Register 6 der Vorakten der Gemeinde Sigriswil 11 Vgl. Seite 13 und 16 des Schreibens der Beschwerdeführenden "Aufrechterhaltung der Einsprache" vom 8. Dezember 2017 im Register 5 der Vorakten der Gemeinde Sigriswil 12 Vgl. Register 4 der Vorakten der Gemeinde Sigriswil 13 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 38-39 N. 9b
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e) Nach der Praxis des Bundesgerichts kann eine Gehörsverletzung im
Rechtsmittelverfahren jedoch "geheilt" werden, sofern die obere Instanz dieselbe
Überprüfungsbefugnis hat wie die verfügende Behörde, den Beschwerdeführenden daraus
kein Nachteil erwächst und es sich nicht um eine besonders schwere Verletzung der
Parteirechte handelt.14 Gemäss Art. 40 Abs. 3 BauG kommt der BVE als
Beschwerdeinstanz die volle Überprüfungsbefugnis zu. Es ist nicht ersichtlich, dass den
Beschwerdeführenden durch die Heilung der Gehörsverletzung ein Nachteil erwachsen
würde. Zumal sie gemäss eigenen Angaben die fraglichen Unterlagen, d.h. den
Lärmschutznachweis der Wärmepumpe vom 2. September 2017 sowie den Bericht des
beco vom 26. September 2017, zusammen mit dem angefochtenen Bauentscheid vom
27. Februar 2018 erhielten und ihre Baubeschwerde vom 7. April 2018 in Kenntnis dieser
Unterlagen verfassen konnten. Damit konnten die Beschwerdeführenden ihre Rechte im
Beschwerdeverfahren vollumfänglich wahrnehmen. Die Gehörsverletzung wurde somit
geheilt.
4. Photovoltaikanlage
a) Vorliegend erhoben die Beschwerdeführenden mit Eingabe vom 15. Oktober 2017
Einsprache gegen die Montage der Photovoltaikanlage, weil diese Gegenstand des
Baugesuchs und auch Bestandteil der Auflageakten war. Parallel dazu reichte der
Beschwerdegegner das Meldeformular für eine baubewilligungsfreie Solaranlage (MfS)
nach Art. 32a Abs. 3 RPV15 und Art. 7a BewD16 ein. Auf diese Sachlage wies die
Gemeinde in der verfahrensleitenden Verfügung vom 20. November 2017 hin. Im
angefochtenen Bauentscheid verwies die Gemeinde wiederum auf die verfahrensleitende
Verfügung vom 20. November 2017 mit dem Hinweis, die Solaranlage entspreche den
kantonalen Richtlinien "Baubewilligungsfreie Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer
Energien" und sei baubewilligungsfrei. In den Stellungnahmen an die BVE stellten sich der
Beschwerdegegner und die Gemeinde Sigriswil auf den Standpunkt, die Solaranlage
unterstehe nicht der Baubewilligungspflicht. Die Beschwerdeführenden bestreiten dies in
ihrer Beschwerde sowie den weiteren Eingaben an die BVE. Sie sind der Meinung, dass
die ausgeführte Photovoltaikanlage Bestandteil des angefochtenen Bauentscheids ist.
14 BGE 126 I 68 E. 2; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 21 N. 4 und 16 15 Raumplanungsverordnung des Bundesrats vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1) 16 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
RA Nr. 110/2018/54 11
b) Der Beschwerdegegner reichte für die Photovoltaikanlage ein Baugesuch ein.17 Das
geht aus der Umschreibung des Bauvorhabens im Baugesuchsformular 1.0 hervor. Damit
machte der Beschwerdegegner die Photovoltaikanlage zum Gegenstand des
Baubewilligungsverfahrens. Nachdem die Beschwerdeführenden gegen die
Photovoltaikanlage Einsprache erhoben, reichte der Beschwerdegegner der Gemeinde
korrigierte Projektpläne der Photovoltaikanlage ein. Unter anderem wurden im
Dachaufsichtsplan und Fassadenplan die Module der Photovoltaikanlage auf den Dächern
so eingezeichnet, wie sie installiert wurden. Den ursprünglichen Dachaufsichtsplan mit
Eingangsstempel der Gemeinde vom 31. August 2017 stempelte die Gemeinde als
ungültig.18 Die angepassten Projektpläne (Dachaufsicht- und Fassadenplan), die die
Photovoltaikanlage mitumfassten, sind gemäss dem Dispositiv des angefochtenen
Bauentscheids vom 27. Februar 2018 Teil der Baubewilligung. Die Gemeinde hat somit die
strittige Photovoltaikanlage mitbewilligt. Sie ist folglich auch Gegenstand des
Beschwerdeverfahrens. Dafür spricht auch, dass der Beschwerdegegner sein Baugesuch
für die Photovoltaikanlage während des Baugesuchsverfahrens weder zurückzog noch
dass dieses von der Gemeinde abgeschrieben wurde. Auch erliess die Gemeinde keine
anfechtbare Verfügung, worin sie die Baubewilligungsfreiheit der Photovoltaikanlage
förmlich feststellte.
c) Da die Photovoltaikanlage Gegenstand der angefochtenen Baubewilligung ist,
braucht die Frage, ob die Photovoltaikanlage der Baubewilligungspflicht unterliegt, nicht
mehr geprüft zu werden. Der Umstand, dass der Beschwerdegegner in Absprache mit der
Gemeinde für die umstrittene Photovoltaikanlage parallel zum Baubewilligungsverfahren
das Formular für eine baubewilligungsfreie Solaranlage nach Art. 7a BewD einreichte,
ändert daran nichts. Die Beschwerdeführenden konnten sich weder am Meldeverfahren
beteiligen noch wurde dieses mit einer anfechtbaren Verfügung abgeschlossen. Das
Meldeverfahren, bei welchem lediglich die Gemeinde und die Bauherrschaft beteiligt
waren, hat für die Beschwerdeführenden keine rechtlichen Wirkungen. Das Meldeverfahren
kann für eine baubewilligungsfreie Solaranlage für den Bauherrn wegen dem
17 Vgl. Umschreibung des Bauvorhabens im Baugesuchsformular 1.0 in den Vorakten der Gemeinde Sigriswil 18 Vgl. Projektpläne "Ansicht Ost + West" und "Dachaufsicht" beide im Massstab 1:100 vom 31. Oktober 2017, beide von der Gemeinde am 27. Februar 2018 als bewilligt abgestempelt, im Plasikmäppli bewilligte Pläne ganz hinten im Dossier der Vorakten der Gemeinde Sigriswil
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eingeschränkten Rechtsschutz Dritter keine volle Rechtssicherheit bieten.19 So sind die
Einsprachepunkte der Beschwerdeführenden im hängigen Baubewilligungsverfahren durch
das Meldeverfahren nicht gegenstandslos geworden. Im Gegenteil: Die Einwände der
Blendwirkung und der Ortsbildverträglichkeit stehen nach wie vor im Raum.
Die Gemeinde hätte die Rechtmässigkeit der umstrittenen Photovoltaikanlage im Rahmen
des Baubewilligungsverfahrens, das für alle Verfahrensbeteiligte mit vollen
Rechtsschutzgarantien ausgestattet ist, prüfen müssen. Das ergibt sich auch aus dem
klaren Wortlaut von Art. 32a Abs. 1 Bst. c RPV. Danach müssen Solaranlagen
reflexionsarm ausgeführt und dem Stand der Technik entsprechen, damit sie
baubewilligungsfrei installiert werden dürfen. Diese Vorschrift ist nicht nur als
gestalterische, sondern auch als umweltrechtliche Vorgabe zu verstehen.20 Mit anderen
Worten soll eine möglichst geringe Blendwirkung erzielt werden. Vorliegend befindet sich
das Ostdach mit den umstrittenen Solarmodulen unterhalb der Wohnliegenschaft der
Beschwerdeführenden. Die Distanz zwischen dem Ostdach und der Wohnliegenschaft der
Beschwerdeführenden beträgt ca. 20 m. Am Augenschein zeigte sich, dass die
Beschwerdeführenden von ihrer Terrasse aus, die sich über die gesamte Südseite ihres
Wohnhauses erstreckt, direkten Sichtkontakt auf die zwei Solarfelder auf dem Ostdach
haben. Diese Terrasse ist von den Lichtreflexionen der Solaranlage betroffen. Am
Augenschein führte der Vertreter des beco schliesslich aus, es seien zusätzliche
Abklärungen nötig, um die genaue Blenddauer zu ermitteln.21 Erst danach könne beurteilt
werden, ob die Blendwirkung störend oder zumutbar sei. Hier kann somit nicht von
bedeutungslosen Lichtimmissionen gesprochen werden. Diese Thematik hat die Gemeinde
im vorliegenden Fall nicht oder nur ungenügend berücksichtigt.
d) Ob die Photovoltaikanlage mit den umweltrechtlichen und gestalterischen Vorgaben
in Einklang steht und bewilligungsfähig ist, steht nach dem Gesagten noch nicht fest. Damit
zuverlässig beurteilt werden kann, ob die Blendwirkung lästig oder zumutbar ist, müssen
weitere Abklärungen vorgenommen werden. Zu prüfen ist ausserdem, ob die installierten
Module auf dem Ostdach ortsbildverträglich sind, d.h. mit den kommunalen
Gestaltungsvorschriften vereinbar sind. Es sind somit weitere umfangreiche
Sachverhaltsabklärungen nötig. Die Angelegenheit ist damit noch nicht entscheidreif. Es
19 Vgl. dazu auch Peter Hettich und Gian Luca Peng, Erleichterte Bewilligung von Solaranlagen in der Rechtspraxis: gut gemeint, wenig effektiv und verfassungsrechtlich fragwürdig, in AJP 2015 S. 1431 f. 20 Jäger Christoph, Solaranlagen, Eine Einordung des neuen Artikels 18a RPG in, Raum & Umwelt, , November 6/2014 S. 10 21 Vgl. Votum H._ pag. 47 ff. der Beschwerdeakten der BVE
RA Nr. 110/2018/54 13
rechtfertigt sich, die Sache gestützt auf Art. 72 Abs. 2 VRPG zur Fortsetzung des
Verfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen. Insoweit wird die Beschwerde
gutgeheissen. In Bezug auf die Photovoltaikanlage wird der angefochtene Bauentscheid
der Gemeinde vom 27. Februar 2017 aufgehoben.
e) Die Gemeinde Sigriswil wird anhand der Spezifikation der Solarmodule (Produktetyp,
Anzahl Module bzw. Modulfläche) mit Unterstützung der Fachbehörde konkret prüfen
müssen, ob die Photovoltaikanlage den umweltrechtlichen Vorgaben entspricht. Um die
Blenddauer zu ermitteln, ist ein Gutachten einzuholen, wobei zu klären ist, wo genau sich
die kritischen Immissionsorte in und ausserhalb der Wohnliegenschaft der
Beschwerdeführenden befinden. Gestützt darauf ist mithilfe der zuständigen Fachbehörde
zu beurteilen, ob die Blendung der Solaranlage störend oder zumutbar ist und ob zur
Reduktion der Blendwirkungen verhältnismässige Massnahmen anzuordnen sind. Weiter
wird zu prüfen sein, ob die umstrittene Solaranlage ortsbildverträglich ist. Zu beachten sind
dabei in erster Linie die Gestaltungshinweise der kantonalen Richtlinie. Die
Beschwerdeführenden und allenfalls weitere von der Anlage betroffene Nachbarn sind
anzuhören. Ihnen muss in jedem Fall vor dem neuen Bauentscheid Gelegenheit gegeben
werden, sich zu den Unterlagen der Fachbehörden schriftlich zu äussern (Art. 24 VRPG).
Erteilt die Gemeinde für die Photovoltaikanlage den Bauabschlag, so hat die Gemeinde
gleichzeitig darüber zu entscheiden ob und in welchem Umfang der rechtmässige Zustand
wiederherzustellen ist (Art. 46 Abs. 2 Bst. e BauG).
5. Luft-Wasser-Wärmepumpe / Projektänderung
a) Die Beschwerdeführenden kritisierten, der Beschwerdegegner beabsichtige einen
anderen Wärmepumpentyp zu installieren als in den Baugesuchsunterlagen deklariert
worden sei. Zudem rügen sie, es sei unklar, wo die Wärmepumpe aufgestellt werden soll.
b) Am Augenschein stellte sich heraus, dass der Beschwerdegegner eine Luft-Wasser-
Wärmepumpe des Typs "MDN30D" des Herstellers I._ statt den ursprünglich
geplanten Anlagetyp "HM-S12L-M-C" des Herstellers G._ installieren will. Mit
Schreiben vom 8. August 2018 erklärte der Beschwerdegegner, er halte am Standort
ausserhalb des Wohnhauses, d.h. östlich vor dem Wohnhaus D._weg 9 gemäss
RA Nr. 110/2018/54 14
den bewilligten Projektplänen fest. Unklarheit, wo die Luft-Wasser-Wärmepumpe platziert
werden soll, bestehen entgegen der Auffassung der Beschwerdeführenden somit nicht.
c) Die BVE qualifizierte die Änderung des neuen Wärmepumpentyps als
Projektänderung im Sinn von Art. 43 Abs. 3 BewD. Eine Projektänderung liegt vor, wenn
das Bauvorhaben in den Grundzügen gleich bleibt (Art. 43 Abs. 1 BewD). Diese
Voraussetzung ist hier erfüllt: Die Identität des Vorhabens wird nicht verändert und auch
der Anlagestandort bleibt gleich. Der neue Wärmepumpentyp ist somit an die Stelle des
ursprünglich geplanten Wärmepumpentyps getreten. Ob die von der Gemeinde beurteilte
Luft-Wasser-Wärmepumpe des Typs HM-S12L-M-C" des Herstellers G._
bewilligungsfähig gewesen wäre, ist deshalb nicht mehr zu prüfen. Das
Beschwerdeverfahren ist somit, soweit sich die Beschwerde gegen die ursprüngliche
geplante Luft-Wasser-Wärmepumpe richtete, gegenstandslos geworden. Ob der neu
geplante Wärmepumpentyp "MDN30D" des Herstellers I._ bewilligungsfähig ist, ist
Gegenstand der nachfolgenden Erwägung.
6. Neuer Luft-Wasser-Wärmepumpentyp
a) Verfahrensgegenstand ist nach dem Gesagten der Wärmepumpentyp "MDN30D" des
Herstellers I._. Gestützt auf die Instruktionsverfügung vom 6. Juli 2018 beurteilte
das beco die Lärmsituation neu. Dem beco wurden dazu die amtlichen Akten, bestehend
aus den Baugesuchsakten der Gemeinde Sigriswil und den Beschwerdeakten des
Rechtsamts, überlassen. Die Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, sich zur
Stellungnahme des beco vom 19. Juli 2018 sowie zum neuen Wärmepumpentyp zu
äussern.
b) In seinem Bericht vom 19. Juli 2018 hielt das beco fest, aufgrund des hohen
Geräuschpegels des geplanten Wärmepumpentyps von 45 dB(A) in zehn Meter Abstand
müsse davon ausgegangen werden, dass der Vorsorgewert nachts beim eigenen Gebäude
überschritten werde. Weiter erklärte das beco, der Vorsorgewert sei bei den
Immissionsorten D._weg 8 (Parzelle Nr. 4779) und K._strasse 103
(Parzelle Nr. 1085) überschritten. Und schliesslich führte das beco aus, es handle sich um
einen unbekannten Wärmepumpentyp. Es sei deshalb nicht bekannt, was für
Lärmminderungsmassnahmen wie Haube etc. möglich seien. Mit einem Geräuschpegel
RA Nr. 110/2018/54 15
von 45 dB(A) bei einem Abstand von zehn Metern zur Anlage, was 65 dB(A) in einem
Abstand von einem Meter zur Anlage entspreche, handle es sich um eine sehr laute
Wärmepumpe, die nicht dem Stand der Technik entspreche. Seinem Bericht vom 19. Juli
2018 legte das beco unter anderem die Lärmschutznachweise für die Immissionsorte
K._strasse 103 und D._weg 8 sowie einen Situationsplan mit den
Distanzangaben zu den genannten Immissionsorten bei.
c) In der Stellungnahme vom 8. August 2018 teilte der Beschwerdegegner mit, er habe
die Familie J._ darüber informiert, dass gemäss dem Bericht des beco vom
19. Juli 2018 bei ihrer Wohnliegenschaft K._strasse Nr. 103 an der Nordfassade
der Vorsorgewert überschritten sei. Da sich auf der Nordseite keine Schlafräume befänden,
habe die Familie J._ gegen eine Aufstellung am vorgesehenen Standort keine
Einwände. Der Beschwerdegegner legte seiner Stellungnahme vom 8. August 2018 zudem
eine Erklärung bei, worin Frau J._ und Herr J._ schriftlich bestätigen,
dass sie gegen die geplante Wärmepumpe keine Einwände haben. Der
Beschwerdegegner erklärte ausserdem, er werde vorsorglich eine Lärmschutzhaube über
die neu geplante Wärmepumpe bauen. In seinen Schlussbemerkungen vom 2. September
2018 wiederholte der Beschwerdegegner, er werde eine Schallschutzhaube installieren,
die den Geräuschpegel um bis zu 20 dB(A) senken werde.
d) In ihren Stellungnahmen vom 16. August 2018 und 4. Oktober 2018 beanstandeten
die Beschwerdeführenden sowohl die Beurteilung des beco vom 19. Juli 2018 wie auch die
zugehörigen Lärmschutznachweise. Im Wesentlichen kritisieren sie, die kürzeste Distanz
zwischen dem Schlafzimmerfenster und der geplanten Wärmepumpe betrage nicht 21.5 m,
sondern nur 20 m. Zudem bringen sie vor, das beco habe seiner Beurteilung
fälschlicherweise den Lärmgrenzwert für die ES III statt den Wert für die ES II zugrunde
gelegt. Sie fordern die Berichtigung und erneute Vorlage dieser Dokumente. Schliesslich
monieren sie, eine Lärmreduktion mittels einer Schallschutzhaube um 20 dB(A) gehöre in
das Reich der Märchen.
e) Aus dem Bericht des beco vom 19. Juli 2018 folgt, dass das neue Luft-Wasser-
Wärmepumpenmodell den Planungswert nachts an den Immissionsorten
K._strasse 103 und D._weg 8 nicht einhält. Das Wohnhaus der
Beschwerdeführenden (D._weg 8) liegt gemäss dem Zonenplan der Gemeinde
Sigriswil in der Wohnzone W2 mit einer ES II, während die Wohnliegenschaft
RA Nr. 110/2018/54 16
K._strasse 103 in der Kernzone mit ES III liegt. Der Planungswert beträgt in der
ES II tagsüber 55 dB(A) und nachts 45 dB(A), in der ES III 60 dB(A) bzw. 50 dB(A).22 Nach
den Berechnungen des beco beträgt der Beurteilungspegel am Immissionsort
K._strasse 103 53.5 dB(A), womit der Planungswert für die ES III für die
akustische Nachtzeit um 3.5 dB(A) überschritten ist. Am Immissionsort D._weg 8
beträgt der Beurteilungspegel nach der Lärmprognose des beco 50.4 dB(A). Damit ist der
Planungswert für die akustische Nachtzeit selbst in einer Distanz von 21.5 m zur
Wohnliegenschaft D._weg 8 mit ES II um 5.4 dB(A) überschritten.
f) Der Beschwerdegegner argumentiert sinngemäss, die Familie J._ sei mit der
Überschreitung der Lärmgrenzwerte an der Nordfassade ihrer Wohnliegenschaft
einverstanden. Daraus kann der Beschwerdegegner nichts zu seinen Gunsten ableiten: Bei
den Lärmgrenzwerten handelte es sich um zwingende Bestimmungen des Umweltrechts.
An deren Einhaltung besteht ein grosses öffentliches Interesse. Hinzu kommt, dass die
Lärmgrenzwerte nicht nur für Schlafzimmer, sondern generell für Räume in Wohnungen
gelten, wobei Küchen ohne Wohnanteil und Sanitär- oder Abstellräume davon
ausgenommen sind.23 Dass sich auf der Nordseite der Wohnliegenschaft
K._strasse 103 kein Schlafzimmer befindet, ist somit nicht relevant. Zudem sind
hier die Lärmgrenzwerte nicht nur bei der Wohnliegenschaft K._strasse 103,
sondern auch bei der Liegenschaft der Beschwerdeführenden klar überschritten. Das
Einverständnis für die Lärmgrenzwertüberschreitung ist für die BVE daher nicht relevant.
g) Der Beschwerdegegner erklärte, er werde eine Schallschutzhaube installieren, die
den Geräuschpegel um bis zu 20 dB(A) senken werde. Zwar kann nach der
Vollzugshilfe 6.21 der Vereinigung kantonaler Lärmschutzfachleute (cercle bruit) vom
20. September 201824 durch bauliche oder technische Massnahmen für aussen
aufgestellte Wärmepumpen eine Lärmreduktion, z.B. mit einer Schalldämmhaube oder
einem Hutzen, bis zu -8 dB erreicht werden. Vorliegend weist der Beschwerdegegner
jedoch nicht nach, dass mit einer derartigen Massnahme die Lärmgrenzwerte eingehalten
sind. Es fehlen dazu die nötigen Belege und Nachweise. Mangels Unterlagen zur
Schallschutzhaube, namentlich zur Konstruktionsart und den Materialien, kann die
22 Vgl. Anhang 6 Ziff. 2 LSV 23 Vgl. Art. 2 Abs. 6 Bst. a der Lärmschutz-Verordnung des Bundesrats vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 24 Vgl. S. 12 der Vollzugshilfe einsehbar unter: <http://www.cerclebruit.ch/?inc=enforcement&e-=6/621.html> Ziffer 6 Industrie- und Gewerbelärm / 6.21 Wärmepumpen
http://www.cerclebruit.ch/?inc=enforcement&e-=6/621.html
RA Nr. 110/2018/54 17
pauschale Aussage des Beschwerdegegners, wonach mit der Installation einer
Schallschutzhaube eine Pegelreduktion von 20 dB erreicht werden kann, nicht überprüft
werden. Bauliche und technische Massnahmen können zudem Einfluss auf die
Luftströmungswege haben. Es besteht die Gefahr, dass neue störende Geräuschquellen
entstehen und die energetische Wirkung verschlechtert wird. Die Vornahme von baulichen
und technischen Massnahmen erfordert daher den Einbezug einer Fachperson. Falls die
Planungswerte mit baulichen oder technischen Massnahmen eingehalten werden könnten,
dürfte zudem eine neue Lärmbeurteilung, vermutlich unter Einbezug des beco, erforderlich
sein.
h) Nach dem Gesagten steht fest, dass mit dem vorgesehenen Wärmepumpenmodell
die massgeblichen Planungswerte ohne bauliche und technische Massnahmen klar
überschritten sind. Es handelt sich um eine laute Wärmepumpe, die nicht dem Stand der
Technik entspricht. Ob die Einhaltung der Planungswerte und des Vorsorgeprinzips mit
einfachen Lärmminderungsmassnahmen, z.B. mit einer Lärmschutzhaube, erreicht werden
könnten, ist aufgrund des unbekannten Wärmepumpenmodells ungewiss und kann im
jetzigen Zeitpunkt ohne Lärmschutznachweis und ohne präzise Angaben zur Ausführung
der Schallschutzhaube nicht abschliessend beurteilt werden. Sollten aufwändige bauliche
Massnahmen, z.B. für die Einhausung der Wärmepumpe, nötig sein oder ein anderes
Wärmepumpenmodell gewählt werden, ist denkbar, dass der Rahmen einer
Projektänderung überschritten werden könnte. Diesfalls müsste eine Publikation erfolgen.
Falls technische oder bauliche Massnahmen dazu führen könnten, dass die Planungswerte
eingehalten werden, müsste weiter geprüft werden, ob im Rahmen des Vorsorgeprinzips
weitere Massnahmen wie zusätzliche Emissionsbegrenzungen erforderlich sind.25 Als
verhältnismässig gelten weitergehende Emissionsbeschränkungen, wenn mit relativ
geringem Aufwand eine zusätzliche Reduktion der Emissionen erreicht werden kann.26
Diese Einzelfallprüfung wurde noch nicht vorgenommen. Schliesslich wird zu prüfen sein,
ob die geplante Luft-Wasser-Wärmepumpe den übrigen baupolizeilichen Vorschriften
entspricht, namentlich den Strassenabstand einhält bzw. inwieweit dieser unter welchen
Voraussetzungen reduziert werden kann.
25 Art. 11 Abs. 2 USG i.V.m. Art. 7 Abs. 1 Bst. a LSV 26 Vgl. BGE 141 II 476 E. 3.2, 124 Il 517 E. 4b; BGer 1C_204/2015 vom 18.1.2016 E. 3.7, 1C_393/2014 vom 3.3.2016 E. 6.2, 1C_10/2011 vom 28.9.2011 E. 4.1; VGE 2016/82 vom 6.4.2017 E. 3.4
RA Nr. 110/2018/54 18
i) Unter diesen Umständen erweist sich die Sache als nicht entscheidreif. Es ist nicht
an der BVE als Beschwerdeinstanz, die erforderlichen Unterlagen einzufordern, die
notwendigen Abklärungen vorzunehmen und anschliessend über die Bewilligungsfähigkeit
der Luft-Wasser-Wärmepumpe im Projektänderungsverfahren erstinstanzlich zu
entscheiden. Die angefochtene Baubewilligung wird daher aufgehoben und die Sache zur
Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.
Insoweit wird die Beschwerde gutgeheissen.
7. Parkplätze
a) Die Beschwerdeführenden bringen einerseits vor, die Gemeinde habe es versäumt,
eine Auflage zur Errichtung von weiteren Parkplätzen zu verfügen. Andererseits rügen sie,
die Feststellung im angefochtenen Entscheid, wonach die Parkierung altrechtlich bewilligt
und für drei Wohnungen genügend sei, sei falsch. Mit den nachgereichten Projektplänen
vom 26. Oktober 2017 habe der Beschwerdegegner das Baugesuch vom 31. August 2017
in Bezug auf die zwei Parkplätze entlang des L._weg erweitert. Danach müsse die
bestehende Stützmauer entlang des L._weg auf einer Länge von 9.40 m
abgerissen und um 2.10 m in Richtung Norden nach hinten versetzt werden. Parallel zum
Oberdorfweg müsse eine neue Stützmauer errichtet werden, damit das oberhalb der zwei
Parkplätze liegende Terrain gesichert werden könne. Zudem müsse das bestehende
Niveau für die zwei Parkplätze auf das Niveau des L._weg abgesenkt werden.
Schliesslich kritisieren die Beschwerdeführenden, diese Erweiterung des Baugesuchs hätte
den Nachbarn mitgeteilt und publiziert werden müssen.
b) Nach den Akten27 und Fotos28 präsentiert sich der Sachverhalt (Ist-Zustand) der
Parkplatzfläche auf der Parzelle Nr. E._ wie folgt: Die Parkierungsfläche unterhalb
des Parkplatzes am D._weg reicht bis zum Oberdorfweg. Dort sind zwei
Autoabstellplätze bewilligt. Diese Parkplatzfläche ist gegenüber dem Oberdorfweg erhöht,
d.h. vom Oberdorfweg mit einer Stützmauer abgegrenzt. Gemäss den bewilligten
Projektplänen sind im Bereich der heutigen Parkierungsfläche beträchtliche bauliche
Veränderungen vorgesehen (Abriss und Versetzen der Stützmauer sowie Absenkung des
27 Vgl. Pläne ganz hinten im Plasikmäppli des Dossiers zum Bauentscheid Nr. 938/029-2009, Erstellen von drei offenen Parkplätzen, der Gemeinde Sigriswil 28 Vgl. Fotodokumentation im Rahmen des Baustellenbesuchs der Gemeinde vom 20. Februar 2018 im Register 6 der Vorakten der Gemeinde Sigriswil
RA Nr. 110/2018/54 19
bestehenden Terrains auf das Niveau des Oberdorfweges). Durch diese baulichen
Veränderungen soll eine Längsparkierung für zwei Parkplätze entlang des L._weg
geschaffen werden. Die Aussage im angefochtenen Entscheid, wonach die drei
ausgewiesenen Parkplätze altrechtlich bewilligt sind, trifft somit für die zwei Parkplätze
entlang des L._weg nicht zu. Der Beschwerdegegner hat die Änderung der
Parksituation entlang des L._wegs, die die Gemeinde bewilligte, erstmals mit den
geänderten Projektplänen vom 26. Oktober 2017 im Baubewilligungsverfahren zum Thema
gemacht. Aus verfahrensrechtlicher Sicht handelte es sich bei dieser Erweiterung des
Baugesuchs um eine Projektänderung.
c) Vorliegend ist unklar, ob die neu geplante Längsparkierung für zwei Motorfahrzeuge
entlang des L._wegs bewilligungsfähig ist. Die Abstellplätze und die neuen
Stützmauern befinden sich im Strassenabstand. Die Gemeinde hat nicht geprüft, ob eine
Ausnahmebewilligung nach Art. 81 Abs. 2 SG29 nötig ist und die Ausnahme allenfalls
publiziert werden muss.30 Zudem stellen sich aufgrund der engen Platzverhältnisse und der
Hangsituation Fragen zur Verkehrssicherheit (Sichtweiten, Anforderungen an die
Parkplatzgrösse, Lichtraumprofil). Unklar ist weiter, wie die Fläche der Längsparkierung
entwässert wird. Zudem sind die Projektpläne unklar. Nach Art. 14 Abs. 4 BewD muss aus
den Plänen klar hervorgehen, welche Bauteile abgebrochen und neu erstellt werden.
Dieser Anforderung genügen die bewilligten Pläne in Bezug auf die Längsparkierung nicht.
Wie erwähnt, bedingen die baulichen Veränderungen eine neue Stützmauer, die direkt an
eine begehbare Fläche grenzt. Aus den bewilligten Projektplänen kann die Höhe der
Stützmauer jedoch nicht gelesen werden. Es ist unklar, ob die begehbare Fläche durch ein
Schutzelement gesichert werden muss (Art. 21 Abs. 1 BauG, Art. 58 BauV und SIA-Norm
358 Geländer und Brüstungen). Die Projektpläne sind entsprechend anzupassen. Zu
prüfen ist ausserdem, ob von der Projektänderung Dritte neu berührt und deshalb
anzuhören sind (Art. 43 Abs. 3 BewD). Die Angelegenheit ist damit noch nicht
entscheidreif.
Es ist nicht an der BVE als Beschwerdeinstanz, die erforderlichen Pläne und Unterlagen
einzufordern, die notwendigen Abklärungen vorzunehmen und anschliessend über die
Bewilligungsfähigkeit der zwei Parkplätze zu entscheiden. Die angefochtene
29 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 30 Vgl. Heidi Wiestner, Abstellplätze im Strassenabstand in, KPG-Bulletin 1/2012 S. 13 ff.
RA Nr. 110/2018/54 20
Baubewilligung wird daher aufgehoben und die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens im
Sinne der Erwägungen an die Vorinstanz zurückgewiesen.
8. Zahlreiche weitere Rügen
Die Beschwerdeführenden bringen in ihren umfangreichen Rechtsschriften zahlreiche
weitere Rügen vor (Durchtrennung Absperrseil auf ihrem Privatgrundstück, fehlende
Prüfung der Rügepunkte durch die Bau- und Planungskommission, Protokollauszüge der
Baupolizei- und Planungskommission entsprechen nicht den rechtlichen Anforderungen
und fehlende Zustimmung der Eigentümer der betroffenen Nachbargrundstücken). Zudem
rügen die Beschwerdeführenden zahlreiche weitere Verfahrensfehler. Besonders kritisieren
sie, die Gemeinde habe trotz ihrer Eingaben im Baubewilligungsverfahren nichts
unternommen, um die Montage der Photovoltaikanlage zu verhindern. Im vorliegenden Fall
konnten mit der Gutheissung der Beschwerde und Rückweisung der Sache zur
Fortsetzung des Verfahrens die gerügten Verfahrensfehler korrigiert werden. Durch die
Verfahrensfehler sind den Beschwerdeführenden somit keine Nachteile entstanden. In
Bezug auf die übrigen Rügepunkte (Durchtrennung Absperrseil, fehlende Prüfung der
Rügepunkte durch die Bau- und Planungskommission, Protokollauszüge der Baupolizei-
und Planungskommission entsprechen nicht den rechtlichen Anforderungen) legen die
Beschwerdeführenden weder dar noch ist ersichtlich, inwieweit ihnen dadurch ein Nachteil
entstanden ist und inwieweit sich diese negativ auf den Ausgang des Verfahrens
auswirken. Sie vermögen daher aus den vorgebrachten Rügen nichts zu ihren Gunsten
abzuleiten, soweit darauf überhaupt eingetreten werden kann. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens erübrigt es sich ohnehin, auf die übrigen Rügepunkte einzugehen.
9. Fazit
Aus den Erwägungen folgt, dass die Beschwerde gutzuheissen ist. Die Photovoltaikanlage
ist Gegenstand der angefochtenen Baubewilligung. Die Gemeinde muss im
Baubewilligungsverfahren prüfen, ob die Photovoltaikanlage mit den umweltrechtlichen und
gestalterischen Vorgaben vereinbar ist. Gleiches gilt für die Luft-Wasser-Wärmepumpe.
Entgegen der Auffassung der Gemeinde kann bezüglich der Längsparkierung entlang des
Oberdorfweges nicht von einer altrechtlich bewilligten Situation gesprochen werden. Deren
RA Nr. 110/2018/54 21
Realisierung erfordert beträchtliche bauliche Massnahmen. Der angefochtene
Bauentscheid der Gemeinde vom 27. Februar 2018 wird daher betreffend die
Photovoltaikanlage, die Luft-Wasser-Wärmepumpe und die Längsparkierung entlang des
L._wegs aufgehoben. Insoweit ist die Beschwerde gutzuheissen.
RA Nr. 110/2018/54 22
10. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen
können zusätzliche Gebühren erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in
einer Verwaltungsjustizsache wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4'000.00 je
Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 2 GebV31). In
Anwendung dieser Bestimmung wird die Pauschale aufgrund des aufwändigen
Beweisverfahrens auf Fr. 1'700.00 festgelegt. Für den Augenschein vom 22. Juni 2018 wird
in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 300.00 erhoben.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens betragen somit Fr. 2'000.00.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
Nach Art. 108 Abs. 2 VRPG werden Behörden keine Verfahrenskosten auferlegt, ausser
sie sind in ihren eigenen Vermögensinteressen betroffen.
Die Beschwerde wird in Bezug auf die Photovoltaikanlage und die Längsparkierung entlang
des L._wegs für zwei Motorfahrzeuge gutgeheissen. In Bezug auf die Luft-
Wasser-Wärmepumpe hat der Beschwerdegegner mit der Einreichung der
Projektänderung dafür gesorgt, dass die angefochtene Baubewilligung in diesem Punkt
aufzuheben und die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens an die Vorinstanz
zurückzuweisen ist. Auch in diesem Punkt obsiegen die Beschwerdeführenden. Bei diesem
Ausgang des Verfahrens gilt der Beschwerdegegner somit als unterliegende Partei. Der
Beschwerdegegner hat daher die Verfahrenskosten von Fr. 2'000.00 zu tragen.
b) Die Parteien waren anwaltlich nicht vertreten. Parteikosten werden deshalb keine
gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und Abs. 2 VRPG).
31 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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