# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5adbb744-61cd-49c1-af5d-b3efe2bc9548
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1980
,
1982 in die Schweiz eingereist, hat keine Berufsausbildung abgeschlossen und war zuletzt vom 1
4.
April 2008 bis 2
1.
Mai 2014 bei der
Y._
AG als Lagermitarbeiter angestellt (Urk.
7
/1, Urk.
7
/4,
Urk.
7
/16). Am 1
8.
Dezember 2014 (Eingangsdatum) meldete er sich unter Hinweis auf Multiple Sklerose sowie Kribbeln an den Händen und Füssen
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leis
tungs
bezug an (
Urk.
7
/4). Das am 2
3.
Januar 2015 (Eingangsdatum) gestellte Gesuch
um Ausrichtung einer Hilflosenentschädigung (
Urk.
7
/12) verneinte die IV-Stelle
mit Verfügung vom 6. März 2015 (Urk.
7
/20). Im Rahmen der Abklärung der erwerblichen und medizinischen Verhältnisse zur Rentenanspruchsprüfung holte die IV-Stelle einen Bericht der Arbeitgeberin (
Urk.
7
/16) sowie Berichte der behan
delnden Ärzte (
Urk.
7
/17-18,
Urk.
7
/22-24) ein und zog einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
7
/26) bei. Ferner liess die IV-Stelle das
Z._
ein interdisziplinäres Gutachten erstellen, welches am
7.
April 2016 erstattet wurde
(
Urk.
7
/45).
Ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 38
%
verneinte die
IV-Stelle
mit Verfügung vom 20.
Januar 2017 einen Leistungsanspruch
(Urk.
7
/71)
,
wo
gegen
der Versicherte am 2
0.
Februar 2017 Beschwerde
erhob
(Urk. 7/76/3-14).
1.2
Die gegen die leistungsabweisende Verfügung vom 2
0.
Januar 2017 erhobene Beschwerde (
Urk.
7/76/3-14) wird mit Urteil
heutigen Datums im Prozess Nr.
IV.2017.00230
abgewiesen
.
1.3
Am 2
0.
Februar 2017
ersuchte der Versicherte um
Zusprache
von Eingliede
rungs
massnahmen
sowie eines Taggeldes während der Durchführung der Mass
nahmen
(
Urk.
7/75).
Nach getätigten Abklärungen teilte die IV-Stelle dem Ver
sicherten m
it
E-Mail
vom
4.
Juli 2017 mit, dass sie dessen Eingliederung
, beginnend mit einem Aufbautraining,
unterstützen werde
(Urk.
7/
95/6
).
Nach
durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Vorbescheid vom 9
.
August 2017 [
Urk.
7/90], Einwand vom 1
1.
September 2017 [
Urk.
7/92])
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
Oktober 2017 einen Taggeldanspruch während der Durchführung der beruflichen Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
7/94
=
Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom
1.
November 2017 Beschwerde (
Urk.
1) und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien
ihm
die gesetzlichen Leistungen auszurichten, insbesondere Taggelder während den beruflichen Eingliederungsmassnahmen. In prozessualer Hinsicht
ersuchte der Beschwerdeführer um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege
sowie um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels
(
Urk.
1 S. 2).
Mit Be
schwerdeantwort vom 27. November 2017 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6).
Mit Verfügung vom 4.
Dezember 2017 wurde
einerseits
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege bewilligt und dem Beschwerdeführer Rechtsanwältin Melina
Tzikas
, Zürich, als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt
und andererseits
das Gesuch um Durch
führung eines zweiten Schriftenwechsels abgewiesen
sowie
dem Beschwerde
führer die Beschwerdeantwort zur Kenntnis gebracht
(
Urk.
8).
Am 5. Februar 2018 (Urk.
12)
reichte
die Beschwerdegegnerin die Verfügung vom
5.
Februar 2018
zu den Akten
, mit welcher dem Beschwerdeführer Kostengutsprache für ein Aufbautraining
bei der
Stiftung
A._
, vom 5.
Februar 2018 bis 27.
April 2018
erteilt wurde (
Urk.
13).
Diese Massnahme wurde am 7. Februar 2018 vorzeitig abgebrochen (vgl. Urk. 19/2 im Prozess IV.2017.00230).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, der Beschwerde
führer sei seit dem
1.
November 2014 in seiner Erwerbsfähigkeit eingeschränkt. Anspruch auf Taggelder bestehe nur, wenn die versicherte Person unmittelbar vor der Arbeitsunfähigkeit erwerbstätig gewesen sei. Der Beschwerdeführer sei seit dem 2
2.
Mai 2014 erwerbslos
und
von Mai bis August 2014 in Unter
suchungshaft gewesen. Ob er sich um eine neu
e
Anstellung bemüht habe, sei nicht bekannt.
Es sei nicht glaubhaft dargelegt worden, dass der Beschwerde
führer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätte (
Urk.
2).
1
.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer im Wesentlichen geltend, er sei
laut der behandelnden Psychiaterin seit Sommer 2014 gesundheitlich nicht mehr
in der Lage gewesen, sich um eine neue Anstellung zu bemühen.
Dies dürfe ihm nicht zum Nachteil gereichen. Es könne daraus nicht geschlossen werden, er wäre nicht gewillt gewesen, wieder zu arbeiten und dass er heute nicht über
wiegend wahrscheinlich erwerbstätig wäre.
Er habe von April 2008 bis Mai 2014 durchgehend für die
Y._
AG gearbeitet.
Von Mai bis August 2014 habe
der Beschwerdeführer in Untersuchungshaft gesessen und somit gar nicht die Möglichkeit gehabt, eine Anstellung zu suchen, was er selbstverständlich ge
wollt h
ätt
e
,
u
m seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.
Da glaubhaft dargelegt worden sei, dass der Beschwerdeführer ohne gesundheitliche Beeinträchtigung heute erwerbstätig wäre, gelte er als erwerbstätig und habe Anspruch auf Aus
richtung eines Taggeldes während der Durchführung der Eingliederungs
mass
nahmen (
Urk.
1).
2.
2.1
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8
des
Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG]
) bedrohte Versicherte haben
gemäss Art.
8
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
An
spruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufga
benbereich zu betätigen, wieder
herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Aus
übung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Massgabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen
gemäss Abs. 3 in
me
dizinischen
Mass
-
nahmen
(lit. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (lit.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (lit.
d).
2.2
Versicherte haben gemäss
Art.
22 IVG während der Durchführung von Ein
gliederungsmassnahmen nach
Art.
8
Abs.
3 Anspruch auf ein Taggeld, wenn sie an wenigstens drei aufeinander folgenden Tagen wegen der Massnahmen ver
hindert sind, einer Arbeit nachzugehen, oder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu
mindestens 50 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) sind (
Abs.
1).
Das Taggeld be
steht aus einer Grundentschädigung, auf die alle Versicherten Anspruch haben, und einem Kindergeld für Versicherte mit Kindern (
Abs.
2).
2.
3
Laut
Art.
6 ATSG wird Arbeitsunfähigkeit als die durch eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit bedingte, volle oder teilweise Unfähigkeit, im bisherigen Beruf oder Aufgabenbereich zumutbare Arbeit zu leisten, definiert
, wobei bei langer Dauer auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich berücksichtigt wird.
2.4
D
er Erlass des angefochtenen Entscheids
bildet
rechtsprechungsgemäss
die Grenze
der richterlichen Überprüfungsbefugnis (vgl. etwa BGE 129 V 356 E. 1, 129 V 169 E. 1, 129 V 4 E. 1.2, je mit Hinweisen)
. Daher
sind nur diejenigen tatsächlichen Umstände zu berücksichtigen, die sich bis zu jenem Zeitpunkt ereignet haben.
3.
3.1
Gemäss Art. 49 Abs. 1 ATSG hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die erheblich sind, oder mit denen die
betrof
-
fene
Person nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen. Dem Begehren um Erlass einer Feststellungsverfügung ist gemäss Art. 49 Abs. 2 ATSG zu entsprechen, wenn die gesuchstellende Person ein schützenswertes Interesse glaubhaft macht.
3.
2
Das Dispositiv der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) lautet auf Abweisung des Leistungsbegehrens. Aus dem Titel der Verfügung ergibt sich, dass konkret ein Anspruch auf Taggelder verneint wurde. Die angefochtene Verfügung ist daher als Gestaltungs- beziehungsweise Leistungsverfügung im Sinne von Art. 49 Abs. 1 ATSG, und das Beschwerdebegehren, welches auf Ausrichtung von Tag
geldern lautet, als Leistungsbegehren, zu qualifizieren
Strittig und zu prüfen ist somit, ob die Bes
chwerdegegnerin den Anspruch des
Beschwerdeführer
s
auf Taggelder zu Recht verneint hat.
3.3
Der Beschwerdeführer beantragt
die Ausrichtung von Taggeldern während der Durchführung eines Aufbautrainings.
Dem Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung (
Urk.
7/95) ist zu entneh
m
en, dass mit de
m Beschwerdeführer Gespräche bezüglich
eines Belastbarkeit
strai
nings geführt wurden
(Erstgespräch vom
7.
Juni 2017)
und die Frage, ob während einer Durchführung
der
Massnahme ein
Anspruch auf Taggelder bestehe
(Urk. 7/95/2).
Zu einem spät
eren Zeitpunkt (Eintrag vom 22.
Juni 2017;
Urk. 7/95/5) stellte die Eingliederungsberaterin die
Zusprache
eines Aufbautrai
nings in Aussicht
. Mit
E-Mail-
Nachricht vom
4.
Juli 2017 informierte die Ein
gliederungsberaterin des Beschwerdeführers dessen Rechtsvertreterin, dass die Eingliederung
–
beginnend mit einem Aufbautraining
–
seitens der Beschwer
deg
egnerin unterstützt werde (Urk.
7/95/6).
Am
2.
Oktober 2017 erfolgte
nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren
die Abweisung des Taggeldanspruchs mittels vorliegend angefochtener Verfügung (
Urk.
2).
Nach Erlass der angefochtenen Verfügung, welche als Schranke der Überprü
fungsbefugnis zu gelten hat
(E. 2.4)
, fragte die Rechtsvertreterin des Beschwer
deführers mit
Schreiben vom
6.
Oktober 2017 die Beschwerdegegnerin an, ob
ein Aufbautraining nahe beim Wohnort des Beschwerdeführers arrangiert wer
den könne (
Urk.
7/96)
, worauf die Beschwerdegegnerin Vorschläge betreffend
wei
tere
Institutionen zur Durchführung des Aufbautrainings unterbreitete
(Urk
.
7/99)
.
Mit Mitteilung vom
5.
Februar
2018
setzte
die Beschwerdegegnerin de
n
Beschwerdeführer sodann
in Kenntnis
, dass ein Anspruch auf Integrationsmass
nahmen im Form eines Aufbautrainings best
ehe und dass das Aufbautraining
vom
5.
Februar 2018 bis 2
7.
April 2018 durchgeführt w
er
de (
Urk.
13).
So kann es als unbestritten gelten, dass der Beschwerdeführer vor Erlass der an
ge
fochtenen Verfügung
am
2.
Oktober 2017
und auch im Zeitpunkt der Be
schwerdeerhebung
am
1.
November 2017
keine beruflichen Eingliederungs
mass
nahmen
, namentlich auch kein Aufbautraining
, zugesprochen erhalten hatte
.
3.4
Das Taggeld bildet eine akzessorische Leistung zu Eingliederungsmassnahmen (vgl. Art. 22 Abs. 1 IVG). Das bedeutet, dass ein Taggeld grundsätzlich nur aus
gerichtet werden kann, wenn und solange Eingliederungsmassnahmen durch
geführt oder im Anschluss daran
Rekonvaleszenzzeiten
bei mindestens 50%iger Arbeitsunfähigkeit zurückgelegt werden (vgl.
Rz
1001 des Kreisschreibens über die Taggelder der Invalidenversicherung in der ab 1. Januar 2018 gültigen Fas
sung; KSTI).
3.5
Da dem Beschwerdeführer nach dem Gesagten beim Erlass der angefochtenen Verfügung noch keine Eingliederungsmassnahmen in Form eines Aufbau
trai
nings zugesprochen
worden waren
, fehlt es bereits an der zur Ausrichtung von Taggeldern berechtigenden zentralen Grundvoraussetzung.
4.
4.1
Da die Beschwerdegegnerin de
m
Beschwerdeführer schliesslich am
5.
Februar 2018 Kostengutsprache für ein Aufbautraining
bei der Stiftung
A._
, im Zeitraum zwischen
5.
Februar 2018 und 2
7.
April 2018
erteilt
hat
(
Urk.
13)
, ist die Prüfung der weiteren Anspruchsvoraussetzungen dennoch angezeigt.
4.2
4.2
.1
Der Anspruch auf Taggelder der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die versicherte Person entweder in ihrer gewohnten Tätigkeit zu mindestens 50
%
arbeitsunfähig ist
–
wobei das Gesetz auf
Art.
6 ATSG verweist
–
oder dass sie wenigstens an drei aufeinanderfolgenden Tagen
aufgrund der
Massnahmen verhindert ist, einer Arbeit nachzugehen.
Art.
6
ATSG
definiert die
Arbeits
un
-
fähigkeit
als Unfähigkeit
,
aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen im bishe
rigen Beruf oder Aufgabenbereich Arbeit zu leisten.
Bei langer Dauer wird auch die zumutbare Tätigkeit in einem anderen Beruf oder Aufgabenbereich ber
ück
sichtigt (angepasste Tätigkeit)
(E.
2.2, E.
2.3)
.
4
.2.2
Mit Urteil im Prozess Nr. IV.2017.00230
von heutigem Datum
wurde festge
stellt, dass dem Beschwerdeführer die Ausübung der letzten Tätigkeit als Lage
rist seit November 2014 nicht mehr zumutbar ist
, hingegen wurde in einer
anderen
angepassten
Hilfst
ätigkeit die Arbeitsfähigkeit
entsprechend den Ein
schätzungen der
Z._
-Gutachter
auf 70
%
festgelegt
(vgl. E. 3.1 sowie E. 4.5
des Urteils im Prozess Nr. IV.2017.00230
)
.
Da dem Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit ein 70%-Pensum zugemutet werden kann, ist
fraglich, ob er die
Anspruchsvoraussetzung für einen Taggeldanspruch
hinsichtlich Arbeits
unfähigkeit erfüllt.
Da der Beschwerdeführer
seit seiner Entlassung bei der
Y._
AG im Mai 2014
nicht mehr gearbeitet hat
–
er
war
bereits vor Eintritt der Arbeitsunfähigkeit
im November 2014
arbeitslos
–
, wird er
jedenfalls
nicht daran gehindert, einer Arbeit nachzugehen.
4
.3
4
.3.1
Laut
Randziffer 1003
des vom Bundesamt für Sozialversicherungen heraus
ge
gebenen Kreisschreibens über die Taggelder der
Invalidenversicherung,
KSTI
, (gültig ab
1.
Januar 2018)
haben Anspruch auf das Taggeld auch versicherte Personen, welche unmittelbar vor ihrer Arbeitsunfähigkeit erwerbstätig waren
oder solche, die un
mittelbar vor ihrer Arbeitsunfähigkeit ein der AHV-Beitrags
pflicht unterstelltes Erwerbseinkommen erzielt haben oder glaubhaft machen können, dass sie
nach
Eintritt der Arbeitsunfähigkeit eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätt
en
.
Als erwerbstätig gelten auch versicherte Personen, die bei Eintritt der Arbeitsunfähigkeit arbeitslos sind und Anspruch
auf Leistungen der schweizerischen Arbeitslosenversicherung haben, oder ihre Erwerbstätigkeit einzig aus gesundheitlichen Gründen aufgeben mussten
(
Rz
1003
/
1-4
KSTI
)
.
4
.3.2
Der Beschwerdeführer war vorliegend nicht unmittelbar vor Eintritt der Arbeits
unfähigkeit
erwerbstätig. Die fristlose Kündigung wurde per 2
1.
Mai 2014 aus
gesprochen (
Urk.
7/16), währenddessen
er
laut der Einschätzung der
Gutachter
erst
seit
November 2014
in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist
(E. 3.1
und E. 4.5
des Urteils
im Prozess Nr.
IV.2017.00230).
Der
Beschwerdeführer
befand sich
nach seiner Entlassung bei seiner letzten Arbeitgeberin im Mai 2014 bis im August 2014 in Untersuchungshaft
.
D
en Akten
sind
sodann
keine Hinweise dahingehend zu entnehmen, dass er unmittelbar vor Eintritt seiner Arbeitsunfähigkeit
ein AHV
-
beitragspflichtiges
Erwerbs
einkommen erzielt
hat
te
,
(vgl.
Urk.
7/26,
Urk.
7/84,
Urk.
7/95)
und f
erner
ist nicht ersichtlich, dass der Beschwerdeführer Anspruch auf Arbeitslosentag
gelder hat
te
. Seine Stelle bei der
Y._
AG als Lagerist verlor er
zudem
nicht aus gesundheitlichen Gründen.
Der Beschwerdeführer hat sodann nicht glaubhaft gemacht, dass er nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit eine Erwerbstätigkeit von längerer Dauer aufgenommen hätte.
Vielmehr hätte der Beschwerdeführer nach seiner Entlassung bei der
Y._
AG im Mai 2014 respektive
spätestens
seit der Entlassung aus der Unter
suchungshaft im August 2014 bis zum Eintritt der Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Folgen der multiplen Sklerose im November 2014 genügend Zeit gehabt, sich um eine
neue Anstellung
zu bemühen.
Das Vorbringen des Beschwer
de
-
führers, es sei ihm aufgrund seiner Zeit in Untersuchungshaft gar nicht möglich gewesen, eine neue Stelle zu suchen, geht deshalb von vornherein fehl.
Ent
sprechende Suchbemühungen hat der Beschwerdeführer nicht
nachgewiesen
.
Aus
dem Umstand, dass ein Jeder zur Erfüllung seiner familienrechtlichen Unter
halts
pflichten bzw. des Lebensunterhalts auf ein Erwerbseinkommen ange
wie
sen
ist, lässt sich
vorliegend
nichts zu Gunsten des Beschwerdeführers ableiten.
Die Sozialhilfe kommt für den Lebensunterhalt des Beschwerdeführers auf (
Urk.
3)
.
5
.
Zusammenfassend ergibt sich somit, dass der Beschwerdeführer die Anspruchs
voraussetzungen für Taggelder während de
s
Aufbautraining
s
ohnehin n
icht erfüllt
,
selbst
wenn die
Zusprache
des Aufbautrainings bereits vor Erlass der angefochtenen Verfügung ergangen wäre
. Die Beschwerde erweist sich dementsprechend als unbegründet und ist abzuweisen.
6
.
6
.1
Gestützt auf Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
ist das Beschwerdeverfahren vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weigerung von IV
-
Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Ver
fah
rensaufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und de
m
unterliegenden Beschwerde
führer
aufzuerlegen.
6
.2
6.2.
1
Mit Verfügung vom
4.
Dezember 2017
wurde dem Beschwerdeführer die unent
geltliche Prozessführung bewilligt und Rechtsanwältin Melina
Tzikas
als unent
geltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Beschwerdeverfahren bestellt
(
Urk.
8)
. Mit Eingabe vom
8.
Dezember 2017
(
Urk.
1
1
) machte Rechtsanwältin
Tzikas
einen Aufwand von
11
Stunden und
1
5 Minuten und 3
% Spesen
zuzüg
lich
Mehrwertsteuer geltend (
Urk.
1
1
S. 2).
6.2.
2
Nach § 34 Abs. 3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Angesichts
der Bedeutung und Schwierigkeit der Streitsache erscheint der
geltend gemachte
Aufwand als übersetzt. Dies gilt umso mehr, als die Rechts
-
vertreterin den Beschwerdeführer bereits im Vorbescheidverfahren
sowie im paral
lelen Prozess Nr. IV.2017.
00230
vertrat und deshalb bereits über
vollstän
dige
Aktenkenntnis verfügte.
Bei gr
osszügiger Betrachtung können 1
Stun
de Auf
wand für Instruktion,
3
Stunden für das Aktenstudium und
2
Stunden für die Redaktion der
Beschwerdeschrift
als gerechtfertigt betrachtet werden. Eine weitere Stunde Aufwand kann zudem anerkannt werden, wenn berücksichtigt wird, dass die Rechtsvertreterin das Urteil mit dem Beschwerdeführer noch zu besprechen hat. Zu entschädigen ist somit ein Gesamtaufwand von
7
Stunden, was unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Ansatzes von Fr. 220.-- (ab dem 1. Januar 2015) ein Honorar von Fr.
1'
540
.--
ergibt.
Ferner sind die lediglich pauschal geltend gemachten Barauslagen zu kürzen, da praxisgemäss
nur
effektiv angefallene Spesen entschädigt werden. Angemessen erscheint eine Entschädigung für Barauslagen im Umfang von
Fr.
5
4
.--.
6
.3
Entsprechend
ist die Entschädigung auf
Fr.
1
'
721
.
50
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
6
.4
Der Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Gerichtskosten sowie der Entschädigung an Rechtsan
wä
lt
in
Melina
Tzikas
verpflichtet ist, sobald er
dazu in der Lage ist.