# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 85aa749b-5dcb-5ab9-911d-00c6e919bff3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1958
geborene
X._
war vor Eintritt ihrer Erkrankung
zuletzt bis am 23. November 1991 vollzeitlich als Büffetangestellte im Restau
rant
Y._
in
Z._
tätig
(Urk. 9/7/1)
. Sie leidet seit Ende No
vem
ber
1991 an teils arthritischen teils degenerativen Gelenksbeschwerden ins
beson
dere an
der rechten Hand und an den
Knien sowie an Rücken- und
Haut
beschwerden
(Urk.
9
/5
/2
, Urk.
9
/53
/7, Urk. 9/53/13
,
Urk.
9/
91
/
12, Urk. 9/91/17
, Urk. 9/91/
25-32
).
Am 19. August 1992 meldete sie sich bei der Eidgenössischen Invalid
en
ver
si
che
rung zum Leistungs
bezug an (Urk. 9
/3). Nach Abklä
rung der medizinischen und erwerb
lichen Ver
hältnisse, unter anderem nach Einholung des rheumatol
o
gi
schen Gutachtens der Rheuma
klinik und des Instituts für phys
ika
lische Thera
pie
der Klinik A._
vom 19. September 199
4 (Urk.
9
/17) sprach
die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle (nach
fol
gend: IV-Stelle),
der Versicherten mit Verfügung vom 6. Dezember 1994 eine ganze Inva
li
den
rente bei einem Invaliditätsgrad von 100 % mit Wirkung ab 1. November 1992 zu (Urk.
9
/22). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
1.2
Im Rahmen der in den Jahren 1996/97 (Urk.
9
/24-26), 1999 (Urk. 9/28-30), 2002
(Urk. 9
/32-36) und 2005 (Urk
. 9
/
39-41) durchgeführten
Revisionsver
fah
ren
wurde
die ganze Rente je gestützt auf die jeweiligen Berichte des be
han
deln
den Haus
arztes Dr. med. B._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizi
n, vom 28. Novem
ber 1996 (Urk. 9
/25
/
2), vom 16. April 1999 (Urk.
9
/29
/
2), vom 6. Febru
ar 2002 (Urk.
9
/33
/
3), und vom 13. April 2005 (Urk.
9
/40
/
3), der stets einen stationären Gesund
heits
zustand atte
stierte, bes
tätigt (Verfügung vom
20. Januar 1997, Urk.
9
/26
/1-2
; Mitteilungen vom 26. April 1999, Urk.
9
/30
/1-2
,
vom 14. März 2002, Urk.
9
/36, und vom 19. April 2005, Urk.
9
/41).
1.3
Im September 2008 leitete die IV-Stelle ein weitere
s Revisionsverfahren ein (Urk. 9
/44), in dessen Verlauf sie unter anderem den Bericht von Dr.
B._
vom 9. Oktober 2008 (Urk.
9
/46) und das Gutach
ten der Rheumatologie der
Klinik C._
vom 15. September 2009 (Urk. 9
/53) einholte und mit Vorbe
scheid vom 8. Januar 2010 die revisionsweise Aufhebung der gan
zen Rente an
kündigte (Urk.
9
/59). Die Versicherte erhob dagegen mit Schrei
ben vom 26. Janu
ar 2010
(Urk.
9
/60), ergänzt mit Schreiben vom 15. März 2010 (Urk.
9
/63) Ein
wände, woraufhin die IV-Stelle mit neuem Vorbescheid vom 25. Juni 2010 die
wie
dererwägungsweise
Aufhebung der ganzen Rente auf Ende des der Zustell
ung der Verfügung folgenden Monats ankündigte (Urk.
9
/68). Auch hiergegen er
hob die Versicherte Ein
wände (
Schreiben vom 26. Juli 2010,
Urk.
9
/69). Mit Verfügung vom 14. September 2010 hob die IV-Stelle die Rente wie ange
kün
digt wiedererwägungsweise auf (Urk.
9/72
).
Der Versicherte erhob dagegen am 15. Oktober 2010
Beschwerde (Urk. 9/73/3-7)
. Mit Urteil vom 30. März 2012, Verfahren Nr. IV.2010.00977,
hob das
Sozialversicherungs
ge
richt
des Kantons Zürich die Ver
fügung vom 14. September 2010 in Gutheis
sung der Beschwerde auf und über
wies die Akten an die IV-Stelle
zur
Neubeur
teilung
des Renten
anspruchs
ab dem 1
5.
September 2010 (Urk. 9/79/11-12).
1.4
Die IV-Stelle holte in der Folge das
bidisziplinäre
Gutachten des Schmerz-/
Gut
achtenszentrums
der
Klinik C._
vom 22. Mai 2013 ein (Urk. 9/91).
Mit
Schreiben vom 14. Oktober 2013 forderte die IV-Stelle die Versicherte unter Hin
weis auf die Schadenminderungspflicht gemäss Art. 43
Abs.
3 des Bundes
ge
setzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) auf, eine
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung aufzunehmen und weitere rheu
ma
tologische Behandlungen durchzuführen. Das Verfahren werde der
wei
len sis
tier
t und der Entscheid über den Anspruch auf eine Invalidenrente nach Durch
führung dieser Massnahmen gefällt (Urk. 9/93).
Mit Vorbescheid vom 29. Nove
m
ber 2013 kündigte die IV-Stelle die Abweisung des
Leistungs
be
geh
rens
an
(Urk. 9/100). Die Versicherte brachte dagegen mit Schreiben vom 17. Januar 2014
Einwände vor (Urk. 9/102/1-2) und liess der IV-Stelle im Hin
blick auf die ihr auf
erlegte Schadenminderungspflicht
mit Schreiben vom 14. Februar 2014 (Urk. 9/104)
unter anderem
die Berichte von Dr. med. D._
,
Allge
meine
Innere Medizin,
vom 23. De
zember 2013 (Urk. 9/105/1-2) und vo
n Dr.
med. E._
, Fachärztin für Phy
sikalische Medizin und Reha
bi
litati
on, vom 30.
Dezem
ber
2013 (Urk.
9/105/3-4
)
zukommen
.
Mit Verfügung vom 28. April 2014 wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren wie angekündigt ab (Urk. 9/107).
2.
Dagegen führte die Versicherte mit Eingabe vom
2. Juni 2014
Beschwerde ans hiesige Ge
richt und beantragte
, es sei
ihr
in A
ufhebung der
angefochtenen
Ver
fügung vom
28. April 2014 eine ganze Rente ab de
m
1.
November 2010 zuzu
erkennen. In prozessualer Hinsicht
ersuchte sie um Gewährung der unent
gelt
li
chen
Prozessführung und Ernennung eines unentgeltlichen Rechts
vertreters in der Person von Rechtsanwalt Marc
Dübendorfer
(
Urk
. 1 S. 2).
Die
Beschwerde
gegnerin
schloss i
n der
undatierten
Beschwerdeantwort
(Eingang: 8. Juli 2014)
ohne Weiterungen
auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
8
).
Mit Verfügung vom
5. August 2014 wurde die Pensionskasse der Beschwerdeführerin, die AXA Stiftung
Berufliche Vorsorge
(nachfolgend:
AXA
) zum Prozess bei
ge
laden und der Beschwerde
führerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt sowie Rechtsanwalt Marc
Dübendorfer
als unent
geltlicher Rechts
vertreter für dieses Verfahren bestellt (
Urk.
10). Die
AXA verzichtete mit Eingabe vom 21. August 2014 auf eine Stellungnahme (Urk. 12).
Auf die Ausführungen der Parteien und die weiteren eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Am
1. Januar 2012
sind d
ie im Rahmen der IV-Revision 6a
vorgenommenen
Än
de
rungen des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) und der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten. In
materiell
recht
licher
Hinsicht gilt jedoch der allgemeine übergangsrechtliche Grundsatz, dass der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen sind, die bei Erlass des angefochtenen Entscheids respektive im Zeitpunkt gegolten haben, als sich der
zu den materiellen Rechtsfolgen führende Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE
127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Die angefochtene Ver
fü
gung
ist am 28.
April 2014
(Urk. 2) ergangen, wobei ein Sachverhalt zu be
ur
tei
len ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Bestim
mungen der IV-Re
vi
sion
6a
am 1. Januar 20
12
begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig
verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Re
geln
für die Zeit bis 31. Dezember 2011 auf die damals seit der 5. IV-Revision
(
ab dem
1. Januar 2008;
AS 2007 5129 ff.
) geltenden Bestimmungen und ab dem 1. Janu
ar 2012
auf die neuen Normen der
IV-Revision 6a
abzustellen
(vgl. zur
5
. IV-
Revision: Urteil des Bundesgerichts
8C_829/2008 vom 23. Dezember 2008 E. 2.1
).
Im Fol
gen
den werden die massgeblichen Gesetzesbestimmungen – so
weit nichts anderes
vermerkt ist - in der
ab 2012
geltenden Fassung zitiert
.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesge
setzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Invalidität kann Folge
von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 IVG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körper
lichen, geistigen oder psy
c
hischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Einglie
derung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeits
markt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Er
werbs
unfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Be
ein
träch
tigung zu berück
sichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht über
wind
bar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Ge
sundheit können in gleicher Weise wie
körperliche Gesundheitsschäden eine In
validität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG be
wir
ken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit
in
vali
den
versicherungsrechtlich
nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Er
werbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei
Aufbietung allen guten
Will
lens
, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwer
ten,
abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objek
tiv be
stimmt. Fest
zu
stellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbs
tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Be
ein
träch
tigung verein
bar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur sow
eit zu einer Er
werbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann,
die Ver
wer
tung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person so
zial-
praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
2.2
Die massgeblichen Rentenabstufungen geben bei einem Invaliditätsgrad von min
destens 40 Prozent Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem
Invaliditäts
grad
von mindestens 50 Prozent Anspruch auf eine halbe Rente, bei einem
In
validi
tätsgrad
von mindestens 60 Prozent Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und bei
einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent Anspruch auf eine ganze Rente
(Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines
Ein
kom
mensvergleichs
zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die ver
sicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung
und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei
ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
), in
Be
ziehung gesetzt zum
Erwerbseinkom
men
, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht invalid geworden wäre (sog.
Va
liden
einkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig mög
lichst genau er
mittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der
Einkom
mensdifferenz
der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E.
3.4.2 mit Hinweisen).
2.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
ger
s
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zu
kunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG)
. Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Än
derung in den tat
sächlichen
Ver
hältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch
zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesent
lichen Änderung des Gesund
heitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn
sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesund
heits
zustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich
gebliebener
Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Aus
wirkung
en auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts
9C_261/2009 vom 11. Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3)
. Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beur
teilung der Auswir
kung
en eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Ge
sund
heitszustandes auf die
Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer
an
spruchserheblichen
Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechts
kräf
tige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Ein
spracheentscheid, welche oder
welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit
rechts
kon
for
mer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung be
ruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundes
ge
richts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hin
weisen).
2.5
Lässt sich eine massgebliche
Sachverhalts
änderung
als Voraussetzung für eine revisionsweise Rentenherabsetzung oder –
auf
hebung
nicht nachweisen, so kann die Verwaltung eine rechtskräftig zugesprochene Rente nur herabsetzen oder
aufheben, wenn die Voraus
setzungen für eine Wiedererwägung erfüllt sind. Dies is
t dann der Fall, wenn sich eine formell rechtskräftige Rentenverfügung, die nicht Gegenstand einer materiellen richter
lichen Beurteilung gewesen ist, als zweifellos unrichtig erweist und ihre Berich
tigung von erheblicher Bedeutung ist (Art. 53 Abs. 2 ATSG).
Zweifellos unrichtig ist ein Entscheid dann
, wenn eine Leistungszusprechung un
vertretbar war, weil sie aufgrund falscher Rechtsregeln
erfolgte oder weil massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden (BGE 138 V 324
E. 3.3
). Zweifellos unrichtig ist die Verfügung auch,
wenn ihr ein unhaltbarer Sachverhalt zugrunde gelegt wurde, insbesondere wenn
eine klare Verletzung des Untersuchungsgrundsatzes zu einem unvoll
ständigen
Sachverhalt führte (vgl.
Art.
43
Abs.
1
ATSG; Urteil
des Bundes
ge
richts
9C_466/2010
vom 2
3.
August 2010 E. 3.2.2 mit Hinweis). Die Frage nach der zweifellosen Unrichtigkeit beurteilt sich nach der Rechtslage im Zeit
punkt des Verfügungserlasses, einschliesslich der damaligen Rechtspraxis (vgl.
BGE
138 V 147 E.
2.1
;
zum Ganzen:
Urteil des Bundesgerichts 9C_33/2014
vom 26.
März 2014 E. 1).
2.6
Nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG können Leistungen vorübergehend oder dauernd ge
kürzt oder verweigert werden, wenn sich eine versicherte Person einer zu
mut
ba
ren Behandlung oder Eingliederung ins Erwerbsleben entzieht oder wider
setzt, die eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit oder eine neue Erwerbs
möglichkeit verspricht, oder wenn sie nicht aus eigenem Antrieb das ihr Zumut
bare dazu beiträgt. Sie muss vorher schriftlich gemahnt und auf die Rechts
folgen hingewiesen werden; ihr ist eine angemessene Bedenkzeit einzu
räumen. Behandlungs- und
Eingliederungsmassnahmen
, die eine Gefahr für Le
ben und Gesundheit darstellen, sind nicht zumutbar. Diese Bestimmung ist im Bereich der Invalidenversicherung anwendbar (
Art.
2 ATSG in Verbindung mit
Art.
1
Abs.
1 IVG
; vgl. auch
Art.
7-7b IVG
).
Der
Tatbestand des
Art.
21
Abs.
4 ATSG enthält
die folgenden
Elemente: Eine vorübergehende oder dauernde Kürzung oder Verweigerung der Leistung wegen Verletzung der Schadenminderungspflicht setzt
die
Zumutbarkeit der (unter
blie
benen) medizinischen Behandlung oder erwerblic
hen Eingliederung voraus. Die
Vorkehr
muss
zudem geeignet sein, eine wesentliche Steigerung der Erwerbs
fä
higkeit zu bewirken. Im Weiteren muss sich die versicherte Person einer solchen
Massnahme
widersetzt oder entzogen oder nicht aus eigenem Antrieb das ihr
Zumutbare dazu beigetragen haben. Der Zeitpunkt, ab welchem eine entspre
chen
de Annahme getroffen werden darf, ist
sodann
von der richtigen Durch
führung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
abhängig. Im Übrigen muss die Sanktion in ihrer konkreten Gestalt
verhältnismässig
sein, indem das
Kür
zungsmass
und die voraussichtliche günstige Wirkung der zumutbaren
Mass
nahme
auf den
Er
werbsschaden
einander entsprechen (vgl.
zum Einzelnen:
Ur
teil
des Bundesge
richt
I 824/06
vom 1
3.
März 2007
E. 2.2-E. 4.).
Gemäss
Art. 7b Abs. 1 IVG können die Leistungen nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach Art. 7 IVG oder nach Art. 43 Abs. 2 ATSG nicht nachgekommen ist. Beim Ent
scheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des
einzelnen Falles, insbesondere das
Ausmass
des Verschuldens und die wirt
schaftliche Lage der versicherten Person, zu berücksichtigen (Art. 7b
Abs.
3). Laut
Art. 86
bis
IVV wird die Rente während längstens sechs Monaten um höchstens die Hälfte gekürzt, wenn die versicherte P
erson den Pflichten nach Art. 7 IVG und Art.
43 Absatz 2 ATSG nicht nachkommt (Abs. 1). In be
sonders schweren Fällen kann die Rente verweigert werden (Abs. 3).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung vom
28
.
April
201
4
auf den Standpunkt,
die Abklärungen hätten ergeben, dass bei der Beschwerdeführerin keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege. Auf
grund der mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syndrom mit
Un
terdiagnosen
sowie den rheumatischen Beschwerden sei
ihre Arbeits
fähigkeit
überwiegend wahrscheinlich eingeschränkt gewesen. Aus rechtlicher Sicht ent
spreche dieses Leiden jedoch keiner langandauernden, schweren Er
krankung mit erheblicher und dauerhafter Eins
chränkung der Arbeitsfähigkeit. Nachdem die Beschwerde
führerin am 1
2.
November 2013 den Antrag gestellt habe, rückwir
kend bis zum Abschluss der auferlegten
Schaden
minderungs
pflicht
die gesetzli
chen Leistun
gen auszurichten, sei aufgrund der vorhandenen Unterlagen über den
Leistungs
anspruch
entschieden worden.
Prognostisch sei eine Verbesserung unter Ausbau der Therapie der Skelettbefunde als auch durch eine regelmässige
psychiatrische Behandlung als möglich eingeschätzt worden. Vor dem Bericht
der Klinik A._
habe eine depressive Symptomatik nicht bestanden oder sei nicht doku
mentiert worden. Die psychische Störung sei bislang nicht behandelt wor
den. Gemäss dem Gutachten (der
Klinik C._
vom 2
2
. Mai 2013; Urk.
9/91/1
)
habe auch eine relevante Beeinträchtigung der kognitiven Fähig
keiten nicht ob
jek
tiviert werden können. Um eine Besserung zu eva
luieren, sollte
die Be
schwer
deführerin während 9 bis 12 Monaten die psychia
trische als auch die so
mati
sche Behandlung durchführen. Nach Beendigung dieser Behand
lung sollte es ihr möglich sein,
eine leichte Tätigkeit
ohne längere statische Po
si
tionen, vor allem ohne längeres vornüber geneigtes Stehen und Sitzen, He
ben und Tragen von Laste
n über 5 Kilogramm in einem vollen Pen
sum aus
zu
führen (Urk. 2 S. 2 f.).
3.2
Die Beschwerdeführerin
bringt
dagegen
vor
,
bereits
das
rein rheumatologische
Gutachten
der
Klinik C._
vom 15. September 2009
habe damals
insge
samt
eine volle Arbeits
unfähig
keit in allen Bereichen ergeben.
Die darin attes
tier
te medizinisch-theoretisch 100%ige Arbeitsfähigkeit in einer leichten,
wechselbe
las
tenden
Tätigkeit sei durch den Hinweis auf den kosmetisch be
zie
hungsweise
hygienischen Aspekt einer
palmaren
Pustulose
bei jeglicher Tätig
keit relativiert
worden. Gemäss dem Bericht der Rheumaklinik
der Klinik A._
vom
24. September 2010
hätten sodann klare Angaben über die entzündliche Natur der
Rücken
be
schwer
den
vorgelegen. Es sei eine voll Arbeitsun
fähig
keit in der angestammten Tätig
keit attestiert worden und in einer leichten Tätigkeit sei eine Arbeitsfähigkeit von über 30
%
als kaum realistisch beurteilt worden. Auch aus dem Gutachten der
Klinik C._
vom 22. Mai 2013 sei ersichtlich, dass
sich die entzünd
liche Manifestation ausgebreitet habe. Daher lasse sich der
be
schwerde
geg
ne
rische
Einwand des psychogenen Schmerzsyndroms nicht hal
ten. Aus diesem Gutachten gehe zudem hervor, dass sich der psychische Ge
sund
heitszustand ver
schlechtert habe und die Prognose ungünstig sei. Es sei ihr an
gesichts ihrer massiven gesundheitlichen Beeinträchtigungen in somatischer und psychischer Hinsicht keine Erwerbstätigkeit zumutbar, welche den Renten
anspruch unter
gehen liesse
(Urk. 1 S.
4
f.
).
3.3
3.3.1
Im Urteil des hiesigen Gerichts vom 30. März 2012 (Verfahren
Nr. IV.2010.00977
; Urk. 9/79
)
wurde festgestellt, dass
eine zweifellose Unrich
tig
keit der ur
sprünglichen Rentenverfügung vom 6. Dezember 1994
(Urk. 9/22)
un
d der folgenden Mitteilungen
(Verfügung vom 20. Januar 1997, Urk. 9/26/1-2; Mit
teilungen vom 26. April 1999, Urk. 9/30/1-2, vom 14. März 2002, Urk. 9/36, und vom 19. April 2005, Urk. 9/41)
wegen Verlet
zung des
Unter
su
chungs
grund
satzes
zu bejahen
sei
, weshalb
die Beschwerdegegnerin
die
Renten
verfügung
zu Recht in Wiedererwägung gezogen habe. Und zwar sei insbeson
dere die zumut
bare Ar
beits
fähigkeit in einer leidensangepassten Tätig
keit nicht abgeklärt und ohne Weiteres von der vollständigen Arbeitsun
fähigkeit in der ange
stammten Tätig
keit als Serviceangestellte auf eine
n
100%igen
Invaliditäts
grad
geschlossen worden (E. 4
; Urk. 9/79/8-11
)
.
Dabei wurde im Urteil offen gelassen, o
b bezüglich der strittigen Arbeits
fähig
keit in einer leidensangepassten Tätig
keit im mass
geblichen Zeit
punkt des Er
lasses der angefochtenen Verfügung
vom 14. September 2010 (Urk.
9/72
)
auf das rheuma
tologische Gutach
ten der
Klinik C._
vom 15. September 2009
(Urk.
9/53
)
abgestellt werden
könne
.
Denn a
ufgrund des
Berichts des Spitals
in Z._
vom 20. Oktober 2010 (Urk.
9/75/7-8
)
könne eine renten
erhebliche Ver
schlechterung
des Gesundheits
zustandes bereits vor Auf
hebung der laufen
den Rente
per Ende Oktober 2010 (Urk. 9/72/3, Urk. 9/73/4)
nicht ausge
schlos
sen werden
,
so dass
die Aufhebung der Rente
-
im Rahmen
d
es
(
dama
ligen
)
Ver
fahrens
-
nicht bestätigt werden
könne
(E. 5
; Urk. 9/79/11
)
.
Die Verfügung vom 14. September 2010 (Urk. 9/72) wurde daher aufgehoben und
d
ie Akten an die
Be
schwerde
gegnerin
f
ür die Beurteilung des Renten
anspru
ches für die Zeit nach Erlass d
er Verfügung
vom
14. September 2010
überwiesen (Urk. 9/79/
11-12
).
3.3
.2
Bei dieser Ausgangslage
ist
von eine
m
Anspruch auf eine ganze Rente bis
min
destens Ende
Oktober
2010 auszugehen
(
Art. 85 Abs. 2, Art. 88
bis
Abs. 2
lit
.
a IVV
;
Urk. 9/72/3, Urk. 9/73/4
)
und w
ie
bei einer materie
llen Revision nach Art.
17 Abs.
1 ATSG
ist
auf der Grundlage eines richtig und voll
ständig festge
stellten Sachverhalts der Invaliditätsgrad bei Erlass
der Verfügung
vom
14. Sep
tember 2010
zu ermitteln, woraus sich die Anspruchsberechtigung und allen
falls
der Umfang des Anspruchs
pro
futuro
ergeben
(
vgl.
Urteil
des Bundes
ge
richts
9C_1014/2008
vom 1
4.
April 2009
E. 3.3 mit Hinweisen).
D
ie
An
spruchs
be
rech
tigung
und gegebenen
falls der Umfang des Anspruchs
ist
somit ab No
vember 2010
zu prüfen
.
4.
4.1
4.1.1
Gemäss
dem
Bericht
der
Rheuma
klinik
und des Instituts für Physikalische Medi
zin
der Klinik A._
vom 2
4.
September 2010
betreffend die ambulante Sprech
stunde vom 13. September 2010
(
Urk.
9/73/12-13) w
urden
die
folgen
den
Diag
nosen
ge
stellt:
1.
undifferenzierte
Spondarthropathie
mit/bei
Erst
mani
festation
im Jahr 1992,
Rheumafaktor, Anti-CCP-AK negativ, rezidi
vierender
Pustolosis
palma
plan
taris
, Verdacht auf
Illiosakralgelenk
-(
ISG-
)
Arthritis links,
Basis
therapie
mit
Salazopyrin
seit 1992 und
Methotrexat
seit Mai 2010, aktuell:
Oligo
arthritis
, entzündlichen Rückenschmerzen;
2.
arterieller Hypertonie; 3. de
pressive Ver
stimmung; 4.
an
am
nestisch Status nach Herzrhythmusstörung im Jahr 200
8
.
Als aktuelle Be
schwerden seien eine schmerzhafte Schwellung
des rechten Hand
gelenks
, Schmerzen im oberen Sprun
g
gelenk (OSG) links und in den Schultern beidseits, Morgensteifigkeit
sowie
lumbale Schmerzen mit Aus
strah
lung in die
Hüfte beidseits angegeben worden. Systemanamnestisch bestehe seit einigen Jahre
n eine Depression.
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit sei klar, dass für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Service-Angestellte eine 100%ige Arbeitsun
fähig
keit bestehe. Auch für eine ideale,
leidensangepasste
Tätigkeit
bestehe zur
zeit kaum eine volle Arbeitsfähigkeit. Bei entzündlichem Befall des Hand
gelenks und auch diverser Fingergelenke der rechten Hand
sei diese als weit
gehend
ge
brauchsunfähig
zu betrachten. Ein Einsatz von mehr als 30
%
in einer leichten Tätigkeit sei zum aktuellen Zeitpunkt kaum realistisch. Nach Beginn mit einer Behandlung mit einem TNF-Blocker sei die Situation wieder
neu zu beurteilen. Bei gutem Ansprechen könne durchaus für eine
lei
densangepasste
Tätigkeit zu
mindest eine Teilarbeitsfähigkeit erreicht werden (
Urk.
9/73/12-13).
Laut
dem
Bericht des Spitals
in Z._
vom 20. Oktober 2010
(richtig wohl:
2
4.
Oktober 2010)
wur
de die Versicherte nach notfallmässi
g
er Zuweisung von Dr.
E._
vom 18. bis 24. Oktober 2010 im Spital
Z._
hospi
talisiert, wo mittels Magnetresonanztomographie
(MRT)
v
om 21. Oktober 2010 eine
Dis
kus
hernie
L3/L4 mit Wurzelkompression L3 links festgestellt
worden sei
; dies
nach
dem neu zu den Schmerzen in diversen Ge
lenken ein konstanter Schmerz in der linken Hüfte aufgetreten sei, der sich bei Bewe
gungen verstärkt habe
(Urk.
9/75/7
).
4.1.2
Die Gutachter Dr. med.
F._
, Fachärztin
für Rheumatologie und Reha
bi
li
tation,
und Prof. Dr. med.
G._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie,
stellten gemäss dem
bidisziplinären
rheumatologisch-psychiatrischen Gut
ach
ten des Schmerz-/Gutachtenzentrums der
Klinik C._
vom 22. Mai 2013
die folgenden Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeit
s
fähigkeit
:
1.
Chro
ni
sche
Polya
rthritis
mit/bei
asymmetrischer Ausprägung,
differential
diag
nostisch
rheumatoide Arthritis, undifferenzierte
Spondarthrop
athie
(
Pso
riasis
arthritis
sine
psoriasi
), Beginn mit Monoarthritis am rechten Handgelenk (
dif
ferential
diagnos
tisch
reaktiv nach Angina
ton
silliaris
1992),
Rheumafaktor dis
kret positiv (15
kU
/l), ANA, Anti-CCP, ANCA negativ,
Synovitiden
Carpus
beid
seits vor allem
rechts, MCP II und III beidseits Erosionen im rechten
Carpus
, möglicherweise auch MCP III und
Os
triquetrium
links (MRT der Hände vom 21. Fe
bruar 2013,
Balgrist
), Schultergelenks
erguss rechts (MRT vom 11. Februar 2013),
humoral wie
derholt erhöhte Ent
zündungsaktivität (auch v
orbestehend 15.
September 2009
), keine sicheren Hin
weise auf entzündlichen Befall des
Ach
senskeletts
(Ganzkörper MRT vom 11. Februar 2013,
Balgrist
), Therapie: Status nach
Steo
ridinfiltration
rechtes Hand
gelenk,
nichtsteroidalen
Anti
rheumatika
(NSAR)
,
Status nach
Sulfasal
azin
1992-2011 (Absetzgründe unbe
kannt), Status nach
Ada
li
mumab
(
Humira
) zirka April 2011 bis März 2012 (subjektive
Abset
zungs
gründe
unklar), aktuell
Metho
trexat
seit Mai 2010, derzeit peroral
niedrig
do
siert
; 2. AC-Gelenksarthrose beidseits, nicht aktiviert (Ultraschall vom 1
6.
Janu
ar
2013, MRT vom 11. Feb
ruar 2013); 3. chronisches panvertebrales
Schmerz
syn
drom
mit/bei ödematöse
n
Wirbelkörperveränderungen
Bandscheiben-assoziiert (
Modic
I) C6/7,
Chond
rosen
C5-C7, ödematöse Deck- und
Boden
plat
tenver
än
derungen
Th3-Th7,
Chon
drosen
Th3-Th6, multisegmentale
Facet
ten
ge
lenks
ar
throsen
ohne Irrita
tionen (keine Ergüsse), keine
foraminale
oder spinale
Ste
nosierung
, keine frische oder abgelaufene
Sakroiliitis
, leichte Arthrose ISG beid
seits und
Symphese
(MRT Ganzkörper/
Bechterew
-Protokoll vom 11. Februar 2013,
Balgrist
)
,
Wirbelsäulen
fehlform
/Fehlhaltung mit
zervico
thorakaler
Hyper
kyphose
und lumbaler Lordose, muskuläre
Dysbalancen
,
Insuf
fizienz der Schul
tergürtel- und
Rumpf
muskulatur
,
Extremitätenmuskulatur
, all
ge
meine
Dekondi
tionierung
, Status nach Diskushernie L3/4 mit
Nerven
wurzel
kompression
L3 links (
akten
anam
nestisch
MRT vom 21. Oktober 2010), statio
näre Behandlung
im
Spital
in
Z._
,
aktuell keine Hinweise au
f
radikuläre
Reiz- oder Ausfall
symp
tomatik; 4. Knieschmerzen beidseits mit/bei
Patella-Fehl
stellung
und mus
kulärer
Insuffizenz
; 5. Chronisch rezidivierende
palmo
plantare
Pustu
lose
(
Krank
heitsbeginn
1991) klinisch derzeit asymp
toma
tisch; 6. Mittelgradige de
pres
sive
Epi
sode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11) mit/bei gra
vieren
den psycho
sozialen Belastungen
(chronische Krankheit des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes [ICD-10 Z87.3], eheliche Probleme [ICD-10 Z63.0], familiäre Probleme [ICD-10 Z63.7], Einkom
mens
ver
hältnisse [ICD-10 Z59.6] und mit wahr
scheinlicher
Somatisierungstendenz
;
Urk. 9/91/23-25)
.
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten die Gutachter im
C._
-Gutachten vom 22. Mai 2013 die folgenden auf:
1.
Arterielle Hy
pertonie
;
2.
leichter 25-OH-Vitamin D3 Mangel (43,0
nmol
/l
);
3.
diskreter
Fol
säuremangel
(12
nmol
/l; differentialdiagnostisch insuffiziente Supplemen
tati
on unter
Methotrexat
-Therapie); 4. Verdacht auf Narbenhernie Mittel-/Un
ter
bauch bei Status nach Appendek
tomie; 5. Diabetes mellitus Typ
2 (
Erst
diagnose
2011) unter oraler Antidiabetika und bei Verdacht auf peripher
er Neuro
pathie (
Pall
hypästhesie
; Urk. 9/91/25)
.
Dr.
F._
und Prof. Dr.
G._
kamen zum Schluss, dass
sich die somatische Erkrankung der Beschwerdeführerin im Vergleich zum gesundheitlichen Zu
stand im Rahmen des ersten rheumatologischen Gutachtens
vom 15.
Septem
ber 2009 relevant verschlechtert
habe, was durch die klinisch, bildgebend und la
bormässige Krankheitsaktivität der Polyarthritis mit
erosiven
Veränderungen der Hände sowie aktivierten degenerativen (differentialdiagnostisch entzünd
li
chen) Veränderungen an der Wirbelsäule begründet sei
.
Eine graduelle und schrittweise Verschlechterung des Gesundheitszustandes sei aufgrund der ent
zündlichen rheumatischen Erkrankung wahrscheinlich.
Aufgrund der Akten
lage sei eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes sicherlich ab dem Zeitpunkt der ambulanten rheumatologischen Untersuchung in der
Rheuma
kli
nik
der Klinik A._
vom 1
3.
September 2010 ausgewiesen
(Urk. 9/91/41-42)
.
Auch sei seither eine depressive Symptomatik
im Sinne
einer reaktiven psychischen Stö
rung
hinzugetreten
, wobei diese
überwiegend auf die im Jahr 2010 (even
tuell früher) fest
gestellte Ver
schlechterung der somatischen Erkrankung und nicht
auf die seit Jahren vorhandenen psychosozialen Belastungen zurückzu
führen sei (Urk. 9/91/31, Urk. 9/91/
40
)
.
Die
Be
schwerde
führerin
befinde
sich
aus somatischen und psychischen Gründen beziehungsweise aufgrund der negativen Wechselwirkung dieser beiden Aspekte in einem be
denklichen gesundheitlichen Zustand, in welchem sie (ohne dass eine Stabilität erreicht werde) kaum zu beruflichen Leistungen in irgendeiner Tätig
keit in der Lage sei. Die Arbeitsfähigkeit in der angestammten T
ätigkeit als Serviererin/Restau
rationsangestellte sei zu 100
%
eingeschränkt.
Eine solche sei bereits im
Bericht vom 19.
September 1994 aufgrund der damaligen Befunde postuliert worden und die Befundlage habe sich seither nicht wesentlich ver
än
dert. Auch eine leidensangepasste Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin
zum aktuellen Zeitpunkt nicht zumutbar.
Denn die Entzündungsaktivität seitens
der Polyarthritis
sei derzeit aufgrund der um
fassenden klinischen, labormässigen und radiologischen Untersuchungen deutlich erhöht und betreffe vor allem die peripheren Gelenke (Hände, das rechte Schultergelenk, beide Sprunggelenke). Die rheumatologische
Grun
derkrankung
sei derzeit nicht adäquat behandelt be
ziehungsweise nicht in Re
mission. So sei die Beschwerdeführerin bereits in grund
legenden
Alltags
aktivitäten
hochgradig und umfassend eingeschränkt, zum Beispiel bei der Körperpflege, An- und Ausziehen, sowie häufig auf Hilfe
leis
tungen ihrer Familienangehörigen
angewiesen.
Selbständig könnten diese Tätigkeiten nur in einem sehr langsamen Tempo beziehungsweise nur mit einem inadäquat grossen Zeitaufwand bewerkstelligt werden. So sei auch vor der kör
perlichen Untersuchung zu beobachten gewesen, dass sich die Beschwerde
füh
rerin nur langsam aus- und angekleidet habe
. Sie habe
dabei teilweise Hilfe
leistung benötig
t
. Dass die Führung des gemeinsamen Haushaltes vollum
fäng
lich von Familienangehörigen übernommen werde
,
sei nach
vollziehbar. Auf
grund der strukturellen Veränderungen und der funktionellen Defizite an der Wirbelsäule und der grossen Gelenke (Schulter rechts) sei
der Beschwerde
füh
re
rin selbst nach adäquater Behandlung der entzündlichen Pathologien, eine Ar
beits
fähigkeit in einer mittelschweren bis schweren Tätigkeit und eine Tätig
keit mit längeren statischen Positionen, vor allem längeres vornüber
geneigtes Ste
hen und Sitzen, Heben und Tragen von Lasten über fünf Kilo
gramm nicht zu
mutbar.
Eine körperlich leichte Tätigkeit, welche in der Regel mit dem Einsatz der Hände einhergehe, sei aufgrund des entzündlichen Befalls der oberen Ext
remitäten derzeit nicht zumutbar.
Allenfalls müsste diese Beurteilung nach einer über eine konsequente und adäquat lange Zeitdauer durch
geführte
im
mun
mo
du
latorische
medikamentöse Therapie
re
-evaluiert werden. Es
sei
indes
mit Nachdruck darauf hinzuweisen, dass die psychische Beein
trächtigung und die negative Wechselwirkung der psychischen und somatischen Erkrankung dazu
führe, dass vorerst der Beschwerdeführerin (vor Erreichen einer gesund
heitli
chen
Stabilität) keine Tätigkeit zumutbar sei
(Urk. 9/91/32-
43
)
.
4.2
4.2.1
Da
s
von der Beschwerdegegnerin eingeholte
Gutachten von Dr.
F._
und
Prof. Dr.
G._
vom 22. Mai 2013
(Urk. 9/91) erfüllt
alle
rechtsprechungs
ge
mäs
s
erforderlichen Kriterien für beweis
kräftige ärztliche
Entscheidungs
grund
lagen
(vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c
). Dies wird auch von den Parteien nicht angezweifelt.
Es besteht
auch sonst
kein Grund, von deren
detailliert und nachvollziehbaren begründeten
Einschätzung einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in jeg
licher Tätigkeit abzuweichen.
4.2.2
Insbesondere
ist
entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin
nicht bereits deshalb eine Invalidität zu verneinen, weil im gutach
terlichen Diagnosekatalog eine mittel
gradige depressive Episode aufge
führt ist
.
Zwar
werden
nach der Recht
sprechung leicht-mittelgradige Episoden einer Depres
sion und selbst mittel
gradige depressive Episoden regelmässig nicht als von depressiven
Ver
stim
mungszuständen
klar unterscheidbare andauernde Depres
sion im Sinne ei
nes
verselbstständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Per
son verunmöglichte, die Folgen der bestehenden
Schmerz
problematik
zu über
winden (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni 2014 E. 3.3.4
mit Hin
weisen).
Diese Rechtsprechung bezieht sich jedoch auf
Sachverhalte, bei denen die depressive Symptomatik reaktiv und untrennbar mit einer
Schmerz
problematik
in Zusammenhang steht, die auf eine anhaltende
somatoforme
Schmerzstörungen (ICD-10 F45.4) oder andere
patho
genetisch-ätiologisch
un
klare
syndromale
Bechwerdebilder
ohne nachweisbare organische Grundlage (vgl. BGE
140 V 8 E. 2.2.1.3
) zurückzuführen sind.
Hier wurde von den Gutachtern jedoch bereits zufolge der somatischen Be
schwerden, insbesondere aufgrund der chronischen Polyarthritis und den teils ent
zündlichen teils degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule
nach
voll
ziehbar
eine vollständige Arbeits
un
fähigkeit attestiert, zumal deswegen selbst grund
legende Alltagsaktivitäten hochgradig und umfassend eingeschränkt sind (Urk. 9/91/39).
4.2.3
G
estützt auf das
bidisziplinäre
Gutachten von Dr.
F._
und Prof. Dr.
G._
ist
von einer anhaltenden vollständigen Arbeitsun
fähigkeit in der ange
stamm
ten
Tätig
keit als Serviceangestellte und
spätestens ab Oktober 2010 von einer 100%igen Arbeitsun
fähig
keit
auch
in
einer leidensangepassten
Tätigkeit auszu
gehen
.
Damit ist ohne
Weiteres
auf eine 100%ige Erwerbseinbusse respektive einen Invaliditätsgrad von 100 % mit einem Anspruch auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG) zu schliessen (sogenannter Prozentvergleich; vgl.
Urteil
e
des Bun
des
gerichts
9C_882/2010 vom 2
5.
Januar 2011 E. 7.1
und
I
315/02
vom 9.
Dezember 2003
E.
4.2
).
4.
3
4.3.1
Daran
ändert nicht
s
, dass die Gutachter
die folgenden
rheumatologische
n
und psychiatrische
n
Therapien
empfoh
len haben:
Steigerung der
M
etho
trexat
dosis
auf 20 - 25 mg in
subcutaner
Applikations
form
,
Erwägung des
Wieder
ein
satzes
eines
Biologikums
unter zeitnaher und regel
mässiger rheuma
tologischer Kon
trolle,
Folsäuresupplementation
mit Laborkont
rolle, Substitution von Vitamin
D und Kalzium
, Einsatz von syste
mischen, gegebenenfalls intra
arti
kulären
Gluko
kortikoiden
[Cortison]
unter Berück
sichtigung der inter
nistischen
Begleit
erkran
kung
wahr
scheinlich meta
bolischen Syndroms mit Diabetes mellitus und Adi
positas,
Erwägung des Einsatzes von
antiinflammatorischen
, gegebenenfalls auch
immunmodulierenden Therapiemassnahmen zur Behandlung der
Wirbel
körper
veränderungen
, unter Berück
sichtigung der Gesamtsituation allen
falls ge
zielte, selektive und radiologisch gesteuerte wirbelsäulennahe
Steroidinfiltra
tio
nen
, physiothera
peu
tisch ange
leitete,
rekonditio
nierende
, kräftigend-stabili
sie
rendes
Be
wegungsprogramm
mit Einzelphysiotherapie
und im Verlauf ange
lei
tete me
dizinische Trainingstherapie sowie eine psychiatrisch-psycho
thera
peuti
sche Be
hand
lung mit Einleitung einer adäquaten medika
mentösen Behand
lung mit schmermodulierenden Präparaten (Urk. 9/9
1
/35-37).
Denn die
Gutach
ter wiesen gleichzeitig darauf hin, dass die
Umsetzbarkeit der
Therapie
mass
nahmen
davon abhänge, ob in Zukunft die rheumatologische
Grunderkran
kung
kon
trolliert und zur Remission gebracht werden könne. Gleich
zeitig würden aber auch psychosoziale Faktoren, welche die Compliance und Adhä
renz beein
flussen würden, bei den entsprechenden Überlegungen eine we
sent
liche Rolle
spielen (Urk. 9/91/37). Auch sei eine rasche Stabilisierung des gesundheitlichen Zustandes aufgrund der
Chronifizierung
der Beschwerden und
der negativen Wechselwirkungen der soma
tischen und psychischen Beschwer
den,
wie auch aufgrund des fortge
schrittenen Alters kaum zu erwarten. Die Gutach
ter beur
teilten die Prognose daher als ungünstig (Urk. 9/91/32, Urk. 9/91/40).
4.3.2
Die vollständige Arbeitsunfähigkeit
ab November 2010
ist damit auch unter Be
rücksichtigung der
geltenden
Schadenminderungspflicht (
Art. 7 und 7b IVG in Verbindung mit
Art.
21
Abs.
4 ATSG,
Art.
43
Abs.
3
ATSG)
nicht in Frage
zu
stellen, zumal die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin erst
mit Schrei
ben
vom 14. Oktober 2013
und ohne weitere Konkretisierung
zur
Auf
nahme
von
psy
chiatrisch-psychologisch und rheumatologischen
Therapien
zusammen mit dem
Hausarzt
aufgefordert und
erst dann
über die
Folgen der Ver
letzung der
Schadenminderungspflicht gemäss Art. 43 Abs.
3
ATSG aufge
klärt
hat
(Urk.
9/93
)
.
Welche Therapien im Einzelnen gefordert seien, wurde im Schreiben nicht ausgeführt. Insbesondere ist dem Schreiben kein Hinweis auf die
Thera
pieempfehlungen
von
Dr.
F._
und Prof.
Dr.
G._
gemäss dem Gutachten vom 2
2.
Mai 2013 zu entnehmen.
Aufgrund der von
Dr.
F._
und Prof.
Dr.
G._
gemachten Ausführungen und der gestellten ungünstige
n
Prog
nos
e ist zudem nicht davon auszugehen, dass
die
empfohlenen
Therapien
unter der mass
geb
lichen prospektiven und damit hypothetischen Betrachtung
in vo
raus
sehbarer Zeit
eine wesentliche Verbesserung der Erwerbsfähigkeit zu bewir
ken ver
möch
ten.
Die Umsetzbarkeit der
Therapie
mass
nahmen
hängt
gemäss dem Gut
achten
zudem
davon ab
, ob in Zukunft die rheuma
tologische
Grunder
kran
kung
kon
trolliert und zur Remission gebracht werden könne.
Die rheuma
tolo
gische Behandlung wurde gemäss den Berichten von Dr.
D._
vom 23. De
zember 2013 (Urk. 9/105/1-2) und von Dr.
E._
vom 30. Dezember 2013
(Urk. 9/105/3-4) sowie dem Schreiben der CSS Versicherung vom 6. Ja
nuar 2014
über die Vergütung des Medikamentes
Humira
(
Urk.
9/105/5)
sodann
be
reits
auf
genommen.
Schliesslich hat die Beschwerdegegnerin die Abweisung des
Leis
tungs
begehrens
mit Vorbescheid vom 2
9.
November 2013 (
Urk.
9/100) vor Ab
lauf der mit Schreiben vom 14. Oktober 2013 angesetzten zweimonatigen
Be
denk
fr
ist
zur Aufnahme der Therapien (Urk. 9/93/2) angekündigt.
4.3
.3
Eine Verletzung der Schadenminderungspflicht mit korrekt durchgeführtem Mahn-
und
Bedenkzeitverfahren
, welche eine Leistungskürzung im hier mass
geblichen Überprüfungszeitraum
(
vgl. dazu
BGE 132 V 220 E. 3.1.1, BGE 122 V 77 E. 2b, Urteil des Bundesgerichts 8C_76/2009 vom 1
9.
Mai 2009 E. 2, je mit Hin
weis)
bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom 28. April 2014
(Urk.
2)
rechtfertigen würde,
liegt
unter diesen Umständen nicht vor.
5.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung vom 2
8.
April 2014 in Gut
heissung der Beschwerde aufzuheben und es ist festzustellen, dass die Be
schwerdeführerin weiterhin Anspruch auf eine ganze Rente ab November 2010 hat.
6.
Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
leistungen betrifft, ist das Ver
fahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach
dem
Verfahrens
aufwand
und un
abhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), ermessensweise auf Fr. 800.-- an
zusetzen und ent
spre
chend dem Ausgang des Verfahrens der
Be
schwerdegegnerin
aufzu
erlegen.
Der
obsiegenden
, durch einen unentgeltlichen Rechtsbeistand vertretenen
Be
schwerdeführerin steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 des Gesetzes über das
Sozialver
si
cherungs
gericht
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen sowie unter Berücksichtigung der Honorarnote von Rechtsanwalt Marc
Dübendorfer
vom 1
7.
September 2014 (Urk. 15) auf Fr. 2‘100.-- (inklusive
Bar
auslagen
und Mehr
wertsteuer) fest
zusetzen ist.