# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 37addd1a-7704-50cd-b8fb-7fa2b223c879
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin ist Mieterin einer Montagehalle auf der Parzelle Bern
Grundbuchblatt Nr. D._. Eigentümerin des Grundstücks ist die von Amtes wegen
am Verfahren Beteiligte. Die Parzelle befindet sich im Perimeter der Überbauungsordnung
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Nr. "111 Uferschutzplan Abschnitt E._" und in der Schutzzone A (SZ A) sowie im
Aaretalschutzgebiet. Für die Montagehalle erteilte die Stadt Bern am 2. August 1967 eine
Bewilligung zum Erstellen einer provisorischen baulichen Anlage (bezeichnet als
"Bestandesbewilligung"). Als Bedingung wurde aufgeführt, die Bewilligung dauere bis zum
31. August 1972 und die Halle sei auf diesen Termin zu entfernen. Am 2. Dezember 1971
wurde die Gültigkeitsdauer der Bestandesbewilligung bis am 31. August 1974 verlängert.
Mit Schreiben vom 23. Juli 1974 teilte der Stadtbauinspektor der Bauherrschaft mit, die
Befristung der Bestandesbewilligung werde aufgehoben; diese Bewilligung gelte von nun
an bis zu ihrem Widerruf. Am 11. April 1996 verfügte das Bauinspektorat der Stadt Bern,
dass die provisorische, am 23. Juli 1974 auf Widerruf bewilligte Montagehalle bis am 31.
Dezember 2005 zu entfernen sei. Am 25. Mai 2004 wurde die Gültigkeitsdauer der
Bewilligung vom 2. August 1967 durch den Regierungsstatthalter von Bern bis maximal
zum 31. Dezember 2009 verlängert. Am 26. Februar 2010 ersuchte die
Beschwerdeführerin erneut um Verlängerung der altrechtlichen Bestandesbewilligung für
die Montagehalle um weitere fünf Jahre. Mit Gesamtbauentscheid vom 15. Dezember 2011
erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland eine befristete Baubewilligung (u.a.
mit Ausnahmebewilligung für das befristete Aufstellen einer nicht standortgebundenen
Montagehalle in der Schutzzone SZ A). Im Entscheid wurde festgehalten, die
Baubewilligung sei bis am 31. Dezember 2017 befristet. Spätestens nach Ablauf der
Befristung gelte die Bewilligung als widerrufen und die Baute sei entschädigungslos zu
entfernen.
2. Am 11. November 2016 reichte die Beschwerdeführerin ein weiteres Baugesuch zur
Verlängerung der Bewilligungsfrist für die Montagehalle um fünf Jahre bis am 31.
Dezember 2022 ein. Mit Verfügung vom 31. Januar 2017 wies das Bauinspektorat der
Stadt Bern dieses Baugesuch zur Verbesserung diverser Mängel an die
Beschwerdeführerin zurück. Das daraufhin am 5. Mai 2017 eingereichte Baugesuch wurde
vom Regierungsstatthalteramt mit Verfügung vom 28. Juni 2017 erneut zur Verbesserung
zurückgewiesen. In der Folge verlängerte das Regierungsstatthalteramt die Frist zur
Verbesserung des Baugesuchs auf Antrag der Beschwerdeführerin bis am 22. September
2017. Mit Eingabe vom 18. September 2017 brachte die Beschwerdeführerin vor, sie
erachte die Baute als durch die Besitzstandgarantie geschützt und könne keinen
ausreichenden Grund für die Einreichung eines erneuten Baugesuchs erkennen. Sie
ersuchte um Prüfung der Rechtslage und beantragte die Aussetzung des Verfahrens. Mit
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Verfügung vom 22. September 2017 setzte das Regierungsstatthalteramt das
Baubewilligungsverfahren vorläufig aus. Man prüfe die Anträge der Beschwerdeführerin
und werde zu gegebener Zeit über das weitere Vorgehen informieren.
Mit Verfügung vom 20. November 2017 führte das Regierungsstatthalteramt aus, nach
vorgenommener Prüfung des Rechtsbegehrens der Bauherrschaft halte die
Baubewilligungsbehörde an ihrer bisherigen Haltung fest. Das wieder aufzunehmende
Verfahren richte sich nach der ursprünglichen Verfügung vom 28. Juni 2017. Da bereits ein
Baugesuch eingereicht worden sei, werde zudem nicht über dessen Notwendigkeit
entschieden. Das Regierungsstatthalteramt verfügte in dieser Verfügung Folgendes:
"2.1 Das Baubewilligungsverfahren wird wieder aufgenommen.
2.2 Die mit Verfügung vom 28. Juni 2017 festgelegte Frist wird neu auf den 6. Dezember 2017
gesetzt, im Übrigen wird auf das Dispositiv der Verfügung vom 28. Juni 2017 verwiesen."
3. Gegen diese Verfügung vom 20. November 2017 reichte die Beschwerdeführerin am
21. Dezember 2017 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt, die Verfügung des Regierungsstatthalteramts
Bern-Mittelland vom 20. November 2017 sei aufzuheben und es sei festzustellen, dass die
Beschwerdeführerin für den unveränderten weiteren Bestand der seit 1967 bewilligten
Montagehalle keiner Baubewilligung bedürfe.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Mit Eingabe vom 12. Januar 2018
verzichtete die Stadt Bern auf die Einreichung einer materiellen Stellungnahme. Das
Regierungsstatthalteramt beantragt mit Stellungnahme vom 26. Januar 2018, die
Beschwerde sei abzuweisen, soweit auf diese einzutreten sei. Von der von Amtes wegen
am Verfahren Beteiligten ging keine Stellungnahme ein.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191).
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5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Zuständigkeit und Fristwahrung
Angefochten ist eine Verfügung des Regierungsstatthalteramts in einem
Baubewilligungsverfahren. Diese Verfügung schliesst das Verfahren weder ganz noch
teilweise ab, weshalb es sich um eine Zwischenverfügung handelt (Art. 61 Abs. 1 VRPG2).
Der Erlass von Zwischenverfügungen fällt grundsätzlich in die Zuständigkeit der
instruierenden Behörde, der Rechtsmittelweg entspricht bei Zwischenverfügungen
demjenigen in der Hauptsache.3 Bauentscheide können innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden (Art. 40 Abs. 1 BauG4). Die BVE ist
somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen die Zwischenverfügung zuständig. Die
Beschwerde wurde zudem form- und fristgerecht eingereicht.
2. Streitgegenstand und Anfechtbarkeit
a) Die Beschwerdeführerin vertritt die Ansicht, bei der angefochtenen Verfügung vom
20. November 2017 handle es sich um einen Feststellungsentscheid gemäss Art. 48 Abs. 2
BewD5, mit welchem das Regierungsstatthalteramt die Baubewilligungspflicht des
umstrittenen Vorhabens festgestellt habe. Ein solcher Entscheid unterliege der
Beschwerde nach Art. 49 BauG.
b) Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz vom 20. November 2017. Der
Streitgegenstand braucht sich zwar nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, doch gibt
dieses den Rahmen des Streitgegenstands vor; der Streitgegenstand kann nicht über das
hinausgehen, was die Vorinstanz geregelt hat.6
2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 61 N. 6 und 7. 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 6 mit Hinweisen.
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Mit der Zwischenverfügung vom 20. November 2017 hat das Regierungsstatthalteramt
einzig das sistierte Baubewilligungsverfahren wieder aufgenommen und die der
Beschwerdeführerin in einer früheren Verfügung angesetzte Frist zur Verbesserung der
Mängel ihres Baugesuchs neu angesetzt. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
enthält diese Verfügung keinen Feststellungsentscheid zur Frage der
Baubewilligungspflicht der umstrittenen Montagehalle. In der Begründung der Verfügung
hielt die Vorinstanz sogar ausdrücklich fest, dass vorliegend nicht über die Notwendigkeit
eines Baugesuchs entschieden werde.
Die Vorinstanz hat mit der angefochtenen Verfügung nicht über die Frage der
Baubewilligungspflicht der bestehenden Montagehalle entschieden. Diese Frage kann
daher von der Beschwerdeführerin nicht zum Streitgegenstand des vorliegenden
Beschwerdeverfahrens gemacht werden. Ihr Antrag auf Feststellung der
Baubewilligungsfreiheit des umstrittenen Vorhabens sprengt den Streitgegenstand und
kann von der BVE daher nicht behandelt werden. Bereits aus diesem Grund ist nicht auf
die Beschwerde einzutreten.
c) Zu berücksichtigen ist auch, dass auf den von der Beschwerdeführerin in ihrer
Beschwerde beantragten Feststellungsentscheid zur Frage der Baubewilligungspflicht nur
eingetreten werden kann, wenn ein schutzwürdiges Interesse daran besteht.
Feststellungsbegehren bedürfen eines ausgewiesenen Feststellungsinteresses; sie sind
gegenüber rechtsgestaltenden Begehren grundsätzlich subsidiär. Ausgeschlossen ist das
Feststellungsbegehren damit, wenn das schutzwürdige Interesse ebenso gut mit einer
rechtsgestaltenden Verfügung gewahrt werden kann.7
Wie das Regierungsstatthalteramt in seiner Stellungnahme vom 26. Januar 2018 zu Recht
vorbringt, fehlt ein solches Interesse an einer Feststellung zur Frage der
Baubewilligungspflicht gemäss verwaltungsgerichtlicher Rechtsprechung8, wenn das
Vorhaben – wie vorliegend – bereits realisiert ist. In diesem Fall hat die Gemeinde bei
formeller Rechtswidrigkeit von Gesetzes wegen ein baupolizeiliches Verfahren zu eröffnen
und eine Wiederherstellungsverfügung zu erlassen (Art. 46 Abs. 1 und 2 BauG). Im
nachträglichen Baubewilligungsverfahren wird auch über die umstrittene Bewilligungspflicht
7 VGE 2015/76 vom 15. Februar 2016, E. 2.2. 8 VGE 2015/76 vom 15. Februar 2016, E. 2.4.
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befunden9, so dass kein Rechtschutzinteresse an einem separaten Feststellungsentscheid
besteht. Vorliegend hat die Beschwerdeführerin mit der Einreichung des Baugesuchs zur
Verlängerung der Bewilligungsfrist für die Montagehalle um fünf Jahre bis am 31.
Dezember 2022 ein (nachträgliches) Baubewilligungsverfahren eingeleitet. In diesem
Verfahren wird nach dem Gesagten auch über die Baubewilligungspflicht zu entscheiden
sein, so dass kein Raum für einen separaten Feststellungsentscheid besteht. Der
Beschwerdeführerin steht es frei, ihr Baugesuch zurückzuziehen. In diesem Fall wird die
Baupolizeibehörde – wenn sie das Vorhaben als formell rechtswidrig beurteilt – ein
Wiederherstellungsverfahren durchzuführen haben. Auch bei einem allfälligen
Wiederherstellungsentscheid könnte die Beschwerdeführerin die Frage der
Baubewilligungspflicht zum Verfahrensgegenstand machen10, weshalb auch bei dieser
Konstellation ein schutzwürdiges Interesse an einem Feststellungsentscheid über die
Baubewilligungspflicht fehlt.
Ebenso wenig wie das Regierungsstatthalteramt vorliegend auf ein Gesuch um einen
Feststellungentscheid zur Frage der Baubewilligungspflicht gemäss Art. 48 Abs. 2 Bst. a
BewD hätte eintreten dürfen, kann auch die BVE wegen des fehlenden schutzwürdigen
Interesses nicht auf den Antrag der Beschwerdeführerin um eine entsprechende
Feststellung eintreten.
d) Gegen den eigentlichen Inhalt der Verfügung vom 20. November 2017 – die
Wiederaufnahme des sistierten Baubewilligungsverfahrens und die Neuansetzung der Frist
zur Verbesserung des mangelhaften Baugesuchs – setzt sich die Beschwerdeführerin mit
der Beschwerde vom 21. Dezember 2017 nicht zur Wehr. Damit kann offen bleiben, ob die
Voraussetzungen für die Anfechtung einer solchen Zwischenverfügung gemäss Art. 61
Abs. 3 VRPG überhaupt erfüllt wären.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
9 VGE 2015/76 vom 15. Februar 2016, E. 2.4 mit Verweis auf VGE 2015/106 vom 8.10.2015, E. 2 und VGE 2013/55 vom 10.3.2014, E. 4. 10 VGE 2015/76 vom 15. Februar 2016, E. 2.4.
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Pauschalgebühr von Fr. 400.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV11).
Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 VRPG).