# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e7594470-04d2-4828-b0f8-5bfd406da802
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die
Z._
wurde am 19.
November 2013 im Handelsregister des Kantons
Y._
eingetragen
, wobei
A._
einziges Mitglied des Verwal
tungsrates mit Einzelzeichnungsberechtigung
war (Urk.
25/1). Der Sitz der Gesellsch
aft wurde am 1.
April 2014 von
B._
(
Y._
) nach
C._
verlegt (Urk. 7/16 und Urk.
7/2); die Gesellschaft
war vom 1. Dezember 2013 bis am 31.
März 2014 der Ausgleichskasse
Y._
als beitragspflichtige Ar
beitgeberin angeschlossen (Urk. 7/6 S.
1).
Nach der Sitzverlegung in den Kanton Zürich war
X._
vom 3. April 2014 (Tagebucheintrag) bis zur Löschung der Gesellschaft am 3. Februar 2015 einziges Mitglied des Verwaltung
srates (mit Einzelunterschrift)
; ab dem 10. November 2014 war er zudem Liquidator der Gesellschaft.
Mit Eintrag vom 10. November 2014 wurde die Ges
ellschaft in Anwendung von Art.
153b
der Handelsregisterverordnung (
HRegV
) von Amtes wegen als aufgelöst erklärt, weil die ihr zur Wiederherstellung des gesetzmässi
gen Zustandes in Bezug auf das Domizil angesetzte Frist fruchtlos abgelaufen war.
Die Gesellschaft hatte der Ausgleichskasse
Y._
für den Monat Dezember 2013 eine AHV-pflichtige Lohns
umme von Fr.
103‘000.-- gemeldet
und als voraussichtliche monatliche Lohnsumme im Jahr 2014 Fr. 60'000.-- angegeben
(Urk.
7/1).
D
anach
reichte sie
aber trotz wi
e
derholter Mahnungen und der Androhung auf Erstattung einer Strafanzeige für das Jahr 2014 (Januar bis März) keine Lohnabrechnu
ngsunterlagen ein
(Urk. 7/6 S.
1).
Am 29. August 2014 beziehungsweise am 10. September 2014 wurden der Ausgleichskasse
Y._
nach fruchtlosen
Betreibungen gegen die Gesellschaft Verlustscheine in der Höhe von Fr. 8‘907.90, Fr. 8‘872.80, Fr. 14‘681.35 (Urk. 7/3) und von Fr. 8‘886.90 (Urk. 7/4) ausgestellt.
Die
Ausgleichskasse
Y._
erstattete
am 2.
Dezember 2014
sodann
Strafanzeige gegen die Gesellschaft wegen Verlet
zung der Mitwirkungs-, Auskunfts- und Meldepflicht als Arbeitgeberin
(Urk. 7/6)
.
Am 3. Februar 2015 wurde
die Gesellschaft
im Sinne von Art. 155
HRegV
von Amtes wegen gelösch
t (Urk. 7/16). In der Folge ver
pflichtete die Ausgleichskasse
Y._
X._
mit Verfügung
vom 25. November 2015 zur Leis
tung von Schadenersatz für entgangene Lohnbeiträge sowie Mahnge
bühren, Betreibungskosten und Verzugszinsen im Betrag von Fr. 41‘884.40 betreffend die Monate Dezember 2013 bis März 2014 (Urk. 7/12). Die von
X._
erhobene Einsprache
vom 30. November 2015
(Urk. 7/14) wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 25. Februar 2016 ab (Urk. 2 [= Urk. 7/18]).
2.
Dagegen erhob
X._
am 29. Februar 2016 Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben (Urk. 1/1 und Urk. 1/2).
Mit Beschwerdeantwort vo
m 21. März 2016 beantragte die Beschwerd
egegnerin die
Abweisung der Beschwer
de (Urk. 6).
Am
23. März 2016 wurde ein zweiter Schriftenwechsel
verfügt
(Urk. 8). Am 22. April 2016 wies sich Rechtsanwalt Hans W. Stössel mit gleichentags ausgestellter Vollmacht als Rechtsvertreter des Beschwerdeführers aus (Urk. 10 und 11)
und beantragte am
3. Juni 2016 namens und im Auftrag des Beschwerdeführers die Gewährung der unentgeltli
chen Rechtspflege (Urk. 14).
Nach erstreckter Frist reichte er mit Eingabe vom
4. Juli 2016 die Replik ein und beantragte den
Beizug
der Strafakten der Staats
anwaltschaft III Zürich im Verfahren gegen den Beschwerdeführer (Urk. 17). Am 20. Juli 2016 erstattete die Beschwerdegegnerin die Duplik und wandte gegen den
Beizug
der Strafakten nichts ein (Urk. 20)
.
Mit Verfügung vom 22. September 2016 wurde die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich, Wirt
schaftsdelikte, ersucht, die Akten betreffend das gegen den Beschwerdeführer lau
fende Strafverfahren im Zusammenhang mit seiner Organstellung bei der
Z._
einzureichen (Urk. 22). Nachdem der zuständige Staatsanwalt der Staatsanwalt
schaft III darüber informiert hatte, dass der betreffende Fall 60-70 Bundesordner umfasse und mehr als die Hälfte der Akten noch nicht
akturiert
seien (Urk. 26 und Urk. 27), weshalb er um eine Fristerstreckung für die Einreichung der Akten ersuche (Urk. 28), wurde das Verfahren mit Verfügung vom 31. Oktober 2016 vorläufig längstens für 12 Monate sistiert (Urk. 29).
Mit weiterer Verfügung vom 31. Oktober 2016 wurde dem Beschwerdeführer Rechtsanwalt Hans W. Stössel als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt. Das Gesuch um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung wurde als gegenstandslos abgeschrieben (Urk. 30). Auf Ersuchen (Urk. 33) teilte der zuständige Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft III am 10. November 2017 mit, die Verfahrensakten seien mittlerweile in physischer und elektronischer Form aufbereitet (Urk. 34). Am 15. November 2017 wurde ein elektronisches Aktenverzeichnis der umfangreichen Akten eingeholt (Urk. 35 und Urk. 36). Aufgrund dessen wurden mit Verfügung vom 27. November 2017 (Urk. 37) und
4. Januar 2018 diverse Akten in
elektronischer Form beigezogen
(Urk. 39 und Urk. 42).
Mit Verfügung vom 7. Februar 2018 (Urk. 44) wurde den Parteien schliesslich mitgeteilt, dass
die Einvernahme des Beschwerdeführers bei der Polizei vom 4. und 6. Juni 2014
sowie vom 22. Januar 2015
(Urk. 43/1/1), seine Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft III vom 7. September 2017 (Urk. 43/1/2), die Strafanzeige der
Sanitas
Grundversicherungen AG vom 27. März 2014
gegen
D._
und alle weiteren Verantwortlichen der
Z._
(Urk. 43/2/1)
, de
r
Arbeitsvertrag zwischen der
Z._
und
D._
vom Oktober 2013 inklusive Lohnabrechnung Dezember 2013 und Krank
meldung von
D._
vom 8. Januar 2014 (Urk. 43/2/2) sowie Auszüge der Einvernahme von
A._
bei der Polizei (
Urk.
43/3/1-3)
ausge
druckt und zu den Akten genommen
worden seien
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 52 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenver
sicherung
(AHVG) hat ein Arbeitgeber, der durch absichtliche oder grobfahrläs
sige Missachtung von Vorschriften der Versicherung einen Schaden zufügt, die
sen zu ersetzen. Handelt es sich beim Arbeitgeber um eine juristische Person, so haften subsidiär die Mitglieder der Verwaltung und alle mit der Geschäftsfüh
rung oder Liquidation befassten Personen.
1.2
Die Vorschriften über die Arbeitgeberhaftung nach
Art.
52 AHVG sowie die dazu entwickelte Rechtsprechung des Bundesgerichts finden mangels eigener Bestimmungen sinngemäss Anwendung auf die Invalidenversicherungs- (
Art.
66 des Bundesgesetzes über die Invalidenvers
icherung), Erwerbsersatz
- (
Art.
21
Abs.
2 des Bundesgesetzes über
den Erwerbsersatz für Dienstleistende und bei Mutterschaft) und Arbeitslosenversicherungsbeiträge
(
Art.
6 des Bun
desgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insolvenz
entschädigung)
sowie auf jene
an die Familienausgleichskassen (FAK) gemäss dem Bundesgesetz über die Familienzulagen (
Art.
25
lit
. c).
2.
2.1
Voraussetzung für eine Haftung nach Art. 52 AHVG ist zunächst das Vorliegen eines Schadens. Dieser besteht darin, dass der AHV ein ihr gesetzlich geschulde
ter Beitrag entgeht. Die Höhe des Schadens entspricht dabei dem Betrag, dessen die Kasse verlustig geht (Thomas Nussbaumer, Die Ausgleichskasse als Partei im Schadenersatzprozess nach Artikel 52 AHVG, ZAK 1991 S. 383 ff. und 433 ff.). Verwaltungs- und Betreibungskosten, Veranlagungs- und Mahngebühren sowie die Verzugszinsen bilden Bestandteil des Schadens, welcher der Ausgleichskasse zu ersetzen ist (BGE 121 III 382 E. 3bb; vgl. auch BGE 109 V 95 oben, 108
V
189 E. 5). Im Hinblick auf die in Art. 14 Abs. 1 AHVG normierte Beitrags- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers gehören auch die Arbeitgeberbeiträge zum massgeblichen Schaden (BGE 98 V 26 E. 5).
2.2
Die Beschwerdegegnerin machte gegenüber dem Beschwerdeführer einen Scha
den von Fr. 14‘846.-- für den Monat Dezember 2013 und von Fr. 27‘038.40 für die Monate Januar bis März 2014, insgesamt Fr. 41‘884.40, für nicht bezahlte Lohnbeiträge sowie Verwaltungskosten, Verzugszinsen
, Mahn- und Bet
rei
bungskosten
geltend (Urk. 2
S. 5
).
2.3
Aus den Akten ergibt sich, dass
sich
die Gesellschaft
am 13. Dezember 2013 bei der Ausgleichskasse
Y._
als beitragspflichtige juristische Person
anmeldete (Urk. 25/4).
A
m 16. Januar 2014
bescheinigte die
Gesellschaft
für den Monat Dezember 2013 eine Lohnsumme von Fr. 103‘000.-- und
meldete
für das Jahr 2014 eine mutmassliche
monatliche
Lohnsumme von circa Fr.
60‘000.--
(Urk. 25/7
)
.
2.4
Der Beschwerdeführer brachte in seiner Beschwerde vom 29. Februar 2016 (Urk. 1/1) vor, ihm
seien bei der Übernahme des Verwaltungsratsmandats sehr wichtige Informa
tionen vorenthalten worden;
er sei belogen worden.
Dabei verwies
er
auf seine Strafanzeige
vom 29. Februar 2016
gegen
A._
(Urk. 3)
.
Darin schilderte er, er habe das Verwaltungsratsmandat mit der Information übernommen, es seien bis dahin weder Geschäfts
aktivitäten entfal
tet
noch Löhne ausbezahlt worden. Nun habe s
ich herausgestellt, dass doch Lö
hn
e
ausbezahlt worden seien.
Der Beschwerdeführer
bestreitet
im Beschwerdeverfahren
die Au
srichtung von Lohnzahlungen
nicht.
Er legt auch keine Buchhaltungsunterlagen auf, aus wel
chen hervorgehen würde, dass die gemeldeten Löhne nicht korrekt gewesen wären. Es besteht daher kein Grund, nicht auf die gemeldeten Lohnsummen abzustellen.
Die darauf entfallenden Beiträge (inkl. Verwaltungskosten) zuzüg
lich Mahngebühren, Betreibungskosten und Verzugszinsen wurden nie bezahlt, sodass der Beschwerdegegnerin Verlustscheine
ausgestellt wurden.
Damit ist
der geltend gemachte
Schaden
, welcher in
masslicher
Hinsicht nicht
spezifisch
bestritten wurde,
ausgewiesen
(vgl. E. 4.3 hinten)
.
3.
3.1
Art. 14 Abs. 1 AHVG und die Art. 34 ff. AHVV schreiben vor, dass der Arbeit
geber bei jeder Lohnzahlung die Arbeitnehmerbeiträge in Abzug zu bringen und zusammen mit den Arbeitgeberbeiträgen der Ausgleichskasse zu entrichten hat. Die Arbeitgeber haben den Ausgleichskassen periodisch Abrechnungsunterlagen über die von ihnen an ihre Arbeitnehmer ausbezahlten Löhne zuzustellen, damit die entsprechenden paritätischen Beiträge ermittelt und verfügt werden können. Die Beitragszahlungs- und Abrechnungspflicht des Arbeitgebers ist eine gesetz
lich vorgeschriebene
öffentlichrechtliche
Aufgabe. Die Nichterfüllung dieser
öffentlichrechtlichen
Aufgabe bedeutet eine Missachtung von Vorschriften im Sinne von Art. 52 Abs. 1 AHVG und zieht die volle Schadendeckung nach sich (BGE 118 V 193 E. 2a; vgl. BGE 132 III 523
E.
4.6).
3
.
2
Die oben erwähnten Lohnbeiträge blieben
gänzlich
unbezahlt, womit die
Gesell
schaft
ihren Zahlungspflichten nicht nachgekommen ist.
Die Gesellschaft ver
letzte darüber hinaus ihre
Mitwirkungs-, Auskunfts- und Meldepflicht
en
als Arbeitgeberin
, denn nach dem Fax, welchen die Gesellschaft der Beschwerde
gegnerin am 11. April 2014 zugestellt hatte (Urk. 25/14), erhielt die Beschwer
degegnerin keine
rlei
Reaktion
en
mehr auf ihre Mitteilungen, Anfragen oder Interventionen – abgesehen davon, dass gegen die Zahlungsbefehle Rechtsvor
schlag erhoben wurde (Urk. 25/24-26, Urk. 25/35 und Urk. 25/84).
E
ine Arbeit
geberkontrolle konnte
ebenfalls nicht durchgeführt werden (Urk. 25/104 und Urk. 7/5). Die Beschwerdegegnerin reichte daher am 2. Dezember 2014 Strafan
zeige gegen die Gesellschaft ein wegen Auskunftsverweigerung (
Art.
88 Abs. 1 AHVG), Nichtausfüllen der vorgeschriebenen Formulare (Art. 88 Abs. 3 AHVG), eventueller Entziehung von der Beitragspflicht (Art. 87 Abs. 2 AHVG) und eventueller Zweckentfremdung von Arbeitnehmerbeiträgen
im Sinne von
Art. 8
7 Abs. 3 AHVG
(Urk. 25/105).
Nach dem Gesagten
ist die
Gesellschaft
ihren Pflichten als Arbeitgeberin nicht nachgekommen und hat
öffentlichrechtliche
Vo
rschriften missachtet.
4.
4.1
4.1.1
Die wesentliche Voraussetzung für die Schadenersatzpflicht besteht nach dem Wortlaut des Art. 52 AHVG darin, dass der Arbeitgeber absichtlich oder grob
fahrlässig Vorschriften verletzt hat und dass durch diese Missachtung ein Scha
den verursacht worden ist (BGE 108 V 183 E. 1a). Absicht beziehungsweise Vor
satz und Fahrlässigkeit sind verschiedene Formen des Verschuldens. Art. 52 AHVG statuiert demnach eine Verschuldenshaftung, und zwar handelt es sich um eine Verschuldenshaftung aus öffentlichem Recht. Die Schadenersatzpflicht ist im konkreten Fall nur dann begründet, wenn nicht Umstände gegeben sind, welche das fehlerhafte Verhalten des Arbeitgebers als gerechtfertigt erscheinen lassen oder sein Verschulden im Sinne von Absicht oder grober Fahrlässigkeit ausschliessen. In diesem Sinne ist es denkbar, dass ein Arbeitgeber zwar in vor
sätzlicher Missachtung der AHV-Vorschriften der Ausgleichskasse einen Scha
den zufügt, aber trotzdem nicht schadenersatzpflichtig wird, wenn besondere
Umstände die Nichtbefolgung der einschlägigen Vorschriften als erlaubt oder nicht schuldhaft erscheinen lassen (BGE 108 V 183 E. 1b; ZAK 1985 S. 576 E. 2 und S. 619 E. 3a).
4.1.2
Nicht jedes einer Firma als solcher anzulastende Ver
schulden muss auch ein solches ihrer sämtlichen Organe sein. Vielmehr hat man abzuwägen, ob und inwieweit eine Handlung der Firma einem bestimmten Organ im Hinblick auf dessen rechtliche und faktische Stellung innerhalb der Firma zuzurechnen ist. Ob ein Organ schuldhaft gehandelt hat, hängt demnach entscheidend von der Verantwortung und den Kompetenzen ab, die ihm von der juristischen Person übertragen wurden (BGE 108 V 199 E. 3a; ZAK 1985 S. 620 E. 3b). Bei einfa
chen Verhältnissen muss vom einzigen Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft, der als solcher die Verwaltung der Gesellschaft als einzige Person in Organstel
lung zu besorgen hat, in der Regel der Überblick über alle wesentlichen Belange der Firma verlangt werden, und dies selbst dann, wenn er seine Befugnisse weitgehend an einen Geschäftsführer delegiert hat. Er kann mit der Delegation der Geschäftsführung nicht zugleich auch seine Verantwortung als einziges Verwaltungsorgan an den Ge
schäftsführer delegieren (BGE 108 V 199 E. 3b).
4.1.3
Grobe Fahrlässigkeit liegt praxisgemäss vor, wenn ein Arbeitgeber das ausser Acht lässt, was jedem verständigen Menschen in gleicher Lage und unter glei
chen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müssen. Das Mass der zu ver
langenden Sorgfalt ist abzustufen entsprechend der Sorg
faltspflicht, die in den kaufmännischen Belangen jener Arbeitgeberkategorie, welcher die betreffende Person angehört, üblicherweise erwartet werden kann und muss (BGE 112
V
156 E. 4 mit Hinweisen; vgl. BGE 132 III 523 E. 4.6).
4.1.4
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ist bei den nicht geschäfts
füh
renden Verwaltungsratsmitgliedern von Aktiengesellschaften entscheidend, ob sie den ihnen obliegenden Kontroll- und Aufsichtspflichten nachge
kommen sind. Nach
Art.
716a
Abs.
1
Ziff.
5 OR obliegt dem Verwaltungsrat die Oberauf
sicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Personen, namentlich im Hinblick auf die Befolgung der Gesetze, Statuten, Reglemente und Weisungen. Gemäss dieser Bestimmung hat das Verwaltungsratsmitglied
nicht nur die Pflicht, an den Verwaltungsratssitzungen teilzunehmen, sondern
sich
auch
perio
disch über den Geschäftsgang zu informieren und bei Unregel
mässigkeiten ein
zuschreiten (Urteil des Bun
desgerichts 9C_651/2012 vom 15.
Mai
2013 E.
6.2 mit weiteren Hinweisen). Zwar ist der nicht geschäfts
führende Verwaltungsrat nicht verpflichtet, jedes einzelne Geschäft der mit der Geschäftsführung und Vertretung Beauftragten zu überwachen, sondern darf sich auf die Überprüfung der Tätigkeit der Geschäftsleitung und des Geschäftsganges beschränken. Dazu
gehört, dass er sich laufend über den Geschäftsgang informiert, Rapporte ver
langt, sie sorgfältig studiert, nötigen
falls ergänzende Auskünfte ein
holt
und Irr
tümer abzuklären versucht. Ergibt sich aus diesen Informationen der Verdacht falscher oder unsorgfältiger Ausübung der delegierten Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnisse, ist der Verwaltungsrat verpflichtet, sogleich die erforder
lichen Abklärungen zu treffen (nötigenfalls durch
Beizug
von Sachverständi
gen) und eine genaue und strenge Kontrolle hinsichtlich der Beobachtung gesetzlicher Vorschriften auszuüben (BGE 114 V 219 E. 4a; Urteil des Bundes
gerichts 9C_461/2009 vom 3
1.
Dezember 2010 E. 5.3, je mit weiteren Hinwei
sen).
4.1.5
Nach der Rechtsprechung zu Art.
52
AHVG
ist es – allenfalls abgesehen von kurzfristigen Ausständen – grobfahrlässig, Löhne zu bezahlen, wenn die darauf geschuldeten AHV-Beiträge nicht gedeckt sind. Gegenteiliges Verhal
ten ist den verantwortlichen Organen grundsätzlich als qualifiziertes Ver
schulden zuzu
rechnen, was die volle Schadenersatzpflicht nach sich zieht, sofern ein adäqua
ter Kausalzusammenhang zwischen der schuldhaften Ver
let
z
ung von Vorschrif
ten und dem Schadenseintritt besteht und die Aus
gleichskasse kein Mitver
schulden trifft. Der Grund liegt in der besonderen Natur der AHV-Beiträge, hin
sichtlich welcher der Arbeitgeber die Funktion eines Vollzugsorgans ausübt (
Art.
51 AHVG). Daraus resultiert eine beson
dere Pflicht, für die ordnungsge
mässe Bezahlung der Beiträge zu sorgen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_311/2015 vo
m 9. Juli 2015 E. 4.2.2 mit Hin
weisen)
.
4.1.6
Die Organhaftung aus Art. 52 AHVG besteht nicht für Beitragsforderungen, die nach der Publikation der Löschung der Organstellung der betreffenden Person im Handelsregister fällig werden, weil die betreffende Person im Zeit
punkt der Fälligkeit nicht mehr Organ ist. Für die vor der Publikation fälligen Beitragsfor
derungen haftet das Organ, wenn es durch eine vorsätzliche oder grobfahrlässi
ge Handlung beziehungsweise Unterlassung bewirkt hat, dass die Beiträge im Zeitpunkt der Fälligkeit nicht bezahlt werden konnten. Ein Verschulden des Organs kann nur so lange in Frage kommen, als es die Möglichkeit hat, durch Handlungen oder Unterlassungen die Geschäfts
füh
rung massgeblich zu beein
flussen. Das ist faktisch längstens bis zum effek
tiven Ausscheiden aus dem Verwaltungsrat der Fall (BGE 126 V 61 E. 4a, 123 V 172 E. 3a).
4.2
Der Beschwerdeführer war
vom 3.
April 2014 bis zur
Löschung der Gesellschaft am 3.
Februar 2015 einziges Mitglied des Verwaltung
srates, weshalb
ihn
jeden
falls
für diesen Zeitraum ein Verschulden
trifft
.
Da die Beitragsforderungen
für die Monate Dezember 2013 bis März 2014 bereits
vor der Mandatsübernahme
durch den Beschwerdeführer
fällig geworden waren
,
ist zu prüfen, ob
auch dafür
eine Schadenersatzpflicht
besteht
.
Rechtsprechungsgemäss tritt ein Verwaltungsratsmitglied einer Aktiengesell
schaft mit der Mandatsübernahme in die Verantwortung sowohl für die laufen
den als auch für die verfallenen, von der Unternehmung in früheren Jahren schuldig gebliebenen Sozialversicherungsabgaben ein, und es ist seine Pflicht, nicht nur für die Bezahlung der laufenden, sondern gerade auch für die Beglei
chung verfallener Abgaben besorgt zu sein (ZAK 1992 S. 254 f. E.
7b). Die Schadenersatzpflicht eines neu mandatierten Organs entfällt nach der Recht
sprechung
nur
dort, wo die Unternehmung bei der Mandatsübernahme bereits zahlungsunfähig oder der Schaden bereits eingetreten war. Denn in einem sol
chen Fall fehlt es am erforderlichen adäquaten Kau
salzusammenhang zwischen dem säumigen Verhalten des neuen Organs und dem Schadenseintritt (vgl. BGE 119 V 401 E. 4c).
Der Beschwerdeführer vermochte
nicht darzutun,
dass die Gesellschaft bei der Mandatsübernahme berei
ts zahlungsunfähig gewesen wäre; er legt
e
keine ent
sprechenden Belege auf. Es
ist
denn
auch nicht ersichtlich, dass die geschulde
ten Abgaben aus anderen Gründen nicht mehr hätten erhoben werden können, beispielsweise durch Eintritt der Beitragsverwirkung (vgl.
Kieser
, Alters- und
Hinterlassenenversicherung
, 3.
Auf
l., Zürich/Basel/Genf 2012,
Rz
. 14
und
116 zu Art. 52
AHVG mit Hinweis
en).
Damit haftet der Beschwerdeführer
auch für
die bei seinem Amtsantritt bereits
verfallene
n
Abgaben
.
4.3
D
en
beigezogenen
Strafakten der Staatsanwaltschaft
III
lässt sich entnehmen, dass der Beschwerdeführer anlässlich seiner Einvernahme vom 7. September 2017 angab,
eine Postumleitung von der Industriestrasse 30, 8302
C._
(Adresse der Gesellschaft ab dem 3. April 2014; vgl. Urk. 7/16), an sich selber in Auftrag gegeben
zu haben
. Die
se
Umleitung war
gemäss Abklärungen der Staatsanwaltschaft III
ab dem 30. April 2014 aktiv (Urk. 43/1/2 S. 21).
Der Beschwerdeführer
bestätigte zudem
, dass er während seiner Zeit als Verwal
tungsrat
die für die Gesellschaft bestimmte
n
P
ostsendung
en
erhalten habe (Urk. 43/1/2 S. 12 Frage 104).
Am 26. Juni 2014 beziehungsweise am 14. Juli 2014 erhob der Beschwerdeführer zwar unbegründeten Rechtsvorschlag gegen die drei Zahlungsbefehle vom 12. Juni 2014 (Urk. 25/24-26) beziehungsweise gegen den Zahlungsbefehl vom 10. Juli 2014 (Urk. 25/35). Gegen die Veranla
gungsverfügungen vom 2. Juli 2014 betreffend die Lohnbeiträge Dezember 2013 bis Februar 2014 (Urk. 25/27-29) und gegen die Veranlagungsverfügung vom 21. Juli 2014 betreffend die Lohnbeiträge März 2014 (Urk. 25/36) erhob er in der Folge aber keine Einsprache und unterliess es geltend zu machen, es sei
en für diese Beitragsperioden gar keine Löhne ausbezahlt worden. Die Veranla
gungsverfügungen erwuchsen damit in Rechtskraft. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind rechtskräftige Beitragsverfügungen im Schadenersatzver
fahren nicht mehr anfechtbar, ausser wenn sie zweifellos unrichtig sind oder ein Revisionsgrund vorliegt und ausser wenn die ins Recht gefasste Person keine Möglichkeit (mehr) hatte, in ihrer Organeigenschaft die Beitragsverfügung anzufechten oder anfechten zu lassen. In diesen Ausnahmefällen
kann
die Bei
tragsverfügung im Rahmen des Schadenersatzverfahrens frei überprüf
t
werden
(BGE 134 V 401 E. 5.2-5.5).
Der
Beschwerdeführer
machte
im vorliegenden Ver
fahren
weder
geltend noch bestehen Anhaltspunkte dafür,
dass er
keine Mög
lichkeit gehabt
hätte
, die Beitragsverfügungen anzufechten. Damit sind die Bei
tragsverfügungen nicht mehr anfechtbar und der Beschwerdeführer vermag sich nicht zu exkulpieren.
Anzufügen bleibt Folgendes: Bereits im Anschluss an die
Mahnung
und
die
Betreibung
der Beschwerdegegnerin
vom 11. Juni 2014
(Urk. 25/20
f.
) sowie
die
Anzeige für eine Terminvereinbarung durch die Revisionsstelle vom 16. Juni 2014 (Urk. 25/23; vgl. das Datum im Aktenverzeichnis)
meldete sich
der Beschwerdeführer
nicht bei der Beschwerdegegnerin.
Sollte
er
bei der Mandats
übernahme
– wie er geltend machte –
tatsächlich
der Ansicht gewesen sein,
es seien keine Löhne ausbezahlt worden,
is
t seine Untätigkeit nicht nachvollzieh
bar. Als einziger Verwaltungsrat war er für die Begleichung der Beiträge ver
antwortlich. Als umsichtiger Verwaltungsrat hätte er sich daher
umgehend
bei der Beschwerdegegnerin
melden und sich erkundigen müssen, weshalb
eine Beitragserhebung erfolge
,
wenn doch gar nie Löhne ausbezahlt worden seien.
Spätestens dann hätte er von der Lohndeklaration vom 21. Januar 2014
(Urk.
25/7) Kenntnis nehmen
und sich um
die
Bezahlung der Beiträge bemühen
können.
Er
tat jedoch nichts dergleichen.
Sein Einwand, er habe nicht über Bankgut
haben
der Gesellschaft verfügen können,
erweist sich als nicht stichhal
tig
. Wenn dem so gewesen wäre, hätte er dafür sorgen müssen, dass ihm die entsprechenden Vollmachten eingeräumt worden wären.
Aufgrund der gesamten Umstände kann geschlossen werden, dass sich der Beschwerdeführer um die Erledigung der administrativen Angelegenheiten der Gesellschaft
foutierte
. Er
kam seinen Pflichten als Verwaltungsrat in keiner Weise nach, was sich vor allem darin manifestiert
e
, dass er das Verwaltungs
ratsmandat übernahm, ohne überhaupt zu wissen, was ei
n Verwaltungsrat tut (vgl. Urk.
4
3/1/2 S. 9 f. Fragen 75 bis 84) und ohne sich um die Rechnungsle
gung zu kümmern
. Damit verhielt er sich grobfahrlässig, was zusätzlich durch die generelle Untätigkeit gegenüber der Beschwerdegegnerin unterstrichen wird;
die Verletzung der Mitwirkungs-, Auskunfts- und Meldepflichten der Gesell
schaft ist dem Beschwerdeführer persönlich vorzuwerfen.
Der Ausgang des
Strafverfahrens
ist für das vorliegende Verfahren
irrelevant. Allfällige kriminelle Machenschaften anderer – neben dem Beschwerdeführer – beschuldigter Personen vermögen ihn nicht zu entlasten. Vielmehr erscheinen
die Vorbringen
des Beschwerdeführers als reine Schutzbehauptungen.
5
.
5
.1
Schliesslich setzt die Schadenersatzpflicht des Arbeitgebers nach Art. 52 Abs. 1 AHVG voraus, dass zwischen der absichtlichen oder grobfahrlässigen Missach
tung von Vorschriften und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzu
sammenhang gegeben ist (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinweisen auf die Lehre, 103 V 120 E. 4).
Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des ein
getretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allge
mein als begünstigt erscheint (BGE 119 V 401 E. 4a mit Hinwei
sen; vgl. auch BGE 122 V 189 sowie 119
Ib
334 E. 3c).
5
.2
Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten des Beschwerde
führers und dem der Beschwerdegegnerin entstandenen Schaden ist ohne weite
res zu bejahen.
Wie gesagt wurden nicht einmal die elementarsten Regeln des Rechnu
ngswesens eingehalten
, welche es erlaubt hätten, die Lohnbuchhaltung zu überprüfen.
Der Beschwerdeführer nahm denn auch die
Mitwirkungs-,
Aus
kunfts
- und Meldepflichten der Gesellschaft
nicht wahr.
Ein Mitverschulden der Beschwerdegegnerin
auf der anderen Seite
besteht nicht.
6
.
Nach dem Gesagten ist
die Beschwerde abzuweisen.
7
.
Dem mit Verfügung vom 31. Oktober 2016 (Urk. 30) bestellten unentgeltlichen Rechtsvertreter
Hans W. Stössel
, Brunnen,
ist
ein
e Entschädigung
aus der Gerichtskasse
in Höhe von Fr. 1'500.--
(inklusive Mehrwertsteuer und Barausla
gen) zuzuspre
chen.
D
er Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht
(
GSVGer
) hinzuweisen, wonach er
zur Nachzahlung der Gerichts
kosten und der Entschädigung an
den unentgeltlichen Rechtsvertreter
verpflich
tet ist, sobald er
dazu in der Lage ist.