# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e845ea99-98ed-484f-969a-5795bb5dd0a0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1988,
war seit
1.
Januar 2017 als Logistiker bei der
Y._
GmbH angestellt und dadurch bei der AXA Ver
sicherungen AG (nachfolgend: AXA) gegen die Folgen von Unfällen versichert, als er sich am 1
3.
Januar 2020 beim Schieben einer Teigmaschine am rechten Fuss verletzte (Unfallmeldung vom 1
8.
Januar 2020;
Urk.
8/A1 S. 1).
Mit Verfügung vom
8.
September 2020 (
Urk.
8/A25) stellte die AXA die Leis
tungen (Heilungskosten und Taggelder) per 1
5.
September 2020 ein und verneinte einen Anspruch auf eine Integritätsentschädigung. Die dagegen am
1
6.
Septem
ber 2020 (
Urk.
8/A33) erhobene und am 1
3.
Oktober 2020 (
Urk.
8/36) ergänzte Einsprache hiess die AXA mit Einspracheentscheid vom 1
6.
Februar 2021 in dem
Sinne teilweise gut, dass die Taggeldleistungen
vom
1
5.
September bis 1
7.
Deze
m
ber 2020 zu 50
%
übernommen und erst ab 1
8.
Dezember
2020 eingestellt werden, und wies die Einsprache im Übrigen ab (
Urk.
8/A39 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am
3.
März 2021 Beschwerde gegen den Einsprache
ent
scheid vom 1
6.
Februar 2021 (
Urk.
2) und beantragte dessen Aufhebung und die
Zusprache der gesetzlichen Leistungen, eventualiter die Sistierung des Verfah
rens
, bis die ärztlichen Abklärungen abgeschlossen seien,
subeventualiter
die Rück
weisung der Sache an die Beschwerdegegnerin zur Einholung eines fach
ortho
pädischen Gutachtens und neuer Entscheidung über seine gesetzlichen An
sprüche (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
4.
April 2021 (
Urk.
7) bean
tragte die Beschwerdegegnerin die teilweise Gutheissung der Beschwerde hinsicht
lich der Frage des Endzustandes und die Abweisung der Beschwerde hinsichtlich der Einst
ellung der Taggeldleistungen. Der
Beschwerdeführer hielt
mit Replik vom 3
1.
Mai 2021 (
Urk.
13)
an seinen Anträgen fest und
reichte einen weiteren Arzt
bericht (
Urk.
14) ein. Die Beschwerdegegnerin hielt mit
Duplik vom
6.
Juli 2021 (
Urk.
17)
ebenfalls an ihren Anträgen fest und
reichte einen Arztbericht (
Urk.
18) ein
. Die Rechtsschriften wurden den Parteien
mit Verfügung vom
8.
Juli 2021
zur Kenntnis gebracht
(
Urk.
19).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6
des Bundesgesetzes üb
er die Unfallversicherung (UVG)
werden – soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die
Versicherung erbringt ihre Leistungen auch
bei den im Einzelnen in Abs. 2 auf
geführten
Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leis
tungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweck
mässige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teil
weise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu. Wird sie infolge des Unfalles zu mindestens 10 Prozent invalid, so hat sie An
-
spruch auf eine Invalidenrente, sofern sich der Unfall vor Erreichen des ordent
lichen Rentenalters ereignet hat (
Art.
18 Abs. 1 UVG)
.
Der Rentenanspruch ent
steht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind. Mit dem Rentenbeginn fallen die Heilbehandlung und die Taggeldleistungen dahin (Art. 19 Abs. 1 UVG). Erleidet die versicherte Person durch den Unfall eine dau
ernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Inte
grität, so hat sie Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24
Abs. 1 UVG).
1.2
Nach Gesetz und Rechtsprechung ist der Fall unter Einstellung der vorüber
ge
henden Leistungen und Prüfung des Anspruchs auf eine Invalidenrente und eine Integritätsentschädigung abzuschliessen, wenn von der Fortsetzung der ärztli
chen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes der versi
cherten Person mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmass
nahmen der Invalidenversicherung abgeschlossen sind (vgl. Art. 19 Abs. 1, Art. 24
Abs. 2 UVG;
BGE 144 V 354 E. 4.1 mit Hinweisen;
Urteil
des Bundesgerichts
8C_
527/2020
vom 2.
November 2020 E. 4.1 mit Hinweisen
). In diesem Zeitpunkt ist der Unfallversicherer auch befugt, die Adäquanzfrage zu prüfen (Urteil des Bundesgerichts 8C_377/2013 vom 2. Oktober 2013 E. 7.2 mit Hinweis auf
BGE
134 V 109, vgl. auch Urteil 8C
_
674/2019 vom 3. Dezember 2019 E. 4.1
).
Ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeits
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist. Die Verwendung des Be
griffes «namhaft» in Art. 19 Abs. 1 UVG verdeutlicht demnach, dass die durch
weitere (zweckmässige) Heilbehandlung im Sinne von Art. 10 Abs. 1 UVG erhoffte
Besserung ins Gewicht fallen muss. Weder eine weit entfernte Möglichkeit eines positiven Resultats einer Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch ein von
weiteren Massnahmen – wie etwa einer Badekur – zu erwartender geringfügiger therapeutischer Fortschritt verleihen Anspruch auf deren Durchführung. In die
sem Zusammenhang muss der Gesundheitszustand der versicherten Person pro
gnostisch und nicht aufgrund retrospektiver Feststellungen beurteilt werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_
64/2021
vom
14. April 2021 E. 3.2
mit Hinweisen, insbesondere auf BGE 134 V 109 E. 4.3).
Grundlage für die Beurteilung dieser Rechtsfrage bilden in erster Linie die ärztlichen Auskünfte zu den therapeutischen Möglichkeiten und der Krankheitsentwicklung, die in der Regel unter dem Begriff Prognose erfasst werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_44/2021 vom 5. März 2021 E. 5.2 mit Hinweisen).
Für die Einstellung der vorübergehenden Leistungen braucht der Entscheid der Invalidenversicherung über Eingliederungsmassnahmen nicht abgewartet zu wer
den, wenn von weiterer ärztlicher Behandlung keine namhafte gesundheitliche
Besserung mehr erwartet werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_588
/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.3) und keine Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass durch allfällige Eingliederungsmassnahmen das der Invaliditätsbemessung der
Unfall
ver
sicherung
gestützt auf die medizinischen Abklärungen zugrunde gelegte Invalideneinkommen verbessert und so der die Invalidenrente der Unfallversiche
rung bestimmende Invaliditätsgrad beeinflusst werden kann (vgl. Urteil des Bun
desgericht
s
8C_588/2013 vom 16. Januar 2014 E. 3.5).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erschei
nen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Das
Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungs
träger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangenheit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
in
ternen
ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2)
im
Wesentlichen
wie folgt:
Es sei vorliegend nicht strittig, ob ein Kausalzu
sam
men
hang zwischen der Instabilität am rechten oberen Sprunggelenk (OSG) und dem Unfallereignis vom 1
3.
Januar 2020 bestehe. Gestützt auf die ärztlichen Beur
teilungen sei jedoch erst ab 1
8.
Dezember 2020 eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit ausgewiesen, ebenso sei eine volle Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit mit externer Stabilisation gerechtfertigt. Zum gegen
wärtigen Zeitpunkt sei die im Raum stehende operative Stabilisierung des rechten Sprunggelenks spruchreif, weshalb der Fall diesbezüglich nicht abge
schlossen werden könne. Deshalb seien mit Blick auf diese bevorstehende Ope
ration
(Stabi
lisierung des rechten OSG) zum jetzigen Zeitpunkt die entsprechen
den Abklä
rungen und Behandlungen wieder zu übernehmen (S. 6).
Hinsichtlich der Einstellung der Taggeldleistungen sei gestützt auf die medizi
ni
schen Einschätzungen zunächst von einer 50
%
igen anstelle einer vollen
Arbeits
fähigkeit
auszugehen. Unter Berücksichtigung, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Oktober 2020 stellenlos gewesen sei und somit im Rahmen seiner Schaden
minderungspflicht grundsätzlich ab diesem Zeitpunkt jeglicher angepassten Tätigkeit hätte nachgehen können, würden die Taggelder per 1
7.
Dezember 2020 eingestellt (S. 6
Ziff.
2.3.3).
Es sei präzisierend festzuhalten, dass der Endzustand nicht bereits am 1
5.
Septe
m
ber 2020 eingetreten sei. Dieser Zeitpunkt sei weiter abzuklären (
Urk.
7 S. 3). Offen sei nur noch die Frage, ob bezüglich der Instabilität ein operativer Eingriff zu erfolgen habe oder nicht (S. 3
Ziff.
4.1). Es lägen keine medizinischen Akten vor, die eine Arbeitsunfähigkeit ab dem 1
8.
Dezember 2020 belegen würden, weshalb keine weiteren Taggelder geschuldet seien (S. 4
Ziff.
4.3).
Es sei die Aktenlage zum Zeitpunkt des Einspracheentscheides massgeblich. Ob allenfalls nach dem 1
6.
Februar 2021 beziehungsweise zukünftig wiederum eine Arbeitsunfähigkeit bestehe, wäre ebenfalls Gegenstand weiterer Abklärungen und nicht Verfahrensgegenstand, wobei dem aktuellsten Bericht diesbezüglich nichts entnommen werden könne. Es sei deshalb an der Einstellung der Taggelder per 1
8.
Dezember 2020 festzuhalten (
Urk.
17 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte geltend (
Urk.
1),
er sei nicht fahrtauglich und es sei kein medizinischer Endzustand erreicht. Die Instabilität im rechten OSG be
stehe immer noch. Er sei weder angestammt noch angepasst voll arbeitsfähig
(S.
4
Ziff.
9-
10). Er habe aufgrund der Leistungseinstellung sämtliche konservativen Behandlungen abgebrochen, da er sich den Selbstbehalt nicht leisten könne. Dies habe zu einer deutlichen Verschlechterung geführt (S. 6
Ziff.
15). Er habe auch über den 1
5.
September 2020 hinaus Anspruch auf Taggelder und Heilbehand
lung (S. 7
Ziff.
17).
Die Parteien seien sich
nun
einig, dass der Endzustand nicht erreicht sei. Es sei ein weiterer operativer Eingriff notwendig (
Urk.
13 S. 3
Ziff.
3-4). Strittig bleibe die
Frage nach der Arbeitsunfähigkeit. Er habe bei vermehrter Belastung wieder mehr Schmerzen und könne den Fuss nicht richtig belasten (S. 3
Ziff.
5). Es sei nach wie vor unklar, ob die Instabilität noch bestehe und wie sie sich auf die Beschwerden auswirke. Die aktuelle Aktenlage erlaube keine abschliessende Stellungnahme (S. 4
Ziff.
5-8).
2.3
Streitig und zu prüfen sind
der Endzustand
, wobei die Beschwerdegegnerin diesbezüglich bereits einräumt, dieser sei möglicherweise nicht erreicht, und der Anspruch des Beschwerdeführers auf Taggelder.
3.
3.1
Im Operationsbericht des
Spitals Z._
vom 1
3.
Januar 2020 (
Urk.
8/M3) wurden folgende Diagnosen genannt (S. 1):
-
Quetschtrauma distaler Unterschenkel rechts am 1
3.
Januar 2020 mit und bei
-
klinisch Plegie distal der Wunde, Sensibilitätsstörung mit Hypästhesie der Fusssohle und Anästhesie des dorsalen Vorfusses und distal der Läsion, differentialdiagnostisch schwellungsbedingt
-
subkutanem Hämatom
prätibial
-
Avulsionsfraktur
der
Talusrolle
Der Beschwerdeführer habe angegeben, während der Arbeit mit einem Kollegen eine etwa 200 kg schwere Teigmaschine angehoben zu haben, welche ihm auf den distalen Unterschenkel gefallen sei (S. 1). Es sei die Indikation zu einer operativen
Hämatomausräumung
gestellt worden (S. 2 oben).
3.2
Im Austrittsbericht
des
Spitals Z._
vom 1
4.
Januar 2020 (
Urk.
8/M4) wurde fest
gehalten, gleichentags
sei
im Röntgenbild des rechten OSG eine Unregel
mässig
keit der lateralen
Talusrolle
, keine Fraktur und eine regelrechte Artikulation, im Knie rechts keine Fraktur und eine regelrechte Artikulation sowie in der Com
putertomographie des rechten OSG eine
minimst
dislozierte
Avulsionsfraktur
der lateralen
Trochlea
tali
mit 1
mm breiter
Kortikalisstufe
festgestellt worden (S. 4). Postoperativ nach der
Hämatomausräumung
habe sich ein sockenförmiger Ver
lust
der Sensibilität und Motorik ab dem proximalen Drittel des rechten Unter
schenkels
gezeigt und der Beschwerdeführer sei bei Verdacht auf eine schwere
Neuropraxie
der Nerven ins
A._
verlegt worden (S.
1 unten
f.
).
3.3
Vom 1
4.
bis 2
9.
Januar 2020 war der Beschwerdeführer im
A._
hospitalisiert. Die Ärzte stellten mit Austrittsbericht vom
7.
Februar 2020 (
Urk.
8/M7) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Quetschtrauma Unterschenkel rechts vom 1
3.
Januar 2020 mit
-
vollständiger Anästhesie (dorsaler Vorfuss),
Hypasthäsie
(Fusssohle) und vollständiger Plegie distal der Quetschwunde
-
Hämatomevakuation
und
Redoneinlage
am 1
3.
Januar 2020 (
Spital Z._
)
-
Hautnekrose distaler Unterschenkel
-
Osteochondrosis dissecans laterale
Trochlea
tali
rechts
-
rezidivierende vasovagale Synkopen am 1
4.
und 1
5.
Januar 2020
-
Status nach Hyperventilation mit Synkope im April 2015 mit unauf
fälliger Überwachung
Als Ursache der Hypästhesie und Plegie seien am ehesten ein stumpfes Ner
ventrauma und eine Schwellung zu sehen. In der Magnetresonanztomographie
vom 1
6.
Januar 2020 habe sich keine Nervenläsion nachweisen lassen, ebenso sei eine intraartikuläre Fraktur ausgeschlossen worden. Bei fehlendem
Bone
bruise
sei der
ossare
Flake als Osteochondrosis dissecans interpretiert worden. Der Be
schwerdeführer sei am 2
9.
Januar 2020 schmerzkompensiert, mit trockenen Wundverhältnissen und stockmobil in die ambulante Weiterbetreuung entlassen worden
(S. 2
)
.
3.4
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurologie, berichtete am 2
8.
Februar 2020 (
Urk.
8/M9) und stellte folgende Diagnosen (S. 1):
-
schweres Quetschtrauma am distalen
anteromedialen
Unterschenkel rechts
am
1
3.
Januar 2020
-
Status nach
Hämatomevakuation
und
Redoneinlage
am 1
3.
Januar 2020, Osteochondrosis dissecans
lateralis
trochlea
tali
rechts (gemäss Bericht
A._
)
-
ausgeprägte Minderinnervation für sämtliche Bewegungen im Fuss
gelenk und der Zehen rechts funktioneller Genese mit dorsalbetonter Fühlstörung am rechten Fuss
-
Elektromyoneurogra
p
hie (
EMNG
)
: bis auf eine der Minderinnervation entspre
chende starke Aktivitätsmusterl
ichtung in den untersuchten Unterschenkelmuskeln normal
Es sei keine Nervenläsion objektivierbar. Die ausgeprägte Kraftminderung sei funktionell bedingt (S. 1).
3.5
Dr.
med.
C._
, Leitender Arzt a
m
A._
, diagnostizierte mit Bericht vom 2
7.
April 2020 (
Urk.
8/M8) eine unklare Anästhesie (dorsaler Vorfuss), eine
Hypästhesie (Fusssohle) und vollständige Plegie distal der Quetschwunde Fuss/OSG
rechts
sowie
eine
mediolaterale
Instabilität und
osteochondrale
Läsion der late
ralen Talus-Schulter rechts bei Status nach Quetsch-Trauma Unterschenkel rechts vom 1
3.
Januar 2020 und
Hämatomevakuation
und
Redoneinlage
am 1
3.
Januar 2020 (S. 1).
Bildgebend sei bis auf eine erhöhte Transparenz im Bereich der lateralen Talus-Schulter ein unauffälliger ossärer Befund gegeben.
Es bestehe ein Os tibiale externum. Ein
MRI des rechten Sprunggelenks und Unterschenkels
habe
eine
osteochondrale
Läsion der lateralen Talus-Schulter, eine Ruptur des
ATFL
(Ante
rior
talofibular
ligament
) und CFL (
Calcaneofibular
ligament
) sowie eine Teilrup
tur des Delta-Bandapparates
ergeben
. Neurologisch habe keine Nervenläsion objektiviert werden können. Die bei der Untersuchung bestehende Dysästhesie und Plegie habe kein Korrelat in der neurologischen Untersuchung und sei als Inkonsistenz zu werten. Hier wäre eine psychosomatische Abklärung empfehlens
wert. Weiter bestehe eine ausgeprägte Instabilität des OSG mit einem Knorpel
defekt. Zur Kausalität zu dem stattgefundenen Trauma könne anhand der gegebe
nen Unterlagen keine Stellung genommen werden. Unter Berücksichtigung der Inkonsistenz sei kein chirurgisches Vorgehen zu empfehlen, bis eine Besserung eingetreten sei (S. 2).
3.6
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, Beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, unter
suchte den Beschwerdeführer am 1
2.
August 2020 und
stellte in seinem Bericht vom 1
6.
August 2020 (
Urk.
8/M18) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6
Ziff.
4.1):
-
mediale und laterale OSG-Instabilität rechts bei
-
Ruptur LFTA und LFC sowie Teilruptur Deltaband bei Status nach Distorsions- und Quetschtrauma Unterschenkel rechts vom 1
3.
Januar 2020
Eine ebenfalls zu diagnostizierende unklare Hypästhesie des ventralen OSG ohne radiologisches und neurologisches Korrelat habe keine Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
4.2). Zum Befund hielt
Dr.
D._
fest, der Beschwer
deführer demonstriere während der gesamten Untersuchung ein betont aggra
viertes Schmerzverhalten, welches nicht mit den klinischen und radiologischen Befunden korreliere
(S. 3
Ziff.
3.1). Die Untersuchung der Füsse präsentiere eine seitengleiche
Sohlenbeschwielung
, keine
Druckdolenzen
über der Plantarfa
s
zie und keine Gabeldruckschmerzen über den Calcanei. Die Achillessehne stelle sich beidseits
schlank, nicht verkürzt und ohne
Tendinopathiezeichen
dar. Nach Ab
lenkung zeig
t
e
n
sich eine druckindolente
Tibialis
posterior
und Peroneal
seh
nen, eine unauffällig palpable Syndesmose sowie ein passiv freies Bewegungs
aus
mass. Bei der eigentlichen Untersuchung der Füsse spanne der Beschwerde
führer massiv gegen, das OSG zeige sich so quasi kontrakt, jedoch in Spitzfuss
stellung
, während es bei der vorherigen Gang- und Standdemonstration eine
plantigrade
(90°) Stel
lung eingenommen habe. Dies erschwere die Untersuchung, die jeweils immer nur bei Ablenkung habe erfolgen können. Weiter beschreibe der Beschwerde
führer eine geringe Hypästhesie über der rechten ventralen distalen Tibia bis in die Zehen. Hier werde ein aufgehobenes Tast-, Druck- und Temperaturempfinden beschrieben. Er reagiere jedoch physiologisch auf eine unerwartete
Kitzelstimu
lation
. Ansonsten finde sich über den oberen und unteren Extremitäten kein Anhalt für eine Hypästhesie (S. 5
Ziff.
3.3).
Aufgrund der übertrieben vorgetäuschten neurologischen Symptomatik sei eine operative Stabilisierung zunächst abgelehnt worden. Eine Einschätzung des bis
herigen Verlaufs gestalte sich schwierig, da es äusserst mühsam sei, zwischen den aggravierten demonstrierten Befunden und dem vorgetäuschten Fehlbefunden einen einigermassen zutreffenden Status zu erheben. Die Fussheber- und
Senker
paresen
stellten sich im Vergleich zur dokumentierten letzten neurologischen Untersuchung verschlechtert dar, jedoch werde der Fuss aktiv in Nullstellung gehalten, ein
Einbeinstand
sei möglich. Bei Untersuchung des Bewegungs
appa
rates spanne der Beschwerdeführer gegen, um eine Kontraktur vorzutäuschen, nach Ablenkung präsentiere sich ein komplettes Bewegungsausmass. Es bestehe somit weder ein Kraftlimit noch ein eingeschränktes Bewegungsausmass. Bei einer (demonstrierten) Fussheber- und
Senkerparese
müsste es zu rezidivierenden Stolperstürzen kommen. Das dagegen demonstrierte
plantigrade
Aufsetzen des Fusses widerspreche dem demonstrierten semikontrakten Spitzfuss. Das aggra
viert
dargestellte Schmerz- und Erschöpfungsverhalten sei nicht glaubhaft. Der Beschwerdeführer sei an Unterarmgehstöcken erschienen, könne sich ohne diese in der Wohnung bewegen, sei jedoch nicht in der Lage, mehr als zwei Schritte während der Untersuchung zu gehen. Auch gebe es für das beschriebene vom Fuss in den Bauch aufsteigende Schmerz- und Schwindelsyndrom keinen Zusam
menhang mit einer Aussenband- und partiellen Innenbandruptur. Die nahezu seitengleiche
Sohlenbeschwielung
und Schuhsohlenabdrücke korrelierten nicht mit dem demonstrierten hinkenden Gangbild. Die palmare
Handbeschwielung
korreliere nicht mit dem Gebrauch von Unterarmgehstöcken mehr als sechs Monate. Die eingeschränkte Schulterabduktion und der eingeschränkte Faust
schluss aufgrund
von
Nackenverspannungen sei bei weicher Muskulatur nicht glaubhaft. Das
Abduktionslimit des rechten Armes und das rechtsseitige Faust
schlusslimit durch
suprascapuläre
Muskelschmerzen bei weicher Muskulatur seien physiologisch nicht nachvollziehbar. Die beschriebenen Blitze und Strom
stösse sowie die Hypästhesie - mit i
ntakter
Kitzelreaktion
- korrel
ierten nicht mit den radiologischen und neurologischen Befunden. Für die beschriebenen Blau- und Schwarzfärbungen des Fusses gebe es keine plausible Erklärung im Zusam
menhang mit den Bandläsionen (S. 6 f.
Ziff.
5.1-2).
Für die angestammte Tätigkeit als Logistiker (vgl. S. 1) bestehe nach Aussen- und partieller Innenbandruptur eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit. Bei subjekti
vem Instabilitätsgefühl empfehle sich das Tragen einer Bandage. Gehstrecken von über einer Stunde sollten vermieden werden, seien nach Angaben des Be
schwer
deführers in seiner Tätigkeit jedoch nicht enthalten. Für angepasste Tätig
keiten auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bestehe eine uneingeschränkte Arbeits
fähig
keit. Das Besteigen von Gerüsten und Leitern, Gehstrecken von über einer Stunde sowie das Gehen auf unebenem Terrain sollten aus dem Profil ausgeschlossen werden (S. 7
Ziff.
6). Zum Endzustand hielt
Dr.
D._
fest, eine namhafte Besserung der Instabilität sei durch konservative Therapie nicht zu erwarten. Von einer operativen Stabilisierung sei aufgrund der offensichtlich vorliegenden psy
chosomatischen Komponente mit Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung vorerst abzuraten. Sollte sich dieser Zustand ändern und eine Operation möglich sein, wäre dieser Eingriff unfallkausal (S. 7
Ziff.
7).
3.7
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Chirurgie, führte in ihrer Stellung
nahme vom 1
0.
Oktober 2020 (
Urk.
8/M19) aus, der Unfall vom 1
3.
Januar 2020 habe zu einem ausgedehnten Hämatom am rechten Unterschenkel distal medial
prätibial
sowie zu ausgedehnten Muskelhämatomen im Musculus
tibialis
anterior,
extensor
hallucis
longus und
extensor
digitorum überwiegend am proximalen Unterschenkel geführt. Diese Muskelhämatome seien mit MRI-Untersuchung vom 1
9.
Februar 2020 als noch
residuelles
Ödem im Muskelbauch
dokumentiert, mit zusätzlich im Verlauf zunehmendem intramuskulärem Ödem vom Musculus
tibialis
posterior
in mittlerer Höhe des rechten Unterschenkels. Während der
Nervus
tibialis
über die gesamte Länge von der Kniekehle bis weit nach distal reizlos und bildgebend regelrecht habe verfolgt werden können, sei MR-tomo
graphisch dokumentiert, dass die tiefen Äste des
Nervus
peronaeus
zwischen der ödematös veränderten Muskulatur über längere Strecken verliefen. Weiter habe der Unfall zu einer Ruptur der Ligamenta
fibulotalare
anterius und
fibulocal
caneare
sowie Teilruptur des Deltabandapparates mit konsekutiver unfallkausaler Instabilität des rechten oberen Sprunggelenks geführt, zudem zu einem
Häm
arthros
(Blut im Gelenk) im oberen Sprunggelenk, weniger im unteren Sprung
gelenk (S. 4).
Eine vorübergehende Symptomatologie mit neurologischen respektive als neuro
logisch empfundenen Beschwerden sei mit den bildgebenden Befunden mehrfach dokumentiert, wobei hier die Muskelhämatome massgebend gewesen seien. Anlässlich der Untersuchung durch
Dr.
D._
habe der Beschwerdeführer nur noch eine geringe Hypästhesie über de
r
rechten ventralen distalen Tibia bis in die Zehen, in denen ein aufgehobenes Tast-, Druck- und Temperaturempfinden ange
geben worden sei
, gezeigt
. Es handle sich somit um einen objektivierbaren regre
dienten Befund. Es sei bei allem Verständnis für die mehrfach dokumentierte, als aggraviert beurteilte Beschwerdesymptomatik, welche erfahrungsgemäss mit vor
liegend soziokulturellem Hintergrund sehr häufig vorliege, sowohl in der For
mulierung der Zumutbarkeit wie auch der Arbeitsfähigkeit die unfallkausale Instabilität des rechten oberen Sprunggelenks und die stattgehabte Weichteil
kontusion zu berücksichtigen. Tatsache sei, dass der Beschwerdeführer seitens der unfallkausalen resultierenden
Instabilität im rechten oberen Sprunggelenk bis aktuell nicht adäquat versorgt sei. Es seien Massnahmen zu ergreifen, um die Situation zu verbessern. Es biete sich eine stationäre Rehabilitation an, eine phy
siotherapeutische Intensivierung mit gegebenenfalls psychiatrischer Unterstützun
g und einer intensiven ärztlichen Führung/Überwachung der Therapien, so dass in einem vernünftigen Zeitraum die Instabilität operativ versorgt werden könne. Der Fall könne nicht einfach abgeschlossen werden. Eine vollumfängliche Arbeits
fähigkeit präsentiere der Beschwerdeführer in der vorliegenden Situation nicht. Die Arbeitsfähigkeit müsse schrittweise gesteigert werden mit zu Beginn 50%iger Beschäftigung (S. 4 f.).
Zusätzlich sei eine nicht überwiegend wahrscheinlich unfallkausale Osteochondrosis dissecans an der rechten
Talusrolle
dokumentiert.
Bei dem beschriebenen Befund mit falsch antrainiertem Gang ohne Abrollen des rechten Fusses über einen Zeitraum von nun rund 10 Monaten könne ohne Aus
schöpfen zumindest konservativer Therapiemassnahmen kein Fallabschluss er
zwun
gen werden. Die Arztberichte skizziert
en keine volle Arbeitsfähigkeit
und sowohl die Zumutbarkeit als auch die Arbeitsfähigkeit seien formuliert worden mit der Argumentation, die geklagten Beschwerden seien nicht glaubhaft und eine Nervenläsion sei ausgeschlossen an der unteren rechten Extremität. Das bild
gebend nachgewiesene erhebliche Weichteiltrauma, die unfallkausal resultierende Instabilität im rechten oberen Sprunggelenk sowie der sich präsentierende klini
sche Befund seien ungenügend in die Beurteilung einbezogen worden. Dies sei nicht korrekt, zumal bereits mit einigen konservativen Massnahmen eine Verbes
serung des Allgemeinzustandes überwiegend wahrscheinlich erreicht werden könne
(S. 5).
3.8
Die Är
zte des
A._
stellten mit Bericht vom 2
3.
November 2020 (
Urk.
8/M20) folgende Diagnosen (S. 1):
-
mediolaterale
OSG-Instabilität und
osteochondrale
Läsion der lateralen
Talusschulter
rechts bei Status nach Quetschtrauma Unterschenkel rechts vom 1
3.
Januar 2020
-
Status nach
Hämatomevakuation
und
Redoneinlage
am 1
3.
Januar 2020
-
Status nach unklarer Anästhesie dorsaler Vorfuss, Hypästhesie Fusssohle und vollständige Plegie distal der Quetschwunde Fuss/OSG rechts nach Trauma vom 1
3.
Januar 2020, aktuell komplett
regredient
Der Patient
berichte
über einen schleppenden Verlauf. Die Gefühlsstörung sei komplett, die Schmerzen ebenfalls deutlich rückläufig, jedoch bestünden bei Belastung ohne Gehstöcke Schmerzen im Bereich des Rückfusses. Durch das hinkende Gangbild fühle sich der Beschwerdeführer deutlich in der Lebensqualität eingeschränkt (S. 1). Nach Belastung bestünden insbesondere Beschwerden
ante
romedial-zentral
über dem OSG sowie lateralen Bandapparat. Die Arbeit als Pizzakurier habe der Beschwerdeführer ausüben können. Er sei seit dem Unfall nicht mehr arbeitstätig (S. 2 oben).
Die Dysästhesie und Plegie seien vollständig
regredient
. Es bestünden deutlich einschränkende Beschwerden im Bereich des OSG. Klinisch zeige sich aktuell keine Instabilität. Sollte sich bildgebend noch ein deutliches Knochenmarksödem im Bereich der
osteochondralen
Läsion an der lateralen
Talusschulter
zeigen, würde die Indikation für eine OSG-Arthroskopie
mit
Débridement
, anterolateraler
Arthrotomie sowie Behandlung des Knorpeldefekts bestehen. Sollten sich stabile Verhältnisse zeigen, empfehle man weiterhin ein konservatives Vorgehen bei Abwesenheit einer
ligamentären
Instabilität (S. 2).
3.9
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, führte am 1
7.
Dezember 2020 (
Urk.
8/M21) auf Anfrage der Beschwerdegegnerin aus, der Beschwerdeführer habe sich aus finanziellen Gründen nicht in der Lage gesehen, weitere physiotherapeutische Massnahmen in Anspruch zu nehmen.
Er habe seine Anstellung verloren und bei persistierender Arbeitsunfähigkeit keine Arbeits
lo
sen
entschädigung bezogen, weshalb er auf weitere Behandlung seines Fusslei
dens habe verzichten müssen. Über die vergangenen drei Monate sei es dennoch zu einer Besserung des Beschwerdebilds gekommen, so dass er zunehmend auf seine Stöcke habe verzichten können, wenn auch noch nicht vollständig, und auch die Schmerzen unter Basisanalgesie rückläufig seien. Aktuell störe den Beschwer
deführer insbesondere noch die Instabilität im oberen Sprunggelenk. Vor allem nach längerer Belastung komme es abends zu lokaler Schwellung mit Schmerzen. Es sei deshalb eine erneute Zuweisung zu
Dr.
C._
mit der Frage nach der operativen Versorgung der Instabilität erfolgt (S. 1).
Die Arbeitsfähigkeit sei schwierig zu beurteilen. Einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit könnte der Beschwerdeführer sicherlich nachgehen. Hinsichtlich einer vorwiegend stehenden Arbeit mit schwerem Lastentragen sowie auf grosse Höhen steigen und Ähnlichem bestehe aufgrund der Instabilität im oberen Sprunggelenk keine Arbeitsfähigkeit (S. 1).
3.10
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Chirurgie und beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, führte am
7.
Januar 2021 (
Urk.
8/M22) aus, er könne die Schlussfolgerungen von
Dr.
D._
was die Arbeitsfähigkeit angehe auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass anlässlich der Untersuchung Inkonsi
stenzen, Zeichen einer gewissen Aggravation und eine funktionelle Überlagerung
nachweisbar gewesen seien, nicht teilen. Es handle sich um ein erhebliches Trauma
mit
Kontusionierung
des distalen Unterschenkels und partiellem
Décollem
e
nt
der Weichteile, verbunden mit Rupturen des Ligamentum
fibulotalare
anterius, des Ligamentum
fibulocalcaneare
s
owie einer partiellen Bandläsio
n medial des Liga
mentum
deltoideum
. Aufgrund der letzteren Verletzungen resultiere bis heute eine erhebliche Instabilität des rechten Sprunggelenks, die klinisch und radiolo
gisch eindeutig nachweisbar sei. Er sei mit
Dr.
D._
einer Meinung, dass zum Zeitpunkt seiner Untersuchung eine operative Stabilisierung noch nicht angezeigt gewesen sei bis zur Beruhigung des heftigen Schmerzzustandes und einer Verbesserung der Beweglichkeit des Sprunggelenkes
(S. 1)
. Auf die Tatsache, dass am distalen Unterschenkel primär ein partielles
Décollement
bestanden habe, werde in der Beurteilung
durch
Dr.
D._
nicht eingegangen.
Es handle sich dabei um eine Ablederung von 15-20 cm
2
, wobei es im Verlauf des Heilungs
pro
zesses sehr häufig zu Adhäsionen der Haut und Unterhaut mit den Muskel
faszien komme, was bei Bewegung des Sprunggelenks zu Irritationen sensibler Nerven
fasern und erheblichen Schmerzen
führen
könne, insbesondere bei Abroll
bewe
gungen des Fusses (S. 1 unten f.). Bedingt durch diese Situation, beruhend auf der allgemeinen Erfahrung nach solchen Verletzungen, habe zum Zeitpunkt der Untersuchung im August 2020 noch keine volle Arbeitsfähigkeit als Pizza
kurier bestanden. Unter Anwendung stabilisierender Massnahmen bezüglich Sprung
gelenk wäre von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen. Somit sei
die Arbeits
fähigkeit wie folgt: 50
%
zum Untersuchungszeitpunkt bei
Dr.
D._
, 0
%
ab 1
8.
Dezember 2020 für die angestammte Tätigkeit. Für eine angepasste weitgehend sitzende Tätigkeit bestehe eine sofortige Arbeitsfähigkeit, dies aber unter Anwendung äusserer stabilisierender Massnahmen am Sprunggelenk (S. 2 oben).
Überwiegend unfallfremd finde sich an der lateralen
Talusschulter
eine Osteo
chondrosis dissecans. Bei Fehlen eines
Bone
bruise
korrespondierend zu dieser
osteochondralen
Läsion sei überwiegend wahrscheinlich von Krankheitsgründen
auszugehen. Zwischenzeitlich, seit der Untersuchung durch
Dr.
D._
, habe sich die Situation am rechten Sprunggelenk deutlich verbessert. Die über mehrere Monate geklagten Gefühlsstörungen im Unterschenkel- und Fussbereich seien gemäss Bericht des
A._
komplett rückläufig und die bei Belastung bestehenden Schmerzen hätten sich ebenfalls stark zurückgebildet. Es verbleibe gemäss Bericht von
Dr.
F._
vom 1
7.
Dezember 2020 eine weiterbestehende Instabilität. Damit wäre eine volle Arbeitsfähigkeit auch im angestammten Beruf unter Anwendung einer externen Stabilisation des Sprunggelenkes zum Beispiel mit Künzli-Ortho-Schuhen wieder zumutbar. Weiter sei richtig, dass jetzt abzuklären sei, ob eine operative Stabilisierung des rechten Sprunggelenks spruchreif sei und damit der Fallabschluss noch nicht erfolgen könne
. Die Beurteilung von
Dr.
E._
, wonach eine volle Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf noch nicht erreicht sei, sei nachvollziehbar
(S. 2).
3.11
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die Ge
setz
mässigkeit der Verwaltungsverfügungen beziehungsweise der
Einspracheent
scheide
in der Regel nach dem Sachverhalt, der zur Zeit des Abschlusses des Ver
waltungsverfahrens gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verän
dert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis). Jedoch sind Tatsachen, die sich erst später verwirklichen, insoweit zu berücksichtigen, als sie mit dem Streitgegen
stand in engem Sachzusammenhang stehen und geeignet sind, die Beurteilung im Zeitpunkt des Erlasses der Verwaltungsverfügung beziehungsweise des Ein
spracheentscheides zu beeinflussen (BGE 121 V 362 E. 1b, 99 V 98 E. 4; Urteil des Bundesgerichts 8C_95/2017 vom 15. Mai 2017 E. 5.1 mit Hinweisen).
Diese Voraussetzungen sind für die nachfolgend erwähnten ärztlichen Unterlagen erfüllt, weshalb sie Berücksichtigung finden.
3.12
Ein am 2
0.
Mai 2021 durchgeführtes MRI des rechten Sprunggelenks ergab einen Status nach
osteochondraler
Läsion der lateralen
Talusschulter
mit progredientem zystischem Umbau/Geröllzysten,
ödemäquivalentem
Signal und weiterhin darü
ber
liegenden Knorpeldefekten bis auf die Grenzlamelle im Sinne einer sekundären Arthrose, eine residuelle Verdickung, differentialdiagnostisch eine beginnende narbige Verdickung des Ligamentum
fibulotalare
anterius und Ligamentum
fibu
lokalkaneare
sowie des Deltaband-Komplexes, differentialdiagnostisch prädispo
nierend für ein
Impingement
, sowie ein Os tibiale externum mit aktivierter
Syn
chondrose
(
Urk.
14).
3.13
Die Ärztinnen des
A._
diagnostizierten mit Bericht vom 3
1.
Mai 2021 (
Urk.
18) eine symptomatische
osteochondrale
Läsion der lateralen
Talusschulter
rechts bei
Status nach Quetschtrauma Unterschenkel rechts mit medialer und lateraler Bandverletzung am 1
3.
Januar 2020 und Quetschwunde Fuss/OSG rechts sowie einen Status nach unklarer Anästhesie dorsaler Vorfuss und Hypästhesie Fuss
sohle mit partieller Plegie, aktuell komplett
regredient
(S. 1). Der Beschwerde
führer berichte, dass er von Seiten der Sensibilitätsstörung soweit keine Probleme mehr habe, es gebe noch eine diskrete Hyposensibilität im Bereich der ehemaligen Wunde bei Quetschtrauma. Im Bereich des Fusses sei die Motorik wie auch die Sensibilität wieder völlig normal. Allerdings berichte er, dass er weiterhin Schmerzen im Sprunggelenk habe, vor allem bei Belastung. In Ruhe habe er keine
Schmerzen. Aufgrund dieser Schmerzen könne er nicht mehr richtig laufen und versuche den Fuss beim Laufen etwas zu entlasten. Seine Arbeitstätigkeit als Pizzakurier habe er seit dem Unfall nicht mehr aufnehmen können. Er sei aktuell auf Arbeitssuche (S. 1).
Die aktuellen Beschwerden seien im Rahmen der durch den Unfall verursachten
osteochondralen
Läsion zu interpretieren. Das Flake, welches auf den initialen Röntgen- und CT-Bildern gut sichtbar sei, sei soweit am Ort eingeheilt, allerdings hätten sich in diesem Bereich
subchondrale
Zysten und ein gewisser Knorpel
schaden entwickelt. Eine Instabilität liege nicht vor. Aufgrund der persistierenden Beschwerden könne man dem Beschwerdeführer eine operative Versorgung an
bieten. Hier wäre eine initiale OSG-Arthroskopie mit anschliessender antero
lateraler Arthrotomie, aus Kürettage der zystischen Läsion mit im Anschluss Auf
füllen des Defektes mit Spongiosa aus der proximalen Tibia und anschliessender AMIC-Plastik geplant.
Der Beschwerdeführer werde sich den Eingriff überlegen (S. 2).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin anerkennt, dass der Endzustand noch nicht erreicht und näher abzuklären ist (vgl. vorstehend E.
2.1). Dies steht im Einklang mit der Aktenlage:
Dr.
C._
(vgl. vorstehend E.
3.5) stellte im April 2020 eine ausgeprägte Instabilität des OSG, jedoch auch erhebliche Inkonsistenzen fest. Auf diese wies auch
Dr.
D._
hin und hielt fest, dass es äusserst mühsam sei, zwischen den aggravierten demonstrativen Befunden und den nach seiner Einschätzung vorgetäuschten Fehlbefunden einen zutreffenden Status zu erhe
ben. Er riet vorerst von einer operativen Stabilisierung ab, schloss sie jedoch nicht aus
(vgl. vorstehend E. 3.6)
.
Dr.
E._
wies darauf hin, dass die Verletzung bislang nicht adäquat versorgt sei
,
und erachtete eine stationäre Rehabilitation
sowie
eine physiotherapeutische Intensivierung mit gegebenenfalls psychia
tri
scher Unterstützung und einer intensiven Überwachung der Therapien als ange
zeigt, um die operative Versorgung
anzugehen (vgl. vorstehend E. 3.7). Bei dieser Sachlage kann der Endzustand nicht als per 1
5.
September 2020 erreicht be
trachtet werden, vielmehr ist weiterhin unklar, welche Beeinträchtigungen in welchem Umfang bestehen. Dies ergibt sich auch aus den weiteren Berichten: Im November 2020 waren die Dysästhesie und Plegie vollständig
regredient
, klinisch habe sich keine Instabilität, aber deutlich einschränkende Beschwerden im Be
reich des OSG gezeigt. Bei stabilen Verhältnissen empfehle man ein konservatives Vorgehen, ansonsten eine Arthroskopie mit
Débridement
(vgl. vorstehend E. 3.8).
Dr.
G._
bestätigte sodann, dass noch kein Fallabschluss möglich sei (vgl. vorstehend E. 3.10). Die Ärztinnen des
A._
erachteten eine operative Versorgung als angezeigt, obwohl sie keine Instabilität feststellten (vgl. vorstehend E. 3.13).
4.2
Ist der Zeitpunkt des Fallabschlusses noch unklar und mithin die Frage, ob von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung noch eine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes erwartet werden kann, noch nicht beantwortet, so kann auch über die Arbeitsfähigkeit
noch
keine definitive Aussage gemacht werden. Denn ob eine namhafte Besserung noch möglich ist, bestimmt sich insbesondere
nach Massgabe der zu erwartenden Steigerung oder Wiederherstellung der Arbeit
s
fähigkeit, soweit diese unfallbedingt beeinträchtigt ist
(vgl. vorstehend E. 1.2).
Vorliegend
kann diesbezüglich nicht auf die Einschätzung
durch
Dr.
D._
abgestellt werde
n. D
iese wird durch die von
Dr.
G._
verfasste Stellungnahme erheblich in Frage gestellt, hielt dieser doch ausdrücklich fest, er könne die Einschätzung
durch
Dr.
D._
, was di
e
Arbeitsfähigkeit angehe, nicht teilen, und erachtete eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
im September 2020 und
von 0
%
ab Dezember 2018 als zumutbar, dies bei Anwendung stabilisierender Massnah
men. Eine angepasste Tätigkeit sei sofort voll zumutbar, ebenso in der ange
stammten Tätigkeit, sofern eine Stabilisierung mit entsprechendem Schuhwerk erfolge
. Gleichzeitig schloss sich
Dr.
G._
der Beurteilung
durch
Dr.
E._
, dass eine volle Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf noch nicht erreicht sei, an
(vgl. vorstehend E. 3.10)
.
Dies stellt keine nachvollziehbare Einschätzung dar.
Die Ärztinnen des
A._
verneinten
überdies
weiterhin
eine Instabilität und führten
die Beeinträchtigung auf andere Beschwerden am Fuss (
osteochondrale
Läsion,
subchondrale
Zysten und ein gewisser Knorpelschaden) zurück.
Ob auch diese Beeinträchtigungen anhand von
Stabilitäts-
Hilfsmitteln
soweit behoben werden können, dass eine substantielle Arbeitsfähigkeit anzunehmen wäre, ist nicht
klar ersichtlich
.
Gleichzeitig bestehen jedoch Hinweise auf erhebliche Inkonsistenzen.
Somit erlaub
t
die Aktenlage auch hinsichtlich der Frage der Arbeitsfähigkeit
keine verlässlichen Antworten
, weshalb die Einstellung der Taggelder aktuell nicht
bestätigt werden kann
.
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid in der Sache.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht; GSVGer).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwer
deinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Ver
waltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt überhaupt für gutachterlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativexpertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betreffende Be
weiserhebung erfolgt alsdann vor der – anschliessend reformatorisch entschei
denden – Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Ver
waltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem
Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurückzuweisen, wenn
lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachterlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 139 V 99 E. 1.1, 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_354/2020 vom 8. September 2020 E. 2.1)
.
5.2
Vorliegend blieb die Frage nach dem Zeitpunkt des Endzustands und der Arbeits
fähigkeit bislang ungeklärt. Es ist deshalb angezeigt, die Sache zur Einholung eines fachärztlichen Gutachtens, welches sich insbesondere zu den Behand
lungsmöglichkeiten und deren Erfolgsaussichten
, zu allfälligen Inkonsistenzen
sowie zum
Bestand und
Verlauf einer allfälligen Arbeitsunfähigkeit zu äussern haben wird, und zur anschliessenden neuen Entscheidung an die Beschwerde
geg
nerin zurückzuweisen.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Das Verfahren ist kostenlos.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
.
Diese
wird
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der
Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer)
und ist vorliegend auf
Fr.
1'9
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.