# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2ac1666f-83fc-4de4-ae3e-37982591ea25
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. X.Y., Jg. 1990, besitzt den Führerausweis Kategorie B seit 22. Dezember 2008. Am
23. März 2012 verursachte er mit einem Motorrad, welches er in angetrunkenem
Zustand und mit nicht angepasster Geschwindigkeit lenkte, einen Selbstunfall. Das
Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt des Kantons St. Gallen verfügte deswegen am
15. Mai 2012 einen Führerausweisentzug von zwei Monaten (act. G 13/7/75). Am 23.
April 2013 verursachte er als Lenker eines Personenwagens einen Auffahrunfall, indem
er in das Heck eines vor ihm stehenden Personenwagens fuhr, wodurch dieser
seinerseits in das vor ihm stehende Fahrzeug geschoben wurde. Es entstand ein
geschätzter Sachschaden von Fr. 10'000.--. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Kreuzlingen vom 21. August 2013 wurde er hierfür wegen Nichtbeherrschens seines
Fahrzeugs infolge mangelnder Aufmerksamkeit auf den vorausfahrenden Verkehr
(einfache Verletzung der Verkehrsregeln) mit Fr. 350.-- gebüsst (act. G 13/7/1-30). Der
Strafbefehl erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
b. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs entzog das Strassenverkehrs- und
Schifffahrtsamt X.Y. mit Verfügung vom 29. Oktober 2013 den Führerausweis wegen
mittelschwerer Widerhandlung gegen die Strassenverkehrsvorschriften für die Dauer
von vier Monaten (act. G 13/7/32-38). Den gegen diese Verfügung erhobenen Rekurs
(act. G 13/1 und 10) wies die Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen mit
Entscheid vom 27. Februar 2014 ab (act. G 2).
B.
a. Gegen diesen Rekursentscheid liess X.Y. durch K.L. am 16. März 2014 Beschwerde
erheben (act. G 1) und am 22. April 2014 durch seine Rechtsschutzversicherung eine
Vollmacht nachreichen (act. G 6). Im Nachgang zum verfahrensleitenden Hinweis des
Verwaltungsgerichts, dass die Rechtsvertretung vor Verwaltungsgericht
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Rechtsanwälten vorbehalten sei (act. G 7), reichte der Beschwerdeführer selbst am 12.
Mai 2014 eine Beschwerdeergänzung ein (act. G 8). Im Schreiben vom 15. Mai 2014
wies er darauf hin, dass seine Eingaben in den vorinstanzlichen Verfahren auch zu
berücksichtigen seien (act. G 10). Am 16. Mai 2014 wurde er von Seiten des
Verwaltungsgerichts darauf hingewiesen, dass die vorinstanzlichen Akten
(einschliesslich seiner dortigen Eingaben) beigezogen würden (act. G 11).
b. In der Vernehmlassung vom 19. Mai 2014 beantragte die Vorinstanz Abweisung der

## Considerations

Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid (act. G 12). Der Beschwerdegegner verzichtete auf eine Vernehmlassung
(act. G 14 f.). In der Eingabe vom 10. Juni 2014 bestätigte der Beschwerdeführer
seinen Standpunkt (act. G 17).
c. Auf die Darlegungen des Beschwerdeführers in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...).
2.
2.1. Nach Art. 16 Abs. 2 des Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, SVG) wird
nach Widerhandlungen gegen die Strassenverkehrsvorschriften, bei denen das
Verfahren nach dem Ordnungsbussengesetz (SR 741.03, OBG) ausgeschlossen ist, der
Lernfahr- oder Führerausweis entzogen oder eine Verwarnung ausgesprochen. Das
Gesetz unterscheidet in Art. 16a bis 16c SVG zwischen leichten, mittelschweren und
schweren Widerhandlungen. Eine leichte Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung
von Verkehrsregeln eine geringe Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft und ihn
dabei nur ein leichtes Verschulden trifft (Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG). Eine mittelschwere
Widerhandlung begeht, wer durch Verletzung von Verkehrsregeln eine Gefahr für die
Sicherheit anderer hervorruft oder in Kauf nimmt (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG).
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2.2. Mit der Beschwerde an das Verwaltungsgericht kann sich der
Beschwerdeführer darauf berufen, die angefochtene Verfügung oder der angefochtene
Entscheid beruhe auf einem unrichtig oder unvollständig festgestellten Sachverhalt (Art.
61 Abs. 2 VRP). Die Behörde oder das von ihr beauftragte Verwaltungsorgan ermittelt
den Sachverhalt und erhebt die Beweise von Amtes wegen, insbesondere durch
Beizug von Urkunden (Art. 12 Abs. 1 VRP). Sind zur Wahrung des öffentlichen
Interesses keine besonderen Erhebungen nötig, so sind nur die von den Beteiligten
angebotenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsachen
aufzunehmen (Art. 12 Abs. 2 VRP). Unrichtig ist ein Sachverhalt festgestellt, wenn aus
den vorhandenen Beweismaterialien unrichtige Schlüsse gezogen werden,
insbesondere indem der Sachverhalt falsch oder aktenwidrig festgestellt wird oder
indem Beweise unrichtig gewürdigt werden (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit
im Kanton St. Gallen, 2. A. 2003, Rz. 587). Im Übrigen ist die Administrativbehörde -
wie bereits die Vorinstanz dargelegt hat (act. G 2 E. 3b) - nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung grundsätzlich an die tatsächlichen Feststellungen der Strafbehörde
gebunden (vgl. auch BGer 1C_446/2011 vom 15. März 2012, E. 5.1 mit Hinweisen
unter anderem auf BGE 137 I 363 E. 2.3.2 und 136 II 447 E. 3.1).
3.
3.1. Aufgrund des in Rechtskraft erwachsenen Strafbefehls vom 21. August 2013
und des diesem zugrunde liegenden Sachverhalts ist davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer am 23. April 2013 mit seinem Personenwagen (Hyundai) zufolge
mangelnder Aufmerksamkeit einen Auffahrunfall verursachte, in dessen Folge das vor
ihm stehende Fahrzeug (Skoda) in das nächste Auto (BMW) geschoben wurde (act. G
13/7/2 und 30 f.). Der Beschwerdeführer legt dar, beim Unfall sei ein Sachschaden an
der Front des Skoda und am Heck des BMW entstanden. An seinem Fahrzeug sei kein
"reparaturpflichtiger" Schaden entstanden. Er erachtet es - wie bereits im
vorinstanzlichen Verfahren - als fraglich, ob das vor ihm stehende Fahrzeug (Skoda)
tatsächlich eine Wagenlänge Abstand zum BMW gehabt habe und dessen Lenkerin
nicht sogar selbst in den vor ihr anhaltenden BMW gefahren sei. Dieser Punkt sei noch
zu berücksichtigen. Nach dem Auffahrunfall seien alle Beteiligten unverletzt aus ihren
Fahrzeugen gestiegen und hätten diese auf die Seite fahren können. Zwei Beteiligte
hätten über leichte Verspannungen im Nackenbereich geklagt; eine Arztkonsultation
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hätten sie jedoch abgelehnt. Diese Angelegenheit hätte auch ohne Beizug der Polizei
geregelt werden können, da nur Sachschaden entstanden sei. Nun seien ihm jedoch
Rechnungen von Tausenden von Franken entstanden; auch habe er aufgrund der in
Aussicht stehenden Entzugsdauer von vier Monaten Angst um seinen Job. Er brauche
den Führerschein zwingend für seinen Beruf, da er im Dreischichtenbetrieb mit
Sonderschichten arbeite. Er bitte darum, etwas Nachsicht walten zu lassen und von
einer leichten Widerhandlung auszugehen, zumal die Ausführungen im Polizeiprotokoll
in Bezug auf die Skoda-Fahrerin aus physikalischen Gründen nicht stimmen könnten
(act. G 8).
Die Vorinstanz legte diesbezüglich im angefochtenen Entscheid unter anderem dar, der
Beschwerdeführer sei auf die Bedeutung des Ausgangs des Strafverfahrens für das
Administrativverfahren aufmerksam gemacht worden. Der unangefochten gebliebene
Strafbefehl sei gemäss Art. 354 Abs. 3 der Schweizerischen Strafprozessordnung (SR
312.0; StPO) zum rechtskräftigen Urteil geworden. Wenn sich der Sachverhalt anders
zugetragen haben sollte und die Lenkerin des vor ihm fahrenden Skoda eine Mitschuld
am Auffahrunfall getroffen haben sollte, hätte der Beschwerdeführer dies im
Strafverfahren geltend machen müssen (act. G 2 S. 4 f.). - Diese zutreffenden
Feststellungen haben auch für das vorliegende Verfahren weiterhin Gültigkeit, zumal es
an konkreten Anhaltspunkten dafür fehlt, dass dem Strafrichter nicht sämtliche
relevanten Tatsachen bekannt waren und seine Beweiswürdigung (eindeutig) im
Widerspruch zur Tatsachenlage stand (vgl. BGE 124 II 103 E. 1c/aa und BGer
1C_446/2011 a.a.O., E. 5.1).
3.2. Im Strafbefehl wurde das Verhalten des Beschwerdeführers als einfache
Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1
SVG qualifiziert (act. G 13/7/30). Nach der Rechtsprechung (BGE 135 II 138 E. 2.4)
erfasst Art. 90 Abs. 1 SVG administrativrechtlich leichte und mittelschwere
Widerhandlungen, weshalb die Vorinstanz zu Recht davon ausging, dass der
Beschwerdeführer aus der Qualifizierung seines Verhaltens im Strafbefehl nichts zu
seinen Gunsten ableiten könne (act. G 2 S. 5 unten). Im Weiteren ist nach Art. 16a Abs.
1 lit. a SVG für die Annahme eines leichten Falles kumulativ ein leichtes Verschulden
und eine leichte Gefährdung erforderlich (BGE 135 II 138 E. 2.2.3). Die Vorinstanz stufte
die Gefährdung als nicht leicht ein. Sie begründete dies damit, dass das Fehlverhalten
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eine Administrativmassnahme zur Folge habe, wenn dieses zu einer erhöhten
abstrakten Gefährdung der körperlichen Integrität führe. Je höher die Möglichkeit einer
konkreten Gefährdung oder Verletzung liege, umso schwerer wiege die abstrakte
Gefahr. Eine konkrete Gefahr liege vor, wenn für einen bestimmten Verkehrsteilnehmer
die Gefahr einer Körperverletzung bestanden habe. Eine Verletzung dieser Rechtsgüter
müsse nicht die Schwelle einer Körperverletzung im Sinn des Strafrechts erreichen
(act. G 2 S. 6 f. mit Hinweis unter anderem auf BGE 118 IV 285 E. 3a und GVP 2006 Nr.
29). Mit der Auffahrkollision habe sich die Gefahr konkretisiert, und es habe sich
gezeigt, dass das Verhalten des Beschwerdeführers jedenfalls geeignet gewesen sei,
andere Verkehrsteilnehmer zu verletzen, auch wenn die Geschwindigkeit beim Aufprall
nicht hoch gewesen sein möge. Auch bei geringen Geschwindigkeiten seien
Auffahrunfälle nicht ungefährlich und könnten zu erheblichen gesundheitlichen
Beeinträchtigungen führen. Mit Blick auf Art. 31 Abs.1 SVG dürfe erwartet werden,
dass der Lenker seine Aufmerksamkeit nicht nur auf Fussgänger, sondern auch auf die
Fahrzeuge richte, die sich vor ihm befänden. Auch ein langsames Fahrtempo entbinde
nicht von der Pflicht, die volle Aufmerksamkeit dem Verkehr zu widmen (act. G 2 S. 7 f.
mit Hinweis auf BGer 1C_75/2007 vom 13. September 2007, E. 3.2).
3.3. Diese vorinstanzlichen Darlegungen erweisen sich als nachvollziehbar und
überzeugend begründet. Im Nachgang zur Auffahrkollision klagten die Lenkerinnen der
beiden vorderen Fahrzeuge über Rücken-, Schulter- und Nackenschmerzen (act. G
13/7/2, 8 und 11). Aufgrund des im Polizeibericht auf Fr. 10'000.-- geschätzten
Sachschadens allein (act. G 13/7/2) - alle drei beteiligten Fahrzeuge wurden leicht
beschädigt - ist dabei hinsichtlich des Potentials für Gesundheitsschädigungen keine
abschliessende Aussage möglich, zumal sich aus relativ unscheinbaren Auffahrunfällen
erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen - vorab durch Beschleunigungs-
Verletzungen im Bereich der Halswirbelsäule - ergeben können. Eine nicht leichte
Gesundheitsgefährdung bzw. eine Inkaufnahme einer solchen durch den
Beschwerdeführer (Art. 16b Abs. 1 lit. a SVG) wurde insbesondere vor dem Hintergrund
zu Recht angenommen, dass auch Jahre nach einem HWS-Schleudertrauma ohne
nachweisbare pathologische Befunde noch funktionelle Ausfälle der verschiedensten
Art auftreten können (vgl. BGE 117 V 363 E. 5d/aa, und [statt vieler] BGer 8C_441/2010
vom 23. August 2010, und 8C_470/2007 vom 15. Mai 2008). Nachdem somit die
Gefährdung als nicht leicht einzustufen ist, fällt die Annahme eines leichten Falles im
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Sinn von Art. 16a Abs. 1 lit. a SVG ausser Betracht, so dass die Frage, ob ein leichtes
Verschulden vorliegt oder nicht, offenbleiben kann.
3.4. Bei der Festsetzung der Dauer des Führerausweisentzugs sind nach Art. 16
Abs. 3 SVG die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen, namentlich die
Gefährdung der Verkehrssicherheit, das Verschulden, der Leumund als
Motorfahrzeugführer sowie die berufliche Notwendigkeit, ein Motorfahrzeug zu führen.
Die Mindestentzugsdauer darf dabei nicht unterschritten werden. Nach einer
mittelschweren Widerhandlung beträgt die Entzugsdauer nach Art. 16b Abs. 2 lit. b
SVG mindestens vier Monate, wenn in den vorangegangenen zwei Jahren der Ausweis
einmal wegen einer schweren oder mittelschweren Widerhandlung entzogen war. Der
Führerausweis des Beschwerdeführers war in der Zeit vom 15. August bis 14. Oktober
2012 wegen einer mittelschweren Widerhandlung entzogen (act. G 13/7/43 und 75). Die
Vorinstanz bestätigte im angefochtenen Entscheid die Dauer des vom
Beschwerdegegner auf vier Monate festgesetzten Entzuges. Nachdem dies der
gesetzlichen Mindestentzugsdauer entspricht, bestand für sie kein Ermessenspielraum
für eine hiervon abweichende Festlegung und damit auch für eine Berücksichtigung
einer allfälligen beruflichen Angewiesenheit des Beschwerdeführers auf den
Führerausweis für den Arbeitsweg (von rund 5 km; vgl. www.maps.google.ch) von A.
nach B. (Schichtbetrieb; act. G 13/7/72). Für das Verwaltungsgericht liegt unter den
geschilderten Umständen weder ein konkreter sachlicher Anlass noch eine rechtliche
Möglichkeit vor, den vorinstanzlichen Entscheid zu korrigieren.
4.
(...).