# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 53907b44-400e-44ea-ae06-9666e069a759
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die im Jahre 1973 geborene
X._
besuchte in Serbien die Pri
marschule und verfügt über keine berufliche Ausbildung. Nach ihrer Einreise in die Schweiz im Januar 1987 übte sie Hilfsarbeitertätigkeiten aus (Urk. 9/9), zuletzt ab dem 12. Januar 2006 als Zeitungszustellerin (Urk. 9/25, Urk. 9/6 S. 1). Bei einem Autounfall am 12. Juni 2007 zog sie sich multiple Verletzungen zu (
Hospitalisation
vom 12. bis 13. Juni 2007, Urk. 9/26/31). Aufgrund der gesundheit
lichen Probleme beendete die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 31. Dezem
ber 2007 (Urk. 9/25 S. 2). Infolge multipler somatischer Probleme sowie Depres
sionen meldete sich die Versicherte am 20. November 2008 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk.
9/6 S.
8 ff.). Im Rahmen der Abklärungen ordnete diese die polydisziplinäre Abklärung der Versicherten an (
Y._
-Gutachten vom 22. Dezember 2010, Urk. 9/54). Mit Verfügung vom
6. März 2012 sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Wirkung ab 1. Februar 2010 eine ganze Rente zu (Urk. 9/97). Mit Mitteilung vom 24. Oktober 2012 bestätigte
sie
den bisherigen Rentenanspruch (Urk. 9/124).
1.2
Im Oktober 2017 leitete die IV-Stelle eine revisionsweise Überprüfung des Ren
tenanspruchs in die Wege (Urk. 9/203 S. 1, Urk. 9/203), wobei die Versicherte erneut polydisziplinär abgeklärt wurde (
Z._
-Gutachten vom 2. August 2019, Urk. 9/190). Mit Vorbescheid vom 23. August 2019 stellte die IV-Stelle der Ver
sicherten die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht (Urk. 9/193) und hielt an dieser Einschätzung mit Verfügung vom 9. Oktob
er 2019 fest (Urk. 9/204 = Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter der Versicherten am 11. November 2019 Beschwerde und beantragte, es sei der Beschwerdeführerin weiterhin eine ganze Rente zuzu
sprechen, eventualiter sei ein gerichtliches Obergutachten zu erstellen. Weiter sei der Beschwerdeführerin die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und ihr in der Person des Unterzeichneten die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
zu bewilligen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerde
gegnerin (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 6. Dezember 2019 beantragte die Beschwerde
gegnerin unter Hinweis auf die Akten die Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 9. Dezember 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 10).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
weisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
lichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Das Gericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und demnach zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel eine zuverlässige Beurteilung des strit
tigen Leistungsanspruches gestatten. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (BGE 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass
von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes und von einer 70%igen Arbeits
fähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit auszugehen sei. Da sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen anhand der Zahlen des Bundesamtes für Statistik zu bemessen sei, führe dies zu einem rentenausschliessenden Invali
ditätsgrad von 30 % (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte der
Vertreter der Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend, dass auf das
Z._
-Gutachten schon aus formellen Gründen nicht abgestellt werden könne, da nicht klar sei, welche Fragen den Gutachtern gestellt worden seien; auch habe keine Möglichkeit für das Stellen von Ergänzungsfragen bestanden. Weiter sei das Gutachten nach der Erstellung nicht zugestellt worden, was das Stellen von Ergänzungsfragen erneut verhindert habe (Urk. 1 S. 3). In materieller Hinsicht würden die Gutachter die neusten Berichte zur erlittenen zweiten Lungenembolie sowie die neuen bildgebenden Untersuchungen bezüglich der LWS nicht berücksichtigen (S. 5). Weiter werde nicht begründet, inwiefern die
Z._
-
Gutachter
für die Zeit der vormals angenommenen 100%igen Arbeits
unfähigkeit neu
von
einer solchen von lediglich
50 % ausgehen würden
; auch werde nicht begründet
,
wieso aus somatischer Sicht bei unverändertem Zustand nicht von der bisher angenommenen Arbeits
un
fähigkeit von 30 % auszugehen sei (S. 6). Die angenommene Arbeitsfähigkeit vermöge auch unter Berück
sichtigung der Ressourcenprüfung nicht zu überzeugen (S. 8). Selbst wenn man auf das Gutachten abstellen würde, ergäbe sich bei einem korrekten
Validen
einkommen
ein Invaliditätsgrad von 42 %
, zudem wäre ein leidensbedingter Abzug in der Höhe von 15 % zu gewähren (S. 9).
2.3
Vergleichsbasis im vorliegenden Revisionsverfah
ren bildet die Verfügung vom 6.
März 2012, welche sich in medizinischer Hinsicht auf das
Y._
-Gutachten vom 22. Dezember 2010 stützte. Die dafür verantwortlichen Fachärzte stellten dann
zumal die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 9/54 S. 14 f.).:
-
Mittelgradig bis schwere depressive Episode (ICD-10 F32.1/2
)
-
Mässig ausgeprägtes
Lumbovertebralsyndrom
-
Leicht bis höchstens mässig ausgeprägtes
Cervicalsyndrom
-
Zumindest mittelstark ausgeprägtes Carpaltunnelsyndrom links
-
Status nach Carpaldachspaltung rechts am 7. Mai 2009 mit aktuell noch
residuelle
r
Beeinträchtigung der Nervenleitfähigkeit und Nervenleitge
schwindigkeit des N.
Medianus
im Carpaltunnelbereich
Aus neurologischer Sicht sei di
e Beschwerdeführerin für leichte
bis mittelschwere Tätigkeiten maximal zu 30 % in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Aus psy
chiatrischer Sicht bestehe aufgrund des Schweregrades der Depression
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 20).
3.
3.1
Gemäss Art. 29 Abs. 2
der Bundesverfassung
haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer Person eingreift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass des in ihre Rechtsstellung ein
greifenden Entscheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu wer
den und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Ent
scheid zu beeinflussen (BGE 132 V 368 E. 3.1 mit Hinweisen).
3.2
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts kan
n eine Verletzung der nach Art.
19
des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
)
in Verbi
n
dung mit Art. 57, 58 und 60 des Bundesgesetzes
über
den
Bundeszivilprozess
(BZP)
für den
Beizug
von Sachverständigen geltenden Verfahrensregeln, ins
be
sondere der Vorschriften, wonach den Parteien Gelegenheit zu geben ist, zur Ernennung von Sachverständigen Stellung zu nehmen (Art. 58 Abs. 2 BZP) und sich zu den Fragen zu äussern, deren Begutachtung beabsichtigt ist (Art. 57 Abs.
2 BZP), als geheilt gelten, wenn das Gericht den angefochtenen Entscheid in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht frei überprüfen kann. In gleichem Sinn hat das Bundesgericht im Falle eines von der SUVA eingeholten blossen Akten
gutachtens entschieden und eine Verletzung de
r Vorschriften von Art. 58 Abs.
2 und 57 Abs. 2 BZP als geheilt betrachtet, nachdem der Beschwerdeführer sowohl während des Einsprache- als auch im anschliessenden Beschwerdeverfahren Gelegenheit hatte, entsprechende Einwendungen vorzubringen.
Eine Heilungsmöglichkeit entfällt rechtsprechungsgemäss jedoch bei
schwerwie
genden
Verletzungen der in den Art. 57 ff. BZP garantierten Gehörs- und Mit
wirkungsrechte. Davon abgesehen ist im sozialversicherungsrechtlichen Ver
fügungsverfahren jeweils sorgfältig zu prüfen, ob eine Missachtung der Ver
fahrensgarantien von Art. 57 ff. BZP, insbesondere von Art. 58 Abs. 2, Art. 59 Abs. 1 und Art. 60
des Bundesgesetzes über den Bundeszivilprozess (
BZP
)
nicht
an sich einen schwer wiegenden Verfahrensmangel darstellt, bei dem eine Hei
lungsmöglichkeit entfällt (BGE 126 V 130 E. 2b, 120 V 357 E. 2b mit Hinweisen). Die zitierte Rechtsprechung betreffend die Heilung von Verfahrensmängeln hat in gleicher Weise auch auf die seit 1. Januar 2003 in Kraft stehende, für den
Bei
zug
von Sachverständigen geltende Verfahrensregel von Art. 44 ATSG zu gelten.
3.
3
Was das Stellen von Ergänzungsfragen angeht,
ist anzumerken, dass es der Beschwerdeführerin
frei gestanden
hätte, bereits im
Vorbescheidverfahren
die massgebenden Akten einzusehen oder sich anwaltlich vertreten zu lassen. Dass die Vertretungsvollmacht dabei vom 16. Oktober 2019 datiert (Urk. 9/205 f.) – und die Akteneinsicht damit erst nach ergangener Verfügung beantragt wurde – kann der Beschwerdegegnerin nicht vorgeworfen werden. Zudem ist darauf hin
zuweisen, dass bei bereits vorliegendem Gutachten kein Anspruch darauf besteht, Ergänzungsfragen von den Gutachtern beantworten zu lassen; die im Raum ste
henden Fragen sind lediglich im Zuge der Beweiswürdigung zu berücksichtigen. Anders verhält es sich unter dem Gesichtspunkt der Waffengleichheit lediglich dann, wenn der Versicherungsträger seinerseits Erläuterungs- und Ergänzungs
fragen für notwendig hält (BGE 136 V 113 E. 5.4).
Selbst wenn von einer geringfügigen Verletzung des rechtlichen Gehörs auszu
gehen wäre, ist anzumerken, dass
das hiesige Gericht sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen
kann (
vgl. dazu BGE 137 I 195 E. 2.3.2 mit Hinweisen)
. Damit wäre
der Mangel, nicht bereits vorgängig zu den Gutachtens
fragen Stellung nehmen und Ergänzungsfragen stellen
zu können, einer Heilung zugänglich. Eine eingehendere Prüfung der Verfahrensgarantien wird gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung allein betreffend Art. 58 Abs. 2, Art. 59 Abs. 1 und Art. 60 BZP (Ausstands- und Ablehnungsgründe, Ermahnung zur Erstattung des Gutachtens nach bestem Wissen und Gewissen sowie zur Unpar
teilichkeit, Form des Gutachtens) gefordert (BGE 120 V 357 E. 2b). Darüber hinaus zielt der Vertreter mit seinen Ergänzungsfragen auch nicht auf die formell kor
rekte Durchführung des Abklärungsverfahrens ab, sondern stellt insbesondere
das vorliegende
Z._
-Gutachten in Frage
; solche Einwände aber sind im Rahmen der Beweiswürdigung zu prüfen (vgl. dazu in SZS 2008 S. 166 publiziertes Urteil des Bundesgerichts U 145/06 vom 31. August 2007 E. 6.4).
3.
4
Festzu
halten
ist damit
, dass die Mitwirkungsrechte
der Beschwerdeführerin vor
liegend nicht verletzt wurden. Selbst wenn man von einer geringfügigen Ver
letzung ausginge, würden die konkreten Umstände eine Heilung im vorliegenden Fall zulassen.
Die beschwerdeweise vorgetragenen Einwände sind dabei im Rah
men der Beweiswürdigung zu berücksichtigen.
4.
4.1
Die für den
Bericht
der
A._
vom 11. Dezember 2018
verantwortlichen Fachärzte gingen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
von den folgenden Diagnosen aus
(Urk. 9/178/9)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
Adipositas per magna (BMI von
5
1
,41 kg
/m
2
)
-
Mittelschweres obstruktives Schlafapnoe-Syndrom unter CPAP-Therapie
-
Arterielle Hypertonie
-
Extra-kardiale, wahrscheinlich muskuläre
Thoraxschmerzen
-
Diffuse Beschwerden im
Vereich
der UEX mit/bei:
-
Im Rahmen der bekannten Rückenpathologie mit fortgeschrittener
Dis
kusprotrusion
L3/4 und Nervenwurzelinfiltration L4 links
-
Im Rahmen der Adipositas per magna und Depression
-
Lumboischialgie
beidseits bei nachgewiesener Neurokompression
-
Knieschmerzen rechts mit leichtem Kniegelenkserguss bei
mukoider
Degeneration des vorderen Kreuzbandes (MRI vom 2. Juli 2017)
-
Beginnende mediale Gonarthrose
, mögliche Meniskusläsion links
Die Beschwerdeführer
in
habe bei ihnen bereits
in der Zeit vom 4. Juli bis 4.
August 2017 in Behandlung gestanden, wobei eine Verbesserung des psychi
schen Befindens sowie eine Gewichtsabnahme habe erzielt werden können (Urk.
9/178/7).
Aktuell würden
sie
bei bereits
chronifizierter
Depression durch eine unterstützende Gesprächstherapie höchstens eine gewisse Stabilisierung und damit Verzögerung der weiteren
Chronifizierung
für möglich erachten, eine Bes
serung würden sie als unwahrscheinlich erachten. Beim jetzigen Gesundheits
zustand seien auch Aufgaben im Sitzen nicht mehr möglich (Urk. 9/178/10).
4.2
Die für das
Z._
-Gutachten vom 2. August 2019 verantwortlichen Fachärzte
(siehe Urk. 9/190 S. 3)
stellten mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die fol
genden Diagnosen
(S. 6)
:
-
Mittelgradige depressive Episode, langanhaltend (ICD-10 F32.1)
-
Chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule bei
Diskusprotrusion
L3/4, leichter zentraler
Spinalkanalstenosierung
und Einengung des
Foramen
i
ntervertebrale L3/4
-
Chronische Schmerzen des linken Kniegelenkes durch vorwiegend Retro
patellararthrose, ältere Ruptur des vorderen Kreuzbandes
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit würden die folgenden Diagnosen blei
ben (S. 6 f.):
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Status nach Karpaltunnel-Operation rechts mit
residuellen
Beschwerden der rechten und linken Hand ohne neurologische Auffälligkeiten und ohne zu objektivierenden Kraftverlust der Hände
-
Adipositas
permagna
BMI 47.8
kg/m
2
-
Latenter Diabetes mellitus Typ 2
-
Hyperlipidämie
-
Hyperurikämie
-
Arterielle Hypertonie
,
ED 2009
-
Postoperative, subsegmentale Lungenembolie links, ED 7/2015
-
Segmentale Lungenembolie rechter Oberlappen ED 6/2019 (gemäss nach
träglich erhaltenem Bericht
B._
vom 14. Juni 2019)
-
Obstruktives Schlafapnoesyndrom mittleren Grades, ED 2017, CPAP-Behandlung
-
Refluxerkrankung
, chronische Gastritis, Statu
s nach multiplen
präpylori
schen
, oberf
lächlichen, kleinen Ulzeratione
n mit
Helicobacter
-Nachweis (2006), mehrere
Eradikationsbehandlungen
-
Eisenmangel, ED 2008, damals p
a
renterale Eisensubstitution, aktuell
Fer
ritin
in der Grauzone, funkti
oneller Eisenmangel möglich, Vit
amin B12 normal
-
Drangbetonte Mischinkontinenz,
ED 2016, TVT 7/2015, vordere R
affung 6/2016
-
Flankenschmerzen links ohne
sonographischen
Nachweis einer
Nephroli
thiasis
, CT geplant
-
Rezidivierende Hautinfekte bei Adipositas, aktuell kein
Infektnachweis
-
Unverträglichkeit von
Symbicort
und
Seretide
(gemäss Akten, von der Versicherten nicht bestätigt)
-
Androgenetische
Alopezie
-
Chronische Schmerzen des rechten Kniegelenkes bei
mukoider
Degenera
tion des vorderen Kreuzbandes ohne signifikante
Arthrosezeichen
-
Chronische Schmerzen der Halswirbelsäule ohne Bewegungs
einschrän
kungen, ohne neurologische Auffälligkeiten
Die psychopathologischen Befunde seien deutlich gebessert. Es bestehe eine allenfalls noch mittelschwere depressive Episode ohne
jegliche Tendenz
,
in den B
ereich einer schweren Depression abzugleiten. Eher tendiere die depressive
Symptomatik in den leichten Bereich. In einer leiden
s
angepassten Tätigkeit
sei ab der Begutachtung von einer Arbeitsfähigkeit von 70 % auszugehen (S. 9).
Eine Intensivierung der psychiatrischen Fachbehandlung, gegebenenfalls auch ein Wechsel der psychopharmakologischen Behandlungsstrategie, sei zu erwägen. Andererseits würden passive Entlastungs- und Versorgungswünsche einem Behandlungserfolg diametral entgegenstehen (S. 9).
4
.3
Dr. med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnosti
zierte in seinem Bericht vom 24. Oktober 2019 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradig depressive Episode (ICD-10 F33.1), Adipositas, ein obstruktives Schlafapnoesyndrom, Hypertonie sowie ein Schmerzsyndrom. Es sei von einem verschlechterten,
chronifizierten
Gesundheitszustand auszugehen. In der Zeit vom 29. November 2016 bis Ende 2018 hätten aufgrund der Mobili
tätseinschränkung sowie der ausgeprägten depressiven Symptomatik (keine Kraft, Vater gestorben, viele Arzttermine
wegen Lunge / Bewegungsapparat
/
Klinik
aufenthalt 2017/18
A._
) unregelmässige Termine stattgefunden. Aufgrund des Vorentscheid
s
betreffend Rentenaufhebung sei
die Behandlung im September 2019
wieder aufgenommen
worden.
Es sei von einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit auszugehen (Urk. 3/5).
5.
5.
1
5.1.1
Die ursprüngliche
Rentenzusprache
erfolgte aufgrund einer 100%igen Arbeitsun
fähigkeit aus psychischen Gründen. Zu prüfen bleibt dabei vorerst, ob es aus psy
chiatrischer Sicht zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen ist.
Die
Z._
-Gutachter führten dabei aus, dass sie unter Ausklammerung der psy
chosozialen Belastungsfaktoren im Zeitpunkt des Vorgutachtens im Jahr 2010 von einer Arbeitsfähigkeit von 50 % ausgegangen wären (Urk. 9/190 S. 44). Auf
grund der Verbesserung der depressiven Sympt
omatik begründen sie in der Folge die neu angenommene Arbeitsfähigkeit von 70 % schlüssig; eine Verbesserung ergibt sich dabei auch aufgrund der im Rahmen der Begutachtungen
aufgenom
menen Befunde
(Urk. 9/54 S. 13, Urk. 9/190 S. 38 f.). Weiter
gehen
auch der behandelnde Facharzt wie auch die Fachärzte der
A._
in den
obgenannten
Berichten nicht mehr von einem schweren depressiven Geschehen aus.
5.1.2
Damit ist ein Revisionsgrund gegeben und es hat eine umfassende Neuprüfung des Leistungsanspruchs zu erfolgen. Die Einschätzung der
Z._
-Gutachter ist dabei auch in somatischer Hinsicht nicht zu beanstanden
,
insbesondere
erfolgte
die Einschätzung der Leistungsfähigkeit unter Berücksichtigung der im Juni 2019 erlittenen Lungenembolie (Urk. 9/190 S. 6). Weiter ist unbestritten, dass die Beschwerdeführerin auf eine optimal angepasste Tätigkeit körperlich leichter Natur angewiesen
ist (Urk. 9/190 S. 6 oben).
5.1.3
In Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften ist auf die Erfah
rungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Ein
schätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abwei
chende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige
und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
Aufgrund der schlüssigen und nachvollziehbaren Begutachtung kann auf die Beur
teilung
en
von Dr.
C._
sowie der Fachärzte der
A._
im konkreten Fall nicht abgestellt werden, zumal
beide
nunmehr
ebenfalls
lediglich von einem mit
telgradi
g depressiven Geschehen ausgehen, was der von den Fachärzten des
Z._
-Gutachtens fest
gestellten leichten Verbesserung der Situation entspricht.
5.1.4
Hinsichtlich der neu geltend gemachten Rückenbeschwerden auf der Höhe L5 ist anzumerken, dass der Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (9. Oktober 2019) die Grenze der Überprüfungsbefugnis darstellt. Dem Bericht des
D._
vom 6. November 2019 ist dabei zu entnehmen, dass die Beschwer
deführer seit dem 30. Oktober 2019 über akut einsetzende lumbale Rücken
beschwerden klagt (Urk. 3/3 S. 3
, vgl. auch Urk. 3/4
). Eine weitergehende Ver
schlechterung des Ge
sundheitszustandes im Bereich L5 rechts wäre demnach im Rahmen einer weiteren revisionsweisen Überprüfung des Rentenanspruchs gel
tend zu machen.
5.1.5
Zusammenfassend kann auf die Ergebnisse des
Z._
-Gutachtens
, welches die rechtsprechungsgemässen Voraussetzungen für seine Beweiswertigkeit erfüllt (E.1.4)
abgestellt werden. In einer optimal angepassten Tätigkeit ist demnach ab
dem Zeitpunkt der Begutachtung von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit auszu
gehen.
5.2
Aufgrund der
unbestrittenermas
sen
weiterhin
im Vordergrund stehenden psychi
schen Beschwerden, ist entsprechend der neueren Rechtsprechung des Bundes
gerichts ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen.
Dabei ist davon abzusehen, einzelne Beschw
erden und Störungen ohne Einzel
fall
-
prüfung wegen grundsätzlich fehlender invalidenversicherungsrechtlicher Rele
vanz
auszuscheiden (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Indes gilt unverändert, dass ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig
in psychosozialen und sozio
kul
turellen Umständen seine Erklärung findet, so
ndern davon psychiatrisch unter
scheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom
5.
März 2018 E.
4.3.1 mit Hinweis).
Diesbezüglich führten
die
Z._
-Gutachter ausdrücklich aus, dass zahlreiche psychosoziale Belastungsfaktoren vorliegen würden, welche sie im Rahmen der Einschätzung der Arbeitsfähig
keit ausge
klammert hätten (Urk.
9/190 S. 4
4, vgl. auch Urk. 9/178/7).
Dies ist auch im Rah
men des strukturierten Beweisverfahrens zu berücksichtigen.
5
.3
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im
Regel
fall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281)
hat das Bundesgericht wie folgt systemati
siert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3)
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/
2017 vom 15. März 2018 E. 7.4).
5.4
5.4
.1
Gestützt auf das
Medas
-Gutachten ist infolge der depressiven Erkrankung auch in einer
optimal
angepassten Tätigkeit eine
Einschränkung der Arbeits
fähigkeit
von 30 % ausgewiesen
. Vor diesem Hintergrund ist grundsätzlich von einer
leicht- bis mittelgradigen
Ausprägung der diagnoserelevanten psychiatrischen Befunde auszugehen, was sich auch im Rahmen der
Z._
-
Untersuchung gezeigt hat. So konnten die Gutachter insbeso
ndere
einen
dep
ressiv ausgelenkten
Affekt
fest
stellen (Urk. 9/190
/
S. 3
9).
Diese Einschätzung der Sachlage ist allerdings aufgrund de
s therapeutischen Ver
haltens der Beschwerdeführerin
zu relativieren.
Nach der Rechtsprechung weist die Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen, das heisst das Ausmass, in welchem Behandlungen wahrgenommen oder eben vernachlässigt werden, auf den tatsächlichen Leidensdruck hin, sofern nicht eine (unabwendbare) Unfähig
keit zur Krankheitseinsicht vorliegt (BGE 141 V 281 E. 4.4.2 S. 304). Schöpft die versicherte Person - in psychischer Hinsicht - nicht alle ihr zumutbaren Behand
lungsmöglichkeiten aus bzw. nimmt sie eine überwiegend passive Haltung ein, lässt dies auf einen fehlenden oder zumindest nicht allzu grosse
n Leidensdruck schliessen (Urteil 8C_254/2019
vom
5. Juli 2019 E. 5.3
.1
mit weiteren Hinweisen
).
Auffallend ist vorliegend, dass die ambulante ps
ychiatrische Behandlung bei Dr.
C._
erst wieder im Zeitpunkt der mitgeteilten geplanten Rentenaufhebung auf
genommen wurde. Bei Vorliegen eines grossen Leidensdrucks hätte dabei erwartet werden können, dass eine ambulante Behandlung zumindest im Anschluss an die zweite stationäre Behandlung in
A._
erfolgt wäre. Vor diesem Hintergrund ist u
nter Berücksichtigung der einschlägigen Rechtsprechung auf einen nicht allzu grossen Leidensdruck zu schliessen.
5.4
.2
Hinsichtlich der aus psychiatrischer Sicht best
ehenden therapeutischen Möglich
keiten hielten die Gutachter fest,
dass eine Intensivierung der psychiatrischen Fachbehandlung, gegebenenfalls auch ein Wechsel der psychopharmako
logischen Behandlungsstrategie, zu erwägen
sei
. Andererseits würden passive Entlastungs- und Versorgungswünsche einem Behandlungserfolg diametral ent
gegenstehen (S. 9).
Auch hier wiederspiegelt sich die passive Haltung der Beschwerdeführerin, wobei
seitens der Gutachter eine Intensivierung der Behandlung gefordert wird. Dass die Beschwerdeführerin dazu grundsätzlich in der Lage ist, hat sie mit der erneu
ten Aufnahme der Therapie im September 2019 gezeigt.
5.4
.3
Bezüglich der Komorbidität ist vorauszuschicken, dass l
aut BGE 143 V 418 Stö
rungen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame
Komorbidität in Betracht
fallen, wenn ihnen im konkreten Fall ressourcen
hemmende Wirkung zukommt (E. 8.1, Präzisierung der Rechtsprechung; vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.1 und E.
7.2 mit Hinweis).
Aufgrund des
Z._
-Gutachtens ist davon auszugehen, dass die Arbeitsfähigkeit sowohl durch
die rezidivierende depressive Erkrankung als auch die LWS- und Knieprobleme
eingeschränkt ist
, sodass von einer Komorbidität auszugehen ist. Ressourcenhemmend dürfte sich auch die
chronische Schmerzstörung
auswirken.
5.4
.4
Was den Komplex „Persönlichkeit“ betrifft, h
ielten die Gutachter fest, dass es der Beschwerdeführerin
schwer falle
,
Aufgaben zu planen und zu strukturieren, sie könne sich lediglich an vorgegebene Regeln und Routinen vorübergehend anpas
sen. Flexibilität und Umstellungsfähigkeit seien viskös, die Fähigkeiten sich Kom
petenzen anzueignen und Wissen anzuwenden seien eingeschränkt. Es bestehe zwar eine vorhandene Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie eine aus
reichende Realitätsprüfung, aber der Antriebsmangel beeinträchtige die Proakti
vität und Spontanaktivitäten. Die Selbstbehauptungs- und Durchhaltefähigkeit sei vor dem Hintergrund der depressiven Symptomatik moderat beeinträchtigt. Die Interaktionskompetenz und die Kontaktfähigkeit zu Dritten sei aber aus
reichend vorhanden, auch eine Gruppenfähigkeit sei vorhanden (Urk. 9/190 S.
43
).
Damit ist von eher
eingeschränkten persönlichen Ressourcen auszugehen, wobei der Beschwerdefüh
rerin immerhin eine gewisse Interaktionskompetenz und Grup
penfähigkeit attestiert wird.
5.4
.5
Bei der Beurteilung des sozialen Kontexts ist zu berücksichtigen, dass
es der Beschwerdeführerin möglich ist, einen geregelten Tagesablauf zu gestalten, wobei sie im Bereich Haushalt und Alltag auf die Hilfe des Ehemannes, des Sohnes und des Stiefsohnes zählen kann (Urk. 9/190 S. 37
). Auch wenn dabei von einem gewissen sozialen Abstieg verbunden mit der schwierigen finanziellen Situa
tion auszugehen ist, verfügt die
Beschwerdeführer
in über ein
Famili
enleben, welches gegen einen weitgehenden sozialen Rückzug oder eine Isolation spricht.
5.4
.6
Im Rahmen der Konsistenzprüfung hielten die
Z._
-Gutachter fest, dass
die Beschwerdeführerin massive Einschränkungen des Aktivitätsniveaus in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen schildere. Stelle man jedoch eingehende Fragen zur Alltagsgestaltung, so würden sich die Angaben relativieren. So zeige die Beschwerdeführerin durchaus ein gewisses Interesse an der Entwicklung des Enkelsohnes und verfüge über Fähigkeiten
,
sich im Alltag zu beschäftigen. Die Schilderungen würden mehrheitlich leidensakzentuiert erscheinen mit Neigung
zur Verdeutlichung mit
Klagsamkeit
und erkennbaren Inkonsistenzen (Urk. 9/190 S. 43).
Dies habe sich in besonderem Masse
bei der neuropsychologischen Unter
suc
hung gezeigt, wo Inkonsistenzen und
unplausible
Untersuchungsergebnisse aufgetreten seien (Urk. 9/190 S. 8, vgl. auch Urk. 9/190/93 f.).
5.5
In einer Gesamtwürdigung der massgebenden Standardindikatoren ist
der Lei
densdruck
aufgrund der
ungenügend
wahrgenommenen therapeutischen Optio
nen zu relativieren, zudem verfügt
die Beschwerdeführerin im
sozialen Bereich über Ressourcen
,
die es im Zusammenhang mit einer fachgerechten kontinuier
lichen Therapie zu nutzen gilt. Zu berücksichtigen sind weiter die inkonsistenten Angaben im Rahmen der neuropsychologischen Abklärungen sowie
die Fähig
keiten im Zusammenhang mit der Strukturierung des
Tagesablaufs.
Auf der anderen Seite fallen die eingeschränkten persönlichen Ressourcen sowie die gegebene Komorbidität ins Gewicht.
Insgesamt
ist die Einschätzung der
Z._
-Gutachten nicht zu beanstanden, sodass in einer optimal angepassten und kör
perlich leichten Tätigkeit von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen ist.
6
.
6
.1
Die Beschwerdeführerin
übte in den letzten Jahren vor Eintritt der nachhaltigen Arbeitsunfähigkeit eine Vielzahl von kurzfristigen Hilfsarbeitertätigkeiten aus, sodass der Ermittlung des
Valideneinkommen
s
aufgrund der konkret erzielten Einkommen eine grosse Zufallskomponente anhaften würde. Auch aufgrund des
erfolgten Zeitablaufs drängt es sich
deshalb auf, sowohl
das Validen
- als auch das Invaliden
einkommen anhand der statistischen Durchschnittswert
e der Schweizerischen Lohnstruktur
erhebung zu bestimmen, sodass ein rechnerischer Prozentvergleich erfolgen kann.
Zu prüfen bleibt die Verwertbarkeit der Rest
leistungsfähigkeit auf dem ausgeglichenen, theoretischen Arbeitsmark
t sowie die Gewährung eines leidens
bedingten Abzugs.
6.2
Bei der Bestimmung des leidensbedingten Abzuge
s ist rechtsprechungsgemäss zu b
erücksichtigen, dass der
Umstand, dass nur noch leichte Tätigkeiten zumutbar sind, kein Grund für einen leidensbedingten Abzug
ist
, zumal der Tabellenlohn im Kompetenzniveau 1 bereits eine Vielzahl von leichten und mittelschweren Tätigkeiten umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_447/2019 vom 8. Oktober 2019 E. 4.3.2).
Auch eine
psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vor
gesetzter und Arbeitskollegen kann nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenständiger Abzugsgrund anerkannt werden, ebenso wenig etwa das Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungsaufwand
oder weniger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinde
rung eines Mitarbeiters anbetrifft (Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.4.2).
Weiter werden
Hilfsarbeiten auf dem massgebenden ausgeglichenen Stellenmarkt altersunabhängig nachgefragt (Urteile des Bundesgerichts 8C_403/2017 vom 25. August 2017 E. 4.4.1 und 8C_805/2016 vom 22. März 2017 E. 3.4.3). Bei Frauen im Kompetenzniveau 1 (bis LSE 2010 Anforderungsniveau 4) weisen die Statistiken für Teilzeitarbeit zwischen 50 % und 89 %
zudem
höhere Löhne als für Vollbeschäftigung aus. Damit entfällt hier die Rechtfertigung für einen Tabel
lenlohnabzug wegen Teilzeitarbeit (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_712/2012 vom 30. November 2012 E. 4.2.2 unter Bezugnahme auf LSE 2008 und 2010 und 9C_72/2017 vom 19. Juli 2017 E. 4.3 unter Bezugnahme auf LSE 2012 und 2014).
6.3
Zusammenfassend ist demnach kein leidensbedingter Abzug angezeigt, was zu einem rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 30 % führt. Selbst wenn man aufgrund der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin auf eine optimal angepasste, körperlich leichte Tätigkeit angewiesen ist, einen Abzug von 10 % gewähren würde, hätte dies keine rentenrelevante Änderung zur Folge (IV-Grad 37 %).
Dies führt in Abweisung der Beschwerde zur Bestätigung der angefochtenen Ver
fügung vom 9. Oktober 2019.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men.
7.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Jürg
Bügler
,
Neftenbach
, nach Einsicht in die Honorarnote vom
28. November 2020 (Urk. 11
) mit Fr.
3'635.70
(inklusive Bar
auslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.