# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d194d346-ef2f-4d1d-8f5a-4e81259d9321
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

den Akten entnommen:
A. Mit Veranlagungsverfügungen vom 3. Dezember 2019 (Akten Vorinstanz, pag. 32-39) wurde A._ (Rekurrent) von der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region _
(Steuerverwaltung), für das Steuerjahr 2018 auf ein steuerbares Einkommen von CHF 38'030.--
bei den kantonalen Steuern und von CHF 45'658.-- bei der direkten Bundessteuer veranlagt.
Dabei strich die Steuerverwaltung die vom Rekurrenten in der Steuererklärung deklarierten
Kosten für auswärtigen Wochenaufenthalt von CHF 14'771.-- (pag. 45), weil sie tägliche
Fahrten vom Wohnort C._ an den Arbeitsort D._ als zumutbar erachtete
(pag. 38).
B. In seiner Einsprache vom 19. Dezember 2019 (pag. 31) machte der Rekurrent geltend, dass er im Jahr 2018 regelmässig Schichtarbeit bis 02.00 Uhr geleistet habe. Daher sei es ihm
nicht möglich gewesen, den Arbeitsweg zwischen C._ und D._ mit dem
öffentlichen Verkehr zurückzulegen. Am 29. Januar 2020 (Eingangsstempel) reichte der
Rekurrent diverse von der Steuerverwaltung eingeforderte Unterlagen ein (pag. 18 ff.).
Daraufhin teilte die Steuerverwaltung dem Rekurrenten mit Schreiben vom 31. Januar 2020
(pag. 16) mit, dass sich die eingereichten Arbeitszeitkontrollen auf den Zeitraum Januar bis Mai
2018 bezögen. Weil der Rekurrent seinen Wohnsitz erst per 1. Juni 2018 von D._ nach
C._ verlegt habe, könnten die geltend gemachten Kosten für die Unterkunft nicht
abgezogen werden. Zugleich stellte die Steuerverwaltung in Aussicht, den Abzug für
Fahrkosten von CHF 2'100.-- gemäss Steuererklärung und Veranlagungsverfügungen auf
CHF 1'433.-- zu reduzieren, entsprechend den eingereichten Belegen. Weitere vom
Rekurrenten am 2. März 2020 nachgereichte Unterlagen (pag. 10 ff.) vermochten nach
Auffassung der Steuerverwaltung an der Sachlage nichts zu ändern (Schreiben vom 4.3.2020,
pag. 9), weshalb sie mit Einspracheentscheiden vom 7. April 2020 (pag. 1-8) das steuerbare
Einkommen gegenüber den Veranlagungsverfügungen wie angekündigt um CHF 667.--
erhöhte. Dieses betrug somit neu CHF 38'697.-- für die kantonalen Steuern und CHF 46'325.--
für die direkte Bundessteuer.
C. Gegen die Einspracheentscheide hat der Rekurrent mit Eingabe vom 30. April 2020 Rekurs betreffend die kantonalen Steuern und Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer
an die Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) erhoben. Er
beantragt sinngemäss, die gesamten in der Steuererklärung deklarierten Kosten für
auswärtigen Wochenaufenthalt zum Abzug zuzulassen. Den Ausführungen des Rekurrenten
kann entnommen werden, dass er geltend macht, bereits vor der per 1. Juni 2018 erfolgten
Verlegung seiner Schriften in C._ gewohnt zu haben. Ergänzend führt der Rekurrent
aus, dass ihn niemand darüber informiert habe, dass sein Status als Wochenaufenthalter
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steuerrechtlich unter Umständen nicht akzeptiert werde. Dementsprechend habe er "auch keine
Pendlerspesen machen" können. Nach entsprechender Aufforderung der
Steuerrekurskommission hat der Rekurrent mit Schreiben vom 19. Mai 2020 zusätzliche
Angaben gemacht und Unterlagen eingereicht.
D. Am 12. Juni 2020 hat sich die Steuerverwaltung vernehmen lassen und die kostenpflichtige Abweisung von Rekurs und Beschwerde beantragt. Sie hält daran fest, für die
Monate Januar bis Mai 2018 keine Kosten für auswärtigen Wochenaufenthalt zum Abzug
zuzulassen. Im Sinn eines Eventualantrags sei durch die Steuerrekurskommission höchstens
die Berechtigung eines entsprechenden Abzugs für die Monate Juni bis September 2018 zu
prüfen. Für diesen Zeitraum gelinge dem Rekurrenten der Nachweis, dass er in C._
gewohnt und in D._ gearbeitet und dass er aufgrund von regelmässiger Nachtarbeit
nicht täglich habe pendeln können. Allerdings bleibe offen, inwiefern die übrigen
Voraussetzungen für den geltend gemachten Abzug erfüllt seien.
E. Mit Eingabe vom 30. Juni 2020 hat der Rekurrent zur Vernehmlassung der Steuerverwaltung Stellung genommen, an seinem Rechtsbegehren festgehalten und
ergänzende Angaben gemacht. So führt er in Bezug auf die von der Steuerverwaltung im
Einspracheverfahren gekürzten Fahrkosten aus, dass es gegen den Grundsatz von Treu und
Glauben verstosse, wenn die Steuerverwaltung plötzlich vollständige Nachweise verlange,
nachdem sie jahrelang auf Belege verzichtet habe.
F. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw.
Beschwerde angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG
661.11] und Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den
Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Der Rekurrent ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
seinen Anträgen nicht durchgedrungen. Er ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt
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(Art. 195 Abs. 2 StG und Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
Da der Streitwert unter CHF 10'000.-- liegt, fällt der vorliegende Entscheid in die
einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2. Im vorliegenden Verfahren ist strittig, in welchem Umfang der Rekurrent Kosten für auswärtigen Wochenaufenthalt und (weitere) Fahrkosten von seinen im Jahr 2018 erzielten
steuerbaren Einkünften abziehen kann.
3. Unselbstständig erwerbstätige Personen dürfen als Gewinnungs- bzw. Berufskosten u.a. die notwendigen Kosten für Fahrten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte bis zu einem
Maximalbetrag von CHF 6'700.-- (kantonale Steuern) bzw. CHF 3'000.-- (direkte Bundessteuer),
die notwendigen Mehrkosten für Verpflegung ausserhalb der Wohnstätte und bei Schichtarbeit
sowie die übrigen für die Ausübung des Berufs erforderlichen Kosten, also etwa die
notwendigen Mehrausgaben für einen auswärtigen Wochenaufenthalt, von den gesamten
steuerbaren Einkünften abziehen (vgl. Art. 31 Abs. 1 Bst. a bis c StG; Art. 26 Abs. 1 Bst. a bis c
DBG). Näheres regelt für die kantonalen Steuern die Verordnung vom 18. Oktober 2000 über
die Berufskosten (Berufskostenverordnung, BKV; BSG 661.312.56) und für die direkte
Bundessteuer die Verordnung des EFD vom 10. Februar 1993 über den Abzug der
Berufskosten unselbständig Erwerbstätiger bei der direkten Bundessteuer
(Berufskostenverordnung; SR 642.118.1, abgekürzt: VBK). So können unselbstständig
Erwerbstätige, die an den Arbeitstagen am Arbeitsort bleiben und dort übernachten müssen,
jedoch regelmässig für die freien Tage an den steuerlichen Wohnsitz zurückkehren
(Wochenaufenthalter), die Mehrkosten für den auswärtigen Aufenthalt abziehen (Art. 12 Abs. 1
BKV; Art. 9 Abs. 1 VBK). Diese setzen sich zusammen aus Kosten für Verpflegung, Unterkunft
sowie Fahrkosten für die regelmässige Heimkehr an den steuerlichen Wohnsitz und für den
Weg zwischen auswärtiger Unterkunft und Arbeitsort (Art. 12 Abs. 2 bis 4 BKV; Art. 9 Abs. 2 bis
4 VBK).
3.1 Die Abzüge für auswärtigen Wochenaufenthalt werden unter den Voraussetzungen gewährt, dass die steuerpflichtige Person ihren Wohnsitz tatsächlich am Wochenendort (und
nicht am Wochenaufenthalts- bzw. Arbeitsort) hat, dass sie am Wochenaufenthalts- bzw.
Arbeitsort eine Übernachtungsmöglichkeit unterhält, die für die Ausübung der beruflichen
Tätigkeit notwendig ist und dass ihr das tägliche Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort nicht
zuzumuten ist (vgl. Leuch/Nanzer in: Praxiskommentar zum Berner Steuergesetz, Artikel 1 bis
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125, 2014, N. 30 f. zu Art. 31 StG). Praxisgemäss wird eine tägliche Rückkehr an den Wohnsitz
ab einer Fahrstrecke von mehr als 75 Minuten pro Weg als nicht mehr zumutbar eingestuft,
wobei den individuellen Umständen Rechnung zu tragen ist (BGer 2A.224/2004 vom
26.10.2004, E. 8.4.4; VGer ZH, SB.2018.00056 vom 5.10.2018, E. 2.4; vgl.
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 16 zu Art. 26
DBG). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung müssen die Berufskosten wesentlich
durch ein beruflich begründetes oder Erwerbszwecken dienendes Handeln verursacht oder
bewirkt werden, mit der Folge, dass nicht alle irgendwie mit der Einkommenserzielung in
Zusammenhang stehenden Kosten steuerlich unbegrenzt abziehbar sind. Die Berufskosten sind
vor allem von den Lebenshaltungskosten abzugrenzen, also von den Aufwendungen, die nicht
der Einkommenserzielung, sondern der Befriedigung der persönlichen Bedürfnisse dienen und
damit Einkommensverwendung darstellen (BGer vom 12.5.2003 in StE 2003 B 22.3 Nr. 76
E. 3.2, mit weiteren Hinweisen auf die Lehre).
3.2 Da es sich bei den Berufskosten um steueraufhebende bzw. -mindernde Tatsachen handelt, sind diese von der steuerpflichtigen Person nicht nur zu behaupten, sondern auch zu
belegen. Dabei hat die steuerpflichtige Person für alle Tatsachen, die für die Gewährung des
Abzugs erfüllt sein müssen, Beweis zu erbringen. Dieser Nachweis umfasst bei Berufskosten
von unselbstständig erwerbstätigen Personen die Höhe der Kosten, deren berufsmässige
Begründetheit und die Tragung dieser Kosten durch die steuerpflichtige Person. Gelingt der
Beweis nicht, trägt die steuerpflichtige Person die Folgen der Beweislosigkeit, die darin
bestehen, dass die entsprechenden Kosten steuerlich nicht zum Abzug zugelassen werden.
(BGE 140 II 248 E. 3.5; VGE 100 2019 262 vom 15.3.2021, E. 2.2; Zweifel/Casa-
nova/Beusch/Hunziker, Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, 2. Aufl., 2018, N. 8 zu § 19).
4. Der Rekurrent erklärt, dass er im Jahr 2018 von D._ zu seiner Lebenspartnerin nach C._ gezogen sei. Weil er an seiner damaligen Arbeitsstelle regelmässig bis
02.00 Uhr habe arbeiten müssen und er kein Motorfahrzeug besitze, sei es ihm nicht möglich
gewesen, täglich von C._ nach D._ zu pendeln. Daher seien seine Auslagen
für die Wohnung in D._ und die wöchentlichen Fahrten nach C._ als
Berufskosten anzuerkennen. Weiter habe er im Dezember 2018 in E._ gearbeitet, wo
er bereits um 06.50 Uhr habe vor Ort sein müssen (Eingabe vom 19.5.2020). Aufgrund des
frühen Arbeitsbeginns sei er auch für diesen Einsatz auf eine auswärtige Unterkunft
angewiesen gewesen.
4.1 Laut der Datenbank der Steuerverwaltung "Zentrale Personenverwaltung" (ZPV) hat der Rekurrent seinen Wohnsitz per 1. Juni 2018 von D._ nach C._ verlegt
(pag. 49). Der Rekurrent arbeitete vom 1. September 2017 bis am 30. September 2018 als
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Koch und Buffetangestellter für die F._ GmbH, die das Lokal "G._" in
D._ betreibt (vgl. Arbeitsvertrag [Beilage zur Rekursschrift vom 30.4.2020] sowie
Lohnausweis, pag. 47). Im Veranlagungs- und Einspracheverfahren lehnte die
Steuerverwaltung die beantragten Abzüge für auswärtigen Wochenaufenthalt vollumfänglich ab,
weil sie die geltend gemachten unregelmässigen Arbeitszeiten nicht als rechtsgenügend
nachgewiesen erachtete. Die vom Rekurrenten zunächst eingereichten
Arbeitszeitkontrollformulare (pag. 22-26) betreffen die Monate Januar bis Mai 2018 und damit
einen Zeitraum vor dem (offiziellen) Umzugstermin. Aufgrund der erst im Verfahren vor der
Steuerrekurskommission am 19. Mai 2020 nachgereichten Arbeitszeitkontrollformulare ist
jedoch erwiesen, dass der Rekurrent auch von Juni bis September 2018 mehrmals pro Woche
Schichten bis nach Mitternacht leistete (i.d.R. bis 01.30 Uhr). Dementsprechend war es dem
Rekurrenten an diesen Tagen nicht möglich, nach C._ zurückzukehren, weshalb er auf
eine Unterkunft in der Nähe des Arbeitsorts angewiesen war. Dies wird auch von der
Steuerverwaltung anerkannt (Ziff. 5 und 6 der Vernehmlassung vom 12.6.2020).
4.2 Der Arbeitseinsatz im Dezember 2018 wird einzig durch einen Lohnausweis für den Zeitraum vom 12. bis 21. Dezember 2018 bestätigt (pag. 47), der von der H._ AG mit
Sitz in E._ ausgestellt wurde, die u.a. als Personalverleiherin tätig ist. Laut den
Angaben des Rekurrenten, musste er sich jeweils um 06.50 Uhr in E._ einfinden. Weil
ein derart früher Arbeitsantritt von C._ aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht
möglich ist, benötigte der Rekurrent auch für den Arbeitseinsatz in E._ eine auswärtige
Unterkunft.
4.3 Der Rekurrent deklarierte in seiner Steuererklärung Kosten für eine auswärtige Unterkunft von CHF 13'321.--. Dies entspricht dem gesamten Jahresbruttomietzins seiner 2.5-Zimmer-
wohnung an der I._strasse in D._ (Monatsbruttomietzins CHF 1'110.--, siehe
Mietvertrag, Beilage zur Eingabe vom 19.5.2020). Sinngemäss beantragt der Rekurrent damit
auch für die Monate vor seinem von der Steuerverwaltung per 1. Juni 2018 registrierten Umzug
nach C._ den Abzug von Kosten für auswärtigen Wochenaufenthalt. Für die Monate
Januar bis April 2018 finden sich keinerlei Hinweise darauf, dass der Rekurrent seinen
steuerrechtlichen Wohnsitz bereits in C._ gehabt hätte, weshalb ein Abzug von
Wochenaufenthaltskosten für diese Periode von Vornherein nicht in Frage kommt. In seinen
Eingaben an die Steuerrekurskommission macht der Rekurrent nur noch geltend, dass er
bereits im Mai 2020 nach C._ gezogen sei, jedoch wegen des komplizierten Ab- und
Anmeldeverfahrens einen Monat "verloren" habe. Dem Schreiben vom 19. Mai 2020 liegt eine
Kopie des von der Gemeinde C._ am 18. Mai 2018 ausgestellten Heimatausweises
bei, worin die Hinterlegung der Schriften in C._ bestätigt wird (ohne Datumsangabe).
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Damit ist erwiesen, dass sich der Rekurrent bereits vor dem 1. Juni 2018 offiziell in C._
niedergelassen hat. Wann genau dies der Fall war, kann offenbleiben, wie sich aus E. 5.2
hiernach ergibt.
4.4 Weiter ist festzuhalten, dass der Rekurrent keine Berufskosten für die Monate Oktober und November 2018 geltend machen kann. Aufgrund des Lohnausweises (pag. 48) ist erstellt,
dass das Arbeitsverhältnis mit der F._ GmbH per 30. September 2018 beendet wurde.
Dafür spricht auch das mit dem Lohnausweis bestätigte Einkommen von brutto CHF 48'993.--,
was bei neun Monaten einen Bruttomonatslohn von CHF 5'444.-- ergibt. Dies entspricht in etwa
dem vertraglich vereinbarten Bruttomonatslohn von CHF 5'200.-- inkl. Anteil am
13. Monatslohn. Dementsprechend bezog der Rekurrent in den Monaten Oktober und
November 2018 nicht etwa (bezahlte) Ferien, wie er in der Stellungnahme vom 30. Juni 2020
erklärt; vielmehr handelt es sich um einen unbezahlten Erwerbsunterbruch. Daran würde sich
auch nichts ändern, wenn im ausbezahlten Lohn eine Entschädigung für nicht bezogene
Ferientage enthalten gewesen wäre. Weil der Rekurrent im Oktober und November 2018 keine
steuerbaren Einkünfte erzielte, kann er für diese Periode auch keine Gewinnungskosten
abziehen.
5. Nach dem bis anhin Ausgeführten muss nur für die Monate Juni (evtl. Mai) bis September sowie für ein paar Tage im Dezember 2018 überprüft werden, ob der Rekurrent Abzüge für
auswärtigen Wochenaufenthalt geltend machen kann. Für diese Zeiträume ist erstellt, dass der
Rekurrent nicht täglich von C._ an die Arbeitsstätten in D._ und E._
hat pendeln können. Wie in E. 3.1 hiervor dargelegt, sind die Kosten für eine auswärtige
Unterkunft indes nur abziehbar, wenn sich der steuerliche Wohnsitz am Wochenendort befindet.
Zudem müssen die geltend gemachten Auslagen notwendige Berufskosten und nicht private
Lebenshaltungskosten darstellen.
5.1 Der Rekurrent erklärt, er habe sich im Mai 2018 bei den Einwohnerämtern der Gemeinden D._ und C._ ab- bzw. angemeldet und sich gleich anschliessend in
D._ als Wochenaufenthalter registrieren lassen (vgl. E. 4.3 hiervor). Dem Ort, wo die
Schriften hinterlegt sind und die politischen Rechte ausgeübt werden ("polizeiliches Domizil"),
kommt für die Bestimmung des steuerlichen Wohnsitzes keine entscheidende Bedeutung zu.
Es handelt sich dabei bloss um ein äusseres Merkmal, das gemeinsam mit dem übrigen
Verhalten der steuerpflichtigen Person ein Indiz für das Steuerdomizil bilden kann
(VGE 100 2020 257 vom 15.2.2021, E. 2.2, mit Hinweisen auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung). Vorliegend anerkennen die Steuerverwaltung bzw. die Gemeinden
D._ und C._ den Wechsel des polizeilichen Domizils im Grundsatz auch als
Wechsel des steuerrechtlichen Wohnsitzes. Dementsprechend ist der Rekurrent für das ganze
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Steuerjahr 2018 in der Gemeinde C._ steuerpflichtig. Massgebend dafür sind die
Verhältnisse am Jahresende (Stichtagsprinzip, Art. 251 Abs. 1 i.V.m. Art. 165 Abs. 1 und 4
StG), als der Rekurrent nicht mehr erwerbstätig war. Entgegen der vom Rekurrenten in seiner
Stellungnahme vom 30. Juni 2020 geäusserten Auffassung gilt das Stichtagsprinzip jedoch
nicht für die hier zu beurteilende Frage, ob der Rekurrent Kosten für auswärtigen
Wochenaufenthalt abziehen kann. Dazu ist auf die tatsächlichen Verhältnisse während der
gesamten Steuerperiode abzustellen.
5.2 Vor der Verlegung seiner Schriften nach C._ wohnte der Rekurrent seit Oktober 2008 in einer 2.5-Zimmerwohnung an der I._strasse in D._. Diese Wohnung
wurde anlässlich des (offiziellen) Umzugs nach C._ nicht gekündigt und stand dem
Rekurrenten auch zwei Jahre später noch zur Verfügung, wie sich aus seiner Stellungnahme
vom 30. Juni 2020 ergibt. Darin erklärt der Rekurrent, dass er "ganz aus D._
[weg]ziehe", sobald er in C._ eine Arbeitsstelle finde. In C._ bewohnt der
Rekurrent zusammen mit seiner Lebenspartnerin die Liegenschaft J._strasse
Nr. _ (Gbbl. Nr. 1._), die sich im Gesamteigentum einer Erbengemeinschaft
befindet, an welcher der Rekurrent zur Hälfte beteiligt ist. Seine Lebenspartnerin ist bereits seit
dem 1. Juni 2016 an der gleichen Adresse gemeldet. Aufgrund dieser Umstände kann davon
ausgegangen werden, dass sich der Rekurrent bereits vor dem 1. Juni 2018 regelmässig in
C._ aufgehalten hat. Umgekehrt stand dem Rekurrenten auch lange nach dem
offiziellen Wohnortwechsel eine 2.5-Zimmerwohnung in der Gemeinde D._ zur
Verfügung. Der Rekurrent ist zudem ausserstande, regelmässige Fahrten zwischen
D._ und C._ nachzuweisen. Es ist daher fraglich, ob sich an der konkreten
Wohn- und Lebenssituation des Rekurrenten mit dem Verlegen der Schriften im Mai 2018 nach
C._ überhaupt etwas Wesentliches geändert hat, zumindest solange er noch im Lokal
"G._" arbeitete. Im Übrigen spricht auch die vom Rekurrenten als Grund für die
Anmeldung in C._ genannte Absicht, seine Lebenspartnerin versicherungsrechtlich
besser zu stellen, eher für einen formellen als für einen tatsächlichen Wohnortwechsel.
Aufgrund dieser Sachlage kommt die Steuerrekurskommission zum Ergebnis, dass der
steuerrechtliche Wohnsitz des Rekurrenten erst mit Beendigung der Arbeitsstelle im
"G._" per Ende September 2018 nach C._ verlegt worden ist. Dies wirkt sich
freilich nur auf die Fahrkosten aus. Betreffend die Mietwohnung in D._ ist festzuhalten,
dass die damit verbundenen, nicht unerheblichen Kosten vom Rekurrenten während
mindestens zwei weiteren Jahren in Kauf genommen wurden. Dies ist ein starkes Indiz dafür,
dass der Rekurrent primär aus privaten und nicht aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung
in der Gemeinde D._ unterhält. Folglich sind die Kosten für die Wohnung in
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D._ unabhängig vom genauen Zeitpunkt des Wohnsitzwechsels ohnehin als nicht
abziehbare private Lebenshaltungskosten zu qualifizieren (siehe E. 3.1 hiervor).
5.3 Im Ergebnis kann der Rekurrent als Fahrkosten für die neun Monate von Januar bis September 2018 die Auslagen für ein Abonnement des Tarifverbunds K._, Zonen
_ und _, geltend machen, die sich auf CHF _ belaufen. Für den
Arbeitseinsatz in E._ vom 12. bis 21. Dezember 2018 (Mittwoch-Freitag) wird von
folgenden Fahrten ausgegangen: Anreise am 11. und 16. Dezember 2018 von C._
nach D._ (2 * CHF _ Rückreise am 14. und 21. Dezember 2018 von
E._ nach C._ (2 * CHF _ sowie tägliche Fahrten zwischen
D._ und E._ (14 * CHF _ Insgesamt belaufen sich die Fahrkosten für
den Einsatz in E._ somit auf CHF _ Zusätzlich können, übereinstimmend mit
der Steuerverwaltung (pag. 16), das Halbpreisabonnement zu CHF 180.--. sowie die Pauschale
für Fahrradnutzung von CHF 700.-- angerechnet werden. Damit belaufen sich die abziehbaren
Fahrkosten auf CHF 1'807.--.
6. Abschliessend ist auf Vorbringen des Rekurrenten in seiner Eingabe vom 30. Juni 2020 einzugehen, mit denen er der Steuerverwaltung mehrere Grundrechtsverletzungen vorwirft. So
werde durch das Nichtgewähren der beantragten Abzüge für auswärtigen Wochenaufenthalt
sein Recht auf freie Niederlassung (Art. 24 Abs. 1 der Bundesverfassung [BV, SR 101]) verletzt.
Zudem werde er wegen seiner Lebensform und seiner Behinderung (drei versteifte Finger an
der rechten Hand) diskriminiert im Sinn von Art. 8 BV. Offensichtlich wird der Rekurrent in
seinen Grundrechten nicht tangiert, wenn die Steuerverwaltung in Übereinstimmung mit den
anwendbaren gesetzlichen Grundlagen und der geltenden Beweislastverteilung (E. 3.2 hiervor)
bloss die nachgewiesenen Berufskosten zum Steuerabzug zulässt. Ebenso wenig verstösst die
Steuerverwaltung gegen das Gebot des Handelns nach Treu und Glauben (Art. 5 Abs. 3 BV),
wenn sie für eine Steuerperiode Nachweise für die geltend gemachten Fahrkosten fordert,
nachdem sie diese in den Vorjahren ohne Überprüfung akzeptiert hat. Die Steuerverwaltung
kann in jeder Steuerperiode den Sachverhalt neu prüfen und ist berechtigt, von der
steuerpflichtige Person Belege für ihre Angaben einzufordern (Art. 166 Abs. 3 StG). Sie ist
dabei nicht an ihre Einschätzungen aus Vorperioden gebunden (VGE 100 2019 30 vom
4.3.2020, E. 7.1, mit Hinweisen). Vorliegend kommt hinzu, dass der Rekurrent für das
Steuerjahr 2018 viel höhere Berufskosten geltend gemacht hat als in der Steuererklärung pro
2017 (pag. 65), folglich eine veränderte Sachlage zu beurteilen war. Dementsprechend war
eine genaue Überprüfung durch die Steuerverwaltung geradezu geboten. Aus den gleichen
Gründen spielt es keine Rolle, dass in den 1980er-Jahren ein Wochenaufenthalt des
Rekurrenten steuerlich akzeptiert worden sei, selbst wenn die gesetzlichen Grundlagen seither
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weitgehend unverändert geblieben sein mögen, wie der Rekurrent geltend macht. Damit
vermögen die verfassungsrechtlichen Einwände nichts am Ergebnis zu ändern. Weil die von der
Steuerrekurskommission anerkannten Fahrkosten von CHF 1'807.-- über dem mit den
Einspracheentscheiden gewährten Abzug von CHF 1'433.-- liegen, sind Rekurs und
Beschwerde teilweise gutzuheissen.
7. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Rekurrent an sich bloss einen Anteil der gesamten Verfahrenskosten zu tragen, einschliesslich allfälliger Auslagen für Gutachten oder
andere externe Kosten (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2,
53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die
Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]). Vorliegend obsiegt der Rekurrent allerdings in
einem derart geringen Ausmass (2.7 % gemessen an seinem Rechtsbegehren), dass sich eine
Reduktion der von ihm zu tragenden Verfahrenskosten nicht rechtfertigt.
Weil der Rekurrent im vorliegenden Verfahren nicht vertreten ist und weil keine notwendigen
und verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind, werden keine Parteikosten gesprochen
(Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG;
SR 172.021]).