# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3ebca9c0-9d21-4bf1-8b91-809c0667efb5
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend bandenmässiger Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf, II. Abteilung, vom 12. April 2019 (DG180018)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
8. November 2018 (Urk. 47) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 80 S. 54 ff.)
" Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte B._ wird freigesprochen vom Vorwurf des bandenmässigen Raubs im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 3 Abs. 2 StGB.
2. Der Beschuldigte B._ ist schuldig
- des mehrfachen Raubs im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB;
- des mehrfachen, teilweise versuchten betrügerischen Missbrauchs einer Datenverar-
beitungsanlage im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB, teilweise in Verbindung mit
Art. 22 Abs. 1 StGB;
- des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1
lit. a WG, in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. g WG und Art. 6 WV;
- des Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB und
- der geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren (wovon bis und mit
heute 420 Tage durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 200.–.
4. Die Busse ist zu bezahlen. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an
deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von 2 Tagen.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB für 7 Jahre des Landes
verwiesen.
6. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderungen
der Privatklägerin 1 (C._ AG) in Höhe von Fr. 850.20 zuzüglich 5 % Zins ab dem
14. Februar 2018 anerkannt hat.
7. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung in
Höhe von Fr. 155.95 sowie die Genugtuungsforderung in Höhe von Fr. 4'500.– der Privat-
klägerin 2 (D._) anerkannt hat.
- 3 -
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 3 (A._) eine Genugtuung von
Fr. 5'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 14. Februar 2018 zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird die
Privatklägerin 3 mit ihrem Genugtuungsbegehren auf den Zivilweg verwiesen.
9. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die Genugtuungsforderung der
Privatklägerin 4 (E._) in Höhe von Fr. 1'000.– anerkannt hat.
10. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
Privatklägerin 5 (F._ GmbH) im Umfang von Fr. 616.90 (Deliktssumme abzüglich der
von der G._ Versicherungs-Gesellschaft AG geleisteten Zahlung in Höhe von
Fr. 1'169.70.–) zuzüglich 5 % Zins ab 12. Februar 2018 anerkannt hat. Im Mehrbetrag wird
die Privatklägerin 5 auf den Zivilweg verwiesen.
11. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 5 wird abgewiesen.
12. Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung der
G._ Versicherungs-Gesellschaft AG in Höhe von Fr. 1'169.70 zuzüglich 5 % Zins ab
12. Februar 2018 anerkannt hat.
13. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'734.00 Kantonspolizei Zürich; Einstellkosten Personenwagen
Fr. 5'000.00 Kosten für das Vorverfahren
Fr. 11'234.00 Total
Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt.
14. Rechtsanwalt MLaw Y._ wird für seine Bemühungen als amtlicher Verteidiger mit
Fr. 24'100.– (inkl. MWST) aus der Gerichtskasse entschädigt, vorbehalten bleibt eine Nach-
forderung gegen den Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
15. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 3 (A._) eine Prozessentschädi-
gung von Fr. 15'042.90 für deren anwaltliche Vertretung zu bezahlen (Fr. 13'500.– für den
Aufwand zuzüglich 7.7% MWST [Fr. 1'039.50] und für Spesen Fr. 467.40 zuzüglich
7.7% MWST [Fr. 36.–]).
16. [Mitteilungen].
17. [Rechtsmittel].
- 4 -
Sodann wird beschlossen:
1. Auf die Anträge auf Einziehung und Vernichtung beziehungsweise Herausgabe der mit
Beschlagnahmeverfügung der Jugendanwaltschaft Winterthur Unterland vom 21. Februar
2018 beschlagnahmten Gegenstände wird nicht eingetreten.
2. Das mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
6. November 2018 beschlagnahmte Bargeld in Höhe von Fr. 193.55 wird eingezogen und
zur Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
3. Die übrigen mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich
vom 6. November 2018 beschlagnahmten Gegenstände werden auf erstes Verlangen an
den Beschuldigten bzw. an eine von ihm bevollmächtigte Person herausgegeben. Wird die
Herausgabe nicht innerhalb eines Monats ab Rechtskraft des vorliegenden Beschlusses
verlangt, werden die Gegenstände definitiv eingezogen und nach Gutdünken der Hinter-
legungsstelle verwertet oder vernichtet.
4. Das mit Beschlagnahmeverfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 18. Februar
2018 beschlagnahmte Fahrzeug "Renault Mégane" wird auf erstes Verlangen an den
Beschuldigten bzw. an eine von ihm bevollmächtigte Person herausgegeben. Wird die
Herausgabe nicht innerhalb eines Monats ab Rechtskraft des vorliegenden Beschlusses
verlangt, wird das Fahrzeug definitiv eingezogen und nach Gutdünken der Hinterlegungs-
stelle verwertet oder vernichtet.
5. [Mitteilung].
6. [Rechtsmittel]."
Berufungsanträge: (Prot. II. S. 7 ff.)
a) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 107 S. 1 und Prot. II. S. 11)
1. Schuldigsprechung von B._ neben den verurteilenden
Erkenntnissen gemäss Dispo Ziff. 2 des bandenmässigen Raubs im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 3 Abs. 2 StGB.
2. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren.
3. Anordnung einer Landesverweisung von 10 Jahren
- 5 -
4. Auferlegung der Kosten des Berufungsverfahrens auf die Staatskasse.
5. Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informations-
system.
b) Der Vertretung der Privatklägerin 3:
(Urk. 108 S. 1)
1. Die Berufung der Staatsanwaltschaft (I. Berufungsklägerin) sei gutzu-
heissen und der Beschuldigte sei antragsgemäss - in Abänderung des
Urteils der Vorinstanz - wegen bandenmässigen Raubs schuldig zu
sprechen, mit einer Freiheitsstrafe von 8 Jahren zu belegen und für die
Dauer von 10 Jahren des Landes zu verweisen.
2. Die Berufung des Beschuldigten (II. Berufungskläger) sei vollumfäng-
lich abzuweisen.
3. In Gutheissung der Anschlussberufung der Privatklägerin Ziff. 3 sei der
Beschuldigte und II. Berufungskläger - in Abänderung von Ziff. 8 des
Urteils der Vorinstanz - sodann zu verpflichten, eine Genugtuung von
CHF 25'000.-- an das Opfer A._ zu bezahlen, zuzüglich Zins zu
5% seit dem 14. Februar 2018.
4. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerin eine ange-
messene Entschädigung an die Kosten der anwaltlichen Geschä-
digtenvertretung zu bezahlen.
5. Sämtliche Kosten des Verfahrens und der Strafuntersuchung seien
dem Beschuldigten aufzuerlegen.
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 110 S. 1 f.)
1. Das Urteil der Vorinstanz vom 12. April 2019 sei betreffend Ziff. 2, 3
und 4 aufzuheben.
- 6 -
2. Es sei der Beschuldigte vom Vorwurf der geringfügigen Sachbeschädi-
gung (Art. 144 Abs. 1 i.V.m. Art. 172ter Abs. 1 StGB) freizusprechen.
Im Übrigen sei der Schuldspruch zu bestätigen.
3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten und ei-
ner Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 10 zu bestrafen, unter An-
rechnung der erstandenen Haft und des vorzeitigen Strafvollzuges.
4. Es sei dem Beschuldigten für die darüber hinaus erstandene Haft
bzw. den erstandenen vorzeitigen Strafvollzug eine Genugtuung von
Fr. 79'250.- zuzüglich Zins von 5% seit dem 13. August 2020 zuzu-
sprechen.
5. Die Berufungsanträge der Berufungsklägerin I. und der Anschluss-
berufungsklägerin seien abzuweisen.
6. Kostenverteilung im Berufungsverfahren nach Art. 428 StPO. Die
Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu neh-
men.

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang und Umfang der Berufung
1. Für Einzelheiten zum Prozessverlauf bis zum erstinstanzlichen Urteil kann
auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 80 S. 6).
2. Gegen das vorstehend wiedergegebene Urteil vom 12. April 2019 haben
sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Beschuldigte rechtzeitig Berufung an-
gemeldet (Urk. 67 und 68) und mit Schreiben vom 9. März 2020 und 23. März
2020 je rechtzeitig die Berufungserklärungen eingereicht (Urk. 81 und Urk. 83 in
Verbindung mit Urk. 78 am Ende). Auf entsprechende Fristansetzung erhob die
Privatklägerin 3 mit Eingabe vom 20. April 2020, Poststempel 2. Mai 2020, fristge-
recht Anschlussberufung (Urk. 88 und Urk. 97). Die übrigen Privatkläger liessen
sich nicht vernehmen. Beweisanträge wurden von keiner Partei gestellt.
- 7 -
Nach Eingang der Akten am Obergericht am 31. März 2020 stellte der Beschul-
digte mit Schreiben vom 3. April 2020 ein Gesuch um Entlassung aus dem vorzei-
tigen Strafvollzug (Urk. 86). Im Anschluss an die Stellungnahme der Staatsan-
waltschaft (Urk. 90) und eine weitere Zuschrift des Beschuldigten zur genannten
Vernehmlassung der Staatsanwaltschaft (Urk. 92) wurde das Haftentlassungsge-
such des Beschuldigten mit Präsidialverfügung vom 23. April 2020 abgewiesen
und gleichzeitig festgehalten, dass der vorzeitige Strafvollzug fortdaure (Urk. 94).
3.1 Die Staatsanwaltschaft verlangt neben den verurteilenden Erkenntnissen
gemäss Dispositiv-Ziffer 2 die Schuldigsprechung des Beschuldigten wegen ban-
denmässigen Raubs (Dispositiv-Ziffer 1), die Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe
von 8 Jahren (Dispositiv-Ziffer 3) und die Anordnung einer Landesverweisung von
10 Jahren (Dispositiv-Ziffer 5; vgl. Urk. 81 und Urk. 107).
3.2 Demgegenüber ficht der Beschuldigte das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich
der Schuldigsprechung wegen geringfügiger Sachbeschädigung (teilweise Dispo-
sitiv-Ziffer 2) sowie der Sanktion an (Dispositiv-Ziffern 3 und 4). Er beantragt eine
Freiheitsstrafe von 22 Monaten und eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 10.– , je bedingt vollziehbar unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren
(Urk. 83). Die Kostenauflage (Dispositiv-Ziffer 13 Absatz 2) gilt infolge Konnexes
als mitangefochten.
3.3 Die Privatklägerin 3 beantragt in Abänderung von Dispositiv-Ziffer 8 eine
Genugtuung von Fr. 25'000.–.
3.4 Nicht angefochten ist das vorinstanzliche Urteil somit hinsichtlich der
Schuldsprüche betreffend mehrfachen, teilweise versuchten betrügerischen
Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage, mehrfachen Vergehens gegen das
Waffengesetz und Hausfriedensbruchs (Dispositiv-Ziffer 2 Spiegelstriche 2 bis 4),
der Regelung von diversen Zivilforderungen der Privatklägerschaft (Dispositiv-
Ziffern 6 bis 7 und 9 bis 12), der Kostenfestsetzung (Dispositiv-Ziffer 13 Absatz 1)
sowie des Verteidigerhonorars (Dispositiv-Ziffer 14) und der Entschädigung für die
Vertretung von Privatklägerin 3 (Dispositiv-Ziffer 15).
- 8 -
Ganz unangefochten blieb der vorinstanzliche Beschluss, mit welchem das Ge-
richt über das Schicksal beschlagnahmter Gegenstände befand (Urk. 80 S. 58 f.).
Es ist daher vorab mit Beschluss festzustellen, dass das Urteil und der Beschluss
vom 12. April 2019 diesbezüglich in Rechtskraft erwachsen sind.
4. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss. Das Berufungsgericht
kann sich auf die für seinen Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken
(BGE 143 III 65 E. 5.2; 141 IV 249 E. 1.3.1; Urteile des Bundesgerichts
6B_1403/2019 vom 10. Juni 2020 E. 2.5 und 6B_46/2018 vom 14. Februar 2018
E. 4, je mit Hinweisen).
II. Schuldpunkt – eingeklagter Sachverhalt
1. Der eingeklagte Sachverhalt ergibt sich aus der Anklageschrift vom 8. No-
vember 2018 (Urk. 47) und ist auch im angefochtenen Urteil dargestellt (Urk. 80
S. 6 ff.). Zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen und hinsichtlich der Einzel-
heiten der Tatabläufe kann darauf verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass der Beschuldigte anerkannter-
massen zusammen mit dem zum Tatzeitpunkt 14-jährigen Mitbeschuldigten
H._ am 12. und 14. Februar 2018 aufgrund eines gemeinsamen Tatent-
schlusses und durch gleichmassgebliches, arbeitsteiliges Zusammenwirken drei
Raubüberfälle verübt hat, davon zwei auf Tankstellenshops in I._ (Anklage-
ziffer 1.1.1) und in J._ (Anklageziffer 1.1.3) sowie einen auf eine zum Tat-
zeitpunkt 75-jährige Rentnerin (Privatklägerin 3) in deren Privatwohnung in
K._ (Anklageziffer 1.1.2). Der Beschuldigte lenkte in allen Fällen das von ihm
organisierte Tatfahrzeug, fuhr den Mitbeschuldigten H._ an die entsprechen-
den Tatorte, parkte in der näheren Umgebung und wartete im Auto. Derweil be-
gab sich der Mitbeschuldigte H._ zu den Lokalitäten sowie in die Privatwoh-
nung und verübte – bewaffnet mit einer täuschend echt aussehenden, der Mittel-
konsole des Tatfahrzeuges entnommenen Soft-Air-Pistole und vermummt mit
- 9 -
Schal, Winterkappe und Kapuze – die Raubüberfälle, woraufhin die Beschuldigten
mitsamt der jeweiligen Beute mit dem Fahrzeug flüchteten. Die Überfälle auf die
Tankstellenshops ergaben Bargeldbeträge in der Höhe von Fr. 1'700.– und € 75.–
(Anklageziffer 1.1.1) bzw. Fr. 200.– (Anklageziffer 1.1.3), und aus dem Raubüber-
fall auf die Rentnerin resultierten Fr. 2'100.– (Anklageziffer 1.1.2). Die Beutetei-
lung fand jeweils noch am gleichen Tag statt, wobei im Ergebnis rund sieben Ach-
tel auf den Beschuldigte entfielen.
3. Hinsichtlich der vom Beschuldigten bestrittenen Sachverhaltsaspekte ergibt
sich unter Verweis auf die überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz (vgl.
Urk. 80 S. 9 ff.) und mit wenigen Ergänzungen das Folgende:
3.1. Akquirierung allfälliger Mittäter
Dem Beschuldigten kann nicht angelastet werden, im Rahmen des arbeitsteiligen
Zusammenwirkens habe seine Aufgabe unter anderem darin bestanden, Ban-
denmitglieder zu akquirieren (vgl. Anklageziffer 1.1). Gemäss übereinstimmenden
Aussagen der beiden Beschuldigten war es der Mitbeschuldigte H._, der von
sich aus – vergeblich – versuchte, weitere Mittäter aus seinem Kollegenkreis an-
zuwerben. Zudem bestätigte auch L._, der zweimal auf einer Erkundigungs-
fahrt der beiden Beschuldigten dabei war, dass er den Beschuldigten über den
Mitbeschuldigten H._, der ein guter Freund von ihm sei, kennengelernt und
ihn nur ca. zweimal live gesehen habe (Zum Ganzen: Urk. D1/12/7 S. 4 f.;
Urk. D1/16/3 Fragen 10 und 15, vgl. auch Urk. 80 S. 11, 13, 16 und 18). Dieser
Anklagevorwurf ist nicht erstellt (vgl. Anklageziffer 1.1).
3.2. Idee für Raubüberfälle und Auswahl der Lokalitäten
Nicht zweifelhaft aufgrund der Aussage des Mitbeschuldigten H._ in der
Konfrontationseinvernahme und der eigenen Aussagen des Beschuldigten ist hin-
gegen, dass es der Beschuldigte war, der dem Mitbeschuldigten vorgeschlagen
hat, Tankstellen zu überfallen und dass er – aufgrund gemeinsamen Auskund-
schaftens – auch entschieden hat, welche dafür geeignet seien sowie dass man
die nur dem Beschuldigten im Zusammenhang mit seiner Lebenspartnerin
- 10 -
M._ bereits bekannte, alleinstehende Rentnerin (Privatklägerin 3) in ihrem
Einfamilienhaus überfallen würde (Urk. D1/12/7 S. 5, 21; Urk. 80 S. 12 f., 16). Der
Mitbeschuldigte H._ lieferte auch eine einleuchtende Erklärung, weshalb der
Beschuldigte die betroffenen Tankstellen ausgesucht hatte: Diese seien nicht all-
zu gross gewesen, mit wenigen Mitarbeitenden und nicht inmitten eines Wohnge-
bietes gelegen, wo Drittpersonen die Beschuldigten hätten sehen können
(Urk. D1/12/7 S. 15). Es steht somit fest, dass es der Beschuldigte war, der im
Rahmen des arbeitsteiligen Zusammenwirkens aus den erkundeten Örtlichkeiten
die Auswahl traf, indem er die geeigneten Lokalitäten und Opfer bestimmte. Dies-
bezüglich ist der Sachverhalt erstellt (vgl. Anklageziffer 1.1).
3.3. Konkrete Tatverübung vor Ort
Der Beschuldigte bestreitet konstant, den Mitbeschuldigten H._ bezüglich
des konkreten Tatvorgehens instruiert zu haben. Das deckt sich mit der Äusse-
rung von Mittäter H._, er habe selbst entschieden, wie man die Tankstellen
und die Rentnerin überfalle (Urk. D1/12/7 S. 7). Der Vorwurf, im Rahmen des ar-
beitsteiligen Zusammenwirkens sei dem Beschuldigten die Aufgabe zugekom-
men, den Mitbeschuldigten zu instruieren, ist damit nicht erstellt (vgl. Anklageziffer
1.1).
3.4. Aushändigung der Tatwaffe Soft-Air-Gun
3.4.1. Den Aussagen der zwei Beteiligten lässt sich nirgends entnehmen, dass
der Beschuldigte dem Mitbeschuldigten H._ die Tatwaffe jeweils ausgehän-
digt hat, wie in den Anklageziffern 1.1.1 bis 1.1.3 vermerkt. Dieser Anklagevorwurf
ist nicht erstellt.
3.4.2. Schon an dieser Stelle ist aber zu erwähnen, dass der Beschuldigte um
die Tatsache wusste, dass der Mitbeschuldigte H._ bei allen drei Raubüber-
fällen eine (von H._ selbst beschaffte) Waffenattrappe dabei hatte. Diese
wurde ihm von H._ ca. eine Woche vor dem ersten Raubüberfall vom 12.
Februar 2018 im Auto gezeigt und im Anschluss an die Überfälle mit Kenntnis
auch des Beschuldigten durch H._ in der Mittelkonsole der Rücksitzbank des
- 11 -
Renault Mégane verstaut, woraus der Mitbeschuldigte H._ sie für die Raub-
überfälle jeweils auch entnahm (Urk. D1/12/7 S. 7, 19; vgl. auch Urk. 80 S. 13,
17).
3.5. Motiv für die Raubüberfälle und Verwendung der Beute
Zur Bestreitung des Beschuldigten, die Raubüberfälle begangen zu haben, um mit
den erbeuteten Geldbeträgen seine Lebenshaltungskosten zu decken, präsentiert
sich die Aktenlage folgendermassen:
3.5.1. Der Mitbeschuldigte H._ erwähnte mehrmals finanzielle Probleme
sowohl von ihm selbst als auch vom Beschuldigten. Beide seien finanziell nicht
gut dagestanden und hätten Geld gebraucht (Urk. D1/12/7 S. 3; Urk. D1/13/1 Fra-
ge 141). Er habe aber auch dem Beschuldigten helfen wollen (Urk. D1/13/4 Frage
75). Er habe alles Geld an jemanden gegeben, der es benötigt habe, nämlich den
Beschuldigten. Dieser habe Schulden gehabt (Urk. D1/13/1 Fragen 108 bis 111).
H._ sandte am 14. Februar 2018 auch eine SMS an seinen Lehrer aus der
Einzelbeschulung, Herrn N._, und teilte diesem darin mit, dass der Vater sei-
nes besten Kollegen – damit meinte er den Beschuldigten – Geldprobleme habe
und innert einer bestimmten Frist Fr. 3'000.– brauche verbunden mit der Frage,
ob er (N._) nicht spenden könne (Urk. D1/13/4, Fragen 168 bis 172). Die
Raubüberfälle auf die Tankstellen seien nicht wirklich geplant, sondern spontan
gewesen (Urk. D1/13/4 Frage 75). Er wisse nicht, ob der Beschuldigte noch weite-
re Raubüberfälle hätte machen wollen. Er selbst habe nicht weit in die Zukunft
geschaut, sondern nur immer aufs Mal. Er habe ja ein wenig Geld gehabt. Sie
hätten nie konkret besprochen, weitere Überfälle zu begehen. Dabei wies er noch
auf andere Wege hin, Geld zu erlangen, zum Beispiel Gras zu verkaufen. Zur un-
gleichen Beuteteilung führte er unter anderem aus, er sei ja nur 14 Jahre alt und
brauche nicht viel Geld im Leben. Der Beschuldigte sei viel älter und habe auch
höhere Kosten gehabt. Zudem habe der Beschuldigte ihm oft Zigaretten ge-
schenkt (Urk. D1/12/7 S. 10, 15 f.).
3.5.2. In der Konfrontationseinvernahme vom 25. Mai 2018 führte der Beschul-
digte aus, dass er das Geld gebraucht habe, da er Fr. 4'000.– Schulden gehabt
- 12 -
habe, die er habe bezahlen müssen. Es sei eine Geldstrafe aus dem Kanton
O._ im Zusammenhang mit einem Verkehrsdelikt gewesen (Urk. D1/12/7
S. 18). Mit den insgesamt Fr. 3'500.– aus den Überfällen habe er diese Geldstrafe
am 14. Februar 2018 bezahlt. Er habe diese unbedingt bezahlen wollen, um nicht
ins Gefängnis gehen zu müssen. Er habe bereits Aufträge gehabt, die er als Gip-
ser mit seiner neuen GmbH hätte ausführen können. Hätte er ins Gefängnis ge-
hen müssen, wären alle diese Aufträge dahingefallen (a.a.O. S. 20 f.).
Auch in der Schlusseinvernahme gab er zu Protokoll, dass er dringend Fr. 3'000.–
gebraucht habe, weil er sonst ins Gefängnis gekommen wäre. Das Geld sei nicht
für den Lebensunterhalt bestimmt gewesen. Er hätte 30 Tage absitzen müssen
und habe sich einfach nicht vorstellen können, ins Gefängnis zu kommen. Er ha-
be schriftlich versucht, sich mit der Kasse zu einigen und dann einen Abzahlungs-
vorschlag zugeschickt bekommen. Ein paar Raten habe er bezahlt, dann aber
wieder kein Geld gehabt und die grosse Summe bezahlen müssen. Er habe noch
einmal versucht, mit dem Staatsanwalt zu sprechen. Dieser habe ihm dann ge-
sagt, man hätte ihm schon eine Chance gegeben und es komme der Tag, an dem
er die grosse Summe bezahlen müsse. Wenn er das nicht bezahle, müsse er ins
Gefängnis (Urk. D1/12/9 S. 8).
Vor Bezirksgericht wiederholte er, dass er zum Zeitpunkt der Raubüberfälle zwei
ausstehende Geldstrafen gehabt habe, die er unbedingt habe bezahlen müssen,
ansonsten er ins Gefängnis gekommen wäre. Es sei um ca. Fr. 3'600.– gegan-
gen. Jetzt wisse er, dass das dumm gewesen sei, damals habe er aber nur an
diesen Geldbetrag gedacht. Er habe auch versucht, vom Sozialamt finanzielle Un-
terstützung bei der Begleichung der Geldstrafe zu erhalten. Er habe das alles nur
gemacht wegen den Geldstrafen, die er habe bezahlen müssen (Urk. 65 S. 23 ff.).
An der Berufungsverhandlung führte er erneut aus, dass er die Raubüberfälle
lediglich verübt habe, um aus dem erlangten Deliktsgut die Schulden betreffend
die offenen und fälligen Geldstrafen bezahlen zu können. Diesbezüglich bezifferte
er seine Schulden auf "fast Fr. 4'000.– oder mehr" bzw. "Fr. 4'800.– oder
Fr. 3'800.–", wobei er nicht mehr genau wisse, wie hoch die Geldstrafe gesamt-
haft gewesen sei. Er habe zudem auch versucht bei Familie und Freunden das
- 13 -
Geld für die Bezahlung der Geldstrafe aufzutreiben, diese hätten ihm jedoch nicht
weiterhelfen können. Zuletzt habe er auch überlegt sein damaliges Fahrzeug zu
verkaufen, dieses hätte jedoch lediglich einen Erlös von rund Fr. 600.– bis
Fr. 700.– eingebracht, weshalb er davon abgesehen habe (Urk. 106 S. 7 ff.).
3.5.3. Wie schon den vorinstanzlichen Erwägungen zu entnehmen ist (Urk. 80
S. 17 f.), hat der Beschuldigte – zumindest ab der Konfrontationseinvernahme
vom 25. Mai 2018 – konstant ausgesagt, dass sein Motiv für die Raubüberfälle
die Geldbeschaffung zur Begleichung der fälligen Geldstrafen gewesen sei und er
das erbeutete Geld auch hierfür verwendet habe. Diese Darstellung wird durch
die Bestätigung der Staatsanwaltschaft P._ vom 2. November 2018
(Urk. 63/1) gestützt, wonach der Beschuldigte am 16. Februar 2018 – mithin
zwei Tage nach den ihm vorgeworfenen Raubüberfällen – eine letzte Teilzahlung
an die fällige Geldstrafe über Fr. 2'000.– geleistet hat. Auch die vom Mitbeschul-
digten H._ an seinen Lehrer N._ versandte SMS, in welcher er um eine
Spende für den "Vater seines besten Kollegen" bittet, welcher Geldprobleme habe
und innert einer bestimmten Frist Fr. 3'000.– brauche, lässt sich mit diesen Aus-
sagen in Einklang bringen und bestärkt diese. Ebenso zeigt die Aussage der
Privatklägerin 3, wonach der Mitbeschuldigte H._ ihr schon im Eingangs be-
reich, nachdem er das Opfer in die Wohnung hineingestossen hatte, erklärte, er
brauche Fr. 3'000.–, um jemanden aus dem Knast holen zu können (Urk. D3/3/1
Fragen 13 f., 36 f.; Urk. D3/3/2 S. 5), dass auch H._ von dem vom Beschul-
digten behaupteten Motiv zur Geldbeschaffung ausgegangen ist.
Mit der Vorinstanz (Urk. 80 S. 17) ergibt sich ein insgesamt mehrfach abgestütz-
tes, nicht schlechthin unglaubhaftes Bild zum behaupteten Raubmotiv des Be-
schuldigten, auch wenn er die exakte Geldsumme im Nachhinein nicht mehr ge-
nau zu beziffern vermag. Auch wenn die Argumentation des Beschuldigten er-
staunt und sein Vorgehen zur Vermeidung einer drohenden Umwandlung einer
Geldstrafe in eine Gefängnisstrafe – mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 59 S. 8 f.) –
kaum nachvollziehbar ist, vielmehr als widersinnig erscheint, so fehlen doch kon-
krete Hinweise, welche auf eine Verwendung der Beute durch den Beschuldigten
(nur oder oder zumindest überwiegend) zur Deckung der Lebenshaltungskosten
- 14 -
schliessen lassen. Der entsprechende Anklagevorwurf in den Anklageziffern 1.1.1
bis 1.1.3 (vgl. Urk. 47 S. 3, 6 und 8) ist nicht erstellt.
4. Für die rechtliche Würdigung ist folglich weitestgehend vom Sachverhalt
gemäss Anklage auszugehen, mit den Präzisierungen, dass es nicht zu den Auf-
gaben des Beschuldigten zählte, weitere Mittäter zu akquirieren und den Mitbe-
schuldigten H._ betreffend das konkrete Tatvorgehen zu instruieren sowie
dass er dem Mitbeschuldigten H._ die Soft-Air-Gun vor den Raubüberfällen
nicht ausgehändigt und die erbeuteten Geldbeträge nicht (hauptsächlich) zur De-
ckung der Lebenshaltungskosten verwendet hat (auch Urk. 80 S. 18).
III. Schuldpunkt – rechtliche Würdigung
1. Raubtaten
1.1. Ausgangslage
Die Vorinstanz hat den Beschuldigten des mehrfachen Raubes im Sinne von
Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen (Urk. 80 S. 54). Die Staatsan-
waltschaft beantragt im Berufungsverfahren nach wie vor die Schuldigsprechung
des Beschuldigten wegen bandenmässigen Raubes (Urk. 81 S. 2 und Urk. 107
S. 1).
1.2. Voraussetzungen bandenmässiger Raub
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist Bandenmässigkeit zu bejahen,
wenn zwei oder mehrere Täter sich mit dem ausdrücklich oder konkludent geäus-
serten Willen zusammenfinden, inskünftig zur Verübung mehrerer selbstständiger,
im Einzelnen möglicherweise noch unbestimmter Straftaten zusammenzuwirken.
Durch den Zusammenschluss mehrerer werden die einzelnen Täter psychisch
und physisch gestärkt, wird jedem von ihnen die Begehung weiterer Straftaten er-
leichtert und lässt sich die fortgesetzte Verübung solcher Delikte voraussehen
(BGE 135 IV 158 E. 2 und 3.2 f.; BGE 132 IV 132 E. 5.2; BGE 124 IV 286 E. 2a).
In dieser engen Bindung, die einen ständigen Anreiz zur Fortsetzung bildet, liegt
- 15 -
die besondere Gefährlichkeit der Bande, der die erhöhte Strafdrohung des qualifi-
zierten Delikts Rechnung trägt. Darüber hinaus ergibt sich die besondere Gefähr-
lichkeit auch daraus, dass durch den Zusammenschluss und die damit verbunde-
ne Kenntnis der anderen Bandenmitglieder der Ausstieg aus der deliktischen Tä-
tigkeit erheblich erschwert wird (BGE 135 IV 158 E. 3.1; BSK II-NIGGLI/RIEDO,
4. Aufl. 2019, Art. 139 N 119 ff.). Eine Bande ist gegeben, wenn nur gewisse, über
die blosse Mittäterschaft hinausgehende Mindestansätze einer Organisation (etwa
einer Rollen- oder Arbeitsteilung) vorliegen oder die Intensität des Zusammenwir-
kens ein derartiges Ausmass erreicht, dass von einem bis zu einem gewissen
Grade fest verbundenen und stabilen Team gesprochen werden kann, auch wenn
dieses allenfalls nur kurzlebig war (BGE 135 IV 158 E. 2 und 3; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_1145/2016 vom 7. April 2017 E. 1.3. m.w.H.).
Der Begriff der Bande ist mit Blick auf die massive Strafdrohung eng auszulegen
(BGE 135 IV 158 E. 2 und 3; Urteile des Bundesgerichts 6B_1145/2016 vom
7. April 2017 E. 1.3. und 1.4 sowie 6B_510/2013 vom 3. März 2013 E. 3.3 a.E.;
NIGGLI/ RIEDO, a.a.O., Art. 139 N 122). Bandenmässigkeit ist erst anzunehmen,
wenn der Wille der Täter auf die gemeinsame Verübung einer Mehrzahl von De-
likten gerichtet ist.
1.3. Würdigung
1.3.1. Es ist zunächst der Staatsanwaltschaft zuzustimmen, dass die Beschul-
digten in derselben Konfiguration und in enger zeitlicher Abfolge drei Raubüberfäl-
le verübt haben und dass der Beschuldigte – ein dreifacher Familienvater mit
Schulden von insgesamt ca. Fr. 140'000.– massiv überschuldet ist (Urk. 59 S. 8
und Urk. 107 S. 3), auch wenn er seine Schulden anlässlich der Berufungsver-
handlung lediglich noch auf eine Höhe von rund Fr. 90'000.– bzw. "bis zu
Fr. 100'000.–" bezifferte (Urk. 106 S. 4 und 6).
1.3.2. Aufgrund des erstellten Sachverhalts ergibt sich, dass sich der Beschul-
digte und der Mitbeschuldigte H._ relativ spontan und aus einer konkreten
Situation heraus zur Tatbegehung zusammenschlossen, nachdem sie sich je über
ihren akuten Geldbedarf ausgetauscht hatten. Dabei ging es seitens des Be-
- 16 -
schuldigten um den dringenden Bedarf nach einem bestimmten Geldbetrag, des-
sen Höhe in den Aussagen des Beschuldigten allerdings (zwischen Fr. 3'000.–
und Fr. 4'000.– bzw. etwas über Fr. 4'000.–) variierte, zur Bezahlung einer fälligen
(restlichen) Geldstrafe, um die drohende Umwandlung dieser Geldstrafe in eine
30-tägige Gefängnisstrafe abzuwenden. Das verstand auch der Mitbeschuldigte
H._ so und kommunizierte dies im Vorfeld der Delikte seinem Lehrer und an-
lässlich eines der Raubüberfälle dem Opfer. Den Aussagen des Mitbeschuldigten
H._ kann weiter entnommen werden, dass er dem Beschuldigten helfen woll-
te, den dringend benötigten Betrag von Fr. 3'000.– zur Vermeidung einer Frei-
heitsstrafe aufzutreiben. Den eigenen Geldmangel stellte H._ zurück, ver-
wies auf sein sehr junges Alter und dass er von Tag zu Tag schaue und auch an-
dere Wege kenne, Geld erhältlich zu machen (vgl. vorne Erw. II.3.5.1.). Zudem
erklärte der Mitbeschuldigte H._ in der Konfrontationseinvernahme auf die
Frage nach weiteren geplanten Raubtaten, er wisse nicht, was der Beschuldigte
sich gedacht habe. Sie hätten nie konkret darüber gesprochen, noch weitere
Raubüberfälle zu begehen (Urk. D1/12/7 S. 15). Dem stimmte auch der Beschul-
digte anlässlich der Konfrontationseinvernahme zu: sämtliche eben gehörten
Aussagen des Mitbeschuldigten H._ würden zutreffen (Urk. D1/12/7 S. 18).
Und in der Hauptverhandlung vor Vorinstanz antwortete der Beschuldigte auf die
Frage, ob mit H._ vereinbart worden sei, wie viele Raubüberfälle man bege-
hen würde: "Wir haben nichts abgemacht. Er weiss genau, dass ich diese Summe
brauchte, um die Busse zu bezahlen. Wir haben darüber gesprochen. Mehr
brauchte ich nicht um weiter zu machen".
1.3.3. Die Staatsanwaltschaft ihrerseits bezeichnete die Aussagen des Mit-
beschuldigten H._ – zu Recht – als glaubhaft. Entsprechend stützt sich die
Anklage laut der Staatsanwaltschaft in persönlicher Hinsicht im Wesentlichen und
schwergewichtig auf die Aussagen des minderjährigen Mitbeschuldigten H._,
der nach Auffassung der Staatsanwaltschaft im Verlaufe der Untersuchung ein
vollständiges und farbiges Bild über die damaligen Ereignisse wiedergegeben hat
und sich nicht davor scheute, schonungslos sich selber und den Beschuldigten zu
belasten. Ebenso bezeichnete die Staatsanwaltschaft die Aussagen sämtlicher
Opfer als überzeugend und stringent (Urk. 59 S. 3). Das gilt hier spezifisch für die
- 17 -
Privatklägerin 3, deren Schilderungen im vorliegenden Konnex die Aussagen von
H._ untermauern. Darauf ist abzustellen. Selbst die ähnlich lautenden Aus-
sagen des Beschuldigten in diesem Zusammenhang ab der Konfrontationseinver-
nahme erweisen sich als gleichbleibend und im Ergebnis plausibel und werden
auch durch den Umstand untermauert, dass er gemäss Bestätigung der Staats-
anwaltschaft P._ vom 2. November 2018 (Urk. 63/1) am 16. Februar 2018 –
mithin zwei Tage nach den ihm vorgeworfenen Raubüberfällen – eine letzte Teil-
zahlung an die fällige Geldstrafe über Fr. 2'000.– geleistet hat. Obwohl die Idee
des Beschuldigten, mittels Raubtaten einer anderen Freiheitsstrafe zu entgehen,
als kaltblütig erscheint, können – übereinstimmend mit der Vorinstanz und in
Abweichung zur Staatsanwaltschaft – seine diesbezüglichen Ausführungen bei
gesamthafter Würdigung nicht als reine Schutzbehauptung resp. billige Ausrede
qualifiziert werden (Urk. 59 S. 9; Urk. 80 S. 21). Vorliegend steht namentlich
deshalb kein untauglicher nachträglicher Rechtfertigungsversuch des Beschuldig-
ten im Raum, weil das für ihn offensichtlich bedrohliche Szenario eines Gefäng-
nisaufenthaltes durch den glaubhaft aussagenden Mitbeschuldigten H._ be-
reits vor den Delikten gegenüber dem Lehrer N._ resp. während der zweiten
Tatbegehung gegenüber der Privatklägerin 3 erwähnt wurde. Es ist daher mit der
Vorinstanz davon auszugehen, dass der drohende 30-tägige Freiheitsentzug das
hauptsächliche Motiv des Beschuldigten zu den Raubtaten bildete.
1.3.4. Gestützt auf das Ausgeführte lag das unmittelbare Bestreben der Be-
schuldigten darin, durch Raubüberfälle mindestens Fr. 3'000.– bis Fr. 4'000.– zu
erbeuten. Der Betrag liegt einigermassen konstant irgendwo dazwischen. Aus den
geringfügig abweichenden Aussagen des Beschuldigten zur Höhe des benötigten
Geldbetrages zu schliessen, dass er diesbezüglich lüge, ist – entgegen der Auf-
fassung der Staatsanwaltschaft (Urk. 107 S. 2 f.) – nicht angemessen, zumal er
wiederholt auch selber angibt, den genauen Betrag nicht mehr zu kennen
(Urk. 106 S. 8 und 11). Dass die Beschuldigten mit Sicherheit auch eine höhere
Beute nicht abgelehnt bzw. einen Überschuss nicht retourniert hätten, versteht
sich von selbst und ergibt sich auch aus dem erstellten Sachverhalt: So verlangte
der Beschuldigte H._ in den Tankstellenshops keine festen Beträge, sondern
forderte von den jeweiligen Kassierinnen Geld mit den Worten "gänd mer s'Gäld"
- 18 -
resp. "gib mer s'Gäld vo de Kasse ... die anderi Kasse dört, mach sie uf, mach sie
uf" (Anklageziffern 1.1.1 und 1.1.3, Urk. 47 S. 3 und 8), ohne den Inhalt der Kas-
sen zu kennen. Ferner versuchten die Beschuldigten, mit der Maestro-Karte der
Privatklägerin 3 an drei weiteren Bankomaten Geld zu deren Lasten abzuheben,
obwohl in jenem Zeitpunkt die Raubbeute schon fast bei Fr. 4'000.– lag (Anklage-
ziffern 1.1.1 und 1.1.2, Urk. 47 S. 3, 6; Urk. D1/13/4 S. 10, D1/8 S. 7). Schliesslich
ist auch vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt noch wei-
tere Schulden von ca. Fr. 120'000.– aufwies (Urk. D1/12/7 S. 18), schlicht un-
glaubhaft, dass er sich selber hinsichtlich der Beute aus den Raubtaten eine obe-
re Limite gesetzt haben soll (Urk. 62 S. 5 f., 9). Entgegen der Verteidigung und
auch abweichend zur Vorinstanz (Urk. 80 S. 20) ist somit nicht vom Ziel der Be-
schuldigten zur Beschaffung einer von vornherein begrenzten Raubsumme aus-
zugehen. Vielmehr handelt es um einen angestrebten Mindestbetrag, ohne Be-
grenzung nach oben.
1.3.5. Auch eine grundsätzlich fehlende Obergrenze ändert aber nichts am
hauptsächlichen Ziel der beiden Täter, jedenfalls das nötige Geld zu erlangen, um
den Beschuldigten vor einer Strafverbüssung zu bewahren. Entsprechend kann
nicht gesagt werden, H._ und der Beschuldigte hätten sich mit dem aus-
drücklich oder konkludent erklärten Willen zusammengefunden, inskünftig zur
Verübung mehrerer selbstständiger, im Einzelnen möglicherweise noch unbe-
stimmter Straftaten zusammenzuwirken. Das gilt insbesondere für den Mitbe-
schuldigten H._, der gemäss seinen Schilderungen zur Tatzeit einerseits
über gewisse Einnahmequellen (Eltern, Erlös aus Betäubungsmittelverkauf) ver-
fügte und anderseits – im Gegensatz zum Beschuldigten – nur für sich selber zu
sorgen hatte, wobei er Kost und Logis bei der Familie M._ erhielt und im Üb-
rigen ungebunden war und strukturlos in den Tag hinein lebte. Zu Recht weist die
Verteidigung auch darauf hin, dass die Gefährlichkeit des bandenmässigen Han-
delns nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung auch in der Intensität des Zu-
sammenwirkens der Mitglieder liegt, welche eine Umkehr des Tatentschlusses er-
schwert und das Gefüge daher gefährlicher macht (Urk. 110 S. 3). Trotz einer
konkreten Rollen- und Arbeitsteilung bei den drei verübten Raubüberfällen zeigt
sich eine eher geringe Organisation und keine hohe Intensität des Zusammenwir-
- 19 -
kens, welche es sodann jedem der Mitbeschuldigten erschwert hätte, von den ru-
dimentär geplanten Taten abzulassen. Von einem auch nur ansatzweise gefestig-
ten Team zur (weiteren) Deliktsbegehung kann nicht gesprochen werden. Ins Au-
ge springt allerdings die enge zeitliche Abfolge der Taten, dies wohl aufgrund der
Dringlichkeit des Geldbedarfs beim Beschuldigten.
1.4. Fazit
Im Lichte der vorstehenden Erwägungen ist noch keine besondere Gefährlichkeit
ersichtlich, wie sie dem qualifizierten Tatbestand der bandenmässigen Begehung
eigen ist (OFK/StGB-DONATSCH, 20. Aufl., Zürich 2018, Art. 140 N 15 mit Verweis
auf Art. 139 N 17). Daher und ergänzend in Beachtung des Umstandes, dass der
Begriff der Bande eng auszulegen ist, liegt noch keine Bandenmässigkeit vor. Es
bleibt somit beim Schuldspruch wegen mehrfachen Raubes, begangen in Mittä-
terschaft. Als Mittäter hat sich der Beschuldigte auch das Tatvorgehen und die
Handlungen des Mitbeschuldigten H._ anrechnen zu lassen, auch wenn er
selber während dessen Tatausführungen keine Tatherrschaft innehatte (Urteil des
Bundesgerichts 6B_27/2020 vom 20. April 2020 E. 1.3.2 mit Hinweisen).
1.5. Ersatzlose Streichung
Wird ein und derselbe Anklagesachverhalt durch das Gericht abweichend von der
rechtlichen Qualifikation der Anklagebehörde (oder der Vorinstanz) beurteilt und
erfolgt ein Schuldspruch, so hat – entgegen der Vorinstanz – nicht zusätzlich
betreffend den nicht zur Anwendung gelangenden Tatbestand ein Freispruch zu
ergehen. Da der Beschuldigte in Bestätigung des angefochtenen Urteils des
mehrfachen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu spre-
chen ist, erübrigt sich der Freispruch vom Vorwurf des bandenmässigen Raubes
im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 3 Abs. 2 StGB. Dispositiv-Ziffer 1 des
angefochtenen Urteils ist daher ersatzlos zu streichen.
2. Geringfügige Sachbeschädigung
2.1. Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Mitschuldigte H._ die rückwärts-
laufende Privatklägerin 3 mit vorgehaltener Schusswaffe an deren Stirn in die
- 20 -
Küche gedrängt und auf dem Weg dorthin ein kabelloses Telefon ergriffen und auf
den Boden geschmettert, wodurch das Telefon zerbrach und der Privatklägerin
ein Sachschaden in Höhe von ca. Fr. 100.– entstand (Anklageziffer 1.1.2, Urk. 47
S. 5). Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten deswegen der geringfügigen
Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 172ter Abs. 1 StGB in Mittäterschaft schuldig (Urk. 80 S. 26 und 54).
2.2. Der Beschuldigte verlangt einen Freispruch. Er nimmt nach wie vor den
Standpunkt ein, dieses Verhalten von H._ könne ihm nicht zugerechnet wer-
den. Dieses Vorgehen sei nicht mit H._ abgesprochen gewesen. Er habe
nicht gewusst, dass der Mitbeschuldigte H._ das Telefon auf den Boden wer-
fen würde. Der gemeinsame Tatplan habe darin bestanden, dass H._ die
Privatklägerin mit der Waffenattrappe bedrohe und von ihr Bargeld bzw. Bankkar-
ten herausfordere. Als Mittäter hafte er nur bis zur Grenze seines Vorsatzes, nicht
auch für den Exzess des Mittäters (Urk. 62 S. 11; Urk. 110 S. 7 f.).
2.3. Mit zutreffenden Erwägungen, auf die zu verweisen ist (Urk. 80 S. 24 ff.),
kam die Vorinstanz zum ebenfalls korrekten Ergebnis, dass der gemeinsame Ta-
tentschluss, die Privatklägerin 3 mit der Soft-Air-Gun zu bedrohen und von ihr
Bargeld bzw. Bankkarten herauszufordern bei gleichzeitigem Offenlassen des
weiteren konkreten Tatvorgehens auch das Zerstören des schnurlosen Telefons
zumindest eventualvorsätzlich abgedeckt habe. Zusammengefasst und leicht er-
gänzt ist folgendes festzuhalten:
Wenn der Beschuldigte ausführen lässt, dass die konkrete Ausführung nicht ab-
gesprochen gewesen sei, so kann dies nur bedeuten, dass weitere Details der
Tatausführung – also über die Bedrohung mit der Waffenattrappe hinausgehende
Einzelheiten – nicht ausdrücklich vereinbart worden waren. Dass der Mitbeschul-
digte H._ die Privatklägerin 3 mit praktisch durchgehend vorgehaltener (Imi-
tations-)Waffe und somit unter der impliziten Androhung, sie im Weigerungsfalle
zu erschiessen oder sie mit der Schusswaffe zumindest schwer zu verletzen, zur
Herausgabe von Wertsachen, hier Bargeld resp. Bankkarten, zu bewegen
versuchen würde, war vom Tatentschluss explizit umfasst. Ebenso abgedeckt
vom gemeinsamen Tatentschluss war die das Tatvorgehen untermauernde, zwei-
- 21 -
fache verbale Äusserung von H._, mit der Waffe auf sie zu schiessen, wenn
sie seiner Forderung nicht nachkomme (Anklageziffer 1.1.2, Urk. 47 S. 4 f.). Es
lag nun kein die Grenze des gemeinsamen Tatentschlusses überschreitender Ex-
zess vor, indem der Mitbeschuldigte H._ überdies auch noch zu einem ver-
gleichsweise milderen Druckmittel – der Beschädigung von Eigentum mit gering-
fügigem Wert – griff, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Die unter
Schusswaffenvorhalt signalisierte Androhung, ein Opfer bei Weigerung zu töten
oder zumindest schwer zu verletzen, ist bedeutend gravierender als die Beschä-
digung von Eigentum mit geringfügigem Wert. Auch wenn die Zerstörung des Te-
lefons von den Mittätern nicht konkret vereinbart oder erwogen worden war, so
muss diese gemessen an der "Gewalt gegen eine Person oder der Androhung
gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben" im Sinne des Art. 140 Abs. 1 StGB als
klar mildere Variante des Druckes auf ein Opfer als vom gemeinsamen Tatent-
schluss zu einem Raub mitumfasst beurteilt werden. Diese durch den Mittäter
H._ vorgenommene Sachbeschädigung liegt im Übrigen im Bereich der
Handlungen, welche bei einem Raub von einem Mittäter zu erwarten sind. Die
analogen Überlegungen gelten für weiteres, vergleichsweise harmloseres Tatvor-
gehen von H._, das darauf gerichtet war, den Widerstand der Privatklägerin
3 zu brechen: Hierzu zählen zum Beispiel, dass H._ der Privatklägerin 3 mit
den Handschuhen den Mund zudrückte, um sie am Schreien zu hindern, dass er
sie in eine Ecke drängte und ihr mit der Hand einen Schlag gegen die linke Schul-
ter versetzte, dass er sie (noch immer unter vorgehaltener Schusswaffe) auffor-
derte, sich in den Keller zu begeben, um sie einzuschliessen, damit sie nicht die
Polizei alarmieren könne, von welchem Vorhaben der Mittäter H._ dann aber
auf erneutes Herumschreien der Privatklägerin 3 hin absah (Anklageziffer 1.1.2
Urk. 47 S. 4 ff.). Auch diese Handlungen, die allesamt der Einschüchterung und
Gefügigmachung des Opfers und damit dem vereinbarten Ziel der Täter dienten,
zumindest genügend finanzielle Mittel zur Bezahlung der (restlichen) Geldstrafe
des Beschuldigten zu erlangen, muss der Beschuldigte gegen sich gelten lassen
(vgl. auch vorne Erw. III.1.4.).
Entgegen der Auffassung der Verteidigung handelt es sich bei der Beschädigung
des Telefons der Privatklägerin 3 nicht um ein bereits durch die Nötigungshand-
- 22 -
lung des Raubs konsumierte Tathandlung (Urk. 110 S. 8). Während der Straftat-
bestand des Raubs primär die Vermögensverschiebung, bei welcher eine Nöti-
gungshandlung zur Erreichung des Ziels verwendet wird, unter Strafe stellt, wird
mit der Sachbeschädigung zusätzlich der Eingriff des Täters in das Eigentum ei-
ner Drittperson unter Strafe gestellt. So wird zwar die Zerstörung eines gestohle-
nen oder geraubten Gegenstandes oder Vermögenswerts nach vollendetem
Diebstahl gemäss herrschender Lehre im Sinne einer mitbestraften Nachtat durch
das Vemögensverschiebungsdelikt an sich konsumiert (OFK/StGB-DONATSCH,
a.a.O., Art. 144 N 12; SCHLEGEL, Handkommentar StGB, 4. Aufl., Zürich 2020,
Art. 144 N 9; TRECHSEL/ CRAMERI in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar
StGB, 3. Aufl., Zürich 2018, Art. 144 N 12); richtet der Täter jedoch während dem
Raub – insbesondere auch im Rahmen der Nötigungshandlungen – einen Sach-
schaden an, so begeht er ein über die reine Vermögensverschiebung hinausge-
hendes Unrecht, welches es – in echter Konkurrenz – eigenständig unter Strafe
zu stellen gilt.
2.4. Da der Mitbeschuldigte bei seinem Tatvorgehen wissentlich und willentlich
handelte, ist auch der subjektive Tatbestand erfüllt (Anklageziffer 1.1.2, Urk. 47
S. 7). Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe liegen keine vor.
In Bestätigung des angefochtenen Urteils ist der Beschuldigte somit zudem der
geringfügigen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB in Mittäterschaft schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat den anwendbaren Strafrahmen zutreffend ermittelt und
das Vorgehen bei der Gesamtstrafenbildung sowie die Kriterien der Strafzumes-
sung mit der Unterscheidung von Tat- und Täterkomponenten sowie objektiver
und subjektiver Tatschwere vollständig dargelegt. Darauf kann verwiesen werden
(Urk. 80 S. 26 ff.). Ergänzend zu verweisen ist auch auf die Ausführungen der Vo-
rinstanz zur Rechtsnatur der Mittäterschaft (Urk. 80 S. 28).
- 23 -
2. Raubüberfall auf die Privatklägerin 3 in K._
Mit der Vorinstanz erweist sich der Raubüberfall auf die Privatklägerin 3 klar als
das schwerwiegendste Delikt.
2.1. Tatkomponente
2.1.1. Objektive Tatschwere
2.1.1.1. Zunächst kann auf die diesbezüglichen Erwägungen im angefochtenen
Urteil verwiesen werden, denen vorbehaltlos zuzustimmen ist (Urk. 80 S. 29 f.).
Zusammenfassend und teilweise ergänzend ist das Nachstehende festzuhalten:
Die alleinlebende und zur Tatzeit 75-jährige und daher besonders hilflose sowie
verletzliche Privatklägerin 3 wurde – anders als die Verkäuferinnen der Tankstel-
len-shops – nicht an einem öffentlich zugänglichen Ort, sondern in ihren Privat-
räumen beraubt. Der ganze Vorgang dauerte nicht nur rund eine Minute, sondern
ungefähr eine halbe Stunde. Zudem ging der Mitbeschuldigte H._ die Privat-
klägerin 3 – im Gegensatz zu den Verkäuferinnen der Tankstellenshops – nebst
seinen wiederholten drohenden Worten, bei Widerstand und Weigerung auf sie zu
schiessen, auch physisch an. So drückte er ihr mit den Handschuhen den Mund
zu, um ihr Schreien zu unterbinden (Urk. D1/12/7 S. 12 f.), zielte grösstenteils mit
der Waffe direkt auf sie und richtete ihr den Lauf der Waffe auch einmal direkt auf
ihren Kopf und kam dabei sehr nahe zu ihrer Stirn, weshalb sie rückwärts von ihm
weglief (Urk. D1/12/7 S. 13; Urk. D3/3/1 Frage 39). Weiter drängte er sie in eine
Küchenecke und versetzte ihr mit der Hand einen Schlag gegen die linke Schulter
(Urk. D3/3/1 Fragen 15 und 40). Ferner forderte er sie unter vorgehaltener
Schusswaffe auf, sich in den Keller zu begeben, wo er sie einzusperren gedachte,
was die Privatklägerin 3 äusserst ängstigte, da er sie dort einschliessen und nie-
mand sie hören könnte und wovon nur ihr erneutes Schreien und das Risiko her-
beikommender Nachbarn den Mitbeschuldigten H._ abhielt (Urk. D1/12/7
S. 13; Urk. D3/3/1 Frage 18 und D3/3/2 S. 6). Aufgrund dieses Tatvorgehens war
die Privatklägerin 3 über längere Zeit einer schrecklichen Tortur ausgesetzt und
durchlebte grosse Furcht um Leib und Leben.
- 24 -
2.1.1.2. Der Deliktsbetrag fiel mit Fr. 2'100.– zwar eher bescheiden aus. Das ist
aber nicht der Täterschaft geschuldet, sondern der Tageslimite auf dem Konto
des Opfers (Urk. D1/12/7 S. 9). Die Privatklägerin 3 erlitt keine körperlichen Be-
einträchtigungen, doch hätte in der grossen und anhaltenden Stresssituation und
angesichts ihres fortgeschrittenen Alters auch ohne spezielle Rücksichtslosigkeit
von Täterseite eine plötzliche lebensbedrohliche physische oder psychische Re-
aktion resultieren können. Es ist daher von erhöhter Gesundheitsgefährdung des
Raubopfers auszugehen. Jedenfalls wurde die Privatklägerin 3 in ihrem
Sicherheitsgefühl massiv und nachhaltig verletzt. Sie verlor ihre Unbeschwertheit
und kapselte sich fortan im Gebäudeinnern ab durch Verriegeln von Türen und
nächtliches Schliessen der Fensterläden, womit sie auch an Lebensqualität ein-
büsste. Das kann sich auf die Dauer gerade bei alleinstehenden älteren Personen
negativ auf ihr Sozialleben, ihr Wohlbefinden und insbesondere ihre psychische
Gesundheit auswirken. Die strafrechtlich geschützten Rechtsgüter der persönli-
chen Freiheit und des Vermögens wurden im Ergebnis erheblich beeinträchtigt.
2.1.1.3. In der Tatausübung offenbarte der Mitbeschuldigte H._ einige
kriminelle Energie, was sich nicht nur in der zeitlichen Dimension zeigte, sondern
auch in einer gewissen Hartnäckigkeit. So konnte er – anders als bei den Tank-
stellen-shops – davon ausgehen, bei seinem Vorhaben kaum durch Anwohner,
Passanten oder die (via Alarmknopf) herbeigerufene Polizei gestört zu werden,
dies auch, indem er ein Telefon der Privatklägerin 3 zerschmetterte und ihr even-
tuell von aussen hörbares Schreien abblockte. In der mittels Drohgebärden und
Waffenvorhalt aufrechterhaltenen angespannten Atmosphäre war es ihm vielmehr
möglich, seine Mission zu Ende zu führen, d.h. bis zum Erhalt der Bankkarte samt
Pincode und dem Griff ins Portemonnaie des Opfers. Immerhin verzichtete er
darauf, die Privatklägerin 3 im Keller einzusperren und beliess es dabei, dem ein-
geschüchterten Opfer eine Stillhalte- und Wartefrist von einer Stunde aufzuerle-
gen. Dieses Vorgehen muss auch dem Beschuldigten angerechnet werden. Wer
einen Mittäter mit einer Waffe – auch wenn es sich dabei um eine Attrappe han-
delt – in ein Haus einer älteren Dame eindringen lässt, muss damit rechnen, dass
dieser die Waffe auch zur Drohung und Nötigung verwenden wird.
- 25 -
2.1.1.4 Was die Tatbeiträge des Beschuldigten B._ anbelangt, so hat er
klarerweise aus hierarchisch höherer Stellung heraus gehandelt. Das ergibt sich
schon daraus, dass er aufgrund seines dringlichen Finanzbedarfs der Initiant des
Vorhabens war, den Mitbeschuldigten H._ diesbezüglich einweihte und zum
Mitmachen gewann. Auch die Organisation der Tatbegehung lag weitestgehend
beim Beschuldigten. Der Aussage des Beschuldigten anlässlich der Berufungs-
verhandlung, die Idee zur entsprechenden Tat habe vom Mitbeschuldigten
H._ gestammt, steht seine explizite Aussage im Untersuchungsverfahren
gegenüber, gemäss welcher seine Lebenspartnerin im gleichen Haus mit der Pri-
vatklägerin 3 gelebt und er diese dort besucht habe (Urk. D1/12/7 S. 19). In der-
selben Konfrontationseinvernahme sah sich der Beschuldigte zudem auch nicht
veranlasst, die Aussage des Mitbeschuldigten H._, dass er die Privatklägerin
3 nicht gekannt habe und die Idee zum Raub daher vermutlich vom Beschuldigten
gekommen sei, zu beanstanden (Urk. D1/12/7 S. 5 und S. 18). So führte er auch
(unter Begleitung des Mitbeschuldigten H._) die Observationstour durch, traf
dann gezielt die Auswahl der Liegenschaft bzw. des Opfers, organisierte und
lenkte das Fluchtfahrzeug und chauffierte den Mitbeschuldigten zum Tatort und
wieder von dort weg, wobei er selber in einiger Entfernung im Auto verblieb und
dem Mitbeschuldigten die eigentliche Tatausführung überliess. Ebenso wurde
durch den Beschuldigten der Ort der Beuteteilung festgelegt, nämlich die Tiefga-
rage am Wohnort seiner Lebenspartnerin M._. Die Tatbeiträge des Beschul-
digten waren von hohem Stellenwert und massgeblich für den Taterfolg, auch
wenn die effektive Raubtat durch den Mittäter H._ vorgenommen wurde. Oh-
ne den Beschuldigten hätte H._ weder einen Anlass für die Tat gehabt noch
wäre er zur konkreten Tatausübung imstande gewesen.
2.1.1.5. Mit diesem Geschäftsmodell überliess der Beschuldigte in geradezu fei-
ger Art und Weise dem völlig unreifen und mit 14 Jahren praktisch noch im Kin-
desalter stehenden Mitbeschuldigten H._ die riskante Frontarbeit, während
er sich in Erwartung der Raubbeute im Hintergrund und Schutz des Fluchtfahr-
zeugs aufhielt. Eine umgekehrte Rollenteilung wäre für ihn zugegebenermassen
ausser Frage gestanden (Urk. D1/12/9 Fragen 50 f. S. 10 f.; Urk. 106 S. 9). Ohne
jegliche Skrupel setzte er den problembefrachteten Halbwüchsigen, von dem er
- 26 -
wusste, dass er von den Eltern aus der Wohnung geschmissen und auch von der
Schule geflogen war, Schlägereien mit Kollegen auf der Strasse hatte und Gras
konsumierte (D1/12/7 S. 21 und 23), auf das betagte alleinlebende Opfer an, von
welchem er seinerseits durch seine Lebenspartnerin M._ erfahren und es
zudem beim Auskundschaften im Garten gesehen hatte (Urk. D1/12/7 S. 19;
Urk. D1/12/9 Fragen 29 ff. S. 7 und Fragen 63 ff. S. 13). Dass der Beschuldigte
als Drahtzieher den Raubüberfall im Zusammenwirken mit dem Mitbeschuldigten
H._ verübte und den orientierungslosen, herumstrolchenden und beeinfluss-
baren Jüngling dadurch in die Welt des Verbrechens einbezogen hat ist sehr gra-
vierend und wirkt sich deutlich erschwerend aus. Bezeichnend ist in diesem Zu-
sammenhang weiter die Antwort des Beschuldigten auf die Frage, weshalb er für
seine Zwecke nicht eines der Kinder seiner Lebenspartnerin M._ angefragt
bzw. eingesetzt habe: Keines der Kinder M._s habe irgendwelche Probleme
gehabt, sie seien in Ordnung (Urk. D1/12/7 S. 23). Das lässt sich nur so interpre-
tieren, dass es aus Sicht des Beschuldigten beim bereits in einer Negativspirale
befindlichen, jungen Mitbeschuldigten H._ einerlei sei (vgl. Urk. D1/9 S. 14;
Urk. D1/12/7 S. 23; Urk. 65 S. 23). Das Vorgehen des Beschuldigten, H._ zu
involvieren bzw. für seine Zwecke zu missbrauchen, ist umso verwerflicher, als
der Beschuldigte im Tatzeitpunkt mit 33 Jahren mehr als doppelt so alt war wie
der Mitbeschuldigte H._ und selber bereits 3-facher Familienvater, wobei
sein ältester Sohn nur ca. vier Jahre jünger ist als der Mittäter H._.
2.1.1.6. Seine Haltung gegenüber der Privatklägerin 3 lässt den Beschuldigten in
nicht minder düsterem Licht erscheinen. Obwohl bzw. gerade weil er Kenntnis
hatte von der alleinlebenden alten Frau im Einfamilienhaus bestimmte er sie im
Anschluss an die dritte Erkundigungsfahrt zum Raubopfer (Urk. D1/12/7 S. 6 und
14). Er suchte damit gezielt ein besonders verletzliches Opfer aus, wobei er zu-
mindest einräumte, dass es diesem ob dem Stress hätte schlecht werden können
(Urk. D1/12/9 S. 14). Die bewusste Suche nach einem möglichst vulnerablen Op-
fer ergibt sich auch aus dem Umstand, dass nach den ersten zwei Erkundungs-
touren ein Überfall auf eine Liegenschaft als zu risikoreich verworfen wurde, unter
anderem, weil eine Mann und eine Frau dort wohnten, man an einer Hausein-
gangstür hätte läuten müssen und zudem eine Terrasse sowie ein Balkon vor-
- 27 -
handen waren (Urk. D1/12/7 S. 6 und 15). Dennoch überliess der Beschuldigte
ohne jegliche Absprachen oder Vorgaben dem 14-jährigen Mitbeschuldigten die
alleinige Tatausführung auf die Privatklägerin 3. Offensichtlich war es ihm egal,
wie der Mitbeschuldigte H._ mit der betagten Frau umgehen würde. Er räum-
te denn auch ein, keine Kontrolle gehabt zu haben, was H._ dort mache.
Seinen Aussagen ist weiter zu entnehmen, dass er keinerlei Bedenken hegte,
sondern nur sein dringend benötigtes Geld im Kopf hatte (Urk. D1/12/9 S. 12 f).
2.1.1.7. Schliesslich ist anzufügen, dass der Beschuldigte auch seinen Bekannten
Q._ in seine Delinquenz verwickelt hat. So gab der Beschuldigte im Verlaufe
des Verfahrens zu, dass er das ca. zwei Wochen zuvor gekaufte Fluchtfahrzeug,
den schwarzen Renault Mégane, auf ....ch [Internetseite] erworben und auf den
Namen von Q._ eingelöst hatte, da er dies wegen seinen Betreibungen nicht
auf den eigenen Namen habe tun können. Er habe das Auto nicht nur wegen den
Raubüberfällen gekauft, sondern auch, um es später für seine Arbeit, seine neu
zu gründende oder bereits gegründete Firma zu brauchen (D1/12/7 S. 20). Selbst
wenn man zugunsten des Beschuldigten annimmt, dass er das Fahrzeug mit
Wissen und im Einverständnis von Q._ auf diesen einlöste – der seit 1988 in
der Schweiz lebende und einen blanken Strafregisterauszug aufweisende
Q._ verneint dies (vgl. Urk. D1/10/4, D1/10/14/1 Fragen 57 ff. und D1/14/2
Fragen 6 ff. und 61 ff.), wobei die Frage aber offen bleiben kann –, so hat der
Beschuldigte durch den Einsatz des Fahrzeuges bei den Raubtaten das Entge-
genkommen und Vertrauen seines gemäss eigenen Angaben langjährigen guten
Freundes (Urk. D1/12/4 S. 5 f. Fragen 36 und 41) schändlich missbraucht. Denn
der Beschuldigte gab zu, dass Q._ nicht gewusst habe, was er (Beschuldig-
ter) mit dem Renault Mégane anstellen werde (Urk. D1/12/7 S. 20). Durch die
Verwendung des Fahrzeuges bei den Raubtaten, wobei das Nummernschild beim
dritten Überfall von aufmerksamen Passanten abgelesen werden konnte, setzte
der Beschuldigte seinen Kollegen Q._ als Halter des identifizierten Tatfahr-
zeuges einer vorläufigen Festnahme durch die Kantonspolizei Zürich und zwei
Befragungen als beschuldigte Person aus (Urk. D1/14/1-2).
- 28 -
2.1.1.8. Zuletzt ist auch die Personenmehrheit mit arbeitsteiligen Vorgehen
verschuldenserhöhend zu berücksichtigen, zumal es vorliegend nicht zu einer
Verurteilung wegen bandenmässigen Raubes kommt.
2.1.1.9. Die objektive Tatschwere erweist sich zumindest als mittelschwer.
2.1.2. Subjektive Tatschwere
Im Einklang mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 80 S. 30 f.) ist zu konstatieren, dass der
Beschuldigte mit direktem Vorsatz und aus rein egoistischen und finanziellen
Beweggründen handelte. Letzteres ist bei Raubdelikten zwar tatimmanent, doch
kommt hinzu, dass der Beschuldigte aus eigenem Antrieb handelte. Er initiierte
und organisierte die Raubüberfälle, um Geld zur Begleichung einer ausstehenden
Geldstrafe und damit zur Abwendung einer Ersatzfreiheitsstrafe erhältlich zu ma-
chen. Dies ist ein schwer nachvollziehbares Motiv. Er wollte sich auf deliktische
Art bereichern, um Konsequenzen aus früheren eigenen Straftaten abzuwenden.
Der Beschuldigte hatte dabei nur sich selbst, seinen Geldbedarf und seine Furcht
vor einem 30-tägigen Gefängnisaufenthalt vor Augen. An das Befinden des schon
bejahrten Raubopfers, A._, dachte er keinen Moment (Urk. 65 S. 24 f.), und
auch die weiter in sein strafbares Tun involvierten bzw. davon tangierten
Personen H._ und Q._ kümmerten ihn wie gesehen nicht. So verlor er
insbesondere keinen Gedanken zum Umstand, dass er den auch aus seiner Sicht
sehr jungen Mitbeschuldigten H._ als Raubkomplizen an seiner Seite hatte.
Vor Vorinstanz führte er diesbezüglich aus, er habe damals keine andere Option
gehabt (Urk. 65 S. 23). Überdies äusserte er sich ziemlich herablassend betref-
fend den Mitbeschuldigten H._: Er habe keinerlei Interesse gehabt, den
Raub mit einem so jungen Kind durchzuführen, das einen längeren Strafregister-
auszug aufweise als er selbst (Urk. 65 S. 23). Und weiter führte der Beschuldigte
in anderem Zusammenhang bagatellisierend aus, hätte er wirklich vorgehabt, ei-
nen Raub zu begehen, dann wäre er nicht mit einem jungen Kind bzw. jungen
Mann dorthin gegangen (Urk. 65 S. 23 und 26). Der von ihm benötigte Geldbetrag
war nicht allzu hoch und die Ersatzfreiheitsstrafe wäre durch den Nachweis der
nicht schuldhaften Nichtbezahlung der Geldstrafe problemlos anderweitig abzu-
wenden gewesen. Eine allfällige prekäre finanzielle Lage und Schulden begrün-
- 29 -
den aber ohnehin keine schwere Bedrängnis, welche bei der Strafzumessung zu
berücksichtigen wäre. Eine eigentliche Notlage bestand jedenfalls nicht. Der
Raubüberfall auf die Privatklägerin 3 erfolgte aus freiem Willen und wäre ohne
weiteres vermeidbar gewesen. Zudem stand die Tat in keinem Verhältnis zu den
persönlichen Nachteilen, die dem Beschuldigten bei Nichtbezahlung der Geldstra-
fe drohten. Der Beschuldigte delinquierte sodann bei voller Schuldfähigkeit.
Schliesslich lässt sich nicht sagen, der Beschuldigte habe seine Delinquenz aus
freien Stücken beendet. Fest steht nur, dass die Verhaftung zwangsläufig zur Be-
endigung führte.
2.1.3. Die subjektiven Tatelemente relativieren die objektive Tatschwere nicht.
Es bleibt bei mindestens mittelschwerem Tatverschulden.
2.2 Einsatzstrafe
Für die Tatschwere rechtfertigt sich eine Einsatzstrafe im mittleren Drittel des
Strafrahmens, konkret von 54 Monaten.
3. Raubüberfall auf den R._-Tankstellenshop in I._
3.1. Tatkomponente
3.1.1. Objektive Tatschwere
Im angefochtenen Urteil wird hierzu erwogen (vgl. Urk. 80 S. 31 f.), auch bei den
beiden Raubüberfällen auf Tankstellenshops habe der Mitbeschuldigte H._
jeweils eine täuschend echt aussehende Imitationswaffe verwendet und diese auf
die anwesenden Personen gerichtet. In einem der Tankstellenshops sei während
der Tat eine Verkäuferin, im anderen seien zwei Verkäuferinnen anwesend gewe-
sen. Durch die auf sie gerichtete Waffe seien diese geschockt gewesen, hätten
Angst gehabt oder befürchtet, dass der Täter sie erschiessen würde (Urk. D1/15/1
S. 5; Urk. D2/6/1 S. 4; Urk. D2/5/1 S. 3). Die Dauer dieser Überfälle sei mit je nur
etwa einer Minute kurz gewesen. Die beiden Raubüberfälle auf die Tankstellen-
shops und der Raubüberfall auf die Privatklägerin 3 seien mit einer relativ hohen
Kadenz innerhalb von drei Tagen verübt worden. Der Deliktsbetrag belaufe sich
- 30 -
im Falle der beiden Tankstellenshops auf insgesamt Fr. 1'900.– und € 75.– und
liege damit noch in einem eher geringen Bereich. Auch hier seien wiederum ge-
zielt Tankstellenshops mit weiblichem Personal und somit verletzlichere Opfer
ausgewählt worden. Der Mitbeschuldigte H._ sei dennoch nicht allzu profes-
sionell vorgegangen und habe bereits nach kurzer Zeit und nach erfolgter Zusi-
cherung der Verkäuferinnen, dass nicht mehr Geld vorhanden sei, die Flucht an-
getreten.
Diesen Ausführungen ist auf der ganzen Linie zuzustimmen. Zu ergänzen bleibt,
dass rund 9/10 des Deliktsbetrages auf den R._-Tankstellenshop in I._
entfielen und nur gerade Fr. 200.– im S._-Shop in J._ erbeutet wurden
(Anklageziffer 1.1.1, Urk. 47 S. 3 und Anklageziffer 1.1.3, Urk. 47 S. 8). Weiter ist
jedoch zu bemerken, so dass der erste Raubüberfall in dieser Hinsicht etwas ge-
wichtiger erscheint. Bedenkt man, dass beim Raubüberfall auf den S._-
Tankstellenshop nur eine Verkäuferin anwesend war, was das Erlebte erheblich
einschüchternder werden lässt, und der Mitbeschuldigte H._ seine Forderung
nach Herausgabe von Geld nicht nur mit der auf die Privatklägerin 2 zielenden,
täuschend echt aussehenden Imitationswaffe unterstrich, sondern auch noch
am Schlitten eine Ladebewegung machte (Anklageziffer 1.1.3, Urk. 47 S. 7;
Urk. D1/12/7 S. 8), so erweist sich dieser Raubüberfall im Ergebnis als etwa
gleich schwer wie der erste.
Was die Tatbeiträge des Beschuldigten B._ betrifft, gilt analog das in
Erw. IV. 2.1.1.4. bis 2.1.1.8. hiervor Gesagte. Initiator und hauptsächlicher Orga-
nisator sowie Chauffeur seines jungen Komplizen mit dem auf den nichts ahnen-
den Q._ eingelösten Fahrzeug Renault Mégane war der Beschuldigte, der
sich wiederum feige im Hintergrund hielt und dem Mitbeschuldigten H._ die
konkrete und exponierte Tatausübung überliess. Der Unrechtsgehalt dieser Um-
stände wurde schon im Zusammenhang mit dem Raubüberfall auf die Rentnerin
A._ berücksichtigt und ist hier nicht zusätzlich zu gewichten.
- 31 -
3.1.2 Subjektive Tatschwere
In Bezug auf die subjektive Tatschwere kann vollumfänglich auf die vorstehenden
Ausführungen in Erw. IV.2.1.2. verwiesen werden. Die subjektiven Elemente ver-
ändern die objektive Tatschwere des Beschuldigten nicht.
3.1.3. Einzelstrafe und Asperation zur Einsatzstrafe
Für den Raubüberfall auf den R._-Tankstellenshop wäre bei separater
Betrachtung eine Strafe im Bereich von zwei Jahren gerechtfertigt. Wenn die
Vorinstanz für beide Überfälle auf die Tankstellenshops eine Asperation um total
15 Monate vornimmt (Urk. 80 S. 32), so ist dies deutlich zu gering. Entsprechend
erscheint vorliegend eine Straferhöhung der Einsatzstrafe um 15 Monate auf
69 Monate Freiheitsstrafe für den Raubüberfall auf den R._-Tankstellenshop
dem Verschulden des Beschuldigten unter Berücksichtigung des Asperationsprin-
zips angemessen.
- 32 -
4. Raubüberfall auf den S._-Tankstellenshop in J._
4.1. Tatkomponente
4.1.1. Objektive Tatschwere
Betreffend die Schwere des objektiven Verschuldens des Beschuldigten im Zu-
sammenhang mit dem Raubüberfall auf den S._-Tankstellenshop in J._
kann auf die obenstehenden Erwägungen zum Raubüberfall auf den R._-
Tankstellenshop verwiesen werden: Wie bereits gezeigt entfiel zwar ein deutlicher
geringerer Teil der Deliktssumme auf diesen Raubüberfall; aufgrund der weitaus
gravierenden Nötigungshandlungen des Mitbeschuldigten H._ (Ladebewe-
gung), welche seine Absichten, die anwesende Verkäuferin im Weigerungsfalle zu
verletzen, klar in einem ernsthafteren Licht erscheinen liessen und da sie die ein-
zige Anwesende beim Raubüberfall war, ist gesamthaft von einem gleich grossen
erheblichen Verschulden auszugehen. Angesichts der konkreten Situation ist oh-
ne weiteres verständlich, dass die höchst verängstigte Verkäuferin D._ zu
weinen anfing (Anklageziffer 1.1.3, Urk. 47 S. 8).
4.1.2. Subjektive Tatschwere
In Bezug auf die subjektive Tatschwere kann vollumfänglich auf die vorstehenden
Ausführungen in Erw. IV.2.1.2. verwiesen werden. Die subjektiven Elemente ver-
ändern die objektive Tatschwere des Beschuldigten nicht.
4.1.3. Einzelstrafe und Asperation zur Einsatzstrafe
Für den Raubüberfall auf den S._-Tankstellenshop wäre bei separater Be-
trachtung ebenfalls eine Strafe im Bereich von zwei Jahren gerechtfertigt. Wie be-
reits erwogen erhöhte die Vorinstanz die Einsatzstrafe für beide Raubüberfälle auf
die Tankstellenshops lediglich um total 15 Monate (Urk. 80 S. 32), was deutlich zu
gering ist. Entsprechend erscheint vorliegend eine Straferhöhung der Einsatzstra-
fe ebenfalls um 15 Monate auf 84 Monate Freiheitsstrafe für den Raubüberfall auf
den S._-Tankstellenshop dem Verschulden des Beschuldigten unter Berück-
sichtigung des Asperationsprinzips angemessen.
- 33 -
5. Mehrfacher, teilweise versuchter betrügerischer Missbrauchs einer  im Sinne von Art. 147 Abs. 1 StGB, teilweise in  mit Art. 22 Abs. 1 StGB
5.1. Objektive Tatschwere
Hierzu kann vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ver-
wiesen werden. Es ist mit der Vorinstanz von einem noch leichten Verschulden
auszugehen (Urk. 80 S. 32 f.).
5.2. Subjektive Tatschwere
Die subjektive Tatschwere bewirkt auch bei diesem Delikt keine Änderung des
objektiven Tatverschuldens.
5.3. Asperation der Einsatzstrafe
Eine Asperation um 2 Monate (auch Urk. 80 S. 33) auf 86 Monate ist mit der
Vorinstanz ohne weiteres gerechtfertigt.
Anzufügen ist, dass für dieses Delikt ebenso wie für das mehrfache Vergehen
gegen das Waffengesetz und den Hausfriedensbruch (siehe die nachfolgenden
Erw. IV.5. und IV.6.) grundsätzlich auch eine Geldstrafe möglich wäre. Namentlich
die präventive Effizienz macht jedoch eine Freiheitsstrafe erforderlich. Der Be-
schuldigte weist nämlich fünf Vorstrafen auf, die allesamt mit Geldstrafen geahn-
det wurden (vgl. hiernach Erw. IV. 8). Es kommt hinzu, dass diese weiteren Delik-
te in einem engen zeitlichen, örtlichen und sachlichen Zusammenhang mit den
Raubüberfällen stehen, so dass auch aus diesem Grunde einzig eine Freiheits-
strafe angebracht ist.
- 34 -
6. Mehrfaches Vergehen gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG, in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. g WG und Art. 6 WV
Übereinstimmend mit der Vorinstanz, auf deren diesbezügliche Erwägungen
verwiesen werden kann (Urk. 80 S. 33 f.), erweist sich die Tatschwere bei diesem
Delikt als leicht. Angesichts der mehrfachen Tatbegehung ist es aber – leicht
abweichend zum angefochtenen Urteil – angezeigt, eine Asperation der Einsatz-
strafe um einen ganzen Monat auf 87 Monate vorzunehmen.
7. Hausfriedensbruch
In objektiver Hinsicht hat die Vorinstanz zutreffend festgehalten, dass der Mitbe-
schuldigte H._ sich gegen den Willen der Privatklägerin 3 durch Aufdrücken
der Haustüre gegen den Widerstand der Privatklägerin 3 gewaltsam Zutritt zu de-
ren Haus verschafft hat. Zudem ist er während des Raubüberfalles rund eine hal-
be Stunde in diversen privaten Räumlichkeiten der Privatklägerin 3 verblieben.
Dadurch hat er zwar eine gewisse kriminelle Energie gezeigt, das Verschulden ist
insgesamt aber als noch leicht zu bewerten (Urk. 80 S. 34). Die subjektive
Tatschwere bringt auch hier keine Änderung der Bewertung des objektiven
Tatverschuldens. Es rechtfertigt sich in Übereinstimmung mit der Vorinstanz die
Asperation um einen Monat (vgl. Urk. 80 S. 35) auf nunmehr 88 Monate Freiheits-
strafe.
8. Geringfügige Sachbeschädigung
Für diese Übertretung wurde durch die Vorinstanz angesichts des leichten
Verschuldens eine Busse von Fr. 200.– ausgesprochen (Urk. 80 S. 35 f.). Diese
Sanktion ist ohne Ergänzung zu bestätigen. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den Fall
schuldhaften Nichtbezahlens der Busse ist praxisgemäss auf 2 Tage festzuset-
zen.
9. Täterkomponente
9.1. Biografie
- 35 -
Für den Werdegang und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann
vorab auf die Akten sowie auf die Darstellung im angefochtenen Urteil verwiesen
werden (Urk. D1/12/1 S. 2; D1/12/9 S. 24 ff.; Urk. 65 S. 1-21; Urk. 80 S. 36 f.,
ergänzend S. 41 ff.).
Der heute 35-jährige Beschuldigte wuchs als Einzelkind bei seinen Eltern in
T._ [Staat in Europa] auf, wo diese heute noch leben. Mit ihnen pflegt er
hauptsächlich brieflichen Kontakt. Er verbrachte laut eigenen Angaben eine gute
Kindheit. Nach der Schule absolvierte er eine dreijährige Lehre als Elektromon-
teur, die er aber nicht abschloss. Danach leistete er neun Monate Militärdienst.
Anschliessend arbeitete er als Förster und dann als Plattenleger. Mit seiner ehe-
maligen Ehefrau, U._ geb. V._, die er 2004 in T._ kennenlernte
und 2006 ebenfalls in T._ heiratete, hat er drei Kinder im Alter von derzeit 12,
10 und 4 Jahren. Da die Ehefrau bereits das hiesige Bürgerrecht hatte, zog das
Ehepaar 2006 in die Schweiz. Bis dahin erzielte der Beschuldigte in seiner Heimat
ein regelmässiges Erwerbseinkommen. In der Schweiz war der Beschuldigte zu-
erst arbeitslos und lebte vom Einkommen seiner Ehefrau. Erst 2007 fand er eine
Anstellung als Hilfsgipser. Diese Tätigkeit übte er bei verschiedenen Arbeitgebern
aus, bis er sich 2014 mit dem W._ Gipser- und Malergeschäft selbständig
machte. Er zahlte sich jeweils einen monatlichen Lohn von Fr. 5'000.– aus. 2016
musste seine Firma Konkurs anmelden, da er gemäss seinen Angaben den Lohn
als Unterakkordant in Höhe von Fr. 70'000.– nicht bezahlt bekommen hatte. Da-
nach liess sich der Beschuldigte wieder anstellen. Kurz vor seiner Verhaftung
gründete er die AA._ GmbH, welche wiederum im Baugewerbe tätig sein
sollte aber noch nicht operativ tätig wurde. Von der selbstständigen Erwerbstätig-
keit verspricht sich der Beschuldigte im Vergleich zu einer Anstellung ein doppelt
so hohes Erwerbseinkommen. Die gesamten Schulden des Beschuldigten belau-
fen sich seinen Angaben nach auf ca. Fr. 90'000.– bis Fr. 100'000.–. Er befindet
sich aufgrund der heute zu beurteilenden Straftaten seit dem 6. Juni 2018 im vor-
zeitigen Strafvollzug.
Seit 2017 führt der Beschuldigte eine aussereheliche Beziehung mit M._, die
ihrerseits vier Kinder hat und alleinerziehend ist. Mit ihr zusammen sieht der Be-
- 36 -
schuldigte seine Zukunft und nicht mit seiner Ehefrau. M._ besucht den Be-
schuldigten im Strafvollzug. Auch seine Mutter kam ihn im Gefängnis in AB._
besuchen, während sein Vater ihn einmal in AC._ besuchte. Seine Ehefrau
und seine Kinder besuchten den Beschuldigten letztmals vor ca. zwei Jahren. Als
Grund gab der Beschuldigte an, er habe nicht mehr gewollt, dass die Kinder wei-
terhin den Vater hinter Gittern sehen. Das sei vor allem für seinen ältesten Sohn
nicht schön gewesen. Er hatte rund 7 oder 8 Monate vor der Berufungsverhand-
lung letztmals Kontakt zu seinen leiblichen Kindern über eine Familienberatungs-
stelle in AC._. Als seine Ehefrau nach der Verhaftung von der Fremdbezie-
hung erfuhr, hat sie laut Aussage des Beschuldigten "stürmisch reagiert" bzw.
nicht glauben können, dass er das getan habe (Urk. 65 S. 10, 21). Dass die Ehe-
frau nicht nur über die Verhaftung erschüttert war, ergibt sich auch aus ihrer poli-
zeilichen Befragung (Urk. D1/20/6 S. 3 f.). Bis vor seiner Verhaftung wohnte der
Beschuldigte noch mit seiner Ehefrau und den drei gemeinsamen Kindern in
AD._. Gemäss Aussagen des Beschuldigten wurde die Ehe zu seiner ehe-
maligen Ehefrau per Ende Januar 2020 geschieden. Die frühere Ehefrau ist aktu-
ell nicht erwerbstätig. Sie und die Kinder leben von der Sozialhilfe. Der monatliche
Mietzins der Wohnung in AD._ beträgt Fr. 1'940.–. Auch seine derzeitige Le-
benspartnerin ist gemäss Aussagen des Beschuldigten arbeitslos, jedoch auf der
Suche nach einer Arbeitsstelle (Urk. 106 S. 2 ff.).
Diese Biografie ist strafzumessungsneutral zu bewerten.
9.2. Vorstrafen
Der Beschuldigte hat in den fünf Jahren vor der Verhaftung aufgrund der vorlie-
gend zu beurteilenden Delikte fünf Vorstrafen erwirkt, nämlich wegen Irreführung
der Rechtspflege, Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewil-
ligung, Veruntreuung sowie zweimal wegen Nichtabgabe von Ausweisen und/oder
Kontrollschildern. Dafür wurde er jeweils mit Geldstrafen sanktioniert, welche im
Ergebnis allesamt vollzogen werden mussten. Weitere Einzelheiten hierzu erge-
ben sich aus dem vorinstanzlichen Urteil (Urk. 80 S. 37 f.; ferner Urk. 85). Obwohl
nicht einschlägig und noch nicht von gravierender Delinquenz, zeugen diese Vor-
strafen von einer gewissen Unbelehrbarkeit. Das zeigt auch die relativ dichte Ab-
- 37 -
folge der diesen Vorstrafen zugrunde liegenden Verstösse gegen die hiesige
Rechtsordnung. Die Vorstrafen sind jedenfalls mässig straferhöhend zu gewich-
ten.
9.3. Nachtatverhalten
Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und im Straf-
verfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten eines
Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wirken
strafmindernd (z.B. Urteil des Bundesgerichts 6B_312/2016 vom 23.Juni 2016 E.
1.3.2 mit Hinweis auf BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Was das Geständnis angeht, so
hängt der Grad der Strafminderung insbesondere davon ab, in welchem Stadium
des Verfahrens dieses erfolgte. Ein Verzicht auf Strafminderung ist zulässig, wenn
das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich weil der Täter
nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder gar erst nach Ausfällung des
erstinstanzlichen Urteils geständig geworden ist (Urteil des Bundesgerichts vom
21. November 2011 6B_558/2011 E. 2.3). Die bundesgerichtliche Praxis zeigt,
dass nur ein ausgesprochen positives Nachtatverhalten zu einer maximalen Straf-
reduktion von einem Drittel führen kann. Zu einem solchen gehört ein umfassen-
des Geständnis von allem Anfang an und aus eigenem Antrieb, also nicht erst auf
konkrete Vorwürfe hin oder nach Vorlage entsprechender Beweise. Ferner gehört
kooperatives Verhalten in der Untersuchung dazu. Schliesslich zählt Einsicht ins
Unrecht der Tat und aufrichtige Reue dazu. Nur wenn all diese Faktoren erfüllt
sind, kann eine Strafreduktion von einem Drittel erfolgen. Fehlen einzelne Ele-
mente, ist die Strafe entsprechend weniger stark zu mindern (BSK StGB I-
WIPRÄCHTIGER/ KELLER, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 47 N 169 ff.; Trechsel/Thommen,
in: Trechsel/ Pieth, Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Aufla-
ge, Zürich/ St. Gallen 2018 Art. 47 N 22 und 24).
Der Beschuldigte hat rund drei Monate nach seiner Verhaftung anlässlich der
Konfrontationseinvernahme vom 25. Mai 2018 ein vollständiges Geständnis abge-
legt. Dieses erfolgte aber nicht aus freien Stücken, sondern hauptsächlich auf-
grund der erdrückenden Beweislage angesichts der glaubhaften Aussagen des
Mittäters H._.
- 38 -
Was die Einsicht in das Unrecht seiner Taten betrifft, verbleiben einige Zweifel.
Der Beschuldigte tat sich noch vor Vorinstanz offensichtlich schwer, vorbehaltlos
die Verantwortung für die Taten zu übernehmen, schob er doch anhaltend die Ini-
tiative dazu auf den halbwüchsigen Mitbeschuldigten H._, unter anderem mit
den Worten: "Er kam auf mich zu" (Urk. 65 S. 23) oder "Er war derjenige, der mich
fragte, ob wir etwas tun könnten", ferner "Ich bin kein Krimineller. Ich mache keine
kriminellen Tätigkeiten." (Urk. 65 S. 27). Entsprechendes gab er auch anlässlich
der Berufungsverhandlung erneut zu verstehen (Urk. 106 S. 12 f.). Bedenkt man
zudem, dass es eingestandenermassen der dringende Geldbedarf des Beschul-
digten war, der Anlass zu den Raubüberfällen gab und dass der Beschuldigte
dementsprechend den Löwenanteil der Raubbeute einstrich, so kann ihm nur ge-
ringe Einsicht in das getane Unrecht zugebilligt werden. Damit einher gehen im
Übrigen seine Stellungnahmen auf Vorhalt seiner Vorstrafen anlässlich der
Schlusseinvernahme und auch noch im erstinstanzlichen Verfahren, ohne dass
dies zusätzlich zu gewichten ist. Die Vorstrafen beruhen nach seinem Dafürhalten
alle auf Missverständnissen. Er sei nicht kriminell. Er sei unschuldig. Er habe
nichts gemacht (Urk. D1/12/9 S. 24 f.; Urk. 65 S. 15).
Immerhin hat sich der Beschuldige bei der Privatklägerin 3 für das ihr angetane
Leid in einem undatierten Schreiben entschuldigt, jedoch nicht ohne relativierend
zu betonen, dass er persönlich die Tat nicht begangen habe (Urk. 61/2 =
Urk. D1/12/8). Auch hat der Beschuldigte anlässlich der Gerichtsverhandlungen
mehrfach sein Bedauern und seine Reue bekundet (vgl. auch Prot. II. S. 15).
Das Nachtatverhalten ist insgesamt merklich strafmindernd zu berücksichtigen.
9.4. Strafempfindlichkeit
Es ist keine besondere Strafempfindlichkeit des Beschuldigten ersichtlich, die bei
der Strafzumessung zu berücksichtigen wäre. Der Beschuldigte ist weder krank
noch alt. Eine Verurteilung zu einem Freiheitsentzug führt in der Regel immer da-
zu, dass der Täter aus dem familiären oder beruflichen Umfeld herausgerissen
wird, was mit einer gewissen Härte verbunden, aber vom Gesetzgeber gewollt
und in Kauf zu nehmen ist.
- 39 -
9.5. Fazit Täterkomponente
Die strafmindernden Faktoren überwiegen die straferhöhenden noch. Es rechtfer-
tigt sich eine Reduktion der aufgrund des Tatverschuldens festgelegten Strafe von
88 Monaten um etwas mehr als zehn Prozent auf 78 Monate.
9.6. Beschleunigungsgebot
9.6.1. Das Beschleunigungsgebot (Art. 5 StPO, Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6
Ziff. 1 EMRK) verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren voranzutreiben, um
die beschuldigte Person nicht unnötig über die gegen sie erhobenen Vorwürfe im
Ungewissen zu lassen. Es gilt für das ganze Verfahren. Welche Verfahrensdauer
angemessen ist, hängt von den konkreten Umständen ab, die in ihrer Gesamtheit
zu würdigen sind. Kriterien sind etwa die Schwere des Tatvorwurfs, die Komplexi-
tät des Sachverhalts, die gebotenen Untersuchungshandlungen, die Schwierigkeit
und Dringlichkeit der Sache, das Verhalten der beschuldigten Person und dasje-
nige der Behörden sowie die Zumutbarkeit für die beschuldigte Person. Die Beur-
teilung der Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Von den Behörden und
Gerichten kann nicht verlangt werden, dass sie sich ständig einem einzigen Fall
widmen. Aus diesem Grund sowie wegen faktischer und prozessualer Schwierig-
keiten sind Zeiten, in denen das Verfahren stillsteht, unumgänglich. Wirkt keiner
dieser Verfahrensunterbrüche stossend, ist eine Gesamtbetrachtung vorzuneh-
men. Dabei können Zeiten mit intensiver behördlicher oder gerichtlicher Tätigkeit
andere Zeitspannen kompensieren, in denen aufgrund der Geschäftslast keine
Verfahrenshandlungen erfolgten. Eine Sanktion drängt sich nur auf, wenn eine
von der Strafbehörde zu verantwortende krasse Zeitlücke zu Tage tritt. Dazu ge-
nügt es nicht, dass diese oder jene Handlung etwas rascher hätte vorgenommen
werden können (Urteil des Bundesgerichts 6B_176/2017 vom 24. April 2017
E. 2.1.).
9.6.2. Mit Ausnahme der langen Dauer von der erstinstanzlichen Urteilseröff-
nung im Dispositiv am 12. April 2019 bis zur Zustellung des begründeten Urteils
am 5. März 2020 (Urk. 66 und Urk. 78) sind vorliegend keine grösseren Bearbei-
tungslücken auszumachen. Obschon die Vorinstanz während der Zeit der Be-
- 40 -
gründung auch über ein Entlassungsgesuch des Beschuldigten aus dem vorzeiti-
gen Strafvollzug zu befinden hatte (Urk. 71 und Urk. 77), überschritt sie die ge-
setzlich vorgesehene Frist für die Begründung eines Urteils von zwei bzw. in
Ausnahmefällen von drei Monaten erheblich (Art. 84 Abs. 4 StPO). Diesem Um-
stand gilt es vorliegend durch eine wohlwollende Reduktion der Strafe im Umfang
von 6 Monaten auf gesamthaft 72 Monate bzw. 6 Jahre Freiheitsstrafe Rechnung
zu tragen.
10. Fazit Strafzumessung
Der Beschuldigte ist mit einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren sowie mit einer Busse
von Fr. 200.– zu bestrafen. Die bis und mit heute erstandenen 1067 Tage Unter-
suchungshaft und vorzeitiger Strafvollzug sind auf diese Strafe anzurechnen
(Art. 51 StGB).
11. Vollzug
Bei dieser Höhe der Freiheitsstrafe ist ein bedingter oder teilbedingter Strafvollzug
schon aus objektiven Gründen ausgeschlossen (Art. 42 Abs. 1 und 43 Abs. 1
StGB). Die Busse ist von Gesetzes wegen zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB).
V. Landesverweisung
1. Die Landesverweisung als solche ist von keiner Partei angefochten. Strittig
ist deren Dauer. Die Staatsanwaltschaft beantragt 10 statt 7 Jahre (Urk. 81).
2. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung soll die Dauer der Lan-
desverweisung in einem adäquaten Verhältnis zur Dauer der ausgefällten Frei-
heitsstrafe stehen (Urteil des Bundesgerichts 6B_549/2019 vom 29. Mai 2019
E. 3; BGE 123 IV 107 E. 3). Das ergibt sich auch aus dem in der Bundesverfas-
sung verankerten Verhältnismässigkeitsprinzip (Art. 5 Abs. 2 BV; Art. 36 Abs. 2
und 3 BV). Da vorliegend mit 6 Jahren eine Freiheitsstrafe etwas oberhalb der
Mitte des Strafrahmens, der von 6 Monaten bis 10 Jahre Freiheitsstrafe reicht,
auszusprechen ist, hat dies auch für die Landesverweisung mit einer möglichen
- 41 -
Dauer von 5 bis 15 Jahren (Urk. 66a Abs. 1 StGB Ingress) zu gelten. Die Landes-
verweisung ist damit auf 10 Jahre festzusetzen. Das Sicherungsbedürfnis der
Schweiz rechtfertigt dies ohne Weiteres.
VI. Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS)
1. Die Vorinstanz hielt in ihren Erwägungen fest, dass grundsätzlich eine Aus-
schreibung der Landesverweisung gegen Drittstaatenangehörige im Schengener
Informationssystem (SIS) zu erfolgen habe; vorliegend sei jedoch davon abzuse-
hen, zumal für den mehrfachen Raub keine Mindest-Freiheitsstrafe von einem
Jahr vorgesehen und überdies nicht von einer Gefährdung der öffentlichen Si-
cherheit und Ordnung in den Hoheitsgebieten der Mitgliedstaaten des Schengen-
Raums auszugehen sei (Urk. 80 S. 45 f.). Die Vorinstanz unterliess es jedoch,
den Verzicht auf die Ausschreibung der Landesverweisung im SIS im Dispositiv
festzuhalten.
2. Nachdem die Parteien anlässlich der Berufungsverhandlung auf diesen
Umstand hingewiesen wurden, beantragte die Staatsanwaltschaft, dass die
Landesverweisung im Schengener Informationssystem auszuschreiben sei
(Urk. 106 S. 14; Prot II. S. 7 und 11). Die amtliche Verteidigung hielt in Anbetracht
des weggefallenen Motivs des Beschuldigten, der Gewaltfreiheit bei den Delikten
und des Bagatellcharakters seiner Vorstrafen dagegen, dass vom Beschuldigten
keine Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit ausgehe, weshalb auf ei-
ne Ausschreibung im SIS zu verzichten sei (Prot. II. S. 14).
3. Gemäss neuster bundesgerichtlicher Rechtsprechung hat das Berufungs-
gericht die Ausschreibung der Landesverweisung dann von Amtes wegen zu prü-
fen und bei Vorliegen der Voraussetzungen vorzunehmen, wenn sich die erste In-
stanz hierzu nicht geäussert hat und das erstinstanzliche Urteil somit eine Lücke
aufweist (BGE 146 IV 172 E. 3.3.5.). Vorliegend hat die Vorinstanz, wenn auch
nicht im Urteilsdispositiv wiedergegeben, entschieden, dass von einer Ausschrei-
bung abzusehen sei. Die entsprechende Anordnung der Vorinstanz wurde von
der Staatsanwaltschaft in ihrer Berufungserklärung nicht angefochten bzw. wurde
- 42 -
von ihr kein Antrag auf Ausschreibung der Landesverweisung gestellt (Urk. 81).
Da der Umfang der Berufung in der Berufungserklärung verbindlich anzugeben ist
und sich die Überprüfungsbefugnis des Berufungsgerichts in diesen Punkten er-
schöpft (Art. 399 Abs. 3 und 4 StPO), erfolgte der Antrag der Staatsanwaltschaft
auf Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem an-
lässlich der Berufungsbegründung verspätet. Es hat daher vorliegend bei der vo-
rinstanzlichen Regelung sein Bewenden.
4. Aufgrund des Gesagten ist vorliegend von einer Ausschreibung der Landes-
verweisung im Schengener Informationssystem SIS abzusehen.
VII. Genugtuungsforderung der Privatklägerin 3
1. Zu den theoretischen Voraussetzungen kann auf das vorinstanzliche Urteil
verwiesen werden (Urk. 80 S. 47 f.)
2. Die Vorinstanz sprach der Privatklägerin 3 mit der nachstehenden Begrün-
dung eine Genugtuung von Fr. 5'000.– samt Zins zu.
Die Privatklägerin 3 habe durch das Geschehene zweifelsohne grosse Ängste
ausgestanden. Sie sei in ihrem Privathaus vom Mitbeschuldigten H._ wäh-
rend einer halben Stunde an Leib und Leben bedroht worden. Sowohl in zeitlicher
als auch in qualitativer Hinsicht sei die Persönlichkeitsverletzung der Privatkläge-
rin 3 als erheblich zu bewerten. Dass ein solcher Vorfall Spuren hinterlasse und
bei der Betroffenen auch noch geraume Zeit danach eine Beeinträchtigung in ih-
rem Sicherheitsgefühl verursache, sei nachvollziehbar und verständlich. Insbe-
sondere aber im Vergleich mit in ähnlich gelagerten Fällen gesprochenen Genug-
tuungssummen erscheine angesichts der Art und der Schwere der psychischen
Beeinträchtigung der Privatklägerin und der Intensität und der Dauer der Auswir-
kungen auf ihre Persönlichkeit eine Genugtuungssumme von Fr. 25'000.– als zu
hoch (vgl. BAUMANN/ANABITARTE/MÜLLER GMÜNDER, Genugtuungspraxis Opferhil-
fe, in: Jusletter, 1. Juni 2015, S. 31 f.). Angemessen erscheine, den Beschuldigten
zu verpflichten, der Privatklägerin 3 eine Genugtuung von Fr. 5'000.– zu bezah-
- 43 -
len, zuzüglich 5 % Zins seit dem Vorfall, mithin dem 14. Februar 2018. Im Mehr-
betrag verwies die Vorinstanz die Privatklägerin 3 mit ihrem Genugtuungsbegeh-
ren auf den Zivilweg.
3. Mit ihrer Anschlussberufung liess die Privatklägerin 3 wie schon vor
Vorinstanz den Antrag stellen, es sei ihr eine Genugtuung von Fr. 25'000.–
zuzusprechen (Urk. 97). Ihr Vertreter begründete dies im Wesentlichen damit, die
Vorinstanz habe bei der Bemessung der Genugtuung die Höhe des Verschuldens
des Beschuldigten so gut wie unberücksichtigt gelassen. Zudem habe das
"Entschuldigungsscheiben" des Beschuldigten angesichts von dessen beschöni-
gender Hervorhebung, die Tat gar nicht persönlich verübt zu haben, bei der Pri-
vatklägerin 3 zu keiner Linderung der von ihr erlittenen immateriellen Unbill ge-
führt (Urk. 97 S. 2 f.).
4. Anknüpfend an die Erwägungen der Vorinstanz, welche die Persönlichkeits-
verletzung der Privatklägerin 3 sowohl in zeitlicher als auch in qualitativer Hinsicht
zutreffend als erheblich bewertete (Urk. 80 S. 49), ist festzuhalten, dass die Pri-
vatklägerin 3 während des Tatgeschehens Herzrasen hatte, sich sehr bedroht
fühlte und verängstigt war, zumal der Beschuldigte immer wieder sagte, dass die
Waffe "scharf" sei. Insbesondere als der Mitbeschuldigte H._ das Rohr der
Waffe gegen ihren Kopf richtete, wobei dieses der Stirne sehr nahe kam, befürch-
tete sie, dass er abdrücken und sie dann tot sein könnte (Urk. D3/3/1 Fragen 39
und 57 f.; Urk. D3/3/2 Fragen 23 und 39). Gemäss ihren Darlegungen ist der Mit-
beschuldigte H._ ihr körperlich stark überlegen gewesen sowie nervös und
unter einem enormen Druck stehend. Zudem machte er auf sie einen hasserfüll-
ten Eindruck (Urk. D3/3/1 Frage 46; Urk. D3/3/2 Fragen 44 ff.). Für die Dauer des
Raubüberfalls, der sich über ca. eine halbe Stunde und damit über eine beträcht-
liche Zeitspanne erstreckte, war die Privatklägerin 3 offensichtlich der Willkür der
unberechenbaren Täterschaft ausgesetzt. Es kann durchaus von einem Martyri-
um gesprochen werden. Körperliche Beeinträchtigungen erlitt die Privatklägerin 3
keine. Hinsichtlich späterer Auswirkungen bzw. Tatfolgen gelang es der Privatklä-
gerin 3 glücklicherweise, sich relativ schnell vom Erlebten zu erholen. Soweit er-
sichtlich, konnte sie – abgesehen von zusätzlichen Vorsichtsmassnahmen und
- 44 -
dem zwischenzeitlichen Auszug aus der besagten Liegenschaft – ihre gewohnte
Lebensqualität grundsätzlich wiedererlangen. Dank Unterstützung in Familie und
Freundeskreis benötigte sie im Nachgang jedenfalls keine fachliche Beratung o-
der Behandlung (Urk. D3/3/2 Fragen 56 ff.). Zum Grad des Verschuldens des Be-
schuldigten, das als zumindest mittelschwer zu würdigen ist, kann vollumfänglich
auf die Erwägungen unter IV.2.1. hiervor verwiesen werden.
In Anbetracht der erwähnten Bemessungsfaktoren erweist sich die erstinstanzlich
ausgesprochene Genugtuungssumme als etwas zu tief. Es rechtfertigt sich eine
Erhöhung auf Fr. 7'000.–. Der Beschuldigte ist daher zu verpflichten, der Privat-
klägerin 3 eine Genugtuung von Fr. 7'000.– zu bezahlen, zuzüglich 5 % Zins seit
dem 14. Februar 2018. Eine grössere Unbill blieb im vorliegenden Verfahren un-
belegt, weshalb die Privatklägerin 3 mit ihrem Genugtuungsbegehren im Mehrbe-
trag auf den Zivilweg zu verweisen ist.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Verfahrensausgang ist die erstinstanzliche Kostenauflage ge-
mäss Dispositivziffer 13 Abs. 2 zu bestätigen.
2. Die Gerichtsgebühr für das zweitinstanzliche Verfahren ist auf Fr. 3'600.–
festzusetzen. Der Beschuldigte unterliegt auch im Berufungsverfahren mit seinen
Anträgen. Die Staatsanwaltschaft dringt mit ihren Anträgen teilweise durch, wäh-
rend die Privatklägerin 3 mit ihrer Anschlussberufung betreffend Genugtuung,
welche eher wenig Aufwand verursachte, geringfügig Erfolg hat. Entsprechend
dem Ausgang des Verfahrens rechtfertigt es sich, die Kosten des Berufungsver-
fahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, zu drei Viertel
dem Beschuldigten aufzuerlegen. Aufgrund ihres teilweisen Unterliegens wäre
grundsätzlich eine teilweise Kostenauflage zulasten der Privatklägerin 3 ins Auge
zu fassen; dies wäre im vorliegenden Fall jedoch unbillig und es ist daher darauf
zu verzichten. Im Übrigen Umfang (ein Viertel) sind die Kosten des Berufungsver-
fahren, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, auf die Gerichts-
kasse zu nehmen.
- 45 -
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind unter Vorbehalt der Rückzahlungs-
pflicht nach Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von drei Vierteln einstweilen und im
Umfang von einem Viertel definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.
3. Der amtliche Verteidiger machte für das Berufungsverfahren einen Aufwand
von 58.35 Stunden geltend und reichte eine Honorarnote für Aufwendungen und
Auslagen in der Höhe von Fr. 14'239.80 (inkl. MwSt.) ein (Urk. 111). Dieser Auf-
wand erscheint in Anbetracht der eher geringen Schwierigkeit des Falles aufgrund
des grösstenteils eingestandenen Sachverhalts sowie auch aufgrund des gerin-
gen Aktenumfangs als überhöht. Der Wichtigkeit und der Komplexität des Falles
sowie dem Aktenumfang erscheint eine Entschädigung des amtlichen Verteidi-
gers von pauschal Fr. 10'000.– (inkl. MwSt.) angemessen, weshalb diese ent-
sprechend festzusetzen ist.
4. Der Beschuldigte hat der Privatklägerin 3 für ihre Rechtsvertretung im Beru-
fungsverfahren eine reduzierte Prozessentschädigung zu bezahlen. Der Vertreter
der Privatklägerin 3 macht im Berufungsverfahren Aufwendungen und Auslagen
in der Höhe von 9'542.97 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 109). Diese sind ausgewie-
sen und erscheinen angemessen. Da die Privatklägerin 3 mit ihrem Antrag auf
Zusprechung einer höheren Genugtuung jedoch grösstenteils unterliegt, erscheint
eine reduzierte Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 1'500.– angemessen
und ist entsprechend festzusetzen.
5. Für die beantragte Entschädigung des Beschuldigten besteht bei diesem
Verfahrensausgang kein Raum.
- 46 -