# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 14415052-702f-4a11-bde4-4e7fba58c257
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Die türkischen Staatsangehörigen kurdischer Ethnie A._ (geb. 1. Januar 1980) und
B._ (geb. 1. Dezember 1983) sind miteinander verheiratet und reisten am 12. Juli 2006
bzw. am 6. August 2006 in die Schweiz ein. Das Ehepaar hat die gemeinsamen Kinder
C._ (geb. 30. Juni 2008) und D._ (4. Februar 2010). Bis zum 11. April 2011 verfügten
A._ und B._ über den Ausweis für Asylsuchende (nachfolgend: N-Ausweis); danach
erhielten sie die Aufenthaltsbewilligung B. Seit dem 14. September 2011 besitzen sie
die Niederlassungsbewilligung C. A._ ist bei der Spielgruppe "M._" in X._ engagiert,
B._ arbeitet bei der N._ AG in Y._. Seit 1. August 2011 wohnt die Familie in X._
(act. 8/05/1).
B. Am 2. Januar 2018 stellten A._ und B._ unter Einbezug der gemeinsamen Kinder
bei der politischen Gemeinde X._ ein Gesuch um ordentliche Einbürgerung
(act. 8/05/1). Mit Verfügung vom 9. Mai 2018 trat die politische Gemeinde X._ auf das
Gesuch mangels erfüllter formeller Voraussetzungen nicht ein. Zur Begründung wurde
ausgeführt, die Aufenthaltsdauer mit der Bewilligung N sei nicht anrechenbar, weshalb
der Aufenthalt von A._ und B._ in der Schweiz weniger als zehn Jahre betrage
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(act. 8/05/8). Den dagegen erhobenen Rekurs wies das kantonale Departement des
Innern mit Entscheid vom 5. Juni 2019 ab (act. 2).
C. A._ und B._ (Beschwerdeführer) erhoben für sich und ihre Kinder gegen den am
7. Juni 2019 zugestellten Entscheid des Departements des Innern (Vorinstanz) mit
Eingabe vom 21. Juni 2019 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie beantragten,
unter Kostenfolge und Erstattung einer Umtriebsentschädigung sei der
Rekursentscheid aufzuheben und die politische Gemeinde X._ (Beschwerdegegnerin)
anzuweisen, auf das Einbürgerungsgesuch einzutreten; allenfalls sei die Streitsache zur
Sachverhaltsergänzung und Neubeurteilung zurückzuweisen (act. 1). Mit
Vernehmlassung vom 16. Juli 2019 beantragte die Vorinstanz die Abweisung der

## Considerations

Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid (act. 7). Am 19. Juli 2019 reichten die Beschwerdeführer unaufgefordert ein
weiteres Schreiben ein (act. 10). Die Beschwerdegegnerin beantragte in ihrer
Vernehmlassung vom 7. August 2019, die Beschwerde sei abzuweisen, wobei sie an
ihren bisherigen Vorbringen und Ausführungen vollumfänglich festhielt (act. 12). Die
Beschwerdeführer behielten mit Eingabe vom 13. August 2019 das letzte Wort
(act. 14).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Die
Beschwerdeführer – ihre beiden noch minderjährigen Kinder, welche kein
eigenständiges Gesuch gestellt haben, gelten in das Gesuchsverfahren miteinbezogen
(vgl. Art. 30 f. des Bundesgesetzes über das Schweizer Bürgerrecht,
Bürgerrechtsgesetz, SR 141.0, BüG; Art. 11 Abs. 1 des Gesetzes über das St. Galler
Bürgerrecht, sGS 121.1, BRG) – sind zur Anfechtung des vorinstanzlichen Entscheids
legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom
bis
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21. Juni 2019 erfolgte rechtzeitig. Sie erfüllt sowohl formal, als auch inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
VRP). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
2.1. Das Einbürgerungsverfahren ist dreistufig. Voraussetzung zur Erlangung des
Schweizer Bürgerrechts ist die Erteilung des Gemeinde- und Ortsbürgerrechts, des
Kantonsbürgerrechts und der eidgenössischen Einbürgerungsbewilligung. Dabei
müssen auf jeder Ebene sowohl formelle (namentlich Wohnsitzjahre) als auch materielle
Einbürgerungsvoraussetzungen (insbesondere die Integration) erfüllt sein. Selbst bei
Vorliegen sämtlicher Voraussetzungen besteht indes noch kein bundesrechtlicher
Rechtsanspruch auf Einbürgerung (R. Kiener, in: Biaggini/Gächter/Kiener [Hrsg.],
Staatsrecht, 2. Aufl. 2015, N 24 zu § 28 - § 29). Besitzt eine Gesuchstellerin oder ein
Gesuchsteller keinen Anspruch auf Einbürgerung, ist die Gemeinde zur Aufnahme in
das Bürgerrecht berechtigt, nicht aber verpflichtet. Der Gemeinde kommt damit in
diesem Bereich Autonomie zu. Die kantonalen Behörden haben den der Gemeinde bei
Einbürgerungsentscheiden zukommenden Ermessensspielraum zu wahren und dürfen
einzig eingreifen, wenn die Gemeinde ihr Ermessen nicht pflichtgemäss, das heisst in
Widerspruch zum Sinn und Zweck der Bürgerrechtsgesetzgebung, ausübt (vgl. BGer
1D_5/2010 vom 30. August 2010 E. 3.2.3 f. mit weiteren Hinweisen; vgl. zum Ganzen
auch die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz in E. 2 des angefochtenen
Entscheids, auf die – anstelle von Wiederholungen – verwiesen wird).
2.2. Art. 38 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101,
BV) regelt die Zuständigkeiten von Bund und Kantonen beim Erwerb und Verlust des
Bürgerrechts. Nach Art. 38 Abs. 2 BV erlässt der Bund Mindestvorschriften über die
Einbürgerung von Ausländerinnen und Ausländern durch die Kantone und erteilt die
Einbürgerungsbewilligung. Abs. 2 ergänzt Abs. 1, wonach der Bund den Erwerb und
Verlust der Bürgerrechte durch Abstammung, Heirat und Adoption sowie den Verlust
aus anderen Gründen und die Wiedereinbürgerung regelt. Abs. 2 betrifft damit in erster
Linie die ordentliche Einbürgerung, um die es auch im vorliegenden Fall geht (BGer
1D_3/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2).
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2.3. Für die ordentliche Einbürgerung verlangt das Bundesrecht in formeller Hinsicht
zum einen, dass die bewerbende Person bei der Gesuchstellung eine
Niederlassungsbewilligung besitzt; zum andern, dass sie einen Aufenthalt von
insgesamt zehn Jahren in der Schweiz nachweist, wovon drei in den letzten fünf Jahren
vor Einreichung des Gesuchs (Art. 9 Abs. 1 BüG). Nach Art. 33 Abs. 1 BüG wird an die
Aufenthaltsdauer angerechnet der Aufenthalt in der Schweiz mit Aufenthaltstitel in
Form einer Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung (lit. a), einer vorläufigen
Aufnahme, wobei die Aufenthaltsdauer diesfalls zur Hälfe angerechnet wird (lit. b), oder
einer vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten ausgestellten
Legitimationskarte oder eines vergleichbaren Aufenthaltstitels (lit. c). Auf kantonaler
Ebene bestimmt Art. 9 BRG, dass Ausländerinnen und Ausländer, die über eine
Niederlassungsbewilligung verfügen (Art. 34 des Bundesgesetzes über die
Ausländerinnen und Ausländer und über die Integration, Ausländer- und
Integrationsgesetz, SR 142.20, AIG), ein Gesuch um Erteilung des Gemeinde- und
Kantonsbürgerrechts stellen können, wenn sie fünf Jahre ununterbrochen im Kanton
und in der politischen Gemeinde wohnen. Für die Feststellung, ob gesuchstellende und
in die Einbürgerung einbezogene Personen die Voraussetzungen der Wohnsitzdauer
erfüllen, ist der Zeitpunkt der Einreichung des Einbürgerungsgesuchs massgebend
(Art. 1 BRV).
3. Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführer im Besitz einer
Niederlassungsbewilligung sind, nachdem sie seit dem 1. August 2011, mithin seit
mehr als fünf Jahren, ununterbrochen in der politischen Gemeinde X._ wohnen. Die
Vorgaben von Art. 9 Abs. 1 lit. a BüG und Art. 9 BRG sind somit erfüllt. Strittig ist
dagegen, ob der N-Ausweis als Aufenthaltstitel an die Aufenthaltsdauer anzurechnen
ist, da die Beschwerdeführer bejahendenfalls die formelle Voraussetzung der
zehnjährigen Aufenthaltsdauer in der Schweiz gemäss Art. 9 Abs. 1 lit. b BüG erfüllen.
3.1. Ausgangspunkt jeder Auslegung bildet der Wortlaut der Bestimmung. Ist der Text
nicht ganz klar und sind verschiedene Auslegungen möglich, so muss nach seiner
wahren Tragweite gesucht werden unter Berücksichtigung aller Auslegungselemente,
namentlich von Sinn und Zweck sowie der dem Text zugrundeliegenden Wertung.
Wichtig ist ebenfalls der Sinn, der einer Norm im Kontext zukommt. Vom klaren, d.h.
eindeutigen und unmissverständlichen Wortlaut darf nur ausnahmsweise abgewichen
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werden, wenn triftige Gründe dafür vorliegen, dass der Wortlaut nicht den wahren Sinn
der Bestimmung wiedergibt. Solche Gründe können sich aus der
Entstehungsgeschichte der Bestimmung, aus ihrem Sinn und Zweck oder aus dem
Zusammenhang mit andern Vorschriften ergeben (BGE 140 II 129 E. 3.2). Eine
historisch orientierte Auslegung ist für sich allein nicht entscheidend; anderseits
vermag aber nur sie die Regelungsabsicht des Gesetzgebers (die sich insbesondere
aus den Materialien ergibt) aufzuzeigen, welche wiederum zusammen mit den zu ihrer
Verfolgung getroffenen Wertentscheidungen verbindliche Richtschnur des Gerichts
bleibt, auch wenn es das Gesetz mittels teleologischer Auslegung oder
Rechtsfortbildung veränderten, vom Gesetzgeber nicht vorausgesehenen Umständen
anpasst oder es ergänzt (BGer 4A_241/2016 vom 19. September 2017 E. 3).
3.2. Art. 9 Abs. 1 lit. b BüG ist im Zusammenhang mit Art. 33 BüG zu sehen. Die
Vorinstanz hat sich damit im angefochtenen Entscheid ausführlich auseinandergesetzt
(vgl. E. 5.3 des angefochtenen Entscheids) und darin zu Recht erkannt, dass die
Gliederung des ersten Kapitels des zweiten Titels des BüG ("Erwerb durch
behördlichen Beschluss") keinen anderen Schluss zulässt, als dass die im vierten
Abschnitt geregelten gemeinsamen Bestimmungen (Art. 30 - 36 BüG) auf die
vorangehenden drei Abschnitte – und damit auch auf den ersten Abschnitt der
ordentlichen Einbürgerung (Art. 9 - 19 BüG) – Anwendung finden.
3.2.1. Der Wortlaut von Art. 33 Abs. 1 lit. a BüG, wonach an die Aufenthaltsdauer der
Aufenthalt in der Schweiz mit Aufenthaltstitel in Form einer Aufenthalts- oder
Niederlassungsbewilligung angerechnet wird, ist klar und unmissverständlich. Ein N-
Ausweis als Aufenthaltstitel wiederum stellt offenkundig keine Aufenthaltsbewilligung
im verlangten Sinne dar. Nachdem ein Asylsuchender sein Gesuch eingereicht hat, ist
und bleibt er bis zum Abschluss des Asylverfahrens lediglich vor der Wegweisung
geschützt. Dieses Recht auf Anwesenheit wird mit dem N-Ausweis bescheinigt. Der
Ausweis, der zunächst auf sechs Monate befristet, jedoch bei längerdauernden
Asylverfahren regelmässig verlängert wird, stellt folglich keine fremdenpolizeiliche
Bewilligung im Sinne der verlangten Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung dar.
Es handelt sich vielmehr um einen prozessualen Aufenthaltstitel, gestützt auf welchen
sich Asylsuchende in der Schweiz aufhalten dürfen, bis das Asylverfahren
abgeschlossen ist (vgl. Art. 42 des Asylgesetzes, SR 142.31, AsylG). Der N-Ausweis ist
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demnach lediglich eine Bestätigung dafür, dass die betreffende Person in der Schweiz
ein Asylgesuch gestellt hat und auf einen Entscheid des SEM wartet (Spescha/Kerland/
Bolzli, Handbuch für Migration, 3. Aufl. 2015, S. 128, 400; N. Nesterenko, Die
ausländer- und flüchtlingsrechtliche Stellung von in der Schweiz geborenen
ausländischen Kindern, in: Achermann/Amarelle/Caroni/Epiney/Künzli/Ueber-sax
[Hrsg.], Jahrbuch für Migrationsrecht 2016/2017, S. 158; BVGE D-4742/2014 vom
17. November 2014 E. 5.5; vgl. auch www.fluechtlingshilfe.ch/asylrecht/rechtlicher-
status/asylsuchende.html).
3.2.2. Auch die Botschaft vom 4. März 2011 zur Totalrevision des BüG (BBl 2010 2825
ff.) lässt keinen anderen Schluss zu. Diese sieht vielmehr vor, dass das Bürgerrecht als
letzter Integrationsschritt die höchsten Anforderungen an die Integration stellen darf.
Folgerichtig wird daher für die ordentliche Einbürgerung der stabilste
ausländerrechtliche Status, das heisst die Niederlassungsbewilligung (C-Ausweis),
vorausgesetzt. Damit bleiben namentlich Asylsuchende (N-Bewilligung) oder vorläufig
aufgenommene Personen (F-Bewilligung) vom Einbürgerungsverfahren
ausgeschlossen, da ihrem Aufenthaltsrecht nicht die erforderliche Dauerhaftigkeit und
Stabilität zukommt (BBl 2010 2836). Zu Art. 33 BüG hält die Botschaft fest, dass der
Aufenthalt aufgrund eines Asylverfahrens (Ausweis N) nicht anzurechnen sei,
verbunden mit dem Hinweis auf die Regelung im Ausländergesetz, wonach Aufenthalte
im Rahmen eines Asylverfahrens nicht an die Frist für die Erteilung der
Niederlassungsbewilligung angerechnet würden (Art. 34 Abs. 2 lit. a AIG; BBl 2010
2860). Das SEM hält in seiner Weisung zum Bürgerrecht daher denn auch
entsprechend fest, dass die Liste in Art. 33 BüG abschliessend zu verstehen sei. Dabei
gelten die Aufenthaltsbewilligung (Ausweis B), die Niederlassungsbewilligung (Ausweis
C), die vorläufige Aufnahme (Ausweis F) sowie die vom EDA ausgestellte
Legitimationskarte als Arten der zugelassenen Aufenthaltsstatus. Der Aufenthalt eines
Asylsuchenden in der Schweiz mit einem Ausweis N kann demgegenüber nicht an die
Aufenthaltsdauer in der Schweiz angerechnet werden (vgl. Handbuch Bürgerrecht für
Gesuche ab 1.1.2018, Kapitel 3: ordentliche Einbürgerung, S. 9 f.). Die
Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach die Gesetzesmaterialien die Sichtweise, dass
für die Berechnung der Aufenthaltsdauer der N-Ausweis nicht zu berücksichtigen sei,
bestätigen würden, ist demnach nicht zu beanstanden.
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3.3. Die dagegen vorgebrachten Einwendungen der Beschwerdeführer vermögen an
diesem Ergebnis – wie nachstehend kurz aufzuzeigen ist – nichts zu ändern.
3.3.1. Die Beschwerdeführer machen zunächst geltend, gemäss Art. 34 des
Abkommens über die Rechtsstellung der Flüchtlinge (SR 0.142.30, FK
[Flüchtlingskonvention]) hätten die Vertragsstaaten die Einbürgerung von Flüchtlingen
zu erleichtern. Die von der Vorinstanz vertretene Auslegung stelle eine unzulässige
Erschwerung der Einbürgerung von Flüchtlingen mit Asylstatus dar und verletze damit
die Flüchtlingskonvention.
Die Verpflichtung der Vertragsstaaten der Flüchtlingskonvention, im Sinne von Art. 34
FK die Einbürgerung von Flüchtlingen soweit als möglich zu erleichtern, ist zwar
rechtlich verbindlicher Natur. Schon aus dem Wortlaut erhellt indessen, dass die
Vertragsstaaten bei deren Umsetzung einen grossen Spielraum geniessen. Sie können
nicht gezwungen werden, einem Flüchtling ihre Staatsangehörigkeit zu verleihen, selbst
nach einer langen Wartefrist. Die möglichen Massnahmen zur Erleichterung von
Einbürgerungen sind zudem vielfältig. Angesichts dessen kann der Bestimmung kein
Verbot, bei der gesetzlich vorausgesetzten Wohnsitzdauer auf die Art des
Anwesenheitsrechts abzustellen, entnommen werden. Art. 7 Abs. 1 FK verlangt unter
Vorbehalt günstigerer Bestimmungen dieses Abkommens, dass jeder
vertragsschliessende Staat den Flüchtlingen die Behandlung zuteilwerden lässt, die er
Ausländern im Allgemeinen gewährt. Die Formulierung "im Allgemeinen" deutet bereits
an, dass damit kein striktes Gleichbehandlungsgebot oder gar eine
Meistbegünstigungsklausel gemeint ist. Das schweizerische Recht sieht denn auch in
Bezug auf das Aufenthaltsrecht keine einheitliche Behandlung von Ausländern vor,
sondern eine klare Kategorisierung. In Art. 34 FK ist nur der Minimalstandard (explizit
erwähnt bspw. herabgesetzte Verfahrenskosten, beschleunigte Verfahren, etc.) nach
dem allgemeinen völkerrechtlichen Fremdenrecht angesprochen. Dieser
Minimalstandard umfasst gemäss der Lehre ferner etwa einen Anspruch auf faire zivile
und strafrechtliche Verfahren, angemessene Behandlung von Gefangenen, Schutz vor
Gewalt und missbräuchlicher Deportation und Schutz des Eigentums mit Ausnahme
von Fällen von Enteignungen zu einem öffentlichen Zweck und gegen angemessene
Entschädigung. Die von einem Staat formulierten Voraussetzungen für die Verleihung
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seines Bürgerrechts gehören hingegen nicht zum dargelegten Minimalstandard (vgl.
zum Ganzen BGer 1D_3/2014 vom 11. März 2015 E. 4.2 f. mit zahlreichen Hinweisen).
3.3.2. Die Beschwerdeführer stellen sich weiter auf den Standpunkt, es liege ein
Verstoss gegen den Rechtsgleichheitssatz von Art. 8 Abs. 1 BV vor, wenn anerkannte
Flüchtlinge mit Asylstatus allesamt im Einbürgerungsverfahren gleichbehandelt würden,
unabhängig davon, ob das Asylverfahren übermässig lange gedauert habe oder ob
eine Person innerhalb angemessener Frist einen (positiven) Asylentscheid und damit
einen B-Ausweis erhalte.
Das Gebot der rechtsgleichen Behandlung (Art. 8 Abs. 1 BV) und der mit diesem eng
verbundene Grundsatz des Willkürverbots (Art. 9 BV) sind verletzt, wenn ein Erlass
hinsichtlich einer entscheidwesentlichen Tatsache rechtliche Unterscheidungen trifft,
für die ein vernünftiger Grund in den zu regelnden Verhältnissen nicht ersichtlich ist,
oder wenn er Unterscheidungen unterlässt, die sich aufgrund der Verhältnisse
aufdrängen. Angesichts des dem Gesetzgeber zustehenden Gestaltungsspielraums
kann vorliegend nicht gesagt werden, es entbehre jeder sachlichen Rechtfertigung, bei
der Berechnung der Wohnsitzdauer die Art des Anwesenheitsrechts zu
berücksichtigen. Im Übrigen wären angebliche Fehlleistungen der Asylorgane vor jenen
Behörden geltend zu machen. Im Verfahren vor den für die Einbürgerung zuständigen
Behörden können solche Vorbringen jedoch nicht gehört werden. Dies scheinen im
Übrigen auch die Beschwerdeführer erkannt zu haben (vgl. act. 1 III.2). Insofern ist auf
die im Zusammenhang mit dem Asylverfahren erhobenen Rügen im vorliegenden
Beschwerdeverfahren nicht weiter einzugehen. Soweit die Beschwerdeführer die
Einholung der Asylakten beantragten, ist dieser Antrag abzuweisen. Vorliegend stellt
sich primär die Frage der Auslegung einer die Voraussetzungen für die Erteilung des
Bürgerecht betreffenden Gesetzesbestimmung. Inwiefern Sachumstände aus dem
Asylverfahren hierfür dienlich sein sollen, ist nicht ersichtlich.
3.3.3. Die Beschwerdeführer rügen schliesslich eine Verletzung von Art. 3 des
Übereinkommens über die Rechte des Kindes (SR 0.107, Kinderrechtskonvention,
KRK), indem das Prinzip des Kindeswohlvorrangs in allen Verfahren gelte.
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Die rechtlichen Ausführungen der Vorinstanz zu Art. 3 KRK sind zutreffend, weshalb
anstelle von Wiederholungen darauf verwiesen werden kann (vgl. E. 5.4.1 des
angefochtenen Entscheids). Zwar geniessen Kinder und Jugendliche gestützt auf Art. 9
Abs. 2 BüG eine gewisse Privilegierung, indem für die Berechnung der
Aufenthaltsdauer die Zeit, während welcher die sich um das Bürgerrecht bewerbende
Person zwischen dem vollendeten 8. und 18. Altersjahr in der Schweiz gelebt hat,
doppelt gerechnet wird. Diese Bestimmung rechtfertigt es jedoch nicht, die Eltern eines
Kindes, welches gestützt darauf die zitierte formelle Voraussetzung der zehnjährigen
Aufenthaltsdauer erfüllt, ebenfalls von der Anforderung der zehnjährigen
Aufenthaltsdauer zu entbinden. Den Kindern steht dagegen die Möglichkeit offen, sich
bei gegebenen Voraussetzungen eigenständig um eine Einbürgerung zu bemühen.
Vorliegend steht indes fest, dass die Tochter, welche bei der Gesuchseinreichung zwar
bereits das 8. Altersjahr vollendet hatte, kein eigenständiges Gesuch gestellt hat,
sondern lediglich gestützt auf Art. 30 BüG bzw. Art. 11 Abs. 1 BRG in das
Einbürgerungsverfahren der Eltern miteinbezogen wurde.
4. Zusammenfassend ergibt sich, dass der N-Ausweis zu Recht nicht an die
Aufenthaltsdauer angerechnet worden ist. Damit verfügen die Beschwerdeführer mit
der Aufenthaltsbewilligung B erst seit dem 12. April 2011 einen für die formellen
Einbürgerungsvoraussetzungen massgeblichen Aufenthaltstitel. Die Vorinstanz hat
daher zu Recht erkannt, dass die Beschwerdeführer die zehnjährige Aufenthaltsdauer
in der Schweiz im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung noch nicht erfüllt haben und dass
daher die Beschwerdegegnerin auf das Einbürgerungsgesuch denn auch zu Recht
nicht eingetreten ist. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
5. (...)