# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8d991421-b46d-4dd0-97f6-5ce9d13f01e7
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. C._, geboren am _ 2014, und D._, geboren am _ 2015, sind die gemeinsamen Kinder von A._ und B._. Die Eltern sind nicht verheiratet und leben seit dem _ 2017 getrennt. Sie haben die gemeinsame elterliche Sorge über ihre Töchter inne.
B. Am 9. Februar 2018 fand ein Elterngespräch in den Räumlichkeiten der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Nordbünden (nachfolgend KESB Nordbünden) statt. Dies, nachdem sich B._ mit einer Meldung an die KESB Nordbünden gewandt hatte. Zwischen den Eltern sei es vermehrt zu Konflikten gekommen. Zudem wollte der Vater das gemeinsame Sorgerecht beantragen. Im Rahmen des Gesprächs einigten sich die Eltern darauf, die elterliche Sorge gemeinsam auszuüben. A._ und B._ einigten sich zudem über die Betreuung ihrer gemeinsamen Töchter. Zudem wurden Modalitäten vereinbart, um Konflikte bei der Übergabe von C._ und D._ zu vermeiden.
C. Am 27. Februar 2018 schlossen die Eltern einen Unterhaltsvertrag ab, welcher die KESB Nordbünden mit Entscheid vom 28. Februar 2018 genehmigte, und regelten das Besuchsrecht, was die KESB Nordbünden zur Kenntnis nahm. A._ und B._ einigten sich demnach auf eine hauptsächliche Betreuung durch die Mutter. Ausserdem verständigten sie sich darüber, dass der Vater C._ und D._ an zwei Wochenenden im Monat jeweils von Freitag- bis Sonntagabend zu sich nehmen und während drei Wochen im Jahr mit ihnen Ferien verbringen kann.
D. Mit Schreiben vom 2. März 2018 teilte die KESB Nordbünden mit, dass sie das aufgrund der Meldung von B._ eröffnete Verfahren einstelle. Da die Eltern einen Unterhaltsvertrag abschliessen konnten und das Besuchsrecht regelten, sah die KESB Nordbünden davon ab, zusätzlich Kindesschutzmassnahmen zu ergreifen.
E. Am 26. September 2018 fand erneut ein Gespräch mit beiden Eltern in den Räumlichkeiten der KESB Nordbünden statt. Dies aufgrund einer Meldung von A._. Es sei zu erneuten Konflikten zwischen B._ und ihr gekommen. Grund sei die Kommunikation zwischen den Eltern und die Ausübung des Besuchsrechts durch B._ gewesen.
F. Am 27. März 2019 informierte A._ die KESB Nordbünden über ihren Verdacht auf sexuelle Übergriffe durch B._ auf C._ und D._ (vgl. KESB act. 65. act. 67, act. 68). Sie erstattete am 29. März 2019 bei der
3 / 12
Kantonspolizei Graubünden Anzeige gegen ihn (vgl. KESB act. 73). Daraufhin wurde ein Strafverfahren gegen B._ wegen mehrfacher sexueller Handlung mit Kindern gemäss Art. 187 ff. StGB eröffnet.
G. Mit Entscheid vom 9. April 2019 errichtete die KESB Nordbünden eine Beistandschaft zur Vertretung im Strafverfahren (Art. 306 Abs. 2 ZGB) für C._ und D._. Als Beiständin wurde Rechtsanwältin Barbara Steinbacher eingesetzt.
H. Mit Eingabe vom 23. Mai 2019 legte A._ gegenüber der KESB Nordbünden ihre wirtschaftlichen Verhältnisse offen.
I. Am 23. Mai 2019 hörte die KESB Nordbünden A._ und B._ gemeinsam betreffend Regelung des persönlichen Verkehrs während der Dauer des Strafverfahrens an. C._ und D._ wurden im Gespräch durch Rechtsanwältin Barbara Steinbacher vertreten.
J. Am 2. August 2019 ging ein Gutachten der Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (kjp) betreffend C._ und D._ bei der KESB Nordbünden ein. Die KESB Nordbünden hatte dieses in Auftrag gegeben, um abzuklären, in welcher Form die beiden Mädchen von der kjp betreut würden und wie der künftige persönliche Verkehr mit dem Vater geregelt werden könne.
K. Mit Entscheid vom 31. Oktober 2019 regelte die KESB Nordbünden das Besuchsrecht von B._ für die Dauer des laufenden Strafverfahrens neu. Die KESB Nordbünden sistierte den persönlichen Verkehr gemäss Vereinbarung der Eltern vom 27. Februar 2018. B._ war neu berechtigt, mit seinen beiden Töchtern im Rahmen eines begleiteten Besuchsrechts Kontakt zu pflegen (Art. 274 Abs. 1 und 2 ZGB). Er sah seine Töchter fortan zweimal monatlich alternierend am Samstag bzw. Sonntag jeweils von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr im Rahmen der Begleiteten Besuchstage Graubünden der Fachstelle KJBE (Verein "Kinder und Jugendliche betreuen, begleiten, bestärken") in O.1_. Im Rahmen dieses Entscheides verpflichtete die KESB Nordbünden A._ unter Androhung einer Ungehorsamsstrafe gemäss Art. 292 StGB zur Mitwirkung bei den Übergaben.
L. Am 16. November 2019 fand ein Begleiteter Besuchstag für C._ und D._ mit B._ in der Kindertagesstätte E._ in O.1_ statt. Die Übergabe erfolgte durch die Grosseltern mütterlicherseits. Der Besuch verlief gemäss Schilderungen von F._, KJBE, problemlos. Auch am 2. Dezember
4 / 12
2019 fand ein solcher Besuch statt, welcher wiederum problemlos ablief. Das gleiche gilt für die Besuche vom 17. Dezember 2019 und vom 6. Januar 2020.
M. Am 9. Januar 2020 erhielt B._ eine Einstellungsverfügung betreffend das laufende Verfahren der Staatsanwaltschaft Graubünden. Das Strafverfahren wegen mehrfacher sexuellen Handlungen mit Kindern sei eingestellt worden. B._ teilte dies am 10. Januar 2020 der KESB Nordbünden mit und stellte einen Antrag auf Wiederherstellung des ursprünglichen Besuchsrechts, auf welches die Eltern sich mit Vereinbarung vom 27. Februar 2018 geeinigt haben.
N. Am 6. Februar 2020 fand gemeinsam mit beiden Eltern eine Besprechung in den Räumlichkeiten der KESB Nordbünden statt. Gegenstand der Besprechung war die von B._ beantragte Wiederherstellung des ursprünglich vereinbarten Besuchsrechts. A._ lehnte dies ab. Die KESB Nordbünden äusserte zudem Bedenken bezüglich des Informationsflusses zwischen den Eltern und schlug vor, eine Beistandsperson einzusetzen, welche diesbezüglich Besserung schaffen könnte. Im Verlaufe des Gesprächs erklärten sich beide Elternteile mit der Errichtung einer Beistandschaft einverstanden.
O. Mit Entscheid vom 11. Februar 2020, mitgeteilt am 21. Februar 2020, beschloss die Kollegialbehörde der KESB Nordbünden, was folgt:
1. Die für C._ und D._ bestehenden Beistandschaften zur Vertretung im Strafverfahren (Art. 306 Abs. 2 ZGB) werden aufgehoben.
2. Der Schlussbericht vom 6. Februar 2020 für die Zeit von 9. April 2019 bis 11. Februar 2020 wird genehmigt und die geleistete Arbeit verdankt.
3. Rechtsanwältin MLaw HSG Barbara Steinbacher wird als Beistandsperson von C._ und D._ entlastet. Es wird ausdrücklich auf die Bestimmung über die Verantwortlichkeit hingewiesen (Art. 454 ff. ZGB).
4. Rechtsanwältin MLaw HSG Barbara Steinbacher wird angewiesen, der KESB unverzüglich nach Vollstreckbarkeit dieses Entscheids das Original der Ernennungsurkunde vom 9. April 2019 zur Archivierung zu übergeben.
5. Für die Mandatsführung von 9. April 2019 bis 11. Februar 2020 wird zugunsten von Rechtsanwältin MLaw HSG Barbara Steinbacher (Landquart) eine Entschädigung im Umfang von Fr. 7'005.20 (inkl. Spesen und MWST) festgesetzt.
6. (Regelung Kosten Mandatsführung)
5 / 12
7. Im Zusammenhang mit dem persönlichen Verkehr zwischen C._ sowie D._ und B._ wird festgelegt, was folgt:
a. Die Einschränkung des persönlichen Verkehrs gemäss Ziff. 1 des Entscheids vom 31. Oktober 2019 wird aufgehoben.
b. Die Weisung gemäss Ziff. 2 des Entscheids vom 31. Oktober 2019 wird aufgehoben.
c. Der Vater wird berechtigt erklärt, C._ und D._ zweimal im Abstand von zwei Wochen jeweils am Samstag von 06:00 Uhr bis 17:00 Uhr oder 19:00 Uhr (je nach Arbeitsplan der Mutter) zu sich oder mit sich auf Besuch nehmen.
d. Anschliessend gilt die zwischen den Eltern vereinbarte Besuchsregelung vom 27. Februar 2018 uneingeschränkt.
8. A._ wird die Weisung erteilt (Art. 273 Abs. 2 ZGB):
a. C._ sowie D._ an ihrem Wohn ort jeweils gemäss Ziff. 7.c des vorliegenden Entscheides bzw. gemäss der Besuchsregelung vom 27. Februar 2018 B._ zur Ausübung des persönlichen Verkehrs zu übergeben;
b. B._ über wichtige Ereignisse im Leben von C._ und D._ zu benachrichtigen.
9. Für C._ und D._ wird eine Beistandschaft errichtet.
10. Die Beistandsperson hat im Rahmen einer Beistandschaft mit besonderen Befugnissen (Art. 308 Abs. 2 ZGB) die Aufgaben und Kompetenzen:
a. die Eltern bei der Ausübung des persönlichen Verkehrs zwischen C._ sowie D._ und dem Vater zu beraten und zu unterstützen;
b. im Konfliktfall im Rahmen der zwischen den Eltern am 27. Februar 2018 vereinbarten Regelung über den persönlichen Verkehr konkrete Modalitäten zur Umsetzung festzulegen;
c. dem Vater auf Verlangen Auskunft über die Entwicklung von C._ sowie D._ zu erteilen.
11. Die Beistandschaften für C._ und D._ werden per 1. April 2020 an die KESB O.2_ übertragen (Art. 442 Abs. 5 ZGB).
12. Silvia Rade (Berufsbeistandschaft O.2_) wird per Errichtung der Massnahme zur Beiständin von C._ und D._ ernennt.
6 / 12
13. Die Beistandsperson wird aufgefordert, sich die zur Erfüllung der Aufgaben nötigen Kenntnisse zu verschaffen und mit den Eltern sowie C._ und D._ persönlich Kontakt aufzunehmen.
14. Die Beistandsperson ist gehalten:
a. der KESB O.2_ alle zwei Jahre (erstmals per 31. März 2022) einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Lage von C._ und D._ und die Ausübung der Beistandschaft, Ausblick mit Empfehlung) einzureichen;
b. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von C._ und D._ während der Rechenschaftsperiode der KESB mit einem Bericht zu informieren und allenfalls ein geeignetes Vorgehen zu empfehlen.
15. Betreffend der Verfahrenskosten wird verfügt:
a. Die Kosten im Verfahren Beistandschaft und Anpassung persönlicher Verkehr werden auf Fr. 500.00 festgesetzt.
b. Auf die Erhebung dieser Verfahrenskosten sowie der Kosten gemäss Entscheid vom 9. April 2019 wird aufgrund der wirtschaftlichen Verhältnisse der Eltern verzichtet.

## Considerations