# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 188329e7-74dc-44dc-a431-6a5dfe83f2fd
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974, war seit 1. Februar 2008 als Sachbearbeiter bei der
Y._
tätig (Urk. 8/30/1-2 Ziff. 2.1 und Ziff. 2.7). Im Nebenerwerb arbeitete er seit 2004 bei der
Z._
(Urk. 8/6/1-2, Urk. 8/21/64-67, Urk. 8/21/71-72, Urk. 8/23/1).
Am 14. Dezember 2009 erlitt
X._
einen Verkehrsunfall und zog sich dabei eine
Distorsion der Halswirbelsäule
zu (v
gl. Unfallmeldung Urk. 8/21/72
). Wegen hernach anhaltender Arbeitsunfähigkeit meldete er sich am 6. November 2010 zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 8/19). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zog die Akten des Unfallversicherers (Urk. 8/21/1-283) bei und nahm medizinische (Urk. 8/22/1-5, Urk. 8/25-27) und berufliche Unterlagen (Urk. 8/30) sowie den Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug, Urk. 8/23-24) zu den Akten.
Mit Verfügung vom 11. Februar 2011 stellte der Unfallversicherer, die AXA Winterthur, auf diesen Zeitpunkt hin die Unfalltaggelder ein (Urk. 8/29)
, wogegen der Versicherte am 1
4.
März 2011 Einsprache erhob (
Urk.
8/69)
. Nach
dem das Arbeitsverhältnis mit der
Y._
aufgelöst worden war (Urk. 8/30/12), bezog der Versicherte ab 2. März 2011 Leistungen der Arbeitslosenversicherung bei einer
Vermittlungs
fähigkeit
von 100 % (Urk. 8/32-33).
1.2
Am 22. Juli 2011 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass zur Abklärung seines Leistungsanspruches eine polydisziplinäre medi
zinische
Untersuchung
not
wendig sei (Urk. 8/39)
, die durch das
A._
durchgeführt werde,
und hielt auch nach
Widerspruch
des Versicherten (Urk. 8/45 und
Urk. 8/47) mit Schreiben vom
8.
Dezember 2011
an der
Gut
achterstell
e
fest (Urk. 8/52).
Der
Versicherte
gelangte in der Folge ans hiesige Gericht
(
Urk.
8/
55/6-11
)
, das die Beschwerde
mit Urteil vom
8.
Mai 2012 mit Blick auf die in BGE 137 V 210 genannten höchstrichterlichen Vorgaben bei der Gutachtens
zuteilung
in
dem Sinne gut
hiess
, dass
es di
e angefochtene
Zwischen
verfügung
vom
8.
Dezember 2011 a
ufhob
und die Sache an die IV
Stelle zur
rechtmässigen
Durchführung des Verwaltungsverfahrens
zurückwies
(
Ver
fahrens
nummer
IV.2012.00085,
Urk.
8/58).
1.3
In der Folge fand eine interdisziplinäre Begutachtung durch
die MEDAS
B._
statt (vgl. das Gutachten
vom 1
0.
Mai 2013,
Urk.
8/84/1-33
).
Mit Vor
bescheid vom 1
9.
September 2013 stellte die IV-Stelle die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/87)
. Dagegen erhob der Versicherte
am
3
0.
September 2013
mit Hilfe seiner Hausärztin Ein
wände
(Urk.
8/94), welche
der damalige Rechtsvertreter Rechtsanwalt
Dr.
Domenico
Acocella
mit
seiner
Eingabe vom 2
1.
Oktober 2013 (
Urk.
8/97) und einer Stellungnahme der behan
delnden Neurochirurgin (
Urk.
8/103) ergänzte. Die IV
Stelle
nahm Rück
sprache mit ihrem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD, Urk.
8/111 S. 2 ff.) und
legte der
MEDAS den Einwand und die Arztberichte
zur Stellungnahme vor
(
Urk.
8/108
109). Mit Verfügung vom 2
7.
März 2014 lehnte
sie das
Leistung
s
begehren
noch vor Eingang der Stellungnahme der MEDAS
(Urk.
8/114, Schreiben vom
7.
April 2014)
ab (
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
7.
März 2014 erhob der Beschwerdeführer
, vertreten durch Rechtsanwalt
Dr.
Domenico
Acocella
,
am 9.
Mai 2014 Beschwerde (Urk.
1)
und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm
mindestens eine halbe
Invalidenrente auszurichten (S. 2). Das
mit der Beschwerde gestellte
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsvertretung
(
Urk.
1 S. 2)
zog der Beschwerdeführer mit Eingabe vom
20.
Juni 2014 (
Urk.
9)
wieder zurück.
Die Beschwerdegegnerin schloss in ihrer Vernehmlassung auf Abweisung (Beschwerdeantwort vom 1
2.
Juni 2014, Urk. 7). Das Gericht ordnete einen zweiten Schriftenwechsel an (
Urk.
10)
. Am 2
9.
September 2014 zeigte Rechts
anwalt
Dr.
Daniel Richter dem Gericht mit Vollmacht an, dass er die Interessenvertretung des Beschwerdeführers übernommen habe (
Urk.
13) u
nd
hielt
mit
Replik vom 3.
November 2014 an den gestellten Anträgen fest (Urk.
15).
Die Beschwerdegegnerin verzichtete in der Folge auf Duplik
(
Urk.
19), was dem Beschwerdeführer mit Mitteilung vom 1
7.
November 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
20).
Mit Verfügung vom 1
8.
August 2015 (
Urk.
22) wurde den Parteien
die Gelegenheit eingeräumt
,
sich
unter dem Blickwinkel der mit BGE 141 V 281 eingeleitete
n
Rechtsprechungsänderung im Beschwerdeverfahren erneut zu äussern. Die Beschwerdegegnerin nahm diese Gelegenheit mit Eingaben vom am 2
4.
September 2015
(
Urk.
26
) und
der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 1
9.
Oktober 2015 (Urk. 27) wahr;
die
se wurden
mit Verfügung vom 2
1.
Oktober 2015 jeweils der Gegenpartei zugestellt (
Urk.
28).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Die rentenanspruchsverneinende Verfügung vom 2
7.
März 2014 erging – wie bereits erwähnt – noch vor Eingang der vom RAD
zunächst
als notwendig erachteten (
Urk.
8/111 S. 2 ff.
) Stellungnahme der MEDAS zu den Einwänden
des Versicherten sowie dessen Ärztinnen (
Urk.
8/114
,
Schreiben vom
7.
April 2014; vgl. auch
Urk.
7
Ziff.
3). Mit diesem Vorgehen wurde das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers verletzt, weshalb er mit Verfügung vom 3
0.
Juni 2014 aufgefordert wurde,
in seiner Replik insbesondere zu dieser
Problematik
Stellung zu nehmen (
Urk.
10).
Der Beschwerdeführer verzichtete auf eine
dies
bezügliche
Stellungnahme und machte namentlich nicht geltend, dass die Sache deswegen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen sei, sondern hielt an den gestellten Anträgen fest und wol
lte auf die gutachterliche Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit abstellen (
Urk.
15).
Bei dieser Sachlage ist
– um eine unnötige, vom Beschwerdeführer nicht erwünschte Verzögerung zu vermeiden (BGE 132 V 387 E. 5.1 mit Hinweis; zum Ganzen: Urteil
des
Bun
des
gerichts 9C_617/2009 vom 15. Januar 2010 E. 2.1-2) – von einer Rückweisung der Angelegen
heit an die IV-Stelle abzusehen
.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
tels
rente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe
Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
3
Wie in
BGE
141 V 281
festgehalten
, hat sich das Bundesgericht ver
schiedentlich, so auch jüngst
in diesem am
3.
Juni 2015
ergangenen
Grund
satzentscheid
, über das Zusammenwirken von Recht und Medizin bei der konkreten Rechtsanwendung geäussert. Danach ist es sowohl den begut
achten
den Ärzten al
s auch den Organen der Rechtsan
wendung aufgegeben, die Arbeits
fähigkeit im E
inzelfall mit Blick auf die nor
mativ vorgegebenen Kriterien zu beurteilen. Die medizinischen Fachpersonen und die Organe der Rechts
anwendung prüfen die Arbeitsfähigkeit je aus ihrer Sicht (BGE 137 V 64 E. 5.1). Bei der Abschätzu
ng der Folgen aus den diagnosti
zierten gesundheitlichen Beeinträchtigungen nimmt zuerst der Arzt Stellung zur Arbeitsfähigkeit. Seine Einschätzung ist eine
wichtige Grundlage für die an
schliessende juristische Beurteilung der Frage, w
elche Arbeitsleistung der versi
cherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2; Ulrich Meyer, Der Rechtsbegriff der Arbeitsunfähigkeit und seine Bedeutung in d
er So
zialversicherung, namentlich für den Einkomme
nsvergleich in der Invaliditäts
bemessung, in: Schmerz und Arbeitsunfähigkeit, Schaffhauser/
Schlauri
[Hrsg.], 2003, S. 49).
In diesem Sinne lautet die normativ bestimmte Gutachterfrage, wie die sachver
ständige Person das Leistungsvermögen einschätzt, wenn sie dabei den ein
schlägigen Indikatoren folgt. Die Rechtsanwender überprüfen die betreffenden Angaben frei, insbesondere dahin, ob die Ärzte sich an die massgebenden nor
mativen Rahmenbedingungen gehalten haben, das heisst, ob sie ausschliesslich funktionelle Ausfälle berücksichtigt haben, welche Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung sind (Art. 7 Abs. 2 erster Satz ATSG), sowie, ob die
versiche
rungsmedizinische
Zumutbarkeitsbeurteilung auf objektivierter Grundlage er
folgt ist (Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG; vgl. BGE 137 V 64 E. 1.2 in
fine
). Dies sichert die einheitliche und rechtsgleiche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit (BGE 140 V 290 E. 3.3.1, 135 V 201 E. 7.1; E. 5.2.2).
Jedenfalls in der Invalidenversicherung tragen Recht und Medizin, je nach ihren fachlichen und funktionellen Zuständigkeiten, zur Feststellung ein und dersel
ben Arbeitsunfähigkeit bei. Das heisst, dass die medizinischen Gutachter nicht, wie häufig anzutreffen, eine quasi freihändige Beurteilung abgeben und dane
ben noch Grundlagen liefern sollen, anhand derer die Rechtsanwender eine von der subjektiven ärztlichen Einschätzung losgelöste Parallelüberprüfung vor
nehmen. Es gibt keine unterschiedlichen Regeln gehorchende, getrennte Prü
fung einer medizinischen und einer rechtlichen Arbeitsfähigkeit (E. 5.2.3).
2.
4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizi
nischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein
leuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die rentenabweisende Verfügung
vom
27
.
März
2014
mit der bis vor kurzem geltenden
Überwindbarkeits
recht
sprechung
des Bundesgerichts und kam
gestützt auf die Diagnose eines
somato
formen
undifferenzierten Syndroms
nach Verneinung des Vorliegens einer psychischen Komorbidität und Prüfung der Foerster-Kriterien
zum Schluss, aufgrund
der Rechtsprechung liege kein
invalidenversicherungs
relevanter
Gesund
heitsschaden
vor
(
Urk.
2 und 7
S. 3
)
.
In ihrer
Stellungnahme vom 2
4.
September 2015
(
Urk.
26) führte die
Beschwer
degegnerin
aus, sie halte auch unter dem Blickwinkel der neuen Rechtsprechung an ihrem Entscheid fest.
3
.
2
In
seiner
Beschwerde
vom
9.
Mai 2014
bezeichnete der Beschwerdeführer das MEDAS-Gutachten zunächst als mangelhaft (
Urk.
1).
Hernach hielt er in der Replik
davon abweichend
fest, das Gutachten sei grundsätzlich klar, vollständig, schlüssig und überzeugend
, was auch
der RAD
in seinen Stellungnahmen zweimal bestätigt habe
. Es sei demgegenüber nicht ersichtlich, mit welcher Begründung der Rechtsdienst der IV-Stelle
sein
Ermessen an die Stelle des
jenigen der psychiatrischen Gutachterin zu setzen vermöge. Vielmehr sei gestützt auf
die zuverlässig
diagnostizierte depressive Beschwerdelage im Gut
achten bei unbestrittenermassen diagnostizierter
somatoformer
Schmerz
störung
für die Festlegung der dauernden Arbeitsunfähigkeit von der gut
achter
lichen Feststellung von 50
%
auszugehen (
Urk.
1
5
S. 5).
Der Beschwerdeführer verwies in seiner Stellungnahme vom 1
9.
Oktober 2015 (
Urk.
27) auf die bisherigen Ausführungen in der Replik
, wonach selbst vor Aufgabe der bisherigen Überwindbar
keitspraxis der soziale Rückzug
und die weiteren Försterkriterien zu bejahen
gewesen
seien, was die
Überwindbarkeits
vermutung
widerlege (
Rz
1). Er fügte an, mit BGE 141 V 281 dürfte der beschwerdegegnerischen Auffassung ihr bisheriges Hauptargument entzogen
worden
sein. Die laut der neuen Rechtsprec
hung massgebenden Kriterien sei
en erfüllt (
Rz
2).
4.
4.1
Die Gutachte
r
der MEDAS
B._
stellten in ihrer Expertise
in den Fachgebieten
allgemeine Innere Medizin (
Dr.
med.
C._
,
s
pecialista
FMH in
medicina
interna
),
Neurologie und Neuropsychologie (
Dr.
med.
D._
,
specialista
FMH in
neurologia
e
neuropsicologia
)
und
Psychia
trie (
Dr.
med.
E._
, FMH
psichiatria
e
p
sicoterapia
)
vom 1
0.
Mai 2013 (
Urk.
8/84/1-33)
die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 26):
s
omatoformes
undifferenziertes Syndrom (ICD-10 F45.1)
hochgradige
senso
-neurale Schwerhörigkeit links weniger als rechts
Zudem
gaben
sie die folgenden Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeits
fähig
keit
an
:
Status nach
otitismedia
in der Kindheit
Status nach
ing
uinaler
Hernienoperation
1993
Status nach Meniskusoperation 1995
Status nach Varikozelen Operation 1998
Status nach
Epididymektomie
links 2003
Status nach
Septumplastik
2009
c
hronische Spannu
ngskopfschmerzen Dezember 2009
Rhonchopathie
im Dezember 2009
o
bstrukti
v
es Schlafapnoe-Syndro
m leichten Grades Februar 2010
Rest
less
-
Legs
-Syndrom Februar 2010
All
ergie gegen nicht
steroidal
e
Antirheumatika im April 2010
Verdach
t auf arterielle Hypertonie
Status nach Urininkontinenz im Jahre 2010
e
rektyle
Disf
unktion
unter Pharmakotherapie
Die Gutachter stellten in ihrer Gesamtbeurteilung fest, der Versicherte sei global aus medizinisch-theoretischer Sicht in seinem angestammten Beruf als
Bank
mitarbeiter
sowie
in jeglicher Tätigkeit zu 50
%
a
rbeitsunfähig. Die Arbeits
unfähigkeit begründe sich allein durch die psychiatrische Diagnose (S. 30 f.).
Aus neurologischer Sicht seien während der Untersuchung keine eindeutigen Pathologien zu erheben gewesen. Die neuropsychologische Testung habe eben
falls eine gute Leistungsfähigkeit ergeben, so dass vom Gesichtspunk
t dieser beide
n
Fachgebiete aus
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bestehe (S. 30).
Die Gutachter gaben weiter an, aus psychiatrischer Sicht stelle sich die Diagnose eines
somatoformen
undifferenzierten Syndroms. Bezüglich der Försterkriterien sei zu sagen, dass der Versicherte unter somatischen Begleiterkrankungen leide. Er sei zervikal
diskektomiert
worden und weise altersentsprechende degene
rative Veränderungen am Bewegungsapparat auf. Es handle sich um einen länge
ren Krankheitsverlauf, der vor drei Jahren anlässlich eines Unfalls begonnen habe. Seither sei es nie zu einer längerfristigen Remission gekommen. Das Unfallereignis habe so zu einem sozialen Rückzug geführt und insbesonder
e
den
Lebensstil des Beschwerdeführers schwerwiegend verändert. Es sei aber nicht zu einer totalen Isolierung gekommen, weil es ihm gelinge, rege
l
mässig Kontakte zu Freunden aufrecht zu erhalten und er während dieser Zeit in der Lage
gewesen sei
, eine neue partnerscha
ftliche Beziehung aufzubauen. Er
habe seine sozialen Interaktionen klar
redimensioniert
, dies auch aus finanziellen Gründen und weil er nicht mehr arbeite. Im Prinzip flüchte der Beschwer
deführer in seine Krankheit. Er habe die
somatoforme
Schmerzstörung ent
wickelt, um sein Unwohlsein auszudrücken. Der Beschwerdeführer habe die vorgeschlagenen und verschriebenen Behandlungen durchgeführt.
Seine Bin
dung an die Psychotherapie sowie
Psychopharma
ko
therapie
sei jedoch zu niedrig, zu
unbefriedigend und von zu kurzer Zeitdauer gewesen, um ein positives Ergebnis erzielen zu können (S. 31 und
Urk.
8/84/43-44 S. 2)
. Ins
besondere der deutliche soziale Rückzug und die Veränderungen in seinem grundsätzlichen Verhalten würden eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit
rechtfertigen (S. 30 f.).
Der Beschwerdeführer
sei extrem auf die Analyse der körperlichen Symptome fixiert und suche weiterhin eine somatische Erklärung. Dies führe zu einer funktionellen Arbeitseinschränkung durch eine partielle Limitation der psychi
schen Ressourcen. Es fehle ihm deshalb an Engagement, seine Position zu verbessern und es manifestiere sich ausserdem ein gewisses Desinteresse und eine Apathie.
Er
brauche zur Wiedereingliederung in die Arbeitswelt eine psychiatrische therapeutische Begleitung. Eine Arbeitseingliederung hätte einen therapeutischen Effekt und könne die Restarbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers stimulieren (S. 31).
Die Gutachter
gaben zudem an, wegen der bekannten Minderung der Hörleistung habe der Beschwerdeführer Schwierigkeiten
,
in lärmiger Umgebung tätig zu sein. Er könne Gespräche in normaler Lautstärke führen, wenn keine Maskierungsgeräusche vorhanden seien (S. 32).
Was den zeitlichen Verlauf betrifft, gaben die Gutachter an,
die Arbeitsfähigkeit bestehe seit dem Unfall. Der Beschwerdeführer sei für die Periode der
Diskekto
mie
zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Ab dem Zeitpunkt des Gutachtens sei er in seiner angestammten Tätigkeit und in jeglicher andere
n
Tätigkeit wieder zu 50
%
eingliederbar (S. 32).
4.2
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Neurochirurgie, berichtete dem Rechts
vertreter des Beschwerdeführers am 1
6.
Januar 201
4 (
Urk.
8/105). Sie stellte die folgenden Diagnosen:
Status nach
schwerem Autounfall am 14.12.2009 mit
Hospitalisation
im
G._
3-6 mm grosse
liquorintense
Läsion im
Tegmentum
mesencephali
links (doku
mentiert im MRI vom 19.04.2012 im Rö
ntgeninstitut
H._
)
Status nach diffuser
axonal
injury
v
egetative Dystonie m
it neuropsychologischem Defizit
Diskushern
ie C3/4 mit beidseits engem
Foramen
C3/4 rechts und links und leichter
Pelottierung
des Rückenmarks
k
leine flache mediane Begleithernie C6/7 ohne
Duralsackeindellung
persistierende Diskushern
ie C3/4 mit linksseitiger Wurzelkompression C4 links und partiell rechts und regelrechter Befund im operierten Segment C6/7
Status nach
v
ent
rale
r
Mikrodis
k
ektomie C3/4 beidseits
Status nach
Entfernung von
Osteophytose
C3/4 mit Rückenmarkskompression
Status nach
p
artielle
r
Foraminotomie
C3/4
beidseits
Status nach
Stabilisation mittels Diskusprothese Prodisc-C Vivo
convex
size
LD, 17x16 mm, H5mm (
fecit
Dr.
F._
, 21.09.2013)
Dr.
F._
führte
unter Bezugnahme auf den Eingriff vom 21. Sep
tember 2013
aus, der Beschwerdeführer habe nur eine partielle Verbesserung der Kraft in beiden Armen
erreichen können
, aber er habe noch starke
Nuchalgien
mit Ausstrahlung
interscapulär
. D
a
s MRI vom 2
6.
November 2013 zeige eine korrekte
Lage der Ba
ndscheibenprothese C3/4 mit lokalen Artefakten. Es bestünden keine Hinweise für eine neurale Kompression. Die Arbeitsun
fähigkeit
bleibe bis auf W
eiteres 100
%
,
weil
der Beschwerdeführer nicht nur von der Halswirbelsäulenproblematik her behindert sei, wo
sich
jetzt eine partielle Verbesserung der Kraft in beiden Armen
ergeben habe
. Er habe seit dem Schädel-Hirn-Trauma im Jahr 2009 auch schwere
Konzentrations
schwierigkeiten
. Bezüglich der Halswirbelsäulenproblematik sei der Beschwerde
führer für eine volle Konsolidierung der Implantate noch
für
drei Monate zu 100
%
krankgeschrieben. Im März werde sie die Halswirbelsäulenproblematik
reevaluieren
.
4.
3
Der Gutachter
Dr.
D._
nahm am
2
8.
März 2014
Stellung zu den Vorhalten im Einwand (
Urk.
8/114
/7-11
; vgl. auch Ausführungen der
weiteren befassten Gut
achter vom
7.
April 2014,
Urk.
8/114/1-6
). Er führte aus, es könne ausge
schlossen werden, dass der Beschwerdeführer beim Unfall vom 14.
Dezember 2009 eine schwere diffuse
axonale
Hirnschädigung erlitten habe, da das sechs
Wochen nach dem Unfallereignis angefertigte MRI diesbezüglich vollkommen unauffällig gewesen sei
(S. 3
).
Die sehr kleine Läsion
im
Tegmentum
mesencephali
links
werde
bereits in einem vor dem Unfallereignis durch
geführten
MRI beschrieben und könne schon deshalb nicht unfallbedingt sein. Sie sei im zwei Monate nach dem Unfallereignis durchgeführten MRI als Normalbefund bewertet und im MRI vom 1
9.
April 2012 nur beschrieben aber nicht interpretiert worden. Es handle sich dabei nach den Beschreibungen im MRI ganz augenscheinlich um eine simple angeborene
Arachnoidalzyste
.
Was die geltend gemachten schweren neuropsychologischen Defizite betreffe, sei festzuhalten, dass ein Testergebnis, wie es der Beschwerdeführer bei seiner neuropsychologischen Untersuchung erzielt habe, eine jegliche kognitive Störung vollkommen ausschliesse und es als sehr unwahrscheinlich erscheinen lasse, dass es in der Vergangenheit schwere neuropsychologische Defizite gegeben habe (S.
3
).
Bei seiner Untersuchung habe der Versicherte auch keinerlei Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses und des mittelfristigen Gedächtnisses gezeigt (S. 4).
Zur Halswirbelsäulenproblematik und den dort durchgeführten chirurgischen Eingriffen führte
Dr.
D._
aus, weder
seine
noch vorherige neurologische Untersuchungen hätten
radikuläre
Symptome gezeigt. Auch
Dr.
F._
beschreibe keine
radikuläre
Ausfallsymptomatik, sowohl zervikal als auch lumbal (S. 4 f.).
Laut
d
en zugesandten neuen Dokumenten
schienen auch im jetzigen Zeitpunkt keine
radikulären
Symptome vorzuliegen (S. 5).
5.
5
.1
Die Beweiswertigkeit des
MEDAS-
Gutachtens vom
1
0.
Mai 2013 ist zwischen den Parteien zu Recht
im Grundsatz
unbestritten (
Urk.
7
Rz
2 S. 2,
Urk.
16 S. 5 und
Urk.
27
Ziff.
1 S. 2). Die Expertise erfüllt
die Anforderungen an eine beweiskräftige medizinische Entscheidungsgrundlage
(E.
2.4
).
Sie erfolgte nach Untersuchungen in den einzelnen Fachdisziplinen und in Kenntnis der Aktenlage. Es gibt kein
e
Hinweise, wonach die Gutachter nicht de arte
legis
vorgegangen wären oder
entscheidrelevante
Tatsachen ausser Acht gelassen hätten.
Auch die erst nach Ausfertigung der Expertise durchgeführte zweite Operation an der Halswirbelsäule ändert nichts am Bestand der
gutachterlichen Ergebnisse
. Der Eingriff hatte zwar eine rehabilitationsbedingte Arbeitsun
fähigkeit von einigen Monaten zur Folge, zeigt
e
aber keine anderweitigen negativen gesundheitlichen Auswirkungen (E. 4.2 und E. 4.3 sowie der Bericht von Dr.
F._
vom 21. Oktober 2014,
Urk.
16).
5.2
Anzumerken bleibt, dass
das Schreiben
der Hausärztin
Dr.
med.
I._
, Allgemeine Medizin
,
vom 1
5.
Oktober 2013 (
„
Einsprache
“
;
Urk.
8/
94
, vgl. auch
Urk.
8/
96) sowie die Berichte von Dr.
F._
vom 1
6.
Januar 2014
(E.
4.2)
sowie vom 2
1.
Oktober 2014 (
Urk.
16) keine Zweifel an der
Beweis
wertigkeit
der Expertise z
u begründen vermögen.
Das
als Einwand
verfasste
Schreiben der Hausärztin gibt weitgehend
ungefiltert
die Aussagen des Beschwerdeführers wieder und enthält
,
sowohl was
das Schrift
bild als auch was den
Inhalt betrifft, mehrere Passagen, die eher auf eine andere als eine ärztliche Urheberschaft schliessen lassen
. Dies gilt
beispielsweise
für
die Anmerkung
,
„Zudem hat er ein [ab hier fett und grössere Schrift] extrem kurzes Zeitged
ächtnis.“ oder
für
die Schlussbemerkung
,
[wieder fett und gross] „Zusammenfassend sollte man hier festhalten, dass es echt nicht sein kann, dass jahrelang von namenhaften Neurologen Diskushernien verpasst werden, die den Patienten an den Rand des Rollstuhles gebracht haben und ihn praktisch als Simulant hinstellten,
und er nun plötzlich arbeitsfähig sein soll und dies noch in einer Bank.
“
.
Mit der abweichenden Einschätzung von
Dr.
F._
setzte sich
Dr.
D._
, der keine neurologische Diagnose und auch keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit feststellte, bereits im Gutachten auseinander. Er
verwies auf die
MRI-Befunde
mit
Diskushernien
und
stellte fest, dass keine Zeichen einer zervikalen oder lumbalen
Radikulopathie
zu erkennen seien und auch Dr.
F._
einen unauffälligen Neurostatus beschrieben habe. Die Indi
kation für die im September
2013
vorgesehene zweite Operation an der Halswirbelsäule hielt er für fraglich (
Urk.
8/
84/45-54 S. 10). Nach
hernach
durchgeführtem Eingriff erklärte er seine Einschätzung erneut in nachvoll
ziehbarer Weise (E.
4.3). Zudem wies
Dr.
D._
zutreffend darauf hin, dass
Dr.
F._
die Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit
massgeblich
auf vom Beschwerdeführer angegebene
n
Konzentrationsstörungen und neuro
psy
cho
logische Defizite
stützte
,
wobei er aufgrund der Testergebnisse
jegliche kognitive Störung vollkommen ausschliessen könne
(
Urk.
8/114/7-14 S.
3).
Die Berichte von
Dr.
F._
vermög
en vor diesem Hintergrund nicht
zu überzeugen.
5.3
Zusammenfassend steht mit der Expertise der MEDAS
B._
vom 1
0.
Mai 2013
fest, dass der Beschwerdeführer unter einem
somatof
ormen
undifferenzierten Syndrom
sowie einer hochgradige
n
senso
-neurale
n
Schwerhörigkeit links weniger als rechts leidet.
Andere Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit liegen nicht vor.
6.
6.1
Mit BGE 141 V 281 vom 3. Juni 2015 hat das Bundesgericht unlängst von der Rechtsprechung, wonach die
somatoforme
Schmerzstörung oder ähnliche Störungen und ihre Folgen vermutungsweise mit einer zumutbaren
Willens
anstrengung
überwindbar seien (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3), Abstand genommen und eine neue Basis für die Beurteilung
somato
former
Schmerzstörungen und ihrer Auswirkungen auf die juristisch zu beur
teilende Arbeitsunfähigkeit begründet (E. 6): An der Rechtsprechung zu Art. 7 Abs. 2 ATSG – ausschliessliche Berücksichtigung der Folgen der gesund
heitli
chen Beeinträchtigung und objektivierte Zumutbarkeitsprüfung bei mate
rieller Beweislast der rentenansprechenden Person (Art. 7 Abs. 2 ATSG) – ändert sich dadurch nichts (E. 3.7). An die Stelle des bisherigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung und vergleichbaren psychoso
mati
schen Leiden) treten im Regelfall beachtliche Standardindikatoren (E. 4). Diese lassen sich in die Kategorien Schweregrad (E. 4.3) und Konsistenz der funktionellen Auswirkungen einteilen (E. 4.4). Die Standardindikatoren
umschreibt das Bundesgericht im
massgebenden Leitentscheid BGE 141 V 281 wie folgt
(E. 4.1.3)
:
Kategorie „funktioneller Schweregrad“
Komplex „Gesundheitsschädigung“
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
Komorbiditäten
Komplex „Persönlichkeit“ (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen)
Komplex „sozialer Kontext“
Kategorie „Konsistenz“ (Gesichtspunkte des Verhaltens)
g
leichmässige
Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
b
ehandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck
Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur (E. 5 Ingress). Recht und Medizin wirken sowohl bei der Formulierung der Standardindikatoren (E. 5.1) wie auch bei deren - rechtlich gebotene
n
- Anwendung im Einzelfall zusammen (E. 5.2). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesund
heitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindi
katoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahr
schein
lichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen.
6.
2
Zunächst ist festzuhalten, dass
gemäss
altem Verfahrensstandard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen
einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegeben
heiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein
abschliessendes
Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält. In
sin
ngemässer
Anwendung auf die nunmehr materiell-beweisrechtlich geän
derten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prüfen, ob die beigezogenen administrativen und/oder gerichtlichen Sachverständigen
gut
achten – gegebenenfalls im Kontext mit weiteren fachärztlichen Berichten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der
massgeblichen
Indikatoren erlauben o
der nicht (BGE 141 V 281 E. 8).
6.
3
6.3.1
Vorliegend
ist eine
schlüssige
Prüfung
der
massgebenden
Standardindikatoren
gestützt auf das
Gutachten und
die
übrigen medizinischen Akten
möglich
und eine weitere medizinische Abklärung dementsprechend nicht angezeigt.
6.
3.2
Vorab kann
unter der Kategorie „funktioneller Schweregrad
“
festgestellt
werden, dass die
Gesundheitsschädigung,
namentlich
die Ausprägung der
diagnose
relevanten
Befunde
,
nicht
als besonders schwer einzustufen
ist
.
Der Beschwerdeführer leidet
seit
einer Heckkollision
am 1
4.
Dezember 2009
mit
den initialen Diagnosen stumpfes
Thoraxtrauma
sowie stumpfes
Wirbelsäulen
trauma
mit
commotio
s
pinalis
,
ohne nachgewiesene Läsion (Urk.
8/21/2
82
-2
83
und
Urk.
8/84/55
-5
6
)
,
anhaltend
unter Beschwerden
, für die weitgehend kein organisches Korrelat gefunden werden konnte. Er wurde
zudem
verschiedentlich
wegen Diskushernien
an
der Halswirbelsäule
operiert
.
Daneben
bestehen altersentsprechende Abnutzungserscheinungen am Bewegungsapparat
(vgl. auch
Urk.
8/84/1-34 S. 30)
.
Der Beschwerdeführer
leidet zudem an einer
hoch
gradige
n
senso
-neurale
n
Schwerhörigkeit links weniger als rechts
, weshalb die IV-Stelle
laut Mitteilung vom 1
9.
Juli 2010
die Kosten für e
inen Hörapparat übernommen hat
(
Urk.
8/18)
.
Die Gutachter erachteten nebst der seit längerer Zeit bestehenden hochgradigen Schwerhörigkeit einzig die Diagnose
somatoformes
undifferenziertes Syndrom als relevant in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit. Die begutachtende Psychiaterin
Dr.
E._
erhob
denn auch
weitgehend unauffällige Befunde: Der Ver
sicherte habe sich an einem Gehstock und mit einer Halsstütze zur Unter
suchung präsentiert. Er sei kooperativ, spreche flüssig und spontan, gerne über sich selber, und zeige keine Verständnisschwierigkeiten. Die Aufmerk
samkeit und Konzentration sei während des Gesprächs erhalten geblieben. Ausser leichten Aspekten des Grössenwahnes bei der Schilderung seiner beruflichen Karriere seien keine Auffälligkeiten der Gedanken zu erheben. Die Stimmung sei ausgeglichen. Die Affekte und die Emotion würden sich im
Norm
bereich
bewegen. Es habe sich ein gestörter Schlaf-Wachrhythmus her
auskristallisiert mit Aufwachphasen wegen Schmerzen (
Urk.
8/84/1-33
S. 29 f.).
Sie begründete die 50%ige
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
mit einer partiellen Limitation der psychischen Ressourcen wegen der extremen Fixierung auf die Analyse der körperlichen Symptome und d
em
Suchen
nach
einer somatischen Erklärung, was zu einer funktionellen Arbeitseinschränkung führe (
Urk.
8/84/1-33
S. 31). Dem Beschwerdeführer fehle es deshalb an Engagement, seine Position zu verbessern
,
und es manifestiere sich zudem ein gewisses Desinteresse und eine Apathie. Er brauche zur Wiedereingliederung in die
Arbeitswelt eine psychiatrisch-
therapeutische Begleitung. So könne er ein Bewusstsein dafür entwickeln, dass sich sein Unbehagen nicht in einer
somatoformen
Störung ausdrücken müsse
.
Es könnten
ihm alternative Möglich
keiten
für den Umgang mit seinen Beschwerden
aufgezeigt werden
.
Eine Arbeitseingliederung habe bei diesem Versicherten einen therapeutischen Effekt und könne
seine
Restkapazität stimulieren (
Urk.
8/84/1-33
S. 31).
6.3.
3
Dieser Einschätzung
der Arbeitsfähigkeit
kann
aus rechtlicher Sicht
nicht gefolgt werden. Denn d
ie
Anerkennung eines rentenbegründenden
Invaliditäts
grades
ist
nach dem Gesagten
nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen
Anspruchs
grundlage
anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen si
nd.
6.
4
6.
4
.1
Ins Gewicht fällt
diesbezüglich
namentlich
, dass das
somatoforme
Leiden nach Einschätzung der Gutachterin
angehbar
ist,
der Beschwerdeführer sich aber bis jetzt keiner genügenden psychiatrischen Behandlung unterzog
en hat
(Urk.
8/
84/1-33
S. 31 und
Urk.
8/84/43-44 S. 2).
6.
4
.2
Fragen wirft aber auch das vom
Beschwerdeführer
gezeigte
zumindest ver
deutlichende
Verhalten auf. Aus den Akten ergibt sich, was die
geltend gemachten
Einschränkungen
, die Feststellungen der Ärzte
und das
Alltags
ver
halten
betrifft, kein konsistentes Bild.
Die
B._
-Gutachter nahmen demonstratives Verhalten wahr. Diskutiert wird im Gutachten zudem die Diskrepanz zwischen den wiederholten Hinweisen auf Gedächtnisschwierigkeiten und den aber recht präzisen Auskünften (
Urk. 8/84/1-33
S. 24).
Von einer
Aggravation
oder Simulation
gingen
die Gutachter
nicht
aus
(vgl.
zum Ganzen
Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E.
4.2.1)
.
Der Neurologe
Dr.
D._
hielt hierzu in seinem Teilgutachten fest, es habe in der neuropsychologischen Untersuchung keinerlei Hinweise für eine Simulation oder Aggravation gegeben. Deshalb
stufe
er auch die subjektive sensomo
torische Hemiparese rechts nicht als Aggravationsversuch oder Simulation ein. Er nehme einen
somatoformen
Ursprung an. Eine genau bis zur Mittellinie gehende Sensibilitätsstörung wie beim Versicherten sei ohnehin Ausdruck eines nicht neurologischen Problems und sei häufig bei Patienten nach einem Unfallereignis mit Schmerz-Symptomatik zu sehen und könne als funktionelle Überzeichnung gedeutet werden (
Urk.
8/84/1-33 S.
2
9 und Urk.
8/84/45-54 S.
9).
Gleichwohl gibt es in den
Vorakten
einige Hinweise auf eine erhebliche
be
wusstseinsnahe
Selbstlimitierung, so etwa bei der neuropsychologischen Testung während des Aufenthaltes in der
J._
vom
3.
März bis 1
3.
April 201
0.
Zudem
s
tanden
bei diesem Aufenthalt
- nach Feststellung der Ärzte -
die vom Beschwerdeführer
geltend gemachten (teilweise massiven) kogni
tiven Störungen im
Widerspruch
zu seinem
Verhalten innerhalb der Klinik (
Urk.
8/21/221-223 S.
2). Im Bericht des
K._
vom
4.
Oktober 2010 beschrieb die behan
delnde Ärztin die
Per
sönlichkeitsstruktur des Beschwerdeführers als theatralisch wirkend, wobei er
vor
dergründig völlige Transparenz und Offenheit gezeigt habe
(
Urk.
8/21/130
139
S. 6).
Inkonsistent war auch,
dass
der Beschwerdeführer
laut den aktenkundigen Berichten in de
n
Untersuchungssituationen
teilweise
ein verkehrsuntüchtiges
Verhalten zeigte (Urk.
8/21/130-139 S. 4) und gegenüber
dem
Verkehrsamt offen
bar nicht (Urk.
8/84/1-33 S. 20), wobei er im Begutachtungszeitpunkt angab, dass er wegen seines aktuellen Gesundheitszustandes nicht Auto fahre (
Urk.
8/84/1-33 S. 16).
Nicht in Einklang zu bringen
ist die postulierte 50%ige Arbeitsunfähigkeit aber auch mit dem
vom Beschwerdeführer gepflegten
regelmässigen Tagesablauf, der keine schweren Einschränkungen erkennen lässt
(
Urk.
8/84/1-33 S. 2
3
).
6.
4
.3
Damit mag
zwar
b
ehandlungsanamnestisch ein Leidensdruck ausgewiesen
sein
. Der Beschwerdeführer sprach bei zahlreichen
Ärzten vor und
unterzog sich deren Therapien
,
nahm aber
eine psychiatrische Behandlung nicht in aus
reichendem Umfang wahr.
Es besteht eine Fixierung auf die Analyse der kör
perlichen Symptome. Gleichwohl sind das gezeigte Verhalten und
die
gel
tend gemachten Einschränkungen
nicht überzeugend
in Einklang zu bringen.
6.
4
.
4
Nach Lage der Akten verfügt
der
Beschwerde
führer
im Weiteren
über erhebliche persönliche und soziale Ressourcen
.
Er
konnte alleine mit dem Zug
zur Begut
achtung
nach
L._
reisen
und begab sich am anderen Morgen selbständig
vom Hotel
zur MEDAS
(
Urk.
8/84/1-33 S. 14)
. Er trifft sich mit Kollegen
und geht mit ihnen aus
, führt politische Diskussionen, kann fernsehen und lesen. Er hat sich ein gutes soziales Netz erhalten können und kann seine Beziehungen weiterhin pflegen, wenn auch in einem etwas reduzierteren und weniger aktiven Rahmen (
Urk.
8/84/1-33
S. 16 und 23).
Ein sozialer Rückzug im
S
inne der Rechtsprechung ist jedenfalls nicht erkennbar.
Der
Beschwerdeführer
ist
offenbar in der Lage, seine Interessen gegenüber den medizinischen
Fach
personen
dezidiert zu vertreten
(
vgl. etwa
Urk.
8/
21
/
136
137
)
,
und zeigt dies
bezüglich
– wenn auch zu einem gewissen Grad krankheitsimmanent
–
b
eachtli
che Ressourcen
.
Es gelang ihm nach dem Unfall
,
eine neue Beziehung zu einer Partnerin aufzubauen.
Er wird von der Psychiaterin als junge und differenzierte Persönlichkeit beschrieben, die zudem keine Anzeichen anderer psychiatrischer
Komorbiditäten
aufweise
. Der Hinweis in der Replik, es bestehe
nebst dem
somatoformen
undifferenzierten Syndrom
eine zuverlässig diagnosti
zierte depressive Beschwerdelage (
Urk.
15 S. 5
;
vgl. auch
Urk.
27
Ziff.
1), erweist sich insofern als unzutreffend
.
6.
4
.
5
Bei dieser Sachlage
ist eine invalidenversicherungsrechtlich
massgebende
Ein
schränkung in der Arbeitsfähigkeit (einzig) gestützt auf die Diagnose eines
somatoformen
undifferenzierten Syndroms nicht überwieg
end wahrscheinlich ausgewiesen
. Die
Arbeitsunfähigkeit
en
nach
den
operativen Eingriff
en
an
der Halswirbelsäule
war
en
nur von kurzer Dauer, weshalb sie
ausser
Betracht
bleiben
.
Keine erhebliche Einschränkung in der angestammten Tätigkeit als
Sachbearbeiter bei einer Bank vermag ferner die
hochgradige
senso
-neurale
Schwerhörigkeit zu begründen. Der Beschwerdeführer
ist mit einem
Hörapparat
versorgt
.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind ermessensweise auf Fr.
8
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzu
erlegen.