# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** da1221a3-a8a7-4923-ae1b-ef1cc14247bd
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 198
3
geborene
X._
reiste am 25. März 2004 in die Schweiz ein
(Urk. 7/2
Ziff.
4.1)
und arbeitete ab dem 1. April 2004
bei der
Y._
,
Z._
, als
Officeangestellter
. Die Stelle wurde ihm seitens der Arbeitgeberin per 31. August 2004 gekündigt (Urk. 7/12). Am 4. August 2004 wurde er im Bahnhof
A._
von einer fahrenden Lokomo
tive gestreift und zog sich dabei ausgedehnte
Extremitätenverletzungen
zu (vgl. Urk. 7/10/1-7). Durch die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit verlängerte sich die Kündigungsfrist
bei der
Y._
bis zum 31. Oktober 2004 (vgl. Urk. 7/12).
Am 27. September 2005 meldete sich der Versicherte bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Nach medizinischen und erwerblichen Abklärungen verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(vgl. Urk. 7/75-76, Urk. 7/81) den Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente mangels Erfüllung der versicherungsmässigen Voraussetzungen
(Verfügung vom 5. Dezember 2013,
Urk. 2 = Urk. 7/85).
2.
Gegen die Verfügung vom 5. Dezember 2013 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 21. Januar 2014 Beschwerde und beantragte, die IV-Stelle sei zu verpflichten,
ihm
eine Invalidenrente auszurichten (Urk. 1). In der Beschwerdeantwort vom 28. Februar 2014 (Urk. 6), welche dem Beschwerdeführer am 17. März 2014 zur Kenntnis gebracht wurde, schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Verfügung.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Weil in zeitlicher Hinsicht grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend sind, die bei Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 129 V 4 E. 1.2, 127 V 467 E. 1), sind vorliegend für
die Beurteilung
, ob die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt sind, die
Gesetzesbe
stimmungen
anwendbar, die im Zeitpunkt des mutmasslichen Rentenbeginns, mithin im Zeitpunkt des mutmasslichen Ablaufs des Wartejahres im August 2005
,
Gültigkeit hatten, heranzuziehen.
Die
se werden nachfolgend – sofern nichts anderes vermerkt – auch in dieser Fassung zitiert.
1.2
Massgebend für den Anspruch auf eine ordentliche Rente der Invalidenversiche
rung ist gemäss
Art.
36
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversiche
rung (
IVG
)
, ob bei Eintritt der Invalidität (Versicherungsfall) während min
destens eines vollen Jahres Beiträge geleistet worden sind, wofür wiederum entscheidend ist, wann die Invalidität eingetreten ist.
Gemäss
Art.
4
Abs.
2 IVG gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Im Falle einer Rente gilt die Invalidität in dem
Zeitpunkt als eingetreten, in dem der Anspruch nach
Art.
29
Abs.
1 IVG
entsteht, das heisst frühestens
,
wenn der Versicherte mindestens zu 40
%
bleibend erwerbs
unfähig geworden ist (
lit
.
a) oder während eines Jahres ohne
wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40
%
arbeitsunfähig
gewesen war und weiterhin zumindest in diesem Umfang erwerbsunfähig ist (
lit
.
b; BGE 119 V 102 E.
4a).
1.3
Ausländische Staatsangehörige sind, vorbehältlich
Art.
9 Abs. 3, nur anspruchs
berechtigt, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt (Art. 13 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG) in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. Für im Ausland wohn
hafte Angehörige dieser Personen werden keine Leistungen gewährt (Art. 6 Abs. 2 IVG).
1.
4
Ein volles Beitragsjahr liegt vor, wenn eine Person während
insgesamt länger als
elf
Monate
n
obligatorisch oder freiwillig versichert war und während dieser Zeit den Mindestbeitrag bezahlt hat
(
Art.
50 der Verordnung über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
, AHVV)
. Obligatorisch versichert sind u.a. natürliche Personen mit Wohnsitz in der Schweiz (Art. 1b IVG
i.V.m
. Art. 1a Abs. 1
lit
. a des Bundesgesetzes über die Alters- und
Hinterlassenenversiche
rung
, AHVG).
2
.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die abweisende Rentenverfügung (Urk. 2) im
Wesentlichen damit, der frühestmögliche Eintritt des Versicherungsfalls liege ein Jahr nach dem Unfall, mithin am 4. August 2005 vor. Gemäss IK-Auszug
seien für den Beschwerdeführer
nur während sieben Monaten AHV-Beiträge entrichtet worden. Die am 1. Januar 2005 erfolgte Heirat ändere daran nichts, weil im IK-Auszug der Ehefrau vom 1. Oktober 2004 bis im Juli 2005 eine Beitragslücke bestehe. Unabhängig vom Wohnsitz erfülle der Beschwerdeführer bei Eintritt des Versicherungsfalls am 4. August 2005 die Beitragspflicht von
insgesamt mehr als
elf
Monaten nicht, weshalb es an der kumulativ zu erfüllen
den Voraussetzung der tatsächlich entrichteten Beiträge fehle.
2.2
Dagegen wandte der Beschwerdeführer in der Beschwerde (Urk. 1) ein, er habe gemäss IK-Auszug vom 1. April bis 31. Oktober 2004 und somit während sieben Monaten Beiträge geleistet. Bekanntlich sei er am 4. August 2004 schwer ver
unfallt. Er habe in der Folge weiterhin Wohnsitz in der Schweiz gehabt und sei damit aufgrund seines schweizerischen Wohnsitzes versichert und AHV-bei
tragspflichtig gewesen.
Selbst wenn man fälschlicherweise den schweizerischen Wohnsitz verneinen wollte, käme die Wohnsitzfiktion der anwendbaren Sozial
versicherungsabkommen zur Anwendung, wonach bei Aufgabe der Erwerbstä
tigkeit infolge Unfalls der Verunfallte während eines Jahres als versichert gilt und Beiträge zu entrichten habe.
Das volle Beitragsjahr sei dann erfüllt, wenn eine Person insgesamt länger als elf Monate versichert gewesen sei und wäh
rend dieser Zeit den Mindestbeitrag geleistet habe. Er sei aufgrund seines schweizerischen Wohnsitzes während mehrere
r
Jahre
obligatorisch
versichert gewesen und die von ihm geleisteten Beiträge hätten den jährlichen Mindest
beitrag bei weitem übersti
egen.
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer im Zeitpunkt des
Invaliditäts
eintritts
die versicherungsmässigen Voraussetzungen erfüllt hat.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer
verunfallte
am 4. August 2004 und erlitt dabei laut
Arztbe
richt
des
B._
, Departement Chirurgie, Klinik für Unfallchirurgie, vom 14. Oktober 2005 (Urk. 7/10/1-7) eine
drittgradig
offene distale mehrfragmentäre
Humerusfraktur
rechts, eine
erstgradig
offene distale mehrfragmentäre
Humerusfraktur
links, eine
zweitgradig
offene proxi
male
Tibiaschaftfraktur
rechts und eine
erstgradig
offene
Pilon
tibiale
Fraktur rechts. Laut Bericht von
Dr.
med.
C._
, FMH für Innere Medizin, vom 15. November 2005 (Urk. 7/13) bestand bis zum 15. Dezember 2005 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in
der angestammten Tätigkeit.
Aufgrund der medizinischen Aktenlage
ist
die Invalidität
ein Jahr nach dem Unfall und somit
am
4. August 2005 eingetreten, wovon im Übrigen auch die Beschwerdegegnerin ausgegangen ist.
3.2
Der
Beschwerdeführer
verfügte
nach seiner Einreise vom 2
5.
März 2004
bis 22. März 2007 über eine Aufenthaltsbewilligung (Urk. 3). Er reiste am 25. März 2004 in die Schweiz nach
A._
ein,
zog
am 1. März 2005 von
A._
nach
Z._
um
und am 1. August 2005 von
Z._
nach
D._
(Urk. 7/6-8).
Es kann
somit davon ausgegangen werden – und davon ging auch die Beschwerdegegnerin aus -, dass der Beschwerdeführer
seit der Einreise in die Schweiz und
im Zeitpunkt des Eintritts der Invalidität im August 2005
seinen zivilrechtlichen
Wohnsitz in
der Schweiz hatte
und während dieser Zeit obliga
torisch versichert war.
Selbst wenn
der Beschwerdeführer nach dem Unfall aus der Schweiz ausgereist wäre, worüber in den Akten keinerlei Hinweise bestehen
, käme aufgrund von
Art.
13 Abs. 1 des Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossen
schaft und
E._
über Soziale Sicherheit d
er fiktive Wohnsitz während eines Jahres nach dem Unfall zum Tragen, weshalb das Kriterium des Wohnsitzes in der Schweiz
in jedem Fall
erfüllt ist.
3.3
Laut Art. 55 AHVV
ist
für die Bestimmung des vollen Beitragsjahr
e
s nicht die nachgewiesene tatsächliche Mindestbeitragsdauer von
elf
Monaten, sondern eine Versicherungsdauer von
elf
Monaten und der Nachweis der Leistung des (jährlichen) Mindestbeitrags in dieser Zeit entscheidend.
Für die Frage, ob ein volles Betragsjahr vorliegt, ist nicht von Bedeutung, während welcher Zeitdauer für einen Versicherten persönliche Beiträge geleistet worden sind, sofern zumindest die Mindestbeitragszahlung erfolgte (vgl. BGE 125 V 253 E. 1).
Aus dem IK-Auszug des Beschwerdeführers (Urk. 7/
9) ergibt sich, dass von April bis Oktober 2004 Beiträge auf einem Einkommen von Fr. 14‘556.-- geleistet worden sind. Gemäss
Ziff.
2.1.1 des Anhangs I zur
Wegleitung
des Bundesamtes für Sozialversicherungen
über die Renten (RWL) in der Eidgenössischen Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung
(S. 272; Stand 2014) war in den Jahren 2004 und 2005 die Mindestbeitragspflicht erfüllt, wenn auf einem Ein
kommen von Fr. 4‘279
.--
Beiträge entrichtet worden sind – was vorliegend ohne Zweifel der Fall ist, womit der Beschwerdeführer die Mindestbeitragsdauer erfüllt
.
Damit erfüllt der Beschwerdeführer die versicherungsmässigen Voraussetzun
gen, weshalb das Leistungsbegehren zu Unrecht abgewiesen wurde. Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die übrigen Voraussetzungen
zur Ausrichtung einer Rente prüfe.
4.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten in der Höhe von Fr.
600.-- der unterliegenden
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr.
1‘100.--
(
inklusive
Bar
auslagen
und Mehrwertsteuer
)
als angemessen.