# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cdc5262f-129a-410b-a826-ac7a5b84a9f6
**Court:** BL_SG
**Chamber:** BL_SG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

Sachverhalt:
1. Mit Verfügungen vom 17. April 2014 wurden die Pflichtigen zur Zahlung der Staatssteuer
2012 in Höhe von Fr. 73‘872.35 und der direkten Bundessteuer 2012 in Höhe von Fr. 51‘619.--
veranlagt.
2. Mit Schreiben vom 6. Mai 2015 beantragten die Pflichtigen sinngemäss, die Staats-,
Gemeinde- und die direkte Bundessteuer 2012 seien ihnen zu erlassen. Zur Begründung führ-
ten sie aus, dass sie sich durch die Verkettung von verschiedenen unglücklichen Umständen in
einer Notsituation befinden würden. Der Ehemann sei seit 2014 wieder selbständig tätig und
baue eine Vertriebs- und Retailfirma auf. Die Marktlage habe sich dramatisch verschlechtert,
sodass er nicht wie geplant vorangekommen sei, weshalb er sich noch keinen Lohn aus der
Firma C._ GmbH auszahlen könne. Die Lebenshaltungskosten würden durch das Einkom-
men der Ehefrau und die Unterstützung der Eltern des Ehemannes bestritten. Aufgrund der
Selbständigkeit sei das Haus zusätzlich mit einer Hypothek, die durch eine Bürgschaft des Va-
ters gesichert sei, belastet. Nach Bezahlung von Fr. 100'000.-- betreffend die Bundes-‚ Staats-
und Gemeindesteuern könne er keine zusätzlichen Mittel aufbringen. Da man im Jahr 2011 und
Anfang 2012 noch nicht gewusst habe, dass die Läden der D._ GmbH nicht weiterhin be-
trieben werden würden, sei eine Rücklage für Steuern einer nicht geplanten und getätigten
Ausschüttung gar nicht zur Diskussion gestanden. Im November 2012 habe man ein Übernah-
meangebot eines Kunden kurzfristig angenommen, damit die Läden weiter hätten existieren
können. Erst im Gespräch mit dem Steuerberater sei klar geworden, dass eine Ausschüttung
entstehe, wenn die Darlehen an die D._ GmbH nicht zurückgezahlt werden könnten. Aber
die Darlehen hätten aus Sicht der GmbH erlassen und ausgebucht werden müssen, damit der
neue Gesellschafter keine Darlehensforderung an die Pflichtigen privat habe geltend machen
können. Bis zu diesem Zeitpunkt sei man sich nicht bewusst gewesen, dass die Darlehen zu
steuerbaren Einkünften führen würden, obwohl die Darlehensauszahlungen stattgefunden hät-
ten, als die Steuerpflicht noch in E._ bestanden habe.
3. Mit Verfügungen vom 27. August 2015 wurden die Pflichtigen zur Zahlung der Staats-
steuer 2013 in Höhe von Fr. 5‘991.-- und der direkten Bundessteuern 2013 in Höhe von Fr.
537.-- veranlagt.
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4. Mit Schreiben vom 6. November 2015 beantragten die Pflichtigen sinngemäss, die
Staatssteuern 2013 seien ihnen zu erlassen. Zur Begründung führten sie aus, dass sie die ver-
anlagten Steuern leider zum jetzigen Zeitpunkt immer noch nicht aufbringen könnten, da sie in
derselben Notsituation seien, wie dies bereits im Erlassgesuch vom 6. Mai 2015 für die Steuer-
veranlagung 2012 beschrieben worden sei.
5. Mit Eingabe der Pflichtigen vom 23. Mai 2016 an die Taxations- und Erlasskommission
reichten sie die nachgefragten Angaben zum Monatsbudget mit Nachweisbelegen ein. Des
Weiteren führten sie aus, dass der Pflichtige seit dem 1. Januar 2016 einer Teilzeitanstellung
nachgehe und sie deswegen besser über die Runden kommen würden. Die Notsituation bleibe
dennoch dieselbe.
6. Mit Entscheid vom 28. März 2017 wies die Taxations- und Erlasskommission das Ge-
such um Erlass der Staats- und direkten Bundessteuern 2012/2013 ab. Zur Begründung führte
sie u.a. aus, laut Steuererlassverordnung müsse auch geprüft werden, wieweit die Zahlung der
geschuldeten Steuer aus dem Vermögen zumutbar sei. Den eingereichten Unterlagen hätten
folgende Vermögenswerte entnommen werden können: Diverse Konten (Stand per 30. April
2016) mit insgesamt Fr. 10‘694.-- Guthaben, mehrere Lebensversicherungen mit einem totalen
Rückkaufswert von Fr. 59‘873.70 und eine Liegenschaft im Wert von Fr. 1‘500‘000.-- (Ver-
kehrswert von Fr. 2‘200‘000.-- minus Hypothekarbelastungen von Fr. 700‘000.--). Somit betrage
das Vermögen Fr. 1‘570‘567.--. Angesichts dieser Vermögenswerte sei in der Begleichung der
noch offenen Staats- und direkten Bundessteuern 2012/2013 in der Höhe von Fr. 49‘653.80
sowie der Gemeindesteuern F._ von Fr. 27‘553.80 keine Notlage gegeben.
7. Mit Schreiben vom 26. April 2017 erhoben die Pflichtigen mit dem sinngemässen Begeh-
ren, die Staats-, Gemeinde- und direkte Bundessteuern 2012 und 2013 seien ihnen zu erlas-
sen, Rekurs. Zur Begründung führten sie aus, dass der Pflichtige die Firma C._ GmbH auf-
grund der fehlenden Investitionskraft und des Ausbleibens eines Ertrages auf das Minimum
habe reduzieren müssen. Die Pflichtigen wollten aber das Haus, das ihnen ohne ein Vorerbe
nicht gehören würde, nicht verlieren. Seit dem 3. April 2017 habe der Pflichtige nun wieder eine
Arbeit im Angestelltenverhältnis. Leider reiche das Einkommen aber nicht aus, um die Hypothek
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aufstocken zu können und damit die Steuern bezahlen zu können. Die Lebensversicherungen
seien auch nicht verfügbar, da die Restwerte zur Wiederaufnahme der Selbstständigkeit fast
komplett ausbezahlt worden seien.
8. Mit Vernehmlassung vom 24. Mai 2017 beantragte die Taxations- und Erlasskommission
die Abweisung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, gemäss den im damaligen Ent-
scheidzeitpunkt vorhandenen Unterlagen hätten die Pflichtigen über eine Lebensversicherung
im Betrag von rund Fr. 60‘000.-- verfügt‚ welche jedoch für die seinerzeitige Aufnahme der selb-
ständigen Erwerbstätigkeit anscheinend vollständig belehnt worden sei. Ferner besässen die
Pflichtigen eine Liegenschaft in F._ mit einem Nettowert - also abzüglich Hypothek - von ca.
Fr. 1,5 Mio. Andererseits bestünden Steuerausstände von rund Fr. 77‘000.--. Eine Bezahlung
der ausstehenden Steuern mit dem Vermögen erscheine schon auf den ersten Blick als zumut-
bar. Grundsätzlich gelte auch hier, dass ein Steuererlass nicht indirekt zur langfristigen Finan-
zierung von zu hohen Wohnkosten bzw. einem überdurchschnittlichen Wohnkomfort dienen
dürfe.
9. Mit Schreiben vom 18. August 2017 legten die Pflichtigen ihre gegenwärtige Einkom-
mens- und Ausgabensituation dar. Des Weiteren sei eine Tilgung ihrer Schulden bei der
G._-Versicherung und der Hypotheken nicht möglich. Zudem stellten sie das sinngemässe
Eventualbegehren, die Steuerschuld für die Steuerjahre 2012 und 2013 sei auf Fr. 30‘000.--
herabzusetzen und die darüber hinausgehende Steuerschuld sei zu erlassen (Teilerlass).
10. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest.
Das Steuergericht zieht in Erwägung :
1. Das Steuergericht ist gemäss § 139b Abs. 2 des Gesetzes über die Staats- und Ge-
meindesteuern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) sowie § 11 Abs. 2 der Vollzugsver-
ordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer vom 13. Dezember 1994 (Voll-
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zugsverordnung) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zuständig. Im Übrigen gelten die
Bestimmungen gemäss den §§ 124 - 132 StG. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, de-
ren umstrittener Steuerbetrag wie im vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt,
vom Präsidenten und vier Richterinnen und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in for-
meller Hinsicht an einen Rekurs zu stellenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres da-
rauf einzutreten.
2. Zu beurteilen ist, ob die Taxations- und Erlasskommission das Gesuch um Erlass der
Staats- und direkten Bundessteuern 2012 und 2013 zu Recht abgewiesen hat.
a) Gemäss Art. 167 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer
(DBG) vom 14. Dezember 1990 können steuerpflichtigen Personen, für die infolge einer Not-
lage die Bezahlung der Steuer, eines Zinses oder einer Busse wegen Übertretung eine grosse
Härte bedeuten würde, die geschuldeten Beträge ganz oder teilweise erlassen werden. Ein ent-
sprechendes Gesuch ist nach Art. 167b Abs. 1 und Art. 167c DBG i.V.m. Art. 5 ff. der Verord-
nung des EFD über die Behandlung von Gesuchen um Erlass der direkten Bundessteuer vom
12. Juni 2015 (Steuererlassverordnung) bei der zuständigen kantonalen Verwaltung für die di-
rekte Bundessteuer einzureichen. Entsprechend bestimmt § 139b Abs. 1 StG, dass steuer-
pflichtigen Personen, für die infolge einer Notlage die Bezahlung der Steuern, Zinsen, Bussen
und Gebühren eine grosse Härte bedeuten würde, die geschuldeten Beträge ganz oder teilwei-
se erlassen werden können. Über ein entsprechendes Gesuch entscheidet die Taxations- und
Erlasskommission nach Anhörung des zuständigen Gemeinderates (§ 139b Abs. 2 StG). Ein
Erlass oder Teilerlass der Staatssteuer hat auch die entsprechende Herabsetzung der Gemein-
desteuer zur Folge (§ 139b Abs. 3 StG).
b) Seinem Wesen nach bedeutet Steuererlass den nachträglichen, endgültigen
Verzicht des Gemeinwesens auf einen ihm zustehenden steuerrechtlichen Anspruch, mit wel-
chem das öffentliche Vermögen verringert wird. Ein solcher erfolgt letztlich jeweils mit Rücksicht
auf die "Person" der Steuerschuldnerin oder des Steuerschuldners, welche bzw. welcher aus
humanitären, sozialpolitischen oder volkswirtschaftlichen Gründen nicht in ihrer bzw. seiner
wirtschaftlichen Existenz gefährdet werden soll. Daneben kann ein Erlass der Steuern auch im
Rahmen einer Unternehmenssanierung in Betracht fallen (vgl. Blumenstein/Locher, System des
schweizerischen Steuerrechts, 7. A., Zürich 2016, S. 421 f.). Der Steuererlass hat indessen
infolge der verfassungsrechtlichen Grundsätze der Allgemeinheit und Gleichmässigkeit der Be-
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steuerung sowie der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (Art. 127 Abs. 2
der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 [BV]) die
seltene Ausnahme zu bleiben. Eine grosszügigere Erlasspraxis würde nämlich diejenigen Steu-
erpflichtigen benachteiligen, die ihre Leistungen trotz spürbarer finanzieller Belastung jeweils
anstandslos erbringen (vgl. Beusch/Raas, in: Zweifel/Beusch [Hrsg.], Kommentar zum Schwei-
zerischen Steuerrecht, Vor Art. 167-167g DBG N 8). Anstelle eines Erlasses der Steuern ist
jeweils auch die Möglichkeit einer Stundung oder anderer Zahlungserleichterungen vorgesehen
(Art. 166 DBG i.V.m. Art. 13 Abs. 3 Steuererlassverordnung sowie § 139a StG) (vgl. Entscheid
des Steuergerichts [StGE] vom 22. April 2016, 510 15 92, E. 2b, m.w.H.).
c) Der Entscheid über einen Steuererlass stellt nach allgemeiner Auffassung in Leh-
re und Rechtsprechung weitgehend einen Ermessensentscheid dar (Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Kommentar zum Zürcher Steuergesetz, 3. A., Zürich 2013, § 183 N 5). Entsprechend
gewähren sowohl Art. 167 Abs. 1 DBG als auch § 139b Abs. 1 StG den zuständigen Erlassbe-
hörden - neben der Verwendung der unbestimmten Rechtsbegriffe der "Notlage" bzw. der
"grossen Härte" - durch die Verwendung von "Kann"-Formulierungen einen gewissen Entschei-
dungsspielraum. Die Erlassbehörden sind in ihrer Entscheidung indessen nicht völlig frei. Viel-
mehr haben sie von dem ihnen eingeräumten Ermessen pflichtgemäss und nach einheitlichen
Kriterien Gebrauch zu machen (vgl. Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 7.
A., Zürich 2016, N 409) (vgl. StGE vom 22. April 2016, 510 15 92, E. 2c, m.w.H.; StGE vom 25.
Mai 2016, 510 16 22, E. 2b; StGE vom 12. August 2016, 510 16 50, E. 2b; StGE vom 23. Sep-
tember 2016, 510 16 39, E. 2b; StGE vom 23. September 2016, 510 16 48, E. 2b).
3. a) Materielle Voraussetzung des Steuererlasses ist in objektiver Hinsicht, dass die
Steuerveranlagung abgeschlossen ist und eine rechtskräftig veranlagte Steuer vorliegt (Art. 7
Abs. 1 Steuererlassverordnung). Erst wenn die genaue Höhe der geschuldeten Beträge im Ver-
anlagungsverfahren festgesetzt worden ist, kann im Rahmen des Erlassverfahrens auch über
einen allfälligen Erlass derselben entschieden werden. Das Erlassverfahren ersetzt mithin we-
der das Rechtsmittelverfahren noch soll damit die Revision rechtskräftiger Steuerveranlagungen
bezweckt werden (vgl. ausdrücklich Art. 7 Abs. 1 Steuererlassverordnung; Beusch/Raas,
a.a.O., Vor Art. 167-167g DBG N 9). Weiter ist vorausgesetzt, dass die Steuer noch nicht oder
nur unter Vorbehalt bezahlt worden ist. Wurde eine Steuer (vorbehaltlos) bezahlt, so ist die
Steuerforderung durch Erfüllung untergegangen und ein Erlass derselben naturgemäss nicht
mehr möglich. Der betreffende Steuerbetrag ist mithin nicht mehr "geschuldet" im Sinne von Art.
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167 Abs. 1 DBG bzw. § 139b Abs. 1 StG (vgl. im Zusammenhang mit der direkten Bundes-
steuer ausdrücklich Art. 5 Abs. 2 bzw. Abs. 3 lit. b Steuererlassverordnung).
b) In subjektiver Hinsicht wird die Gewährung des Steuererlasses sodann vom Vor-
liegen einer Notlage bzw. einer grossen Härte für die gesuchstellende Person abhängig ge-
macht (Art. 167 Abs. 1 DBG und § 139b Abs. 1 StG). Eine Notlage im Sinne von Art. 167 Abs. 1
DBG liegt bei natürlichen Personen vor, wenn der ganze geschuldete Betrag in einem Missver-
hältnis zur finanziellen Leistungsfähigkeit der steuerpflichtigen Person steht (Art. 2 Abs. 1 Steu-
ererlassverordnung) und bei juristischen Personen, wenn diese sanierungsbedürftig sind (Art. 4
Abs. 1 Steuererlassverordnung). Bei natürlichen Personen ist ein solches Missverhältnis insbe-
sondere dann gegeben, wenn die Steuerschuld trotz Einschränkung der Lebenshaltungskosten
auf das Existenzminimum in absehbarer Zeit nicht vollumfänglich beglichen werden kann (Art. 2
Abs. 2 Steuererlassverordnung). Dabei ist ein Zeitraum von zwei bis drei Jahren als absehbar
zu betrachten (zum Zeitraum mit weiteren Hinweisen vgl. Entscheid des Bundesverwaltungsge-
richts [BVGE] vom 11. Juni 2009, Abteilung I, A-3663/2007, E. 4.2). Aus welchem Grund die
steuerpflichtige Person in eine solche Notlage geraten ist, ist für den Erlassentscheid grund-
sätzlich unerheblich. Nicht berücksichtigt wird indessen eine selbstverschuldete Notlage, wie
dies etwa bei einer freiwilligen Entäusserung von Einkommensquellen oder Vermögenswerten
der Fall ist (Art. 167a DBG). Anerkannte Ursachen für eine Notlage im Sinne der vorstehenden

## Considerations

Erwägungen sind demnach vorwiegend ausserordentliche Umstände wie eine aussergewöhnli-
che Belastung durch den Unterhalt der Familie, andauernde Arbeitslosigkeit oder Krankheit so-
wie Unglücksfälle etc. (vgl. Art. 3 Abs. 1 lit. a und b Steuererlassverordnung). Für die Voraus-
setzungen im Hinblick auf einen Erlass der Staats- und Gemeindesteuern nach § 139b Abs. 1
StG kann nichts anderes gelten. Danach liegt eine Notlage vor, wenn die steuerpflichtige Per-
son nicht in der Lage ist, mit dem zur Verfügung stehenden Einkommen ihren Lebensunterhalt
zu bestreiten. Eine unbillige Härte ist sodann zu bejahen, wenn die Bezahlung des geschulde-
ten Betrags für den Schuldner ein Opfer bedeuten würde, das in einem Missverhältnis zu seiner
finanziellen Leistungsfähigkeit steht und ihm nicht zugemutet werden kann (vgl. StGE vom 22.
April 2016, 510 15 92, E. 3b).
c) Die Erlassbehörde berücksichtigt bei ihrer Einschätzung der subjektiven Erlass-
voraussetzungen die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse der steuerpflichtigen Person. Mas-
sgebend ist dabei in erster Linie die Situation im Zeitpunkt des Entscheides, daneben auch die
Entwicklung seit der Veranlagung, auf die sich das Erlassbegehren bezieht, sowie die Aussich-
ten für die Zukunft (vgl. für die direkte Bundessteuer Art. 10 Steuererlassverordnung). Insbe-
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sondere prüft die Behörde, ob für die steuerpflichtige Person Einschränkungen in der Lebens-
haltung geboten und zumutbar sind oder gewesen wären. Einschränkungen gelten grundsätz-
lich als zumutbar, wenn die Auslagen die nach den Ansätzen für die Berechnung des betrei-
bungsrechtlichen Existenzminimums (Art. 93 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und
Konkurs [SchKG] vom 11. April 1889) sich ergebenden Lebenshaltungskosten übersteigen (vgl.
in Konkretisierung des DBG Art. 2 Abs. 3 Steuererlassverordnung). Berücksichtigt werden darf
auch, ob der gesuchstellenden Person die fristgerechte Bezahlung der Steuern im Zeitpunkt der
Fälligkeit möglich gewesen wäre (Art. 167a lit. c DBG) (vgl. StGE vom 22. April 2016, 510 15
92, E. 3c, m.w.H.).
d) Neben der Höhe der Einkünfte ist insbesondere auch die Vermögenslage von
Bedeutung. Besitzt der Steuerpflichtige Vermögenswerte, so wird ihm in der Regel die Bezah-
lung der vollen Steuer aus der Vermögenssubstanz zugemutet. Nur bei nichterwerbstätigen
Steuerpflichtigen wird berücksichtigt, inwieweit das Vermögen für den Lebensunterhalt exis-
tenznotwendig ist (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das st. gallische Steuerrecht, 7 A., Muri bei Bern
2014, VII. Teil N 149). Vorhandenes Vermögen schliesst einen Steuererlass nur aus, wenn und
soweit eine Belastung oder Verwertung desselben als zumutbar erscheint (Art. 12 Abs. 1 Steu-
ererlassverordnung). Ein Steuerlass kann somit gewährt werden, bevor die letzten Ersparnisse
der gesuchstellenden Person aufgezehrt sind. Einer steuerpflichtigen Person soll ein Notgro-
schen belassen bleiben (vgl. Schorno, in: Klöti-Weber/Siegrist/Weber [Hrsg.], Kommentar zum
Aargauer Steuergesetz, 4. A., Muri-Bern 2015, § 230 N 12, mit weiteren Hinweisen, insb. auf
BVGE vom 11. Juni 2009, a.a.O.; StGE vom 4. Dezember 2015, 510 15 40, E 4d; StGE vom
22. April 2016, 510 15 92 E. 3d). Auf jeden Fall zumutbar ist gemäss Art. 12 Abs. 2 Steuerer-
lassverordnung jedoch die Zahlung aus dem Vermögen bei Steuern auf einmalige Einkünfte.
Die Vermögensverwendung betrifft sowohl bewegliches wie unbewegliches Vermögen und es
bestehen auch keine Schutzbestimmungen bezüglich des Wohneigentums. Ein Vermögensver-
zehr über das Existenzminimum hinaus erfüllt den Ausschlussgrund des grobfahrlässigen Sich-
ausser-Stande-Setzens, den Verpflichtungen nachzukommen (vgl. Langenegger in:
Leuch/Kästli/Langenegger [Hrsg.], Praxiskommentar zum Berner Steuergesetz, Bd. 2,
Bern/Muri 2014, Art. 240b N 34). Als Vermögen gilt das zu Verkehrswerten bewertete Reinver-
mögen (Art. 12 Abs. 3 Steuererlassverordnung), also der Überschuss der Aktiven über den
Passiven eines Steuerpflichtigen (vgl. Dzamko-Locher/Teuscher, a.a.O., Art. 13 StHG N 1). Ein
Steuererlass ist denkbar, wenn es sich beim Vermögen um einen unentbehrlichen Bestandteil
der Altersvorsorge handelt (Art. 12 Abs. 4 Steuererlassverordnung). Ein Erlass ist in solchen
Fällen aber nur zu prüfen, nicht jedoch zwingend. Bis anhin wurde etwa angenommen, dass
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dann ein Erlass möglich sein sollte, wenn ältere Steuerpflichtige ohne Erwerbseinkünfte und
anderes Vermögen ihr selbstbewohntes und (weitgehend) hypothekenfreies Wohneigentum
belasten oder veräussern müssten (Beusch/Raas, a.a.O., Art. 167 DBG N 15, m.w.H.).
e) Der Steuererlass soll zu einer langfristigen und dauernden Sanierung der wirt-
schaftlichen Lage der steuerpflichtigen Person beitragen. Er hat dabei bestimmungsgemäss der
steuerpflichtigen Person selbst und nicht ihren Gläubigern zugute zu kommen. Entsprechend
wird ein Steuererlass durch die Erlassbehörden regelmässig abgelehnt, wenn ein Konkurs oder
ein Nachlassvertrag des Steuerschuldners bevorsteht (vgl. Art. 14 Abs. 1 Steuererlassverord-
nung). Es kann nicht Aufgabe des Instituts des Steuererlasses sein, im Ergebnis gleichsam eine
Sicherheit für private Kredite zu leisten. Im Falle einer allseitigen Überschuldung der um Steu-
ererlass ersuchenden Person kann vom Staat mithin nicht ein Sonderopfer verlangt werden,
indem er einseitig auf seine Steuerforderung verzichtet. Von einem solchen Verzicht der öffent-
lichen Hand würde nämlich nicht die steuerpflichtige Person selbst profitieren, sondern allein die
übrigen Gläubiger, welche beim Zugriff auf das pfändbare Einkommen und Vermögen einen
Konkurrenten verlören. Unter solchen Umständen erscheint es daher mit Blick auf den Zweck
des Rechtsinstituts als sachlich vertretbar, von einem Steuererlass abzusehen oder die ganze
oder teilweise Gewährung eines solchen von einem Sanierungskonzept abhängig zu machen,
in dessen Rahmen sämtliche Gläubiger in gleichem Umfang wie die Steuerbehörden auf ihre
Forderungen verzichten (vgl. BGE vom 9. Dezember 2004, 2P.307/2004, E. 3.2). Der Grund-
satz, dass ein Steuererlass der steuerpflichtigen Person und nicht ihren Gläubigern zugute-
kommen muss, ist in Art. 167 Abs. 2 DBG geregelt. Für den Erlass der direkten Bundessteuer
bestimmt Art. 3 Abs. 2 Steuererlassverordnung ausdrücklich, dass der Bund auf seine gesetzli-
chen Ansprüche zugunsten anderer Gläubiger nicht verzichten kann, soweit die Überschuldung
der gesuchstellenden Person z.B. auf geschäftlichen Misserfolgen, Bürgschaftsverpflichtungen,
hohen Grundpfandschulden oder Kleinkreditschulden als Folge eines überhöhten Lebens-
standards beruht. Jedoch ist in den Fällen von Art. 3 Abs. 1 Steuererlassverordnung, also bei
aussergewöhnlicher Belastung durch den Unterhalt der Familie oder Unterhaltspflichtigen, ho-
her Kosten in Folge Krankheit, Unfall oder Pflege, welche nicht von Dritten getragen werden,
längerer Arbeitslosigkeit oder für ausserordentliche Aufwendungen aufgrund anderer persönli-
cher Verhältnisse, für welche die Steuerpflichtige Person nicht einzustehen hat, ein Erlass trotz
Drittschulden möglich. Ein Erlass kann jedoch stets im selben prozentualen Umfang gewährt
werden, wie andere Gläubiger ganz oder teilweise auf ihre Forderungen verzichten (Art. 3 Abs.
2 Steuererlassverordnung). Aus Sinn und Zweck des Instituts des Steuererlasses folgt auch,
dass durch die Forderungsverzichte die Verschuldung der gesuchstellenden Person insgesamt
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auf ein tragbares Mass reduziert werden muss. Der Steuererlass stellt grundsätzlich ein ein-
maliges Entgegenkommen dar, weshalb eine Wiederholung von Erlassverfahren in späteren
Steuerperioden vermieden werden soll (vgl. StGE vom 20. November 2015, 510 15 60, E. 3d).
Ohne eine solche "Gesamtsanierung" mit Gleichbehandlung aller Gläubiger würde die zum
Steuererlass führende Situation nicht bereinigt, sodass nicht nur der Forderungsverzicht der
öffentlichen Hand ein einseitiger wäre; mangels Beseitigung der Überschuldung müssten viel-
mehr noch weitere Steuererlassgesuche entgegengenommen werden, was klarerweise dem
Ausnahmecharakter des Rechtsinstituts zuwiderliefe (vgl. StGE vom 22. April 2016, 510 15 92,
E. 3e, m.w.H.).
4. a) In Bezug auf die objektiven Erlassvoraussetzungen ist festzuhalten, dass diese
vorliegend erfüllt sind. Die Gemeinde-, Staats- und direkten Bundessteuern 2012 und 2013 sind
rechtskräftig veranlagt. Zudem wurden die auf diese Steuerjahre entfallenden Steuerschulden,
mit Ausnahme der Gemeindesteuer 2013, nicht vollständig bezahlt, so dass die betreffenden
Ansprüche gegenüber den Rekurrenten noch bestehen.
b) Zu prüfen bleiben die Erlassvoraussetzungen in subjektiver Hinsicht.
5. Folglich ist zu prüfen, ob die Pflichtigen mittels ihrer Einkommen in der Lage sind, die
aufgelaufenen Steuerschulden betreffend die Steuerjahre 2012 und 2013 gemäss Gesamtkon-
toauszug vom 4. Mai 2017 betreffend die Staats- und direkte Bundessteuer von Fr. 49‘884.10
sowie die Gemeindesteuer F._ betreffend das Steuerjahr 2012 gemäss Kontoauszug vom 6.
Juli 2017 von Fr. 27‘553.80 – demzufolge insgesamt Fr. 77‘437.90 – zu begleichen.
a) Das durchschnittliche Einkommen der Rekurrenten, welches als Grundlage für
die Berechnung des Existenzminimums dient, beträgt gemäss dem Schreiben der Pflichtigen
vom 18. August 2017 Fr. 8‘946.-- pro Monat (Lohn Ehemann: Fr. 6‘292.-- plus Lohn Ehefrau: Fr.
2‘654.--, ohne 13. Monatslohn gerechnet). Gemäss Aussage des Rekurrenten an der heutigen
Verhandlung erhält jedoch die Ehefrau einen 13. Monatslohn. Somit beträgt das durchschnittli-
che Einkommen der Rekurrenten Fr. 9‘167.17 pro Monat (Fr. 6‘292.-- plus Fr. 2‘654.-- plus Fr.
221.17 [= Fr. 2‘654.-- / 12 Monate]).
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b) Demgegenüber errechnet sich der monatliche Grundbedarf gestützt auf die
Richtlinien für die Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums (Notbedarf) nach
Art. 93 SchKG vom 1. Juli 2009 der Konferenz der Betreibungs- und Konkursbeamten der
Schweiz (Richtlinien) und den ins Recht gelegten Unterlagen wie folgt:
Grundbetrag für ein Ehepaar Fr. 1‘700.00
Grundbetrag für 2 Kinder über 10 Jahre Fr. 1‘200.00
Hypothekarzins (gemäss Beleg) Fr. 1‘133.33
Nebenkosten ermessensweise Fr. 250.00
Ø Liegenschaftsunterhaltskosten ermessensweise Fr. 250.00
Krankenkasse KVG (gemäss Beleg) Fr. 1‘180.70
U-Abos Fr. 160.00
Unvorhergesehenes Fr. 200.00
Laufende Steuern 2017 Fr. 1‘000.00
Total Fr. 7‘074.03
Festzustellen ist, dass für den im Schreiben der Pflichtigen vom 18. August 2017 behaupteten
monatlichen Liegenschaftsunterhalt in Höhe von Fr. 2‘100.-- keine Belege vorliegen und dieser
folglich nicht berücksichtigt werden kann. Die Begründung liegt darin, dass es stossend wäre,
wenn dem Schuldner Beträge zum Existenzminimum zugeschlagen würden, die er gar nicht
dem vorgesehenen Zweck zuführt (SchKG-Vonder Mühll, Art. 93 N 25). Jedoch kann der Lie-
genschaftsunterhalt ermessensweise berücksichtigt werden. Für die geltend gemachten Ne-
benkosten der Liegenschaft von Fr. 658.-- sind ebenfalls keine Belege vorhanden. Gemäss der
Richtlinie sind die durchschnittlichen - auf zwölf Monate verteilten - Aufwendungen für die Be-
heizung und Nebenkosten der Wohnräume als Zuschlag zum Grundbetrag anzurechnen. Es
darf als notorisch gelten, dass sich die notwendigen und laufenden Neben- und Betriebskosten,
welche als Zuschlag zum Grundbetrag separat anzurechnen sind, für eine Liegenschaft auf
monatlich zwischen Fr. 300.-- und Fr. 500.-- belaufen (Urteil des Kantonsgerichts Abteilung Zi-
vilrecht [KGE ZR] vom 7. Juli 2015, 410 15 158, E. 5.2). Vorliegend werden die Nebenkosten
auf ermessensweise Fr. 250.-- festgelegt.
Die geltend gemachten monatlichen Versicherungskosten in Höhe von Fr. 110.--
können nicht berücksichtigt werden, da keine Belege eingereicht wurden und damit auch die
Versicherungsart nicht bestimmt werden kann. Denn bestehende Kosten für die Hausrats- und
Haftpflichtversicherung sind nicht zu berücksichtigen, da diese gemäss ständiger Gerichtspraxis
bereits im Grundbetrag enthalten sind (vgl. Urteil des Kantonsgerichts Abteilung Verfassungs-
und Verwaltungsrecht [KGE VV] vom 7. August 2013, 810 13 114 / 810 13 124, E. 6.4.2
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[www.bl.ch/kantonsgericht]). Der im Schreiben der Pflichtigen vom 18. August 2017 geforderte
Betrag von Fr. 1‘718.-- für Steuern (in monatlichen Rücklagen gerechnet) ist auf die Höhe der
laufenden Steuern für das Jahr 2017 in Höhe von Fr. 1‘000.-- pro Monat anzupassen (approxi-
mative Schätzung des steuerbaren Einkommens: [voraussichtliches Jahreseinkommen pro
2017 der Ehepartner + Eigenmietwert] minus Abzüge [pauschaler Liegenschaftsunterhalt + pri-
vate Hypothekarzinsen + Versicherungsprämien Ehepaare + Versicherungsprämien Kinder +
Abzug bei Erwerbstätigkeit beider Ehegatten]).
c) Aus der Gegenüberstellung des Grundbedarfs mit dem durchschnittlichen Ein-
kommen resultiert schliesslich der monatliche Überschuss bzw. das monatliche Defizit:
Durchschnittliches Einkommen Fr. 9‘167.17
Monatlicher Grundbedarf Fr. 7‘074.03
Überschuss/Defizit Fr. 2‘093.14
Daraus folgt, dass die Gesuchsteller monatlich einen Überschuss von Fr. 2‘093.14 zu verzeich-
nen haben. Damit liegt das monatliche Einkommen über dem monatlichen Grundbedarf. Daraus
geht hervor, dass die Pflichtigen rund 37 Monate benötigen würden, um die Steuerschulden
([noch offene Staats- und direkte Bundessteuern 2012 und 2013; Fr. 49‘884.10 puls noch offe-
ne Gemeindesteuer 2012; Fr. 27‘553.80] / monatlicher Überschuss; Fr. 2‘093.14) zu tilgen. Eine
Bezahlung innerhalb einer nützlicher Frist (vgl. Erwägung 3b - max. 36 Monate) ist somit nicht
möglich.
6. Demnach ist zu prüfen, ob die Rekurrenten in der Lage sind und es ihnen zumutbar ist,
die aufgelaufenen Steuerschulden betreffend die Steuerjahre 2012 und 2013 von insgesamt Fr.
77‘437.90 (vgl. Erwägung 5) aus ihrem Vermögen zu begleichen.
a) Die Rekurrenten sind gemäss Grundbucheintrag Eigentümer (je 1⁄2 Miteigen-
tumsanteil) einer selbstbewohnten Liegenschaft in F._. Diese Liegenschaft hat gemäss
Grundbuch eine Gesamtfläche von 1‘147 m2 (Wohnhausgrundfläche von 143 m2; Garage von
31 m2; Gartenhaus von 16 m2; Wasserbecken von 50 m2, Gartenanlage von 907 m2).
b) Fraglich ist, zu welchem Wert diese Liegenschaft zu berücksichtigen ist. Möglich
ist eine Bewertung nach dem Steuerwert, dem interkantonalen Repartitionswert oder dem Ver-
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kehrswert (StGE vom 23. Juni 2017, 510 17 2, E. 8a). Gemäss Art. 12 Abs. 3 Steuererlassver-
ordnung ist das Reinvermögen zum Verkehrswert zu bewerten. Die Rekurrenten haben im Er-
lassgesuch vom 23. Mai 2016 für ihre Liegenschaft einen Verkehrswert von Fr. 2‘200‘000.--
angegeben. Dieser Wert wurde im Entscheid der Taxations- und Erlasskommission vom 27.
März 2017 übernommen. Im Rekurs gehen die Pflichtigen selbst von diesem Wert aus. Folglich
ist in casu der unbestrittene Verkehrswert von Fr. 2‘200‘000.-- als Vermögenswert zu berück-
sichtigen.
c) Die Liegenschaft ist mittels Hypotheken über Fr. 700‘000.-- finanziert, womit der-
zeit ein Anteil am Eigenkapital von Fr. 1‘500‘000.-- resultiert. Neben der Liegenschaft gehören
gemäss der Veranlagung der Staatssteuer 2013 vom 27. August 2015 auch noch Lebens- und
Rentenversicherungen in Höhe von Fr. 120‘000.-- zum Vermögen der Rekurrenten. Ein unter-
zeichneter Vorauszahlungsvertrag vom 24. April 2014 in Höhe von 97‘000 Euro für eine Le-
bensversicherung der G._ Versicherung (Versicherung Nr. (...)) liegt vor, jedoch ist die Vo-
rauszahlung dieses Betrags nicht belegt. Im Weiteren ist für diese Lebensversicherung zum 30.
November 2105 ein garantierter Rückkaufswert von 115‘309.03 Euro ausgewiesen. Es beste-
hen noch weitere Lebensversicherungen deren Status nicht restlos geklärt ist. Auch sind die
aktuellen Salden der Bankkonten der Rekurrenten nicht bekannt.
d) Selbst ohne Berücksichtigung dieser Versicherungen und allfälliger Bankgutha-
ben haben die Rekurrenten bereits ein Vermögen in Höhe von Fr. 1‘500‘000.--. Von diesem
Vermögen ist der Notgroschen im Betrag von Fr. 22‘876.83, der dem 3-fachen Grundbedarf
entspricht, abzuziehen. Somit ist vorliegend von einem Reinvermögen von mindestens Fr.
1‘477‘123.17 auszugehen.
e) Ein Steuererlass muss die seltene Ausnahme bilden. Bei Personen mit einem
derart hohen Vermögen, wie es die Rekurrenten aufweisen, wäre ein Steuererlass mehr als nur
stossend. Dabei spielt es keine Rolle, dass der Grossteil des Vermögens nicht in liquider, son-
dern in Form von Grundbesitz vorliegt (vgl. Entscheid der Steuerrekurskommission des Kantons
Bern vom 15. Dezember 2009 i.S.J., E. 6, publ. in: Die neue Steuerpraxis [NStP], 64 [2010], S.
17 ff.).
f) Demnach ist zu prüfen, ob den Rekurrenten ein Verkauf der Liegenschaft zumut-
bar ist.
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Sie bringen vor, dass sie die Liegenschaft als Vorerbe erhalten hätten und eine
Verwertung unbedingt vermeiden wollten. Dem ist entgegenzuhalten, dass Miteigentumsanteile
gemäss Art. 646 Abs. 3 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches vom 10. Dezember 1907
(ZBG) einzeln verkauft werden können und sowohl Miteigentums- als auch Gesamteigen-
tumsanteile an Grundstücken gemäss Art. 43 Ziff. 1 des Bundesgesetzes über Schuldbetrei-
bung und Konkurs vom 11. April 1889 (SchKG) für Steuerschulden auf dem Wege der Pfän-
dung zwangsverwertet werden können (Miteigentumsanteile gemäss der Verordnung des Bun-
desgerichts über die Zwangsverwertung von Grundstücken vom 23. April 1920 [VZG] und Ge-
samteigentumsanteile gemäss der Verordnung des Bundesgerichts über die Pfändung und
Verwertung von Anteilen an Gemeinschaftsvermögen vom 17. Januar 1923 [VVAG]). Zudem
weist die Liegenschaft gemäss dem Beschrieb in Erwägung 6a aufgrund der Grösse der Lie-
genschaft und der Bebauung (so z. B. Wasserbecken) einen überdurchschnittlichen Wohnkom-
fort auf. Es kann nicht Sinn und Zweck des Instituts des Steuererlasses sein, im Ergebnis einen
überdurchschnittlichen Lebenskomfort zu erhalten (vgl. Beusch/Raas, a.a.O., Art. 167 DBG N
15).
Den Rekurrenten ist es zumutbar ihre Liegenschaft zu verwerten, da durch den
Verkauf ihre Steuerschulden und Hypotheken getilgt werden können. Zudem könnten die Re-
kurrenten mit den nach der Bezahlung der Steuerschulden verbleibenden Mitteln wieder eine
Liegenschaft erwerben. Den Rekurrenten ist demnach die Bezahlung ihrer Steuerschulden aus
ihrem Vermögen möglich und auch zumutbar. Demzufolge ist weder ein Erlass noch ein Teiler-
lass der Steuerschuld zu gewähren.
g) Abschliessend ist festzuhalten, dass die Rekurrenten seit April 2017 über ein
höheres Einkommen als zuvor verfügen. Aufgrund dessen wäre eine Aufstockung der Hypothek
zur Bezahlung der Steuerschulden nochmals zu überprüfen. Wird eine Aufstockung durch die
Bank nicht gewährt, besteht für die Rekurrenten neben der Möglichkeit der Verwertung ihrer
Liegenschaft auch die Möglichkeit bei der Steuerverwaltung ein Gesuch um Zahlungserleichte-
rung gemäss Art. 166 Abs. 1 DBG resp. § 139a Abs. 1 StG zu stellen.
Zahlungserleichterungen sind der Bezugsbehörde dabei i.d.R. schriftlich und mit
hinreichender Begründung einzureichen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum
DBG, 3. A. Zürich 2016, Art. 166 N 4). Bei der Zahlungserleichterung handelt es sich um einen
Zahlungsaufschub (Erstreckung der Zahlungsfrist, Stundung) oder eine Ratenzahlung, auch
eine Kombination beider Massnahmen kommt in Frage. Allerdings besteht kein Rechtsanspruch
auf die Gewährung von Zahlungserleichterungen (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O.,
Art.166 N 1 und 2).
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Die Rekurrenten haben der Bezugsbehörde die erhebliche Härte glaubhaft dar-
zulegen, indem sie ihre gegenwärtige und künftige wirtschaftlichen Lage darlegen. Im Gegen-
satz zum Steuererlass, der zu einer langfristigen und dauernden Sanierung der wirtschaftlichen
Lage der steuerpflichtigen Personen beitragen soll, dient die Gewährung von Zahlungserleichte-
rungen der Überbrückung einer vorübergehenden wirtschaftlichen Notlage der Steuerpflichti-
gen. Die Zahlungserleichterung wird in der Regel gewährt, wenn die Steuerpflichtigen glaubhaft
machen, dass ihnen besondere Umstände die fristgerechte Bezahlung der Steuern verunmögli-
chen oder erschweren. Die Voraussetzungen für einen Steuererlass gemäss 167 Abs. 1 DBG
müssen nicht vorliegen (vgl. Frey, in: Zweifel/Beusch, a.a.O., Art. 166 DBG N 2 und 3). Mittels
Zahlungserleichterung soll vermieden werden, dass rechtlich zwar zulässige, aber im Hinblick
auf die Interessen aller am Steuerverhältnis Beteiligten voreilige Zwangsvollstreckungsmass-
nahmen stattfinden (vgl. Schorno, a.a.O., § 229 N 3). Die erhebliche Härte, die eine Zahlungs-
erleichterung rechtfertigen kann, liegt bei einer vorübergehender Illiquidität vor (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., Art.166 N 5).
Der Entscheid über die Gewährung und den Umfang von Zahlungserleichterun-
gen liegt im Ermessen der Bezugsbehörde (Frey, a.a.O., Art. 166 N 5). Gemäss Art. 166 Abs. 2
DBG resp. Art. 139a Abs. 2 StG können Zahlungserleichterungen von einer angemessenen
Sicherheitsleistung abhängig gemacht werden.
Schliesslich ist die Schuldensituation der Rekurrenten einer genaueren Untersu-
chung zu unterziehen. Diese ist anhand der vorliegenden Unterlagen nicht eindeutig feststell-
bar. Fest steht, dass eine Hypothekarschuld von insgesamt Fr. 700‘000.-- besteht. Nach Anga-
ben der Rekurrenten im Schreiben vom 18. August 2017 besteht jedoch noch eine weitere
Schuld bei der G._ Versicherung, wobei weder der Grund noch die Höhe substanziiert dar-
gelegt worden sind.
Aufgrund all dieser Erwägungen ist der Rekurs abzuweisen.
7. Ausgangsgemäss sind den Rekurrenten Verfahrenskosten in Höhe von Fr. 2‘000.-- auf-
zuerlegen (§ 130 StG i.V.m. § 20 Abs. 1 und 3 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die
Verfassungs- und Verwaltungsprozessordnung [VPO]).
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