# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 49629ce3-e1e5-43dc-8c0e-c43e4d6ff8d5
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 14
I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _1958 in O.1_ (L.1_) geboren. Von Beruf ist er nach eigenen Angaben Pilot/LKW-Fahrer. Anlässlich der Berufungsverhandlung vor dem Kantonsgericht Graubünden am 19. November 2014 äusserte sich X._ bezüglich seines Einkommens dahingehend, dass er momentan keiner Erwerbstätigkeit nachgehe. Er lebe von der Unterstützung seiner Verwandten und beziehe weder in L.1_ noch in der Schweiz Sozialhilfe. Über Vermögen verfüge er nicht. X._ ist verheiratet mit A._ und hat fünf Kinder (geboren 1977, 1990, 1998, 2001 und 2003). Gemäss Strafregisterauszug wurde X._ am 13. August 2012 von der Staatsanwaltschaft Graubünden zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 50.--, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 300.-- verurteilt, wegen rechtswidrigen Aufenthalts in der Schweiz gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG vom 16. Mai 2012 bis zum 18. Juni 2012 (vgl. angefochtenes Urteil S. 2; Akten StA act. 2.1).
B. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 19. März 2013, mitgeteilt am 21. März 2013, wurde X._ der mehrfachen rechtswidrigen Einreise und des mehrfachen rechtswidrigen Aufenthalts gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. a und b AuG schuldig gesprochen. Dafür wurde er mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 50.--, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 3 Jahren, sowie mit einer Busse von CHF 900.--, bzw. bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 15 Tagen, bestraft. Zudem wurde die mit Urteil vom 13. August 2012 durch die Staatsanwaltschaft bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 50.--, entsprechend CHF 1'500.-- widerrufen und für vollziehbar erklärt. Die Verfahrenskosten wurden X._ auferlegt. Dem Strafbefehl lag folgender Sachverhalt zu Grunde (vgl. Akten StA act. 1.1):
"Am 20. Januar 2012 ersuchte der deutsche Staatsangehörige X._ die zuständige Behörde um eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung sowie um Erteilung von Aufenthaltsbewilligungen für seine beiden minderjährigen Söhne im Rahmen des Familiennachzugs. Diese Gesuche wurden abgewiesen, worauf der Beschuldigte am 05. Juli 2012 aus der Schweiz ausgeschafft wurde.
Spätestens am 16. August 2012 reiste X._ in Kenntnis obiger Entscheide erneut in die Schweiz ein, um hier Wohnsitz zu nehmen. In der Folge hielt er sich bis zur nächsten Ausschaffung vom 22. August 2012 widerrechtlich in der Schweiz auf. Schliesslich reiste der Beschuldigte zur Wohnsitznahme spätestens am 17. Oktober 2012 wiederum in die Schweiz
Seite 3 — 14
ein und hielt sich bis zur polizeilichen Intervention vom 19. Oktober 2012 illegal hier auf.
X._ wurde am 13. August 2012 von der Staatsanwaltschaft Graubünden wegen rechtswidrigen Aufenthalts gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. b AuG unter anderem zu einer bedingten Geldstrafe von 30  zu je CHF 50.--, unter Anordnung einer zweijährigen Probezeit, verurteilt. Zwischenzeitlich hat er wiederholt gegen dieselbe Strafnorm verstossen. Es kann ihm daher keine günstige Prognose im Sinne von Art. 46 StGB mehr gestellt werden, weshalb der bedingte Strafvollzug zu widerrufen und die Geldstrafe zu vollziehen ist."
C. Gegen diesen Strafbefehl liess X._ am 2. April 2013 durch seinen Sohn B._ Einsprache erheben (vgl. Akten StA act. 1.2). Daraufhin ergänzte die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung. Am 14. Juni 2013 wurde X._ von der Staatsanwaltschaft Aachen rechtshilfeweise einvernommen, wobei dieser die Einvernahme mit der Begründung, er wolle durch die Staatsanwaltschaft Graubünden einvernommen werden, verweigerte (vgl. Akten StA act. 3.8).
D. Am 29. Juli 2013 teilte die Staatsanwaltschaft X._ mit, dass die Strafuntersuchung abgeschlossen sei. Gleichzeitig stellte sie auf Grund der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse die Überweisung des Strafbefehls ans Gericht gemäss Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO in Aussicht. Zudem wurde ihm eine Frist von 10 Tagen angesetzt, um allfällige Beweisanträge geltend zu machen (vgl. Akten StA act. 1.5). Mit Schreiben vom 7. August 2013 reichte X._ diverse Unterlagen ein (vgl. Akten StA act. 3.12).
E. Mit Schreiben vom 20. August 2013 teilte die Staatsanwaltschaft X._ mit, dass die von ihm mit Schreiben vom 7. August 2013 aufgeworfenen Kritikpunkte nicht das vorliegende Strafverfahren betreffen würden, in welchem es ausschliesslich um die Frage gehe, inwiefern er von einer zuständigen Stelle erlassene ausländerrechtliche Verfügungen missachtet habe. Soweit er unter diesen Umständen die Einsprache zurückziehen wolle, solle er dies bis am 5. September 2013 mitteilen, ansonsten das Verfahren im Sinne der Parteimitteilung vom 29. Juli 2013 fortgesetzt werde (vgl. Akten StA act. 1.6).
F. Im Schreiben vom 31. August 2013 an die Staatsanwaltschaft (vgl. Akten StA act. 1.7) hielt X._ fest: "Ich danke Ihnen für Ihr mir gegenüber gezeigtes Vertrauen und nehme meine Einwände gegen o.g. Verfahren hiermit offiziell zurück." Aufgrund dieser Formulierung schrieb die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 16. September 2013, mitgeteilt am 19. September 2013, das gemäss Art. 355 StPO geführte Untersuchungsverfahren infolge Rückzugs der Einsprache ab und hielt fest, dass der Strafbefehl vom 19. März 2013, mitgeteilt
Seite 4 — 14
am 21. März 2013, rechtskräftig sei und keine zusätzlichen Kosten erhoben würden (vgl. Akten StA act. 1.8).
G. Dagegen erhob X._ mit Eingabe vom 25. September 2013, der Post am 26. September 2013 zwecks Zustellung übergeben, Beschwerde zuhanden des Kantonsgerichts von Graubünden. Mit Schreiben vom 9. Oktober 2013 erklärte sich die Staatsanwaltschaft bereit, das Verfahren wieder aufzunehmen (vgl. Akten StA act. 1.9) woraufhin das Kantonsgericht von Graubünden die Beschwerde mit Verfügung SK2 13 51 vom 10. Oktober 2013, mitgeteilt am 24. Oktober 2013, guthiess, die angefochtene Abschreibungsverfügung aufhob und die Staatsanwaltschaft anwies, das Verfahren wieder aufzunehmen (vgl. Akten StA act. 1.10). Mit Verfügung vom 28. Oktober 2013 nahm die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung gegen X._ wegen Widerhandlung gegen Art. 115 AuG wieder auf (vgl. Akten StA act. 1.11).
H. Am 6. November 2013, mitgeteilt am 13. November 2014, verfügte die Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO die Überweisung des Strafbefehls ans Bezirksgericht Prättigau/Davos. Zudem teilte sie mit, dass sie am Strafbefehl festhalte und die Akten dem erstinstanzlichen Gericht zur Durchführung des Hauptverfahrens überweise, wobei der Strafbefehl gemäss Art. 356 Abs. 1 StPO als Anklageschrift gelte. Ausserdem verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine Vorladung zur Hauptverhandlung (vgl. Akten StA act. 1.12).
I. Mit prozessleitender Verfügung des Bezirksgerichts Prättigau/Davos vom 24. Februar 2014 wurde X._ zur Hauptverhandlung auf den 5. Juni 2014 vorgeladen und es wurde ihm eine 10-tägige Frist angesetzt, um Beweisanträge zu stellen und zu begründen (vgl. vorinstanzliche Akten act. 3). Mit Schreiben vom 7. März 2014, am 12. März 2014 beim Bezirksgericht eingegangen, beantragte X._ die Einvernahme von "Staatsanwalt Dr. iur. C._", "Regierungsrat Dr. iur. D._", "lic. iur. E._, Amt für Zivilrecht", "lic. iur. F._, Chef Strassenverkehrsamt Graubünden" oder alternativ den "Fahrprüfungsexperte G._" und "H._, Kantonspolizei Graubünden" als Zeugen (vgl. vorinstanzliche Akten act. 4). Mit Verfügung vom 13. März 2014 wurde dieser Beweisantrag abgelehnt. Begründend wurde ausgeführt, die Angelegenheit werde aufgrund der vorliegenden Akten als spruchreif erachtet. Es sei X._ jedoch unbenommen, den Antrag anlässlich der Hauptverhandlung erneut zu stellen.
Seite 5 — 14
J. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Prättigau/Davos fand am 5. Juni 2014 statt. X._ erschien dazu in Begleitung seines Sohnes B._. Die Staatsanwaltschaft war nicht zugegen. Ihr Schlussantrag blieb daher unverändert gemäss Strafbefehl vom 19. März 2013, mitgeteilt am 21. März 2013 (vgl. Akten StA act. 1.1).
K. Das Bezirksgericht Prättigau/Davos eröffnete und begründete das Urteil in Anwesenheit von X._ und seinem Sohn B._ am 5. Juni 2014 mündlich. Anschliessend verzichtete X._ schriftlich auf die Zustellung eines Urteilsdispositivs und wünschte die direkte Zustellung eines begründeten Urteils (vgl. vorinstanzliche Akten act. 9). Das Bezirksgericht Prättigau/Davos teilte daraufhin den Parteien das begründete Urteil am 8. Juli 2014 mit. Darin erkannte es wie folgt:
"1. X._ ist schuldig der mehrfachen rechtswidrigen Einreise und des mehrfachen rechtswidrigen Aufenthaltes gemäss Art. 115 Abs. 1 lit. a und b AuG.
2. Dafür wird X._ bestraft mit
a) einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je CHF 50.00. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren aufgeschoben.
b) einer Busse von CHF 900.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 15 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3. Die mit Urteil vom 13. August 2012 durch die Staatsanwaltschaft Graubünden bedingt ausgesprochene Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 50.00, entsprechend CHF 1'500.00, wird widerrufen und für vollziehbar erklärt.
4. Die Kosten des Verfahrens von CHF 2'970.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 970.00, Gerichtsgebühren CHF 2'000.00) gehen zu Lasten von X._.
X._ schuldet dem Bezirksgericht Prättigau/Davos folglich:
Busse CHF 900.00
unbedingte Geldstrafe CHF 1'500.00
Verfahrenskosten CHF 2'970.00
Total CHF 5'370.00
In Rechtskraft erwachsene Bussen, unbedingte Geldstrafen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids mit beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen.

## Considerations