# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f6542cb3-7e16-4cb9-b5c4-cdff86ace99a
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

den Akten entnommen:
A. Mit Einspracheentscheid vom 6. Oktober 2020 wies die Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region Seeland (Steuerverwaltung), die von A_ (Rekurrentin) erhobene
Einsprache gegen die Veranlagung betreffend die kantonalen Steuern pro 2019 ab, da sich die
Einsprache nicht gegen einen konkreten Punkt gerichtet habe.
B. Gegen den Einspracheentscheid hat die Rekurrentin mit Schreiben datiert vom 6. November 2020 (der Schweizerischen Post übergeben am 10.11.2020) bei der Steuer-
rekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) Rekurs erhoben. Darin rügt sie
einen Verstoss gegen das Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
gemäss Art. 127 der Bundesverfassung (BV, SR 101). Ihr Einkommen liege unter dem
Existenzminimum, weshalb sie ausserstande sei, die veranlagte Steuer von CHF 440.-- zu
bezahlen.
C. Mit Verfügung vom 11. November 2020 hat der Instruktionsrichter die Rekurrentin darauf hingewiesen, dass die Postaufgabe des Rekursschreibens mehr als 30 Tage nach der
Eröffnung des Einspracheentscheids erfolgt sei und ihr Gelegenheit gegeben, bis zum
2. Dezember 2020 Entschuldigungsgründe dafür zu nennen und einen Kostenvorschuss zu
bezahlen.
D. Innert der vom Instruktionsrichter verlängerten Frist hat die Rekurrentin am 4. Januar 2021 ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege gestellt und das hierfür nötige Formular sowie
entsprechende Unterlagen am 28. Januar 2021 eingereicht. In den Eingaben äusserte sie sich
nicht zu allfälligen Entschuldigungsgründen.
E. Am 10. Februar 2021 hat sich die Steuerverwaltung vernehmen lassen. Sie beantragt, den Rekurs abzuweisen, falls genügende Entschuldigungsgründe vorliegen würden. Ansonsten
sei auf den Rekurs zufolge verspäteter Einreichung nicht einzutreten.
F. Mit Eingabe vom 15. März 2021 hat die Rekurrentin dazu Stellung genommen und geltend gemacht, dass das Rekursschreiben nicht verspätet eingereicht worden sei. Der
Einspracheentscheid trage das Datum vom 6. Oktober 2020 und sei als Massenversand mit B-
Post aufgegeben worden. Sie habe ihn erst am 12. Oktober 2020 erhalten, so dass die
Rechtsmittelfrist bei der Einreichung des Rekurses am 9. November 2020 noch nicht
abgelaufen gewesen sei. In materieller Hinsicht hält sie daran fest, dass die veranlagten
Steuern dem Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
widersprächen. Ihr Einkommen bestehe lediglich aus einer AHV-Rente von CHF 12'768.--. Der
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Kanton Bern sei der einzige Kanton, der bei einem so niedrigen Einkommen Steuern erhebe.
Die Bundesverfassung gelte
jedoch in der ganzen Schweiz.
G. Auf den Inhalt der Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission angefochten werden (Art. 195
ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Die Rekurrentin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
ihren Anträgen nicht durchgedrungen. Sie ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art.
195 Abs. 2 StG i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die
Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]).
2. Gegen Einspracheentscheide der Steuerverwaltung kann die steuerpflichtige Person innert einer Frist von 30 Tagen nach Eröffnung Rekurs bzw. Beschwerde erheben (Art. 196
Abs. 1 StG). Die Frist beginnt mit dem auf die Eröffnung folgenden Tag zu laufen (Art. 151 StG
i.V.m. Art. 41 Abs. 1 VRPG). Um die Rechtsmittelfrist zu wahren, muss die Eingabe spätestens
am letzten Tag der Frist der Behörde, der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen
Vertretung im Ausland übergeben werden. Fällt der letzte Tag auf einen Samstag, Sonntag
oder staatlich anerkannten Feiertag, endet die Frist am nächstfolgenden Werktag (Art. 151 StG
i.V.m. Art. 41 Abs. 2 VRPG).
3. Der angefochtene Entscheid datiert vom 6. Oktober 2020 und wurde nach der nicht wiederlegten Darstellung der Rekurrentin mit B-Post versandt. Seitens der Post wird von
Montag bis Freitag eine Zustellung innerhalb vom drei Arbeitstagen zugesichert
(<https://www.post.ch>, Menu > Briefe versenden > Briefe Inland > Der Günstige B-Post Brief >
B-Post-Einzelsendung, abgerufen am 22.3.2021). Mit einem Versand am aufgedruckten Datum
(einem Dienstag) wäre der dritte Arbeitstag der Freitag, 9. Oktober 2020, gewesen. Die Post hat
die Zuverlässigkeit des B-Post-Versands mit 98.9 % angegeben (für das Jahr 2019, vgl. die
Medienmitteilung der Post <https://www.post.ch/de/ueber-
uns/medien/medienmitteilungen/2019/die-post-liefert-ihren-kunden-briefe-und-pakete-
aeusserst-zuverlaessig-und-puenktlich>, abgerufen am 22.3.2021). Vereinzelte Verspätungen
sind demnach nicht auszuschliessen. Die Rekurrentin gibt an, dass sie den angefochtenen
https://www.post.ch
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Entscheid am Montag, den 12. Oktober 2020, erhalten habe. Da B-Post am Samstag nicht
zugestellt wird, ist der besagte Montag der auf den Freitag, 9. Oktober 2020, folgende
Arbeitstag. Mit anderen Worten bedeutet eine Zustellung an jenem Montag, dass der
angefochtene Entscheid statt innerhalb von drei Arbeitstagen am vierten Arbeitstag der
Rekurrentin zugegangen ist. Die Überschreitung der zugesicherten Zustellfrist um lediglich
einen Tag erscheint nicht als unrealistisch, so dass die Darstellung der Rekurrentin als
glaubhaft anzusehen ist. Der gegen den Einspracheentscheid erhobene Rekurs trägt den
Poststempel vom 10. November 2020, womit die 30-tägige Einsprachefrist eingehalten und auf
den Rekurs einzutreten ist.
4. Da der Streitwert unter CHF 10'000.-- liegt, fällt der vorliegende Entscheid in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
5. Strittig ist, ob der angefochtene Entscheid das Prinzip der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gemäss Art. 127 Abs. 2 BV respektiert.
6. Die Rekurrentin bringt vor, dass ihr Einkommen lediglich aus einer AHV-Rente von CHF 12'768.-- bestehe und dass sie unter dem Existenzminimum lebe. Angesichts dieses
Einkommens würden die veranlagten Steuern in der Höhe von CHF 440.-- dem Prinzip der
Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit widersprechen. Der Kanton Bern sei
der einzige Kanton, der bei einem so niedrigen Einkommen Steuern erhebe. Die
Bundesverfassung gelte jedoch in der ganzen Schweiz.
6.1 Zunächst ist festzuhalten, dass die Rekurrentin nicht den Vorwurf einer fehlerhaften Veranlagung erhebt. Die Steuerverwaltung hat in der Vernehmlassung hervorgehoben, dass sie
auf die Kritik der Rekurrentin hin die Veranlagung nochmals überprüft, aber keinen Fehler
gefunden habe. Dem hat die Rekurrentin nicht widersprochen. Eine Kontrolle mit dem Online-
Steuerrechner (<http://www.stebe.apps.be.ch/steuerberechnung/jst/html/pst.jsp>) bestätigt
diese Feststellung, so dass die Höhe der veranlagten Steuer dem vorgesehenen Tarif
entspricht und damit die Veranlagung mit dem kantonalen Steuergesetz übereinstimmt.
6.2 Gemäss Art. 129 Abs. 1 BV legt der Bund Grundsätze fest über die Harmonisierung der direkten Steuern von Bund, Kantonen und Gemeinden; er berücksichtigt die
Harmonisierungsbestrebungen der Kantone. Die Harmonisierung erstreckt sich auf
Steuerpflicht, Gegenstand und zeitliche Bemessung der Steuern, Verfahrensrecht und
Steuerstrafrecht. Von der Harmonisierung ausgenommen bleiben insbesondere die
Steuertarife, Steuersätze und Steuerfreibeträge (Art. 129 Abs. 2 BV).
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Aus dieser Bestimmung ergibt sich somit ausdrücklich, dass die Kantone nicht verpflichtet sind,
den gleichen Steuertarif anzuwenden. Aus dem Umstand, dass in anderen Kantonen
Einkommen in gleicher Höhe wie das ihrige steuerfrei sind, lässt sich entgegen der Auffassung
der Rekurrentin kein Verstoss gegen die Bundesverfassung ableiten, weil letztere kraft der
zitierten Bestimmung von Art. 129 Abs. 2 BV unterschiedliche Tarife und Steuersätze
ausdrücklich zulässt.
6.3 Der Grundsatz der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gebietet, dass die Steuerpflichtigen nach Massgabe der ihnen zustehenden Mittel gleichmässig belastet
werden und sich die Steuerbelastung nach den persönlichen Verhältnissen der
Steuerpflichtigen und den Wirtschaftsgütern richten muss, die ihnen zur Verfügung stehen (vgl.
Vallender/Wiederkehr, Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl.,
2014, N. 23 zu Art. 127 BV). Dem Leistungsfähigkeitsprinzip lässt sich unmittelbar entnehmen,
dass Personen und Personengruppen gleicher Einkommensschicht gleich viel Steuern zu
bezahlen haben (sog. horizontale Steuergerechtigkeit). Personen mit verschieden hohen
Einkommen sind unterschiedlich zu belasten (BGer 2C_1145 und 1146/2013 vom 20.9.2014,
E. 5.2). Aus demokratischer Sicht obliegt es dem Steuergesetzgeber (Art. 127 Abs. 1 BV), das
Steuersystem zu gestalten, bei Wertkonflikten zu entscheiden und Besteuerungsgrundsätze so
zu konkretisieren, dass das Abgaberecht die Kriterien der Klarheit, Berechenbarkeit und
Sicherheit erfüllt. Unter diesem Blickwinkel ist der vertikale Vergleich – das heisst der Vergleich
zwischen Steuerpflichtigen mit unterschiedlicher wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit –
schwieriger als der horizontale Vergleich. Dennoch verlangt das Prinzip der Besteuerung nach
der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit auch im horizontalen Verhältnis keine absolut gleiche
Besteuerung, da auch hier die Vergleichbarkeit beschränkt ist. Bei der Überprüfung muss sich
ein Gericht daher eine gewisse Zurückhaltung auferlegen, da es sonst Gefahr läuft, neue
Ungleichheiten zu schaffen, wenn es im Hinblick auf zwei Kategorien von Steuerpflichtigen
Gleichheit erzielen will. Das Gericht darf nicht leichtfertig von den vom Gesetzgeber erlassenen
gesetzlichen Vorschriften abweichen (BGE 140 II 157 E. 7.3 in Pra 2014 Nr. 84).
6.4 Das Bundesgericht hatte im Entscheid BGE 122 I 101 einen vergleichbaren Sachverhalt wie vorliegend zu entscheiden. Beschwerdeführerin war eine Person, welche eine IV-Rente
sowie Ergänzungsleistungen bezog und in gleicher Weise beanstandete, dass die veranlagte
Steuer das Grundrecht auf Wahrung des Existenzminimums verletze. Das Bundesgericht erwog
in jenem Fall, dass aus der Verfassung (damals Art. 4 aBV) keine Pflicht der Kantone abgeleitet
werden könne, einen bestimmten Betrag in der Höhe eines irgendwie definierten Existenz-
minimums von vornherein steuerfrei zu belassen (vgl. dazu und zum nachfolgenden
BGE 122 I 101 E. 3 ff.). Da dem kantonalen Gesetzgeber in der Konkretisierung der
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Steuertarife, Steuersätze und Steuerfreibeträge eine erhebliche Freiheit zustehe, seien bei der
Ausgestaltung eines Steuersystems politische Wertungen erforderlich. Auch seien
unterschiedliche
sozial- und finanzpolitische Ansichten möglich und zulässig. Ein genereller, einheitlich
festgelegter Abzug für das Existenzminimum könnte seinerseits ebenfalls mit dem Grundsatz
der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit in Konflikt treten. So könnte in
manchen Fällen, zum Beispiel bei Steuerpflichtigen mit stark schwankendem Einkommen, mit
grossem Vermögen und relativ geringem Einkommen oder mit erheblichen steuerfreien
Vermögenszugängen (etwa aus Vermögensgewinnen auf Privatvermögen) eine solche
Befreiung dazu führen, dass Einkommensbestandteile steuerbefreit würden, obwohl
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit gegeben wäre. Gerade letzteres trifft auf die Rekurrentin zu,
da die ihr ausgerichteten Ergänzungsleistungen steuerbefreit sind (Art. 29 Abs. 1 Bst. i StG).
6.5 Gemäss dem erwähnten Bundesgerichtsurteil kann verfassungsrechtlich einzig verlangt werden, dass niemand durch eine staatliche Abgabeforderung effektiv in seinem Recht auf
Existenzsicherung verletzt wird (dazu und zum nachfolgenden BGE 122 I 101 E. 3 ff.). Es ist
dem Gesetzgeber überlassen, auf welche Weise er dieser Vorgabe genügen will. Er kann dies
generell durch die Festlegung des Steuertarifs oder von Steuerfreibeträgen und Abzügen
erreichen, oder im Einzelfall mittels Gewährung von Steuererlass in Fällen von Bedürftigkeit.
Schliesslich wird in der Regel die Sicherung des existenznotwendigen Bedarfs bereits durch
das Bundesgesetz vom 11. April 1889 über Schuldbetreibung und Konkurs (SchKG; SR 281.1)
erfüllt. Dieses bestimmt in Art. 92 Abs. 1 Ziff. 9a SchKG, dass die Renten gemäss Artikel 20 des
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1946 über die Alters- und Hinterlassenenversicherung
(AHVG; SR 831.10) sowie die Leistungen gemäss Artikel 12 des Bundesgesetzes vom 19. März
1965 über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG;
SR 831.30) unpfändbar sind. Das Bundesgericht hat festgehalten (vgl. BGE 122 I 101 E. 3),
dass dem Verfassungsrecht Genüge getan ist, indem die steuerpflichtige Person im Ergebnis
die Steuerforderung nicht begleichen muss. Aufgrund des Umstands, dass das Einkommen der
Rekurrentin aus einer AHV-Rente und Ergänzungsleistungen besteht, ist sie demnach vor
betreibungsrechtlichen Eingriffen in ihr Existenzminimum geschützt.
6.6 Selbst wenn vorliegend nicht eine Unpfändbarkeit der AHV-Rente und der Ergänzungsleisten gegeben wäre, würde die veranlagte Steuer das Existenzminimum nicht
verletzen. Nach Art. 93 SchKG wird ein betreibungsrechtliches Existenzminimum definiert,
dessen Berechnung dem Kreisschreiben Nr. B1 der Aufsichtsbehörde in Betreibungs- und
Konkurssachen für den Kanton Bern in der Fassung vom 1. April 2010 zu entnehmen ist
(einsehbar unter: <https://www.justice.be.ch>, Rubriken "Zivilverfahren > Kreisschreiben >
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SchKG > Kreisschreiben Nr. B1_Richtlinien über die Berechnung des Existenzminimums",
nachfolgend: Kreisschreiben B1). Dessen Beilage 1 enthält die einzelnen Ansätze gemäss den
Richtlinien vom 1. Juli 2009 der Konferenz der Betreibungs- und Konkursbeamten der Schweiz
für die
Berechnung des betreibungsrechtlichen Existenzminimums. Eine andere Definition des
Existenzminimums erfolgt durch die von der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe
herausgegebenen Richtlinien (SKOS-Richtlinien). Dabei ist zu beachten, dass der Grundbetrag
gemäss den SKOS-Richtlinien sowohl unter dem betreibungsrechtlichen Grundbetrag wie auch
unter demjenigen für die Bemessung von Ergänzungsleistungen liegt (abrufbar unter:
<https://richtlinien.skos.ch/b-materielle-grundsicherung/b2-grundbedarf-fuer-den-lebensunter-
halt-gbl/b21-anspruch-und-inhalt>, abgerufen am 22.3.2021).
6.7 Die Rekurrentin hat vorliegend auf die ihr zur Verfügung stehende AHV-Rente von CHF 12'768.-- pro Jahr hingewiesen. Bei der Betrachtung ihres Existenzminimums sind jedoch
auch die ausgerichteten Ergänzungsleistungen einzubeziehen, selbst wenn sie nicht steuerbar
sind (E. 6.4). Gemäss dem Berechnungsblatt der Ausgleichskasse (unnummerierte Beilage zum
Gesuch für unentgeltliche Rechtspflege vom 28.1.2021) wird bei den Ergänzungsleistungen als
Grundbetrag von CHF 19'450.-- im Jahr eingesetzt. Daher ergeben die AHV-Rente und die
Ergänzungsleistungen zusammen ein Einkommen in der Höhe von CHF 30'918.-- (monatlich
CHF 2'577.--). Der Steuerrekurskommission ist bewusst, dass dies ein sehr bescheidenes
Einkommen darstellt. Indessen überschreitet es sowohl das existenzsichernde Minimum der
Sozialhilfe wie auch die betreibungsrechtliche Pfändungslimite nach Art. 93 SchKG. Mit dem im
Betreibungsrecht angewendeten Grundbetrag von CHF 14'400.-- (siehe das zitierte
Kreisschreiben Nr. B1, E. 6.6) würde sich das Existenzminimum der Rekurrentin lediglich auf
CHF 25'568.-- jährlich belaufen. Selbst wenn man also vom gegenwärtigen Einkommen der
Rekurrentin die veranlagte Steuer von CHF 440.-- abzieht, würde das betreibungsrechtliche
Existenzminimum nicht unterschritten und erst recht nicht das noch tiefer liegende sozial-
hilferechtliche Existenzminimum (E. 6.6. am Schluss).
7. Aus den genannten Gründen ist vorliegend eine Verletzung des Grundsatzes der  nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu verneinen, was zur Abweisung des
Rekurses führt. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Rekurrentin grundsätzlich
kostenpflichtig. Aufgrund der besonderen Verhältnisse wird jedoch im vorliegenden Fall auf die
Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet (Art. 200 Abs. 3 StG). Damit wird das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege gegenstandslos und kann abgeschrieben werden.
8. Da die Rekurrentin im vorliegenden Fall unterliegt, werden keine Parteikosten gesprochen (Art. 200 Abs. 4 StG).
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