# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 19272849-607d-4284-959c-c047e65fc732
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend vorsorgliche Massnahme
(mit Antrag auf superprovisorischen Erlass)
Berufung gegen Verfügung und Urteil des Einzelgerichtes Audienz des  Zürich vom 26. Oktober 2021 (ET210036)
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Rechtsbegehren der Gesuchstellerinnen: (act. 1 S. 2 f.)
"1. Die Bank F._ AG, G._-strasse ..., ... Zürich, sei , die Konten und Depots des Portfolios Nr. 1 (lautend auf A._, Dr. E._ und Dr. D._ als Trustees des H._) sowie jegliche weiteren auf diese Personen in ihrer Funktion als Trustees des H._ lautenden Konten und Depots  zu sperren und per sofort keine vermögensrechtlichen  etc.) mehr auszuführen.
Eventualiter: Die Bank F._ AG, G._-strasse ..., ... , sei anzuweisen, die Depots des Portfolios Nr. 1 (lautend auf A._, Dr. E._ und Dr. D._ als Trustees des H._) sowie jegliche weiteren auf diese Personen in ihrer Funktion als Trustees des H._ lautenden Depots im Umfang von USD 59'476'012 zu sperren und per sofort keine vermögensrechtlichen Belastungen (Abverfügungen, Bestellung von Sicherheiten etc.) in diesem Umfang mehr auszuführen.
2. Die Bank F._ AG, G._-strasse ..., ... Zürich, sei anzu-
weisen, die auf den erwähnten Depots belegenen  in Übereinstimmung mit dem bestehenden  konservativ zu verwalten.
3. Gegenüber den Organen der Bank F._ AG sei für den Fall der
Nichtbefolgung der gerichtlichen Anordnung gemäss den  Ziffer 1 und 2 die Strafandrohung nach Art. 292 StGB auszusprechen.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Ge-
suchsgegner, unter solidarischer Haftung."
Verfügung des Einzelgerichtes: (act. 12 S. 8)
1. Bezüglich der Gesuchstellerin 3 wird auf das Gesuch vom 21. Oktober 2021 nicht eingetreten.
2. Schriftliche Mitteilung und Rechtsmittel gemäss nachfolgendem Er-
kenntnis.
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Urteil des Einzelgerichtes: (act. 12 S. 8)
1. Das Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen vom 21. Oktober 2021 wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr von CHF 3'000.– wird den Gesuchstellerinnen
unter solidarischer Haftung für den ganzen Betrag auferlegt.
3. Mitteilungen
4. Rechtsmittel
Berufungsanträge der Gesuchstellerinnen und Berufungsklägerinnen: (act. 13 S. 2 f.)
"1. Die Verfügung und das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 26. Oktober 2021 (Geschäfts-Nr. ET210036-L) sei aufzuheben.
2. Die Bank F._ AG, G._-strasse ..., ... Zürich, sei anzuweisen,
die Konten und Depots des Portfolios Nr. 1 (lautend auf A._, Dr. E._ und Dr. D._ als Trustees des H._) sowie jegliche weiteren auf diese Personen in ihrer Funktion als Trustees des H._ lautenden Konten und Depots im Umfang von USD 59'476'012 zu sperren und per sofort keine vermögensrechtlichen Belastungen (Abverfügungen, Bestellungen von Sicherheiten etc.) in diesem Umfang mehr auszuführen.
Eventualiter: Die Bank F._ AG, G._-strasse ..., ... Zürich, sei anzuweisen, die Depots des Portfolio Nr. 1 (lautend auf A._, Dr. E._ und Dr. D._ als Trustees des H._) sowie jegliche weiteren auf diese Personen in ihrer Funktion als Trustees des H._ lautenden Depots im Umfang von USD 59'476'012 zu sperren und per sofort keine vermögensrechtlichen Belastungen (, Bestellung von Sicherheiten etc.) in diesem Umfang mehr .
3. Die Bank F._ AG, G._-strasse ..., ... Zürich, sei anzuweisen,
die auf den erwähnten Depots belegenen Vermögenswerte in  mit dem bestehenden Vermögensverwaltungsauftrag  zu verwalten.
4. Gegenüber den Organen der Bank F._ AG sei für den Fall der
Nichtbefolgung der gerichtlichen Anordnungen gemäss den  1 und 2 die Strafdrohung nach Art. 292 StGB auszusprechen.
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5. Eventualiter sei die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz .
6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beru-
fungsbeklagten, unter solidarischer Haftung."

## Considerations

Erwägungen:
A. I._ gründete 1862 in J._ [Stadt in Kuba] die ...-brennerei S._.
Nach der kubanischen Revolution im Jahr 1960 verlegte die heutige S1._ ih-
ren Sitz von Kuba auf die K._ [britisches Überseegebiet]. Das Unternehmen
hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem bedeutenden Hersteller von
Spirituosen und alkoholischen Mischgetränken entwickelt. Die S1._ ist eine
im Privatbesitz befindliche Aktiengesellschaft. Nach eigener Darstellung ist sie
das grösste Spirituosenunternehmen der Welt, das nicht an der Börse kotiert ist
(https://www.S1._.com/.../.../).
B. Als Urenkel des Firmengründers wurde 1933 L._ geboren (act. 13
Rz. 31–33). Im Jahr 1979 errichtete die Mutter von L._ zu seinen Gunsten
den M._-ischen [Land in Europa] N._, der später in O._ umbenannt
wurde. Der O._ hielt indirekt über die P._ Anstalt eine Minderheitsbetei-
ligung in der Höhe von ca. 6 % an der S1._ (act. 13 Rz. 50). Die Gesuchstel-
lerinnen schätzen den Wert der Beteiligung auf USD 1,5 bis 2 Milliarden (act. 13
Rz. 50). Im Jahr 2001 erreichte der O._ das Ende seiner Laufzeit. In der Fol-
ge übertrugen seine Trustees die Gründerrechte an der P._ Anstalt auf die
Gesuchstellerin 3. Es handelt sich bei der Gesuchstellerin 3 um eine M._-
ische Anstalt, die unter der Kontrolle von L._ stand (act. 13 Rz. 51–53).
C. L._ war seit dem Jahr 2000 mit der Gesuchstellerin 1 bzw. Berufungs-
klägerin 1 (nachstehend Gesuchstellerin 1) verheiratet (act. 13 Rz. 35). Aus die-
ser Ehe ging am tt.mm.2001 die Gesuchstellerin 2 bzw. Berufungsklägerin 2
(nachstehend Gesuchstellerin 2) hervor. Die Gesuchstellerin 2 ist das einzige
Kind von L._ (act. 13 Rz. 35). Am tt.mm.2003 errichtete L._ mit zwei
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weiteren Trustees den H._. Mit Beschluss vom 16. Dezember 2003 übertrug
die Gesuchstellerin 3 die Gründerrechte der P._ Anstalt auf den H._.
Am 23. Juli 2003 wurde die Q._ Anstalt gegründet, welche weitere S._-
Aktien von L._ hielt. In der Folge wurden die Gründerrechte an der Q._
Anstalt ebenfalls in den H._ eingebracht. Am Ende hielt der H._ folglich
die Gründerrechte der Q._ Anstalt und der P._ Anstalt. Im H._ re-
gelte L._, welche Personen nach seinem Tod aus seinem Nachlass begüns-
tigt werden sollen (act. 4/26). Am tt.mm.2005 starb L._ an seinem langjähri-
gen Wohnsitz in R._ [Land in Europa] (act. 4/7). Wie seinerzeit L._ le-
ben seine letzte Ehefrau, die Gesuchstellerin 1, und seine Tochter, die Gesuch-
stellerin 2, in R._.
D. Gemäss Art. 2 des [Haager] Übereinkommens über das auf Trusts anzu-
wendende Recht und über ihre Anerkennung vom 1. Juli 1985 unterstellt der
Gründer (engl. Settlor) bei einem Trust einen Teil oder sein ganzes Vermögen
zugunsten eines Begünstigten oder für einen bestimmten Zweck der Aufsicht ei-
nes Treunehmers (engl. Trustee). Der Treunehmer wird Eigentümer und Verwal-
ter dieser Vermögenswerte. Die begünstigte Person (engl. Beneficary) erhält nach
Massgabe des Trustzwecks Leistungen aus dieser Vermögensmasse. Das Trust-
vermögen bildet ein getrenntes Sondervermögen. Obwohl es nicht zu einem Be-
standteil des persönlichen Vermögens des Trustees wird, lauten die Vermögens-
werte auf den Namen des Trustees.
E. Vorliegend hat L._ seine S1._-Aktien über weitere Gesellschaften
indirekt in den H._ eingebracht. Er ist mithin der Gründer, das heisst der
Settlor, dieses Trusts. Die Gesuchstellerinnen sind gemäss Deed of appointment
made by the H._ neben weiteren Personen die Begünstigten (Beneficaries)
des Trusts (act. 4/25 f.). Als Verwalter, sprich als Trustees, amten zur Zeit
Dr. D._ (Gesuchsgegner 1 und Berufungsbeklagter 1, nachfolgend Ge-
suchsgegner 1), Dr. E._ (Gesuchsgegner 2 und Berufungsbeklagter 2, nach-
folgend Gesuchsgegner 2) und die Gesuchstellerin 1 (act. 4/77). Die Gesuchstel-
lerin 1 ist mithin gleichzeitig Beneficary und Trustee des H._.
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F. Das Vermögen des H._ umfasst neben der erwähnten Minderheitsbe-
teiligung an der S1._ auch die im Laufe der Zeit ausgeschütteten Dividenden
dieser Gesellschaft. Der H._ hat einen Teil dieser Vermögenserträge bei der
Bank F._ AG in Wertschriften angelegt. Die auf die Trustees lautenden Kon-
ten und Depots des Bankportfolios Nr. 1 bestanden per 18. März 2021 aus kurz-
fristigen Anlagen im Wert von USD 512'850, Obligationen im Wert von
USD 50'251'059 sowie Aktien im Wert von USD 11'078'744 (act. 4/5).
G. Die Gesuchstellerinnen 1 und 2 stellen sich im Massnahmenverfahren auf
den Standpunkt, L._ habe sie mit dem H._ begünstigen und finanziell
absichern wollen (act. 13 Rz. 95 ff.). Die Hälfte der Dividendenerträge der
S._-Beteiligung sei jeweils an die Gesuchstellerin 1 ausgeschüttet worden.
Die andere Hälfte der Gesuchstellerin 2 sei bis zur Vollendung ihres 18. Lebens-
jahres akkumuliert worden (act. 13 Rz. 102). L._ habe in seinen Trustbe-
stimmungen festgelegt, dass die Gesuchstellerin 2 einen Drittel der aufgelaufenen
Dividenden an ihrem 18., einen weiteren Drittel an ihrem 25. und den letzten Drit-
tel an ihrem 32. Geburtstag erhalten soll. Die Gesuchsgegner hätten diesen Aus-
schüttungsanspruch indessen vereitelt, indem sie der Gesuchstellerin 2 ab Voll-
endung ihres 18. Lebensjahres jeweils bloss einen Drittel ihres Anteils an den
Nettoeinkünften des jeweiligen Jahres auszahlen wollen. Dies stehe im klaren
Widerspruch zur Trusturkunde (act. 13 Rz. 99–115). Hilfsweise machen die Ge-
suchstellerinnen geltend, der H._ sei zufolge fehlender Verfügungsfähigkeit
von L._ nicht gültig zustande gekommen und deshalb aufzuheben. Entspre-
chend seien die Gesuchsgegner als Trustees abzusetzen und die S._-Aktien
sowie das Vermögen des H._ den Gesuchstellerinnen 1 und 2 als Erbinnen
von L._ herauszugeben (act. 13 Rz. 134–182, 190–304).
H. Mit den Massnahmenbegehren wollen die Gesuchstellerinnen 1 und 2 ihre
Ansprüche auf die ihrer Meinung nach ihnen zustehenden Vermögenserträge der
S._ Limited sichern. Aus diesem Grund ersuchten sie zusammen mit der
Gesuchstellerin 3 mit Eingabe vom 21. Oktober 2021 das Einzelgericht Audienz
des Bezirksgerichts Zürich (nachfolgend Vorinstanz) um vorsorgliche, einschliess-
lich superprovisorische Sperrung der Konten und Depots des Portfolios Nr. 1 bei
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der Bank F._ AG (act. 1). Die Vorinstanz trat mit Verfügung vom 26. Oktober
2021 auf das vorsorgliche Massnahmenbegehren der Gesuchstellerin 3 nicht ein.
Zugleich wies sie mit Urteil vom 26. Oktober 2021 die Massnahmenbegehren be-
züglich der Gesuchstellerinnen 1 und 2 ab (act. 12). Die Vorinstanz holte bei den
Gesuchsgegnern vor seinem Entscheid keine Vernehmlassung ein.
I. Dagegen erhoben die Gesuchstellerinnen 1, 2 und 3 mit Eingabe vom
8. November 2021 Berufung beim Obergericht des Kantons Zürich (act. 13). Die-
ses setzte ihnen mit Verfügung vom 11. November 2021 eine Frist von 10 Tagen
an, um einen Kostenvorschuss von CHF 10'500.– in der Höhe der mutmasslichen
Gerichtskosten zu leisten (act. 16). Gleichzeitig forderte das Obergericht die Ge-
suchsgegner auf, innert 10 Tagen ein Zustelldomizil in der Schweiz zu bezeich-
nen (act. 11 S. 2). Mit Schreiben vom 3. Dezember 2021 teilte Rechtsanwalt
Dr. Y._ mit, dass ihn die Beklagten als Zustelldomizil in der Schweiz be-
zeichnet hätten (act. 19). Die Akten der Vorinstanz wurden beigezogen (act. 1–
10). Das Verfahren erweist sich als spruchreif.
1.
1.1. Die Berufung ist innert 10 Tagen seit Zustellung des begründeten Ent-
scheids schriftlich und begründet bei der Rechtsmittelinstanz einzureichen. Die
Berufung muss einen Antrag enthalten, aus welchem hervorgeht, wie der ange-
fochtene Entscheid abgeändert werden soll (Art. 311 und Art. 314 ZPO).
1.2. Die Gesuchstellerinnen haben die Berufung fristgerecht eingereicht. Ihre
Rechtsschrift enthält eine Begründung sowie klare Anträge (act. 13 S. 2 f.). Der
Vorschuss traf mit Valutadatum vom 22. November 2021 und damit rechtzeitig
ein (act. 18). Es handelt sich um eine vermögensrechtliche, vorsorgliche Angele-
genheit. Wie ganz am Ende aufzuzeigen sein wird, liegt der Streitwert bei
CHF 3'500'000.– und damit über CHF 10'000.–. Damit sind die formellen Rechts-
mittelvoraussetzungen erfüllt, und es ist auf die Berufung einzutreten.
- 8 -
2.
2.1. Mit der Berufung können sowohl die unrichtige Rechtsanwendung als auch
die unrichtige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 310
ZPO); zu Letzterer zählt auch die unrichtige Anwendung des pflichtgemässen Er-
messens. Die Berufung erhebende Partei trifft eine Begründungslast. Sie hat sub-
stanziiert vorzutragen, aus welchen Gründen der angefochtene Entscheid unrich-
tig ist und wie er geändert werden muss (BGer, 4A_418/2017 vom 8. Januar
2018, E. 2.3 und BGer, 5A_111/2016 vom 6. September 2016, E. 5.3). Blosse
Verweise auf die Vorakten oder Wiederholungen des bereits vor der ersten In-
stanz Vorgetragenen genügen den gesetzlichen Anforderungen an eine hinrei-
chende Begründung ebenso wenig wie allgemeine Kritik am angefochtenen Ent-
scheid bzw. an den erstinstanzlichen Erwägungen (BSK ZPO-SPÜHLER, 3. Aufl.,
Art. 312 N 15; REETZ/THEILER, in: Sutter-Somm et al., 3. Aufl., Art. 311 ZPO
N 36 f.; BGE 138 III 374 ff. E. 4 = Pra 102 [2013] Nr. 4). Die Berufungsinstanz
prüft sämtliche hinreichend substanziierten Mängel in tatsächlicher und rechtlicher
Hinsicht frei und uneingeschränkt (vgl. ZR 110 [2011] Nr. 80, BGE 138 III 374 ff.
E. 4.3.1 = Pra 102 [2013] Nr. 4). Sie ist dabei weder an die Argumente der Partei-
en noch an die Begründung des vorinstanzlichen Entscheids gebunden, sondern
wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 57 ZPO; vgl. BGE 133 II 249
E. 1.4.1). Die volle Kognition der Berufungsinstanz bedeutet allerdings nicht, dass
diese alle sich stellenden Fragen zu untersuchen hat, wenn die Berufung erhe-
bende Partei diese vor der Berufungsinstanz nicht (mehr) vorträgt. Vielmehr hat
sich die Berufungsinstanz – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – auf die
Beurteilung der in der schriftlichen Berufungsbegründung erhobenen Beanstan-
dungen zu beschränken (vgl. BGE 142 III 413 ff. E. 2.2.4; BGer, 4A_629/2017
vom 17. Juli 2018, E. 4.1.4; BGer, 4A_418/2017 vom 8. Januar 2018, E. 2.3).
Neue Tatsachen und Beweismittel dürfen nur noch berücksichtigt werden, wenn
sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht schon
vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (Art. 317 Abs. 1 ZPO).
2.2. Angefochten sind eine Verfügung und ein Urteil vom 26. Oktober 2021
über vorsorgliche Massnahmen. Es finden die Bestimmungen des summarischen
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Verfahrens Anwendung (Art. 252 ff. ZPO i.V.m. Art. 261 ff. ZPO). Demnach trifft
das Gericht die notwendigen vorsorglichen Massnahmen, wenn die gesuchstel-
lende Partei glaubhaft macht, dass ein ihr zustehender Anspruch verletzt ist oder
eine Verletzung zu befürchten ist und ihr aus der Verletzung ein nicht leicht wie-
der gutzumachender Nachteil droht (Art. 261 Abs. 1 ZPO). Dabei hat eine gewis-
se zeitliche Dringlichkeit vorzuliegen und die Massnahme muss verhältnismässig
sein (KUKO ZPO-KOFMEL EHRENZELLER, 3. Aufl., Art. 261 N 4 ff.).
2.3. Glaubhaft gemacht ist eine Tatsache nach der Rechtsprechung des Bun-
desgerichts schon dann, wenn für deren Vorhandensein gewisse Elemente spre-
chen, selbst wenn das Gericht noch mit der Möglichkeit rechnet, dass sie sich
nicht verwirklicht haben könnte (BGE 130 III 321 E. 3.3; BGE 120 II 393 E. 4c;
BGer, 4A_312/2009 vom 23. September 2009, E. 3.6.1). Das Gericht darf somit
weder blosse Behauptungen genügen lassen noch einen stringenten Beweis ver-
langen. Die klagende Partei hat sowohl das Bestehen eines materiellen An-
spruchs zivilrechtlicher Natur, dessen Gefährdung oder Verletzung als auch den
drohenden, nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteil und die zeitliche Dring-
lichkeit glaubhaft zu machen. Auf der anderen Seite muss die Gegenpartei ihre
Einwendungen gegen das Vorliegen der genannten Voraussetzungen ebenfalls
nur glaubhaft machen. Ebenso wird das Rechtliche vom Glaubhaftmachen er-
fasst, womit es das Gericht bei einer summarischen Prüfung der Rechtsfragen
bewenden lassen kann (ZÜRCHER, in: DIKE-Komm-ZPO, 2. Aufl., Art. 261 N 5 ff.;
HUBER, in: Sutter-Somm et al., 3. Aufl., Art. 261 ZPO N 25; SHK ZPO-TREIS, Art.
261 N 14 ff.). Zweck der vorsorglichen Massnahmen ist zu gewährleisten, dass
das künftige Prozessergebnis des nachfolgenden Hauptverfahrens umgesetzt
werden kann, indem der derzeitige Rechtszustand bzw. der tatsächliche Zustand
der Streitsache aufrechterhalten bleibt. Die Massnahme muss zur Abwehr des
Nachteils notwendig sein (BSK ZPO-SPRECHER, 3. Aufl., Art. 261 N 39 ff. und
112 ff.).
3.
Die Vorinstanz trat auf das vorsorgliche Massnahmebegehren der Gesuchstelle-
rin 3 nicht ein, da diese ihr schutzwürdiges Interesse am vorliegenden Verfahren
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nicht näher dargetan habe. Zugleich wies sie das Massnahmebegehren der Ge-
suchstellerinnen 1 und 2 ab. Zur Begründung führte sie aus, die Gesuchstellerin-
nen 1 und 2 würden einen rein finanziellen Schaden geltend machen, ohne indes-
sen aufzuzeigen, dass dieser später nicht mehr ermittelt oder bemessen werden
könne. Sie hätten insbesondere nicht dargelegt, weshalb der behauptete Schaden
später nicht mehr ersetzt werden könnte (act. 12).
4.
4.1. Ein internationaler Sachverhalt im Sinne von Art. 1 Abs. 1 IPRG liegt im-
mer dann vor, wenn mindestens eine der Parteien ihren Sitz oder Wohnsitz
im Ausland hat (BGE 135 III 185 E. 3; BGE 134 III 475 E. 4; CHK-
BUHR/GABRIEL/SCHRAMM, Art. 1 IPRG N 3). Vorliegend leben alle Parteien im Aus-
land: Die Gesuchstellerinnen 1 und 2 haben ihren Wohnsitz in R._ (act. 13
S. 1). Der Sitz der Gesuchstellerin 3 befindet sich in M._. Die Gesuchsgeg-
ner 1 und 2 wohnen ebenfalls in M._. Weder R._ noch M._ sind
Vertragsstaaten des [Lugano] Übereinkommens über die gerichtliche Zuständig-
keit und die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen in Zivil- und
Handelssachen vom 30. Oktober 2007. Weitere kompetenzbegründenden völker-
rechtlichen Verträge zu R._ oder M._ bestehen nicht. Das bereits er-
wähnte [Haager] Übereinkommen über das auf Trusts anzuwendende Recht und
über ihre Anerkennung vom 1. Juli 1985 statuiert ebenfalls keine solche Kompe-
tenz. Entsprechend richtet sich die Zuständigkeit nach dem IPRG (Art. 1 Abs. 2
IPRG im Umkehrschluss).
4.2. Die Gesuchstellerinnen beantragen eine temporäre Konto- sowie Depot-
sperre bei einer Bank und damit eine vorsorgliche (Sicherungs-)Massnahme
(act. 1 S. 2 f.; act. 13 S. 2 f.). Zuständig zur Anordnung von vorsorglichen Mass-
nahmen sind gemäss Art. 10 IPRG: (a) die schweizerischen Gerichte oder Behör-
den, die in der Hauptsache zuständig sind; oder (b) die schweizerischen Gerichte
und Behörden am Ort, an dem die Massnahme vollstreckt werden soll. Die Bank
F._ AG hat ihren Sitz gemäss Handelsregistereintrag in Zürich. Entspre-
chend liegt hier ein Vollstreckungsort. Die Zuständigkeit der Vorinstanz und des
Obergerichts sind damit zu bejahen.
- 11 -
5.
5.1. Die Gesuchstellerin 3 macht vorab in prozessualer Hinsicht geltend, die
Vorinstanz sei zu Unrecht nicht auf ihr Gesuch eingetreten (act. 13 Rz. 8–10).
5.2. Die Vorinstanz begründet ihr Nichteintreten damit, dass die Gesuchstelle-
rin 3 nicht näher erläutert hätte, inwiefern sie ein Interesse am Ausgang des Ver-
fahrens habe. In Anwendung von Art. 59 Abs. 2 lit. a und Art. 60 ZPO sei deshalb
auf das Gesuch nicht einzutreten (act. 12 E. 2).
5.3. Die Gesuchstellerin 3 wendet dagegen ein, die Vorinstanz verkenne, dass
sie in ihrem Gesuch vom 21. Oktober 2021 sehr wohl dargelegt habe, inwiefern
sie in die Auseinandersetzung involviert sei. Sie habe ausführlich aufgezeigt, dass
der H._ nichtig sei. Als Folge dieser Nichtigkeit müssten die Gründerrechte
der P._ Anstalt wieder auf die Gesuchstellerin 3 zurückübertragen werden.
Die von der P._ Anstalt über die Jahre an den H._ ausgeschütteten Di-
videnden sowie die mit diesen Dividenden erstandenen Ersatzvermögenswerte
wie Anleihen und Aktien teilten das Schicksal der Gründerrechte und müssten
ebenfalls auf die Gesuchstellerin 3 rückübertragen werden (act. 13 Rz. 6–12).
5.4. Ein Gericht tritt auf eine Klage oder ein Gesuch einer Partei nur ein, wenn
diese ein schutzwürdiges Interesse an der richterlichen Beurteilung hat (Art. 59
Abs. 2 lit. a ZPO). Das schützenswerte Interesse kann tatsächlicher oder rechtli-
cher Art sein. Am schutzwürdigen Interesse fehlt es insbesondere dann, wenn ei-
ne Gutheissung des Begehrens der Partei nicht oder nicht mehr zum angestreb-
ten Erfolg verhilft. Ob der geltend gemachte Anspruch effektiv besteht, entschei-
det das Gericht nicht bereits bei der Eintretensprüfung, sondern erst im Rahmen
der materiellen Beurteilung (vgl. ZÜRCHER, in: Sutter-Somm et al., 3. Aufl., Art. 59
ZPO N 12). Das schutzwürdige Interesse ist jeweils unabhängig von der materiel-
len Prüfung des dem Begehren zu Grunde liegenden Anspruchs zu beurteilen.
Selbst auf offensichtlich abzuweisende Begehren kann nicht einfach nicht einge-
treten werden (SHK ZPO-COURVOISIER, Art. 59 N 5). Bei der Eintretensprüfung
nimmt das Gericht mithin keine verkappte Prozessbeurteilung vor. Entsprechend
darf es an den Nachweis des schutzwürdigen Interesses keine übertrieben stren-
- 12 -
gen Ansprüche stellen. Das Gericht muss das ihm vorliegende Material darauf
prüfen, ob dieses Anhaltspunkte für eine fehlende Prozessvoraussetzung enthält.
Nur wenn sich solche Anhaltspunkte ergeben, muss das Gericht weitere Abklä-
rungen vornehmen (MÜLLER, DIKE-Komm-ZPO, 2. Aufl., Art. 59 N 6).
5.5. Entgegen der Vorinstanz hat die Gesuchstellerin 3 ihr schutzwürdiges Inte-
resse in ihrem Massnahmegesuch nach diesen Massstäben dargelegt, weshalb
die Vorinstanz darauf hätte eintreten müssen.
6.
6.1. Der Erlass einer vorsorglichen Massnahme setzt einen materiellrechtli-
chen Anspruch der gesuchstellenden Partei gegenüber der Gesuchsgegnerschaft
voraus (sog. Verfügungsanspruch). Der Verfügungsanspruch ist grundsätzlich
nichtpekuniärer Art. Der Verfügungsanspruch bildet regelmässig den Gegenstand
des Hauptsacheverfahrens (KUKO ZPO-KOFMEL EHRENZELLER, 3. Aufl., Art. 261
N 5).
6.2. Die Gesuchstellerinnen machen geltend, sie hätten verschiedene Ansprü-
che gegen die Gesuchsgegner als Trustees des H._. In erster Linie hätten
sie einen Anspruch auf Absetzung der Gesuchsgegner als Trustees. Zudem sei
der H._ nichtig, weshalb die von der P._ Anstalt und der Q._ An-
stalt an den H._ ausgeschütteten Dividenden bzw. die mit diesen Dividenden
erstandenen Ersatzvermögenswerte auf die Gesuchstellerinnen zurückübertragen
werden müssten. Eventualiter machen die Gesuchstellerinnen geltend, L._
habe seine Beteiligung am S._-Konzern der Gesuchstellerin 2 geschenkt.
Entsprechend hätten sie einen Anspruch auf Übertragung der S._-Aktien
samt der entsprechenden Einkünfte, die gegenwärtig vom H._ gehalten wür-
den. Weiter erhebt die Gesuchstellerin 2 einen Anspruch auf die bei der Bank
F._ AG belegenen Vermögenswerte, da der H._ sie in ihrem erbrechtli-
chen Pflichtteil verletze. Und schliesslich habe die Gesuchstellerin 2 als Begüns-
tigte des H._ einen Ausschüttungsanspruch gegenüber den Trustees (act. 13
Rz. 190).
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6.3. Soweit die Gesuchstellerinnen mit ihrem Begehren eine Sicherstellung ih-
res Ausschüttungsanspruchs (und damit von Geldzahlungen) erreichen wollen,
erweist sich ihr Begehren als von vornherein unzulässig. Besteht die Berechti-
gung in einem Anspruch auf eine Geldleistung, steht als Massnahme des vorläu-
figen Rechtsschutzes der Arrest (Art. 269 lit. a ZPO in Verbindung mit Art. 271 ff.
SchKG) zur Verfügung. Eine Auseinandersetzung mit den anderen behaupteten
Ansprüchen kann hier unterbleiben. Wie im Folgenden aufzuzeigen sein wird, ge-
lingt es den Gesuchstellerinnen nicht, die weiteren Massnahmevoraussetzungen
glaubhaft zu machen.
7.
7.1. Für den Erlass einer vorsorglichen Massnahme muss weiter ein Verfü-
gungsgrund gegeben sein. Erforderlich ist in diesem Zusammenhang die Gefahr
eines nicht oder nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteils aufgrund einer zu
befürchtenden oder sogar bereits vorliegenden Verletzung des Verfügungsan-
spruchs. Ein solcher Nachteil besteht immer dann, wenn ohne vorsorgliche Mass-
nahme der glaubhaft gemachte zivilrechtliche Anspruch überhaupt nicht mehr o-
der nur noch mit erheblichen Schwierigkeiten verwirklicht werden kann (KUKO
ZPO-KOFMEL EHRENZELLER, 3. Aufl., Art. 261 N 8).
7.2. Die Vorinstanz erwog im Zusammenhang mit dem Verfügungsgrund, die
Gesuchstellerinnen hätten nicht geltend gemacht, dass der behauptete vermö-
gensrechtliche Schaden später nicht mehr ermittelt oder bemessen werden kön-
ne. Sie hätten auch nicht dargelegt, weshalb ein allfälliger finanzieller Schaden
später nicht mehr ersetzt werden könne. Soweit die Gesuchstellerinnen pauschal
"erhebliche Schwierigkeiten" bei der Verwirklichung des zivilrechtlichen An-
spruchs verorten würden, könne ihnen nicht gefolgt werden (act. 12 E. 5.3).
7.3. Die Gesuchsstellerinnen halten dem entgegen, an die Voraussetzung des
nicht leicht wiedergutzumachenden Nachteils dürfe kein strenger Massstab ange-
legt werden, weil diese Voraussetzung nicht immer glaubhaft gemacht werden
könne. Das dem vorinstanzlichen Entscheid unterliegende Argument, wonach
Geldschaden leicht ersetzbar seien, greife zu kurz. Die Gesuchstellerinnen hätten
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in ihrem Massnahmebegehren die Gefährdung des H._ ausdrücklich darge-
tan (act. 13 Rz. 13–29).
Sie führen weiter aus, die Gesuchsgegner hätten völlig unnötige englische
Rechtsgutachten bezüglich des Ausschüttungsanspruches der Gesuchstellerin 2
eingeholt. Dadurch seien dem H._ Gutachtenskosten in der Höhe von USD
55'835 entstanden. Weiter würden sich die Gesuchsgegner weigern, bei
den kontoführenden Banken Retrozessionen in der Höhe von mindestens
CHF 120'000 einzufordern. Auch hätten die Gesuchsgegner USD 3'000'000 für
die Bestreitung der Rechtskosten zur Abwehr von "Attacken gegen den H._"
freigegeben. Und schliesslich hätten sie dem H._ völlig übersetzte Honorare
in Rechnung gestellt, welche sich alleine für den Zeitraum September 2019 bis
Ende 2020 auf deutlich über CHF 1'000'000 summieren würden (act. 13 Rz. 19
und 153–178).
7.4. In den Akten fehlen jegliche Anhaltspunkte dafür, dass die Gesuchsgegner
Vermögenswerte bei der Bank F._ AG auf andere Gesellschaften verschie-
ben und so dem Zugriff der Gesuchstellerinnen entziehen würden. Solches be-
haupten denn auch nicht einmal die Gesuchstellerinnen selbst. Diese sehen ihren
Anspruch auf das Trustvermögen allerdings dadurch bedroht, dass die Gesuchs-
gegner übersetzte Honorare beziehen würden, ein teures Rechtsgutachten in Auf-
trag gegeben hätten und ihre Rechtsstreitigkeiten mit den Gesuchstellerinnen
über den Trust finanzieren würden (act. 13 Rz. 153–165). Soweit sie indes ledig-
lich die bereits vor Vorinstanz vorgetragenen Behauptungen in der Berufung wie-
derholen, genügen sie ihrer Begründungsobliegenheit zum vornherein nicht.
7.5. Ob das Honorar eines Trustees angemessen ist oder nicht, hängt von vie-
len Faktoren ab. Im Vordergrund stehen dabei die Aufgaben und Verantwortun-
gen der einzelnen Trustees sowie die Höhe des verwalteten Trustvermögens. Die
Gesuchstellerinnen legen nicht dar, welche Leistungen die Gesuchsgegner zu-
gunsten des H._ erbringen, und äussern sich nicht in substanziierter Form zu
den Funktionen der einzelnen Trustees. Zumindest die Gesuchstellerin 1 wäre zu
solchen Angaben ohne Weiteres in der Lage gewesen, ist sie doch selbst Trustee
des H._. Insbesondere reichten die Gesuchstellerinnen weder ein detaillier-
- 15 -
tes Pflichtenheft noch ein Entschädigungsreglement ein. Dem Gericht fehlen folg-
lich die nötigen Grundlagen, um sich mit der Frage zu befassen, ob die behaupte-
ten Honorarbezüge der Gesuchsgegner ungerechtfertigt sind und einen Rechts-
anspruch der Gesuchstellerinnen begründen bzw. vorsorgliche Massnahmen
rechtfertigen würden. Soweit die Gesuchstellerinnen losgelöst von den konkreten
Aufgaben der Trustees alleine auf die absolute Höhe des Honorars abstellen und
dieses als in jeder Hinsicht übersetzt rügen, ist Folgendes zu beachten: Insge-
samt liegen gemäss Berufung rund USD 180'000'000 Vermögenserträge bei drei
Banken (act. 13 Rz. 106), davon die erwähnten rund USD 60'000'000 bei der
Bank F._ AG (act. 4/5). Selbst wenn man von einer jährlichen Entschädi-
gungszahlung in der Höhe von insgesamt USD 1'000'000 ausginge, würde das
Gesamthonorar der Trustee damit bloss 0,55 % der akkumulierten Vermögenser-
träge betragen (USD 1'000'000 geteilt durch USD 180'000'000). Dass es sich da-
bei um eine übersetzte Honorierung handelt, legen die Gesuchstellerinnen nicht
glaubhaft dar. Letztlich kann die Frage nach dem angemessenen Trustee-
Honorar aber offenbleiben.
7.6. Mit Hilfe eines englischen Rechtsgutachtens wollten die Trustees den Aus-
schüttungsanspruch der Gesuchstellerin 2 ermitteln (act. 13 Rz. 19). Das Gutach-
ten sollte dabei die Frage beantworten, wann und in welchem Umfang die Ge-
suchstellerin 2 an den Vermögenserträgen des Trusts zu beteiligen sei. Die Ge-
suchsgegner liessen dieses Gutachten folglich aus trustbezogenen Motiven er-
stellen. Eine offenkundige Schädigungsabsicht kann aus der Wahl des auf angli-
kanisches Recht spezialisierten Trust-Experten nicht abgeleitet werden. Ob allen-
falls ein M._-ischer Trust-Spezialist diese Frage korrekter oder günstiger hät-
te beantworten können, kann hier offenbleiben. Trustees verfügen bei der Verwal-
tung des Trustvermögens über einen gewissen Ermessensspielraum. Ein mass-
nahmerechtlich relevanter Nachteil wäre bloss dann zu bejahen, wenn die Ge-
suchsgegner wiederholt Gutachtensaufträge erteilen würden, die in keinem Zu-
sammenhang mit dem Trustzweck stünden. Die Gesuchstellerinnen zeigen nicht
auf, dass dem Trustvermögen eine Gefahr durch weitere unbegründete Gutach-
tenskosten droht. Die bloss theoretische Möglichkeit einer künftigen Schädigung
rechtfertigt keine vorsorgliche Massnahme.
- 16 -
7.7. Gleiches gilt für die Freigabe der Rücklage zur Abwehr von "Attacken ge-
gen den H._" (act. 13 Rz. 19 und 161–169). Ein Fonds von USD 3'000'000
für Rechtsstreitigkeiten mag auf den ersten Blick hoch erscheinen. Führt man sich
indessen das gesamte Trustvermögen vor Augen, relativiert sich dieser Betrag
stark: Das Trustvermögen umfasst nicht nur die akkumulierten Vermögenserträge
im Wert von USD 180'000'000, sondern auch die Minderheitsbeteiligung an der
S1._. Deren genauer Wert ist mangels Börsenkotierung der Aktien unbe-
kannt. Gemäss den Gesuchstellerinnen soll ihr Wert zwischen USD 1,5 und 2 Mil-
liarden liegen (act. 13 Rz. 50). Der H._ weist Berührungspunkte zu mehreren
Rechtsordnungen auf (mindestens K._, R._, M._, Schweiz). Der
H._ ist mithin ein gleichermassen wertvolles wie komplexes Konstrukt. Vor
diesem Hintergrund erscheinen Rücklagen von USD 3'000'000 für Rechtsstreitig-
keiten nicht als offenkundig übersetzt. Abgesehen davon dienen diese Gelder
gemäss Eigenbezeichnung dem Schutz des Trustvermögens. Die Gesuchstelle-
rinnen machen nicht geltend, dass die Gesuchsgegner die Rücklagen für rein pri-
vate oder andere Zwecke verwenden, die in keinem sachlichen Zusammenhang
mit dem H._ stehen oder ausserhalb ihres Tätigkeitsfeldes als Trustees lie-
gen. In den Akten deutet nichts darauf hin, dass die Gesuchsgegner mit diesen
Geldern sinnlose Gerichtsverfahren finanzieren wollen. Die Befürchtung der Ge-
suchstellerinnen, die Gesuchsgegner könnten das Geld auch für Rechtsstreitig-
keiten gegen sie verwenden, bleibt unsubstanziiert und unbelegt. Abgesehen da-
von ist die Freigabe bzw. Auflösung einer Rücklage ein buchhalterischer Vorgang,
der das Vermögen selbst (noch) noch nicht reduziert. Entsprechend kann offen-
bleiben, ob der nötige statutarische Beschluss zur ursprünglichen Bildung dieses
Fonds vorlag (act. 1 Rz. 147–150). Insgesamt gelingt es den Gesuchstellerinnen
nicht glaubhaft dazulegen, dass die zu sperrenden Vermögenswerte durch unan-
gemessene oder unrechtmässige Transaktionen der Gesuchgegner bedroht wer-
den.
8.
8.1. Vorsorgliche Massnahmen müssen zeitlich dringlich sein. Entsprechend
haben die Gesuchstellerinnen glaubhaft darzulegen, dass die von ihnen verlangte
- 17 -
Massnahme notwendig ist, weil das Ergebnis eines ordentlichen Prozesses nicht
abgewartet werden kann (vgl. CHK-SUTTER-SOMM/SEILER, Art. 261 ZPO N 10).
8.2. Die Gesuchstellerinnen machen diesbezüglich bloss geltend, zwischen den
Parteien sei eine Vielzahl von Verfahren hängig. Bei den Gesuchsgegnern wür-
den daher ständig neue Kosten anfallen, welche diese auf den H._ abzuwäl-
zen versuchten. Aufgrund der geschilderten Machtverhältnisse sei es den Ge-
suchsgegnern jederzeit und sofort möglich, auf Vermögenswerte des Trusts zu-
zugreifen (act. 1 Rz. 309; act. 113 Rz. 313).
8.3. Folgt man den Ausführungen der Gesuchstellerinnen, sind zwischen den
Parteien mehrere Verfahren hängig. Die Gesuchstellerinnen lassen allerdings of-
fen, vor welchen Gerichten sie prozessieren und in welchem Stadium sich diese
Verfahren befinden. Auch führen sie nichts zum Gegenstand der einzelnen Ver-
fahren aus. Entsprechend bleibt unklar, ob demnächst Hauptsachenentscheide
ergehen und mit welchen finanziellen Konsequenzen für den Trust zu rechnen ist.
Die Gesuchstellerinnen unterlassen es überhaupt, in zeitlicher Hinsicht zu sub-
stantiieren, wann und welche für das bei der Bank F._ AG gelegene Trust-
vermögen schädigenden Transaktionen ergehen sollen. Vor diesem Hintergrund
ist die Dringlichkeit des vorliegenden Massnahmebegehrens nicht glaubhaft ge-
macht.
9.
9.1. Nach Art. 261 Abs. 1 ZPO ordnet das Gericht die "notwendigen vorsorgli-
chen Massnahmen" an. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass eine vorsorgli-
che Massnahme verhältnismässig sein muss. Aufgrund ihres lediglich provisori-
schen Charakters kommt dem Verhältnismässigkeitsprinzip gerade beim Erlass
vorsorglicher Massnahmen ein besonders hoher Stellenwert zu, zumal sie in die
Rechtslage des Gesuchsgegners oder Dritter eingreifen, bevor ein definitiver Ent-
scheid über den behaupteten Anspruch vorliegt. Das Gericht muss daher eine In-
teressenabwägung vornehmen (CHK-SUTTER-SOMM/SEILER, Art. 261 ZPO N 11).
- 18 -
9.2. Selbst wenn man von den Ausführungen der Gesuchstellerinnen ausginge,
dann würden die Gesuchsgegner mit ihrem Verhalten ca. USD 3'500'000 gefähr-
den. Der Gesamtwert des Portfolios bei der Bank F._ AG beträgt ca. USD
60'000'000. Es wäre aufgrund der unterschiedlich hohen finanziellen Interessen
unverhältnismässig, ein ganzes Portfolio zu sperren, nur weil 1/17 seines Wertes
bedroht ist. Dies wäre vorliegend auch deshalb nicht angebracht, weil der Trust
noch weitere Personen begünstigt, deren Ansprüche die Gesuchstellerinnen nicht
bestreiten (vgl. act. 13 Rz. 64; act. 4/26). Eine vollständige Sperrung hätte mög-
licherweise zur Folge, dass diese Personen keine Zahlungen mehr aus den Erträ-
gen der S1._ erhielten, womit berechtigte Drittansprüche tangiert werden
könnten.
9.3. Zusammenfassend vermögen die Gesuchstellerinnen nicht glaubhaft dar-
zutun, dass die Gesuchsgegner ihre Ansprüche verletzen oder sie eine drohende
Verletzung zumindest ernsthaft zu befürchten hätten (Art. 261 Abs. 1 lit. a ZPO).
10.
Aus den dargelegten Gründen ist die Berufung abzuweisen.
11.
11.1. Die Vorinstanz ist zu Unrecht auf das Massnahmebegehren der Gesuch-
stellerin 3 nicht eingetreten. Entsprechend obsiegt die Gesuchstellerin 3 in diesem
Punkt. In der Sache selbst unterliegen alle drei Gesuchstellerinnen. Ausgangs-
gemäss sind den Gesuchstellerinnen 1 und 2 je einen Drittel der Verfahrenskos-
ten aufzuerlegen. Die Gesuchstellerin 3 hat aufgrund ihres bloss teilweisen Unter-
liegens bloss einen Viertel der Verfahrenskosten zu tragen (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
Das verbleibende Zwölftel der Kosten ist auf die Gerichtskasse zu nehmen.
11.2. Grundlage der Gebührenfestsetzung bilden der Streitwert bzw. das tat-
sächliche Streitinteresse, der Zeitaufwand des Gerichts und die Schwierigkeiten
des Falls (§ 2 Abs. 1 GebV OG). Bei der Gebührenfestsetzung ist folgender Be-
sonderheit Rechnung zu tragen: Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht ein
Bankportfolio, das sich im Wesentlichen aus Aktien und Obligationen im Wert von
- 19 -
rund USD 60'000'000 zusammensetzt. Obwohl die Gesuchstellerinnen eine voll-
ständige Sperrung dieses Portfolios anstreben, darf der Rechtsmittelstreitwert
trotzdem nicht mit dem Portfoliowert gleichgesetzt werden. Die Gesuchstellerin-
nen machen im vorliegenden Verfahren keinen Anspruch auf Übereignung des
ganzen Portfolios geltend. Vielmehr wollten sie mit ihrem Gesuch nur verhindern,
dass die Gesuchsgegner das Portfolio weiter schädigen. Die Gesuchstellerinnen
beziffern den ihnen drohenden Schaden nicht exakt. Folgt man aber ihren Ausfüh-
rungen, liegt dieser Schaden bei ca. CHF 3'500'000.– (Rücklage zur Abwehr von
Angriffen auf den H._, übersetzte Honorarbezüge, Gutachtenskosten und
nicht eingeforderte Retrozessionen [Rz. 153–178]). Die Gesuchstellerinnen gehen
bloss von einem Streitwert in der Höhe von CHF 500'000.– aus (act. 1 Rz. 15).
Ein derart tiefer Streitwert trägt daher der wirtschaftlichen Bedeutung des vorlie-
genden Rechtsstreites zu wenig Rechnung. An dieser Einschätzung vermag auch
der von den Gesuchstellerinnen zur Begründung ihres Streitwertes angerufene
Entscheid nichts zu ändern (act. 1 Rz. 15). In diesem handelsgerichtlichen Ver-
fahren ging es um eine vorsorgliche Beweisführung im Sinne von Art. 158 ZPO
(HGer ZH, HE120087 vom 21. Dezember 2012, E. 11). Eine solche Beweissiche-
rung verfolgt eine andere Stossrichtung als das vorliegend zu beurteilende Mass-
nahmebegehren. Ein Streitwert in der Höhe von CHF 3'500'000.– führt zu einer
ordentlichen Gebühr von CHF 55'750.– (§ 4 Abs. 1 in Verbindung mit § 12
Abs. 1 f. GebV OG). Im summarischen Verfahren beträgt die Gerichtsgebühr die
Hälfte bis drei Viertel dieser ordentlichen Gebühr, mithin CHF 27'875.– bis
CHF 41'812.50 (§ 8 Abs. 1 GebV OG). Das vorliegende Verfahren war weder be-
sonders aufwändig noch übermässig komplex. Im Zentrum stand die fehlende
Massnahmefähigkeit des Portfoliosperrbegehrens. Entsprechend ist die Gerichts-
gebühr auf CHF 20'000.– festzusetzen. Die Gesuchstellerinnen haften solidarisch
für die auf sie fallenden Anteile an den Gerichtskosten.
12.
Es sind keine Parteientschädigungen zuzusprechen. Als unterliegende Parteien
haben die Gesuchstellerinnen von vornherein keinen Anspruch auf eine solche
Entschädigung. Die Gesuchsgegner auf der anderen Seite mussten die Berufung
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nicht beantworten, so dass ihnen durch das vorliegende Verfahren kein nennens-
werter Aufwand entstanden ist, der eine Entschädigung rechtfertigen würde.