# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fd9c67e9-5acb-4d13-a9db-5c20ae363346
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
30. März
1961
,
erlernte
den Beruf des Maschinen
mecha
niker
s
(
Urk.
7/1/15)
.
Als Maschinenmechaniker war er zuletzt bei der
Y._
AG
tätig, als er am
1
2.
Mai 2005
mit dem Motorrad
einen
Verkehrsu
nfall
erlitt
und sich am rechten Bein und an der rechten Hand verletzte
.
U
nter Hinweis auf unfallbedingte
Gesundheitsschäden
am rechten Bein und
an
der rechten Hand
–
bezüglich welcher
auch die Suva Leistungen
erbrachte
(vgl.
Urk.
7/1)
–
meldete sich der Versicherte
am 2
8.
März 2006
erstmals bei
der Inval
i
d
enversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk.
7/2).
Di
e IV-Stelle
gewährte
verschiedene berufliche Mas
s
nahmen
,
erteilte dem Versicherten
unter and
e
rem
insbesondere
Kostengut
sprache für
eine beruf
s
begleitende
U
m
schulung zum
Prozessfachmann
mit
eidg
. Fachausweis
, welche
Ausbildung
d
er
Versicherte
im Jahr 2
008 erfolgreich ab
schloss (Urk.
7/128 f.)
.
Ein Gesuch um Kostengutsprache für
eine
weiterführende Ausbildung wies die IV-Stelle ab (
Urk.
7/155);
der Versicherte bildete sich darauf
auf eigene Kosten
weiter
(Ausbild
ungen zum
dipl.
Techniker HF Unterne
h
mens
prozesse
mit Abschluss im Jahr 2010
sowie zum
dipl.
NDS HF Betriebswirtschaft
mit Abschluss
im
2012;
vgl. zu beidem
Urk.
7/170/16
f.
)
.
Im Jahr 2009 erlitt
d
er
Versicherte
einen erneuten Unfall (Sturz von der Leiter) mit Verletzung am linken Knie, für dessen Folgen die Suva aufkam (
vgl.
Urk.
7/182, insbes. S.
8 ff
.
)
.
1.2
Seit
dem Jahr
2010 war der Versicherte nebenberuflich als Dozent für berufs
begleitende Weiterbildung am
Z._ in A._
tätig und seit 2011 bei d
er
B._
AG
, C._
,
als
Product
S
upporter
Ringspinnm
aschinen
an
gestellt (vgl.
Urk.
7/170/2 ff).
Im
Jahr 2014
erkrankte er
an Bla
senkrebs
.
Die
Anstellung
bei der
B._
AG wurde per 31.
Januar 2016
durch die Arbeit
geberin
aufgelöst
(vgl.
etwa Urk.
7/220/116
)
. Im
Dezember
2017 erlitt
d
er
Ver
sicherte
einen weiteren Unfall (Sturz vom Fahrrad mit Schulterkontusion
rechts;
vgl.
Urk.
7/182/457)
.
Infolge
Verschlechterung
des Gesundheitszustandes
meldete
er
sich
sowohl bei der Suva als
a
m 29.
April 2018
erneut
auch
bei der IV-Stelle zum L
eistungsbezug (Urk.
7/172).
Die IV-Stelle führte
n
ach
Beizug
der Suva-
Akten (Urk.
7/182)
am 7.
Juni 2018 mit dem Versicherten ein Standortgespräch
(
Urk.
7/184) und
in der Folge
weitere Eingliederungs
gespräche
durch (
Urk.
7/193)
.
M
it Mit
teilung vom 8.
Januar 2019
hielt sie
fest
, dass – da der Ver
sicherte nicht in der Lage sei, sich an E
ingliederungsmassnahmen z
u beteiligen
und Klarheit in Bezug auf den Rentenanspruch wünsche
-
die Rente geprüft werde (
Urk.
7/192).
In der Folge tätigte die IV-Stelle Abklärungen in medizinischer Hinsicht
(Urk.
7/195)
. Mi
t V
orbescheid vom 22.
März 2019
hielt sie
fest, dass kein
An
spruch auf eine Invalidenrente
bestehe (Urk.
7/199). Dagegen erhob der Ver
sicherte Einwand
und wies
darauf
hin
, dass die Suva weitere A
bkl
ä
r
ungen tätige
und dass
namentlich eine
Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
(
EFL
)
in
Auftrag gegeben
worden sei
(
Urk.
7/205). Nach
erneutem
Beizug
der Suva-
Akten, namentlich des EFL-
Berichts
der
D._
vom 18.
Dezember 2019 (U
rk.
7/228)
,
sowie Einholung von
ergänzenden
ärztlichen Anga
ben beim Kantonsspital E._
, Klinik für Urologie (
Urk.
7/249)
,
erliess
die IV-Stelle
am 14.
Juli 2020 einen
neuen
Vorbescheid
, mit welchem
sie
die
Zusprache
einer halben Invalidenrente
mit Wirkung ab 1. Dezember 2018
nach Massgabe eines errechneten Invaliditätsgrades von 50 %
in Aussicht stellte
(Urk.
7/258). Die Suva gewährte dem Versicherten
mit
Einspracheentscheid
vom 20.
August 2020
eine Invalidenrente nach Massgabe eines errechneten Invaliditätsgrades von 55
% (
Urk.
7/262)
,
worauf
sie
mit Verfügung vom 8. September 2020
zurückkam und in der Folge den Invaliditätsgrad neu
auf 59 %
festsetzte
(
nun unter Berücksichtigung der Einkünfte aus Nebenerwerb;
U
rk.
7/273). Gegen den Vorbescheid der IV-Stelle v
om 14.
Juli 2020 erhob der Versicherte am
4.
September 2020 Einwand (Urk.
7/270
; vgl. auch Urk. 7/274-275
).
Nach Einholung von weiteren medizinischen Unterlagen (
Urk.
7/276 ff.) hielt die IV-Stelle
am Anspruch auf eine
halbe Invalidenrente – nun nach Mass
gabe eines neu errechneten Invaliditätsgrades von 55
% -
mit Wirkung ab (nun
; vgl.
Urk.
7/288
)
1.
November 2018
fest
. M
it Verfügung vom
5.
Mai 2021
ordnete sie dabei
zunächst die Ausz
ahlung der Invalidenrente ab 1.
Juni 2021 an unter Hinweis darauf, dass bezüglich allfälliger Verrechnungen
der laufenden halben Invalidenrente
mit Dritten
noch Abklärungen
im Gange seien und die rück
wirkende Ve
rfügung später erfolge (
Urk.
2).
1.3
Gegen die Verfügung vom
5.
Mai 2021 erhob X._
hierorts mit Ein
gabe vom
1.
Juni 2021 Beschwerde (
Urk.
1) mit den Anträgen, es sei die Ver
fügung der IV-S
telle vom 5.
Mai 2021 zu ändern und es sei
ihm
eine höhere als eine halbe Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen (1.), unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Beschwerdegegnerin (2.;
Urk.
1 S. 2). Dieses Verfahren wurde hierorts unter der Prozess-Nr. IV.2021.00369 angelegt.
Mit Vernehmlassung vom
8.
Juli 2021 beantragte die
IV-Stelle
die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
4.
Juli 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Mit E
ingabe vom 16.
August 2021 reichte Rechtsanwältin
lic
.
iur
.
Schwarz ihre Kostennote ins Recht (U
rk.
9-10
;
später
aktualisiert
durch Eingabe vom 2
0.
August, vgl.
Urk.
11
)
.
2.
2.1
Am 15.
Juli 2021 erliess die IV-Stelle die
angekündigte
weitere Verfügung, mit welcher sie dem V
ersicherten für die Zeit von
1.
November 2018 bis zum 3
1.
Mai 2021 eine halbe I
nvalidenrente zusprach (auszahlte)
. Dabei ordnete
sie i
m Um
fang von Fr.
4'511.--
die Auszahlung
der Leistungen
an die bevorschussende A
rbeitslosenkasse an
(
Urk.
12/2).
2.
2
Auch gegen diese Verfügu
ng liess X._
am 20.
August 2021 Beschwerde erheben
mit den
präzisierten
Anträgen, es seien die Verfügungen der IV-St
elle
Zürich vom
5.
Mai 2021 und vom 1
5.
Juli 2021 zu ändern und es sei
ihm
mit Wirkung ab
1.
November 2018 eine höhere als eine halbe Rente der Invalidenrente zuzusprechen (1.), das vorliegende Verfahren sei mit dem IV-Verfahren IV.2021.00369 zu vereinigen (2.), unter Kosten- und Entschädigungs
folgen zulasten der Beschwerdegegnerin (3.;
Urk.
12/1 S. 2). Dieses Verfahren wurde unter der Prozess
-
Nr. IV.2021.00486 angelegt.
Die IV-Stelle stellte mit Vernehmlassung vom 2
4.
September 2021 Antrag auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
12/5), was dem Beschwerdeführer mit Ver
fügung vom
5.
Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12/7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Die Prozesse
Nr. IV.2021.00369 und
Nr. IV.2021.00486
bilden thematisch eine Einheit, da in beiden angefochtenen Verfügungen
(
vom
5.
Mai 2021 und vom 15.
Juli 2021
)
der Rentenanspruch
des Beschwerdeführers geregelt wird. Ent
sprechend
sind
auch
die Parteien identisch.
Vor diesem Hintergrund rechtfertigt sich – wie
denn
auch
der
Beschwerdeführer beantragt
(
Urk.
12/1/2
)
– die Ver
einigung der beiden
Verfahren
. Der Prozess Nr. IV.2021.00486
ist daher mit dem vorliegenden Prozess Nr. IV.2021.
00369
zu vereinigen und unter dieser Prozess
nummer weiterzuführen.
Der Prozess Nr.
IV.2021.00486
ist als dadurch erledigt abzuschreiben; dessen Akten werden im vorliegenden Prozess als Urk. 1
2
/0-8 geführt.
2.
2.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsun
fähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2
, 128 V 29 E. 1
).
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothetischen) Beginns des Renten
anspruchs massgebend, wobei Validen- und Invalideneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige rentenwirksame Änderungen
der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
2.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
3.
3.1
Die
Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene
n
Verfügung
en
im Wesent
lichen damit, dass der Beschwerdeführer gemäss den getätigten medizinischen Abklärungen in der
zuletzt ausgeübten
Tätigkeit als Prozessfachmann nicht mehr arbeitsfähig sei
. I
n einer angepassten Tätigkeit
bestehe
hingegen eine Arbeits
fähigkeit von 50
%.
Beim Einkommensvergleich
sei
beim
Valideneinkommen
auf den vor der Krebserkrankung erzielten
durchschnittlichen
Verdienst
bei der
B._
AG
abzustellen.
D
ie Nebeneinkünfte
(Lehrereinkommen)
seien nicht
zu
berück
sichtigen
,
da das
Valideneinkommen
nach Massgabe eines Pensums von 100 % zu berechnen sei
.
Für das Invalideneinkommen sei auf das (hälftige)
zuletzt erzielte
Einkommen als Sachbearbeiter abzustellen, welche T
ätigkeit noch mög
lich sei.
Aus dem Einkommensvergleich
resultiere
ein Invaliditätsgrad von 55
%
,
womit
der
Anspruch auf eine halbe Rente
ausgewiesen sei
(
Urk.
2 und
Urk.
12/2)
.
3.2
Der Beschwerdeführer lässt dagegen
zur Hauptsache
gel
tend machen, dass der Einkommensvergleich
in verschiedenen Punkten
unzutreffend sei.
So sei das
Valideneinkommen
nicht der Nominallohnentwicklung angepasst
und das
Nebenerwerbseinkommen
als Dozent, welche Tätigkeit er nach wie vor ausübe,
fälschlicherweise
nicht
berücksichtigt worden. Beim Invalideneinkommen w
ürden sich alsdann gesundheitlich bedingte
Einschränkungen
lohnmindernd auswirken
, was ebenfalls zu berücksichtigen sei
. Auch sei zu prüfen, ob überhaupt noch eine Verwertbarkeit der R
estarbeitsfähigkeit gegeben sei
(
Urk.
1).
3.3
Streitig und zu prüfen sind nach dem Gesagten
(
allein
)
die erwerblichen Aus
wirkungen
(Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit sowie bejahendenfalls die Höhe der Vergleichseinkommen)
des
Gesundheitsschadens
beziehungsweise,
ob der Beschwerdeführer per
1.
November 2018 Anspruch auf eine höhere als eine halbe Rente hat. An sich unbestritten sind
der
Rentenbeginn per
1.
November 2018 sowie der
den Verfügungen zugrunde gelegte medizinis
che Sachverhalt, namentlich das Verbleiben einer
medizinisch-theoretischen
Arbeitsfähigkeit von
50 % in einer angepassten Tätigkeit.
Ebenfalls unbestritten blieb die in der Ver
fügung vom 1
5.
Juli 2021 angeordnete Drittauszahlung.
4.
4.1
Im Rahmen des unfallversicherungsrechtlichen Verfahrens
veranlasste
die Suva
bei der
D._
eine Evaluation der funktionellen L
eistungs
fähigkeit
(EFL)
,
welche am 2
6.
und
2
7.
November 2019 durchgeführt worden ist.
In ihrem Bericht vom 4.
Dezember 2019 gingen
die verantwortlich zeichnenden Fachpersonen
von F
olgendem aus (Urk.
7/228/2):
Diagnosen gemäss Akten:
-
Arthrose
Tibiofibulagelenk
links sowie
osteochondraler
Defekt lateral
Tibia
plateau
bei St. n. Osteosynthese einer
Tibiaplateaufraktur
vom 30.10.09
-
St. n. Fahrradsturz am 11.12.17 mit Schulterkontusion rechts und PHS mit
Impingement
und AC Gelenksarthrose
-
St. n.
pertrochantärer
Femurfraktur
rechts und MCP III, IV und V Schaftfraktur rechts 12.05.2005
-
St. n. Sturz mit Motorrad am 02.
04
.2010 mit gering dislozierter MTV Fraktur links und
Grundgliedschaftfraktur
Digitus
V links
-
St. n.
Urothelkarzinom
der Harnblase mit St. nach
laparo
skopisch
radikaler
Zystoprosta
ovesikulotomie
am 28.03.14
A
ktuelle Beschwerden:
-
Knieschmerzen beidseits, links > rechts nach längerer Belastung > 1 km
gehen
-
Hyperästhesie der UEX (unter
en
Extremitäten) v.a. im Sitzen
-
Kraftminderung der UE
X nach längerem Gehen (> 1 km),
Anlaufschmerzen nach länger gehaltenen Positionen (Sitzen/Liegen)
-
Handsteif
i
gkeit rechts mit verminderter Feinmotorik
-
Harninkontinenz,
Nikturie
3-4 mal
pro Nacht, um dünndarmkonstruierte Harnblase regelmässig zu leeren/nicht zu überdehnen
-
psychische Belastung/finanzielle E
xis
tenz
In Beantwortung der von der Suva gestellten Fragen
führten
die Fachpersonen
im Wesentlichen
aus
(S. 2)
, die aktuellen Restbeschwerden der Unfallfolgen (Hüfte/Bein rechts, rechte Hand und Knie links) wiesen für den Arbeitsalltag als Prozessfachmann folgende Defizite auf:
Gehtempo
/Sicherheit reduziert, so dass Besuche auf Baustellen wie auch schnelles Zurücklegen bei Werk
s
besichtigungen nicht möglich seien.
Das
Hantieren von Lasten
sei
aktuell aufgrund der Unfall
folgen noch auf leichte Gewichte
reduziert
(
max. 10 kg)
,
was gg
f
.
b
eim
Beschaffen/Bereitstellen von Ersatzteilen einschränkende Wirkung haben könne. Es bestehe ein leicht reduziertes Arbeitstempo beim Schreiben auf der Tastatur im Tagesverlauf/in Ausdauerleistung weiter abnehmend. Zusätzlich bestünden nichtunfallkausale Einschränkungen bei Dienstreisen/Kun
denbesuchen/Werks
-
besichtigungen
etc
.
durch die reduzierte Kontinenz (der Versicherte werde seitens des Chirurgen angehalten, seine Blase ca
.
stündlich/in der Nacht
3-4 mal
zu leeren).
Aufgrund der aufgeführten Einschränkungen weise der Versicherte als Prozess
fachmann keine arbeitsrelevante Leistungsfähigkeit mehr auf, in dieser Tätigkeit bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%.
Auf dem allg
emeinen Arbeitsmarkt könne dem
Klienten unfallkausal eine wechselbelastende Tätigk
eit mit Gewichtstransport bis 5
kg überwiegend und 10
kg selten zugemutet werden zu 50
%, zeitlich reduziert durch das weiter unfallbedingt nötige Therapieaufkommen sowie nichtunfallbedingte Einschränkungen in der allgemeinen Leistungsfähigkeit d
urch herabgesetzte Regeneration
/Erholungsphasen in der Nacht (Schlafunterbruch zur Blasenent
leerung)
.
Unter dem Titel «weitere arbeitsrelevante funktionelle Einschränkungen» führten sie aus, durch Kombination mit
der
internistische
n
Problemstellung (Blasen
ersatz/Inkontinenz/reduzierte Regenerationszeit) sei eine Arbeitsaufnahme aus ihrer Sicht nicht mehr möglich. Nicht als Pro
zessfachmann und nicht auf dem a
llgemeinen Arbeitsmarkt. Betrachte man das Alter des Klienten und die Tatsache
,
dass seine bestehenden orthopädischen Leiden mit dem Alter weiter fortschritten und keine Besserung erwarten liessen, b
e
stehe aus medizinischer Sicht maximal eine Möglichkeit für arbeitsrelevante K
urzeinsätze z.B.
L
ehrstuhl für max. 2 S
tunden täglich (oder ähnliches)
.
4.2
Dr.
med.
F._
,
Facharzt FMH für Urologie
, sowie
Ober
arzt am Kantonsspital E._
, Departement Chiru
r
gie, Klinik für Urologie, s
tellte in seinem Bericht vom 5.
März 2020
an die IV-Stelle
die folgenden
urologischen
Diagnosen
(
Urk.
7/249
/1
)
:
-
Postoperative Belastungsinkontinenz
Grad 2
-
Bedarf von 1-2 Einlagen/Tag bei geringer Belastung
-
Bei zunehmender Belastung bis zu 5-6 Einlagen/Tag
-
Nachts vollständig inkontinent
-
Urothelkarzinom
der Harnblase
-
28.03.2014: Radikale
laparoskopisch
roboterassistierte
Zystoprostatovesikulektomie
mit
pelviner
Lymphadenektomie
und
Gefässnervenschonung sowie offene Anlage eines orthotopen Ileum-
Pouches
-
25.10.2019: CT Thorax/Abdomen: Kein Nachweis einer Metastasierung pulmonal, in den
parench
ymatösen
Oberbauchorganen,
lymphogen
oder
ossär
, keine Anhaltspunkte für Lokalrezidiv
-
Status nach diagnostischer Laparoskopie mit
laporoskopischer
Adhäsiolyse
, medianer Laparotomie,
-
Dünndarmrevision am 06.03.2017 bei mechanischem
Dünndarmileus
Zur Arbeitsfähigkeit führte er
- aus urologischer Sicht -
im Wesentlichen aus, in der ursprünglich erlernten Tätigkeit als Maschinenmechaniker
mit Weiterbildung zum Prozessfachmann
seien sicherlich täglich höhere körperliche Belastungen mit einer unzumutbaren Zunahme der Inkontinenz notwendig. Dies vor allem auch
,
da auch teilweise Tätigkeiten im Stehen vorausgesetzt würden. In der zu
letzt ausgeführten qualif
i
zierten Tätigkeit sehe
er aufgrund von langen Lauf
strecken, teilweise er
höhten körperlichen Belastungen und
eingeschränkter Ver
fügbarkeit von Sanitätsräumen starke Einschränkungen. Bezüglich einer ange
passten Tätigkeit wäre aufgrund der gestellten Diagnosen eine Tätigkeit
,
die hauptsächlich im Sitzen ausgeführt werden könnte, mit der Möglichkeit
,
die Arbeit jederzeit unterbrechen zu können und einer ständigen Verfügbarkeit von sanitären Einrichtungen
,
notwendig. Dies in einer für den Patienten zumutbaren Gehreichweite.
Ob zusätzliche Einschränk
ungen bezüglich der bereits vorb
e
stehenden unfallbedingten Einschränkungen des Bewegungsapparates bestünden, bedürfte im Zweifelsfall der Abklärung.
Insgesamt sehe er unter Berücksichtigung der Ausbildung und des Alters des Patienten auch in einer optimal angepassten Tätigkeit eine deutliche Einschränkung für eine Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt
(Urk. 7/249/2)
.
4.3
Med.
pract
.
G._
, Praktischer Arzt,
führte
am 8. September 2020 im
Bericht
zuhanden der IV-
Stelle zur hypothetischen Arbeitsfähigkeit (nur) in Bezug auf die Blasenerkrankung
im Wesentlichen aus
,
der Versicherte müsse praktisch stündlich auf die Toilette,
die Kapazität der Blase sei
s
ehr begrenzt. Zudem besitze
d
er
Patient
seit der OP nicht die natürliche Kontrolle
über diese Funktion und benötige sowohl zur Kontrolle als auch zur Entleerung eine Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur.
Beim Arbeitsplatz bei der Firma
B._
hätten dies
bezüglich sehr gute B
edingungen
mit naher Toilette und zu Beginn auch Ver
ständnis für die spezielle Situation bestanden.
Verständlicherweise benötige er auch viel mehr Zeit für den Toilettengang (ca. 15-20 Minuten). Bei einer theoretischen Arbeitszeit von vier Stunden wäre dies ein Arbeitsausfall von mehr als einer Stunde. Dies seien alles Gründe
,
welche eine Integration selbst bei einer Teilzeittätigkeit
massivst
erschwer
t
e
n
. Einen nahen
(wohl: kurzen)
Arbeitsweg zu
finden wäre dabei fast obligat, da längere Arbeitswege zu einer starken Belastung führ
t
en und auch in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht immer eine sanitäre
An
lage
frei sein werde. Die gesundheitlichen Einschränkungen wirkten sich sehr stark aus und es bestünden keine medizinischen Massnahmen, die den aktuellen Zustand verbessern könnten (
Urk.
7/274).
5
.
5
.1
Zu prüfen ist vorweg die Frage der Verwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
(
vgl.
Urk.
1 S. 8)
.
5.2
Da
s trotz der gesundheitlichen Beeinträchtigung
zumut
barerweise
erzielbare Ein
kommen ist
bezogen auf einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ermitteln
(Art. 16 ATSG; BGE 138 V 457 E.
3.1 mit Hinweis
).
Dabei ist nicht von realitätsfremden Einsatzmöglichkeiten auszugehen. Es können nur Vorkehren verlangt werden, die unter Berücksichtigung der gesamten objektiven und subjektiven Gegebenheiten des Einzelfalles zumutbar sind. An die Konkretisierung von Arbeitsgelegenheiten und Verdienstaussichten sind jedoch rechtsprechungsgemäss
keine übermässigen Anforderungen
zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 9
C_910/2011 vom 30. März 2012 E. 3.1 mit Hinweis; vgl. BGE
138 V 457 E. 3.1). Der ausgeglichene Arbeits
markt umfasst auch sogenannte Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeits
angebote, bei denen Behinderte mit einem sozialen Entgegenkommen von Seiten des Arbeitgebers rechnen können. Von einer Arbeitsgelegenheit kann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nur noch in so eingeschränkter Form möglich ist, dass sie der ausgeglichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vornherein als ausgeschlossen erscheint (vgl. statt vi
eler: Urteile des Bundes
gericht
s 8C_434/2017 vom 3. Januar 2018 E. 7.2.1 und 9C_253/2017 vom 6. Juli 2017 E. 2.2
.1, je mit weiteren Hinweisen).
Für die Invaliditätsbemessung ist nicht massgebend, ob eine invalide Person unter den konkreten Arbeitsmarktverhältnissen vermittelt werden kann, sondern einzig, ob sie die ihr verbliebene Arbeitskraft noch wirtschaftlich nutzen könnte, wenn ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage nach Arbeitsplätzen bestünde (statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 8C_645/2017 vom 23. Januar 2018 E. 4.3.2 mit Hinweis; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die
Invalidenversicherung, 3. Auflage
2014,
R
n
132 zu Art. 28a
).
5.
3
Der
Beschwerdeführer
leidet
an orthopädischen wie auch urologischen
Gesund
heitsschäden
, die
in ihren Auswirkungen
mehrschichtig
sind
.
Jedoch
ist ihm ge
mäss der Einschätzung der
D._
gestützt auf die durch
geführte EFL aus orthopädischer Sicht eine
in qualitati
ver und quantitativer Hin
sicht angepasste (leichte und wechselbelastende Tätigkeit im Umfang von 50
%)
möglich. A
us urologischer Sicht ist er zwar auf einen Arbeitsplatz in zumutbarer Nähe von sanitären
Einrichtungen und
auf
die Möglichkeit, die Arbeit jederzeit zu unterbrechen,
angewiesen, welche Voraussetzung mit Blick auf die in Frage kommenden (Büro
-
)Tätigkeiten jedoch nicht realitätsfremd erscheint, zumal
d
er
Beschwerdeführer
mit der im März 2014 angelegten
Neoblase
bis Ende Januar 2016
auch
bei der
B._
AG
gearbeitet hat.
Das Belastungsprofil erscheint mithin nicht derart eng, dass es dem Beschwerdeführer nicht möglich wäre,
seine Restarbeitsfähigkeit
auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu ver
werten
.
Alsdann
übt
d
er
Beschwerdeführer
– wenn auch
im Rahmen eines kleinen Pensums -
noch immer
e
ine Erwerbstätigkeit
(als Dozent)
aus
, was ebenfalls gegen die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit spricht
.
Daher und da
der ausgeglichene Arbeitsmarkt auch Nischenarbeitsplätze umfasst
(vgl. E. 5.2 hier
vor
)
,
kann
nicht gesagt werden, dass das Finden einer entsprechenden Stelle zum Vorneherein ausgeschlossen
ist
. Dies gilt
im Lichte der relativ hohen Hürden, welche das Bundesgericht für die Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit älterer Menschen entwickelt
hat (vgl. statt vieler: Urteil
des Bundesgerichts 8C_28/2017 vom 19. Juni 2017 E. 5.2, mit Hinweis)
s
elbst
unter Berücksicht
ig
ung
des Umstands
, dass
d
er
Beschwerdeführer
im
massgebenden Zeitpunkt
(
des Fest
stehens der medizinischen Zumutbarkeit
einer [Teil-]
Erwerbstätigkeit;
v
gl. dazu BGE 138 V 457 E. 3.3)
59 Jahre alt war
(Bericht von
Dr.
F._
vom
5.
März 2020
:
E. 4.2 hiervor
)
.
Entgegen den Ausführungen in der Beschwerde
vom
1.
Juni 2021
(
Urk.
1 S. 5)
kann alsdann
weder
aus den Ausführungen der
D._
(in ihrem EFL-Bericht vom
4.
D
ezember 2019
)
noch
von
Dr.
F._
(im Bericht vom
5.
März 2020)
auf eine
gänzliche Unverwertbarkeit
der R
est
arbeitsfähigkeit geschlossen werden
. So attestierten
insbesondere
auch die Fach
personen der
D._
letztlich eine
gewisse
Restarbei
tsfähigkeit
und hielt
Dr.
F._
lediglich fest, es bestehe eine «deutliche Einschränkung» für die
Wiedere
ingliederung
auf dem Arbeitsmarkt
.
Zu prüfen ist daher der Einkommensvergleich.
6.
6.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die ver
sicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom
Bundesamt
für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) berechnet werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenen
falls relevanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invaliden
versicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art. 28a). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu ver
wen
den (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1).
6.
2
6.2.1
Die IV-Stelle knüpfte für
die Bestimmung des
Valideneinkommens
an das bei der
B._
AG in den Jahren 2012 und 2013
(d.h.
vor der Krebs
erk
r
ankung
im Jahr
2014
) erzielte Einkommen an
(vgl.
Urk.
7/283)
und ging so
mit davon aus, dass der Beschwerdeführer diese Tätigkeit im Gesundheitsfall fort
gesetzt hätte
.
Dies ist unbestritten, weshalb davon auszugehen ist
.
Gemäss den
Eintragungen
im
Individuellen Konto (
IK
)
erzielte der Beschwerdeführer
bei der
B._
AG im
Jahr 2012 ein Einkommen von Fr.
94'632.--
sowie im Jahr 2013
ein solches von Fr.
105'289.--
(Urk. 7/178/3)
. Je a
ufgerechnet auf das Jahr 2018
(Zeitp
unkt des Rentenbeginns, vgl. E.
2.3 hiervor) entspricht
dies somit
Einkünften
von Fr.
97'797.
--
(2012
) bzw. Fr.
107'947.
--
(20
13), woraus ein durchschnittliches
Einkommen von Fr.
102'872.
--
resultier
t (vgl.
zur Lohn
entwicklung
Bundesamt für Statistik, Schweizerische Lohnstrukturerhebung,
Tabelle T1.1.10; Nominallohnindex Männer, 2011-2018)
.
Die Suva ermittelte an
hand statistischer Werte ein nahezu identisches
Valideneinkommen
2018 von
Fr.
102'920.--
(
Urk.
7/262/7 f.), was
den
Beizug
der durchschnittlichen Löhne der Jahre 2012 und 2013 pla
usibilisiert
.
6.2.2
Die
Beschwerdegegnerin
verweigerte
die Berücksichtigung
der Einkünfte
aus
Nebenerwerbs
tätigkeit
beim
Valideneinkommen
mit der Begründung
,
dass das
Valideneinkommen
nach Massgabe eines Pensums von 100 % zu berechnen sei
. Darin
ist ihr nicht zu folgen. Zwar bietet die Invalidenversicherung als Erwerbs
unfähigkeitsversicherung grundsätzlich nur Versicherungsschutz für eine üb
liche, normale erwerbliche Tätigkeit, weshalb
grundsätzlich
nur Einkünfte
in die Vergleichsrechnung einzubeziehen sind, die bei einem normalen Arbeits
pensum erzielt werden.
Dazu
gehören
jedoch
praxisgemäss – ohne Rücksicht auf den hier
für erforderlichen zeitlichen oder leistungsmässigen Aufwand – unter anderem regelmässig geleistete Überstunden sowie aus einer Nebenbeschäftigung fliessendes Entgelt.
Denn das Abstellen auf eine normale erwerbliche Tätigkeit bedeutet, dass Einkünfte (nur) dann als
Validenlohn
zu berücksichtigen sind, wenn sie bereits im Gesundheitsfall erzielt wurden und weiterhin erzielt worden wären, wenn die versicherte Person keine gesundheitliche
Beeinträchtigung erlitten hätte; dies schliesst (daher) nicht
grunds
ätzlich aus
, dass
- unter anderem -
aufgrund eines dauernd überdurchschnittlichen Arbeitspensums vor dem Ein
tritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung erzielte
,
sehr hohe Einkommen in den Einkommen
svergleich miteinbezogen werden
(vgl. zum Ganzen etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2010 vom 2
5.
Februar 2011 E. 4.5
sowie Meyer/
Reich
muth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
3.
Auflage
2014
,
Art.
28a N 70
).
Vorliegend ging der Beschwerdeführer seiner Lehrtätigkeit seit 2010
regelmässig
nach
(und auch nach 2018; vgl. etwa Lohn
ausweise des Z._
für die Jahre 2018 und 2019,
Urk.
7/
267/1-2)
, weshalb die Ein
künfte aus Nebenerwerb zum
Va
lideneinkommen
hin
zuzurechnen sind.
6.2.3
Im seiner Beschwerde beziffert der
Beschwerdeführer
d
ie in den Jahren 2010 bis 2019 erzielten
Einkünfte aus Nebenerwerb
– in Anlehnung an die Berechnung der S
uva
(vgl. dazu
Urk.
7/269
)
–
auf
durchschnittlich
jährlich
Fr.
9
’
77
5.-
-
(vgl. Urk. 1 S.
6)
, welcher Wert
dem im Jahr 2018 erzielten Einkommen aus der Lehr
tätigkeit entspricht (vgl.
Urk.
7/267/
2
)
.
Das
Massliche
des so ermittelten
Ein
kommens aus
Nebenerwerb
wird
seitens der Beschwerdegegnerin
n
icht in Frage gestellt
und
erscheint plausibel
, weshalb
per 2018
davon auszugehen ist.
Zum Einkommen aus dem Haupterwerb hinzugerechnet, führt dies zu einem
Validen
einkommen
von Fr.
112'647.-- (Fr. 102'872.--
+
Fr.
9'775.--).
7.
7.1
7.1.1
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch realisierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die ver
sicherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbs
tätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumut
barer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalide
nlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3;
135 V 297 E.
5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
7.
1.
2
Liegt kein anrechenbares Erwerbseinkommen vor, so können f
ür die Bes
timmung des Invalideneinkommens
nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstruktur
erhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5
.2, 129 V 472 E. 4.2.1
). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Renten
revisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E
. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Ver
wendung der Tabellenlöhne
ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BG
E
142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
a.a.O
,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
Sodann
ist p
raxisgemäss beim anhand der LSE vorgenommenen Einkommens
vergleich von der Tabellengruppe A (standar
d
isierte Bruttolöhne)
auszugehen. Üblich ist die Tabelle TA
1.
Dieser Grundsatz gi
lt jedoch nicht absolut, sondern
kennt Ausnahmen. Es
kann sich rechtfertigen, auf di
e
Tabelle T
17 ab
zustellen
,
wenn dies eine genauere Festsetzung des Invalideneinkommens erlaubt und wenn der versicherten Person der öffentliche Sektor auch offensteht (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts
8C_111/2021
vom 3
0.
April 2021,
E. 4.2.1).
7.1.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf
die Lohnhöhe haben können (BGE
124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die
verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Um
stände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen ges
amthaft zu schätzen und darf 25
% nicht übersteigen (
vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2,
134 V
322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Ab
zug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsf
ähigkeit ein
geschränkt ist (BGE
126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesund
heitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidens
bedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (
BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
7.2
7.2.1
Die IV-Stelle
stellte
für die
Bemessung des Invalideneinkommens
auf den hälftigen
(entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 50 %)
Lohn ab, welchen
de
r
Beschwerdeführer
(als «Sachbearbeiter»)
zuletzt
bei der
B._
AG erzielt hatte
(vgl.
Urk.
7/283
i.V.m
. Urk. 7/256)
. Dieses Vorgehen überzeugt jedoch schon daher nicht
, als dem
Beschwerdeführer diese Stelle
per Ende Januar
2016
gekündigt wurde
und er diese mithin nicht mehr inne
hat
. Alsdann übt der Beschwerdeführer zwar seine Lehrtätigkeit
beim Z._
weiterhin aus (
Urk.
1 und Lohnausweise
in
Urk.
7/267
).
Angesichts des
k
leinen
Pensums
(von ca. 10 %; vgl. dazu etwa Urk. 7/184/3)
b
eziehungsweise
des erzielten Einkommens von
durchschnittlich
knapp
Fr.
10’000.
-- pro Jahr
kann
jedoch
nicht gesagt werden,
d
er
Beschwerde
führer
schöpfe
die ih
m
verbliebene Arbeitsfähigkeit in z
umutbarer Weise voll aus
.
Auch fehlt es an Anhaltspunkten, welche darauf schliessen liessen, er könnte das Pensum auf 50
%
erhöhen.
D
ieses tatsächlich erzielte Einkommen
kann daher
ebenso
wenig
als Invalidenlohn gelten
(vgl. E.
7.1
.1
hiervor)
, weshalb
für die Festsetzung des Invalideneinkommens Tabellenlöhne beiz
uziehen
sind
(E. 7.
1.
2 hiervor)
.
7.2.2
Der Beschwerdeführer
hat
den Beruf des
Maschinenmechaniker
s EFZ erlernt
und im Rahmen der
Umschulung
durch die Invalidenversicherung
die Ausbildung zum
eid
g
.
d
ipl.
Prozessfachmann absolviert
. Er absolvierte überdies weitere
Zusatzaus
bildungen
, u.a.
zum
e
idg
.
d
ip
l.
Techniker HR Unternehmensprozesse so
wie
NDS HR Betriebswirtschaft (
Urk.
7/184).
Vor diesem
beruflichen Hintergrund
und weil
dem Beschwerdeführer auch der öffentliche Sektor offen steht
,
ersch
eint es vorliegend sachgerecht, die
Tabelle
T17
der LSE
2018
beizuziehen
(
Schweizerische Lohnstrukturerhebung 20
18
,
Monatlicher Bruttolohn [Zentral
wert]
nach Berufsgruppen, Lebensalter und Geschlecht, Pr
ivater und öffentlicher Sektor)
und auf deren
Position 3 (Techniker/innen und gleich
rangige nicht
technische Berufe)
abzustellen,
wie sie im Ü
brigen auch
der
unfallversicherungs
rechtlichen
Invaliditätsbemessung zugrunde lag
(vgl.
Urk.
7/262)
. Gemäss dieser Position
verdienten Männer über 50 Jahre
im Jahr 2018
bei 40 Arbeitsstunden pro Wo
che durchschnittlich Fr. 8'227.-- pro Monat resp.
Fr.
98'724.--
im Jahr, was bei einer betriebs
üblichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 2018
(vgl. dazu Bundesamt für Statistik, Tabelle T03.02.03.01.04.01)
zu ein
em
monatlichen Einkommen von
Fr.
8'577.-- bzw. einem
jährlichen Einkommen von Fr. 102'920.
-
führt
.
In dem
dem
Beschwerdeführer noch zumutbaren Pensum
von 50
%
resultiert demnach ein Inva
lideneinkommen von
Fr.
51'460.-
-
.
7.2.3
Der Beschwerdeführer
macht geltend
,
es lägen
verschiedene gesu
ndheitliche Beschwerden vor,
welche
sich lohnmindernd auswirkten. Neben den unfall
bedingten Beschwerden
am Bewegungsapparat
sei insbesondere zu berück
sichtigen, dass
ihm
aufgrund
seiner Krebserkrankung im Jahr 2014 eine
Neoblase
e
ingesetzt worden sei
.
Auch
sei der wöchentliche Zeitaufwand für MTT Traini
n
g
und Training zuhause
lohnmindernd zu berücksichtigen
(
Urk.
1
S
. 7).
Unter de
m
Titel des leidensbedingten Abzugs fragt sich, ob die versicherte Person im Vergleich mit gesunden Mitbewerbern auch bei einer leidensangepassten Tätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt wegen eines ausserordentlichen Umstandes eine Lohneinbusse zu gewärtigen
hätte
(vgl. dazu statt vieler etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_579/2017 vom 1
1.
Dezember 2017, E.
7.4.1
).
Vor
liegend leidet der
Beschwerdeführer
nicht nur an verschiedenen
Gesun
dheits
schäden
am Bewegungsapparat, infolge derer er
auf leichte wechselbelastende
Tätigkeiten angewiesen ist
und selbst zum Beispiel beim Schreiben auf einer Tastatur nur in reduziertem Arbeitstempo
dauerhaft
arbeiten kann (E. 4.1)
; i
ns
besondere
zieht
auch
die
urologische
Problematik
e
rhebliche Einschränkungen nach sich
. So
ist der Beschwerdeführer
darauf angewiesen
, die Arb
eit jederzeit unterbrechen
zu können
und
bedarf e
ine
r
ständige
n
Verfügbarkeit von
sanitären Einrichtungen
in
zumutbarer
Gehreichweite (vgl.
E. 4.2)
. A
ufgrund
der
Blasen
problematik hat er die Toilette relativ häufig aufzusuchen (
praktisch
stündlich [vgl.
E. 4.3
] bis zweistündlich [vgl.
Beric
ht des Kantonsspitals E._
, Departement für Chirurgie, Klinik für Urologie, vom 1
6.
November 2020,
Urk.
7/279/5])
,
wobei
der Toilettengang infolge der erschwerten
Entleerung
der
N
eoblase
jeweils
deutlich
mehr Zeit
als üblich
in A
nspruch
nimmt
(vgl. E. 4.3)
.
Die Blasenproblematik führt
mithin
insgesamt zu häufigen und zu längeren
Ab
senzen
vom Arbeit
s
platz
als üblich
und
bringt
– etwa hinsichtlich der Möglichkeit der
Teilnahme an längeren Sitzungen, Kundenkontakten oder Geschäftsreisen -
zusätzliche Einschränkungen mit
sich.
Hinzu kommt
eine
(j
e nach Belastung mehr oder weniger starke
; vgl.
E.4.2
)
Inkontinenz
, welche gegebenenfalls weitere Toilettengänge erforderlich
macht.
Insbesondere
durch
die urologische Prob
lematik ist
der
Beschwerdeführer
mithin
fraglos
auch
in einer leidensangepassten
, teilzeitlichen
Tätigkeit
deutlich
und regelmässig
eing
e
schränkt
.
Es rechtfertigt sich
vor diesem
medizinischen
Hintergrund
p
raxisgemäss ein
l
eiden
s
bedingter Abzug
, welcher a
ufgrund der
verschiedenen
Einschränkungen
insgesamt
auf 15
%
festzulegen ist. Unter dem Aspekt des
leidensbedingten
Abzugs nicht zu berücksichtigen
sind
hingegen die Notwendigkeit des
MTT-Traini
n
gs bzw
.
eines
Trainings zuhause
, da
das Therapieaufkommen
bereits im
reduzierten
Pensum
von 50 %
berücksichtigt
und dieser Gesichtspunkt nicht doppelt anzurechnen
ist
(vgl. E. 4.1 hiervor)
.
W
eitere
Abzugsgründe
wurden
alsdann
nic
h
t geltend gema
c
ht und sind nicht ersichtlich
.
Bei einem Abzug von 15
%
resultiert ein
Invalideneinkommen
von Fr.
43'741.-- (Fr.
51'460.--
x 0.85).
8.
Ein Invalideneinkommen in Höhe von
Fr.
43'741.--
führt in Gegenüberstellung mit dem
Va
lideneinkommen
von
Fr.
112'647.--
zu einem Invaliditätsgrad von 61
%
(
Fr.
112'647.-- -
Fr.
43'741.--/
Fr.
112’647.-- x
100), was Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
ergibt.
Zusammenfassend
ergibt sich somit, dass der Beschwerdeführer mit W
irkung ab 1.
November 2018 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
hat. Die Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen.
9.
9.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht,
sind die (vereinigten)
Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie der unter
liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
9.2
Ausgangsgemäss
ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer eine Prozessentschädigung auszurichten, welche in Anwendung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeutung der Strei
t
sache und der Schwierigkeit der
vereinigten
Prozesse
sowie nach
Einsicht
in die
(aktualisierte)
Kostennote
vom
12. August 2021
(Urk.
11
) auf Fr.
2‘623.50
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen ist.