# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 94bd50f0-260b-5888-84b4-fb69a173fb27
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der
1968
geborene
X._
war zuletzt
als Hilfsarbeiter tätig beziehungs
weise arbeitslos (
Urk.
8/16)
. Am
1
0.
November 2008
meldete er sich unter Hin
weis auf
schwere chronische Rückenschmerzen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
8/9
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen, liess den Versicherten durch Prof.
Dr.
Y._
, Chefarzt der Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation des
Z._
,
begutachten (Expertise vom
2.
Juni 2009,
Urk.
8/26) und
sprach ihm m
it Verfügung vom 11. November 2010 (Urk. 8/50)
vom
1. November 2007
b
is 31.
Mai 2009
eine halbe,
anschliessend
bis 28. Februar 2010 eine ganze und anschliessend wieder
um
eine halbe Rente zu.
Das hiesige Gericht hiess die vom Versicherten
dagegen
erhobene Beschwerde mit
Urteil IV.2010.01207 vom 31. Mai 2012 (Urk. 8/62)
in dem Sinne
gut,
dass es
die Verfügung auf
hob
und
die Sache
zur weiteren Abklärung
und
neuen
Verfügung
an die IV-Stelle
zurück
wies
.
1.2
Die IV-Stelle liess den Versicherten daraufhin durch die
MEDAS
A._
polydisziplinär
(allgemeininternistisch, orthopädisch, psychiatrisch, rheuma
tologisch und neurologisch)
begutachten (Expertise vom 2
6.
April 2013,
Urk.
8/74). Mit Verfügung vom
6.
Januar 2014
verneinte sie einen Leistungs
anspruch des Versicherten (
Urk.
8/
89
).
Die
von ihm
dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil IV.2014.00141
vom 15.
Juni 2015 ab (
Urk.
8/
105
).
Mit Verfügung
en
vom 2
1.
August 2015
und
9.
Juni 2017 (Urk.
8/108 und
Urk.
8/141)
forderte die IV-Stelle die dem Versicherten bislang ausgerichteten Rentenleistungen zurück.
1.3
Am 2
5.
September 2015 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/120). Mit Verfügung vom 3
1.
Mai 2016 trat die IV-Stelle darauf nicht ein (
Urk.
8/
134
). Die dagegen erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil IV.2016.00766 vom 1
4.
Juli 2017 ab (
Urk.
8/
147
).
1.4
Am 2
5.
Mai 2018 meldete sich der Versicherte wiederum zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/
150
). Die IV-Stelle
tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und
holte insbesondere
am
6.
November 2018
eine Stellungnahme von
Dr.
med.
B._
, FA orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD,
Urk.
8/
178/5
) ein.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
8/179,
Urk.
8/180
und
Urk.
8/
187
) wies sie das
Leistungsbegehren mit Ver
fügung vom
1.
April 2019
(Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am
1
4.
Mai 2019
Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei
en ihm die gesetz
lichen Leistungen aus IVG zu erbringen, insbesondere sei ihm mit Wirkung ab 2
5.
Mai 2018 eine ganze Rente zuzusprechen.
Zudem sei ihm die unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung zu bewil
ligen. Am
1
3.
Juni 2019
(Urk.
7
) beantragte die IV-Stelle
, die Beschwerde sei abzuweisen
, was dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom
1
9.
Juni 2019
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
12
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in
Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
si
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tat
sächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revi
sions
fall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festge
stellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Inva
lidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leistungsabweisende
Ver
fügung vom
1.
April 2019
(Urk. 2) damit, dass
aufgrund der medizinischen Akten keine länger dauernde Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit verglichen mit dem letzten Entscheid ausgewiesen sei. Es bestehe kein längerdauernder Gesundheits
schaden im Sinne des Gesetzes und deshalb kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
Im neu vorgelegten Arztbericht würden die gleichen Schlussfolgerungen wie in den früheren Arztberichten beschrieben (S. 1-2).
2.2
Der
Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
als Vergleichsbasis sei das Gutachten der
MEDAS
A._
vom 2
6.
April 2013 heranzuziehen (S. 4).
Den neueren Berichten lasse
sich entnehmen, dass er am 22.
Juni 2017 einen Verkehrsunfall erlitten habe und an Schmerzen an der Wirbelsäule, den Schultern und den Fersen leide.
T
rotz Hospitalisationen und regel
mässiger Betreuung
habe sich zudem - aus näher dargelegten Gründen -
auch
sein psychischer Zustand verschlechtert (S. 5
und S. 7-
10
).
Dr.
B._
vom RAD
sei als Orthopäde zur Würdigung psychiatrischer Befunde nicht besonders geeignet und habe sachgerecht auf eine medizinische Stellungnahme dazu ver
zichtet. Was den somatischen Gesundheitszustand anbelange, habe er sich einem Vergleich des Gesundheitszustandes enthalten und sich auf allgemeine Fest
stel
lungen,
nämlich,
dass Schultergelenkverletzungen in vielen Fällen innert einiger Wochen abheilen würden und dass die degenerativen Veränderungen an der Wirbel
säule altersentsprechend seien, beschränkt
(S. 6).
Eine verwertbare Arbeits
fähigkeit auf dem freien Arbeitsmarkt sei derzeit nicht gegeben und es sei ihm ab dem Zeitpunkt der Neuanmeldung eine ganze Rente zuzusprechen.
Allen
falls seien Eingliederungsmassnahmen zu prüfen oder eine erneute Begutachtung zu veranlassen (S. 10).
3.
Vergleichszeitpunkt für eine für die Neuanmeldung relevante Veränderung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers bildet die Verfügung vom
6.
Januar 2014 (
Urk.
8/89), mit welcher die Beschwerdegegnerin gestützt auf das Gutachten der MEDAS
A._
(
Urk.
8/74) das Leistungsbegehren abgewiesen hat. Auf die Neuanmeldung vom 2
5.
September 2015 hin erfolgte keine vertiefte Abklärung des medizinischen Sachverhalts, trat die Beschwerdegegnerin doch auf
diese
gar nicht ein (Verfügung vom 3
1.
Mai 2016,
Urk.
8/134).
4
.
4.1
Die rentenabweisende Verfügung vom
6.
Januar 2014 stütz
t
e sich insbesondere auf das Gutachten der MEDAS
A._
vom 2
6.
April 2013 (
Urk.
8/74).
Dr.
med.
C._
,
Facharzt für
Neurologie
FMH
,
Dr.
med.
D._
,
Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, med. prakt.
E._
,
Facharzt für
Psychiatrie
und Psychotherapie
,
Dr.
med.
F._
,
Facharzt für
Innere Medizin, und
Dr.
med.
G._
,
Fachar
zt für physikalische Medizin FMH
spez.
Rheumatologie,
stellten darin keine Diagnosen mit und folgende Diag
nosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Chauffeur (S.
14)
:
-
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom beidseits
-
Osteochondrose und Spondylose L4/5 und L5/S1
-
klinisch fehlende Hinweise auf aktuelle radikuläre Kompression/Irritation
-
muskuläre Dysbalance
-
Psoriasis vulgaris ohne Verdacht auf hiermit assoziierte Arthritiden
-
chronisch wiederkehrende Zervikalgien bei diskret beginnenden degenerativen Wirbelveränderungen und angedeuteter Wirbelsäulenfehlstatik
-
diskrete Sprunggelenkarthrose rechts
-
osteosynthetisch versorgte knöchern fest konsolidierte Fersenbein-Fraktur links
-
Spreizfuss beidseits mit beginnender Grosszehengrundgelenk-Arthrose links
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig überwiegend leichte Episode, phasenweise mittelgradige Episode mit fraglich psychotischen Symptomen (ICD
10 F33.0/F33.2)
-
prädisponierende Persönlichkeit mit dissozialen und emotional instabilen Ele
men
ten, Schwierigkeiten bei der kulturellen Eingewöhnung (ICD-10 F60.3)
Weiter führten die Gutachter aus, der Beschwerdeführer habe über Schmerzen im lumbalen Bereich mit Ausstrahlungen ins linke Bein und teilweise nach oben bis zum Nackenbereich sowie über Missempfindungen in der Grosszehe links geklagt. Bisweilen trete auch eine Schmerzausstrahlung ins rechte Bein auf. Ausserdem leide er unter Schlafstörungen, manchmal auch unter Kopfschmer
zen und Schwindel. Er sei nervös und seine Stimmung sei schlecht. Er höre auch Stimmen. Die Rückenschmerzen seien erstmals 1993, dann wieder 2003 und gehäuft seit 2006 aufgetreten (S. 7, S. 12, S. 16, S. 21, S. 29, S. 34). Zum Tagesverlauf habe der Beschwerdeführer angegeben, überwiegend zu Hause zu sein, wegen der Müdigkeit viel zu liegen oder zu schlafen. Teilweise gehe er aber auch etwas spa
zieren. Manchmal erhalte er Besuch oder gehe zu Kollegen. Er helfe, die Kinder zur Schule und in die Kinderkrippe zu bringen. Im Sommer gehe er öfter an den See. Den Einkauf mache er mit seiner Frau zusammen. Der Haushalt werde von der Frau geführt (S. 8, S. 17, S. 21, S. 34).
Bei der klinischen Untersuchung der Lendenwirbelsäule durch den neurologi
schen Gutachter habe der Beschwerdeführer eine eher geringe Druckempfind
lich
keit über den Nervenaustrittspunkten, respektive nur einen geringen Klopf
schmerz tief lumbal angegeben. Auch während der gesamten einstündigen Anamnese sei er ruhig unter Vermeidung von Bewegung und mit steif gehalte
nem Rücken auf dem Stuhl gesessen. In der Lasègue-Probe habe keine radiku
läre Reizsymptomatik ausgelöst werden können (S. 10).
Sodann bemerkte der neurologische Gutachter, aus dem Gutachten von Dr. med.
H._
, Chefarzt an der Klinik für Rheumatologie und Rehabilitation des
Z._
(damals Leitender Arzt), vom 2. Juni 2009 (Urk. 8/26; vgl. auch E. 4.3 des Urteils IV.2010.01207) seien MRI-Befunde vom 27. Februar 2007 sowie vom 27. Mai 2009 referiert worden, welche unter anderem eine Dis
kusprotrusion L5/S1 mediolateral rechts mit Kontakt zur Nervenwurzel S1 rechts zeigten. Die klinische Symptomatik sei aber auf das linke Bein projiziert ange
geben worden. Dr.
H._
beschreibe in seinem neurologischen Status schon beim Eintreten des Beschwerdeführers ins Sprechzimmer ein groteskes Gangbild mit Schonung des
linken Beines, welches abgespreizt werde. Dieses habe in der aktu
el
len Untersuchung nicht mehr gesehen werden können. Hin
sichtlich der ehemals diffusen Sensibilitätsstörung gebe der
Beschwerdeführer
heute eine Taubheit im Grosszehenbereich links, dem L5-Segment entsprechend, hin
gegen eine normale Sensibilität im S1-Segment an
.
Insgesamt könne man, ins
besondere in Korrela
tion mit den Bildbefunden, die aktuellen Beschwerden des
Beschwerde
führers
nur teilweise nachvollziehen. Objektiv bestehe zwar eine Dis
kuspa
thologie in den Eta
gen L4/5 und L5/S1, jedoch erscheine eine relevante neuro
kompressive Sympto
matik nicht vorzuliegen. Auch sei gemäss der aktuel
len Anamnese eine typische radikuläre Schmerzausstrahlung L5 oder S1 seg
mental nicht beschrieben worden. Eine ältere L5-radikuläre Defizitsymptomatik am Grosszeh scheine, wenn man den heutigen Sensibilitätsbefund heranziehe, jedoch wahrscheinlich (S. 10 f.).
Auch in der psychiatrischen Untersuchung hätten sich deutliche Indizien für demonstra
tive, teilweise in der Tat grotesk anmutende Verhaltensweisen gezeigt. Es seien Inkonsistenzen aufgetreten. So habe der Beschwerdeführer immer wieder die Meinung vertreten, sich an Sachverhalte nicht zu erinnern. Andererseits habe er diverse Details gut und folgerichtig wiedergeben können. Ausserdem habe er in der Begutachtungssituation prompt und folgerichtig reagieren können. Nicht
beantwortungen seien aus Sicht des Gutachters keines
falls als Einschränkungen der Konzentration oder des Gedächtnisses zu inter
pretieren gewesen, sondern vielmehr als Produkt einer gereizten, innerlich abwehrenden, kaum von Koope
ration getragenen Grundhaltung, welche am ehesten seiner prädisponierenden, emotional instabilen, dissozialen Persönlich
keitsstruktur geschuldet sein dürfte. Dieses Verhalten bedinge allerdings leider eine Einschränkung des psychiat
rischen Erkenntnisgewinnes. Der Beschwerde
führer habe weiter akustische Hallu
zinationen beschrieben und auf Nachfrage Verfolgungs- sowie Beeinträch
tigungserleben bestätigt. Die dargelegten Symp
tome deckten sich mit den in den Berichten aus dem Jahr 2009 von Dr. med.
I._
, Leitender Arzt beim
J._
(damals Stv. Oberarzt), dargestellten psychopathologischen Beschreibun
gen (vgl. Urk. 8/29 und Urk. 8/32; ferner E. 4.4 im Urteil IV.2010.01207). Auf
fällig für den Untersucher sei gewesen, dass der Beschwerdeführer während des Vortragens der Symptome keine spürbare emotionale Beteiligung gezeigt habe. Er habe eine depressive Herab
gestimmtheit und resignative Haltung sowie Impulsdurchbrüche beschrieben. Bei deren Schilderung sei ein mangelndes Bewusstsein für soziale Normen deutlich geworden (S. 26).
Bezogen auf die angegebene psychisch beeinträchtigende Symptomatik falle eine erhebliche Widersprüchlichkeit zum beschriebenen alltäglichen Funktions
niveau des Beschwerdeführers auf. So liessen sich bei der Schilderung des Alltages keine
hinreichenden Indizien für einen relevanten sozialen Rückzug erkennen. Fraglich bleibe, ob die akustischen Halluzinationen und paranoiden Ideen tatsächlich noch hinreichend ausgeprägt vorhanden seien, oder letztlich nur zweckgebunden Erwäh
nung fänden. Selbst bei wohlwollender Würdigung der vorgetragenen Symptomatik sei kein handlungsbestimmender, den Lebens
erfolg signifikant einschrän
kender Charakter der akustischen Halluzinationen vor
handen, was durch das Aktivitätsniveau, welches der Beschwerdeführer bei Nachfrage nach seinem Lebensalltag schildere, gut verdeutlicht werde (S. 26).
Die psychischen Beeinträchtigungen seien bei gegebenen therapeutischen Mög
lichkeiten, unter Aufbringung eines entsprechenden Willens und unter Berück
sichtigung der inzwischen moderaten Ausprägung, überwindbar. Voraussetzung sei eine aktive Mitarbeit im therapeutischen Prozess. Aus fachärztlicher Sicht sei die beschriebene depressive Störung in der geschilderten Ausprägung nicht medi
zinisch invalidisierend. Eine somatoforme Schmerzstörung könne weder hinrei
chend diagnostiziert, noch hinreichend ausgeschlossen werden, da der Beschwerde
führer hierzu notwendige Angaben, auch bei insistierender Nach
frage, unterlassen habe. Selbst bei Vorhandensein einer somatoformen Störung oder einer chronischen Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Fak
toren, bestehe kein sozialer Rückzug. Es sei kein primärer Krankheitsgewinn im Sinne eines unlösbaren Konfliktes zu erkennen. Weiterhin bestehe keine anhal
tende tiefgreifende Komorbidität, welche nicht unter Ausschöpfung sämtlicher Massnahmen und vor allem beim Vorhandensein einer ausreichenden Motiva
tion überwindbar wäre. Ebenso fehle eine ausgeprägte, permanente, chronische, rele
vante, körperliche Erkrankung (S. 27).
Anlässlich der orthopädischen Untersuchung hätten die vom Beschwerdeführer angegebenen Schmerzen in der Wirbelsäule, in den Sprunggelenken und im lin
ken Vorfuss nicht durch objektivierbare, pathologische Befunde erklärt wer
den können. Insbesondere nicht objektivierbar seien das linksseitige Schonhin
ken und die Schmerzen beim Betasten der Wirbelsäule, der Sprunggelenke und des linken Fusses. Zu bemerken sei, dass der Beschwerdeführer sich beim Ent
kleiden
von
Hosenbein und Strumpf jeweils im sicheren Einbeinstand ausziehe. Hinweise auf das Vorliegen einer radikulären Reizsymptomatik seitens der Wir
belsäule fänden sich bei der aktuellen Begutachtung nicht. Dies stehe im guten Einklang mit den Befunden in den Akten (S. 37).
In der interdisziplinären Beurteilung kamen die MEDAS-Gutachter zum Schluss, dass aufgrund der degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule keine körperlich schweren Arbeiten verrichtet werden könnten. Hingegen sei eine ange
passte Tätigkeit in einer leichten bis kurzfristig mittelschweren Arbeit medizi
nisch-theoretisch zumutbar. Die Gewichtslimite werde bei 15 kg definiert. Zu ver
meiden seien Zwangshaltungen mit nach vorne geneigter oder gebeugter Arbeits
haltung sowie Tätigkeiten in Nässe, Kälte oder Zugluft. Ideal seien Tätig
keiten im Wechselrhythmus. Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Chauffeur sei unter Einhal
tung dieser Bedingungen und bei entsprechender Einhaltung rückendisziplina
rischer Massnahmen theoretisch medizinisch vollzeitig ohne Leistungsminderung zumutbar. Die davor ausgeübte Tätigkeit im Reinigungs
team würde jedoch das Rückenleistungsvermögen überforder
n. Die Beschwerden im rechten Rü
ckfuss seien bei Berücksichtigung des oben genannten Fähigkeits
profils und bei Gebrauch geeigneter Schuhe mit Pufferabsatz, genügender Polsterung der Ferse dorsal und in einer festen Sohle ebenfalls nicht relevant (S. 13 f.). Auch retro
spektiv sei seit 2007 von
keiner längerdauernden Arbeits
unfähigkeit für eine ange
passte Tätigkeit auszugehen (S. 15).
4.2
Die angefochtene Verfügung
vom
1.
April 2019
basierte unter anderem auf fol
genden Berichten:
4.2.1
Dr.
med.
K._
, FMH Allgemeinmedizin, hielt in seinem Schreiben an die Beschwerde
gegnerin vom 2
3.
Mai 2018 (
Urk.
8/150) folgende Diagnosen fest:
-
chronisch rezidivierende depressive Störung (
ICD-10
F33.3)
-
dissoziale Persönlichkeitsstörung (
ICD-10
F60.2)
-
chronisches lumbospondylogenes Schmerzsyndrom mit intermittierenden lumbo radikulären Schmerzen L5 links bei Diskushernie L4/L5 links mehr als rechts
-
cervico vertebrales Schmerzsyndrom und Schulterschmerzen links nach Ver
kehrsunfall am 2
2.
Juni 2017
-
Status nach dislozierter Calcaneus-Fraktur links mit Schrauben-Osteosynthese am 1
2.
Juni 2013
-
Osteosynthese-Materialentfernung am 1
6.
Januar 2014
Dazu führte er aus, in den letzten drei Jahren sei es psychisch zu einer Verschlechte
rung der Situation gekommen. Der Beschwerdeführer habe hospita
lisiert werden müssen und befinde sich in regelmässig ambulanter psychiatrischer Betreuung, wonach es aber dennoch zu keiner Besserung der Depression komme. Diesbezüglich sei er sicherlich zu 100
%
arbeitsunfähig und werde es voraussicht
licher Weise auch lebenslang so bleiben.
Des Weiteren
cervicale und linksseitige Schulterschmerzen bei AC-Gelenksdistorsion
bei Verkehrsunfall am 2
2.
Juni 2017 (keine ossären Läsionen).
Des Weiteren
nach wie vor chronische, belastungs
abhängige, nach zwei Stunden auf den Beinen am Morgen auftretende, den ganzen Tag verbleibende linksseitige Lumboischialgien bei bekannter Dis
kushernie.
Des Weiteren
nach wie vor belastungsabhängige linksseitige Fersen
schmerzen bei Status nach Calcaneus Fraktur 2013 (S. 1). Die Prognose sei als schlecht zu erachten bei chronischer Depression, Lumboischialgie und chronischen linksseitigen Fersenschmerzen. Er bitte die Beschwerdegegnerin, die 100
%
Berentung zu prüfen, da eine Wiedereingliederung aufgrund der oben er
wähnten Umstände und Erkrankungen nicht möglich sei und langfristig auch nicht möglich sein werde (S. 2).
4.2.
2
Im Kurzaustrittsbericht vom
4.
Mai 2018 (
Urk.
8/149/1-2) stellte Assistenzarzt
L._
von der
M._
folgende Diag
nosen (S. 1):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psycho
tischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
-
sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (ICD-10 F63.8)
-
dissoziale
Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2)
-
narzisstische Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8)
Dazu hielt er fest, der Beschwerdeführer sei vom 1
3.
März bis
4.
Mai 2018 in ihrer Klinik hospitalisiert gewesen. Er sei freiwillig eingetreten zur medikamentösen Einstellung und in einem gebesserten
Z
ustand in die alten Verhältnisse ausge
treten (S. 1).
4.2.
3
Dr.
med.
N._
, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
Dr.
phil. klin. psych.
O._
, klinischer Psychologe und Supervisor, und MSc
P._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, vom
Q._
führten in ihrem Bericht vom 1
2.
Oktober 2018 (
Urk.
8/177/7-9) zu Händen der Beschwerdegegnerin folgende Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
auf
(S. 1)
:
-
rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10 F33.3)
-
sonstige abnorme Gewohnheiten der Impulskontrolle (ICD-10 F63.8)
-
dissoziale Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.2)
-
lumbovertebrales Syndrom mit/bei
-
breitbasiger Diskushernie L4/5 in Kontakt zu beiden L5-Wurzeln
-
unveränderter flacher, rechtsbetonter Protrusion L5/S1
-
stationären leichten bis mässigen Foraminalstenosen L5/S1
-
leichter Facettengelenksarthrose L4/5 rechts und L5/S1 beidseits
-
Status nach Treppensturz am 1
2.
Juni 2012 mit/bei
-
dislozierter Calcaneus-Fraktur
-
Status nach perkutaner Schrauben-Osteosynthese
-
Status nach HWS-Distorsion 2017 mit/bei
-
mildem Schädel-Hirntrauma
-
AC-Gelenksverletzung Rockworth II-III rechts
Dazu hielten sie fest,
der Zustand des Beschwerdeführers sei nach wie vor durch die depressiven Symptome und durch Schmerzen und durch Aggressionen und Impulsivität geprägt. Er sei seit 2008 zu 100
%
arbeitsunfähig auch für leidens
angepasste Tätigkeiten (S. 1-2).
4.2.
4
Dr.
B._
vom
RAD
führte in seiner Stellungnahme vom
6.
November 2018 (Urk. 8/178/5)
aus, gemäss
Dr.
K._
sei dem Beschwerdeführer aufgrund der psy
chischen Erkrankung keinerlei Tätigkeit zumutbar, gemäss
Dr.
L._
lägen Persönlich
keitsstörungen, eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen und abnorme Gewohnheiten vor. Vom
Q._
sei mit den gleichen Diagnosen eine seit 2008 bestehende Arbeits
unfähigkeit von 100
%
für alle Tätigkeiten attestiert worden. Es hätten in der Vergangenheit ausreichend juristische Würdigungen dieses Sachverhalts statt
ge
funden, in denen eine komplette Arbeitsunfähigkeit verneint worden sei. Neu sei die Schultereckgelenksverletzung durch den Auto-Selbstunfall am 18. Juni 2018, die eine 6- bis maximal 12-wöchige Arbeitsunfähigkeit zur Folge haben könne. Die degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule würden das alters
entsprechende Mass nicht übersteigen. Eine länger dauernde Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit im Vergleich zur letzten substantiierten Abklärung liege also nicht vor.
5.
5.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei ihrer leistungsabweisenden Verfügung vom
1.
April 2019 (Urk. 2) auf die Stellungnahme ihres RAD-Arztes
Dr.
B._
vom
6.
November 2018 (E. 4.2.4 hievor).
5.2
Die RAD stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraus
setz
ungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invaliden
versicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgaben
bereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medi
zinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfme
thoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Unter
suchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014
vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewisser
massen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxi
s
gemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) g
e
nügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
Aus dem Grundsatz der
Waffengleichheit folgt das Recht der versicherten Per
son, mittels eigener Beweismittel die Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärzt
lichen Feststellungen der versicherungsinternen Fachpersonen in Zweifel zu ziehen. Diese von der versicherten Person eingereichten Beweismittel stammen regelmäs
sig von behandelnden Ärzten oder von anderen medizini
schen Fach
personen, die in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versi
cherten Person stehen. Aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, wird im Streitfall eine
direkte Leistungszusprache ein
zig gestützt auf die Angaben der behandeln
den Ärzte aber kaum je in Frage kommen (vgl. BGE 135 V 465 E. 4.5).
5.3
Der Beschwerdeführer litt im Vergleichszeitpunkt unter anderem an einer rezidi
vierenden depressiven Störung mit überwiegend leichter, phasenweise mittel
gradiger Episode.
Die Gutachter der MEDAS
A._
hielten dazu fest, dass eine depressive Störung in diesem Ausmass eine gut therapierbare Krankheit sei. Die psychische Beeinträchtigung sei unter Aufbringung eines entsprechenden Willens und unter Berücksichtigung der inzwischen moderaten Ausprägung über
windbar. Die depressive Störung sei nicht medizinisch invalidisierend (
Urk.
8/74 S. 27).
Die behandelnden Fachpersonen der
M._
, wo der Beschwerdeführer vom
5.
Januar bis 1
2.
Februa
r 2016 (Austrittsbericht vom 1.
März 2016,
Urk.
8/130) und vom
1
3.
März bis
4.
Mai 2018 (E. 4.2.2 hievor) stationär behandelt wurde,
und des
Q._
(E. 4.2.3 hievor, vgl. auch Bericht zur Interdisziplinären Schmerzbehandlung vom 2
3.
November 2018,
Urk.
8/186)
berichteten übereinstimmend von einer Verschlechterung des Gesundheits
zustandes und diagnostizierten unter anderem eine
rezidivierende schwere depres
sive Störung. Eine Auseinandersetzung mit der geltend gemachten Ver
schlechterung durch einen
Arzt des RAD, welcher
über die notwen
digen fach
lichen Qualifikationen für die Beurteilung einer aus psychischen Gründen allfällig eingeschränkten Arbeits
fähigkeit
verfügt,
erfolgte nicht. Zum Gesundheits
zustand des Beschwerdef
ührers äusserte sich einzig Dr.
B._
, welcher auf die juristische Würdigung der psychischen Beschwerden in den vorangegangenen Verfahren verwies.
Diese
stützte sich
jedoch auf eine diesbezüglich überholte Rechtsprechung.
Den psychischen Beschwerden kann nicht
mehr
von vorn
herein eine invalidisierende Wirkung abgesprochen werden, wie dies die Be
schwerde
gegnerin annimmt. Denn gemäss der nunmehr geltenden Rechtsprechung ist auch bei leichten oder mit
telschweren depressiven Störungen eine invalidisierende Wirkung nicht ohne Weiteres ausgeschlossen und
es ist
anhand von auf den funktionellen Schweregrad be
zogenen Standardindika
toren das tatsächlich erreich
bare Leistungsvermögen er
gebnisoffen und sym
metrisch zu beurteilen.
Dies gilt umso mehr, wenn wie hier eine schwere depressive Störung
und damit eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes
geltend gemacht wird.
Die vor
handenen medizinischen Beurteilungen erwei
sen sich dazu als zu wenig aussage
kräftig.
Die Änderung der Rechtsprechung allein bildet dagegen kein Revisions
grund respektive kein Grund für eine Neuanmeldung.
5.
4
Zwar können RAD-Stellungnahmen nicht einfach
immer dann in Frage ge
stellt werden, wenn die behandelnden Ärzte eine
abweichende Meinung zur Arbeits
unfähigkeit äussern (vgl. etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_668/2015 vom 17. Februar 2016 E. 3). Jedoch ist
auf einen RAD-Bericht nicht abzustellen, wenn – wie hier - auch nur geringe Zweifel an dessen Zuver
lässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (vgl. E. 5.2 hievor).
5.
5
Auch
gestützt auf die
Berichte der behandelnden Fachpersonen ist es
aber
nicht möglich,
die invalidisierende Wirkung der geltend gemachten Beschwerden an
hand von auf
den funktionellen Schweregrad be
zogenen Standardindika
toren er
gebnisoffen und sym
metrisch zu beurteilen. Auf diese kann zudem insofern nicht ohne
W
eiteres abgestellt werden, als dass sie ohne
diesbezügliche
Begrün
dung seit 2008 von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aus psychischer Sicht aus
gehen, obwohl gemäss den Urteilen des hiesigen Gerichts vom 1
5.
Juni 2015 (
Urk.
8/105) und vom 1
4.
Juli 2017 (
Urk.
8/147) zumindest bis am
6.
Januar 2014 keine
Arbeits
unfähigkeit ausgewiesen war und sich der Gesundheitszustand anschlies
send bis mindestens am 3
1.
Mai 2016 unverändert zeigte. Den Unter
lagen lassen sich zudem deutliche Hinweise auf psychosoziale Faktoren ent
nehmen, welche von ihnen bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
unberück
sichtigt gelassen
wurden. Auch lässt sich ihren Berichten nicht entnehmen, inwie
fern bei der Ein
schät
zung der Arbeitsfähigkeit auch fachfremde Beschwerden berück
sichtigt wurden.
5.6
Nach dem Gesagten kann aufgrund der Akten nicht mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit fest
gelegt werden, ob
ein verschlechterter gesundheitlicher Zustand vorliegt
und
falls ja,
in welchem Umfang der Beschwerdefüh
rer arbeitsunfähig ist. So fehlt namentlich eine differenzierte und rechtsgenü
gende Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht. Angesichts des Verzichts der Beschwer
de
gegnerin auf eine externe Begutachtung im Rahmen des Verwal
tungs
verfah
rens rechtfertigt sich eine gerichtliche Be
gutachtung nicht. Der ange
fochtene Entscheid ist deshalb aufzuhe
ben und die Sache zur Abklärung und anschlies
sendem neuen Entscheid über die Leistungsansprüche des Beschwerde
führers an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen.
6.
6.1
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57). Die Kosten des Verfahrens gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind er
messensweise auf Fr. 900.-- festzusetzen und entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Dem Beschwerdeführer steht eine Prozessentschädigung zu, welche vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festge
setzt wird (§ 34 Abs. 1 und 3 des
Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Entsprechend ist ihm
- nach Einsicht in die Kostennote vom
1.
Juli 2019 (
Urk.
14)
-
eine
Prozessentschädigung von Fr. 2'
115
.
65
(inkl. Barauslagen und MWSt) auszurichten.
6.3
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung unter Bestellung einer unent
gelt
lichen Rechtsvertretung erweist sich
somit
als gegen
standslos.