# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8ad61753-3c72-4443-b505-54e35b94fd17
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963 und ohne Berufsabschluss,
meldete sich am 13. Feb
ruar 2002
unter
Hinweis auf eine
seit zehn Jahren bestehende
krankheits
bedingte Arbeitsunfähigkeit
erstmals zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung an (Urk. 12/1).
Nachdem er
im Rahmen der angeordneten Begut
achtung durch Dr. med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
, seine Mitwirkung verweigert hatte
(Urk. 12/8, Urk. 12/11-12, Urk. 12/
15-16, Urk.
12/
17/1-2, Urk.
12/
19)
,
lehnte
die Sozial
versiche
rungsanstalt des
Kan
tons Zürich
, IV
-
Stelle,
das Leistungsbegehren m
it Ver
fügung vom 7.
April 2003
(Urk. 12/21
)
ab
. Daran
hielt
sie
mit
Einspracheentscheid vom 1
2. August 2003 (Urk. 12/23) fest
, was
vom
hiesige
n
Gericht mit Urteil vom 21. Juni 2004
(
Prozess
Nr. IV.2004.00100
;
Urk. 12/28)
bestätigt
wurde
.
1.2
A
m
11.
Juli 2011
erneuerte
X._
sein Leistungsbegehren unter
Angabe
verschiedener
psychische
r
Leiden (mittelgradige Depression, posttr
aumatische Belastungsstörung
, K
leptomanie, spezifische Phobien
, Panikstörung),
bestehend seit zirka zwanzig
Jahren
(Urk. 1
2
/40).
Nachdem
er sich
der angeordneten Begutachtung
durch
med. pract.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, widersetzt und diese den Auftrag zurückgegeben hatte (Urk. 12/45, Urk. 12/48-51),
ordnete die IV-Stelle am 3. Januar 2012 (Urk. 12/53) eine medizinische
Abkläru
ng durch Dr. med.
A._
, Facharzt f
ür Psychiatrie und Psychiatrie, an und erliess am 16.
Ja
nuar 2011 (richtig:
2012
; Urk. 12/54
)
eine Zwischenverfügung, worin sie an der Begutachtung durch Dr.
A._
festhielt. Die dagegen erhobene Beschwerde des Versicherten wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 21. Februar 2012
ab (Urk. 12/64; Prozess Nr.
IV.2012.00205
).
Am 27. Juni 2012 erstattete Dr.
A._
sein
psychiatri
sche
s
Gutachten (Urk. 12/69), welches er am 29. August 2012 mit Beantwortung von Zusatzfragen der IV-Stelle ergänzte (Urk. 12/71).
Gestützt darauf auf
er
legte die
se
X._
am
19. November 2012
(Urk. 12/72)
eine
Schadenminderungs
pflicht
im Sinne einer
leitliniengerechte
n
psychiatrisch-psychotherapeutische
n
Behandlung,
einer
Einstellung des Cannabis- und Alkoholkonsums und
einer
suchtmedizinische
n
Behandlung
.
Mit
unangefochten gebliebener
Verfügung vom 28. März 2013 (Urk. 12/81) verneinte
die IV-Stelle
einen Anspruch
des Versicherten
auf berufliche
M
assnahmen mangels subjektiver Eingliederung
s
bereitschaft
.
Sodann wies sie d
essen Rentenbegehren nach durchlaufenem Vorbescheidverfahren (Urk. 12/89, Urk. 12/90, Urk. 12/94/2-3, Urk. 12/97)
mit Verfügung vom 2. Oktober 2014 (Urk. 2) ab.
2.
Hiergegen erhob
X._
am 24. Oktober 2014 Beschwerde und beantragte die Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 2. Oktober 2014 und die Zusprache einer ganzen
R
ente rückwirkend
ab 1. Januar 201
2.
In prozessualer Hinsicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung.
Die IV-Stelle schloss
in ihrer
Beschwerdeantwort vom 25. November 2014 (Urk. 11) auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer
tags darauf
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
13).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit k
önnen in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht
als Folgen eines psychischen Ge
sundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des Forderbaren wi
rd dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.
3
Gemäss ständiger Rechtsprechung begründet eine Drogensucht für sich allein keine Invalidität, sondern nur in Verbindung mit einem die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigenden geistigen, körperlichen oder psychischen Gesundheits
schaden mit Krankheitswert, der zur Sucht geführt hat oder als deren Folge einge
treten ist (BGE 102 V 167, 99 V 28 E. 2; AHI 2002
S. 30 E. 2a, 2001 S. 228 f. E.
2b; SVR 2001 IV Nr. 3 S. 7 E.
2b; Urteil des Bundesgerichts I
940/05 vom 10. März 2006 E. 2.1 mit Hinweisen). Daraus folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle
Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständiger Gesundheitsschädigungen darstel
len (Art.
6 ff. ATSG und
Art.
4
Abs.
1 IVG;
Urteil des Bundesgerichts 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.1 mit Hinweisen auf
BGE 127 V 294
E
. 5a und Urteil I 955/05 vom 6.
November 2006 E. 3.3.2).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung
).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.
6
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invaliden
ein
kom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden,
worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
Unter bestimmten Voraussetzungen können nach der Rechtsprechung zur Fest
legung der hypothetischen Vergleichseinkommen die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodi
sch herausgegebene
n Lohnstruktur
erhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/aa und bb). Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) um maxi
mal 25
%
zu kürzen, wenn persönliche und berufliche Merkmale wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität
bzw.
Aufent
haltskategorie oder Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben und die versi
cherte Person deswegen die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausge
glichenen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem erwerb
lichem Erfolg verwerten kann (BGE 135 V 297 E. 5.2, 126 V 75 E. 5b/aa-cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
mass
dem
Suchtgeschehen
keine invalidenversiche
rungsrechtliche Relevanz
bei und hielt dafür, gemäss
dem Gutachten von Dr.
A._
vom 27. Juni 2012
bestehe mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden, narzissti
schen, zwanghaften und ängstlich-vermeidenden Zügen. Hinsichtlich einer angepass
ten Tätigkeit besteh
e
laut Gutachten eine Arbeitsfähigkeit von 70 %, welche
mittels geeigneter Massnahmen innerhalb von sechs Monaten auf 100 % gestei
gert werden könne. Der auferlegten Schadenminderungspflicht sei der Beschwerdeführer bisher nicht vollständig nachgekommen. Selbst wenn jedoch weiterhin von einer Arbeitsfähigkeit
von 70 %
ausgegangen würde, resultierte im Einkommensvergleich ein rentenausschliess
ender Invaliditätsgrad von 30 %
(Urk. 2, Urk. 11).
2.2
Dagegen brachte der Beschwerdeführer vor,
auf das Gutachten von Dr.
A._
könne bereits deshalb nicht abgestellt werden, weil es bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit die suchtbedingten Beeinträchtigungen ausser Acht lasse. Da
d
er jahrelange
Suchtmittelkonsum eine Folge
de
r
psychischen Beschwerden
darstelle, seien
bei der
Frage der noch zumutbaren Erwerbstätig
keit
nebst den
psychischen
auch die
suchtbedingten Beeinträchtigungen zu berücksichtigen
.
Die Expertise
vermöge aber auch unter dem Aspekt der Ausei
nandersetzung mit den Vorakten dem Beweiswert eines ärztlichen Gutachtens nicht zu genügen und beinhalte Widersprüche und Unvollständigkeiten, wes
halb darauf nicht abgestellt werden könne. Nachvollziehbar und schlüssig seien hingegen die Arztberichte des Medizinischen Zentrums
B._
, wonach keine verwert
bare Arbeitsfähigkeit vorliege
(Urk. 1 S. 9 ff.)
.
3.
I
n de
m
mit der Erstanmeldung vom 13. Februar 2002 (Urk. 12/1) angehobenen V
erfahren hatte die Beschwerdegegnerin die vom
Beschwerdeführer
auch nach Verstreichen der angesetzten Bedenkzeit und nach Darlegung der Säumnis
f
olgen
(Urk. 12/12
)
weiterhin aufrechterhaltene Weigerung, sich
der angeordne
ten
psychiatrischen
Begutachtung
durch Dr.
Y._
(Urk. 12/8)
zu unterziehen
(
Urk. 12/15-16, Urk.
12/
17/1-2, Urk.
12/
19),
als schuldhafte Verletzung der
Mitwirkungspflicht gemäss Art. 43 Abs.
2 ATSG gewertet und
das Leistungs
begeh
ren abgewiesen
, da die
vorhandenen (
in medizinischer Hinsicht
nicht aussa
gekräftigen
)
Akten den Schluss auf eine Invalidität nicht gestattete
n
(
Ver
fügung vom 7.
April 2003
,
Urk. 12/21
;
Einspracheentscheid vom 12. August 2003
, Urk. 12/23
).
Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 21. Juni 2004 (
Prozess
Nr. IV.2004.00100;
Urk. 12/28) bestätigt, nachdem der Beschwerde
führer auf gerichtliche Aufforderung hin
(Verfügung vom 27. April 2005,
Urk. 12/26) keine Beweismittel beigebracht hatte, welche eine andere Beurtei
lung zugelassen hätten.
Mithin wurde
damals
das Leistungsbegehren abgewie
sen mit der Begründung,
der Sachverhalt, aus dem
der Beschwerde
führer
Rechte ableiten woll
t
e,
sei –
infolge
Widersetzlichkeit im Rahmen der angeordneten Begutachtung – nicht erwiesen. Eine eigentliche materielle Prüfung gestützt auf
beweiskräftige
ärztliche Berichte konnte
damals
nicht stattfinden. Insofern muss vorliegend kein Nachweis einer Veränderung in den tatsächlichen Verhältnissen erbracht werden (
vgl. Meyer/Reichmuth
, Bundes
gesetz über die Invalidenver
sicherung [IVG],
3. Auflage 2014, N 126 zu Art. 30-31 mit Hinweis auf Bundes
gerichts
urteil
I 600/99 vom 6.
Juli 2000
E.
1
).
4.
4.1
In
der Neuanmeldung vom 11. Juli 2011
vermerkte
der Beschwerdeführer
eine psychiatrische Behandlung im
Medizinischen Zentrum
B._
seit dem 18. September
2009
(Urk. 12/40 S. 7 Ziff. 6.7)
.
Der dort tätige med. prakt.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
FMH
, hatte im Zeugnis
vom 22. Februar 2010 zuhanden der Sozialen Dienste der Stadt Zürich
(Urk. 12/37/1)
eine Polytoxikomanie (ICD-10 F19.25)
sowie
eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) diagnostiziert und
für jegliche berufliche Tätigkeit
eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %
attestiert
, bestehend seit dem Jahr 1990.
4.2
I
n de
m von der Beschwerdegegnerin eingeholten Bericht des
Medizinischen Zent
rums
B._
vom 29. Juli 2011 (Urk. 12/43/6-8),
unter
zeichnet von dipl. psych.
FH et lic. iur.
D._
, me
d. prakt.
C._
und Dr. phil.
E._
, Klinischer Psychologe
, wurde
n mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
„
rezidivierende depressive Depression
“
, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10 F33.2), eine soziale Phobie (F40.1), eine Panikstörung (F41.0), eine posttrauma
tische Belastungsstörung (F43.1), psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol und Cann
abis, schädlicher Gebrauch (
F10.1 und F12.1)
, ein
Status nach Polytoxikomanie (F19.2), eine Kleptomanie (F36.2) und Schwierigkeiten mit der Geschlechtsidentität (Transgender, F46.9)
diagnostiziert
(S. 1 Ziff. 1.1)
.
Zur „Krankheitsanamnese/Störungsentwicklung“
ist dem Bericht zu entnehmen
,
dass
aus Sicht des Beschwerdeführers die Beschwerden mit
dem Tod seines ersten Freundes (im 17. Lebensjahr des Beschwerdeführers) infolge HIV zusam
men
hingen
. Auch sein zweiter Freund sei gestorben, ebenso der
Bruder (HIV) und „viele andere“
.
Die Kindheit sei geprägt gewesen von der Scheidung der Eltern und
den
sexuellen Übergriffen des Grossvaters, welche
den Beschwerde
führer
schwer traumatisiert hätten. Seit der Pubertät sei er zudem schwer ver
unsichert
betreffend
seine
Geschlechtsidentität
(Homosexualität, Transgender), was ihm zusammen mit dem
fehlende
n
Rückhalt in der Familie
respektive
Gesellschaft verunmöglicht
habe
, einen stabilen und widerstandsfähigen Selbst
wert zu entwickeln.
Immer wieder breche d
ieser
ein und er isoliere sich ganz, sei für Tage unansprechbar und sehr depressiv. Ein mehrmonatiger Gefängnis
aufenthalt, während dem er wegen seiner sexuellen Orientierung mehrmals körperlich misshandelt worden sei, habe ihn zusätzlich traumatisiert und paranoid gemacht. Der Selbstwert sei ganz eingebrochen, die depressiven Verstimmungen beherrschten sein Leben
(S. 2 Ziff. 1.4)
.
Unter dem Titel „aktuelle Beschwerden bei Eintritt“ wurde ausgeführt, aktuell beklage
der Beschwerdeführer
, seit der Kindheit unter einem
sehr geringen Selbstwert, Depressionen und Angstzustände
n zu leiden
. Die
traumatisierenden Erlebnisse von früher
würden
ihn sehr
belasten
.
Ein
Hyperarous
a
l, Flashbacks und
ein Vermeidungsverhalten
seien die Symptome, obwohl er gelernt habe, nach aussen den Schein zu wahren
,
und eigentlich niemand wisse, wie schlecht es ihm gehe. Seit 1980 habe er deshalb
Drogen- und Alkoho
lprobleme
, wobei er den Konsum von Kokain und Heroin (jeweils mehrere Gramm) sowie Ampheta
minen
ab
dem Jahr
2003 reduziert und 2006
gänzlich
gestoppt habe.
Gegen
wärtig
konsumiere er Alkohol
(zwei Gläser Whiskey pro Tag)
und Cannabis
(
zirka drei Joints pro Tag). Er verzeichne Schlafstörungen (Tag-/Nachtumkehr), Lust- und Interesselosigkeit, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gedankenkreisen, Rückzug, Sinnlosigkeitsgedanken, eine deutliche Appetitverminderung und ständiges Weinen. Zusätzlich bestehe eine Kleptomanie seit der Kindheit
. In soma
tischer Hinsicht bestehe nach Angaben des Beschwerdeführers ein blander Befund.
Er sei seit
dem Jahr
1990 zu 100 % arbeitsunfähig und werde vom Sozialamt
finanziell
unterstützt
(S. 2 Ziff. 1.4).
Die genannten Fachpersonen
empfahlen eine
weitere therapeutische Unter
stützung und Begleitung im Einzelsetting (psychosomatische Einzeltherapie seit 18. September 2009 zirka einmal wöchentlich; letzte Kontrolle am 11. Juli 2011, S. 2 Ziff. 1.2) und
vermerkten,
aktuell erfolge keine
Medikation (S. 2 Ziff. 1.5).
Die
Arbeitsunfähigkeit
bezifferten sie mit
100 %
rückwirkend
ab
dem Jahr
2000 (
S. 1 und
S. 3 Ziff. 1.6)
.
4.3
Der von der Beschwerdegegnerin bestellte Sachverständige
Dr.
A._
hielt
im
psychiatrischen
Gutachten
vom 27. Juni 2012 (Urk. 12/69)
fest
,
eigenen Angaben zufolge sei der Beschwerdeführer
in der Kindheit vo
n seine
m
alkohol
abhängigen Vater
wiederholt geschlagen worden und habe bis zu seinem 12. Lebensjahr durch den Grossvater väterlicherseits
sexuelle Übergriffe
erfah
ren. Unter seiner Aussenseiterrolle, Schwierigkeiten bei sozialen Kontakten und
seiner unklaren
Geschlechtsidentität leide
er
ebenfalls bereits seit dem Kindes
alter (S. 3 f. Ziff. 3.1).
Der Beschwerdeführer
rauche seit über 30 Jahre
n täglich etwa
acht
bis
zwölf
Joints und habe h
insichtlich des Alkoholkonsums angege
ben, täglich und manchmal bereits am Vormittag Spirituosen (zum Beispiel Rum oder Wodka), gemischt mit Fruchtsaft, zu trinken. Ab dem 16. Lebensjahr habe er mit dem Konsum von Kokain und verschiedenen anderen Drogen (unter anderem LSD, halluzinogene Pilze, Ecstasy, Heroin per inhalationem) begonnen. Seit etwa zehn Jahren konsumiere er ausschliesslich Cannabis (S. 4 Ziff. 3.2).
Dr.
A._
diagnostizierte mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit eine Persönlichkeitsstörung mit schizoiden, narzisstischen, zwanghaften und ängst
lich-vermeidenden Zügen (ICD-10 F61). Den übrigen Diagnosen – Schwierig
keiten mit
der Geschlechtsidentität (F64), psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol und Cannabis, schädlicher Gebrauch (F10.1 und F12.1), anam
nestisch Polytoxikomanie (F19.2), pathologisches Stehlen (Kleptomanie, F63.2) und soziale Phobie (F40.1) –
mass
er keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
bei
(S. 7 f.).
In
seiner
Beurteilung
führte
der Gutachter
aus, d
er Beginn der aktuell zur Diskussion stehenden psychiatrischen Problematik lasse sich bis in die frühe Bio
graphie zurückverfolgen. Aktuell äussere der Beschwerdeführer insbesondere Schwierigkeiten mit der Geschlechtsidentität, Angst unter Menschen (Unruhe, Schwitzen und Zittern) und Schlafstörungen. Er schildere zudem eine Perspekti
ven- und Mutlosigkeit, innere Leere und Niedergeschlagenheit sowie „Klepto
manie“. Im Rahmen der aktuellen Exploration imponiere eine niedergeschlagen-klagsame Grundstimmung. Der Beschwerdeführer wirke ein wenig resigniert, eine gewisse Tendenz zur Verdeutlichung der Beschwerden sei erkennbar, ohne dass jedoch eine Bewusstseinsnähe
bzw.
Aggravation anzunehmen wäre. Er sehe sich zeitlebens in einer Opferrolle. Schizoide, narzisstische, zwanghafte und ängstlich-vermeidende Persönlichkeitszüge seien erkennbar. Eine gravie
rende depressive Störung lasse sich beim Beschwerdeführer aktuell nicht erkennen. Es zeigten sich keine kognitiven Beeinträchtigungen und auch eine Vernachlässigung des äusseren Erscheinungsbildes sei nicht erkennbar. Der Beschwerdeführer sei effektiv schwingungsfähig und habe soziale Kontakte zu zwei bis drei Kollegen (vgl.
dazu
Gutachten S. 5 f. Ziff. 3.5 und Ziff. 3.6). Es ergäben sich zudem keine Hinweise auf eine posttraumatische Belastungs
störung (ICD-10 F43.1), da die meisten der Diagnosekriterien
–
Einbrüche von Trauma-Material in den Alltag
(Intrusionen einschliesslich
Flashbacks), Vermei
dung
(
Avoidance) und Übererregung (Hyperarousal)
–
beim Beschwerdeführer nicht sicher zu eruieren seien und der ängstliche Affekt im Zusammenhang mit der Persönlichkeitsstörung
bzw.
der sozialen Phobie stehe. Zu erwähnen sei auch, dass bisher nicht alle zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen (
z.B.
stationär-psychiatrische Behandlung, längerdauernde konsequente Psycho
pharmakotherapie, Cannabis- und Alkoholabstinenz) genutzt worden seien. Die Frequenz der aktuellen Psychotherapie-Termine (vier-wöchentlich
, vgl. Gut
achten S. 3 unten
) sei vor dem Hintergrund der geklagten erheblichen psychi
schen Beschwerden und
der
subjektiv empfundenen 100%igen Arbeitsunfähig
keit sowie der im
B
ericht des Medizinischen Zentrums
B._
vom 29. Juli 2011 angeführten psychischen Beeinträchtigungen nicht adäquat (S. 8 f.
Ziff. 6.1
).
Er könne – so Dr.
A._
– die
im genann
ten Bericht
a
uf
geführ
ten
Diagnosen einer schwergradigen depressiven Störung
und
einer posttrau
matischen Belastungsstörung
wie auch
die darin attestierte Arbeitsunfähigkeit
(
100 %
seit dem Jahr 2000
)
anhand
seiner
eigenen Untersu
chungsergebnisse nicht bestätigen
.
Z
udem seien invaliditätsfremde Diagnosen und Faktoren als leistungsmindernd in die
Beurteilung
der behandelnden Fach
personen einge
flossen
. Die
von ihm diagnostizierte
kombinierte
Persönlich
keitsstörung mit schizoiden, narzisstischen, zwanghaften und ängstlich-vermei
denden Zügen (ICD-10 F61)
begründe in einer Tätigkeit
als Hilfsarbeiter – der Beschwerde
führer verfüge über keine Berufsausbild
ung – eine Einschränkung von 50
%. Dage
gen seien
ihm
zeitlich flexible Tätigkeiten mit nur geringem Publikums
verkehr in einer wohlwollenden und konfliktarmen Arbeitsatmos
phäre im Rahmen eines 70 %-Pensums zumutbar. Es bestünden Schwierigkeiten im interpersonellen Kontakt und mit der Emotionsregulation sowie ein Mangel an Anpassungs- und Teamfähigkeit
bzw.
eine ernied
rigte Frustrationstoleranz (S. 10
Ziff. 6.2 und 6.3).
Aufgrund
der fehlenden Befund- und Verlaufsberichte vor Beginn der am
bulanten Behandlung im Medizinischen Zentrum
B._
komme der von ihm attestierten Arbeitsunfähigkeit erst ab 18. September 2009 Gültigkeit zu (S. 11 Ziff. 6.4).
Unter
Intensivierung der ps
ycho
therapeutischen Behandlung
mit
gegebenenfalls
Verordnung eines angstlösenden Antidepressivums sowie unter Reduktion
bzw.
Einstellung des Cannabis- und Alkoholkonsums
sei
innerhalb
von
sechs Monate
n
eine Stabilisierung des psychischen Gesundheits
zustandes und damit eine Arbeits
fähigkeit von 80 % als Hilfsarbeiter und eine solche von 100 % für angepasste Tätigkeiten zu erwarten (S. 11 Ziff. 6.5). Die Motivation des Beschwerdeführers in Bezug auf eine Reintegration sei aber eher fraglich (S. 11 Ziff. 6.6).
4.4
Auf Rückfrage der Beschwerdegegnerin
(Urk. 12/70)
hin bekräftigte Dr.
A._
am 29. August 2012, dass
die von ihm bescheinigte
Arbeits
un
fähigkeit
(50 % als Hilfsarbeiter und 30 % in angepasster Tätigkeit)
erst ab 18. September 2009 Gültigkeit
habe, da eine
Beurteilung des Zeitraums vor Beginn der Befunderhebungen rein spekulativ
wäre
.
Der Beschwerdeführer habe b
is vor etwa 1
5 Jahren verschiedene Temporärj
obs im In- und Ausland ausgeübt (
vgl. auch die Schul- und Berufsanamne
se in Ziff. 3.4 des Gutachtens), was darauf schliessen lasse, dass er
die
früh erworbene
Persönlichkeitsstörung über Jahre
hinweg
gut habe kompensieren können. Es sei davon auszugehen, dass er sich im Falle eines gravierenden Leidensdruc
k
s infolge erheblicher psychischer Beschwerden zu einem
früheren Zeitpunkt in psychiatrische Behandlung begeben hätte
(Urk. 12/71 S. 2 oben)
.
4.
5
Auf Anfrage der Rechtsvertreterin des
Beschwerdeführers
hielten die Fach
personen des
Medizinischen Zentrums
B._
a
m 8. April 2014
fest
(U
rk. 12/93/4-
6
)
, der jahrelange Konsum von Alkohol und Drogen sei als Folge des vorliegenden Krankheitsbildes im Sinne einer Eigenmedikation zur Ver
drängung der belastenden Erfahrungen einerseits und zur Aufrechterhaltung eines minimalen Funktionierens in der Gesellschaft andererseits zu verstehen.
Das Suchtgeschehen
sei nicht als ursächliche Problematik einzustufen und des
halb auch nicht primär behandelbar.
Bei posttraumatischen Belastungsstörun
gen trete erwiesenermassen eine sehr hohe Komorbidität an Suchterkrankungen auf (S. 2 Ziff. 2). Der Suchtmittelkonsum erkläre sich schlüssig und stringent im Versuch des Beschwerdeführers, eine Min
destfunktionsfähigkeit aufrecht
erhal
ten zu wollen
. O
hne diesen
würden das Selbstkonzept und die darauf basierende Handlungsfähigkeit gänzlich zusammenbrechen, die schwere Depression würde
den Beschwerdeführer
per toto aushebeln und vollkommen isolieren
(Ziff. 4)
.
Eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit als
F
olge der psychischen Schädigung nach mehrjähriger sexueller Missbrauchserfahrung (posttraumatische Belastungs
störung) sei eine in Literatur und Rechtsprechung bekannte Folgeerscheinung. Der Beschwerdeführer werde auch in Zukunft zu 100 % arbeitsunfähig bleiben. Die
Einschätzung von Dr.
A._
sei unrealistisch, wenn nicht illusorisch, und werde der vorliegenden psychischen Erkrankung und dem Ausmass des Lei
densdrucks des Beschwerdeführers in keiner Weise gerecht (
Ziff. 5
).
Die vorlie
gende Symptomatik der posttraumatischen Belastungsstörung werde vom Gut
achter gänzlich ignoriert, was durchblicken lasse, dass er Krankheitsbild und Leidensdruck nicht adäquat eingeschätzt habe. Er attestiere zwar eine zerrüttete Persönlichkeitsstruktur, verkenne diese aber fälschlicherweise als kombinierte Persönlichkeitsstörung anstatt sie in einem direkten und natürlichen Zusammenhang mit den Missbrauchserfahrungen zu sehen (Ziff. 6).
5.
5.1
Es ist aufgrund der Akten ausgewiesen und unbestritten
(Urk. 1 S. 10 Ziff. 3)
, dass beim Beschwerdeführer seit dem 16. Lebensjahr
bzw.
seit dem Jahr 1980 ein
Suchtgeschehen
vorliegt, wobei der
initiale
Konsum von Kokain und ver
schiedenen
anderen Drogen (unter anderem LSD, halluzinogene Pilze, Ecstasy, Heroin)
2002/2003
sistiert wurde und sich
das Suchtgeschehen
fortan auf die Einnahme von
Cannabis
und
Alkohol beschränkte. Aktenkundig ist sodann eine schwierige un
d zuweilen belastende Kindheit
respektive
Jugend.
Es ist durchaus nachvollziehbar, dass
die damaligen Lebensumstände
ein ent
schei
dender Faktor für das Abgleiten in die D
rogenszene gewesen sein könnten.
Indes
ist nicht mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
bereits
damals
ein
die
Erwerbsfähigkeit einschränkendes
psychisches Leiden
mit Krankheits
wert
be
stand, welches
zur Sucht geführt
hätte. Dem Vorbringen des Beschwer
deführers, auch Dr.
A._
sei davon ausgegangen, dass die kombinierte Persönlich
keitsstörung seit der Adoleszenz bestehe (Urk. 1 S. 10 Ziff. 3), kann nicht beigepflichtet werden. Der Gutachter hielt
in seiner Expertise vom 27. Juni 2012 (S. 8)
zwar fest,
„der Beginn der
aktuell zur Diskussion stehenden
psychiat
rischen Problematik“ lasse sich „bis in die frühe Biographie des
Versi
cherten zurückverfolgen“
.
Jedoch
datierte
er
das Vorliegen
eines krankheitswer
tigen psychischen Gesundheitsschadens
mit Auswirkung auf die
Arbei
ts
fähig
keit auf den 18. September 2009 und bekräftigte dies am 29. August 2012
auf
entsprechende
Rückfrage der Beschwerdegegnerin
hin
unter Hinweis auf die bis vor 15 Jahren gute Kompensation
(vgl. E. 4.4 hiervor)
.
Sodann qualifizierte Dr.
A._
den übermässigen Substanzgebrauch (Cannabis- und Alkohol
konsum) als invaliditätsfremden Faktor (Gutachten S. 12 Ziff. 6.7).
Dies
e Ein
schätzung
gibt zu keiner Kritik Anlass
.
In Anbetracht
der ungesicherte
n
Akten
lage für die Zeit davor wäre eine weiter zurückreichende
Beurteilung nicht hin
reichend zuverlässig. Persönlichkeitsstörungen treten
denn auch
häufig erstmals in der Kindheit oder in der Adoleszenz in Erscheinung und manifestieren sich endgültig im Erwachsenenalter (vgl. Weltgesundheitsorganisation, Internatio
nale Klassifikation psychisch
er Störungen, ICD-10 Kapitel V [
F
]
, Klinisch-diagnostische Leitlinien, Dilling/Mombour/Schmidt
[Hrsg.], 9.
Auflage 2014,
S. 276).
Etwas Abweichendes ist aufgrund der verfügbaren Akten weder hinreichend bewiesen noch mittels zusätzliche
r
Abklärungen beweisbar.
Davon abgesehen muss sich der Beschwerdeführer die rechtskräftige Leistungs
ablehnung zufolge fehlender Invalidität vom Jahr 2003/2004 (vgl. Sachverhalt Ziff. 1.1) entgegen
halten lassen.
Soweit die Fachpersonen des Medizinischen Zentrums
B._
die Sucht
problematik im Sinne einer Selbstmedikation zur Verdrängung der belastenden Erfahrungen und Aufrechterhaltung einer Mindestfunktionsfähigkeit interpre
tierten, fällt
zunächst
auf, dass sie
einen Zusammenhang zwischen dem Canna
bis-/Alkoholkonsum und der von ihnen diagnostizierten posttraumatischen Belastungsstörung erst auf entsprechende Nachfrage de
r
Sozialen Dienste der Stadt Zürich hin im Bericht vom 8. April 2014 (Urk. 12/93/
4-6
) postulierten
.
Insbesondere aber
lässt sich der Schluss auf eine posttraumatische Belastungs
störung nicht ziehen (vgl. nachstehend E. 5.2 und
E.
5.3)
, sodass auch die angeblich dadurch verursachte Suchtproblematik nicht hinreichend begründet ist. Im Übrigen
darf
vom Beschwerdeführer
erwartet werden, dass er anstelle der
Selbst
medikation mittels Cannabis und Alkohol adäquate Therapiebemühungen
zur Behandlung seines psychischen Leidens
unternimmt.
Ausser Frage steht, dass die Suchtproblematik nicht zu einem geistigen, körper
lichen oder psychischen Gesundheitsschaden mit Krankheitswert geführt hat
, welcher die Erwerbsfähigkeit des Beschwerdeführers beeinträchtigt
.
Damit kommt dem Suchtgeschehen keine Versicherungsrelevanz zu und die von ihr hervorgerufene Arbeitsunfähigkeit kann für die Belange der Invalidenversiche
rung keine Berücksichtigung finden. Der Einwand des Beschwerdeführers, Dr.
A._
habe im Rahmen seiner Arbeitsfähigkeitseinschätzung die sucht
bedingten Beeinträchtigungen zu Unrecht ausser Acht gelassen (Urk. 1 S. 12), verfängt daher nicht.
5.2
Dr.
A._
diagnostizierte
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit schizoiden, narzisstischen, zwanghaften und ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10 F61) und ging nachvollziehbar davon aus, dass der Beschwerdeführer in einer zeitlich flexiblen Tätigkeit mit nur geringem Publikumsverkehr sowie wohlwollender und konfliktarmer Arbeits
atmosphäre jeden
falls zu 70 % arbeitsfähig ist (vgl. E. 4.3 hiervor).
Ent
gegen den Vorbringen in der Beschwerdeschrift (Urk. 1 S. 12 f.
Ziff. 6
)
setzte sich
Dr.
A._
mit den
relevanten
Vorakten, namentlich mit dem Bericht des M
edizinischen Zentrums
B._
vom 29.
Juli 2011 (vgl. E. 4.2
hier
vor
), hinreichend auseinander und
begründete seine abweichend
e Einschätzung
schlüssig
.
Der Sachverständige
konnte zwar in der Anamneseerhebung trauma
tische Erlebnisse in der Biografie des Beschwerdeführers ausmachen
(vgl. Gutachten S. 3 f. Ziff. 3.1)
, schloss indes eine posttraumatische Belastungs
störung – ebenso wie eine bedeutende depressive Symptomatik –
mangels Erfüllung der einschlägigen Diagnosekriterien
aus
,
was
im Lichte der
anlässlich der Begutachtung erhobenen objektiven psychopathologischen Befunde (vgl. G
ut
achten
S. 6 f. Ziff. 4), aber auch mit Blick auf die dannzumal
vom Beschwerde
führer geschilderten Beschwerden
(vgl. G
utachten
S. 6 Ziff. 3.7)
ohne weiteres
ein
leuchtet
.
Hinzu kommt, dass die äusserst knappen eigen
anamnestischen Angaben in sämtlichen Akten allein kaum eine rechtsgenüg
liche Grundlage für die Annahme eines
belastenden Ereignisses bzw. einer Situation
von ausser
gewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass bilden dürften
,
welche
bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervor
rufen würde (vgl.
Dilling/Mombour/Schmidt, a.a.O., S. 20
7
).
Dass der Be
schwerdeführer
selber
die Erlebnisse als traumatisch einstuft,
lässt den Schluss auf eine posttraumatische Belastungsstörung nicht zu
.
5.
3
Konkrete Indizien, welche gegen die Zuverlässigkeit
des psychiatrischen Gutachtens von Dr.
A._
spr
ä
chen
(vgl. hierzu BGE 137 V 210 E. 1.3.4, 135 V 465 E. 4.4, 125 V 351 E. 3b/bb
)
, sind nicht ersichtlich und
ergeben sich
namentlich
nicht
aus der Berichterstattung des
M
edizinischen Zentrums
B._
.
Zunächst fällt auf, dass im
fachärztlichen
Attest
vom 22. Februar 2010
zuhanden der
Sozialen Dienste der Stadt Zürich
(
vgl. E. 4.1 hiervor
)
die Diagnoseliste mit Angabe einer
Polytoxikomanie und eine
r
mittelgradige
n
depressive
n
Episode
weitaus kürzer ausfiel als in den späteren Berichten
an die
Beschwerdegegnerin und damals die bescheinigte Arbeitsunfähigkeit von 100 %
zehn Jahre
weiter zurück – bis
ins
Jahr 1990 – datiert wurde
; einen Zeitpunkt, in dem der Beschwerdeführer verschiedenen Erwerbstätigkeiten nachging (
Urk.
12/42/3-5)
.
Insbesondere aber lassen die Berichte des
M
edizinischen Zentrums
B._
eine hinreichend klare
Unterscheidung zwischen den
vom Beschwerdeführer
subjektiv geklagten Beschwerden einerseits und
den (
fachärztlich
)
erhobenen o
bjektiven Befunden andererseits vermissen
.
Entspre
chend fehlt es an einer nachvollziehbaren Begründung der gestellten Diagnosen anhand von objektiv
erhobenen Befunden. Dies zeigt sich etwa im Umstand, dass zwar in den Berichten vom
29. Juli 2011 (Urk. 12/43/6-8) und
4. Novem
ber 2013 (Urk. 12/86
/5-7
)
unter dem Titel „aktuelle Beschwerden bei Eintritt“ (S. 2 Ziff. 1.4) jeweils von Hyperarous
a
l, Flashbacks und Vermeidungs
halten die Rede ist, jedoch finden sich – soweit es sich
dabei
überhaupt um objektive Befunde handelt – keine fachärztlichen Ausführungen dazu, wie sich
diese für eine posttraumatische
Belastungsstörung typischen Merkmale
konkret manifes
tieren.
Entsprechend vermag d
ie
Einschätzung, wonach auf dem freien Arbeits
markt keine verwertbare Arbeitsfähigkeit bestehen soll, nicht zu über
zeugen, fehlt doch j
egli
che Begründung dafür, weshalb der Beschwerdeführer mit der notwendigen Willensanstrengung – und allenfalls mit
adäquater
psy
chiatrischer Unterstützung – in einer beruflichen Tätigkeit, welche den
vorhan
denen
Defiziten Rechnung trägt, nicht
wenigstens teilzeitlich
arbeits
fähig sein soll.
Die Aussage, dass eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bei mehrjähriger sexu
eller Missbrauchserfahrung respektive posttraumatischer Belastungsstörung „eine in Literatur und Rechtsprechung bekannte Folgeerscheinung“ darstelle
(vgl. E. 4.5 hiervor)
,
genügt in diesem Zusammenhang nicht
.
Unklar bleibt
sodann
auch, ob
jeweils
ein Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie effek
tiv an der Beurteilung mitgewirkt hat oder ob die Berichte (fach-)ärztlicherseits
lediglich
visiert wurden.
Insgesamt
kann auf
die
Einschätzung
des Medizini
schen Zentrums
B._
mangels Nachvollziehbarkeit nicht abgestellt werden, zumal
es – auch im Bericht vom 8. April 2014 – an einer
einlässlichen und
schlüssigen
Auseinandersetzung mit den Aussagen des Gutachters fehlt
und
sie aus einem therapeutischen Ko
ntext erstattet
wurde.
In diesem Sinne
ist
auch
der Erfahr
ungstatsache Rechnung zu tragen
, dass behandelnde Ärzte und Ärz
tinnen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aus
sagen (BGE
125 V 351 E. 3b/cc).
Ferner
ist
festzuhalten, dass praxisgemäss einer depressiven Störung grund
sätzlich nur dann invalidisierende Wirkung zuzuschreiben ist, wenn eine konsequente Depressionstherapie mit Ausschöpfung der therapeutischen und medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_892/2015 vom 22. Januar 2016 E. 2). Davon kann im Falle des Beschwe
rdeführers nicht
gesprochen werden
. Zwar hat er gemäss Bericht des Medizinischen Zentrums
B._
vom 4. November 2013 (Urk. 12
/86
/
7 Ziff. 1.5) eine
Psycho
pharmakoth
erapie (Remeron)
aufgenommen, jedoch
fand die ambulante Behandlung nicht mehr einmal wöchentlich (Bericht vom 29. Juli 2011, Urk. 12/43/7 Ziff. 1.2), sondern nurmehr einmal alle zwei Wochen statt (Bericht
e
vom 4. November 2013
und 8. April 2014,
Urk. 12/86/6 Ziff. 1.2
und
Urk. 12/93/4 Ziff. 1
)
. Diese
Frequenz
weist
die Therapie a
ls zu wenig engmaschig aus, zumal die
vermerkten
Daten der letzten Kontrollen (11. Juli 2011
bzw.
14. Oktober 2013)
und die diesbezüglichen Angaben des Beschwerdeführers
gegenüber
Dr.
A._
(vierwöchentlich, vgl. Gutachten S. 3 unten)
auf Therapieintervalle längerer Dauer schliessen lassen.
Abgesehen von der Intensität der Therapiebemühungen bleibt
auch
fraglich, ob der Beschwerdeführer mit der
psychosomatischen Einzeltherapie im Medizinischen Zentrum
B._
,
offenbar
durchgeführt vom
Psychologen
D._
bzw.
E._
(Gutachten S. 3 unten),
überhaupt eine fachärztliche psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nimmt. I
nsofern wäre eine
etwaige
depressive Symptomatik
invalidenversicherungs
rechtlich nicht von Bedeutung.
D
er Beschwerdeführer
ist
denn auch in der Lage,
täglich
mit seinem Hund im Wald spazieren
zu gehen,
sich gelegentlich mit zwei bis drei
„
guten Kollegen
“ zu treffen,
sich
mehrere Stunden pro Woche um einen kleinen Garten
zu kümmern sowie a
lltägliche Verrichtungen im Haushalt und Einkäufe selbständig
zu erledigen
(
Gutachten
S. 5 f. Ziff. 3.6).
5.4
Zusammengefasst
steht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
fest, dass
der Beschwerdeführer in
einer
zeitlich flexiblen Tätigkeit mit wohlwollender und konfliktarmer Arbeitsatmosphäre und nur geringem Publikumsverkehr jeden
falls im Umfang von
70
%
arbeitsfähig ist
und der
Cannabis- und Alkohol
konsum
keine weitergehende
invalidenversicherungsrechtlich bedeutsame
Einschränkung
des beruflichen Leistungsvermögens
zu begründen vermag.
6.
Zu prüfen bleibt, wie sich die gesundheitliche Beeinträchtigung
, soweit von Ver
sicherungsrelevanz,
in erwerblicher Hinsicht auswirkt. Mit Blick auf die Erwerbsbiographie des Beschwerdeführers und den Umstand, dass
er im mass
gebenden Beurteilungszeitraum
keine ihm
zumutbare Erwerbstätigkeit
ausübt
e
,
erweist
es
sich
als sachgerecht, beide Vergleichseinkommen
auf der Grundlage der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE
; vgl. E. 1.6 hiervor
) zu ermit
teln, wobei
jeweils der
Tabellen
wert
(
Totalwert
für männliche Arbeitskräfte
im Anforderungsniveau
4
von mo
natlich Fr. 4‘901.-- gemäss LSE
2010
)
heran
zuziehen ist
.
D
ie
Merkmale, welche nach der Rechtsprechung ein
en Abzug recht
fertigen könnten
,
sind vorliegend nicht erfüllt. Namentlich stellt d
as Angewiesen
sein auf das Entgegenkommen eines verständnisvollen Arbeitgebers praxisgemäss kein anerkanntes eigenständiges Abzugskriterium dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_91/2013 vom 22.
August 2013 E. 3.3.4
mit Hinweisen
).
Entsprechend ist unter Berücksichtigung der gutachterlich attestierten Arbeitsunfähigkeit auf einen Invaliditätsgrad von (höchstens) 30 % zu schliessen.
Dementsprechend erübrigen sich Weiterungen zur Frage der von der Beschwerde
gegnerin auferlegten Schadenminderungspflicht (Urk. 12/72).
7
.
Damit
erweist sich die einen Rentenanspruch verneinende Verfügung vom
2. Oktober 2014
(Urk. 2) als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
8
.
8
.1
D
ie Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen Rech
ts
pflege gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer)
sind vorliegend
erfüllt
(vgl. Urk. 3
/3 und Urk. 9/1-2
), weshalb
dem Beschwerdeführer antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführun
g zu bewilligen ist.
Er
wird auf § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen, wonach er zur Nachzahlung der ihm erlassenen
Verfahrens
kosten verpflichtet ist, sobald er dazu in der Lage ist.
8
.2
Die
Gerichtkosten (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
)
sind auf Fr. 700.--
festzusetzen und entsprechend
dem Verfahrensa
usgang dem
Beschwerdeführer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.