# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f82592da-6e75-48de-abd6-d499e11557c1
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1990, meldete sich erstmals
1
1.
April 2008 (Ein
gangsdatum) unter Hinweis auf Schmerzen im Fuss nach einem Unfall beim Fussballspielen bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
10/1). Die IV-Stelle tätigte erwerbliche und medi
zinische Abklärungen und holte das internistisch-rheumatologische und psychia
trische Gutachten
vom 2
0.
Januar 2009 ein (
Urk.
10/18; vgl. auch
Urk.
10/14). Die IV-Stelle initiierte daraufhin eine Berufsberatung für Jugendliche, welche noch nicht
in
einem Lehr- oder Arbeitsverhältnis standen und schloss diese mit
Mitteilung vom 1
2.
April 2010 ab (
Urk.
10/30; vgl. Verlaufsprotokoll vom 1
2.
April
2010,
Urk.
10/31). Mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 2010 wurde dem Beschwerde
führer ab dem
1.
März 2008 (Vollendung des 1
8.
Altersjahres) eine ganze Rente zugesprochen, da er aus gesundheitlichen Gründen keine Ausbildung habe absol
vieren können und voll eingeschränkt sei in der Erwerbsfähigkeit (
Urk.
10/41; Verfügungsteil 2,
Urk.
10/36).
In der von Amtes wegen eingeleiteten Rentenrevision im Jahr 2011 (Revi
sions
fragebogen vom
4.
März 2011,
Urk.
10/42
) holte die
IV-Stelle
wiederum ein
bidis
ziplinäres
Gutachten
ein (Gutachten
vom 2
3.
Januar 2012
, Urk.
10/54) und be
stätigte die
bisherige
Rente (Mitteilung vom
8.
Februar 2012,
Urk.
10/56).
Die IV-Stelle leitete im Jahr 2017 erneut eine Rentenrevision ein (Revisions
fragebogen vom
3.
April 2017,
Urk.
10/59)
,
tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und holte das
bidisziplinäre
Gutachten der
Y._
vom 1
3.
März 2018 ein (
Urk.
10/80). In der Folge erteilte sie Kostengutsprache für eine Poten
zialabklärung bei
der
Z._
vom 1
9.
November bis zum 1
4.
Dezember 2018 (
Urk.
10/88) und stellte daraufhin die Berufsberatung ein, da Eingliederungsmas
s
nahmen nicht angezeigt seien (
Urk.
10/99).
Nachdem die IV-Stelle der
Y._
Zusatzfragen zu den Ergebnissen der Potenzialabklärung bei der
Z._
gestellt hatte (
Urk.
10/101/13
ff.)
,
holte sie das neuropsychologische Gutachten vom 2
2.
Juli 2020 sowie eine abschliessende psychiatrische Stellungnahme vom
2.
Oktober 2020 bei der
Y._
ein (
Urk.
10/118,
Urk.
10/121). Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 2
2.
Oktober
2020,
Urk.
10/124; Einwand vom 2
0.
November 2020,
Urk.
10/128; ergänzende
Ein
wandbegründung
vom 2
3.
Februar 2021,
Urk.
10/136) stellte die IV-Stelle die R
ente mit Verfügung vom 1
0.
März 2021 auf Ende des der Zustellung der Ver
fügung folgenden Monats ein (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 2
6.
April 2021 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und die Sache zwecks stationärer Begutachtung zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte er um öffent
liche Verhandlung sowie Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Bestellung von Rechtsanwalt Markus
Loher
als unentgeltlichen Rechtsbeistand (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom
4.
Juni 2021 schloss die Beschwerdegeg
nerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9 unter Beilage ihrer Akten,
Urk.
10/1-139) sowie die Abweisung des Antrags auf öffentliche Verhandlung, eventualiter das Freistellen der Teilnahme an der Verhandlung. Mit Verfügung vom 1
4.
Juni 2021 wurde der Beschwerdeführer hierüber in Kenntnis gesetzt (
Urk.
11).
Mit Schreiben vom 2
0.
September 2021 wurden die Parteien zur Hauptver
hand
lung am 1
9.
Oktober 2021 vorgeladen, wobei der Beschwerdegegnerin das Er
scheinen freigestellt wurde (
Urk.
13). Die Beschwerdegegnerin teilte am
4.
Okto
ber 2021 den Verzicht auf das Erscheinen an der Hauptverhandlung mit, worüber der Beschwerdeführer am 1
1.
Oktober 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
16). Anlässlich der Hauptverhandlung hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest
(
Urk.
17/1; Protokoll Hauptverhandlung). Mit Eingabe vom 2
7.
Oktober 2021 reichte der Beschwerdeführer die Unterstützungsbestätigung der Stadt Zürich
sowie weitere Unterlagen ein und nahm erneut Stellung (
Urk.
18 und
Urk.
19/1-4).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung dafür, dass auf
grund der Gutachten der
Y._
von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer optimal angepassten Tätigkeit auszugehen sei. Unterlagen, welche eine Arbeits
unfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt bestätigen würden, lägen keine vor. Darüber hinaus sei der Beschwerdeführer seit Jahren in keinerlei medizinischer Behand
lung mehr (
Urk.
2).
Der Beschwerdeführer brachte demgegenüber im W
esentlichen vor, dass der n
europsychologische Gutachter
lic
. phil.
A._
, Neuropsychologie FSP,
trotz der invaliden Testergebnisse eine
eingeschränkte kognitive Leistu
n
g
s
fähig
keit zumindest in Form von Teilleistungsbeeinträchtigungen attestiert habe. Lediglich das Ausmass bleibe aufgrund der invaliden Testergebnisse unbestimmt.
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, habe diesen Umstand zwar aufgegriffen, ihn
aber
nicht diskutiert in der Beur
teilung. Er habe lediglich eine Aggravatio
n
/Simulation daraus abgeleitet und eine psychische Erkrankung ausgeschlossen. Damit seien die kognitiven Teilleistungs
beeinträchtigungen allerdings nicht erklärt. Auch die Potenzialabklärung wider
spreche Aggravation/Simulation und die Schlussfolgerung von
Dr.
B._
, dass auch diese auf Aggravation/Simulation beruhe, finde keine evidente Grund
lage. Während der Potenzialabklärung sei
d
er
Beschwerdeführer
über mehrere Stunden täglich einen Monat lang beobachtet worden und die engmaschige Be
treuung hätte Aggravation/Simulation auffallen lassen, was auch Eingang in den Abschlussbericht gefunden hätte. Dieser aber zeichne das Bild eines engagierten und motivierten Beschwerdeführers. Sowohl die neuropsychologische Testung als auch die Potenzialabklärung hätten gezeigt, dass der Beschwerdeführer nach vier Stunden an die Grenze seiner Belastbarkeit stosse. Auf kognitive Leistungsein
schränkungen lasse auch der
bisherige schulische Verlauf mit
Besuch
von
Klein
klasse
n
schliessen. Aggravation/Simulation als einzige Ursache sei entsprechend nicht plausibel, zumal die Teilleistungsschwäche damit nicht hinreichend erklärt sei. Darüber hinaus habe
Dr.
B._
nicht diskutiert, dass ein sub
stan
tieller finanzieller Anreiz notwendig sei bei Simulation/Aggravation - die Erstan
meldung sei allerdings von den Eltern initiiert gewesen, so dass dies zu verneinen sei. Zusammenfassend sei das Argument der Teilleistungsbeeinträchtigung nicht
restlos abgeklärt und die Annahme von Simulation/Aggravation sei nicht schlüssig
begründet. Entsprechend bestehe weiterer A
bklärungsbedarf und der Beschwerde
führer sei stationär zu begutachten (
Urk.
1).
Die Beschwerdegegnerin brachte in ihrer Beschwerdeantwort vom
4.
Juni 2021 ergänzend vor (
Urk.
9), dass die
unplausiblen
Testergebnisse in der neuropsycho
logischen Begutachtung auf Aggravation und Simulation hindeuteten und ge
samthaft davon ausgegangen werden müsse, dass die
unplausible
Symptom
pro
duktion auch für das Scheitern der Eingliederungsbemühungen bei der Poten
zial
abklärung verantwortlich sei. Somit würden die psychiatrischen Diagnosen durch die neuropsychologische Abklärung gestützt.
Das Gutachten der
Y._
sei voll beweiskräftig und der Beschwerdeführer entsprechend voll angepasst arbeits
fähig. Ab dem Zeitpunkt der psychiatrische
n
Begutachtung liege eine erhebliche Verbesserung vor, da eine Nachreifung stattgefunden habe. In der neuropsycho
logischen Testung sei aufgrund der Aggravation und Simulation ein neues Ver
halten bzw. eine relevante Tatsachenänderung festgestellt worden. Entsprechend liege ein Revisionsgrund vor und ein Rentenanspruch sei nicht mehr gegeben.
Eventualiter sei der Entscheid unter der substituierten Begründung der Wiederer
wägung zu schützen.
Anlässlich der Hauptverhandlung vom 1
9.
Oktober 2021 (vgl. Protokoll sowie
Plädoyernotizen
,
Urk.
17/1) sowie mit Stellungnahme vom 2
7.
Oktober
2021 (
Urk.
18) hielt der Beschwerdeführer im Wesentlichen an seiner Argumentation fest und ergänzte, dass auch die zuständige Sozialarbeiterin von einer offensicht
lichen Arbeitsunfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt ausgehe (
Urk.
18 und
Urk.
19/2).
2.
2.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich geblie
be
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
ga
benbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts
bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hin
wei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesent
li
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
acht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu frü
he
ren
ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine u
nter
schiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens ge
nügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszu
stand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
2.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
r
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281
E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand
der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
2.3.
3
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und all
fälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1).
2.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürf
en sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
3.
3.1
Die letzte materielle Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachver
haltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommensver
gleich
s erfolgte anlässlich der
Rentenrevision in den Jahren 2011/2012 (vgl.
Urk.
10/45 und
Urk.
10/55)
. Massgeblicher Vergleichszeitpunkt bildet somit die
Mitteilung vom
8.
Februar 2012 (
Urk.
10/56)
.
Aus medizinischer Sicht lag dieser Mitteilung das
psychiatrisch-rheumato
lo
gische
Gutachten der Klinik
C._
vom
2
3.
Januar 2012 zugrunde (
Urk.
10/54).
Die Gutachter notierten folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit (
Urk.
10/54/10):
-
Verdacht auf kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unreifen und passiv aggressiven Zügen (ICD-10 F61.0)
-
CRPS I nach
Kontusio
des linken oberen Sprunggelenks am
1.
März 2008 mit
-
geringen Verbesserungen gegenüber der Voruntersuchung 09/2009
-
jetzt fehlender
Glanz der Haut im Knöchelbereich links
-
jetzt symmetrischer minimaler Fuss-Knöchelumfang, damals Differenz von 0.5 cm
-
jedoch Zunahme der Differenz des maximalen Wadenumfangs, am ehesten im Rahmen eines lang andauernden Mindergebrauchs des linken Fusses durch lang andauernden Stockeinsatz
Als Diagnosen oh
ne Auswirkungen auf die Arbeits
f
ä
higkeit notierten sie (1) einen Nikotinabusus (ICD-10 F17.1), (2) Adipositas Grad I mit Gewichtszunahme von 16.3 kg seit September 2008, (3) Vitamin D-Mangel (44
nmol
/l).
Die Gutachter konstatierten, dass der Beschwerdeführer bisher keiner geregelten Tätigkeit nachgegangen sei und auch keine Ausbildung absolviert habe. Auf
grund der bestehenden Persönlichkeitsproblematik sei der Beschwerdeführer in Tätigkeiten oder Ausbildung des ersten Arbei
tsmarktes nicht einsetzbar.
In einer adaptierten Tätigkeit bestehe aus psychiatrischer Sicht aktuell eine massiv eingeschränkte Leistungsfähigkeit bezüglich Ausbildungs- und Arbeits
fähig
keit. Eine berufliche Integration werde er in absehbarer Zeit nicht bewältigen können. Aus rheumatologischer Sicht sei er in einer adaptierten Tätigkeit nie über längere Zeit arbeitsunfähig
gewesen
(
Urk.
10/54/11).
3.2
3.2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte in der angefochtenen Verfügung vom
1
0.
März 2021
(
Urk.
2) im Wesentlichen auf das
Gutachten der
Y._
vom 1
3.
März 2018 sowie die entsprechenden Ergänzungen
ab. Darin wer
den die bis zur Be
gut
achtung des Beschwerdeführers
aktenkundigen medizinischen
Berichte zusam
men
gefasst (Urk. 10/80/8 ff
.), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wie
dergegeben werden. Soweit erforderlich, wird in den nachfolgenden Erwägungen aber darauf Bezug genommen.
Dr.
B._
und
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Innere Medizin, hielten in der Konsensbeurteilung folgende Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit fest (
Urk.
10/80/17):
-
Residuelles
, mässig ausgeprägtes CRPS 2007 bis ca. 2010 (ICD-10 M89.07)
-
residuelle
funktionelle Parese des linken Beines mit schwerpunkt
mässiger funktioneller Parese des linken Fusses
Als ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit beurteilten sie (1) eine dys
funktionale Krankheitsverarbeitung (ICD-10 F54) und (2) auffällige Persönlich
keitszüge (ICD-10 Z73).
Aus somatischer Sicht sei festzuhalten, dass sich der Beschwerdeführer i
m März 2007 beim Fussballspielen eine Distorsion des linken Fusses zu
gezogen habe. Nach
folgend habe
sich ein
Chron
ic
Regional
Pain
Syndrom (CRPS) entwickelt
. Therapeutische Massnahmen
seien
ohne Erfolg
gewesen und man kö
nn
e
von einer leich
ten bis
mässiggradigen
chronisc
hen Beschwerdesituation ausgehen. In der aktuell
en
klinischen Untersuchung zeig
t
en sich Verfärbungen des linken Fusses und eine Muskelatrophie der gesamten linken unteren E
xtremität. In den
Vorberichten seien weitere mögliche morphologische Kriterien aufgeführt wo
rden
, wie beispielsweise die Krallenstellung der Zehen. Diese könn
t
en je
doch nicht als diagnostisch her
angezogen werden, da sie a
uch auf der rechten Seite vorlä
gen.
Differenzialdiagnostisch müsse insgesamt auch eine funktionelle Lähmung/
Pare
s
e angenommen werden, folglich
müsse nicht zwingend eine irreversible
und voll
ständige Invalidisierung durch das
CRPS Stadium vorliegen. Dies kö
nn
e aus der nu
r
geringeren Muskelatrophie d
er linken unteren Extremität sowie der verblei
benden Muskulatu
r
angenommen werden. Unklar bleibe, wie stark der linke Fuss tatsächlich auch belastet we
rd
e
. Auf diese Erklärung stützend
habe
die aktive Teilnahme
an der Physiotherapie gemäss Aussa
ge des Beschwerdeführers bis
ins Jahr 2016 statt
gefunden. Insgesamt mü
ss
e
erwähnt werden, dass ein irreversi
bles Stadium des CRPS selten sei
und insbesondere auch deutlich
mehr
atrophe
Struk
turen aufweise. Insgesamt sei
die Prognose meist günstig in den Vorstadien, was s
omit vorliegen dü
rf
e
, zudem erschein
e
die Schmerzsituation eigentlich kontrol
liert. Dass sich ein CRPS nach dem Trauma 2007 entwickelt
habe
,
sei
nicht be
stritten,
aktuell zeige
sich hingegen das Bild einer Selbstlimitierung mit einem möglich
erweise
auch unbewussten sekundären Krankheitsgewinn.
Aus psychiatrischer Sicht kö
nn
e
attestiert werden, dass di
e vormals beschriebene depressi
ve Sympto
matik nicht mehr nachweisbar sei. Es we
rd
e
festgehalten, dass im psychiat
rischen Gutachten mit interdiszi
plinärer Zusammenfassu
ng (psychia
trisch und rheumatologisch) vom 2
3.
Januar
2012,
K
linik
C._
, das
Beck-Depression
s-
lnventar
benutzt worden sei
, was keine Test
psychologie im engeren Sinne sei
, da es sich um eine Selbst
beurteilungsskala handle
. Aller
di
ngs
sei
auch seinerzeit eine nur schwache depressive Symptomatik diagnostiziert
worden
. Der
Beschwerdeführer habe im Rahmen des Ver
letzungsverlaufes keinen Anschluss an eine reguläre Ausbildung entwickelt, keinen Beruf erlernt und b
efinde
sich in der Ro
lle eines Frührentners und weise dadurch eine gewisse Zufrie
denheit auf. Psychische Gründe für se
ine fehlende Arbeitstätigkeit nehme
er für sich nicht
in Anspruch, insgesamt entstehe
aber durchaus der Eindruck einer Selbstlimitierung
, dass näm
lich der
Beschwerdeführer
nicht
bis an die Leistungsgrenzen gehe
, wie ihm dies zumindest nach seiner psychischen Grundverfassung her mögl
ich wäre. Nach Jahren der Nicht-Teilhabe am Arbeitsmarkt lä
gen auch Phänomene wie eine
Dekonditionierung
vor, darüber hinaus eine
Habituierung
(keine Entwöhnung von
den Gehstützen). Dabei verharre
der
Beschwerdeführer in der Kran
kenrolle. Bezüglich der Krankheitsentwicklung, insbesondere mit dem Verdacht auf eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit unreifen und passiv
aggressiven Zügen, kö
nn
e ein deutlic
her Syndrom-
Rückgan
g beschrieben werden. Aktuell kö
nn
e
ein guter, adäquater affektiver Rapport hergestellt werden, entgegen dem psychia
trischen Gutachten mit interdisziplinärer Zusammenfassung vom 2
3.
Januar 2012,
der Klinik
C._
, wo eine «Abwesenheit» beschrieben wo
rde
n sei
. Dies k
ö
nn
e
so anamnestisch und auch in der direkten Begegnung nic
ht mehr gesehen werden. Somit mü
ss
e
auch angenommen werden, dass in den letzten 5 Jahren ein erheb
liches Mas
s an Nachreifung eingetreten sei
und
sich
somi
t die Diagnose einer Persönlichk
eitsstörung nicht mehr begründen
lasse. Allenfalls lie
ssen
sich auffäl
lige Persönlichkeits
züge beschreiben (erhöhte Impulsivität und gewiss
e Unreife).
Gesamtmedizinisch kö
nn
e
der Status nach CRPS im Jahr 2007 bis ins Jahr 2010 bestätigt werden, dies insbesondere
gestützt
auf die anamnestische Erhebung und die Dok
umentation. Zwischenzeitlich habe
sich bis dato eine deutliche Verbesse
rung der Symptomatologie
psychisch und physisch eingestellt.
Die Partizipation
im Alltag sei gegeben und somit kö
nn
e
eine Arbeitsleistung auch gefordert werden
.
Aus rheumatologischer Sicht bestehe für eine mittelschwere bis schwere Tätigkeit eine volle Arbeitsunfähigkeit, begründet durch Limitierung des Stehens, des Ge
hens sowie des
Gewichtetragens
und der damit verbundenen Schmerzen.
In einer leichten dominant sitzenden Tätigkeit bestehe aus rheumatolog
ischer Sicht eine volle Arbeits
f
ä
higkeit. Aus psychiatrischer Sicht sei die langjährige Nichtteilhabe an einer Erwerbsbiographie möglicherweise mit verpasstem Zeit
fenster eine Hürde. Insgesamt ergäben sich keine klaren psychiatrischen Notwen
digkeiten bezüglich einer Verweistätigkeit. Grundsätzlich liege kein psychiatri
sches Krankheitsbild vor, was mit einer dauerhaften Einbusse von qualitativer oder quantitativer Arbeitsfähigkeit einhergehen würde. Somit könne aus psychia
trischer Sicht von einer vollen Arbeitsfähigkeit
ausgegangen werden.
Es sei ein sinnvolles Arbeitstraining durchzuführen (
Urk.
10/80/21 f.).
3.2
Die Gutachter der
Y._
nahmen am 2
7.
März 2019 Stellung zu den Ab
klärungen und Berichten der
Z._
(
Urk.
10/101/13 ff.)
.
S
ie konstatierten, dass aus rheumatologischer Sicht eine
residuelle
Parese nach vorgelegenem CRPS ob
jektiviert worden sei. In ihrem Gutachten habe sich das Bild einer Selbstli
mitie
rung mit einem möglich
erweise
auch unbewussten sekundären K
rankheits
gewinn
gezeigt
, insofern erstaunten die Abklärungsergebnisse nicht. Der Be
schwerde
führer solle nach Möglichkeit im Arbeitsprozess gehalten werden.
Aus psychiatrischer Sicht seien die Leistungserg
ebnisse ebenfalls nicht kompa
tib
el. Sie hätten bei der Begutachtung v
or einem Jahr einen
Beschwerdeführer ge
sehen ohne jegliche Psychopharmakotherapie, ohne jegliche Psychotherapie, ohne jegliche Soziotherapie, der überhaupt keine psychiatrischen Angebote in Anspruch
genommen habe
zum Zeitpunkt der Begutachtung und in dem rezenten Zeitraum zuvor, sodass
kein Schweregrad
eines
psychiatrischen Leidens
habe abgeleitet werden können
. Es
seien
psychiatrische Berichte vor
gelegen
, die insbe
sondere Impulsivität und Unreife darstellten, die
sie
als rückläufig
hätten
be
schreiben k
önnen
, was der
Beschwerdeführer selbst bestätig
t
habe. Er habe auch bestätigt,
dass kein Leidensdruck bestünde und er auch deswegen keine therape
u
tischen Angebote in Anspruch genommen habe.
Trotz Provokationsmanövern
hätten sie keine eindeutigen Impulsdurchbrüche oder Ähnliches generieren können
, sodass an den vormaligen Verdacht eine
r Persönlichkeitsstörung, beson
ders einer Persönlichkeitsstörung
mit Verlusten der Impulskontroll
e, nicht fest
ge
halten
wer
den k
önne. Dies we
rd
e
im Übrigen auch bestätigt im aktuell vor
lie
genden Abklärungsbericht von
Z._
, die
ihm ein
hohes Engagement
und hohe Zuverlässigkeit und Anpassungsfähigkeit zuschrie
ben.
Der Beschwerdeführer habe ein hohes
Aktivitätsniveau i
n allen vergleichbaren Lebensbe
reichen
aufge
wiesen
: Alleiniges Reisen durch die Schweiz, Übernachten alleine im Hotel, Auf
enthalt in Italien, Einkaufen in Deu
tschland, Pflegen von Kontakten
etc. Insofern
hätten sie
auc
h innerhalb der Untersuchungssit
uation nicht auf eine relevante Intelligenzstörung
geschlossen
. Zusammenfassend
hätten sie kein
typisches Stö
rungsbild in den Bereichen F1 bis F9 der ICD-10 identifizieren
können
, was zunächst einmal durchaus kom
patibel sei
mit den vorliegenden
Abklärungs
ergeb
nissen. Andererseits würden im Bericht von
Z._
klare Einschränkungen be
schrieben, insbesondere auch Ermüdungserscheinungen mit fortschreitender Zeit, aber auch intellektuelle Defizite.
Die Abklärungsergebnisse von
Z._
seien für sie schlüssig und könnten einen Hinweis ergeben auf eine leichte Intelligenzminderung. Dies könnte die Integra
tionsfähigkeit tatsächlich entscheidend limitieren. Entsprechend empfählen sie eine fachgerechte neuropsychologische Abklärung. Sie wiesen darauf hin, dass der dem Gutachten zugrundeliegenden Aktenlage die jetzt gewonnenen Erkennt
nisse noch nicht zugrunde gelegen hätten und möglicherweise durch das hohe Funktionsniveau des Beschwerdeführers überdeckt worden seien. Letzteres könne durchaus als Ressource verstanden werden. Dennoch sähen sie die Notwendigkeit, die im Gutachten getroffenen Aussagen unter
Beizug
aktueller Erkenntnisse ergebnisoffen anzupassen.
3.3
Infolgedessen untersuchte
lic
. phil.
A._
, Neuropsychologe FSP, den Beschwer
de
führer. In seinem Gutachten vom 2
2.
Juli 2020 notierte er keine neuro
psy
cho
logischen Diagnosen (
Urk.
10/118/19).
Der Beschwerdeführer sei
in der Schweiz geboren. Gemäss seinen Angaben seien die Geburt und
die
frühe Kindheitsent
wicklung unauffällig gewesen. Er
habe
die Primarschule
besucht
, gemäss seinen Angaben ab der zweiten Klasse in einer Kleinklasse. Die Oberstufe
habe
er drei Jahre lang ebenfalls in einer Kleinklasse
besucht
(für schwachbegabte Schüler). Gegen Ende eines anschliessenden zehnten Schuljahres
habe er sich am linken Fuss verletzt
. In der Folge
hätten
Einschränkun
gen und Schmerzen im linken Fuss
persistiert. Anlässlich einer psychiatrisch-rheumatologischen Begutachtung durch
die Klinik
C._
sei dem Beschwerdeführer
im Januar 2009 eine volle Arbeits
unfähigkeit bescheinigt
worden
, die SVA Zürich
habe
ihn in der Folge
berentet
. Anlässlich einer psychiatrisch-rheumatologischen Begutachtung
sei
Y._
2017 zum Schluss
gekommen, in einer
angepassten Tätigkeit sei keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit vorhanden. In der neurops
ychologischen Unter
suchung zeig
e
der Beschwerdeführer
ei
ne neuropsychologisch
unplausibl
e
und logisch inkonsistente Symptomproduktion
.
Eine Aggravation oder Simulation kognitiver Funktionsbeeinträchtigungen kö
nne nicht ausgeschlossen werden. In den Vorberichten sei zudem auf Diskrepanzen hingewiesen worden. Damit könnten keine gesicherten Angaben zur Eingliede
rungsfähigkeit, Eingliederungsmassnahmen, Fähigkeiten, Ressourcen, Belastun
gen und einer Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit gemacht werden (
Urk.
10/118/22 ff.).
3.4
Am
2.
Oktober 2020 nahm
Dr.
B._
unter Berücksichtigung der neu
ropsychologischen Untersuchung erneut Stellung zum psychischen Gesundheits
zu
stand des Beschwerdeführers (
Urk.
10/121). Er führte aus, dass der Neuro
psy
chologe aufgrund der anamnestischen Angabe einer langjährigen Beschul
ung in einer Kleinklasse
dafür gehalten
habe
, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit eine eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit zumindest in Teilleistungsbereichen vorhanden sei. Die
unplausible
Symptomproduktion und deren Bewusstseinsgrad könnten neben psychopathologischen Erkrankungen am ehesten durch Aggra
va
tion oder Simulation kognitiver Beeinträchtigungen bedingt sein. Da sie nun keinen Anhalt hätten, mit dem sie die neuropsychologisch
unplausible
Symptom
produktion durch Psychopathologie oder eine Erk
r
ankung aus den Bereichen F0 bis F9 erklären könnten, gingen sie überwiegend wahrscheinlich von Aggravation oder Simulation kognitiver Beeinträchtigungen aus.
Im neuropsychologischen Gutachten fänden sich darüber hinaus Hinweise auf Aggravation oder Simulation bei der Interpretation von Vorberichten. Gesamthaft müsse davon ausgegangen werden, dass nicht nur die neurologisch
unplausible
Symptomproduktion auf nicht medizinische Faktoren zurückgehe, sondern auch das Scheitern der Einglie
derungsbemühungen bei der
Z._
. Letztlich bestätige das Verhalten des Be
schwer
deführers in der neuropsychologischen Untersuchung die im psychiatri
schen Gutachten vor über zwei Jahren gestellten Diagnosen.
4.
4.1
Das
Gutachten der
Y._
vom 1
3.
März 2018 (
Urk.
10/80) sowie die ergän
zenden Ausführungen vom 2
7.
März 2019 (
Urk.
10/101/13 ff.), das neuropsycho
logische Teilgutachten vom 2
2.
Juli 2018 (
Urk.
10/118) sowie die abschliessende Beurteilung von
Dr.
B._
vom
2.
Oktober 2020 (
Urk.
10/121
) be
ruhen auf für die streitigen Belange umfassenden fachärztlichen Untersuchungen und wurden in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) verfasst. Die Gutachter haben detaillierte Befunde und hieraus begründete Diagnosen erhoben, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten des Be
schwerdeführers auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medi
zinischen Zu
stän
de und Zusammen
hänge einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nach
vollziehbar begründet. Die
Ausführungen der
Y._
erfüllen daher die
rechtsprechungsgemässen Anforderungen an beweistaugliche ärztliche Entschei
dungs
grundlagen (
vgl. E. 2.4
).
4.2
4.2.1
Der Beschwerdeführer brachte hiergegen vor, dass
Dr.
B._
die neu
ropsychologisch attestierten Teilleistungsbeeinträchtigungen nicht näher disku
tiert habe - alleine das Anführen von Aggravation und Simulation
erklärten
diese
nicht
hinreichend
. Auch die Annahme von
Dr.
B._
, dass die Test
ergebnisse bei der Potenzialabklärung nicht valide gewesen seien aufgrund von Aggravation oder Simulation sei nicht belegt. Im Bericht der
Z._
werde der Beschwerdefü
hrer als zuverlässig, offen,
sorgfältig und genau beschrieben, aller
dings sei e
i
n stark verlangsamtes Tempo und eine nicht ausreichende Ausdauer festgestellt worden. Bei dieser engmaschigen Betreuung wäre eine Aggravation/
S
imulation aufgefallen (
Urk.
1
, vgl. Protokoll Hauptverhandlung
).
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass
Dr.
B._
sowohl im Gutachten vom 1
3.
März 2018 (E. 3.1)
, als auch in der ergänzenden Stellungn
ahme vom
2.
Oktober 2020 (E. 3.4
) nachvollziehbar und schlüssig darlegte, dass kein Anhalt auf eine Erkrankung aus den Bereichen F0 bis F9 vorliege - entsprechend gingen sie mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die
unplausible
Symp
tom
produktion am ehesten auf Aggravation und Simulation zurückzuführen sei.
Lic
. phil.
A._
konstatierte diesbezüglich, dass die langjährige Beschulung in einer Kleinklasse mit hoher Wahrscheinlichkeit darauf hindeute, dass beim Be
schwerdeführer eine eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit zumindest in
Form von Teilleistungsbeeinträchtigungen vorhanden sei. Wegen der
unplausi
bl
en
und logisch inkonsistenten Symptomproduktion könnten allerdings keine ge
sicherten Angaben zur Art und Schwere gemacht werden (
Urk.
10/118/20).
Zusammenfassend kann eine Teilleistungseinschränkung
aufgrund des Verhal
tens des Beschwerdeführers anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit festgestellt werden
. Demnach hat er
die Folgen der
daraus resultierenden Beweislosigkeit zu tragen
.
Darüber hinaus werden
Intelligenzminderungen nach dem heute zur Anwendung gelangenden Klassifikationssystem ICD-10 in leichte (Intelligenzquotient [IQ] 69 bis 50), mittelgradige (IQ 49 bis 35), schwere (IQ 34 bis 20) und schwerste (IQ weniger als 20) Fälle eingeteilt (ICD-10 F.70 bis F.73; vgl. auch Pschyrembel, 267. Aufl. 2017, S. 881; Urteil 9C_664/2009 vom 6. November 2009 E. 3). Nach konstanter Recht
sprechung wird heute bei einem IQ von 70 und mehr ein inva
lidenversicherungs
rechtlich massgeblicher Gesundheitsschaden verneint. Demge
gen
über führt ein IQ unterhalb dieses Werts in der Regel zu einer im vorliegenden Kontext relevanten verminderten Arbeitsfähigkeit. Auch
diesfalls
ist jedoch stets eine objektive Beschreibung der Auswirkungen der festgestellten Intelligenz
minderung der versicherten Person auf ihr Verhalten, die beruf
liche Tätigkeit, die normalen Verrichtungen des täglichen Lebens und das soziale Umfeld erforder
lich. Zudem kommt es nicht nur auf die Höhe des IQ an, sondern ist immer der Gesamtheit der gesundheitlichen Beeinträchtigungen Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 8C_608/2018 vom
11. Februar 2019
, E. 5.2 mit Hinweisen).
Damit ist - selbst davon ausgehend, dass allfällige Teilleistungsbeeinträchti
gungen vorlägen - mit Blick auf das Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
10/
80/47;
Urk.
10/80/50 f.;
Urk.
10/101/13 f.
) nicht überwiegend
wahr
scheinlich, dass
diese erhebliche funktionelle
Auswirkungen
auf die Arbeitsfähig
keit in einer den kognitiven Möglichkeiten des Beschwerdeführers angepassten Tätigkeit zeitigen würden.
4.2.2
Der Beschwerdeführer bemängelte darüber hinaus die Annahmen von
lic
. phil.
A._
, dass bereits früher Unstimmigkeiten vorgelegen hätten (
Urk.
1 S. 7). In Hinblick darauf, dass aktuell unbestritten und klarerweise erstellt
eine
unplausible
und logisch inkonsistente Symptomproduktion vorliegt, kann
offen bleiben
, ob rückwirkend Aggravation oder Simulation vorliegt.
4.2.3
Der
Beschwerdeführer reicht
e
nach der Hauptverhandlung einen Bericht der zuständigen Sozialarbeiterin ein, worin sie schilderte, dass ihr der Beschwerde
führer einen extrem verlangsamten Eindruck mache, die
Gesrpäche
überdurch
schnittlich lange dauerten und sie lediglich verzögert
Anworten
erhalte (
Urk.
19/2).
Die im Bericht geschilderte subjektive Wahrnehmung der Sozialarbeiterin vermag allerdings keine Zweifel an den umfassenden Untersuchungen und daraus resul
tierenden Testergebnisse im Rahmen der Abklärungen der
Y._
zu erweck
en,
da die Sozialarbeiterin
nicht
über die notwendige medizinische Qualifikation ve
r
fügt.
4.3
Entsprechend kann auf die Gutachten und Stellungnahmen von
Y._
abge
stellt werden. Zu prüfen bleibt, ob ein Revisionsgrund vorliegt:
Der Mitteilung vom
8.
Februar 2012 lag das
bidisziplinäre
Gutachten der Klinik
C._
vom 2
3.
Januar 2012 zugrunde. Darin wurde gestützt auf die psychia
tri
sche Problematik, namentlich de
n Verdacht
auf eine kombinierte Persönlich
keits
störung mit unreifen und passiv-aggressiven Zügen (ICD-10 F61.0)
,
von einer vollen Arbeitsunfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt ausgegangen (
Urk.
10/54/11).
Diese Diagnose konnte von
Dr.
B._
nicht bestätigt werden. Er kon
statierte demgegenüber, dass eine Verbesserung des Gesundheitszustandes vor
liege, da in den letzten fünf Jahren ein erhebliches Mass an Nachreifung ein
ge
treten sei und sich die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung nicht mehr begrün
den
lasse (
Urk.
10/80/18;
Urk.
10/80/23).
Entsprechend liegt eine klare Verbesserung des psychischen Gesundheitszu
stan
des vor, so dass ein Revisionsgrund erstellt ist.
4.4
Gestützt auf das
Gutachten der
Y._
vom 1
3.
März 2018 (
Urk.
10/80) sowie die ergänzenden Ausführungen vom 2
7.
März 2019 (
Urk.
10/101/13 ff.), das neuropsychologische Teilgutachten vom 2
2.
Juli 2018 (
Urk.
10/118) sowie die ab
schlies
sende Beurteilung von
Dr.
B._
vom
2.
Oktober
2020 (
Urk.
10/12
1)
ist der Beschwerdeführer
voll arbeitsfähig in
einer leichten, domi
nant sitzenden Tätigkeit (
Urk.
10/80/21 f.)
.
Von weiteren Abklärungen,
insbesondere einer stationären Begutachtung wie vom Beschwerdeführer gefordert
, sind keine zusätzlichen Erkenntnisse zu erwar
ten, weshalb darauf in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 122 V 157 E. 1d mit Hinweisen)
zu verzichten ist
.
5.
Zu prüfen bleiben die erwerblichen Auswirkungen der aus somatischer
S
icht leicht eingeschränkten Arbeitsfähigkeit.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie
nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Er
werbs
einkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
über
gestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.2
Konnte die versicherte Person wegen der Inval
idität keine zureichenden beruf
lichen Kenntnisse erwerben, so entspricht das Erwerbseinkommen, das sie als Nichtinvalide erzielen könnte,
nach Vollendung des 30
.
Altersjahres
dem
jähr
lich aktualisierten Medianwert
gemäss der Lohnstrukturerhebung
des Bundes
amtes für Statistik (
Art.
26
Abs.
1 IVV). Im Jahr 2020 entspricht das für den Be
schwer
deführer heranzuziehende
Valideneinkommen
damit
Fr.
83'
5
0
0.-- (IV-Rund
schrei
ben Nr. 403 vom 1
7.
November 2020).
Für das Invalideneinkommen ist der Hilfsarbeiterlohn gemäss der
vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
her
an
zuziehen, welcher im Jahr
2018 monatlich
Fr.
5'417.-- betrug. Bereinigt um die betriebsübliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden pro Woche (
T 03.02.03.01.04.01
Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen
in Stunden pro Woche) sowie bereinigt um die Nominallohnentwicklung (T39
Entwicklung der Nominal
löhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 2010-2020) resultiert daraus ein Invalideneinkommen
für das Jahr 2020
in Höhe von
Fr.
68'923.60
(
Fr.
5'417.
--
:
40 x 41.7 x 1.009 x 1.008 x 12)
.
Stellt man das Validen- dem Invalideneinkommen gegenüber, so resultiert
ein rentenausschliessender IV-Grad von 17 %
.
Der Vollständigkeit halber ist festzuhalten, dass ein Leidensabzug aufgrund der nur leichten qualitativen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nicht gerechtfertigt ist
. A
llerdings würde selbst bei maximalem Leidensabzug von 25
%
kein rentenrelevanter IV-Grad resultieren.
5.3
Zusammenfassend erweist sich die Verfügung als rechtens und die Beschwerde ist vollumfänglich abzuweisen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht,
ist das Verfahren kostenpflichtig
.
D
ie Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG
sind
ermessensweise auf Fr. 1’0
00.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss dem
Be
schwerdeführer aufzuerlegen. Da die Voraussetzungen für die unentgeltliche Pro
zessführung gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungs
ge
richt (
GSVGer
) erfüllt sind (Urk.
19/1
), sind sie jedoch einst
weilen auf die Ge
richtskasse zu nehmen.
6.2
Ebenso sind die Voraussetzungen für die
unentgeltliche
Rechtsvertretung (§ 16 Abs. 2
GSVGer
) erfüllt und es ist Rechtsanwalt Markus
Loher
aus der Gerichts
kasse zu entschädigen.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt
Markus
Loher
, machte mit Honorarnote
n
vom 19.
/27.
Oktober 2021 (Urk. 17/3;
Urk.
19/4
) einen Ge
samt
aufwand von
21.2
Stunden und Barauslagen von
total
Fr.
190.80
geltend. Angesichts der Tatsache, dass vorliegend keine schwierigen Rechtsfragen zu klären waren, erschei
nt dieser Aufwand, insbesondere die 5.4 Stunden Vor
bereitung für die Hauptverhandlung als auch die 3.9 Stunden für die Ausar
bei
tung des Schreibens vom 2
7.
Oktober 2021
als übersetzt. Bei grosszügiger Be
trachtung können zwei Stunden Aufwand für Instruktion und Besprechung mit dem Klienten, drei weitere Stunden für Aktenstudium sowie
drei
Stunden für das Abfassen einer sich auf das Wesentliche beschränkenden Rechtsschrift als ge
rechtfertigt betrachtet werden. Zwei weitere Stunden können für die Erstellung der w
eiteren Eingaben und Abklärungen, vier
Stunde
n für die Vorbereitung und Teilnahme an der Hauptverhandlung sowie eine Stunde für die Nachbearbeitung des Urteils anerkannt werden
.
Damit erscheint bei einem gerichtsüblichen Stun
denansatz von Fr. 220.-- unter Berücksichtigung von angemessenen Barauslagen eine Entschä
digung in der Höhe von Fr. 3‘
7
00.-- (inklusive Baraus
lagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.
6.3
Der
Beschwerdeführer ist auf § 16 Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er
zur Nach
zahlung der Auslagen für die
unentgeltliche
Rechtspfl
ege verpflichtet ist, sobald er
dazu in der Lage ist.
Das Gericht beschliesst,
In Bewilligung des Gesuchs vom
2
6.
April 2021
wird de
m Beschwerdeführer
die unent
geltliche Prozessführung gewährt und
Rechtsanwalt
Markus
Loher
, Zürich
, als unent
geltliche
r Rechts
vertreter
für das vorliegende Verfahren bestellt,
und erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
1’000
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichts
kasse
genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Beschwerdeführers, Rechtsanwalt Markus Loher, Zürich,
wird mit
Fr.
3’700
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse ent
schädigt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Markus
Loher
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
unter Beilage von
Urk.
18 und
Urk.
19/1-4
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.