# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e3ed8846-9f36-4601-9d0c-8e7338b5eb9b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Zur Vorgeschichte
der vorliegenden Streitsache ist zunächst auf den im
Urteil
UV.2011.00146
des Sozialversicherungsgerichts vom 22. März 2012 in Sachen der Parteien ausführlich dargelegten Sachverhalt
hinzuweisen
(
vgl.
Urk. 13/9 S. 2-9).
1.2
1.2.1
Anfechtungsgegenstand jenes Prozesses
- zu welchem die an der Vorge
schichte mitbeteiligte
Schweizerische Krankenkasse für das Bau- und
Holz
gewerbe
(nachstehend:
SKBH
) beigeladen worden war -
war
der
Einsprache
entscheid
der
Lloyd's
Underwriters
London
(nachfolgend:
Lloyd's
)
vom
29. März 2011, mit welchem diese ihre Verfü
gung 3. November 2010 bestä
tigt hatte
. Mit dieser hatte die
Lloyd’s
verfügt (vgl. Urk. 13/9 S. 8):
“1.
Die Stabilisierung des Gesundheitszustandes gemäss Artikel 19 Absatz 1 UVG wird auf den 4. Oktober 2010 angesetzt.
2.
Mangels unfallkausalen Dauerschadens wird der Anspruch auf eine
Integ
ritäts
entschädigung
abgelehnt.
3.
Ein Anspruch auf eine Invalidenrente wird mangels Unfallkausalität und Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit abgelehnt.“
Bei der Datierung gemäss Dispositiv-Ziffer 1 dieser Verfügung handelte es sich - wie die
Lloyd's
im
Einspracheentscheid
festhielt (Urk. 17/131 S. 7) - um einen Verschrieb: gemeint war eine Leistungseinstellung per 4. Oktober 2007.
1.2.2
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 29. März 2011
erhob
X._
am 11. Mai 2011 Beschwerde
mit dem Rechtsbegehren
, es seien dieser und die Verfügung vom 3. November 2010 unter Kosten- und
Entschädigungs
folge
aufzuheben und es seien die Beschwerdegegnerin und/oder die zum Pro
zess beizuladende SKBH zu verpflichten, dem Beschwerdeführer auch ab 5. Oktober 2007 die gesetzlichen Leistungen nach UVG zu erbringen, insbe
son
dere eine Invalidenrente auf der Basis eines unfallkausalen
Invaliditäts
grades
von mindestens 60 % zuzüglich Verzugszinsen sowie eine
Integritäts
entschädi
gung
auf der Basis einer unfallkausalen Integritätseinschränkung von 30 %, zuzüglich Verzugszinsen
(vgl. Urk. 13/9 S. 8)
.
1.2.3
Mit dem
- unangefochten in Rechtskraft erwachsenen -
Urteil UV.2011.00146 vom 22. März 2012 hiess das Sozialversicherungsgericht die Beschwerde in dem Sinne gut,
dass der
Einspracheentscheid
vom 2
9.
März
2011 aufgehoben und die Sache an die Beschwe
rdegegnerin zurückgewiesen wurde
, damit diese nach Durchführung der erforderlichen Abklärungen im Sinne der Erwägungen neu über den Leistungsanspruch des Beschwerdefüh
rers befinde
(vgl. Urk. 13/9 S. 18, Dispositiv-Ziffer 1)
.
In
den Erwägungen
hatte das Gericht verlangt, dass die
Lloyd's
zur Beurtei
lung der strittigen Ansprüche
unverzüglich eine den Anforderungen der höchstrichterlichen
Rechtsprechung
genügende
polydisziplinäre Begutach
tung einzuleiten habe (Erwägung 1.5.1)
,
und der
Lloyd's
detaillierte Anwei
sungen hinsichtlich des Vorgehens erteilt (Erwägung 1.5.2).
2.
2.1
Nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils des Sozialversicherungsgericht
s
vom 22. März 2012 liess die
Lloyd’s
X._
durch die
MEDAS Z._
polydisziplinär begutachten
(
Gutachten vom 5. Juli 2013, Urk. 19/43, Gut
achterinnen und Gutachter, vgl. Urk. 19/42:
Dr.
med.
A._
, Allge
meine Innere Medizin FMH, federführender Gutachter;
Dr.
med.
B._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH;
Dr.
med.
C._
, Rheumatologie FMH;
lic
. Phil.
D._
, Fachpsychologin Neuropsy
chologie FSP;
Dr.
med.
E._
, Neurologie FMH).
Gestützt auf dieses Gutachten verneinte die
Lloyd’s
mit Verfügung vom 16. Juni 2014 erneut jeglichen Anspruch auf Versicherungsleistungen ab dem 5. Oktober 2007 (Urk. 17/157).
Die von
X._
dagegen erhobene
Einsprache mit dem A
ntrag auf Zuspre
chung einer angemessenen Invalidenrente sowie einer angemessenen Integritätsentschädigung
(Urk. 17/158) wies die
Lloyd’s
mit
Einspracheent
scheid
vom 28. Mai 2015 ab (Urk. 2).
2.2
Dagegen reichte
X._
am 25
. Juni 2015 beim
Sozialversicherungsge
richt
Beschwerde ein mit dem Rechtsbegehren, in Aufhebung des angefoch
tenen
Einspracheentscheids
sei die Beschwerdegegnerin unter
Entschädi
gungsfolge
zu verpflichten, dem Beschwerdeführer eine angemessene Invali
d
enrente sowie eine angemessene I
ntegritätsentschädigung zuzusprechen (Urk. 1 S. 2).
Dazu liess sich die Beschwerdegegnerin am 29. Oktober 2015 mit dem Antrag vernehmen, es sei die Beschwerde unter Kosten- und Entschädigungsfolge abzuweisen (Urk. 10 S. 2).
Im Rahmen eines zweiten Schriftenwechsels hielten die Parteien am 4. Dezember 2015
replicando
(Urk. 22) und am 22. Februar 2016
duplicando
(Urk. 26) an ihren Rechtsbegehren fest. Am 23. Februar 2016 wurde die Dup
lik dem Beschwerdeführer zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 27).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Der Anspruch auf eine Invalidenrente der Unfallversicherung entsteht, wenn von der Fortsetzung der ärztlichen Behandlung keine namhafte Besserung des Gesundheitszustandes des Versicherten mehr erwartet werden kann und allfällige Eingliederungsmassnahmen der Invalidenversicherung abgeschlos
sen sind
(Art. 19 Abs. 1 Satz
1 des
Bundesgesetz
es über die Unfallversiche
rung,
UVG)
. Namhaft im Sinne dieser Bestimmung ist eine Besserung des Gesundheitszustandes des Versicherten dann, wenn sie geeignet ist, eine
durch den aktuellen Gesundheitszustand verursachte Einschränkung der Erwerbsfähigkeit zu mindern.
Erleidet der Versicherte durch den Unfall eine dauernde erhebliche Schädi
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität, so hat er Anspruch auf eine angemessene Integritätsentschädigung (Art. 24 Abs. 1 UVG). Eine Integritätsentschädigung wird mit der Invalidenrente festgesetzt oder, falls k
ein R
entenanspruch besteht, bei Beendigung der ärztlichen Behandlung gewährt (Art. 24 Abs. 2 UVG).
2.
2.1
Gemäss den MEDAS-Gutachtern ist
in
tatbeständlicher
Hinsicht aufgrund der
gesichteten medizi
nischen
Vorakten
, der selbst erhobenen Befunde
und der
anamnestischen Angaben des Beschwerdeführers spätestens ein Jahr nach dem von der Beschwerdegegnerin versicherten Unfallereignis vom 9. Januar 2002 von einer - bezogen auf die im Zeitpunkt dieses Unfalls ausgeübte Erwerbstätigkeit - uneingeschränkten, 100%igen Arbeitsfähigkeit auszugehen
(Urk. 19/43 S. 43). Eine dauernde erhebliche Schädigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Integrität des Beschwerdeführers durch das Unfallereignis vom 9. Januar 2002 haben die medizinischen Expertinnen und Experten nicht festgestellt (Urk. 19/45, Beantwortung der Zusatzfragen des Beschwerdeführers).
2.2
Nach Ansicht des Beschwerdeführers ist die Beurteilung des medizinischen Sachverhalts durch die MEDAS-Gutachter
nicht bzw. nur soweit beweiskräf
tig, als bestätigt werde, dass sich sein Gesundheitszustand seit der Begut
achtung durch
Dr.
F._
im April 2005 nicht mehr wesentlich verändert habe
(Urk. 1 S. 9). Soweit die MEDAS-Gutachter den Gesundheitszustand zum Zeitpunkt der Begutachtung durch
Dr.
F._
anders als dieser beur
teilten, sei dies wegen der Rechtskraft des Bundesgerichtsurteils 8C_194/2007 vom 4. Oktober 2007
nur eine rechtlich bedeutungslose andere Würdigung desselben Sachverhalts (Urk. 1 S. 9 f.) bzw. eine rechtlich verpönte
second
opinion
zur Beurteilung
Dr.
F._
(Urk. 22 S. 2).
Das MEDAS-Gutachten würde auch die Frage nach dem massgeblichen Zeitpunkt für den
Fallab
schluss
nicht beantworten (Urk. 1 S. 10). Schliesslich hätten die Gutachter den Anspruch auf eine Invalidenrente wegen
somatoformer
Schmerzstörun
gen
und vergleichbarer psychosomatischer Leiden nicht nach den Indikatoren gemäss dem Bundesgerichtsurteil 9C_492/2014 geprüft (Urk. 1 S. 11)
.
2.3
2.3.1
Soweit der Beschwerdeführer sich auf die - vom Bundesgericht mit dem Urteil 8F_14/2013 vom 11. Februar 2014 bestätigte -
Rechtskraft des Bun
desgerichtsurteils 8C_194/2007 vom 4. Oktober 2007 beruft,
ist er darauf hinzuweisen
,
dass das Bundesgericht aus
dem
Gutachten
Dr.
F._
vom 26. April 2005
(sowie den übrigen Akten)
lediglich ableitete, „dass die beim Unfall vom Januar 2002 erlittene HWS-Distorsion über den 31. Dezember 2003 hinaus Beschwerden verursacht hat, welche sich organisch nicht (hin
reichend) nachweisen lassen“
(E. 3.3
)
und - da die Aktenlage eine Festset
zung des Leistungsanspruchs durch das Bundesgericht nicht rechtfertigte
(E.
4.3) - mit Dispositiv-Ziffer 1 die Streitsache an die SKBH zurückwies, damit sie
„
nach erfolgter Abklärung
im Sinne der Erwägungen über den
Leistungs
anspruch
ab 1. Januar 2004 sowie über die Höhe der Taggelder ab 11. Januar 2002 neu verfüge“.
Diesem Auftrag ist die SKBH
auch
nach Auffassung des
Beschwerdeführers
mit ihrer Verfügung vom 3. November 2010 hinreichend nachgekommen, indem sie ihm Taggelder bis zum
4.
Oktober 2007 gewährte (vgl. Urk. 1 S. 11 f.).
Für die Prüfung des nunmehr strittigen Leistungsanspruchs ab 5. Oktober 2007 kann allein schon deshalb nicht auf das Gutachten
Dr.
F._
vom 26. April 2005 und
diesbezügliche Erwägungen des Bundesgerichtsurteils vom 4. Oktober 2007 abgestellt werden, weil beide Dokumente vor dem Beginn des strittigen Leistungsanspruchs datiert sind und ihnen daher höchstens prospektiv spekulative Aussagen zum
entscheidmassgeblichen
Sachverhalt (dem Gesundheitszustand ab 5. Oktober 2007) entnommen wer
den könn
t
en.
Als solche
wären
sie von vornherein nicht geeignet, die
von den MEDAS-Gutachtern im Jahr 2013
unter Berücksichtigung der dokumen
tierten medizinischen Aktenlage
bis zum Zeitpunkt der Begutachtung und der Anamneseerhebung retrospektiv vorgenommene Beurteilung des Gesundheitszustands des Beschwerdeführers ab 5. Oktober 2007 in Frage zu stellen
.
Daran ändert auch der Umstand nichts, dass die MEDAS-Gutachter den
-
dem Bundesgerichtsurteil vom
4.
Oktober 200
7
zugrunde gelegenen
-
medi
zinischen Sachverhalt
zwischen dem 1. Januar 2004 und dem
26. April
2005 bzw.
4. Oktober 2007 anders würdigten als
Dr.
F._
und das Bundesge
richt.
Bei der
Beurteilung
des medizinischen Sachverhalts vor dem 5. Oktober 2007
durch die MEDAS-Gutachter handelt es sich - insoweit ist dem Beschwerdeführer zu folgen - um eine rechtlich bedeutungslose andere Wür
digung eines
(durch die Verfügung der SKBH vom 3. November 2010)
bereits
abschliessend
rechtskräftig
beurteilten
und hier auch nicht mehr strittigen Sachverhalts.
2.3.2
Zum nach
Art.
19
Abs.
1 UVG massgeblichen Zeitpunkt für den Fallabschluss mussten sich die MEDAS-Gutachter aus medizinischer Sicht nicht mehr explizit äussern, nachdem der Beschwerdeführer die vorstehend erwähnte Verfügung der SKBH in Rechtskraft erwachsen liess und
im Prozess UV.2011.00146, in welchem die Beschwerdegegnerin zur Einholung des MEDAS-Gutachtens verpflichtet worden war, von der Beschwerdegegnerin
Rentenleistungen und Integritätsentschädigung
gefordert hatte.
Aus der gut
achterlichen Feststellung, dass
der Beschwerdeführer spätestens
seit
ein
em
Jahr nach dem von der Beschwerdegegnerin versicherten Unfallereignis vom 9. Januar 2002 - bezogen auf die im Zeitpunkt dieses Unfalls ausgeübte Erwerbstätigkeit - wieder uneingeschränkt arbeitsfähig war (vgl.
vorstehende
E. 2.1)
ergibt sich ohne Weiteres, dass am 5. Oktober 2007 von der Fortset
zung ärztlicher Behandlungen keine namhafte Besserung des Gesundheits
zustands mehr erwartet werden konnte und demzufolge der im Prozess UV.2011.00146 unbestritten gewesene Zeitpunkt des Fallabschlusses
(vgl. vorstehender Sachverhalt
Ziff.
1.2.1 und
Ziff.
1.2.2)
aus gutachterlicher Sicht nicht zu beanstanden war.
2.3.3
Dass die MEDAS-Gutachter keinen Anspruch auf eine Invalidenrente wegen
somatoformer
Schmerzstörungen und vergleichbarer psychosomatischer Lei
den im Lichte der Indikatoren gemäss dem Bundesgerichtsurteil 9C_492/2014 geprüft haben, ist - abgesehen davon, dass die medizinischen Experten
ohnehin keine sozialversicherungsrechtlichen Leistungsansprüche, sondern gesundheitlich bedingte Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in ange
stammter und angepasster Tätigkeit zu prüfen haben -
dadurch zu erklären, dass die MEDAS-Gutachter keine Diagnosen gestellt haben, welche eine sol
che Prüfung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit erfordert hätte (vgl. Urk. 19/43 S. 42 f.). Es sind auch keine
anderen
fachärztlichen Beurtei
lungen mit einschlägigen Diagnosen für den Zeitraum ab 5. Oktober 2007 aktenkundig, weshalb
es an Anhaltspunkten für eine
allenfalls
ungenügende Diagnostik der MEDAS-Gutachter fehlt.
2.3.4
Was an der gutachterliche
n
Verneinung einer Integritätseinbusse falsch sein soll, wenn im Zeitpunkt des Fallabschlusses
keine F
olgen
des versicherten Unfalls
mehr feststellbar sind, legt der Beschwerdeführer nicht dar. Auf diese Rüge kann daher nicht näher eingegangen werden.
2.4
Zusammenfassend erweisen sich die Durchführung der vom
Sozialversiche
rungsgericht
mit dem Urteil UV.2011.00146 vom 22. März 2012 angeordne
ten Begutachtung
durch die Bes
chwerdegegnerin als korrekt
(vgl. Schilde
rung des Ablaufs im
Einspracheentscheid
, Urk. 2 S. 6 f.)
und
das
polydiszip
linäre
MEDAS-Gutachte
n vom 5. Juli 2013 (Urk. 19/43, sowie
dessen Ergän
zung vom 25. Oktober 2013
,
Urk. 19/45) als
vollumfänglich den vorgenann
ten Urteil ausführlich beschriebenen Anforderungen
(E. 1.4)
entsprechend
und von medizinischer Seite unwidersprochen, weshalb es für die Beurtei
lung der strittigen Ansprüche uneingeschränkt beweiskräftig ist.
Der gutachterlichen Beurteilung folgend durfte die B
eschwerdegegnerin
den Fall mit ihrer Verfügung vom 16. Juni 2014 per 5. Oktober 2007 ohne Aus
richtung weiterer Leistungen abschliessen und ist die Beschwerde gegen den dies bestätigenden
Einspracheentscheid
vom 28. Mai 2015 abzuweisen.
3.
Abzuweisen ist auch das Begehren der Beschwerdegegnerin um Zusprechung einer Parteientschädigung, da Versicherungsträger
n
kein
e
Entschädigung
en zu Lasten der versicherten Personen zugesprochen werden können, weil dies deren gesetzlichem Anspruch auf ein kostenloses Gerichtsverfahren wider
sprechen würde (§
§
33 und 34 des Gesetzes über das
Sozialversicherungsge
richt
,
GSVGer
, in Verbindung mit
Art.
61 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG).