# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8b803b6c-1b5d-49a7-8336-5c8c41d6001d
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
qualifizierter Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom
10. Dezember 2014 (DG140250)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
20. August 2014 (Urk. HD 21) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 58)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte B._ ist schuldig
− des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit
Ziff. 2 Abs. 2 StGB sowie
− des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit.
a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. d und e WG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 2 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute 209
Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festge-
setzt.
4. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger C._ Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins
ab 16. September 2012 als Genugtuung zu bezahlen.
Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Genugtuungsforderung des Privatklägers
C._ im Betrag von Fr. 1'500.– anerkannt und bereits bezahlt hat.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger D._ Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins
ab 16. September 2012 als Genugtuung zu bezahlen.
Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Genugtuungsforderung des Privatklägers
D._ im Betrag von Fr. 1'500.– anerkannt und bereits bezahlt hat.
6. a) Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger A._ Fr. 1'500.– als Genugtuung
zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
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Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Genugtuungsforderung des Privatklägers
A._ im Betrag von Fr. 500.– anerkannt hat.
b) Der Privatkläger A._ wird bezüglich des Schadenersatzbegehrens auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
7. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. März
2013 bzw. 15. August 2014 beschlagnahmten und bei der Kasse des Bezirksgerichts Zürich
lagernden Gegenstände:
− Teleskop-Schlagstock (Asservat-Nr. A...),
− Elektroschocker getarnt als Mobiltelefon (Asservat-Nr. A...),
werden eingezogen und der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung überlassen.
8. Das von der Stadtpolizei Zürich, Jugenddienst, am 9. Dezember 2014 beigezogene kleine
Schmetterlingsmesser (Asservat-Nr. A...) wird als Beweismittel zu den Akten
genommen.
9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'200.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'000.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 2'542.00 Auslagen Untersuchung
Fr. amtliche Verteidigung (ausstehend)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich diejenigen
der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforde-
rung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
11. (Mitteilungen.)
12. (Rechtsmittel.)"
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Berufungsanträge:
a) der Staatsanwaltschaft (Urk. 78):
− Feststellung des Eintritts der Rechtskraft des Urteils des Bezirksgerichts
Zürich vom 10. Dezember 2014, soweit durch keine Partei angefochten.
− Schuldigsprechung des Beschuldigten wegen mehrfachen qualifizierten
Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und Ziff. 3 Abs. 3 StGB.
− Bestrafung des Beschuldigten mit einer (unbedingten) Freiheitsstrafe von
3 1⁄2 Jahren.
− Im Übrigen Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.
b) der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 79):
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abteilung,
vom 10. Dezember 2014 betreffend die Dispositivziffern 4, 5, 6 lit. b, 7, 8, 9,
10, 11 und 12 in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Der Beschuldigte sei schuldig zu sprechen
- des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
- der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1
StGB
- des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von
Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. d und e WG
3. Der Beschuldigte sei zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von höchstens
12 Monaten sowie einer angemessenen Geldstrafe, unter Anrechnung der
erstandenen Untersuchungs- und Sicherheitshaft und des vorzeitigen Straf-
vollzugs.
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4. Es sei dem Beschuldigten der bedingte Strafvollzug zu gewähren und die
Probezeit sei auf 3 Jahre festzusetzen.
5. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass der Beschuldigte die Genugtuungs-
forderung des Privatklägers A._ in Höhe von Fr. 500.– anerkennt. Im
Mehrbetrag sei die Genugtuungsforderung auf den Zivilweg zu verweisen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 10. Dezember 2014
wurde der Beschuldigte des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung
mit Ziff. 2 Abs. 2 StGB sowie des mehrfachen Vergehens gegen das Waffen-
gesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. d
und e WG schuldig gesprochen. Er wurde bestraft mit einer bedingten Freiheits-
strafe von 2 Jahren unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. Der Beschul-
digte wurde verpflichtet, den Privatklägern C._, D._ und A._ je eine
Genugtuung von Fr. 1'500.– zu bezahlen. Das Genugtuungsbegehren des Privat-
klägers A._ wurde im Mehrbetrag abgewiesen. Bezüglich des Schaden-
ersatzbegehrens wurde der Privatkläger A._ auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen (Urk. 58 S. 73 f.).
Gegen das Urteil haben die Staatsanwaltschaft, der Beschuldigte und der Privat-
kläger A._ fristgerecht Berufung angemeldet (Urk. 46, 48 und 50). Der Pri-
vatkläger A._ zog die Berufung mit Eingabe vom 5. Januar 2015 zurück
(Urk. 53). Mit Präsidialverfügung vom 18. März 2015 wurde vom Rückzug der
Berufung des Privatklägers A._ Vormerk genommen und dem Beschuldigten,
der Staatsanwaltschaft und den Privatklägern Frist zur Erhebung einer
Anschlussberufung angesetzt. Die Staatsanwaltschaft hat ausdrücklich auf eine
Anschlussberufung zur Berufung des Beschuldigten verzichtet (Urk. 67), seitens
der weiteren Beteiligten wurde ebenfalls keine Anschlussberufung erhoben.
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Die Staatsanwaltschaft reichte mit Eingabe vom 6. Februar 2015 ihre Berufungs-
erklärung ein (Urk. 59). Sie beantragt einen Schuldspruch betreffend mehrfachen
qualifizierten Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und Ziff. 3 Abs. 3 StGB und die
Ausfällung einer (unbedingten) Freiheitsstrafe von 3 1⁄2 Jahren. Der Beschuldigte
ficht den Schuldspruch betreffend einfache Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2 StGB an und beantragt, er
sei der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 schuldig
zu sprechen und mit einer Freiheitsstrafe von maximal 12 Monaten sowie einer
angemessenen Geldstrafe zu bestrafen unter Gewährung des bedingten Straf-
vollzuges und Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. Der Beschuldigte ficht
ferner Dispositiv-Ziffer 6 lit. a an und beantragt, es sei davon Vormerk zu nehmen,
dass er die Genugtuungsforderung des Privatklägers A._ in der Höhe von
Fr. 500.– anerkennt. Im Mehrbetrag sei das Genugtuungsbegehren auf den Zivil-
weg zu verweisen (vgl. Urk. 61 S. 2 sowie die anlässlich der Berufungs-
verhandlung aktualisierten Anträge in Urk. 79 S. 2).
Es ist somit festzuhalten, dass das Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abtei-
lung, vom 10. Dezember 2014 betreffend den Schuldspruch des mehrfachen Ver-
gehens gegen das Waffengesetz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbin-
dung mit Art. 4 Abs. 1 lit. d und e WG (Dispositiv-Ziff. 1 al. 3) sowie betreffend
Dispositiv-Ziffern 4, 5, 6 lit. a zweiter Absatz, 6 lit. b, 7, 8, 9 und 10 in Rechtskraft
erwachsen ist.
II. Sachverhalt
1. Zu erstellender Sachverhalt
Der Anklagesachverhalt betreffend ND 1 und ND 2 (Zuwiderhandlung gegen das
Waffengesetz) wurde vom Beschuldigten anerkannt, ebenso, dass er am 19. Juni
2014 einen Schlagring auf sich trug, ohne zum Tragen eines solchen berechtigt
zu sein (ND 3). Der auf dem anerkannten Sachverhalt basierende Schuldspruch
betreffend mehrfaches Vergehen gegen das Waffengesetz blieb unangefochten
und ist in Rechtskraft erwachsen.
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Der Beschuldigte anerkannte den Anklagesachverhalt betreffend ND 3 im Vorver-
fahren, vor Vorinstanz und im Rahmen der heutigen Berufungsverhandlung inso-
weit als er sich geständig erklärte, dem Privatkläger A._ am 19. Juni 2014
einen Faustschlag ins Gesicht versetzt zu haben. Er bestritt jedoch, dabei einen
Schlagring getragen zu haben.
Betreffend den Anklagevorwurf des Raubes zum Nachteil von C._ und
D._ (HD) erklärte sich der Beschuldigte weitgehend geständig. In Abrede
stellte er jedoch, gegen die beiden Privatkläger ein Messer oder einen messer-
ähnlichen Gegenstand eingesetzt zu haben und den Privatkläger D._ zum
Bankomaten begleitet zu haben.
Zu erstellen ist der Anklagesachverhalt somit betreffend den Anklagevorwurf HD
bezüglich der Frage, ob der Beschuldigte ein Messer oder einen messerähnlichen
Gegenstand einsetzte und ob er den Privatkläger D._ zum Bancomat beglei-
tet hat sowie betreffend den Anklagevorwurf ND 3 bezüglich der Frage, ob der
Beschuldigte beim Versetzen des Faustschlages gegen A._ einen Schlagring
trug.
2. Beweismittel
2.1. Betreffend Anklagevorwurf HD
2.1.1. Verwertbarkeit der Beweismittel
Vorweg ist festzuhalten, dass die Lebendwahlkonfrontationen mit den beiden
Privatklägern D._ und C._ vom 13. März 2013 ohne
Ergebnis verliefen. Während C._ sich dahingehend äusserte, der
Beschuldigte könnte aufgrund der Kopfform und etwas von den Gesichtszügen
her einer der Täter sein, wobei er den Täter kleiner in Erinnerung habe (Urk. HD
4/3 S. 2), erkannte D._ unter den konfrontierten Personen niemanden wieder
(Urk. HD 5/2 S. 3). Da der Beschuldigte grundsätzlich geständig ist, bei der Tat
beteiligt gewesen zu sein, und die Wahlkonfrontation keine über sein
Geständnis hinausgehenden Erkenntnisse ergab, braucht nicht weiter auf die
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Verwertbarkeit der Wahlkonfrontation mit dem Privatkläger C._,
welche in der Form einer Zeugeneinvernahme erfolgte, eingegangen zu werden.
Wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, sind die Aussagen des Beschuldigten
verwertbar (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 58 S. 13). Die Aussagen des Mitbeschuldig-
ten E._ sind ebenfalls alle verwertbar, zumal er auch in den Einvernahmen
vor der Konfrontation mit dem Beschuldigten diesen nicht belastete und Aussagen
zugunsten des Beschuldigten ohnehin verwertbar sind.
Die Aussagen der Privatkläger C._ und D._, welche sie unter Wahrung
des Teilnahmerechts des Beschuldigten in ihren Befragungen als Auskunftsper-
sonen machten (Urk. HD 4/5 und Urk. HD 5/4), sind ebenfalls uneingeschränkt
verwertbar. Als verwertbar zu erachten sind im Übrigen aber auch die zuvor er-
folgten Einvernahmen der Privatkläger C._ und D._. Diese Einvernah-
men sind nicht im Rahmen einer Beweiserhebung durch die Zürcher Staatsan-
waltschaft nach Art. 147 StPO erfolgt, sondern waren noch Bestandteil der
Ermittlungen (und wurden in diesem Rahmen durch Basler Polizeibeamte durch-
geführt; vgl. Urk. HD 4/2 und 5/1). Anlässlich der Einvernahmen war weder ein
Teilnahmerecht im Sinne von Art. 159 StPO zu beachten noch lag ein Fall von
Art. 312 StPO vor, zumal die Einvernahmen durch die Polizeibeamten erfolgt sind,
noch bevor die zuständige Staatsanwaltschaft in Zürich eine Delegation zuhanden
der Zürcher Polizei vornahm (Urk. HD 1/2, 4/2 und 5/1; vgl. Art. 312 Abs. 2 StPO).
Gemäss Praxis des Bundesgerichts sind die Einvernahmen somit als verwertbar
zu erachten (vgl. Urteile des Bundesgerichts 6B_369/2013 vom 31. Oktober 2013
E. 2.3 sowie 6B_518/2014 vom 4. Dezember 2014 E. 4.2).
Die Einvernahmen von F._, G._ und H._ erfolgten nicht unter Wah-
rung der Teilnahmerechte des Beschuldigten. Ihre Aussagen sind daher nur zu-
gunsten des Beschuldigten verwertbar.
Die Fotoaufnahmen der Verletzungen am Hals der beiden Privatkläger (Urk.
HD 1/2 und Urk. HD 1/6) wurden dem Beschuldigten vorgehalten und er konnte
dazu Stellung nehmen (Urk. HD 2/3 S. 3; so auch im Rahmen der heutigen
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Berufungsverhandlung; Urk. 77 S. 7 f.). Der Verwertbarkeit dieser Aufnahmen
steht nichts entgegen.
2.1.2. Die einzelnen Beweismittel
a) Aussagen des Beschuldigten
In der ersten polizeilichen Einvernahme vom 14. Februar 2013 (Urk. HD 2/2)
sagte der Beschuldigte aus, er sei wegen falschen Anschuldigungen von zwei
Gästen aus Basel von der Security des Clubs I._ aus dem Club geschmissen
worden. Draussen sei es dann zu einer Auseinandersetzung mit zwei Baslern
gekommen. Er habe einer der beiden Personen einen Faustschlag versetzt. Er sei
sehr aggressiv gewesen und habe die beiden Personen gezwungen, die Handys
herauszugeben. Auf entsprechende Frage verneinte er, ein Messer dabei gehabt
zu haben (Urk. HD 2/2 S. 8). Auf Vorhalt, dass bei F._ im Club ein
Messer gefunden worden sei, erklärte er, es handle sich um einen Schlüssel-
anhänger, welcher nicht scharf sei, eine Klinge von 3 cm aufweise und eine
Gesamtlänge von 6 cm habe (Urk. HD 2/2 S: 8). Er antwortete auf die Frage, ob
er jemanden mit einem Messer bedroht habe: "Nicht dass ich wüsste. Ich glaube
nicht" (Urk. HD 2/2 S. 8). Er habe kein Messer bei sich gehabt, d.h. er habe es gar
nicht machen können (HD 2/2 S.8). Einer Person habe er einen Faustschlag ver-
setzt, der anderen habe er vielleicht gedroht, wobei er nicht mehr wisse, was er
gesagt habe. Auf Vorhalt, wonach er von einer der beiden Personen auf der
Wahlbildkonfrontation erkannt worden sei und ein Geschädigter gesagt habe, ein
Mann sei auf ihn zugekommen, habe ihm ein Messer an den Hals gedrückt und
habe von ihm das Mobiltelefon verlangt, erklärte der Beschuldigte, er habe den
Mann vielleicht am Hals gepackt, aber ein Messer habe er nicht bei sich gehabt.
Er sei weggelaufen sobald er die Handys gehabt habe, er habe das Opfer nicht
zum Bankomaten begleitet (Urk. HD 2/2 S. 9).
In der Hafteinvernahme vom 15. Februar 2013 bestritt er weiterhin, etwas mit dem
Bankomaten zu tun gehabt zu haben (Urk. HD 2/3 S. 2). Bezüglich des Messers
erklärte er, er habe kein Messer dabei gehabt und niemandem ein Messer an den
Hals gehalten (Urk. HD 2/3 S. 3).
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Auch in der polizeilichen Einvernahme vom 21. März 2013 hielt der Beschuldigte
daran fest, dass er nicht mitgegangen sei zum Bankomaten und kein Messer
eingesetzt habe (Urk. HD 2/4 S. 3). Er gestand weiterhin ein, einem Privatkläger
einen Faustschlag versetzt zu haben und erklärte, er sei sich nicht sicher, ob er
einen der Privatkläger noch gekickt habe (HD 2/4 S. 4). E._ sei mit jeman-
dem zum Bankomaten gegangen, das habe er gesehen als er selber
weggegangen sei (Urk. HD 2/4 S. 3). Er habe kein Messer bei sich gehabt und
habe auch nicht gesehen, dass jemand ein Messer eingesetzt habe (Urk. HD 2/4
S. 14). G._ habe ein kleines Butterfly Messer, welches ca. 3-4 cm lang sei,
wenn man es ganz öffne. Das Messer sei nicht scharf und man könne damit gar
keine Schnittwunden zufügen. Sie würden oft mit diesem Messer spielen, er spie-
le damit beim Zugfahren indem er mit der Klinge über seinen Arm fahre, es
schneide aber nicht (Urk. HD 2/4 S. 16). Am fraglichen Abend habe F._ das
Messer bei sich gehabt oder auch G._, sie hätten es jedoch nicht eingesetzt
(Urk. HD 2/4 S. 15). In jener Nacht habe er das Messer erst gesehen nachdem
E._ verhaftet worden sei (Urk. HD 2/4 S. 16).
In der Konfrontationseinvernahme mit E._ vom 15. April 2014 (Urk. HD 2/8)
bestritt der Beschuldigte erneut, dass ein Messer im Spiel gewesen sei. Keiner
habe ein Messer benutzt und keiner habe ein Messer gesehen, auch nicht
C._ (Urk. HD 2/8 S. 3). Auch E._ bestritt, C._ mit einem Messer
bedroht zu haben und erklärte, er habe kein Messer gesehen. Es treffe zu, dass
er mit D._ zum Geldautomaten gegangen sei (Urk.
HD 2/8 S. 4).
Der Beschuldigte hielt in der Schlusseinvernahme vom 10. Juli 2014 daran fest,
es stimme nicht, dass er zusammen mit E._ zum Bankomaten gegangen sei
und dass er ein Messer oder einen messerähnlichen Gegenstand auf sich getra-
gen habe, um den Privatkläger zu bedrohen (Urk. HD 2/12 S. 10).
In der vorinstanzlichen Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte aus, er sei nicht
dabei gewesen, als der Privatkläger D._ vom Beschuldigten E._ zum
Bankomaten gebracht worden sei (Urk. 37 S. 12). Er bestritt, ein Messer dabei-
gehabt zu haben und machte geltend, er habe niemandem etwas an den Hals
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gehalten (Urk. 37 S. 12 f.). Er habe die beiden Privatkläger nur mit Worten
bedroht und einen der Privatkläger geschlagen, keinem habe er einen scharfen
Gegenstand oder ein Messer an den Hals gehalten (Urk. 37 S. 13).
Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte erneut fest,
dass er den Privatkläger C._ mit der Faust geschlagen und ihm einen
Fusstritt verpasst habe. Er sei von Leuten im Club I._ beschuldigt worden,
eine Auseinandersetzung geführt zu haben, wobei ein Messer im Spiel gewesen
sein soll. Diese Beschuldigung habe ihn wütend gemacht (Urk. 77 S. 6). Er glau-
be, dass die Verletzung an der Lippe des Privatklägers C._ von seinem
Faustschlag stamme, welchen er diesem verpasst habe, bevor er dessen Handy
herausverlangt habe. Betreffend die am Hals befindlichen Verletzungen des
Privatklägers C._ hielt der Beschuldigte fest, dass diese nicht von ihm
stammen würden. Er habe an jenem Tag auch gar kein Messer bei sich gehabt
(Urk. 77 S. 7). Die Verletzung am Hals des Privatklägers D._ bezeichnete
der Beschuldigte als "Spuren", betreffend welchen er festhielt, dass er nicht wisse
woher diese stammen würden. Auch dem Privatkläger D._ habe er kein
Messer an den Hals gehalten. Er habe gar kein Messer dabei gehabt. Er habe die
Mobiltelefone der beiden Privatkläger erhalten, dann sei er weggegangen (Urk. 77
S. 8). Im Übrigen treffe es auch nicht zu, dass er dabei gewesen sei, als der
Privatkläger D._ zum Bankomat geführt worden sei. Er habe den Privatkläger
D._ mit E._ zusammen weggehen sehen, aber er wisse nicht wohin die-
se genau gegangen seien (Urk. 77 S. 9).
b) Aussagen des Mitbeschuldigten E._
Bereits in seiner ersten polizeilichen Einvernahme sagte E._ aus, dass er mit
einem der Privatkläger allein zum Bankomaten gegangen sei (Urk. HD 3/1 S. 2)
und bestritt, ein Messer bei sich gehabt zu haben (Urk. HD 3/1 S. 4). Er habe
auch kein Messer gesehen (Urk. HD 3/1 S. 5). Auch in der Hafteinvernahme hielt
er daran fest, dass er am fraglichen Abend kein Messer gesehen habe (Urk.
HD 3/2 S. 2 und S. 3). In der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 20. März
2013 bestätigte er, dass er mit einem Privatkläger alleine zum Bankomaten ge-
gangen sei (Urk. HD 3/3 S. 4 und S. 14). H._, der Beschuldigte, G._ und
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F._ seien bei C._ zurückgeblieben als er mit D._ zum Bankomaten
gegangen sei (Urk. HD 3/3 S. 10). Er habe kein Messer gesehen und habe auch
kein Messer gehabt (Urk. HD 3/3 S. 18). Er habe auch nicht gesehen, dass je-
mand geschlagen worden sei (Urk. HD 3/3 S. 19).
Er bestätigte in der vorinstanzlichen Hauptverhandlung, dass der Beschuldigte
nicht dabei gewesen sei als er mit dem Privatkläger D._ zum Bankomaten
gegangen sei (Urk. 37 S. 12) und erklärte, er habe nicht gesehen, dass der
Beschuldigte jemanden mit einem Messer bedroht hätte (Urk. 37 S. 15).
c) Aussagen C._
Anlässlich der polizeilichen Einvernahme als Auskunftsperson vom 3. Januar
2013 hielt der Privatkläger C._ fest, dass er sich mit dem Privatkläger
D._ zusammen vor dem Club I._ befunden habe. Als sie gerade wieder
in den Club hätten gehen wollen, sei eine Gruppe von ca. 10 Leuten auf sie zu
gekommen. Man habe ihn und den Privatkläger D._ getrennt. Die eine Grup-
pe sei mit dem Privatkläger D._ zum Bankomaten gegangen, die andere sei
zu ihm gekommen. Einer habe ihm ein Messer an den Hals gehalten, ihn gekickt
und geschlagen. Dann hätte ihm die Gruppe das Portemonnaie und das Handy
weggenommen. Einer, der etwas ruhiger gewesen sei, habe ihm das Portemon-
naie wieder zurück gegeben. Der aggressivere, der ihn auch mit dem Messer be-
droht habe, habe ihm das Handy aus der Hosentasche genommen (Urk. HD 4/2
S. 3). Der aggressivere habe sich darüber aufgeregt, dass er wegen Baslern aus
dem Club geflogen sei. Bei demjenigen, welcher ihn geschlagen, gekickt und mit
dem Messer bedroht habe, habe es sich um die selbe Person gehandelt (Urk. HD
4/2 S. 4). Er habe das Messer an seinem Hals gespürt. Er habe aber nicht das
Gefühl gehabt, dass der Täter ihn habe verletzen wollen, sondern dass dieser ihm
einfach habe Angst machen wollen (Urk. HD 4/2 S. 7).
In der Einvernahme als Auskunftsperson vom 15. April 2014 durch die Staats-
anwaltschaft IV des Kantons Zürich sagte C._ aus, er habe mit D._ vor
dem Club I._ gestanden als eine grössere Gruppe auf sie zugekommen sei.
Sie seien relativ schnell separiert worden. Ihm sei ein Messer an den Hals gehal-
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ten worden, ein Faustschlag und ein Kick in den Bauch versetzt
worden und mit D._ seien die Täter zu einem Bankomaten gegangen. Er
glaube D._ sei ebenfalls ein Messer an den Hals gehalten worden, er habe
auch eine Schnittwunde am Hals gehabt, gesehen habe er dies jedoch nicht. Er
glaube, D._ sei schon beim Bankomaten gestanden als ihm (C._) ein
Messer an den Hals gehalten worden sei. Er wisse nicht, wer ihm ein Messer an
den Hals gehalten habe, er wisse nur, dass die Person relativ aggressiv gewesen
sei und ihm auch den Faustschlag und den Kick versetzt habe. Diese
Person habe ihm auch das Mobiltelefon abgenommen (Urk. HD 4/5 S. 4). Das
Messer habe er nicht gesehen, aber gespürt (Urk. HD 4/5 S. 5). Derjenige, der ihn
angegriffen habe, habe ihm gesagt, dass er wegen eines Baslers aus dem Club
geworfen worden sei (Urk. HD 4/5 S. 5). Auch das Portemonnaie sei ihm wegge-
nommen worden, jedoch nicht von der Person, welche ihm das Mobiltelefon weg-
genommen habe, sondern von einer anderen Person. Das Portemonnaie habe er
dann wieder zurück bekommen. Er könne sich an den Ablauf nicht mehr erinnern,
er glaube, das Messer sei am Schluss nach dem Faustschlag und dem Kick zum
Einsatz gekommen. Auf erneute Nachfrage, ob der Einvernehmende richtig ver-
standen habe, dass der Privatkläger D._ erst mit einem Messer bedroht wor-
den sei, als dieser sich vom Privatkläger C._ entfernt am Bankomaten be-
funden habe hielt der Privatkläger C._ fest, dass dies nicht zutreffe. Er glau-
be er und der Privatkläger D._ seien in jenem Moment noch beisammen ge-
wesen (Urk. HD 4/5 S. 6).
d) Aussagen D._
In der polizeiliche Befragung vom 3. Januar 2013 (Urk. HD 5/1) sagte
D._ aus, als er mit C._ vor dem Club gewesen sei, sei eine Gruppe von
8 bis 10 Personen gekommen. Eine Person habe sein Portemonnaie aus der Ge-
sässtasche genommen. Zeitgleich sei einer mit einem Messer in der Hand zu ihm
gekommen und habe ihm dieses an den Hals gedrückt und ihn dabei verletzt. Die
Person mit dem Messer habe von ihm sein Mobiltelefon und den PIN-Code dazu
verlangt (Urk. HD 5/1 S. 2). Anschliessend hätten sie ihn an den Armen
gefasst, zum Bankomaten geführt und ihn gezwungen, den Kontostand abzu-
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fragen. Die Person mit dem Messer habe ihn am Arm gehalten als sie mit ihm
zum Geldautomaten gegangen seien. Sie hätten ihn zu zweit an den Bankomaten
begleitet (Urk. HD 5/1 S. 3). Das Messer habe eine Klingenlänge von ca. 10 cm
aufgewiesen, habe eine Form gehabt, die sich zur Spitze verjünge, und könnte
auf beiden Seiten geschliffen gewesen sein. Der Typ habe das Messer in der
rechten Hand gehalten (Urk. HD 5/1 S. 3). Er habe eine oberflächliche Schnittver-
letzung davongetragen, sie habe nicht geblutet (Urk. HD 5/1 S. 4).
In der Befragung als Auskunftsperson vom 22. Mai 2014 sagte D._ aus, er
habe mit C._ vor dem Club gestanden als die Gruppe von Leuten auf sie zu-
gekommen sei. C._ habe neben ihm gestanden als er mit dem Messer be-
droht worden sei. Sie seien erst danach getrennt worden. Im Rahmen dieser Ein-
vernahme wurden dem Privatkläger seine Aussagen in der polizeilichen Einver-
nahme nochmals vorgehalten und er bestätigte sie indem er bejahte, dass diese
Aussagen stimmen (Urk. HD 5/4 S. 4 und S. 5).
e) Aussagen von F._, H._ und G._
An dieser Stelle ist nochmals in Erinnerung zu rufen, dass nur Aussagen dieser
Personen zugunsten des Beschuldigten verwertbar sind, weshalb auch nur die ihn
entlastenden Aussagen wiederzugeben sind.
F._ sagte aus, er habe keine Messer oder sonstigen scharfen Gegenstände
gesehen (Urk. HD 8/10 S. 9). Er habe nicht gesehen, dass jemand mit den Bas-
lern zum Bankomaten gegangen sei (Urk. HD 8/14 S. 6).
H._ erklärte, er wisse über den Tathergang des Raubes nichts, er wisse nur,
dass E._ mit einem zum Bankschalter gegangen sei (Urk. HD 8/14 S. 4). Der
Beschuldigte und die anderen seien mit ihm am Hängen gewesen (Urk.
HD 8/14 S. 6). Er wisse nichts von einem Messer (Urk. HD 8/14 S. 6).
Auch G._ will niemandem mit einem Messer gesehen haben (Urk.
HD 8/18 S. 10), nichts von einem Messer wissen (Urk. HD 8/19 S. 4) und sagte
aus, einer von ihnen, dessen Namen er nicht sage, sei mit einem der Basler zum
Bankomaten gegangen (Urk. HD 8/19 S. 6).
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2.1.3. Würdigung
a) Einsatz eines Messers oder messerähnlichen Gegenstandes
Aufgrund der fotografisch festgehaltenen Verletzungen am Hals der beiden
Privatkläger (Urk. HD 1/3 und Urk. HD 1/6) ist erstellt, dass ihnen ein scharfer
und/oder spitzer Gegenstand an den Hals gehalten wurde. Die Aufnahmen zeigen
auch eindeutig, dass das Verletzungsbild nicht auf stumpfe Gewalteinwirkung,
Packen am Hals oder Würgen zurückzuführen ist.
Im Polizeirapport vom 16. September 2012 wurde betreffend C._
seitens der Polizei festgehalten, dass er zwei geringe Schnittverletzungen am
Hals links und rechts sowie eine Verletzung an der Unterlippe links aufwies
(Urk. HD 1/1 S. 2). Die Verletzung an der Unterlippe stammt unbestrittener-
massen vom Faustschlag, welchen der Beschuldigte dem Privatkläger versetzt
hat. Auch betreffend D._ wurde im Polizeirapport eine kleine 3 cm lange
Schnittverletzung am Hals festgehalten (Urk. HD 1/3 S. 3). Aus Sicht des
rapportierenden Polizeibeamten (Wm J._) waren die Verletzungen am Hals
der beiden Privatkläger als Schnittverletzungen erkennbar, wobei es sich um ge-
ringe bzw. kleine Schnittverletzungen handelte. Diese Feststellungen des Polizei-
beamten sind aufgrund der Fotoaufnahmen nachvollziehbar. Dass es sich nicht
um blosse Schürfwunden handelte, ist insbesondere auf der 5. Fotoaufnahme be-
treffend C._ (Urk. HD 1/2 Blatt 3) erkennbar. Auch der geradlinige Verlauf
der Verletzung und die scharfe Abgrenzung zum umliegenden Gewebe spricht
entgegen der von der Verteidigung vertretenen Auffassung gegen das Vorliegen
einer blossen Kratz- oder Schürfwunde.
Das fotografisch festgehaltene Verletzungsbild stützt die Aussagen der Privat-
kläger, welche beide übereinstimmend aussagten, dass ihnen von einem Täter
ein Messer an den Hals gehalten worden sei. C._ sagte aus, er habe das
Messer nicht gesehen, nur gespürt. D._ sagte aus, er habe das Messer ge-
sehen und beschrieb es (silberfarbige Klinge; Klingenlänge ca. 10 cm; Form, die
sich in die Spitze verjüngt; Urk. HD 5/1 S. 3). Die Aussagen der Privatkläger er-
scheinen als glaubhaft. Beide Privatkläger haben den Messereinsatz nicht drama-
- 16 -
tisiert, zeigten keine Tendenz die Beschuldigten übermässig zu belasten. C._
räumte vielmehr ein, dass er am Anfang gar nicht bemerkt habe, dass es ein
Messer sei (Urk. HD 4/2 S. 3), dass er das Messer nicht gesehen habe und dass
ihm dieses nicht so lange an den Hals gehalten worden sei (Urk. HD 4/5 S. 5). Auf
die Frage, ob es den Anschein gemacht habe, dass der Täter ihn mit dem Messer
habe verletzen wollen, antwortete er, er habe das
Gefühl gehabt, dass er ihm einfach habe Angst machen wollen (Urk. HD 4/2 S. 7).
Die Aussagen der Privatkläger erscheinen grundsätzlich als glaubhaft. Der Vor-
instanz kann nicht darin gefolgt werden, dass der Privatkläger D._, weil es
am Tatort dunkel gewesen sei, kein Messer beim Beschuldigten gesehen habe,
vielmehr einen anderen Gegenstand, den er nicht genau zu identifizieren ver-
mochte und im Nachhinein Erinnerungslücken mit plausiblen Annahmen und
Schlussfolgerungen fülle (Urk. HD 58 S. 36). Für einen solchen Vorgang fehlen
angesichts der präzisen Beschreibung des Messers durch den Privatkläger jegli-
che Hinweise.
Dass der Beschuldigte, E._, H._, F._ und G._ kein Messer
gesehen haben (wollen), vermag keine Zweifel an der Darstellung der Privatklä-
ger zu begründen. Die Interessenlage des Beschuldigten und des Mitbeschuldig-
ten E._ ist aufgrund ihrer Position eindeutig. Auch H._ war an der Raub-
tat beteiligt. Er gestand ein, D._ einen Stoss gegen die Brust versetzt zu ha-
ben als dieser schrie. Er wurde unter anderem wegen dieser Beteiligung an der
Raubtat mit Strafbefehl vom 18. September 2013 bestraft (Urk. HD 8/21). Daher
hatte auch H._ ein unmittelbares eigenes Interesse daran, die Geschehnisse
in einem für ihn günstigen Licht erscheinen zu lassen. F._ und G._ sind
Kollegen des Beschuldigten. Die Vorinstanz hat die zwischen den Beteiligten be-
stehenden Verbindungen zutreffend dargelegt und es kann auf ihre Ausführungen
verwiesen werden (Urk. HD 58 S. 14 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Das kollegiale Ver-
hältnis stellt ein plausibles Motiv dafür dar, den Beschuldigten nicht zu belasten.
G._ hat denn auch in seiner Hafteinvernahme vom 19. Februar 2013 auf die
Frage, weshalb er nicht von Anfang an die Wahrheit gesagt habe, erklärt: "Wollte
ich nicht. Es sind Kollegen von mir." (Urk. HD 8/19 S. 6). F._ erklärte in sei-
- 17 -
ner Einvernahme vom 18. Februar 2013 auf die gleiche Frage, er habe keine Kol-
legen beschuldigen wollen (Urk. HD 8/10 S. 9).
Als Zwischenfazit ist daher festzuhalten, dass aufgrund der glaubhaften Aussagen
der Privatkläger, welche durch das Verletzungsbild gestützt werden, erstellt ist,
dass ihnen von einem der Täter ein Messer an den Hals gehalten wurde.
Zu prüfen bleibt nachfolgend, wer ihnen das Messer an den Hals hielt. Dabei ist
vorweg festzuhalten, dass der Beschuldigte weder von C._ noch von
D._ direkt als diejenige Person identifiziert wurde, welche ihnen das Messer
an den Hals hielt.
C._ sagte jedoch aus, der Täter, welcher das Messer zum Einsatz gebracht
habe, sei relativ aggressiv gewesen und habe ihm auch einen Faustschlag und
einen Kick versetzt (Urk. HD 4/5 S. 4). Derjenige, der ihn angegriffen habe, habe
ihm selber gesagt, dass er wegen eines Baslers aus dem Club geworfen worden
sei (Urk. HD 4/5 S. 5). D._ erklärte, die Person mit dem Messer habe von
ihm sein Mobiltelefon und den PIN-Code dazu verlangt (HD Urk. 5/1 S. 2 und Urk.
HD 5/4 S. 4). Angesichts des Umstandes, dass der Beschuldige anerkannte, ag-
gressiv gewesen zu sein, dem Privatkläger C._ einen Faustschlag und einen
Tritt versetzt zu haben, dass er es war, der vor der Tat wegen einer Beschuldi-
gung durch einen Basler aus dem Club I._ geworfen worden war und aner-
kanntermassen derjenige war, der den Opfern die Handys abgenommen hat und
die PIN-Codes verlangte (Urk. HD 2/4 S. 5), bestehen keine rechtserheblichen
Zweifel, dass der Beschuldigte den beiden Privatklägern das Messer an den Hals
gehalten hat. In diese Richtung weist denn auch die Antwort des
Beschuldigten in der polizeilichen Einvernahme vom 14. Februar 2013 auf die
Frage, ob er jemanden mit dem Messer bedroht habe: "Nicht dass ich wüsste. Ich
glaube nicht." (Urk. HD 2/2 S. 8).
Auch die Einwände des Verteidigers, welche dieser im vorliegenden Zusammen-
hang im Rahmen der Berufungsverhandlung vorbrachte, vermögen an diesem
Beweisergebnis nichts zu ändern. Der Verteidiger des Beschuldigten hielt
zunächst fest, die Vorinstanz habe im Rahmen der Würdigung der Aussagen nicht
- 18 -
berücksichtigt, dass der Privatkläger D._ alkoholisiert gewesen sei (Urk. 79
S. 3). Dies trifft jedoch nicht zu, hielt die Vorinstanz doch einleitend fest, dass die
aussagenden Personen in der Tatnacht gemäss eigenen Angaben mit wenigen
Ausnahmen in unterschiedlichem Masse alkoholisiert waren (Urk. 58 S. 13 f.).
Der Verteidiger führte zudem aus, dass der Privatkläger D._ anlässlich sei-
ner polizeilichen Einvernahme festgehalten habe, dass er nicht mehr sagen kön-
ne, wer ihm das Mobiltelefon weggenommen habe (Urk. 79 S. 4). Dies triff zwar
zu (vgl. Urk. HD 5/1 S. 4), jedoch hielt der Privatkläger D._ in der selben
Einvernahme auch fest, dass derjenige, der von ihm das Mobiltelefon und den
PIN-Code verlangt habe, derjenige mit dem Messer gewesen sei (Urk. HD 5/1
S. 2). Der Verteidiger machte sodann geltend, dass der Privatkläger D._ da-
von gesprochen habe, dass sich bei ihm am Raub nur der Typ mit dem Messer,
der mit dem Portemonnaie und derjenige, welcher das Mobiltelefon an sich
genommen habe, beteiligt hätten (Urk. 79 S. 4; vgl. HD 5/1 S. 4 f.), was darauf
hinweise, dass eine dritte Person beteiligt gewesen sei und dass der Täter mit
dem Messer nicht die gleiche Person gewesen sei, die dem Privatkläger D._
das Mobiltelefon abgenommen habe. Dem Verteidiger ist dabei zuzustimmen,
dass die Aussagen des Privatklägers D._ gewisse Widersprüche aufweisen.
Diesbezüglich ist aber mit der Vorinstanz festzuhalten, dass aufgrund der übrigen
Aussagen nicht von einer weiteren beteiligten Person ausgegangen werden kann.
Der Beschuldigte war gemäss den Aussagen sämtlicher Beteiligten die treibende
Kraft im Rahmen der Auseinandersetzung. Dass später eine weitere Person
derart aktiv geworden sein soll und plötzlich die zentrale Rolle (und das Messer)
übernommen haben soll, ohne selber gegenüber den Privatklägern Forderungen
zu stellen oder von den anderen Anwesenden im Nachhinein genannt zu werden,
erscheint wenig plausibel (vgl. Urk. 58 S. 35). Es ist davon auszugehen, dass
einzig noch H._ beim Raub zum Nachteil des Privatklägers D._ als wei-
tere Person beteiligt war. Dieser wurde mit Strafbefehl der Jugendanwaltschaft
Unterland vom 18. September 2013 bestraft, da er den Privatkläger D._ im
Verlauf der Auseinandersetzung unter anderem mit der Faust gegen die Brust
gestossen hat (Urk. HD 8/21 S. 6). Auch der Umstand, dass sich H._ – und
auch F._ – in unmittelbarer Nähe befanden als die Raubtat verübt wurde,
- 19 -
erwecken in Anbetracht der übrigen Aussagen keine Zweifel daran, dass es der
Beschuldigte war, welcher dem Privatkläger D._ – und auch dem Privatklä-
ger C._ – das Messer gegen den Hals hielt.
Betreffend die Aussagen des Privatklägers D._ ist noch zum Einwand der
Verteidigung Stellung zu nehmen, wonach der Beschuldigte Linkshänder sei, der
Täter jedoch gemäss den Aussagen von D._ mit einem Messer in der rech-
ten Hand auf ihn zugekommen sei und ihm dieses an den Hals gedrückt habe.
Der Verteidiger macht geltend, es sei nicht anzunehmen, dass der Beschuldigte
ein Messer in seine schwächere rechte Hand genommen habe (Urk. 39 S. 12).
Mit der Vorinstanz (Urk. HD 58 S. 35; Art. 82 Abs. 4 StPO) ist darauf hinzuweisen,
dass der Beschuldigte selber aussagte, dass er mit der rechten Hand schreibe,
weshalb auch nicht ausgeschlossen werden kann, dass er das Messer in die
rechte Hand genommen hat.
Auch betreffend die Aussagen des Privatklägers C._ zeigte der Verteidiger
des Beschuldigten in seinem heutigen Plädoyer sodann einen Widerspruch auf,
indem er ausführte, der Privatkläger C._ habe zunächst festgehalten, dass
der ruhigere Täter das Portemonnaie verlangt habe (Urk. HD 4/2 S. 3), wobei er
nur wenig später in der gleichen Einvernahme festgehalten habe, es sei der
aggressivere Täter gewesen, welcher gesagt habe, er solle ihm das Mobiltelefon
und das Portemonnaie geben (Urk. HD 4/2 S. 4). Bei der Staatsanwaltschaft habe
der Privatkläger C._ dann zu Protokoll gegeben, das Portemonnaie sei ihm
von einem anderen Täter weggenommen worden als das Mobiltelefon
(Urk. HD 4/5 S. 6; Urk. 79 S. 7). Auch dieser Widerspruch, wie auch der Hinweis
der Verteidigung darauf, dass der Privatkläger C._ anlässlich der Wahlbild-
konfrontation ausführte, dass er den Täter kleiner in Erinnerung habe, als
der Beschuldigte es sei (Urk. 79 S. 7), genügt jedoch nicht, um mehr als bloss
theoretische Zweifel an der eingangs erläuterten Beweiswürdigung zu erwecken.
An diesen Umständen ändert auch der Einwand des Verteidigers nichts, gemäss
welchem der Privatkläger D._ ausgeführt habe, dass ihn der Täter mit dem
Messer am Arm gehalten und zum Bankomaten geführt habe (Urk. 79 S. 6;
Urk. HD 5/1 S. 3 f.), während der Privatkläger C._ zu Protokoll gegeben ha-
- 20 -
be, er sei zu demjenigen Zeitpunkt geschlagen und getreten worden, während der
Privatkläger D._ bereits zum Bankomaten geführt worden sei (Urk. 79 S. 6;
Urk. HD 4/2 S. 3 und Urk. HD 4/5 S. 4). Bei der vorliegend zu beurteilenden
Raubtat handelt es sich um eine äusserst dynamische Tat, betreffend welche es
nicht erstaunt, dass sich in den Aussagen der Privatkläger gewisse Widersprüche
ergeben. Wenn der Verteidiger sich auf solch einzelne Elemente des Tathergangs
fokussiert, ändert dies am eigentlichen Kerngehalt der vorliegenden Beweis-
würdigung zur Frage, ob ein Messer zum Einsatz gekommen ist und wer dieses
zum Einsatz gebracht hat, jedoch nichts: Dass beiden Privatklägern ein Messer
an den Hals gehalten wurde, ergibt sich aus ihren Aussagen und den fotografisch
belegten Verletzungen.
Betreffend C._ ist klar der Beschuldigte als diejenige Person, die ihm ein
Messer an den Hals gehalten hat, identifiziert: Gemäss C._ war es jener
Täter, der ihn auch geschlagen hat; der Beschuldigte ist geständig, C._ ge-
schlagen zu haben.
Es wurde übereinstimmend nur ein Täter mit einem Messer geschildert. Die
einzige Unsicherheit in den Schilderungen der Privatkläger liegt demnach in
chronologischen Details des Tatablaufs.
Gestützt auf vorstehende Erwägungen ist erstellt, dass der Beschuldigte den
beiden Privatklägern ein Messer an den Hals hielt.
b) Begleitung des Privatkläger D._ zum Bankomaten
Der Privatkläger D._ sagte aus, er sei von zwei Personen zum Bankomaten
begleitet worden, wobei die Person mit dem Messer ihn am Arm gehalten habe.
Der Privatkläger C._ sagte nichts zu dieser Frage aus.
Der Mitbeschuldigte E._ sagte konstant aus, er habe den Privat-kläger
D._ allein zum Bankomaten begleitet. H._ und G._ sagten eben-
falls aus, der Privatkläger sei nur von einem von ihnen zum Bankomaten begleitet
worden.
- 21 -
Es stehen somit die Aussagen des Privatklägers D._ auf der einen Seite und
diejenigen des Beschuldigten und seiner Kollegen auf der anderen Seite einander
gegenüber. Bei D._ ist kein Motiv dafür ersichtlich, wahrheitswidrig von zwei
Personen zu sprechen, welche ihn zum Bankomaten begleiteten. Es ist nicht er-
kennbar, was er aus dieser Aussage für einen Vorteil für sich erwarten könnte.
Insbesondere lässt sich nicht mit dem wirtschaftlichen Interesse des Privatklägers
am Ausgang des Verfahrens argumentieren, denn für die Beurteilung der Zivil-
forderungen ist die Frage, ob der Privatkläger von einer oder von zwei Personen
zum Bankomaten begleitet wurde, offenkundig ohne Bedeutung. Ferner kann ein
Irrtum des Privatklägers über die Anzahl der ihn begleitenden Personen ausge-
schlossen werden, handelt es sich dabei doch um einen ganz einfachen Sachver-
halt und es ist anzunehmen, dass der Privatkläger diesen trotz Aufregung und
Angst erfassen und auch in Erinnerung behalten konnte.
Seitens des Beschuldigten besteht ein Interesse daran, seinen Tatbeitrag
möglichst gering darzustellen. Ein Motiv für eine Bestreitung der Tatbeteiligung in
der Phase der Begleitung des Privatklärgers zum Bankomaten ist klar erkennbar.
H._ und G._ sind Kollegen des Beschuldigten. Ein Interesse daran, ih-
ren Kollegen zu entlasten, kann nicht von der Hand gewiesen werden. Wie bereits
erwähnt kommt bei H._ hinzu, dass er zugegeben hat,
D._ einen Stoss mit der Faust gegen die Brust versetzt zu haben als dieser
schrie, sie sollten aufhören. Er wurde unter anderem wegen dieser
Beteiligung an der Raubtat denn auch mit Strafbefehl vom 18. September 2013
bestraft. Auch H._ hatte demzufolge ein Interesse daran, die
Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht erscheinen zu lassen. Dass ein
Verbringen des Privatklägers zum Bankomaten durch eine Person allein leichter
wiegt als gemeinsames Vorgehen zweier Mittäter, bedarf keiner weiteren
Erklärung. Diese Überlegungen gelten auch für die Aussagen von E._.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass aufgrund der glaubhaften Aussagen des
Privatklägers D._ erstellt ist, dass er von zwei Personen zum Bankomaten
begleitet wurde und dass die eine Person der Täter mit dem Messer war. Vorste-
hend wurde erstellt, dass der Beschuldigte der Täter war, der das Messer einge-
- 22 -
setzt hat. Somit ist auch erstellt, dass er den Privatkläger D._ zum Bankoma-
ten begleitete.
2.2. Betreffend Anklagevorwurf ND 3
2.2.1. Beweismittel
Für die Sachverhaltserstellung liegen als Beweismittel die Aussagen des
Beschuldigten, diejenigen des Privatklägers und des Zeugen K._ vor.
Betreffend die vom Privatkläger erlittenen Verletzungen liegt ferner ein ärztlicher
Befund des Stadtspitals Triemli vor über eine Behandlung des Privatklägers auf
der Notfallstation am 19. Juni 2014.
Vorweg ist festzuhalten, dass aus dem ärztlichen Befund (Urk. ND 3/8/3)
bezüglich der Frage, ob der Beschuldigte den Faustschlag mit oder ohne Schlag-
ring ausführte, nichts Schlüssiges abgeleitet werden kann, da die festgestellten
Verletzungen (Rissquetschwunde an der Augenbraue, Gehirnerschütterung und
Prellung des Unterkiefers) grundsätzlich auch durch einen Faustschlag ohne
Schlagring verursacht werden können.
2.2.2. Aussagen des Privatklägers A._, des Zeugen K._ und des
Beschuldigten
a) Aussagen des Privatklägers A._
Der Privatkläger A._ sagte in seiner Einvernahme als Auskunftsperson vom
11. Juli 2014 (Urk. ND 3/5/2) aus, sein Kollege K._ habe seit längerer Zeit
Probleme mit dem Beschuldigten. Am fraglichen Abend hätten sich die beiden
wieder getroffen. Er (Privatkläger) habe in der L._-Bar ein Spiel geschaut
und K._ sei auch da gewesen. K._ und er hätten nach
Hause gehen wollen und seien zum Bahnhof Hardbrücke gegangen. Dort hätten
sie bemerkt, dass kein Zug mehr nach ... fahre. Sie seien zurückgegangen und
wieder an der L._-Bar vorbeigegangen. Plötzlich sei aus der Menschenmas-
se der Beschuldigte auf ihn zu gekommen. Er habe nur noch seinen Namen rufen
gehört und habe einen Schlag gegen sein linkes Auge bekommen. Er habe gese-
- 23 -
hen, dass der Beschuldigte einen Schlagring an seiner Hand getragen habe. Er
sei umgefallen und sein Kollege K._ habe ihm aufstehen geholfen und habe
ihn zur Polizei getragen. Er habe den Beschuldigten an diesem Abend das erste
Mal überhaupt gesehen (Urk. ND 3/5/2 S. 5). Auf die Frage, welche Verletzungen
er erlitten habe, sagte der Privatkläger aus, er habe eine Verletzung am Auge
gehabt. Auf die Prellung am Kiefer angesprochen, erklärte er, das sei geschnitten
gewesen (Urk. ND 3/5/2 S. 7).
Die Darstellung der Geschehnisse durch den Privatkläger ist pauschal und nicht
nachvollziehbar. Seine Aussagen enthalten keinerlei detailgetreue Schilderung
und erschöpfen sich im Kern in der Behauptung, der Beschuldigte, den er in jener
Nacht überhaupt das erste Mal gesehen habe, habe seinen Namen gerufen und
habe ihm aus dem Nichts heraus, ohne dass eine Auseinandersetzung voraus-
gegangen wäre, einen Faustschlag versetzt. Diese Darstellung ist derart
pauschal, dass eine Prüfung auf Realitätskriterien nicht möglich ist. Festzuhalten
ist sodann, dass die Verletzung am Kinn des Privatkläger nach seiner eigenen
Darstellung eine Schnittwunde sein soll, welche nicht dem Beschuldigten zu-
geordnet werden kann.
Die Aussagen des Privatklägers enthalten keine stringente Darstellung des
Ablaufes und sind nicht geeignet, einen rechtsgenügenden Nachweis für einen
Schlag mit einem Schlagring zu erbringen. Daran ändert auch nichts, dass das
Aussageverhalten des Privatklägers möglicherweise im Zusammenhang mit der
Kontaktaufnahme des Vaters des Beschuldigten stehen könnte (Urk. ND 3/5/3).
Dies mag neben dem Umstand, dass der Privatkläger beim fraglichen Vorfall an-
getrunken war, eine Erklärung dafür abgeben, dass die Aussagen derart dürftig
ausgefallen sind. Ausserdem soll der Privatkläger gebeten worden sein, nichts
von einem Schlagring zu sagen, was er aber gerade getan hat. Dass er aufgrund
einer erheblichen Angetrunkenheit (vgl. hierzu auch die zutreffenden Ausführun-
gen des Verteidigers in Urk. 79 S. 9) das Vorgefallene nur noch pauschal schil-
dern kann, lässt Zweifel an der Zuverlässigkeit seiner Wahrnehmung betreffend
des Schlagrings aufkommen. Auch die Schilderung des Privatklägers, gemäss
welcher er zuerst den Schlag erhalten, erst dann den Schlagring gesehen und
- 24 -
hierauf umgefallen sei (Urk. ND 3/5/2 S. 6), erhärten diese Zweifel, zumal der
Privatkläger gemäss Aussagen des Zeugen K._ in Folge des Schlage kurz
k.o. gegangen sei (vgl. Urk. ND 3/6/1 S. 2).
b) Zeugenaussage K._
K._ sagte in seiner Zeugeneinvernahme vom 11. Juli 2014 aus, seit der Be-
schuldigte erfahren habe, dass er (Zeuge) früher einmal einen Bekannten des
Beschuldigten beraubt habe, hätten sie Probleme miteinander gehabt. Zum Pri-
vatkläger unterhalte er ein freundschaftliches Verhältnis. K._ schilderte in
seiner Zeugeneinvernahme nachvollziehbar, dass es zwischen ihm und dem
Beschuldigen in der fraglichen Nacht in bzw. vor der L._-Bar zu Beleidigun-
gen und Provokationen gekommen sei, in deren Verlauf der Privatkläger sich für
ihn eingemischt habe. Im Zuge dieser Auseinandersetzung habe der Beschuldigte
einen Schlagring hervorgeholt und er (Zeuge) habe ihn aufgefordert, das Ding
wegzutun als gerade ein Polizeiauto vorbeigefahren sei und der Beschuldigte sich
in den nächsten Hinterhof zurückgezogen habe und er ihn nicht mehr gesehen
habe. Auf dem Nachhauseweg als er mit dem Privatkläger A._ an der
L._-Bar vorbeigegangen sei habe sich der Beschuldigte in der Menschen-
menge versteckt und habe dem Privatkläger A._ einen Schlag an das Auge
versetzt. Er wisse nicht, ob der Beschuldigte dabei einen Schlagring getragen
habe. Er habe weder beim Schlag noch nach dem Schlag einen Schlagring
gesehen (Urk. ND 3/6/2 S. 4). Einen Schlagring habe er beim Beschuldigten nur
gesehen bevor das Polizeiauto vorbeigefahren sei (Urk. ND 3/6/2 S. 5). Während
und nach dem Schlag habe er keinen Schlagring in der Hand des Beschuldigten
gesehen. Er sei sich diesbezüglich sicher, da er dem Beschuldigten gegenüber
gestanden habe (Urk. ND 3/6 /2 S. 7).
Die Zeugenaussage von K._ ergibt ein stimmiges Ganzes der
Abläufe. Seine Aussagen sind nachvollziehbar und detailliert. Der Zeuge zeigt
keine Tendenz zu übermässiger Belastung des Beschuldigten. Vielmehr räumt er
von sich aus ein, dass er nicht mit Sicherheit sagen könne, ob der Beschuldigte
mit einem Schlagring geschlagen habe und dass es im Vorfeld Provokationen von
ihm und vom Privatkläger A._ gegeben habe (Urk. ND 3/6/2 S. 6).
- 25 -
Insgesamt erscheinen die Aussagen von K._ als glaubhaft, es
ergeben sich daraus keine Hinweise für eine Falschbelastung des Beschuldigten,
obwohl das Verhältnis zwischen ihnen belastet ist. Gestützt auf die Zeugen-
aussage von K._ lässt sich nicht erstellen, dass der Beschuldigte beim
Faustschlag gegen A._ einen Schlagring trug.
c) Aussagen des Beschuldigten
Die Aussagen des Beschuldigten wurden von der Vorinstanz zutreffend
zusammengefasst, es kann darauf verwiesen werden (Urk. 58 S. 46 f.). Zudem ist
der Vorinstanz darin zu folgen, dass die Aussagen des Beschuldigten von der
deutlichen Tendenz geprägt sind, sich dem jeweiligen Stand der Ermittlungen
anzupassen. Dies ändert jedoch nichts daran, dass weder aufgrund des
Verletzungsbildes noch aufgrund der wenig glaubhaften Aussagen des Privat-
klägers erstellt werden kann, dass der Beschuldigte den Faustschlag mit einem
Schlagring ausführte. Dagegen entlastet die glaubhafte Zeugenaussage von
K._ den Beschuldigten.
2.2.3. Fazit
Aus den vorstehenden Erwägungen ergibt sich, dass nicht mit rechtsgenügender
Sicherheit erstellt werden kann, dass der Beschuldigte den Faustschlag gegen
A._ mit einem Schlagring ausführte. Ferner handelt es sich bei der Verlet-
zung am Kinn des Privatklägers nach dessen eigener Darstellung nicht um eine
Folge des Faustschlages, er sprach selber davon, dass er sich geschnitten habe.
Die vom Privatkläger erlittene Gehirnerschütterung muss jedoch – entgegen der
Ansicht des Verteidigers (Urk. 79 S. 13 f.) – klar als Folge des Faustschlages ge-
sehen werden, zumal der Privatkläger nach dem Faustschlag kurzzeitig das Be-
wusstsein verloren hat und bei der Anzeigeerstattung auf dem
Polizeiposten zusammenbrach und in Spitalpflege verbracht werden musste.
Dass dies allein der Alkoholisierung des Privatklägers zuzuschreiben sein soll,
erscheint nicht plausibel.
III. Rechtliche Würdigung
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1. Anklagesachverhalt HD
Dass der Beschuldigte den Tatbestand des Raubes im Sinne von Art. Art. 140
Ziff. 1 StGB erfüllt hat, bedarf keiner weiteren Erläuterungen und wird auch von
der Verteidigung nicht in Frage gestellt. Zu prüfen bleibt, ob das konkrete
Vorgehen und der Einsatz eines Messers den qualifizierten Tatbestand des
Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB erfüllt. Gemäss dieser Bestimmung wird der Räuber
mit einer Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren bestraft, wenn er durch die Art,
wie er den Raub begeht, seine besondere Gefährlichkeit offenbart. Da auch dem
Grundtatbestand des Raubes eine gewisse Gewaltanwendung inhärent ist,
gestaltet sich die Abgrenzung zwischen dem Grundtatbestand und dem qualifi-
zierten Tatbestand der besonderen Gefährlichkeit als schwierig. Die Abgrenzung
wird auch dadurch erschwert, dass es sich bei der Qualifikation gemäss Ziff. 3
Abs. 3 um einen Auffangtatbestand handelt, weshalb nach bundesgerichtlicher
Rechtsprechung eine Bestrafung nach diesem qualifizierten Tatbestand nur in
Frage kommt, wenn die Tat nach ihrem Unrechts- und Schuldgehalt besonders
schwer wiegt (Niggli/Riedo, Basler Kommentar, Strafrecht II, 2. A., N 70 und N 71
zu Art. 140). Begründet werden kann die besondere Gefährlichkeit durch kühne,
verwegene, heimtückische Art der Tatbegehung. Als Kriterien können heran-
gezogen werden der planerische und technische Aufwand, das Überwinden
moralischer oder technischer Hindernisse, professionelle Tatvorbereitung, hart-
näckiges, hinterlistiges Vorgehen (BGE 116 IV 312, S. 317).
Die Staatsanwaltschaft macht geltend, der Beschuldigte habe dadurch, dass er
ein Messer zum Einsatz gebracht habe, im Sinne des Gesetzes besondere
Gefährlichkeit offenbart (Urk. 38 S. 13).
Vorliegend hat der Beschuldigte im Rahmen der Verübung der Raubtat beiden
Privatklägern für einen relativ kurzen Zeitraum ein Messer oder einen messer-
ähnlichen scharfen Gegenstand an den Hals gehalten und diesen dadurch im
Halsbereich oberflächliche Schnittverletzungen zugefügt. Art. 140 StGB beinhaltet
bezüglich des Ausmasses der Gefährdung eine eigentliche Stufenfolge, welche
mit Ziff. 1 die Bedrohung mit einer gegenwärtigen Gefahr für Leib und Leben vor-
sieht, mit Ziff. 2 das Mitführen einer Schusswaffe oder einer anderen gefährlichen
- 27 -
Waffe sanktioniert und mit Ziff. 4 die Herbeiführung einer stark erhöhten konkre-
ten Lebensgefahr berücksichtigt. Zwischen den Ziff. 4 und Ziff. 2 fällt unter Ziff. 3,
wer eine besondere Gefährlichkeit schafft, welche mehr als eine blosse Gefahr
darstellt, aber noch keine stark erhöhte Lebensgefahr bewirkt. Mit Art. 140 Ziff. 3
Abs. 3 StGB hat der Gesetzgeber eine Art Auffangtatbestand geschaffen, mit dem
einer anderen besonderen Gefährlichkeit der Tat Rechnung getragen werden soll
(M. Niggli/Ch. Riedo, in: Basler Kommentar zum StGB II, 3. Auflage, Basel 2013,
N 75 zu Art. 140 StGB). Berücksichtigt man die in diesem Zusammenhang ein-
schlägige Rechtsprechung des Bundesgerichts, so wird klar, dass das vorliegend
zu beurteilende Verhalten des Beschuldigten unter Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB zu
subsumieren ist. So hielt das Bundesgericht in seinem Urteil 6B_988/2013 vom
5. Mai 2014 bezüglich eines Täters, welcher seinem Opfer ein Messer vor das
Gesicht gehalten, dieses mit dem Messer aber nicht einmal berührt hat, fest, dass
dieses Vorgehen mit der Drohung mit einer gesicherten Schusswaffe vergleichbar
sei, worauf es eine Qualifikation im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB bejahte
(E. 1.4.1 f.). In der heute zu beurteilenden Konstellation sahen sich die Privat-
kläger – wie auch im zitierten Entscheid des Bundesgerichts – ebenfalls einer
Überzahl an ihnen gegenüberstehenden Tätern ausgesetzt, wobei der Beschul-
digte den Privatklägern – dies im Gegensatz zum zitierten Entscheid – das
Messer sogar direkt an den Hals hielt und diese – wenn auch nur geringfügig –
mit dem Messer verletzte (vgl. in diesem Zusammenahng auch die Entscheide
des Bundesgerichts 6B_1248/2013 vom 23. September 2013, E. 1.4, sowie
6B_339/2009 vom 7. August 2009, E. 2.1 ff., in welchen das Bundesgericht in
ähnlichen Sachverhalten gar von einer Qualifikation gemäss Art. 140 Ziff. 4 StGB
ausging). Auch bezüglich des vorliegend zu beurteilenden Sachverhalts muss da-
von ausgegangen werden, dass das Verhalten des Beschuldigten mindestens mit
einer Drohung mit einer gesicherten Schusswaffe verglichen werden kann. Die
heute zu beurteilende Situation ist im Vergleich sogar als noch gefährlicher zu
beurteilen, da das Ausmass der konkreten Gefährdung der Opfer nicht allein vom
Verhalten des Täters abhängig war, sondern auch von einer allfälligen
(Fehl-)Reaktion eines der beiden Privatkläger hätte negativ beeinflusst werden
können. Bei der durch den Beschuldigten begangenen Raubtat war aufgrund der
- 28 -
dieser inhärenten Dynamik mit erheblichen Verletzungsrisiken zu rechnen, nicht
zuletzt auch wegen solch unvorhersehbarer und unkontrollierbarer Reaktionen
der beiden Privatkläger. Das Verhalten des Beschuldigten ist folglich als Raub im
Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 3 Abs. 3 StGB zu würdigen.
Die Staatsanwaltschaft geht im Rahmen der rechtlichen Würdigung sodann davon
aus, dass vorliegend ein mehrfacher Raub gegeben sei (Urk. HD 21 S. 4; Urk. 38
S. 13; Urk. 78 S. 1), wogegen die Vorinstanz festhielt, dass von einer Handlungs-
einheit bzw. von einem Gesamtvorsatz und somit nicht von einer mehrfachen
Tatbegehung auszugehen sei (Urk. 58 S. 56 und S. 73).
Ob eine oder mehrere Handlungen vorliegen, ist eine Rechtsfrage (vgl.
Trechsel/Affoltern-Eijsten, in: Trechsel/Pieth [Hrsg.], Praxiskommentar zum StGB,
2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013, N 3 zu Art. 49 StGB, mit weiteren Hinweisen).
Das Bundesgericht hält fest, dass derjenige Täter wegen eines (einfachen)
Diebstahls zu verurteilen sei, der in einem räumlich-zeitlichen Kontext von Laden
zu Laden ziehe (Urteil des Bundesgerichts 6S.531/2000 vom 27. Dezember 2000,
E. 2c). Die herrschende Lehre geht für die Annahme einer Handlungseinheit bei
Rechtsgütern mit individuellem Einschlag jedoch präzisierend davon aus, dass
stets auch dieselbe Person betroffen sein müsse, die einzelnen Taten also gegen
den selben Träger des Rechtsgutes gerichtet sein müsse (Stratenwerth,
Schweizerisches Strafrecht, AT I, 3. Auflage, Bern 2005, § 19 N 18). Bei
unpersönlichen Rechtsgütern wie dem Eigentum und dem Vermögen kann die
Einschränkung des identischen Rechtsgutträgers entbehrlich sein (so im zitierten
Urteil des Bundesgerichts betreffend Diebstahl). Aufgrund des konkret erstellten
Verhaltens des Beschuldigten ist vorliegend jedoch von einem dominierenden
individuellen Anteil im Bereich der geschützten Rechtsgüter auszugehen, womit
vorliegend eine mehrfache Tagbegehung anzunehmen ist.
Der Beschuldigte ist daher des mehrfachen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1
Abs. 1 und Ziff. 3 Abs. 3 StGB schuldig zu sprechen.
2. Anklagesachverhalt ND 3
- 29 -
Betreffend den Vorwurf der einfachen Körperverletzung zum Nachteil des Privat-
klägers A._ kann bezüglich der Abgrenzung zwischen einfacher
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB und Tätlichkeiten im Sinne
von Art. 126 StGB vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 58 S. 57 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Festzuhalten ist, dass der Privatkläger als Folge des Faustschlages eine Gehirn-
erschütterung mit kurzzeitiger Bewusstlosigkeit erlitten hat und eine Rissquetsch-
wunde an der linken Augenbraue, welche genäht werden musste und gemäss
ärztlichem Bericht des Stadtspitals Triemli eine Narbe hinterlassen wird (Urk.
ND 3/8/3 S. 2). Diese Verletzungsfolgen erfüllen klar den Tatbestand der ein-
fachen Körperverletzung und sind – wie inzwischen auch die Verteidigung aner-
kennt (Urk. 78 S. 16) – nicht mehr als blosse Tätlichkeiten zu qualifizieren.
Der Beschuldigte ist daher der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Strafzumessungsregeln
Zu den Strafzumessungsregeln hat sich die Vorinstanz abschliessend geäussert,
es kann vollumfänglich auf ihre zutreffenden Erwägungen verwiesen werden
(Urk. 58 S. 58 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Für die Bemessung der Verschuldens-
grade wird auch vorliegend auf die von der Vorinstanz verwendete Tabelle
abgestellt (Urk. 58 S. 60).
2. Strafzumessung für das schwerste Delikt
2.1. Strafrahmen
Der Strafrahmen für Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 StGB beträgt Frei-
heitstrafe nicht unter zwei Jahren bis zu 20 Jahren (Art. 40 StGB). Es liegen keine
besonderen Umstände vor, welche eine Über- oder Unterschreitung dieses
ordentlichen Strafrahmens angezeigt erscheinen liessen. Die Strafe ist daher in-
nerhalb des ordentlichen Strafrahmens festzulegen (vgl. BGE 136 IV 55, E. 5.8).
- 30 -
2.2. Tatkomponente des Raubes zum Nachteil des Privatklägers C._
2.2.1 Objektive Tatkomponente
Der Beschuldigte hat gegen den Privatkläger C._ Gewalt angewendet indem
er ihm ein Messer an den Hals gehalten hat. Zudem hat er diesem einen Faust-
schlag und einen Fusstritt versetzt. Die erlittenen Verletzungen durch den
Messereinsatz sind zwar noch leicht ausgefallen, wobei der Privatkläger C._
festhielt, dass es nicht den Anschein gemacht habe, dass der Beschuldigte ihn
mit dem Messer auch tatsächlich habe verletzen wollen, sondern dass dieser ihm
einfach habe Angst machen wollen (Urk. HD 4/2 S. 7). Es darf jedoch nicht ver-
kannt werden, dass der Einsatz eines Messers gegen den Hals einer Person je
nach Reaktion des Opfers in einem dynamischen Geschehen zu einer schwer-
wiegenden Verletzung hätte führen können. Das Vorgehen war nicht ausdrücklich
abgesprochen und erfolgte spontan aus nichtigem Anlass sowie aus einem Frust
heraus. Der Beschuldigte muss als Initiator gesehen werden. Zudem liegt
gemeinsame Tatbegehung mit dem Mitbeschuldigten E._ vor und wurde der
Eindruck der Übermacht ausgenützt, den die Gruppe um den Beschuldigten
gegenüber dem Privatkläger erweckte. Die erhältlich gemachte Beute in Form
eines Mobiltelefons ist nicht hoch ausgefallen und entspricht dem ungeplanten
unorganisierten Vorgehen.
In objektiver Hinsicht wiegt das Verschulden innerhalb des qualifizierten Straf-
rahmens von Art. 140 Ziff. 3 Abs. 3 noch leicht.
2.2.2 Subjektive Tatkomponente
Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz. Aus blossem Frust darüber, dass
er aus dem Club gewiesen worden war, hat er den Privatkläger angegriffen, ohne
dass ihm dieser den geringsten Anlass dazu gegeben hätte. Daneben dürften
auch finanzielle Motive eine Rolle gespielt haben. In erster Linie ging es aber
darum, Aggressionen abzulassen. Insgesamt wiegt das Verschulden auch in
Berücksichtigung der subjektiven Tatkomponente noch leicht.
- 31 -
2.2.3 Einsatzstrafe
Dem insgesamt leichten Verschulden angemessen erscheint eine Einsatzstrafe
von 28 Monaten Freiheitsstrafe.
2.3. Täterkomponente
Die Vorinstanz hat die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten zutreffend
dargelegt (Urk. 58 S. 64 f.). Auch unter Mitberücksichtigung der anlässlich der
heutigen Berufungsverhandlung zu Protokoll gegebenen Aktualisierungen zur
Person (insbesondere betreffend die neue Arbeitsstelle des Beschuldigten,
welche dieser aufgrund eines Fahrradunfalles jedoch nicht antreten konnte; vgl.
Urk. 77 S. 1 ff.) ergeben sich daraus keine strafzumessungsrelevanten Faktoren.
Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft (Urk. 72), was sich bei der Strafzumessung
neutral auswirkt.
Er hat sich ab Beginn des Vorverfahrens teilweise geständig erklärt, hat sich beim
Privatkläger C._ entschuldigt und diesem eine Genugtuung von Fr. 1'500.--
bezahlt, was sich strafmindernd auswirkt.
Entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 79 S. 18 f.) kann nicht
strafmindernd berücksichtigt werden, dass der Beschuldigte im Zeitpunkt der
Raubstraftat erst 18 1⁄2 Jahre alt war. Ein entsprechender Milderungsgrund
existiert im geltenden Recht nicht mehr, was die Verteidigung konzediert. Dass es
– so die Verteidigung – übermässig lange bis zur Ausfällung eines Strafurteils ge-
dauert hat, hat der Beschuldigte zudem vor allem seiner wiederholten Delinquenz
während des laufenden Strafverfahrens zu verdanken. Eine Verletzung des
Beschleunigungsgebots liegt mithin nicht vor.
Was die erneute Delinquenz des Beschuldigten im Nachgang zu den heute zur
Diskussion stehenden Delikten betrifft (vgl. Urk. 71 und Urk. 77 S. 3 ff.), ist
festzuhalten, dass die Strafzumessung das gegenwärtig zu beurteilende Delikt
und das damit unmittelbar in Zusammenhang stehende Nachtatverhalten
umfasst. Tatvorwürfe, welche Gegenstand eines anderen Verfahrens sind, darf
- 32 -
das Gericht aufgrund der Unschuldsvermutung und des Doppelbestrafungs-
verbots nicht in die Strafzumessung einbeziehen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_488/2011 vom 27. Dezember 2011, E. 3.3).
2.4. Sanktion
Die Einsatzstrafe von 28 Monaten ist aufgrund des Teilgeständnisses und
des Nachtatverhaltens gegenüber dem Privatkläger C._ auf 24 Monate zu
reduzieren.
2.5 Asperation der Strafe betreffend den Raub zum Nachteil des Privatklägers
D._
Hinsichtlich des Raubes des Beschuldigten zum Nachteil des Privatklägers
D._ kann sowohl betreffend die objektive und subjektive Tatkomponente als
auch die Täterkomponente weitgehend auf die vorstehenden Ausführungen be-
treffend den Raub zum Nachteil des Privatklägers C._ verwiesen werden
(Ziff. 2.2.1., Ziff. 2.2.2. und Ziff. 2.3.). In Abweichung zu den genannten Ausfüh-
rungen ist jedoch zu beachten, dass der Beschuldigte dem Privatkläger D._
nicht zusätzlich einen Faustschlag und einen Fusstritt versetzt hat. Zudem ist zu
berücksichtigen, dass der Beschuldigte den Privatkläger D._ im Anschluss
daran, dass er diesem das Messer an den Hals gehalten und dessen Mobiltelefon
behändigt hat, zusammen mit E._ zum Bankomaten begleitete. Im Übrigen
kann aufgrund der Nähe des Tathergangs zu demjenigen zum Nachteil des Pri-
vatklägers C._ auf die vorgenannten Ausführungen verwiesen werden.
In Anbetracht der gesamten Umstände ist die Einsatzstrafe für diese zweite
Raubtat in Anwendung des Asperationsprinzips von 24 Monaten auf 30 Monate
zu erhöhen.
3. Körperverletzung ND 3
- 33 -
3.1. Strafrahmen
Der Strafrahmen für einfache Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB
erstreckt sich von Geldstrafe bis drei Jahre Freiheitsstrafe.
3.2. Tatkomponente
3.2.1. Objektive Tatkomponente
Der Beschuldigte hat dem alkoholisierten und damit allgemein reduzierten Privat-
kläger unvermittelt einen heftigen Faustschlag versetzt und ihm dadurch eine
Rissquetschwunde an der linken Augenbraue und eine Gehirnerschütterung zu-
gefügt. Die Rissquetschwunde musste genäht werden und es wird eine Narbe im
Gesicht des Privatklägers sichtbar bleiben. Der Schlag erfolgte unvermittelt, traf
den Privatkläger völlig unvorbereitet, ohne dass unmittelbar eine Provokation des
Privatklägers vorausgegangen wäre.
Das Verschulden wiegt in objektiver Hinsicht nicht mehr leicht.
3.2.2. Subjektive Tatkomponente
Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz. Da seiner Tat keine unmittelbare
Provokation oder ein Angriff des Privatklägers vorausging, der Schlag diesen
vielmehr völlig unvorbereitet traf, muss das Motiv des Beschuldigten mit der
Vorinstanz (Urk. 58 S. 63) darin gesehen werden, dass er sich aus verletztem
Stolz am Privatkläger rächen wollte, weil sich dieser in eine Auseinandersetzung
zwischen dem Beschuldigen und K._ eingemischt hatte.
Das direktvorsätzliche Handeln aus nichtigem Anlass lässt das Verschulden auch
in subjektiver Hinsicht als nicht mehr leicht erscheinen.
3.2.3. Bewertung der Tatkomponente
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Insgesamt wiegt das Tatverschulden nicht mehr leicht.
3.3. Täterkomponente
Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten ist auch an dieser
Stelle festzuhalten, dass sich daraus keine strafzumessungsrelevanten Faktoren
ergeben.
Der Beschuldigte erklärte sich einerseits vollumfänglich geständig, was sich
strafmindernd auswirkt. Auf der anderen Seite fällt aber straferhöhend ins
Gewicht, dass der Beschuldigte während hängigem Verfahren und trotz erstande-
ner Untersuchungshaft unbeeindruckt erneut delinquierte.
Die strafmindernden und straferhöhenden Faktoren wiegen sich gegenseitig auf.
3.4. Sanktion
Vorliegend ist keine selbständige Strafe für die Körperverletzung auszufällen,
vielmehr ist eine angemessene Erhöhung der Einsatzstrafe für das schwerste
Delikt durch Asperation vorzunehmen (Art. 49 Abs. 1 StGB). Angemessen er-
scheint eine Erhöhung der Einsatzstrafe von 30 Monaten auf 34 Monate.
4. Mehrfaches Vergehen gegen das Waffengesetz
Betreffend die Strafzumessung zu diesen Delikten kann vollumfänglich auf die
zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 58 S. 63,
Art. 82 Abs. 4 StPO). Mit der Vorinstanz ist das Verschulden als nicht mehr leicht
zu bewerten. Das Geständnis des Beschuldigten einerseits und die Delinquenz
während hängigem Verfahren und trotz erlittener Haft wiegen sich auf.
5. Gesamtbeurteilung
Mit einer Asperation der Einsatzstrafe von 30 Monaten für die Raubtat auf
36 Monate für alle Delikte wird allen strafzumessungsrelevanten Faktoren in an-
gemessener Weise Rechnung getragen.
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Der Beschuldigte ist daher mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten zu bestrafen.
An diese Strafe anzurechnen sind 209 Tage erstandene Haft und vorzeitiger
Strafvollzug.
V. Vollzug
Der Beschuldigte ist heute mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten zu bestrafen.
Die objektive Voraussetzung für einen vollumfänglichen Aufschub der auszu-
sprechenden Strafe ist somit nicht erfüllt (Art. 42 Abs. 1 StGB). Es ist jedoch zu
prüfen, ob dem Beschuldigten der teilbedingte Vollzug der Freiheitsstrafe gewährt
werden kann (Art. 43 Abs. 1 StGB).
In subjektiver Hinsicht ist dabei zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte zwar
nicht vorbestraft ist, jedoch nach erstandener 35-tägiger Untersuchungshaft und
während dem betreffend seine Raubtat geführten Strafverfahren zweimal erneut
straffällig geworden ist (einfache Köperverletzung und Widerhandlungen gegen
das Waffengesetz), was bereits Zweifel an seinen Bewährungsaussichten
hervorzurufen vermag. Nach insgesamt 209 Tagen in Haft bzw. in vorzeitigem
Strafvollzug hat der Beschuldigte nunmehr – wiederum während des noch
laufenden Strafverfahrens – erneut die Eröffnung einer Strafuntersuchung
veranlasst, betreffend welcher er zumindest teilweise anerkennt, einen
Jugendlichen geschlagen und dabei verletzt zu haben (Urk. 77 S. 3 ff.). Das bis
anhin gegen den Beschuldigten geführte Strafverfahren und die damit in Zusam-
menhang stehende Inhaftierung von insgesamt 209 Tagen scheinen ihn nicht
genügend beeindruckt zu haben, um ihn von weiterer Delinquenz abzuhalten. An
dieser Stelle ist auch zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte eine gewisse
Reue und Einsicht offenbarte, welche sich in seinen Entschuldigungen gegenüber
den Privatklägern und in der Tatsache, dass er deren Zivilforderungen teilweise
anerkannte und bereits beglichen hat, manifestierte. In Anbetracht der gesamten
Umstände kann dem Beschuldigten keine eigentliche Schlechtprognose gestellt
werden, weshalb ihm der teilbedingte Vollzug der Strafe gewährt werden kann.
Da der Beschuldigte durch sein Verhalten trotz pendentem Verfahren und erstan-
dener Haft aber eine nicht zu vernachlässigende Uneinsichtigkeit an den Tag
legte, ist heute davon auszugehen, dass der Vollzug von 18 Monaten Freiheits-
- 36 -
strafe notwendig sein wird, um einerseits seinem Verschulden genügend Rech-
nung zu tragen (Art. 43 Abs. 1 StGB) und andererseits seine Legalprognose
soweit positiv zu beeinflussen, dass in Zukunft mit keinem erneuten Rückfall in die
Delinquenz gerechnet werden muss. Die durch ihn bereits erstandenen 209 Tage
Haft bzw. der vorzeitige Strafvollzug sind dabei auf den vollziehbaren Teil der
Strafe anzurechnen. Für den aufzuschiebenden Strafteil von 18 Monaten ist dem
Beschuldigten aufgrund der verbleibenden Bedenken eine Probezeit von 3 Jahren
anzusetzen (Art. 44 Abs. 1 StGB).
VI. Zivilforderungen
Betreffend die Grundsätze für die adhäsionsweise Geltendmachung von Zivil-
forderungen sowie die für die Bemessung der Genugtuung massgebenden
Kriterien kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 58 S. 67 ff.).
Der Privatkläger A._ beantragte die Zusprechung einer Genugtuung im Be-
trage von Fr. 100'000.-- (Urk. ND 3/9/5) ohne dies zu begründen. Der
Beschuldige anerkannte eine Genugtuungsforderung im Betrage von Fr. 500.--
und beantragte, die Genugtuungsforderung sei im Mehrbetrag auf den Zivilweg
zu verweisen (Urk. 79 S. 2 und S. 22).
Der Privatkläger trug aufgrund des massiven Faustschlages des Beschuldigten
eine Verletzung der körperlichen Integrität davon. Er wurde kurzzeitig bewusstlos
und erlitt eine Gehirnerschütterung und eine Rissquetschwunde an der linken
Augenbraue, welche genäht werden musste. Mit der Vorinstanz (Urk. 58 S. 71) ist
sodann festzuhalten, dass der Privatkläger vom Beschuldigten völlig über-
raschend aus der Menschenmenge heraus geschlagen wurde, ohne dass eine
Provokation unmittelbar vorausgegangen wäre und von einem Selbstverschulden
des Privatklägers gesprochen werden könnte. In Berücksichtigung der durch den
Privatkläger A._ konkret erlittenen immateriellen Unbill rechtfertigt es sich,
diesem eine Genugtuung von Fr. 1'000.– zuzusprechen. Das Genugtuungsbegeh-
ren ist im Mehrbetrag abzuweisen.
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VII. Kostenfolgen
Im Berufungsverfahren unterliegt der Beschuldigte betreffend die beantragte
Reduktion der Strafe. Er obsiegt jedoch hinsichtlich der Qualifikation der ein-
fachen Körperverletzung (als davon auszugehen ist, dass kein Schlagring zum
Einsatz kam und somit auch Ziff. 2 Abs. 2 von Art. 123 StGB nicht zur Anwendung
gelangt) sowie teilweise hinsichtlich der Bemessung der Genugtuung zugunsten
des Privatklägers A._. Die Staatsanwaltschaft dagegen obsiegt mit ihrem
Antrag im Schuldpunkt betreffend den qualifizierten Raubtatbestand und teilweise
auch mit dem Antrag auf Erhöhung der Strafe. Entsprechend diesem Obsiegen
und Unterliegen sind die Kosten des Berufungsverfahrens dem Beschuldigten zu
drei Vierteln aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die Staatskasse zu nehmen
(Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen
auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die diesbezügliche Rückzahlungspflicht des
Beschuldigen gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO ist dabei im Umfang von 3⁄4 vorzube-
halten.