# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 15841543-9daf-40ae-b3bc-1d8dc1801cfd
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Bereinigung Zivilstandsregister
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Zürich vom 20. August 2021 (EP200096-L)
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Rechtsbegehren: (Urk. 1, sinngemäss)
Die Personalien der Gesuchstellerin seien zu bereinigen und zu ergänzen und im Zivilstandsregister entsprechend einzutragen.
Urteil des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am Bezirksgericht Zürich vom 20. August 2021:
(Urk. 25 S. 9 f.)
"1. Der Eintrag der Personalien der Gesuchstellerin im Schweizerischen Zivil-
standsregister wird wie folgt bereinigt und ergänzt:
- Name: A._ - Ledigname: A._ - Vorname: A._ - Geburtsdatum: tt. Februar 1988 - Geschlecht: weiblich - Geburtsort: B._ (C._) - Staatsangehörigkeit: C._ - Zivilstand: ledig - Name des Vaters: D._ - Vorname des Vaters: D._ - Name der Mutter: E._ - Vorname der Mutter: E._
3. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 900.–.
4. Die Kosten werden der Gesuchstellerin auferlegt, jedoch zufolge Gewährung
der unentgeltlichen Rechtspflege einstweilen auf die Gerichtskasse genom-
men. Eine Nachforderung im Sinne von Art. 123 ZPO bleibt vorbehalten.
5. [Mitteilungssatz]
6. [Rechtsmittel: Berufung; Frist: 10 Tage]"
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Berufungsanträge:
des Berufungsklägers (Urk. 24 S. 2):
"I. Dispositivziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich EP200020-L/U vom
7. April 2021 [recte EP200096-L/U vom 20. August 2021] sei hinsichtlich des Zivilstandes auf «verheiratet seit tt.01.2005 mit F._ in C._, G._» abzuändern.
II. Es sei festzustellen, dass der F._, der Vater von H._, ist, geboren
am tt. mm. 2020 in Zürich.
III. Eventualiter sei Dispositivziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich
EP200020-L/U vom 7. April 2021 [recte EP200096-L/U vom 20. August 2021] hinsichtlich des Zivilstandes der Berufungsbeklagte[n] 1 aufzuheben und die Streitsache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
IV. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Staatskasse oder
der Berufungsbeklagten."
der Berufungsbeklagten (sinngemäss, Urk. 30):
Die Berufung sei abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.

## Considerations

Erwägungen:
I.
1. Am 18. Januar 2015 reiste die aus C._ stammende Gesuchstellerin und
Berufungsbeklagte (fortan Gesuchstellerin) via Familienzusammenführung in die
Schweiz ein (Urk. 7/12 S. 8, Urk. 9/3). Nach der Geburt ihrer Tochter H._ am
tt. mm. 2020 wurde die bis anhin noch nicht im Personenstandsregister verzeich-
nete Gesuchstellerin mit Minimalangaben in das schweizerische Zivilstandsregis-
ter aufgenommen (Name: A._, Vorname: A._, Geburtsdatum: tt. Februar
1988; vgl. Urk. 3/2 und Urk. 7/1). Mit Eingabe vom 4. Dezember 2020 (Poststem-
pel vom 17. Dezember 2020) stellte sie beim Bezirksgericht Zürich
(Vorinstanz) ein Begehren um Berichtigung des Zivilstandsregisters. Für den wei-
teren Verlauf ist auf den angefochtenen Entscheid zu verweisen (Urk. 25 S. 2 f.).
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Am 20. August 2021 fällt die Vorinstanz das eingangs wiedergegebene Urteil
(Urk. 25 S. 9 f.).
2. Mit Eingabe vom 3. September 2021 reichte das Gemeindeamt des Kantons
Zürich (fortan Gemeindeamt) Berufung ein und stellte die vorgenannten Rechts-
mittelanträge (Urk. 24 S. 2). Mit Verfügung vom 4. Oktober 2021 wurde der Ge-
suchstellerin Frist angesetzt, um die Berufung zu beantworten (Urk. 29). Die Beru-
fungsantwort datiert vom 15. Oktober 2021 und wurde mit Verfügung vom 19. Ok-
tober 2021 der Gegenpartei zur Kenntnisnahme zugestellt (Urk. 30, 31). Weitere
Eingaben sind nicht erfolgt. Die vorinstanzlichen Akten wurden beigezogen
(Urk. 1-23).
II.
1. Erstinstanzlich entscheidet das Einzelgericht im summarischen Verfahren
über die Bereinigung des Zivilstandsregisters im Sinne von Art. 42 ZGB (Art. 248
lit. e ZPO, Art. 249 lit. a Ziff. 4 ZPO, § 24 lit. c GOG). Es gilt die Untersuchungs-
maxime (vgl. Art. 255 lit. b i.V.m. Art. 55 Abs. 2 ZPO). Verlangt – wie vorliegend –
eine Privatperson die Berichtigung eines Eintrags, so handelt es sich um ein Ein-
parteienverfahren. Führt das Gemeindeamt danach gegen den Entscheid des
Einzelgerichts Berufung, so wird das Verfahren vor zweiter Instanz zu einem
Zweiparteienverfahren (vgl. OGer ZH RC170002 vom 20.11.2017, E. 3.a; OGer
ZH NC200007 vom 23. April 2021, E. III.1). Das Gemeindeamt ist somit Partei im
vorliegenden Berufungsverfahren.
Gemäss Art. 42 Abs. 2 ZGB sind die kantonalen Aufsichtsbehörden klageberech-
tigt. Die kantonalen Aufsichtsbehörden nehmen im Bereinigungsverfahren das öf-
fentliche Interesse an der Vollständigkeit und Richtigkeit der Eintragungen in den
Zivilstandsregistern wahr (vgl. Botschaft über die Änderung des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches vom 15. November 1995, BBI 1996 I S. 1 ff., S. 52). Dieses öf-
fentliche Interesse müssen sie in allen Instanzen wahren können. Im Kanton Zü-
rich ist das Gemeindeamt die kantonale Aufsichtsbehörde (vgl. Art. 49 Abs. 2
ZGB i.V.m. § 32 EG ZGB/ZH i.V.m. § 12 Zivilstandsverordnung [ZVO/ZH]). Daher
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ist das Gemeindeamt zur Ergreifung eines Rechtsmittels gegen das angefochtene
Urteil der Vorinstanz legitimiert.
2. Mit der Berufung können unrichtige Rechtsanwendung und unrichtige Fest-
stellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Beru-
fungsinstanz verfügt über eine umfassende Überprüfungsbefugnis der Streitsa-
che, d.h. über unbeschränkte Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen, ein-
schliesslich der Frage richtiger Ermessensausübung (Angemessenheitsprüfung;
BGer 5A_184/2013 vom 26. April 2013, E. 3.1). In der schriftlichen Berufungsbe-
gründung (Art. 311 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstin-
stanzliche Entscheid in den angefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten
ist bzw. an einem der genannten Mängel leidet (BGE 142 I 93 E. 8.2; BGE 138 III
374 E. 4.3.1). In rechtlicher Hinsicht ist das Berufungsgericht, in Anwendung des
Grundsatzes iura novit curia, bei seiner Prüfung weder an die Erwägungen der
ersten Instanz noch an die mit den Rügen vorgetragenen Argumente der Parteien
gebunden. In tatsächlicher Hinsicht ist es nicht an die Feststellungen des erstin-
stanzlichen Gerichts gebunden, auch wenn mangels entsprechender Sachver-
haltsrügen der Parteien im Berufungsverfahren der erstinstanzliche Entscheid
nach dem Gesagten in der Regel als Grundlage des Rechtsmittelverfahrens dient
(vgl. zum Ganzen BGE 144 III 394 E. 4.1.4 m.H. auf BGE 142 III 413 E. 2.2.4 und
weitere Entscheide). Das Berufungsgericht kann die Rügen der Parteien folglich
auch mit abweichenden Erwägungen gutheissen oder abweisen (sog. Motivsub-
stitution; BGer 2C_124/2013 vom 25. November 2013, E. 2.2.2; für das Verfahren
vor Bundesgericht: BGE 138 III 537 E. 2.2 und BGE 137 III 385 E. 3). Die Beru-
fungsinstanz hat sich – abgesehen von offensichtlichen Mängeln – grundsätzlich
auf die Beurteilung der Beanstandungen zu beschränken, die in der Berufungs-
schrift (oder in der Berufungsantwort) in rechtsgenügender Weise erhoben wer-
den (vgl. BGE 142 III 413 E. 2.2.4 m.H.; BGer 5A_111/2016 vom 6. September
2016, E. 5.3).
3. Gemäss Art. 317 Abs. 1 ZPO können im Berufungsverfahren neue Tatsa-
chen und Beweismittel (Noven) nur noch berücksichtigt werden, wenn sie kumula-
tiv ohne Verzug vorgebracht werden (lit. a) und trotz zumutbarer Sorgfalt nicht
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schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten (lit. b). Dabei hat, wer sich
auf Noven beruft, deren Zulässigkeit darzutun (vgl. BGer 5A_330/2013 vom
24. September 2013, E. 3.5.1; BGer 5A_266/2015 vom 24. Juni 2015, E. 3.2.2).
4. Angefochten ist einzig der Zivilstand der Gesuchstellerin (Dispositiv-Ziffer 1
Spiegelstrich 8). Nicht angefochten sind alle weiteren Einträge:
- Name: A._ - Ledigname: A._ - Vorname: A._ - Geburtsdatum: tt. Februar 1988 - Geschlecht: weiblich - Geburtsort: B._ (C._) - Staatsangehörigkeit: C._ - Zivilstand: [strittig] - Name des Vaters: D._ - Vorname des Vaters: D._ - Name der Mutter: E._ - Vorname der Mutter: E._
Diese Eintragungen (Spiegelstriche 1 bis 7 und 9 bis 12) sind nach Ablauf der Be-
rufungsfrist in Rechtskraft erwachsen, was vorzumerken ist.
5. Anfechtbar ist nur das Dispositiv eines Entscheids. Die Feststellung der Va-
terschaft betreffend H._, geboren am tt. mm. 2020, bildete nicht Gegenstand
des erstinstanzlichen Verfahrens, hat keine Aufnahme ins Dispositiv gefunden
und tangiert nicht ins Verfahren einbezogene Personen, weshalb auf Berufungs-
antrag Ziff. II nicht einzutreten ist.
6. Das Gemeindeamt als Berufungskläger will F._ sowie H._ als not-
wendige Streitgenossen in den Prozess aufnehmen lassen. Es handle sich bei
der Registerbereinigungsklage nach Art 42 ZGB um eine Gestaltungsklage, die
auf Aufhebung, Begründung oder Abänderung eines Rechtsverhältnisses gerich-
tet sei und nur mit Wirkung gegen alle aufgehoben, begründet oder abgeändert
werden könne (Urk. 24 S. 1, S. 4 f.). Zu prüfen ist nicht die materiell-rechtliche
Frage, ob F._ der rechtliche Vater der von der Gesuchstellerin am tt. mm.
2020 geborenen Tochter H._ ist. Das Verfahren der Berichtigung dient dazu,
eine Eintragung zu korrigieren, die bereits im Zeitpunkt der Vornahme unrichtig
war, sei es infolge eines Irrtums des Zivilstandsbeamten oder deshalb, weil dieser
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in Unkenntnis wichtiger Tatsachen gelassen wurde. Die Eintragung im Zivilstands-
register kann durch den Nachweis des Gegenteils widerlegt werden (Art. 9 ZGB;
BGE 135 III 389 E. 3). Umstritten ist der Zivilstand der Gesuchstellerin. Inwiefern
der neue Zivilstand Auswirkungen auf die Abstammung des Kindes hat, ist nicht
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens, weshalb in Bezug auf das Kind keine
notwendige Streitgenossenschaft vorliegt. Betreffend F._ ist auf Erw. 12 zu
verweisen.
7. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, die Gesuchstellerin habe vor Ge-
richt zu ihrem Zivilstand erklärt, sie habe in C._ kirchlich geheiratet. Ihr Mann
habe sie später in die Schweiz geholt, wo sie sich jedoch getrennt hätten. Im Ge-
such um Einreisebewilligung habe der Ehemann detaillierte Ausführungen über
das Zustandekommen der Ehe und das Zusammenleben in C._ gemacht.
Die Gesuchstellerin habe in der Befragung vor dem Staatssekretariat für Migration
vom 24. Februar 2015 erklärt, dass ihr Ehemann G._ heisse und sie mit ihm
seit dem Jahr 2005 religiös getraut sei. Anlässlich der Anhörung durch das
Staatssekretariat für Migration (SEM) vom 5. Januar 2016 habe sie ausgeführt,
die Ehe sei von den Familien arrangiert worden. Im zentralen Migrationsinformati-
onssystem (ZEMIS) sei die Gesuchstellerin zunächst als ledig (religiös getraut)
und später als verheiratet eingetragen worden. Im Verfahren vor dem Zivilstands-
amt habe die Gesuchstellerin eine Verfügung des Einzelgerichts am Bezirksge-
richt Zürich vom 20. Juli 2018 betreffend Ehescheidung eingereicht. Das angeru-
fene Einzelgericht sei auf das gemeinsame Scheidungsbegehren der Gesuchstel-
lerin und von F._ nicht eingetreten mit der Begründung, die Gesuchstellerin
gelte gegenüber den Schweizer Behörden als nicht verheiratet, namentlich, weil
bei beiden Eheleuten aus der Wohnsitzbestätigung hervorgehe, dass sie ledig
seien (Urk. 25 S. 6 f.). Die Vorinstanz hielt in der Folge dafür, beim Nichteintre-
tensentscheid handle es sich um ein Prozessurteil, welches bezüglich der durch
das Gericht behandelten Sachurteilsvoraussetzung in Rechtskraft erwachse. In
der Verfügung vom 20. Juli 2018 sei namentlich auf das Scheidungsbegehren
nicht eingetreten worden, weil die Parteien ledig seien. In diesem Rahmen sei der
Entscheid in Rechtskraft erwachsen. Eine abermalige Prüfung der Frage, ob die
Gesuchstellerin verheiratet sei, sei nicht zulässig. Entsprechend sei das Zivil-
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standsregister dahingehend zu bereinigen, dass die Gesuchstellerin ledig sei
(Urk. 25 S. 7 f.).
8. Das Gemeindeamt macht zum einen geltend, seine Abklärungen hätten er-
geben, dass F._ im schweizerischen Personenstandsregister als verheiratet
seit tt. Januar 2005 beurkundet sei. Dieser Beurkundung komme erhöhte Beweis-
kraft zu (Art. 9 ZGB). F._ habe festgehalten, dass er mit der Gesuchstellerin
verheiratet sei. Aufgrund abweichender Geburtsdaten und der daraus unter-
schiedlich zugeteilten Sozialversicherungsnummern habe der bestehende Perso-
nenstandseintrag erst nachträglich und mit Hilfe der kantonalen Einwohnerplatt-
form sowie des zentralen Migrationsinformationssystems (ZEMIS) eruiert werden
können. Aufgrund der durch die Vorinstanz dem Gemeindeamt zur Verfügung ge-
stellten Akten habe es keinen Grund gegeben, am Geburtsdatum von F._ zu
zweifeln. Mit der unverzüglichen Einreichung der neuen Beweismittel seien die
Voraussetzungen für eine Berücksichtigung erfüllt (Urk. 24 S. 5 f.).
Zum anderen rügt das Gemeindeamt eine falsche Anwendung von Art. 59 ZPO.
Die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass sie an den Entscheid des Ein-
zelgerichts im Scheidungsverfahren gebunden sei. Abgesehen vom Umstand,
dass die Beurteilung der Gültigkeit einer ausländischen Ehescheidung aufgrund
einer schweizerischen Wohnsitzbestätigung nicht abschliessend möglich sei,
handle es sich bei der Frage der Anerkennbarkeit einer ausländischen Ehe-
schliessung im Rahmen eines Scheidungsbegehrens um eine Vorfrage im Sinne
von Art. 29 Abs. 3 IPRG. Diese Vorfrage sei selbständiger Natur und entfalte
Rechtskraft nur innerhalb des jeweiligen Verfahrens. Im aktuellen Verfahren sei
das angerufene Bezirksgericht nicht an den erwähnten Entscheid gebunden und
hätte die Gültigkeit der ausländischen Eheschliessung von Amtes wegen erfor-
schen müssen. Damit hätte der bestehende Registereintrag von F._ entdeckt
werden können. Wäre die Vorinstanz davon ausgegangen, der Zivilstand der Ge-
suchstellerin sei bereits in einem Sachurteil festgehalten, hätte sich eine erneute
Feststellung des Zivilstands im Sinne von Art. 42 Abs. 1 ZGB erübrigt, weil dieser
nicht mehr als streitig zu betrachten wäre und gemäss bundesgerichtlicher Recht-
sprechung auch nicht mehr erneut festgestellt werden dürfte. Im Übrigen handle
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es sich bei der Frage des Zivilstandes nicht um eine Eintretensfrage, sondern um
eine Hauptfrage. Die Verfügung vom 20. Juli 2018 könne somit nicht bindend für
dieses Verfahren sein (Urk. 24 S. 5).
9. Die Gesuchstellerin trägt in der Berufungsantwort vor, dass es korrekt sei,
dass sie via Familienzusammenführung am 18. Januar 2015 eingereist sei. Sie
hätten am tt. Januar 2005 in C._ geheiratet. Nach ca. 3 Jahren hätten
F._ und sie sich entschieden, sich scheiden zu lassen. Das Bezirksgericht
Zürich sei mit Verfügung vom 20. Juli 2018 nicht auf das Scheidungsbegehren
eingegangen, da der Zivilstand auf der Wohnsitzbestätigung ledig sei. Es sei kei-
ne Zwangsehe, sondern eine von ihren Familien arrangierte Ehe gewesen (Urk.
30).
10. Gemäss Art. 59 Abs. 2 lit. e ZPO tritt das Gericht auf eine Klage oder ein
Gesuch ein, sofern die Sache noch nicht rechtskräftig entschieden ist. Materielle
Rechtskraft bedeutet Massgeblichkeit eines formell rechtskräftigen Urteils in je-
dem späteren Verfahren unter denselben Parteien. Sie hat eine positive und eine
negative Wirkung. In positiver Hinsicht bindet die materielle Rechtskraft das Ge-
richt in einem späteren Prozess an alles, was im Urteilsdispositiv des früheren
Prozesses festgestellt wurde (sog. Präjudizialitäts- oder Bindungswirkung). In ne-
gativer Hinsicht verbietet die materielle Rechtskraft jedem späteren Gericht, auf
eine Klage einzutreten, deren Streitgegenstand mit dem rechtskräftig beurteilten
(res iudicata, d.h. abgeurteilte Sache i.S. von Art. 59 Abs. 2 lit. e ZPO) identisch
ist, sofern der Kläger nicht ein schutzwürdiges Interesse an Wiederholung des
früheren Entscheids geltend machen kann (zum Ganzen: BGE 139 III 126 E. 3.1).
Im zu beurteilenden Fall liegt ein rechtskräftiger Nichteintretensentscheid des
Scheidungsgerichts vom 20. Juli 2018 betreffend das gemeinsame Scheidungs-
begehren zwischen der Gesuchstellerin und F._ vor. Gestützt auf die Wohn-
sitzbestätigungen der Gesuchsteller mit dem Vermerk "ledig" erwog das Schei-
dungsgericht, dass die Parteien gegenüber den Schweizer Behörden als nicht
verheiratet gelten würden (Urk. 3/6). Die im Raum stehende vorfrageweise Prü-
fung der Anerkennung einer im Ausland geschlossenen Ehe zweier in der
Schweiz aufgenommenen [Staatsangehöriger von C._] hat das Gericht indes
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erst gar nicht vorgenommen; umso weniger kann die Beantwortung dieser Frage
in Rechtskraft erwachsen sein. Im Übrigen läge kein Gestaltungsurteil mit erga
omnes-Wirkung vor. Auch wenn Prozessurteile bezüglich der durch das Gericht
behandelten Sachurteilsvoraussetzungen in Rechtskraft erwachsen (vgl. Urk. 25
S. 7), wird für die Frage, ob ein Entscheid materiell rechtskräftig ist, jedenfalls vo-
rausgesetzt, dass sich in einem späteren Verfahren dieselben Parteien gegen-
überstehen. Diese Voraussetzung ist vorliegend nicht erfüllt, da sich nicht mehr
die Gesuchstellerin und F._ gegenüberstehen. Es handelt sich um ein nicht-
streitiges Verfahren der Gesuchstellerin bzw. ein Verfahren zwischen der Ge-
suchstellerin und der kantonalen Aufsichtsbehörde. Insofern liegt bezüglich des
strittigen Zivilstands keine abgeurteilte Sache im Sinne von Art. 59 Abs. 2 lit. e
ZPO vor. Die Vorinstanz nahm zu Unrecht an, sie sei an die im Nichteintretens-
entscheid vertretene Auffassung gebunden und eine abermalige Prüfung, ob die
Gesuchstellerin verheiratet sei, sei nicht zulässig. Daher ist das Urteil betreffend
den strittigen Zivilstand aufzuheben.
11. Seit ihrer Einreise in die Schweiz erklärte die Gesuchstellerin den Behörden
gegenüber, dass sie religiös getraut sei (vgl. Urk. 3/4 S. 1, Urk. 3/5 S. 2, Urk. 7/3,
Urk. 7/8 S. 2, Urk. 7/12 S. 3). Dass eine "Heirat" im Rahmen eines familiären Fes-
tes im 2005 stattgefunden hat, wird von keiner Seite bestritten. Vor Vorinstanz
machte das Gemeindeamt geltend, mit Blick auf die beschriebene kirchliche Ze-
remonie in C._ sei nicht abschliessend von einem ledigen Zivilstand auszu-
gehen (Urk. 18). Zu prüfen wird daher sein, ob die im Jahr 2005 in einer religiösen
Zeremonie erfolgte Trauung den C._-ischen Formvorschriften genügte bzw.
als Eheschliessung im Sinne von Art. 45 Abs. 1 IPRG anerkennungsfähig ist und
die Gesuchstellerin als verheiratet gilt. Im Berufungsverfahren wendet das Ge-
meindeamt zwar ein, eine Anerkennung der Eheschliessung erübrige sich, da die
Ehe zwischen der Gesuchstellerin und F._ bereits im Infostar eingetragen sei
und diese Beurkundung erhöhte Beweiskraft geniesse (Urk. 24 S. 6). Das Ge-
meindeamt räumt indes selbst ein, die Beurkundung basiere alleine auf einer Er-
klärung nach Art. 41 ZGB von F._, weshalb die Gültigkeit der in C._ ge-
schlossenen Ehe in Frage gestellt werden könnte (Urk. 24
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S. 6). An andrer Stelle hält es fest, es sei abzuklären, ob die Ehe nicht dem
schweizerischen Ordre public widerspreche (a.a.O.).
12. Bei der Feststellung des Zivilstands, mithin der allfälligen Anerkennung der
in C._ geschlossenen Ehe zwischen der Gesuchstellerin und F._, han-
delt es sich um einen Rechtsakt, welcher beide Ehegatten gleichermassen betrifft
und deshalb grundsätzlich in einem einzigen Verfahren zu behandeln ist. Insofern
ist der Einwand des Gemeindeamts, F._ sei in das Verfahren einzubeziehen,
berechtigt. Die Praxis sieht eine Ausnahme für diejenigen Streitgenossen vor, die
von vornherein erklärt haben, dass sie das Urteil vorbehaltlos anerkennen wür-
den. Deren Einbezug in das Verfahren ist nicht erforderlich (OGer ZH NC200007
vom 22.04.2021, E. IV./4.3; BK ZPO-Gross/Zuber, Art. 70 N 20 m.w.H.). Zur Ge-
währung des rechtlichen Gehörs wird F._ in das Verfahren einzubeziehen
sein.
13. Nach dem Gesagten ist in Gutheissung des Eventualantrags Dispositiv-
Ziffer 1 Spiegelstrich 8 des Urteils des Einzelgerichts im summarischen Verfahren
am Bezirksgericht Zürich vom 20. August 2021 aufzuheben und die Sache im
Sinne der Erwägungen zur Ergänzung des Verfahrens und zu neuer Entschei-
dung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Art. 318 Abs. 1 lit. c ZPO).
III.
Bei diesem Ausgang ist für das zweitinstanzliche Verfahren lediglich eine Ent-
scheidgebühr festzusetzen. Diese ist in Anwendung von § 12 Abs. 1 und 2 GebV
OG in Verbindung mit § 3 GebV OG auf Fr. 500.– festzusetzen. Die Regelung der
Prozesskosten des vorliegenden Berufungsverfahrens ist dem neuen Entscheid
der Vorinstanz vorzubehalten (Art. 104 Abs. 4 ZPO).