# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5590b635-281d-4535-b039-5b346e9fe287
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_004
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1. Mit Mahnung vom 13. Februar 2020 teilte die Steuerverwaltung des
Kantons Graubünden (nachfolgend: KStV) A._ mit, dass seine
Steuererklärung für die Steuerperiode 2018 nicht eingetroffen sei. Ihm
wurde eine Frist von 20 Tagen zum Einreichen der vollständig ausgefüllten
und unterzeichneten Steuererklärung samt Beilagen gegeben. Die
Mahnung erfolgte unter dem Hinweis auf die Säumnisfolgen
(Ordnungsbusse und Ermessensveranlagung).
2. Am 10. März 2020 meldete sich A._ telefonisch bei der KStV.
Bezugnehmend auf die ihm zugestellte Mahnung teilte er mit, dass er die
Steuererklärung bereits eingereicht habe. Da bei der KStV kein Eingang
festgestellt werden konnte, stellte A._ in Aussicht, dass er seine
Steuererklärung 2018 bzw. eine Kopie derselben nochmals einreichen
werde.
3. Mit Bussverfügung vom 5. Juni 2020 wurde A._ gestützt auf Art. 173
des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden eine Busse in der Höhe
von Fr. 150.-- auferlegt. In derselben Verfügung forderte die KStV A._
auf, die Steuererklärung 2018 inklusive Hilfsformularen und Beilagen innert
acht Tagen einzureichen.
4. Am 12. Juni 2020 meldete sich A._ erneut telefonisch bei der KStV.
Er wies darauf hin, dass er die Steuererklärung 2018 bereits eingereicht
habe. Da diese jedoch nicht bei der Steuerverwaltung angekommen sei,
brauche er nochmals die Steuerformulare 2018. Diese wurden A._
von der KStV am 12. Juni 2020 per A-Post-Plus zugestellt.
5. Gegen die Bussverfügung vom 5. Juni 2020 erhob A._ am 2. Juli 2020
(Poststempel) Einsprache. Er habe die Steuererklärung 2018 fristgerecht
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eingereicht. Diese sei aber nicht bei der KStV angekommen. Er habe nun
alle Formulare erhalten und fülle seine Steuererklärung 2018 erneut aus.
6. Die KStV wies die Einsprache von A._ mit Einspracheentscheid vom
6. August 2020 ab.
7. Dagegen erhob A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) am
1. September 2020 Einsprache (recte: Beschwerde) beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Er habe seine
Steuererklärung 2018 mit der normalen Post abgeschickt. Sie sei nicht
angekommen. Nun habe er die Steuererklärung 2018 erneut per A-Post-
Plus eingereicht, welche auch angekommen sei.
8. Mit Vernehmlassung vom 23. September 2020 beantragte die KStV
(nachfolgend: Beschwerdegegnerin) die Abweisung der Beschwerde unter
gesetzlicher Kostenfolge zulasten des Beschwerdeführers. Der
Beschwerdeführer habe eine Verfahrenspflicht gemäss kantonalem Recht
verletzt, indem er die Steuererklärung rund fünfeinhalb Monate nach der
Mahnung vom 13. Februar 2020 eingereicht habe. Trotz ausreichender
Fristansetzung und Hinweis auf die Strafandrohung sei der
Beschwerdeführer seiner Steuerdeklarationspflicht nicht nachgekommen,
weshalb er androhungsgemäss und zu Recht mit einer Busse in der Höhe
von Fr. 150.-- bestraft worden sei.
9. Mit Replik vom 23. September 2020 und 5. Oktober 2020 machte der
Beschwerdeführer geltend, dass er alle Unterlagen abgeschickt habe,
leider lediglich mit normaler Post. Er könne nicht nachprüfen ob die Post
angekommen oder verlorengegangen sei. Er habe der
Beschwerdegegnerin den Sachverhalt geschildert, mehr könne er nicht
sagen.
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10. Mit Schreiben vom 12. Oktober 2020 verzichtete die Beschwerdegegnerin
auf die Einreichung einer Duplik.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und im
angefochtenen Einspracheentscheid vom 6. August 2020 sowie auf die
eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet der
Einspracheentscheid der Beschwerdegegnerin vom 6. August 2020, mit
welchem diese die Bussverfügung vom 5. Juni 2020 bestätigte. Die
Prozessvoraussetzungen geben vorliegend zu keinen Bemerkungen
Anlass, weshalb auf die frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde
einzutreten ist.
1.2. Gemäss Art. 43 Abs. 3 lit. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) entscheidet das
Verwaltungsgericht in einzelrichterlicher Kompetenz, wenn der Streitwert
Fr. 5'000.-- nicht überschreitet und keine Fünferbesetzung vorgeschrieben
ist. Vorliegend beträgt der Streitwert Fr. 150.-- und es ist auch keine
Fünferbesetzung vorgeschrieben, weshalb die Zuständigkeit des
Einzelrichters unzweifelhaft gegeben ist.
2. Streitig und zu prüfen ist die Frage, ob sich der Beschwerdeführer eine
Verletzung seiner Verfahrenspflichten anrechnen lassen muss, welche
eine Busse in der Höhe von Fr. 150.-- zu rechtfertigen vermag.
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3.1. Gemäss Art. 173 des Steuergesetzes für den Kanton Graubünden (StG;
BR 720.000) wird mit einer Busse bis zu Fr. 1'000.--, in schweren Fällen
oder im Wiederholungsfall bis zu Fr. 10'000.-- bestraft, wer einer Pflicht, die
ihm nach den Vorschriften dieses Gesetzes oder nach einer auf Grund
dieses Gesetzes getroffenen Anordnung obliegt, trotz Mahnung vorsätzlich
oder fahrlässig nicht nachkommt. Damit eine steuerliche Ordnungsbusse
im Sinne von Art. 173 StG ausgesprochen werden kann, muss damit
zunächst eine entsprechende Verfahrenspflicht seitens der
Steuerpflichtigen bestehen und sodann eine Verletzung derselben
gegeben sein. In Frage steht vorliegend eine allfällige Verletzung der
Verpflichtung zur Einreichung der Steuererklärung im Sinne von Art. 127
Abs. 2 StG. Demnach ist die Steuererklärung vom Steuerpflichtigen
wahrheitsgemäss und vollständig auszufüllen, rechtsgültig zu
unterzeichnen und mit den verlangen Unterlagen fristgerecht einzureichen
(Art. 127 Abs. 2 Satz 1 StG). Weiter muss dem Steuerpflichtigen vorgängig
eine Mahnung zur Erfüllung der Verfahrenspflichten ergangen sein.
Mit der Mahnung wird der mitwirkungspflichtigen Person eine Frist
eingeräumt um die versäumten Verfahrenspflichten zu erfüllen. Das von
der betroffenen Person verlangte Verhalten muss in der Mahnung
hinreichend klar umschrieben sein. Diesem Bestimmtheitsgebot genügt
sie, wenn ihr entnommen werden kann, welche Mitwirkungshandlungen
gefordert werden sowie auf welche Weise und binnen welcher Frist sie zu
erbringen sind (BGE 124 IV 297 E.4.d; SIEBER/MALLA in: ZWEIFEL/BEUSCH
[Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Bundesgesetz über
die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden,
3. Aufl., Basel 2017, Art. 55 Rz. 13). Die Mahnung muss ausserdem mit
einem Hinweis auf die Strafandrohung für den Unterlassungsfall versehen
sein und der mitwirkungspflichtigen Person zugestellt worden sein
(SIEBER/MALLA, a.a.O. Art. 55 Rz. 14 f.). In objektiver Hinsicht ist der
Tatbestand von Art. 173 StGB erfüllt, wenn die mit der Mahnung gesetzte
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Frist verstreicht, ohne dass die mitwirkungspflichtige Person der
Anordnung nachgekommen ist. Dabei bleibt unberücksichtigt, ob die
versäumte Verfahrenspflicht zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt
worden ist (SIEBER/MALLA, a.a.O. Art. 55 Rz. 16 f.). In subjektiver Hinsicht
ist die fahrlässige oder vorsätzliche Verfahrenspflichtverletzung strafbar.
Vorausgesetzt ist, dass der Mitwirkungspflichtige überhaupt in der Lage
war, die von ihm verlangte Mitwirkungshandlung vorzunehmen
(SIEBER/MALLA, a.a.O. Art. 55 Rz. 18).
3.2. Gemäss Beschwerdegegnerin habe der Beschwerdeführer für die
Steuerperiode 2018 im Kanton Graubünden eine Steuererklärung
einzureichen. Diese sei jedoch erst nach der entsprechenden Mahnung
und Bussenverfügung bei der Beschwerdegegnerin eingegangen. In
beweisrechtlicher Hinsicht gilt im Steuerrecht – als Konkretisierung des
allgemeinen Grundsatzes von Art. 8 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) – die Normentheorie. Danach trägt die
Steuerbehörde die Beweislast für die steuerbegründenden und -
erhöhenden Tatsachen, wogegen die steuerpflichtige Person für die
steueraufhebenden und -mindernden Tatsachen beweisbelastet ist (BGE
140 II 248 E.3.5). Diese für das ordentliche Verfahren massgebliche
Beweislastverteilung gilt auch für das Steuerstrafverfahren. Sie
widerspricht nicht der Unschuldsvermutung (vgl. Urteile des
Bundesgerichts 2C_1157/2016, 2C_1158/2016 vom 2. November 2017
E.4.2.3).
Einen Nachweis, dass der Beschwerdeführer die Steuererklärung
tatsächlich wie behauptet fristgerecht eingereicht habe, diese jedoch nicht
bei der Steuerverwaltung angekommen sei, konnte der Beschwerdeführer
nicht erbringen. Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer die
Steuererklärung 2018 zu einem späteren Zeitpunkt trotzdem einreichte, hat
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keinen Einfluss. Vorliegend hat der Beschwerdeführer damit die
Verfahrenspflichten in Art. 127 Abs. 2 StG verletzt.
3.3 Auf die Folgen dieser Pflichtverletzung wurde der Beschwerdeführer mit
Mahnung vom 13. Februar 2020 aufmerksam gemacht. Diese ist dem
Beschwerdeführer zugegangen, wie er der Steuerverwaltung am 10. März
2020 telefonisch bestätigt hat. Da der Beschwerdeführer innert der mittels
Mahnung gesetzten Frist die Steuererklärung nicht einreichte, hat er den
objektiven Tatbestand der Verletzung einer Verfahrenspflicht im Sinne von
Art. 173 StG erfüllt. In subjektiver Hinsicht ist mit der Beschwerdegegnerin
festzuhalten, dass der Beschwerdeführer ohne Weiteres in der Lage
gewesen wäre, seinen Verfahrenspflichten nachzukommen. Er wusste,
dass er die Steuererklärung 2018 innert 20 Tagen einreichen muss und tat
es trotzdem nicht. Er nahm es damit zumindest in Kauf seine Pflicht
gemäss Art. 123 Abs. 2 Satz 2 StG zu verletzen. Damit hat er vorsätzlich
gegen seine Verfahrenspflichten verstossen, weshalb ihm die
Beschwerdegegnerin zu Recht eine Busse auferlegte.
4. Die Höhe der Busse bemisst sich nach den Verhältnissen des Täters so,
dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist
(vgl. Art. 106 Abs. 3 des Schweizerischen Strafgesetzbuches [StGB; SR
311.0] i.V.m. Art. 2 Abs. 1 EGzStPO). Vorliegend handelte der Täter
vorsätzlich. Die ausgesprochene Busse ist mit Fr. 150.-- am unteren Ende
des Strafrahmens von Art. 173 StG. Die Bussenhöhe entspricht mithin dem
Verschulden und ist nicht zu beanstanden. Infolgedessen ist die
Beschwerde abzuweisen.
5. Bei diesem Verfahrensausgang sind die Gerichtskosten gemäss Art. 73
Abs. 1 VRG dem Beschwerdeführer aufzuerlegen. Die Staatsgebühr wird
aufgrund des geringen Aufwands des Einzelrichters auf Fr. 300.--
festgesetzt. Gemäss Art. 78 Abs. 2 VRG wird Bund, Kanton und
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Gemeinden sowie mit öffentlich-rechtlichen Aufgaben betrauten
Organisationen in der Regel keine Parteientschädigung zugesprochen,
wenn sie in ihrem amtlichen Wirkungskreis obsiegen. Vorliegend besteht
kein Anlass, davon abzuweichen, weshalb der obsiegenden
Beschwerdegegnerin keine aussergerichtliche Entschädigung
zuzusprechen ist.