# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 74fa3fe7-81e6-5c1b-b8a4-5efb5c7594fa
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972
,
Inhaberin des Einzelunternehmens
Y._
(vgl. Handelsregister des Kantons Zürich),
ist
seit April 1999
der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, Ausgleichskasse,
als
Selbständi
g
erwerbende
im Nebenerwerb
angeschlossen
(
Urk.
7/27)
. Am
10. September
2020 meldete sich die Versicherte bei der Ausgleichskasse zum Bezug einer Erwerbs
ausfallentschädigung (Härtefallregelung) gestützt auf die Verordnung über
Mass
nahmen
bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung E
rwerbsausfall) an (vgl. Urk. 7/158
).
Der definitiven Beitragsver
fü
gung
von 2017
lag ein beitragspflichtiges Erwerbseinkommen von Fr. 0.
--
zugrunde (Urk. 7/
155
); für das Jahr 2019 wurden
– wie
bereits
im Vorjahr (vgl.
Urk.
7/130) -
die
Akontobeiträge
für
Selbständigerwerbende
gestützt auf ein bei
tragspflichtiges Erwerbseinkommen von Fr. 0.-- festgesetzt (vgl.
Mitteilung vom 29
. Januar 2019, Urk.
7/140
).
Mit Verfügung vom 2
3.
September
2020 verneinte die Ausgleichskasse einen An
spruch auf
Corona-Erwer
bsausfallentschädigung
mit der Begründung, das selbständige Erwerbseinkommen 2019 betrage weniger als Fr. 10’000.--
(Urk. 7/159
). Die da
gegen von der Versicherten am 27
. Se
ptem
ber
20
20 erhobene Einsprache (Urk. 7/160
) wies die Ausg
leichskasse mit Ent
scheid vom 29. Oktober
2020 (Urk. 2) ab.
2.
Dagegen erhob
X._
am
2. November
2020 Beschwerde und
beantragte in
Aufhebung
des angefochtenen Entscheids vom 2
9.
Oktober 2020
die
Zusprache
einer Corona-Erwerbsausfallentschädigung (Urk. 1).
Mit Be
schwer
de
antwort vom 6. Januar
2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf
Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 6), was der B
eschwerdeführerin am 15. Januar
2021
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 185 Abs. 3 der Bundesverfassung (BV) kann der Bundesrat Verord
nun
gen und Verfügungen erlassen, um eingetretenen oder unmittelbar drohen
den schweren Störungen der öffentlichen Ordnung oder der inneren oder äusseren Sicherheit zu begegnen. Solche Verordnungen sind zu befristen (und zwar auf [maximal] sechs Monate, vgl. Art. 7d Abs. 2
lit
. a des Regierungs- und Verwal
tungsorganisationsgesetzes, RVOG).
Gestützt auf dieses Notverordnungsrecht erliess der Bundesrat - nebst anderen Verordnungen im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie, die sich teilweise (auch) auf das Bundesgesetz über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (
Epidemiengesetz
,
EpG
) stützen - am 20. März 2020 die Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall). Die Covid-19-Verordnung Erwerbsaus
fall wurde rückwirkend per 17. März 2020 in Kraft gesetzt und der Geltungszeit
raum bis zum 16. September 2020 befristet (Art. 11 Abs. 2). Seit Inkrafttreten hat die Verordnung mehrfach eine Änderung erfahren (namentlich am 23. April, 6. Juli, 17. September, 8. Oktober und 4. November 2020) und gilt nunmehr bis zum 30. Juni 2021 (Art. 11 Abs. 5). Mit dem Covid-19-Gesetz vom 25. September 2020 wurde rückwirkend per 17. September 2020 eine gesetzliche Grundlage für die Covid-19-Verordnung geschaffen (Art. 15 in Ver
bindung mit Art. 21 Abs. 3 Covid-19-Gesetz).
1.2
1.2.1
Nach Art. 2 Abs. 3
bis
Satz 1 der Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand:
6. Juli 2020) sind
Selbständigerwerbende
im Sinne von Art. 12 des Bundes
geset
zes
über den Allgemeinen Teil des Sozialver
sicherungsrechts (ATSG) anspruchs
be
rechtigt, wenn sie aufgrund der
bundes
rätlichen
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
, obwohl sie nicht zur
Schliessung
des Betriebs ver
pflichtet oder direkt vom Veranstaltungsverbot be
troffen waren, einen Erwerb
sausfall erleiden und ihr für die Bemessung der Beiträge der AHV
massgebendes
Einkommen für das Jahr 2019 zwischen Fr. 10‘000.-- und Fr. 90‘000.-- liegt (sogenannte Härte
fallregelung)
)
; dabei gilt für die Berechnung des massgebenden Einkommens für das Jahr 2019 Artikel 5 Absatz 2 zweiter Satz sinngemäss.
1.2
.2
Nach Art. 5 Abs. 2 Satz 2 Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall (Stand: 6. Juli 2020 und in Kraft bis 16. September 2020) kann nach der Festlegung der Ent
schädigung eine Neuberec
hnung der Ent
schädigung nur vorgenommen werden, wenn eine aktuellere Steuerveranlagung bis zum 16. September
2020 der an
spruchsberechtigten Person zugestellt wird und diese den Antrag zur Neuberech
nung bis zu diesem Datum einreicht.
1.2.3
Nach Art. 11 Abs. 1 EOG bildet Grundlage für die Ermittlung des durch
schnitt
li
chen vordienstlichen Erwerbseinkommens das Einkommen, von dem die Bei
träge nach dem Bundesgesetz über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) erhoben werden.
1.3
Gemäss
Rz
. 1024 des Kreisschreibens über die Entschädigung bei
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (Stand: 3. Juli 2020, KS CE) gelten Personen als
Selbständigerwerbende
, die Einkommen erzielen, wel
ches nicht Entgelt für eine als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer geleistete Arbeit darstellt. Bei
Selbständigerwerbenden
ist entscheidend, ob sie von der Aus
gleichskasse als solche anerkannt sind. Die Tatsache, dass die versicherte Person bei der Ausgleichskasse als
selbständigerwerbend
angeschlossen ist, ist dafür aus
reichend (
Rz
. 1025).
1.4
Gemäss
Rz
. 1041.3 des Kreisschreibens über die Entschädigung bei
Massnahmen
zur Bekämpfung des
Coronavirus
- Corona-Erwerbsersatz (Stand:
3.
Juli 2020
,
KS CE)
wird für die Ermittlung der Einkommensgrenzen (Fr. 10'000 und Fr. 90'000) bei der Härtefall-Prüfung grundsätzlich auf das Erwerbseinkommen, welches als Grundlage für die Beitragsrechnungen 2019 (
Akontorechnungen
) her
angezogen wurde, abgestellt. Grundlage für die Bemessung der Entschädigung für
Selbständigerwerbende
bildet grundsätzlich das Erwerbseinkommen, welches im Jahr 2019 erzielt wurde (
Rz
. 1065). Basierte die festgesetzte Entschädigung auf dem Einkommen, welches für die
Akontorechnungen
2019 herangezogen wurde und wurde dieses seit der letzten definitiven Beitragsverfügung nicht an
gepasst, so ist auf Antrag auf das Einkommen der letzten definitiven Beitrags
ver
fügung abzustellen. Liegt zum Zeitpunkt des Antrages die definitive Steuer
ver
anlagung für das Jahr 2019 bereits vor, so ist diese zu berücksichtigen (
Rz
. 1065.1). Laut
Rz
. 1068 bewirkt eine nachträgliche Anpassung des Erwerbs
einkommens infolge der
nach dem 1
6.
September 2020 eingegangenen
definiti
ven Steuermeldung für das Beitragsjahr 2019 keine Änderung in der Entschädi
gung. Ebenso keine Änderung in der Höhe der Entschädigung bewirken nach dem 17. März 2020 erfolgte Anpassungen des den
Akontorechnungen
2019 zugrun
deliegenden Erwerbseinkommens (vorbehalten bleibt
Rz
. 1065.1).
1.5
Bei einem Kreisschreiben handelt es sich um eine von der Aufsichtsbehörde für richtig befundene Auslegung von Gesetz und Verordnung. Die Weisung ist ihrer Natur nach keine Rechtsnorm, sondern eine im Interesse der gleichmässigen Ge
setzesanwendung abgegebene Meinungsäusserung der sachlich zuständigen Auf
sichtsbehörde. Solche Verwaltungsweisungen sind wohl für die Durchfüh
rungs
organe, nicht aber für die Gerichtsinstanzen verbindlich (BGE 118 V 206 E. 4c, vgl. auch 123 II 16 E. 7, 119 V 255 E. 3a mit Hinweisen). Das Gericht soll sie bei seiner Entscheidung mitberücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Es weicht anderseits insoweit von den Weisungen ab, als sie mit den
anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen nicht vereinbar sind (BGE 123 V 70 E. 4a mit Hinweisen).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, der Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung sei verneint worden, weil die Beschwerde
führerin
2019 kein Einkommen erzielt habe; der Verdienst des Ehemannes sei nicht massgeblich (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin
wandte dagegen ein, ihr Ehemann sei Firmenm
itinhaber mit Vollmacht und Einzel
zeichnungsbefugnis
. Daher sei sein Einkommen
als selb
ständige Person für die gemeinsame Firma
in Höhe von
Fr.
20'112.78
ihrem Einkommen
anzurechnen (
Urk.
1).
3.
Aufgrund der Akten erstellt und unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin weder aufgrund der letzten definitiven Beitragsverfügung 2017 noch aufgrund der
Akontobeiträge
für das Jahr 2019 ein im Sinne des Härtefalls anspruchsbe
gründendes Erwerbseinkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit erzielt hat (vgl.
Urk.
7/155
,
Urk.
7/140; Sachverhalt
Ziff.
1).
Soweit die Beschwerdeführerin
dafürhält, es sei ihrem Einkommen dasjenige des Ehemannes
aus
«
selbständiger Tätigkeit für die gemeinsame Firma
»
anzurechnen, kann
ihr unter Hinweis
auf das unter E. 1.2 Gesagte
nicht gefolgt werden.
Grund
lage
für die Anspruchsprüfung resp.
Bemessung der Entschädigung
im Rahmen des Härtefalls bildet stets das aus selbständiger Erwerbstätigkeit erworbene
Ein
kommen der antragstellenden
natürlichen
Person;
Verdienste de
r Ehepartner sind unbeachtlich. Der Hinweis auf die
Zeichnungsberechtigung
des Ehemannes geht offensichtlich ins Leere. Im Übrigen ist nur die Beschwerdeführerin als Inhaberin eingetragen
(vgl. Handelsregister des Kantons Zürich).
Zudem
hat die Beschwer
deführerin
den Lohn des Ehemannes
in Höhe von
Fr.
20’211
.78 gegenüber der Ausgleichskasse als Mitarbeiterlohn de
klariert (vgl.
Urk.
3/1). Es
handelt
sich
dabei
mit anderen Worten
um
aus unselbständiger Erwerbst
ätigkeit
erworbenes Ein
kommen
.
Es geht
freilich
nicht an, wenn die Beschwerdeführerin – als
selb
stän
digerwerbend
bei der Ausgleichkasse angemeldet
-
sich
selber
keinen Lohn aus
zahlt,
damit
keine
Sozialabzüge
leistet
und nunmehr einen Anspruch auf Corona-Erwerbsersatzentschädigung geltend macht, indem ihr
das unselb
stän
dige Er
werbseinkommen des Ehemannes anzurechnen sei.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde
.