# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4640d1d0-7115-4047-b889-07906c5dcace
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1956, ist als Angestellte der Y._ AG bei der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert.
Mit Bagatellunfall-Meldung vom 23. Januar 2015 wurde der Zürich Versiche
rungs-Gesellschaft AG mitgeteilt, die Mutter der Versicherten sei am 20. Dezember 2014 in ihrer Wohnung gestürzt und habe sich – wie sich spä
ter herausgestellt habe – den Oberschenkelhals gebrochen. Die Versicherte sei dazu gekommen und habe ihrer Mutter beim Aufstehen helfen wollen. Dabei habe es im Rücken der Versicherten geknallt (Urk. 7/Z1). Zur näheren Abklärung des Vorfalles stellte die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG der Versicherten einen Fragenkatalog zu, den diese am 2. Februar 2015 ausge
füllt zurück
sandte (Urk. 7/Z5; vgl. auch Urk. 7/Z4). Überdies holte die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG einen Bericht des behandelnden Arztes, Dr. med. Z._, Facharzt FMH für Innere Medizin, vom 4. Februar 2015 ein, in welchem ein akutes Lumbovertebralsyndrom mit Hypomobilität L5/S1 posttraumatisch als Diagnose festgehalten wurde (Urk. 7/ZM1; vgl. auch Urk. 7/Z3). Anschliessend vertrat die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG die Auffassung, das Ereignis vom 20. Dezember 2014 sei kein Unfall im Sinne von Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) und es liege keine unfallähnliche Körperschädi
gung im Sinne von Art. 9 Abs. 2 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) vor; die Voraussetzungen für ihre Leistungspflicht seien somit nicht erfüllt (Urk. 7/Z6 bis 7/Z8). Die Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG als Krankenversicherer von X._ liess die Versicherte am 2. März 2015 diverse Fragen zum Sachverhalt beantworten und forderte danach die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG schriftlich auf, die Versicherungsleistungen zu erbringen oder eine Verfügung zu erlas
sen (Urk. 7/Z9 S. 1). Die Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG lehnte ihre Leistungspflicht mit Verfügung vom 27. Mai 2015 ab (Urk. 7/Z11). Dagegen erhob die Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG am 8. Juni 2015 Einsprache (Urk. 7/Z12), die mit Entscheid vom 18. September 2015 (Urk. 2 = 7/3) abgewiesen wurde.
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 18. September 2015 erhob die Concordia Schweizerische Kranken- und Unfallversicherung AG mit Eingabe vom 20. Oktober 2015 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben, das Vorliegen eines Unfalls im Sinne von Art. 4 ATSG sei festzustellen und die Beschwerdegegnerin sei zur Erbringung der Versicherungsleistungen zu verurteilen. Eventualiter sei der angefochtene Entscheid aufzuheben, das Vorliegen eines Unfalls im Sinne von Art. 4 ATSG festzustellen und die Sache zur Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzu
weisen. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Ferner wurde darum ersucht, der Beschwerde die auf
schiebende Wirkung zu erteilen (Urk. 1 S. 2). Zusammen mit der Beschwer
deschrift wurde ein Auszug aus dem Aufsatz „Sturzproblematik aus juris
tischer Sicht“ von Prof. Dr. A._, publiziert in: Pflegerecht und Pflegewissenschaft 01/2013, eingereicht (Urk. 3/8). Am 23. November 2015 beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und des prozessualen Antrags (Urk. 6). Mit Verfügung vom 4. Dezember 2015 wurde auf das Gesuch der Beschwerdeführerin vom 20. Oktober 2015 um Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde nicht eingetreten, die Ver
sicherte zum Prozess beigeladen und derselben Frist zur Stellungnahme angesetzt (Urk. 8). Mit Verfügung vom 1. Februar 2016 wurde den Parteien mitgeteilt, dass sich die Beigeladene innert der ihr angesetzten Frist nicht vernehmen liess, und es wurde der Beschwerdeführerin die Beschwerdeant
wort zugestellt (Urk. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien und die im Beschwerdeverfahren neu eingereichte Unterlage (Urk. 3/8) wird, soweit erforderlich, in den Erwägun
gen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sach
verhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistun
gen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bishe
rigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmun
gen).
Es ist hier ein Sachverhalt vom 20. Dezember 2014 zu beurteilen
, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Die Unfallversicherung gewährt Leistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufs-
un
fällen und Berufskrankheiten (Art. 6 Abs. 1 UVG).
Ein Unfall ist gemäss Art. 4 ATSG die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den mensch
lichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.3
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber. Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist somit, dass der äussere Faktor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Fol
gen nach sich zog. Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rah
men des im jeweiligen Lebensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschrei
tet. Ausschlaggebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den menschlichen Körper abhebt. Ungewöhn
liche Auswirkungen allein begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.4
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung (RKUV 2000 Nr. U 368 S. 100 E. 2d mit Hinweisen; Maurer, Schweizerisches Unfallversicherungs
recht, S. 176 f.) bestehen. Bei Körperbewegungen gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam „programmwidrig" beeinflusst hat. Bei einer sol
chen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche äussere Faktor zu bejahen; denn der äussere Faktor – Veränderung zwischen Körper und Aus
senwelt – ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein unge
wöhnlicher Faktor (BGE 130 V 117 E. 2.1; RKUV 2004 Nr. U 502 S. 183
E. 4.1, Nr. U 510 S. 275, Nr. U 523 S. 541 E. 3.1).
1.5
Selbst bei fehlender Störung des Bewegungsablaufs durch einen äusseren Faktor kann die Aussergewöhnlichkeit auch dann gegeben sein, wenn beim Heben oder Schieben einer Last zufolge ausserordentlichen Kraftaufwandes, d.h. einer sinnfälligen Überanstrengung, eine Schädigung eintritt. Es muss allerdings jeweils geprüft werden, ob die Anstrengung im Hinblick auf Kon
stitution und berufliche und ausserberufliche Gewöhnung der betreffenden Person ausserordentlicher Art war (BGE 116 V 136 E. 3b mit Hinweisen; RKUV 1994 Nr. U 180 S. 38). Kein Unfall liegt vor, wenn die Anstrengung nur wegen bestehender krankhafter Veränderungen zu Schädigungen führen kann, weil sich dann eine innere Ursache auswirkt, während der äussere, oft harmlose Anlass bloss den pathologischen Faktor manifest werden lässt (BGE 116 V 136 E. 3b mit Hinweisen).
2.
Zu Recht wurde von keiner der Parteien in Frage gestellt, dass eine Leistungs
pflicht der Beschwerdegegnerin wegen einer der in Art. 9 Abs. 2 UVV abschliessend aufgezählten unfallähnlichen Körperschädigungen ausser Betracht fällt. Strittig und zu prüfen ist, ob das Ereignis vom 20. Dezember 2014 als Unfall im Sinne von Art. 4 ATSG zu qualifizieren ist und ob die Versicherte einen Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung hat.
3.
3.1
Befragt zum detaillierten Ablauf des Vorfalles vom 20. Dezember 2014 schil
derte die Versicherte am 2. Februar 2015 schriftlich, sie habe ihre Mutter, geboren 1930, besuchen wollen. Nach dem Klingeln habe sie einen Knall gehört. Als sie die Wohnung betreten habe, habe ihre Mutter am Boden gele
gen. Sie sei bei Bewusstsein gewesen und habe erklärt, es tue ihr nichts weh. Also habe die Versicherte versucht, ihrer Mutter aufzuhelfen. Als diese dann habe stehen wollen und sich an einer Kommode festgehalten habe, sei sie wieder zusammengesackt und habe die Versicherte mit nach unten gerissen. Es habe sich dann herausgestellt, dass der Oberschenkel der Mutter gebrochen gewesen sei. Im Rücken der Versicherten habe es dabei (gemeint: bei dem Vorfall) einen Knall gegeben.
Die Versicherte habe noch nie zuvor die geschilderte oder eine ähnliche Tätig
keit verrichtet (Urk. 7/Z5 S. 1).
3.2
Gegenüber dem Mitarbeiter der Beschwerdeführerin führte die Versicherte am 2. März 2015 auf entsprechende Nachfragen telefonisch aus, sie wiege 63 Kilogramm, während das Körpergewicht ihrer Mutter etwa 55 Kilogramm betrage. Als ihre Mutter zusammengesackt sei, habe die Versicherte sie von hinten unter den Armen gehalten. Der Oberkörper der Versicherten sei gerade gewesen, die Beine noch nicht gestreckt. Ihrer Schätzung nach habe sie das ganze Körpergewicht ihrer Mutter auffangen müssen (Urk. 7/Z9 S. 2).
4.
4.1
Aus den glaubhaften Schilderungen der Versicherten ergibt sich, dass sie ihre Mutter unter den Armen hielt, als diese zusammensackte (Urk. 7/Z9 S. 2). Die Beschwerdegegnerin hat daher – entgegen der in der Beschwerdeschrift ver
tretenen Auffassung (Urk. 1 S. 6) – richtig erkannt, es habe beim hier zur Diskussion stehenden Ereignis ein Körperkontakt zwischen der Versicherten und ihrer Mutter bestanden (Urk. 2 S. 4, 6 S. 2 und 7/Z11 S. 2). In einem derartigen Fall stellt ein Sturz rechtsprechungsgemäss keinen äusseren Faktor dar (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_827/2007 vom 22. September 2008 E. 4.1 mit Hinweis; vgl. auch A._, a.a.O., S. 20, Urk. 3/8 mit Hinweisen). Es kann hier deshalb offen bleiben, ob das Zusammensacken beziehungsweise Stürzen der Mutter der Versicherten als ungewöhnlich zu werten wäre.
4.2
Aus den Angaben der Versicherten geht nicht hervor, dass sie eine unkoordi
nierte Bewegung ausführte, als sie ihre Mutter auffangen musste.
4.3
Unter diesen Umständen bleibt detailliert zu prüfen, ob das Auffangen der zusammensackenden Mutter mit einem ausserordentlichen Kraftaufwand verbunden war, der zu einer Überanstrengung der Versicherten führte. In diesem Sinne hat denn auch die Beschwerdeführerin in ihrem Schreiben vom 2. März 2015 argumentiert (Urk. 7/Z9 S. 1).
Ob ein Unfallereignis aufgrund einer Überanstrengung gegeben ist, muss rechtsprechungsgemäss in Würdigung der gesamten Umstände des Einzel
falles entschieden werden. Dabei ist unter anderem der physischen Konstitu
tion, der beruflichen Ausbildung und der sonstigen Erfahrung Rechnung
zu tragen (vgl. BGE 116 V 136 3b und das Urteil des Bundesgerichts 8C_444/2009 vom 11. Januar 2010 E. 4.3 mit der dort beschriebenen Kasuis
tik).
Es trifft zwar zu, dass die Versicherte – soweit aus den Akten ersichtlich – über keine medizinische Ausbildung verfügt und bisher noch nie in einen entsprechenden Vorfall involviert war (Urk. 7/Z5 S. 1; vgl. auch Urk. 1 S. 5, 7/Z9 S. 1 und 7/Z12 S. 2). Sie musste wohl auch unvermittelt reagieren
(vgl. Urk. 7/Z12 S. 1). Entscheidend ist hier indessen, dass die Mutter der Versi
cherten lediglich ca. 55 Kilogramm wog, während die Versicherte selbst ein Gewicht von 63 Kilogramm aufwies (Urk. 7/Z9 S. 2). Unter diesen Umständen ist nicht davon auszugehen, dass die Versicherte einen besonderen Kraftauf
wand entfalten musste, selbst wenn tatsächlich das gesamte Körpergewicht ihrer Mutter – d.h. 87,3 % ihres eigenen Körpergewichts (Urk. 1 S. 7 und 7/Z12 S. 2) – auf ihr lastete, wie es gemäss ihrem Empfinden der Fall war (Urk. 7/Z9 S. 2). Dies muss umso mehr gelten, als auch keine Anhaltspunkte dafür vorhanden sind, dass die Konstitution der Versicherten und ihre Fähig
keit, eine Person mit einem derart geringen Gewicht aufzufangen, beein
trächtigt gewesen sein könnten. Es ist deshalb der Beschwerdegegnerin bei
zupflichten, dass im vorliegenden Fall von einer Überanstrengung nicht aus
gegangen werden kann (Urk. 7/Z11 S. 2).
4.4
Aus dem Gesagten folgt, dass die Kriterien des Unfallbegriffs nicht erfüllt sind, da es am Erfordernis eines ungewöhnlichen äusseren Faktors mangelt. Damit erweist es sich als korrekt, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leis
tungspflicht verneinte. Die Beschwerde ist somit abzuweisen.