# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 231e8ebc-1b03-47ff-857c-2e38c87fbeb2
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Gefährdung des Lebens etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon vom 26. Juni 2019 (DG190007)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 1. Februar
2019 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 23).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 51 S. 42 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB,
− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2 StGB bzw. Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit
Ziff. 2 Abs. 3 StGB,
− der versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der groben Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 4a Abs. 1 VRV und Art. 22 Abs. 1
SSV,
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2 lit. b SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV,
− des mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung im Sinne von Art. 95 Abs. 1 lit. b SVG in Verbindung mit Art. 10 Abs. 2 SVG sowie
− der mehrfachen Übertretung von Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 36 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 23 Tage
durch Haft erstanden sind) sowie mit einer Busse von Fr. 400.00.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 4 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, abzüglich 23 Tage,
- 3 -
die durch Untersuchungshaft erstanden sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen. Die
Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine
Ersatzfreiheitsstrafe von 4 Tagen.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 5 Jahre des Landes verwie-
sen.
6. Von der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem
wird abgesehen.
7. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger (B._) Fr. 1'000.00
zuzüglich 5 % Zins ab 23. September 2017 als Genugtuung zu bezahlen. Im
Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
8. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger (B._)
aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist.
Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der
Privatkläger (B._) auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin (C._) Fr. 8'000.00
zuzüglich 5 % Zins ab 1. Januar 2018 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag
wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
10. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin (C._)
aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist.
Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die
Privatklägerin (C._) auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
- 4 -
11. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.00; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 3'205.05 Auslagen (Gutachten)
Fr. 396.00 Auslagen
Fr. 60.00 Auslagen (Gutachten)
Fr. 140.80 Blutalkoholuntersuchung Spital Bülach
12. Rechtsanwalt Dr. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidi-
ger des Beschuldigten aus der Gerichtskasse mit Fr. 15'501.05 (inkl. Barauslagen
und 7.7 % MwSt.) entschädigt.
13. Rechtsanwältin MLaw Y1._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche Ver-
treterin der Privatklägerin (C._) aus der Gerichtskasse mit Fr. 11'178.80 (inkl.
Barauslagen und 7.7 % MwSt.) entschädigt.
14. Der Antrag der Vertreterin des Privatklägers (B._), Dr. iur. Z1._, für eine
Aufwandsentschädigung wird abgewiesen.
15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Pri-
vatklägerin (C._), werden dem Beschuldigten auferlegt.
16. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der
Privatklägerin (C._) werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten
bleibt eine Nachforderung zu Lasten des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO (teilweise i.V.m. Art. 138 StPO).
17. (Mitteilung)
18. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. S. 6 ff.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 83 S. 1 f.)
- 5 -
1. Ziff. 1 des Dispositivs des Bezirksgerichtes Dietikon vom 26. Juni 2019
(DG.190007-M) sei aufzuheben und Herr A._ vom Vorwurf
– der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB freizu-
sprechen,
– der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 2 StGB bzw. Art. 123
Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 3 freizusprechen,
- der versuchten Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2
lit. a StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB freizusprechen.
2. Ziff. 2 des Dispositivs des Bezirksgerichtes Dietikon vom 26. Juni 2019
(DG.190007-M) sei aufzuheben und Herr A._ mit einer Geldstrafe
zu bestrafen.
3. Ziff. 3 des Dispositivs des Bezirksgerichtes Dietikon vom 26. Juni 2019
(DG.190007-M) sei aufzuheben und Herr A._ sei der bedingte
Vollzug zu gewähren unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren.
4. Ziff. 5 des Dispositivs des Bezirksgerichtes Dietikon vom 26. Juni 2019
(DG.190007-M) sei aufzuheben und es sei von einer Landesverwei-
sung abzusehen.
5. Ziff. 7 des Dispositivs des Bezirksgerichtes Dietikon vom 26. Juni 2019
(DG.190007-M) sei aufzuheben und die Zivilforderung abzuweisen.
6. Ziff. 8 des Dispositivs des Bezirksgerichtes Dietikon vom 26. Juni 2019
(DG.190007-M) sei aufzuheben und die Zivilforderung abzuweisen.
7. Ziff. 9 des Dispositivs des Bezirksgerichtes Dietikon vom 26. Juni 2019
(DG.190007-M) sei aufzuheben und die Zivilforderung abzuweisen.
- 6 -
8. Ziff. 10 des Dispositivs des Bezirksgerichtes Dietikon vom 26. Juni
2019 (DG.190007-M) sei aufzuheben und die Zivilforderung abzuwei-
sen.
9. Ziff. 15 des Dispositivs des Bezirksgerichtes Dietikon vom 26. Juni
2019 (DG.190007-M) sei aufzuheben und die Kosten und Gebühren
seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 57)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Vertreterin des Privatklägers B._:
(Urk. 85 S. 1)
1. Die Berufung sei abzuweisen und das vorinstanzliche Urteil zu bestäti-
gen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Berufungs-
klägers.
d) Der unentgeltlichen Vertreterin der Privatklägerin C._:
(Urk. 86 S. 1 f.)
1. Es seien die Berufungsanträge des Beschuldigten vollumfänglich
abzuweisen, insbesondere, was die Zivilansprüche der Privatklägerin 2
betrifft, sofern sie nicht mit unseren Anträgen übereinstimmen.
2. Es sei Ziff. 5 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Dietikon
vom 26. Juni 2019 (DG190007-M) aufzuheben und es sei von einer
Landesverweisung abzusehen.
3. Das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon vom 26. Juni 2019 (DG190007-
M) sei im Übrigen zu bestätigen.
- 7 -
4. Dem Beschuldigten seien sämtliche Kosten des Verfahrens, inklusive
der Kosten der unentgeltlichen Rechtsvertretung der Privatklägerin 2,
aufzuerlegen.
5. Es sei Frau RAin Y1._ für die Aufwendungen als unentgeltliche
Rechtsvertretung der Privatklägerin 2 ein Gesamtbetrag von
CHF 2'117.55 (inkl. gesetzlicher MwSt.) zuzüglich der Aufwendungen
für die heutige Verhandlung sowie die Nachbereitung aus der Staats-
kasse zu entrichten.

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Am 5. Januar 2018 erstattete die Privatklägerin C._ gegen ihren Ehe-
mann, den Beschuldigten A._, bei der Kantonspolizei Zürich Strafanzeige
wegen eines gewaltsamen Übergriffs am Morgen des 1. Januar 2018 in der eheli-
chen Wohnung D._ ... in E._. Zudem gab sie an, dass der Beschuldigte
bereits zu einem früheren Zeitpunkt dem gemeinsamen Sohn und Privatkläger
B._ das Schlüsselbein gebrochen habe (Urk. 1). Am 9. Januar 2018 wurde
der Beschuldigte verhaftet (Urk. 18/1) und befand sich in der Folge bis am 1. Feb-
ruar 2018 in Untersuchungshaft (Urk. 18/28). Nach Eingang zweier weiterer Dos-
siers betreffend Strassenverkehrsdelikten des Beschuldigten am 11. und 13. No-
vember 2018 (Urk. 17/1-6; D2 und D3) sowie nach Abschluss der Untersuchung
erhob die Staatsanwaltschaft schliesslich am 1. Februar 2019 Anklage gegen den
Beschuldigten an das Bezirksgericht Dietikon (nachfolgend: Vorinstanz; Urk. 23).
Dieses führte am 26. Juni 2019 die Hauptverhandlung durch (Prot. I S. 6 ff.).
2. Am 12. Juli 2019 meldete der Beschuldigte fristgerecht Berufung gegen das
eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil der Vorinstanz vom 26. Juni 2019
an (Urk. 46), welches den Parteien am 11. Juli 2019 schriftlich eröffnet worden
war (vgl. Urk. 42-45). Nach Zustellung des begründeten Urteils (Urk. 49 = Urk. 51)
am 8. Januar 2020 (Urk. 50/4) reichte der Beschuldigte dem Obergericht am
- 8 -
22. Januar 2020 (Poststempel) fristgerecht die Berufungserklärung ein und stellte
Beweisanträge (Urk. 53).
3. Mit Präsidialverfügung vom 5. Februar 2020 wurden der Staatsanwaltschaft
und den Privatklägern in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO sowie
Art. 401 StPO eine Kopie der Berufungserklärung des Beschuldigten zugestellt
und Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten
auf die Berufung zu beantragen. Zugleich wurde der Staatsanwaltschaft Frist an-
gesetzt, um zu den Beweisanträgen des Beschuldigten obligatorisch Stellung zu
nehmen; selbiges wurde den Privatklägern freigestellt (Urk. 55). Sowohl die
Staatsanwaltschaft als auch die Privatkläger verzichteten mit Eingaben vom
12. bzw. 28. Februar 2020 explizit auf eine Anschlussberufung. Die Privatkläger
beantragten überdies die Abweisung der vom Beschuldigten gestellten Beweisan-
träge (Urk. 57, 59 und 61). Nachdem sich die Staatsanwaltschaft trotz der obliga-
torischen Fristansetzung nicht hatte zu den Beweisanträgen des Beschuldigten
vernehmen lassen, wurde ihr mit Präsidialverfügung vom 2. März 2020 hierzu er-
neut Frist angesetzt (Urk. 64). Mit Eingabe vom 4. März 2020 zog die Verteidi-
gung den Beweisantrag betreffend Befragung von F._ und G._ zurück,
da dieser versehentlich gestellt worden sei (Urk. 66). Die Staatsanwaltschaft be-
antragte schliesslich mit Eingabe vom 5. März 2020 die Abweisung der vom Be-
schuldigten gestellten Beweisanträge (Urk. 68).
4. Mit Präsidialverfügung vom 12. März 2020 wurden die verbleibenden Be-
weisanträge des Beschuldigten (Einvernahme der Privatklägerin C._ und von
H._) abgewiesen (Urk. 70).
5. Am 24. Juni 2020 wurden die Parteien zur heutigen Berufungsverhandlung
vorgeladen, wobei der Staatsanwaltschaft und den Privatklägern das Erscheinen
freigestellt wurde (Urk. 72).
6. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschienen der Beschuldigte A._ in
Begleitung seines amtlichen Verteidigers Rechtsanwalt Dr. iur. X._ sowie
Rechtsanwältin lic. iur. Z2._ als neue Beiständin des Privatklägers B._
und Rechtsanwältin MLaw Y2._, substitutionsbevollmächtigt durch die sich
- 9 -
im Mutterschaftsurlaub befindende Rechtsanwältin MLaw Y1._, als Vertrete-
rin der Privatklägerin C._. Es waren keine Vorfragen zu entscheiden und es
wurden keine weiteren Beweisanträge gestellt. In der Sache selbst stellten die
Parteien die eingangs wiedergegebenen Anträge (Prot. II S. 6 ff.). Das Verfahren
ist spruchreif.
II. Prozessuales
1. Antrag der Privatklägerin betreffend Landesverweisung
1.1. Anlässlich der Berufungsverhandlung liess die Privatklägerin den Antrag
stellen, es sei das vorinstanzliche Urteil, soweit dieses eine Landesverweisung
des Beschuldigten anordne, aufzuheben und es sei von einer Landesverweisung
abzusehen (Urk. 86 S. 2).
1.2. Da die Privatklägerin weder eine eigenständige Berufung noch eine An-
schlussberufung gegen das erstinstanzliche Urteil erhoben hat, da sie durch den
besagten Entscheid auch nicht persönlich beschwert ist und da sie insbesondere
auch über keine Legitimation verfügt, eine ausgesprochene Sanktion anzufechten
(Art. 382 Abs. 2 StPO), ist auf den entsprechenden Antrag der Privatklägerin nicht
einzutreten.
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Berufungserklärung des Beschuldigten richtet sich gegen seine Ver-
urteilung wegen Gefährdung des Lebens, mehrfacher einfacher Körperverletzung
und versuchter Drohung (Dispositiv-Ziffer 1, 1. bis 3. Lemma), die Strafzumes-
sung mit Ausnahme der ausgefällten Übertretungsbusse (Dispositiv-Ziffer 2 und
3), die Anordnung der Landesverweisung (Dispositiv-Ziffern 5 und 6), die Zivilfor-
derungen der Privatkläger (Dispositiv-Ziffern 7 bis 10) sowie die Kostenauflage
(Dispositiv-Ziffern 15 und 16; Urk. 83 S. 1 f.).
2.2. Nicht angefochten und somit in Rechtskraft erwachsen sind die Dispositiv-
Ziffer 1, 4.-7. Lemma (Schuldsprüche betreffend SVG-Delikte und mehrfache
Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes), Dispositiv-Ziffer 2, 2. Halbsatz (Aus-
- 10 -
fällung einer Übertretungsbusse), Dispositiv-Ziffer 3, letzter Satz (Vollzug der
Übertretungsbusse), Dispositiv-Ziffer 4 (Festsetzung der Ersatzfreiheitsstrafe) so-
wie die Dispositiv-Ziffern 11 bis 14 (Festsetzung der Gerichtskosten und der Ent-
schädigung der amtlichen Verteidigung bzw. der unentgeltlichen Vertretung der
Privatkläger) des vorinstanzlichen Urteils, was vorab festzustellen ist.
2.3. Nachdem der Beschuldigte als einziger Berufung führt, steht die Überprü-
fung des angefochtenen Urteils im Übrigen unter dem Vorbehalt des Verschlech-
terungsverbots (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3. Formelles
3.1. Soweit nachfolgend auf Erwägungen der Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid verwiesen wird, erfolgt dies in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 6B_570/2019 vom 23. September 2019,
E. 4.2, m.w.H.), auch ohne dass dies jeweils explizit Erwähnung findet.
3.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und je-
des einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249,
E. 1.3.1, mit Hinweisen). Die Berufungsinstanz kann sich somit in der Begründung
auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
III. Schuldpunkt
A. Vorfall vom 1. Januar 2018 (Anklageziffer I.; Privatklägerin: C._)
1. Die Vorinstanz erachtete diesen Anklagesachverhalt gestützt auf ihre
Würdigung der vorliegenden Beweismittel "im Wesentlichen" als erstellt, mit der
Einschränkung, dass nicht erstellt sei, dass die Privatklägerin durch Äusserungen
des Beschuldigten in Angst versetzt worden sei. Ferner ergänzte die Vorinstanz
den Anklagesachverhalt zu Gunsten des Beschuldigten dahingehend, dass als
erstellt betrachtet werden könne, dass der Beschuldigte zusammen mit den Kin-
dern ins Kinderzimmer geflüchtet sei und dort von innen die Tür zugehalten habe,
während die Privatklägerin gegen die Tür gepoltert habe, sich Zugang zum Kin-
- 11 -
derzimmer habe verschaffen wollen und dabei auch das Küchenmesser in der
Hand gehalten habe. Auf diese zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz kann
vorab grundsätzlich verwiesen werden (Urk. 51 S. 6 bis 15).
2.1 Der Beschuldigte wandte im Berufungsverfahren einerseits dagegen ein,
dass eine Lebensgefahr der Privatklägerin aufgrund der Ereignisse am 1. Januar
2018 nicht zweifelsfrei erstellt werden könne. Der Beschuldigte habe die Privat-
klägerin nicht am Hals gepackt und in die Luft gehoben. Zwar seien die bekannten
und ärztlich festgestellten Verletzungen (Schädelprellung, Verstauchung an der
Halswirbelsäule, Blutergüsse am Becken, der rechten Hand, an beiden Oberar-
men und am Oberschenkel sowie Kratzwunden am rechten Oberarm) unstrittig
und nach Aussage der Verteidigung dem Gerangel um das Messer geschuldet;
diese hätten jedoch keine Lebensgefährdung bei der Privatklägerin zur Folge ge-
habt. Eine folgende Magnet-Resonanz-Bildgebung habe zudem keine Anzeichen
einer Schädigung von Hals, Hirn oder grosser Blutgefässe gezeigt und solche
seien auch nicht den ärztlichen Berichten des Hausarztes der Privatklägerin oder
dem Bericht des erstbehandelnden Arztes im Kantonsspital Zug zu entnehmen.
Erst anlässlich der Begutachtung durch das Rechtsmedizinische Institut der Uni-
versität Zürich (nachfolgend "IRM"), habe die Privatklägerin über Sehstörungen,
Halsschmerzen und Schluckbeschwerden geklagt. Da objektiv daher keine Ver-
letzungsfolgen sichtbar seien, die auf ein Würgen hindeuten würden, sei die Le-
bensgefahr im Gutachten des IRM lediglich aufgrund der subjektiven Angaben der
Privatklägerin betreffend ihre Sehstörungen, Schluckbeschwerden und dem an-
haltenden Schwindel seit dem Ereignis bejaht worden. Hierbei handle es sich um
Aussagen der Privatklägerin, welche nicht anlässlich einer rechtskonformen Be-
fragung gemacht worden und entsprechend unverwertbar seien. Daher könne für
die Bejahung einer Lebensgefahr nicht auf diese Aussagen abgestellt werden.
Sollte sodann ein Anheben der Privatklägerin stattgefunden haben, so hätte dies
auch so vorgenommen werden können, dass der Beschuldigte die Privatklägerin
weniger am Hals als vielmehr am Kopf hochgehoben habe (Urk. 83 S. 6 ff.).
2.2 Andererseits habe der Beschuldigte mit seinen eingestanden Handlungen
lediglich auf einen widerrechtlichen Angriff der Privatklägerin reagiert, da diese
- 12 -
sich wütend mit einem Messer bewaffnet Zutritt zum Kinderzimmer, wohin sich
der Beschuldigte mit den gemeinsamen Kindern zurückgezogen habe, habe ver-
schaffen wollen. Aufgrund der hierdurch verursachten Gefahrenlage für die kör-
perliche Unversehrtheit der Kinder der Parteien und des Beschuldigten seien sei-
ne Handlungen nachvollziehbar und plausibel gewesen und er habe lediglich mit
dem Willen gehandelt, den andauernden Angriff abzuwenden, weshalb nicht von
einer skrupellosen Tatbegehung gesprochen werden könne. Vielmehr habe der
Beschuldigte, da der Angriff noch im Gange gewesen sei, in rechtfertigender Not-
wehr gehandelt, als er versuchte, der Privatklägerin das Messer zu entwenden,
zumal mit der körperlichen Unversehrtheit beider Beteiligten gleichwertige
Rechtsgüter betroffen gewesen seien. Ginge man davon aus, dass der Beschul-
digte nach der Messerentwendung nicht genügend besonnen und verantwortlich
reagiert habe, so sei dies auf eine entschuldbare Aufregung und Bestürzung des
Beschuldigten zurückzuführen. Ginge man weiter davon aus, dass der Beschul-
digte bei der Abwehr die zeitlichen Grenzen der Notwehr überschritten habe, so
sei eine Strafmilderung angezeigt, eventualiter der Beschuldigte wegen einfacher
Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB zu bestrafen (Urk. 83 S. 2 ff.
und S. 10 ff.).
3.1 Was die von der Verteidigung geltend gemachte Notwehrsituation des
Beschuldigten anbelangt, ist festzuhalten, dass sowohl die Privatklägerin als auch
der Beschuldigte grundsätzlich übereinstimmend und glaubhaft geschildert haben,
dass es nach der Rückkehr des Beschuldigten in die eheliche Wohnung am Mor-
gen des 1. Januar 2018 zunächst zu einer heftigen verbalen Auseinandersetzung
wegen Beziehungsproblemen zwischen den Ehegatten gekommen ist, in deren
Verlauf die Privatklägerin schliesslich ein Küchenmesser behändigte, worauf der
Beschuldigte zusammen mit den Kindern in das Kinderzimmer flüchtete und die
Tür von innen zuhielt, während die Privatklägerin mit der Hand dagegen hämmer-
te und ausrief, sie werde sich umbringen, wenn das so weitergehe (Hervorhebung
durch das Gericht; Urk. 6/2 S. 3 f.; Urk. 7/1 S. 2; Urk. 7/3 S. 6 f.; Prot. I S. 13 f.).
Entsprechend erweisen sich sämtliche Vorbringen der amtlichen Verteidigung be-
treffend einen angeblichen widerrechtlichen Angriff der Privatklägerin, welchen
der Beschuldigte habe abwehren müssen, als unbehilflich. Aufgrund der überein-
- 13 -
stimmenden Aussagen der Parteien äusserte die Privatklägerin zu keinem Zeit-
punkt einen Schädigungswillen gegenüber dem Beschuldigten oder der Kinder,
weshalb auch nicht von einem widerrechtlichen Angriff der Privatklägerin ausge-
gangen werden kann.
Den weiteren Verlauf des Geschehens schilderten die Beteiligten demgegenüber
unterschiedlich: Während die Privatklägerin zusammengefasst ausführte, sie ha-
be das Messer schliesslich in die Küche zurück gelegt, woraufhin der Beschuldig-
te zu ihr in die Küche gekommen sei und sie dort mehrfach gewürgt, getreten, an
den Haaren gepackt und gegen die Wand geschlagen sowie an den Armen ge-
packt und gezogen habe (Urk. 7/1 S. 2 f.; Urk. 7/3 S. 8 ff.), gab der Beschuldigte
im Wesentlichen an, er habe schliesslich die Türe des Kinderzimmers geöffnet,
die Privatklägerin an den Armen gepackt, ihr das Messer weggenommen und
dann mit den Kindern die Wohnung verlassen (Urk. 6/2 S. 4; Urk. 6/3 S. 5 f.;
Urk. 6/4 S. 8; Prot. I S. 14).
3.2 Bereits die Vorinstanz hat zutreffend dargelegt, dass die Privatklägerin über
den Verlauf der Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten konstante und
glaubhafte Aussagen gemacht hat (Urk. 51 S. 8 ff.). Dem ist einzig beizufügen,
dass dies insbesondere auch auf den vom Beschuldigten bestrittenen Würgevor-
gang zutrifft, den die Privatklägerin sehr anschaulich und detailreich aus ihrer
Perspektive zu schilden vermochte (Urk. 7/1 S. 2 und 3; Urk. 7/3 S. 9 f.).
3.3 Demgegenüber erweisen sich die Aussagen des Beschuldigten als wenig
überzeugend. Ergänzend zu den diesbezüglich grundsätzlich zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz (Urk. 51 S. 10 f.) ist darauf hinzuweisen, dass der Be-
schuldigte zum eigentlichen Kerngeschehen seiner Darstellung nicht nur inhalts-
arme ("an den Armen gepackt und das Messer weggenommen"), sondern auch
widersprüchliche Angaben machte. So führte er zu seiner Gefühlslage und Moti-
vation, schliesslich die Zimmertüre zu öffnen, um der Privatklägerin das Messer
wegzunehmen, zunächst aus, er habe verhindern wollen, dass die Privatklägerin
sich umbringe und er dann "mit den Kindern über ihre Leiche gehen" müsse
(Urk. 6/2 S. 4). Demgegenüber behauptete er in einer späteren Befragung, er ha-
be sich und die Kinder beschützen wollen (Urk. 6/3 S. 6). Anlässlich der vo-
- 14 -
rinstanzlichen Hauptverhandlung brachte er sodann zunächst vor, die Privatkläge-
rin habe gedroht, sich umzubringen, er habe aber nicht gewusst, ob sie sich oder
ihn oder die Kinder habe umbringen wollen (Prot. I S. 14), dann wiederum, er sei
in "Panik" gewesen und habe nicht gewusst, ob er sich um sich, um die Privatklä-
gerin oder um die Kinder kümmern solle, wobei er vor der Privatklägerin keine
richtige Angst gehabt habe, weil "eine Frau immer noch eine Frau" sei (Prot. I
S. 17). Schliesslich bestritt er auf Ergänzungsfrage sogar – entgegen seinen un-
mittelbar vorhergehenden Aussagen – gehört zu haben, dass die Privatklägerin
gesagt habe, sie wolle sich umbringen. Er habe Angst vor dem Messer gehabt
(Prot. I S. 18 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung sagte der Beschuldigte auf
Befragen erneut aus, dass er sich und die Kinder vor dem widerrechtlichen Angriff
der Privatklägerin habe schützen wollen und lediglich die Türe geöffnet habe, als
sich der auf der Tür lastende Widerstand, den die Privatklägerin zuvor verursacht
habe, verringert und er daher angenommen habe, dass die Privatklägerin sich
nicht mehr gegen die Türe stämmen würde. Als er die Türe aufgemacht habe, sei
die – weiterhin vor der Türe stehende – Privatklägerin ein wenig nach vorne ins
Kinderzimmer gestolpert, in welchem Moment er dann versucht habe, ihr das
Messer zu entwenden (Urk. 82 S. 22 f.).
Ein weiterer wesentlicher Widerspruch in den Aussagen des Beschuldigten findet
sich bezüglich des Ablaufs der von ihm behaupteten "Rangelei um das Messer"
mit der Privatklägerin. Während der Beschuldigte hierzu zunächst ausführte, die-
se habe unmittelbar vor der Tür des Kinderzimmers ("Ich habe die Türe geöffnet
und sie sofort an beiden Armen gepackt.", Urk. 6/2 S. 4) bzw. "im Korridor" statt-
gefunden – von einem Streit in der Küche könne er nichts sagen – (Urk. 6/4 S. 8),
brachte er anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung erstmals vor, die
Privatklägerin und er seien durch das Gerangel in der Küche gelandet, wo es zu
einer Auseinandersetzung gekommen sei und er sie auch weggeschubst und das
Messer in die Küchenschublade getan habe (Prot. I S. 14). In der Befragung an-
lässlich der Berufungsverhandlung fügte er neu an, dass er versucht habe, der
Privatklägerin das Messer zu entwenden, als er die Türe geöffnet habe und diese
in der Überraschung ein wenig nach vorne gestolpert sei. Er habe dann zuerst ih-
re beiden Hände mit seinen beiden Händen gepackt, um dann auf Ergänzungs-
- 15 -
frage hin anzugeben, dass er die beiden Hände der Privatklägerin schliesslich mit
einer Hand festgehalten habe und ihr so habe das Messer entwenden können.
Dabei hätten sich die Parteien während dieser Rangelei in die Küche verschoben,
wo er das entwendete Messer in eine Schublade gelegt habe (Urk. 82 S. 21 ff.).
Bei den vorstehend aufgezeigten Widersprüchen handelt es sich offenkundig
nicht um bloss unwesentliche Differenzen in den Aussagen, wie sie im Rahmen
mehrerer Befragungen häufig auftreten können, sondern vielmehr um eine im
Kern andere Darstellung des vom Beschuldigten geltend gemachten Sachver-
halts, was gegen die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen spricht. So ist auch die
Aussage, er habe der Privatklägerin das Messer entwendet, indem er ihre beiden
Hände mit einer Hand festgehalten haben will, äusserst unglaubhaft, insbesonde-
re wenn man – gemäss seinen Aussagen – davon ausgehen müsste, dass die
Privatklägerin zu diesem Zeitpunkt sehr wütend war und erheblichen Widerstand
leistete.
Schliesslich haben sowohl die Vorinstanz als auch der Beschuldigte selbst bereits
richtig erkannt, dass die Aussagen des Beschuldigten (im Gegensatz zu denjeni-
gen der Privatklägerin) die von der Privatklägerin nachweislich erlittenen Verlet-
zungen (insbesondere die zahlreichen Blutergüsse an Kopf, Hals und Rücken,
vgl. Urk. 9/7 S. 3 ff. sowie Urk. 2) nicht bzw. nur ungenügend zu erklären vermö-
gen (vgl. Urk. 51 S. 11; Urk. 6/2 S. 5; Urk. 6/3 S. 5 f.; Prot. I S. 15 f.). Insbesonde-
re sein Vorbringen, die Privatklägerin habe sich die Verletzungen am Hals in der
Zeit zwischen der physischen Auseinandersetzung am 1. Januar 2018 und der
Aufnahme der Beweisbilder durch die Kantonspolizei Zug am 4. Januar 2018 zu-
gezogen, überzeugt nicht, zumal bereits die von der Privatklägerin noch am
1. Januar 2018 aufgenommenen Bilder ihres Halses entsprechende Verletzungen
klar dokumentieren (Urk. 2 S. 5).
3.4 Zusammenfassend ist bezüglich des Ablaufs der Auseinandersetzung vom
1. Januar 2018 auf die durchwegs glaubhaften Aussagen der Privatklägerin und
nicht auf die Aussagen des Beschuldigten abzustellen. Nachdem die Privatkläge-
rin das Messer von sich aus in die Küche zurückgebracht hatte, folgte ihr der Be-
schuldigte dorthin, griff sie unvermittelt in der in der Anklage beschriebenen Art
- 16 -
und Weise tätlich an und fügte ihr dadurch die in der Anklage beschriebenen Ver-
letzungen zu. Eine Notwehr- oder notwehrähnliche Situation lag dabei bereits in
tatsächlicher Hinsicht offenkundig nicht (mehr) vor, zumal die Privatklägerin ihren
"Angriff" bereits von sich aus beendet und ohnehin immer "nur" davon gespro-
chen hatte, sie werde sich (selber) umbringen, wenn das so weitergehe (und nicht
den Beschuldigten oder die Kinder). Der Anklagesachverhalt unter Ziffer I. ist da-
mit grundsätzlich erstellt, wobei mit der Vorinstanz (in Urk. 51 S. 15) festzuhalten
ist, dass aufgrund der klar anderslautenden Aussagen der Privatklägerin nicht er-
stellt ist, dass sie durch die vom Beschuldigten anlässlich des Vorfalls geäusserte
Todesdrohung in Angst versetzt wurde, weshalb hierbei mit der Vorinstanz ledig-
lich von einem Versuch auszugehen ist (vgl. Urk. 7/3 S. 12).
4. Hinsichtlich des von der Verteidigung bestrittenen Eintritts einer Lebensge-
fahr bei der Privatklägerin (vgl. Prot. I S. 36 ff. und Urk. 83 S. 6 ff.) ist auszufüh-
ren, dass im Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom
30. Januar 2018 über die körperliche Untersuchung der Privatklägerin vom 9. Ja-
nuar 2018 überzeugend dargelegt wurde, dass insbesondere aufgrund des von
der Privatklägerin beschriebenen Vorgehens des Beschuldigten (beidhändiges
Hochheben der Privatklägerin am Hals mit Verlust des Bodenkontakts), aber auch
– unabhängig davon – aufgrund der von der Privatklägerin angegebenen subjekti-
ven Beeinträchtigungen (insbesondere des "Schwarzwerdens vor Augen") in
rechtsmedizinischer Hinsicht vom Eintritt einer Lebensgefahr bei der Privatkläge-
rin ausgegangen werden muss. Dies, auch wenn im Untersuchungszeitpunkt
(acht Tage nach dem Ereignis) keine Stauungsblutungen an den Kopfschleimhäu-
ten mehr festgestellt werden konnten. An der Halshaut der Privatklägerin seien
jedoch Befunde erhoben worden, die als Würgemale interpretiert werden könnten
(Urk. 9/7 S. 5). Entgegen der Verteidigung kann sodann keine Rede davon sein,
dass diese gutachterlichen Feststellungen nur auf subjektiven Angaben der Pri-
vatklägerin basieren würden, welche sie nur gegenüber dem Gutachter gemacht
hätte. Bereits die Vorinstanz hat diesen Einwand zutreffend widerlegt (Urk. 51 S.
13 f.). Hervorzuheben gilt es hierbei lediglich, dass die Verletzungen auch auf den
Bildern der Privatklägerin vom 1. Januar 2018 und auf den durch die Kantonspoli-
zei Zug gemachten Bildaufnahmen vom 4. Januar 2018, welche bezüglich Bluter-
- 17 -
güsse und Abdrücke mit den Bildern vom 1. Januar 2018 übereinstimmen, auf ein
Würgen hindeuten. Daher verfügte das IRM auch über Sachbeweismittel, welches
es bei seiner Beurteilung, ob eine Lebensgefahr eingetreten sei, berücksichtigte
(vgl. Urk. 9/7).
Somit ist insbesondere auch erstellt, dass der Beschuldigte durch das Würgen
und Hochheben der Privatklägerin diese in unmittelbare Lebensgefahr brachte.
5. Zur rechtlichen Würdigung sowie zum Vorliegen des subjektiven Tatbestan-
des hat die Vorinstanz bereits zutreffende Ausführungen gemacht, auf die verwie-
sen werden kann (Urk. 51 S. 18 ff.). Hervorzuheben ist dabei noch einmal, dass
der Beschuldigte keinen nachvollziehbaren Anlass hatte, mit derart massiver Ge-
walt und insbesondere mit einem offensichtlich lebensbedrohlichen Würgeangriff
gegen die Privatklägerin vorzugehen, die zuvor aus erkennbarer Verzweiflung
über die anhaltenden Eheprobleme geäussert hatte, sie werde sich selber um-
bringen, wenn das so weitergehe. Das Messer, welches sie vorübergehend dazu
benutzt hatte, um ihrer Äusserung Nachdruck zu verleihen, hatte sie bereits selbst
wieder in die Küche zurückgebracht, als der Angriff des Beschuldigten erfolgte.
Sie war mithin im Zeitpunkt des Angriffs unbewaffnet und dem Beschuldigten (wie
dieser auch selber zugab) körperlich unterlegen. Unter diesen Umständen erweist
sich das gewaltsame Vorgehen des Beschuldigten ohne Weiteres als skrupellos.
6. Der Beschuldigte ist damit bezüglich Anklageziffer I der Gefährdung des
Lebens im Sinne von Art. 129 StGB, der einfachen Körperverletzung im Sinne von
Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 3 StGB sowie der versuchten Drohung im
Sinne von Art. 180 Abs. 1 und Abs. 2 lit. a StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1
StGB schuldig zu sprechen.
B. Vorfall vom 23. September 2017 (Anklageziffer II.; Privatkläger: B._)
1. Die Vorinstanz erachtete auch diesen Anklagesachverhalt gestützt auf ihre
Würdigung der vorliegenden Beweismittel als erstellt. Auf diese zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz kann vorab verwiesen werden (Urk. 51 S. 16 f.).
- 18 -
2.1 Der Beschuldigte anerkannte anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhand-
lung, den Schlüsselbeinbruch beim damals 5 1⁄2 - jährigen Privatkläger verursacht
zu haben, indem er ihn am Abend des 23. September 2017 in der ehelichen
Wohnung mit beiden Händen an der rechten Schulter gegen ein Bettsofa gedrückt
habe, um ihn ruhigzustellen, welcher Ablauf als Ursache für den Schlüsselbein-
bruch des Privatklägers gemäss der Beurteilung im Aktengutachten des Instituts
für Rechtsmedizin der Universität Zürich vom 27. Juli 2018 plausibel erscheint
(vgl. Urk. 10/8 S. 5). Der Beschuldigte erklärte, er habe dies getan, nachdem er
wütend geworden sei, weil der Privatkläger einen Lachanfall während des Be-
suchs eines befreundeten Paars gehabt habe. Er habe dem Privatkläger aber
nicht das Schlüsselbein brechen wollen und es sei ihm damals auch nicht be-
wusst gewesen, dass er dies getan habe. Heute sei ihm bewusst, dass er zu fest
gedrückt habe (Prot. I S. 11 ff.; vgl. auch Urk. 10/8 S. 5).
2.2 Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte in seiner Be-
fragung aus, dass lediglich aufgrund der Akten und der Aussagen habe erstellt
werden können, dass er dem Privatkläger das Schlüsselbein gebrochen habe. Er
sei bis zu seiner Verhaftung davon ausgegangen, dass der Privatkläger sich diese
Verletzung anlässlich eines Sturzes aus dem Bett nach besagtem Vorfall zugezo-
gen habe und dass ihm dies so von der Privatklägerin auch mitgeteilt worden sei.
Erst anlässlich der Verhaftung am 9. Januar 2018 habe er davon erfahren, dass
ihm vorgeworfen werde, diese Verletzung beim Privatkläger verursacht zu haben.
Er habe mit dem Privatkläger eine Auseinandersetzung gehabt und es sei mög-
lich, dass er diesem dabei das Schlüsselbein gebrochen habe, zumal er in diesem
Zeitpunkt nicht habe abschätzen können, wie viel es vertrage und wie viel nicht
(Urk. 82 S. 17 ff.).
2.3 Der amtliche Verteidiger führte im Anschluss daran zum objektiven Tatbe-
stand aus, dass aufgrund der Beweismittel davon ausgegangen werden müsse,
dass die Verletzung des Privatklägers durch den Beschuldigten verursacht wor-
den sei. Hingegen sei die Voraussetzung der eventualvorsätzlichen Begehung
nicht gegeben, da gemäss Gutachter keine allgemeine Aussage darüber gemacht
werden könne, wie gross die auf eine Schlüsselbein eines Fünfjährigen ein-
- 19 -
wirkende Kraft sein müsse, um einen Bruch zu verursachen. Dies hänge massge-
blich vom einwirkenden Körperteil, von der Einwirkungsdauer, von der Einwir-
kungsfläche, sowie von der Beschaffenheit des Widerlagers ab. Über all diese
Punkte sei jedoch nichts Genaueres bekannt, weshalb nicht von einer massiven
Krafteinwirkung ausgegangen werden könne, zumal das Schlüsselbein besonders
bei Kindern sehr leicht zu brechen tendiere und daher eine Schlüsselbeinbruch
auch als Kinderverletzung gelte. Der Beschuldigte habe nicht gewusst, dass er
mit dem Zurückhalten des Privatklägers auf dem Bettsofa eine Verletzung verur-
sachen könne und es sei ausgeschlossen, dass er diese bewusst in Kauf ge-
nommen habe, da offensichtlich sei, dass er den Eintritt des Erfolgs innerlich ab-
gelehnt habe. Es wäre somit höchstens von einer fahrlässigen Körperverletzung
auszugehen, welche jedoch vorliegend mangels eines Strafantrags nicht bestraft
werden könne (Urk. 83 S. 12 f.)
3. Zur rechtlichen Würdigung sowie zum Vorliegen des subjektiven Tatbestan-
des hat die Vorinstanz bereits zutreffende Ausführungen gemacht, auf die vollum-
fänglich verwiesen werden kann (Urk. 51 S. 22 f.). Hervorzuheben gilt es lediglich,
dass das Gutachten des IRM – entgegen den Vorbringen der amtlichen Vertei-
digung – eben gerade davon spricht, dass Bagatelltraumata, wie der Beschuldigte
das Ereignis qualifiziert haben möchte, bei gesunden Kindern nicht zu Knochen-
brüchen führen (Urk. 10/8 S. 4). Da es sich beim Privatkläger – in Abwesenheit
anderslautender Vorbringen – um ein gesundes Kind handelt bzw. handelte, be-
darf es daher keiner vertieften Abklärung betreffend das einwirkende Körperteil,
die Einwirkungsdauer, die Einwirkungsfläche, sowie die Beschaffenheit des Wi-
derlagers, um festzustellen, dass der Beschuldigte mit übermässiger Kraft auf den
Privatkläger einwirkte. Dies wiederum entkräftet die Behauptung des Beschuldig-
ten, er habe nicht wissen können, dass seine Handlungen zu einem Knochen-
bruch beim Privatkläger führen könnten, da eben nicht von einer moderaten Ge-
walteinwirkung ausgegangen werden kann. Entsprechend ist die Vorinstanz zu-
recht davon ausgegangen, dass der Beschuldigte die einfache Körperverletzung
beim Privatkläger in Kauf genommen hat, als er diesen auf das Bettsofa drückte.
- 20 -
4. Der Beschuldigte ist damit bezüglich Anklageziffer II. der einfachen Körper-
verletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 und Ziff. 2 Abs. 2 StGB schuldig zu
sprechen.
IV. Strafzumessung und -vollzug
1. Vorinstanzliches Urteil und Vorbringen des Beschuldigten
1.1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
36 Monaten, welche sie im Umfang von 24 Monaten, unter Ansetzung einer Pro-
bezeit von vier Jahren, bedingt aufschob und im Umfang der restlichen 12 Monate
als vollziehbar erklärte (Urk. 51 S. 32 ff.).
1.2. Die Verteidigung brachte im Berufungsverfahren dagegen zuerst vor, dass
die Vorinstanz zu Unrecht das Vorliegen eines widerrechtlichen Angriffs seitens
der Privatklägerin vernachlässigt habe. Der Beschuldigte habe zuerst vor der sehr
wütenden und mit einem Messer bewaffneten Privatklägerin flüchten müssen,
weshalb die folgenden Handlungen des Beschuldigten nicht als Bestrafung der
Privatklägerin und damit auch nicht als besonders verwerflich betrachtet werden
könnten und eine Notwehr- oder Notstandssituation dargestellt hätten. Auch wenn
dies verneint würde, so habe der Beschuldigte doch in schwerer Bedrängnis oder
in einer entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung gehandelt, weshalb eine Stra-
fe nach Art. 48 lit. a Ziff. 2 oder nach Art. 48 lit. c StGB milder ausfallen müsse.
Weiter sei der Beschuldigte vor dem besagten Vorfall noch nie gewalttätig gewor-
den, weshalb kein Grund für die Vorinstanz bestanden habe, ihn als Gewaltver-
brecher darzustellen. Insgesamt erachtet die Verteidigung eine Bestrafung des
Beschuldigten für die vorsätzliche einfache Körperverletzung zulasten der Privat-
klägerin mit 60 Tagessätzen als angemessen (Urk. 83 S. 13).
2. Grundsätze der Strafzumessung
2.1. Die Vorinstanz hat zum anwendbaren Recht, zu den Grundsätzen der
Strafzumessung sowie zum massgeblichen Strafrahmen zutreffende Ausführun-
gen gemacht, auf die vollumfänglich verwiesen werden kann (Urk. 51 S. 24 ff.).
- 21 -
2.2. Ergänzend bzw. präzisierend dazu ist festzuhalten, dass es das Bundesge-
richt in BGE 144 IV 217, E. 3.5.3 f., nunmehr explizit ausgeschlossen hat, mehre-
re Delikte für die Strafzumessung zu einer "Tateinheit" zusammenzufassen. Viel-
mehr ist zunächst für jedes Delikt innerhalb seines jeweiligen Strafrahmens eine
Einzelstrafe (zumindest anhand der jeweiligen Tatkomponenten) festzulegen.
Diese Einzelstrafen sind dann – soweit sie gleichartig ausfallen – erst in einem
zweiten Schritt gegebenenfalls zu (einer oder mehreren) Gesamtstrafen im Sinne
von Art. 49 Abs. 1 StGB zusammenzufassen. Bei der Gesamtstrafenbildung ist
sodann jeweils von der für die schwerste Tat (pro Strafart) festgelegten Einzel-
strafe als Einsatzstrafe auszugehen und diese ist dann für die übrigen Einzelstra-
fen (derselben Strafart) unter Beachtung des Asperationsprinzips angemessen zu
erhöhen, so dass die Gesamtstrafe höher ausfällt als die Einsatzstrafe, aber tiefer
als die Summe der verwirkten Einzelstrafen. Zudem darf die Gesamtstrafe nicht
tiefer ausfallen als die höchste gesetzliche Mindeststrafe aller daran beteiligten
Strafrahmen (vgl. BGE 144 IV 217, E. 3.5.1 ff. und E. 4.).
2.3. Sodann trat am 1. Januar 2018 der revidierte Art. 41 StGB in Kraft, welcher
die Ausfällung einer Freiheitsstrafe anstelle einer ebenfalls möglichen Geldstrafe
u.a. dann vorsieht, wenn eine Freiheitsstrafe geboten erscheint, um den Täter von
der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten (Art. 41 Abs. 1
lit. a StGB). Diese Bestimmung dient der sog. negativen Spezialprävention, d.h.
der individuellen Abschreckung von rückfälligen Tätern, die zuvor bereits erfolglos
mit Geldstrafen belegt wurden und mit ihrem Rückfall bewiesen haben, dass sich
die aus Verhältnismässigkeitsgrundsätzen primär auszufällende Geldstrafe bei
ihnen in präventiver Hinsicht als wirkungslos erweist. In solchen Fällen soll eine
Freiheitsstrafe ausgesprochen werden (vgl. BSK StGB I-MAZZUCCHELLI, 4. Aufl.,
Basel 2019, N 39 f. zu Art. 41 StGB).
2.3.1. Nachdem der Beschuldigte seit 2013 bereits vier Mal wegen Strassen-
verkehrsdelikten mit Geldstrafen und Bussen belegt werden musste (vgl. Urk. 52),
jedoch ungeachtet dessen immer wieder rückfällig wurde, ist davon auszugehen,
dass Geldstrafen bei ihm keine präventive Wirkung entfalten, weshalb beim
Beschuldigten die Ausfällung einer Freiheitsstrafe immer auch dann im Sinne von
- 22 -
Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB geboten erscheint, wenn das Strafmass grundsätzlich
noch die Ausfällung einer Geldstrafe erlauben würde (d.h. bis zu 180 Tagessät-
zen, Art. 34 Abs. 1 StGB). Dies gilt allerdings infolge des Rückwirkungsverbots
nur für die Delikte, die ab dem 1. Januar 2018 begangen wurden. Für diese sind
jedoch
– ungeachtet des konkreten Strafmasses – Freiheitsstrafen auszufällen und aus
diesen ist mithin nach Art. 49 Abs. 1 StGB eine Gesamtstrafe zu bilden.
2.3.2. Für die am 23. September 2017 begangene einfache Körperverletzung zum
Nachteil des Privatklägers gelten demgegenüber noch die damals anwendbaren
Bestimmungen bzw. die diesbezügliche Rechtsprechung des Bundesgerichts,
welche bis zu einem Strafmass von 360 Tagessätzen von einem "Primat der
Geldstrafe" ausging (vgl. dazu BGE 134 IV 82, E. 4.1, m.w.H.). Wie noch zu zei-
gen ist, führt dies vorliegend dazu, dass für dieses Delikt eine separate Geldstrafe
auszufällen sein wird, welche zudem als Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staats-
anwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. September 2017 auszugestalten ist.
3. Tatkomponente Gefährdung des Lebens der Privatklägerin
3.1. Das schwerste der mit Freiheitsstrafe zu ahndenden Delikte ist ohne Zweifel
die Gefährdung des Lebens gemäss Art. 129 StGB. Diesbezüglich fällt in objekti-
ver Hinsicht in Betracht, dass der Beschuldigte die Privatklägerin am 1. Januar
2018 in unmittelbare Lebensgefahr brachte, indem er sie zwei Mal mit beiden
Händen am Hals packte und in die Luft hob, wodurch sie Verletzungen am Hals,
einhergehend mit Atemnot, Sehstörungen, Schwindel und Schluckbeschwerden
erlitt, welche zum Teil noch mehrere Tage anhielten. Das objektive Verschulden
wiegt damit nicht mehr leicht.
3.2. In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass die Tat zwar im Rahmen
einer eskalierten ehelichen Auseinandersetzung zwischen dem Beschuldigten
und der Privatklägerin erfolgte, es für ein derart brutales und rücksichtsloses Vor-
gehen des Beschuldigten gegen die Privatklägerin jedoch keinen nachvollziehba-
ren Anlass gab. Der Angriff des Beschuldigten konnte unter den gegebenen Um-
ständen nur entweder dazu dienen, gewaltsam die Oberhand im ehelichen Kon-
- 23 -
flikt zu erlangen, oder allenfalls dazu, seine eigene Frustration über die ehelichen
Probleme an der wehrlosen Privatklägerin abzureagieren. Beides ist verwerflich
und vermag das objektive Verschulden nicht zu relativieren. Für eine relevante
Beeinträchtigung der Schuldfähigkeit durch den vorgängigen Alkohol- und Mari-
huanakonsum des Beschuldigten bestehen keine konkreten Anhaltspunkte, zumal
der Beschuldigte angab, der Marihuanakonsum mache ihn nicht aggressiv, son-
dern beruhige ihn vielmehr (Urk. 6/3 S. 7 und Urk. 82 S. 6 f.). Sodann kann – ent-
gegen der Vorinstanz – von einer Provokation dieses Angriffs durch die Privatklä-
gerin keine Rede sein. Betreffend das Vorbringen des Beschuldigten, er habe in
Notwehr gehandelt, kann, um unnötige Wiederholungen zu vermeiden auf die
obenstehenden Erwägungen hierzu verwiesen werden (vgl. E. III.A.3.1). Da keine
Bedrohung des Beschuldigten oder der Kinder der Parteien ausgemacht werden
kann, zumal die Privatklägerin jeweils nur androhte, sie werde sich selber umbrin-
gen, besteht zudem weder Anlass für eine Strafmilderung infolge schwerer Be-
drängnis des Beschuldigten im Tatzeitpunkt im Sinne von Art. 48 lit. a Ziff. 2 StGB
noch infolge einer entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung im Sinne von
Art. 48 lit. c StGB.
3.3. Ausgehend von einem gesamthaft nicht mehr leichten Verschulden ist die
Einsatzstrafe auf 18 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
4. Tatkomponente einfache Körperverletzung zulasten der Privatklägerin
4.1. Nebst dem soeben behandelten Würgeangriff fügte der Beschuldigte der
Privatklägerin zudem im Sinne einer einfachen Körperverletzung direktvorsätzlich
durch zahlreiche Tritte und Schläge diverse Prellungen und Blutergüsse an Kopf,
Hals, Armen, Händen, Finger, Becken und Oberschenkel zu, welche nach einigen
Tagen folgenlos abgeheilt sind. Das objektive Verschulden ist im Rahmen des
Tatbestandes der einfachen Körperverletzung als nicht mehr leicht zu bewerten.
4.2. In subjektiver Hinsicht kann auf die vorstehenden Ausführungen hinsichtlich
der Gefährdung des Lebens verwiesen werden. Das objektive Verschulden wird
durch das subjektive nicht relativiert.
- 24 -
4.3. Ausgehend von einem nicht mehr leichten Verschulden, welches zu einer
Einzelstrafe von ca. 9 Monaten führen würde, jedoch unter Beachtung des
Asperationsprinzips und des engen Zusammenhangs mit dem Einsatzdelikt der
Gefährdung des Lebens, ist die Einsatzstrafe um 5 Monate auf 23 Monate zu
erhöhen.
5. Tatkomponente versuchte Drohung zulasten der Privatklägerin
5.1. Der Beschuldigte äusserte im Rahmen der Auseinandersetzung mit der
Privatklägerin zudem die Drohung, er habe eine Waffe und werde die Privatkläge-
rin umbringen, was die Privatklägerin jedoch unbeeindruckt liess. Wiewohl es sich
dabei um eine grundsätzlich schwerwiegende Todesdrohung handelte, verfehlte
diese hier ihren Zweck, weshalb das objektive Verschulden noch als leicht einge-
stuft werden kann.
5.2. In subjektiver Hinsicht kann auch hier auf die vorstehenden Ausführungen
hinsichtlich der Gefährdung des Lebens verwiesen werden. Das objektive Ver-
schulden wird durch das subjektive nicht relativiert.
5.3. Ausgehend von einem leichten Verschulden, welches zu einer Einzelstrafe
von ca. 2 Monaten führen würde, jedoch unter Beachtung des Asperationsprinzips
und des engen Zusammenhangs mit dem Einsatzdelikt der Gefährdung des
Lebens, ist die Einsatzstrafe um 1 weiteren Monat auf 24 Monate zu erhöhen.
6. Tatkomponente grobe Verletzung der Verkehrsregeln
6.1. Am 11. November 2018 um 07:16 Uhr lenkte der Beschuldigte seinen
Personenwagen Seat Ibiza mit einer massiv überhöhten Geschwindigkeit von net-
to 167 km/h auf der Autobahn A1 in I._, womit er sich einer groben Verlet-
zung der Verkehrsregeln schuldig machte. Trotz des Tempoexzesses kam es zu
keiner konkreten Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer. Das objektive Ver-
schulden kann innerhalb des Tatbestandes als noch leicht bewertet werden.
6.2. In subjektiver Hinsicht gab der Beschuldigte an, er habe eine Bekannte aus
Serbien von St. Gallen nach Zürich gefahren, damit diese nicht mit dem Bus habe
- 25 -
fahren müssen. Er sei zu schnell gefahren, weil er Angst gehabt habe, ohne
Fahrausweis "erwischt" zu werden. Er könne sich sein Verhalten selbst nicht er-
klären (Prot. I S. 9 f.). Diese Angaben sind nicht geeignet, das objektive Verschul-
den zu relativieren.
6.3. Ausgehend von einem noch leichten Verschulden, welches zu einer Einzel-
strafe von ca. 4 Monaten führen würde, jedoch unter Beachtung des Asperations-
prinzips, ist die Einsatzstrafe um 2 weitere Monate auf 26 Monate zu erhöhen.
7. Tatkomponente Fahren in fahrunfähigem Zustand
7.1. Am 13. November 2018 um ca. 00:20 Uhr lenkte der Beschuldigte seinen
Personenwagen Seat Ibiza von J._ über die Autobahn nach K._, obwohl
er auf dieser Fahrt infolge vorgängigen Konsums von Marihuana einen THC-
Gehalt im Blut von ca. 2,3 Mikrogramm pro Liter aufwies, womit er sich des Fah-
rens in fahrunfähigem Zustand schuldig machte. Trotz seines fahrunfähigen Zu-
stands kam es zu keiner Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer. Das objektive
Verschulden kann als eher leicht bezeichnet werden.
7.2. In subjektiver Hinsicht gab der Beschuldigte an, ein Kollege habe ihn darum
gebeten, ihn nach K._ zu fahren, wo er dann in die Polizeikontrolle geraten
sei (Prot. I S. 7 f.). Diese Angaben sind nicht geeignet, das objektive Verschulden
zu relativieren.
7.3. Ausgehend von einem eher leichten Verschulden, welches zu einer Einzel-
strafe von ca. 3 Monaten führen würde, jedoch unter Beachtung des Asperations-
prinzips, ist die Einsatzstrafe um 1 weiteren Monat auf 27 Monate zu erhöhen.
8. Tatkomponente mehrfaches Fahren ohne Berechtigung
8.1. Die Fahrten vom 11. und 13. November 2018 unternahm der Beschuldigte,
obwohl ihm der Führerausweis mit Verfügung des Strassenverkehrsamtes vom
18. Mai 2017 auf unbestimmte Zeit entzogen worden war, womit er sich des
mehrfachen Fahrens ohne Berechtigung schuldig machte. Sein Verschulden
wiegt in objektiver Hinsicht nicht mehr leicht, missachtete er doch das Fahrverbot
- 26 -
innert kurzer Zeit mehrfach und in vollem Bewusstsein seiner Tragweite und legte
dabei erhebliche Strecken zurück.
8.2. Seine subjektiven Beweggründe, Kollegen einen Gefallen zu tun, wobei es
sich nicht ansatzweise um Notfälle oder ähnliches handelte, vermögen das
objektive Verschulden nicht zu relativieren.
8.3. Ausgehend von einem nicht mehr leichten Verschulden, welches zu einer
Einzelstrafe von ca. 6 Monaten führen würde, jedoch unter Beachtung des Aspe-
rationsprinzips, ist die Einsatzstrafe um 3 weitere Monate auf 30 Monate zu erhö-
hen.
9. Täterkomponente
9.1. Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann vorab auf
die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz im angefochtenen Entscheid ver-
wiesen werden (Urk. 51 S. 28 f.). Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung
erklärte der Beschuldigte, dass er zwischenzeitlich auf die Arbeitslosentaggelder
verzichtet habe, obwohl ihm noch solche zugestanden wären. Dies unter ande-
rem, weil er nach seinen Aussagen vom entsprechenden Berater unter Druck ge-
setzt worden sei, eine Stelle zu finden. Zwar arbeite er derzeit auf Abruf und im
Stundenlohn in einer Autogarage, womit er zwischen Fr. 1'700.– und Fr. 2'000.–
verdiene, da er jedoch die Autoprüfung erneut machen müsse, um eine Festan-
stellung in dieser Branche zu erhalten, hierfür jedoch nicht über genügend Geld
verfüge, könne er derzeit keine bessere Anstellung finden. Er gehe weiterhin frei-
willig in eine Therapie, in welcher er mindestens einmal wöchentlich mit dem
Therapeuten über seine Probleme spreche, konsumiere jedoch gelegentlich wei-
terhin Marihuana. Er sei weiterhin mit der Privatklägerin verheiratet und könne
seine Kinder aufgrund eines im Eheschutz angeordneten gerichtsüblichen Be-
suchsrechts regelmässig einmal bis mehrmals pro Woche sehen. So begleite er
insbesondere seinen Sohn, den Privatkläger, regelmässig ins Fussballtraining und
an den Wochenenden an Fussballmatches des FC O._. Er hole die Kinder
jeweils ohne direkten Kontakt zur Privatklägerin ab und bringe die Kinder im An-
schluss an die Besuche jeweils auch wieder zu dieser zurück. Er und die Privat-
- 27 -
klägerin hätten derzeit zudem täglich Kontakt, wenn es um die Kinder ginge, und
er komme im Rahmen seiner Möglichkeiten für die Kosten, welche bei den Kin-
dern anfielen, auf und kaufte diesen Schulmaterial und Kleider, wenn sie dies be-
nötigten; den gerichtlich festgesetzten Ehegatten- und Kinderunterhalt könne er
derzeit jedoch nicht bezahlen. Er befinde sich zudem seit vier Monaten in einer
Beziehung zu einer Frau, welche er bereits seit längerem kenne, er wünsche sich
jedoch nach wie vor die eheliche Gemeinschaft mit der Privatklägerin und den
beiden Kindern wieder aufnehmen zu können (Urk. 82 S. 1 ff).
Mit der Vorinstanz ergeben sich aus den persönlichen Verhältnissen des Be-
schuldigten keine strafzumessungsrelevanten Faktoren.
9.2. Der Beschuldigte ist mehrfach wegen Strassenverkehrsdelikten vorbestraft:
So wurde er am 11. Juli 2013 von der Staatsanwaltschaft Baden wegen Fahrens
ohne Fahrzeugausweis oder Kontrollschilder sowie missbräuchlicher Verwendung
von Ausweisen und Kontrollschildern mit einer bedingten Geldstrafe von
10 Tagessätzen zu Fr. 100.–, welche später widerrufen werden musste, sowie mit
einer Busse von Fr. 520.– bestraft. Am 19. Januar 2015 wurde er von der Staats-
anwaltschaft Limmattal/Albis wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand sowie ei-
ner Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes mit einer bedingten Geldstrafe
von 20 Tagessätzen zu Fr. 40.–, welche später widerrufen werden musste, sowie
mit einer Busse von Fr. 300.– bestraft. Am 23. Mai 2017 wurde er wiederum von
der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis wiederum wegen Fahrens in fahrunfähi-
gem Zustand sowie einer Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes mit einer
unbedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 60.– bestraft. Schliesslich
wurde er am 25. September 2017 von der Staatsanwaltschaft Win-
terthur/Unterland wegen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des Führe-
rausweises mit einer unbedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 60.– be-
straft (Urk. 52).
Diese für sich genommen zwar nicht schwer wiegenden, jedoch zahlreichen Vor-
strafen des Beschuldigten wirken sich insbesondere hinsichtlich der einschlägigen
heute zu beurteilenden Strassenverkehrsdelikte straferhöhend aus. Straferhöhend
- 28 -
wirkt sich zudem die Delinquenz des Beschuldigten während laufender Unter-
suchung aus.
9.3. Zum Nachtatverhalten des Beschuldigten ist auszuführen, dass er sich ge-
rade bezüglich der schwerwiegenden Vorwürfe (Gefährdung des Lebens, einfa-
che Körperverletzung) im Wesentlichen nicht geständig zeigte, sondern – soweit
er einen körperlichen Angriff überhaupt zugab – die Schuld an der Eskalation bis
zuletzt der Privatklägerin zuzuschieben versuchte. Geständig zeigte er sich dage-
gen bezüglich der ihm vorgeworfenen Strassenverkehrsdelikte, wobei es ange-
sichts der klaren Beweislage (vgl. Urk. D2/4 und Urk. D3/3) auch wenig zu be-
streiten gab.
9.4. Gesamthaft resultiert aus der Täterkomponente eine Straferhöhung im
Umfang von 3 Monaten auf 33 Monate Freiheitsstrafe.
10. Tatkomponente einfache Körperverletzung zulasten des Privatklägers
10.1. Die Strafzumessung für die am 23. September 2017 begangene Körper-
verletzung zum Nachteil des Privatklägers ist – wie bereits ausgeführt – nach den
damals geltenden Bestimmungen vorzunehmen. In objektiver Hinsicht ist dabei zu
berücksichtigen, dass der Beschuldigte seinem damals 5 1⁄2 - jährigen Sohn einen
Schlüsselbeinbruch zufügte, indem er ihn mit grosser Kraft in ein Bettsofa drückte.
Bei einem Schlüsselbeinbruch handelt es sich um eine erhebliche Verletzung,
welche aber vorliegend offenbar folgenlos ausheilte, wobei der Privatkläger
während vier Wochen einen sogenannten Rucksackverband tragen musste. Der
Beschuldigte handelte dabei lediglich mit Eventualvorsatz, an der Grenze zur
groben Fahrlässigkeit. Sein Vorgehen war wohl grob, ungeeignet und unge-
schickt, jedoch nicht in erster Linie darauf ausgerichtet, eine Verletzung zu verur-
sachen, sondern den Privatkläger durch "ins Bett drücken" ruhigzustellen. Insge-
samt ist das objektive Verschulden als noch leicht zu bewerten.
10.2. In subjektiver Hinsicht kann dem Beschuldigten zu Gute gehalten werden,
dass er nicht mit böser Absicht, sondern aus Überforderung handelte, nachdem
der übermütige Privatkläger nicht ins Bett gehen wollte und immer wieder den Be-
- 29 -
such gestört hatte. Gleichwohl vermag dies das vom Beschuldigten gewählte,
grobe Vorgehen letztlich nicht zu relativieren.
10.3. Insgesamt erscheint für dieses Delikt, ausgehend von einem noch leichten
Verschulden eine Einzelstrafe bzw. Einsatzstrafe im Bereich von 120 Tagessät-
zen als angemessen. Damit ist zwingend eine Geldstrafe auszufällen, nachdem
eine kurze Freiheitsstrafe nach Art. 41 Abs. 1 aStGB vorliegend aus mehreren
Gründen nicht in Betracht kommt, ist der Beschuldigte doch zur Bezahlung einer
Geldstrafe in der Lage und ist ihm überdies auch keine schlechte Legalprognose
zu stellen (vgl. auch E. IV.13.1).
10.4. Da der Beschuldigte dieses Delikt vor seiner Bestrafung mittels Strafbefehl
der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. September 2017 mit
20 Tagessätzen Geldstrafe beging, ist eine Zusatzstrafe zu dieser zu bilden und
deshalb die vorstehend festgelegte Einsatzstrafe von 120 Tagessätzen in An-
wendung von Art. 49 Abs. 2 StGB sowie in Anwendung des Asperationsprinzips
um 10 Tagessätze auf 130 Tagessätze zu erhöhen, nachdem die neu auszufäl-
lende Strafe höher ist als die Grundstrafe (vgl. dazu BGE 142 IV 265, E. 2.4.4,
m.w.H.).
11. Täterkomponente
11.1. Bezüglich der Täterkomponente ist grundsätzlich auf die vorstehenden Er-
wägungen 9.1 und 9.2 zu verweisen, wobei sich die Vorstrafe vom 25. September
2017 im Rahmen der Zusatzstrafenbildung nicht straferhöhend auswirken kann.
Die drei restlichen Vorstrafen betreffen ausschliesslich Strassenverkehrsdelikte
und sind damit vorliegend nur leicht straferhöhend zu berücksichtigen.
11.2. Strafmindernd wirkt sich aus, dass der Beschuldigte die Verantwortung für
den Schlüsselbeinbruch des Privatklägers früh in der Untersuchung trotz nicht
restlos klarer Beweislage übernahm, auch wenn er ausführte und auch heute aus-
führt, dies damals nicht bemerkt bzw. nicht damit gerechnet zu haben (vgl. Urk.
6/2 S. 6 f., Urk. 6/3 S. 3 ff., Urk. 6/4 S. 8, Prot. I S. 11 ff.), womit kein eigentliches
Geständnis vorliegt.
- 30 -
11.3. Insgesamt resultiert aus der Täterkomponente eine leichte Strafminderung
um 20 Tagessätze auf 110 Tagessätze.
11.4. Schliesslich ist von der resultierenden Gesamtstrafe von 110 Tagessätzen
die bereits ausgefällte Grundstrafe von 20 Tagessätzen abzuziehen, weshalb der
Beschuldigte für die einfache Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers im
Resultat mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen als Zusatzstrafe zum Strafbe-
fehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 25. September 2017 zu be-
strafen ist.
11.5. Die Tagessatzhöhe der Geldstrafe ist gestützt auf die aktuellen Angaben
des Beschuldigten zu seinen finanziellen Verhältnissen (vgl. Urk. 51 S. 28 f.;
Urk. 82 S. 2) auf Fr. 70.– festzulegen.
12. Fazit
Der Beschuldigte ist somit im Ergebnis mit 33 Monaten Freiheitsstrafe sowie – als
Zusatzstrafe zum Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
25. September 2017 – mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 70.– zu
bestrafen. Die vom Beschuldigten erstandene Haft von 23 Tagen ist dabei an die
Freiheitsstrafe anzurechnen (Art. 51 StGB).
13. Strafvollzug
13.1. Hinsichtlich des Strafvollzugs kann vollumfänglich auf die zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 51 S. 33 f.), welche sinnge-
mäss auch für die heute ausgefällte Strafe Gültigkeit haben. Zusammengefasst
ging die Vorinstanz von einer positiven Legalprognose aus, zumal der Beschuldig-
te weder zu einer bedingten noch unbedingten Freiheitsstrafe von mehr als sechs
Monaten verurteilt wurde, sich um Reintegration in den Arbeitsmarkt bemüht, sich
freiwillg einer Therapie unterzieht und ihn die 23 Tage Untersuchungshaft ausser-
dem bereits in gewisser Weise beeindruckt zu haben scheinen.
13.2. Der Vollzug der Freiheitsstrafe ist damit im Umfang von 22 Monaten bedingt
aufzuschieben, unter Ansetzung einer Probezeit von vier Jahren, und im restli-
- 31 -
chen Umfang von 11 Monaten, abzüglich 23 Tagen erstandener Haft, zu vollzie-
hen.
13.3. Der Vollzug der Geldstrafe ist bedingt aufzuschieben und die Probezeit auf
vier Jahre festzusetzen.
V. Landesverweisung
1. Vorinstanzliches Urteil und Parteistandpunkt
1.1. Die Vorinstanz verwies den Beschuldigten in Anwendung von Art. 66a
Abs. 1 lit. b StGB für fünf Jahre des Landes. Sie erwog diesbezüglich zusammen-
gefasst, dass die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung die gewichti-
gen privaten Interessen des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz überwie-
gen würden, zumal der Beschuldigte mehrfach vorbestraft und die neu auszu-
sprechende Freiheitsstrafe erheblich sei (Urk. 51 S. 36).
1.2. Die Verteidigung brachte im Berufungsverfahren dagegen vor, dass sich die
Vorinstanz nicht genügend ausführlich mit der Frage auseinandergesetzt habe, ob
eine Landesverweisung beim Beschuldigten einen persönlichen schweren Härte-
fall bewirken würde. Insbesondere sei nicht in die Beurteilung eingeflossen, dass
eine besonders affektive und auch wirtschaftlich enge Beziehung zu seinen Kin-
dern vorliege, dass sich ein Verbleiberecht gestützt auf Art. 8 EMRK ergeben
würde, dass der Beschuldigte beruflich, gesellschaftlich und sozial in der Schweiz
integriert sei und seit rund 30 Jahren in der Schweiz lebe, weshalb es seine be-
sondere Stellung als Ausländer, der in der Schweiz aufgewachsen ist, zu berück-
sichtigen gälte, und dass er in ein Land ausgewiesen würde, in dem er noch nie
gelebt habe. Da somit das Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der
Schweiz mangelhaft abgeklärt worden sei, habe gar keine konkrete Interessen-
abwägung gegen die öffentlichen Interessen am Verweis des Beschuldigten satt-
finden können. Betreffend dem öffentlichen Interesse an einem Landesverweis
des Beschuldigten brachte die Verteidigung vor, dass sämtliche Vorstrafen ledig-
lich Widerhandlungen gegen das SVG beinhaltet hätten und mit ganz tiefen Geld-
strafen sanktioniert worden seien. Zudem seien dem Beschuldigten auch noch die
- 32 -
ausländerrechtliche Massnahmen in Aussicht gestellt worden. Entsprechend liege
kein erhebliches öffentliches Interesse an einer Landesverweisung vor, weshalb
von einer solchen gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB abgesehen werden müsse
(Urk. 83 S. 14 ff.).
2. Allgemeines zur Landesverweisung
2.1. Der Beschuldigte ist serbischer Staatsangehöriger und hat sich unter ande-
rem der Gefährdung des Lebens im Sinne von Art. 129 StGB schuldig gemacht,
womit er gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. b StGB grundsätzlich des Landes zu verwei-
sen ist.
2.2. Von der Landesverweisung kann nur "ausnahmsweise" abgesehen werden,
wenn sie kumulativ (1) einen schweren persönlichen Härtefall bewirken würde
und (2) die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den pri-
vaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen.
Dabei ist der besonderen Situation von Ausländern Rechnung zu tragen, die in
der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind (Art. 66a Abs. 2 StGB; sog. Härte-
fallklausel). Die Härtefallklausel dient der Umsetzung des Verhältnismässigkeits-
prinzips (vgl. Art. 5 Abs. 2 BV; BGE 146 IV 105, E. 3.4.2; 144 IV 332, E. 3.1.2 und
E. 3.3.1). Sie ist restriktiv anzuwenden (BGE 144 IV 332, E. 3.3.1). Nach der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung lässt sich zur kriteriengeleiteten Prüfung des
Härtefalls im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB der Kriterienkatalog der Bestimmung
über den "schwerwiegenden persönlichen Härtefall" in Art. 31 Abs. 1 der Verord-
nung vom 24. Oktober 2007 über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit
(VZAE; SR 142.201) heranziehen. Da die Landesverweisung strafrechtlicher Na-
tur ist, sind auch strafrechtliche Elemente wie die Aussichten auf soziale Wieder-
eingliederung des Täters in die Interessenabwägung miteinzubeziehen (BGE 144
IV 332, E. 3.3.2, mit Hinweisen). Zu berücksichtigen sind namentlich der Grad der
(persönlichen und wirtschaftlichen) Integration, einschliesslich familiäre Bindun-
gen des Ausländers in der Schweiz bzw. in der Heimat, Aufenthaltsdauer und Re-
sozialisierungschancen. Ebenso ist der Rückfallgefahr und wiederholten Delin-
quenz Rechnung zu tragen. Dabei darf das Gericht auch vor dem Inkrafttreten
- 33 -
von Art. 66a StGB begangene Straftaten berücksichtigen (Urteil des Bundesge-
richts 6B_1070/2018 vom 14. August 2019, E. 6.2.2, mit Hinweisen).
2.3. Von einem schweren persönlichen Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2
StGB ist bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch des
Ausländers auf das in Art. 13 BV und Art. 8 EMRK verankerte Recht auf Achtung
des Privat- und Familienlebens auszugehen (Urteile des Bundesgerichts
6B_1440/2019 vom 25. Februar 2020, E. 5.3; 6B_1044/2019 vom 17. Februar
2020, E. 2.4.3; 6B_1299/2019 vom 28. Januar 2020, E. 3.3; je mit Hinweis). Das
durch Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK geschützte Recht auf Achtung des Familien-
lebens ist berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme
eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz
gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser
ohne Weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu
pflegen (BGE 144 I 266, E. 3.3, E. 4.2 und E. 5.1; 144 II 1, E. 6.1; Urteil des
Bundesgerichts 6B_1070/2018 vom 14. August 2019, E. 6.3.2). Zum geschützten
Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die Gemeinschaft der
Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern (BGE 145 I 227, E. 5.3; 144 II 1, E.
6.1; Urteil des Bundesgerichts 6B_1474/2019 vom 23. März 2020, E. 1.4). Das
Verhältnis zu volljährigen Kindern fällt nur dann unter das geschützte Familienle-
ben, wenn ein über die üblichen familiären Beziehungen bzw. emotionalen Bin-
dungen hinausgehendes, besonderes Abhängigkeitsverhältnis besteht; nament-
lich infolge von Betreuungs- oder Pflegebedürfnissen bei körperlichen oder geisti-
gen Behinderungen und schwerwiegenden Krankheiten (BGE 145 I 227, E. 5.3;
144 II 1, E. 6.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_385/2018 vom 29. November 2018,
E. 3.2; je mit Hinweisen). Der Anspruch auf Schutz des Privatlebens kann auch
ohne Familienbezug tangiert sein, wenn ein Ausländer ausgewiesen werden soll.
Aus diesem Anspruch ergibt sich ein Recht auf Verbleib im Land aber nur unter
besonderen Umständen. Eine lange Anwesenheit und die damit verbundene nor-
male Integration genügen hierzu nicht; erforderlich sind besonders intensive, über
eine normale Integration hinausgehende private Beziehungen beruflicher oder
gesellschaftlicher Natur (BGE 144 II 1, E. 6.1; Urteile des Bundesgerichts
- 34 -
6B_1314/2019 vom 9. März 2020, E. 2.3.6; 6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020,
E. 2.5.2).
2.4. Art. 66a StGB ist EMRK-konform auszulegen. Die Interessenabwägung im
Rahmen der Härtefallklausel von Art. 66a Abs. 2 StGB hat sich daher an der Ver-
hältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu orientieren (BGE 145 IV
161, E. 3.4; Urteil des Bundesgerichts 6B_1070/2018 vom 14. August 2019, E.
6.3.4, mit Hinweisen; vgl. auch zum Ganzen: Urteil des Bundesgerichts
6B_396/2020 vom 11. August 2020, E. 2.4.2. ff.).
3. Landesverweisung in concreto
3.1. Der heute 33-jährige Beschuldigte kam nach eigenen Aussagen im Alter von
5 Jahren, gemäss den Angaben im ZEMIS im Alter von 7 Jahren (vgl. Urk. 19/6),
aus dem Kosovo in die Schweiz. So oder anders durchlief er hernach in L._
sämtliche obligatorischen Schulen und ist damit im Sinne von Art. 66a Abs. 2
Satz 2 StGB "in der Schweiz aufgewachsen". Er verfügt hier über eine
Niederlassungsbewilligung C. Nachdem er eine Lehre als Automobilfachmann
abgeschlossen hatte, arbeitete er bis Mitte September 2018 als Automechaniker
in seinem Lehrbetrieb, als dieser wegen Geschäftsaufgabe geschlossen wurde.
Seither war der Beschuldigte mehrheitlich arbeitslos und lebte von Arbeitslosen-
taggeldern und Zwischenverdiensten. Gemäss seinen Angaben verdient er heute
im Stundenlohn als Automechaniker zwischen Fr. 1'700.– und Fr. 2'000.– pro Mo-
nat, hat jedoch derzeit in seinem gelernten Beruf keine Aussicht auf eine Festan-
stellung, da er aufgrund seiner Delikte mit Bezug zum Strassenverkehrsgesetz
erst nach einer neuerlichen Führerprüfung einen Führerausweis erhalten würde,
welcher seinen Aussagen nach Voraussetzung für eine solche wäre (Urk. 82 S. 2
ff.). Er verfügt nach seinen Angaben über kein nennenswertes Vermögen, hat je-
doch Schulden in der Höhe von rund Fr. 30'000.– (Urk. 82 S. 10). Er sagte aus,
dass er seit dem Jahr 2010 mit der Privatklägerin verheiratet sei, wobei er seit
dem 3. Januar 2018 von ihr getrennt lebe (Urk. 82 S. 15). Mit ihr hat er zwei min-
derjährige Kinder, den heute 8-jährigen B._ (Privatkläger) und die heute 6-
jährige M._. Sowohl die Ehefrau als auch die beiden Kinder sind Schweizer
Staatsangehörige (von N._). Gemäss übereinstimmenden Äusserungen des
- 35 -
Beschuldigten, seiner Ehefrau und der Beiständin des Privatklägers besteht zwi-
schen dem Beschuldigten und den beiden Kindern eine enge bzw. innige, gelebte
Beziehung mit regelmässigen Kontakten (vgl. Urk. 30, 31, 59, 61, 83, 85 und 86).
Seinen Unterhaltspflichten gegenüber den Kindern kam der Beschuldigte zuletzt
jedoch offenbar nur noch unregelmässig nach; er übernimmt jedoch nach seiner
Aussage und der Aussage seiner Ehefrau die Kinderkosten für Hobbies, die
Sportausrüstung, Schulmaterialien und Kleider der Kinder, soweit es sein Ein-
kommen zulässt (Urk. 82 S. 9 f. und Urk. 86 S. 7). Auch die gesamte nähere Ver-
wandtschaft des Beschuldigten lebt in der Schweiz, wiewohl der Beschuldigte ein-
räumte, im Kosovo über entferntere Verwandte wie z.B. Cousins zu verfügen, zu
denen er aber keinen Kontakt habe. Er sei das letzte Mal im Jahr 2018 dort ge-
wesen, da seine Ehefrau und die Kinder im Sommer dort bereits Ferien verbracht
hätten, davor das letzte Mal im Jahr 2016 und fühle sich dort wie ein Fremder. Er
spreche zwar neben Deutsch auch Albanisch, könne dieses jedoch nicht schrei-
ben. Nach einer Ausschaffung in den Kosovo wäre er "aufgeschmissen"
(Urk. 19/12 S. 2 ff.; Prot. I S. 20 ff.; Urk. 82 S. 2 ff.).
3.2. Angesichts der vorstehend dargelegten persönlichen Verhältnisse würde die
Ausfällung einer – von Gesetzes wegen mindestens fünfjährigen – obligatorischen
Landesverweisung beim Beschuldigten ohne Weiteres einen schweren persönli-
chen Härtefall im Sinne der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 66a
Abs. 2 StGB bewirken. Nicht nur ist der Beschuldigte selbst in der Schweiz auf-
gewachsen, sondern er ist insbesondere auch Vater zweier hier geborener, min-
derjähriger Kinder. Eine Ausschaffung des Beschuldigten in den Kosovo hätte
unweigerlich einen weitgehenden Abbruch der heute intakten Vater-Kind-
Beziehung zur Folge, zumal den in der Schweiz lebenden Kindern, welche zudem
Schweizer Staatsangehörige sind, eine Fortsetzung des Familienlebens im Koso-
vo offensichtlich nicht zumutbar ist. Das gute Verhältnis des Beschuldigten zu
seinen heute noch relativ kleinen Kindern (und umgekehrt das Verhältnis der Kin-
der zu ihrem Vater als wichtige Bezugsperson) würde durch einen so langen Un-
terbruch voraussichtlich irreparabel beschädigt, sofern es dem Beschuldigten
überhaupt gelingen würde, nach Ablauf der Landesverweisung – welche von Ge-
setzes wegen auch den Verlust der heutigen Niederlassungsbewilligung nach sich
- 36 -
zieht – wieder eine Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz zu erhalten. Auch ist
der Fürsprache seiner Ehefrau und des Sohnes, welche immerhin Opfer tätlicher
Angriffe seitens des Beschuldigten wurden und sich dennoch stark für seinen
Verbleib in der Schweiz aussprechen, wenn auch nur marginal, Achtung zu
schenken. Während der Beschuldigte als sozial integriert bezeichnet werden
kann, kann ihm dennoch vorgeworfen werden, sich nicht genügend um sein wirt-
schaftliches Fortkommen bemüht zu haben. Er weiss seit geraumer Zeit, dass ei-
ne Festanstellung als Automechaniker jeweils den Besitz des Führerausweises
voraussetzt; dennoch hat er in den vergangen Monaten nicht erkennbar darauf
hingewirkt, diesen wieder zu erlangen, was seine wirtschaftliche Integration aus
heutiger Sicht als doch fragwürdig erscheinen lässt.
3.3. Es fragt sich somit, ob die öffentlichen Interessen an einer Landesverwei-
sung des Beschuldigten dessen dennoch gewichtige private Interessen zu über-
wiegen vermögen. Diesbezüglich fällt neben der heutigen, gravierenden Verurtei-
lung des Beschuldigten wegen Gewalt- und Strassenverkehrsdelikten zu einer
Freiheitsstrafe von 33 Monaten nebst einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen in Be-
tracht, dass er bereits vier Vorstrafen wegen Vergehen im Strassenverkehr auf-
weist, auch wenn diese – für sich betrachtet – nicht gravierend waren. Leicht rela-
tivierend ist zu berücksichtigen, dass dem Beschuldigten nach seiner nunmehr
erstmaligen Verurteilung zu einer (teilweise vollziehbaren) Freiheitsstrafe und an-
gesichts seiner Bemühungen um eine Therapie seines problematischen Alkohol-
und Marihuanakonsums (vgl. Urk. 82 S. 5 f.) grundsätzlich eine gute Prognose
gestellt werden kann (vgl. E. IV.13.1).
3.4. Insgesamt halten sich die erheblichen privaten Interessen des Beschuldigten
am Verbleib in der Schweiz und die erheblichen öffentlichen Interessen an seiner
Landesverweisung gegenwärtig in etwa die Waage. Dies führt in Anwendung von
Art. 66a Abs. 2 StGB zum Absehen von einer obligatorischen Landesverweisung
im heutigen Zeitpunkt. Der Beschuldigte ist allerdings eindringlich darauf hinzu-
weisen, dass bei jeder weiteren Delinquenz die öffentlichen Interessen seine pri-
vaten Interessen überwiegen und zu einer Landesverweisung führen werden.
- 37 -
VI. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz stellte fest, dass der Beschuldigte den Privatklägern dem
Grundsatz nach schadenersatzpflichtig sei, verwies diese jedoch zur genauen
Feststellung des Umfangs des Schadenersatzanspruches auf den Weg des Zivil-
prozesses. Zudem verpflichtete die Vorinstanz den Beschuldigten zur Leistung
einer Genugtuung zzgl. 5% Zins seit Ereignisdatum von Fr. 8'000.– an die Privat-
klägerin sowie von Fr. 1'000.– an den Privatkläger.
2. Die Verteidigung beantragte im Berufungsverfahren einzig mit der Begrün-
dung, der Beschuldigte sie freizusprechen, die Abweisung der Zivilforderungen.
Eventualiter seien diese auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen (Urk. 83
S. 17).
3. Es kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 51 S. 38 ff.). Der angefochtene Entscheid ist diesbezüglich vollumfäng-
lich zu bestätigen, zumal der Beschuldigte im Berufungsverfahren nichts Konkre-
tes dagegen vorbrachte und vorliegend insbesondere auch kein Freispruch er-
folgt.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Das erstinstanzliche Kostendispositiv (Dispositiv-Ziffern 15 und 16) ist ent-
sprechend dem Ausgang des Verfahrens vollumfänglich zu bestätigen (Art. 426
Abs. 1 StPO).
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens werden nach Obsiegen und Unterlie-
gen der Parteien verteilt (Art. 428 Abs. 1 StPO).
3. Der Beschuldigte unterliegt mit seiner Berufung weitgehend, mit Ausnahme
einer geringfügigen Reduktion der ausgesprochenen Freiheitsstrafe und des
Absehens von der Landesverweisung, wobei es sich bei Letzterem ohnehin be-
reits um einen wohlwollenden Ermessensentscheid handelt. Die Kosten des
zweitinstanzlichen Verfahrens sind ihm deshalb, mit Ausnahme der Kosten der
amtlichen Verteidigung und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin,
- 38 -
vollumfänglich aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung und der
unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerin sind einstweilen auf die Gerichts-
kasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten gemäss
Art. 135 Abs. 4 und Art. 138 Abs. 1 StPO vorzubehalten ist.
4. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten machte für das Berufungsver-
fahren einen Aufwand von 33 Stunden (exkl. der geschätzten Dauer für die Beru-
fungsverhandlung von 5 Stunden) und Reisespesen von Fr. 11.60 für die Teil-
nahme an der Berufungsverhandlung geltend, berechnete sein Honorar mit eine
Stundenansatz von Fr. 250.– und machte daher einen Betrag von Fr. 9'511.60
zzgl. Fr. 732.40 MwSt., somit gesamthaft von Fr. 10'244.– geltend (Urk. 84). Da
für amtliche Rechtsvertretungen lediglich ein Stundenansatz von Fr. 220.– zur
Anwendung gelangt (§ 3 AnwGebV) und unter Berücksichtigung der Dauer der
Berufungsverhandlung von rund viereinhalb Stunden (vgl. Prot. II. S. 6 und S. 22),
erscheint eine Entschädigung des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten für
seine Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfahren von pauschal
Fr. 9'000.– (inkl. Mehrwertsteuer) als angemessen.
5. Die unentgeltliche Vertreterin der Privatklägerin machte für das Berufungs-
verfahren Aufwendungen und Auslagen im Betrag von Fr. 2'117.55 (inkl. Mehr-
wertsteuer) geltend. Darin nicht enthalten sind die Aufwendungen für die Teil-
nahme an der Berufungsverhandlung, das Aktenstudium des begründeten Urteils
sowie die Nachbesprechung mit der Privatklägerin (Urk. 80). Unter Berücksichti-
gung der Dauer der Berufungsverhandlung von rund viereinhalb Stunden (vgl.
Prot. II. S. 6 und S. 22), der sehr geringen Anreisezeit für die Vertreterin der Pri-
vatklägerin und unter Einbezug einer angemessenen Zeit für das Studium des
begründeten Entscheids sowie für die Instruktion der Privatklägerin, erscheint ei-
ne Entschädigung der unentgeltlichen Vertreterin der Privatklägerin von pauschal
Fr. 3'300.– als angemessen.
- 39 -