# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 55e9ef0a-d1b0-4c06-8dc0-b3c00b28c36f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960,
meldete sich
a
m 2
1.
März 2013
u
nter Hinweis
auf ein
erlittenes
Schleuder
trauma
bei der Invalidenversi
cher
ung zum Leistungsbezug an (Urk.
7/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zo
g Akten der Suva bei (
Urk.
7/11,
Urk.
7/27) und holte bei der Stiftung
Y._
ein polydisziplinäres Gut
achten ein, das am 2
6.
August 2014 erstattet wurde (
Urk.
7/43/1-32).
Mit Verfü
gung vom 9. März 2016 verneinte die IV-Stelle einen
A
nspruch
der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung
(Urk. 7/78).
Dies wurde mit Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom
5.
Mai 201
7
(
Urk.
7/
85
, Verfahren IV.201
6
.0
0451
)
sowie
mit Urteil des Bundesgerichts vom
1
6.
April 2018
(Urk.
7/
88
, Verfahren 9C_445/2017
)
bestätigt
.
1.2
Am
2
4.
Juni 201
9
meldete sich die Versicherte erneut bei der Invalidenversiche
rung an (
Urk.
7/
92
).
Die IV-Stelle holte
Berichte der behandelnden Ärzte ein
(
Urk.
7/107,
Urk.
7/110)
und wies das
Leistungsbegehren
n
ach durchgeführtem Vorbescheidverfahren
(
Urk.
7/
112
,
Urk.
7/
119
)
mit Verfügung vom 1
4.
April 2021
ab
(Urk. 7/
122
= Urk. 2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
1
2.
Mai 2021
Beschwerde
gegen die Verfügung vom 1
4.
April 2021 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr rück
wirkend eine angemessene Rente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2 oben).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
6.
August 2021 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
8
. August 20
21
zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.5
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabe
nbereich von Bedeutung (BGE 141
V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetisc
hen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I
28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Ver
gleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähig
keit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang viel
mehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.6
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der abschlägigen Rentenverfügung vom
März 2016
anspruchsrelevant verschlechtert hat.
2.2
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) aus,
dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin seit der letzten Verfügung vom
9.
März 2016 nicht verschlechtert habe (S. 1 unten). Es komme einzig darauf an, ob sich das Beschwerdebild oder dessen erwerbliche Auswirkungen geändert hätten. Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen anders attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung der geltend gemachten Erkrankung genüge, um auf einen veränderten Gesundheitszustand zu schliessen (S. 2 oben). Eine veränderte Befundlage habe anhand der vorliegenden Akten nicht festgestellt werden können (S. 2 Mitte).
Im Rahmen der Beschwerdeantwort (Urk. 6)
hielt die Beschwerdegegnerin fest
,
dass es an einem Revisionsgrund fehle. Somit bestehe kein Raum für eine in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassende Prüfung des Rentenanspruchs ohne Bindung an die frühere Beurteilung (S. 2 Mitte).
2.3
Die Beschwerdeführerin machte in der Beschwerde (Urk. 1) geltend,
dass die Abweisung des Rentenanspruchs in Anwendung der sogenannten Indikatoren
prüfung erfolgt sei (S. 7 Mitte).
Da der Rentenanspruch nicht wegen Fehlens einer medizinisch bedingten Arbeitsunfähigkeit, sondern wegen deren rechtlichen Relevanz abgewiesen worden sei, sei nun auch zu prüfen, ob sich zwischenzeitlich die für die Indikatorenprüfung massgebenden tatsächlichen Verhältnisse verän
dert hätten (S. 7 f.). Ihr sei seinerzeit in tatsächlicher Hinsicht vorgehalten worden, sie nehme die verordneten Medikamente nicht zuverlässig ein, weshalb der Leidensdruck zumindest fraglich erscheine (S. 8 Mitte).
Die Laborblätter belegten, dass sie die verordneten Medikamente wie verschrieben einnehme. Trotz der regelmässigen medikamentösen Behandlung habe der psychiatrische Gesund
heitszustand nicht verbessert werden können (S. 8 unten). Die therapeutischen Möglichkeiten seien nun ausgeschöpft. Weiter stünden die psychosozialen Belas
tungsfaktoren nicht mehr im Vordergrund (S. 9 oben). Auch ihr Gesundheits
zustand habe sich seit April 2016 verschlechtert, leide sie doch nachweislich unter einer mittelgradigen neuropsychologischen Funktionsstörung (S. 9 unten). Zusammenfassend sei im Vergleich zur Situation im Januar 2016 eine doch signifikante Veränderung der Indikatoren wie auch des Gesundheitszustandes eingetreten (S. 10 Mitte).
3.
3.1
Der abschlägigen Rentenverfügung vom
9.
März 2016
(
Urk.
7/
78
) lagen im Wesentlichen folgende medizinische Berichte zugrunde:
3.2
Die Ärzte der Klinik
Z._
AG berichteten am 25. September 20
13
(Urk. 7/24) über die
Hospitalisation
der Beschwerdeführerin
vom 1
2. August bis 23. September 2013 zur diagnostischen Abklärung. Sie nannten folgende psychi
atrische Diagnosen (S. 1 Mitte):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
mittelgradige Episode mit somatischen
Symptomen (F33.11)
mit/bei
-
anhaltender somatoformer Schmerzstörung (F45.4)
Zum Befund wurde ausgeführt, die Beschwerdeführerin
berichte
über
ausge
prägte Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
. Affektiv sei sie deutlich herab
ge
stimmt, traurig, gereizt und deprimiert. Sie sei freudlos und knapp schwingungs
fähig bei deutlichem Antriebsverlust. Beklagt würden massive Durchschlaf
störungen (S. 2 unten).
3.
3
Dr. med.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, nannte
im Bericht vom
13. Januar 2014 zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 7/30/1-4)
im Wesent
lichen die Diagnosen einer HWS-Distorsion sowie einer
rezidivierende
n
depres
sive
n
Störung
(Differentialdiagnose:
somatoformer Schmerzstörung
; Ziff.
1.1). Sie attestierte der Beschwerdeführerin
eine 100
%
ige
Arbeitsunfä
higkeit
vom 3. April 20
12 bis heute
(Ziff. 1.6)
.
A
ktuell
sei die
bisherige Tätigkeit nicht zumut
bar
; es bestünden
ein
Konzentrations
mangel
, Schmerzen und eine rasche Ermüd
barkeit (Ziff.
1.7).
3.
4
Vom 24. April bis 20. Juni 20
14
befand sich die Beschwerdeführerin in der Psy
chiatrischen Universitätsklinik
B._
in stationärer Behandlung
.
Dem Austrittsbericht vom 24. Juli 2014 (Urk.
7/53
) sind die Diagnosen einer r
ezidi
vie
rende
n
depressive
n
Störung, gegenwärt
ig mittelgradige Episode, und einer chro
nischen
Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren zu ent
neh
men (S. 1)
.
Die Beschwerdeführerin wohne mit ihrem Exmann, dessen neuer Ehefrau und deren beiden Kindern zusammen. Bei nicht erfülltem Kinderwunsch habe sich ihr Exmann von ihr getrennt und sei eine neue Ehe eingegangen (S. 2). Zum Befund wurde ausgeführt, die Stimmung sei gedrückt, der Affekt schwin
gungsfähig. Antrieb und Psychomotorik seien reduziert, das Ein- und Durch
schlafen gestört. Die Beschwerdeführerin leide an Sinnestäu
schungen und Ängs
ten unter vielen Menschen (
S. 3
oben)
.
Bei der Beurteilung wurde festge
halten, dass
vor allem die belastende psychosoziale Situation im Vordergrund
stehe, welche sich möglicherweise durch die Äusserungen von somatischen Beschwer
den besser ausdrücken liesse (S. 5 unten)
.
3.
5
Das Gutachten der Ärzte der
Y._
vom 2
6. August
2014 (
Urk. 7/43/1-32
) basierte auf einer internistischen, einer rheumatologischen und einer
psychiatrischen Untersuchung
(vgl. S. 1) sowie den vorhandenen Akten (vgl. S. 2 ff.). Darin werden keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit genannt, hingegen folgende Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 2
8 Ziff. 6
.1):
-
mittelgradige depressive Episode, reaktive depressive Episode
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung
-
Störungen durch Opioide, Abhängigkeitssyndrom, gegenwärtiger Sub
stanz
gebrauch
-
Status nach HWS-Distorsion QTF II bei Heckauffahrunfall am 3. April 2012
-
chronisches
zervikozephales
Syndrom mit/bei degenerativen Verände
run
gen der unteren HWS
-
chronische
myofasziale
Lumbalgien, anamnestisch ein Jahr nach dem Dis
torsionstrauma aufgetreten
-
Diabetes mellitus Typ 2, arterielle Hypertonie, Adipositas
Aus psychiatrischer Sicht wurde zum objektiven Befund ausgeführt, die Mimik und die Gestik seien etwas schwächer ausgeprägt als normal. Die
Konzentration und die Aufmerksamkeit
nähmen im Verlauf d
es Gesprächs etwas ab. Die Grun
d
stimmung sei betrübt, der affektive Rapport sei aber weitgehend herstell
bar. Der Antrieb sei eingeschränkt, die Psychomotorik etwas schwächer ausge
prägt als normal (S. 20 Ziff. 5.3.1). Die Beschwerdeführerin habe als Folge der Schmerzen und vor allem auch, weil sie nach dem Austritt aus der Rehaklinik
C._
realisiert habe, dass sie wegen ihrer Schmerzen nicht mehr arbeiten könne, zunehmende depressive Symptome
entwickelt (S. 21 Ziff. 5.4.1).
Bei der Beschwerdeführerin liege eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung vor und ausserdem eine mittelgradige depressive Episode (S. 27 Ziff. 5.11). Bei Letzterer handle es sich um eine reaktive depressive Episode, die durch die Schmerzen und durch verschiedene psychosoziale Faktoren verursacht worden sei und die Arbeitsfähigkeit daher aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht einschränke (S. 24 Ziff. 5.4.5). Bei der Diskussion der Förster-Kriterien wurde aus
geführt, eine psychiatrische Komorbidität sei nicht gegeben, erfüllt sei einzig das Kriterium der Ausschöpfung der therapeutischen Möglichkeiten (S. 23 Ziff. 5.4.3). Die Beschwerdeführerin verfüge über einige Ressourcen; sie sei sozial gut inte
griert und freue sich auf die kommenden Ferien in ihrer Heimat
D._
, wo sie auch ihre in
E._
lebende Schwester
wiedersehe
(S. 24 Ziff. 5.4.4
). Die soma
toforme Schmerzstörung sei mittels einer Willensan
strengung überwindbar (S. 24
Ziff.
5.4.5).
Somit bestünden keine psychiatri
schen Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 25 Ziff. 5.5.1). Die Arbeitsfähigkeit sei aus psychiatrischer Sicht nie eingeschränkt gewesen (S. 25 Ziff. 5.6.2 und 5.6.3.) Eine neuropsycho
logische Untersuchung sei nicht not
wendig (S. 27 Ziff. 5.11). Die Weiterführung der ambulanten psychiatrischen Behandlung und der Gabe von Medikamenten sei sinnvoll, jedoch nicht nötig, um die Arbeitsfähigkeit zu erhöhen, da diese nicht eingesch
ränkt sei (S. 25 f. Ziff. 5.7).
Im Rahmen der polydisziplinären Beurteilung wurde ausgeführt, dass sich die Beschwerden unter den stationären Behandlungen und längeren ambulanten Therapien subjektiv kaum verändert hätten. Somatisch sei weiterhin eine demonstrierte physische Einschränkung festzustellen. Die Halswirbelsäule werde mit stärkeren Einschränkungen bewegt, die radiologisch und klinisch nicht nach
vollziehbar seien (S. 29 Ziff. 6.2.3). Aus rheumatologischer Sicht seien
myofas
ziale
Befunde
nuchal
und lumbal bei altersgemässen degenerativen Ver
ände
rungen zu beschreiben. Eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne daraus und aus den klinischen Befunden nicht abgeleitet werden. Psychiatrisch werde die depressive Störung als mittelgradige depressive reaktive Episode beurteilt und in Anbetracht der bescheidenen und das Beschwerdeausmass nicht befriedigend erklärenden somatischen Befunde als anhaltende somatoforme Schmerzstörung bezeichnet. Polydisziplinär sei die Diskrepanz zwischen sub
jektivem Befinden und objektiven Befunden diskutiert worden. Es bestehe keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für die letzte Tätigkeit (S. 30 oben). Die Arbeitsprognose sei getrübt durch viele soziale Faktoren: Migrationsproblema
tik, fehlende anerkannte Berufsausbildung, lang dauernde Arbeitsunfähigkeit, Selbstlimitierung, Alter, familiäre Faktoren und subjektive Krankheitsüber
zeugungen (S. 31 Ziff. 7.4).
3.
6
Vom 1. September bis 12. Dezember 20
14
befand sich die Beschwerdeführerin wiederum in der
Psy
chiatrischen Universitätsklinik
B._
in stationärer Behandlung, nun am Standort
F._
.
Im
entsprechenden Austrittsbericht vom 17. Dezember 2014 (Urk. 7/58)
wur
de
neben der Schmerzstörung
neu eine schwere depressive Episode mit psycho
tischen Symptomen (F32.3) diagnostiziert (S. 1 Mitte). Die Beschwerde
führerin
habe sich während des Aufenthaltes nur bedingt psychisch stabilis
ieren und aufbauen können. Trotz nicht vollständiger Freudlosigkeit sei von einer schweren depres
siven Episode auszugehen, da zwei der drei A-Kriterien einer schweren depressi
ven Episode (gedrückte Stimmung und Verminderung des Antriebs, erhöhte Ermüdbarkeit) weiterhin deutlich fortbestünden. Ebenfalls hätten Schlaf
stö
rungen,
verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
, ver
mindertes Selbst
wertgefühl, Gefühle von Wertlosigkeit, negative und pessi
mistische Zukunfts
perspektiven sowie Gedankenkreisen weiterhin beobachtet werden können. Des Weiteren habe sie wiederholt von akustischen Halluzina
tionen berichtet. Auch die k
örperliche Schmerzsymptomatik h
abe sich nur
wenig verbessert (S. 4 unten).
Dem Bericht der Ärzte der
Psy
chiatrischen Universitätsklinik
B._
zuhanden der
Beschwerdegegnerin vom 12. März 2015 (Urk. 7/60) ist zu entnehmen, dass seit dem 5. Januar 20
15
eine
Behandlung in der Tagesklinik
erfolge
(S. 1)
.
Als
Diagnosen mit Auswirkung auf
die Arbeits
fähigkeit wurden eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode (F33.1)
, eine chronische
Schmerzst
örung mit somati
schen und psychischen
Faktoren (F45.41)
sowie ein Status nach Schmerzmittel
abhängigkeit (F11.1) genannt (Ziff. 1.1)
.
Aktuell bestehe
eine
100%ige
Arbeits
unfähigkeit (S. 1)
.
Im Anschluss an eine IV-Wiedereingliederungsmassnahme könnte m
öglicher
weise
wieder
eine
Teilarbeitsfähigkeit erreicht
werden
(Ziff. 1.9)
.
3.
7
Am 29. April 2015 nahmen die Ärzte der
Y._
Stellung
zu den nach Erstellung des Gutachtens eingegangen Berichten der
Psy
chiatrischen Universitätsklinik
B._
(Urk.
7/63/1-5
)
.
Sie hielten fest, dass die rein medizinische
Beurteilung
anders sei
als die
im
Y._
-Gutachten
beschriebene vers
icherungsmedizinische
Beurteilung der
Arbeitsfähig
keit (S. 4 Mitte)
.
Aus rein medizinischer Sicht sei die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin während der Zeit, in der eine mittelgradige depressive Episode vorgelegen habe,
zu etwa 50 % eingeschränkt gewesen, vor allem wegen des verminderten Antriebs und der rasch abnehmenden Konzentra
tion und Aufmerksamkeit
(S. 3 Mitte). Aus medizinischer Sicht bestehe mindes
tens seit dem 12. August 20
13 (
Eintritt in die
Kl
inik
Z._
) bis am 31. August 2014 eine
50%ige
Arbeits
unfähigkeit. Anschliessend sei die Beschwer
deführerin
wegen der
schwergra
di
gen
depressiven Episode vom
1. September 20
14 bis
4. Januar 2015 zu 100
%
in der Arbeitsfähigkeit einge
schränkt gewesen, dann vom 5. Januar 2015 bis zumindest 12. März 20
1
5 (Datum Bericht
der Psy
chiatrischen Universitätsklinik
B._
) wieder zu 50
%
(S. 4 oben)
.
Soweit ihr durch die
Psy
chiatrische Universitätsklinik
B._
ab dem
5.
Januar 2015 eine 100%ige Arbeits
un
fähigkeit attestiert worden sei, sei dies aufgrund der nun wieder beste
henden mittel
gradigen depressiven Episode nicht nachvollziehbar
(S.
2 unten)
.
Eine anhal
tende somatoforme
Schmerzstö
rung schränke
die Arbeitsfähigkeit nur ein, wenn genügend Förster-Kriterien erfüllt seien.
Zu den Förster-Kriterien hätten die Ärzte der
Psy
chiatrischen Universitätsklinik
B._
jedoch nicht Stellung genommen
(S. 3 oben)
.
Die depressive Episode sei durch die Schmerzen verursacht worden, aber auch durch verschiedene psychosoziale Belastungs
faktoren, wie die finanziellen Probleme und die unklare berufliche Zukunft (S. 4 Mitte). Es werde daran festgehalten, dass b
is zum
Zeitpunkt
der Untersuchung zum Gutachten
es sich um
eine rea
ktive depressive Episode handle (S. 4 unten)
.
Die
versicherungsmedizinische Beurtei
lung
werde
den Juristen
überlassen (S. 5)
.
3.8
Dem Austrittsbericht der Ärzte der
Psy
chiatrischen Universitätsklinik
B._
vom 14. Dezember 20
15
(Urk.
7/81/18-23
) betref
fend Behandlung in der Tagesklinik vom 5. Januar bis 2. November 2015 sind im Wesentlichen die Diagnosen einer r
ezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig mittelgra
dige Episode (F33.1), und einer chronischen
Schmerz
st
örung mit somatischen und psychischen
Faktoren (F45.41)
zu entneh
men (S. 1 Mitte)
.
Die Beschwerdeführerin beschreibe, dass sie aktuell vor allem an der anhaltenden Schmerzproblematik (Schmerzen im Kopf und Nackenbereich) und in der Folge auch an depressiven Gefühlen und Gedanken leide (S. 2 oben).
Zum psychischen
Befund
wurde unter anderem angegeben, dass Auffassung und Konzentration mittelgradig gestört seien und das formale Denken verlangsamt und eingeengt sei. Die Beschwerdeführerin
sei ratlos, deprimiert, teils hoffnungs
los. Es bestünden
Insuffizienz- und Schuldgefühle,
ein verminderter Antrieb, ein sozialer Rückzug sowie zeitweise lebensmüde Gedanken
(S. 3 Mitte).
3.9
Am 13. Januar 20
16
erfolgte eine p
syc
hiatrische Beurteilung
durch
Dr. med.
G._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
Konsiliarpsychiater
der Suva
(Urk.
7/75
)
.
Dr.
G._
führte aus, dass sich die Beschwerdeführerin schon vor dem Unfall in einer schwierigen Lebenssituation befunden habe. Aus wirt
schaftlichen Gründen habe sie nach der Immigration ihr Studium nicht fortsetzen können und ihre Ehe sei wegen Kinderlosigkeit gescheitert. Trotzdem sei sie stark an ihren Ex-Mann gebunden geblieben. Ihre a
ktenkundige
n
Äusserungen bezüg
lich des Zusammenlebens mit
dem
Ex-Mann und dessen neuer Familie
zeugten von einer
erheblich
en Z
wiespältig
keit dieser Situation
.
Nach der
Kündigung
sei auch eine finanzielle Abhängigkeit vom Ex-Mann ent
standen (S.
14 Mitte)
. Aufgrund der Aktenlage
sei
davon auszugehen, dass
es
nach
dem
Austritt aus
der
Rehaklinik
C._
zu eine
r erheblichen, anhalten
den
Verschlechterung
des psychischen Zustandes
gekommen sei
(S. 14 unten). Betreffend
stationäre Thera
pie der
Psy
chiatrischen Universitätsklinik
B._
im September 20
14 sei
die
gestellte Diagnose einer schweren depres
siven Episode
aufgrund der im Austrittsbericht geschilderten Befunde nicht nach
vollziehbar. Mit
über
wiegen
d
er
W
ahrschein
lich
keit sei davon auszugehen, dass die Beschwerde
führerin
auch
in dieser Zeit
mittelgradig
depressiv gewesen sei (S. 15 unten)
.
Eine t
eil
stationäre Behandlung in der Tagesklinik
der
Psy
chiatrischen Universitätsklinik
B._
während rund zehn Monaten
habe nur zu einer leichten Verbesserung geführt
(S. 16 oben)
. In all den Jahren sei es nie zu eine
r nam
haften Besserung des psychischen
Zustandes gekommen
(S. 16 Mitte)
.
Der
End
zustand liege vor seit rund Januar
20
1
3.
Überwiegend wahr
scheinlich seien
die
Beschwerden dauerhaft
. Aus psychi
atrischer Sicht sei eine ambulante psychiatri
sche Therapie weiterhin indiziert, bestehend aus psycho
therapeuti
schen Gesprächen und einer medikamentösen psychiatrischen Behandlung (S. 17)
.
4.
4.1
Die im Rahmen der Neuanmeldung
vom Juni 2019
eingegangenen Berichte geben über den Gesundheitszustand de
r Beschwerdeführerin
folgendes Bild:
4.2
Neur
o
psychologin
lic
. phil.
H._
sowie
Dr.
med.
I._
, Fachärztin für Neurologie
, nannten im
Bericht vom
7.
Januar 2019 (
Urk.
7/
9
6)
folgende
D
iag
nose
n
(S. 4 oben):
-
mittelgradige
Funktionsstörung
fronto
-
temporo
-limbischer Hirnareale mit linkshemisphärischer A
kzentuierung
-
ätiolog
isch multifaktoriell bedingt
-
Differentialdiagnose (DD): bei Anpassungsstörung nach Auffahrunfall mit HWS-Distorsionstrauma mit DD sich daraus entwickelnder reaktiv depressiver Symptomatik
-
DD vorbestehende frühkindliche zerebrale Entwicklungsschwäche bei Zwillingsgeburt und damit einhergehenden verminderten kognitiven Ressourcen
-
DD
allfällige neurodegenerative Erkrankung
Die Beschwerdeführerin berichte, dass es ihr aktuell
«
wirklich nicht gut gehe
»
. Seit dem Unfall leide sie an starken Nacken-, Rücken- sowie Kopfschmerzen. Bezüglich ihrer kognitiven Fähigkeiten berichte sie von Konzentrations- sowie Gedächtnisschwierigkeiten, die in den letzten Monaten zugenommen hätten (S. 1 unten). Sie könne weder kochen, putzen noch Wäsche waschen. Sie erhalte Unterstützung von der neuen Ehefrau ihres Ex-Mannes; diese sei für sie wie eine Schwester (S. 2 oben). In der aktuellen Untersuchung sei die Beschwerdeführerin allseits orientiert und während der gesamten Untersuchung kooperativ gewesen. Belastbarkeit und kognitives sowie psychomotorisches Arbeitstempo und Antrieb seien aufgrund der ausgeprägten Schmerzsymptomatik eingeschränkt gewesen
.
Zusammenfassend hätten sich folgende kognitive Befunde gezeigt: mittelgradige Gedächtniseinschränkungen (verbal sowie nonverbal, Lernen, Abruf und Spei
cherfähigkeit betroffen)
sowie zusätzlich mittelgradig bis schwere exekutiv-
attentionale
Einschränkungen (verbale sowie figurale Ideenproduktion, gerichtete Aufmerksamkeit sowie Daueraufmerksamkeit). Im Affekt wirke sie zudem sehr belastet und die Schwingungsfähigkeit sei vermindert (S. 3 unten). Zudem berichte sie von täglich vorkommenden suizidalen Gedanken (S. 3 f.). Aus rein neuropsychologischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit aktuell zwischen 50
bis
70 % eingeschränkt; eine zusätzliche Stellungnahme aus psychiatrischer Sicht sei drin
gend nötig (S. 4 unten).
4.3
Dr.
med.
J._
,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
nannte
im
Bericht vom 2
0.
April 2020
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/107)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
F32.2 (schwere depressive Episode ohne psychotische Symptome)
-
Störungen durch Schmerzen seit mehr als
zehn
Jahren
Dr.
J._
führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit November 2018 bei ihm in psychiatrischer Behandlung stehe
. Im Vordergrund stünden die somatischen Einschränkungen und daraus resultierende psychische Störungen, die auch gegenwärtig einer mittelgradigen bis schweren Depression entsprächen
(S. 7).
Die Beschwerdeführerin übe seit Jahre
n
keine berufliche Tätigkeit mehr aus (S. 4 Ziff. 3.2). Dr.
J._
attestierte ihr eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 2 Ziff. 1.3). Die Beschwerdeführerin sei offensichtlich deutlich eingeschränkt und
auch auf dem zweiten Arbeitsmarkt nicht vermittelbar (S. 5
Ziff.
5).
Seitdem
er die Beschwerdeführerin kenne, könne er sich nicht vorstellen, dass sie einer beruflichen Tätigkeit nachkommen könne.
Sie
habe eine kleine Aufgabe in der Seniorenbetreuung angenommen, welche sie etwa eine Stunde pro Woche in Anspruch nehme und durch die sie sich an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit gebracht fühle (S. 8). Bei den Aufgaben im Haushalt sei die Beschwerdeführerin zu 95 % eingeschränkt (S. 5
Ziff.
4.5). Si
e lebe mit Unterstützung des Ex-M
annes und dessen Ehefrau wie auch zwei Kindern (S. 7).
Bei dem seit Jahren bestehenden
und gegenwärtig verschlechterten
Zustandsbild erhoffe er sich von einer psycho
pharmakologischen Behandlung nicht mehr als die gegenwärtige Stabilisierung. Eine relevante Verbesserung, insbesondere in Bezug auf die Arbeitsfähigkeit, sei seines Erachtens unmöglich (S.
8
).
4.4
Dr.
A._
führte im
Bericht vom 1
6.
Juni 2020
zuhanden der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
7/110)
aus,
dass die
Beschwerdeführer
in
seit 2012 bei ihr in Behandlung sei, gegenwärtig zwei bis drei Mal pro Jahr (
Ziff.
1.1 und 1.2).
Es liege ein chronisches Schmerzsyndrom nach HWS
-
Traum
a
2012 mit depressiver Entwicklung vor (Ziff. 2.5). Psychisch gehe es der Beschwerdeführerin mässig, physisch sei sie soweit stabil (
Ziff.
2.2).
Von 2012 bis heute bestehe eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit (
Ziff.
1.3).
Die Prognose sei stagnierend bis verschlechternd (
Ziff.
2.7). Die Beschwerdeführerin leiste einmal pro Woche eine Stunde freiwillige Arbeit (
Ziff.
4.2).
4.5
RAD-Ärztin
dipl.-med.
K._
, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin
,
Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin
,
hielt
in der Stellung
nahme
vom
6.
Juli 2020 (
Urk.
7/
111
S. 4 f.
)
fest,
dass der Arztbericht von
Dr.
J._
keine neuen Krankheiten oder Symptome enthalte. Die Hausärztin
Dr.
A._
verweise auf die alten Akten.
Es existierten keine Befunde, welche eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes ausweisen würden. Die Durchfüh
rung eines MRI des Schädels sei den Unterlagen nicht zu entnehmen, auch ein neurologischer Befundbericht existiere nicht. Der Gesundheitszustand sei unver
ändert zur letzten Verfügung vom März 2016.
5.
5.1
Im Zeitpunkt der abschlägigen Rentenverfügung vom
März
2016
wurde insbe
sondere auf das
Gutachten
der Ärzte der
Y._
(vgl. vorstehend E. 3.5) abgestellt.
Im Urteil des Sozialversicherungsgeri
chts vom 5. Mai 2017 (
Urk.
7/85
) wurde festgehalten,
gestützt auf das Gutachten
der
Y._
sei
davon auszu
gehen, dass die Beschwerdeführerin in psychischer Hinsicht unter einer anhal
ten
den somatoformen Schmerzstörung und
einer
reaktiven
mittelgradigen depressiven Episode
leide,
was sich im Wesentlichen auch mit den
diagnostischen Ein
schätzung
en in den übrigen medizinischen Berichten decke (S. 15 E. 4.1). D
ie depressive Störung
habe sich
im Anschluss an den Unfall und
im Zusammenhang mit den
daraufhin empfundenen somatischen Beschwerden entwickelt
. Auch die Beschwerdeführerin habe angegeben, sie habe nach dem Austritt aus der Reha
klinik
C._
realisiert, dass sie (wegen der Schmerzen) nicht mehr arbeiten könne
,
und dadurch eine zunehmende Depression entwickelt. Daneben sei die depressive Symptomatik aber auch als Folge der Schmerzen anzusehen, die sich im weite
ren Verlauf verstärkt hätten (S. 15 E. 4.2). Zusammenfassend könne
die depressive Erkrankung nicht als selbstständiges, vom Schmerzgeschehen losge
löstes, invalidisierendes Leiden angesehen werden
. Vielmehr handle es sich um eine
Begleiterscheinung zum unklaren Beschwer
debild. Damit beurteile
sich die Frage der invalidisierenden Wirkung der gesundheitlichen Beeinträchtigungen der
Beschwerdeführerin
nach der soge
nannten Schmerzrechtsprechung
(S. 16 E. 4.2). Nach Prüfung der Standardindikatoren kam das hiesige Gericht zum Schluss, dass
eine aus der anhaltenden somatoformen Schmerz
stö
rung resultierende invalidenversicherungsrechtlich massgebende Ein
schrän
kung der Arbeitsfähig
keit nicht überwiegend wahrscheinlich
sei (S. 19 E. 4.6).
Diesen Entscheid schützte das Bundesgericht
mit Urteil vom 1
6.
April 2018 (Urk.
7/88)
auch unter den Gesichtspunkten der
zwischenzeitlich
mit BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418 geänderten Rechtsprechung,
wonach die Therapie
r
bar
keit eines psychischen Leidens keine abschliessende evidente Aussage über das Gesamtmass der Beeinträchtigung zulässt und wonach sämtliche psychische
n
Erkrankungen, namentlich auch
depressive Störungen leicht- bis mittelgradiger Natur
,
grundsätzlich
einem strukturierte
n
Beweisverfahren zu unterziehen sind
(S. 3 f. E. 3)
. Das
Bundesgericht hielt fest, das
gesamte Beschwerdebild der Versi
cherten
sei im Urteil vom
5.
Mai 2017
nach den Grundsätzen eines strukturierten Beweisverfahrens anhand der rechtsprechungsgemässen Indikatoren geprüft
worden (S. 5 E. 5.1)
.
5.2
Zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand de
r Beschwerdeführerin
seither
in einem rentenbegründenden Ausmass verschlechtert hat.
Die Beschwerdeführerin machte geltend, dass eine Veränderung der Indikatoren wie auch des Gesund
heitszustandes eingetreten sei (
vgl.
vorstehend E. 2.3).
5.3
Neu liegen die Berichte von
lic
. phil.
H._
und
Dr.
I._
vom Januar 2019,
des behandelnden Psychiat
ers
Dr.
J._
vom April 2020
sowie der Haus
ärztin
Dr.
A._
vo
m Juni 2020
vor.
L
ic
. phil.
H._
und
Dr.
I._
berichteten
über seit dem Unfall bestehende starke Nacken-, Rücken- sowie Kopfschmerzen.
A
ufgrund der ausgeprägten Schmerzsymptomatik seien Belastbarkeit, Arbeitstempo und Antrieb einge
schränkt
(vgl. vorstehend E. 4.2)
.
Dazu ist festzuhalten, dass die
Schmerzstörung bereits im März
2016
im Vordergrund
stand
(vgl. vorstehend E. 5.1)
. Auch ein verminderter Antrieb wurde in
den
meisten Berichten besc
hrieben (vgl. vorste
hend E. 3.2 sowie
E. 3.4 - E. 3.8).
Betreffend kognitive Befunde stellten
l
ic
. phil.
H._
und
Dr.
I._
mittelgradige Gedächtniseinschränkungen sowie mittelgradig
e
bis schwere exekutiv-
attentionale
Einschränkungen fest
(vgl. vorstehend E. 4.2)
.
Dabei handelt es sich nicht um neue Befunde. So berichteten d
ie Ärzte der
Z._
bereits im September 2013 über
geltend gemachte
Konzent
rations
- und Gedächtnisstörungen
(vgl. vorstehend E. 3.2)
.
Auch die Hausärztin
Dr.
A._
nannte im Januar 2014
einen
Konzentrations
mangel
(
vgl.
vorstehend E. 3.
3
), die Ärzte der
Psy
chiatrischen Universitätsklinik
B._
berichteten über eine verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit (
vgl.
vorstehend E. 3.6
und E. 3.8
)
und die Ärzte der
Y._
stellten eine (rasch) abnehmende Konzentration und Aufmerksamkeit fest (vgl. vorstehend E. 3.5 und E. 3.7).
Der seit November 2018 behandelnde Psychiater
Dr.
J._
sprach von einem seit Jahren bestehenden und gegenwärtig verschlechterten Zustandsbild (vgl. vorstehend E. 4.3). Er nannte jedoch keine konkreten Befunde. Seinem Bericht ist auch nicht zu entnehmen, inwiefern sich der Zustand der Beschwerdeführerin verschlechtert hätte.
In Bezug auf die Diagnosen nannte
er
einerseits eine schwere depressive Episode und andererseits
Störungen durch Schmerzen seit mehr als
zehn
Jahren
. Soweit
bei der
Beschwerdeführerin tatsächlich
eine schwere depres
sive
Episode
vorliegen sollte
, ist
zu bemerk
en, dass auch in der Vergangenheit
zwischenzeitlich
eine schwere depressive Episode
diagnostiziert worden war
(vgl. vorstehend E. 3.6 und E. 3.7).
Die
Hausärztin
Dr.
A._
attestierte der Beschwerdeführerin bei der Diagnose eines chronischen Schmerzsyndroms nach HWS-Trauma 2012 mit depressiver Entwicklung eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Prognose sei stagnierend bis verschlechternd (vgl. vorstehend E. 4.4).
Dr.
A._
legte keine
wesentliche
Verän
derung dar.
Eine solche ist auch im Vergleich mit ihrem früheren Bericht vom Januar 2014 (vgl. vorstehend E. 3.3) nicht ersichtlich.
Nach dem Gesagten wird in den neuen Berichten keine wesentliche Verschlech
terung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin dargelegt.
Die ange
führten Befunde sind vielmehr vergleichbar mit der bereits in den früheren Berichten beschriebenen Befundlage.
Die Beschwerdeführerin leidet nach wie vor unter einer Schmerzstörung und
einer
depressiven Erkrankung
. Im Übrigen ist festzuhalten, dass
nicht die Diagnose massgebend ist, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik. Aus einer anderen Diagnose allein kann somit nicht auf eine für den Invaliditätsgrad erhebliche Tatsachenänderung geschlossen werden (Urteil des Bundesgerichts 9C_602/2016 vom 1
4.
Dezember 2016 E. 5.1 mit weiteren Hinweisen).
5.4
In Bezug auf die Arbeitsfähigkeit
ist den neuen Berichten Folgendes zu entneh
men:
Dr.
J._
bescheinigte der Beschwerdeführerin eine 100%ige Arbeitsunfähig
keit (vgl. vorstehend E. 4.3)
. Er
begründete diese jedoch nicht
näher und nannte insbesondere auch keine Befunde, weshalb nicht auf seine Einschätzung abge
stellt werden kann
.
Dr.
A._
hielt im aktuellen Bericht vom Juni 2020 fest, dass von 2012 bis heute eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestehe (vgl. vorstehend E. 4.4). Sie hatte der Beschwerdeführerin
auch
im Januar 2014 eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert (vgl. vorstehend E. 3.3)
. Eine V
eränderung ergibt sich damit
nicht
.
Im Bericht von
lic
. phil.
H._
und
Dr.
I._
wurde ausgeführt, dass die Arbeitsfähigkeit aus rein neuropsychologischer Sicht aktuell zwischen 50 bis 70 % eingeschränkt sei (vgl. vorstehend E. 4.2). Dazu ist zu bemerken, dass auch die Ärzte der
Y._
seit August 2013
aus rein medizinischer Sicht von einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
etwa 50 %
- bei Vorliegen einer schweren depressiven Episode
zwischenzeitlich
sogar von einer
Einschrän
kung von
100
%
-
ausgingen
(
vgl. vorstehend E. 3.7); aus versicherungsmedizi
nischer Sicht wurde eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit jedoch verneint.
Schliesslich
genügt
eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit per se
nicht
, um auf einen verschlech
terten Gesundheitszustand zu schliessen
(vgl. vorstehend E. 1.5)
.
5.
5
Zusammenfassend
ist
mit den neuen Berichten
eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin seit der abschlägigen Renten
verfügung vom März 2016 nicht ausgewiesen.
Die Beschwerdeführerin machte eine Verschlechterung denn auch einzig insoweit geltend, als neu eine mittelgradige neuropsychologische Funktionsstörung bestehe (
Urk.
1 S. 9 f.). Wie aufgezeigt liegen aber bezüglich Antrieb, Gedächtnis und Konzentration keine erheblichen neuen Befunde vor (E. 5.3). Die Ärzte der
Y._
sahen die Störungen von Konzentration und Aufmerksamkeit als durch die mittelgradige depressive Episode bedingt und erachteten die Durch
führung einer neuropsychologischen Untersuchung als nicht erforderlich (
Urk.
7/43 S. 27). Dafür, dass mittlerweile von einer neurodegenerativen Erkran
kung als Ursache auszugehen ist, was vo
n
lic
. phil.
H._
und Dr.
I._
im Bericht vom
7.
Januar 2019 differentialdiagnostisch in Betracht gezogen worden war (E. 4.2), bestehen keine Anhaltspunkte; dies wurde insbesondere beschwerdeweise nicht geltend gemacht. Eine wesentliche Veränderung liegt damit
insoweit
nicht vor.
5.6
Auch ansonsten sind keine Umstände ersichtlich, die eine Veränderung des Gesundheitszustandes nahezulegen
vermögen
.
Für die von der Beschwerdeführerin
unter anderem
geltend gemachte neu
regel
mässige
Einnahme der verordneten Medikamente
-
namentlich der Psycho
pharmaka
-
fehlen Belege; die
durchgeführten Laboruntersuchungen
dienten nicht dem Nachweis einer Medikamenteneinnahme (vgl.
Urk.
7/110 S. 10,
Urk.
7/118; vgl.
Urk.
1 S. 8). Bereits
Dr.
G._
ging
zudem
am 1
3.
Januar 2016 von einer dauerhaften Störung aus (E. 3.9). Ein eigentlicher Wegfall
namhafter
psychosozialer Belastungen ist
weiter
nicht erstellt. Die Beschwerdeführerin lebt weiter
hin
zusammen mit ihrem Exmann, dessen Ehefra
u und deren gemeinsamen Kindern
, welche sie unterst
ützen
(
Urk.
7/107
S. 7). Diese Situation hatte bereits im Zeitpunkt der ursprünglichen Verfügung Ressourcen und Belastungen bein
haltet (vgl.
Urk.
7/85 E. 4.4). Auch den aktuellen Berichte
n
ist beides
zu entneh
men
(
Urk.
7/96 S. 1 f.,
Urk.
7/107/7-8 S. 1).
Eine Unterstützung durch das Sozi
alamt erfolgte bereits im Zeitpunkt der Begutachtung durch die
Y._
(
Urk.
7/43 S. 13).
Insgesamt
liegen keine
relevanten
neuen Aspekte vor, die zumindest auf eine Veränderung des Gesundheitszustandes hindeuten könnten und Anlass für ergänzende medizinische Abklärungen sein müssten.
Ein Revisionsgrund ist somit zu verneinen, weshalb sich keine weiteren Abklä
rungen aufdrängen. Insbesondere hat auch keine neue Prüfung der Standard
indikatoren zu erfolgen
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_603/2019 vom 2
2.
November 2019 E. 6.2).
Demnach erweist sich die angefochtene Verfügung als zutreffend, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
6
.
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
800.--
anzusetzen und ausgangsgemäss
der
unterlie
genden
Beschwerdeführerin
aufzuerlegen.