# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f969076f-6c63-44dc-9a9b-f31ff4c81393
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Schändung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 31. Mai 2021 (DG210018)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft l vom 28. Januar 2021 ist diesem Urteil
beigeheftet (Urk. D1/17/3).
Urteil der Vorinstanz:
"Es wird erkannt:
1. Das Verfahren betreffend Dossier 2 wird eingestellt. Das Rubrum wird angepasst.
2. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB,
− der mehrfachen Pornografie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 StGB, sowie
− der Gewaltdarstellung im Sinne von Art. 135 Abs. 1 StGB.
3. Vom Vorwurf in Dossier 3, Anklageziffer 4, betreffend Gewaltdarstellung im Video mit der
Stierattacke wird der Beschuldigte freigesprochen.
4. Der Beschuldigte wird bestraft mit 57 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit heute
372 Tage durch Haft erstanden sind.
5. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
6. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
21. Juli 2016 ausgefällten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.– wird widerrufen.
7. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 10 Jahre des Landes verwiesen.
8. Die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem wird ange-
ordnet.
9. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 11. Januar 2021
beschlagnahmte Mobiltelefon iPhone weiss des Beschuldigten (A103'828'381) wird einge-
zogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
10. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin B._ aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Fest-
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stellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird die Privatklägerin B._ auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ Fr. 10'000.– zuzüglich 5 %
Zins ab 11. Februar 2020 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
12. Rechtsanwalt lic. iur. X1._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger mit
pauschal Fr. 20'600.– (inkl. Barauslagen und MWSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
13. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 6'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 656.– Auslagen Untersuchung
Fr. 55.60 Entschädigung Zeuge
Fr. 1'170.– Entschädigung Dolmetscher im Vorverfahren
Fr. 20'600.– amtliche Verteidigung.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung sowie die Übersetzungskosten aus dem Vorverfahren, werden
dem Beschuldigten auferlegt.
15. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden unter Vorbehalt der Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 auf die Gerichtskasse genommen. Die Übersetzungskosten aus dem Vor-
verfahren (Fr. 1'170.–) werden definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
16. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ für das gesamte Verfahren
eine Prozessentschädigung von pauschal Fr. 20'000.– (inkl. Barauslagen und MWSt.) zu
bezahlen.
17. (Mitteilungen.)
18. (Rechtsmittel.)"
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 125 S. 2 f.)
1. Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass das vorinstanzliche Urteil in
Bezug auf die Dispositivziffer 1., Ziffer 2 – soweit die Schuldsprüche
wegen mehrfacher Pornographie und der Gewaltdarstellung betref-
fend – , Ziffer 3. sowie Ziffern 11. – 13. sowie 17. und 18. in Rechtskraft
erwachsen ist.
2. Vom Vorwurf der Schändung im Sinne von Art. 191 StGB sei A._
freizusprechen.
3. Er sei zu bestrafen mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à
Fr. 10.00, unter Anrechnung von einem Tag erstandener Haft.
4. Es sei Herrn A._ der bedingte Strafvollzug zu gewähren, unter
Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren.
5. Auf den Widerruf der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich –
Sihl vom 21.07.2016 ausgesprochenen Geldstrafe von 180
Tagessätzen à Fr. 30.00 sei zu verzichten.
6. Es sei auf die Anordnung einer Landesverweisung zu verzichten.
7. Das mit Verfügung vom 11. Januar 2021 beschlagnahmte Mobiltelefon
"IPhone" sei Herrn A._ nach Eintritt der Rechtskraft des Urteils
herauszugeben.
8. Die Zivilforderungen der Privatklägerin B._ seien abzuweisen.
9. A._ sei eine Genugtuung aus der Staatskasse im Betrage von
Fr. 147'600.00, zuzüglich 5% Zins ab dem 31.05.2021, zu entrichten.
10. Die Kosten des Untersuchungs- sowie des erst- und des zweit-
instanzlichen Gerichtsverfahrens, inklusive der Kosten der amtlichen
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Verteidigung, seien vollumfänglich und definitiv auf die Staatskasse zu
nehmen. Für die erbetene Verteidigung im zweitinstanzlichen
Verfahren sei Herrn A._ eine angemessene Entschädigung aus
der Staatskasse zuzusprechen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 128 S. 1)
1. Dispositivziffer 4 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 31. Mai
2021 sei aufzuheben und der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe
von 65 Monaten zu bestrafen.
2. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahren
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 31. Mai 2021
wurde der Beschuldigte entsprechend dem eingangs aufgeführten Dispositiv der
Schändung im Sinne von Art. 191 StGB (Dossier 1) sowie der mehrfachen Porno-
grafie im Sinne von Art. 197 Abs. 4 StGB und der Gewaltdarstellung im Sinne von
Art. 135 Abs. 1 StGB (Dossier 3) schuldig gesprochen, während er in einem
weiteren Punkt betreffend Dossier 3 vom Vorwurf der Gewaltdarstellung freige-
sprochen und das Verfahren betreffend Dossier 2 (Vorwürfe der unrechtmässigen
Aneignung und des Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage) eingestellt
wurde. Der Beschuldigte wurde mit einer unbedingten Freiheitsstrafe von
57 Monaten (abzüglich 372 Tage Haft) bestraft und unter Ausschreibung im
Schengener Informationssystem für die Dauer von 10 Jahren des Landes
verwiesen. Im Weiteren wurde der bedingte Vollzug einer Vorstrafe widerrufen
und ein beschlagnahmtes iPhone der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen.
Schliesslich wurde über die Zivilansprüche der Privatklägerin sowie über die
Kosten- und Entschädigungsfolgen befunden (Urk. 101 S. 110 ff.).
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2. Mit Eingabe vom 10. Juni 2021 hat der Beschuldigte gegen das erst-
instanzliche Urteil rechtzeitig die Berufung angemeldet (Urk. 67). Nach Erstattung
der Berufungserklärung vom 3. September 2021 (Urk. 102) und anschliessender
Fristansetzung an die Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich erklärte die Staats-
anwaltschaft mit Schreiben vom 20. September 2021 die Anschlussberufung im
Strafpunkt (Urk. 110). Die Privatklägerin verzichtete am 5. Oktober 2021 auf eine
Anschlussberufung (Urk. 112) und gab später bekannt, dass sie und ihre Ver-
treterin an der Berufungsverhandlung nicht teilnehmen werden (Urk. 119). In
seiner Eingabe vom 3. März 2022 legitimierte sich in der Folge Rechtsanwalt
lic. iur. X2._ mit beigelegter Vollmacht als erbetener Verteidiger des
Beschuldigten und erklärte, dass er den Beschuldigten an die
Berufungsverhandlung begleiten und dort zusätzlich zum amtlichen Verteidiger in
Absprache mit Letzterem zu plädieren gedenke (Urk. 117 + 118).
3. In der Folge wurde auf den 1. Juni 2022 zur Berufungsverhandlung vor-
geladen (Urk. 116). Zu dieser erschienen der Beschuldigte in Begleitung seiner
Verteidiger sowie Staatsanwältin lic. iur. Kauf als Vertreterin der Anklägerin
(Prot. II S. 5).
II. Formelles
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Der
Beschuldigte lässt in seiner Berufungserklärung die Verfahrenseinstellung, die
Schuldsprüche wegen mehrfacher Pornografie und Gewaltdarstellung sowie den
teilweisen Freispruch vom Vorwurf der Gewaltdarstellung unangefochten und
akzeptiert auch die Kostenfestsetzung, wobei mangels anderweitigen Bekun-
dungen zudem davon auszugehen ist, dass die erstinstanzliche Entschädigung
der amtlichen Verteidigung ebenfalls nicht in Frage gestellt wird (vgl. Urk. 102
S. 2). Derweil ficht die Staatsanwaltschaft mit ihrer Anschlussberufung lediglich
den Strafpunkt an (Urk. 110 S. 2). Damit ist das Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
10. Abteilung, vom 31. Mai 2021 bezüglich der Dispositiv-Ziffer 1 (Verfahrensein-
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stellung betreffend Dossier 2), teilweise Dispositiv-Ziffer 2 (Schuldspruch betref-
fend mehrfache Pornografie und Gewaltdarstellung), Dispositiv-Ziffer 3
(Freispruch vom Vorwurf der Gewaltdarstellung betreffend Video mit Stierattacke)
sowie Dispositiv-Ziffer 12 (Entschädigung der amtlichen Verteidigung) und
Dispositiv-Ziffer 13 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen, was vorab mit
Beschluss festzustellen ist. In den angefochtenen Punkten (Dispositiv-Ziffer 2
betreffend Schuldspruch wegen Schändung sowie Dispositiv-Ziffern 4 - 11 bzw.
14 - 16) ist das Urteil hingegen im Sinne von Art. 398 Abs. 2 StPO umfassend zu
prüfen.
2. Die den vorinstanzlichen Entscheid anfechtenden Parteien haben im
Hinblick auf die Berufungsverhandlung keine Beweisanträge gestellt (vgl. Urk. 102
S. 3; Prot. II S. 7). Es drängen sich in zweiter Instanz– abgesehen von der erneu-
ten Befragung des Beschuldigten – auch von Amtes wegen keine weiteren
Beweiserhebungen auf.
III. Schuldpunkt
1. Sachverhalt
1.1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I
des Kantons Zürich vom 20. Dezember 2021 bezüglich des angefochtenen Vor-
wurfes der Schändung vorgeworfen, er habe am 11. Februar 2020 die Geschädig-
te, welche bereits etwas alkoholisiert gewesen sei, zufällig am Hauptbahnhof Zü-
rich getroffen und sie zu sich nach Hause eingeladen, um gemeinsam einen Joint
zu rauchen, wobei die Geschädigte dort dann auch noch Champagner getrunken
habe. In der Folge sei es der Geschädigten aufgrund der Einnahme von Marihua-
na, Alkohol und Antibiotika schlecht geworden, worauf sie sich ca. zehn Mal über-
geben habe. Sie habe sich anschliessend auf Ratschlag des Beschuldigten ohne
Kleider unter die Dusche gestellt, wobei es ihr immer noch schwindlig und
schlecht gewesen sei, so dass sie sich an der Duschwand habe abstützen müs-
sen. Der Beschuldigte habe die Geschädigte daraufhin am ganzen Körper einge-
seift und habe dann plötzlich von hinten ohne ihr Einverständnis unerwartet den
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Geschlechtsverkehr mit ihr vollzogen, wobei die Geschädigte angesichts ihrer
schlechten körperlichen Verfassung nicht in der Lage gewesen sei, sich in irgend-
einer Art gegen den Beschuldigten zur Wehr zu setzen, was der Beschuldigte er-
kannt und ausgenützt habe, um seine sexuelle Lust zu befriedigen (Urk. D1/17/3
S. 3 f.).
1.2. Der Beschuldigte hat die Darstellung der Anklage in der Untersuchung und
an der vorinstanzlichen Hauptverhandlung nur insofern anerkannt, als er bestätig-
te, die Geschädigte am 11. Februar 2020 zufällig am Hauptbahnhof angetroffen
und später mit ihr zu sich nach Hause gegangen zu sein, worauf man dort zu-
sammen Marihuana geraucht habe (Urk. D1/5/1 S. 4; Urk. D1/5/2 S. 2; Prot. I
S. 14 f.). Den anschliessenden Geschlechtsverkehr mit der Geschädigten stellte
er indes anders dar, wobei er sich insbesondere auf den Standpunkt stellte, die-
ser sei einvernehmlich auf Initiative der Geschädigten hin auf dem Sofa in seinem
Zimmer im Asylheim erfolgt (Urk. D1/5/1 S. 2 ff.; Urk. D1/5/2 S. 10; Prot. I
S. 16 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung weigerte sich der Beschuldigte,
zur Sache auszusagen (Urk. 122 S. 8).
1.3. Nachdem der eingeklagte Sachverhalt mithin auch in zweiter Instanz in
wesentlichen Punkten vom Beschuldigten nicht eingestanden wurde, ist im Fol-
genden nochmals zu prüfen, inwiefern sich die umstrittenen Passagen der Ankla-
ge dem Beschuldigten gestützt auf die im Recht liegenden Beweismittel rechts-
genügend nachweisen lassen.
1.4. Die Vorinstanz hat im Rahmen ihrer Ausführungen zum Sachverhalt die
massgeblichen Beweismittel korrekt aufgelistet (Urk. 101 S. 8 f.) und diese in ihrer
Urteilsbegründung sehr ausführlich rezitiert (Urk. 101 S. 15 ff.), so dass in Anwen-
dung von Art. 82 Abs. 4 StPO vollumfänglich darauf verwiesen werden kann.
Ferner hat die Vorinstanz auch die allgemeinen Grundsätze der Beweiswürdigung
umfassend wiedergegeben und dabei zu Recht betont, dass in casu ein sog. Vier-
Augen-Delikt vorliegt, in dessen Rahmen dem Aussageverhalten der Beteiligten
besondere Bedeutung zukommt (Urk. 101 S. 9 ff.). Zu ergänzen ist diesbezüglich,
dass nebst den aktenkundigen Beweismitteln auch die Gesamtheit der objektiven
Tatumstände indizielle Rückschlüsse auf das Tatgeschehen zulassen kann, dies
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insbesondere hinsichtlich der inneren Vorgänge von Täter und Opfer, welche
einem direkten Beweis in der Regel nicht zugänglich sind und als Tatfrage häufig
anhand des äusseren Verhaltens der Tatbeteiligten sowie allfälliger weiterer
äusserer Umstände des Tatgeschehens erschlossen werden müssen (BGE 137
IV 1, E. 4.2.3.).
1.5. Soweit sich das erstinstanzliche Urteil sodann mit der Verwertbarkeit der
Beweismittel befasst, hält sie zutreffend fest, dass die polizeilichen Einvernahmen
von C._ und D._ mangels Konfrontation nicht zu Lasten des Beschuldig-
ten verwertet werden dürfen, sich aus deren Aussagen aber auch nichts Wesent-
liches zum Tathergang ergibt, da sie lediglich bei der gemeinsamen Fahrt zum
Wohnort des Beschuldigten zugegen waren (vgl. Urk. 101 S. 9). Die beiden Kolle-
gen des Beschuldigten konnten denn auch in der Tat lediglich Nebensächliches
berichten und für die Erstellung des Sachverhalts keine massgeblichen Erkennt-
nisse beisteuern.
1.6. Die Vorinstanz hat sich auch ausführlich mit der Glaubwürdigkeit der
Verfahrensbeteiligten auseinandergesetzt. Sie erwähnte dabei das auffällige
Konsumverhalten sowie die psychische Vorbelastung der zum Tatzeitpunkt
16-jährigen Privatklägerin und wies darüber hinaus auf den teilweise proble-
matischen Ruf in ihrem Umfeld als "Lügnerin" hin (Urk. 101 S. 12 ff.). Aufzugreifen
ist in diesem Zusammenhang insbesondere die psychische Vorbelastung
aufgrund eines gleichgelagerten Vorfalles, welcher bei der Privatklägerin – wie sie
selber angibt (Urk. D1/4/4 S. 16) – immer wieder zu "Flashbacks" führte und eine
psychotherapeutische Behandlung nach sich zog (vgl. Urk. D1/8/1), so dass
theoretisch nicht auszuschliessen ist, dass sie den vorliegend zu beurteilenden
Vorfall mit dem früheren Ereignis vermengte. Die amtliche Verteidigung wies
anlässlich der Berufungsverhandlung denn auch darauf hin, dass dieses und
allenfalls weitere, nicht offengelegte traumatische Ereignisse möglicherweise zu
Fehlern in der subjektiven Wahrnehmung der Privatklägerin geführt hätten
(Urk. 125 S. 11). Allerdings vermochte die Privatklägerin die einzelnen Ereignisse
in ihren Befragungen klar zu trennen und erwähnte dabei ausdrücklich, dass der
frühere Übergriff keine Relevanz für das Strafverfahren habe (Urk. D1/4/4 S. 18).
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Eine Projektion vergangener Erlebnisse auf den vorliegenden Fall ist insoweit
nicht ersichtlich. Insgesamt gebieten die geschilderten Besonderheiten der
Persönlichkeit der Privatklägerin mit der amtlichen Verteidigung zwar eine
gewisse Vorsicht bei der Würdigung ihrer Aussagen, doch bestehen andrerseits
auch keine konkreten Anhaltspunkte, welche auf eine erhöhte Gefahr von
effektiven Falschaussagen schliessen lassen würden.
Ohnehin ist aber bei der Würdigung des Sachverhaltes nicht primär auf
die allgemeine Glaubwürdigkeit einer Person abzustellen, sondern vielmehr auf
den konkreten Inhalt der im Verfahren zu Protokoll gegebenen Aussagen, worauf
nachfolgend näher einzugehen ist.
1.7.
1.7.1. Gemäss den Erwägungen im angefochtenen Urteil ist die Darstellung der
Privatklägerin in ihren beiden Einvernahmen insgesamt sehr detailliert, nachvoll-
ziehbar und lebensnah und enthält zudem kaum Widersprüche, auch wenn davon
auszugehen sei, dass sie das Vorgefallene zuvor bereits verschiedenen anderen
Personen erzählt habe, was eine gewisse Vorbereitung nahelege (Urk. 101
S. 68). Diesem Befund der Vorinstanz kann grundsätzlich zugestimmt werden,
wobei nicht per se problematisch erscheint, dass die Privatklägerin den Vorfall vor
den behördlichen Einvernahmen bereits anderen Personen schilderte. Es ergibt
sich bei näherem Studium ihrer Einvernahmen und Sichtung der entsprechenden
Aufnahmen in der Tat ein konsistentes und widerspruchsfreies sowie – auch in
non-verbaler Hinsicht – authentisches Aussageverhalten der Privatklägerin, in
dessen Rahmen sie den Beschuldigten nicht über Gebühr belastete, sondern im
Gegenteil immer wieder für ihn günstige Angaben zu Protokoll gab, so beispiels-
weise, als sie ihn insbesondere für die erste Phase ihres Zusammenseins als
durchaus nett und hilfsbereit charakterisierte. Insofern ergeben sich mithin auf-
grund der Aussagen der Privatklägerin im Einklang mit der Vorinstanz überzeu-
gende Anhaltspunkte für den Wahrheitsgehalt ihrer Ausführungen zum Tatge-
schehen.
1.7.2. Ferner sind auch die Aussagen der Privatklägerin, dass sie mit dem Be-
schuldigten an jenem Tag zu keinem Zeitpunkt einen sexuellen Austausch haben
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wollte, glaubhaft und authentisch. Ihre Vorstellung, dass ihr der Beschuldigte bis
zum Schluss – d.h. selbst noch beim Einseifen unter der Dusche – lediglich helfen
wollte (Urk. D1/4/4 S. 10), ist zwar reichlich gutgläubig und insofern nicht ganz
nachvollziehbar, zumal sie in sexuellen Belangen trotz ihres noch jungen Alters
unbestrittenermassen durchaus erfahren war, doch weist ihr damaliges passives
Verhalten entgegen den Vorbringen der erbetenen Verteidigung (Urk. 127 S. 6) in
keiner Weise darauf hin, dass sie das Vorgehen des Beschuldigten billigte oder
gar guthiess.
1.7.3. Der Behauptung der amtlichen Verteidigung, wonach der Alkohol- und
Marihuanakonsum der Privatklägerin mengenmässig von vornherein ungeeignet
gewesen sei, um die von ihr vorgebrachten Ausfallerscheinungen zu bewirken, ist
mit Hinweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz nicht zu folgen (vgl.
Urk. 101 S. 66). Zwar ist mit der Verteidigung auf den Umstand hinzuweisen, dass
beim von der Privatklägerin eingenommenen Antibiotikum nicht ausdrücklich vor
zeitgleichem Alkoholkonsum gewarnt wird, indes werden Übelkeit und Schwindel
als mögliche Nebenwirkungen genannt (vgl. Urk. 125 S. 7 f.). Ausserdem stellt es
eine notorische Tatsache dar, dass sich die Wirkungen verschiedener Medika-
mente und Drogen (vorliegend namentlich Alkohol und Marihuana) bei Misch-
konsum nicht nur kumulieren, sondern potenzieren können. Wie die Vorinstanz in
zutreffender Weise erwähnte, können auch weitere Faktoren (wie die Ernährung
oder die körperliche Verfassung) die Reaktion auf Drogen beeinflussen. Vor die-
sem Hintergrund liegt der Schluss nahe, dass die von der Privatklägerin dargeleg-
ten Ausfallerscheinungen durch den Mischkonsum von Antibiotikum, Alkohol und
schliesslich auch Marihuana bedingt waren. Des Weiteren ist auf den Umstand
hinzuweisen, dass die Privatklägerin unter Diabetes Typ 1 leidet (act. D1/4/3,
Sequenz 00:09:35). Mit der damit einhergehenden notorischen Gefahr der Unter-
zuckerung scheint es mithin naheliegend, dass auch diese Erkrankung (weiter)
zum Schwächezustand beitrug.
1.7.4. Auffallend ist indes die späte Anzeige der Privatklägerin rund zweieinhalb
Monate nach dem inkriminierten Vorfall (vgl. Urk. D1/1/1), was gemäss der
amtlichen Verteidigung auf eine Fehlinterpretation des Tatgeschehens aufgrund
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früherer Traumata hinweisen könnte (Urk. 125 S. 24). Indes hat die Privatklägerin
die Umstände, welche zu ihrer späten Anzeigeerhebung führten, klar beschrie-
ben, wobei die Gründe vielfältig waren und von der anfänglichen Verdrängung der
Tat, über die Scham vor ihrer (anzeigeberechtigten) Mutter bis zur Schwierigkeit
der Einordnung des Vorfalles reichten, welchen sie subjektiv zwar als unrecht-
mässig, rechtlich aber lediglich als sexuelle Belästigung einstufte (vgl.
Urk. D1/4/3, 01:26:20), was eine Anzeige zusätzlich erschwert haben mag. Geht
man davon aus, dass sich die Privatklägerin während des gesamten Vorfalles
nicht wehrte und den Tatbestand der Schändung in dieser Form nicht kannte, ist
ihr Verhalten denn auch durchaus nachvollziehbar und lässt nicht den Verdacht
aufkommen, das von ihr später Geschilderte habe sich womöglich gar nicht so
zugetragen.
1.7.5. Es fragt sich schliesslich, ob die beiden von der Privatklägerin im Zu-
sammenhang mit dem Tatgeschehen erwähnten "Blackouts" nachvollziehbar
sind. Die erbetene Verteidigung machte anlässlich der Berufungsverhandlung
geltend, dass durch die grossen Erinnerungslücken der Verdacht genährt werde,
die Privatklägerin gebe den Sachverhalt nur selektiv wieder bzw. lasse
Sachverhaltselemente bewusst aus (Urk. 127 S. 9 f.). Dem ist entgegenzuhalten,
dass die fraglichen Phasen von der Privatklägerin stets gleich beschrieben und
insbesondere auch für die gleichen Zeitpunkte geltend gemacht werden. Dabei ist
für die erste Phase festzuhalten, dass als gerichtsnotorisch gelten kann, dass sich
Opfer von sexuellem Missbrauch nicht immer an sämtliche Sequenzen des
Übergriffes erinnern können, wobei für die entsprechende Erinnerungslücke
typisch erscheint, dass sie in unmittelbaren Zusammenhang mit dem Übergriff
steht. Demgegenüber ist für die zweite Erinnerungslücke betreffend die Rückfahrt
aus E._ kein solcher unmittelbarer Zusammenhang ersichtlich, was weniger
typisch ist, jedoch zwanglos damit erklärt werden kann, dass die Privatklägerin
das belastende Zusammensein mit dem Beschuldigten unmittelbar nach der Tat,
welcher sie gemäss eigenen Angaben auf der Rückfahrt begleitete (Urk. D1/5/1
S. 8) ebenfalls ausblendete. Kein zwingender Zusammenhang besteht
diesbezüglich mit dem erwähnten früheren Missbrauch, doch ist nachvollziehbar,
dass eine einschlägige frühere negative Erfahrung die Verarbeitung des
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Vorgefallenen zusätzlich erschwerte, wofür der Beschuldigte mangels
entsprechender Kenntnisse indes nicht verantwortlich gemacht werden kann.
1.8.
1.8.1. Was die Sachdarstellung des Beschuldigten anbelangt, so fällt zunächst
sein stereotypes Aussageverhalten auf, in dessen Rahmen er allgemeine Fest-
stellungen zum inkriminierten Sexualakt zu Protokoll gibt (vgl. Urk. D1/5/1 S. 7:
"So wie jede Person Sex macht."; Prot. I S. 16: "Zuerst haben wir uns geküsst.
Nachher kam es zum Geschlechtsverkehr."), ohne konkreter ins Detail zu gehen,
was indessen auch mit einem gewissen Peinlichsein erklärt werden könnte.
Allerdings wird der Geschlechtsakt auf Nachfrage hin dann – wie bereits von der
Vorinstanz zu Recht mit ausführlicher Begründung festgehalten (Urk. 101 S. 63 f.)
– im Verlauf der Einvernahmen in diverser Hinsicht unterschiedlich geschildert,
dies insbesondere mit Bezug auf die wesentlichen Aspekte, wie es konkret zur
sexuellen Annäherung kam und wer dabei welche Position eingenommen hat.
Solche wenig erlebnisbasierte Angaben wirken von vornherein nicht glaubhaft und
machen den Anschein, als seien sie im Nachhinein konstruiert worden, um einer
Verurteilung zu entgehen.
1.8.2. Nachweislich die Unwahrheit gesagt hat der Beschuldigte sodann im
Zusammenhang mit seiner Verletzung am Rücken, welche er bereits zur Tatzeit
gehabt haben will, da die in diesem Zusammenhang ins Feld geführte Operation
gemäss den entsprechenden Abklärungen der Untersuchungsbehörde offensicht-
lich nach dem Vorfall vom 11. Februar 2020 stattgefunden hat (vgl. Urk. D1/7/2
S. 1). Diese Angaben des Beschuldigten stehen zwar nicht in unmittelbarem
Zusammenhang mit dem eingeklagten Tatgeschehen, doch sind sie durchaus ge-
eignet, die Schilderungen der Privatklägerin zu relativieren, zumal der Beschuldig-
te gleichzeitig vorgab, er habe aufgrund der Operation nicht duschen dürfen
(Urk. D1/5/1 S. 7; vgl. aber auch die gegenteilige Auskunft durch das Universi-
tätsspital Zürich betreffend das Duschen nach der Operation, Urk. D1/7/2 S. 1).
Es handelt sich bei den Falschangaben demgemäss nicht um nebensächliche
Ungereimtheiten, was die Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten ent-
scheidend schmälert.
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1.8.3. Abwegig ist sodann auch die zu Beginn der polizeilichen Einvernahme
unvermittelt von sich aus zu Protokoll gegebene Darstellung, wie ihn die Privat-
klägerin anlässlich des Treffens am Hauptbahnhof auf ihren 18. Geburtstag hin-
gewiesen habe, obwohl ihr Geburtstag zu jener Zeit weit entfernt war und nicht
ersichtlich ist, weshalb sie dem Beschuldigten gegenüber unmotiviert eine derarti-
ge falsche Behauptung hätte äussern sollen. Es macht vor diesem Hintergrund
den Anschein, als habe der Beschuldigte von vornherein jeden Verdacht ausräu-
men wollen, dass er mit einer Minderjährigen verkehrte, was ebenfalls zeigt, dass
er durchaus bereit ist, sich mit falschen Angaben einer befürchteten Strafverfol-
gung zu entziehen.
1.8.4. Nicht ins Bild passt ferner auch die vom Beschuldigten beschriebene
Zurückhaltung im Umgang mit der Privatklägerin, während diese ihn mit geradezu
offensiven Avancen zum Sex provoziert haben soll (vgl. Urk. D1/5/2 S. 11:
"Eigentlich wollte ich mit ihr keinen Sex haben. Sie hat mich provoziert."), auch
wenn eine entsprechende Verhaltensweise auch bei jüngeren Personen grund-
sätzlich denkbar ist. Das in diesem Zusammenhang vom Beschuldigten vorge-
brachte – prinzipiell durchaus nachvollziehbare – Argument, dass er die
Beziehung zu seiner damals schwangeren Freundin nicht riskieren wollte
(Urk. D1/5/2 S. 11), ist dahingehend zu relativieren, dass bereits sehr fraglich ist,
inwiefern der Beschuldigte am 11. Februar 2020 von der Schwangerschaft seiner
Partnerin mit dem über achteinhalb Monate später geborenen Kind gewusst hat.
Ohnehin zeigt aber die Erfahrung, dass es selbst bei der Erwartung eines Kindes
immer wieder zu spontanen Fremdbeziehungen kommt, da die Prioritäten in der
Erwartung, dass das Geschehene verborgen bleibt, vorübergehend anders
gesetzt werden. Bezeichnenderweise hat sich der Beschuldigte gegenüber der
Privatklägerin nach dem Sexualakt denn auch dahingehend geäussert, dass
dieser Vorfall ihr Geheimnis bleiben müsse.
Schliesslich ist auch der geschilderte sorglose Umgang der Privatklägerin
mit Sex ohne Kondom (Urk. D1/5/2 S. 11: "[...] es sei ihr egal, wir sollen es ein-
fach tun.") zwar angesichts eines jugendlichen Leichtsinnes denkbar, wirkt jedoch
insofern konstruiert, als der Beschuldigte in der Folge noch genau beschreibt, wie
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ihn die ihm nahezu unbekannte Privatklägerin kurz vor dem Akt noch über ihre
genauen Verhütungspraktiken aufgeklärt haben soll (Urk. D1/5/2 S. 11 betreffend
die Spritze gegen die Schwangerschaft, wogegen die Privatklägerin eine Verhü-
tung mit der Antibabypille angab, Urk. D1/4/4 S. 13).
1.9.
1.9.1. Die beiden als Zeugen geladenen F._ und G._ äusserten in
ihren Befragungen beide Vorbehalte betreffend die Glaubwürdigkeit der
Privatklägerin und die Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen, worauf auch die amtliche
Verteidigung hinweist (Urk. 125 S. 23). Diese Einschätzung ist bei objektiver
Betrachtung indes nicht nachvollziehbar, zumal die beiden Befragten ihre ent-
sprechenden Vorbehalte nicht näher begründen konnten bzw. wollten und mit
ihren in diesem Zusammenhang geäusserten Andeutungen reichlich vage
blieben.
1.9.2. Im Gegenteil geben gerade die Aussagen von G._ vom
7. September 2020 (vgl. Urk. D1/6/5), welcher die Privatklägerin den Vorfall be-
reits vor den ersten Ermittlungshandlungen im vorliegenden Strafverfahren schil-
derte, nahezu den gleichen Tatablauf wieder, wie ihn die Privatklägerin später
auch gegenüber den Untersuchungsbehörden zu Protokoll gab (vgl. Urk. D1/6/5
S. 3 ff. [inkl. bspw. die Aufforderung des Beschuldigten, dass der Vorfall ein Ge-
heimnis bleiben solle]). Für die Tatsache, dass sich G._ mit der Privatkläge-
rin verschworen haben könnte, bestehen keine Anhaltspunkte, da sich G._
gerade als enge Kollegin des Beschuldigten bezeichnet (Urk. D1/6/1 S. 1). Die
gleichlautende Schilderung des Sachverhalts gegenüber einer an der Tat unbetei-
ligten Drittperson stellt denn auch durchaus ein Indiz für den Wahrheitsgehalt der
Darstellung der Privatklägerin dar, auch wenn es theoretisch denkbar ist, dass sie
zuvor eine falsche Version für sich einstudiert haben könnte.
Problematisch erscheint es entgegen der Vorinstanz (Urk. 101 S. 76)
demgegenüber, aufgrund des von G._ geschilderten Verhaltens der Privat-
klägerin anlässlich einer Party im Nachgang zum inkriminierten Sexualakt
(vgl. Urk. D1/6/5 S. 5) verlässliche Schlüsse auf das Tatgeschehen zu ziehen, da
das erwähnte Unbehagen der Privatklägerin beim erneuten Aufeinandertreffen mit
- 16 -
dem Beschuldigten durchaus auch bei einem (im Nachhinein bereuten) einver-
nehmlichen Geschlechtsverkehr eingetreten sein könnte, dies zumal dann, wenn
die Privatklägerin in jener Zeit im Umfeld des Beschuldigten eine unwahre Version
der tatsächlichen Gegebenheiten verbreitet hätte.
1.9.3. Was demgegenüber die Darstellung des Zeugen F._ betrifft, so sag-
te dieser in seinen Befragungen sehr uneinheitlich aus, wobei seine anfängliche
Darstellung, welche tendenziell eine Vergewaltigung umschreibt, sämtlichen
Schilderungen der übrigen Verfahrensbeteiligten deutlich widerspricht. Zudem
wird bei näherer Betrachtung seiner Aussagen offensichtlich, dass er sich im Ver-
lauf der Untersuchung vom Beschuldigten selbst oder von dessen Umfeld beein-
flussen liess, was unvermittelt zu einer wesentlich kritischeren Einstellung gegen-
über der Privatklägerin und deren Ausführungen zum Vorfall mit dem Beschuldig-
ten führte (vgl. Urk. D1/6/7 S. 3: "[...] Jetzt muss ich aber sagen, dass ich nicht
mehr weiss, ob ich ihr glauben soll. Viele Kollegen von mir haben gesagt, dass es
nicht so war wie sie es sagt. [...]"). Auf die Aussagen dieses Zeugen kann dem-
nach gesamthaft nicht abgestellt werden, weshalb insbesondere auch seine Be-
hauptung, wonach sich die Privatklägerin tags darauf erneut auf eine sexuelle Be-
ziehung mit einer weiteren Person eingelassen haben soll, zu fraglich erscheint,
um einer weiteren Abklärung zu bedürfen. Ohnehin ist aber fraglich, inwiefern aus
einem weiteren Sexualakt ein massgeblicher Erkenntnisgewinn zu erwarten wäre,
da der Verarbeitungsprozess bei Opfern von Sexualdelikten nicht einheitlich ab-
läuft und eine solche Verhaltensweise dem eingeklagten Geschehen mithin nicht
von vornherein widerspräche.
1.10.
1.10.1. Im Rahmen einer Gesamtwürdigung des inkriminierten Sachverhalts ist
mithin festzuhalten, dass zwar gewisse Bedenken betreffend die Glaubwürdigkeit
der Privatklägerin aufgrund ihrer psychischen Vorbelastung bestehen, diese Un-
sicherheiten jedoch aufgrund ihres überzeugenden und authentischen Aussage-
verhaltens über mehrere Befragungen hinweg definitiv ausgeräumt werden. Es ist
an dieser Stelle nochmals zusammenfassend zu betonen, dass die Ausführungen
der Privatklägerin zahlreiche Realitätskriterien aufweisen, welchen keine offen-
- 17 -
kundigen Lügensignale gegenüberstehen, was ihre Aussagen insgesamt sehr
glaubhaft erscheinen lässt und den von ihr geschilderten Sachverhalt als real er-
lebt erscheinen lässt. Ferner ist auch nicht ersichtlich, weshalb die Privatklägerin
den Beschuldigten, welchen sie nur flüchtig kannte, derart falsch hätte beschuldi-
gen sollen. Möglich ist zwar die (bereits von der Vorinstanz erwähnte) Sorge, bei
Auskommen des Vorfalls ihren Ruf weiter zu ramponieren, doch ist eine solch
gravierende Falschbelastung grundsätzlich nur bei konkret drohenden Nachteilen
(und nicht quasi auf Vorrat hin) zu erwarten, wofür in casu keinerlei konkrete
Anhaltspunkte bestehen.
Als reales Kriterium erscheint sodann auch die wiederholte Aussage der
Privatklägerin, wonach sich der Beschuldigte nach dem Geschlechtsverkehr ihr
gegenüber versichern wollte, dass der Vorfall ihr Geheimnis bzw. unter ihnen
bleibe (Urk. D1/4/3, 00:12:22; Urk. D1/4/4 S. 18), was wiederum das Unrechtsbe-
wusstsein des Beschuldigten dokumentiert. Solche nebenbei geäusserte Details
deuten nicht auf eine erfundene Begebenheit hin, sondern sprechen für tatsäch-
lich Erlebtes, das im Gedächtnis des Opfers haften bleibt.
1.10.2. Auffallend ist sodann mit der Vorinstanz (Urk. 101 S. 69), dass die Privat-
klägerin die Dusche im Asylheim relativ genau beschreiben konnte (vgl.
Urk. D1/4/3 CD 1 ab 00:39:05: z.B. dass es sich dabei um eine Dusche mit
Drücksystem wie im Hallenbad handelte; Urk. D1/4/3 CD 1 00:39:54) was für ihre Darstellung, wonach sie die Dusche benutzte und sich der Geschlechtsverkehr in
der Dusche ereignete, und gegen die Darstellung des Beschuldigten, wonach die
Privatklägerin bei ihm gar nicht geduscht habe, sondern lediglich auf die Toilette
gegangen sei, spricht, da die Toilette separat von der Dusche gelagert und die
Dusche von dort nicht einsehbar ist (vgl. dazu den Fotobogen gemäss Urk. D1/2/4
insb. S. 9 f. sowie die Skizze der Privatklägerin gemäss Urk. D1/4/1 S. 4;
Urk. D1/4/4/1). Auch diese Erinnerung widerlegt im Übrigen die These der amtli-
chen Verteidigung, wonach sich die Privatklägerin aufgrund Verdrängungsten-
denzen eine erfundene Geschichte zurechtgelegt habe, die sie dann am Schluss
gar selber geglaubt habe (Urk. 125 S. 13 + 23).
- 18 -
1.10.3. Die Frage, inwiefern dem Beschuldigten (aufgrund der Gesamtumstände)
im Tatzeitpunkt klar sein musste, dass die Beschuldigte den Geschlechtsverkehr
mit ihm nicht wollte und in einem derart schlechten Zustand war, dass sie dies-
bezüglich keinen echten Widerstand leisten konnte, wird im Übrigen im
Zusammenhang mit der Beurteilung des subjektiven Tatbestandes im Rahmen
der nachfolgenden rechtlichen Würdigung zu beurteilen sein (vgl. nachstehend
Ziffer 2.5.).
1.10.4. Der eingeklagte Sachverhalt ist demzufolge erstellt, soweit er sich für die
nachfolgende rechtliche Beurteilung als relevant erweist.
2. Rechtliche Würdigung
2.1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen des Tatbestandes der
Schändung grundsätzlich korrekt wiedergegeben (Urk. 101 S. 79 - 81). Sie hat
dabei mit Verweis auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung zu Recht hervor-
gehoben, dass die erforderliche Widerstandunfähigkeit keinen komatösen
Zustand des Opfers verlangt, sondern bereits dann gegeben ist, wenn dieses
gesundheitlich oder psychisch derart schwer angeschlagen ist, dass es sich nicht
oder nur schwach gegen die an ihr vorgenommenen Handlungen zu wehren
vermag (vgl. Urteil 6B_232/2016 vom 21. Dezember 2016, E. 2.2.; Urteil
6B_17/2016 vom 18. Juli 2017, E. 1.4.2.).
2.2. Im erstinstanzlichen Urteil wird sodann im Wesentlichen auf zwei Fälle
mit physiotherapeutischen Behandlungen fokussiert, in deren Rahmen die
Patientinnen von der sexuellen Handlung des Therapeuten überrascht bzw. über-
rumpelt wurden und demgemäss von vornherein keinen Abwehrwillen bilden
konnten (Urk. 101 S. 80 f.). Diesbezüglich ist jedoch festzuhalten, dass diese Fäl-
le mit der vorliegenden Konstellation nur beschränkt vergleichbar sind. Das erhöh-
te Vertrauen, welches man einem Therapeuten in der Behandlungssituation ent-
gegenbringen darf, war hier nicht gegeben. Die Überraschung bzw. Überrumpe-
lung des Opfers war vorliegend denn auch weit weniger ausgeprägt, zumal wenn
man bedenkt, dass der Beschuldigte die nackte Privatklägerin zuvor am ganzen
Körper (insbesondere auch im Intimbereich) eingeseift hatte, was sicherlich eine
- 19 -
gewisse sexuelle Konnotation aufweist, auch wenn der Beschuldigte zuvor auf
eindeutige sexuelle Avancen verzichtet hatte. Selbst wenn einem sexuellen Kon-
takt von hinten ohne vorgängige Kommunikation stets ein gewisses Überra-
schungsmoment innewohnt, ist mithin fraglich, ob angesichts der erwähnten Ge-
samtkonstellation in Analogie zu den Physiotherapeuten-Fällen (oder auch dem
Fall des Pflegers im Urteil 6B_232/2016 vom 21. Dezember 2016) auf eine Wi-
derstandsunfähigkeit infolge Wehrlosigkeit aufgrund einer offensichtliche Überra-
schungssituation geschlossen werden kann.
2.3. Stattdessen rückt bei der vorliegend gegebenen Sachlage in den Vorder-
grund, dass die Privatklägerin aufgrund des Mischkonsums von Antibiotika, Alko-
hol und Marihuana unmittelbar vor dem sexuellen Kontakt einen gesundheitlichen
Zusammenbruch erlitt, welcher insbesondere im Zusammenspiel mit ihrer Krank-
heit (Diabetes Typ I) ohne Weiteres nachvollziehbar ist, ohne dass es hierzu ei-
nes gesonderten medizinischen Gutachtens bedürfte. Es ist denn auch ange-
sichts der auch in diesem Punkt glaubhaften Schilderungen der Privatklägerin er-
stellt, dass sie sich nach dem besagten Konsum etliche Male übergeben musste
und in der Folge in einem derart geschwächten Zustand war, dass sie kaum noch
realisierte, was um sie herum geschah (Urk. D1/4/4 S. 5 f. + 10 f.). Es ist deshalb
spätestens ab dem minutenlangen Aufenthalt in der Toilette mit dem mehrfachen
Erbrechen davon auszugehen, dass die Privatklägerin in einer derart schlechten
gesundheitlichen Verfassung war, dass sie sich nur noch schwach gegen den
vom Beschuldigten initiierten Geschlechtsverkehr zur Wehr zu setzen vermochte,
was gemäss Lehre und Rechtsprechung einer Widerstandunfähigkeit gleich-
kommt (vgl. vorstehend Ziffer 2.1.). Es ist denn auch durchaus möglich, dass die
Privatklägerin – wie sie dies insbesondere gegenüber der Zeugin G._ schil-
derte (Urk. D1/6/5 S. 6) – sehr bald nach dem Eindringen des Beschuldigten zu-
sammensackte und der Sexualakt dadurch beendet war.
2.4. Dass der Beschuldigte die geschilderte Widerstandsunfähigkeit der Privat-
klägerin gerade für die Beischlafhandlung, welche die Privatklägerin in ihrem
schlechten Zustand offensichtlich nicht wollte, ausnützte, ergibt sich ohne Weite-
res aus dem Gesamtablauf der Handlungen in der Dusche, welche auf dieses Ziel
- 20 -
ausgerichtet waren. Es steht damit ein Missbrauch eines widerstandsunfähigen
Opfers als Sexualobjekt zur Disposition, weshalb der objektive Tatbestand der
Schändung auch insofern gegeben ist.
2.5. In subjektiver Hinsicht hat der Beschuldigte den schlechten
gesundheitlichen Zustand der Privatklägerin ohne Weiteres erkennen müssen,
nachdem er sie vor der Tathandlung mehrmals erbrechen hörte und sich dann
auch selber nach ihrer gesundheitlichen Verfassung erkundigte, woran auch der
Einwand der erbetenen Verteidigung nichts ändert, dass die Privatklägerin ihren
schlechten Zustand auf Nachfrage des Beschuldigten relativierte (vgl. Urk. 127
S. 5). Die beschwichtigenden Worte der Privatklägerin, welche ihrem erkennbaren
Zustand völlig widersprachen, vermögen den Beschuldigten nicht zu schützen,
denn dem Beschuldigten war nicht entgangen, dass die Privatklägerin bereits bei
einfachsten Tätigkeiten wie dem Ausziehen der Kleidung seine Unterstützung
benötigte, sich dann in der Dusche kaum auf den Beinen halten konnte und sich
schliesslich mit den Händen über dem Kopf an der Wand abstützen musste. So
machte er sich die Hilfsbedürftigkeit der Privatklägerin gerade zunutze, als er
unter vorgegebener Hilfsbereitschaft begann, sie anzufassen. Ebenfalls
unbehelflich ist das Vorbringen der Verteidigung, dass der Beschuldigte keine
genauen Kenntnisse über die dem Zustand der Privatklägerin zu Grunde
liegenden Faktoren hatte (Urk. 127 S. 7), da er ihren schlechten Zustand
jedenfalls erkannt haben musste. Auch der Umstand, dass der Beschuldigte mit
nachweislich falschen Aussagen zu verheimlichen versuchte, mit der
Privatklägerin in der Dusche gewesen zu sein, ist mit dem Vorbringen der
erbetenen Verteidigung, der Beschuldigte sei von erhaltener Widerstandsfähigkeit
der Privatklägerin ausgegangen (Urk. 127 S. 8), kaum vereinbar. Die
Interpretation der Verteidigung, der Beschuldigte habe aufgrund der Tatsache,
dass die Privatklägerin das Einseifen durch ihn zugelassen habe, von einer
sexuellen Annäherung durch die Privatklägerin und einem deutlichen Zeichen der
Zustimmung ausgehen dürfen (Urk. 127 S. 6), ist angesichts des besagten
Zustandes der Privatklägerin als abwegig zu bezeichnen. Der Beschuldigte muss
demzufolge zumindest ernsthaft für möglich gehalten und somit auch in Kauf
genommen haben, dass sich die Privatklägerin kaum noch gegen seine sexuellen
- 21 -
Avancen zur Wehr setzen konnte und den Geschlechtsverkehr letztlich gegen
ihren Willen über sich ergehen liess, selbst wenn sie in jenem Zeitpunkt noch
nicht vollends kollabiert war.
2.6. Der Beschuldigte ist demgemäss auch in zweiter Instanz der Schändung
im Sinne von Art. 191 StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafe
1. Grundlagen
1.1. Die Vorinstanz hat die Grundlagen der Strafzumessung korrekt dargestellt
und insbesondere auch die Strafrahmen der vorliegend zur Beurteilung an-
stehenden Tatbestände richtig wiedergegeben (Urk. 101 S. 86 f. + 89 f.). Es kann
dem Bezirksgericht auch darin gefolgt werden, wenn zunächst die
Tatkomponenten der einzelnen Verfehlungen beurteilt und in der Folge die
Täterkomponenten gesamthaft für sämtliche Delikte beleuchtet werden, da diese
für alle Taten gleichermassen Geltung beanspruchen. Es ist mithin im Folgenden
ausgehend von der schwersten Straftat in Berücksichtigung der Tat- und
Täterkomponenten für jedes einzelne Delikt eine hypothetische Strafe festzulegen
und in der Folge die adäquate Strafart zu bestimmen, wobei auch diesbezüglich
auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden kann (Urk.
101 S. 87).
1.2. Mit Bezug auf die Festlegung der adäquaten Strafart kann in theoretischer
Hinsicht vorweg ebenfalls auf die grundsätzlich zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 101 S. 87). Zu ergänzen ist diesbezüglich,
dass für jeden Täter die gesonderte Prognose zu stellen ist, welche Sanktion in
seinem Fall aus spezialpräventiven Gesichtspunkten wirksamer erscheint. Ist bei
Verhängung einer Geldstrafe in Berücksichtigung des Vorlebens und der
aktuellen Delinquenz keinerlei positive Entwicklung des Täters zu erwarten, so ist
es erlaubt und auch geboten, von zwei für identisches Tatverhalten zur Verfügung
stehenden Sanktionen diejenige zu wählen, welche zur Verhinderung weiterer
- 22 -
Straftaten in Beachtung des Verhältnismässigkeitsgrundsatzes geeigneter
erscheint (Art. 41 Abs. 1 lit. a StGB). Die Lehre erachtet in diesem
Zusammenhang auch das Mass der kriminellen Energie als valables Kriterium im
Rahmen der Bestimmung der angemessenen Sanktionsart. Selbst ein Ersttäter
kann dabei mit einer Freiheitsstrafe bestraft werden, wenn er etwa durch
Äusserungen oder Verhaltensweisen zu erkennen gibt, dass ihn eine Geldstrafe
nicht beeindrucken wird (MATHYS, Leitfaden Strafzumessung, 2. Aufl., N 472 f.
und 562). Im Übrigen kann eine Freiheitsstrafe stets dann ausgefällt werden,
wenn zu erwarten ist, dass eine Geldstrafe voraussichtlich nicht vollzogen werden
kann (Art. 41 Abs. 1 aStGB bzw. nunmehr Art. 41 Abs. 1 lit. b StGB).
2. Schändung
2.1. Die Vorinstanz hat bei der Beurteilung der objektiven Tatschwere der
Schändung auf ein erhebliches Verschulden des Beschuldigten geschlossen. Zu
Recht wurde in diesem Zusammenhang festgehalten, dass es sich um eine
Beischlafhandlung ohne Kondom mit dem entsprechenden Risiko einer Ge-
schlechtskrankheit bzw. einer ungewollten Schwangerschaft handelte, in welchem
Fall das Verschulden von vornherein nicht am unteren Rand der gesamten
Bandbreite festzusetzen ist. Hinzu kommt, dass ein zwar sexuell durchaus
erfahrenes, nichtsdestotrotz aber junges Opfer betroffen ist, welches
Sexualdelikte in der Regel schwerer zu verarbeiten vermag, auch wenn
einzuräumen ist, dass keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass dem
Beschuldigten bekannt war, dass die Privatklägerin das Schutzalter erst knapp
überschritten hatte. Nicht zu folgen ist der Vorinstanz dagegen, wenn sie vom
skrupellosen Ausnützen des Vertrauens der Privatklägerin ausgeht, da vorliegend
kein Vertrauensverhältnis der nur lose bekannten Parteien bestand, welches in
diesem Sinne ausgenützt werden konnte. Nicht berücksichtigt hat die Vorinstanz
sodann die bei Sexualdelikten ebenfalls wesentlichen Umstände des konkreten
Missbrauchs der Privatklägerin, im welchem Zusammenhang von einem
einmaligen eher kurzen Akt ohne zusätzliche Gewaltanwendung oder Demütigung
des Opfers auszugehen ist, was innerhalb sämtlicher denkbarer Fälle des
Tatbestandes eher zu Gunsten des Beschuldigten zu interpretieren ist. Insgesamt
- 23 -
ist das objektive Verschulden demzufolge im unteren bis mittleren Bereich der
Verschuldensskala anzusiedeln.
2.2. In subjektiver Hinsicht hat die Vorinstanz sodann zutreffend festgehalten,
dass sich die Privatklägerin selber in den Zustand der Widerstandsunfähigkeit
manövriert hat, wobei die Hintergründe (namentlich der Medikamentenkonsum
und die Krankheit der Privatklägerin) dem Beschuldigten nicht bekannt waren. Da
die Privatklägerin auf dessen Nachfrage hin ihre Situation relativierte und sich in
der Folge nicht mehr weiter äusserte (vgl. Urk. D1/4/4 S. 6 f.), war die Situation für
den Beschuldigten nicht derart offensichtlich, dass ihm direkter Vorsatz hinsicht-
lich der weitestgehenden Widerstandsunfähigkeit der Privatklägerin vorgeworfen
werden kann. Der Beschuldigte nahm diesen Zustand und den daraus resultie-
renden Unwillen der Privatklägerin zum Geschlechtsverkehr aber jedenfalls in
Kauf und handelte zwecks Befriedigung eigener Bedürfnisse. Die gesamten sub-
jektiven Aspekte des Tathandelns vermögen die objektive Tatschwere mithin zu-
mindest leicht zu relativieren, zumal eine spontane Tat ohne jedwelche Planung
zur Disposition steht. Insgesamt ist somit von einem keineswegs leichten Ver-
schulden des Beschuldigten auszugehen.
2.3. Unter Berücksichtigung sämtlicher verschuldensrelevanter Aspekte er-
scheint demzufolge für das zu beurteilende Delikt eine isolierte Strafe von
32 Monaten als angemessen, was insbesondere auch einem Vergleich mit
ähnlich gelagerten Fällen von spontanem Geschlechtsverkehr mit alkoholisierten
bzw. intoxikierten Opfern ohne besonders verschärfende Begleitumstände
standhält (vgl. Urteile des Obergerichts des Kantons Zürich vom 4. Mai 2015,
SB140539, E. 2 [Freiheitstrafe von 30 Monaten], vom 21. Mai 2019, SB180009, E.
3. [Freiheitsstrafe von 24 Monaten] und vom 7. Juni 2021, SB200085, E. 5.
[Freiheitsstrafe von 30 Monaten]).
3. Mehrfache Pornografie / Gewaltdarstellung
3.1. Im Zusammenhang mit den Tatbeständen der Pornografie und der Gewalt-
darstellung ist dem Beschuldigten in objektiver Hinsicht mit der Vorinstanz
gleichermassen vorzuwerfen, dass die Videos und Bilder den erlaubten Rahmen
- 24 -
teilweise deutlich überschritten und somit keineswegs im Grenzbereich des
tatbestandsmässigen Handelns anzusiedeln sind. In subjektiver Hinsicht ist von
einem unüberlegten Weiterversand an Kollegen ohne Hintergedanken auszu-
gehen, was das Verschulden einigermassen relativiert.
3.2. Im Rahmen der Pornografie kommt allerdings hinzu, dass der Beschuldigte
gleich mehrere Videos bzw. Bilder speicherte und weiterleitete, so dass das
geschützte Rechtsgut gleich mehrfach verletzt wurde, was die kriminelle Energie
erhöht.
3.3. Insgesamt ist demnach mit der Vorinstanz für beide Tatbestände von ei-
nem noch leichten Verschulden auszugehen, so dass sich für die mehrfache Por-
nografie eine hypothetische Strafe von 3 Monaten und für die Gewaltdarstellung
eine solche von 1.5 Monaten rechtfertigt.
4. Täterkomponente
4.1. Bezüglich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann auf seine
Befragungen in der Untersuchung und anlässlich der Hauptverhandlung sowie die
darauf basierenden Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden
(Urk. D1/5/4 S. 8 f.; Prot. I S. 9; Urk. 101 S. 92). In der heutigen Berufungs-
verhandlung ergänzte der Beschuldigte, dass er immer noch mit seiner Partner
zusammen sei und der gemeinsame Sohn inzwischen eineinhalb Jahre alt sei
(Urk. 122 S. 2). Mit der Vorinstanz ist diesbezüglich festzuhalten, dass das Auf-
wachsen in einem vom Bürgerkrieg geplagten Land zweifellos eine belastende
Situation mit sich bringt, doch vermag sich dieser Aspekt im Endeffekt nicht straf-
mindernd auszuwirken, da es abgesehen vom frühen Tod des Vaters an
konkreten Schilderungen fehlt, welche eine nachhaltig destabilisierende Wirkung
auf den Beschuldigten nahelegen würden.
4.2. Was das Vorleben des Beschuldigten anbelangt, so kann der Einschätzung
der Vorinstanz ohne Weiteres beigepflichtet werden, wonach die mehrfache
Delinquenz des Beschuldigten seit seiner Ankunft in der Schweiz mit insgesamt
drei erwirkten Vorstrafen ein bedenkliches Bild seiner Einstellung zur hiesigen
- 25 -
Rechtsordnung zeichnet (vgl. Urk. 101 S. 92 f.), was sich merklich straferhöhend
auszuwirken hat, zumal sich der Beschuldigte im Zusammenhang mit den vorlie-
gend zu beurteilenden Taten teilweise auch noch innert einer laufenden Probezeit
strafbar gemacht hat. Immerhin ist jedoch relativierend zu beachten, dass es sich
bei den Vorstrafen um nicht sonderlich gravierende Taten handelt, welche alle-
samt noch mit Geldstrafen abgeurteilt werden konnten.
4.3. Hinsichtlich des Nachtatverhaltens ist festzuhalten, dass der Beschuldigte
die Schändung in den wesentlichen Aspekten bestritt, während er betreffend die
Pornografie und Gewaltdarstellungen nur insoweit geständig war, als ihm die Ta-
ten ohnehin bereits nachgewiesen waren, und er in subjektiver Hinsicht sein Fehl-
verhalten weiterhin nicht einsehen wollte. Eine solche Einstellung zu den Taten
zeugt weder von Kooperation noch von Einsicht und verdient im Einklang mit der
Vorinstanz keine strafmindernde Berücksichtigung (vgl. Urk. 101 S. 93).
4.4. Schliesslich ist im vorliegenden Verfahren auch keine Verletzung des
Beschleunigungsgebots ersichtlich. Nachdem der Zeuge F._ der Vorladung
zur Einvernahme vom 7. September 2020 keine Folge geleistet hatte, wurde er
am 25. November 2020 zur Einvernahme vom 22. Dezember 2020 vorgeladen
(Urk. D1/16/11), worin entgegen der Ansicht der Verteidigung noch keine über-
mässige Verfahrensverzögerung zu erachten ist. Unter Berücksichtigung, dass
gewisse Bearbeitungspausen unvermeidlich sind und Strafbehörden sich nicht
dauernd einer Angelegenheit widmen können, sind auch im Übrigen keine Unter-
brüche im Verfahren ersichtlich, welche als eigentliche Lücken in der Verfahrens-
führung zu werten wären und demzufolge eine Verletzung des Beschleunigungs-
gebots zu begründen vermöchten.
4.5. Unter Einbezug der Täterkomponente ergibt sich für sämtliche Delikte eine
Verschärfung der Sanktion im Bereich von zehn bis zwanzig Prozent, so dass
sich die isolierte Strafe für die Schändung auf 36 Monate beläuft, während die
Sanktionen für die mehrfache Pornografie auf 3.5 Monate und für die Gewaltdar-
stellung auf 2 Monate festzusetzen sind.
- 26 -
5. Strafart
5.1. Während für die Schändung aufgrund der festgesetzten Strafhöhe von
vornherein nur eine Freiheitsstrafe in Betracht fällt, kommt für die mehrfache
Pornografie und die Gewaltdarstellung grundsätzlich auch eine Geldstrafe in Fra-
ge (vgl. Art. 34 Abs. 1 StGB). Diesbezüglich ist jedoch zu beachten, dass der Be-
schuldigte bereits im Rahmen seiner früheren Verurteilungen in den Jahren 2016,
2018 und 2019 jeweils mit einer Geldstrafe bestraft wurde, wobei die letzten bei-
den Strafen unbedingt ausgefällt wurden. Trotz dieser drei teilweise unbedingten
Geldstrafen liess sich der Beschuldigte in der Folge zu keinem Umdenken hin-
sichtlich seiner Delinquenz bewegen. Umso weniger ist zu erwarten, dass eine
aktuell ausgefällte Geldstrafe bei ihm noch irgendeinen Präventionseffekt zeitigen
würde. Vielmehr erscheint es aufgrund der weiterhin hartnäckigen Delinquenz an-
gezeigt, für sämtliche heute zu beurteilenden Taten die schärfere Sanktion der
Freiheitsstrafe zu verhängen, auch wenn dieser Entscheid den Beschuldigten im
Endeffekt härter trifft, zumal sich im vorliegenden Fall auch die berechtigte Frage
stellt, inwiefern eine unbedingte Geldstrafe beim Beschuldigten überhaupt voll-
ziehbar wäre.
5.2. Offen gelassen kann unter diesen Umständen im Übrigen die von der
Vorinstanz vertretene These, dass in casu die Verhängung einer Geldstrafe be-
reits deshalb nicht in Betracht fällt, weil diesfalls aufgrund der gleichzeitig zu
widerrufenden Vorstrafe (vgl. dazu hinten Ziffer V.) und der damit einhergehenden
Gesamtstrafenbildung eine Geldstrafe von über 180 Tagessätzen resultieren wür-
de (vgl. Urk. 101 S. 89).
6. Strafzumessung
6.1. Nach dem Gesagten ist somit für die vom Beschuldigten im vorliegenden
Zusammenhang erwirkten Delikte eine Freiheitsstrafe in der Form einer Gesamt-
strafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB festzulegen. Demzufolge ist die für das
schwerste Delikt der Schändung festzulegende Einsatzstrafe von 36 Monaten in
Anwendung des Asperationsprinzips um die Strafen für die mehrfache Pornogra-
fie (von 3.5 Monaten) und die Gewaltdarstellung (von 2 Monaten) angemessen
- 27 -
(im Umfang von rund zwei Dritteln) zu schärfen, was insgesamt eine Freiheitsstra-
fe von 40 Monaten ergibt.
6.2. An diese Strafe ist der bisher in Haft bzw. vorzeitigem Strafvollzug
(vgl. Urk. 92 + 99) erstandene Freiheitsentzug des Beschuldigten von insgesamt
736 Tagen (bis und mit 1. Juni 2022) anzurechnen (Art. 51 StGB).
7. Vollzug
Aufgrund der festgelegten Strafhöhe von 40 Monaten ist die Freiheitsstrafe
entsprechend den einschlägigen gesetzlichen Vorgaben vollumfänglich zu voll-
ziehen (vgl. Art. 43 Abs. 1 StGB e contrario).
V. Widerruf
1. Der von der Vorinstanz angeordnete Widerruf des bedingte Vollzuges der
früheren Geldstrafe gemäss dem Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl
vom 21. Juni 2016 bedarf in zweiter Instanz keiner weitgreifenden Erörterungen,
nachdem bereits die Vorinstanz die rechtlichen Grundlagen und die daraus für
den vorliegenden Fall zu ziehenden Konsequenzen umfassend und korrekt darge-
legt hat (Urk. 101 S. 88 f.). Wer innerhalb einer ihm mit einem früheren Entscheid
angesetzten Probezeit drei Mal eine weitere strafrechtliche Verurteilung erwirkt,
kann nach der dritten Bestrafung nicht mit Erfolg den erneuten Aufschub rekla-
mieren, selbst wenn die erneute Delinquenz teilweise nicht sehr gravierend war.
2. Die vorerwähnte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 30.– (abzüglich
2 Tagen Haft) ist dementsprechend auch nach durchgeführtem Berufungs-
verfahren ohne Weiteres zu vollziehen.
VI. Landesverweisung
1. Die Vorinstanz hat sich mit Bezug auf die Landeverweisung sowohl in
theoretischer Hinsicht als auch im Hinblick auf den konkreten Fall umfassend
- 28 -
geäussert (Urk. 101 S. 94 ff.). Auf ihre entsprechenden Ausführungen kann mithin
insbesondere betreffend die Grundvoraussetzungen der Ausländereigenschaft
des Beschuldigten sowie die von ihm begangenen Katalogtaten vorab verwiesen
werden.
2. Was die Prüfung des schweren persönlichen Härtefalles im Sinne von
Art. 66a Abs. 2 StGB anbelangt, so steht vorliegend das Recht des Beschuldigten
auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK bzw. Art. 14 BV im Zent-
rum. Wie diesbezüglich indes bereits die Vorinstanz zu Recht festgehalten hat,
sind in diesem Zusammenhang primär ernsthaft gelebte Beziehungen zu einem
Kind geschützt, was dem Beschuldigten bis anhin – wenn auch zwangsweise –
verwehrt blieb. Auch wenn er eigenen Angaben zufolge vor seiner Verhaftung mit
der Kindsmutter bereits rund zwei Jahre in einer Partnerschaft lebte (Urk. D1/5/4
S. 9), kann auch diesbezüglich noch nicht von einer gefestigten Beziehung ge-
sprochen werden. Selbst in Anbetracht der Tatsache, dass das Recht auf Fami-
lienleben insbesondere aufgrund des neugeborenen Sohnes zweifellos tangiert
ist, vermögen die privaten Interessen des erst im Jahr 2015 in die Schweiz immi-
grierten und hierorts seither kaum integrierten Beschuldigten (vgl. dazu ausführ-
lich die Vorinstanz in Urk. 101 S. 97 f.) das öffentliche Interesse an der Auswei-
sung des eines Sexualdeliktes überführten und zuvor bereits in verschiedener
Hinsicht straffällig gewordenen Beschuldigten mithin nicht zu überwiegen, woran
im Einklang mit der Vorinstanz (Urk. 101 S. 100) auch die mitbetroffenen Interes-
sen des Sohnes nichts zu ändern vermögen.
3. Hinsichtlich der Zumutbarkeit einer Ausweisung des Beschuldigten in sein
Heimatland hat bereits die Vorinstanz festgehalten, dass diese Frage im gegen-
wärtigen Zeitpunkt noch nicht abschliessend beantwortet werden kann, was
ebenso für die von der amtlichen Verteidigung angesprochene potenzielle Einzie-
hung des Beschuldigten zum Militärdienst gilt (Urk. 125 S. 37), so dass sie ent-
sprechend der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Rahmen des Vollzuges
der Landesverweisung von der dannzumal zuständigen Behörde zu behandeln
sein wird, welche gegebenenfalls einen Aufschub der Massnahme anordnen
kann, falls sich die Lage in Syrien bis zur Strafverbüssung des Beschuldigten
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noch nicht nachhaltig beruhigt hat (vgl. Urteil 6B_747/2019 vom 24. Juni 2020,
E. 2.1.2.; Urteil 6B_423/2019 vom 17. März 2020, E. 2.2.2.; Urteil 6B_1270/2020
vom 10. März 2021, E. 9.1.; Urteil 6B_260/2021 vom 20. Juli 2021, E. 1.1.1.).
4. Die Vorinstanz hat die Dauer der auszusprechenden Landesverweisung
unter Hinweis auf das erhebliche Verschulden des Beschuldigten im Rahmen des
Sexualdelikts auf 10 Jahre festgelegt (act. 101 S. 101). Nachdem dieses Ver-
schulden im Rahmen des vorliegenden Urteils relativiert worden ist (vgl. vorne
Ziffer IV./2.), rechtfertigt sich auch eine entsprechende Reduktion der Dauer der
Landesverweisung auf 8 Jahre.
5. Gegen den Beschuldigte ist demzufolge eine obligatorische Landesver-
weisung für die Dauer von 8 Jahren zu verhängen.
6. Was schliesslich die Ausschreibung der Landesverweisung des Beschul-
digten im Schengener Informationssystem betrifft, so kann diesbezüglich in
Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils vollumfänglich auf die korrekten Erwä-
gungen des Bezirksgerichts verwiesen werden, welches die für eine Eintragung
von Drittstaatenangehörigen erforderlichen Voraussetzungen als gegeben
erachtet und in der Folge zu Recht die entsprechende Anordnung vorgenommen
hat (vgl. Urk. 101 S. 101 f.).
VII. Einziehung
Die amtliche Verteidigung moniert auch die Einziehung des beschlag-
nahmten Mobiltelefones des Beschuldigten und verlangt im Berufungsverfahren –
anders als noch vor Vorinstanz (vgl. Urk. 53 S. 30) – dessen Herausgabe an den
Beschuldigten (Urk. 102 S. 2; Urk. 125 S. 2), da es sich bei diesem Mobiltelefon
nicht, wie von der Vorinstanz angenommen, um das Tatwerkzeug betreffend
Pornografie und Gewaltdarstellung handle (Urk. 125 S. 40 f.). Der Einwand der
Verteidigung erweist sich als berechtigt, da das inkriminierte Mobiltelefon in der
Tat bereits im Rahmen der ersten Verhaftung des Beschuldigten im Februar 2020
sichergestellt wurde, welches jedoch nicht mit dem bei der zweiten Verhaftung
vom Mai 2020 beschlagnahmten weissen iPhone identisch ist (vgl. Urk. D3/4/2;
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Urk. D1/9/4). Das beschlagnahmte Mobiltelefon (Asservaten-Nr. A103'828'381) ist
dem Beschuldigten mithin ohne Weiteres herauszugeben.
VIII. Zivilpunkt
1. Die Vorinstanz hat die rechtlichen Grundlagen des Adhäsionsverfahrens
und der in diesem Zusammenhang gestellten Zivilansprüche der Privatklägerin
umfassend und korrekt wiedergegeben, so dass darauf verwiesen werden kann
(vgl. Urk. 101 S. 102 f.).
2. Nachdem der Beschuldigte hinsichtlich des die Privatklägerin betreffenden
Delikts auch in zweiter Instanz schuldig zu sprechen ist, erweist sich die grund-
sätzliche Zusprechung von Schadenersatz für in diesem Zusammenhang anfal-
lende finanzielle Aufwendungen unter Verweisung des Quantitatives auf den Zi-
vilweg ohne Weiteres als korrekt, zumal dieser Punkt weder von der Staatsan-
waltschaft noch von der Privatklägerin angefochten wurde.
3. Im Weiteren ist auch die vorinstanzliche Beurteilung des Genugtuungs-
begehrens der Privatklägerin nicht zu beanstanden (vgl. Urk. 101 S. 105). Die
schwere Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte ist bei gegebenem Schuldspruch
wegen des Sexualdeliktes offensichtlich. Ferner erscheint die zugesprochene
Genugtuungssumme von Fr. 10'000.– (zuzüglich Zins) selbst bei geringerem
Verschulden des Beschuldigten angesichts des Alters und der Betroffenheit der
Privatklägerin noch angemessen, zumal von der Vorinstanz auch der Umstand
adäquat berücksichtigt wurde, dass aufgrund der vorbestehenden psychischen
Problematik nicht sämtliche immaterielle Unbill auf den inkriminierten Vorfall
zurückgeführt werden kann.
4. Das Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatklägerin ist so-
mit im Sinne des vorinstanzlichen Urteils gutzuheissen.
IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
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1. Nachdem das Urteil der Vorinstanz im Berufungsverfahren hinsichtlich des
Schuldpunktes keine Änderung erfährt, rechtfertigt es sich nicht, von den mit je-
nem Entscheid festgesetzten Kosten- und Entschädigungsfolgen abzuweichen.
Demnach ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv (Ziffern
14 -16) vollumfänglich zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2.
2.1. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Inwiefern eine Partei im
Sinne dieser Bestimmung obsiegt und unterliegt, hängt davon ab, in welchem
Ausmass ihre in zweiter Instanz gestellten Anträge gutgeheissen werden (Urteil
6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015, E. 2.4.1.).
2.2. Die Entscheidgebühr im zweitinstanzlichen Verfahren ist auf Fr. 3'500.– zu
veranschlagen (Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14
Abs. 1 lit. b GebV OG).
2.3. Der Beschuldigte dringt vor zweiter Instanz mit seinem Antrag auf Frei-
spruch nicht durch und unterliegt auch in den angefochtenen Punkten des Wider-
rufs, der Einziehung und der Zivilansprüche. Allerdings erzielt er im Strafpunkt im
Vergleich zum vorinstanzlichen Urteil eine massgebende Verbesserung seiner Si-
tuation, während die Staatsanwaltschaft mit ihrer auf diesen Punkt beschränkten
Anschlussberufung vollumfänglich unterliegt. Die Kosten des Berufungsverfah-
rens sind somit bei einer Gesamtbetrachtung zu drei Vierteln dem Beschuldigten
aufzuerlegen und zu einem Viertel auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2.4. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten macht für ihre Aufwendungen
und Barauslagen im Berufungsverfahren den Betrag von Fr. 7'653.90 (inkl. MwSt)
geltend (Urk. 120 + 126). Der Aufwand ist ausgewiesen und das geltend gemach-
te Honorar steht im Einklang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung.
Unter Berücksichtigung des gesamten Aufwandes für die Berufungsverhandlung
(inkl. Weg und Nachbesprechung mit dem Klienten) erscheint es mithin ange-
messen, den amtlichen Verteidiger mit insgesamt Fr. 8'200.– (inkl. MwSt) aus der
Gerichtskasse zu entschädigen.
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2.5. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichts-
kasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht des Beschuldigten bleibt jedoch
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von drei Vierteln vorbehalten.
2.6. Die amtliche Verteidigung beantragte anlässlich der Berufungsver-
handlung, dem Beschuldigten sei für die zusätzliche erbetene Verteidigung im
Berufungsverfahren eine angemessene Entschädigung zuzusprechen. Nachdem
sich das Verfahren aber weder in tatsächlicher noch rechtlicher Hinsicht als derart
komplex darstellte, dass es des besonderen Wissens eines zweiten Verteidigers
bedurfte, war der parallele Beizug der erbetenen Verteidigung zur amtlichen Ver-
teidigung zwar im Sinne von Art. 127 Abs. 2 StPO zulässig, aber nicht notwendig
(vgl. Urteil 6B_1389/2016 vom 16. Oktober 2017, E. 2.4.3.). Eine gerichtliche Ent-
schädigung für die Aufwendungen der erbetenen Verteidigung fällt folglich ausser
Betracht.