# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cc2568f1-0cb5-5071-9d26-5ece35cf5697
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden haben auf ihrem Grundstück eine Sichtschutzwand aus
Schilfrohr erstellt. Auf Anzeige hin, leitete die Baupolizeibehörde der Gemeinde Ferenbalm
am 8. September 2015 ein baupolizeiliches Verfahren gegen die Beschwerdeführenden
ein. Sie machte die Beschwerdeführenden darauf aufmerksam, dass Sichtschutzwände ab
einer bestimmten Grösse der Baubewilligungspflicht unterliegen und gab ihnen
Gelegenheit zur Stellungnahme. Im Schreiben vom 28. September 2015 erläuterten die
Beschwerdeführenden, dass sie davon ausgegangen seien, dass der Sichtschutz mit einer
Höhe von 2 m aus Schilfrohr nicht baubewilligungspflichtig sei. Mit Schreiben vom 9.
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Oktober 2015 entgegnete die Baupolizeibehörde, für das baubewilligungspflichtige
Vorhaben sei ein Baugesuch einzureichen oder es sei zu entfernen. Mit
Wiederherstellungsverfügung vom 21. Oktober 2015 ordnete die Baukommission der
Gemeinde Ferenbalm unter Androhung einer Busse im Widerhandlungsfall die Entfernung
der Sichtschutzwand an, mit dem Hinweis auf die Möglichkeit ein nachträgliches
Baugesuch einzureichen. Die Verfahrenskosten im Umfang von Fr. 300.– auferlegte sie
den Beschwerdeführenden. Die Beschwerdeführenden verzichteten auf die Einreichung
eines nachträglichen Baugesuchs.
2. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden am 24. Oktober 2015
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein.
Sinngemäss beantragen sie, die Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Ferenbalm
sei dahingehend zu ändern, dass ihnen keine Verfahrenskosten aufzuerlegen seien.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten sowie die Stellungnahme der Vorinstanz ein. Diese beantragt die Abweisung der
Beschwerde.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721).
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Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten durch die angefochtene Verfügung
beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf ihre form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht sich
nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, doch gibt dieses den Rahmen vor. Innerhalb
dieser Grenzen bestimmen die Parteien den Umfang des Verfahrensgegenstandes.3
Angefochten ist die Wiederherstellungsverfügung vom 21. Oktober 2015 der Gemeinde
Ferenbalm. Der rechtmässige Zustand ist jedoch zwischenzeitlich wiederhergestellt. Die
Beschwerde richtet sich lediglich gegen die den Beschwerdeführenden auferlegten Kosten.
Streitgegenstand bildet dementsprechend nur Ziffer 5 der Verfügung vom 21. Oktober 2015
der Vorinstanz.
3. Kostenerhebung
a) Für das Verwaltungsverfahren enthält das VRPG4 keine allgemeine Regel über die
Kostenverlegung. Wer diese Kosten zu tragen hat, bestimmt sich somit nach dem
Verursacherprinzip und den verschiedenen Sacherlassen5. Das Baubewilligungsdekret
regelt die Kostentragungspflicht nur für das Baubewilligungsverfahren (Art. 52 Abs. 1
BewD6) und das nachträgliche Baubewilligungsverfahren (Art. 52 Abs. 1 BewD analog). Für
das Baupolizeiverfahren ohne nachträgliches Baubewilligungsverfahren fehlt eine
entsprechende Bestimmung (vgl. Art. 51 Abs. 1 BewD). Es gilt somit primär das
Verursacherprinzip. Dieses Prinzip genügt indessen als gesetzliche Grundlage nicht. Nach
Art. 69 Abs. 4 Bst. b KV7 sind der Gegenstand der Abgabe, die Grundsätze ihrer
Bemessung und der Kreis der Abgabepflichtigen (ausser für Gebühren in geringer Höhe) in
3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8. 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 107 N. 1. 6 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1). 7 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1).
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einem Gesetz im formellen Sinn zu erlassen. Diese Bestimmung gilt als
verfassungsrechtlicher Grundsatz auch für die Gemeinden.8 Es ist deshalb zu prüfen, ob
das Gemeinderecht eine hinreichende gesetzliche Grundlage für die Auferlegung der
Kosten an die Beschwerdeführenden vorsieht.
b) Die Gemeinde Ferenbalm hat ein Gebührenreglement9 erlassen. Darin ist
festgehalten, dass Gebühren und Auslagen schuldet, wer eine Dienstleistung nach diesem
Reglement veranlasst oder verursacht (Art. 6 GebR). Gebühren für baupolizeiliche
Massnahmen werden nach Aufwand erhoben (Art. 4 i.V.m. Art. 37 GebR). Der
Gebührentarif beträgt Fr. 100.– pro Stunde. Die Gemeinde Ferenbalm verfügt somit über
eine genügende gesetzlich Grundlage, um im Zusammenhang mit baupolizeilichen
Verfahren Gebühren zu erheben. Diese werden entsprechend dem Verursacherprinzip
verteilt.
4. Kostenverursachung
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, sie seien nicht bereit, die ihnen
auferlegten Kosten zu bezahlen, da die Sichtschutzwand im Ausstellungszeitpunkt der
Verfügung bereits entfernt gewesen sei. Zudem sei die Sichtschutzwand nur als kurzfristige
Massnahme installiert worden. Schilfrohr sei nicht geeignet dem Wetter standzuhalten. Die
Gemeinde Ferenbalm hält in ihrer Stellungnahme demgegenüber fest, im Zeitpunkt der
Ausstellung der Wiederherstellungsverfügung sei die Sichtschutzwand noch gestanden.
b) Gemäss Art. 47 BewD hat die Gemeindebaupolizei darüber zu wachen, dass bei der
Ausführung von Bauvorhaben die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden.
Dementsprechend war die Baupolizeibehörde der Gemeinde Ferenbalm verpflichtet, nach
Eingang der baupolizeilichen Anzeige ein entsprechendes Verfahren einzuleiten.
Bauvorhaben, die der Bewilligungspflicht unterstehen, dürfen erst begonnen und erstellt
werden, wenn die erteilte Bewilligung rechtskräftig ist (Art. 1a Abs. 3 BauG). Der
Baubewilligungspflicht unterliegen alle künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten
Bauten, Anlagen und Einrichtungen, die in fester Beziehung zum Erdboden stehen und
8 vgl. dazu Ulrich Zimmerli, Gemeinden, in: Handbuch des bernischen Verfassungsrechts, hrsg. von Walter Kälin/Urs Bolz, Bern, 1995, S. 209. 9 Gebührenreglement und Gebührentarif der Gemeinde Ferenbalm vom 30. November 2009 (GebR).
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geeignet sind, die Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem sie zum Beispiel den Raum
äusserlich verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen (Art. 1a
Abs. 1 BauG). Die Weisung der JGK10 und der BVE vom 15. Januar 2013 betreffend
"Baubewilligungsfreie Bauten und Anlagen nach Art. 1b BauG" präzisiert, dass
Sichtschutzwände nur bis zu einer Höhe von 2 m und einer Länge von 4 m als
baubewilligungsfrei gelten.11
Die Beschwerdeführenden haben in ihrer Stellungnahme vom 28. September 2015
ausgeführt, dass sie die Schilfrohrwand bis Ende November 2015 entsprechend den
zivilrechtlichen Vorschriften zurückversetzen wollten. Damit haben sie zum Ausdruck
gebracht, dass sie diese für einen längeren Zeitraum installieren wollten. Die
Schilfrohrwand war gemäss den Angaben der Parteien 2 m hoch. Auf dem sich bei den
Vorakten befindenden Foto ist ersichtlich, dass die Sichtschutzwand eine Länge von mehr
als 4 m aufwies. Die Errichtung einer solchen Wand unterliegt der Baubewilligungspflicht.
Die Beschwerdeführenden hätten die Schilfrohrwand daher ohne Baubewilligung nicht
erstellen dürfen. Die Einleitung des baupolizeilichen Verfahrens ist auf das widerrechtliche
Verhalten der Beschwerdeführenden zurückzuführen. Sie haben die damit verbundenen
Verfahrenskosten verursacht.
c) Die Baupolizeibehörde hat die Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 8.
September 2015 darauf hingewiesen, dass der Anzeiger die Verletzung der
Grenzabstände zu seiner Liegenschaft rügt und dass eine Sichtschutzwand, die eine Höhe
von 2 m und eine Länge von 4 m übersteigt, baubewilligungspflichtig ist. Die
Beschwerdeführenden haben daraufhin mit Schreiben vom 28. September 2015 erklärt,
dass sie die Schilfrohrwand entsprechend den zivilrechtlichen Vorschriften zurückversetzen
werden. Sie haben damit den Eindruck erweckt, dass sie die Sichtschutzwand nicht
entfernen und kein Baugesuch einreichen, sondern diese nur örtlich zurückversetzen
wollen. Auf das Schreiben vom 9. Oktober 2015, mit welchem die Baupolizeibehörde die
Beschwerdeführenden informiert hat, dass für das baubewilligungspflichtige Vorhaben ein
Baugesuch einzureichen oder dass es zu entfernen sei, haben die Beschwerdeführenden
nicht reagiert. Die Vorinstanz hatte daher keinen Anlass zu prüfen, ob die Sichtschutzwand
entfernt worden war, bevor sie die Wiederherstellungsverfügung erlassen hat. Die
10 Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion. 11 Bernische Systematische Information Gemeinden (BSIG) Nr. 7/725.1/1.1, Baubewilligungsfreie Bauten und Anlagen nach Art. 1b BauG, S. 6.
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Baupolizeibehörde hat die Beschwerdeführenden informiert, dass die Baukommission
demnächst den Sachverhalt beurteilen werde. Wenn die Beschwerdeführenden die
Sichtschutzwand vor Eröffnung der Wiederherstellung entfernt haben sollten, so hätten sie
die Baupolizeibehörde über diesen Umstand orientieren müssen, um zu verhindern, dass
diese weitere Massnahmen ergreift. Eine solche Orientierung ist nicht erfolgt. Die Kosten,
die im Zusammenhang mit dem Erlass der Wiederherstellungsverfügung entstanden sind,
sind daher ihrem Verhalten zuzuschreiben. Dies unabhängig davon, ob die
Sichtschutzwand zum Zeitpunkt des Erlassens respektive der Eröffnung der
Wiederherstellungsverfügung noch stand oder nicht.
d) Die Beschwerdeführenden haben durch ihr Verhalten sowohl die Kosten, welche
durch die Einleitung des baupolizeilichen Verfahrens als auch diejenigen, welche im
Zusammenhang mit dem Erlass der Wiederherstellungsverfügung entstanden sind,
verursacht. Die Vorinstanz führte einen Augenschein durch, gewährte den
Beschwerdeführenden das rechtliche Gehör und reagierte auf ihre Stellungnahme, bevor
sie schliesslich die Wiederherstellungsverfügung erliess. Der von der Gemeinde geltend
gemachte Aufwand von 3 Stunden erscheint angemessen. Gemäss dem Gebührentarif der
Gemeinde Ferenbalm beträgt die Aufwandgebühr Fr. 100.– pro Stunde. Die Vorinstanz
durfte den Beschwerdeführenden somit die Kosten von Fr. 300.– auferlegen. Die
Beschwerde erweist sich als unbegründet und ist abzuweisen.
5. Verfahrenskosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie haben die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 400.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV12). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).