# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3f08212c-9aa0-5602-8b90-60e3543736ed
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Anlässlich einer Kontrolle der Erstwohnungsanteile in der Gemeinde stellte die Vor-
instanz fest, dass in der als Erstwohnung zu nutzenden Wohnung der
Beschwerdeführenden niemand angemeldet ist. Sie ersuchte die Beschwerdeführenden
mit Schreiben vom 19. Dezember 2016 deshalb "[...] so schnell wie möglich, spätestens
aber bis am Freitag, 20. Januar 2017 eine schriftliche Stellungnahme (rechtliches Gehör)
über die momentane Nutzung und die Zukunftspläne Ihrer Wohnung [...]" einzureichen.
Die Beschwerdeführenden äusserten sich mit Schreiben vom 12. Januar 2017 zum
Sachverhalt und ersuchten den Gemeinderat um Prüfung, ob ihre Wohnung in eine
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Zweitwohnung umgewandelt oder ihnen eine Frist von drei bis vier Jahren zur Regelung
der Angelegenheit gewährt werden könne.
Die Bauabteilung der Gemeindeverwaltung Sigriswil liess den Beschwerdeführenden
daraufhin am 2. Februar 2017 ein Schreiben mit dem Titel "Eingangsbestätigung
Baugesuch Nr. 938/006-2017 C._strasse, Merligen / Stockwerkeigentum
D._ " zukommen. Darin hielt die Gemeinde fest, sie habe das Ausnahmegesuch
betreffend Erstwohnungsanteil vom 12. Januar 2017 erhalten, werde dieses nun formell
und materiell prüfen und sich danach mit den Beschwerdeführenden für das weitere
Vorgehen in Verbindung setzen.
Mit Bauentscheid vom 22. Mai 2017 erteilte die Gemeinde den Bauabschlag betreffend die
Befreiung vom Zweckentfremdungsverbot EWAP und ordnete Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands an. Die Kosten dieses Entscheids von Fr. 595.– auferlegte die
Vorinstanz den Beschwerdeführenden.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 6. Juni 2017 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein mit folgenden Anträgen:
"Die Gebührenrechnung der Gemeinde Sigriswil im Betrage von Fr. 595.00 ist zu löschen
(Bauentscheid D. Dispositiv, Position 7).
Allfällige Verfahrenskosten sind der Gemeinde Sigriswil zu überbinden."
Zur Begründung bringen die Beschwerdeführenden im Wesentlichen vor, sie seien nicht
bereit, die ihnen auferlegten Kosten zu bezahlen, da nicht sie, sondern die Gemeinde
Sigriswil ein Verfahren in die Wege geleitet habe. Die Beschwerdeführenden seien von der
Gemeinde aufgefordert worden, Stellung zu ihrer Wohnsituation zu nehmen. Dies hätten
sie mit ihrem Schreiben vom 12. Januar 2017 getan. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb
sie für eine von der Gemeinde verlangte Antwort Gebühren zahlen sollten.
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG1 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden; das Gleiche gilt für
Wiederherstellungsverfügungen (Art. 49 BauG). Die BVE ist somit zur Beurteilung der
Beschwerde zuständig.
b) Die Beschwerdeführenden sind als Adressaten des angefochtenen Entscheids in
ihren schutzwürdigen Interessen betroffen und zur Beschwerde legitimiert. Auf die form-
und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Anfechtungsobjekt und Streitgegenstand
a) Anfechtungsobjekt in einem Beschwerdeverfahren ist die Verfügung der Vorinstanz.
Der Streitgegenstand bezeichnet denjenigen Teil des Anfechtungsobjektes, den die
beschwerdeführende Partei von der Rechtsmittelinstanz überprüfen lassen will. Der
Streitgegenstand braucht sich nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber nicht
über dieses hinausgehen. Er wird mit dem Antrag und der Begründung in der Beschwerde
festgelegt. Der Entscheid in der Sache ist ebenso wie das Verfahren grundsätzlich auf den
Streitgegenstand begrenzt.2
b) Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Entscheid der Gemeinde Sigriswil vom 22. Mai
2017. Dieser besteht aus einem Bauabschlag und einer Wiederherstellungsverfügung.
Hierfür erhob die Vorinstanz eine Gebühr von gesamthaft Fr. 595.–. Die
Beschwerdeführenden fechten ausschliesslich diese Gebühren an. Sie rügen nicht, die
Gemeinde habe zu Unrecht den Bauabschlag erteilt bzw. die Wiederherstellung verfügt.
Streitgegenstand sind damit einzig die von der Vorinstanz auferlegten Kosten.
1 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 2 Vgl. Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 32 N 13 und Art. 72 N 6 bis 8; Markus Müller, Bernische Verwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 2011, S. 148 ff.
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3. Verfahren der Vorinstanz
a) Der Baupolizeibehörde obliegen die Baukontrolle, das Einschreiten gegen
widerrechtliches Bauen, das Durchsetzen von Bedingungen und Auflagen und das
Einschreiten gegen ordnungswidrige Bauten. Stellt die Baupolizeibehörde
Unregelmässigkeiten fest, wird sie von Amtes wegen tätig. Bei widerrechtlicher
Bauausführung oder bei nachträglicher Missachtung von Bauvorschriften, Bedingungen
und Auflagen veranlasst sie die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
(Art. 45 BauG, Art. 47 BewD3).
Im Unterschied zu baupolizeilichen Verfahren können Baubewilligungsverfahren nicht von
Amtes wegen eingeleitet werden. Das Erteilen einer Baubewilligung setzt – genau wie das
Erteilen eines Bauabschlags – ein Gesuch der Bauherrschaft voraus.4 Gemäss
Art. 34 Abs. 1 BauG ist das Baugesuch der Gemeindeverwaltung auf dem amtlichen
Formular zusammen mit weiteren Unterlagen einzureichen (Art. 10 - 14 BewD). In
speziellen Fällen kann eine andere als in den Art. 10 - 14 BewD umschriebene Darstellung
des Bauvorhabens gestattet werden (Art. 15 BewD). Dies ist regelmässig der Fall bei
Gesuchen im Zusammenhang mit Änderungen des Erstwohnungsanteilsplans, welche
praxisgemäss im Baugesuchsverfahren behandelt werden.
b) Am Ursprung des vorinstanzlichen Verfahrens stand eine
Erstwohnungsanteilskontrolle der Gemeinde. Dabei handelt es sich um eine Überprüfung
der Einhaltung einer gestützt auf baurechtliche Vorschriften verfügte
Nutzungsbeschränkung (vgl. Art. 32 und 40 GBR5); mithin also um eine baupolizeiliche
Aufgabe. Als die Gemeinde eine Verletzung dieser Vorschriften feststellte und den
Beschwerdeführenden Gelegenheit zur Stellungnahme gab, leitete sie mit anderen Worten
ein baupolizeiliches Verfahren ein. Das Baupolizeiverfahren ist auf das Verhalten der
Beschwerdeführenden zurückzuführen und wurde damit von diesen verursacht. Die
Baupolizeibehörde der Gemeinde Sigriswil war verpflichtet, nach Feststellung der
Verletzung der Erstwohnungsanteilsvorschriften ein solches Verfahren einzuleiten.
3 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 4 Vgl. zum Ganzen Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N 2, BVR 2010 433 E. 2.11, BVR 1994 S. 421 E. 5, vgl. auch BDE vom 13. Januar 2017, RA-Nr. 110/2016/147 5 Baureglement der Gemeinde Sigriswil vom 22. Juni 1996 (GBR)
RA Nr. 110/2017/58 5
c) Nachdem die Beschwerdeführenden von der Bauabteilung der Gemeinde mit
Schreiben vom 19. Dezember 2017 zu einer Stellungnahme aufgefordert worden waren,
führten sie am 22. und 27. Dezember 2017 Gespräche mit der Gemeinde. Die Gemeinde
bringt in ihrer Stellungnahme vom 6. Juli 2017 vor, den Beschwerdeführenden sei klar
kommuniziert worden, dass Gesuche betreffend Befreiung vom Zweckentfremdungsverbot
EWAP wie Baugesuche behandelt würden. Den Gesprächs- und Protokollnotizen dazu
lässt sich übereinstimmend entnehmen, dass die Gemeinde den Beschwerdeführenden
mitteilte, sie könnten beim Gemeinderat ein Ausnahmegesuch betreffend Umwandlung der
Erst- in eine Zweitwohnung einreichen.6 Dies haben die Beschwerdeführenden mit ihrem
an den Gemeinderat gerichteten Schreiben vom 12. Januar 2017 getan. Mit dem
Prüfungsbegehren an den Gemeinderat gingen die Beschwerdeführenden über ein blosses
Antwortschreiben an die Bauabteilung hinaus. Es ist auch für juristische Laien erkennbar,
dass bei einem solchen Antrag auf Prüfung Kosten entstehen. Zudem bestätigte die
Bauabteilung im Schreiben vom 2. Februar 2017 den Eingang des "Baugesuchs". In
diesem Schreiben wies die Gemeinde dem Baugesuch eine Verfahrensnummer zu und
teilte den Beschwerdeführenden mit, sie werde das Gesuch nun formell und materiell
prüfen. Spätestens nach Erhalt dieses Schreibens hätten die Beschwerdeführenden bei
der Gemeinde nachfragen müssen und mitteilen sollen, dass sie ihr Schreiben nicht als
Baugesuch verstanden haben wollen. Dafür hätten sie genügend Zeit gehabt, erfolgte der
Entscheid vom 22. Mai 2017 doch über drei Monate nach dem Schreiben vom
2. Februar 2017. Die Beschwerdeführenden intervenierten aber erst nach Erhalt des
Bauabschlags und damit zu einem Zeitpunkt, als der Verwaltungsaufwand bereits
entstanden war. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Gemeinde die Eingabe der
Beschwerdeführenden als Bau- bzw. Ausnahmegesuch behandelte. Die Gemeinde musste
nach ihrem Hinweis auf die Möglichkeit eines Ausnahmegesuchs, dem daraufhin erfolgten
Antrag der Beschwerdeführenden an den Gemeinderat sowie dem Stillschweigen der
Beschwerdeführenden, nachdem ihnen die Gemeinde den Eingang des Baugesuchs
bestätigte, nicht davon ausgehen, die Beschwerdeführenden hätten gar kein Bau- bzw.
Ausnahmegesuch stellen wollen. Die Gemeinde führte damit nicht nur das Baupolizei-
sondern auch das Baubewilligungsverfahren zu Recht durch.
6 Vorakten (unpaginiert), Gesprächsnotiz vom 27. Dezember 2016, Protokollauszug aus der 1. Sitzung Baupolizei- und Planungskommission (PBK) vom 25. Januar 2017 und 9. Februar 2017, Protokollauszug Sitzung Gemeinderat vom 27. Februar 2017
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4. Vorinstanzlich angefallene Kosten
a) Für das Verwaltungsverfahren enthält das VRPG7 keine allgemeine Regel über die
Kostenverlegung. Wer diese Kosten zu tragen hat, bestimmt sich somit nach dem
Verursacherprinzip und den verschiedenen Sacherlassen8. Das Baubewilligungsdekret
regelt die Kostentragungspflicht nur für das Baubewilligungsverfahren (Art. 52 Abs. 1
BewD) und das nachträgliche Baubewilligungsverfahren (Art. 52 Abs. 1 BewD analog). Für
das Baupolizeiverfahren ohne nachträgliches Baubewilligungsverfahren fehlt eine
entsprechende Bestimmung (vgl. Art. 51 Abs. 1 BewD). Demnach sind die umstrittenen
Kosten nach dem Verursacherprinzip zu verlegen. Das Verursacherprinzip besagt, dass
die Kosten von demjenigen zu tragen sind, der sie verursacht hat.9 Das im
Verwaltungsverfahren allgemein anwendbare Verursacherprinzip genügt indessen für sich
genommen nicht als gesetzliche Grundlage. Gemäss Art. 69 Abs. 4 Bst. b der
Kantonsverfassung10 sind der Gegenstand von Abgaben, die Grundsätze ihrer Bemessung
und der Kreis der Abgabepflichtigen mit Ausnahme von Gebühren in geringer Höhe in
einem Gesetz im formellen Sinn zu regeln. Diese Bestimmung gilt als
verfassungsrechtlicher Grundsatz auch für Gemeinden.11 Die Gemeinde muss daher ihre
Gebühren in einem Gebührenreglement regeln. Die Gemeinde Sigriswil hat mit dem
erlassenen Gebührenreglement und Gebührentarif diese gesetzlichen Grundlagen
geschaffen.12
Darin ist festgehalten, dass die Gebühren nach Aufwand oder pauschaliert bemessen
werden (Art. 3 GebR). Die Gebühren nach Aufwand sind nach Art der
Dienstleistungsgebühr unterteilt in Aufwandgebühr I (normale Verwaltungstätigkeit; Fr. 75.–
pro Stunde) und Aufwandgebühr II (Verwaltungstätigkeit, die eine besondere fachliche
Qualifikation erfordert; Fr. 110.– pro Stunde). Gemäss dem Gebührenreglement werden
7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 107 N. 1. 9 Tschannen/Zimmerli/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Bern 2014 § 56 N 36 10 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 11 Vgl. dazu Ulrich Zimmerli, Gemeinden, in: Handbuch des bernischen Verfassungsrechts, hrsg. von Walter Kälin/Urs Bolz, Bern 1995, S. 208 12 Gebührenreglement der Gemeinde Sigriswil vom 30. November 2015 (in Kraft seit 1. Januar 2016; GebR); Gebühren-Tarif der Gemeinde Sigriswil vom 16. Januar 2012 (in Kraft seit 1. Januar 2016)
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Gebühren im Bauwesen je nach Tätigkeit pauschaliert, mit der Aufwandgebühr I oder mit
der Aufwandgebühr II erhoben (Art. 27 ff. GebR). Die Gemeinde Sigriswil verfügt somit
über eine genügende gesetzliche Grundlage, um im Zusammenhang mit Baubewilligungs-
und Baupolizeiverfahren Gebühren zu erheben. Diese werden entsprechend dem
Verursacherprinzip verteilt.
b) Die entstandenen Kosten im Baubewilligungs- und Baupolizeiverfahren sind in
Anwendung des Verursacherprinzips den Beschwerdeführenden aufzuerlegen. Die
Minimalgebühr für baupolizeiliche Massnahmen beträgt Fr. 300.–, jene für das Verfassen
eines Bauentscheids Fr. 200.– (Art. 30 Abs. 7 und Art. 38 GebR). Die Mindestgebühr für
diese vorliegend angefallenen Positionen beträgt damit Fr. 500.–. Darin noch nicht
enthalten sind zusätzliche Kosten u.a. für Porto, Kopien sowie für einfachen
Verwaltungsaufwand wie Sekretariatsarbeiten (vgl. Art. 1 Abs. 2 und Art. 28 Abs. 1 GebR).
Die im konkreten Fall erhobenen Gesamtgebühren von Fr. 595.– für ein Baupolizei- und
ein Baubewilligungsverfahren sind somit eher gering ausgefallen und ohne weiteres
verhältnismässig. Die Beschwerdeführenden rügen denn auch einzig die
Gebührenerhebung an sich und bringen nicht vor, die strittigen Gebühren seien überdies
zu hoch bemessen worden.
5. Zusammenfassung und Kosten
a) Die Vorinstanz hat die angefochtenen Gebühren zu Recht erhoben. Die Beschwerde
vom 6. Juni 2017 ist damit abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen
die Beschwerdeführenden. Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108
Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 600.– (Art. 103
Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV13). Die Beschwerdeführenden haften
solidarisch für den gesamten Betrag.
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).
13 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2017/58 8
RA Nr. 110/2017/58 9