# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 39af3fe8-c95b-4b6e-bf8f-fcc9ae1fe2a0
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1999, stammt aus Mali. Er reichte am 10. September 2015 ein Asylgesuch
ein. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) wies das Asylgesuch mit Verfügung vom
8. Dezember 2016 ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Eine dagegen erhobene
Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 6. April 2017 ab,
worauf A._ unbekannten Aufenthalts war.
B.
Am 17. Mai 2019 ersuchte A._ das SEM erfolglos um Wiedererwägung des
ablehnenden Asylentscheids. Die dagegen erhobene Beschwerde wies das
Bundesverwaltungsgericht mit Entscheid vom 10. Juli 2019 ab. Auf ein Gesuch um
Unterbreitung als Härtefall trat das Migrationsamt des Kantons St. Gallen am
29. September 2021 nicht ein.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 3/7
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C.
Mit Haftbefehl vom 10. März 2022 wurde A._ für maximal 60 Tage in
Ausschaffungshaft versetzt (Festnahme am 15. März 2022). Die zuständige
Einzelrichterin der Verwaltungsrekurskommission bestätigte mit Entscheid vom
16. März 2022 den Haftbefehl gegen A._ bis 13. Mai 2022. Einer allfälligen
Beschwerde entzog sie die aufschiebende Wirkung. Auf die Erhebung amtlicher Kosten
wurde verzichtet.
D.
A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) mit Eingabe seiner Rechtsvertreterin vom
24. März 2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Der Beschwerdeführer beantragt,
er sei umgehend aus der Haft zu entlassen und es sei festzustellen, dass die Haft
unrechtmässig und unangemessen gewesen sei. In formeller Hinsicht ersuchte er um
sofortige Gewährung der aufschiebenden Wirkung sowie Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung, alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Der Abteilungspräsident wies das Gesuch um
superprovisorische Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung ab und verzichtete
auf die Erhebung eines Kostenvorschusses.
Die Vorinstanz verzichtete am 5. April 2022, das Migrationsamt (Beschwerdegegner)
am 12. April 2022 auf eine Vernehmlassung.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und auf die Ausführungen des
Beschwerdeführers sowie die Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer –
mit dem angefochtenen Entscheid wurde die gegen ihn verfügte Haft genehmigt, und
er ist wegen der der Beschwerde entzogenen aufschiebenden Wirkung nach wie vor in
Haft – ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 24. März 2022 rechtzeitig erhoben
(Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP). Die Eingabe erfüllt in formeller und
inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/7
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2.
Der Beschwerdeführer macht im Wesentlichen geltend, der Wegweisungsvollzug sei
nicht absehbar. Mit Mali bestehe kein Rückübernahmeabkommen, weshalb
zwangsweise Ausschaffungen nicht zulässig seien. DEPA-Flüge und Sonderflüge nach
Mali seien nicht möglich. Er dürfe durch die Polizei zwar an den Flughafen gebracht
werden, müsse jedoch freiwillig in das Flugzeug einsteigen. Wegen der am 17. März
2022 bevorstehenden Ausschaffung habe er in der Nacht davor einen Suizidversuch
unternommen und sich dabei eine 15 cm lange Schnittwunde zugefügt. Eine
psychologische Behandlung sei ihm danach in unzulässiger Weise verweigert worden.
Am 21. März 2022 habe er ein Härtefallgesuch eingereicht und die Aussetzung des
Wegweisungsvollzugs beantragt. Darüber sei noch nicht entschieden worden, weshalb
er sich in einem Schwebezustand befinde, was seinen Aufenthaltsstatus angehe. Es
mangle somit an einem vollstreckbaren Entscheid. Ferner sei die Massnahme
angesichts des angeschlagenen Gesundheitszustands nicht verhältnismässig.
3.
Nach Art. 77 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und die Ausländer
und über die Integration (SR 142.20, AIG) kann die zuständige kantonale Behörde eine
Person zur Sicherstellung des Vollzugs der Weg- und Ausweisung in Haft nehmen,
wenn ein vollstreckbarer Entscheid vorliegt (lit. a), diese die Schweiz nicht in der
angesetzten Frist verlassen hat (lit. b) und die Behörde die Reisedokumente für diese
Person beschaffen musste (lit. c). Die Haft darf höchstens 60 Tage dauern und die für
den Vollzug der Weg- oder Ausweisung notwendigen Vorkehrungen sind umgehend zu
treffen (Art. 77 Abs. 2 und 3 AIG).
Die Haft verstösst gegen Art. 80 Abs. 6 Ingress und lit. a AIG und ist zugleich
unverhältnismässig, wenn triftige Gründe dafürsprechen, dass die Wegweisung innert
vernünftiger Frist nicht vollzogen werden kann (vgl. BGer 2C_386/2020 vom 9. Juni
2020 E. 4, 2C_1106/2018 vom 4. Januar 2019 E. 3.2.2). Dies ist in der Regel bloss dann
der Fall, wenn die Ausschaffung auch bei gesicherter Kenntnis der Identität oder der
Nationalität des Betroffenen beziehungsweise trotz seines Mitwirkens bei der
Papierbeschaffung mit grosser Wahrscheinlichkeit als ausgeschlossen erscheint. Zu
denken ist etwa an eine länger dauernde Transportunfähigkeit aus gesundheitlichen
Gründen oder an eine ausdrückliche oder zumindest klar erkennbare und konsequent
gehandhabte Weigerung eines Staates, gewisse Staatsangehörige zurückzunehmen
(vgl. BGer 2C_898/2017 vom 2. Februar 2018 E. 2.2 mit Hinweisen). Nur falls keine
3.1.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/7
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oder bloss eine höchst unwahrscheinliche, rein theoretische Möglichkeit besteht, die
Wegweisung zu vollziehen, ist die Haft aufzuheben, nicht indessen bei einer
ernsthaften, wenn auch allenfalls (noch) geringen Aussicht hierauf.
Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass gegen den Beschwerdeführer ein
vollstreckbarer Wegweisungsentscheid vorliegt, dieser die Schweiz nicht innerhalb der
angesetzten Frist verlassen hat und das Reisepapier vom Beschwerdegegner beschafft
werden musste. Die Erfüllung der Voraussetzungen für die Anordnung der
Ausschaffungshaft für die Dauer von 60 Tagen nach Art. 77 AIG wird vom
Beschwerdeführer zu Recht nicht bestritten.
Gemäss Stellungnahme des Beschwerdegegners vom 15. März 2022 war vorgesehen,
den Beschwerdeführer am 17. März 2022 auf einem Linienflug unbegleitet (DEPU) nach
Mali auszuschaffen. In der Nacht davor verletzte er sich jedoch selbst und verweigerte
anschliessend den Abflug (act. 12/1). Entgegen den Ausführungen des
Beschwerdeführers ist es jedoch nicht so, dass es generell keine begleiteten
Ausschaffungen nach Mali gibt, sondern es erfolgt eine Einzelfallprüfung. Derzeit klärt
der Beschwerdegegner ab, ob eine begleitete Ausschaffung des Beschwerdeführers
nach Mali im konkreten Fall möglich ist. Das SEM hat die malische Botschaft um ein
Gespräch ersucht (act. 12/2). Ein Termin steht noch nicht fest. Im heutigen Zeitpunkt
kann somit (noch) nicht gesagt werden, der Vollzug der Wegweisung sei sehr
unwahrscheinlich und nur noch rein theoretisch möglich, sondern es besteht nach wie
vor eine ernsthafte Aussicht darauf. Die Haftanordnung mit einer beschränkten Dauer
von 60 Tagen erweist sich entsprechend als verhältnismässig. Sie ist geeignet und
erforderlich, um den Vollzug der Wegweisung sicherzustellen und steht in einem
sachgerechten und zumutbaren Verhältnis zum angestrebten Zweck (vgl. BGE 142 I
135 E. 4.1). Aus den Akten ergeben sich keine Hinweise, wonach der
Beschwerdeführer nicht transportfähig sein sollte (vgl. Befragung vom 8. April 2022,
act. 12/3). Die medizinische Versorgung im Ausschaffungsgefängnis ist zudem
gewährleistet.
3.2.
Das Einreichen von ausserordentlichen Rechtsmitteln und Rechtsbehelfen (z. B.
Revisions- und Wiedererwägungsgesuche) hemmt den Vollzug der Wegweisung nicht
(act. 12/4). Dem abgewiesenen Asylbewerber, der keinen Bewilligungsanspruch
geltend machen kann, steht – vom Gesetzgeber gewollt (vgl. Wortlaut von Art. 14 Abs.
1 und 4 des Asylgesetzes, SR 142.31, AsylG) – sodann kein Recht zu, einen Antrag auf
3.3.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/7
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4.
Der Entscheid über das Begehren um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung für das Beschwerdeverfahren fällt in die Zuständigkeit des
Abteilungspräsidenten (Art. 99 Abs. 1 und 2 VRP in Verbindung mit Art. 119 Abs. 3 der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO, und Art. 6 Abs. 2 des Reglements
über die Organisation und den Geschäftsgang des Verwaltungsgerichts, sGS 941.22).
Die unentgeltliche Prozessführung wird gewährt, wenn der Gesuchsteller bedürftig ist
und das von ihm angestrebte Verfahren nicht aussichtslos erscheint. Da auf die
Erhebung von Verfahrenskosten verzichtet wird (vgl. nachfolgend E. 5), kann das
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege als gegenstandslos
geworden abgeschrieben werden.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung besteht bei der erstmaligen Anordnung
der Ausschaffungshaft für die Dauer von drei Monaten grundsätzlich kein
bundesrechtlicher Anspruch auf unentgeltliche Verbeiständung durch einen Anwalt, es
sei denn, es bestünden besondere Schwierigkeiten rechtlicher oder tatsächlicher Natur
(BGer 2C_724/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 2.1 mit Hinweisen). Vorliegend beträgt
die maximale Haftdauer nach Art. 77 AIG 60 Tage und es liegen keine besonderen
Schwierigkeiten vor. Das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche
Rechtsverbeiständung ist daher abzuweisen.
5.
Bei diesem Verfahrensausgang – die Beschwerde ist abzuweisen – sind die amtlichen
Kosten des Beschwerdeverfahrens vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 95 Abs. 1
VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF 1'000 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung zu stellen bzw. ein entsprechendes kantonales
Verfahren in Gang zu setzen und zu durchlaufen (BGer 2D_3/2014 vom 16. Januar
2014 E. 2, 2D_90/2008 vom 9. September 2008; C. Hruschka, in: Spescha/Zünd/Bolzli/
Hruschka/de Weck [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht, 5. Aufl. 2019, N 8 zu Art. 14
AsylG). Art. 14 Abs. 2 AsylG verschafft selbst bei Erfüllen sämtlicher Voraussetzungen
keinen Anspruch auf Erteilung einer Härtefallbewilligung.
Nach dem Gesagten waren die Voraussetzungen von Art. 77 AIG im Zeitpunkt des
angefochtenen Entscheids erfüllt und sie sind es auch heute noch. Die Beschwerde
erweist sich daher als unbegründet und der Beschwerdeführer ist entsprechend in Haft
zu belassen. Mit dem Entscheid in der Hauptsache ist das Gesuch um Gewährung der
aufschiebenden Wirkung gegenstandslos geworden.
3.4.
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Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12). Aufgrund deren voraussichtlicher
Uneinbringlichkeit ist auf deren Erhebung zu verzichten (Art. 97 VRP). Es werden keine
ausseramtlichen Kosten entschädigt.