# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7e276d17-67b3-564f-a11f-8fdc4a892f27
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit Gesamtentscheid vom 5. September 2014 erteilte das Regierungsstatthalteramt
Biel/Bienne dem Beschwerdeführer die Baubewilligung für das Erstellen eines Lager- und
Abstellplatzes für Occasionsfahrzeuge mit einem Kies-/Mergelbelag und für die
Umzäunung mit einem Maschendrahtzaun auf der Parzelle Pieterlen Grundbuchblatt
Nr. X._. Die Parzelle liegt in der Arbeitszone A.
2. Mit E-Mail vom 26. März 2015 wies der Architekt des Beschwerdeführers die
Gemeinde darauf hin, dass anstelle des Kies-/Mergelbelags neu der Einbau von
Recyclingasphalt geplant werde. Daraufhin machte ihn die Gemeinde mit Schreiben vom
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26. März 2015 darauf aufmerksam, dass es sich beim geplanten Wechsel des Belags um
eine Projektänderung handle und dass der Einbau des Materials erst nach ordentlicher
Genehmigung durch die Behörden eingebaut werden dürfe. Der Architekt des
Beschwerdeführers teilte der Gemeinde mit E-Mail vom 27. März 2015 mit, dass ein
entsprechendes Projektänderungsgesuch demnächst eingereicht werde.
Am 31. März 2015 ging bei der Gemeinde Pieterlen das Baugesuch vom 30. März 2015
betreffend die neue Belagsart (RC-Asphaltgranulatgemisch 0-22) ein. Die Gemeinde leitete
das Baugesuch dem Regierungsstatthalteramt Biel/Bienne zur Bearbeitung weiter.
3. Die Gemeinde stellte fest, dass der Belag bereits eingebaut worden war und bat den
Architekten des Beschwerdeführers mit E-Mail vom 1. April 2015 um Klärung des
Sachverhalts. Dieser antwortete der Gemeinde am 2. April 2015. Mit Verfügung vom
7. April 2015 erliess die Gemeinde Pieterlen für den Lager- und Abstellplatz für
Occasionsfahrzeuge ein Benützungsverbot.
4. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 6. Mai 2015 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt unter anderem
die Aufhebung der Verfügung vom 7. April 2015. Er macht insbesondere geltend, vom Amt
für Wasser und Abfall (AWA) sei telefonisch bestätigt worden, dass der Einbau von
Recyclingasphalt möglich sei. Der eingebaute Belag entspreche der Richtlinie für die
Verwertung mineralischer Baustoffe des Bundesamts für Umwelt (BAFU). Es handle sich
nicht um eine Projektänderung, sondern um eine andere "Wahl der Möglichkeiten". Weiter
macht der Beschwerdeführer Schadenersatzforderungen geltend.
Am 12. Mai 2015 reichte der Beschwerdeführer, neu durch Herrn Rechtsanwalt
B._ vertreten, eine Ergänzung zur Beschwerde vom 6. Mai 2015 ein. Er bestätigt
seinen Antrag auf Aufhebung des Benützungsverbots gemäss Verfügung vom 7. April 2015
und zieht die weiteren Anträge zurück. Neu beantragt er, der Beschwerde sei die
aufschiebende Wirkung zuzusprechen.
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5. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten und eine Stellungnahme der Gemeinde ein. Die Gemeinde beantragt, die
Beschwerde vom 6. Mai 2015 sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden könne.
Auf die vom 12. Mai 2015 datierte Ergänzung zur Beschwerde sei nicht einzutreten,
eventuell sei sie abzuweisen.
6. Am 25. Juni 2015 reichte der Beschwerdeführer eine weitere Stellungnahme ein. Er
erklärt, die Baupolizeibehörde gehe in der angefochtenen Verfügung möglicherweise von
falschen Tatsachen aus. Im Gesamtbauentscheid vom 5. September 2014 seien eine
Deckschicht aus Kies sowie eine Kofferung (Unterbau) aus Jura-Mergel bewilligt worden.
Es sei einzig die Deckschicht anders als bewilligt ausgeführt worden, d.h. anstelle des
Kieses sei Recyclingasphalt verwendet worden.
7. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Der Beschwerdeführer ist als Adressat durch die angefochtene Verfügung beschwert und
daher zur Beschwerde legitimiert.
b) Die Gemeinde macht geltend, die vom 12. Mai 2015 datierte Ergänzung zur
Beschwerde vom 6. Mai 2015 sei verspätet, weshalb darauf nicht einzutreten sei.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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Parteieingaben müssen den Formvorschriften von Art. 31 ff. VRPG3 genügen. Unter
anderem müssen Parteieingaben einen Antrag, die Angabe von Tatsachen und
Beweismitteln, eine Begründung sowie eine Unterschrift enthalten; greifbare Beweismittel
sind beizulegen (Art. 32 Abs. 2 VRPG). Antrag und Begründung stellen den Kern der
Rechtsschrift dar; sie müssen daher innert der Frist eingereicht sein (Art. 33 Abs. 3 VRPG).
Der Beschwerdeführer hat die Verfügung vom 7. April 2015 am 10. April 2015 entgegen
genommen. Der Fristenlauf begann damit am 11. April 2015 (Art. 41 Abs. 1 VRPG) und lief
bis am 10. Mai 2015. Da es sich beim 10. Mai 2015 um einen Sonntag handelt, endete die
Frist am nächstfolgenden Werktag, also am Montag, 11. Mai 2015 (Art. 41 Abs. 2 VRPG).
Die Beschwerde vom 6. Mai 2015 wurde fristgerecht eingereicht, während die Ergänzung
zur Beschwerde erst am Dienstag, 12. Mai 2015, und damit nach Ablauf der
Beschwerdefrist der Post übergeben wurde.
Der Beschwerdeführer beantragt mit Beschwerde vom 6. Mai 2015 unter anderem die
Aufhebung der Verfügung vom 7. April 2015. Mit der Ergänzung vom 12. Mai 2015 hält er
an diesem Antrag fest, während er die weiteren Begehren zurückzieht. Er hat damit den
Streitgegenstand nicht unzulässig erweitert, sondern im Gegenteil einen Teil seiner
Anträge zurückgezogen. Dies ist während des gesamten Verfahrens zulässig, wie es auch
während des gesamten Verfahrens zulässig ist, Anträge auf den Erlass vorsorglicher
Massnahmen zu stellen (vgl. Art. 27 Abs. 2 VRPG).4 Sodann ist es zulässig, dass ein neu
in das Verfahren eintretender Anwalt Antrag auf Kosten- und Entschädigungsfolgen stellt.
c) Die Gemeinde erklärt, die Beschwerde vom 6. Mai 2015 enthalte insbesondere in
Ziffer 30 unhaltbare Anschuldigungen. Sie sei diesbezüglich aus den Akten zu weisen.
Nach Art. 33 Abs. 1 VRPG weist die Behörde unklare, unvollständige, Sitte und Anstand
verletzende oder nicht in einer der beiden Landessprachen bzw. nicht in der richtigen
Amtssprache verfasste Eingaben zur Verbesserung bzw. Übersetzung zurück. „Die
Wendung ‚Sitte und Anstand verletzend" ist ein unbestimmter Gesetzesbegriff. Bei der
Auslegung des Begriffes ist zu berücksichtigen, dass die Rückweisung zur inhaltlichen
Änderung – und später gegebenenfalls die Entfernung aus den Akten – die
Meinungsfreiheit und den Anspruch auf rechtliches Gehör der betroffenen Partei
3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 27 N. 23 f.
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tangieren.“5 Eine sittenwidrige oder unanständige Ausdrucksweise muss daher in
eindeutiger Weise vorliegen.6 Nicht jede unzimperliche, verallgemeinernde oder
übertriebene Argumentation muss als sittenwidrig oder unanständig qualifiziert werden.
Verleumderische, beleidigende oder ehrverletzende Äusserungen haben jedoch keinen
Platz – auch nicht gegenüber Behörden.7
In Ziffer 30 der Beschwerde vom 6. Mai 2015 bringt der Beschwerdeführer vor, das
Benützungsverbot sei in allen Teilen falsch und nicht rechtens. Das Vorgehen der
Gemeinde sei undurchschaubar, in keiner Weise nachvollziehbar und die Gemeindeorgane
hätten eigenmächtig gehandelt und durch unnötige Arbeitsschritte Kosten verursacht. Die
Gemeinde schüre mit ihrer Baupolitik ein Klima der Verwirrung.
Die Wortwahl ist direkt und unzimperlich. Es handelt sich dabei jedoch nicht um derart
schwerwiegende Vorwürfe, dass die Grenzen des Anstandes überschritten wären. Die
Beschwerde muss daher nicht aus den Akten gewiesen werden.
d) Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde vom 6. Mai 2015 und die
Ergänzung vom 12. Mai 2015 ist einzutreten.
2. Aufschiebende Wirkung
a) Der Beschwerdeführer beantragt in der Ergänzung zur Beschwerde vom 6. Mai 2015,
der Beschwerde sei die aufschiebende Wirkung zuzusprechen.
b) Einstellungsverfügungen und Benützungsverbote sind nach Art. 46 Abs. 1 BauG
sofort vollstreckbar. Eine Beschwerde gegen sie hat somit von Gesetzes wegen keine
aufschiebende Wirkung (Art. 68 Abs. 1 VRPG). Die sofortige Vollstreckbarkeit kann nur
durch eine vorsorgliche Massnahme nach Art. 27 VRPG aufgehoben werden.8 Ein
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 33 N. 5 6 Vgl. BVR 1993 S. 499 f. 7 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 33 N. 5 8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 4
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allfälliges nachträgliches Baugesuch hat auf eine Einstellungsverfügung oder ein
Benützungsverbot keine aufschiebende Wirkung.9
c) Beim Benützungsverbot wie auch bei der Baueinstellung handelt es sich um eine
speziell geregelte vorsorgliche Massnahme. Es macht keinen Sinn, getrennt über die Frage
der Erteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde und über die Zulässigkeit des
Benützungsverbots an sich zu entscheiden. Wenn nämlich die Voraussetzungen gegeben
sind, um der Beschwerde gegen die vorsorgliche Massnahme die aufschiebende Wirkung
zu erteilen, fehlen gleichzeitig die Voraussetzungen für den Erlass einer vorsorglichen
Massnahme.10 Die BVE entscheidet ohne weitere Beweiserhebungen aufgrund der Akten
sofort in der Hauptsache.11
3. Benützungsverbot
a) Der Beschwerdeführer bringt vor, das Benützungsverbot sei zu Unrecht erlassen
worden. Die Verwendung von Recyclingasphalt werde gemäss Richtlinie des BAFU
empfohlen. In der Ergänzung vom 12. Mai 2015 zur Beschwerde bringt er vor, während
eines nachträglichen Baubewilligungsverfahrens dürfe kein Benützungsverbot erlassen
werden.
Die Gemeinde bringt vor, gemäss Schreiben des AWA vom 20. Mai 2015 aus dem
nachträglichen Baubewilligungsverfahren sei der Einbau von Asphaltgranulat in loser Form
in der Gewässerschutzzone B nicht bewilligungsfähig. Infolge der Grundwassergefährdung
sei die Gemeinde zum Erlass des Benützungsverbots verpflichtet gewesen.
b) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt, so verfügt die zuständige Baupolizeibehörde die Einstellung
der Bauarbeiten; sie kann ein Benützungsverbot erlassen, wenn es die Verhältnisse
erfordern (Art. 46 Abs. 1 BauG).
9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 4 10 Heidi Walther, Das baupolizeiliche Benützungsverbot/Teil I, KPG-Bulletin 4/1992, S. 24; BDE 120/2008/26 vom 27. Juni 2008 E. 2c 11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 27 N. 3
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Das Benützungsverbot als vorsorgliche Massnahme wird dann erlassen, wenn eine
Baueinstellungsverfügung nutzlos ist, weil die Bauarbeiten bereits abgeschlossen sind oder
keine nötig sind, wie bei Zweckänderungen. Es wirkt, bis feststeht, ob eine nachträgliche
Baubewilligung erteilt werden kann, eine anderweitige Legalisierung möglich ist oder zur
Wiederherstellung geschritten werden muss. Sinn eines solchen Benützungsverbotes ist es
zu verhindern, dass "faits accomplis" mit dem entsprechenden Nutzen für den Bauherrn –
und allenfalls Schaden für die übrigen Betroffenen – geschaffen werden können, bevor nur
die Frage geprüft ist, ob die betreffende Nutzung mit den Bauvorschriften und den übrigen
im Baubewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften überhaupt vereinbar ist.12
Nach ständiger Praxis kann ein Benützungsverbot dann erlassen werden, wenn ein formell
rechtswidriger Zustand vorliegt. Dies setzt voraus, dass ein baubewilligungspflichtiger
Tatbestand erfüllt ist und die Bewilligung fehlt oder dass feststeht, dass von einer
Bewilligung oder von Nebenbestimmungen dazu abgewichen worden ist.13
c) Baubewilligungspflichtig sind alle künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten
Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Bauvorhaben), die in fester Beziehung zum Erdboden
stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem sie zum Beispiel
den Raum äusserlich erheblich verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt
beeinträchtigen (Art. 1a Abs. 1 BauG).
d) Es ist unbestritten, dass der eingebaute Belag nicht bewilligt ist. Zwar macht der
Beschwerdeführer in der Beschwerde vom 6. Mai 2015 geltend, der Einbau des Recycling-
asphalts stelle nicht eine Projektänderung dar, sondern es liege lediglich eine andere
"Wahl der Möglichkeiten" vor. In der Stellungnahme vom 25. Juni 2015 erklärt der
Beschwerdeführer jedoch selbst, es sei an Stelle des bewilligten Kiesbelags
Recyclingasphalt eingebaut worden. Der Einbau des Belags, insbesondere die
Verwendung von Recycling-asphalt, ist aufgrund summarischer Prüfung aus Gründen des
Umweltschutzes baurechtlich relevant und bedarf daher einer Baubewilligung.14 Dies wird
vom Beschwerdeführer nicht bestritten und er hat für den Einbau des neuen Belags auch
ein nachträgliches Baugesuch eingereicht, das derzeit beim Regierungsstatthalteramt
hängig ist.
12 Vgl. Heidi Walther, Das baupolizeiliche Benützungsverbot/Teil I, KPG-Bulletin 4/1992, S. 16 ff. 13 Vgl. Heidi Walther, Das baupolizeiliche Benützungsverbot/Teil II, KPG-Bulletin 5/1992, S. 27 14 Vgl. BAFU, Richtlinie für die Verwertung mineralischer Bauabfälle, Bern 2006, S. 22
8
e) Unzutreffend ist das Vorbringen des Beschwerdeführers, während des
nachträglichen Baubewilligungsverfahrens dürfe kein Nutzungsverbot erlassen werden. Ein
nachträgliches Baugesuch führt zwar dazu, dass eine angeordnete Wiederherstellung
aufgeschoben wird (Art. 46 Abs. 2 Bst. b BauG). Diese Wirkung kommt dem nachträglichen
Baugesuch in Bezug auf ein Benützungsverbot oder eine Baueinstellung jedoch nicht zu.
Die aufschiebende Wirkung kann nur mit einer vorsorglichen Massnahme nach Art. 27
VRPG hergestellt werden.15
f) Zusammenfassend steht damit fest, dass der Belagswechsel bzw. der Einbau von
Recyclingasphalt bewilligungspflichtig ist und nicht bewilligt wurde. Es liegt damit ein
formell rechtswidriger Zustand vor.
4. Verhältnismässigkeit
a) Der Beschwerdeführer rügt, das Benützungsverbot hindere ihn daran, sein
Grundstück für sein Gewerbe zu nutzen, wodurch ihm Kosten entstünden. In der
Ergänzung zur Beschwerde bringt er vor, das Benützungsverbot richte sich
unzulässigerweise gegen die bewilligte Nutzung zum Abstellen von Occasionsfahrzeugen.
Die Gemeinde hätte nur gegen die nicht bewilligte Belagsart einschreiten müssen, nicht
gegen die Nutzung. Die Nutzung des Grundstücks als Lager- und Abstellplatz sei bewilligt
und die beabsichtigte Nutzung sei weder unzulässig noch rechtswidrig. Das
Nutzungsverbot sei unverhältnismässig.
Die Gemeinde bringt vor, Recyclingbaustoffe dürften nicht in direktem Kontakt zum
Grundwasser stehen, sondern müssten einen Mindestabstand zum höchstmöglichen
Grundwasserspiegel von 2 m einhalten. Die Parzelle des Beschwerdeführers befinde sich
in der Gewässerschutzzone B und der Mindestabstand zum Grundwasser sei nicht
eingehalten. Der Einbau von Asphaltgranulat in loser Form sei nach den Angaben des
AWA nicht bewilligungsfähig.
b) Als vorsorgliche Massnahme mit sofortiger Wirkung kann das Benützungsverbot
15 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 4
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dann erlassen werden, wenn es die Verhältnisse erfordern. "Mit andern Worten: Es ist nicht
jede bewilligungsbedürftige, aber (noch) nicht bewilligte Nutzung sofort zu untersagen. Die
zuständige Behörde hat zu prüfen, ob eine solche Massnahme verhältnismässig wäre; sie
geniesst dabei einen gewissen Beurteilungsspielraum (...). Steht bereits fest oder ist
zumindest sehr wahrscheinlich, dass das Bauvorhaben materiellrechtlich unzulässig ist, ist
das Interesse der Bauherrschaft an einem (vorläufigen) Weiterbetrieb in der Regel nicht
schutzwürdig. Ist dagegen der Betrieb möglicherweise bewilligungsfähig, also vielleicht nur
formell unrechtmässig, kann es unverhältnismässig sein, den Betrieb sofort einzustellen.
Unverhältnismässig kann eine sofortige Einstellung auch dann sein, wenn die Nutzung
bereits lange Zeit unbeanstandet ausgeübt und ein nachträgliches
Baubewilligungsverfahren eingeleitet worden ist (...)."16
c) Mit der angefochtenen Verfügung wird die Nutzung des Areals als Abstellfläche für
Occasionsfahrzeuge untersagt. Wie der Beschwerdeführer in der Ergänzung zur
Beschwerde zu Recht vorbringt, ist die Nutzung als solche zwar bewilligt. Nicht bewilligt ist
hingegen der eingebaute Recyclingasphalt. Gemäss Richtlinie des Bundesamtes für
Umwelt (BAFU)17 gelten aus Gründen des Gewässerschutzes für mineralische
Recyclingbaustoffe verschiedene generelle Verwendungseinschränkungen. So dürfen
mineralische Recyclingbaustoffe in loser Form in Grundwasserschutzzonen und -arealen
nur eingesetzt werden, wenn sichergestellt ist, dass die Recyclingbaustoffe die
Anforderungen der Richtlinie erfüllen und die geltenden Gewässerschutzvorschriften
eingehalten sind. Recyclingbaustoffe dürfen für Verwendungen, bei denen ein direkter
Kontakt mit dem Grundwasser nicht auszuschliessen ist, nicht eingesetzt werden. Dies
entspricht in der Regel einem Mindestabstand vom Grundwasser von 2 m.18
d) Die Gemeinde reichte mit ihrer Stellungnahme das Schreiben des AWA vom 20. Mai
2015 aus dem nachträglichen Baubewilligungsverfahren ein. Darin erklärt das AWA unter
Bezugnahme auf die genannte Richtlinie des BAFU sowie gestützt auf sein eigenes
Merkblatt "Gewässerschutzvorschriften für die Herstellung, Lagerung und Verwendung von
Recyclingbaustoffen" und gestützt auf seine Daten und Unterlagen, dass der
höchstmögliche Grundwasserspiegel vorliegend weniger als 2 m unter Terrain liege. Der
Einbau von Asphaltgranulat in loser Form sei deshalb nicht bewilligungsfähig. Möglich sei
16 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 7 17 BAFU, Richtlinie für die Verwertung mineralischer Bauabfälle, Bern 2006 18 BAFU, Richtlinie für die Verwertung mineralischer Bauabfälle, Bern 2006, S. 22
10
jedoch, das eingebaute Asphaltgranulat mit einer doppelten, heissen, bituminösen
Oberflächenbehandlung abzudecken. Da bei dieser Variante die Entwässerung über die
Schulter erfolgen würde, müsse von einer Fachperson ein Entwässerungskonzept
ausgearbeitet werden, es müssten im Plan die Gefällsbrüche eingezeichnet werden und es
müssten die Art der Entwässerung sowie die Dimensionierung der Entwässerungsanlagen
aufgezeigt werden. Zudem müsse gewährleistet sein, dass das abfliessende
Regenabwasser der Platzflächen nicht in die Leugene gelangen könne, sondern in
ausreichend dimensionierten Versickerungsmulden oberflächlich diffus versickere, wobei
die Mulden flächendeckend eine biologisch aktive Bodenschicht (begrünte Humusschicht)
mit einer Stärke von mindestens 30 cm aufweisen müssten.
e) Die Richtlinie des BAFU sowie die Stellungnahme des AWA zeigen, dass von
Recyclingbaustoffen allgemein Gefährdungen für das Grundwasser ausgehen. Zudem ist
nach den Ausführungen des AWA der eingebaute Belag in der bestehenden Form nicht
bewilligungsfähig, da der Mindestabstand zum höchstmöglichen Grundwasserspiegel nicht
eingehalten ist. Dass die Gefährdung des Grundwassers vom Belag und nicht von der
Nutzung als Abstellplatz ausgeht, ist unerheblich. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich
durch die Belastung des Belags mit Fahrzeugen Stoffe aus dem Belag leichter lösen bzw.
dass diese beim Herumfahren auf dem Belag aus diesem herausgepresst werden und so
ins Grundwasser gelangen. Es ist daher nicht zu beanstanden, dass die Gemeinde ein
Benützungsverbot erlassen hat.
f) Daran ändert auch nichts, dass der Beschwerdeführer in seiner Stellungnahme vom
25. Juni 2015 erklärt, der Recyclingasphalt stehe nicht in direktem Kontakt zum
Grundwasser, da nach den Erd- und Aushubarbeiten ein Geogewebe SYTEC SG 300, 200
kN-m2, eingefügt und darüber eine verdichtete Kofferung mit Jura-Mergel mit einer Stärke
von 40 bis 80 cm ausgeführt worden sei.
Eine verdichtete Kofferung mit Jura-Mergel schliesst eine Gefährdung des Grundwassers
nicht aus, da das Regenwasser nach dem Passieren des Recyclingasphalts abfliessen
können muss. Das durch den Recyclingasphalt möglicherweise verunreinigte
Regenwasser könnte ausserhalb der Abdichtung neben dem Abstellplatz ins Grundwasser
oder allenfalls in die Leugene gelangen. Die Ausführungen des AWA zu seinem Vorschlag
mit Oberflächenbehandlung des Recyclingasphalts zeigen sodann, dass für eine
gewässerschutzkonforme Verwendung des Recyclingasphalts einiges vorgekehrt werden
11
müsste. Wie sich dies bei der Verwendung des Jura-Mergels verhält, muss von den
Fachbehörden im Baubewilligungsverfahren geprüft werden. Im Beschwerdeverfahren
gegen das Benützungsverbot muss ohne weitere Beweiserhebungen aufgrund der Akten
entschieden werden. Aus den vorliegenden Unterlagen geht mit ausreichender Sicherheit
hervor, dass eine Gefährdung des Grundwassers oder allenfalls der Leugene besteht.
g) Das Benützungsverbot erscheint als eine geeignete Massnahme, um die vom
Recyclingasphalt ausgehende Gefahr für das Grundwasser oder die Leugene bis zum
Ergreifen definitiver Massnahmen so gering als möglich zu halten. Eine mildere
Massnahme als das Benützungsverbot ist nicht ersichtlich und wird vom Beschwerdeführer
auch nicht geltend gemacht. Das Benützungsverbot ist zudem zumutbar. Gewässer und
insbesondere das Grundwasser stellen hochwertige Schutzgüter dar. Das öffentliche
Interesse am Gewässerschutz überwiegt die privaten Interessen des Beschwerdeführers
an seinem Betrieb, zumal der Beschwerdeführer lediglich pauschal geltend macht, das
Benützungsverbot habe Einbussen für seinen Betrieb zur Folge. Aufgrund der Akten muss
zudem davon ausgegangen werden, dass der eingebaute Recyclingasphalt in der
vorliegenden Form nicht bewilligungsfähig ist. Das angefochtene Benützungsverbot erweist
sich damit als verhältnismässig. Die Beschwerde ist abzuweisen.
5. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 800.-- (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV19). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).