# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4a1dfccf-7171-522d-9812-78f605f8b764
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1957 geborene
X._
arbeitete seit dem 1.
Juli 2001 bei der
Y._
als Raum
pflegeri
n mit einem 100%-Pensum. Am 10.
November 2010 wurde ihr per Ende November 2010 gekündigt, wobei sich die Kündigungsfrist infolge Krankheit per Ende August 2011 verlänge
rte (Arbeitgeberbericht vom 31.
August 2011;
Urk.
10
/31). Am 5.
Juli
2011 meldete sich die Versicherte bei der
Sozialversi
che
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stell
e, zum Leistungsbezug an (
Urk.
10
/19)
. In der Folge
tätigte die IV-Stelle erwerbliche und medizinische Abklärungen.
Mit Schreiben vom
7.
November 2011 teilte die IV-Stelle
X._
mit, dass aufgrund des aktuellen Gesund
heitszustandes keine
beruflichen
Massnahmen möglich seien (
Urk.
10
/37). Am 1
7.
Januar 2012 nah
men
pract
. med. Z._
, Fachärztin für Ortho
pädie, und
Dr.
med. A._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) zum medizinischen Sachverhalt Stellung
(vgl.
Urk.
8/40/3-4).
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(Urk. 10/42 und
Urk. 10/47) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. März 2010
einen Ren
tenanspruch von
X._
(Urk. 10/53). Die dagegen am 8. Mai 2012 erhobene Beschwerde (Urk. 10/59) wurde mit Urteil IV.2012.00496 vom 12. August 2013 in dem Sinne gutgeheissen, dass die ange
fochtene Verfügung vom 22. März 2012 auf
gehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen wurde, damit diese - nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen - über den Rentenanspruch von
X._
neu verfüge
(Urk. 10/80).
1.2
Im Nachgang zu diesem Urteil
aktualisierte die IV-Stelle die erwerbliche und medizinische Aktenlage und liess
die Versicherte durch die
B._
polydisziplinär begutachten (
B._
-Gutachten vom 16. Juni 2014, Urk. 10/110). Nach durchgeführtem
Vorbe
scheid
verfahren
(Urk. 10/121 und Urk. 10/132) verneinte die IV-Stelle mit Ver
fügung vom 23. Januar 2015 das Leistungsbegehren erneut (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 25. Februar 2015 Beschwerde und beantragte, es sei ihr unter Aufhebung der bisherigen Verfü
gung vom 23. Januar 2015 eine Invalidenrente zuzusprechen. Zudem ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und um Bestellung von Rechts
anwalt
lic
.
iur
. Dominique
Chopard
als unentgeltlichen Rechtsbeistand (Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 23. April 2015 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 9, unter Beilage ihrer Akten, Urk. 10/1-165), was der Beschwerdeführerin am
21. Mai 2015 mitgeteilt wurde (Urk. 11). Mit Eingabe vom 22. Juni 2015 beantragte die Beschwerdeführerin eine polydisziplinäre Neubegutachtung (Replik, Urk. 14). Die von der Beschwer
deführerin s
elbst am 28. Dezember 2015 eingereichten
Unterlagen
(
Urk. 15/1-35)
wurden Rechtsanwalt
Chopard
mit Verfügung vom 5. Februar 2016 zur Stellung
nahme zugestellt (Urk. 16).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme
Schmerz
störung
oder eine vergleichbare Störung ohne erkennbare organische Ursache begründet als solche noch keine Invalidität. Nach der bisherigen Recht
sprechung bestand eine Vermutung, dass die somatoforme
Schmerzstö
rung
oder
ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Danach
konnten bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und
konstant behindern, den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess un
zumutbar machen
, weil die versicherte
Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügte. Ob ein solcher Ausnahmefall vorlag, entschied sich im Einzelfall anhand verschiedener Krite
rien (BGE 130 V 352, 131 V 49 E. 1.2, BGE 139 V 547 E. 3).
1.2.2
Mit BGE 141 V 281 hat das Bundesgericht seine bisherige Rechtsprechung zur Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursa
che und vergleichbaren psychosomatischen Leiden (BGE 130 V 352 und an
schliessende Urteile) angepasst und festgehalten, dass die Invaliditätsbemessung stärker als bisher den Aspekt der funktionellen Auswirkungen zu berücksichti
gen hat, was sich schon in den diagnostischen Anforderungen niederschlagen muss. An die Stelle des bisherigen Kriterienkatalogs (bei anhaltender somato
former Schmerzstörung und vergleichbaren psychosomatischen Leiden) treten im Regelfall beachtliche Standardindikatoren. Diese lassen sich in die Katego
rien Schweregrad und Konsistenz der funktionellen Auswirkungen einteilen. Der Prüfungsraster ist rechtlicher Natur. Die Anerkennung eines
rentenbegründen
den
Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzel
fall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zu
mindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit nach wie vor die materiell beweisbelastete versi
cherte Person zu tragen (E. 6).
Die im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren, welche nach gemeinsamen Eigenschaften systematisiert werden können, umschreibt das Bundesgericht in BGE 141 V 281 wie folgt:
Kategorie „funktioneller Schweregrad" (E. 4.3)
Komplex „Gesundheitsschädigung" (E. 4.3.1)
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder –
resistenz
(E. 4.3.1.2)
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
Komplex „Persönlichkeit" (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen; E.
4.3.2)
Komplex „Sozialer Kontext" (E. 4.3.3)
Kategorie „Konsistenz" (Gesichtspunkte des Verhaltens; E. 4.4)
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E.
4.4.2).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
in der seit 1. Januar 2004 geltenden Fassung
).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander ge
gen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invalidi
tätsgrad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorlie
gen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledi
gen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S.
188 E.
2a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gut
achtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beantwor
tung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E.
3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
che
rung, BJM 1989, S.
30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Im Urteil IV.2012.00496 vom 12. August 2013 (Urk. 10/
80), mit dem die Sache vom hiesigen Gericht zur Vornahme weiterer Abklärungen an die
Beschwerde
gegnerin
zurückgewiesen wurde, konnte der Gesundheitszustand der Beschwer
deführerin sowie dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit gestützt auf die damals vorliegende medizinische Aktenlage nicht rechtsgenügend ermittelt werden.
2.2
Da die
von der Verwaltung im Nachgang zum Urteil des
Sozialversicherungsge
richts
vom
12. August 2013
eingeholte
n
Arztberichte
bis zur
polydisziplinären Begutachtung im
B._
(April 2014) im Gutachten vom 1
6.
Juni 2014 zu
sammengefasst wurden (
Urk.
10/110/3-17), werden sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben.
2.3
Das
polydisziplinäre
B._
-Gutachten vom 16. Juni 2014 (Urk. 10/110) nannte als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10: F 32.1). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verblieben folgende Diagnosen:
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen F
a
ktoren
(
ICD-10: F 45.41)
-
Hypertonie, wahrscheinlich labil und situationsbedingt
-
Adipositas (BMI 34 kg/m
2
)
-
Status nach beidseitigen Lungenembolien (2011, postoperativ
aufge
treten)
-
Subjektives panvertebrales Schmerzsyndrom mit/bei
-
Status nach optimal verlaufener
Spondylodese
L5/S1 am
28. November 2011 bei vorbestehender
Spondylol
i
sthesis
L5/S1
Meyerding
II
-
röntgenologisch
residuelle
Gefügestörung
L5/S1 und leichtgradige
Osteochondrose
L3/4 und L4/5
-
rumpfmus
k
ulärem Globaldefizit im Kontext mit einer mehrfach
dokumentierten allgemeinen
Dekonditionierung
(rheumatologischer Bericht vom 22. Mai 2013 und orthopädischer
Bericht Uniklinik
C._
vom 7. Februar 2013)
-
reaktiver bilateraler
ileolumbaler
Ansatztendinopathie
-
Status nach
arthroskopischer
Revision des rechten Schultergelenks
(Okto
ber 2012) bei vorbestehender
Supraspinatussehnentendinopathie
und
Rotatorenmanschettenschädigung
, klinisch vollständig freie
Funktion
-
Status nach Kniegelenkarthroskopie rechts (2009) bei Sta
t
us nach
revidierter lateraler
Meniskopathie
, röntgenologisch beidseitige und links
mehr als rechts medial lokalisierte
femorotibiale
Gelenkspaltverschmälerung und
osteophytäre
Reaktionen
femorotibial
medial sowie am oberen
Patellapol
beidseits. Ausziehung der
Eminentia
intercondylaris
. Insgesamt beidseits klinisch vollständig ungestörte
Kniegelenkfunktionen
-
Anamnestisch Status nach operativer Sanierung einer chronischen
Veneninsuffizienz und einer
Thrombophlebitis
, aktuell klinisch
funktionell unauffällig.
Bei der orthopädisch/
traumatologischen
Untersuchung seien von der Beschwer
deführerin
umfangreiche Beschwerden im Bereich ihres Bewegungsapparates beklagt worden. Im Vordergrund stehe eine 2011 erfolgreich operativ stabili
sierte
Spondylolisthesis
L5/S1
Meyerding
II. Die am 28. November 2011 durch
geführte
Spondylodese
sei optimal verlaufen. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule sei klinisch frei. Die Versicherte beklage diffuse Rückenschmerzen, welche ana
tomisch-topografisch nicht zugeordnet werden könnten. Auffallend sei eine
rumpf
muskuläre
Globalinsuffizienz bei
Langzeitdekonditionierung
mit einem haltungsschwachen Ho
h
l-Rundrücken und einer reaktiven Überlastung der bila
teralen
ileolumbalen
Bandverbindungen. Hinweise für ein
florid
es
vertebragenes
Nervenwurzelkom
pressionssyndrom lägen nicht vor.
Die 2012
arthroskopisch
revidierte rechte Schulter sei funktionell ebenso unauffällig wie das 2009
arth
roskopisch
revidierte Kniegelenk. Die Beschwerdeführerin führe ein allgemein motorisch verlangsamtes und leicht rechts hinkendes Gangbild vor. Dabei ver
wende sie eine Unterarmgehstütze links. Für diese
inspektorisch
wahrnehmbare Beeinträchtigung der Gesamtmobilität einschliesslich der Benutzung einer linksseitigen Unterarmgehstütze finde sich keine zufriedenstellende orthopä
disch-
pathomorphologische
Erklärung, Der Beschwerdeführerin seien leichte und zeitweise mittelschwere rückenadaptierte Tätigkeiten zumutbar. Zu meiden seien längerfristige Zwangshaltungen wie vorübergebeugt stehend, kniend, hockend, kauernd. Gelegentliche derartige Zwangshaltungen seien zumutbar. Das Heben, Tragen und Bewegen von Lasten
sei
mit 15 Kilogramm limitiert. Aus orthopädischer Sicht
sei in der bisherigen als auch in Verweistätigkeiten von ei
ner globalen Arbeitsfähigkeit von 100 % auszugehen.
Die im Rahmen der polydisziplinären Begutachtung durchgeführte internistische Untersuchung ergebe das Bild einer 57-jährigen aus Kolumbien stammenden Beschwerdeführerin, die seit dem Jahr 2000 in der Schweiz lebe
. In ihrem Heimat
land habe sie eine minimale Schulbildung erhalten und anschliessend als Gastwirtin gearbeitet. Seit einem Unfall im Jahre 2010 fühle sie sich nicht mehr arbeitsfähig. Die medizinische Vorgeschichte sei bei 6 komplikationslosen Gebur
ten unauffällig bis 2011, als nach einer Venenoperation an beiden Beinen Lungenembolien in beiden Lungenunterlappen aufgetreten seien, welche dann folgenlos ausgeheilt seien. Der klinische Untersuchungsbefund sei bei mässiger Zusammenarbeit unauffällig. Der BMI sei 34 kg/m
2
und der Blutdruck sei zwei
mal mit 180/120
mmHg
gemessen worden. Mit Ausnahme des stationären Auf
enthaltes
im Rahmen der Varizenoperation und den anschliessenden peripheren Lungenembolien bestehe aus internistischer Sicht seit jeher mit grosser Wahr
scheinlichkeit keine Einschränkung der Leistungs- oder Arbeitsfähigkeit. Dem Hausarzt werde die Kontrolle der Blutdruckwerte und wenn nötig eine
hyper
ten
sive
Therapie empfohlen. Eine Gewichtsminderung um circa 20 Kilogramm durch
di
etä
ische
Massnahmen sei wünschbar.
Bei der neurologischen Untersuchung sei der Befund, soweit die Beschwerde
führerin überhaupt untersuchbar gewesen sei, unauffällig; Gang und Stand seien
schwierig prüfbar, die Beschwerdeführerin habe ohne ersichtlichen Grund Angst umzufallen. Muskelatrophien seien jedoch nicht sichtbar. Auch an den oberen Extremitäten beständen keine Muskelatrophien, es würden aber Schmer
zen im Schultergürtel angegeben. Unter Berücksichtigung dieser Befunde und auch der äusserst
gründlichen
Voruntersuchung im Spital
C._
mit einer ausgedehn
tes
ten neurografischen und
myografischen
Untersuchung auch mit Durchfüh
rung
von evozierten Potentialen am 28. Februar 2012 dürfe man da
von aus
gehen, dass keine neurologische Pathologie bestehe, nachdem all diese Untersuchungen
normal ausgefallen seien. Auch der normale Neurostatus spre
che gegen eine neu
rologische Affektion. Die von der Beschwerdeführerin ge
äusserten Schmerzen seien nicht neurologisch bedingt. Von neurologischer Seite her sei keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit und der Leistungsfähig
keit zu begründen.
Im Rahmen der psychiatrischen Exploration
der Beschwerdeführerin, bei der seit vielen Jahren chronische Schmerzen bei Erkrankungen des
muskoskelettalen
Systems im Vordergrund ständen, sei mit Blick auf die wiederholt kommentier
ten somatischen Befunden und den Hinweisen auf die psychischen Faktoren beim Aufrechterhalten der Schmerzsymptomatik die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu stellen.
Die auf
rechterhaltenden psyc
h
ischen Faktoren seien bei der Beschwerdeführerin eben
falls zu identifizieren, unter anderem hätten sich auf der Verhaltensebene auf der Grundlage schmerzbezogener Angst (ohne den Kriterien einer Angststörung zu entsprechen), zunehmende Schon- und Fehlhaltung, zunehmende Passivität und daraus resultierende körperliche
Dekonditionierung
entwickelt. Unter an
de
rem beständen maladaptive Kognitionen in Form von gedanklicher Einen
gung auf das Schmerzerleben, Grübeln über schmer
z
assoziierte Inhalte und ri
gide Attri
bution der Ursachen auf organische Faktoren. Es bestehe eine ausge
prägte emotionale Belastung im Sinne einer Verzweiflung
und Fragen nach dem Sinn des Lebens mit subjektiv unerträglichen Schmerzen. Die Überzeugung der Beschwerdeführerin, körperlich nicht mehr belastbar zu sein, habe zu veränder
ten Rollen in der
Familie
geführt und
sei mit reduzierten Kontakten i
m Freun
deskreis verbunden. Ein gewisser sekundärer Krankheitsgewinn sei anzuneh
me
n. In Bezug auf die differentialdiagnostische Überlegung einer somatoformen Schmerstörung sei festzustellen, dass ein primärer psychischer Faktor für die Auslösung der Schmerzsymptomatik nicht identifiziert werden könne. Es sei anzu
nehmen, dass an der Auslösung der Schmerzsymptomatik auch körperliche Faktoren substanziell beteiligt seien (siehe somatische Diagnosen). Bei beklagten
Einbussen wie Verlust der Freude, Lustempfindung, Antriebsarmut, Schlafstö
rung
en
, sozialer Rückzug, Todesphan
tasien bei reduzierter Belastbarkeit, Aus
dauer, Vergesslichkeit und Konzentrationsstörungen sei von einem Bild einer depressiven Störung, aktuell
mittelgradiger Ausprägung, auszugehen. So lägen alle Kriterien vor,
die sich auf de
n
klinischen Befund und die Symptomatik
stützten. Angesichts der fehlenden adäquaten Psychotherapie und des Ver
harrens
der Beschwerdeführerin in einer passiven, auf somatische Erklärungen fi
xierten Haltung seien die Symptome überwindbar. Deshalb sei höchstens von einer 20-30%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
Zusammenfassend
seien somatisch weder orthopädisch
noch internistisch, noch neurologisch beeinträchtigende krankhafte Befunde festzustellen. Im Vorder
grund stehe eine gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10: F 32.1). Psychiatrisch gutachterlich sei insofern eine fachspezifisch bedingte Reduktion der Arbeitsfähigkeit sowohl in der bisherigen als auch in einer somatisch ange
passten Tätigkeit gesehen worden; mit anderen Worten begründe die psychiat
rische Diagnose eine Minderung der Arbeitsfähigkeit um 20-30 %. Das vor
liegende Belastungsprofil gründe aus
s
chliesslich psychiatrisch
und zeige sich fol
gendermassen: Angesichts der noch bestehenden depressiven Symptome sei die Konzentration eingeschränkt und es bestehe eine leicht vermehrte
Erschöpf
bar
keit
, weshalb kognitiv nicht allzu anforderungsreiche, klar strukturierte Tätig
keiten zu fordern seien. Von Seiten der orthopädisch-
traumatologischen
Ab
klä
rung seien der Beschwerdeführerin leichte und mittelschwere
rückenadap
tierte
Tätigkeiten zumutbar, was weitestgehend dem Profil einer altersgleichen
gesun
den Frau entspreche. Von Seiten des internistischen und neurologischen Fach
ge
bietes seien zum Belastungsprofil keine spezifischen Feststellungen not
wendig. In der bisherigen Tätigkeit als Reinigungsangestellte bestehe entspre
chend der
psychiatrischen versicherungsmedizinischen Schlussfolgerungen eine
Restarbeits
fähig
keit
von 75 %. In einer dem Anforderungsprofil angepassten Tätigkeit bestehe ebenfalls eine Restarbeitsfähigkeit von 75 %.
Gesamthaft betrachtet sei davon auszugehen, dass für die bisherige Tätigkeit als Raumpflegerin ab circa Dezember 2010 bis Juni 2012 (6 Monate nach der
Spondylodese
) und nochmals für 2-3 Monate nach der Schulteroperation im Oktober 2012 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe. Ab spätestens März 2013 (nach der Rehabilitation in der Höhenklinik
D._
) sei aber die Arbeitsfähigkeit auch in der bisherigen Tätigkeit wiederhergestellt gewesen. Für eine angepasste Tätigkeit könnten die Feststellungen des RAD vom 18. Janu
ar 2012 gut nachvollzogen werden. Mit Ausnahme der postoperativen Perioden nach den diversen Eingriffen habe aus somatischer Sicht nie eine län
gere Arbeitsunfähigkeit für eine angepasste
Tätigkeit bestanden. Aus psychia
trischer Sicht sei eine Arbeitsunfähigkeit weder in der bisherigen noch in einer leidensadaptierten Tätigkeit dokumentiert. Es sei davon auszugehen, dass
die aus psychiatrischer Sicht festgestell
t
e Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20-30 % seit circa Februar 2013 (Aufenthalt in der Höhenklinik
D._
) bestehe.
Eine adäquate psychiatrische Behandlung (affektstabilisierend
und schmerzmodulierend) sowie psychosomatische Rehabilitation seien indi
ziert
. Diese verbesserten die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit nicht in rele
vantem Ausmass.
Aktuell liege ein psychisches Leiden mit Krankheitswert vor im Sinne einer Manifestation einer affektiven Störung (depressive Störung mit
telgradiger Ausprägung). Es lägen alle Kriterien vor, die den klinischen psycho
pathologischen Befund und die Symptomatik stützten und den ICD-10-Kriterien entsprächen. Ausführungen zur Unzumutbarkeit der willentlichen Überwindung der somatoformen Schmerzstörung erübrigten sich, da eine solche bei der Be
schwerdeführerin nicht vorliege.
3.
3.1
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Sozialversicherung recht
mässig eingeholten Gutachten ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht kon
krete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 351 E.
3b/
bb
). Bei der Würdigung der Gutachten gilt es jedoch zu beachten, dass ein Gutach
ten zwar zur Arbeitsfähigkeit Stellung zu nehmen hat und diese Ausführungen eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Zumutbarkeit von Arbeitsleis
tungen bilden, es jedoch letztlich der rechtsanwendenden Behörde - der Ver
waltung oder, im Streitfall, dem Gericht - obliegt, zu beurteilen, ob eine Invali
dität im Rechtssinne, bejahendenfalls eine solche rentenbegründender Art ein
getreten ist (vgl. BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweis auf BGE 105 V 156 E. 1 in
fine
und BGE 132 V 93 E 4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_651/2014 vom 2
3.
Dezember 2014 E. 5.1 mit Hinweisen).
3.2
Das
polydisziplinäre
B._
-Gutachten
vom
16. Juni 2014
(
Urk.
10/110
)
basiert auf einer umfassenden internistischen, rheumatologischen, neurologi
schen
und psychiatrischen Untersuchung und wurde in Kenntnis und in Ausei
nan
der
setzung mit den
Vorakten
(Anamnese) abgegeben. Die Gutachter haben detail
lierte und nachvollziehbare Befunde und Diagnosen erhobe
n und sich mit den von der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beschwerden auseinandergesetzt. Zudem wurden die
medizinischen Zusammenhänge und die medizinische Situation ein
leuchtend dargelegt und die Schlussfolgerung nachvollziehbar begründet. Dem interdisziplinären Gutachten kommt demnach grundsätzlich vol
le Beweis
kraft zu (vgl. E
. 1.5
).
3.3
Der orthopädische Gutachter stellte schlüssig fest,
dass
bei der Be
schwerde
führerin
- retrospektiv betrachtet - für die Dauer
der Rehabilitationen im Zu
sammenhang mit den diversen operativen Eingriffen von Dezember 2010 bis
Juni 2012 beziehungsweise sogar bis Januar 2013 eine 100%ige Arbeitsun
fähig
keit in jeglicher Tätigkeit bestanden hat. Im Weiteren
Umfang
ist
nachvoll
zieh
bar
erweise
bei der
Beschwerdeführerin kein somatischer Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. Daraus folgernd atte
stierte er ihr auch
seit spätestens März 2013
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit für die bishe
rige Tätigkeit als Reinigungsangestellte und bemerkte, dass
dies auch unter Be
achtung des folgenden Belastungsprofils gelte: leichte bis zeitweise
mittel
schwere rückenadaptierte Tätigkeiten ohne
längerfristige
Zwangs
hal
tung
en
(
vornübergebeugt stehend, kniend, hockend kauernd
)
und ohne Heben von Las
ten über 15 Kilogramm
.
O
ffen bleiben kann, ob dieses Profil dem einer
al
ters
gleichen
gesunden Frau
entspricht
(vgl. Urk. 10/110/22)
.
Fest steht hinge
gen, dass
das Belastungsprofil - entgegen der Auffassung der Beschwerdeführe
rin (Urk. 1 S. 5) - keine eigentliche qualitative Einschränkung für
die bisher aus
ge
übte Tätigkeit
als Reinigungsangestellte darstellt.
3.4
3.4.1
Auf die von den Gutachtern vorgenommenen Folgeabschätzungen in psychia
trischer Sicht kann jedoch aufgrund der nachfolgenden Erwägungen nicht voll
umfänglich abgestellt werden.
3.4
.2
Nebst den orthopädischen Diagnosen wurde auch eine depressive
Störung,
gegen
wärtig
mittelgradige
Episode
(
ICD-10: F. 32.1) diagnostiziert, welche die Arbeits
fähigkeit um 25 % einschränke.
Diese psychiatrische Diagnose wurde zwar schlüssig dargelegt, doch hat eine solche depressive Störung nicht in je
dem Fall eine invalidisierende Wirkung.
Nach der Rechtsprechung werden leicht- bis mittelgradige Episoden einer De
pres
sion und selbst mittelgradige depressive Episoden regelmässig nicht als von
depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde De
pressi
on
im Sinne eines verselbständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Person verunmöglicht, die Folgen der bestehenden
Schmerz
proble
matik
zu überwinden.
Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem
Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_104/2014 vom 2
6.
Juni
2014 E. 3.3.4 mit Hin
weisen; vgl. auch Urteil 9C_856/2013 vom 8. Oktober 2014 E. 5.1.2).
Zwar ist eine invalidisierende Wirkung einer mittelg
r
adigen depressiven Stö
rung nicht schlechthin auszuschliessen, indes bedingt deren Anna
h
me, dass eine konse
quente Depressionstherapie befolgt wird, deren
Scheitern das Leiden als resi
stent ausweist (Urteil des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom
3.
April 2014 E. 4.2 mit Hinweisen).
Eine depressive Störung beziehungsweise überhaupt eine psychische Erkran
kung
wurde erstmals im Rahme
n der polydisziplinären
B._
-
Begutachtung
im
Jahre 2014
festgestellt.
Die Beschwerdeführerin befindet sich in keiner
medi
ka
mentösen oder therapeutischen Therapie. Mangels Ausschöpfung einer konse
quen
ten
De
pressionstherapie
kann
nicht auf die Resistenz des Leidens ge
schlos
sen werden.
Vielmehr lässt die ungenügende Inanspruchnahme von Thera
pien auf einen nicht ausgeprägten psychischen Leidensdruck schliessen
.
Angesichts dessen ist aufgrund der psychiatrischen Diagnose einer depressiven Störung ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden zu verneinen.
3.4.3
Die Gutachter kamen
im Weiteren
zum Schluss, dass die
bei der
Beschwer
deführe
rin
gestellte Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit soma
ti
schen
und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
zwar
ohne Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit verbleibt. Diese Schlussfolgerung hält auch einer Prüfung anhand der mit BGE 141 V 281 neu eingeführten bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur
Invaliditätsbemessung bei Schmerzstörungen ohne erkennbare organische Ursache
mittels Standardindikatoren (vgl. E. 1.2.2) stand.
Unter dem
- beweisrechtlich entscheidenden -
Aspekt
„Konsistenz“ ist betref
fend den Indikator Inanspruchnahme von therapeutischen Optionen nochmals festzuhalten, dass bisher überhaupt keine psychiatrische Therapie und auch
keine angemessene medikamentöse (antidepressive) Medikation be
gonnen worden
ist. Angesichts dieser erheblichen Inkonsistenz kann auf feh
lenden Leidensdruck geschlossen werden. Unter der Kategorie
„funktioneller Schweregrad“ ist in Be
tracht zu ziehen, dass die diagnoserelevanten Befunde und Symptome gemäss ICD-10 F45.41 nicht besonders ausgeprägt erscheinen. Was den Indikator „Komor
biditäten“ betrifft, wies der psychiatrische Gutachter zwar d
arauf hin, dass ein depressives
Leiden vorliege. Dieses könne
aber laut seiner – mit Blick auf die von ihm erhobenen Befunde überzeugend erscheinen
den - Beurteilung
nicht als primärer psychischer Faktor für die Auslösung der
Schmerzsympto
ma
tik
identifiziert werden
(
Urk.
10/110/19
). Es besteht sodann Grund zur An
nahme,
dass das depressive Beschwerdebild durch
invaliditäts
fremde
Faktoren (
Stellen
verlust
, finanzielle Probleme, sekundärer
Krankheits
gewinn
) mitbestimmt ist. Somatische Diagnosen mit Auswirkung auf die Ar
beitsfähigkeit wurden von den Gutachtern nicht erhoben. Hinsichtlich des Kom
plexes „Sozialer Kontext“ ist einerseits auf die laut psychiatrischem Gutachter das Beschwerdebild mög
licherweise mitbestimmenden (invaliditätsfremden) Kontextfak
toren hinzuwei
sen
. Anderseits lässt der Lebenskontext der Beschwer
deführerin auf durchaus
vorhandene Ressourcen (offenbar ein gutes Verhältnis zu den Kindern) schliessen
.
Demnach sind unter Berücksichtigung der nunmehr im Regelfall beachtlichen
S
tandardindikatoren (vgl. E.
1.2
) erhebliche funktionelle Auswirkungen der
Schmerz
störung
auf die Arbeitsfähigkeit nicht schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wa
hrscheinlichkeit nachgewiesen. Daher ist die chronische Schmerzstörung weder aus psychiatrischer noch a
us rechtlicher Sicht als invali
disierend zu betrachten.
3.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin aus orthopädi
scher Sicht
jegliche
Tätigkeit
für die Dauer der Rehabilitationen im Zusammen
hang mit diversen Operationen von Dezember 2010 bis
Ende Februar 2013
nicht mög
lich war. Seit spätestens März 2013 ist ihr diese angestammte Tätigkeit aber
-
auch unter Beachtung des aufgestellten Belastungsprofils von
leichte
n
bis zeit
weise mittelschwere
n
rückenadaptierte
n
Tätigkeiten ohne l
ängerfristige
Zwangs
haltungen
(
vornübergebeugt s
tehend, kniend, hockend kauernd)
und ohne Hebe
n von
Lasten über 15 Kilogramm -
zu 100 % zumutbar.
In psychiat
rischer Hin
sicht ist -
entgegen der gutachterlichen Beurteilung des
B._
-Gut
ach
ters - ebenfalls von einer
voll
en Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätig
keit auszugehen. Hieraus ergibt sich keine relevante Erwerbsunfähigkeit.
4.
4.1
Beim Einkommensvergleich ist zu prüfen, wie sich die eingeschränkte Leis
tungs
fä
higkeit in wirtschaftlicher Hinsicht auswirkt. Für die Vornahme des
Ein
kommensvergleichs
ist grundsätzlich auf die Gegebenheiten im Zeitpunkt des
(hypothetischen) Rentenbeginns abzustellen (BGE 128 V 174, BGE 129 V 222).
Die Beschwerdeführerin meldete sich mit Anmeldung vom 15. Juli
2011 (Urk. 10/19
) zum Leistungsbezug an, womit die sechsmonatige Frist gemäss Art. 29 Abs. 1 IVG im Januar 2012 endet und der früh
estmögliche
Renten
be
ginn
im Januar
2012 liegt.
4.2
Wie
bereits
festgestellt
(E. 3.5)
, war die Beschwerdeführerin von Dezember 2010 bis
Ende Februar
2013 aus orthopädischer Sicht sowohl in ihrer bisherigen Tätigkeit als Reinigungsangestellte als auch in jeder angepassten Tätigkeit zu
100 % arbeitsunfähig. Demnach hat die Beschwerdeführerin vom 1.
Januar 2012
bis 3
1
.
Mai
2013 (vgl. Art. 88a Abs. 1 IVV) Anspruch auf eine ganze In
validen
rente.
4.3
Für die Zeit danach bestand gestützt auf die obigen Erwägungen eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit
, weshalb der Beschwerdeführerin - medi
zini
s
ch-theoretisch betrachtet - die Weiterausübung ihrer bisherigen Tätigkeit als Reinigungsangestellte ohne Weiteres zumutbar war.
5.
Zusammenfassend ist die Beschwerde dahingehend teilweise
gutzuheissen, dass die angefochtene Verfügung insoweit abzuändern ist, dass die Beschwerdefü
h
rerin vom 1. Januar 2012 bis 3
1.
Mai
2013 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat. Im Übrigen (Rentenanspruch ab
Jun
i 2013) ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
6.1
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen
Prozess
führung
und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
6.2
Die Beschwerdeführerin wird gemäss Unterstützungsbestätigung vom 11. März 2015 (Urk. 8/2-3) von ihrer Wohngemeinde
E._
finanziell unterstützt. Mit Blick darauf ist sie im vorliegenden Verfahren bezogen auf den massgebenden Zeitpunkt als prozessual bedürftig zu qualifizieren. Da auch die weiteren
An
spruchsvoraussetzungen
(fehlende Aussichtslosigkeit und sachliche Notwendig
keit der
Rechtsverbeiständung
) erfüllt sind, ist der Beschwerdeführerin in Bewil
ligung ihres Gesuchs vom 25. Februar 2015 (
Urk.
1 S. 2) Rechtsanwalt
Dominiq
ue
Chopard
,
Zürich, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Ver
fah
ren zu be
stellen, und es ist ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren.
6.3
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen sind (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG), sind auf
Fr.
600.-- anzuset
zen. Da die Beschwerdeführerin nur zu einem kleineren Teil obsiegt, sind ihr die Kosten zu zwei Dritteln aufzuerlegen, wobei diese jedoch zufolge Gewährung
der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu neh
men
sind. Der Beschwerdegegnerin sind die restlichen Gerichtskosten (ein Drit
tel) auf
zu
erlegen.
6.4
Rechtsanwalt
Chopard
ist in Anbetracht der zu berücksichtigenden Akten und der zu behandelnden Rechtsfragen bei einem gerichtsübl
ichen Stundenansatz von
Fr.
22
0.-- als unentgeltlicher Rechtsvertreter mit einer
Pro
zessent
schädi
gung
in der Höhe von
Fr.
1‘550
.-- (inklusive Mehrwertsteuer und
Auslagen
er
satz
) zu entschädigen. Zu zwei Dritteln erfolgt die
Parteientschädi
gung
aus der Gerichtskasse und zu einem Drittel hat die Beschwerdegegnerin wegen teilwei
sen Unterliegens die Entschädigung zu leisten.
6.5
Die Beschwerdeführerin ist darauf hinzuweisen, dass sie zur Nachzahlung der Gerichtskosten und der Kosten für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht,
GSVGer
).