# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 87d59fe0-2240-4744-ba45-438271d86c9e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1966, war zuletzt bis im Oktober 2002 als Produk
tions
mitarbeiterin in einem 100%-Pensum bei der Y._ tätig (Urk. 10/10). Am 28. März 2003 meldete sie sich bei der Diagnose einer Adipositas per magna erstmals bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 10/1, vgl. Urk. 10/13). Mit Verfügung vom
16. März 2004 verneinte die IV-Stelle einen Rentenanspruch (Urk. 10/20).
1.2
Am 13. August 2004 erlitt die Versicherte einen Verkehrsunfall, infolge
dessen sie sich am 18. April 2005 erneut bei der IV-Stelle anmeldete (Urk. 10/28). Die IV-Stelle zog die Akten des Unfallversicherers (Suva) bei (Urk. 10/63), tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und veran
lasste
anschliessend eine psychiatrische Begutachtung der Versicherten (vgl. Urk. 10/65, Urk. 10/80, Urk. 10/82, Urk. 10/84). Die Psychiatrische Poliklinik des
Z._
erstattete das Gutachten am 4. April 2010 (Urk. 10/89, vgl. auch Urk. 10/103). Gestützt darauf sprach die IV-Stelle der
Versicherten mit Verfügung vom 19. Mai 2011 mit Wirkung ab dem 1. August
2005 bei einem Invaliditätsgrad von 50 % eine halbe Invalidenrente zu (Urk. 10/112,
Urk.
10/127). Anlässlich eines im Juni 2012 von Amtes wegen eingeleiteten Revisionsverfahren
s
bestätigte die IV-Stelle mit Mitteilung vom 14. Januar 2013 (Urk. 10/148) den bisherigen Anspruch
der
Versicherten
auf eine halbe Rente.
1.3
Im Rahmen eines weiteren im März 2015 eingeleiteten Revisionsverfahrens (vgl. Urk. 10/152) veranlasste die IV-Stelle nach Einholung medizinischer
Verlaufsberichte ein polydisziplinäres Gutachten, welches am 22. Oktober 2015
vom
A._
erstattet wurde (Urk. 10/167).
Gestützt darauf stellte die IV-Stelle der Versicherten mit Vor
bescheid vom 20. November 2015 die Einstellung der Invalidenrente
nach
Zustellung der Verfügung auf Ende des folgenden Monats in Aussicht
(Urk. 10/172). Dagegen erhob die Versicherte am 16. Dezember 2015 Ein
wand
(Urk. 10/175) und reichte mit Einwandbegründung vom 27. Januar 2016
(Urk. 10/
187) einen Bericht ihres behandelnden Psychiaters ein (
Urk. 10/186
).
Am 16. März
2016 nahmen die
A._
-Gutachter ergänzend Stellung (Urk. 10/190
)
, woraufhin die Versicherte am 27. April 2016 eine weitere Stellungnahme ihres behandelnden Psychiaters zu den Akten reichte (Urk. 10/193-194). Am 8. Juni 2016 verfügte die IV-Stelle wie vorbeschieden die
Aufhebung der Rente nach Zustellung der Verfügung auf Ende des fol
gen
den Monats (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 11. Juli 2016 Beschwerde und beantragte, es sei ihr weiterhin eine halbe Invalidenrente auszurichten, eventualiter sei
die Angelegenheit zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurück
zuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Beschwerdeführerin um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (Urk. 1).
Mit Beschwerdeant
wort vom
6. September
2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk.
9
, unter Beilage ihrer Akten, Urk.
10
/1-
203).
Mit gericht
licher Verfügung vom 9. September 2016 wurde der Beschwerde
füh
rerin die unentgeltliche Prozessführung gewährt
und Rechtsanwältin Noëlle Cerletti als unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt sowie ihr das D
oppel der Beschwerdeantwort zugestellt (Urk.
11
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Renten
bezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts, ATSG
). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Ände
rung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, son
dern auch dann revidierbar, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheit
lichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchser
heblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige Einspracheentscheid, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskon
former Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung, IVG
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbie
tung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbs
einkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember
2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. Novem
ber 2015 E.
5.4.
)
.
1.4
Gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 Prozent, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 Prozent, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50 Prozent, oder auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 Prozent invalid sind.
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen fest
zustellen und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es
beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Proze
ss
nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe
anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person ausein
ander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den Vorakten abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizini
schen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beant
wor
tung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; der
selbe in: Hermann Fredenhagen, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung, es sei keine Diagnose mit dauerhafter und erheblicher Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit mehr ausgewiesen. Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung könne nicht mehr gestellt werden, womit eine Verbesserung ausgewiesen sei. Eine depressive Störung leichtgradigen Ausmasses habe grund
sätzlich keine erhebliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge. Auch wenn von einer mittelgradigen depressiven Störung auszugehen wäre, sei damit zu rechnen, dass sich diese unter adäquater Behandlung verbessern würde. Die Beschwerdeführerin schöpfe ihre therapeutischen Möglichkeiten nicht vollumfänglich aus. Auch bei Annahme einer 30%igen Arbeitsunfähig
keit läge kein rentenbegründender Invaliditätsgrad vor (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte ihrerseits im Wesentlichen geltend, das A._-Gutachten beruhe nicht auf allseitigen Untersuchungen, sei wider
sprüch
lich und nicht unter Berücksichtigung der Vorakten erstellt worden. Die Feststellungen der Beschwerdegegnerin seien sodann überhaupt nicht nachvollziehbar, da sowohl der behandelnde Psychiater als auch die Gutach
ter klar von einem chronifizierten Leiden ausgingen. Damit sei aufgrund des Gutachtens des A._ kein verbesserter Gesundheitszustand belegt (Urk. 1 S. 11 ff.).
3.
3.1
Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bildet die ursprüngliche Rentenverfügung vom 19. Mai 2011 (Urk. 10/112,
Urk.
10/127, vgl. E.1.1).
Diese basierte im Wesentlichen auf dem psychiatrischen Gutachten der
Psychiatrische
n
Poli
klinik des
Z._
vom 4. April 2010 (Urk. 10/89, vgl. nach
folgend; Urk. 10/106
).
3.2
Die Gutachter stellten die Diagnosen mittelschwere depressive Störung mit soma
tischem Syndrom (ICD-10 F32.11) sowie anhaltende somatoforme Schmerz
störung (ICD-10 F45.5). Sie führten aus,
die Beschwerdeführerin zeig
e
im psychopathologischen Querschnitt sowohl ein depressives Zustands
bild als auch ein generalisiertes Schmerzsyndrom. Das depressive Syndrom
sei
als Ausdruck einer mittelschweren depressiven Episode mit somatischem Syndrom
zu beurteilen
. In den letzten Jahren
seien
wiederholt depressive Episoden diagnostiziert
worden
. Kein Therapieversuch ha
be
zu einer Besse
rung oder gar Remission geführt, so dass die Depression schon als chronisch gelten
müsse
. Es
hätten
sich keine Anhaltspunkte für eine psychotische oder hirnorganische Erkrankung
ergeben
. Neben der Depression
sei
eine anhal
tende somatoforme Schmerzstörung
zu diagnostizieren
.
Da
s Schmerzsyn
drom
könne
nicht ausreichend durch den Nachweis eines physiologischen Prozesses,
das heisse
einer traumatischen Sc
hädigung der Halswirbelsäule, er
klärt werden. Es
sei
dabei davon auszuge
h
en, dass sich die Depression und die somatoforme Schmerzstörung gegenseitig
unterhielten
. Bezüglich der in der Vorgeschichte wiederholt gestellten
posttraumatischen Belastungsstö
rung (PTBS)
sei zu
bestätigen, dass die
Kriterien
für eine posttrau
matische Belas
tungsstörung zum aktuellen Zeitpunkt nicht erfüllt
seien, da
die
Beschwer
deführerin weder
un
ter Albträumen oder Flashbacks leide,
noch ein angstbe
dingtes Vermeidungsverhalten
zeige,
sondern weiterhin Auto
fahre
. Gegen
wärtig dominier
t
en hauptsächlich depressive Symptome und Schmerzen das Krankheitsbild, wobei
es zu
beachten
gelte, dass
massive psychosoziale Belastungsfaktoren
vorlägen, wie insbesondere die psychisch kranke Tochter, der
al
koholabhängige Ehemann sowie
die s
chwierige finanzielle Situation
. Diese würden zu einer Auf
rechterhaltung der Depression beitragen
(Urk. 10/89/13)
.
3.3
Hin
sichtlich der Arbeitsfähigkeit hielten die Gutachter fest, g
rundsätzlich wäre bei einer mittelgradigen depre
ssiven Episode und einer somatoformen Schmerzstörung eine 50
%ige Arbeitsfähigkeit denkbar.
Die
Tatsache, dass die
Beschwerdeführerin
ausser einer kurzen Episode zwischen 2001 und 2002 nun seit 14 Jahren nicht mehr arbeitstätig
sei
,
lasse
jedoch einen Wieder
einstieg mit 50 % ohne Integrati
onsmassnahmen als unrealisti
sch erscheinen. In angepasster,
körperlich nicht anstrengender und kognitiv nicht anspruchs
voller T
ät
igkeit
sei
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
zu
attestieren
.
Grundsätzlich
sei durch eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung eine Ver
besse
rung der Arbeitsfähigkeit denkbar. Solange allerdings die
sozialen Belas
tungs
faktoren wei
te
rbestünden
,
sei
kaum mit einer Besserung der Sympto
matik zu rechnen
(Urk. 10/89/14-15)
.
4.
4.1
In der rentenaufhebenden Verfügung vom
8. Juni 2016
(Urk. 2) stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf das
polydisziplinäre Gutachten des A._ vom 22. Oktober 2015, wofür ambulante
Untersuchungen vom 24. bis 26. August
2015 stattgefunden hatten (Urk. 10/167). Darin wurden die bis zur Begutachtung der Beschwerdefüh
rerin
aktenkundigen medizinischen Berichte zusammengefasst (Urk.
10/167/4-20
), weshalb sie an dieser Stelle nicht noch einmal wiedergegeben werden.
4.2
Die
A._
-
Gutachter nannten als Diagnose
mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode, dysphorisch-agitiert. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestünden insbesondere eine m
uskuläre Dysbala
nce am Schultergürtel beidseits, ein
c
hronisches cervicocephales, ce
rv
icobrachiales und lumbal-betontes panvertebr
a
les Schmerzsyndrom, ohne objektiv fassbare Befunde im Sinne ei
ner zerebralen, einer spinalen sowie einer
radikulären
respektive
peripher-neurogenen Läsion an oberen und unteren Extremitä
t
en
nach Heckauffahrkollision mit D
istorsionstrauma der HWS am 13. August
2004
,
bei mehrsegmentalen degenerativen Veränderungen der HWS
,
degene
ra
tiven Veränderungen in den d
istalen und lumbalen Segmenten und
prak
tisch freier Beweglichkeit der Halswirbelsäule unter Berücksichtigung der Spontanbewegungen
sowie eine
Adipositas per
magna, gemäss Akten ohne Folgeschä
digung (Urk. 10/167/52).
4.3
Der rheumatologische Gutachter hielt fest, b
ei der
Beschwerdeführerin
be
stünden
ubiqui
tä
re Schmerzen am Bewegungsappar
a
t. Die klinischen Unter
suchungsbefunde
hätten
mit den Spontanbewegungen
kontrastiert
. So
habe die Beschwerdeführerin
schon einleitend bei der
Anamneseerhebung spontan über
heftige
Nackenschmerzen
geklagt
, wobei sie sich gleichzeitig
zwischen dem
Untersucher und der seitlich sitzenden Dolmetscherin hin und her
bewegt
und dabei Rotationsbewegungen mit dem Kopf
ausgeführt habe
. In der anschliessenden klinischen Untersuchung
sei
eine Rotation n
a
ch rechts
nur no
ch bis 10° und nach links gar nicht mehr möglich
gewesen
. Im An
schluss an die klinische Untersuchung
seien
die Spontanbewegungen wieder wie zuvo
r gewesen
. Auch
die
positiven Waddell-Zeichen, die Fibromyalgie-Druckpunkte und die Kontrollpunkte sowie die Therapieresistenz auf all
die durchgeführten Massnahmen
stütz
t
en die Beurteilung eines im Vordergrund stehenden, nicht somati
sch begründbaren Schmerzsyndrom
s. Bezüglich der medikamentösen Therapie
habe die Beschwerdeführerin berichtet
, d
a
ss sie etwa zweimal pro Woche Dafalgan einnehme,
nämlich,
wenn sie wirklich starke Schmerzen habe. Die klinische Untersuchung
sei
zudem geprägt
gewe
sen
durch Gegeninnervationen, sodass auch im Bereiche der peripheren Gelenke die Beweglichkeit zeitweise unter Untersuchungsbedingungen stark eingeschränkt
gewesen sei
. Beispielsweise
habe die Beschwerdeführerin
die Hüften nicht mehr auf 90° flektieren
können
, was beim Sitzen danach wieder problemlos
möglich gewesen sei.
Insgesamt könn
t
en aus rein rheumatolo
gischer Sicht keine relevanten qualitativen oder quantitativen Beei
nträch
tigungen begründet werden (Urk. 10/167/32-33),
4.4
Der neurologische Gutachter führte aus, i
nsgesamt
sei
die neurologische Untersuchung wenig ergiebig
gewesen. O
bjektiv fassbare Befunde im Sinne
einer zentralnervösen respektive einer peripher-neurogenen Läsion seien nicht
nachweisbar
gewesen
. In diesem Sinne
ergebe
sich zumindest aus neuro
lo
gi
scher Sicht eine Diskrepanz zwischen den Klagen über ausgeprägte soma
tische Beschwerden,
worauf das
Denken der
Beschwerdeführerin
einge
engt
scheine, und spärlichen objektivierbaren Untersuchungsbefunden. Bemer
ken
s
wert
sei
auch die Tatsache, dass die geklagten Schmerzen in der beschrie
benen Ausprägung anlässlich der neurologischen Untersuchung im Verhalten der
Beschwerdeführerin
nicht erkennbar
gewesen seien
. Während die Beweg
lichkeit der Halswirbelsäule anlässlich der klinischen Untersuchung schmerz
haft stark eingeschränkt beschrieben worden sei und passive Kopfbewe
gung
en
schmerzbedingt abgewehrt
worden seien
,
seien
während der längeren an
a
m
nestischen Befragung Bewegungen der Halswirbelsäule in normalem Umfang ohne erkennbare Schmerzäusserung
erfolgt
. Nicht zuletzt
sei
neben Vielfalt und Charakter der Beschwerden auch das Verteilungsmuster der geklagten Schmerzen
auffällig
, welches an oberen und unteren Extremitäten nur sehr unscharf präzisiert
worden sei
. Insbesondere
seien
die Beschwerden aufgrund ihrer Beschreibung weder segmental noch einem peripheren Innerv
a
tions
gebiet zuzuordnen. Bei den durch
das
MRT
der HWS vom 3. März 2
015 doku
mentierten mehrsegmentalen degenerativen Ver
änderungen der Hals
wirbel
säule seien
klinisch radikuläre Reiz- und Ausfallssymptome an den oberen Extremitäten nicht nachweisba
r gewesen.
Aus
neurologischer Sicht
müsse
heute ein chronisches multifokales Schmerzsyndrom ohne objektivier
bare Befunde im Sinne einer zentralnervösen
respektive
einer peripher-neu
rogenen L
ä
sion diagnostiziert werden. Vielfalt und Charakter der Beschwer
den
seien
suggestiv für eine wesentl
iche psychiatrische Komponente (Urk. 10/167/39-40).
4.5
Der psychiatrische Gutachter berichtete, es bestehe
ein
a
ffektives Leiden mit
vorherrschend depressiven aber auch ängstlichen Affekten. Auch aktuell ha
be sich
die Beschwerdeführerin
kognitiv im Wesentlichen unauffällig
gezeigt. Sie habe
einen eher beschleunigten Gedankeng
a
ng
gezeigt, über
Gedanken
verdrängen
berichtet
,
habe
inhaltlich in ihrem Leiden eingeschränkt
gewirkt
und gelegentliche dysphorische Phasen gezeigt. Vorherrschend habe aber ei
ne ausgesprochene Affektlabilität
bestanden
. Insgesamt besteh
e
nach ICD-10 eine höchstens mittelgradige Depressivität. Ein somatisches Syndrom besteh
e
nicht
.
Daneben sei
die
Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerz
störung
nicht mehr zu stellen. Die Beschwerdeführerin habe
zwar über schwere, seit Jahren vorhandene Schmerzen an multiplen Körperstellen ohne effektives, relevantes, somatisches Korrelat
geklagt
. Dabei
sei
das Diagno
sekriterium des schweren quälenden Schmerzes aber nicht erfüllt,
habe
die
Beschwerdeführerin
über weite Strecken des Abklärungsgespräches doch in keiner Art und Weise von ihren Schmerzen geplagt
gewirkt. Die geklagten
rezidivierend anhaltende
n
Schmerzen
hätten
während des Untersuchungs
gespräches nicht wirklich beobachtet werde
n können und sie schienen auch
in sich
nicht
ganz konsistent
(Urk. 10/167/48). E
ffektiv
sei
die Schmer
z
prä
sentation
wesentlich durch die Affektlabi
lität
der Versicherten mitverursacht
und
in diesem Sinne Ausdruck des Depressiven. Die Diagnose der anhal
ten
den somatoformen Schmerzstörung im Sinne eines psychosomatischen Leiden
s
sei
deshalb heute nicht mehr
zu bestätigen
. Insgesamt
habe das
Ausmass des Schweregrades der Depressivität gegenüber 2010 eher abgenommen
.
Die damals vorhandene, doch als sehr belastend zu bezeichnende psychosoziale Situation ha
be
sich seither auch deutlich verändert: Einerseits ha
be
die Tochter der Versicherten, welche damals durch eine psychotische Erkrankung und
D
rogenabusus belastet
gewesen sei
, sich sehr gut
entwickeln können
. Daneben
sei
der
Ehemann der Beschwerdeführerin
heute
alkohol
abstinent. Diesbezüglich
bestünden
also deutlich weniger Belastungsfak
t
oren. Hinweise für das Vorliegen einer
posttraumatischen Belastungsstörung
aufgrund des Überfalles im Jahre 2011
lägen nicht vor.
Vorhanden sei ein gewisses Vermeidungs
verhalten in grösseren Menschenmengen
und in der Dunkelheit. Die Beschwerdeführerin werde dadurch aber nicht am
Autofahre
n und
an der sozialen Teilnahme im üblichen Rahmen
gehindert (Urk. 10/157/46-47).
Der Gutachter hielt fest, es müsse
auf gewisse In
konsistenzen hingewiesen werden. Dies
etwa bei der Angabe der Kopfschmerzen, wo die
Beschwerde
führerin
zunächst
berichtet habe
, sie müsse täglich zweimal Schmerztabletten einnehmen, was dann bei genauerer Befragung deutlich
relativiert worden sei
. Es
sei
in letzter Zeit
trotz
Angabe einer deutlichen Verschlechterung der Schmerzen und des psychischen Zustandsbildes auch nicht zu einer Inten
sivierung der psychotherapeutischen Bemühungen gekommen. Die Medika
menten
-C
ompliance
müsse
ebenfalls hinterfragt werden,
da sich
nur sehr niedere Serumkonzentrationen
gezeigt hätten
, obwohl die
Beschwerde
füh
rerin
explizit angegeben ha
b
e, die Medikation regelmässig e
inzunehmen (Urk. 10/167/48). Es müsse
die Compliance der
Beschwerdeführerin
in Frage gestellt werden
(Urk. 10/167/50).
4.6
Die Gutachter legten zusammenfassend dar, a
nlässlich der interdisziplinären Abklärungen
hätten keine
somatischen Befunde
erhoben werden können
, welche die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführerin
in einer entsprechend an
gepasst
en Tätigkeit beeinflussten
. Führend
sei
das psychische Leiden, welch
es sich im Sinne einer leichten
bis mittelgradig depressiven Störung und damit verbundenen multipelsten Schmerzklagen auszeichne.
Die
Klagen der
Beschwerdeführerin
stünden
in einer Diskrepanz zum aktuellen Zu
stands
bild, welches sich eher agitiert-dysphorisch
gezeigt habe
. Die affektive Situation der
Beschwerdeführerin
sei
allerdings auch in den Akten bereits beschrieben. Zusätzlich
sei eine
früher nicht bekannte, aktuell aber deutlich ausgeprägte Affektl
a
bilität
zu diagnostizieren
, welche ebenfalls Hinweis auf ein depressives
Geschehen
sein
könne
. Auch diesbezüglich
hätten
sich aller
dings Inkonsistenzen
gezeigt, da
diese doch deutliche Affektlabilität anläss
lich der rheumatologischen Untersuchung gar nicht vorhanden
gewesen sei und sich die Beschwerdeführerin
dort durchwegs eher dysphorisch agitiert
gezeigt habe.
Insgesamt
sei
die Diagnose
eines leichten bis mittel
gradigen
affektiven Leidens gerechtfertigt. Darüber hinaus bestünden multiple Schmerz
klagen, welche bisher in den Akten im Sinne einer anhaltenden somato
f
ormen Schmerzstörung diagnostiziert
worden seien
. Es
hätten
auch hier be
züglich des Symptomausdruckes gewisse Inkonsistenzen
, wie
etwa eine aus
geprägt untersc
hiedliche Beweglichkeit der HWS, bestanden (Urk. 10/167/53)
. Die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung
sei deshalb aktuell nicht mehr zu stellen
. Ebenfalls nicht
zu diagnostizieren sei
eine
posttraumatische Belastungsstörung.
I
nsgesamt besteh
e
heute ein deutlich chronifiziertes affektives
psychisches Leiden mit Krankheit
swert, welches aber mit einer Symptomverdeutlichung
sowie
auch mit teilweise bewussts
einsnaher Ausgestaltung einhergeh
e
.
4.7
Die Gutachter hielten abschliessend fest, i
m somatischen Bereich
hätten
sich
klini
sch
aktuell
keine Hinweise
dafür gefunden
, dass
sich die
bildgebend ge
fundenen degenerativen Veränderungen
im Sinne einer manifesten
Sympto
matik
zeigten. Des
wegen
bestehe
keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in entsprechend ad
a
ptierte
n
Tätigkeiten (Urk. 10/167/54). Das
der
Beschwerde
führerin
heute
zumutbare
Arbeitsplatzprofil umfass
e
alle körperlich leichten bis mittelschweren Tätigkeiten ohne repetitive Überkopfarbeiten. Aufgrund des affektiven Leidens
sollte die Beschwerdeführerin
keine Tätigkeit mit der Notwendigkeit andauernd hoher Leistungsdich
t
e ausführen müssen. In Frage kämen alle den intellektuellen Ressourcen der
Beschwerdeführerin
ent
spre
chende Tätigkeiten
,
wie sie sie auch früher
als
Produktionsmitarbeiterin
aus
geübt ha
b
e
.
In einer solchen Tätigkeit
sei
die
Beschwerdeführerin
aktuell
zu
70
%
arbeitsfähig. Seit dem Jahr
2010 ha
be
sich die psychosoziale Situation der
Beschwerdeführerin
off
ensichtlich deutlich verbessert. A
ndererseits
müsse
aufgrund des Todesfalles der Mutter im Dezember 2014 eine vorübergehende Verschlechterung der affektiven Situation konstatiert werden, sodass
insge
samt davon auszugehen sei
, d
a
ss
die
70%ige Arbeitsfähigkeit spätestens seit
Gutachtendatum zumutbar sei (Urk. 10/167/54-55). Durch medizinische Mass
nahmen sei keine wesentliche Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erwarten.
4.8
Der behandelnde Psychiater der Beschwerdeführerin, Dr. med. B._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in seinen Stellung
nah
men vom 23. Januar 2016 und 23. April 2016 (Urk. 10/186, Urk. 10/193/1-2) im Wesentlichen aus, der psychiatrische Gutachter widerspreche sich, indem er die Affektlabilität einmal als mittelschwer, danach jedoch als mittel- bis schwergradig bezeichne. Ausserdem beschreibe der Gutachter klar, dass die Beschwerdeführerin unter einem erheblichen Leidensdruck stehe (Urk. 10/186/2-3). Die Zumutbarkeit, die chronifizierte Krankheit willentlich zu überwinden, sei nicht gegeben (Urk. 10/186/7) und der Schluss auf eine Arbeitsfähigkeit von 70 % nicht stringent (Urk. 10/193/1).
4.9
D
er psychiatrische
A._
-Gutachter
hielt i
n
seiner
Stellungnahme vom 16. März 2016 fest,
Dr. B._ beurteile
die psychopathologischen Befunde anders. Allerdings
habe
er sich
in keiner Art und We
ise zu den im
Gutachten insbesondere im Rahmen der Konsenskonferenz beschriebenen Diskrep
a
nze
n geäussert
(Urk.
10/190
).
5.
5.1
Streitig und zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand der Be
schwer
deführerin
seit der
Verfügung vom
19. Mai 2011 (Ur
k. 10/112, Urk. 10/127),
welche auf einer umfassenden materiellen Prüfung des
Rente
nanspruchs beruhte, und der angefochtenen
rentenaufhebenden
Verfügung
vom 8. Juni 2016
(Urk. 2)
in
einer
anspruchsrelevante
n
Weise verändert hat (vgl. E.
1.1
).
5.2
Das polydisziplinäre Gutachten des
A._
samt ergänzender
psychiatrischer
Stellungnahme basiert auf einer umfassenden allgemein-internistischen, rheu
matologischen, neurologischen und psychiatrischen Untersuchung und wurde
– entgegen dem Vorbringen der Beschwerdeführerin (E. 2.2) -
in Kenntnis
der
und in Auseinandersetzung mit den Vorakten (
vgl. Urk. 10/167/4-22, vgl. insbesondere Urk. 10/167/39 in Verbindung mit Urk. 1 S. 10)
abgegeben. Die begutachtenden Ärzte haben detaillierte und nachvollziehbare Befunde und Diagnosen erhoben und sich mit den vo
n der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beschwerden auseinandergesetzt. Zudem haben sie die medizinischen Zu
sam
men
hänge und die medizinische Situation einleuchtend dargelegt und ihre Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Dem polydisziplinären Gutachten kommt daher volle Beweiskraft zu (vgl. E. 1.
6
).
5.
3
5.3.1
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin, dass mit Hilfe des Gutachtens
keine Verbesserung
zu belegen sei (Urk. 1 S. 11), stellte d
er p
sychiatrische Gutachter schlüssig
fest, dass
sich der
psychische Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin wesentlich verbessert hat
.
Dabei legte er nachvollziehbar dar, dass die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung heute nicht mehr gestellt werden könne, da das Diagnosekriterium des schweren quälenden Schmerzes nicht erfüllt sei und keine Antriebsverminderung mehr vorliege. Im Weiteren zeigte er auf, dass sich auch die psychosoziale Situation
gegen
über der ersten Begutachtung
i
m Jahr 201
0
deutlich verbessert ha
t (E. 4.5, Urk. 10/167/49). Dass die sozialen Belastungsfaktoren zur Aufrechterhaltung der Depression beitrugen und bei deren Wegfall eine Besserung der Sympto
matik denkbar sei, hatten denn die psychiatrischen Vorgutachter ausdrück
lich festgehalten (Urk. 10/89/14). Sodann ist darauf hinzuweisen, dass nicht die Diagnose, sondern vielmehr deren Auswirkungen auf die Erwerbsfähig
keit ausschlaggebend sind (BGE 127 V 294 E. 4c). Dass angesichts der nun
mehr bloss noch leichten bis mittelgradigen Episode der depressiven Störung bei weggefallener somatoformer Schmerzstörung eine höhere Arbeitsfähig
keit als im Zeitpunkt der Rentenzusprache gegeben ist, ist nachgerade folgerichtig. Dies umso mehr, als die Gutachter der Psychiatrischen Poliklinik festgehalten hatten, die Depression und die somatoforme Schmerzstörung würden sich gegenseitig unterhalten (vgl. E. 3.2). Da keine somatoforme Schmerz
störung mehr vorliegt, findet schliesslich die mit BGE
141
V
281 geänderte Rechtsprechung auf den vorliegenden Fall
entgegen der
Ansicht der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 12)
keine Anwendung.
5.3.2
In psychiatrischer Hinsicht machte die Beschwerdeführerin geltend, es liege
aufgrund der Symptome mindestens eine mittelschwere Depression vor (Urk. 1
S. 11). Diesbezüglich ist anzumerken, dass bereits aufgrund des Umstands, dass sich die Beschwerdeführerin nie in eine stationäre psychiatrische Be
hand
lung begeben hat und in ihren Alltagsaktivitäten wenig eingeschränkt ist (vgl. Urk. 10/167/48), nicht auf das Vorliegen einer schwereren depres
si
ven Störung geschlossen werden kann. Dies steht auch im Einklang mit der Beurteilung des psychiatrischen Gutachters, welcher zum Schluss kam,
dass
aktuell lediglich noch eine höchstens mittelgradige depressive Störung zu diagnostizieren sei (E. 4.5). D
ie Stellungnahmen von Dr.
B._
(E. 4.
8
)
ändern nichts an der Nachvollziehbarkeit der gutachterlichen Beurteilung. Sie enthalten
keine neuen Befunde oder Diagnosen, welche nicht bereits im Wesentlichen in den Vorberichten genannt und entsprechend vom psychia
trischen
A._
-Gutachter gutachterlich diskutiert oder zur Stellungnahme
(E. 4.9)
vorgelegt worden wären
.
Darüber h
in
aus ist darauf h
in
zuweisen, dass es e
in
er Erfahrungstatsache entspricht, dass die behandelnden Ärzte mitunter im H
in
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung
in
Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc mit H
in
weisen
).
Mit
dem
be
gutachten
den Psychiater
ist somit von einer
leicht- bis
mittelgradig
en
depress
iven Erkrankung auszugehen.
5.3.3
Die Beschwerdeführerin
steht seit dem Jahr 2005 in psychiatrischer Behand
lung, wobei monatlich Sitzungen stattfinden (vgl. Urk. 10/167/19, Urk. 10/167/43,
E. 4.5). Ob die durchgeführte Therapie als im Sinne der Recht
sprechung
(statt vieler:
BGE 140 V 193
E.
3.3 mit Hinweis)
hinreichend konsequent erachtet werden kann, ist – gerade auch unter Berücksichtigung des gutachterlich erhobenen
Medikamentenspiegel
s mit Werten
unter der wirksamen Dosis
(E. 4.5) -
zumindest in Frage zu
stellen
. Wie nachfolgend zu zeigen ist, kann die Frage der Therapieresistenz allerdings vorliegend offen bleiben, da auch bei Annahme der psychiatrisch attestierten - und eher wohl
wollend erscheinenden - 30%igen Arbeitsunfähigkeit ein rentenaus
schlies
sen
der Invaliditätsgrad resultiert (vgl. nachfolgend E. 6)
.
5.4
5.4.1
In somatischer Hinsicht machte di
e Beschwerdeführerin geltend,
dass
die neurologischen und rheumatologischen Teilgutachten nicht auf einer saube
ren und vollständigen Abklärung des medizinischen Sachverhalts
beruhten. Anhaltspunkte dafür, dass die neurologische und rheumatologische Begut
ach
tungen nicht lege artis durchgeführt wurden, sind weder ersichtlich noch hat die Beschwerdeführerin stichhaltige Argumente hierfür geliefert. Insbe
sondere geht die Rüge, die Gutachter hätten sich
fälschlicherweise lediglich auf die Befunde an der HWS
fokussiert, obwohl auch
an der LWS und am ISG objektivierbare Pathologien
bestünden (Urk. 1 S. 12), fehl. Die rheumato
logische Untersuchung ergab eine Klopfdolenz entlang der BWS und LWS ohne segmentalen Befund und das Bewegungsausmass der LWS und BWS war nicht konklusiv prüfbar aufgrund deutlicher Gegeninnervationen. Auch im Bereich der Hüftgelenke kam es bei der Untersuchung zu starken Bewe
gungseinschränkungen bei Gegeninnervationen und die Beschwerdeführerin konnte die Hüften nicht mehr auf 90° flektieren, was beim Sitzen aber prob
lemlos möglich war (E. 4.3, Urk. 10/167/31). Auch die neurologische Unter
suchung war wenig ergiebig, sondern vielmehr geprägt von Diskrepanzen zwischen den Klagen der Beschwerdeführerin über ausgeprägte Beschwerden und spärlich objektivierbaren Untersuchungsbefunden (E. 4.4). Sodann wurde das Verteilungsmuster der Schmerzen an den oberen und unteren Extremi
täten nur sehr unscharf präzisiert und liessen sich die von der Beschwer
deführerin geklagten Beschwerden weder segmental noch einem peripheren Innervationsgebiet zuordnen. Schliesslich waren - trotz bereits anlässlich der Begutachtung bekannter mehrsegmentaler degenerativer Veränderungen an der Halswirbelsäule - radikuläre Reiz- und Ausfallssymptome klinisch nicht nachweisbar (vgl. Urk. 10/167/39).
5.4.2
Daran vermag auch der im Beschwerdeverfahren nachgereichte Arztbericht vom 22. Juni 2017 (Urk. 15) nichts zu ändern, zumal darauf hinzuweisen ist, dass der
Erlass der angefochtenen Verfügung
(hier: 8. Juni 2016)
die Grenze der richterlichen Überprüfungsbefugnis bildet
(vgl. etwa BGE 129 V 356 E. 1
), und bloss diejenigen tatsächlichen Umstände zu berücksichtigen sind, die sich bis zu jenem Zeitpunkt ereignet haben.
5.4.3
Insgesamt vermögen die Einwände der Beschwerdeführerin nicht zu über
zeu
gen und es ist davon auszugehen, dass sie in somatischer Hinsicht in ihrer angestammten Tätigkeit wie auch in allen körperlich leichten bis mittel
schwe
ren Tätigkeiten in ihrer Arbeitsfähigkeit nicht eingeschränkt ist (vgl. E. 4.8, Urk. 10/167/33).
5.5
Zusammenfassend ist
mit dem
im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass eine Verbes
serung des Gesundheitszustandes eingetreten und der Beschwerdeführerin die
angestammte
sowie jede andere angepasste Tätigkeit
zumindest
zu 70 % zumutbar ist.
V
on den beantragten
weiteren
medizinischen Abklärungen (E. 2.2)
sind
keine entscheidrelevanten neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb davon abgesehen we
rden kann (BGE 124 V 90 E. 4b).
6.
6.1
Zu prüfen sind die erwerblichen Auswirkungen der gutachterlich attestierten
70%igen
Arbeitsfähigkeit.
6.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des Validen
einkommens entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwie
gen
den Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Ein
kommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empiri
scher Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheits
schaden
fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahr
sche
in
lichkeit erstellt sein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
Die Beschwerdeführerin war zuletzt als Produktionsmitarbeiterin im 100%-Pensum bei der Y._ tätig.
Dem
Fragebogen für Arbeitgeber
vom 26. Mai 20
03
lässt sich entnehmen, dass das Arbeitsverhältnis infolge einer Umstrukturierung
des Betriebs
aufgelöst wurde
(Urk.
10/10/1
). Entsprechend sind
zur
Ermittlung des
Valideneinkommens
die Tabellenlöhne der
Lohn
struk
turerhebungen (LSE
2012
) des Bundesamtes für Statistik
heranzuziehen.
Dabei ist auf den
standardisierten Durchschnittslohn für einfache Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors
abzustellen (
Fr. 4‘112.--
, S. 35, Tabelle TA1, Niveau 1). Gestützt darauf ergibt sich angepasst an die Nominallohnentwicklung
für das Jahr 2015
ein Valideneinkommen von Fr. 52‘536.--.
6.3
Da
die Beschwerdeführerin keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgeht,
sind für die Ermittlung des Invalideneinkommens ebenfalls die Tabellenlöhne der LSE
2012 heranzuziehen
und es ist
auf ein standardisiertes monatliches Ein
kommen von Fr. 4‘112.
-- (Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1, Frauen, S. 35)
abzustellen.
Angepasst an die Nominallohnentwicklung
ergibt sich
für das Jahr 2015
ein Jahreseinkommen von Fr. 52‘536.
-- und es resultiert bei einem
zumutbaren 70%-Pensum ein Invalideneinkommen von Fr. 36‘775.--. Auf
gru
nd der lediglich geringfügigen zusätzlichen qualitativen Einschränkungen ist kein Leidensabzug gerechtfertigt, zumal die leistungsmässige Einschrän
kung mit 30 % bereits grosszügig bemessen ist.
6.4
Die Gegenüberstellung von Valideneinkommen und Invalideneinkommen ergibt einen rentenausschliessender
Invaliditätsgrad von
30
%.
Der Vollständigkeit halber ist anzumerken, dass am Resultat nichts ändert, würde auf das Einkommen abgestellt, welches die Beschwerdeführerin als Produk
tionsmitarbeiterin bei der Y._ erzielt hatte (Fr. 3‘750.-- x 13 : 2334 (2003) x 2686 (2015) = Fr.
5
6‘102.--; Urk. 10/10/2, angepasst an die
Nominallohnentwicklung). Die Gegenüberstellung mit dem Invalidenein
kommen
von Fr. 36‘775.-- ergäbe ebenfalls einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad (34 %).
7.
Nach dem Gesagten erweist sich die angefochtene Verfügung als rechtens, womit die Beschwerde abzuweisen ist.
8.
Die Verfahrenskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 800.
—
festzu
setzen. Diese sind ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, infolge der bewilligten unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Im Weiteren ist der unentgeltlichen Rechts
vertreterin Noëlle Cerletti nach Einblick in die Honorarnote vom 12. Mai 2017 (Urk. 13) eine Entschädigung im Betrag von Fr. 1‘922.65 zuzusprechen
. Die Beschwerdeführerin ist auf die
Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hinzuweisen.