# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9d0af521-02f5-5f98-971c-55030d9c2acf
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner erstellte auf seiner noch unüberbauten Parzelle Därligen
Gbbl. Nr. D._ vor etlichen Jahren ohne Baubewilligung eine befestigte Fläche für
inzwischen vier Parkplätze. Ausserdem stellt er einen Teil der Wiese für das Parkieren zur
Verfügung. Die Parkplätze werden von ihm selber, den Gästen und dem Mieter des
E._ genutzt. Die Beschwerdeführenden zeigten das unbewilligte Parkieren
RA Nr. 120/2015/60 2
wiederholt bei der Gemeinde an. Die Parzelle liegt in der ÜO Nr. 2 "Du Lac". Am 29. April
2015 reichte der Beschwerdegegner bei der Gemeinde ein nachträgliches Baugesuch für
zehn Parkplätze ein, das am 2. Juli 2015 publiziert wurde. Mit Schreiben vom 20. Juni 2015
verlangten die Beschwerdeführenden die Durchführung eines
Wiederherstellungsverfahrens und den Erlass eines Benützungsverbots mit geeigneten
Absperrmassnahmen. Mit Entscheid vom 7. September 2015 wies die Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) die Gemeinde an, über das Gesuch der
Beschwerdeführenden um Erlass von vorsorglichen Massnahmen unverzüglich zu
entscheiden (RA Nr. 120/2015/45).
Mit Verfügung vom 14. September 2015 wies die Gemeinde Därligen das Gesuch der
Beschwerdeführenden auf Erlass einer Wiederherstellungsverfügung und eines
Benützungsverbotes ab.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 9. Oktober 2015 Beschwerde bei
der BVE ein. Sie beantragen, die Verfügung vom 14. September 2015 sei aufzuheben und
die Fläche unverzüglich so abzusperren, dass eine widerrechtliche Nutzung verunmöglicht
werde, bis eine rechtskräftige Baubewilligung für die Parkplätze auf dieser Fläche vorliege.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, gab den
Beschwerdeführenden Gelegenheit, die Begründung ihrer Beschwerde innert der noch
laufenden Beschwerdefrist zu ergänzen. Die Beschwerde wurde am 15. Oktober 2015 mit
ergänzter Begründung wieder eingereicht. Das Rechtsamt führte den Schriftenwechsel
durch und zog die Vorakten der Gemeinde aus dem Verfahren RA Nr. 120/2015/45 bei. Die
Gemeinde beantragt mit Stellungnahme vom 13. November 2015, die Beschwerde sei
abzuweisen.
Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 120/2015/60 3

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 61 Abs. 1 Bst. g VRPG2,
die im Rahmen eines nachträglichen Baubewilligungsverfahrens ergangen ist. Nach dem
Grundsatz der Einheit des Verfahrens ist die Zwischenverfügung mit dem gleichen
Rechtsmittel anfechtbar wie ein Entscheid in der Hauptsache.3 Die BVE ist somit für die
Beurteilung der Beschwerde zuständig (Art. 40 Abs. 1 und Art. 49 BauG4). Die Beschwerde
wurde innert der 30-tägigen Beschwerdefrist form- und fristgerecht eingereicht (Art. 33 Abs.
3 VRPG, Art. 49 BauG).
b) Eine Zwischenverfügung über vorsorgliche Massnahmen ist nur dann selbständig
anfechtbar, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil bewirken könnte (vgl.
Art. 61 Abs. 3 VRPG). Der Nachteil kann rechtlicher oder tatsächlicher Natur sein. Nach
der Rechtsprechung ist damit kein irreparabler Schaden gemeint. Erforderlich ist ein
schutzwürdiges Interesse an der sofortigen Aufhebung oder Abänderung der
Zwischenverfügung.5 Die Beschwerdeführenden sind Stockwerkeigentümer der unmittelbar
angrenzenden Liegenschaft. Sie sind durch die unrechtmässige Parkplatznutzung auf dem
Nachbargrundstück betroffen und haben ein schutzwürdiges Interesse an einem Entscheid
über ein vorsorgliches Benützungsverbot. Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Benützungsverbot
a) Die Gemeinde begründete ihre Verfügung damit, dass nun ein möglicherweise
bewilligungsfähiges Baugesuch vorliege, über das in den nächsten Wochen entschieden
werde. In Anbetracht dessen wäre eine bauliche Absperrung der seit vielen Jahren
bestehenden Parkplätze unverhältnismässig. Der Beschwerdegegner sei auf die
Baubewilligungspflicht hingewiesen worden. Das unbewilligte Parkieren beschränke sich
2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 61 N. 7 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 29 N. 1; BVR 2011 S. 508 E. 1.3
RA Nr. 120/2015/60 4
insbesondere auf einige Schönwetter-Wochenenden im Sommer. Die
Beschwerdeführenden rügen, dass die Gemeinde das unerlaubte Parkieren, welches sich
mit unterschiedlicher Häufigkeit über das ganze Jahr hinziehe, seit Jahren dulde. Es sei
davon auszugehen, dass gegen den Bauentscheid Rechtsmittel ergriffen würden, so dass
sich das Verfahren und damit die widerrechtliche Nutzung noch über lange Zeit hinziehen
würden.
b) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung ausgeführt, so verfügt die
Baupolizeibehörde die Einstellung der Bauarbeiten; sie kann ein Benützungsverbot
erlassen, wenn es die Verhältnisse erfordern. Gleichzeitig leitet die Behörde das
Wiederherstellungsverfahren ein (Art. 46 Abs. 1 BauG). Ein Benützungsverbot, allenfalls
verbunden mit einer sichernden Massnahme, gehört zu den vorsorglichen Massnahmen,
die so lange bestehen bleiben, bis der Bauentscheid rechtskräftig ist. Zuständig für den
Erlass eines Benützungsverbotes gemäss Art. 46 Abs. 1 BauG ist die Baupolizeibehörde
der Gemeinde.6
c) Die Nutzung einer Fläche für dauerhafte Autoabstellplätze ist baubewilligungspflichtig
(Art. 22 Abs. 1 RPG7 und Art. 1a BauG). Ohne rechtskräftige Baubewilligung darf eine
baubewilligungspflichtige Nutzung nicht ausgeübt werden. Für den vorliegenden Fall
bedeutet dies, dass die unbewilligte Nutzung der befestigten Fläche und der Wiese als
Parkplatz unzulässig ist, und zwar unabhängig davon, ob dafür ein formelles Verbot
ausgesprochen wurde oder nicht. Trotz Kenntnis der Baubewilligungspflicht hat der
Beschwerdegegner die unrechtmässige Parkplatznutzung bislang weiter ausgeübt bzw.
Dritten ermöglicht. Es besteht daher ein baurechtswidriger Zustand, bei dem der Erlass
eines Benützungsverbotes zu prüfen ist. Ein vorsorgliches Benützungsverbot ist nicht
schon dann zu erlassen, wenn eine unrechtmässige Nutzung besteht, sondern nur, wenn
es die Verhältnisse erfordern. Es kann unverhältnismässig sein, einen Betrieb einzustellen,
der möglicherweise bewilligungsfähig ist oder über lange Zeit unbeanstandet geführt wurde
und für den ein nachträgliches Baubewilligungsverfahren hängig ist. Der vorliegende Fall
betrifft jedoch lediglich eine Nutzung, für die keine namhafte Investition getätigt wurde und
die jederzeit ohne finanziellen Schaden eingestellt werden kann. Dennoch setzt ein
Benützungsverbot, verbunden mit Sicherungsmassnahmen voraus, dass dafür
ausreichende Gründe bestehen. Solche liegen beispielsweise vor, wenn die Sicherheit
6 VGE 2013/435 vom 27. Februar 2014, E. 2.1 7 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
RA Nr. 120/2015/60 5
oder Gesundheit von Menschen oder Tieren gefährdet ist, die Umwelt durch Emissionen
oder Immissionen unzulässig belastet wird, erhebliche Sachwerte gefährdet sind oder eine
bösgläubige Bauherrschaft aus der unrechtmässigen Nutzung einen Vorteil zieht.8
d) Die Beschwerdeführenden bringen nur vage vor, dass zu jeder Jahreszeit parkiert
werde, ohne konkret darzulegen, inwiefern dies zu unhaltbaren Immissionen, einer
konkreten Gefährdung der Verkehrssicherheit oder anderen unhaltbaren Zuständen führt.
Nach ihren Aussagen wird zwar über das ganze Jahr, aber mit unterschiedlicher Häufigkeit
parkiert. Nach Aussagen der Gemeinde besteht das Problem vor allem an schönen
Sommertagen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass die unrechtmässige Nutzung im
Herbst und Winter weniger häufig und intensiv erfolgt. Im jetzigen Zeitpunkt sind daher
keine Verhältnisse geltend gemacht und nachgewiesen, die den Erlass eines vorsorglichen
Benützungsverbotes mit Absperrmassnahmen gebieten würden.
e) Sofern die Gemeinde das nachträgliche Baugesuch nur teilweise oder gar nicht
bewilligen kann, wird sie zugleich über die Wiederstellung des rechtmässigen Zustandes
entscheiden und allfällige definitive Massnahmen anordnen müssen (Art. 46 Abs. 2 Bst. e
BauG). Kann sie die Bewilligung erteilen, dürfen die Parkplätze erst genutzt bzw. mit
Kofferung erstellt werden, wenn die Baubewilligung rechtskräftig ist. Gemäss den
Vorbringen der Beschwerdeführenden ist im Falle einer Baubewilligung möglicherweise mit
Rechtsmittelverfahren zu rechnen, die sich über längere Zeit hinziehen könnten. Dies ist
noch hypothetisch. Die Möglichkeit einer noch länger dauernden unrechtmässigen Nutzung
vermag zum jetzigen Zeitpunkt allein kein Benützungsverbot mit Sicherungsmassnahmen
zu rechtfertigen. Auch in einem Rechtsmittelverfahren können unter den Voraussetzungen
von Art. 27 VRPG noch vorsorgliche Massnahmen angeordnet werden.
3. Verfahrenskosten
a) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 400.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV9). Sie werden der
unterliegenden Partei auferlegt (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei diesem Ausgang des
8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 7 9 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 120/2015/60 6
Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden und haben die Verfahrenskosten zu
tragen.
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 108 Abs. 3 i.V.m. 104 Abs. 1 VRPG).