# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 03804d30-c982-4d06-a939-5535bf8b6353
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren 19
63, arbeitete seit Oktober 2001 als Informatiker bei der
Y._
(
Urk. 7/5 Ziff. 5.4), als er sich am 6. August 2009
unter Hinweis auf die Folgen
eines Sturzes am 15. Oktober 2008 bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungs
bezug
anmeldete (Urk. 7/5 Ziff. 6.2-3).
Das Arbeitsverhältnis wurde infolge Reor
ganisation durch die Arbeitgeberin per 30. November 2009 aufgelöst (Urk. 7/15 Ziff. 2.1-2).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte
medizinische (
Urk. 7/18, Urk. 7/24
, Urk. 7/26-28, Urk. 7/40
)
und erwerbliche Abklärungen (
Urk. 7/12, Urk. 7/15-16
), zog Akten des
Unfallversi
cherers
bei (Urk. 7/2
,
Urk. 7/13
)
und veranlasste ein interdisziplinäres Gutach
ten, welches das
Z._
am 6. Oktober 2011 erstattete (Urk. 7/42).
In der Folge auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten eine
Schadenmin
de
rungspflicht
in Form eines
stationäre
n
Aufenthalt
s
in einer psychiat
rischen
Klinik zur medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung
und wies ihn
auf die Folgen hin, sollte er sich der vorgesehenen Behandlung nicht unter
ziehen
(Schreiben vom 4. November 2011
, Urk. 7/49)
.
N
ach durchgeführ
tem
Vor
bescheidverfahren
(
vgl.
Urk. 7/45-46
)
sprach ihm die IV-Stelle
mit Verfü
gung
vom 2. Februar 2012 eine ganze Rente ab 1. Juni 2010 zu (Urk. 7/56).
1.2
Im Rahmen einer im September 2012 eingeleiteten Revision (vgl. Urk. 7/61) tä
tigte die IV-Stelle berufliche Abklärungen (Urk. 7/62) und holte einen aktuellen medizinischen Bericht ein (Urk. 7/65). Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Urk. 7/74-76, Urk. 7/78), in dessen Rahmen weitere Arztberichte eingin
gen (Urk. 7/80-81)
,
hob sie die bisherige Rente des Versicherten mit Verfügung vom 8. Oktober 2013 per Ende des auf die Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf (Urk. 7/84 = Urk. 2
2.
Gegen die Verfügung vom 8. Oktober 2013 (Urk. 2) erhob der Versicherte am 23. Oktober 2013 Beschwerde und beantragte die Ausrichtung der bisherigen Rente (Urk. 1 S. 3). Mit Vernehmlassung vom 9. Dezember 2013 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem
Beschwerdeführer
am 16. Januar 2014 mitgeteilt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Ge
sundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung ver
bleibende
ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Er
werbsunfähigkeit liegt
zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art.
16 ATSG in Verbindung mit Art.
28a Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
che
rung (
IVG
)
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Einglie
de
rungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener
Ar
beitsmarktlage
erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt
zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid gewor
den
wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E.
3.4.2 mit Hinweisen).
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Die versicherte Person muss gemäss Art. 7 IVG alles ihr Zumutbare unterneh
men, um die Dauer und das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit (Art. 6 ATSG) zu ver
ringern und den Eintritt einer Invalidität (Art. 8 ATSG) zu verhindern (Abs. 1
). Die versicherte Person muss an allen zumutbaren Massnahmen, die zur Erhal
tung des bestehenden Arbeitsplatzes oder zu ihrer Eingliederung ins Er
werbs
leben oder in einen dem Erwerbsleben gleichgestellten Aufgabenbereich (Aufga
ben
bereich) dienen, aktiv teilnehmen. Dies sind insbesondere:
a.
Massnahmen der Frühintervention (Art. 7d);
b.
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche
Eingliede
rung
(Art. 14a);
c.
Massnahmen beruflicher Art (Art. 15–18 und 18b);
d.
medizinische Behandlungen nach Artikel 25 KVG;
e.
Massnahmen zur Wiedereingliederung von Rentenbezügerinnen und Rentenbezügern nach Art. 8a Abs. 2.
Als zumutbar gilt gemäss Art. 7a IVG jede Massnahme, die der Eingliederung der
versicherten Person dient; ausgenommen sind Massnahmen, die ihrem Ge
sund
heits
zustand nicht angemessen sind.
1.4
Die Leistungen können gemäss Art. 7b IVG nach Art. 21 Abs. 4 ATSG gekürzt oder verweigert werden, wenn die versicherte Person den Pflichten nach Art. 7
dieses Gesetzes oder nach Art. 43 Absatz 2 ATSG nicht nachgekommen ist (Abs. 1)
. Die Leistungen können in Abweichung von Art. 21 Abs. 4 ATSG ohne Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
gekürzt oder verweigert werden, wenn die ver
sicherte Person:
a.
trotz Aufforderung der IV-Stelle nach Art. 3c Abs. 6 nicht unverzüglich eine Anmeldung vorgenommen hat und sich dies nachteilig auf die Dauer oder das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit oder der Invalidität auswirkt;
b.
der Meldepflicht nach Art. 31 Abs. 1 ATSG nicht nachgekommen ist;
c.
Leistungen der Invalidenversicherung zu Unrecht erwirkt oder zu erwir
ken versucht hat;
d.
der IV-Stelle die Auskünfte nicht erteilt, welche diese zur Erfüllung ihrer gesetzlichen Aufgabe benötigt (Abs. 2).
Beim Entscheid über die Kürzung oder Verweigerung von Leistungen sind alle Umstände des einzelnen Falles, insbesondere das Ausmass des Verschuldens der versicherten Person, zu berücksichtigen (Abs. 3).
1.
5
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die
Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG).
Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den
Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hin
weisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 11. Mai
2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August
2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswir
kungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf
die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im
Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurtei
lung
einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte
rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, wel
ch
e oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit
rechts
konformer
Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundes
ge
richts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.
6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b.cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete in der angefochtenen Verfügung die Ein
stellung der Rente damit, dass der Beschwerdeführer
die
ihm auferlegte
Scha
denminderungspflicht
in Form eines stationären Aufenthaltes in einer psychiat
rischen Klinik zur medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung
nicht
durchgeführt habe. Er habe die ihm empfohlene und notwendige fach
ärztliche
Behandlung abgelehnt und sei deswegen vorzeitig aus der Klinik ent
lassen wor
den.
Unter einer multimodalen fachpsychiatrischen Behandlung sei grund
sätz
lich eine Verbesserung des Zustandes und der Arbeitsfähigkeit mög
lich. Aus ver
sicherungsmedizinischer Sicht sei von einer Verletzung der
Scha
denminde
rungs
pflicht
auszugehen (Urk. 2 S. 1 f.
;
Urk. 6
).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend,
als Folge der ihm aufer
legten Schadenminderungspflicht in Form eines stationären Aufenthaltes in ei
ner psychiatrischen Klinik zur medikamentösen und psychotherapeutischen Be
handlung habe er an Nervosität, Zittern, Muskelspannung, Schwitzen und
Ober
bauchschmerzen
gelitten, da er Extremängste vor einer psychiatrischen Klinik sowie vor einem Psychiater oder einer Psychiaterin gehabt habe. Psychisch sei für ihn ein stationärer Aufenthalt nicht auszuhalten gewesen (Urk. 1 S. 1). Mit Mühe und Not habe er die für ihn geplanten Behandlungsprogramme bis zu seinen körperlichen Grenzen durchgeführt
. Im Austrittsbericht der Klinik seien eine fortbestehende
chronifizierte
, generalisierte und phobische Angststörung so
wie eine
Somatisierungsstörung
und Schwierigkeit bei der Lebensbewältigung diagnostiziert worden. Eine Heilung sei nicht in Sicht
(S. 2).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer die ihm auferlegte
Schaden
minderungspflicht
verletzt hat und die Rentenleistungen deswegen eingestellt werden können.
3.
3.1
Im Rahmen der erstmaligen
Rentenzusprache
wurde der Beschwerdeführer im Auftrag der Beschwerdegegnerin im
Z._
in
terdisziplinär begutachtet. In ihrem Gutachten vom 6. Oktober 2011 stützten sich die verantwortlichen Ärzte auf die Anamnese, die eigenen Befunde, chirur
gisch-internistische, rheumatologische und psychiatrische Beurteilungen sowie die vorhandenen Akten (Urk. 7/42 S. 1) und nannten die folgenden Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(S.
30 Ziff. 6.1):
schwere undifferenzierte
Somatisierungsstörung
schwere
Panikstörung
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten die Ärzte sodann ein ausgedehntes
multisymptomales
Beschwerdebild ohne strukturelle Ursache am Bewegungsapparat (S. 30 Ziff. 6.2).
Unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde sei der Versicherte aus rheumatologischer Sicht für sämtliche dem Alter und dem Habitus entsprechenden Tätigkeiten zu 100 % arbeitsfähig. Aus psychiatrischer Sicht bestehe derzeit keine Arbeitsfähigkeit (S. 34 Ziff. 7.4). Das aktuell ermittelte Belastbarkeitsprofil gelte seit April 200
9.
Damals habe der Be
schwerdeführer aufgrund von somatisch nicht erklärbaren Beschwerden wie
de
rum zu 100 % krankgeschrieben werden müssen. Davor habe ab November 2008
eine wechselnde Arbeitsunfähigkeit zwischen 50 % und 100 % bestanden, wobei
somatisch aufgrund des Unfalls und der fehlenden strukturellen Befunde maxi
mal während vier Wochen eine (Teil-)Arbeitsfähigkeit anzunehmen sei. Bereits einen Monat nach dem Unfall sei von Dr.
A._
ein auffälliges Verhalten be
schrie
ben worden, weshalb davon auszugehen sei, dass damals die Arbeits
unfähigkeit auf die psychische Symptomatik zurückzuführen gewesen sei (S. 35 Ziff. 7.5). In der zuletzt ausgeübten Erwerbstätigkeit als Senior Infrastructure Eng
ineer sei der Versicherte seit April 2009 zu 100 %
arbeitsunfähig (S. 35 Ziff. 7.6) und auch in einer leidensangepassten Verweistätigkeit bestehe zurzeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (S. 35 Ziff. 7.7). Aufgrund der Schwere der Symptomatik sei mittlerweile ein psychiatrischer Klinikaufenthalt zur Behand
lung dringend indiziert. Wichtig sei es dabei, zum einen die Angststörung me
di
kamentös und verhaltenstherapeutisch
zu behandeln
, zum anderen die zugrunde liegenden, kulturspezifischen Konflikte (vermutlich im Zusammenhang mit der Scheidung) anzugehen (S. 35 Ziff. 7.8).
3.2
Die Hausärztin
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Allgemeinmedizin, nannte in ihrem Bericht vom 21. Dezember 2012 folgende Diagnosen (Urk. 7/65
/1-5
Ziff. 1.1):
Diskushernie mit deutlicher
Forameneinengung
seit Oktober 2008
Spinalkanaleinengung C4/5 und C5/6, daraus resultierend Kraftlosigkeit, Schmerzen in der linken Körperhälfte, Konzentrationsstörung,
Sensibili
tätsstörungen
, Schluckstörungen
Die bisherige Tätigkeit als Informatik-Spezialist sei wegen der Konzentrations
störungen nicht mehr zumutbar.
Auch eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei nicht möglich (Ziff. 1.7
und 5.5
).
Derzeit befinde sich der Beschwerdeführer in Physio- und Schmerztherapie
sowie TCM Therapien
(Ziff. 1.5
und 5.3
), die Prognose sei
jedoch
unabsehbar (Ziff. 1.4)
. Es könne nicht mit einer Wiederauf
nahme der beruflichen Tätigkeit gerechnet werden (Ziff. 1.9).
3.3
Med.
pract
.
C._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, führte am 2. April 2013 aus, die im Gut
achten
empfohlenen medizinischen Massnahmen könnten medizinisch-theore
tisch zur einer Verbesserung des Gesundheitszustandes führen. Ob dadurch gleich
zeitig eine Steigerung der Arbeitsfähigkeit erreicht werden könnte, könne aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht beurteilt werden (Urk. 7/72 S. 5).
3.4
Nach einem stationären Aufenthalt in der
D._
vom
4. Juli bis 9. August 2013
nannte med.
pract
.
E._
, Oberarzt,
i
n
seinem
Be
richt vom 16. August 2013
folgende Diagnosen (Urk. 7/81 Ziff. 1.1):
Somatisierungsstörung
, vermutlich seit 2006
generalisierte Angststörung, vermutlich sei 2006
zervikozephales
Syndrom, vermutlich seit 2008
Der Beschwerdeführer habe vermutlich ab dem Jahre 2006 (Zeitpunkt der Schei
dung) eine bislang unbehandelte
Somatisierungs
- und Angststörung entwickelt. Im Vordergrund stünden psychotisch anmutende Ängste, Rückzug und
Somati
sierungserscheinungen
. Falls sich der Patient weiterhin nicht auf eine medika
mentöse Behandlung einlassen könne, bestehe eine eher ungünstige Prognose (Ziff. 1.4).
Der Beschwerdeführer sei während des Aufenthaltes nicht in der Lage gewesen, an einem Expositionstraining teilzunehmen oder Medikamente einzu
nehmen (Ziff. 1.5). Der Patient sei stark von seinen Ängsten eingenommen und
könne nicht unter Menschen sein. Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumut
bar
, es bestehe eine verminderte Leistungsfähigkeit (Ziff. 1.7). Die Ängste könnten voraussichtlich durc
h
Anxiolytika
und Antidepressiva
gelindert werden
(Ziff. 1.8). Nach
Einstellung und Etablierung
der notwendigen Behandlung könne
mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit im Umfang von 50 % ge
rechnet werden (Ziff. 1.9).
3.5
Im Austrittsbericht vom 27. August 2013 (Urk. 7/80) diagnostizierten die ver
ant
wortlichen Ärzte der
D._
sodann zusätzlich zu den bereits genannten Diagnosen Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der
Lebens
bewältigung
(S. 1).
In Übereinstimmung mit den bisherigen Gutachten sei von einer
chronifizierten
, da bislang unbehandelten generalisierten, aber auch pho
bischen Angststörung sowie von einer
Somatisierungsstörung
aus
zugehen
. Psy
chopathologisch im Vordergrund stünden paranoid anmutende Ängste vor an
deren Menschen, welche sich auch in unruhigen Träumen ausdrückten, ausge
prägte Schuld- und Schamgefühle bezüglich seiner Vergangenheit und ausge
prägte
Somatisierungserscheinungen
, verbunden mit allgemeiner Sorge um die eigene Gesundheit.
Der Beschwerdeführer lebe sehr zurückgezogen ohne soziale Kontakte. Sämtliche Versorgungsaufträge für den Haushalt führe er per Internet durch. Aus Angst, von Dritten erkannt zu werden, trage er eine
Operationsge
sichtsmaske
(S. 2).
Der Beschwerdeführer sei kaum in der Lage gewesen, Kontakt zu Mitpatienten aufzunehmen. Er habe jeweils die Tagesvorbesprechungen versäumt, da „sein Körper morgens nicht in Gang käme und er Angst habe, vor anderen Menschen zu sprechen“. Er habe die Mahlzeiten alleine zu sich genommen, Spaziergänge unternommen und sich in seinem Zimmer eingeschlossen. Auch in den thera
peu
ti
s
chen Gesprächen habe sich ein hartnäckiger Widerstand gezeigt, über Themen aus der Vergangenheit zu sprechen und konkrete Anhaltspunkte zur sozialen und beruflichen Anamnese bereitzustellen. Ähnlich
frustran
sei die wiederholte Thematisierung einer antidepressiven bzw. angstlindernden medi
kamentösen Behandlung verlaufen (S. 3). Es habe sich ein ebengleich vorgetra
genes somatisches Klage- und Beschwerdebild gezeigt. Auch diesbezüglich
psy
choedukative
Gespräche über den Zusammenhang von seelischen und kör
per
lichen Leiden hätten keine weiteren Fortschritte gebracht. Der Beschwerde
führer habe sich lediglich auf die Einnahme von
Phythopharmaka
, Biofeedback und
Cog
-Pack-Training einlassen können. Alle Angeb
ote einer anknüpfenden inten
si
v
eren medikamentösen Behandlung habe er abgelehnt.
Angesichts des grossen Widerstandes seitens des Beschwerdeführers
sei
eine
Ver
handlungsvereinbarung
getroffen
worden
, wonach eine Integration im Sinne eines Expositionstrainings stufenweise in die stationären Abläufe hätte erfolgen sollen. Als auch dies nicht gelungen sei, sei der Versicherte letztlich vor die Ent
s
cheidung gestellt worden, in eine medikamentöse Behandlung einzuwilligen ode
r die Station zu verlassen. Bei einem schliesslich dann doch freiwillig durch
geführten Versuch mit Einnahme von 1/2 mg
Lorazepam
habe sich der Be
schwer
deführer danach sehr gequält und mit den gewohnten, sehr demonstrativ ver
stärkten Symptomen (Würgen, Brechreiz) präsentiert. Da im Rahmen der Ver
häl
tnis
mässigkeit und bei weiterhin freiwilligem Aufenthalt eine
Zwangsme
di
ka
tion
nicht in Betracht gezogen worden sei, sei schlussendlich der Austritt in die angestammten Wohnverhältnisse erfolgt. Es werde die Fortführung einer ambu
lant-psychiatrischen Behandlung und Installation einer medikamentösen Thera
pie bei entsprechender Motivationslage empfohlen (S. 4).
3.6
Am
8.
Oktober 2013 wies med.
pract
.
C._
darauf hin, dass die medizinischen Massnahmen noch nicht ausgeschöpft seien, was die Einschätzung einer dau
ernden Prognose und der Arbeitsfähigkeit nicht zulasse. Andererseits sei unter einer multimodalen fachpsychiatrischen Behandlung (ambulant, teilstationär, stationär; medikamentös, psychotherapeutisch) grundsätzlich eine Verbesserung
der Zustandes und der Arbeitsfähigkeit möglich. Aus
versicherungsmedizini
scher
Sicht sei weiterhin von einer Verletzung der Mitwirkungspflicht auszuge
hen (Urk. 7/83 S. 2).
4.
4.1
Mit Schreiben vom
4.
November 2011 wurde dem Beschwerdeführer eine
Scha
denminderungspflicht
in Form eines
stationären Aufenthalt
es
in einer psychiat
rischen Klinik zur medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung auferlegt (Urk. 7/49). Gleichzeitig wurde ihm angedroht, falls er sich der vorge
sehenen Behandlung
oder
Massnahme nicht unterziehe, werde sein Rentenan
spruch so beurteilt, wie wenn diese durchgeführt worden wäre. Dies könne zur Einstellung oder Kürzung der Rente führen (Art. 21 Abs. 4 ATSG).
Der Beschwerdeführer trat am 4. Juli 2013 in die
D._
ein, wo
bei es
nicht
gelungen war, den Beschwerdeführer zu einer intensiveren medi
ka
mentösen Behandlung zu motivieren
. Auch in den therapeutischen Gesprä
chen konnten die behandelnden Ärzte keine Fortschritte verzeichnen. Nach ei
nem erfolglosen kurzen Versuch m
it Einnahme von 1/2 mg
Lorazepam
erfolgte schliesslich der Austritt des Beschwerdeführers aus der
D._
(E. 3.5).
Nach der Beurteilung dieser Situation durch den RAD-Arzt und
Allgemein
praktiker
med.
pract
.
C._
, welcher die medizinischen Massnahmen noch nicht für ausgeschöpft und eine Verbesserung des Zustandes und der Arbeitsfähigkeit unter einer multimodalen fachpsychiatrischen Behandlung weiterhin für mög
lich hielt (E. 3.6), führte die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfü
gung aus, der Beschwerdeführer habe die empfohlene und notwendige fachärzt
liche Behandlung abgelehnt und sei deswegen vorzeitig aus der Klinik entlassen worden. Es sei daher aus versicherungsmedizinischer Sicht weiterhin von einer Verletzung der Mitwirkungspflicht auszugehen (E. 2.1).
4.2
Aufgrund der Akten ausgewiesen ist, dass der Beschwerdeführer am 4. Juli 2013 in die
D._
eintrat mit der Absicht, sich dort behandeln zu lassen
, und damit der ihm auferlegten Schadenminderungspflicht nachgekommen ist
. Den verantwortlichen Ärzte
n gelang es zwar
, den Beschwerdeführer zur Aufnahme einer medikamentösen Behandlung zu motivieren, diese konnte jedoch nicht fortgeführt werden. Ob dies, wie auch der vorzeitige Austritt aus der Klinik, als Folge der psy
chischen Erkrankung zu sehen
, oder auf mangelnde Koopera
tion des Beschwerdeführers
zurückzuführen ist
, ergibt sich nicht zweifelsfrei aus den Berichten der
D._
.
Zwar berichteten die Ärzte über teilweise
theatralisches Verhalten und sehr demonstrativ verstärkte Symptome wie Würgen
und Brech
reiz nach Einnahme
von
Lorazepam
(E. 3.5), doch lassen die be
schrie
benen Ängste und Verhaltensweisen insgesamt auf einen stark beeinträchtigten Ge
sundheitszustand schliessen
und es ist davon auszugehen, dass die Verweige
rung einer Medikamenteneinnahme symptomatisch für die beim Beschwerde
führer bestehende Angststörung ist
.
Dass eine Medikation auf freiwilliger Basis nicht etabliert werden konnte, kann dem Beschwerdeführer daher nicht ange
lastet werden und es kann entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin nicht von einer Verletzung der Schadenminderungspflicht ausgegangen werden
. Die Aufhebung der Rente gestützt auf Art. 21 Abs. 4 ATSG ist somit nicht gerecht
fertigt.
4.3
Zu beachten ist indessen, dass eine Aufhebung der Rente s
elbst
bei einer nicht krankheitsbedingten Verweigerung der medikamentösen Behandlung nicht ge
rechtfertigt wäre. Eine Kürzung oder Verweigerung der Leistungen nach Art. 21
Abs. 4 ATSG
ist davon abhängig, dass die fragliche Massnahme eine wesentli
che
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit verspricht. Davon gingen jedoch bereits die
Z._
-Gutachter nicht aus, hielten diese doch eine stationäre Behandlung rein aufgrund der Schwere der Symptomatik für dringend indiziert (E. 3.1). Ob eine stationäre Behandlung auch zu einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit führen könnte, vermochte im April 2013 selbst der RAD-Arzt med.
pract
.
C._
nicht zu beantworten (E. 3.3).
Einzig der Oberarzt der
D._
,
med.
pract
.
E._
,
ging in seinem Bericht vom 16. August 2013 davon aus, dass nach einer Einstellung und Etablierung der notwendigen Behandlung eine Arbeits
fähigkeit von 50 % möglich wäre (E. 3.4). Diese Einschätzung vermag je
doch nicht zu überzeugen,
zumal
med.
pract
.
E._
diese Beurteilung nicht näher begründete und auch im Austrittsbericht vom 27. August 2013 keine An
gaben zu einer möglich Arbeitsfähigkeit machte (E. 3.5).
Gestützt auf die vorhandenen Berichte kann somit nicht davon ausgegangen werden, dass ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik zur me
dikamentösen und fachpsychiatrischen Behandlung eine wesentliche Verbesse
rung der Arbeitsfähigkeit
e
r
bracht hätte. Die Rentenaufhebung in der ange
fochtenen Verfügung muss demnach auch unter diesem Blickwinkel als zu Un
recht erfolgt betrachtet werden
.
4.4
Der Vollständigkeit halber ist schliesslich festzuhalten, dass sich aus den vor
handenen Akten keine Anzeichen eines verbesserten Gesundheitszustandes er
geben, welche eine Renteneinstellung rechtfertigen würde
n
.
Insgesamt erweist sich damit die am 8. Oktober 2013 verfügte Einstellung der bisherigen ganzen Rente als nicht zulässig. Dies führt zur Gutheissung der Be
schwerde.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfah
rens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgan
g des Verfahrens sind sie der
u
nterliegenden Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen.