# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7d221ba4-1ed3-490b-a344-d747bb9d1b8d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1984
geborene
X._
schloss 2005 erfolgreich seine Lehre als Koch ab
(
Urk.
7/2).
Am
8.
Juni 2017 meldete sich der Versicherte bei der Sozialver
sicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, wegen eines beidseitigen
Hüft
impingements
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung
an und ver
langte eine Berufsberatung sowie eine Umschulung auf eine neue Tätigkeit (
Urk.
7/3). Die IV-Stelle tätigte beruflich-erwerbliche sowie medizinische Abklä
rungen. Mit Vorbescheid vom
6.
Oktober 2017 kündigte die IV-Stelle an, das Leis
tungsbegehren abzuweisen (
Urk.
7/17), wogegen der Versicherte mit Schrei
ben
vom 1
0.
Oktober 2017 Einwand erhob (
Urk.
7/18). Mit Eingabe vom 1
5.
Novem
b
er 2017 ergänzte der Versicherte seinen Einwand (
Urk.
7/21). Die IV-Stelle holte
daraufhin
einen Arztbericht von
Dr.
Y._
, Neurologie FMH,
ein (
Urk.
7/22), zu welchem sich der Versicherte mit Schreiben vom 1
2.
Januar 2018 äusserte (
Urk.
7/24). Mit Schreiben vom 2
3.
Mai 2019 äusserte sich der Versicherte zu weiteren Arztberichten, welche
zwischenzeitlich eingeholt worden waren
(
Urk.
7/65). Die IV-Stelle verneinte mit Verfügung vom
5.
Juni 2019 einen Anspruch auf IV-Leistungen (
Urk.
2 [=7/68]). Der Versicherte beantragte
in der Folge
, dass die IV-Stelle ein Verfahren betreffend berufliche Massnahmen eröffne und seinen Anspruch auf Umschulung prüfe (
Urk.
7/69). Mit Vorbescheid vom 1
9.
Juni 2019 teilte die IV-Stelle mit, dass
kein Anspruch auf
Umschulung
bestehe, da der Versicherte mit einer Tätigkeit als Hilfsarbeiter ein höheres Ein
kommen erzielen könne als mit einer Tätigkeit in seinem
zuletzt ausgeübten
Beruf
(
Urk.
7/71), was sie
mit Verfügung vom 3
0.
August 2019
bestätigte
(
Urk.
2 im Verfahren IV.2019.00687).
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom
5.
Juni 2019 erhob der Versicherte mit Eingabe vom
5.
Juli 2019 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und bean
trag
te
, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und
es
seien
ihm
– allenfalls nach weiteren medizinischen Abklärungen – die gesetzlichen Leistungen zu gewähren,
insbesondere eine Invalidenrente (
Urk.
1). Mit Beschwerdeantwort vom 1
2.
Septem
ber 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was dem
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 1
3.
September 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
8).
2.2
Gegen die Verfügung vom 3
0.
August 2019 erhob der Versicherte mit Eingabe vom
1.
Oktober 2019
ebenfalls
Beschwerde beim hiesigen Sozialversiche
rungsge
richt und beantragte, die
angefochtene
Verfügun
g sei aufzuheben und es seien
ihm
die ihm von Gesetzes wegen zustehenden Leistungen auszurichten; insbe
son
dere
sei
Kostengutsprache
für eine Umschulung zu leisten (
Urk.
1
im Ver
fahren IV.2019.00687
). Mit Eingabe vom 1
1.
Oktober 2019 reichte
der Versicherte einen
Arztbericht von
Dr.
Z._
, Facharzt A
llgemeine innere Medi
zin,
nach (
Urk.
5
im Verfahren IV.2019.00687
). Mit Beschwerdeantwort vom
1.
November 2019 schloss die IV-Stelle auf A
bweisung der Beschwerde (
Urk.
8
im Verfahren IV.2019.00687
), was dem Versicherten mit Verfügung vom
4.
Novem
be
r 2019 mitgeteilt wurde (
Urk.
10
im Verfahren IV.2019.00687
)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Zwischen den beiden Verfahren
IV.2019.00502 und IV.2019.00687
besteht ein enger sachlicher und rechtlicher Zusammenhang und die Parteien sind identisch. Es rechtfertigt sich daher, den Prozess Nr.
IV.2019.00687 mit dem vorliegenden Prozess Nr. IV.2019.00502 zu vereinigen und unter dieser Prozessnummer weiter
zuführen. Das Verfahren Nr. IV.2019.00687 ist als dadurch erledigt abzuschrei
ben; dessen Akten werden im vorliegenden Prozess als
Urk.
9/0-10 geführt.
2.
2
.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
2
.2
.1
Gemäss
Art.
17
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
hat die
versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn
die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbs
fähig
keit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (
Abs.
1). Der Um
schulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bishe
rigen Beruf gleichgestellt (
Abs.
2). Als Umschulung gelten gemäss
Art.
6
Abs.
1
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Invalidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
2
.2.2
Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumut
ba
ren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsein
busse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 124 V 108 E. 2a und b mit Hinweisen; vgl. auch BGE 130 V 488 E. 4.2; AHI 2000 S. 27 E. 2b und S. 62 E. 1 je mit Hinweisen).
2
.3
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrele
vante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2
.4
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funktio
nelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des
Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu nament
lich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wer
tung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie wür
digen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundes
ge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfol
ge
rungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxis
ge
mässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1). Allerdings kann auf das Ergebnis versiche
rungs
interner ärztlicher Abklärungen – zu denen die RAD-Berichte gehören – nicht abgestellt werden, wenn auch nur geringe Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf
BGE 139 V 225
E. 5.2;
135 V 465
E. 4.4 und E. 4.7).
3
.
3
.1
Die IV-Stelle erwog, dass der Beschwerdeführer in seiner angestammten Tätigkeit nicht mehr arbeitsfähig sei. Eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit sei ihm aber voll zumutbar (
Urk.
2).
Mit Bezug auf die beantragten Eingliede
rungs
massnahmen
hielt die IV-Stelle fest, dass ein Anspruch auf Umschulung be
stehe, wenn durch die gesundheitliche Einschränkung ein Minderverdienst von
min
destens
20
%
gegenüber der n
och zumutbaren Tätigkeit resultiere
. Das
Vali
den
ein
kommen
betrage beim Beschwerdeführer
Fr.
44'626.--. In einer zumut
baren Tätigkeit könne der Beschwerdeführer
Fr.
60'604.—verdienen. Somit seien die
Anspruchsvoraussetzungen nicht erfüllt
(
Urk.
9/2)
.
3
.2
Demgegenüber bringt
der Beschwerdeführer
vor,
der Untersuchungsgrundsatz sei verletzt, da die Einschätzung des
RAD
nicht auf einem vollständig abgeklärten
Sachverhalt beruhe.
Des Weitern
sei das Prinzip Eingliederung vor Rente verletzt, da
die IV-Stelle den Rentenanspruch verneint habe, bevor sie die beruflichen Mass
nahmen geprüft habe (
Urk.
1).
I
m Zusammenhang mit der Bemessung des Invaliditätsgrades
br
ingt
der Beschwerdeführer sodann
vor, er würde ein höh
eres
Valideneinkommen
erzielen
. Es rechtfertige sich, vom Mindestlohn gemäss L-GAV für das Jah
r 2016 von jährlich
Fr.
53'404.--
auszugehen. B
eim Invaliden
einkommen gehe er
v
on einem Betrag von
Fr.
53'870.--
aus. Auch wenn die
Erheb
lichkeitsschwelle
von 20
%
nicht erreicht werde, könne der Umschu
lungs
anspruch des Beschwerdeführers nicht verneint werden.
Eine von ihm auszu
üben
de Hilfsarbeitertätigkeit könne im Vergleich zum gelernten Beruf als Koch nicht
auch nur annäh
ernd
gleichwertig im Sinne der Rechtsprechung betrachtet werden
. Entscheidend sei, dass das berufliche Fortkommen und damit die Erwerbs
aussichten als Hilfsarbeiter mittel- bis langf
rist
ig betrachtet nicht im gleichen Masse gewährleistet seien wie im angestammten Beruf. Dagegen sei von einer Umschulung in den administrativen Bereich eine erhebliche einkommensmässige Besserstellung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erwarten, was umso wichtiger sei, da der Beschwerdeführer noch jung sei (
Urk.
9/1).
4
.
4
.1
Im Bericht
der
Klinik A._
,
Muskulo
-Skelettal Zentrum, Rheumatol
ogie und
Rehabilitation
, vom
1
8.
August 2017
wurden
folgende Diagnose
n
an
geführt
(
Urk.
7/12)
:
-
Persistierende Schmerzen Hüftregion links mehr als rechts
-
b
ei bekanntem
femoroacet
abulärem
I
m
pingement
beidseits
-
Chronifiziertes
lumbospondylogenes Schmerzsyndrom
-
m
it fraglicher
lumboradikulärer
Komponente links
-
Passagere Episode von Krämpfen und Muskelschmerzen im
Bereich der unteren Extremität
-
verbunden mit Taubheitsgefühl, aktuell deutliche Besserung der Symp
tomatik
4
.2
Im Bericht von
Dr.
Y._
vom 2
2.
November
2017
wurden fol
gende Diag
nosen an
geführt
(
Urk.
7/22 S. 6)
:
-
Lumboischialgie
linksbetont mit sensiblen L5- und S1-Radikulopathien links bei bekannter Diskushernie mit
intraforaminalem
Anteil und
Spondyla
r
throse
auf Höhe LWK5/SWK1
-
Femo
ro-acetabuläres
Impingement
beidseits mit deutlichem Knorpel
schaden und
chondralen
Zysten
-
Zustand nach Offset-Korrektur und Labrumteilresektion Mai 2017
-
Tinnitus seit sechs Jahren
Dr.
Y._
führte aus, dass der Beschwerdeführer höchstens ein Arbeits
pensum von 50
%
bewältigen könne, auch in einer adaptieren Tätigkeit (
Urk.
7/22 S. 7).
4
.3
Im Bericht der Universitätsklinik
B._
, Hüfte/Becken,
vom
8.
April 2018 w
urden folgende Diagnosen festgehalten (
Urk.
7/28 S. 4):
-
St. n. Hüft-TP MIS links am 19.12.2017
-
s
ekundäre
Coxa
r
throse
links
-
f
emoroacetabuläres
Impingement
bei Offset-Störung
-
St. n
.
Arthroskopie mit Schenkelhalstaillierung Mai 2017 (
Klinik A._
)
-
Femoroacetabuläres
Impingement
rechts
-
Offset-Störung
-
Chronisches lumbospondylogenes Syndrom
-
Multilokuläre
Beschwerden bei
-
Verdacht auf somatoforme Schmerzstörung
-
Epigastrische
Beschwerden, DD im Rahmen Schmerzmitteleinnahme
Der behandelnde Arzt führte aus, dass
der Beschwerdeführer seit längerem seiner Tätigkeit als Koch nicht mehr habe nachgehen können.
Obschon aus ortho
pä
di
scher Sicht nicht abschliessend beurteilbar
,
erscheine ein Beruf mit weniger manueller Tätigkeit und weniger hüftbelastenden Tätigkeiten wie Büroarbeit für den Beschwerdeführer geeigneter (
Urk.
7/28 S. 6).
4
.4
Im Bericht der
Universitäts
klinik
B._
, Hüfte/Becken,
vom 1
7.
September 2018 wur
den folgende Diagnosen festgehalten (
Urk.
7/54):
-
St. n. Hüft-Arthroskopie, Kopf-Schenkelhalstaillierung,
Labrumrefixation
(2x Anker) rechts am 24.07.2018
mit/bei
-
Femoroacetabuläres
Impingement
rechts
-
St. n. Hüft-TP MIS links am 19.12.2017
(intern) bei
-
s
ekundäre
r
Coxarthrose
links bei
femoroacetabulärem
Impingement
bei Offset-Störung
-
Chronisches lumbospondylogenes Syndrom
4
.5
Im Bericht der Universitätsklinik
B._
, Kniechirurgie, vom 1
2.
Oktober 2018 wurden folgende Diagnosen festgehalten
(
Urk.
7/61)
:
-
Symptomatische
femorpatelläre
Knorpelschädigungen links mit/bei
-
Trochleadysplasie
Typ A
-
Beinachse 0
0
-
CDI 0.9
-
TAGT ausständig
-
Klinisch ausgeprägte generalisierte
Hyperlaxizität
-
St. n. Hüft-Arthroskopie, Kopf-Schenkelhalstaillierung,
Labrumrefixation
(2x Anker) rechts am 24.07.2018 mit/bei
-
Femoroacetabuläres
Impingement
rechts
-
St. n. Hüft-TP MIS links am 19.12.2017 (intern) bei
-
s
ekundäre
r
Coxarthrose
links bei
femoroacetabulärem
Impingement
bei Offset-Störung
-
Chronisches lumbospondylogenes Syndrom
4
.6
Im Bericht der
Universität
s
klinik
B._
vom 1
7.
Oktober 2018 wurden die Diag
nosen vom 1
7.
September 2018 bestätigt u
nd es wurde ausgeführt, dass der Be
schwerdeführer
als Koch
weiterhin
zu 100
%
arbeitsunfähig
sei
. Bezüglich der Hüften sei ab November 2018 eine vorsichtige Reintegration in das Arbeitsleben mit präferenziell wechselnder Tätigkeit möglich (
Urk.
7
/58).
4
.7
Im Bericht von
Dr.
Y._
vom 2
9.
Oktober 2018 wurden folgende Diag
nosen
genannt
(
Urk.
7/64 S. 1):
-
Lumboischialgie
linksbetont mit sensiblen L5- und S1-Radikulopathien links bei bekannter Diskushernie mit
intraforaminalem
Anteil und
Spon
dyla
r
throse
auf Höhe LWK5/SWK1
-
Femo
ro-acetabuläres
Impingement
beidseits mit deutlichem Knorpel
schaden und
chondralen
Zysten
-
Zustand nach Offset-Korrektur und Labrumteilresektion Mai 2017
-
Status nach Hüft-TEP links am 19.12.2017
-
Hüftarthro
skopie mit Kopf-Schenkel-Hals-Ta
illierung und
Lab
r
umre
fixa
tion
rechts am 24.07.2018
-
Tinnitus seit sechs Jahren
Der behandelnde Arzt führte aus, dass eine weitere Tätigkeit als Koch aktuell nicht möglich und perspektivisch kaum vorstellbar sei, weil Zwangshaltungen und das Tragen von schweren Gegenständen dabei nicht vermeidbar wären. Nach einem entsprechenden Belastbarkeits-Aufbautraining sei eine 80%ige Arbeits
fähigkeit für eine Bürotätigkeit denkbar (
Urk.
7/64 S.2).
4
.8
Der Arzt des RAD,
Dr.
C._
, Facharzt
Orthopädie, Chirurgie und Traumatologie, hielt am 1
7.
April 2019 F
olgendes fest (
Urk.
7/66 S. 7
-10
)
:
Der Beschwerdeführer sei seit Oktober 2016 in seiner bisherigen Tätigkeit als Koch zu 100
%
arbeitsunfähig. In angepasster Tätigkeit sei er zu 100
%
arbeitsfähig (mit Ausnahme der kürzeren akutmedizinisch bedingten höheren Arbeitsunfähig
keitszeiten). Es sei keine wesentliche Besserung des Gesundheitszustandes zu
erwarten. Die degenerativen Veränderungen würden im Laufe des Lebens zu
nehmen. Es sei nicht davon auszugehen, dass weitere medizinische Massnahmen zu einer relevanten Reduktion der Arbeitsunfähigkeit führen würden.
4
.9
Im Bericht der Universitätsklinik
B._
, Kniechirurgie, vom
7.
Mai 2019 wurden folgende Diagnosen festgehalten (
Urk.
7/64 S. 4):
-
St. n. Rekonstruktion mediales
patellofemorales
Ligament (
MPFL
) mit
ipilateraler
Gracilissehne
Knie links (Fixation
femoral
mit
Megafix
6/19
mm,
patellär
transossär
),
medialisierende
Tuberositasosteotomie
(10
mm),
Refixation
mit 2
x 3.5
mm Titanschrauben, laterales
Lengthening
,
Knorpel
débridement
retropatellär
vom 20.03.2019 mit bei
-
b
elastungsabhängige
anteriore
Knieschmerzen links
Chondropathie
laterale
Patellafacette
-
Klinisch ausgeprägte generalisierte
Hyperlaxizität
-
St. n. Hüft-Arthroskopie, Kopf-Schenkelhalstaillierung,
Labrumrefixation
(2x Anker) rechts am 24.07.2018 mit/bei
-
f
emoroacetabuläres
Impingement
rechts
-
St. n. Hüft-TP MIS links am 19.12.2017 (intern) bei
-
s
ekundäre
r
Coxarthrose
links bei
femoroacetabulärem
Impingement
bei Offset-Störung
-
Chronisches lumbospondylogenes Syndrom
-
MRI LWS 3/2017: Osteochondrose
LWK
5/
SWK
1, Degeneration der Bandscheibe auf Höhe
LWK
2/3,
Diskusprotrusion
LWK
5/
SWK
1 linksbetont
-
St.
n. CT-gesteuerter Infiltration der Nervenwurzel L5 links 3/2017: kein langf
rist
iges Ansprechen
-
St. n. Facettengelenksinfiltration
LWK
5/
SWK
1
bd
s
. 9/2017: Mässiges Ansprechen
4
.
10
Im Ar
ztbericht von
Dr.
Z._
vom
5.
Oktober 2019 wird F
olgendes ausgeführt (
Urk.
9/6):
Der Beschwerdeführer habe bereits im
Jahr
2014 über Beschwerden im Bereich
Hüfte/Leiste geklagt. Ein Leistenbruch sei damals ausgeschlossen worden. Es müsse
davon ausgegangen werden, dass er schon damals eine Hüftgelenks
prob
lematik gehabt habe
.
5
.
Unbestritten und gemäss vorliegender Aktenlage ausgewiesen ist, dass der Be
schwerdeführer in
der angestammten
Tätigkeit als Koch zu 100
%
arbeitsunfähig ist.
Die IV-Stelle
stützte sich in ihren ablehnenden Entscheiden vom
5.
Juni 2019 respektive 3
0.
August 2019 auf die Einschätzung des RAD-Arztes, namentlich auf die Stellungnahme vom 1
7.
April 2019 (
Urk.
7/66 S. 7)
, ab
.
Der RAD-Arzt nahm
dabei
keine eigene Untersuchung vor, sondern zog lediglich die zitierten Berichte bei
.
Insbesondere
Dr.
Y._
ging zuletzt von einer 80%igen Arbeits
fähigkeit in angepasster Tätigkeit aus. Der RAD-Arzt
, der von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit ausging,
hat n
icht
begründet
, wieso er von dieser Einschätzung
von
Dr.
Y._
abwich
.
Die übrigen
Ärzte hatten sich nur zur Tätigkeit im angestammten Beruf geäussert und waren dort von einer 100%igen Arbeits
unfähigkeit ausgegangen
.
Da der RAD-Arzt seine Stellungnahme nicht eingehend begründet und sich nicht genügend mit den vorhandenen, zum Teil anders
lau
tenden Arztberichten auseinandergesetzt hat,
vermag
seine
Be
urteilung
den vor
stehend genannten Anforderungen an den Beweiswert einer Expertise nicht zu genügen (E. 2.4).
6
.
6
.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
6
.2
Bei der Bemessung des
Valideneinkommens
ging die IV
Stelle vom Einkommen aus, welches der Beschwerdeführer im Jahr 2010 erzielte und passte dieses der seit
herigen Nominallohnentwicklung an. Daraus resultierte ein jährliches
Vali
den
einkommen
von Fr. 44'626.--. Da der Beschwerdeführer seine damalige Arbeits
stelle nicht aufgrund eines eingetretenen Gesundheitsschadens aufgege
ben hat, ist das
Valideneinkommen
allerdings nicht nach Massgabe des seiner
zei
tigen Verdienstes zu bestimmen. Es ist vielmehr zu fragen, welches Einkom
men er heute ohne Gesundheitsschaden in seiner angestammten Tätigkeit als gelernter Koch erzielen könnte. Dazu sind
die Tabellenlöhne der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2016 heranzuziehen.
Da es sich beim
Beschwerde
führer
um einen
ausgebildete
n Koch handelt
, ist auf den standardisierten Lohn der Tabelle TA1,
Ziff.
55-56 (Gastgewerbe/Beherbergung und Gastronomie),
Kompetenzniveau 2, Männer, von monatlich
Fr.
4'307.--
abzustellen. Dieses monatliche Einkommen ist unter Berücksichtigung der durchschnit
tlichen
bran
chenüblichen
Arbeitszeit im Jahr 2017
von
42.4 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen [NOGA 2008], in Stunden pro Woche, 2004-2018, Q 56), sowie der Nominal
lohnentwicklung bis ins Jahr 2017 (Indexstand
2239
[2016] auf
2249
[2017]
: vgl. Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex, Entwicklung der Nominal
löhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, T 39, 2010-2018, Nominal
löhn
e Männer) auf ein Jahreseinkommen hochzurechnen. Das
Validenein
kom
men
beträgt
somit
Fr.
55'03
0
.-- (
Fr.
4'307.--
x
12 :
40 x 42.4 : 2239 x 2249).
6
.3
Die IV-Stelle verneint
e
einen Anspruch auf Umschulung, weil die invaliditäts
bedingte Einkommensbusse nicht mindestens 20
%
betrage (
Urk.
9/2). Bei der 20
%
Grenze handelt es sich
indes – wie der Beschwerdeführer zu Recht moniert -
bloss um einen Richtwert (BGE 130 V 488
; vgl. E. 2.2.2
).
Es ist nicht nur der Gesichtspunkt der Verdienstmöglichkeit, sondern der für die künftige Einkom
mens
entwicklung ebenfalls bedeutsame qualitative Stellenwert der beiden zu ver
gleichenden Berufe
mitzuberücksichtigen
. Die annähernde Gleichwertigkeit der Erwerbsmöglichkeiten in der alten und neuen Tätigkeit dürfte auf weite Sicht nur dann zu verwirklichen sein, wenn auch die beiden Ausbildungen einen einiger
massen vergleichbaren Wert aufweisen. Dies ist im konkreten Fall nicht gegeben, hat doch der Beschwerdeführer eine dreijährige Kochausbildung
absolviert
. Die unq
u
alifizierte Hilfsarbeit kann im Vergleich zum erlernten Beruf als Koch qualitativ nicht als gleichwertig betrachtet werden, woran auch eine im momen
tanen Einkommensvergleich resultierende Verdiensteinbusse von weniger
als 20
%
nichts zu ändern vermag
. Dazu
kommt, dass d
ie mit einer angemessenen Umschulung einhergehende bessere S
tellung auf dem Arbeitsmarkt
für den Be
schwerdeführer umso wichtiger
ist
, da
die verbleibende Aktivitätsdauer
ver
gleichs
weise
lang
ist
(vgl. BGE 9C_994/2009 vom 2
2.
März 2010).
Damit kann die Verneinung eines Umschulungsanspruchs nicht allein mit einer zu geringen invaliditätsbedingten Erwerbseinbusse begründet werden.
7
.
Schlüssige medizinische Ausführungen, die eine zuverlässige Be
urteilung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers erlauben würden, liegen nicht vor. Mithin kann weder ein Anspruch auf Umschulung noch ein solcher auf Rente beurteilt werden. Die Sache ist an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit sie medizinische Ab
klärungen zur Arbeitsfähigkeit
in einer angepassten Tätigkeit durchführe und anschliessend über d
i
e
Leistungsansprü
ch
e
neu verfüge. In diesem
Sinne
sind
die Beschwerde
n
gutzuheissen.
8
.
8
.1
Die Kosten d
es Verfahrens sind auf
Fr.
600.--
festzulegen und ausgangsgemäss der IV-Stelle aufzuerlegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
8
.2
Nach
§
34
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
). Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb Anspruch auf Pro
zessentschädigung besteht. Entsprechend der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
sowie unter Berücksichtigung
des Ums
t
and
es
,
dass vorliegend zwei Prozesse vereinigt worden sind,
ist diese auf
Fr.
2'
900
.-- (inklu
sive
MwSt
) festzusetzen.