# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d3cd411a-98fd-46e3-9edb-39cec9fe1504
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1
.
1.1
X._
, geboren 1972, verfügt über ein Fähigkeitszeugnis als kaufmän
nischer Angestellter
(
Urk.
7/64/22)
. Am 2
9.
August 2012 meldete er sich wegen eines Rezidivs eines biphasischen
Synovialsarkoms
am rechten Knie bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug
an
(
Urk.
7/6)
. Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte
mit Verfügung vom 13.
Juni 2013 (
Urk.
7/51)
einen Anspruch auf Umschulung
. Die dagegen gerich
tete Beschwerde wies das
Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil vom 1
8.
Oktober 2013
ab
(
Verfahren IV.2013.00655,
Urk.
7/59).
1.2
2014
erlangte der Versicherte
in Prag
ein
Master
of
Business Administration-(MBA)-Diplom
im Bereich Human
Resource
and Personal Management
(Urk.
7/65/
5,
Urk.
7/64/4
).
Vom
1
8.
Mai bis 2
8.
September 2015
war er
bei der
Y._
im Rahmen einer Ausbildung angeste
llt
. Bei erfolgreichem Abschluss der Ausbildung wäre eine Weiterbeschäftigung als in Kosovo stationierter Perso
nalchef der
Z._
bis 2
1.
Apr
il 2016 vorgesehen gewesen
. Indessen erlitt der Versicherte am
7.
August 2015 als Mitfahrer in einem Armeefahrzeug bei einem Unfall eine Verletzung der Wirbelsäule (traumatische Diskushernie mit Plegie links und S1-Parese rechts;
Urk.
7/88/46), was zum vorzeitigen Abbruch der Ausbildung per 1
8.
August 2015 führte (
E. 1.1 des Urteils MV.2018.00006 des Sozialversicherungsgerichts
vom 2
0.
Januar 2020,
Urk.
3/3
).
Am
5.
Oktober 2015 meldete
sich
der Versicherte
deswegen bei der
IV-Stelle
für die
berufliche Integra
tion und für den Rentenbezug an (
Urk.
7/65).
Am 2
0.
Januar 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass zurzeit keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen möglich seien (
Urk.
7/82). Die IV-Stelle zog wiederholt die Akten der zuständigen Suva, Abteilung Militärversicherung, bei,
namentlich auch den Bericht über die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) von
Dr.
med.
A._
, Spezialarzt
FMH
für Rheumatologie und Innere Medizin,
B._
, vom 28.
April 2017 (
Urk.
7/95/13-22,
Urk.
7/95/23-32
) sowie die EFL-Beurteilung der Fachpersonen
von
der
C._
vom
3.
Mai 2018 (
Urk.
7/106/90-105).
Mit Vorbescheid vom 3
0.
Oktober 2019 (
Urk.
7/113) kündigte die IV-Stelle die Zusprechung einer
ganzen Invali
denrente
vom
1.
August 2016
befristet per
30.
Juni 2017
an (
Urk.
7/113) und a
m 2
5.
Juni 2020 verfügte sie im angekündigten Sinn (
Urk.
2).
2.
Gegen die Verfügung vom 2
5.
Juni 2020 richtet sich die Beschwerde des Versi
cherten vom 2
0.
August 2020 mit dem Rechtsbegehren, die Verfügung sei aufzu
heben und ihm sei ab dem
1.
August 2016 bis auf Weiteres eine Invalidenrente zuzusprechen.
Eventualiter sei ab dem
1.
Juli 2017 eine halbe Invalidenrente
zuzusprechen.
Subeventualiter
sei die Sache zwecks Vornahme weiterer Abklä
rungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin schloss am 2
4.
September 2020 auf Abweisung der Beschwerde. Darüber wurde der
Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 3
0.
Sept
ember 2020 in Kenntnis gesetzt (
Urk.
8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art.
4 Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art.
3 Abs.
1 und Art.
6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E.
5.1, 143 V 409 E.
4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396 E.
5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E.
5.3.2, 143 V 409 E.
4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 139 V 547 E.
5.2, 127 V 294 E.
4c; vgl. Art.
7 Abs.
2 ATSG)
.
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40
% arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
% invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40
% besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50
% auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60
% auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70
% auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art.
16 ATSG in Verbindung mit Art.
28a Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE
130 V 343 E.
3.4.2, 128 V 29 E.
1).
1.5
Nach der Rechtsprechung sind bei rückwirkender Zusprechung einer abgestuften oder befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Bestim
mungen (Art.
17 ATSG in Verbindung mit Art.
88a
der Verordnung über die Invalidenversicherung,
IVV) analog anzuwenden (BGE
133 V 263 E.
6.1 mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 9C_122/2020 vom 26.
Februar 2021 E.
2). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung der tatsächlichen Verhält
nisse eingetreten und damit der für die Abstufung oder Befristung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt des Rentenbeginns mit demjenigen im – nach Massgabe des analog anwendbaren Art.
88a Abs.
1 IVV festzusetzenden – Zeitpunkt der Anspruchs
änderung (vgl.
BGE
125
V
413 E.
2d mit Hinweisen; vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_375/2017 vom 25.
August 2017 E.
2.2 und 8C_350/2013 vom 5.
Juli 2013 E.
2.2 mit Hinweis).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE
125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE
125 V 256 E.
4 mit Hinweisen; AHI 2002 S.
70 E.
4b/cc).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin
ging in der angefochtenen Verfügung vom 2
5.
Juni 2020 (
Urk.
2) davon aus, nach dem Unfall vom August 2015 sei die Wartezeit im August 2016 erfüllt gewesen. Da zum damaligen Zeitpunkt auch eine Arbeits
unfähigkeit für angepasste Tätigkeiten bestanden habe, resultiere ein Invaliditäts
grad von 100
%
und damit vorübergehend ein Anspruch auf eine ganze Rente. Im Verlauf habe sich der Gesundheitszustand verbessert und seit April 2017 gingen sie gestützt auf die EFL vom April 2017 davon aus, dass der Versicherte in einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit z
u 100
%
arbeitsfähig sei. Von psychiatrischer Seite liege keine Arbeitsunfähigkeit vor. Bei guter Gesundheit hätte der Versicherte weiterhin einen Lohn im untersten Kader, Niveau Fachhoc
hschule, erzielen können. Dieser
liege im Jahr 2017 bei
Fr.
113'203.6
5.
Auch mit den gesundheitlichen Einschränkungen könnte ein entsprechendes Einkommen erzielt werden, weshalb ein Invaliditätsg
rad von 0
%
resultiere
und die Rente per Ende
Juni 2017 befristet werde
(
Urk.
2 S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer liess in der Beschwerde im Wesentlichen geltend machen, zur Klärung von Diskrepanzen sei durch die Suva eine zweite EFL in der
C._
veranlasst worden
(
Urk.
1 S.
3
Ziff.
3
)
. Die Ergebnisse dieser zweiten EFL stünden in direktem Widerspruch zur EFL von 201
7.
In der EFL von 2018 sei
ihm neu
eine volle Arbeitsfähigkeit attestiert worden, obwohl sich seine gesund
heitliche Situation zwischenzeitlich nicht gebessert, sondern v
erschlechtert habe (
Urk.
1 S.
5
f. Ziff.14
). Der Regional
e Ä
rztliche Dienst der IV-Stelle (RAD) äussere sich nicht zum entscheidenden Punkt, wie die sich widersprechenden Einschät
zungen gegeneinande
r abzuwägen
seien.
Entgegen der Einschätzung des RAD sei die gesundheitliche Situation nicht
genügend abgeklärt (
Urk.
1 S.
6
f. Ziffer
15). Die Ergebnisse der EFL seien für sich nicht ausreichend, um den effektiven Umfang der Arbeitsfähigkeit zu erfassen.
N
amentlich seien die entsprechenden Ergebnisse nicht
in den notwendigen Kontext mit den fachärztlichen und strin
genten Berichten von
Dr.
med.
D._
,
FMH
Orthopädische Chirurgie, gestellt
(
Urk.
1 S. 7 Ziff.
16
) und
die Auswirkungen der Belastung auf seine Schmerz
situation
seien
u
ngenügend erfasst worden
(
Urk.
1 S.
7
f. Ziff.
17
f.).
Eine Momentaufnahme könne nicht einfach zutreffend sein und alleinige Entschei
dungsgrundlage bilden (
Urk.
1 S. 9
Ziff.
19
, S.
10
f.
Ziff.
25
). Nach dem SPECT-Verlauf sei der Heilungsverlauf rückläufig und es seien künftig weitere Opera
tionen zu erwarten. Die einzige und effektivste Verhinderungsoption weiterer Operationen und der
Schmerzchronifizierung
stelle gemäss
Dr.
D._
die Reduktion der Arbeitstätigkeit dar
(
Urk.
1 S. 10
Ziff.
23
f.
, S.
14
N
30
, S.
18
N
39
).
Demzufolge seien die gesetzlichen Leistungen in Bezug auf die von
Dr.
D._
ermittelten Arbeitsunfähigkeiten festzulegen (Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ab
1.
Oktober 2017, von 60
%
vom
1.
bis 2
8.
Januar 2019 und von 70
%
ab Januar 2019;
Urk.
1 S. 14 Ziff.
31).
Die Attestierung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit unter der Prämisse, dass er dafür täglich Tramal und Targin konsumieren müsse, sei nicht zulässig (
Urk.
1 S. 13
Ziff.
28). In der EFL seien zudem allein körperliche Belastungsgrenzen und –
möglichkeiten
in der Beanspruchung von einzelnen Muskelgruppen geprüft, hingegen sei die kognitiv-motivationale Leistungs
fähigkeit nicht geprüft worden (
Urk.
1 S. 15
Ziff.
33
f.).
Auch aus psychiatrischer Sicht ergebe sich gestützt auf die Beurteilung von
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
eine zusätzlich
e Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
1 S.
18
N
37
).
Entgegen den Feststellungen der Beschwerdegegnerin und gestützt auf das Urteil des Sozialversicherungsgerichts vom 2
0.
Januar 2020 sei
zudem
von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
133'934.-- auszugehen. Da er aufgrund der stetigen Einnahme von Opiaten und wegen der persistierenden, qualvollen Schmerzen
und der daraus resultierenden beträchtlichen Konzentrations- und Leistungsfähigkeit nur noch ganz einfache Bürotätigkeiten verrichten könne, sei von einer Verdien
st
einbusse von
Fr.
68'934.
--
auszugehen, was einer Erw
erbseinbusse von 51
%
und damit mindestens einem Anspruch auf eine halbe Invalidenrente entspreche (
Urk.
1 S. 19
f.
Ziff.
39).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Umfang der Arbeitsfähigkeit ab April 201
7.
Zu Recht n
icht stritti
g
ist demgegenüber
, dass
im
Vergleich zur Situation
am
1.
August 2016
, als die Heilungsphase
nach dem
operativen Eingriff vom 1
8.
Februar 2016
noch andauerte (vgl.
Urk.
7/93/30,
Urk.
7/93/37,
Urk.
7/95/91),
eine revisions
relevante Verbesserung vorlag
(E. 1.5)
.
3.
3.1
Dr.
A._
,
B._
, erstellte seine Beurteilung vom 2
8.
April 2017 (
Urk.
7/95/13-22) gestützt auf die medizinischen Akten, die Untersuchung des Beschwerdeführers vom 1
0.
April 2017 sowie die Ergebnisse der am 1
2.
und 13.
April 2017 durchgeführten EFL. Dabei stellte er folgende Diagnosen (S. 7):
Posttraumatisches
lumbospondylogenes
Syndrom beidseits linksbetont mit erheblicher Muskelschwäche Fuss links, weniger gluteal links und Fuss rechts bei/mit
-
Status nach axialem Stauchungstrauma der Wirbelsäu
l
e nach Militärlast
wagenunfall vom 07.08.15 mit akutem
lumboradikulärem
sensomotorischem Ausfallsyndrom L5 und S1 links, weniger rechts
-
kernspintomographisch mittelgrosse mediane Diskushernie L5/S1 mit mögli
cher Kompression der Nervenwurzel S1 beidseits (MRI LWS vom 13.08.2015)
-
Status nach Diskektomie und Dekompression unter partieller
Facettektomie
L5/S1 beidseits am 18.08.2015 ([richtig: 20.08.2015] fecit
Dr.
D._
)
-
Status nach
second
look
, Zweitnachdekompression L5/S1 beidseits, radikuläre Diskektomie und
Nucleusentfernung
am 25.08.15 (fecit
Dr.
D._
)
-
Status nach Spondylodese L4 bis S1 am 18.02.16 (fecit
Dr.
D._
)
-
aktuell: Muskelatrophie am Ober- und Unterschenkel links (53/52 cm bzw. 44/41 cm) und
Fussheberschwäche
M1 links, M4 rechts sowie
Fusssen
ker
schwäche
M2 links, M4 rechts sowie gluteale Schwäche links (Trendelen
burg
zeichen positiv) und Hypästhesie S1 links
-
aktuell leichtgradiges Hinken mit Heidelbergerschiene links
Nicht unfallkausal:
-
Leichtgradiges
zervikovertebrales
Syndrom bei/mit wahrscheinlich degenera
tiven Veränderungen der unteren HWS
-
Status nach Arthroskopie Knie rechts 1989
-
Status nach Entfernung eines
Synovialsarkoms
am Knie rechts 2007 mit
Reoperation
und
Thierschung
2012; Status nach OSME 2014
-
Verdacht auf arterielle Hypertonie (kontrollbedürftig)
-
Adipositas (Gr
ö
sse 195cm, Gewicht 125kg)
Im Rahmen der Beurteilung führte er aus, es bestehe ein schwerer motorischer Ausfall L5 und S1 links, leichtgradig auch rechts, mit Hypästhesie im Dermatom S1 links. Aus ärztlicher Sicht blieben die belastungsabhängigen lumbalen Schmerzen trotz Spondylodese etwas unklar. Ob eine Facettengelenksreizung L3/L4 verantwortlich sei, bleibe unklar. Neben der geplanten Facettengelenks
infiltration wäre eine konsequente stabilisierende Physiotherapie sinnvoll. Aufgrund der schweren Fussheber- und
Fusssenkerschwäche
links und der glutealen Schwäche
(L5) mit positivem Trendelenburg-Zeichen sei die vermin
derte Stabilisierung des Beines links ohne Heidelbergerschiene glaubwürdig und nachvollziehbar. Mit Heidelbergerschiene bestehe eine deutlich bessere Stabilisie
rung vor allem im Fussbereich. Die in der EFL nachgewiesenen Einschränkungen seien glaubwürdig und nachvollziehbar (S. 10). Im Bericht über die EFL (
Urk.
7/95/23-32) wurde festgehalten, es habe eine Belastbarkeit für eine leichte bis mittelschwere Tätigkeit (Hantieren von Lasten selten bis maximal 15 kg) beobachtet werden können. Eine ganztägige Tätigkeit sei nur zumutbar, wenn die Tätigkeit wechselbelastend sei, da das funktionelle Leistungslimit beim Sitzen, Stehen an Ort und beim Stehen und Gehen je bei manchmal, das heisse insgesamt
,
einer halben bis drei Stunden, liege. Könnte der Beschwerdeführer ein Stehpult oder einen höherverstellbaren Tisch neben seinem Arbeitsplatz haben, so könnte er bis sechs Stunden arbeiten. Dies gelte allgemein für Büroarbeiten. Reisetätig
keiten seien nicht mehr zu empfehlen (S. 2 f.).
3.2
Kreisarzt
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Chirurgie, Suva Versicherungsmedizin, beurteilte die Einschätzung von
Dr.
A._
,
B._
, am 1
5.
Mai 2017 als nachvollziehbar. Die Zumutbarkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt lasse sich wie folgt aus dem Belastungsprofil ableiten: Eine leichte bis mittelschwere, nur wechselbelastende Tätigkeit (Hantieren von Lasten selten bis 15 kg) sei unter den weiteren beschriebenen Einschränkungen ganztags zumutbar. Di
e Tätigkeit als Human-
Resource
-
Angestellter im Personalbereich sei unter der Voraussetzung eines höhenverstellbaren Pultes bis zu sechs Stunden pro Tag zumutbar (
Urk.
7/95/11).
3.3
Dr.
D._
, behandelnder Arzt an der Privatklinik Bethanien, äusserte sich im Schreiben vom
7.
Juni 2017 dahingehend, dass aufgrund einer
Spect
-Untersu
chung vom 2
1.
Februar 2017 an der Klinik Hirslanden der Verdacht auf einen Low grade Infekt bei nach wie vor erhöhter Aktivität im Bereich des Operations
gebietes bestehe sowie zusätzlich auf eine Pseud
o
arthrose bei nach wie vor bestehendem Enhancement
interkorporell
L5/S
1.
Zum jetzigen Zeitpunkt sei der
Beschwerdeführer
mit diesen Verdachtsdiagnosen vollumfänglich arbeitsunfähig. Den Beschwerdeführer bei vorbestehender Lähmung und noch nicht vollständiger Einheilung bereits sportlicher Tätigkeit aussetzen zu wollen, sei aus biomecha
nischer Sicht völlig falsch (
Urk.
7/
101/39-43
S. 3 f. und S. 5).
3
.4
Das am 2
2.
Juni 2017 angefertigte MRI des oberen Sprunggelenkes (OSG) und des Mittelfusses rechts ergab Knochenödeme in der Basis und proximalen Diaphyse des Mittelfussknochens (MT) IV sowie
subchondral
im Os
cuboideum
im
Lisfranc’schen
Gelenk IV/V. Differentialdiagnostisch handle es sich um begin
nende
Ermüdungsfrakturen beziehungsweise
subchondrale
Frakturen (
Urk.
7/
101/18
). Die Suva anerkannte ihre Leistungspflicht für diese Spätfolgen der Fehl-/Überbelastung wegen der MV-versicherten linksbetonte
n Restparesen L5/S1 (
Urk.
7/101/11-12
). Der Versicherte wurde orthopädietechnisch versorgt (vgl.
Urk.
7/
101/24-25
).
3
.5
Oberarzt
Dr.
Becker, Assistenzarzt
Dr.
med. Kuschel und Physiotherapeutin Stierli,
C._
, führten im Bericht vom
3.
Mai 2018
(
Urk.
7/106/1-16
) aus, aus medizinischer Sicht sei gestützt auf die Akten, die erhobenen Befunde und die am 2
8.
April 2018 angefertigten Röntgenbilder circa 2.5 Jahre nach Unfall und 2 Jahre nach
transpedunkulärer
Fusion von L4 bis S1 von einem stabilen Zustand auszugehen. Die am Tag der EFL durchgeführten Röntgenbilder hätten eine korrekte Lage der Cages und keine Schraubendislokationen gezeigt. Der Versicherte sei mit einer Heidelbergerschiene bei
Fussheberparese
links versorgt. Mit dieser sei die Gehfähigkeit nur leicht eingeschränkt. Prognostisch sollten aufgrund des Risikos einer Anschlussdegeneration keine schweren rücken
belastenden Tätigkeiten mehr durchgeführt werden (S. 5). Als arbeitsrelevante Probleme bestünden lumbale Rückenschmerzen ausstrahlend in beide Beine und in die Brustwirbelsäule, eine verminderte Kraft und Sensibilität der unteren Extremitäten links mehr als rechts und eine verminderte Belastbarkeit des unteren Rückens. Eine leichte bis mittelschwere Arbeit sei ganztags zumutbar. Die Arbeit müsse wechselbelastend sein, Sitzen sei dem
Beschwerdeführer
bis 75 Minuten und Gehen/Stehen bis 50 Minuten am Stück möglich. Nicht möglich seien dem
Beschwerdeführer
das Heben vom Boden bis Taillenhöhe, die
Hockestellung
, das Leitersteigen, die Arbeit an sturzexponierten Stellen und wiederholte Kniebeugen. Selten möglich seien Treppensteigen, vorgeneigtes Sitzen und Stehen, die Rota
tion im Stehen und Sitzen und das Kriechen. Zu empfehlen sei die Anschaffung eines Stehpultes sowie Empfehlungen bezüglich Ergonomie am Arbeitsplatz für wechselbelastende Tätigkeiten (S. 5 f.). Im Rahmen der Tests habe sich eine Diskrepanz zwischen den Angaben über erhebliche funktionelle Einschränkungen und den beobachteten funktionellen Fähigkeiten gezeigt. Der Beschwerdeführer gebe an, er könne zuhause maximal zwei Stunden aktiv sein, anschliessend lege er eine Liegepause von 1.5 Stunden ein. Während de
r
Tests sei der Beschwerde
führer an zwei Tagen über vier Stunden aktiv gewesen, abgesehen von der Kaffeepause (S. 11). Die Selbsteinschätzung der getesteten Leistungsfähigkeit sei erheblich zu tief gewesen (S. 15).
3
.6
Dr.
D._
führte
im
Verlaufsbericht vom 2
1.
August 2018
(
Urk.
7/106/54-56
) aus, der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner Körpergrösse von 1.97 m und einem Körpergewicht von 135 kg, aufgrund des Verlaufs der posttraumatischen Diskushernie und des Verlaufs nach den Operationen ein Patient ausserhalb der
Norm (S. 1 f.). Bereits aktuell seien im SPECT-Verlauf eindeutige Zeichen sichtbar, die in Richtung erneuter Probleme gingen und auf künftig zu erwartende Opera
tionen hindeuteten (S. 3). Die einzige Möglichkeit und effektivste Verhinde
rungsoption weiterer Operationen bestehe in einer reduzierten Arbeitstätigkeit. Dies nebst einigen, weitaus weniger relevanten Einflussfaktoren, zu denen der Beschwerdeführer beitragen könne wie Einhaltung des Normalgewichts, Vermei
dung körperlicher Überlastungen sowie diversester Sportarten (Joggen, Trampolin usw.). Eine solche Reduktion sei bei der gegebenen Vorgeschichte und der Konstitution inklusive des Alters der Versicherten eine conditio sine qua non, wolle man nicht ununterbrochen über die Jahre mit dauernden kostspieligen Untersuchungen, Dauertherapien und Dauermedikation, der Entwicklung eines chronischen Schmerzsyndroms mit Implantation erneut kostspieliger Neurostim
u
latoren und weiteren Operationen mit konsekutiver Verschlechterung der Lebensqualität und entsprechenden psychischen Folgeerscheinungen konfrontiert werden (S. 3).
3.7
Dr.
E._
hielt am 2
3.
August 2018 fest, da die EFL vom
3.
Mai 2018 auf den gesamten
Vorakten
, der eigenen Untersuchung des Versicherten und den von ihm geklagten Beschwerden sowie einer eingehenden Testung beruhe, sei davon auszugehen, dass die im Schreiben von
Dr.
D._
beschriebenen, ausserhalb der Norm liegenden Fakten zur Konstitution des Versicherten, zur Ursache der Gesundheitsschädigung sowie zum bisherigen Behandlungsverlauf und auch zur zu erwartenden Prognose des weiteren Verlaufs berücksichtigt worden seien. Aus versicherungsmedizinischer Sicht gebe es keinen Grund
,
von der erfolgten Beur
teilung der Zumutbarkeit abzuweichen (
Urk.
7/
106/50-51
S. 2).
3
.8
Oberarzt
Dr.
Becker,
C._
, äusserte sich am
5.
November 2018 (
Urk.
7
/106/133-135
) unter anderem zum Schreiben von
Dr.
D._
vom 21.
August 201
8.
Die EFL sei eine praktische Testung unter Berücksichtigung des Individuums und seiner körperlichen Konstitution. Von statistischen Pauschal
aussagen könne keine Rede sein. Die Belastung, die eine Arbeitstätigkeit mit sich bringe, könne man nicht nur durch eine Reduktion der Arbeitszeit reduzieren, sondern auch, und dies wahrscheinlich noch effektiver, durch eine Reduktion der Arbeitsschwere und durch zusätzliche Einschränkungen, die man aufgrund des konkreten Beschwerdebildes formuliere. Durch Reduktion der
Arbeitsschwere und spezifische
Einschränkungen schaffe man optimale Voraussetzungen, damit es prospektiv nicht zu einer progredienten Verschlechterung komme (S. 1 f.).
3
.9
Aufgrund der beim Beschwerdeführer erhobenen Anamnese und der Akten kam
Dr.
F._
im Bericht vom
3.
Februar 2019
zum Schluss, dass
-
auch wenn der
Beschwerdeführer
keine manifesten psychopathologischen Symptome aufweise und keine eigentliche depressive Episode gemäss ICD-10 F 32 diagnostiziert werden könne
-
sein Verhalten im Alltag, die verminderte Belastbarkeit, das zunehmende soziale Rückzugsverhalten und die allgemeine innerlich erlebte Leere die gleichen Auffälligkeiten
zeige
, wie sie insbesondere bei chronischen Depressionen vom narzisstischen Typ vorgefunden werden könnten. Auch wenn die Erschöpfung nie den Schwellenwert einer eigentlichen Störung erreicht habe und nie die Diagnose einer Anpassungsstörung habe gestellt werden können, so stellten die derzeitige mangelnde Dauerbelastbarkeit, die fehlende Flexibilität und ein zunehmender Verlust der Selbstbehauptungsfähigkeit Einschränkungen dar, die aufgrund von unfallbedingten Einflüssen auf die psychische Verfassung begründet seien. Diese hätten sich einerseits entwickelt, da der
Beschwerdeführer
sich nochmals habe mit einer schweren körperlichen Verletzung befassen müssen. Andererseits führten die ständigen Schmerzen, die doch eine andauernde Medi
kation mit Tramal und Targin erforderlich machten, und nicht zuletzt die damit verbundenen medikamentösen Nebenwirkungen zu einer Einschränkung der psychischen Belastbarkeit (Bericht
vom
3.
Februar 2019,
Urk.
7/108/77-83
S.
5). Hinsichtlich der EFL zu kritisieren sei, dass nicht zumindest das Tastaturschreiben überprüft worden sei, dass keine neuropsychologischen Leistungstests statt
ge
funden hätten und keine Validierung der Beschwerden. Die Auswirkungen des Gesundheitsschadens auf eine mental beanspruchende Tätigkeit hätte
n
sorgfäl
tiger berücksichtigt werden müssen (S. 6). Im Längsverlauf könne von einer leich
ten, aber doch ausgewiesenen zusätzlichen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen werden. Da die Schwelle einer leichten depressiven Episode bei zusätzlicher schmerzbedingter Psychopathologie und vermuteten Nebenwirkungen der Medi
kation in Bezug auf die Belastbarkeit doch überschritten werde, dürfe aus fach
ärztlicher Sicht von einer zusätzlichen Arbeitsunfähigkeit von 20
%
(additiv zur bisherigen von 50
%
von
Dr.
D._
attestiert) ausgegangen werden (S. 7).
3.10
RAD-Arzt
Dr.
med.
P._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Tra
u
mato
logie, hielt am 3
0.
Oktober 2019 fest, die Angaben zur zumutbaren Arbeitsfähig
keit in den beiden EFL-Berichten seien aus versicherungsmedizinisch-orthopä
discher Sicht nachvollziehbar, was bedeute, dass bereits ab April 2017, spätestens aber ab dem
1.
Oktober 2017 (Einstellung der Taggeldleistungen) von einer Arbeitsfähigkeit für eine körperlich leichte, wechselbelastende Tätigkeit auszu
gehen sei (
Urk.
7/111/8).
3.11
Am 2
4.
Februar 2020 wurde der
Beschwerdeführer
erneut operiert und eine Verlängerungs-Spondylodese L3-S1, eine Revisions-Spondylodese L5/S1 unter gleichzeitiger
Vertebroplastik
S1, eine Dekompression L3/4 auf der linken Seite und
Vertebroplastik
L3 beidseits bei CFX
Expedium
System sowie eine
dorso
mediane
Spongiosaplastik
L3/4 durch
geführt
.
Dr.
D._
hielt fest, initial sei eigentlich nur die Entfernung des Osteosynthesematerials zwecks Schonung der darunterliegenden Gelenke geplant gewesen. Bereits im Jahr 2017 habe das
Spect
gezeigt, dass eine Überlastungssymptomatik auf Höhe L3/L4 vorliege, was auch durch die Kollegen an der
O._
klinik
bestätigt worden sei, weshalb dann das Procedere angepasst worden sei (
Urk.
7/
130 Anhang, Suva-Akten Nr. 356,
Nr.
358 und
Nr.
359
).
4.
4.1
Die im Verlauf bei
Dr.
A._
,
B._
, sowie den genannten Fachpersonen von der
C._
eingeholten EFL-Beurteilungen sind für die streitigen Belange umfassend, beruhen auf allseitigen Untersuchungen und auf der Evaluation der Leistungsfähigkeit, sie berück
sich
tigen die geklagten Beschwerden und wurden in Kenntnis der
Vorakten
erstellt. Ihre Schlussfolgerungen wurden nachvollziehbar begründet.
Soweit der Beschwerdeführer für seinen Fall die grundsätzliche Eignung einer EFL als ergänzendes Mittel zur Ermittlung der Arbeitsfähigkeit in Frage
stellen
wollte, wäre ihm zu widersprechen (
Urk.
1 S. 6 f.). Eine EFL eignet sich bei Erkrankungen am Bewegungsapparat, wozu namentlich auch sein Rückenleiden gehört. Bei einer EFL wird die Fähigkeit eines Individuums, manuelle Tätigkeiten zu verrichten, gemessen und der Zeitraum eingeschätzt, während dem die Klientin oder der Klient diese im Verlaufe eines ganzen Tages auszuüben imstande ist. Schmerzen werden dabei berücksichtigt. Die EFL kann Empfehlungen enthalten in Bezug auf die funktionelle Rehabilitation, den Reintegrationsprozess oder auf allfällige einfache Massnahmen in der Gestaltung des Arbeitsplatzes (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_547/2008 vom 1
6.
Januar 2009 E. 4.2.1). Entsprechend wurde bei der im April 2017 bei
Dr.
A._
,
B._
, durchgeführten EFL ein Belastungslimit für Sitzen, Stehen an Ort und Stehen/Gehen von je drei Stunden festgestellt und für Büroarbeiten die Empfeh
lung eines höhenver
stellbaren Pults abgegeben (E. 3
.1). Die in der
C._
durchgeführte EFL ergab die Notwendigkeit einer leichten bis mittel
schweren, wechselbelastenden Tätigkeit, wobei für das Sitzen und das Gehen/Stehen am Stück je eine zeitliche Begrenzung genannt und ebenfalls die Anschaffung eines
Stehpultes empfohlen wurde (E. 3
.5).
4
.2
Die EFL wurden in Kenntnis der medizinischen
Vorakten
und der Untersuchungs
befunde unter ärztlicher Aufsicht oder Begleitung durchgeführt
.
So wurde bei
der EFL im
B._
wiederholt Rücksprache mit
Dr.
A._
genommen (
Urk.
7/213/11-20 S
. 4, S. 8
).
Dr.
A._
,
B._
,
setzte sich
auch mit dem Ergebnis der
Spect
-Untersuchung vom Februar 2017 auseinander (
Urk.
7/
95/13-22
S. 7 und S. 10). Der
auch von Dr.
D._
aufgezeigten
Gefahr einer Anschlussdegeneration an der Wirbelsäule war man sich bewusst. Gemäss
dem
Bericht der
C._
vom
3.
Mai 2018 hatte man aufgrund dessen die längerfristig zumutbare Belastbarkeit gegenüber den Testergebni
ssen etwas reduziert (
Urk.
7/106/90-105
S. 7, S. 5). Nach den nachvollziehbaren Ausführungen von
Dr.
Becker bestehen mit einer Reduktion der Arbeitsschwere und mit zusätzlich formulierten Einschränkungen optimale Voraussetzungen, damit es prospektiv nicht zu einer (wohl: arbeitsbe
dingten) progredienten Ve
rschlechterung kommt (
Urk.
7/108/133-135 S.
2). Die Ausführungen des behandelnden
Dr.
D._
vom 2
1.
August 2018 (E. 3.6)
, welcher zur Vermeidung einer Anschlussdegeneration eine reduzierte Arbeits
tätigkeit als zwingend erforderlich erachtet, vermögen die eingeholten Berichte nicht in Frage zu stellen, zumal auch die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen ist, dass behandelnde Arztpersonen in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
enten und Patientinnen aussagen (BGE 135 V 4
65 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Seitens
Dr.
D._
s
wurden jedenfalls keine Aspekte aufgezeigt, die im Rahmen der EFL-Beurteilungen nicht berücksichtigt worden wären. Darauf wies auch Kreisarzt
Dr.
E._
am 2
3.
August 2018 hin (E. 3
.7).
4
.3
Auch die vom Beschwerdeführer
dargestellten
Unterschiede zwischen den beiden EFL-Beurteilungen, die er als Widerspruch deutet, vermögen deren Beweiswert nicht zu schmälern. Tatsächlich wurde die Arbeit
sfähigkeit im Gutachten von Dr.
A._
,
B._
, noch leicht anders beurteilt als in der
C._
. Bei letzterer wurden neu die Positionen Sitzen, Stehen und Stehen/Gehen nicht mehr auf je drei Stunden täglich limitiert.
Im Nachgang zu den Untersuchungen und Abklärungen bei
Dr.
A._
, Arbeits
zentrum Winterthur, erfolgte am 2
7.
April 2017 eine Facettengelenksinfiltration L3/L4, wobei sich die Rückenschmerzen (vorübergehend) verbesserten (
Urk.
7/
95/9-10).
Zudem wurde auch die empfohlene stabilisierende Physio
therapie beziehungsweise
m
edizinische Trainingstherapie aufgenommen und etabliert (
Urk.
7/
95/13-22
S. 10,
Urk.
7/
106/90-105
S. 6). Die bei
Dr.
A._
,
B._
, festgestellte Haltungsinsuffizienz, welche insbesondere längerem Sitzen entgegen
ge
standen hatte, war bei der Abklärung in der
C._
im April 2018 nicht mehr vorhanden beziehungsweise
war
die Belastbarkeit
deutlich grösser (
Urk.
7/95/
23-32 S.
8,
Urk.
7/106/90-105
S. 13). In der
C._
gab der Beschwerdeführer an, die Schmerz
medikamente (Tramadol, Targin) nicht täglich beziehungsweise nur bei Bedarf einzunehmen (
Urk.
7/
106/90-105
S. 4; vgl. au
ch
Urk.
7/95/13-22 S. 8,
Urk.
7/95/23-32
S. 9,
Urk.
7/95/9-10
S. 1). Die beteiligten Fachpersonen von der
C._
berichteten entsprechend von einem stabilen Zustand (
Urk.
7/106/90-105
S. 5). Angesichts dieses Verlaufs ist die in der
C._
festgestellte Verbesserung der Funktionsfähigkeit
ohne Weiteres plau
sibel und bildet den Verlauf nachvollziehbar ab.
Entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers ist demgegenüber eine zwischen den beiden EFL eingetretene Verschlechterung nicht ersichtlich und auch nicht durch bildgebende Befunde belegt.
4
.4
I
m Rahmen der beiden EFL wurden
beim Beschwerdeführer neben Haltung/Beweglichkeit sowie Fortbewegung auch das Lastenheben und -tragen sowie die Kraft getestet
und Belastungsgrenzen ermittelt
, wobei teilweise Verspannungen der Muskulatur beziehungsweise Schmerzen unmittelbar auftraten
(
Urk.
7/95/23-32
S. 17 ff.,
Urk.
7/106/90-105
S. 12 ff.). Der Beschwer
deführer gab entsprechend an, im Laufe der EFL-Tests hätten die Schmerzen zugenommen, sodass er im Anschluss Schmerzmittel h
abe einneh
men müssen (
Urk.
7/95/11-20 S. 7 ff.
, Urk.
7/106/90-105
S. 15).
Die Schlussfolgerung des Beschwerdeführers aus den entsprechenden Erfahrungen in den EFL, er müsse
seinen
Schmerzmittelkonsum steigern, um die 100%ige Arbeitsfähigkeit zu errei
chen
(
Urk.
1 S. 13
Ziff.
28
), ist jedoch mangels
direkter
Vergleichbarkeit der Situation in d
en
EFL und der ihm
schlussendlich
zu
mutbaren
Bürotätigkeiten (E.
5.1)
nicht begründet. Die Schmerzmitteleinnahme für sich vermag die Aussa
gekraft einer EFL sodann nicht in Frage zu stellen, zumal wenn die beteiligten Fachpersonen – wie vorliegend - über diesen Umstand informiert waren.
4
.5
Direkte Auswirkungen des beim Beschwerdeführer vorliegenden Rückenleidens auf die kognitive Leistungsfähigkeit können ausge
schlo
ssen werden.
Die bei Belastung aufgetreten
en
Schmerzen wurden bei der Festlegung der Belastungs
limits in den EFL berücksichtigt, so dass
anzunehmen ist,
dass auch zusätzliche schmerzbedingte
kognitive Auswirkungen weitgehend vermieden werden können.
Beim Beschwerdeführer waren im massgeblichen Zeitraum sodann keine dauernden Schmerzmitteleinnahmen aktenkundig (vgl.
Urk.
7/95/13-22 S. 8,
Urk.
7/95/23-32 S. 9,
7/95/9-10
S. 1,
Urk.
7/106/90-105 S. 4).
In den EFL-Beurteilungen finden sich weiter keine Hinweise oder Anhaltspunkte für zu diesen Zeitpunkten bestandene relevante kognitive Einschränkungen oder psychische Befunde wie etwa Konzentrationsstörungen
.
Entsprechend erfolgte auch keine Weiterleitung oder Empfehlung einer neuropsychologischen, psychischen oder psychosomatischen Abklärung. Festzuhalten ist zudem, dass im Rahmen der
erfolgten EFL-Beurteilungen
keine (relevante) Symptomausweitung festgestellt wurde und eine Validierung der Beschwerden deshalb nicht erfolgen musste; viel
mehr wurde aufgezeigt, dass der Beschwerdeführer bei den durchgeführten Untersuchungen belastbarer war, als er es selbst einschätzte. Die
Ausführungen
von
Dr.
F._
vermögen die EFL-Beurteilungen somit nicht in Zweifel zu ziehen
.
Auf die überzeugenden EFL-Beurteilungen ist damit abzustellen. Weitere Abklä
rungen waren zu den entsprechenden Zeiten nicht angezeigt.
4
.6
Offen hingegen
ist
, ob die Beurteilung der Fachpersonen von der
C._
vom
3.
Mai 2018 der gesundheitlichen Situation bis zum vorliegend massgeblichen Zeitpunkt
der angefochtenen Verfügung
vom 2
5.
Juni 2020
– zwei Jahre später -
ausreichend Rechnung trägt.
So führte
Dr.
F._
im Bericht vom
3.
Februar 2019 aus, es lägen dauernde Schmerzen vor, welche zusammen mit der deswegen notwendigen - nun offenbar andauernden Medikation - die psychische Belastb
arkeit einschränkten (
Urk.
7/108
/
77-83
S. 5). Zudem wies er auf ein Vermeidungsverhalten hin, welches er als
pain-related-fear
deutete (S. 3). Aufgrund der eingeschränkten Belastbarkeit schloss er auf eine – neben und zusätzlich zur somatisch begrün
deten - psychisch bedingte Reduktion der Arbeitsfähigkeit (S. 7). Am 2
4.
Februar 2020 wurde ein weiterer erheblicher operativer Eingriff mit
Verlängerungs
pondylodese
vorgenommen, wobei vorerst nur die Entfernung des Osteosyn
the
semateri
als geplant gewesen war (E. 3.11
). Weshalb sich der Beschwerdeführer für diesen Schritt entschieden hatte, lässt sich den Akten nicht
abschliessend
entnehmen.
Dies
könnte jedoch auch auf einen erheblichen Leidensdruck hindeuten.
Weiter ist unklar, wie der Heilungs- und weitere Verlauf war.
Damit kann nicht ausgeschlossen werden, dass nach der Beurteilung in der
C._
und vor Erlass der Verfügung vom 2
5.
Juni 2020 erneut eine
relevante Arbeitsunfähigkeit und Invalidität
eintrat. Die gesundheitliche Situ
a
tion bis zum Verfügungserlass bedarf somit ergänzender Abklärung, welche die Beschwerdegegnerin nach der Rückweisung der Sache vorzunehmen hat. Dabei werden vorerst ergänzende Auskünfte bei den behandelnden Ärzten einzuholen und im Anschluss wird gegebenenfalls eine Begutachtung nötig sein, welche allen relevanten Aspekten des Gesundheitsschadens Rechnung zu tragen hat.
5.
5.1
Gemäss dem Urteil MV.2018.00006
vom 2
0.
Januar 2020 (
Urk.
3/3
) betrug der hypothetische Verdienst ohne die versicherte
Gesundheitsschädigung (vgl. Art.
28
Abs.
4
des Bundesgesetze
s über die Militärversicherung, MVG
)
ab
1.
Januar 2017
Fr.
133'934.--. Dabei wurde angenommen, dass der
Beschwerdeführer
im Gesundheitsfall im Bereich Per
sonalmanagement/Human Ressource
in einer Kaderposition tätig gewesen wäre, wobei auf die statistischen Lohnangaben für Führungskräfte im kaufmännischen Bereich abgestellt wurde (E. 6.6).
Auch für die
Bemessung
des Invaliditätsgrades
ist
entsprechend
anzunehmen, dass der
Beschwerdeführer
im Gesundheitsfall in der Zeit nach dem
1.
Juli
2017 im Bereich Per
sonalmanagement/Human Ressource
beziehungsweise als Führungskraft im kaufmännischen Bereich tätig geworden und er dabei ein hypothetisches Einkommen von
Fr.
133'934.-- erzielt hätte.
Da
weder ein
Berufs
wechsel nötig noch angezeigt ist,
ist auch für das Invalideneinkommen von einer entsprechenden Tätigkeit
im Bereich Personalmanagement/Human Ressource beziehungsweise als Führungskraft im kaufmännischen Bereich
auszugehen.
5.2
Gestützt auf den Bericht von
Dr.
A._
,
B._
,
vom 2
8.
April 2017
war für die Zeit ab April 2017 die Arbeitsfähigkeit für eine Bürotätigkeit - und um eine solche mehrheitlich sitzend und mit Stehpult stehend auszuübende Tätigkeit handelt es sich bei der Tätigkeit als Führungskraft im Personalwesen oder kaufmännischen Bereich - auf sech
s Stunden täglich begrenzt (E. 3
.1). Entsprechend äusserte sich auch
Dr.
E._
am 1
5.
Mai 2017 (E. 3
.2). Soweit die Beschwerdegegnerin ab
April 2017
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit ausging, kann sie sich demgegenüber nicht auf ärztliche Angaben stützen.
Dr.
A._
,
B._
, empfahl zwar die Aufnahme einer stabilisierenden Physiotherapie.
Ab wann mit der Aufnahme einer Physiotherapie eine
volle Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit
möglich war
, ist unklar. Weder liegt eine entsprechende ärztliche Prognose vor noch wurde
im Verlauf
eine Untersuchung vorgenommen. Damit bl
ieb die Beurteilung von Dr.
A._
,
B._
, bis zur erneuten Untersu
chung und Beurteilung in der
C._
vom
3.
Mai 2018 gültig. Sechs Stunden täglich entspreche
n einer Arbeitsfähigkeit von 72
% (30 Stunden im Verhältnis zu 41.7 Stunden; vgl.
Urk.
3/3
E. 6.6). Ab dem
3.
Mai 2018 ist
sodann
von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit auszu
gehen.
5.3
Zu prüfen bleibt die Verdiensteinbusse. Dafür ist ein Prozentvergleich vorzu
nehmen, da beide Vergleichseinkommen ausgehend vom gleichen Lohn
zu berechnen sind (vgl. E. 5.1;
Urteil des Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 1
9.
Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 1
8.
April 2017 E. 3.2.1).
Teilzeitarbeit ist bei Männern statistisch gesehen vergleichsweise weniger gut entlöhnt als Vollzeitarbeit. Allerdings muss dies stets mit Blick auf den im Einzelfall möglichen Beschäftigungsgrad beurteilt werden (Urteil des Bundes
gerichts 8C_58/2020 vom
9.
April 2020 E. 4.2). Dieser beträgt vorliegend 72
%
. Gemäss der für 2017 massgeblichen Tabelle 18 der Schweizerischen Lohnstruk
turerhebung (LSE) 2016 verdienten Männer im obersten, mittleren und untersten Kader im Rahmen einer Vollzeitbeschäftigung
Fr.
10'921.--, wohingegen bei einem Beschäftigungsgrad zwischen 50 und 74
%
Einkommen von durchschnitt
lich
Fr.
10'244.— erzielt wurden,
was einer Lohnminderung von 6,19
%
entspricht. Dieser Lohnminderung ist mit einem 5%igen Abzug vom Tabellenlohn Rechnung zu tragen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_543/2019 vom 2
5.
Okto
ber 2019 E. 5.5). Weitere abzugsbegründende Merkmale fallen nicht in Betracht. Entsprechend konnte der Beschwerdeführer ab
1.
April 2017 noch 68
% des im Gesundheitsfall erzielbaren Einkommens erreichen (72
%
x 0.95)
. Dies entspricht einem rentenausschliessenden
Invaliditätsgrad von 32
%
. Die Rentenaufhebung per
3
0.
Juni
2017 erweist sich somit als korrekt.
5.4
Zusammenfassend
is
t die per 3
0.
Juni 2017 erfolgte Befristung der Rente zu bestätigen sowie auch, dass sicher bis
mindestens
Ende Mai
2018
kein Renten
anspruch bestand. Für die Prüfung eines allfälligen Rentenanspruches
ab Juni
2018 ist die
Sache an die IV-Stelle
zurückzuweisen, damit sie
im Sinne von E.
4.6 vorgeht und neu entscheidet.
Die Beschwerde
ist in diesem Sinne
teilweise
gutzuheissen
und im Übrigen abzuweisen.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend
dem Ausgang des Verfahrens sind
Fr.
300.
— (3/8)
dem Beschwerdeführer und
Fr.
500.
— (5/8)
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach §
34 Abs.
1
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Höhe der gericht
lich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem
Mass
des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§
34 Abs.
3
GSVGer
). Als weitere Bemessungs
kriterien nennt
§
7
der
Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädi
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
)
den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Ausgangsgemäss ist dem
Beschwerdeführer eine red
uzierte Prozessentschädigung zuzusprechen,
welche
in Anwendung obiger Grundsätze
auf
Fr.
1'5
00.--
(
inklu
sive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
festzulegen ist.
Bei der Bemessung der Prozessentschädigung
wird
auch dem Umstand der Vertretung im Parallel
verfahren MV.20
20
.00001 Rechnung getragen
und dass sich daraus gewisse Synergieeffekte ergeben haben
.