# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 972b17aa-3c2e-4e91-8001-3e8f2f5c6eae
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, arbeitete ab Juni 1988 (
Urk.
8
/4/1) als Teilzeit-angestellte im Restaurant
Y._
(
Urk.
8/4/2). Im Dezem
ber 1999 meldete sie sich wegen einer Depression zum Leistungsbezug bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, an (
Urk.
8/1). Diese
sprach
ihr
ab
1.
Januar 2000 eine
Viertelsrente
zu, wobei sie
die Versicherte als teils erwerbstätig, teils im Haushalt tätig qualifizierte
(
Urk.
8/12 und
8
/17).
Per Ende April 2003 löste die Arbeitgeberin das
Arbeitsverhältnis
auf
(Urk. 8
/35/6)
; den angebotenen
geschützten Büroarbeitsplatz
lehnte
die Versicherte
ab
(
Urk.
8
/37/5 und
8
/39).
In der Folge schloss
diese
eine
im Mai 2002 begonnene
einjä
hrige, berufsbegleitende Ausbil
dung am
Institut Z._
ab (
Urk.
8
/135/1).
1.2
I
m Februar 2004 ersuchte die Versicherte die Invalidenversicherung um eine Erhöhung der Rente (
Urk.
8
/32). Diese qualifizierte
sie
neu als vollerwerbstätig und sprach ihr am
4.
August 2004 eine ganze I
nvalidenrente mit Wirkung ab 1.
Februar
2004 zu (
Urk.
8
/43 und
8
/47
)
.
Revisionsweise bestätigte die IV-Stelle den Invaliditätsgrad im Oktober 2007 (
Urk.
8/66).
Ab
November 2008 arbeitete die Versichert
e einen Tag pro Woche als Opera
tionsgehilfin/Sterilisation bei der
A._
AG (
Urk.
8
/70/1 und
8
/72/1). Im Jahr 2009 wurde bei ihr eine
operativ versorgte Vor
stufe (CIN 3) von Gebärmutterhalskrebs festgestellt (
Urk.
8
/77/1 und
8/148
). Die IV-Stelle holte
im Rahmen eines weiteren Revisionsverfahrens
medizinische
Verlaufsberichte
ein
(
Urk.
8
/75 und
8
/77), führte einen Einkommensvergleich durch (
Urk.
8
/79/3) und bestätigte am 1
7.
Januar 2011 formlos die ganze Rente (
Urk.
8
/80).
1.3
Im Frühjahr 2016
leitete die IV-Stelle eine weitere Rentenrevision
ein. Sie liess die Versicherte
einen Fragebogen ausfüllen
(
Urk.
8/94),
holte
Verlaufsberichte bei den
Behandlern
ein, worin mitunter
eine Dornwarze am Fuss erwähnt wurde (
Urk.
8
/98,
8
/106 und
8
/111)
, klärte
die erwerblichen Verhältnisse ab (
Urk.
8
/95,
8
/103,
8
/110 und
8
/114)
und
liess sich vom
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
beraten
(
Urk.
8
/116/4 f.).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/117, 8/12
3
-124
, 8/127, 8/133 und 8/135
-136
) setzte sie die bisherige ganze
R
ente mit
Verfügung vom 1
9.
April 2018 auf den ersten Tag des zweiten Monats nach Zustellung der Verfü
gung auf eine
Dreiviertelsrente
herab (
Urk.
8/143 f.
).
Die dagegen erhobene Beschwerde der Versicherten (
Urk.
8/155/3 ff.; Beilagen
Urk.
8/155/27 ff.;
spätere Eingaben
Urk.
8/159/3 ff.
,
8/162-164
und 8/170/2 ff.
) hiess das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil IV.2018.00451
vom 22. Oktober 2019
in dem Sinne gut, als es den angefochtenen Entscheid aufhob und die Sache an die IV-Stelle zurückwies, damit diese nach weiteren Abklärungen
im Sinne der Erwägungen
neu verfüge (
Urk.
8/173).
Zuvor hatte
das Gericht
der Versicherten die Möglichkeit zum Beschwerderückzug eingeräumt unter Hinweis darauf, dass sich im Falle einer Rückweisung der Sache zur weiteren Abklärung des medizinischen Sachverhalts
bzw.
der Arbeitsfähigkeit eine
Dreiviertelsrente
möglicherweise nicht bestätigen lasse (
Urk.
8/169).
1.4
In der Folge
klärte die IV-Stelle die erwerblichen Verhältnisse (
Urk.
8/179-180 und 8/184) sowie den medizinischen Sachverhalt (
Urk.
8/185 und 8/188) weiter ab
und
gab mit Einverständnis der Versicherten
(
Urk.
8/197) ein
bidisziplinäres
Gutachten
bei Prof. med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, sowie
Dr.
phil.
C._
, Fachpsychologin für Neuropsychologie FSP, in Auftrag (
Urk.
8/199). Diese
s
wurde am
3.
August 2020 fertig gestellt (Urk. 8/206).
Mit
Vorbescheid
vom
2
9.
April 2021
kündigte
die IV-Stelle
der Versicherten an,
die bisherige ganze Rente rückwirkend per
1.
Juni 2018 auf eine
Dreiviertelsrente
herab
zusetzen
und
diese
alsdann auf das Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats vollständig auf
zuheben (
Urk.
8/214). Dagegen erhob
die Versicherte
Einwand (
Urk.
8/220; Ergänzung
Urk.
8/223) unter Beilage neuer medizin
ischer
Berichte (
Urk.
8/224-226
und 8/229
)
,
zu welchen
der RAD
am 3. August 2021
Stellung nahm
(
Urk.
8/230). Am
5.
August 2021 verfügte die IV-Stelle wie angekündigt und entzog einer allfälligen Beschwerde gegen diese Verfügung die aufschiebende Wirkung (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen Entscheid erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin
Forrer
, mit Eingabe vom 1
3.
September 2021
Be
schwerde (
Urk.
1; Beilagen Urk.
3/2-5). Darin beantragte sie, ihr
n
ach dem
1.
Oktober 2021 weiterhin eine
Dreiviertelsrente
und/oder berufliche Massnahmen zuzusprechen; eventualiter sei durch das Gericht,
subeventualiter
durch die IV-Stelle ein Obergutachten einzu
holen und neu zu entscheiden; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der IV-Stelle. In prozessualer Hinsicht ersuchte die Versicherte um Wiederher
stellung der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde
(
Urk. 1.
S. 2
).
Im Übrigen
stellte
die Versicherte
weitere Berichte in Aussicht (
Urk.
1
Ziff.
3
und 13
; U
rk.
12
)
,
welche
(
Urk.
6
und 14/1-5)
sie mit Eingabe
n
vom 1
2.
Oktober 2021 (
Urk.
5)
und 2
7.
Januar 2022 (
Urk.
13) nachreichte.
Die IV-Stelle schloss mit Beschwerdeant
wort vom 1
8.
Oktober 2021 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7)
und verzichtete in der Folge darauf, zu den nachgereichten Berichten Stellung zu nehmen (
Urk.
10 und 16).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechts
sätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar
.
Im Übrigen sieht
auch
das aktuell geltende Recht in
Art.
28b
Abs.
4
IVG einen für die Berentung erforder
lichen Mindestinvaliditätsgrad von 40
%
vor.
1.2
Die Sache wurde zuletzt mit Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich
IV.2018.00451
vom
2
2.
Oktober 2019
, Dispositivziffer 1, an die Beschwer
degegnerin zurückgewiesen, damit diese nach
Durchführung der Abklärungen im Sinne der Erwägungen
neu verfüge (
Urk.
8/173/19
). Dabei wurden den Parteien die rechtlichen Voraussetzungen
einer Rentenrevision
sowie die Invaliditäts
bemessung
bei
Erwerbstätigen
(vgl. E. 1.1-1.3 des erwähnten Urteils,
Urk.
8/173/4 f.)
bereits
erläutert.
In jenem Entscheid
finden sich
insbesondere
auch
Ausfüh
rungen
zu den
beweisrechtlichen Anforderungen
bei
psychischen Erkrankungen
(vgl. E. 3.6 des erwähnten Urteils,
Urk.
8/173/10)
,
zur Berücksichtigung
einer
beruflichen Weiterentwicklung beim
Valideneinkommen
(vgl. E. 4.3 des erwähn
ten Urteils,
Urk.
8/173/16)
und
zu
den Voraussetzungen
für eine
Wiederher
stellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde (vgl. E. 6 des erwähnten Urteils,
Urk.
8/173/17 f.)
.
Darauf wird verwiesen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog,
im Rückwe
isungsentscheid sei die Herabsetzung auf eine
Dreiviertelsrente
bei neuem Einkommensvergleich bestätigt worden, weshalb diese rückwirkend erfolgen könne. F
ür angepasste Tätigkeiten bestehe
gemäss Gutachten
eine
A
rbeitsfähigkeit von 75
%
. Die Fussschmerzen seien klinisch nicht nachvollziehbar. Es sei ein neuer Einkommensvergleich nötig, da die Beschwerdeführerin ihre Restarbeitsfähigkeit nicht ausschöpfe.
Gestützt auf die
Abklärungen beim früheren Arbeitgeber sei von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
65'000.--
auszugehen
.
Für das Invalideneinkommen sei der Zentralwert
der Lohnstrukturerhebung
für Hilfsarbeiten heranzuziehen. Die Leistungsminde
rung werde bereits beim Pensum berücksichtigt,
daher rechtfertige sich
kein leidensbedingter Abzug. Es resultiere eine Invaliditätsgrad von 37
%
. Da die
erst 50-jährige
Beschwerdeführerin
immer
gearbeitet habe und die Arbeitsunfähigkeit nur 25
%
betrage, könne sie sich selbst eingliedern
(
Urk.
2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt indessen dafür,
ihr
Z
ustand habe sich
per
1.
Oktober 2021
nicht wesentlich verändert
(
Urk.
1
Ziff.
2)
.
Zwar hätte
n
sich
die psychischen
Beschwerden etwas ge
bessert,
doch
sei ein
Fussleiden
hinzugetreten
,
das
nicht
als Komorbidität
/
funktionelle
Einschränkung
berücksichtigt worden sei (
Urk.
1
Ziff.
3
und 25
).
Bis zu dessen Klärung sei die Rente zu belassen (Urk. 1
Ziff.
16).
D
ie
Beurteilung des
begutachtenden Psychiater
s
sei
angesichts
der
chronische
n
Depression mit Schwankungen
nicht nachvollziehbar
. Bei einer Anstellung von 60
%
würde
sie
dekompensieren
(
Urk.
1
Ziff.
7). Anzahl und Dauer der schwer
en
depressiven Episoden seien
wie auch
der vorherrschende Typus
der Depression
unberücksichtigt geblieben
(
Urk.
1
Ziff.
14
).
Aus neuropsychologischer Sicht bestehe eine weit unterdurchschnittliche Leistung
, die
ohne Anhalt für Aggrava
tion
/
Simulation
im Rahmen der psychiatrischen Erkrankung zu interpretieren sei
.
In neuen Abklärungen
sei
eine Tätigkeit ohne Leistungsdruck in einer geschützten Einrichtung
oder ein Arbeitstraining
empfohlen
worden
(
Urk.
1
Ziff.
8, 9
,
11
und 14
).
Die
Diskrepanz
zwischen neuropsychologischer und psychiatrischer Beurtei
lung
erkläre sich gemäss
Dr.
D._
mit der
schwere
n
Erschöpfbarkeit
und
dauernde
n
Müdigkeit
,
die
sich auch
zwischen den Krankheitsphasen auswirkten
, und der
andauernden Persönlichkeitsänderung
infolge
der Ehesituation
.
Dr.
D._
habe
auch
bestätigt, dass
die
Therapie
adäquat
gewesen
sei.
All dies habe d
er
Gutachter
verkannt
(
Urk.
1
Ziff.
10
und 12-14
)
,
weshalb
wenigstens ein Obergutachten einzuholen sei (
Urk.
1
Ziff.
26).
Aufgrund der
zehnjährige
n
Beschäftigungsdauer
sei
das
Valideneinkommen
anhand der
Invalidenkarriere auf
Fr.
76’608
.-- festzusetzen (
Urk.
1
Ziff.
1
9 f.
und 23 f.
).
Ihr Aufgabengebiet habe sich
mit der
E
rfahrung
und
den
Weiterbildungen
stark geändert
; sie könne a
uch
ihre kaufmännischen Kenntnisse verwerte
n
.
Ihr Lohn entspreche dem einer
gesunden
Person
. S
ollte
der
Arbeitgeber ihr die Möglichkeit geben, werde sie versuchen,
ihr
P
ensum
auf 50
%
zu steigern
– allenfalls in Zusammenarbeit mit der Beschwerdegegnerin
(
Urk.
1
Ziff.
21).
Für das Invalideneinkommen sei auf den Tabellenlohn für Hilfstätigkeiten
in der Gastronomi
e
abzustellen
(
Urk.
1
Ziff.
23)
und wegen des
Fussleide
ns
und
der
Einschränkung
auf leichte
T
ätigkeiten ohne Leistungsdruck
ein maximaler
leidensbedingte
r
Abzug
zu gewähren
(
Urk.
1
Ziff.
24).
Schliesslich habe sie gemäss BGE 145 V 2 und 145 V 209 den Anspruch und die Pflicht, nach langem Rentenbezug an Eingliederungsmassnahmen teilzunehmen. Angesichts des Handelsdiploms habe sie sogar Anspruch auf eine Umschulung, wobei aufgrund ihres Werdegangs und des Fussleidens eine Ausbildung zur Arzt- oder Spitalsekretärin Sinn machen würde (
Urk.
1
Ziff.
27 f.).
3.
3.1
Wie die Beschwerdegegnerin zutreffend darlegte (
Urk.
2 S. 1 f.), wurde bereits i
m Rückweisungsentscheid
IV.2018.00451
vom
2
2.
Oktober 2019 ausführlich erläutert, dass
ein Revisionsgrund nach
Art.
17
Abs.
1
ATSG
gegeben ist, der es erlaubt, den Rentenanspruch für die Zukunft in tatsächlicher und rechtlicher Hin
sicht umfassend neu zu prüfen. So überstieg das
von der Beschwerdeführerin
in den letzten Jahren
effektiv erzielte Einkommen das bei der letzten rechtskonfor
men materiellen Re
ntenprüfung im Jahr 2004,
basierend auf einem Tabellenlohn der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE)
angenommene Invalidenein
kommen in einem Ausmass, das
für sich allein
schon
eine Reduktion auf
eine
D
reiviertelsrente
rechtfertigt (vgl. E. 2 und 3.1 des erwähn
ten Urteils,
Urk.
8/173/5 ff.). Dies wurde von der Beschwerdeführerin auch nicht bestritten, welche im Hauptantrag die Weiterausrichtung der gesetzlichen Leistungen, namentlich eine
«reduzierte Rente», ab
1.
Oktober 2021 verlangte (
Urk.
1 S. 2).
Ob zusätzlich ein Wiedererwägungsgrund nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG vorliegt (vgl. Rückweisungs
entscheid E. 3.6,
Urk.
8/173/10) kann somit
offen bleiben
.
3.2
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
(vgl.
Urk.
1
Ziff.
16)
bedarf es keines
zweiten
Revisionsgrundes
im Sinne einer gesundheitlichen Besserung nach dem
1.
Juni 2018
für die Aufhebung der Rente per
1.
Oktober 202
1.
Es stellt sich vielmehr
die Frage nach der zeitlichen Wirkun
g des erörterten
erwerblichen Revisionsgrundes.
Nachdem dieser bereits bei Erlass der vorangehenden Revisionsverfügung vom 1
9.
April 2018 vorlag und die Beschwerdeführerin gemäss Gutachten schon damals trotz ihrer gesundheitlichen Beschwerden ein renten
ausschliessendes Einkommen hätte erzielen können
(vgl. im Detail E. 6.2)
, bestätigte die Beschwerdegegnerin zugunsten der Beschwerdeführerin rückwir
kend
nur
die Herabsetzung auf eine
Dreiviertelsrente
, die sie alsdann in Nachachtung von
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV
aufhob
(
vgl.
dazu Urteil
e
des Bundes
gerichts 8C
_451/2010 vom 1
1.
November 2010
E. 4
und 9C_606/2019 vom 2
0.
Mai 2020 E. 7 je mit Hinweisen
)
.
Das
hiesige Gericht
hat
die Beschwerdefüh
rerin mit B
eschluss vom 3.
September 2019
im Prozess-Nr. IV.2018.00451
explizit darauf hingewiesen, dass weitere Abklärungen dazu führen könnten, dass sich auch
die
Dreiviertelsrente
nicht bestätigen lassen würde
und ihr
damals
die Möglichkeit zum Beschwerderückzug
eingeräumt
(vgl.
Urk.
8/169/3
; vgl. auch
BGE 136 V 45 E. 6.1
zur
zeitlichen Wirkung im Falle einer
reformatio
in
peius
durch das Gericht selbst
).
4.
4.1
Zum
medizinischen Sachverhalt
führte
das Gericht im Rückweisungsentscheid IV.2018.00451
vom
2
2.
Oktober 2019
im Wesentlichen aus
, dass die der bisheri
gen Berentung zugrundeliegenden Arztberichte weder einen objektiven patholo
gischen Befund noch eine nachvollziehbare Diagnosestellung beinhalten
würden
.
Zudem würden die
psychosozialen Faktoren
und das Ausbleiben
der erhofften
gesundheitlichen Stabilisierung (
obschon
die Beschwerdeführerin über das Zumutbar hinaus gearbeitet und eine Handelsschule absolviert habe)
nicht
disku
tiert.
Ebenso wenig nachvollziehbar sei
, weshalb für das zumutbare Arbeitspen
sum in einer angepassten Tätigkeit auf die Berufsinvalidität zurückgegriffen worden sei.
Nicht zu überz
e
ugen vermöchten angesichts der Arbeitszeiten, der
absolvierten
Weiterbildungen, des
gegenwärtigen
Stellenprofils
,
der Behand
lungsanamnese
und somatischen Befunde
schliesslich die
Berichte der aktuell behandelnden Psychiaterin
,
Dr.
med.
E._
(vgl. E. 3 des erwähnten Urteils, Urk. 8/173/8 ff.)
.
Das Gericht erörterte insbesondere, dass i
m Rahmen der somatischen Leiden seit vielen Jahren keine respektive nur geringfügige Befunde feststellbar
seien
. Diese hätten die Beschwerdeführerin nicht daran gehindert, die skizzierte berufliche Tätigkeit zu entwickeln.
Konkret
seien im Jahr 2009 drei kleine Eingriffe zur Ent
fernung einer zervikalen
intraepithelialen
Neoplasie
(CIN), einer Vorstufe eines invasiven
Zervixkarzinoms
, durchgeführt worden. Die Re-Re-
Konisation
am 2
7.
November 2009 sei «im Gesunden» erfolgt und seither
seien
keine belastenden Befunde oder Eingriffe mehr aktenkundig
; vielmehr seien
die Kontrollen gelockert worden.
Die am 1
6.
Mai 2018 bildgebend festgestellten winzigen Weichteilformationen im
2.
u
nd
3.
Interdigitalraum
des rechten Fusses
seien «bei entsprechender Klinik», also vorab aufgrund der geklagten Schmerzen, als kleine Morton
Neurinomen
interpretiert worden, wobei diese retrospektiv schon in der Voruntersuchung im Jahr 2015 ersichtlich gewesen
seien
. Progredient sei die Grosszehengrundgelenksarthrose bei
Hallux
val
gu
s
. Selbstredend nicht abgestellt werden könne auf die Arbeitsfähigkeitseinschätzung von
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Dermatologie und Venerologie, vom 1
4.
Mai 2018
, welche diese v
or der bildgebenden Abklärung, allein gestützt auf die Anamnese und ohne ein objektives Korrelat abgegeben habe
. Diese würde die Beschwerdeführerin auch schon seit Juni 2013 wegen der Fussbeschwerden behandeln
(vgl. E. 3.8.3-3.9 des erwähnten Urteils,
Urk.
8/173/14 f.).
4.2
Nach
der Rückweisung der Sache
erläuterte d
ie
RAD-Ärztin
Dr.
med.
G._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
am
16.
April 2020 und
1
0.
J
uni 2020
zu den somatischen Leiden,
dass nie eine Krebsdiagnose gestellt worden sei. Diagnostiziert worden sei gemäss
B
ericht des
Spitals H._
vom
9.
Juni 2009
(vgl.
Urk.
8/155/35 f.)
eine
endozervicale
Dysplasie, die operativ entfernt worden sei.
Dr.
med.
I._
, Allgemeinmediziner, habe
am
9.
März 2020
(vgl.
Urk.
8/185)
den Verdacht auf eine
Metatarsalgie
Metatarsale
4-Köpfchen rechts
mit/bei einem Status nach mehreren Dornwarzenbehandlungen und
Hallux
valgus
Deformität beidseits, leicht symptomatisch
,
geäussert.
Eine Arbeitsun
fähigkeit habe er nicht attestiert.
Gleiches
gehe
a
us dem Bericht der
Klinik J._
vom 2
9.
Februar 2016
(vgl.
Urk.
8/155/43 f.)
hervor.
Dr.
med.
F._
sei
im
Bericht vom 1
4.
Mai 2018
(vgl.
Urk.
8/159/6 f.)
aufgrund der Anamnese zum Schluss gekommen, die Beschwerdeführerin sei nur 20 bis 30
%
arbeitsfähig. Diese Beurteilung könne in
keinster
Weise nachvollzogen werde
n
und sei auf jeden Fall nicht mit somatischen Befunden begründet worden. Vielmehr sei angegeben worden, dass die Fussschmerzen klinisch nicht objektivierbar seien. Somatisch bestünden damit keine Hinweise
auf
die Arbeitsfähigkeit einschrän
kende
Diagnose
n
(
Urk.
8/212/5 f.)
.
4.3
Nichts
A
nderes
ergibt sich aus dem Bericht des orthopädischen Chirurgen
Dr.
med.
K._
vom 1. Juni 202
1.
Er führte aus, es bestehe eine chronische Vor- bzw.
Mittelfuss
-
Schmerzsymptomatik, die
anscheinend primär mit d
em plantaren lokalisierten Schmerz bei
Clavusbildung
begonnen habe.
Teils
sei
auch
von einer Dornwarze berichtet
worden
. Dieser Befund sei h
eute klinisch ausgesprochen gut;
es habe nur noch eine Miniverhärtung.
Er habe somit nicht den Eindruck
, das Hauptproblem entstehe durch diese kleine Narbenbildung
bzw.
Hyperkeratose.
Er könne sich den Fussristschmerz, die insgesamt recht gute Belastungssituation und den Umstand, dass etwa gewisse Schuhmaterialen
(
z.B. dämpfende Sohlen oder Einlagen
)
die Situation nicht bessern würden, nicht erklären. Mit hoher Wahr
scheinlichkeit liege
bei auch weiteren Schmerzsyndromen am Körper
eine
Somatisierungstendenz
vor
.
Die Schmerzhaftigkeit auf einen Strukturschaden zurückzuführen, sei
aus seiner Warte
nicht wirklich möglich. Es handle sich um einen mässig bis moderaten
Hallux
valgus
. Ein Morton-
Neurom
sei im Bereich
Metatarsale
III/IV nicht sicher auszuschliessen. Die Hyperkeratose sei eher nicht Ursache der wesentlichen Schmerzhaftigkeit.
Von
einem
(weiteren) MRI rate er ab, da er auch bei einem Morton-Neurom keine Operation empfehlen würde. Wäre tatsächlich ein solches hauptverantwortlich, wären fussbettende Schuhe mit guter Sohlendämpfung sinnvoll, wobei die Schuhwahl für die
Beschwerdeführe
rin anscheinend
keinen Unterschied darstelle. Er empfehle weder weitere Infiltra
tionen noch eine Schmerztherapie.
Letztere
sei
über ein Jahr ohne Ansprechen durchgeführt worden (vgl.
Urk.
3/2
).
4.4
Dr.
med.
L._
,
Leitende
r
Arzt der Schmerzklinik des Spitals
M._
und Facharzt für Anästhesiologie, hielt am 1
7.
Dezember 2021 zwar schr
i
ftlich fest, die Kläge
rin
könne
nicht mehr als 20 bis 30
%
arbeiten. Dies nicht nur wegen der depressiven Erkrankung, sondern aufgrund der chronischen Schmerzerkrankung im Fuss,
die
im invalidenversicherungsrechtlichen Gutachten überhaupt nicht berücksichtigt worden sei, weshalb ein neues Gutachten unabdingbar sei (vgl.
Urk.
14/2). Im Bericht vom 1
1.
November 2021
wies
er
indessen
vorab darauf hin, dass sich die Beschwerdeführerin sehr schmerzgeplagt präsentiere und mehrfach geweint habe.
Im Übrigen
hatte
auch er nur einen leichten
Hallux
valgus
rechts mehr als links, eine reizlose Narbe am
Vorfuss
zwischen MP3 und MP4
mit deut
lichem Druckschmerz, eine minime Verhornungsstörung der Haut und weder vegetative noch trophische Störungen
notiert
.
Er sprach
von einem chronischen Schmerzsyndrom, das durch die psychiatrische Erkrankung wesentlich beeinflusst und durch den Wegfall der Invalidenrente sicher
aggraviert
worden sei. Obschon die bisherigen Therapien (Behandlung
Clavus
, lokale Infiltrationen unter anderem mit Alkohol unter der Verdachtsdiagnose Mort
on
Neurom)
nach seinen Angaben
mehrheitlich zu einer Schmerzverstärkung
geführt hatten
, bot er eine Infusionstherapie mit
Ketamin
an, ersuchte aber auch um eine Evaluierung der antidepres
siven Medikation (vgl.
Urk.
14/3).
Ein positives Ansprechen der Beschwerdeführerin auf die
Ketamin
-Therapie ist übrigens nicht dokumentiert. Vielmehr gab sie als Nebenwirkung Albträume an, so dass die
Midazolamdosis
gesteigert werden musste (vgl.
Urk.
14/2).
4.
5
Demnach
bleibt es
nach weiteren Abklärungen
bei der
Feststellung
,
dass keine somatischen Befunde mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit bestehen. Solche konnten auch von den behandelnden Arztpersonen nicht erhoben werden
. Diese warfen
vielmehr die Frage nach einer psychosomatischen Erkrankung im Sinne einer Somatisierungsstörung bzw. eines durch die psychischen Beschwerden und psychosoziale Faktoren beeinflussten Schmerzsyndroms
auf
. Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin
(vgl.
Urk.
1
Ziff.
3)
ist daher
nicht
von
einer
Verschlechterung ihres Gesundheitszustands aus somatischer Sicht
infolge
eines Fussleidens
auszugehen
. Insbesondere
bestehen
kein
e Hinweise
für ein
anhalten
des
Dornwarzenleiden
.
Die Verdachtsdiagnose eines
Morton Neuroms
liess sich
weder bildgebend noch
behandlungsanamnestisch
(b
ei
fehlendem Ansprechen auf die I
nfiltration
en mit Alkohol und
die
Schuhversorgung)
erhärten
.
Es handelt sich folglich
um ein beweismässig nicht gesichertes Leiden
, das keine
rechts
genügliche
Grundlage
bildet,
um
Auswirkung
en
auf die Arbeitsfähigkeit nachzu
weisen
(
etwa Urteil des Bundesgerichts
9C_81/2019 vom 11. November 2019
E. 3.2.2
).
Die von ihr geforderten weiteren Abklärungen des Fussleidens (vgl.
Urk.
1
Ziff.
16) erweisen sich damit als entbehrlich.
Das «Krebsleiden» bezeichnete
die Beschwerdeführerin
selbst als erfolgreich behandelt.
Zu prüfen bleibt die Arbeits
fähigkeit aus psychiatrischer Sicht.
5
.
5
.1
Im nach der Rückweisung in Auftrag gegebenen Gutachten diagnostizierte der Psychiater
Prof.
B._
eine rezidivierende depressive Störung mit gegenwärtig
chronifizierter
leichter
depressiver
Episode (ICD-10: F33.0) sowie eine Panik
störung (episodisch paroxysmale Angst; ICD-
10: F41.0; vgl.
Urk.
8/206/31).
5.2
Er
kam zum Schluss
,
die Gesamtarbeitsfähigkeit in der bisherigen
beziehungs
weise in
der aktuell ausgeübten Tätigkeit betrage ca. 60
%
bei einer Anwesen
heitsleistung von 100
%
,
wie sie von der Beschwerdeführerin auch aktuell am Operationstag erbracht werde
,
und einer Leistungsfähigkeit von 60
%
,
bedingt durch die vorhandene Restsymptomatik mit Angst und depressiver Komponente.
Die Beschwerdeführerin klage
auch
über vermehrte Konzentrationsschwierigkei
ten an Operationstagen und die Notwendigkeit, sich danach mehrere Tage ausruhen zu müssen. Es könne
somit
nicht davon ausgegangen werden, dass sie mehrere Tage hintereinander eine uneingeschränkte Leistung erbringen könne. Gleichzeitig stehe die Arbeitsleistung am Operationstag
(
dazu auch
Urk.
8/103/3 f. und 8/103/9: Sterilisation und Hilfe beim Assistieren im Operationssaal mit gewissen kognitiven Anforderungen
)
im krassen Gegensatz zu einer vollständi
ge
n
Arbeitsunfähigkeit
und eine
notwendige
Erholungszeit von sechs
Tagen nach dem einen
Arbeitstag sei
unplausibel
.
Allenfalls wäre nach einem erhöhten Arbeitspensum mit einem Erholungstag dazwischen zu rechnen. Die
in der neuropsychologischen (im Detail
Urk.
8/206/25 f.) und der klinisch-psychiat
rischen Untersuchung festgestellte Verdeutlichungstendenz bzw.
Aggravation sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nicht auf eine bewusstseinsnahe Simula
tion der Beschwerden zurückzuführen, sondern auf das verfestigte innerpsychi
sche Konzept der Beschwerdeführerin, nicht mehr leistungsfähig zu sein.
I
n den eigentlichen depressiven Episoden mit akuter und schwerer Symptomatik sei die Beschwerdeführerin mit Sicherheit zu 100
%
arbeitsunfähig, während im freien Intervall mit
der
Restsymptomatik wie aktuell die bescheinigte Arbeitsfähigkeit
von 60
%
vorliegen sollte.
Diese sei auch kompatibel mit der Beurteilung nach Mini-ICF-APP.
Ausserdem sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei optimierter psychiatrischer Behandlung innerhalb der freien Intervalle noch stabiler und damit in noch höherem Ausmass arbeitsfähig sein könne (vgl.
Urk.
8/206/36 f.
und 8/206/30
).
Im Grunde habe mit der Tätigkeit im Restaurationsbetrieb einer psychiatrischen Klinik eine optimal der Behinderung angepasste T
ätigkeit vorgelegen. Der Arbeit
geber sollte
nämlich
über die rezidivierende depressive Störung und die Panik
attacken unterrichtet sein und akzeptieren, dass das Risiko einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit für eine gewisse Zeit erhöht sei, die Beschwerdeführerin ansonsten aber eine wertvolle und motivierte Mitarbeiterin sei.
Immerhin sei es in den letzten Jahren offensichtlich zu keiner wesentlichen Einschränkung an dem einen Arbeitstag pro Woche gekommen. Eine Steigerung der Arbeitsmög
lichkeiten sei aus
[rein]
organisationsbetrieblichen Gründen (nur ein Operations
tag pro Woche
, dazu auch
Urk.
8/206/21 oben
; vgl. dazu ferner
Urk.
6 S. 3 unten aktuell Entlassungen
) nicht möglich. Eine optimal gestaltete Arbeitsbedingung bestehe eher in einem kleinen, familiären Team mit Verständnis für die gelegent
lichen Ruhepausen
.
Eine Führungstäti
gkeit scheine nicht möglich
. In einer solch optimal angepassten Tätigkeit im freien Arbeitsmarkt betrage die Arbeitsfähigkeit etwa 70 bis 80
%
bei einer Präsenz von 100
%
und einer durch die Restsympto
matik bedingte
n
Einschränkung der Leistung, die unter optimalen Bedingungen 20 bis maximal 30
%
nicht übersteigen sollte
(vgl.
Urk.
8/206/37 f.).
5
.
3
Zur Diagnosestellung
erläuterte Prof.
B._
, aus der beschriebenen Symptomatik
und der
typischen Verlaufsgestalt mit phasenhaft abgegrenzten Krankheitszeiten und zwischendrin Intervallen von mindestens zwei Monaten ohne deutliche affektive Störung erscheine die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung gestützt auf die Unterlagen aus den Jahren 1992 bis 2000 plausibel. Diese sei in den darauffolgenden Jahre
n
bestätigt worden, wobei der genaue Verlauf mangels Nennung des jeweiligen Schweregrad
es
der depressiven Episode
in den Berichten
nicht rekonstruiert werden könne. Es fänden sich zwar auch immer wieder psychosoziale Schwierigkeiten, die aber allenfalls als Auslöser einer Episode oder erschwerende Begleitumstände, nicht aber als Ursache der Erkran
kung gesehen werden könnten. Offensichtlich bestehe
e
ine erhebliche hereditäre Belastung. Aktuell sei die depressive Symptomatik eher leicht ausgeprägt
(vgl. auch den psychopathologischen Befund,
Urk.
8/206/23 f.)
; die Beschwerdeführe
rin befinde sich in einer zumindest teilremittierten Phase. Offensichtlich habe es in den ersten 20 Jahren der Erkrankung klar vollremittierte Phasen gegeben
, in der eine volle Arbeitsfähigkeit bescheinigt worden sei,
während in den letzten Jahren auch im freien Intervall eine spürbare Restsymptomatik vorliege. Somit liege abgesehen von den eigentlichen Krankheitsperioden mit zum Teil schwerer depressiver Symptomatik auch im freien Intervall bis heute eine leichte,
chroni
fizierte
depressive Symptomatik vor.
Die Beschwerdeführerin gebe an, seit ca. vier Jahren zusätzlich unter dauernder Angst mit zum Teil schweren episodisch auftretenden Angstanfällen zu leiden.
Die behandelnde Psychiaterin erwähne erstmals im Juni 2017 eine Angstsymp
tomatik mit Panikattacke
. Au
ch
die
Gynäkologin und de
r
Hausarzt
würden
eine Angst- und P
anikstörung an
geben. Unklar
bleibe die konzeptionelle Einordnung
dieser
Symptomatik durch die Behandler. Eine generalisierte Angststörung sollte frei flottierend sein, während sich bei der Beschwerdeführerin
i
mmer wieder erhebliche psychosoziale Anlässe für auftretende allgemeine Angst und Zukunfts
sorgen fänden. Zudem bestehe eine hohe Komorbidität zur depressiven Erkrankung, so dass die Angst eher der
chronifzierten
leichten depressiven Symp
tomatik zuzuordnen sei. Bezüglich der von der Beschwerdeführerin geschilderten und von der behandelnden Psychiaterin bestätigten isolierten Angstattacken
sei
eine Panikstörung (episodisch paroxysmale Angst)
am wahrscheinlichsten
. So erwähne
die Beschwerdeführerin
, dass die Panik ganz plötzlich ohne Anlass auftrete
und sie diese deutlich von ihrer allgemein vorliegenden Angst unter
scheiden könne. Es würden Symptome wie Mundtrockenheit, Atemnot, Herz
klopfen und schwere Todesangst auftreten. Auch die typische Verlaufsgestalt mit plötzlichem Auftreten
,
kurzer Zeit bis zum vollen Ausmass der panischen Angst sowie Abklingen der Symptomatik nach wenigen Stunden sei charakteristisch. Aktuell habe sie solche Anfälle ein- bis zweimal pro Monat, womit es sich eher um eine leichte bis mittelgradige Panikstörung handle. Diese könne, obschon sie die Beschwerdeführerin aktuell mehr beeinträchtigte
als die depressive Sympto
matik
, nicht als Hauptdiagnose gestellt werden,
zumal nach der ICD-10-Kodifikation davon auszugehen sei, dass sie Folge der Depression sei
. Sie sei dennoch als Nebendiagnose zu stellen, da sich die charakteristische Symptomatik doch klar von der
chronifizierte
n
leichten depressiven Störung unterscheide und somit aktuell überwiegend wahrscheinlich eine eigenständige Erkrankung vorliege
(vgl.
Urk.
8/206/27-30).
5
.4
Mit Blick auf die vom Bundesgericht postulierten beweisrechtlichen Anforderun
gen an Arztberichte im Allgemeinen (vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinwei
sen) ist festzuhalten, dass sich das Gutachten umfassend zu den von
der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden (vgl.
Urk.
8/206/17 f.) äussert,
auf einer eigenen psychiatrischen Exploration (vgl.
Urk.
8/206/16-24)
und
ergänzenden neuropsychologischen Abklärung (vgl.
Urk.
8/206/25 f.) und Laboranalyse (vgl.
Urk.
8/206/26) beruht sowie in Kenntnis der (vgl.
Urk.
8/206/
6 -16) respektive in Auseinandersetzung (vgl. E.
5
.3) mit den
Vorakten
abgegeben wurde. Prof.
B._
verfügte dabei nicht nur über die notwendigen Fachkenntnisse zur Beurteilung der psychischen Beeinträchtigung, sondern erörterte eingehend seine Beurteilung der psychiatrischen Symptomatik (vgl. E.
5
.3) und begründete einleuchtend die daraus für die Arbeitsfähigkeit gezogenen Schlussfolgerungen (vgl. E.
5
.2). Hier
bei machte er auch Ausführungen zur Konsistenz/Plausibilität mit Blick auf das Aktivitätsniveau und die Behand
lungsanamnese (vgl.
Urk.
8/206/33 f.) sowie zu den Ressourcen/Belastungen, einschliesslich der Relevanz psychosozialer Fakto
ren (vgl.
Urk.
8/206/34 f.
und 8/206/28
).
6
.
6
.1
Soweit die Beschwerdeführerin Prof.
B._
fehlende Kenntnis und Auseinander
setzung mit den Fussbeschwerden
(vgl.
Urk.
1
Ziff.
3)
und ihrem konflikthafte
n
Leben in der Ehe
(vgl.
Urk.
1
Ziff.
10
und 12
)
vorw
arf
, ist ihr
vorab
entgegenzu
halten,
dass die Beschwerdegegnerin im Gutachtensauftrag aus dem Rück
weisungsentscheid
(vgl. E. 4.1) sowie
den RAD-Stellungnahmen (vgl. E.
4
.
2
) zitierte und schlussfolgerte, dass
mangels
die Arbeitsfähigkeit einschränkender Diagnosen auf eine somatische Begutachtung verzichtet werden könne (vgl. Urk. 8/206/3 f.). Im von Prof.
B._
verfassten Aktenausz
ug finden sich weitere Hinweise zum
Fussleiden (
Urk.
8/206/11 und 8/206/15 f.).
Ebenso w
u
rden im Aktenauszug Angaben zur Ehe
situation wiedergegeben
Zum Bericht von
Dr.
E._
vom 15. Juni 2017 wurde festgehalten, diese beschreibe eine psychosozial schwierige Situation. Es habe eine Zwangsheirat mit 16 Jahren stattgefunden. Mit dem Ehemann, der aus der
O._
stamme, bestehe keine Kommunikation. Er beschimpfe sie
auch
wegen der Depression (vgl.
Urk.
8/206/12). Gemäss gynäkologischem Bericht vom
4.
Juli 2018
verstärkten
etwa
die ehelichen Zerwürfnisse mit der kürzlich erfolgten Trennung vom Ehe
mann die chronisch depressive Störung (vgl.
Urk.
8/206/13).
Dr.
phil.
C._
notierte,
die Beschwerdeführerin habe mit 16 Jahren einen ihr unbekannten, von den Eltern ausgesuchten Mann heiraten müsse. Nach der Trennung sei bei ihr eingebrochen worden und sie habe zerstochene Pneus am A
uto gehabt (vgl.
Urk.
8/206/49).
Schliesslich erwähnte
Prof.
B._
selbst
den Einbruch
(vgl.
Urk.
8/206/18) und wies weit
er
darauf hin, dass es im Leben der Beschwerdefüh
rerin verschiedenste, auch gravierende psychosoziale Schwierigkeiten
gegeben habe
. Aktuell seien jedoch nur wenige vorhanden. So habe sie
sich
unter anderem
offensichtlich
erfolgreich von ihrem Ehemann gelöst (vgl.
Urk.
8/206/32).
Die psychiatrische Exploration erfolgte
also
in Kenntnis der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin über ein Fussleiden ohne objektivierbares somatisches Korrelat klagte
,
und
dass sie
sich nach einer schwierigen Ehe getrennt hatte.
Wie viel Aufwand
im Einzelfall in
der Exploration
zu betreiben ist, hängt von Frage
stellung und Beschwerdebild ab; selbst ein reines Ak
tengutachten
kann allenfalls
den nötigen Beweis erbringen.
Über die Akten erschliessen sich dem Gutachter häufig so viele Anhaltspunkte für seine Beurteilung, dass der
im
Untersuch gewonnene Eindruck vor allem bestätigend wirkt
(
vgl.
Urteile des Bundesgerichts 9C_747/2011 vom 1
0.
Februar 2012 E. 2.2.2
und
9C_170/2009 vom
6.
Mai 2009).
Auch
vorliegend
mussten
Anamnese
und somatische
Komorbiditäten angesichts der
verfügbaren
Unterlagen nicht
von Grund auf
in der Exploration
erarbeitet werden
.
6
.2
Anders
als von der Beschwerdeführerin a
ngenommen (vgl.
Urk.
1
Ziff.
3),
stellte Prof.
B._
keine Besserung der psychischen Beschwerden fest.
Er führte vielmehr aus
, dass im Wesentlichen seit Beginn der Erkrankung im Jahr 1990 von einer entsprechenden Konstellation einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit während schwerer depressiver Episoden, aber einer gut erhaltenen Arbeitsfähigkeit mit nur noch geringen bis mittleren Einschränkungen in den freien Intervallen auszu
gehen sei. Dabei habe sich in den Intervallen früher offensichtlich eine praktisch vollständige Arbeitsfähigkeit gezeigt. Inzwischen komme es zwischen den eigent
lichen depressiven Episoden nicht mehr zu einer Vollremission, sondern zu einer
chronifizierten
depressiven und seit vier Jahren zusätzlich einer markanten Angstsymptomatik (vgl. Urk. 8/206/37; ferner
Urk.
8/206/39 f.).
Dabei
verneinte er
explizit
Anhaltspunkte für eine Persönlichkeitsakzentuierung oder -störung.
Er ergänzte,
es bestehe kein Verdacht auf bewusstseinsnahe Simu
lation der Beschwerden, die Beschwerdeführerin erscheine nach 30-jähriger Erkrankung jedoch sehr festgelegt in ihrem Konzept der durch die Erkrankung wesentlich eingeschränkten Arbeitsfähigkeit. Insgesamt wirke sie im Untersuch
klagsam-jammrig
, was in Diskrepanz stehe zur erbrachten Arbeitsleistung mindestens an diesem einen Wochenarbeitstag (vgl.
Urk.
8/206/32).
6.3
PD
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
weckt
mit seiner Stellungnahme
vom 2
8.
Juni 2021 (vgl.
Urk.
3/4)
kein
e
Zweifel an
der
gutachterlichen Beurteilung.
Dasselbe gilt für die
jüngste
Stellungnahme der behandelnden Psychia
terin
Dr.
E._
vom 8.
Oktober 2021 (vgl.
Urk.
6)
.
Vielmehr untermauern
deren
Aussagen in weiten Teilen die gutachter
lichen
Überlegungen
.
A
namnestisch
etwa
beschrieb
PD
Dr.
D._
hauptsächlich
mehrere Jahre zurück
liegende, belastende Situationen
(vgl.
Urk.
3/4 S. 2-6). Damit bestätigt er
letztlich
die gutachterliche Feststellung, dass von den früher gravierenden psychosozialen Schwierigkeiten aktuell nur noch wenige vorha
n
den sind (vgl.
Urk.
8/206/35).
Nichts Anderes gilt für
Dr.
E._
, die im vorangehenden Bericht vom 2
5.
Juni 2021 den Einbruch und die zerbrochenen Pneus auf die Jahre 2014 bis 2016 und den Auszug
, gemeinsam
mit dem damals 27-jährigen Sohn
,
auf den
1.
Dezember 2017 datierte (vgl.
Urk.
3/5 S. 3).
Insbesondere
begründete
PD
Dr.
D._
die
eingeschränkte
Restarbeitsfähigkeit,
die
er auf
20
%
bis maximal 30
%
schätzte,
ebenfalls
mit
einer
auch zwischen
den schweren Krankheitsphasen
bestehenden
Symptomatik
(vgl.
Urk.
3/4 S. 11 f.
und 13
)
.
Die von ihm erhobenen Befunde und das beobachtete Verhalten waren dabei
, wie
in der
gutachterliche
n
Exploration
,
nicht ausgeprägt pathologisch
(
vgl.
Urk.
3/4 S. 6 f.)
.
Bezüglich der nach einhelliger
ärztlicher
Meinung bestehenden Panikstörung
mit niedriger Frequenz der Angstanfälle
räumte
er weiter
ein, dass diese eine Zusatzbelastung bedeute, ohne selbst zu einer wesentlichen Verminde
rung der Arbeitsfähigkeit zu führen.
Als entscheidend stufte
er
neben
den
rezidi
vierenden Depressionen einschliesslich Rest- und Residualsymptomatik
eine
anamnestisch erhobene
ausgeprägte
Erschöpfungsproblematik
ein
(vgl.
Urk.
3/4 S. 11 f.).
Während Prof.
B._
die gleichen
Komponenten
der psychischen Erkran
kung
, einschliesslich
der geklagten langen
Erholungsphasen,
nachvollziehbar und
mit
schlüssigem
Ergebnis
diskutierte
(vgl. E. 5.2
und 5.3
)
, ist – wie nachfolgend zu erörtern ist
–
w
eder das von
PD
Dr.
D._
postulierte
höhere
Ausmass
der Symptomatik
plausibel
,
noch
erfolgte
seine
abweichende Diagnosestellung
lege
artis
.
G
leiches muss bei identischer Diagnosestellung und Arbeitsfähigkeitsein
schätzung für
die Beurteilung
en
von
Dr.
E._
gelten, d
ie
insbeson
dere
eine gescheiterte
Erhöhung des Arbeitspensums
in der Vergangenheit
betonte
(vgl.
Urk.
3/5 S
. 6-
10;
Urk.
6 S. 5
und 7 oben
)
.
6
.
4
Zunächst führte
PD
Dr.
D._
zwar
ebenfalls
aus, dass sich im Untersuch keine Veränderungen oder Eigenheiten der
Persönlichkeit direkt hätten ausmachen lassen (vgl.
Urk.
3/4 S. 7 unten).
Dennoch kam er zum Schluss, es liege eine abhängige Persönlichkeitsst
örung (ICD-10: F60.7)
vor
; d
ie Beschwerdeführerin
habe
ihre eigenen elementaren Lebensinteressen nicht durchsetzen können
und sie den Forderungen anderer hin
ten
angestellt
.
Ihre
Persönlichkeit sei durch
ein hohes Mass an Zurückhaltung bis zur Verschlossenheit gekennzeichnet.
Vor dem kulturellen Hintergrund teil
weise nachvollziehen lasse sich
die Zwangsheirat
, nicht aber das Erdulden der untragbaren Verhältnisse in der Ehe
über
so viele
Jahre.
Erschütternd sei auch, dass
gegen ihren Willen in strafrechtlich relevanter Weise ein Schwangerschaftsabbruch erfolgt
sei
. Die
B
eschwerdeführer
in
sei systematisch und kontinuierlich respektlos behandelt, gedemütig
t
, erniedrigt, manipuliert, ausgenutzt und bedroht worden
im
gemeinsamen
Haushalt
mit
d
em
Ehemann
und teils
de
n
Schwiegereltern. Sie sei wegen ihrer Depression kritisiert und ihre Scheidungsforderung jahrelang mit Morddrohungen vereitelt worden. Dies habe zu einer andauernden Persönlichkeitsveränderung (ICD-10: F62.8) geführt, die neben Resignation, Freudlosigkeit, Misstrauen und zusätzlicher depressiver Stimmung und Depression zu einem Zustand von Auslaugung und noch stärkerer Erschöpfung geführt habe. W
enn
gleich sich die Problematik der abhängigen Persönlichkeit im Laufe des Lebens verringert habe, seien die Symp
tome der Persönlichkeitsveränderung geblieben (vgl.
Urk.
3/4 S. 9 f.).
Dr.
E._
erläuterte, die Entwicklung einer Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung sei absehbar gewesen, nachdem die Beschwerdeführerin seit der Adoleszenz dauern
d
in schwer traumatisierenden Situationen habe leben müssen und nicht in der Lage gewesen sei, daran etwas zu ändern. Erst im Frühjahr 2021 sei ihr unter sehr erschwerten Umständen die Scheidung gelungen. Die multiplen Traumatisierungen seien durch die Zwangsheirat, die verlangte Abtrei
bung des zweiten Kindes, das sie gerne behalten hätte, sowie dem überlangen Verbleib in der ehelichen Situation mit erlittenem emotionalem und physischem Missbrauch entstanden.
Sie wirke aktuell aktiviert durch die Armutssituation, da der Ehemann erstritten habe, wegen angeblich fehlender Einkünfte keinen Unter
halt zahlen zu müssen. Aufgrund der
ch
ronifizierten
Depression und Persönlich
keitsänderung mit vorzeitiger Ermüdung, Kraft- und Perspektivenlosigkeit habe
sich die Beschwerdeführerin
nicht früher aus d
ieser Situation begeben können. So sei ein unflexibles Verhalten entstanden, insbesondere die vorzeit
ige Ermüd
barkeit und der mehrtäg
ige Erholungsbedarf seien durch die Persönlichkeits
änderung nach Extrembelastung erklärt und überwiegend wahrscheinlich irreversibel
(vgl.
Urk.
6 S. 4)
.
6.5
Persönlichkeitsstörungen
umfassen
gemäss gängiger ICD-10-Kodifikation
tief verwurzelte, anhaltende Verhaltensmuster, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebens
lagen
zeigen.
Sie werden anhand von Merkmalsgruppen, die den häufigsten oder auffälligsten Verhaltensmustern entsprechen, unterteilt
.
Spezifische Persönlichkeitsstörungen treten häufig erst
mals in der Kindheit oder Adoleszenz in Erscheinung, manifestieren sich aber endgültig im Erwachsenenalter
(vgl. dazu
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], Klinisch-diagnostische Leitlinien, 1
0.
Aufl. 2015, S.
274 f. und 282
)
.
Zweifellos war
die Ehe der Beschwerd
eführerin (zunehmend) schwierig
.
Dass
sie sich als
gläubige Muslimin
(vgl.
Urk.
8/206/22)
, die
ohne Berufsausbildung (vgl.
Urk.
3/4 S. 3)
mit 16 Jahren
m
it
einem wenig
älteren Mann
zwangsverheiratet
wurde
und
als 19-Jährige
ein Kind zur Welt
brachte, erst
im Alter von
47 Jahren von ihrem Ehemann trennt
e
, lässt
aber
den
noch
nicht auf die Erfüllung der Kriterien für eine
abhängige P
ersönlichkeitsstörung
(
vgl.
dazu im Detail
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O.,
S.
282
)
schliessen
.
Damit
ist weder ein
charakteristische
s
Ver
haltensmuster
in
verschiedenen Lebenslagen
dargetan
(
insbesondere
unauffällige Invalidenkarriere)
, noch
trägt diese Sichtweise d
en
sozi
alen
(
etwa
Urk.
8/118/2
und
Urk.
3/5 S. 6: finanzielle Abhängigkeit
)
und
kulturellen
Umständen
(etwa
Urk.
3/5 S. 2:
geschuldeter
Gehorsam
)
hinreichend Rechnung
.
Mit Blick auf die
Vorakten
zu relativieren sind zudem die unter dem
Eindruck von
Trennung
und Rentenaufhebung
gemachten Aussagen zu
den
untragbaren Verhältnis
se
n
während Jahrzehnten
und
einer
jegliche
n
Unfähigkeit der Beschwerdeführerin, diesen etwas entgegenzusetzen.
Dr.
E._
etwa führte am
23.
Juli 2003
aus
,
die Beschwerdeführerin sei mit dem zusätzlichen Pensum an der Handelsschule an ihre
Grenzen
gekommen, obschon
der Ehemann
sie
in der Haushaltsführung und Kindererziehu
ng
entlaste
(vgl.
Urk.
8/21/3).
Gemäss vertrauensärztliche
r
Abklärung vom 2
8.
Juli 2003 hatte die Beschwerde
führerin «Puff mit seiner Mutter gehabt, die halt auch die Nase voll von ihrer Krankheit habe».
Sie gab an, sie
habe sich v
or einem Monat
von ihrem Ehemann scheiden lassen wollen, weil er wohl unter dem Einfluss seiner Eltern
,
so kalt gewesen sei. Jetzt gehe es besser, aber da
s
könne jederzeit ändern.
Dr.
P._
habe ihr bereits ein Personalzimmer besorgt, falls sie ausziehe. Ihr Ehemann sei halt allmähl
ich auch überfordert (vgl. Urk.
8/37/2 f.).
Im Bericht vom 22.
Dezember 2010 von
Dr.
E._
findet sich
einzig
der
Hinweis auf eine «konflikt
beladene Ehe nach Zwangsheirat» (vgl.
Urk.
8/77/2).
Am
9.
Mai 2018
berichtete die Ärztin
, die
depressive Erkrankung
habe
im Laufe der Jahre
zu
schwere
n
eheliche Zerwürfnisse
n geführt
. Wegen ihrer Depressionen habe der Ehemann sie immer wieder beschimpft und ihr schwere Vorhaltungen gemacht, sie bedroht und unterdrückt, nicht mehr mit ihr geredet, unregelmässig zuhause übernachtet und ihr zu wenig Haushaltsgeld gegeben.
Nun sei sie ausgezogen und habe aus Angst vor seiner Rache nur ein paar persönliche Habseligkeiten mi
tgenommen (vgl.
Urk.
8/155/47).
Am
2
5.
Juni 2021
notierte sie dann, der Ehemann sei zunehmend
grob
und gewalttätig geworden. Er sei betrunken oder nächtelang gar nicht nachhause gekommen. Die Beschwerdeführerin habe von seinen Frauenge
schichten gewusst und sich betrogen gefühlt, jedoch aus Angst keine Konsequen
zen gezogen
(vgl.
Urk.
3/5 S.
2 f.
).
Gegenüber PD
Dr.
D._
gab
die B
eschwerdeführerin
an, sie habe
nur
ein karges Schlafzimmer gehabt, weil sie
sich geweigert
habe
,
mit ih
rem Ehemann
zusammen zu sein
(vgl.
Urk.
3/4 S.
3 f
.).
D
ie
von
PD
Dr.
D._
daraus abgeleitete massgebliche Besserung
(E. 6.4)
ist
bei einer Persönlichkeitsstörung an sich und
bei vorab in den letzten Ehejahren belastender Situation
noch weniger
plausibel
.
An der fehlenden Nachvollziehbar
keit der
Diagnose
ändert
die geschilderte Abtreibung nichts
, zumal
für die
fehler
hafte Willensbildung bei der
Beschwerdeführerin
nach Darstellung von PD
Dr.
D._
(wie auch von
Dr.
E._
,
Urk.
3/5 S. 2 unten)
die
stattgehabte
ärztliche
Konsultation
(missgebildetes Kind)
, sei diese korrekt erfolgt
oder nicht,
au
schlaggebend war.
6.
6
Eine andauernde
, nicht durch Schädigung oder Krankheit des Gehirns hervorge
rufene
Persönlichkeitsänderung, sollte
gemäss ICD-10-Kodifikation
nur diagnos
tiziert werden, wenn die Persönlichkeitsänderung deutlich ausgeprägt
sowie
mit unflexiblem und fehlangepasstem Verhalten verbunden
ist
,
das
vor der belasten
den Erfahrung nicht bestanden hat.
D
ie Persönlichkeitsänderung
sollte anhaltend und lebensverändernd sein und ätiologisch auf eine tiefgreifende, existentiell extreme Erfahrung zurückgeführt werden
können
.
Die Änderung sollte nicht Au
s
druck einer anderen psychischen Störung oder Residualsymptom einer vorangegangen psychischen Störung sein
(
vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O.,
S.
285
)
.
Mit diesen Aspekten setzt
en
sich PD
Dr.
D._
und
Dr.
E._
nicht
auseinander.
Zutreffend erkannte
PD
Dr.
D._
–
anders als
Dr.
E._
–
zumindest
implizit
, dass
die
berichtete
eheliche Situation keine Extrembelas
tung darstellt, wie sie für eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach ICD-10: F62.0 vorausgesetzt wird (
vgl. dazu
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O.,
S.
286
: etwa Erfahrungen in einem Konzentrationslager, Folter, Katastrophen oder andauernde lebensbedrohliche Situationen wie Geisel oder langdauernde Gefangenschaft mit drohender Todesgefahr
)
. Er
umging
das
Kriterium
, indem er
eine sonstige
andauernde P
ersönli
chkeitsänderung nach ICD-10: F62
.8
allein
unter Hinweis auf
berichtete
Erschöpfung,
Freudlosigkeit
und
Misstrauen
(das sich
wohl
auf
d
en Ehemann
bezieht
, vgl.
Urk.
3/4 S. 4)
kodierte
.
Dabei
räumte
PD
Dr.
D._
–
ähnlich wie jüngst
Dr.
E._
(vgl. Ur
k.
8/188/2;
Urk.
3/5 S. 5 Mitte)
–
ein, dass die Beschwerdeführerin
an einem Tag pro Woche acht Stunden arbeiten
könne, was
dies
e
durch «maximales Zusammenreissen» auch sc
haff
e
, wenn es ihr schlecht gehe, wobei sie am Abend und Folgetag voll
ständig erschöpft sei und sich
erst am zweiten Tag
allmählich erhole (vgl.
Urk.
3/4 S. 5
und
11
).
Damit bestätigt
e
er im Wesentlichen die gutachterlichen Überlegungen,
wonach
eine Erholungsphase von sechs Tage
n
nicht plausibel ist und bei einer Verteilung des Arbeitspensums auf mehrere Tage insgesamt eine höhere Arbeitsfähigkeit erwartet werden kann.
Die
Behauptung der Beschwerdeführerin
,
es sei ihr zu viel geworden, als sie
eine abwesende Kollegin ersetzt und
das
Arbeitspensum auf 30 bis 40
%
gesteigert
habe
(vgl.
Urk.
3/4 S. 6 oben)
, ist unglaubhaft. Aus den Unterlagen
zu den Erwerbsverhält
nissen
ergibt sich
bei einem Stundenlohn von
Fr.
38
.
--
für die Jahre 2013 bis 2019
ein durchschnittliches Arbeitspensum von
deutlich
mehr als 20
%
(vgl.
Urk.
8/184
/1 und 8/135/9 ff.
)
.
Bei einem wöchentlichen Arbeitspensum von 8 Stunden 24 Minuten (=8.4, entsprechend 20
%
) errechnet sich bei vier Wochen Ferien (entsprechend dem Lohnzuschlag Ferienlohn von 8.33
%
;
Urk.
8/103/5) ein Jahreseinkommen von
Fr.
15'366.30 (
Fr.
38.00 x 8.4 x 48,14 [52,14 Wochen/Jahr – 4 Ferienwochen]), die Einträge im IK der vorgenannten Jahre bewegen sich jedoch zwischen Fr. 17'218.00 und 22'561.00 (
Urk.
8/184). Die Arbeitgeberin gab im Fragebogen vom 1
2.
Dezember 2016 denn auch an, die Beschwerdeführerin arbeite ca. 20 Stunden pro Woche [
Urk.
8/103/3).
Die Stundenrapporte aus dem Jahr 2016 belegen darüber hinaus, dass die Beschwer
deführerin
manchmal
an zwei Tagen hintereinander, an drei von vier
aufeinan
derfolgenden
Tagen oder auch einmal 64.5 Stunden innert 30 Tagen arbeitete (vgl.
Urk.
8/135/15 ff.
;
ferner auch
Urk.
8/135/3 f.
zu den absolvierten Weiter
bildungstagen
).
Das langjährige Arbeitsverhältnis wie auch die angegebene bloss «einmalige» Verwarnung wegen gemachter Fehler spricht dabei für eine insge
samt zufriedenstellende Arbeitsleistung (vgl.
Urk.
8/206/21 Mitte
; ferner auch
Urk.
3/3 S. 2 «Angaben zur Kognition»
). Dass die Beschwerdeführerin
im
Jahr 2021
plötzlich längere Zeit krankgeschrieben wurde (vgl.
Urk.
3/4 S. 5) und
soweit
eruierbar
mindestens
zeitweise
ihren
Aufgabenbereich wechselt
e
(vgl.
Urk.
3/3 S. 3
,
Urk.
3/4 S. 5 unten
,
Urk.
6 S. 6
oben und S. 9 oben
)
,
ist
als
vorüber
gehende
gesundheitliche
V
erschlechterung
im Rahmen der
bevorstehenden
Renten
einstellung
(
etwa Urk.
3/5 S. 5 unten)
weder ungewöhnlich no
ch
bedeut
sam
.
Nicht auszuschliessen ist
diesbezüglich ferner
ein Zusammenhang zur
vorübergehenden
Sistierung der
P
sychopharmak
a
(vgl.
Urk.
3/5 S. 9).
6.
7
Nicht gefolgt werden kann
PD
Dr.
D._
,
wenn
er
die aktuelle depressive Symptomatik schon aufgrund der Kriterien der ICD-10-Kodifiktion als mittelschwer
(ICD-10: F33.1) einstufte, unter Berücksichtigung der Rest- und Residualsympto
matik
(als Teil der Depression oder als Neurasthenie mit sich auf alle Lebens
bereiche erstreckender frühzeitiger schwerer Erschöpfbarkeit als Hauptsympto
matik mit verlängerter oder fehlender Erholungsphase, vgl.
Urk.
3/4 S. 8)
indessen als schwer (ICD-10: F33.2) bezeichnete
und anfügte, die Einordnung als schwer sei umso mehr berechtigt, da mit vermehrtem Schlaf, Müdigkeit und Erschöpfung auch die Symptome einer atyp
ischen Depression gemäss DSM IV
und V erfüllt seien. In der ICD-10-Kodifikation sind die typischen und weiteren Symptome
einer depressiven Episode
klar definiert und auch festgelegt,
in welchem Umfang diese
erfüllt sein müssen, um
diese
als mittelschwer
oder schwer zu qualifizieren
(
vgl.
Dilling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.],
a.a.O.,
S.
169 ff.
)
. Der Befund kann also nur auf das eine
oder andere schliessen lassen.
PD
Dr.
D._
sprach
dabei
selbst
von offensichtlichen Überschneidungen zwischen Depression im typischen Sinn, Rest-
und Residualsymp
to
matik, Neurasthenie und atypischer Depression
(vgl.
Urk.
3/4 S. 9).
Letztlich steht bei
all
en von PD
Dr.
D._
gestellten D
iagnosen, einschliesslich der Persönlichkeitsveränderung (vgl.
Urk.
3/4 S. 10), eine massive Erschöpfung und depressive Symptomatik im Vordergrund, dennoch begründet er den Schweregrad d
er psychischen Erkrankung
d
urch
Aufsummieren
de
r Diagnosen (vgl.
Urk.
3/4 S. 11)
und
ohne
einleuchtende E
rklärung
(«durch maximales Zusammenreissen»
; oder gemäss
Dr.
E._
auch
«Freude an der Sache», Urk.3/5 S. 8
)
für die
trotz der geklagten Erschöpfungssymptomatik
effe
k
tiv erbrachte Arbeitsleistung.
6.
8
Soweit PD
Dr.
D._
festhielt, das formale Denken der Beschwerdeführerin sei auf ihre Einschränkungen einschliesslich der Schmerzen eingeschränkt (vgl.
Urk.
3/
4
S. 7) respektive diese leide seit Jahren an einem Schmerzsyndrom (vgl.
Urk.
3/
4
S. 10), erachtete auch er die Kriterien für eine selbständige psychische Störung, vorab im Sinne einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10: F45), implizit als nicht gegeben. Vielmehr schloss er aus dem fehlenden somatischen Befund auf das Vorliegen neuropathischer Schmerzen. Diese Diagnose liegt aller
dings ausserhalb seines Fachgebiets und wird durch keinerlei Indizien (wie Anzeichen einer Nervenschädigung) gestützt, wobei die Beschwerdeführerin auch schon über eine längere Zeit erfolglos eine Schmerztherapie wahrgenommen hat.
Nichts Neues ergibt sich aus der Beurteilung von
Dr.
E._
. Sie sah ebenfalls von der Diagnostizierung eines selbständigen psychosomatischen Leidens ab und befürwortet eine Behandlung mit dem «für neurogene Schmerzen geeigneten Schmerzmittel
Lyrica
» mit der nicht stichhaltigen Begründung, der Versuch könnte lohnend sein, um nichts unversucht zu lassen (vgl.
Urk.
6 S. 4).
Dies
,
obschon ihr bewusst
war
, dass die das Fussleiden behandelnden Ärzte
inzwischen
von Somatisierung sprachen (vgl.
Urk.
3/5 S. 6 Mitte).
6.
9
Schliesslich
monierte die Beschwerdeführerin
besonders
eine unzureichende Berücksichtigung der neuropsychologischen Testergebnisse (vgl.
Urk.
1
Ziff.
8).
Gemäss
neuropsychologischen Teilgutachten
stehen
deutliche mnestische Leistungseinbussen bei ebenfalls deutlich verminderter
attentionalen
Teilfunktion
im Vordergrund
.
Auch w
eitere
Funktionen
seien
unterdurchschnittlich, wenn auch
weniger beeinträchtigt
. Rein anhand des Testprofils beurteilt, entsprächen d
ie
kog
nitiven Teilleistungseinbussen
einer mittelgradigen kognitiven Störung (vgl.
Urk.
8/206/53 f.).
Gemäss
psychiatrischer Begutachtung
fänden sich aber
keine psychischen Störungen,
di
e ebensolche teils weit unterdurchschnittliche Leistungseinbussen ausreichend erklären könnten.
Bei
ausreichend gegebener sprachlicher Verständigung
könnten diese
auch nicht
mit
(fremd-)sprachlichen Problemen erklärt werden. Obschon negative Auswirkungen der Medikation (
unter anderem
Temesta
) auf die Kognition nicht ausgeschlossen werden könnten, seien die teils weit unterdurchschnittlichen Resultate dadurch nicht ausreichend begründbar. Die
Performanzvalidierung
sei zwar grossmehrheitlich unauffällig ausgefallen. Es fänden sich aber innerhalb des Testprofils Inkonsistenzen und überdies auch Diskrepanzen zwischen den von der Beschwerdeführerin erbrach
ten kognitiven Leistungen und ihrem Verhalten im Anamnesegespräch (mit unauffälligen mnestischen Leistungen) einerseits und im Alltag (mit dem Lenken des Personenfahrzeuges) andererseits. Weiter fänden sich Hinweise auf Aggrava
tionstendenzen psychischer und kognitiver Defizite im IOP-
2
9.
Bei ebensolchen sei bei der Interpretation der Testresultate Vorsicht geboten, denn der Ausprä
gungsgrad der kognitiven Störung sei vermutlich tiefer als es das Testprofil darlege. Somit könne die Funktions- und Arbeitsfähigkeit auf dem Hintergrund der neuropsychologischen Befunde nicht valide eingeschätzt werden
. Es werde
auf das psychiatrische Gutachten verwiesen, in
de
m diese unter Einbezug des klinischen
Eindrucks
, der neuropsychologischen Resultate
sowie
der psychiat
rischen Befunde beschrie
ben werde (vgl.
Urk.
8/206/54).
Dr.
C._
nannte konkret folgende
Inkonsistenzen: Dass die Beschwerdeführerin in einer vergleichsweise einfachen
attentionalen
Teilfunktion (
Aler
t
ness
) deutlich schlechtere Resultate erzielt habe als in einer komplexeren
attentionalen
Teilfunktion (geteilte Aufmerksamkeit) lasse sich nicht plausibel erklären. Weiter seien derart langsame Reaktionszeiten kaum mit dem unfallfreien Lenken eines Personenfahrzeugs zu vereinbar
en
. Im anamnestischen Gespräch habe
sie
zudem korrekte und schnelle Angaben machen können, in der formalen Prüfung der verbal mnestischen Leistungen hätten sich jedoch weit unterdurchschnittliche Resultate gezeigt. Es lasse sich nicht erklären, warum verbal-mnestische Leistun
gen im Gespräch unauffällig, in der formalen Testung jedoch deutlich auffäl
l
ig seien (vgl.
Urk.
8/206/53; ferner
Urk.
8/206/52 oben).
Prof.
B._
hielt ebenfalls fest, dass sich die neuropsychologischen Befunde nicht durch die gestellten Diagnosen eines leichten depressiven Syndroms oder der episodisch auftretenden Angst erklären liessen (vgl.
Urk.
8/206/25). Im Rahmen der
Plausiblitätsprüfung
wies er zudem darauf hin, dass kaum nachvollziehbar sei, dass die Beschwerdeführerin an einem Arbeitstag so gesund sein solle, dass sie ein zum Teil sogar verlängertes volles Arbeitspensum durchhalten könne, dagegen aber an allen anderen Tagen so krank sein solle, dass sie keine Arbeits
tätigkeit ausf
ühren könne (vgl.
Urk.
8/206/34; vgl. auch E. 6.6).
6.10
Im
Bericht der
Psychiatrie Q._
zu
r neuropsychologischen Abklärung vom 2
3.
Juni 2021
wurden
ebenso
partielle Minderleistungen in Teilaspekten der
attentionalen
Fun
ktion
en
mit
explizit
«
leichten bis schweren
» bzw.
«schwankende
n
»
Beein
trächtigungen
festgestellt und
sodann
als am ehesten
im Rahmen der
gesetzten
Zuweisungsdiagnosen (
Persönlichkeitsänderung nach E
xtrembelastung und einer rezidivierende
n
depressiven Störung mit Ängsten und Panikattacken
)
bei Migra
tionshintergrund und gerin
g
er Schulbildung
eingeordnet
.
Dazu wurde erörtert, s
prachliche
S
chwierigkeiten
und
die Befunde
bezüglich kognitivem Leistungsver
mögen
müssten vor dem Migrationshintergrund und der Bildungssituation interpretiert werden. Diese Befunde
unterschätzten
möglicherweise die Leistungs
fähigkeit der Beschwerdeführerin bis zu einem gewissen Grade. Auch
ihre
Selbständigkeit im Alltag und Beruf würden weniger auf eine tatsächlich vorhan
dene I
ntelligenzminderung hindeuten.
Aus kognitiver Sicht dürfte somit eine Tätigkeit am B
uffet oder
einfache manuelle Sterilisationsarbeit bzw. mittlerweile Patientenbegleitung bei guter Gesundheit gut möglich sein.
Zu überlegen
sei
, einige Nachmittag
e
in einer geschützten Einrichtung eine Tätigkeit ohne Leistungsd
ruck zu verrichten. Denkbar sei
ein stufenweises über mehrere Tage in der Woche verteiltes Training oder ein Versuch, die Steigerung der Belastbarkeit durch eine
n
Halbtagesbesuch einer Tagesklinik zu fördern.
Was im Rahmen der
Zuweisungsdiagnosen
zumutbar und realistisch sei, müsse
psychiatrisch
beurteilt werden (vgl.
Urk.
3/3 S. 1 und 5).
Damit wurde die Aussagekraft der Testergebnisse, obschon als valid
beurteilt
,
wiederum
aus versc
hiedenen Gründen eingeschränkt.
Zum zumutbaren Pensum äusserten sich
die
Psychologinnen der
Psychiatrie Q._
nicht
; zumindest aber erachteten sie das
Anforderungsprofil
aller bisher ausgeübten Tätigkeiten als zumutbar, sprachen sich
(wenn auch
unter Vorbehalt der
psychiatrischen Beurteilung
und
Beachtung
eines
sehr
behutsamen Vorgehens
im geschützten Rahmen und ohn
e
Leistungsdruck
)
für einen
Ausbau
der Tätigkeit aus und
konnten
– wie
Dr.
phil.
C._
(vgl.
Urk.
8/206/50 unten)
–
keine auffällige Abnahme der Leistungsfähig
keit im Verlauf beobachten (vgl.
Urk.
3/3 S. 3).
Eine Erklärung für die au
ch
ihnen aufgefallenen Schwankungen innerhalb des Untersuchs hatten sie nicht.
Soweit
Dr.
E._
auffällige Diskrepanzen zwischen
den
beiden
neuropsycho
logischen Untersuchungen
postulierte
, erschliessen sich diese
somit
nicht
(vgl.
Urk.
6 S. 6 oben)
.
Ebenso wenig kann
nach dem Gesagten
PD Prof.
D._
gefolgt werden, der
allein gestützt
auf
den
Bericht der
Psychiatrie Q._
auf eine Minderintelligenz schloss
(vgl.
Urk.
14/1)
,
nachdem
eine solche nach
seinem
klinischen Untersuch noch kein Thema war
(vgl.
Urk.
3/4)
. Im Übrigen beanstandete er
zwar die Würdigung der neuropsychologischen Testergebnisse
im Gutachten
, ohne
sich jedoch mit den
darin aufgezeigten
Inkonsistenzen auseinanderzusetzen oder die Testergebnisse ersichtlich in
di
e eigene Beurteilung einfliessen zu lassen
(vgl.
Urk.
3/4 S. 10 f.).
Letztlich ist es A
ufgabe des psychiatrischen Facharztes, die Arbeitsfähigkeit unter Berücksichtigung allfälliger neuropsychologischer Defizite einzuschätzen. Eine neuropsychologische Abklärung stellt lediglich - aber immerhin - eine Zusatz
untersuchung dar, welche bei begründeter Indikation in Erwägung zu ziehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_11/2021 vom 16. April 2021 E 4.2; Ziff. 4.3.2.2 der Qualitätsleitlinien für psychiatrische Gutachten in der Eid
genössischen Invalidenversicherung der Schweizerischen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie [SGPP] 2016). Der Psychiater hat daher einerseits die Indikation für eine solche Zusatzuntersuchung zu stellen und andererseits deren Ergebnisse im Rahmen einer Gesa
mtschau der Befunde zu würdigen, was Prof.
B._
im Gegensatz zu den konsultierten Ärzten getan hat.
Aus den medizinischen Akten ergibt sich
denn auch
kein Anhalt, dass die eruierten neuropsychologischen Defizite typisch für irgendein Störungsbild wären.
6.11
Zusammenfassend weist
die medizinische Folgenabschätzung notgedrungen eine hohe Variab
ilität auf
und
trägt
unausweichlich Ermessenszüge (BGE 140 V 193 E. 3.1; 137 V 210 E. 3.4.2.3). Die psychiatrische Exploration eröffnet dem begut
achtenden Psychiater praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorgegangen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_851/2018 vom 2
3.
Ma
i 2019 E
. 4.2.2 mit Hinweisen).
Was PD
Dr.
D._
und
Dr.
E._
in ihren
in Bezug auf
die
subjektiven
Angaben
unkritischen und
letztlich n
icht schlüssig begründeten Stellungnahmen vorbrachten, rechtfertig
t
es nicht, den Beweiswert des Gutach
tens anzuzweifeln.
Ein
Obergutachten (vgl.
Urk.
1
Ziff.
26) erübrigt sich.
7.
7.1
Gemäss
BGE 143 V
418 sind bei
sämtliche
n
psychischen Erkrankungen
für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit systematisierte Indikatoren beachtlich, die
- unter Berücksichtigung leistungshindernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotentialen (Ressourcen) anderseits - erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1: statt vieler Urteil des Bundesgerichts 8C_890/2017 vom 15. Mai 2018 E. 2.2).
D
ie
im Rahmen
dieses
strukturierten Beweisverfahrens zu beachtenden Standardindikatoren hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.1.3): Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3) mit den Komplexen «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1; Ausprägung der diagnoserelevan
ten Befunde und Symptome [E. 4.3.1.1]; Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz [E. 4.3.1.2]; Komorbiditäten [E. 4.3.1.3]), «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsentwicklung und -struktur, grundlegende psychische Funktionen [E. 4.3.2]) und «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3) sowie Kategorie «Konsistenz» (Gesichts
punkte des Verhaltens [E. 4.4]) mit den Faktoren gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen (E. 4.4.1) und behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck (E. 4.4.2).
Zu beachten ist, dass auch eine stark ausgeprägte und verfestigte subjektive Krankheitsüberzeugung mit entsprechendem dysfunktionalem Verhalten, Selbst
limitierung, sekundärem Krankheitsgewinn und
Dekonditionierung
keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG und
Art.
7
Abs.
2 ATSG darstellt. Ein Rentenanspruch fällt sodann ausser Betracht, soweit eine attestierte Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Erscheinung beruht oder direkte Folge psychosozialer und soziokultureller Belastungsfaktoren ist (Urteil des Bundesgerichts 9C_473/2019 vom 2
5.
Februar 2020 E. 4.2.2 mit diversen Hinweisen).
7.2
Beweisrechtlich entscheidend ist die
zweite
Kategorie «Konsistenz»
(etwa
Urteil des Bundesgerichts 9C_371/2019 vom
7.
Oktober 2019 E. 5.1.1).
Diesbezüglich ist
zunächst
auf die Ausführungen in E. 6.6 zur effektiven Arbeitsleistung hinzuwei
sen,
di
e ein insgesamt
deutlich
höheres Arbeitspensum
als 20
%
verteilt über mehrere Tage als durchaus zumutbar erscheinen lassen. D
ie Hausarbeit teilt sich die Beschwerdeführerin mit ihrem erwachsenen, im gleichen Haushalt lebenden Sohn. Sie
kocht selbst schnelle Sache und geht – neben den Einkäufen mit ihrem Sohn – praktisch täglich Kleinigkeiten wie Brot frisch einkaufen.
Ein- bis zweimal wöchentlich trifft
sie sich
mit Freunden; sie hat ein «paar Leute».
Des Weiteren
fährt sie Auto und
fliegt regelmässig für einige Wochen in die
O._
;
andere
norts
Ferien machte
sie
letztmals vor einigen Jahren
. In ihrer Freizeit liest sie Romane, sieht fern und
sonnt sich
gerne vor der Haustür
(vgl.
Urk.
8/206/2
1 f.
;
Urk.
3/3
S. 3 «Alltag»;
Urk.
3/5 S. 8 oben
).
Darüber hinaus dürften bei guten Familienver
hältnissen auch Kontakte zur in Deutschland lebenden Mutter (vgl.
Urk.
8/206/48 unten)
und den Geschwistern bestehen (vgl.
Urk.
8/206/20 oben).
Ausserdem hat die Beschwerdeführerin
ste
ts
regelmässig Arzt- und The
rapietermine aufgrund diverser L
eiden wahrgenommen. Damit sind im Alltag zwar ebenfalls gewisse, aber keine erheblic
hen Einschränkungen auszumachen.
Was den fachärztliche
n
Streit
bezüglich der adäquaten Therapie
(vgl. im Detail
Urk.
8/206/38 f.
;
Urk.
3/4 S. 12 f.;
Urk.
3/5 S. 3 f.)
anbelangt, ist hervorzuheben, dass
Dr.
E._
bestätigte, dass im Zeitpunkt der Begutachtung wegen unklarer Magenbeschwerden keine konsequente Psychophar
ma
kotherapie durchgeführt wurde (vgl.
Urk.
3/5 S. 9 Mitte).
Weiter
hat etwa Citalopram der Beschwerdeführerin durchaus geholfen und
führte einzig
Dr.
P._
zu Beginn der Erkrankung
einen Versuch mit einer Phasenpro
p
hylaxe
durch
(
vgl.
Urk.
8/3/5
S. 3 f.
)
. Entgegen
der Darstellung ihrer
Behandlerin
(vgl.
Urk.
3/5 S. 6 oben)
gab die Beschwerdeführerin zudem an, ihr sei
nie eine stationäre Therapie vorgeschlagen worden
; als sie selbst
eine
solche
angesprochen
habe
,
sei
ihr
gesagt worden, eine ambulante Behandlung s
ei besser (vgl.
Urk.
8/206/19).
Im Ü
brigen
weiss die Arbeitgeberin spätestens seit Oktober 2016, dass die Beschwerdeführerin gesund
heitliche Probleme hat und die Invalidenversicherung involviert ist (vgl.
Urk.
8/103).
Das Argument von PD
Dr.
D._
, der Ehemann hätte sie
für eine stationäre Behandlung
k
ritisiert (vgl.
Urk.
3/4 S. 12)
, überzeugt
eben
so wenig
, zumal
dieser
sie
auch
wegen der Depression kritisierte und die Beschwerdeführe
rin schon se
it Ende 2017 ausgezogen ist.
Letztlich fand im Zeitpunkt der B
egut
achtung
nicht mehr als eine Gesprächstherapie einmal monatlich statt (vgl.
Urk.
8/206/18). Unter diesen Gesichtspunkten erscheint die Ausschöpfung der Behandlungsmöglichkeiten
in den letzten Jahren
durchaus fraglich und ist kein
derart
massiver
Leidensdruck
ersichtlich
,
dass sich
die Attestierung
eine
r
hochgradige
n
Arbeitsunfähigkeit rechtfertigen würde
.
7.3
Ergänzend ist zur ersten Kategorie «funktioneller Schweregrad» festzuhalten, dass die objektivierbaren
psychiatrischen
Befunde nicht besonders ausgepräg
t sind
. Den neuropsychologischen Testergebnissen kommt nur eingeschränkte Aussage
kraft zu, wobei
keine Zweifel daran bestehen
, dass die Beschwerdeführerin ihre aktuelle Tätigkeit dennoch ausüben kann (vgl. E. 6.6 und 6.10).
Im Sinne eines Behandlungs- und Eingliederungserfolgs positiv zu werten ist, dass sie
über Jahre hinweg
keine relevanten krankheitsbedingten Ausfälle zu verzeichnen hatte und sich ihr Gesundheitszustand (trotz Ausbleiben beschwerdefreier Intervalle und
neue
r
Panikattacken) in diesem Sinne stabilisiert hat.
Eine Persönlichkeitsproble
matik ist, wie ausführlich erörtert, mit dem Gutachter zu verneinen (vgl. E. 6.5 und 6.6)
. Auch
massgebliche Komorbiditäten im Sinne eines
somatische
n
(vgl.
E. 4)
oder
psychosomatischen Leidens
(vgl. E
.
6.8)
sind nicht ausgewiesen.
Unbeachtlich ist die gutachterlich festgestellte subjektive Krankheitsüberzeugung
der Beschwerdeführerin, nach all
den Jahren nicht mehr leisten zu können.
Der soziale Kontext ist spätestens seit dem Auszug aus der ehelichen Wohnung positiv zu werten. Die Beschwerdeführerin wird von ihrem Sohn, mit dem sie auch zusammenwohnt, sowie
von
ihren Ärzten unterstützt, hat ein gutes Verhältnis zu
r
Mutter und
den
Geschwistern und auch Kontakt
e
zu Freunden blieb
en
erhalten.
Es besteht kein relevanter sozialer Rückzug.
Dabei beteiligt sich der Sohn auch an
den
Lebenshaltungskosten bzw. unterstützt die Beschwerdeführerin finanziell (vgl.
Urk.
8/206/21)
,
wobei die bescheidenen finanziellen Verhältnisse seit jeher einen gewichtigen psychosozialen Faktor darstellen
(vgl.
Urk.
3/5
S. 5
f.
)
.
7.4
Damit lässt sich anhand der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V 281 – und damit aus der Optik des Rechtsanwenders, der die ärztlichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen auf ihre sozialversicherungsrechtliche Relevanz und Trag
weite hin zu prüfen hat – eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
von 20 bis 30
%
in den bisher ausgeübten Tätigkeiten, bei verständnisvollem Arbeitgeber und Ruhepausen, entsprechend der gutachterlichen Einschätzung
bestätigen.
8.
8.1
Z
ur
Validenkarriere
wurde bereits im Rückweisungsentscheid IV.2018.
00
451 vom 2
2.
Oktober 2019 E. 4.4 einlässlich erläutert
, dass die Beschwerdeführerin die Handelsschule erst nach Eintritt und
soweit ersichtlich
nur infolge ihrer I
nvalidi
tät absolviert
e
;
davor
hatte sie
mehr als zehn Jahre als Teilzeitangestellte im Restaurant gearbeitet
. Es kann daher nicht als überwiegend wahrscheinlich gelten
, dass sie als Gesund
e
heute
auch in der Augenpraxis arbeiten würde
(vgl.
Urk.
8
/173/17)
, d.h. sich beruflich neuorientiert hätte.
Das aktuelle Arbeitsver
hältnis besteht seit dem Jahr 2008
, wobei die Beschwerdeführerin
lediglich
70 Stunden Weiterbildung nachwies (vgl.
Urk.
8/135/3 f.)
und seither einen Stundenlohn von
Fr.
38.-- erhält (vgl.
Urk.
8/103/5)
.
Die frühere Arbeitgeberin gab
–
gefragt nach einer möglichen beruflichen Weiterentwicklung im angestammten Tätigkeitsgebiet
(vgl.
Urk.
8/179/1)
–
ein Stelleninserat zu den Akten, worin eine (dreijährige) Ausbildung als
Restaura
tions
- oder Systemgastronomiefachfrau EFZ vorausgesetzt wurde (vgl.
Urk.
8/182/5). Um den
für das Jahr 2020
deklarierten
Lohn
von F
r.
65'000.-- zu erreichen, hätte die Beschwerdeführerin
zudem
eine fachliche Führungsfunktion im Restaurationsbetrieb übernehmen müssen (vgl.
Urk.
8/182/3).
Es rechtfertigt sich deshalb selbst unter Berücksichtigung des
in der Beschwerde
skizzierten Aufgabenbereichs
(vgl.
Urk.
1
Ziff.
21)
sowie den belegten Weiterbildungen
nicht davon auszugehen, sie würde heute als Gesunde in der angestammten Tätigkeit mehr als
Fr.
65'000.
--
verdienen
.
Es sei angefügt, dass sich
das
von der Beschwer
deführerin
angeführte
Urteil des Bundesgerichts
8C_
108/2016 vom 16.
Juni 2016 E. 5.3.1
nicht mit der Festsetzung des Validen-, sondern des Invalidenein
kommens befasst
(vgl.
Urk.
1
Ziff.
17
f.).
8.2
Das Invalideneinkommen
legte
die Beschwerdegegnerin
gestützt
auf den Bruttomonatslohn von
Fr.
4'293.--
für Hilfsarbeiten
im Dienstleistungssektor
für Frauen gemäss Schweizerischer Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018, Tabelle TA 1,
Ziff.
45-96
und
unter Berücksichtigung eines (d
urchschnittliche
n)
Arbeits
pensum
s
von 75
%
in einer optimal angepassten Tätigkeit
(kleines familiäres Team mit Verständnis für gelegentliche Ruhepausen, keine Leitungsfunktion)
auf
Fr.
40'682.85
fest. Daraus ergibt sich ein
Invaliditätsgrad von 37
%
(vgl.
Urk.
2 S. 2 f.
: ferner
Urk.
8/211
), an
d
em die definitiv
e
Nominallohnentwicklung
für Frauen
(
Stand 2‘732 im Jahr 20
18
, Stand 2’
784
im Jahr 20
20
; Tabelle
T39
Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 2010-20
20)
nichts ändert.
Es mag zutreffen, dass die Beschwerdeführerin langjährige Erfahrung im
Gastrobereich
hat (vgl.
Urk.
1
Ziff.
23), doch verfügt sie nach eigenen A
ngaben neben dem Handelsdiplom inzwischen auch über
praktische E
rfahrung im kaufmännisch
en
Bereich. Darüber hinaus ist gerade in der Gastro
nomie der Leistungsdruck
in den
Stosszeiten
erhöht
und
lässt sich
diese schlecht mit den geklag
ten Fussbeschwerden vereinbaren.
Soweit die Beschwerdeführerin erneut die Möglichkeit zum Ausbau ihres Arbeits
pensums an der aktuell gut bezahlten Arbeitsstelle erhalten sollte, ist zu beachten
, dass Prof.
B._
hierfür
eine
etwa
s
geringere
Arbeitsfähigkeit von 60
% postulierte (vgl. E. 5.2), woraus
gestützt auf den aktuellsten Arbeitsvertrag
jedoch
ein Jahreseinkommen von
Fr.
48'750.--
(= 0.6 x
5 x
Fr.
16’250
.--
,
Urk.
8/170/7
) bzw. ein Invaliditätsgrad von
nur
2
5
%
resultier
en würde
.
8.3
Bezüglich des Fussleidens besteht weder eine somatische noch psychiatrische Diagnose mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit, weshalb sich hierfür entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1
Ziff.
24) kein leidensbedingter Abzug rechtfertigt.
Immerhin dürfte sich
die gutachterlich
forcierte
Verteilung der möglichen Arbeitsleistung auf mehrere Tage mit Ruhepause
n
günstig auswir
ken
.
Ferner kann die neuropsychologische Abklärung
nicht dahingehend ausge
legt werden
, dass der Beschwerdeführerin letztlich nur eine Tätigkeit ohne Leistungsdruck zumutbar wäre
(vgl.
Urk.
1
Ziff.
24)
. Aus dem entsprechenden Bericht geht klar hervor,
dass eine Tätigkeit
am Buffet oder auch die aktuell ausgeübte Tätigkeit
bei guter Gesundheit
gut möglich ist.
Dass die Psycholo
ginnen
der
Psychiatrie Q._
es befürworteten, die Belastung an
weiteren
Tagen vorsichtig
und allmählich sowie nach Mass
gabe der psychiatrischen Beurteilung zu steigern, ändert hieran nichts und hängt mit den als gegeben vorausgesetzten Zuweisungs
diagnosen
zusammen. Damit sind
seit vielen Jahren
keine Gründe für einen leidensbedingten Abzug ersichtlich.
Im Übrigen kann eine psychisch bedingt verstärkte Rücksichtnahme seitens Vorgesetzter und Arbeitskollegen nach der Gerichtspraxis in der Regel nicht als eigenständiger Abzugsgrund anerkannt werden, ebenso wenig etwa das Risiko von vermehrten gesundheitlichen Absenzen, ein grösserer Betreuungsaufwand oder weniger Flexibilität, was das Leisten von Überstunden etwa bei Verhinde
rung eines Mitarbeiters anbetrifft (Urteil des Bundesgerichts 9C_266/2017 vom 29. Mai 2018 E. 3.4.2; vgl. auch Urteil 9C_233/2018 vom 11. April 2019 E. 3.2 mit Hinweisen). Bis auf das nicht repräsentative Jahr 2021 sind
seit vielen Jahren
zudem auch keine zusätzlichen Arbeitsausfälle dokumentiert.
8.4
Von der Beschwerdeführerin nicht moniert wurde die Herabsetzung auf eine
Dreiviertelsrente
per
1.
Juni 201
8.
Es kann auf den Einkommensvergleich im angefochte
nen Entscheid verwiesen werden
(vgl. auch Rückweisungsentscheid IV.2018.00451 E. 2.3-4,
Urk.
8/173/6 f.).
Für das
Valideneinkommen
kann ergän
zend auf das in E. 8.1 Ausgeführte verwiesen werden; das Invalideneinkommen wurde
ohnehin
anhand de
r über Jahre tatsächlich
erzielten Einkünfte festgesetzt
.
9.
Bei Personen, deren Rente revisionsweise herabgesetzt oder aufgehoben werden soll, sind nach mindestens fünfzehn Jahren Bezugsdauer oder wenn sie das 5
5.
Altersjahr zurückgelegt haben, praxisgemäss in der Regel vorgängig Massnahmen zur Eingliederung durchzuführen, bis sie in der Lage sind, das medi
zinisch-theoretisch (wieder) ausgewiesene Leistungspotenzial mittels Eigen
anstrengung auszuschöp
fen und erwerblich zu verwerten.
Ausnahmen von der
diesfalls
grundsätzlich ("vermutungsweise") anzunehmenden Unzumutbarkeit einer Selbsteingliederung liegen namentlich dann vor, wenn die langjährige Absenz vom Arbeitsmarkt auf invaliditätsfremde Gründe zurückzuführen ist, wenn die versicherte Person besonders agil, gewandt und im gesellschaftlichen Leben integriert ist
oder
wenn sie über besonders breite Ausbildunge
n und Berufserfahrungen verfügt.
Verlangt sind immer konkrete Anhaltspunkte, die den Schluss zulassen, die versicherte Person könne sich trotz ihres fortgeschrittenen Alters und/oder der langen Rentenbezugsdauer mit entsprechender Absenz vom Arbeitsmarkt ohne Hilfestellungen wieder in das Erwerbsleben integrieren
(vgl.
BGE 145 V 209
E 5.1 mit diversen Hinweisen).
Die Beschwerdeführerin bezieht
inzwischen
zwar seit mehr als 15 Jahren eine Rente. Es besteht jedoch keine Absenz vom Arbeitsmarkt; vielmehr hat
sie sich
bereits im Jahr 2008 selbst
wieder in den ersten Arbeitsmarkt
eingegliedert
und seither gearbeitet
.
Dass sie trotz
einer
Restarbeitsfähigkeit von 60
%
in der aktuellen Tätigkeit nur 20 bis 40
%
arbeitete, erklärt sich vorderhand mit betriebsorganisatorischen Gründen
.
Zudem ist ihr ein Vollzeitpensum (mit redu
zierter Leistungsfähigkeit) möglich,
was die Stellensuche zusammen mit der ihr noch verbleibenden längeren Erwerbsdauer
erleichtert, sollte eine Aufstockung beim aktuellen Arbeitgeber nicht möglich sein.
Soweit die
mittlerweile 51-jährige
Beschwerdeführerin
eine
Umschulung im Sinne einer
dreijährige
n
Ausbildung zur Medizinischen Praxisassistentin (MPA)
verlangte
(
Urk.
1
Ziff.
28)
,
beträgt der von der Ärztegesellschaft des Kantons Zürich vorgeschlagene Mindestlohn für das Jahr 2022
Fr.
4'200.-- pro Monat bzw.
Fr.
25.20 pro Stunde (plus Zuschläge für Ferien etc.).
Die
Erfahrungszulage beträgt
Fr.
100.--
pro Jahr
(
vgl.
https://mpa-schweiz.fmh.ch/aus-und-weiterbil
dung/kantonale-lohnempfehlungen.cfm
, besucht am 1
3.
Mai 2022).
Es ist daher nicht ersichtlich, inwiefern
sich eine entsprechende Ausbildung mit Blick auf den obgenannten Tabellenlohn respektive das aktuelle Gehalt rechtfertigten würde.
Im Übrigen
kann diese gelernte Tätigkeit kaum als weniger anspruchsvoll als die
aktuelle
Tätigkeit bezeichnet werden. So zeichnet sich eine MPA insbesondere durch die Fähigkeit aus, am Telefon eine Triage der Patienten vorzunehmen, während die Beschwerdeführerin angeblich bereits mit dem
Empfang der Patiente
n
überfordert war
(vgl.
Urk.
6 S. 6)
.
Diese Tätigkeit lässt also auch kein höheres Einkommen infolge einer höheren Leistungsfähigkeit erwarten.
10.
Zusammenfassend ist somit aufgrund des langjährigen tatsächlichen Verdienstes der Beschwerdeführerin über dem angenommen
en
Invalidenkommen sowie dem Ergebnis der Begutachtung, an welchem die von der Beschwerdeführerin einge
reichten ärztlichen Stellungnahmen keine Zweifel zu wecken vermögen, die Herabsetzung auf eine
Dreiviertelsrente
per
1.
Juni 2018 sowie die anschliessende Aufhebung derselben per
1.
Oktober 2021 zu bestätigen. Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
Das Gesuch um Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde wird mit dem heutigen Urteil gegenstandslos
.
11.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.–- bis 1‘000.–- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.–- festzusetzen. Die Kosten sind entsprechend dem Verfahrensausgang der Beschwerdeführe
rin
aufzuerlegen.