# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 18b1f905-e570-4418-a805-ae88c76a80f1
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der
1969 geborene
X._
meldete sich am
2.
November 2016 (Eingangs
datum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/8).
Dabei wurde er durch die Sozialen Dienste der Stadt Winterthur vertreten (
Urk.
8/11).
Die IV-Stelle
tätigte in der
Folge medizinische
Abklärungen und liess den Versicherten insbesondere polydisziplinär untersu
c
hen (Gutachten vom 1
7.
April 2018,
Urk.
8/51).
Mit Vorbescheid vom 11. Juli 2018 kündigte sie dem Beschwerdeführer an
,
sein Leistungsbegehren abzuweisen (
Urk.
8/54), wogegen der Beschwerdeführer – vertreten durch die Sozialen Dienste
der Stadt Winterthur – am 2
2.
August 2018
(vorsorglich)
Einwand erhob (
Urk.
8
/55).
Am 2
4.
September 2018 ergänzte der Beschwerdeführer – neu ver
treten durch Rechtsanwältin Stephanie Schwarz – seinen Einwand und beantragte
für
das
Verwaltungsverfahren die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
(
Urk.
8/57
).
Mit Verfügung vom 2
4.
Oktober 2018 lehnte die IV-Stelle das Gesuch um unent
geltliche
Rechtsverbeiständung
mangels Notwendigkeit einer anwalt
l
ichen Ver
tre
tung ab (
Urk.
2 [=
Urk.
8/62])
.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 2
1.
November 2018 Beschwerde mit dem Antrag
,
es sei ihm für
das
Verwaltungsverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und Rechtsanwältin Stephanie Schwarz als unentgeltliche Vertre
terin zu ernennen. Zudem ersuchte er um unentgeltliche Prozessführung und Bestellung von Rechtsanwältin Stephanie Schwarz als unentgeltliche Vertreterin im vorliegenden Beschwerdeverfahren (
Urk.
1).
Mit Schreiben vom 23. November 2018 reichte Rechtsanwältin Stephanie Schwarz eine Korrektur der Beschwer
de
schrift zu den Akten (
Urk.
5). Mit Beschwerdeantwort vom
3.
Januar 2019 schloss die Beschwe
rdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7).
Mit Verfügung vom 1
4.
Januar 2019 wurde dem Beschwerdeführer
für
das
Beschwerdeverfahren
die unentgeltliche Prozessführung und die unentgeltliche Vertretung durch Rechts
anwältin Stephanie Schwarz bewilligt (Urk. 9).
Am 8.
Februar 2019 reichte Rechtsanwältin Stephanie Schwarz ihre Honorarnote ein (
Urk.
11).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird – soweit erforderlich – im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
).
1.2
Art.
29
Abs.
3 der Bundesverfassung (BV) räumt jeder Person, die nicht über die erforderlichen Mittel verfügt, soweit es zur Wahrung ihrer Rechte notwendig ist und ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint, einen Anspruch auf unent
geltlichen Rechtsbeistand ein. Unter denselben Voraussetzungen wird laut
Art.
37
Abs.
4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungs
rechts (ATSG) im Sozialversicherungsverfahren der gesuchstellenden Person ein unentgeltlicher Rechtsbeistand b
ewilligt, wo die Verhältnisse dies
erfordern (vgl. hierzu
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl., 2015, N 27 ff. zu
Art.
37).
1.3
Ob die anwaltliche
Verbeiständung
notwendig oder doch geboten ist, beurteilt sich nach den konkreten objekti
ven und subjektiven Umständen. Praktisch ist im Ein
zelfall zu fragen, ob eine nicht bedürftige Partei unter sonst glei
chen Umstän
den vernünftigerweise eine Rechts
anwältin oder einen Rechtsanwalt beizie
hen würde, weil sie selber zu wenig rechtskun
dig ist und das Interesse am Prozessaus
gang den Aufwand rechtfertigt (BGE 103 V 46, 98 V 115; vgl. auch BGE 130 I 180 E. 2.2, 128 I 225 E. 2.5.2 mit Hinweisen).
Beim Erfordernis der Notwendigkeit einer unentgeltlichen
Verbeiständung
im Ver
waltungsverfahren ist ein strenger Massstab anzulegen, dies namentlich mit Blick darauf, dass der Untersuchungsgrundsatz gilt, die Versicherungsträger und Durchführungsorgane der einzelnen Sozialversicherungen also den rechtserheb
lichen Sachverhalt unter Mitwirkung der Parteien nach den rechtsstaatlichen Grundsätzen der Objektivität, Neutralität und Gesetzesgebundenheit (BGE 136 V 376) zu ermitteln haben (
Art.
43 ATSG). Im Verwaltungsverfahren besteht nur in Ausnahmefällen ein Anspruch auf anwaltliche
Verbeiständung
; es müssen sich schwierige rechtliche oder tatsächliche Fragen stellen und eine Interessen
wah
rung durch Dritte (Verbandsvertreter, Fürsorgestellen oder andere Fach- und Ver
trauensleute sozialer Institutionen) muss ausser Betracht fallen (Urteil des Bun
des
gerichts 8C_676/2015 vom
7.
Juli 2016 E. 7.1; BGE 132 V 200 E. 4.1 in
fine
). Zu berücksichtigen sind die Umstände des Einzelfalles, die Eigenheiten der an
wend
baren Verfahrensvorschriften sowie die Besonderheiten des jeweiligen Ver
fahrens. Dabei fallen neben der
Komplexität der Rechtsfragen und der Unüber
sicht
lichkeit des Sachverhalts auch in der Person des Betroffenen liegende Gründe in Betracht, wie etwa seine Fähigkeit, sich im Verfahren zurechtzufinden (Urteil des Bundesgerichts 8C_557/2014 vom 1
8.
November 2014 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung
(
Urk.
2)
dafür,
dass sich im aktuell pendenten
Vorbescheidverfahren
keine medizinisch oder rechtlich komplexe
n
Fragestellungen ergeben würden, welche den
Beizug
einer unentgeltlichen Rechtsvertretung rechtfertigten.
Es sei hauptsächlich strittig, auf welche medizinische Beurteilung – Gutachten oder RAD – abzustellen sei und
inwiefern sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers auf dessen Erwer
bs
fähigkeit auswirke, was nach konstanter Rechtsprechung keiner komplexen Frage
stellung entspreche. Zudem werde der Beschwerdeführer seit Jahren vom Sozialamt unterstützt und es sei nicht ersichtlich, weshalb die weitere Vertretung fortan nicht mehr zumutbar sein sollte. Die anwaltliche Vertretung erweise sich daher als nicht notwendig.
2.2
Demgegenüber brachte der Beschwerdeführer im Wesentlichen vor (
Urk.
1), er leide seit seiner Geburt an einem
G
ebrechen der rechten Hand. Er habe eine schwere Kindheit erlebt. Als er 10 Jahre alt gewesen sei (
Urk.
5)
,
habe er seinen 17
-
jährigen Bruder
erhängt auf
gefunden. Seine Ausbildung zum Koch habe er nie abschliessen können und
er
habe Phasen mit Suchtmittelkonsum erlebt. Seit 2015 leide er an schweren Herzbeschwerden. Das polydisziplinäre Gutachten atte
stiere ihm selbst in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
Dennoch habe ihm die Beschwerdegegnerin die Abweisung des Leistungs
an
spruc
hs in Aussicht gestellt.
Er sei bedürftig und werde durch das Sozialamt unterstützt.
Im
Vorbescheid
verfahren
seien Sachverhalts- und Rechtsfragen zu klären, deren Komplexität sogar die Möglichkeiten der sozialen Dienste überstiegen hätten. Zu seiner traumatischen Kindheit und seinen Beschwerden komme hinzu, dass es ihm seine kognitiven Leistungseinschränkungen
verunmöglichten
, die medizinische und recht
liche Lage zu erfassen und selber Einwände vorzubringen. Dies werde auch durch den Umstand deutlich, dass er selbst bei der (daher verspäteten) Anmeldung
zum Leistungsbezug bei der Beschwerdegegnerin
auf Unterstützung angewiesen gewesen sei. Die weitere Vertretung durch die Sozialbehörde sei nicht möglich. Die anwaltliche Vertretung erweise sich daher als notwendig. Des Weiteren bestehe auch keine Aussichtslosigkeit.
3.
In Anbetracht der praxisgemäss strengen Anforderungen an die Frage der Not
wendigkeit einer anwaltlichen Vertretung im Verwaltungsverfahren, ist diese Vor
aussetzung als erstes zu prüfen.
3.1
Nach Lage der Akten
traf die Beschwerdegegnerin nach Eingang der Anmeldung zum Leistungsbezug
erste
medizinische Abklärungen
(
Urk.
8/17, 8/22, 8/26, 8/29, 8/36, 8/38, 8/40). Am 2
1.
Februar, 2
0.
März, 2
5.
April und 1
5.
Mai 2017 stand sie in telefonischem Kontakt mit dem Beschwerdeführer, wobei dieser jeweils den Stand der ärztlichen Behandlung mitteilte (
Urk.
8/30, 8/31, 8/32, 8/39). In der Folge
liess
sie
den Beschwerdeführer polydisziplinär
b
egutachten. Am 1
7.
April 2018 erstellte die Gutachterstellte
Y._
in Basel ein polydisziplinäres
(inter
nistisches, kardiologisches, psychiatrisches) Gutachten (
Urk.
8/51)
, in welchem
sie den Beschwerdeführer in der angestammten wie auch einer angepassten Tätigkeit für nicht arbeitsfähig hielt (
Urk.
8/51/23 f.).
Das Gutachten unterbreitete die Beschwerdegegnerin ihrem regionalen ärztlichen Dienst (RAD), welcher die
darin enthaltene
psychiatrische Beurteilung für nicht nachvollziehbar erachtete und den Beschwerdeführer in einer angepassten Tätigkeit sowohl aus somatischer als auch aus psychiatrischer Sicht für vollständig arbeitsfähig hielt (
Urk.
8/53/6 ff.).
Mit Vorbescheid vom 1
1.
Juli 2018 stellte die Beschwerdegegnerin dem Be
schwer
deführer die Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht (
Urk.
8/54).
3.2
Im
Vorbescheidverfahren
ist hauptsächlich strittig
, auf welche medizinische Ein
schätzung, nämlich
das Gutachten der
Y._
(
Urk.
8/51) oder die Ein
schät
zung des RAD (
Urk.
8/53) abgestellt werden kann oder
aber
ob der Gesund
heits
zustand des Beschwerdeführers
allenfalls
weiter abzuklären ist.
Im weiteren Sinne ist
damit strittig,
inwieweit sich der Gesundheitsschaden des Beschwerdeführers auf
seine Erwerbsfähigkeit auswirkt.
Diese Fragestellung erfordert zwar gewisse medizinische Kenntnisse und juristi
schen Sachverstand, um Schwachstellen einer
(
fach
-)
ärztlichen Expertise und deren rechtliche Relevanz zu erkennen. Es kann nach konstanter Rechtsprechung
insoweit aber nicht von einer
derart
komplexen Fragestellung gesprochen werden
,
welche
eine anwaltliche Vertretung geböte. Die gegenteilige Auffassung liefe darauf hinaus, dass der Anspruch auf unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
in praktisch allen
Vorbescheidverfahren
bejaht werden müsste, in denen medizi
ni
sche Unterlagen zur Diskussion stehen, was der Konzeption von
Art.
37
Abs.
4 ATSG als einer
Ausnahmeregelung widerspräche (vgl. U
rteil des Bundesgerichts vom 7.
Juli 2016 8C_676/2015 E. 7.2 mit Hinweisen).
Zur Gebotenheit einer anwaltlichen Vertretung bedarf es mithin weiterer Um
stände, welche die Sache als nicht (mehr) einfach und eine anwaltliche Vertretung als notwendig erscheinen lassen (Urteil des Bundesgerichts 9C_908/2012 vom 2
2.
Februar 2013 E. 5.2). Dies ist rechtsprechungsgemäss beispielsweise bei komp
lexen Fragen betreffend die Bemessung des Invaliditätsgrades (Urteil des Bundesgerichts 9C_316/2014 vom 1
7.
Juni 2014 E. 3.2) oder einer langen Ver
fahrensdauer, insbesondere nach (mehrfachen) gerichtlichen Rückwei
sungen
(vgl. die Hinweise bei Ulrich Meyer/Marco
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Inva
lidenversicherung,
3.
Auflage, Zürich 2014,
Rz
10 zu
Art.
57a) der Fall. Eine unentgeltliche Vertretung im Verwaltungsverfahren ist sodann geboten, wenn das in Frage stehende Verfahren besonders stark in die Rechtsposition der be
troffenen Person eingreift, wie etwa bei namhaften Rückforderungen gegenüber in bescheidenen Verhältnissen lebenden Versicherten (Urteil des Bundesgerichts 9C_720/2013 vom
9.
April 2014 E. 5.1-5.2).
Der Entscheid über den Leistungs
anspruch gegenüber der Invalidenversicherung stellt keinen solchen starken Ein
griff in seine Rechtsposition dar.
Umstände
, welche die anwaltliche Vertretung gebieten
würden
,
sind in
casu
nicht ersichtlich. Vielmehr beschränkt sich die Fragestellung im vorliegenden Verfah
ren im Wesentlichen auf die Würdigung der medizinischen Aktenlage
, welche sich
– es liegen mehrere Arztberichte und ein ärztliches Gutachten vor; die vorinstanzlichen Unterlagen beschränken sich auf etwas mehr als 50 Positionen -
auch
keineswegs
als besonders unübersichtlich
erweist
. Bei dieser Sachlage ist die anwaltliche Rechtsvertretung bereits im Verwaltungsverfahren nicht geboten
(vgl. hierzu insbesondere auch Urteil 8C_676/2015 E. 7.2)
.
3.3
Schliesslich
bestehen keine Hinweise dafür,
dass sich der Beschwerdeführer im – vom Untersuchungsgrundsatz beherrschten - Verfahren nicht
selbst
zurecht
fin
den würde.
So gab er etwa w
ährend des vorliegenden Ve
r
fahrens
b
ereits
mehrfach (telefonisch) Auskunft über den Stand seiner ärztlichen Behandlung.
T
rotz seiner schwierigen Kindheit und seinen gesundheitlichen Beschwerden – selbst wenn davon auszugehen wäre, es bestünden kognitive Leistungseinschränkungen oder eine
ihn einschränkende
Persönlichkeitsstörung –
ist ihm eine Wahrung der eigenen Interessen daher zumutbar.
4.
Die angefochtene Verfügung erweist sich damit als rechtens
,
weshalb
die Be
schwer
de abzuweisen
ist
.
5.
5.1
Das Verfahren ist kostenlos (
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung, IVG, e
contrario
).
5.2
Mit Verfügung vom 1
4.
Januar 2019 (
Urk.
9) wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtsvertretung für das Beschwerdeverfahren gewährt.
Mit Honorarnote vom
8.
Februar 2019 (
Urk.
11) machte Rechtsanwältin Stephanie
Schwarz einen Aufwand von Total
Fr.
1‘145.25 (
Fr.
1‘063.35 Arbeitsaufwand für 4 Stunden und 50 Minuten plus
Fr.
81.90 Barauslagen zzgl. MwSt.) geltend. Unter Berücksichtigung der Bedeutung der
Streitsache und der Schwierigkeit des Pro
zesses (
§
34
Abs.
3
GSVGer
) ist eine Entschädigung in dieser Höhe nicht mehr angemessen.
Die Beschwerde
hatte sich lediglich mit der Frage nach der Not
wendigkeit der anwaltlichen Vertretung im V
erwaltungsverfahren auseinander
zu
setzen. Ein weiterführendes Aktenstudium war
hierfür
nicht erforderlich.
Ins
gesamt ist ein Gesamtarbeitsaufwand von
rund drei bis dreieinhalb
Stunden für Besprechungen mit dem Klienten, dem Ausarbeiten der Beschwerdeschrift sowie weiteren Arbeiten im Zusammenhang mit dem Beschwerdeverfahren anzurech
nen, was unter Berücksichtigung des gerichtsüblichen Ansatzes von
Fr.
220.-- sowie
einem Anteil für Barauslagen und Mehrwertsteuer
eine Entschädigung von
rund
Fr.
85
0
.-- ergibt. In dieser Höhe ist Rechtsan
wältin Stephanie Schwarz aus der Gerichts
kasse zu entschädigen.
5.3
Der Beschwerdeführer ist zur Nachzahlung der Auslagen f
ür die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet, sobald er dazu in der Lage ist (
§
16
Abs.
4
GSVGer
).