# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 93d09545-4004-5955-aa73-484c9ca14fa0
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegner wollen das bestehende Einfamilienhaus auf der Parzelle Muri
bei Bern Gbbl. Nr. M._ abbrechen und stattdessen ein Doppeleinfamilienhaus mit
Flachdach und Attika sowie Autounterständen erstellen. Am 19. Januar 2018 reichten sie
bei der Gemeinde Muri bei Bern ein entsprechendes Baugesuch ein (datiert vom 15.
Dezember 2017). Die Bauparzelle liegt in der Wohnzone 2-geschossig (W2). Gegen das
Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtbauentscheid
vom 8. Mai 2018 erteilte die Gemeinde Muri bei Bern die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 7. Juni 2018 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen, der
Gesamtbauentscheid vom 8. Mai 2018 sei aufzuheben und dem Bauvorhaben sei der
Bauabschlag zu erteilen.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die Vorakten
ein und führte den Schriftenwechsel durch. Ausserdem bat es die Gemeinde, die
Baureglemente bis 1911 einzureichen.
Die Beschwerdegegner beantragen mit Stellungnahme vom 4. Juli 2018, die Beschwerde
sei abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei. Die Gemeinde schliesst mit Stellungnahme
vom 13. Juli 2018 ebenfalls auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei.
Die Parteien erhielten Gelegenheit, Schlussbemerkungen einzureichen. Davon machten
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
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die Beschwerdeführenden und die Beschwerdegegner Gebrauch. Sie halten an ihren
Anträgen fest.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtbauentscheid. Das Bauvorhaben erforderte kein koordiniertes
Verfahren im Sinne von Art. 1 KoG2. Bauentscheide können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3
innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die
BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen den Gesamtentscheid zuständig. Zur
Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden sind Grundeigentümer von
benachbarten Grundstücken. Sie sind mit ihrer Einsprache nicht durchgedrungen und
durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert. Sie sind daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Gemeinde hat beim Bauvorhaben den Alignementsplan Halden4 vom 2. Oktober
1956 angewendet. Nach diesem Alignementsplan bestehen entlang des N._wegs
beidseitig Baulinien mit einem Abstand von 4 m gegenüber der Strasse.
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Alignementsplan Halden (Abänderung) von Aarwil bis Gemeindegrenze Rubigen mit Sonderbauvorschriften, vom Regierungsrat genehmigt am 2. Oktober 1956 (im Folgenden: Alignementsplan Halden)
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b) Die Beschwerdeführenden rügen zunächst eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
Die Gemeinde habe die Anwendbarkeit des Alignementsplans Halden von 1956 erst im
Verlauf des vorinstanzlichen Verfahrens ins Feld geführt. Im Bauentscheid habe sie sich
nicht mit den verschiedenen Einwänden der Beschwerdeführenden gegen die Anwendung
des Alignementsplans Halden auseinandergesetzt und damit die Begründungspflicht
verletzt.
c) Der Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 BV5 beinhaltet unter
anderem das Recht auf einen begründeten Entscheid, damit die Betroffenen die Verfügung
sachgerecht anfechten können (vgl. Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG6). Es müssen wenigstens
kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und
auf die sich ihr Entscheid stützt.7
Die Gemeinde führte im angefochtenen Entscheid aus, der N._weg habe zwar den
Charakter einer Detailerschliessung, sei aber noch eine Privatstrasse. Im Baureglement sei
der Abstand von Privatstrassen nicht selbständig geregelt. Art. 21 GBR8 regle die
Bauabstände gegen nachbarlichen Grund und verweise dazu auf Art. 67 GBR. In der
Wohnzone W2 sei ein kleiner Grenzabstand von 6 m gegenüber dem nachbarlichen Grund
zu wahren. Nach Massgabe von Art. 21 Abs. 3 GBR gingen die Baulinien den
reglementarischen Bauabständen aber vor. Gemäss dem Baulinienplan müsse das
Bauvorhaben gegenüber der Strassenparzelle Nr. U._ einen Abstand von 4 m
einhalten. Das Abstellen auf diese Baulinienpläne, die den Bauabständen des GBR explizit
vorgingen, sei ständige Praxis der Gemeinde Muri b. Bern.
d) Aus der Begründung der Gemeinde geht hervor, auf welche Rechtsgrundlage sie die
Anwendung des Alignementsplans Halden stützt. Die Gemeinde ist aber insbesondere
nicht auf die ausführlichen Rügen der Beschwerdeführenden eingegangen, dass dem
altrechtlichen Alignementsplan keine Verbindlichkeit mehr zukomme. Insofern ist die vor-
instanzliche Begründung etwas knapp ausgefallen. Die Beschwerdeführenden waren
jedoch in der Lage, den Entscheid sachgerecht anzufechten. Soweit im Bauentscheid das
5 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 7 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5 8 Baureglement 1994 der Gemeinde Muri, mit Änderungen bis 18. September 2017
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rechtliche Gehör der Beschwerdeführenden verletzt worden wäre, wäre dies im
Beschwerdeverfahren geheilt, zumal die BVE über volle Kognition verfügt.9
3. Rügen / Abstand gegenüber Privatstrassen
a) Umstritten ist, ob das Bauvorhaben gegenüber dem N._weg den kleinen
Grenzabstand gemäss Art. 21 i.V.m. Art. 67 GBR einhalten muss (6 m) oder ob die
Baulinien des Alignementsplans Halden vom 2. Oktober 1956 massgebend sind (4 m).
b) Die Beschwerdeführenden machen insbesondere geltend, der N._weg sei
eine Privatstrasse, weshalb zur Strassenparzelle hin die nachbarlichen Grenzabstände
anwendbar seien. Somit müsse der kleine Grenzabstand von 6 m eingehalten werden. Der
Alignementsplan Halden stelle keine genügende Rechtsgrundlage für die Regelung des
Grenzabstands zwischen nachbarlichen Grundstücken dar. Es werde nicht bezweifelt, dass
der Alignementsplan Halden rechtskräftig erlassen worden sei. Nach den im
Erlasszeitpunkt anwendbaren Gesetzen (Alignementsgesetz vom 15. Juli 1894,
Baureglement der Einwohnergemeinde Muri vom 27. September 1911) hätten mit dem
Alignementsplan nur die Verhältnisse zwischen privatem Grund und öffentlicher Strasse
geregelt werden dürfen, nicht jedoch die nachbarrechtlichen Abstände. Auch nach den
seither eingetretenen Rechtsänderungen dürften Baulinien nur gegenüber öffentlichen
Strassen, nicht aber gegenüber benachbarten Grundstücken erlassen werden. Der
N._weg sei damals wie heute ein privates Grundstück gewesen. Der
Alignementsplan Halden stelle daher keine genügende Überbauungsordnung i.S. von
Art. 89 f BauG i.V.m. Art. 17 GBR dar. Die Anwendung dieses 60-jährigen
Alignementsplanes verbiete sich auch aufgrund der veränderten Verhältnisse. Einem
altrechtlichen Plan komme keine Planbeständigkeit zu. Art. 21 RPG10 schreibe eine
Überprüfung und Anpassung der Pläne vor, wenn sich die für die Planung massgebenden
Verhältnisse seit der Planfestsetzung erheblich geändert hätten. Im Alignementsplan
Halden von 1956 sei der N._weg als Gemeindestrasse projektiert gewesen und
hätte bis zum Q._weg verlängert werden sollen. Das Verbindungsstück zum
Q._weg sei jedoch nie erstellt worden; das fragliche Gebiet sei inzwischen
überbaut. Der N._weg sei damit eine Sackgasse und Privatstrasse geblieben,
9 BGE 129 I 129 E. 2.2.3; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 21 N. 16 10 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
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ebenso wie das betroffene Stück des Q._wegs. Die tatsächlichen Verhältnisse
stünden nicht mehr im Einklang mit den damaligen Planungszielen. Auch an anderen Orten
des Quartiers sei die bauliche Entwicklung nicht gemäss Alignementsplan Halden erfolgt.
Es bestehe ein erheblicher Widerspruch zwischen dem Alignementsplan Halden und der
Wirklichkeit.
c) Die Gemeinde bringt vor, der Alignementsplan sei Teil der baurechtlichen
Grundordnung und gehe den allgemeinen Strassenabständen von Art. 18 GBR vor. Der
Alignementsplan Halden sei ordnungsgemäss erlassen worden und sowohl
grundeigentümer- als auch behördenverbindlich. Unter altem wie neuem Recht sei die
Gemeinde als Baureglementsgeberin befugt, im öffentlichen und privaten Raum
Abstandsregeln aufzustellen. Ordnungsgemäss im Planerlassverfahren erlassene und
rechtskräftige Nutzungspläne könnten im Baubewilligungsverfahren grundsätzlich nicht
mehr in Frage gestellt werden. Die Voraussetzungen einer akzessorischen
Normenkontrolle seien vorliegend nicht erfüllt. Der Umstand, dass die Direkterschliessung
N._weg - Q._weg nicht realisiert worden sei, könne nicht als
massgebliche Änderung der Verhältnisse interpretiert werden. Trotz Änderungen der
gesetzlichen Grundlagen habe sich die Rechtslage im hier interessierenden
Zusammenhang nicht nennenswert geändert. Insbesondere hätten die Rechtsänderungen
beim Alignementsplan Halden nicht zu einer rechtswidrigen Situation geführt. Nach wie vor
seien die Gemeinden für die Regelung von Bauabständen zuständig und zur Festlegung
von Baulinien im Gemeindegebiet befugt. Der Strassenraum am N._weg werde
als Erschliessungsstrasse genutzt und die im Alignementsplan Halden vorgesehene
Baulinie von 4 m zur Strasse hin erweise sich auch heute noch als sachgerecht. Mit diesen
Mindestabständen könnten die öffentlichen Anliegen (Freihaltebedürfnis, Verkehrs- und
Personensicherheit) gesichert werden. Aufgrund der Verkehrszunahme und höheren
Wohndichte seien diese Interessen sogar gewichtiger als im Zeitpunkt der Schaffung des
Alignementsplans. Die nachbarrechtlichen Grenzabstände könnten unter Umständen
unterschritten oder überhaupt nicht eingehalten werden. Auch aus Gründen der
Rechtssicherheit bestünden wichtige öffentliche Interessen an der Einhaltung des
Alignementsplans Halden. Im Rahmen der Ortsplanungsrevision sei beabsichtigt, das
umfangreiche Planwerk der Alignementspläne aufzuheben, das inzwischen unübersichtlich
geworden und auch nicht mehr ganz vollständig erhalten sei. Zahlreiche Alignementspläne
seien von einer baulichen Entwicklung und Erschliessungsplanung ausgegangen, die
heute als überholt gelten könne. Die Massnahme "Revision Baulinienpläne" sei im Herbst
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2017 erst zur öffentlichen Mitwirkung aufgelegt worden und habe daher noch keine
Vorwirkung. Der Alignementsplan Halden sei daher nach wie vor gültig und verbindlich. In
Zusammenhang mit der Aufhebung der Alignementspläne sei vorgesehen, im neuen
Richtplan Verkehr den N._weg bei der kommunalen Festlegung als
Erschliessungsstrasse (ES) und somit als Detailerschliessung einzureihen.
d) Die Beschwerdegegner bringen insbesondere vor, der Alignementsplan Halden sei
nach wie vor gültig und gehe als besondere Vorschrift dem GBR vor. Das Bundesgericht
habe in einem früheren Leitentscheid (BGE 97 I 809) auf den Alignementsplan Halden
abgestellt. Wenn er fehlerhaft gewesen wäre, hätte er damals angefochten werden
müssen. Die Anwendung des Alignementsplans Halden sei auch unter den
Gesichtspunkten der Rechtssicherheit und Planbeständigkeit korrekt. Der N._weg
sei seit 1956 eine Privatstrasse und Sackgasse und seither unverändert geblieben. Er sei
weder verengt noch verbreitert worden. Die Verhältnisse hätten sich weder in tatsächlicher
noch in rechtlicher Hinsicht derart verändert, dass eine Vergrösserung des Abstandes zum
N._weg gerechtfertigt wäre. Solches stünde auch im Widerspruch zum Gebot des
verdichteten Bauens. Im neuen Richtplan Verkehr werde der N._weg als
öffentliche Detailerschliessungsstrasse aufgeführt. Es sei davon auszugehen, dass der
N._weg in der Nutzungsplanrevision als Detailerschliessungsstrasse eingezont
werde und der Bauabstand zum N._weg in Zukunft 4 m gemäss Art. 18 GBR
betrage. In Bezug auf den Bauabstand ergäbe sich somit keine Änderung gegenüber der
Baulinie von 4 m.
e) Gegenüber öffentlichen Strassen gelten die Strassenabstände gemäss Art. 80 SG11.
Als öffentliche Strassen gelten die dem Gemeingebrauch offenstehenden Strassen, Wege
und Plätze (Art. 4 SG). Bei Gemeindestrassen, Privatstrassen im Gemeingebrauch sowie
an selbständigen Fuss- und Radwegen gilt ein Abstand von 3,60 m ab Fahrbahnrand. Die
Gemeinden sind befugt, bei Strassen in ihrem Zuständigkeitsbereich andere Abstände
festzulegen. Die Gemeinde Muri hat davon Gebrauch gemacht und den Strassenabstand
gegenüber Detailerschliessungsstrassen auf 4 m festgelegt (Art. 18 GBR). Vorbehalten
bleiben Baulinien (Art. 17 und Art. 18 GBR).
11 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11)
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f) Der N._weg (Muri Gbbl. Nr. U._) steht in privatem Eigentum und
erschloss bereits 1956 mehrere überbaute Grundstücke. Er ist von seiner Funktion her seit
langem eine Detailerschliessungsstrasse. Für Detailerschliessungsanlagen ist die
Gemeinde zuständig; solche Anlagen sollen nach ordnungsgemässer Fertigstellung zu
Unterhalt und Eigentum an die Gemeinde übergehen (Art. 106 und 109 BauG). Mit dieser
Regelung wollte der Gesetzgeber unter anderem den häufigen Streitereien unter
Grundeigentümern ein Ende bereiten und später Anschliessende vor übermässigen
Forderungen der privaten Ersteller schützen. Die Regelung soll den ordentlichen Unterhalt
und die dauernde Benützbarkeit der Anlage sicherstellen und auch kleinere
Wegverbindungen öffentlich zugänglich machen.12 Die Bestimmung, dass privat erstellte
Detailerschliessungsstrassen von Gesetzes wegen an die Gemeinde übergehen, gilt aber
erst seit Inkrafttreten des Baugesetzes 1970 am 1. Januar 1971. Früher erstellte private
Detailerschliessungsstrassen blieben Privatstrassen,13 sofern sie nicht mit einer Widmung
nach Art. 13 SG in das öffentliche Strassennetz überführt wurden. Eine solche Widmung
zugunsten der Öffentlichkeit kann durch Verfügung der Gemeinde erfolgen, wenn die
Grundeigentümer zugestimmt haben (Art. 13 Abs. 3 Bst. a SG), durch Errichtung einer
Wegdienstbarkeit zugunsten der Öffentlichkeit (Bst. b) oder durch Übertragung der
Unterhaltspflicht an einer dem allgemeinen Verkehr offenen Strasse an die Gemeinde (Bst.
c). Beim N._weg besteht keine Dienstbarkeit und nach übereinstimmender Ansicht
der Beteiligten ist auch keine anderweitige Widmung zugunsten der Allgemeinheit erfolgt.
Der N._weg ist daher eine altrechtliche Privatstrasse geblieben, bei der die
Strassenabstände gemäss Art. 80 SG und Art. 18 GBR keine Anwendung finden. Bei
altrechtlichen Privatstrassen sind grundsätzlich die nachbarrechtlichen Grenzabstände
einzuhalten. Gemäss Art. 17 GBR gehen Baulinien allen Bauabständen, d.h. auch den
Grenzabständen (Art. 21 i.V.m. Art. 67 GBR) vor.
g) Hinzuweisen bleibt, dass die Aufnahme des N._wegs als
Detailerschliessungsstrasse im Richtplan Verkehr nicht bewirken kann, dass der
reglementarische Strassenabstand von 4 m gemäss Art. 18 GBR anwendbar wird. Der
N._weg kann nur durch eine Widmung im Sinne von Art. 13 SG zu einer
öffentlichen Strasse werden. Fehlt eine solche Widmung, hat die Aufhebung des
Alignementsplans zur Folge, dass die Grenzabstände gegenüber benachbartem Grund
12 VGE 2010/10 vom 10. Juni 2010 E. 3.3 13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 109-110 N. 3
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(d.h. grosser oder kleiner Grenzabstand) anwendbar werden. Der Abstand zur Strasse
könnte damit weitgehend privatautonom geregelt werden, was wohl nicht im Sinn der
Gemeinde wäre (vgl. auch Erwägungen 5 c und 6 c).
4. Alignementsplan Halden
a) Als der Alignementsplan Halden erlassen wurde, waren das Alignementsgesetz von
189414 und das Baureglement der Gemeinde Muri von 192815 in Kraft. Das
Alignementsgesetz räumte den Gemeinden die Befugnis ein, für ihr ganzes Gebiet oder für
Teile desselben Alignementspläne und Baupolizeivorschriften mit allgemeiner
Verbindlichkeit aufzustellen. Gemäss Art. 12 des Baureglements der Gemeinde Muri von
1928 (Fassung vom 25. September 1956) wurde über das im Gemeindegebiet befindliche
Land, soweit es nicht ausschliesslich der Landwirtschaft diente, ein Bauzonenplan
aufgestellt, in dem nebst den Wald- und den Grünflächen die Bau-, Gewerbe- und
Industriezonen umgrenzt wurden. Art. 12 bestimmte weiter: " Alignementspläne: Für die
einzelnen Gemeindegebiete werden Alignementspläne aufgestellt, welche die Grundlage
für die Bebauung bilden. Sie setzen die Bau-, Strassen- und Niveaulinien fest." Dazu
bestimmte Art. 15 GBR 1928: "Über die durch den Alignementsplan festgesetzten
Baulinien hinaus darf nach der Strasse hin nicht gebaut werden, und es müssen die
Fassaden neuer Gebäude entweder auf die Baulinie selbst oder wenigstens parallel zu ihr
zu stehen kommen, sofern die Baute nicht mehr als 15 m hinter die Baulinie zurückgestellt
wird." Es folgen weitere Vorschriften zur Gebäudestellung entlang von Baulinien bei
Strassenkurven.
b) Der Alignementsplan stellte unter altem Recht ein vorrangiges Planungsinstrument
für die Siedlungsentwicklung dar. Die Gemeinde war befugt, über das gesamte
Gemeindegebiet Alignementspläne und Bauvorschriften zu erlassen, unabhängig von den
eigentumsrechtlichen Verhältnissen. Dabei ging es nicht nur um die Reglementierung von
öffentlichen Strassen bzw. um Strassen, die im Hinblick auf die Bebauung des Gebiets
angelegt werden sollten. Mit Baulinien konnten auch gestalterische Aspekte festgelegt
werden wie die Gebäudestellung und Ausrichtung von Fassaden (vgl. § 5
14 Gesetz vom 15. Juli 1894 betreffend die Aufstellung von Alignementsplänen und von baupolizeilichen Vorschriften durch die Gemeinden (GS 1894 S. 275 ff.) 15 Baureglement der Gemeinde Muri vom 26. September 1928, mit Änderungen und Ergänzungen bis am 25. Mai 1960
RA Nr. 110/2018/74 11
Alignementsgesetz, Art. 12 und 15 GBR 1928). Den Baulinien kam damit auch eine
wichtige Funktion für das Ortsbild zu. Baulinien galten daher insbesondere unter früherem
Recht als eines der wichtigsten baupolizeilichen Ordnungsinstrumente. Der Baulinie
kommen verschiedene Funktionen zu: Sie hält den Raum von Überbauung frei, der für
einen späteren Ausbau der Erschliessungsanlagen, namentlich des Strassennetzes
benötigt wird; städtebaulich ordnet sie den Verlauf der Gebäudefluchten längs Strassen
oder die Stellung der Gebäude zur Strasse; sie schützt die Verkehrsteilnehmer vor
Gefährdungen aus anliegenden Gebäuden und gewährleistet die Verkehrsübersicht,
namentlich an Einmündungen und bei gebogenem Strassenverlauf; sie vermindert mit dem
vorgeschriebenen Bauabstand die nachteiligen Einwirkungen des Strassenverkehrs auf die
Anstösser und übernimmt die Funktion des Grenzabstand und des Gebäudeabstandes für
die sich über die Strasse hinweg gegenüberliegenden Bauten.16
c) Der Alignementsplan Halden mit Sonderbauvorschriften definierte erstmals den
Schutz des Haldengebiets entlang der Aare. Die Sonderbauvorschriften enthalten denn
auch ausschliesslich Regelungen zur Hangbaulinie und der Grün- und
Landschaftsschutzzone. Andererseits wurde mit dem Alignementsplan Halden das Quartier
neu beplant. Das Strassennetz wurde festgelegt und Baulinien definiert. Wie oben
dargelegt bestand dafür eine gesetzliche Grundlage. Mit wenigen Ausnahmen (z.B.
Aarwilweg, unterer Teil des Kriegliwegs, Ammannstrasse) wurden bei allen Strassen
dieses grossen Gebiets (Aarwil bis Rubigen) beidseitig Baulinien erlassen. Aus welchen
Gründen bei den drei erwähnten Strassen keine Baulinien festgelegt wurden, ist vorliegend
unerheblich.
Nutzungspläne müssen bei deren Erlass angefochten werden; eine spätere, vorfrageweise
(akzessorische) Überprüfung im Anwendungsfall ist nicht möglich.17 Für den
Alignementsplan Halden galt das Planerlassverfahren gemäss § 6 ff. Alignementsgesetz.
Dieses umfasste eine öffentliche Planauflage mit Erläuterungen durch den Gemeinderat,
Publikation, Einsprachemöglichkeit, Prüfung der Einsprachen durch den Gemeinderat,
Genehmigung des Plans durch die Einwohnergemeinde und schliesslich die Genehmigung
des Plans durch den Regierungsrat mit Entscheid über die unerledigten Einsprachen.
Gemäss der Bescheinigung auf dem Alignementsplan Halden wurde der Plan vom 23. April
bis 12. Mai 1956 öffentlich aufgelegt, vier Grundbesitzer erhoben damals Einsprache. Die
16 Aldo Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern vom 1. Juni 1970; 1971, Art. 33 N. 1 17 Thierry Tanquerel in Praxiskommentar RPG, 2016, Art. 21 N. 29
RA Nr. 110/2018/74 12
Beschwerdeführenden bzw. deren Rechtsvorgänger hätten die Festlegung von Baulinien
entlang des N._wegs somit damals anfechten können. Im vorliegenden Verfahren
ist daher nicht mehr zu prüfen, ob die Baulinien am N._weg zu Recht erlassen
wurden. Auf die entsprechenden Vorbringen ist nicht weiter einzutreten.
d) Ein rechtskräftiger Alignementsplan kann nur durch Beschluss und im Verfahren
nach Art. 96a i.V.m. Art. 58 ff. BauG aufgehoben werden (vgl. altrechtlich § 9
Alignementsgesetz). Ein solcher Aufhebungsbeschluss wurde für den Alignementsplan
Halden mit Sonderbauvorschriften nicht gefasst; er ist nach wie vor in Kraft und bildet Teil
der geltenden baurechtlichen Grundordnung von Muri.
5. Akzessorische Überprüfung eines Nutzungsplans
a) Die Regel, dass Nutzungspläne nur bei deren Erlass angefochten werden können,
kennt allerdings eine Ausnahme. Sind die zwingenden Voraussetzungen für eine
Überprüfung des Nutzungsplans gegeben (Art. 21 Abs. 2 RPG), lässt die Rechtsprechung
die vorfrageweise Überprüfung von Nutzungsplänen ausnahmsweise zu. Voraussetzung
ist, dass sich die tatsächlichen Verhältnisse oder die gesetzlichen Voraussetzungen seit
Annahme des Plans in einer Weise geändert haben, die den Plan nicht mehr rechtmässig
erscheinen lassen und das öffentliche Interesse an der Beibehaltung der auferlegten
Nutzungsbeschränkungen nicht mehr rechtfertigen. Es müssen erhebliche Veränderungen
eingetreten sein, die es rechtfertigen, eine Überprüfung des Plans vorzunehmen. In einem
zweiten Schritt ist zu beurteilen, ob der Plan geändert werden muss.18
b) Das Alignementsgesetz von 1894 wurde durch das Gesetz über Bauvorschriften vom
26. Januar 195819 ersetzt. Das Bauvorschriftengesetz ermächtigte die Gemeinden,
Baulinien im Nutzungsplanungsverfahren zu erlassen und erweiterte deren
Anwendungsbereich (Art. 1, 5, 7 f. Bauvorschriftengesetz). Die Gemeinden waren
verpflichtet, ihre Bauvorschriften anzupassen. Die Gemeinde Muri konkretisierte im
Baureglement vom 13. Oktober 1964 ihre Bestimmungen zu den Baulinienplänen weiter
18 BGE 144 II 41 E. 5.1; VGE 2017/71 vom 21.09.2017 E. 3.2; BVR 2016 S. 222 E. 3.2; Thierry Tanquerel in Praxiskommentar RPG, Art. 21 N. 31; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band II, Bern 2017, Art. 60 N. 9 19 Gesetz vom 26. Januar 1958 über die Bauvorschriften (GS 1958, S. 12 ff.)
RA Nr. 110/2018/74 13
(Art. 8 und 10 GBR 1964). Baulinienpläne bildeten die Grundlage für die Anordnung der
Überbauungen in den einzelnen Quartieren und Teilen des Gemeindegebiets (Art. 8 GBR
1964). Das kantonale Bauvorschriftengesetz wurde durch das Baugesetz vom 7. Juni 1970
abgelöst. Baulinien waren weiterhin möglich und konnten insbesondere zur Festlegung von
Strassenabständen oder als Gestaltungsbaulinien erlassen werden. In Art. 32 ff. BauG
197020 wurden nähere Vorschriften dazu erlassen.21 An der Zulässigkeit von Baulinien hat
sich auch mit dem BauG vom 9. Juni 1985 nichts geändert (vgl. Art. 90 und 91 in der
ursprünglichen Fassung; heute Art. 96a f). Im Baureglement 1980 der Gemeinde Muri22
kam den Baulinien weiterhin Vorrang gegenüber anderen Abstandsvorschriften zu.
Gebäude mussten parallel oder senkrecht zur Baulinie gestellt werden (Art. 10, 12, 13
Baureglement 1980). Baulinien sind auch nach dem geltenden GBR von 1994 möglich und
gehen den allgemeinen Abstandsvorschriften vor (Art. 17 ff. GBR). Wie die Gemeinde
richtig festhält, hat die Rechtslage bezüglich Baulinien nicht wesentlich geändert. Die
Regelung von Abständen und gestalterischen Vorgaben mittels Baulinien ist auch heute
noch möglich. Altrechtliche Baulinien wurden somit nicht rechtswidrig. Auch in Bezug auf
den Abstand von 4 m gegenüber der Strasse widerspricht die Baulinie am N._weg
dem geltenden Recht nicht. Das Strassengesetz schreibt bei Gemeindestrassen einen
Strassenabstand von 3,60 m ab Fahrbahnrand vor (Art. 80 SG), sofern die Gemeinde
keine anderen Abstände festlegt. Die Gemeinde hat bereits im GBR von 1928 einen
Strassenabstand von 4 m festgelegt (Art. 16 GBR 1928) und bei
Detailerschliessungsstrassen seither an diesem Abstand festgehalten (Art. 17).
c) Die Strassenbreite und der Verlauf des N._wegs wurden seit 1956
unbestritten nicht verändert. Die im Alignementsplan von 1956 vorgesehene Verbindung
des N._wegs mit dem Q._weg wurde nicht erstellt. Insofern haben sich
die tatsächlichen Verhältnisse seit 1956 nicht geändert. Ob die damals geplante
Strassenverbindung objektiv betrachtet nicht mehr realisiert werden könnte, steht nicht fest,
aber offenbar besteht dafür kein Bedarf mehr. Der Umstand, dass der N._weg
entgegen dem damaligen Planungsziel der Gemeinde nicht ausgebaut und nicht zu einer
öffentlichen Gemeindestrasse wurde, bedeutet nicht, dass an den rechtskräftig erlassenen
Baulinien am N._weg das öffentliches Interesse entfallen wäre. Die mit Baulinien
20 Baugesetz vom 7. Juni 1970 (BauG 1970; GS 1970 S. 163 ff.) 21 Vgl. dazu Aldo Zaugg, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern vom 1. Juni 1970; 1971, Einleitung S. 19 ff. 22 Von der Baudirektion genehmigt am 20. Januar 1982
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festgelegte Bauverbotszone soll den Raum für eine allfällige spätere Strassenverbreiterung
sichern und dient auch der Verkehrssicherheit. Daran besteht auch bei altrechtlichen
Privatstrassen ein öffentliches Interesse. In Bezug auf den Zweck, den Strassenabstände
bzw. Baulinien gegenüber Strassen erfüllen, sind die sachenrechtlichen Verhältnisse nicht
relevant. Massgebend sind der tatsächliche Verkehr und der Umstand, dass der
N._weg zur Detailerschliessung dient. Zudem können altrechtliche Privatstrassen
mit entsprechender Widmung öffentliche Strassen werden, was im Sinne des
Gesetzgebers wäre. Die Dichte der Bebauung entlang des N._wegs hat
zugenommen. Soweit ersichtlich werden heute sieben Parzellen durch den
N._weg erschlossen. Ältere Gebäude wurden abgebrochen und durch
Wohnhäuser mit mehreren Wohnungen ersetzt (z.B. Parzellen Nr. L._,
O._). Der Gemeinde ist darin zuzustimmen, dass die Beanspruchung des
N._wegs gewachsen ist und die Bedeutung der Baulinie insbesondere aus
Gründen der Verkehrssicherheit zugenommen hat. Die Beschwerdeführenden machen
geltend, Bauabstände dienten bei Privatstrassen vor allem dem Immissionsschutz.
Gleiches gilt jedoch auch für öffentliche Strassen. Es leuchtet nicht ein, dass das
Schutzbedürfnis abhängig sein soll von den Eigentumsverhältnissen an der Strasse.
Nachbarrechtliche Grenzabstände können in der Regel mit Zustimmung der Nachbarn
unterschritten werden, was bei Abständen zu Strassen problematisch sein kann. An den
durch die Baulinien festgelegten Abständen gegenüber dem N._weg besteht
weiterhin ein öffentliches Interesse.
d) Aus den Ausführungen der Gemeinde ergibt sich, dass in Bezug auf die Alignements-
pläne zwar ein Revisionsbedarf besteht und die Pläne aufgehoben werden sollen. Der
Handlungsbedarf liegt aber nicht darin, dass die Baulinien einen falschen Abstand
gegenüber der Strasse festlegen würden, sondern insbesondere in der Unübersichtlichkeit
und teilweise fehlenden Aktualisierung des Planwerks (vgl. dazu Erwägung 6 c). Zudem ist
die bauliche Entwicklung teilweise anders verlaufen als vorausgesehen, was zu
Widersprüchen zwischen Plan und Wirklichkeit geführt hat.23 Auch die
Beschwerdeführenden weisen auf abweichende bauliche Entwicklungen im Quartier hin.
Wie dargelegt betrifft dies jedoch nicht den bestehenden Teil des N._wegs, wo mit
Ausnahme der Neubauten kaum Änderungen erfolgt sind (vgl. Erwägung 5 c). Der
Bauabstand von 4 m gegenüber der Strasse ist in der Sache nicht überholt.
23 Vgl. Erläuterungsbericht zur Nutzungsplanungsteilrevision (NPTR), Massnahmepaket 3, vom 22. September 2017, S. 25, Beilage 4 zur Eingabe der Gemeinde vom 13. Juli 2018
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e) Zusammenfassend ist der Alignementsplan Halden nach wie vor gültig und bildet Teil
der geltenden baurechtlichen Ordnung. Die im Plan festgelegten Baulinien am
N._weg wurden durch das geltende Recht nicht rechtswidrig. Sie sind auch in der
Sache nicht überholt, zumal der Abstand von 4 m dem reglementarischen Strassenabstand
gegenüber Detailerschliessungsstrassen entspricht. Am N._weg haben sich die
tatsächlichen Verhältnisse nur wenig verändert. Das öffentliche Interesse an den Baulinien
ist nicht entfallen. Der Alignementsplan Halden ist daher auf das Bauvorhaben anwendbar.
Vorliegend ist unbestritten, dass das Gebäude den geforderten Abstand von 4 m zur
Strasse hin einhält.
6. Gleichbehandlung im Unrecht
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, es treffe nicht zu, dass die Gemeinde in
ständiger Praxis auf Baulinienpläne abstelle und dass diese den Bauabständen des GBR
vorgingen. Im Gegenteil würden die altrechtlichen Nutzungspläne bezüglich
Abstandsvorschriften praxisgemäss gar nicht mehr angewendet. Dazu berufen sie sich auf
die neueren Wohnbauten am N._weg 5 sowie am Q._weg 11, 14 und 15.
Im Erläuterungsbericht zur Nutzungsplanungsrevision habe die Gemeinde die
Anwendbarkeit der altrechtlichen Alignementspläne aus mehreren Gründen verneint und
festgehalten, die Baubewilligungspraxis beruhe seit längerem auf Art. 18 GBR.
Die Gemeinde führt dagegen aus, nach ihrer Bewilligungspraxis kämen Alignementspläne
dort zur Anwendung, wo deren Existenz bekannt und eine Anwendung der Planinhalte
nicht offensichtlich unbegründet sei. Die Begründung der Planinhalte könne sich aus der
ursprünglichen Planungsabsicht (Erschliessungsnetzentwicklung der Gemeinde) wie auch
aus der Geltendmachung der mittels Alignementsplan gesicherten Rechte der Parteien im
Baubewilligungsverfahren ergeben. Diese Praxis habe auch im vorliegenden Fall
Anwendung gefunden, indem die Gesuchsteller ihr Vorhaben auf die Abstandsregeln des
Alignementsplans Halden stützten. Zu den von den Beschwerdeführenden angerufenen
Praxisbeispielen hält die Gemeinde fest, die Bauvoranfrage bei der Überbauung
N._weg 5 (Parzelle Nr. O._) sei dahingehend beantwortet worden, dass
ein Abstand von 4 m zum N._weg ausreichend sei. Dass in der Folge ein
grösserer Abstand als 4 m realisiert worden sei, liege nicht im Verantwortungsbereich der
Gemeinde. Bei der Überbauung Q._weg 11, 14 und 15 habe es sich ähnlich
verhalten. Auf den Situationsplänen dieser Baugesuche sei ersichtlich, dass die Baulinien
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gemäss dem Alignementsplan korrekt eingezeichnet und folglich von der Gemeinde
angewendet worden seien. Den Baugesuchstellern sei es selbstverständlich frei
gestanden, grössere Abstände zu wählen. In ähnlichem Sinn äussern sich auch die
Beschwerdegegner.
b) Die Behörde ist bei ihrem Handel an das Legalitätsprinzip gebunden und muss das
Recht von Amtes wegen anwenden (vgl. Art. 5 BV24, Art. 20a VRPG). Dazu gehören auch
rechtskräftige Nutzungspläne. Der Umstand, dass die Behörden das Gesetz in anderen
Fällen nicht oder nicht richtig angewendet haben, gibt den Bürgern deshalb grundsätzlich
keinen Anspruch darauf, ebenfalls abweichend vom Gesetz behandelt zu werden. Die
Rechtsprechung anerkennt nur ausnahmsweise einen Anspruch auf eine sogenannte
„Gleichbehandlung im Unrecht“. Dieser Anspruch setzt voraus, dass die zu beurteilenden
Sachverhalte gleich oder jedenfalls ähnlich sind, dass die gleiche Behörde in ständiger
Praxis vom Gesetz abweicht und dass sie zudem zu erkennen gibt, auch inskünftig nicht
gesetzeskonform entscheiden zu wollen. Auch wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind,
dürfen der gesetzwidrigen Begünstigung nicht überwiegende Interessen an der Einhaltung
der gesetzlichen Ordnung entgegenstehen.25
c) Im Erläuterungsbericht zur Nutzungsplanungsteilrevision führte die Gemeinde aus,
"die Schwierigkeit im Umgang mit dem Planwerk der Baulinienpläne [liegt] darin, dass im
Laufe der Zeit weitere Pläne in Form von ÜOs oder Zonenplan- und
Baureglementsänderungen erlassen wurden, ohne dass die jeweils betroffenen
Baulinienpläne abgelöst (aufgehoben) oder nachgeführt worden wären. Der
Handlungsbedarf ergibt sich darüber hinaus aus dem Umstand, dass sich oftmals der
Zweck der Baulinienpläne "überlebt" hat und die Arealerschliessung fallweise nicht durch
neue Strassen, sondern mittels Ausbau der bestehenden Strassen realisiert wurde. Im
Laufe der Zeit ist damit ein erheblicher Widerspruch zwischen den rechtskräftigen
Baulinienplänen und der Wirklichkeit entstanden. In den Fällen, wo die Arealerschliessung
gemäss den Baulinienplänen erfolgt ist, ist die Zweckbestimmung erfüllt worden und das
Planwerk infolge der Regelung in Art. 18 GBR (zwingende Bauabstände von Strassen)
ebenfalls unnötig geworden. Die Baubewilligungspraxis beruht seit längerem auf dem, mit
dem Baureglement 1994 etablierten Artikel 18. Dieser legt die Bauabstände zu den
24 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101) 25 VGE 2010/441 vom 9.05.2011, E. 5.3; BGE 131 V 9 E. 3.7; BVR 2006 S. 496 E. 5.3; Pierre Tschannen, Gleichheit im Unrecht: Gerichtsstrafe im Grundrechtskleid, in ZBl 2011 S. 58 ff.
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öffentlichen Strassen fest. Art. 18 hat sich infolge seiner Einfachheit in der Anwendung
bewährt und sichert entlang der heute erstellten Erschliessungsanlagen Raum für einen
künftigen Strassenausbau und Werkleitungsbau. (...) Es ist daher angezeigt, wo immer
möglich die alten Baulinienpläne mit ihren Änderungen aufzuheben und sich auf den
bestehenden Art. 18 (Bauabstand von öffentlichen Strassen) des Baureglements zu
stützen."26
d) Aus dem Erläuterungsbericht und der Stellungnahme der Gemeinde ergibt sich, dass
die Gemeinde zwar gewisse Leitlinien definiert hat, in welchen Situationen die geltenden
Alignementspläne nicht angewendet werden. Diese Leitlinien sind allerdings nicht so
konkret, dass die Praxis der Gemeinde für die Rechtsanwendenden ohne weiteres klar
wäre. Aus der offenbar einzelfallbezogenen Betrachtung ergibt sich jedenfalls keine
ständige, vom geltenden Recht abweichende Praxis der Gemeinde. Klar scheint einzig,
dass die Gemeinde den reglementarischen Bauabstand zur Anwendung bringen will.
Soweit ersichtlich beträgt der Abstand bei Detailerschliessungsstrassen bei den Baulinien
wie auch nach Art. 18 GBR 4 m, so dass sich die Frage nach der Anwendbarkeit der
Baulinienpläne vermutlich in zahlreichen Fällen gar nicht gestellt haben dürfte.
e) Im Rahmen der Voranfrage zum Neubau am N._weg 5 (Parzelle Nr.
O._) teilte die Gemeinde den Architekten mit, dass die Behörde einen
Strassenabstand von 4 m als ausreichend erachte. Dazu verwies sie auf den
"Strassenerschliessungsrichtplan", in dem der N._weg als
Detailerschliessungsstrasse bezeichnet sei. Sie empfahl den Architekten, das
Einverständnis der Grundeigentümer einzuholen, falls sie näher an die Strasse bauen
möchten.27 Es ist nicht ganz klar, auf welche Rechtslage sich die Auskunft der Gemeinde
stützt. Einerseits verweist sie auf einen öffentlichen, allerdings nicht
grundeigentümerverbindlichen Plan, andererseits erwähnt sie private Näherbaurechte. Die
Anwendbarkeit des Alignementsplans wurde in diesem Schreiben nicht thematisiert. Aus
diesem Schweigen kann nicht abgeleitet werden, dass die Gemeinde den Alignementsplan
bei jenem Bauvorhaben bewusst nicht anwenden wollte. Auch der Umstand, dass das
Bauvorhaben nun einen grösseren Abstand zum N._weg einhält, vermag nicht
eine gesetzeswidrige Praxis der Gemeinde zu belegen. Auf dem bewilligten Situationsplan
26 Erläuterungsbericht zur Nutzungsplanungsteilrevision (NPTR), Massnahmepaket 3, vom 22. September 2017, S. 25, Beilage 4 zur Eingabe der Gemeinde vom 13. Juli 2018 27 Beilage 2 zur Eingabe der Gemeinde vom 13. Juli 2018
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der Überbauung Q._weg 11, 14, 15 (ehemals Parzelle Nr. P._) ist eine
Abstandslinie zum Q._weg hin eingezeichnet. Gemäss Alignementsplan Halden
hätte der Q._weg auf 5 m verbreitert werden müssen. Die südseitige Baulinie zum
Q._weg ist im Alignementsplan mit 4,5 m angegeben. Die Abstandslinie auf der
(nicht ganz massstabgetreuen) Fotokopie entspricht etwa diesem Wert. Im unteren Teil der
Parzelle ist zum Y._weg ebenfalls eine Abstandslinie eingezeichnet. Der Abstand
zum Y._weg entspricht etwa der Baulinie von 4 m. Bei der Überbauung
Q._weg 11, 14 und 15 ist der Alignementsplan demnach angewendet worden.
Eine ständige Praxis, den Alignementsplan Halden nicht anzuwenden, ist somit bei den
Neubauten am N._weg 5 und Q._weg 11, 14 und 15 nicht erwiesen. Von
der Edition der vollständigen Bauakten dieser Bauvorhaben waren keine zusätzlichen
Erkenntnisse zu erwarten. Auch ein Augenschein erübrigte sich. Die entsprechenden
Beweisanträge werden abgewiesen.
f) Zusammenfassend scheint die Praxis der Gemeinde nicht ganz einheitlich zu sein.
Es ist aber nicht erwiesen, dass die Gemeinde ständig bewusst vom geltenden Recht
abweicht und dies auch in Zukunft tun will. Im Gegenteil erklärte die Gemeinde, dass sie
die Alignementspläne praxisgemäss anwende. Selbst wenn der Alignementsplan Halden in
einigen Fällen nicht angewendet worden wäre, sind die Voraussetzung für eine
Gleichbehandlung im Unrecht nicht erfüllt. Zudem ist die BVE als Rechtsmittelbehörde
nicht an eine kommunale Praxis gebunden, die sie als rechtswidrig erkannt hat.
7. Vorschriften für Flachdachbauten
a) Die Beschwerdeführenden rügen, das Bauvorhaben müsse zur Strasse hin einen
Mehrabstand von 1 m einhalten, weil das Attikageschoss auf der Nordseite nicht
zurückversetzt, sondern bündig mit der Nordfassade vorgesehen sei.
Gemäss Art. 37 GBR muss das Attikageschoss allseitig um mindestens 1,5 m von der
Fassade des darunterliegenden Vollgeschosses zurückgesetzt sein. Aus dieser
Bestimmung ergibt sich die maximale Bruttogeschossfläche. Treppenhaus- und
Liftaufbauten sind von dieser Regel ausgenommen (Art. 37 Abs. 2 erster Satz GBR).
Gemäss Abs. 3 ist in Wohn- und gemischten Zonen ein Verschieben des Attikageschosses
gestattet. Auf höchstens einer Schmal- und einer Längsseite dürfen dessen Fassaden
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bündig mit den Fassaden des darunterliegenden Vollgeschosses liegen. Sofern das Mass
des Rücksprungs von 1,5 m auf einer Seite unterschritten wird, vergrössert sich der
entsprechende Grenzabstand (Art. 67 GBR) um 1 m (Art. 37 Abs. 3 GBR).
b) Umstritten ist, ob diese Vorschrift auch im Falle von Baulinien zur Anwendung
kommt. Die Beschwerdeführenden bejahen dies und machen geltend, die Bestimmung
über Flachdachbauten (Art. 37 GBR) gehöre systematisch nicht zu den Bestimmungen der
Bauabstände, sondern nehme eine Sonderstellung im GBR ein. Art. 37 GBR enthalte
keinen Vorbehalt für die Anwendung von Art. 21 Abs. 3 GBR (Anmerkung: Bauabstände
gegen nachbarlichen Grund, Vorrang von Baulinien). Art. 21 Abs. 3 GBR sei auch nicht zu
entnehmen, dass Baulinien die besonderen Voraussetzungen für Flachdachbauten
derogieren würden. Die Möglichkeit, ein Attikageschoss zu errichten, das nicht an die
Geschosszahl und Gebäudehöhe angerechnet werde, sei eine Rechtswohltat für die
Bauherrschaft. Wenn das Attikageschoss bündig mit der darunterliegenden Fassade sei,
vergrösserten sich die Einwirkungen auf die Nachbarschaft, weshalb ein zusätzlicher
Abstand von 1 m eingehalten werden müsse. Dies gelte auch im Falle, dass die Baulinie
gemäss Alignementsplan anwendbar sei. Baulinien dienten öffentlichen Interessen. Sie
stünden bestenfalls in einer besonderen Beziehung zu den Abstandsvorschriften, nicht
aber zu den Sondervorschriften für Flachdachbauten. Das projektierte Gebäude müsse
daher in jedem Fall um 1 m gegen Süden verschoben werden, wenn das Attikageschoss
nicht um 1,5 m von der darunter liegenden Fassade zurückversetzt werde. Die Praxis der
Gemeinde sei auch hier nicht einheitlich. So halte das neue Wohnhaus auf Parzelle Nr.
O._, dessen Attika ebenfalls bündig mit der Nordfassade sei, ohne dass es sich
um eine Treppenhaus- oder Liftaufbaute handle, korrekterweise einen Grenzabstand von 7
m ein.
Die Gemeinde bringt dagegen vor, dass der Abstand zur Strasse mit einer Baulinie
geregelt sei, der den reglementarischen Bauabständen vorgehe. Art. 37 Abs. 3 GBR
beziehe sich auf den Grenzabstand von Art. 67 GBR. Art. 21 Abs. 3 GBR bestimme
ausdrücklich, dass Baulinien den reglementarischen Grenzabständen vorgingen. Das
Attikageschoss könne auf einer Schmal- und einer Längsseite bündig zum
darunterliegenden Geschoss ausgestaltet werden, ohne dass sich die Baulinien
verschieben bzw. ein grösserer Abstand zur Strasse eingehalten werden müsste. Dies sei
auch sachgerecht, da zwischen der Parzelle der Beschwerdeführenden und der
Bauparzelle der Strassenraum liege, der vorliegend eine Breite von knapp 4 m aufweise.
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Hinsichtlich der kritisierten Bewilligungspraxis weist sie darauf hin, dass die Gemeinde
beim Gebäude auf Parzelle Nr. O._ einen Bauabstand von 4 m als ausreichend
erachtet habe, dass dieser aber freiwillig vergrössert werden dürfe.
Die Beschwerdegegner machen geltend, die Vergrösserung des Grenzabstandes um 1 m
gemäss Art. 38 Abs. 3 (richtig Art. 37) GBR setze voraus, dass der Grenzabstand nach
Art. 67 zur Anwendung komme. Dies sei jedoch nicht der Fall. Die Baulinien gingen den
reglementarischen Grenzabständen vor. Dies ergebe auch Sinn: da der N._weg
dazwischen liege, sei kein zusätzlicher Grenzabstand gerechtfertigt.
c) Der Gemeinde kommt bei der Auslegung des von ihr erlassenen kommunalen Rechts
ein gewisser Beurteilungsspielraum zu. Es ist vorab Sache der Gemeinde, den Normgehalt
zu bestimmen. Die Rechtsmittelinstanzen auferlegen sich entsprechend eine gewisse
Zurückhaltung und prüfen nur, ob die Auslegung der Gemeinde rechtlich haltbar ist. Dabei
ist auch von Bedeutung, wie die Gemeinde die Gemeindevorschrift in der Praxis
verstanden und gehandhabt hat.28 Die Vorschrift über Flachdachbauten (Art. 37) ist Teil
des Kapitels C "Baupolizeiliche Vorschriften", zu der die Bauweise (Ziffer 1), die
Grünflächenziffer (Ziffer 2), die Bauabstände (Ziffer 3), die Baugestaltung (Ziffer 4), die
Flachdachbauten (Ziffer 5) und Vorschriften zur Energie gehören. Dass die
baupolizeilichen Vorschriften für Flachdachbauten in einer eigenen Ziffer
zusammengefasst wurden, bedeutet nicht, dass bei dieser Gebäudeform die übrigen
baupolizeilichen Bestimmungen nicht auch anwendbar wären. Die nachbarlichen
Grenzabstände sind in Art. 21 GBR geregelt, in Art. 67 GBR sind die baupolizeilichen
Masse definiert, die in den einzelnen Zonen gelten. Baulinien gehen den
reglementarischen Grenzabständen aber vor (Art. 17 und Art. 21 Abs. 3 GBR). Bei einer
fassadenbündigen Anordnung der Attika verlangt Art. 37 GBR, dass der in Art. 67 definierte
Grenzabstand um 1 m vergrössert wird. Die Vorschrift von Art. 37 GBR bezieht sich
demnach nur auf die reglementarischen nachbarlichen Grenzabstände (grosser und kleiner
Grenzabstand), deren Masse in Art. 67 GBR festgelegt sind. Diese kommen vorliegend
jedoch nicht zur Anwendung, da am N._weg eine gültige Baulinie besteht.
Gegenüber Strassen ersetzen die Strassenabstände den Grenzabstand (vgl. Art. 80 SG
i.V.m. Art 18 GBR). Art. 37 GBR enthält keinen Verweis auf die Strassenabstände, sondern
nennt nur die Grenzabstände gemäss Art. 67. Der Mehrabstand von 1 m bezieht sich somit
28 BGer 1C_265/2014 vom 22. April 2015 E. 5.3; BVR 2012 S. 20 E. 3.2; BVR 2010 S. 113 E. 4.4
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nicht auf Strassenabstände, was sachgerecht ist. Bei Strassen führt der
dazwischenliegende Strassenraum zu einem zusätzlichen Abstand. Gleiches gilt bei einer
Baulinie, welche wie hier den Abstand zur Strasse festlegt (vgl. Art. 12 GBR 1928, vorne
Erwägung 4 a).
Die Auslegung der Gemeinde, dass das Vorhaben aufgrund der Baulinie keinen
Mehrabstand von 1 m zum N._weg einhalten muss, verletzt kein Recht. Aus dem
Umstand, dass der Neubau auf Parzelle Nr. O._ einen grösseren Abstand zum
N._weg einhält, kann nicht auf eine gegenteilige Praxis der Gemeinde
geschlossen werden. Das Bauvorhaben muss somit gegenüber der Strasse keinen
Mehrabstand von 1 m einhalten.
8. Kosten
a) Nach dem Gesagten ist die Beschwerde abzuweisen. Bei diesem Ausgang des
Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie haben die Verfahrenskosten zu
tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von
Fr. 2'000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV29).
b) Die Beschwerdeführenden haben zudem den Beschwerdegegnern die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die
Kostennote des Rechtsvertreters der Beschwerdegegner im Betrag von Fr. 7'360.55 (inkl.
Auslagen und MWSt) gibt zu keinen Bemerkungen Anlass.