# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** da9ed5ab-a41d-4100-8570-781c54b728d2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1966, meldete sich erstmals am 14. September 2007 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 9/4). Nachdem die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, die medizinische und erwerbliche Situation (Urk. 9/10; Urk. 9/12) abgeklärt und ein psychiatrisches Gut
achten veranlasst hatte, welches am 12. November 2007 erstattet wurde (Urk. 9/14), sprach sie dem Versicherten mit Verfügung vom 5. März 2008 (Urk. 9/25; Urk. 9/30) bei einem Invaliditätsgrad von 64 % eine Dreiviertelsrente mit Wirkung ab dem 1. Oktober 2006 zu.
Mit Mitteilung vom 10. April 2012 (Urk. 9/47) wurde der Anspruch auf die bisherige Invalidenrente bestätigt.
1.2
Nach Eingang des Revisionsfragebogens vom 11. September 2013 (Urk. 9/64) tä
tigte
die IV-Stelle erneut medizinische und erwerbliche Abklärungen (Urk. 9/65; Urk. 9/67; Urk. 9/69) und veranlasste eine bidisziplinäre rheumatologisch-psy
chiatrische Begutachtung, über welche am 27. Oktober 2014 berichtet wurde
(Urk. 9/87-88). Mit Verfügung vom 14. Januar 2015 (Urk. 9/92) hob die IV-Stelle
die bisherige Dreiviertelsrente auf.
1.3
Am 23. Februar respektive 3. März 2016 meldete sich der Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 9/104-105) und reichte einen Bericht des Medizinischen Zentrums Z._ (Urk. 9/103) ein.
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (Urk. 9/107-108; Urk. 9/110) trat d
ie IV-Stelle mit Verfügung vom 30. Mai 2016 (Urk. 9/112 = Urk. 2) auf das neue Leistungsbegehren des Versicherten nicht ein.
2.
Der Versicherte erhob am 1. Juli 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 30. Mai 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm erneut eine Invalidenrente auszurichten. Eventuell sei ein Gutachten über seinen Gesundheitszustand einzuholen (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Be
schwerdeantwort vom 24. August 2016 (Urk. 8) die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 26. Januar 2017 (Ur
k. 13) zur Kenntnis gebracht, wobei gleichzeitig antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung bewilligt wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
gewissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
des Bundesgesetzes
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Verän
derung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zu
nächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr
eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen
. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Ge
richt (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.2
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung ver
pflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten. Dabei wird sie unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und
dem
entsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anfor
de
rungen stellen (ZAK 1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen). Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Gericht grundsätzlich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behand
lung der Eintretensfrage durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintre
ten streitig ist, das heisst wenn die Verwaltung gestützt auf
Art.
87
Abs.
3 IVV Nichteintreten beschlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde
führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der Eintretensfrage, w
enn die Verwaltung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E.
2b).
1.3
Mit
Art.
87
Abs.
3 in Verbindung mit
Abs.
2 IVV soll verhindert werden, dass
sich die Verwaltung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweige
rung
immer wieder mit gleich lautenden und nicht näher begründeten, das
heisst keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss
(BGE 109 V 108 E. 2a, 264 E. 3). Hingegen kann diese Eintretensvorschrift nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung ge
rade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der frühe
ren rechtskräftigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genü
gen, wenn die versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts au
s
dem gesamten für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaub
würdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leis
tungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.4
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des
Art.
87
Abs.
2 und 3
IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsa
chen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E. 5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtser
heb
lichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wen
n durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Ab
klärung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen (BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2 mit Hinweisen). Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei be
gründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom
5.
Juni 2013 E. 2.3 mit Hinweisen auf 8C_1009/2010 vom
7.
April 2011 E. 2.2 und 9C_838/2011 vom 2
8.
Februar 2012 E. 3.3.2).
1.5
Da die versicherte Person im Rahmen der Neuanmeldung die massgebliche
Tat
sachenänderung glaubhaft zu mache
n hat, spielt der Untersuchungsgrund
satz
, wonach das Gericht (oder die Verwaltung) für die richtige und vollständige Ab
klärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen hat, insoweit nicht. M
it
hin
kommt der versicherten Person
ausnahmsweise eine Beweisführungslast
zu. Wird in der Neuanmeldung kein Eintretenstatbestand glaubhaft gemacht, son
dern bloss auf ergänzende Beweismittel, insbesondere Arztberichte hingewiesen, die noch beigebracht würden oder von der Ver
waltung beizuziehen seien, ist der versicherten Person eine angemessene Frist
zur Einreichung der Beweismittel anzusetzen. Diese Massnahme setzt voraus, dass die ergänzenden Beweisvor
keh
ren geeignet sind, den entsprechenden Beweis zu erbringen. Sie ist mit der Androhung zu verbinden, dass ansonsten gegebenenfalls auf Nichteintreten zu erkennen sei. Dasselbe gilt, wenn der Neuanmeldung zwar ärztliche Berichte beigelegt sind, diese indessen so wenig substanziiert sind, dass sich eine neue
Prüfung nur aufgrund weiterer Erkenntnisse allenfalls rechtfertigen würde. Die
s
falls ist die IV-Stelle zur Nachforderung weiterer Angaben nur verpflichtet,
wenn den – für sich allein genommen nicht Glaubhaftigkeit begründenden – Arz
t
berichten kon
krete Hin
weise entnommen werden können, wonach mögli
cher
weise eine mit weiteren
Erhebungen erstellbare rechtserhebliche Änderung vorliegt. Ergeht eine Nich
teintretensverfügung im Rahmen des Verwaltungsver
fahrens, das den Erfor
der
nissen betreffend Fristanse
tzung und Androhung der Säumnis
folgen genüg
t, legen die Gerichte ihrer beschwerdeweisen Überprüfung den Sachverhalt zu Grunde, wie er sich der Verwaltung bot. Für das Beibringen neuer Beweismittel bleibt im anschliessenden Gerichtsverfahren kein Raum mehr (BGE 130 V 64 E. 5.2.5, Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom 5. Juni 2013 E. 2.1-2.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) fest, dass
die im Bericht des Medizinischen Zentrums Z._ aufgeführten rheumato
lo
gischen Diagnosen denjenigen vom September 2013 entsprächen. Aus psychia
trischer Sicht bestehe eine psychosomatische Überlagerung, welche im Bericht des Medizinischen Zentrums Z._ mitberücksichtigt worden sei und mit welcher eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes begründet werde. Mit dem neuen Gesuch sei nicht glaubhaft dargelegt worden, dass sich die tat
sächlichen Verhältnisse seit der letzten Verfügung wesentlich verändert hätten. Es liege lediglich eine andere Beurteilung des gleichen Sachverhalts vor. Auf das neue Leistungsbegehren werde daher nicht eingetreten (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt (Urk. 1), es sei nicht mehr nur eine leichte Depression, sondern eine mittelgradige Depres
sion mit sozialem Rückzug ausgewiesen. Ausserdem seien die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung erfüllt. Er sei zu 100 % arbeitsunfähig, weshalb ihm eine ganze Invalidenrente zustehe. Eventuell seien weitere Abklä
rungen vorzunehmen (S. 4).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin – mangels einer glaubhaft gemachten Verschlechterung des Gesundheitszustandes seit der letztmaligen mate
riellen Prüfung – zu Recht nicht auf das neue Leistungsbegehren einge
treten ist.
3.
3.1
Die massgebende medizinische Aktenlage stellte sich bei der letztmaligen mate
riellen Prüfung, in deren Rahmen die bisherige Dreiviertelsrente aufgehoben wurde (vgl. Verfügung vom 14. Januar 2015, Urk. 9/92), wie folgt dar:
3.2
Dr. med. A._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, führte mit Bericht vom 16. September 2013 (Urk. 9/67/5-6) folgende Diagnosen mit Aus
wir
kung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 1 lit. A Ziff. 1):
-
chronisch rezidivierende Kniebeschwerden beidseits bei Degeneration de
s medialen Meniskus rechts und Hyperpressionssyndrom im Rahmen einer beginnenden medialen Varus-Gonarthrose beidseits
-
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit zeitweiser radiku
lärer Reizung L5 links
-
Depression
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erachtete er einen Status nach Hepa
titis A und B sowie eine Thrombozytopenie unklarer Genese (S. 1 lit. A Ziff. 2). Der Beschwerdeführer sei berentet (S. 1 lit. B). Die Prognose bezüglich der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit hänge von der Gesamtsituation wie dem Bildungsstatus, der Eigeninitiative, der sprachlichen Kenntnisse sowie der Dauer des Leidens ab (S. 2 lit. D).
3.3
Am 27. Oktober 2014 erstatteten Dr. med. B._, Facharzt für Physika
lische Medizin und Rehabilitation sowie für Rheumatologie, und Dr. med. C._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ihr bidisziplinäres rheu
matologisch-psychiatrisches Gutachten zuhanden der Beschwerdegegnerin (Urk. 9/87-88)
.
Dr. B._ hielt in seinem rheumatologischen Teilgutachten (Urk. 9/87) folgende Diagnose fest (S. 13 Ziff. 1):
-
unspezifische Ganzkörperschmerzen ohne erkennbare, ausreichend erklä
r
bare somatische Befunde mit/bei:
-
chronifiziertem lumbosakralem Schmerzsyndrom mit Schmerzab
strah
lung in die Beine (Verdacht auf radikuläre Reizung L5 links im Jahr 2012; Verdacht auf radikuläre Reizung L5 rechts im Jahr 2013; Sakralisation von L5; Diskushernie L4/5 rechts; aktuell klinisch keine radikuläre Symptomatologie sowie Verdacht auf ein lumbospondy
logenes Syndrom rechts)
-
Gonalgien bei unauffälliger Klinik (vordergründig rechtes Knie/leichte myxoide Degeneration im medialen rechten Meniskus im Jahr 2012; aktuell im Jahr 2014 vordergründig linkes Knie)
-
Dekonditionierung bei einer beruflichen Abstinenz von vierzehn Jahren
Für die Ganzkörperschmerzen fänden sich klinisch keine erklärenden Befunde.
Die schmerzhaften Kniegelenke seien klinisch unauffällig und eine lokale Pat
ho
logie sei nicht erkennbar. Für die Rücken-Beinschmerzen fänden sich abgesehen von einer Einschränkung der Seitbeweglichkeit der Lendenwirbel
säule (LWS) und einer Druckdolenz lumbosakral keine Besonderheiten. Insbe
son
dere lasse sich keine radikuläre Symptomatologie erkennen. Eine reale Teil
ursache könne bei einem Übergangswirbel und einer Diskopathie angenommen und ein lumbo
spondylogenes Syndrom vermutet werden. Nebst der extraso
ma
tisch begründe
ten Panalgie dürfte auch eine jahrelange Untätigkeit mit Dekon
ditionierung die
körperliche Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers einschrän
ken (S. 14 Ziff. 1).
Dem Beschwerdeführer sei die bisherige Tätigkeit als Dachdecker infolge der vermuteten teilweise organisch begründeten Lumbosakralgie nicht mehr zumut
bar. Angesichts der Dekonditionierung nach einer langen beruflichen Abwesen
heit und der extrasomatischen Problematik sei jedoch vor allem das Unfallrisiko zu hoch. In einer leichten bis mittelschweren, wechselbelastenden Tätigkeit sei der Beschwerdeführer aus rheumatologischer Sicht vollständig arbeitsfähig (S. 14 Ziff. 2-3). Die extrasomatisch begründeten Ganzkörperschmerzen würden sich therapeutisch kaum mehr beeinflussen lassen. Eine konsequente medizi
ni
sche Trainingstherapie könne die Belastbarkeit des Rückens verbessern. Ange
sichts der vorherrschenden Panalgie sei allerdings kaum mit einer Ausdehnung der Arbeitsfähigkeit auch auf Rückenschwerarbeit zu rechnen (S. 15 Ziff. 5).
Dr. C._ führte in seinem psychiatrischen Teilgutachten (Urk. 9/88) folgen
de Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (S. 7 Ziff. 4):
-
leichtgradige depressive Episode (ICD-10 F32.0)
-
Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung, gebessert (ICD-10 F62.0)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.4)
Als ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erwähnte er sodann einen Status nach posttraumatischer Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie familiäre und finanzielle Schwierigkeiten (ICD-10 Z63/Z59; S. 7 Ziff. 4). Der Beschwerde
füh
rer habe sich als Kurde politisch betätigt und sei mehrmals inhaftiert sowie ge
foltert worden. Die Foltererlebnisse hätten sich noch einige Zeit wie Filmszenen vor seinen Augen abgespielt. Dies habe aufgehört, als er in die Schweiz ge
kommen sei und sich sicher gefühlt habe. Allerdings habe er sich nicht heimisch gefühlt. Er sei oft misstrauisch und nervös gewesen, was auch zu Hause für Streitereien gesorgt habe. Dr. C._ kam zum Schluss, dass diese Verhal
tens
weisen möglicherweise eine Spätfolge der posttraumatischen Belastungsstörung im Sinne einer andauernden Persönlichkeitsänderung gewesen seien. Der Be
schwer
deführer sei bis vor anderthalb Jahren ambulant psychiatrisch behandelt worden und habe Psychopharmaka erhalten. Da er eine Blutuntersuchung ver
weigere, könne nicht verifiziert werden, ob er diese weiterhin regelmässig ein
neh
me. Daher seien Zweifel an der Compliance angebracht. Der Beschwerde
führer habe sich dank der psychiatrischen Behandlung und der zeitlichen Dis
tanz grösstenteils von der andauernden Persönlichkeitsänderung lösen können. Anlässlich der Untersuchung habe er die hierfür verlangte Symptomatik nicht mehr aufgewiesen. So seien keine feindliche Haltung und kein Gefühl von Hoffnungslosigkeit oder Leere mehr feststellbar gewesen. Ein sozialer Rückzug liege ebenfalls nicht vor. Die psychiatrische Therapie habe er aufgegeben. Anlässlich der Untersuchung hätten sich sodann die Symptome einer leichten Depressivität gezeigt. Der Beschwerdeführer sei nur wenig verstimmt, allerdings mürrisch. Er zeige keine grundlosen Ängste und der affektive Rapport sei gut. Er sei konzentriert und weise keine Gedächtnisstörungen auf. Die sozialen Kontakte habe er vermehrt wieder aufgebaut und sich auch einem kurdischen Verein angeschlossen. Er stehe zwar spät auf, gestalte den Tag jedoch regel
mässig. Das Grosskind bereite ihm grosse Freude. Es bestünden rege Kontakte innerhalb der Familie. Er reise auch für Ferien ins Heimatland und kümmere sich um politische Zusammenhänge. Als ungünstige krankheitsfremde Faktoren bestünden eine langjährige Phase einer Arbeitsuntätigkeit sowie eine mangel
hafte Assimilation. Im Vordergrund der Problematik stehe seit einigen Jahren die chronische Schmerzkrankheit. Er sei auf die Schmerzen fixiert und äussere hypochondrische Befürchtungen. Eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung liege vor. Die psychische Komorbidität sei nur noch leicht und die soziale Inte
gration sei erhalten geblieben. Chronische körperliche Begleiterkrankungen läge
n vor. Sodann sei die prämorbide Persönlichkeitsstruktur auffällig. Die Schmerz
problematik sei progredient und chronifiziert. Folglich seien zwar mehrere Kri
terien erfüllt, dies jedoch nicht in einem grossen Ausmass. Eine psy
chia
tri
sche Therapie sei nicht notwendig. Die Prognose sei nicht ungünstig (S. 7 ff. lit. B). Aus psychiatrischer Sicht seien dem Beschwerdeführer die bisherige sowie eine angepasste Tätigkeit zu 80 % zumutbar (S. 10 lit. C Ziff. 4, S. 12 lit. C Ziff. 13). Die Arbeitsfähigkeit sei seit dem Jahr 2006 eingeschränkt, wobei bis zum Früh
jahr 2013 eine relativ hohe Einschränkung vorgelegen habe. Seither habe sich der Gesundheitszustand verbessert (S. 11 lit. C Ziff. 6-7). Die psychosozialen Faktoren würden überwiegen und bewirken, dass der Beschwerdeführer seine Restarbeitsfähigkeit nicht ausübe (S. 12 lit. C Ziff. 18).
In der interdisziplinären Beurteilung hielten die Gutachter fest, dass der Be
schw
er
deführer die bisherige schwere Tätigkeit als Dachdecker nicht mehr aus
üben könne. In einer leichten bis mittelschweren Tätigkeit sei er seit dem Früh
jahr 2013 zu 80 % arbeitsfähig (vgl. Urk. 9/87/18-19 = Urk. 9/88/16-17).
3.4
Mit Stellungnahme vom 4. November 2014 erachtete Dr. med.
D._
, prak
tische Ärztin, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), die gutachterliche Beurteilung als nachvollziehbar. Seit Frühjahr 2013 sei von einer Verbesserung des psychi
schen Gesundheitszustandes auszugehen. Es ergebe sich nur noch eine maxi
male Arbeitsunfähigkeit von 20 %. Die Arbeitsfähigkeit sollte umsetzbar sein. Die Schmerzen seien überwindbar (vgl. Urk. 9/89 S. 5 f.).
3.5
Gestützt darauf und nach erfolgter Überwindbarkeitsprüfung (vgl. Urk. 9/89 S. 6 f.)
hob die Beschwerdegegnerin die bisherige Dreiviertelsrente mangels eines
invalidisierenden Gesundheitsschadens auf (vgl. Verfügung vom 14. Januar 2015
, Urk. 9/92).
4.
Bei der vorliegenden Neuanmeldung lag der Beschwerdegegnerin im Zeitpunkt des Verfügungserlasses am 30. Mai 2016 (Urk. 2) lediglich ein Bericht der Ärzte des Medizinischen Zentrums Z._ vom 13. November 2015 (Urk. 9/103) vor. Diese stellten folgende Diagnosen (S. 3):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
schwere posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
Knieschmerzen beidseits bei Degeneration des medialen Meniskus rechts und Hyperpressionssyndrom im Rahmen einer beginnenden medialen Varus-Gonarthrose beidseits
-
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom bei zeitweiser radikulä
rer Reizung L5 links
-
Status nach Hepatitis A und B
-
Thrombozytopenie unklarer Genese
Die Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung sowie für eine schwere Depression seien erfüllt (S. 2). Der Beschwerdeführer erachte sich sub
jektiv aufgrund einer massiven Gereiztheit im Rahmen einer Überforderung so
wie einer deutlich eingeschränkten Belastbarkeit als zu 100 % arbeitsunfähig. Als positives Leistungsbild sei zu erwähnen, dass er 60 Minuten Autofahren und sitzen sowie zirka 30 Minuten gehen könne und beim Einkaufen mithelfe. Im Hinblick auf das negative Leistungsbild sei zu erwähnen, dass ihm keine Haus
halttätigkeit mehr möglich sei, da er sehr rasch aggressiv und gereizt werde, ihm keine schweren längeren oder einseitigen Tätigkeiten zumutbar seien und er keinen Stress oder Publikumsverkehr ertrage. Aufgrund der Diagnosen, des Leistungsbildes sowie der Fremdanamnese sei der Beschwerdeführer aus objek
tiver Sicht auch für angepasste Tätigkeiten zu 100 % arbeitsunfähig. Der Zu
stand sei nicht mehr derselbe wie im Jahr 2014 (S. 3).
5.
5.1
Mit dem im Rahmen der Neuanmeldung eingereichten Bericht (vorstehend E. 4) vermag der Beschwerdeführer entgegen seinen Ausführungen keine Verschlech
te
rung seines Gesundheitszustandes glaubhaft darzutun.
5.2
So wurden die unter anderem ebenfalls aufgeführten somatischen Diagnosen bereits im September 2013 durch Dr. A._ gestellt. Auf dessen Bericht verwiesen auch die Ärzte des Medizinischen Zentrums Z._ (vgl. Urk. 9/67/5-6 S. 1 lit. A Ziff. 1-2; Urk. 9/103 S. 3). Anlässlich der im Oktober 2014 erfolgten rheumatologischen Begutachtung hielt Dr. B._ sodann nach
vollziehbar fest, dass die Ganzkörperschmerzen vordergründig extrasomatisch begründet seien und dem Beschwerdeführer eine angepasste leichte bis mittel
schwere, wechselbelastende Tätigkeit vollumfänglich zumutbar sei (vgl. Urk. 9/8
7 S. 14 Ziff. 1-3). Eine Befundsveränderung lässt sich dem aktuell eingereichten Bericht nicht entnehmen, zumal es sich bei den unterzeichnenden Ärzten auch um auf das psychische Leiden spezialisierte Fachpersonen handelt. Der Be
schwerdeführer machte denn auch selbst lediglich eine Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes geltend (vgl. Urk. 1 S. 4).
5.3
Zwar gaben die Ärzte des Medizinischen Zentrums Z._ an, dass die ICD-Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung aktuell erfüllt seien (vgl. Urk. 9/103 S. 2). Diesbezüglich begründete Dr. C._ anhand der damaligen Angaben des Beschwerdeführers, wonach insbesondere seit der Einreise in die
Schweiz keine Flashbacks mehr aufgetreten seien, nachvollziehbar, weshalb eine
solche nicht mehr vorliege und die in der Schweiz aufgetretenen Verhaltens
wei
sen des Beschwerdeführers möglicherweise eine Spätfolge der posttrauma
ti
schen Belastungsstörung im Sinne einer andauernden Persönlichkeitsänderung seien (vgl. Urk. 9/88 S. 7 lit. B). Überdies entspricht es dem häufigen Verlauf einer post
traumatischen Belastungsstörung, dass in der Mehrzahl der Fälle eine Hei
lung erwartet werden kann und progrediente Entwicklungen dem zu erwar
ten
den
degressiven Charakter posttraumatischer Störungen widersprächen. Bei weni
gen Patienten nimmt die Störung über viele Jahre allerdings einen chronischen Ver
lauf und geht dann in eine andauernde Persönlichkeitsänderung über (vgl. Ur
tei
le des Bundesgerichts 8C_676/2015 vom 7. Juli 2016 E. 5.1 und 9C_687/2013 vom 24. Juni 2014 E. 4.2; vgl. auch die klinisch-diagnostischen Leitlinien der Inter
nationalen Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Dilling/Mombour/Schmidt, Hrsg., 9. Auflage, Bern 2014, S. 208 und S. 286). Eine solch andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung diagnos
tizierte auch Dr. C._ (vgl. Urk. 9/88 S. 7 Ziff. 4). Ein weiteres belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophen
artigen Ausmasses, welches die erneute Diagnosestellung einer posttraumati
sche
n Belastungsstörung rechtfertigen würde, ist nicht aktenkundig. Vor dem Hinter
grund der geltenden Rechtsprechung und des zeitlichen Verlaufs kann der von den Ärzten des Medizinischen Zentrums
Z._
gestellten Diagnose einer post
traumatischen Belastungsstörung demnach nicht gefolgt und einzig dadurch keine Veränderung des Gesundheitszustandes glaubhaft gemacht werden.
5.4
Der Bericht des Medizinischen Zentrums Z._ erweist sich überdies auch als widersprüchlich, erachteten die Ärzte doch aktuell ebenfalls die ICD-Kri
terien für eine schwere Depression als erfüllt, wobei sie demgegenüber in der Zu
sammenschau der Diagnosen lediglich noch eine gegenwärtig mittelgradige de
pressive Episode auflisteten (vgl. Urk. 9/103 S. 2 f.). Zudem steht nach der
nach
vollziehbaren gutachterlichen Beurteilung von Dr.
C._
nicht die affek
tive Störung, sondern die psychosomatische Überlagerung der Schmerzen im
Rahmen der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung im Vordergrund, welche
in geringem Ausmass eine Beeinträchtigung darstelle. So habe der Beschwerde
führer gelegentlich Mühe, wenn er in sehr engem mitmenschlichem Kontakt stehe beziehungsweise die Umgebung ihm nicht wohlgesinnt sei. Eine gewisse Überempfindlichkeit sei zu erkennen. So seien beispielsweise Stress, schwierige Mitarbeiter und enge Räume zu meiden. Die psychosozialen Faktoren würden überwiegen und bewirken, dass er seine Restarbeitsfähigkeit nicht ausübe (vgl. Urk. 9/88 S. 10 lit. C Ziff. 1-3, S. 12 lit. C Ziff. 18, S. 13 Ziff. 1, S. 17). Diese Faktoren und die psychosomatische Überlagerung wurden auch im aktuellen Bericht des Medizinischen Zentrums Z._ mitberücksichtigt, so etwa bei der Erstellung des negativen Leistungsbilds, und damit wurde auch eine Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes begründet (vgl. Urk. 9/103 S. 3).
Ausserdem fallen gemäss höchstrichterlicher Rechtsprechung leichte bis mittel
gradige depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episo
disch, einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie erwie
se
nermassen therapieresistent sind (statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3). Nur in einer solchen – seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung De
pres
sionen im Allgemeinen therapeutisch gut angehbar sind – gesetzlich ver
langten Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2 zwei
ter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan
(BGE 141 V 281 E. 3.7.1-3.7.3). Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahr
scheinlich und darf nicht lediglich nicht auszuschliessen sein. Es kommt dazu, dass die Therapie in dem Sinne konsequent sein muss, dass die aus fachärzt
licher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behand
lungs
möglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wur
den (BGE 140 V 193 E. 3.3, 137 V 64 E. 5.2, Urteile des Bundesgerichts
9C_89/2016 vom 12. Mai 2016 E. 4.1 und 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E.
4.
2). Aus dem Bericht des Medizinischen Zentrums Z._ geht nicht her
vor, ob überhaupt und seit wann eine psychiatrische Therapie und antide
pres
sive Medikation erfolgt. Im Zeitpunkt der Begutachtung durch Dr. C._ im Oktober 2014 stand der Beschwerdeführer bereits seit eineinhalb Jahren nicht mehr in psychiatrischer Behandlung und aufgrund der verweigerten Blutent
nahme konnte auch die Einnahme der angegebenen Antidepressiva nicht veri
fiziert werden (vgl. Urk. 9/88 S. 7 f.). Eine Therapieresistenz lässt sich demnach nicht bejahen, weshalb auch durch eine allfällige Veränderung des Schwere
grades der affektiven Störung keine rechtserhebliche Veränderung des Gesund
heitszustandes glaubhaft gemacht würde.
5.5
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass verglichen mit der letztmaligen Beurteilung eine erhebliche gesundheitliche Verschlechterung nicht glaubhaft dargelegt wurde. Bei der durch die Ärzte des Medizinischen Zentrums Z._ vorgenommenen Einschätzung der verbliebenen Arbeitsfähigkeit handelt es sich lediglich um eine andere Beurteilung eines im Wesentlichen unveränderten Ge
sundheitszustandes. Die Beschwerdegegnerin traf somit auch keine Pflicht zur Vornahme von weiteren Abklärungen des Sachverhalts (vorstehend E. 1.5).
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abwei
sung der Beschwerde führt.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen, infolge bewilligter unent
geltlicher Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungs
gericht (GSVGer).