# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6a32f93f-7159-4483-aba4-cda2ad4765fa
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. Auf der Äusseren E._strasse, eine Hauptstrasse und Querverbindung von C._ nach D._, ereignete sich auf der Höhe Abzweigung F._ am 28. August 2008 um 17:25 Uhr eine Kollision. Beteiligt waren einerseits B._ und ihre Mutter, H._, als Fussgängerinnen sowie andererseits I._ als Lenker des Motorrades Yamaha Q._ mit der Kontrollschildnummer GR G._.
B. Die Mutter und ihre fünfjährige Tochter, B._, beabsichtigten, vom Supermarkt J._ her über den K._ kommend, die Hauptstrasse Richtung F._ zu überqueren. Beim Versuch, die Strasse zu überqueren, wurden sie von dem von I._ gelenkten Motorrad erfasst und zu Boden geschleudert. H._ wurde mittelschwer verletzt. B._ erlitt eine schwere Kopf- und Hirnverletzung mit Hirnblutungen und Schädelbruch sowie Prellungen an Hüfte, Schulter und Knie. I._ blieb bei der Kollision unverletzt.
C. Die Staatsanwaltschaft eröffnete gegen I._ am 13. September 2008 eine Strafuntersuchung wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung (VV.2008.2934). Das Verfahren wurde am 4. Februar 2009 eingestellt. Die Einstellungsverfügung erwuchs in Rechtskraft. Der Unfallhergang wird darin wie folgt geschildert:
Die Untersuchung ergab, dass I._ seinen Angaben gemäss mit seinem Motorrad vom L._ kommend mit einer Geschwindigkeit von 60 – 70 km/h auf der Hauptstrasse ausserorts in Richtung D._ fuhr. Zum Zeitpunkt des Unfalles herrschten gute Sicht- und Strassenverhältnisse bzw. die Fahrbahn war trocken. Zur gleichen Zeit lief H._ in Begleitung ihrer Tochter B._ (geb. _) vom Einkaufszentrum J._ kommend am rechten Fahrbahnrand der Querverbindung Richtung D._ bzw. F._, um von dort aus mit dem Postauto nach M._ zu fahren. H._ hielt in beiden Händen je eine Einkaufstasche und B._ lief hinter ihr am rechten Fahrbahnrand her. Auf eine Entfernung von ca. 50 m nahm I._ wahr, wie H._, welche ein Kleinkind an der linken Hand hielt, auf Höhe der Abzweigung F._ die Fahrbahn von rechts nach links überquerte und sich bereits ca. ein Meter vom rechten Fahrbahnrand befanden. Er bremste beim Anblick der Fussgängerinnen sein Motorrad ab. Laut I._ habe ihn in diesem Moment H._ wahrgenommen, sei kurz stehen geblieben und habe dann mit schnelleren Schritten die Strasse überquert. Nach Aussagen des Zeugen N._ befand sich der Motorradlenker ca. 30 m entfernt, als H._ mit Ihrer Tochter an der linken Hand im Begriff war, die Strasse zu überqueren. Zu diesem Zeitpunkt stand die Sonne sehr tief und auch N._, der mit seinem Personenwagen in Richtung L._ unterwegs war, wurde geblendet, weshalb seiner Meinung nach H._ das herannahende Motorrad nicht sah. Obschon I._ während des Abbremsmanövers noch versuchte, nach links auszuweichen, erfasste er im Bereiche der Mittellinie mit der vorderen rechten Fahrzeugfront seines Motorrades die
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beiden Fussgängerinnen. In der Folge wurden H._ und B._ zu Boden geschleudert und blieben auf der Fahrspur in Richtung D._ liegen. Nach der Kollision bremste I._ sein Motorrad weiter stark ab und brachte dieses ohne zu stürzen schliesslich nach weiteren rund 57 m (Bremsspur von 26.4 m) zum Stillstand.
D. Nachdem die am 16. Februar 2017 erfolgte Schlichtung vor dem Vermittleramt Viamala ergebnislos blieb, stellte dieses gleichentags die Klagebewilligung aus.
E. Mit Eingabe vom 29. Mai 2017 liess B._, vertreten durch ihre Eltern, Christoph und H._, wiedervertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Thomas Castelberg, beim Regionalgericht Viamala Klage gegen die A._ AG erheben mit den folgenden Rechtsbegehren:
1. Die Beklagte sei zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von Fr. 7'000.-, zuzüglich Zins von 5% seit dem 28. August 2008 zu bezahlen.
2. Ferner sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin einen Betrag von CHF 80.- zu bezahlen.
3. Es sei von einem Nachklagevorbehalt gerichtlich Vormerk zu nehmen bis zum 21. Geburtstag der Klägerin.
4. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich 8% MWST zu Lasten der Beklagten.
5. Prozessualer Antrag
Es sei ein gerichtlicher Augenschein an der Unfallstelle (Äussere E._strasse/J._/O._ Weg) nach Abschluss des ersten Schriftenwechsels durchzuführen. E sei (recte wohl: Es sei) für diese Zeit die Verkehrssicherung durch die Kantonspolizei zu leisten.
F. Die beklagte A._ AG, damals vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Remo Cavegn, liess in ihrer Klageantwort vom 5. Juli 2017 das Folgende beantragen:
1. Die Klage sei abzuweisen.
2. Unter vollumfänglicher Kosten- und Entschädigungsfolge zuzüglich Mehrwertsteuer von 8% zu Lasten der Klägerin.
G. Mit Beweisverfügung vom 30. Januar 2018 wurden eine neuropsychologische Expertise bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (KJP) sowie ein unfallanalytisches Gutachten beim forensischen Institut Zürich in Auftrag gegeben. Die neuropsychologische Expertise datiert vom 15. Mai 2018. Das unfallanalytische Gutachten wurde am 24. September 2018 erstellt. Zu beiden Gutachten konnten sich die Parteien vorgängig äussern.
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H. Die Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Viamala fand am 24. Januar 2019 statt. Vorgängig wurde ein Augenschein durchgeführt.
I. Mit Entscheid vom 24. Januar 2019, mitgeteilt am 20. Mai 2019, erkannte das Regionalgericht Viamala was folgt:
1. In Gutheissung der Klage wird die Beklagte verpflichtet, der Klägerin CHF 7'000.00 zuzüglich Zins von 5% seit 28. August 2008 zu bezahlen.
2. In teilweiser Gutheissung der Klage wird die Beklagte verpflichtet, der Klägerin CHF 66.35 zu bezahlen.
3. Es wird ein Rektifikationsvorbehalt für die Dauer von zwei Jahren ab Rechtskraft dieses Entscheids vorbehalten.
4. Vom Nachklagevorbehalt bis zum 21. Geburtstag der Klägerin wird Vormerk genommen.
5. Kostenfolge:
a) Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 17'526.15 (Entscheidgebühr CHF 6'000.00, Kosten der Beweisführung CHF 11'526.15 [6'160.00 Stadtpolizei Zürich, CHF 2'650.00 Stadtpolizei Zürich; 2'671.15 KJP, CHF 45.00 Zeugengeld]) gehen zu 8/9, d.h. CHF 15'578.80, zu Lasten der beklagten Partei und zu 1/9, d.h. CHF 1'947.35, zu Lasten der klägerischen Partei.
b) Der Anteil der beklagten Partei von CHF 15'578.80 wird nach Eintritt der Rechtskraft in Rechnung gestellt.
c) Die auf die klägerische Partei entfallenden Kosten von CHF 1'974.35 trägt gestützt auf die Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege vom 2. Februar 2018 (Proz.Nr. 135-2016-272) der Kanton Graubünden; sie werden aus der Gerichtskasse bezahlt.
d) Die beklagte Partei hat die klagende Partei mit CHF 11'324.35 (inkl. Barauslagen und MwSt.) aussergerichtlich zu entschädigen.
e) Der unentgeltliche Rechtsbeistand wird zudem – unter Vorbehalt von Art. 123 ZPO – zu Lasten des Kantons Graubünden mit CHF 3'235.55 (inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt. Die Entschädigung wird aus der Gerichtskasse bezahlt (Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege vom 2. Februar 2017, Proz.Nr. -272).

## Considerations