# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e2a93258-fb2e-4fbb-bb43-c0e9bdcdcd21
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A.1. Für X._ besteht seit dem 27. Oktober 2010 eine Beistandschaft zur Vertretung, Einkommens- und Vermögensverwaltung (Art. 392 Ziff. 1 und Art. 393 Ziff. 2 aZGB). Mit der Mandatsführung wurde zunächst A._ beauftragt. Am 6. November 2012 wurde diese per 1. Dezember 2012 auf B._ übertragen. Mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Nordbünden vom 29. April 2015 wurde diese altrechtliche vormundschaftliche Massnahme per 1. Mai 2015 in eine Vertretungsbeistandschaft mit umfassender Vermögensverwaltung nach Erwachsenenschutzrecht (Art. 394 und Art. 395 ZGB) überführt.
2. X._ leidet seit vielen Jahren an paranoider Schizophrenie. In der Vergangenheit musste sie immer wieder mittels fürsorgerischer Freiheitsentziehung (heute fürsorgerische Unterbringung [FU]) in die Psychiatrische Klinik C._ eingeliefert werden. Am 26. Mai 2012 trat sie bereits zum fünften Mal in die Klinik C._ ein resp. wurde durch Rückhaltebeschluss der Psychiatrischen Dienste Graubünden vom 30. Mai 2012 gegen ihren Willen dort zurückbehalten. Im Rahmen eines Beschwerdeverfahrens, in welchem X._ die Entlassung aus der FU in der Klinik C._ beantragt hatte, wies das Kantonsgericht von Graubünden die KESB Nordbünden mit Entscheid vom 28. Januar 2013 an, hinsichtlich Krankheitsdiagnose und gegenwärtigem Zustand von X._ ein aktuelles Gutachten bei einem unabhängigen Sachverständigen einzuholen und anschliessend einen neuen Entscheid über die FU zu fällen (vgl. Urteil der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden ZK1 12 90).
3. In ihrem umfassenden Gutachten vom 19. April 2013 bestätigte Dr. med. D._ die Diagnose der paranoiden Schizophrenie. Die Grunderkrankung bestehe schon seit über zehn Jahren und beeinträchtige alle wichtigen Lebensbereiche der Explorandin wie die privaten Beziehungen, das berufliche Leben, das Aktivitätsniveau in der Freizeit, die kognitive Leistungsfähigkeit oder die kognitive Flexibilität nachhaltig. Diese psychische Störung führe zwar nicht zu einer automatischen Einschränkung der Urteilsfähigkeit oder gar Handlungsfähigkeit. Nur in akuten Krankheitsphasen sei sie zeitlich begrenzt urteilsunfähig, während ihre Urteilsfähigkeit im Residualzustand nur teilweise eingeschränkt sei. Ihre Objektivität und die Fähigkeit, so für sich zu entscheiden, dass sie sich nicht schade, seien jedoch deutlich eingeschränkt. Insbesondere stellte die Gutachterin fest, dass die Explorandin betreffend die Wohnsituation nicht ausreichend urteilsfähig sei. In diesem Zusammenhang wies sie auf die
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ungünstige Krankheitsprognose hin, da der damals problematische Zustand der Explorandin und deren Entwicklung in den letzten Jahren leider nicht auf eine bessere Prognose in Zukunft schliessen liessen. Die Krankheit sei zwingend lebenslang und umfassend behandlungsbedürftig, wozu insbesondere eine engmaschige psychosoziale Begleitung zähle. Die Fähigkeit, ihren Lebensalltag − beispielsweise hinsichtlich Körperpflege, Nahrungsaufnahme und sinnvoller Tagesstruktur − unter Berücksichtigung ihrer behindernden Krankheitssymptome zu gestalten, sollte gefördert und, etwa durch eine ambulante Wohnbegleitung, überwacht werden. Sobald die Explorandin mehr persönliche Freiheiten habe, sei es nämlich wahrscheinlich, dass sie sich einer adäquaten Behandlung und Betreuung entziehen könnte, was mit höchster Wahrscheinlichkeit eine erneute akute Phase der Grunderkrankung zur Folge hätte. Aus diesem Grunde empfahl die Gutachterin konkret einen Aufenthalt in einer Aussenwohngruppe (E._ oder F._) in O.1_, wobei die fachpsychiatrische Behandlung in der gleichen Intensität weitergeführt und seitens der KESB gegebenenfalls eine vollumfängliche Betreuung betreffend die finanziellen Angelegenheiten, die Behandlung und den Aufenthaltsort geprüft werden sollte. Gestützt auf die Annahme, dass die Explorandin sich gegen eine solche Wohnform wehren wird, schlug die Gutachterin vor, einen Zeitraum von beispielsweise zwei Jahren zu definieren, in welchem sie sich unter engmaschiger Betreuung weiter stabilisieren und positiv entwickeln könne. Bei gutem Verlauf könnten anschliessend dann weniger betreute Wohnformen geprüft werden.
4. Gestützt auf dieses Gutachten hob die KESB Nordbünden mit Entscheid vom 1. Mai 2013 die FU in der Klinik C._ auf und ordnete stattdessen eine FU im Wohnheim G._ der Klinik C._ an, in welchem X._ bereits seit 1. Februar 2013 wohnte. Begründet wurde dieser Schritt damit, dass die Voraussetzungen für den nächsten Schritt − der Übertritt in eine geeignete betreute Wohngruppe ausserhalb der Klinik C._ und die Sicherstellung der Nachbetreuung − noch nicht erfüllt seien und für X._ nur unter den Rahmenbedingungen im Wohnheim G._ die nötige Betreuung und Behandlung sichergestellt werden könne. Die von der Gutachterin empfohlene Unterbringung in einer betreuten Wohngruppe sei jedoch von allen Beteiligten als nächstes Etappenziel anzustreben. Eine gegen diese Unterbringung eingereichte Beschwerde wurde vom Kantonsgericht mit Entscheid vom 18. Juni 2013 abgewiesen (vgl. Entscheid der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden ZK1 13 56).
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5. Am 9. Oktober 2013 hob die KESB Nordbünden die FU im Wohnheim G._ auf und brachte X._ auf Antrag der Beiständin zur Behandlung und persönlichen Betreuung − ebenfalls per FU − in der Sozialtherapeutischen Wohngemeinschaft (WG) H._ in O.1_ unter. Nach Auffassung der KESB stand die Notwendigkeit einer weiteren Betreuung und Behandlung von X._ ausser Frage. Inzwischen waren aber die Voraussetzungen für die von der Gutachterin empfohlene Unterbringung in einer betreuten Wohngruppe mehrheitlich erfüllt und es konnte eine Wohngruppe gefunden werden, die bereit war, X._ aufzunehmen. Dieser Entscheid blieb unangefochten.
6. Im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen periodischen Überprüfung der FU gemäss Art. 431 ZGB holte die KESB Nordbünden bei der WG H._ einen Bericht über X._ ein. Im gleichen Zusammenhang erstattete die Beiständin am 13. März 2014 einen Zwischenbericht, in welchem sie sinngemäss die Verlängerung der FU in der WG H._ für mindestens drei Monate beantragte. Sodann fand am 16. April 2014 vor der KESB − im Beisein ihres damaligen Rechtsvertreters, Rechtsanwalt Andri Hotz − die Anhörung von X._ statt. Mit Entscheid vom 16. April 2014 entschied die KESB Nordbünden, die FU von X._ in der WG H._ zur persönlichen Betreuung weiterzuführen. Die hiergegen erhobene Beschwerde wurde vom Kantonsgericht von Graubünden mit Entscheid vom 19. Mai 2014 abgewiesen (vgl. Entscheid der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts von Graubünden ZK1 14 58).
B. Im Nachgang zur Standortbestimmung vom 1. April 2015 beantragten die Beiständin B._ und sinngemäss auch X._ im Zwischenbericht vom 20. April 2015 die Aufhebung der FU in der WG H._, da Letztere Fortschritte in ihrer Selbständigkeit gemacht habe und die Bedingungen für die Aufhebung der FU erfüllt seien. Mit Entscheid vom 29. April 2015 hob die KESB Nordbünden die FU in der WG H._ unter Kenntnisnahme der vereinbarten Nachbetreuung per 30. April 2015 auf. Des Weiteren wurde die aktuell bestehende Beistandschaft zur Vertretung, Einkommens- und Vermögensverwaltung (Art. 392 Ziff. 1 und Art. 393 Ziff. 2 aZGB) aufgehoben und für X._ eine Beistandschaft mit umfassender Vermögensverwaltung nach neuem Erwachsenenschutzrecht (Art. 394 und Art. 395 ZGB) errichtet. Zur Beiständin wurde – wie bisher – B._ ernannt. Die KESB erachtete die Notwendigkeit einer weiteren stationären Behandlung und Betreuung aufgrund der verbesserten Selbstsorge, der Einsicht in die Behandlungsbedürftigkeit und der Wiedererlangung grundlegender Fähigkeiten im Bereich Wohnen als aktuell nicht mehr gegeben. Die weitere notwendige
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Betreuung und Behandlung sei mit der Nachbehandlungsvereinbarung grundsätzlich abgedeckt, womit die bestehende FU aufzuheben sei.
C. Gemäss Aktennotiz vom 15. Juni 2015 beklagte sich X._ in der Folge bei I._, Leiter der KESB Nordbünden, über die Arbeit und äusserte die Absicht, diese aufzugeben, weil dort alles "Tuble" seien, sie nicht mehr möge und sich schliesslich nun um ihren eigenen Haushalt zu kümmern habe, was auch zu tun gebe. Nachdem I._ ihr klar gemacht hatte, dass die halbtägige Beschäftigung ausser Haus in einem überprüfbaren Rahmen Teil der Nachbetreuung sei und nicht verhandelt werden könne, äusserte sich X._ dahingehend, dass eine Diskussion mit ihm sinnlos sei und sie sich dann halt wieder einen Anwalt nehmen werde. Mit verfahrensleitender Verfügung vom 6. Juli 2015 ernannte die KESB Nordbünden Rechtsanwalt Dr. iur. Luca Tenchio im Verfahren vor der KESB betreffend Überprüfung der bestehenden Massnahme per 30. Juni 2015 zum unentgeltlichen Rechtsbeistand für X._.
D. Nachdem Rechtsanwalt Dr. iur. Luca Tenchio Einsicht in die Akten erhalten hatte, stellte er mit Eingabe vom 18. September 2015 zuhanden der KESB Nordbünden den Antrag, die bestehenden erwachsenenschutzrechtlichen Massnahmen für X._ ohne Kostenfolgen für sie aufzuheben. Begründend wurde ausgeführt, dass die erwachsenenschutzrechtlichen Massnahmen nicht mehr geboten seien und die medizinischen Probleme medizinisch gelöst werden könnten. Administrativ sei X._ fähig, ihr Leben ohne Fremdhilfe alleine zu meistern. Allenfalls könne die Aufhebung mit der Auflage verbunden werden, dass die Einnahme der verordneten Medikation überprüft oder X._ zur Einnahme verpflichtet und regelmässig kontrolliert werde.
E. In der Folge holte die KESB Nordbünden bei J._, der Wohnbegleiterin von X._, telefonisch einen Zwischenbericht ein. Gemäss der hierzu erstellten Aktennotiz vom 5. Oktober 2015 hielt J._ zusammenfassend fest, dass X._ auf tiefem Niveau stabil, freundlich und sehr glücklich über ihre Wohnung sei. Sie halte aber die Nachbetreuungsvereinbarung nicht ein, überschätze sich nach wie vor selbst und beharre in verschiedenen Zusammenhängen auf ihrer unrealistischen Sichtweise (z.B. wegen ihrer 100%-IV-Rente keine Arbeit leisten zu müssen sowie in Bezug auf ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt). In Bezug auf die finanziellen Belange sei X._ nach Meinung von J._ sodann nicht genügend in der Lage, den Überblick zu behalten und die relevanten Zusammenhänge zu verstehen.
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F. Mit Entscheid vom 7. Oktober 2015, mitgeteilt am 9. Oktober 2015, erkannte die KESB Nordbünden wie folgt:
"1. Das Vermögen von X._, das unter der (Mit-)Verwaltung der Beistandsperson steht, besteht per 31. August 2014 aus einem Aktivsaldo von Fr. 26'014.07. Die eingereichte Rechnung wird unter Vorbehalt gemäss Revisionsbericht mit diesem Vermögensstand genehmigt.
2. Der Rechenschaftsbericht vom 27. Januar 2015 wird im Sinne der Erwägungen genehmigt und die geleistete Arbeit verdankt.
3. Das Budget, das unter Berücksichtigung der ausserordentlichen Kosten im Zusammenhang mit dem Wohnungsbezug anfangs Mai 2015 einen Vermögensrückschlag von rund Fr. 440.— pro Monat erwarten lässt, wird zur Kenntnis genommen.
4. Die für X._ bestehende Vertretungsbeistandschaft (Art. 394 ZGB) mit umfassender Vermögensverwaltung (Art. 395 Abs. 1 und 2 ZGB) wird unverändert weitergeführt.
5. A._ (Amtsvormundschaft O.1_) wird für die frühere Tätigkeit als Mandatsträgerin bis 30. November 2012 entlastet. Die Entlastung erfolgt unter Vorbehalt der Bestimmungen über die Verantwortlichkeit (Art. 454 ff. ZGB).
6. Die Beistandsperson ist gehalten:
a. der KESB alle zwei Jahre (nächstmals per 31. August 2016) die Rechnung samt Belegen sowie einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Rechnungsführung und Vermögensentwicklung, die Lage von X._ und die Ausübung der Beistandschaft) und ein aktuelles Budget einzureichen;
b. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von X._ während der Rechenschaftsperiode die KESB mit einem Bericht zu informieren und allenfalls eine geeignete Anpassung oder die Aufhebung der Massnahme vorzuschlagen.
7. Für die Mandatsführung von A._ und B._ vom 1. September bis 31. Dezember 2012 wird zugunsten der Berufsbeistandschaft Plessur eine Entschädigung von Fr. 190.— festgesetzt.
8. Für die Mandatsführung von B._ vom 1. Januar 2013 bis 31. August 2014 wird zugunsten der Berufsbeistandschaft Plessur eine Entschädigung von Fr. 3'516.65 festgesetzt.
9. Betreffend Tragung der Massnahmekosten wird verfügt:
a. Die Entschädigung gemäss Ziff. 7 und 8 wird X._ auferlegt.
b. Die Beistandsperson ist nach Vollstreckbarkeit dieses Entscheids berechtigt, die Massnahmekosten zugunsten der Berufsbeistandschaft Plessur direkt dem Betriebskonto von X._ zu belasten.
10. Betreffend Verfahrenskosten wird verfügt:
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a. Die Kosten im Verfahren Genehmigung periodische Rechenschaftsablage werden auf Fr. 1'200.— festgesetzt.
b. Auf die Erhebung dieser Kosten sowie die Kosten gemäss Entscheid vom 29. April 2015 (Fr. 800.—) im Totalbetrag von Fr. 2'000.— wird verzichtet.
11. Dr. iur. Luca Tenchio (Rechtsanwalt, Chur) wird als unentgeltlicher Rechtsbeistand von X._ im Verfahren betreffend Überprüfung der bestehenden Massnahmen entlassen und aufgefordert, innert 10 Tagen seine Honorarnote einzureichen.

## Considerations