# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 540d3de1-e0cb-4c39-9c28-df7d6df87598
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 3. Oktober 2019 (DG190196)
- 2 -
Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 15. Juli 2019
(Urk. 27) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des mehrfachen Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz im
Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b und c BetmG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 2 lit. a BetmG sowie
− des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern im Sinne von Art. 97
Abs. 1 lit. a SVG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 38 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis
und mit heute 224 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Die mit Strafbefehl der Kantonalen Staatsanwaltschaft Besondere Aufgaben
Bern vom 7. September 2018 ausgefällte Geldstrafe von 96 Tagessätzen zu
Fr. 30.– (insgesamt Fr. 2'880.–) wird nicht widerrufen.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für 7 Jahre des Landes
verwiesen.
6. Von der Verpflichtung des Beschuldigten zur Leistung einer Ersatzforderung
wird abgesehen.
7. Die mit Verfügung der Staatanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 23. Mai
2019 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 1'130.– wird eingezogen und zur
teilweisen Deckung der Verfahrenskosten verwendet.
- 3 -
8. Die folgenden, bei der Kantonspolizei Zürich, Asservatentriage, lagernden
Gegenstände werden der Lagerbehörde zur gutscheinenden Verwendung
überlassen:
− Mobiltelefon Samsung, Smartphone (A012'446'683); − Mobiltelefon Sony Ericsson XPERIA (A012'446'752); − Mobiltelefon HTC (A012'444'074); − Mobiltelefon bq Aquaris X (A012'446'661); − Mobiltelefon Samsung SGH-B130 (A012'446'707); − Mobiltelefon Nokia 300 (A012'446'694); − 2 SIM-Karten (A012'447'062).
9. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger mit pauschal Fr. 14'200.– (inkl. Barauslagen und MwSt.) aus der
Gerichtskasse entschädigt.
10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'500.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'100.– Gebühr Anklagebehörde Fr. 7'815.– Telefonüberwachung Fr. 980.– weitere Auslagen Untersuchung Fr. 51.– Entschädigung Zeuge Fr. 581.25 Entschädigung Dolmetscher Fr. 14'200.– amtliche Verteidigung.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
12. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO."
- 4 -
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 84 S. 1 f.)
"1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Oktober 2019 hinsichtlich Ziff. 1 (Anklagedossier 2  missbräuchliche Verwendung von Ausweisen und/oder ), Ziff. 4, Ziff. 6, Ziff. 8, 9 und 10 in Rechtskraft  ist;
2. Der Beschuldigte sei – abgesehen von der missbräuchlichen Verwendung von Ausweisen und Kontrollschildern im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG – von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Der Beschuldigte sei gemäss den nachfolgenden Ausführungen milde zu bestrafen;
4. Dem Beschuldigten sei – unter Ansetzung einer kurzen Probezeit – der bedingte, eventualiter der teilbedingte Strafvollzug zu ;
5. Der Beschuldigte sei umgehend aus dem Strafvollzug zu ;
6. Für die bisher erstandene Haft sei dem Beschuldigten aus der Staatskasse eine angemessene Genugtuung zuzüglich Zins zu 5% seit 22. Februar 2019 auszurichten;
7. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II vom 23. Mai 2019 vorläufig beschlagnahmte Barschaft von Fr. 1'130.– sei dem  herauszugeben;
8. Ausgangsgemäss seien die Kosten der Untersuchung sowie des
erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens, einschliesslich  der amtlichen Verteidigung, definitiv auf die Staatskasse zu nehmen."
b) Der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(Urk. 75, sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
- 5 -

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksgerich-
tes Zürich, 7. Abteilung, vom 3. Oktober 2019 meldeten sowohl der Beschuldigte
persönlich als auch die amtliche Verteidigung mit Eingabe vom 4. Oktober 2019
Berufung an (Prot. I S. 29 ff.; Urk. 59; Urk. 63; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach Erhalt
des begründeten Urteils am 3. Februar 2020 liess der Beschuldigte am 20. Feb-
ruar 2020 die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO einreichen
(Urk. 68/2; Urk. 72). Mit Präsidialverfügung vom 24. Februar 2020 wurde der
Staatsanwaltschaft die Berufungserklärung des Beschuldigten zugestellt und Frist
für Anschlussberufung oder einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 73). Mit
Eingabe vom 4. März 2020 erklärte die Staatsanwaltschaft ihren Verzicht auf eine
Anschlussberufung, beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und
ersuchte um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung, wel-
che am 27. März 2020 im Einverständnis der Verteidigung erteilt wurde (Urk. 75;
Urk. 77). Mit vorinstanzlicher Präsidialverfügung vom 7. Oktober 2019 wurde dem
Beschuldigten der vorzeitige Strafantritt bewilligt (Prot. I S. 33; Urk. 61; Urk. 65).
Beweisanträge wurden keine gestellt. Am 27. März 2020 wurde zur Berufungs-
verhandlung auf den 3. Juli 2020 vorgeladen (Urk. 78). Anlässlich derselben liess
der Beschuldigte die eingangs aufgeführten Anträge stellen (Urk. 84 S. 1 f.).
II. Prozessuales
Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen Teile des vorinstanz-
lichen Urteils. Angefochten sind der Schuldspruch wegen mehrfachen Verbre-
chens gegen das Betäubungsmittelgesetz, der Strafpunkt, die Landesverweisung,
die Einziehung der Barschaft, die Kostenauflage und der Rückforderungsvorbe-
halt gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO (Urk. 84 S.1 f.) Gemäss Art. 402 StPO in Ver-
bindung mit Art. 437 StPO wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils im Um-
fang der Anfechtung gehemmt. Nachdem die Dispositivziffern 1, 2. Spiegelstrich
(Schuldspruch wegen Missbrauchs von Ausweisen und Schildern), 4 (Verzicht auf
- 6 -
Widerruf), 6 (Absehen von Ersatzforderung), 8 (Verwendung beschlagnahmter
Gegenstände) sowie 9 und 10 (Kostenfestsetzung) unangefochten blieben, ist
mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in diesem Umfang
in Rechtskraft erwachsen ist.
III. Sachverhalt
1. Nachdem der Schuldspruch wegen Missbrauchs von Ausweisen und
Schildern rechtskräftig ist, bildet dieser Anklagebestandteil (Urk. 27 S. 3 f.; Dossi-
er 2) erst im Rahmen der Strafzumessung noch Gegenstand des Berufungsver-
fahrens.
2. Die Anklagebehörde legt dem Beschuldigten ferner im Wesentlichen zur
Last (Urk. 27 S. 2 ff.), von Frühjahr 2016 bis 2017 im Rahmen mehrerer Überga-
ben im Kanton Zürich insgesamt 100 Gramm Crystal Meth (circa 70 Gramm rei-
nes Methamphetamin) für Fr. 7'000.– bis Fr. 8'000.– an B._ verkauft zu ha-
ben. Zwischen dem 21. und 31. August 2017 habe er in seinem Auto von Holland
kommend 400 Gramm Crystal Meth (circa 200 Gramm reines Metham-phetamin)
in die Schweiz eingeführt. Hiervon soll er 200 Gramm am 31. August 2017 für
Fr. 12'000.– an C._ und 200 Gramm zu einem unbekannten Zeitpunkt an ei-
ne ihm bekannte Person namens "D._" verkauft haben. Ferner habe er am
Morgen des 11. Juli 2017 zusammen mit E._ bei der Mutter von F._ in
G._ [Ort] Betäubungsmittel einer unbestimmten Menge abgeholt. Davon soll
er 300 Gramm Crystal Meth (circa 150 Gramm reines Methamphetamin) und
1'000 Thaipillen (circa 12 Gramm reines Methamphetamin) an sich genommen
haben.
3. Der Beschuldigte bestreitet diese Anklagevorwürfe generell und machte
stets weitgehend vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Er hat nach durch-
geführter Konfrontationseinvernahme mit B._ und vor Vorinstanz aber einge-
räumt, dass diese eine Bekannte ist, welche er über seine Ex-Ehefrau kennenge-
lernt habe. Vor Vorinstanz machte er zudem geltend, diese im angeblichen Tat-
zeitpunkt noch gar nicht gekannt zu haben. Anlässlich der staatsanwaltschaftli-
- 7 -
chen Schlusseinvernahme und vor Vorinstanz bestätigte er alsdann, im betreffen-
den Tatzeitraum während zwei Nächten in Holland gewesen zu sein. Bezüglich
F._ erklärte er vor Vorinstanz schliesslich, dessen Namen vom Taxifahren
her zu kennen, und die Auskunftsperson E._ sei ein Taxikunde gewesen. Al-
le seine Telefongespräche mit Kunden seien abgehört worden (Urk. 1/15/4 S. 1 f.;
Urk. 1/15/11 S. 3; Prot. I S. 13 ff., S. 16 ff., S. 19 ff.).
3.1. Im Rahmen der Befragung zur Sache anlässlich der Berufungsverhand-
lung machte der Beschuldigte vollumfänglich von seinem Aussageverweigerungs-
recht Gebrauch (Prot. II S. 14).
3.2. Der bestrittene Anklagesachverhalt ist daher aufgrund der Akten und
der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allgemeingültigen Beweisre-
geln zu würdigen. Die Grundsätze der richterlichen Beweiswürdigung wurden im
angefochtenen Urteil zutreffend dargelegt. Es kann darauf verwiesen werden
(Urk. 69 S. 7; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.3. Als Beweismittel liegen die spärlichen Aussagen des Beschuldigten
(Urk. 1/15/1-9; Prot. I S. 7 ff.; Prot. II S. 5 ff.), die Aussagen der Auskunftsperso-
nen B._ (Urk. 1/16/1+3), C._ (Urk. 1/16/4 f.), E._ (Urk. 1/16/6 f.)
und F._ (Urk. 1/16/8 f.) vor, gegen welche separate Strafverfahren geführt
wurden. Ferner sind Erkenntnisse aus den Ermittlungen der Operation "..." vor-
handen (Urk. 1/1-10).
3.4. Die Vorderrichter haben die allgemeine Glaubwürdigkeit des Beschul-
digten und der erwähnten weiteren Befragten zutreffend gewürdigt (Urk. 69 S. 7 f.;
Art. 82 Abs. 4 StPO). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird bei der
Würdigung von Aussagen aber nicht mehr wie früher Gewicht auf die generelle
Glaubwürdigkeit des Einvernommenen im Sinne einer dauerhaften personalen
Eigenschaft gelegt. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung ist die Glaub-
haftigkeit der konkreten Aussage, welche durch methodische Analyse ihres In-
halts darauf überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen An-
gaben einem tatsächlichen Erleben des Aussagenden entspringen (BGE 133 I 33
E. 4.3).
- 8 -
3.5. Die anklagerelevanten Aussagen der befragten B._, C._,
E._ und F._ wurden von der Vorinstanz korrekt zusammengefasst wie-
dergegeben und mit korrekter Begründung zusammen mit der Darstellung des
Beschuldigten und den weiteren Beweismitteln (Telefongespräche und SMS) zu-
treffend gewürdigt. Es kann vollumfänglich auf die vorin-stanzliche Beweiswürdi-
gung verwiesen werden (Urk. 69 S. 10 ff., S. 18 ff., S. 25 ff.). Den nachfolgenden
Erwägungen kommt daher bloss ergänzender Charakter zu. Bereits durch die Vo-
rinstanz Erwogenes ist daher vereinzelt lediglich nochmals hervorzuheben und
dabei auf einige Vorbringen der Verteidigung einzugehen.
3.6. Soweit die Verteidigung vor Vorinstanz geltend machte (Urk. 53 S. 3 ff.
i.V.m. Prot. I S. 24 ff.), auf die den Beschuldigten belastenden Aussagen von
B._, C._, E._, und F._ könne nicht abgestellt werden, da diese
nicht verwertbar seien, nachdem deren polizeiliche Befragung nicht in Anwesen-
heit des Beschuldigten erfolgt sei und sie ihre Aussagen anlässlich der Konfronta-
tionseinvernahme mit dem Beschuldigten nicht "bestätigt" resp. wiederholt hätten,
erwog bereits die Vorinstanz mit zutreffender Begründung, dass der Beschuldigte
den staatsanwaltschaftlichen Befragungen der ihn belastenden Personen unter
Wahrung seiner Teilnahme- und Mitwirkungsrechte gemäss Art. 147 StPO geset-
zeskonform habe beiwohnen können. Dabei seien die früheren polizeilichen Aus-
sagen zwar nicht wiederholt aber bestätigt worden (Urk. 69 S. 6 f.). Auch darauf
kann im Einzelnen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.6.1. Nachdem die Verteidigung im Berufungsverfahren hinsichtlich der
Aussagen von C._ nochmals dasselbe geltend macht (Urk. 84 S. 4), ist in Er-
innerung zu rufen, dass die Mitwirkungs- und Teilnahmerechte der beschuldigten
Person gemäss Art. 147 StPO uneingeschränkt gewährt wurden, da dieser ge-
meinsam mit seiner amtlichen Verteidigung in den betreffenden staatsanwalt-
schaftlichen Konfrontationseinvernahmen anwesend war und Gelegenheit für all-
fällige Ergänzungsfragen hatte (vgl. Schmid/Jositsch, Schweizerische Strafpro-
zessordnung, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2018, N 1 ff. zu
Art. 147 StPO), zumal Art. 147 Abs. 1 Satz 1 StPO nicht vorschreibt, in welchem
Zeitpunkt des Verfahrens die Mitwirkungs- und Teilnahmerechte zu gewährleisten
- 9 -
sind (Wohlers, in: Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Auf-
lage, Zürich 2014, N 6 zu Art. 147 StPO; BGE 139 IV 30 E. 5.4.1) und sich auch
aus Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK nicht ableiten lässt, dass das Konfrontationsrecht in
einem bestimmten Verfahrensabschnitt und mehrmals zu gewähren wäre (Riklin,
StPO Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2014, N 4 zu Art. 147 StPO; Schleiminger,
in: Basler Kommentar Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Auflage 2014, N 4
zu Art. 147 StPO).
3.6.2. Aus dem Umstand, dass der Beschuldigte anlässlich der betreffenden
polizeilichen Befragungen nicht anwesend sein konnte, ergibt sich somit keine
Unverwertbarkeit jener Belastungen. In den staatsanwaltschaftlichen Befragungen
hätte es auch der Verteidigung offengestanden, Ergänzungsfragen zu den frühe-
ren polizeilichen Aussagen an die Befragten zu richten. Eine Pflicht dazu bestand
nicht, wie die Verteidigung vor Vorinstanz zurecht geltend machte (Urk. 53 S. 4
i.V.m. Prot. I S. 24 f.), aber die Gelegenheit dazu. Einer Verwertung dieser polizei-
lichen Befragungen zulasten des Beschuldigten steht daher entgegen der Auffas-
sung der Verteidigung nichts entgegen, nachdem die Befragten ihre polizeilichen
Belastungen zwar nicht mehr im Einzelnen wiederholten, aber bestätigten, damals
die Wahrheit gesagt zu haben und diese Aussagen weder korrigierten noch ab-
schwächten, geschweige denn widerriefen.
3.6.3. Wie vor Vorinstanz (Urk. 53 S. 3), stellt die Verteidigung auch im Be-
rufungsverfahren die Glaubhaftigkeit der Aussagen von B._ in Frage und be-
anstandet, dass die Vorinstanz den Anklagesachverhalt von Dossier 1 aufgrund
der Aussagen von B._ als erstellt erachtete. So habe B._ anlässlich der
Konfrontationseinvernahme vom 7. März 2019 den Beschuldigten nicht konkret
belastet, sondern lediglich angegeben, anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme
vom 26. Juli 2018 nicht gelogen zu haben. Eine solche Belastung sei recht dürftig
und dürfe nicht für einen Schuldspruch ausreichen.
B._ habe sich anlässlich der Konfrontationseinvernahme zudem auch nicht
mehr richtig an die Befragung bei der Polizei erinnern können. So sei sie anläss-
lich der Konfrontationseinvernahme gar nicht in der Lage gewesen zu sagen, ob
sie bei der Polizei die Wahrheit gesagt habe bzw. ob sie bei der Polizei überhaupt
- 10 -
zum Beschuldigten befragt worden sei. Wenn der Argumentation der Vorinstanz
gefolgt würde, wonach B._ anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme tat-
sächlich nicht mehr unter massivem Drogeneinfluss gestanden habe, bedeutet
dies, dass B._ anlässlich ihrer Konfrontationseinvernahme gelogen habe, da
sie dort erklärt habe, bei der polizeilichen Befragung unter starkem Drogenein-
fluss gestanden zu sein. Wenn B._ anlässlich der Konfrontationseinvernah-
me gelogen habe, könne ihr folglich auch nicht geglaubt werden, wenn sie in der-
selben Einvernahme angebe, bei der Polizei die Wahrheit gesagt zu haben. Ihre
Aussage, bei der Polizei die Wahrheit gesagt zu haben, sei damit wertlos und der
Anklagesachverhalt betreffend Dossier 1 nicht erstellt (Urk. 84 S. 3 f.).
3.6.3.1. Die delegierte polizeiliche Befragung von B._ fand am 26. Juli
2018 statt (Urk. 1/16/1). Aus ihren polizeilichen Aussagen ergibt sich, dass sie
den Beschuldigten "A._" auf Vorhalt des Fotobogens als die Nr. 2 identifiziert
hatte (Urk. 1/16/1 S. 6 und Anhang). Ferner gab sie zu Protokoll, insgesamt sei es
schon viel gewesen. Sie denke, insgesamt seien es ca. 100 Gramm Crystal ge-
wesen. Es sei über mehrere Monate 2016 und 2017 gewesen. Sie habe ihm Geld
ausgeliehen. Er habe es jeweils von seinen Schulden abgezogen. Deshalb wisse
sie nicht mehr, was genau sie habe bezahlen müssen. Das von ihm bezogene
Crystal habe sie selber konsumiert und ein wenig weiterverkauft (ebenda, S. 7 f.).
Dass sie in jenem Zeitraum, d.h. vor ihrer Verhaftung wohl meistens unter dem
Einfluss dieser Droge stand, ergibt sich aus ihren eigenen Aussagen (ebenda
S. 8). Aus dem erwähnten täglichen Bedarf ergibt sich aber auch, dass sie eine
entsprechende Menge dieser Droge zum Konsum auch beschaffen musste. Da-
für, dass sie im Zeitpunkt der betreffenden polizeilichen Befragung, nachdem sie
sich bereits seit Mitte Juni 2018 in Haft befand, immer noch unter entsprechender
Drogeneinwirkung gestanden hätte, bestehen keine Anhaltspunkte. So entsteht
insbesondere auch aus ihren Aussagen und ihrem Aussageverhalten anlässlich
ihrer polizeilichen Befragung nicht der Eindruck, dass sie von Drogen beeinflusst
gewesen wäre. Dass sie sich angesichts ihres damaligen Betäubungsmittelkon-
sums nicht mehr an Einzelheiten, wie konkrete Daten und Teilmengen erinnern
konnte, ist alles andere als erstaunlich. Hinzukommt die inzwischen bis zu ihrer
Verhaftung verstrichene Zeit. Dies vermag allerdings nicht zu bewirken, dass sie
- 11 -
in der Folge nicht in der Lage gewesen sein könnte, ihren hohen täglichen Kon-
sum hochzurechnen und so die ungefähre Menge, des im Tatzeitraum beim Be-
schuldigten bezogenen Methamphetamins in etwa zu quantifizieren. Daran, dass
er ihr die Droge besorgt hatte, bestehen angesichts ihrer klaren Identifizierung
des Beschuldigten und ihren diesbezüglichen Aussagen keine Zweifel im Sinne
von Art. 10 Abs. 3 StPO. Dies gilt umso mehr, als dass der Beschuldigte nicht nur
von B._, sondern auch von den übrigen Auskunftspersonen als A._ be-
zeichnet und mit der Droge Methamphetamin in Verbindung gebracht wurde.
3.6.3.2. Am 7. März 2019 wurde B._ in der Gegenwart des Beschuldig-
ten und der amtlichen Verteidigung alsdann staatsanwaltschaftlich als Auskunfts-
person befragt. In dieser Befragung bestätigte sie erneut, den anwesenden Be-
schuldigten unter dem Namen "A._" zu kennen. Dessen Ehefrau sei Thailän-
derin, diese seien sie mit dem Kind zuhause besuchen gekommen (Urk. 1/16/3
S. 2). Zwar konnte B._ sich angeblich nicht mehr an die polizeiliche Befra-
gung zu A._ erinnern. Auf Frage erklärte sie jedoch, in der betreffenden Be-
fragung nicht gelogen zu haben. Sie könne sich einfach nicht mehr erinnern. Es
sei schon lange her. Seit Juli 2018 habe sie keine Drogen mehr konsumiert
(ebenda, S. 3 f.). Abgeschwächt, korrigiert oder in anderer Weise in Frage ge-
stellt, oder gar widerrufen, hat sie ihre Tat nahen polizeilichen Aussagen nicht.
Die Aussage des Beschuldigten, wonach er die Auskunftsperson im Tatzeitraum
noch gar nicht gekannt habe, entpuppt sich als unbehelfliche Schutzbehauptung.
Dafür, dass sie ihn zu Unrecht hätte belasten wollen, sind kein Motiv und auch
keine anderen Hinweise auszumachen. Entgegen der Ansicht der Verteidigung
(Urk. 84 S. 3 f.) wird B._ denn auch nicht der Lüge überführt, wenn sie ihre
Erinnerungslücken betreffend ihre polizeiliche Befragung mit ihrem früheren Dro-
genkonsum in Verbindung bringt, obwohl keine Anzeichen dafür bestehen, dass
sie anlässlich ihrer polizeilichen Einvernahme unter Drogeneinfluss stand. Indem
sich B._ zum Zeitpunkt ihrer staatsanwaltschaftlichen Befragung nicht mehr
an Einzelheiten aus ihrer polizeilichen Befragung erinnern konnte und als Grund
hierfür ihren früheren exzessiven Drogenkonsum nannte (vgl. Urk. 16/3 S. 3), lie-
ferte sie eine grundsätzliche Erklärung für ihre Erinnerungsschwierigkeiten. Die
konkrete Erklärung, anlässlich der polizeilichen Befragung unter massivem Dro-
- 12 -
geneinfluss gestanden zu haben, lässt sich aus ihren Aussagen dagegen nicht
herauslesen.
3.6.3.3. Die Aussagen der Auskunftsperson B._ sind somit in Überein-
stimmung mit der Vorinstanz als glaubhaft einzustufen, weshalb die Menge von
100 Gramm Crystal Meth erstellt ist. Hinsichtlich der Unsicherheiten beim genau-
en Kaufpreis und der infolge Fehlens einer entsprechenden Sicherstellung zur Be-
rechnung des Reinheitsgrades angewandte statistische Mittelwert gemäss Betäu-
bungsmittelstatistik der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtsmedizin für die
Jahre 2016 und (73 % resp. 67.5 %, durchschnittlich 70 %, was eine Reinmenge
von 70 Gramm Methamphetamin ergibt) kann wiederum vollumfänglich auf die
vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 69 S. 14 f.).
3.6.4. Beim Anklagevorwurf der Einfuhr von 400 Gramm Crystal Meth aus
Holland in der Zeit zwischen dem 21. und 31. August 2017 liess der Beschuldigte
vor Vorinstanz und erneut im Berufungsverfahren durch die Verteidigung geltend
machen, C._ habe ihre Belastungen vom 15. April 2018 bei der Staatsan-
waltschaft im Hinblick auf ein abgekürztes Verfahren gemacht und anlässlich der
staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 27. Mai 2019 im Beisein des Beschuldig-
ten nicht mehr bestätigt, weshalb auf diese nicht abgestellt werden könne (Urk. 53
S. 4 f.; Prot. I S. 25; Urk. 84 S. 4).
3.6.4.1. Zunächst besteht keine Veranlassung an Aussagen bloss zu zwei-
feln, weil sie ihm Hinblick auf ein abgekürztes Verfahren gemacht worden sein
sollen, wie die Verteidigung zu insinuieren scheint. Die Voraussetzungen für ein
abgekürztes Verfahren sind das Eingestehen des Sachverhaltes, der für die recht-
liche Würdigung wesentlich ist, mithin ein Geständnis, und eine Strafe von nicht
mehr als 5 Jahren Freiheitsstrafe (Art. 358 StPO). Ein Geständnis ist viel eher ein
klarer Hinweis auf wahrheitsgemässe Aussagen, als auf wahrheitswidrige Belas-
tungen zum Nachteil von Dritten und damit auf eine falsche Anschuldigung. Er-
höhte Vorsicht und Aufmerksamkeit könnte höchstens dort angezeigt sein, wo die
Strafe im abgekürzten Verfahren beim Maximum von 5 Jahren oder in dessen
Nähe in Aussicht stehen könnte, so dass eine beschuldigte Person gegebenen-
falls geneigt sein könnte, Dritte zu Unrecht zu belasten, um durch vermeintliche
- 13 -
Kooperation mit der Strafbehörde eine grösstmögliche Strafminderung zu erwir-
ken, um nicht Gefahr zu laufen, aufgrund einer mutmasslich allenfalls über 5 Jah-
ren drohenden Freiheitsstrafe nicht in den Genuss des abgekürzten Verfahrens
zu kommen. Eine solche mögliche Konstellation lag bei C._ angesichts der
gegen sie im abgekürzten Verfahren ausgefällten Strafe von 24 Monaten (vgl.
Urk. 81 S. 3) indessen nicht vor. Andere Anhaltspunkte für eine zu Unrecht erfolg-
te Belastung des Beschuldigten liegen ebenso wenig vor, zumal auch der Be-
schuldigte vor Vorinstanz einräumte, dass sie keinen Streit miteinander gehabt
hätten (Prot. I S. 18).
3.6.4.2. C._ hat in ihrer staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 15.
April 2019 als Beschuldigte ausdrücklich bestätigt, am 31. August 2017 an ihrem
damaligen Wohnort in H._ [Ort] von A._, dem Beschuldigten, 200
Gramm Crystal Meth erhalten und diesem dafür Fr. 60.– pro Gramm bezahlt zu
haben (Urk. 1/16/4 S. 2). Damit hat sie sich auch erheblich selbst belastet. Sie
habe vom Beschuldigten gehört, dass dieser selber 200 Gramm Crystal an
"D._" verkauft habe (ebenda, S. 4). Anlässlich ihrer staatsanwaltschaftlichen
Befragung vom 27. Mai 2019 als Auskunftsperson erklärte sie (Urk. 1/16/5 S. 2),
den anwesenden Beschuldigten unter dem Namen "A._" zu kennen. Sie wol-
le einfach sagen, dass sie ihre Aussage bei Herr I._ im Rahmen eines abge-
kürzten Verfahrens gemacht habe und reinen Tisch habe machen wollen. Mehr
wolle sie dazu nicht sagen. In der Folge machte sie bei Fragen zum Beschuldig-
ten vom Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, bejahte aber, sich an ihre
staatsanwaltschaftliche Befragung vom 15. April 2019 und ihre Aussagen zu erin-
nern. Sie habe jene Aussagen gemacht, um für sich reinen Tisch zu machen.
Mehr wolle sie dazu nicht mehr ergänzen. Auf Vorhalt, wonach sie dort auch ge-
sagt habe, das Crystal Meth vom Beschuldigten zu einem Preis von Fr. 60.– pro
Gramm gekauft zu haben, erklärte sie erneut, diese Aussage bei Herr I._
gemacht zu haben, um damit abschliessen zu können, nun aber nichts mehr dazu
sagen zu wollen (ebenda, S. 3 f.). Sie bestätigte somit, diese Aussagen gemacht
zu haben, ohne diese abzuschwächen, zu korrigieren oder in anderer Weise in
Frage zu stellen oder gar zu widerrufen.
- 14 -
3.6.4.3. Die Aussagen von C._ sind indessen nicht das einzige Be-
weismittel. Aus der gerichtlich genehmigten Telefonüberwachung des Beschuldig-
ten (= "UM J._": Urk. 1 ff.; insbes. 8/2 ff.; Urk. 8/6) gibt es u.a. die Aufzeich-
nung einer dem Beschuldigten ("UM J._": Urk. 8/2 S. 3) vorgehaltenen SMS
vom 21. August 2017 an C._ (=" UF K._": Urk. 8/2 S. 2) mit dem Inhalt
(Urk. 8/2 S. 12 f): "Ah ja noch eine ich weist was soll das diese ihr aber ok wenn
ist das so wie ich denke dann ist ok und übrigens ich bin in holland in hotel mit viel
zeug".. " und habe keine normale wagen zum fahren unauffhlige! Überlege schon
zweite tag wie ich das lösen kann." (Urk. 1/15/5 S. 4 [Gesprächsprotokolle im An-
hang]).
3.6.4.4. Wie bereits dargelegt, hat der Beschuldigte nicht bestritten, im Tat-
zeitraum in Holland gewesen zu sein (vorstehend, Erw. II.3.). Den Inhalt der an
C._ gesandten Botschaft (vorstehend, Erw. II.3.6.4.3.) konnte er nicht plausi-
bel erklären. Der Inhalt der SMS, wonach er keinen unauffälligen Wagen habe, ist
vielmehr ein weiterer Hinweis dafür, dass er etwas zu verbergen hatte. Aus sei-
nen spärlichen Aussagen ergibt sich ferner, dass er nicht bestreitet, diese SMS an
C._ geschickt zu haben (vgl. z.B. Urk. 1/15/7 S. 1 f.).
3.6.4.5. Auch die Übersetzung des auf das in thailändischer Sprache geführ-
te Telefongespräch vom 31. August 2017 zwischen C._ mit einer unbekann-
ten Person wurde dem Beschuldigten vorgehalten und übersetzt (Urk. 1/15/5
S. 4 f. [Gesprächsprotokoll im Anhang]). Darin erklärte C._ unmissverständ-
lich, dass ganz viel schwere Ware von ihrem anlässlich der Konfrontationseinver-
nahme vom 27. Mai 2019 identifizierten (vorstehend, Erw. II. 3.6.4.2.) "Freund
A._" zu ihr gekommen sei. Dies ist ein weiteres untrügliches Indiz dafür, dass
er das Methamphetamin in die Schweiz eingeführt hat.
3.6.4.6. In einem weiteren aufgezeichneten und dem Beschuldigten vorge-
haltenen Telefongespräch zwischen UM L._ und UM M._ vom
2. September 2017, mithin bloss zwei Tage nach der anklagegegenständlichen
Lieferung, geht hervor (Urk. 1/15/5 S. 5 f [Gesprächsprotokoll im Anhang]), dass
UM L._ ( = L'._) Geld bekommen habe und A._ einer Frau
400 Gramm gelassen habe, was eindeutig auf den Inhalt des Telefongesprächs
- 15 -
vom 31. August 2017 und der SMS vom 21. August 2017 hindeutet. Anlässlich
dieses Telefongespräches vom 2. September 2017 wurde "A._" auch als
"Polacke" bezeichnet, was seinerseits einen klaren Hinweis dafür darstellt, dass
es sich um eine – wie der Beschuldigte – aus Polen stammende Person handeln
dürfte, es mithin der Beschuldigte war, der diese "400 Gramm" gebracht hatte.
3.6.4.7. Angesichts der gesamten Indizienkette und dem Umstand, dass der
Beschuldigte auch von den anderen Auskunftspersonen als A._ bezeichnet
und mit den anklagegegenständlichen Methamphetaminmengen in Verbindung
gebracht wurde, bestehen keine unüberwindbaren Zweifel im Sinne von Art. 10
Abs. 3 StPO daran, dass er auch die anklagegegenständlichen 400 Gramm
Crystal Meth (200 Gramm reines Methamphetamin) in die Schweiz eingeführt hat
und davon 200 Gramm für Fr. 60.– pro Gramm, mithin insgesamt Fr. 12'000.–, an
C._ verkauft hat, weshalb der Anklagesachverhalt auch insoweit erstellt ist.
3.6.4.8. Schliesslich ist hinsichtlich des Anklagevorwurfes, wonach die weite-
ren 200 Gramm an eine Person namens D._ verkauft worden seien, auf die
zutreffende vorinstanzliche Beweiswürdigung zu verweisen (Urk. 69 S. 23), wo
überzeugend erwogen wurde, dass lediglich C._ erklärt hatte, vom Beschul-
digten gehört zu haben, dass er dies an D._ verkauft habe, weitere Indizien
oder Beweismittel für einen solchen Vorgang aber fehlen und nicht auszuschlies-
sen ist, dass sie auch diese 200 Gramm vom Beschuldigten übernommen haben
könnte, weshalb sich ein Weiterverkauf der 200 Gramm an "D._" nicht erstel-
len lässt.
Aufgrund der bestehenden Zweifel lässt sich demnach der Verkauf an D._
anhand der verfügbaren Beweismittel nicht rechtgenügend erstellen.
3.6.5. Bezüglich des letzten Anklagepunktes, wonach der Beschuldigte am
Morgen des 11. Juli 2017 zusammen mit E._ bei der Mutter von F._ in
G._ Betäubungsmittel einer unbestimmten Menge abgeholt und davon 300
Gramm Crystal Meth (circa 150 Gramm reines Methamphetamin) und 1'000 Thai-
pillen (circa 12 Gramm reines Methamphetamin) ansichgenommen habe, lässt er
durch die Verteidigung im Wesentlichen geltend machen, nicht einmal von
- 16 -
E._ belastet worden zu sein. Falls er am 11. Juli 2017 überhaupt in der Nähe
des Wohnortes der Mutter von F._ gewesen sein sollte, dann allerhöchstens
als Statist bzw. Fahrer von E._, dieser übertreibe unter Drogeneinfluss in
seinen Gesprächen stark und nehme es allgemein mit der Wahrheit nicht so ge-
nau. Und F._ habe bestritten, überhaupt Thaipillen gebunkert zu haben.
E._ hätte solche ohnehin nicht freiwillig, ohne Gegenleistung an den Be-
schuldigten ausgehändigt (Urk. 53 S. 4 ff.; Urk. 84 S. 4 f.).
3.6.5.1. Anlässlich seiner delegierten polizeilichen Befragung vom 25. Janu-
ar 2019 als Beschuldigter wurden E._ die Aufzeichnung von Telefongesprä-
ches vom 11. Juli 2017 vorgehalten, worauf er erklärte, darin mit seinem Bruder
zu sprechen. Beim im Gespräch erwähnten F._ handle es sich um F._
(Urk. 1/16/6 S. 8 f. [Gesprächsprotokoll im Anhang]). E._ gab weiter u.a. zu
Protokoll, dass er seine Wohnung habe räumen müssen. Es sei auch noch
Crystal Meth in der Wohnung gewesen, welches man dann bei F._ (F._)
gefunden habe. Ja, das am 10. Juli 2017 bei F._ sichergestellte Methamphe-
tamin gehöre ihm (ebenda, S. 10). In der Folge wurde E._ eine Textnachricht
vom 11. Juli 2017 vorgehalten, welche er an eine von der Polizei als "N._"
bezeichnete Person gesandt hatte: "N._ falls du kannst da sein schön um
Kurz nach 05 Uhr könnten wir gemeinsam bei F._ Mutter gehen und all mei-
ne Kleider Dokumente, Geld usw. holen ehe das auch noch verschwindet". Da-
raufhin erklärte E._ zunächst, keine Ahnung zu haben, wer "N._" sei
(Urk. 1/16/6 S. 10 f. [Gesprächsprotokolle im Anhang]). Er habe mit diesem dort-
hin gehen wollen, da er keinen Führerausweis habe. Auf Vorhalt des Gesprächs
vom 11. Juli 2017, 08.14 Uhr, führte er aus, "N._" habe bei der Auskunfts-
person F._ vor der Türe auf ihn gewartet. Vermutlich sei dieser ungeduldig
gewesen (ebenda, S. 11). In der Folge machte E._ weitgehend vom Aussa-
geverweigerungsrecht Gebrauch, insbesondere auch auf Vorhalt und unter Hin-
weis auf die Nummer 2 darauf, A._, resp. "N._" und bestätigte lediglich,
nach dem 11. Juli 2017 Kontakt mit dem Beschuldigten gehabt zu haben
(Urk 16/6 S. 12 ff., insbes. S. 14). Und auf Vorhalt des Telefongesprächs vom 3.
Oktober 2017 erklärte er nach einer kurzen Rücksprache mit seinem Rechtsver-
treter (Urk. 1/16/6 S. 14 f.), er sei zu jenem Zeitpunkt total "drauf" gewesen. Er
- 17 -
habe zu keinem Zeitpunkt einen Entzug gemacht. Er habe nur den grossen Ma-
cker spielen wollen. Zu allem Anderen wolle er im Moment keine Stellung neh-
men. Aus den vorhandenen Aussagen von E._ ergibt sich aber immerhin,
dass der Beschuldigte entgegen der Auffassung der Verteidigung von E._ in-
soweit belastet wurde, als dieser ihn zur betreffenden Wohnung gefahren und an-
geblich vor dieser auf ihn gewartet habe, was durch die vorerwähnte Textnach-
richt untermauert wird. Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Konfrontationsein-
vernahme mit dem Beschuldigten vom 20. Juni 2019 verweigerte er dann jedwel-
che Aussage (Urk. 1/16/7).
3.6.5.2. Das vorerwähnte Telefongespräch vom 3. Oktober 2017 zwischen
E._ und UM O._ (O'._), welches sowohl E._, als auch dem
Beschuldigten vorgespielt worden war und zu welchem beide jeweils die Aussage
verweigerten (Urk. 1/16/7 S. 5; Urk. 1/15/5 S. 8. f. [Gesprächsprotokoll jeweils im
Anhang]), hat u.a. folgenden Inhalt: "und dann suche ich (E._) da den
A._ in Zürich", "der schuldet mir 300 Gramm und 1000 Thaipillen". Dass es
sich beim Anrufer um E._ handelt, ergibt sich aus der von ihm verwendeten
Mobiltelfonnummer +41 ... (vgl. Urk. 13 S. 2). Daran, dass es sich beim genann-
ten "A._" um den Beschuldigten handelt, bestehen keine unüberwindbaren
Zweifel, nachdem der Beschuldigte mehrfach als solcher identifiziert und mit Me-
thamphetamin in Verbindung gebracht wurde.
3.6.5.3. Auch F._ gab anlässlich seiner delegierten polizeilichen Befra-
gung vom 25. Januar 2018 als Beschuldigter, nach Vorhalt der Textnachricht vom
11. Juli 2017, 04.14.50, und auf "N._" angesprochen, zu Protokoll
(Urk. 1/16/8 S. 19 ff. [Gesprächsprotokoll im Anhang]), "N._" töne Polnisch
oder Tschechisch. Es gehe um einen Übernamen. E._ und N._ hätten
zu seiner Mutter gehen wollen, um dort Druck zu machen und etwas abzuholen,
was er selbst dort gebunkert gehabt habe, einen Plastiksack. Darin sei etwas Har-
tes gewesen. Er habe den Sack umwickelt und das Ganze nochmals eingepackt.
Dies habe er getan, da er nicht gewollt habe, dass es gerochen hätte, falls etwas
drinnen gewesen wäre. Es könne unmöglich so viel sein, wie er tue. Im Sack ha-
be er persönliche Gegenstände von (E._) E._ vermutet. Es sei eine
- 18 -
grosse Einkaufstüte gewesen, die fast nichts drin gehabt habe. Der Sack sei leicht
gewesen. Er habe nicht im Sack nachgesehen, was drin sei, weil es sonst ge-
heissen hätte, dass ein Kilogramm fehle. Dabei seien es nur hundert Gramm ge-
wesen oder so. Es habe mit Sicherheit keine Spuren im Bastelraum. Auf Vorhalt
des Fotobogens identifizierte er zudem mit der Nr. 2 den Beschuldigten (A._)
als "N._". Er kenne diesen schon länger als Kollegen von E._, sehe ihn
aber selten (Urk. 1/16/8 S. 20 f., 3. Fotobogen im Anhang). Ob dieser Betäu-
bungsmittel verkaufe, wisse er nicht. Konfrontiert mit der Interpretation, dass die
beiden am Morgen des 11. Juli 2017 zusammen den Betäubungsmittelbunker ge-
räumt und möglichst schnell alles verkauft hätten, erklärte er, dass er nur wisse,
dass E._ dies geholt habe. Der Beschuldigte sei wohl nur Statist gewesen.
Zudem verneinte er, dass der Beschuldigte an jenem Tag eine grosse Menge
Crystal Meth und Thaipillen übernommen habe. Es sei das gleich schlechte Mate-
rial gewesen. Es seien nicht zwei Kilogramm gewesen. Zwei Kilogramm seien
zwei Milchpackungen. Weiter wurde auch ihm das Gespräch vom 3. Oktober
2017 zwischen E._ und einer von der Polizei als "O._" bezeichneten
Person vorgehalten, worin die Rede war, dass A._ dem E._ noch 300
Gramm und 1'000 Thaipillen schulde. Daraufhin erklärte er, dass mit A._ der
Beschuldigte gemeint sei. Mit 300 Gramm sei vermutlich Crystal Meth gemeint. Er
sei sich aber sicher, dass dies nicht stimme. Es stimme zu 100 Prozent nicht,
dass diese 300 Gramm und die 1'000 Thaipillen aus dem Vorgang vom 11. Juli
2017 stammten. E._ würde nie einfach 300 Gramm herausgeben, da er ja
auch nie Geld gehabt habe (ebenda, S. 22).
3.6.5.4. Anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Befragung vom 27. Juni
2019 als Auskunftsperson wollte er sich in Gegenwart des Beschuldigten dann
aber nur noch sehr zögerlich an diesen und an seine Befragung vom 25. Januar
2018 erinnern (Urk. 16/9 S. 2 ff.). Er bestätigte zwar, dass sich seine damaligen
Aussagen bezüglich Menge und Qualität auf Betäubungsmittel bezogen, deren
Qualität sei jedoch gleich schlecht gewesen, wie jene des Crystal Meth, welches
er bei seiner Verhaftung dabeigehabt habe, und er habe keine Thai-Pillen gehabt.
Er habe damals aber die Wahrheit gesagt (ebenda, S. 4). Er wisse nicht, weshalb
"N._" der anwesende Kollege damals mit E._ dabei gewesen sei. Er
- 19 -
denke, als Gefallen für E._, als dessen Fahrer (ebenda, S. 5). Auf erneuten
Vorhalt des Gesprächs zwischen E._ und "O._" vom 3. Oktober 2019
(vgl. vorstehend, Erw. II.3.6.5.3.) wiederholte er in Übereinstimmung mit seiner
polizeilichen Aussage, dass wahrscheinlich der Beschuldigte gemeint sei mit
A._. Jedoch stimme es mit Sicherheit nicht, dass dieser ihm 300 Gramm und
1'000 Thaipillen schulde. Dies sei übertrieben. Es stimme nicht, dass die 300
Gramm Crystal Meth und die 1'000 Thaipillen aus dem Plastiksack bei seiner Mut-
ter stammten und dass er Thaipillen zu Hause gehabt habe. Es sei auch viel we-
niger Material von schlechter Qualität gewesen (Urk. 1/16/9 S. 6 f.).
3.6.5.5. Bei allen drei Anklagevorwürfen zeigt sich, dass die Auskunftsper-
sonen ihre Belastungen in Gegenwart des Beschuldigten, wenn überhaupt, dann
bloss noch zögerlich zu bestätigen bereit waren. Alle waren sie sichtlich bestrebt,
den Beschuldigten mit grosser Zurückhaltung möglichst wenig zu belasten. Aus
den Aussagen der Auskunftspersonen E._ und F._ geht aber dennoch
klar hervor, dass E._ am 11. Juli 2017 in Begleitung des Beschuldigten zur
Mutter von F._ ging, um dort etwas abzuholen (vgl. Urk. 16/6 S. 10 f.
[E._]; Urk. 16/7 S. Urk. 16/8 S. 19 ff., Urk. 16/9 S. 5 [F._]). Diese Aus-
sagen der beiden Auskunftspersonen werden schliesslich auch durch den akten-
kundigen SMS-Verkehr zwischen E._ und dem Beschuldigten gestützt, im
Rahmen dessen E._ den Beschuldigten mit Nachricht vom 11. Juli 2017 bat,
kurz nach 5.00 Uhr da zu sein, um gemeinsam zur Mutter von F._ gehen zu
können (Urk. 1/16/6 S. 10 f. [Gesprächsprotokolle im Anhang]). Weiter bestehen
auch keine unüberwindbaren Zweifel daran, dass der Beschuldigte zusammen mit
E._ am Wohnort der Mutter von F._ Betäubungsmittel abholte. So gab
E._ anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme an, dass er bei der Mutter
von F._ habe nachschauen wollen, ob sein Zeug dort sei. F._ habe sei-
ne (E._s) Taschen gehabt, wobei dort auch sein Crystal Meth drin gewesen
sei (Urk.16/6 S. 10). Diese Aussagen werden durch diejenigen von F._ ge-
stützt. Nachdem Letzterer anlässlich seiner polizeilichen Einvernahme bezüglich
des Inhalts des von ihm gemäss eigenen Angaben für E._ "gebunkerten"
Plastiksackes relativ vage Aussagen machte (vgl. Urk. 16/8 S. 20 ff.), räumte er
anlässlich seiner staatsanwaltschaftlichen Konfrontationseinvernahme ausdrück-
- 20 -
lich ein, dass der von ihm für E._ aufbewahrte Plastiksack Crystal Meth ent-
halten habe. Jedoch seien es seiner Ansicht nach viel weniger als die anklagege-
genständlichen 300 Gramm gewesen. Zudem sei die Qualität sehr schlecht ge-
wesen, namentlich gleich schlecht, wie das "Material", welches bei seiner eigenen
Verhaftung bei ihm gefunden worden sei. Thaipillen seien im fraglichen Plastik-
sack nicht enthalten gewesen (Urk. 16/9 S. 3 ff.). Weiter ergibt sich auch aus den
Ergebnissen der Telefonüberwachung, dass E._ und der Beschuldigte Be-
täubungsmittel abgeholt und befördert haben ("Und der A._, du weisst ja
welche, der ,der bei mir war, oder? [...] , der ist dann auch gekommen um zu hel-
fen und dann haben wir eben das das können einen Teil jetzt retten können, oder
den grössten Teil.", Anhang zu Urk. 15/5, Gesprächs-ID 447 [E._]; "Bitte ich
habe Stress ohne Ende ja wir mussten alles weg bringen alles scheisse ja.", An-
hang zu Urk. 15/5, Gesprächs-ID 647 [Beschuldigter]).
3.6.5.6. Dementsprechend bestehen keine unüberwindbaren Zweifel im Sin-
ne von Art. 10 Abs. 3 StPO, dass der Beschuldigte und E._ am 11. Juli 2017
bei der Mutter von F._ Betäubungsmittel abholten, wobei sich deren genaue
Menge und Reinheitsgrad aufgrund der verfügbaren Beweismittel nicht rechtsge-
nügend erstellen lassen.
3.6.5.7. Schliesslich ist der vorinstanzlichen Beweiswürdigung auch dahin-
gehend zu folgen, dass nicht rechtsgenügend erstellt ist, dass der Beschuldigte
von den bei der Mutter von F._ eingelagerten Betäubungsmitteln 300 Gramm
Crystal Meth und 1'000 Thaipillen an sich genommen hat (vgl. Urk. 69 S. 32). Der
Beschuldigte und E._ machten hierzu keine Angaben (Urk. 15/8 S. 2,
Urk. 15/9 S. 1 f., Urk. 15/11 S. 6 f., Prot. I S. 18 ff., Prot. II S. 13 f. [Beschuldigter];
Urk. 16/6 S. 10 ff., Urk. 16/7 S. 3 ff. [E._]). F._ stellte im Rahmen seiner
Einvernahmen sodann konstant in Abrede, dass die anklagegegenständlichen
300 Gramm Crystal Meth und 1'000 Thaipillen aus dem bei seiner Mutter gelager-
ten Vorrat stammen würden. Seiner Einschätzung nach würde E._ niemals
eine so grosse Menge einfach so herausgeben, zumal er nie Geld gehabt hätte.
Die in der Anklage angegebene Menge von Crystal Meth und deren Reinheitsgrad
seien seiner Ansicht nach ohnehin unzutreffend. Es habe sich um "lächerlich we-
- 21 -
nig" Crystal Meth gehandelt. Im Übrigen habe der Plastiksack auch keine Thaipil-
len enthalten. Beim Anfassen des Plastiksackes habe es sich wie Salz angefühlt
und man habe gemerkt, dass keine Tabletten drin gewesen seien. Was mit dem
Plastiksack nach dessen Abholung passiert sei, wisse er nicht (Urk. 16/8 S. 22;
Urk. 16/9 S. 3 f.). Diese Aussagen von F._ lassen sich aufgrund der zur Ver-
fügung stehenden Beweismittel nicht widerlegen. Zwar liegt eine Textnachricht
von E._ vom 3. Oktober 2017 vor, in welcher dieser angibt, dass ein A._
aus Zürich ihm "300 Gramm und 1000 Thaipillen" schulde (Anhang zu Urk. 16/6,
Gesprächs-ID 209104). Jedoch schwieg sich E._ im Rahmen seiner Einver-
nahmen zu den Hintergründen dieses angeblichen Anspruchs aus (Urk. 16/6
S. 14 f.; Urk. 16/7 S. 5). Insbesondere behauptete er auch nicht, dass die von ihm
im Telefongespräch vom 3. Oktober 2017 erwähnten "300 Gramm und 1000
Thaipillen" aus der am 11. Juli 2017 abgeholten und transportierten Menge von
Betäubungsmitteln stammen würden. Weitere Beweismittel, welche auf eine sol-
che Verbindung hindeuten würden, sind nicht vorhanden, weshalb der Anklage-
sachverhalt hinsichtlich der Abnahme von 300 Gramm Methamphetamin und
1000 Thaipillen durch den Beschuldigten nicht erstellt ist.
3.7. Zusammenfassend ist somit erstellt, dass der Beschuldigte von Frühjahr
2016 bis 2017 insgesamt 100 Gramm Crystal Meth (ca. 70 Gramm reines Me-
thamphetamin) zu einem unbekannten Preis an B._ verkaufte, zwischen dem
21. und 31. August 2017 400 Gramm Crystal Meth (ca. 200 Gramm reines Me-
thamphetamin) aus Holland in die Schweiz einführte und davon am 31. August
2017 200 Gramm für Fr. 12'000.– an C._ verkaufte sowie am 11. Juli 2017 in
G._ zusammen mit E._ eine unbestimmte Menge Betäubungsmittel von
eher schlechter Qualität abholte. Nicht erstellt ist dagegen, dass der Beschuldigte
davon 300 Gramm Crystal Meth (Reinmenge von 150 Gramm Methamphetamin)
sowie 1'000 Thaipillen (Reinmenge von etwa 12 Gramm Methamphetamin) an
sich genommen hat.
- 22 -
IV. Rechtliche Würdigung
1. Im angefochtenen Urteil wurden die Tathandlungen des Beschuldigten mit
zutreffender Begründung in Übereinstimmung mit der Anklagebehörde unter den
Tatbestand der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungs-
mittelgesetz im Sinne von dessen Art. 19 Abs. 1 lit. b und c BetmG in Verbindung
mit Art. 19 Abs. 2 lit. a subsumiert (Urk. 69 S. S. 33 f.).
2. Bei Methamphetamin liegt ein schwerer Fall im Sinne von Art. 19 Abs. 2
lit. a BetmG vor, wenn die Menge des reinen Betäubungsmittelwirkstoffes 12
Gramm oder mehr beträgt (BGE 145 IV 312 E. 2.4).
2.1. Nicht notwendig ist die exakte Kenntnis des Beschuldigten der für
Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG massgebenden Grenzmenge. Eine fehlende Vorstel-
lung darüber wäre als irrelevanter Subsumtionsirrtum zu behandeln. Es reicht das
Bewusstsein des Täters, dass die von ihm gehandelte Drogenmenge quantitativ
erheblich ist. Ebenso wenig muss der Drogenhändler die genauen medizinischen
Wirkungen des verkauften Stoffes kennen. Vielmehr genügt die Kenntnis, dass
der Gebrauch des betreffenden Betäubungsmittels beträchtliche Schädigungen
der menschlichen Gesundheit zu bewirken vermag (Fingerhuth/Schlegel/Jucker,
BemtG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2016, N 202 zu Art. 19 BetmG; Hug-Beeli,
Kommentar Betäubungsmittelgesetz, Basel 2016, N 1008 zu Art. 19 BetmG).
Dass diese Kenntnis lag beim Beschuldigten zweifelsfrei vor.
2.2. Unter Zugrundelegung der erstellten Menge des gehandelten Me-
thamphetamins von rund 270 Gramm Reinsubstanz (vgl. vorstehend, Erw. II.3.7.)
erweist sich der mengenmässig schwere Fall des Methamphetaminhandels als x-
fach erfüllt.
V. Sanktion
1. Im angefochtenen Urteil wurde der Beschuldigte unter korrekter Anwen-
dung des neuen Sanktionenrechts dem Antrag der Anklagebehörde folgend mit
einer Freiheitsstrafe von 38 Monaten bestraft (Urk. 69 S. 34 ff., S. 41; Urk. 27
- 23 -
S. 6). Die Staatsanwaltschaft hat kein Rechtsmittel ergriffen, weshalb das Ver-
schlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) zu beachten ist. Die Verteidigung hat
unter der Prämisse einer Verurteilung wegen des Strassenverkehrsdeliktes eine
weit tiefere, milde Bestrafung, mit bedingtem oder teilbedingtem Vollzug, bean-
tragt (Urk. 72 S. 3; Urk. 84 S. 1 f.).
2. Die Vorinstanz hat die rechtstheoretische Grundlagen der Strafzumes-
sung im Wesentlichen korrekt wiedergegeben, und für den Fall, dass ein Be-
schuldigter die Voraussetzungen für mehrere Strafen erfüllt, bei der Bildung einer
allfälligen Gesamtstrafe zutreffend darauf hingewiesen, dass eine solche bloss bei
gleichartigen Strafen ausgesprochen werden kann (Urk. 69 S. 35 f.).
2.1. Dennoch haben die Vorderrichter das Strassenverkehrsdelikt nicht ku-
mulativ mit einer separaten Geldstrafe geahndet, sondern dieses im Sinne einer
Gesamtstrafe unter Anwendung des Asperationsprinzips (Art. 49 Abs. 1 StGB) in
die Freiheitsstrafe miteinbezogen (Urk. 69 S. 39). Dieses Vorgehen erscheint
zwar für die Tat des Beschuldigten sachgerecht und angemessen, lässt indes
ausser Acht, dass das Bundesgericht ein solches Vorgehen nunmehr ausschliesst
(Urteil des Bundesgerichtes 6B_483/2016 vom 30. April 2018, publiziert in:
BGE 144 IV 217 E. 2.4 f. und E. 3 ff., S. 222 ff.). Zur Ahndung des Strassenver-
kehrsdeliktes ist daher kumulativ eine Geldstrafe festzulegen.
2.2. Bei qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
reicht der Strafrahmen von nicht unter einem Jahr bis zu 20 Jahren Freiheitsstra-
fe, womit eine Geldstrafe von mindestens drei und höchstens 180 Tagessätzen zu
maximal Fr. 3'000.– verbunden werden kann (Art. 19 Abs. 2 BetmG; Art. 40 StGB;
Art. 34 Abs. 1 und 2 StGB).
2.3. Der ordentliche Strafrahmen ist trotz Vorliegens allfälliger Strafschär-
fungs- und Strafmilderungsgründe nur zu erweitern, wenn aussergewöhnliche
Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angeordnete Strafe im konkre-
ten Fall zu hart, respektive zu milde erscheint. Die Frage einer Unterschreitung
des ordentlichen Strafrahmens kann sich stellen, wenn verschuldens- bzw. straf-
reduzierende Faktoren zusammentreffen, die einen objektiv an sich leichten Tat-
- 24 -
vorwurf weiter relativieren, so dass eine Strafe innerhalb des ordentlichen Rah-
mens dem Rechtsempfinden widerspräche (Art. 48, Art. 48a, Art. 49 Abs. 1,
Art. 19 Abs. 2, Art. 22 Abs. 1 StGB; BGE 136 IV 55 E. 5.8 S. 63; Urteil des Bun-
desgerichtes 6B_475/2011 vom 30. Januar 2012 E. 1.4.4). Das Gericht ist indes-
sen verpflichtet, Strafschärfungsgründe zumindest straferhöhend und Strafmilde-
rungsgründe strafmindernd im Rahmen des ordentlichen Strafrahmens zu be-
rücksichtigen (BGE 116 IV 300 E. 2.a).
2.4. Bei der Tat des Beschuldigten ist die mehrfache Tatbegehung als Straf-
schärfungsgrund gegeben. Eine relevante, die Schuldfähigkeit vermindernde Be-
täubungsmittelabhängigkeit, wie sie bisweilen bei Beschaffungskriminellen vor-
kommt, liegt nicht vor.
2.5. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es
berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung
der Strafe auf dessen Leben (Art. 47 Abs. 1 StGB). Der Begriff des Verschuldens
muss sich auf den gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat
beziehen. Zu unterscheiden ist zwischen Tat- und Täterkomponente. Als Grad-
messer für die objektive Tatschwere dient das Mass der Beeinträchtigung des
strafrechtlich geschützten Rechtsguts. Es lässt sich am Ausmass des verschulde-
ten Erfolges hinsichtlich Deliktsbetrag, Gefährdung, Sachschaden etc. sowie an-
hand der Art und Weise der Herbeiführung dieses Erfolges, der Willensrichtung,
mit der der Täter gehandelt hat, und dessen Beweggründe bemessen. Weiter be-
deutsam sind das Mass der Entscheidungsfreiheit beim Täter und die Intensität
seines deliktischen Willens. Je leichter es für den Täter gewesen wäre, die ver-
letzte Norm zu respektieren, desto schwerer wiegt die Entscheidung gegen diese
(Heimgartner, in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder, a.a.O., N 6 ff. zu Art. 47
StGB; Wiprächtiger/Keller, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 3. Auflage, Basel
2013, N 85 zu Art. 47 StGB; Trechsel/Thommen, in: Trechsel/Pieth, Schweizeri-
sches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2018,
N 17 ff. zu Art. 47 StGB).
2.5.1. Im Bereich des Betäubungsmittelstrafrechts ist zu berücksichtigen,
dass der Drogenmenge und der daraus resultierenden Gefährdung bei der Be-
- 25 -
messung der Strafe keine vorrangige Rolle zukommen darf (BGE 118 IV 342 ff.;
BGE 121 IV 202 E. 2d/cc; Urteil des Bundesgerichts 6B_558/2011 vom 21. No-
vember 2011 E. 3.3.2). Es wäre verfehlt, im Sinne eines Tarifs überwiegend oder
gar allein auf dieses Kriterium abzustellen. Falsch wäre aber auch die Annahme,
diesem Strafzumessungselement komme eine völlig untergeordnete oder gar kei-
ne Bedeutung zu. Es ist nicht nebensächlich, ob jemand mit zwanzig oder zwei-
hundert Gramm einer gefährlichen Droge handelt.
2.5.2. Der Reinheitsgrad der Betäubungsmittel kann für das Verschulden
von Bedeutung sein. Handelt der Täter wissentlich mit ausgesprochen reinen
Drogen, ist das Verschulden schwerer, handelt er wissentlich mit besonders stark
gestreckten Drogen, ist es leichter (BGE 122 IV 299). Steht indes nicht fest, dass
der Beschuldigte ein ausgesprochen reines oder besonders stark gestrecktes Be-
täubungsmittel liefern wollte, spielt der genaue Reinheitsgrad für die Gewichtung
des Verschuldens und bei der Strafzumessung keine Rolle. Die genaue Betäu-
bungsmittelmenge und gegebenenfalls ihr Reinheitsgrad verlieren zudem an Be-
deutung, wenn mehrere Qualifikationsgründe gemäss Art. 19 Abs. 2 BetmG ge-
geben sind, und sie werden umso weniger wichtig, je deutlicher der Grenzwert im
Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG überschritten ist (BGE 121 IV 193).
2.5.3. Die objektive Tatschwere bestimmt sich bei Drogendelikten neben der
erwähnten eher sekundären Bedeutung der Drogenmenge (BGE 121 IV 202) und
der daraus folgenden Gesundheitsgefährdung namentlich auch nach der Art und
Weise der Tatbegehung (BGE 118 IV 348). Massgebend sind dabei u.a. die Häu-
figkeit und Dauer der deliktischen Handlungen, die aufgewendete persönliche
Energie, das gezeigte kriminelle Engagement, die hierarchische Stellung sowie
die Grösse der erzielten oder angestrebten Gewinne. Daneben kommt es darauf
an, wie der Täter mit der Droge in Kontakt gekommen ist und was er mit dieser
gemacht hat (Hug-Beeli, Kommentar Betäubungsmittelgesetz, Basel 2016,
N 279 ff. zu Art. 26 BetmG). Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts trifft
beispielsweise den Transporteur einer bestimmten Drogenmenge grundsätzlich
ein geringeres Verschulden als denjenigen, der diese Betäubungsmittelmenge
verkauft oder zum Zwecke des Weiterverkaufs erwirbt (Wiprächtiger/Keller,
- 26 -
a.a.O., N 93 f. zu Art. 47 StGB; BGE 121 IV 206). Weiter beachtlich ist auch eine
allfällige Drogenabhängigkeit des Täters, ob er ausschliesslich des Geldes wegen
handelte, ohne sich in einer finanziellen Notlage zu befinden, oder ob er es ab-
lehnt zu arbeiten, obwohl es ihm möglich wäre, und er es vorzieht, durch den
Drogenhandel seinen Lebensunterhalt zu verdienen (BGE 107 IV 62 f.;
BGE 118 IV 349). Daraus ergibt sich, dass nicht einem einzelnen, der aufgeführ-
ten Kriterien für die Beurteilung des Verschuldens eine überwiegende Bedeutung
zukommt. Der Einbezug all dieser Kriterien und deren Gesamtwürdigung führt
schliesslich zur Gewichtung der Tatschwere und des Verschuldens.
2.5.3.1. Bei der objektiven Tatschwere ist beim „Ausmass des tatbestands-
mässigen Erfolges“ zunächst zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte in einem
längeren Zeitraum von mindestens 1 1⁄2 Jahren (Frühjahr 2016 bis 31. August
2017) Teilmengen von Crystal Meth zu einem unbekannten Preis an B._ ver-
kauft, daneben zwischen dem 21. und 31. August 2017 selbständig einen Trans-
port und eine Einfuhr einer grösseren Menge Crystal Meth von Holland in die
Schweiz durchgeführt und davon am 31. August 2017 200 Gramm für
Fr. 12'000.– an C._ weiterverkauft sowie daneben noch zusammen mit
E._ Methamphetamin von eher schlechter Qualität abgeholt und befördert
hat. Dabei betrug die Reinmenge Methamphetamin insgesamt gegen 270 Gramm
(vorstehend, Erw. III.2.2.; Erw. II.3.7.). Somit war er im gesamten Deliktszeitraum
mehr oder weniger regelmässig im Betäubungsmittelhandel aktiv. Zudem wurde
seiner Drogenhandelstätigkeit einzig durch behördliche Intervention mit seiner
Verhaftung ein Ende gesetzt.
2.5.3.2. Der Beschuldigte betätigte sich nicht bloss als einmaliger Kurier
oder Bunkerhalter für die Gesamtmenge, sondern betätigte sich durch diverse
Einzelhandlungen mit dem Verkauf von Teilmengen dieser Droge an nicht genau
bekannten Daten verteilt über den gesamten Deliktszeitraum hinweg, was von
seinem beachtlichen kriminellen Engagement zeugt und verschuldenserhöhend
zu werten ist.
2.5.3.3. Mit der im Deliktszeitraum umgesetzten Reinmenge von 270 Gramm
Metamphetamin erfüllte der Beschuldigte das Qualifikationsmerkmal des men-
- 27 -
genmässig schweren Falles im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG um ein Viel-
faches und verursachte damit eine entsprechend grosse Gesundheitsgefährdung
für die Abnehmer.
2.5.3.4. Der Beschuldigte übernahm sämtliche Arbeitsprozesse des Handels
vom Einkauf bis zur Distribution. Den Verkauf der Betäubungsmittel betrieb er au-
tonom, ohne in die Hierarchie einer Drogenhandelskette eingebunden und damit
an Weisungen Dritter gebunden zu sein.
2.5.3.5. Insgesamt ist die objektive Tatschwere im Rahmen der schweren
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz somit als nicht mehr leicht
einzustufen und die hypothetische Einsatzstrafe auf 32 Monate Freiheitsstrafe
festzusetzen.
2.5.4. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zu gewichten, dass der
Beschuldigte die Betäubungsmittelabgabe gegen Entgelt mithin aus rein geldwer-
ten Motiven zur Erzielung von Gewinn betrieben hat. Davon ausgenommen ist
das Abholen und Befördern von Methamphetamin gemäss Anklageziffer 1 Ziffer
3, welches mangels gegenteiliger Hinweise als unentgeltlicher Freundschafts-
dienst für E._ zu werten ist. Vor dem Hintergrund, dass der Beschuldigte
nicht – wie ein Beschaffungskrimineller – zur Finanzierung der eigenen Betäu-
bungsmittelabhängigkeit delinquiert hat, bestehen sodann keine Zweifel an seiner
im Tatzeitraum erhaltenen Schuldfähigkeit. Es hätte dem Beschuldigten fraglos
offengestanden, seine Erwerbstätigkeit auf legale Arbeit zu beschränken. Statt-
dessen betrieb er aus freien Stücken Betäubungsmittelhandel. Aufgrund seiner
breitgefächerten Aktivitäten im Handel mit Methamphetamin musste dem Be-
schuldigte das grosse Gefährdungspotential für die Gesundheit der Abnehmer
bestens bekannt sein. Trotzdem handelte er über den gesamten Deliktszeitraum
unbeirrt mit diesen gefährlichen Substanzen.
2.5.5. Damit vermag die subjektive Schwere der Tat die objektive Tatschwe-
re nicht zu relativieren. Insgesamt ist das Verschulden beim Verbrechen gegen
das Betäubungsmittelgesetz daher als nicht mehr leicht einzustufen, was eine hy-
- 28 -
pothetische Einsatzstrafe von 32 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen er-
scheinen lässt.
2.6. Der Strafrahmen des Tatbestandes des Missbrauchs von Ausweisen
und Schildern im Sinne von Art. 97 Abs. 1 lit. a SVG umfasst Freiheitsstrafe von
drei Tagen bis zu drei Jahren oder Geldstrafe von drei bis zu 180 Tagessätzen
auszufällen (Art. 34 StGB; Art. 40 StGB).
2.6.1. Bei der objektiven Tatschwere der Widerhandlung des Beschuldigten
gegen das Strassenverkehrsgesetz ist zu gewichten, dass er von Glarus über
St. Gallen bis nach St. Margrethen und somit nicht nur eine kurze Strecke fuhr.
Dabei verwendete er ein gestohlenes Kontrollschild und war ohne notwendigen
Versicherungsschutz für das von ihm gelenkte Fahrzeug unterwegs. In Anbetracht
dieser Umstände sowie der Dauer der Verletzung des Vertrauens in den Rechts-
verkehr liegt das Verschulden insgesamt im unteren Bereich.
2.6.2. Was die subjektive Tatschwere anbelangt, ist zu berücksichtigen,
dass selbst wenn der Beschuldigte das Fahrzeug in die Werkstatt bringen musste,
direkter Vorsatz vorliegt und er aus eigennützigem Beweggrund gehandelt hat,
um sich das Fortkommen zu erleichtern. Die kriminelle Energie war insgesamt je-
doch nicht sehr hoch, weshalb das Verschulden noch als leicht einzustufen ist. Es
rechtfertigt sich eine hypothetische Einsatzstrafe von 30 Tagessätzen Geldstrafe.
2.7. Bei der Würdigung der Täterkomponente kann die verschuldensange-
messene Strafe aufgrund von Umständen, die mit der Tat grundsätzlich nichts zu
tun haben, erhöht oder herabgesetzt werden. Massgebend hierfür sind im We-
sentlichen täterbezogene Komponenten, wie die persönlichen Verhältnisse, Vor-
strafen, Leumund, Strafempfindlichkeit und Nachtatverhalten, wie Geständnis,
Einsicht, Reue etc. (Heimgartner, a.a.O., N 14 ff. zu Art. 47 StGB).
2.7.1. Der Beschuldigte ist bis zu seinem 16. Lebensjahr in Polen aufge-
wachsen und anschliessend nach Deutschland gezogen. Er habe einen Bruder
und eine Schwester. Er habe eine Ausbildung zum LKW-Fahrer absolviert und ar-
beite in diesem Beruf. Vor seiner Verhaftung habe er hierdurch durchschnittlich
- 29 -
zwischen 3'000.– und 4'000.– Euro pro Monat verdient. Er sei nicht mehr in einer
Beziehung und habe sich von seiner ehemaligen Freundin in Deutschland ge-
trennt, seitdem er im Gefängnis sei. Zudem gab er an, gemeinsam mit seiner Ex-
Freundin zwei Kinder im Alter von fünf und drei Jahren zu haben, welche in
P._ lebten. Für diese habe er Unterstützungspflichten in der Höhe von mo-
natlich Fr. 2'200.–. Überdies habe er nun wohl Schulden für aufgelaufene Rech-
nungen (Prot. I S. 8 ff.).
2.7.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte zu seinen
aktuellen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen ergänzend an, dass er
neu eine Anstellung als Schlosser bei der in Deutschland ansässigen Q._
GmbH in Aussicht habe. Gemäss Anstellungsvertrag vom 26. Juni 2020 werde
sein monatlicher Bruttolohn EUR 2'600.– betragen (vgl. Urk. 83). Sein Lohn vor
der Verhaftung habe umgerechnet etwa Fr. 5'000.–, die Miete für seine Wohnung
in Deutschland EUR 400.– pro Monat, seine Krankenversicherungskosten etwa
EUR 270.– pro Monat und seine Steuerabgaben etwa EUR 400.– bis EUR 500.–
pro Jahr betragen. Aktuell habe er weder Vermögen noch Schulden (Prot. II
S. 10 f.).
2.7.3. Aus dem Werdegang und den aktuellen persönlichen Verhältnissen
des Beschuldigten ergeben sich weder straferhöhende noch strafmindernde Fak-
toren.
2.7.4. Der Beschuldigte weist im Auszug aus dem Schweizerischen Strafre-
gister vom 13. Februar 2020 zwei Vorstrafen auf (Urk. 70). Mit Strafmandat des
Untersuchungsamtes St. Gallen vom 23. Juni 2014 wurde er wegen grober Ver-
letzung der Verkehrsregeln mit einer bedingten Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu
Fr. 50.–, bei einer Probezeit von 2 Jahren sowie mit Fr. 500.– Busse bestraft. Die-
se Vorstrafe ist in Bezug auf die vorliegend beurteilte Widerhandlung gegen das
Strassenverkehrsgesetz einschlägig, was bei der Bemessung der Geldstrafe ei-
nen Straferhöhungsgrund darstellt. Mit Strafbefehl der Kantonalen Staatsanwalt-
schaft Besondere Aufgaben BE vom 7. September 2018 wurde der Beschuldigte
ferner wegen Förderung des rechtswidrigen Aufenthaltes im Sinne von Art. 116
Abs. 1 lit. a AuG mit einer weiteren bedingten Geldstrafe von 96 Tagessätzen zu
- 30 -
Fr. 30.–, bei einer Probezeit von 2 Jahren und mit Fr. 720.– Busse bestraft. Da
der Beschuldigte keine Kenntnis von dieser Vorstrafe hatte, ist sie bei der aktuel-
len Strafzumessung nicht zu berücksichtigen. Hinzukommen zwei weitere Vorstra-
fen in Deutschland, welche ebenfalls zu berücksichtigen sind (Urk. 1/24/2;
BGE 105 IV 226 E. 2). Mit Urteil des Amtsgerichtes Iserlohn vom 5. März 2003
wurde er wegen (teilweise versuchten) Betruges in fünf Fällen mit einer Freiheits-
strafe von 2 Jahren und 6 Monaten bestraft. Alsdann wurde er mit Urteil des
Amtsgerichtes Hagen vom 10. Juni 2010 aufgrund einer Falschaussage vor Ge-
richt zu einer weiteren Freiheitsstrafe von 6 Monaten verurteilt, wobei ihm diese
Strafe am 30. Juni 2014 erlassen wurde. Zwar ist gemäss Auskunft aus dem
Zentralregister von Deutschland eine weitere Vorstrafe registriert, da dieser Ein-
trag in Anwendung von Art. 369 StGB nach schweizerischem Recht bereits aus
dem Register entfernt worden wäre, ist sie unbeachtlich. Somit weist der Be-
schuldigte mehrere Vorstrafen auf, was insgesamt zu einer spürbaren Straferhö-
hung führt, nachdem diese offensichtlich keinen nachhaltigen Eindruck auf ihn
machten.
2.7.5. Umfangreiche und prozessentscheidende Geständnisse können eine
Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202 E. 2d/cc). Das
Geständnis, das kooperative Verhalten bei der Aufklärung von Straftaten sowie
die Einsicht und Reue wirken strafmindernd. Der Grad der Strafminderung hängt
aber insbesondere davon ab, in welchem Stadium des Verfahrens das Geständ-
nis erfolgte (WIPRÄCHTIGER/KELLER, in: Basler Kommentar Strafrecht I, 4. Auflage,
Basel 2019, N 169 ff. zu Art. 47 StGB). Der Beschuldigte stellt seine Täterschaft
und die Anklagevorwürfe des Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz
nach wie vor in Abrede, weshalb eine mögliche Strafminderung beim Nachtatver-
halten in diesem Anklagepunkt entfällt, dem Beschuldigten aber auch nicht zum
Nachteil gereicht. Sein Geständnis in Bezug auf die Widerhandlung gegen das
Strassenverkehrsgesetz ist dagegen bei der Geldstrafe leicht strafmindernd zu
gewichten.
2.8. Nachdem sich beim Strassenverkehrsdelikt die straferhöhende Wirkung
der einschlägigen Vorstrafe und das strafmindernd zu berücksichtigende Ge-
- 31 -
ständnis die Waage halten, bleibt es bei einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen. Da
beim mehrfachen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz der straferhö-
henden Wirkung der Vorstrafen keine strafmindernd zu gewichtenden Umstände
gegenüberstehen, ist die hypothetische Einsatzstrafe auf 36 Monate Freiheitsstra-
fe zu erhöhen.
2.9. Bei der für das Strassenverkehrsdelikt festgesetzten Geldstrafe bleibt
noch die Tagessatzhöhe zu bestimmen. Ein Tagessatz beträgt höchstens
Fr. 3'000.–. Die Höhe des Tagessatzes wird nach den persönlichen und wirt-
schaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach
Einkommen und Vermögen, Lebensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstüt-
zungspflichten sowie nach dem Existenzminimum bestimmt (Art. 34 Abs. 2 StGB).
Der Tagessatz soll jenem Teil des täglichen wirtschaftlichen Einkommens der be-
schuldigten Person entsprechen, den diese nicht unbedingt für den Lebensunter-
halt benötigt (TRECHSEL/KELLER, in: StGB Praxiskommentar, Trechsel/Pieth
(Hrsg.), 3. Auflage, Zürich/St. Gallen 2018, N 9 ff. zu aArt. 34 StGB).
Angesichts der aktuell knappen wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschul-
digten, er befindet sich aktuell im vorzeitigen Strafvollzug, rechtfertigt es sich, die
Höhe eines Tagessatzes auf Fr. 30.– festzusetzen. Somit ist er mit einer Geldstra-
fe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu bestrafen.
2.9. Einer Anrechnung der bislang erstandenen Untersuchungs- und Sicher-
heitshaft, inklusive vorzeitigen Strafvollzug, von insgesamt 498 Tagen an die
Freiheitsstrafe, steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
3. Aufgrund der Dauer der Freiheitsstrafe von 36 Monaten sind einzig die
objektiven Voraussetzungen einer teilbedingten Strafe erfüllt (Art. 43 Abs. 1
StGB). Die auszusprechende Geldstrafe von 30 Tagessätzen erfüllt dagegen die
objektiven Voraussetzungen des bedingten Vollzugs (Art. 42 Abs. 1 StGB).
3.1. Der Beschuldigte wurde innerhalb der letzten fünf Jahre vor seinen Ta-
ten nie zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs
- 32 -
Monaten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt.
Dementsprechend wird in subjektiver Hinsicht eine günstige Prognose vermutet.
3.2. Der Beschuldigte weist insgesamt 4 Vorstrafen auf, wobei er von derje-
nigen vom 7. September 2018 erst im Rahmen des vorliegenden Strafverfahrens
Kenntnis erhalten hat, weshalb sie bei der Beurteilung der Legalprognose nicht zu
berücksichtigen ist (vgl. vorstehend, Erw. 2.7.4.). Vor dem Hintergrund der übri-
gen Vorstrafen ist festzuhalten, dass er sich weder durch die Verurteilung zu einer
bedingten Geldstrafe noch durch die Bestrafung mit Freiheitsstrafen von 6 bzw.
30 Monaten beeindrucken liess und weiterdelinquierte. Mit der Begehung von
mehrfachen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz zeigt sich schliess-
lich auch eine Steigerung in der Schwere der von ihm begangenen Delikte. Dem-
entsprechend ist nicht zu erwarten, dass ihn der teilbedingte Vollzug der auszufäl-
lenden Freiheitsstrafe im Umfang von 6 bis maximal 18 Monaten (Art. 43 Abs. 2
und Abs. 3 StGB) von weiterer Delinquenz abhalten würde. Sodann ist auch keine
wesentliche Veränderung in seinen Lebensverhältnissen ersichtlich, welche sich
positiv auf seine Legalprognose auswirken könnte. Aus dem Umstand, dass der
Beschuldigte für seine Zeit nach der Inhaftierung eine Festanstellung als Schlos-
ser zu einem monatlichen Bruttolohn von EUR 2'600.– in Aussicht hat (Urk. 83),
lässt sich jedenfalls nichts Wesentliches in Bezug auf sein künftiges Wohlverhal-
ten ableiten. So war der Beschuldigte bis zu seiner Verhaftung im vorliegenden
Strafverfahren als LKW-Fahrer tätig, womit er gemäss eigenen Angaben vor Vo-
rinstanz EUR 3'000.– bis EUR 4'000.– und im Berufungsverfahren sogar etwa
Fr. 5'000.– pro Monat verdient habe (Prot. I S. 10; Prot. II S. 10 f.), was ihn aber
nicht davon abgehalten hat, zu delinquieren. Dem Beschuldigten ist damit eine
schlechte Legalprognose zu stellen, weshalb weder der teilbedingte Vollzug der
Freiheitsstrafe noch der bedingte Vollzug der Geldstrafe in Frage kommt. Dem-
entsprechend sind die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe zu vollziehen.
VI. Landesverweisung/SIS-Ausschreibung
1. Mit der Anklageschrift wurde die Anordnung einer Landesverweisung von
10 Jahren beantragt. Hinsichtlich einer Ausschreibung im Schengener Informati-
- 33 -
onssystem (SIS) fehlt ein Antrag der Anklagebehörde (Urk. 27 S. 6; Urk. 52 S. 1).
Die Vorderrichter haben den Beschuldigten gestützt auf Art. 66a StGB für 7 Jahre
des Landes verwiesen. Über und deren Ausschreibung im Schengener Informati-
onssystem (SIS) wurde nicht entschieden (Urk. 69 S. 43 ff., S. 51). Der Beschul-
digte lässt mit seiner Berufung einen Verzicht auf eine Landesverweisung bean-
tragen (Urk. 72 S. 3; Urk. 84 S. 8). Zwar hat die Staatsanwaltschaft mit ihrer An-
klage eine Landesverweisung von 10 Jahren verlangt, gegen die von der Vo-
rinstanz festgesetzten 7 Jahre aber kein Rechtsmittel ergriffen, weshalb auch bei
der Dauer der Landesverweisung das Verschlechterungsverbot zu beachten ist.
2. Das Gericht verweist einen Ausländer, der wegen Widerhandlung gegen
Art. 19 Abs. 2 oder Art. 20 Abs. 2 BetmG verurteilt wird, unabhängig von der Höhe
der Strafe für 5-15 Jahre aus der Schweiz (Art. 66a Abs. 1 Ingress und lit. o
StGB). Die obligatorische Landesverweisung wegen einer Katalogtat im Sinne
von Art. 66a Abs. 1 StGB hängt somit grundsätzlich nicht von der konkreten Tat-
schwere ab (BGE 144 IV 332 E. 3.1.3). Zudem spielt es keine Rolle, ob es sich
um einen Versuch gehandelt hat und ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbe-
dingt ausgefällt wird (BGE 144 IV 168 E. 1.4.1; Urteil des Bundesgerichtes
6B_690/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 3.4.1, zur Publikation vorgesehen). Nach
Art. 66a Abs. 2 StGB kann das Gericht ausnahmsweise von einer Landesverwei-
sung absehen, wenn diese für den Ausländer einen schweren persönlichen Härte-
fall bewirken würde und zudem die öffentlichen Interessen an der Landesverwei-
sung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Verbleib in der
Schweiz nicht überwiegen. Dabei ist der besonderen Situation von Ausländern
Rechnung zu tragen, die in der Schweiz geboren oder aufgewachsen sind.
2.1. Der Beschuldigte ist im vorliegenden Verfahren u.a. wegen mehrfachen
Verbrechens gegen das Betäubungsmittelgesetz zu verurteilen, weshalb er ge-
stützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. o StGB obligatorisch des Landes zu verweisen ist.
2.1.1. Umstände, welche einen schweren persönlichen Härtefall i.S.v. Art.
66a Abs. 2 StGB begründen würden, sind weder ersichtlich noch wurden solche
vom Beschuldigten oder der Verteidigung geltend gemacht (Prot. II S. 5 ff.;
Urk. 84 S. 8). Der Beschuldigte ist in Polen geboren und Staatsangehöriger von
- 34 -
Deutschland. Er verfügt über kein Aufenthaltsrecht oder einen festen Wohnsitz in
der Schweiz und war auch nie in den hiesigen Arbeitsmarkt eingebunden. Auf-
grund des vom Beschuldigten eingereichten Anstellungsvertrages vom 26. Juni
2020 wird denn auch ersichtlich, dass er seine berufliche und persönliche Zukunft
nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland sieht. Die Landesverweisung würde
ihn folglich auch nicht in seiner wirtschaftlichen Existenz treffen (Urk. 83). Freund-
schaftliche oder verwandtschaftliche Bindungen zur Schweiz bestehen einzig in
der Form seiner beiden Kinder im Alter von 3 und 5 Jahren, welche bei der
Kindsmutter in P._ wohnen (Prot. I S. 9 f.; Prot. II S. 9 f.). Gemäss den Aus-
sagen des Beschuldigten besteht keine partnerschaftliche Beziehung mehr zur
Kindsmutter. In Bezug auf seine Beziehung zu seinen beiden Kindern gab der
Beschuldigte einzig an, dass er vor seiner Verhaftung Kontakt zu diesen gehabt
habe (Prot. II S. 9), ohne aber näher auszuführen, wie oft und auf welche Weise
er den Kontakt zu seinen Kindern pflege und ob bzw. inwiefern er sich an deren
Erziehung und Betreuung beteilige. Eine besonders enge Beziehung zu seinen in
der Schweiz lebenden Kindern bzw. ein effektives Wahrnehmen seiner Vaterrolle
ist vor diesem Hintergrund nicht ersichtlich. Das Aufrechterhalten und die Pflege
des Kontaktes zu seinen Kindern würde durch die Landesverweisung denn auch
nicht verunmöglicht, da der Beschuldigte in Deutschland, und damit in unmittelba-
rer Nähe zur Schweiz, domiziliert ist. Ein schwerer persönlicher Härtefall liegt da-
mit nicht vor.
2.1.2. Liegt kein Härtefall im Sinne von Art. 66a Abs. 2 StGB vor, so besteht
grundsätzlich auch keine Veranlassung, eine Abwägung zwischen den privaten
Interessen des Beschuldigten an einem Verbleib in der Schweiz und den öffentli-
chen Interessen an seiner Fernhaltung vorzunehmen. Die Härtefallklausel kommt
nach dem klaren Wortlaut von Art. 66a Abs. 2 StGB nur in Ausnahmefällen unter
den kumulativen Voraussetzungen zur Anwendung. Dennoch ist darauf hinzuwei-
sen, dass selbst wenn beim Beschuldigten von einem schweren persönlichen
Härtefall ausgegangen worden wäre, eine Interessenabwägung nicht zu seinen
Gunsten hätte ausfallen können. So stellt der Drogenhandel gemäss bundesge-
richtlicher Praxis eine schwerwiegende Rechtsgutverletzung dar, welche die Aus-
weisung eines Ausländers zu rechtfertigen vermag. Aufgrund der Strenge, welche
- 35 -
das Bundesgericht bei Straftaten gegen das Betäubungsmittelgesetz hinsichtlich
der Ausweisung zwecks Verhinderung neuer Straftaten und damit zur Gewährleis-
tung der öffentlichen Sicherheit zeigt (Urteil des Bundesgerichtes 6B_48/2019
vom 9. August 2019 E. 2.4.1; Urteil des Bundesgerichtes 6B_1070/2018 vom
14. August 2019 E. 6.5.2), hätte das öffentliche Interesse an einer Landesverwei-
sung daher ohnehin stärker gewichtet werden müssen als sein persönliches Inte-
resse an einem Verbleib in der Schweiz.
2.2. Beim Beschuldigten handelt es sich um einen Staatsangehörigen
Deutschlands, mithin eines Mitgliedstaates der EU, weshalb er sich grundsätzlich
auf das zwischen der Schweiz und der EU abgeschlossene und für die Schweiz
am 1. Juni 2002 in Kraft getretene Freizügigkeitsabkommen berufen kann (Ab-
kommen vom 21. Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft
einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten ande-
rerseits über die Freizügigkeit [FZA; SR 0.142.112. 681]).
2.2.1. Das FZA gibt Staatsangehörigen der Mitgliedstaaten der EU und der
Schweiz u.a. das Recht auf Einreise, Aufenthalt, Zugang zu einer unselbständi-
gen Erwerbstätigkeit und Niederlassung als Selbständiger sowie das Recht auf
Verbleib im Hoheitsgebiet der Vertragsparteien (Art. 1 lit. a). Das Einreiserecht
wird gemäss den in Anhang I festgelegten Bestimmungen eingeräumt (Art. 3; vgl.
BGE 143 IV 97 E. 1.2.1). Nach Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA dürfen die im Abkom-
men eingeräumten Rechte nur durch Massnahmen, die aus Gründen der öffentli-
chen Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind, eingeschränkt wer-
den. Die Landesverweisung nach Art. 66a ff. StGB ist als Institut des Strafrechts
und nach der Intention des Verfassungs- und des Gesetzgebers primär als si-
chernde Massnahme zu verstehen (vgl. Art. 121 Abs. 2 und 5 BV; Urteil des Bun-
desgerichtes 6B_627/2018 vom 22. März 2019 E. 1.3.2).
2.2.2. Ob die öffentliche Ordnung und Sicherheit (weiterhin) gefährdet ist,
folgt aus einer Prognose des künftigen Wohlverhaltens. Es ist nach Art und Aus-
mass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzieren: Je schwerer die
Gefährdung, desto niedriger die Anforderungen an die in Kauf zu nehmende
Rückfallgefahr. Ein geringes, aber tatsächlich vorhandenes Rückfallrisiko kann für
- 36 -
eine aufenthaltsbeendende Massnahme im Sinne von Art. 5 Abs. 1 Anhang I
FZA genügen, sofern dieses Risiko eine schwere Verletzung hoher Rechtsgüter
wie z.B. die körperliche Unversehrtheit beschlägt (BGE 145 IV 364 E. 3.5.2; Urteil
des Bundesgerichtes 6B_1146/2018 vom 8. November 2019 E. 6.3.2 f.).
2.2.3. Betäubungsmittelhandel der hier gegebenen Art gilt als schwere Ge-
fährdung der öffentlichen Ordnung im Sinne von Art. 5 Anhang I FZA
(BGE 145 IV 364 E. 3.5.2). Damit kann ein geringes, aber tatsächlich vorhande-
nes Rückfallrisiko für eine aufenthaltsbeendende Massnahme genügen. Aufgrund
der strafrechtlichen Biographie mit mehreren Vorstrafen in der Schweiz und in
Deutschland (vorstehend, Erw. IV.2.7.4.) sowie angesichts der vom Beschuldigten
autonom begangenen vorliegend beurteilten Verbrechen gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz, welchen lediglich durch behördliche Intervention ein Ende ge-
setzt wurde, liegt ein zumindest geringes Rückfallrisiko vor. Eine günstige Prog-
nose im Sinne der Praxis zu Art. 5 Anhang I FZA kann ihm daher nicht attestiert
werden. Hinzu kommt, dass der Beschuldigte vor seiner Inhaftierung in der
Schweiz gar keiner legalen Erwerbstätigkeit nachgegangen war.
2.2.4. Demzufolge steht das Freizügigkeitsabkommen, insbes. dessen Art. 5
Abs. 1 Anhang I FZA, einer Landesverweisung beim Beschuldigten nicht entge-
gen.
3. Zwar würde sich beim Beschuldigen aufgrund der Deliktsschwere und der
von ihm ausgehenden Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit eine län-
gere Dauer rechtfertigen. Da das Verschlechterungsverbot zu beachten ist, hat es
aber bei der durch die Vorinstanz wohlwollend festgesetzten Dauer von 7 Jahren
Landesverweisung zu bleiben.
4. Gemäss Art. 20 der Verordnung über den nationalen Teil des Schengener
Informationssystems (N-SIS) und das SIRENE-Büro (N-SIS-Verordnung vom
8. März 2013; SR 362.0) sind Gerichte dazu verpflichtet, im Falle der Anordnung
einer Landesverweisung auch über deren Ausdehnung auf den Schengen-Raum
und damit über deren Ausschreibung im Schengener Informationssystem (SIS) zu
entscheiden. Voraussetzung für die Ausschreibung einer Landesverweisung im
- 37 -
Schengener Informationssystem ist unter anderem, dass es sich beim betroffenen
Ausländer um einen Drittstaatsangehörigen handelt (Art. 24 Abs. 2 SIS-II-VO, vgl.
Art. 96 Abs. 2 lit. a SDÜ). Da es sich beim Beschuldigten um einen Staatsbürger
Deutschlands, und damit um keinen Drittstaatsangehörigen handelt, ist von einer
Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssystem abzu-
sehen.
VII. Beschlagnahmte Barschaft
1. Gemäss Art. 263 Abs. 1 StPO können Gegenstände und Vermögenswer-
te, die als Beweismittel oder zur Sicherstellung von Verfahrenskosten, Geldstra-
fen, Bussen und Entschädigungen gebraucht werden oder zur Einziehung in Fra-
ge kommen, beschlagnahmt werden. Über beschlagnahmte Gegenstände und
Vermögenswerte ist bei Abschluss des Verfahrens zu entscheiden (Art. 267
Abs. 3 StPO).
2. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom
23. Mai 2019 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 1'130.– (Urk. 1/19/1) ist, da kein
Deliktsbezug gegeben ist, gestützt auf Art. 268 Abs. 1 StPO zur teilweisen De-
ckung der Verfahrenskosten zu verwenden.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Verfahrensausgang ist die vorinstanzliche Kostenauflage
(Dispositivziffern 11 und 12) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massga-
be ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Da der Beschuldig-
te schuldig gesprochen wird, mithin mit seiner Berufung unterliegt und die Staats-
anwaltschaft kein Rechtsmittel ergriffen hat, sind ihm die Kosten des Berufungs-
verfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, vollumfänglich
aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse
zu nehmen, wobei deren Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorzube-
halten ist.
- 38 -
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG un-
ter Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeit-
aufwands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 3'000.– festzusetzen.
2.3. Die amtliche Verteidigung ist für ihre Aufwendungen im Berufungsver-
fahren gemäss ihrer Honorarnote mit Fr. 2'875.– (inkl. Auslagen und MWST) aus
der Gerichtskasse zu entschädigen (Urk. 85).