# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** edbdd043-d320-4833-be4d-99aa8482e4a1
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1999 geborene
X._
leidet an den Geburtsgebrechen Nr. 192 (erhebliche anfallsweise auftretende Muskelschwäche), Nr. 390 (angeborene
cerebrale
Lähmungen) und Nr. 395 (leichte
cerebrale
Bewegungsstörungen). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, gewährte medizinische und Sonderschulmassnahmen. Am 25. Juni 2006 meldete sie ihre Mutter für eine
Hilflosenentschädigung
an (Urk. 12/32).
Mit Verfügung vom 27. März 2007 (Urk. 12/57) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, der Versicherten ab 1. Januar 2004 bis 30. November 2017
(Revision vorbehal
ten)
eine Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit zu, welche mit Mittei
lungen vom 12. September 2008 (Urk. 12/77)
, 10. November 2011 (Urk. 12/107), 28. Januar 2015 (Urk. 12/129)
und
29. April 2016 (Urk. 12/167)
bestätigt wurde
.
Im Herbst 2017
leite
te die IV-Stelle eine weitere Revision betreffend den An
spruch auf
Hilflosenentschädigung
ein (
Urk. 12/189) und veranlasste eine Abklä
rung vor Ort (Abklärungsbericht für
Hilflosenentschädigung
für Erwachsene vom
29. Januar 2018,
Urk. 12/237).
Mit Vorbescheid vom 30. Januar
2018 (Urk. 12/240) stellte die IV-Stelle die
«
Abweisung
des Leistungsbegehrens»
in Aus
sicht, wogegen die Versicherte
am 22. März 2018
Einwand (Urk. 12/251) erhob.
Am 10. September 2018 verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf eine
Hilf
losenentschädigung
(Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 9. Oktober 2018 Beschwerde (Urk. 1) und be
an
tragte, dass die Verfügung vom 10. September 2018 (Urk. 2) aufzuheben und ihr eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades zuzusprechen sei. In formeller Hinsicht stellte sie das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung (S. 1).
Mit Be
schwerdeantwort vom 6. Dezember 2018 (Urk. 11) schloss die Beschwerdegeg
ne
rin auf Abweisung der Beschwerde
.
Mit Verfügung vom 18. Dezember 2018 (Urk. 13) gewährte das hiesige Gericht der
Beschwerdeführerin
die unentgeltliche Prozessführung.
Am 15. Januar 2019 reichte die Beschwerdeführerin die Replik
ein (Urk. 15). Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer D
uplik (Urk. 17), was der Beschwerdeführerin am 29. Januar 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 18).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1 des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
des
Bun
des
gesetz
es
über den Allgemeinen Teil
des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenent
schä
digung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen
einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche Lebensverrichtungen dau
ernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dauernd auf lebens
praktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38 der
Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E. 3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen Lebensverrichtungen massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
—
Ankleiden, Auskleiden;
—
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
—
Essen;
—
Körperpflege;
—
Verrichtung der Notdurft;
—
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
sieht drei Hilf
losig
keitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
a.
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
b.
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
c.
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
d.
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Ge
brechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
e.
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV ange
wiesen ist.
1.3
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige versicherte Person aus
ser
halb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
a.
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
b.
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung einer Drittperson angewiesen ist; oder
c.
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Ist lediglich die psychische Gesundheit beeinträchtigt, so muss für die Annahme einer Hilflosigkeit gleichzeitig ein Anspruch auf mindestens eine
Viertelsrente
bestehen (
Art.
38
Abs.
2 IVV).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die lebenspraktische Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durch
schnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2).
Das Gesetz macht den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
nicht davon ab
hängig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
1.4
Die Volljährigkeit der versicherten Person ist nicht als Eintritt eines neuen Versicherungsfalls zu betrachten. Der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
Minderjähriger kann somit mit der Volljährigkeit nicht frei und umfassend, sondern lediglich unter revisionsrechtlichen Blickwinkel
n
geprüft werden (BGE 137 V 424 E. 3).
Anlass zur
Revision
einer
Hilflosenentschädigung
gibt jede wes
entliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Grad der Hilflosigkeit und damit den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
zu beein
flussen. Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchs
erheblichen Än
derung bildet die letzte de
r versicherten Person eröffnete
rechts
kräftige
Ver
fügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Leistungs
anspruchs mit rechts
konformer Sachverhaltsabklärung beruht (zur Invalidenrente: BGE 134 V 131 E. 3 und 133 V 108 E. 5.4 mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung (Urk. 2) damit, dass aktuell keine lebenspraktische Begleitung ausgewiesen sei, da die Beschwer
deführerin im Rahmen der erstmaligen beruflichen Ausbildung
durchschnittlich
mehr als 15 Nächte pro Monat
im Internat verbringe
und bei einer kollektiven Wohnform kein Anspruch auf
eine entsprechende
Begleitung bestehe. Die Abklä
rungen vor Ort hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin funktionell in allen Verrichtungen des täglichen Lebens selbständig sei. Aufgrund
der
Diagnose be
nötige
sie
eine klare Struktur, eine feste Bezugsperson, die sie anleite, begleite und verstehe
,
sowie klare, nachvollziehbare Regeln und einen guten struktu
rier
ten, konsequenten und verbindlichen pädagogischen Rahmen, was durch das Inter
nat sowie
eine
externe Sozialpädagogin
gewährleistet werde
(S. 2).
In der
Beschwerdeantwort
(Urk. 1
1
)
hielt die Beschwerdegegnerin zudem fest, dass die
von der Beschwerdeführ
erin
benötigte Unterstützung lediglich indirekt im Sinne einer Aufforderung bestehe und die Dritthilfe Bereiche betreffe, in denen ohne ent
sprechende Unterstützung der Allgemeinzustand der Beschwerdeführerin be
trof
fen sei und eine Verwahrlosung drohe. Zur Verhinderung einer solchen diene gerade die lebenspraktische Begleitung (S. 1 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1),
das
s
der Anspruch auf eine
Hilflosenentschädigung
leichten Grades aufgrund der benötigten indirekten Hilfe in den drei Lebensbereichen
Ankleiden/Auskleiden,
Essen sowie Fortbewegung/Pflege
gesellschaftlicher
Kontakte
ausgewiesen sei. Eine
Hilflosenentschädigung
in Form von lebenspraktischer Begleitung sei aus formalen Gründen gar nicht möglich, da die Voraussetzung von mindestens einer
Viertelsrente
nicht gegeben sei. Bei einer beruflichen Eingliederungsmassnahme sei der Bezug
einer
Hilflosenentschädigung
nur dann nicht möglich, wenn sich die versicherte Person mehr als 24 Tage in einer Institution aufhalte
, wobei d
ies
bezüglich jeder einzelne Kalendermonat zu prüfen
sei und
nicht auf eine durch
schnittliche Aufenthaltsdauer pro
Kalenderjahr abgestellt werden
dürfe
. Entspre
chend sei der Beschwerdeführerin für jeden einzelnen Kalendermonat
,
in wel
chem sie sich weniger als 24 Tage im Internat aufgehalten habe,
eine leichte
Hilflosenent
schädigung
auszuzahlen
(S. 2 ff.)
.
Die Beschwerdeführerin hielt in der
Replik
(Urk. 15)
an ihren Anträgen fest und wies
unter anderem
darauf hin, dass eine lebenspraktische Begleitung nicht beantragt worden
sei
und es nicht angehen könne, dass der Rechtsdienst der Beschwerdegegnerin
die Einschrän
kungen in den alltäglichen Lebensbereichen ausschliesslich dem Lebensbereich lebenspraktische Begleitung zuordn
e
und so aufgrund der nicht vorhandenen Grundla
ge einer
Viertelsrente
als irreleva
nt beurteile (S. 1).
3.
3.1
Aufgrund der medizinischen Aktenlage ist ausgewiesen und unbestritten, dass die Beschwerdeführerin
bei Erlass der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
an einer an
ge
borenen ataktischen
cerebralen
Bewegungsstörung (Geburtsgebrechen Ziff. 395
respektive Ziff. 390 des Anhangs zur Verordnung über Geburtsgebrechen), a
n Teilleistungsschwächen,
einer Skoliose
,
einem
Aspergersyndrom
leichter Ausprä
gung, einem Aufmerksamkeitsdefizit ohne Hyperaktivität
(ADS)
sowie einer kom
binierten umschriebenen
Entwicklungsstörung
lit
t
(Urk.
12
/110 S. 1
, Urk.
12
/
250
S. 1
)
.
3.2
3.
2
.1
Im Zusammenhang mit der Umwandlung der
Hilflosenentschädigung
für Min
derjährig
e in eine solche für Erwachsene
fand
am
25. Oktober 2017 die Abklärung der Hilflosigkeit bei der Beschwerdeführerin zuhause im Beisein ihrer Mutter statt. Im entsprechenden Abklärungsbericht vom 29. Januar 2018 (Urk. 12/237)
gab
die Abklärungsperson
unter Hinweis auf ein
Aspergersyndrom
leichter Ausprägung, ein
ADS, eine kombinierte umschriebene
Entwicklungsstörung und eine Intelli
genz im Normbereich an, dass es für die Beschwerdeführerin wichtig sei, feste Bezugspersonen
zu
habe
n
, welche sie anleiten, begleiten und verstehen würden. Ebenso benötige sie klare, nachvollziehbare Regeln und einen gut strukturierten, konsequenten und verbindlichen pädagogischen Rahmen, welchen sie durch das Institut «
Z._
» erhalten habe
. Während vier Stunden pro Monat erhalte sie zudem Begleitung durch eine Sozialpädagogin
(S. 1
f.
).
Zum Bereich An-
/Auskleiden führte die Abklärungsperson aus, dass die Be
schwer
deführerin funktionell selbständig sei. Problematisch sei das Zeitmanage
ment. Verschmutzte Kleider
störten die Beschwerdeführerin, wobei ihr
die Ent
scheidung
sehr schwer falle
, welches saubere Kleidungsstück sie am nächsten Tag anziehen solle. Diesbezüglich telefoniere sie regelmässig mit ihrer Mutter, um anzufragen, was sie anziehen solle. Die Abklärungsperson hielt fest, dass die Be
schwerdeführerin in diesem Bereich selbständig sei und die Beratung der Kleider
wahl bei der lebenspraktischen Begleitung berücksichtigt werde
(S. 2)
.
Betreffend den Bereich Aufstehen/Absitzen/Abliegen hielt die Abklärungsperson fest, dass die Beschwerdeführerin funktionell selbständig sei und alleine aufstehe.
Im Internat würden die Schüler
von den Betreuern bei Notwendigkeit auch ge
weckt und abends gebe es eine offizielle Nachtruhe (S. 2).
Gleichermassen sei die Beschwerdeführerin im Bereich Essen
funktionell
selb
stän
dig, wobei sie kein Hunger-/Durstgefühl habe, aber durch den klaren Ablauf im Internat alle Mahlzeiten zu sich nehme (S. 3).
Aufgrund klarer Strukturen erledige die Beschwerdeführerin die Körperpflege zuverlässig alleine (S. 3).
Ebenso sei sie im Bereich Reinigung nach Verrichtung der Notdurft selbständig und benötige keine regelmässige und erhebliche Hilfe (S. 3).
Zum Bereich Fortbewegung/Pf
lege gesellschaftlicher Kontakt
e
gab die Abklä
rungsperson an, dass keine funktionellen Einschränkungen bestünden.
Eingeübte Wege (beispielweise von Zürich ins Internat,
vom
Internat zur Psychotherapie) könne sie mittels öffentlichem Verkehr selbst bewältigen, wobei sie sich behinde
rungsbedingt nicht in der überfüllten 2. Klasse aufhalten könne. Ein grosses Prob
lem sei
sodann
das Zeitmanagement. Termi
ne innerhalb des Internats könn
e die Beschwerdeführerin selbst wahrnehmen und
halte
diese in der Regel auch zuver
lässig
ein
. Zu Hause klappe es mit dem Einhalten von Terminen sowie bei den täglichen Verrichtungen nicht gut, da keine klare Struktur bestehe oder die Be
schwerdeführerin und ihre Mutter aneinandergeraten würden. Gemäss den Anga
ben der Mutter sei die Beschwerdeführerin nicht in der Lage, Termine zu verein
baren respektive diese termingemäss wahrzunehmen und sei diesbezüglich völlig überfordert. Die Beschwerdeführerin habe zudem keine Freunde, was vor allem daran liege
, dass sie sich nicht aktiv
um eine Freundschaft bemühe oder
eine solche
pflege
(S. 3).
Im Weiteren wurde verneint
, dass
die Beschwerdeführerin
aufgrund einer Sinnes
schädigung oder eines körperlichen Gebrechens der Hilfe Dritter für die Pflege gesellschaftlicher Kontakte brauche
(S. 3)
.
Im Zusammenhang mit der lebenspraktischen Begleitung wies die Abklärungs
person darauf hin, dass eine solche aktuell nicht ausgewiesen sei, da sich die
Beschwerdeführerin während der erstmaligen von der Invalidenversicherung fina
nzierten beruflichen Ausbildung in einem Internat befinde (S. 4
f.
).
Unter dem Titel Hilfeleistungen
, die das selbständige Wohn
en
ermöglich
t
en,
gab
die Abklärungsperson betreffend Wohnungspflege
an
, dass die Beschwerde
füh
rerin ihr Zimmer gemäss den Angaben der Mutter selbst in Ordnung halte, sie aber für die restlichen Hausarbeiten (Staubsaugen, gründliche Reinigungs
arbei
ten) absolut keine Kooperation zeige. Im Weiteren fehle der Beschwerdeführerin das Interesse am Kochen, da sie kein Hungergefühl habe. Gemäss der Mutter habe die Beschwerdeführerin zudem Angst, sich zu verbrennen oder mit dem Messer zu schneiden.
Im Weiteren wurde festgehalten,
dass die Beschwerdeführerin selber einkaufen gehe, wenn sie sich für etwas interessier
e
(beispielsweise Noten für die Geige, Bücher). Ansonsten zeige sie kein Interesse und beim Kleiderkauf sei sie völlig überfordert, da sie sich nicht entscheiden könne. Ebenso
fehle
ihr
das Interesse am Wäscheprozedere, wobei dies für die Beschwerdeführerin bei einer klaren Führung sicherlich erlernbar sei
(S. 4).
Im Zusammenhang mit der regelmässigen Anwesenheit einer Drittperson zur Ver
hinderung einer dauernden Isolation von der Aussenw
e
lt wies die Abklärungs
person auf
den Internatsaufenthalt
hin
(S. 4).
Schliesslich wurde
der Bedarf
e
ine
r
dauernde
n
medizinisch-pflegerische
n
Hilfe und dauernde
n
persönliche
n
Überwachung verneint (S. 4 f.).
3.
2.2
Die behandelnde Psychiaterin der Beschwerdeführerin, Dr. med.
A._
, FMH Psychiatrie und Psycho
therapie/
FMH Kinder- und Ju
gendpsychiatrie, führte in ihrem Bericht vom 27. Februar 2018 (Urk. 7/250
/1-
3
) aus, dass die Beschwer
de
führerin oft unsicher sei, was sie anziehen solle und dann ihre Mutter
frage
. Kleider und Schuhe kaufe sie nur zusammen mit der Mutter (S. 1). Im Weiteren esse und trinke die Beschwerdeführerin nicht von sich aus, sondern müsse immer dazu aufgefordert werden. Sie verspüre kaum Hunger und Durst und spüre auch nicht, ob sie genug habe, weshalb sie die Mutter
frage
. Im Intern
a
t esse sie einfach die vorgegebenen Portionen und zuhause nehme sie nur ein, was die Mutter ihr
hinstelle
. Einkaufen gehe sie nicht, da sie das überfordere. Die Mutter müsse sodann alle nötigen Produkte für die Körperpflege einkaufen und der Beschwer
de
führerin zeigen, was sie wie anwenden müsse
und sie dazu anhalten, es regel
mässig zu tun. Zum Coiffeur gehe die Beschwerdeführerin nie allein
e
, sondern nur mit der Mutter. Arzt- und Zahnarzttermine müsse die Mutter vereinbaren und die Beschwerdeführerin begleiten, um sicher zu stellen, dass alles Wicht
ige gesagt und verstanden werde
. Die
Beschwerdeführerin organisiere
soziale Kontakte
nie von sich aus
, die Mutter müsse s
ie dazu ermutigen und anleiten
(S. 2).
Die Psychiaterin wies weiter darauf hin, dass die Beschwerdeführerin im ihr ver
trauten Rahmen des Internats immense Fortschri
tte
gemacht habe, wobei ihr die Struktur der Schule den ganzen Tag Halt und Ordnung gebe. Trotz
Asperger
-beding
t
e
n
Schwierigkeiten und ihrer Langsamkeit könne
sie
das Tagesprogramm gut befolgen. In den Ferien zu
hause
fehle ihr die Struktur des Schulalltags, wobei sie nach der Rückkehr ins Internat wieder aufblühe. Um ihre Selbständigkeit wei
ter zu fördern, benötige die Beschwerdeführerin noch die Hilfe der Mutter (S. 3).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin bezog vom 1. Januar 2014 bis zum Erreichen der Voll
jährigkeit eine Entschädigung wegen mittlerer Hilflosigkeit (Urk.12/57, Urk. 12/77
,
Urk. 12/
1
07,
Urk. 12/129, Urk. 12/167), wobei sie bis Sommer 2017 bei ihrer Mutter in Zürich wohnte. Ab September 2017 besuchte sie eine Internatsschule in
der Westschweiz und verbrachte lediglich noch die Schulferien sowie
– wenn überhaupt –
die Wochenenden bei der Mutter (Urk. 12/279-281). Ein Revisions
grund (vgl. E. 1.4 hiervor) ist somit ausgewiesen.
4.2
4
.2.1
Im Zusammenhang mit der in Frage stehenden
Hilflosenentschädigung
steht
einzig
eine psychische
Beeinträchtigung
im Vordergrund
.
Ein Anspruch auf eine
Viertels
rente
ist
bei der Beschwerdeführerin nicht
gegeben
, weshalb
– im Ein
klang mit der übereinstimmenden Auffassung der Parteien -
die Voraussetzungen
für eine
E
ntschädigung aufgrund lebenspraktischer Begleitung nicht erfüllt
sind
(vgl. E.
1.3
hievor
; vgl. auch Art. 38 Abs. 2 IVV
)
.
Streitig ist demgegenüber, ob die Beschwerdeführerin eine
E
ntschädigung wegen leichter Hilflosigkeit bean
spruchen kann, weil sie
gemäss
ihre
n
Vorbringen
in den Lebensvorrichtungen
An
-
/Auskleiden, Essen
sowie
Fortbewegung/Kontaktaufnahme regelmässige Drit
t
hilfe benötigt (vgl. Urk. 1 S.
2).
Dabei ist insbesondere die Frage zu klären, ob die Beratung bei der Kleiderauswahl, die Aufforderung zum Trinken und Essen sowie
die Vereinbarung
von Terminen, deren termingemässe Wahrnehmung
und
Be
glei
tung zu den Terminen unter lebenspraktischer Begleitung zu subsumieren
sind
(so die Beschwerdegegnerin, Urk. 11 S. 2) oder ob di
ese Hilfeleistungen den
Lebensve
rrichtungen «Ankleiden/Auskleiden», «Essen» respektive «Fortbewegung/
Pflege
gesellschaftlicher Kontakte»
zuzuordnen
sind
(wie die Beschwerdeführerin geltend macht, Urk. 1 S. 2)
.
4.2.2
Rz
. 8050 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invaliden
versicherung vom 1. Januar 2015 (KSIH; Stand 1. Januar 2018) betrifft die lebens
praktische Begleitung
die
Ermöglichung des selbständ
igen Wohnens (vgl. Art. 38 Abs.
1
lit
. a IVV). Sie ist notwendig, damit der Alltag selbständig be
wäl
tigt werden kann und liegt vor, wenn die betroffene Person entweder bei der Hilfe der Tagesstrukturierung, der Unterstützung bei der Bewältigung von Alltag
s
situ
ationen (beispielsweise Fragen der Ernährung, Hygiene, einfache administrative Tätigkeiten) oder Haushaltsführung auf Hilfe angewiesen ist. Die Unterstützung bei der Tagesstrukturierung
umfasst
gemäss KSIH
insbesondere
die Aufforderung aufzustehen,
Hilfe beim
Festlegen und Einhalten von fixen Mahlzeiten oder einer Aktivität nachzugehen. Die Hilfe bei der Bewältigung von Alltagssituationen beinhaltet ebenfalls Anleitungen und Aufforderungen und kann beispielweise in der Aufforderung zur Wahrnehmung der körperlichen Hygiene bestehen. Nach
Rz
. 8051 KSIH ist bei ausserhäuslichen Verrichtungen (Art. 38 Abs. 1
lit
. b IVV) die lebenspraktische Begleitung notwendig, damit die versicherte Person in der Lage ist, das Haus für bestimmte notwendige Verrichtungen und Kontakte zu verlassen (zum Beispiel Einkaufen, Freizeitaktivitäten, Kontakte mit
Medizinal
per
sonen
,
Coiffeurbesuch
). Gemäss bundesgerichtlicher Rechts
prechung ist die in
Rz
. 8050 f.
KSIH vorgenommene Konkretisierung der Anwendungsfälle d
er lebens
prak
tischen Begleitung (
in der seit 1. Januar 2004 gültigen und bis heute inhalt
lich im Wes
entlichen unveränderten Fassung)
grundsätzlich sachlich gerecht
fertigt und damit verordnungskonform (Urteil des Bundesgerichts 9C_691/2014 vom 11. Dezember 2014 E. 2.2, 9C_28/2008 vom 21. Juli 2008 E. 3.3.1, BGE 133 V 450 E. 8.2.3).
Im Wei
teren ist zu berücksichtigen
, dass die «lebenspraktische Begleitung» gemäss gesetzlicher Konzeption weder die (direkte oder indirekte) «Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen» noch die «Pflege» oder «Überwachung» bein
haltet. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Institut der Hilfe dar
. Dies bedeutet indes nicht, dass jene Tätigkeiten, welche unter dem Gesichts
punkt der Hilfsbedürftigkeit bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen rele
vant sind, grundsätzlich nicht Regelungsgegenstand des Instituts der lebensprak
tischen Begleitung sein können. Bereits der abstrakte Vergleich der Umschreibung der sechs alltäglichen Lebensverrichtungen mit dem im KSIH genannten Anwen
dungsfällen lebenspraktischer Begleitung (
Rz
. 8050 ff. KSIH) erhellt, dass sich Überschneidungen bei beiden Instituten nicht verhindern lassen. Aufgrund dieser
Überschneidungen wurden denn auch Instrumente zur Abgrenzung geschaffen
.
Entsprechend wird in
Rz
. 8048
KSIH
festgehalten, dass s
ofern zusätzlich zur leb
ens
praktischen Begleitung auch die Hilfe bei der Teilfunktion einer alltäg
li
chen
Lebensverrichtung benötigt werde
, die gleiche Hilfeleistung
nur einmal – da
s heisst entweder als Hilfe bei der Teilfunktion der alltäglichen Lebensver
rich
tung oder als lebenspraktische Begleitung – berücksichtigt werden
dürfe
. Hilfe
stel
lungen Dritter, derer eine versicherte Person bei mehreren Lebensverrichtungen bedarf, können rechtsprechungsgemäss nur einmal berücksichtigt werden. Bei der Zuord
nung einer Hilfeleistung zu einer bestimmten Lebensverrichtung hat eine funk
tional gesamtheitliche Betrachtungsweise Platz zu greifen. Es sind keine Gründe ersichtlich, weshalb diese Regelung nicht au
ch institutsübergreifend gelten
sollte, wenn eine Einschränkung zu
m
einen den Anspruch auf lebenspraktische Be
glei
tung auslösen, zum anderen aber auch bei der Beurteilung der Hilflosigkeit in den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen ins Gewicht fallen kann
(Urteil des Bundesgerichts 9C_691/2014 vom 11. Dezember 2014 E. 2.2 und E 4.1
f.
mit Hinweisen)
.
4.2.3
Die Beschwerdeführerin ist gemäss Abklärungsbericht vom 29. Januar
2018
(Urk. 12/237)
beim An-/Auskleiden, Essen und der Fortbewegung/Pflege von gesel
l
schaftlichen Kontakten
(unbestrittenermassen) funktionell selbständig
und bedarf der Unterstützung Dritter in Form
von Beratung
bei der Kleiderwahl,
An
regung
zum Essen und Trinken sowie
Vereinbarung
von Terminen, deren termin
gemässe Wahrnehmung sowie entsprechender
Begleitun
g.
Diese Hilfestellungen sind typische Beispiele des Instituts der lebe
nspraktischen Begleitung und
ent
sprechen im Wesentlichen den im KS
IH
aufgeführten
Unterstützungsleistungen
bei der Tagesstrukturierung
und der
Begleitung bei ausserhäuslichen Verrich
tungen (
Rz
. 8050
f. KSIH
).
Im Weiteren ist die Beschwerdeführerin g
emäss
Abklä
rungsbericht
auf
eine klare Struktur in ihrem täglichen Leben sowie Bezugs
per
sonen
ang
e
wiesen
, welche sie anleiten, begleiten und verstehen. Es wurde zudem auf das Erfordernis von klaren, nachvollziehbaren Regeln sowie einem gut struk
turierten, konsequenten und verbindlichen pädagogischen Rahmen
hingewiesen
, welchen die Beschwerdeführerin seit Herbst 2017 in der Internatsschule erhält (Urk. 12/237 S. 1, vgl. auch Urk. 12/250 S. 3)
. Entsprechend legt auch
eine
funk
tional
gesamtheitliche
Betrachtungsweise die Zuordnung der in Frage stehenden Hilfeleistungen zur lebenspraktischen Begleitung nahe.
Diese zeigt, dass die Be
schwerdeführerin unter allgemeiner Beaufsichtigung und Anleitung selbständig funktioniert, weshalb die Hilfestellung näher bei einer lebenspraktischen Beglei
tung denn einer indirekten Dritthilfe, mit welcher einer funktionellen Hilflosigkeit begegnet wird, liegt.
4.2.4
Bei diesem Ergebnis erweist sich die Anzahl der von der Beschwerdeführerin im Internat verbrachten Nächte (Urk
.
1 S. 3 f.; Urk. 15) als irrelevant. Denn die Ver
neinung des Anspruchs auf
Hilflosenentschädigung
bei Aufenthalt in einer Ein
glie
derungsinstitution von mindestens 24 Tagen im Kalendermonat (Art. 35
bis
Abs. 1 IVV
) setzt einen entsprechenden Anspruch voraus, welcher vorliegend nicht
gegeben ist.
Die weiter thematisierte Schwelle von 15 Nächten Aufenthalt in einem Kalender
monat betrifft die Qualifikation einer versicherten Person als Heimbewohner und
hat die Höhe der auszurichtenden
Hilflosenentschädigung
gemäss Art. 42
ter
Abs. 2
IVG zum Gegenstand (KSIH
Rz
. 8301.1). Auch dies kann keinen Anspruch be
gründen.
4.3
Der angefochtene Entscheid erweist sich nach dem Gesagten als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden
Beschwerde
füh
rerin aufzuerlegen, zufolge der Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung vom 18. Dezember 2018 (Urk. 1
3
) jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht (
GSVGer
) aufmerksam gemacht.