# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 13c79f26-b188-4ffb-94b4-189681cf7483
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2003
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
A.1. C. (im folgenden: C.) wuchs zusammen mit zwei Geschwistern bei den Eltern in K. auf. Nach der obligatorischen Schule studierte er während sechs Semestern Medizin und besuchte anschliessend während vier Semestern eine Ingenieurschule. Ohne die Studien abgeschlossen zu haben, betätigte er sich
2
hierauf in K. als Kaufmann. Von 1991 bis 1995 hielt er sich im L. auf. Zusammen mit seiner Ehefrau D. kam er anschliessend auf Vermittlung des UNHCR als Kontingentsflüchtling in die Schweiz, wo am 4. Oktober 1997 sein Sohn E. geboren wurde. Im März 2001 verzichtete D. auf ihr Asylrecht in der Schweiz und reiste in den L. aus, angeblich in der Absicht, vor Ort eine Einreisebewilligung für ihren Ehegatten und ihren Sohn erwirken zu können. Nachdem dieses Unterfangen erfolglos blieb, reiste der Berufungsbeklagte und Anschlussberufungskläger gemeinsam mit seinem Sohn am 30. Juli 2001 nach M., um von dort aus in den L. zu gelangen. Am 3. August beziehungsweise am 16. Oktober 2001 kehrten er und sein Sohn wieder in die Schweiz zurück, wo sie bis am 16. Mai 2002 gemeinsam ein Zimmer im Hotel F. in G. bewohnten.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist C. mit einer Eintragung verzeichnet. Mit Strafmandat vom 5. Oktober 2001 verurteilte ihn der Kreispräsident Chur wegen einfacher Körperverletzung und Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 20 Tagen.
Mit Verfügung vom 16. Mai 2002 ordnete die Präsidentin der  des Kreises Chur mittels fürsorgerischem Freiheitsentzug (FFE) die Einweisung des Berufungsbeklagten zur fachärztlichen Behandlung und Begutachtung in die Klinik H. an.
2. Im Rahmen der Strafuntersuchung ordnete der zuständige  die psychiatrische Begutachtung von C. an. Das am 17. Juni 2002 von Dr. X., Chefarzt an der Klinik H., G., gestützt auf die Strafakten, die mit Zustimmung des Berufungsbeklagten herangezogenen Behandlungsunterlagen und die Ergebnisse der bei ihm durchgeführten Untersuchungen erstellte spezialärztliche Gutachten kommt zu folgendem Ergebnis:
“(...) IV. Beurteilung und Fragenbeantwortung
1. Hingegen liegt bei C. eine wahnhafte Störung (ICD-10: F22.0) vor, d.h. ein Krankheitsbild im Rahmen der Schizophrenie und anderer psychotischer Störungen. Das zentrale Wahnthema bezieht sich dabei auf die Überzeugung, man habe sich gegen ihn verschworen, er werde verfolgt, vergiftet, belästigt, und man trachte seinen Kindern ans Leben. Dabei kann ein geringfügiger Affekt übersteigert werden und zum Mittelpunkt eines Wahnsystems gemacht werden. Personen mit Verfolgungswahn sind oft nachtragend und wütend und können Gewalt gegen
3
diejenigen anwenden, von denen sie sich geschädigt fühlen. Damit liegt beim Expl. eine behandlungsbedürftige  vor, sodass seine Fähigkeit zur Einsicht in das Unrecht der Taten oder zum Handeln gemäss dieser Einsicht aufgehoben war (Art. 10 StGB).”
In Bezug auf die Frage nach der Notwendigkeit ärztlicher Behandlung und Pflege und das allfällige Genügen einer ambulanten Behandlung im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB hielt der Gutachter folgendes fest:
“3. Der Geisteszustand des Angeschuldigten erfordert ärztliche Behandlung. Im Kern beinhaltet diese eine adäquate Medikation mit Neuroleptika (Antipsychotika) sowie regelmässige Gespräche. (...) Eine ambulant psychiatrische Behandlung wäre u.U. vorstellbar, wenn C. bereit wäre, Medikamente, Neuroleptika, einzunehmen, was er aber nicht ist.”
B. Am 8. Oktober 2002 überwies die Staatsanwaltschaft Graubünden die Untersuchungsakten zusammen mit ihrem Schlussbericht an das Bezirksgericht Plessur. Diesem lag folgender Sachverhalt zugrunde:
“Am Montag, 8. April 2002, griff C. um 10.30 Uhr seinen Betreuer B., Mitarbeiter der Sozialen Dienste der Stadt G., tätlich an. Dieser hatte zu jenem Zeitpunkt in seinem Büro am J. in G. eine Besprechung mit A.. Trotzdem betrat der Angeschuldigte mehrmals das Büro von B., der ihn immer wieder wegweisen musste. Der Angeschuldigte widersetzte sich aber plötzlich der Wegweisung und schlug mit seinem Schirm gegen den Kopf seines Betreuers. Dieser konnte den Schlag noch rechtzeitig abwehren. C. schlug dann aber völlig unvermittelt mit seinen Fäusten gegen das Gesicht von B.. Der Geschädigte erlitt dabei gemäss Arztbericht einen Mehrfachbruch des Nasenbeins und einen seelischen Schock.
B. stellte am 10. April 2002 gegen den Angeschuldigten Strafantrag wegen Körperverletzung.
C. bestreitet, B. geschlagen zu haben und behauptet, möglicherweise sei dieser mit einer Wand oder mit dem Türrahmen  und habe sich auf diese Weise die erwähnte Verletzung zugezogen.
Mit Eingabe vom 7. August 2002 liess B. gegenüber dem Angeschuldigten adhäsionsweise eine Genugtuungsforderung von Fr. 1'000.-- geltend machen.”
C. Mit Urteil vom 10. Januar 2003, mitgeteilt am 28. April 2003, erkannte das Bezirksgericht Plessur was folgt:
4
"1. Das gegen C. wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie einfacher Körperverletzung geführte Strafverfahren wird wegen Zurechnungsunfähigkeit des Täters eingestellt.
2. Es wird gestützt auf Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB eine  Behandlung in einer Heil- und Pflegeanstalt angeordnet.
3. Die von B. adhäsionsweise geltend gemachte Genugtuungsforderung von Fr. 1'000.-- wird abgewiesen.
4. Die Kosten des Verfahrens von Fr. 8'344.95 ( der Staatsanwaltschaft Graubünden von Fr. 1'975.--, Gerichtsgebühr von Fr. 5'000.--, Übersetzungskosten von Fr. 125.-- und Honorar der amtlichen Verteidigung von Fr. 1'244.95) gehen zu Lasten von C. und sind innert 30 Tagen auf das  70-3596-3 des Bezirksgerichtes Plessur zu überweisen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden vorschussweise aus der Gerichtskasse beglichen.

## Considerations