# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cd16b6c1-eaff-4fe0-b09d-6c6418dbcc93
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Betrug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom
15. Juli 2014 (DG130039)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 18. Februar
2013 (Urk. 0100325 - 0100359) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz in Sachen A._:
(Urk. 71/1 S. 177 ff.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB (Anklagesachver-
haltsabschnitt A);
− der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt D);
− der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1
Abs. 1 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt E); sowie
− der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1
und 2 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitte B, C und F).
2. Der Beschuldigte ist nicht schuldig einer weiteren qualifizierten ungetreuen
Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB
(Anklagesachverhaltsabschnitt F) und wird freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 34 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
23 Tage durch Haft erstanden sind.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 22 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate, ab-
züglich 23 Tage erstandene Haft) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
5. Die mit Verfügung der Anklägerin vom 8. Januar 2009 beschlagnahmten Un-
terlagen (in Kiste 6 befindliche Pos. 1.2 bis 1.6, drei Plastiksäcke und zwei
Bundesordner) werden nach Eintritt der Rechtskraft dem Beschuldigten her-
ausgegeben.
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6. Das mit Verfügung vom 30./31. Juli 2008 gesperrte, ehemals bei der
F._ Bank und nun bei der Gerichtskasse befindliche Guthaben des Be-
schuldigten wird eingezogen und nach Eintritt der Rechtskraft an die Privat-
klägerin 1, D._ AG, ..., herausgegeben.
7. Es wird keine Ersatzforderung festgesetzt.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin 1 USD 21'861'892, zu-
züglich 5 % Zins seit dem 25. Juli 2008, zu bezahlen, unter Anrechnung des
eingezogenen und an die Privatklägerin 1 herauszugebendes Guthaben des
Beschuldigten gemäss Dispositiv-Ziff. 6.
Im Mehrbetrag werden die Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 1
abgewiesen.
9. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 40'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 7'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 14'417.05 Auslagen Vorverfahren
Fr. 23'551.50 amtliche Verteidigung (bereits bezahlt)
Fr. 40'565.80 amtliche Verteidigung (noch zu bezahlen)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt, davon ausgenommen sind die Kosten der amtli-
chen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135
Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
11. Die amtliche Verteidigung wird mit Fr. 64'117.30, inkl. MwSt., entschädigt,
wovon bereits Fr. 23'551.50 ausbezahlt wurden.
12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägerinnen 1 und 2 – unter so-
lidarischer Haftung mit den Beschuldigten C._ (Prozess-Nr. DG130040-
C) und B._ (Prozess-Nr. DG130041-C) nach Massgabe der diesen bei-
den Beschuldigten auferlegten Entschädigung – eine Parteientschädigung
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von je Fr. 25'000.–, zuzüglich 8 % MwSt., zusammen also Fr. 50'000.–, zu-
züglich 8 % MwSt., zu bezahlen.
13. (Mitteilungen)
14. (Rechtsmittel)
Urteil der Vorinstanz in Sachen B._
(Urk. 110/73/3 S. 191 ff.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Gehilfenschaft zu Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 25 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt A); sowie
− der Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung im
Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB in Verbindung mit Art. 25
StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt E).
2. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen von den Vor-
würfen,
− der Urkundenfälschung bzw. der Gehilfenschaft dazu (Anklagesach-
verhaltsabschnitt F);
− des Gebrauchs einer gefälschten Urkunde im Sinne von Art. 251 Ziff. 1
Abs. 1 und 3 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt F); sowie
− der mehrfachen Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Geschäfts-
besorgung (Anklagesachverhaltsabschnitte D und F).
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 360 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 10.–,
wovon ein Tagessatz durch Haft erstanden ist.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
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5. Die mit den Verfügungen der Anklägerin vom 18. Februar 2009 beschlag-
nahmten Unterlagen (in der Kiste 7 befindliche drei Plastikbeutel, Pos. 1/1-3,
in den Kisten 8 bis 10 befindliche Ordner und Plastikbeutel, Pos. 5/1-8, 5/10-
33 u. 5/35 u. 36, sowie in der Kiste 11 befindliche, verschiedene Sichtmäpp-
chen in einem Plastiksack, Pos. 4/1, 4/2 u. 4/4-6, sowie gelber, blauer und
schwarzer Bundesordner, Pos. 2/2-3 und Pos. 4/3) werden nach Eintritt der
Rechtskraft dem Beschuldigten herausgegeben.
6. Die folgenden mit Verfügung vom 30./31. Juli 2008 gesperrten, ehemals bei
der F._ Bank und nun bei der Gerichtskasse befindlichen Vermögens-
werte werden eingezogen und – unter nachfolgendem Vorbehalt – an die
Privatklägerin 1, D._ AG, ..., herausgegeben:
− Guthaben aus der ehemaligen Kundenbeziehung Nr. ...,
G1._ SA;
− Guthaben aus der ehemaligen Kundenbeziehung Nr. ...,
"...";
− Guthaben aus der ehemaligen Kundenbeziehung Nr. ...,
"...".
Es wird vorgemerkt, dass die ersten beiden Guthaben, jenes der G1._
SA und des Beschuldigten, "...", von der Staatsanwaltschaft Genf (Verfahren
P/20701/2010) mit Verfügung vom 26. September 2012 beschlagnahmt
wurden und weiterhin gesperrt bleiben. Die Herausgabe an die Privatkläge-
rin 1 erfolgt erst nach rechtskräftiger Aufhebung der Beschlagnahme.
7. Von dem mit Verfügung vom 22. August 2008 bei der H._ gesperrten
CHF-Kontokorrent Private des Beschuldigten, Nr. ..., werden Fr. 6'850.–
eingezogen und an die Privatklägerin 1, D._ AG, ..., herausgegeben.
Der Überbetrag wird zur Deckung der Verfahrenskosten herangezogen.
Die H._ AG (..., ... [Adresse]) wird angewiesen, dieses Konto zu saldie-
ren und den Saldo nach Abzug ihrer Gebühren der Bezirksgerichtskasse
Bülach zu überweisen.
- 7 -
8. Das mit Verfügung vom 22. August 2008 bei der H._ gesperrte Konto
Nr. ..., G._ Holding AG, wird zur Deckung der Verfahrenskosten heran-
gezogen.
Die H._ AG (..., ... [Adresse]) wird angewiesen, dieses Konto zu saldie-
ren und den Saldo nach Abzug ihrer Gebühren der Bezirksgerichtskasse
Bülach zu überweisen.
9. Die mit Verfügung vom 22. August 2008 bei der H._ angeordnete Sper-
rung der Bankbeziehung Nr. ..., I._, wird aufgehoben und die Bankbe-
ziehung freigegeben.
10. Die folgenden mit Verfügung vom 17. Februar 2009 bei der J._ gesperr-
ten Vermögenswerte werden zur Deckung der Verfahrenskosten herange-
zogen.
− Konto Nr. ..., G._ Holding AG;
− EUR-Kontokorrent Nr. ... des Beschuldigten
Die J._ (Geschäftsstelle ... [Adresse]) wird angewiesen, diese Konti zu
saldieren und den Saldo nach Abzug ihrer Gebühren der Bezirksgerichts-
kasse Bülach zu überweisen.
11. Es wird keine Ersatzforderung festgesetzt.
12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, unter solidarischer Haftung mit dem Mit-
beschuldigten C._, der Privatklägerin 1, D._ AG, ..., USD
751'060.–, zuzüglich 5 % Zins seit dem 25. Juli 2008, zu bezahlen, unter An-
rechnung der eingezogenen und an die Privatklägerin 1 herauszugebenden
Vermögenswerte des Beschuldigten gemäss Dispositiv-Ziff. 6 und 7.
Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren abgewiesen.
13. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
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Fr. 25'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 60.– Auslagen Vorverfahren
Fr. 54'987.20 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
14. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten zu 66 % auferlegt und vorab mit der Entschädigung für die
erbetene Verteidigung verrechnet (Dispositiv-Ziff. 16) sowie weiter teilweise
von den freigegebenen Vermögenswerten bezogen (Dispositiv-Ziff. 7, 8 und
10). Im Umfang von 34 % wurden die Kosten auf die Gerichtskasse ge-
nommen.
Von der Kostenauflage ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Vertei-
digung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4
StPO zu 66 % (Fr. 36'291.55) und definitiv zu 34 % (Fr. 18'695.65) von der
Staatskasse übernommen werden.
15. Die amtliche Verteidigung wird mit Fr. 54'987.20, inkl. MwSt., entschädigt.
16. Dem Beschuldigten wird für das Strafverfahren eine Entschädigung von
Fr. 5'571.10, inkl. MwSt., zugesprochen, welche mit den ihm auferlegten
Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (Dispositiv-Ziff.
13 und 14) verrechnet werden, soweit diese Kosten nicht von den freige-
gebenen Vermögenswerten gedeckt werden (Dispositiv-Ziff. 7, 8 und 10).
17. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägerinnen 1 und 2 – unter so-
lidarischer Haftung mit den Beschuldigten A._ (Prozess-Nr. DG130039-
C) und C._ (Prozess-Nr. DG130040-C) nach Massgabe der diesen bei-
den Beschuldigten auferlegten Entschädigung – eine Parteientschädigung
von je Fr. 16'500.–, zuzüglich 8 % MwSt., zusammen also Fr. 33'000.–, zu-
züglich 8 % MwSt., zu bezahlen.
18. (Mitteilungen)
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19. (Rechtsmittel)
Urteil der Vorinstanz in Sachen C._:
(Urk. 112/79/1 S. 183 ff.)
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Gehilfenschaft zu Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 25 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt A);
− der Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung im
Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB in Verbindung mit Art. 25
StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt E); sowie
− des Gebrauchs einer gefälschten Urkunde im Sinne von Art. 251 Ziff. 1
Abs. 1 und 3 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt F).
2. Der Beschuldigte ist nicht schuldig und wird freigesprochen von den Vor-
würfen
− der mehrfachen Urkundenfälschung bzw. der Teilnahme dazu (Ankla-
gesachverhaltsabschnitte B, C und F); sowie
− der mehrfachen Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Geschäfts-
besorgung (Anklagesachverhaltsabschnitte D und F).
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 18 Monaten Freiheitsstrafe.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
5. Die mit den beiden Verfügungen der Anklägerin vom 18. Februar 2009 be-
schlagnahmten Unterlagen (in Kiste 11 befindliche, verschiedene Sicht-
mäppchen in einem Plastiksack, Pos. 4/1, 4/2 u. 4/4-6, sowie gelber, blauer
und schwarzer Bundesordner, Pos. 2/2-3 und Pos. 4/3) werden nach Eintritt
der Rechtskraft dem Beschuldigten herausgegeben.
6. Die folgenden mit Verfügung vom 30./31. Juli 2008 gesperrten, ehemals bei
der F._ Bank und nun bei der Gerichtskasse befindlichen Vermögens-
- 10 -
werte werden eingezogen und – unter nachfolgendem Vorbehalt – an die
Privatklägerin 1, D._ AG, ..., herausgegeben:
− Guthaben aus der ehemaligen Kundenbeziehung Nr. ...,
G1._ SA
− Guthaben aus dem ehemaligen USD-Konto Nr. ...,
"..."
Es wird vorgemerkt, dass diese Guthaben von der Staatsanwaltschaft Genf
(Verfahren P/20701/2010) mit Verfügung vom 26. September 2012 be-
schlagnahmt wurden und weiterhin gesperrt bleiben. Die Herausgabe an die
Privatklägerin 1 erfolgt erst nach rechtskräftiger Aufhebung der Beschlag-
nahme.
7. Die folgenden mit Verfügung vom 30./31. Juli 2008 gesperrten, ehemals bei
der F._ Bank und nun bei der Gerichtskasse befindlichen Vermögens-
werte werden, nach Abzug der Verfahrenskosten (Dispositiv-Ziff. 13) und un-
ter nachfolgendem Vorbehalt, an den Beschuldigten herausgegeben:
− Guthaben aus dem ehemaligen CHF-Konto Nr. ..., "..."
− Guthaben aus dem ehemaligen EUR-Konto Nr. ..., "..."
Es wird vorgemerkt, dass diese Guthaben von der Staatsanwaltschaft Genf
(Verfahren P/20701/2010) mit Verfügung vom 26. September 2012 be-
schlagnahmt wurden und weiterhin gesperrt bleiben. Die Herausgabe an
den Beschuldigten sowie der Beizug zur Deckung der Verfahrenskosten er-
folgt erst nach rechtskräftiger Aufhebung der Beschlagnahme.
8. Die folgenden mit Verfügung vom 22. August 2008 bei der H._ gesperr-
ten Vermögenswerte werden, nach Abzug der Verfahrenskosten an den Be-
schuldigten herausgegeben:
− Konto Nr. ..., G._ Holding AG
− Bankbeziehung Nr. ...
− Bankbeziehung Nr. ....
- 11 -
Die H._ AG (..., ... [Adresse]) wird angewiesen, diese Konti zu saldie-
ren und den Saldo nach Abzug ihrer Gebühren der Bezirksgerichtskasse
Bülach zu überweisen.
9. Das mit Verfügung vom 17. Februar 2009 bei der J._ gesperrte Konto
Nr. ..., G._ Holding AG, wird zur Deckung der Verfahrenskosten ver-
wendet.
Die J._ (Geschäftsstelle ... [Adresse]) wird angewiesen, dieses Konto
zu saldieren und den Saldo nach Abzug ihrer Gebühren der Bezirksgerichts-
kasse Bülach zu überweisen.
10. Es wird keine Ersatzforderung festgesetzt.
11. Der Beschuldigte wird verpflichtet, unter solidarischer Haftung mit dem Mit-
beschuldigten B._, der Privatklägerin 1, D._ AG, ..., USD
751'060.–, zuzüglich 5 % Zins seit dem 25. Juli 2008, zu bezahlen, unter An-
rechnung der eingezogenen und an die Privatklägerin 1 herauszugebenden
Vermögenswerte des Beschuldigten gemäss Dispositiv-Ziff. 6.
Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren abgewiesen.
12. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 30'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 46'662.50 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten zu 70 % auferlegt und vorab mit der Entschädigung für die
erbetene Verteidigung verrechnet (Dispositiv-Ziff. 15) sowie weiter von den
freigegebenen Vermögenswerten bezogen (Dispositiv-Ziff. 7, 8 und 9). Im
Umfang von 30 % werden die Kosten auf die Gerichtskasse genommen.
Von der Kostenauflage ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Vertei-
digung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4
- 12 -
StPO zu 70 % (Fr. 32'663.75) und definitiv zu 30 % (Fr. 13'998.75) von der
Staatskasse übernommen werden.
14. Die amtliche Verteidigung wird mit Fr. 46'662.50, inkl. MwSt., entschädigt.
15. Dem Beschuldigten wird für das Strafverfahren eine Entschädigung von
Fr. 5'670.–, inkl. MwSt., zugesprochen, welche mit den ihm auferlegten Kos-
ten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (Dispositiv-Ziff. 12
und 13) verrechnet werden, soweit diese Kosten nicht von den freigegebe-
nen Vermögenswerten gedeckt werden (Dispositiv-Ziff. 7, 8 und 9).
16. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägerinnen 1 und 2 – unter so-
lidarischer Haftung mit den Beschuldigten A._ (Prozess-Nr. DG130039-
C) und B._ (Prozess-Nr. DG130041-C) nach Massgabe der diesen bei-
den Beschuldigten auferlegten Entschädigung – eine Parteientschädigung
von je Fr. 17'500.–, zuzüglich 8 % MwSt., zusammen also Fr. 35'000.–, zu-
züglich 8 % MwSt., zu bezahlen.
17. (Mitteilungen)
18. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 92 S. 1)
1. In Gutheissung der Berufung seien die Dispositiv-Ziffer 1, 3, 4, 6, 8, 10
(erster Halbsatz) und 12 des angefochtenen Urteils aufzuheben und
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2. A._ sei vollumfänglich freizusprechen;
Eventuell sei das Verfahren in sämtlichen Anklagepunkten gestützt auf
Art. 329 Abs. 4 StPO einzustellen;
Subeventuell sei A._ milde, jedenfalls mit einer den vollbedingten
Strafvollzug erlaubenden Freiheitsstrafe (unter Gewährung des beding-
ten Strafvollzugs mit einer Probezeit von zwei Jahren) zu bestrafen.
3. Die Schadenersatzforderungen der Geschädigten seien abzuweisen,
eventuell seien sie auf den Zivilweg zu verweisen.
4. Auf das Begehren um Zusprechung einer Parteientschädigung an die
Privatkläger sei nicht einzutreten, eventuell sei es abzuweisen.
5. Der sich ursprünglich bei der Bank F._ und heute bei der Ge-
richtskasse befindliche Betrag von CHF 28'474.05 sei dem Beschuldig-
ten A._ herauszugeben.
6. Dem Beschuldigten A._ sei für die erlittene Haftdauer eine Genug-
tuung von CHF 7'000.00 aus der Staatskasse auszurichten.
7. Die Kosten des gesamten Strafverfahrens (d.h. auch das Berufungs-
verfahren), inklusive derjenigen der amtlichen Verteidigung, seien auf
die Staatskasse zu nehmen.
8. Dem Beschuldigten A._ sei für den im Zusammenhang mit der er-
betenen Verteidigung (18.09.2008-20.04.2010) entstandenen Aufwand
eine Prozessentschädigung von CHF 22'598.00 (zuzüglich 7.6 %
MWST) aus der Staatskasse auszurichten.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten B._:
(Urk. 93 S. 15)
1. Es sei der Beschuldigte umfassend von den angeklagten Delikten frei-
zusprechen.
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2. Es sei auf die mehrfache Urkundenfälschung, begangen durch die
Verwendung des AMFA C nicht einzutreten.
3. Die beschlagnahmten Vermögenswerte seien dem Beschuldigten um-
gehend freizugeben.
4. Es sei festzustellen, dass der Antrag auf Festsetzung einer Ersatzfor-
derung rechtskräftig abgewiesen wurde.
5. Es sei der amtliche Verteidiger gemäss der eingereichten Honorarnote
unter Berücksichtigung der heutigen Tagfahrt zu entschädigen.
6. Es seien die Kosten des Verfahrens sowie des amtlichen Verteidigers
auf die Staatskasse zu nehmen.
7. Es seien die Zivilforderungen der Geschädigten abzuweisen.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten C._:
(Urk. 95 S. 2)
1. Der Beschuldigte C._ sei umfassend freizusprechen.
Ziffer 1 des Urteilsdispositivs sei daher vollumfänglich aufzuheben.
2. Ziffer 3 des angegriffenen Entscheids sei aufzuheben.
3. Infolge des Freispruchs sei Ziffer 4 des Urteilsdispositivs aufzuheben.
4. Die gemäss der Ziffern 6-9 des Urteilsdispositivs beschlagnahmten
Vermögenswerte seien dem Beschuldigten zurückzugeben.
5. Infolge des Freispruchs sei Ziffer 11 des Urteilsdispositivs im ange-
griffenen Entscheid aufzuheben. Das Schadenersatzbegehren sei voll-
umfänglich abzuweisen.
6. Ziffer 13 des angegriffenen Entscheids sei insoweit aufzuheben als
dass dem Beschuldigten 70 % der Verfahrenskosten auferlegt werden.
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7. Ziffer 16 des Urteilsdispositivs im angegriffenen Entscheid sei aufzuhe-
ben.
8. Der amtliche Verteidiger sei zu entschädigen.
d) Der Staatsanwaltschaft:
(Prot. II S. 28)
Bestätigung der vorinstanzlichen Urteile.
e) Der Privatklägerschaft:
Im Verfahren A._
(Prot. II S. 22)
Die Berufung des Beschuldigten A._ sei vollumfänglich abzuweisen.
Im Verfahren B._
(Prot. II S. 20 i.V.m. Urk. 83 S. 2 f. im Verfahren SB140439)
1. Dispositiv Ziff. 1, 3. Lemma, sei wie folgt abzuändern (Änderung
kursiv):
Der Beschuldigte ist schuldig
− [unverändert]
− [unverändert]
− des mehrfachen Gebrauchs einer gefälschten Urkunde im Sinne
von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB (Anklagesachverhalt F)
2. Dispositiv Ziff. 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der
Beschuldigte sei (auch) schuldig zu sprechen betreffend die Vorwürfe:
- der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne der Herstellung ei-
ner gefälschten Urkunde bzw. der Teilnahme dazu (Anklagesach-
verhaltsabschnitte B, C und F); sowie
- der mehrfachen Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Ge-
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schäftsbesorgung (Anklagesachverhaltsabschnitte D und F).
3. Dispositiv Ziff. 12 Abs. 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben
und es sei der Beschuldigte ergänzend zu Dispositiv Ziff. 12 Abs. 1 zu
verpflichten, der Privatklägerin, unter solidarischer Haftung mit den
Mitbeschuldigten A._ und B._, USD 20'386'892.00 (Verlust
aus dem Erwerb der Structured Notes) zu bezahlen.
Im Verfahren C._
(Prot. II S. 20 i.V.m. Urk. 87 S. 2 f. im Verfahren SB140440)
1. Dispositivziffer 1, 3. Lemma, sei wie folgt abzuändern (Änderung
kursiv):
Der Beschuldigte ist schuldig:
− [unverändert] − [unverändert]
− des mehrfachen Gebrauchs einer gefälschten Urkunde im Sinne
von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB (Anklagesachverhalt F)
2. Dispositiv Ziff. 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und der
Beschuldigte sei (auch) schuldig zu sprechen betreffend die Vorwürfe:
− der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne der Herstellung ei-
ner gefälschten Urkunde bzw. der Teilnahme dazu (Anklagesach-
verhaltsabschnitte B, C und F); sowie
− der mehrfachen Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Ge-
schäftsbesorgung (Anklagesachverhaltsabschnitte D und F).
3. Dispositiv Ziff. 7 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und die
folgenden mit Verfügung vom 30./31. Juli 2008 gesperrten, ehemals
bei der F._ Bank und nun bei der Gerichtskasse befindlichen
Vermögenswerte:
− Guthaben aus dem ehemaligen CHF-Konto Nr. ..., "..."
− Guthaben aus dem ehemaligen EUR-Konto Nr. ..., "..."
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seien im Hinblick auf die Durchsetzung der Ersatzforderung gemäss
nachstehend Ziff. 5 beschlagnahmt zu halten bis die Ersatzforderung in
diese Vermögenswerte vollstreckt ist.
4. Dispositiv Ziff. 8 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und die
folgenden mit Verfügung vom 22. August 2008 bei der H._ ge-
sperrten, ehemals bei der F._ Bank und nun an die Gerichtskasse
des
Bezirksgerichtes Bülach herauszugebenden:
− Konto Nr. ..., G._ Holding
− Bankbeziehung Nr. ...
− Bankbeziehung Nr. ...
seien im Hinblick auf die Durchsetzung der Ersatzforderung gemäss
nachstehend Ziff. 5 beschlagnahmt zu halten bis die Ersatzforderung in
diese Vermögenswerte vollstreckt ist.
5. a) Dispositiv Ziff. 10 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und es
sei eine Ersatzforderung in der Höhe von CHF 2'460'679.50 (eventuali-
ter USD 2'518'037.00) auszusprechen.
b) Die Ersatzforderung sei der Privatklägerin zuzusprechen.
6. Dispositiv Ziff. 11 Abs. 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und
es sei der Beschuldigte ergänzend zu Dispositiv Ziff. 11 Abs. 1 zu ver-
pflichten, der Privatklägerin, unter solidarischer Haftung mit den Mitbe-
schuldigten A._ und B._, USD 20'386'892.00 (Verlust aus dem
Erwerb der Structured Notes) zu bezahlen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung in Sachen A._:
1. Mit vorinstanzlichem Urteil vom 15. Juli 2014 wurde der Beschuldigte fol-
gender Delikte schuldig gesprochen (Dispositivziffer 1): des Betruges im Sinne
- 18 -
von Art. 146 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt A), der qualifizierten un-
getreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB
(Anklagesachverhaltsabschnitt D), der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne
von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt E) sowie der
mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 2 StGB
(Anklagesachverhaltsabschnitte B, C und F). Hierfür wurde er mit einer Freiheits-
strafe von 34 Monaten (abzüglich 23 Tage Haft) bestraft (vorinstanzliche Disposi-
tivziffer 3), wobei deren Vollzug im Umfang von 22 Monaten aufgeschoben wurde
(Probezeit: zwei Jahre; Dispositivziffer 4). Freigesprochen wurde der Beschuldigte
von einer weiteren qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt F; Dispositiv-
ziffer 2).
Weiter wurde angeordnet, dass die mit Verfügung der Anklägerin vom 8. Januar
2009 beschlagnahmten Unterlagen (in Kiste 6 befindliche Pos. 1.2 bis 1.6, drei
Plastiksäcke und zwei Bundesordner) – nach Eintritt der Rechtskraft – dem Be-
schuldigten herauszugegeben sind (Dispositivziffer 5) sowie dass das mit Ver-
fügung vom 30./31. Juli 2008 gesperrte, ehemals bei der F._ Bank und nun
bei der Gerichtskasse befindliche Guthaben des Beschuldigten einzuziehen und –
ebenfalls nach Eintritt der Rechtskraft – an die Privatklägerin 1, D._
AG, ..., herauszugegeben ist (Dispositivziffer 6).
Ersatzforderungen wurden keine festgesetzt (Dispositivziffer 7). Der Beschuldigte
wurde sodann verpflichtet, der Privatklägerin 1 USD 21'861'892, zuzüglich 5 %
Zins seit dem 25. Juli 2008, zu bezahlen, unter Anrechnung des eingezogenen
und an die Privatklägerin 1 herauszugebenden Guthabens des Beschuldigten
gemäss Dispositiv-Ziff. 6; im Mehrbetrag wurden die Schadenersatzbegehren der
Privatklägerin 1 abgewiesen (Dispositivziffer 8).
Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens wurden dem Be-
schuldigten auferlegt, davon ausgenommen wurden die Kosten der amtlichen
Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4
StPO auf die Gerichtskasse genommen wurden (Dispositivziffer 10).
- 19 -
Die amtliche Verteidigung wurde mit Fr. 64'117.30, inkl. MwSt., entschädigt, wobei
festgehalten wurde, dass bereits Fr. 23'551.50 ausbezahlt wurden (Dispositivziffer
11).
Der Beschuldigte wurde verpflichtet, den Privatklägerinnen 1 und 2 – unter solida-
rischer Haftung mit den Beschuldigten C._ (Prozess-Nr. DG130040-C) und
B._ (Prozess-Nr. DG130041-C) nach Massgabe der diesen beiden Beschul-
digten auferlegten Entschädigung – eine Parteientschädigung von je Fr. 25'000.–,
zuzüglich 8 % MwSt., zusammen also Fr. 50'000.–, zuzüglich 8 % MwSt., zu be-
zahlen (Dispositivziffer 12).
2. Gegen dieses Urteil, das den Parteien am 21. Juli 2014 im Dispositiv zuging
(Urk. 57A), meldeten der Beschuldigte (am 23. Juli 2014; Urk. 60), die
Privatklägerschaft (am 24. Juli 2014; Urk. 61) und die Staatsanwaltschaft (am
28. Juli 2014; Urk. 64) allesamt innert der zehntägigen Frist von Art. 399 Abs. 1
StGB Berufung an. Das begründete Urteil wurde den Parteien am 16. September
2014 zugestellt (Urk. 70). Die Berufungserklärung des Beschuldigten erfolgte in-
nert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO am 1. Oktober 2014
(Urk. 74). Mit Eingabe vom 2. Oktober 2014 zog die Staatsanwaltschaft ihre Beru-
fungsanmeldung zurück (Urk. 76). Die Privatklägerschaft reichte innert Frist keine
Berufungserklärung ein.
Mit Präsidialverfügung vom 15. Oktober 2014 wurde die Berufungserklärung des
Beschuldigten der Privatklägerschaft, der Staatsanwaltschaft sowie den einzie-
hungsbetroffenen Drittpersonen zugestellt, um diesen zu ermöglichen, allenfalls
Anschlussberufung zu erheben oder begründet ein Nichteintreten zu beantragen
(Art. 400 Abs. 3 StPO; Art. 401 StPO); gleichzeitig wurde dem Beschuldigten, der
Privatklägerschaft sowie den einziehungsbetroffenen Drittpersonen die Rück-
zugserklärung der Staatsanwaltschaft zugestellt (Urk. 78; Prot. II S. 2 f.). Mit Ein-
gabe vom 3. November beantragte der Beschuldigte, auf die Berufung der Privat-
klägerschaft sei nicht einzutreten und es sei vom Rückzug der Berufung der
Staatsanwaltschaft Vormerk zu nehmen (Urk. 80).
- 20 -
Mit Beschluss vom 1. Dezember 2014 trat das Obergericht auf die Berufung der
Privatklägerschaft nicht ein und nahm vom Rückzug der Berufung der Staatsan-
waltschaft Vormerk (Urk. 82; Prot. II S. 4 f.).
3. Am 29. September 2015 wurde auf den 4., 7. und 10. Dezember 2015 zur
Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 84).
4. Gemäss der Berufungserklärung vom 1. Oktober 2014 (Urk. 74) richtet sich
die Berufung des Beschuldigten gegen das gesamte vorinstanzliche Urteil mit
Ausnahme der Dispositivziffern 2 (Teilfreispruch), 5 (Herausgabe beschlagnahm-
ter Unterlagen an den Beschuldigten) und 7 (Nichtfestsetzung einer Ersatzforde-
rung). Als nicht angefochten erweisen sich bei näherer Betrachtung auch die Dis-
positivziffern 9 und 11. Mit Eingabe vom 2. Oktober 2014 zog die Staatsanwalt-
schaft die von ihr angemeldete Berufung zurück (Urk. 76). Mit Beschluss vom
1. Dezember 2014 wurde auf die Berufung der Privatklägerschaft nicht ein-
getreten (Urk. 82).
Damit sind im vorliegenden Berufungsverfahren folgende Dispositivziffern des
vorinstanzlichen Urteils zu überprüfen (Art. 399 Abs. 4 StPO; Art. 404 Abs. 1
StPO): 1, 3, 4, 6, 8, 10 und 12. Im Übrigen (mit Bezug auf die Dispositivziffern 2,
5, 7, 9 und 11) ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwachsen (Art. 404
Abs. 1 StPO; vgl. Prot. II S. 6 f.), was vorab festzustellen ist.
II. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung in Sachen B._:
1. Mit vorinstanzlichem Urteil vom 15. Juli 2014 wurde der Beschuldigte fol-
gender Delikte schuldig gesprochen (Dispositivziffer 1): der Gehilfenschaft zu Be-
trug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB (Anklage-
sachverhaltsabschnitt A) sowie der Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Ge-
schäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB in Verbindung
mit Art. 25 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt E). Hierfür wurde der Beschuldig-
te mit einer bedingten Geldstrafe von 360 Tagessätzen (abzüglich eines durch
Haft erstandenen Tagessatzes) zu Fr. 10.-- bestraft, wobei die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt wurde (Dispositivziffern 3 und 4).
- 21 -
Freigesprochen wurde der Beschuldigte von den Vorwürfen der Urkunden-
fälschung bzw. der Gehilfenschaft dazu (Anklagesachverhaltsabschnitt F), des
Gebrauchs einer gefälschten Urkunde im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 3
StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt F) sowie der mehrfachen Gehilfenschaft zu
qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung (Anklagesachverhaltsabschnitte
D und F; zum Ganzen: Dispositivziffer 2).
Weiter traf die Vorinstanz Anordnungen betreffend die Herausgabe beschlag-
nahmter Unterlagen an den Beschuldigten (Dispositivziffer 5) sowie betreffend
Einziehung bzw. Herausgabe gesperrter Vermögenswerte (Dispositivziffern 6-10).
Ersatzforderungen wurden keine festgesetzt (Dispositivziffer 11).
Sodann wurde der Beschuldigte verpflichtet, (unter solidarischer Haftung mit dem
Mitbeschuldigten C._) der Privatklägerin 1, D._ AG, ..., USD 751'060.–,
zuzüglich 5 % Zins seit dem 25. Juli 2008, zu bezahlen, unter Anrechnung der
eingezogenen und an die Privatklägerin 1 herauszugebenden Vermögenswerte
des Beschuldigten gemäss Dispositivziffern 6 und 7; im Mehrbetrag wurde das
Schadenersatzbegehren abgewiesen (Dispositivziffer 12).
Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens wurden dem Be-
schuldigten zu 66 % auferlegt und vorab mit der Entschädigung für die erbetene
Verteidigung verrechnet (Dispositivziffer 14 i.V.m. Dispositivziffer 16) sowie weiter
teilweise von den freigegebenen Vermögenswerten bezogen (Dispositivziffer 14
i.V.m. Dispositivziffern 7, 8 und 10). Im Umfang von 34 % wurden die Kosten auf
die Gerichtskasse genommen.
Von der Kostenauflage ausgenommen wurden die Kosten der amtlichen Verteidi-
gung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO zu
66 % (Fr. 36'291.55) und definitiv zu 34 % (Fr. 18'695.65) von der Staatskasse
übernommen wurden (Dispositivziffer 14).
Dem Beschuldigten wurde für das Strafverfahren eine Entschädigung von
Fr. 5'571.10, inkl. MwSt., zugesprochen, welche mit den ihm auferlegten Kosten
der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (Dispositivziffern 13 und 14)
- 22 -
verrechnet wurde, soweit diese Kosten nicht von den freigegebenen Vermögens-
werten gedeckt wurden (Dispositivziffer 16 i.V.m. Dispositivziffern 7, 8 und 10).
Der Beschuldigte wurde weiter verpflichtet, den Privatklägerinnen 1 und 2 – unter
solidarischer Haftung mit den Beschuldigten A._ (Prozess-Nr. DG130039-C)
und C._ (Prozess-Nr. DG130040-C) nach Massgabe der diesen beiden Be-
schuldigten auferlegten Entschädigung – eine Parteientschädigung von je Fr.
16'500.–, zuzüglich 8 % MwSt., zusammen also Fr. 33'000.–, zuzüglich 8 %
MwSt., zu bezahlen (Dispositivziffer 17).
2. Gegen dieses Urteil, das den Parteien am 21. Juli 2014 im Dispositiv zuging
(Urk. 62A), meldeten die Privatklägerschaft (am 24. Juli 2014; Urk. 110/66), der
Beschuldigte (ebenfalls am 24. Juli 2014; Urk. 110/65) und die Staatsanwaltschaft
(am 28. Juli 2014; Urk. 110/69) allesamt innert der zehntägigen Frist von Art. 399
Abs. 1 StPO Berufung an. Das begründete Urteil wurden den Parteien am
16. September 2014 zugestellt (Urk. 110/75). Die Berufungserklärungen des Be-
schuldigten (mit Datum vom 3. Oktober 2014) sowie der Privatklägerschaft (mit
Datum vom 6. Oktober 2014) erfolgten innert der zwanzigtägigen Frist von
Art. 399 Abs. 3 StPO (Urk. 110/81 und 83). Mit Eingabe vom 2. Oktober 2010 zog
die Staatsanwaltschaft ihre Berufungsanmeldung zurück (Urk. 110/79). Davon ist
Vormerk zu nehmen.
Mit Präsidialverfügung vom 15. Oktober 2014 wurde die Berufungserklärung des
Beschuldigten der Privatklägerschaft, der Staatsanwaltschaft sowie den einzie-
hungsbetroffenen Drittpersonen zugestellt, um diesen zu ermöglichen, allenfalls
Anschlussberufung zu erheben oder begründet ein Nichteintreten zu beantragen
(Art. 400 Abs. 3 StPO; Art. 401 StPO); gleichzeitig wurde dem Beschuldigten, der
Staatsanwaltschaft sowie den einziehungsbetroffenen Drittpersonen die Beru-
fungserklärung der Privatklägerschaft zum vorgenannten Zweck zugestellt; weiter
wurde dem Beschuldigten, der Privatklägerschaft sowie den einziehungsbetroffe-
nen Drittpersonen die Rückzugserklärung der Staatsanwaltschaft zugestellt
(Urk. 110/85; Prot. II S. 2). Mit Eingabe vom 4. November 2014 erklärte der Be-
schuldigte auf eine Anschlussberufung zu verzichten (Urk. 110/87).
- 23 -
3. Am 29. September 2015 wurde auf den 4., 7. und 10. Dezember 2015 zur
Berufungsverhandlung vorgeladen (Urk. 110/98). Der Beschuldigte B._ wur-
de in der Folge vom persönlichen Erscheinen dispensiert (Prot. II S. 6 und 12).
4. Gemäss Berufungserklärung vom 3. Oktober 2014 (Urk. 110/81) richtet sich
die Berufung des Beschuldigten gegen das gesamte vorinstanzliche Urteil mit
Ausnahme der Dispositivziffern 2 (Teilfreispruch), 5 (Herausgabe von beschlag-
nahmten Unterlagen an den Beschuldigten), 9 (Aufhebung Kontosperre und Frei-
gabe der Bankbeziehung), 11 (Nichtfestsetzung einer Ersatzforderung) und
13 (Kostenfestsetzung).
Die Berufung der Privatklägerschaft richtet sich gemäss Berufungserklärung vom
6. Oktober 2014 (Urk. 110/83) gegen die Dispositivziffern 1 (beantragt wird ein
Schuldspruch wegen mehrfachen Gebrauchs einer gefälschten Urkunde), 2 (Teil-
freispruch) und 12 (Zivilansprüche der Privatklägerschaft).
Damit sind im vorliegenden Berufungsverfahren die folgenden Dispositivziffern
des vorinstanzlichen Urteils zu überprüfen (Art. 399 Abs. 4 StPO; Art. 404 Abs. 1
StPO): 1, 2, 3, 4, 6, 7, 8, 10, 12, 14, 16 und 17; im Übrigen (mit Bezug auf die
Dispositivziffern 5, 9, 11, 13 und 15) ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft
erwachsen (Art. 404 Abs. 1 StPO; vgl. Prot. II S. 7 f.), was vorab festzustellen ist.
III. Prozessgeschichte und Umfang der Berufung in Sachen C._:
1. Mit vorinstanzlichem Urteil vom 15. Juli 2014 wurde der Beschuldigte
folgender Delikte schuldig gesprochen (Dispositivziffer 1): der Gehilfenschaft zu
Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StGB (Ankla-
gesachverhaltsabschnitt A), der Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Ge-
schäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB in Verbindung
mit Art. 25 StGB (Anklagesachverhaltsabschnitt E) sowie des Gebrauchs einer
gefälschten Urkunde im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB (Anklage-
sachverhaltsabschnitt F). Hierfür wurde er mit einer bedingten Freiheitsstrafe von
18 Monaten bestraft, wobei die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt wurde (Disposi-
tivziffern 3 und 4).
- 24 -
Freigesprochen wurde der Beschuldigte von den Vorwürfen der mehrfachen Ur-
kundenfälschung bzw. der Teilnahme dazu (Anklagesachverhaltsabschnitte B, C
und F) sowie von der mehrfachen Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer
Geschäftsbesorgung (Anklagesachverhaltsabschnitte D und F; zum Ganzen:
Dispositivziffer 2).
Weiter traf die Vorinstanz Anordnungen betreffend die Herausgabe beschlag-
nahmter Unterlagen an den Beschuldigten (Dispositivziffer 5) sowie betreffend
Einziehung bzw. Herausgabe gesperrter Vermögenswerte (Dispositivziffern 6-9).
Ersatzforderungen wurden keine festgesetzt (Dispositivziffer 10).
Der Beschuldigte wurde verpflichtet, unter solidarischer Haftung mit dem Mit-
beschuldigten B._, der Privatklägerin 1, D._ AG, ..., USD 751'060.–, zu-
züglich 5 % Zins seit dem 25. Juli 2008, zu bezahlen, unter Anrechnung der ein-
gezogenen und an die Privatklägerin 1 herauszugebenden Vermögenswerte des
Beschuldigten gemäss Dispositivziffer 6 (Dispositivziffer 11).
Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens wurden dem Be-
schuldigten zu 70 % auferlegt und vorab mit der Entschädigung für die erbetene
Verteidigung verrechnet (Dispositiv-Ziff. 15) sowie weiter von den freigegebenen
Vermögenswerten bezogen (Dispositiv-Ziff. 7, 8 und 9). Im Umfang von 30 %
wurden die Kosten auf die Gerichtskasse genommen; von der Kostenauflage
ausgenommen wurden die Kosten der amtlichen Verteidigung, welche einstweilen
und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO zu 70 % (Fr. 32'663.75) und
definitiv zu 30 % (Fr. 13'998.75) von der Staatskasse übernommen wurden (Dis-
positivziffer 13).
Dem Beschuldigten wurde für das Strafverfahren eine Entschädigung von
Fr. 5'670.–, inkl. MwSt., zugesprochen, welche mit den ihm auferlegten Kosten
der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (Dispositivziffer 15 i.V.m.
Dispositivziffern 12 und 13) verrechnet wurde, soweit diese Kosten nicht von den
freigegebenen Vermögenswerten gedeckt waren (Dispositivziffer 15 i.V.m. Dispo-
sitivziffern 7, 8 und 9).
- 25 -
Ausserdem wurde der Beschuldigte verpflichtet, den Privatklägerinnen 1 und 2
– unter solidarischer Haftung mit den Beschuldigten A._ (Prozess-Nr.
DG130039-C) und B._ (Prozess-Nr. DG130041-C) nach Massgabe der die-
sen beiden Beschuldigten auferlegten Entschädigung – eine Parteientschädigung
von je Fr. 17'500.–, zuzüglich 8 % MwSt., zusammen also Fr. 35'000.–, zuzüglich
8 % MwSt., zu bezahlen (Dispositivziffer 16).
2. Gegen dieses Urteil, das den Parteien am 21. Juli 2014 im Dispositiv zuging
(Urk. 112/62A), meldeten die Privatklägerschaft (am 24. Juli 2014; Urk. 112/72),
die Staatsanwaltschaft (am 28. Juli 2014; Urk. 112/75) und der Beschuldigte (am
29. Juli 2014; Urk. 112/76) allesamt innert der zehntägigen Frist von Art. 399
Abs. 1 StPO Berufung an. Das begründete Urteil wurde den Parteien am
16. September 2014 zugestellt (Urk. 112/75). Die Berufungserklärung des Be-
schuldigten erfolgte innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO am
6. Oktober 2014 (Urk. 112/89). Ebenfalls fristgerecht erfolgte die Berufungserklä-
rung der Privatklägerschaft, welche vom 6. Oktober 2014 datiert (Urk. 112/87). Mit
Eingabe vom 2. Oktober 2014 zog die Staatsanwaltschaft ihre Berufungsanmel-
dung zurück (Urk. 112/85). Davon ist Vormerk zu nehmen.
Mit Präsidialverfügung vom 15. Oktober 2014 (Urk. 112/96) wurde der Privat-
klägerschaft, der Staatsanwaltschaft sowie den einziehungsbetroffenen Drittper-
sonen die Berufungserklärung des Beschuldigten zugestellt, um diesen zu ermög-
lichen, allenfalls Anschlussberufung zu erheben oder begründet ein Nichteintreten
zu beantragen (Art. 400 Abs. 3 StPO; Art. 401); gleichzeitig wurde dem Beschul-
digten, der Staatsanwaltschaft sowie den einziehungsbetroffenen Drittpersonen
die Berufungserklärung der Privatklägerschaft zum vorgenannten Zwecke zuge-
stellt. Weiter wurde dem Beschuldigten, der Privatklägerschaft sowie den einzie-
hungsbetroffenen Drittpersonen der Berufungsrückzug der Staatsanwaltschaft
zugestellt.
Am 29. September 2015 wurde auf den 4., 7. und 10. Dezember 2015 zur Beru-
fungsverhandlung vorgeladen (Urk. 112/109). Der Beschuldigte C._ wurde in
der Folge vom persönlichen Erscheinen dispensiert (Prot. II S. 6 und 12).
- 26 -
3. Gemäss Berufungserklärung vom 6. Oktober 2014 (Urk. 112/89) richtet sich
die Berufung des Beschuldigten gegen das gesamte vorinstanzliche Urteil mit
Ausnahme der Dispositivziffern 2 (Teilfreispruch), 5 (Herausgabe von beschlag-
nahmten Unterlagen an den Beschuldigten), 10 (Nichtfestsetzung einer Ersatz-
forderung), 12 (Kostenfestsetzung) und 14 (Entschädigung der amtlichen Vertei-
digung).
Die Berufung der Privatklägerschaft richtet sich gemäss Berufungserklärung vom
6. Oktober 2014 (Urk. 112/87) gegen die Dispositivziffern 1 (beantragt wird ein
Schuldspruch wegen mehrfachen Gebrauchs einer gefälschten Urkunde), 2 (Teil-
freispruch), 7 (Herausgabe von gesperrten Vermögenswerten an den Beschuldig-
ten), 8 (Herausgabe von gesperrten Vermögenswerten an den Beschuldigten),
10 (Nichtfestsetzung einer Ersatzforderung) und 11 (Zivilansprüche der Privat-
klägerschaft).
Damit sind im vorliegenden Berufungsverfahren folgende Dispositivziffern des
vorinstanzlichen Urteils zu überprüfen (Art. 399 Abs. 4 StPO; Art. 404 Abs. 1
StPO): 1, 2, 3, 4, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 13, 15 und 16; im Übrigen (mit Bezug auf die
Dispositivziffern 5, 12 und 14) ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft erwach-
sen (Art. 404 Abs. 1 StPO; vgl. Prot. II S. 8), was vorab festzustellen ist.
IV. Prozessvereinigung
Alle drei Beschuldigten wurden von der Vorinstanz gemeinsam abgeurteilt. Die
Untersuchungsakten sind für alle Beschuldigten dieselben. Auch die Anklage-
schrift bezieht sich auf alle drei Beschuldigten. Es besteht demnach ein enger
Sachzusammenhang zwischen den einzelnen Vorwürfen. Aus diesem Grunde
rechtfertigt es sich, die Berufungsverfahren der drei Beschuldigten zu vereinigen,
wobei das Verfahren unter der Prozess-Nr. SB140437 weiterzuführen ist und die
Prozesse Nr. SB140439 und SB140440 als durch Vereinigung erledigt abzu-
schreiben sind.
V. Prozessuale Rügen
Verletzung des Unabhängigkeitsgrundsatzes (Art. 4 StPO)
- 27 -
Die Verteidigung A._s rügt, die Staatsanwaltschaft und die Privatklägerin hät-
ten im vorliegenden Verfahren „wie ein Team“ zusammengearbeitet. Dadurch sei
der Grundsatz der Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaft verletzt (Urk. 92
Ziff. 154 ff.).
Art. 4 Abs. 1 StPO betreffend Unabhängigkeit lautet wie folgt: „Die Strafbehörden
sind in der Rechtsanwendung unabhängig und allein dem Recht verpflichtet [Her-
vorhebung hinzugefügt].“ Diese Bestimmung bezieht sich nur insoweit auf die
Strafverfolgungsbehörden, als diese rechtsprechende Funktionen ausüben (wie
beispielsweise im Strafbefehlsverfahren; BSK StPO-WIPRÄCHTIGER, 2. Aufl., N 38
zu Art. 4, mit Hinweisen). Insofern zielt die gerügte Verletzung von Art. 4 StPO
von vornherein an der Sache vorbei.
Die Verteidigung A._s rügt weiter, die Staatsanwaltschaft habe in der Ankla-
geschrift sowie in ihrem vorinstanzlichen Plädoyer eine Reihe entlastender Ur-
kunden unerwähnt gelassen. Auch dadurch habe die Staatsanwaltschaft den
Grundsatz der Unabhängigkeit verletzt. In diesem Zusammenhang verweist die
Verteidigung auf Urk. 01101453, Urk. 0610157, Urk. 0920056, Urk. 0110249 so-
wie Urk. 0110214 (Urk. 92 Ziff. 155 a.E.).
Wie bereits aus der Bezeichnung dieser Urkunden durch die Verteidigung hervor-
geht, bildeten diese Teil der Akten. Entscheidend ist, dass die Staatsanwaltschaft
den Sachverhalt untersucht; welche Beweismittel sie in der Anklage oder in ihrem
Plädoyer explizit thematisiert, ist ihrem Ermessen überlassen (hat aber unter Um-
ständen prozessuale Konsequenzen; vgl. u.a. Art. 329 Abs. 1 lit. a StPO). Die der
Anklage zu Grunde liegende Sachdarstellung soll sich mit dem mutmasslichen
Beweisergebnis nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft decken (BSK StPO-
HEIMGARTNER/NIGGLI, 2. Aufl., N 19 zu Art. 325). Hält die Staatsanwaltschaft somit
eine Behauptung für unwahr oder rechtlich nicht erheblich, braucht sie diese in
der Anklageschrift auch nicht zu erwähnen. Vor diesem Hintergrund ist nicht er-
sichtlich, weshalb vorliegend der Grundsatz der Unabhängigkeit verletzt sein soll-
te. Ebenso wenig als verletzt erweist sich dadurch der Wahrheitsgrundsatz (Art. 6
StPO). Entsprechendes gilt auch für die Rüge der Verteidigung, wonach die Ur-
kunde Urk. 01101453 im Aktenverzeichnis nicht akturiert sei, denn diese bildet,
- 28 -
wie erwähnt, gleichwohl Bestandteil der Akten. Soweit die Verteidigung schliess-
lich ins Feld führt, das „Portfolio Summary Statement“ vom 4. April 2008 (einge-
reicht vom Anwaltsbüro K._) sei von der Staatsanwaltschaft nirgends einak-
turiert worden (Urk. 92 Ziff. 155 a.E.), geht sie fehl, denn dieses Dokument ent-
spricht Urk. 0610153.
Soweit mit der vorgebrachten Kritik die Staatsanwaltschaft implizit für befangen
erachtet wird, fällt des weiteren auf, dass ein Ablehnungsbegehren bis anhin nie
gestellt wurde (vgl. Art. 56 lit. f StPO); ein derartiges Ablehnungsbegehren hätte
überdies ohnehin „ohne Verzug“ nach Kenntnisnahme eines allfälligen Ableh-
nungsgrundes gestellt werden müssen (Art. 58 Abs. 1 StPO).
Verletzung des Beschleunigungsgebots (Art. 5 StPO)
Auf die Frage der Verletzung des Beschleunigungsgebots wird im Rahmen einer
allfälligen Strafzumessung zurückzukommen sein. Eine (theoretisch mögliche)
Verfahrenseinstellung aus diesem Grunde rechtfertigt sich vorliegend nicht, da ei-
ne solche nur in ausserordentlichen krassen Fällen überhaupt in Betracht zu zie-
hen ist, was vorliegend von vornherein auszuschliessen ist.
Rüge der Unzulässigkeit bzw. Unbeachtlichkeit der vorinstanzlichen  der Staatsanwaltschaft in seiner Replik zu den Anklagepunkten
D und E sowie zum Agreement vom 3. März 2008
Die Verteidigung A._s führt weiter Folgendes ins Feld (Urk. 92 Ziff. 144 ff.):
Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung habe das Gericht die Staats-
anwaltschaft aufgefordert, ihr Plädoyer in bestimmten Anklagepunkten nachzu-
bessern, die Staatsanwaltschaft habe sich insbesondere nicht zum Agreement
vom 11. März 2008 geäussert (Prot. I S. 151 unten). Die Verteidigung beantragte
daraufhin, die Staatsanwaltschaft sei zu einem derartigen ergänzten Plädoyer
nicht zuzulassen (Prot. I S. 153 oben). Letztlich entschied die Vorinstanz, die
Staatsanwaltschaft dürfe ihr Plädoyer nicht ergänzen, es stehe ihr aber frei, im
Rahmen der Replik zu den erwähnten Punkten Stellung zu nehmen (Prot. I
- 29 -
S. 154). Die Verteidigung bestritt in ihrer vorinstanzlichen Duplik sowie auch vor
Obergericht die Zulässigkeit dieses Vorgehens (Urk. 92 Ziff. 144 ff.).
Die Anklage war – schon aufgrund der Tatsache, dass diese keine konkreten
Strafanträge aufführte – durch den Staatsanwalt vor Gericht persönlich zu vertre-
ten (Art. 337 StPO). Somit musste ein Plädoyer gehalten und Anträge gestellt und
begründet werden (art. 346 StPO). Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstan-
den, dass das Gericht den Staatsanwalt dazu aufforderte, seiner Arbeit nachzu-
kommen. Nun entschied die Vorinstanz, dass der Staatsanwalt das Plädoyer nicht
ergänzen durfte. Nach Art. 346 Abs. 2 StPO hat jede Partei das Recht auf eine
Replik. Damit steht auch fest, dass der Staatsanwalt sich in der Replik wieder zu
allen Themen äussern konnte. Die Rüge der Verteidigung ist daher unberechtigt.
Verletzung des Anklageprinzips: Keine Eventualanklage (nur Eventual-
anträge)
Die Verteidigung A._s macht geltend, die Anklage enthalte zwar Eventualan-
träge (bzw. Subeventual- bzw. Subsubeventualanträge, untermauere diese aber
nicht mit einem jeweils separat dazustellenden Lebenssachverhalt. Dadurch wer-
de das Anklageprinzip verletzt.
Art. 325 Abs. 2 StPO lautet wie folgt: „Die Staatsanwaltschaft kann eine Alter-
nativanklage oder für den Fall der Verwerfung der Hauptanklage eine Even-
tualanklage erheben.“ Die „ratio legis“ dieser Bestimmung liegt darin, der Staats-
anwaltschaft zu ermöglichen, bei unklarer Sachlage ihrer Anklage zwei ver-
schiedene Lebenssachverhalte alternativ oder eventualiter zu Grunde zu legen
(typischer Anwendungsfall: Diebstahl oder Hehlerei). Vorliegend stehen allerdings
nicht verschiedene Lebenssachverhalte zur Diskussion, sondern die rechtliche
Beurteilung ein und desselben Lebenssachverhalts. Dass mit der Subsumtion
unter die eine oder andere Norm der rechtlich erhebliche Sachverhalt teilweise
variiert (da jedes Tatbestandsmerkmal einem bestimmten Sachverhaltselement
entspricht), ändert nichts daran, dass die vorliegend (im Eventualverhältnis) zu
beurteilenden Vorgänge letztlich ein- und denselben Lebenssachverhalt betreffen.
Der Begriff des Lebenssachverhalts geht insofern weiter als derjenige des rechts-
- 30 -
erheblichen Sachverhalts, der sich stets an einer bestimmten Norm orientiert. Vor
diesem Hintergrund war die Staatsanwaltschaft vorliegend nicht gehalten, ihre
Eventualanträge mit einer separaten Sachverhaltsdarstellung zu untermauern. Ei-
ne Verletzung des Anklageprinzips liegt nicht vor.
Im Übrigen hat die Staatsanwaltschaft Haupt- und Eventualanträge (mit Ausnah-
me des vorerwähnten Subsubsubeventualantrag betreffend UWG-Verletzung;
S. 14 der Anklage) sehr wohl in sachverhaltlicher Hinsicht differenziert
(vgl. Urk. 0100325 ff. = Anklage, S. 12, S. 14, S. 24 und S. 25). Dass dabei nicht
völlig isolierte Anklagesachverhalte formuliert wurden, sondern vorab für alle
Standpunkte Gültiges ausgeführt wurde (z.B. S. 12: „zu allen Standpunkten), ist
nicht zu beanstanden.
Soweit die Verteidigung spezifische Punkte der Anklage kritisiert, wird darauf zu
Beginn der Beurteilung des jeweiligen Anklagevorwurfs zurückzukommen sein.
Unverwertbarkeit: unvollständige Deliktsvorwürfe in Vorladungen sowie zu Beginn von Einvernahmen
Die Verteidigung A._s kritisiert, im Rahmen der Untersuchung sei bei den
Vorladungen sowie zu Beginn der Einvernahmen jeweils nur auf den Vorwurf der
ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie der Veruntreuung hingewiesen worden,
nicht jedoch auf Betrug und Urkundenfälschung. Mitunter sei der Zusatz „etc.“
verwendet worden. Die Urkundenfälschung sei aber erst in der mit 13. August
2012 datierten Vorladung zur Schlusseinvernahme aufgetaucht (Urk. 1500236),
während über den Betrugsvorwurf erst zu Beginn der Schlusseinvernahme in-
formiert worden sei (Urk. 0100064 ganz oben).
Dieses Vorbringen der Verteidigung A._s trifft hinsichtlich der Urkunden-
fälschung gegenüber allen Beschuldigten zu (vgl. zum Ganzen: Ordner 23 be-
treffend Vorladungen); über den Gegenstand des Betrugs wurden B._ und
C._ demgegenüber bereits in der Vorladung zu ihren jeweiligen Schlussein-
vernahmen, die nach derjenigen A._s stattfanden, informiert (B._ aller-
- 31 -
dings erst in der Vorladung zum zweiten Teil seiner Schlusseinvernahme;
B._: Urk. 1500255; C._: Urk. 1500262).
Eine Untersuchung zeichnet sich naturgemäss dadurch aus, dass oftmals nicht
schon von Beginn weg feststeht, unter welche Strafnorm ein bestimmtes Verhal-
ten zu subsumieren sein wird. Im Besonderen trifft dies auf komplexe Wirtschafts-
strafsachen zu. Die Strafverfolgungsbehörden arbeiten in der Untersuchung typi-
scherweise mit Subsumtionshypothesen. Letztlich festlegen müssen sie sich erst
in der Anklage (Art. 325 Abs. 1 lit. g StPO). Abgesehen von bewusstem Taktieren
der Staatsanwaltschaft, für welches es vorliegend keine Anhaltspunkte gibt, ist
der Beschuldigte stets nur über die jeweiligen Subsumtionshypothesen in Kennt-
nis zu setzen. Dies gilt sowohl für die Ersteinvernahme (Art. 158 Abs. 1 lit. a
i.V.m. Abs. 2 StPO) sowie auch für die weiteren Einvernahmen (Art. 143 Abs. 1
lit. b StPO), wobei auch den grundrechtlichen Bestimmungen (insbesondere Art. 6
Abs. 3 lit. a EMRK) insofern keine weiter reichende Bedeutung zukommt. Nichts
anderes galt im Übrigen auch nach dem früheren zürcherischen Recht, das vor-
liegend auf vor dem 1. Januar 2011 erfolgte Einvernahmen Anwendung findet
(Art. 448 Abs. 2 StPO i.V.m. § 151 StPO/ZH; vgl. dazu insbes. NIKLAUS SCHMID,
in: Donatsch/Schmid (Hrsg.), Kommentar zur Strafprozessordnung des Kantons
Zürich, Loseblattsammlung, Zürich 1996, § 151 N 1 ff.). Gelangt die Staatsanwalt-
schaft im Zuge der Untersuchung zur Erkenntnis, dass ein bestimmter Lebens-
sachverhalt rechtlich anders zu qualifizieren ist, als das bislang kommuniziert
wurde, führt dies demzufolge nicht zu einer Beeinträchtigung der Verteidigungs-
rechte bzw. zu einer Unverwertbarkeit früherer Einvernahmen, vorausgesetzt, der
Beschuldigte erhält Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen und entsprechende
Beweisanträge zu stellen. Diese Möglichkeit bestand vorliegend, wurde vom Be-
schuldigten aber nicht genutzt (Urk. 010063 ff., 01 0120 unten [Schlussein-
vernahme]; Urk. 1310102 [Mitteilung gemäss Art. 318 Abs. 1 StPO). Nach dem
Gesagten zielt die erwähnte Kritik an der Sache vorbei.
VI. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
Vorwurf gemäss lit. A der Anklage (Zahlung von USD 1.5 Mio.) gegenüber A._
- 32 -
Verletzung des Anklageprinzips
Die Verteidigung A._s kritisiert, die Anklage erwähne weder die Arglist noch
die weiteren Tatbestandselemente des Betrugs. Eine Anklage hat indes nicht die
einzelnen Tatbestandselemente als solche zu enthalten, sondern lediglich die
diesen zu Grunde liegenden Tatsachen. Ebenso wenig ist erforderlich, dass die
Tatsachen in der Anklage explizit den jeweiligen Tatbestandselementen zuge-
ordnet werden.
Weiter kritisiert die Verteidigung A._s, dass im mit „Zu allen Standpunkten“
betitelten Abschnitt der Anklage unter anderem auch von Täuschungshandlungen
die Rede sei. Diese seien nur für den Betrug relevant, nicht jedoch für den Even-
tualstandpunkt der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Entgegen dem erwähnten
Titel treffe es somit gerade nicht zu, dass sich diese Ausführungen auf alle
Standpunkte beziehen würden.
Sofern von ungetreuer Geschäftsbesorgung ausgegangen wird, kommt den er-
wähnten Täuschungshandlungen in der Tat keine rechtserhebliche Bedeutung zu.
Allein deswegen wird das Anklageprinzip aber nicht verletzt.
Die Verteidigung A._s führt weiter ins Feld, die Anklage enthalte gar keine
Ausführungen zum Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung. Dies trifft nicht
zu, denn diese Ausführungen finden sich unter dem Abschnitt „Zum Eventual-
standpunkt“ in Verbindung mit dem Abschnitt „Zu allen Standpunkten“.
Schliesslich beanstandet die Verteidigung A._s, dass auf S. 11 der Anklage
subsubsubeventualiter von einer UWG-Verletzung die Rede sei, diese jedoch in
der Folge gar nicht näher begründet werde. Wie vorstehend dargelegt, bedarf es
vorliegend aber ohnehin keiner derartigen separaten Sachdarstellungen. Es ge-
nügt, dass sich der Vorwurf aus der dargestellten Sachverhaltsschilderung er-
schliessen lässt. Dies ist vorliegend der Fall.
Fazit: Nach dem Gesagten erweist sich das Anklageprinzip als nicht verletzt.
Unverwertbarkeit des Gutachtens L._
- 33 -
Die Verteidigung führt ins Feld, das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gege-
benen computertechnische Gutachten sei unverwertbar, weil die Firma, bei der
die mit dem Gutachten beauftragte Person (L._) tätig ist – zufolge eines ...
[Tageszeitung]-Artikels – gegen obligationenrechtliche Vorschriften verstossen
haben soll (fehlender Handelsregistereintrag; Urk. 92 N 148 ff.). Selbst wenn dies
der Fall wäre, ist nicht ersichtlich, weshalb deswegen auf die Unverwertbarkeit
des Gutachtens zu schliessen wäre. Im Übrigen wurde der Gutachtensauftrag oh-
nehin nicht der Firma, sondern einer natürlichen Person (L._) erteilt
(Urk. 1000001; Urk. 1000031 f.; Urk. 1000058).
Gemäss Verteidigung sei das Gutachten zudem auch deshalb unverwertbar, weil
der Gutachter in einer E-Mail Folgendes ausgeführt habe (Urk. 92 Ziff. 148 a.E.:
„Die ‚Ausbeute’ war leider nicht so gut, wie ursprünglich erhofft.“ Im Lichte dieser
Aussage müsse auf die „offensichtliche Unabhängigkeit des Gutachters geschlos-
sen werden“ (recte wohl: offensichtlich fehlende Unabhängigkeit). Da der Gutach-
ter damit beauftragt war, nach spezifischen digitalen Inhalten zu forschen, kann
aus dieser beiläufig in einer E-Mail gemachten Formulierung nicht auf seine Be-
fangenheit geschlossen werden, zumal er das Wort „Ausbeute“ selbst in Anfüh-
rungs- und Schlusszeichen gesetzt hat.
Entgegen der Verteidigung ist das Gutachten im Übrigen auch nicht unverwertbar,
weil der Gutachter Hilfspersonen beigezogen hat, ohne dazu von der Staats-
anwaltschaft explizit ermächtigt worden zu sein (Urk. 92 Ziff. 150). Einer solchen
expliziten Ermächtigung bedarf es nicht, denn der Beizug von Hilfspersonen ist
formlos zulässig (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_265/2015 vom 3.12.2015
E. 6.2.3.).
Einleitung / Terminologie
Privatklägerin 2 (E._ AG) ist die Konzernmuttergesellschaft mit Sitz in ... ZH,
bei der der Beschuldigte A._ als Group Treasurer (Konzern-Schatzmeister)
angestellt war. Das an der Schweizer Börse kotierte schwedisch-schweizerische
Unternehmen gehört zu den Weltmarktführern im Bereich Zahnimplantate und er-
- 34 -
zielte im Jahr 2007 (als die Taten gemäss Anklage begonnen haben) einen Um-
satz von EUR 666 Millionen.
Privatklägerin 1 (D._ AG) ist eine zu den Tatzeitpunkten nach dem Recht von
Curaçao [damals noch Teil der nun aufgelösten Niederländischen Antillen] unter
der Firma E1._ N.V. (in der Anklage abgekürzt mit E1._) bestehende
100%-Tochter der Privatklägerin 2 (Urk. 0110007). Mit Fusion vom 31. Januar
2012 (also nach Ende der vorliegend zu beurteilenden Taten) übernahm die
D._ AG (ebenfalls eine 100%-Tochter) mit Sitz in ... diese Gesellschaft mit
Aktiven und Passiven. Im Lichte der Anklage bildet die Privatklägerin 1 die eigent-
lich Geschädigte, da alle angeklagten Transaktionen über sie abgewickelt wurden
(Erwerb und Bezahlung von Finanzprodukten einschliesslich Beraterhonorare);
die Muttergesellschaft, also Privatklägerin 2, wurde aufgrund ihrer 100%-
Beteiligung lediglich indirekt geschädigt.
Wo die Unterscheidung zwischen Privatklägerin 1 und 2 nicht spezifisch eine Rol-
le spielt, wird nachfolgend der Einfachheit halber grundsätzlich von Privatklägerin
(ohne Zahlenzusatz) gesprochen.
Die G._ ist bzw. war ein in der Finanzberatung tätiges Zwei-Mann-
Unternehmen. Es bestand einerseits aus der G._ Holding AG mit Sitz in ...,
andererseits aus der G1._ SA mit Sitz in Panama. B._ und C._ wa-
ren beide an beiden Gesellschaften zu je 50% beteiligt und bildeten auch deren
einzige Organpersonen und massgebenden Angestellten (Urk. 0200068 betref-
fend G._ Holding; Urk. 0820003 Ziff. 8; Urk. 0830003 Ziff. 8). B._ amtete
bei der Holding als Verwaltungsratspräsident der G._ Holding, C._ als
Delegierter.
Da der Unterscheidung zwischen beiden Gesellschaften letztlich keine rechtser-
hebliche Bedeutung zukommt, wird nachfolgend grundsätzlich von G._ ge-
sprochen (demgegenüber spricht die Anklage von G1._ [G1._ SA] und
G._ [G._ Holding AG].
Anklagevorwurf
- 35 -
Im Hauptstandpunkt wirft die Anklage dem Beschuldigten A._ im Wesentli-
chen Folgendes vor: Er habe – in seiner Eigenschaft als Treasurer der Privatklä-
gerin – der von ihm beauftragten externen Finanzberatungsfirma G._ für die
Vermittlung einer Geldanlage der Privatklägerin (Erwerb einer credit-linked Note
[nachfolgend CLN] im Umfang von USD 100 Mio.) ein Honorar im Umfang von
USD 1.5 Millionen auszahlen lassen. Davon seien umgehend USD 0.5 Mio. von
der G._ auf sein persönliches Privatkonto geflossen. Diesen Geldfluss auf
sein Privatkonto verschwieg A._ gegenüber seinem Vorgesetzten Chief Fi-
nancial Officer (nachfolgend CFO) M._ sowie gegenüber seiner Mitarbeiterin
N._, die die Honorarzahlung an die G._ gemeinsam mit ihrer Kollek-
tivunterschrift zu Zweien veranlassten. Vom genannten Betrag habe A._
USD 250'000 für seine persönlichen Bedürfnisse und USD 250'000 im Interesse
von O._ verwendet.
Nebst dem eben erwähnten Geldrückfluss an ihn privat (vgl. Anklage, S. 12 unten:
Nr. 1) wirft die Anklage A._ im gleichen Deliktskontext drei weitere Täu-
schungshandlungen vor (vgl. Anklage, S. 12 unten: Nr. 2 - 4), die sich jedoch –
wie noch zu zeigen sein wird – als rechtlich unerheblich erweisen.
Standpunkt des Beschuldigten A._
A._ bestreitet nicht, dass er die erwähnte Beraterfirma beauftragt und ihr die
erwähnte Honorarzahlung hat zukommen lassen. Ebenso wenig stellt er in Abre-
de, dass USD 0.5 Mio. dieser Honorarzahlung in einem ersten Schritt auf sein pri-
vates Konto geflossen sind. Er wendet jedoch im Wesentlichen ein, die USD
0.5 Mio. hätten an sich direkt von der externen Beraterfirma G._ an einen
gewissen O._ fliessen müssen, da dieser der G._ den Auftrag der Pri-
vatklägerin vermittelt habe. O._ habe dann jedoch die G._ brieflich an-
gewiesen, die USD 0.5 Mio. direkt an ihn, A._, zu überweisen, und zwar auf
Grundlage anderweitiger früherer geschäftlicher Beziehungen zwischen ihm und
O._, die mit der geschäftlichen Tätigkeit der G._ für die Privatklägerin
nichts zu tun gehabt hätten (im Einzelnen dazu sogleich unten). Demzufolge habe
er, A._, letztlich gar keinen Honoraranteil der G._ erhalten, weshalb ihm
- 36 -
gegenüber M._ bzw. N._ auch keine Täuschung zum Vorwurf gemacht
werden könne.
Vorgehen betreffend A._s Haupteinwand
Im Folgenden gilt es zunächst, den vorgenannten Einwand A._s einer nähe-
ren Prüfung zu unterziehen, wonach ihm letztlich gar kein Honorarenteil seitens
der G._ zugeflossen sei. Erweist sich dieser nämlich als zutreffend, entfällt
der Betrugsvorwurf von vornherein. Die Analyse folgt dabei im Wesentlichen der
nachfolgenden Struktur, wobei vergleichend jeweils auch weitere Beweismittel
herangezogen werden:
- Analyse der Erst- und Zweitaussage A._s
- Analyse von O._s Anweisungsschreiben vom 7. Dezember 2007
- Analyse der Skype-Kommunikation vom 4./6. August 2008 zwischen
O._ und A._
- Analyse der Aussagen O._s
Erstaussage A._s
A._ wurde am 25. August 2008 vorläufig festgenommen und gleichentags
erstmals zur Sache befragt (Urk. 0810001 ff.). Auf die Frage, was mit dem von
ihm an die G._ überwiesenen Honorar passiert sei, antwortete er zunächst,
er wisse es nicht (Urk. 0810004 ganz unten; Urk. 810005 ganz oben). Die An-
schlussfrage, ob er etwas von diesem Geld bekommen habe, verneinte A._;
im Widerspruch zu seinem zunächst behaupteten angeblichen Unwissen darüber,
was mit diesem Geld passiert sei, sagte er alsdann aber aus, O._ habe
USD 0.5 Mio. als Provision erhalten (Urk. 0810004 ganz unten und Urk. 0810005
oben). Auf Vorhalt des Privatkontoauszugs, laut dem die G._ an ihn
(A._) privat am 21. Dezember 2007 USD 0.5 Mio. überwies (Urk. 0110152),
also genau einen Tag, nachdem er selbst die Bezahlung des G._-Honorars
im Umfang von USD 1.5 Mio. veranlasst hatte (vgl. Urk. 0110145), äusserte sich
- 37 -
A._ wie folgt (Urk. 0810005 oben; zwecks erleichterter Analyse nachfolgend
mit hinzugefügter Nummerierung):
„ [1] Herr O._ und ich hatten ein Agreement. [2] Wir haben uns gegenseitig
beraten, von dem kennen wir uns ja. [3] Ich fragte Herrn O._, ob er mir die
USD 500'000 zum Eröffnen eines Private Banking Kontos bei der F._ Bank
zur Verfügung stellen könne. [4] USD 250'000 habe ich Herrn O._ in Rech-
nung gestellt oder muss ich ihm jetzt in Rechnung stellen, nachdem er die Zah-
lung bekommen hat. [5] Und ich habe ihn damals gefragt, ob er mir USD 250'000,
die mir aus einer Kommission zustehen, deren Bezahlung aber noch nicht erfolgt
ist, vorschiessen könne. [6] Worauf er sagte ,ja', ich solle ihm aber Rechnungen,
die er bezahlen müsse, dafür begleichen.“
Die an O._ gerichtete angebliche Frage A._s, ob dieser ihm USD 0.5
Mio. zum Eröffnen eines Private Banking Kontos zur Verfügung stellen könne
(vgl. Satz 3), deutet zunächst darauf hin, es sei A._ um Erhalt eines Darle-
hens im entsprechenden Umfang gegangen.
In zumindest teilweisem Widerspruch dazu sagt A._ im folgenden Satz dann
aber, er habe O._ die Hälfte dieses Betrages (USD 250'000) damals in
Rechnung gestellt. Daraus folgt, dass zu jenem Zeitpunkt im entsprechenden Um-
fang offenbar eine Schuld O._s gegenüber A._ bestand (vgl. Satz 4
Halbsatz 1). Insofern erstaunt, dass unmittelbar zuvor noch pauschal von „zur
Verfügung stellen“ bzw. von „fragen“ die Rede war.
Aber auch die Aussage, wonach A._ O._ damals die Hälfte des Betra-
ges in Rechnung gestellt hatte, wird von A._ sogleich relativiert, indem er an-
fügt (Satz 4): „[...] oder muss ich ihm jetzt [also zum Zeitpunkt der Einvernahme;
25. August 2008] in Rechnung stellen [...].“
Dass sich A._ am 25. August 2008 bereits nicht mehr daran erinnert, ob er
für eine Forderung im Umfang einer Viertelmillion USD bereits Rechnung gestellt
hat oder nicht, erscheint nicht plausibel. Den zweiten mit „oder“ beginnenden
Satzteil als spontane Aussagepräzisierung zu betrachten, erweist sich in diesem
- 38 -
Kontext ebenfalls als nicht naheliegend: eine Rechnungsstellung gegenüber
O._ bloss aus Anlass der entsprechenden Einvernahme („muss ich ihm jetzt
in Rechnung stellen“) erscheint einerseits sonderbar; andererseits hiesse dies,
dass das am 21. Dezember 2007 an A._ geflossene Geld zum damaligen
Zeitpunkt nicht in Erfüllung einer Schuldpflicht gezahlt worden wäre. Wäre näm-
lich damals in Erfüllung einer Schuldpflicht gezahlt worden, würde eine Rech-
nungsstellung im August 2008 wenig Sinn machen. Wie bereits erwähnt, wider-
spricht eine Rechnungsstellung (egal zu welchem Zeitpunkt) zudem ohnehin ge-
nerell der im Satz zuvor erwähnten Frage an O._, ob dieser ihm USD 0.5 Mi-
o. zur Eröffnung eines Kontos „zur Verfügung stellen“ könne.
Satz 5 und 6 lauten alsdann wie folgt: „[5] Und ich habe ihn damals gefragt, ob er
mir USD 250'000, die mir aus einer Kommission zustehen, deren Bezahlung aber
noch nicht erfolgt ist, vorschiessen könne. [6] Worauf er sagte ,ja', ich solle ihm
aber Rechnungen, die er bezahlen müsse, dafür begleichen.“
Zunächst macht es den Eindruck, als wolle A._ mit Satz 5 die Herkunft der
„zweiten“ USD 250'000 erklären, denn er spricht von einer neuen Frage, die er
damals O._ gestellt habe („Und ich habe ihn damals gefragt [....]“) bzw. – im
Gegensatz zu vorher – von einem „Vorschuss“. Demzufolge hätte O._
A._ USD 250'000 geschuldet (Satz 4), wobei A._ O._ um Zahlung
weiterer USD 250'000 als Vorschuss ersucht hätte (Satz 5).
Unlogisch erscheint auch die (in Satz 6) folgende von A._ wiedergegebene
Antwort O._s zu diesem Ersuchen um Vorschussleistung (gemäss Satz 5):
„Worauf er [O._] sagte ‚ja’, ich solle ihm aber Rechnungen, die er bezahlen
müsse, dafür begleichen.“ Die Bejahung der gestellten Frage würde nämlich be-
deuten, dass O._ sich bereit erklärte, einen Vorschuss zu zahlen; wenn er
aber, wie von A._ berichtet, gleichzeitig sagte, A._ solle ihm „Rechnun-
gen, die er bezahlen müsse, dafür begleichen“, so kann von einem Vorschuss –
jedenfalls im Umfang der bezahlten Rechnungen – gerade nicht die Rede sein.
Aus den Bankunterlagen (Urk. 0110152 ff.) erhellt zudem, dass A._ mit den
zweiten rund USD 250'000 Rechnungen O._s bezahlte und den verbleiben-
- 39 -
den Rest dieser USD 250’000 an O._ überwies. Insofern macht die in der
Ersteinvernahme verwendete Bezeichnung „Vorschuss“ auch im Lichte der Bank-
unterlagen keinen Sinn.
Entgegen dem vorerwähnten ersten Eindruck deuten all diese Widersprüche da-
rauf hin, dass Satz 5 doch nur eine weitere Umschreibung der bereits im Satz zu-
vor thematisierten „ersten“ USD 250'000 darstellt (in diesem Sinne auch:
Urk. 0810023 Ziff. 53); auch diese Interpretation macht jedoch, wie bereits darge-
legt wurde bzw. noch weiter darzulegen ist, wenig Sinn.
Dass A._ gerade mit den ihm von O._ geschuldeten USD 250'000, die
an ihn überwiesen wurden, Rechnungen O._s gegenüber Dritten bezahlt hät-
te, macht von vornherein keinen Sinn, käme dies doch einem Nullsummenspiel
gleich; vielmehr deutet diese Aussage darauf hin, dass O._ USD 0.5 Mio. an
A._ überweisen liess, worauf A._ davon rund USD 250'000 einbehielt
und mit dem übrigen Geld Rechnungen O._s beglich.
Gemäss Bankunterlagen (Urk. 0110152 ff.) zahlte A._ mit Valuta vom
7. Januar 2008 EUR 110'905 an eine P._ GmbH in Deutschland,
wobei er in einer späteren Einvernahme – auf entsprechenden Vorhalt hin – prä-
zisierte, diese Zahlung sei im Auftrag O._s erfolgt (Urk. 0810371 Ziff. 180;
ähnlich schon: Urk. 0810024 Ziff. 53 a.E.). Gemäss damaligem Umrechnungskurs
entspricht dieser Betrag USD 162'897. Weitere USD 84'048 flossen am 4. Januar
2008 direkt an O._ weiter. Daraus folgt, dass – wirtschaftlich betrachtet – ge-
samthaft USD 246'945 an O._ flossen. Demzufolge dienten diese „zweiten“
USD 250'000 lediglich im Umfang von USD 162'897 der Bezahlung von Rech-
nungen O._s, wobei der Restbetrag letztlich in bar an O._ floss.
Es leuchtet weiter auch nicht ein, warum O._ an A._ einen doppelt so
hohen Betrag überweisen liess, nur damit dieser für ihn noch Rechnungen bezah-
len konnte. Dadurch wäre O._ nämlich ein erhebliches finanzielles Risiko
eingegangen, ohne davon einen Nutzen gehabt zu haben: Einerseits hätte er ja
Rechnungen genau so gut auch selbst bezahlen können, andererseits bedeutet
es ein erhebliches Risiko, USD 250’000 ohne jegliche Sicherheiten vorüberge-
- 40 -
hend bei einer Privatperson zu platzieren. Stattdessen hätte es – aus Sicht
O._s – vielmehr nahe gelegen, G._ damit zu beauftragen, nur USD
250'000 an A._ zu überweisen und die restlichen USD 250'000 direkt an ihn
(O._) überweisen zu lassen.
Zwischenfazit
Die Erstaussage A._s erweist sich – auch unter vergleichender Heranzie-
hung der Bankunterlagen – als äussert konfus und deutet erheblich darauf hin,
dass es sich um eine Schutzbehauptung handelt, die in ihrem wesentlichen Ge-
halt nicht erlebnisbasiert ist.
Zweitaussage A._s
Im Rahmen der Zweitaussage vom 16. September 2008 (Urk. 0810017 ff.) legt
A._ dar, er sei für den mit ihm befreundeten O._ „häufig“ tätig gewesen;
zu einer Honorierung sei es jedoch nur einmal gekommen, und zwar im Zusam-
menhang mit einem Immobilienprojekt in der Dominikanischen Republik. Dieses
sei das einzige gewesen, das je realisiert worden sei und die Honorierung habe in
Prozenten der Projektsumme bestanden. Er habe für O._ Vertragsunterlagen
insbesondere in ökonomischer Hinsicht durchgesehen (Urk. 0810020 Ziff. 26).
[Zeitpunkt der Honorarzahlung betreffend das Projekt] Auf entsprechende
Frage hin sagte A._ aus, die Zahlungen aus dem erwähnten Immobilienpro-
jekt seien im Juni 2008 erfolgt (Urk. 810018 Ziff. 10). Wenig später erwähnt er, bei
den auf Anweisung O._s von der G._ auf sein Konto geflossenen
USD 250'000 habe es sich um das Honorar aus diesem Projekt gehandelt
(Urk. 08100018 f. Ziff. 12 f.). Mit dieser Aussage widerspricht A._ allerdings
den Bankunterlagen, aus welchen hervorgeht, dass diese Zahlung am
21. Dezember 2007 auf sein Konto erfolgte. Diesen Widerspruch versucht
A._ alsdann damit zu entkräften, dass die Zahlungen an sich ab Mitte 2008
hätten fliessen müssen, dass er jedoch O._ – nach Bezahlung der Rechnung
an die G._ – gebeten habe, ihm die USD 250'000 im Sinne eines Vorschus-
ses bereits früher zukommen zu lassen (Urk. 0810019 Ziff. 15 und 16). Dies än-
- 41 -
dert allerdings nichts daran, dass A._ zunächst ohne jede Einschränkung
ausgesagt hatte, das Honorar aus dem entsprechenden Projekt sei im Juni 2008
bezahlt worden (Urk. 0810018 Ziff. 10) und nicht etwa, dass eine Honorarzahlung
für Juni 2008 geplant gewesen sei.
Immerhin sprach A._ auch bereits in seiner Erstaussage bezüglich der „zwei-
ten“ USD 250’000 von einem Vorschuss, wobei er damit die Zahlung einer noch
nicht fälligen Forderung meinte (und nicht etwa, wie die Vorinstanz in ihrer Befra-
gung suggerierte, einen Vorschuss für künftige Tätigkeiten; vgl. Prot. I S. 48 ganz
unten und f.).
Vor diesem Hintergrund stellt sich der Beschuldigte im Rahmen der Zweitaussage
letztlich auf den Standpunkt, er habe USD 250'000 als Vorschuss für an sich erst
Mitte Juni 2008 geschuldete Zahlungen erhalten. Auch wenn er dies nicht explizit
sagt, hiesse dies im Lichte der Bankunterlagen, dass die Überweisung des restli-
chen Betrags (d.h. die weiteren USD 250'000) an ihn zur Begleichung von Rech-
nungen O._s gegenüber Dritten erfolgte und A._ letztlich den – nach
Bezahlung dieser Rechnungen – übrig bleibenden Betrag an O._ überwies.
Verhielte es sich tatsächlich so, wäre die Sachlage nicht besonders komplex. Mit
Blick darauf erstaunt indes, warum A._ dies weder in der Erstaussage noch
in der Zweitaussage entsprechend darlegte und sich in der Erstaussage, wie ge-
zeigt, derart umständlich und widersprüchlich ausdrückte.
[Aussage A._s zur Festlegung seines Honorars] Weiter wurde A._
gefragt, wie er den Betrag von USD 250'000 habe festlegen können. Daraufhin
antwortete er unter anderem (Urk. 0810019 Ziff. 18): „Das ist aufgrund der Cash-
Flows, die ab 2008 bei Herrn O._ eintrafen [...].“ Im Widerspruch dazu steht
die in der gleichen Einvernahme gemachte Aussage A._s, wonach die Hono-
rierung aber in Prozenten der Projektsumme erfolgte (Urk. 0810018 Ziff. 7), was
eine andere Bemessungseinheit darstellt als der Cash-Flow. Zudem ist nicht er-
sichtlich, wie A._ im Dezember 2007 bereits die Höhe der im Jahr 2008 bei
O._ anfallenden Cash-Flows voraussehen konnte, zumal die Zahlungen an-
geblich ja erst ab Mitte 2008 erfolgten (Urk. 0810019 Ziff. 15 und 16).
- 42 -
Wie der Honorarbetrag zu Stande kam, konnte A._ im Rahmen der Zweitein-
vernahme vom 16. September 2008 nicht näher präzisieren, sondern gab an, es
habe sich um einen ‚Pi x Schnauz’-Betrag gehandelt (Urk. 0810019 Ziff. 18). Im
Widerspruch dazu präzisierte er dann aber an der vorinstanzlichen Hauptverhand-
lung vom 4. Juli 2013 – also rund 4 1⁄2 Jahre später – als ihm die gleiche Frage
gestellt wurde, das Honorar habe 0.2% der Projektsumme von ca. USD 120-
130 Mio. betragen (Prot. I S. 52 unten). Daraus resultiert in der Tat ein Betrag von
rund USD 250'000. Dass sich A._ nach so langer Zeit so präzis erinnern
kann, nachdem er mehr als vier Jahre zuvor noch darauf verwies, es habe sich
um einen ‚Pi x Schnauz’- Betrag gehandelt, erscheint gedächtnispsychologisch
nicht nachvollziehbar, so dass von einer nachträglich konstruierten Erklärung
auszugehen ist.
[Modus von A._s Honorarfestlegung: Quervergleich mit Aussage von O._] Der erstmals von der Vorinstanz einvernommene Zeuge O._ äus-
serte sich zum Modus der Honorarfestlegung zunächst wie folgt: Es sei kein fester
Betrag vereinbart worden; er habe A._ lediglich in Aussicht gestellt, bei Rea-
lisierung „etwas abzugeben“; auf die Nachfrage, auf welcher Basis dies gesche-
hen sei, antwortete er, es sei nichts vereinbart worden (Prot. I S. 16).
In der gleichen Befragung äusserte sich O._ alsdann aber wie folgt (Prot. I
S. 21 Mitte): „Es wäre fair gewesen, ihn [A._] mit USD 250'000 zu entschädi-
gen, was etwa 10% von meinem Verdienst im Umfang von USD 2,5 Mio. aus dem
Projekt entspricht [Hervorhebung hinzugefügt].“ Nachdem O._ also zunächst
aussagte, er habe A._ nur in Aussicht gestellt, ihm „etwas“ abzugeben, mut-
masst er nun, was fair gewesen wäre, um sich dann schliesslich – im Zuge einer
weiteren diesbezüglichen Nachfrage und im Widerspruch zu seiner ersten Äusse-
rung – dahin gehend festzulegen, man habe dies (d.h. die Honorierung in 10 %
des Gewinnes) damals sicher so besprochen gehabt habe (Prot. I S. 22 Mitte).
Nach dem Gesagten erweisen sich die Aussagen O._s zum Modus der Ho-
norarfestlegung – sowohl isoliert betrachtet als auch im Vergleich mit den ent-
sprechenden Aussagen A._s – als widersprüchlich.
- 43 -
[keinerlei Unterlagen betreffend das Projekt] A._ gab bereits im Rahmen
seiner Zweitaussage vom 16. September 2008 an, er habe keine Aufstellungen
über sein Guthaben gegenüber O._ erstellt (Urk. 0810019 Ziff. 17) und er
verfüge auch sonst über keinerlei mit dem Projekt zusammenhängende Unterla-
gen (Urk. 0810019 f. Ziff. 22; Urk. 0810019 Ziff. 19; Urk. 0810020 Ziff. 28), wobei
er darlegte, die entsprechenden Arbeiten von Ende 2006 bis Mitte 2007 ausge-
führt zu haben (Urk. 0810019 Ziff. 14). Auch in der Steuererklärung habe er sein
Honorar nicht aufgeführt (Urk. 0810017 Ziff. 20).
Zudem weist A._ darauf hin, dass er diese Arbeiten auch nicht auf dem am
25. August 2008 beschlagnahmten PC ausgeführt habe, sondern auf einem Lap-
top, der inzwischen das Zeitliche gesegnet habe; den beschlagnahmten PC habe
er erst im Mai/Juni 2007 angeschafft (Urk. 0810020 Ziff. 23). Es erscheint heutzu-
tage eher ungewöhnlich, bei Anschaffung eines neuen Computers die sog. eige-
nen Dateien nicht vom alten auf den neuen Computer zu transferieren. Im Beson-
deren gilt dies für geschäftliche Unterlagen, die Arbeiten betreffen, deren Vergü-
tung zum Zeitpunkt der Neuanschaffung des Computers noch nicht erfolgt ist. Ein
Blick in die eigenen Dateien des beschlagnahmten PC zeigt denn auch, dass sich
darauf zahlreiche Finanzprojekt-Unterlagen befinden, die aus der Zeit vor der an-
geblichen Neuanschaffung des Laptops stammen, so dass jedenfalls insofern ein
Datentransfer stattgefunden haben muss (vgl. Urk. 1000028 [CD] und dort unter
folgendem Pfad: ... – ... – Dokumente und Einstellungen – A._ – eigene Da-
teien – TREAD - DEAD.PROJECTS und dort z.B. folgende Ordner: ... vom März
2007, ... vom Dezember 2005, Q._ vom Dezember 2005; oder im Unterord-
ner NON.TRADE (vgl. vorstehender Pfad) und dort z.B. die Ordner... mit Dateien
von Oktober 2003 oder ... mit Dateien mehrheitlich aus dem Jahr 2003).
[Weitere auffällig unsubstanziierte Angaben zum Projekt] A._ konnte im
Übrigen auch nicht spezifizieren, wo in der Dominikanischen Republik das Immo-
bilienprojekt angesiedelt war (Urk. 0810020 Ziff. 24) und welchen Namen es trug;
es habe einfach „Dom Rep“ geheissen (Urk. 0810020 Ziff. 25). Demgegenüber
gab O._ an, es habe sich um das „... Resort“ gehandelt, wobei er Berater
und dann Vizepräsident der „R._ SA“ gewesen sei (Prot. I S. 27 oben). Dass
- 44 -
A._, der gemäss eigenen Aussagen während rund einem halben Jahr (von
Ende 2006 bis Mitte 2007; Urk. 0810018) an diesem Projekt arbeitete, „hunderte
oder gar tausende Seiten von Verträgen“ durchsah (Prot. I S. 54 Mitte) und
schliesslich mit USD 250'000 entschädigt wurde, sich bereits ein Jahr nach Ende
seiner Arbeiten nicht einmal mehr an den Projektnamen erinnert, erscheint wenig
plausibel.
[Äusserungen zur konkret geleisteten Arbeit] Auch zur konkret getätigten
Arbeit äussert sich A._ in der Zweiteinvernahme verhältnismässig einsilbig:
Er habe den Teil der Verträge, welche die „Honorierung und Involvierung“
O._s betrafen, „durchgeschaut“. Da er des Spanischen mächtig und mit den
lateinamerikanischen Denkmustern vertraut sei, habe er O._ insofern Unter-
stützung geboten (Urk. 0810020 Ziff. 26).$
Zwischenfazit
Auch die vorstehend erörterten Aussagen A._s (unter Einbezug von
O._s Aussagen) deuten – insgesamt betrachtet – darauf hin, dass es sich
dabei um eine Schutzbehauptung handelt.
O._s Anweisungsschreiben vom 7. Dezember 2007 an die G._
Mit Anweisungsschreiben vom 7. Dezember 2007 (Urk. 0110397) ersucht
O._ die G._ darum, die „ersten“ USD 0.5 Mio. des ihm geschuldeten
Honorars direkt an A._ zu überweisen. Als Grundlage seiner Honorarforde-
rung gegenüber der G._ nannte O._ das einige Tage zuvor („signed on
Monday this week“, also am 3. Dezember 2007) mit der G._ abgeschlossene
„Irrevocable Pay Order and Fee Protection Agreement“ (Urk. 0110398). Rechts-
grund der Forderung A._s ihm gegenüber sei hingegen ein anderes erfolg-
reich mit dessen Unterstützung abgeschlossenes Projekt, das im Zusammenhang
mit der Tätigkeit O._s als Botschafter der S._ stehe.
- 45 -
In vorerwähntem Agreement (Ziffer II A; Urk. 0110398 unten) verpflichtete sich die
G._, O._ jeweils 1/3 der mit der Privatklägerin erzielten Bruttogewinne
als Entgelt dafür zu bezahlen, dass er ihr diesen Geschäftskontakt vermittelt hat
(„finder introductory services“).
Im Folgenden gilt es, dieses Anweisungsschreiben näher zu untersuchen.
1. Auch wenn die Transaktion betreffend Erwerb der CLN am 7. Dezember
2007 kurz vor dem Abschluss stand und A._ für die Privatklägerin bereits ein
„indicative term sheet“ unterzeichnet hatte (welches jedoch noch nicht der endgül-
tigen Fassung entsprach), datieren die definitiven Final Terms erst vom
10. Dezember 2007 (Urk. 0110128 ff.). Erst an diesem Tag erteilte A._ der
H._ den definitiven Auftrag, die CLN zu erwerben (vgl. Urk. 0110136.2 = E-
Mail vom 10. Dezember 2007 07:35 Uhr von T._ an A._). Effektiv voll-
zogen wurde die Transaktion dann am 14. Dezember 2007 (Urk. 0110137). Die
Rechnungstellung der G._ gegenüber der Privatklägerin (im Umfang von
USD 1.5 Mio.) erfolgte am 16. Dezember 2007 (Urk. 0110142; Urk. 0110143). Vor
diesem Hintergrund erstaunt es, dass O._ angeblich bereits am 7. Dezember
2007 über die Höhe des Honorars der G._ gegenüber der Privatklägerin
(einschliesslich der in Rechnung gestellten Währung) Bescheid wusste, so dass
er daraus den ihm zustehenden Drittel, nämlich USD 0.5 Mio., ableiten und in sei-
nem Brief darauf Bezug nehmen konnte. All dies erstaunt umso mehr, als
O._ vor der Vorinstanz selbst aussagte, er habe der G._ lediglich den
Kontakt zur Privatklägerin vermittelt, wofür ihm eine Provision zugestanden sei;
mit den in der Folge getätigten Transaktionen habe er aber nichts zu tun gehabt
und auch von einer zwischen der G._ und der Privatklägerin vereinbarten
Entschädigung habe er nichts gewusst (Prot. I S. 19), wobei Letzteres insofern
glaubhaft erscheint, als der Name O._ in den transaktionsbezogenen Unter-
lagen in der Tat nirgends auftaucht.
Auf die Frage, warum er – entsprechend seinem Anweisungsschreiben – bereits
am 7. Dezember 2007 gewusst habe, dass sein Honorar USD 0.5 Mio. betragen
werde, antwortete O._, er könne sich an dieses Anweisungsschreiben nicht
- 46 -
mehr erinnern (Prot. I S. 21 oben), wobei ihm dieses auch vorgehalten wurde
(Prot. I S. 20; vgl. dazu auch nachfolgend unten unter Ziff. 4).
2. B._ sagte vor der Vorinstanz aus, er habe O._s Anweisungs-
schreiben in der Folge zwecks Ausführung der Zahlung an die F._ Bank wei-
tergeleitet (Prot. I S. 132 Mitte). Mit Sperr- und Editionsverfügung vom 30. bzw.
31. Juli 2008 wurde die F._ Bank u.a. aufgefordert, sämtliche Korrespondenz
ab 1. September 2007 bis zum damaligen Zeitpunkt im Zusammenhang mit der
G._ herauszugeben (Urk. 0610003 lit. D Ziff. 6). Ein solches Schreiben bzw.
eine Kopie davon befand sich jedoch nicht bei den von der F._ Bank edierten
Akten, was ein Indiz dafür darstellt, dass es auch nicht an die F._ gesandt
wurde (vgl. Urk. 0610281 ff.).
Während B._ vor der Vorinstanz, wie eben dargelegt, behauptet hatte, er ha-
be das erwähnte Schreiben an die F._ gesandt, behauptete er in der staats-
anwaltschaftlichen Schlusseinvernahme das Gegenteil (Urk. 0100165 oben): Er
habe das Schreiben gegenüber U._ nur angekündigt, letztlich aber doch
nicht gesandt, wobei der dafür von ihm angegebene Grund überhaupt nicht plau-
sibel erscheint: Er habe das Schreiben nämlich deswegen nicht senden können,
weil C._ nicht persönlich anwesend gewesen sei.
Auch aus der Einvernahme der zuständigen Kundenberaterin U._ ergaben
sich keinerlei Hinweise darauf, dass ein solches Schreiben eingereicht oder sonst
wie thematisiert worden wäre (Urk. 0910161).
Zudem beauftragte die G._ die F._ Bank erst am 21. Dezember 2007
damit, USD 0.5 Mio. an A._ zu überweisen (nota bene noch am selben Tag
als das von der Privatklägerin bezahlte Honorar bei ihr einging). Diese Zahlungs-
anweisung erfolgte im Zuge einer telefonischen Kontaktaufnahme seitens eines
Vertreters der G._. Dies ergibt sich aus einem entsprechenden Vermerk der
zuständigen Kundenberaterin U._ vom 21. Dezember 2007 (Urk. 0110151).
In den dazugehörigen „Contact Notes“ heisst es (Urk. 0110151): „(U'._) [Kür-
zel für U._] Transfer USD 500 000 from account ... (G1._ SA) to ac-
count ... [Konto von A._, ebenfalls bei F._] is commission payment for
- 47 -
joint venture between A'._ [A._] and G1._ SA.“ Auch der Inhalt die-
ser Notiz deutet darauf hin, dass die G._ – entgegen der Behauptung
B._s – O._s Anweisungsschreiben weder an die F._ Bank „zur
Ausführung der Zahlung“ weiterleitete noch sonstwie gegenüber der F._
Bank erwähnte.
Dass sich U._ aufgrund eines Missverständnisses irrte und etwas falsch nie-
derschrieb liegt ebenfalls nicht nahe: Noch am Tag der Eröffnung von A._s
Konto, welche am 17. Dezember 2007 (also nur vier Tage vor Eingang des Gel-
des) erfolgte und anlässlich welcher A._ von den bestehenden F._-
Kunden B._ und C._ begleitet wurde (Urk. 0919164 Ziff. 23), vermerkte
U._ in ihren KYC- [Know Your Customer] Unterlagen, die sie unmittelbar im
Anschluss an das persönliche Treffen mit A._, C._ und B._ erstellte
(Urk. 0910165 Ziff. 28-30) Folgendes (Urk. 0110144): „G1._ SA and the
client [A._; Urk. 0910167] has set up a joint venture where he works as a bu-
siness introducer to G._. The assets in the account will be his earnings and
commissions from this joint venture.“ Aus der Einvernahme von U._ (Urk.
0910161 ff.) ergeben sich überdies keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass die vorer-
wähnten Vermerke (anlässlich der Kontoeröffnung bzw. der telefonischen Entge-
gennahme des Überweisungsauftrags) irrtümlich verfasst worden sein könnten.
U._ konnte sich sogar explizit daran erinnern, dass das Wort „joint venture“
von B._ stammte. Dass sie ausführte, B._ habe dies „eher salopp“ ge-
meint, und zwar in dem Sinne, dass es keine schriftlichen Verträge gab (Urk.
0919167 Ziff. 42), ändert nichts daran, dass bereits anlässlich der Kontoeröffnung
vom 17. Dezember 2007 (nota bene ein Tag nach Rechnungsstellung durch
G._) von einer Zusammenarbeit zwischen der G._ und A._ die Re-
de war, wonach A._ für diese Zusammenarbeit ein Honorar im Umfang von
USD 0.5 Mio. zufliessen werde (Urk. 0110144 unter
„initial deposit“ bzw. unter „first inflow of financial assets“), was dann vier Tage
später (am 21. Dezember 2007) auch geschah (Urk. 0110152).
Dass A._s F._-Konto im Beisein der G._-Vertreter B._ und
C._ ausgerechnet bei der gleichen Bank eröffnet wurde, bei der auch die
- 48 -
G._ Kundin war (und auch dies erst seit dem 21. November 2007; Urk.
0610282 ganz unten) und die auf dem Platz Zürich eine unter einer Vielzahl aus-
ländischer Banken darstellt, und diese Eröffnung ausgerechnet einen Tag nach-
dem die G._ gegenüber der (de facto von A._ vertretenen) Privatkläge-
rin Rechnung gestellt hatte, erfolgte, deutet darauf hin, dass die Zahlung an
A._ ein Honorar aus dieser Transaktion darstellt und nicht auf einer Zah-
lungsanweisung O._s beruht: Verhielte es sich nämlich so, wie die Beschul-
digten behaupten, wäre nicht nachvollziehbar, weshalb A._, der nachweislich
über andere Bankkonten in der Schweiz verfügte, ausgerechnet im Hinblick auf
diesen bevorstehenden Inland-Zahlungseingang eigens ein neues Privatkonto er-
öffnete und dies erst noch bei der gleichen Bank, von der aus ihm das besagte
Honorar zufliessen wird.
Plausibel erklären lassen sich diese scheinbaren Zufälligkeiten aber immerhin
dadurch, dass mittels eines solchen Geldflusses innerhalb ein und desselben
Bankinstituts von dessen besonderem Vertrauensverhältnis zur G._ sowie
neuerdings nun auch zu A._ profitiert werden sollte, um dadurch das Risiko
einer Compliance-Komplikation zu verringern. Vor der Vorinstanz räumte A._
sogar ausdrücklich ein, dieses Vorgehen habe der Vermeidung von Compliance-
Risiken gedient, auch wenn er im Übrigen aber an seiner Darstellung festhielt
(Prot. I S. 51 unterhalb Mitte). Da sonstige Compliance-Risiken im vorliegenden
Kontext nicht ansatzweise erkennbar sind, deutet diese Aussage darauf hin, dass
es tatsächlich etwas vor der Compliance-Abteilung der Bank zu verbergen galt.
Wie erwähnt, vermerkte die F._-Kundenberaterin U._ in ihren Unterla-
gen Folgendes: „G1._ SA and the client [A._; Urk. 0910167] has set up
a joint venture where he works as a business introducer to G._. The assets
in the account will be his earnings and commissions from this joint venture.“
A._ und teilweise auch die beiden anderen Mitbeschuldigten machen sinn-
gemäss geltend, U._ habe sich beim Niederschrieb dieses Vermerks geirrt.
Dabei wird unter anderem ins Feld geführt, nicht A._, sondern O._ habe
als business introducer gewirkt (Prot. I S. 56 oben; Urk. 0810177; Urk. 0810190;
Urk. 0830098).
- 49 -
Dass O._ als „business introducer“ von G._ bezeichnet werden kann,
steht fest und wurde auch von ihm selbst anerkannt (Prot. I S. 19 ganz oben).
Dennoch erscheint nicht plausibel, dass U._ insofern A._ mit O._
verwechselte, denn es wurde ein Konto für A._ privat eröffnet, wobei
B._ und C._ A._ anlässlich der Kontoeröffnung persönlich zu
U._ mitbrachten und diese den Zweck des Kontos in den Bankakten ver-
merkte.
C._ führte zudem aus, sie hätten gegenüber U._ lediglich von einer
Kommissionszahlung gesprochen (Urk. 0810179 i.V.m. Urk. 0810177); dies mag
allenfalls auf den telefonischen Kontakt vom 20. bzw. 21. Dezember 2007 zutref-
fen, nicht jedoch auf das Gespräch anlässlich der Kontoeröffnung, da es dannzu-
mal den Zweck des für A._ privat errichteten Kontos zu definieren galt. Dass
U._ den Begriff „joint venture“ irrtümlich aus dem O._ betreffenden Zu-
sammenhang auf A._ übertrug, erscheint schon deshalb nicht naheliegend,
weil das eröffnete Konto, dessen Zweck es zu spezifizieren galt, auf A._ pri-
vat lautete, weshalb es auch den von A._ angestrebten Verwendungszweck
in den Bankunterlagen zu vermerken galt. Weder aus den Aussagen von U._
noch aus denjenigen der Beschuldigten ergeben sich Hinweise darauf, dass ge-
genüber U._ zum Ausdruck gebracht wurde, das unstreitig auf A._ er-
öffnete Konto diene Zahlungen aus einem Joint Venture zwischen der G._
und einer nicht anwesenden Drittperson, nämlich O._; im Übrigen hätte eine
solche Aussage, wonach dieses auf A._ privat lautende Konto einem ande-
ren wirtschaftlich Berechtigten (O._) diente, weitere Abklärungen der Bank
zur Folge gehabt, wobei namentlich die genaue Identität und Adresse dieser wirt-
schaftlich berechtigten Person zu vermerken gewesen
wäre.
Zwischenfazit: Die Argumentation, wonach U._ den Zweck des auf A._
privat eröffneten Kontos anlässlich der Kontoeröffnung in ihren Unterlagen derart
krass falsch umschrieb, wie von den Beschuldigten behauptet wird, erweist sich
als Schutzbehauptung
- 50 -
3. O._ vermittelte – auch gemäss eigenen Aussagen – der G._ le-
diglich den Kontakt zur Privatklägerin und wurde dafür entschädigt. Ungewöhnlich
erscheint, dass dieser Vertrag (Urk. 0110398 ff.: „Irrevocable Pay Order and Fee
Protection Agreement“) nicht generell die Vermittlung von Kunden durch O._
regelt, sondern sich explizit nur auf die bereits vermittelte Privatklägerin bezieht,
und zwar umso mehr, als C._ mit der Einreichung dieses Vertrages (im
Rahmen der Untersuchung) seine Aussage untermauerte, wonach die G._ mit
O._ einen Vertrag habe und der G._ schon ca. 10 Kunden (darunter die
Privatklägerin) vorgestellt habe (Urk. 0830003 Ziff. 6 und 7; Urk. 0830032 ff.): Da
sich der erwähnte Vertrag explizit aber nur auf die Privatklägerin bezieht, er-
scheint nicht nachvollziehbar, wie er als Grundlage für die Vermittlung weiterer
Kunden hätte dienen können.
Zudem datiert der Vertrag (vom 3. Dezember 2007) nur wenige Tage vor
O._s Anweisungsschreiben (vom 7. Dezember 2007), von einem Zeitpunkt
also, als die Vermittlungsleistung (Zusammenführen der Privatklägerin mit der
G._) schon längst erbracht worden war, was ebenfalls seltsam erscheint: Ty-
pischerweise und wie C._ selbst darlegte (Urk. 0830108 Ziff. 34 Satz 2), wird
nämlich zunächst ein Vermittlungsvertrag geschlossen, der die Modalitäten und
Honorierung der Vermittlungstätigkeit regelt; erst danach nimmt der Vermittler
seine Aktivitäten auf. Alle diese Umstände deuten darauf hin, dass der erwähnte
Vertrag und das in ihm erwähnte Anweisungsschreiben nicht den wahren Gege-
benheiten entsprechen.
4. Selbst auf Vorhalt des Anweisungsschreibens vom 7. Dezember 2007
konnte sich der von der Vorinstanz einvernommene O._ nicht mehr an die-
ses erinnern, geschweige denn, dazu nähere Auskünfte geben (Prot. I S. 20).
Ebenso wenig konnte er sich daran erinnern, dass er dieses Schreiben tatsächlich
an die G._ gesandt hatte (Prot. I S. 31 Mitte). An die in diesem Schreiben
erwähnte Vereinbarung konnte sich O._ ebenfalls nicht mehr erinnern (Prot. I
S. 20 unten). Auch wenn dieses Schreiben vom 7. Dezember 2007 zum Zeitpunkt
seiner Einvernahme (5. November 2013) weit zurückliegt, erstaunt es doch, dass
O._ – selbst auf entsprechenden Vorhalt hin – dazu praktisch keinerlei sach-
- 51 -
dienlichen Angaben machen konnte, handelte dieses Schreiben doch immerhin
von einer nicht gerade alltäglichen Transaktion, die im Übrigen mit erheblichen
Risiken verbunden war (da die Hälfte des Betrages vorübergehend und ohne Si-
cherheiten bei einer Drittperson platziert wurde); zudem handelte das Schreiben
von einer substanziellen Honorarzahlung (gemäss O._ im Umfang von USD
0.5 Mio.), bei der es sich im Übrigen um die einzige Honorarzahlung aus dem Ge-
schäftskontakt mit der G._ handelte (Prot. I S. 17 ganz unten sowie S. 27
ganz unten).
5. In O._s Anweisungsschreiben vom 7. Dezember 2007 wird weiter aus-
geführt, dass die Vergütung die O._ A._ schuldet, aus einem anderwei-
tigen Geschäft stammt, das O._ im Rahmen seiner diplomatischen Tätigkeit
als Botschafter der S._ (S._) abgewickelt habe („under the auspices of
my diplomatic work as Ambassador to the S._“). In der Einvernahme vom 16.
September 2008 wurde A._ gefragt, um was für ein Projekt in der dominika-
nischen Republik es sich denn gehandelt habe, worauf er u.a. antwortete (Urk.
0810020 Ziff. 24): „ [...] Herr O._ hat über V._ Organisation immer wie-
der Projekte, die er realisiert und vermittelt.“ Auf entsprechende Frage hin, sagte
O._ vor der Vorinstanz aus, das besagte dominikanische Projekt habe weder
mit der S._ noch sonst mit einer UNO-Organisation etwas zu tun gehabt; es
habe sich um ein reines Tourismus-Projekt gehandelt (Prot. I S. 22). Er habe zwar
auch Projekte mit der S._ gehabt, beim dominikanischen Projekt habe es
sich allerdings um ein reines Tourismusprojekt gehandelt (Prot. I S. 23 oben).
Allein schon die Tatsache, dass die Aussagen A._s und O._s in einem
derart zentralen Punkt dem Inhalt des Anweisungsschreibens widersprechen
(Anweisungsschreiben: S._-Projekt; A._: V._ Projekt; O._: rei-
nes Tourismusprojekt), stellt ein weiteres Indiz dafür dar, dass das Anweisungs-
schreiben nicht den tatsächlichen Fakten entspricht.
Hinzu kommt Folgendes: Wenn sich O._ – nota bene in seiner Eigenschaft
als Projekt-Leader – auch noch rund sechs Jahre später mit Sicherheit daran er-
innern kann, dass das mit A._ realisierte Projekt kein S._-Projekt war,
ist vorliegend anzunehmen, dass er auch noch am 7. Dezember 2007 davon aus-
- 52 -
ging, dass es sich um kein S._-Projekt handelte. Dass aber in dem – jeden-
falls aufgrund der Unterschrift – ihm zugerechneten Schreiben davon die Rede ist,
das mit A._ realisierte Projekt sei ein S._-Projekt gewesen (und
O._ mit A._ ansonsten keine Projekte realisiert hat mit Ausnahme des
vorliegend angeklagten), deutet ebenfalls darauf hin, dass das fragliche Schrei-
ben nicht der tatsächlichen Faktenlage entspricht. Ob dieses Schreiben, das die
elektronische Unterschrift O._s trägt (Prot. I S. 37), tatsächlich von O._
selber oder aber von A._ oder sonst jemandem verfasst wurde, spielt dabei
keine Rolle.
6. Im Anweisungsschreiben vom 7. Dezember 2007 wird die G._ ange-
wiesen, an A._ USD 0.5 Mio. zu überweisen, da O._ A._ gegen-
über Schulden (mindestens) in diesem Umfang habe. Vor diesem Hintergrund er-
staunt es, dass A._ und O._ letztlich aussagten, die Schuld O._s
gegenüber A._ habe lediglich USD 250'000 betragen, was insofern mit den
Bankunterlagen übereinstimmt, als A._ im Umfang von rund der Hälfte der
erhaltenen USD 0.5 Mio. Schulden O._s bezahlte und den Rest an O._
weiterüberwies. Abgesehen von dieser Diskrepanz bezüglich Schuldenhöhe
konnte weder A._ noch O._ dieses ungewöhnliche Vorgehen plausibel
erklären (Überweisung eines doppelt so hohen Betrags als tatsächlich geschuldet
ist, verbunden mit der Auflage zur Rechnungsbegleichung und Überweisung des
Rests).
Gemäss Adresszeile wurde das in Briefform verfasste Anweisungsschreiben an
die G1._ in Panama gesandt (Urk. 0110397), was insofern folgerichtig ist, als
diese Gesellschaft (und nicht die G._ Holding mit Sitz in ...) auf der Rech-
nung als Zahlungsempfängerin genannt wird (Urk. 0110143). Dass dieses Schrei-
ben entsprechend seiner Adressierung tatsächlich per Post nach Panama ver-
sandt wurde, erscheint allerdings fraglich (in diesem Sinne auch B._:
Urk. 0820018 Ziff. 51), denn die G1._ SA mit Sitz in Panama war eine reine
Offshore-Gesellschaft ohne dortige Büros oder Angestellte (Prot. I S. 130 ganz
unten). B._ und C._ sagten aus, das Schreiben sei ihnen per
E-Mail zugegangen, was nahe liegt (wobei es gemäss C._ zusätzlich auch
- 53 -
auf postalischem Weg eingetroffen sein soll; Urk. 0830107 Ziff. 31; Urk. 0820018
Ziff. 51). Gleichwohl erscheint sonderbar, dass diese E-Mail-Zustellung auf dem
Schreiben nicht zumindest im Sinne von „vorab per E-Mail“ vermerkt wurde bzw.
dass es überhaupt die Adresse in Panama trägt, wo doch C._ und B._
ihre Büros in ... hatten. Der erst vorinstanzlich einvernommene O._ konnte
diesbezüglich keinerlei sachdienliche Aussagen machen (Prot. I S. 38 unten).
Skype- Kommunikation zwischen A._ und O._ vom 4./6. August
2008
Zusätzliche Zweifel an der Authentizität des Anweisungsschreibens vom
7. Dezember 2007 ergeben sich aus Skype-Textnachrichten (instant messages),
die zwischen A._ und O._ in diesem Zusammenhang ausgetauscht
wurden. Diese Textnachrichten konnten ab der Festplatte von A._s be-
schlagnahmtem PC „Acer“ rekonstruiert werden (Urk. 0110394 f.; vgl. Gutach-
tensauftrag an L._, W._ Services: Urk. 1000001 f.; zur Rekonstruktion:
Urk. 1000058 ff. und insbesondere Urk. 1000061 und 1000062 = Urk. 0110394 f.).
Diese Kommunikation (zu ihrem Inhalt im Einzelnen sogleich) erfolgte am
4. August 2008, also rund drei Wochen vor der Verhaftung A._s, und zwar in
folgendem Kontext:
Am 30. und 31. Juli 2008 sperrte die Staatsanwaltschaft u.a. die Konten
A._s, B._s, C._s sowie der G._ bei der F._ Bank. Am 1.
August 2008 informierte die F._ Bank die drei Beschuldigten über die erfolg-
ten Sperrungen. Zudem unterzeichneten B._ und C._ noch an diesem
4. August 2008, an dem die erwähnte Kommunikation stattfand, die Vollmacht der
von ihnen mandatierten Rechtsanwältin AA._ (Urk. 1320003 f.), nachdem
diese bereits mit Schreiben vom 18. Juli 2008 der Privatklägerin zivilrechtlichen
Vertragsbruch vorgeworfen und Schadenersatzansprüche gestellt hatte (Urk.
0200092). Demzufolge erfuhr A._ spätestens an diesem 4. August 2008 von
den Kontosperrungen sowie überhaupt von den laufenden staatsanwaltschaftli-
chen Ermittlungen, die aus der Strafanzeige der Privatklägerin vom 25. Juli 2008
- 54 -
resultierten (Urk. 0200001) und letztlich am 25. August 2008 zu seiner Verhaftung
führten.
Am besagten 4. August 2008 (um 20:10 Uhr) schrieb A._ an O._ was
folgt (Urk. 0110394 ganz oben):
„O._, meine Info ist, dass Du mit G._ eine Vereinbarung über Erhalt von
500'000 Kommission zwecks Einführung von E._ bekommen hast. Wir beide
hätten dann vereinbart, dass das Geld auf meinen Namen bei der F._ einbe-
zahlt wird und ich 250 an Dich überweise, und 250 einbehalte als Vorauszahlung
für ein anderes Geschäft zwischen uns beiden. Korrekt? Wenn ja, brauchen wir
da etwas schriftliches? Wenn ja, was? Gruss A._.“
Daraufhin antwortete O._ 2 Tage später (6. August 2008 um 17:42 Uhr) was
folgt (Urk. 0110395 unten):
„Hallo A._, ich sehe gerne noch einmal in den alten Verträgen nach :) ... so-
weit ich mich erinnere, habe ich kurz nach der Vereinbarung mit der G._ An-
fang Dezember letzten Jahres darauf hingewiesen, dass die ersten 500.000 an
Dich gehen sollen um Deine ganzen Tätigkeiten zu entlohnen, die Du mir bei
meiner im Zusammenhang mit der S._ Aktivitäten, hast zukommen lassen.
Da die Summe jedoch zu hoch war, hattest Du mir dankenswerter Weise 250 an-
gewiesen.“
Wie bereits erwähnt, sagte A._ etwas mehr als einen Monat später in der
Einvernahme vom 16. September 2008 aus, es habe sich um ein Projekt
O._s gehandelt, das im Zusammenhang mit der „V._ Organisation“ ge-
standen sei (Urk. 0810020 ff.). Auch O._ betonte rund 6 Jahre später vor der
Vorinstanz, es habe sich nicht um ein S._-Projekt gehandelt. Dass aber in
dieser Skype-Kommunikation von August 2008 sowie im vorliegenden Anwei-
sungsschreiben vom 7. Dezember 2007 noch explizit von einem solchen
S._-Projekt die Rede ist, legt den Schluss nahe, dass das Anweisungs-
schreiben nicht auf der tatsächlichen Faktenlage beruhte.
- 55 -
Dass A._ innert etwas mehr als einem Monat (d.h. Einvernahme vom
16. September 2008) in einem derartigen Punkt, der nicht gerade als blosses De-
tail abgetan werden kann (S._-Projekt oder nicht), einer Information wider-
spricht, die er nur gerade etwas mehr als einen Monat früher (6. August 2008) per
Skype von O._ erhalten hatte, deutet ebenfalls darauf hin, dass er kaum
mehrere Monate lang bzw. mit einem Honorarvolumen von USD 250’000 an die-
sem Projekt für O._ tätig gewesen sein kann. Naheliegender ist der Schluss,
dass es sich lediglich um eine fiktive Absprache handelt, deren Inhalt A._ be-
reits etwas mehr als einen Monat später nicht mehr genau erinnerte, so dass er
anlässlich der Einvernahme vom 16. September 2008 von der V._ Organisa-
tion sprach (Urk. 0810020 Ziff. 24) anstatt von der S._ (S._).
Sonderbar erscheint weiter, warum A._ ausgerechnet am 4. August 2008, al-
so rund acht Monate, nachdem er selbst den Betrag von USD 0.5 Mio. von der
G._ erhalten und zur Hälfte an O._ weitergeleitet hat (21. Dezember
2007 bzw. 4. Januar 2008), überhaupt dazu kommt, sich bei O._ über den
Grund der damaligen Zahlungsflüsse zu vergewissern.
Ebenfalls auffällig ist, dass sich A._ im Rahmen der vorerwähnten Skype-
Kommunikation wie folgt ausdrückte: „[...] Wir beide hätten dann vereinbart, dass
das Geld auf meinen Namen bei F._ einbezahlt wird [...] [Hervorhebung hin-
zugefügt].“ A._ verwendet hier den sog. Konjunktiv II. Dieser muss hier nicht
zwingend eine irreale Bedeutung ausdrücken, sondern lässt sich auch durch eine
sog. indirekte Rede erklären, welche hier (untypischerweise nicht in der 3. Per-
son), sondern in der ersten Person ausgedrückt wird (in dem Sinne: ich meinte,
wir hätten vereinbart). Diese Verwendungsart legt den Schluss nahe, dass
A._ seine Unsicherheit darüber ausdrücken will, was seinerzeit vereinbart
wurde (vgl. auch die Formulierungen „meine Info ist“ sowie „Korrekt?“). Dass
A._, dessen Bruttojahreslohn Fr. 180'000 betrug (Urk. 0110056), anfangs
August 2008 aber nicht mehr mit Sicherheit weiss, warum er Ende Dezember
2007 den substanziellen Betrag von USD 0.5 Mio. im Auftrag von O._ von
der G._ überwiesen erhielt und warum er rund die Hälfte dieses Betrags an-
fangs Januar 2008 an O._ (in Bar bzw. durch Zahlung von Rechnungen
- 56 -
O._s gegenüber Dritten; Urk. 0110154) weiterleitete bzw. was er mit
O._ damals vereinbarte, erscheint nicht nachvollziehbar; überdies musste ihn
O._ mit der Bezahlung dieser Rechnungen konkret instruiert haben.
Weiter fällt auf, dass A._ in seiner Skype-Message vom 4. August 2008 u.a.
vom Einbehalten einer „Vorauszahlung für ein anderes Geschäft“ spricht; aller-
dings ist er sich diesbezüglich nicht sicher, was für sich allein schon sonderbar
erscheint: Dass er sich nur wenige Monate später nicht mehr sicher ist, ob er
USD 250'000 als Vorauszahlung für ein anderes Geschäft einbehalten hat oder
nicht, erscheint nicht plausibel. Auch in der Ersteinvernahme vom 25. August
2008 spricht A._ alsdann u.a. von einem „Vorschuss“, was, wie bereits dar-
gelegt, im Kontext dieser Einvernahme widersprüchlich erscheint.
Schliesslich bestritt A._ anlässlich der vorinstanzlichen Einvernahme, in der
Ersteinvernahme von einem Vorschuss gesprochen zu haben und machte gel-
tend, es handle sich hierbei um einen Protokollierungsfehler (Prot. I S. 49 Mitte).
Dies liegt allerdings allein schon deswegen nicht nahe, weil A._ sich, wie
eben dargelegt, rund drei Wochen vorher im Rahmen der erwähnten Skype-
Kommunikation im gleichen Sinne ausdrückte. Im Übrigen visierte er jede einzel-
ne Protokollseite, und zwar nicht blindlings, wie aus einer in anderem Zusam-
menhang von ihm angebrachten handschriftlichen Korrektur hervorgeht
(Urk. 0810017 Ziff. 23).
Auch seine Frage „brauchen wir da etwas schriftliches? Wenn ja, was?“ mutet
sonderbar an. Zwar ist denkbar, dass A._ von O._s Anweisungsschrei-
ben keinerlei Kenntnis hatte (nicht jedoch von der Anweisung als solche); wäre
dies aber der Fall gewesen und entspräche O._s Anweisungsschreiben tat-
sächlich den Fakten, so hätte es nahe gelegen, dass O._ in seiner Antwort
die Existenz dieses angeblich von ihm verfassten Anweisungsschreibens zumin-
dest erwähnt hätte, zumal sich A._ explizit nach der Notwendigkeit eines
schriftlichen Dokuments erkundigte. Dass die vorerwähnte Frage A._s
durchaus auch in dem Sinne verstanden werden kann, dass dieser sich speziell
nach der Notwendigkeit eines Schriftstückes erkundigte, das spezifisch die zwi-
schen A._ und O._ getroffene Vereinbarung festhält (welche aus dem
- 57 -
Anweisungsschreiben nur indirekt hervorgeht), vermag an dieser Beurteilung
nichts zu ändern.
Insofern deutet die vorerwähnte Antwort O._s darauf hin, dass das Anwei-
sungsschreiben zu diesem Zeitpunkt gar noch nicht existierte, sondern erst nach-
träglich erstellt wurde.
Mit Blick auf die Tatsache, dass A._ am 1. August 2008, wie erwähnt, von
den Kontosperren und damit wohl erstmals überhaupt vom Strafverfahren erfuhr,
erscheint die von ihm gestellte Frage „brauchen wir da etwas schriftliches?“ in
einem besonderen Licht. Vor der Vorinstanz räumte A._ sogar ein, er habe
etwas Schriftliches in der Hand haben wollen für den Fall, dass jemand käme und
etwas wissen möchte (Prot. I S. 50 ganz unten).
Dass O._ seinen Satz, wonach er gerne noch einmal in den alten Verträgen
nachsehen werde mit einem (aus Satzzeichen konstruierten) Smiley-Zeichen ab-
schliesst, zeigt, dass er seine diesbezügliche Aussage für irgendwie witzig bzw.
ironisch hielt. Dies wiederum deutet darauf hin, dass der entsprechende Witz bzw.
die Ironie darin bestand, dass es zum damaligen Zeitpunkt gerade keine solchen
Verträge oder sonstigen schriftlichen Unterlagen gab. Bestätigt wird dieser Befund
dadurch, dass O._ direkt mit den Worten „soweit ich mich erinnere“ fortfährt:
Gäbe es nämlich tatsächlich alte Verträge, in denen sich nachsehen liesse, hätte
es nahe gelegen, dass O._ dort, wie angekündigt, auch tatsächlich nachge-
sehen hätte und sich nicht bloss auf seine Erinnerung berufen hätte. Das erwähn-
te Smiley-Zeichen wird zudem von drei Auslassungspunkten gefolgt. Im vor-
liegenden Kontext lässt diese Interpunktionsverwendung ebenfalls darauf schlies-
sen, dass hier ein versteckter Witz bzw. eine versteckte Ironie ausgedrückt wer-
den soll.
Wie erwähnt, erscheint sonderbar, dass sich A._ bereits am 4. August 2008
nicht mehr an die erwähnten näheren Umstände der Zahlung erinnern kann. Noch
sonderbarer ist, dass selbst O._ in diesen wesentlichen Punkten Mühe mit
der Erinnerung zu bekunden scheint, spricht er doch von „soweit ich mich erinne-
re“. Namentlich im Lichte des angeblich erst im vergangenen Dezember 2007 von
- 58 -
ihm selbst verfassten Anweisungsschreibens und der substanziellen Höhe des in-
volvierten Betrages erscheint es wenig plausibel, dass O._ sich derart grund-
legender Dinge nicht mehr sicher war.
Wann und auch von wem das Anweisungsschreiben verfasst wurde, kann letztlich
offen bleiben; fest steht aber, dass die im Zusammenhang damit gemachten Aus-
sagen darauf hindeuten, dass dieses Schreiben jedenfalls nicht den tatsächlichen
Fakten entspricht.
Aussage von O._
O._ wurde am 5. November 2013 anlässlich der vorinstanzlichen Haupt-
verhandlung erstmals einvernommen (Prot. I S. 13 ff.). Noch bevor er auf sein
Anweisungsschreiben vom 7. Dezember 2007 angesprochen worden war
bzw. bevor ihm dieses vorgehalten wurde (vgl. Prot. I S. 20), antwortete er auf die
Frage, wie hoch die Entschädigung gewesen sei, die er A._ aufgrund des
Projekts in der dominikanischen Republik geschuldet habe, wie folgt (Prot. I S. 17
Mitte): „Sie war nicht beziffert. Es gab noch ein anderes Geschäft mit der
E._, wo mir eine Provision zustand. Der Beschuldigte A._ teilte mir mit,
dass er mir eine Provision bezahlt und wir dann bezüglich dem anderen Geschäft
quitt wären [Hervorhebung hinzugefügt].“ O._ äusserte sich somit spontan in
dem Sinne, dass nicht die G._ ihm eine Provision aus der Transaktion mit
der Privatklägerin schuldete (und angeblich – bis zum Erhalt seines Anweisungs-
schreibens – auch zukommen lassen wollte), sondern A._ persönlich, denn
es ist davon die Rede, dass A._ O._ eine Provision bezahle, wodurch
O._ und A._ „quitt“ seien. Gemäss O._s Aussage ist die Initiative
zu diesem Vorgehen zudem von A._ ausgegangen. Von einer Anweisung an
die G._, das eigentlich ihm geschuldete Honorar direkt an A._ auszu-
zahlen, erwähnt O._ demgegenüber nichts. Eine derartiges „quitt“-sein, d.h.
eine Verrechnung ist aber nur möglich, wenn sich die zwei gleichen Personen als
gegenseitige Schuldner und Gläubiger gegenüberstehen (vgl. Art. 120 Abs. 1
OR). Weiter deutet die Verwendung des Wortes „quitt“ darauf hin, dass die beiden
zur Verrechnung gestellten Beträge in etwa gleich hoch waren. Von einer von ihm
- 59 -
veranlassten Anweisung bzw. von einem Anweisungsschreiben erwähnte
O._ demgegenüber spontan nichts.
Dass O._ A._ als Schuldner der Provision aus der Transaktion mit der
Privatklägerin bezeichnete, deutet weiter darauf hin, dass A._ seinerseits von
der G._ eine entsprechende Provision für das Geschäft mit der Privatklägerin
erhalten hatte (ansonsten kaum erklärbar wäre, warum er eine Provision an
O._ zu zahlen hätte, wobei unbestritten ist, dass der Rechtsgrund dieser
Provision in der Vermittlung der Privatklägerin an die G._ lag). Demnach hät-
te A._ USD 0.5 Mio. erhalten und davon rund die Hälfte an O._ weiter-
geleitet, wie es auch aus den Bankunterlagen hervorgeht.
Dass sich O._ auch noch Jahre später spontan bzw. (in diesem Punkte) un-
gefragt und insofern glaubhaft an eine gegenseitige Verrechnung in etwa gleich
hoher Beträge zwischen ihm selbst und A._ erinnert und damit einerseits
seinem (angeblich von ihm selbst verfassten) Anweisungsschreiben widerspricht,
anderseits aber auch dem dort erwähnten Vertrag vom 3. Dezember 2007 (zwi-
schen ihm und der G._, in welchem von einer Provisionshöhe von einem
Drittel des Bruttogewinns die Rede ist, was USD 0.5 Mio. und nicht USD 250'000
entsprechen würde; vgl. Urk. 0110398 unten Ziff. II A), deutet darauf hin, dass
diese Dokumente nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen.
Auch der weitere Verlauf der Einvernahme legt diesen Schluss nahe: Auf Vorhalt
des Anweisungsschreibens konnte er sich an dieses nicht mehr erinnern, ebenso
wenig an den darin erwähnten Vertrag zwischen ihm und der G._ (Prot. I S.
20). Spontan wies er in der Folge allerdings zwei Mal deutlich darauf hin, dass er
für die Vermittlung der Privatklägerin an die G._ mit USD 250'000 (und nicht
mit USD 0.5 Mio.) entschädigt worden sei (Prot. I S. 23 Mitte; Prot. I S. 32 unten),
auch wenn er sich im Übrigen nur an wenig erinnern konnte bzw. – ausgehend
von den ihm unterbreiteten Dokumenten – mehrheitlich nur Mutmassungen an-
stellte (zum Ganzen: Prot. I S. 20 ff.). Auch auf Vorhalt der erwähnten Skype-
Kommunikation konnte O._ keinerlei sachdienliche Angaben machen (Prot. I
S. 23 oben).
- 60 -
Zwischenfazit betreffend den Haupteinwand A._s
Im Lichte einer Gesamtwürdigung erweist sich A._s Argumentation, wonach
die von der G._ auf sein Privatkonto geflossenen USD 0.5 Mio. ihm selbst im
Umfang von USD 250'000 wirtschaftlich gar nicht zugekommen seien bzw. im
Umfang von weiteren USD 250'000 mit der G._-Transaktion gar nichts zu tun
gehabt hätten, als blosse Schutzbehauptung.
Fest steht, dass von den an A._ überwiesenen USD 0.5 Mio. rund die Hälfte
A._ privat zukamen und dieser die andere Hälfte an O._ weiterleitete
(teils in bar, teils durch das dargelegte Bezahlen von Rechnungen O._s ge-
genüber Dritten). Die USD 0.5 Mio. stammen aus der seitens der Privatklägerin
an die G._ geleisteten Honorarzahlung im Umfang von USD 1.5 Mio.
Dieser Honoraranteil A._s sowie auch die Weiterleitung der anderen Hälfte
der Summe an O._ muss im Lichte der gesamten Umstände auf einer Ab-
sprache zwischen den beiden G._-Vertretern (B._ und C._) sowie
A._ und O._ beruht haben.
Ins Gewicht fällt dabei insbesondere, dass die zuständige Kundenberaterin, wie
bereits dargelegt, schon bei der Eröffnung von A._s Privatkonto bei der
F._ in ihren Unterlagen vermerkte (Urk. 0110144): The assets in the account
will be his [A._s] earnings and commissions from this joint venture [mit
G._].“
Dass A._ weder seinen Vorgesetzen CFO M._ noch N._ (die mit
A._ zusammen den Zahlungsauftrag über die USD 1.5 Mio. zu Gunsten der
G._ mitunterzeichnete; Urk. 0110145) darüber informierte, dass USD
250'000 an ihn privat zurückfliessen würden, ist unbestritten. Fest steht damit
auch die Nichtinformation im Sinne von Ziff. 1 gemäss S. 12 (unten) der Anklage-
schrift.
Weitere Sachverhaltselemente
- 61 -
CFO M._, der vom eben Dargelegten keine Kenntnis hatte, visierte die von
der G._ am 16. Dezember 2007 gegenüber der Privatklägerin ausgestellte
Rechnung über USD 1.5 Mio. (Urk. 0110143 mit Visum M._; zum Visum
M._ vgl. z.B. Urk. 0920001 ff., jeweils am unteren Seitenende) und geneh-
migte sie dadurch (Urk. 920029 oberhalb Mitte). M._ sagte zudem glaubhaft
aus, dass er in Kenntnis der vorstehend dargelegten, ihm gegenüber damals ver-
schwiegenen Umstände einer Zusammenarbeit mit der G._ nicht zugestimmt
hätte (Urk. 0920035 oben), sich also insofern irrte; mit der Bezahlung des Hono-
rars im Umfang von USD 1.5 Mio. sei er aber einverstanden gewesen (Urk.
0810160 oben; Urk. 0920029 oben).
In der Folge erstellte A._ das mit 20. Dezember 2007 datierte Dokument
„Payment Order“, in welchem die schwedische AB._ Bank angewiesen wur-
de, umgehend USD 1.5 Mio. auf das F._-Konto der G._ zu überweisen
(Urk. 0110145). A._ unterzeichnete dieses Dokument in der Folge und sand-
te es an die darin vorgesehene Zweitunterzeichnerin N._ weiter, welche in
Schweden im Treasury tätig und A._ insofern unterstellt war (Urk. 0810216
Ziff. 132 sowie Ziff. 136).
Eine Zeichnung zu Zweien war im gesamten Konzern vorgeschrieben
(Urk. 0920010 Ziff. 69). A._ verfügte allerdings über gar keine Zeichnungsbe-
rechtigung; gemäss interner Treasury Policy (vom September 2006) war das
Treasury Department, dem A._ vorstand, allerdings grundsätzlich berechtigt,
gegenüber Dritten (insbesondere gegenüber Banken) im Namen der Privatkläge-
rin aufzutreten (Urk. 0110031, unmittelbar vor Ziff. 2.2).
N._ unterzeichnete den Payment Order und stellte ihn der AB._ Bank
zu, welche die Zahlung mit Valuta vom 20. Dezember 2007 ausführte
(Urk. 0110146). Dem F._ Konto der G._ wurde der Betrag mit Valuta
vom 21. Dezember 2007 gutgeschrieben (Urk. 0110147 und Urk. 0110148). Mit
Valuta vom gleichen Tag, nämlich vom 21. Dezember 2007, wurde der Betrag von
USD 0.5 Mio. ab dem F._-Konto der G._ auf das F._-Konto von
A._ überwiesen (G._: Urk. 0110148; A._: Urk. 0110150), was nach
Massgabe des internen Vermerks der Kundenberaterin U._ auf telefonische
- 62 -
Kontaktaufnahme seitens G._ hin geschah, wobei sie, wie bereits erwähnt,
unter „contact notes“ notierte (Urk. 0110151): „Transfer USD 500 000 from ac-
count ... (G1._ SA) to account ... is commission payment for joint venture
between A'._ [für A._] und G1._ SA.“ Ob dieser telefonische Kon-
takt – entsprechend den Handnotizen von U._ (Urk. 0110149) – bereits am
20. Dezember 2007 stattfand oder aber – entsprechend ihrem Eintrag im internen
System (Urk. 0110151) – erst am 21. Dezember 2007, kann offen bleiben.
Wie bereits näher dargelegt (dazu oben), liess A._ O._ in der Folge
USD 246'945 zukommen und behielt bzw. verwendete den Rest für sich. Da
A._ in der Anklage allerdings nur das Einbehalten bzw. die Verwendung von
USD 250'000 vorgeworfen wird (Urk. 0100338), hat es bei diesem Betrag sein
Bewenden.
Rechtliche Würdigung betreffend A._
Vorwurf des Betrugs
Einen Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB begeht, wer in der Absicht, sich
oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern, jemanden durch Vorspiegelung
oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arg-
listig bestärkt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser
sich selbst oder einen anderen am Vermögen schädigt.
Vorliegend steht, wie erwähnt, fest, dass CFO M._ nicht nur mit der Transak-
tion als solche einverstanden war, sondern auch mit der damit verbundenen Ver-
gütungshöhe (USD 1.5 Mio.). Zwar macht M._ geltend, er hätte die Auszah-
lung der entsprechenden Rechnung nicht bewilligt, wenn er gewusst hätte, dass
ein Drittel davon als Provision an A._ zurückfliessen würde; aus seinem tat-
sächlichen Handeln erhellt allerdings, dass die Höhe der Vergütung als solche für
ihn völlig unproblematisch war, zumal er sein Visum ohne weiteres erteilte. Zwar
mag es zutreffen, dass M._ durch A._s Handeln (Verheimlichung der
Provision) getäuscht wurde; diese Täuschung führte vorliegend jedoch zu keinem
Schaden, und zwar aus folgendem Grund: Anders als namentlich in den Fällen
- 63 -
des sog. Spenden- oder Bettelbetrugs zahlte M._ die Vergütung vorliegend
nicht deshalb bzw. bewilligte das ihr zu Grunde liegende Geschäft nicht deshalb,
weil er davon ausging, dass der von ihm bezahlte Betrag in einem bestimmten
Sinne verwendet würde, was aber in Tat und Wahrheit dann nicht geschah. Der
Zweck der vorliegenden Zahlung bestand einzig in der Vergütung des CLN-
Erwerbs. Wer eine Vergütungszahlung leistet, wird jedoch nicht dadurch ge-
täuscht, dass der Empfänger der Vergütung das erhaltene Geld letztlich in einem
bestimmten Sinne verwendet, es sei denn, der Zahlende sei den Vertrag gerade
aufgrund eines derartigen besonderen Verwendungszwecks eingegangen (Bei-
spiel: Jugendliche bieten eine Autowaschdienstleitung an, wobei sie darauf hin-
weisen, dass sie mit dem Erlös ihr Klassenlager finanzieren; in Tat und Wahrheit
wird das Geld aber zum Einkauf von Alkohol verwendet).
Überdies bestehen auch keine Anhaltspunkte dafür, dass M._ gerade als
Folge der Täuschung mehr bezahlte als er effektiv zu zahlen bereit gewesen wä-
re. Anders verhielte es sich beispielsweise, wenn A._ auf kritische Rückfra-
gen M._s zur Vergütungshöhe diesem gegenüber unwahre Angaben ge-
macht hätte. Mit anderen Worten: Auch wenn A._ keine Provision erhalten
hätte, hätte sich M._ an der Auszahlung eines Honorars im Umfang von USD
1.5. Mio. nicht gestört.
Hinzu kommt, dass vorliegend – und im Gegensatz zum Sachverhalt, der BGE 98
IV 252 ff. zu Grunde lag – keinerlei Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ein ur-
sprüngliches Honorar im Umfang einer versteckten Provision erhöht wurde, wobei
richtigerweise selbst dieser Umstand am Nichtvorliegen eines Schadens nichts zu
ändern vermöchte, denn das Einverständnis mit der Vergütungshöhe schliesst die
Annahme eines Betrugsschadens unter diesen Umständen aus (in diesem Sinne
auch: MARKUS BOOG, Die Rechtsprechung des Bundesgerichts zum Begriff des
Vermögensschadens beim Betrug, Diss., Basel 1991, S. 152; BSK StGB-ARZT, 3.
Aufl., 2013, N 153 zu Art. 146; vgl. STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, Schweizeri-
sches Strafrecht, Besonderer Teil I, 7. Aufl., 2010, § 15 N 54, bei und in Fn. 112).
Vorliegend ist zudem davon auszugehen, dass die Vergütungshöhe so festgelegt
wurde, dass sie zwar hoch war, aber doch nicht so exzessiv hoch, dass nicht ein-
- 64 -
geweihte Personen (insbesondere CFO, Revisionsstelle, Bankberater) Verdacht
schöpfen würden (zu diesem Vorgehen: Urk. 0110069 a.E.), was ja dann nach-
weislich auch nicht der Fall war. Im Übrigen bestehen für Dienstleistungen der
erbrachten Art keine verlässlichen Marktpreise. Es kann vorliegend somit nicht
zwischen einem an sich marktkonformen Honorar und einer dazu geschlagenen
versteckten Provision unterschieden werden.
Fazit: Der Beschuldigte A._ ist vom Vorwurf des Betrugs (Anklagesachver-
haltsabschnitt A) freizusprechen.
Vorwurf der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung
Eine ungetreue Geschäftsbesorgung begeht namentlich, wer aufgrund eines
Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines anderen zu verwalten oder ei-
ne solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen und dabei unter Verletzung
seiner Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Vermögen geschädigt
wird (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Handelt der Täter in der Absicht, sich oder ei-
nen anderen unrechtmässig zu bereichern, liegt insofern eine qualifizierte Form
der ungetreuen Geschäftsbesorgung vor (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB).
Wie erwähnt, setzt auch die ungetreue Geschäftsbesorgung das Vorliegen eines
Schadens voraus. Bei der ungetreuen Geschäftsbesorgung entsteht dieser Scha-
den als Folge der Pflichtverletzung des Geschäftsführers. Der Geschäftsführer ei-
nes Unternehmens, der heimlich von Vertragspartnern eine persönliche Provision
kassiert und diesen Vertragspartnern namens des Unternehmens, für das er tätig
ist, entsprechend überhöhte Preise bezahlt, verletzt seine Pflichten und schädigt
sein Unternehmen im entsprechenden Ausmass (BSK StGB-ARZT, 3. Aufl., 2013,
N 153 zu Art. 146). Allerdings muss auch hier ein Schaden feststellbar sein.
Vorliegend ist, wie bereits erwähnt, nicht feststellbar, dass ein bestimmtes markt-
übliches Grundhonorar im Umfang der an A._ (bzw. indirekt auch an
O._) bezahlten Provision in einem bestimmten Umfang erhöht worden ist.
Die Umstände deuten stattdessen, wie erwähnt, darauf hin, dass das Honorar le-
diglich so hoch festgesetzt wurde, dass es gegenüber firmeninternen und -
- 65 -
externen Kontrollorganen nicht als verdächtig auffallen würde. Insofern lässt sich
ein Schaden nicht feststellen, so dass ein Schuldspruch wegen (qualifizierter) un-
getreuer Geschäftsbesorgung nicht in Betracht kommt.
Fazit: Der Beschuldigte A._ ist vom Vorwurf der qualifizierten ungetreuen
Geschäftsbesorgung (Anklagesachverhaltsabschnitt A) freizusprechen.
Zur Frage der Veruntreuung
Der Vorwurf der Veruntreuung wurde in der Anklage nicht erhoben. Soweit die in
der Anklage enthaltenen Tatsachen jedoch eine Subsumtion unter diesen Tat-
bestand erlauben, könnte theoretisch eine entsprechende Verurteilung – nach
Gewährung des rechtlichen Gehörs – erfolgen (Art. 350 Abs. 1 StPO; vgl. auch
Art. 325 Abs. 1 lit. g StPO), sofern deren Voraussetzungen erfüllt wären, was im
Folgenden zu prüfen ist.
Eine Veruntreuung begeht namentlich, wer sich ihm anvertraute Vermögenswerte
unrechtmässig in seinem oder eines anderen Nutzen verwendet (Art. 138 Ziff. 1
Abs. 2 StGB). Anvertraut im Sinne dieser Bestimmung ist nur, was jemand mit der
Verpflichtung empfängt, es in bestimmter Weise im Interesse eines andern zu
verwenden, insbesondere es zu verwahren, zu verwalten oder abzuliefern. Eine
gesetzliche oder vertragliche Ablieferungspflicht führt für sich allein noch nicht da-
zu, dass ein Vermögenswert als anvertraut gilt (zum Ganzen: BGE 80 IV 53; BGE
103 IV 227; STRATENWERTH/JENNY/BOMMER, Schweizerisches Strafrecht, Beson-
derer Teil I, 7. Aufl., Bern 2010, § 13 N 56; BSK StGB-NIGGLI/RIEDO, 3. Aufl.,
2013, N 54 zu Art. 138).
Vorliegend erhielt der Beschuldigte A._ den Betrag als Privatperson auf sein
Privatkonto überwiesen. Nach dem Gesagten wurden ihm die Vermögenswerte
somit nicht anvertraut.
Fazit: Eine Verurteilung wegen Veruntreuung fällt ausser Betracht.
Vorwurf der passiven Privatbestechung
- 66 -
Unlauter handelt namentlich, wer als Arbeitnehmer im Zusammenhang mit seiner
geschäftlichen Tätigkeit für eine pflichtwidrige oder eine im Ermessen stehende
Handlung oder Unterlassung für sich oder einen Dritten einen nicht gebührenden
Vorteil annimmt (Art. 4a Abs. 1 lit. b UWG); keine nicht gebührenden Vorteile sind
vertraglich vom Dritten genehmigte sowie geringfügige, sozial übliche Vorteile
(Art. 4a Abs. 2 UWG). Ein vorsätzlicher Verstoss gegen Art. 4a UWG wird auf An-
trag mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft (Art. 23
UWG).
Mit Eingabe vom 27. August 2008 hat die Privatklägerschaft einen entsprechen-
den Strafantrag gestellt (Urk. 0200115) und damit die Dreimonatsfrist gemäss
Art. 31 StGB gewahrt.
Indem sich A._, wie gezeigt, für die in seinem Ermessen stehende Handlung
(Erwerb der CLN) von der G._ USD 500’000 auf sein Privatkonto überweisen
liess, die Hälfte dieses Betrages für seine eigenen Zwecke verwendete, die ande-
re an O._ (also an einen Dritten) weiterleitete, verstiess er gegen die vorge-
nannte Strafbestimmung. Dass M._ die Auszahlung des Gesamthonorars
genehmigte, ändert daran nichts, denn eine Genehmigung ist nur wirksam, wenn
der Genehmigende über die relevanten Fakten informiert wird (ALDO STAUB, Zivil-
rechtliche Folgen der Privatbestechung, Diss., Luzern 2013, N 293). Vorliegend
verschwieg A._ Letzterem gegenüber, dass im Honorar für den CLN-Erwerb
eine versteckte Provision an ihn selbst bzw. an O._ enthalten war. Der Ein-
wand, es fehle vorliegend an einem Wettbewerbsverhältnis, geht fehl, denn für die
Anwendbarkeit des UWG in der vorliegend massgebenden Fassung ist kein
Wettbewerbsverhältnis vorausgesetzt; das Vorliegen einer Wettbewerbshandlung
genügt, wobei dieser Begriff weit auszulegen ist (STAUB, a.a.O., N 193 mit Hin-
weis auf Botschaft). Eine solche Wettbewerbshandlung ist mit der vorliegend ab-
geschlossenen Transaktion ohne weiteres gegeben.
Fazit: Der Beschuldigte A._ ist des Sich-bestechen-lassen im Sinne von
Art. 4a Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 23 UWG schuldig zu sprechen.
Rechtliche Würdigung betreffend C._ und B._
- 67 -
Vorwürfe der Gehilfenschaft zu Betrug bzw. zu ungetreuer Geschäftsbesor-
gung
Die Anklage wirft C._ und B._ Gehilfenschaft zu Betrug, eventualiter zu
ungetreuer Geschäftsführung vor.
Gehilfe ist, wer zu einem Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet
(Art. 25 StGB). Im Gegensatz zum Mittäter handelt der Gehilfe in untergeordneter
Stellung.
Da A._, wie gezeigt, sowohl des Betrugs als auch der ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung nicht schuldig ist, fällt auch eine Verurteilung C._s und
B._s wegen Gehilfenschaft zu diesen Straftaten von vornherein ausser Be-
tracht.
Vorwurf der aktiven Privatbestechung
Unlauter handelt namentlich, wer einem Arbeitnehmer im Zusammenhang mit
dessen geschäftlicher Tätigkeit für eine pflichtwidrige oder eine im Ermessen ste-
hende Handlung oder Unterlassung zu dessen Gunsten oder zu Gunsten eines
Dritten einen nicht gebührenden Vorteil anbietet, verspricht oder gewährt (Art. 4a
Abs. 1 lit. a UWG). Ein vorsätzlicher Verstoss gegen Art. 4a UWG wird auf Antrag
mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft (Art. 23 UWG).
Mit Eingabe vom 27. August 2008 hat die Privatklägerschaft einen entsprechen-
den Strafantrag gestellt (Urk. 0200115) und damit die Dreimonatsfrist gemäss
Art. 31 StGB gewahrt.
Bei diesen Vorwürfen gegenüber B._ und C._ handelt es sich nicht um
Gehilfenschaftshandlungen, sondern um eine Tatbegehung als Haupttäter. Weder
die Staatsanwaltschaft noch die Privatklägerschaft hat die vorinstanzlichen
Schuldsprüche B._s und C._s wegen Gehilfenschaft zu Betrug ange-
fochten. Demzufolge gelangt vorliegend das Verschlechterungsverbot zur An-
wendung (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO). Dieses verbietet auch die Annahme einer
schwerwiegenderen rechtlichen Qualifikation (BGE 139 IV 282). Zwar ist die
- 68 -
Sanktionsandrohung bei der aktiven Privatbestechung milder als beim Betrug
(Art. 23 UWG: Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe; Antragsdelikt),
so dass insofern keine Verschlechterung vorliegt; die Tatbegehungsform der
Haupttäterschaft (die bei der aktiven Privatbestechung vorliegend zur Anwendung
käme) wiegt allerdings deutlich schwerer als diejenige der Gehilfenschaft, die zu
einer milderen Bestrafung führt (Art. 25 i.V.m. Art. 48a StGB: Unterschreiten einer
gesetzlichen Mindeststrafe bzw. Wechsel zu einer milderen Sanktionsart). Dem-
zufolge läge im Wechsel vom Betrugsgehilfen zum aktiven Privatbestechungs-
haupttäter eine vorliegend, wie erwähnt, unzulässige Verschlechterung.
Fazit: B._ und C._ sind von den Vorwürfen gemäss Anklagesachverhalt
A vollumfänglich freizusprechen.
Vorwurf gemäss lit. D der Anklage (Erwerb der Structured Notes gegen Ver-
pfändung der CLN)
Ausgangslage
Die Anklage wirft dem Beschuldigten A._ im Wesentlichen Folgendes vor:
A._ habe die CLN – in Zusammenarbeit mit der G._ – an die AC._
Singapur als Sicherheit übertragen und im Gegenzug einen Kredit von USD 82
Mio. erhalten. Mit diesem Kredit habe A._ – ohne Wissen seiner Vorgesetz-
ten und in Zusammenarbeit mit der G._ – die AC._ am 27. März 2008
angewiesen, zwei Structured Notes im Wert von je USD 35 Mio. zu erwerben,
wobei er die Differenz zwischen dem Nominalwert und dem Ausgabewert der No-
tes im Umfang von 3.5% bzw. USD 2.45 Mio. zur Hälfte, d.h. im Umfang von USD
1.225 Mio., der G._ zukommen liess (nach Massgabe eines „Memorandum
of Agreement vom 11. März 2008“), während die andere Hälfte an die Privatkläge-
rin floss. Mit diesem Vorgehen habe der Beschuldigte gegen die Treasury Policy
und das Organisationreglement der Privatklägerin verstossen und dieser letztlich
einen Schaden von rund 25 Mio. USD zugefügt.
Wie noch zu zeigen sein wird, bildet Anklagesachverhalt E mit dem vorliegend
thematisierten Anklagesachverhalt D unter rechtlichen Gesichtspunkten einen
- 69 -
einheitlichen Lebenssachverhalt. Aus Gründen der Übersichtlichkeit wird Ankla-
gesachverhalt E nachfolgend allerdings separat abgehandelt (im Anschluss an
Anklagesachverhalt D).
Standpunkt A._s
A._ bestreitet nicht, den Erwerb der Structured Notes – auf Seite der Privat-
klägerin 1 – selbständig getätigt zu haben (Urk. 0810163 oben); er habe auf
Grundlage einer schriftlichen Vollmacht gehandelt (Urk. 0810164), die zwei Ver-
waltungsräte der Privatklägerin 1 (AD._ und AE._) unterzeichnet hatten.
Diese ermächtigte A._, der AC._ namentlich folgende Anweisungen zu
erteilen (Urk. 0110214 Ziff. 1a): „To instruct the Bank to enter any contract wirth
respect to the investment in, the sale of or purchase of options in respect of secu-
rities and currencies, currency and foreign exchange and spot, forward and de-
ferred contracts in respect thereof, and securities which shall include stocks,
shares, warrants and other equity securities, bonds, notes and other debt instru-
ments and certificates of deposits [Hervorhebungen hinzugefügt];“ unzulässig war
hingegen ein Vermögensabzug vom fraglichen Konto (Ziff. 1 a.E.).
[selbständiges Handeln A._s] Die Vorbereitung dieser Transaktion habe – so
A._ weiter – den ganzen Monat März (des Jahres 2008) in Anspruch ge-
nommen (Urk. 0810163 oben). Die Geldmittel zum Erwerb der beiden Notes
stammten von einem Darlehen über USD 82 Mio., das die AC._ der Privat-
klägerin zur Verfügung stellte (Urk. 0110249). Gesichert wurde dieses Darlehen,
wie erwähnt, durch Übertragung der CLN von der H._ an die AC._, was
mit Auftrag vom 28. Februar 2008 geschah (Urk. 0110212).
Mit Blick auf die Vorbereitung und Durchführung der Transaktion sagte A._
namentlich Folgendes aus: Sein direkter Vorgesetzter CFO M._ habe sich
mit der Sache nicht mehr befassen wollen, da sein Austritt bevorstand; M._
habe ihn an CEO AF._ weiterverwiesen (wobei sich M._ ebenfalls in
diesem Sinne äusserte: Urk. 0810162 oben); CEO AF._ habe ihm gegenüber
das Gespräch dann aber verweigert und ihn an seinen direkten Vorgesetzten, al-
so an M._, zurückverwiesen (woran sich AF._ nicht erinnern konnte:
- 70 -
Urk. 0910112 Ziff. 21-23). A._ führte weiter aus: Da die Sache schon vorbe-
reitet gewesen sei und er die entsprechenden Vollmachten besass, habe er den
Erwerb der Structured Notes schliesslich veranlasst, er habe die Transaktion bei
der AC._, die zu den Top-Banken gehöre, nicht wegen interner Probleme bei
der Privatklägerin abbrechen wollen (zum Ganzen: Urk. 0810161 - 0810164, insb.
Urk. 08110163 unten; Urk. 0810009 ganz oben; Urk. 0920030 f.). Den schriftli-
chen Kaufauftrag zum Erwerb der beiden Notes erteilte A._ am 27. März
2008 (Urk. 0110250 f.).
Demzufolge steht fest, dass A._ den Erwerb der Structured Notes – auf Sei-
ten der Privatklägerin – eingestandenermassen im Alleingang und einzig gestützt
auf seine Vollmacht tätigte bzw. über keinerlei Zustimmung eines Vorgesetzen
oder eines Organs verfügte.
Zu Gunsten des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass M._ ihn tatsäch-
lich an AF._ weiterverwies. Dieser Umstand wiederum deutet darauf hin,
dass M._ zumindest ansatzweise gewisse Kenntnisse von der geplanten
Transaktion gehabt haben musste, denn eine derartige Weiterverweisung setzt
grundsätzlich voraus, dass derjenige, der weiterverweist, gewisse minimale
Kenntnisse über den Gegenstand des weiterverwiesenen Anliegens hat. Es be-
stehen aber auch sonst Hinweise, die darauf hindeuten, dass M._ effektiv
mehr wusste, als er in den Einvernahmen einräumte:
In einem an die G._ adressierten Bestätigungsschreiben vom 26. Februar
2008, das von AG._ (einem Mitarbeiter der Finanzgesellschaft H._ plc.)
verfasst wurde, wird nämlich auf zwei Sitzungen Bezug genommen, von denen
die erste bei der AC._ Bank in Zürich stattgefunden habe und die zweite im
... [Restaurant] in Zürich. Zumindest an der zweiten Sitzung (im ...) seien nebst
ihm selbst C._, B._, A._ und M._ anwesend gewesen
(vgl. dazu u.a. auch: Urk. 0820020 Ziff. 70). Dabei sei besprochen worden, dass
bei der AC._ Singapur ein Konto zu eröffnen sei, die CLN dorthin zu transfe-
rieren sei und – im Umfang der daraus resultierenden Belehnung – Notes mit der
Laufzeit von einem Jahr zu erwerben seien (Urk. 0110201).
- 71 -
Bereits einen Tag nach dem Datum des vorerwähnten Bestätigungsschreibens,
nämlich am 27. Februar 2008, unterzeichnete M._, der bei der Privatklägerin
1 im Verwaltungsrat sass (Urk. 0110007; nicht jedoch bei der Privatklägerin 2),
zusammen mit A._ den Auftrag an die H._, die CLN an die AC._
Asia in Singapur einzuliefern (Urk. 0110212). Mit Blick auf den eben erwähnten
Gegenstand dieser Sitzungen musste M._ damit rechnen, diese Titelliefe-
rung erfolge in Realisierung des zuvor besprochenen Planes und durfte nicht ein-
fach annehmen, wie er später geltend machte, diese Übertragung diene dem Ver-
kauf der CLN. Im Übrigen hatte M._ zusammen mit seiner Mitarbeiterin
AE._ bereits am 22. Februar 2008 für die Kontoeröffnung bei der AC._
Asia notwendige Dokumente unterzeichnet (Urk. 0200451 ff.; vgl. auch E-Mail
vom 29. Februar 2008 von AI._, AC._, an AJ._ von der Privatkläge-
rin: Urk. 0920017 f.). Zum Zeitpunkt als A._ den Kaufauftrag betreffend die
beiden Notes erteilte, nämlich am 27. März 2008 (Urk. 0110250), war M._
zudem noch angestellt bzw. präsent, denn freigestellt wurde er erst am Tag da-
nach (Urk. 0920002 Ziff. 1).
Nach dem Gesagten verfügte M._ im Vorfeld der Transaktion über ausrei-
chend Informationen, die ihm bei pflichtgemässer Aufsicht seines ihm direkt un-
terstellten Mitarbeiters zumindest erlaubt hätten, diesbezüglich Näheres in Erfah-
rung zu bringen; auch wenn das Ende seiner Anstellung absehbar war, durfte er
sich nicht einfach seiner Verantwortung entziehen, indem er A._ an den CEO
weiterverwies, ohne sich auch nur dafür zu interessieren, ob und inwiefern
A._ seiner Aufforderung nachkam bzw. der CEO diese Verweisung auch tat-
sächlich akzeptierte. Vor diesem Hintergrund ist zu Gunsten A._s anzuneh-
men, M._ sei über die geplante Transaktion zumindest anfänglich grundsätz-
lich im Bilde gewesen, habe sich aber in der Folge nicht mehr dafür interessiert
bzw. sich seiner diesbezüglichen Verantwortung entzogen. Insofern wird zu Guns-
ten von A._ teilweise von A._s eigenen Aussagen abgewichen (A._
selbst behauptet nämlich nicht, M._ habe von der Transaktion jedenfalls im
Grundsatz gewusst).
- 72 -
Ebenfalls zu Gunsten von A._ ist anzunehmen, dass er CEO AF._ tat-
sächlich auf entsprechenden Hinweis M._s hin kontaktierte und dieser ihn
wiederum an M._ zurückverwies; A._ machte aber nicht geltend, er ha-
be M._ alsdann über diese „Zurückverweisung“ informiert, so dass solches
nicht anzunehmen ist.
Die vorstehenden Differenzierungen ändern allerdings nichts an der Tatsache,
dass A._ letztlich, wie er auch selbst einräumte, im Alleingang und ohne Vor-
liegen interner Bewilligungen handelte. Namentlich lässt sich aus dem erwähnten
anfänglichen bzw. ansatzweisen Wissens M._s um die Transaktion bzw. aus
dem Umstand, dass er A._ an AF._ weiterverwies, nicht der Schluss
ziehen, M._ habe die Transaktion stillschweigend genehmigt (wovon im Üb-
rigen selbst A._ nicht ausging). Ebenso wenig lässt sich eine solche still-
schweigende Genehmigung aus dem Umstand ableiten, dass AF._ A._
an M._ zurückverwies.
Pflichtverletzung
Zum Zeitpunkt des Erwerbs der beiden Structured Notes galt das Organisations-
reglement vom 19. Oktober 2005 (Urk. 0110009 ff.) mit Appendix A vom 18. Juli
2005 (Urk. 0110025 ff.).
Gemäss Ziffer 4.1 des Appendix A müssen Neukreditaufnahmen, deren Umfang
EUR 30 Mio. übersteigt, vom Verwaltungsrat (der Privatklägerin 2) beschlossen
werden (wobei dem CEO die entsprechende Planung, Vorbereitung und Antrag-
stellung obliegt).
Die beiden Structured Notes mit einem Nominalwert von je USD 35 Mio.
(bzw. einem Emissionswert von 96.5%) wurden vorliegend mittels einem Kredit im
Umfang von USD 82 Mio. erworben, den die AC._ Asia der Privatklägerin
vorgängig gewährte (Urk. 0110249). Dies entsprach zum Datum der Kreditgewäh-
rung (26. März 2008) EUR 52.9912 Mio. Somit lag diese Kreditaufnahme weit
über dem vorerwähnten Grenzwert von EUR 30 Mio., ab welchem ein Verwal-
- 73 -
tungsratsbeschluss nötig gewesen wäre. Da ein solcher fehlte, war die Transakti-
on nicht zulässig.
Daran vermögen namentlich auch die folgenden Umstände nichts zu ändern:
C._ sagte aus, er habe auf Wunsch A._s den zuständigen AC._-
Mitarbeiter darum ersucht, dem Verwaltungsratspräsidenten der Privatklägerin 2
einen Brief zu schreiben und zur erfolgreichen Structured Notes-Transaktion zu
gratulieren; er habe den Eindruck gehabt, A._ habe gegenüber seinem Vor-
gesetzten brillieren wollen (Urk. 0100225). Diese Aussage ist glaubhaft, zumal ein
derartiger Brief vom 28. März 2008 (also ein Tag nach Erteilung des entspre-
chenden Auftrags) bei den Akten liegt (Urk. 0610157). Darin gratuliert AI._
AK._ zur Transaktion, die allerdings nur in relativ unbestimmten Worten er-
wähnt wird („very successful placement of privately issues notes with your Nether-
lands Antilles entity“), und lobt die Zusammenarbeit mit A._. Insofern wusste
der Verwaltungsratspräsident in ganz groben Umrissen von der Transaktion; da
der Auftrag zu diesem Zeitpunkt allerdings schon erteilt war und der Verwaltungs-
ratspräsident die Transaktion allein ohnehin nicht hätte genehmigen können, son-
dern nur der Gesamtverwaltungsrat als Ganzes, lässt sich daraus von vornherein
keine stillschweigende Zustimmung ableiten. Im Übrigen ist dieser von A._
initiierte Brief vielmehr als „Flucht nach vorne“ anzusehen, und zwar in dem Sin-
ne, als ein offizielles Lob seitens AC._ dazu beitragen möge, die Konse-
quenzen aus A._s eigenmächtigem Vorgehen zu mildern.
Fazit: Das Fehlen eines gemäss Ziffer 4.1 des Appendix A des Organisationsreg-
lements erforderlichen Verwaltungsratsbeschlusses hat zur Folge, dass der mit
diesem unzulässigen Kredit erfolgte Erwerb der Structured Notes ebenfalls nicht
zulässig war.
Auf die Frage, ob CFO M._ mit A._s Vorgehen einverstanden war oder
A._ dies zumindest annahm bzw. annehmen durfte, kommt es demzufolge
gar nicht an, denn es bedurfte ohnehin eines Verwaltungsratsbeschlusses. Ob der
Erwerb der Structured Notes noch aus weiteren Gründen unzulässig war (insbe-
sondere wegen Verstosses gegen die Treasury Policy), kann vorliegend offen
bleiben.
- 74 -
Ob die Treasury Policy Anlagen in strukturierte Produkte generell untersagte, er-
scheint zumindest zweifelhaft, denn in Ziffer 6.3 wird explizit definiert, welche Ra-
ting-Anforderungen Emittenten derivativer Instrumente erfüllen müssen. Wäre der
Einsatz derivativer Instrumente nicht zulässig, würde diese Bestimmung keinen
Sinn machen. Sind aber derivative Instrumente zulässig, muss dasselbe auch für
strukturierte Produkte gelten, die eine Kombination eines Basiswertes und einer
derivativen Komponente beinhalten. Im Lichte von Ziffer 6.3 schliesst daher der in
Ziffer 4.4 verwendete Begriff „Bonds“ den Einsatz strukturierter Bonds bzw. Notes
jedenfalls nicht aus; auch die ebenfalls dort erwähnten Forward Rate Notes (FRN)
existieren ebenfalls in Form strukturierter Produkte.
Im Übrigen stellte bereits die CLN ein strukturiertes Produkt (sog. strukturierte An-
leihe) dar, obschon ein weniger risikoreiches, und dieser Erwerb wurde vom Ver-
waltungsrat in seiner Sitzung vom 1. Februar 2008 nicht nur genehmigt, sondern
es wurde explizit festgehalten, dass durch diesen Erwerb keine internen Regeln
verletzt worden seien; weiter wurde sinngemäss zum Ausdruck gebracht, dass die
Treasury Policy ohnehin nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen entspreche
(Urk. 0510162): „The recent example of the Treasurer signing an
USD 100'000'000 Bond without Board approval did not constitute a violation of in-
ternal rules, but was considered as highlighting the need for an updated Treasury
Policy.” Auch wenn die bisherige Anlagepraxis „sehr konservativ“ gewesen sein
mag (wie es im Protokoll des Audit Comittees vom 30. Januar 2008 heisst;
Urk. 0510160), ändert dies nichts daran, dass die Treasury Policy als solche den
Erwerb derartiger Produkte nicht ausschloss und weder Verwaltungsrat noch Re-
visionsstelle bzw. Audit Committee den Erwerb der CLN mit der Begründung be-
anstandete, dass es sich dabei um ein strukturiertes Produkt gehandelt habe. In
Frage gestellt wurde seitens der AL._ einzig die Einhaltung der Klumpenrisi-
ko-Regelung gemäss Ziffer 6.2 (Urk. 0510165 ff.), und ein Mitglied des Audit
Committee erwähnte, er wisse nicht, ob diese Anlage von der Treasury Policy ge-
deckt sei (Urk. 0510160). Massgebend ist aber letztlich ohnehin der vorerwähnte
Beschluss des Verwaltungsrates.
- 75 -
Auch das Argument, der Erwerb der Structured Notes sei unzulässig gewesen,
weil damit gegen Ziffer 4.2 des Organisationsreglements verstossen werde (Not-
wendigkeit eines VR-Beschlusses bei Bestellung von Sicherheiten über 10 Mio.),
erscheint zumindest diskutabel, denn in diesem Punkt besteht eine Ambiguität zur
Treasury Policy, welche in Ziffer 7.1 pauschal bzw. undifferenziert davon spricht,
dass der CFO den Einsatz von Sicherheiten bei der Kapitalbeschaffung zu bewil-
ligen habe. Zwar ist das Organisationsreglement in der Hierarchie betriebsinterner
Vorschriften höher einzustufen als die Treasury Policy (vgl. insb. Art. 716b OR);
dennoch ist hier – im Lichte der erwähnten Ambiguität – zu Gunsten des Beschul-
digten auf die Treasury Policy abzustellen, wonach das Einverständnis des CFO
genügt. Zwar sagte A._ selbst aus, dass er den Erwerb der Structured Notes
am 27. März 2008 letztlich alleine veranlasste; allerdings hat M._ den Auftrag
zur Einlieferung der CLN an die AC._ vom 27. Februar 2008, wodurch die
Sicherheit begründet wurde, eigenhändig mitunterzeichnet (Urk. 0110212); weiter
deutet das von einem Mitarbeiter der Finanzgesellschaft AH._ verfasste Sit-
zungsprotokoll klar darauf hin, dass M._ jedenfalls anfänglich im Grundsatz
über das Vorhaben im Bilde war (Urk. 0110201), wenn er auch später nichts mehr
damit zu tun haben wollte (vgl. Urk. 0920011 Ziff. 72 a.E.; ähnlich äusserte sich,
wie schon erwähnt, auch A._). Nicht glaubhaft erscheinen vor diesem Hin-
tergrund M._s Aussagen, er habe im Zusammenhang mit der Transaktion
betreffend Structured Notes von nichts gewusst (Urk. 0920011 Ziff. 74) bzw. er sei
davon ausgegangen, der von ihm mitunterzeichnete Auftrag zur Einlieferung der
CLN an die AC._ habe lediglich zu deren Verkauf gedient (Urk. 0920011 Ziff.
71).
Kenntnis vom Organisationsreglement:
A._ sagte aus, vom Organisationsreglement bzw. von dessen Appendix A
keine Kenntnis gehabt zu haben (Urk. 0810198 Ziff. 14-17 sowie Urk. 0810201
Ziff. 38 f.). Er habe sich lediglich auf die Treasury Policy gestützt. Gemäss seiner
Interpretation verbiete die Treasury Policy den Erwerb der Structured Notes nicht
(Urk. 0810201 f. Ziff. 39).
- 76 -
M._ sagte demgegenüber aus, A._ habe vom Organisationsreglement
Kenntnis gehabt (Urk. 0920003 Ziff. 6-10); dass M._ A._ in diesem
Punkt zu Unrecht belasten sollte, liegt jedenfalls nicht nahe, denn selbst wenn es
letztlich zu einer Anklage gegen M._ gekommen wäre, hätte er sich von einer
solchen Belastung keinen Vorteil erhoffen können.
Auch wenn sich das Organisationsreglement primär an die Verwaltungsräte, den
CEO, den CFO, den „Head of Internal Audit“ sowie an externe „Auditors“ richtet
(Ziffer 1.1 b Organisationsreglement; vgl. Urk. 0810198 Ziff. 16), handelt es sich
um ein gerade in Finanzbelangen derart zentrales Dokument, dass die Annahme,
der Treasurer habe von dessen Existenz nichts gewusst, von vornherein nicht
glaubhaft erscheint. Widerlegt wird diese Annahme indes auch durch die folgende
Begebenheit:
AM._ von der Revisionsstelle AL._ sandte am 17. Januar 2008 eine
E-Mail an A._, in welcher er explizit auf das Organisationsreglement bzw.
dessen Appendix A Bezug nahm (Urk. 0110159), und zwar im Zusammenhang
mit der Prüfung der CLN-Transaktion. Diese E-Mail beantwortete A._ tags
darauf (Urk. 0110158). Demzufolge wusste A._ – allein schon aufgrund die-
ser Begebenheit – spätestens seit dem 18. Januar 2008 und damit lange vor dem
Erwerb der beiden Structured Notes, dass diesem Appendix A mit Blick auf die
Zulässigkeit von Finanztransaktionen eine so entscheidende Bedeutung zukam,
dass selbst die Revisionsstelle dessen Einhaltung prüfte.
Die Beachtung von Bestimmungen des Organisationsreglements, welche die
Kompetenzordnung zur Vornahme von Finanztransaktionen festlegt, bildet inso-
fern eine zentrale unternehmensinterne Vermögensschutznorm, deren Missach-
tung ohne weiteres eine Pflichtverletzung im Sinne von Art. 158 StGB bildet
(vgl. dazu auch BSK StGB-NIGGLI, 3. Aufl., N 62 zu Art. 158, mit Hinweisen). Dies
zeigt sich auch daran, dass die Revisionsstelle Verstösse gegen das Organisati-
onsreglement – wie auch solche gegen Gesetz und Statuten – dem Verwaltungs-
rat schriftlich zu melden hat (Art. 728c Abs. 1 OR, wobei Verstösse gegen das
Organisationsreglement erst mit der Aktienrechtsrevision vom 16. Dezember 2005
in den Gesetzestext aufgenommen wurden; Inkrafttreten per 1. Januar 2008 und
- 77 -
damit noch vor den vorliegend zur Diskussion stehenden Transaktionen; AS 2007
S. 4839).
Indem A._ das ihm bekannte Organisationsreglement ignorierte, obwohl er
eine offensichtlich finanziell bedeutende Transaktion faktisch im Alleingang veran-
lasste, nahm er eine Verletzung des Organisationsreglements in Kauf bzw. billigte
dessen allfällige Verletzung (Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB).
Bereicherung
Den Erwerb der Structured Notes veranlasste A._, wie erwähnt, schliesslich
im Alleingang bzw. gestützt auf die ihm eingeräumte umfassende Vollmacht (wo-
bei dieser Vollmacht insbesondere auch kein Verwaltungsratsbeschluss zu Grun-
de lag). Auch bei dieser Transaktion amtete die G._ als Beraterin der Privat-
klägerin.
Aus der Rechnungsstellung der G._ für diese Transaktion ergibt sich Fol-
gendes (Urk. 0110273): Das vereinbarte Honorar betrug 50% der Differenz zwi-
schen dem Nominalwert (100%) und dem Emissionswert (96.5%) der beiden
Structured Notes, d.h. des sog. „spread“ (vgl. Urk. 0110264.1 sowie Urk.
0110264.2): d.h. 100% - 96.5% = 3.5% : 2 = 1.75%, wobei es diesen Prozentsatz
auf dem Transaktionsvolumen von USD 70 Mio. zu berechnen gilt; daraus resul-
tieren die in Rechnung gestellten USD 1.225 Mio., die A._ letztlich (namens
der Privatklägerin) an die G._ auszahlen liess (Urk. 0110275; Urk. 0110277).
Dass er ein solches Honorar mit der G._ vorgängig vereinbarte, hat A._
im Übrigen anerkannt (Urk. 0810208 Ziff. 79 und 80; vgl. Urk. 0110251 Ziff. 3).
Da dieses Honorar Entgelt für eine unzulässige Transaktion bildet, erweist sich
seine Auszahlung ebenfalls als unzulässig bzw. als ungerechtfertigte Bereiche-
rung des Empfängers (G._ bzw. B._ und C._).
Schadenshöhe
AN._, der per 1. April 2008 die Nachfolge M._s als CFO angetreten hat-
te, erfuhr am Nachmittag des 30. April 2008 im Rahmen eines Treffens mit
- 78 -
C._ und B._ erstmals vom Erwerb der beiden Structured Notes
(Urk. 0910016 Ziff. 19; vom unbestimmt gehaltenen diesbezüglichen Gratulati-
onsschreiben der AC._ an AK._ vom 28. März 2008 war bereits die Re-
de). Von der CLN hatte AN._ bereits früher erfahren und A._ bereits
mehrfach, erstmals am 18. April 2008 (Urk. 0110306), angehalten, diese umge-
hend zu verkaufen. Nicht bekannt war AN._ jedoch bis zu diesem Zeitpunkt,
dass die CLN zwecks Finanzierung des Erwerbs der Structured Notes belehnt
worden war. Noch am Abend des 30. April 2008 hielt AN._ seine ersten Er-
kenntnisse in einer an sich selbst versandten E-Mail fest (Urk. 0110322). Danach
wurden weitere Nachforschungen betreffend die erfolgten Transaktionen ange-
stellt (insbesondere einschlägige Vertragsunterlagen bei der G._ angefor-
dert; Urk. 0110326 ff.) und die Kündigung A._s in die Wege geleitet, wobei
dieser am 6. Mai 2008 umgehend selbst kündigte (Urk. 0110351).
In der Folge schritt die Privatklägerin zum Verkauf der beiden unzulässigerweise
erworbenen Structured Notes (sowie auch zum Verkauf der CLN).
Eine der beiden Notes (diejenige, die sich aus einem Korb von vier Aktientitel zu-
sammensetzte; nachfolgend: Vierer-Korb-Note; Urk. 0110264.2) musste aller-
dings gar nicht mehr verkauft werden, da sie im Zuge eines vertraglich vorgese-
henen „Early Redemption Event“ (vgl. Urk. 0110264.2.2) bereits am 28. April 2008
vom Emittenten (AO._ plc) zurückgerufen worden war. Vertragsgemäss er-
folgte am 15. Mai 2008 die Rückzahlung zu 100% des Nominalwerts, also im Um-
fang von USD 35 Mio., an die Privatklägerin (Urk. 0201510) zuzüglich eines bis
dahin eingetretenen Zins-Gewinnes von USD 1'434'708 (Urk. 0201307).
Der Verkauf der zweiten Note (diejenige, die sich aus einem Korb von drei Aktien-
titel zusammensetzte; nachfolgend: Dreier-Korb-Note; Urk. 0110264.1) erfolgte in
zwei Etappen (31. Juli 2008 und 18. März 2009).
Die erste Tranche im Umfang von nominal USD 15 Mio. der Dreier-Korb-Note
wurde mit Valuta vom 31. Juli 2008 verkauft, und zwar zu 66.2% des Nominal-
werts, d.h. für USD 9'930'000 (Urk. 0201511). Die zweite Tranche im Umfang von
- 79 -
nominal USD 20 Mio. wurde mit Valuta vom 18. März 2009 verkauft, und zwar zu
4% (sic!) des Nominalwerts, d.h. für USD 798'400 (Urk. 0201512).
Ursprünglich wurden die beiden Structured Notes zu 96.5% des Nominalwerts
gekauft, also für je USD 33'775'000, insgesamt also für USD 67'550'000. Am En-
de erhielt die Privatklägerin dafür insgesamt noch USD 47'163'108 (im Einzelnen:
USD 35 Mio. der zurückgerufenen Vierer-Korb-Note zuzüglich eines Gewinns von
USD 1’434708 + USD 9'930'000 aus der 1. Tranche der Dreier-Korb-Note +
USD 798'400 aus der 2. Tranche der Dreier-Korb-Note). Diesen Betrag (also
USD 47'163'108 gilt es vom effektiv bezahlten anfänglichen Kaufpreis von, wie
erwähnt, insgesamt USD 67'550'000 abzuziehen. Der daraus resultierende Betrag
von USD 20'386'892 entspricht dem von der Privatklägerin geltend gemachten
Schaden. Der in der Anklageschrift aufgeführte Schadensbetrag von
USD 20'421'892 (Urk. 0100346 ganz unten und folgende Seite) erweist sich in-
sofern als um USD 35'000 zu hoch.
Die Verteidigung A._s macht mit Bezug auf diese Schadenshöhe geltend, die
Notes seien verfrüht verkauft worden (Urk. 44 S. 48 ff.; siehe dazu auch unten un-
ter dem Abschnitt „Zivilansprüche“), wodurch die Schadenminderungspflicht ver-
letzt worden sei. Wie weit der vorerwähnte Schaden in Anwendung der zivilrecht-
lichen Schadenminderungspflicht letztlich noch zu mindern ist, kann im Rahmen
der vorliegenden rein strafrechtlichen Beurteilung offen bleiben. Wie noch zu zei-
gen sein wird (siehe unten im Abschnitt „Zivilansprüche“), gilt es die Zivilansprü-
che zur Klärung dieser Frage auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen.
Rechtliche Würdigung betreffend A._
Eine ungetreue Geschäftsbesorgung begeht namentlich, wer aufgrund eines
Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines anderen zu verwalten oder ei-
ne solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen und dabei unter Verletzung
seiner Pflichten bewirkt oder zulässt, dass der andere am Vermögen geschädigt
wird (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Handelt der Täter in der Absicht, sich oder ei-
nen anderen unrechtmässig zu bereichern, liegt insofern eine qualifizierte Form
der ungetreuen Geschäftsbesorgung vor (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB).
- 80 -
A._ war im Rahmen seiner vertraglichen Anstellung als Group Treasurer mit
der Durchführung und Überwachung der Finanzoperationen betraut, wobei er, wie
bei derartigen Posten üblich, direkt dem CFO unterstellt war (Urk. 0110053
Art. 1). Die Verantwortung A._s umfasste in den Worten von CFO M._
das „treasury and all banking matters on Group level“ (Urk. 0110059 unten). Die
vorliegend massgebende Treasury Policy der Privatklägerin vom Februar 2006
präzisierte dazu unter dem Titel „Group Treasurer“ Folgendes (Urk. 0110033):
• „Is responsible operationally for conducting the Treasury department’s activi-
ties in accordance with this policy.
• Is responsible for monitoring and controlling the financial operations that are
conducted by local entities and the staff at the Treasury department
[Hervorhebung hinzugefügt].“
Da das Organisationsreglement und insbesondere dessen Appendix A ausführli-
che Zuständigkeitsregelungen für Finanztransaktionen enthält, gehörte dessen
Befolgung bzw. die damit verbundene Überwachung zu A._s Pflichten.
Wie dargelegt, wusste A._ von diesem Organisationsreglement und insbe-
sondere auch von dessen Appendix A bzw. dessen Tragweite, und zwar allerspä-
testens seit der (von ihm selbst beantworteten) E-Mail-Anfrage des AL._-
Vertreters AM._, der darin die Zulässigkeit der CLN-Transaktion kritisch hin-
terfragte. Gleichwohl missachtete A._ in der Folge, wie dargelegt, Ziffer 4.1
von Appendix A dieses Organisationsreglements. Ob er diese Ziffer 4.1 effektiv
gekannt hat, spielt dabei keine Rolle: Entscheidend ist, dass er von diesem Ap-
pendix A gewusst hat und ihm aufgrund der Anfrage AM._s sogar bekannt
war, dass darin transaktionsspezifische Bewilligungszuständigkeiten geregelt wa-
ren, deren Einhaltung die Revisionsstelle zu prüfen hatte. Aufgrund dieses Wis-
sens und der offensichtlichen grossen finanziellen Tragweite der Transaktion
musste A._ damit rechnen, dass er mit der Durchführung dieser Transaktion
im Alleingang einen Pflichtverstoss begehen könnte.
- 81 -
Dass A._ für die Verwaltung des Vermögens der Privatklägerin letztlich nicht
alleine verantwortlich ist, da gemäss Treasury Policy der CFO die Gesamtver-
antwortung trägt (Urk. 0110033 oben), entlastet A._ nicht: Abgesehen davon,
dass ihm als Group Treasurer bereits aufgrund seiner formellen Stellung ein ho-
hes Mass an Selbständigkeit zukam, ist vorliegend zusätzlich auf die tatsächli-
chen Verhältnisse abzustellen (Urteil des BGer 6B_845/2014 vom 16. März 2015
E. 3.1 mit Hinweisen). Diese waren vorliegend solcher Art, dass CFO M._ –
mit Blick auf sein bevorstehendes Ausscheiden aus der Firma – mit der Angele-
genheit nichts mehr zu tun haben wollte, während CEO AF._ A._ an
M._ verwies. Dadurch vergrösserte sich A._s faktische Autonomie noch
zusätzlich, wobei er, wie erwähnt, aussagte, den Erwerb letztlich ohnehin im Al-
leingang veranlasst zu haben. Dieser Umstand war ihm zudem damals bewusst.
A._ musste sich zudem auch bewusst sein, dass er mit der Begehung seines
Pflichtverstosses einen Vermögenschaden bewirken könnte, zumal ihm – insbe-
sondere in seiner Eigenschaft als Group Treasurer – bekannt war, dass die
Transaktion erhebliche Risiken barg. Ein derartiger Schaden ist in der Folge, wie
gezeigt, auch eingetreten. Hätte der Beschuldigte die in Appendix A Ziff. 4.1 vor-
gesehene Kompetenzordnung respektiert, hätte der Verwaltungsrat nämlich be-
reits die Kapitalaufnahme (zwecks Erwerbs der beiden Structured Notes) nicht
bewilligt, zumal er bereits mit Blick auf die CLN festgestellt hatte, diese Transakti-
on widerspreche der bisherigen sehr konservativen Anlagepraxis (Urk. 0510160).
Als Folge davon besteht zwischen Pflichtverletzung und Schadenseintritt ein
Kausalzusammenhang. A._, der sich als Group Treasurer des Risikos der
Transaktion bewusst war, musste ernsthaft damit rechnen, dass der Verwaltungs-
rat einer solchen Kapitalaufnahme zwecks Erwerbs der Structured Notes nicht
zugestimmt hätte, so dass er auch bezüglich des Kausalzusammenhangs even-
tualvorsätzlich handelte.
Qualifikationsmerkmal der ungerechtfertigten Bereicherung
- 82 -
Wie erwähnt, liegt eine qualifizierte Tatbestandsvariante vor, wenn der Täter in
der Absicht gehandelt hat, sich oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern
(Art. 158 Ziff. 1 Abs. 3 StGB). Diese Absicht kann auch in Form eines Eventual-
vorsatzes vorliegen (Urteil des BGer 6B_211/2012 vom 7. September 2012
E. 3.5.1 mit Hinweis).
Wie erwähnt, vereinbarte A._ namens der Privatklägerin vorgängig die Zah-
lung eines Honorars. Entsprechend der Rechnung wurde dieses Honorar
schliesslich unter Bezugnahme auf eine solche Vereinbarung von A._ an die
G._ überwiesen.
Da A._, wie dargelegt, sich ernsthaft bewusst sein musste, dass die von ihm
getätigte Transaktion nicht zulässig war, nahm er auch in Kauf, dass die G._
durch das an sie überwiesene Honorar ungerechtfertigt bereichert würde.
Vorwurf gemäss lit. E der Anklage (Zahlung von USD 1.225 Mio. an G._ für Vermittlung Structured Notes)
A._ wird vorgeworfen, mit der Bezahlung des Honorars im Umfang von
USD Mio. 1.225 an die G._ eine weitere qualifizierte ungetreue Geschäftsbe-
sorgung begangen zu haben (Urk. 0100348). Dass er diese Honorarzahlung –
nach Erhalt der entsprechenden Rechnung seitens der G._ – veranlasst hat,
steht fest und ist unbestritten.
Wie vorstehend dargelegt, war der Erwerb der beiden Structured Notes unzuläs-
sig und A._ beging damit eine qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung
(Art. 158 Abs. 1 Ziff. 3 StGB). Als ebenso unzulässig erweist sich demzufolge
auch die Honorarzahlung, mit der A._ die G._ für ihre Dienstleistungen
im Zusammenhang mit dem Erwerb der Structured Notes entschädigte. Wer näm-
lich eine Transaktion nicht vornehmen darf, darf für deren Durchführung auch kei-
ne Berater beiziehen und vergüten.
Allerdings bildet dieser Zahlungsvorgang keine vom Erwerb der Structured Notes
verschiedene zusätzlich ungetreue Geschäftsbesorgung, und zwar weder eine
einfache noch eine qualifizierte (wobei eine qualifizierte allein schon deshalb nicht
- 83 -
in Frage kommt, weil ein und dieselbe Tatsache [Wille zur Zahlung des Honorars
an die G._] nicht ein Tatbestandsmerkmal [Bereicherungsabsicht] von zwei
verschiedenen ungetreuen Geschäftsbesorgungen abgeben kann). Stattdessen
gehört diese Honorarzahlung zum Lebenssachverhalt der ungetreuen Geschäfts-
besorgung (gemäss Vorwurf lit. D der Anklage), deren Schaden sie entsprechend
vergrösserte (+ USD 1.225 Mio.), ohne aber eine eigenständige weitere unge-
treue Geschäftsbesorgung zu bilden. A._ nahm dabei in Kauf, dass der Pri-
vatklägerin mit der unzulässigen Auszahlung dieses Honorars ein zusätzlicher
Schaden entstand.
Nach dem Gesagten beträgt der im Zuge des Erwerbs der beiden Structured
Notes eingetretene Schaden (inklusive Honorarzahlung an die G._)
USD 21’611892.
Da die Vorinstanz A._ mit Bezug auf lit. E der Anklage der ungetreuen Ge-
schäftsbesorgung (im Sinne des nicht qualifizierten Tatbestands) schuldig ge-
sprochen hat, scheitert eine Prüfung der in der Anklage eventualiter beantragten
Verurteilung A._s wegen Betrugs allein schon am Verschlechterungsverbot.
Fazit: Die Schuldigsprechung A._s wegen qualifizierter ungetreuer Ge-
schäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB) gemäss lit. D der Anklage
(Erwerb der Structured Notes) umfasst auch die Zahlung des Honorars gemäss
lit. E der Anklage.
Vorwurf der Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung
gegenüber C._ und B._ (Erwerb der beiden Structured Notes)
Den Mitbeschuldigten C._ und B._ wird im Zusammenhang mit dem
Erwerb der beiden Structured Notes Gehilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer
Geschäftsbesorgung vorgeworfen (Urk. 0100344 ff.). Dass C._ und
B._ in ihrer Eigenschaft als Berater A._ bzw. der Privatklägerin bei der
Durchführung der besagten Transaktion behilflich waren (und dies in nicht uner-
heblichem Ausmass) steht nach dem Gesagten bzw. aufgrund der Akten fest und
ist im Übrigen auch unbestritten (vgl. u.a. Urk. 0820038 Ziff. 191 f.).
- 84 -
Gehilfe im Sinne von Art. 25 StGB ist allerdings nur, wer in subjektiver Hinsicht
weiss oder damit rechnet, eine bestimmt geartete Straftat zu unterstützen, und
dies will oder in Kauf nimmt. Es genügt, wenn er den Geschehensablauf voraus-
sieht, das heisst, die wesentlichen Merkmale des vom Täter zu verwirklichenden
strafbaren Tuns erkennt. Einzelheiten der Tat braucht er hingegen nicht zu ken-
nen (Urteil des BGer 6B_859/2014 vom 24. März 2015 E. 1.2.3 a.E. mit Hinweis).
Zu Gunsten von C._ und B._ ist davon auszugehen, dass ihnen der In-
halt des Organisationsreglements nicht bekannt war. Da es sich dabei um be-
triebsinterne Vorschriften handelt und die beiden Genannten lediglich als externe
Berater tätig waren, kann aus der Unkenntnis dieser Vorschriften indes keine
eventualvorsätzliche Gehilfenschaft abgeleitet werden. Diese Vorschriften sind
nicht bloss als Einzelheiten der Tat im vorgenannten Sinne zu betrachten, son-
dern bilden eine eigentliche „conditio sine qua non“ im Hinblick auf eine gehilfen-
schaftliche Zurechnung.
Demzufolge sind die Beschuldigten C._ und B._ vom Vorwurf der Gehil-
fenschaft zu qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1
und 3 StGB) gemäss lit. D der Anklage freizusprechen.
Da A._ mit der Auszahlung des Honorars gemäss lit. E der Anklage, wie ge-
zeigt, keine eigenständige neuerliche ungetreue Geschäftsbesorgung beging,
bleibt für eine diesbezügliche Gehilfenschaft von vornherein kein Raum.
Fazit: Die Beschuldigten C._ und B._ sind von den Vorwürfen der Ge-
hilfenschaft zu qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1
Abs. 1 und 3 StGB) gemäss lit. D und lit. E der Anklage freizusprechen.
Vorwürfe gemäss lit. B (AMFA B), lit. C (AMFA D) und lit. F (AMFA C) der
Anklage
Gegenstand der Anklage bilden drei verschiedene Asset Management Facilitation
Agreements (AMFA): AMFA B (Urk. 0110175 ff.), AMFA D (Urk. 0110203 ff.) und
AMFA C (Urk. 0110339 ff.). Diese inhaltlich weitgehend identischen Agreements
- 85 -
wurden – jedenfalls ihrem Wortlaut zufolge – am 21. bzw. 28. Januar 2008 zwi-
schen der G._ und der Privatklägerin 1 geschlossen bzw. unterzeichnet.
In diesen Verträgen verpflichtete sich die Privatklägerin 1, die G._ für die
Dauer von 5 Jahren gegen ein im Einzelnen definiertes Honorar als Finanzberate-
rin einzusetzen; die konkrete Bedeutung dieser Agreements wird allerdings
dadurch relativiert, dass die Zusammenarbeit zwischen der G._ und der Pri-
vatklägerin 1 schon im Oktober 2007 begonnen hatte, die CLN-Transaktion be-
reits abgewickelt war und die G._ dafür vergütet worden war, ohne dass da-
für eine schriftliche vertragliche Grundlage bestand.
Die primäre Funktion des AMFA B und des AMFA D bestand darin, dass sich die
G._ gestützt darauf gegenüber den Banken als von der Privatklägerin 1
mandatierte Finanzberaterin ausweisen konnte (Urk. 0820020 Ziff. 68). Aus die-
sem Grund sind denn auch jeweils auf deren erster Seite u.a. die zu betreuenden
Vermögenswerte aufgeführt und es wird die Bank genannt, in welche diese Ver-
mögenswerte eingebracht werden sollen (AC._ London bzw. AC._ Sin-
gapur). Das AMFA C enthält keine derartigen Angaben, weist aber ansonsten ei-
nen praktisch identischen Inhalt auf; es diente der G._ primär als Grundlage,
um in Curaçao sowie New York gegen die Privatklägerin 1 Zivilklage zu erheben
(Prot. I S. 147 oben).
Unterzeichnet wurden die AMFA jeweils von C._ namens der G._ sowie
von A._ namens der Privatklägerin 1; das AMFA C wurde zusätzlich auch
von B._ unterzeichnet.
B._ und C._ waren beide einzelzeichnungsberechtigt für die G._
(Urk. 0610061). A._ verfügte demgegenüber über keinerlei Zeichnungsbe-
rechtigung bei der Privatklägerin 1, was er der G._ bereits am 3. November
2007 mitteilte und zudem darauf hinwies, bei der Privatklägerin gelte generell Kol-
lektivunterschrift (Urk. 0110069).
Dessen ungeachtet enthalten alle drei Agreements folgende vier wahrheitswidrige
Behauptungen (vgl. Anklage S. 17, S. 19 und S. 28): A._ sei für die Privat-
- 86 -
klägerin 1 zeichnungsberechtigt („authorised signatory“; jeweils S. 1 Satz 1) und
zum Vertragsschluss bevollmächtigt („all necessary powers and authority to enter
into this Agreement“; jeweils S. 6 Ziff. 21 lit. a). Der Unterzeichner des Vertrages
sei berechtigt, im Rahmen einer zwischen den Parteien geschlossenen Transakti-
on Vermögenswerte zu verkaufen, zu übertragen oder zu verpfänden (S. 6 Ziff. 21
lit. b). Weiter bestätige jeder Unterzeichner dieses Vertrages, dass er auf Grund-
lage eines entsprechenden Verwaltungsratsbeschlusses bevollmächtigt sei, die-
sen Vertrag auszuhandeln, abzuschliessen und zu vollziehen (jeweils S. 7
Ziff. 24 lit. f).
Mit Bezug auf alle AMFA steht der Vorwurf der Urkundenfälschung zur Diskussi-
on, und zwar im Sinne des unrichtigen Beurkundens einer rechtlich erheblichen
Tatsache (sog. Falschbeurkundung; Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB) bzw. Anstiftung
oder Gehilfenschaft dazu (vgl. dazu im Einzelnen: Anklage, S. 16 f., S. 18 f. sowie
S. 27 ff.). Der mit Bezug auf das AMFA C erhobene Vorwurf des Gebrauchs einer
gefälschten Urkunde (Anklage, S. 29 unten) ist insofern subsidiär, als er seiner-
seits „eine Urkunde dieser Art“ voraussetzt (Art. 251 Ziff. 1 Abs. 3 StGB). Vom im
Zusammenhang mit AMFA C erhobenen Vorwurf der qualifizierten ungetreuen
Geschäftsbesorgung (Anklage, S. 27 oben) wurde A._ bereits rechtskräftig
freigesprochen, womit auch die diesbezüglichen Vorwürfe der Gehilfenschaft aus-
scheiden (zu den Anklagevorwürfen im Einzelnen siehe Anklage).
Eine klare Grenze zwischen der bloss schriftlichen Lüge und der qualifizierten
schriftlichen Lüge im Sinne der Falschbeurkundung lässt sich nicht ziehen. Sie ist
jeweils für jeden Einzelfall unter Berücksichtigung der konkreten Umstände zu
ziehen (BGE 129 IV 130, 134; zum Ganzen: BSK StGB-BOOG, 3. Aufl., 2013,
N 69 zu Art. 251).
Seit BGE 117 IV 35 (Urteil vom 16. April 1991) wendet das Bundesgericht den
Tatbestand der Falschbeurkundung unter Berufung auf die Lehre restriktiv an und
stellt erhöhte Anforderungen an die Beweisbestimmung und Beweiseignung einer
Urkunde. Dabei muss der Adressat der Erklärung aufgrund von deren erhöhter
Glaubwürdigkeit ein besonderes Vertrauen entgegenbringen, so dass eine Über-
prüfung derselben weder nötig noch zumutbar erscheint (BGE 122 IV 332, 339;
- 87 -
zum Ganzen: BSK StGB-BOOG, 3. Aufl., 2013, N 71 zu Art. 251, mit Hinweisen).
Die erhöhte Überzeugungskraft einer unwahren Urkunde kann nur dann an-
genommen werden, „wenn allgemeingültige objektive Garantien die Wahrheit der
Erklärung gewährleisten, wie sie unter anderem in der Prüfungspflicht einer
Urkundsperson oder in gesetzlichen Vorschriften gefunden werden können, die
– wie z.B. die Bilanzvorschriften der Art. 958 ff. OR – gerade den Inhalt bestimm-
ter Schriftstücke näher festlegen“ (BGE 117 IV 35 E. 1d).
Im Lichte dieser bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann vorliegend nicht ge-
sagt werden, eine Überprüfung der in den AMFA enthaltenen unwahren Be-
hauptungen sei weder nötig noch zumutbar gewesen: Mit Hilfe des bereits zum
Tatzeitpunkt im Internet ohne weiteres zugänglichen Handelsregisters von
Curaçao (das, wie bei niederländischen bzw. niederländisch beeinflussten
Rechtsordnungen üblich, von der Handelskammer geführt wird) hätte jeder Ad-
ressat der fraglichen Urkunde mit minimalem Aufwand ersehen können, dass
A._ bei der Privatklägerin 1 über keinerlei Zeichnungsberechtigung verfügte,
während jedoch bereits in Satz 1 von Seite 1 der AMFA jeweils genau dies wahr-
heitswidrig behauptet wird (Urk. 0110175 ganz oben = AMFA B; Urk. 0110203
ganz oben = AMFA D; Urk. 0110339 = AMFA C). Dadurch wäre die Glaubwürdig-
keit der Urkunde ohne weiteres erschüttert worden. Eine solche Überprüfung ist
im Geschäftsverkehr nötig bzw. zumutbar, zumal Handelsregister namentlich zu
diesem Zwecke überhaupt geschaffen wurden (die auch heute noch gegebene
Online-Zugänglichkeit des Handelsregisters von Curaçao ergibt sich für den Tat-
zeitpunkt aus Urk. 0110007 = Internetausdruck vom 6. März 2008 [vgl. dortige
Fusszeile sowie auch oben zu Beginn des Texts]. Ein entsprechender
Rückschluss auf den Tatzeitpunkt ist ohne weiteres zulässig, zumal es sich um
eine für die Beschuldigten günstige Tatsache handelt; vgl. ferner auch:
http://www.curacao-chamber.cw/services/registry/search-company).
Dass eine solche Überprüfung in der Praxis aus Vertrauensseligkeit zuweilen
nicht gemacht wird, ändert an deren Zumutbarkeit bzw. Notwendigkeit nichts,
ebenso wenig wie der Umstand, dass im AMFA, wie erwähnt, zusätzlich auch
noch von einer Bevollmächtigung sowie von einem ermächtigenden Verwaltungs-
- 88 -
ratsbeschluss die Rede ist; auch hierbei handelt es sich nämlich bloss um weitere
schriftliche Lügen, nicht jedoch um objektive Garantien im Sinne der erwähnten
Rechtsprechung.
Überdies verneinte das Bundesgericht eine Falschbeurkundung in einem ähnlich
gelagerten Fall (Urteil 6S.596/1989 vom 17. April 1991 [im Internet nicht verfüg-
bar, aber beim BGer bestellbar]; vgl. dazu auch BSK StGB-BOOG, 3. Aufl., 2013,
N 145 zu Art. 251):
Eine Anlegerin vertraute einem Vermögensverwalter 1 mehrere Millionen australi-
scher Dollar zur Verwaltung an. Dieser wiederum übergab zumindest einen Teil
dieses Betrages einem Vermögensverwalter 2 zur Verwaltung. In einem auf Ver-
anlassung von Vermögensverwalter 1 zuhanden der Anlegerin erstellten Be-
stätigungsschreiben erklärte Vermögensverwalter 2, Vermögen der Anlegerin in
einem weit grösseren Umfang zu verwalten als tatsächlich der Fall war (weil sich
Vermögensverwalter 1 dadurch erhoffte, dass die Anlegerin ihm gegenüber das
Mandat nicht kündigten werde). Das Bundesgericht verneinte eine Falschbeur-
kundung mit den sinngemäss gleichen Argumenten wie im Entscheid BGE 117
IV 35, den es übrigens just am Vortag gefällt hatte.
Die Parallele zum vorliegenden Fall ist folgende: Auch vorliegend wurde mit Hilfe
der AMFA gegenüber Dritten (hier allerdings primär gegenüber Banken) wahr-
heitswidrig behauptet bzw. bestätigt, die G._ sei für die Privatklägerin 1 als
Anlageberaterin tätig. Auch aufgrund dieser Parallele und unabhängig von der
vorstehend dargelegten handelsregisterrechtlichen Argumentation rechtfertigt es
sich, den vorliegenden Fall im gleichen Sinne zu entscheiden.
Nach dem Gesagten liegt hier keine Falschbeurkundung vor und demzufolge
auch kein Gebrauch einer solchen Urkunde. Ebenso scheiden Gehilfenschaft und
Anstiftung aus.
Fazit: Sämtliche Beschuldigten sind vom Vorwurf der Urkundenfälschung bzw. der
Gehilfenschaft dazu freizusprechen.
Strafzumessung A._
- 89 -
Da lediglich der Beschuldigte Berufung erhoben hat, gelangt vorliegend das Ver-
schlechterungsverbot zur Anwendung (Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO).
Zu beurteilen gilt es die folgenden beiden Delikte: Passive Privatbestechung
(Art. 4a Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 23 UWG; Anklagesachverhaltsabschnitt A): Frei-
heitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe) sowie qualifizierte ungetreue Ge-
schäftsbesorgung (Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB: Freiheitsstrafe von einem
Jahr bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe; Anklagesachverhaltsabschnitte D und E).
Schwerste Straftat im Sinne von Art. 49 StGB bildet vorliegend die qualifizierte
ungetreue Geschäftsbesorgung.
Tatkomponente für die qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung:
Objektive Tatschwere
Die Schadenshöhe ist zwar ein sehr wichtiges Strafzumessungskriterium; sie darf
jedoch gegenüber dem Handlungsunrecht nicht überbewertet werden. Der Be-
schuldigte A._ fügte der Privatklägerin 1 und damit indirekt auch der Privat-
klägerin 2 mit dem Erwerb der beiden Structured Notes einen enormen Schaden
zu, nämlich in einem Ausmass von rund USD 21.6 Mio. (einschliesslich des dies-
bezüglichen Honorars an die G._ im Umfang von USD 1'225'000).
Die beiden Structured Notes stellten riskante Finanzinstrumente dar, wobei das
Risiko weiter dadurch verstärkt wurde, dass ihr Erwerb fremdkapitalfinanziert er-
folgte, nämlich durch Belehnung der CLN. Auch die Bereicherung, die der Be-
schuldigte den beiden Vertretern der G._ zu verschaffen beabsichtigte und
letztlich auch verschaffte (USD 1'225'000 = 1.75% des nominalen Transaktionsvo-
lumens), liegt an der obersten Grenze dessen, was für (allerdings korrekt erbrach-
te) Dienstleistungen dieser Art damals marktüblich war (wobei es eigentliche
Marktpreise in diesem Bereich nicht gibt und eine Vergütung in Prozenten des
Transaktionsvolumen üblich ist; vgl. dazu: Urk. 0910052 Ziff. 61 [allerdings betref-
fend die CLN-Transaktion, wo die Vergütung 1.5% des nominalen Transaktions-
volumens betrug]).
- 90 -
Dass ein Treasurer einen derart riskanten Erwerb letztlich im Alleingang und ohne
Information bzw. Genehmigung des Verwaltungsrates oder des CEO tätigte, in-
dem er sich entsprechende Vollmachten verschaffte und sich über das firmen-
interne Organisationsreglement hinwegsetzte, das die Zuständigkeiten zur Be-
willigung derartiger Transaktionen regelt, lässt das objektive Tatverschulden des
Beschuldigten als „nicht leicht“ erscheinen. Dabei fällt ins Gewicht, dass der Be-
schuldigte das ihm von seinem Arbeitgeber entgegengebrachte Vertrauen aus-
nützte und sein Vorhaben über einen längeren Zeitraum hinweg und mit erhebli-
chem Aufwand heimlich plante.
Fazit: Das objektive Tatverschulden ist als „nicht leicht“ zu veranschlagen.
Subjektive Tatschwere
Der Beschuldigte war sich bereits aufgrund seiner Stellung als Group Treasurer,
aber namentlich auch aufgrund seiner früheren Tätigkeit im Treasury Sales der
AP._ (Prot. I S. 41) der Risiken bewusst.
Dass sich ein Group Treasurer bei Transaktion der vorliegenden Art über das Or-
ganisationsreglement hinwegsetzt, ist, wie erwähnt, als eventualvorsätzliche
Pflichtverletzung anzusehen, denn allein schon im Lichte der eingegangenen
substanziellen Risiken hätte die Annahme nahe gelegen, dass das Organisations-
reglement diesbezügliche Genehmigungsvorschriften enthält. Wie aufgezeigt, war
sich der Beschuldigte überdies im Rahmen des Vollzugs der Transaktion be-
wusst, dass namentlich der Verwaltungsrat der Privatklägerin den fraglichen Er-
werb bzw. die diesem zu Grunde liegenden Verträge nicht bewilligt hätte.
Das Vorliegen eines Eventualvorsatzes führt zu einer leichten Relativierung der
objektiven Tatschwere.
Hypothetische erste Einsatzstrafe
Nach dem Gesagten ist das Verschulden des Beschuldigten insgesamt als „nicht
mehr leicht“ zu qualifizieren. Angemessen erscheint daher als erste hypothetische
Einsatzstrafe eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten.
- 91 -
Tatkomponente für passive Privatbestechung
Objektive Tatschwere
Im Zuge der passiven Bestechung schädigte der Beschuldigte A._ die Pri-
vatklägerin im Umfang von USD 250'000. Das von ihm gewählte Vorgehen, sich
von externen Beratern umgehend auf ein privates Konto eine Provision für ein von
ihm im Namen der Privatklägerin vermitteltes Geschäft bezahlen zu lassen, zeugt
von einer gewissen Dreistigkeit. Der Beschuldigte nützte das Vertrauen seiner Ar-
beitgeberin, die ihn eben gerade erst eingestellt hatte, massiv aus und wirkte ziel-
strebig und mit erheblichem Aufwand auf die Ausführung der Tat hin.
Vor diesem Hintergrund erweist sich die objektive Tatschwere als „nicht mehr
leicht“.
Subjektive Tatschwere
Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz. Die objektive Tatschwere wird
demnach durch die subjektive nicht relativiert.
Hypothetische zweite Einsatzstrafe
Im Zuge der Asperation erscheint als hypothetische zweite Einsatzstrafe eine
Freiheitsstrafe im Umfang von 26 Monaten als angemessen.
Täterkomponenten
Persönliche Verhältnisse
Aus den persönlichen Verhältnissen A._s (Prot. I S. 40 ff.) ergeben sich kei-
ne strafzumessungsrechtlich relevanten Umstände.
Vorstrafen
Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf (Urk. 73).
- 92 -
Nachtatverhalten
Da der Beschuldigte die Anklagevorwürfe bestreitet, steht eine Berücksichtigung
von Reue und Einsicht nicht zur Diskussion.
Verletzung des Beschleunigungsgebots
Das vorliegende Verfahren weist eine erhöhte Komplexität auf, was grundsätzlich
auch eine entsprechend längere Bearbeitungszeit rechtfertigt. Grundsätzlich wur-
de es denn auch im Wesentlichen kontinuierlich vorangetrieben. Zwischen
C._s Einvernahme vom 25. Januar 2011 (Urk. 0830102) und A._s
Schlusseinvernahme vom 30. August 2012 (Urk. 0100063) klafft allerdings (be-
züglich aller Beschuldigten) eine Bearbeitungslücke von rund 19 Monaten, also
von mehr als 1 1⁄2 Jahren. Dass der ursprünglich bearbeitende Staatsanwalt
(AQ._) anscheinend in Pension ging und sich der neue Fallführer einarbeiten
musste, stellt einen rein organisatorischen Grund dar, der eine solche Lücke von
vornherein nicht zu rechtfertigen vermag; zudem fiel dem Beschuldigten A._
auf, dass Staatsanwalt AQ._ zum Zeitpunkt der vorerwähnten Schlussein-
vernahme nach wie vor bei der Staatsanwaltschaft III tätig war (anscheinend we-
gen krankheitsbedingtem Ausfall eines anderen Staatsanwalts); daran hat sich
gemäss der einschlägigen Homepage (zuletzt besucht am 25. Mai 2015) bis heu-
te nichts geändert (zum Ganzen: Urk. 0100064 f.). Mit Blick auf diese Bearbei-
tungslücke erweist sich das Beschleunigungsgebot gemäss Art. 5 StPO als ver-
letzt. Dieser Verletzung sowie auch der insgesamt langen Verfahrensdauer, wäh-
rend der sich der Beschuldigte wohl verhalten hat (vgl. Art. 48 lit. e StGB; BGE
132 IV 4), ist mit einer spürbaren Strafminderung Rechnung zu tragen.
Würdigung der Täterkomponenten
Insgesamt ist die Strafe im Zuge der Beurteilung der Täterkomponenten auf
22 Monate zu reduzieren.
- 93 -
Fazit
Nach dem Gesagten erweist sich eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten als an-
gemessen. Einer Anrechnung der erstandenen Haft (23 Tage) steht nichts ent-
gegen.
Strafvollzug
Das Gericht schiebt den Vollzug einer Freiheitsstrafe von mindestens
sechs Monaten und höchstens zwei Jahren in der Regel auf, wenn eine unbeding-
te Strafe nicht notwendig erscheint, um den Täter von der Begehung weiterer
Verbrechen oder Vergehen abzuhalten. Diese Voraussetzung ist vorliegend er-
füllt, weshalb dem Beschuldigten der vollständig bedingte Strafvollzug zu gewäh-
ren ist.
Die vorinstanzlich festgesetzte Probezeit von zwei Jahren kann aufgrund des
Verschlechterungsverbots nicht zu Ungunsten des Beschuldigten erhöht werden;
eine weitere Reduktion erscheint nicht angemessen.
Beschlagnahmungen gegenüber A._
Mit Blick auf die gegenüber dem Beschuldigten A._ erfolgten Beschlag-
nahmungen kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO: Urk. 71, S. 162 ff., Ziff. 12 insb. Ziff. 12.3). Das Gut-
haben ist einzuziehen und nach Eintritt der Rechtskraft an die Privatklägerin 1
herauszugeben.
Beschlagnahmungen gegenüber B._ und C._
Die gegenüber den vollumfänglich freizusprechenden Beschuldigten B._ und
C._ erfolgten Beschlagnahmungen sind – unter Vorbehalt der rechtskräftigen
Erledigung der zwischenzeitlich erfolgten Beschlagnahmungen der Staatsanwalt-
schaft Genf (vgl. Urk. 110/82 in SB140439 S. 168 unten sowie Urk. 84 in
SB140440, S. 173 oberhalb Mitte) sowie der Pfändung in Sachen C._ – auf-
zuheben und die entsprechenden Vermögenswerte an die jeweils Berechtigten
herauszugeben (vgl. Urk. 110/73 S. 170 ff. sowie Urk. 112/79 S. 165 ff.).
- 94 -
Ersatzforderung
Gegenüber dem vollumfänglich freigesprochenen Beschuldigten C._ erübrigt
sich die Festsetzung einer Ersatzforderung.
Zivilansprüche gegenüber allen Beschuldigten
Die geltend gemachten Zivilansprüche setzen sich aus folgenden Positionen zu-
sammen:
- USD 250'000 (Honorarzahlung an A._ privat)
- USD 20'386'892 (mit den Structured Notes verursachter Schaden; ohne
Honorar)
- USD 1'225'000 (Honorar betreffend Structured Notes)
Zur Provisionszahlung an A._ gilt es Folgendes zu präzisieren: In Art. 4a
Abs. 1 lit. b UWG (i.V.m. Art. 23 Abs. 1 UWG) heisst es, dass der Bestochene
nicht „für sich oder einen Dritten einen nicht gebührenden Vorteil“ fordern, sich
versprechen lassen oder annehmen dürfe (Hervorhebung hinzugefügt). Vom
Wortlaut her betrachtet hat A._ USD 0.5 angenommen und rund die Hälfte
davon an O._ weitergeleitet. Diese Weiterleitung geschah vorliegend aller-
dings nicht „für eine [...] im Ermessen stehende Handlung“ im Sinne der vorge-
nannten Bestimmung. Mit anderen Worten: Die in der Folge an O._ weiterge-
leitete Zahlung bewog A._ nicht zur Vornahme der inkriminierten Handlung.
Insofern fehlt es am erforderlichen Kausalzusammenhang zwischen der Vornah-
me der Handlung und dem Geldfluss. Die Provisionszahlung an O._ erfolgte
lediglich aus Gründen der Zweckmässigkeit über A._s Privatkonto, wobei
dieses als blosses Durchgangskonto genutzt wurde. Insofern besteht der durch
die Verletzung von Art. 4a Abs. 1 lit. b UWG entstandene Schaden lediglich in den
an A._ effektiv bezahlten USD 250'000. Eine Erhöhung dieser Schadenspo-
sition würde im Übrigen ohnehin am Verschlechterungsverbot scheitern (Art. 391
- 95 -
Abs. 2 Satz 1 StPO). Die zivilrechtliche Anspruchsgrundlage der Verletzung der
vorgenannten UWG-Strafnorm bildet Art. 9 Abs. 3 UWG i.V.m. Art. 41 OR.
Die Privatklägerschaft hat sich korrekt als solche konstituiert (Urk. 0201518) und
auf dem dortigen Formular auch den Zinsenlauf (von 5%) ab Ereignisdatum an-
gekreuzt. Entsprechend ihrem Antrag vor Vorinstanz (Prot. I S. 8 unten) ist der
Zinsenlauf allerdings erst ab dem 25. Juli 2008 (Datum der Strafanzeige) zuzu-
sprechen.
Im Umfang der Honorarzahlung von USD 250'000 an A._ privat sowie im
Umfang der Honorarzahlung betreffend die Structured Notes (USD 1'225'000),
insgesamt also im Umfang von USD 1'475'000 zuzüglich 5% Zins seit 25. Juli
2008 erweist sich eine zivilrechtliche Haftung A._s als ausgewiesen.
Mit Bezug auf die USD 20'386'892, die aus dem Verkauf der Structured Notes re-
sultierten, wurde seitens A._s Verteidigung namentlich ins Feld geführt, CEO
AF._ sowie der neue CFO AN._ hätten die auf fünf Jahre angelegte No-
tes „verfrüht“ verkauft, was substanziell zur Vergrösserung des Schadens geführt
habe (Urk. 44 S. 48 ff.). Dieser Einwand, der die Schadenminderungspflicht der
Privatklägerin beschlägt, lässt sich anhand vorliegenden Akten nicht zuverlässig
beurteilen und kann auch nicht ohne weiteres von der Hand gewiesen werden, so
dass sich diese Forderung im entsprechenden Umfang als nicht liquid erweist und
auf den Zivilweg zu verweisen ist.
Die Schadenersatzbegehren gegen C._ und B._ sind auf den Zivilweg
zu verweisen.
Kosten- und Entschädigungsfolgen
Erstinstanzliches Verfahren und Untersuchung:
- 96 -
Unter Berücksichtigung der schliesslich erfolgten Freisprüche rechtfertigt es sich,
dem Beschuldigten A._ die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzli-
chen Gerichtsverfahrens (mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung)
zu 2/3 aufzuerlegen und zu 1/3 auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der
amtlichen Verteidigung des Beschuldigten A._ sind zu 2/3 einstweilen und zu
1/3 definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungspflicht gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt im Umfang von 2/3 vorbehalten.
Die Kosten der Untersuchung sowie des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens in
den Strafverfahren gegen B._ bzw. gegen C._, inklusive der Kosten der
amtlichen Verteidigung, sind auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Berufungsverfahren:
Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen aufer-
legt (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Im Rahmen des Berufungsverfahrens unter-
liegt der Beschuldigte A._ im Umfang von 2/3, die Privatklägerinnen unter-
liegen ganz, während die Beschuldigten C._ und B._ ganz obsiegen.
Vor diesem Hintergrund sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Ausnahme
der Kosten der amtlichen Verteidigung, dem Beschuldigten A._ zu 2/9 und
den Privatklägerinnen 1 und 2 zu 1/3 aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staats-
kasse zu nehmen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten A._ im Berufungs-
verfahren sind zu 2/3 einstweilen und zu 1/3 definitiv auf die Gerichtskasse zu
nehmen. Die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO bleibt im Umfang
von 2/3 vorbehalten.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung der Beschuldigten B._ und C._
im Berufungsverfahren sind zu 1/2 den Privatklägerinnen 1 und 2 aufzuerlegen
und zu 1/2 auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Prozessentschädigungen
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Für erbetene anwaltliche Verteidigung im Vorverfahren sind dem Beschuldigten
A._ Fr. 8'105 (1/3 von Fr. 22'598 zuzüglich der beantragten 7.6% MwSt.;
Urk. 92 Ziff. 174), dem Beschuldigten B._ Fr. 14'688 (68 x 200 zuzüglich 8%
MwSt.; Urk. 110/73 S. 187 unten) und dem Beschuldigten C._ Fr. 18'900
(87.5 x 200 zuzüglich 8% MwSt.; Urk. 112/82/1 S. 180 oben) aus der Gerichts-
kasse zuzusprechen (vgl. Art. 436 Abs. 2 bzw. Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Auf
den Antrag der Privatklägerschaft auf Zusprechung einer Prozessentschädigung
ist zufolge unterbliebener Bezifferung nicht einzutreten (Art. 433 Abs. 2 StPO).