# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f52c6ea9-cc1a-46e8-a364-7548e448ec48
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1977 geborene
X._
war
seit
1.
November 2010 bei der
Y._
AG
zunächst
als
Kassiererin und danach als
Mitarbeiterin Kundendienst
und Frontline-Koordinatorin
in einem 100
%-Pensum
tätig (Urk.
5/
26/6
).
Gemäss Angaben der Versicherten wurde das Arbeitsverhältnis von Seiten der Arbeitge
berin
im Jahr
2018 gekündigt
(Urk. 5/25/2
f.)
.
Am
19.
Juli 2018 (Eingangsdatum) meldete sich
die Versicherte
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stel
le, zum Leistungsbezug an (Urk.
5/16).
Die IV-Stelle liess einen Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten erstellen (IK-Auszug,
Urk.
5/20) und
holte medizinische Berichte ein
. Mit Vorbescheid vom
17.
Oktober 2018
stellte die IV-Stelle der Versicherten die Abweisung ihres
Rentenbegehrens
in Aussicht (Urk.
5/
32
).
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
beantragte die Versi
che
rte berufliche Massnahmen (Urk.
5/38).
Die IV-Stelle tätigte weitere Abklä
rungen.
Am 22.
Januar 2020 er
teilte
sie
der Versicherten Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining
vom 27. Januar bis 24.
April 2020 und sprach ihr dafür Taggelder zu
(Urk.
5/57
-58 und Urk.
5/60).
Am 17.
April 2020 wurde das Belast
barkeitstraining bis zu
m
24. Juli 2020 verlängert (Urk.
5/66
-67 und Urk.
5/68). In der Folge wurde das Belastbar
keitstraining
– gegen den Willen der Versicher
ten (vgl. Urk. 5/73/11 f.) –
vorzeitig per 31.
Mai 2020 beendet, da die Beschwer
deführerin schwanger war
(Urk.
5/72).
Am
25.
Mai 2020
gab
die IV-Stelle der Versicherten Gelegenheit zur Stellungnahme
zu den eingeholten Berichten
(Urk.
5/74)
, worauf die Versicherte
jedoch
verzichtete
. M
it Verfügung vom 22.
Juni 2020 verneinte
die IV-Stelle
einen Leistungsanspruch der Versicherten
(Urk.
5/81
= Urk.
2
).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom
21.
August 2020 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen auszurichten, wofür zunächst der S
achverhalt abzuklä
ren sei (Urk. 1 S.
2
). Mit Beschwerdeantwort vom 1.
Oktober 2020 beantragte die Beschwerdegegnerin die
Abweisung der Beschwerde (Urk.
4)
, was der Beschwer
deführerin mit Verfügung vom 6.
Oktober 20
20 mitgeteilt wurde (Urk. 6).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen einzuge
hen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43
V
409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Zur Annahme einer Invalidität aus psychischen Gründen bedarf es in jedem Fall eines medizinischen Substrats, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und
nachgewiesenermassen
die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Bestimmen psy
chosoziale oder soziokulturelle Faktoren das Krankheitsgeschehen mit, dürfen die Beeinträchtigungen nicht einzig von den belastenden invaliditätsfremden Fakto
ren herrühren, sondern das Beschwerdebild hat davon psychiatrisch zu unter
scheidende Befunde zu umfassen. Solche von der soziokulturellen oder psycho
sozialen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselb
ständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann (BGE 141 V 281 E. 4.3.3; 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 9C_543/2018 vom 21. November 2018 E. 2.2).
Somit sind psychosoziale und soziokulturelle Faktoren nur mittelbar invaliditäts
begründend, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden Folgen des Gesundheitsschadens beeinflussen. Zeitigen soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen, bleiben sie bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert (Urteil des Bundesgerichts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). In einer versi
cherungsmedizinischen Begutachtung, welche sich nach den normativen Vorga
ben der Rechtsprechung orientiert, ist es daher nicht nur zulässig, sondern sogar geboten, solche invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten Umstände auf
zuzeigen und gegebenenfalls bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit auszu
klammern (Urteil des Bundesgerichts 9C_740/2018 vom 7. Mai 2019 E. 5.2.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.6
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicher
ungsgerichts (oder der verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer, Sozialversi
cherungsrecht, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 19
83, S. 438
Ziff.
7a). Im Sozi
al
versicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes auf
grund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermittel
n, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
1.7
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die
Beschwerdegegnerin
,
die Abklärungen hätten ergeben,
dass die Beschwerdeführerin aus körperlicher Sicht einer ange
passten Tätigkeit in einem Vollzeitpensum nachgehen könne. Aus psychi
atri
scher Sicht bestehe keine langandauernde gesundheitliche Einschränkung (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber im Wesentlichen geltend,
der Gesundheitszustand sei vorliegend überhaupt nicht abgeklärt worden. Die behan
delnde Ärztin habe aufgrund der Diagnosen eine zwar gute Prognose, indes eine 50%-
ige
Arbeitsfähigkeit für Verweistätigkeiten festgehalten. Zu beachten sei insbesondere das sensible Querschnittssyndrom, welches körperliche Einschrän
kungen bewirke. Dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit seien n
icht genügend abgeklärt worden
(Urk. 1 S. 4 f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist,
ob bei
der
Beschwerdeführerin
ein Gesundheitsschaden
vorliegt
, der
sie
derart in der Erwerbsfähigkeit einschränkt, dass
sie
Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
hat
bzw.
ob diese Frage gestützt auf die vorliegenden Akten
überhaupt
beurteilt werden kann.
3.
3.1
Die MR-Untersuch
ung der HWS und der BWS vom 20.
Dezember 2017 (nativ und kontrastmittelunterstützt,
mulitplanar
) ergab eine
im Vergleich zu einer Vorun
tersuchung vom 5. Oktober 2017
weiterhin unauffällige Darstellung des zervika
len und thorakalen
Myelons
ohne Nachweis von fokalen Läsionen und insbeson
dere ohne Nachweis von
Demyelinisierungsherden
, keine
Myelonatrophie
, keinen
Nachweis einer vermehrten Kontrastmittelanreicherung intraspinal, keine rele
vanten degenerativen Veränderungen und insbesondere auch keine mechanische Kompression des
Myelons
. Es sei kein Nachweis einer
Myelonpathologie
fassbar (Urk.
5/28/10).
3.2
Dr.
med.
Z._
, FMH Neurologie, nannte in seinem Bericht vom 20. Dezember 2017 betreffend die ambulante Untersuchung vom 15. Dezember 2017 die folgenden Diagnosen:
-
Chronisches, seitengleiches, schmerzloses sensibles Querschnittssyndrom jetzt ab ca. Dermatom Th11 beidseits unter Aussparung der Füsse
-
b
islang kein Nachweis einer neurologischen Ursache
-
n
icht ganz
perakuter
Beschwerdebeginn (Fühlstörung an den Unter
schenkeln exklusive Füsse) am 2
2.
September 2017
-
seit ca. 07.12.2017 Aufsteigen der Fühlstörung von knapp intra- bis knapp
supraumbilikal
beidseits, neu Fühlminderung auch im Genital-> Analbereich beidseits, Anorgasmie, subjektiv unverändert leichte linksbetonte Kraftminderung der Beine
-
aktuell klinisch: nicht dissoziierte seitengleiche Fühlminderung ab Der
matom Th9 beidseits inkl.
glutaeal
und (eigenanamnestisch) genital unter Aussparung der Füsse, im Übrigen unauffällig
-
weiterhin normale ENMG an den Beinen und normale MEP zu den Bei
nen
-
MRI HWS und BWS vom 22.12.2017
(recte: 20.12.2017)
: normal ins
bes. Kein Hinweis auf eine Myelopathie
-
St. n. gastraler Adipositas-Operation am 28.07.2017
-
e
ndo
a
nale
Condylomata
accuminata
-
o
perative Behandlung geplant
Er führte aus, bei anamnestisch seit ca. dem 7. Dezember 2017 von knapp intra- bis jetzt knapp
supraumbilikal
aufgestiegener seitengleicher nicht-dissoziierter Fühlstörung (jetzt inklusive
Anogenital
-Region jedoch weiterhin unter Ausspa
rung der Füsse) zeige sich klinisch eine leichte seitengleiche nicht dissoziierte Fühlminderung ab ca. Dermatom Th 9 beidseits – weiterhin unter Aussparung der Füsse – ohne fassbare Paresen, Eigenreflexanomalien oder Pathologie des Bein
tonus. Die Elektrodiagnostik – insbesondere inklusive MEP zu den Beinen – sei weiterhin normal. D
as spezielle mit der Frage nach
einer entzü
ndlichen Myelo
pathie
durchgeführte Kontroll-MRI der HWS und BWS vom 22. Dezember 2017 sei unverändert unauffällig. Zusammenfassend könne er
weiterhin keine neuro
logische Ursache der berichteten Beschwerden nachweisen
, insbesondere eine dif
ferentialdiagnostisch zu erwägende entzündliche Myelopathie. Weitergehende sinnvolle neurologische Abklärungen könne er derzeit nicht vorschlagen (Urk. 5/28/
7
f.
=
Urk.
5/36
)
.
3.3
Die Hausärztin
Dr.
med.
A._
, Fachärztin Allgemeine Innere Medizin und Rheumatologie,
nannte in ihrem Bericht vom 4.
September 2018 zuhanden der IV-Stelle als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein sensibles Querschnittssyndrom ab Dermatom Th 11 und eine
psychosoziale Belastungssi
tuation
.
Am 28.
Juli 2017 sei eine bariatrische Operation durchgeführt worden. Danach sei die Beschwerdeführerin bis zum 29.
August 2017 arbeitsunfähig geschrieben worden.
Dr.
A._
attestierte eine 100%-
ige
Arbeitsunfähigkeit vom
1
7.
bis
21.
April 2018 und vom
2.
bis
30.
Juni 201
8.
Wenn sich die Beschwerde
führerin psychisch erholt habe, sei ihr eine
angepasste Tätigkeit 8 Stunden pro Tag
zumutbar
(Urk.
5/28
/
2 ff.
).
3.4
Prof.
Dr.
med.
B._
, Facharzt
Psychiatrie und Psychotherapie, und Psycho
login
C._
nannten in ihrem Bericht vom 14. September 2018 zuhanden der
IV-Stelle die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit:
-
Anpassungsstörung mit depressiver ängstlicher Symptomatik F43.2 (13.06.2018)
-
Unklares sensibles Querschnittssyndrom (September 2017)
Es wurde eine 100%-
ige
Arbeitsunfähigkeit vom 1. Juli bis 4. Oktober 2018 attestiert. Ab dem 5. Oktober sei eine Arbeitsfä
higkeit von 50
%
zu erwarten.
D
ie depressiven Sy
m
ptome seien rückläufig und sollten die Arbeitsfähigkeit länger
fristig nicht beeinträchtigen. E
ine Wiedereingliederung durch die IV sei vor allem wegen der somatischen Einschränkung nötig. Der psychische Zustand werde sich verbessern, vor allem durch die Wiederaufnahme einer ihr sinnvoll erscheinenden Tätigkeit (Urk. 5/29).
3.5
In ihrem Schreiben vom 22. Oktober 2018 an die IV-Stelle
(Einwand gegen Vor
bescheid vom 17. Oktober 2018
) führte
Dr.
A._
im Namen der Beschwerdeführe
rin aus, dass es um berufliche Massnahmen
(nicht um eine Rente)
bei einem sen
siblen Quer
s
chnittssyn
d
rom ab Th 11
mit körperlichen Einschränkungen (einge
schränkte Steh- und Gehfähigkeit, Gangunsicherheit) gehe
. Die Beschwerdefüh
rerin sei in ihrem angestammten Beruf als Kassiererin dauerhaft nicht mehr
voll arbeitsfähig (Urk. 5/38).
3.6
Dr.
med.
D._
, FMH Psychiatrie und Psychotherapie, FMH Pharmazeuti
sche Medizin
,
führte in seinem psychiatrischen Gutachten vom 24. Dezember 2018, welches er im Auftrag der Krankentaggeldversicherung (Mutuel Versiche
rungen AG) verfasste,
aus,
der
Befund sei gegenwärtig nicht eindeutig einzuord
nen, am ehesten jedoch nach wie vor im Rahmen einer Anpassungsstörung bzw. einer depressiven Episode bzw. eines multiplen psychosomatischen Beschwerde
sy
ndroms zu interpretieren. Diagn
o
s
tisch sei das Krankheitsbild gegenwärtig nicht abschliessend
zu bewerten
.
Im Zusammenhang mit der Kündigung des lang
jährigen beruflichen Beschäftigungsverhältnisses würde man am ehesten von einer Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21) aus
ge
hen.
Differenzialdiagnostisch käm
e eine leichte bis mittelschwere depressive Episode (F32.0/1) in Betracht, wobei die weitgehend
euthyme
Affektlage eher gegen eine solche Variante spreche. Denkbar sei auch eine Somatisierungsstörung (F45.0), wobei hiergegen die erst kurze Dauer der Beschwerden von unter zwei Jahren spreche.
Eine fachärztliche bzw. psychologische Behandlung sei weiterhin indiziert. In Anbetracht einer Beschwerdepersistenz und eines bislang offensicht
lich nicht ausreichenden ambulanten Therapieangebotes sei eine teilstationäre Therapie eine Option, die allerdings rasch umgesetzt werden sollte. Er attestierte eine
Arbeitsunfähigkeit bis zum Abschluss der teilstationären Therapie
, anschlies
send sei eine Neubeurteilung anhand eines Verlaufsberichts seitens der Tageskli
nik vorzunehmen
(Urk.
5/43).
3.7
Hausärztin
Dr.
A._
nannte in ihrem Bericht vom 2. August 2019 zuhanden der IV-Stelle als Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine D
epres
sion sowie
eine Paraparese und ein sensibles Querschnittssyndrom ab Th1
1.
Sie hielt fest, eine leichte
sitzende Tätigkeit könne zu 50
% ausgeführt werden (Urk. 5/53).
3.8
Im Bericht der
p
sychiatrischen
K
linik
E._
vom 21.
August 2019 zuhanden der IV-Stelle betreffend die tagesklinische sowie ambulante Behand
lung
seit
15.
April
2019 wurde
n
als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
Anpassungsstö
rung
en
(F43.2) DD mittelgradige depressive Episode (F32.1) genannt. Aktuell bestünden weiterhin
psychisch leichtgradige Funktions
einbussen im Rahmen der Anpassungsstörung
DD depressive Episode. Wenn kör
perliche Anstrengungen des unteren Bewegungsapparates weitgehend vermieden würden
, erscheine längerfrist
ig eine Tätigkeit von 50 bis 60
% möglich.
Die Beschwerdeführerin berichte, dass
sie
beim Belastungssteigerung
sversuch 2017 ein Pensum
von
50
% habe erfüllen k
önnen. Ab der Steigerung auf 70
% sei es zu einer zunehmenden Überfor
derung gekommen. Sie scheine für sitzende
Tätig
keiten längerfristig einsetzba
r zu sein
. Die aktuell insbesondere subjektiv als belastend wahrgenommenen Konzentrationsstörungen und Gedächtniseinbussen schienen bedingt durch die depressive Symptomatik und es könne davon ausge
gangen werden, dass sich diese im zeitlichen Verlauf und mit Remission der depressiven Symptomatik verbesserten.
Sie sei weiterhin stark belastet durch die von ihr als massiv ungerecht empfundene Kündigung durch den letzten Arbeit
geber.
Dies sei mit Affektlabilität und starker Traurigkeit verbunden und bis jetzt noch nicht adäquat verarbeitet. Aus psychiatrischer Sicht sei die Prognose zur Wiedereingliederung positiv.
Die aktuelle psychiatrische Symptomatik im Rah
men
einer Anpassungsstörung DD depressive Episode scheine weitgehend bedingt durch den Verlust der bisherigen Arbeit.
Die Beschwerdeführerin scheine im Rückblick einen (auf psychischer Ebene) weitgehend funktionalen Umgang mit ihren körperlichen Beschwerden gefunden zu haben
. Erst nach Verlust des Arbeitsplatzes scheine die Anpassungsstörung reaktiv aufgetreten zu sein.
Daher werde eine sinnvolle Tätigkeit als unterstützend für den weiteren Genesungspro
zess erachtet
(Urk. 5/52)
.
3.9
Prof.
Dr.
B._
und Psychologin
C._
n
annten in ihrem Bericht vom 13.
Sep
tember 2019
zuhanden der IV-Stelle
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine länger andauernde
Anpassungsstörung mit depressiver und ängstlicher Symptomatik F43.2 (13.06.2018)
. Die Ängstlichkeit habe s
eit dem letzten Bericht vom 17.
September 2018 abgenommen, die Depressivität sei noch unverändert. Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurde ein Verdacht auf eine Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicheren abhängigen und zwanghaften Zügen F61 erwähnt. Die Beschwerdeführeri
n
werde wegen der somatischen Einschrä
nkung vermutlich nicht mehr 100
% arbeitsfähig werden. Ohne Unterstützung durch die IV würden die depressiven Symptome und somit die volle Arbeitsunfähigkeit aufrechterhalten bleiben. Bei Unterstützung durch eine Teilrente und durch Wiedereingliederung werde die Beschwerdeführerin aus psychologisch-psychiatrischer Sicht wieder arbeitsfähig werden.
Eine angepasste Tätigkeit sei drei
Stunden pro Tag zumutbar (Urk.
5/54).
3.
10
RAD-Arzt med.
pract
.
F._
, Facharzt für Neurologie, hielt
in seiner Stel
lungnahme vom 19.
November 2019 fest,
gemäss Bericht von Prof.
B._
werde die Beschwerdeführerin durch eine Unterstützung durch berufliche Mass
nahmen wieder arbeitsfähig werden. Dies sei vor dem Hintergrund einer Anpas
sungsstörung plausibel. Es werde jedoch auch der Verdacht
auf
eine selbstunsi
chere Persönlichkeitsstörung und verschiedene Belastungsfaktoren (Trennung, sensibles Querschnittssyndrom, Operationen) genannt. Vor diesem Hintergrund seien eine vermehrte Unsicherheit und Ängstlichkeit nachvollziehbar, welche die Suche nach einer neuen Arbeitsstelle erschwerten. Es sei davon auszugehen, dass sich diese Symptomatik zurückbilde, wenn sich eine beruflich
e
Perspektive eröffne
(Urk. 5/80/3
f
.
).
4.
4.1
Aus den medizinischen Ak
te
n geht hervor, dass bis ins Jahr 2018 bei der Beschwerdeführerin keine Hinweise auf psychopathologische Befunde bestanden. Die
vorliegenden
psychiatrischen Berichte stimmen
darin überein, dass Auslöser der psychischen Störung der Verlust der
langjährigen
Arbeitsstelle
im Jahr 2018
war. Die Symptomatik wurd
e de
nn auch am ehesten einer Anpassungsstörung zugeordne
t. Als Differentialdiagnose wurde eine depressive Episode in Erwägung gezogen.
Die
Symptomatik
ist
nach
der Kündigung
reaktiv aufgetreten.
Sowohl die behandelnde Hausärztin wie auch die involvierten Psychiater
stellten
über
einstimmend
eine psychosoziale
Belastungssituation
fest
. Die Ärzte erachte
ten
dementsprechend
die Verbesserung des psychischen Zustandes der Beschwerde
führerin als von der Wiederaufnahme einer Tätigkeit abhängig.
Beim Vorliegen einer beruflichen Perspektive
gingen
sie von einer günstigen Prognose aus.
Vor diesem Hintergrund ist davon auszugehen, dass der psychische Gesundheitszu
stand der Beschwerdeführerin vom Bestehen psychosozialer Faktoren abhängig ist und die erhobenen Befunde ihre Erklärung in den psychosozialen Umständen finden
, mithin kein verselbständigter Gesundheitsschaden vorliegt
.
Da
die sozia
len Belastungen
vorliegend
direkt negative funktionelle Folgen
bewirken,
sind
sie
bei der Beurteilung der Gesundheitsbeeinträchtigung und bei der Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
auszuklammern
(
vgl.
Urteil
e
des Bundesgerichts 9C_740/201
8 vom 7.
Mai 2019 E.
5.2.1; 8
C_717/2018 vom 22. März 2019 E.
3
mit weiteren Hinweisen
).
Ein psychosozial bedingtes Beschwerdebild vermag zwar medizinisch die Diagnose einer Anpassungsstörung
bzw.
einer depressiven Episode, aber rechtlich keine Invalidität zu begründen (vgl. Urteil des Bundesge
richts 8C_858/2017 vom 17. Mai 2018 E. 3.2).
Nach dem Gesagten
ist
im Verfügungszeitpunkt infolge
der dominierenden psy
chosozialen Bela
s
tungssituation nicht von einem erheblichen funktionellen
Schweregrad des
psychischen
Leidens
auszugehen. I
n diesem Zusammenhang
sind
von weiteren Abklärungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.
4.2
In somatischer Hinsicht geht aus den medizinischen Akten hervor,
dass die Beschwerdeführerin an einem chronischen, seitengleichen, schmerzlosen sensib
len Querschnittssyndrom ab Dermatom Th11 beidseits unter Aussparung der Füsse leidet. Die mit der Frage nach einer entzündlichen Myelopathie durchge
führte MR-Untersuchung der HWS und BWS vom 22. Dezember 2017 war unauffällig
.
Eine
neurologische Ursache der berichteten Beschwerden
,
insbeson
dere eine differentialdiagnostisch zu erwägende entzündliche Myelopathie,
konnte nicht
nach
gewiesen werden
.
Weitergehende
sinnvolle
neurologische
Abklärungen
konnten nicht empfohlen werden
(vgl. oben E.
3.
2
).
Ob damit grundsätzlich
eine
somatische Ursache
oder
eine
Nebenwirkung der
medikamen
tösen
Behandlung
(vgl. die Vermutung
en der behandelnden Psychiater,
Urk. 5/54/2,
Urk. 5/52
)
ausgeschlossen werden kann
, lässt sich den Akten nicht entnehmen
; insbesondere nimmt auch RAD-Arzt
Dr.
F._
dazu keine Stellung
.
Zur Arbeitsfähigkeit äusserte sich
Neurologe
Dr.
Z._
nicht. Hausärztin
Dr.
A._
hielt aufgrund des
sensiblen
Querschnittssyndroms eine
einges
chränkte Steh- und Gehfähigkeit sowie
eine
Gangunsicherheit
fest. In ihrem Bericht vom 4. Septem
ber 2018 erachtete sie in einer angepassten Tätigkeit
noch eine Arbeitsfähigkeit von acht Stunden am Tag zumutbar
(vgl. E.
3.3.). In ihrem Bericht vom 2. August 2019 ging sie dann nur noch von einer Arbeit
sfähigkeit von 50
% in einer leich
ten sitzenden Tätigkeit aus, ohne dies
e Einschätzung
jedoch
zu begrün
den (
vgl. E
.
3.
7).
Die von der Hausärztin und anderen behandelnden Ärzten attestierte, aber nicht näher begründete Arbeitsunfähigkeit von 50 % scheint in erster Linie die subjektive Überzeugung der Beschwerdeführerin widerzuspiegeln.
Unklar ist, gestützt auf welche
somatischen
Befunde
eine längerfristige Ein
schränkung de
r Erwerbfähigkeit bestehen soll
bzw. welche Tätigkeiten in wel
chem Umfang zumutbar sind.
Den medizinischen Akten ist
weder eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit noch ein Belastungsprofil zu entnehmen.
Auch RAD-Arzt
Dr.
F._
äussert sich dazu nicht.
Die Besch
werdegegnerin
scheint davon auszugehen, dass der Beschwerdeführerin eine an ihre körperlichen Beschwerden angepasste Tätigkeit in einem Vollzei
tpensum zumutbar ist (vgl. Urk.
2), ohne
jedoch
ein Zumutbark
eitsprofil bzw.
konkrete
mögliche
Tätigkeiten zu nennen.
Auch ein Einkommensvergleich wurde
– soweit ersichtlich – nicht durchgeführt.
4.3
Aufgrund
dieser ungenügenden
Aktenlage
sind
in Anbetracht
der Untersu
chungsmaxime
weitere
medizinische
Abklärungen
erforderlich, um die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin zu beurteilen.
Sollte sich dabei herausstellen, dass dem
Beschwerdebild
eine Soma
tisierungsstörung zugrunde liegen könnte
, wären auch
weitergehende
psychiatrische Abklärungen angezeigt.
4.4
Die angefochtene Verfügung ist daher aufzuheben und die Sache zur Vornahme ergänzender Abklärungen im Sinne der vorstehenden Erwägungen sowie zur anschliessenden neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
5.
5.1
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 7
00.-- festzusetzen und, da die Rückwei
sung an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsie
gen gilt (BGE 137 V 57 E. 2.2), ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
5.2
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat die vertretene Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Parteientschädigung, die in Anwendung von Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversi
ch
erungsgericht (
GSVGer
) auf Fr. 1’
5
00
.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) festzu
setzen ist.