# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b92ebc48-fab8-47cd-8691-2f1b395a4d3c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1972, ist verheiratet und Mutter zweier 2004 und 2007 geborener Kinder (Urk. 6/2/2-3). Sie
absolvierte bei der
Y._
eine Ausbildung zur
k
aufmännischen Angestellten mit Fähigkeitsausweis (
Urk.
6/2/6). Seit dem
1.
Januar 2005 arbei
tet
e sie in einem 40%-Pensum
als kaufmännische Angestellte
im
Personalwesen des
Schreinereiunternehmen
s
ihres Ehemannes (
Urk.
6/2/7,
Urk.
6/6/2
,
Urk.
6/16/4
).
Am
9.
November 2016 meldete sie sich unter Hinweis auf
eine Belastungsreaktion aufgrund familiärer Umstände, Lagerungsschwindel sowie eine Operation eines gutartigen
Tumors der
Ohr
speicheldrüse
bei
der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk. 6/2,
Urk.
6/5).
Die IV-Stelle tätigte Ab
klä
rungen in beruflich-erwerblich
er sowie medizinischer Hinsicht.
Hernach holte sie die Stel
lung
nahme ihres Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 1
2.
Juni 2018 ein (Urk. 6/30/5). Gestützt darauf kündigte
d
ie
IV-Stelle
der Ve
rsicherten mit Vorbe
scheid vom 3
0.
August
2018 die Abweisung des Leis
tung
s
begehrens an
. Zur Begründung führte sie aus
,
dass
keine dauerhaften gesundheitlichen Ein
schrän
kun
gen vorliegen würde
n
(Urk. 6/31). Dagegen erhob die Versicherte am 25.
Sep
tem
ber 2018 Einwand (Urk. 6/34).
Mit Verfügung vom 9. Oktober 2018
wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren wie vorbeschieden
ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
7.
November 2018 Beschwerde und be
antragte, in Aufhebung der Verfügung vom
9.
Oktober 2018 sei die Beschwerde
gegnerin zu verpflichten, der Beschwerdeführerin die gesetzlichen Leistungen gemäss IVG, namentlich mindestens eine
Viertelsrente
ab wann rechtens, zu gewähren. Zudem beantragte sie, dass ein polydisziplinäres Gerichts
gutachten ein
zuholen sei, eventualiter sei die Beschwerdegegnerin zu ver
pflich
ten, ein verwal
tungs
ext
ernes polydisziplinäres Gutachten einzuholen
(
Urk.
1 S.
2).
Mit Beschwerdeantwort vom 5. Dezember 2018 beantragte die Beschwerde
geg
nerin Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter Beilage der IV-Akten [Urk. 6/1-40]),
was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 1
1.
Dezember 2018 mitge
teilt wurde (
Urk.
7).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invali
denrente hat.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundes
ge
setz
es
über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts,
ATSG)
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalid
enversicherung,
IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG
).
2.3
2.3.1
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen
Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vo
raus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG)
.
2.3.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
-
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
-
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
2.4
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne der Beweisfüh
rungslast indes begriffsnotwendig aus, da es Sache des Sozialversicherungsge
richts (oder der verfügen
den Verwaltungsstelle) ist, für die Zusammentragung des Beweismaterials besorgt zu sein (BGE 115 V 111 E. 3d/
bb
; Maurer, Sozialversi
cherungsrecht, Bd. I, 2. unveränderte Aufl., Bern 1983, S. 438
Ziff.
7a). Im Sozial
versicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte (BGE 115 V 133 E. 8a). Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrschein
lichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b).
Nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG prüft der Versicherungsträger die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Aus
künfte ein (Satz 1). Das Gesetz weist somit dem Durchführungsorgan die Aufgabe zu, den rechtserheblichen Sachverhalt nach dem Untersuchungsgrundsatz abzu
klären, und zwar richtig und vollständig, so dass gestützt darauf die Verfügung über die jeweils in Frage stehende Leistung ergehen kann (
Art.
49 ATSG). Auf dem Gebiet der Invalidenversicherung obliegen diese Pflichten der (örtlich zu
ständigen) Invalidenversicherungsstelle (nachfolgend: IV-Stelle;
Art.
54-56 in Verbindung mit
Art.
57
Abs.
1
lit
. c-g IVG). Was den für die Invaliditätsbemes
sung (
Art.
16 ATSG und
Art.
28 ff. IVG) erforderlichen medizinischen Sachver
stand angeht, kann die IV-Stelle sich hierfür - nebst
dem RAD (
Art.
59
Abs.
2 und 2
bis
IVG), den Berichten der behandelnden Ärztinnen und Ärzte (
Art.
28
Abs.
3 ATSG) und den externen medizinischen Sach
verständigen (
Art.
59
Abs.
3 IVG) - auf die medizinischen Abklärungsstellen (nachfolgend: MEDAS) stützen (
Art.
59
Abs.
3 IVG; BGE 136 V 376 E. 4.1.1).
2.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in
der Regel von der Rückweisung
-
da diese das Ver
f
ahren verlängert und verteuert
-
abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu
treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Bei ungenügenden Abklärungen durch den Versicherungsträger holt die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein, wenn sie einen (im Ver
waltungsverfahren anderweitig erhobenen) medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine Administrativ
expertise in einem rechtserheblichen Punkt nicht beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweis
erhebung erfolgt alsdann vor der
-
anschliessend reformatorisch ent
scheidenden
-
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. Eine Rückweisung an den Versicherungsträger bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten Frage begründet ist. Ausserdem bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbenommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Präzisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE 137 V 210
E. 4.4.1.4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesge
richts 8C_815/2012 vom 21. Oktober 2013 E. 3.4, publiziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S. 3)
.
3
.
3.1
Dem
«
Ambulanten Bericht Notfall
»
des
Kantonsspitals Z._
vom
4.
Juli 2016 sind die Diagnosen (1) benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel des
posterio
ren
Bogengang
s
links, (2) Hyperventilation, (3) Status nach Punktion einer Talg
drüse retroaurikulär links sowie Status nach
HELLP (hämolytische Anämie, er
höhte Leberwerte, Verminderung der Thrombozyten) 2004 mit/bei persis
tieren
der Thrombopenie mit Splenomegalie zu entnehmen (
Urk.
6/9/7).
3.2
Dr.
med.
A._
, Oberärztin, Spital
B._
, führte im Bericht vom
2
7.
Juli 2016
zu Händen der Krankentaggeldversicherung
die Diagnose Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktio
n
(ICD-10: F43.21) an. Dazu führte sie aus, dass durch die psychiatrisch-psychotherapeuti
schen Gespräche
(
seit 3
1.
März 2016
)
in der Krisensituation eine rasche Verbesse
rung habe erzielt werden können. Derzeit sei
en
keine weitere
n
Therapien oder Behandlungen vorgesehen, da durch die derzeitige Behandlung von einer raschen Erhöhung der Arbeitsfähigkeit mit kompletter Remission der Symptomatik aus
gegangen werde (
Urk.
6/9/10).
Im
ebenfalls an die Krankentaggeldversicherung gerichteten
Bericht vom 1
5.
Juni 2017 führte
Dr.
A._
sodann aus, dass die Behand
lungen eine zunehmende Stabilisierung im Umgang mit den unerwarteten soma
tischen Komplikationen
gezeigt habe. Die Beziehungen in der Familie hätten sich deutlich entspannt und
es
sei eine bessere Kommunikation möglich geworden. Der letzte Kontakt zur Referentin habe am 16. Januar 2017 stattgefunden (Urk. 6/16/10). Aus psy
chiatrischer Sicht wäre im Sommer 2016
eine Arbeits
fähigkeit
erreichbar gewe
sen, da die Beschwerdeführerin aufgrund der soma
ti
schen Problematik stark ein
geschränkt gewesen sei, sei sie von dieser Seite her zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen
(
Urk.
6/16/11).
3.3
Bei der Operation vom
6.
September 2016 wurde von Prof.
Dr.
med.
C._
, FMH Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Hals- und Gesichtschirurgie
, wegen des Verdachts auf
ein
pleomo
rphes Adenom des tiefen
Parotislappens
links eine totale
Parotidektomie
mit Tumorentfernung im tiefen Lappen links unter
Fazialismonitoring
durchgeführt (
Urk.
6/9/6).
Am
4.
Oktober 2016
berichtete
Prof.
Dr.
C._
der Krankentaggeldversicherung
, dass die Beschwerdeführerin vom
6.
bis
9.
September
2016 hospitalisiert gewesen sei. Bei der Operation vom
4.
Oktober 2016 sei ein gutartiger Tumor der Ohr
speicheldrüse links entfernt worden. Die Beschwerdeführerin sei
seit dem
6.
September 2016 bis auf Weiteres
a
rbeitsunfähig. Es würden keine weiteren Be
handlungen durchgeführt. Nach der Erholungsphase werde die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin wieder normal sein (
Urk.
6/9/3).
3.4
Dr.
med.
D._, FMH Neurologie,
Zentrum
E._
, stellte nach der Untersuchung der Beschwerdeführerin vom
2.
Mai 2017 folgende Diagnose (
Urk.
6/17/17):
Chronische stechende Schmerzen links im Bereich des Kieferwinkels sowie im Ohr:
-
seit totaler
Parotidektomie
links (
6.
September 2016) wegen pleomor
phen Adenom
-
anamnestisch initial begleitende durch Geschmacksempfindung ausge
löste Schmerzen im Verlauf weitgehend
regredient
In seiner Beurteilung führte
Dr.
D._
aus, die Ursache der nur teils durch Kauen - aber auch durch Kälteexposition - verstärkten chronischen stechenden links
sei
tigen Schmerzen unmittelbar unterhalb des Ohrläppchens (ausstrahlend
nach ventral) und - teils davon zeitlich unabhängig - «im Inneren des Ohres
»
sei ihm nicht gan
z klar. Klinisch-neurologisch fi
nde sich eine (im postoperativen Verlauf offenbar gebesserte) Fühlminderung im Bereich der Ohrmuschel bis wenig prä
aurikulär sowie eine
Druckdolenz
unmitt
e
lbar u
nterhalb des Ohrläppchens und i
m
Ohrkanal
- vor allem dorsal. Ferner hielt
Dr.
D._
folgendes fest: subjektiv intakte Geschmacksempfindung auch über der linken Zungenhälfte (nicht ge
prüft). Eine Behandlung mit Lyrica® un
d Cymbalta® (seit ca. Ende März
2017 in erhöhter Dosis)
habe eine gewisse Schmerzlinderung gebracht; recht gute Stun
den dauernde
Schmerzdämpfung durch Einnahme von Palexia® 50mg bis 6x pro Tag. Wie ihm die Beschwerdeführerin berichtet habe, habe weder die ORL-ärztliche noch
die
Kieferorthopädische-Untersuchung eine klare Ursache der Schmer
zen zu Tage gefördert
(
Urk.
6/17/17).
3.5
Im Bericht vom 2
6.
Juli 2017 führte
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Anäs
t
hesiologie/Interventionelle Schmerzmedizin die Diagnosen V
erdacht auf
Intermediusneuropath
ie
bei Zustand nach
Parotistumorentfernung
links im September
2016 sowie Thrombopenie bei Zustand nach HELLP-Syndrom im Rah
men der ersten Schwangerschaft an (
Urk.
6/17/19).
3.6
Dr.
med.
G._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin
,
hielt zum ärztlichen Befund fest, dass die Beschwerdeführerin an einem chronischen Schmerzsyndrom im Bereich Kiefer, Ohr und Schläfe links leide (
Urk.
6/17/2). Dazu führte sie aus, dass sich die Beschwerde
führerin wegen der Schmerzen schlecht konzentrieren könne. Wegen der Medikamenteneinnahme sei
sie
sehr müde. Sie sei wenig belastbar. Wegen des Schwindels fahre sie nicht mehr mit dem Auto. Zudem habe sie eine Haushaltshilfe (
Urk.
6/17/2).
Im Bericht zuhanden der Krankentaggeldversicherung vom 1
3.
November 2017 nannte
Dr.
G._
die Diagnose neuropathisches Schmerzsyndrom des
Nervus
facialis
links nach elektiver Operation am
6.
September 2016 (
Urk.
6/20/3).
3.7
Dr.
med.
H._
, Assistenzarzt, Otorhinola
ryngologie (ORL), Universitätsspital
I._
, hielt im Bericht vom 3
0.
April 2018 fest, dass eine Schmerzproble
matik ohne somatisches Korrelat bestehe. Im Fachgebiet ORL könnten keine Diagnosen gestellt werden. Die Prognose zur Arbeitsfähigkeit sei unklar und könne durch einen ORL-Arzt nicht beurteilt werden (
Urk.
6/26/4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stellte bei der leistungsablehnenden Verfügung vom 9. Oktober 2018 (Urk. 2) auf die Stellungnahme von RAD-Ärztin Dr. med.
J._
, Fachärztin für orthopädische Chirurgie und Traumatologie, medizinische Gutachterin SIM, Vertrauensärztin SGV, vom 1
2.
Juni 2018 ab (
Urk.
6/30/5).
Dr.
J._
führte aus, dass derzeit als Hauptdiagnose Schmerzen im Bereich des linken Kieferwinkels und unterhalb des linken Ohrläppchens nach operativer Entfernung der
Gl. Parotis (Ohrspeicheldrüse) am
6.
September 2016 bei gutartigem Tumor der Drüse genannt würde
n
. Ein organisches Korrelat für die Schmerzen sei nicht gefunden worden. Auch aus ORL-Sicht habe kein Hinweis auf ein organisches
Korrelat bestanden.
Dr.
G._
habe am 1
3.
November 2017 berichtet, dass es sich um ein neuropathisches Schmerzsyndrom des
Nervus
facialis
handeln würde
. Zugleich habe sie
aber
berichtet, dass eine
Facialis
blockade
ohne Erfolg ge
blieben sei, was den
Nervus
facialis
als Schmerzursache praktisch ausschliessen würde.
Dr.
G._
habe am 2
3.
August 2017 eine psychi
sche Belastungssituation erwähnt, welche seit März 2016 bestehe. Aus dem Bericht des Spitals
B._
vom 1
5.
J
uni 2017 gehe hervor, dass es i
m Rahmen eines Paarkonflikts zu einer Anpassungsstörung mit längerer de
pressiver Reaktion (ICD-10:
F43.21) gekommen sei. Weiter werde von einer
Thrombozytopenie
un
klarer Genese berichtet, die dem Bericht von
Dr.
G._
vom 2
3.
August 2017 zufolge bereits seit 2004 bekannt sei (
Urk.
6/30/5).
Gestützt darauf gelangt
e
die RAD-Ärztin zum Schluss, dass eine Anpassungs
störung nicht als dauerhaft zu beurteilen sei. Der Schmerz bleibe ohne orga
ni
sches Korrelat. Somit sei kein dauerhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen (
Urk.
6/30/5).
4.2
Es trifft nach Lage der Akten zu, dass die seit März 2016 behandelnde Psy
chiaterin der Anpassung
s
störung ab Sommer 2016 keinen wesentlichen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mehr zumass (E. 3.2) und die Fachärzte der ORL (E. 3.7), der Kieferchirurgie und Neurologie (E. 3.4) bisher kein organisches Substrat für die chronischen Schmerzen fanden. Indes können - unabhängig ihrer Ätiologie - die Auswirkungen der geklagten Schmerzen und allenfalls der einzunehmenden Medikation auf die funktionelle Leistungsfähigkeit aufgrund der vorliegenden Akten nicht abschliessend beurteilt werden. Immerhin erwähnte die Hausärztin
Dr.
G._
, die (bzw. ihre Vorgängerin) seit
4.
Juli 2016 eine ununterbrochene Arbeitsunfähigkeit unterschiedlichen Ausmasses attestierte (
Urk.
6/17/2), dass die Beschwerdeführerin infolge der Schmerzen sich schlecht konzentrieren könne, sehr müde und wenig belastbar sei sowie unter Schwindel leide (E. 3.6). Diese Beurteilung blieb in medizinischer Sicht unwidersprochen. Auch wenn für den Schmerz kein organisches Korrelat gefunden wurde, so wäre das Vorliegen einer krankheitswertigen Schmerzstörung unter Einbezug der vom Bundesgericht ent
wickelten Standardindikatoren zu prüfen (vgl. E. 2.3.2) oder allenfalls der Einfluss der notwendigen Medikamente medizinisch einzuschätzen. Diesbezüglich fehlen indes fachärztliche (psychiatrische, neurologische) Beurteilungen.
Da der
entscheidrelevante
medizinische Sachverhalt ungenügend abgeklärt wurde und allenfalls weitere Abklärungen hinsichtlich Qualifikation und Aufgabenbe
reich notwendig werden (vgl. nachfolgend E. 4.3), rechtfertigt es sich, die Sache an die Beschwerdeführerin zur Durchführung eines polydisziplinären Gutachtens unter Berücksichtigung der vom Bundesgericht entwickelten Standardindikatoren (E. 2.3.2) zurückzuweisen (E. 2.5). Praxisgemäss ist e
ine polydisziplinäre Expertise auch
dann einzuholen, wenn der Gesundheitsschaden zwar bloss als auf eine oder zwei medizinische Disziplinen fokussiert erscheint, die Beschaffenheit der Ge
sundheitsproblematik aber noch nicht vollends gesichert ist
(vgl. BGE 139 V 349 E. 3.2 S. 352)
.
Nach Lage der Akten drängen sich die Fachdisziplinen Neurologie, Otorhinolaryngologie und Psychiatrie auf, wobei es Sache der Gutachtensstelle sein wird, über den Beizug der notwendigen Fachärztinnen und Fachärzte zu ent
scheiden.
4.3
Anzufügen ist folgendes:
Die Beschwerdeführerin macht geltend, dass sie zu 40
%
im Erwerbsbereich und zu 60
%
im Haushaltsbereich tätig sei (
Urk.
1 S. 9
). Die Beschwerdegegnerin stellte sich bislang auf den Standpunkt, dass kein
IV
-relevanter Gesundheitsschaden vorliege
(
Urk.
2), weshalb sie bezüglich einer all
fälligen Einschränkung der Beschwerdeführerin im Aufgabenbereich keine Ab
klärungen tätigen musste.
Je nach dem Ergebnis
der weiteren
medizinischen
Abklärungen
wird die Beschwerde
gegnerin daher auch eine sog. sozialversiche
rungsrechtliche Qualifikation vor
nehmen und
allenfalls die Einschränkungen
im Aufgabenbereich
erheben müssen
.
5.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen. Die angefochtene Verfügung vom 9. Oktober 2018 (Urk. 2) ist aufzuheben und die Sache ist an die Beschwer
de
gegnerin zurückzuweisen, damit diese
,
nach erfolgter Abklärung im Sinne der Erwägungen, über den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge.
6.
6.1
Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten von Fr. 700.-- (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat
, welche nach der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
1'800.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
)
festzusetzen ist.