# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8b83b0d6-a30b-403c-8f23-c8b533ad82ea
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1966, war von April 1999 bis Ende Oktober 2014 bei der
Y._
AG als
Betriebsl
eiter
, seit Oktober 2013 für die ganze Schweiz,
in einem 100%-Pensum an
ge
stellt (vgl.
Urk.
11/3).
Am
6.
August 2018 (Eingangsdatum) mel
de
te sich der Vers
icherte unter Hinweis auf eine p
osttraumatische Belastungsstörung, Depressionen
, Asthma, Über
ge
wicht, Venenprobleme, Probleme im Bewegungsablauf
sowie starke Schmer
zen im Rücken,
den
Knien,
am
Becken und
den
Füsse
n
bei der Sozialversicherungs
anstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, zum Be
zug von Leistungen an (Urk. 11/4).
Die IV-Stelle nahm Abklärungen in erwerblicher und medizinischer Hinsicht vor,
zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk.
11/20
) und
holte die Be
richt
e der behan
delnden Ärzte (Urk. 11/11
, Urk.
11/18
, Urk.
11/23, Urk. 11/24, Urk. 11/
26) sowie einen Auszug aus dem Individuellen Konto des Versicherten
(IK-Auszug; Urk. 11/8) ein.
Mit Mitteilung vom 1
1.
Januar 2019 teilte die IV-Stelle dem Ver
sich
erten mit, dass berufliche Eingliederungs
massnahmen gesund
heitsbedingt nicht angezeigt seien (
Urk.
11/16).
In der Folge veranlasste die IV-Stelle eine akten
basierte Einschätzung durch
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Chirur
gie sowie Arzt des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD; vgl. Fest
stellungsblatt,
Urk.
11/30 S. 5f.
).
Ausgehend von der Möglichkeit einer wesent
lichen Ver
bes
se
rung des Gesundheitszustandes bei
einer Gewichtsreduktion von 80 bis 100 Kilo
gramm innerhalb von zwei Jahren
auferlegte die IV-Stelle dem Versicherten mit Schreiben vom
1
4.
August
2019 eine Schadenminderungspflicht (
Urk.
11/31).
Nach durchgeführtem Vorbescheid
verfahren (Vor
bescheid vom 14.
August 2019 [Urk. 11/32], Einwand vom 1
6.
September 2019 [Urk. 11/40]) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 2019 einen Renten
anspruch (
Urk.
2).
2.
Gegen die Leistungsabweisung erhob der Versicherte mit Eingabe vom 1
3.
Novem
ber 2019 Beschwerde und be
antragte, die angefochtene Verfügung
vom 14. Ok
tober 2019 sei vollum
fänglich auf
zu
heben und die Beschwerdegeg
nerin
sei zu ver
pflichten, ihm ab Februar 2019 eine ganze Rente zuzusprechen. Even
tua
li
ter sei eine gutachter
liche Un
ter
suchung von einer unabhängigen Stelle an
zu
ordnen,
subeventualiter
sei die Beschwerdegegnerin anzuweisen, ihm beruf
li
che Massnahmen zu gewähren. In prozessualer Hinsicht be
antragte er, es sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege sowie die unentgeltliche
Rechtsverbeiständung
zu gewähren
,
was er mit Eingaben vom
4.
Dezember
2019 (
Urk.
7
)
substanziierte
(
Urk.
8,
Urk.
9/1-5)
. Ferner sei ein zweiter Schriftenwechsel durchzuführen (Urk. 1
).
Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Dezember 2019 (Urk. 10) auf Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom
2
0.
Dezember 2019
wurde dem Beschwerdeführer die Beschwerdeantwort zur Kenntnisnahme zuge
stellt und das Gesuch um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels abge
wiesen (
Urk.
12
).
Mit Eingaben vom
3.
März 2020 (
Urk.
13) und 1
6.
April 2020 (Urk. 16) reichte der Beschwerdeführer aktuelle Arztberichte (
Urk.
14/1-2, Urk. 17/1-3) zu den Akten, was der Beschwerdegegnerin je mit Mitteilung vom
4.
März 2020 (
Urk.
15) respektive
2
1.
April 2020 (
Urk.
18) zur Kenntnis gebracht wurde.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrech
ts [ATSG]
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in
ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar
ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
be
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die
ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 1
4.
Oktober 2019 (Urk. 2) hielt die Be
schwer
degegnerin fest, medizinische Abklärungen hätten ergeben, dass
der Be
schwerdeführer aktuell unter keinen Diagnosen leide, die Leistungen der Inva
li
denversicherung auslösen würden. D
er
Gesundheitszustand des
Be
schwer
de
füh
re
r
s könne mit der Gewichtsreduktion von 80 bis 100 Kilogramm innerhalb
von
zwei Jahren wesentlich verbessert werden. Ausserdem sei er in der Stellen
suche nicht eingeschränkt, weshalb er keinen Anspruch auf berufliche Unter
stützung habe.
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde vom 1
3.
Novem
ber 2019 (Urk. 1) zusammengefasst geltend,
die Einschätzung des RAD-Arztes sei widersprüchlich und nicht nachvollziehbar. Darauf könne nicht ab
ge
stellt werden.
Er leide
unter anderem
an morbider Adipositas Grad III
, die als Folge des trau
ma
tisierenden Tötungsdeliktes des Vaters eingetreten sei. Deshalb sei diese als Folge einer gesundheitlichen Störung zu berücksichtigen.
In Bezug auf die auferlegte Mitwirkungspflicht fügte der Beschwerdeführer an, er nehme diese soweit er dazu im Stande sei, wahr. Da er jedoch psychisch stark belastet sei und an einer Schilddrüsenunterfunktion leide, sei es ihm nicht möglich, wie von der Beschwerdegegnerin verlangt, ein Kilo pro Woche abzunehmen.
3.
Aus der vorliegenden medizinischen Aktenlage ergibt sich Folgendes:
3.1
Im März 2014 wurde der Vater des Beschwerdeführers durch die Ex-Partnerin
ermordet, was eine Traumatisierung mit grossen Ängsten ausgelöst habe
.
Seit Juni
2017 war der Beschwerdeführer bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt FMH Psychiatrie und Psycho
therapie, sowie MSc
B._
, Psychologin und Psychotherapeutin, in
monatlicher
Be
handlung.
Ihnen gegen
über habe er von Angstgefühlen, Gedankenkreisen und Schuldgefühlen seinem Vater gegenüber, Wut, Erschöpfung, Müdigkeit und Albträumen berichtet.
Er habe Angst, dass die Täterin nach Absitzen der Gefängnisstrafe ihn und seine Familie attackieren werde.
Die Ärzte konstatierten, der Beschwerdeführer sei im Schockzustand hän
gen
ge
blieben und habe den Normalzustand nicht mehr ge
funden. Er könne das trau
ma
tische Geschehen nicht in sein
Leben integrieren, da er es nicht verstehe. Sie diagnostizierten eine posttraumatische Belastungs
störung (PTBS, ICD-10: F43.1) sowie eine extreme Adipositas (BMI ca. 60)
, auf
grund derer er sich kaum
mehr bewegen könne
sowie eine verminderte Reak
tions
fähigkeit und Stabilität aufweise
. In Bezug auf die Prognose der Ar
beits
fähigkeit hielten sie fest, an erster Stelle stehe das Abnehmen. Erst nach Verlust von Gewicht und damit einher
gehender Schmerz
freiheit und Be
we
gungs
fähigkeit könnten die Psychotraumata ange
gangen werden (vgl. Arzt
bericht vom 17. Ja
nu
ar 2019,
Urk.
11/18).
3.2
Bei einer Adipositas Grad III
mit verminderter Gehfähigkeit
sowie Belastungs
fähigkeit des
Bewegungsapparat
s
wurde der Be
schwer
deführer von seinem Haus
arzt ins Universitätsspital
C._
überwiesen. Die behandelnden Ärzte des Adipositas Zentrums hielten laborchemisch eine Hypo
thyreose sowie eine aus
ge
prägte
Dyslipidämie
fest
.
Es
wurde
n
eine
anti
hyper
ten
sive
Medikation einge
leitet
und verschiedene Möglichkeiten zur Gewichts
re
duk
tion (Ernährungs
be
ra
tung, be
gleitende medikamentöse Therapie, bariatrische Ope
ration) besprochen
(vg
l. Arztbericht vom 1
6.
August 2018, Urk. 11/11/7f.).
Eine progrediente Ge
wichts
abnahme könne zu einer Verbesserung der Mobilität und Arbeitsfähigkeit führen (vgl. Arztbericht vom 1
8.
April 2019,
Urk.
11/23).
Laut Hausarzt
Dr.
med.
D._
, Allgemeine Medizin FMH, sei
der Beschwer
de
führer
aktuell
aufgrund der morbiden Adipositas in seiner angestammt
en Tätigkeit als Betriebsleiter seit Mai 2017
nicht arbeitsfähig
. In welchem Umfang ihm eine angepasste Tätig
keit zumutbar
sei, müss
e abgeklärt werden
(vgl. Arzt
berichte vom 2
6.
Oktober 2018 [Urk. 11/11
/2-5
],
1.
Mai 2019 [
Urk.
11/24
/1-3
]).
Neben generali
sier
ten Schmer
zen am Bewe
gungs
apparat
bestehe beim Be
schwer
de
führer eine Stau
ungs
der
ma
titis mit Kratz
exko
riationen der Unter
schenkel
auf beiden Seiten.
Die nicht-inva
sive arterielle Aus
messung der unteren Extremitäten habe eine unein
geschränkte Ruhe
per
fusion gezeigt.
Duplexsono
graphisch
hätte sich zwar insge
samt
ekta
ti
sche
ober
flächliche Venen gezeigt, jedoch liesse sich keine re
levante In
suffizienz des tiefen sowie oberflächlichen Venensystems dar
stellen. Die Ärzte
der Klinik für
Angio
logie
des
C._
empfahlen eine konsequente Kom
pressions
therapie (vgl. Arzt
bericht vom 1. April 2019, Urk.
11/24/4ff.).
3.3
Im Verlaufsbericht vom 1
0.
Juni 2019 (
Urk.
11/26) hielten
Dr.
A._
und
Psychologin
B._
fest, der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers habe sich auf somatischer Ebene verschlechtert
, so h
ab
e er den grauen Star operieren müssen (vgl. Operationsbericht vom
5.
März 2019,
Urk.
11/24/8f.)
. Er sei zuneh
mend resigniert und stehe unter Druck. Die Schmerzen würden ihn psychisch vermehrt dünnhäutig und de
sta
bi
lisierter machen. Er habe nach wie vor Alb
träume und Schlafstörungen. Mit die
sen körperlichen Beschwerden sei eine
Trau
ma
verarbeitung
nicht möglich. Der Be
schwerdeführer nehme zwar kontinuierlich ab, es werde aber wohl Jahre dau
ern, bis er ein Normalgewicht erreicht habe
.
Dr.
A._
und Psycho
lo
gin
B._
attestierten dem Beschwerdeführer eine voll
ständige Arbeits
unfähig
keit. Er sei unbeweglich und leide an chroni
schen
Schmerzen sowie diversen so
matischen Störungen
angesichts
seiner ex
tre
men Gewichtszunah
me
als Folge einer Binge
Eating
Störung. Diese werde durch eine
zugrunde
liegende
PT
BS
mit Konzentration- und Aufmerksamkeitsstörungen, Angst
ge
fühlen, innerem Druck und Stressgefühlen, Flashbacks, Albträumen, Gedank
en
kreisen sowie Motiva
tions
losigkeit, Erschöpfung, Antriebslosigkeit und Schuld
ge
fühlen verstärkt (vgl.
Urk.
17/3).
3.4
RAD
Dr.
Z._
verwies
in seiner Stellungnahme
vom 1
4.
Juni 2019
auf die vor
liegenden Arzt
berichte und befürwortete eine kontrollierte Gewichtsabnahme von zirka 80 bis 100 kg in zwei Jahren.
Die
PTBS
sei hingegen nicht nach
ge
wie
sen. Er
empfahl bei einem in
stabilen und besse
rungs
fähigen Gesund
heits
zu
stand eine medizi
nische Neu
beur
teilung in 12 Mo
na
ten (vgl. Urk.
11/30 S. 5f
f
.).
3.5
Im Rahmen des Beschwerdeverfahrens reichte der Beschwerdeführer weitere Arzt
berichte zu den Akten (
Urk.
14/1-2,
Urk.
17/1-3).
Aus diesen geht hervor, dass d
er Beschwerdeführer unter Binge
Eating
mit
Sucht
komponente
auf Süssigkeiten leide und konservativ nicht an Gewicht abnehmen könne. Er interessiere sich deshalb für den bariatrischen Eingriff. Laut Psychiater des
C._
würden keine Kontra
indi
ka
tionen für die Durchführung des bariatrischen Eingriffs bestehen. Eine Ver
schlech
terung des Zustandsbildes nach der Operation oder ein Switch auf Sucht
mittel seien jedoch möglich, sodass prä- und postoperativ eine engmaschige Be
treu
ung durch die behandelnde Psychotherapeutin empfohlen werde (vgl. Arzt
bericht vom 1
0.
Januar 2020,
Urk.
14/2).
Betreffend die Verneinung einer PTBS durch RAD
Dr.
Z._
führten
Dr.
A._
und Psychologin
B._
in ihrer Stellungnahme vom
2.
April 2020 (
Urk.
17/3) aus, der Beschwerdeführer zeige Symptome einer PTBS, so Flashbacks, Albträume, Angstgefühle, eingeschränktes Denken, depressive Symptome, Kompensation von Druck und Beruhigung von Stresssymptomen mit Essen. Der Druck von existenziellen Angstgefühlen sei gross und wirke sich negativ auf das Essverhalten des Beschwerdeführers aus. Er habe seine Arbeitsstelle verloren, weil er dem Druck nicht mehr standgehalten habe und sich nicht mehr auf die Arbeit
habe
konzentrieren können
.
Bei zunehmender Belastungsdyspnoe und Verdacht auf eine chronische obstruk
tive Lungenerkrankung (COPD) wurde der Beschwerdeführer ausserdem von den Ärzten der Klinik für Pneumologie des
C._
unter
sucht (vgl. Arztbericht vom 30.
Ja
nuar 2020,
Urk.
14/1). Die Ärzte konstatierten, in der Spirometrie habe der Beschwerdeführer eine
schwergradige
obstruktive Ventilationsstörung erreicht und Zeichen für eine Restriktion gezeigt. Nach Inhalation mit einem
Beta
sympa
thomimetikum
habe keine Besserung erreicht werden können, was für eine COPD und gegen eine
asthmoide
Erkrankung spreche. Bestärkt werde die Diagnose der COPD durch die Raucheranamnese. Eine Nikotinkarenz werde deshalb dringend
empfohlen.
Die medizinisch theoretische Ateminvalidität
(auch unter Berück
sich
ti
gung der Adipositas)
betrage 60
%
.
Zumutbar seien leichte Tätigkeiten (z.B. Büro
arbeiten) in einem 40%-Pensum. Mittelschwere und schwere körperliche Tätig
keiten sowie Tätigkeiten, die regelmässiges und rasches Gehen, Treppen
steigen und Lastenheben erfordern würden, seien hin
gegen nicht zumutbar
(vgl. Arzt
bericht vom
6.
März 2020,
Urk.
17/1)
.
4.
4.1
In der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) stützte sich die Beschwerdegegnerin in medizinischer Hinsicht im Wesentlichen auf die Einschätzung des RAD, wonach der Beschwerdeführer
an keiner Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit leide
und eine PTBS nicht ausgewiesen sei (vgl.
E. 3.4,
Urk.
11/30 S.
5f.).
Die behandelnden Ärzte beurteilten
hingegen
die Adipositas Grad III
sowie eine diese verstärkende PTBS
als die Arbeitsfähigkeit einschränkend
. Sowohl Dr.
D._
als auch der behandelnde Psychiater
Dr.
A._
und die Psycho
lo
gin
B._
attestierten dem Beschwer
de
führer
aufgrund dessen
eine vollständige Arbeits
un
fähig
keit
(vgl. E. 3.1-3.3).
In welchem Umfang dem Beschwerdeführer eine angepasste Tätigkeit zumutbar ist, muss laut
Dr.
D._
noch abgeklärt wer
den (vgl. E. 3.2).
Die behandelnden Ärzte des
C._
führten nicht aus, in welchem Aus
mass der Beschwerdeführer
aufgrund der diagnostizierten Adipositas
in seiner Arbeitsfähigkeit einge
schränkt ist (vgl. E. 3.2).
Hinzu kommt eine mittelschwere bis schwere COPD (E. 3.5).
4.2
Angesichts dessen, dass
RAD-Arzt
Dr.
Z._
die vorliegenden Arztberichte als schlüssig und die angeführten medizinischen Fakten als nachvollziehbar erach
tete und auf diese abstellte, vermag seine Einschätzung, dass keine Diagnosen mit Aus
wir
kun
gen auf die Arbeitsfähigkeit vorliegen würden
,
nicht zu über
zeu
gen
, zumal alle behandelnden Ärzte den Beschwerdeführer aufgrund der mor
bi
den Adipositas als (zumindest vorläufig) nicht arbeitsfähig erachteten
.
Eine
Adipositas bewirkt
zwar
grundsätzlich keine leistungsbegründende Invalidi
tät, wenn sie keine körperlichen oder geistigen Schäden verursacht und nicht die Folge von solchen Schäden ist. Liegen diese Voraussetzungen nicht vor, muss sie unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten des Einzelfalles dennoch als invalidisierend betrachtet werden, wenn sie weder durch geeignete Behand
lung noch durch zumutbare Gewichtsabnahme auf ein Mass reduziert werden kann, bei welchem das Übergewicht in Verbindung mit allfälligen Folgeschäden keine voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde Beeinträchtigung der Erwerbsfähigkeit beziehungsweise der Betätigung im bisherigen Aufgabenbereich
zur Folge hat (Urteil des Bundesgerichts 8C_496/2012 vom 19. September 2012 E. 2.2).
4.3
Der Beschwerdeführer leidet an diversen gesundheitlichen Beeinträchtigungen
, was unbestritten ist
. So unter andere
m an generalisierten Schmerzen a
m Be
wegungs
apparat mit verminderter Gehfähigkeit, Stauungsdermatitis der Beine,
Hyperthyreose,
arte
riel
le Hypertonie,
Dyslipidämie
,
asthmoide
Bronchitis
(richtig
wohl
COPD)
sowie Zustand nach beidseitiger Katarakt-Operation und Depres
sion
.
Das hielt
RAD-Arzt Dr.
Z._
fest (vgl.
Urk.
11/30 S. 5f.)
.
Unter Verweis auf die Empfehlungen der behandelnden Ärzte, wonach eine pro
grediente Gewichtsab
nahme zur Ver
besserung der Ar
beits
fähigkeit führen kön
ne
(vgl. E. 3.2)
, äusserte sich
RAD-Arzt Dr.
Z._
zur zumut
baren kontrollierten G
e
wichts
abnahme von 80 bis 100
kg innert zwei
er
Jahre, traf jedoch keine Feststellungen betreffend Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit während dieser Zeitspanne
.
Vor dem Hin
tergrund, dass sich
keiner der behan
delnden Ärzte zur Arbeitsfähigkeit in einer behinderungs
ange
passten Tätig
keit äusserte, Dr.
D._
vielmehr festhielt, dass die zumutbare Leis
tungs
fähig
keit
erst
ab
geklärt werden müsse (vgl. E. 3.2), ist eine volle Arbeits
fähigkeit nicht sofort ausge
wie
sen, sondern (allenfalls) erst nach ent
sprechender Behand
lung.
Ferner ist die Zumutbarkeit einer solchen Gewichtsab
nahme innert zweier Jahre
psychiatrischerseits
umstritten.
Ausserdem
erscheint die von RAD-Arzt
Dr.
Z._
getroffene Feststellung in Bezug auf die von den Fachärzten diagnostizierte PTBS (vgl. E. 3.1 und E. 3.5) zu wenig begründet, zumal er keine
persönliche Untersuchung
durchgeführt hat
und im Übrigen auch kein psychiatrischer Facharzt ist
.
Aus der Aktenlage ergibt sich nicht, ob der von den Fachärzten diagnostizierte
n
PTBS (ICD-10: F43.1) ein in
va
li
denversicherungsrechtlich relevanter Einfluss auf die Arbeits
fähigkeit zu
kommt, wies der behandelnde Psychiater doch wiederholt darauf hin, dass eine
Trauma
verarbeitung
bei den vorhandenen körperlichen Beschwerden nicht mög
lich sei (vgl. E. 3.1 und E. 3.3).
Im Übrigen ist unklar, welchen Einfluss die PTBS auf die Adipositas
und die Zumutbarkeit einer Gewichtsabnahme innert Frist
hat.
Dr.
A._
und Psychologin
B._
wiesen zwar wiederholt darauf hin, dass sich das traumatische Erlebnis der Ermordung des Vaters durch die Ex-Partnerin negativ auf das Essverhalten des Beschwerdeführers auswirke (vgl. E.
3.3 und E.
3.5),
aus den Akten ergibt sich anamnestisch jedoch auch eine
familiäre Prädi
sposition hierfür (vgl.
Urk.
11/11/7f.).
Solange
aber
Anhaltspunkte für eine psy
chiatrische
oder körperliche
Erkrankung vorliegen und weitere Sach
verhaltsab
klärungen möglich sind, darf
im Rahmen des Untersuchungs
grund
satzes (Art. 61 lit. c ATSG)
die Folge der Beweislosigkeit für einen invali
den
ver
sicherungsrecht
lich relevanten Gesund
heitsschaden nicht greifen
(vgl.
BGE 138 V 218 E. 6 S.
221; 117
V 261 E. 3b S. 264 mit Hinweis)
.
Das Gericht kann die An
ge
legenheit zu
neuer Ent
schei
dung
an die Vorinstanz zurückweisen, ins
be
sondere
wenn mit dem ange
fochte
nen Entscheid nicht auf die Sache einge
treten oder der Sachverhalt unge
nügen
d festgestellt wurde (§ 26 Abs.
1 des Gesetzes über das So
zialver
siche
rungs
gericht, GSVGer).
Da die medizinische Aktenlage un
voll
ständig und zur Klärung des allenfalls invalidisierenden Ge
sund
heits
schadens weitere medizi
nische Angaben notwendig sind, ist die Sache an die Be
schwerde
gegnerin zu
rück
zuweisen. Gestützt auf diese Abklärun
gen wird sie in Be
rück
sich
tigung des gesundheitli
chen Verlaufs erneut über die Sache zu ent
scheiden haben.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
5.1
D
a es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 6
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
Beschwerde
gegnerin
aufzuerlegen.
5.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Parteientschädigung hat.
Wird eine Entschädigung beansprucht, reicht di
e Partei dem Gericht vor dem En
dentscheid eine detaillierte Zusammenstellung über ihren Zeitaufwand und ihre Barauslagen ein. Im Unterlassungsfall setzt das Gericht die Entschädigung
nach Ermessen fest (§ 8 in Verbindung mit § 9 der Verordnung über die Gebüh
ren
, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialve
rsicherungsgericht; GebV SVGer),
worauf
in der
gerichtlichen Verfügung vom
2
0.
Dezember 2019
(Urk. 12
)
hinge
wiesen wurde.
Die
Rechtsvertreter
in
hat keine Kosten
note ein
gereicht.
Ihre
Ent
schädigung ist daher
nach Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache sowie der Schwierig
keit des Pro
zesses von Amtes wegen auf Fr.
2’0
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwert
steuer) festzusetzen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird das Gesuch betreffend Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sowie der unentgeltlichen Rechtsvertretung ge
genstandslos.