# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f1052ac1-be9e-438e-9a7c-83e10c595064
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1979
,
gelernte Floristin (
Urk.
7/2/1)
,
meldete sich am 23. November 2005
aufgrund
einer undifferenzierten Kollagenose
erstmals zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an und ersuchte um Berufs
beratung und Umschulung (Urk. 7/3). Dieses Gesuch wurde mit Verfügung vom
2
0.
Februar
2006 und diese bestätigendem
Einspracheentscheid
vom
29. März 2006 abgewiesen
mit der Begründung
,
der
Versicherte
n sei die
angestammte Tätigkeit zu 100
%
zumutbar
(
Urk.
7/14,
Urk. 7/19).
1.
2
Am 12. November 2015 meldete sich
die Versicherte
unter Hinweis auf eine rezidivierende depressive Störung sowie eine
Dysthymia
erneut
zum
Leistungs
bezug
an (Urk. 7/22).
Sie
war zuletzt ab Juli 2014 als Betreuerin und Haushalts
hilfe für ihren Grossvater in einem 60
%
-Pensum tätig
gewesen
;
per Ende Dezember 2015 wurde das
entsprechende
Arbeitsverhältnis
mit
der
privaten
Spitexorganisation
Y._
GmbH
aufgelöst (Urk. 7/26/2
-3
und 7/52/4).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte in der Folge die medizinische und erwerbliche Situation ab
. Im März 2017 absolvierte die Versicherte eine Potentialabklärung (Urk. 7/
55 und 7/61) und anschliessend ein Belastbarkeitstraining, welches
sie
aus gesundheitlichen Gründen
nach w
enigen Wochen abbrach
(Urk. 7/63 und 7/68), so dass in der Folge die Eingliede
rungs
massnahme
n beendet wurden (Mitteilung vom 27. April 2017, Urk. 7/71).
Daraufhin
gab
die IV-Stelle ein
e
psychiatrische
Begutachtung
in Auftrag
(Urk. 7/
93
-
94),
welche
zunächst nicht durchgeführt werden
konnte
, da die Versi
cherte eine weibliche
Gutachtensperson
wünschte (Urk.
7/97). In der Folge
wurde ein neuer Gutachtensauftrag aufgesetzt (Urk. 7/101 und 7/103).
Am
19. Januar 2018
erstattete
Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
ihr psychiatrisches Gutachten
(Urk. 7/
108
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/111,
7/
115 und 7/118
) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
27. Juli
2018 einen
Leistungs
anspruch (Urk. 2).
2
.
Die Versicherte
erhob am 14. September 2018 Beschwerde gegen die renten
ab
weisende Verfügung und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine Invalidenrente zuzusprechen, eventualiter sei die Sache zwecks Durchführung weitere
r
Abklärungen an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle ersuchte mit Beschwerdeantwort vom
18. Oktober
2018 um Abwei
sung der Be
schwerde
(Urk. 6).
Mit Verfügung vom 24. Oktober 2018 wurde der Beschwerde
führerin antragsgemäss (Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Rechtspflege zugespro
chen (Urk. 11).
Am 4. Februar 2020 reichte der unentgeltliche Rechtsvertreter seine Honorarnote zu den Akten (Urk. 15).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meine Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Er
kran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)
ärzt
licherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und sozio
kulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fach
ärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare an
dauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleich
baren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungs
situation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unab
dingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begut
achtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Ge
sundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
lichen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner
– unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen ver
schlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen
sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom
27. Juli 2018
erw
og die Beschwerde
geg
nerin,
die Arbeitsunfähigkeit
der Beschwerdeführerin sei
durch psychische Belas
tungs
situationen ausgelöst
worden
und
die
Behandlungsmöglich
keiten
seien noch
nicht ausgeschöpft
. Seit Januar 2018 liege
überdies wieder
eine vollständige Arbeitsfähigkeit vor. Die psychischen Leiden
der Beschwerdeführerin
seien weder erheblich noch langandauernd
gewesen
(Urk. 2 S. 2)
.
2.2
Dagegen brachte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerdeschrift vom
14. September 2018
vor, dass
ihre
Arbeitsunfähigkeit
aufgrund einer psychischen
Erkrankung
und die Auswirkungen invaliditätsfremder Faktoren gutachterlich zu klären und entsprechend die Abklärungen der Beschwerdegegnerin ungenügend seien. Die Beschwerdegegnerin verstosse zudem ge
gen Art. 28 IVG
, wenn sie Leis
tungen verweigere mit der Begründung, ein labiles medizinisches Geschehen sei auch nach Ablauf des Wartejahres noch gegeben und daher nicht invaliditäts
begründend (Urk. 1 S.
3
-
4
).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
damit das Ausmass der Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin, ferner der Anteil invaliditätsfremder Faktoren
sowie im Ergeb
nis der Anspruch auf eine Invalidenrente.
3.
Da sich die Beschwerdeführerin
im Rahmen der angefochtenen Verfügung zum zweiten Mal
z
um Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung
angemeldet hatte, ist
zunächst
zu prüfen, ob es sich dabei um
ein Revisionsgesuch
nach Art. 87 Abs. 2
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
hand
elt
.
Dies ist zu verneinen, da die Beschwerdeführerin im Jahr 2005 um Berufsberatung und Umschulung
und nicht um Ausrichtung einer Invalidenrente
ersucht
hatte
und nur dies
e Ansprüche
geprüft worden war
en
(
Urk.
7/
19)
.
Das
erneute
, auf eine Rente abzielende
Leistungsgesuch
ist daher
nicht als Neuanmeldung im Sinne
von
Art.
87
Abs.
3 IVV, sondern gleich wie eine erstmalige Anmeldung zu behandeln
(Urteil des Bundesgerichts 8C_876/2017 vom 1
5.
Mai 2018 E. 4.1)
.
4
.
4
.1
Die Beschwerdeführerin befand sich vom 31. August bis 21. September 2015 sowie vom 30. September bis 24. November 2015 in stationärer Behandlung
in der
Klinik A._
, nachdem sie sich seit
dem
Frühling 2015 aufgrund von Überlastungsgefühlen nach dem Suizid ihres Halbbruders in ambulanter Behandlung in
B._
befunden hatte
.
Die Beschwerdeführerin schil
derte
in der
Klinik A._
, seit November 2014
an
eine
r
verstärkte
n
Symptomatik mit Antriebsstörung
zu leiden
(Urk. 7/29/1-2)
.
Die
Fachleute
der
A._
nannten
in ihrem Bericht
vom 2. März 2016
f
olgende
Diagnosen
:
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, bestehend sei
t
frühem Erwachsenenalter
(ICD
-
10 F33.1)
-
Dysthymia
, bestehend seit Jugendalter
(ICD
-
10 F34.1)
-
Posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS)
, bestehend seit Jugendalter
(ICD
-
10 F43.1)
D
ie Fachleute
erhoben im Befund bei der Beschwerdeführerin jeweils am Auf
nahmetag
grübel
nde Gedanken,
eine reduzierte emotionale Schwin
g
ungsfähig
kei
t, reduzierte
n
Antrieb und Appetit, Ängstlichkeit beim Autofahren
und Zu
kunfts
ängste
(
Urk.
7/29/2)
. Sie
bescheinigten
der Beschwerdeführerin infolge
desse
n
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vom 31. August 2015 bis 15. Januar 201
6.
Ab dem 4. Januar 2016 wurde der Beschwerdeführerin ein Arbeitsversuch mit zwei
mal wöchentlich jeweils 2,5 Stunden empfohlen, so dass nach zwei Wochen die Belastbarkeit
erneut evaluiert werden könne
(Urk. 7/29/
4
).
Die Beschwerde
füh
rerin sei in ihre angestammten Wohnverhältnisse mit deutlich gebesserter Symp
tomatik in Hinblick auf die depressive Störung ausgetreten, wobei ihr dringend die Weiterführung einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung sowie
die
Einnahme der Psychopharmaka empfohlen wurde (Urk. 7/29/3).
4.2
Einer Aktennotiz der IV-Stelle vom 12. April 2016 ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin bei Dr.
C._
in Behandlung befand
, welche
eine vollständige A
rbeitsunfähigkeit attestier
t
hab
e
; ein entsprechender Bericht
der
Behandlerin
l
iegt jedoch nicht in den Akten
(Urk. 7/32).
4
.
3
De
n
Bericht
en
vom
15. März
2016
bzw.
4. Mai 2016
der Fachleute
der
Klinik A._
in
D._
ist zu entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin vom 30. Dezember 2015 bis 9. März 2016 in teilstationärer Behandlung b
efunden
hatte.
Im Januar 2016 sei die ambulante integriert-psychiatrisch psychothe
ra
peu
tische Behandlung aufgenommen worden.
Diagnostisch
wurden - in Abwei
chung zum Vorbericht
(vgl. E. 4.1)
- nunmehr eine
rezidivierende depressive S
tö
rung seit 2014 bestehe
nd
(ICD-10 F33.1), eine
Dysthymia
(ICD-10 F34.1)
,
be
stehend seit der Jugend
und
ein Verdacht auf eine PTBS
(ICD-10 F34.1)
genannt
(Urk. 7/35/4
-5
).
Gemäss der Befundaufnahme vom 13. Januar 2016 sei die Be
schwer
deführerin deutlich erschöpft und es bestünden leichte Konzentrations
störungen, Gedankengrübeln, Lärmempfindlichkeit, Angst und Überforderung in Menschenmassen, beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. Im Affekt sei die Beschwerdeführerin niedergeschlagen, leicht teilnahmslos, verzweifelt, hoffnungslos und im Antrieb sowie
in
der emotionalen Schwingungsfähigkeit reduziert, daneben bestünde
n
eine schnelle Ermüdbarkeit und damit einher
geh
end g
ehäufte Flashbacks an erlittene
n
sexuellen Missbrauch (Urk. 7/35/5).
Seit der Jugendzeit bestehe
bei der Beschwerdeführerin
eine chronische Depressi
vität mit wiederkehrenden Einbrüchen, aber im Jahr 2015 habe sich
aufgrund jahrelanger Belastungssituation ohne Inanspruchnahme von therapeutischer Hilfe
eine schwere depressive Episode entwickelt, von welcher sich die Beschwerde
führerin bis anhin nicht vollständig
habe
erholen
können
. Bei Stabilisierung und Symptomverbesserung gingen die Fachleute der
Klinik A._
bezüglich einer voll
kommenen Integration auf dem ersten Arbeitsmarkt eher von einer ungünstigen Prognose aus. In der ambulanten, wöchentlich bis alle zwei Wochen stattfin
denden Therapie werde zunächst die Depression angegangen (Urk. 7/35/6).
Zwischen dem 3. März 2016 und dem 13. April 2016 habe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen.
Derzeit sei
der Beschwerdeführerin
die bisherige Tätigkeit
(Pflege des Grossvaters)
für wenige Stunden pro Tag zumutbar, wobei aufgrund der Depressionssymptomatik eine verminderte Leistungsfähigkeit be
stehe
. Inwiefern die Symptomatik der PTBS zu einer verminderten Leistungs
fäh
ig
keit führe, könne aktuell nicht angegeben werden
. Empfohlen wurde überdies die Durchführung einer Potentialabklärung. Bei erfolgreicher Behandlung sei lang
fristig von einer Reintegration im ersten Arbeitsmarkt auszugehen, möglicher
weise
in einem reduzierten
Arbeitspensum
(Urk. 7/35/7).
Einer Aktennotiz der IV-Stelle vom 13. Juli 2016 kann hinsichtlich des Verlaufs entnommen werden, dass die Beschwerdefüh
rer
in
seit März
des
selben Jahres im z
wei-Wochen-Rhythmus in ambulanter
Behandlung stand
(Urk. 7/42).
4
.
4
In ihrem Bericht
vom 14. November 2016 hielt
die neue
Behandlerin
, Dr. med. univ. E._
, Oberärztin in der
Klinik A._
in
D._
,
fest, dass der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin stationär sei.
Diese sei immer
erschöpft und wirke belastet
, habe Konzentrationsstörungen und sei im Denken verlangsamt. Im Affekt sei die Beschwerdeführerin bedrückt, leicht teilnahmslos
und wirke oft abwesend, teils leicht hilflos und mit dem Leben überfordert. Es be
stünden überdies ein sozialer Rückzu
g und ein verminderter Antrieb
(Urk. 7/49/2).
Dr.
E._
erachtete
die bisherige Tätigkeit
rund ein bis zwei Stunden täglich, beispielsweise im Rahmen eines Belastungstrainings,
für zumutbar
; eine ange
passte Tätigkeit könne täglich während zwei Stunden ausgeführt werden
. Die Leistungsfähigkeit sei um mindestens 50
% reduziert (Urk. 7/49/
3).
Die Beschwerdeführerin befinde sich
seit dem 18. Mai 2016 bei ihr
in Behand
lung, wobei zweimal wöchentlich ein Einzelgespräch und zweimal wöchentlich eine Gruppentherapie für chronisch depressive Störungsbilder durchgeführt w
ür
den
.
Die Leistungsfähigkeit werde zumindest mittelfristig im Bereich der
Spitex
arbeit
das Ausmass von 20 %
(bezogen auf eine 100
%
Präsenz
z
eit)
nicht über
schreiten
.
Bei einem längerfristig stabil geregelten Arbeitsverhältnis beziehungs
weise n
ach schrittweisem Aufbau der Tätigkeit wäre eine Steigerung auf 50 %
denkbar. Der bisherige Verlauf spreche
eher
für eine
Chronifizierung
, die Be
schwe
r
deführerin habe allerdings gute Ressourcen und Motivation
(Urk. 7/49/4-5).
4
.
5
Dr. med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
, Oberarzt
in der Klinik
G._
,
führte in seinem Bericht vom 5. Juli 2017 aus, dass
sich
die Beschwerdeführerin aufgrund
einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer rezidivierenden depressiven Störung (gegenwärtig mittelgradige Episode) sowie einer
Dysthymia
vom 28. April bis 8. Juni 2017 stationär
auf der Abteilung für Angst
-
und Emotionsreg
ulation
in Behandlung befunden und währenddessen entsprechend eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bestanden habe.
Bei der Be
schwerdeführerin lägen subjektiv starke Konzentrationsstörungen und Vergess
lich
keit
vor. Im formalen Denken bestünden
starkes Grübeln, eingeengt auf be
stehende Symptome sowie verschiedene Ängste. Weiter lägen leicht dissoziative Zustände sowie Flashbacks vor und im Affekt sei die Beschwerdeführerin de
primiert,
dysthym
und teilweise gereizt. Der Antrieb
sei überdies stark vermindert (
Urk. 7/89/1-2).
Dr.
F._
empfahl die Absolvierung eines Belastungstraining
s
und einen beruflichen Wiedereinstieg mit
einem Pensum von
etwa
20 % mit suk
zessiver Steigerung
(Urk. 7/89/3).
Durch eine angemessene Behandlung könnten überdies die Symptome der PTBS deutlich vermindert werden (Urk. 7/89/4).
4
.
6
In ihrer Stellungnahme vom 28. Juli 2017 hielt Dr.
H._
, Fachärztin für Psy
chiatrie und Psychotherapie
, vom
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) fest, dass aufgrund der bisherigen Unterlagen nicht ganz kla
r sei, welche Diagnosen be
stünden
, überdies spr
e
che wenig für ein PTBS und es drehe sich alles mehr oder
weniger um den Grossvater und dessen Tod, so dass das Bild einer Trauerreaktion entstehe
. Sie empfahl eine psychiatrische Begutachtung
(Urk. 7/110/5).
4
.
7
Am
19. Januar 2018 erstattete Dr.
Z._
ih
r Gutachten
zuhanden der IV-Stelle
(Urk.
7/
108).
Gestützt auf die
Vorakten
(
Urk.
7/108/8-12) und ihre eigene Unter
suchung
nannte
sie
folgende Diagnosen
, welche sich nicht auf die Arbeits
fähig
keit auswirken würden
(Urk. 7/108/46)
:
-
Rezidivierende depressive Störung
-
gegenwärtig bis auf diskrete agora-/soziophobische Restsymptome und neurasthenische Restbeschwer
d
en remittiert (ICD
-
10 F33.4
)
-
mit saisonaler und psychoreaktiver Komponente
bei psychosozialer (Mehrfach-) Belastungssituation:
-
Probleme mit Bezug auf den engeren Familienkreis, einschliesslich familiärer Umstände (ICD
-
10 Z63):
-
Verschwinden und Tod von (mehreren) Familienangehörigen
-
Unselbständiger Verwandter, der häusliche Betreuung benötigt
-
Sonstige näher bezeichnete Probleme mit Bezug auf den engeren Familienkreis
:
Konflikt mit Mutter
-
Probleme mit Bezug auf Berufstätigkeit oder Arbeitslosigkeit
(ICD-10 Z56)
-
Probleme mit Bezug auf die Wohnbedingungen und die wirtschaft
li
ch
en Verhältnisse
(ICD-10 Z59)
-
Anamnestisch im Sommer 2015 erstmals posttraumatische Teilsymptome (im Rahmen der depressiven Episode), gegenwärtig nur noch diskret vor
handen / mehrheitlich remittiert (Status nach ICD
-
10 F43.1)
-
Dysthymia
(ICD
-
10 F34.1)
Dr.
Z._
hielt fest
, die Beschwerdeführerin
habe in der Persönlichkeit diffe
renziert, introspektions- und
reflektionsfähig
, in ihrer Darstellungsweise nüchtern und
un
aufgeschmuckt
und in ihren Angaben normalpsychologisch absolut nach
vollziehbar gewirkt. Sie sei bewusstseinsklar und allseits orientiert
gewesen
, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit
seien
ungestört
gewesen
. Die
Beschwerdeführerin sei während der dreistündigen Exploration durchgehend kon
zentriert und sehr gut fokussiert gewesen
, das formale Denken geordnet, beweg
lich und gut strukturiert
.
Dr.
Z._
konnte keine krankheitswertigen inhalt
lichen Denkstörungen und keine depressionstypischen Insuffizienz-, Schuld- oder Schamgefühle eruieren
und keine d
issoziative
n
Zustände – wie sie d
ie Beschwer
deführerin beschrieb
–
ausmachen
. Überdies bestünden keine Hinweise a
uf Wahn,
Sinnest
äuschungen oder Zwänge. Eine Af
fektpathologie war gemäss
Dr.
Z._
noch diskret vorhanden, aber überwindbar
. Die Beschwerdeführerin verfüg
e über
dies über das Gesam
tspektrum an Emotionen und wirk
e hinsichtlich ihrer Zu
ku
n
ftsplanung nicht ratlos, verzweifelt
oder resigniert im psychopathologischen Sinne.
Dr.
Z._
konnte keine Störungen des psychomotorischen Antriebs
feststellen. Im Vordergrund stehe bei der Beschwerdeführerin das subjektive Ge
fühl einer Störung der Vitalität bzw. Ermüdbarkeit, mit raschem Gefühl der körperlichen und geistigen Erschöpfung und dem Gefühl, morgens nicht aus
geruht aufzuwachen und erst nachmittags und abends brauchbarer
beziehungs
weise
wach zu sein
. Während der Exploration ohne Pause seien jedoch keine Ermüdungszeichen feststellbar gewesen
(
Urk.
7/108/36-38
).
Die von der Beschwerdeführerin geschilderte
Kardinalsymptomatik der PTBS auf
grund der als 10- und 18-Jährige erlebten
unerwünschten sexuellen Annähe
rungen
(
Urk.
7/108/26) werde diffus beschrieben und
sei
erst im Zusammenhang mit der Depression vorübergehend aufgetreten; die Symptomatik sei kaum objek
tivierbar.
Die Beschwerdeführer
in
beklage nur diskrete Zeichen eines «Stresser
lebens» beim Sehen von roter Farbe (
Urk.
7/108/43).
Die Gutachterin schilderte eine Überbelastung durch die Sorge/Betreuung um den Grossvater nach kurz zuvor schmerzhaftem Verlust der Grossmutter, der sie sehr verbunden gewesen sei (
Urk.
7/108/13), durch den gescheiterten Auswanderungs
versuch und «Kulturschock» nach der Rückkehr in die Schweiz, durch finanzielle Probleme und Probleme mit der Wohnsituation und durch den sehr schmerz
haften Verlust des Bruders durch Suizid im April 201
5.
Die ab Mai 2015 atte
stierte Arbeitsunfähigkeit sei massgeblich durch diese psychosozialen Belastungs
faktoren ausgelöst worden bei einer vorbestehenden Tendenz zu depressiven Ver
stimmungen (
Urk.
7/108/49).
Im Rahmen der Konsistenzprüfung legte
Dr.
Z._
dar, dass
erhebliche Wider
sprüche
z
wischen der Selbstschilderung der Beschwerdeführerin, welche auf sehr diffuse, vage Art Dissoziationen sowie Neurast
h
enie mit hochgradigen Funktions
einschränkungen und Arbeitsunfähigkeit verbinde, und der Tatsache, dass auch in den sehr ausführlichen Arztberichten keine wirklich schwerwiegende Patho
logie in diese
m Sinne
mehr
objektiviert werden könne
, bestünden. So decke sich die subjektive Beschwerdeschilderung nicht mit dem heutigen
beziehungsweise
objektiven aktuellen psychopathologischen Querschnittsbefund (
Urk.
7/108/45).
Zur Arbeitsfähigkeit führte die Expertin aus, dass sie a
nlässlich der Begutachtung die Remission des depressiven und psychoreaktiven Leidens und damit die Wie
derherstellung einer 100%igen Arbeitsfähigkeit festgestellt
habe
. Die subjektiven neurasthenischen Beschwerden und diskreten sozio-/agoraphobischen Ängste schienen ihr überwindbar. Die Fahrt mit dem öffentlichen Verkehr zur Begut
achtung sei gut
bewältigbar
und die
Beschwerdeführerin
sei während der belas
tenden Untersuchungssituation normvariant
gewesen
. Sie weise genügende Res
sourcen auf, um zumindest in
eine
Backoffice
/Backstore
-
Tätigkeit zum Beispiel
als Floristin/Blumenbinderin zurückzukehren. Die aktuelle leichtgradige
ä
ngst
lich-
dysthyme
Symptomatik gelte arbeitsmedizinisch als überwindbar und beein
flusse die Arbeitsfähigkeit nicht in relevanter Weise. Auch der
geschilderte
Alltag
(
Urk.
7/108/34)
reflektiere ein eigentlich remittiertes Leiden (Urk.
7/108/47
-48
).
Gestützt darauf erachtete
die Gutachterin
am 1
7.
Januar 2018 eine 100%ige Arbeits
fähigkeit für zumutbar (
Urk.
7/108/52). Zum
Beginn und
Verlauf
der Krankheit
verwies
sie
im Wesentlichen
auf die von den behandelnden Ärzten
ab August 2015
bescheinigten Arbeitsunfähigkeiten
zwischen 50
%
und 100 %, ohne diese in Frage zu stellen
(
Urk.
7/108
/47,
Urk.
7/108/52).
4
.
8
Dr.
H._
vom RAD
stufte
in ihrer Stellungnahme vom 25. Januar 2018 das Gut
achten als beweiskräftig ein (Urk. 7/110/6-8
).
4
.
9
Im Bericht vom
10. April 2018
führte
die
Behandlerin
der
Klinik A._
in
I._
, Dr. phil.
J._
,
klinische Psychologin,
aus
, dass die Beschwer
de
führerin seit dem 23. Juni 2017
einmal wöchentlich
zur ambulanten Behandlung erscheine und für diese Zeitspanne eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit be
stehe. Die Beschwerdeführerin leide an einer komplexen posttraumatischen Belas
tungsstörung, einer generalisierten Angststörung, einer dissoziativen Störung gemischt sowie einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig leichte Episode (Urk. 7/118/1).
Da die Einschränkungen stark und
chronifiziert
seien, sei von einem langsamen Verlauf und einer mehrjährigen Therapie auszugehen. Ent
sprechend sei die Beschwerdeführerin trotz hoher Motivation nicht in der Lage, einer Arbeit nachzugehen (Urk. 7/118/2).
5
.
5
.1
D
er Befundaufnahme durch
Dr.
Z._
ist zu
entnehme
n,
dass
sie
während des Gesprächs
mit der Beschwerdeführerin
weder Hinweise auf tiefgreifende Persön
lichkeitsstörungen
feststellen
noch die von der Beschwerdeführerin geschilderte
, seit der Kindheit bestehende
melancholische Veranlagung als hinreichend schwer qualifizieren
konnte
, als dass diese die Kriterien einer
rezidivierenden
depressiven Störung erfüllen würde
.
Die nervös-traurige Verstimmung
erachtete sie
aufgrund
ihrer Milde
als
arbeitsmedizinisch irrelevant
, was in Anbetracht der erst ab August
2015 bescheinigten
Arbeitsunfähigkeit
plausibel erscheint
(
Urk.
7/108/40-41).
Im Rahmen der Begutachtung
präsentierte
sich die Beschwerdeführerin
euthym
und schwingungsfähig und
sie
schilderte
ihre Biographie
b
e
reitwillig und präzise
(Urk. 7/108/35)
. Eine Affektpathologie konnte
Dr.
Z._
nicht feststellen
,
wes
halb ihre Einordnung der
von der
Beschwerdeführerin als wichtigste
s
subjektive
s Leiden beschriebene
n
erhöhte
n
Erschöpfbarkeit als Restbeschwerde
der erlittenen
depressiven Episode
(
Urk.
7/108/44) zu überzeugen vermag.
D
ie d
iskrete
n
sozio
/
agoraphobische
n
und dissoziative
n
Restsymptome
hielt
die Gutachterin
unter Be
rücksicht
ig
ung des remittierten depressiven Beschwerdebildes
nachvollziehbarer
weise
als überwindbar
(
Urk.
7/108/44)
beziehungsweise als nicht invalidisierend. Denn p
raxisgemäss
bewirkt
eine
Dysthymie
für sich allein betrachtet keine Inva
lidität
(BGE
143 V 41
8 E. 8.1;
Urteil des Bundesgerichts 9C_146/2015 vom 1
9.
Januar 2016 E 3.2
). Nichts
anderes
ist den Berichten der behandelnden Fachleute zu entnehmen,
attestierten
diese
ihrerseits
trotz der seit der Jugend bestehenden
Dysthymie
und
PTBS
bis Mitte 2015
keine Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
.
5.
2
Dr.
Z._
zeigt nachvollziehbar auf, dass eine
seit der Jugend bestehende
PTBS, wie sie im Rahmen der stationären Behandlung bei der Beschwerdeführerin erhoben wurde, nicht diagnostiziert w
erden kann. Die Leitsymptome und die zugrundeliegenden Ereignisse wurden
von der Beschwerdeführerin nur diffus
und
knapp
beschrieben
(vgl.
Urk.
7/108/26
-27
)
und
waren für
Dr.
Z._
kaum noch
objektivierbar; überdies
erachtete sie
die
geschilderten,
unerwünschten sexuellen Annäherungen
als
traumatisierende Ereignis
se
einer PTBS gemäss ICD
-
10 F43.1
eher nicht
als gegeben (
Urk.
7/108/42-43). Diese Einschätzung
stützte sie auf die
weitgehend vagen bis gänzlich ausbleibenden Angaben
auch
gegenüber den
Be
hand
elnden
.
So
war
in keinem
dieser
Bericht
e
von konkreten traumatisierenden Vorkommnissen die Rede
.
So
sprachen
etwa die Fachleute der
Klinik A._
in Bezug auf die Befundaufnahme vom 1
3.
Januar 2016 lediglich
von einem
Verdacht auf eine PTBS
; der sexuelle Missbrauch sei
in der aktuellen Behandlung nicht the
matisiert w
o
rde
n
(
Urk.
7/35/4-5).
Auch der Hinweis
auf
das Auftreten von Flash
backs, ohne genauere Angaben
(vgl.
Urk.
7/
89/9
),
genügt nicht, um von der Diag
nose einer PTBS auszugehen.
Objektive Befunde und konkrete Erläuterungen zur Diagnose einer PTBS werden in den Berichten der Behand
elnden
nicht genannt.
Eine spezifische
Traumatherapie wurde von der Beschwerdeführerin
– entgegen de
n
ärztlichen Empfehlungen -
nicht in Anspruch genommen (vgl.
Urk.
7/89/4). Entsprechend ist der Einschätzung von
Dr.
Z._
zu folgen.
Die medizinischen Akten
stimmen
ferner
i
nsoweit überein,
als au
fgrund
der
Begebenheiten
in der Jugend
bis ins Jahr 2015 keine Arbeitsunfähigkeit attestiert wurde
.
Inwiefern sich daran im Verlauf eine Änderung ergeben habe sollte, ist
weder ersichtlich noch geltend gemacht.
5.
3
Die Gutachterin betont
e
im Rahmen der Konsistenzprüfung die erheblichen Wider
sprüche zwischen der Selbstschilderung der Beschwerdeführerin und de
r
auch in den ausführlichen Berichten der Behand
elnden
nicht wirklich schwerwiegenden
objektivierbaren Pathologie
. Die subjektive Beschwerdeschilderung, wonach hoc
h
gradige Funktionsein
schränkungen vorlägen, deck
e sich auch nicht mit dem objektiven psychopathologischen Querschnittsbefund (
Urk.
7/108/45).
Hinsicht
lich der Berichte der
behandelnden Fachleute
notierte
Dr.
Z._
, dass der Verlauf der Arbeitsunfähigkeit übernommen werden könne, dass aber seit Datum der Begutachtung keine Psychopathologie mehr benannt werden könne, die noch eine Arbeitsfähigkeit (richtig: Arbeitsunfähigkeit) begründen könne. Zudem ent
spreche die Gewichtung der
PTBS als Hauptdiagnose nicht ihren Schlussfolge
rungen; diese sei höchstens als Teilsymptomatik im Rahmen der Depressivität zu gewichten
(
Urk.
7/108/50)
, was nach dem Gesagten einzuleuchten vermag
.
5.
4
Wie sich aus der Begutachtung
ergibt, wurde der
Krankheitsverlauf
der Beschwer
deführerin
seit der
IV-Anmeldung
im November 2015
massgebend durch ver
schie
dene psychosoziale und damit invaliditätsfremde Belastungsfaktoren beein
flusst
u
nd unterhalten (vgl. die Zusammenfassung der Gutachterin in
Urk.
7/108/41-43)
.
So waren insbesondere die
wiederholten, schwankenden depressiven Episoden im Zeit
raum Mai 2015 bis Dezember 2017
massgebend von unterschiedlichen psy
chosozialen Fa
ktoren beeinflusst
, welche
invalidenversicherungsrechtlich unbe
acht
lich sind (BGE 140 V 193 E. 3.1
).
D
ie Beschwerdeführerin
wanderte nach längerer Planung im Januar 2012 nach Costa Rica aus, da sie in der Schweiz nie ein Heimatgefühl verspürt habe. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten und der Erkrankung ihrer Grossmutter kehrte die Beschwerdeführerin im Mär
z
2013 wieder in die Schweiz zurück; in
zwischen war ihre Grossmutter
, der sie seit der Kindheit sehr verbunden gewesen war,
be
reit
s
verstorben (
Urk.
7/108/13,
Urk.
7/108/21).
Sie wollte zunächst wieder nach
Costa Rica zurückkehren, begann dann aber, sich um ihren hilf
sbedürftigen
Gross
vater
zu
kümmern
; ab Juli 2014 in Form einer Anstellung von 60
%
(
Urk.
7/108/21-22). Erschwert wurde der Beschwerdeführerin die
Rückkehr
in die Schweiz
durch existenzielle Sorgen (Einkommen, Wohnsituation) sowie d
ie
feh
lende Möglichkeit, um ihre Grossmutter zu trauern
(
Urk.
7/107/28
)
.
Die Unterstützung
und Pflege
des Grossvaters habe sich dann als sehr anspruchs
voll erwiesen; der Beschwerdeführerin habe auch zunehmend ein Ausgleich von dieser
kräftezehrenden
Arbeit gefehlt. So habe sich ab November 2014 eine An
triebsstörung mit zunehmender Erschöpfung entwickelt
. Hinzu kam im Früh
ling 2015 d
er Freitod ihres Bruders, infolgedessen die Beschwerdeführerin
eine psy
chologische Psychotherapie aufnahm
(was auch aus den
Bericht
en
der Behan
d
elnden
hervorgeht, vgl.
Urk.
7/29/2
und 7/35/5
)
, diese
Therapie
aber als wenig zielgerichtet empfand.
Der Kontakt zur Mutter finde
aufgrund von Erbschafts
streitigkeiten seither
nur über einen Anwalt statt (
Urk.
7/35/5
und 7/108/29
).
Per
Ende 2015 wurde das Arbeitsverhältnis
nach Diskrepanzen
-
mit der privaten Spite
x-
Organisation im Rahmen eines
belastenden
Schlichtungsv
erfahrens ein
vernehmlich aufgelöst
(
Urk.
7/54
und 7/108/22), womit die Beschwerdeführerin haderte.
Im Jahr 2016 erlebte
die Beschwerdeführerin ein
– wie sie
Dr.
Z._
gegen
über erklärte -
in vielen Hinsichten unbefri
edigendes Jahr; sie
unternahm ver
schiedene therapeutische Anläufe
, wechselte mehrmals ihre Behandler
und erlebte diese als wenig konstruktiv
und hilfreich, konnte aber schlussendlich im Juni 2017 bei
lic
. phil.
J._
ein geeignetes Therapie-Angebot
– eine Verhaltens
therapie -
in Anspruch nehmen
(
Urk.
7/108/30 und 7/118/1)
. Im Frühling 2017,
als die Invalidenversicherung mit einer Potentialabklärung begann, verstarb der Grossvater der Beschwerdeführe
rin
, was
schliesslich
zum Abbruch der Eingliede
rungsmassnahmen führte
, da dessen Tod der Beschwerdeführerin sehr zusetz
t
e
und sie sich nicht bereit fühlte, in dieser schweren Trauersituation
– in welcher gleichzeitig die Trauer um ihre Grossmutter aufflammte -
an Integrations
mass
nahmen teilzunehmen
(
Urk.
7/
108/33
)
.
Aus dem Gutachten von
Dr.
Z._
lässt sich
vor diesem Hintergrund
für die Zeit ab Sommer 2015
kein eigenständiger Gesundheitssc
haden ableiten, welcher nicht zu einem w
esentlichen
Teil
in den psyc
hosozialen
Umständen
aufgehen
würde.
D
as klinisc
he Beschwerdebild der depressiven Störung
, wie dies die Be
hand
elnden
diagnostizierten,
ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf
psychosoziale
Belastungsfaktoren zurückzuführen, da im Wesentlichen Befunde er
hoben wurden, welche in den belastenden Umständen eine hinreichende Erklä
rung finden – eine davon klar unterscheidbare andauernde
und schwerwie
gen
de
re
Depression ist nicht mit der erforderlichen überwiegenden Wahrschein
lich
keit erstellt.
Insbesondere
ist den Berichten der
behandelnden Fachleute
nicht zu entnehmen, dass sie bei ihrer
ärztliche
n
Einschätzung
der Arbeitsunfähigkeit
die
se
invaliditätsfremde
n
Gesichtspunkte
ausgeklammert hätten. Zudem fällt ins Gewicht, dass
bei der Beschwerdeführerin
die
seit ihrer Kindheit bestehende Tendenz zu depressiven Verstimmungen retrospektiv nie zu einer Ausbildungs- und Arbeitsunfähigkeit geführt
hat
. Im Zeitpunkt der Begutachtung konnt
en zu
dem keine schwerwiegenden
Befunde erhoben werden.
Die Beschwerdeführerin
verfügt gemäss
Dr.
Z._
über genügend Ressourcen, um in den ersten Arbei
ts
markt zurückzukehren. Der von ihr geschilderte Alltag reflektiere ein eigentlich remittiertes psychisches Leiden, wobei vor allem Unsicherheit und lange Arbeits
karenz zu Vermeidungs
verhalten führ
t
e
n
(
Urk.
7/108/48).
5.
5
Aufgrund der erhobenen Befunde
und des erheblichen Einflusses invaliditäts
fremder Faktoren
, welche von den behandelnden Fachleuten gänzlich ausser Acht gelassen worden waren,
ist nachvollziehbar, dass
Dr.
Z._
als Fazit festhält, es liege bei der Beschwerdeführerin ab Zeitpunkt der Begutachtung keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit mehr vor (
Urk.
7/108/52).
Insoweit ist auf
ihr Gutachten abzustellen.
Im Weiteren
können
für die Zeit ab Sommer 2015
mit den erhobenen Befunden
,
unter Berücksichtigung der
ausgewiesenen invaliditätsfremden Faktoren
,
eine Einschränkung
der Arbeits- und Leistungsfähigkeit oder insgesamt relevante Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit nicht
mit überwiegender Wahrschein
lich
keit
begründet werden. Auf eine Prüfung der Indikatoren (BGE 141 V 281) kann
aus Gründen der Verhältnismässigkeit
unter den gegebenen Umständen
verzich
tet werden.
Dies führt zum Schluss, dass bei der Beschwerdeführerin keine langandauernde
Einschränkung der
Arbeitsfähigkeit
und damit auch keine Invalidität vorliegt, we
s
wegen kein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht. Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr.
200.–– bis
Fr.
1‘000.–– festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und vorliegend auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge gewährter unentgeltlicher Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6
.2
Der
Rechtsvertr
eter
der Bes
chwerdeführerin reichte für seine
Bemühungen und Auslagen als unentgeltliche
r Rechtsvertreter im vorliegenden Verfahren seine
Honorarnote vom
4.
Februar 2020 ein (
Urk.
15). Darin machte er einen zeitlichen Aufwand von 4
.67 Stunden geltend, was in Anbetracht des Umfangs der Be
schwerdeschrift und der weiteren Bemühungen im vorliegenden Verfahren als
angemessen erscheint.
Entsprechend ergibt sich unter Berücksichtigung
eines Stundenansatzes von
Fr.
220.--,
der
geltend gemachten
Spesen im Umfang von
Fr.
30.80
und der Mehrwertsteuer von 7.7
%
–
ein Betrag von
Fr.
1‘1
38.85
, welcher dem Rechtsvertreter
aus der G
erichtskasse auszurichten ist.
6
.3
Die Beschwerdeführerin wird auf
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozial
ver
sicherungsgericht (
GSVGer
) hingewiesen, wonach sie zur Nachzahlung der einst
weilen zulasten der Gerichtskasse genommenen Kosten verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.