# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f506038d-281a-5d62-bfcb-5f9182ed598a
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Der 1981 geborene A_ (bis Oktober 2007: A_ [act. 10.4/235]) absolvierte im Rahmen
der Swisscoy vom 29. März 2003 bis 21. Oktober 2003 einen 7-monatigen Einsatz als
LKW-Monteur im Camp Casablanca im Kosovo (act. 10.3/8). Vorgängig absolvierte er vom
10. Februar 2003 bis 28. März 2003 einen Ausbildungskurs in Bière (act. 10.3/7).
B. Am 20. Oktober 2003 meldete sich A_ als Notfallpatient bei Dr. med. B_, Facharzt
FMH für Allgemeinmedizin, Neukirch (act. 10.3/9). Im Bericht vom 14. November 2003
zuhanden des (damaligen) Bundesamtes für Militärversicherung (nachfolgend:
Militärversicherung) diagnostizierte Dr. med. B_ den Verdacht einer
Depression/Psychose (act. 10.3/10). Mit Schreiben vom 10. Dezember 2003 anerkannte
die Militärversicherung ihre Leistungspflicht und stellte eine spätere Überprüfung in
Aussicht (act. 10.3/11).
Vom 18. November 2003 bis 30. Januar 2004 hielt sich A_ stationär in der
Psychiatrischen Klinik Münsterlingen auf. Gemäss Beurteilung lag eine schwere depressive
Episode mit psychotischen Symptomen (ICD-10: F32.2) bei einer ängstlich-unsicheren,
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retardierten Persönlichkeitsentwicklung mit depressivem Syndrom als Ausdruck einer
Anpassungsstörung (ICD-10: F43.2) vor. Differentialdiagnostisch wurde ein hochgradiger
Verdacht auf ein Prodrom einer Psychose aus schizophrenem Formenkreis (ICD-10: F20)
geäussert (act. 10.3/20). Daraufhin war A_ vom 3. Februar 2004 bis 12. Februar 2004 in
der Psychiatrischen Klinik Wil (act. 10.3/23). Ein Erstgespräch bei der
Sozialpsychiatrischen Beratungsstelle in Rorschach fand am 18. Mai 2004 statt
(act. 10.3/43). Vom 19. Juli 2004 bis 8. August 2004 wurde A_ teilstationär in der
Psychiatrischen Tagesklinik für Erwachsene, St. Gallen, behandelt (act. 10.3/62). Am
23. August 2004 wurde die ambulante Behandlung im Sozialpsychiatrischen Dienst in
Rorschach wieder aufgenommen (act. 10.3/70). Sowohl im Bericht vom 15. November
2004 als auch in jenem vom 29. März 2005 wurde eine kombinierte Persönlichkeitsstörung
mit schizoiden, ängstlich-abhängigen und emotional instabilen Persönlichkeitszügen (ICD-
10: F61.0) auf dem Hintergrund von negativen Kindheitserlebnissen (ICD-10: Z61.8) und
institutionellem Aufenthalt und Erziehung (Heim) (ICD-10: Z62.2) und eine leichte
depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10: F32.01) diagnostiziert (act. 10.3/70
und act. 10.3/100). Vom 1. April 2005 bis 28. April 2005 nahm A_ an der Tagesklinik der
Sozialpsychiatrischen Beratungsstelle Rorschach teil (act. 10.3/109). Ab 7. Juni 2005 war
A_ bei Dr. med. C_, Fachärztin FMH Psychiatrie und Psychotherapie, Gossau, in
Behandlung, welche im Bericht vom 19. August 2005 die Diagnose schizoide
Persönlichkeitsstörung sowie Status nach psychotischem Schub stellte (10.3/116).
Am 19. September 2005 wurde A_ durch die Militärversicherung bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, IV-Stelle, angemeldet (act. 10.3/127
und act. 5.2/1). Mit Schreiben vom 23. März 2006 bestätigte die Militärversicherung, dass
vorläufig weiterhin Leistungen ausgerichtet werden (act. 10.3/155).
Vom 20. April 2006 bis 24. Mai 2006 absolvierte A_ eine medizinische und berufliche
Abklärung in der Rehaklinik Bellikon (act. 10.3/168 und 169). Dr. med. D_, Facharzt
Psychiatrie und Psychotherapie, Buchs, welcher A_ seit 20. Juni 2006 behandelte, stellte
im Arztbericht vom 3. Februar 2007 die Diagnosen eines Status nach psychotischer
Episode 2004 - 2005 sowie eine Persönlichkeitsstörung mit frühkindlicher und juveniler
Traumatisierung mit narzisstischen und schizoiden Strukturanteilen (act. 5.2/48). A_ war
vom 27. Juli 2008 bis 1. Oktober 2008 in der Klinik St. Pirminsberg, Pfäfers (act. 10.1/47
und act. 5.2/64). Im Bericht über die stationäre Behandlung wurden die Diagnosen
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem
Syndrom (ICD-10: F33.11) sowie einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ICD-10:
F90.0) mit erheblicher Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung mit retardierten,
ängstlich unsicheren sowie abhängigen Zügen und Tendenz zu impulsiven Handlungen
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gestellt (act. 10.4/273). Vom 11. November 2008 bis 25. Mai 2009 hielt sich A_ erneut
stationär in der Klinik St. Pirminsberg auf. Gemäss Bericht vom 30. Juni 2009 wurde eine
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem
Syndrom (ICD-10: F33.11), eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung mit
abhängigen und rigiden Zügen (ICD-10: F60.6) und narzisstischen Anteilen, eine einfache
Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung in starker Ausprägung (ICD-10: F90.0), eine
Hypertonie sowie eine Blasenfunktionsstörung diagnostiziert (act. 5.2/64). Vom 1.
Dezember 2008 bis 1. April 2009 besuchte A_ die Integrationsmassnahme bei der
Integra Plus, Trübbach (act. 10.4/251 und 326).
In der Aktennotiz der Militärversicherung vom 5. Mai 2009 behielt sie sich vor, je nach
Verlauf ihre weitere Zuständigkeit zu prüfen. Die Frage, ob und in welchem Ausmass die
Einwirkungen während des Kosovo-Einsatzes die heutige gesundheitliche Problematik und
Arbeitsunfähigkeit beeinflusse, sei offen (10.1/63). Am 25. Mai 2009 trat A_ in die
Hausgemeinschaft J_ ein (act. 10.4/350). Per Ende August 2011 verliess er diese
(act. 10.1/131-54/63).
Mit Verfügung vom 8. Dezember 2009 sprach die Militärversicherung A_ ab 1. November
2009 bis 31. Oktober 2011 eine 100%ige Invalidenrente zu. Sodann teilte sie mit, dass für
die chronisch rezidivierende manisch depressive Störung, soweit diese auf den Swisscoy-
Einsatz zurückzuführen sei, weiterhin eine Haftung der Militärversicherung bestehe unter
Vorbehalt einer Überprüfung der Zuständigkeit (act. 10.1/74).
Im Verlaufsbericht von Dr. med. E_, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, Teufen,
vom 3. Mai 2010 diagnostizierte er eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen,
narzisstischen und emotional instabilen Anteilen (ICD-10: F61.0) sowie eine rezidivierende
depressive Störung, gegenwärtig leichte bis mittelgradige Episode mit somatischen
Symptomen (ICD-10: F33.11) (act. 10.1/131-46/63).
Mit Verfügung vom 30. Juni 2010 sprach ihm die IV-Stelle St. Gallen rückwirkend ab
1. November 2004 eine ganze Invalidenrente zu (act. 5.2/100). Vom 26. Juni 2011 bis Ende
November 2011 war A_ bei Dr. med. F_, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychosomatische und Psychosoziale Medizin (SAPPM), Herisau, in Behandlung. Im
Bericht vom 31. Januar 2012 wurde eine rezidivierende depressive Störung, bei
Übernahme der Therapie mittelgradig (ICD-10: F33.1) bei gemischter
Persönlichkeitsstörung mit ängstlichen, selbstunsicheren und emotionalen instabilen
Anteilen (ICD-10: F61.0) bei andauernder Persönlichkeitsveränderung nach
Extrembelastung (ICD-10: F62.0), ein Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivitätsstörung
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(ADHS) (ICD-10: F90.0) sowie eine Impulskontrollstörung im Sinne eines Kaufzwanges
(„cumpulsive buying“) (ICD-10: F63.8) diagnostiziert (10.1/131-50/63).
Mit Verfügung der Militärversicherung vom 27. April 2012 wurde A_ rückwirkend ab 1.
November 2011 bis 31. Oktober 2013 eine 100%ige Invalidenrente gewährt. Sodann wurde
ihm mitgeteilt, dass unter dem Vorbehalt einer Überprüfung der Zuständigkeit, für die
chronisch rezidivierende manisch depressive Störung, soweit diese auf den Swisscoy-
Einsatz zurückzuführen sei, weiterhin eine Haftung der Militärversicherung bestehe
(act. 10.1/112).
Im Herbst 2013 gab die Militärversicherung eine diagnostische Einschätzung und
Abklärung von A_ im Zentrum für spezialisierte Diagnostik und Intervention, Fachbereich
Versicherungsmedizin, Trübbach, in Auftrag (act. 10.2/133-135). Zu diesem Zweck hielt
sich A_ vom 3. Dezember bis 13. Dezember 2013 stationär in der Klinik St. Pirminsberg
auf (act. 10.2/143). Am 16. Juni 2015 wurde der Militärversicherung von Dr. med. G_,
Facharzt FMH Psychiatrie und Psychiatrie, Psychosomatische und Psychosoziale Medizin
(SAPPM), das in Auftrag gegebene Gutachten zugestellt. Dr. med. G_ diagnostizierte
eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6) mit emotional-instabilen
Anteilen mit Elementen einer posttraumatischen Persönlichkeitsveränderung während des
Militäreinsatzes im Kosovo und eine rezidivierend depressive Störung (ICD-10: F33). Als
somatische Diagnose wurde ein Restless legs Syndrom mit Augmentation festgestellt
(act. 10.2/150- 74, 75 und 79/88). Der Konsiliarpsychiater der Militärversicherung, Dr. med.
H_, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neurologie, erachtete das Gutachten
von Dr. med. G_ als schlüssig und die Schlussfolgerungen als nachvollziehbar
(act. 10.2/151).
C. Mit Vorbescheid vom 1. März 2016 teilte die Militärversicherung dem Rechtsvertreter von
A_ mit, dass die Haftung aus Billigkeit auf 25% festgelegt werde. Weiter werde eine
gekürzte zeitlich befristete Rente von rückwirkend 1. November 2013 bis 29. Februar 2016
gewährt. Sodann werde ab 1. März 2016 eine monatliche Invalidenrente von Fr. 1‘166.65
ausgerichtet (act. 10.2/154). Dagegen liess A_ Einwand erheben (act. 10.2/158).
D. Mit Verfügung vom 8. April 2016 lehnte die Militärversicherung die Haftung für die
beschriebenen psychischen Krankheitsbilder ab und hielt fest, dass weitere Leistungen wie
die Übernahme von Heilkosten, Taggeld oder Invalidenrenten entfallen. Im Übrigen entzog
sie einer allfälligen Einsprache die aufschiebende Wirkung (act. 10.2/159). Dagegen liess
A_ Einsprache erheben (act. 10.2/161).
Seite 6
E. Mit Einspracheentscheid vom 9. Februar 2018 wies die Militärversicherung die Einsprache
ab und lehnte die Leistungspflicht für die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung
(ICD-10: F60.6) von A_ und den damit zusammenhängenden psychischen
Beeinträchtigungen ab 1. November 2013 ab (act. 2.2).
F. Am 2. März 2018 liess A_ beim Obergericht Appenzell Ausserrhoden Beschwerde mit
den eingangs wiedergegebenen Anträgen erheben (act. 1). In der Beschwerdeantwort vom
30. Mai 2018 beantragte die Militärversicherung die Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf einzutreten sei (act. 9). Am 29. Juni 2018 liess A_ die Replik einreichen (act. 13).
Die Duplik der Militärversicherung ging am 23. August 2018 ein (act. 18).
G. Auf die Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften sowie die Ausführungen in den
medizinischen Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Erwägungen
1. 1.1
Nach Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1992 über die Militärversicherung
(MVG, SR 833.1) sind die Bestimmungen des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über
den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) auf die
Militärversicherung anwendbar, soweit das vorliegende Gesetz nicht ausdrücklich eine
Abweichung vom ATSG vorsieht. Gemäss Art. 57 ATSG i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b
Justizgesetz vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als
kantonales Versicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen.
Vorliegend erscheint auch die örtliche Zuständigkeit als gegeben, da der
Beschwerdeführer, welcher gemäss seinem Rechtsvertreter ohne festen Wohnsitz in einem
Wohnmobil lebe und sich häufig in Deutschland aufhalte, den – soweit ersichtlich – letzten
schweizerischen Wohnsitz in Herisau hatte (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015,
N. 33 zu Art. 58 ATSG; vgl. auch Art. 105 MVG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 MVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1
und Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes vom 9. September
2002 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)).
Seite 7
1.2
Die Militärversicherung macht geltend, auf die Beschwerde könne, soweit damit eine
Invalidenrente beantragt werde, nicht eingetreten werden, da Streitgegenstand des
angefochtenen Einspracheentscheids einzig die Haftungsfrage gebildet habe (act. 9/2).
Als Anfechtungsgegenstand gilt das Objekt des angefochtenen Einspracheentscheids.
Streitgegenstand bildet dasjenige Rechtsverhältnis, das den aufgrund der
Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Gegenstand bildet (UELI KIESER, a.a.O.,
N. 91 und N. 92 zu Art. 61 ATSG). Vorliegend entspricht der Streitgegenstand dem
Anfechtungsgegenstand, da letzterer gemäss Ziffer 1 des Rechtsbegehrens des
Beschwerdeführers gänzlich angefochten wurde (UELI KIESER, a.a.O, N. 92 zu Art. 61
ATSG).
In der Verfügung der Militärversicherung vom 8. April 2016 wurde eine Haftung für die
beschriebenen psychischen Krankheitsbilder abgelehnt und festgehalten, dass weitere
Leistungen wie die Übernahme von Heilkosten, Taggeld oder Invalidenrenten entfallen
(act. 10.2/159). In der dagegen erhobenen Einsprache beantragte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers die Aufhebung der Verfügung und die Ausrichtung einer Invalidenrente
bei einer Haftung von mindestens 50% (act. 10.2/161). Mit Einspracheentscheid vom
9. Februar 2018 wies die Militärversicherung die Einsprache ab und lehnte die
Leistungspflicht für die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung des
Beschwerdeführers und den damit zusammenhängenden psychischen Beeinträchtigungen
ab 1. November 2013 ab (act. 2.2). Streitgegenstand des angefochtenen
Einspracheentscheids bildete entgegen der Ansicht der Militärversicherung nicht einzig die
Haftung, sondern mit der Verneinung der Leistungspflicht ging implizit auch – wie in der
Verfügung vom 8. April 2016 ausformuliert und vom Beschwerdeführer angefochten – die
Ablehnung weiterer Leistungen wie unter anderem einer Invalidenrente einher. Insofern ist
auf die Beschwerde als Ganzes einzutreten.
1.3
Der Beschwerdeführer lässt rügen, das Dispositiv des Einspracheentscheids vom
9. Februar 2018 sei insofern unklar, als der Zeitpunkt des Wegfalls der Haftung nicht
ersichtlich sei. Im Einspracheentscheid wird die Leistungspflicht und damit die Haftung ab
1. November 2013 abgelehnt (act. 2.2). Der Einspracheentscheid beziehungsweise dessen
Dispositiv ist somit klar und die Rüge des Beschwerdeführers unbegründet.
Demnach ist auf die Beschwerde einzutreten.
Seite 8
2. Die Haftung der Militärversicherung erstreckt sich grundsätzlich auf sämtliche Folgen, die
mit dem versicherten Ereignis in einem rechtserheblichen Kausalzusammenhang stehen
(BGE 111 V 370 E. 2a; BGE 105 V 225 E. 4c).
2.1
Nach Art. 4 Abs. 1 und Art. 5 Abs. 1 MVG haftet die Militärversicherung für alle
Schädigungen der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit des Versicherten
und für die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen solcher Schädigungen, welche während
des Dienstes in Erscheinung treten und gemeldet oder sonst wie festgestellt werden. Die
Militärversicherung haftet nicht, wenn sie den Beweis erbringt, dass die
Gesundheitsschädigung sicher vordienstlich ist oder sicher nicht während des Dienstes
verursacht werden konnte (Art. 5 Abs. 2 lit. a MVG); und dass diese
Gesundheitsschädigung sicher während des Dienstes weder verschlimmert noch in ihrem
Ablauf beschleunigt worden ist (Art. 5 Abs. 2 lit. b MVG).
2.2
Wird die Gesundheitsschädigung erst nach Schluss des Dienstes durch einen Arzt,
Zahnarzt oder Chiropraktor festgestellt und bei der Militärversicherung angemeldet oder
werden Spätfolgen oder Rückfälle geltend gemacht, so haftet die Militärversicherung nur,
wenn die Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit während des
Dienstes verursacht oder verschlimmert worden ist oder wenn es sich mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit um Spätfolgen oder Rückfälle einer versicherten
Gesundheitsschädigung handelt (Art. 6 MVG).
2.3
Die Haftung gemäss Art. 4 und Art. 5 MVG einerseits sowie Art. 6 MVG anderseits
unterscheidet sich darin, dass im ersten Fall der adäquate Kausalzusammenhang zwischen
den Einwirkungen während des Dienstes und der Gesundheitsschädigung vermutet wird
und nur durch den gegenteiligen Sicherheitsbeweis ausgeschlossen werden kann, während
im zweiten Fall das Vorliegen adäquat kausaler Folgen von Einwirkungen während des
Dienstes erstellt sein muss (BGE 111 V 370 E. 1b, BGE 105 V 225 E. 2).
Vorfrageweise zu prüfen ist, welcher Haftungsgrundsatz – Art. 5 oder Art. 6 MVG – zur
Anwendung kommt. Die Beantwortung dieser Frage hängt davon ab, ob eine
Gesundheitsschädigung während des Dienstes in Erscheinung getreten, gemeldet oder
sonstwie festgestellt oder ob sie erst nach Beendigung des Dienstes durch einen Arzt
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festgestellt und bei der Militärversicherung gemeldet worden ist. Dies beurteilt sich nach
dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit. Gegenstand und Ausgangspunkt
der Haftungsprüfung ist das aktuell und konkret geltend gemachte, behandlungsbedürftige
Leiden, für das um Deckung der Militärversicherung nachgesucht wird. Massgebend ist der
pathologische Zustand, der eine Behandlung notwendig macht oder eine Arbeitsunfähigkeit
bewirkt und somit zu einem Versicherungsfall führt (Urteil des Bundesgerichts
8C_875/2017 vom 5. Juli 2018 E. 6.1 mit Hinweisen unter anderem auf BGE 111 V 370
E. 1b).
Die Anwendung der Beweisregeln des Art. 5 MVG sind schon dann geboten, wenn
irgendeine aus der Zeit des Militärdienstes stammende Meldung oder Feststellung von
Beschwerden oder Symptomen vorliegt, welche wahrscheinlich mit der
Gesundheitsschädigung zusammenhängen, während nicht vorausgesetzt ist, dass schon
damals die richtige Diagnose gestellt wurde (BGE 105 V 225 E. 3a mit Hinweisen). Die
Meldung muss während des Dienstes, das heisst in der Zeit zwischen Diensteintritt und
Dienstaustritt, erfolgen (CHRISTOF STEGER-BRUHIN, Die Haftungsgrundsätze der
Militärversicherung, 1996, S. 154f.).
Die Beurteilung der Haftungsfrage ist primär juristischer Natur und obliegt den
rechtsanwendenden Behörden. Verwaltung und Gericht sind mangels eigener
Fachkenntnisse jedoch auf die Mitwirkung der Ärzte angewiesen. Aufgabe der Ärzte ist es,
die für den Entscheid wesentlichen medizinischen Grundlagen anzugeben und im Rahmen
der unterbreiteten Fragen zur medizinischen Einschätzung bestimmter Tatsachen Stellung
zu nehmen (JÜRG MAESCHI, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung
(MVG), 2000, N. 44 zu Art. 5-7 MVG). Bei der Kausalitätsbeurteilung hat sich der Arzt auf
Angaben zum natürlichen Kausalzusammenhang zu beschränken. Auch die natürliche
Kausalität bildet jedoch einen Rechtsbegriff, welcher mit dem medizinischen Begriff des
natürlichen Kausalzusammenhanges nicht notwendigerweise übereinstimmt. Die
Beweiswürdigung bezüglich des natürlichen Kausalzusammenhanges bleibt daher Sache
des Rechtsanwenders (JÜRG MAESCHI, a.a.O., N. 47 zu Art. 5-7 MVG).
2.4
Die Leistungspflicht der Militärversicherung setzt zunächst voraus, dass zwischen dem
Unfallereignis und der Gesundheitsschädigung ein natürlicher Kausalzusammenhang
besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände,
ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in
der gleichen Weise bzw. nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann.
Seite 10
Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen
Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare
Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis
zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der
versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit anderen Worten nicht weggedacht
werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 119
V 335 E, 1; BGE 117 V 359 Erw. 4a; JÜRG MAESCHI, a.a.O., N. 27 zu Art. 5-7 MVG).
Die Leistungspflicht der Militärversicherung setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem
Unfallereignis und der Gesundheitsschädigung ein adäquater Kausalzusammenhang
besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines
Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der
allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des
eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein
als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2; JÜRG MAESCHI, a.a.O., N. 28 zu Art. 5-7
MVG).
Ist die Erkrankung während des Dienstes in Erscheinung getreten und gemeldet worden,
wird der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den Einwirkungen während des
Dienstes und der Gesundheitsschädigung vermutet und kann nur durch den gegenteiligen
Sicherheitsbeweis im Sinne von Art. 5 Abs. 2 MVG ausgeschlossen werden. Der
Sicherheitsbeweis gilt als geleistet, wenn feststeht, dass nach der medizinischen Erfahrung
eine Einwirkung ursächlicher beziehungsweise verschlimmernder Faktoren während des
Dienstes praktisch ausgeschlossen ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_522/2016 vom
1. Dezember 2016 E. 5; JÜRG MAESCHI, a.a.O., N. 37 zu Art. 5-7 MVG und N. 20ff. zu Art. 5
MVG).
Der Sicherheitsbeweis betrifft nur die Frage der natürlichen, nicht aber die Frage des
adäquaten Kausalzusammenhanges, welche keinem spezifischen Beweisgrad unterliegt.
Der Richter muss somit das „Sicherheitsbeweis-Ergebnis“ im Punkt „natürlicher
Kausalzusammenhang“ anhand des Normzwecks wertend auf die Adäquanz überprüfen.
Dabei stellt sich für den Richter im Rahmen der Fälle von Art. 5 MVG im Sicherheitsbeweis
die Frage, ob eine nicht sicher ausschliessbare oder nur entfernt mögliche ungünstige
Einwirkung während des Dienstes geeignet ist, die eingetretene Gesundheitsschädigung
hervorzurufen (CHRISTOF STEGER-BRUHIN, a.a.O., S. 97f.)
Ein Kausalzusammenhang wird nur dann als adäquat beurteilt, wenn die Einwirkungen
während des Dienstes bei einer Durchschnittsperson geeignet sind, die geltend gemachte
Seite 11
Gesundheitsschädigung zu bewirken, die Gesundheitsschädigung nicht auf einen
vordienstlichen Zustand zurückzuführen ist und die dienstlichen Einwirkungen nicht nur der
auslösende Faktor waren. Konnte der natürliche Kausalzusammenhang nicht mit Sicherheit
ausgeschlossen werden, ist im Rahmen der Adäquanzbeurteilung zu fragen, ob die
dienstlichen Einwirkungen überhaupt generell geeignet waren, die festgestellte
Gesundheitsschädigung zu bewirken. Gegebenenfalls ist die adäquate Verursachung trotz
eines nicht sicher ausschliessbaren natürlichen Kausalzusammenhanges zu verneinen
(CHRISTOF STEGER-BRUHIN, a.a.O., S. 98).
2.5
Eine einmal anerkannte Leistungspflicht bedeutet nicht, dass es der Militärversicherung
verwehrt ist, in einem späteren Zeitpunkt neue Abklärungen hinsichtlich des natürlichen
Kausalzusammenhangs zu tätigen. Dauert eine gesundheitliche Beeinträchtigung an, ist
der Versicherer berechtigt und letztlich sogar verpflichtet, die allenfalls weiterbestehende
ursächliche Bedeutung des Unfalls zu klären. Dabei wird dem Versicherer die Beweislast
zugewiesen für den Fall, dass ungeklärt bleibt, ob dem Unfall (noch) eine kausale
Bedeutung für den andauernden Gesundheitsschaden zukommt (Urteil des Bundesgerichts
8C_210/2007 vom 15. Mai 2008 E. 4.3.2; CHRISTOF STEGER-BRUHIN, a.a.O., S. 276ff.).
3. 3.1
Die Militärversicherung begründete ihre Verweigerung von Leistungen ab dem 1. November
2013 damit, dass der Swisscoy-Einsatz im Kosovo als Teilursache im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhanges für den aktuellen Gesundheitsschaden des Beschwerdeführers
betrachtet werden könne, der adäquate Kausalzusammenhang jedoch zu verneinen sei.
3.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, seine psychischen
Beschwerden stünden sowohl in einem natürlichen als auch in einem adäquaten
Kausalzusammenhang zum Swisscoy-Einsatz im Kosovo. Daher sei die Militärversicherung
leistungspflichtig dafür.
4. In medizinischer Hinsicht lassen sich den Akten im Wesentlichen die folgenden – von den
Parteien unbestrittenen – Angaben entnehmen.
Seite 12
4.1.
Der Beschwerdeführer suchte nach seiner Rückkehr aus dem Kosovo am 20. Oktober 2003
notfallmässig Dr. med. B_ auf, welcher ihn am 14. November 2003 wegen des Verdachts
auf eine Depression/Psychose bei der Militärversicherung anmeldete (act. 10.3/9 und act.
10.3/10).
4.2
Die im weiteren Verlauf von den behandelnden Ärzten gestellten Diagnosen (vgl. unter
Sachverhalt lit. B) liessen es nach Ablauf der zweiten befristeten Invalidenrente am
31. Oktober 2013 angezeigt erscheinen, zur Beurteilung der Situation und des weiteren
Rentenanspruchs ein Gutachten einzuholen (act. 10.2/133-135).
4.3
Dr. med. G_ diagnostizierte im von der Militärversicherung in Auftrag gegebenem
Gutachten vom 16. Juni 2015 eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD-10:
F60.6) mit emotional-instabilen Anteilen mit Elementen einer posttraumatischen
Persönlichkeitsveränderung während des Militäreinsatzes im Kosovo und eine rezidivierend
depressive Störung (ICD-10: F33) (act. 10.2/150- 74f./88). Im Gutachten wurden die
Angaben des Beschwerdeführers wiedergegeben, wonach er im Kosovo nach dem
Auffüllen des Motorenöls vergessen habe, den Ölfilter wieder einzusetzen. Daraufhin seien
20 Liter Öl ausgelaufen. Dies sei für ihn die grösste jemals erlebte Blamage gewesen und
es habe ihm in der Folge den Boden unter den Füssen weggezogen. Sein Zustand habe
sich innert Stunden massiv verschlechtert (act. 10.2/150- 34f./88). Nach Abbruch des
Auslandeinsatzes sei er wieder in die Schweiz zurückgekehrt und es sei ihm noch viel
schlechter als vor seiner Abreise gegangen (act. 10.2/150- 36/88). Zum aktuellen Befinden
des Beschwerdeführers wurde auf dessen Angaben abgestellt, wonach sein psychischer
Zustand sich nach dem Kosovo Einsatz stark verschlechtert habe. Er denke, dass dieses
Ereignis (Öl) ihm die letzte Sicherheit geraubt habe. Sein Selbstvertrauen sei damals
verloren gegangen (act. 10.2/150- 38/88). Im Rahmen der testpsychologischen
Untersuchung wurde dem Beschwerdeführer eine durchschnittliche Intelligenz attestiert
(act. 10.2/150-49/88). Der Gutachter Dr. med. G_ führte in der zusammenfassenden
Beurteilung aus, dass der Beschwerdeführer sehr wahrscheinlich seit seiner Kindheit an
sehr ausgeprägten Versagensängsten leide. Die stark ausgeprägte Versagensangst bei
gleichzeitig hoher affektiver Irritierbarkeit könne im Sinne eines Circulus Vitiosus dazu
führen, dass bereits verhältnismässig geringe situative Auslöser ausreichend seien, dass
der Explorand in einen derart ausgeprägten innerpsychischen Stress gerate, dass er dann
völlig blockiert sei (act. 10.2/150-71/88). Weiter führte der Gutachter aus, dass die
Erlebnisse während des Militäreinsatzes im Kosovo dazu geführt hätten, dass die durch die
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sehr schwierigen Verhältnisse in der Kindheit und Jugend geprägte und fragile
Persönlichkeit des Beschwerdeführers im Sinne einer Retraumatisierung erheblich
erschüttert worden sei. Trotz intensiven Versuchen über Jahre hinweg in verschiedenen
Settings habe keine zufriedenstellende Stabilisierung erzielt werden können, was ebenfalls
als Ausdruck der erheblichen Destabilisierung durch den Militäreinsatz zu verstehen sei.
Der Militäreinsatz habe zu einem markanten Knick in der Lebenslinie geführt. Es sei aus
gutachterlicher Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der
Krankheitsverlauf ein anderer gewesen wäre, wenn er diesen Militäreinsatz nicht geleistet
hätte. Der Militäreinsatz im Kosovo stelle im Längsverlauf einen negativen Wendepunkt mit
einer anschliessenden erheblichen Verschlechterung der psychischen Stabilität dar (act.
10.2/150- 76f./88). Es sei aus gutachterlicher Sicht mit hoher Wahrscheinlichkeit davon
auszugehen, dass es durch die Ereignisse während des Einsatzes bei der Swisscoy zu
einer markanten psychischen Verschlechterung gekommen sei. Es sei eine erhebliche
Destabilisierung durch den Militäreinsatz eingetreten (act. 10.2/150-80/88). Aufgrund der
Erheblichkeit der ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung, mitunter auch der
enormen Destabilisierung durch die traumatisierend erlebten Ereignisse während des
Militäreinsatzes bei der Swisscoy, sei es aus heutiger Sicht fraglich, inwieweit eine
Besserung dieser Störung zukünftig möglich sein werde. Leider müsse aktuell von einer
eher ungünstigen Krankheitsprognose ausgegangen werden. Eine regelmässig
stattfindende ambulante Psychotherapie sei als indiziert zu erachten (act. 10.2/150-83f./88).
Eine Ausbildung in der freien Wirtschaft erscheine aus psychiatrischer Sicht nicht
realistisch, berufliche Massnahmen auf dem ersten Arbeitsmarkt seien mit einer hohen
Gefahr eines erneuten Scheiterns verbunden (act. 10.2/150-85/88). Weiter stellte der
Gutachter die somatische Diagnose Restless legs Syndrom mit Augmentation (act.
10.2/150- 79/88). Hierzu führte der Gutachter aus, gemäss dem Beschwerdeführer habe er
das Restless Legs Syndrom seit dem Kosovo Einsatz (act. 10.2/150-38/88). Im
psychiatrischen Kontext sei sicher von Bedeutung das Restless legs Syndrom, welches
beim Beschwerdeführer einen zusätzlichen Leidensdruck auslöse, und sehr wahrscheinlich
auch zu einem Anstieg des innerpsychischen Spannungsniveaus führe, wenn die Unruhe in
den Beinen durch Zuckungen deutlich erhöht sei. Zudem scheinen die hartnäckigen
Schlafstörungen in einem engen Zusammenhang mit dem Restless legs Syndrom zu
stehen (act. 10.2/150-82/88).
4.4
Der Konsiliarpsychiater der Militärversicherung, Dr. med. H_, ging unter
Berücksichtigung des von ihm als schlüssig beurteilten Gutachtens von Dr. med. G_
versicherungsmedizinisch von einer Verschlimmerung eines Vorzustandes aus. Mit grosser
Wahrscheinlichkeit könne höchstens ein 50%iger Anteil angenommen werden, der auf die
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beeinflussenden Faktoren während des Kosovoeinsatzes zurückzuführen sei (act.
10.2/151).
5. 5.1
Die vorfrageweise Prüfung, welcher Haftungsgrundsatz zur Anwendung kommt, ergibt,
dass der Beschwerdeführer am 20. Oktober 2003 – mithin noch während des bis
21. Oktober 2003 dauernden Dienstes (10.3/8) – notfallmässig Dr. med. B_ aufsuchte,
welcher am 14. November 2004 die Verdachtsdiagnose Depression/Psychose bei der
Militärversicherung anmeldete (act. 10.3/9 und act. 10.3/10). Somit wurden noch während
des durch öffentlich-rechtlichen Arbeitsvertrag geregelten Swisscoy-Einsatzes von einem
zivilen Facharzt psychische Beschwerden, welche von ihm in einen ursächlichen
Zusammenhang mit dem Auslandseinsatz gestellt wurden, festgestellt und als
behandlungsbedürftig eingeschätzt (act. 10.3/8 und act. 10.3/9). Dass lediglich eine
Verdachtsdiagnose gestellt werden konnte und eine präzise Diagnose erst später
resultierte, ist nach der Rechtsprechung hinsichtlich der Anwendbarkeit von Art. 5 MVG
ohne Belang (vgl. E. 2.3).
5.2
Zu prüfen ist die Leistungspflicht der Militärversicherung für die ängstlich-vermeidende
Persönlichkeitsstörung und die damit zusammenhängenden aktuellen psychischen
Beeinträchtigungen des Beschwerdeführers (Urteil des Bundesgerichts 8C_875/2017 vom
5. Juli 2018 E. 6.1). Gemäss Rechtsprechung steht fest und ist im Übrigen zwischen den
Parteien auch unbestritten, dass die Beweislast für den Nachweis des Dahinfallens jeder
kausalen Bedeutung des Swisscoy-Einsatzes am Gesundheitsschaden des
Beschwerdeführers der Militärversicherung oblag (act. 13/2 und act. 18/2; Urteil des
Bundesgerichts 8C_210/2007 vom 15. Mai 2008 E. 4.2 und E. 4.3.1). Entgegen der Ansicht
des Beschwerdeführers hat die Militärversicherung ihm keine unbefristete Rente
zugesprochen. Vielmehr gab die Militärversicherung nach Ablauf beziehungsweise etwa
zeitgleich mit dem Ablauf der bis 31. Oktober 2013 befristeten Rente eine umfassende
Abklärung in Auftrag (act. 10.1/112 und act. 10.2/133-135). Hierzu war die
Militärversicherung – was der Beschwerdeführer grundsätzlich anerkannte – berechtigt
beziehungsweise verpflichtet und auch der vom Beschwerdeführer angerufene
Vertrauensgrundsatz stand diesem Vorgehen nicht entgegen (Urteil des Bundesgerichts
8C_210/2007 vom 15. Mai 2008 E. 4.2, E. 4.3.1 und E. 4.3.2; act. 13/2). Dass die
Militärversicherung dem Beschwerdeführer bis zu der die Haftung ablehnenden Verfügung
vom 8. April 2016 weiterhin eine Rente ausrichtete, ist auch kein Indiz für eine faktisch,
formfrei, unbefristete Rente, sondern der der Militärversicherung obliegenden Beweislast
für den Nachweis des Dahinfallens jeder kausalen Bedeutung des Swisscoy-Einsatzes am
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Gesundheitsschaden geschuldet. Ferner haben sich entgegen der Ansicht des
Beschwerdeführers weder Dr. med. G_ noch der Militärpsychiater Dr. med. H_ zur
Adäquanz des Kausalzusammenhangs geäussert, zumal ihnen diesbezüglich auch keine
Beurteilung oblag beziehungsweise zustand (vgl. E. 2.3). Schliesslich ist durch die Akten
nicht belegt, ob nebst dem im Gutachten von Dr. med. G_ erwähnten missglücktem
Ölwechsel und der im Austrittsbericht der Klinik Münsterlingen erwähnten Patrouillenfahrt
noch weitere, den Beschwerdeführer besonders stressende Ereignisse im Kosovo
stattfanden. Jedenfalls kann aus der Wahrscheinlichkeit weiterer Stressereignisse im
Hinblick auf die im Rahmen der Adäquanzbeurteilung zu stellenden Frage, ob die
dienstlichen Einwirkungen überhaupt generell geeignet waren, die festgestellte
Gesundheitsschädigung zu bewirken, nicht per se ein rechtserheblicher
Kausalzusammenhang hergestellt werden.
5.3
Aus den Akten beziehungsweise dem Gutachten von Dr. med. G_ ergibt sich, dass beim
Beschwerdeführer bereits (lange) vor dem Swisscoy-Einsatz eine Persönlichkeitsstörung
vorlag. Die Ereignisse während des Einsatzes, insbesondere der missglückte Ölwechsel,
waren für den Beschwerdeführer traumatisierend und nahmen in seiner subjektiven
Bewertung für ihn katastrophale Dimensionen an. Durch den Militäreinsatz im Kosovo
wurde der Beschwerdeführer einer subjektiv als extrem erlebten Belastung ausgesetzt,
womit eine eigentliche Destabilisierung einherging beziehungsweise was zu einem Knick in
der Lebenslinie führte. Zudem ist der Zustand des Beschwerdeführers aufgrund der
schweren Persönlichkeitsstörung sehr instabil und stellt eine ausgeprägte Prädisposition für
depressive Krisen dar. Insofern kann aus dem Gutachten geschlossen werden, dass die
Ereignisse während des Swisscoy-Einsatzes für die aktuellen psychischen
Beeinträchtigungen zumindest eine Teilursache im Sinne des natürlichen
Kausalzusammenhanges darstellen. Jedoch sind nach allgemeiner Lebenserfahrung
solche Ereignisse, insbesondere der missglückte Ölwechsel und die Besonderheiten eines
solchen Swisscoy-Einsatzes, auch wenn es hierbei zu einer vorübergehenden psychischen
Anspannung kommen kann, nicht generell geeignet, bei Durchschnittspersonen
langdauernde psychische Beeinträchtigungen zu verursachen. Die ungünstige
Beeinflussung während des Swisscoy-Einsatzes wirkt für den heute bestehenden
gesundheitlichen Zustand aufgrund der seither verstrichenen Zeitdauer nicht mehr nach.
Demnach besteht zwischen dem Swisscoy-Einsatz und den heutigen psychischen
Beeinträchtigungen kein adäquater Kausalzusammenhang mehr.
Somit ist die Beschwerde abzuweisen.
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6. 6.1
Gerichtskosten sind keine zu erheben (Art. 1 Abs. 1 MVG i.V.m. Art. 61 lit. a ATSG).
6.2
Der obsiegenden Militärversicherung ist keine Parteientschädigung auszurichten (BGE 126
V 143 E. 4; Urteil des Bundesgerichts 8C_740/2007 vom 11. Juni 2008 E. 7.2).