# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ce5cd9f6-8e21-5e91-809f-1d84a953c467
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin 1 reichte am 12. Januar 2009 ein Baugesuch ein für die
Umnutzung von Strassenflächen in der oberen Altstadt für die Aussenbestuhlung von
Gastgewerbebetreibern im Bereich Kornhausplatz, Schmiedenplatz, Zeughausgasse,
Grabenpromenaden-Park und Rathausgasse. Gegen das Bauvorhaben erhob unter
anderem der Beschwerdeführer Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 7. April 2009 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern der
Beschwerdegegnerin 1 die Baubewilligung inklusive Ausnahmebewilligungen für das
Abweichen von der zulässigen Nutzungsart in der Verkehrsfläche sowie in der Schutzzone
A. Gleichzeitig erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern vierzehn Gastgewerbebetrieben
die Bewilligung für die entgeltliche Überlassung von öffentlichem Grund.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 8. Mai 2009 Beschwerde bei der Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt, der
angefochtene Bauentscheid sei aufzuheben und dem Bauvorhaben sei der Bauabschlag
zu erteilen. Eventuell sei der angefochtene Entscheid teilweise aufzuheben, soweit nur die
im vorherigen Einspracheverfahren gerügte Umnutzung bestimmter Parzellen bzw. der von
der Stadt definierten Nutzungsfelder neu beurteilt werden könne. Der Beschwerdeführer
macht insbesondere geltend, die Aussenbestuhlungen der Restaurants würden Platz auf
der Verkehrsfläche beanspruchen, der dem Verkehr deshalb fehle.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Da die im Gesamtbauentscheid
ebenfalls erteilten Bewilligungen für die entgeltliche Überlassung von öffentlichem Grund
von der angefochtenen Baubewilligung abhängen, beteiligte das Rechtsamt anfänglich
auch alle vierzehn Gastgewerbebetriebe als Beschwerdegegner am Beschwerdeverfahren.
Das Regierungsstatthalteramt Bern nahm mit Schreiben vom 20. Mai 2009 Stellung zur
Beschwerde; ein Antrag wird darin nicht gestellt. Der Beschwerdegegner 2 beantragt in
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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seiner Beschwerdeantwort vom 5. Juni 2009, die Beschwerde sei abzuweisen. Die
Beschwerdegegner 3 und 4 beantragen in ihrer gemeinsamen Beschwerdeantwort vom
9. Juni 2009 ebenfalls die Abweisung der Beschwerde, soweit überhaupt darauf
eingetreten werden könne. Zudem beantragen sie, der Beschwerde sei die aufschiebende
Wirkung zu entziehen. Ebenfalls den Entzug der aufschiebenden Wirkung beantragt die
Beschwerdegegnerin 1 in ihrer Beschwerdeantwort vom 11. Juni 2009. In Bezug auf das
Hauptbegehren der Beschwerde beantragt die Beschwerdegegnerin 1, darauf sei nicht
einzutreten. Hinsichtlich des Eventualbegehrens der Beschwerde beantragt sie, auf die
Rüge der Anlieferung sei nicht einzutreten; bezüglich einer allfälligen Verkleinerung des
Feldes 1/079.3 stellt sie keinen Antrag, sondern räumt ein, dass die Situation neu zu
überprüfen wäre, sollte die betroffene Aussenbestuhlung geltendes Recht verletzen.
Mit Verfügung vom 17. Juni 2009 stellte das Rechtsamt fest, dass von den im
Gesamtbauentscheid aufgeführten vierzehn Gastgewerbebetrieben nur die
Beschwerdegegner 2 bis 4 von der Beschwerde betroffen seien und der angefochtene
Entscheid deshalb für die übrigen Gastgewerbebetriebe in Rechtskraft erwachsen sei.
4. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er -
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden - nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtbauentscheid zuständig.
Zur Beschwerde befugt sind unter anderem die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe (Art. 10 KoG in Verbindung mit Art. 40 Abs. 2 BauG). Zur Einsprache
befugt sind private Organisationen in Form einer juristischen Person, soweit die Wahrung
von Anliegen des Baugesetzes nach den Statuten zu ihren dauernden Hauptaufgaben
gehört und soweit sie zum Zeitpunkt der Bekanntmachung des Bauvorhabens mindestens
fünf Jahre bestanden haben (Art. 35 Abs. 2 Bst. b BauG). Aus den Statuten des
Beschwerdeführers ergibt sich, dass der Verein seit über fünf Jahren besteht. Gemäss Art.
2 der Statuten wahrt der Verein insbesondere die Interessen der velofahrenden
Bevölkerung gegenüber den zuständigen Behörden und ergreift zu diesem Zweck die
notwendigen Rechtsmittel. Der Beschwerdeführer hat sich somit berechtigterweise am
Baubewilligungsverfahren als Einsprecher beteiligt und ist demzufolge auch zur
Beschwerdeführung legitimiert.
Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde wird eingetreten.
2. Rügen aus der Einsprache
a) Der Beschwerdeführer verweist in seiner Beschwerde vom 8. Mai 2009 darauf, dass
er in seiner Einsprache verlangt habe, dass die Feldnummer 1/0739.3 um mindestens 6 m
nach Süden zurückzunehmen sei. Über den Schmiedenplatz würden essentielle Velo-
Verkehrsbeziehungen führen und das Feld 1/0739.3 verhindere Rechtsabbiegen von der
Zeughausgasse Richtung Kornhausplatz Süd.
Zudem habe er in seiner Einsprache geltend gemacht, dass die Anlieferung im Bereich der
Feldnummern 1/0852, 1/0738, 1/0739.1 und 1/0739.2 verbindlich und so zu organisieren
sei, dass die Durchfahrt Schmiedenplatz jederzeit gewährleistet sei. Die öffentliche
Nutzung der Verkehrsfläche werde unzulässig behindert. Anlieferungen mit Lastwagen
erfolgten ab Kornhausplatz und ab Zeughausgasse auf den Schmiedenplatz. Oft
behinderten und verhinderten grosse Fahrzeuge von Anlieferfirmen jegliches
Durchkommen für Fussgänger und Velos über den Schmiedenplatz.
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b) Betreffend der reduzierten Durchfahrtsbreite wird im Gesamtbauentscheid auf Art. 7
BauV4 verwiesen. Dementsprechend dürften die Fahrbahnbreiten bei Einbahnstrassen
3.00 m und bei Strassen mit Gegenverkehr 4.20 m nicht unterschreiten. Diese Breiten
würden für Verkehrsflächen mit normalem Strassenverkehr gelten. Die in den Plänen
ausgewiesenen Durchfahrtsbreiten würden daher als genügend erachtet. Hinsichtlich der
monierten Anlieferungen wird im Gesamtbauentscheid festgehalten, dass diese nicht im
vorliegenden Baubewilligungsverfahren behandelt würden. Gegenstand des zu
behandelnden Baugesuches bildeten lediglich die Aussenbewirtschaftungsflächen.
c) Vorab ist unklar, ob der Beschwerdeführer an diesen Rügen aus der Einsprache im
Beschwerdeverfahren festhält oder nicht. Aufgrund des Aufbaus der Beschwerdeschrift
und der Formulierung ist eher davon auszugehen, dass die Rügen nur zwecks Information
wiederholt, im Beschwerdeverfahren aber nicht aufrechterhalten werden. Der
Beschwerdeführer geht denn auch mit keinem Wort auf die entsprechenden Begründungen
im angefochtenen Gesamtbauentscheid zu diesen Rügen ein.
Demzufolge könnte auf diese Rügen aus der Einsprache mangels Begründung (Art. 32
Abs. 2 VRPG5) nicht eingetreten werden, selbst wenn der Beschwerdeführer an ihnen im
Beschwerdeverfahren hätte festhalten wollen: Die Begründung muss sich wenigstens in
minimaler Form mit dem angefochtenen Erkenntnis auseinandersetzen und sinngemäss
darauf schliessen lassen, welche Rechtsnormen verletzt worden sind; ein blosser Verweis
auf frühere Rechtsschriften stellt daher keine rechtsgenügliche Begründung dar.6
d) Im Übrigen wären diese Rügen auch unbegründet. Das Rechtsabbiegen vom
Schmiedenplatz Richtung Kornhausplatz Süd wird durch die Aussenbestuhlung in der
Feldnummer 1/0739.3 nicht verhindert: Die Radfahrer werden dadurch nur gezwungen,
beim Rechtsabbiegen eine etwas weitere Kurve zu fahren oder allenfalls vor dem
Rechtsabbiegen eine kleine Linkskurve zu fahren. Welchen öffentlich-rechtlichen
Vorschriften dies widersprechen sollte, ist nicht erkennbar, und der Beschwerdeführer
nennt auch keine solchen. Aus den Plänen ergibt sich, dass die Breite der Ausfahrt vom
Schmiedenplatz in den Kornhausplatz von der nordwestlichen Ecke der Feldnummer
1/0739.3 bis zur südöstlichen Ecke des Zeughauses rund 6 m beträgt. Etwas enger ist die
4 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15
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Durchfahrt zwischen der nordöstlichen Ecke der Feldnummer 1/0739.3 und dem
Kindlifresserbrunnen, sie beträgt gut 4 m. Mit Blick auf die Vorgaben in Art. 7 BauV ist die
Verkehrsfläche damit genügend breit. Allerdings ist fraglich, ob Art. 7 BauV hier überhaupt
anwendbar ist, handelt es sich doch um eine Fussgängerzone, welche von Radfahrern
bloss mitbenützt werden darf. Wird in Fussgängerzonen ausnahmsweise beschränkter
Fahrzeugverkehr zugelassen, darf höchstens im Schritttempo gefahren werden; die
Fussgänger und Benützer von fahrzeugähnlichen Geräten haben Vortritt (Art. 22c SSV7),
wobei Fahrräder nicht als fahrzeugähnliche Geräte gelten (Art. 1 Abs. 10 VRV8). Im
Bereich Schmiedenplatz/Kornhausplatz haben Radfahrer also nicht denselben Anspruch
auf freie Fahrt, wie beispielsweise auf einem Radweg. Sie dürfen höchstens im
Schritttempo fahren und müssen den Fussgängern den Vortritt lassen – dies kann auch
bedeuten, dass abgestiegen und das Fahrrad geschoben werden muss.
Was die Anlieferung betrifft, so ist dem Regierungsstatthalteramt zuzustimmen, dass diese
nicht Gegenstand des Baubewilligungsverfahrens und damit auch nicht Gegenstand des
vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist. Im Übrigen ergibt sich bereits aus dem
Bundesrecht, dass beim Güterumschlag stets ein mindestens 1,50 m breiter Raum frei
bleiben muss und die Ladetätigkeit ohne Verzug zu beenden ist (Art. 41 Abs. 1bis VRV).
Darüber hinaus weist die Beschwerdegegnerin 1 in ihrer Stellungnahme vom 11. Juni 2009
darauf hin, dass die Wirte von der Gewerbepolizei bereits dazu angehalten würden,
während den Aussenbestuhlungszeiten keine Anlieferungen vorzunehmen. Schliesslich sei
auch noch bemerkt, dass für den Fall, dass der Durchgang beim Schmiedenplatz durch
Anlieferungen dennoch ausnahmsweise kurzzeitig versperrt wäre, die Radfahrer entweder
via Zeughausgasse, Nägeligasse und Kornhausplatz Nord um das Kornhaus herumfahren
könnten oder die Möglichkeit hätten, vom Fahrrad abzusteigen und zu Fuss den
Durchgang zwischen dem Kornhauscafé und dem Kornhauskeller zu benützen.
3. Rügen gegen den Gesamtbauentscheid
a) Gegen den Gesamtbauentscheid macht der Beschwerdeführer zunächst geltend,
darin werde unter Ziff. 3.1 erwähnt, das Bauvorhaben bzw. die damit zu bewilligenden
Dienstleistungen stünden in keinem Zusammenhang mit der öffentlichen Verkehrsanlage.
7 Signalisationsverordnung vom 5. September 1979 (SSV; SR 741.21) 8 Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV; SR 741.11)
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Betreffend der gerügten Umnutzung der betroffenen Flächen stimme dies ganz
offensichtlich nicht: Die Aussenbestuhlungen der Restaurants würden Platz auf der
Verkehrsfläche beanspruchen, der dem Verkehr deshalb fehle. Die Voraussetzungen für
die gewährte Ausnahmebewilligung für die zonenfremde Nutzung bestehe somit nur zum
Teil.
b) In diesem Zusammenhang weist das Regierungsstatthalteramt in seiner
Stellungnahme vom 20. Mai 2009 zu Recht darauf hin, dass der Beschwerdeführer die
entsprechende Erwägung im angefochtenen Gesamtbauentscheid missverstanden habe.
Die monierten Ausführungen unter Ziff. 3.1 dieses Entscheides beziehen sich auf die
Notwendigkeit einer Ausnahmebewilligung infolge zonenfremder Nutzung der
Verkehrsfläche. Dabei kommt das Regierungsstatthalteramt in seinem Entscheid zum
Schluss, dass die beabsichtigten Aussenbewirtschaftungsflächen in keinem
Zusammenhang mit der öffentlichen Verkehrsanlage stünden und deshalb eine
Ausnahmebewilligung für die zonenfremde Nutzung der Verkehrsfläche benötigten. Dem
ist zuzustimmen und entspricht wohl auch der Meinung des Beschwerdeführers.
Insofern ist aus der Begründung der Beschwerde nicht nachvollziehbar, weshalb die
Voraussetzungen für die gewährte Ausnahmebewilligung nur zum Teil erfüllt sein sollten.
Auch in diesem Punkt ist die Beschwerde somit ungenügend begründet.
Abgesehen davon wurde die Ausnahmebewilligung für die zonenfremde Nutzung der
Verkehrsfläche zu Recht erteilt: Da es sich bei den Aussenbestuhlungen um kleine und
leicht entfernbare Anlagen handelt, müssen die Voraussetzungen von Art. 28 BauG erfüllt
sein. Dabei steht das genügende Interesse des Bauherrn ausser Frage, insbesondere trägt
die Aussenbestuhlung wesentlich zu einer lebendigen Stadt bei. Weiter ist keine
Beeinträchtigung nachbarlicher Interessen erkennbar.
Näher zu prüfen ist jedoch, ob das öffentliche Interesse der Verkehrssicherheit
beeinträchtigt wird. Davon ist aber nicht auszugehen. Die nun zu bewilligende
Aussenbestuhlung entspricht dem Zustand der letzten Jahre. Dass dieser Zustand bis
anhin zu einer Gefährdung der Verkehrssicherheit geführt hätte, wird nicht geltend
gemacht und dafür gibt es auch keine Anhaltspunkte. Weshalb sich daran in Zukunft etwas
ändern sollte, ist nicht erkennbar. Zwar führt die Aussenbestuhlung in der Feldnummer
1/0739.3 tatsächlich zu einer gewissen Verengung bei der Einmündung des
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Schmiedenplatzes in den Kornhausplatz und beim Kindlifresserbrunnen. Dies hat aber
grundsätzlich zur Folge, dass Radfahrer ihr Tempo reduzieren müssen, was die
Verkehrssicherheit sogar eher erhöht. Ob diese quasi verkehrsberuhigende Wirkung der
Aussenbestuhlung in der Feldnummer 1/0739.3 sinnvoll ist, darüber lässt sich streiten, zu
einer Gefährdung der Verkehrssicherheit führt sie jedenfalls nicht. Im Übrigen sei noch
einmal daran erinnert, dass in Fussgängerzonen, in denen ausnahmsweise beschränkter
Fahrzeugverkehr zugelassen ist, höchstens im Schritttempo gefahren werden darf und
Fussgänger Vortritt haben (Art. 22c SSV).
Als letzte Voraussetzung für eine Ausnahmebewilligung gemäss Art. 28 BauG muss bei
Bauten an Strassen die zuständige Behörde zugestimmt haben. Die Präsidialdirektion
(Bauinspektorat) der Stadt Bern als zuständige Strassenaufsichtsbehörde hat diese
Zustimmung mit Bericht vom 20. März 2009 erteilt.
c) Zudem ist der Beschwerdeführer der Meinung, zumal auch öffentliche Interessen der
Verkehrssicherheit auf dem Spiel stünden, könne verlangt werden, dass vor dem im
Gesamtbauentscheid angekündigten Nutzungskonzept kein Präjudiz geschaffen werden
dürfe, wie dies mit dem angefochtenen Entscheid der Fall wäre.
d) Dem ist entgegenzuhalten, dass Bauvorhaben gemäss Art. 36 Abs. 1 BauG nicht
aufgrund von angekündigten Nutzungskonzepten, sondern nach dem zur Zeit der
Einreichung des Baugesuchs geltenden Recht zu beurteilen sind. Entscheide sind nur
dann zurückzustellen, wenn das Bauvorhaben Nutzungsplänen widerspricht, die bei der
Gesuchseinreichung öffentlich aufgelegen haben (Art. 36 Abs. 2 BauG).
Im Übrigen wurde die Bewilligung für die entgeltliche Überlassung von öffentlichem Grund
den Gastgewerbebetrieben nur für die Saison 2009 erteilt. Sollte das angekündigte
Nutzungskonzept eine Reduktion gewisser Aussenbestuhlungsflächen vorsehen, könnte
einer solchen Reduktion in zukünftigen Bewilligungsverfahren für die entgeltliche
Überlassung von öffentlichem Grund problemlos Rechnung getragen werden. Somit kann
nicht davon gesprochen werden, dass mit dieser Baubewilligung ein Präjudiz geschaffen
wird. Diese Rüge erweist sich demzufolge als unbegründet.
e) Weiter macht der Beschwerdeführer gegen den Gesamtbauentscheid geltend, darin
werde unter Ziff. 3.1 erwähnt, dass im Rahmen der stadtinternen Prüfung des Baugesuchs
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keine Einwände erhoben worden seien und dementsprechend davon ausgegangen werden
könne, dass keine öffentlichen Interessen beeinträchtigt würden. Dem Beschwerdeführer
sei aber bekannt, dass sehr wohl solche Einwände vorgebracht worden seien und
bestünden, diese aber nicht gehört und eventuell in der Stellungnahme der Gesuchstellerin
nicht erwähnt worden seien. Insoweit die Herausgeberin der Stellungnahme vom 3. April
2009 mit der Gesuchstellerin identisch sei, müsse letztere als befangen erachtet werden.
Im Gesamtbauentscheid sei dazu keine nähere Prüfung vorgenommen worden.
Die Beschwerdegegnerin 1 räumt in ihrer Beschwerdeantwort vom 11. Juni 2009 ein, dass
hinsichtlich der Frage, ob die streitige Aussenbestuhlungsfläche des Feldes 1/0739.3
reduziert werden müsse, im Einspracheverfahren unter den städtischen Fachstellen
tatsächlich unterschiedliche Meinungen geherrscht hätten. Während das Bauinspektorat
die vorgeschriebenen Durchfahrts- und Durchgangsbreiten als eingehalten erachtet hätte,
hätte die Fachstelle Fuss- und Veloverkehr eine Kürzung um 2 m als sinnvoll beurteilt. Mit
Rücksicht auf das Ziel, die Aussenbestuhlungsflächen wenn möglich im bestehenden
Umfang bewilligen zu können sowie unter Berücksichtigung der Fachmeinung des
Bauinspektorats, wonach im betroffenen Fall kein geltendes Recht verletzt werde, habe die
Stadt im Einspracheverfahren darauf verzichtet, Anpassungen zu verlangen.
f) Zunächst ist festzuhalten, dass es zwar richtig ist, dass die Autorin der
Stellungnahme vom 3. April 2009 mit der Gesuchstellerin und Beschwerdegegnerin 1
identisch ist. Dies ist jedoch nicht die einzige Stellungnahme, welche die Stadt Bern im
Rahmen des Baubewilligungsverfahrens eingereicht hat: Mit Bericht vom 20. März 2009
hat auch das Bauinspektorat zum Baugesuch Stellung genommen und beantragt, die
Einsprachen abzuweisen und die Baubewilligung zu erteilen. In Bezug auf das
Bauinspektorat ist der Vorwurf der Befangenheit unbegründet.
Im Übrigen ist auch an der Stellungnahme der Gesuchstellerin und Beschwerdegegnerin 1
vom 3. April 2009 nichts auszusetzen: Muss eine Amtsstelle eine Stellungnahme abgeben,
ist es nicht ungewöhnlich, dass innerhalb dieser Amtsstelle Meinungsverschiedenheiten
auftreten. Dass diese abweichenden Meinungen vor Abgabe der Stellungnahme intern
bereinigt werden, ist nicht nur nicht zu beanstanden, sondern geradezu geboten.
Darüber hinaus ist durchaus nachvollziehbar, dass die Fachstelle Fuss- und Veloverkehr
eine Kürzung des Feldes 1/0739.3 um 2 m als sinnvoll betrachtet hat – dies würde die
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Einmündung des Schmiedenplatzes in den Kornhausplatz entsprechend verbreitern.
Allerdings sei erwähnt, dass der noch etwas schmälere Engpass zwischen der
nordöstlichen Ecke der Feldnummer 1/0739.3 und dem Kindlifresserbrunnen durch eine
solche Reduktion um 2 m nur unwesentlich verbreitert würde. Letztlich ist dies aber nicht
entscheidend: Im vorliegenden Beschwerdeverfahren ist nicht die Zweckmässigkeit der
Aussenbestuhlungsflächen zu beurteilen, sondern nur zu prüfen, ob die öffentlich-
rechtlichen Bestimmungen eingehalten sind. Letzteres ist der Fall.
g) Schliesslich bemängelt der Beschwerdeführer, dass im Baubewilligungsverfahren auf
Antrag der Beschwerdegegnerin 1 auf die Durchführung einer Einspracheverhandlung
verzichtet worden sei. Damit sei eine Kompromissfindung aktiv verhindert worden.
h) Gemäss Art. 34 Abs. 1 BewD9 kann die Baubewilligungsbehörde eine
Einigungsverhandlung durchführen, sofern die Beteiligten nicht darauf verzichten. Es steht
im Ermessen der Bewilligungsbehörde, ob sie eine Einigungsverhandlung durchführt oder
nicht. Die Parteien haben somit keinen Anspruch auf die Durchführung einer
Einigungsverhandlung. Art. 34 Abs. 1 BewD bezweckt, Verfahrensverzögerungen zu
vermeiden. Beurteilt die Bewilligungsbehörde eine Einigungsverhandlung als aussichtslos,
kann sie darauf verzichten.10
Demzufolge war die Vorinstanz nicht verpflichtet, eine Einigungsverhandlung
durchzuführen. Dies umso weniger, als die Beschwerdegegnerin 1 mit Schreiben vom 3.
April 2009 ausdrücklich den Antrag gestellt hat, es sei auf die Einsprachverhandlung zu
verzichten.
4. Zusammenfassung und Diverses
a) Die Rügen in der Beschwerde vom 8. Mai 2009 erweisen sich als unbegründet,
soweit überhaupt auf diese eingetreten werden kann. Die Beschwerde wird demzufolge
abgewiesen und der Gesamtbauentscheid des Regierungsstatthalters vom 7. April 2009
wird bestätigt.
9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 10 Vgl. dazu Anita Horisberger Jecklin, vom Umgang mit Einsprachen, in: KPG-Bulletin 1/1999 S. 13 Ziff. II.1.
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b) Mit diesem Entscheid in der Sache werden die Gesuche der Beschwerdegegnerin 1
sowie der Beschwerdegegner 3 und 4 um Entzug der aufschiebenden Wirkung der
Beschwerde gegenstandslos und entsprechend vom Geschäftsverzeichnis abgeschrieben
(Art. 39 Abs. 1 VRPG).
c) Der Beschwerdeführer beantragt in seiner Beschwerde die Durchführung eines
Augenscheins sowie die Einholung von Stellungnahmen von Fachstellen und der
Verkehrsplanung der Stadt Bern.
Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV11). Die Behörde ist
deshalb verpflichtet, die ihr rechtzeitig und formrichtig angebotenen Beweismittel
abzunehmen. Dies gilt nicht, wenn die Beweismittel eine nicht erhebliche Tatsache
betreffen, wenn sie offensichtlich untauglich sind, über die streitige Tatsache Beweis zu
erbringen, oder wenn der Richter seine Überzeugung aufgrund bereits abgenommener
Beweise schon willkürfrei hat bilden können.12
Weder von der Durchführung eines Augenscheins noch von der Einholung von weiteren
Stellungnahmen sind neue bzw. relevante Erkenntnisse zu erwarten. Aus diesem Grund
konnte auf beides verzichtet werden.
5. Kosten
a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 4 Abs. 2 GebV13). In Anwendung dieser Bestimmungen werden die
Verfahrenskosten auf Fr. 800.-- festgelegt.
Gemäss Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
11 Bundesverfassung (BV; SR 101) 12 BGE 124 I 242 E. 2, 285 E. 5; BGE 122 II 464 E. 4a 13 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung; GebV, BSG 154.21)
12
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Der Beschwerdeführer unterliegt mit seinem Antrag und gilt demnach als
unterliegende Partei. Er hat daher die Verfahrenskosten von Fr. 800.-- zu tragen.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei im oberinstanzlichen
Beschwerdeverfahren die Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung oder die Wettschlagung
gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt
erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Da der Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren
unterliegt, hat er die Parteikosten der Beschwerdegegner zu übernehmen.
Die Honorarnote des Parteivertreters des Beschwerdegegners 2 beläuft sich auf
Fr. 2'034.95, die Honorarnote des Parteivertreters der Beschwerdegegner 3 und 4 auf
Fr. 1’764.20; beide Honorarnoten geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Der
Beschwerdeführer wird demnach verpflichtet, dem Beschwerdegegner 2 die Parteikosten
in Höhe von Fr. 2'034.95 (inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer) und den
Beschwerdegegnern 3 und 4 die Parteikosten in Höhe von Fr. 1’764.20 (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuer) zu ersetzen.