# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7b575147-8b73-43cc-b0c2-0b3d9ebb1442
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1965
geborene
X._
,
Inhaber des
Handelsdiplom
s
VSH
,
war
ab 1991 bei der
Firma Y._
als
Firmen
kun
denberater
im Aussendienst tätig
und absolvierte
berufsbe
gleitend die Aus
bil
dung als Marketingplaner und diplomierter
Firmenkunden
berater
(Urk. 9/13/1 f.
und Urk. 9/61/16
). Am 31. August 2010 (Eingangsdatum) meldete er sich unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression und ein Burn-Out sowie auf
einen
Knöchelbruch
am Fuss mit Morbus
Sudeck
und Morton-Neurom bei der
Sozial
versicherungs
anstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leis
tungen der Invaliden
versicherung an (Urk.
9/5
). Die IV-Stelle tätigte Abklä
rungen be
züglich der erwerblichen und medizinischen Ver
hältnisse.
Am 19. Novem
ber 2010 teilte sie dem Versicherten mit, aufgrund seines Gesund
heitszustandes seien
zurzeit keine beruflichen Eingliederungs
massnahmen mög
lich, weshalb ein An
spruch auf Rente geprüft werde (Urk. 9/15). In der Folge veranlasste sie die Be
gutachtung des Versicherten (
vgl. Schreiben vom 11. März
2011;
Urk. 9/20
).
Nach
dem der ersten Gutachterstelle der Gutachtensauftrag
am 25. April 2012
wegen zu langer Wartezeiten für einen Termin w
ieder entzogen worden war (
Urk. 9/
45
und Urk. 9/67/4),
wurde der
Gutachtensauftrag an
das
Zentrum Z._
verge
ben
. Dieses er
stat
tete
das
polydisziplinäre Gutachten am 12. November 2012
(Urk.
9
/61
)
.
Mit Vor
bescheid vom 28. November 2012
stellte die IV-Stelle dem Versicherten ab
dem 1. März 2011
bei ei
nem Invaliditätsgrad von 100 %
eine ganze
Inva
li
den
r
en
te
in
Aussicht (Urk. 9/68). Nachdem der Versicherte mit Ein
wand vom 3. Dezem
ber 2012 (Urk. 9/84) geltend gemacht hatte, das
Erwerbs
einkommen
be
trage nicht Fr. 174‘169.-- (wie im Vorbescheid angegeben), son
dern Fr. 252‘513.--, kündigte die IV-Stelle
nach
Beizug
einer Stellungnahme ihres
Rechtsdienstes (Urk. 9/113)
mit
neuem
Vorbescheid vom 23. September 2013 an,
das Leistungsbegehren abzuweisen (Urk. 9/112).
Nach erneut erhobenem Ein
wand des Versicherten vom 18. Oktober 2013 (Urk. 9/122) beziehungsweise vom
20. Dezember 2013 (Urk. 9/124)
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 11. Februar 2014 ab (Urk. 2 [= Urk. 9/127]).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 17. März 2014 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm rückwir
kend ab dem 1. Februar 2011 eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu
zu
sprechen; eventuell sei die Sache zu
w
eiteren
Abklärungen
und zur Durch
füh
rung von beruflichen Massnahmen
an die
Be
schwerdegegnerin
zurückzu
wei
sen (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerde
antwort vom 7. Mai 2014 (Urk. 8) schloss die
Be
schwerde
gegnerin
auf Abweisung der Be
schwerde, was dem Beschwerde
füh
rer
am
9. Mai 2014 angezeigt wurde (Urk. 10).
Mit Schreiben vom 9. Juli 2014
(Urk. 11) und 29. Mai 2015 (Urk. 12) wurde auf die Erkundigungen des Beschwer
deführers nach dem Stand des Ver
fahrens reagiert.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien sowie die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 des Bundesge
setzes über den All
g
emeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1
des Bun
desge
setzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
einträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zu
dem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit
Art.
8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son
bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu ver
werten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend ob
jektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung
einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
sche
n Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG), als angenommen werden
kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (
Art.
6 ATSG) sei der versi
cherten Per
son sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinwei
sen).
An diesem Grundsatz ändert auch das kürzlich ergangene Urteil des Bundesge
richtes (9C_492/2014 vom 3. Juni 2015; vgl. insbesondere E. 3.7) nichts.
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu b
etä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
s
tellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage,
welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen
(BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem
sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des
strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen,
ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, wa
rum
es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellt (ZAK 1986 S.
188 E.
2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der ge
stellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls
in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Dar
legung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die
Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Expert
e oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklar
hei
ten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, ge
ge
be
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S.
30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl.
1994, S.
24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid fest, im
polydis
zi
pli
nä
ren
Gutachten des
Zentrums Z._
seien die Diagnosen einer rezidivieren
den depressi
ven Störung mit einer gegenwärtig schweren Episode, einer kombi
nierten
Per
sönlichkeitsstörung
mit perfektionistischen und
anankastischen
Per
sönlichkeits
zügen
sowie eines neuropathischen Schmerzes entlang des
Nervus
genito-fe
moralis
rechts mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten worden. Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) habe sich aus medizinischer Sicht in seiner Stellungnahme vom 27. November 2012 auf das besagte Gutachten ge
stützt. Dabei habe er insbesondere festgehalten, dass die funktionellen Ein
schrän
kungen die psychische Ebene beträfen und damit die Arbeitsunfähigkeit begründet w
o
rde
n sei
. Es bleibe in der Folge die objektive Überwindbarkeit der psy
chischen Leiden aufgrund der Ressourcen im Einzelfall zu prüfen.
Die ange
gebene
Tagesstruktur, wobei insbesondere die dreimal wöchentliche Betätigung im Fitnesscenter von morgens bis mittags hervorzuhe
ben sei, sowie de
r
Um
stand, dass der Beschwerdeführer in einer langjährigen Partnerschaft lebe und seine drei Kinder alle 14 Tage für ein ganzes Wochen
ende bei sich zu Besuch habe, spr
ä
che
n
für vorhandene Ressourcen. Zudem sei anzuführen, dass er die Haushaltsarbeiten sowie die administrativen Erledigun
gen täglich selbst an die Hand nehme, mit seiner Freundin joggen oder spazie
ren gehe und auch Mara
thon laufe. Dabei gelte es hervorzuheben, dass
für ei
nen Marathon eine Vor
be
reitung beziehungsweise ein intensive
s
Training un
abdingbar sei. Des Weiteren sei darauf hinzuweisen, dass bei der Testu
ng der Hamilton-Depressionsskala
26 Punkte erreicht worden seien und dies nicht auf eine schwere, sondern auf eine mittelgradige Depression hinweise. Zu berück
sichtigen sei sodann, dass sich der Beschwerdeführer nach eigenen Angaben bei der Arbeitslosenversicherung mit einer vollen Restarbeitsfähigkeit gemeldet und Vorstellungsgespräche wahrge
nommen habe. Insgesamt seien nach den oben gemachten Ausführungen in
grösserem Ausmass vorhandene Ressourcen aus
gewiesen. Auf die Schluss
folge
rung im Gutachten, wonach eine 100%ige Ar
beitsunfähigkeit bestehe, könne da
her nicht abgestellt werden. Vielmehr liessen die klar ausgewiesenen Ressourcen und das beschriebene Aktivitätsniveau ein
zig den Schluss zu, dass vorliegend von einem objektiv überwindbaren psychi
schen Leiden auszugehen sei. In der Folge sei kein invalidisierender Gesund
heitszustand ausgewiesen und das
Leis
tungsbegehren
abzuweisen (Urk. 2).
2.2
Dagegen
wandte der Beschwerdeführer ein,
im Vorbescheid vom 28. November 2012 sei die Beschwerdegegnerin aufgrund des Gutachtens des
Zentrums Z._
von einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit ausgegangen.
Weil er mit dem im Vorbescheid genannten
Valideneinkommen
nicht einverstanden gewesen sei, habe er Ein
wand erhoben. Das
Valideneinkommen
sei bei der Annahme einer 100%igen Arbeitsunfähigkeit aber gar nicht rentenrelevant gewesen, weshalb
kein schüt
zenswertes Interesse an der Feststellung eines höheren
Valideneinkommens
be
standen
habe
(Urk. 1 S. 5). Dennoch sei es zu einer
erneuten
gesamthaften
Fall
prüfung
durch die Beschwerdegegnerin
nach Erlass des ersten Vorbescheids ge
kommen. Ohne Rücksprache bei den Gutachtern oder den behandelnden Fach
ärzten sei der Rechtsdienst zum Schluss gekommen, man könne auf die Schluss
folgerungen im Gutachten des
Zentrums Z._
nun doch
nicht abstellen. Der Rechtsdienst sei zum Schluss gekommen,
aufgrund der klar ausgewiesenen Ressourcen und des beschriebenen Aktivitätsniveaus liege ein objektiv über
windbares psychi
sches Leiden vor, weshalb von keinem invalidisierenden Ge
sundheitszustand aus
zugehen sei. Diese Behauptung sei nicht mit dem
regional
ärztlichen
Dienst
abgesprochen worden (Urk. 1 S. 5
f.). Im Gutachten seien ei
genständige psy
chia
trische Diagnosen mit Krankheitswert diagnostiziert wor
den, ausserdem seien Aggravationstendenzen ausgeschlossen worden. Eine bloss reaktive Depression werde weder in der angefochtenen Verfügung noch in den Stellungnahmen des Rechtsdienstes substantiiert. Die Gutachter hätten sich mit einer
vor der Begut
achtung stattgefundenen Beurteilung der Ärzte am
Zentrums A._
auseinandergesetzt und die Kriterien für eine schwere und nicht nur für eine mittelgradige depressive Episode
– wie im Bericht des
Zentrums A._
genannt -
als erfüllt erachtet. Wie die Ergebnisse der
fachme
dizinischen
Testung
letztlich
zu werten seien, könne nicht von juristischer Seite beurteilt werden, sondern sei den Fachmedizinern vorbehalten (Urk. 1 S. 7).
Der Beschwerdeführer brachte sodann vor, sein exzessives Sporttreiben sei von den Gutachtern als Bestandteil der psychiatrischen Erkrankung verstanden wor
den. Es sei Ausdruck eines verzerrten Körperbildes mit hohen eigenen
Leis
tungs
anforderungen
und Schwierigkeiten, sich abzugrenzen, sowie der perfekti
onis
ti
schen Persönlichkeitszüge. Die Gutachter hätten
ihre Beurteilung der Arbeits
fähigkeit
in Kennt
nis seiner persönlichen Situation
abgegeben,
weshalb es nicht
angehe, dass sich der Rechtsdienst d
arüber hinwegsetze
.
Seine persönlichen Ver
hältnisse liessen in keiner Weise auf ein stabiles Umfeld schliessen, welches ihm
die
Überwindbar
keit
seiner schweren psychischen Erkrankung zumutbar machte
. Auch sei es zu keiner Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen. Dies sei letztlich aber unerheblich, da ihm die behandelnden Psychiater nach einer
vorüberge
henden Verbesserung der Arbeitsfähigkeit von März bis Dezember 2012
ab dem 1. Januar 2013 wieder eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten (Urk. 1 S. 8 ff.). Der Rentenanspruch entstehe per 1. Februar 2011 (Urk.
1 S. 11).
3.
3.1
Das von der Beschwerdegegnerin eingeholte polydisziplinäre Gutachten
des Zentrums Z._
vom 12. November 2012 beruht auf
allgemein-internistischen,
rheuma
to
logischen
, neurologischen und psychiatrischen Untersuchungen (Urk. 9/61).
Im Gutachten wurden die folgenden Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit aufgeführt (Urk. 9/61/43):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode mit psy
chotischen Symptomen (ICD-10 F33.2) und mit dissoziativem Stupor im Sinne eines depressiven Stupors
Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit perfektionistischen und
anankas
tischen
Persönlichkeitszügen (ICD-10 F61.0)
Neuropathischer Schmerz entlang des
Nervus
genito-femoralis
rechts mit/bei:
Status nach totalendoskopischer präperitonealer Netzeinlage beidseits wegen indirekten
Inguinalhernien
beidseits am 01.03.2007
Status nach Lokalanästhesie Infiltration des
N.
ilioinguinalis
rechts am 11.03.2007
Status nach
Spiraltacker
-Entfernung inguinal rechts am 15.06.2009
Status nach
laparoskopischer
Adhäsiolyse
und Entfernung des
Fixie
rungstracks
im Bereich des Schambeins am 5.12.2011
Dem Gutachten sind
sodann
die folgenden Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (Urk. 9/61/43):
Rezidivierendes
Lumbovertebralsyndrom
bei
Spondylolyse
L5/S1 mit
ge
ringgradiger
Spondylolisthesis
LWK5 Grad I
Kapsuläre
Bewegungseinschränkung des rechten OSG mit/bei:
Status nach
Bimalleolarfraktur
am 28.08.2005
Status nach lateraler Revision mit Osteosynthese sowie Revision des Li
gamentum
deltoideum
und Exzision kleiner abgesprengter Frag
mente am 09.06.2005
Status nach Morbus
Sudeck
des rechten Fusses
Status nach Metallentfernung am 07.12.2005
Status nach
Cuboid
-Abrissfraktur rechts am 28.08.2009
Rezidivierendes unspezifisches
Zervikalsyndrom
ohne
radikuläre
Aus
strahlung
Migräne mit Aura
Spannungskopfschmerz
Rezidivierende
Nephrolithiasis
links
Status nach Morton Ne
urom Exzision interdigital III / IV am rechten Fuss wegen
Meta
tarsalgie
am 24.05.2012
Die Gutachter hielten fest,
a
ls Kind sei
der Beschwerdeführer
häufig von Famili
enmitgliedern entwertet worden und habe den alkoholabhängigen Vater als sehr bedrohlich erlebt. Aufgrund dieser Kindheitserlebnisse hätten sich perfektionis
tische
bis hin zu rigiden Persönlichkeitsanteilen entwickelt, sodass die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung aus dem Austrittsbericht der Klinik
B._
vom
9.
Mai 2011 bestätigt werden könne. Immer wieder würden in den Berichten dissoziative Störungen beschrieben und auch als dissoziativer Stupor diagnostiziert. Diese dissoziativen Zustände seien aber nicht als eigenständige Diagnose zu fassen, sondern der schweren Depression unterzuordnen, im Sinne eines depressiven Stupors nach ICD-1
0.
Auch die eigenständige Diagnose einer Essstörung könne nicht bestätigt werden. Im Rahmen der perfektionistischen Persönlichkeitszüge sei es überwiegend wahrscheinlich im Lauf ab 2005 im Zu
sammenhang mit den körperlichen Beschwerden, aber auch aufgrund der Prob
leme am Arbeitsplatz, zu einer zunehmenden Burnout-Symptomatik ge
kommen.
Diese werde auch in früheren Berichten beschrieben. Aus dieser her
aus habe sich
dann schliesslich eine Depression entwickelt, die aktuell ein
schwergradiges
Aus
mass angenommen habe
(Urk. 9/61/48 f.).
So liege aktuell ein labiler Gesund
heitszustand vor
, zumal der Beschwerdeführer derzeit nicht adäquat psychia
trisch behandelt werde. Nach entsprechender Therapie sei eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung in einem Jahr zu empfehlen. In der ange
stammten sowie in einer Verweistätigkeit sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig (Urk. 9/61/51).
Sodann führten die Gutachter aus,
aus internistischer beziehungsweise rheu
ma
tologischer Sicht ergäben sich keine dauerhaften Einschränkungen der Ar
beits
fähigkeit für die angestammte Tätigkeit als Aussendienstmitarbeiter einer Ver
sicherung. Durch die Beschwerden an der LWS und am rechten Fuss sei der Ver
sicherte lediglich für Tätigkeiten mit längerem Stehen, insbesondere nach vorne geneigt, mit repetitivem Heben von Lasten über 7.5 kg beziehungsweise
Einzel
lasten
über 15 bis 20 kg, sowie für Tätigkeiten mit Gehen in unebenem Gelände oder häufigem Treppensteigen eingeschränkt. Dies entspreche auch der Beur
teilung der Sportklinik
C._
, wo dem Beschwerdeführer eine volle Ar
beits
fähigkeit ab dem 4. Januar 2010 attestiert worden sei. Aus neurologischer Sicht
bestehe ein bisher therapieresistenter neuropathischer Schmerz im
Aus
brei
tungs
bereich
des
N.
genito-femoralis
. Daraus resultiere aufgrund der Häu
figkeit der
Schmerzschübe von circa 3-4 Tagen pro Monat eine Berufsunfähig
keit von maxi
mal 20 %, da der Beschwerdeführer an diesen Tagen glaubhaft schme
rzbedingt nicht arbeiten könne
(Urk. 9/61/49)
.
3.2
Im Verlaufsbericht des
Zentrums A._
vom 23. April 2013
wurden die folgenden Diagnosen gestellt (Urk.
9/103
):
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Erschöpfungssyndrom (Burn-out-Syndrom (Z73.0)
Anorexia
nervosa
(ICD-10 F50.0)
Status nach dissoziativem Stupor (ICD-10 F44.2)
Inguinalhernien
beidseits 2008 mit Spätfolgen bis heute, mit/bei M.
Sudeck
am rechten Fuss und Morton Neuralgie (G57.6)
Anpassungsprobleme bei Veränderung der Lebensumstände (Z60)
Probleme durch Scheidung (Z6
3.5)
Im Bericht wurde ausgeführt,
der Beschwe
rdeführer komme seit Oktober 20
12 dreimal wöchentlich in psychotherapeutische Behandlung, auf welche er sich gut einlassen könne. Auf Grund anhaltender Belastungsfaktoren (körperliche Schmerzen, Schlaflosigkeit, Arbeitsunfähigkeit, mangelnde Erholung, depressive Stimmung, Konflikte mit der Ex-Ehefrau, weniger Sport,
chronifizierte
Symp
to
matik, Probleme mit der Betreuung des Vaters, Verfahren mit der IV) seien bis
her
nur kleine Fortschritte in Form von stabilen Phasen (einige Stunden) er
sicht
lich. In diesen Phasen fühle sich der Beschwerdeführer gut, sei aktiv und könne Büroarbeiten erledigen. Seit Anfang 2013 habe sich die Symptomatik wieder verschlechtert. Er klage über mehr Schlafstörungen, mehr Erschöpfung und sei
verstärkt depressiv, lustlos, teilweise vollständig isoliert und habe
Sinnlosig
keits
gedanken
, häufig Suizidgedanken, Freudunfähigkeit,
Gefühl
staubheit
und
Appe
tit
abnahme
(er zwinge sich zu essen). Die körperlichen Schmerzen (Magen/
Darm
,
HWS, Nieren ganzes rechtes Bein) würden ihn wei
terhin stark belasten. Seine
Haus
ärztin
, Frau
Dr.
D._
, habe ihm empfohlen, einen länge
ren Auslandaufenthalt zu unternehmen, um sich von den Problemen und
Sorgen distanzieren zu können, wodurch eine Verbesserung des Zustandes erhofft
werde.
Seit Januar 2013 sei der Beschwer
deführer bereits siebenmal verreist, um vor der belastenden Situation zu Hause zu flüchten. Diese Ausbrüche aus der Belastung hätten jeweils zu einer auf die Abwesenheit begrenzte
n
Entlastung geführt, wobei kurz nach der Rückkehr er
neut eine Verschlechterung einge
tre
ten sei. Jegliche Termin
e
führten bei ihm zu starken Stressreaktionen, welche sich
körperlich wie folgt äusserten: Übelkeit, Magen/Darm-Probleme, Unwohl
sein, teil
weise Migräne und Erschöpfungszu
stände. Die Stabilisierung der Gefühls
lage und die Förderung und der Erhalt der seelischen und körperlichen Wider
stands
kräfte seien die vorrangigen
Behand
lungsziele
. Für eine länger
fris
tige Verbesse
rung der Symptomatik und dadurch Abbau der
Überforderungs
ten
denz
werde eine vermehrte Selbstfürsorge und das Aneignen von
Stressbe
wäl
tigungs
st
ra
tegien
als zentral angesehen
.
Der Beschwerdeführer sei vom 29. Januar 2010 bis 29. Februar 2012 zu 100 %
arbeitsunfähig gewesen.
Danach sei er bei
der
Regio
nalen Arbeitsvermittlung zu 50
%
a
rbeitsunfähig gewesen.
Seit dem 1. Januar 2013 sei der Beschwerde
füh
rer zu 100 % arbeitsunfähig
gewesen
.
Es gebe deut
liche Befunde zu mentalen und physiologischen Körperfunktionen. Günstig sei die grosse Motivation des Beschwerdeführers, an seiner Gesundheit zu arbeiten. Ungünstig seien die schon lang andauernden Beschwerden sowie die mangelnde Erholungs- und
Entspan
nungs
fähigkeit
des
Beschwerdeführers (Urk. 9/104
).
4.
4.1
Vorab ist festzuhalten, dass grundsätzlich kein Rechtsschutzinteresse des Be
schwerdeführers an der Feststellung eines höheren Einkommens im ersten
Vor
bes
cheidverfahren
bestand
; ihm wurde eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von
10
0% in Aussicht gestellt (vgl. Vorbescheid vom 28. November 2012; Urk. 9/68).
Dies ist jedoch unbeachtlich. Dem Vorbescheid kommt nicht die
verfahrens
mässige
Wirkung einer Verfügung zu. Er kann ohne die Voraussetzungen einer prozessualen Revision oder Wiedererwägung abgeändert werden, und es verletzt grundsätzlich auch Treu und Glauben nicht, wenn die Verwaltung schliesslich in der Verfügung zuungunsten der versicherten Person von dem abweicht, was
sie im Vorbescheid in Aussicht gestellt hat (vgl. Meyer/
Reichmuth
, Bundesge
setz
übe
r die Invaliden
versicherung, 3.
Auflage
, Zürich/Basel/Genf 2014,
Rz
. 3
zu
Art. 57
a IVG
mit Hinweis auf SVR
2008 IV Nr.
43 = Urteil des Bundesge
richts 9C_115/2007 vom 22. Januar 2008 E. 4-5).
Da die Beschwerdegegnerin an ihren Vorbescheid vom 28. November 2012 nicht
gebunden war, war es ihr unbenommen, nach Durchführung eines erneu
ten
Vor
bescheidverfahrens
eine abweichende rechtliche Beurteilung der Sach
lage
vor
zunehmen. Das Vorgehen der Beschwerdegegnerin ist somit nicht zu bean
stan
den.
4.2
4.2.1
Den nachfolgenden Erwägungen ist vorauszuschicken
, dass nach der Rechtspre
chung die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der
Inva
liditätsbemessung
wie folgt verteilt sind: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, das heisst mit den Mitteln fachgerechter ärzt
licher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden Be
funde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Bei der
Folgen
abschätzung
der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommt der Arztperson hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr nimmt die Arztperson zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, das heisst, sie gibt eine Schätzung ab, welche sie aus ihrer Sicht so substanziell wie möglich begründet. Schliesslich sind die ärztlichen Angaben eine wichtige Grundlage für die juris
tische Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zuge
mu
tet werden können. Nötigenfalls sind, in Ergänzung der medizinischen Un
terlagen, für die Ermittlung des erwerblich nutzbaren Leistungsvermögens die F
achpersonen der beruflichen Integration und Berufsberatung einzuschalten (BGE
140 V 193 E.
3.2 mit Hinweisen). Weil die Arbeitsfähigkeit somit keine medi
zinische, sondern eine rein juristische Frage ist, können sich Konstellatio
nen er
geben, bei welchen von der im medizinischen Gutachten festgestellten Arbeits
unfähigkeit abzuweichen ist, ohne dass dieses seinen Beweiswert verlöre (Urteil
des Bundesgerichtes 9C_651/2014 vom 2
3.
Dezember 2014 E. 5.1 mit Hinwei
sen).
4.2.2
Da
s polydisziplinäre Gutachten des
Zentrums Z._
vom 12. November 2012 basiert auf fachärztlichen Untersuchung
en
, wurde in Kenntnis der und Auseinandersetzung
mit den
Vorakten
sowie insbesondere auch unter Berücksichtigung der geklag
ten
Beschwerden erstattet. Auf die
Schlussfolgerung
der Gutachter
, wonach
der Be
schwerdeführer
seit Anfang 2010
dauerhaft zu 100 % arbeitsunfähig sei (Urk. 9/61/51
),
kann indessen aus den nachfolgenden Gründen nicht abgestellt werden.
4.3
4.3.1
Zunächst ist auf die im Gutachten aus somatischer Sicht attestierte Arbeitsunfä
higkeit von 20 % einzugehen.
Eine solche wurde dem Beschwerdeführer
aus neurologischer Sicht einzig
auf
grund des Leisten-/Hodenschmerzes attestiert.
Die allgemein-internistische Untersuchung ergab gemäss den überzeugenden gut
achterlichen Angaben keine Befunde und Diagnosen, welche sich auf die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers auswirken (Urk. 9/61/21-23 und Urk. 9/61/47).
Die rheumatologischen Befunde und Diagnosen stehen nach Auffassung der Gut
achter nur Tätigkeiten mit längerem Stehen, insbesondere nach vorne geneigt, mit repetitivem Heben von Lasten über 7,5 Kilogramm bzw. Einzellasten über 15 bis 20 Kilogramm sowie Tätigkeiten mit Gehen in unebenem Gelände oder Treppensteigen entgegen. Für die angestammte Tätigkeit als Aussenmitarbeiter einer Versicherung wurde von ihnen eine rheumatologisch bedingte Arbeits
un
fähigkeit jedoch schlüssig verneint (Urk. 8/61/24-28 und Urk. 8/61/47).
4.3.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Neurologie, hielt in seinem
neurologischen
Teil
gutachten
vom 28. August 2012
(Urk. 9/61/29-32)
unter anderem
fest,
d
as zeit
lich zusammenhän
gende Auftreten des Hodenschmerzes mit dem Brennschmerz im
Leistenband
bereich
rechts spreche für eine gemeinsame Ätiologie. Der vom Beschwerde
führer geschilderte Charakter der intermittierenden Schmerzen im
Bereich des rechten Leistenbandes und des Hodens rechts sei gut mit einem neu
ropathischen Schmerzg
eschehen zu vereinbaren, welches
gut dem
Nervus
geni
to
femoralis
zu
zuordnen sei. Der Nervenast
Ramus
femoralis
versorge sensi
bel ein Areal im Leistenbandbereich, während
d
er
Ramus
genitalis
insbesondere die Haut des Hodensackes und die Hüllen des Hodens versorge. Zudem sei für den
Hoden
schmerz
den Angaben des Beschwerdeführers zufolge aus urolo
gi
scher
Sicht keine Ursache gefunden worden. Eine Irritation oder Kompression des Nervs
oder einzelner Nervenäste durch die Fixation des Netzes oder
Narben
züge
sei sehr wohl vorstellbar. Mittels Lokalanästhesieblockade des Nervs habe sich zu
mindest einmalig der Schmerz vollständig unterdrücken lassen. Auch
dies spre
che für eine neuropathische Genese der Schmerzen. Adäquate therapeu
tische Ansätze über die Revisionsoperation hinaus in Form einer
fachneurologi
schen
oder schmerztherapeutischen Behandlung seien jedoch noch nicht erfolgt. Falls sich der Schmerz therapieresistent darstellen sollte, resultiere aus ihm auf
grund der Häufigkeit der Schmerzen von circa 3 bis 4 Tagen pro Monat eine Berufs
unfähigkeit von circa 20 %, da der Beschwerdeführer an diesen Tagen glaubhaft schmerzbedingt nicht arbeiten könne
(Urk. 9/61/32)
.
4.3.3
An dieser Stelle ist zu bemerken, dass im Gebiet der Invalidenversicherung ganz allgemein der Grundsatz "(Selbst-)Eingliederung vor Rente" gilt. Danach hat die
versi
cherte Person von sich aus das ihr Zumutbare zur Verbes
serung der Er
werbsfä
higkeit beizutragen, in erster Linie durch Aus
schöpfung sämtlicher zu
mutbarer medizi
nischer Behandlungs- und weiterer
therapeuti
scher Möglich
keiten
(vgl. BGE 127 V 298 E. 4.b.cc
und BGE 113 V 22 E. 4a je mit Hinweisen
).
Dies ist vorliegend mit Blick auf den neuropa
t
hischen Schmerz des
Nervus
geni
t
ofemoralis
rechts
von Bedeutung, zumal
Dr.
E._
eine Arbeitsunfähigkeit nur
für den Fall, dass sich die Schmerzen als therapieresistent erweisen sollten, attestiert hat (Urk. 9/61/32; vgl. Urk. 9/61/48). Es wurde vom Beschwerdeführer nicht geltend gemacht, dass er seit der Begutachtung im
Zentrum Z._
Therapien zur spezifischen Bekämpfung des neuropathischen Schmerzes des
Nervus
genito-femoralis
rechts in Anspruch genommen habe. Dementsprechend wurde solches von ihm auch nicht belegt (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichtes 9C_196/2014
vom 18. Juni 2014 E.
5.2 [Mitwirkungspflicht]). Abgesehen davon, dass dies nicht
auf einen ausgeprägten Leidensdruck schliessen lässt, kann unter diesen Um
ständen auch nicht von einer Therapieresistenz des Schmerzes ausgegangen wer
den, weshalb sich damit aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht keine rele
vante (andauernde) Arbeitsunfähigkeit begründen lässt.
Im Übrigen würde sich aufgrund der nachfolgenden Erwägungen auch die An
nahme einer durch den besagten Schmerz bedingten 20%igen Arbeitsun
fähig
keit in der angestammten und in (anderen) angepassten Tätigkeiten nicht
ergeb
nisrelevant
auswirken (vgl. E. 5).
4.4
4.4.1
Aus psychiatrischer S
icht wurde dem Beschwerdeführer
eine 100%ig
e Arbeits
unfähigkeit attestiert.
Auf den psychischen Gesundheitszustand des Beschwer
deführers ist deshalb
im Nachfolgenden einzuge
hen
.
4.
4.2
In den Klinisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psy
chischer Gesundheitsstörungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapitel V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt (Herausgeber),
9. Auflage, Bern 2014, S. 169 f., werden unter F32 die depressiven Episoden (leicht-, mittel-,
schwergradig
) und unter F33 die rezidivierenden Störungen umschrieben.
Bei der
typischen leichten (F32.0), mittelgradigen (F32.1) oder schweren Episode (F32.2 und F32.3) leidet laut diesen Leitlinien die betroffene Person gewöhnlich
unter den typischen Symptomen von (a) gedrückter Stimmung, (b)
Interessen
ver
lust
, Freudlosigkeit und (c) Verminderung des Antriebes, erhöhter Ermüdbar
keit. Andere häufige Symptome sind (1) verminderte Konzentration und Auf
merk
sam
keit, (2) vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, (3) Schuld
gefühle
und Gefühle der Wertlosigkeit, (4) negative und pessimistische Zukunfts
per
spek
tiven, (5) Suizidgedanken, erfolgte Selbstverletzung oder
Sui
zidhand
lung
en
, (6)
Schlafstörungen und (7) verminderter Appetit. Das klinische
Beschwer
debild
zeigt
beträchtliche individuelle Varianten; ein untypisches
Be
schwerde
bild
ist beson
ders in der Jugend häufig. In einigen Fällen stehen zeit
weilig Angst,
Gequältsein
und motorische Unruhe mehr im Vordergrund als die Depression (vgl. ICD-10 Kapitel V [F], a.a.O., S. 169-170).
Bei einer rezidivierenden depressiven Störung gemäss ICD-10 F33 handelt es sich gemäss den genannten Leitlinien um eine Störung, die durch wiederholte (leichte, mittelgradige oder schwere) depressive Episoden charakterisiert ist. Die einzelnen Episoden dauern zwischen drei und zwölf Monaten. Die Besserung
zwischen den einzelnen Episoden ist dabei im Allgemeinen vollständig, wobei nur
(aber immerhin) eine Minderheit von Patienten eine anhaltende Depression entwickelt (für welche ebenfalls die Kategorie F33 verwendet werden sollte; vgl. ICD-10 Kapitel V [F], a.a.O., S. 176 f.). Die Unterscheidung zwischen de
pressiven Episoden (F32) und rezidivierenden depressiven Störungen (F33) legt nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes nahe, dass bei letzteren eher von einer ungünstigen Prognose in Bezug auf die Beurteilung der Arbeits- und Er
werbsfähigkeit auszugehen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_484/2012 vom
2
6.
April 2013 E. 4.3.2.2).
Depressive „Episoden“ sind definitionsgemäss vorübergehender Natur und ha
ben
deshalb, zumindest wenn sie leicht bis mittelschwer sind, gemäss der
bun
des
ge
richtlichen
Rechtsprechung in der Regel keine invalidisierende Wirkung. Die
invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven „Störung“ ist nach der
Rechtsprechung nicht schlechthin auszuschliessen. Deren Annahme bedingt in
dessen
jedenfalls, dass es sich dabei um ein selbständiges, von einem allfälligen psychogenen Schmerzsyndrom und/oder allfälligen psychosozialen
Belastungs
fak
toren
losgelöstes depressives Leiden handelt (vgl. Urteile des 8C_654/2014 vom
6.
März
2015 E.
4.4.1, 9C_689/2014 vom 19. Januar
2015 E. 2.3 und 9C_651/2014 vom 2
3.
Dezember
2014 E.
5.2 mit Hinweisen; vgl. E. 4.2.1). Über
dies ist erforderlich
, dass eine konsequente
Depressionsthera
pie
befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (vgl. Urteile des Bundesge
richts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2 und 9C_454/2013 vom 29. Okto
ber
2013 E. 4.1).
4.
4.3
Die Gutachterin
Dr.
med. F._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie
, erhob
in ihrem psychiatrischen Teilgutachten vom 3. September 2012
(Urk. 9/61/33-41)
den folgenden psychopathologischen Befund: Beim Be
schwerdeführer handle es sich um einen 47-jährigen, kleinen, schlanken (BMI zwischen 18,7 kg/m
2
bis 20,2 kg/m
2
) und gepflegten Mann. Er sei
bewusstseins
klar
und allseits gut orientiert, habe keine Merkfähigkeitsstörungen. Die Auf
merksamkeit und Konzentration im Gespräch seien eingeschränkt, sodass der Beschwerdeführer zum Teil abschweife, Fragen noch einmal gestellt werden müssten und er einen unkonzentrierten, fahrigen Eindruck hinterlasse. Im for
malen Gedankengang sei er eher weitschweifig und eingeengt auf sein
Krank
heitserleben
. Der Beschwerdeführer habe einen schnellen Redefluss und wirke dabei deutlich agitiert. Es seien keine Zwänge oder Ängste
eruierbar
, jedoch Sinnestäuschungen mit akustischen und optischen Halluzinationen (Schatten sehen, Geräusche hören; der Beschwerdeführer sei davon überzeugt, dass es Geister und Teufel gebe, weshalb er Schutzengel in der Wohnung aufgestellt und die Wohnung auch schon mehrmals mit Weihrauch ausgeräuchert habe). Wahn
haftes Denken (z.B. Verfolgungswahn) oder Ich-Störungen könnten nicht eruiert werden. Hingegen bestehe ein dissoziatives Erleben des Körpers, der Be
schwerdeführer könne dann den Körper nicht mehr spüren oder sich nicht mehr bewegen. Der affektive Rapport sei knapp herstellbar. Die Stimmung des Be
schwerdeführers im Gespräch sei deutlich gedrückt, und er sei stark verzweifelt. Es best
ünd
e
n
ein vermindertes Selbstwertgefühl
und zum Teil eine Gefühl
losigkeit (alles egal, keine Gefühle mehr anderen gegenüber). Der Beschwerde
führer sei deprimiert und hoffnungslos. Dabei wirke er unruhig und agitiert, so
dass er während des gesamten 70-minütigen Untersuchungsgespräches sehr un
ruhig auf seinem Stuhl sitze. Der Beschwerdeführer habe einen sozialen Rückzug
be
schrieben und
von Suizidgedanken berichtet. Es bestünden gelegentlich
Ein
schlaf
- und stets Durchschlafstörungen mit Tagesmüdigkeit, wobei der Be
schwer
deführer mittags etwa 1-2 Stunden döse. Der Beschwerdeführer leide unter vermindertem Appetit mit Gewichtsverlust, wobei das Gewicht aktuell zwischen 51 und 55 kg schwanke. Die Libido sei vermindert (Urk. 9/61/38 f.).
Dr.
F._
hielt sodann fest,
im Rahmen der psychiatrischen Exploration werde zurzeit ein schweres agitiert-depressives Zustandsbild objektivierbar. Es ergäben
sich keinerlei Hinweise auf
Aggravationen
. Der Beschwerdeführer imponiere sehr
unruhig, verzweifelt und hoffnungslos, die Stimmungslage sei gedrückt
(Urk. 9/61/41)
.
Angesichts des vorstehenden Befundes
sowie der seit 2010
bestehenden
depres
siven Symptomatik
unterschiedlichewr
Ausprägung
(vgl. dazu die im Gutachten beschriebene Vorgeschichte, Urk. 9/61/12 ff.)
erscheint
die Diagnose einer rezi
di
vierenden depressiven Stö
rung, gegenwärtig schwere Episode mit psycho
tischen
Symptomen (ICD-10 F33.2 [r
ichtig F33.3])
, im Zeitpunkt der Begut
ach
tung
nach
vollziehbar.
Auf die
knappe
Angabe der Gutachterin,
der Beschwerdeführer
habe
auf der Hamilton-Depressionsskala 26 Punkte erreicht, wobei eine mittelgradige D
e
pression bei einer Punktzahl von 20 bis 26 anzunehmen sei (Urk. 9/61/39), ist
nicht
näher einzugehen, zumal die Rechtsprechung solchen Testverfahren höchs
tens ergänzende Funktion zuerkennt, während die klinische Untersuchung mit
Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung ent
schei
dend
bleibt (Urteil des Bundesgerichtes 9C_209/2011 vom 27. Mai 2011 E.
3.2 mit Hinweisen).
4.
4.4
Während
die
Gutachterin
Dr.
F._
beim Beschwerdeführer
, w
ie zuvor auch
die Ärzte der Klinik
B._
, in welcher vom 17. März bis 13. April 2011 eine sta
tio
näre psychosomatische Rehabilitation durchgeführt worden war (Urk. 9/61/10), e
ine schwere depressive Symptomatik beobachten konnte, diagnostizierten die
behandelnden
Ärzte des
Zentrums A._
in ihren Berichten vom 16. Februar 2011 (Urk. 9/18), 23. August 2011 (Urk. 9/28/2-3),
30.
Novem
ber
2011 (Urk.
9/30) und 24.
August
2012 (Urk.
9/61/7 und Urk.
9/61/12)
sowie
im Verlaufsbericht vom 23. April 2013
(E. 3.2)
stets
ledig
lich eine mittelgradige depressive Episo
de (ICD-10 F32.1).
Es ist aufgrund der vorstehenden Erwägungen zwar nicht von einer depressiven
„
Episode
“
nach ICD-10
F32
, sondern von einer
rezidivieren
den depressiven
„
Störung
“
nach ICD-10 F33 (
E. 4.4
.2
)
auszugehen.
Letztere
ist
jedoch
ebenfalls
durch wieder
holte (leichte, mittelgradige oder schwere) depres
sive Episoden charakterisiert.
Aufgrund der Feststellungen im Verlaufsbericht
des
Zentrums A._
vom 23. April 2013
scheint
sich der Schweregrad der depressiven
Symptomatik
(mittelgradige de
pressive Episode)
- im Vergleich zu demjenigen im Zeitpunkt der Begutachtung
-
wieder
gebessert zu haben.
Der Beschwerdefüh
rer konnte in einem Zeitraum vom
1. Januar bis 23. April 2013
immerhin
siebenmal verrei
sen
, was klar gegen ein
e
schwere depressive Symptomatik
spricht
.
Anzumerken bleibt, dass
der Beschwerdeführer mit seinem Vorbringen, auf den
Verlaufsbericht des
Zentrums A._
vom 23. April 2013 könne nicht abgestellt werden, n
icht durchdringt. Es trifft zwar
zu, dass
sich
die Gutachterin
Dr.
F._
mit
den
früheren
Berichten des
Zentrums A._
(mitunter auch mit dem Bericht vom 24. August
2012) auseinand
ergesetzt hatte
und sich nicht erklären konnte, weshalb
in die
sen
Berichten
stets nur eine mittelgradige Ausprägung der Depression diagnos
tiziert w
orden war
(Urk. 9/61/41).
Sie hielt fest, a
us den Berichten seien die vom Be
schwerde
führer im Untersuchungsgespräch beschriebenen akustischen und opti
schen Halluzinationen nicht hervorgegangen.
Daraus zog
Dr.
F._
den Schluss,
der Beschwerdeführer habe die Gespräche beim Psychologen als nicht hilfreich er
lebt und sich unter Umständen dadurch nicht geöffnet (Urk. 9/61/42).
Gegen diese Vermutung spricht
aber
die Dauer der Behandlung im
Zentrum A._
; der Beschwerdeführer
befand
sich
dort
ab
November 2010 (vgl. Urk. 9/18/7) bis Mai
2013 (Urk. 9/107/1) in Behandlung.
Weiter
liegt ein Schreiben
vom 1. Oktober 2011
des Beschwerdeführers an die klin
ische Psychologin
lic
. phil. G._
des
Zentrums A._
(vgl. Verlaufsbericht
des
Zentrums A._
vom 30. November 2011,
Urk. 9/30/2
)
in den
Akten
(Urk. 9/33). Der Beschwerdeführer erkundigte sich darin einleitend über das Befinden der Adressatin, schilderte ihr
dann über eine Seite lang
sein Befinden und schloss mit dem folgenden Satz: „Sie sind ein guter und lieber Mensch, danke!“
(Urk. 9/33/2).
In der E-Mail vom 15. Mai 2012
(Urk. 9/51
)
an die Beschwerdegegnerin schrieb der Beschwerdeführer
sodann
, er gehe seit rund
anderthalb
Jahren jede Woche in das
Zentrum H._
zu Herrn
Dr.
I._
(Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vgl. Urk. 9/105) und Herrn
J._
(M. Sc. Psychologe FSP, vgl. Urk. 9/105).
Er erkun
digte sich, ob diese
Personen
bei der Begutachtung auch beigezogen oder
über die Begutachtung
informiert würden. Sie würden den Beschwerdeführer seit dieser Zeit am besten kennen und alle Berichte für die Krankenkasse schreiben
(Urk. 9/51/1)
.
D
ie Dauer der Behandlung
im
Zentrum A._
sowie der vorstehend wieder
gegebene
Schriftverkehr
s
prechen deutlich
gegen die von der Gutachterin
Dr.
F._
geäusserte Vermut
ung eines
fehlenden Vertrauensverhältnisses. Viel
mehr ist davon auszugehen, dass
sich
die depressive Symptomatik im Zeit
punkt der Begutachtung
– wie zuvor im März
und April
2011 (Urk. 9/61/10-11)
-
in einem
schwe
reren Ausmass präsentierte
,
vorher und nachher jedoch bloss einen mittleren Schweregrad aufwies.
4.4.5
Für
das Vor
liegen einer anhaltenden
schweren
Depression bestehen keine An
haltspunkte.
Eine durchgehende Antriebshemmung ist nicht erkennbar.
Der Be
schwerdeführer läuft Marathons und Halbmarathons und war während des ge
samten Verwaltungsverfahrens immer wieder imstande, sich aktiv zu beteiligen (vgl. die E-Mails, Schreiben und Telefonate in Urk. 9/31, 9/44, 9/46, 9/50 f., 9/57 f., 9/60, 9/71, 9/84, 9/92, 9/96 f., 9/100 f., 9/106 und 9/109).
In der E-Mail
vom 1. November 2012 an die Beschwerdegegnerin (Urk. 9/60) gab der Be
schwer
deführer
sogar
an, vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) aus Kurs
e besuchen zu müssen. Diese führten ihn immer wieder in Depressio
nen, weshalb
er ab und zu gesundheitlich ausfalle. Die Absolvierung von Kur
sen spricht
gegen
eine schwere depressive Symptomatik und weist
trotz der
ab und zu vorkom
men
den
Ausfälle
auf
das Vorliegen
vorhandener
psychischer
Ressourcen
hin
.
Die Feststellungen der
Beschwerdegegne
rin
zu den Ressourcen erweisen
sich somit
als nachvollziehbar.
Daran ändern auch die vom Beschwerdeführer im
Beschwer
deverfahren
eingereichten Schrei
ben seiner Ex-Ehefrau
(Urk. 3/3)
und seiner neuen Partnerin
(Urk. 3/4)
nichts.
4.4.6
An dieser Stelle
ist anzumerken,
dass d
ie Annahme eines psychischen
Gesund
heitsschadens
im Sinne von
Art.
4
Abs.
1 IVG sowie
Art.
3
Abs.
1 und
Art.
6 ATSG grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten
Klassi
fikationssystems
abgestützte
psychiatrische Diagnose voraus
setzt (vgl. BGE 130 V 396)
, was vorliegend gegeben ist.
Eine solche Diagnose ist eine rechtlich not
wendige, aber nicht hinreichende Bedingung für einen invalidisierenden
Ge
sundheitsschaden
(BGE 132 V 65 E.
3.4 S.
69). Zur Annahme einer Invalidität braucht es in jedem Fall ein medizinisches Substrat, das (fach-) ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Er
werbs
fähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Insbesondere darf das klinische
Be
schwerde
bild
nicht einzig in Beeinträchtigungen bestehen, welche von belas
tenden sozio
kulturellen und psychosozialen Faktoren herrühren, sondern hat davon psychia
trisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen, zum Beispiel eine von depressi
ven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im
fach
medizinischen
Sinne oder einen damit vergleichbaren psy
chischen
Leidens
zustand
. Entscheidend ist, ob und inwiefern, allenfalls bei ge
eigneter therapeu
tischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Lei
dens willensmässig erwartet werden kann zu arbeiten (
Urteil 9C_856/2013 vom
8. Oktober
2014
E. 3.1 mit Hinweisen auf
BGE 127 V 294 E. 5a S. 299; Urteil 8C_302/2011 vom 2
0.
September 2011 E. 2.5.1, in: SVR 2012 IV Nr. 22 S. 95).
Die massgebende Ursache für Arbeitsunfähigkeit im Sinne von
Art.
6 ATSG be
stimmt sich mitunter auch nach dem Leitsatz, dass eine fachärztlich festgestellte
psychische Störung von Krankheitswert umso ausgeprägter vorhanden sein muss,
je stärker psychosoziale oder soziokulturelle Faktoren im Einzelfall in den Vor
dergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen
.
4.4.7
Im Gutachten
des
Zentrums Z._
wurde zur Vorgeschichte gemäss Aktenlage folgendes ausgeführt: N
ach diversen Unfällen und komplizierten Verläufen habe sich eine
zuneh
mende depressive Symptomatik mit Konzentrationsstörungen und
Gedächt
nis
einschränkung
, Erschöpfung und latenter Agitiertheit entwickelt, welche am 29. Januar 2010 in einem dissoziativen Zustandsbild gegipfelt habe, wobei der Beschwerdeführer seinen Körper als fremd erlebt und sich deshalb beim Haus
arzt gemeldet habe
(Urk. 9/61/13)
.
Der Beschwerdeführer schilderte anlässlich der Begutachtung unter anderem selbst, durch seine andauernden gesundheitli
chen Probleme sei er allmählich überfordert gewesen und habe auch den Druck vom Arbeitgeber nicht mehr ausgehalten. Gleichzeitig habe er im Aussendienst zwei Mitarbeiter führen müssen, die ihn „gemobbt“ hätten und denen am Schluss die Stelle gekündigt worden sei, sodass er die ganze Arbeit alleine habe machen müssen. Mit der Zeit habe er kaum mehr geschlafen und sei deshalb anfangs 2010 in einer Schlafklinik abgeklärt worden, wo man die
Diagnose
„Erschöpfungsdepression“ gestellt habe (Urk. 9/61/19).
Auslöser für die depres
siv
e Symptomatik scheinen
somit
nebst körperlichen Beschwerden
(vgl. die
soma
ti
schen
Diagnosen; Urk. 9/61/43)
insbesondere auch
psychosoziale Faktoren gewe
sen zu sein.
Im Verlaufsbericht des
Zentrums A._
vom 23. April 2013 wurde
zudem
festgehalten, auf Grund anhaltender Belastungsfaktoren seien bisher nur kleine Fortschritte in Form von stabilen Phasen (einige Stunden) ersichtlich. Als anhaltende
Belas
tungsfaktoren
wurden körperliche Schmerzen, Schlaflosigkeit, Arbeitsunfähig
keit, mangelnde Erholung, depressive Stimmung, Konflikte mit der Ex-Ehefrau, weniger Sport,
chronifizierte
Symptomatik, Probleme mit der Betreuung des Vaters und das Verfahren mit der IV,
mithin mehrheitlich
psychosoziale
Fak
toren
,
genannt
.
In der
Diagnose
liste
des Verlaufsberichts des
Zentrums A._
wurden sogar Anpassungsprobleme bei Ver
änderung der Lebensumstände (Z60) und Probleme durch Scheidung (Z.63.5) festgehalten, was die Bedeutung der psychosozialen Faktoren noch einmal her
ausstreicht.
Die
ICD-
Kategorien Z000 bis Z999 sind
nämlich
für Fälle vorgesehen, in denen Sachverhalte als „Diagnosen“ oder „Pro
bleme“ angegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ur
sache unter den Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind
(vgl. statt vieler Urteil
des Bundesgerichts 8C_302/2011 vom 20.
September 2011 E.
2
.3
mit Hin
weisen
)
.
Die invaliditätsfremden p
sychosoziale
n
Faktoren
scheinen als
o nicht nur als
Aus
löser der depressiven Symptomatik
im Vordergrund gestanden
zu haben. Eben
so
haben sie
wesentlich zum Erhalt derselben bei
getragen
.
Dies wird i
ns
besondere
auch dadurch bestätigt, dass die Ausbrüc
he aus der Belastungssitua
tion
durch sieben Reisen
zwischen dem
1.
Januar
und dem 23. April
2013
ge
mäss
Ver
laufsbericht
des
Zentrums A._
jeweils zu einer Entlastung
geführt haben sollen
(Urk. 9/104).
Bei
der Annahme einer rentenbegründenden Invalidität
ist
aber ohnehin
Zurückhaltung ge
boten
, wenn - wie hier - psychosoziale Faktoren das Bild prägen (Urteil des Bundesgerichtes 9C_246/2010 vom 11. Mai
2010, E. 2.2.1 mit Hinweisen).
4.
4.8
Die invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven „Störung“ ist nach der Rechtsprechung nicht schlechthin auszuschliessen. Deren Annahme bedingt indessen insbesondere
auch
, dass eine konsequente Depressionstherapie be
folgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_774/2013 vom 3. April 2014 E. 4.2 und 9C_454/2013 vom 29. Oktober 2013 E. 4.1).
Dem Gutachten ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer bisher die medi
kamentösen Versuche mit Antidepressiva abgelehnt habe, da er die dadurch her
vorgerufene Müdigkeit als sehr unangenehm empfunden habe, was aufgrund
seines agitierten Zustandsbilde
s
nachvollziehbar sei. Hier wäre aber Compli
ance-
Arbeit zu leisten. Bisher habe sich der Beschwerdeführer noch nie in einer sta
tio
nären psychiatrischen Behandlung befunden, was dringend indiziert sei, eben
falls die medikamentöse Einstellung auf ein Antidepressivum (Urk. 9/61/42).
Angesichts der nicht ausge
schöpften Therapiemöglichkeiten
kann von einem Scheitern einer konsequent befolgten Depressionstherapie, welches das Leiden als resistent ausweisen würde, vorliegend
also
nicht die Rede sein.
4.
5.
4.5.1
Nebst der rezidivierenden depressiven Störung wurde im Gutachten aus psychi
atrischer Sicht auch eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit perfektionisti
schen und
anankastischen
Persönlichkeitszügen (ICD-10 F61.0) diagnostiziert (Urk. 9/61/43).
Dr.
F._
hielt im Gutachten fest, als Kind sei der Beschwer
deführer häufig von Familienmitgliedern entwertet worden, auch habe er den alkoholabhängigen Vater als sehr bedrohlich erlebt. Aufgrund dieser
Kindheits
erlebnisse
hätten sich perfektionistische
bis hin zu rigiden Persönlichkeitsan
teilen entwickelt, sodass die Diagnose einer kombinierten
Persönlichkeitsstö
rung
aus dem Austrittsbericht der Klinik
B._
vom
9.
Mai 2011
(vgl. Urk. 9/61/10-11)
bestätigt werden könne
. Im Rahmen der perfektionistischen Persönlichkeitszüge sei es überwie
gend wahrscheinlich im Lauf ab 2005 im Zusammenhang mit den
körperlichen Beschwerden, aber auch der Probleme am Arbeitsplatz, zu einer zu
nehmenden Burnout-Symptomatik gekommen, aus der heraus sich dann schliess
lich eine Depression entwickelt habe (Urk. 9/61/41).
4.5.2
In den Klinisch-diagnostischen Leitlinien der Internationalen Klassifikation psy
chischer Gesundheitsstörungen der Weltgesundheitsorganisation, ICD-10 Kapitel V (F),
Dilling
/
Mombour
/Schmidt (Herausgeber),
9. Auflage, Bern 2014, S. 276
,
werden unter F60 spezifische Persönlichkeitsstörungen umschrieben. Hier liege eine schwere Störung der charakterlichen Konstitution und des Verhaltens vor,
die mehrere Bereiche der Persönlichkeit betreffe. Sie gehe meist mit persönli
chen
und sozialen Beeinträchtigungen einher. Persönlichkeitsstörungen träten häufig erstmals in der
Kindheit oder in der Adoleszenz
in Erscheinung und ma
ni
fes
tierten sich endgültig im Erwachsenenalter.
Die Kategorie F61 ist vorgesehen für
Persönlichkeitsstörungen und Persönlichkeitsanomalien, die häufig zu Beein
träch
ti
gungen führen, aber nicht die spezifischen Symptombilder der in F60 be
schriebenen Störungen aufweisen (ICD-10, S. 284).
Rechtsprechungsgemäss stellt selbst eine schlüssig diagnost
izierte
Persönlich
keits
störung
für sich allein keinen invalidisierenden
Gesundheits
schaden
dar (vgl.
Urteile des Bundesgeric
htes 9C_55/2010 vom 8.
Oktober
2010 E.
2.3,
9C_456/2007
vom 1
7.
März
2008, I 772/2006 vom
11.
April
2007 E.
4.1 und 8C_167/2012 vom 1
5.
Juni 2010 E.
4.1, je mit Hinweisen).
Auch hier gilt, dass
e
in psychischer Gesundheitsschaden nur soweit zu einer Erwerbsunfähig
keit
führt
(Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwer
tung der Ar
beits
fähig
keit sei der versicherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar. Dabei
kommt der Frage zentrale Bedeutung zu, ob und inwie
fern, allenfalls bei ge
eig
ne
ter thera
peutischer Behandlung, von der versicherten Person trotz des Leidens
willens
mässig
erwartet werden kann, einer Erwerbstä
ti
gkeit nachzuge
hen (vgl.
E.
1.1).
4.5.3
Auch wenn die Persönlichkeitsstörung die Entwicklung der depressiven Störung gemäss Gutachterin letztlich begünstigte, blieb auch diese bis jetzt
medika
men
tös
unbehandelt.
Wohl dauert eine psychotherapeutische (auch medikamentöse) Behandlung bei
Per
sönlichkeitsstörungen
oftmals lange und führt in der Regel nicht zu einer voll
ständigen Heilung. Es kann damit aber durchaus ein Behand
lungserfolg im Sinne einer Besserung der Störung erzielt werden.
Abgesehen davon zeigen d
ie Schilderungen des Beschwerdeführers
anlässlich der Begut
achtung
, dass e
r trotz der - gemäss Gutachterin seit Kindheit/Jugend be
stehenden - Persönlichkeitsstörung
während
langen
Jahren über genügend
Ressourcen verfügte, um seine Leistungsfähigkeit aufrechtzuerhalten.
So gab der
Beschwerdeführer an,
seit circa 1991 sehr erfolgreich als
Aussendienstmit
ar
bei
ter
und Kundenberater
bei einer Versicherung
gearbeitet
zu haben
. Er habe ein Haus gekauft, Autos gehabt
,
und seine Ehe sei eine Vorzeigeehe gewesen mit drei sportlichen Kindern
. Schon 1997 habe er aufgehört Fussball zu spielen, da
mals sei sein drittes Kind zur Welt gekommen
,
und er habe sowohl am Ar
beits
platz als auch zu Hause viel Stress gehabt. Hinzugekomme
n sei eine
Adduk
to
renverletzung
.
D
anach habe er begonnen, regelmässig zwei- bis drei
mal pro Woche
für 1-1 1⁄2 Stunden zu joggen, was ihm sehr geholfen habe, wie
der Energie zu schöpfen. Er sei auch Marath
ons und Halbmarathons gelaufen
(Urk. 9/61/39
f.
).
4.5.4
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass
eine rentenrelevante - andauernde (vgl.
Art. 28 Abs. 1 IVG) - schwere depressive Symptomatik nicht ausgewiesen ist. Eine andauernde mittelgradige depressive Symptomatik liegt zwar vor. Dieser wie
auch der Persönlichkeitsstörung ist aber
nach dem Gesagte
n
aus rechtlicher Sicht keine invalidi
sierende Wirkung beizumessen
.
Aus
invaliden
-
versiche
rungs
rechtli
cher
Sicht vermag die von
de
r psychiatrischen Gutachterin
und den behan
delnden Ärzten des
Zentrums A._
vorge
nommene Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers somit nicht zu überzeugen.
Vielmehr ist anzunehmen
, dass
es dem Beschwerdeführer
bei Aufbietung allen
guten Willens
(BGE 131 V 49 E
.
1.2 Seite 50 mit Hinweisen) und in Nachachtung des im
Sozialver
si
che
rungsrecht
allgemein geltenden
Grundsatzes der
Scha
denminderungspflicht
zuzu
muten
war und
ist,
der bisherigen Tätigkeit w
eiterhin
nachzugehen.
4.6
Es ergibt sich somit, dass aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht kein relevanter somatischer und/oder psychischer Gesundheitsschaden besteht. Es ist demnach nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin einen
Leistungs
anspruch
des Beschwerdeführers verneint hat.
5.
5.1
Selbst wenn
zugunsten des Beschwerdeführers
aufgrund des neuropathischen
Schmerzes von einer 20%igen Ar
beitsunfähigkeit ausgegangen
wird (vgl. E.
4.3.3)
, resultiert kein Leistungsanspruch.
5.
2
5.2
.1
Für die Bemessung des
Validenein
kommens
ist auf
das Einkommen bei der letz
ten Arbeitgeberin abzustellen. Gemäss Angaben derselben
ist
das Einkommen des Beschwerdeführers monatlich schwankend gewesen, da er im Aussendienst tätig gewesen sei (Urk. 9/13/2).
5.
2
.2
Die Angaben über die Jahreseinkommen der Jahre 2007 bis 2009 (Urk. 9/13/3) stimmen mit den Angaben im Auszug aus dem persönlichen Konto (IK) überein
(Urk. 9/11).
Die Beschwerdegegnerin stellte in ihrem ersten Vorbescheid vom 28. November 2012 auf einen Durchschnitt
swert
dieser letzten drei Jahreslöhne
(Fr. 177‘764.-- im Jahr 2007, Fr. 173‘579.-- im Jahr 2008 und Fr. 171‘164.-- im Jahr 2009)
vor Eintritt der gesundheitlichen Beeinträchtigung ab und errechnete ein
Valideneinkommen
von Fr. 174‘169.-- (Urk. 9/68/2).
5.
2
.3
Dagegen erhob der Beschwerdeführer mit E-Mail vom
3. Dezember 2012 Ein
wand und machte geltend, das
Valideneinkommen
betrage
gemäss den
Lohn
ausweisen
und
unter Berücksichtigung
der Spesen sowie
sämtlicher Vergünsti
gungen Fr. 252‘513.-- (Urk. 9/84).
5.
2
.4
Aus den vom Beschwerdeführer eingereichten Lohnausweisen der Jahre 2007 bis 2009 (Urk. 9/73-75) geht hervor, dass er im Jahr 2007 einen Bruttolohn von Fr.
206‘288
.--
(inkl. STIP-Cash-Incentive von Fr. 6‘125.--, Beteiligungsrechte von Fr. 663.-- und Prämienrabatt LV von Fr. 3‘500.--)
, im Jahr 2
008 einen Bruttolohn von Fr. 194‘940.--
(inkl. STIP-Cash-Incentive von Fr. 4‘900.--, Be
teiligungsrechte von Fr. 431.-- und Prämienrabatt LV von Fr. 3‘500.--)
und im Jahr 2009 einen Bruttolohn von Fr.
212‘856.-- (inkl. STIP-Cash-Incentive von
Fr. 4‘445.--, Beteiligungsrechte von Fr. 1‘030.-- und Prämienrabatt LV von Fr. 3‘500.--)
erzielte
. In den Lohnausweisen sind sodann Vergütungen für Spe
sen ADM von pauschal Fr. 37‘326.-- im Jahr 2007, Fr. 43‘219.-- im Jahr 2008 und Fr. 31‘553.-- im Jahr 2009 ausgewiesen.
Der Beschwerdeführer macht
zu
dem
zusätzliche, nicht in den Lohnausweisen ausgewiesene Vergünstigungen geltend
(Urk. 9/76 ff.)
.
5.
2
.5
Art. 25
Abs. 1 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) verknüpft die beiden massgeblichen hypothetischen Vergleichseinkommen nach Art. 16 ATSG mit den AHV-rechtlich beitragspflichtigen Einkünften aus selbständiger oder unselbständiger Erwerbstätigkeit. Für die Invaliditätsbemessung dürfen so
mit grundsätzlich nur Einkünfte in Anschlag gebracht werden, welche die ver
sicherte Person aus einer auf die Erzielung von Erwerbseinkommen gerich
teten
Tätigkeit gewinnen und die dergestalt der AHV-rechtlichen Beitragspflicht unter
liegen würde. Folglich sind beim Arbeitgeber anfallende nicht AHV-bei
trags
pflichtige Lohnnebenkosten beim Einkommensvergleich zur Feststellung des
In
validitätsgrades
nicht zu berücksichtigen
(vgl.
Meyer/
Reichmuth
, Bundes
gesetz übe
r die Invaliden
versicherung, 3.
Auflage
, Zürich/Basel/Genf 2014,
Rz
. 14 f.
zu
Art.
28a IVG
)
.
5.
2
.6
Die Differenz zwischen den in den Lohnausweisen 2007 bis 2009 ausge
wiesenen Bruttolöhnen
und den im IK-Auszug angegebenen Löhne
n
für dieselben Jahre
(Differenz von Fr. 28‘524.-- im Jahr 2007, Fr. 21‘361.-- im Jahr 2008 und Fr. 41‘692.-- im Jahr 2009)
lässt sich dadurch
erklär
en, dass die für die drei
Kinder ausgerichteten
mutmasslichen
Kinderzulagen
im Lohn gemäss IK-Aus
zug
nicht berücksichtigt werden, da sie
der AHV-Beitragspflicht nicht unterste
hen
(
Art.
6
Abs.
2
lit
. f der Verordnung über die Alters-
und
Hinterlassenenver
sicherung
[AHVV])
.
Insofern sind die in den Lohnausweisen angegebenen Brutto
löhne für die Bemessung des
Valideneinkommens
nicht massgebend.
Nicht zu berücksichtigen sind auch sämtliche vom Beschwerdeführer geltend gemachten Vergünstigungen, soweit sie nicht im Lohnausweis enthalten sind.
An dieser Stelle drängen sich folgende Bemerkungen auf: Grundsätzlich wären sämtliche Lohn-Nebenleistungen beziehungsweise
fringe-benefits
im
Lohnaus
weis
unter der
Ziff.
2 aufzuführen (vgl.
www.estv.admin.ch
, Wegleitung zum Aus
füllen des Lohnausweises bzw. der Rentenbescheinigung [Formular 11], Her
ausgeber: Schweizerische Steuerkonferenz [SSK]
und Eidgenössische Steuerver
waltung [ESTV]
,
Rz
19).
Gehaltsnebenleis
tungen
sind aber dann in der
Ziff.
14 des Lohnausweises aufzuführen, wenn der Arbeitgeber sie nicht
selbst bewerten kann und
deshalb nicht unter
Ziff.
2 des Lohnausweises deklariert hat. Als solche Gehaltsnebenleistungen gelten geld
werte Vorteile verschiedenster
Art.
In
Betracht fallen insbesondere Waren oder Dienstleistungen des Arbeitgebers, die der Arbeitnehmer gratis oder zu einem
beson
ders tiefen Vorzugspreis
erworben hat.
Ein Hinweis auf solche
Gehaltsne
benleistungen
ist nicht notwendig, wenn es sich bei der Gehaltsnebenleistung um eine Vergünstigung handelt, die ge
mäss den AHV-Richtlinien als geringfü
gig betrachtet wird. Als geringfügig
gelten die branchenüblichen Rabatte, sofern der Arbeitgeber die Waren usw. dem
Arbeitnehm
er ausschliesslich zu dessen
Ei
gengebrauch
und zu einem Preis, der mindestens die Selb
stkosten deckt, zu
komm
en lässt (vgl. Wegleitung,
Rz
. 62
)
.
Soweit die Vergünstigungen zu Recht nicht im Lohnausweis aufgeführt wurden,
handelt es sich demgemäss um
nicht AHV-beitragspflichtige Lohnnebenkosten
, welche
bei der Bemessung des
Vali
deneinkommens
nicht zu berücksichtigen
sind
. Soweit die Vergünstigungen zu Unrecht nicht im Lohnausweis aufgeführt wurden, ist der Beschwerdeführer darauf hinzuweisen, dass diese ebenso nicht berücksichtigt werden können. Es geht nicht an, Einkünfte bei den Sozial
ver
sicherungsbeiträgen nicht anzugeben und sie dann im Versicherungsfall trotz
dem
geltend zu machen (Art. 2 Abs. 2 ZGB, Urteile des Bundesgerichts 8C_554/2013 vom 14. November
2013 E. 2.4, 8C_930/2012 vom 25. Januar
2013 E. 4.1, 8C_222/2011 vom 2. August 2011 E. 4.3.1).
Schliesslich
ist
festzuhalten, dass
auch
die Spesenpauschalen nicht
zu berück
sichtigen sind
. Obwohl es sich um Pauschalen handelt
, ist davon auszugehen, dass mit den Spesen vorwiegend effektive Auslagen abgegolten wurden, welche sich bei der Tätigkeit des Beschwerdeführers als Firmenkundenberater im Aus
sendienst ungefähr in der angegebenen Höhe bewegt haben dürften.
Damit ge
hören auch sie nicht zum massgeben
d
en Lohn (Art. 9 AHVV).
5.
2
.7
Nach dem Gesagten ist für die Bemessung des
Valideneinkommens
somit von
den im IK-Auszug angegebenen
Einkommen aus den Jahren 2007 bis 2009
aus
zugehen.
Diese sind zunächst an die im Jahr 2011 (frühestmöglicher Renten
anspruch)
geltende Nomina
llohnentwicklung anzupassen
(vgl. Bundesamt für Statistik, Schweizerischer Lohnindex, T 39: Entwicklung der Nominallöhne, der
Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976-2013
, Männer,
sowie die Volks
wirt
schaf
t
3/4-2015,
S.
89, Tabelle B 10.3)
. Für das Jahr 2011 ergeben sich die folgen
den Einkommenszahlen: Fr.
188
‘
532.
--
(
Indexstand 2047 [2007] auf 2171
[2011]), Fr.
180‘134.--
(Indexstand 2092 [2008] auf 2171 [2011]) und Fr.
173‘969
.--
(
In
dexstand
2136 [2009] auf 2171 [2011]). Der daraus errechnete Durchschnitts
wert und damit das für das Jahr 2011
massgebende
Validen
ein
kommen
beträgt Fr.
180
‘
8
7
8.
--.
5.3
Da dem Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit als Firmenkundenberater im Aussendienst trotz seiner gesundheitli
chen
Einschränkung
zumindest
im Um
fang von
80
% weiterhin zumutbar ist,
kann der Invaliditätsgrad mittels
Prozent
vergleichs
er
mittelt werden. Zusätzlich zur 20%igen
Einschränkung ist aufgrund der
Teil
zeittätigkeit
ein
invaliditätsbedingter Abzug
von 5 % zu gewähren. Ins
gesamt erleidet der Beschwerdeführer somit
eine invaliditätsbedingte
Erwerbs
einbusse
in Höhe von
höchstens
25 %.
Bei einem Invaliditätsgrad von 25 %
b
e
steht kein Anspruch auf eine Invaliden
rente
.
5.
4
Dem
Eventualantrag auf Rückweisung an die Beschwerdegegnerin zur Durch
führung von beruflichen Massnahmen
kann
ebenfalls
nicht gefolgt werden
; dem
Beschwer
deführer ist zumutbar, sich selbst einzugliedern, zumal aus psychia
trischer Sicht von keiner invalidisierenden Wirkung des Gesundheitszustandes aus
zugehen ist
.
Da die – aus neurologischer Sicht für den Fall der
Schmerz
resistenz
attestierte - 20%ige Arbeitsunfähigkeit sowohl die angestammte wie auch jede andere (angepasste) Tätig
keit beschlagen würde (vgl. E. 4.3.2
), ist ins
besondere auch ein Anspruch auf Umschulung (Art. 17 IVG) nicht gegeben.
5.5
Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet und ist abzuweisen
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
7
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
Ausgangsgemäss ist
ihm
keine Prozessentschädigung zuzu
sprechen.