# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** eae117f7-bf8b-507c-ba02-9f0af04ee06b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der
1966
geborene X._
,
ist
von Beruf
Gärtner
(
Urk.
11/102/15) und
arbeitete
im Jahre
2000
aushilfsweise
als Kehrichtlader
bei
der Firma Y._
(
Urk.
11/4)
sowie als Kundengärtner
.
Infolge
einer 2000 erlittenen
K
alkaneusfraktur
rechts
(vgl. 11/10/21
,
Urk.
11/10/42
) erbrachte
d
ie Unfallver
sicherung
die gesetzli
chen Leistungen (vgl.
Urk.
11/10,
Urk.
11/16
.).
Im April 2001 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf den vorgenannten Unfall bei der Eidgenössischen Unfallversicherung zum Leistungsbezug
(Berufsberatung, Umschulung, Arbeitsvermittlung)
an
(
Urk.
11/3)
. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und beruflich-erwerbliche Abklärungen und zog die Akten der Unfallversicherung bei (
Urk.
11/10,
Urk.
11/16).
Im Februar 2002 schloss die IV-Stelle
ihre Abklärungen
mit einem Nichteintretensentscheid
ab, nachdem der Versicherte erklärte, dass er eine Stelle als Gärtner antreten werde und daher kein Interesse mehr habe an Versicherungslei
s
tungen (vgl.
Verfügung
vom 1
5.
Februar 2002,
Urk.
11/21).
1.2
Nachdem
die Mitte April 2002 angetretene Stelle als Aush
ilfsgärtner bei der Z._
AG per Mitte Mai 2002 einvernehmlich beendet
worden war
(
Urk.
11/39), meldete sich der Versicherte
im
Juli
2002
erneut zum Leistungs
bezug
(Berufsberatung, Umschulung)
bei der IV-Stelle an
(
Urk.
11/22
)
. Diese tätigte
wiederum
Abklärungen und zog die Verlaufsakten der Un
fallversicherung bei (
Urk.
11/23
f.
,
Urk.
11/29 f.
)
. Im
Februar 2003
verneinte
die IV-Stelle
aus gesundheitlichen Gründen
einen Anspruch
des Versicherten
auf berufliche Mass
nahmen
(vgl. Verfügung vom 2
8.
Februar 2003,
Urk.
11/33).
1.3
Ende
200
3
meldete sich der Versicherte
wiederum
bei der IV-Stelle
zum Leis
tungsbezug
an
und beantrage eine Berufsberatung, Umschulung sowie Rente
(
Urk.
11/36
)
. Nach entsprechenden
Abklärungen
wies die IV-Stelle einen Umschu
lungsanspruch ab
und begründete dies damit, die persönliche, familiäre Situation des Versicherten lasse die Durchführung von beruflichen Massnahmen nicht zu
(
vgl.
Verfügung vom 7. April 2004,
Urk.
11/52).
Demgegenüber sprach sie dem Versicherten m
it Verfügung vom 17
.
Dezember 2004
gestützt auf einen Invaliditätsgrad von 100 % eine
vom
1.
November 2003
bis
3
0.
Juni 2004
befristete ganze Rente zu (Urk.
11/57,
Urk.
11/65).
1.4
Aufgrund der im Apr
il 2005 erfolgten Neuanmeldung auf Umschulung
(Urk.
11/69) erteilt
e
die IV-Stelle dem Versicherten Kostengutsprache für eine berufliche Abklärung
in der A._
, zzgl. eines Taggeldes (
Urk.
11/87 f.
,
Urk.
11/93,
Urk.
11/101; vgl. auch Schlussbericht vom 1
1.
April 2006,
Urk.
11/102) sowie
eine
vertiefte
«Modulare Abklärung» (
ModAK
-Abklärung
)
, zzgl. eines Taggeldes (
Urk.
11/104 ff.
, vgl. auch
Urk.
11/111 ff.; vgl. auch Bericht vom 1
4.
September 2006,
Urk.
11/131
).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/135) lehnte sie einen Anspruch auf Umschulung
mangels subjektiver Eingliederungsfähigkeit
mit
Verfügung vom 1
0.
Januar 2007 erneut ab (vgl. Urk.
11/140).
1.5
Im Juni 2006 melde
te sich der Versicherte
abermals
bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/14
3
).
Daraufhin veranlasste die IV-Stelle das psychi
atrisch-psychotherapeutische Gutachten von
Dr.
med. B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 3
1.
März 2008 (
Urk.
11/163). Gestützt
darauf
forderte sie den Versicherten unter Hinweis auf seine Schaden
minderungspflicht und deren Säumnisfolgen
mit Schreiben vom 3
1.
Juli 2008
auf, sich zur Verbesserung seiner gesundheitlichen Situation
einer Psycho-
u
nd P
sychopharmakothera
p
i
e
zu unterziehen (
Urk.
11/165).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/167) sprach
die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom
2.
Dezember 2008 ab dem
1.
April 2008 gestützt auf einen IV-Grad von 50
%
unbefristet eine halbe Rente zu (
Urk.
11/171,
Urk.
11/173).
1.6
Anlässlich der 2009 eröffneten amtlichen Revision (
Urk.
11/184 ff.) erteilte die IV-Stelle dem Versicherten Kostengutsprache für ein 12 Monate dauerndes Arbeitsvermittlungsprogramm
bei der Firma C._
(
Urk.
11/189
; vgl. Beschluss
bericht vom 2
2.
November 2010,
Urk.
11/201
)
.
Mit Mitteilung vom 13.
April 2011 bestätigte sie den bisherigen Rentenanspruch (
Urk.
11/207). Ausserdem forderte die IV-Stelle den Versicherten
unter Hinweis auf seine Schadenminderungspflicht und deren Säumnisfolgen
a
m
1
4.
April
2011
auf,
die
p
sychopharmakotherapeu
ti
schen
Massnahmen anzupassen
und die Medikamenteneinnahme mittels Serum
spiegel kontrollieren zu lassen (
Urk.
11/206
).
1.7
Im Rahmen des 2013 eröffneten amtlichen Revisionsverfahrens (
Urk.
11/212)
ver
anlasste
die IV-Stelle
insbesondere
das psychiatrisch-psychotherapeutische Verlaufsgutachten von
Dr.
B._
vom
5.
Mai 2014 (
Urk.
11/229).
Gestützt
darauf
stellte sie dem Versicherten die Einstellung der bis
herigen Rente in Aussicht (vgl.
Vorbescheid vom
1
7.
Juli 2014,
Urk.
11/232). Auf Einsprache hin
(
Urk.
11/235
,
Urk.
11/242
)
gab
die IV-Stelle das orthopäd
ische Gutachten von
Dr.
med. D._
, Fachärztin FMH für Orthopädie, vom 2
9.
Dezember 2014
in Auftrag
(
Urk.
11/251). Daraufhin
erklärte sie den Vorbescheid vom 1
7.
Juli 2014 für
«
nichtig
»
und bestätigte
den Anspruch
des Beschwerdeführers
auf die bisher
ausgerichtete
Rente (vgl. M
itteilung vom 23.
Februar 2015,
Urk.
11/263).
1.8
Mit Schreiben vom
7.
Oktober 2019 (Eingangsdatum) gelangte
Dr.
med. E._
, Fachärztin FMH für Psychiatr
ie und Psychotherapie, an die IV-Stelle und wies darauf
hin, dass
sich der Gesundheitszustand des
Versicherten
in somatischer und psychischer Hinsicht
verschlechtert habe
(
Urk.
11/273
).
Die
IV-Stelle
tätigte daraufhin bei
Dr.
E._
sowie
Dr.
med. F._
, Fachärztin FMH für Gastroenterologie und
A
llgemeine
I
nnere Medizin
,
(
Urk. 11
/275,
Urk.
8/292,
Urk.
8/294
)
weitere Abklärungen
und liess
ihren
Regi
onalen Ärztlichen Dienst (RAD) zur Sache Stellung nehmen (
Urk.
11/
295/4 ff.)
. Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
11/
296,
Urk.
11/299 ff.)
wies
sie
das Rentenerhöhungsgesuch
mit Verfügung vom 2
0.
Oktober 2020
ab
(Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
3.
November 2020 Beschwerde und bean
tragte, es sei ihm
in Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 2
0.
Oktober 2020
eine ganze Rente zuzusprechen. Eventualiter
sei die Sache zur Durchfüh
rung
einer psychiatrischen Exploration an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen und letztere anzuweisen, die Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip aus
zuwählen und den Auswahlprozess zu dokumentieren. In prozessualer Hinsicht ersuchte der Beschwerdeführer um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantw
ort vom 10.
Februar 2021
schloss die Beschwer
degegnerin
unter Hinweis auf die interne Stellungnahme vom 2
8.
Januar 2010
zwecks
Rückweisung der Sache
zur weiteren Abklärung auf
teilweise Gutheissung der Beschwerde (
Urk.
9
,
Urk.
10
). Am 16. Februar 2021 ordnete das hiesige Gericht einen zweiten
Schriftenwec
hsel an
(Urk.
12). In seiner Replik vom
1.
März 2021 hielt der Beschwerdeführer an seinen bisherigen Anträgen fest (
Urk.
13).
Mit Eingabe vom 3
1.
März 2021 (
Urk.
16) verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik (
Urk.
16), was dem Beschwerdeführer am
8.
April 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
17).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Allgemeinen Teils des Sozialver
sicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer
Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fach
ärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
M
it BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grund
sätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unter
ziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E.
4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
anspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich
gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den
Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens
genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusam
menhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.
4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
Dabei braucht es sich nicht um eine formelle Verfügung (Art. 49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer mate
ri
ellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art. 74ter
lit
. f IVV auf dem Weg der blossen Mitteilung (Art. 51 ATSG), ist im darauffolgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bundesgerichts 9C_599/2016 vom 29. März 2017 E. 3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25. Juli 2013 E. 3.1.2).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung erwog die Beschwerdegegnerin, gestützt auf die medizinische Aktenlage sei keine wesentliche Veränderung im Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers festzustellen. Es bestünden lediglich vorüber
gehende Phasen von vollständiger Arbeitsunfähigkeit, jedoch bestehe keine lang
andauernde
Verschlechterung.
Mithin sei das
Gesuch um Erhöhung de
r Rente abzuweisen
(
Urk.
2).
2.2
Der Be
schwerdeführer stellte sich dem
gegenüber auf den Standpunkt, gestützt auf die Berichte von
Dr.
E._
sei eine massgebliche Verschlechterung und dauer
hafte Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen. Andernfalls sei
die Sache
zwecks psychiatrischer Begutachtung an die IV-Stelle zurückweisen (
Urk.
1).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort beantragte die Beschwerdegegnerin u
nter Hinweis auf die interne Stellung
nahme
von RAD-Arzt
Dr.
G._
,
Facharzt für Neuro
logie, Psychiatrie und Psychotherapie,
vom 2
8.
Januar 2021 eine Rückweisung der Sache zur we
iteren medizinischen Abklärung;
gestützt auf das beschwerde
weise eingereichte Schreiben von
Dr.
E._
vom
5.
November 2020
sei
eine
relevante
Verschlechterung möglich (
Urk.
9,
Urk.
10).
2.4
Der Beschwerdeführer hielt
replicando
an seinen beschwerdeweisen Anträgen
sowie
seiner
beschwerdeweisen Begründung fest (
Urk.
13).
3.
Strittig und zu prüfen ist eine revisionsweise Erhöhung der seit
April
2008
(vgl. Sachverhalt
Ziff.
1.5) ausge
richteten halben Invalidenrente, wobei namentlich zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
im massge
blichen Zeitraum
zwischen der Mitteilung vom 23.
Februar 2015,
womit
zuletzt als Ergebnis einer umfassenden Sachverhaltsabklärung der bisherige Renten
anspruch
bestätigt worden
war
(
Urk.
11/263; vgl.
Urk.
11/251,
Urk.
11
/260
f.
), und
der angefochtenen Verfügung vom
2
0.
Oktober 2020,
welche die zeitliche Grenze für den zu beurteilenden Sachverhalt bildet,
wesentlich verschlechtert hat
.
4
.
Massgeblich für die Beurteilung des Gesundhei
tszustandes im Zeitpunkt der
Mitteilung vom 2
3.
Februar 2015
war
en
das p
sychiatrische Gutachten von Dr.
B._
vom
5.
Mai 2
014 (
Urk.
11
/229/1-38)
und
das orthopädische Gut
achten von
Dr.
D._
vom 2
9.
Dezember 2014 (
Urk.
11
/251/1-15
, vgl. auch
Feststel
lun
gsblatt zum Beschluss, Urk. 11/231,
Urk.
11
/261
).
4
.1
Im Gutachten vom
5.
Mai 2014 diagnostizierte
Dr.
B._
eine
-
andauernde Persönlichkeitsveränderung bei chronischem Schmerz
syndrom (ICD-10 F: F62.80)
-
in der Folge diverser Unfälle 2000, 2004 und 2007
-
mit
Dysthymia
(ICD-10: F34.1)
-
bei depressiver Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F32.4)
-
mit Status nach Suizidversuch 10/2003
(
Urk.
11
/229/14)
Der Beschwerdeführer habe
anlässlich der Untersuchung vom
2.
April 2014
berichtet, dass es ihm aktuell
schlechter gehe als anlässlich der Begutachtung 2008
(vgl. Sachverhalt
Ziff.
1.5
).
Nach 2008 sei seine Grundstimmung stets niedergeschlagen gewesen; seit Sommer 2013 sei es ganz schlimm geworden und er deutlich niedergeschlagen.
Aktuell
fühle
er
sich nervös und sehr depressiv, zittere oft und sein innerer Antrieb sei vermindert. Sein Leiden habe sich gestei
gert bis es im Winter 2013/2014
schliesslich
zu einem Kontakt mit der Kinder- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) gekommen sei
[Anmerkung des Gerichts:
Im
Winter 2013/2014
kam es zu einer Dekompensation
mit wochenlanger Abschot
tung und weitgehender Verwahrlosung bis hin
zur Intervention durch die KESB, nachdem durch Schimmel und Nikotin ein Sachschaden in der Wohnung des Beschwerdeführers entstanden
war
und sich die anderen Hausbewohner über die zunehmenden Geruchsemissionen beschwert hatten. Auf die angedrohte Kündi
gung des Mietvertrages durch die Vermieterin hin erfolgte eine Räu
mung/Re
inigung durch die H._
GmbH, welche unter anderen spezialisiert ist auf die Unterstützung für Messies und Hauscoaching,
vgl.
die Gesprächsprotokolle,
Urk.
11
/271,
vgl. auch
Urk.
11/241 und
Urk.
11
/300
]. Der Beschwerdeführer
denke seit Winter 2013/2014
unverändert
vermehrt an Tod und Sterben.
Seit sechs Wochen sei er auch wieder in wöchentlicher psychothera
peutischer Behandlung.
Bei körperlichen Belastungen, zum
Beispiel Garten
arbeiten, komme es zu einer Zunahme der
bekann
ten körperlichen Beschwerden (vor allem
Schmerzen im Fuss, im Unterschenkel und Knie au
f der rechten Körperseite)
. Deshalb nehme er Morphium ein. Dieses lindere den Schmerz (durchschnittlich VAS 5-7/10
; minimal dauerhaft VAS 3/10; maximal VAS 10/10
) nur mässig. Ausserdem habe er Magenschmerzen. Diese stünden zurzeit st
ark im Vordergrund. Den Tag verbringe er un
terschiedlich. Er stehe regelmässig um 7.00 Uhr auf, trinke Tee und höre Radio. Selten treffe er sich mit Kollegen und man helfe sich ab und zu bei der Gartenarbeit. Ausserdem habe er einen guten Freund, der ebenfalls eine IV-Rente beziehe. Sodann habe er eine 70
jährige Gotte, die ihn unterstü
tz
e, indem sie ihn in ihrem Auto chauffiere. Hin und wieder besuche der Beschwerdeführer seine Schwester am Bodensee. Den Ha
ushalt
besorge er selbständig; e
r putze, räume auf, gehe zu Fuss und/oder mit dem öffentlichen Verkehr ei
nkaufen und koch
e
für sich selber
(Urk. 11
/229/4
f.,
Urk.
11
/229/15 f.).
Der Beschwerdeführer habe zwar eine Verschlechterung berichtet. Seine Angaben seien indes weitgehend undifferenziert
. Damit
bestehe
eine Verdeutlichungs
ten
denz oder gar Simulation
. Die objektivierbaren psychopathologischen Befunde seien gar nicht bis gering ausgeprägt. Der Beschwerdeführer gehe leicht unregel
mässig hinkend und führe eine Gehhilfe mit sich, die er unregelmässig belaste.
Weitere Hinweise auf quälende dauerhafte Schmerzen und/oder schmerzbedingte
Beeinträchtigungen bestünden nicht. Insbesondere habe de
r Beschwerdeführer während der U
ntersuchungszeit
nicht gezittert und sich
flexibel und locker bewegt.
Antrieb,
Psychomotorik
, Merkfähigkeit sowie Konzentration
seien unauf
fällig.
Im Affekt sei
d
er
Beschwerdeführer
ausgeglichen, klagsam,
dysthym
und
dabei sehr gut moduliert
; in der Interaktion leicht unsicher.
Sodann habe er
akti
v, sehr flüssig bis weitschweifi
g, differenziert und gut strukturiert, meist im Plauder
ton, berichtet. Ein affektiver Rapport sei gut zustande gekommen.
Auch mit Hilfe der MADRS (Montgomery und
Asberg
Depression Rating
Scale
) sei kein klinisch relevantes depressives Syndrom erkennbar.
Jedoch bestünden gestützt auf das Testprofil im MMPI-2 (Minnesota
Multiphasic
Personality
Inventory
2) Aspekte einer Persö
nlichkeitsveränderung. Der Beschwerdeführer sei auf eine Vielzahl unter anderem körperlicher Beschwerden eingeengt. Er zeige sich zurückgezogen, verzagt, rach
e
s
üchtig, grüblerisch, rigide,
ängstlich und reagiere labil, verantwor
tungslos, egozentrisch, un
reif und aggressiv. Zudem
äussere
der Beschwerde
führer
G
edanken an Tod und Sterben. S
ein
Verhalten erscheine exzentrisch und sozial unangepasst
. Nebst der andauernden Persönlichkeitsän
derung bei chroni
schem Schmerzsyndrom bestehe eine
Dysthymia
. Letztere habe sich infolge einer
mittelgradigen depressiven Episode, welche zwischen April 2007 und maximal September 2009 bestanden habe, entwickelt. So sei die vorangehende depressive Episode aktenanamnestisch überwiegend wahr
scheinlich seit Oktober 2009 remittiert, dies
jedoch spätestens im Zeitpunkt der aktu
ellen Untersuchung;
die ICD-10-Kriterien einer depressiven Episode
seien aktuell nicht (mehr) erfüllt und
der Schweregrad erreiche nicht mehr das not
wendige Ausmass.
Mithin habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers aus objektiver Sicht verbessert.
Diesbezüglich bestehe eine Diskrepanz zwischen der subjektiven Wahrnehmung des Beschwerdeführers und
den objek
tivierbaren Befunden, welche sich mit krank
heitsfremden Gesichtspunkten (Verdeutlichungstendenz, Aggravation, Lebens
alter, Erwerbslosigkeit, Lage am Arbeitsmarkt, finanzielle Sorgen, Schulden, langjähriger Rentenbezug)
erklären
liesse.
Die
mit der
Dysthy
mia
verbundenen Defizite seien mit jenen der Persön
lichkeits
ver
ände
rung fast vollständig identisch
; so etwa Belastungsminderung, depressiv-dysphorische Verstimmung und Konzentrationsstörungen
.
Darüber
hinaus bestünden keinerlei Hinweise für
schwere Defizite aufgrund eines Gesund
heitsschadens
. Insbesondere bestehe keine Persönlichkeitsstörung oder anhal
tende somatoforme Schmerz
störung.
Die Ausprägung der Persönlichkeits
ver
änderu
ng sei leicht ausgeprägt und
der Beschwerdeführer
aus psychiatrisch-psychotherapeutischer Sicht
für sämtliche Tätigkeiten
insgesamt
zu
80
% arbeits
fähig
(Urk.
11
/229/16
f
f.).
4
.2
Im orthopädischen Gutachten vom 2
9.
Dezember 2014 hielt
Dr.
D._
folgende Diagnosen fest (
Urk.
11
/251/12):
-
komplexes Schmerzsyndrom des rechten Sprunggelenkes bei Status nach USG-Arthrodese
-
Arthrose im oberen Sprung- und
Lisfrancgelenk
rechts
-
Opiatdauermedikation
-
posttraumatische
Pangonarthrose
des rechten Kniegelenks bei Status nach lateraler
Tibiakopffraktur
und Spiralfraktur im Unterschenkel
Der Beschwerdeführer habe dauerhafte
, bei Belastung ins Fersenbein ausstrah
lende
Schmerzen im Bereich des recht
en Fusses, OSG berichtet. Manchmal habe er auch Kniebeschwerden, insbesondere nach Belastung. Mit dem zuletzt ausge
übten Arbeitspensum von 20
%
sei er einigermassen zurecht gekommen. Subjek
tiv habe der Beschwerdeführer das Gefühl, der Schmerz werde immer schlimmer. Er spüre den Wetterwechsel. Infolge der Medikamente (Tramal,
Mephadolor
) habe er auch Magenprobleme bekommen. Seit 2010 nehme er Opiate ein. Damit komme er einigermassen zurecht. Der Nachtschlaf sei gestört. Er könne ca. 2 km gehen, je nach Untergrund, Kopfsteinp
f
laster sei schwierig und bereite
ihm starke Beschwerden (
Urk.
11
/251/4).
Die klinische Untersuchung der oberen Extremi
täten
inkl.
Wirbelsäule
sowie die orientierende neurologische Befundung
erwies
en
sich als unauffällig (
Urk.
11
/251/5 ff.). Beim rechten Knie ergab sich eine leichte retropatellare Krepitation, ein deutlicher
Patellafacettenschmerz
sowie ein positives
Zohlenzeichen
. Das Muskelrelief von Ober- und Unterschenkel
zeigte
eine Atrophie der Oberschenkelmuskulatur rechts; d
as
linke Knie erwies sich als unauffällig. Radiologisch
zeigte sich
eine beginnende
Pangonarthrose
im rechten Kniegelenk. Die USG-Arthrose
sei
knöchern verheilt, jedoch mit sträh
niger Knochenstruktur.
Als Folgeschaden
zeige sich bereits eine
deutliche
, mittelgradige
Arthrose im obe
ren Sprung- und
Lisfrancgelenk
. Bei alle dem könne der Beschwerdeführer auf unebenem Boden nicht mehr gehen. Kniende und stehende Tätigkeiten sowie Arbeiten auf Leitern seien nicht mehr zumutbar. Als Gärtner sei der Beschwerdeführer zu 100
%
arbeitsunfähig; hinsichtlich einer angepassten Verweistätigkeit bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
. Dies auf
grund der unfallbedingten Fussbeschwerden und dem damit verbundenen chro
nischen Schmerzsyndrom sowie
der
dauerhaften Opiatmedikation
(
Urk.
11
/251/9 ff.).
4
.3
Gestützt
darauf
ging die IV-Stelle von
eine
r
50
%
igen
Arbeitsfähigkeit
in einer leidensangepassten Tätigkeit
aus und ermittelte
aufgrund
eines
Einkommens
vergleich
s
eine
n Invaliditätsgrad von 51
%
(
Urk.
11
/261/5).
5
.
Für die Zeit nach der
M
itteilung vom 2
3.
Februar 2015
stellte sich
die
Akten
lage im Wesentlichen
wie folgt dar:
5
.1
Gestützt auf die Gesprächsprotokolle zur Einschätzung der beruflichen und medizinischen Situation des Beschwerdeführers ist zunächst aktenkundig, dass
die KESB
infolge der Dekompensation im Winter 2013/2014 bis August 2015
involviert war
. Zudem wurde 2015 mit Unterstützung seines damaligen Psychi
aters eine freiwillige Wohnbegleitung durch den Verein
I._
eingerichtet.
Der zuständige Mitarbeiter besuchte den Beschwerdeführer wöchentlich, um den Zustand der Wohnung zu prüfen und um mit dem Beschwerdeführer die wich
tigsten Themen für den Alltag zu besprechen. Im August 2015 bewohnte der Beschwerdeführer eine Notwohnung. Zwecks Etablierung einer Tagesstruktur wurde der Beschwerdeführer zudem sowohl durch
I._
als auch durch
die Pro
Infirmis
bei der Suche einer geschützten A
rbeitsstelle unterstützt (
Urk.
11
/271).
5.2
Im Schreiben vom
5.
Oktober 2019 hielt die se
it Oktober 2016 behandelnde Dr.
E._
fest, im Laufe d
es Jahres habe sich beim Beschwerdeführer sowohl körperlich als auch psychisch eine kontinuierliche Verschlechterung abgezeich
net. Infolge zahlreicher Ausfälle sei ihm die
[geschützte]
Stelle bei
I._
auf Mitte Jahr gekündigt worden, nachdem das Pensum anfangs Jahr bereits auf drei Mal drei Stunden reduziert worden sei. Aufgrund seiner gesundheitlichen Ein
schränkungen habe der Beschwerdeführer kein Revisionsgesuc
h einreichen können. Mittlerweile sei er auch
in finanzielle Nöte geraten. Um sich wieder
im Alltag
zu stabilisieren
,
besuche der Beschwerdeführer an drei Tagen
die Tages
klinik in J._
(
Urk.
11
/273).
5.3
Dem
Verlaufsbericht
von
Dr.
E._
vom 1
6.
November 2019
sind sodann
folgende
psychiatrische
Diagnosen
zu entnehmen (
Urk.
11
/275/1):
-
Rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige bis schwere Episode (ICD-10: 33.11)
-
Persönlic
hkeitsstörung mit vor allem abhängigen, aber auch ängstlich vermeidenden Anteilen (ICD-10: F60.7 und F60.6); DD: Kombinierte Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F61.0)
-
Erfahrung von mehrfacher psychischer Gewalt in der Kindheit, körperliche Ge
w
alt (ICD-10: Z 61.6)
-
Status nach ernsthaftem Suizidversuch 1996 und 2004
-
Opiatabhängigkeit
(
ICD-10: F11.1) unter verordneter Schmerztherapie
Die
Situation des Beschwerdeführers habe sich im Verlauf des Jahres stetig ver
schlechtert. Seine Stimmung
sei gedrückt, e
r ziehe sich zurück und verharre in einem passiven Zustand ohne Kontakte zur Aussenwelt.
Sein Denken sei
verlang
samt. Der
Beschwerdeführer vernachlässige sich selber und seinen Haushalt. Zudem plagten
ihn latente Suizidphantasien. Er wirke ratlos, resigniert und sei im Antrieb vermindert. Oft leide er unter Schmerzen im Magendarmtrakt, ohne dass hierfür eine Ursache habe gefunden werden können. Da es dem Beschwer
deführer nicht mehr möglich sei, seine administrativen Angelege
nheiten zu erledigen, sei inzwischen eine freiwillige Beistandschaft für ihn beantragt worden. Je länger, desto mehr
sei von
einer tiefgreifenden st
rukturellen Störung, welche
dem
Aktionsradius
des Beschwerdeführers
enge Grenzen setze
, auszu
gehen. Die psychotherapeutische Behandlung erfolge im zweiwöchigen Rhyth
mus; aktuell werde der Beschwerdef
ührerin in der Klinik J._
betreut. Aber auch dort komme es zu vielen Absenzen.
In medikamentöser Hinsicht
Hinsicht
nehme der Beschwerdeführer
Pantozol
40mg (1-0-1), MST
60mg (1-0-1-0)
,
Sevrodol
10mg und
Novalgin
500mg bis 4 x in Reserve
, Duloxetin
30mg (1-0-0)
, Trittico
retard
150
mg
(0-0-1.66-0)
, Trittico 50mg
(0-0-0-1), Zolpidem 10mg (0-0-0-1
,
Urk.
11
/275
)
.
5.4
Im
Schreiben
vom 2
7.
Mai 2020
führte
Dr.
E._
ergänzend aus, in ihren Verlaufseinträgen habe sie i
mmer wieder Magendarmprobleme dokumentiert. Diese hätten mannigfache Abklärungen nach sich gezogen. Parallel dazu
sei es zu
wiederkehrende
n
depressive
n
Episoden mit parasuizidalen Krisen trotz engma
schiger Psychotherapie und Ausweitung bzw. Modifikation der antidepressiven Medikation
gekommen
. In depressiven Phasen ziehe si
ch der Beschwerde
führer zurück,
vernach
lässige
er
sich selbst und seine Wohnung d
rohe zu ver
müllen. Einzig seinem
Kater gegenüber sei der Beschwerdeführer
noch
fürsorg
lich.
Zusam
men mit dem Sozialbegleiter sei 2017 eine
Haushaltsspitex
einge
richtet worden. Infolge unbezahlter Rechnungen sei diese Unterstützung wieder einge
stellt worden. In Phasen des Rückzugs sei der Beschwerdeführer
zudem
sehr leidend und stark regrediert. Er unterlasse es zum Beispiel, seinen Anspruch auf Ergänzung
sleistungen rechtzeitig
geltendzu
machen
. Im Rahmen der Psycho
therapie wirke der Beschwerdeführer oft
abwesend und wenig fassbar. Die
t
agesklinische Betreuung in J._
habe inzwischen vorzeitig abgebrochen werden müssen, weil der Beschwerdeführer gesundheitsbedingt, oft wegen Magendarm
problemen, oft gefehlt habe
(
Urk.
11
/292)
.
5
.5
Dr.
F._
hielt im Bericht vom 2
9.
Mai 2020 eine Dünndarmfehl
besiedlung
(SIOB)
sowie
einen
Reflux fest.
Es erfolge eine gastroenterologische Medikation
.
Fragen zu allfälligen Veränderungen im somatischen Gesund
heitszustand sowie zur
Arbeitsfähigkeit des Beschwerdefü
hrers vermochte
Dr.
F._
nicht zu beurteilen
(Urk. 11
/294).
5.6
Auf Vorhalt der eingegangenen Berichte kam RAD-Arzt
Dr.
med. K._
, Fach
arzt für Chirurgie, orthopädische Chirurgie und Traumatologie,
am
5.
Juni 2020 zum Schluss,
eine wesentliche Veränderung oder gar Verschlechterung des Schmerz
syndroms im Bereich des Unterschenkels und Fusses sei nicht erkennbar. Die gastroenterologischen Befunde führten zu vorübergehenden, nicht aber andauernden Phasen von Arbeitsunfähigkeit. In psychiatrischer Hinsicht
erklärte
RAD-Arzt
Dipl. med.
G._
, Facharzt FMH für Neurologie, Psychiatri
e und Psychotherapie,
am 2
4.
Juli 2020, bei der vorliegenden Aktenlage, welche wenig ausführlich sei und sowohl eine psychopathologische Befundschilderung als auch hinreichende Begründung für die Persönlichkeitsstörung vermissen lasse,
sei eine Verschlechterung
«
nicht
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
nachvollziehbar
»
(
Urk.
11
/295/6).
5.7
Im
einwandweise
eingereichten Bericht vom
9.
September 2020 teilte
Dr.
E._
mit, sie könne eine Befunderhebung gerne «nachliefern»
:
D
er Beschwerdeführer sei im Denken kohärent, aber verlangsamt. So antworte er auf Fragen erst nach einer langen Denkpause
,
um nach eigenen Angaben nichts F
alsches zu sagen. Die
Konzentration sei deutlich vermindert und die Auffassung verzögert. Zudem sei der Beschwerdeführer misstrauisch und zurückhaltend im Kontakt
. Er habe existenzielle Ängste und Angst, dass sein Kater sterbe. Die Grundstimmung des Beschwerdeführers sei traurig und deutlich nach unten aus
gelenkt. Weiter bestünden
Stimmungsschwankungen, Rat-, Orientierungs- und
Freudlosigkeit, Antriebsverminderung, anhaltende Schlafprobleme trotz Schlaf
hygiene und Medikation, Gedankenkreisen, innere Unruhe und Anspan
nung. Der Beschwerdeführer fühle sich im Leben überfordert, habe wenig soziale Kontakte und sei bei latenten Suizidgedanken lebensüberdrüssig.
Er nehme – erneut konkret bezeichnete – Medikamente gegen die somatischen und psy
chischen Leiden ein. Eine stationäre Behandlung sei mehrmals besprochen, aber aus Gründen der Katzenbetreuung verworfen worden. Die stattdessen aufge
nommene teilstationäre Behandlung sei wegen häufiger Absenzen vorzeitig beendet worden. Momentan werde eine Ergotherapie durchgeführt; wegen Magendarm
problemen müsse sich der Beschwerdeführer auch hier meistens abmelden. Entgegen
Dr.
B._
liege eine Persönlichkeitsstörung vor. Der Beschwerdeführer habe eine sehr belastete Kindheit durchlebt. Er habe von seinem täglich betrun
kenen Stiefvater viel kör
perliche Gewalt erfahren (Urk. 11
/301).
5.8
Auf
erneuten
Vorhalt
verwies RAD-Arzt
Dr.
G._
am 1
6.
Oktober 2020
auf seine Stellungnahme vom 2
4.
Juli 202
0.
Im Rahmen des Einwandes hätten sich keine neuen medizinischen Sachverhalte ergeben. Ergänzend könne darauf hingewiesen werden, dass eine tiefgreifende, strukturelle Störung (Persönlich
keits
störung) 2014 gutachterlich ausgeschlossen worden sei. Die belastenden Kind
heitserlebnisse könnten auch eine Grundlage
sein
für die rezidivierende depres
sive Störung. Eine
adä
quate leitliniengetreue antidepressive
Therapie
sei nicht ersichtlich. Zwar seien Antidepressiva ausprobiert worden, dies jedoch in
nied
rigen Dosierungen
. Mithin sei auch keine
Aufdosierungs
- und Augmentati
ons
therapie ersichtlich. Insgesamt ergäben sich
damit
keine ausreichenden Anhalts
punkte für eine dauerhafte Verschlech
terung des Gesundheitszustandes
(
Urk.
11
/304/2).
5.9
Dazu nahm
Dr.
E._
im
beschwerdeweise eingereichten Schreiben vom
5.
November 2020
wie folgt Stellung:
A
ufgrund ihrer Langzeitbeobachtung sei entgegen der Einschätzung von
Dr.
B._
, welche sich lediglich auf ein einma
liges Gespräch abstütze, von einer Persönlichkeitsstörung auszugehen. Soweit die Medikation seitens des RAD kritisiert werde,
weise sie daraufhin
hin, dass ver
schiedentlich
Antidepressiva ausprobiert worden sei
en
.
Es müsse dabei berück
sichtigt werden
, dass der Beschwerdeführer schmerzbedingt weitere Medikamente einnehme, welche
aufgrund von Wechselwirkungen
mit den Antidepressiva abzustimmen sei
en
.
Infolge d
er gastrointestinalen Beschwerden sei
etwa von
Duloxetin abgeraten worden.
Das
Medikament Trittico
retard
sei
im vergangenen Jahr auf die Maximaldosis erhöht worden. Der Vorwurf der nicht leitlinien
getreuen Medikation und inadäquaten
Aufdosierung
könne somit widerlegt werden (
Urk.
3)
.
5.10
Am 2
8.
Januar 2021
erklärte
Dr.
G._
schliesslich
, gestützt auf die Bericht
erstattung von
Dr.
E._
sei eine Verschlechterung möglich;
n
ach Einholen eine
s Berichts der Klinik J._
sowie der Institution
I._
sei erneut eine psychiatrische Begutachtung durchzuführen
(
Urk.
10
).
6
.
6.1
Wie eingangs erläutert (Vgl. E. 1.3)
ist für die Beurteilung eines
Revisionsgrund
s
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG nicht die Diagnose massgebend, sondern in erster Linie der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Sympto
matik
.
Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, ver
änderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
6.2
Dr.
E._
hielt eine
traurige, deutlich nach unten ausgelenkte Grund
stimmung, Freudlosigkeit
sowie
deutliche
Zustandsverschlechterung mit Passi
vität, Resignation, Antriebsminderung,
erneuter
Vernachlässigung
von sich und Haushalt,
Isolation,
Verlan
gsamung und
zunehmender Einschränkung d
es
Aktivitäts- und
Funktionsniveaus bis hin zur
Kündigung des geschützten Arbeits
platzes und
Anordnung einer
Vertretungsbeistandschaft mit Vermögensver
waltung gestützt auf
Art.
394 i. V. m.
Art.
395 des Zivilgesetzbuches (ZGB,
vgl.
Urk.
8/277)
fest;
damit im
Einklang diagnostizierte sie
unter anderem
eine
mittel- bis schwerg
radige depressive
Episode
. Vor diesem Hintergrund und
unter
zusätz
licher
Würdigung der
2019 erstmals aufgenommene
n
teilstationäre
Therapie ist
–
entgegen der Beschwerdegegnerin
–
eine relevante Zustandsverschlechterung
seit der Begutachtung im April
2014
zu bejahen
,
h
ielt
Dr.
B._
damals doch
weitestgehend unauffällige
Befunde
fest.
So
habe sich
der Beschwerdeführer
im Ant
rieb unauffällig präsentiert,
aktiv
und
i
m
Plauderton berichtet, da
bei situati
onsadäquat gelächel
t und
gelacht
sowie im Affekt ausgegliche
n und gut modu
liert gewirkt
; die objektivierbaren psychopathologischen Befunde seien «gar nicht bis sehr gering ausgeprägt».
Auch mit Hilfe der MADRS habe
sich kein klinisch relevantes depressives Syndrom erkennen
lassen.
Zudem war der Beschwerde
führer nach eigenen Angaben damals in der Lage, sich um sich selbst
und um den Haushalt
zu kümmern; ausserdem unterhielt er – wenn auch spärlich – soziale Kontakte.
Dr.
B._
kam
bei alle dem
zum Schluss, der Schweregrad einer depressiven Episode sei jedenfalls anlässlich der Exploration im April 2014 nicht (mehr)
gegeben.
N
ebst der Persönlichkeitsveränderung mit leichter Aus
prägung
bestehe
damit
lediglich
eine
Dysthy
mia
;
schwere Defizite aufgrund eines
psychiatrischen
Gesundheitsschadens
schloss
Dr.
B._
ausdrücklich
aus
(vgl.
Urk.
8/229/11,
Urk.
8/229/16,
Urk.
8/229/18 f.).
Sodann
wies
Dr.
E._
l
osgelöst von
der
– vorliegend ohnehin nicht im Vordergrund stehenden (vgl. E.
1.3, E. 6.1) -
diagnostischen Interpretation
der psychisc
hen Leiden
darauf hin
, was
nach dem Gesagten
mit der übrigen Aktenlage vereinbar
ist
, dass sich die psychischen Bewältigungsstrategien (Coping- Strategien) des Beschwerdeführers im relev
anten Zeitraum vermindert haben
(
Urk.
8/292/2).
Bleibt schliesslich
darauf hinzuweisen, dass
im Rahmen
der in sozialversicherungsrechtlichen Ver
fahren
geltenden
freien und umfassenden Beweiswürdigung
der
Umstand allein, dass eine Einschätzung vom beha
ndelnden Mediziner stammt,
nicht dazu führen
darf
, sie als von vornherein unbeachtlich einzustufen; die einen längeren Zeit
raum abdeckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte bringt oft wertvolle Erkenntnisse hervor
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_24/2008
vom 2
7.
Mai 2008
E. 2.3.2).
Demgegenüber
kann es – entgegen dem Beschwerde
führer
–
mit Blick auf die
auftragsrechtliche Vertrauensstellung
sowie
den
Behand
lungs
auftrag
der behandelnden Ärzte
nicht
deren
Sache sein
,
einzig und
abschliessend zur Sache,
namentlich zur
Arbeitsfähigkeit
Stellung zu nehmen
(vgl. BGE 125 V 353 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts
9C_152/2011
vom 10. Mai 2011)
. Kommt
vorliegend
hinzu, dass
die Berichte von
Dr.
E._
eine
einlässliche Ausei
nandersetzung mit den
Indikatoren gemäss BGE 141 V 281
(vgl. E. 1.2)
vermissen
lassen
.
Unklar bleibt
ausserdem der Einfluss der erwähnten somatischen Beein
trächtigungen in einer Gesamtschau.
6.3
Nach dem Gesagten
ist
eine
sämtliche Aspekte des vorliegenden Falls
umfassende
(das
heisst
somatische und psychiatrische
)
m
edizinische
Abklärung unter Ein
schluss der Frage, inwiefern sich ein allenfalls beim Beschwerdeführer vorliegender psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert auf seine Arbeitsfähigkeit im zeitlichen Verlauf
seit 2
3.
Februar 2015
ausgewirkt hat und aktuell auswirkt, angezeigt. Dabei wird
sich
der beurteilende Facharzt auch zu den Indikatoren
gemäss
BGE 141 V 281 zu
äussern
haben (vgl. E. 1.2).
Die beantragte Rückweisung zur weiteren Abklärung
steht
auch im Einklang damit, dass in erster Linie die IV-Stelle für die richtige und vollständige Sachverhaltsabklärung zu sorgen hat
(vgl.
Art.
43
Abs.
1 ATSG)
.
Endlich ist darauf hinzuweisen, dass die
Vergabe der MEDAS-Begutachtungsauf
träge
gestützt auf
Art.
72
bis
IVV
nach dem Zufallsprinzip
und
im Verfahren
nach
Art.
44 ATSG
erfolgt; b
ei Uneinigkeit ist die Expertise durch eine beim kantonalen Versicherungsgericht beziehungsweise Bundesverwaltungs
gericht anfechtbare Zwischenverfügung anzuordnen (
BGE 137 V 120
E. 3.1,
E. 3.4.2.6; Änderung der Rechtsprechung gemäss BGE 132 V 93). Der versicherten Person stehen ferner vorgängige Mitwirkungsrechte zu (
BGE 137 V 210
E. 3.4.2.9; Änderung der Recht
sprechung gemäss BGE 133 V 446).
6.4
Die
Beschwerde
ist
in dem Sinne gutzuheissen
,
dass de
r angefochtene Entscheid aufgeho
ben und die Sache zur
weiteren Abklärung und
neuen Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückgewiesen wird.
7.
7
.1
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
7
00.-- festzulegen und
(aufgrund der recht
sprechungsgemäss ebenfalls als vollständiges Obsiegen geltenden Rückwei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung)
ausgangsgemäss von der Beschwerdegegnerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).
D
amit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers
um unentgeltliche Prozess
führung (Urk. 1 S. 2) als gegenstandslos.
7
.2
Bei diese
m Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer
Anspruch auf eine
Parteientschädigung und ist
auch
sein
Gesuc
h um unentgeltliche Rechtsver
tretung
vom
13. November 2020
(Urk. 1 S. 2) obsolet geworden.
Rechtsanwalt
Urs Keller
ist
nach § 34 Abs. 3 beim gerichtsüblichen Ansatz von Fr. 220.
/Stunde
ermessensweise
von der Beschwerdegegnerin
mit Fr.
2’
2
00
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu entschädigen.