# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2784363c-ece3-58e4-9ac0-6d203e392bc9
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2004
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ B.A., geboren am 25. Mai 1981, ist Staatsangehöriger von Mazedonien. Er reiste am
26. Januar 2000 im Rahmen des Familiennachzugs zusammen mit seiner Mutter und
vier Geschwistern zu seinem in Wattwil wohnhaften Vater in die Schweiz. In der Folge
wurde ihm eine Niederlassungsbewilligung erteilt.
Am 1. Dezember 2000 stach B.A. im Rahmen einer gewalttätigen Auseinandersetzung
zwischen verschiedenen Personen aus Mazedonien und der ehemaligen
Bundesrepublik Jugoslawien einem Widersacher drei Mal ein Rüstmesser in den
Rücken und fügte ihm dadurch lebensgefährliche Verletzungen zu. Das Bezirksgericht
See sprach ihn am 4. Dezember 2001 der schweren Körperverletzung schuldig und
bestrafte ihn mit 27 Monaten Gefängnis und einer Landesverweisung von drei Jahren,
wobei der Vollzug der Nebenstrafe bedingt aufgeschoben und eine Probezeit von drei
Jahren festgesetzt wurde. Auf Berufung des Angeschuldigten hin sprach das
Kantonsgericht St. Gallen B.A. der schweren Körperverletzung schuldig und verurteilte
ihn zu zwei Jahren Gefängnis. Im übrigen wurde das Urteil des Bezirksgerichts See
vom 4. Dezember 2001 bestätigt.
Mit Verfügung vom 7. November 2003 wies das Ausländeramt B.A. für die Dauer von
fünf Jahren aus der Schweiz aus. Der Beginn der Ausweisung wurde auf die Entlassung
aus dem Strafvollzug festgesetzt.
B./ Gegen die Ausweisung erhob der Betroffene durch seinen Rechtsvertreter Rekurs,
der vom Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 22. Januar 2004
abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 3. Februar und 2. März 2004 erhob der
Betroffene Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der angefochtene
Rekursentscheid sei aufzuheben und es sei ihm der weitere Aufenthalt in der Schweiz,
eventuell mit Bedingungen und Auflagen, zu bewilligen, subeventuell sei die
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Ausweisung auf maximal zwei Jahre auszusprechen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten des Staates. Zur Begründung wird im wesentlichen
geltend gemacht, die Ausweisung sei unverhältnismässig. Auf die einzelnen Vorbringen
wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 18. März 2004 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheides auf Abweisung der Beschwerde.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 3. Februar und 2.
März 2004 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2./ Nach Art. 10 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) kann ein Ausländer aus der Schweiz
ausgewiesen werden, wenn er wegen eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich
bestraft wurde (lit. a) oder wenn sein Verhalten im allgemeinen und seine Handlungen
darauf schliessen lassen, dass er nicht gewillt oder nicht fähig ist, sich in die im
Gaststaat geltende Ordnung einzufügen (lit. b).
Die Ausweisung kann befristet, aber nicht für weniger als zwei Jahre, oder unbefristet
ausgesprochen werden (Art. 11 Abs. 1 ANAG). Sie soll nur verfügt werden, wenn sie
nach den gesamten Umständen angemessen erscheint (Art. 11 Abs. 3 Satz 1 ANAG).
a) Art. 10 Abs. 1 ANAG ist eine typische "Kann-Bestimmung". Das Gesetz schreibt
beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen nicht zwingend die Anordnung einer
Ausweisung vor, sondern es räumt der Verwaltung diesbezüglich einen
Ermessensspielraum ein. Das Verwaltungsgericht ist zur Ueberprüfung der
Angemessenheit einer Verfügung oder eines Entscheides nicht befugt (Art. 61 Abs. 1
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und 2 VRP). Es darf daher auch bei der Prüfung der Angemessenheit im Sinne von Art.
11 Abs. 3 Satz 1 ANAG nicht sein eigenes Ermessen - im Sinne einer Prüfung der
Opportunität bzw. der Zweckmässigkeit der Massnahme - anstelle des Ermessens der
Verwaltung stellen (VerwGE vom 11. November 2003 i.S. M.B.A. mit Hinweis auf
VerwGE vom 17. August 1999 i.S. J. und S.R.; BGE 125 II 107). Es kann nur
überprüfen, ob der Entscheid der Verwaltung auf einer Ueberschreitung bzw. einem
Missbrauch des Ermessens beruht und damit rechtswidrig ist (GVP 1996 Nr. 9 mit
Hinweisen).
Für die Beurteilung der Angemessenheit der Ausweisung im Sinne von Art. 11 Abs. 3
ANAG bzw. der Verhältnismässigkeit sind namentlich die Schwere des Verschuldens
des Ausländers, die Dauer seiner Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihm und seiner
Familie drohenden Nachteile zu berücksichtigen (Art. 16 Abs. 3 der Vollzugsverordnung
zum ANAG, SR 142.201, abgekürzt ANAV). In der Prüfung der Angemessenheit im
Sinne von Art. 11 Abs. 3 ANAG, d.h. der Verhältnismässigkeit, geht auch diejenige auf,
ob die Massnahme im Sinne von Art. 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention
(SR 0.101, abgekürzt EMRK) verhältnismässig bzw. als in einer demokratischen
Gesellschaft notwendig erscheint (BGE 120 Ib 130 f.).
b) Der Beschwerdeführer wurde in zweiter Instanz von der Strafkammer des
Kantonsgerichts der schweren Körperverletzung schuldig gesprochen und zu zwei
Jahren Gefängnis verurteilt. Aufgrund dieser Verurteilung sind die Voraussetzungen für
eine Ausweisung gemäss Art. 10 Abs. 1 lit. a ANAG unbestrittenermassen erfüllt.
c) Im folgenden ist zu prüfen, ob die angeordnete Ausweisung für die Dauer von fünf
Jahren verhältnismässig ist.
Ausgangspunkt und Massstab für die Schwere des Verschuldens und die
fremdenpolizeiliche Interessenabwägung ist die vom Strafrichter verhängte Strafe (BGE
129 II 216).
Nach den Ausführungen in der Kurzbegründung des kantonsgerichtlichen Urteils
wusste der Beschwerdeführer schon am Vortag, dass es am fraglichen 1. Dezember
2000 zu einer Schlägerei kommen könnte. Der Beschwerdeführer habe sich aktiv an
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der Schlägerei beteiligt. Seine Gruppe habe mehr Personen gezählt als jene der
Kontrahenten. Sein Cousin habe sich selbst nicht in Lebensgefahr gesehen; der
Beschwerdeführer sei als einziger bewaffnet gewesen und sei selbst nicht angegriffen
worden. Das Verschulden des Beschwerdeführers wiege schwer. Strafmildernd wirke
der unentschuldbare Notwehrhilfeexzess, leicht strafmindernd sodann das teilweise
Geständnis, die Kooperationsbereitschaft, das klaglose Verhalten seit der Tat und das
Alter zum Tatzeitpunkt. Zu einer leichten Reduktion führe sodann der Umstand, dass
sein Verhalten aufgrund von Kriegserlebnissen unter anderem von Aengsten gesteuert
gewesen sei.
Auch in fremdenpolizeilicher Hinsicht ist das Verschulden entgegen den Einwendungen
in der Beschwerde als schwer einzustufen. Insbesondere ist bei Gewaltdelikten auch
nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts ein strenger Massstab anzulegen (BGE
125 II 526). Aufgrund dieser Straftat bzw. der Verurteilung ist ein gewichtiges
öffentliches Interesse an der Ausweisung des Beschwerdeführers gegeben.
Der Beschwerdeführer reiste am 26. Januar 2000 im Rahmen des Familiennachzugs in
die Schweiz ein. Weniger als ein Jahr nach der Einreise in die Schweiz beteiligte er sich
an einer gewalttätigen Auseinandersetzung und fügte einem seiner Widersacher mit
drei Messerstichen lebensgefährliche Verletzungen zu. Seit dieser Tat sind zwar etwas
mehr als drei Jahre verstrichen, doch kann nicht von einem längeren Aufenthalt in der
Schweiz gesprochen werden, welcher bei der Interessenabwägung in nennenswertem
Mass zugunsten des Beschwerdeführers berücksichtigt werden könnte.
Der Beschwerdeführer ist unverheiratet und hat keine familiären
Unterstützungspflichten. Auch in dieser Beziehung liegen somit keine besonderen
Umstände vor, welche bei der Interessenabwägung zu seinen Gunsten zu
berücksichtigen sind. Der Beschwerdeführer lebte zwar vor dem Eintritt in den
Strafvollzug bei seinen Eltern und seinen Geschwistern; doch kann er als volljährige
Person aus der Wohngemeinschaft mit Eltern und Geschwistern keinen
Rechtsanspruch auf einen Aufenthalt nach Art. 8 Ziff. 1 EMRK geltend machen (vgl.
statt vieler BGE 127 II 65).
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Der Beschwerdeführer verbrachte die gesamte Kindheit und Jugend in seinem
Heimatstaat Mazedonien. Als erwachsener junger Mann kann er sich ohne
überdurchschnittliche Schwierigkeiten wieder in seinem Heimatstaat zurechtfinden.
Eine Integration in der Schweiz fand, wenn überhaupt, erst in geringfügigem Masse
statt. Daran vermag der Besuch eines Deutschkurses nichts zu ändern.
d) Zu Unrecht wird in der Beschwerde auf die gute Führung während des Strafvollzugs
hingewiesen. Die Leiterin des Sozialdienstes der Strafanstalt Gmünden hielt fest, dass
der Beschwerdeführer Arbeit und Essen verweigerte, um seine Versetzung zu
erzwingen, und dass er am 17. Januar 2004 verspätet aus einem Besuchsausgang
zurückgekehrt sei und anschliessend wiederum Arbeit und Essen verweigert habe. Die
letzten drei Monate vor der Berichterstattung habe er sich unangepasst verhalten.
Unbegründet ist im weiteren die Behauptung, der Beschwerdeführer sei
suizidgefährdet; diesbezüglich lassen sich dem ärztlichen Bericht des psychiatrischen
Zentrums Herisau vom 5. Februar 2004 keine Anhaltspunkte entnehmen.
Anpassungsstörungen mit niedergedrückter Stimmung sind bei Personen im
Strafvollzug nicht aussergewöhnlich; jedenfalls ergeben sich daraus keine Gründe für
einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz.
Nicht stichhaltig ist ausserdem die Berufung auf den bedingten Aufschub des Vollzugs
der Landesverweisung. Die Rechtmässigkeit bzw. Verhältnismässigkeit einer
fremdenpolizeilichen Ausweisung ist nicht nach denselben Grundsätzen zu beurteilen
wie die Frage des Vollzugs bzw. des Aufschubs einer strafrechtlichen
Landesverweisung. Zwar trifft es zu, dass im Interesse der Rechtssicherheit und
Rechtseinheit eine gewisse Koordination geboten ist. Dies gilt insbesondere, wenn
dieselbe Verwaltungsbehörde über den Vollzug einer strafrechtlichen und einer
fremdenpolizeilichen Massnahme zu entscheiden hat (GVP 1998 Nr. 24 mit Hinweis).
Das Bundesgericht bestätigte aber in einem unlängst ergangenen Entscheid seine
Praxis, wonach abweichende Entscheidungen zulässig sind. So erwog es, die
Voraussetzungen für die beiden Entfernungsmassnahmen seien nicht deckungsgleich.
Sie beruhten auf unterschiedlichen Interessenlagen. Die strafrechtliche
Landesverweisung sei vorab auf die Person des betreffenden Ausländers ausgerichtet.
So sei für den Entscheid über den bedingten Vollzug der strafrechtlichen
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Landesverweisung die Prognose über ein künftiges Wohlverhalten des Ausländers in
der Schweiz entscheidend. Für den Entscheid über den probeweisen Aufschub nach
Art. 55 Abs. 2 StGB sei einzig auf die Resozialisierungschancen abzustellen, wobei
regelmässig die Aussichten auf Wiedereingliederung in der Schweiz denjenigen im
Heimatland gegenüberzustellen seien. Demgegenüber stehe für den Entscheid über die
fremdenpolizeiliche Ausweisung das allgemeine Interesse der öffentlichen Ordnung
und Sicherheit im Vordergrund. Der konkreten Prognose über das Wohlverhalten sowie
dem Resozialisierungsgedanken des Strafrechts sei zwar im Rahmen der umfassenden
fremdenpolizeilichen Interessenabwägung ebenfalls Rechnung zu tragen, die beiden
Umstände gäben aber nicht den Ausschlag (BGE 125 II 110 mit Hinweisen).
e) Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass das
öffentliche Interesse an der Ausweisung des Beschwerdeführers dessen private
Interessen an einem weiteren Verbleib in der Schweiz namentlich aufgrund des
schweren Verschuldens sowie des relativ kurzen Aufenthaltes in der Schweiz und des
Fehlens nach Art. 8 EMRK relevanter familiärer Bindungen überwiegt. Diesem
öffentlichen Interesse würde mit einer blossen Androhung einer Ausweisung nicht
Rechnung getragen. Die Dauer der Massnahme ist im Lichte der dargelegten
Umstände nicht zu beanstanden. Eine Reduktion auf das gesetzliche Minimum von
zwei Jahren erscheint aufgrund der Schwere und Art der Straftat nicht gerechtfertigt.
Folglich ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).