# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bb0880a5-b839-4f89-a482-73c576c27ecd
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1965 geborene
X._
arbeitete als Mitarbeiter Druck für die
Y._
(
Urk.
6/8)
und war dadurch bei der Suva gegen die Folgen v
on Unfällen versichert, als er in der Nacht vom
9.
auf den
1
0.
Dezember 201
6
Opfer eines tätlichen Angriffs wurde
(
Urk.
6/
6
/
44-
61
)
. Dabei erlitt
er
eine offene dislozierte, meh
r
fragmentäre Fraktur Grundphalanx
Dig
itus
II Hands links, eine Kontusion Ellbogen links und ein grossflächiges subkutanes Häm
atom Flanke links (
Urk.
6/6/3-4,
Urk.
6/6/5)
. Die Suva richtete i
n der Folge Taggelder aus
(Urk.
6/23/160
-161
). Am
4.
April 2017
(Eingangsdatum)
meldete sich
X._
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/2).
Die IV-Stelle führte mit
X._
ein Stand
ortgespräch durch
(
Urk.
6/5)
,
liess einen Auszug aus dem individuellen Konto erstellen (
Urk.
6/4
),
zog Akten der Suva bei (
Urk.
6/6)
und holte einen Arbeit
geberbericht (
Urk.
6/8) sowie
einen
Bericht von
Dr.
med.
Z._
, Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
ein (
Urk.
6/12). Am 2
3.
Oktober 2017 teilte die IV-Stelle
X._
mit, dass zurzeit keine Eingliede
rungs
massnahmen angezeigt seien (
Urk.
6/18). In der Folge zog die IV-Stelle weitere Akten der
Suva
, welche ihre Leistungen per 3
0.
April 2018 eingestellt hatte (
Urk.
6/27/247-248)
, bei (Urk. 6/23,
Urk.
6/27)
. Nachdem die IV-Stelle einen
weiteren Bericht von Dr.
Z._
ein
geholt hatte
(
Urk.
6/38)
, stellte sie
X._
mit Mitteilung vom 2
7.
November 2018
in Aussicht, ein psychiatrisches Gutachten in Auftrag zu gebe
n (
Urk.
6/43). Zunächst zog die IV-Stelle
jedoch noch die
Akten der Helvetia Schweizerische Lebensversicherungsgesellsch
a
ft AG
(Helvet
ia)
, bei welcher
X._
Erwerbsaus
fallversicherungs-P
olice
n
abge
schlossen hatte (
Urk.
6/46
,
Urk.
6/53/4
), bei (
Urk.
6/53). Da
sich aus den beige
zo
genen Akten ergab, dass die Helvetia
ein psychiatrisches Gutachten bei
pract
.
m
ed
. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, (
Urk.
6/53/9-44)
eingeholt hatte, verzichtete die IV-Stelle auf die Einholung eines eigenen Gut
achtens (
Urk.
6/55).
Ab Dezember 2018 arbeitete
X._
in einem 30%-Pensum als Chauffeur (
Urk.
6/80).
Mit Vorbescheid vom 1
1.
Februar 2019 stellte die IV-Stelle in Aussicht, einen Leistungsanspruch von
X._
zu ver
neinen (
Urk.
6/56). Dagegen erhob
dieser
Einwand (
Urk.
6/57) und reichte ver
schiedene ärztliche Berichte ein (
Urk.
6
/59,
Urk.
6/60;
Urk.
6/61, Urk.
6/62). Die IV-Stelle holte daraufhin einen Bericht von
Dr.
med. B._
, Facharzt FMH für Neurologie,
ein (
Urk.
6/68).
Dr.
med. C._
,
Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin,
bei welcher die IV-Stelle ebenfalls einen Bericht einhol
en wollte, teil
t
e
hingegen
mit, dass
sie
keine Beurteilung abgegeben könne (
Urk.
6/79). Mit Verfügung vom 2
7.
Februar 2020 verneinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch von
X._
(
Urk.
2).
2.
Dagegen liess
X._
mit Eingabe vom
4.
Mai 2020 (
Urk.
1) Beschwerde erheben und beantragen, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine
Dreiviertelsrente
nach den gesetzlichen Bestimmungen zuzusprechen, eventualiter sei die Angelegenheit zur Vornahme eines polydisziplinären Gutach
tens (orthopädisch
e
, psychiatrische und neurologische Untersuchung) an die Be
schwerdegegnerin zurückzuweisen. Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Be
schwer
deantwort vom 1
0.
Juni 2020 die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5), was
dem Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
7.
Juni 2020 angezeigt wurde (
Urk.
7
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1
.
1
.1
Die Beschwerdegegnerin
erklärte zur Verneinung
eines
Leistungsanspruchs des Beschwerdeführers im Wesentlichen (
Urk.
1), der Beschwerdeführer sei
ab dem 1
0.
Dezember 2016 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen
sei
. Wie aus dem Gutachten der Suva hervorgehe, habe die Arbeitsunfähigkeit aus somatischer Sicht bis am 1
6.
Mai 2017 gedauert.
Aus
somatischer Sicht
sollte
vor all
em das Gewicht redu
ziert werden
. Damit wären die Leistenbänder und auch der Rücken beschwerde
lindernd entlastet. Neben altersgemäss degenerativen LWS-Veränderungen und behandelbaren Leiden lie
g
e für eine angepasste Tätigkeit keine dauerhafte
invalidenversicherungsrechtlich relevante
gesundheitliche Einschränkung vor.
Aus psychiatrischer Sicht liege kein langandauernder Gesundheitsschaden vor.
Die von
Dr.
Z._
attestierte posttraumatische Belastungsstörung
(PTBS)
könne
vom Gutachter nicht nachvollzogen werden.
1
.2
Der Beschwerdeführer liess dagegen im Wesentlichen vorbringen
(
Urk.
1)
,
dass der Gutachter
pract
. med.
A._
eine
PTBS
mit der Begründung
verneine
, es
fehle ein
traumatisches Ereignis von ausserordentlicher Schwere, überzeuge nicht.
E
in schweres psychisches Trauma, das der Entwicklung einer PTBS vorausgehen müsse,
könne
auch kriminelle beziehungsweise körperliche Gewalt oder ein zivi
les Gewalterleben sei
n
. Er sei im Dezember 2016 von zwei Angreifern, welche Metallstangen getragen hätten, mit dem Tode bedroht und danach von diesen verfolgt und mit Metallstangen wiederholt gegen Oberkörper
und
Kopfbereich
geschlagen worden. Nur dem Zufall sei es zu verdanken, dass er die Schläge grösstenteils mit de
n
Händen und Armen habe abwehren können, was
zu
Brüchen geführt
, ihn aber nicht lebensgefährlich verletzt
habe. Dieses Ereignis sei geeig
net, eine PTBS hervorzurufen.
Der Gutachter habe sodann ausgeführt, diagnos
tisch müsse bei den Beschwerden an die Diagnose
einer Depression gedacht werden,
Dr.
Z._
habe aber nie eine solche Diagnose gestellt. Dies treffe je
doch ni
cht zu.
Dr.
Z._
habe am 8.
Oktober 2018 und damit vor Vorliegen des Gutachtens vom 1
0.
Oktober 2018
die Diagnose PTBS (ICD-10 F43.1) und eine rezidivierende depressive Störung, mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11) mit somatischem Syndrom diagnostiziert und eine Arbeitsfähigkeit von 20
%
be
schei
nigt. Da die gutachterliche Untersuchung bereits am 1
6.
Juli 2018 stattge
funden gehabt habe, müsse davo
n ausgegangen werden, dass sich der psychische Gesundheitszustand seit
her
verschlechtert
habe
, zumal nicht mehr nur von einer
leichten, sondern von einer mittelschweren Depression die Rede sei
. Die
Be
schw
er
degegnerin
habe den Arztbericht von
Dr.
Z._
vom
8.
Oktober 201
8 dem Gutachter nicht vorgelegt
. Dies stelle eine Verletzung
des Untersuchungsprinzips dar
.
Das psychiatrische Gutachten befasse sich
zudem
in keiner Weise mit der Wechselwirkung
von
somatisc
hen und psychischen Beschwerden.
Die Beschwerdegegnerin
habe die Akten zu den somatischen Beschwerden von
Dr.
med. D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, von ihrem regionalen ärztlichen Dienst (RAD)
beurteilen lassen.
Die Be
urteilung von
Dr.
D._
wi
derspreche derjenigen von
Dr.
B._
. Entgegen der Ansicht von
Dr.
D._
liege gerade keine gute, sondern eine unsichere Prognose vor
und dass
eine Gewichtsreduktion zu einer Arbeitsfähigkeit führe, sei nicht belegt. Diesbezüglich sei zu beachten, dass die Gewichtszunahme gemäss ärztlicher Einschätzung auch mit der Medikamen
teneinnahme im Zusammenhang stehe und das Gewicht demnach nicht einfach verringert werden könne, zumal
er
verschiedenste Medikamente gegen die psy
chischen Beschwerden, den Bluthochdruck, die Schmerzen und
die
orthopädi
sche
n
Beschwerden einnehmen müsse. Er sei aus somatischer Sicht sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 50
%
arbe
itsunfähig.
Dr.
D._
habe
nicht ausgeführt, die orthopädischen Beschwerden würden am 2
7.
Februar 2020 schon nicht derart sein, dass eine Arbeitsfähigkeit vorliegen würde. Vielmehr habe er ausgeführt, bei Gewichtsabnahme könne man davon ausgehen, dass in Zukunft wieder eine Arbeitsfähigkeit eintreten werde.
Der Entscheid
d
er Beschwerdegegnerin überzeuge auch nicht,
weil
eine vier
jä
h
rige Arbeitsunfähigkeit und Invalidisierung gegeben sei, welche zumindest zu einer befristeten Invalidenrente hätte führen müssen.
Er sei zum Zeitpunkt des Angriff
s
als Druckassistent tätig gewesen
und
ha
b
e
im Jahr 2016 ein Einkommen von Fr. 78'082.
--
erzielt.
Diese Tätigkeit könne er nicht mehr ausüben.
Seit dem
1.
Dezember 2018 sei er als Chauffeur bei der
E._
in einem Pensum von 33
%
angestellt und
erziele
dort einen Monatslohn von Fr. 1’
650.
--
brutto. Wenn man davon ausgehe, dass ihm ein 50%-Pensum zumutbar wäre,
könnte er
jährlich Fr. 29'700.
--
verdienen. Aus der Gegenüberstellung der beiden Einkommen ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 61,96
%
und ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsre
nte
.
2.
2.1
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unt
erbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte
und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
li
ditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medi
zinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2.4
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versiche
rungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in
Art.
43
Abs.
1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet, die not
wendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versicherungs
träger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Notwendigkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen gross ist (Urteil des Bundes
gerichts 8C_481/2013 vom
7.
November 2013 E. 3.4). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bundesgerichts 8C_815/2012 E. 3.2.1).
3.
3.1
Dr.
med.
F._
von der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des
G._
hielt mit internem Verlaufsbericht vom 1
6.
Mai
2017 fest
(
Urk.
6/27/129
), das aktuelle Problem des Beschwerdeführers s
eien
die
Schlafstörungen und
Zervikalgien
, vermutlich verbunden mit dem Unfall. Er dürfe
die linke Hand voll belasten. Eine Arbeitsunfähigkeit bestehe nicht mehr. Die Hand sei im Alltag einsetzbar. Der Beschwerdeführer werde mit seinem Psychiater die weitere Behandlung und Arbeitsunfähigkeit besprechen.
3.2
Dr.
Z._
nannte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 1
8.
Oktober 2017
(
Urk.
6/12) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit eine PTBS (ICD-10 F43.1). Der Beschwerdeführer leide seit dem Angriff vom 10. Dezember
2016
an Schlafstörungen. Er benötige längere Einschlafzeit und erwache mehr
mals in der Nacht, sodass er erst wieder gegen 3 Uhr einschlafen könne. Ferner leide er unter bildlichen Erlebnissen vom Ereignis. Am Morgen verspüre er ein Morgentief und
Kraftlosigkeit. Er sei tagsüber schwach und schläfrig. Erst ab 14
Uhr komme er zu seiner Kraft. Er leide auch unter Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit. Er denke und grüble viel betreffend den Angriff. Er leide unter Ängsten hinsichtlich des Schicksals seiner Kinder, das heisst, er fürchte, dass sie aus Rache auch angegriffen werden könnten. Er ziehe sich vermehrt zurück und sei lärmempfindlich. Sein Appetit sei schlecht und er esse einfach, dass er Kraft habe. Er leide an niedergestimmter Stimmungslage, Gefühllosigkeit, Willenlosigkeit und Desinteresse für Aktivitäten und Hobbys. Er sei traurig und verängstigt. Die Gesellschaft mit Bekannten meide er. Familienanlässe wie Geburtstage vermeide er ebenfalls oder breche sie ab und ziehe sich zurück. Dr.
Z._
attestierte dem Beschwerdeführer seit dem 1
0.
Dezember 2016 und bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit.
3.
3
Dr.
med. H._
, Facharzt FMH fü
r Neurologie, berichtete am 28.
Novem
ber 2017
Dr.
Z._
(
Urk.
6/23/205-208)
, rund ein Jahr nach schwerem Tr
a
um
a
bestünden residuale Beschwerden sowohl auf der psychologischen Ebene als auch im Bereich des linken oberen Körperqua
d
ranten, wo Frakturen und heftige Kon
tusionen erlitten worden seien. Bei der neurologisch-klinischen Untersuchung liege bezüglich des Nervensystems ein weitgehe
nder Normalbefu
nd vor. Dies bestätige sich auch bei der elektrophysiologischen Untersuchung. Damit lasse sich glücklicherweise eine relevante S
c
hädigung der
Medianus
- oder
Ulnaris
-Inner
vation des linken Arms ausschliessen. Auch ein relevantes
Thoracic
-
outlet-Syn
drom liege elektrophysiologisch nicht vor. Klinisch führe aber das
costo
cla
vi
culäre
Kompressionsmanöver zu einem Kribbeln im linken Arm, was für ein leichtes neurogenes
Thoracic
-outlet-Syndrom spreche. Aus neurologischer Sich
t
dominierten allerdings
muskuloskelettale
/weichteilrheumatische
T
r
aumafolgen
das
Bild. Kribbelnde Missempfindungen im linken Arm seien an muskuläre Ver
spannungszustände assoziierte Fühlstörungen, welche durch ein leichtes
Thoracic
-
outlet-Syndrom allenfalls akzentuiert werden könnten. Dieses
Thoracic
-
outlet-Syndrom sei seinerseits gut durch die deutliche Gewichtszunahme zu erklären, welche der Beschwerdeführer im
Anschluss an das Trauma vom 10.
Dezember 2016 erlebt habe
. Die Gewichtszunahme sei
partiell durch die Medikamente und partiell durch den resultierende
n Bewegungsmangel entstanden
.
Im neurolo
gi
schen Bereich ergäben sich zurzeit keine weiteren Abklä
rungs- oder Therapie
massnahmen.
3.4
Dr.
med.
I._
, Fachärztin FMH für Kardiologie und für Allgemeine Innere Medizin,
nannte mit Bericht vom 2
7.
Februar 2018 (
Urk.
6/79/22-23) als Diagnosen eine arterielle Hypertonie
bei normaler
biventrikulärer
systolischer Funktion, LVEF
biplan
73
%
, beginnende diastolische Dysfunktion Grad 1,
und eine Adipositas Grad II (BMI 38,93). Der Beschwerdeführer sei im Alltag aus kardiopulmonaler Sicht beschwerdefrei leistungsfähig. Die Blutdruckeinstellung scheine jedoch noch ungenügend.
3.5
Dr.
med. J._
,
Fachärztin für Chirurgie,
Kreisärztin
der Suva, ant
wor
tete am
4.
April 2018 (
Urk.
6/27/242) auf die Frage, ob strukturelle Läsionen (Ellbogen links) vorlägen, welche mindestens überwiegend wahrscheinlich auf das Unfallereignis vom 1
0.
Dezember 2016 zurückzuführen seien, das
Sulcus
ulnaris
Syndrom sei neurologisch nicht bestätigt. Die Frage, ob bezogen auf die Beschwerden an der Hand/Finger links von einer weiteren Heilbehandlung noch mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
eine Besserung des Gesundheitsz
u
s
tande
s
zu erwarten sei, verneinte sie
.
3.
6
Im Verlaufsb
ericht an die Beschwerdegegnerin vom
8.
Oktober 2018 (
Urk.
6/38) nannte
Dr.
Z._
als Diagnosen eine PTBS
(ICD-10 F43.1)
und eine rezidi
vierende depressive Störung, mittelgradige Episode (ICD-10 F33.11), mit soma
tische
m
Synd
rom. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei stationär. Derzeit sei der Beschwerdeführer in einer leidensangepassten Tätigkeit zu 20
%
arbeitsfähig. Bei günstigem Verlauf könne nach drei Monaten in einer leidens
angepassten Tätigkeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit erreicht werden.
3.
7
Pract
. med.
A._
nannte in seinem zu Händen der Helvetia verfassten Gut
achten vom 1
0.
Oktober 2018 (
Urk.
6/53/9-44) als Diagnose mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
6/53/38) eine Anpassungsstörung mit längerer de
pressiver Reaktion (ICD-10 F43.21). Eine Diagnose ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit führte
pract
. med.
A._
nicht an (
Urk.
6/53/39).
Für die Diagnose einer PTBS bedürfe es eines A-Kriteriums mit einem Ereignis oder einer Situation aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmass
es
. Ein solches
Ereignis liege nicht vor
,
sodass die A-Kriterien nicht erfüllt seien und somit auch die Diagnose einer
PTBS
nicht gestellt
werden dürfe. Diagnostisch müsste auch an eine depressive Symptomatik gedacht werden, je
doch habe
Dr.
Z._
nie die Diagnose einer Depression gestellt. Auch zeigten sich
zwischen
der Arztberichterstattung und den Aussagen des Beschwerde
füh
rers doch Differenzen. So habe
Dr.
Z._
am
1
5.
Juli 2017 unter «Krankheits- und Behandlungsverlauf» berichtet
(vgl.
Urk.
6/53/106-107)
: «Sein Appetit sei schlecht und er esse einfach, dass er Kraft habe. Er leide an niedergestimmter Stimmungslage, das Gefühl der Gefühllosigkeit, Willenslosigkeit und Desinteresse für Aktivitäten und Hobbys. E
r
sei
traurig und verängstigt. Die Gesellschaft mit Bekanntschaft meide er und familiäre Anlässe wir Geburtstage oder zusammen essen vermeide er oder bräche es ab und ziehe sich zurück.». Der Beschwer
de
führer selber habe bei der Exploration berichtet, er habe seinen Vater und seine Mutter letztes Jahr im August besuch
t und sei vom 1
5.
August bis 5.
September 2017 alleine zum Geburtstag des Vaters geflogen. Dies sei alles problemlos mög
lich gewesen und habe ihm keinerlei Schwierigkeiten bereitet. Auch sei der Be
schwerdeführer in seinem Tagesablauf nicht eingeschränkt, er könne problemlos in Restaurants gehen, sich gut konzentrieren und auch Sport
und Filme
schauen, Einkaufen sowie Essen zubereiten und auch problemlos das Haus verlassen. Eine
depressive Symptomatik habe sich zum Untersuchungszeitpunkt nicht mehr ge
zeig
t. Auch die von
Dr.
Z._
beschriebene Gereiztheit,
der soziale
Rückzug, De
sinteresse, Freudlosigkeit und Hoffnungslosigkeit sowie erhöhte Anspannung seien
bei der Exploration
nicht erkennbar
gewesen
. Deshalb sei seines Erachtens die Diagnose eine
r Anpassungsstörung zu stellen (
Urk.
6/53/41-42).
Weder aus der klinischen Untersuchung noch aus der
Montgomery-
As
b
erger
-Skala
noch aus dem Mini-ICF
hätten sich Hinweise für eine
ausgeprägtere
depressive Sympto
matik ergeben. Den BDI-Wert von 32, welcher durch eine Selbstbeurteilung zu
stande komme, könne aus psychiatrischer Sicht nicht nachvollzogen werden. Hier sei davon auszugehen, dass es sich um eine Beurteilung handle, welche über die Verdeutlichungstendenz hinausgehe und als bewusstseinsnahe Symptomatik an
genommen werden müsse (
Urk.
6/53/43).
Der Beschwerdeführer sei sowohl im angestammten Beruf als Drucker als auch für jegliche Verweistätigkeit ohne wesentliche Einschränkung zu 100
%
arbeits
fähig
. Die Arbeitsfähigkeit gelte ab dem Untersuchungszeitpunkt, also ab dem 1
6.
Juli 2018
(
Urk.
6/53/43).
3.
8
Dr.
med. K._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
er
klärte
in seinem an Dr.
C._
gerichteten
Bericht vom 2
7.
November
2018 (
Urk.
6/79/17), der Beschwerdeführer berichte seit längerer Zeit über
lumboi
schial
gieforme
Beschwerden, links stärker als rechts. Dabei komme es zu einer Ausstrahlung in beide Oberschenkellateralseiten, jedoch auch in die linke
Ober
schenkelve
n
tralseite
. Rechtsseitig besteh
e
eine schwächere Symptomatik. Der Beschwerdeführer sei im Oktober 2018 bei
Dr.
B._
gewesen. Dieser habe eine Infiltration im Bereich des
Nervus
cutaneus
femoris
lateralis
linksseitig durch
geführt, was zu einer deutlichen Beschwerderemission geführt habe. Zehen und Fersengang seien demonstrierbar. Es zeige sich ein Druckschmerz über den tieflumbalen Facetten und den
Iliosakralgelenken
beidseits. Eine motorische Auf
fälligkeit der unteren Extremitäten zeige sich nicht, es besteh
e
jedoch eine Sensibilitätsstörung
in
etwa dem Versorgungsgebi
e
t des
N
e
rvus
cutaneus
femoris
lateralis
linksseitig
(
etwas auch rechtsseitig) sowie in etwa den
D
e
rmatomen
von L5 beidseitig entsprechend. Eine im Vorfeld durchgeführte Kernspintomographie der LWS zeige eine deutliche Segmentdegeneration bei L4/5 mit Facettenge
lenksarthrosen und
Bandscheibenprotrusion
. So komme es zu einer Kompression der Nervenwurzeln von L5 beidseits. Da der Beschwerdeführer von der Infiltration rund um den
Nervus
cutaneus
femoris
lateralis
linksseiti
g
bei
Dr.
B._
sehr profitiere,
würde
er eine erneute Vorstellung bei ihm empfehlen um gegebenen
falls eine erneute Infiltration dieses Bereiches durchzuführen.
3.9
Dr.
Z._
hielt mit Bericht vom 1
2.
Juni 2019 (
Urk.
6/76/4-6) als Diagnose eine PTBS (ICD-10 F43.1) fest. Der Beschwerdeführer sei zu 50
%
arbeitsunfähig. Er arbeite derzei
t als Kleintransport-Autofahrer; k
ein Kurierdienst, mit geregelter Fahrstrecke und Zeit. Für diese leidensangepasste Tätigkeit sei
der Beschwerde
führer
weiterhin
zu 50 % arbeitsfähig. Für den Behandlungsverlauf und die G
e
nesung erschwerend sei eine
Meralgia
paraestheti
c
a
beidseits mit Linksbeto
nung. Die schmerzhaften Gefühlsstörungen am linken Oberschenkel beunruhigten und verängstigten ihn. Diesmal ginge es nicht um eine Schmerzverarbeitungsstörung, weil der Schmerz differenziert daure, lokalisiert sei und neurologische Befunde vorlägen. Eine relevante Prognose
sei erst ab Sommer 2020 möglic
h
.
3.
10
Dr.
B._
nannte mit Bericht an die Beschwerdegegnerin vom 1
9.
Juni 2019 (
Urk.
6/68) als Diagnose eine
Meralgia
paraesthetica
beidseits mit Linksbetonung (ICD-10 G 57.1). Der Beschwerdeführer sei als Chauffeur seit dem
1.
Oktober 2018 und bis auf Weiteres zu 50
%
arbeitsunfähig. Eine angepasste Tätigkeit müsste wechselbelastend sein. Der Beschwerdeführer müsse wegen Schmerzen in beiden Oberschenkeln die Arbeit immer wieder unterbrechen. Eine angepasste Tätigkeit wäre in einem Pensum von vier bis fünf Stunden pro Tag zumutbar. Längerfristig sei ein Abklingen der Beschwerden möglich. Im Haushalt sei der Beschwer
de
führer zu 50
%
eingeschränkt (
Urk.
6/68).
3.
1
1
RAD-Arzt
Dr.
D._
erklärte mit Stellungnahme vom 1
6.
Dezember 2019
(
Urk.
6/87/5), aus somatischer Sicht sollte vor allem das Gewicht reduziert w
erden. Damit seien die Leistenbänder und auch der Rücken erfahrungsgemäss beschwer
delindernd
wieder
entlastet. Neben altersgemäss degenerativen LWS-Verände
rungen und behandelbaren Gesundheitsschäden scheine für
eine
angepasste Tätig
keit sonst
kein dauerhafter invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesund
heitsschaden vor
zu
liegen.
3.1
2
RAD-Ärztin
Dr.
med.
L._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psy
cho
therapie,
führte mit Stel
lungnahme vom 2
0.
Dezember 2019
aus
(Urk.
6/87/
5-6),
auf
das psychiatrische Gutachten von
pract
.
m
ed.
A._
könne abgestellt werden. Der letzte Arztbericht von
Dr.
Z._
vom 1
2.
Juni 2019 mit der von ihm seit 2016 diagnostizierten PTBS sowie der nur 50%igen Arbeitsunfähigkeit könne aufgrund des Gutachtens von
pract
. med.
A._
nicht nachvollzogen werden.
4.
4.1
4.1.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte aus somatischer Sicht einen invaliden
ver
si
che
rungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden mit der Begründung,
dass nur bis am 1
6.
Mai 2017 aus somatischer Sicht eine Arbeitsunfähigkeit bestanden habe und
dass neben altersgemäss degenerativen LWS-Veränderungen und be
handelbaren Leiden für eine angepasste Tätigkeit keine dauerhafte invaliden
ver
sicherungsrechtlich relevante gesundheitlich
e Einschränkung vorliege (E. 1.1
).
Es erweist sich als
schlüssig
, dass die Beschwerdegegnerin hinsichtlich der vom Beschwerdeführer nach dem Ereignis vom 1
0.
Dezember 2016 geklagten Hand- und Ellbogenbeschwerden ab dem 1
6.
Mai 201
7
eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit verneint hat. So ergibt sich aus dem Bericht von
Dr.
F._
vom 1
6.
Mai 2017 (E. 3.
1
), dass hinsichtlich Hand keine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit mehr
besteht
.
Diese Einschätzung teilte die Suva-Kreisärztin Dr.
J._
(E.
3.5).
Gemäss
Dr.
H._
(E.
3.3) lässt sich eine relevante Schädigung der
Medianus
- oder
Ulnaris
-Innervation des linken Arms ausschliessen. Aus den aktuellen ärztlichen
Berichten, insbesondere von Dr.
K._
(E. 3.8) und
Dr.
B._
(E. 3.10)
,
ergeben sich
keine
Hinweise darauf, dass der Beschwerde
führer weiterhin Beschwerden betreffend linke Hand und/oder Ellbogen verspü
r
en würde
.
Hand- beziehungsweise Ellbogenbeschwerden w
u
rden
zudem
vom Beschwerdeführer auch beschwerdeweise nicht geltend gemacht
(vgl. E. 1.2)
.
Der Beschwerdeführer klagt jedoch weiterhin über
Rückenschmerzen (E. 3.8) und Schmerzen beziehungsweise Gefühlsstörungen in den Oberschenkeln, welche ge
mäss
Dr.
B._
durch eine
Meralgia
paraesthetica
beidseits mi
t Linksbe
to
nung (ICD-10 G 57.1) begründet sind (E. 3.10).
Die Beschwerdegegnerin mass diesen Beschwerden gestützt auf die Einschätzung ihres RAD-Arztes Dr.
D._
(E.
3.11)
keine Auswirkun
gen auf die Arbeitsfähigkeit zu
, da altersgemäss
dege
-
ne
rative
LWS-
Veränderungen vorlägen
respektive
der Gesundheitsschaden behan
d
el
bar sei (E. 3.11). Dass
Dr.
D._
altersgemäss degenerativen Verän
de
rungen der LWS
keine Auswirkungen für die Arbeitsfähigkeit in einer behinde
rungsangepassten Tätigkeit zumass, erscheint schlüssig.
Hinsichtlich
der von
Dr.
D._
angeführten Behandelbarkeit gilt es jedoch zu beachten, dass
die
Behandelbarkeit
eines Leidens dem Eintritt einer rentenbegründenden Invalidität nicht
grundsätzlich
im Wege
steht
(BGE
143 V 409 E. 4.2.1,
127 V 294 E. 4
).
Dies gilt grundsätzlich auch
für durch eine Adipositas (mit-)begründete Beschwerden (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_496
/2012 vom 1
9.
September 2012 E. 2.2 und E. 3.2).
Eine allenfalls
fehlende Inanspruchnahme einer Behandlung
könnte
dem Beschwerdeführer
erst nach Durchführung des Mahn- und
Bedenkzeitverfahrens
im Sinne von
Art.
21
Abs.
4 ATSG
zum Vorwurf gemacht werden
. Ein solches wurde von der Beschwerdegegnerin jedoch
nie
durchgeführt.
Da
s
heisst,
es
ist für den Anspruch auf eine Invalidenrente grundsätzlich nicht massgeblich,
ob die
vom Beschwerdeführer
g
eklagten Beschwerden,
namentlich
die Schmerzen und Gefühlsstörungen in den Oberschenkeln
,
behandelbar sind
oder nicht.
Da sich aus den Ausführungen von
Dr.
D._
nicht klar ergibt, inwieweit er lediglich
aufgrund einer – angeblichen – Behandelbarkeit der Beschwerden einen invali
de
n
versicherungsrechtlich relevanten Gesundheitsschaden verneint hat, bildet seine
Einschätzung
keine schlüssige Beurteilungsgrundlage
für die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers
.
4.1.2
Der Neurologe
Dr.
B._
untersuchte beziehungsweise behandelte den Be
schwe
rdeführer betreffend
Meralgia
paraes
thetica
. Seinem Bericht vom 19.
Juni 2019 (vgl. E. 3.
10
) sind jedoch keine Angaben zu den vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden und zu den erhobenen Befunden zu entnehmen. Der von
Dr.
B._
beigelegte Be
richt vom
3.
Oktober 2018 (Urk.
6/68/7-8) gibt zwar
diesbezüglich Auskunft
, die Angaben beziehen sich jedoch naturgemäss lediglich auf den Zeitraum bis Oktober 201
8.
Nachdem dem Bericht vom
3.
Oktober 2018 zu entnehmen ist, dass eine Besserung der Beschwerden durchaus möglich
sei
, kann ge
stützt auf die Berichte von Dr.
B._
der - neurologische
–
Gesund
heitszustand des Beschwerdeführers nicht schlüssig beurteilt
werden
.
4.1.3
Den übrigen ärztlichen Berichten ist ebenfalls keine schlüssige Beurteilung des somatischen Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers betreffend den
ganzen
vorliegend relevanten Zeitraum
, das heisst vom 1
0.
Dezember 2016 – bezie
hungs
weise Oktober 2016 (vgl. E. 2.1,
Art.
29
Abs.
1 IVG) - bis 2
7.
Februar 2020 (
Urk.
2)
zu
entnehmen.
Der somatische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers erweist
sich deshalb als ungenügend abgeklärt.
4.2
4.2.1
Aus psychiatrischer Sicht stützt sich die Beschwerdegegnerin im Wesentlichen auf das zu Händen der Helvetia erstattete Gutachten von
pract
. med.
A._
vom 1
0.
Oktober 2018 (E. 3.
7
).
Beim Gutachten von
pract
. med.
A._
gilt es zu beachten, dass er sich lediglich zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers ab dem Zeitpunkt der Begutachtung äussert
e
. Entsprechend stellte die Helvetia ihre Leistungen auch per Zeitpunkt der Begutachtung ein (
Urk.
6/53/4-8). Zur Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers bis zur Begutachtung äusserte sich
pract
. med.
A._
hingegen
nicht. Aus dem Gutachten ergeben sich jedoch Anhaltspunkte
dafür
, dass
pract
. med.
A._
den Beschwerdeführer in der Zeit vor der am
1
6.
Juli 2018 erfolg
t
en Begutachtung als in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt erachtete, erklärte er doch, dass beim Beschwerdeführer wieder
eine 100%ige Arbeitsfähigkeit ohne wesentlich
e Einschränkungen bestehe (Urk.
6/53/43
, Prognose
).
F
ür die Beurteilung des invalidenversicherungsrecht
lichen
Leistungsanspruchs
des Beschwerdeführer
s
ist
auch massgebend, über welche Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführer seit Oktober
2016
beziehungs
weise Dezember 2016 verfügte.
Da sich
pract
. med.
A._
dazu nicht äussert, bildet
sein
zu Händen der Helvetia verfasste
s
psychiatrische
s
Gutachten zumin
dest nicht für den
g
esamten
vorliegend zu beurteilenden Zeitraum
eine
beweis
kräftig
e
medizinische Grundlage
.
4.
2.2
Die Berichte des behandelnden P
sychiaters
Dr.
Z._
(E. 3.
2
, E. 3.6, E. 3.9
) bilden
ebenfalls
keine rechtsgenügende Grundlage für die Beu
rteilung der Leis
tungs
fähigkeit
des Beschwerdefüh
r
ers
. So sind den Berichten insbesondere keine schlüssigen Angaben zum Aktivität
s
niveau des Beschwerdeführers zu entneh
men. Zwar
ergibt sich aus den Berichten, dass der Beschwerdeführer teilweise die
Gesellschaft mit Bekan
n
ten und familiäre Anässe wie G
eburtstage oder Zusam
menessen gemieden hat
und er Desinteresse für normale angenehme Aktivitäten zeigt (
Urk.
6/12/3,
Urk.
6/38/1,
Urk.
6/76/5), welche Aktivitäten er
tatsächlich
noch
ausübt beziehungsweise in der Vergangenheit ausgeübt
hat, ergibt sich aus den Berichten jedoch nicht.
Ausführungen
zu den vom Beschwerdeführer noch ausgeübten Tätigkeiten
sind
f
ür die Nachvollziehbarkeit der attestierten Ein
schränkungen
jedoch
unerlässlich, ist doch
der verhaltens
bezogene Aspekt der Konsistenz beweisrechtlich entscheidend (vgl. E
.
2.3
).
Vorliegend wären Ausfüh
rungen von
Dr.
Z._
umso erforderlicher,
als
sich aus dem Gutachten von
pract
. med.
A._
ein relativ
hohes
Aktivitätsniveau
des Beschwerdeführers ergibt (
Urk.
6/53/27). Bei der Würdigung der Berichte von
Dr.
Z._
gilt es zudem
ohnehin der Erfahrungstatsache Rechnung zu trag
en
, dass
behandelnde Ärzte,
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung
,
in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 4
65 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
4.2.3
Da keine weiteren ärztlichen Berichte vorliegen, welche zum psychischen Ge
sundheitszustand des Beschwerdeführers Auskunft geben, lässt sich auch der psy
chische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers gestützt auf die von der Be
schwerdeführerin getätigten Abklärungen nicht rechtsgenügend beurteilen.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwie
rige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sach
verhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
5.2
Vorliegend steht die Rechtsprechung gemäss BGE 137 V 210, wonach bei unge
nügenden Abklärungen des medizinischen Sachverhalts durch den Versiche
rungs
träger in der Regel ein Gerichtsgutachten einzuholen ist, einer Rückweisung an die Beschwerdegegnerin nicht entgegen. BGE 137 V 210 änderte nichts an der gesetzlichen Ordnung, wonach der Beweis über sozialversicherungsrechtliche An
sprüche primär auf der Stufe des Administrativverfahrens (vgl.
Art.
43 f. ATSG) und nicht im gerichtlichen Prozess geführt wird (vgl. BGE 137 V 210 E. 2.2.2 und 4.2). Wie das Bundesgericht festgestellt hat, litte die Rechtsstaatlichkeit der Ver
sicherungsdurchführung empfindlich und wäre von einem Substanzverlust be
droht, wenn die Verwaltung von vornherein darauf bauen könnte, dass ihre Arbeit ohnehin in jedem verfügungsweise abgeschlossenen Sozialversiche
rungs
fall auf Beschwerde hin gleichsam gerichtlicher Nachbesserung unterläge (BGE 137 V 210 E. 4.2). Nimmt der Versicherungsträger wie vorliegend keine Abklä
rungen zum Verlauf der
Leistungsfähigkeit
des Versicherten
aus psychiatri
scher Sicht
vor, obwohl sich aus den Akten Hinweise auf eine zumindest zwischen
zeitliche Einschränkung der Leistungsfähigkeit des Versicherten ergeben,
und stützt sich gleichzeitig die somatische Beurteilung auf eine nicht nachvollziehbare Aktenbeurteilung durch den RAD,
sind die ergänzenden Abklärungen von der Verwaltung in die Wege zu leiten.
Demnach ist die Sache an die Beschwer
de
gegnerin zurückzuweisen, damit sie ein medizinisches Gutachten einholt
, welches sowohl zum somatischen als auch zum psychischen Gesundheitszustand des Be
schwerdeführers seit dem Ereignis vom 1
0.
Dezember 2016 Auskunft gibt. H
er
nach
hat die Beschwerdegegnerin
erneut über den Leistungsanspruch des Be
schwe
rdeführers
zu entscheiden
. Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzu
heissen.
6.
6.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.
festgelegt. Vorlie
gend sind sie auf Fr. 800.-- festzusetzen.
Die Rückweisung an die Verwaltung gilt nach ständiger Rechtsprechung als voll
ständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
6.2
Der vertretene Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Prozessentschädigung (§ 34 Abs. 1
GSVGer
).
Diese wird ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Die dem Beschwerdeführer von der Beschwerdegegnerin auszurichtende Prozessentschädigung ist unter Berück
sich
ti
gung der genannten Kriterien
ermessensweise
auf
Fr.
2’200.-- (inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) festzusetzen.