# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2307af48-90f6-4c21-a57d-e481a8fa96be
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

hat die Steuerrekurskommission den Akten entnommen:
A. Mit öffentlich beurkundetem Kaufvertrag vom 21. April 2017, eingetragen in das Grundbuch am 2. August 2018, verkaufte die A._ (Rekurrentin) die Grundstücke
C._ Gbbl. Nrn. _ und _ (nachfolgend: die Grundstücke) an die
D._ AG. Dabei vereinbarten die Parteien bezüglich der Bezahlung des Kaufpreises
folgende Zahlungsmodalität:
"In Anrechnung an den Kaufpreis vom CHF 2'300'000.-- übernimmt die Käuferschaft die per 1. Mai
2018 gegenüber der WIR-Bank bestehende Grundpfandschuld mit einer Schuldrestanz von
CHF 750'000.--. Der Restkaufpreis von CHF 1'550'000.-- dagegen ist zahlbar in WIR durch Gutschrift
auf einem noch bekanntzugebenden WIR-Konto der Verkäuferschaft per 21. April 2017".
B. In der Folge veranlagte die Steuerverwaltung, Abteilung Grundstückgewinnsteuer (Steuerverwaltung), am 7. August 2019 einen Grundstückgewinn von CHF 866'400.-- und eine
Steuerforderung von CHF 310'360.90 (Veranlagungsverfügung vom 7.8.2019, Akten der
Steuerverwaltung, pag. 3).
C. Dagegen erhob die Rekurrentin am 3. September 2019 Einsprache. Sie beantragte, bei der Berechnung des Grundstückgewinns der Zahlung von CHF 1'550'000.-- in WIR-Geld mit
einem Einschlag Rechnung zu tragen.
D. Mit Einspracheentscheid vom 7. Mai 2020 wurde die Einsprache abgewiesen, was die Steuerverwaltung zusammengefasst damit begründete, dass bei einer Bezahlung des Kauf-
preises einer Liegenschaft in WIR-Geld immer der Nominalwert massgebend sei.
E. Mit Schreiben vom 6. Juni 2020 hat die Rekurrentin, vertreten durch Rechtsanwalt B._ (Vertreter), Rekurs bei der Steuerrekurskommission des Kantons Bern
(Steuerrekurskommission) eingereicht und beantragt, den steuerbaren Grundstückgewinn von
CHF 866'400.-- auf CHF 378'100.-- zu reduzieren. Der Vertreter begründet dies unter Berufung
auf das Bundesgericht zusammengefasst damit, dass WIR-Geld nicht Geld im Rechtssinn sei,
sondern eine Forderung besonderer Art darstelle. Es handle sich deshalb um ein eigentliches
Tauschgeschäft. Der Verkehrswert von WIR-Geld liege unter dem Nominalwert. Die Rekurrentin
gehe davon aus, dass die WIR-Bank bloss 65 %
des Nominalwerts in Franken erstatten würde. Dies würde einen Grundstückgewinn von
CHF 378'100.-- ergeben.
Ergänzend bemerkt der Vertreter, dass die Bezahlung der Steuerforderung von
CHF 312'773.20 zu einem Liquiditätsengpass führen würde. Daher sei die Steuerverwaltung um
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ihr Einverständnis zur Abzahlung der Steuerforderung im Rahmen eines Abzahlungsplans
ersucht worden.
F. Die Steuerverwaltung hat sich am 14. August 2020 vernehmen lassen und die kostenpflichtige Abweisung des Rekurses beantragt. Sie begründet dies zusammengefasst
damit, dass WIR-Geld innerhalb des WIR-Teilnehmerkreises einem Zahlungsmittel mit voller
Kaufkraft gleichgestellt sei. Die Rekurrentin habe den WIR-Betrag von CHF 1'550'000.-- zum
Nominalwert angenommen und kurz darauf ohne Einschlag zur Ablösung einer
Darlehensposition des
Aktionärs E._ verwendet. Nach Auffassung der Steuerverwaltung liege kein
Tauschgeschäft vor, da WIR-Geld den Charakter eines Zahlungsmittels habe. Schliesslich
verweist sie hinsichtlich Inkassofragen auf die Zuständigkeit der Steuerverwaltung, Region
Oberaargau-Emmental.
G. Der Vertreter hat sich dazu namens der Rekurrentin mit Stellungnahme vom 24. September 2020 geäussert und auf dem Standpunkt, wonach es sich um ein Tausch-
geschäft handle, beharrt.

## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Grundstückgewinnsteuer können bei der Steuerrekurskommission angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes
vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11]). Die Steuerrekurskommission ist deshalb sachlich und
örtlich zuständig. Die Rekurrentin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit ihren Anträgen nicht
durchgedrungen. Sie ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art. 195 Abs. 2 StG i.V.m.
Art. 86 und 65 des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG;
BSG 155.21]). Auf den form- und fristgerecht eingereichten Rekurs ist deshalb einzutreten.
2. Die vorliegende Streitsache wird von der Steuerrekurskommission in Dreierbesetzung beurteilt, da der Streitwert über CHF 10'000.-- liegt (Art. 70 Abs. 3 und Abs. 4 Bst. c des
Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der
Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
3. Die Rekurrentin hat beim Verkauf von verschiedenen Grundstücken unbestrittenermassen einen Teil des Kaufpreises, nämlich CHF 1'550'000.--, in WIR-Geld erhalten. Strittig ist, ob für
die Bestimmung des Grundstückgewinns der Nominalwert des WIR-Geldes massgeblich oder
ob ein Einschlag anzurechnen ist. Die Rekurrentin beantragt, den in WIR-Geld erhaltenen Anteil
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des Kaufpreises von CHF 1'550'000.-- mit einem Verkehrswert von 65 % des Nominalwerts
einzusetzen. Dies würde zur Reduktion des Grundstückgewinns von CHF 866'400.-- auf
CHF 378'100.-- führen.
4. Das Steuergesetz enthält in Art. 137 StG die Definition des Gewinns als Differenz zwischen dem Erlös und den Anlagekosten (Erwerbspreis zuzüglich Aufwendungen). Gemäss
Art. 138 Abs. 1 StG gilt als Erlös der gesamte Wert aller vermögenswerten Leistungen, zu
denen sich die erwerbende Person gegenüber der veräussernden Person verpflichtet.
5. Das WIR-Geld ist nicht Geld im Rechtssinn, sondern stellt eine Forderung besonderer Art dar (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 61 zu
Art. 16 DBG). WIR-Gelder sind Zahlungsmittel, zu deren Annahme nur die Genossenschafter
der WIR-Bank (vormals Wirtschaftsring-Genossenschaft) für einen Teil ihrer Forderungen
verpflichtet sind. Die dem WIR-Geld anhaftenden Nachteile (beschränkte Verwendbarkeit, Zins-
losigkeit, schlechtere Vertragsbedingungen bei Bezahlung mit WIR-Geld [keine Rabatte, kein
Skonto usw.]) haben zur Folge, dass sein Verkehrswert unter dem Nennwert liegen kann.
Dieser Minderwert hängt freilich von der Art der Verwendung bzw. den konkreten
Verwendungsumständen und den Geschäftsbereichen ab (vgl. BGer 2A.602/2002 vom
23.7.2003, E. 3.1.2.1). Gleichwohl soll WIR-Geld nach den WIR-Geschäftsbedingungen volle
Kaufkraft besitzen (Peter Locher, Kommentar zum DBG, Bundesgesetz über die direkte
Bundessteuer, I. Teil, 2. Aufl., 2019, N. 42 zu Art. 16 DBG; vgl. auch
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 61 zu Art. 16 DBG). Es ist bekannt, dass bei WIR-
Geld häufig ein Einschlag gewährt wird. Ob und in welchem Umfang dem Rechnung zu tragen
ist, ist in jedem Einzelfall unter Würdigung der Umstände festzulegen, wobei die für
steuermindernde Tatsachen substanziierungs- und beweispflichtige steuerpflichtige Person die
entsprechenden Umstände darzulegen hat (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 62 f. zu
Art. 16 und N. 28 zu Art. 58 DBG).
5.1 Die Steuerrekurskommission hat sich in einem kürzlich ergangenen Entscheid mit dem WIR-Geld befasst. Dabei hat sie festgehalten, dass wenn das WIR-Guthaben in dem, wenn
auch beschränkten, so doch ansehnlichen Mitgliederkreis als Zahlungsmittel mit voller Kaufkraft
eingesetzt und in Waren oder Dienstleistungen umgesetzt werden kann, von einer
gewissermassen vorsorglichen Gewährung eines Einschlags grundsätzlich abgesehen werden
muss (siehe dazu und zum nachfolgenden RKE 100 2019 106/200 19 96 vom 16.6.2020, E.
3.1; so schon BVR 1981 S. 201 f.). Diese Betrachtungsweise wird vorliegend durch den
Umstand bestätigt, dass die Rekurrentin den erhaltenen WIR-Betrag von CHF 1'550'000.-- kurz
darauf ohne Einschlag zur Ablösung einer Darlehensposition des Aktionärs E._
verwenden konnte. Auch kann ohne Willkür die Gleichwertigkeit der Abgeltung mit WIR-Anteilen
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und der Bezahlung in Schweizerfranken angenommen werden, wenn bei Liegenschaftskäufen
die Summe der erbrachten Leistungen (inkl. beträchtlichen WIR-Anteilen) exakt dem
verurkundeten Kaufpreis entspricht. Falls die Parteien den Kaufpreis aufgrund der (teilweisen)
Bezahlung mit WIR-Geld extra höher festgesetzt haben, könnte das nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nur berücksichtigt werden, wenn der effektive Wert der
Liegenschaft als Kaufpreis verurkundet und bei den Zahlungsmodalitäten der entsprechend
höhere WIR-Anteil ausgewiesen worden wäre (BGer 2A.602/2002 vom 23.7.2003, E. 3.1.1;
BGer vom 18.1.2000 in StE 2002 B 44.11 Nr. 11 E. 2b), was vorliegend nicht geschehen ist. Die
Betrachtungsweise als Tauschgeschäft, wie sie der Vertreter betont, ändert daran nichts, da
auch bei Tauschgeschäften auf den effektiven Wert abzustellen ist. Demnach ist nicht zu
beanstanden, dass die Steuerverwaltung bei der Berechnung des Grundstücksgewinns auf den
Nominalwert des WIR-Geldes abgestellt hat. Die sich daraus ergebende Berechnung des
Grundstückgewinns von CHF 866'400.-- hat die Rekurrentin nicht beanstandet. Daraus folgt,
dass der Rekurs abzuweisen ist.
Hinsichtlich der Bemerkung am Schluss des Rekursschreibens bezüglich allfälliger
Schwierigkeiten beim Begleichen der Steuerforderung ist darauf hinzuweisen, dass für
Zahlungserleichterungen die Steuerverwaltung zuständig ist.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Rekurrentin kostenpflichtig. Sie hat die gesamten Verfahrenskosten zu tragen (Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2, 53, 58 und 59 des
Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die Verwaltungsgebühren der
Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]).
Demnach sind die Verfahrenskosten in der Höhe von CHF 3'000.-- der unterlegenen
Rekurrentin aufzuerlegen und mit dem geleisteten Kostenvorschuss zu verrechnen.
7. Ist die Rekurrentin vertreten, so kann bei ganz- oder teilweisem Obsiegen eine  gesprochen werden. Da die Rekurrentin im vorliegenden Fall unterliegt, werden
keine Parteikosten gesprochen (Art. 200 Abs. 4 StG).