# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3fa7794a-5c8b-4e77-b29a-72fc7feeb3e0
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dielsdorf vom 8. Mai 2017
(GB170007)
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Strafbefehl:
Der Strafbefehl vom 16. Februar 2017 des Statthalteramtes des Bezirks Dielsdorf
(Geschäftsnummer: ST.2016.2898) ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 10).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist der Verkehrsregelverletzung gemäss Art. 90
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG nicht schuldig und wird
freigesprochen.
2. Der Strafbefehl vom 16. Februar 2017 des Statthalteramtes des Bezirkes
Dielsdorf (Geschäftsnummer: ST.2016.2892) wird aufgehoben.
3. Die Gerichtskosten werden auf die Staatskasse genommen.
4. Die Kosten für Gebühren und Auslagen des Strafbefehls sowie die nachträg-
lichen Gebühren des Statthalteramtes des Bezirkes Dielsdorf werden auf die
Staatskasse genommen.
5. Dem Beschuldigten wird eine Parteientschädigung von Fr. 2'334.20 (inkl.
MwSt.) aus der Gerichtskasse zugesprochen.
6. [Urteilseröffnung]
7. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge:
a) Der erbetenen Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 25 S. 2, schriftlich)
1. Die Berufung sei abzuweisen.
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2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Berufungsklä-
gerin.
b) Des Statthalteramtes des Bezirks Dielsdorf:
(Urk. 14 S. 3 f.; Urk. 21, schriftlich)
Das Urteil der Vorinstanz sei aufzuheben und der Beschuldigte sei in Bestä-
tigung des Strafbefehls des Statthalteramtes des Bezirks Dielsdorf
ST.2016.2892 vom 16. Februar 2017 wegen ungenügenden Abstands
schuldig zu sprechen und angemessen zu bestrafen, unter Kostenfolgen zu-
lasten des Beschuldigten.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1.1 Mit Urteil des Bezirksgerichts Dielsdorf, Strafsachen, vom 8. Mai 2017
wurde der Beschuldigte vom Vorwurf der Verkehrsregelverletzung im Sinne von
Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG freigesprochen. Ferner
wurde dem Beschuldigten eine Parteientschädigung von Fr. 2'334.20 aus der Ge-
richtskasse zugesprochen, und es wurde über die Kostenfolgen entschieden
(Urk. 13 S. 14 f.).
1.2 Gegen dieses Urteil meldete das Statthalteramt des Bezirks Dielsdorf
(nachfolgend Statthalteramt) mit Eingabe vom 10. Mai 2017 rechtzeitig Berufung
an (Urk. 9). Das begründete Urteil wurde dem Statthalteramt am 19. Juli 2017 zu-
gestellt (Urk. 12). Mit Eingabe vom 24. Juli 2017 reichte dieses fristwahrend die
Berufungserklärung ein (Urk. 14). Mit Präsidialverfügung vom 27. Juli 2017 wurde
dem Beschuldigten eine Kopie der Berufungserklärung zugestellt und Frist zur
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Anschlussberufung oder für einen Nichteintretensantrag angesetzt (Urk. 15). Mit
derselben Verfügung wurde der Beschuldigte unter Hinweis auf sein Aussage-
verweigerungsrecht aufgefordert, ein Datenerfassungsblatt auszufüllen und seine
finanziellen Verhältnisse zu belegen (Urk. 15). Am 4. August 2017 ging das vom
Beschuldigten ausgefüllte Datenerfassungsblatt zusammen mit einem Mietvertrag
sowie Lohnabrechnungen beim Gericht ein (Urk. 17; Urk. 18/1-5). Mit Beschluss
vom 1. September 2017 wurde das schriftliche Verfahren angeordnet und dem
Statthalteramt Frist angesetzt, um die Berufungsanträge zu stellen und zu be-
gründen (Urk. 19). Mit Eingabe vom 12. September 2017 erklärte das Statthalter-
amt, bezüglich der Berufungsanträge und deren Begründung auf die Berufungs-
erklärung vom 24. Juli 2017 zu verweisen (Urk. 21). Anschliessend wurde dem
Beschuldigten mit Präsidialverfügung vom 14. September 2017 Frist zur Einrei-
chung einer Berufungsantwort angesetzt. Die Vorinstanz erhielt Gelegenheit zur
freigestellten Vernehmlassung (Urk. 22), wobei sie auf eine solche verzichtete
(Urk. 24). Die in der Folge am 20. September 2017 erstattete Berufungsantwort
des Beschuldigten wurde dem Statthalteramt mit Präsidialverfügung vom
26. September 2017 zugestellt (Urk. 25; Urk. 27). Damit erweist sich das vorlie-
gende Verfahren als spruchreif.
1.3 Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Da das
erstinstanzliche Urteil durch das Statthalteramt vollumfänglich angefochten wird
(Urk. 14 S. 3 f.; Urk. 21), erwächst keine Dispositivziffer in Rechtskraft.
2. Bilden – wie im vorliegenden Fall – ausschliesslich Übertretungen Gegen-
stand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur gel-
tend gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des
Sachverhalts sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung.
Neue Behauptungen und Beweise können nicht vorgebracht werden (Art. 398
Abs. 4 StPO).
2.1. Betreffend den Sachverhalt hat das Berufungsgericht konkret nur zu
prüfen, ob dieser durch die Vorinstanz offensichtlich unrichtig, d.h. willkürlich,
festgestellt wurde. Relevant sind dabei klare Fehler bei der Sachverhaltsermitt-
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lung, wie namentlich Versehen, Irrtümer oder offensichtliche Diskrepanzen zwi-
schen der sich aus den Akten sowie der Hauptverhandlung ergebenden Beweis-
lage auf der einen und der Urteilsbegründung auf der anderen Seite. Weiter in Be-
tracht kommen insbesondere Fälle, in denen die gerügte Sachverhaltsfeststellung
auf einer Verletzung von Bundesrecht, in erster Linie von Verfahrensvorschriften
der StPO selbst, beruht. Gesamthaft gesehen sind Konstellationen relevant, die
als willkürliche Sachverhaltserstellung zu qualifizieren sind (vgl. SCHMID/JOSITSCH,
Praxiskommentar StPO, 3. Aufl., Zürich/St. Gallen 2018, N 12 f. zu Art. 398; EUG-
STER, in: NIGGLI/HEER/WIPRÄCHTIGER [Hrsg.], Basler Kommentar StPO, 2. Aufl.,
Basel 2014, N 3a zu Art. 398; Urteil des Bundesgerichts 6B_696/2011 vom
6. März 2012 E. 2.1). Willkür bei der Beweiswürdigung liegt vor, wenn der ange-
fochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen Situation
in klarem Widerspruch steht. Dass eine andere Lösung oder Würdigung ebenfalls
vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, genügt nicht (vgl. BGE 134 I 140
E. 5.4 m.H.). Das Berufungsgericht darf und muss sich in Sachverhaltsfragen auf
eine Willkürprüfung beschränken und hat keine erneute Beweiswürdigung vorzu-
nehmen (vgl. Urteil BGer vom 6. März 2012 [6B_696/2011], E. 4.1).
2.2. Weiter wird das angefochtene Urteil auf Rechtsverletzungen bei der
durch die Vorinstanz vorgenommenen rechtlichen Würdigung überprüft. Dabei
liegt keine Einschränkung der Überprüfungsbefugnis vor; sämtliche Rechtsfragen
sind mit freier Kognition zu prüfen, und zwar nicht nur materiellrechtliche, sondern
auch prozessuale (HUG/SCHEIDEGGER, in: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER, StPO
Kommentar, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, N 23 zu Art. 398).
3. Somit ist im Folgenden zu überprüfen, ob die durch das Statthalteramt
vorgebrachten Beanstandungen von der oben dargelegten Überprüfungsbefugnis
gedeckt sind, und gegebenenfalls, ob das vorinstanzliche Urteil auf willkürlicher
Sachverhaltsfeststellung oder auf Rechtsverletzungen beruht.
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II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Dem Beschuldigten wird im Strafbefehl vom 16. Februar 2017 zusam-
mengefasst vorgeworfen, am 11. August 2016 um ca. 07.45 Uhr mit seinem Per-
sonenwagen auf der B._-Strasse in C._ in Richtung D._ auf Höhe
der Verzweigung B._-Strasse/E._-Strasse bei einer Geschwindigkeit
von ca. 30 - 40 km/h mit einem Abstand von 3 bis 4 Metern zum vorausfahrenden
Personenwagen von F._ gefahren zu sein. Diesbezüglich wird ihm zur Last
gelegt, dass er gewusst habe oder zumindest hätte wissen müssen, dass der Ab-
stand zum vorausfahrenden Fahrzeug ungenügend gewesen sei. Weiter wird im
Strafbefehl dargelegt, dass der Beschuldigte bei der Verzweigung B._-
Strasse/E._-Strasse beabsichtigt habe, rechts abzubiegen. Auch F._ sei
bei dieser Verzweigung rechts abgebogen, womit der Beschuldigte aber nicht ge-
rechnet habe. In der Folge sei der Beschuldigte mit der linken Fahrzeugfront sei-
nes Personenwagens mit der hinteren rechten Fahrzeugseite des Personenwa-
gens von F._ kollidiert, wobei an beiden Fahrzeugen Sachschaden entstan-
den sei.
2. Das Statthalteramt stellte sich im Berufungsverfahren auf den Standpunkt,
der Strafbefehl vom 16. Februar 2017 sei im vorinstanzlichen Urteil falsch zitiert
worden. Dadurch sei dem Statthalteramt durch die Vorinstanz unrichtigerweise
die Behauptung unterstellt worden, der Beschuldigte habe aufgrund seines unge-
nügenden Abstands nicht mehr bremsen können und sei dadurch in das Auto des
Unfallgegners gefahren (Urk. 13 S. 11; Urk. 14 S. 2). Der Vorwurf gemäss dem
Strafbefehl vom 16. Februar 2017 beziehe sich jedoch nur darauf, dass der Ab-
stand zum Fahrzeug von F._ vor dem Abbiegen ungenügend gewesen sei.
Dass es aufgrund des Nichteinhaltens eines ausreichenden Abstandes zu einer
Kollision gekommen sei, sei nicht Gegenstand des Strafbefehls. Dass sich die Vo-
rinstanz dennoch hauptsächlich mit dem Unfallhergang auseinandergesetzt habe,
wird durch das Statthalteramt beanstandet (Urk. 14 S. 2). Weiter wurde geltend
gemacht, die Vorinstanz sei gar nicht auf die Frage eingegangen, ob der Abstand
von 3 bis 4 Metern bei einer Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h genügend ge-
wesen sei oder nicht. Die Vorinstanz sei stattdessen zum Ergebnis gelangt, der
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Beschuldigte habe nicht mit dem Abbiegemanöver des Unfallgegners rechnen
müssen und darauf vertrauen dürfen, dass dieser die Fahrt geradeaus fortsetzen
würde, weshalb es sich nicht um einen Fall des Kreuzens, Überholens oder des
Neben- und Hintereinanderfahrens gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG gehandelt habe.
Dieser Schluss der Vorinstanz sei jedoch nicht nachvollziehbar (Urk. 14 S. 3). Aus
Sicht des Statthalteramtes lasse sich der unbestrittene Sachverhalt unabhängig
davon, ob der Beschuldigte habe davon ausgehen dürfen, dass F._ gerade-
aus weiterfahren würde, unter Art. 34 Abs. 4 SVG subsumieren, da von einem
Hintereinanderfahren mit ungenügendem Abstand auszugehen sei (Urk. 14 S. 3).
Diesbezüglich wurde weiter vorgebracht, dass der Beschuldigte in der Einver-
nahme beim Statthalteramt gesagt habe, der Abstand zum Fahrzeug von F._
habe sich vor der Kreuzung bzw. vor dem Abbiegen auf 3 bis 4 Meter verkürzt,
wobei er mit ca. 30 bis 40 km/h gefahren sei. Bis zu jenem Zeitpunkt sei daher
von einem Hintereinanderfahren auszugehen. Ausserdem habe der Abstand we-
niger als 15 Meter betragen, was gemäss der Faustregel vom "halben Tacho" ge-
rade noch einem genügenden Abstand im Sinne von Art. 34 Abs. 4 SVG entspro-
chen hätte (Urk. 14 S. 3).
3. Die Verteidigung wendet gegen die Vorbringen des Statthalteramtes ein,
der Vorwurf, der Beschuldigte sei bei einer Geschwindigkeit von ca. 30 bis
40 km/h mit einem Abstand von 3 bis 4 Metern hinter dem Fahrzeug von F._
hergefahren, lasse sich nicht auf die Akten stützen. Der Beschuldigte habe im
Gegenteil in der Befragung durch das Statthalteramt gesagt, er sei mit einem Si-
cherheitsabstand von ca. 20 Metern hinter jenem Fahrzeug hergefahren. Auf 3 bis
4 Meter habe sich dieser Abstand erst vor der Kreuzung verkürzt. Dadurch habe
der Beschuldigte einerseits geltend gemacht, dass er den Sicherheitsabstand vor
der Kreuzung noch eingehalten habe und er und F._ andererseits gar nicht
mehr hintereinander gefahren seien, als sich der Abstand auf 3 bis 4 Meter ver-
kürzt habe. Dass diese Schilderung des Beschuldigten zutreffend sei, zeige sich
auch daran, dass es zu einer seitlichen und nicht zu einer frontalen Kollision ge-
kommen sei (Urk. 25 S. 2). Dem Einwand des Statthalteramtes, die Vorinstanz
habe sich nicht mit der Frage des Abstandes auseinandergesetzt, entgegnete
die Verteidigung, dass dieser Fragestellung unter Ziff. 6 des erstinstanzlichen Ur-
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teils nachgegangen worden sei. Diesbezüglich sei die Vorinstanz jedoch zum
Schluss gekommen, dass es sich in der vorliegenden Konstellation nicht um einen
Fall des Hintereinanderfahrens, sondern vielmehr um einen Fall gehandelt habe,
in welchem der Kollisionsbeteiligte seine Fahrtrichtung geändert habe, ohne dies
anzuzeigen und ohne auf den nachfolgenden Verkehr Rücksicht zu nehmen. Die
Vorinstanz habe sich somit sowohl mit den Akten als auch mit der Anklage be-
fasst, sei jedoch zum Schluss gekommen, dass die rechtliche Subsumtion des
Statthalteramtes dem Fall nicht gerecht werde (Urk. 25 S. 3).
4. Der einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG
in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG macht sich strafbar, wer gegenüber ande-
ren Strassenbenützern nicht einen ausreichenden Abstand wahrt, namentlich
beim Kreuzen und Überholen sowie beim Neben- und Hintereinander fahren. Was
unter einem "ausreichenden Abstand" im Sinne von Art. 34 Abs. 4 SVG zu ver-
stehen ist, hängt von den gesamten Umständen ab, namentlich von den Stras-
sen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen sowie der Beschaffenheit der beteiligten
Fahrzeuge (Urteil des Bundesgerichts 1C_250/2017 vom 7. September 2017
E. 3.1; WEISSENBERGER, Kommentar SVG, 2. Aufl., Zürich 2015, N 56 zu Art. 34
SVG). Der Abstand ist dann ausreichend, wenn er auch bei überraschendem - nur
verkehrsbedingt erlaubtem - Bremsen des voranfahrenden Fahrzeugs noch recht-
zeitig zu halten gestattet (Art. 12 Abs. 1 und 2 VRV; GIGER, SVG Kommentar,
8. Aufl., Zürich 2014, N 21 zu Art. 34 SVG). Bezüglich der Bestimmung, bei wel-
chem Abstand in jenem Fall, d.h. auch bei günstigen Verhältnissen eine einfache
Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG anzunehmen ist,
kommt im Sinne einer Faustregel unter anderem die Regel des "halben Tacho"
zur Anwendung (BGE 131 IV 133 E. 3.1; WEISSENBERGER, a.a.O., N 58 zu Art. 34
SVG). Diese Distanz von halb so vielen Metern, wie die Geschwindigkeit in Kilo-
metern beträgt, entspricht ungefähr der Anhaltestrecke bei plötzlichem ordnungs-
gemässem Bremsen und Anhalten des vorausfahrenden Personenwagens (Urteil
des Bundesgerichts 1C_250/2017 vom 7. September 2017 E. 3.1; BGE 104 IV
192 E 2b).
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5.1 Zwar ist dem Statthalteramt hinsichtlich des Einwands, die Erwägungen
der Vorinstanz beträfen hauptsächlich die Ereignisse unmittelbar vor der Kollision
und nicht die Frage, ob der Abstand des Beschuldigten zum Fahrzeug von
F._ noch vor dem Abbiegen ungenügend gewesen sei, zuzustimmen
(Urk. 13 S. 9 ff.; Urk. 14 S. 2). Hingegen ist dieses Vorgehen der Vorinstanz nicht
zu beanstanden. Der Vorwurf gemäss Strafbefehl vom 16. Februar 2016 bezieht
sich lediglich auf das Fahrverhalten des Beschuldigten auf Höhe der Verzweigung
B._-Strasse/E._-Strasse in C._. So wird umschrieben, dass der
Beschuldigte gemäss dessen eigenen Angaben auf Höhe der Verzweigung
B._-Strasse/E._-Strasse bei einer Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h
dem vor-ausfahrenden Fahrzeug von F._ mit einem Abstand von 3 bis 4 Me-
tern hinterher gefahren sei (Urk. 3/10 S. 1). Der Vorwurf ungenügenden Abstands
zum vorausfahrenden Fahrzeug bezieht sich mithin lediglich auf die Situation, wie
sie sich unmittelbar vor der Kollision auf Höhe jener Abzweigung präsentierte.
Abgesehen davon, liegen bezüglich der Fahrt des Beschuldigten auf der B._-
Strasse in C._, bevor er auf diese Abzweigung zu fuhr, auch keine Hinweise
für ein strafbares Verhalten vor. So erklärte der Beschuldigte im Rahmen der Ein-
vernahme durch das Statthalteramt vom 15. Februar 2017, noch bevor er auf die
Kreuzung zu gefahren sei, bei einem Tempo von ca. 40 km/h einen Sicherheits-
abstand zum ihm vorausfahrenden Fahrzeug von ca. 20 Metern eingehalten zu
haben (Urk. 3/9 S. 2). In Anbetracht dessen, dass diese 20 Meter dem "halben
Tacho" von 40 km/h entsprechen, ist dieser Sicherheitsabstand für den Beschul-
digten als hinterherfahrender Fahrzeuglenker nicht zu beanstanden. Da die Aus-
sagen von F._, wie dies bereits die Vorinstanz zutreffend festgestellt hat
(Urk. 13 S. 10), aufgrund der fehlenden Möglichkeit des Beschuldigten, Ergän-
zungsfragen zu stellen, zulasten des Beschuldigten nicht verwertbar sind, können
die Angaben des Beschuldigten betreffend den ausreichenden Sicherheitsab-
stand auch nicht widerlegt werden.
5.2.1 Das Statthalteramt machte weiter geltend, der Schluss der Vorinstanz,
der Beschuldigte habe nicht mit dem Abbiegemanöver des Unfallgegners rechnen
müssen und darauf vertrauen dürfen, dass dieser die Fahrt geradeaus fortsetzen
würde, weshalb es sich nicht um einen Fall des Kreuzens, Überholens oder des
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Neben- und Hintereinanderfahrens gemäss Art. 34 Abs. 4 SVG gehandelt habe,
sei nicht nachvollziehbar. Insbesondere habe sich die Vorinstanz auch nicht mit
der Frage, ob der Abstand von 3 bis 4 Metern bei einer Geschwindigkeit von 30
bis 40 km/h genügend gewesen sei, auseinandergesetzt (Urk. 14 S. 3). Zu prüfen
ist daher zunächst, ob durch die Vorinstanz allenfalls willkürlich festgestellt wurde,
dass für den Beschuldigten keinerlei Anzeichen dafür ersichtlich gewesen seien,
dass F._ ebenfalls nach rechts habe abbiegen wollen, und der Beschuldigte
mangels gegenteiliger Anzeichen davon ausgegangen sei, dass dieser seine
Fahrt geradeaus fortsetzen würde (Urk. 13 S. 12).
5.2.2 Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten, den zu dessen Gunsten
verwertbaren Aussagen von F._ sowie den Anmerkungen im Polizeirapport
zum Schadensbild und der Lage der Trümmerteile nach dem Unfall gelangte die
Vorinstanz zur Erkenntnis, dass es zumindest als wahrscheinlich zu erachten sei,
dass F._ sich im letzten Moment und ohne vorgängiges Setzen des Blinkers
dazu entschlossen habe, ebenfalls nach rechts in die E._-Strasse abzubie-
gen (Urk. 13 S. 11 f.). Der Beschuldigte erklärte im Rahmen seiner Befragung
durch das Statthalteramt, F._ sei zum Zeitpunkt, als er nach rechts in die In-
dustriezone habe abbiegen wollen, sehr weit links auf der Fahrbahn gefahren. Als
er selbst bereits am Abbiegen gewesen sei, habe dieser plötzlich nach rechts zum
Abbiegen gezogen. Bremslichter seien für ihn nicht sichtbar gewesen (Urk. 3/9
S. 2). Auch geblinkt habe F._ nicht (Urk. 3/9 S. 3). Anlässlich der vorinstanz-
lichen Hauptverhandlung schilderte der Beschuldigte die Strassenverhältnisse so,
dass es sich bei der B._-Strasse um eine relativ breite Strasse gehandelt
habe, auf welcher auch zwei Autos hätten fahren können. Das vor ihm fahrende
Auto sei in der Fahrspurmitte gefahren und habe kein Lichtzeichen, weder Blinker
noch Bremslichter, abgegeben. Das Auto sei dann relativ spät und plötzlich nach
rechts abgebogen (Urk. 5 S. 3). Ausserdem fügte der Beschuldigte an, dass die
Strasse frei befahrbar gewesen sei, als er das Abbiegemanöver eingeleitet habe
(Urk. 5 S. 4). Den im Polizeirapport vom 19. August 2016 zusammengefassten
Angaben von F._ ist zu entnehmen, dass dieser nicht gerade anfangs Ver-
zweigung abgebogen sei, sondern er sich ein bisschen den Platz gegen vorne
genommen habe (Urk. 3/1 S. 2). Ausserdem wurde in jenem Rapport festgehal-
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ten, dass bei den Ausgerückten aufgrund des Schadensbilds an beiden Objekten
und der Lage der Trümmerteile auf der Fahrbahn der Eindruck entstanden sei,
dass F._ aussergewöhnlich spät nach rechts abgebogen sei (Urk. 3/1 S. 2
f.). Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwog, sind die Aussagen des Beschul-
digten nachvollziehbar, konstant und in sich schlüssig (Urk. 13 S. 10). Zudem
lässt sich insbesondere seine Schilderung des plötzlichen und erst späten Abbie-
gens von F._ sowohl mit dessen Angaben sowie mit den Beobachtungen der
ausgerückten Polizisten in Einklang bringen. Es besteht somit kein Anlass, an der
Glaubhaftigkeit der Aussagen des Beschuldigten zu zweifeln. Aus diesem Grund
verfiel die Vorinstanz nicht in Willkür, als sie feststellte, für den Beschuldigten sei
das Abbiegemanöver von F._ nicht vorhersehbar gewesen und er daher da-
von habe ausgehen können, dass dieser seine Fahrt geradeaus fortsetzen würde.
Im Gegenteil erweist es sich vor diesem Hintergrund als durchaus plausibel, dass
F._ ohne seinen Richtungswechsel anzuzeigen, erst spät und von der Mitte
der Fahrspur ausgehend ebenfalls nach rechts in die E._-Strasse abbog.
5.2.3 Dass sich die Vorinstanz überhaupt damit auseinandersetzte, ob
F._ seinen Richtungswechsel angezeigt hat und ob der Beschuldigte sich da-
rauf verlassen konnte, dass dieser weiter geradeaus fahren würde, ist ebenfalls
gerechtfertigt. Das Fahrverhalten von F._ und wie dieses durch den Be-
schuldigten einzuschätzen war, ist insbesondere relevant, um überhaupt beurtei-
len zu können, ob es sich zum Zeitpunkt, bezüglich welchem dem Beschuldigten
vorgeworfen wird, in einem ungenügenden Abstand zum Fahrzeug von F._
gefahren zu sein, noch um ein Hintereinanderfahren im Sinne von Art. 34 Abs. 4
SVG gehandelt hat.
5.2.4 Der Beschuldigte führte einerseits aus, dass er davon ausgegangen
sei, dass F._, welcher in der Mitte der breiten Strasse gefahren sei, weiter
geradeaus fahren würde. Andererseits gab er an, dass die Strasse frei befahrbar
gewesen sei, als er das Abbiegemanöver eingeleitet habe (Urk. 3/9 S. 2 f.; Urk. 5
S. 3 f.). Aufgrund der Glaubhaftigkeit der Angaben des Beschuldigten und man-
gels Beweismitteln, welche eine andere Konstellation vermuten lassen würden, ist
daher davon auszugehen, dass F._ zum Zeitpunkt, als der Beschuldigte das
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Abbiegemanöver einleitete, noch in der Strassenmitte geradeaus unterwegs war.
Demnach hatte der Beschuldigte ab dem Zeitpunkt, in welchem er sein Fahrzeug
nach rechts in die E._-Strasse zu lenken begann, in seiner neu gewählten
Fahrbahn kein Fahrzeug mehr vor sich. Er fuhr mithin ab jenem Zeitpunkt nicht
mehr hinter dem Fahrzeug von F._ her. Gleichzeitig gab der Beschuldigte
an, der Abstand zum Fahrzeug von F._ habe sich vor der Kreuzung bei einer
Geschwindigkeit von 30 bis 40 km/h auf ca. 3 bis 4 Meter verkürzt. Vor dem Kreu-
zungsbereich habe er noch einen Sicherheitsabstand von 20 Metern eingehalten
(Urk. 3/9 S. 2). Der durch den Beschuldigten umschriebene Moment, in welchem
sich sein Abstand zum Fahrzeug von F._ auf ca. 3 bis 4 Meter verringerte,
stimmt somit mit jenem Moment überein, in welchem der Beschuldigte sein Ab-
biegemanöver einleitete. Da sich das Fahrzeug von F._ zu jenem Zeitpunkt
nicht mehr in der Fahrbahn vor dem Beschuldigten befand, würdigte die Vo-
rinstanz die diesbezügliche Konstellation der beiden Fahrzeuge im fraglichen
Zeitpunkt zurecht nicht mehr als Hintereinanderfahren im Sinne von Art. 34 Abs. 4
SVG (Urk. 13 S. 13). Eine entsprechende Strafbarkeit des Beschuldigten fällt da-
her in Bezug auf die Dauer dieses Abbiegemanövers auf der Kreuzung B._-
Strasse/E._-Strasse ausser Betracht.
5.2.5 Der Beschuldigte behauptete stets, dass sich der Abstand zum Fahr-
zeug von F._ erst vor dem Rechtsabbiegen auf 3 bis 4 Meter verringert und
er noch zuvor einen grösseren Sicherheitsabstand gewahrt habe (Urk. 3/9 S. 2;
Urk. 5 S. 2). Dass ein zu geringer Abstand zum Fahrzeug von F._ bestanden
hätte, als der Beschuldigte unmittelbar vor dem Abbiegemanöver noch hinter die-
sem her fuhr, lässt sich somit nicht mit rechtsgenügender Sicherheit nachweisen.
Aufgrund der diesbezüglich verbleibenden unüberwindlichen Zweifel und des Um-
stands, dass es sich zum Zeitpunkt, als der Abstand zum Fahrzeug von F._
nur noch ca. 3 bis 4 Meter betrug, nicht mehr um ein Hinterherfahren im Sinne
von Art. 34 Abs. 4 SVG handelte, ist der vorinstanzliche Freispruch des Beschul-
digten vom Vorwurf der einfachen Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 34 Abs. 4 SVG zu bestätigen.
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III. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das vorinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 3 und 4)
zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Unterliegt die Untersu-
chungsbehörde, wie in diesem Fall, trägt der verfahrensführende Kanton die Kos-
ten (SCHMID/JOSITSCH, a.a.O., N 3 zu Art. 428 StPO), weshalb die Kosten des Be-
rufungsverfahrens ausser Ansatz fallen.
3.1 Dem Beschuldigten ist gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO sowohl für das
Vorverfahren als auch für die gerichtlichen Verfahren beider Instanzen eine Ent-
schädigung für die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte zuzuspre-
chen.
3.2 Mangels Anfechtung der durch die Vorinstanz vorgenommenen Kürzung
der vor Vorinstanz beantragten Höhe der Prozessentschädigung (Urk. 6 S. 4;
Urk. 7), ist dem Beschuldigten in Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils für das
Vorverfahren und das erstinstanzliche Verfahren eine Prozessentschädigung von
Fr. 2'334.20 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
3.3 Es erscheint angemessen und entspricht den geltend gemachten Auf-
wendungen für die Verteidigung (Urk. 31), dem Beschuldigten für das Berufungs-
verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 1'256.70.– (inkl. MwSt.) aus der
Gerichtskasse zuzusprechen.