# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2bb921b5-260c-4f20-b405-02f58ac904ed
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der
19
96
geborene
n
X._
wur
de
bereits im Kindesalter im Zusammenhang mit dem Geburtsgebrechen Nr. 383
(
Urk.
5/12)
bei Vorliegen
eines
Segawa-Syndroms
(
Urk.
5/61)
sowie einer Skoliose (
Urk.
5/106,
Urk.
5/110
Ziff.
1
.1
) zunächst
von der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen, IV-Stelle St. Gallen,
und aufgrund dessen, dass
der Vater der Versicherten
bei d
ieser
a
ngestellt war
(
Urk.
5/80-81
,
vgl.
Urk.
5/112
,
Urk.
5/116
)
,
im Anschluss durch die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
(im Folgenden: IV-Stelle)
,
Kostengutsprache für verschiedene medizinische und
sonder
schulische Massnahmen
erteilt
und für den Z
eitraum vom 1
6.
November bis 3
1.
Dezember 2003 Pflegebeiträge und vom
1.
Januar bis 3
0.
November 2004 eine
Hilflosen
entschädigung
für eine Hilflosigkeit mittleren Grades
ausgerichtet
(
Urk.
5/
15,
Urk.
5/33
,
Urk.
5/46,
Urk.
5/67
,
Urk.
5/70,
Urk.
5/79
,
Urk.
5/100,
Urk.
5/111
,
Urk.
5/169
).
Vo
m
1.
August
2013 bis
3
1.
Juli
2016
absolvierte die Versicherte
eine Lehre
zur Detailhandelsfachfrau EFZ Beratung Schuhe
bei
Y._
,
Z._
,
A._
, welche sie erfolgreich abschloss
(
Urk.
5/152
,
Urk.
5
/171
,
Urk.
5/
188
)
.
Am 2
1.
Februar 2017 sprach die IV-Stelle der Versicherten vom 1
6.
Februar bis längstens 1
5.
Juli 2017 eine Arbeitsvermittlung zu (
Urk.
5/183
).
Da die Versi
cherte
bereits
am
1
6.
Februar 2017 eine Tätigkeit als Detailhandelsfachfrau im Umfang von 60
%
bei
der
B._
GmbH an
getreten
hatte
(
Urk.
5/185
),
schloss
die IV-Stelle a
m 2
1.
August 2017 die Arbeitsvermittlung ab
(
Urk.
5/192
).
Mit Verfügung vom
4.
Januar 2018
sprach die IV-Stelle der Versicherten ab Dezember 2016 eine Viertelsrente zu (
Urk.
5/206-207)
.
1.2
Am 2
5.
März 2021 ersuchte die Versicherte die IV-Stelle um
Übernahme
der Schulkosten sowie der
Kosten für
Lehrmittel für die berufsbegleitende Absol
vie
rung der
Berufsmaturitätsschule (BMS;
Urk.
5/217). Die IV-Stelle verneinte nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
5/219-220
,
Urk.
5/222
)
mit Ver
fü
gung vom
9.
Juli 2021 einen Anspruch auf eine Weiterbildung beziehungsweise Umschulung (
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
3.
August 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom
9.
Juli 2021 (
Urk.
2) und beantragte sinngemäss deren Aufhebung und die Ge
währung von beruflichen Massnahmen im Sinne einer Umschulung (
Urk.
1 S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
September 2021 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4), was der Beschwerdeführerin am
4.
Oktober 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
6).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
,
zu erhalten
oder
zu verbessern
; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (lit. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (lit.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in der Abgabe von Hilfsmitteln (lit. d).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit,
g
emäss Stellungnahme des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (
RAD
)
vom 3
0.
Oktober 2017 sei der Beschwerdeführerin eine leichte angepasste Tätigkeit im Umfang von 60
% zumutbar. Die Aussage des behandelnden Arztes vom
5.
Mai 2021, wonach eine 60%ige Arbeitsfähigkeit «auf die Dauer nicht mehr möglich
»
sein werde, sei nicht begründet worden. In den Berichten der Spezialisten des
Kantonsspitals
C._
sei keine Verschlechterung der lumbalen Skoliose dokumentiert.
Die Medi
kation des Segawa-
Syndrom
s
sei gut eingestellt, und es werde keine Ver
schlech
terung befürchtet. Es liege also keine drohende gesundheitliche Verände
rung vor, die eine Umschulung gemäss
Art.
17 IVG nötig mache. Die von der Be
schwer
deführerin beantragten Schulkosten und Lehrmittel stellten keine gesundheitsbe
dingten Mehrkosten
im Sinne von
Art.
16
Abs.
2 lit. c IVG
dar, da auch Personen ohne eine gesundheitliche Einschränkung dies
e
Kosten tragen müss
t
en (S. 1 f.).
Die momentane berufliche Tätigkeit entspreche dem angegebenen Belastungs
profil, weshalb keine Notwendigkeit einer Umschulung infolge Invalidität zum Erhalt oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit vorliege. Um die Restarbeits
fähig
keit von 60
%
möglichst optimal zu verwerten, könnte die Beschwerdeführerin die Arbeitsstelle wechseln. Es gebe auch in Detailhandel Tätigkeiten, welche noch besser mit ihrem Belastungsprofil vereinbart werden könnten (
Urk.
4
Ziff.
5).
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass sie seit ihrem vierten Lebensjahr an den Folgen eines Segawa-Syndroms
sowie seit
ihrem 1
5.
Lebensjahr
an einer
schwere
n
Skoliose
leide, was dazu führe,
dass sie weder lange
stehen
, sitzen noch gehen könne. Aus eigenem Antrieb habe sie eine Lehre zur Detailhandelsfachfrau
EFZ
bei
Y._
absolviert. Seit 2017 sei sie in ihrem
e
rlernten Beruf zu 50
%
bei
D._
in
E._
tätig.
I
hre Arbeit beinhalte vor allem Gehen und S
tehen.
Deshalb müsse sie sich bereits jetzt
für
eine neue berufliche Qualifikation umsehen, damit sie auch lan
gfristig mindestens zu 60
%
arbeitsfähig sein könne. S
ie
plane konkret den Besuch einer BMS in Richtung Gestaltung mit anschliessendem Studium, zum Beispiel als Kunsttherapeutin. Die B
eschwerdegeg
nerin
habe nach ihrem Gesuch um beruf
liche Massnahmen keine spezifischen Abklärungen durchgeführt
,
und es habe lediglich eine Besprechung via Videokonferenz stattgefunden mit der Empfeh
lung, im Onlineverkauf tätig zu sein, was jedoch keine langfristige Option sei. Sie beantrag
e
lediglich die Kostenübernahme der Lehrmittel, Schulkosten sowie der Fahrkosten zur Schule während der BMS und des Studiums (S. 1 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch
berufliche Mass
nahmen
respektive
Übernahme der Kosten für eine berufliche Weiterbildung hat.
3
.
3.1
In ihrer
Verfügung vom
4.
Januar 2018
(
Urk.
5/206-207)
schloss die Beschwer
degegnerin
gestützt auf die Stellungnahme von
Dr.
med.
F._
,
Facharzt für Chirurgie,
RAD, vom 3
0.
Oktober 2017 (
Urk.
5/198/4
)
auf eine generelle Arbeits
fähigkeit
der Beschwerdeführerin von 60
%
sowohl in der angesta
mmten Tätig
keit im Detailhandel
als auch in einer angepassten Tätigkeit. Die
Einschätzung von
Dr.
F._
g
eht
einher mit der
Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit durch den behandelnden Facharzt
Dr.
med.
G._
,
Leitender Arzt, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
C._
,
vom 1
4.
Juli 2017
(
Urk.
5/186
/1-2
). Aufgrund der Diagnosen einer syndromale
n
Skoliose (
Differen
zial
diagnose [
DD
]
: idiopat
h
ische Skoliose) und eines Segawa-Syndrom
s
hielt
Dr.
F._
fest, dass in der bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin das schwere Heben
und Transportieren von Lasten sowie das Verharren in Zwangshaltungen vermieden werden sollte. Eine leichte (angepasste) Tätigkeit in Wechselbelastung ohne Heben, Tragen und Transportieren von Lasten über 5 kg, ohne Verharren in Zwangshaltungen wäre der Beschwerdeführerin medizinisch-theoretisch zu 60
%
zumutbar.
Dr.
F._
führte aus, dass eine generalisierte verminderte Belastbar
keit mit rascher Ermüdung und Rückenbeschwerden best
e
he. Mit einer Verbesse
rung des Gesundheitszustandes sei nicht zu rechnen.
3.
2
Seither gingen die folgenden medizinischen Berichte bei der Beschwerdegegnerin ein:
3.
3
Dr.
G._
und
Dr.
med.
H._
, Oberärztin, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
C._
,
stellten in ihrem Bericht vom 2
9.
Juni 2018 (
Urk.
5/208) folgende Diagnosen (S. 1):
-
syndromale
Skoliose (DD idiopathische Skoliose)
-
Segawa-Syndrom
-
Nikotinabusus 4py
Die Ärzte hielten fest, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Untersuchung vom 2
6.
Juni 2018 über einen guten Verlauf berichtet habe. Sie könne den Akti
vitäten des täglichen Lebens uneingeschränkt nachgehen (S. 1 unten). Klinisch wie auch radiologisch zeige sich bei der Beschwerdeführerin keine Progredienz der Skoliose im Verlauf des letzten Jahres. Sportliche Tätigkeiten wie Yoga, Pilates, vorsichtiges Joggen, Basketball oder Hockey spielen seien von ihrer Seite her problemlos durchführbar. Die nächste Nachkontrolle sei in zwei Jahren vor
gesehen (S. 2 oben).
3.
4
Dr.
med.
I._
, Oberarzt, und
Dr.
med.
J._
, Assistenzarzt, Klinik für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
C._
,
nannten in ihrem Beri
cht vom 2
4.
Februar 2021 (
Urk.
5
/215) die gleichen Dia
gnosen wie im Bericht vom
2
9.
Juni 2018
(S. 1, vorstehend E. 3.
3
).
Die Ärzte führten aus, dass sich erfreulicherweise keine Progredienz der lumbalen Skoliose gezeigt habe und es keiner Intervention bedürfe. Hinsichtlich der muskulären Myogelose der rechten Bauchwand könne die Patientin
detonisierende
Physio
therapie und entsprechende Übungen versuchen. Ihrerseits sei die
nächste Kon
trolle in fünf Jahren vorgesehen (S. 2).
3.
5
Dr.
med.
K._
, Praktischer Arzt, führte in seinem Antrag auf Unterstützung der Beschwerdeführerin bei der Umschulung vom
5.
Mai 2021 (
Urk.
5/223) aus, dass diese im Detailhandel arbeite. Die Arbeitsbedingungen und ihre Grunder
krankung maximierten ihre Arbeitsfähigkeit bereits heute auf 60
%
. Leider sei anzunehmen,
dass dies auf Dauer nicht mehr möglich sei, weshalb sich die Be
schwerdeführerin dazu entschlossen habe, die BMS und anschliessend mindestens eine
höhere Fachschule
zu absolvieren
, damit sie auf dem Arbeitsmarkt weiterhin 60
%
arbeiten könne. Er könne deshalb dem Antrag auf finanzielle Unterstützung bei der Umschulung nur beipflichten.
4
.
Die Beschwerdeführerin musste
bereits während
ihrer
Lehrzeit
bei
Y._
aus
gesundheitlichen
Gründen
das Pensum von 100
%
auf 80
%
reduzieren. Die Eingliederungsversuche zeigten
sodann
, dass eine 60%ige Tätigkeit
ihrer
gesund
heitlichen Situation entspricht
(
Urk.
5/191 S. 7 unten,
Urk.
5/193 S. 1
Mitte
)
,
was
auch mit der medizinischen Einschätzung durch
den behandelnden Facharzt
Dr.
G._
,
C._
, in seinem Bericht vom 1
4.
Juni 2017
(
Urk.
5/186
/1-2
)
korre
spondiert
und von
Dr.
F._
, RAD,
in seiner Stellungnahme vom 3
0.
Oktober 2017 übernommen wurde (vorstehend E. 3.1).
Die festgelegte Arbeitsfähigkeit von 60
%
wurde von der Beschwerdeführerin zu diesem Zeitpunkt nicht bestritten (
vgl.
Urk.
5/203
).
Seither gingen, wie die Beschwerdegegnerin zu Recht bemerkte
(vorstehend E. 2.1),
keine fachärztlichen Berichte ein,
welche
auf eine relevante Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin schliessen
liessen
und
das von
Dr.
F._
festgelegte Belastbarkeitsprofil in Frage stellen würden. So geht insbesondere aus den Berichten der behandelnden Fachärzte des
C._
vom
2
9.
Juni 2018
und vom
2
4.
Februar 2021 (vorstehend E. 3.3-4)
hervor, dass es zu keiner Progredienz der Skoliose gekommen
ist
. Auch liegen keine Berichte vor, welche eine Verschlechterung hinsichtlich des Segawa-Syndroms dokumentieren würden.
Die Ärzte des
C._
legten sodann den nächsten Kon
trolltermin in fünf Jahren fest, w
elche Dauer
auch gegen eine erwartete Ver
schlechterung spricht.
Eine solche geht auch nicht aus dem Gesuch des behan
delnden Hausarztes
Dr.
K._
vom
5.
Mai 2021 (vorstehend E. 3.
5
) hervor. Vielmehr bestätigte
auch
er eine derzeitige Arbeitsfähigkeit von 60
%
. Weshalb diese auf Dauer nicht mehr möglich sein sollte, blieb unbegründet.
Dr.
K._
legte auch nicht dar, inwiefern die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführer
in
durch eine BMS und anschliessende Weiterausbildung gesteigert werden sollte. Viel
mehr schien er mit
seinem Schreiben
lediglich de
n
Wunsch der Beschwerde
führerin hinsichtlich einer beruflichen Neuausrichtung wiederzugeben
respektive zu unterstützen
, was die Erfahrungs
tatsache, wonach behandelnde Ärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftrags
rechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfäll
en eher zu Gunsten ihrer Patien
tinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc), stützt.
Damit bleibt es bei der von
Dr.
F._
festgelegten Arbeitsfähigkeit der Be
schwerdeführerin von 60
%
sowohl in der ang
e
stammten als auch in einer ange
passten Tätigkeit
. Ausserdem lassen die medizinischen Akten nicht den Schluss
zu
, dass die Beschwerdeführerin bei Ausübung der angestammten Tätigkeit im zumutbaren Umfang von 60
%
von einer höheren Invalidität bedroht wäre, dass mithin eine Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit überwiegend wahrscheinlich ist
.
5
.
5
.1
Für die Umschulung als Naturalleistung (
Art.
17 IVG) hat die Invaliden
versi
che
rung grundsätzlich voll aufzukommen (
Art.
6 IVV), wogegen sich ihre Aufgabe im Rahmen von
Art.
16 IVG darauf beschränkt, an die erstmalige berufliche Ausbildung Beiträge zu leisten, und zwar in dem Masse, als invaliditätsbedingt zusätzliche Kosten von wesentlichem Umfang (
Art.
5
Abs.
2 IVV) entstehen. Wer sich in Umschulung befindet, hat sodann nach Massgabe der
Art.
22 ff. IVG und
Art.
17 ff. IVV Anspruch auf Taggeld, während diese Leistung bei der erstmaligen beruflichen Ausbildung entfällt (
Art.
22
Abs.
1 Satz 2 IVG). Im Hinblick auf diese und weitere Unterschiede ist es unerlässlich, die Leistungsansprüche nach
Art.
16 und
Art.
17 IVG voneinander abzugrenzen. Diesbezüglich kommt es nach dem Gesetzeswortlaut und der bisherigen Rechtsprechung entscheidend darauf an, ob die versicherte Person vor Beginn der Eingliederungsmassnahme bereits effektiv erwerbstätig war oder nicht (EVGE 1969 S. 110 E. 2a mit Hinweisen). Dabei fällt nach der Praxis nur eine ökonomisch relevante Erwerbstätigkeit in Betracht (ZAK 1983 S. 249 E. 1c mit Hinweis). Für die Abgrenzung der beiden Leistungsarten kommt es entscheidend darauf an, ob die versicherte Person vor Eintritt der Invalidität – im Sinne des für die Eingliederungsmassnahme spezifischen Versi
cherungsfalles – in ökonomisch bedeutsamen Ausmass erwerbstätig gewesen ist oder nicht (BGE 121 V 186 E. 5b, 118 V 7 E.
1a
in fine, 110 V 263 in fine; AHI 2000 S. 190 ff. E.
2a
und
2b
/
aa
, 1997 S. 163 f. E. 2c; ZAK 1985 S. 231 E. 1c; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E. 2.
Ein für die Abgrenzung von
Art.
16 und
Art.
17 IVG massgebliches ökonomisch relevantes Erwerbseinkommen liegt vor, wenn die versicherte Person bereits während sechs Monaten drei Viertel der minimalen vollen einfachen ordentlichen Invalidenrente erzielte und die versicherte Person zwar weniger als sechs Monate erwerbstätig war, in denen aber aufgrund der gesamten Verhältnisse ebenfalls mit überwiegender Wahrscheinlichkeit feststeht, dass sie ohne invaliditäts
be
dingte Eingliederung ein Einkommen in der Höhe von drei Vierteln der mini
ma
len vollen einfachen ordentlichen Invalidenrente verdienen würde (BGE 121 V 186 E. 5b, 118 V 7 E.
1a
in fine, 110 V 263 E. 1c; AHI 2000 S. 190 ff. E.
2a
und
2b
/
aa
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts I 159/05 vom 16. März 2006 E. 2).
5.2
In diesem Zusammenhang ebenfalls zu beachten
ist
, dass als Umschulung im Sinne von
Art.
17 IVG nur diejenige berufliche Ausbildung gelten kann, welche die Invalidenversicherung einer schon vor Eintritt der Invalidität - im Sinne des für die Eingliederungsmassnahme spezifischen Versicherungsfalles
(vgl. zur leis
tungsspezifischen Invalidität:
Art.
4
Abs.
2 IVG)
erwerbstätig gewesenen versi
cherten Person
-
nach dem Eintritt der Invalidität und wegen dieser Invalidität schuldet. Ein im Sinne der Rechtsprechung ökonomisch relevantes Einkommen muss daher vor Eintritt der Invalidität im Sinne des spezifischen Versiche
rungs
falles erzielt
und sodann invaliditätsbedingt wieder verloren worden
sein
(Urteil des Bundesgerichts vom 1
9.
August 2004 E. 6.1.2 mit Hinweis auf BGE 118 V 7 E.
1c
/
aa
ff. und BGE 110 V 263 E. 1c ff.)
.
Der Anspruch auf Umschulung setzt voraus, dass die versicherte Person wegen der Art und Schwere des Gesundheitsschadens im bisher ausgeübten Beruf und in den für sie ohne zusätzliche berufliche Ausbildung offen stehenden zumut
baren Erwerbstätigkeiten eine bleibende oder längere Zeit dauernde Erwerbsein
busse von etwa 20 % erleidet, wobei es sich um einen blossen Richtwert handelt (BGE 130 V 488 E. 4.2, 124 V 108 E. 2a und b, je mit Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_266/2021 vom 13. Juli 2021 E. 4.2.3 mit Hinweisen).
5.3
Die Beschwerdeführerin trat nach ihrem Lehrabschluss zur Detailhandelsfachfrau EFZ im Sommer 2016 am 1
6.
Februar 2017 ihre
erste und bis anhin einzige
Stelle im erlernten Beruf bei der
B._
GmbH in einem Pensum zu 60
%
bei einem vereinbarten Bruttolohnlohn von monatlich
Fr.
2'280.-- an (
Urk.
5/187/2). Ge
mäss Aktenlage übt sie diese Tätigkeit weiterhin aus, gemäss ihrer Anmeldung zum Leistungsbezug in Form beruflicher Massnahmen vom 2
5.
März 2021 und den Angaben in ihrer Beschwerde aktuell zu 50
%
(
Urk.
1, 5/217).
Damit
erzielt sie zwar bereits während mehr als sechs Monaten ein ökonomisch relevantes Erwerbseinkommen in der Höhe der oben zitierten Rechtsprechung zur Abgren
zung der Leistungsarten gemäss
Art.
16 und
Art.
17 IVG (E. 5.1; vgl. vom Bun
desamt für Sozialversicherung, BSV, herausgegebenen Rententabellen 2021).
Jedoch
erziel
te sie
dasselbe
bei bereits eingetretener Invalidität
und
auch
weiter
hin, allenfalls reduziert um die
pensenmässige
Reduktion von 10
%
(
vgl.
obige E.
5.2).
Entsprechend ist im Folgenden zunächst ein Leistungsanspruch der Be
schwerdeführerin gemäss
Art.
16 IVG zu prüfen.
5.4
Ohne weiteres zu verneinen ist
dabei
ein Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf
eine
erstmalige
berufliche Ausbildung
im Sinne von
Art.
16
Abs.
1 IVG,
hat
sie
doch
im Jahr
2016
eine erstmalige berufliche Ausbildung
als
Detailhandels
fach
frau EFZ
abgeschlossen (
Urk.
5
/171,
Urk.
5/188).
Zu prüfen ist, ob sie
einen
Anspruch auf Übernahme der beantragten Kosten
für die Schule und Lehrmittel
nach
Art.
16
Abs.
2 lit. c IVG hat
.
Voraussetzung für eine Kostenvergütung wäre jedoch, dass der Beschwerdeführerin aufgrund der Art und Schwere ihres Gesundheitsschadens bei der Ausbildung im wesentlichen Umfang zusätzliche Kosten
von
jährlich
Fr.
400.--
entstehen würden (
Abs.
1 von
Art.
16 IVG
in Verbindung mit
Art.
5
bis
IVV
)
.
Solche behinderungsbedingten Mehrkosten sind vorliegend weder ersichtlich noch wurden sie von der Beschwer
deführerin geltend gemacht. Vielmehr handelt es sich bei den v
on ihr geltend gemachten Kosten
um normale Kosten, die auch eine
Person ohne gesundheits
bedingte Einschränkungen treffen würden.
Damit ist
auch
ein Anspruch auf eine Kostenübernahme nach
Art.
16
Abs.
2 lit. c IVG ohne Weiteres zu verneinen.
Was einen allfälligen Anspruch auf berufliche Neuausbildung gemäss
Art.
16
Abs.
2 lit. b IVG anbelangt, welcher versicherten Personen zusteht, die nach dem Eintritt der Invalidität eine ungeeignete und auf die Dauer unzumutbare Erwerbs
tätigkeit aufgenommen haben,
erweist sich die erlernte und
weiterhin
ausgeübte Tätigkeit der Beschwerdeführerin im Verkauf nach dem unter E. 4 Erläuterten
zwar nur in einem 60%-Pensum zumutbar. Nachdem auch eine andere angepasste Tätigkeit nicht in einem höheren Umfang zumutbar und geeigneter erscheint, steht
der Beschwerdeführerin
auch unter diesem Titel
kein L
eistungsanspruch zu
.
5.5
5.5.1
Geht man vom Vorliegen eines massgeblichen ökonomisch relevanten
Erwerbs
einkommen
s aus
(E. 5.1-5.2), bleibt zu prüfen, wie es sich
mit
d
em Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Umschulung nach
Art.
17 IVG
verhält, wäre
diesfalls
die leistungsspezifische
I
nvalidität
von 20
%
(E. 5.2)
angesichts des bei der Ren
tenzusprache ermittelten Invaliditätsgrades von 40
%
(
Urk.
5/207)
doch klar zu bejahen.
Gemäss Art. 17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten oder verbessert werden kann (Abs. 1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisherigen Beruf gleichgestellt (Abs. 2). Als Umschu
lung gelten gemäss Art. 6 Abs. 1 IVV Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte
nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Inva
li
dität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
5.
5
.2
Mit Blick auf die
Feststellungen in medizinischer Hinsicht durch
den RAD-Arzt
Dr.
F._
und den seither dokumentierten Verlauf, wonach bis zum Zeitpunkt der Gesuchstellung um berufliche Massnahmen unverändert von einer 60%igen
Arbeitsfähigkeit nicht nur
in der angestammten
, sondern auch in einer ange
passten
Tätigkeit
ausgegangen werden
kann
und
eine
drohende (höhere)
Inva
lidität im Sinne von
Art.
8
Abs.
1 IVG
nicht
mit dem
erforderlichen
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen
ist
(E. 4), drängen sich an der Eingliederungswirksamkeit der beantragten Umschulung erhebliche Zweifel auf
.
Dass die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit, namentlich mit der von ihr gewünschten
respektive angestrebten
Erwerbstätigkeit als Kunstthera
peu
tin
, ein höheres Pensum umsetz
en könnte, ist nicht erwiesen
, zumal
aus medi
zinischer Sicht explizit festgehalten
wurde
, dass
sie
auch in einer behinde
rungs
angepassten Tätigkeit kein höh
eres Pensum
als 60
%
absolvieren könnte.
Eine erhöhte Ermüdbarkeit und mangelnde Belastbarkeit wäre
n
demnach auch in dieser Tätigkeit zu erwarten (vgl. vorstehend E. 3.1).
S
odann
ist
mit Blick auf den zu erwartenden
, eher bescheidenen
Lohn als Kun
s
ttherapeutin (
vgl. unter
:
www.lohn
analyse.ch
) nicht erstellt, dass
die in Aussicht genommene Massnahme bei gleichem Pensum zu einer Verbesserung der Erwerbsfähigkeit führen würde. Im Rahmen des Eignungserfordernisses sind im Weitern Berufsneigungen der ver
sicherten Person zwar zu berücksichtigen; subjektive Neigungen, Fähigkeiten und Begabungen allein vermögen jedoch keinen Umschulungsanspruch zu begründen
(
Meyer
/Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversiche
rung [IVG]
, 3. Auf
lage 2014, S. 211
mit Hinweisen
).
Ohne
die persönliche Geeignetheit der beantragten beruflichen Massnahme oder das Erfordernis der Gleichwertigkeit näher zu prüfen, ist e
in Anspruch auf Um
schulung im Sinne von
Art.
17 IVG demnach
aktuell
zu
verneinen.
Sollten
sich die Verhältnisse verä
ndern
, steht der Beschwerdeführerin jederzeit eine neuer
liche Anmeldung offen.
6
.
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin zu Recht einen Anspruch de
r
Beschwerdeführer
in
auf
berufliche Massnahmen
verneint. Die Beschwerde erweist sich demzufolge als unbegründet und ist abzuweisen.
7.
Da
es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
3
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.