# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0fe8c63e-c7ae-408d-a193-b61856aa8fab
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_004
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege
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1. Ausgangslage
1.1. Mit Eingabe vom 26. Januar 2012 lässt die Gesuchstellerin beim Präsiden-
ten des Obergerichts des Kantons Zürich ein Gesuch um unentgeltliche Prozess-
führung im Rahmen einer beim Friedensrichteramt D._ angehobenen Unter-
haltsklage stellen (Urk. 1 und 3/2).
1.2. Im Schlichtungsverfahren werden gemäss Art. 113 Abs. 1 ZPO keine Partei-
entschädigungen gesprochen, weshalb auch eine Sicherheit für die Parteient-
schädigung i.S.v. Art. 99 ZPO nicht zur Frage steht. Die Gegenpartei ist daher
gemäss Art. 119 Abs. 3 ZPO e contrario nicht zwingend anzuhören.
2. Beurteilung des Gesuchs
2.1. Für die Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege vor Ein-
reichung der Klage bei Gericht ist gemäss § 128 GOG der Obergerichtspräsident
im summarischen Verfahren (Art. 119 Abs. 3 ZPO) zuständig. Die unentgeltliche
Rechtspflege ist gemäss Art. 119 Abs. 5 ZPO vor jeder Instanz neu zu beantra-
gen, weshalb der Obergerichtspräsident die unentgeltliche Rechtspflege bei Vor-
liegen der Anspruchsvoraussetzungen nur bis zum Abschluss des Schlichtungs-
verfahrens bewilligen kann.
2.2. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn sie einer-
seits nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. "Mittellosigkeit" oder "Be-
dürftigkeit") und andererseits ihr Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint
(Art. 117 ZPO). Die Mittellosigkeit wird gemeinhin dann bejaht, wenn der Aufwand
des notwendigen Lebensunterhalts (sog. "zivilprozessualer Notbedarf") das mas-
sgebliche Einkommen übersteigt, bzw. aus der Differenz nur ein kleiner Über-
schuss resultiert, welcher es dem Gesuchsteller nicht erlauben würde, die Pro-
zesskosten innert nützlicher Frist zu tilgen.
2.3. Bei der Beurteilung von Gesuchen um unentgeltliche Rechtspflege für das
Schlichtungsverfahren sind sehr strenge Massstäbe anzulegen: Einerseits sind
die in einem Schlichtungsverfahren entstehenden Kosten – anders als vor einer
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Gerichtsinstanz – äusserst beschränkt und können deshalb bereits bei einem re-
lativ geringen Überschuss des Einkommens über den zivilprozessualen Notbedarf
bestritten werden. Anderseits braucht es ganz besondere Umstände, damit man
sagen kann, die Bestellung eines Rechtsbeistandes sei im Schlichtungsverfahren
gemäss Art. 118 Abs. 1 lit. c ZPO notwendig.
2.4. Der Gesuchsteller hat gemäss Art. 119 Abs. 2 ZPO die zur Beurteilung sei-
nes Gesuchs relevanten Einkommens- und Vermögensverhältnisse umfassend
darzulegen - es trifft ihn bei der Abklärung der wirtschaftlichen Verhältnisse eine
umfassende Mitwirkungspflicht. Kommt ein Gesuchsteller dieser Mitwirkungs-
pflicht nicht oder nur ungenügend nach und kann als Folge davon seine Bedürf-
tigkeit nicht hinreichend beurteilt werden, ist der Anspruch um unentgeltliche
Rechtspflege zu verweigern (BGE 120 Ia 179).
2.5. Die am tt.mm.2009 geborene Gesuchstellerin verfügt weder über ein Ein-
kommen noch über Vermögen (vgl. Urk. 3/3). Gemäss der Budgetaufstellung der
Stadtverwaltung D._ vom tt.mm.2012 steht den monatlichen Einkünften der
Mutter der Gesuchstellerin von total Fr. 236.90 (inkl. Integrationszulage) ein mo-
natlicher Notbedarf für Mutter und Gesuchstellerin im Umfange von Fr. 2'984.–
gegenüber (Urk. 3/4). Die Mutter der Gesuchstellerin wird von der Sozialbehörde
D._ vollumfänglich finanziell unterstützt (Urk. 3/5). Diese kann aufgrund all-
fälliger familienrechtlicher Unterhaltspflichten nicht zur Leistung eines Prozess-
kostenvorschusses angehalten werden. Die Mittellosigkeit der Gesuchstellerin ist
damit offenkundig.
2.6. Für die Beurteilung der fehlenden Aussichtslosigkeit als zweite Vorausset-
zung der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist eine gewisse Prozess-
prognose vonnöten, wobei auf den Zeitpunkt der Gesuchseinreichung abzustellen
ist. Als aussichtslos sind dabei nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten beträchtlich ge-
ringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet
werden können (vgl. z.B. BGE 69 I 160).
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2.7. Die rechtshängig gemachte Unterhaltsklage gegen den Vater der Gesuch-
stellerin kann aus heutiger Perspektive nicht als aussichtslos bezeichnet werden.
2.8. Dem Antrag der Gesuchstellerin kann somit entsprochen und ihr für das
Schlichtungsverfahren vor dem Friedensrichteramt D._ betreffend Unter-
haltsklage die unentgeltliche Rechtspflege erteilt werden.
3. Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege
3.1. Gemäss den einschlägigen Bestimmungen der ZPO werden die Kosten der
unentgeltlichen Rechtspflege vom "Kanton" getragen bzw. der unentgeltliche
Rechtsbeistand vom "Kanton" entschädigt (Art. 113 Abs. 1 und Art. 122 ZPO). Es
ist jedoch fraglich, ob der Bundesgesetzgeber die unentgeltlich prozessierenden
Parteien damit direkt an den Kanton verweisen will oder nicht vielmehr an das für
das Verfahren zuständige Gemeinwesen.
3.2. Gemäss § 57 GOG übernehmen im Kanton Zürich die Friedensrichter die
Funktion der Schlichtungsbehörde gemäss ZPO. Diese sind als kommunale Be-
hörden ausgestaltet (§ 53 GOG) und werden für ihre Tätigkeiten von den Ge-
meinden vergütet (§ 56 GOG). Darüber hinaus fallen die Einnahmen der Frie-
densrichter in die Gemeindekasse (§ 56 GOG), denn mit Einführung des GOG
wurde das Sportelsystem, welches unter dem Regime des bisherigen kantonalen
Prozessrechts (ZPO/ZH und GVG) bei zahlreichen Friedensrichterämter Anwen-
dung gefunden hatte, abgeschafft (vgl. Weisung zum E-GOG, S. 113). Es er-
scheint deshalb sachlich richtig, dass die Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege
für das (kommunale) Verfahren vor der Schlichtungsbehörde von der zuständigen
Gemeinde zu tragen sind. Daran vermag allein die Tatsache, dass gemäss § 128
GOG der Obergerichtspräsident (und nicht etwa wie unter kantonalem Prozess-
recht ab Eingang des Sühnebegehrens die Friedensrichter selbst) über Gesuche
um unentgeltliche Rechtspflege vor Einreichung der Klage zu befinden hat, nichts
zu ändern. Diese Kostentragung entspricht im Übrigen - zumindest was die Be-
freiung von den Gerichtskosten betrifft - auch der bisherigen zürcherischen Pra-
xis.
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3.3. Zu beachten ist, dass die Kosten des Schlichtungsverfahrens gemäss
Art. 207 Abs. 2 ZPO bei Einreichung der Klage zur Hauptsache geschlagen wer-
den und somit das erkennende Gericht in der Folge über diese zusammen mit
den übrigen Prozesskosten gemäss den Art. 104 ZPO ff. zu entscheiden hat. Die
Kostenauflage an die Gemeinde erfolgt deshalb unter diesem Vorbehalt.
3.4. Vorliegend sind die Kosten der unentgeltlichen Rechtspflege des Schlich-
tungsverfahrens unter Vorbehalt von Art. 207 Abs. 2 ZPO durch die Stadt
D._ zu tragen.
4. Kosten und Rechtsmittel
4.1. Gemäss Art. 119 Abs. 6 ZPO ist das Verfahren um unentgeltliche Rechts-
pflege kostenlos.
4.2. Wird die unentgeltliche Rechtspflege ganz oder teilweise abgelehnt oder
entzogen, so kann der Gesuchsteller den Entscheid mit Beschwerde gemäss
Art. 121 ZPO beim Obergericht anfechten. Dass vorliegend der Obergerichtsprä-
sident über das Gesuch befindet, vermag daran nichts zu ändern. Der Oberge-
richtspräsident fällt in diesem Verfahren einen erstinstanzlichen Entscheid i.S.v.
Art. 319 lit. b ZPO und fungiert nicht als obere kantonale Instanz gegen deren
Entscheide lediglich ein Rechtsmittel ans Bundesgericht gegeben wäre.
4.3. Die Gegenpartei in der Hauptsache verfügt im vorliegenden Verfahren nicht
über Parteistellung. Ihr steht aber gegen den Entscheid betreffend unentgeltlicher
Rechtspflege die Beschwerde gemäss Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO offen, sofern ihr
ein nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil droht.

## Considerations