# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7d3658de-0c7d-460d-914f-db6757d0e801
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _1978 in O.1_ geboren und wuchs zusammen mit zwei Geschwistern in geordneten Verhältnissen bei seinen Eltern in O.2_ auf, wo er auch die Primar- und Sekundarschule besuchte. Nach dem Schulabschluss trat er bei der A._ eine Lehre als Maschinenzeichner an, die er jedoch wegen Differenzen mit dem Lehrmeister abbrach. In der Folge absolvierte X._ bei der B._AG in O.3_ eine zweijährige Lehre als Radio-/TV-Verkäufer, worauf er im Jahre 1998 die Rekrutenschule besuchte. Im Anschluss daran arbeitete er während eines Jahres in seinem erlernten Beruf als Verkäufer im C._ in O.1_ sowie bei der D._AG in O.4_. Seit etwa zehn Jahren ist X._ selbständig. Er betreibt zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder das Transportunternehmen E._GmbH, in welchem zurzeit sieben bis acht Angestellte beschäftigt werden. Eigenen Angaben zufolge erzielt er mit dieser Tätigkeit ein monatliches Nettoeinkommen von rund Fr. 3'500.- - bis Fr. 3'600.--. X._ hat weder Schulden noch Vermögen und ist mit F._ verheiratet.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X._ mit drei Eintragungen verzeichnet. Mit Strafmandat des Kreispräsidenten Fünf Dörfer vom 3. Dezember 2004 wurde er wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln zu einer Busse von Fr. 1'000.--, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von einem Jahr, und mit Strafmandat der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis vom 14. Juni 2005 wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Motorfahrzeug, qualifizierte Blutalkoholkonzentration) und Verletzung von Verkehrsregeln zu 30 Tagen Gefängnis, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von vier Jahren, und einer Busse von Fr. 800.-- verurteilt. Ferner bestrafte der Kantongerichtsausschuss Graubünden X._ mit Urteil vom 21. Mai 2008 wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Motorfahrzeug, qualifizierte Blutalkoholkonzentration von 0.9‰) mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je Fr. 50.--.
Gemäss Auszug aus dem SVG-Massnahmenregister wurde X._ der Führerausweis zum ersten Mal wegen Geschwindigkeitsübertretung für die Dauer vom 30. März 2005 bis 29. April 2005 entzogen. In der Folge erfolgten zwei weitere Führerausweisentzüge, und zwar vom 5. Mai 2005 bis 4. November 2005 wegen Angetrunkenheit und überhöhter Geschwindigkeit sowie vom 20. August 2010 bis 19. August 2011 wegen Angetrunkenheit, überhöhter Geschwindigkeit und anderer Fahrfehler. Am 20. Dezember 2010 wurde X._ der
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Führerausweis wegen Angetrunkenheit und Alkoholabhängigkeit/-missbrauch ein letztes Mal bis auf weiteres entzogen.
B. Am 10. Januar 2013, mitgeteilt am 17. Januar 2013, erliess die Staatsanwaltschaft Graubünden einen Strafbefehl und sprach X._ des Überlassens eines nicht vorschriftsgemässen und nicht betriebssicheren Fahrzeugs gemäss Art. 29 SVG in Verbindung mit Art. 93 Abs. 2 lit. b SVG für schuldig und bestrafte ihn mit einer Busse von Fr. 300.--, bei schuldhafter Nichtbezahlung an deren Stelle mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen. Gegen diesen Strafbefehl liess X._ am 21. Januar 2013 Einsprache erheben, woraufhin die Staatsanwaltschaft Graubünden weitere Beweise abnahm (Art. 355 Abs. 1 StPO). Mit Parteimitteilung vom 30. April 2013 teilte die Staatsanwaltschaft Graubünden X._ mit, dass die Strafuntersuchung abgeschlossen sei und stellte ihm aufgrund der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse die Anklageerhebung beim Gericht gemäss Art. 324 ff. StPO in Aussicht.
C. Am 10. Juli 2013 übermittelte die Staatsanwaltschaft Graubünden die Verfahrensakten dem Bezirksgericht Prättigau/Davos und erklärte im Rahmen der Anklageschrift, dass auf eine Vorladung zur Hauptverhandlung verzichtet werde. Der Anklageschrift vom 8. Juli 2013 liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
"Am 4. Oktober 2012 lenkte G._ den nicht betriebssicheren Lieferwagen seiner Arbeitgeberfirma, der E._GmbH, einen IVECO Daily, GR _, von O.5_ bis O.6_, wo er von der Polizei kontrolliert wurde.
Am Lieferwagen wurden folgende Mängel festgestellt:
Die Feststellbremse wies keine Bremskraft auf. Im Fahrzeug leuchteten die Warnlampe der Bremsverschleissanzeige sowie die Kontrolllampe des Airbags. Am Lieferwagen fehlten ausserdem diverse Abdeckungen. Die linke Seitenscheibe war zudem aufgezogen und festgeklebt. Am linken Seitenspiegel war das Glas gerissen und das linke und rechte Standlicht sowie das linke Fernlicht waren defekt. Die vordere rechte Felge war deformiert. Am Kotflügel war die rechte Abdeckung lose. Der linke und rechte Stabilisator hatte Spiel. Die linken und rechten Federpakete an der hinteren Achse waren gebrochen. Zudem war am vorderen oberen linken Führungsgelenk die Schraube lose. Der Lieferwagen wurde noch gleichentags vom Strassenverkehrsamt Graubünden durch Annullierung des Fahrzeugausweises aus dem Verkehr genommen.
Der Beschuldigte ist als Geschäftsführer der E._GmbH für den vorschriftsgemässen Zustand der Firmenfahrzeuge verantwortlich. Obwohl er die Mängel am fraglichen Lieferwagen kannte, hat er es unterlassen, die Verwendung dieses Fahrzeuges nach seinen Möglichkeiten zu verhindern, indem er z.B. die Fahrzeugschlüssel nicht an einem sicheren Ort aufbewahrte oder indem er die Kontrollschilder am Fahrzeug beliess."
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D. Die Hauptverhandlung vor Bezirksgericht Prättigau/Davos, zu welcher mit prozessleitender Verfügung vom 24. Februar 2014 vorgeladen worden war, fand am 5. Juni 2014 statt. X._ erschien in Begleitung seines Rechtsanwalts lic. iur. Martin Suenderhauf. Die Staatsanwaltschaft Graubünden war nicht zugegen. Die Parteien stellten die folgenden Schlussanträge:
"Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden (siehe Ziff. 3 der Anklageschrift, act. 38):
1. X._ sei schuldig des Überlassens eines nicht vorschriftsgemässen und nicht betriebssicheren Fahrzeuges gemäss Art. 29 SVG in Verbindung mit Art. 93 Abs. 2 lit. b SVG.
2. X._ sei mit einer Busse von CHF 300.00 zu bestrafen.
3. Die Kosten des Verfahrens seien X._ zu überbinden.
Anträge beschuldigte Person (RA lic. iur. Martin Suenderhauf):
1. X._ sei vom Vorwurf des Überlassens eines nicht vorschriftsgemässen und nicht betriebssicheren Fahrzeugs gemäss Art. 29 SVG i.V.m. Art. 93 Abs. 2 lit. b SVG freizusprechen.
2. Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
3. Dem Beschuldigten sei für seine Verteidigungsaufwendungen eine Parteientschädigung von CHF 6'335.20 zuzusprechen."
E. Gegen das am 5. Juni 2014 gefällte, dem Beschuldigten gleichentags mündlich eröffnete und am 6. Juni 2014 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Prättigau/Davos meldete X._ am 11. Juni 2014 Berufung an, woraufhin das Bezirksgericht Prättigau/Davos den Parteien das begründete Urteil am 14. August 2014 mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:
"1. X._ ist schuldig des Überlassens eines nicht vorschriftsgemässen und nicht betriebssicheren Fahrzeuges gemäss Art. 29 SVG in Verbindung mit Art. 93 Abs. 2 lit. b SVG.
2. Dafür wird X._ bestraft mit einer Busse von CHF 300.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 3 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3. Die Kosten des Verfahrens von CHF 3'130.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 1'330.00, Gerichtsgebühren CHF 1'800.00) gehen zu Lasten von X._.
X._ schuldet dem Bezirksgericht Prättigau/Davos folglich:
Busse CHF 300.00
Verfahrenskosten CHF 3'130.00
Total CHF 3'430.00
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In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids mit beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen.

## Considerations