# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 99e35d20-51c9-4834-8ac5-96e95bb73f93
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1993,
wurde erstmals im Mai 2000
aufgrund einer
ver
zögerte
n
Sprachentwicklung bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug angemel
det (Urk. 7/1 Ziff. 5.2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, erteilte in der Folge Kostengutsprache für Sonderschulmass
nahmen (Urk. 7/6) sowie
weitere
Massnahmen zur Behandlung des Geburts
gebrechens Nr. 390 (Urk. 7/12
, Urk. 7/31
, Urk. 7/41, Urk. 7/43-44
).
Seit 1. November 2017 war der Versicherte in einem Pensum von 100 % als Last
wagenchauffeur tätig (Urk. 7/52 Ziff. 5.4), als er sich
am
17. April 2020 unter Hinweis auf eine Erschöpfungsdepression bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug anmeldete (Urk. 7/52 Ziff. 6.1). Die IV-Stelle tätigte in der Folge medizinische (Urk. 7/64
, Urk. 7/76
) und erwerbliche Abklärungen (Urk. 7/57) und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (Urk. 7/60
, Urk. 7/68
, Urk. 7/78-83
).
Am 3. Dezember 2020 teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit,
es seien
keine Eingliederungsmassnahmen möglich (Urk. 7/73).
Nach ergangenem Vorbescheid (Urk. 7/85) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 5. Juli 2021 einen Leistungsanspruch des Versicherten (Urk. 7/86 = Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am 18. August 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 5. Juli 2021 (Urk. 2) und beantragte die Zusprache einer Invalidenrente, eventuell die Rückweisung zur weiteren Abklärung (Urk. 1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 23. September 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am 14. Oktober 2021 mitgeteilt wurde (Urk. 9).
Mit Eingabe vom 2
1.
Januar 2022 reichte der Beschwerdeführer einen Kurzbericht der
Y._
AG vom 1
8.
Januar 2022 ein (
Urk.
10-11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den All
ge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung
des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7,
Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheid
relevante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte in der angefochtenen Verfügung vom 5. Juli 2021 aus, gemäss den getätigten Abklärungen sei
en
kein Gesundheitsschaden und keine Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Lastwagenchauffeur aus
gewiesen
, weshalb kein Leistungsanspruch bestehe (Urk. 2 S. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer geltend (Urk. 1), die Beschwerde
gegnerin habe den Sachverhalt durch ungenügende Beweisverfahren und Sach
verhaltsabklärungen fehlerhaft festgestellt. Die Feststellung, wonach die Remis
sion der aktuellen depressiven Episode zu erwarten sei und deshalb kein dauer
hafter beziehungsweise langfristiger Gesundheitsschaden vorliege, sei zu
dem willkürlich. Vor dem Hintergrund dieser unhaltbaren Prognose
sei der Rentenan
spruch zu früh geprüft worden, zumal noch ein Taggeldanspruch bestanden habe
(S. 7 Ziff. 3.1). Seit dem 19. Dezember 2019 sei er aufgrund einer mittelschweren bis schweren depressiven Episode vollständig arbeitsunfähig (S. 7 Ziff. 3.2). Vor
liegend hätte ein interdisziplinäres Gutachten eingeholt werden müssen, welches die Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit nach Massgabe der heranzuziehenden Standardindikatoren ermögliche (S. 8 Ziff. 3.3.4). Im Zeitpunkt des Verfügungs
erlasses habe nicht mit genügender Gewissheit davon ausgegangen werden kön
nen, ob und wann er sich allenfalls in Zukunft von seiner Krankheit erholen werde (S. 10 Ziff. 3.5.3).
2.3
Strittig und zu prüfen ist demnach der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere die Frage, ob der medizinische Sachverhalt rechts
genüg
lich abgeklärt wurde.
3.
3.
1
Die
früher
behandelnde Psychiaterin
Dr.
med.
Z._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
diagnostizierte in ihrem Arztzeugnis vom 10. Januar 2020 (Urk. 7/60/10) zuhanden des Krankentaggeldversicherers eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1; Ziff. 2)
,
und führte aus, während der vergangenen zwei Wochen sei es zu einer zuneh
mend depressiven Entwicklung gekommen. Im Anschluss an ein traumatisches Erlebnis habe der Beschwerdeführer zwei Jahre zuvor bereits eine depressive Episode erlitten (Ziff. 3). Seit dem 17. Dezember 2019 bestehe bis auf Weiteres eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (Ziff. 7). Der Beschwerdeführer sei in der
Tagesklinik A._
angemeldet (Ziff. 8).
3.
2
Am
25. Februar 2020
diagnostizierte Dr.
Z._
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psychotische Symptome (
Urk. 7/60/5-7
Ziff. 4). Der Beschwerdeführer
sei
in
einem Pensum von 100 % als Lastwagenchauffeur
angestellt
. Leider könne er sich schlecht abgrenzen, weshalb es zu vielen Überstunden und Erschöpfung gekommen sei. Von der Persönlich
keitsstruktur her sei er harmoniebedürftig und wolle es allen recht machen. Er könne sich schlecht für die eigenen Bedürfnisse einsetzen
, was ihn zunehmend erschöpfe (Ziff. 1). Derzeit sei er in seiner Leistungsfähigkeit eingeschränkt, der Antrieb sei vermindert, die Stimmung sehr labil, meist noch etwas bedrückt. Die Schlafstörungen könnten nur mit Medikamenten
i
n den Griff bekommen werden, er leide an Appetitmangel
sowie
Konzentrationsschwierigkeiten und sei deshalb krankgeschrieben (Ziff. 2). Ende des Jahres 2019 sei er zunehmend erschöpft, immer weniger belastbar
und dünnhäutiger
geworden, bis es am 19. Dezember 2019 zum psychischen Zusammenbruch gekommen sei (Ziff. 3). Derzeit sei der Beschwerdeführer immer noch vollständig arbeitsunfähig. Die Depression helle aber langsam auf, weshalb die Prognose recht günstig sei (Ziff. 5). Seit dem 17. Februar 2020 sei er in tagesklinischer Behandlung
und besuche zusätzlich die Ergotherapie.
I
n wöchentlich
en
bis zweiwöchentlichen Abständen fänden zudem psychiatrisch-psychotherapeutische Sitzungen statt
. Medikamentös werde er mit Escitalopram 20 mg, Trittico 100 mg sowie Lasea behandelt
(Ziff. 8). Wie lange die Arbeitsunfähigkeit noch andauere, werde
der Verlauf zeigen (Ziff. 12).
3.
3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, beratender Arzt des Krankentaggeldversicherers, beurteilte am 26. März 2020 die von Dr.
Z._
attes
tierte Arbeitsunfähigkeit als nachvollziehbar und die aktuelle Behandlung als fachgerecht (Urk. 7/60/4 Ziff. 1-2).
Eine vollständige Arbeits
unfähigkeit sei für die Dauer von drei Monaten ausgewiesen, danach sei der Fall erneut vorzulegen (Ziff. 6-7).
3.
4
In ihrem Bericht vom 1
3.
August 2020 (Urk. 7/68/4-7) nannten die Ärzte der
Y._
AG folgende Diagnosen (S. 2 Ziff. 4):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.6)
-
Migräne mit Aura
-
g
astroösophageale Refluxkrankheit ohne Ösophagitis
-
Kreuzschmerz
-
Adipositas Grad I durch übermässige Kalorienzufuhr
Gegen Ende des Jahres 2019 sei der Beschwerdeführer arbeitsbedingt in einen Zustand der Überlastung und Erschöpfung gekommen und in der Folge Mitte Dezember 2019 krankgeschrieben worden. Auf Ende Mai 2020 sei das Arbeits
verhältnis gekündigt worden
. Anfang des Jahres 2020 sei es zu einem Suizid
ver
such gekommen (S. 1 Ziff. 1). Im Rahmen einer ängstlichen (vermeidenden) Per
sönlichkeitsstruktur stünden stark selbstkritische Anteile im Vordergrund. Des Weiteren bestünden Defizite in Wahrnehmung, Differenzierung, Regulation und Kommunikation von Emotionen. Während Zuständen grosser innerer Spannung, meist aufgrund von Versagensgefühlen, komme es episodisch auch zu selbst
ver
letzendem Verhalten. Depressionsbedingt bestehe eine Antriebsminderung, es komme zu sozialem Rückzug und es bestünden Schwierigkeiten in der Hand
lungsumsetzung (S. 2 Ziff. 2). Das Ausmass der bisherigen und zukünftigen Arbeitsunfähigkeit wie auch die Prognose könnten aktuell nicht beurteilt werden (S. 2 Ziff. 5).
Der Beschwerdeführer habe am multimodalen Programm mit Ein
zelgesprächen und Gruppentherapien teilgenommen. Die
Au
strittsme
d
ikation beinhalte Escitalopram 20 mg, Pantoprazol 20 mg sowie als Reservemedikament Pestwurz-Wurzeln Trockenextrakt (S. 2 f. Ziff. 8). Der Beschwerdeführer hab
e
einige Hochstressskills entwickeln und diese bereits mehrfach einsetzen können. Es bestünden aber nach wie vor eine klare Antriebsminderung und Schwierig
keiten im Umsetzen von Plänen.
Weiter
komme
es
zu häufigen Emotions
schwankungen, zu deren Erkennung der Beschwerdeführer bis anhin nur wenige Frühwarnzeichen habe identifizieren können (S. 3 Ziff. 10). Es werde empfohlen, die psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung weiterzuführen, ebenso sei die weitere Einnahme der Austrittsmedikation indiziert (S. 3 Ziff. 11; vgl. auch den Austrittsbericht vom 17. August 2020, Urk. 7/64).
3.
5
Dr.
B._
beurteilte die vorliegenden medizinischen Bericht
e
am 6. September 2020 (Urk. 7/80/1) als nachvollziehbar und die aktuellen Behandlungen als fach
gerecht (Ziff. 1-2). Der Beschwerdeführer könne seine angestammte Tätigkeit
voraussichtlich wiederaufnehmen (Ziff. 4). Für die folgenden zwei Monate bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit, danach sei der Fall nach Eingang eines ausführlichen psychiatrischen Berichts wieder vorzulegen (Ziff. 6-7).
3.
6
Der aktuell behandelnde Psychiater
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, diagnostizierte in seinem Bericht vom 22. Dezember 2020 eine depressive Episode, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F32.1; Urk. 7/82 Ziff. 4). Der Beschwerdeführer zeige eine perfektionistische Persönlichkeitsstruktur, es sei e
i
n verantwortungsvoll adaptives Verhaltens
muster erkennbar (Ziff. 1).
Gegen
wärtig sei die Antriebslosigkeit prägend
, d
ie Konzentrationsstörungen seien nicht mehr so stark wie zu Beginn der Behandlung. Im Zuge der bestehenden Sympto
matik beschreibe der Beschwerde
führer ein soziales Rückzugsverhalten, welches einerseits als Vermeidungs
strategie zu werten sei und andererseits als inadäquate Abgrenzungsstrategie (Ziff. 2). Als auslösender Faktor könne der Verlust der Arbeitsfähigkeit als Folge von Überarbeitung betrachtet werden (Ziff. 3). Auf
grund des Schweregrades der Depression könne die Arbeitsunfähigkeit noch ein paar Monate dauern, der Genesungsprozess sei langsam (Ziff. 5). Die Prognose sei kurzfristig ungünstig, langfristig positiv (Ziff. 6). Die Behandlungen
fänden
wöchentlich statt, zusätz
lich nehme der Beschwerdeführer Truxal
15 mg
sowie Citalopram
20 mg
ein (Ziff. 8-9). Der Beschwerdeführer sei stabiler als im ersten Behandlungsmonat, eine bestimmte Tagesstruktur sei wieder vorhanden. Der Schlaf sei verbessert, der Drang, sich zu ritzen, bestehe seit der Einnahme von Truxal nicht mehr (Ziff. 10).
3.
7
I
n seinem Bericht vom 18. Januar 2021 (Urk. 7/76)
diagnostizierte Dr.
C._
eine depressive Episode, gegenwärtig schwer, remittierend (Ziff. 2.5). Der Beschwerde
führer gebe an, dass die Stimmung aufgrund des Stresses bei der Arbeit seit mehr als einem Jahr gedrückt sei. Es sei eine Tendenz zur Perspektiv
losigkeit erkenn
bar, die Zukunft und die Verbesserungsmöglichkeiten würden gar nicht oder wenig positiv beschrieben. Es bestehe eine emotionale Gleichgültigkeit, früher ausgeübte Freizeitaktivitäten und Interessen hätten nicht mehr denselben Stellenwert oder würden gänzlich vermieden (Ziff. 2.2).
Die Auffassung, Auf
merksamkeit und Konzentration seien deutlich gestört, die Merkfähigkeit und das Gedächtnis deutlich beeinträchtigt. Die Stimmung sei deutlich gedrückt, der An
trieb deutlich vermindert. Es bestehe eine Besorgnis gegenüber der Zukunft. Der Beschwerdeführer zeige ein situationsgerechtes Verhalten. Es bestünden zwar Hinweise auf Suizidalität,
er
könne sich aber gut davon abgrenzen
und
zeige eine volle Krankheitseinsicht bei guter Veränderungsmotivation (Ziff. 2.4).
Die Medi
kation sei unverändert (Ziff. 2.3).
Die kurzfristige Prognose sei unsicher, langfris
tig mit Unterstützung der Beschwerdegegnerin jedoch positiv (Ziff. 2.7).
Der
Beschwerdeführer sei sowohl in der bisherigen als auch in jeder anderen Tätigkeit vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 4.1-2).
3.
8
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD, führte am 17. Mai 2021 aus, die festgestellten Diagnosen Migräne, Reflux, Kreuzschmerz und Adipositas führten nicht zu einer dauerhaften Arbeitsunfähig
keit. Die Per
sönlichkeitsstörung bestehe bereits seit der Jugend beziehungsweise dem frühen Erwachsenenalter. Der Beschwerdeführer sei dennoch in der Lage gewesen, im Jahre 2013 seine Ausbildung abzuschliessen und seitdem vollzeitig in seinem Beruf zu arbeiten. Eine dauerhafte Einschränkung der Arbeitsfähigkeit sei durch die ängstliche Persönlichkeitsstörung auch weiterhin nicht zu erwarten. Ein dauerhafter Gesundheitsschaden sei bei einer depressiven Episode nicht an
zuneh
men. Eine vor
an
gegangene depressive Episode sei bereits remittiert. Eine erneute Remission sei daher zu erwarten. Da keine Verschlechterung beschrieben worden sei,
seit Behandlungsbeginn keine Notwendigkeit bestanden habe, die Medikation anzupassen und der Beschwerdeführer angebe, ab Februar eine Arbeitstätigkeit wieder aufnehmen zu können, sei das aktuelle Vorliegen einer schweren depres
siven Episode nicht schlüssig. Der protrahierte Verlauf der mittelgradigen depres
siven Episode sei aufgrund der zusätzlich vorliegenden Persönlichkeitsstörung nachvollziehbar. Insgesamt sei ein Gesundheitsschaden, der die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit dauerhaft einschränke, nicht ausgewiesen. Aufgrund der Schwierigkeiten, sich abzugrenzen, sei jedoch eine Arbeitstätigkeit mit festen Arbeitszeiten und ohne Notwendigkeit von Mehrarbeit zu empfehlen (Urk. 7/84 S. 6).
3.
9
In seinem Bericht vom 23. Juli 2021 (Urk. 3/3) nannte Dr.
C._
als aktuelle Diagnose eine gegenwärtig schwere Depression (ICD-10 F32.2; S. 1). Der Beschwerdeführer habe in den letzten Monaten nur noch auf dem Sofa gelegen, er berichte über ständige Zukunftsängste und eine ausgeprägte Hoffnungslosig
keit. Seine Interessen habe er alle aufgegeben, er treffe sich nicht mehr mit seinen Freunden und habe an nichts mehr Freude. Im Haushalt könne er praktisch nichts mehr mache
n
, ausser hin und wieder kochen (S. 2). Er grüble ständig über die Zukunft nach, beim Einkaufen sei er nicht mehr fähig, sich für ein Produkt zu entscheiden. Er habe den Eindruck, er sei für die Gesellschaft nicht mehr zu gebrauchen. Der Beschwerdeführer habe grosse Angst, dass er in Zukunft immer gesundheitliche Probleme haben werde. Es seien Vorstufen von Suizidalität erkennbar. Der Beschwerdeführer wünsche sich, nichts mehr mit diesem schwie
rigen Leben zu tun zu haben, er würde sich jedoch nichts antun (S. 3).
Es bestün
den mässig ausgeprägte Beeinträchtigungen der Fähigkeit zur Anpassung an
Regeln und Routine, der Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Auf
ga
ben, der Fähigkeit zur Anwendung der fachlichen Kompetenzen sowie der Kontaktfähigkeit zu Dritten. Ebenfalls mässig beeinträchtigt seien die Fähigkeit zu familiären beziehungsweise intimen Beziehungen sowie
die
Fähigkeit zu Spontanaktivitäten. Die Verkehrsfähigkeit sei leicht eingeschränkt, vollständig beeinträchtigt sei der Beschwerdeführer jedoch in der Gruppenfähigkeit (S. 4 f.). Dies sei der zweite Rückfall nach demjenigen im Januar 2021, als die Medikation aufgrund einer saisonalen Verschlechterung von Escitalopram zu Cymba
l
ta habe geändert werden müssen. Eine Arbeitsfähigkeit sei nicht gegeben (S. 5).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin
stützte sich bei der Beurteilung des Leistungsanspruchs auf die Würdigung der vorliegenden medizinischen Akten durch die RAD-Ärztin Dr.
D._
und ging davon aus, dass kein Gesundheitsschaden und damit auch keine Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit als Lastwagenchauffeur vor
lägen (E. 2.1, E. 3.8). Dies vermag jedoch nicht zu überzeugen.
Die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung wechselnden Ausmasses
zwischen mittelgradig und schwer
wurde von verschiedenen psychiatrischen Fachärzten unabhängig voneinander unter Angaben von Befunden und Sympto
men gestellt
(E. 3.1-2, E. 3.4, E. 3.6-7, E. 3.9) und vom Vertrauensarzt des zuständigen Krankentaggeldversicherers als nachvollziehbar beurteilt (E. 3.3, E. 3.5).
Dass die
Beschwerdegegnerin
unter diesen Umständen
,
ohne Weiteres
lediglich gestützt auf die vorliegenden Berichte unter Hinweis auf die frühere Remission einer depressiven Episode das Vorliegen eines relevanten Gesundheits
schadens
verneint
e
, ist nicht nachvollziehbar
. Dies gilt umso mehr, als unklar ist, ob nebst einer depressiven Störung allenfalls eine Persönlichkeitsstörung besteht
,
und hinlänglich bekannt sein dürfte, dass gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts für alle psychischen Erkrankungen ein strukturiertes, ergebnis
offenes Beweisverfahren anhand von Standardindikatoren durchzuführen
ist
(vgl. vorstehend E. 1.4).
4.2
Bei den Akten finden sich medizinische Berichte der früheren wie auch des aktu
ellen
Psychiaters sowie der Ärzte der
Y._
.
Dabei attestierte die frühere Psy
chiaterin Dr.
Z._
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit (E. 3.1-2), wohin
gegen die Ärzte der
Y._
das Ausmass der Arbeitsunfähigkeit wie auch die Prognose nicht beurteilen konnten (E. 3.4). Der aktuell behandelnde Psychiater Dr.
C._
sodann ging wiederum von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit in jeder Tätig
keit aus (E. 3.6-7, E. 3.9)
.
Insgesamt machten jedoch weder Dr.
Z._
noch
Dr.
C._
begründete Angaben dazu, weshalb die Arbeitsfähigkeit in jeder Tätig
keit vollständig eingeschränkt sein soll
,
beziehungsweise auch in einer den bestehenden Beeinträchtigungen optimal angepassten Tätigkeit keine Restarbeits
fähigkeit bestehen soll.
Ebenso bleibt unklar, inwiefern sich der Gesundheits
zu
stand des Beschwerdeführers im Januar 2021 verschlechtert hat
,
da
Dr.
C._
zu jenem Zeitpunkt
von einer schweren Episode
ausging
(E. 3.7)
, welche im Juli 2021 – trotz
im Januar 2021
erwähnter Remission
–
weiterhin diagnostiziert wurde (E. 3.9)
.
Dabei war
Dr.
C._
Ende Dezember 2020 noch von einer mittelgradigen Episode ausgegangen (E. 3.6).
Nicht gänzlich nachvollziehbar sind sodann die Angaben von Dr.
C._
zur medikamentösen Behandlung. So führte er zunächst im Dezember 2020 aus, der Beschwerdeführer werde mit Truxal und Citalopram behandelt (E. 3.6). Diese Medikation war gemäss seinen Aus
führungen am 18. Januar 2021 unverändert (E. 3.7). In seinem Bericht vom 23. Juli 2021 wies Dr.
C._
jedoch darauf hin, dass die Medikation nach einem Rückfall im Januar 2021 von Escitalopram zu Cymbalta habe gewechselt werden müssen (E. 3.9).
Es liegen jedoch keine Angaben zur beschriebenen gesundheit
lichen Verschlechte
rung vor.
Weiter fehlen Angaben zu den persönlichen Ressourcen des Beschwer
deführers.
Obschon Dr.
C._
in seinen Berichten die festgestellten Befunde und Symptome beschrieb und Ausführungen zu den bestehenden Einschränkungen machte, ent
halten die vorliegenden Akten
damit
insgesamt
zu wenig Angaben, um die
erfor
derliche
Indikatorenprüfung durchzuführen.
Trotz dieser Unklar
heiten
verzichtete die Beschwerdegegnerin auf die Veranlassung einer psychiatrischen Begutach
tung und stützte sich lediglich auf die Berichte der behandelnden Ärzte
bezie
hungsweise auf die Einschätzung ihres RAD
. Ein Beweisverfahren ist jedoch erforderlich und ein Abweichen
davon nicht an
gezeigt: Es verhält sich vorliegend nicht so, dass genügend beweiswertige fach
ärztliche Berichte (vgl. BGE
125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollzieh
bar begründeter Weise verneinen; im Gegenteil liegt keine genügende fachärzt
liche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vor (BGE 143 V 409 E. 4.5.3
; BGE 143 V 418 E. 7.1). Der medi
zinische Sachverhalt erweist sich insgesamt als ungenügend abgeklärt.
4.3
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit diese eine psychiatrische Begutachtung veranlasse, gestützt auf welche die Auswirkungen der festgestellten Beeinträchtigungen unter Berücksichtigung der bundes
gericht
lichen Rechtsprechung anhand der verschiedenen Standardindikatoren einzelfall
gerecht und ergebnisoffen beurteilt werden können. Nach Vorliegen der notwen
digen Angaben wird über den Leistungsanspruch des Beschwerdeführers neu zu befinden sein.
Zu
jenem
Zeitpunkt wird
die Beschwerdegegnerin
- je nach den gezogenen Schlussfolgerungen im Gutachten - allenfalls
auch
über berufliche Massnahmen zu
entscheiden haben
.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne gutzuheissen.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung einer Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Ob
siegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
der Beschwerdegegnerin
aufzuerlegen sind.
5.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemes
sen (§ 34 Abs. 3 GSVGer). Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr. 2’000.-- (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) als angemessen.