# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f350fbc3-77ff-5b74-ae2b-f004afcd5547
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerinnen reichten am 6. Juni 2011 bei der Gemeinde Konolfingen
ein Baugesuch ein für den Abbruch der bestehenden Gebäude (Bauernhaus und Schopf)
und den Neubau von einem Doppeleinfamilienhaus sowie einem Mehrfamilienhaus mit
Einstellhalle auf Parzelle Konolfingen Grundbuchblatt Nr. G._. Die Parzelle liegt in
der Wohnzone W2, das Bauernhaus ist gemäss Bauinventar ein Baudenkmal. Gegen das
Bauvorhaben erhob unter anderen der Beschwerdeführer Einsprache. Mit
Gesamtentscheid vom 11. Oktober 2012 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland die Gesamtbaubewilligung. Mit Entscheid vom 11. Februar 20131 hiess die Bau-,
Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) die dagegen erhobene
Beschwerde des Beschwerdeführers gut, hob den Gesamtentscheid auf und wies die
Sache zur neuen Beurteilung im Sinne der Erwägungen an das Regierungsstatthalteramt
zurück mit der Begründung, dieses habe die Voraussetzung für den Abbruch eines
erhaltenswerten Baudenkmals und dessen Ersatz durch einen Neubau nicht geprüft.
Dieser Entscheid blieb unangefochten und wurde rechtskräftig.
Mit Verfügung vom 21. Mai 2013 nahm das Regierungsstatthalteramt das
Baubewilligungsverfahren wieder auf. Es holte unter anderem bei der Denkmalpflege des
Kantons Bern (KDP) mehrere Fachberichte ein. Mit Gesamtbauentscheid vom 28. März
2014 erteilte es den Beschwerdegegnerinnen die Gesamtbewilligung.
2. Dagegen hat der Beschwerdeführer am 29. April 2014 Beschwerde bei der BVE
eingereicht. Er beantragt die Aufhebung des Gesamtbauentscheids vom 28. März 2014
und die Erteilung des Bauabschlags. Er macht insbesondere geltend, es sei Sache der
KDP, die Ersatzwürdigkeit des Neubaus zu prüfen. Der Neubau mit Flachdach und roter
Fassadenfarbe passe nicht ins Quartier. Die Ausnahme für die Unterschreitung des
gesetzlichen Strassenabstands gegenüber der J._strasse (Gemeindestrasse) sei
zu Unrecht erteilt worden und es sei fraglich, ob die Sichtverhältnisse bei der Einmündung
der J._strasse in die Kantonsstrasse genügen würden.
1 BDE RA Nr. 110/2012/177 vom 11. Februar 2013
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3. In ihrer Beschwerdeantwort vom 22. Mai 2014 beantragen die
Beschwerdegegnerinnen die Abweisung der Beschwerde. Sie machen unter anderem
geltend, am Erhalt des Bauernhauses bestehe nur ein sehr geringes öffentliches Interesse.
Es bestünden keine sinnvollen und wirtschaftlich tragbaren Alternativen zu einem Abbruch
und Neubau. Es genüge, wenn der Ersatzbau die kommunalen Bauvorschriften bezüglich
Eigenqualität und Einpassung in die Umgebung einhalte. Das kommunale Recht lasse
Flachdachbauten zu. Die lachs- oder hellrote Fassade sei weder ungewöhnlich noch
störend. Auf die Rüge betreffend Strassenabstand sei nicht einzutreten, da der
Beschwerdeführer dies in seiner Einsprache nicht vorgebracht habe. Bei den Parkplätzen
im Strassenabstand handle es sich um kleine und leicht entfernbare Bauten, die mit einer
erleichterten Ausnahmebewilligung bewilligt werden könnten. Die Gemeinde habe
zugestimmt und keine strassenpolizeilichen Bedenken geltend gemacht. Der OIK II habe
nach einer Projektänderung dem Vorhaben zugestimmt. Bezüglich der Einmündung der
J._strasse in die Kantonsstrasse sei gestützt auf den strassenbaupolizeilichen
Amtsbericht vom 24. Oktober 2011 eine Auflage betreffend Sichtweiten in den
Gesamtentscheid aufgenommen worden.
Das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland verzichtet in seiner Eingabe vom 22. Mai
2014 unter Verweis auf die Akten auf die Einreichung einer förmlichen Vernehmlassung.
Es weist daraufhin, dass der in der Beschwerde erwähnte Bericht des OIK II aufgrund einer
Projektänderung durch den Amtsbericht vom 24. Oktober 2011 ersetzt worden sei.
In ihrer Stellungnahme vom 26. Mai 2014 führt die Gemeinde unter anderem aus, sie habe
auf eine Stellungnahme des Fachausschusses Baugestaltung verzichtet, weil die KDP als
übergeordnete Fachinstanz Stellung genommen habe. Gemäss Baugesuch solle die
Fassade verputzt werden. Die Farbe sei mit hellrot deklariert und das Holz solle
naturbelassen bleiben. Die J._strasse sei im Bereich der Ein- und Ausfahrt 5 m
breit. Es sei nicht vorgesehen, diese zu verbreitern oder einen Gehweg zu erstellen. Die
auf den vorgesehenen Abstellplätzen längs parkierten Autos hätten genügend Platz zum
Manövrieren. Die erforderlichen Auflagen betreffend Lichtraumprofil und Sichtbermen seien
im Bauentscheid aufgeführt und müssten eingehalten werden. Der Amtsbericht
Strassenbaupolizei vom 19. August 2011 betreffe die I._strasse. Die
Beschwerdegegnerinnen hätten das Projekt gestützt auf die Einwände des OIK II
abgeändert, weshalb schlussendlich ein positiver Amtsbericht verfasst worden sei.
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4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, liess die Pläne
verbessern. Zudem holte es bei der KDP, dem Tiefbauamt des Kantons Bern,
Oberingenieurkreis II (OIK II) und der Kantonalen Kommission zur Pflege der Orts- und
Landschaftsbilder (OLK) Fachberichte ein. Anschliessend führte es im Beisein der Parteien
sowie je einer Vertretung der Gemeinde, der OLK und des OIK II einen Augenschein mit
Instruktionsverhandlung durch. Sämtliche Beteiligten erhielten Gelegenheit, sich zum
Augenscheinprotokoll zu äussern.
Im Anschluss an den Augenschein reichten die Beschwerdegegnerinnen eine erste
Projektänderung ein. Das Rechtsamt unterbreitete das geänderte Projekt dem OIK II und
der OLK zur Prüfung und gab den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit, zur Projektänderung
Stellung zu nehmen. Gestützt auf die Eingaben überarbeiteten die
Beschwerdegegnerinnen ihr Bauvorhaben ein weiteres Mal und reichten eine zweite
Projektänderung ein. Das Rechtsamt unterbreitete das geänderte Projekt dem OIK II zur
Prüfung. Dieser beurteilte die Änderungen als positiv und stellte Antrag auf Erteilung der
Ausnahmebewilligung für das Unterschreiten des Strassenabstandes gegenüber der
Kantonsstrasse (I._strasse).
Die Parteien erhielten Gelegenheit, sich zur zweiten Projektänderung und zum Amtsbericht
des OIK II zu äussern, sowie Schlussbemerkungen zum Verfahren einzureichen. Die
Beschwerdegegnerinnen beantragten in ihren Schlussbemerkungen vom 8. Juni 2015 die
Bewilligung der Projektänderung und die Abweisung der Baubeschwerde. Die Gemeinde
beantragte in ihrer Stellungnahme vom 22. Juni 2015, die zweite Projektänderung sei zu
genehmigen. Der Beschwerdeführer erklärte am 23. Juni 2015, er halte an seiner
Baubeschwerde fest. Mit Schreiben vom 7. Juli 2015 machten die Beschwerdegegnerinnen
vom allgemeinen Replikrecht Gebrauch und nahmen zu den Schlussbemerkungen des
Beschwerdeführers Stellung.
5. Auf die Rechtsschriften, die Vorakten, die Amts- und Fachberichte des OIK II, der
OLK und der KDP sowie auf das Ergebnis des Augenscheins wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
5

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Der Entscheid des Regierungsstatthalters ist ein Gesamtentscheid im Sinne von
Art. 9 KoG3. Er ist gestützt auf Art. 11 Abs. 1 KoG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 KoG mit
Baubeschwerde nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 bei der BVE anfechtbar. Die BVE ist somit zur
Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Der Beschwerdeführer ist Eigentümer der Parzelle Konolfingen Grundbuchblatt.
Nr. H._ (J._strasse 20). Sein Grundstück ist bloss durch einen
Verkehrsträger vom Baugrundstück getrennt. Er gilt deshalb unbestritten als Nachbar.5 Er
hat sich zulässigerweise als Einsprecher am Baubewilligungsverfahren beteiligt (Art. 35
Abs. 2 Bst. a BauG). Er ist im Rahmen seiner Einsprachegründe zur Beschwerde befugt
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Diese Einschränkung gilt nur, soweit rein kantonal- und
kommunalrechtliche Fragen zur Diskussion stehen. Soweit es um
bundesverwaltungsrechtlich geregelte Fragen geht, müssen die Rechtsmittelinstanzen auf
entsprechende Rügen eingehen, unabhängig davon, ob diese Rügen bereits in der
Einsprache erhoben wurden. Bei rein kantonal- und kommunalrechtliche Fragen genügt
zudem nach der Praxis, dass der Themenbereich in der Einsprache angesprochen worden
ist. Die rechtliche Begründung kann später noch nachgeschoben oder geändert werden.6
Soweit der Beschwerdeführer Rügen betreffend Ortsbildschutz und Denkmalpflege erhebt,
ist er unbestritten zur Beschwerde legitimiert. Umstritten ist jedoch, ob er auch mit seinen
Einwänden gegen die Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung des
Strassenabstandes gehört werden kann. Die Beschwerdegegnerinnen machen geltend,
dies sei in der Einsprache nicht beanstandet worden. Der Beschwerdeführer habe auch nie
Einwände gegen die beiden Besucherparkplätze im Strassenabstand erhoben. Dies trifft an
sich zu. Der Beschwerdeführer kritisierte in seiner Einsprache jedoch ausführlich die
geplante Hauszufahrt über die J._strasse. Er machte insbesondere geltend, dies
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 17 6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 9a
6
sei aus Verkehrssicherheitsgründen problematisch, einerseits wegen der geringen
Strassenbreite, andererseits wegen der unübersichtlichen Kurve westlich der geplanten
Einstellhallenausfahrt. Er bemängelte auch die Einmündung der J._strasse in die
I._strasse. Damit wurde der Themenbereich der Verkehrssicherheit in der
Einsprache angesprochen. Rügen im Zusammenhang mit der Unterschreitung der
Strassenabstände sind deshalb im Beschwerdeverfahren grundsätzlich zulässig. Die
Beschwerdelegitimation ist daher auch diesbezüglich zu bejahen. Im Übrigen prüft die BVE
das Bauvorhaben ohnehin frei. Sie kann den angefochtenen Entscheid von Amtes wegen
abändern, wenn er erhebliche Mängel aufweist (Art. 40 Abs. 3 BauG).
c) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG7). Die BVE tritt
daher auf die Beschwerde ein.
2. Projektänderung
a) Die Beschwerdegegnerinnen haben im Laufe des Beschwerdeverfahrens zwei
Projektänderungen eingereicht, um den Einwänden der OLK betreffend Farbgebung sowie
Umgang mit dem bestehenden Terrain und denjenigen des OIK II betreffend
Verkehrssicherheit im Bereich der J._- und I._strasse Rechnung zu
tragen. Mit der ersten Projektänderung vom 6. Januar 2015 (Eingangsstempel RA BVE
vom 29. Januar 2015) wurde im nordwestlichen Teil der Bauparzelle das Terrain weniger
stark abgegraben. Die beiden geplanten Aussenparkplätze und die Veloabstellplätze
entlang der J._strasse wurden entfernt und in die Einstellhalle verlegt.
Weggelassen wurde auch die Zugangstreppe. Auf die vorgesehenen Stützmauern längs
der J._strasse (östlich und westlich der Einstellhalleneinfahrt) und die damit
verbundene Böschungsgestaltung wurde verzichtet. Die Fassadenfarbe wurde geändert
(neu: NCS S 2030-Y 80R). Mit der zweiten Projektänderung vom 30. März 2015
(Eingangsstempel RA BVE vom 2. April bzw. 15. April 2015) wurde auf der bestehenden
Mauer entlang der Grundstückgrenze zur I._strasse eine Absturzsicherung
angebracht. Zwecks Einhaltung der Mindestsichtweiten auf die I._strasse wurde
die bestehende Mauer zudem auf einer Länge von 10.00 m auf Strassenniveau abgesenkt
7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
7
und eine neue Mauer innerhalb des Baugrundstücks skizziert. Die Fassadenfarbe wurde
auf hellgrau geändert (NCS S 1502 Y).
b) Laut Art. 43 BewD8 kann die Bauherrschaft während der Hängigkeit eines
Baubewilligungsverfahrens oder eines nachfolgenden Beschwerdeverfahrens vor der BVE
eine Projektänderung einreichen, ohne dass deshalb ein neues Baubewilligungsverfahren eingeleitet werden muss. Eine Projektänderung liegt vor, wenn das Bauvorhaben in seinen
Grundzügen gleich bleibt (Art. 43 Abs. 1 BewD). Die Baubewilligungsbehörde kann nach
Anhörung der Beteiligten und den von der Projektänderung berührten Dritten das
Verfahren ohne erneute Veröffentlichung fortsetzen bzw. die Änderungen des bewilligten
Projekts ohne neues Baugesuchsverfahren gestatten, wenn öffentliche oder wesentliche
nachbarliche Interessen nicht zusätzlich betroffen sind. Diese Grundsätze gelten auch im
Beschwerdeverfahren. Die Beschwerdeinstanz ist befugt, die Sache zur Weiterbehandlung
an die Vor-instanz zurückzuweisen (Art. 43 Abs. 3 BewD), kann aber auch selbst über die
Projektänderung entscheiden.
Das umstrittene Bauvorhaben bleibt auch nach den vorgenommenen Änderungen in den
Grundzügen gleich. Diese können deshalb als Projektänderung behandelt werden. Die
Projektänderung berührt nicht zusätzliche öffentliche oder wesentliche nachbarliche
Interessen. Auf eine Publikation oder eine Anhörung Dritter kann daher verzichtet werden.
Die Verfahrensbeteiligten wurden angehört. Damit sind die Anforderungen von Art. 43
Abs. 3 BewD eingehalten.
c) Das geänderte Projekt tritt an die Stelle des ursprünglichen Bauprojekts. Das heisst,
dass mit der Einreichung einer Projektänderung das ursprüngliche Gesuch im Umfang der
Änderung als zurückgezogen gilt. Dementsprechend muss im Falle einer Rückweisung an
die Vorinstanz zu neuem Entscheid der angefochtene Entscheid aus prozessualen
Gründen aufgehoben werden, weil ihm im Umfang der Projektänderung die Grundlage
entzogen worden ist. Insoweit ist die hängige Beschwerde gegenstandslos geworden.9 Die
Beschwerdegegnerinnen haben also teilweise auf ihr ursprüngliches Bauvorhaben
verzichtet. Dieses steht nicht mehr zur Diskussion. Gegenstand des Verfahrens bildet von
nun an allein das geänderte Projekt. Zu prüfen ist daher, ob die Projektänderung bewilligt
8 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.  N. 13c mit weiteren Hinweisen
8
werden kann. Eine Rückweisung an die Vorinstanz ist aus prozessökonomischen Gründen
nicht sinnvoll.
3. Denkmalpflege und Ästhetik
a) Der Beschwerdeführer machte in seiner Beschwerde geltend, es sei Sache der
Denkmalpflege zu prüfen, ob das abzubrechende Baudenkmal wie in Art. 10b Abs. 3 BauG
vorgeschrieben durch ein gestalterisch ebenbürtiges Objekt ersetzt werde. Soweit diese
Prüfung tatsächlich an die Gemeinde delegiert werden könne, habe diese den Entscheid
mit der erforderlichen Sorgfalt zu treffen. Die Vorschriften der Gemeinde betreffend Qualität
des Bauens würden über das allgemeine Verunstaltungsverbot gemäss Art. 9 Abs. 1 BauG
hinausgehen und eine gute Gesamtwirkung verlangen. Der Neubau sei nicht nur mit einem
ungewohnten Flachdach, sondern darüber hinaus als knallroter "Leuchtturm" vorgesehen.
Die Fremdartigkeit passe nicht ins Quartier. Er beantrage den Beizug der OLK. Nachdem
im Rahmen des Beweisverfahrens Fachberichte der KDP und der OLK eingeholt wurden
und die Beschwerdegegnerinnen ihr Projekt gestützt darauf überarbeiteten, weist der
Beschwerdeführer in seinen Schlussbemerkungen nur noch darauf hin, der
"Denkmalabsturz" in diesem Fall sei beachtenswert. Er macht jedoch nicht geltend, die im
Bauinventar ursprünglich als schützenswert eingestufte Liegenschaft I._strasse 60
sei im Laufe des Verfahrens fälschlicherweise als bloss erhaltenswert eingestuft worden.
Er bestreitet auch weder die Zulässigkeit des Abbruchs noch macht er geltend, das
geänderte Projekt sei kein gestalterisch ebenbürtiges Objekt für das abzubrechende
Baudenkmal.
b) Die KDP kam im vorinstanzlichen Verfahren zum Schluss, dass am Erhalt des aktuell
als erhaltenswertes K-Objekt eingestuften Bauernhauses I._strasse 60 ein
geringes öffentliches Interesse bestehe10 und kündigte an, dass sie sich einem Abbruch
des Baudenkmals nicht widersetze.11 Der Augenschein verdeutlichte, dass sich das
Bauernhaus in einem sehr schlechten und baufälligen Zustand befindet und dass sein
Erhalt unverhältnismässig wäre. Die Zulässigkeit des Abbruchs ist denn auch unbestritten.
Was die qualitativen Anforderungen an den Neubau angehen, äusserte sich die KDP im
Beschwerdeverfahren wie folgt:
10 Vgl. Fachbericht der KDP vom 12. Juli 2013, Vorakten des Regierungsstatthalters, p. 213 f. 11 Fachbericht der KDP vom 11. November 2013, Vorakten des Regierungsstatthalters, p. 222
9
«Wir sind zum Schluss gekommen, dass ein Neubau nicht mehr die charakteristischen
Eigenschaften des heutigen Bauernhauses haben muss, da ein Neubau keine Auswirkung auf
die Baugruppe D hat und die Bauten der direkten Umgebung nach den Vorgaben des
Baureglementes entstanden sind, das heisst dass keine erhöhten qualitativen Anforderungen
erfüllt werden mussten. Aus Sicht der Denkmalpflege können keine gestalterischen Auflagen
für einen Ersatzbau definiert werden. Da keine gestalterischen Auflagen definiert werden
können, ist das Bauvorhaben nach dem Gemeindebaureglement zu beurteilen.»12
Die KDP legt in ihrem Fachbericht nachvollziehbar dar, wieso die gesetzliche Vorgabe von
Art. 10b Abs. 3 BauG, wonach das Baudenkmal durch ein gestalterisch ebenbürtiges
Objekt zu ersetzen ist, im vorliegenden Fall zu keinen höheren qualitativen Anforderungen
für den Neubau führt, als nach den kommunalen Gestaltungsvorschriften vorgesehen. Die
BVE sieht keinen Anlass, von der fachkundigen und überzeugenden Beurteilung der KDP
abzuweichen. Es ist daher zu prüfen, ob das geänderte Vorhaben den kommunalen
Vorschriften über die Baugestaltung entspricht.
c) Laut Art. 2 GBR13 sind Bauten und Anlagen so zu gestalten, dass zusammen mit
ihrer Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht. Zu berücksichtigen sind insbesondere
die prägenden Elemente und Merkmale des Strassen-, Orts und Landschaftsbildes, die
Möglichkeiten und Eigenheiten des Quartiers, die bestehende Gestaltung der
benachbarten Bauten, Standort, Stellung, Form, Proportionen und Dimensionen der
Bauten und Anlagen sowie die Gestaltung, Materialisierung und Farbgebung von Fassaden
und Dächern. Art. 2 GBR geht somit weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG; es kommt ihm daher
selbständige Bedeutung zu.
In ihrem ersten Fachbericht vom 28. Oktober 2014 führte die OLK aus, das geplante
Bauvorhaben füge sich in die bestehende Umgebung ein und wirke trotz seiner Grösse
nicht als Fremdkörper innerhalb der bestehenden Bebauungsstruktur. Die gewählte
Dachform (Flachdach) wirke nicht störend, die Materialisierung sei nachvollziehbar.
Hingegen hebe sich die Farbgebung mit dem vorgeschlagenen Rotton vom direkt
umliegenden Gebäudekontext ab. Stellung und Volumetrie der Baukörper seien nicht
problematisch. Das Projekt gehe jedoch nicht auf die vorhandene Topographie ein. Die
geplanten Gebäude erweckten den Anschein, als ob die vorgesehene Bautypologie für
eine topographisch flache Parzelle konzipiert worden sei.
12 Fachbericht der KDP vom 11. August 2014 (mit Eingangsstempel RA BVE vom 29. August 2014) 13 Baureglement der Einwohnergemeinde Konolfingen vom 21. Oktober 2007 (GBR)
10
Die Beschwerdegegnerinnen trugen der Kritik der OLK mit der ersten Projektänderung vom
6. Januar 2015 weitgehend Rechnung. In ihrem zweiten Fachbericht vom 2. März 2015
führte die OLK aus, die Projektänderung gehe auf die Einwände betreffend Einpassung in
die bestehende Topographie ein. Die Setzung der Volumetrie im bestehenden Terrain
werde mittels einer weniger starken Abgrabung im nordwestlichen Teil der Parzelle
optimiert, was zu einem sensibleren Umgang mit der bestehenden Topgraphie führe. Im
Weiteren könne aufgrund des Weglassens der zwei Parkplätze entlang der
J._strasse die vorhandenen Böschungen belassen werden. Die neue
Fassadenfarbe erscheine zwar dezenter, hebe sich aber nach wie vor vom direkt
umliegenden Gebäudekontext ab. Eine Angleichung der Fassadenfarbe an die eher
helleren Nachbargebäude sei anzustreben und stärke die Einbindung des Bauvorhabens in
die bestehende Bebauungsstruktur. Aus Sicht des Ortsbild- und Landschaftsschutzes
könne das Bauvorhaben nun bewilligt werden.
d) Mit der zweiten Projektänderung vom 30. März 2015 trugen die
Beschwerdegegnerinnen dem letzten Einwand der OLK Rechnung und änderten die
Fassadenfarbe auf hellgrau (NCS S 1502 Y). Da die Nachbargebäude eher hellere
Fassadenfarben aufweisen,14 wird mit der neu gewählten hellgrauen Fassadenfarbe die
Einpassung des Bauvorhabens in die bestehende Bebauungsstruktur zusätzlich
verbessert. Der Beschwerdeführer bestreitet in seinen Schlussbemerkungen die
Ortsbildverträglichkeit des Bauvorhabens nach den Projektänderungen nicht mehr. Auch
die Gemeinde erachtet das Vorhaben als bewilligungsfähig. Unter dem Aspekt des
Ortsbild- und Landschaftsschutzes ist das geänderte Bauvorhaben daher nicht zu
beanstanden und kann bewilligt werden.
4. Unterschreitung des Strassenabstands zur J._
a) Mit dem Gesamtentscheid wurde eine Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung
des Strassenabstands gegenüber der J._strasse (Gemeindestrasse) erteilt, weil
das Vorhaben im Bauverbotsstreifen unter anderem eine Zugangstreppe, zwei
Autoabstellplätze für Besucher, Veloabstellplätze sowie Mauern entlang der Strasse
14 Vgl. Fotodossier des Augenscheins mit Instruktionsverhandlung vom 2. Dezember 2014, insbesondere Foto 1 und 7
11
vorsah. In seiner Beschwerde machte der Beschwerdeführer geltend, die Anordnung von
Besucherparkplätzen im Bereich des gesetzlichen Strassenabstands der
J._strasse sei unzulässig. Er bemängelt insbesondere auch die dazugehörenden
Flügelmauern.
b) Bauten und Anlagen haben gegenüber öffentlichen Strassen einen Abstand
einzuhalten. Dieser gilt als Bauverbotsstreifen (Art. 80 Abs. 1 SG15). Da die Gemeinde
nichts anderes festgelegt hat (vgl. dazu Art. 5 Abs. 1 Bst. a GBR), haben Bauten und
Anlagen zur J._strasse (Gemeindestrasse) einen Abstand von 3.60 m ab
Fahrbahnrand einzuhalten (Art. 80 Abs. 1 Bst. b SG). Ausnahmen von den gesetzlichen
Strassenabständen können bewilligt werden, wenn besondere Verhältnisse, insbesondere
des Ortsbildes, es rechtfertigen (Art. 81 Abs. 1 SG). Kleinbauten können im
Strassenabstand auf Zusehen hin bewilligen werden, wenn die Bauherrschaft ein
genügendes Interesse nachweist. Die Bewilligung kann jederzeit entschädigungslos
widerrufen werden (Art. 81 Abs. 2 SG in Verbindung mit Art. 28 BauG). Sowohl für die
ordentliche als auch für die erleichterte Ausnahme vom Strassenabstand gilt als weitere
Voraussetzung, dass keine öffentlichen Interessen beeinträchtigt werden (Art. 81 Abs. 1
SG, Art. 28 Abs. 1 Bst. b BauG). Unter diesem Titel ist in erster Linie zu prüfen, ob der
Näherbau zur Strasse die Verkehrsübersicht oder eine denkbare spätere
Strassenerweiterung beeinträchtigen könnte.16
c) Die Gemeinde als zuständiges Gemeinwesen erklärt, es sei nicht vorgesehen, die
J._strasse über das in Art. 7 Abs. 4 BauV17 vorgeschriebene Mass von 5.00 m zu
verbreitern oder mit einem Gehweg zu ergänzen. Es stellt sich daher einzig die Frage, ob
der Ausnahme vom Strassenabstand das öffentliche Interesse der Verkehrssicherheit
entgegensteht. In seinem Fachbericht vom 5. August 2014 kam der OIK II zum Schluss,
dass die Mauer, die Böschung und der Besucherparkplatz östlich der Einstellhallenausfahrt
die Sichtweiten beim geplanten Anschluss an die J._strasse beeinträchtigen
würden. Die projektierten Veloabstellplätze würden die Sichtverhältnisse teilweise
beeinträchtigen. Mit der ersten Projektänderung vom 6. Januar 2015 haben die
Beschwerdegegnerinnen diesen Einwänden Rechnung getragen. Sie verlegen unter
anderem die beiden Aussenparkplätze und die Veloabstellplätze in die Einstellhalle,
15 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 16 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 26-27 N. 7 17 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
12
verzichten auf die geplanten Stützmauern längs der J._strasse (östlich und
westlich der Ausfahrt der Einstellhalle) sowie die damit verbundene Böschungsgestaltung
und sehen entlang der Baugrundstückgrenze zur J._strasse ein 50 cm breites
Bankett vor. Die verbleibenden Mauern bei der Einstellhalleneinfahrt weisen im Bereich
des Sichtfelds eine maximale Höhe von 60 cm auf. Damit sind die Mängel behoben
worden.
5. Strassenanschluss an die J._
a) In seiner Stellungnahme vom 26. Februar 2015 macht der Beschwerdeführer geltend,
dem Umgebungsplan zur ersten Projektänderung könne entnommen werden, dass die
Sichtdistanz von mindestens 35 m bei einer zulässigen Geschwindigkeit von 40 km/h in
Richtung Konolfingen nicht eingehalten sei. Die westliche Sichtlinie betrage gemäss Plan
lediglich 25.60 m. Die östliche Sichtlinie (Seite J._strasse 18) möge die
Mindestdistanz einhalten, schneide aber die Liegenschaft Konolfingen Grundbuchblatt
Nr. K._. Wegen des Gebüschs und des Parkplatzes sei die verlangte Sicht nicht
frei. Die Garageneinfahrt müsse daher verschoben werden. In seinen
Schlussbemerkungen vom 23. Juni 2015 hält er daran fest, dass die Garagenausfahrt
aufgrund der Sichtverhältnisse nicht bewilligt werden könne. Sie sei weiter nach Osten zu
verschieben, wohl bis an den östlichen Rand der Einstellhalle.
Die Beschwerdegegnerinnen weisen in ihrer Stellungnahme vom 31. März 2015 darauf hin,
die Sicht von der Autoeinstellhalle her nach rechts auf die J._strasse sei durch die
vorgegebene kurvige Strasse notgedrungen beschränkt. Der kurvige Strassenverlauf führe
auch dazu, dass die gefahrenen Geschwindigkeiten tiefer seien. In den
Schlussbemerkungen vom 8. Juni 2015 verweisen sie auf die Feststellungen der
Fachbehörde, wonach die erforderlichen Sichtverhältnisse bei der Ausfahrt in die
J._strasse eingehalten bzw. teilweise sogar deutlich übertroffen seien. In ihrer
Eingabe vom 7. Juli 2015 ergänzen sie, es treffe zu, dass die Sichtberme von der
Einstellhallenausfahrt gegen Westen das gegenüberliegende Grundstück geringfügig
schneide. In diesem Bereich habe es weder einen Parkplatz noch eine Föhre, sondern
niedriges Gras. Er befinde sich im Strassenabstand und dürfe deshalb auch künftig nicht
baulich genutzt oder mit sichtbehindernden Pflanzen oder Einfriedungen versehen werden.
Es sei von Gesetzes wegen sichergestellt, dass die geringe in Anspruch genommene
Fläche frei von Hindernissen bleibe.
13
b) Der Strassenanschluss bedarf einer Bewilligung des zuständigen Gemeinwesens
(Art. 85 Abs. 1 SG). Voraussetzung für die Bewilligung ist, dass die Zu- und Wegfahrt die
öffentliche Strasse nicht beeinträchtigt (vgl. dazu Art. 73 Abs. 1 SG und Art. 21 Abs. 1
BauG in Verbindung mit Art. 57 BauV). Zur Beurteilung der Frage, ob ein
Strassenanschluss verkehrssicher ist, können die einschlägigen Normen des
Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute (VSS) als
Entscheidungshilfe herangezogen werden. Diese legen die Anforderungen fest, denen eine
Erschliessungsstrasse zu genügen hat. Es handelt sich indessen nicht um Rechtsnormen,
sondern lediglich um Richtlinien, deren Anwendung im Einzelfall vor den allgemeinen
Rechtsgrundsätzen, insbesondere vor dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit,
standhalten muss. Sie dürfen daher nicht unbesehen der konkreten Verhältnisse der
Entscheidung zugrunde gelegt werden.18
Für die Anordnung von Grundstückzufahrten sowie für die Bestimmung von Sichtweiten
privater Ausfahrten in öffentliche Strassen sind die Normen VSS SN 640 050
(Grundstückzufahrten) und VSS SN 640 273a (Knoten, Sichtverhältnisse in Knoten in einer
Ebene) massgebend. Grundstückzufahrten sind so zu gestalten, dass durch die ein- und
ausfahrenden Fahrzeuge die Beeinträchtigung der Sicherheit und die Behinderung des
Verkehrs auf öffentlichen Strassen vermieden wird. Bei der Anordnung und Gestaltung von
Grundstückzufahrten ist aus Sicherheitsgründen stets das Aus- und Einfahren der
Fahrzeuge in Vorwärtsrichtung anzustreben.19 Eine Grundstückzufahrt bildet mit der
vortrittsberechtigten Strasse eine Einmündung. Sie ist deshalb hinsichtlich Anforderungen
der Verkehrssicherheit den Knoten gleichgestellt. Das gilt insbesondere für die
Knotensichtweiten. Grundstückzufahrten sind überall dort zu vermeiden, wo die minimalen
Knotensichtweiten nicht gewähreistet werden können.20 Die Norm VSS SN 640 273a legt
die Abmessungen der Sichtfelder fest, die vorhanden sein müssen, damit ein
vortrittbelastetes Fahrzeug den vortrittsberechtigten Verkehr kreuzen oder in diesen
einbiegen kann.21 Das Sichtfeld ist von allen Hindernissen freizuhalten, die ein
Motorfahrzeug oder ein leichtes Zweirad verdecken könnten. Dies gilt auch für
Pflanzenwuchs, Schnee oder parkierte Fahrzeuge. In der Regel genügt es, wenn das
Sichtfeld in einem Höhenbereich zwischen 0.60 m und 3.00 m über der Fahrbahn
18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 21 N. 7; BGer 1C_375/2011 vom 28. Dezember 2011 E. 3.3.3 19 VSS SN 640 050 Ziff. 6 20 VSS SN 640 050 Ziff. 5 21 VSS SN 640 273a Ziff. 2
14
hindernisfrei ist. Für die Beurteilung des Sichtfelds ist die ungünstigste Sichtlinie zu
berücksichtigen.22 Als Beobachtungsdistanz wird innerorts ein Wert von 3.00 m empfohlen;
sie sollte bei Neuanlagen 2.50 m nicht unterschreiten.23 Die erforderlichen
Knotensichtweiten hängen von der Zufahrtsgeschwindigkeit der vortrittsberechtigten
Motorfahrzeuge ab und werden durch Wertebereiche definiert. Die unteren Werte gelten für
untergeordnete Strassentypen (Erschliessungsstrassen, Sammelstrassen,
Verbindungsstrassen), Sichtwerte zwischen dem unteren und dem oberen Wert sind
erforderlich für übergeordnete Strassentypen wie Hauptverkehrsstrassen und wichtige
Verbindungsstrassen und der obere Wert gilt für übergeordnete Strassen mit ungünstigen
Verhältnissen im Knotenbereich (beispielsweise grosse Längsneigung, mehr als zwei
Fahrstreifen, grosser Schwerverkehrsanteil).24
c) Auf der J._strasse ist eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h signalisiert.
Da es sich um einen untergeordneten Strassentyp handelt, muss die Knotensichtweite
nach links und nach rechts grundsätzlich jeweils mindestens 35 m betragen.25 Die
Beschwerdegegnerinnen haben im Umgebungsplan / Grundriss Erdgeschoss zur zweiten
Projektänderung Sichtbermen eingezeichnet. Die Sichtberme von der
Einstellhallenausfahrt nach links (Nordosten) weist eine Länge von 43 m auf. Nach rechts
(Südwesten) sind zwei Sichtbermen eingezeichnet. Die Sichtberme 1 führt an der
Grundstücksgrenze zur Liegenschaft J._strasse 18 vorbei und weist eine Länge
von 25.60 m auf, die Sichtberme 2 schneidet das Grundstück J._strasse 18
geringfügig und weist eine Länge von 46 m auf. Bei diesen Sichtbermen handelt es sich
jedoch nicht um die Knotensichtweiten. Als Knotensichtweite wird der Abstand zwischen
der Fahrstreifenachse des vortrittsbelasteten Fahrzeugs und den vortrittsberechtigen
Fahrzeugen bezeichnet.26 Die eingezeichneten Sichtbermen entsprechen den Sichtlinien,
die den Beobachtungspunkt mit den vortrittsberechtigten Fahrzeugen verbinden.27 Zudem
ist die Fahrstreifenachse des vortrittsbelasteten Fahrzeugs zu weit links eingetragen. Aus
dem Plan können beim Strassenanschluss an die J._strasse folgende
Knotensichtweiten herausgemessen werden: nach links beträgt sie circa 44 m, nach rechts
circa 22 m.
22 VSS SN 640 273a Ziff. 10 23 VSS SN 640 273a Ziff. 11 und 13 24 VSS SN 640 273a Ziff. 12.1 25 VSS SN 640 273a Ziff. 12.1, Tabelle 1, S. 8 26 VSS SN 640 273a Ziff. 4 27 VSS SN 640 273a 6
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d) Der OIK II hat den Strassenanschluss an die J._strasse nach den beiden
Projektänderungen geprüft und ist in seinem Amtsbericht vom 13. Mai 2015 zum Schluss
gelangt, die Übersicht auf der Gemeindestrasse sei für das vorhandene
Geschwindigkeitsregime sowohl auf der Geraden als auch im Kurvenbereich genügend bis
gut. Die nach der VSS-Norm erforderlichen Sichtverhältnisse würden beim Anschluss an
die J._strasse eingehalten.
Nach links ist die empfohlene Knotensichtweite von mindestens 35 m unbestritten
eingehalten. Bei der Knotensichtweite nach rechts ist zu berücksichtigen, dass die
J._strasse kurz nach der Einstellhallenausfahrt eine S-Kurve aufweist. Dies hat
zur Folge, dass die vortrittsberechtigten Fahrzeuge ihre Geschwindigkeit den Verhältnissen
anpassen und entsprechend abbremsen müssen. Sie dürfen nur so schnell fahren, dass
sie innerhalb der überblickbaren Strecke halten können. Wo das Kreuzen schwierig ist,
müssen sie auf halbe Sichtweite anhalten können (vgl. Art. 4 Abs. 1 VRV28). Mit den daraus
erfolgenden tieferen Geschwindigkeiten im Kurvenbereich ergeben sich folglich auch
geringere Anforderungen an die Sichtweiten. Bereits bei einer Reduktion der
Zufahrtsgeschwindigkeit auf 30 km/h genügt eine Knotensichtweite von 20 m.29 Aus diesem
Grund ist die Beurteilung des OIK II, beim Anschluss an die J._strasse seien die
erforderlichen Sichtverhältnisse nach den Projektänderungen nun eingehalten,
nachvollziehbar und überzeugend. Diese Auffassung teilt auch die Gemeinde als
zuständiges Gemeinwesen für die fragliche Strassenanschlussbewilligung. Die BVE hat
keinen Anlass, von dieser Beurteilung abzuweichen. Zusammenfassend kann deshalb
festgehalten werden, dass der Strassenanschluss an die J._strasse nach der
Projektänderung den massgebenden Vorgaben betreffend Verkehrssicherheit entspricht.
5. Verkehrssicherheit beim Knoten J._strasse - I._
a) Sowohl in seinem Fachbericht vom 5. August 2014 als auch in seiner Stellungnahme
vom 27. Februar 2015 zur ersten Projektänderung hielt der OIK II fest, er habe bereits
mehrfach darauf hingewiesen, dass die Lösung nordöstlich der Bauparzelle beim Knoten
J._strasse - I._strasse sowohl in Bezug auf die Sicherheit des
Langsamverkehrs als auch in Bezug auf die geringen Sichtweiten bei der Ausfahrt auf die
28 Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV; SR 741.11) 29 Vgl. dazu VSS SN 640 273a Ziff. 12, Tabelle 1
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Kantonsstrasse nicht zufriedenstellend sei. Die Verbindungsstrasse zwischen der
I._strasse und der J._strasse sei für den Verkehr zu schliessen. Damit
könnten eine sichere Fussgängerverbindung und der sichere Hauszugang gewährleistet
werden. Falls die Strasse für den motorisierten Verkehr nicht geschlossen werde, müsse
die Knotensichtweite in Richtung Konolfingen mindestens 70 m betragen. Sämtliche
Hindernisse müssten entfernt werden, damit die Mindestsichtweiten auf die Kantonsstrasse
garantiert seien. Wegen der grossen Höhedifferenz zwischen dem Strassenniveau der
I._strasse und den Hauszugängen müsse aus Sicherheitsgründen auf der
Mauerkrone eine Absturzsicherung (Geländer) installiert werden. Diese würde das
Sichtfeld bei der Ausfahrt in die I._strasse beeinträchtigen. Daher müsse die
bestehende Mauer auf einer Länge von 10.00 m auf Strassenniveau abgesenkt und eine
neue Mauer innerhalb der Bauparzelle erstellt werden.
Mit der Projektänderung vom 30. März 2015 trugen die Beschwerdegegnerinnen den
Einwänden des OIK II Rechnung. Entlang der Grundstücksgrenze zur I._strasse
(Kantonsstrasse) wird eine Absturzsicherung angebracht und die Situation gemäss den
Fachberichten angepasst (Rückbau bestehende Stützmauer und neue Stützmauer).
b) Gegenüber öffentlichen Strassen sind die in Art. 80 SG vorgeschriebenen Abstände
einzuhalten. Für Bauten und Anlage an Kantonsstrassen gilt ein Abstand von 5.00 m ab
Fahrbahnrand (Art. 80 Abs. 1 Bst. a SG). Das zuständige Gemeinwesen kann Ausnahmen
von den gesetzlichen Strassenabständen bewilligen, wenn besondere Verhältnisse es
rechtfertigen und wenn dadurch weder öffentliche Interessen noch wesentliche
nachbarliche Interessen beeinträchtigt werden (Art. 81 Abs. 1 SG). Da die
Absturzsicherung und die neue Mauer innerhalb des gesetzlichen Strassenabstandes
(5.00 m) liegen, ist eine Ausnahmebewilligung erforderlich. In seinem neuen Amtsbericht
Strassenbaupolizei vom 13. Mai 2015 beurteilt der OIK II das Bauvorhaben nun als
bewilligungsfähig und beantragt die Erteilung der Ausnahmebewilligung für die
Unterschreitung des Strassenabstandes mit Auflagen. Der Beschwerdeführer und die
Beschwerdegegnerinnen erheben in ihren Schlussbemerkungen keine Einwände gegen
den Amtsbericht. Die Gemeinde erachtet das in diesem Punkt geänderte Projekt ebenfalls
als bewilligungsfähig. Das geänderte Bauvorhaben entspricht im Bereich entlang der
I._strasse nun den massgebenden strassenbaupolizeilichen Vorschriften und kann
daher mit den unumstrittenen Auflagen gemäss Amtsbericht des OIK II bewilligt werden.
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6. Zusammenfassung und Kosten
a) Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Bauvorhaben nach den beiden
Projektänderungen den strassenbaupolizeilichen Vorgaben entspricht und
ortsbildverträglich ist. Das geänderte Bauvorhaben steht somit mit den Vorschriften des
Bau- und Planungsrechts im Einklang und die Projektänderung ist daher zu bewilligen.
Soweit die Beschwerde nicht durch die Projektänderung gegenstandslos geworden ist, ist
sie abzuweisen.
b) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.00 bis Fr. 4'000.00 je Beschwerde erhoben (Art. 19
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 4 Abs. 2 GebV30). Innerhalb dieses Rahmentarifs bemisst sich
die Gebühr nach dem gesamten Aufwand, der Bedeutung des Geschäfts für die
Gebührenpflichtigen und deren Interesse an der Verrichtung sowie der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit der Gebührenpflichtigen (Art. 7 GebV). Die Pauschalgebühr umfasst
auch den Aufwand für Mitberichte (Art. 12 Abs. 1 GebV). In Anwendung dieser
Bestimmungen wird die Pauschale auf Fr. 3'000.00 festgelegt. Darin sind die im Rahmen
des Beschwerdeverfahrens eingereichten Berichte der KDP und des OIK II angemessen
berücksichtigt. Hinzu kommen als zusätzliche Gebühren die Kosten für die Berichte der
OLK vom 28. Oktober 2014 von Fr. 600.00 und vom 2. März 2015 von Fr. 300.00 sowie die
Kosten für die Teilnahme der OLK am Augenschein vom 2. Dezember 2014 von
Fr. 300.00. Für den Augenschein mit Instruktionsverhandlung vom 2. Dezember 2014 wird
in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine zusätzliche Gebühr von Fr. 300.00 erhoben.
Die Kosten des Beschwerdeverfahrens betragen somit insgesamt Fr. 4'500.00.
Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Als unterliegend gilt nicht nur, wer mit seinen Anträgen nicht durchdringt, sondern
auch, wer den Einwänden der Behörden oder der Gegenpartei durch Projektänderungen
30 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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Rechnung trägt.31 Der Beschwerdeführer dringt mit seiner Beschwerde nicht durch. Die
Beschwerdegegnerinnen mussten ihr Projekt ändern, damit es bewilligungsfähig wurde.
Somit gelten beide Parteien gleichermassen als unterliegend. Die Verfahrenskosten
werden ihnen daher je zur Hälfte auferlegt. Die Beschwerdegegnerinnen haften für ihren
Anteil solidarisch.
c) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten werden analog zu den
Verfahrenskosten verteilt. Das heisst, sie werden wettgeschlagen.