# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 79cbbb99-8780-4636-8638-db4598824937
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1953, meldete sich am
5.
Januar 1995 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/4). Die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihm mit Verfügung vom
7.
Au
gust 1997 eine ganze Rente ab Februar 1995 zu (
Urk.
8/51 =
Urk.
8/52
=
Urk.
12/5 =
Urk.
12/6
).
Am 2
3.
Januar 2001 heiratete der Bes
chwerdeführer (vgl.
Urk.
8/131)
. Gemäss Mitteilung vom 2
6.
Februar 2004 an die IV-Stelle wurde die Ehe
mit seit
3
0.
Juni 2003 rechtskräftig
em Urteil
im Ausland geschieden (
Urk.
8/132 =
Urk.
8/134; vgl.
Urk.
12/119 =
Urk.
12/165 =
Urk.
12/169).
Am 1
4.
Juni 2013 reichte der Versicherte bei der Ausgleichskasse einen Antrag auf Durchführung der Einkommensteilung (Splitting) im Scheidungsfall ein (
Urk.
12/118 =
Urk.
12/163).
Am 2
0.
Juni 2017 (Eingang) reichte der Versicherte eine Anmeldung für eine Al
tersrente ein (
Urk.
12/162)
. Mit Verfügung vom
9.
Februar 2018 teilte ihm die Ausgleichskasse mit, die Altersrente löse ab
1.
März 2018 die bisherige Invali
denrente ab (
Urk.
12/223).
Die IV-Stelle teilte dem Versicherten mit Verfügung vom 1
5.
März 2018 mit, bei der Berechnung der Altersrente sei bemerkt worden, dass im Jahr 2003 die Neu
berechnung
der Invalidenrente
infolge Scheidung nicht durchgeführt worden sei (vgl.
Urk.
12/224), und sprach ihm rückwirkend ab März 2013 eine Nachzahlung von
Fr.
4'118.-- zu (
Urk.
8/142 =
Urk.
8/143 =
Urk.
8/144 =
Urk.
12/241 =
Urk.
12/243 =
Urk.
2).
2.
Der Versicherte erhob am 2
4.
April 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
5.
März 2018 und beantragte, es sei ihm ein Verzugszins ab
1.
März 2013 von mindestens
Fr.
1'029.50 auszurichten (
Urk.
1 S. 2
Ziff.
1).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Juni 2018 (
Urk.
7; vgl.
Urk.
9) die Androhung einer
reformatio
in
peius
, da die Invalidenrente mit der
angefochtenen Verfügung nicht korrekt berechnet worden sei und korrekterweise keine Nachzahlung, sondern eine Rückforderung angezeigt sei (S. 1 f.).
Der Beschwerdeführer beantragte mit Replik vom 3
0.
August 2018 (
Urk.
14), seine Beschwerde sei vollumfänglich gutzuheissen (S. 2
Ziff.
1).
Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom
8.
Oktober 2018 (
Urk.
17; vgl.
Urk.
18) an ihren Anträgen fest, was dem Beschwerdeführer am
9.
Oktober 2018 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
19).
Mit Gerichtsverfügung vom 2
2.
Januar 2019 wurde der Beschwerdeführer auf die Eventualität einer Schlechterstellung (
reformatio
in
peius
) und die Möglichkeit des Beschwerderückzugs hingewiesen (
Urk.
20), worauf er am 1
1.
April 2019 an seinem Antrag festhielt (
Urk.
26), was der Beschwerdegegnerin am 1
5.
April 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
27).
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines
Einspracheentscheids
– Stellung genommen hat. In
soweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der
Einspracheentscheid
den be
schwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein
Einspracheentscheid
ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
1.2
Für die Umschreibung des Prozessthemas ist nach den Regeln über den
Anfech
tungs
- und Streitgegenstand zu verfahren. Streitgegenstand im System der nach
träglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rah
men des durch die Verfügung bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den auf
grund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen Verfügungsgegenstand bildet. Anfechtungsgegenstand und Streit
gegenstand sind identisch, wenn die Verfügung insgesamt angefochten wird. Bezieht sich demgegenüber die Be
schwerde nur auf einzelne der durch die Verfügung bestimmten Rechtsverhält
nisse, gehören die nicht
beanstandeten Rechtsverhältnisse zwar wohl zum
An
fechtungs
-, nicht aber zum Streitgegenstand.
Die begriffliche Unterscheidung von Streit- und Anfechtungsgegenstand erfolgt demnach auf der Ebene von Rechtsverhältnissen. Für die Umschreibung des Streitgegenstandes und seine Abgrenzung vom Anfechtungsgegenstand nicht von Bedeutung s
ind die bestimmenden Elemente («
Teilaspekte
»
) des verfügungs
weise festgelegten Rechtsverhältnisses. Dazu zählen bei der Zusprechung von Versicherungsleistungen unter anderem die für die Anspruchsberechtigung als solche massgebenden Gesichtspunkte, wie die versicherungsmässigen Vorausset
zungen, ferner die einzelnen Faktoren für die (
massliche
und zeitliche) Festset
zung der Leistung, bei Invalidenrenten insbesondere der Invaliditätsgrad, die Rentenberechnung und der Rentenbeginn. Teilaspekte eines verfügungsweise festgelegten Rechtsverhältnisses dienen in der Regel lediglich der Begründung der Verfügung und sind daher grundsätzlich nicht selbständig anfechtbar. Die Be
schwerdeinstanz überprüft den Streitgegenstand bestimmende, aber nicht bean
standete Elemente indes nur, wenn
hiezu
aufgrund der Vorbringen der Parteien oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht. Zieht das Gericht an sich nicht bestrittene Aspekte des streitigen Rechts
verhältnisses in die Prüfung mit ein, hat es bei seinem Entscheid je nachdem die Verfahrensrechte der am Prozess Beteiligten, insbesondere das Anhörungsrecht der von einer möglichen Schlechterstellung bedrohten Partei, oder den grund
sätzlichen Anspruch auf den doppelten Instanzenzug zu beachten (BGE 130 V 501 E. 1.1 S. 502; 125 V 413 E. 2 S. 415 mit Hinweisen).
1.3
Das Gericht ist an die Begehren der Parteien nicht gebunden. Es kann eine Ver
fügung oder einen
Einspracheentscheid
zu Ungunsten der Beschwerde führenden Person ändern (
reformatio
in
peius
) oder dieser mehr zusprechen, als sie verlangt hat (
reformatio
in
melius
), wobei den Parteien vorher Gelegenheit zur Stellung
nahme sowie zum Rückzug der Beschwerde zu geben ist (Art. 61
lit
. d ATSG und § 25
GSVGer
; BGE 144 V 153 E. 4.4.2, 143 V 295 E. 4.1.5, 122 V 166 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der Beschwerdeantwort vom 2
9.
Juni 2018 (Urk.
7) davon aus, die der angefochtenen Verfügung zugrundeliegende Renten
berechnung sei gemäss den Ausführungen der Ausgleichskasse fehlerhaft gewe
sen und korrekterweise resultiere keine Nachzahlung, sondern eine Rückforde
rung (S. 1 f.). Die Ausgleichskasse führte in ihrer Stellungnahme (Urk. 9) aus, beim 2013 (verspätet) durchgeführten Splitting sei versehentlich eine Neuberech
nung der Invalidenrente unterblieben; diese sei 2018 nachgeholt worden (S. 2
Ziff.
2d). Bei d
ies
er 2018 erfolgten Neuberechnung seien
dann aber
fälschlicher
weise von Dezember 1984 bis November 1985 Einkommen einer anderen Person berücksichtigt worden (S. 2 f.
Ziff.
2e). Ohne diese falle die Rente niedriger aus als in der angefochtenen Verfügung angegeben (S.
4
).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den
Standpunkt, gemäss Art.
26
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts (ATSG)
habe er Anspruch auf Verzugszins (
Urk.
1 S. 6 ff.
Ziff.
6)
. In der Replik (
Urk.
14) machte er geltend, Prozessthema sei nicht die Nachzahlung, sondern der darauf zu entrichtende Verzugszins (S. 3 f.
Ziff.
2). Es werde bestrit
ten und von der Beschwerdegegnerin auch nicht belegt, dass die Einkommen ei
ner anderen Person berücksichtigt worden seien (S. 5 f.
Ziff.
3.3).
2.3
Der Beschwerdeführer hat die Verfügung vom 1
5.
März 2018 betreffend Nach
zahlung angefochten und geltend gemacht, nebst der Nachzahlung als solcher stehe ihm Verzugszins zu. Das vom Gericht zu überprüfende Rechtsverhältnis (vgl. vorstehend E. 1.2) ist der Nachzahlungsanspruch inklusive des allfälligen - dazu akzessorischen - Verzugszinses. Diesbezüglich steht die Beschwerdegegne
rin nunmehr auf dem Standpunkt, die der angefochtenen Verfügung zugrundlie
gende Berechnung des Rentenanspruchs sei fehlerhaft, und bei richtiger Berech
nung resultiere gar keine
Nachzahlung, weshalb die angefochtene Verfügung im Sinne einer
reformatio
in
peius
(vgl. vorstehend E. 1.3) zum Nachteil des Be
schwerdeführers abzuändern beziehungsweise aufzuheben sei.
Zu prüfen ist somit in einem ersten Schritt, wie es sich mit dem Betrag der dem Beschwerdeführer vom
1.
Juli 2013 bis 2
8.
Februar 2018 ausgerichteten Invali
denrente verhält.
3.
3.1
In der am 1
4.
März 2018 erstellten Berechnung (
Urk.
10/2) waren unter anderem die nachstehenden Beträge (in Fr.) enthalten (S. 3):
Jahr
Monat
Betrag
1984
Dezember
1’113
1985
Januar
130
1985
Januar
1’827
1985
September -November
5’545
1986
März - April
3’151
Diese Einkommen wurden nicht vom Beschwerdeführer erzielt, sondern gemäss Auszug aus dem Individuellen Konto (IK-Auszug) vom 1
7.
Februar 1999 (
Urk.
12/1/19) von einem anderen Versicherten
. Der IK-Auszug lautet auf einen anderen Namen und eine andere AHV-Nummer. Die Beträge und Daten entspre
chen den vorstehend genannten.
3.2
In der am 2
9.
Mai 2018 erstellten Berechnung (
Urk.
10/1) wurde
n
die genannten Einkommen nicht mehr berücksichtigt, sondern storniert (S. 3).
Dementsprechend sind
für die Zeit von Oktober 1981 bis Januar 1985 keine vom Beschwerdeführer erzielten Ei
nkommen vorhanden; ab Februar 1985 war der Beschwerdeführer so
dann freiwillig versichert (vgl.
Urk.
12/1/13).
Die Beitragslücke
(Oktober 1981 bis Januar 1985) verringert sich
durch die Be
rücksichtigung von Jugendjahren
gemäss
Art.
52b
der Verordnung über die Al
ters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVV)
und
den
Monaten im Jahr der Ent
stehung des Anspruchs
gemäss
Art.
52c AHVV, nämlich Oktober 1981 bis Sep
tember 1984 (Jugendjahre) und
Dezember 1984
und
Januar 1985
, so dass im Er
gebnis noch die Monate Oktober und November 1984 als Lücke verbleiben (
Urk.
10/1 S. 6).
Damit verfügt der Beschwerdeführer über eine Beitragszeit von 20 Jahren und 10 Monaten (
Urk.
10/1 S. 6 unten) anstelle der seinem Jahrgang entsprechenden Bei
tragszeit von 21 Jahren (
Urk.
10/1 S. 7 unten).
3.3
Für die Bestimmung der anwendbaren Rentenskala massgebend ist das Verhältnis zwischen den
vollen
Beitragsjahren des Versicherten zu denjenigen seines Jahr
gangs (
Art.
38
Abs.
2
des Bundesgesetzes über die Alters-
und
Hinterlassenen
versicherung
AHVG)
.
Der Beschwerdeführer weist 20 volle Beitragsjahre auf, was 95.23
%
der seinem Jahrgang entsprechenden 21 Beitragsjahre entspricht. Somit ist die Rentenskala 42 anwendbar (
Art.
52 AHVV).
3.4
Keinen Einfluss hat das Nichtberücksichtigen der nicht vom Beschwerdeführer erzielten Einkommen auf die Höhe des massgeblichen durchschnittlichen Jahres
einkommens, das für 2012 mit
Fr.
50'112.--
beziffert wurde, entsprechend
Fr.
50'544.-- gemäss Rententabelle 2013 und
Fr.
50'760.-- gemäss Rententabelle 2015
(
Urk.
10/1 S. 8 Mitte), dies gemäss
Art.
33
bis
Abs.
1 AHVG unter Aufrech
nung des bei der erstmaligen
Rentenzusprache
1995 ermittelten durchschnittli
chen Jahreseinkommens von
Fr.
41'904.-- (vgl.
Urk.
9 S. 3
lit
.
e
).
3.5
Bei einem massgebenden durchschnittlichen Jahreseinkommen
von
Fr.
50'544.-- im Jahr 2013 und
Fr.
50'760.-- im Jahr 2015
(vorstehend E. 3.4) beträgt die mo
natliche Teilrente gemäss Skala 42
im Jahr 2013 und 2014
Fr.
1'805.-- sowie ab 2015
Fr.
1'812.-- (
Urk.
12/276/5).
Die dem Beschwerdeführer in der betreffenden Zeit ausgerichtete Rente in der Höhe von
Fr.
1'832.-- und sodann
Fr.
1'830.-- (vgl.
Urk.
9 S. 4 oben) war somit höher als die Rente, auf welche er bei korrekter Berechnung Anspruch hat.
Dementsprechend besteht kein Anspruch auf eine Nachzahlung, womit auch die Frage einer allfälligen Verzinsung hinfällig wird.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde und - androhungsgemäss - zur Aufhe
bung der angefochtenen Verfügung mit der Feststellung, dass der Rentenan
spruch des Beschwerdeführers 2013 und 2014
Fr.
1
'805.-- und ab 2015
Fr.
1'812.-- beträgt.
4.
Die Verfahrenskosten gemäss
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Inva
lidenversicherung (IVG) sind ermessensweise auf
Fr.
600.-- festzusetzen und aus
gangsgemäss dem Beschwerdeführer aufzuerlegen.