# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a921e217-6455-4121-8698-a4e81e0fda54
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am 3. Mai 1973 in Aa. geboren und besuchte dort und in Ab. sechs Jahre die Primar- und anschliessend drei Jahre die Sekundarschule. In der Folge absolvierte er erfolgreich eine Lehre als Hochbauzeichner und war dann während zwei Jahren auf dem erlernten Beruf tätig. Im Alter von 23 Jahren machte er sich als Architekt selbständig. Er besuchte die Bauleiterschule und begann an der Fachhochschule in Ac. den Studiengang „Projektmanagement“. Die Fachhochschule hat er nicht abgeschlossen. Seit einigen Jahren arbeitet er als Aussendienstmitarbeiter bei der Ad., die Sanitäreinrichtungen vertreibt. Im Jahre 1996 heiratete er Ae., mit welcher er zwei Kinder im Alter von zwölf beziehungsweise vierzehn Jahren hat. Seit Ende August 2010 wohnt er zusammen mit seiner Familie in Af.. Angaben zu seinen aktuellen finanziellen Verhältnissen verweigerte er im bisherigen Verfahren; er führte aber an, auf dem Existenzminimum zu leben. Gemäss seinen Angaben im Berufungsverfahren verdient er als Projektleiter der Ad. im Angestelltenverhältnis netto Fr. 5'000.-- monatlich und ist sein 2-Familienhaus in Ag. sehr hoch belastet. Beim Betreibungsamt Ah. ist er für den Zeitraum vom 1. September 2006 bis zum 29. April 2009 mit 20 Betreibungen über Fr. 435'975.60 sowie zwei Verlustscheinen über Fr. 39'744.70 verzeichnet. Gemäss Leumundsbericht der Kantonspolizei Ag. gibt das Verhalten von X. „keinen Anlass zu klagen“. Im Schweizerischen Strafregister ist er nicht verzeichnet.
Im September 1996 gründete X. die Ai., deren Gesellschafter und Geschäftsführer er noch heute ist. Gegen diese Gesellschaft liegen für den Zeitraum vom 18. Mai 2005 bis zum 8. April 2008 Betreibungen und Verlustscheine über insgesamt Fr. 349'253.45 vor. Sodann war er Gesellschafter der Aj.. Die Liquidation dieser Gesellschaft, gegen welche bis zum 6. März 2007 Betreibungen über Fr. 829'817.65 aufgelaufen waren, ist heute abgeschlossen. Im November 2004 hatte X. die Ak. gegründet. Bis zum Konkurs dieser Gesellschaft, aus welchem Konkursverlustscheine über Fr. 838'751.60 resultierten, war er dort Geschäftsführer und Gesellschafter.
B. Mit Anklageverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 1. Dezember 2010 wurde X. wegen mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB, mehrfacher Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB, mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 StGB und Bevorzugung eines Gläubigers gemäss Art. 167 StGB in Anklagezustand versetzt. Die
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Staatsanwaltschaft legte der Anklageschrift vom 1. Dezember 2010 folgenden Sachverhalt zu Grunde:
„X. wird angeklagt:
1. des mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB und der mehrfachen Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB.
1.1. Am 5./7. Oktober 2004 wurden zwischen der AL.-Bank als Kreditgeberin und X., Karin X. und der Aj. als Kreditnehmer zwei Baukreditverträge abgeschlossen. Die AL.-Bank gewährte den Kreditnehmern zur Finanzierung des Bauvorhabens „Aq.“ in Aa. Baukredite über AL. 450'000.-- sowie CHF 1'720'000.--. Zur Sicherstellung diente der Bank ein Inhaberschuldbrief, lastend auf der zu überbauenden Parzelle. Für die Abwicklung des Zahlungsverkehrs wurden das CHF-Baukonto Am. und das AL.-Baukonto An. eröffnet. In Ziffer 3 der Baukreditverträge wurde unter der Rubrik Verwendungszweck „Erstellung eines Mehrfamilienhauses mit 5 Wohnungen / Überbauung Aq. an der Ao. in Aa.“ festgehalten. Sodann wurde in den vom Angeklagten unterzeichneten Vertragsbedingungen bestimmt, dass die Kreditbeträge „ausschliesslich der Finanzierung des Bauvorhabens auf dem Grundstück, das der Bank als Sicherheit dient“ verwendet werden dürfen. Weiter wurde festgehalten, dass „Zahlungen zu Lasten des Baukredites von einem von den Vertragsparteien gemeinsam bestimmten Treuhänder gegengezeichnet werden müssen“. Als solcher wurde Ap. bestimmt.
[...]
1.2. In zwei Fällen täuschte X. mittels von ihm erstellten und unterzeichneten Vergütungs- und Buchungsaufträgen gegenüber dem Treuhänder Ap. vorsätzlich und arglistig Forderungen von Unternehmern vor, die für die Überbauung „Aq.“ keine Leistungen erbracht hatten. Dabei legte er zur Stützung der von ihm behaupteten Forderungen Ap. teilweise fiktive Rechnungen vor. Zudem gab er jeweils an, dass es sich um „Akontozahlungen“ für erst noch zu liefernde Waren handle. Wie der Angeklagte wusste, konnte Ap. deswegen nicht oder nur mit besonderer Mühe überprüfen, ob die auf den Vergütungsaufträgen aufgeführten Unternehmen tatsächlich Leistungen für die Überbauung „Aq.“ erbracht hatten oder noch erbringen würden. Der derart getäuschte Ap. visierte daraufhin zu Handen der AL.-Bank irrtümlich den betreffenden Vergütungsauftrag bzw. AL.- Buchungsauftrag, worauf die AL.-Bank die entsprechenden Zahlungen zu Lasten der Baukonti vornahm. Da diese Zahlungen nicht dem Baufortschritt zugute kamen, wurde die AL.-Bank als hypothekarisch gesicherte Baukreditgläubigerin im entsprechenden Umfang geschädigt und der Angeklagte in demselben Umfang unrechtmässig bereichert. Die zur Diskussion stehenden
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Vergütungsaufträge hat der Angeklagte jeweils in Ag. ausgefüllt, weshalb der Tatort dort liegt.
[...]
1.3. Die zulasten des CHF-Kontos Am. und AL.-Kontos An. bei der AL.-Bank auf diese Weise unrechtmässig verwendete Summe beläuft sich auf Fr. 130'000.-- und ergibt sich aus folgenden zwei Pflichtverletzungen:
a) Am 19. April 2005 legte der Angeklagte Ap. einen Vergütungsauftrag über CHF 105'826.65 zur Unterschrift vor. Damit sollte die AL.-Bank unter anderem beauftragt werden, der Ak. zu Lasten des Kontos Am. eine Zahlung von CHF 30'000.- zu leisten. Als Zahlungsgrund nannte der Angeklagte „Akontozahlung für bereits vorbestellte Sanitärapparate und Wellnessprodukte“. Die Ak. hatte jedoch für die Überbauung „Aq.“ keinerlei derartige Apparate bestellt, und solche wurden dort auch nie geliefert oder eingebaut. Nachdem der getäuschte Ap. den Vergütungsauftrag unterschrieben hatte, wurde dieser der AL.-Bank weitergeleitet. Diese führte die entsprechende Zahlung aus und überwies am 27. April 2005 CHF 30'000.-- auf das Konto der Ak. bei der Ar. Bb..
[...]
b) Am 4. Oktober 2005 erstellte der Angeklagte einen AL.-Buchungsauftrag, mit welchem die AL.-Bank beauftragt werden sollte, zu Lasten des Kontos An. CHF 100'000.-- an As. zu vergüten. Den Buchungsauftrag leitete der Angeklagte Ap. mit vier angeblich von As. verfassten Rechnungen zur Unterschrift weiter. Als Zahlungsgrund wurde in diesen Rechnungen „Akontozahlung für die Bestellung von Platten“ sowie „Vorbestellung von Bedachungsmaterial“ und „Parkett Lieferung“ genannt. Wie der Angeklagte wusste, stammten die fraglichen Rechnungen in Wirklichkeit nicht von As., sondern waren gefälscht. Tatsächlich hat As. für die Überbauung „Aq.“ keine Leistungen erbracht und solche waren auch nicht vereinbart. Nachdem der derart über den wirklichen Verwendungszweck der Zahlung getäuschte Ap. den Buchungsauftrag in der Rubrik Bautreuhänder unterzeichnet hatte, wurde dieser der AL.-Bank eingereicht. Diese belastete am 21. Oktober 2005 das Baukonto An. mit CHF 100'000.-- und verbuchte den entsprechenden Gegenwert zu Gunsten von As.. Damit tilgte der Angeklagte einen Teil des Kaufpreises für eine von ihm privat von As. gekaufte Liegenschaft in At..
[...]
2. der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 StGB.
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2.1. Der Angeklagte war seit November 2004 Gesellschafter und Geschäftsführer der Ak.. Damit hatte er gegenüber dieser Gesellschaft eine Treuepflicht. Zudem war er seit der Gründung der Ad., Au., am 21. Juli 2006 bei dieser auf Provisionsbasis angestellt. Verwaltungsratsmitglied dieser Gesellschaft war der Schwiegervater des Angeklagten, Av..
[...]
2.2. In der Zeit von 14. Juni 2006 bis 3. Oktober 2006 nahm der Angeklagte zu Lasten der Ak. folgende Belastungen vor:
- am 14. Juni 2006 CHF 203.60 an Aw.,
- am 14. Juni 2006 CHF 503.70 an Ax.,
- am 19. Juni 2006 CHF 100.80 an Aw.,
- am 20. Juni 2006 CHF 132.35 an Ay.,
- am 21. Juni 2006 CHF 335.80 an Ax.,
- am 21. Juni 2006 CHF 176.90 an Ax.,
- am 21. Juni 2006 CHF 132.35 an Ay.,
- am 26. Juni 2006 CHF 300.15 an Aw.,
- am 19. Juli 2006 CHF 807.40 an Az.,
- am 3. Oktober 2006 CHF 1'265.55 an Ay..
Diese total CHF 3'951.60 wendete der Angeklagte aber nicht für Belange der Ak. auf, sondern er bezahlte damit Auslagen der Ad., ohne dass die Ak. hiefür irgendeine Gegenleistung erhalten hat oder eine solche vereinbart worden ist. Dadurch hat der Angeklagte die gegenüber der Ak. bestehende Treuepflicht bewusst verletzt und dieser einen Schaden von CHF 3’951.60 bewirkt.
[...]
2.3. Am 22. Mai 2006 hob der Angeklagte ab dem Konto der Ak. bei der Ba. CHF 77'872.15 ab. CHF 41'034.20 zahlte er gleichentags am Postschalter in Aa. auf das Konto der Ba. ein, um damit diverse Sanitäreinrichtungen zu bezahlen. Diese Sanitäreinrichtungen wurden dann in die Ad. eingebracht, ohne dass diese der Ak. irgendwelche Gegenleistung dafür zukommen liess oder eine solche vereinbart worden ist. Dadurch hat der Angeklagte die gegenüber der Ak.
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bestehende Treuepflicht bewusst verletzt und dieser einen Schaden von CHF 41'034.20 verursacht.
[...]
3. der Bevorzugung eines Gläubigers gemäss Art. 167 StGB.
Der Angeklagte war Geschäftsführer der Ak.. Diese Gesellschaft lieh sich vom Schwiegervater des Angeklagten, Av., mehrmals Geld. Ab Ende 2006 war die Ak. überschuldet und nicht mehr zahlungsfähig. Trotzdem und im Wissen um die schlechte finanzielle Lage der Ak. tilgte der Angeklagte die Darlehensschuld der Ak. gegen Av., indem er diesem am 26. Februar 2007 in Ag. der Ak. gehörende Arbeitsgeräte und einen Anhänger, deren Gesamtwert der Angeklagte mit CHF 4'400.-- bezifferte, und später noch einen Grabenstampfer und eine Vibrierplatte im geschätzten Wert von CHF 1'800.-- in Verrechnung der Darlehensschuld überliess. Der Angeklagte hat damit die Darlehenschuld der Ak. mit unüblichen Zahlungsmitteln getilgt und dabei seinen Schwiegervater bevorzugt behandelt und andere Gläubiger der Ak. geschädigt. Am 8. November 2007 eröffnete der Bezirksgerichtspräsident Bb. über die Ak. den Konkurs.“
C. Am 13. Januar 2011 legte Advokat lic. iur. Philipp Rupp, welcher X. bis zu diesem Zeitpunkt privat verteidigt hatte, sein Mandat nieder, erklärte gleichzeitig aber seine Bereitschaft zur Übernahme einer amtlichen Verteidigung. Mit Verfügung vom 17. Januar 2011 setzte der Bezirksgerichtspräsident Bb. Advokat lic. iur. Philipp Rupp gestützt auf Art. 102 Abs. 1 lit. b StPO-GR als amtlichen Verteidiger ein.
D. Mit Schreiben vom 11. Februar 2011 reichte der Angeklagte verschiedene Urkunden ein und stellte den Antrag, Av., Ae., Bc., Bd., Be. und Bf. seien als Zeugen einzuvernehmen. Mit Verfügung vom 15. Februar 2011 nahm der Bezirksgerichtspräsident Bb. die eingereichten Urkunden zu den Verfahrensakten und wies den Antrag betreffend die Durchführung von Zeugeneinvernahmen vorerst ab.
E. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss Bb. vom 1./2. März 2011 nahmen der Angeklagte, sein amtlicher Verteidiger sowie der Staatsanwalt lic. iur. Claudio Riedi teil. Der Angeklagte beantragte erneut die Einvernahme von Av., Ae., Bc., Bd., Be. und Bf. als Zeugen. Der Bezirksgerichtsausschuss erwog im Wesentlichen, die Beweiserhebung sei in erster Linie Sache der Staatsanwaltschaft im Untersuchungsverfahren. Da die
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massgeblichen Ereignisse zudem bereits über vier Jahre zurücklägen, seien die Beweisanträge abzuweisen.
Die Staatsanwaltschaft stellte folgende Anträge:
1. X. sei schuldig zu sprechen:
- des mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB,
- der mehrfachen Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB,
- der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 StGB,
- der Bevorzugung eines Gläubigers gemäss Art. 167 StGB.
2. Dafür sei er zu verurteilen zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten, bedingt bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie einer Busse von Fr. 2'000.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 20 Tagen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.
Der Angeklagte beantragte seinen vollumfänglichen Freispruch, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
F. Mit Urteil vom 1. März 2011, mündlich eröffnet am 1. März (recte: 2. März) 2011, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Bb. wie folgt:
„1. X. wird vom Vorwurf der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Ziff. 2.2 der Anklageschrift freigesprochen.
2. X. ist schuldig des mehrfachen Betrugs gemäss Art. 146 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Urkundenfälschung gemäss Art. 251 Ziff. 1 StGB, der ungetreuen Geschäftsbesorgung gemäss Art. 158 Ziff. 1 StGB und der Bevorzugung eines Gläubigers gemäss Art. 167 StGB.
3. Dafür wird er verurteilt
- zu einer Freiheitsstrafe von 9 Monaten
und
- zu einer Busse von Fr. 1'500.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 15 Tagen.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird gestützt auf Art. 42 Abs. 1 StGB unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
5. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- den Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft
Graubünden von Fr. 8'595.60 - der Gerichtsgebühr von Fr. 4’500.00
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- den Kosten der amtlichen Verteidigung von Fr. 7'618.30 total somit Fr. 20'713.90 gehen zu Lasten von X..

## Considerations