# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c9b19f92-03b5-51ae-be7d-ed92e884b906
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die W. GmbH ist Eigentümerin des Grundstücks Nr. 0000 mit Gebäude Assek.-Nr.
1111 an der B-strasse xx in D. Sie betreibt in der Liegenschaft ein Treuhandbüro. Für
dessen Kunden und Mitarbeitende sind entlang der B-strasse mehrere Parkplätze
angeordnet. Die B-strasse bildet im Norden die Grenze von Parzelle Nr. 0000. Im
Süden grenzt das Grundstück Nr. 2222 an, welches im Eigentum von R. B. steht.
B./ Am 18. März 2009 reichte die W. GmbH ein nachträgliches Baugesuch für eine
bereits erfolgte Parkplatzerweiterung auf Grundstück Nr. 0000 ein. Innert der
Auflagefrist liess R. B. mit Eingabe vom 1. April 2009 Einsprache gegen das
Bauvorhaben erheben. Am 15. Juni 2010 erteilte der Gemeinderat die Baubewilligung
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für die Parkplatzerweiterung und wies gleichzeitig die öffentlich-rechtliche Einsprache
von R. B. kostenpflichtig ab; die privatrechtliche Einsprache wurde sodann auf den
Zivilweg verwiesen.
C./ Dagegen erhob R. B. über seinen Rechtsvertreter mit Eingabe vom 1. Juli 2010
Rekurs beim Baudepartement. Er liess dabei die Aufhebung des Einspracheentscheids
hinsichtlich der öffentlich-rechtlichen Einsprache und der Kostenauflage sowie die
Verweigerung der Baubewilligung für die Parkplatzerweiterung beantragen. Mit
Entscheid vom 2. Mai 2011 wies das Baudepartement den Rekurs ab.
D./ Gegen den Rekursentscheid liess R. B. mit Eingabe vom 17. Mai 2011 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht erheben und um eine Frist zur Beschwerdeergänzung
ersuchen. In der Beschwerdeergänzung vom 24. Juni 2011 liess er dann folgende
Anträge stellen:
"1. Der Rekursentscheid des Baudepartements vom 2. Mai 2011 (Entscheid Nr.
17/2011) betreffend Parkplatzerweiterung sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Der Einspracheentscheid (Abschnitt 1) des Gemeinderats D. vom 15. Juni 2010 sei
(für die Abweisung der öffentlich-rechtlichen Einsprache) von R. B. in den Ziff. 1 und 3
und die Baubewilligung (Abschnitt ohne Nummerierung) sei vollumfänglich aufzuheben
und mithin sei die Baubewilligung betreffend Parkplatzerweiterung auf Grundstück Nr.
0000 B-strasse xx, xxxx D. zu verweigern.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 5. Juli 2011 Abweisung der
Beschwerde. Die Politische Gemeinde D. liess sich am 11. August 2011 vernehmen.
Sie stellte ebenfalls Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Gleiches gilt für die W.
GmbH, die sich am 24. August 2011 zur Beschwerde vernehmen liess.
Am 29. August 2011 wurden die Vernehmlassungen der Vorinstanz, der Politischen
Gemeinde D. und der W. GmbH an den Rechtsvertreter von R. B. weitergeleitet.
Gleichzeitig wurde ihm eine Frist von vierzehn Tagen angesetzt, um zu den in den
Vernehmlassungen vorgebrachten neuen und tatsächlichen Argumenten, welche bisher
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nicht erörtert wurden, eine ergänzende Stellungnahme einzureichen. Der
Beschwerdeführer liess sich innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 23. September
2011 ergänzend vernehmen.
Auf die Begründungen der Verfahrensbeteiligten sowie auf die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Der Beschwerdeführer lässt einen Augenschein beantragen.
Der Augenschein ist die unmittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die
entscheidende Instanz. Er dient dem besseren Verständnis des Sachverhalts. Ob ein
Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflichtgemässen Ermessen der urteilenden
Instanz. Unbestrittene Tatsachen brauchen nicht durch einen Augenschein überprüft zu
werden, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interessen geboten ist
(Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003,
Rz. 966).
Die tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich im vorliegenden Fall hinreichend aus den
Plänen, den Fotografien, dem Geoportal (www.geoportal.ch) und aus den übrigen
Verfahrensakten. Auf einen Augenschein ist daher zu verzichten.
3. Das von der Beschwerdegegnerin am 18. März 2009 eingereichte Baugesuch hat die
Erweiterung der Parkierungsfläche in der nordwestlichen Ecke von Parzelle Nr. 0000
zum Gegenstand. Aus den im Recht liegenden Baugesuchsunterlagen geht hervor,
dass um eine nachträgliche Bewilligung nachgesucht wird für die Parkierungsfläche,
die sich an die vier entlang der B-strasse angeordneten Parkfelder anschliesst (vgl.
Vorakten, act. 9/1). Für diese Anlage erteilte die Beschwerdebeteiligte mit Verfügung
vom 15. Juni 2010 eine Baubewilligung.
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Dementsprechend kann auch nur diese Parkierungsfläche streitgegenständlich sein.
Wenn der Beschwerdeführer somit vorbringt, für die unmittelbar davor liegenden vier
Senkrechtparkplätze sei ebenso wie für die weiteren drei Senkrechtplätze östlich des
Gebäudes nie eine Baubewilligung erteilt worden, weshalb sie nicht als bestehend
vorausgesetzt werden könnten, so ist darauf im vorliegenden Verfahren nicht
einzutreten. Es liegt an der Beschwerdebeteiligten zu entscheiden, ob (auch) für diese
Parkierungsflächen ein nachträgliches Baubewilligungsverfahren durchzuführen ist.
Entgegen der Meinung des Beschwerdeführers hängt die Bewilligung der
streitgegenständlichen Parkierungsfläche nicht davon ab, dass die vier davor liegenden
Parkplätze bewilligt sind. Ohnehin ist die grundstücksinterne Zufahrt dazu über die drei
Schrägparkplätze, welche offenbar im Jahr 1987 bewilligt wurden (vgl. Vorakten, act.
27; Beilage 3 zur Replik), ausreichend sichergestellt. Auch der erst im Rahmen der
Replik geäusserte Einwand, eine Erteilung von Teilbaubewilligungen sei unzulässig,
erweist sich als verfehlt. Das Verbot von Teilbewilligungen besagt, dass die
Baubewilligungsbehörde nur die Wahl hat, das Baugesuch als Ganzes entweder
gutzuheissen, sei es unverändert oder mit Nebenbestimmungen, oder abzuweisen (vgl.
E. Zimmerlin, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, 2. Auflage, Aarau 1985,
N 1a zu § 152). Dagegen wurde hier nicht verstossen, hat doch die
Beschwerdebeteiligte das gestellte Baugesuch (mit einer Auflage) gutgeheissen.
4. Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, es fehle an einer hinreichenden
strassenmässigen Erschliessung. So sei auf der B-strasse ein gefahrloses Kreuzen
nicht möglich beziehungsweise es müsse hierfür in unzulässiger Weise auf private
Flächen ausgewichen werden. Damit bestreitet er die Baureife im Sinn von Art. 19 Abs.
1 des Raumplanungsgesetzes (SR 700, abgekürzt RPG) und Art. 49 des Baugesetzes
(sGS 731.1, abgekürzt BauG).
Diese Argumentation erstaunt zunächst einmal deshalb, weil die ungenügende
Erschliessung für den Beschwerdeführer noch kein Thema war im
Baugesuchsverfahren für die teilweise Umnutzung seines – ebenfalls über die B-
strasse erschlossenen – Wohnhauses in ein Treuhandbüro, welches ebenfalls in einer
Bewilligung vom 15. Juni 2010 mündete (act. 4 zur Vernehmlassung der
Beschwerdegegnerin). Wäre effektiv von einer ungenügenden Zufahrt auszugehen, so
hätte die Umnutzung auch nicht gestützt auf den Bestandesschutz gemäss Art. 77bis
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Abs. 2 BauG bewilligt werden können, zumal dies eine ursprünglich formell und
materiell rechtmässig erstellte Baute voraussetzt (Balthasar Heer, St. Gallisches Bau-
und Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 744). Daran fehlte es jedoch bei allen über die B-
strasse erschlossenen Bauten, wenn mit dem Beschwerdeführer von einer (schon
ursprünglich) fehlenden Baureife ausgegangen wird. Insoweit geht der in der Replik
gemachte Hinweis auf den Bestandesschutz für die Umnutzung fehl.
Abgesehen davon kann von einer ungenügenden strassenmässigen Erschliessung
keine Rede sein. Bei der B-strasse handelt es sich um eine Gemeindestrasse dritter
Klasse. Demnach steht sie gemäss Art. 8 Abs. 3 des Strassengesetzes (sGS 732.1,
abgekürzt StRG) dem allgemeinen Motorfahrzeugverkehr nicht offen. Sie erschliesst
rund zehn Wohneinheiten. Nach den unbestritten gebliebenen Feststellungen der
Vorinstanz weist sie eine Breite von 3,80 m auf und wird beidseitig von Einfahrten und
Parkplätzen gesäumt. Damit erfüllt sie zweifelsohne die einschlägigen Normen der
Vereinigung Schweizerischer Strassenfachleute (VSS). Nach der Norm SN 640 045 ist
für die Erschliessung von Siedlungsgebieten bis zu 30 Wohneinheiten der Typ
"Zufahrtsweg" anzuwenden. Diesem Strassentyp liegt eine durchschnittliche stündliche
Verkehrsbelastung von maximal 50 Fahrzeugen zu Grunde. Es wird ein Fahrstreifen als
ausreichend erachtet, dessen Ausbaugrösse zudem reduziert sein kann. Der
Zufahrtsweg hat dem Grundbegegnungsfall zwischen Personenwagen und Fahrrad bei
stark reduzierter Geschwindigkeit zu entsprechen (Tab. 1). Für diesen
Grundbegegnungsfall ist die B-strasse ausreichend dimensioniert, zumal die
Grundabmessung für Fussgänger 0,60 m und für Personenwagen 1,80 m beträgt. Da
von den Parzellen, welche über die B-strasse erschlossen sind, auch kein relevanter
Motorfahrzeugverkehr ausgeht, wird es zum - ohnehin nicht massgeblichen -
Begegnungsfall sich kreuzender Personenwagen nur selten kommen. Soweit dieser Fall
dennoch eintritt, können zum Kreuzen die angrenzenden Einfahrten und Parkplätze
einbezogen werden. Hierfür fehlt es zwar an einem von den privaten
Strassenanstössern eingeräumten Benutzungsrecht (Dienstbarkeit). Offensichtlich wird
aber die Benutzung auf Zusehen hin gewährt. Eine Widmung der Flächen für den
Gemeingebrauch im Sinn von Art. 1 Abs. 1 StrG liegt deshalb wohl nicht vor (vgl. etwa
AGVE 1991 Nr. 44). Solange die Grundeigentümer die Benutzung aber zulassen, ist sie
immerhin nicht widerrechtlich (sogenannte prekaristische Duldung; vgl. dazu
J. Schmid, Sachenrecht, 3. Auflage, Zürich 2009, Rz. 1202).
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5. Der Beschwerdeführer wendet weiter ein, die Verkehrssicherheit sei nicht
gewährleistet. Die Anordnung der vier Senkrechtparkplätze unmittelbar angrenzend an
die Fahrbahn habe zur Folge, dass bei Rückwärtsmanövern die Sicht auf die Strasse
stark eingeschränkt sei. Zudem sei die Verkehrssicherheit gefährdet durch die
Fahrmanöver auf der B-strasse, welche aufgrund der Anordnung der Parkplätze
erforderlich seien.
Auch diesem Einwand kann nicht gefolgt werden. Die Rekursinstanz führte am 9.
Dezember 2010 einen Augenschein vor Ort durch. Dabei war unter anderem auch der
Leiter Gemeindestrassen des kantonalen Tiefbauamts anwesend. Dieser stufte die
Situation sowohl mit Bezug auf die Sichtverhältnisse als auch mit Bezug auf die
erforderlichen Fahrmanöver auf der B-strasse als unproblematisch ein (vgl. Vorakten,
act. 18). Zum gleichen Schluss kam die Kantonspolizei im Einspracheverfahren. Für
das Verwaltungsgericht besteht keine Veranlassung, von den Einschätzungen der
Fachinstanzen abzuweichen. Hinzu kommt, dass es auch möglich ist, von den
Parkplätzen vorwärts auf die B-strasse einzubiegen. Dadurch könnte das ohnehin nicht
über das übliche Mass hinausgehende Gefahrenpotential noch weiter reduziert werden.
6. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Bewilligung der zusätzlichen
Parkierungsfläche nicht von der Bewilligung der vier davor liegenden Senkrechtplätze
abhängt. Letztere sind somit nicht streitgegenständlich. Die B-strasse bildet zudem
eine hinreichende Erschliessung, und die Verkehrssicherheit ist durch die zusätzliche
Parkierungsfläche nicht gefährdet.
7. (...).
Ausseramtliche Kosten sind dem im Beschwerdeverfahren unterlegenen
Beschwerdeführer nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 98bis
VRP). Die Beschwerdebeteiligte hat keinen Anspruch auf ausseramtliche
Entschädigung (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2.
Auflage, St. Gallen 2003, Rz. 829). Hingegen kommt ein solcher Anspruch dem
Beschwerdegegner zu (Art. 98bis VRP). Sein Rechtsvertreter hat keine Kostennote
eingereicht. Folglich ist die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen. Das Gericht
erachtet eine Entschädigung von Fr. 2'000.-- (inkl. Barauslagen) für das
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Beschwerdeverfahren als angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b der Honorarordnung für
Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75). Weil die zu entschädigende
Beschwerdegegnerin selber mehrwertsteuerpflichtig ist, kann sie die der
Honorarrechnung ihres Anwalts belastete Mehrwertsteuer als Vorsteuer wieder
abziehen. Daher muss die Mehrwertsteuer bei der Bemessung der ausseramtlichen
Entschädigung nicht zusätzlich berücksichtigt werden (vgl. R. Hirt, Die Regelung der
Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S.
194).
Demnach hat das Verwaltungsgericht