# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** aecf75a2-b43c-4770-9c79-0cd9151de02f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1974, ist seit dem 31. März 2002 als
Product
Hub Member bei der
Z._
angestellt und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert (Urk. 8/1).
Laut Bagatellunfall-Meldung vom 2
3.
Juli 2018 war sie a
m 19. Januar 2018 beim Schlittschuhlaufen auf dem Eisfeld
gestürzt,
zuerst auf das linke Knie, wobei es ihr den linken Arm
auf dem Eis
nach vorne
ge
zog
en habe
(Urk. 8/1).
Am 16. Au
gust 2018 begab sie sich
deswegen
erstmals
in ärztliche Behandlung (Urk. 8/11)
.
Die Suva erbrachte zunächst die gesetzlichen Leistungen (vgl. Urk. 8/
19/1)
. Nach
dem sie bei med. pract. A._
, Facharzt für Chirurgie, eine kreisärztliche Stellungnahme
vom
22. Mai 2019
eingeholt hatte (Urk. 8/18), teilte sie der Versicherten mit Schreiben vom 29. Mai 2019 mit, dass sie
ihre
Leistungen per 31. März 2018 einstelle, wobei auf eine Rückforderung der bisher erbrachten Leis
tungen verzichtet werde (Urk. 8/19). Nach Eingang einer Stellungnahme des behan
delnden Arztes, Dr. med.
B._
, Facharzt für Orthopädie und Trau
matologie des Bewegungsapparates
, vom 3. Juni 2019
(Urk.
8/24
/2 f.
), holte
die Suva
eine
weitere
kreisärztliche Beurteilung bei med. pract.
A._
vom 5. Juni 2019
ein
(Urk. 8/27)
. Am 11. Juni 2019 verfügte die Suva sodann im angekün
digten Sinne (Urk. 8/32). Dagegen erhob die Versicherte am 4. Juli 2019 unter Beilage einer Stellungnahme
von
Dr.
B._
Einsprache (Urk. 8/39/1-3
und 8 ff.)
, nachdem
dieser
sie am Tag zuvor
aufgrund persistierender Schmerzen an der linken Schulter
operiert
hatte
(
Urk.
8/44)
. Die Suva
holte daraufhin eine ergän
zende
Stellungnahme
des Kreisarztes vom
27. August 2019
ein
(Urk. 8/42)
. Mit Entscheid vom
30. Januar 2020 wies sie die Einsprache ab (Urk. 8/48 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 2. März 2020 Beschwerde und beantragte, es sei der Einsprache-Entscheid vom 30. Januar 2020 aufzuheben und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen aus der Unfallversicherung auch nach dem 31. März 2018 weiterhin zu erbringen. Eventualiter seien weitere Abklärungen vorzuneh
men (
Urk.
2 S. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
19. März 2020
schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7 S. 2)
, was der Beschwerdeführerin am 23. März 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
dem
Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG)
setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausal
zusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammen
hangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheit
licher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht wer
den kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Ver
waltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.
2
Wird durch den Unfall ein krankhafter Vorzustand verschlimmert oder überhaupt erst manifest, fällt der natürliche Kausalzusammenhang dahin, wenn und sobald der Gesundheitsschaden nur noch und ausschliesslich auf unfallfremden Ursa
chen beruht. Dies trifft dann zu, wenn entweder der Gesundheitszustand, wie er unmittelbar vor dem Unfall bestanden hat (Status quo ante) oder aber derjenige Zustand, wie er sich nach dem schicksalsmässigen Verlauf eines krankhaften Vor
zustandes auch ohne Unfall früher oder später eingestellt hätte (Status quo sine), erreicht ist (RKUV 1992 Nr.
U 142 S.
75 E.
4b mit Hinweisen; nicht publiziertes Urteil des Bundesgerichts U
172/94 vom 26.
April 1995). Das Dahinfallen jeder kausalen Bedeutung von unfallbedingten Ursachen eines Gesundheitsschadens muss mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sein (RKUV 2000 Nr.
U 363 S.
45; BGE
119 V 7 E. 3c/
aa
). Die blosse Möglichkeit nunmehr gänzlich fehlender ursächlicher Auswirkungen des Unfalles
genügt nicht. Da es sich hierbei um eine anspruchs
aufhebende Tatfrage handelt, liegt aber die entsprechende Beweislast – anders als bei der Frage, ob ein leistungsbegründender natürlicher Kausalzusammenhang gegeben ist – nicht bei der versicherten Person, sondern beim Unfallversicherer (RKUV 1994 Nr.
U 206 S.
328
f. E.
3b, 1992 Nr.
U 142 S. 76). Diese Beweisgrund
sätze gelten sowohl im Grundfall als auch bei Rückfällen und Spätfolgen und sind für sämtliche Leistungsarten massgebend (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11.
März 2014 E. 2.3.1 mit Hinweisen).
Mit dem Erreichen des Status quo sine
vel
ante entfällt eine Teilursächlichkeit für die noch bestehenden Beschwerden. Solange jedoch der Status quo sine
vel
ante noch nicht wieder
erreicht
ist, hat der Unfallversicherer gestützt auf Art. 36 Abs. 1 UVG in aller Regel neben den Taggeldern auch Pflegeleistungen und Kostenvergütungen zu übernehmen, worunter auch die Heilbehandlungskosten nach Art. 10 UVG fallen (Urteil des Bundesgerichts 8C_637/2013 vom 11. März 2014 E. 2.3.2).
1.
3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Nach der Rechtsprechung kommt auch den Berichten und Gutachten versiche
rungsinterner Ärztinnen und Ärzte Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 125 V 351 E. 3b/ee). Das Anstellungsverhältnis einer versicherungsinternen Fachperson zum Versiche
rungsträger alleine lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und Befangen
heit schliessen (BGE 137 V 210 E. 1.4, 135 V 465 E. 4.4). Soll ein Versicherungs
fall jedoch ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzuneh
men (BGE 142 V 58 E. 5.1, 139 V 225 E. 5.2, 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
1.4
Da d
ie
Beschwerdeführer
in ihre B
eschwerden
wenigstens sinngemäss
auf das Ereignis vom
1
9.
Januar 2018
zurückführt, kommt vorliegend das seit
1.
Januar 2017 geltende Recht zur Anwendung (vgl.
Abs.
1 der Übergangsbestimmungen vom 2
5.
September 2015 zur Änderung des UVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog
im angefochtenen Einsprache
-E
ntscheid
,
es sei auf die
Beurteilungen durch den Kreisarzt med. pract.
A._
abzustellen, wonach die
beschriebene Partialruptur der Supraspinatussehne bei vorbestehender
Impin
gement
-K
onstellation
mit einem nach unten gebogenen
Acromion
die typische Folge eines degenerativen Verlaufs
sei
.
Zudem
sei der Unfallmechanismus, wie er von der Beschwerdeführerin angegeben worden sei (
zuerst auf das linke Knie gestür
zt, es habe ihr dabei den linken Arm nach vorne gezogen) nicht mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit geeignet, eine
Rotatorenmanschettenruptur
auszu
lösen
.
Der von der Beschwerdeführerin angegebene Unfallmechanismus stehe
im
Widerspruch zur Angabe von Dr.
B._
, wonach es anlässlich des Unfalles zu einem axialen Distorsionstrauma gekommen sei. Auch ein axiales Distorsions
trauma sei jedoch nicht geeignet, eine
Supraspinatussehnenruptur
hervorzurufen
(Urk. 2 S. 3).
Es handle sich vorliegend um eine vorübergehende Verschlimme
rung bei Vorzustand. Die gegenteilige Beurteilung von Dr.
B._
basiere grösstenteils auf der Publikation «Degenerative oder traumatische Läsionen der
Rota
torenmanschette
». Auf diese könne jedoch gemäss bundesgerichtlicher Recht
spre
chung nicht abgestellt werden. Der Status quo sine sei per Ende März 2018, spätestens jedoch im März 2019, als sich die Beschwerdeführerin erneut in ärzt
liche Behandlung begeben habe, erreicht
worden
, sodass kein Anspruch mehr auf weitere Leistungen bestehe
(Urk. 2 S. 4).
2.2
Die Beschwerdeführer
in
stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, betref
fend den Unfallhergang sei auf
ihre Angaben in der
Unfallmeldung abzustellen, wonach sie auf dem Eisfeld beim Schlittschuhlaufen gestürzt sei, zuerst auf das linke Knie
, wobei
es ihr den linken Arm nach vorne gezogen
habe
auf dem Eis
(Urk. 1 S. 3). Die Beschwerdegegnerin habe den Unfallhergang – obwohl er aus der Schadenmeldung offenbar nicht klar genug hervorgegangen sei – nicht weiter abgeklärt und ihr keinen Fragebogen zum genauen Unfallhergang zugestellt.
Gemäss Dr.
B._
handle es sich bei ihrer Verletzung um eine traumatische Ruptur der
Rotatorenmanschette
(
Urk.
1 S. 4). Es sei auf
dessen
Beurteilungen
vom 3.
und 11. Juni
2019
sowie auf
seinen
Operationsbericht vom 4. Juli 2019 abzu
stellen. Sofern diesen nicht gefolgt werden könne, sei ein gerichtliches Sachver
ständigengutachten zur Frage der natürlichen Kausalität einzuholen, soweit die Angelegenheit nicht an die Beschwerdegegnerin zur Vornahme weiterer Abklä
rungen zurückgewiesen werden müsse (
Urk.
1 S. 5).
2.3
In ihrer Beschwerdeantwort brachte die Beschwerdegegnerin vor, es sei der Beschwerdeführerin zuzustimmen, dass betreffend den Unfallhergang die Anga
ben aus der Schadenmeldung massgebend seien. Auch der Kreisarzt habe in seinen Beurteilungen darauf abgestellt.
Im Einsprache
-E
ntscheid sei lediglich dar
gelegt worden, dass der in den abweichenden Beurteilungen von Dr.
B._
beschriebene Unfallhergang eines axialen Distorsionstraumas (also eines Verdre
hens des Armes) weder den Angaben der Beschwerdeführerin in der Schadenmel
dung noch denjenigen anlässlich der medizinischen Erstbe
handlung bei med. pract. C._
entspreche (Urk. 7 S. 2).
3.
3.
1
Die Beschwerdeführerin begab sich erstmals am 16. August 2018 zu
med. pract.
C._
in ärztliche Behandlung
. Dieser hielt den Status nach Kon
tusion der linken Schulter fest. Dazu notierte er, die Beschwerdeführerin sei gemäss ihren Angaben beim Eislaufen im Januar 2018 auf die linke Schulter gestürzt. Seither verspüre sie
dort
immer wieder Schmerzen (Urk. 8/11).
3.2
Am 4. Oktober 2018 wurde die linke Schulter der Beschwerd
eführerin durch Dr. med.
D._
, Facharzt für Radiologie, mittels MRI untersucht. Dabei konnte eine gelenkseitige Partialruptur der Supraspin
a
tussehne im vorderen Ansatzbereich, unterliegend mit Geröll- und
Gang
l
ionzysten
, festgestellt werden. Zudem erkannte er eine vorbestehende
Impingement
-Konstellation bei m
ässiger, teils auch aktivierter (
differentialdiagnostisch
: traumatisierter)
AC-Gelenks
arthrose mit Begleitbursitis
subakromialis
/
subdeltoidea
und einem nach unten gebogenen
Acromion
. Ferner hielt er als Differentialdiagnose eine
SLAP
-Läsion fest (Urk. 8/13).
3.
3
Am 2
6
. März 2019
berichtete Dr.
B._
über
eine
anterodistale
Supraspinatusseh
nenruptur
mit Instabilität der langen
Bizepssehne
links
. Da sich die Situation klinisch nicht verändert habe, habe sich die Beschwerdeführerin für
einen
opera
tiven Eingriff entschieden. Es sei eine Schulterarthroskopie mit
Rotatorenman
schettenrekonstruktion
,
Akromioplastik
und
subpectoraler
Bizepstenodese
geplant (Urk. 8/9).
3.
4
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin erklärte der Kreisarzt med. pract.
A._
am 22. Mai 2019, der Schaden an der linken Schulter sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen. Es handle sich um degenera
tive Veränderungen bei einer
Impingement
-Konstellation. Es habe keine Arbeits
niederlegung und auch kein zeitnaher Arztbesuch stattgefunden. Es handle sich um eine vorübergehende Verschlimmerung bei Vorzustand. Solche Verletzungen seien nach allgemeiner Lehrauffassung acht Wochen nach dem Unfallereignis als ausgeheilt zu betrachten. Der Status quo sine sei dann erreicht. Im vorliegenden Fall sei dies per Ende März 2018
der Fall gewesen
(Urk. 8/18/1 f.).
3.
5
Nachdem die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin darüber informiert hatte, dass sie die Kosten
übernahme
für die geplante
Rotatorenmanschetten
rekonstruktion
ablehne, wandte sich der behandelnde Dr.
B._
mit Schreiben vom 3. Juni 2019 an die Beschwerdegegnerin. Er führte aus, die Beschwerdefüh
rerin sei bis zu ihrem Sturz am 19. Januar 2018, bei dem es zu einem axialen Distorsionstrauma
des linken Armes
gekommen sei, beschwerdefrei und voll arbeitsfähig gewesen.
Nach sofort aufgetretenen Beschwerden seien seither rotationsabhängige Schmerzen verblieben, insbesondere auch über Kopf, typisch für eine
Rotatorenmanschettenruptur
. Diese zeige sich denn auch im MRI vom 4. Ok
tober 2019 klar in
der
Form einer
anterodistalen
Supraspinatus
sehnen
ruptur
, die sich bis in das laterale
Pulley
erstrecke. Dies sei eine typische Loka
li
sa
tion für traumatische Rupturen der
Rotatorenmanschette
. Zeichen einer vorbe
ste
henden Ruptur fänden sich keine, insbesondere keine
Sehnentraktion
, keine
Muskelartro
phie
und keine fettige Infiltration (Urk. 8/24/2). Es würden sich zwar kleine Zysten im
Tuberculum
majus
-Bereich zeigen, diese seien jedoch nicht prädiktiv für eine vorbestehende chronische
Rotatorenmanschetten
-Läsion
. Dabei wies er auf den
Übersichtsartikel «Degenerative oder traumatische Läsionen der
Rotato
renmanschette
»
hin
(
Urk. 8/24/2 f.).
Zusammenfassend
führte er aus, es
fänden sich
auch
anamnestisch
keine
klinisch
en
oder radiologische
n
Zeichen
für
eine vorbestehende
degenerative
Rotatorenmanschettenruptur
. Daher bitte er um Revision der Beurteilung
durch die Beschwerdegegnerin
(Urk. 8/24/3).
3.
6
Die Beschwerdegegnerin legte daraufhin die medizinischen Unterlagen dem Kreisarzt med. pract.
A._
vor. Dieser hielt in seiner Beurteilung vom 5. Juni 2019 fest,
die Beschwerdeführerin zeige eine typische
Impingement
-Konstellation und eine mässige degenerative Veränderung am AC-Gelenk. Die beschriebene Partialruptur der Supraspinatussehne im vorderen Ansatzbereich sei bei vorbe
stehender
Impingement
-
Konstellation mit einem nach unten gebogenen
Acro
mion
(«
Downsloping
»)
die
typische Folge eines degenerativen Verlaufes und nicht
-
wie von Dr.
B._
beschrieben
-
eines Traumas. Bei einem
Impingement
, also bei Vorliegen eines relativ engen Schulterkanals, sei insbesondere die Supraspi
natussehne der
Rotatorenmanschette
einem überproportion
a
l hohen Verschleiss ausgesetzt (Reiben). Eine – wie hier – degenerativ verursachte Ruptur sei daher die Folge eines natürlichen Geschehens.
In der zitierten Literatur werde darauf hingewiesen, dass die
Rotatorenmanschette
im Laufe des Lebens einer hohen und anhaltenden Belastung ausgesetzt sei und einer fortschreitenden Degeneration unterliege. Ferner verweise die Literatur auf Untersuchungen, nach denen Patienten mit Schulterbeschwerden zwischen dem 40. und 56. Lebensjahr in 25 %
der Fälle
Rotatorenmanschettenverletzungen
gehabt hätten. Die Degeneration der
Rotato
renmanschette
beginne ab dem dritten
Lebensjahrzehnt. Die Beschwerde
führerin habe Jahrgang 197
4.
Die Geröllzysten würden ebenfalls darauf hindeu
ten, dass das gesamte Schultergelenk bereits seit längerer Zeit überwiegend wahrscheinlich degenerativ verändert sei. Solche Geröllzysten (
Kortikalschäden
bei fehlendem Knorpel) seien radiologische Zeichen einer fortgeschrittenen Arth
rose, was ebenfalls auf einen degenerativen Vorschaden der Schulter hinweise. Die Argumentation von Dr.
B._
sei vor diesem Hintergrund als klassische «
post
hoc ergo
propter
hoc»-Argumentation zu werten
(Urk. 8/27/2).
Daneben sei der Unfallmechanismus, wie er von der Beschwerdeführerin angegeben werde (zuerst auf das linke Knie gestürzt, es habe ihr dabei den linken Arm nach vorne gezo
gen), nicht geeignet, eine
Rotatorenmanschettenruptur
auszulösen. Eine passive Traktion des Armes nach einem Sturz auf eine ebene Eisfläche zu erleiden, sei nicht überwiegend wahrscheinlich möglich.
Ein mögliches Beispiel dafür sei
das ungeplante Auffangen eines schweren, fallenden oder stürzenden Gegenstandes oder der Einzug des Armes in eine laufende Maschine. Der von der Beschwerde
führerin angegebene Unfallmechanismus stehe im Widerspruch zur Angabe von Dr.
B._
, welcher schreibe, es sei anlässlich des Unfalles zu einem axialen Distorsionstrauma (respektive Stauchungstrauma) gekommen. Auch ein axiales Distorsionstrauma sei jedoch gemäss der Literatur nicht geeignet, eine
Supraspi
natussehnenruptur
hervorzurufen. Des Weiteren würden sich im Dossier keine Nachweise über einen zeitnah zum Unfall gelegenen Arztbesuch respektive über eine dokumentierte Arbeitsniederlegung finden.
Versicherte, welche eine
Rotato
renmanschettenruptur
erlitten hätten, würden einen massiven initialen Schmerz und eine lange persistierende «Pseudoparalyse» (bei Ruptur der Sehne) beklagen. Nach einem frischen Riss würden sich die Schulterschmerzen in der
Folgezeit mehr oder weniger vollständig zurückbilden. Im Vordergrund stehe dann die Kraftlosigkeit bei bestimmten selbständigen Armbewegungen. Hier sei der wesentliche Unterschied zum degenerativen Vorschaden zu sehen. Typisch für eine degenerative
Rotatorenmanschettenruptur
seien daher stets zunehmende, sich im Intervall verstärkende Schmerzen. Genau diese lägen bei der Beschwer
deführerin vor. Das diagnostisch entscheidende MRI sei neun Monate nach dem Unfallereignis durchgeführt worden. Bei einer persistierenden Pseudoparalyse sei ein solch abwartendes Vorgehen nicht überwiegend wahrscheinlich (Urk. 8/27/3).
3.
7
Am 11. Juni 2019
reichte
Dr.
B._
der Beschwerdegegnerin eine
Stellung
nahme
zur kreisärztlichen Beurteilung von med. pract.
A._
ein
, wobei er erklärte,
seine Ausführungen würden
grösstenteils auf dem Artikel im Swiss Medical Forum «Degenerative oder traumatische Läsionen der
Rotatorenmanschette
» von Alexandre
Lädermann
et.
a
l
basieren
.
Zur
Acromionform
hielt Dr.
B._
fest, ein abfallender
Acromionverlauf
in der
coronaren
und
sagittalen Ebene sei aufgrund der aktuellen Datenlage nicht eindeutig mit Läsionen der
Rotatorenmanschette
assoziiert. Zudem sei eine solche Läsion vor allem
extraartikulär
zu suchen, dies zeige sich bei der Beschwerdeführerin in keiner Weise (Urk. 8/37/1). Die Ausfüh
rungen in der kreisärztlichen Beurteilung zur Pathogenese der Degeneration der
Rotatorenmanschette
bezeichnete Dr.
B._
als korrekt (Urk. 8/37/1 f.).
Sodann
machte
er
geltend
, dass die zitierten Literaturstellen zum Alter der Beschwerde
führerin überholt seien. I
n dem von ihm selber
zitierten Artikel werde eine Prävalenz von
transmuralen
Rotatorenmanschettenrupturen
bei asymptomati
schen Schultern im Alter zwischen 40 und 50 Jahren von 0 % angegeben. In einer anderen Studie seien die
transmuralen
Rotatorenmanschettenrupturen
in beinahe 80 % der Fälle mit einem Trauma assoziiert worden
. Darüber hinaus seien die Zyste
n
im
Tuberculum
majus
keine Geröllzysten. Es handle sich um zystische Veränderungen, welche laut Literatur unspezifisch seien, einen niedrigen Vorher
sagewert bezüglich des Vorliegens einer
Rotatorenmanschetenruptur
hätten und kein zuverlässiges Kriterium für das Vorliegen einer chronischen oder degenera
tiven Schädigung der
Rotatorenmanschette
darstellen würden
. Geröllzysten, welche im Rahmen einer Arthrose auftreten würden, seien eine absolut andere Entität. Sie würden als Überbrückungsphänomen in überbelasteten Gelenksab
schnitten entstehen und
befänden
sich an völlig anderen Lokalisationen des Schultergelenks im Falle einer
Omarthrose
. Die Beschwerdeführerin habe ein absolut
arthrosefreies
Glenohumeral
-Gelenk. Somit sei die Folgerung, dass die Zysten als Zeichen eines degenerativen Vorschadens der Schulter zu werten seien, nicht korrekt
.
Das Fehlen einer Anamnese sei im Übrigen ein weiteres Indiz dafür, dass die
Rotatorenmanschette
vor dem Ereignis intakt gewesen sei (Urk. 8/37/2).
Sie habe in diesem Fall den Willen gezeigt, auf eine Spontanheilung der Proble
matik zu hoffen, weshalb sie nicht sofort na
ch dem Ereignis einen Arzt
aufg
sucht
habe.
Weiter erklärte Dr.
B._
, die in der kreisärztlichen Beurteilung zitierten Literaturstellen zum Unfallmechanismus seien mittlerweile überholt. Eine axiale Stauchung des Oberarmkopfes beim Aufprall auf die Hand oder den Ell
bogen sei anerkannt als auslösender
Traumamechanismus
für eine
Rotatorenman
schet
t
enruptur
. Genau dies sei bei der Beschwerdeführerin vorhanden gewesen. Betreffend die Pseudo
par
alyse entgegnete Dr.
B._
dem Kreisarzt, es sei nicht korrekt, den Umkehrschluss zu ziehen, dass das Fehlen einer Pseudoparalyse als sicherer Beweis zu werten sei, dass keine relevante Schädigung der
Rotatoren
manschette
eingetreten sei. Der Schmerzverlauf bei der Beschwerdeführerin, wonach sie sofort starke Schmerzen verspürt habe, welche sich dann im Verlaufe einiger Tage wieder
etwas
beruhigt hätten
, könne ebenfalls typisch für eine trau
matische
Rotatorenmanschet
t
enruptur
sein (Urk. 8/37/3). In der kreisärztlichen Beurteilung würden mehrere Faktoren ignoriert. Dies sei beispielsweise die Loka
lisation der Ruptur. Rupturen im vorderen Bereich der Supraspinatussehne seien in einem hohen Masse mit einem Trauma assoziiert. Rein degenerative Rupturen würden im zentralen oder
posterioren
Bereich der
Rotatorenmanschette
vorliegen. Ferner müsste bei einer degenerativen Schädigung eine fettige Infiltration
vorlie
gen
, was bei der Beschwerdeführerin nicht der Fall sei. Schliesslich sei eine Ruptur des Bizeps-
Pulleys
– wie sie bei der Beschwerdeführerin höchstwahrscheinlich vorliege – in einem hohen Prozentsatz mit einem Trauma assoziiert (Urk. 8/37/3 f.). Nach dem Gesagten würden sich keine überzeugenden Fakten für das Vorlie
gen einer relevanten vorbestehenden
Rotatorenmanschetten
-Ruptur respektive fast ausschliesslich Fakten für eine traumatische Genese des vor
liegenden Schadens an der
Rota
t
orenmanschette
finden (Urk. 8/37/4).
3.
8
Dem Operationsbericht vom 3. Juli 2019 lässt sich entnehmen, dass sich die Beschwerdeführerin gleichentags durch Dr.
B._
an der linken Schulter operieren liess.
Dabei stellte dieser eine
Supraspinatussehnenruptur
mit einer Ruptur des lateralen
Pulleys
links fest und statuierte einen regelrechten Operationsverlauf (Urk. 8/44/1 f.).
3.
9
Die Beschwerdegegnerin legte den vorgenannten Bericht von Dr.
B._
dem Kreisarzt vor, welcher am
27. August 2019
ergänzte, dieser ändere nichts an seiner
vorgenommenen
Beurteilung. Der von Dr.
B._
zitierte Artikel im Swiss Medical
Forum gebe lediglich die Meinungen einiger Experten bezüglich einiger Einzelfal
l
darstellungen
wieder. Im Grad der medizinischen Evidenz seien soge
nannte Expertenmeinungen
auf der
zweitunterste
n
Stufe
angesiedelt
. Die Ausführungen zur
Acromio
n
form
seien eine Behauptung von
Dr.
B._
, welche dieser im Gegensatz zu ihm nicht durch entsprechende Literatur untermauere.
Betreffend das Alter der Beschwerdeführerin verweise er auf die angegebenen Studien. Dass diese überholt seien, sei wiederum eine Behauptung von Dr.
B._
, welche dieser nicht mit besseren oder aktuelleren Studien belege.
Des Weiteren bleibe er bei der Ansicht, dass es sich bei den im MRI aufgefundenen Zysten um Geröllzysten im Zusammenhang mit einer allfälligen
Omarthrose
handle (Urk. 8/42/1). Ferner sei es
medizinisch
nicht nachvollziehbar, dass eine Versi
cherte auf eine «Spontanheilung»
bei einer
Rotatorenmanschettenruptur
hoffe. Jede Sehnenruptur stelle ein dermassen massives Schmerzereignis dar, dass sofort die Arbeit niedergelegt und innerhalb weniger Stunden ein Arzt aufgesucht werde (Urk. 8/42/1 f.).
Dr.
B._
begründe auch nicht weiter, weshalb die angegebene Literatur zum Unfallereignis beziehungsweise zum Unfallmechanismus überholt sei. Sie sei wissenschaftlich nach wie vor allgemein gültig. Weiter sei es selbst
verständlich korrekt, den Umkehrschluss zu ziehen, dass das Fehlen einer Pseu
doparalyse als Hinweis auf das Fehlen einer relevanten Schädigung zu werten sei.
Wenn eine Sehne zerreisse, trete sofort aufgrund der fehlenden Sehne als Kraft
überträger zwischen Muskulatur und Knochen ein Funktionsausfall auf. Bei einer Totalruptur einer Sehne im Sehn
en
verbund (
Rotatorenmanschette
) sei dies eine sogenannte Pseudoparalyse. Alles andere sei biomechanisch und medizinisch nicht überwiegend wahrscheinlich nachvollziehbar. Schliesslich vermöge die Schlussfolgerung von Dr.
B._
, dass zuerst operiert werden müsse, um zu sehen, ob ein Schaden vorliege, wissenschaftlich nicht
zu
überzeugen (Urk. 8/42/2). Die Ausführungen von Dr.
B._
würden keine neuen medizinischen Erkenntnisse liefern (Urk. 8/42/3).
3.
10
Am 23. Oktober 2019 berichtete Dr.
B._
über den Heilungsverlauf. Dabei stellte er den Status nach
arthroskopischer
Rotatorenmanschetten
-Rekonstruktion links mit
Bizepstenodese
am 3. Juli 2019 fest.
Er
fügte an, die Beschwerdeführerin habe immer noch Schmerzen beim Draufliegen sowie Mühe mit der Überkopfbewe
gung. Es zeige sich eine etwas verstärkte Kapselreaktion bei ansonsten regelrech
tem Verlauf. Die Physiotherapie
bestehe aus einer
Mobilisation und Zentrierung sowie
einer
sukzessive
n
Kräftigung in Form einer medizinischen Trainingsthera
pie (Urk. 8/45/1). Per 23. September 2019 bestehe wieder eine 50%ige Arbeitsfä
higkeit für den
Bodendienst als Flight-
Attendant
mit zeitlich voller Anwesenheit, dies voraussichtlich bis Ende des Jahres (Urk. 8/45/2).
Anlässlich einer weiteren Verlaufskontrolle am 21. Januar 2020 ergänzte Dr.
B._
mit Bericht vom 22. Januar 2020, gut sechs Monate nach
arthroskopi
scher
Rotatorenmanschetten
-R
ekonstruktion mit subpektoraler
Bizepstenodese
links bestünden nach wie vor funktionelle Einschränkungen für die Überkopf
funktion, wobei sich eine langsame, aber kontinuierliche Besserung sowohl des Bewegungsumfanges als auch der Kraft zeige. Die Beschwerdeführerin
mache
selbständig weiter Krafttraining im
E._
und er habe ergänzend noch einen Zyklus Physiotherapie zur Mobilisation und Zentrierung verordnet. Ein Abschluss der Physiotherapie sei noch zu früh. Arbeitstechnisch sei der Wieder
aufbau im Flugdienst per Ende Februar 2020 geplant (Urk. 8/46/1). Der Arm dürfe nur bis zur Sch
merzgrenze voll belastet werden.
Die
volle sportliche Belastung sei wieder erlaubt (Urk. 8/46/2).
4.
4.1
Es steht fest und ist u
nbestri
tten, dass das Ereignis vom 19. Januar 2018 einen Unfall im Sinne von
Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
darstellt (vgl.
Urk. 1 S.
5, Urk. 2 S. 2 f.).
Die Beschwerdegegnerin
richtete in diesem Kontext denn auch
vorerst
die gesetzli
chen Leistungen aus (vgl. Urk. 8/32/1).
Strittig und zu prüfen ist jedoch, ob die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen zu Recht mit der Begründung, der natürliche Kausalzusammen
hang sei infolge Erreichens des
Status
quo
sine
dahingefallen, per 31.
März 2018
eingestellt hat.
Betreffend den Unfallhergang gehen die Parteien sodann übereinstimmend davon aus, dass auf die Angaben
in der
Unfallmeldung abzustellen sei
(Urk. 1 S. 3, Urk. 7 S. 2)
.
Danach stürzte
die Beschwerdeführerin
auf dem Eisfeld beim Schlitt
schuhlaufen, zuerst auf das linke Knie
,
wobei
es ihr den linken Arm nach vorne gezogen
habe
auf dem Eis
(Urk. 8/1)
.
Demnach
ist
davon auszugehen
, dass die Beschwerdeführerin – nachdem sie
auf das
linke Knie gestürzt war – mit ihrem linken Arm nach vorne auf das Eis fiel.
Im Rahmen
der ärztlichen Erstkonsulta
tion
erwähnte sie denn auch ein
en
Sturz auf d
ie
linke
Schulter
(Urk. 8/11).
Von weiteren Abklärungen zum Unfallhergang sind
unter diesen Umständen
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 4)
keine
neuen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu
erwarten, weshalb die Beschwerdegegnerin zu Recht darauf verzichtet hat (
antizipie
rte Beweiswürdigung; BGE 144
ll
427 E.
3.1.3 mit Hinweisen).
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte sich im
angefochtene
n
Entscheid
auf die
kreis
ärztliche Beurteilung von med. pract.
A._
vom 5. Juni 2019 sowie deren Ergänzung vom 27. August 2019 (Urk. 8/27, Urk. 8/42).
Med. pract.
A._
setzte sich i
n seiner Beurteilung mit den erhobenen Befunden und dem bildgebenden Material nachvollziehbar und begründet auseinander. Dabei berücksichtigte er insbesondere auch
die Stellungnahme von Dr.
B._
vom 11. Juni 2019 (Urk. 8/37).
M
ed. pract.
A._
legte überzeugend dar
, dass
bildgebend deutliche Hinweise auf eine typische
Impingement
-Konstellation und eine mässige dege
nerative Veränderung im AC-Gelenk bestanden
(Urk. 8/27/2).
Dies steht im Einklang mit dem MRI-Befund der Schulter, wonach bei der Beschwerdeführerin bei vorbestehender
Impingement
-Konstellation eine mässige, teils auch aktivierte (differentialdiagnostisch: traumatisierte) AC-Gelenksarthrose mit Begleitbursitis
subakromialis
/
subdeltoidea
und einem nach unten gebogenen
Akromion
bestehe
(Urk. 8/13).
Zudem
führte
der Kreisarzt
nachvollziehbar aus, dass bei einem
Impingement
, also bei Vorliegen eines relativ engen Schulterkanals
,
insbesondere die Supraspinatussehne der
Rotatorenmanschette
einem überproportional hohen Verschleiss (Reiben) ausgesetzt sei
.
Des Weiteren
erklärte er einleuchtend, dass
die Geröllzysten ebenfalls darauf hindeuten würden, dass das gesamte Schulter
gelenk bereits seit längerer Zeit degenerativ verändert sei
, da Geröllzysten
radio
logische
Zeichen einer fortgeschrittenen Arthrose seien
(Urk. 8/27/2).
Nachvoll
ziehbar begründete
er
sodann, dass eine traumatische
Rotatorenmanschetten
ruptur
eine erhebliche Funktionseinschränkung im Sinne einer Pseudoparalyse
mit Schmerzen
nach sich ziehen würde, die Beschwerdeführerin sich jedoch weder zeitnah in ärztliche Behandlung begeben (dies erfolgte erstmals am 16. August 2018, mithin sieben Monate nach dem Unfall, vgl. Urk. 8/11) noch ihre Arbeit niedergelegt ha
tt
e (Urk. 8/27/3).
Zudem legte er folgerichtig und unter Berück
sichtigung der medizinischen Literatur dar, dass der von der Beschwerdeführerin angegebene Unfallhergang nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit geeignet sei, eine
Rotatorenmanschettenruptur
auszulösen (Urk. 8/27/3)
. Dass der Kreisarzt
zum Schluss
kam,
die
Supraspinatussehnenruptur
sei durch degenerative Verän
derungen verursacht worden, ist daher nachvollziehbar.
4.3
An dieser Sachlage vermag die abweichende Beurteilung von Dr.
B._
nichts zu ändern.
Insbesondere vermag
seine
Ansicht
, wonach
die Beschwerdeführerin
vor dem
Unfallereignis
beschwerdefrei un
d voll arbeitsfähig gewesen sei und
dies
ein Indiz dafür sei, dass die
Rotatorenmanschette
vor dem Ereignis intakt gewesen sei (Urk. 8/24/2, Urk. 8/37/2)
,
nicht zu überzeugen. Rechtsprechungsgemäss ist eine solche Schlussfolgerung
nach der Formel «
post
hoc ergo
propter
hoc»
,
wonach ein Gesundheitsschaden schon dann als durch einen Unfall verursacht gilt, weil er nach diesem aufgetreten ist
,
beweisrechtlich nicht zulässig und genügt zum Nachweis der Unfallkausalität nicht (BGE 119 V 335 E. 2b/
bb
, Urteil des Bundesgerichts 8C_332/2013 vom 25. Juli 2013 E. 5.1)
.
Des Weiteren
ist
mit med. pract
A._
davon auszugehen
, dass
der Unfallmechanismus, wie er sich
vorliegend
abspielte,
entgegen der Ansicht von
Dr.
B._
nicht geeignet
war
, eine traumatische Ruptur der
Rotatorenmanschette
auszulösen.
Gemäss
der Publika
tion von
Alfred Schönenberger/Gerhard Mehrtens/Helmut Valentin, Arbeitsunfall und Berufskrankheit, Rechtliche und medizinische Grundlagen für Gutachter, Sozialverwaltung, Berater und Gerichte, 9. Auflage, 2017
,
ist
weder
ein Sturz auf den
(nach vorne)
ausgestreckten Arm
oder den angewinkelten Ellenbogen
noch eine direkte Krafteinwirkung auf die Schulter (Sturz, Prellung, Schlag)
ein geeig
neter Unfallhergang
(S. 433)
. P
otentiell geeignete Verletzungsmechanismen für unfallbedingte
Rupturen der
Rotatorenmanschette
seien vielmehr
das massive, plötzliche Rückwärtsreissen oder Heranführen des Arm
e
s, wenn dieser zuvor fixiert
gewesen sei
(beispielsweise beim Hängenbleiben mit dem Arm bei erheb
licher Beschleunigung des Körpers), ein Sturz aus der Höhe nach vorn und Fest
halten mit de
r
Hand
,
oder
ein
Treppensturz und Festhalten mit der Hand am Geländer, sodass der Arm nach hinten gerissen
werde
,
ferner
das ungeplante Auf
fangen eines schweren stürzenden Gegenstandes sowie der Sturz auf den nach hinten ausgestreckten Arm mit Aufprall auf
die
Hand oder
den
Ellenbogen
(
S. 432
f.)
.
Dem widerspricht im Übrigen auch die von
Dr.
B._
zitierte
Publikation «Degenerative oder traumatische Läsionen der
Rotatorenmanschette
» nicht
grundsätzlich
(Urk. 3 S. 8 f.).
Soweit
jedoch
in der genannten Publikation
davon aus
gegangen wird
, dass bei einer oben nicht genannten Schädigung, wie einem Direkttrauma der Schulter ohne explizit ausgestreckten Arm, ebenfalls eine
Rotatorenma
nschettenläsion
entstehen könne (
Urk.
3 S. 8), kann a
uf diese abwei
chende Ansicht der Autoren nicht abgestellt werden, da sie weder begründet noch wissenschaftlich belegt wurde
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_446/2019 vom 22. Oktober 2019 E. 5.2.3).
Die
in der
Publikation von Schönenber
ger/Mehrtens/Valentin
als geeignet für die Verletzung der
Rotatorenmanschette
beschriebenen
Unfallhergänge
lagen im hier zu beurteilenden Fall
jedenfalls
nicht vor.
Dass die Beschwerdeführerin sich ferner ein axiales Distorsionstrauma (also ein Verdrehen des Armes) zugezogen hätte,
erscheint nicht überwiegend wahrschein
lich, zumal
sie
einen solchen Vorgang
weder
in der Unfallbeschreibung
in der Schadenmeldung
noch
anlässlich der
ärztlichen
Erstkonsultation
erwähnt
e
(Urk. 8/1, Urk. 8/11).
Auch ein axiales Distorsionstrauma würde im Übrigen gemäss der erwähnten Publikation
von Schönenberger/Mehrtens/Valentin
keinen geeigneten Verletzungsmechanismus darstellen (S. 432 f.).
D
ie übrigen Einwen
dungen von Dr.
B._
vermögen
ebenfalls
keine Zweifel an der kreisärztlichen Beurteilung zu wecken
. So begründete
er
seine Ausführung, wonach ein abfal
lender
Acromionverlauf
nicht eindeutig mit Läsionen der
Rotatorenmanschette
assoziiert sei (Urk. 8/37/1)
,
im Gegensatz zum Kreisarzt medizinisch nicht näher
und
untermauerte sie
auch nicht
mit entsprechender Literatur. Mit Bezug auf das Alter der Beschwerdeführerin und dessen Zusammenhang mit
einer
Prävalenz für eine
transmurale
Rotatorenmanschettenruptur
weist med. pract.
A._
sodann richtigerweise darauf hin, dass Dr.
B._
zwar behauptet
e
, die in der kreisärztli
chen Beurteilung angegebenen Literaturstellen seien überholt, jedoch selbst keine aktuelleren Studien
dazu
vorlegte
(Urk. 8/37/2, Urk. 8/42/1). Seine Argumenta
tion kann daher
auch in diesem Punkt
nicht nachvollzogen werden.
Dasselbe gilt für seine
Bemerkung
, wo
nach es sich bei den Zysten im
T
uberculum
majus
nicht um Geröllzysten, sondern um zystische Veränderungen handle (Urk. 8/37/2)
. Bei
zufügen ist in diesem Zusammenhang, dass auch Dr.
D._
, welcher die Beschwer
deführerin MR-tomographisch untersuchte, in seinem Bericht von Geröll- beziehungsweise
Ganglionzysten
sprach (Urk. 8/13)
.
Ferner
werten
Schönenber
ger/Mehrtens/Valentin zystische Veränderungen im Bereich des
Tuberculum
majus
als Hinweis auf eine degenerative Läsion der
Rotatorenmanschette
(S. 434).
Vor diesem Hintergrund erweist sich die Ansicht des Kreisarztes, wonach die Geröllzysten
auf eine
degenerative Veränderung des Schultergelenks
hindeute
n würden
(Urk. 8/27/2)
, als
überzeugender
.
Auch die Ausführungen von Dr.
B._
, wonach
bei
Fehlen einer Pseudoparalyse
nicht
der Umkehrschluss gezogen werden könne, dass in diesem Fall auch keine
relevante Schädigung der
Rotato
ren
manschette
vorliege
(Urk. 8/37/3), geht fehl.
Schönenber
ger/Mehrtens/Valentin fordern in diesem Zusammenhang bei einer traumatischen Läsion der
Rotatorenmanschette
eine über mehrere Wochen anhaltende Pseudo
paralyse (S.
435). S
ogar
in dem von
Dr.
B._
zitierten Artikel «Degenerative oder traumatische Läsionen der
Rotatorenmanschette
» wird ausgeführt, dass die sofor
tige Beeinträchtigung der aktiven Mobilität oder die Entwicklung einer Pseudo
paralyse der Schulter das typische Bild nach einem Trauma sei (Urk. 3 S. 8). Über
derartige Einschränkungen klagte die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen nicht.
So arbeitete sie
nach dem Unfallereignis noch sieben Monate weiter, bevor sie
erstmals
einen Arzt konsultierte (Urk. 8/11).
Zudem erwähnte sie weder in der Unfallmeldung noch anlässlich der ärztlichen Erstkonsultation einen
– für eine traumatische
Rotatore
n
manschettenruptur
charakteristischen –
initial
sehr
hefti
gen Schmerz
(Schönenberger/Mehrtens/Valentin, S. 435)
.
Auch
Dr.
B._
bemerkte gegenüber der Beschwerdegegnerin
am 3. Juni 2019
lediglich
, dass die Beschwerdeführerin sofort nach dem Unfallereignis Beschwerden verspürt habe
und med. pract
.
C._
notierte, die Beschwerdeführerin habe seit dem Unfall
ereignis immer wieder Schmerzen an der linken Schulter
(Urk. 8/11, Urk. 8/24/2). Dies deckt sich
mit der kreisärztlichen
Einschätzung
, wonach
bei der Beschwer
deführerin
sich im Intervall verstärkende Schmerzen
vorgelegen hätte
n
, die
typisch für eine degenerative
Rotatorenmanschettenruptur
seien
(
Urk. 8/27/3)
.
Schliesslich
hielt
Dr.
B._
auch seine Einwendungen betreffend die Lokalisation der Ruptur, des Vorliegens einer fettigen Infiltration sowie einer
Pulley
-Ruptur
(Urk. 8/37/4)
eher allgemein und ohne
nähere
Bezug
nahme auf den vorliegenden Fall
, sodass
sie die kreisärztliche Beurteilung nicht
zu
entkräften
vermögen
.
Von weiteren medizinischen Abklärungen sind keine
entscheidrelevanten
neuen Erkenntnisse zu erwarten, weshalb darauf in
antizipie
rter Beweiswürdigung ver
zichtet werden kann (BGE 144
ll
427 E.
3.1.3 mit Hinweisen).
4.4
Nach dem Gesagten ist
gestützt auf die
schlüssigen
und
überzeugenden Ausfüh
rungen in der kreisärztlichen Beurteilung von einer
vorübergehenden Verschlim
merung eines degenerativen Vorzustandes
und dem
Eintreten des Status quo sine spätestens acht Wochen nach dem Unfallereignis auszugehen. Somit ist
der
Kau
salzusammenhang zwischen den von der Beschwerdeführerin nach dem
31. März 2018
geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis vom
19. Januar 2018 nicht mit überwiegen
der
Wahrscheinlichkeit ausgewiesen
.
Angesichts dieser Sachlage
entfällt die Prüfung e
iner Listenverletzung nach Art.
6
Abs.
2 UVG
in der seit
1.
Januar 2017 in Kraft stehenden Fassung
ohne
W
eiteres (vgl.
BGE 146 V 52
E.
9.2).
5.
Zusammenfassend ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen per
31. März 2018
eingestellt hat.
Dementsprechend
erweist sich der angefochtene Einsprache
-E
ntscheid vom
30. Januar 2020
(Urk. 2) als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.