# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d36d8d61-2220-5a99-8c8e-c4621e8e814c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1967, war seit 2009 mit einem vollen Arbeitspensum und seit dem 1. November 2012 mit einem Pensum von 50 % als Raumpflegerin bei den Y._ angestellt (Urk. 7/7 S. 1 f. Ziff. 2, Urk. 7/10 S. 1). Am 6. Mai 2013 meldete sich die Versicherte bei der Invaliden
ver
sicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, zog Akten des Krankentaggeldversicherers (Urk. 7/3, Urk. 7/25) bei und erliess am 17. Oktober 2013 einen Vorbescheid (Urk. 7/15).
Nachdem die Versicherte am 11. November 2013 Einwände erhoben hatte (Urk. 7/19), teilte die IV-Stelle der Versicherten in der Folge am 20. Oktober 2014 mit, dass eine bidisziplinäre Begutachtung notwendig sei (Urk. 7/61). Die Versicherte brachte am 29. Oktober 2014 einen Einwand gegen den vorgesehen psychiatri
schen Gutachter vor (Urk. 6/63). Mit Verfügung vom 17. November 2014 hielt die IV-Stelle an der Abklärungsstelle und an den Gutachtern fest (Urk. 7/65). Die Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft. Das psychi
atrische Teil
gutachten wurde daraufhin am 12. Februar 2015 (Urk. 7/71), das bidisziplinäre Gutachten am 4. Juni 2015 (Urk. 7/75) erstattet. Die Versicherte nahm am 28. August 2015 dazu Stellung (Urk. 7/79).
Mit Verfügung vom 27. Oktober 2015 (Urk. 7/85 = Urk. 2) verneinte die IV
Stelle einen Anspruch auf eine Invalidenrente.
2.
Die Versicherte erhob am 30. November 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 27. Oktober 2015 und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen. Eventuell sei die Sache an die Vorinstanz zurückzu
weisen (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-3).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 26. Januar 2016 (Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1. März 2016 zur Kenntnis gebracht (Urk. 8).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich mit Verweis auf die medizinischen Abklä
rungen auf den Standpunkt, dass seit dem 29. Oktober 2012 ein Gesundheits
schaden mit vollständiger Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin bestehe. Nach Ablauf der Wartezeit bestehe in einer leidensangepassten mittelschweren und wechselbelastenden Tätigkeit ohne häufiges Treppensteigen jedoch eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Die Beschwer
degegnerin verneinte daher bei einem Invaliditätsgrad von 8 % einen Renten
anspruch (Urk. 2 S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor, die Einschätzung im bidisziplinären Gut
achten sei nach alter Rechtsprechung (Änderung der Rechtsprechung mit BGE 141 V 281) bei Vorliegen einer somatoformen Schmerzstörung und vergleich
barer psychosomatischer Leiden abgegeben worden. Nach den Gutachtern handle es sich um eine klassische Schmerzkrankheit und um ein bei fehlender relevanter psychiatrischer Komorbidität als überwindbar zu beurteilendes Beschwerdebild. Die Überwindbarkeitsvermutung sei mit der neuen Rechtspre
chung aufgegeben worden. Die Schlussfolgerung des Gutachtens überzeuge daher nicht und genüge der neuen Rechtsprechung nicht (Urk. 1 S. 10 Rz 30 und 32). Es lägen objektivierte Beschwerden vor, welche die Leistungsfähigkeit gemäss Gutachten einschränkten. Nach neuer Rechtsprechung bestehe ein Anspruch auf eine ganze Rente (Urk. 1 S. 11 Rz 41).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Invali
denrente hat.
3.
3.1
Die medizinischen Akten ergeben folgendes Bild:
Die Beschwerdeführerin ist seit dem 12. Oktober 2012 bei Dr. med. Z._ in ambulanter psychiatrischer Behandlung (Urk. 7/3 S. 2 Ziff. 3). Dr. Z._ attestierte ihr in einem Bericht vom 13. März 2013 seit dem 29. Oktober 2012 bis auf Weiteres eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (S. 3 Ziff. 8).
3.2
Die Beschwerdeführerin war zudem seit dem 6. Oktober 2012 bei Dr. med. A._, praktischer Arzt, in Behandlung (Urk. 7/31 Ziff. 3). Dr. A._ nannte im Bericht vom 17. Mai 2013 (Urk. 7/31) als Diagnosen Knie
schmerzen beidseits, links mehr als rechts, und ein Wirbelsäulen-Syndrom (Lenden- und Brustwirbelsäule). Als Differentialdiagnose nannte er eine Fibro
myal
gie. Des Weiteren diagnostizierte er einen Verdacht auf ein chronisches Schmerzsyndrom und eine depressive Störung (Ziff. 1). Dr. A._ attestierte der Beschwerdeführerin für die Zeit vom 8. bis 21. Oktober und vom 29. Okto
ber bis 11. November 2012 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Ziff. 8) und gab an, dass die Arbeit ab dem 12. November 2012 zu 100 % wieder aufgenommen werden könne (Ziff. 9).
3.3
Dr. Z._ nannte im Bericht vom 12. Juli 2013 (Urk. 7/32) als Diagnosen eine mittel- bis schwergradige depressive Episode, eine posttraumatische Belas
tungsstörung, eine ängstliche Persönlichkeitsstörung und eine Gonarthrose beidseits (Ziff. 1). Dr. Z._ bestätigte eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit dem 11. November 2012 bis auf Weiteres (Ziff. 8). Weiter gab er an, es sei ungewiss, ob mit der Wiederaufnahme der bisherigen Tätigkeit gerechnet wer
den könne (Ziff. 9.1).
3.4
Dr. med. B._, Fachärztin für Physikalische Medizin und Rehabili
tation, stellte im Bericht vom 5. Oktober 2013 (Urk. 7/35) folgende Diagnosen
chronisches lumbospondylogenes Syndrom bei Protrusion bei L5/S1
chronisches Reizknie links bei Chondromalazie Grad III/IV
umschriebenes Knochenmarködem im Bereiche des Tibiaplateaus
Gonarthrose
schwere depressive Entwicklung
Dr. B._ führte weiter aus, es lägen chronifizierte Rückenschmerzen mit Ausstrahlungen in beide Beine, aber auch Schmerzen im Nacken-Schultergür
telbe
reich mit diffusen Ausstrahlungen in beide Arme, verbunden mit Gefühls
stö
rungen, vor allem Dysästhesien beider Hände vor. Nebenbei bestünden schwer
wiegende Schmerzen im Bereich des linken Knies mit einer Schwellungs
neigung bei einem Knorpelschaden mit rezidivierenden Schwellungen. Die Beschwerde
führerin sei in ihrem Alltag bezüglich ihrer Gehfähigkeit deutlich behindert. Infolge ihres hinkenden Ganges komme es immer wieder zu erneuten Exazerba
tionen der Rückenschmerzen als Folge von Fehlhaltung und Fehlbe
lastung. Im Vordergrund stehe aber ein generalisiertes Schmerzsyndrom mit Schmerzen praktisch im ganzen Körper bei schwerer depressiver Entwicklung.
In Anbetracht der gesamten Situation sei die Patientin nicht arbeitsfähig bezie
hungsweise vermittlungsfähig. Die Arbeitsfähigkeit (gemeint wohl: Arbeitsunfä
higkeit) betrage weiterhin 100 %. Die Krankentaggeldversicherung wolle die Leistungen per Ende September sistieren, was absolut unverständlich und nicht nachvollziehbar sei.
3.5
Die Beschwerdeführerin war vom 18. Oktober bis 23. November 2013 in der C._ hospitalisiert (Urk. 7/23 S. 1).
Dr. med. D._, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Lei
tende Ärztin, S._, Psychologe, und Dr. med. E._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation, Chefarzt, C._, nannten im Austrittsbericht vom 22. November 2013 (Urk. 7/23) als psychiatri
sche Diagnosen eine Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion und eine chronische Schmerzstörung mit körperlichen und psychischen Faktoren. Als somatische Diagnosen nannten sie ein chronisches Reizknie links bei Chondro
malazie Grad III/IV und ein chronisches lumbospondylogenes Syndrom bei einer Diskusprotrusion bei L5/S1 (S. 1). Die Ärzte attestierten der Beschwerde
führerin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % für die Dauer des Klinikaufenthaltes und anschliessend bis zum 15. Dezember 2013 (S. 2 unten).
3.6
Vom 4. Dezember 2013 bis 13. Januar 2014 war die Beschwerdeführerin in der F._ in ambulanter Behandlung (Urk. 7/45 Ziff. 1.2).
Dr. med. G._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, Assistenz
ärztin, und Dr. med. H._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und für Rheumatologie, Oberärztin, F._, stellten im Bericht vom 1. April 2014 (Urk. 7/45) folgende Diagnosen (S. 1):
chronisches cervikospondylogenes Schmerzsyndrom rechtsbetont
MRI der Halswirbelsäule (HWS) vom 3. Dezember 2013 (extern): keine wesentliche Degeneration, keine Neurokompression
klinisch Verdacht auf Dysfunktion im Bereich der oberen und mittleren HWS
Ultraschall Schulter rechts vom 27. Dezember 2013: intakte Rotatoren
manschette, keine Hinweise auf Bursitis
chronisches lumbospondylonges Schmerzsyndrom beidseits
MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) vom 12. Dezember 2012 (extern, nicht vorliegend): leichte discodegenerative Veränderungen mit Bulging Seg
ment L5/S1, keine radikuläre Kompression, keine höhergradigen dege
nerativen Veränderungen, keine entzündlichen oder neuroplastischen Veränderungen
chronische Schmerzen Knie links
MRI Knie links vom 12. Dezember 2012 (extern, nicht vorliegend): umschriebenes Knochenmarködem im Bereich des Tibiaplateaus, Chon
dromalazie Grad III-IV
Dr. G._ und Dr. H._ führten zur Anamnese aus, die Patientin berichte, dass sie bereits seit Jahren an Rückenschmerzen lumbal leide. Diese hätten immer gut auf Dafalgan angesprochen. Im April 2012 seien Schmerzen im lin
ken Knie und in der Folge auch im rechten Knie aufgetreten. Seither sei es zu einer Zunahme auch der Rückenschmerzen aktuell mit Dauerschmerzen gekommen (S. 2 Ziff. 1.4 oben). Da sich in den bisherigen Abklärungen keine wesentliche strukturelle Pathologie ergeben habe, sei grundsätzlich von einer guten Prognose auszugehen. Der bisherige protrahierte Verlauf müsse jedoch erfahrungsgemäss als ungünstiges Zeichen für eine rasche Verbesserung gewertet werden (S. 2 Ziff. 1.4 Mitte). Es würden aktive physiotherapeutische Massnahmen empfohlen (Ziff. 1.5).
Der Beschwerdeführerin sei für die Tätigkeit als Reinigungskraft von Seiten der
F._
keine Arbeitsunfähigkeit ausgestellt worden
(Ziff. 1.6). Die körperliche Einschränkung sei begründet durch eine verminderte Belas
tungs
fä
higkeit der Wirbelsäule bei leichtgradigen degenerativen Verände
rungen und muskulärer Insuffizienz. Bezüglich der Arbeitsfähigkeit könne keine genaue Einschätzung abgeben werden. Aufgrund der Untersuchungsergebnisse sei jedoch nicht von einer höhergradigen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für leichte körperliche Tätigkeiten auszugehen (Ziff. 1.7).
3.7
Dr. Z._ gab in einem Schreiben vom 1. Juli 2014 (Urk. 7/49) an, die aus dem I._ stammende Beschwerdeführerin sei mit Unterbrechungen schon lange Zeit bei ihm in Behandlung. In den Jahren 2006 und 2007 habe sie unter einer Depression und einer posttraumatischen Belastungsstörung nach schweren Kriegserlebnissen in ihrer Heimat gelitten. Die Behandlung habe jedoch eine Besserung gebracht. So habe sie mit der Zeit das psychische Gleichgewicht wie
dergefunden. Seit Spätsommer 2012 sei es wieder zu einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin gekommen. Dabei sei gleich
zeitig mit den körperlichen Beschwerden erneut eine Depression ausgebrochen (S. 1 oben).
Die Patientin sei sehr niedergeschlagen, innerlich unruhig und ängstlich, fast agitiert geworden. Gleichzeitig sei sie wegen der vorhandenen Rücken- und Kniebeschwerden schwer beweglich. In ihrem Denken sei sie sehr eingeengt und ausschliesslich mit ihrer Situation und ihren Beschwerden beschäftigt. Häufig sei sie in Panik geraten und sei zeitweise ganz verzweifelt und suizidal gewesen (S. 1 Mitte). Durch die Therapie in der C._ habe sich der Zustand der Beschwerdeführerin ein bisschen gebessert. Nach der Entlassung aus der Klinik sei es jedoch schnell wieder zu einer Verschlechterung gekommen (S. 1 unten). Trotz aller Therapieversuche sei es bis jetzt zu keiner namhaften Besserung gekommen. Der psychische Zustand habe sich sogar verschlechtert. Die Symptome seien intensiver geworden (S. 2 oben).
Dr. Z._ stellte folgende Diagnosen (S. 2):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel- bis schwer
gra
dige Episode
ängstliche Persönlichkeitsstörung
chronifiziertes Schmerzsyndrom bei bekannten Wirbelsäulenänderungen
Kniearthrose beidseits
Es handle sich um eine chronifizierte depressive Störung, die seit September 2012 bestehe und die sich trotz ambulanter und stationärer Behandlung noch intensiviert habe. Der Zustand zeige die Tendenz zu einer weiteren Invalidi
sie
rung. Aus psychiatrischen Gründen sei die Beschwerdeführerin für die bishe
rige, aber auch für eine andere Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig (S. 2 unten).
3.8
Dr. B._ gab in einem Schreiben vom 1. Juli 2014 (Urk. 7/52) zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin an, zur Objektivierung der Belastungs
einschränkung sei eine Evaluation der Arbeitsfähigkeit notwendig (Ziff. 1). Die Schmerzen der Beschwerdeführerin seien grösstenteils durch die permanenten Rücken- und Knieschmerzen erklärbar (Ziff. 2).
In der ursprünglichen Arbeit im Reinigungsdienst sei die Patientin weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig. Aus rheumatologischer Sicht sei eine adaptierte Tätigkeit zu 50 % zumutbar. Infolge der depressiven Entwicklung bleibe die genannte Arbeitsfähigkeit allerdings rein theoretisch (Ziff. 4). Die Patientin leide an chro
nischen Schmerzen mit massiver Selbstlimitierung. Zudem bestehe ein sozialer Rückzug. Die Schmerzen hätten sowohl medikamentös wie auch psychiatrisch nicht wesentlich beeinflusst werden können (Ziff. 5).
3.9
3.9.1
Die Beschwerdegegnerin veranlasste eine bidisziplinäre Begutachtung der Beschwerdeführerin. Die psychiatrische Begutachtung erfolgte durch Dr. med. J._, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Chefarzt K._. Die somatische Untersuchung fand im L._ statt.
3.9.2
Das psychiatrische Teilgutachten von Dr. J._ datiert vom 12. Februar 2015 (Urk. 7/71) und basiert auf der Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 22. Januar 2015 und den dem Gutachter zur Verfügung gestellten Akten (S. 1).
Dr. J._ führte aus, die Beschwerdeführerin sei in einer Stadt in I._ geboren und aufgewachsen. Ihr Vater habe in einer Baufirma in Deutschland gearbeitet und die Explorandin sei mit der Mutter und den Geschwistern in ihrem Heimatland aufgewachsen. Der Vater sei zwei Mal pro Jahr nach Hause gekommen. Er habe dann als Lastwagenchauffeur einen schweren Unfall gehabt, wobei eine Person ums Leben gekommen sei. Die Explorandin sei zur Zeit des Unfalles acht- oder neunjährig gewesen. Sie habe sich an ihrem Woh
nort Sprüche anhören müssen, ihr Vater habe die andere Person umgebracht. Ansonsten sei die Kindheit der Beschwerdeführerin ohne weitere gravierende traumatische Ereignisse verlaufen (S. 6 Ziff. 3.3).
Sie sei in der Kindheit abgesehen von einer Blindarmoperation immer gesund gewesen. Während des Krieges in ihrem Heimatland 1998 und 1999 habe sie vieles erlebt. Wenn sie dem Referenten sagen würde, dass sie vergewaltigt und missbraucht worden sei, würde man ihr nicht glauben. Wegen ihrer Kinder habe sie grosse Ängste ausgestanden. Sie sei dann geflüchtet. Seit dem Krieg seien immer wieder Albträume aufgetreten. Nachts habe sie häufig geschrien. Seit dem Jahr 2000 sei die Beschwerdeführerin bei Dr. Z._ in psychiatrischer Behandlung. Sie habe ihn oft auch ohne Terminvereinbarung aufgesucht. Sonst habe sie mit niemandem reden können. Im Oktober 2012 seien im linken Knie Schmerzen aufgetreten, später auch im rechten Knie. Sie habe unbedingt wieder arbeiten wollen, was aber nicht möglich gewesen sei, weil sie zusätzlich noch unter Rückenschmerzen gelitten habe. Sie habe einen Arzt nach dem anderen aufgesucht, welche ihr alle erklärt hätten, dass sie unter psychischen Problemen leide. Sie wolle arbeiten, was jedoch wegen der Schmerzen nicht möglich sei (S. 6 f. Ziff. 3.5).
Jede Bewegung sei schmerzhaft. Die meiste Zeit halte sie sich zu Hause auf. Wenn man Einkäufe tätige, koche sie für die Familie. Ihr Ehemann trage die Wäsche vom Keller in die Wohnung hinauf, worauf sie diese sortiere. Sogar duschen sei für sie schwierig. Ablenkung erfahre sie durch TV-Sendungen oder wenn sie Kaffee trinke und mit ihren Kindern zusammensitze. Ihre Tochter besuche sie regelmässig. Die Beschwerdeführerin stehe zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr auf und trinke Kaffee. Sie unternehme kurze Spaziergänge und füttere meistens Fische mit altem Brot. Sie verspüre keinen Willen, einkaufen zu gehen oder für sich etwas zu besorgen. Nachts erwache sie stündlich. Obwohl sie zwi
schen 18 Uhr und 19 Uhr Saroten einnehme, schlafe sie schlecht. Die Beschwer
deführerin könne sich keine Arbeit mehr vorstellen, einerseits wegen ihrer Schmerzen, andererseits aber auch wegen der Depression (S. 7).
3.9.3
Die Explorandin berichte insbesondere blumig und ausführlich über ihre Schmer
zen mit deutlicher Dramatisierungstendenz, zum Teil theatralisch, begleitet von unpassenden Gefühlsausdrücken (S. 8 Ziff. 4.1). Eine testpsycho
logische Untersuchung habe auf der Panik- und Agoraphobie-Skala 17 Punkte ergeben, was auf eine mittlere Angstsymptomatik hindeute. Die in einem wei
teren Test erzielte Punktzahl deute nicht auf eine depressive Symptomatik mit Krankheitswert hin (S. 8 Ziff. 4.2).
3.9.4
Dr. J._ stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine Anpas
sungs
störung mit Sorgen, Anspannungen, Stimmungseinbrüchen und Ärger, Akzentuierung von histrionischen Persönlichkeitszügen und ein aktenmässiger Zustand nach posttraumatischer Belastungsstörung (S. 9 Ziff. 5.1 und 5.2).
Die Kindheit der Beschwerdeführerin beziehungsweise ihre Persönlichkeits
entwicklung sei ohne gravierende traumatische Ereignisse verlaufen, womit sich bei ihr keine Hinweise auf die Bildung einer Persönlichkeitsstörung ergeben würden. Die Explorandin habe in ihrem Heimatland während acht Jahren die Primarschule absolviert und im Februar 1985 geheiratet und eine eigene Familie gegründet. Sie habe während der Exploration nicht über traumatische Kriegser
lebnisse berichten wollen. Sie habe dem Gutachter den rätselhaften Vorwurf gestellt, man würde ihr nicht glauben, wenn sie sagen würde, dass sie während des Krieges vergewaltigt worden sei. Eine posttraumatische Belas
tungsstörung sei gemäss dem Bericht von Dr. Z._ vom 1. Juli 2012 therapeu
tisch erfolg
reich behandelt worden (S. 9 Ziff. 6 Mitte).
Im November 2012 habe die Beschwerdeführerin erneut eine psychiatrische Behandlung bei Dr. Z._ aufgenommen. Gemäss dessen Bericht vom 1. Juli 2014 sei die Verschlechterung des psychischen Zustandes gleichzeitig mit den körperlichen Beschwerden aufgetreten, was auf eine Anpassungsstörung und keine eigenständige depressive Störung hindeute. Zum Untersuchungszeitpunkt durch den Gutachter sei die Explorandin psychisch nicht dekompensiert erschienen. Die diagnostizierte rezidivierende depressive Störung, deren Aus
prägungsgrad und Intensität in mittelgradigem bis schwerem Ausmass postu
liert worden sei, könne gestützt auf die klinische Untersuchung nicht begründet werden. Die mnestischen Funktionen der Explorandin seien inaktiv, die affek
tive Schwingungsfähigkeit sei erhalten gewesen. Antriebsstörungen seien nicht festgestellt worden. Das Ausmass der Vermeidungshaltung und der Rückzugs
tendenzen bei geklagten körperlichen Beschwerden könnten nicht auf eine Depression zurückgeführt werden. Die Grundstimmung der Explorandin sei vor
dergründig nicht gedrückt, sondern dysphorisch gereizt und aufgelöst gewesen mit histrionisch gefärbter dramatischer Selbstdarstellung mit zum Teil theatra
lischem Auftreten und übertriebenen Gefühlsausdrücken. Dies schliesse eine depressive Störung zusätzlich aus. Bei fehlenden affektiven und kognitiven Einschränkungen sei aus psychiatrischer Sicht auch keine Arbeitsunfähigkeit begründbar. Die psychischen Beschwerden würden vielmehr durch krankheits
fremde Faktoren wie Symptomausweitung, Selbstlimitierung und eine dysfunk
tionale Überzeugung moduliert (S. 9 f. Ziff. 6).
3.9.5
In der bisherigen angestammten Tätigkeit bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Die Explorandin sei aus psychiatrischer Sicht nie über längere Zeit arbeitsunfähig gewesen (S. 10 Ziff. 7.1-7.2).
Hinweise auf Aggravation oder Simulation hätten sich während der Exploration nicht ergeben. Dagegen könne eine erhebliche Selbstlimitierung und eine histri
onische Zustandsdramatisierung festgestellt werden. Eine rezidivierende depressive Störung könne nicht bestätigt werden. Es sei nicht auszuschliessen, dass die Explorandin im Rahmen des Asylverfahrens 2012 unter einer vorüber
gehenden depressiven Symptomatik im Rahmen einer Anpassungsstörung gelitten habe. Eine eigenständige depressive Störung könne aber nicht bestätigt werden. Die von der C._ gestellte Diagnose einer Anpas
sungsstörung könne bestätigt werden, wobei bei der Explorandin vordergründig Sorgen, Anspannungen, Stimmungseinbrüche und Ärger bestünden. Eine Per
sönlichkeitsstörung sei allgemein auf biologische und Persönlichkeitsfaktoren zurückzuführen, insbesondere auf schwerwiegende traumatische Ereignisse aus der Kindheit. Ausserdem werde eine Persönlichkeitsstörung durch ein anhaltend auffälliges Verhaltensmuster, anhaltende Störungen der Impuls- oder Affekt
kontrolle und anhaltende Störungen der sozialen Interaktion charakterisiert, beginnend im frühen Erwachsenenalter. Dies sei bei der Explorandin ganz klar nicht der Fall. Die aktenmässig postulierte Persönlichkeitsstörung könne daher nicht bestätigt werden (S. 10 f. Ziff. 8.4).
3.10
3.10.1
Das bidisziplinäre Gutachten des L._ vom 4. Juni 2015 (Urk. 7/75) ist von PD Dr. M._, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation und für Rheumatologie, N._, Physiotherapeutin, und Dr. J._ unterzeich
net. Die somatische Abklärung fand am 12. und 13. Januar 2015 im L._ statt, wobei zusätzlich eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit (EFL) durchgeführt wurde (S. 1).
Die Gutachter führten zur Anamnese aus, in somatischer Hinsicht seien 2012 Schmerzen im linken Knie, später auch im rechten Knie aufgetreten. Bis dahin sei die Beschwerdeführerin arbeitsfähig gewesen. Wegen der Schmerzen habe sie aber zunehmend Probleme gehabt. Als noch Rückenschmerzen hinzuge
kommen seien, sei eine Arbeit nicht mehr möglich gewesen (S. 5 unten).
Im Vordergrund stünden die Rückenbeschwerden. Die Beschwerdeführerin gebe auf der VAS-Schmerzskala (0-10) über die letzten sieben Tage Schmerzen von 8, 10 und 4 an, wobei nicht immer klar sei, weshalb die Schmerzen stärker oder weniger stark seien, da sie im Alltag eigentlich gar nichts mache. Zu einer Schmerzverstärkung komme es zum Teil bei längerem Sitzen, Stehen oder Gehen, aber auch einfach so. Hinsichtlich der Kniebeschwerden habe sie links mehr Beschwerden als rechts (S. 6 Ziff. 2).
3.10.2
Die Gutachter stellten interdisziplinär folgende Diagnosen (S. 9 unten):
chronisches rechtsbetontes lumbovertebrales bis -spondylogenes Syn
drom
Differentialdiagnose: zusätzliches Syndrom des Ileosakralgelenkes rechts, nicht entzündlich
mässig ausgeprägte degenerative Veränderungen der unteren Lenden
wirbelsäule
vordere Knieschmerzen beidseits, deutlich linksbetont
arthroskopisch Chondromalazie Grad III-IV links
leichte muskuläre Atrophie links gegenüber rechts
funktionell eingeschränkt klinisch
Die Gutachter stellten sodann folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 9 unten):
leichtes thorakozervikospondylogenes Syndrom rechts
ohne isolierte Schulterpathologie
Anpassungsstörung mit Sorgen, Anspannung und Stimmungseinbrüchen und Ärger
Akzentuierung der histrionischen Persönlichkeitszüge
aktenmässig Zustand nach posttraumatischer Belastungsstörung
unter Belastung ausgeprägtes dysfunktionelles Krankheitsverhalten
Die Beschwerdeführerin sei im Stundenlohn in der Reinigung tätig gewesen. Seit der Immigration in die Schweiz vor knapp 15 Jahren stehe sie in psychiat
rischer Behandlung, ohne dass sich dies früher auf ihre Arbeitsfähigkeit ausge
wirkt hätte. 2012 sei es zu zunehmenden Kniebeschwerden sowie Schmerzen in der Lendenwirbelsäule gekommen, welche weder auf medikamentöse noch auf physiotherapeutische Massnahmen oder eine stationäre Massnahme in der C._ angesprochen hätten. Die anschliessenden Abklärungen hätten degenerative Veränderungen in der unteren Lendenwirbelsäule sowie MRI-diagnostisch eine Chondromalazie im Bereich des linken Knies ergeben. Nach dem Aufenthalt in der C._ habe zusätzlich eine zervi
kale Problematik bestanden, wobei hierfür objektiv keine strukturelle Ursache gefunden worden sei.
Die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht seit dem 29. Oktober 2012 anhaltend arbeitsunfähig geschrieben. Sie gebe an, dass die arbeiten wolle, dies aber aufgrund der Schmerzen nicht könne (S. 8 Ziff. 4).
Anlässlich der Untersuchung im L._ seien Schmerzen mit an sich relativ schwan
kendem Ausmass auf der Schmerzskala angegeben worden. Lediglich in Bezug auf die Kniebeschwerden links sei eine Abhängigkeit vom Treppensteigen angegeben worden. Im Übrigen seien die als beschwerdeauslösenden und
min
dernden Faktoren eher diffus erschienen. Die Beschwerdeführerin würde sich in Bezug auf Alltagsaktivitäten aufgrund der Schmerzen weitgehend schonen. In objektiver Hinsicht bestünden in Bezug auf den Rücken hauptsächlich schmerz
bedingte Beweglichkeitseinschränkungen ohne Hinweis auf ein radikuläres Reiz- oder Ausfallsyndrom. Nur in Bezug auf die Druckschmerzhaftigkeit und die Provokation bei Flexion bestünden relativ uniform umschriebene Beschwer
den im Bereich des rechten Ileosakralgelenkes, was in etwa auch der spontanen Schmerzausstrahlung entspreche (S. 8 Ziff. 4 unten).
Bei der EFL habe die Beschwerdeführerin eine ausgeprägte Selbstlimitierung sowie Inkonsistenzen gezeigt bei sehr ausgeprägten verbalen Schmerzäusserun
gen, wobei die demonstrierte Belastbarkeit im Bereich einer leichten wechsel
belastenden Tätigkeit gelegen habe. Eine Gewichtung der EFL könne somit nur beschränkt erfolgen. Die Beschwerdeführerin habe die eigene Leistungsfähigkeit auf absolut minimalstem Niveau eingeschätzt, was bei Weitem nicht einmal der gezeigten Leistung entsprochen habe. In struktureller Hinsicht bestehe im Bereich des linken Knies sicherlich ein relevantes Problem, welches sich auch aus medizinisch-theoretischer Sicht auf die Arbeitsfähigkeit bei der Treppenrei
nigung auswirke. Im Übrigen überwiege eine klassische chronische Schmerz
krankheit mit letztlich unspezifischen Folgen auf die Funktionsfähigkeit. Bei fehlender relevanter psychiatrischer Komorbidität handle es sich um ein als überwindbar zu beurteilendes Beschwerdebild (S. 9).
3.10.3
Das arbeitsbezogen relevante Problem seien nicht die körperlichen Probleme, sondern die psychische Situation. Die Beschwerdeführerin limitiere sich in den meisten Tests selbst, ohne dass eine funktionelle Limite habe eruiert werden können. Auffallend seien die häufigen verbalen Schmerzäusserungen. Die Beschwerdeführerin scheine über keine aktive Bewältigungsstrategie zu verfü
gen. Die Leistungsbereitschaft werde als nicht zuverlässig beurteilt. Die Beobachtungen bei den Tests würden auf eine deutliche Selbstlimitierung hin
weisen. Die Konsistenz bei den Tests sei schlecht gewesen. Infolge erheblicher Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz seien die Resultate der Belastbarkeitstests für die Beurteilung nicht verwertbar. Es sei davon auszuge
hen, dass die Beschwerdeführerin bei gutem Effort mehr leisten könne, als was sie bei den Leistungstests gezeigt habe (S. 10 Ziff. 4.1.1-4.1.2). Abgeleitet von den Beobachtungen in der EFL sei der Beschwerdeführerin zumindest eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit möglich (S. 10 Ziff. 4.1.3).
Unter Berücksichtigung der effektiven objektiven Fakten sei von einer Belast
bar
keit im knapp mittelschweren wechselbelastenden Tätigkeitsbereich auszu
gehen. Im Belastungsprofil solle Treppensteigen selten vorkommen, eine rein gehend-stehende Tätigkeit sei auf manchmal zu beschränken. Diesbezüglich sei die angestammte Tätigkeit mit hohen Anteilen an Treppenreinigungen als unangepasst zu beurteilen. Aufgrund der objektivierbaren Funktionseinschrän
kungen im Bereich des linken Knies bestehe insofern eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Seit Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei die Beschwerdeführerin in dieser Tätigkeit aus rheumatologisch-orthopädischer Sicht zu 100 % einge
schränkt gewesen (S. 10 f. Ziff. 5.1). Eine knapp mittelschwere, wechselbelas
tende Tätigkeit mit einem Wechsel zwischen Gehen-Stehen und Sitzen mit einem etwas höheren sitzenden Anteil sei der Beschwerdeführerin ganztags zumutbar. Aus interdisziplinärer Sicht sie zu jedem Zeitpunkt von einer ganztä
tigen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit auszugehen (S. 11 Ziff. 5.2). Zur Anpassung an eine Arbeit sei ein abgestufter Einstieg halbtags in einer adaptierten Tätigkeit während drei Monaten sinnvoll (S. 11 Ziff. 5.3).
3.11
Dr. med. O._, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates, Regionalärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), nahm am 6. Juli 2015 dahingehend Stellung (Urk. 7/84 S. 5 f.), nach dem bidisziplinären rheumatologischen-psychiatrischen Gutachten des L._ vom 4. Juni 2015 sei es erforderlich gewesen, die Arbeitsfä
higkeit medizinisch-theoretisch festzulegen. Aus rheumatologischer Sicht bestehe für körperlich schwere Belastungen sowie für rein stehend-gehende Tätigkeiten, insbesondere mit häufigem Treppensteigen, eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Deswegen bestehe in der zuletzt ausgeübten Reinigungstätigkeit eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Angepasst seien knapp mittelschwere, wechselbelastende Tätigkeit ganztags möglich. Interdisziplinär habe in einer solchen Tätigkeit jederzeit eine Arbeitsfähigkeit von 100 % bestanden.
Das bidisziplinäre Gutachten beruhe auf eigenen Untersuchungen, erscheine schlüssig, umfassend und berücksichtige die gesamte Aktenlage sowie sämtliche Beschwerden und Symptome der Beschwerdeführerin. Es werde empfohlen, dass auf das Gutachten abgestellt werde.
3.12
Dr. Z._ nahm in einem Schreiben vom 25. August 2015 (Urk. 3/21) zuhanden des Rechtsvertreters Stellung zum psychiatrischen Gutachten von Dr. J._.
Dr. Z._ führte aus, die Beschwerdeführerin sei 9 Jahre alt gewesen, als ihr Vater einen Verkehrsunfall gehabt habe. Es sei für sie noch frustrierender gewesen, weil sie Anschuldigungen der Umgebung gehört habe, der Vater habe einen Mann getötet. Die Patientin habe sich in dieser Zeit ungeschützt gefühlt, umso mehr, weil die Albaner schweren Repressalien von Seiten der serbischen Polizei und der Soldaten ausgesetzt gewesen seien.
Dr. Z._ habe die Beschwerdeführerin im Jahr 2002 wegen einer posttrauma
tischen Belastungsstörung behandelt. Sie sei damals sehr unsicher gewesen und habe immer das Gefühl gehabt, bedroht zu sein. Sie sei äusserst misstrauisch gewesen, habe sich entfremdet gefühlt und sich stark zurückgezogen. Tagsüber sei sie sehr intensiv von den zwanghaften Erinnerungen an die traumatisieren
den Ereignisse im I._-krieg geplagt und in der Nacht von Albträumen heim
gesucht worden (S. 1 unten).
2012 sei es erneut zum Ausbruch einer Depression gekommen. Diese sei durch eine somatische Erkrankung ausgelöst worden, weil sich die Patientin ganz hilflos und ohnmächtig gefühlt habe und deshalb verzweifelt geworden sei. Es sei anzunehmen, dass die körperliche Krankheit mit ausgelösten Ohnmachtsge
fühlen von der Patientin als Retraumatisierung erlebt worden sei. Dabei handle es sich um eine ständige depressive Störung, nicht um eine reaktive Depression, die bei einer Person mit starker Vulnerabilität entstanden sei (S. 2 oben).
Trotz der durchgeführten Therapien habe sich der Zustand der Beschwerdefüh
rerin nicht verändert. Sie sei weiterhin depressiv, tief niedergeschlagen, sehr ängstlich, lust- und interesselos, zeige psychomotorische Unruhe und sei im Denken sehr eingeengt. Sie äussere auch Minderwertigkeits- und Schamgefühle, habe starke Schlafstörungen und andauernde Schmerzen. Der Gutachter habe diese Symptome nur wenig beobachtet. Dieser schildere eine akzentuierte Per
sönlichkeit mit histrionischen Zügen, was Dr. Z._ nicht richtig erscheine. Nach Meinung von Dr. Z._ handle es sich um die Symptome einer posttrau
matischen Belastungsstörung, die sich zum Teil in impulsivem Verhalten, disso
ziativen Zuständen, somatischen Beschwerden und Insuffizienzgefühlen mani
festiere. Die Patientin leide an einer mittelgradigen bis schweren Depression, einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer ängstlichen Persönlichkeits
störung sowie an einem chronifizierten Schmerzsyndrom bei bekannten Wir
belsäulenänderungen und Kniearthrosen beidseits. Die im Gutachten gestellte Diagnose einer Anpassungsstörung mit depressiven und Angstsymptomen sei nicht haltbar, weil nach ICD-10 diese Beurteilung nur für einen Zeitraum von sechs Monaten Dauer gestellt werden könne. Wenn die Störung länger dauere, handle es sich um eine andere Diagnose. Das jetzige psychische Leiden bestehe auf dem Boden einer Person mit starker Vulnerabilität als Folge von traumati
sierenden Ereignissen in der Kindheit und im I._-krieg (S. 2).
3.13
Die Beschwerdeführerin war sodann vom 20. Oktober 2015 bis 17. November 2016 (richtig: 2015) im P._ in stationärer Behandlung.
Q._, Assistenzarzt, P._, stellte im vorläufigen Aus
tritts
bericht vom 17. November 2015 (Urk. 3/22) die Hauptdiagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig schwere Episode ohne psy
chotische Symptome. Als Nebendiagnosen nannte er eine posttraumatische Belastungsstörung, eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung und ein chronifiziertes Schmerzsyndrom bei bekannter Wirbelsäulenveränderung und Kniearthrosen beidseits (S. 1).
4.
4.1
Gemäss dem bidisziplinären Gutachten des L._ vom 4. Juni 2015 leidet die Beschwer
deführerin an einem chronischen rechtsbetonten lumbovertebralen bis -spondylogenen Syndrom und an Schmerzen in beiden Knien. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten die Gutachter zudem ein leichtes thorakozverikospondylogenes Syndrom rechts, eine Anpassungsstörung, eine Akzentuierung von histrionischen Persönlichkeitszügen, aktenmässig ein Zustand nach posttraumatischer Belastungsstörung und unter Belastung ein ausgeprägtes dysfunktionelles Krankheitsverhalten (vgl. E. 3.10.2). Die Gutach
ter kamen zum Ergebnis, dass aufgrund der somatischen Diagnosen in der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Raumpflegerin mit Beginn der Krankschreibung per 29. Oktober 2012 keine Arbeitsfähigkeit mehr bestan
den hat. Dagegen ist für eine angepasste knapp mittelschwere, wechselbelas
tende Tätigkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit auszugehen (E. 3.10.3 hiervor).
Gemäss Dr. J._ war die Beschwerdeführerin aus psychiatrischer Sicht zu keiner Zeit in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt (E. 3.9.5). Der behandelnde Arzt Dr. Z._ attestierte dagegen eine volle Arbeitsunfähigkeit für jegliche Tätigkeiten (E. 3.7 hiervor).
4.2
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
4.3
Nach neuer Gerichtspraxis ist bei somatoformen Schmerzstörungen und ver
gleich
baren psychosomatischen Leiden (BGE 140 V 8 E. 2.2.1.3) d
ie Anerken
nung einer rentenbegründenden Invalidität nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand von Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind (
BGE 141 V 281
E. 6; BGE 141 V 547 E. 2; vgl. Urteil des Bundesgerichtes 8C_28/2016 vom 25. April 2016 E. 3.2). Medizinisch muss schlüssig begründet sein, inwiefern sich aus den funktionellen Ausfällen bei objektivierter Zumut
barkeitsbeurteilung anhand der Standardindikatoren eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit ergibt (BGE 141 V 574 E. 2). Wo dies nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit dargetan werden kann, trägt die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen (BGE 141 V 574 E. 2; vgl. BGE 141 V 585 E. 5.3, BGE 141 V 281 E. 3.7.2, BGE 139 V 547 E. 8.1; vgl. auch Urteil des Bundesge
richtes 8C_1/2016 vom 22. Februar 2016 E. 2.2 unter Hinweis auf BGE 140 V 290 E. 4.1).
4.4
Die Beschwerdeführerin machte geltend, das psychiatrische Gutachten von Dr. J._ überzeuge nicht. Das Gutachten basiere auf einer einzigen Bespre
chung mit ihr (Urk. 1 S. 9 Ziff. 26). Der Umstand, dass der psychiatrische Gut
achter die Beschwerdeführerin nur einmal untersucht hat, spricht nicht per se gegen den Beweiswert eines psychiatrischen Gutachtens. Als entscheidend erweist sich vielmehr, ob das Gutachten insgesamt zu überzeugen vermag. Dies trifft vorliegend zu. So begründete Dr. J._ seine Einschätzung gestützt auf die klinische Untersuchung der Beschwerdeführerin und die durchgeführten Tests. Der psychiatrische Gutachter legte eingehend dar, weshalb die Vorausset
zungen für die von Dr. Z._ gestellten Diagnosen einer depressiven Störung und einer Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt sind. Dabei stellte er auch fest, dass die Persönlichkeitsentwicklung der Beschwerdeführerin ohne gravierende traumatische Ereignisse verlaufen sei (E. 3.9.4). Soweit die Beschwerdeführerin ausführte, eine histrionische Störung schliesse eine Depression entgegen Dr. J._ nicht aus (Urk. 1 S. 8 Ziff. 25), erklärte sie nicht, wie sie zu ihrer Einschätzung gelangte.
Im Teilgutachten von Dr. J._ vom 12. Februar 2015 und im Gutachten des L._ vom 4. Juni 2015 werden die gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin dargelegt. Weiter beruhen sie auf den notwendigen Unter
suchungen und berücksichtigen die geklagten Beschwerden in angemessener Weise. Die Gutachten vermögen sodann in der Beurteilung der medizinischen Situation und in den Schlussfolgerungen zu überzeugen. Sie erfüllen daher die Anforderungen an den Beweiswert von medizinischen Gutachten.
4.5
4.5.1
Die im Bereich der somatoformen Schmerzstörungen entwickelten Grundsätze werden rechtsprechungsgemäss bei der Würdigung des invalidisierenden Cha
rakters von Fibromyalgien (BGE 132 V 65 E. 4), dissoziativen Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen (Urteil des Bundesgerichts 9C_10/2014 vom 20. August 2014 E. 3.3, SVR 2007 IV Nr. 45 S. 150, I 9/07 E. 4 am Ende), und Konversi
ons
störungen/dissoziativen Bewegungsstörungen (Urteile des Bundesgerichts 8C_810/2013 vom
9.
April 2014 E. 5.2.2 mit Hinweisen, 9C_903/2007 vom 30. April 2008 E. 3.4) sowie bei Chronic Fatigue Syndrome (CFS; chronisches Müdigkeitssyndrom) und Neurasthenie (Urteile des Bundesgerichts 9C_662/2009 vom 17. August 2010 E. 2.3, 9C_98/2010 vom 28. April 2010 E. 2.2.2 und I 70/07 vom 14. April 2008 E. 5), bei einer HWS-Verletzung (Schleudertrauma) ohne organisch nachweisbare Funktionsfälle (BGE 136 V 279, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_136/2013 vom 16. Februar 2014 E. 4.1-2) sowie bei nicht organischer Hypersomnie (BGE 137 V 64 E. 4.1 und 4.2 mi
t Hinweisen) analog angewendet.
4.5.2
Zwar klagte die Beschwerdeführerin anlässlich der bidisziplinären Begutachtung wiederholt über Schmerzen. Dr. J._ diagnostizierte jedoch weder eine somatoforme Schmerzstörung noch ein vergleichbares psychosomatisches Lei
den im Sinne der zitierten Rechtsprechung. Der Gutachter diagnostizierte statt
dessen eine Anpassungsstörung, welche nicht unter die Rechtsprechung fällt. Folglich schadet es nicht, dass die Beschwerdegegnerin die mit BGE 141 V 281 eingeführten Standardindikatoren nicht gesondert geprüft hat. Der Kritik der Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 10 ff.), wonach die Beschwerdegegnerin die Indi
katoren nach BGE 141 v 281 hätte prüfen müssen, kann daher nicht gefolgt werden.
Die Berichte von Dr. Z._, der zu einer abweichenden psychiatrischen Beur
teilung gelangte, sind gegenüber dem Gutachten von Dr. J._ mit Vorbehalt zu würdigen. Zu erwähnen ist, dass Dr. Z._ gemäss Medizinalberuferegister entgegen der Angaben in seinem Briefkopf (vgl. Urk. 7/49 S. 1 oben) nicht über einen Facharzttitel für Psychiatrie und Psychotherapie verfügt. Des Weiteren ist bei der Würdigung der Einschätzung von Dr. Z._ auch der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass Hausärzte und behandelnde Spezialärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behand
lung oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach
) Person einer
seits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärun
gen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Thera
piekräfte zu anderslautenden Einschätzungen gelangten. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängte, weil die anders
lautenden Einschätzungen wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 29. Oktober 2014, E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, E. 2.2.1).
Nach dem Gesagten vermögen die Berichte von Dr. Z._ die Einschätzung durch Dr. J._ nicht in Zweifel zu ziehen.
Für die Dauer des stationären Aufenthaltes im P._, der vom 20. Oktober bis 17. November 2015 dauerte, war die Beschwerdeführerin arbeits
unfähig. Eine lediglich kurzzeitige Arbeitsunfähigkeit vermag definiti
onsgemäss (E. 1.1 hiervor) jedoch keinen Rentenanspruch zu begründen.
4.6
Gestützt auf das Teilgutachten von Dr. J._ und das Gutachten des L._ ist der medizinische Sachverhalt als dahingehend erstellt zu erachten, dass in der angestammten Tätigkeit der Beschwerdeführerin als Raumpflegerin keine Arbeitsfähigkeit mehr, in einer behinderungsangepassten Tätigkeit aber eine volle Arbeitsfähigkeit besteht.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebun
gen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 E. 3b/aa und bb, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E.
4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom sogenannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 E. 3b/bb, 124 V 321 E. 3b/aa; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Zur Bestimmung des Invalideneinkommens auf der Grundlage der LSE kann
– ausnahmsweise – der Lohn eines einzelnen Sektors („Produktion" oder „Dienstleistungen") oder gar einer bestimmten Branche herangezogen werden, wenn es als sachgerecht erscheint, um der im Einzelfall zumutbaren erwerbli
chen Verwertung der verbleibenden Arbeitsfähigkeit Rechnung zu tragen, namentlich bei Personen, die vor der Gesundheitsschädigung lange Zeit im betreffenden Bereich tätig gewesen waren und bei denen eine Arbeit in anderen Bereichen kaum in Frage kommt (SVR 2008 IV Nr. 20 S. 63, 9C_237/2007 E.
5.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_667/2013 vom 29. April 2014 E. 5.3).
Es besteht kein Grundsatz, wonach stets auf die Tabelle TA1 abzustellen ist. So kann es sich nach den konkreten Umständen des Einzelfalls rechtfertigen, anstatt auf die Tabelle TA1 auf die Tabelle TA7 („Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Tätigkeit, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und Geschlecht - Privater Sektor und öffentlicher Sektor [Bund] zusammen") abzu
stellen, wenn dies eine genauere Festsetzung des Invalideneinkommens erlaubt und dem Versicherten der entsprechende Sektor offen steht und zumutbar ist (SVR 2008 IV Nr. 20 S. 63, 9C_237/2007 E. 5.1). Ferner kann bei qualifizierten Berufsleuten mit Fach- und Hochschulabschluss das Heranziehen der Tabelle TA11 („Monatlicher Bruttolohn [Zentralwert und Quartilbereich] nach Ausbil
dung, beruflicher Stellung und Geschlecht - Privater Sektor und öffentlicher Sektor [Bund] zusammen") angezeigt erscheinen (SVR 2011 IV Nr. 55 S. 163, 8C_671/2010 vom 25. Februar 2011 E. 6.4.2 mit Hinweisen; Urteil des Bundes
gerichts 9C_841/2013 vom 7. März 2014 E. 4.2; vgl. auch Urteil des Bundesge
richts 8C_660/2014 vom 5. November 2014 E. 4).
5.3
Nach dem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug) erzielte die Beschwer
deführerin als Raumpflegerin im Jahr 2011 ein Einkommen von Fr. 58‘135.-- (Urk. 7/10 S. 1). Zu dieser Zeit verrichtete sie ein volles Arbeits
pensum (Urk. 7/7 S. 1 Ziff. 1). Es ist davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit weiterhin zu 100 % in der Reinigung gearbeitet hätte. Bei einer Nominallohnentwicklung von 0.8 % im Jahr 2012 und 0.7 % im Jahr 2013 (Tabelle T1.10 Nominallohnindex, 2011-2015) resul
tiert ein Einkommen von rund Fr. 59‘010.-- (Fr. 58‘135.-- x 1.008 x 1.007). Als Valideneinkommen sind daher Fr. 59‘010.-- zu veranschlagen.
5.4
Nach den statistischen Daten der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 könnte die Beschwerdeführerin mit einfachen Tätigkeiten körperlicher oder handwerklicher Art (Kompetenzniveau 1) ein Einkommen von durch
schnittlich Fr. 4‘112.-- pro Monat erzielen (LSE 2012 Tabelle TA1 S. 35). Nach
dem ihr schwerere körperliche Tätigkeiten nicht mehr zugemutet werden können, ist der Tabellenlöhn um 10 % zu kürzen. Ausgehend von einer wöchentlichen Arbeitszeit von 41.7 Stunden im Jahr 2013 und angepasst an die Lohnentwicklung von 0.7 % im Jahr 2013 resultiert ein Einkommen von Fr. 46‘621.-- (Fr. 4‘112.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.007 x. 0.9).
Vergleicht man das Valideneinkommen von Fr. 59‘010.-- mit dem Invaliden
einkommen von Fr. 46‘621.-- resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 12‘389.--, was einem Invaliditätsgrad von rund 21 % entspricht.
5.5
Zusammenfassend ergibt sich, dass bei einem Invaliditätsgrad von 21 % kein Rentenanspruch besteht. Die angefochtene Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 27. Oktober 2015 erweist sich demzufolge als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf Fr. 900.-- festzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.