# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c1aab7b7-12c9-5018-8fc0-bd351a196251
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 27. März 2015 bei der Gemeinde Lützelflüh ein
Baugesuch ein für den Neubau von zwei Doppeleinfamilienhäusern mit Autounterständen
auf der Parzelle Lützelflüh Grundbuchblatt Nr. H._. Die Parzelle liegt in der
Wohnzone 2 (W2). Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom 28. August 2015 erteilte das
Regierungsstatthalteramt Emmental die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 25. September 2015 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen
die Aufhebung des Gesamtentscheides vom 28. August 2015 und die Erteilung des
Bauabschlages. Sie machen insbesondere geltend, die Bauparzelle liege in der Nähe der
Pistolenschiessanlage Brandis. Gemäss Baureglement der Gemeinde Lützelflüh (GBR1)
dürften Vorhaben auf der Bauparzelle erst bewilligt werden, wenn die Lärmemissionen aus
der Pistolenschiessanlage mit baulichen oder anderen Massnahmen soweit begrenzt
seien, dass auf der Parzelle die Grenzwerte der Empfindlichkeitsstufe II (ES II) gemäss
Lärmschutzverordnung (LSV2) eingehalten werden könnten. Ein Bericht der I._AG
vom 27. Januar 2014 halte zwar fest, die Anforderungen der LSV an Neubauzonen seien
bei der Bauparzelle erfüllt. Ein früher eingeholtes Lärm-Gutachten habe aber noch
festgehalten, der Planungswert werde um 5 dB(A) überschritten. Da seither bei der
Schiessanlage keine Massnahmen realisiert worden seien, sei es fraglich, wie das neuste
Gutachten zum Schluss kommen könne, die Planungswerte seien nun eingehalten. Weiter
sei zu wenig abgeklärt worden, wie sich die Bautätigkeit auf der Bauparzelle, die in der
gelben Gefahrenzone liege und rutschgefährdet sei, auswirken werde. Schliesslich habe
die Vorinstanz zu Unrecht keinen Umgebungsgestaltungsplan eingeholt.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch.
1 Baureglement der Gemeinde Lützelflüh vom 28. Oktober 2009, genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 19. Februar 2010 2 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41) 3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2015/130 3
Die Vorinstanz hält in ihrer Stellungnahme fest, die Überprüfung des Lärmgutachtens für
die Freigabe der Bauparzelle zur Überbauung sei nicht Prüfungsgegenstand des
Baubewilligungsverfahrens. Da sich die Bauparzelle nur in einem Gefahrengebiet mit
geringer Gefährdung befinde, bestehe keine Pflicht, ein Naturgefahrengutachten
einzuholen. Was den Anschluss an das Nachbargrundstück betreffe, werde dieser "normal"
ausgeführt und entspreche der baurechtlichen Grundordnung.
Die Gemeinde Lützelflüh beantragt die Abweisung der Beschwerde und führt aus, es
bestehe kein Anlass, am Lärmgutachten der erfahrenen und renommierten I._AG
zu zweifeln. Den Befürchtungen der Beschwerdeführenden betreffend Auswirkungen auf
die unterirdischen Wasserläufe und allfälligen Schäden bei ihrer Liegenschaft habe die
Vorinstanz mit einer Rechtsverwahrung Rechnung getragen. Die Terraingestaltung sei in
den Baugesuchsplänen dargestellt und das Grundstück der Beschwerdeführenden sei nur
wenig von den Terrainanpassungen tangiert.
Die Beschwerdegegnerin beantragt die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung
der Baubewilligung. Sie macht insbesondere geltend, die Lärmgutachten hätten einen
verschiedenen Hintergrund. Das eine habe die Auswirkungen von Lärmschutzwänden an
der Lärmquelle geprüft, das andere die Lärmimmissionen auf den Baulandparzellen. Die
Stabilität des Baugrundes und mögliche Beeinträchtigungen der bestehenden Quellen
habe sie untersuchen lassen. Es seien keine besonderen Risiken festgestellt worden.
4. Das Rechtsamt edierte bei der Gemeinde Lützelflüh die von dieser eingeholten
Lärmgutachten (Gutachten der J._AG vom 2. Oktober 2009 und Gutachten der
I._AG vom 5. September 2013 und vom 27. Januar 2014). Nach Eingang der
Berichte beauftragte das Rechtsamt die I._AG, ergänzend zum Bericht vom 27.
Januar 2014 Zusatzfragen zu beantworten. Anschliessend erhielten die
Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zu Schlussbemerkungen.
5. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
RA Nr. 110/2015/130 4

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG4. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde,
sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Lärmimmissionen: Grundlagen
a) Die Bauparzelle befindet sich etwa 460 Meter nordöstlich der Pistolenanlage Brandis,
die über eine 25-Meter und 50-Meter Schiessanlage verfügt. Laut Art. 29 Abs. 2 GBR
dürfen Bauvorhaben auf dem Baugrundstück und auf zwei benachbarten Parzelle erst
bewilligt werden, "wenn die Lärmemissionen aus der Pistolenanlage Brandis mit baulichen
oder anderen Massnahmen soweit begrenzt sind, dass auf den fraglichen Parzellen die
Grenzwerte der Empfindlichkeitsstufe II gemäss LSV eingehalten werden können". Art. 8
Abs. 2 der Überbauungsvorschriften der UeO "Schützenweg Brandis" verlangt in diesem
Zusammenhang, es sei bei beiden Schiessanlagen eine Lärmschutzwand zu realisieren.
Diese Lärmschutzwände wurden bisher nicht erstellt. Es ist nun umstritten, ob der
massgebende Grenzwert auf der Bauparzelle trotzdem eingehalten werden kann.
4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
RA Nr. 110/2015/130 5
b) Art. 29 Abs. 2 GBR verweist auf die Grenzwerte, die gemäss LSV für die ES II gelten.
Die Vorschrift sagt aber nicht explizit, ob der bei Einzonungen geltende Planungswert oder
der bei der Bewilligung von Bauten in lärmbelasteten Gebieten massgebende
Immissionsgrenzwert (Art. 22 USG6) gemeint ist. Aus der Entstehungsgeschichte der
Vorschrift ergibt sich jedoch zweifelsfrei, dass sie die Einhaltung des Planungswertes
verlangt:
Die Gemeinde Lützelflüh wollte anlässlich ihrer letzten Ortsplanungsrevision die
Bauparzelle sowie zwei weitere Parzellen neu in die Bauzone bzw. Wohnzone einzonen.
Neue Bauzonen für Wohngebäude oder andere Gebäude, die dem längeren Aufenthalt von
Personen dienen, dürfen aber nur in Gebieten ausgeschieden werden, in denen die
Lärmimmissionen den Planungswert nicht überschreiten oder in denen dieser Wert durch
planerische, gestalterische oder bauliche Massnahmen eingehalten werden kann (Art. 24
Abs. 1 USG und Art. 29 LSV). Da man im Genehmigungsverfahren zum Schluss kam, bei
den einzuzonenden Parzellen werde aufgrund der Lärmimmissionen von der
Pistolenschiessanlage Brandis der massgebende Planungswert überschritten, beschloss
der Gemeinderat, planerische Massnahmen in der Überbauungsordnung "Schützenweg
Brandis" vorzusehen. Um die Lärmsituation zu klären, gab die Gemeinde ein
Lärmgutachten in Auftrag. Die J._AG kam in ihrem Gutachten vom 2. Oktober
2009 zum Schluss, mittels Lärmschutzwänden neben den beiden Schiessanlagen (25 m
und 50 m) könne der Planungswert auch am exponiertesten Empfangsort der Einzonungen
eingehalten werden. Nach einem längeren Verfahren genehmigte das Amt für Gemeinden
und Raumordnung (AGR) einerseits eine Änderung der Überbauungsvorschriften der UeO
"Schützenweg Brandis", gemäss der bei beiden Schiessanlagen eine Lärmschutzwand zu
realisieren ist, und andererseits die Einzonung sowie den neuen Art. 29 Abs. 2 GBR.7 Das
AGR hielt dazu in der Genehmigungsverfügung fest, in der UeO seien planerischen
Massnahmen vorgesehen, damit die Lärmvorbelastung einer Einzonung nicht mehr
entgegenstehe. Zur abschliessenden Sicherstellung und zur Verhinderung der Erstellung
von Bauten vor der Realisierung der notwendigen Massnahmen, sei Art. 29 Abs. 2 GBR ins
Baureglement eingefügt worden.
Mit diesem Vorgehen haben die Planungsbehörden die abschliessende Prüfung, ob auf
den eingezonten Parzellen die Planungswerte eingehalten werden, vom
6 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 7 Verfügungen des AGR vom 9. Oktober 2012 und vom 22. Januar 2013, Ziff. 3.6
RA Nr. 110/2015/130 6
Planungsverfahren ins Baubewilligungsverfahren verschoben. Art. 29 Abs. 2 GBR
bezweckt daher, die Einhaltung des massgebenden Planungswertes sicherzustellen. Das
Bauvorhaben kann somit nur bewilligt werden, wenn die Lärmimmissionen auf der
Bauparzelle den Planungswert nicht überschreiten.
c) Das Baugrundstück befindet sich in einer Wohnzone, für welche die
Empfindlichkeitsstufe II gilt (Art. 43 Abs. 1 Bst. b LSV i.V.m. Art. 47 Abs. 1 GBR). Gemäss
Anhang 7 zur LSV, der die Belastungsgrenzwerte für den Lärm ziviler Schiessanlagen
festlegt, gilt für solche Zonen ein Planungswert von 55 dB(A).
d) Gemäss Art. 38 Abs. 1 LSV werden die Lärmimmissionen als Beurteilungspegel Lr
oder als Maximalpegel Lmax anhand von Berechnungen oder Messungen ermittelt. Bei
Lärm von Schiessanlagen ist der Beurteilungspegel Lr massgebend. Der Beurteilungspegel
Lr ist gemäss Ziff. 31 Anhang 7 zur LSV die energetische Summe der
Teilbeurteilungspegel Lri der auf einer Anlage verwendeten Waffenkategorien. Der
Teilbeurteilungspegel Lri wiederum ist die Summe des mittleren Einzelschusspegels Li
einer Waffenkategorie und der Pegelkorrektur Ki, wobei der mittlere Einzelschusspegel Li
das über die Schusszahlen gewichtete energetische Mittel der energetisch gemittelten
Einzelschusspegel eines Waffen- bzw. Munitionstyps ist. Der energetisch gemittelte
Einzelschusspegel ist anhand von Messungen mittels eines auf die Zeitkonstante FAST
eingestellten Schallmessgeräts mit A-Bewertungsfilter zu ermitteln. Die Pegelkorrektur Ki
wird anhand der Anzahl jährlicher Schiesshalbtage und der Anzahl jährlicher Schüsse pro
Waffenkategorie berechnet (Ziff. 32 Anhang 7 LSV). Bei der Erhebung der Schiesshalbtage
und der Anzahl Schüsse sind alle Schiessen zu berücksichtigen, die innerhalb von drei
Jahren regelmässig stattfinden. Jedes Schiessen, das länger als zwei Stunden dauert,
zählt als Schiesshalbtag. Dauert es zwei Stunden oder weniger lang, so zählt es als halber
Schiesshalbtag (Ziff. 321 und Ziff. 322 Anhang 7 LSV). Zudem ist zwischen
Schiesshalbtagen an Werktagen (Dw) und Schiesshalbtagen an Sonn- und allgemeinen
Feiertagen (Ds) zu unterscheiden.
3. Lärmimmissionen: Beurteilung
a) Die I._AG hat 2013 im Auftrag der Gemeinde Lützelfüh die durch die
Pistolenschiessanlage verursachte Lärmbelastung auf den Parzellen Nrn. K._,
RA Nr. 110/2015/130 7
L._ und H._ untersucht. Sie nahm am 28. November 2013 an vier
Empfängerpunkten auf diesen Parzellen Messungen und anschliessend eine
Lärmbeurteilung vor. Auf der Bauparzelle wurden an einem Empfängerpunkt Messungen
durchgeführt (als Messpunkt 4 bezeichnet). In ihrem Bericht vom 27. Januar 2014 kam die
I._AG zum Schluss, der Planungswert von 55 dB(A) werde an allen vier
Messpunkten eingehalten. Für den Messpunkt 4 auf der Bauparzelle kam sie zu folgenden
Resultaten: Die auf Messungen basierenden Mittelwerte Li der Kategorie
Grosskaliberpistolen betrugen nach ihren Angaben für die 25 m Anlage 74.3 dB(A) und für
die 50 m Anlage 74.6 dB(A), was einen Mittelwert für beide Anlagen von 74.5 dB(A) ergibt.
Die Immissionen der Kategorie Kleinkaliberpistolen wurden nicht gemessen, sondern die
Annahme getroffen, sie seien im Mittel der meist verwendeten Waffen um 9 dB(A) leiser als
jene der am häufigsten verwendeten Grosskaliberpistolen. Die I._AG nahm daher
an, der Mittelwert Li der Kategorie Kleinkaliberpistolen für beide Anlagen betrage 65.5
dB(A). Als Pegelkorrektur Ki berechnete sie anhand der Schiesshalbtage und der Anzahl
jährlicher Schüsse in den Jahren 2011 bis 2013 für die Grosskaliberpistolen einen Wert
von - 20.7 und für die Kleinkaliberpistolen einen solchen von - 22.8. Gestützt darauf
berechnete die I._AG am Messpunkt 4 für die Waffenkategorie Grosskaliber einen
(gerundeten) Teilbeurteilungspegel Lri von 54 dB(A) und für die Kategorie Kleinkaliber
einen (gerundeten) Teilbeurteilungspegel Lri von 43 dB(A), woraus ein
Gesamtbeurteilungspegel Lr von 54 dB(A) resultierte.
b) Die Beurteilung der I._AG vom 27. Januar 2014 beruht auf den
Betriebsdaten (Schusszahlen und Schiesshalbtage) der Jahre 2011 - 2013 und ist nicht auf
das hier umstrittene Bauvorhaben bezogen. Die I._AG nahm eine allgemeine
Beurteilung der Lärmbelastung der eingezonten Parzellen vor und hielt dazu fest, im
Zeitpunkt der Einzonung (2013) sei der massgebende Planungswert eingehalten
gewesen.8 Aufgrund des Wortlautes und der Entstehungsgeschichte der Spezialregelung in
Art. 29 Abs. 2 GBR ist allerdings für die Beurteilung der Immissionen auf der Bauparzelle
nicht der Zeitpunkt der Genehmigung der Einzonung massgebend, sondern die Beurteilung
hat während des Baubewilligungsverfahrens im Hinblick auf das konkrete Bauvorhaben zu
erfolgen. Der Lärmbeurteilung sind dabei die Betriebsdaten der letzten drei Jahre vor
Einreichung des Baugesuches zu Grunde zu legen. Da das Baugesuch im März 2015
eingereicht wurde, sind vorliegend die Betriebsdaten Jahre 2012 bis 2014 massgebend.
8 Bericht vom 11. Januar 2016 Seite 2 in der Mitte
RA Nr. 110/2015/130 8
Das Rechtsamt hat daher bei der I._AG eine ergänzende Berechnung der Ki-
Werte eingeholt, die auf den Betriebsdaten 2012 - 2014 basiert. Die I._AG
beziffert in ihrem ergänzenden Bericht vom 11. Januar 2016 die durchschnittliche
Pegelkorrektur für die Kategorie Grosskaliberpistolen für die Jahre 2012 bis 2014 auf - 19.7
und jene für die Kategorie Kleinkaliberpistolen auf - 23.8. Mit diesen Pegelkorrekturen
ergibt sich für die Waffenkategorie Grosskaliber ein (gerundeter) Teilbeurteilungspegel Lri
von 55 dB(A) und für die Kategorie Kleinkaliber ein (gerundeter) Teilbeurteilungspegel Lri
von 42 dB(A). Daraus resultiert ein Gesamtbeurteilungspegel Lr von 55 dB(A). Nach den
Berechnungen der I._AG wäre somit der Planungswert auch für den
Beurteilungszeitraum 2012 bis 2014 eingehalten.
c) Aus ihren Berichten sowie den Schiesstagemeldungen für die Jahre 2012 - 2014
ergibt sich allerdings, dass die von der I._AG verwendeten Zahlen der
Schiesshalbtage nicht vollständig mit den Daten der Schiesstagemeldungen
übereinstimmen. Zudem hat die I._AG bei ihren Berechnungen der
Pegelkorrekturwerte jene Schiesshalbtage, an denen auf der Anlage sowohl mit Gross- als
auch mit Kleinkaliber geschossen wurde, nur in der Berechnung der Pegelkorrektur für
Grosskaliberpistolen berücksichtigt. Dies entspricht nicht den Vorgaben von Anhang 7 der
LSV. Die Pegelkorrekturen sind getrennt nach Waffenkategorien zu berechnen und dabei
sind alle Schiesshalbtage bzw. halben Schiesshalbtage zu berücksichtigen, an denen mit
einer Waffenkategorie geschossen wurde. Wird an einem Schiesshalbtag mit mehreren
Waffenkategorien geschossen, ist der Schiesshalbtag bei allen Waffenkategorien in die
Berechnung der Pegelkorrektur einzubeziehen. Aufgrund der Gesetzmässigkeiten der
Dezibeladdition9 ergeben sich zwar bei diesen unterschiedlichen Vorgehensweisen nur
geringfügige Unterschiede bei den resultierenden Werten. In Fällen, in denen ein
Beurteilungspegel sehr nahe beim massgebenden Grenzwert liegt, können sich die
Methodenunterschiede aber in entscheidender Weise auswirken. Aus diesen Gründen hat
die BVE eine eigene Berechnung der Pegelkorrekturwerte vorgenommen. Sie ging dabei
von folgenden Zahlen aus:
Schiesshalbtage gemäss Schiesstagemeldungen 2012 - 2014
Grosskaliber Kleinkaliber Dw < 2 Std. Dw > 2 Std. Dw < 2 Std. Dw > 2 Std.
9 Vgl. dazu beispielsweise Kurt Eggenschwiler / Jean Marc Wunderli, Lärmbekämpfung, Dübendorf, 2015, S. 41
RA Nr. 110/2015/130 9
2012 32 6 41 2
2013 31 6 42 3
2014 31 5 41 3
Anzahl Schüsse
Grosskaliber Kleinkaliber 2012 3'955 5'700
2013 7'501 8'300
2014 5'788 5'150
Gestützt auf diesen Zahlen beträgt der Pegelkorrekturwert für die Kategorie
Grosskaliberpistolen - 19.5 und jener für die Kategorie Kleinkaliberpistolen - 18.9.
Ausgehend von den von der I._AG für den Messpunkt 4 genannten gemessenen
Mittelwerten Li ergibt sich für die Kategorie Grosskaliberpistolen ein Teilbeurteilungspegel
Lri von 55 dB(A) (74.5 dB(A) -19.5) und für die Kategorie Kleinkaliberpistolen ein
Teilbeurteilungspegel Lri von 46.6 dB(A) (65.5 (dB(A) -18.9). Der Gesamtbeurteilungspegel
Lr, das heisst die energetische Summe dieser Teilbeurteilungspegel, beträgt 55.6 dB(A).
Allerdings sind die von der I._AG genannten Mittelwerte Li nicht vollumfänglich
nachvollziehbar: Aufgrund der im Bericht vom 27. Januar 2014 aufgelisteten gemessenen
Einzelschusspegeln ergibt sich für die Kategorie Grosskaliberpistolen rechnerisch ein
durchschnittlicher Mittelwert von 74.6 dB(A) und nicht ein solcher von 74.5 dB(A). Zieht
man davon 9 dB(A) ab, ergibt sich für die Kategorie Kleinkaliberpistolen ein Mittelwert von
65.6 dB(A). Mit den Pegelkorrekturwerten von 19.5 bzw. 18.9 führt dies zu
Teilbeurteilungspegeln Lri von 55.1 dB(A) und 46.7 dB(A) sowie zu einem
Gesamtbeurteilungspegel von 55.7 dB(A). Sowohl gestützt auf die von der I._AG
genannten Mittelwerte als auch gestützt auf die korrigierten Werte ergibt sich ein
gerundeter10 Gesamtbeurteilungspegel von 56 dB(A), der über dem Planungswert von 55
dB(A) liegt.
d) Der ermittelte Lärmbeurteilungspegel ist ein Mittelwert, der auf der Grundlage von
unter variablen Bedingungen erhaltenen Messwerten berechnet wurde. Bei
Lärmmessungen können sich "zufällige Fehler" ergeben, die auf zahlreichen Faktoren
10 Zur Rundung von Resultaten bei der Ermittlung von Lärmpegeln: BGE 126 II 480 E. 6.d
RA Nr. 110/2015/130 10
beruhen (Wind, Druck etc.). Die "zufälligen Fehler" zeigen sich in der Streuung der
Messwerte um den Mittelwert. Dafür wird häufig der Begriff "Standardabweichung"
verwendet, um den Genauigkeitsgrad des Mittelwertes entsprechend dieser Streuung
anzugeben. Angegeben wird dabei ein der Standardabweichung entsprechender
symmetrischer Abstand auf beiden Seiten des Mittelwerts.11 Die I._AG hat in ihrem
Bericht vom 11. Januar 2016 angegeben, die Messunsicherheit liege bei +/- 2 dB(A). Eine
solche Unsicherheitsspanne darf gemäss konstanter Praxis des Bundesgerichts nicht als
Fehlerspielraum interpretiert werden, der eine Korrektur des Mittelwerts zur Folge hätte.
Wenn ein Grenzwert 55 dB(A) beträgt und der Beurteilungspegel 55 dB(A) +/- 2 dB(A), ist
der Grenzwert eingehalten; wenn der Beurteilungspegel dagegen wie hier 56 dB(A) +/- 2
dB(A) beträgt, ist der Grenzwert überschritten.12 Die Erwähnung der Messunsicherheit in
einem akustischen Bericht ist somit für die Beurteilung der Einhaltung eines Grenzwertes
nicht entscheidend. Sie ermöglicht aber der zuständigen Behörde eine bessere Beurteilung
der Bedeutung des Mittelwerts; sie hat gegebenenfalls zu prüfen, ob durch zusätzliche
Messungen der Einfluss der Zufallsfaktoren zu beschränken bzw. die Beweiskraft des
Resultats zu erhöhen ist.13
e) Da der basierend auf den auf der Bauparzelle erfolgten Messungen und den
Betriebsdaten 2012 bis 2014 ermittelte Beurteilungspegel den Planungswert überschreitet,
kann die von der Vorinstanz erteilte Baubewilligung nicht bestätigt werden. Allerdings liegt
der ermittelte Beurteilungspegel nur knapp über dem Grenzwert. Zudem erfolgten die
Messungen auf der Bauparzelle vor Einreichung des Baugesuches für das hier zu
beurteilende Bauvorhaben und berücksichtigten dessen konkrete Ausgestaltung nicht.
Heute wären projektbezogene Messungen möglich, da sich aufgrund der Baupläne die
massgebenden Empfängerpunkte gemäss Art. 39 LSV bestimmen lassen. Die 2013
durchgeführten Messungen erfolgten zudem nur an einem Tag und nur für die
Waffenkategorie Grosskaliber. Für die Immissionen von Kleinkaliberpistolen traf die
I._AG die Annahme, sie seien im Durchschnitt circa 9 dB(A) leiser und setzte um 9
dB(A) reduzierte Mittelwerte in ihrer Berechnung ein. Es handelt sich dabei nur um einen
ungefähren, gerundeten Differenzwert, der allenfalls auch höher sein könnte und
Auswirkungen auf das Gesamtresultat hätte. So hat beispielsweise die J._AG in
einer früheren Beurteilung eine Differenz von 9.7 dB(A) zwischen Klein- und Grosskaliber
11 Kurt Eggenschwiler / Jean Marc Wunderli, a.a.O., S. 347 ff. 12 BGE 126 II 480 E. 6 13 BGE 126 II 480 E. 6c
RA Nr. 110/2015/130 11
verwendet. Solche Unterschiede mögen in vielen Fällen nicht relevant sein; vorliegend
könnten sie sich aber auswirken. Der gestützt auf die Messungen von 2013 ermittelte
Beurteilungspegel ist daher zu wenig aussagekräftig. Es sind zusätzliche Messungen
notwendig, um ein aussagekräftigeres Resultat zu erhalten. Der Sachverhalt ist noch
ungenügend abgeklärt. Es ist eine neue Lärmbeurteilung, basierend auf neuen
projektbezogenen Messungen und den Betriebsdaten 2012 bis 2014, erforderlich.
f) Die Vorinstanz hält dazu zwar grundsätzlich richtig fest, sie müsse Lärmgutachten,
die als Grundlage für die Einzonung von Grundstücken dienten, im
Baubewilligungsverfahren nicht mehr überprüfen oder weitere Abklärungen treffen.
Vorliegend handelt es sich jedoch um einen Sonderfall: Die Planungsbehörden haben im
Zeitpunkt der Einzonung nicht abschliessend geprüft, ob der massgebende Planungswert
eingehalten ist, und diese Prüfung ins Baubewilligungsverfahren verschoben. Daher obliegt
diese Prüfung hier den Baubewilligungsbehörden und die Bauherrschaft trägt ein gewisses
Risiko, dass der Planungswert überschritten wird. Diesfalls würde es der Gemeinde
obliegen, die in der UeO "Schützenweg Brandis" vorgesehenen Massnahmen bei der
Schiessanlage durchzusetzen.
4. Gefahrengebiet
a) Die Beschwerdeführenden machen weiter geltend, das Baugrundstück befinde sich
in der gelben Gefahrenzone und im Bereich von Hangmuren. Der Hang, an dem sich die
Bauparzelle befinde, enthalte viel Wasser, das in Quellen unterhalb der Bauparzelle zu
Tage trete. Es bestehe die Gefahr, dass durch die Bautätigkeit an den
Nachbarliegenschaften Schäden durch Wasser entstehen könnten. Im Bericht zur Revision
der Ortsplanung sei festgehalten, dass Rutschungen nicht ausgeschlossen seien und
deshalb im Baubewilligungsverfahren ein hydrogeologisches Gutachten erstellt werden
müsse. Ohne ein solches Gutachten dürfe das Bauvorhaben nicht bewilligt werden.
b) Das Baugesetz teilt die Gefahrengebiete in Gebiete mit erheblicher Gefahr (rote
Gefahrengebiete), solche mit mittlerer Gefährdung (blaue Gefahrengebiete) und solche mit
geringer Gefährdung (gelbe Gefahrengebiete) ein (Art. 6 Abs. 1 bis Abs. 3 BauG). Bei
Bauvorhaben in roten und blauen Gefahrengebieten und bei besonders sensiblen
Bauvorhaben in gelben Gefahrengebieten hat die Bauherrschaft nachzuweisen, dass die
RA Nr. 110/2015/130 12
nötigen Schutzmassnahmen getroffen werden (Art. 6 Abs. 5 BauG). Gemäss Zonenplan
Gefahrenhinweise der Gemeinde Lützelflüh14 befindet sich das Baugrundstück teilweise in
der gelben Gefahrenzone. In gelben Gefahrengebieten sind Bauten und Anlagen jeder Art
grundsätzlich zulässig.15 Gemäss Art. 6 Abs. 3 BauG ist in solchen Gefahrengebieten nur
bei besonders sensiblen Bauten wie beispielsweise Spitälern oder Kläranlagen
sicherzustellen, dass Menschen und erhebliche Sachwerte nicht gefährdet sind. Vorliegend
handelt es sich nicht um ein besonders sensibles Bauvorhaben. Für normale Objekte in
Gebieten mit geringer Gefährdung (gelbes Gefahrengebiet) gelten keine öffentlich-
rechtlichen Einschränkungen. Hier sind Personen nicht gefährdet und Schäden können in
der Regel mit einfachen Massnahmen vermieden werden. Diese Massnahmen sind der
Eigenverantwortung der Bauherrschaft zu überlassen.16 Die Vorinstanz kam daher zu
Recht zum Schluss, dass die Beschwerdegegnerin keine Sicherheitsmassnahmen
nachzuweisen hat.
c) Die Beschwerdeführenden berufen sich im Zusammenhang mit den befürchteten
Hangrutschen auf den Bericht zur Ortsplanung 2007/2009, der die Erstellung eines
hydrogeologischen Gutachtens im Baubewilligungsverfahren fordere. Bei diesem Bericht
handelt es sich um einen Planungsbericht im Sinne von Art. 47 RPV17 in Verbindung mit
Art. 118 BauV18. Planungsberichte richten sich in erster Linie an die kantonale
Genehmigungsbehörde und dienen zur Verständlichkeit und Erläuterung der Ortsplanung.
Sie entfalten jedoch keine Rechtswirkung und begründen Privaten gegenüber weder
Rechte noch Pflichten.19 Die Beschwerdegegnerin kann daher gestützt auf den Bericht zur
Ortsplanung nicht verpflichtet werden, ein hydrogeologisches Gutachten einzureichen. Im
Übrigen erwähnt der Bericht die Erstellung eines hydrogeologischen Gutachtens nicht im
Zusammenhang mit allfälligen Hangrutschen, sondern wegen Quellen, die sich auf einer
anderen Parzelle befinden. Zur Rutschgefahr auf der Bauparzelle hält der Bericht nur fest,
Rutschungen seien aufgrund der Steilheit des Geländes nicht ausgeschlossen und diesem
14 Zonenplan Gefahrenhinweise der Gemeinde Lützelflüh vom 27. November 2007 , genehmigt durch das Amt für Gemeinden und Raumordnung am 19. Februar 2010 15 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 6 N. 6 16 Amt für Gemeinden und Raumordnung, Berücksichtigung von Naturgefahren in der Ortsplanung, Arbeitshilfe für die Ortsplanung, 2009, S. 5 17 Raumplanungsverordnung vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1) 18 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV, BSG 721.1) 19 Vgl. Amt für Gemeinden und Raumordnung, Bericht zu Planungen der Gemeinde, Arbeitshilfe für die Ortsplanung, 2000, S. 5
RA Nr. 110/2015/130 13
Umstand müsse beim Bauen Rechnung getragen werden. Der Bericht verweist damit auf
die Eigenverantwortung der Bauherrschaft, bietet aber keine Grundlage, um von der
Bauherrschaft im Baubewilligungsverfahren besondere Massnahmen oder Nachweise zu
verlangen. Das Baurecht beschränkt sich darauf, die Bauherrschaft auf die Regeln der
Baukunde zu verweisen (Art. 57 Abs. 1 BauV). Diese müssen eingehalten werden auch
ohne dass dies ausdrücklich als Auflage in die Baubewilligung aufgenommen werden
muss. Allfällige durch die Bautätigkeit verursachte Schäden auf Nachbargrundstücken sind
auf zivilrechtlichem Weg geltend zu machen. Die Vorinstanz hat den entsprechenden
Befürchtungen der Beschwerdeführenden im Bauentscheid mit einer Rechtsverwahrung
Rechnung getragen.
Im Übrigen hat die Beschwerdegegnerin ein spezialisiertes Ingenieurunternehmen, die
M._AG beigezogen und die Stabilität des Baugrundes sowie die mögliche
Beeinträchtigung der Quellfassungen auf dem Nachbargrundstück untersuchen lassen. Die
M._AG kam zum Schluss, eine Beeinträchtigung der Quellfassungen sei nicht zu
erwarten; sie empfahl aber Massnahmen zur Hangsicherung und zur Beweissicherung
hinsichtlich der Quellfassungen.20
d) Aus diesen Gründen musste die Vorinstanz weder aufgrund der Quellen noch wegen
des Gefahrengebietes ein hydrogeologisches Gutachten oder Schutzmassnahmen im
Sinne von Art. 6 Abs. 5 BauG fordern. Die Rügen der Beschwerdeführenden sind
unbegründet.
5. Gewässerschutz / Versickerung
a) Das Bauvorhaben umfasst unter anderem das Erstellen von Gebäuden, bei denen
verschmutztes Abwasser anfällt, und eine Versickerungsanlage. Beides erfordert eine
Gewässerschutzbewilligung (Art. 11 KGSchG21 und Art. 26 Abs. 1 Bst. a und c KGV22).
b) Die Vorinstanz hat in ihrem Gesamtentscheid keine Gewässerschutzbewilligung
erteilt. Sie verweist nur auf den Amtsbericht "Entwässerung" der Gemeinde und hält in
20 Bericht der M._AG vom 22. Juni 2015, Vorakten p. 74 ff. 21 Kantonales Gewässerschutzgesetz vom 11. November 1996 (KGSchG; BSG 821.0) 22 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1)
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einer Auflage fest, die Versickerungsanlage müsse gemäss den Angaben des Büros
M._AG und mit einer Oberbodenpassage ausgeführt werden.23 Dieses Vorgehen
ist nicht zulässig: Einerseits darf ohne die erforderliche Gewässerschutzbewilligung keine
Baubewilligung erteilt werden. Andererseits muss vor Erteilung der
Gewässerschutzbewilligung geprüft werden, ob deren Voraussetzungen erfüllt sind und die
massgebenden Vorschriften eingehalten werden. Dabei muss insbesondere auch die
Versickerungsanlage in gewässerschutzrechtlicher Hinsicht geprüft werden. Diese Prüfung
ist nur möglich, wenn Detailangaben und Detailpläne zur Versickerungsanlage vorhanden
sind. Dies ist vorliegend nicht der Fall. Die Baugesuchspläne bezeichnen nur den Standort
der Anlage und halten fest, es handle sich um eine unterirdische Versickerungsanlage. Die
Vorinstanz und die Gemeinde haben denn auch keine konkrete Prüfung vorgenommen,
sondern nur als Auflage festgehalten, die Versickerung müsse – anders als in den Plänen
vorgesehen – oberirdisch erfolgen. Dies reicht nicht aus. Es ist eine
gewässerschutzrechtliche Beurteilung gestützt auf eine von der Bauherrschaft vorgelegte
Detailplanung der Versickerungsanlage vorzunehmen. Zudem ist zu beachten, dass die
von der Gemeinde und der Vor-instanz geforderte Versickerung mit Oberbodenpassage
ohne Änderungen des Bauvorhaben schwierig zu realisieren sein dürfte: Das
Baugrundstück befindet sich gemäss Versickerungskarte in einer schlecht durchlässigen
Zone (Versickerungszone gelb). Die Versickerung über eine Oberbodenpassage würde
daher wahrscheinlich eine grosse Fläche in Anspruch nehmen. Zudem ist eine
konzentrierte Versickerung laut der M._AG einzig im südöstlichen Teil der
Bauparzelle möglich.24 In diesem Teil der Parzelle ist aufgrund der vorgesehenen steilen
Böschungen und einer Spiel- und Aufenthaltsfläche kaum Platz für eine grossflächige
oberirdische Versickerung. Aus diesen Gründen ist die Versickerung auf der Bauparzelle
sorgfältig zu planen und zu überprüfen, bevor eine Gewässerschutzbewilligung erteilt
werden kann.
6. Umgebungsgestaltung
a) Die Gemeinde Lützelflüh forderte in ihrem Amtsbericht vom 7. Juli 2015, es sei ihr vor
Baubeginn ein detaillierter Umgebungsgestaltungsplan, der die Anforderungen von Art. 4
23 Vgl. Ziff. 4.1.5 des Gesamtentscheides und den Amtsbericht "Gewässerschutz" der Gemeinde vom 2. Juni 2015 (Vorakten p. 119). 24 Bericht der M._AG vom 22. Juni 2015, S. 2 (Vorakten p. 78)
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GBR erfülle, zur Genehmigung vorzulegen. Die Vorinstanz hielt dazu im angefochtenen
Entscheid fest, die meisten der in Art. 4 GBR genannten Umgebungsmassnahmen wie
Terrainveränderungen, Stützmauern, Böschungen und Höhenangaben seien bereits in den
Baugesuchsplänen enthalten. Einzig die Terrainübergänge zu den Nachbargrundstücken
auf der Ost- und Westseite ergäben sich aus den Plänen nicht klar. Die Vorinstanz forderte
daher in einer Auflage, der Baupolizeibehörde der Gemeinde sei vor Inangriffnahme der
Umgebungsarbeiten ein Umgebungsgestaltungsplan einzureichen, aus dem ersichtlich sei,
wie die Terrainanschlüsse an die Nachbargrundstücke ausgeführt werden. Die
Beschwerdeführenden kritisieren dieses Vorgehen und machen geltend, der
Umgebungsgestaltungsplan müsse im Baubewilligungsverfahren eingereicht werden, damit
sich die Nachbarn allenfalls zur Wehr setzen könnten. Zudem müsse gemäss Art. 7 GBR
geprüft werden, ob der Übergang zu den Nachbargrundstücken harmonisch gestaltet
werde.
b) Gemäss Art. 14 ist die Umgebung von Bauten und Anlagen so zu gestalten, dass
sich eine gute Einordnung in die Landschaft und Siedlung ergibt und sie den Bedürfnissen
der Benützer entspricht. Die Gemeinden können nähere Vorschriften über die
Umgebungsgestaltung erlassen. Bestehen solche besonderen Vorschriften, ist im
Baubewilligungsverfahren ein Umgebungsgestaltungsplan einzureichen (Art. 14 Abs. 1 Bst
d BewD25). Die Gemeinde Lützelfüh hat von der Möglichkeit gemäss Art. 14 BauG
Gebrauch gemacht und folgende Bestimmungen in ihr Baureglement aufgenommen:
Art. 4 GBR
"Sofern die Umgebung neu- oder umgestaltet wird, ist zusammen mit dem Baugesuch ein
Umgebungsgestaltungsplan einzureichen (Art. 14 BauG, Art. 14 lit. d BewD). Der
Umgebungsgestaltungsplan muss unter anderem aufzeigen:
a) Anordnung der notwenigen Parkplätze und deren Zufahrten sowie die zum Verständnis
notwendigen Höhenangaben,
b) Terrainveränderungen, Terrainübergänge zu Nachbargrundstücken, Stützmauern, Böschungen,
Höhenangaben, Art von Einfriedungen,
c) Belagsänderungen (Vorplätze, Parkplätze, Gehwege, usw.)."
Art. 7 GBR
"1 Bei der Erstellung von Wohn-, Gewerbe- oder Industriebauten ist die Baukommission befugt, eine
angemessene Bepflanzung der zu überbauenden Parzellen zu verlangen.
25 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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2 Abgrabungen und Aufschüttungen sind so zu gestalten, dass sie sich harmonisch in die
herkömmliche Bebauungsstruktur und in das bestehende Gelände einfügen und ein guter Übergang
zu den Nachbargrundstücken entsteht. Ganz besonders ist darauf zu achten, dass der Bezug der
Gebäude Strassenraum nicht durch Aufschüttungen gestört wird.
3 Stützmauern, auf die aus topographischen Gründen nicht verzichtet werden kann, sind in Grund-
und Aufriss zu gliedern (Staffeln, Versätze). Stützmauern mit einer Höhe von mehr als 1.50 m
werden nur in begründeten Ausnahmefällen bewilligt (vgl. Anhang I)."
c) Da die Gemeinde Lützelflüh detaillierte Vorschriften zur Umgebungsgestaltung
erlassen hat, ist für Bauvorhaben in ihrer Gemeinde grundsätzlich ein
Umgebungsgestaltungsplan einzureichen. Darauf kann nur dann verzichtet werden, wenn
die übrigen Pläne sämtliche der in den Artikeln 4 und 7 GBR genannten Details der
Umgebungsgestaltung darstellen. Die von der Beschwerdegegnerin eingereichten Pläne
zeigen zwar einige Elemente der Umgebungsgestaltung. Es fehlen allerdings Angaben und
Darstellungen zu den Terrainübergängen gegenüber den Nachbarparzellen Nr.
N._, O._ und K._. Diese Angaben sind vorliegend wichtig, da das
Bauvorhaben mit grossen Terrainanpassungen verbunden ist und die Bewilligungsbehörde
prüfen muss, ob ein guter Übergang zu den Nachbargrundstücken entsteht (Art. 7 Abs. 2
GBR). Diese Prüfung darf nicht auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, sondern
hat im Baubewilligungsverfahren zu erfolgen. Die Vorinstanz hat daher zu Unrecht auf das
Einholen eines Umgebungsgestaltungsplans verzichtet.
7. Rückweisung
a) Nach Art. 72 Abs. 1 VRPG entscheidet die Beschwerdeinstanz in der Sache oder
weist die Akten ausnahmsweise mit verbindlichen Anordnungen an die Vorinstanz zurück.
Mangelnde Entscheidreife einer Sache kann ein Grund für eine solche Rückweisung sein.26
b) Das umstrittene Bauvorhaben kann noch nicht abschliessend beurteilt werden: Es
fehlt eine Detailplanung der Grundstückentwässerung bzw. Versickerungsanlage. Gestützt
auf eine solche Detailplanung muss beurteilt werden, ob die Gewässerschutzbewilligung
erteilt werden kann. Weiter fehlt ein detaillierter Umgebungsgestaltungsplan, gestützt auf
den beurteilt werden muss, ob das Vorhaben die Anforderungen von Art. 7 GBR erfüllt, das
26 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 3
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heisst, ob es sich harmonisch in die Bebauungsstruktur und in das bestehende Gelände
einfügt und ob ein harmonischer Übergang zu den Nachbargrundstücken entsteht. Weiter
ist eine neue Lärmbeurteilung basierend auf neuen, projektbezogenen Messungen
vorzunehmen. Es ist nicht Aufgabe der BVE als Beschwerdeinstanz, in diesem Ausmass
weitere Abklärungen vorzunehmen. Daher ist der Gesamtentscheid der Vorinstanz vom
28. August 2015 aufzuheben und die Sache zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinne der
Erwägungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
8. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdegegnerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die Verfahrenskosten im
Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr. Für besondere
Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren erhoben
werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Die Pauschalgebühr wird festgesetzt auf Fr. 1'200.00
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV27). Als zusätzliche Gebühr
kommen die Kosten für den Zusatzbericht der I._AG vom 11. Januar 2016 von Fr.
2'600.00 hinzu. Die Verfahrenskosten betragen gesamthaft Fr. 3'800.00 und werden der
Beschwerdegegnerin auferlegt.
b) Die Beschwerdegegnerin hat zudem den Beschwerdeführenden die Parteikosten zu
ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der Anwalt der Beschwerdeführenden macht ein
Honorar von Fr. 3'500.00, Auslagen von Fr. 114.00 sowie Mehrwertsteuern von Fr. 289.10
geltend. Dies gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdegegnerin hat den
Beschwerdeführenden Parteikosten von Fr. 3'903.10 zu ersetzen.