# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 78c03a2a-654e-468c-a1ba-ba98deefc71d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, meldete sich am
22. März 2002
unter Hinweis auf seit einem Unfal
l bestehende
Schmerzen in der Hand bei der
Sozialversiche
rungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle
,
zum Leistungsbezug (
Berufsbe
ratung und Umschulung auf eine neue Tätigkeit
)
an (Urk. 6/1).
Mit Verfü
gung
vom 1
6.
September 2002 sprach die IV-Stelle dem Versicherten berufliche Massnahmen im Sinne einer Umschulung zu (Urk. 6/1
8
) und leistete mit Verfügung vom 1
7.
Juni 2003 eine Kostengutsprache für einen
Amortisati
onskostenbeitrag
(
Urk.
6/27).
Am 8.
Dezember 2004 schloss die IV
Stelle das Gesuch um eine Umschulung vom 2
2.
März 2002 ab und teilte dem Ver
si
cher
ten mit, über einen allfälligen Rentenanspruch werde später entschieden (Urk. 6/34). Eine
gegen den die Verfügung bestätigenden
Ein
spracheentscheid
vom 1
7.
Februar 2006
erhobene Beschwerde vom 19. März 2006 wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 25. September 2006 ab (Urk. 6/66).
Mit Verfü
gung vom 1. Oktober 2008 sprach
die
S
uva
dem Ver
s
icherten
bei einer 100%igen Erwerbsunfähigkeit
ab
1.
April 2007
eine Rente
und eine
Integri
tätsentschädigung
zu (Urk. 6/81/23
26).
1.2
Im Rahmen einer Rentenrevision veranlasste die
Suva
ein polydisziplinäres Gutachten durch das
Y._
, welches am 11.
April 2013
erstattet
wurde
(Urk. 6/98/2-73).
Mit Verfügung vom 3. Dezember 2013 (Urk. 6/117)
sprach die IV-Stelle
dem Versicherten ab 1.
April 2007 eine ganze Invalidenrente zu.
1.
3
Nach Eingang des vom Versicherten am 13. Oktober 2015 ausgefüllten
Revi
si
ons
fragebogens
(
Urk. 6/123)
holte die IV-Stelle bei behandelnden Ärz
ten des Versicherten
Verlaufsb
ericht
e
ein (Urk. 6/128
/5-8
, Urk. 6/131)
. Am 18. Mai 2016 teilte die IV-Stelle dem Versicherten ihre Absicht mit, zur Klä
rung der Leistungsansprüche eine Gutachterstelle mit einer umfassenden medizinischen Untersuchung (Allgemeine/Innere Medizin, Orthopädie, Neu
rolog
ie, Psychiatrie) zu beauftragen, wobei die Wahl der Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip erfolgen werde.
Weiter gab sie de
m
Versicherten die Fra
gen an die Gutachterstelle bekannt und setzte ih
m
Frist an, um Einwände gegen die geplante Begutachtung zu erheben und allfällige Zusatzfragen an die Gutachter einzureichen
(
Urk. 6/132,
Urk. 6/133).
Mit Eingabe vom 30. Mai 2016 ersuchte der Versicherte um Fristerstreckung (Urk. 6/134).
Am 2. Juni 2016 orientierte die IV-Stelle den Versicherten über die
Gutachter
stelle
(
Z._
) und teilte ihm die Namen der Gutachter mit
.
Gleich
zeitig wies sie ihn darauf hin
, dass die Gutachterstelle den Ort und den Ter
min der
Untersuchungen mitteilen werde, und
setzte ihm
eine Frist an, um
allfällige Einwendungen gegen die Gutachterpersonen zu erheben
(Urk. 6/139).
Nach gewährter Fristerstreckung (
Urk.
6/142; vgl. auch Urk. 6/141) erhob der Versicherte mit
Schreiben vom 1. Juli 2016 Einwände gegen die geplante Begutachtung (Urk. 6/143). Mit Zwischenverfügung vom 11. August 2016 hielt die IV-Stelle an der geplanten Begutachtung durch die
Z._
fest (Urk. 6/144 = Urk. 2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 14. September 2016 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung vom 11. August 2016 (Urk. 2) vollumfänglich aufzuheben. Es sei die IV-Stelle anzuweisen, auf eine Begutachtung zu verzichten. Eventuell sei die IV-Stelle anzuweisen, beim
Y._
ein Verlaufsgutachten anzufordern. Subeventuell sei die IV-Stelle anzuweisen, eine polydisziplinäre Untersuchung auf die Fachgebiete
Hand
chirurgie
und Neuropsychologie auszudehnen.
Mit Beschwerdeantwort vom 18. Oktober 2016 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit Replik vom
7.
November 2016 (Urk. 8) hielt der Beschwerde
führer an der Beschwerde und deren Begründung vollumfänglich fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete
am 18. November 2016
auf eine Duplik (Urk. 10), was dem Beschwerdeführer am 21. November 2016 (Urk. 11) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand in diesem Verfahren ist die Verfügung vom 11. August 2016 (
Urk.
2), mit welcher die IV-Stelle an der Begutachtung des Beschwerdeführers durch die
Z._
festhielt. Bei der Anordnung eines Gutachtens handelt es sich um eine Zwischenverfügung im Sinne von
Art.
55
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
cherungsrechts
(ATSG) in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bun
desgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
; BGE 138 V 271 E. 1.2.1), welche bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (
Art.
46
Abs.
1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
Die Anfechtbarkeitsvoraussetzung des nicht wieder gutzumachenden Nach
teils ist bei der Anfechtung einer umstrittenen Gutachtensanordnung für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren zu bejahen, zumal die nicht sachge
rechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur tatsächli
chen Nachteil bewirkt (BGE 138 V 271 E. 1.2.1 bis 1.2.3; 137 V 210 E. 3.4.2.7 mit Hinweisen).
1.2
Polydisziplinäre Gutachten, das heisst solche, an denen drei oder mehr
Fach
dis
ziplinen
beteiligt sind, haben bei einer Gutachterstelle zu erfolgen, mit welcher das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) eine Vereinba
rung getroffen hat. Gemeint sind die medizinischen Abklärungsstellen (MEDAS) im Sinne von
Art.
59
Abs.
3 des Bundesgesetzes über die Invali
denver
sicherung (IVG). Die Vergabe der Aufträge erfolgt gemäss
Art.
72
bis
Abs.
2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) nach dem Zufalls
prinzip (vgl. BGE 139 V 349 E. 2.2). Das Verfahren für die
Auftrags
vergabe
von polydisziplinären Gutachten durch die IV-Stellen ist im
Kreis
schreiben
über das Verfahren in der Invalidenversicherung (KSVI; Stand
1.
Januar 201
6
) detailliert geregelt (
Rz
2075-2082). Das Verfahren der
Auf
tragsvergabe
für polydisziplinäre Gutachten via
SuisseMED@P
richtet sich nach dem Hand
buch für Gutachter- und IV-Stellen in Anhang V zum KSVI, wobei das Bestätigungsmail der Plattform
SwissMED@P
über die erfolgrei
che Vergabe des Gutachtensauftrags im Versichertendossier zu erfassen ist (
Rz
2077 KSVI).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung vom 11. August 2016 (Urk. 2) davon aus, dass
der Versicherte gemäss dem Gut
achten des
Y._
aus handchirurgischer Sicht in der angestammten Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig und in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % arbeitsfähig gewesen sei. Aus neurologischer Sicht habe sich keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit ergeben. Aus psychiatrischer Sicht sei eine anhaltende wahnhafte Störung (Paranoia) diagnostiziert worden, aufgrund welcher die Gutachter eine volle Arbeitsunfähigkeit attestiert hätten. Aktuell berichte der behandelnde Psychiater
Dr.
med.
A._
von einem tendenziell verschlechterten und damit einem veränderten Gesundheitszustand. Aller
dings nenne er als Hauptdiagnose eine somatische Diagnose: Status nach Arbeitsunfall mit Quetschung der rechten Hand am 1.
Juni 200
1.
Erst in der F
olge nenne er die Diagnose einer Depression gegenwärtig mittelgradig. Eine
wahnhafte Störung habe er nicht mehr diagnostiziert. Der Bericht enthalte jedoch keine objektiven Befunde.
Eine nachvollziehbare Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustandes beziehungsweise der aktuellen Arbeitsfähig
keit fehle. Eine polydisziplinäre Untersuchung sei angezeigt.
Die
Gutachter
stelle
könne abschliessend prüfen, ob die Liste der medizinischen Disziplinen angepasst werden müsse (BGE 139 V 349 E. 3.3). Es sei vom Beschwerde
führer nicht konkret begründet worden, weshalb aktuell dieselben Disziplinen wie im Gutachten des
Y._
notwendig sein würden
(S. 2)
.
In der Beschwerdeantwort
(Urk. 5)
beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde und führte bezugnehmend auf den Antrag, es sei ein Verlaufsgutachten beim
Y._
einzuholen
,
aus, dass ein polydisziplinäres Verlaufsgutachten bei derselben Gutachterstelle nur eingeholt werden könne, wenn das erste Gutachten bereits
mittels Zufallsprinzip a
usgelost worden sei (
Rz
2078 KS
V
I
). Diese Voraussetzung sei im vorliegenden Fall jedoch nicht erfüllt.
2.2
Der Beschwerdeführer brachte vor, dass
die Mitwirkungspflicht nicht gebiete, dass sich die versicherte Person wiederholt umfangreichen Begutachtungen zu unterziehen habe. Er sei im Auftrag der
Suva
unter Beteiligung der Beschwerdegegnerin (Zusatzfragen vom 2
3.
Mai 2011) am
Y._
Ende 2012 bis Anfang 2013 umfassend polydisziplinär begutachtet worden. Sowohl in der somatischen als auch in der psychiatrischen Prognose
seien
Aussichten auf teilweise oder vollständige Heilung verneint
worden
. Auch aus den nach Eröffnung des Revisionsverfahrens angeforderten Arztberichten würden sich keine Hinweise auf eine Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit ergeben. Es be
stehe daher kein Anlass für eine erneute Begutachtung
(Urk. 1 S. 4 Ziff. 3)
. Würde man wider Erwarten das Erforder
nis einer erneuten Begutachtung bejahen wollen,
hätte gemäss Eventualan
trag die Beschwerdegegnerin
beim
Y._
ein Verlaufsgutachten anzufordern.
Die letzte unbestrittenermassen sehr umfangreiche polydisziplinäre Begut
achtung liege erst gut drei Jahre zurück. Es genüge zur Aktualisierung der Akten
,
den
Y._
-Experten die Fragen zu unterbreite
n
, ob sich eine Verände
rung von Gesundheitszustand und Arbeitsfähigkeit ergeben habe (S. 4 f. Ziff. 4). Gemäss Subeventualantrag hätte der Gutachtensauftrag die gleichen Fachgebiete wie das
Y._
-Gutachten vom 1
1.
April 2013 zu umfassen. Nur so könne vollständig ermittelt werden, ob Veränderungen eingetreten seien. Abgesehen davon habe er beim Arbeitsunfall vom 5. Juni 2001 eine schwere Handverletzung erlitten, die zwingend der handchirurgischen Beurteilung bedürfe. Die aufgrund des am 2
6.
April 2009 erlittenen ischämischen
cere
brovasculären
Infarkts bestehenden Einschränkungen bedürften zwingend der neuropsychologischen Abklärung. Es sei völlig schleierhaft, weshalb die Beschwerdegegnerin diese Abklärungen verweigern möchte. Der Hinweis auf die Anpassungsmöglichkeit durch die Gutachter verfange nicht, er habe einen Anspruch darauf, dass der Abklärungsbereich von Anfang an korrekt festgelegt werde (S. 5 Ziff. 5).
In der Replik (Urk. 8) brachte
der Beschwerdeführer
vor, die Untersuchungen am
Y._
seien zwischen Ende 2012 und Anfang 2013 erfolgt. Die
bundesge
richtlichen
Vorgaben zur Begutachtung und insbesondere zur Vergabe der MEDAS-Begutachtungsaufträge nach dem Zufallsprinzip seien mit Urteil vom 28. Juni 2011 erfolgt (BGE 137 V 210) und seien im Zeitpunkt d
er Auf
tragserteilung durch die Suva
bereits bekannt gewesen. Die
Beschwe
rdegeg
nerin
habe somit genüg
en
d
Zeit gehabt, die Begutachtung den neuen Anfor
derungen anzupassen und selbständig einen Gutachtensauftrag nach dem Zufallsprinzip zu erteilen. Sie habe selbst zu verantworten, dass die
Erstbe
gutachtung
nicht gemäss BGE 137 V 210 erfolgt sei. Ihr vertretene
r
Stand
punkt in der Beschwerdeantwort sei deshalb offensichtlich
rechtsmissbräuch
lich
, Ziffer 2078 KSVI könne demnach keine Anwendung finden.
3.
3.1
Im Lichte der mit dem Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich IV.2014.00665 vom 2
3.
März 2015 präzisierten Rechtsprechung zum Verfahren der Anordnung eines polydisziplinären Gutachtens (E. 1.3 bis 1.8 des zitierten Urteils) ist festzustellen, dass
die Beschwerdegegnerin
das Ver
fahren vollständig und korrekt durchgeführt hat:
Zunächst teilte sie dem Beschwerdeführer am
18. Mai 2016 ihre Absicht mit, eine umfassende medizinische Untersuchung anzuordnen, erwähnte die beteiligten Fachdisziplinen, stellte ihm den Fragenkatalog zu und räumte ihm die Möglichkeit ein,
Einwände gegen die geplante Begutachtung zu erheben und
Zusatzfragen zu stellen (Urk. 6/132, Urk. 6/133).
In der Folge wurde das Verfahren der Auftragsvergabe via
SuisseMED@P
durchgeführt (Urk. 6/136
138). Im weiteren Verlauf teilte
die Beschwerdegegnerin
dem Beschwerdeführer die nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Gutachterstelle mit den Fachdisziplinen und den vorg
esehenen Gutachterpersonen mit (Urk. 6/139). Gleichzeitig
wurde
der Beschwerdeführer
darauf hingewiesen, dass die Gutachterstelle den Ort und den Termin der Untersuchungen mittei
len werde, und es wurde ih
m
eine Frist angesetzt, um allfällige Einwendun
gen gegen die Gutachterpersonen zu erheben
(Urk. 6/139), wovon der Beschwerde
führer mit Eingabe vom 1. Juli 2016 (Urk. 6/143) Gebrauch machte.
3.2
Nach dem Gesagten hat die Beschwerdegegnerin das Verfahren zur Einho
lung des polydisziplinären Gutachtens der
Z._
vollständig und korrekt durchgeführt. Sie war daher grundsätzlich berechtigt, mit Erlass der angefochtenen Verfügung über die Begutachtung zu verfügen.
3.3
Praxisgemäss (vorstehend E. 1
.1
) ist die angefochtene Verfügung vom 11. August 2016 (Urk. 2) geeignet, beim Beschwerdeführer einen nicht wieder
gutzumachenden Nachteil tatsächlicher u
nd rechtlicher Art zu bewirken.
Folglich ist auf die Beschwerde gegen die Zwischenverfügung vom 11. Au
gust 2016 einzutreten.
4.
4.1
Der Beschwerdeführer macht geltend, eine polydisziplinäre Begutachtung sei nicht notwendig
(vorstehend E. 2.2)
.
Nach den allgemeinen Regeln des Sozialversicherungsrechts hat der Versi
che
rungsträger den rechtserheblichen Sachverhalt abzuklären. Er ist nach dem in
Art.
43
Abs.
1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz ver
pflichtet, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erfor
derlichen Auskünfte einzuholen. Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versicherungsträger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Notwen
digkeit, Umfang und Zweckmässigkeit von medizinischen Erhebungen gross ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_481/2013 vom 7.
November 2013 E. 3.4). Was zu beweisen ist, ergibt sich aus der Sach- und Rechtslage. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann. Die für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durchzuführenden Abklärungen im Sinne von
Art.
43 ATSG beinhalten indessen rechtsprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine „
second
opinion
“ zum bereits in einem Gutachten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn ihm dieser nicht passt (BGE 138 V 271 E. 1.1; Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 4.2). Entscheidend dafür, ob weitere Abklärungen angeord
net werden können und müssen, ist, ob die bereits vorliegenden Gutachten
die praxisgemässen inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen erfüllen (Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 2
9.
Mai 2007 E. 4.2).
4.2
Die
Rentenzusprache
vom 3. Dezember 2013 (Urk. 6/117) rückwirkend per 1. April 2007 erfolgte aufgrund der Folgen eines Unfalls vom
6.
Juni 2001, bei welchem der Beschwerdeführer eine Handquetschung rechts erlitt.
Im Auftrag des Unfallversicherers wurde
beim
Y._
eine
polydisziplinäre
Begutachtung durchgeführt (Gutachten vom
1
1. April 2013; Urk. 6/98/2-73). Dabei
diagnostizierte der Handchirurg eine
residuelle
Einsteifung
der
Intrinsic
-Muskulatur Hand rechts mit
belastungsabhängigen Schmerzen (S. 53 Ziff. 8.3) und
attestierte eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der ange
stammten Tätigkeit als Käser und Molkereimitarbeiter. In einer adaptierten Tätigkeit ging er von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit aus (S. 54 Ziff. 8.9).
Der neurologische Gutachter
nannte die folgenden Diagnosen (S. 56 f. Ziff. 9.3):
chronisches, belastungsabhängiges Schmerzsyndrom der rechten Hand nach Quetschverletzung mit Frakturen der Basis der
Metacar
palia
III und IV sowie Weichteilverletzungen der Mittelhand am 5. Juni 2001
einen Status nach ischämischem
cerebrovasculärem
Inf
arkt im
Versor
gungsgebiet
der
A
rteria
cerebri
posterior
links am 26. April 2009
einen Status nach Verschluss eine
s
offenen
Foramen
ovale am
6.
Mai 2009
ein elektrophysiologisches Carpaltunnelsyndrom rechts, höchstens mässig ausgeprägt
Er erachtete eine angepasste Tätigkeit als zumutbar und verwies hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit in angestammter Tätigkeit auf die Beurteilung des
hand
chirurgischen
Gutachters (S. 58
Ziff.
9.8 f.).
Aus psychiatrischer Sicht wurde eine anhaltende wahnhafte Störung (Para
noia; ICD-10 F22.0) und Störungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen (Benzodiazepine, Tabak,
Cannabi
noide
; ICD-10 F19.24) dia
gnostiziert (S. 63 Ziff. 10.4) und eine voll
ständige
Arbeitsunfähigkeit angenommen
(S. 68 Ziff. 10.7)
.
Eine Aussicht auf eine teilweise oder vollständige Heilung bestehe nicht (S. 68 Ziff. 10.8.1).
Unter Berücksichtigung des
Y._
-Gutachtens ging die Beschwerdegegnerin von einem Invaliditätsgrad von 100 % aus
(Urk. 6/116)
.
4.3
Im Revisionsverfahren gab
der Hausarzt des Beschwerdeführers, Dr. med.
B._
, Facharzt für
Allgemeine Innere Medizin
, mit
Verlaufsb
ericht vom 3. November 2015
(Urk. 6/128
/5-8
)
an, die Frage zu veränderten Befunden, dem aktuellen psychopathologischen Befund und funktionellen Einschrän
kungen nicht beantworten zu können. Er habe den Beschwerdeführer zwar zur hausärztlichen Betreuung per 3. November 2012 übernommen, aber nur unvollständige Akteneinsicht. Es sei ihm
auch
nicht bekannt, weshalb der Beschwerdeführer eine IV-Rente habe (Ziff. 1.3).
Der Beschwerdeführer melde sich sehr unregelmässig bei Bedarf. Bei ihm persönlich sei die letzte Kontrolle am 20. Mai 2014, bei seinem Praxispartner am 15. Juli 2015 gewesen (Ziff. 3.1).
Zudem reichte er zwei Arztberichte ein. Aus dem Bericht des
C._
vom 3. Februar 2015 (Urk. 6/128/9-10)
geht hervor, dass sich der Beschwerdeführer aufgrund Unsicherheit und zunehmendem Taubheitsgefühl seit gut zwei Wochen im rechten Arm notfallmässig selbst im Spital vorge
stellt
habe
.
Er sei verunsichert und plane in drei Wochen eine Thailandreise.
Die Ärzte diagnostizierten eine unklare Hypästhesie im rechten Arm, eine
Hpovitaminose
sowie eine rezidivierende depressive Störung (Erstdiagnose 2004) mit Angststörung
(S. 1)
. Aus dem
Bericht des
D._
, Institut für Anästhesiologie,
vom 6. Juli 2015 (Urk. 6/128/12-
1
4)
geht hervor, dass die Ärzte aufgrund der schriftlichen Unterlagen komplexe Handschmerzen möglicherweise schon gemischt mit
nozizeptiv
-neuropathi
scher Ursache, welche durch ausgeprägte psychiatrische wie auch psycho-soziale Stressfaktoren überlagert würden, vermuteten (S. 1 unten).
Sie diag
nostizierten ein komplexes Schmerzbild, eine rezidivierende depressive Störung, Erstdiagnose 2004, und einen
Benzodiazepinabusus
, Erstdiagnose 2012 (S. 1 Mitte).
Der behandelnde Psychiater,
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Psych
iatrie und Psychotherapie
, nannte mit
Verlaufsb
ericht vom 17. Februar 2016 (Urk. 6/131
/1-4
) als Diagnosen einen Status nach Arbeitsunfall mit Quetschung der rechten Hand sowie eine Depression, gegenwärtig mittelgra
dig
(S. 1 Ziff. 1.2)
,
und führte aus, den Beschwerdeführer
zirka ein Mal im Monat zu behandeln (S. 3 Ziff. 3.1). Die Prognose sei schlecht (S. 3 Ziff. 3.3). In einem ergänzenden
Schreiben
vom selben Datum (Urk. 6/131/5) führte
Dr.
A._
aus, der Beschwerdeführer lebe alleine und habe kaum Kontakt mit anderen Personen. Seine Tagesstruktur werde durch schlechten Schlaf und den minimal notwendigen Tätigkeiten wie einkaufen, entsorgen, putzen
und
Fernsehkonsum bestimmt. Er habe wenige Ressourcen. Er spiele auf dem Computer Schach oder Backgammon. Bei schönem Wetter fahre er manchmal
Velo. Das Ziel sei Vermeidung von Krisenzuständen. Letztes Jahr sei er nur zwei Tage im
E._
gewesen, wegen Angst. Eine grundsätzli
che Verbesserung sei nicht möglich, da seine Hauptbeschwerden von der lädierten rechten Hand herrühren würden. Wesentliche
Zustandsverbesse
rungsmöglichkeiten
seien generell nicht ersichtlich.
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatolo
gie
des Bewegungsapp
arates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), führte in seiner Stellungnahme vom 29. April 2016 (Urk. 6/0/3) aus, im Rahmen unzureichender medizinischer Aussagen sollte eine polydisziplinäre Verlaufsbeurteilung stattfinden.
4.4
Indem die Beschwerdegegnerin in Nachachtung ihrer gesetzlichen
Abklä
rungs
pflicht
die vom RAD empfohlene Begutachtung anordnete, bewegte sie sich ohne
Weiteres
im Rahmen des ihr bei medizinischen Erhe
bungen zustehen
den Ermessensspielraums (vgl. vorstehend E.
4.
1). Seitens des Gerichts besteht keine Veranlassung, in die der Beschwerdegegnerin obliegen
de Verfahrensleitung einzugreifen. Es bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Beschwerdegegnerin mit der angeordneten polydisziplinären Begutachtung eine „
second
opinion
“ zu einem bereits umfassend abgeklärten Sachverhalt einzuholen gedachte. Denn
d
ie ursprüngliche
Rentenzusprache
erfolgte primär gestützt auf die psychiatrische Beurteilung
im Gutachten des
Y._
, wonach
eine vollständige
Arbeitsunfähigkeit
angenommen w
u
rde
.
Der behandelnde Psychiater Dr.
A._
gab
im Verlaufsbericht vom 17. Februar 2016
zwar
an, dass eine Verbesserung des Gesundheitszustandes grundsätz
lich nicht möglich sei, begründet dies jedoch nicht mit psychischen
Beschwerden, sondern damit, dass die Hauptbeschwerden von der lädierten rechten Hand herrühren würden
. Des Weiteren fällt auf, dass
der psychiatri
sche
Y._
-
Gutachter eine
anhaltende wahnhafte Störung (Paranoia; ICD-10 F22.0) und Störungen durch multiplen Substanzgebrauch und Konsum anderer psychotroper Substanzen (Benzodiazepine, Tabak,
Cannabinoide
; ICD-10 F19.24) diagnostiziert
e
,
Dr.
A._
in psychiatrischer Hinsicht
hin
gegen
einzig eine Depression, gegenwärtig mittelgradig
,
erwähnt
.
Es
stellt sich daher die Frage, ob sich der psychische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers verbessert hat.
Bei dieser Ausgangslage sind weitere Abklärungen zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers notwendig.
Auch der somatische Gesundheitszustand erfordert
nähere Abklärungen. So ist aufgrund der vorliegenden aktuellen Arztberichte nicht ersichtlich, dass sich dieser
allenfalls
verschlechtert
hätte
, der behandelnde Psychiater
begründet die
Negation
einer Verbesserungsmöglichkeit des Gesundheitszu
standes aber somatisch.
Der Umstand, dass
anlässlich der Begutachtung am
Y._
s
owohl in der somatischen als auch in der psychiatrischen Prognose Aussichten auf teilweise oder vollständige Heilung verneint
wurden
(vgl. vorstehend E. 2.2)
, ändert nichts daran, dass vorliegend nicht abschliessend beurteilt werden kann, ob nun doch eine Ver
besserung
des Gesundheitszu
standes eingetreten ist
.
5.
Im Übrigen ist anzumerken, dass gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung die beauftragten Sachverständigen letztverantwortlich einerseits für die fachliche Güte und die Vollständigkeit der interdisziplinär erstellten
Ent
scheidungsgrundlage
, anderseits aber auch für eine wirtschaftliche Abklä
rung sind. Mit dieser Gutachterpflicht nicht vereinbar wäre es, wenn den Sachverständigen eine
Disziplinenwahl
aufgezwungen würde, die sie - auch nach pflichtgemässer Würdigung der für den Auftrag ausschlaggebenden Überlegungen - für (versicherungs-)medizinisch nicht vertretbar hielten. Den Gutachtern muss es also freistehen, die von der IV-Stelle bzw. dem RAD (oder im Beschwerdefall durch ein Gericht) bezeichneten Disziplinen gegen
über der Auftraggeberin zur Diskussion zu stellen, wenn ihnen die Vorgaben nicht einsichtig sind (BGE 139 V 349 E. 3.3). Dem Beschwerdeführer kann demnach nicht gefolgt werde
n, wenn er fordert, dass der konkrete
Abklä
rungsbereich
von Anfang an festgelegt werden soll.
6
.
6
.1
Zu prüfen bleibt die Frage
, ob die Beschwerdegegnerin ein
Verlaufsgutach
tens
beim
Y._
einzuholen hat, oder die Gutachterstelle nach dem Zufalls
prinzi
p bestimmt werden kann
.
Wie erwähnt, hat die Vergabe von polydisziplinären Gutachten nach dem Zufallsprinzip zu erfolgen (vorstehend E. 1.2). D
as Bundesamt f
ür Sozialver
sicherungen weist im
KSVI auf die Möglichkeit hin, Verlaufsgutachten der
selben Gutachterstelle in Auftrag geben zu können, die bereits das erste polydisziplinäre Gutachten erstellt hat. Es knüpft diese Möglichkeit indes an die Voraussetzung, dass das erste Gutachten über die Plattform
Suis
se
MED@P
vergeben worden ist (
Rz
2078).
Das Verwaltungsgericht des Kantons Thurgau kam
in einem Entscheid vom 23. April 2014
zum Schluss, dass
Art.
72
bis
IVV lückenhaft erschein
e
(TVR
2014 Nr. 32)
. Das Interesse an der Bestimmung einer Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip
müsse
bei Verlaufsgutachten hinter dem Interesse an einem möglichst aussagekräftigen Gutachten zurücktreten. Art.
72
bis
IVV
müsse
daher so ausgelegt werden, dass selbst dann, wenn
die Gutachterstelle, welche das erste polydisziplinäre Gutachten erstellt ha
be
, noch nicht anhand der Plattform
SuisseMED@P
ausgewählt
worden sei
(da diese im damaligen Zei
tpunkt noch gar nicht existiert habe
), auch unter Geltung von
Art.
72
bis
IVV dieselbe Gutachterstelle für ein Verlaufsgutachten beigezogen werden kann.
6
.2
Nach dem Gesagten kann die Beschwerdegegnerin
- entgegen ihrer Ansicht -
dieselbe Gutachterstelle für ein Verlaufsgutachten beiziehen,
auch
wenn
die Gutachterstelle, welche das erste polydisziplinäre Gutachten erstellt
hat
, noch nicht anhand der Plattform
SuisseMED@P
ausgewählt
worden ist
.
Zur rechtserheblichen Sachverhaltsermittlung liegt es daher
im
sachgerechten
Ermessen der Beschwerdegegnerin
zu entscheiden
, ein Verlaufsgutachten
bei der vor
bef
assten Gutachterstelle direkt
einzuholen oder
eine neue
Gutach
terstelle
bestimmen zu lassen
, wobei sie das Ziel, eine möglichst aussage
kräftige Beurteilung zu erhalten, stets zu beachten hat
.
E
ine Verlaufsbegutachtung
bei der vorbe
fassten Gutachterstelle
macht
mitun
ter deshalb Sinn, da sich dieselben Ärzte nochmals mit derselben versi
cherten Person befassen können.
Dabei
kommt
auch
der zeitlichen Kompo
nente eine massgebende Bedeutung zu, ist doch
ein
Gutachter nach Ablauf einer längeren Zeitdauer mit der zu begutachtenden Person nicht mehr ver
traut
beziehungsweise besteht die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass dieser an der Gutachterstelle nicht mehr tätig ist
.
Im Handbuch für Gutachter- und IV
Stellen ist denn auch die Rede davon, dass die IV-Stelle die vorbefasste
Gut
achterstelle
direkt, das heisst ausserhalb
SuisseMED@P
beauftragen kann, wenn in einem Versicherungsfall innerhalb einer Frist von drei Jahren seit der (letzten) polydisziplinären Begutachtung ein Verlaufsgutachten not
wen
dig wird
(
SuisseMED@P
: Handbuch für Gutachter- und IV-Stellen, S. 10, Fussnote 3)
. Vorliegend lag die erste Begutachtung zum Zeitpunkt, als die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer die Begutachtung durch eine neue Gutachterstelle angekündigt h
at, mehr als drei Jahre zurück
,
was die Wahrscheinlichkeit erhöht,
dass der Beschwerdeführer nicht mehr durch
all
dieselben Ärzte begutachtet
würde
,
der Vorteil einer Verlaufsbegutachtung somit nicht zum Tragen
käme
.
Schliesslich macht es
vorliegend
umso mehr Sinn, nun eine Gutachterstelle nach dem Zufallsprinzip auszuwählen, als die letzte Gutachterstelle nicht danach ausgewählt worden ist
, dies auch unter dem Aspekt, dass das Zufalls
prinzip bei der Gutachtensvergabe zum Schutz der Versicherten eingeführt worden ist.
7.
Nach Gesagtem kann die Beschwerdegegnerin vorliegend jedenfalls nicht verpflichtet werden, zur rechtserheblichen Sachverhaltsermittlung ein
Ver
laufsgutachten
beim
Y._
einzuholen. Die Begutachtung durch die in korrekt durchgeführtem Verfahren ausgewählte Gutachterstelle
Z._
erscheint sachgerecht. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
8
.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistun
gen der Invalidenversicherung geht, ist das Beschwerdeverfahren - in Abwei
chung von
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG gemäss
Art.
61
lit
. a ATSG kostenlos.