# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8267aa36-61d9-492b-8dc4-35a646f0e105
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1964, ist gelernte kaufmännische Angestellte (vgl.
Urk.
5/1) und war zuletzt bei der
Y._
GmbH,
Z._
, als Buchhalterin tätig (vgl.
Urk.
5/16/6;
Urk.
5/8). Am 17. Oktober 2012 (
Urk.
5/2) meldete sie sich wegen Depression
en
bei der Invalidenversicherung an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen
und gewährte der Versicherten Kostengu
tsprache für ein Belastbarkeits
training (
Urk.
5/17) und ein Aufbautraining (
Urk.
5/25), welches jedoch per 21. März 2014 abgebrochen werden musste (vgl.
Urk.
5/36). Mit Schreiben vom 4. September 2014 (
Urk.
5/45) auferlegte die IV-Stelle der Versicherten eine
Schadenminde
rungspflicht
in Form einer
Pharmako
- und Psychotherapie mit Nachweis der Cannabisabstinenz.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
5/54;
Urk.
5/55) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2.
Juni 2016 einen Rentenanspruch der Versicherten (
Urk.
5/59 =
Urk.
2).
2.
Am 30. Juni 2016 (Datum der Einreichung) erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom
2.
Juni 2016 und beantragte sinngemäss die Auf
hebung des angefochtenen Entscheides und die
Zusprache
einer Invaliden
rente (
Urk.
1). Die Beschwerdegegnerin beantragte mit Beschwerdeantwort vom 6. September 2016 (
Urk.
4) die Abweisung der Beschwerde, was der Be
schwerdeführerin am 18. Oktober 2016 mitgeteilt wurde (
Urk.
6).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung, IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Be
tracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsge
mäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Lei
den mit Krankheitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Auf
bietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Er
werbseinkommen
zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18.
No
-
vember
2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 2015 E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c;
vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 2015 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18. April 2016 E. 4.1).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersu
chungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medi
zinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Der Beschwerdeführerin sei eine Schadenminderungspflicht aufer
legt worden und sie habe einen fachmedizinischen Nachweis der
Cannabis
abstinenz
beibringen müssen. Gemäss der medizinischen Einschätzung könne ihr Gesundheitszustand und somit auch die Arbeitsfähigkeit wesentlich ver
bessert werden. Die Beschwerdeführerin konsumiere jedoch weiterhin Canna
bis. Die Schadenminderungspflicht sei somit nicht erfüllt worden. Die Be
schwerdeführerin lege weiterhin keinen Abstinenznachweis vor (S. 2). Sie sei auf die Folgen der Nichteinhaltung der Auflagen hingewiesen worden. Es sei unerlässlich feststellen zu können, ob die Einschränkungen mit und ohne Cannabiskonsum in gleichem Ausmass vorhanden seien. Es lasse sich nicht beurteilen, ob tatsächlich ein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege. Es sei mangels anderer Angaben weiterhin davon auszugehen, dass die Be
schwerdeführerin Cannabis konsumiere (
Urk.
4).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend (
Urk.
1), sie sei aufgrund einer Er
-
krankung
aus dem schizophrenen Formenkreis seit Juli 2012 in ärztlicher Betreuung und seither zu 100
%
arbeitsunfähig geschrieben.
Laut ärztlicher Einschätzung stehe der Cannabiskonsum nicht kausal in Zusammenhang mit ihrer Erkrankung.
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Die Ärzte der
A._
diagnostizierten mit Bericht vom 18. Januar 2012 (
Urk.
5/10) eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1), bestehend seit Oktober 2011, welche sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (
Ziff.
1.1). Die Beschwerdeführerin sei aktuell vollständig arbeitsunfähig. Grund hierfür sei eine andauernde mittelschwere Symptomatik mit ausgeprägtem Antriebsdefizit, Störung von Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und schwer reduzierter Belastbarkeit. Mittelfristig sei mit einer vollständigen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen (S. 1). In der Vorgeschichte sei keine depressive Symptomatik
eruierbar
und es ergäben sich keine Hinweise auf eine Suchterkrankung. Der Befund habe sich in den letzten Monaten bereits gebessert und es sei davon auszugehen, dass sich die Symptomatik im Weiteren vollständig zurückbilde (
Ziff.
1.4). Im angestammten Beruf als Teamassistentin sei die Beschwerdeführerin seit 1. August 2012 bis auf
W
eiteres
zu 100
%
ar
beitsunfähig (
Ziff.
1.6). Sie s
e
i
nicht in der Lage, konzentriert über einen längeren Zeitraum zu arbeiten. Ausserdem sei aufgrund der Niedergeschlagenheit und verminderten Schwingungsfähigkeit damit zu rechnen, das
s
sie nicht in angemessener Weise mit Kunden und Mitarbeitern in Kontakt treten könne (
Ziff.
1.7). Im Verlauf sei mit einem vollständigen Rückgang der Symptomatik und damit einer vollständigen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit zu rechnen (
Ziff.
1.8). Bei der Integration auf dem Arbeitsmarkt könnten sich jedoch noch neue krankheitsbedingte Schwierigkeiten ergeben. In diesem Fall könnte durch eine frühzeitige Unterstützung eine erneute Verschlechterung und damit eventuell eine längerfristige Arbeitsunfähigkeit vermieden werden (
Ziff.
1.11).
3.2
Am 13. März 2014 (
Urk.
5/35) berichteten die Ärzte der
A._
erneut und stellten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
psychotische Störung bei fortgesetztem Cannabisgebrauch (ICD-10 F12.5); Differentialdiagnose (DD) Wahnhafte Störung (ICD-10 F22.0), DD Persönlichkeitsstörung mit paranoiden Anteilen
Die Patientin habe bislang wenig Fortschritte gezeigt. Im Vordergrund stün
den vor allem Affektlabilität, Konzentrationsstörungen sowie Fehleinschät
zungen der eigenen Fähigkeiten, die teilweise wahnhaften Charakter hätten. Zudem bestehe eine reduzierte Krankheitseinsicht mit Ablehnung der Ein
nahme von Psychopharmaka. Sie sei weiterhin nicht belastbar oder arbeits
fähig (S. 1).
Es bestehe ein täglicher Cannabiskonsum (
Ziff.
1.4). Bei bisher weitgehend fehlender Zugänglichkeit für psychotherapeutische Verfahren und Ablehnung einer Medikation sei eine Remission nicht absehbar. Theore
tisch sei bei Einnahme von Psychopharmaka eine Besserung möglich und eine Bereitschaft zur Psychotherapie denkbar. Eine Behandlung zum aktuel
len Zeitpunkt sei nicht erfolgversprechend. Aufgrund der bisher fehlenden Belastbarkeit sowie der vorhandenen Konzentrationsstörungen sollte eine berufliche Tätigkeit im geschützten Rahmen angestrebt werden
. Die bisheri
gen Arbeitswiedereingliederungsmassnahmen in Form des
Belastbarkeitstrai
nings
müssten aufgrund fehlender Fortschritte abgebrochen werden (
Ziff.
1.4). Die Patientin erhalte 50-minütige psychiatrisch-psychotherapeu
tische Einzelgespräche alle ein bis zwei Wochen. Eine medikamentöse Thera
pie werde bei fehlender Krankheitseinsicht abgelehnt. Empfehlungen für die zukünftige Therapie beinhalteten eine medikamentöse Behandlung, eine Cannabis-Karenz und die Intensivierung der psychotherapeutischen Be
handlung in einem stationären oder teilstationären Setting im Einverständnis mit der Patientin (
Ziff.
1.5).
Die Patientin sei durch die Symptomatik deutlich in ihrer Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Spezifisch zu nennen seien eine deutliche Einschränkung sozialer Kompetenzen, der
Inter
aktionsfähigkeit
und der Teamkompatibilität. Die bisherige Tätigkeit sei aus medizinischer Sicht nicht mehr zumutbar (
Ziff.
1.7). Die Patientin sei weiter
hin voll arbeitsunfähig (
Ziff.
1.6). Eine Tätigkeit auf dem
2.
Arbeitsmarkt zu maximal 50
%
wäre aktuell allenfalls denkbar (
Ziff.
1.8).
3.3
Mit Verlaufsbericht vom 1. Dezember 2014 (
Urk.
5/49) stellten die Ärzte der
A._
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
psychische und Verhaltensstörungen durch
Cannabinoide
: psychoti
sche Störung (ICD-10 F 12.5); DD: wahnhafte Störung (ICD-10 F22.0), paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.0)
Aktuell stünden eine Affektlabilität, teils realitätsferne Einschätzungen der eigenen Fähigkeiten mit teils
unkorrigierbarer
Überzeugung sowie eine feh
lende Krankheitseinsicht weiterhin im Vordergrund. Eine medikamentöse Therapie erhalte die Patientin seit dem 10. November 2014 mit
Risperdal
. Anamnestisch bestehe zudem Karenz des Cannabiskonsums seit
Juli 2014 (
Ziff.
1.4).
Der Befund habe
F
olgendes ergeben (
Ziff.
1.4): Wache, bewusstseinsklare Pa
tientin, orientiert zu allen Modalitäten, psychomotorisch angetrieben. Im Kontakt zum Teil freundlich, jedoch auch misstrauisch und gereizt. Kon
zentration objektiv leicht eingeschränkt, subjektiv extreme Konzentrations
störungen vorhanden. Störungen der
Mnestik
vorhanden im Sinne von Ge
dächtnisstörungen. Im formalen Denken inkohärent, sprunghaft, perseverie
rend, ideenflüchtig. Inhaltliche Denkstörungen im Sinne von Verkennen der realistischen Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. Ängste vor Arbeitslosig
keit vorhanden, keine Zwänge. Keine Sinnestäuschungen, keine Ich-Störun
gen oder anderes Fremdbeeinflussungserleben. Affektiv niedergeschlagen,
affektinkontinent
und -labil, innerlich unruhig und angespannt. Chronische Schlafstörungen vorhanden. Keine Krankheitseinsicht vorhanden.
Theoretisch sei bei weiterer Einnahme von
Risperdal
und persistierender Cannabiskarenz eine Besserung möglich. Aufgrund der bisher fehlenden Be
lastbarkeit sowie der vorhandenen Konzentrationsstörungen sollte eine be
rufliche Tätigkeit im geschützten Rahmen angestrebt werden. Eine Steige
rung der Medikation sei geplant (
Ziff.
1.4 und 1.5). Mit einer Wiederauf
nahme der beruflichen Tätigkeit könne nicht gerechnet werden (
Ziff.
1.9).
3.4
Ein weiterer Verlaufsbericht der Ärzte der
A._
datiert vom 3. Juni 2015 (
Urk.
5/50). Es wurde folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeits
fä
higkeit gestellt (
Ziff.
1.1):
psychische und Verhaltensstörung durch
Cannabinoide
(ICD-10 F12.20): gegenwärtig abstinent. DD: paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.0), DD: undifferenzierte Schizophrenie (ICD-10 F20.3)
Die Patientin sei wach, bewusstseinsklar, allseits orientiert, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite seien vorhanden, die Merkfähigkeit sei gestört, sie sei formalgedanklich eingeengt und umständlich, ideenflüchtig und sprunghaft. Es bestünden keine inhaltlichen Denkstörungen, Ichstörungen oder Halluzinationen. Sie sei affektiv weinerlich, niedergeschlagen,
affektla
bil
und -inkontinent, im Kontaktverhalten zurückhaltend bis misstrauisch. Die Psychomotorik und der Redefluss seien gesteigert. Suizidale Denkinhalte würden verneint. Ein Krankheitsgefühl sei vorhanden, eine
Krankheitsein
sicht
sei bedingt vorhanden. Es bestünden chronische Durchschlafstörungen, keine Antriebsstörung, kein Anhalt für Eigen- oder Fremdgefährdung (
Ziff.
1.3). Aktuell sei die Patientin
zwei
mal
für
zwei Stunden pro Woche in der Cafeteria der
A._
tätig (
Ziff.
2.1).
Sie erhalte alle vierzehn Tage fünfzigminütige psychiatrisch-psychotherapeutische Sitzungen. Die aktuelle Medikation erfolge mit
Jarsin
(
Ziff.
3.1-3.2).
Im Verlauf habe sich eine relative Krankheitseinsicht gezeigt. Die Patientin habe motiviert alle Termine bisher wahrgenommen. Die Therapie mit
Risper
dal
habe bei Unverträglichkeit sowie Steigerung der Wahninhalte abgesetzt werden müssen. Der Cannabiskonsum sei von der Patientin gestoppt worden. Es zeigten sich weiterhin eine deutliche Affektinkontinenz und -labilität, deutliche Konzentrationsstörungen, Störungen in der Wahrnehmung sowie ein Misstrauen gegenüber Personen. Es sollte weiterhin eine Tätigkeit in ei
nem geschützten Rahmen angestrebt werden (
Ziff.
3.3).
3.5
Auf entsprechenden Wunsch der Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
5/51) wurde an der
A._
ein Drogenscreening veranlasst, welches am 2
3.
September 2015 THC-positiv
ausfiel
(
Urk.
5/52).
4.
4.1
Bei den Akten befinden sich einzig Berichte der behandelnden Ärztinnen und Ärzte der
A._
. Diese diagnostizierten im Januar 2012 zunächst eine mittel
gradige depressive Episode und fanden keine Hinweise auf eine
Suchtprob
lematik
. Die Prognose galt als positiv; es wurde mittelfristig mit einer voll
ständigen Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit gerechnet, auch wenn sich bei einer Rückkehr auf den Arbeitsmarkt eventuell noch krankheitsbedingte Schwierigkeiten ergeben könnten (vgl. vorstehend E. 3.1). Im März 2014, nach dem misslungenen Versuch des Aufbautrainings (vgl.
Urk.
5/36), ergab sich nebst der Diagnose der rezidivierenden depressiven Störung diejenige
einer
psychotischen Störung bei fortgesetztem Cannabisgebrauch,
differenti
aldiagnostisch
eine wahnhafte Störung oder eine Persönlichkeitsstörung mit paranoiden Anteilen (vorstehend E. 3.2). Auch wenn die Beschwerdeführerin nach Feststellung der Ärztinnen und Ärzte
damals
täglich Cannabis konsu
miert hat, stellt sich angesichts der Differentialdiagnosen die Frage, ob unab
hängig vom Substanzgebrauch eine eigenständige psychische Störung be
steht.
Denn a
uch in den weiteren Berichten der
A._
-Ärztinnen und Ärzte blieben die Differentialdiagnosen einer wahnhaften Störung, einer paranoi
den Persönlichkeitsstörung (vgl. vorstehend E. 3.3) sowie einer undifferen
zierten Schizophrenie (vgl. vorstehend E. 3.4) bestehen, ohne dass diese ge
nauer abgeklärt wurden und insbesondere ohne
konsequente laborchemische Kontrollen zum Ausschluss oder mindestens Prüfung eines reinen
Suchtge
schehens
infolge des Cannabiskonsums.
Wenngleich es nachvollziehbar ist, dass die Beschwerdegegnerin in dieser Situation zunächst eine Schadenminderungspflicht auferlegte - welche in der
Folge nicht
konsequent
eingehalten wurde; vgl. vorstehend E. 3.5 -, so
ver
mag dies die
Abklärungspflicht (Art. 43
Abs.
1
ATSG) nicht zu ersetzen
. Hier fällt insbesondere ins Gewicht, dass
die Ärztinnen und Ärzte der
A._
trotz
(anamnestischer)
Cannabiskarenz
mit Bericht vom Juni 2015
weiterhin eine deutliche Affektinkontinenz und -
labilität
, deutliche
Konzentrationsstörun
gen
, Störungen in der Wahrnehmung sowie Misstrauen gegen Personen
fest
stellten
(vorstehend E.
3.4), was für eine mögliche selbständige psychische Erkrankung spricht.
Ebenso ist unklar, ob die Beschwerdeführerin aus psy
chischen Gründen die Abstinenz nicht einhalten konnte.
Aufgrund der nachfolgend erläuterten schwierigen Abgrenzung
von Ursache und Wirkung
drängt sich eine genauere Abklärung auf.
4.2
Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medikamentenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Gesetzes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender
Gesund
heitsschaden
eingetreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se invaliditätsbegründend sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funktionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbständiger
Gesundheitsschädigun
gen
darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwischen psychosozialen oder soziokulturel
len Umständen und fachärztlich festgestellten psychischen Störungen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn davon auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustandsbild bei einer (angenommenen) positiven Veränderung der suchtbedingten psychosozialen Problematik we
sentlich bessern (und die damit verbundene Beeinträchtigung des Leistungs
vermögens sich entsprechend verringern) würde (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.1 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.1).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung (BGE 120 V 95 E. 4c; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014,
Rz
51 zu Art. 4 IVG) ist nicht entscheidend, ob die Drogen
sucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht ausserhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten Gesundheitsschaden steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irrelevant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleichermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht – einem Symptom gleich – Teil eines Gesundheitsschadens bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein die unmittelbaren Folgen des
Rauschmittel
konsums
, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Ar
beitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisie
rend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, wel
cher die Betäubungsmittelabhängigkeit aufrecht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (un
abhängig von ihrer Genese) wie andere psychosoziale Faktoren auch mittel
bar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheitsschadens beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März 2015 E. 2.2.2 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.2).
4.3
Anhand der vorliegenden Arztberichte
lassen sich die vorstehend genannten Kriterien
nicht
genügend sicher
beurteilen
. Mithin ist unklar
, ob es sich
bei den Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin
um reine und damit IV-rechtlich unbeachtliche Suchtfolgen handelt
oder ob der Cannabiskonsum Teil
, Grund oder Folge
eines
Gesundheitsschadens der Beschwerdeführerin ist.
Unklar ist auch, ob die reinen Suchtfolgen invalidisierend sind, weil da
neben ein den Konsum aufrechterhaltender psychischer Gesundheitsschaden besteht.
Angesichts der psychiatrischen Befunde (fehlende Belastbarkeit, wahnhafter Charakter der Fehleinschätzung der eigenen Fähigkeiten,
Affekt
labilität
, Konzentrationsstörungen, deutliche Einschränkung sozialer Kom
petenzen und der Interaktionsfähigkeit, Denkstörungen, Wahrnehmungsstö
rungen)
wie auch des Verhaltens der Beschwerdeführerin während des Auf
bautrainings (vgl.
Urk.
5/37/14;
Urk.
5/38)
ist
eine relevante Arbeitsunfähig
keit
aber
nicht auszuschliessen
. Insbesondere kann angesichts dieser
Befunde
entgegen der
Annahme
des RAD
(vgl.
Urk.
5/56/5)
nicht davon ausgegangen werden, dass lediglich eine Cannabis-induzierte Antriebsproblematik
besteht.
Hinzu kommt, dass einzig Berichte der beh
andelnden Therapeuten vorliegen, welche keine fundierte und objektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin zulassen.
Das Gericht hat bei deren Würdigung der Er
fahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass
behandelnde Therapeuten
im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 125 V 353
E
. 3b/cc mit Hin
weisen).
Auch aus diesem Grund ist eine Beurteilung der sich stelle
nden Rechtsfrage nicht möglich.
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
5.
5.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vor
-
instanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht,
GSVGer
). In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versi
cherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen si
nd, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend ab
geklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
Be
i
ungenügenden Abklärungen
durch den Versicherungsträger holt
die Be
schwerdeinstanz im Regelfall ein Gerichtsgutachten ein
, wenn sie einen (im Verwaltungsverfahren anderweitig erhobenen)
medizinischen Sachverhalt über
haupt für gutachtlich abklärungsbedürftig hält oder wenn eine
Admi
nistrativ
expertise
in einem rechtserheblichen Punkt nich
t beweiskräftig ist. Die betref
fende Beweiserhebung erfolgt alsdann vor der
–
anschliessend
re
formatorisch entscheidenden
–
Beschwerdeinstanz selber statt über eine Rückweisung an die Verwaltung. E
ine Rückweisung an den Versicherungs
träger
bleibt hingegen möglich, wenn sie allein in der notwendigen Erhebung einer bisher vollständig ungeklärten
Frage begründet
ist.
Ausserdem
bleibt es dem kantonalen Gericht (unter dem Aspekt der Verfahrensgarantien) unbe
nommen, eine Sache zurück
zuweisen, wenn lediglich eine Klarstellung, Prä
zisierung oder Ergänzung von gutachtlichen Ausführungen erforderlich ist (B
GE
137 V 210
E.
4.4.1.
4 mit Hin
weisen; Urteil des Bundesgerichts
8C_815/2012 vom 21.
Oktober 2013 E.
3.4
,
publi
ziert in SVR 1/2014 UV Nr. 2 S.
3)
.
5.2
Die
Frage einer allfälligen Kausalität und Wechselwirkung zwischen Sucht- und psychischer Problematik
wurde bislang nicht abgeklärt. Die Sache ist deshalb zur geeigneten psychiatrischen und allenfalls laborc
hemischen Ab
klärung und erneuten
Verfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen.
In diesem Sinne ist der angefochtene Entscheid aufzuheben. Dies führt zur Gutheissung der Beschwerde.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzulegen und, da die
Rück
weisung
an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (
BGE 137 V 57 E. 2.2
),
ausgangsgemäss
von der
Beschwerde
gegnerin
zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).