# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7716a722-05f1-4dff-ae0c-b24e2b5a882a
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2007
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A.B., von Marokko, geboren am 12. November 1976, hielt sich vom 1. Dezember
1997 bis 31. Juli 1998 und vom 1. Mai bis 30. November 2000 als Nachtklub-Tänzerin
in der Schweiz auf. Am 17. November 2000 heiratete sie in V./O. den Schweizer Bürger
C.D., geboren am 16. März 1951. In der Folge wurde ihr eine Aufenthaltsbewilligung
erteilt.
Am 27. Oktober 2004 stellte A.B. ein Gesuch um Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Am 13. September 2005 gewährte das Ausländeramt
rechtliches Gehör betreffend die in Aussicht gestellte Abweisung des Gesuchs. In ihrer
Vernehmlassung beantragte A.B. zusätzlich die Erteilung einer
Niederlassungsbewilligung.
Am 24. Oktober 2005 lehnte das Ausländeramt beide Gesuche ab, mit der
Begründung, dass es sich bei der Ehe zwischen A.B. und C.D. um eine Scheinehe
handle.
B./ Am 2. November 2005 erhob A.B. Rekurs beim Justiz- und Polizeidepartement mit
den Anträgen, es sei die Aufenthaltsbewilligung zu verlängern und ihr ab 12. Dezember
2005 eine Niederlassungsbewilligung zu erteilen. Zur Begründung machte sie im
wesentlichen geltend, die Ehepartner hätten die Lebensgemeinschaft wirklich gewollt,
weshalb keine Scheinehe vorliege.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Am 28. September 2006 wies das Justiz- und Polizeidepartement den Rekurs ab. Das
Departement erwog im wesentlichen, dass aufgrund verschiedener Indizien davon
auszugehen sei, dass A.B. die Ehe mit C.D. lediglich eingegangen sei, um in
Umgehung der fremdenpolizeilichen Vorschriften eine Aufenthaltsbewilligung zu
erhalten. Die Scheinehe begründe weder einen Anspruch auf Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung noch auf Erteilung der Niederlassungsbewilligung. A.B. sei die
Rückkehr in die Heimat zuzumuten.
C./ Am 6. Oktober 2006 erhob A.B. gegen den Entscheid des Justiz- und
Polizeidepartements vom 28. September 2006 Beschwerde beim Verwaltungsgericht.
Sie beantragt die Aufhebung des angefochtenen Entscheids. Das Ausländeramt sei
anzuweisen, mit Wirkung ab 12. Dezember 2005 die Niederlassungsbewilligung zu
erteilen. Eventualiter sei das Ausländeramt anzuweisen, die
Jahresaufenthaltsbewilligung zu verlängern, unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten des Staates. Zur Begründung wird in der Beschwerdeergänzung vom 13.
November 2006 im wesentlichen geltend gemacht, es liege keine Scheinehe vor. Die
Eheleute D. führten seit rund sechs Jahren eine ungetrennte und harmonische Ehe. Die
"Indizien", auf die sich das Departement stütze, seien konstruiert, fadenscheinig und
unzutreffend.
Das Justiz- und Polizeidepartement beantragt in der Vernehmlassung vom 16.
November 2006 die Abweisung der Beschwerde unter Kostenfolgen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 6. Oktober 2006 und
deren Ergänzung vom 13. November 2006 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich
den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2./ Nach Art. 4 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) entscheidet die zuständige Behörde im Rahmen der
gesetzlichen Vorschriften und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen
über die Bewilligung von Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer.
a) Der Ausländer hat nach Art. 4 ANAG grundsätzlich keinen Anspruch auf Erteilung
einer Aufenthaltsbewilligung. Eine Ausnahme besteht, wenn er nahe Verwandte mit
gesichertem Anwesenheitsrecht in der Schweiz hat. Hinsichtlich ausländischer
Ehegatten von Schweizer Bürgern ist dieser Anspruch in Art. 7 Abs. 1 ANAG geregelt.
Nach dieser Bestimmung hat die ausländische Ehegattin eines Schweizer Bürgers
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Nach Art. 7 Abs.
2 ANAG besteht kein solcher Anspruch, wenn die Ehe eingegangen worden ist, um die
Vorschriften über Aufenthalt und Niederlassung von Ausländern und namentlich jene
über die Begrenzung der Zahl der Ausländer zu umgehen. Diese Bestimmung ist dem
früheren Art. 120 Ziff. 4 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt
ZGB) betreffend die sogenannte Bürger-rechtsehe nachgebildet, welcher mit der
Revision des Bürgerrechtsgesetzes (SR 141.0) vom 23. März 1990 seine Grundlage
verloren hat und aufgehoben wurde. Dem ausländischen Ehegatten eines Schweizer
Bürgers wurde im revidierten Art. 7 Abs. 1 ANAG ein Anspruch auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung eingeräumt. Da die Gefahr, diese Vorschrift
könnte durch Eingehung einer blossen Scheinehe umgangen werden, in gleicher Weise
besteht, wie im Falle des früheren Bürgerrechtserwerbs durch Heirat, wurde für solche
"Aufenthalts-" bzw. "Niederlassungsehen" in Art. 7 Abs. 2 ANAG ein ähnlicher
Missbrauchstatbestand geschaffen, wie er in Art. 120 Ziff. 4 ZGB für die früheren
Bürgerrechtsehen vorgesehen war (BGE 122 II 294 mit Hinweisen).
b) Das Bundesgericht hat in verschiedenen Urteilen die Anforderungen an den
Nachweis einer Scheinehe bzw. Ausländerrechtsehe umschrieben. Es erwog, der
Nachweis, dass die Ehe zur Umgehung der Vorschriften über Aufenthalt und
Niederlassung der Ausländer geschlossen wurde und nicht der Begründung einer
Lebensgemeinschaft diene, sei in der Regel nicht direkt zu erbringen und könne nur
durch Indizien geführt werden. Solche Indizien seien u.a. darin zu erblicken, dass dem
Ausländer die Wegweisung gedroht habe, etwa weil er ohne Heirat keine
Aufenthaltsbewilligung erhalten hätte oder sie ihm nicht verlängert worden wäre.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Sodann könnten die Umstände und die kurze Dauer der Bekanntschaft sowie die
Tatsache, dass die Ehegatten eine Wohngemeinschaft gar nie aufgenommen hätten,
für das Vorliegen einer Ausländerrechtsehe sprechen. Umgekehrt könne aus einer
gewissen Zeit des Zusammenlebens und des Unterhalts intimer Beziehungen nicht
ohne weiteres abgeleitet werden, es sei eine wirkliche Lebensgemeinschaft gewollt
gewesen. Ein solches Verhalten könne auch nur vorgespiegelt sein, um die Behörden
zu täuschen (BGE 122 II 295 mit Hinweisen auf Literatur und Judikatur). Wenn aber
nicht genügend Anhaltspunkte bestünden, die auf eine Scheinehe hindeuten würden,
so dürfe nicht einzig aufgrund dieser ungenügenden Anhaltspunkte die Berufung auf
eine bestehende Ehe als rechtsmissbräuchlich qualifiziert werden (BGE 123 II 49 ff.).
c) Im folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz zu Recht davon ausgegangen ist, die
Beschwerdeführerin sei mit C.D. eine Scheinehe eingegangen.
aa) Die Beschwerdeführerin heiratete zwei Wochen bevor ihre sechsmonatige
Kurzaufenthaltsbewilligung ablief. Ohne die Ehe mit C.D. hätte sie die Schweiz wieder
verlassen müssen. Die Verheiratung stellte für die Beschwerdeführerin die einzige
Möglichkeit dar, in der Schweiz zu verbleiben, da sie weder über die notwendigen
beruflichen Qualifikationen noch über die Staatsangehörigkeit eines EU- oder EFTA-
Staates verfügt. Dies stellt nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ein Indiz für
das Vorliegen einer Scheinehe dar. Gleiches gilt für den Altersunterschied von 25
Jahren zwischen der Beschwerdeführerin und ihrem Ehemann.
bb) Die Vorinstanz vertritt im weiteren die Auffassung, dass verschiedene Aussagen der
Beschwerdeführerin und ihres Ehegatten zu den Umständen der Eheschliessung und
der Beziehung vor der Ehe widersprüchlich seien. Es trifft zu, dass nicht sämtliche
Angaben der Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes übereinstimmen. So machte
bspw. die Beschwerdeführerin geltend, ihren Gatten im Nachtklub "Nachtigall" in B.
kennengelernt zu haben (Akten Ausländeramt, S. 156), während dieser angab, sie
hätten sich im Restaurant "Brüggli" in B. kennengelernt (Akten Ausländeramt, S. 170).
Im übrigen aber unterscheiden sich die Aussagen zum Kennenlernen sowie zu den
Umständen der Eheschliessung nicht in wesentlichen Punkten. So schliesst bspw. die
Aussage der Beschwerdeführerin, sie habe ihren Ehemann "persönlich und nicht über
eine andere Person kennen gelernt" (Akten Ausländeramt, S. 156), nicht aus, dass auch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
noch andere Personen beim Kennenlernen zugegen waren. Bezüglich der Umstände
der Hochzeit fällt in Betracht, dass immerhin der Vater sowie die Schwester von C.D.
samt Ehemann anwesend waren. Dies ist untypisch für eine Scheinehe. Dass die
Familie der Beschwerdeführerin am Fest nicht teilnehmen konnte, ist mit den
finanziellen Verhältnissen der Eltern der Beschwerdeführerin glaubwürdig zu erklären.
Sodann fällt in Betracht, dass die Beschwerdeführerin und ihr Ehemann in vielerlei
Hinsicht übereinstimmende Antworten gegeben haben. Dies betraf auch Fragen, die
man nur beantworten kann, wenn man sich gut kennt und über den Alltag der anderen
Person Bescheid weiss. So konnte die Beschwerdeführerin etwa über die kulinarischen
Vorlieben ihres Ehemannes (Akten Ausländeramt, S. 205), über seine
Fremdsprachenkenntnisse (Akten Ausländeramt, S. 150), sein Arbeitsverhältnis (Akten
Ausländeramt, S. 150), seinen Arbeitsablauf (Akten Ausländeramt, S. 202), gemeinsame
Aktivitäten (Akten Ausländeramt, S. 204) und die Höhe des Mietzinses (Akten
Ausländeramt, S. 157) Auskunft geben. C.D. wusste im Gegenzug, wo die
Beschwerdeführerin ihr Lohnkonto hat (Akten Ausländeramt, S. 218) und wo sein
Schwiegervater arbeitet (Akten Ausländeramt, S. 165).
cc) Im weiteren ist der Vorinstanz zwar grundsätzlich darin zuzustimmen, dass es für
ein frisch verheiratetes Ehepaar ungewöhnlich ist, während vier Ehejahren mehrheitlich
getrennt zu leben. Indes ist zu berücksichtigen, dass die Ehepartner nun immerhin seit
rund zwei Jahren ständig zusammenleben. Der Mietvertrag lautet auf beide
Eheleute (Akten Ausländeramt, S. 242 f.). Dass diese Verhaltensänderung einzig auf
den Druck des fremdenpolizeilichen Verfahrens zurückzuführen ist, wie die Vorinstanz
erwogen hat (Erw. 4. f), ist wenig wahrscheinlich. Die Dauer des Zusammenlebens und
die Kenntnisse der Ehepartner über den Alltag des Partners weisen vielmehr auf das
Vorliegen einer echten Lebensgemeinschaft hin. Hinzu kommt, dass die Eheleute
zusammen vierzehntägige Ferien in der Türkei verbracht haben. Auch dies ist
zumindest untypisch für eine Scheinehe.
d) Vor diesem Hintergrund kommt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass die
Indizien insgesamt gegen das Vorliegen einer Scheinehe sprechen. Wie das
Verwaltungsgericht schon verschiedentlich festgehalten hat, ist es nicht
aussergewöhnlich, wenn bei einer Eheschliessung mitunter auch sachliche bzw.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
handfeste Motive und nicht ausschliesslich die gegenseitige Zuneigung im Spiel sind
(VerwGE vom 18. März 2003 i.S. M.B.-P. mit Hinweis). Dies mag auch auf die
Beschwerdeführerin und ihren Ehemann zutreffen, führt indes nicht dazu, dass von
einer Ehe gesprochen werden kann, die ausschliesslich zur Umgehung der
ausländerrechtlichen Vorschriften geschlossen wurde. Die Vorinstanz und das
Ausländeramt haben das Vorliegen einer Scheinehe mithin zu Unrecht bejaht.
Nachdem sich die Beschwerdeführerin als Ehefrau eines Schweizer Bürgers seit mehr
als fünf Jahren ordnungsgemäss und ununterbrochen in der Schweiz aufhält, hat sie
Anspruch auf Erteilung der Niederlassungsbewilligung (Art. 7 Abs. 1 ANAG). Die
Beschwerde ist demnach gutzuheissen und der angefochtene Rekursentscheid vom
28. September 2006 sowie die diesem zugrunde liegende Verfügung des
Ausländeramtes vom 24. Oktober 2005 sind aufzuheben. Die Angelegenheit ist an das
Ausländeramt zur Erteilung der Niederlassungsbewilligung an die Beschwerdeführerin
zurückzuweisen.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Staat aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 381 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Auf ihre Erhebung ist zu verzichten (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der
Beschwerdeführerin ist der geleistete Kostenvorschuss von Fr. 2'000.--
zurückzuerstatten. Die amtlichen Kosten für das Rekursverfahren von Fr. 1'200.-- sind
ebenfalls dem Staat aufzuerlegen, wobei auf die Erhebung zu verzichten ist (Art. 95
Abs. 2 VRP). Der Kostenvorschuss von Fr. 1'200.-- ist der Beschwerdeführerin
zurückzuerstatten. Die Kostenauflage des Ausländeramtes in der Verfügung vom 24.
Oktober 2005 von Fr. 350.-- (zuzüglich Auslagen von Fr. 5.--) wird aufgehoben.
Die Beschwerdeführerin hat für das Beschwerde- und Rekursverfahren Anspruch auf
eine ausseramtliche Entschädigung durch den Staat (Art. 98 Abs. 1 und 2 VRP).
Nachdem ihr Vertreter keine Honorarnote eingereicht hat, ist die Entschädigung nach
richterlichem Ermessen festzusetzen (Art. 6 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO). Eine Entschädigung von Fr. 3'000.--
(zuzügl. MWSt) ist angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. a und c HonO).