# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4a996297-98d4-5578-a097-3135de9602f9
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._ ist Eigentümer des 1‘915 m grossen Grundstücks Nr. 000, Grundbuch B._,
welches in der zweigeschossigen Wohnzone W2 liegt (Zonenplan der Stadt B._ vom
25. November 1992). Die Baukommission B._ erteilte ihm mit Beschluss vom
16. November 2011 die Baubewilligung für den Bau eines Mehrfamilienhauses
(nachfolgend MFH 1) mit fünf Wohnungen und Tiefgarage auf dem Grundstück Nr. 000.
Mit der Erteilung der Baubewilligung wurde die unter anderen von C._ erhobene
Einsprache im Wesentlichen abgewiesen. Den gegen diesen Beschluss erhobenen
Rekurs (Nr. 11-7139) schrieb das Baudepartement des Kantons St. Gallen am
21. August 2012 als gegenstandslos geworden ab, nachdem A._ während des
Rekursverfahrens am 19. März 2012 eine Projektänderung eingereicht hatte und diese
von der Baukommission B._ mit Beschluss vom 14. Mai 2012 bewilligt worden war.
Am 15. Juni 2012 hatte A._ das Baugesuch für die Erstellung eines zweiten
A.a. 2
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Mehrfamilienhauses (MFH 2) mit fünf Wohnungen auf Grundstück Nr. 000 zusammen
mit einer zweiten Projektänderung zu MFH 1 eingereicht. Die in der Folge am
29. August 2012 erteilte Baubewilligung bestätigte den Niveaupunkt des MFH 2 mit
609.91 m ü.M. Die anrechenbare Geschossfläche (aGF) wurde mit 415.09 m
berechnet mit der Feststellung, dass damit die Ausnützung von Grundstück Nr. 000
vollständig ausgeschöpft sei. Zusammen mit der Erteilung der Baubewilligung wurde
die von C._ erhobene Einsprache abgewiesen (act. G 9/6/4). Der Beschluss/Entscheid
der Baukommission vom 29. August 2012 erwuchs in Rechtskraft.
2
Am 22. Oktober 2012 beantragte A._ die Bewilligung weiterer Projektänderungen an
den MFH 1 (dritte Projektänderung) und 2 (erste Projektänderung). Nachdem im
Rahmen des vereinfachten Verfahrens keine Einsprachen erhoben worden waren,
wurde die Baubewilligung für die beantragten Projektänderungen mit Verfügung der
Baukommission vom 21. Dezember 2012 erteilt. Sie erwuchs in Rechtskraft. Am
27. August 2013 ersuchte A._ um eine vierte Projektänderung am MFH 1 und eine
zweite Projektänderung am MFH 2. Während der öffentlichen Auflage dieses
Projektänderungsgesuchs erhoben unter anderen C._ Einsprache bei der
Baukommission B._. Diese wies die Einsprache mit Beschluss vom 13. Januar 2014
ab, soweit sie darauf eintrat, und erteilte die nachgesuchte Baubewilligung. Den gegen
diesen Beschluss unter anderen von C._, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. A.
Keller, St. Gallen, erhobenen Rekurs hiess das Baudepartement des Kantons St. Gallen
mit Entscheid vom 16. Mai 2014 im Sinn der Erwägungen gut, soweit es darauf eintrat,
und hob Baubewilligung und Einspracheentscheid der Baukommission B._ vom
13. Januar 2014 vollumfänglich auf. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt lic.
iur. Titus Marty, Wil, für A._ mit Eingabe vom 28. Mai 2014 Beschwerde, welche das
Verwaltungsgericht mit Entscheid B 2014/99 vom 28. Juni 2016 abwies. Dieser
Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
A.b.
Am 15. Dezember 2016 ersuchte A._ um Bewilligung von weiteren Projektänderungen
an den MFH 1 (5. Projektänderung) und 2 (3. Projektänderung). Während der
öffentlichen Auflage dieses Projektänderungsgesuchs erhoben C._, vertreten durch
Rechtsanwalt Keller, Einsprache bei der Baukommission. Diese wies die Einsprache
mit Beschluss vom 8. Mai 2017 ab, soweit sie darauf eintrat, und erteilte die
nachgesuchte Baubewilligung. Den gegen diesen Beschluss erhobenen Rekurs hiess
das Baudepartement des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 24. August 2018 im
Sinn der Erwägungen gut und hob Baubewilligung und Einspracheentscheid der
A.c.
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Baukommission vom 8. Mai 2017 vollumfänglich auf mit der Begründung, dass das
Bauvorhaben die höchstzulässige Ausnützung um 14.42 m überschreite
(Ausnützungsziffer von 0.5 gemäss Art. 13 Abs. 1 des Baureglements der Stadt B._
vom 25. November 1992 mit Nachträgen [BauR] mit Minergiebonus von 5 % [Art. 13
Abs. 3 BauR, Nachtrag IV vom 6. November 2008]). Das Verwaltungsgericht wies die
hiergegen erhobene Beschwerde mit Entscheid B 2018/206 vom 13. Mai 2019 ab.
Gegen diesen Entscheid erhob A._ Beschwerde beim Bundesgericht.
Gegen die zwischenzeitlich von A._ eingereichten weiteren zwei
Projektänderungsgesuche an den MFH 1 und 2 wurden vier Einsprachen erhoben.
Nach einer formlosen Sistierung dieser Projektänderungsgesuche durch die
Baukommission beantragte A._ mit Schreiben vom 14. Februar 2019 bei der
Baukommission die Erteilung von zwei Teilbaubewilligungen zu den beiden
Projektänderungsgesuchen. Mit Beschluss vom 20. Mai 2019 hiess die Baukommission
die Einsprachen im Wesentlichen gut und verweigerte die Teilbaubewilligungen. Mit
einem weiteren Beschluss vom 20. Mai 2019 verweigerte die Baukommission die
Erteilung der Baubewilligung für die Umgebungsarbeiten. Dagegen erhob A._ am
11. Juni 2019 Rekurse beim Baudepartement (vgl. act. G 2 S. 3).
2
Am 27. Mai 2019 verfügte die Baukommission die Einstellung sämtlicher Bauarbeiten
auf dem Grundstück Nr. 000 mit sofortiger Wirkung (Dispositiv-Ziffer 1). Eine
Wiederaufnahme der Arbeiten könne erst erfolgen, wenn ein neues provisorisches
Minergie-Zertifikat eingereicht sei (Dispositiv-Ziffer 2). Solle das Bauprojekt stattdessen
auf die maximale Bruttogeschossfläche W2 (AZ 0.5) reduziert werden, sei ein
Projektänderungsgesuch samt Energienachweis einzureichen und von der
Baukommission zu bewilligen. Die Bauarbeiten könnten fortgesetzt werden, wenn die
Baubewilligung in Rechtskraft erwachsen sei (Dispositiv-Ziffer 3). Zur Begründung
führte die Baukommission aus, die rechtskräftige Baubewilligung, auf deren Basis
derzeit gebaut werde, enthalte einen Ausnützungsbonus, der die Erreichung des
Minergie-Standards voraussetze. Die Energieagentur St. Gallen GmbH habe am 21.
Mai 2019 entschieden, die Minergie-Zertifizierung für die MFH auf Grundstück Nr. 000
abzubrechen und das Minergie-Label nicht zu erteilen. Voraussetzung für den
Baubeginn sei jedoch das Vorliegen eines provisorischen Minergie-Zertifikats gewesen.
Nachdem dieses weggefallen sei, sei das Baugrundstücks mit dem in Ausführung
stehenden Bauvorhaben deutlich übernutzt. Es müsse daher bei der Energieagentur ein
neuer Antrag nach dem aktuellen Minergie-Reglement gestellt werden. Bis zum
Vorliegen des Nachweises müssten deshalb die Bauarbeiten eingestellt werden (act. G
A.d.
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B.
9/6/1). Den gegen diese Verfügung von A._ erhobenen Rekurs (act. G 9/1) wies das
Baudepartement mit Entscheid vom 9. Juli 2019 ab (act. G 2).
Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwalt Marty für A._ mit Eingabe vom 15. Juli
2019 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren, es seien der Rekursentscheid sowie die
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 27. Mai 2019 vollumfänglich aufzuheben,
unter Kosten- und Entschädigungsfolge für das Beschwerde- und für das
vorinstanzliche Verfahren zulasten der Beschwerdegegnerin (act. G 1). In der
Beschwerdeergänzung vom 2. August 2019 bestätigte und begründete der
Rechtsvertreter die gestellten Rechtsbegehren (act. G 5).
B.a.
In der Vernehmlassung vom 21. August 2019 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Darlegungen im angefochtenen
Entscheid (act. G 8). Die Beschwerdegegnerin stellte in der Eingabe vom 16.
September 2019 den Antrag, die Beschwerde sei abzuweisen. Sie verwies ebenfalls
auf die Ausführungen im Rekursentscheid (act. G 11).
B.b.
Mit Eingabe vom 30. September 2019 stellte der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers unter Hinweis auf seine Ausführungen in der
Beschwerdeergänzung (act. G 5 S. 9 Ziff. 8) zusätzlich den Antrag, es sei eventualiter
die Baustopp-Verfügung auf das MFH 2 zu beschränken und für das MFH 1
aufzuheben. Auf eine Stellungnahme zur Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin
verzichtete er (act. G 13). Am 7. Oktober 2019 gab der Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers den Verzicht auf eine Stellungnahme zur Vernehmlassung der
Vorinstanz bekannt (act. G 15). Vorinstanz und Beschwerdegegnerin verzichteten auf
eine Stellungnahme zur Eingabe des Beschwerdeführers vom 30. September 2019 (act.
G 19). Im Nachgang zu einer Mitteilung des voraussichtlichen Behandlungszeitpunktes
der Streitsache (1. Quartal 2020; act. G 18) ersuchte der Beschwerdeführer um rasche,
frühere Entscheidung (act. G 20).
B.c.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden
Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
B.d.
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## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Als Adressat des
angefochtenen Rekursentscheides ist der Beschwerdeführer zur Ergreifung des
Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die
Beschwerdeeingabe vom 15. Juli 2019 (act. G 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 2. August 2019 (act. G 5) formal und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Der in der Eingabe vom 30. September 2019 nachträglich gestellte
Eventualantrag (Beschränkung der Baustopp-Verfügung auf ein Haus; act. G 13)
bewirkt keine Änderung des Klagefundaments (vgl. dazu statt vieler VerwGE B
2017/254 vom 2. Mai 2019, E. 3.2.1), sondern stellt eine zulässige Ergänzung des
bereits in der Beschwerde gestellten Antrags dar. Auf die Beschwerde ist somit
grundsätzlich einzutreten.
Auf die Beschwerde ist insoweit nicht einzutreten, als darin die die Aufhebung der
erstinstanzlichen Verfügung vom 27. Mai 2019 verlangt wird, da an deren Stelle der
Rekursentscheid getreten ist ("Devolutiveffekt", BGE 134 II 142 E. 1.4; BGer
1C_166/2013 vom 27. Juni 2013 E. 1.1 und 2C_204/2015 vom 21. Juli 2015 E. 1.2).
2.
bis
Nach Art. 158 i.V.m. Art. 159 Abs. 1 lit. a des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1;
PBG) kann die zuständige Gemeindebehörde die Einstellung von Bauarbeiten verfügen,
wenn durch die Errichtung von Bauten und Anlagen ohne Bewilligung oder auf andere
Weise ein unrechtmässiger Zustand geschaffen wird. Beim Baustopp im Sinn von Art.
159 Abs. 1 lit. a PBG handelt es sich um eine vorsorgliche Massnahme (vgl. Fritsche/
Bösch/Wipf/Kunz, Zürcher Bau- und Planungsrecht, Band 2, 6. Aufl. 2019, S. 614).
Nach Art. 18 Abs. 1 VRP können zur Erhaltung des Zustands oder zur Sicherung
bedrohter rechtlicher Interessen vorsorgliche Massnahmen getroffen werden. Diese
sind dazu bestimmt, den bestehenden Zustand oder bedrohte Interessen während des
Hauptverfahrens einstweilen zu sichern und zu verhindern, dass der Entscheid in der
Hauptsache vorweggenommen wird. Vorsorgliche Massnahmen sind auch geeignet,
einen widerrechtlich geschaffenen Zustand vorläufig zu beseitigen. Für den Erlass
vorsorglicher Massnahmen sind die Interessen der Beteiligten und der Öffentlichkeit
2.1.
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gegeneinander abzuwägen und der Grundsatz der Verhältnismässigkeit zu beachten
(vgl. VerwGE B 2012/171 vom 10. Oktober 2012 E. 4.1 mit Hinweisen).
Im vorinstanzlichen Entscheid wurde unter anderem festgehalten, die Baubewilligungen
vom 16. November 2011 (Haus 1) und 29. August 2012 (Haus 2) seien an die Auflage
geknüpft worden, dass vor Beginn der Bauarbeiten eine Kopie des provisorischen
Minergie-Zertifikats und vor Bezug der Bauten das definitive Minergie-Zertifikat
eingereicht werden müsse. Dieser Auflage sei der Beschwerdeführer nachgekommen.
Mit Schreiben vom 21. Mai 2019 habe die Energieagentur mitgeteilt, dass die Minergie-
Zertifizierung der beiden Häuser abgebrochen und das definitive Label Minergie nicht
erteilt werde. Die am 19. Mai 2014 ausgestellten provisorischen Minergie-Zertifikate
seien auf drei Jahre ausgestellt worden und seien nur einmal um zwei Jahre
verlängerbar. Die verlängerte Frist sei am 19. Mai 2019 abgelaufen. Bei beiden MFH sei
daher eine formelle Baurechtswidrigkeit gegeben, weil durch die Weiterführung der
Bauarbeiten trotz Wegfalls des provisorischen Zertifikats von den Auflagen in den
Baubewilligungen abgewichen werde. Am Umstand, dass die Auflagen auch nach
Aufnahme der Bauarbeiten weiterhin eingehalten werden müssten, ändere nichts, dass
der Beschwerdeführer wieder neue Gesuche einreichen könne. Bis zum Vorliegen
neuer provisorischer Zertifikate würden die Bauarbeiten unrechtmässig erfolgen. Auch
die Einleitung des Baubewilligungsverfahrens gebe keinen Anspruch auf Fortführung
der Arbeiten. Der Erlass des Baustopps erweise sich als rechtmässig (act. G 2 S. 8).
In Ziff. 5 der Baubewilligungen vom 16. November 2011 und 29. August 2012 sei der
Beschwerdeführer darauf hingewiesen worden, dass bei Nichteinhaltung der Auflagen
Massnahmen nach Art. 130 f. des Baugesetzes (BauG; in Kraft gewesen bis
30. September 2017), wie Baueinstellung usw., ergriffen würden. Der
Beschwerdeführer habe auch gewusst, dass die am 3. Mai 2017 erfolgte Verlängerung
der provisorischen Minergie-Zertifikate nach dem 19. Mai 2019 nicht mehr erstreckbar
gewesen sei. Schon aufgrund seines Berufs als Architekt habe dem Beschwerdeführer
bekannt sein müssen, dass ein Verfahren zum Erhalt eines provisorischen Zertifikats ab
Antragstellung nur gerade 4-6 Wochen dauere. Trotzdem habe er sich nicht
(rechtzeitig) um die Erneuerung der Zertifikate gekümmert. Wenn er vorbringe, die
Decken sowie Dachbrüstungen müssten zur Vermeidung von Gebäudeschäden
dringend fertiggestellt werden, so erscheine das wenig glaubwürdig, zumal er sich in
der Zwischenzeit (zumindest bis 5. Juli 2019) nicht für den Erhalt der provisorischen
Minergie-Zertifikate eingesetzt habe. Der in den Baubewilligungen enthaltene
Ausnützungsbonus von 5 % setze die Erreichung des Minergie-Standards voraus.
2.2.
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Derzeit bestehe keine Gewähr, dass die Bauten diesen Standard erfüllen würden,
weshalb die Schaffung faktischer Zustände, die einen Rückbau verhindern oder
erschweren würden, mit einem Baustopp zu verhindern sei. Ein milderes Mittel sei nicht
erkennbar. Die mit einer Baueinstellung verbundenen Risiken und allfälligen finanziellen
Mehraufwendungen würden das öffentliche Interesse an der Durchsetzung der
Bauordnung nicht überwiegen. Den aus der Baueinstellung allenfalls erwachsenden
Schaden habe der Beschwerdeführer zu verantworten. Wer von rechtskräftigen
Auflagen abweiche, müsse damit rechnen, dass die Baubewilligungsbehörde die
Baueinstellung verfüge. Diese sei entsprechend verhältnismässig. Nachdem eine
Baueinstellungsverfügung keinen Sinn mache, wenn einem allfälligen Rekurs nicht
gleichzeitig auch die aufschiebende Wirkung entzogen werde und die befürchteten
Gebäudeschäden wenig glaubhaft seien, sei auch die Anordnung des Entzugs der
aufschiebenden Wirkung nicht zu beanstanden (act. G 2 S. 8 f.).
Der Beschwerdeführer macht sinngemäss geltend, die Feststellung im vorinstanzlichen
Entscheid, wonach die Auflage betreffend Beibringung eines provisorischen Minergie-
Zertifikats auch nach Aufnahme der Bauarbeiten eingehalten werden müsse und die
Weiterführung der Bauarbeiten ohne Zertifikate nicht rechtmässig sei, beruhe auf einer
falschen Beurteilung des Ablaufs der Geltungsdauer der provisorischen Minergie-
Zertifikate (act. G 5 S. 4 Mitte). Die Erfüllung der zweiten Auflage einer Einreichung
definitiver Minergie-Zertifikate (vor Bezug der Neubauten) sei zur Zeit weder fällig noch
möglich. Die Ausstellung des provisorischen Zertifikats beinhalte die Feststellung, dass
die geplante Baute nach Erstellung gemäss den Unterlagen den Minergie-Standard
einhalten werde. Ob die provisorisch zertifizierten Bauten nach Bauabschluss
tatsächlich den Anforderungen des Minergie-Baustandards entspreche, könne erst
nach Bauvollendung im Verfahren zur definitiven Zertifizierung geprüft werden. Die
Befristung der provisorischen Zertifikate werde von der Vorinstanz zu Unrecht zum
Anlass genommen, daraus das Vorliegen einer formellen Baurechtswidrigkeit
abzuleiten. Sie betrachte die vor Baubeginn (einmalig) zu erfüllen gewesene Auflage
unzutreffend auch als nach Aufnahme der Bauarbeiten weiterhin geltende und
(dauernd) einzuhaltende Auflage. Einer Auflage, die bereits erfüllt worden sei, komme
keine weiter andauernde Wirkung zu. Der Ablauf der Geltungsdauern der
provisorischen Zertifikate ändere nichts am Ergebnis der materiellen Prüfung des
Gesuchs und Feststellung der Richtigkeit im Zeitpunkt der Bewilligungserteilung.
Seither erhöhte Anforderungen an die Erfüllung des Minergie-Standards seien auf den
vorliegenden Fall nicht nachträglich anwendbar. Der Abbruch der Zertifizierung
schliesse eine definitive Zertifizierung der beiden Gebäude unter neuen
2.3.
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3.
Registrationsnummern nicht aus. Es fehle jede Berechtigung zur Annahme, das
Minergie-Zertifikat könne nicht mehr erreicht werden. Für die Zertifizierung der
rechtskräftig bewilligten Bauten könne nicht die Erfüllung nachträglich erhöhter
Anforderungen verlangt werden. Solches käme einer Rückwirkung neuer
Bauvorschriften gleich. Hinzu komme, dass der mit Wirkung für beide Gebäude
verfügte Baustopp unverhältnismässig und auch daher aufzuheben sei. Für beide
Bauten bestehe eine gesamte Ausnützungsberechnung. Wäre eine nachträgliche
Reduktion der Ausnützung auf 0.5 (statt 0.525) wegen Nichterfüllung des
Minergiestandards nötig, würde dies nicht zur Notwendigkeit von Rückbauten an
beiden Gebäuden führen. Die Reduktion der Ausnützung nur bei einem Gebäude wäre
zulässig. Der Baustopp sei gegebenenfalls auf eines der Gebäude zu beschränken (act.
G 5). Damit könnte zur Vermeidung grosser Schäden am Bau infolge des verfügten
Baustillstandes wenigstens an einem der beiden Häuser (MFH 1) weitergebaut und eine
allenfalls notwendige Reduktion der anrechenbaren Geschossfläche im Ausmass des
Minergie-Bonus beim MFH 2 vorgenommen werden, sollte eine solche bei Nichterhalt
einer erneuten Minergie-Zertifizierung unumgänglich sein (act. G 13).
Nach Art. 147 Abs. 1 PBG wird die Baubewilligung mit Auflagen und Bedingungen
versehen, soweit diese zur Sicherstellung der Übereinstimmung des Bauvorhabens mit
den massgebenden Vorschriften und Plänen erforderlich sind. Die Baubewilligungen
vom 16. November 2011 (MFH 1) und 29. August 2012 (MFH 2) wurden mit einem
Ausnützungsbonus von 5 % (gemäss Art. 13 Abs. 3 BauR in der Fassung gemäss
Nachtrag vom 9. Juni 2009) unter der Voraussetzung der Erfüllung des Minergie-
Baustandards erteilt. Hierbei handelt es sich um eine Auflage in dem Sinn, als deren
Nichterfüllung sich zwar nicht auf den Bestand der Bewilligung auswirkt, die Erfüllung
jedoch mit den Mitteln des Verwaltungszwangs (Baustopp) durchgesetzt werden kann
(vgl. Alain Griffel, Raumplanungs- und Baurecht "in a nutshell", 3. Aufl. 2017, S. 217).
Unbestritten blieb, dass der Beschwerdeführer die in den Baubewilligungen enthaltene
Auflage betreffend Einreichung einer Kopie des provisorischen Minergie-Zertifikats vor
Beginn der Bauarbeiten erfüllte. Als weitere Auflage ist in den erwähnten
Baubewilligungen vermerkt, dass vor Bezug der Bauten das definitive Minergie-
Zertifikat eingereicht werden muss (act. G 9/6/4, G 9/6/5). Fest steht, dass die
Minergie-Zertifizierung der beiden Häuser von Seiten der Energieagentur abgebrochen
wurde mit der Begründung, dass die verlängerte Frist für die provisorischen Minergie-
Zertifikate am 19. Mai 2019 abgelaufen sei (act. G 9/6/2). Streitig ist, ob die Vorinstanz
3.1.
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im angefochtenen Entscheid den zufolge Ablaufs der Geltungsdauer der provisorischen
Minergie-Zertifikate verfügten Baustopp zu Recht bestätigte. Hierbei ist der
chronologische Ablauf des Verfahrens mit Projektänderungsgesuchen und
Bewilligungen - entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 2 S. 2 f.) - im
konkreten Zusammenhang nicht irrelevant. Auch wenn der Verfahrensablauf nicht
unmittelbar die Frage des Baustopps betrifft, zeigt er doch die konkreten Verhältnisse
anschaulich auf. Das langwierige Baubewilligungsverfahren bildete zumindest mittelbar
die Ursache des Ablaufs der zeitlichen Geltungsdauer der provisorischen Zertifikate.
Daher kann auch nicht von Stimmungsmache gegen den Beschwerdeführer (act. G 2
S. 3 oben) gesprochen werden.
Zutreffend ist, dass der Abbruch des Zertifizierungsverfahrens an der ursprünglichen
Erfüllung der Auflage betreffend Einreichung der provisorischen Minergie-Zertifikate als
solcher nichts ändert. Jedoch verloren die provisorischen Zertifikate durch den
Verfahrensabbruch ihre Gültigkeit. Zudem stellte die Energieagentur - und dies ist hier
von Bedeutung - die Beendigung des Zertifizierungsverfahrens explizit mit Hinweis
darauf fest, dass das definitive Label Minergie nicht erteilt und die entsprechenden
Registrationsnummern gelöscht würden. Dem Beschwerdeführer wurde es freigestellt,
einen Antrag nach aktuellem Minergie-Reglement einzureichen, um neue provisorische
Minergie-Zertifikate zu erhalten (act. G 9/6/2). Diese Gegebenheiten bewirkten das
nachträgliche Dahinfallen der rechtlichen Voraussetzungen der in den
Baubewilligungen gewährten erhöhten Ausnützung, zumal letztere unter der Auflage
eines noch laufenden, zur definitiven Zertifizierung führenden Verfahrens bewilligt
worden war. Hierdurch wurde im Hinblick auf die ohne Zertifizierungsverfahren
drohende Übernutzung der Bauliegenschaft gleichzeitig ein unrechtmässiger Zustand
im Sinn von Art. 159 Abs. 1 lit. a PBG geschaffen und damit ein Grund für die
Baueinstellungsverfügung. Hieran vermag der Umstand nichts zu ändern, dass ein
neues Zertifizierungsverfahren eingeleitet werden kann, zumal die erneute
Antragstellung einen vollständigen Neubeginn des Zertifizierungs-Verfahrens bewirkt.
Die vom Beschwerdeführer angesprochene Frage, ob zwischenzeitlich erhöhte
Anforderungen an die Erfüllung des Minergie-Standards auf den vorliegenden Fall
nachträglich anwendbar sind oder nicht (act. G 5 S. 7), ist - da nicht
Verfahrensgegenstand - nicht im vorliegenden Verfahren zu beantworten. Immerhin ist
festzuhalten, dass es bei einer allfälligen Anwendung geänderter Minergie-Vorschriften
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (act. G 5 S. 9) nicht um eine
Rückwirkung neuer (öffentlicher) Bauvorschriften geht, zumal einzig Normen des
3.2.
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4.