# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b4517bcd-cbb8-46e1-a393-7fdbf40d3e67
**Court:** AG_OG
**Chamber:** AG_OG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** AG / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Mit Gesuch vom 7. Oktober 2021 stellte die Klägerin folgende Anträge:
" 1. Ziff. 7.2. der mit Urteil vom 07.07.2021 in Ziff. 6 genehmigten  der Parteien sei zu vollstrecken.
2. Es sei der Gesuchsgegner unter Strafandrohung gemäss Art. 292 StGB zu verpflichten, den von der Gesuchstellerin bereits unterzeichnete Verkaufsauftrag mit der D. und einen Kaufvertrag betr. die Liegenschaft X zu einem Richtpreis von CHF 1'307'000.00 zu unterzeichnen.
3. Für den Fall des Zuwiderhandelns des Gesuchsgegners gegen den Vollstreckungsbefehl sei der Gesuchstellerin das Recht einzuräumen, die Liegenschaft X gemäss den Vorgaben des Scheidungsurteils  den Parteien vom 07.07.2020 auch ohne Zustimmung des  zu veräussern.
Eventuell: Die Zustimmung des Gesuchsgegners zur Unterzeichnung des  und zur Unterzeichnung eines Kaufvertrages betreffend die Liegenschaft X sei durch den Vollstreckungsentscheid zu ersetzen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen."
1.2.
Mit Stellungnahme vom 27. Oktober 2021 stellte der Beklagte folgende An-
träge:
" 1. Die Anträge 1 bis 3 der Gesuchstellerin sind zurückzuweisen.
2. Der Gesuchsgegner sei für sämtliche Mängel in der Auslegung der rechtlichen Basis, die durch das zuständige Gericht verfasst und aus dem Scheidungsurteil hervorgehen, zu entlasten.
3. Die Gesuchstellerin sei zu verpflichten, sämtliche ausstehenden, im Rahmen des Scheidungsverfahrens festgestellten und nachweisbar unbezahlte Leistungen, gemäss Verfügung des Gerichtes zu bezahlen.
4. Das angerufene Gericht bestimmt, was die Gesuchstellerin dem  für die Nutzung der gemeinsamen Immobilie über den Zeitraum von mehr als 7 Jahren als Genugtuung zu entschädigen hat.
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5. Die Gesuchstellerin sei zu verpflichten, den Kaufvertrag zur  der Immobilie durch den Gesuchsgegner, gemäss den  Grundlagen in dessen Alleineigentum zu unterzeichnen.
6. Für den Fall, dass die Gesuchstellerin die Unterzeichnung des  verweigert, soll das Gericht per Verfügung, durch den Nachweis der Zahlung des Anteils gemäss Scheidungsurteil und hinterlegt bei  Notar, die gemeinsame Immobilie in das Alleineigentum des  veranlassen.
7. Das angerufene Gericht bestimmt den Zeitpunkt, an dem die  die Immobilie zu verlassen hat in Begleitung eines , zudem händigt sie sämtliche Dokumente, Schlüssel und allfällige Codes für den Zugang zum Haus dem Gerichtsdiener aus.
8. Das angerufene Gericht bestimmt, was und wie die Gesuchstellerin die nicht gemeinsam vereinbarte Nutzung der Immobilie ab dem Zeitpunkt der Scheidung dem Gesuchsgegner zu entschädigen hat.
9. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge."
1.3.
Am 1. Dezember 2021 fand vor der Vorinstanz eine Verhandlung statt, an-
lässlich derer die Parteien in ihrer Replik bzw. Duplik an den bereits gestell-
ten Anträgen festhielten. Nach den Vergleichsgesprächen sistierte die
Vorinstanz das Verfahren bis zum 15. Dezember 2021.
1.4.
Nachdem die Vergleichsgespräche gescheitert waren, zog die Klägerin ihr
Vollstreckungsbegehren mit Eingabe vom 16. Dezember 2021 zurück.
1.5.
Mit Entscheid vom 24. Januar 2022 erkannte das Bezirksgerichtspräsidium
Kulm:
" 1. Die Vollstreckungsbegehren der Gesuchstellerin werden infolge  als gegenstandslos abgeschrieben.
2. Auf die Anträge des Gesuchsgegners Ziffer 2 bis 8 der Stellungnahme vom 27. Oktober 2021 wird nicht eingetreten.
3. Die Entscheidgebühr von Fr. 3'000.00 wird der Gesuchstellerin zu 3/10, d.h. mit Fr. 900.00, und dem Gesuchsgegner zu 7/10, d.h. mit
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Fr. 2'100.00, auferlegt und mit dem Kostenvorschuss der  von Fr. 1'000.00 verrechnet, sodass der Gesuchsgegner dem  Fr. 2'000.00 und der Gesuchstellerin Fr. 100.00 zu bezahlen hat.
4. Der Gesuchsgegner hat der Gesuchstellerin 4/10, d.h. Fr. 1'141.10 (inkl. Auslagen und MWSt), der gerichtlich festgesetzten  (Fr. 2'852.75) zu ersetzen."
2.
2.1.
Mit fristgerechter als Berufung betitelter Kostenbeschwerde stellte der Be-
klagte am 2. Februar 2022 (Postaufgabe) folgende Begehren:
" 1. Der Entscheid des Gerichtspräsidiums Kulm sei betreffend [die]  in Ziffer 3 aufzuheben und die Verfahrenskosten  der Gesuchstellerin aufzuerlegen.
2.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der ."
2.2.
Nach Ausübung der gerichtlichen Fragepflicht mit Verfügung vom 3. Feb-
ruar 2022 teilte der Beklagte was folgt mit:
" Es wird sowohl die Dispositivziffer 3 [als] auch die Ziffer 4 des vorinstanzlichen Entscheides angefochten."
2.3.
Mit Beschwerdeantwort vom 7. März 2022 stellte die Klägerin folgende An-
träge:
" 1. Die Beschwerde sei vollumfänglich abzuweisen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Beklagten."

## Considerations

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Der Entscheid über die Prozesskosten ist selbständig nur mit Beschwerde
anfechtbar (Art. 110 i.V.m. 319 lit. b Ziff. 1 ZPO). Mit der Beschwerde kön-
nen die unrichtige Rechtsanwendung und die offensichtlich unrichtige Fest-
stellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Neue
Anträge, neue Tatsachenbehauptungen und neue Beweismittel sind im Be-
schwerdeverfahren ausgeschlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO).
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2.
2.1.
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens bildet nur die vorinstanzliche Ver-
teilung der Prozesskosten unter den Parteien nicht aber deren Höhe.
2.2.
Die Vorinstanz erwog, die Klägerin habe ihre Vollstreckungsanträge zu-
rückgezogen, weshalb das Verfahren diesbezüglich abzuschreiben sei (an-
gefochtener Entscheid E. 1 und Dispositivziffer 1). Der Beklagte beantrage
neben der Abweisung der Vollstreckungsanträge zudem die Entlastung für
sämtliche Mängel in der Auslegung der rechtlichen Basis des Scheidungs-
entscheids, die Verpflichtung der Klägerin, sämtliche ausstehenden Leis-
tungen aus dem Scheidungsverfahren zu bezahlen, die Zusprechung einer
Genugtuung für die Hausnutzung durch die Klägerin, die Verpflichtung der
Klägerin zur Unterzeichnung des Kaufvertrages, im Falle der Weigerung
die Übertragung der Liegenschaft ins Alleineigentum des Beklagten, die
Bestimmung des Zeitpunktes, in welchem die Klägerin die Liegenschaft zu
verlassen und sämtliche Dokumente/Schlüssel etc. auszuhändigen habe
und schliesslich die Festsetzung einer Nutzungsentschädigung (angefoch-
tener Entscheid E. 2.1). Mangels Zuständigkeit habe das angerufene Voll-
streckungsgericht auf den Antrag des Beklagten, die von der Klägerin noch
unbezahlt gebliebenen Geldforderungen zu vollstrecken (Ziff. 3), nicht ein-
zutreten. Geldforderungen seien auf dem Betreibungsweg zu vollstrecken
(angefochtener Entscheid E. 2.3 und Dispositivziffer 2). Die Ziff. 2 und 4–8
der Stellungnahme des Beklagten seien sodann darauf ausgerichtet, eine
neue Rechtslage zu schaffen, weshalb das Vollstreckungsgericht darauf
ebenfalls nicht einzutreten habe (angefochtener Entscheid E. 2.3 und Dis-
positivziffer 2).
In Bezug auf die Kostenverteilung erwog die Vorinstanz, dass die Klägerin
gestützt auf den Rückzug ihrer drei Begehren als unterliegend gelte, der
Beklagte demgegenüber zufolge Nichteintretens auf sieben seiner Anträge
unterliege. Dementsprechend erscheine eine Kostenverteilung von 3/10
(Klägerin) zu 7/10 (Beklagter) als angemessen (angefochtener Entscheid
E. 3.2).
2.3.
Der Beklagte führt in seiner Beschwerde aus, die Vorinstanz habe ihn zu
Recht zu einer Stellungnahme eingeladen. Bei dieser handle es sich aber
nicht um eine Art Widerklage, da die Voraussetzungen für eine Widerklage
fehlen würden, insbesondere würden seine Anträge nicht auf demselben
Rechtsverhältnis wie das Vollstreckungsgesuch basieren und über andere
Verfahren abgehandelt. Es hätten demnach sowohl ein sachlicher Zusam-
menhang als auch die gleiche Verfahrensart gefehlt, um die Stellungnahme
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des Beklagten als eine Art Widerklage zum Vollstreckungsgesuch aufzu-
fassen. Das Vollstreckungsgericht hätte seine Anträge daher lediglich unter
dem Aspekt der Vollstreckbarkeit zu prüfen gehabt. Wäre diese nicht ge-
geben gewesen, wären diese unter voller Kostenfolge zulasten der Kläge-
rin abzuweisen gewesen. Nachdem die Klägerin ihr Vollstreckungsbegeh-
ren zurückgezogen habe, dürften die Kostenfolgen nicht anders beurteilt
werden. Das Verfahren sei korrekt als gegenstandslos infolge Rückzugs
abgeschrieben worden. Dabei hätte die Klägerin nach Art. 106 Abs. 1 ZPO
als vollständig unterlegen zu gelten und alle Prozesskosten alleine zu tra-
gen gehabt.
2.4.
Nach Art. 106 Abs. 1 ZPO werden die Prozesskosten der unterliegenden
Partei auferlegt. Bei Nichteintreten und bei Klagerückzug gilt die klagende
Partei, bei Anerkennung der Klage die beklagte Partei als unterliegend. Hat
keine Partei vollständig obsiegt, so werden die Prozesskosten nach dem
Ausgang des Verfahrens verteilt (Art. 106 Abs. 2 ZPO). Wird dem Gericht
ein Klagerückzug zu Protokoll gegeben (Art. 241 Abs. 1 ZPO), so schreibt
dieses das Verfahren ab (Art. 241 Abs. 3 ZPO).
2.5.
Die Vorinstanz wendete diese Rechtsgrundlagen korrekt an: Der Beklagte
geht selber davon aus, dass die von ihm im vorinstanzlichen Verfahren
über die Abweisung des Vollstreckungsgesuchs hinaus gestellten Begeh-
ren unzulässig waren. Zu Recht rügt er demnach auch nicht, dass die
Vorinstanz auf diese Begehren nicht eingetreten ist. Soweit der Beklagte
implizit vorbringen will, die Vorinstanz hätte auf seine Begehren Ziff. 2–8
nicht eingehen müssen, weil die Voraussetzungen einer Widerklage nicht
erfüllt gewesen seien, so ist ihm entgegenzuhalten, dass er besagte Be-
gehren aber gestellt und damit rechtshängig gemacht hatte. Sie waren von
der Vorinstanz daher zu beurteilen. Es hätte dem Beklagten freigestanden,
sich in seiner Stellungnahme vom 27. Oktober 2021 auf die kostenfällige
Abweisung des Vollstreckungsgesuchs zu beschränken.
Demnach unterlag die Klägerin im vorinstanzlichen Verfahren nach Art. 106
Abs. 1 ZPO in jenem Umfang, in dem sie Vollstreckungsbegehren gestellt
und diese anschliessend zurückgezogen hat. In diesem Umfang hat die
Vorinstanz das Verfahren korrekterweise auch abgeschrieben. Der Be-
klagte demgegenüber unterlag nach Art. 106 Abs. 1 ZPO in jenem Umfang,
in dem er über die Abweisung des Vollstreckungsgesuchs hinaus Begehren
stellte, auf die die Vorinstanz zu Recht nicht eingetreten ist. Dementspre-
chend hat im vorinstanzlichen Verfahren keine der Parteien vollständig ob-
siegt, weshalb die Kosten gemäss Art. 106 Abs. 2 ZPO nach dem Ausgang
des Verfahrens zu verteilen waren. Dass die Vorinstanz hierfür auf die An-
zahl der von den Parteien gestellten Begehren (Klägerin: 3, Beklagter: 7)
abstellte und damit zu einem Verteilschlüssel von 3 : 7 gelangte, ist nicht
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zu beanstanden und wird vom Beklagten in der Sache auch nicht begründet
gerügt. Zusammenfassend gelangte die Vorinstanz daher zu Recht zum
Schluss, dass der Beklagte zu 7/10 unterliegt und die Prozesskosten in
diesem Umfang zu tragen hat. Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
3.
Ausgangsgemäss wird der Beklagte kostenpflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO).
Die Spruchgebühr für das Beschwerdeverfahren wird auf Fr. 800.00 fest-
gesetzt (§ 11 Abs. 1 i.V.m. § 8 Abs. 1 VKD) und mit dem vom Beklagten in
gleicher Höhe geleisteten Kostenvorschuss verrechnet (Art. 111 Abs. 1
ZPO).
Zudem hat der Beklagte der Klägerin für das Beschwerdeverfahren eine
Parteientschädigung zu bezahlen. Diese wird ausgehend von einer Grun-
dentschädigung von Fr. 911.50 (Fr. 1'823.05 bei einem Kostenstreitwert im
Rechtsmittelverfahren von Fr. 3'241.10 [Fr. 2'100.00 + Fr. 1'141.10; § 3
Abs. 1 lit. a Ziff. 1 AnwT]; davon 50 % [§ 3 Abs. 2 AnwT]) und unter Berück-
sichtigung der tarifgemässen Abzüge von 20 % für die fehlende Verhand-
lung (§ 6 Abs. 2 AnwT) und von 25 % für das Rechtsmittelverfahren (§ 8
AnwT) sowie des pauschalen Auslagenzuschlags von Fr. 50.00 und der
Mehrwertsteuer von 7.7 % richterlich auf Fr. 642.85 festgesetzt.