# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 33592f23-a4dd-481e-96b4-11490c9c1792
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._, geboren 1997, reiste mit seiner Mutter am 22. April 2003 von Burundi in die Schweiz ein (Urk. 9/2). Am 23. November 2004 respektive 19. August 2005 errichtete die damalige Vormundschaftsbehörde der Stadt Winterthur für den Versicherten eine Beistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 aZGB (Urk. 9/4). Am 2. Februar 2006 (Eingangsdatum) wurde der Versicherte unter Hinweis auf ein infantiles psychoorganisches Syndrom bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von IV-Leis
tung
en angemeldet (Urk. 9/2). Nach entsprechendem Vorbescheid vom 16. Okto
ber 2006 (Urk. 9/13) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 22. November
2006 (Urk. 9/16) einen Leistungsanspruch betreffend Geburtsgebrechen und Son
der
schule. Begründet wurde dies damit, dass die versicherungsmässigen Voraus
setzungen nicht erfüllt seien. Der Versicherte war in der Folge in verschiedenen Pflegefamilien und Kinderheimen und durchlief die Schule in unterschiedlichen Institutionen (Urk. 9/20/3 und Urk. 9/30/9-10).
1.2
Am 12. Februar 2013 (Eingangsdatum) wurde der Versicherte erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug angemeldet (Urk. 9/20). Am 31. Juli 2013 teilte die IV-Stelle ihm mit, dass sie die Mehrkosten der erstmaligen beruflichen Aus
bil
dung zum Praktiker PrA Küche vom 1. August 2013 bis zum 31. Juli 2014 bei der Y._ übernehme (Urk. 9/34). Am 27. März 2014 teilte die IV-Stelle dem Versicherten sodann mit, dass sie die Mehrkosten für die Verlängerung dieser erstmaligen beruflichen Ausbildung vom 1. August 2014 bis zum 31. Juli 2015 übernehme (Urk. 9/40).
1.3
Am 11. März 2015 (Eingangsdatum) meldete sich der Versicherte bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug für Erwachsene an (Urk. 9/52). Mit Entscheid vom 21. April 2015 errichtete die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) der Bezirke Winterthur und Andelfingen für den Versicherten eine Beistands
chaft nach Art. 393-395 ZGB (Urk. 9/80). Mit Verfügungen vom 24. April 2015
sprach die IV-Stelle ihm im Zusammenhang mit den laufenden beruflichen Mass
nahmen im Zeitraum vom 1. August 2014 bis zum 2. August 2015 Tag
gelder zu (Urk. 9/60-61). Am 4. Mai 2015 erstattete die Y._ den Abschluss
bericht (Urk. 9/62; vgl. auch Ausweis Praktiker PrA Küche der Insos [Nationaler Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Behinderung] vom Juli 2015, Urk. 9/71). Im Juni 2015 wurde die Rentenprüfung eingeleitet (Urk. 9/67 und Urk. 9/75/5). Am 11. August 2015 teilte die IV-Stelle mit, dass die beruf
lichen Massnahmen erfolgreich abgeschlossen seien. Als Anschlusslösung sei ein Arbeitstraining im Restaurant geplant. Betreffend Rente werde der Versi
cherte eine separate Ver
fügung erhalten (Urk. 9/73). Ab dem 1. August 2015 absolvierte der Versicherte bei der Z._ ein Arbeitstraining (vgl. Bericht vom 9. März 2016, Urk. 9/91). Schliesslich verneinte die IV-Stelle nach entsprechendem Vor
bescheid vom 4. Mai 2016 (Urk. 9/94) mit Verfügung vom 21. Juni 2016 (Urk. 2)
einen Anspruch auf IV-Leistungen.
2.
Dagegen erhob der Versicherte am 23. August 2016 Beschwerde und bean
tragte, es sei die angefochtene Verfügung aufzuheben und es sei ihm ab dem 1. August 2015 eine ganze Rente zuzusprechen; eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie einen Anspruch auf beruf
liche Massnahmen prüfe und hernach darüber entscheide (Urk. 1 S. 2). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom 26. September 2016 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 8), was dem Beschwerdeführer am 27. Septem
ber 2016 angezeigt wurde (Urk. 10).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krank
heits
wert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezem
ber 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundes
ge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Inva
lidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerb
s
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der ver
sicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Rest
arbeits
fähig
keit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalidenein
kommen
), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog. Valideneinkommen). Der Einkommens
ver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.4
Invalide o
der von einer Invalidität (Art.
8 ATSG) bedroht
e Versicherte haben gemäss Art.
8 IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit
(Abs. 1)
:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, wieder herzustellen, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelne
n Massnahmen erfüllt sind
.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbs
lebens zu berücksichtigen (Abs.
1
bis
). Nach Massgabe der Art.
13 und 21
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unabhängig von der Möglichkeit einer Ein
glie
derung ins Erwerbsleben oder in den Aufg
abenbereich (Abs.
2). Nach Mass
gabe von Art
.
16 Abs
.
2
lit.
c
IVG
besteht der Anspruch auf Leistungen unab
hängig davon, ob die Eingliederungsmassnahmen notwendig sind oder nicht, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, zu er
halten oder zu verbessern (Abs.
2
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (lit. a),
Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die
berufliche Eingliederung (lit.
a
bis
),
Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsverm
ittlung, Kapitalhilfe; lit. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (lit.
d).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.7
Berichten des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) nach Art. 49 Abs. 2 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) kommt ebenfalls Beweiswert
zu, sofern sie den von der Rechtsprechung umschriebenen Anforderungen an ein
ärztliches Gutachten genügen (BGE 137 V 210 E. 1.2.1). Selbst eine Akten
beur
teilung ohne eigene Untersuchung kann beweiskräftig sein, sofern ein lücken
loser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurtei
lung eines an sich feststehenden medizinischen Sach
verhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt. Dies gilt grundsätzlich auch in Bezug auf Berichte und Stellungnahmen der RAD (Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E.
3.1 und 9C_196/2014 vom 18. Juni 2014 E. 5.1.1 mit Hinweisen).
Nach der Rechtsprechung ist es dem Sozialversicherungsgericht nicht verwehrt, einzig oder im Wesentlichen gestützt auf die (versicherungsinterne) Beurteilung des RAD zu entscheiden. In solchen Fällen sind an die Beweiswürdigung jedoch strenge Anforderungen in dem Sinne zu stellen, dass bei auch nur geringen Zweifeln an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der ärztlichen Feststellungen ergänzende Abklärungen vorzunehmen sind (BGE 135 V 465 E. 4.4; 122 V 157 E.
1d; Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2015 vom 1. September 2015 E.
3.2 und 9C_28/2015 vom 8. Juni 2015 E. 3.3).
1.8
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung damit, dass der Beschwerdeführer vom 1. August 2013 bis zum 31. Juli 2015 eine Aus
bil
dung zum Praktiker PrA Küche absolviert habe, welche er mit Erfolg habe
ab
schliessen können. Der Berufseinstieg sei gesundheitsbedingt erschwert gewe
sen. Im Verlauf der Ausbildung hätten dank der mehrdisziplinären Unter
stüt
zung aber Fortschritte im Sozialverhalten und auch im beruflichen Bereich erzielt werden können. Im beruflichen Bereich sei eine starke und klare Führung weiterhin empfohlen. Wie generell bei Lehrabgängern, fehle es dem Beschwer
deführer noch an Übung, um die beruflichen Kenntnisse zu verbessern und um eine vermehrte Routine zu erhalten. Bei vorliegender Motivation lägen keine Einschränkungen vor. Insgesamt sei kein Gesundheitsschaden mit einem inva
li
disierenden Ausmass ausgewiesen. Das Leistungsbegehren werde deshalb abge
wiesen (Urk. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend, dass er trotz der seit seiner Kindheit bestehenden Behinderung einen Abschluss als Praktiker PrA Küche Insos erlangt habe. Bei diesem Abschluss handle es sich jedoch nicht um einen offiziell anerkannten Berufsabschluss. Er habe diese zweijährige Ausbil
dung an geschützten Arbeitsplätzen absolviert und könne – was die Beschwer
degegnerin verkenne – nicht mit einem normalen Lehrling, der eine drei- oder vierjährige Lehre absolviert habe, verglichen werden. Im Weiteren habe auch
die Berufsberaterin der Beschwerdegegnerin im Verlaufsprotokoll vom 11. August
2015 nach dem Abschluss dieser Ausbildung festgehalten, dass er gesundheitsbedingt keine ausreichenden beruflichen Kenntnisse habe erwerben können. Das Valideneinkommen sei deshalb nach Art. 26 Abs. 1 der Verord
nung über die Invalidenversicherung (IVV) ab dem 18. Altersjahr auf Fr. 57‘750.-- festzusetzen. Mit telefonischer Auskunft der Y._ vom 11. Mai 2015 sei sodann eine Leistung des Beschwerdeführers von 30 bis 40 % bei einem möglichen Lohn von Fr. 13‘000.-- bis Fr. 15‘600.-- ausgewiesen worden, weshalb von einem Invalideneinkommen von höchstens Fr. 15‘600.-- auszugehen sei. Demgemäss resultiere ein Invaliditätsgrad von mindestens 73 %, was einen Anspruch auf eine ganze Rente begründe. Sollte die ange
rufene Instanz mit der Beschwerdegegnerin dafür halten, dass er keinen Ren
tenanspruch habe, wäre die Sache zwecks Abklärung der weiteren Ansprüche auf berufliche Massnahmen zurückzuweisen (Urk. 1 S. 5 ff.).
3.
3.1
Med. pract. A._, Oberärztin, und med. pract. B._, Assistenz
ärztin, von der C._ stellten im Bericht vom 12. Juli 2013 (Eingangsdatum) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (1) eine posttraumatische Belastungs
störung (PTBS; ICD-10 F43.1) und (2) eine rezeptive Sprachstörung (ICD-10 F80.2). Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie nicht (Urk. 9/33/1). Die Ärztinnen der C._ gaben an, dass sich beim
16,5-jäh
rigen Beschwerdeführer deutliche Symptome einer PTBS zeigen würden
.
Bei frühkindlicher Traumatisierung,
von welcher vorliegend ausgegangen wer
den müsse, könne
sich ein etwas weniger typisches Bild einer
PTBS zeigen. Insbesondere
durch die Kriegswirren in seiner Heimat
Burundi und die
Flucht
sei der Beschwerdeführer in seiner Kindheit
sch
weren Belastungen ausgesetzt gewesen. Dadurch sei er
in seiner Entwicklung gestört und
behindert gewesen. In seiner
psychischen und somit sozialen und auch kognitiven Reifung
sei er beeinträchtigt. Wahrnehmbar werde
dies für sein soziales Umfeld durch teils schwer nachvollziehbar
es,
unpassendes Verhalten wie Verweigerungen, hohe Reizbarkeit, Ängstlichkeit, Wutausbrüche, Verzweiflung, kindlich unreflektierte
Kontaktaufnahme, Misstrauen Erwachsenen gegenüber oder ungeschickt gesteu
erten
Umgang mit Gleichaltrigen. Auf
die kognitiven Rückstände weise
die Differenz zwischen
dem
intell
ektuellen Potenzial und d
em ak
tuellen kognitiven
Leistungsniveau hin.
Der Beschwerdeführer habe
früher
, wie auch teilweise noch heute
Anzeichen einer Störung des Sozialverhaltens sowie eines Aufmerk
samkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndroms
(ADHS) gezeigt
, welche eventuell
auch durch die PTBS mitbegründet sein könnten. Zudem müsse von einer rezep
tiven Sprachstörung ausgegangen werden, welche zurzeit
logopädisch abgeklärt werde (Urk. 9/33/10). Gemäss den Angaben seiner Mutter habe der Beschwer
de
führer zwar die ersten Worte mit elf Monaten gesprochen, einen ersten zu
sammenhängenden Satz jedoch erst mit drei Jahren. Er habe nie richtig die
Landessprache Kirundi gelernt (Urk. 9/33/2). Eine rezeptive Sprachstörung kö
nne häufig auch zu Verhaltensstörungen führen. Zudem fänden sich oft auch Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörung, soziale Unangepasstheit und Isolation
von der Gruppe der Gleichaltrigen sowie Ängstlichkeit, Überempfindlichkeit un
d unangebrachte Scheu. All diese Symptome seien beim Beschwerdeführer beob
achtet worden. Auf diesem Hintergrund könnten die Verhaltensschwierigkeiten zumindest teilweise mit einer rezeptiven Sprachstörung verstanden werden.
Auf
grund der beschriebenen Einschränkungen habe der Beschwerdeführer grosse
Mühe, sich an Regeln zu halten und sich an sozialen Normen zu orientieren, was zu einem gewissen Teil auch Konsequenz des reduzierten Sprachver
ständ
nisses sei. Es seien
Konzentrationsschwierigkeiten und Aufmerksamkeitsstö
rungen sowie eine erhöhte Reizbarkeit
festzustellen
,
was sich auf die Berufs
ausübung auswirken könne. Aufgrund der komplexen
Beeinträchtigung
sei der Beschwerdeführer
in Bezug auf seine Persönlic
hkeitsentwicklung und das Errei
chen einer höchst
möglichen Selbständigkeit auf langfrist
ig angelegte interdis
ziplinäre Unterstützung angewiesen. Die berufliche Integration müsse in kleinen,
eng begleiteten Schritten stets in Abstimmung
mit der weiteren
Entwicklung angegangen w
erden. In einer Schnupperlehre i
m geschützten
Rahmen habe der Beschwerdeführer
erste Erfahrungen in der Arbeitswelt
sammeln können und ein
positives Verhalten und Interesse
gezeigt
.
Zur
schulischen Unterstützung
benötige er
individualisierten Unterricht in einer Kleinstgruppe ode
r noch besser im Einzelsetting (Urk. 9/33/10).
3.2
Im an die KESB der Bezirke Winterthur und Andelfingen gerichteten Bericht vom 1. April 2015 gaben med. pract. A._ und D._, Fachpsy
cho
login für Neuropsychologie FSP, von der C._ an, dass der Beschwer
deführer seit November 2013 aufgrund der
Attention Deficit Hyperactivity D
isorder
(ADHD)
-Symptomatik medikamentös behandelt worden sei. Im Verlauf des Jahres 2014 sei diese Medikation verschiedentlich überprüft und beibe
hal
ten worden. Im Januar 2015 sei durch die betreuende Sozialpädagogin gemel
det worden, dass die Medikation nicht mehr eingenommen würde. Der Beschwer
deführer habe angegeben, durch die Medikation zwar keine negativen Wir
kungen gemerkt zu haben. Er sei aber der Überzeugung, dass er das Medika
ment nicht mehr brauche. Da er insgesamt über die letzten 18 Monate gesehen eine positive Entwicklung durchlaufen habe, sei diesem Wunsch entsprochen worden. Die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers sei zeitweise sicher von einer ADHD-Symptomatik negativ beeinflusst. Weit mehr ins Gewicht fallen dürften jedoch seine kognitiv schwachen Leistungen. Insbesondere im sprach
lichen Bereich sei er stark beeinträchtigt. Eine gezielte sprachliche Förderung
durch eine Logopädietherapie sei erfolgt. Da der grösste Teil des Lernens sprac
h
gebunden sei, sollte diesem wirklich schwachen Bereich auch in Zukunft grosse Aufmerksamkeit gewidmet werden. Im Gegensatz zum sprachlichen Bereich würden die Fähigkeiten des Beschwerdeführers im wahrnehmungsgebundenen logischen Denken im Normbereich liegen (Urk. 9/65).
3.3
Die zuständigen Fachpersonen der Y._ erklärten im Bericht vom 4. Mai 2015, dass der Beschwerdeführer nach ihrer Einschätzung und aufgrund der Rückmeldungen aus den Praktikumsbetrieben eine enge Begleitung am Arbeitsplatz benötige. Zudem benötige er eine Ansprechperson, die ihn bei Fra
gen und Anliegen unterstütze, klare Anweisungen sowie Verständnis, wenn seine Konzentration im Tagesverlauf abnehme. Im Anschluss an die Ausbildung sei ein einjähriges Arbeitstraining in der Küche des Restaurants der Z._ zu empfehlen. Sollten die Kosten dieser Massnahme nicht übernommen werden, wäre es sinnvoll, wenn der Beschwerdeführer einen mehr
monatigen Arbeitsversuch in einem Betrieb im allgemeinen Arbeitsmarkt absolvieren könnte. Dies mit dem Ziel, eine Festanstellung zu prüfen und die Leistungsfähigkeit zu erfassen (Urk. 9/62/2-4).
3.4
Med. pract. A._ von der C._ diagnostizierte im Bericht vom 3. Februar 2016 (Urk. 9/90/1-3) nebst den bereits im Bericht vom 12. Juli 2013 (Urk. 9/33/1) genannten Diagnosen eine hyperkinetische Störung des Sozialver
haltens (ICD-10 F90.1), aktuell angepasstes Sozialverhalten, daher eher F90.0: einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung. Sie gab an, dass eine ein
fache Tätigkeit (aktuell Küche) sechs bis acht Stunden pro Tag möglich und sehr sinnvoll sei. Seit Januar 2013 werde der Beschwerdeführer zwei bis vier Mal pro Monat psychotherapeutisch behandelt.
3.5
RAD-Arzt Dr. med. E._, FMH Orthopädische Chirurgie, hielt in seiner Stellungnahme vom 18. Februar 2016 unter Hinweis auf die im Bericht der C._ vom 3. Februar 2016 gestellten Diagnosen fest, es bestünden Einschränkungen in der Konzentrationsfähigkeit, Aufmerksamkeit, Kognition und Sprache (Intelligenz
min
derung); die Motorik sei ungestört. Als Belastungs
-
profil führte er an: „geistig
einfache Tätigkeiten mit Fremdkontrolle, Beachtung der oben genannten funk
tionellen Einschränkungen“. Zur Arbeitsfähigkeit bemerkte er: „6-8 Stunden pro Tag (100 % AF allenfalls abzüglich 20 % AF für vermehrte Pausen)“. Er kam zum Schluss, dass hierauf abgestützt von einem „dauerhaft AUF relevanten“ Gesundheitsschaden mit der genannten Arbeits-fähigkeitsbeurteilung und dem genannten Belastungsprofil geltend für den ersten Arbeitsmarkt ausgegangen werden sollte. Weitere medizinische Massnahmen erschienen jetzt nicht erfor
derlich. Sollte sich eine Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt nicht realisieren lassen, solle eine Wiedervorlage an den RAD erfolgen (Urk. 93/3-4).
3.6
F._, Geschäftsführer der Z._, erklärte im Abschluss
be
richt vom 9. März 2016, dass der Beschwerdeführer den richtigen Beruf ausübe und ihm viele Fortschritte gelungen seien. Es sei sehr wichtig, dass er weiterhin positive Erfahrungen im Beruf sammeln dürfe, damit sein Können (Routine) wachse und er fähig werde, einen Posten selbständig zu führen. Damit ihm dies gelinge, brauche er allerdings nach wie vor eine klare Hand, die ihn wohl
wol
lend führe. Zu empfehlen sei eine IV-gestützte Arbeitsstelle, damit der wirt
schaft
liche Druck auf ihn nicht zu gross werde (Urk. 9/91).
4.
4.1
Die Ausbildung Praktiker PrA Küche, die der Beschwerdeführer vom 1. August 2013 bis zum 31. Juli 2015 absolvierte und erfolgreich mit Diplom abschloss (Urk. 9/71), richtet sich an Menschen mit Beeinträchtigung, die sich für eine Küchentätigkeit interessieren, aber die Voraussetzungen für eine berufliche Grundbildung mit eidgenössischem Berufsattest (EBA) nicht oder noch nicht erfüllen. Bei dieser Ausbildung handelt es sich demnach nicht um eine der früheren Anlehre entsprechende 2-jährige Grundausbildung (EBA) geschweige denn um eine drei- bis vierjährige Lehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis (EFZ). Der Hinweis der Beschwerdegegnerin, wonach es dem Beschwerdeführer - wie generell Lehrabgängern – (lediglich) noch an Übung fehle, um die beruf
lichen Kenntnisse zu verbessern und um eine vermehrte Routine zu erhalten (Urk. 2 S. 2), erweist sich daher insofern als unzutreffend.
4.2
4.2.1
Die zuständigen Abklärungspersonen des Ausbildungsbetriebs Y._ gaben im Wesentlichen an, dass der Beschwerdeführer im allgemeinen Arbeits
markt eine Anstellung in Form eines Nischenarbeitsplatzes finden könne - mit einem noch zu bestimmenden Leistungslohn und unterstützender Rente
(Urk. 9/62/2). In der Folge wurde im Rahmen der telefonischen Auskunft gegen
über der Beschwerdegegnerin vom 11. Mai 2015 vonseiten der Y._ von einer Leistungsfähigkeit von 30 bis 40 % gesprochen, dies jedoch offenbar ohne nähere Begründung (vgl. Urk. 9/75/1). Im Weiteren wies F._ von der Z._ darauf hin, dass der Beschwerdeführer im Rahmen des Arbeitstrainings, das er nach Abschluss der Ausbildung zum Praktiker PrA Küche am 1. August 2015 aufgenommen hatte, eine durchschnittliche Arbeits
leistung von 60 bis 70 % erbracht habe. Zur Frage, in welchem Umfang er auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeits- und leistungsfähig wäre, hat sich F._ allerdings nicht geäussert. Er erwähnte zwar, dass dem Beschwerde
führer viele Fortschritte gelungen seien. Dennoch kam er letztlich zum Schluss, dass weiterhin eine IV-gestützte Arbeitsstelle zu empfehlen sei (Urk. 9/91/2-3).
Die Fachpersonen der Stiftungen Y._ und Z._ haben also unter
schied
liche und teilweise nicht nachvollziehbare Angaben zur Einsatz- und Leistungs
fähigkeit des Beschwerdeführers im ersten Arbeitsmarkt gemacht.
4.2.2
Hinzu kommt, dass nach der Rechtsprechung die Frage nach den zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Ein
gliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten ist (Urteile des Bundesgerichts 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4 und 9C_401/2014 vom 26. November 2014 E. 4.3.3; je mit Hinweis).
Med. pract. A._ äusserte sich im genannten Bericht vom 3. Februar 2016 (Urk. 9/90; vgl. E. 3.4) zwar zur zeitlichen Einsatzfähigkeit des Beschwerdeführers in einer angepassten Tätigkeit (sechs bis acht Stunden, Urk. 9/90/5-6). Zur – sich aufgrund der besagten Einschätzungen der Fachleute der Stiftungen Y._ und Z._ (vgl. E. 4.2.1) stellenden - Frage, ob aus ärztlicher Sicht im Rahmen einer Tätigkeit von sechs bis acht Stunden eine verminderte Leistungsfähigkeit besteht, machte sie keine Angaben. Die betref
fende Beurteilung von RAD-Arzt E._ („100 % AF allenfalls abzüglich 20 % AF für vermehrte Pausen“ [vgl. E. 3.5]) erscheint unbestimmt und mang
els jeglicher Begründung nicht nachvollziehbar. Ausserdem ist er als Facharzt für Orthopädische Chirurgie ohnehin nicht berufen, die in Frage stehenden Diagnosen sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu beurteilen.
4.3
Es ist somit festzuhalten, dass sich der medizinische Sachverhalt in psychia
trischer Hinsicht als ungenügend abgeklärt erweist. Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit können nicht hinreichend beurteilt werden. Weitere Abklärungen in psychiatrischer Hinsicht sind daher unabdingbar.
5.
In Aufhebung der angefochtenen Verfügung ist
die Sache demnach
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie den medizinischen Sachverhalt
fachärztlich umfassend
abklären lässt.
Je nach Diagnosestellung
wird dann
allen
falls die Rechtsprechung des Bundesgerichts zu den somatoformen Schmerz
störungen und vergleichbaren psychosomatischen Leiden gemäss BGE 141 V 281
zu berücksichtigen sein, welche gemäss BGE 142 V 342 auch auf eine allfällige PTBS anwendbar wäre.
Danach hat die Beschwerdegegneri
n über einen Anspruch des Beschwerdeführers
auf Leistungen der Invaliden
versi
che
rung (Rente, berufliche Massnahmen)
neu zu entscheiden.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen
.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten entsprechend dem Ausgang des Verfahrens der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um Gewährung der unentgeltlichen Prozess
führung (Urk. 1) erweist sich damit als gegenstandslos.
6.2
Ausgangsgemäss hat der vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Pro
zessentschädigung. Diese ist gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3
GSVGer
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streit
sache und der Schwierigkeit des Prozesses – und nach Einsicht in die
Hono
rar
note von Rechtsanwalt Kübler vom 15. September 2017 (Urk. 12) - auf Fr. 2’500.-
-
(inkl. Barauslagen und MWSt) festzusetzen.
Das Gesuch des Beschwerdeführers um Bestellung einer unentgeltlichen Rechts
vertretung (Urk. 1) ist deshalb ebenfalls gegenstandslos.