# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5b73d631-62cb-4867-b347-0aa0cf1724f3
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die B._ GmbH in Liquidation mit Sitz in X._ wurde am 23. November 1998 in das
Handelsregister eingetragen. Am 24. Januar 2002 wurde sie zufolge Konkurses
aufgelöst und das Konkursverfahren am 21. März 2002 mangels Aktiven eingestellt. Im
August 2002 erfolgte die Löschung der B._ GmbH in Liquidation aus dem
Handelsregister. Zum Zweck der Durchsetzung einer Forderung wurde die Gesellschaft
im November 2003 auf Begehren der Gesellschafterin und Geschäftsführerin A._
wieder in das Handelsregister eingetragen. Das Stammkapital beträgt CHF 20'000. – In
der Folge reichte die B._ GmbH in Liquidation die Steuererklärungen 2014 bis 2018
nicht ein. Mit Schreiben vom 17. Februar 2020 forderte die Steuerbehörde sie auf, die
Steuererklärungen für diese Steuerperioden einzureichen und setzte eine Frist bis
A.a.
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B.
9. März 2020. Dieser Aufforderung kam die B._ GmbH in Liquidation nicht nach. Am 4.
Mai 2020 wurde sie unter Androhung einer Busse wegen Verletzung von
Verfahrenspflichten bzw. einer Veranlagung nach Ermessen erneut aufgefordert, die
Steuererklärungen 2014 bis 2018 bis 20. Mai 2020 einzureichen. Nachdem die
B._ GmbH in Liquidation die Steuererklärungen wiederum nicht eingereicht hatte,
wurde sie am 26. November 2020 ermessensweise für die Kantonssteuern 2014 bis
2018 mit steuerbaren Gewinnen von CHF 2'400, CHF 3'000, CHF 3'600, CHF 4'300
und CHF 5'000 sowie steuerbaren Kapitalien von CHF 27'000, CHF 30'000,
CHF 34'000, CHF 38'000 und CHF 43'000 veranlagt. Für die direkte Bundessteuer
2014 bis 2018 basiert die Ermessensveranlagungen ebenfalls auf steuerbaren
Gewinnen von CHF 2'400, CHF 3000, CHF 3'600, CHF 4'300 und CHF 5'000.
Gegen diese Veranlagungsverfügungen erhob die B._ GmbH in Liquidation am
21. Dezember 2020 Einsprache beim Kantonalen Steueramt mit dem sinngemässen
Antrag um Aufhebung der Verfügungen. Das Kantonale Steueramt trat mit Entscheid
vom 15. Januar 2021 auf die Einsprache nicht ein mit der Begründung, die
offensichtliche Unrichtigkeit der Ermessensveranlagungen sei von der Einsprecherin
nicht nachgewiesen worden. Gegen den Einspracheentscheid vom 15. Januar 2021
erhob die B._ GmbH in Liquidation am 14. Februar 2021 Rekurs (Kantonssteuer) und
Beschwerde (direkte Bundessteuer) bei der Verwaltungsrekurskommission des
Kantons St. Gallen (VRK). Diese wies die Rechtsmittel mit Entscheid vom 15. Februar
2022 ab, soweit sie darauf eintrat (act. G 2).
A.b.
Gegen diesen Entscheid erhob die B._ GmbH in Liquidation mit Eingabe vom
27. Februar 2022 Beschwerde mit der Feststellung, dass sie an den im vorinstanzlichen
Verfahren gestellten Anträgen festhalte (act. G 1). In der ergänzenden Eingabe vom 5.
März 2022 (act. G 6) stellte die Beschwerdeführerin folgende Anträge: "Untersuchung
der Zusammenarbeit von Frau K._ und des Steuerberatungsbüros ihres Partners
bezüglich Amtsgeheimnisverletzung. Ebenso sei der Gemeindevorsteher von Q._ SG
zur Sachlage Scientology in Q._ mit Aufforderung zur Herausgabe der
Scientologenliste anzugehen" (1), Befragung des Vorstehers des Kantonalen
Steueramtes "bezüglich der Mitarbeiterliste der Scientologen Mitarbeiter in den
kantonalen Steuerämtern" (2). Im Weiteren stelle sich "die Auflage zum Schutze der
Bürger und Bürgerinnen/Schweiz, dass die Verwaltungsgerichte mit delegierten
B.a.
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## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Da die steuerrechtlichen Vorschriften des Bundes und der Kantone zur Gewinn- und
Kapitalsteuer-Veranlagung vereinheitlicht sind, erledigte die Vorinstanz den Rekurs
betreffend die Kantonssteuer einerseits und die Beschwerde betreffend die direkte
Bundessteuer anderseits zu Recht im gleichen Entscheid, aber mit getrennten
Dispositivziffern. Unter diesen Umständen durfte auch die Beschwerdeführerin die
Beschwerden in einer gemeinsamen Rechtsschrift erheben (BGE 135 II 260 E. 1.3).
Ebenso ist es zulässig, dass das Verwaltungsgericht über die Beschwerden im gleichen
Urteil entscheidet (vgl. BGer 2C_440 und 441/2014 vom 10. Oktober 2014 E. 1.2). Die
Beschwerdeverfahren B 2022/38 und 2022/39 werden daher vereinigt und im gleichen
Urteil entschieden.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 229 in Verbindung
mit Art. 196 Abs. 1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG; Art. 1 Abs. 3 und Art. 7 Abs. 2
der Verordnung zum Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer, sGS 815.1; Art. 145
Mitarbeitern dieses Archiv aufsuchen, untersuchen und gemäss
Staatsschutzverordnung diese Erkenntnisse vorlegen und veröffentlichen" (3).
In der Vernehmlassung vom 10. März 2022 beantragte die Vorinstanz Nichteintreten auf
die Beschwerde (act. G 9). Der Beschwerdegegner stellte in der Vernehmlassung vom
25. März 2022 den Antrag auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten
sei (act. G 12). Die Beschwerdebeteiligte verzichtete stillschweigend auf eine
Stellungnahme (vgl. act. G 13).
B.b.
In der Eingabe vom 24. April 2022 bestätigte die Beschwerdeführerin ihren Standpunkt
(act. G 14). Die Vorinstanz teilte am 28. April 2022 den Verzicht auf eine weitere
Stellungnahme mit (act. G 17). Am 2. September 2022 reichte die Beschwerdeführerin
kommentarlos weitere Kopien von Unterlagen aus dem Steuerverfahren ein (act. G 18).
B.c.
Auf die Vorbringen in den Eingaben des vorliegenden Verfahrens wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.d.
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des Gesetzes über die direkte Bundessteuer, SR 642.11, DBG). Die
Beschwerdeführerin ist zur Beschwerde legitimiert, und die Eingabe vom 27. Februar
2022 entspricht zeitlich, formal und inhaltlich - mit den nachstehend darzulegenden
Ausnahmen - den gesetzlichen Anforderungen (Art. 229 in Verbindung mit Art. 196 Abs.
1 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art. 48 Abs. 1 VRP; Art. 145 in Verbindung mit Art.
140 Abs. 1 und 2 DBG). Aus der Beschwerde (act. G 1) und den weiteren
Stellungnahmen (act. G 6, G 12, G 14) ist ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin mit
dem vorinstanzlichen Entscheid nicht einverstanden ist und sie sinngemäss dessen
Aufhebung beantragt. Unter anderem macht sie mit Hinweis auf einen
"Haftungsschaden für entgangene Geschäftsentwicklung, verursacht durch Personen
von Scientology" geltend, dass eine Steuererhebung nicht berechtigt sei (act. G 1 S. 2;
vgl. nachstehende E. 3.4). Mithin wird implizit fehlender Ertrag für die streitigen Jahre
behauptet. In diesem Umfang ist auf die Beschwerde einzutreten.
Soweit die Beschwerde überdies, anstelle eines expliziten Antrags, die Feststellung
enthält, dass an den im vorinstanzlichen Verfahren gestellten Anträgen festgehalten
werde (act. G 1 mit Verweis auf act. G 10/1), kann auf die Prüfung jener Anträge nicht
eingetreten werden, da ein blosser pauschaler Verweis auf Eingaben im
vorinstanzlichen Verfahren nicht zulässig ist und die Begehren vielmehr in der
Beschwerdeschrift selbst vorzubringen sind (vgl. Staub/Günthardt, in: Rizvi/Schindler/
Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/
St. Gallen 2020, N 6 f. zu Art. 48 VRP m.H.). Was im Weiteren die in der Eingabe vom 5.
März 2022 (act. G 6 S. 2 f.) gestellten drei Anträge betrifft (vgl. vorstehend zitiert in E.
B.a), ist festzuhalten, dass diese in keinem ersichtlichen Zusammenhang mit dem
vorliegenden Verfahrensgegenstand stehen. Hierauf ist ebenfalls nicht einzutreten.
2.
Streitig ist, ob die Vorinstanz den Nichteintretensentscheid des Beschwerdegegners
bezüglich der Einsprachen gegen die Ermessensveranlagungen der Kantonssteuern
2014 bis 2018 und der direkten Bundessteuer 2014 bis 2018 zu Recht bestätigte. Die
Vorinstanz prüfte ausschliesslich, ob der Beschwerdegegner auf die Einsprache zu
Recht nicht eingetreten war und trat auf die Rechtsmittel ebenfalls insofern nicht ein,
soweit die Beschwerdeführerin die Veranlagungen (sinngemäss) inhaltlich
beanstandete (act. G 2 S. 4).
3.
Gemäss Art. 177 StG und Art. 130 Abs. 2 DBG nimmt die Veranlagungsbehörde die
3.1.
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Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen vor, wenn Steuerfaktoren oder
Steuersubstrat mangels zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermittelt werden
können oder die Steuerpflichtige ihre Verfahrenspflichten trotz Mahnung nicht erfüllt
hat. Vorliegend wurde die Beschwerdeführerin wiederholt und unter Hinweis auf die
Säumnisfolgen samt Androhung einer Ermessensveranlagung gemahnt, die
Steuererklärungen 2014 bis 2018 ein- bzw. nachzureichen. Mit Schreiben vom 4. Mai
2020 wurde sie letztmals aufgefordert, die ausstehenden Steuererklärungen bis 20. Mai
2020 einzureichen (act. G 10/6 I/2-V/2). Nachdem die angesetzte Frist unbenützt
abgelaufen war, war der Beschwerdegegner - wie im angefochtenen Entscheid (act. G
2 S. 4) zutreffend festgehalten - gestützt auf Art. 177 StG und Art. 130 Abs. 2 DBG
ohne Weiteres berechtigt, Ermessensveranlagungen vornehmen.
Eine Ermessensveranlagung kann die steuerpflichtige Person nur wegen
offensichtlicher Unrichtigkeit anfechten. Die Einsprache ist zu begründen und muss
allfällige Beweismittel nennen (Art. 180 Abs. 2 StG; Art. 132 Abs. 3 DBG). Eine
Ermessensveranlagung bzw. die darin enthaltene Schätzung kann mithin nicht auf
Angemessenheit, sondern nur eingeschränkt auf offensichtliche Unrichtigkeit überprüft
werden. Offensichtlich unrichtig ist eine Schätzung, die sachlich nicht begründbar bzw.
willkürlich ist. Bei einer Einsprache gegen eine Ermessensveranlagung wird eine
qualifizierte Begründung verlangt, die den bisher ungewiss gebliebenen Sachverhalt
erhellt. Es ist nachzuweisen, dass die Ermessensveranlagung den tatsächlichen
Verhältnissen nicht entspricht. Die bisher vorhandene Ungewissheit bezüglich des
Sachverhalts ist mit umfassendem Unrichtigkeitsnachweis zu beseitigen. In der
Begründung der Einsprache ist daher der Sachverhalt in substanziierter Weise
darzulegen, und es sind die Beweismittel zu nennen. Dabei handelt es sich nicht um
eine Ordnungsvorschrift, sondern um eine Prozessvoraussetzung, deren Fehlen das
Nichteintreten auf die Einsprache zur Folge hat (Zigerlig/Oertli/Hofmann, Das
st. gallische Steuerrecht, 7. Aufl. 2014, VII./N 74 ff.).
3.2.