# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** da0985fd-eeb5-416a-89e9-57b5fc9b58ef
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

begründet, dass die Vorinstanz aufgrund des Sachverhaltes
korrekterweise den Schluss ziehen durfte, dass von einem fehlenden
Ehewillen auszugehen sei.
5. A._ (nachfolgend: Beschwerdeführerin) erhob gegen diesen
Entscheid am 23. März 2016 (Datum des Poststempels) Beschwerde ans
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden und stellte darin
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sinngemäss den Antrag, die angefochtene Verfügung aufzuheben und
den ersuchten Familiennachzug zu gewähren. Sie begründet ihre
Beschwerde im Wesentlichen damit, dass es sich vorliegend nicht um
eine Scheinehe handle und diese auch nicht bewiesen werden könne.
Eine Person könne zudem keinen Bezug zu einem Land aufbauen, wenn
sie gar nicht erst einreisen dürfe. Im Weiteren sei im angefochtenen
Entscheid ein Brief von Pfarrer C._, der sich für das Anliegen der
Beschwerdeführerin und ihres Ehemannes einsetzte, nicht erwähnt
worden. Die Beschwerdeführerin beantragte zudem ein persönliches
Verhandlungsgespräch. Schliesslich erwähnte die Beschwerdeführerin,
dass sie im Monat Mai nach X._ reisen würde, um ihren Ehemann zu
besuchen.
6. In seiner Vernehmlassung vom 25. April 2016 beantragte das DJSG
(nachfolgend: Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde unter
Kostenfolge. Für die Begründung verweist der Beschwerdegegner auf die
angefochtene Verfügung unter Hervorhebung des Umstandes, dass für
ihn keinerlei Zweifel am Vorliegen einer Scheinehe bestünden, weshalb
eine Aufenthaltsbewilligung auf Probe nicht in Frage käme. Das um viele
Jahre höhere Alter der Ehefrau im Vergleich zum Ehemann sei ein
gravierendes Indiz für das Vorliegen einer Scheinehe. Der Pfarrersbrief
sei schliesslich unter dem Sammelbegriff "nachträglich eingereichte
Unterlagen" angesprochen gewesen, welche im Ergebnis nicht zu einer
anderen Einschätzung des Sachverhalts geführt hätten.
7. Mit Schreiben vom 26. April 2016 wurde der Beschwerdeführerin Frist bis
zum 6. Mai 2016 angesetzt für eine Replik. Am 9. Mai 2016 beantragte
die Beschwerdeführerin eine Fristverlängerung. Sie sei vom 15. April bis
6. Mai 2016 im Ausland gewesen und reise in der nächsten Woche nach
X._. Im Gesuch um Fristverlängerung nahm sie kurz Stellung zur
Vernehmlassung, allerdings ohne neue Vorbringen. Der
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Instruktionsrichter lehnte am 10. Mai 2016 eine Fristverlängerung ab und
erklärte den Schriftenwechsel für beendet.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Gemäss Art. 49 Abs. 1 lit. c des Gesetzes über die Verwaltungsrechts-
pflege (VRG; BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden Beschwerden gegen Entscheide der kantonalen
Departemente, soweit diese nicht nach kantonalem oder
eidgenössischem Recht endgültig sind. Die hier angefochtene nicht
endgültige Departementsverfügung vom 23. Februar 2016 bildet somit ein
taugliches Anfechtungsobjekt. Als Adressatin der angefochtenen
Verfügung ist die Beschwerdeführerin berührt und weist ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung auf (vgl. Art. 50 VRG). Auf
die zudem frist- und formgerecht ein-
gereichte Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Strittig und zu prüfen ist hier, ob eine Aufenthaltsehe (Scheinehe) vorliegt
und somit die Frage, ob das Gesuch der Beschwerdeführerin um
Familiennachzug für ihren Ehemann zu Recht abgelehnt wurde.
3. a) Zunächst ist auf die formelle Rüge der Beschwerdeführerin einzugehen,
wonach der angefochtene Entscheid unvollständig sei, da darin das im
Verwaltungsbeschwerdeverfahren eingereichte Dokument, namentlich ein
Schreiben von Pfarrer C._ vom 5. Dezember 2015 (Beilage zur
Stellungnahme, Bg-act. II/5), nicht erwähnt worden sei.
Die Vorinstanz verweist diesbezüglich auf Erwägung 6c auf S. 8 des
angefochtenen Entscheides, wo gesagt wird: "auch führen die
nachträglich eingereichten Unterlagen durch die Beschwerdeführerin nicht
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zu einer anderen Einschätzung." Mit dieser Formulierung sei auch das
angesprochene Schreiben von Pfarrer C._ gemeint gewesen, sodass
die Akteneinlage nicht unbeachtet geblieben sei.
b) Die Vorinstanz hat sich in ihrem Entscheid tatsächlich nicht explizit mit
dem Schreiben auseinandergesetzt. Andererseits ist die antizipierte
Beweiswürdigung zulässig, wenn der Entscheid der Behörde bereits
feststeht und durch weitere Abklärungen oder Befragungen sich dieses
Bild nicht mehr zu verändern vermöge (vgl. BGE 131 I 153 E.3). Es trifft
somit nicht zu, dass sich die Vorinstanz mit der Akteneinlage gar nicht
befasst hätte, vielmehr hat sie in zulässiger antizipierter Beweiswürdigung
geschlossen, dass die Indizien für das Vorliegen einer Scheinehe bereits
dermassen verdichtet seien, dass sie sich mit weiteren Unterlagen nicht
mehr im Detail auseinandersetzen müsse. Die Vorinstanz hat somit das
Schreiben zur Kenntnis genommen, ihm aber keinen massgeblichen
Einfluss auf den Entscheid beigemessen. Dies ist zulässig und bedeutet
keine Verletzung der Begründungspflicht bzw. des rechtlichen Gehörs.
Die Rüge ist somit abzuweisen.
c) Ebenfalls in Anlehnung an die antizipierte Beweiswürdigung erachtet das
Gericht die vorliegende Angelegenheit aufgrund der bestehenden
Aktenlage als spruchreif, sodass von der von der Beschwerdeführerin
sinngemäss beantragten Referentenaudienz vor dem Instruktionsrichter
bzw. einer öffentlichen Verhandlung vor Gericht abgesehen werden kann.
4. a) Gemäss Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetz über die Ausländerinnen und
Ausländer (AuG; SR 142.20) haben ausländische Ehegatten von
Schweizer Staatsangehörigen einen Rechtsanspruch auf Erteilung und
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit diesen
zusammenwohnen. Die Rechtsansprüche nach Art. 42 AuG auf Erteilung
und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung erlöschen, wenn sie
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rechtsmissbräuchlich geltend gemacht werden, namentlich um
Vorschriften dieses Gesetzes und seiner Ausführungsbestimmungen über
die Zulassung und den Aufenthalt zu umgehen (vgl. Art. 51 Abs. 1 lit. a
AuG). Dieser Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs bezieht sich
insbesondere auf die sogenannte Schein- bzw. Ausländerrechtsehe, die
einzig mit dem Ziel geschlossen wurde, die ausländerrechtlichen
Bestimmungen zu umgehen, ohne dass dabei eine echte eheliche
Gemeinschaft beabsichtigt wäre (vgl. Urteil des Bundesgerichts
2C_58/2012 vom 1. Oktober 2012 E.3.1; BGE 128 II 145 E.2.2). Eine
Scheinehe liegt allerdings nicht bereits dann vor, wenn
ausländerrechtliche Motive für den Eheschluss mitentscheidend waren.
Vielmehr ist hierfür erforderlich, dass der Wille zur Führung einer
Lebensgemeinschaft – zumindest bei einem der beiden Ehepartner – von
Anfang an nicht gegeben war (vgl. Urteile des Bundesgerichts
2C_22/2012 vom 22. Oktober 2012 E.5, 2C_914/2010 vom 29. August
2011 E.2.4; vgl. CARONI in: CARONI/GÄCHTER/THURNHERR [Hrsg.],
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer, Bern 2010, Art.
51 N 12). Liegen Hinweise vor, welche auf eine Scheinehe hindeuten, so
trägt die Verwaltungsbehörde die Beweislast für das Vorliegen einer
Scheinehe, wobei an die Bejahung eines Rechtsmissbrauchs hohe
Anforderungen gestellt werden (vgl. BGE 130 II 113 E.10.2, 127 II 49
E.5a, 128 II 145 E.2.2; 122 II 289 E.2.b; SPECHA/KERLAND/BOLZLI,
Handbuch zum Migrationsrecht, 2. Auflage, Zürich 2015, S. 238). Da sich
das Vorliegen einer Scheinehe in der Regel einem direkten Beweis
entzieht, kann der Nachweis oft nur anhand von Indizien erbracht werden
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_125/2011 vom 31. August 2011 E.3.3;
BGE 130 II 113 E.10.2, 127 II 49 E.5a; ZÜND/ARQUINT HILL, in: UEBERSAX
et al. (Hrsg.), Ausländerrecht, Eine umfassende Darstellung der
Rechtsstellung von Ausländerinnen und Ausländern in der Schweiz, 2.
Auflage, Basel 2009, Rz. 8.50). Feststellungen über das Bestehen solcher
Hinweise können äussere Gegebenheiten, aber auch innere psychische
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Vorgänge betreffen (Wille der Ehegatten). Erforderlich sind konkrete und
klare Hinweise darauf, dass die Führung einer Lebensgemeinschaft nicht
beabsichtigt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_273/2011 vom 5.
Oktober 2011 E.3.3; BGE 128 II 145 E.2.3).
b) Lässt die Indizienlage keinen klaren und unzweideutigen Schluss zu, ist
das Vorliegen einer Scheinehe nicht erstellt. In diesem Fall ist dem
ausländischen Ehegatten trotz allenfalls bestehender Zweifel die
Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, auf das Risiko hin, dass sich die Ehe
aufgrund des späteren Verhaltens der Beteiligten (z.B. fehlendes
eheliches Zusammenleben in der Schweiz) in Verbindung mit den bereits
heute bekannten, in diese Richtung weisenden Indizien als Scheinehe
herausstellt und die Aufenthaltsbewilligung gestützt auf die
dannzumaligen Erkenntnisse widerrufen werden muss bzw. nicht mehr zu
verlängern ist. Hatten die Ehegatten noch gar keine Gelegenheit, die
Absicht der Begründung einer Lebensgemeinschaft durch
Zusammenleben unter Beweis zu stellen, ist dies gebührend zu
berücksichtigen, schliesst jedoch nicht aus, dass – bei entsprechender
Indizienlage – bereits im Zeitpunkt der erstmaligen Gesuchseinreichung
auf eine Scheinehe geschlossen werden darf und die Erteilung einer
fremdenpolizeilichen Nachzugsbewilligung von Anfang an zu verweigern
ist (Urteil des Bundesgerichts 2C_75/2013 vom 29. August 2013 E.3.4
m.w.H.).
c) Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass es sich vorliegend um eine
Scheinehe handle; das Vorliegen einer solchen könne von Seiten der
Behörden auch nicht bewiesen werden. Wenn man eine Person gar nicht
erst einreisen lasse, könne diese auch keinen Bezug zur Schweiz
aufbauen, was man ihr dann auch wieder vorwerfe. Beim Indiz
Altersunterschied stört die Beschwerdeführerin, dass sich dieser stärker
auswirke, wenn die Frau älter sei.
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Für die Vorinstanzen besteht hingegen kein Zweifel am Bestand einer
Scheinehe; dabei würde der Altersunterschied als gravierendes Indiz für
den Bestand einer Schein- bzw. Aufenthaltsehe gelten (mit Hinweis auf
die Weisungen des Staatssekretariats für Migration [SEM] Ziff. 6.14.2.1,
Stand am 6. Januar 2016).
d) Gemäss oberwähnten Weisungen des SEM, sind im Zusammenhang mit
der Bekämpfung von Scheinehen und der Beurteilung eines
Einreisegesuches insbesondere folgende Sachverhalte von Bedeutung:
- Die Heirat steht im Zusammenhang mit einem Wegweisungsverfahren (negativer
Asylentscheid, keine Verlängerung des Aufenthalts);
- nur kurze Bekanntschaft vor der Heirat;
- grosser Altersunterschied der zukünftigen Ehegatten, namentlich deutlich höheres
Alter der Frau;
- der anwesenheitsberechtigte Partner (Schweizer/in, Angehörige der EU o-der
EFTA-Mitgliedstaaten oder Niedergelassene/r) gehört offensichtlich einer sozialen
Randgruppe an (Alkohol- oder Drogensucht, Prostitution);
- fehlende sprachliche Verständigungsmöglichkeiten;
- keine Kenntnis der Lebensumstände des zukünftigen Ehegatten (z. B.
Verwandtschafts-, Wohnverhältnisse, Hobby usw.);
- fehlender Bezug zur Schweiz;
- widersprüchliche Aussagen der Gesuchsteller;
- Heirat gegen Bezahlung von Geld oder für die Beschaffung von Drogen.
Stellen die am Verfahren beteiligten Behörden eines oder mehrere dieser
Indizien fest, so muss das Gesuch um Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung in Zusammenarbeit mit allen beteiligten Behörden
vertieft geprüft und gegebenenfalls abgelehnt werden (Weisungen des
SEM Ziff. 6.14.2.1, Stand am 6. Januar 2016).
e) Im vorliegenden Fall deuten die Indizien der kurzen Bekanntschaft vor der
Heirat sowie des grossen Altersunterschieds zwischen den Eheleuten auf
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die Eingehung einer Scheinehe hin. Eine vertiefte Prüfung war somit von
Beginn weg angezeigt. Diese hat ergeben, dass gegenseitig zwar nicht
keine, jedoch eine relativ geringe Kenntnis der Lebensumstände des
jeweiligen Ehegatten besteht. Die Aussagen der Ehegatten bezüglich des
Kennenlernens, des Ablaufs der Heirat und der Kontakte waren nicht
überall deckungsgleich, doch im Kern übereinstimmend (vgl. Befragungen
der Ehegatten, Bg-act. II/55,56,58,63). Zu Ungunsten der
Beschwerdeführerin spricht der Umstand, dass sie die Heirat gemäss
eigenen Aussagen ihren eigenen Kindern – zu denen sie ein enges
Verhältnis hat (die Tochter wohnt im selben Haus) – verschwiegen und
nur einer einzigen, namentlich nicht genannten Freundin anvertraut hat.
Selbst unter Berücksichtigung des von ihr angeführten Arguments der
Ungewissheit über die Einreise ihres Ehemannes in die Schweiz,
erscheint der Entschluss zur Verschwiegenheit nur bis zu einem gewissen
Grade nachvollziehbar. Im Gesamtbild betrachtet, mithin auch unter
Einbeziehung des Schreibens von Pfarrer C._, mag wohl sein, dass
die Beschwerdeführerin die Ehe zwecks Zusammenlebens schloss. Ein
derartiger Wille zur Führung einer Lebensgemeinschaft lässt sich
angesichts der ungünstigen Indizienlage beim Ehemann indessen nicht
hinlänglich feststellen. Denn zwar ist dem Indiz des fehlenden Bezugs zur
Schweiz – entgegen den Erwägungen der Beschwerdegegnerin – kein
grosses Gewicht beizumessen, zumal der Ehemann keine Möglichkeit
hatte, einen solchen überhaupt herzustellen. In Anlehnung an dieses Indiz
können aber dessen kulturelle Eigenheiten kombiniert mit dem hohen
Altersunterschied und der kurzen Entschlussfassung zur Heirat in die
Gesamtwürdigung miteinbezogen werden, sodass letztlich die Ansicht der
Beschwerdegegnerin, wenigstens beim Ehemann sei von einem
fehlendem Ehewillen auszugehen, nicht beanstandet werden kann. Von
einer rechtsfehlerhaften Ausübung des Ermessens durch die
Vorinstanzen kann jedenfalls nicht gesprochen werden (vgl. Urteil des
Verwaltungsgerichts U 13 13 vom 25. Februar 2014 E.4e m.H.).
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5. Aus obgenannten Gründen kommt dieses Gericht zum Schluss, dass die
Entscheidung der Vorinstanzen, das Gesuch um Familiennachzug
aufgrund der vorhandenen Indizien vor allem des hohen
Altersunterschieds und der kurzen Bekanntschaft vor der Heirat zu
verweigern, vertretbar erscheint und damit zu bestätigen ist. Die
Beschwerde ist somit abzuweisen.
6. Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten von Fr. 1'000.-- gemäss
Art. 73 Abs. 1VRG zulasten der Beschwerdeführerin. Dem in seinem
amtlichen Wirkungskreis obsiegenden Beschwerdegegner steht keine
Parteientschädigung zu (Art. 78 Abs. 2 VRG).