# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6c96eef4-7db7-49c2-9d88-1afa103f7aee
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, ist Mutter eines Sohnes
, geboren 1992
(vgl. die Eintragung im Geburtenregister,
Urk.
8/3/4)
,
und zog mit diesem im Jahr 1996 von Kolumbien in die Schwei
z, wo sie sich im
Oktober 1996
ver
heiratete
(
vgl. den Eheschein in
Urk.
8/3/1). Nach der Trennung von ihrem Ehe
mann im Jahr 1998 (vgl
.
Urk.
8/6/1) durchlief sie 1999 und
2002
Ausbildung
en
zur Kosmetikerin
und bildete sich
danach auf diesem Beruf weiter (vgl. den Lebenslauf und die Diplome in
Urk.
8/37).
Im J
uni 2003 nahm
X._
eine V
ollzeitbeschäftigung
als Kosmetikerin
bei der Y._
auf. Aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Arbeitspensum für die befristete Zeit vom
1.
Januar bis zum
1.
Mai 2005 auf 50
%
reduziert (Zwischenzeugnis vom 1
3.
Januar 2005,
Urk.
8/37/8), und
X._
bezog im Umfang der
Pensumsreduktion
Arbeits
losenentschädigung (vgl. die Taggeldabrechnung und die Zwischenverdienst
bescheinigung für den Janu
ar 2005,
Urk.
8/29/324 und Urk.
8/29
/
346-347).
1.2
Am 1
5.
Februar 2005 war
X._
am Steuer ihres s
tehenden Personenwagen
s von einem Auffahrunfall betroffen (vgl. die Polizei
akten in
Urk.
8/29/305-318) und erlitt eine Distorsion
sverletzung
der Halswirbel
säule (A
rztzeugnis des Spitals Z._
über die Erstbehandlung vom 1
6.
Februar 2006,
Urk.
8/29/338).
Die Suva
anerkannte ihre Leistungspflicht und
erbrachte die gesetzlichen Leistungen für die Folgen dieses Unfalles (vgl. die Unfallmeldung in
Urk.
8/29/1 und die Dokumentation der nachfolgenden Abklä
rungen in
Urk.
8/29
/2-355
).
I
m weiteren Verlauf
persistierten Kopf- und N
acken
beschwerden
und die Versicherte klagte zudem über eine erhöhte Ermüdbarkeit, über Vergesslichkeit und über eine verminderte Leistungsfähigkeit und Belastbar
keit
(Bericht von
Dr.
med. A._
, Spezialarzt für Chirurgie, speziell Wirbelsäulenleiden, Schleudertrauma und orthopädische Traumatologie,
vom
7.
Mai 2005,
Urk.
8/29/235
-236
).
Nachdem die Versicherte i
m Sommer 2005 bei der bisherigen Arbeitgeberin einen Arb
eitsversuch im Rahmen eines 20%
Pensums
unternommen hatte, kündigte die Arbeitgeberin das Arbeits
verhältnis per Ende Juli 2005 mit dem Hinweis darauf, dass die anfallenden Arbeiten mit den gesundheitlichen Einschränkungen der Versicherten nicht ver
einbar seien (Kündigungsschreiben vom 3
0.
Juni
2005, Urk.
8/24/8).
Anlässlich einer kreisärztlichen Untersuchung vom 3
0.
September 2005 (Bericht von
Dr.
med. B._
, Facharzt für Chirurgie
,
vom
5.
Oktober 2005, Urk.
8/29/179-183) berichtete die Versicherte über die Eröffnung eines eigenen Kosmetiksalons
auf Anfang Oktober 200
5.
Der Kreisarzt
erhob keine grundsätz
lichen Einwendungen gegen dieses Vorhaben, empfahl jedoch eine administrative Evaluation in Bezug auf den Arbeitseinsatz und -umfang nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit (
Urk.
8/29/183).
Die Suva liess daraufhin im Januar 2006 eine Besprechung mit der Versicherten in deren Geschäftsräumlichkeiten durchführen
, anlässlich welcher diese erklärte, weiterhin nur in reduziertem Umfang
dazu in der Lage zu sein,
zu arbeiten und Kundinnen anzunehmen (
Urk.
8/29/164-165).
Auch nachfolgend waren fortbestehende Beschwerden Gegenstand von Untersu
chungen und Behandlunge
n (Bericht der Klinik C._
vom 1
1.
August 2006,
Urk.
8/2
9/92-93; Bericht der Klinik D._
vom 1
8.
Dezember 2006 über eine stationäre Rehabilitation,
Urk.
8/29/34-37)
,
und die Versicherte sah sich nach wie
vor
nicht als dazu fähig, ihr Geschäft voll auszulasten (Besprechungs
protokolle vom Mai und vom Juli 2006,
Urk.
8/29/120-121 und
Urk.
8/29/101-102).
M
it Verfügung vom
3.
April 2007
verneinte die Suva
die
U
nfalladäquanz
der weiterbestehenden
Beschwerden und stellte ihre Leistungen
per
1.
Mai 2007 ein
(
Urk.
9/29/12-13). Mit
Einspracheentscheid
vom
1
1.
September 2007 bestä
tigte
sie diese Verfügung (Urk.
8/32), und das Sozialversicherungsgericht wies die dagegen erhobene Beschwerde
in der Folge
mit
Urteil vom 1
0.
Juli 2009 ab (Prozess Nr.
UV.2007.00434).
1.3
Am 1
4.
Februar 2007 hatte sich
X._
auch bei der Invalidenversicherung angemeldet (
Urk.
8/6).
Neben dem
Beizug
der Akten der Suva holte d
ie Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
den Bericht der
ehemaligen
Arbeitgeberin vom 2
5.
J
uli 2007
(
Urk.
8/24
und die Ergänzung dazu in
Urk.
8/35
)
und den Bericht von
Dr. E._
vom 25./2
7.
Juli 2007 ein (
Urk.
8/25 und
Urk.
8/28)
und stellte anschliessend mit Vorbescheid vom 1
8.
April 2008 die Verneinung eines Rentenanspruchs in Aussicht (
Urk.
8/41). Auf die Einwendungen der Versicherten hin
(Eingabe vom 2
1.
Mai 2008, Urk.
8/46)
ord
n
ete die IV-Stelle eine polydisziplinäre Begutachtung an
, aus der das Gutachten der
Medas
F._
GmbH in den Disziplinen
der
Innere
n
Medi
zin,
der
Rheumatologie und
der
Psychiatrie vom 1
9.
Dezember 2008 hervorging (
Urk.
8/56
;
Dr
es
. med. G._
und
H._
, Fachärzte für Innere Medizin,
Dr.
med. I._
, Fach
arzt für Rheumatologie, und
Dr.
med. J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
). Im Jahr 2009 liess die IV
Stelle
dieses Gutachten um Beurteilungen in den Disziplinen der Neurologie und der Neuropsychologie ergänzen (Gutac
hten vom
3.
Dezember 2009, Urk.
8/72
;
Dres
.
G._
und
H._
sowie
Dr.
med. K._
, Facharzt für Neurol
o
gie, und
lic
. phil. L._
,
Fachpsychologe für
Neuropsychologie
).
Mit
Verfügung vom 2
0.
September 2010
entschied die IV-Stelle im Sinne ihres Vorbescheids und verneinte den Anspruch der Versicherten auf eine Invaliden
rente (
Urk.
8/77). Die Verfügung blieb unangefochten.
1.4
Am 1
7.
November 2017 meldete sich
X._
erneut bei der Invalidenversicherung an
und gab an, seit April 2015 wegen Epilepsie in ärztlicher Behandlung und seit Juli 2017 deswegen
in
der Arbeitsfä
higkeit beein
trächtigt zu sein (
Urk.
8/83). Die IV-Stelle nahm am 2
8.
November 2017 telefo
nische Angaben der Versicherten zu ihrer Tätigkeit im nach wie vor bestehenden eigenen Geschäft entgegen (
Urk.
8/88), zog die Akten des Krankentaggeldver
sicherers
innova
Versicherungen AG bei (
Urk.
8/91
,
Urk.
8/104
und
Urk.
8/110
), liess sich von der Versicherten die Buchhaltungsunterlagen des Kosmetik
geschäfts der Jahre 2014-2016 zustellen (
Urk.
8/93-96) und
setzte sie
nach einem weiteren Telefongespräch vom
5.
März 2018
(
Urk.
8/98)
,
davon in Kenntnis,
dass sie nach Ablauf des g
esetzlichen Wartejahres über d
en Rentenanspruch befinden werde (
Urk.
8/99).
Alsdann
liess die IV-Stelle
durch die Versicherte ei
n Arbeitsprofil erstellen (Urk.
8/
120),
holte
die
Bericht
e
des behandelnden Neurologen
Dr.
med. M._
, Facharzt für Neurologie, vom 2
2.
November 2018
und vom 1
0.
April 2019
ein (
Urk.
8/113
/1-4 und
Urk.
8/115
)
und erhielt Kenntnis von einem
Austrittsbericht der
Klinik N._
der O._
AG
vom
2.
November 2018 über eine einwöchige stationäre
Hospitalisation
der V
ersicherten vom Juni 2018 (Urk.
8/113/5-11)
.
Sie
erbat sich
daraufhin
von der
Klinik N._
ergänzende Angaben (Anfrage vom
1.
Juli 2019,
Urk.
8/122; Bericht der
Klinik N._
vom
8.
Juli 2019,
Urk.
8/12
3/1-2) und beauftragte
auf regionalärztliche Empfehlung hin (Stellungnahme des RAD-Arztes PD
Dr.
med. univ. P._
, Facharzt für Neurologie, vom
9.
August 2019,
Urk.
8/139/7)
das Zentrum Q._
mit der Erstellung eines interdisziplinären Gutachtens. Das
Q._
legte das Gutachten am 2
7.
Februar 202
0
vor (
Urk.
8/136;
Dr.
med.
R._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med. S._
, Facharzt für Neurologie,
Dr.
med. T._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
cho
therapie, und
dipl.
-psych. U._
, Fachpsychologin für Neuropsycholo
gie).
Anschliessend
holte die IV-Stelle bei PD
Dr.
P._
die nochmalige Stell
ungnahme vom
4.
März 2020 ein
(
Urk.
8/139/7-8) und nahm danach
aufgrund der Akten eine Zusammenschau der Verhältnisse im Betrieb der Versicherten
vor
(Abklä
rungsbericht vom
5.
Juni 2020,
Urk.
8/137)
. Mit Vorbescheid
vom 1
8.
Juni 2020
eröffnete die IV-Stelle der Versicherten
, dass sie ihren Rentenanspruch bei einem Invaliditätsgrad von 22
%
zu verneinen gedenke (
Urk.
8/140; Einkommens
ver
gleich und Feststellungsblatt in
Urk.
8/138 und
Urk.
8/139).
1.5
Mit Eingabe vom 1
5.
September 2020 liess die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Nathalie Lang, Einwendungen
gegen den Vorbescheid
erheben und den Antrag stellen
,
ihr seien die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine ganze Rente zuzusprechen (
Urk.
8/149).
Als neue Belege liess sie eine Stellung
nahme von
Dr.
M._
vom
7.
September 2020
zum Gutachten des
Q._
(
Urk.
8/147) sowie einen Bericht über eine
n zahnärztlichen Befund vom 19.
September 2016 (
Urk.
8/148) einreichen.
Die IV-Stelle entschied mit Verfügung vom
9.
November 2020 im Sinne ihres Vorbescheides und verneinte den Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente (
Urk.
2 =
Urk.
8/155; Feststellungsblatt in
Urk.
8/152)
.
2.
X._
liess g
egen die Verfügung vom
9.
November 2020
durch Rechtsanwältin Nathalie Lang mit Eingabe vom
8.
Dezember 2020 Beschwerde erheben (
Urk.
1) und beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine ganze Rente, eventualiter eine
Dreiv
iertelsrente
zuzusprechen (Urk.
1 S. 2). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
5.
Januar 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7), wovo
n die Beschwerdeführerin am 29.
Januar 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
9).
Mit Eingabe vom 1
9.
Mai 2021 (
Urk.
11) liess die Beschwerdeführerin den Bericht von
Dr.
M._
vom 1
8.
Mai 2021 zum
Krankheitsverlauf einreichen (
Urk.
10)
; die Beschwerdegegnerin
verzichtete mit Eingabe vom 1
6.
Juni 2021 darauf, dazu Stellung zu nehmen (
Urk.
13).
Das Gericht hat sodann von Amtes wegen den Auszug aus dem Handelsregister des Kantons Zürich betreffend die
V._
GmbH in Liquidation als
Urk.
15 zu den Akten genommen.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Am
1.
Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V
210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 3
1.
Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (
Art.
8
Abs.
1 ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (
Art.
4
Abs.
1 IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
7
Abs.
1 ATSG).
Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun
fähigkeit sind nach
Art.
7 Abs.
2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen (Satz 1). Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Satz 2).
2.2
Gemäss
Art.
28
Abs.
2 IVG haben Versicherte Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu 70 %, auf eine
Dreiviertelsrente
, wenn sie mindestens zu 60
%
, auf eine halbe Rente, wenn sie mindestens zu 50
%
oder auf eine
Viertels
rente
, wenn sie mindestens zu 40
%
invalid sind.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss
Art.
16 ATSG (in Verbindung mit
Art.
28a
Abs.
1 IVG) aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sogenanntes Invalidenein
kom
men), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sogenanntes
Valideneinkommen
).
Der Rentenanspruch entsteht nach
Art.
28
Abs.
1 IVG frühestens in dem Zeit
punkt, in dem die versicherte Person während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens zu 40
%
arbeitsunfähig war (
lit
. b), sofern sie nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40
%
invalid ist (
lit
. c). Zusätzlich kann der Rentenanspruch gemäss
Art.
29
Abs.
1 IVG nicht vor Ablauf von sechs Monaten nach der Geltendmachung entstehen.
Während für die Erwerbsunfähigkeit (
Art.
7 ATSG)
und den Invaliditätsgrad (Art.
8 und
Art.
16 ATSG), wie sie nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. c IVG massgebend sind, nach dem Einkommen zu fragen ist, das eine Person auf dem gesamten in Frage kommenden Arbeitsmarkt mit einer dem Gesundheitsschaden angepassten zumutbaren Tätigkeit erzielen könnte, beurteilt si
ch die Arbeitsunfähigkeit (Art.
6 ATSG), wie sie für das Wartejahr nach
Art.
28
Abs.
1
lit
. b IVG massgebend ist, nach der gesundheitlich bedingten Einbusse an funktionellem Leistungsver
mögen, und es kommt dabei in der Regel einzig auf die Einschränkungen im bisherigen Beruf an (vgl. BGE 130 V 97 E. 3.2, 105 V 156 E. 2a, 97 V 226 E. 2).
2.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines Rentenbezü
gers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt rechtsprechungsgemäss
jede wesentliche Änderung
in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditäts
grad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen (vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Unerheblich unter revisionsrechtlichen Gesichts
punkten ist dagegen nach der Rechtsprechung die unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Sachverhaltes (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen; vgl. dazu auch das Urteil des Bundesgerichts 8C_300/2020 vom 2. Dezember 2020 E. 2.6.2). Als zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob sich der Invaliditätsgrad im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG erheblich geändert hat, gilt die letzte rechtskräftige Verfügung, die auf einer materiellen Anspruchsprüfung
mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung
eines Einkommensvergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen des Gesundheitszustands) beruht (vgl.
BGE 133 V 108 E. 5 mit Hinweisen).
Die Grundsätze zur Rentenrevision gelten rechtsprechungsgemäss auch dort, wo sich eine versicherte Person, deren Rentenanspruch verneint worden ist, bei der Invalidenversicherung erneut zum Rentenbezug anmeldet. Auch dort ist zu prü
fen, ob seit dem Erlass des rentenabweisenden Entscheids eine wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen eingetreten ist (vgl. BGE 130 V 71 E. 3.1 und 3.2 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.4).
Des Weiteren ist auch im Falle einer Neuanmeldung die Frist nach Art. 29 Abs. 1 IVG abzuwarten, bevor der Rentenanspruch entsteht (BGE 142 V 547 E. 3; vgl. auch Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] über Invalidität und Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH],
Stand
1.
Januar 2021,
Rz
2030).
3.
Strittig und zu prüfen ist, ob und gegebenenfalls ab welchem Zeitpunkt die Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
4.
4.1
Zur Diskussion steht die A
nspruchsprüfung
nach der
rechtskräftigen Verneinung des Rentenanspruchs mit der Verfügung vom 2
0.
September 2010 (
Urk.
8/77). In einem ersten Schritt stellt sich daher die Frage nach
potentiell
rentenerheblichen Veränderungen seit dem Erlass dieser Verfügung.
4.2
Die Beschwerdeführerin begründete die neue Anmeldung vom November 2017 unter anderem mit
dem Hinweis auf epileptische Anfälle, d
erentwegen sie seit dem Jahr
2015 in neurologischer Behandlung bei
Dr.
M._
sei (
Urk.
8/83/6-7)
.
Eine epileptische Problematik ist
in den vorliegenden Unterlagen
erstmals in e
inem Bericht der
Klinik N._ (die damals unter dem Namen W._
geführt wurde) vom 1
2.
Februar 2015 doku
mentiert.
Die Klinik hielt darin
zuhanden des zuweisenden
Dr.
M._
fest, die Beschwe
r
deführerin leide seit einem Auffahrunfall vor etwa zehn Jahren an Schwindel sowie
an
Schmerzen im Nacken- und Kopfbereich
und zusätzlich seit zwei bis drei Jahren an rezidivierenden, plötzlich auftretenden Bewusstseins
störungen
, die mit Panik begännen und
in einen trauma
rtigen Zustand von etwa
einminü
tiger
Dauer mündeten
(
Urk.
8/91/24-25). In den nachfolgenden EEG-Untersuchungen vom Frühjahr
(ambulant)
und vom
Sommer/Herbst
2015
(stationär)
konnten
epilepsietypische Auffälligkeiten festgestellt werden (Berichte der
Klinik N._
vom
9.
März und vom 22.
Sep
t
ember 2015,
Urk.
8/91/22-23 und
Urk.
8/91/16-21);
die medizinischen Fachpersonen der Klinik äusserten den Verdacht auf komplex-fokale Anfälle im Rahmen einer Temporallappenepilepsie und registrierten einen Rückgang der Anfallshäufigkeit
unter medikamentöser Behandlung (
Urk.
8/91/17+22).
Es
bestehen keine
Anhaltspunkte dafür, dass bereits zur Zeit des Erlasses der Ver
fügung vom 2
0.
September 2010 ein epileptisches Geschehen im Gan
g gewesen beziehungsweise
in der späteren Ausprägung
manifest gewesen
wäre
.
Dr.
M._
wies zwar
in seiner Stellungnahme vom
7.
S
eptember 2020 darauf hin
, dass eine visuelle Wahrnehmungsstörung
, die im Juli 2006 Gegenstand von A
bklärungen gewesen war
(vg
l. den Bericht von
AA._
_
,
Irlen
-Diagnostiker und Low-Vision-Trainer, vom
1.
Juli 2006,
Urk.
8/29/107-109
), bereits die Erstmani
festation der epileptischen Störung gebildet haben könnte (
Urk.
8/147/1). Schilderungen von Bewusstseinsstörung
en
fehlen in der damaligen Zeit jedoch, und auch in den Gutachten der
Medas
F._
der Jahre 2008 und 2009
sind keine derartigen Störungen vermerkt.
A
nlässlich der internistischen und der psychiatrischen Unters
uchungen erwähnte die Beschwe
r
deführerin
lediglich die schon bekannt gewesenen
Symptome der Kopfschmerzen, der verminderten Kon
zentration und Belastbarkeit und wiederum der erhöhten Lichtempfindlichkeit (
Urk.
8/56/17+42)
, und anlässlich der neuropsychologischen und neurologischen Untersuchungsgespräche, die rund ein Jahr später stattfanden, kamen ebenfalls keine Episoden der Bewusstseinsveränderung zur Sprache (
vgl.
Urk.
8/72/
15+19). Vielmehr
bezeichnete
Dr.
M._
in seiner Stellungnahme vom
7.
September 2020 erst einen Bericht
des Universitätsspitals
AB._
_
des Jahres
2013 als ersten neurologischen Bericht, der sich mit
rezidivierenden Episoden
akuter A
mnesie
befasst habe (
Urk.
8/147/1
-2
)
, und er selbst war
seinen Angaben zufolge
erst seit dem Jahr 2014 mit der Behandlung der Beschwerdeführerin betraut, die ihm wegen der geschilderten Ausnahmezustände von einem K
ardiologen überwiesen worden sei (Urk.
8/147/2).
4.3
Damit ist mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit nachgewiesen, dass sich der Sachverhalt in der Zeit zwischen dem Erlass der Verfügung vom 2
0.
September 2010 und dem Erlass der angefochtenen Ver
fügung vom
9.
November 2020
in einem Mass verändert hat, das
sich auf den Rentenanspruch der Beschwer
deführerin auswirken könnte.
Nachfolgend ist
daher zu prüfen,
in welche
r
Weise
die gesundheitlichen Ein
schränkungen, wie sie sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
9.
November 2020 entwickelten, die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
der Beschwer
deführerin beeinflussten
.
Dabei kann der Anspruch auf eine allfällige Rente auf
grund der Regelung in
Art.
29
Abs.
1
und
Abs.
3 IVG frühestens am 1.
Mai
2018 entstehen, am Anfang des Monates, in dem die sechsmonatige Frist seit der Anmeldung vom 1
7.
November 2017 abgelaufen ist.
5.
Die
Ärzte der Fachrichtungen Innere Medizin, Rheumatologie und Psychiatrie
der
Medas
F._
nannten im Gutachten vom 1
9.
Dezember 2008 als Diagnosen mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein
chronifiziertes
zervikospondyloge
nes
/
zervikozephales
Schmerzsyndrom sowie ein leichtgradiges
lumbospondylo
genes
Syndrom bei Fehlhaltung und muskulärer Insuffizienz, und als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit führten sie ein
myofasziales
Schmerzsyndrom von Schul
ter- und Beckengürtel auf (Urk.
8/56/31)
.
E
ine eigent
liche psychiatrische Diag
nose konnte der
Fachgutachter
der Psychiatrie
nicht stellen (vgl.
Urk.
8/56/
30+
45)
, sodass die Gutachter in der Gesamtbeurteilung
lediglich
von psychischen Faktoren und Faktoren des Verhaltens ohne Krank
heitswert sprachen, die das körperlich bedingte Beschwerdebild beeinflussten (
Urk.
8/56/31+32+33).
A
usgehend von den erhobenen Befunden und den gestell
ten Diagnosen attestierten die Gutachter der Beschwerdeführerin für die ange
stammte Tätigkeit als Kosmetikerin ab Januar 2007 immer noch eine einge
schränkte Arbeitsfähigkeit, dannzumal von 50
%
, da einige der eingenommenen Arbeitspositionen er
gonomisch ungünstig seien (Urk.
8/56/33-35 und
Urk.
8/56/51-52)
. Demgegenüber erachteten sie eine besser angepasste Tätigkeit in Wechselbelastung und ohne andauernde Vorneigehaltung des Rumpfes oder sonstige Zwangshaltun
gen als zu 100
%
zumutbar (Urk.
8/
35
36).
Anlässlich der ergänzenden Begutachtung in den Fachrichtungen
Neurologie und
Neuropsychologie sodann wurden keine zusätzlichen Diagnosen mit Auswirkung auf die A
rbeitsfähigkeit gestellt. Vielmehr diagnostizierte
der Neurologe ein Distorsionstrauma der Halswirbelsäule ohne Beteiligung der Neurologie und dementsprechend ohne Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus neurologischer Sicht (
Urk.
8/72/22), und der Neuropsychologe sah sich wegen Inkonsistenzen in der Symptomproduktion ausser Stande,
eine neuropsychologische Diagnose zu stellen und Angaben zur Arbeitsfähigkeit aus neuropsychologischer Sicht zu machen (
Urk.
8/72/18). Dementsprechend blieben die medizinischen Fachperso
nen
im
Gutachten vom
3.
Dezember
2009 unter Mitwirkung der beteiligten Inter
nisten bei der Gesamt
beurteilung
der Arbeitsfähigkeit
, wie sie sie im Gutachten vom 1
9.
Dezember 2008 vorgenommen hatten (
Urk.
8/72/7-9).
6.
6.1
Bei der Begutachtung im
Q._
Anfang
2020
kam der vorbestehenden Sympto
matik, die im Jahr 2008 zu den Diagnosen eines
zervikospondylogenen
und
zervikozephalen
Schmerzsyndroms und eines
lumbospondylogenen
Syndroms geführt hatte
, nicht mehr die damalige zentrale Rolle zu.
Auf die Frage nach Residuen von Seiten der Halswirbelsäulendistorsion hin berichtete die Beschwer
deführerin dem Neurologen
Dr.
S._
zwar, sie leide nach wie vor konstant an
Nacken- und Schulterschmerzen mit Einschlafen des linken Armes
, und sie erwähnte zudem häufige Kopfschmerzen von starker Intensität
(Urk.
8/136/4
1
)
. Auch wenn diese Schilderung auf
ausgeprägtere
Beschwerden hindeutet als die Schilderung gegenüber dem Allgemeininternisten
Dr.
R._
, der
n
achgelassene
Kopfschmerzen und nur
gelegentliche
Verspannungen im Nacken- und S
chulter
gürtel protokollierte
(
Urk.
8/136/31
), so erklärte die Beschwerdeführerin anläss
lich beider Fachbegutachtungen, vor der Verschlimmerung der epileptischen Symptomatik im Somme
r
2017 zu 100
%
im eigenen Kosmetikinstitut gearbeitet zu haben (
Urk.
8/136/31+42)
.
Zudem ergab die Untersuchung durch
Dr.
S._
wohl eine deutliche Verhärtung hochzervikal rechts, aber eine höchstens end
ständig eingeschränkte Beweglichkeit der Halswirbelsäule (
Urk.
8/136/43).
Es leuchtet daher grundsätzlich ein, dass
die Gutachter die vom Neurologen for
mulierten Diagnosen eines chronischen
Zervikalsyndrom
s
und einer Migräne ohne Aura (
Urk.
8/136/43) in der Gesamtbeurteilung nunmehr als solche ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einstuften (
Urk.
8/136/9) und in dieser Hin
sicht
eine Verbesserung im Vergleich zur
Arbeitsfähigkeitsbeurteilung in den Gutacht
en der
Medas
F._
konstatierten
.
Zu bemerken ist dabei nur, dass sich eine vormalige volle Leistungsfähigkeit im Beruf als Kosmetikerin nicht
unmittelbar aus den Einkommens- und
Geschäftszahlen der vergangenen Jahre ableiten lässt, da aus einem Auszug aus dem individuellen Konto des Jahres 2017 zwar eine Einkommenszunahme seit der Aufnahme der Geschäftstätigkeit im Jahr 2005 ersichtlich ist (
Urk.
8/90),
in
den
B
uchhaltungen
der Jahre
2015 und 2
016
(
Urk.
8/94-96)
jedoch G
eschäftsverluste verbucht sind, und auch
die
Erträge
(
vor Abzug der Aufwendungen
)
von
Fr.
27’198.20+
Fr.
73'052.17 (2015;
Urk.
8/94/5 und
Urk.
8/95/4) sowie von
Fr.
101'112.09 (2016;
Urk.
8/96/5) nicht
zwangs
läufig
auf einen 100%igen Einsatz als Kosmetikerin schliessen
lassen
.
6
.2
6.2.1
Was die Hauptproblematik der Epilepsie anbelangt, die bei der Begut
achtung im
Q._
im Vordergrund stand
und deren Beurteilung ebenfalls in das Fachgebiet der
Neurologie fiel, so fragte Dr.
S._
die Beschwerdeführerin nach dem typischen Ablauf eines Anfalles und liess sich von ihr berichten, sie verspüre zunächst ein plötzliches Druckgefühl im Oberbauch und gelange danach in einen traumartigen Zustand - «wie wenn die Seele weggehen würde»
; im
Anschluss an diesen Zustand
, der ein bis zwei Minuten daure,
benötige sie
jeweils
einige
Zeit, sich in der Realität wieder zurechtzufinden
. M
anchmal gelinge es ihr auch
,
das «Weggehen»
zu verhindern, indem sie sich beim Auftreten des Druckes im Ober
bauch ganz s
tark auf etwas konzentriere;
Stürze, Verletzungen durch Zungenbiss
oder Urinabgang habe sie nie erlitten, wobei sie sich beim Auftret
en des Druck
gefühls sofort hinsetz
e oder irgendwo festhalte (
Urk.
8/136/40).
Diese Beschreibung stimmt im Wesentlichen mit den Beschreibungen überein, welche die Beschwerdeführerin
anlässlich der erstmal
igen Vorsprache in der
Klinik N._
im Februar 2015 und anlässlich der dortigen
Hospitalisationen
im Sommer/Herbst 2015
und im Sommer 2018
ge
macht
hatte
(Urk.
8/91/24-25,
Urk.
8/91/17 und
Urk.
8/113/5-6). Dr.
S._
studierte diese Klinikberichte im Rahmen seiner Anamnese eingehend
(
Urk.
8/136/38-40)
und übernahm dabei die Diagnose einer Epilepsie mit einfach- und komplex-fokalen Anfällen unklarer Ätiologie (
Urk.
8/136/43; vgl. in den Vorberichten
Urk.
8/91/16 und
Urk.
8/113
/5), der
auch
Dr.
M._
gefolgt war
(
Urk.
8/113/2 und
Urk.
8/115/1).
6.2.2
Bei der Begutachtung
stand sodann
auch die Frage nach einer psychogenen Natur der geschilderten Anfälle zur Diskussion, welche die Beschwerdegegnerin im Juli 2019 schon den Fachpersonen der
Klinik N._
gestellt
(
Urk.
8/122) und im Gutachtensauftrag an das
Q._
auf die Veranlassu
ng von PD
Dr.
P._
hin (Urk.
8/139/7)
erneut formuliert hatte (
Urk.
8/125/3).
Wie schon der Klinikarzt im Bericht an die Beschwerdegegnerin vom
8.
Juli 2019 (
Urk.
8/123/1), wies
Dr.
S._
zu
dieser Frage
au
f den Umstand hin, dass die EEG
Untersuchungen vom März und vom August/September 2015 sowie vom Juni 2018 wohl Auffälligkeiten im Hinblick auf eine Epilepsie zu Tage gebracht hatten, dass die von der Beschwerdeführerin protokollierten Ereignisse (beispiels
weise Schwindel, Gefühl von «Weggehen») jedoch nicht mit Veränderungen der EEG-Aktivität korrespondiert hatten (
Urk.
8/136/43-44; vgl. in den Vorberichten
Urk.
8/91/22-23,
Urk.
8/91/16-19 und
Urk.
8/113/8
). Zudem be
merkte Dr.
S._
,
dass die strukturellen Veränderungen im Gehirn, die im Jahr 2015 anhand einer Magnetresonanztomographie beschrieben
worden seien
, anhand einer nochmaligen Magnetresonanzuntersuchung im Jahr 2018 nicht zweifelsfrei hätten bestätigt werden können (
Urk.
8/136/44; vgl. in den Vorberichten
Urk.
8/91/22 und
Urk.
8/113/6).
Diese Gegebenheiten erschienen dem Neurologen Dr.
S._
, der auch für die Formulierung der Gesamtbeurteilung vera
ntwortlich zeichnete (vgl. Urk.
8/136/14), als mögliche Hinweise auf eine psychogene Natur der Anfälle (
Urk.
8/136/12)
; als Indiz gegen einen psychogenen U
rsprung
wurde
in der Gesamtbeurteilung
umgekehrt -
neben den objektiven EEG-Befunden
-
das Fehlen von psychiatrisch festgestellten Anhaltspunkten für eine Konversions
problematik oder ein ähnliches Geschehen angeführt
(
Urk.
8/136/13).
Insgesamt hielten die Gutachter fest, dass sich Anfälle psychogener Natur weder bestätigen
noch ausschliessen liessen, und betonten zudem, dass die B
eantwortung d
er Frage
nach psychogenen Anfällen
im Rahmen einer einmaligen Untersuch
ung nicht möglich sei (Urk.
8/136/12-13).
6.
3
Bei der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung sodann erachteten die Gutachter allein das epileptische Geschehen als einschränkend, nachdem der Psychiater Dr.
T._
keine psychiatrische Diagnose gestellt, sondern von realer Angst vor epilepti
schen Anfällen gesprochen hatte (
Urk.
8/136/55)
,
und die Neuropsychologin
dipl.
-psych.
U._
,
wie im Jahr 2009 schon
der Neuropsychologe
lic
.
phil.
L._
unter den
damaligen Voraussetzungen (Urk.
8/72/18), die Test
ergebnisse wegen Inkonsistenzen als nicht valid beurteilt
hatte
und dement
sprechend keine Arbeitsfähigkeitsbeurteilung aus der Sicht ihres Fachgebietes hatte vornehmen können (
Urk.
8/136/67+71).
Dabei hielten die Gutachter fest, eine Tätigkeit als Kosmetikerin komme wegen der Fremdgefährdung der Kundin
nen durch Instrumente, wie beispielsweise die Laseranwendung, nicht mehr in Frage
(die Beschwerdeführerin hatte berichtet, seit 2017 oder 2018
nicht mehr gearbeitet zu haben,
vgl.
Urk.
8/136/31
+62
, und die
V._
GmbH befindet sich gemäss Internet-Handelsregisterauszug seit Oktober 2020 in Liquidation, vgl.
Urk.
15
)
;
zumutbar
mit etwa 70%iger Leistungsfähigkeit
sei hingegen eine Tätig
keit ohne Selbst- und Fremdgefährdung und ohne Kundenkontakt sowie mit freier Einteilung der Arbeitszeit, bei der sich kurzfristige
, unter Umständen einen halben Tag dauernde
Abwesenheiten
nicht auswirkten
(
Urk.
8/136/10-11).
Allerdings stellt sich im Rahmen der Arbeitsfähigkeitsbeurteilung a
uch bei objektiv nachgewiesenen
epileptischen
Zeichen die Frage nach den
Auswirkun
gen dieser Befunde im Alltag und im Arbeitsleben
und hierbei auch
nach einer Beteiligung von psychischen
Faktoren mit oder ohne eigentlichen Krankheits
wert.
Wenn die Gutachter des
Q._
indessen
eine einmalige Untersuchung für die abschliessende Klärung der Beteiligung dieser Faktoren nicht als ausreichend erachteten,
so
erscheint auch ihre
Arbeitsfähigkeit
sbeurteilung
nicht als ausrei
chend gesichert.
6.4
6.4.1
Für die Formulierung eines zuverlässigen
Zumutbarkeitsprofils
bedarf es
vielmehr
zunächst einer vertieften
Ausleuchtung des medizinischen Hintergrundes der
geschilderten Anfälle. Da einmalige Abklärungsgespräche gemäss den Gutachtern hierzu nicht ausreichen, erscheint es als angezeigt, die vertiefende
medizinische
Abklärung
, in die auch die Überlegungen und Erfahrungen des behandelnden Neurologen
Dr.
M._
in den Berichten vom
7.
September 2020 und vom 1
8.
Mai 2021 (
Urk.
8/147 und
Urk.
10) einzufliessen haben,
in einem stationären Rahmen
durchzuführen.
Als geeignet erscheint dabei eine Institution, die es zum einen erlaubt, den
von der
Klinik N._
vorgeschlagene
n
erneute
n
Versuch einer Anfallsaufzeichnung (vgl.
Urk.
8/123/1)
vorzunehmen, und
zum andern
auch die Gelegenheit bietet,
die effektive L
eistungsfähigkeit und deren Beeinträchtigungen durch die geschilderten Episoden der Bewusstseinsstörung im Rahmen einer mehrtägigen Erprobung zu verifizieren und zu konkretisieren.
Eine solche Vorgehensweise, die medizinische Erhebungen mit solchen betreffend die konkrete Leistungsfähigkeit kombiniert, wird zusätzlichen Aufschluss geben zur Frage nach einem psychischen Ursprung
des Anfallsgeschehe
n
s
oder einer psychischen B
eteiligung daran
,
und
die psychiatrische
Nebendiagnose
einer A
n
passungsproblematik in Bezug auf chronische Erkrankung mit Angst und de
pres
siver Reaktion gemischt
, die
im Bericht der
Klinik N._
vom 2.
N
ovember 2018
gestellt worden war
(
vgl.
Urk.
8/113/5)
, wird ebenfalls nochmals zu disku
tieren sein
.
Z
udem werden die Wahrnehmungen der
Neuro
psychologin, der eine unstrukturierte und unsorgfältige Arbeitsweise der Beschwerdeführerin aufgefal
len war und die den Eindruck hatte
, die Beschwerdeführerin schöpfe ihr Leis
tungsvermögen nicht
überall aus (Urk.
8/136/64-69),
in einen grösseren Zusam
menhang gestellt werden können.
6.4.2
In ei
nem weiteren Schritt wird
sodann
die Frage
nach
der Verwertbarkeit
der ermittelten effektiven Leistungsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu prüfen sein
. Die Beschwerdeführerin liess zu dieser Thematik richtigerweise darauf hinweisen (vgl.
Urk.
1
S. 7 ff.), dass die Gutachter des
Q._
angesichts der kurzfristigen anfallsbedingten Arbeitsausfälle von einer erschwerten Eingliede
rungsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausgegangen waren (
vgl.
Urk.
8/136/11) und eine Unterstützung bei der beruflichen Eingliederung für unabdingbar gehalten hatten (
Urk.
8/136/12).
Unter diesen Umständen verbietet sich d
as Vorgehen der B
eschwerdegegnerin, vom medizinisch-theoretischen Zumutbarkeitsprofil unmittelbar auf die
berufliche
Eingliederungsfähigkeit zu schliessen und das Invalideneinkommen allein anhand allgemeiner statistischer Angaben zu bemessen (vgl.
Urk.
8/138
; vgl. auch
Urk.
8/139/9).
Vielmehr bedarf es
eines konkreten
, auf die Beschwerdeführ
erin zugeschnittenen
berufsberateri
schen
Tätigwerdens, das idealerweise im selben Rahmen wie die stationären medizinischen und leistungsbezoge
nen Abklärungen vorzunehmen ist
.
6.5
Angesichts dessen, dass
neben den
ergänzende
n
medizinische
n Abklärungen und den Vorkehren der Leistungserprobung
auch berufliche Abklärungen durchzu
führen sind, liegt keine Konstellation vor, in der ein Gerichtsgutachten den Sach
verhalt ab
schliessend zu klären vermöchte. Die
Rechtsprechung des Bundesge
richts, wonach grundsätzlich ein Gerichtsgutachten in Auftrag zu geben ist, wenn
ein Administrativgutachten in rechtserheblichen Punkten nicht beweiskräftig ist (vgl. BGE
137 V 210
E. 4.4.1),
kommt daher nicht zum Tragen.
Vielmehr ist die Sache zur Durchführung der erforderlichen
stationären Begutachtung und Leis
tungserprobung einschliesslich der notwendigen beruflichen Erhebungen an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
Bei diesem Ausgang des
Verfahrens
muss a
n dieser Stelle auf die weiteren Aspekte der Invaliditätsbemessung und des Ablaufes des W
artejahres nicht ein
gegangen
werden.
7.
Damit ist die angefochtene Verfügung vom
9.
November 2020 aufzuheben und die Sache ist an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit sie die erforder
lichen Abklärungen im Sinne der Erwäg
ungen treffe und hernach über den
Ren
tena
nspruch der Beschwerdeführerin
neu verfüge. In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
8.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die
unterliegende Beschwerdegegnerin kostenpflichtig. Die Kosten sind unter Berücksichtigung des g
esetzlichen Rahmens (Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.--) ermessensweise auf Fr. 700.--
festzusetzen.
9.
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht festzusetzenden Ersatz der Parteikosten, die ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses zu bemessen sind; als weitere Bemessungskriterien nennen die ergänzenden kantonalen Vorschriften (
§
34
des Gesetzes über das Sozi
alversicherungsgericht [
GSVGer
]
sowie
§
7 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialver
sicherungsgericht [
GebV
SVGer
]) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Unter Berücksichtigung dieser Kri
terien rechtfertigt es sich, der
Beschwerde
führer
in
eine Prozessentschädigung von
Fr.
2'700.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zuzusprechen.