# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c16fadf2-2c5d-43a4-98bb-1092a46cc54b
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend gewerbsmässiger Betrug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 20. Februar 2018 (DG170082)
sowie
X._, l Beschwerdeführer
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betreffend Entschädigung der amtlichen Verteidigung
Beschwerde gegen das Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 20. Februar 2018, DG170082
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Anklage:
Die Anklage der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 26. September 2017
(Urk. 62) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 97 S. 121 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in  mit Art. 146 Abs. 2 StGB,
− der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 al. 4 aBetmG in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG,
− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB, − des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB, − des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91
Abs. 2 lit. a SVG, − der fahrlässigen Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Abs. 1
SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG, − des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB
in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 51 Monaten Freiheitsstrafe (wovon 115 Tage
durch Haft erstanden sind) und mit einer Busse von Fr. 600.–, teilweise als Zusatz-
strafe zum Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 16. Dezember 2011.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Er-
satzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 5. September 2017 be-
schlagnahmten Gegenstände
- 1 Original-Einzahlungsschein, lautend auf B._ (A005'211'212)
- 1 Original Firmenstempel, Aufschrift "C._ Bau AG Untertagbau
... [Adresse]" (A005'357'722)
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- Diverse Bücher (A005'358'792)
- 1 Magazin "..." von der Firma "C._", Herbst 2011, Ausgabe 16
- 1 grünes Buch "Tunnelbau 2007" von der D._
- 1 gelbes Buch "Tunnelbau 2008" von der Firma "C._"
- 1 rotes Buch "Tunnelbau 2009" von der Firma "C._"
- 1 Dossier enthaltend div. Powerpoint-Präsentationen der Firma
"C._" (A007'381'546)
- 1 Zettel mit handschriftlichen Notizen (A007'381'557)
- Aus brauner Aktenmappe (A007'381'740)
- 1 WLAN-Router, Marke "ZyXEL"
- 1 SIM-Kartenhalter "M-Budget", ohne SIM-Karte
- 4 CD/DVDs der Kantonspolizei Zürich mit "C._" Daten
(A005'984'894)
- 1 externe Festplatte, eingereicht durch die C._ Bau AG
(A005'778'665)
- 1 DVD der Kantonspolizei Zürich mit Daten des Laptops der
beschuldigten Person (A005'431'787)
werden eingezogen und sind nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils durch die
Bezirksgerichtskasse zu vernichten.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 5. September 2017
beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich unter der Lagernummern
B04123-2012, B04735-2012 und B00540-2013 aufbewahrten Betäubungsmittel und
Utensilien
- 1 Minigrip mit 13.2 Gramm netto Kokain (B04123-2012;
A005'211'201)
- 1 Knistersack mit 58.2 Gramm netto Kokain (B04123-2012;
A005'211'289)
- 1 Nivea-Dose mit 12.7 Gramm netto Kokain (B04123-2012;
A005'211'290)
- 1 Olaz-Dose mit 5.4 Gramm netto Kokain (B04123-2012;
A005'211'303)
- 1 schwarzer Rucksack "C._" (B04123-2012; A005'212'511)
- 1 Minigrip mit 0.4 Gramm netto Marihuana (B04735-2012;
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A005'358'929)
- Div. Betäubungsmittelutensilien (B04735-2012; A005'359'002)
- 1 gelbes "Überraschungsei" mit 0.14 Gramm netto Kokain
(B00540-2013; A005'605'618)
werden eingezogen und sind nach Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils durch die
Kantonspolizei Zürich zu vernichten.
7. Die sichergestellten und beim Forensischen Institut Zürich unter der Referenznum-
mer 54074521 / K121016-084 aufbewahrten Gegenstände, Spuren und Spuren-
träger,
- DNA-Spur - Wattetupfer (A005'219'363)
- DNA-Spur - Wattetupfer (A005'219'385)
werden dem Forensischen Institut Zürich nach Eintritt der Rechtskraft zur Ver-
nichtung überlassen.
8. Die Festplatte Seagate 320 GB (S-1/13/171100152) wird an die Kantonspolizei
Zürich, EA-WU-ZF, E._, zurückgegeben mit dem Auftrag, die darauf gespei-
cherten Daten (Spiegelung von Datenträgern) zu vernichten.
9. Die folgenden Asservate gemäss Sicherstellungsliste vom 27. November 2012
(act. 46/3)
- 1 Blanko Arztzeugnis mit Stempel von Dr. med. F._ (A005'357'891)
- Büromaterial/Papeterieware (5 Karteikarten aus der Adresskartei der
Beschuldigten, undatiert; A005'358'076)
- Schreiben (Diverse schriftliche Unterlagen, davon für die Schriftvergleichung
Vollmacht der Beschuldigten für G._, mit einer Vergleichsunterschrift
(V1), datiert vom 20.09.2012 und Zettel mit handschriftlichen Einträgen "H._
Herr H._ ..:", undatiert; A005'358'838)
- Schreiben (Kontobestätigung der I._ an die Beschuldigte mit einer
Vergleichsunterschrift (V98), datiert 07.11.2012; A005'358'021)
verbleiben in den Akten.
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10. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 10'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 70'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 5'128.15 Auslagen Vorverfahren (gem. RIS-Kontoauszug)
Fr. 1'300.– Zeugenentschädigungen
Fr. 96'616.90 amtl. Verteidigungskosten inkl. MwSt. (davon bereits ausbezahlt: Fr. 48'000 .–) Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der Be-
schuldigten im Umfang von Fr. 31'428.15 auferlegt und im Übrigen auf die Ge-
richtskasse genommen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen
und unter dem Vorbehalt von Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse
übernommen.
12. (Mitteilung)
13. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten (Urk. 133 S. 2 f.):
1. Das Verfahren betreffend des Anklagepunkts 1.3 betreffend Widerhandlun-
gen gegen das Betäubungsmittelgesetz sei vollumfänglich einzustellen.
2. Die Beschuldigte sei schuldig zu sprechen
− des vorsätzlichen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von
Art. 91 Abs. 2 lit. a SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG und
Art. 2 Abs. 1 VRV sowie der Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne
von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG,
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB so-
wie
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− des mehrfachen geringfügigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Zif-
fer 1 StGB in Verbindung mit Art. 172ter Abs. 1 StGB.
3. Von den weiteren Vorwürfen sei die Beschuldigte vollumfänglich freizuspre-
chen.
4. Die Beschuldigte sei mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je
Fr. 30.– zu bestrafen, unter Anrechnung von 115 Tagen für bereits verbüss-
te Untersuchungshaft. Zusätzlich sei die Beschuldigte mit einer Busse von
maximal Fr. 300.– zu bestrafen.
5. Die Beschuldigte sei in Bezug auf die beantragte Geldstrafe der bedingte
Strafvollzug zu gewähren, dies unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jah-
ren.
6. Es seien die Verfahrenskosten betreffend die Dossiers 4, 5 und 6 der Be-
schuldigten aufzuerlegen. Im Übrigen seien die Verfahrenskosten auf die
Staatskasse zu nehmen. Die amtlichen Verteidigerkosten seien vollumfäng-
lich und – aufgrund der finanziellen Situation der Beschuldigten – vorbehalt-
los auf die Staatskasse zu nehmen.
7. Die zweitinstanzlichen Verfahrenskosten inklusive amtliche Verteidigerkos-
ten seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 135 S. 1):
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs (Urteilsdispositiv Ziffer 1).
2. Bestrafung der Beschuldigten A._ mit einer Freiheitsstrafe von 57 Mo-
naten, abzüglich der erstandenen Haft, und mit einer Busse von
CHF 600.00, teilweise als Zusatzstrafe zum Urteil des Bezirksgerichts Zürich
vom 16. Dezember 2011.
3. Im Übrigen Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
4. Unter Kostenfolgen des zweitinstanzlichen Verfahrens zulasten der Be-
schuldigten A._.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Der Beschuldigten werden Straftaten zur Last gelegt, die zwischen März
2009 und April 2017 und damit teilweise vor Inkrafttreten der schweizerischen
Strafprozessordung begangen worden sein sollen (Urk. 62). Nachdem der ange-
fochtene erstinstanzliche Entscheid am 20. Februar 2018 ergangen ist, gelten die
Bestimmungen der schweizerischen Strafprozessordnung (Art. 448 und Art. 454
Abs. 1 StPO).
2. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
20. Februar 2018 wurde die Beschuldigte A._ weitgehend anklagegemäss
diverser Delikte schuldig gesprochen und mit 51 Monaten Freiheitsstrafe, teilwei-
se als Zusatzstrafe zu einer Vorstrafe, sowie einer Busse bestraft (Urk. 97
S. 121). Gegen diesen Entscheid liess die Beschuldigte durch ihren amtlichen
Verteidiger mit Eingabe vom 1. März 2018 innert gesetzlicher Frist Berufung an-
melden (Art. 399 Abs. 1 StPO; Urk. 91). Die Berufungserklärung der Verteidigung
ging ebenfalls innert gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399
Abs. 3 StPO; Urk. 99). Die Anklagebehörde hat mit Eingabe vom 16. Juli 2018 in-
nert Frist Anschlussberufung erhoben (Urk. 105; Art. 400 Abs. 2f. und Art. 401
StPO). Über die durch die Verteidigung mit der Berufungserklärung gestellten
Beweisergänzungsanträge wurde mit Präsidialverfügung vom 8. August 2018 be-
gründet entschieden (Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 108). Die Beschuldigte hat die
Berufung und die Anklagebehörde hat die Anschlussberufung ausdrücklich teil-
weise beschränkt (Urk. 99 und 105; Art. 399 Abs. 4 StPO). Die Privatklägerin hat
im Berufungs- wie bereits im Hauptverfahren keine Anträge gestellt (Urk. 97 S. 3).
3. Gemäss den Anträgen der Parteien sind im Berufungsverfahren nicht ange-
fochten
− die vorinstanzlichen Schuldsprüche betreffend Hausfriedensbruch, ge-
ringfügiger Diebstahl und Verkehrsregelverletzungen (Urteilsdispositiv-
Ziff. 1 teilweise),
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− die vorinstanzliche Regelung betreffend in der Untersuchung vorge-
nommene Beschlagnahmungen (Urteilsdispositiv-Ziff. 5.-9.) sowie
− die vorinstanzliche Kostenfestsetzung, mit Ausnahme derjenigen des
Honorars des amtlichen Verteidigers (Urteilsdispositiv-Ziff. 10).
Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist vorab Vormerk zu nehmen
(Art. 404 StPO).
4. Die Vorinstanz entschädigte den amtlichen Verteidiger für seine Bemühun-
gen gestützt auf dessen Honorarnote, ausweisend eine Forderung von
Fr. 112'592.82, mit Fr. 96'616.90 (inkl. MwSt.; Urk. 97 S. 120 und 124; Urk. 119/2
S. 3). Hiergegen erhob der amtliche Verteidiger mit Eingabe vom 7. Juni 2018
Beschwerde, welche nach Eintreten auf die Berufung an die hiesige Kammer zur
Beurteilung überwiesen wurde (Urk. 119/2 und 119/11; vgl. Ziffer V).
II. Schuldpunkt
1.1. Gemäss Darstellung in Ziff. 1.1. der Anklageschrift der Anklagebehörde vom
26. September 2017 wurde die Privatklägerin C._ Bau AG wie folgt täu-
schend geschädigt (Urk. 62 S. 2ff.):
− Im Jahr 2009 wurden 8 Rechnungen, lautend auf J._, jeweils versehen
mit einem gefälschten, zahlungsauslösenden Visum des zuständigen Profit-
centerleiters, bei der Kreditorenabteilung der Privatklägerin eingereicht. Dies
führte zwischen 14. April und 27. Oktober 2009 zur Auszahlung von insge-
samt Fr. 199'855.– an J._, ohne dass den Rechnungen entsprechende
Leistungen erbracht worden wären.
− Ende des Jahres 2009 sowie Anfang des Jahres 2010 wurden 10 Rechnun-
gen, lautend auf K._, jeweils versehen mit einem gefälschten, zah-
lungsauslösenden Visum des zuständigen Profitcenterleiters, bei der Kredi-
torenabteilung der Privatklägerin eingereicht. Dies führte zwischen
3. Dezember 2009 und 11. Mai 2010 zur Auszahlung von insgesamt
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Fr. 83'721.– an K._, ohne dass den Rechnungen entsprechende Leis-
tungen erbracht worden wären.
− Im Jahr 2011 (recte: In den Jahren 2010 und 2011, siehe nachstehend)
wurden 19 Rechnungen, lautend auf B._, jeweils versehen mit einem
gefälschten, zahlungsauslösenden Visum des zuständigen Profitcenterlei-
ters, bei der Kreditorenabteilung der Privatklägerin eingereicht. Dies führte
zwischen 18. Juni 2010 und 1. März 2011 zur Auszahlung von insgesamt
Fr. 400'550.– an B._, ohne dass den Rechnungen entsprechende Leis-
tungen erbracht worden wären.
− Im Oktober 2011 wurden 2 Rechnungen, lautend auf B._, jeweils ver-
sehen mit einem gefälschten, zahlungsauslösenden Visum des zuständigen
Profitcenterleiters, bei der Kreditorenabteilung der Privatklägerin eingereicht.
Dies hätte gemäss der Absicht der Täterschaft zur Auszahlung von insge-
samt Fr. 86'296.– an B._ führen sollen, ohne dass den Rechnungen
entsprechende Leistungen erbracht worden wären. Die Beträge wurden
letztlich nicht überwiesen.
− Im Jahr 2011 wurden 11 Rechnungen, lautend auf H._, jeweils verse-
hen mit einem gefälschten, zahlungsauslösenden Visum des zuständigen
Profitcenterleiters, bei der Kreditorenabteilung der Privatklägerin eingereicht.
Dies führte zwischen 29. März 2011 und 29. Juli 2011 zur Auszahlung von
insgesamt Fr. 417'475.– an H._, ohne dass den Rechnungen entspre-
chende Leistungen erbracht worden wären.
1.2. Die Beschuldigte bestreitet im Berufungsverfahren – wie auch bereits vor
Vorinstanz – nicht, dass die vorstehend beschriebenen Machenschaften statt-
gefunden haben. Sie lässt die Darstellung in der Anklageschrift durch ihre Ver-
teidigung indes dahingehend bestreiten, dass nicht sie es gewesen sei, welche
die inhaltlich falschen Rechnungsschreiben erstellt und der Kreditorenabteilung
weitergeleitet, die Zahlungsempfänger instruiert und die ausbezahlten Gelder
letztlich eingestrichen habe. Der Täter sei vielmehr der Mitarbeiter der Privat-
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klägerin und ihr Vorgesetzter, L._, gewesen (Urk. 85 S. 3-32; vgl. Urk. 97
S. 33-35 mit Verweisen; Urk. 132 S. 10 ff.).
1.3. Die Vorinstanz hat eingangs die einzelnen Beweismittel, namentlich die
Aussagen der Beschuldigten, jene von L._ und der Geldempfänger sowie
weitere diverser Mitarbeiter der Privatklägerin detailliert angeführt (Urk. 97 S. 11-
32). Darauf wird zur Vermeidung von Wiederholungen verwiesen (Art. 82 Abs. 4
StPO). Anschliessend hat sie sich in ihrer äusserst sorgfältigen und ausführlichen
Beweiswürdigung mit sämtlichen massgeblichen Beweismitteln aus-
einandergesetzt und den Anklagesachverhalt als rechtsgenügend erstellt erachtet
(Urk. 97 S. 38-50). Darauf wird ebenfalls pauschal verwiesen. Die nachstehenden
Erwägungen sind daher namentlich zusammenfassender und allenfalls ergänzen-
der Natur.
1.4.1. Die Beschuldigte wird durch die vier Personen, welchen die Privatklägerin
Zahlungen überwiesen hat, im Sinne des Anklagevorhalts belastet. J._,
K._, B._ und H._ haben konstant, auch in Konfrontation mit der
Beschuldigten (respektive in Anwesenheit ihres Verteidigers) und unabhängig
voneinander geschildert, es sei jeweils die Beschuldigte gewesen, welcher sie ih-
re Kontoverbindungen übermittelt und bei Zahlungseingang Kokain (J._) res-
pektive Bargeld (K._, B._ und H._) übergeben hätten (Urk. 21/4
S. 17ff.; Urk. 22/1 S. 24ff.; Urk. 22/2 S. 11ff.; Urk. 29/7 S. 2ff.). Die Vorinstanz hat
deren Aussagen als glaubhaft taxiert: Die Aussagen seien plausibel, logisch, mit
zahlreichen Einzelheiten versehen und einheitlich, unabhängig voneinander er-
folgt und sich gegenseitig stützend (Urk. 97 S. 40). Die Verteidigung beschränkte
sich im Hauptverfahren darauf, diese Aussagen pauschal als "widersprüchlich, of-
fensichtliche Lügen und zurückhaltendes Aussageverhalten" zu bezeichnen. An-
stelle einer Begründung dieser Behauptung wurde einzig argumentiert, "es würde
wohl das heutige Format übersteigen, wenn man sämtliche Aussagen dieser Mit-
beschuldigten bezüglich deren vorgenannten Mängel dem Gericht präsentieren
würde". Es müsse "darauf vertraut werden, dass das Gericht von sich aus diese
Aussagen kritisch unter die Lupe" nehme (Urk. 85 S. 8; wörtlich wiederholt in der
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Berufungserklärung; Urk. 99 S. 5f.). Genau dies hat die Vorinstanz in der Folge
getan.
Anlässlich der Berufungsverhandlung warf die Verteidigung der Vorinstanz eine
einseitige Würdigung der Beweise vor (Urk. 133 S. 5). Die Einschätzung der Vor-
instanz, dass die Aussagen der Mitbeschuldigten J._, K._, B._ und
H._ "plausibel und logisch" seien, sei nicht haltbar (Urk. 133 S. 10). Die Aus-
führungen der Beschuldigten hingegen seien ausführlich und lebensnah, von ei-
ner überzeugenden Dichte und detailliert (Urk. 133 S. 9).
1.4.2. Allein die Verflechtungen der beteiligten Männer mit der Beschuldigten
schliessen ein Komplott gegen die Beschuldigte allerdings grundsätzlich aus:
Sämtliche vier Personen stammen aus dem nahen Umfeld der Beschuldigten:
Von J._ bezog die Beschuldigte über längere Zeit Kokain. K._ schilderte
sie vor der Vorinstanz als Kollegen, anlässlich der Berufungsverhandlung als je-
manden, der ihr auch Kokain geliefert habe (Urk. 29/5 S. 4; Prot. I S. 19; Urk. 123
S. 13). Mit B._ unterhielt sie eine längere intime Beziehungen, die über das
rein Sexuelle hinausging und H._ bezeichnete sie als Freund bzw. als besse-
ren Kollegen (Prot. I S. 20; Urk. 132 S. 13 f. und S. 20 f.). Die vier Männer traten
als Geldempfänger chronologisch nacheinander, sich ablösend in Aktion. Die Be-
schuldigte verneint, mit einem der ihr nahe stehenden und grundsätzlich wohl-
gesinnten Geldempfänger in Streit geraten zu sein. Solchen habe es höchstens
gegeben, wenn sie ihnen gesagt habe, sie sollten aus ihrer Wohnung raus
(Urk. 132 S. 14). Ein Motiv für eine Falschbelastung kann sie betreffend keinen
der vier Männer nennen (Prot. I S. 18-21; Urk. 132 S. 11 ff.).
Vor diesem Hintergrund ist eigentlich auszuschliessen, dass generell eine unbe-
kannte Drittperson, und konkret: L._, diese vier Männer nicht nur hinter dem
Rücken der Beschuldigten, sondern sogar zu deren Leidwesen in ein Komplott
hätte verwickeln können.
Vollends ausgeschlossen wird diese Behauptung durch die Aussage von
B._, er habe von der Beschuldigten gehört, dass auch L._ involviert sei
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(Urk. 22/2 S. 13). Hätte B._ mit L._ ein Komplott mit der Beschuldigten
als Leidtragenden geschlossen, hätte er diesen doch nicht ausdrücklich belastet.
Die Geldbezüger haben ihr eigenes Verhalten mit Bezug auf die Beschuldigte
sehr individuell geschildert und sich, wie die Vorinstanz korrekt bemerkt (Urk. 97
S. 40 mit Verweisen), auch selber massiv belastet: J._ gibt nicht an, der Be-
schuldigten Bargeld, dafür eine insgesamt grössere Menge Kokain geliefert zu
haben. K._ will ohne nennenswerten eigenen Verdienst mitgemacht haben.
B._ und H._ geben offen an, selber erheblich finanziell (B._ tempo-
rär, H._ dauernd) profitiert zu haben. Hätten sie einfach die Beschuldigte –
anstelle eines anderen – belasten wollen, hätten sie schlicht angeben können, der
Beschuldigten das gesamte an sie überwiesene Geld in bar übergeben zu haben.
Man hätte ihnen das Gegenteil nicht nachweisen können. Den vorinstanzlichen
Erwägungen zu diesem Thema kann somit – entgegen dem Einwand der Ver-
teidigung anlässlich der Berufungsverhandlung – sehr wohl zugestimmt werden
(Urk. 133 S. 10).
1.4.3. Die Beschuldigte hat zwischenzeitlich konkret zugegeben, eigenhändig
das zahlungsauslösende Kürzel des Profitcenterleiters M._ auf Rechnungen
angebracht zu haben. Sie habe dies auf Anweisung entweder von L._ oder
von M._ selber gemacht (Urk. 20/15 S. 14 f.; Urk. 20/16 S. 5; Urk. 132 S. 15).
M._ hat als Zeuge überzeugend nicht nur betreffend die inkriminierten Rech-
nungen, sondern kategorisch ausgeschlossen, jemals eine entsprechende Anwei-
sung erteilt zu haben (Urk. 30/3 S. 9). Die auf der Festplatte der Beschuldigten si-
chergestellte eingescannte Unterschrift von M._ scheint andererseits nicht
weiter belastend, da auf den inkriminierten Rechnungen nicht mit einer gefälsch-
ten Unterschrift von M._ operiert wurde (Urk. 30/3 Anhang). M._ sagte
auch selber aus, es sei möglich, dass elektronische Unterschriften auf Schreiben
"angesetzt" worden seien (Urk. 30/3 S. 9). Hingegen wurde bei der Beschuldigten
zuhause ein Stempel der Privatklägerin sichergestellt, wie er auf den inkriminier-
ten Rechnungen Anwendung fand (Urk. 4). Erstelltermassen und entgegen ihrer
Bestreitung war die Beschuldigte auch im Besitz von auf den Geldempfänger
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B._ lautenden Einzahlungsscheinen (Urk. 97 S. 38 und S. 40 f. mit Verwei-
sen; Urk. 132 S. 21).
1.4.4. Die für die Privatklägerin arbeitenden Zeugen wie auch die Verteidigung
(in anderem Zusammenhang) haben darauf hingewiesen, dass die inkriminierten
Rechnungen teilweise eklatante inhaltliche Ungereimtheiten aufgewiesen haben.
Hätte tatsächlich L._ die Fälschungen eigenhändig vorgenommen, wären
ihm als Fachmann mit einschlägiger langjähriger Berufserfahrung bei der Privat-
klägerin (Urk. 24/1 S. 10 f.) solche Patzer wohl nicht unterlaufen, respektive er
hätte sie vermieden, um keine Auffälligkeiten zu verursachen. Die Behauptung
der Verteidigung, L._ habe den Verdacht mit solch dümmlichen Rechnungen
offensichtlich auf die Beschuldigte lenken wollen, überzeugt hingegen nicht
(Urk. 133 S. 18).
1.4.5. Vollends entlarvend war schliesslich das Verhalten der Beschuldigten im
Zusammenhang mit den beiden gefälschten Rechnungen (Zahlungsempfänger
B._), welche sie im Oktober 2011 zwecks Zahlung weiterleitete: Sie erkun-
digte sich anschliessend mehrmals telefonisch bei der Mitarbeiterin N._, ob
die Rechnungen endlich bezahlt worden seien. Da die Beschuldigte zu diesem
Zeitpunkt zu 100% krankgeschrieben war, machte das Einreichen von Rechnun-
gen mit anschliessendem Drängen zur Zahlung die Mitarbeiterin N._ stutzig
und veranlasste sie, Meldung zu erstatten (Urk. 97 S. 22 ff. mit Verweis auf
Urk. 30/1 S. 9 ff.). Nicht von ungefähr führte dieses auffällige Verhalten der Be-
schuldigten denn auch dazu, dass bei der Privatklägerin eine Überprüfung vorge-
nommen wurde und die Machenschaften aufflogen. Dieses Verhalten belegt, dass
die Beschuldigte entgegen ihrem pauschalen Bestreiten sehr wohl in das delikti-
sche Weiterleiten gefälschter Rechnungen an die Buchhaltungsabteilung invol-
viert war.
1.4.6. Somit ist auch der noch bestrittene Teil des Anklagesachverhalts mit der
in allen Teilen überzeugenden Beweiswürdigung der Vorinstanz dahingehend
rechtsgenügend erstellt, dass die Beschuldigte die massgeblichen Rechnungen
inhaltlich gefälscht, der Buchhaltungsabteilung weitergeleitet, vorgängig die Zah-
lungsempfänger instruiert, von diesen anschliessend entweder die überwiesenen
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Zahlungen oder Kokain erhalten und das Erhaltene letztlich zum eigenen Nutzen
verwendet hat.
Die Beschuldigte behauptet auch heute nach wie vor hartnäckig, der Täter oder
zumindest der Profiteur sei L._ gewesen. Dass sie und nicht L._ die ihr
vorgeworfenen Tathandlungen begangen hat, ist gemäss dem vorstehenden Be-
weisresultat allerdings erstellt. Zweifellos verwendete die Beschuldigte mindes-
tens einen beträchtlichen Teil des deliktisch erhältlich gemachten Geldes für den
Erwerb von Kokain (soweit sie es sich nicht gleich in Form von Kokain ausbezah-
len liess; J._). Die ehemalige Bordell-Mitarbeiterin und Freundin der Be-
schuldigten, O._, zitierte die Beschuldigte als Zeugin dahingehend, sie, die
Beschuldigte, würde (tatzeitaktuell) Kokain brauchen wie andere Leute Kaffee; sie
habe immer Kokain dabei gehabt und sei kokain-süchtig gewesen (Urk. 30/2
S. 6). Es ist daher durchaus möglich, dass L._ bei den zahlreichen Treffen
und dem gemeinsamen Konsum (siehe auch nachstehend Ziff. II.3) am Deliktser-
lös partizipiert hat. Dies ändert jedoch am inkriminierten Tatvorwurf, wie er die
Beschuldigte betrifft, nichts.
Wie die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung allerdings korrekt ein-
wendete, haben sich weder die Anklagebehörde noch die Vorinstanz damit auf-
gehalten, zu berücksichtigen, dass betreffend die beiden manipulierten Rechnun-
gen der Beschuldigten vom Oktober 2011 über den Gesamtbetrag von
Fr. 86'296.– die Machenschaft aufgedeckt wurde und keine Zahlung erfolgte
(Urk. 133 S. 8). Die von der Anklagebehörde und der Vorinstanz errechnete De-
liktssumme in Höhe von Fr. 1'187'897 ist damit um den entsprechenden Betrag zu
korrigieren.
2. Zur rechtlichen Würdigung hat die Verteidigung im Hauptverfahren einzig,
wenn auch ausführlich, geltend gemacht, das der Beschuldigten vorgeworfene
(und gemäss obiger Beweiswürdigung erstellte) Vorgehen sei nicht arglistig im
Sinne von Art. 146 StGB gewesen. Die zuständigen Mitarbeiter der Privatklägerin
hätten die massgeblichen Rechnungen vor der Auszahlung unzulänglich kontrol-
liert. Dies sei der Privatklägerin als Leichtfertigkeit anzurechnen. Bei leichtfertiger
- 16 -
Missachtung der grundlegendsten Vorsichtsmassnahme durch das Opfer sei Arg-
list zu verneinen (Urk. 85 S. 32 f. und S. 40 f.).
Zur Begründung führte die Verteidigung zahlreiche Aussagen von Mitarbeitenden
der Privatklägerin an, wie sie in der Untersuchung deponiert wurden und welche
einerseits sich zum Inhalt der inkriminierten Rechnungen kritisch äussern sowie
andererseits zu bemängelndes Arbeitsverhalten der Mitarbeitenden belegen sol-
len (Urk. 85 S. 34 -39). Dieses Vorbringen erneuerte die Verteidigung anlässlich
der Berufungsverhandlung (Urk. 133 S. 26 ff.).
Bereits die Vorinstanz hat dazu zutreffend erwogen, dass die Privatklägerin be-
treffend die Rechnungskontrolle und -freigabe mit einem Visum-System gearbeitet
habe. Das Visum des zuständigen Baustellen-Leiters bedeutete für die Buch-
haltung, dass der in Rechnung gestellte Betrag kontrolliert, abgesegnet und zur
Zahlung freigegeben war. Nach der Visierung durch den verantwortlichen Baustel-
len-Leiter erfolgte vor der Auszahlung keine inhaltliche Prüfung der Rechnung
mehr. Genau dies haben die als Zeugen befragten Mitarbeiter der Privatklägerin
übereinstimmend und überzeugend ausgesagt: So N._ (Urk. 30/1 S. 6ff.);
P._ (Urk. 30/8 S. 5ff.), sogar die damalige Auszubildende Q._
(Urk. 30/12 S. 18f.). M._ sagte ausdrücklich aus, die Finanzabteilung habe
eine Rechnung bezahlt, wenn diese sein Visum aufgewiesen habe (Urk. 30/3
S. 8f.). Auf sämtlichen inkriminierten Rechnungen wurde das die Zahlung auslö-
sende Visum von M._ durch die Beschuldigte gefälscht. Eine inhaltliche Kon-
trolle der Rechnungen durch andere, dafür kompetente Mitarbeiter wurde nach
dem Anbringen des gefälschten Visums M._s dadurch verhindert, dass die
Rechnungen – offenbar unüblicherweise – direkt der Buchhaltungsabteilung
übergeben wurden (so P._: Urk. 30/8 S. 10).
Bezeichnenderweise flog die Deliktsserie der Beschuldigten ja auch nicht etwa
auf, weil eine ihrer gefälschten Rechnungen inhaltlich die Aufmerksamkeit der
Buchhaltungsabteilung auf sich zog. Vielmehr war es allein das verdächtige Ver-
halten der Beschuldigten, das Einreichen von Rechnungen während krankheits-
bedingter Abwesenheit verbunden mit drängendem telefonischen Nachfragen zur
- 17 -
Zahlung, welches zu einer Überprüfung und anschliessenden Aufdeckung der
Machenschaften führte.
Gemäss der Argumentation der Verteidigung habe "die Täterschaft von diesen
[kommenden] Versäumnissen" (gemeint: Der übliche modus operandi beim Aus-
zahlen von der Privatklägerin in Rechnung gestellten Beträgen) weder wissen
noch damit rechnen" können (Urk. 85 S. 41). Dies ist schlicht falsch: Die Beschul-
digte wusste nach 1 1⁄2 Jahren Tätigkeit bei der Privatklägerin, wie Zahlungen
auszulösen waren. Sie wusste auch – eingestandenermassen – dass das Visum
M._s zahlungsauslösend war. Sodann hat sie sich, wie die Vorinstanz richtig
erwogen hat, bei der Mitarbeiterin N._ instruieren lassen, was für die Aus-
zahlung einer Rechnung nötig war (Urk. 97 S. 47 Mitte mit Verweisen; Urk. 132
S. 15 f.). Diese Feststellung ist entgegen der Behauptung der Verteidigung nicht
aktenwidrig (Urk. 133 S. 35; vgl. u.a. Urk. 21/2 S. 21).
Somit ist der Privatklägerin entgegen der Verteidigung keine leichtfertige Unsorg-
falt im Rechnungswesen vorzuwerfen. Vielmehr hat die Beschuldigte gezielt jenes
Visum gefälscht, welches durch die Buchhaltung nicht mehr hinterfragt wurde und
entsprechend zahlungsauslösend war. Die Kontrolle anderer Mitarbeiter hat sie
verhindert, indem diese die inkriminierten Rechnungen gar nicht zu Gesicht be-
kamen.
Somit ist auch das objektive Tatbestandsmerkmal der Arglist erfüllt. Zu den übri-
gen Tatbestandselementen des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2
StGB, namentlich auch zur Gewerbsmässigkeit, hat sich bereits die Vorinstanz
ausführlich und zutreffend geäussert (Urk. 97 S. 82-91). Die Verteidigung hat sich
dazu nicht kritisch ausgelassen (Urk. 85; Urk. 133).
Somit ist die Beschuldigte des gewerbsmässigen Betrugs schuldig zu sprechen.
Die versuchte Tatbegehung geht im vollendeten gewerbsmässigen Delikt auf
(BGE 123 IV 113 E. 2d).
3.1. Gemäss Darstellung in Ziff. 1.2 der Anklageschrift der Anklagebehörde vom
26. September 2017 hat die Beschuldigte im März und April 2009 sowie im April
- 18 -
2010 insgesamt dreimal Bargeldbeträge aus der Kasse der Privatklägerin
C._ Bau AG entwendet (Urk. 62 S. 15). Die Beschuldigte bestreitet im Beru-
fungs- wie bereits im bisherigen Verfahren ein schuldhaftes Verhalten (Prot. I
S. 26 ff.; Urk. 132 S. 17). Die Vorinstanz hat die Beschuldigte betreffend die ers-
ten beiden Bargeldentnahmen, nicht jedoch betreffend die dritte schuldig befun-
den (Urk. 97 S. 64 und S. 91-94). Einen formellen Freispruch hat die Vorinstanz
diesbezüglich unterlassen (Urk. 97 S. 121). Dies ist vorliegend nachzuholen.
3.2. Das Aussageverhalten der Beschuldigten an der Hauptverhandlung ist ei-
gentlich nicht greifbar: Sie bestreitet nicht grundsätzlich, der Kasse Bargeldbe-
träge entnommen zu haben, dies jedoch entweder zweckgebunden, nicht in der
eingeklagten Höhe oder nur auf Weisung ihrer Vorgesetzten respektive konkret
von L._ (Prot. I S. 27 und S. 30). Den konkreten Vorhalt, Gelder aus der
Kasse für den Erwerb von Kokain verwendet zu haben, beantwortete sie mit "nie
in dieser Höhe", bestritt ihn also nicht rundweg (Prot. I S. 27 unten). Wahlweise
machte sie auch Erinnerungslücken geltend respektive gingen ihre Antworten in
ein scheinbar unverständliches Murmeln über (Prot. I S. 28 und 30). Anlässlich
der Berufungsverhandlung erklärte sie hierzu, dass sie nie Geld für den Eigenge-
brauch aus der Kasse genommen habe (Urk. 132 S. 17).
3.3. Mitte März 2009 wurden J._ namens der Privatklägerin Fr. 7'512.– auf
dessen R._-Konto überwiesen (Urk. 32/6). In den Unterlagen der Privatklä-
gerin gibt es dazu eine Kopie des Zettels mit dem entsprechenden Ein-
zahlungsschein (Urk. 9/3), auf welchem sich ein Stempel, wie er bei der Beschul-
digten sichergestellt wurde, und handschriftliche Notizen, die die Beschuldigte als
ihre anerkennt (Prot. I S. 28), befinden. Entsprechend ist ohne Weiteres belegt,
dass die Beschuldigte die Bargeldentnahme mit anschliessender Überweisung
gemacht hat, was sie im übrigen nicht kategorisch bestreitet.
Anfang April 2009 wurden J._ namens der Privatklägerin Fr. 5344.– überwie-
sen (Urk. 32/7). In den Unterlagen der Privatklägerin gibt es einen Zettel mit ei-
nem Einzahlungsschein über Fr. 18'344.– aus dem gleichen Zeitraum (Urk. 9/3),
auf welchem sich wiederum ein Stempel, wie er bei der Beschuldigten sicherge-
stellt wurde, handschriftliche Notizen und sogar ihre Unterschrift befinden. Der
- 19 -
eingetragene Betrag "18'344.–" wurde gemäss Gutachtensergebnis des Forensi-
schen Instituts Zürich nachträglich verfälscht; ursprünglich lautete er auf
Fr. 5'344.– (Urk. 42/10). Dies lässt keinen anderen Schluss zu, als dass die Be-
schuldigte diese Bargeldentnahme und anschliessende Überweisung von
Fr. 5'344.– getätigt hat.
Beim Zahlungsempfänger J._ handelte es sich erstelltermassen um den Ko-
kainlieferanten der Beschuldigten. Dieser sagte überzeugend aus, die Beschuldig-
te haben ihre Kokainbezüge Anfang des Jahres 2009 nicht mehr bar bezahlen
können und habe ihm Ende Februar 2009 gesagt, sie werde ihm nun das Entgelt
für das Kokain auf sein Konto überweisen (Urk. 22/1 S. 22 f.).
Es ist somit offensichtlich, dass die Beschuldigte die fraglichen Beträge aus der
Bargeldkasse entnahm und J._ überwies, um ihre Kokainbezüge zu bezah-
len. Es muss somit auch die Beschuldigte gewesen sein, die den über die Höhe
der zweiten Überweisung hinausgehenden Betrag von Fr. 13'000.– der Kasse
entnahm und für eigene Zwecke verbrauchte. Wenn die Vorinstanz auf S. 63 ihrer
Erwägungen betreffend die erste Überweisung mit "Fr. 7'125.–" (statt Fr. 7'512.–)
und anschliessend mit "übrigen Fr. 10'000.–" (statt Fr. 13'000.–) operiert, handelt
es sich dabei um schlichte Schreib- respektive Rechnungsfehler. Im Übrigen ist
ergänzend auf die ausführliche und zutreffende Beweiswürdigung der Vorinstanz
zu verweisen (Urk. 97 S. 59-64).
Wenn die Beschuldigte halbherzig wiederum L._ entweder als eigentlichen
Täter, Anstifter oder zumindest Profiteur der deliktischen Bezüge darstellt, gilt das
vorstehend zum gewerbsmässigen Betrug Erwogene: Es ist durchaus möglich,
dass L._ bei den zahlreichen Treffen und dem gemeinsamen Kokainkonsum
mit der Beschuldigten in unbekanntem Umfang am Deliktserlös partizipiert hat.
Dies ändert jedoch am inkriminierten Tatvorwurf, wie er die Beschuldigte betrifft,
nichts (Urk. 133 S. 36 ff.).
3.4. Die rechtliche Würdigung der Anklagebehörde (Urk. 62) und Vorinstanz
(Urk. 97 S. 91-94) gibt zu keinen Bemerkungen Anlass und wird durch die Ver-
- 20 -
teidigung auch nicht kritisiert (Urk. 85; Urk. 133 S. 42). Der angefochtene Schuld-
spruch betreffend mehrfachen Diebstahl ist entsprechend zu bestätigen.
4.1. In Anklageziffer 1.3. wird der Beschuldigten Kauf, Besitz und die Abgabe
(respektive die Absicht dazu) von Kokain vorgeworfen (Urk. 62 S. 16 f.).
Die Verteidigung macht im Berufungsverfahren – wie bereits vor Vorinstanz – gel-
tend, es sei das Verfahren diesbezüglich einzustellen (Urk. 85 S. 2; Urk. 99 S. 3;
Urk. 133 S. 42 ff.). Zur Begründung wird argumentiert, der Beschuldigten könnten
allenfalls Übertretungen gegen das Betäubungsmittelgesetz nachgewiesen wer-
den, die bereits verjährt seien (Urk. 85 S. 48ff.; Urk. 99, Urk. 133 S. 42 ff.). Wie
mit diesem Antrag zu verfahren ist, ergibt sich aus dem nachstehenden Beweis-
resultat respektive der rechtlichen Würdigung.
4.2. Die Anklage wirft der Beschuldigten in zwei separaten Vorhalten vor, sie ha-
be im Jahr 2009 von J._ ein Kilogramm Kokaingemisch, enthaltend 930
Gramm reines Kokain, bezogen und zum Zeitpunkt der massgeblichen Haus-
durchsuchung im Oktober 2012 an ihrem Arbeitsplatz knapp 90 Gramm Kokain-
gemisch, enthaltend rund 34 Gramm reines Kokain, gelagert.
Die Beschuldigte bestreitet nicht, von J._ Kokain bezogen zu haben. Sie be-
streitet jedoch die durch J._ geschilderte Menge, wie sie Eingang in die An-
klageschrift gefunden hat. Zum nicht mehr vorhandenen wie zum sichergestellten
Kokain macht sie weiter zusammengefasst geltend, dieses habe dem Eigen- so-
wie dem Mit-Konsum von L._ gedient (Urk. 85 S. 61-63; Urk. 133 S. 42 ff.).
4.3. Der Tatvorwurf, die Beschuldigte habe insgesamt ein Kilogramm Kokainge-
misch bezogen, beruht weitestgehend auf den entsprechenden Aussagen des
Lieferanten J._, wie er sie in der Untersuchung deponiert hat. Die Vorinstanz
hat diese – wie auch die bestreitenden Aussagen der Beschuldigten – im ange-
fochtenen Entscheid ausführlich zitiert, worauf verwiesen wird (Urk. 97 S. 66-71).
4.4. Gemäss vorstehendem Beweisergebnis zu den Tatvorwürfen des gewerbs-
mässigen Betrugs sowie des Diebstahls hat die Beschuldigte im massgeblichen
Zeitraum insgesamt Fr. 212'711.– an J._ überwiesen. J._ war erstellter-
- 21 -
und anerkanntermassen der Kokainlieferant der Beschuldigten. Andere geldwerte
Leistungen (ausser Taxifahrten) hat er weder für die Beschuldigte noch für die
zahlende Privatklägerin C._ erbracht. J._ sagte aus, aufgrund des ho-
hen Reinheitsgehalts des im Jahr 2009 gelieferten Kokains habe er für 0,5 bis
0,6 Gramm Fr. 100.– berechnet (Urk. 22/1 S. 12). Die Beschuldigte sagte – in
zumindest teilweiser Bestätigung dessen – aus, sie habe geglaubt, eine Portion
enthalte 1 Gramm und sie habe dafür Fr. 100.– bezahlt (Urk. 22/1 S. 13). Schon
dies belegt, dass die Beschuldigte eine Kokainmenge weit über ihrer eigenen
Darstellung (100-200 Gramm Gemisch; Prot. I S. 33) bezogen hat. Hinzu kommt,
dass J._ mit den Erwägungen der Vorinstanz diesbezüglich konstante, wi-
derspruchsfreie, detailreiche und nachvollziehbare Schilderungen gemacht hat
(Urk. 97 S. 77 mit Verweisen). Zurecht hat die Vorinstanz daher auf die über-
zeugende Schilderung J._s und nicht auf die Bestreitungen der Beschuldig-
ten abgestellt (Urk. 97 S. 78 f.).
Die Verteidigung hat im Hauptverfahren die Aussagen J._s mit folgendem
Konstrukt in Zweifel zu ziehen versucht: J._ belaste die Beschuldigte des
Kokainbezugs in der eingeklagten Menge, um sich betreffend eine Beteiligung an
der betrügerischen Entreicherung der Privatklägerin zu entlasten, sei er doch für
die Drogendelikte bereits im Jahr 2010 abgeurteilt worden (Urk. 85 S. 49). Hierauf
verwies die Verteidigung auch anlässlich der Berufungsverhandlung (Urk. 133
S. 43). Diese Argumentation zerredet die Verteidigung allerdings sofort selber,
wenn sie in der Folge (zutreffend) geltend macht, J._ belaste die Beschuldig-
te mit einer viel höheren Menge gekauften Kokains, als er selber dafür verurteilt
worden sei (Urk. 85 S. 52). Es ist kein Motiv J._s nachvollziehbar, die Be-
schuldigte unwahrheitsgemäss zu belasten, im Gegenteil: Mit der Anklagebehör-
de musste J._ mit einer Zusatzstrafe rechnen, wenn er umfangreichere Ver-
käufe schilderte, als bereits abgeurteilt (Urk. 84 S. 25). J._ hat entgegen der
Verteidigung eben gerade nicht "den Sachverhalt aus dem Jahr 2009 mit dem be-
reits abgeurteilten Sachverhalt irgendwie in Übereinstimmung" gebracht (Urk. 85
S. 55f.). J._ ist auch nicht einfach auf seinem "vollumfänglichen Geständnis"
im eigenen Strafverfahren zu behaften (Urk. 85 S. 50): Damals sah er sich nicht
der Situation ausgesetzt, dass der Gegenwert des verkauften Kokains belegt war
- 22 -
(wie vorliegend durch die überwiesenen Beträge) und er belastete auch weder
seine Bezugsquelle noch seine Kunden namentlich, so auch die Beschuldigte
nicht (vgl. Beizugsakten i.S. ca. J._, Urk. 17 und Urk. 32). Dass J._ in
seinem eigenen Verfahren eher zurückhaltend aussagte liegt somit auf der Hand,
ohne dass dies auf eine Falschbelastung der Beschuldigten im vorliegenden Ver-
fahren schliessen liesse.
Insgesamt ist gestützt auf die erstellte Höhe des durch die Beschuldigte an
J._ überwiesenen Drogenentgelts, welches mit den Schilderungen J._s
zu den Liefermengen korreliert, erstellt, dass die Beschuldigte im massgeblichen
Zeitraum ca. ein Kilogramm Kokain-Gemisch bezogen hat.
4.5. Zum Reinheitsgehalt der im Jahr 2009 bezogenen Drogen ging die Vor-
instanz nicht von den eingeklagten 93%, sondern von lediglich 38% aus. Zur Be-
gründung hat sie erwogen, es liege kein Konfiskat vor, weshalb auf den Median-
wert für Kokain des Jahres 2015 von 38% sowie auf den durchschnittlichen Rein-
heitsgehalt des im Jahr 2012 bei der Beschuldigten sichergestellten Kokains von
ebenfalls 38% abzustellen sei (Urk. 97 S. 79 f.). Dies kann zugunsten der Be-
schuldigten übernommen werden, ist jedoch mit Sicherheit äusserst wohlwollend.
J._ hat in der Konfrontationseinvernahme ausdrücklich zwischen den Quali-
täten des durch ihn in den Jahren 2007 und 2009 verkauften Kokains unterschie-
den und die entsprechenden Preisunterschiede erklärt. Im Jahr 2007 habe er für
0,8 bis 1 Gramm gestrecktes Kokain Fr. 100.– verlangt. 2009 habe er ungestreck-
tes Kokain mit 94% Reinheitsgehalt für Fr. 100.– pro 0,5 oder 0,6 Gramm ver-
kauft; er habe für diese gute Qualität selber Fr. 100'000.– pro Kilo bezahlen und
den Abnehmern entsprechende Preise berechnen müssen (Urk. 22/1 S. 11 f. und
S. 14). J._ hatte wiederum keinerlei nachvollziehbares Interesse, eine mög-
lichst hohe Reinheit der durch ihn verkauften Drogen zu behaupten. Ganz offen-
sichtlich unterschieden sich die Kokain-Qualitäten in den Jahren 2007 (erster Be-
zug durch die Beschuldigte von J._), 2009 (in concreto massgebender Zeit-
raum) und 2012 (Zeitpunkt der Sicherstellung am Arbeitsplatz der Beschuldigten)
erheblich. Die Beschuldigte bezeichnete das im Jahr 2012 sichergestellte Kokain
selber als "Zeug, das alles zusammengepanscht war" (Prot. I S. 36), was darauf
- 23 -
schliessen lässt, dass es sich um unterdurchschnittliche Qualität gehandelt hat.
Und zur Qualität im Jahr 2009 hat J._ detaillierte Angaben gemacht. Hinge-
gen, und dies rechtfertigt ein Vorgehen gemäss Vorinstanz, kann gemäss bun-
desgerichtlicher Rechtsprechung zum Reinheitsgehalt auf einen Durchschnitts-
wert abgestellt werden, wenn – wie vorliegend – kein Konfiskat vorliegt (Urteil
6B_13/2012 vom 19. April 2012 E. 1.3.1).
4.6. Zu den knapp 90 Gramm am Arbeitsplatz der Beschuldigten sichergestellten
Kokaingemischs anerkennt die Beschuldigte, dieses dort für den späteren Eigen-
konsum gelagert zu haben; sie habe niemandem davon abgegeben (Prot. I
S. 36).
4.7. Gemäss Anklage hat die Beschuldigte die gekauften und aufbewahrten Dro-
gen "zumindest teilweise in den Verkehr gebracht" (respektive dies beabsichtigt)
im Bewusstsein, "dass damit die Gesundheit zahlreicher Menschen gefährdet
wurde" (Urk. 62 S. 16f.).
Die Vorinstanz hat zusammengefasst erwogen, dass zugunsten der Beschuldig-
ten kein Verkauf an unbekannte Dritte erstellt und davon auszugehen sei, dass
das gesamte Kokain durch die Beschuldigte und L._ konsumiert wurde res-
pektive hätte konsumiert werden sollen (Urk. 97 S. 80 f.). Dies ist zu übernehmen.
Der Bezugszeitraum im Jahr 2009 betrug rund 300 Tage. Dies ergibt einen durch-
schnittlichen Konsum von rund 3 Gramm pro Tag. Die Beschuldigte bezifferte an
der Hauptverhandlung ihren damaligen Konsum auf 1-2 Gramm pro Tag (Prot. I
S. 40). Davon ausgehend, dass L._ kräftig mitkonsumierte und an Wochen-
enden erheblich höhere Dosen verbraucht wurden (Prot. I S. 33), ist dieser
Schluss begründ- und haltbar.
Die Beschuldigte hat konstant ausgesagt, sie habe über längere Zeit L._ vom
durch sie bezogenen Kokain mitkonsumieren lassen (Prot. I S. 32ff.). Auch die
Verteidigung macht nicht geltend, die Beschuldigte habe das gesamte Kokain al-
lein konsumiert, vielmehr habe auch L._ "regelmässig", "oft" und "in rauen
Mengen" mitkonsumiert (Urk. 85 S. 61 f.). Auch zum sichergestellten Kokain sei
nicht ausgeschlossen, dass sich L._ noch daran bedient hätte (Urk. 85
- 24 -
S. 63). Betreffend das sichergestellte Kokain hielt die Vorinstanz allerdings – zu-
treffend – dafür, es könne der Beschuldigten nicht widerlegt werden, dass dieses
einzig für den Eigenkonsum gedacht gewesen sei (Prot. I S. 36; Urk. 97 S. 102).
4.8. Somit ist zusammengefasst erstellt, dass die Beschuldigte in den Jahren
2009 respektive 2012 insgesamt rund ein Kilogramm Kokaingemisch gekauft und
gelagert hat, wobei von rund 400 Gramm reinem Kokain auszugehen ist. Dieses
Kokain konsumierte sie mehrheitlich selber (respektive lagerte es zum Eigenkon-
sum). Sie gab jedoch auch einen erheblichen Teil zum Konsum an L._ ab.
Die Vorinstanz errechnete eine an L._ abgegebene Menge von 89,8776
Gramm reinen Kokains (Urk. 97 S. 81 f.). Diese Rechnungsübung ist eine Pseu-
do-Objektivierung und allzu hypothetisch, um sie zu übernehmen. Jedenfalls hat
die an L._ abgegebene Menge den Grenzwert des schweren Falls eines Be-
täubungsmitteldelikts gemäss Art. 19 Ziff. 2 BetmG (18 Gramm reines Kokain;
BGE 109 IV 143) deutlich und um ein Mehrfaches überschritten.
4.9. Die Vorinstanz hat erwogen, das Verfahren sei betreffend den Kauf von
380 Gramm reinem Kokain im Jahr 2009 und betreffend Lagerung von
34,1 Gramm reinem Kokain im Jahr 2012 einzustellen (Urk. 97 S. 100-102). Im
Dispositiv fand dies keinen formellen Niederschlag (Urk. 97 S. 121). Weshalb,
darüber muss mangels Begründung gemutmasst werden: Allenfalls deshalb, weil
bereits die Anklage einigermassen unklar ist: Im Ingress wird einzig Besitz, Lage-
rung, Erwerb und Erlangen angeklagt; im Text folgt dann Inverkehrbringen und
Abgabe (Urk. 62 S. 16 f.).
Die anschlussappellierende Anklagebehörde hat den vorinstanzlichen Entscheid
im Schuldpunkt nicht angefochten (Urk. 105 S. 2). Entsprechend ist heute einzig
noch die Abgabe von Kokain an L._ zu qualifizieren.
4.10. Die Vorinstanz hat die Beschuldigte der Abgabe im Sinne von Art. 19
Ziff. 1 al. 4 aBetmG schuldig gesprochen (Urk. 97 S. 121). Dies ist gemäss dem
vorstehenden Beweisresultat materiell nicht zu beanstanden. Die Vorinstanz hat
zudem auf einen schweren Fall im Sinne von Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG erkannt
(Urk. 97 S. 121).
- 25 -
Im Sinne dieser Bestimmung macht sich strafbar, wer weiss oder annehmen
muss, dass sich die begangene Widerhandlung gemäss Ziff. 1 auf eine Menge
von Betäubungsmitteln bezieht, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr
bringen kann. Der Grenzwert für die erforderliche Menge liegt – wie vorstehend zi-
tiert – gemäss konstanter Rechtsprechung bei 18 Gramm reinem Kokain.
Die Beschuldigte hat L._ wie erstellt ein Mehrfaches von 18 Gramm reinem
Kokain abgegeben. Allerdings gab sie dies kontrolliert (bei sofortigem Konsum)
und ausschliesslich an eine Person ab. Weitere Personen erhielten kein Kokain
von der Beschuldigten und es bestand auch kein entsprechendes Risiko. Daher
hat sie nicht die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen gefährdet, sondern le-
diglich diejenige des einzigen Mitkonsumenten. Damit hat sie den objektiven Tat-
bestand des schweren Falls im Sinne von lit. a nicht erfüllt (Fingerhuth/ Schle-
gel/Jucker, OFK-BetmG, Art. 19 N 191 mit Verweisen). Vielmehr hat sie den Tat-
bestand der einfachen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
i.S. dessen Art. 19 Ziff. 1 al. 4 aBetmG erfüllt.
4.11. Die Strafandrohung der massgeblichen Bestimmung lautete auf Freiheits-
strafe bis 3 Jahre (Art. 19 Ziff. 1 al. 9 aBetmG). Gemäss dem für die Beschuldigte
milderen und daher heute anwendbaren (vgl. Art. 2 Abs. 1 und 2 StGB) Ver-
jährungsrecht, wie es im Tatzeitraum 2009 in Kraft war, trat die Verfolgungsver-
jährung einer Tat mit der zitierten Strafandrohung in sieben Jahren ein (Art. 97
Abs. 1 lit. c aStGB). Das vorinstanzliche Urteil erging am 20. Februar 2018 und
somit mehr als sieben Jahre nach Ende des Tatzeitraums im Oktober 2009
(vgl. Art. 97 Abs. 3 aStGB). Demnach ist heute das Verfahren betreffend den Tat-
vorwurf der Abgabe von Betäubungsmitteln infolge zwischenzeitlichen Eintritts der
Verfolgungsverjährung einzustellen (Art. 329 Abs. 4 StPO).
III. Sanktion
1.1. Die Beschuldigte wurde am 16. Dezember 2011 wegen eines Verbrechens
gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt (Urk. 102). Anklagebehörde und
Vorinstanz haben richtig erkannt, dass die Abgeltung des gewerbsmässigen Be-
- 26 -
trugs und des mehrfachen Diebstahls (da vor dieser Verurteilung begangen), nicht
jedoch die Bestrafung für den mehrfachen Hausfriedensbruch, die Delikte gegen
das Strassenverkehrsgesetz sowie die geringfügigen Diebstähle (da nachher be-
gangen) als Zusatzstrafe zur Sanktion gemäss dem zitierten Urteil zu ergehen hat
(Urk. 97 S. 2 und S. 103 f. mit Verweis auf Art. 49 Abs. 2 StGB).
1.2. Die Vorinstanz hat ferner richtig festgestellt, dass erstens das Verbrechen
gegen das Betäubungsmittelgesetz, welches zur Verurteilung vom 16. Dezember
2011 führte, von den zu beurteilenden Delikten dasjenige mit der höchsten
Strafdrohung ist und zweitens aus der aus dieser Verurteilung resultierenden
(Einsatz-)Strafe und den Abgeltungen für den gewerbsmässigen Betrug und den
mehrfachen Diebstahl in Beachtung des Asperationsprinzips eine Gesamtstrafe
zu bilden ist (Urk. 97 S. 105). In der Folge hat die Vorinstanz dann diese Einsatz-
strafe neu bemessen, die Sanktion gemäss Urteil vom 16. Dezember 2011 als zu
tief befunden und auf 18 Monate Freiheitsstrafe erhöht (Urk. 97 S. 105). Dieses
Vorgehen ist – wie auch die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung
einwendete – gemäss aktueller Bundesgerichtspraxis bundesrechtswidrig
(BGE 142 IV 265 E. 2.3 und 2.4). Die Grundstrafe von 12 Monaten Freiheitsstrafe
gemäss Urteil vom 16. Dezember 2011 ist rechtskräftig und bildet zwingend die
Einsatzstrafe für die vorliegend zu bildende Gesamtstrafe.
1.3. Zur objektiven Tatschwere des gewerbsmässigen Betrugs hat die Beschul-
digte in knapp 2 1⁄2 Jahren rund CHF 1,18 Mio. ertrogen. Dieser Betrag ist hoch,
entgegen der Vorinstanz und im Vergleich mit ähnlich gelagerten Fällen jedoch
noch nicht sehr hoch (Urk. 97 S. 106). Betreffend rund CHF 86'000.– trat sodann
bei der Privatklägerin keine Schädigung ein. Der gemäss Vorinstanz "erhebliche
finanzielle Schaden" brachte die Privatklägerin sodann scheinbar in keiner Weise
in Bedrängnis, flog der Schwindel der Beschuldigten doch allein wegen ihres ver-
dächtigen Verhaltens und nicht etwa aufgrund einer Rechnungsprüfung der Pri-
vatklägerin auf. Nichtsdestotrotz zeugen die wohlkalkulierten Machenschaften in
zahlreichen Einzelfällen über eine mehrjährige Deliktsdauer von einer erheblichen
kriminellen Energie der Beschuldigten. Ein erhebliches Mitverschulden der Privat-
klägerin, wie das die Verteidigung vorbringt, konnte nicht erstellt werden und ist
- 27 -
entsprechend auch strafzumessungstechnisch nicht zu berücksichtigen (Urk. 133
S. 48).
Zur subjektiven Tatschwere erwägt die Vorinstanz, lediglich Fr. 200'000.– seien
für Drogen verwendet und über Fr. 900'000.– "aus reiner Gewinnsucht und Profit-
gier" erbeutet worden (Urk. 97 S. 107). Dies greift mit Sicherheit zu kurz: Dass
Fr. 200'000.– für Kokain abgezweigt wurden, ergibt sich zwingend daraus, dass
diese an den Drogendealer J._ gingen und er der Beschuldigten nicht Bar-
geld, sondern eben Kokain übergab. Die Zahlungen an J._ deckten jedoch
lediglich gut 6 Monate der knapp 2 1⁄2 jährigen Deliktsdauer ab. Es ist zwanglos
und zugunsten der Beschuldigten davon auszugehen, dass auch ein Grossteil
des über die weiteren Empfänger in bar an sie zurückgeflossenen Deliktserlöses
für den Kauf von Kokain verwendet worden ist. Wenn die Beschuldigte von Mitte
April bis Ende Oktober 2009 in ca. 200 Tagen rund Fr. 200'000.– für Kokain be-
zahlte, kann in den verbleibenden rund 700 Tagen Deliktsdauer auch ein Gross-
teil der übrigen Beute diesem Zweck gedient haben. Zumal, wie bereits vorste-
hend erwogen, L._ äusserst kräftig an rauschenden Ausschweifungen parti-
zipiert hat. Die Beschuldigte konsumierte nach eigenen Angaben über eine lange
Zeit viel Kokain und war gemäss der glaubwürdigen Zeugin O._ schlicht
süchtig. Bei den Betrügereien handelte es sich somit wohl eher um überbordende
– und auf L._ erweiterte – Beschaffungskriminalität, als um "reine Gewinn-
sucht und Profitgier". Dies entschuldigt die Taten nicht, relativiert entgegen der
Vorinstanz jedoch die subjektive Tatschwere.
1.4. Konsequenterweise ist der Vorinstanz nicht zu folgen, wenn sie die objektive
Tatschwere des gewerbsmässigen Betrugs als "schwer" sowie die subjektive Tat-
schwere noch als "verschuldenserhöhend" (also mehr als schwer) taxiert und eine
Strafe von 50 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen sieht (Urk. 97 S. 107).
Bei einem vielmehr immerhin erheblichen Verschulden ist eine Strafe noch in der
unteren Hälfte des Strafrahmens, nämlich bei rund 3 Jahren und 8 Monaten an-
zusiedeln, was in Berücksichtigung des Asperationsprinzips (folgt man der Vor-
instanz: Mit einer Reduktion von rund 1/5) zu einer Erhöhung der Einsatzstrafe
(von 12 Monaten) um 36 Monate auf 48 Monate führt.
- 28 -
1.5. Zu den Diebstählen hat die Vorinstanz grundsätzlich korrekt erwogen, das
zweimalige Tatvorgehen gleiche demjenigen des gewerbsmässigen Betrugs, die
Deliktssumme von Fr. 26'256.– (recte: 25'856.–) sei nicht unerheblich und die ob-
jektive Tatschwere wiege nicht mehr leicht. Zur subjektiven Tatschwere handelte
die Beschuldigte wohl egoistisch, jedoch wiederum in einem höheren Masse zur
Drogenbeschaffung, als dies die Vorinstanz ihr zuerkennt, weshalb die subjektive
Tatschwere sich nicht erhöhend auswirkt (Urk. 97 S. 107 f.). Im Resultat ist der
angefochtene Entscheid jedoch zu übernehmen, wenn eine Strafe von
10 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen erachtet und die Einsatzstrafe um
weitere 5 Monate erhöht wird. Somit resultiert eine Gesamtstrafe von 53 Monaten.
Nach Abzug der 12 Monate gemäss Grundstrafe vom 16. Dezember 2011 ver-
bleibt nach der Beurteilung der Tatkomponente ein Strafmass von 41 Monaten
Freiheitsstrafe als Zusatzstrafe zum zitierten Entscheid.
1.6. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die persön-
lichen Verhältnisse der Beschuldigten angeführt (Urk. 97 S. 109). An der Beru-
fungsverhandlung wurde aktualisiert, dass sie am tt.mm.2018 Mutter eines zwei-
ten Kindes, S._, wurde. Ihr Sohn T._ besucht mittlerweile den Kinder-
garten. Die Beschuldigte zog per Juli 2018 nach U._ in eine 3.5 Zimmer
Wohnung, wo sie alleine mit den Kindern wohnt und von ihren Eltern unterstützt
wird. Ausserdem arbeitet sie einen Tag in der Woche bei einer Bäckerei, wobei
die Möglichkeit bestehe, das Pensum auszuweiten. Daneben wird sie finanziell
weiterhin vom Sozialamt unterstützt. Drogen konsumiert sie keine mehr und Alko-
hol – wenn überhaupt – nur noch zu speziellen Anlässen (Urk. 133 S. 1 ff.).
Der Werdegang der Beschuldigten wirkt sich strafzumessungsneutral aus. Wenn
die Vorinstanz der Beschuldigten eine erhöhte Strafempfindlichkeit zuspricht, da
sie erziehungsberechtigte und -verpflichtete Mutter (mittlerweile zweier Kinder) ist,
ist dies zu übernehmen. Betreffend die Vermögensdelikte ist die Beschuldigte
heute nach wie vor nicht geständig und damit weder einsichtig noch reuig. Das
Nachtatverhalten wirkt sich somit ebenso strafzumessungsneutral aus wie die
Tatsache, dass die Beschuldigte im Zeitraum ihrer heute noch zu beurteilenden
Vermögensdelikte Ersttäterin war. Die Darstellung der Vorinstanz, die Beschuldig-
- 29 -
te habe auch nach Anhebung des Strafverfahrens (in anderer Sache), welches
zur Verurteilung vom 16. Dezember 2011 führte, weiter Vermögensdelikte began-
gen (Urk. 97 S. 110 mit Verweisen), ist korrekt und wirkt sich in der Tat leicht
straferhöhend aus.
Die Täterkomponente wirkt sich somit auf die nach der Beurteilung der Tat-
komponente bemessene Einsatzstrafe insgesamt reduzierend aus, da die min-
dernde Strafempfindlichkeit das erschwerende, wenn auch nicht mehr sehr lange
Delinquieren während laufendem Verfahren in anderer Sache überwiegt.
Hinzu kommt auch der seit den Hauptdelikten mittlerweile sehr lange Zeitablauf,
in welchem die Beschuldigte keine einschlägigen Delikte (sondern im Ver-
mögensbereich nur noch Übertretungen) begangen hat.
Die Zusatzstrafe von 41 Monaten ist entsprechend auf 32 Monate zu reduzieren.
1.7. Die Vorinstanz hat der Beschuldigten mit ausführlicher Begründung eine
Strafsenkung infolge Verletzung des Beschleunigungsgebots durch die Unter-
suchungsbehörde um 12 Monate zuerkannt (Urk. 97 S. 113-115). Die anschluss-
appellierende Anklagebehörde hat im Berufungsverfahren dazu ausgeführt, dass
eine Reduktion um 12 Monate als angemessen bzw. gerade noch als annehmbar
erscheine (Urk. 135 S. 4). Das ist entsprechend zu übernehmen.
Somit ist die Beschuldigte heute mit 20 Monaten Freiheitsstrafe als Zusatzstrafe
zum Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 16. Dezember 2011 zu bestrafen.
1.8. Der Anrechnung der seinerzeit erstandenen Untersuchungshaft von
115 Tagen steht nichts entgegen (Art. 51 StGB).
2.1. Für eine Freiheitsstrafe von nicht über 24 Monaten kann der vollbedingte
Strafvollzug und für eine Freiheitsstrafe von nicht über 36 Monaten kann der teil-
bedingte Vollzug gewährt werden (Art. 42 Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 StGB). Mass-
gebend für die Frage, ob ein bedingter oder teilbedingter Vollzug objektiv in Be-
tracht kommt, ist im Falle von retrospektiver Konkurrenz die hypothetische Ge-
samtstrafe, welche sich aus der Zusatzstrafe und der gleichartigen Grundstrafe
- 30 -
zusammensetzt. Beträgt die Summe aus der Grundfreiheitsstrafe und der Zusatz-
freiheitsstrafe mehr als drei Jahre, ist ein teilbedingter Vollzug daher nicht mög-
lich (Urteil des Bundesgerichts 6B_165/2011 vom 19. Juli 2011 E 2.2.2). Vor-
liegend beträgt die Summe aus Erststrafe (12 Monate gemäss Urteil des Bezirks-
gerichts Zürich vom 16. Dezember 2011) und aktuell bemessener Zusatzstrafe
(24 Monate) insgesamt 32 Monate.
2.2. Grundvoraussetzung für die teilbedingte Strafe im Sinne von Art. 43 StGB
ist, dass eine begründete Aussicht auf Bewährung besteht. Zwar fehlt ein ent-
sprechender Verweis auf Art. 42 StGB, doch ergibt sich dies aus Sinn und Zweck
von Art. 43 StGB. Wenn und soweit die Legalprognose des Täters nicht schlecht
ausfällt, verlangt die Bestimmung, dass zumindest ein Teil der Strafe auf Be-
währung ausgesetzt wird. Umgekehrt gilt, dass bei einer Schlechtprognose auch
ein bloss teilweiser Aufschub der Strafe nicht gerechtfertigt ist. Denn wo keinerlei
Aussicht besteht, der Täter werde sich in irgendeiner Weise durch den – ganz
oder teilweise – gewährten Strafaufschub beeinflussen lassen, muss die Strafe in
voller Länge vollzogen werden. Die Auffassung, dass die subjektiven Voraus-
setzungen von Art. 42 StGB auch für die Anwendung von Art. 43 StGB gelten
müssen, entspricht ganz überwiegender Lehrmeinung (BGE 134 IV 10 mit zahl-
reichen Verweisen).
2.3. Die Vermögensdelikte der Beschuldigten liegen heute zwischen acht und
zehn Jahren zurück. Das damalige hauptsächliche Deliktsmotiv, den jahrelangen
massiven Kokainkonsum mit Suchtverhalten, scheint sie heute überwunden zu
haben. Wohl wurde sie auch während laufendem Verfahren wieder mehrfach
straffällig, allerdings in anderem Zusammenhang und – ausser der Trunkenfahrt –
in weit weniger schwerer Weise. Somit ist der Beschuldigten heute eine vorsichtig
günstige Aussicht auf Bewährung zu stellen. Ihrem Tatverschulden und ihrer Le-
galprognose ist es angemessen, 6 Monate der heute auszufällenden Zusatzstrafe
zu vollziehen und 14 Monate bedingt aufzuschieben (BGE 134 IV 15).
2.4. Den verbleibenden Bedenken ist mit einer nicht minimalen Probezeit von
4 Jahren für den aufzuschiebenden Strafteil Rechnung zu tragen (Art. 44 Abs. 1
StGB).
- 31 -
3.1. Die Beschuldigte hat sich anerkanntermassen im Jahr 2016 des mehrfachen
Hausfriedensbruchs und im Jahr 2017 des Fahrens in fahrunfähigem Zustand
schuldig gemacht (Anklagepunkte 1.4. und 1.5.).
Die Vorinstanz hat in Abgeltung dieser Delikte die bis hierhin bemessene Frei-
heitsstrafe erhöht (Urk. 97 S. 111 f.). Es ist jedoch nicht einzusehen, weshalb die
Beschuldigte für diese Delikte nicht mit einer separat bemessenen Geldstrafe
sanktioniert werden sollte, wie dies ihre Verteidigung beantragt (Urk. 85 S. 2;
vgl. Entscheid des Bundesgerichts 6B_849/2016 vom 9. Dezember 2016 E. 1.2
ff.; Urk. 133 S. 3). SVG-Delikt und Hausfriedensbrüche erfolgten mit grossem zeit-
lichen Abstand und ohne jeglichen Zusammenhang zu den Vermögensdelikten.
Die Beschuldigte wies zum Zeitpunkt der Tatbegehungen wohl eine Vorstrafe auf.
Diese lag jedoch ebenfalls schon recht weit zurück (2011) und war in keiner Wei-
se einschlägig.
3.2. Die Vorinstanz hat mit grundsätzlich zutreffenden Erwägungen für die Trun-
kenfahrt mit über 2 Gewichtspromillen Blutalkoholgehalt eine Strafe von
3 Monaten Freiheitsstrafe (entsprechend 90 Tagessätzen Geldstrafe) bemessen,
was gemäss den Strafmassempfehlungen der Oberstaatsanwaltschaft des
Kantons Zürich für Ersttäter sogar milde ist. Die Hausfriedensbrüche wurden mit
einem zusätzlichen Monat (entsprechend 30 Tagessätzen Geldstrafe) abgegolten
und die Gesamtstrafe für diese Delikte insgesamt mit 4 Monaten (entsprechend
120 Tagessätzen Geldstrafe) bemessen (Urk. 97 S. 111-113). Dies ist nicht zu
beanstanden. Somit ist die Beschuldigte zusätzlich zur Freiheitsstrafe mit einer
Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu bestrafen. Die Verteidigung hat eine Tages-
satzhöhe von Fr. 30.– verlangt (Urk. 85 S. 2), welchem Antrag gefolgt werden
kann, da er den aktuellen finanziellen Verhältnissen der Beschuldigten entspricht
(Art. 34 Abs. 2 StGB; Urk. 132 S. 1 ff.).
3.3. Die Beschuldigte hat betreffend diese Delikte an der Hauptverhandlung Ein-
sicht und Reue gezeigt (Prot. I S. 41 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung
führte sie aus, dass sie seit dem Autounfall eigentlich keinen Alkohol mehr trinke
und aktuell kein Personenfahrzeug führe. Auch wenn sie den Antrag auf Neuaus-
stellung des Führerausweises gestellt hat, haben sich ihre Verhältnisse in familiä-
- 32 -
rer und auch beruflicher Hinsicht verändert bzw. stabilisiert (Urk. 132 S. 8 ff.). So-
dann wird sie aus dem Vollzug des nicht aufzuschiebenden Teils der Freiheits-
strafe zusätzlich ihre Lehren ziehen. Entsprechend rechtfertigt sich auch hier der
bedingte Vollzug der Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren.
4. Zu den Übertretungen hat die Vorinstanz mit zutreffenden Erwägungen auf
eine Busse von Fr. 600.– und eine Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen für den Fall
des schuldhaften Nichtbezahlens erkannt (Urk. 97 S.116 f.).
Dies ist ohne Weiteres zu bestätigen. Die seitens der Verteidigung beantragte
Bussenhöhe von Fr. 300.– fällt zu tief aus und wurde auch nicht nachvollziehbar
begründet (Urk. 85 S. 69; Urk. 133 S. 3 und 53).
IV. Kosten
1. Gemäss dem Umfang der zu erfolgenden Verurteilung wären der Beschul-
digten 3/4 der Kosten der Untersuchung und des Hauptverfahrens aufzuerlegen
(Art. 426 StPO). Die Vorinstanz hat der Beschuldigten die Kosten des Vorver-
fahrens nur in einem Bruchteil auferlegt, was sehr milde ist (Urk. 97 S. 119 f.). Die
zusätzliche Einstellung in einem Anklagepunkt rechtfertigt daher keine weitere re-
duzierte Auflage. Die Kostenauflage gemäss angefochtenem Urteil ist zu bestäti-
gen.
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 5'000.– festzusetzen.
3. Im Berufungsverfahren obsiegt und unterliegt die appellierende Beschuldigte
mit ihren Anträgen je teilweise. Die anschlussappellierende Anklagebehörde un-
terliegt betreffend die verlangte Straferhöhung. Somit sind der Beschuldigten die
Kosten des Berufungsverfahrens, exklusive diejenigen der amtlichen Vertei-
digung, zu zwei Dritteln aufzuerlegen und im verbleibenden Drittel auf die Ge-
richtskasse zu nehmen (Art. 428 StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung
sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Eine Rückforderung betreffend
zwei Drittel ist gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten.
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4. Die amtliche Verteidigung ist für ihre Aufwendungen im zweitinstanzlichen
Verfahren mit Fr. 12'000.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
V. Entschädigung amtliche Verteidigung
1.1. Die Vorinstanz entschädigte den amtlichen Verteidiger für seine Bemühun-
gen gestützt auf dessen Honorarnote, ausweisend eine Forderung von
Fr. 112'592.82, mit Fr. 96'616.90 (inkl. MwSt.; Urk. 97 S. 120 und 124; Urk. 119/2
S. 3).
1.2. Dagegen reichte der amtliche Verteidiger mit Eingabe vom 7. Juni 2018 Be-
schwerde ein (Urk. 119/2), welche nach Eintreten der hiesigen Kammer auf die
gegen das vorinstanzliche Urteil erhobene Berufung mit Beschluss der
III. Strafkammer vom 22. Februar 2019 an die hiesige Kammer zur Beurteilung
überwiesen wurde (Urk. 119/2 und 119/11).
Der amtliche Verteidiger beantragt, Dispositivziffer 10 des vorinstanzlichen Urteils
sei betreffend Entschädigung der amtlichen Verteidigung aufzuheben und zur
neuen Beurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen bzw. eventualiter sei die
Entschädigung in Aufhebung der entsprechenden Dispositivziffer auf
Fr. 111'522.61 (inklusive MwSt.) festzusetzen (Urk. 119/2 S. 2). Zur Begründung
brachte sie vor, dass die Vorinstanz die Kürzung des amtlichen Honorars in Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs nicht begründet habe und sie hierzu im Rahmen
der Neubeurteilung anzuhalten bzw. eventualiter nach Einholung zumindest einer
Vernehmlassung der Vorinstanz sowie einer Stellungnahme der Verteidigung
hierzu zu entscheiden sei (Urk. 119/2 S. 2 ff.). Als Beilage reichte die Verteidigung
ihre nun um die im Rahmen der Hauptverhandlung tatsächlich angefallenen Auf-
wände gekürzte Honorarnote ins Recht (Urk. 119/3/2).
2.1. Art. 29 Abs. 2 BV verpflichtet das Gericht, seinen Entscheid wenigstens
summarisch zu begründen. Hat der amtliche Verteidiger eine detaillierte Kosten-
note eingereicht, so ergibt sich aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs, dass
das Gericht, wenn sie diese nicht tel quel übernimmt, wenigstens kurz in nach-
- 34 -
vollziehbarer Weise zu begründen hat, weshalb es welche der in der Rechnung
gestellten Aufwandspositionen für übersetzt hält (Urteil des Bundesgerichts
6B_136/2009 E. 2.3).
2.2. Diesen Vorgaben ist die Vorinstanz nicht nachgekommen. Eine Verweige-
rung des rechtlichen Gehörs kann indes geheilt werden, wenn die Kognition der
Rechtsmittelinstanz gegenüber derjenigen der Vorinstanz nicht eingeschränkt ist
und dem Beschwerdeführer kein Nachteil erwächst (BGE 129 I 129 E. 2.2.3;
126 I 68 E. 2; 125 I 209 E. 9; 124 V 180 E. 4a; 107 Ia 1 E. 1). ). Diese Voraus-
setzungen sind vorliegend gegeben, weshalb im Folgenden eine reformatorische
Beurteilung der Entschädigung vorzunehmen ist.
3.1. Für das Vorverfahren stellt der amtliche Verteidiger zwischen dem
7. Februar 2012 bis zur Anklageerhebung am 26. September 2017 einen Zeitauf-
wand von rund 375 Stunden in Rechnung. Zwar fällt auf, dass er mit der Beschul-
digten regen telefonischen Kontakt pflegte. Die meisten der in Rechnung gestell-
ten Stunden entfallen aber klarerweise auf die diversen Einvernahmen samt Vor-
und / oder Nachbesprechung. Dieser Aufwand ist, ungeachtet dessen, ob die
Aussage verweigert wurde oder nicht, zu entschädigen. Insgesamt erweist sich
der in Rechnung gestellte Aufwand für das Vorverfahren sicherlich nicht als tief, in
Anbetracht der rund fünfjährigen Dauer und des Aktenumfangs desselben aber
auch nicht als offensichtlich übersetzt.
3.2. Für das gerichtliche Verfahren veranschlagt die Verteidigung rund
108 Stunden bzw. Fr. 23'760.– (ohne MwSt.), wovon alleine etwa 65 Stunden
bzw. Fr. 14'300.– auf die Erarbeitung des 74 Seiten umfassenden Plädoyers ent-
fallen. Auch wenn dieses zweifelsohne kürzer hätte ausfallen können, liegt der in
Rechnung gestellte Aufwand für das gerichtliche Verfahren in Anbetracht des im
Vorverfahren zusammengetragenen Prozessstoffes und der von der Anklage-
behörde beantragten Sanktion sowie auch in Berücksichtigung der Grundgebühr
nach § 17 Ab. 1 lit. b der Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV) noch
im Rahmen. Eine Kürzung im Umfang, wie sie die Vorinstanz vorgenommen hat,
erscheint nicht angemessen. Dass die Verteidigung sodann einen Entscheid ge-
stützt auf die um die im Rahmen der Hauptverhandlung tatsächlich angefallenen
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Aufwände gekürzte Honorarnote von Fr. 111'522.60 beantragt, ist nicht zu bean-
standen.
3.3. Die amtliche Verteidigung ist somit in Gutheissung der Beschwerde und in
Aufhebung von Dispositivziffer 10 alinea 5 des vorinstanzlichen Urteils mit
Fr. 111'522.60 (inkl. MwSt.) unter Anrechnung des bereits ausbezahlten Anteils
zu entschädigen.
3.4. Ausgangsgemäss haben die Kosten für das Beschwerdeverfahren ausser
Ansatz zu fallen. Eine Prozessentschädigung ist mangels beziffertem Antrag nicht
zuzusprechen.