# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e8800147-554a-41ce-bce3-db6333287276
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Ehescheidung (vorsorgliche Massnahmen)
Berufung gegen eine Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Meilen vom 30. Juli 2019 (FE180195-G)
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Rechtsbegehren:
I. des Klägers (Urk. 10/1 S. 4 f.):
"1. Es seien die Töchter ab sofort unter die alleinige Obhut des Klägers zu stellen.
2. Eventualiter seien die Töchter ab sofort bei einer Pflegefamilie oder in einer geeigneten Institution unterzubringen.
3. Es sei die Beklagte ab sofort stationär zu begutachten zwecks  ihrer Erziehungsfähigkeit hinsichtlich der Töchter.
4. Es seien diese Obhutsumteilung, eventualiter die Fremdplatzierung, und die stationäre Begutachtung bereits superprovisorisch ohne  der Beklagten ab sofort anzuordnen.
5. Es sei die Pflicht des Klägers zur Leistung von Kinderunterhalt von je CHF 630.– (zzgl. Familienzulagen) ab sofort aufzuheben.
6. Es sei die Pflicht des Klägers zur Leistung von Ehegattenunterhalt per sofort auf CHF 2'830.– zu reduzieren und ab 1. März 2019 ganz .
7. Es sei die Beistandschaft für die Töchter weiterzuführen und um die Aufgaben zu ergänzen, für deren regelmässigen Kontakt zur Beklagten zu sorgen, im Falle der Fremdplatzierung auch zum Kläger."
II. der Beklagten (Urk. 10/106 S. 1 und 6 f.):
zur Verletzung des rechtlichen Gehörs: "1. Es sei der superprovisorische Massnahmeentscheid vom 25. Juni 2019
aufzuheben und das Gutachten vom 1. Juni 2019 aus dem Recht zu weisen und ein neues familienpsychologisches Gutachten zu erstellen.
2. Für die Dauer der Gutachtenserstellung seien die Kinder unter die  Obhut der Beklagten, eventualiter unter die alternierende Obhut der Eltern zu stellen.
3. Dem Kläger sei vorsorglich ein begleitetes, gerichtsübliches  einzuräumen.
4. Alles unter Kosten und Entschädigungsfolge (inkl. MwSt.) zulasten des Klägers."
zu den vorsorglichen Massnahmen: "1. Die Anträge der Gegenseite seien abzuweisen, sofern sie nicht mit den
eigenen Anträgen übereinstimmen. 2. Der superprovisorisch angeordnete Entzug des Aufenthaltsbestim-
mungsrechts über die beiden Kinder C._ und D._ sei per  aufzuheben und die Kinder seien unter die alleinige Obhut der
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Kindsmutter zu stellen, eventualiter unter die alternierende Obhut der Parteien gemäss Eheschutzentscheid.
3. Dem Kindsvater sei ein begleitetes, gerichtsübliches Besuchsrecht .
4. Es sei die Beiständin, Frau E._, anzuweisen, die  Familienbegleitung gemäss Urteil des Bezirksrates zu installieren.
5. Es sei der Beklagten Akteneinsicht in die Dokumente der Gutachterin zu gewähren, welche diese für die Erstellung des Gutachtens  oder selbst erstellt hat.
6. Eventualiter sei ein Obergutachten zur Abklärung der  beider Parteien, wie auch zur kinderpsychologischen Begutachtung in Auftrag zu geben.
7. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. Mehrwertsteuer) zulasten des Klägers."
III. der Kindervertreterin (Urk. 10/108 S. 1 f.): "[Anträge] der Kinder C._ und D._ 1. Es sei der mit Verfügung vom 25.06.2019 angeordnete superprovisori-
sche Obhutsentzug unverzüglich aufzuheben und es seien die Kinder C._ und D._ wieder unter die elterliche Obhut der  zu stellen.
Ergänzende Anträge der Kindesverfahrensvertretung 2. Für den Fall, dass der Hauptantrag der beiden Kinder infolge gewichti-
ger, das objektive Kindeswohl gefährdender Aspekte nicht  werden kann, sei das Kontaktrecht der Kindesmutter möglichst weitgehend, soweit dies im Rahmen der faktischen Umsetzbarkeit und im Einklang mit dem Kindeswohl machbar ist, festzulegen.
3. Es sei sodann die Schulpflege F._ durch das Gericht zu ersuchen, die beiden Kinder unverzüglich beim Schulpsychologischen Dienst .
4. Die mit Schreiben der hiesigen Instanz vom 12.07.2019 an die  in Auftrag gegebene Entwicklungsabklärung sei sodann erst in Rücksprache mit dem schulpsychologischen Dienst jedoch direkt vom Gericht beim Kinderspital Zürich in Auftrag zu geben."
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Verfügung des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Meilen vom 30. Juli 2019 (Urk. 10/113 = Urk. 2):
1. Die mit Verfügung vom 25. Juni 2019 superprovisorisch angeordneten
Massnahmen werden im Sinne von Art. 265 Abs. 2 ZPO mit den nachfol-
genden Dispositivziffern bestätigt.
2. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Eltern betreffend die gemeinsamen
Kinder, C._, geb. tt.mm.2011, und D._, geb. tt.mm.2013, bleibt
einstweilen für die Dauer des Verfahrens und im Sinne der superprovisori-
schen Anordnung gemäss der Verfügung vom 25. Juni 2019 aufgehoben
und die Kinder bleiben in der ...-Wohngruppe G._, H._ - Stiftung
..., ... [Adresse] untergebracht.
Es wird festgehalten, dass das Aufenthaltsbestimmungsrecht demzufolge
bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde des Bezirks Meilen liegt.
Die Personalausweise der Kinder bleiben bis auf weiteres bei der Kindes-
und Erwachsenenschutzbehörde des Bezirks Meilen aufbewahrt.
Die psychotherapeutische Begleitung der Kinder wird weitergeführt.
3. Die Eltern B._ und A._ sind berechtigt, die Kinder gemäss Organi-
sation durch die Beiständin sowie in Absprache mit der ...-Wohngruppe
G._ im Rahmen eines begleiteten Besuchsrechts zu besuchen.
Bis auf Weiteres gilt für beide Eltern folgendes begleitetes Besuchsrecht:
- je ein einstündiger sowie ein zweistündiger begleiteter Kontakt pro Wo-
che, gemäss Organisation durch die Beiständin bzw. in Absprache mit
der ...-Wohngruppe G._;
- begleitete Telefonkontakte gemäss Vorgabe durch die ...-Wohngruppe
G._.
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4. Die der Beiständin in Dispositiv-Ziffer 8 der Verfügung vom 25. Juni 2019
neu zugewiesenen Aufgaben werden bestätigt und gelten einstweilen für die
Dauer dieses Verfahrens weiter.
In Präzisierung von Ziff. 8 lit. a der Verfügung vom 25. Juni 2019 wird die
Beiständin beauftragt, im Hinblick auf den Ablauf der maximalen Aufent-
haltsdauer in der ...-Wohngruppe die weitere angemessene Unterbringung
von C._ und D._ abzuklären und den Wechsel vorgängig bei der
Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde des Bezirks Meilen rechtzeitig zu
beantragen.
In Präzisierung von Ziff. 8 lit. a der Verfügung vom 25. Juni 2019 wird die
Beiständin beauftragt, die bereits in Auftrag gegebene Entwicklungsabklä-
rung der Kinder möglichst zeitnah und in Absprache mit dem zuständigen
schulpsychologischen Dienst (SPBD Bezirks Meilen) zu organisieren und
den Abschlussbericht samt Empfehlungen dem Gericht einzureichen.
5. Der Beklagten, A._, werden für die Dauer des Verfahrens folgende
Weisungen im Sinne von Art. 307 Abs. 3 ZGB erteilt:
a) Im Rahmen einer psychiatrisch/psychotherapeutische Therapie die fol-
genden Themen bzw. Ziele zu behandeln und zu erreichen:
- Bereitschaft, regelmässige Kontakte zwischen dem Vater und den
Kindern wieder zuzulassen und zu unterstützen;
- Bereitschaft, im Rahmen der gemeinsamen elterlichen Sorge we-
sentliche Entscheide für die Kinder, insbesondere die Einschu-
lung oder medizinische Behandlungen und Abklärungen, mit dem
Vater abzusprechen und gemeinsam zu treffen;
- Bereitschaft, den Kinder Kontakt und Zugang zu Personen zu er-
lauben, welche nicht dem Wertesystem der Mutter entsprechen;
- Bereitschaft, Ratschläge und Empfehlungen von Fachpersonen
und der Beiständin zu berücksichtigen.
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b) Es wird davon Vormerk genommen, dass die Beklagte derzeit in psy-
chiatrisch/psychotherapeutische Therapie bei Dr. med. I._, Psy-
chiatrie und Psychotherapie FMH, ... [Adresse], ist, und diese gegen-
über dem Gericht von ihrer Schweigepflicht entbunden hat.
Der jeweils behandelnden psychiatrische Therapieperson ist eine Ent-
bindungserklärung gegenüber diesem Gericht auszustellen.
6. In Abänderung von Ziff. 4 lit. a) der Eheschutzvereinbarung vom 11. bzw.
12. November 2016, genehmigt durch Ziff. 3 des Urteils und der Verfügung
vom 18. November 2016 des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am
Bezirksgericht Meilen, wird die Pflicht des Klägers zur Leistung von Kin-
derunterhaltsbeiträgen an die Beklagte mit Wirkung ab dem 27. Juni 2019
für die Dauer dieses Verfahrens bzw. bis zu einem anderslautenden Ent-
scheid auf CHF 77.– pro Kind und Monat reduziert.
7. In Abänderung von Ziff. 4 lit. b) der Eheschutzvereinbarung vom 11. bzw.
12. November 2016, genehmigt durch Ziff. 3 des Urteils und der Verfügung
vom 18. November 2016 des Einzelgerichts im summarischen Verfahren am
Bezirksgericht Meilen, wird die Pflicht des Klägers zur Leistung von persönli-
chem Unterhalt an die Beklagte mit Wirkung
ab dem 19. August 2019 bis zum 31. Dezember 2019 auf CHF 2'630.– und
ab dem 1. Januar 2020 bis auf weiteres auf CHF 1'430.–
reduziert.
8. Die Unterhaltsberechnungen gemäss Ziff. 7 und 8 beruhen auf folgenden
Grundlagen:
Einkommen Kläger: CHF 11'562.–
Einkommen Beklagte (bis 31. Dezember 2019): CHF 1'200.–
Einkommen Beklagte (ab 1. Januar 2020): CHF 2'400.–
Gebührender Bedarf Kläger: CHF 4'917.–
Gebührender Bedarf Beklagte: CHF 3'830.–
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Barbedarf C._ (soweit durch die Mutter erbracht, nur Krankenkas-
se): CHF 77.–
Barbedarf D._ (soweit durch die Mutter erbracht, nur Krankenkas-
se): CHF 77.–
9. Die Beklagte wird darauf hingewiesen, dass die medizinische Abklärung der
Kinder Aufgabe beider Inhaber der elterlichen Sorge ist, und über die Bei-
ständin in Absprache mit der ...-Wohngruppe G._ zu organisieren ist.
Bei weiteren eigenmächtigen Handlungen der Beklagten kann ihr elterliches
Sorgerecht entsprechend eingeschränkt werden.
10. Die weiteren Anträge der Parteien und der Kindervertreterin werden abge-
wiesen, soweit sie nicht gegenstandslos geworden sind.
11. Die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen wird dem Endent-
scheid vorbehalten.
12. (Mitteilungssatz)
13. (Rechtsmittelbelehrung)
Berufungsanträge:
der Beklagten und Berufungsklägerin (Urk. 1 S. 2 f.): "1. Die Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom 30. Juli 2019 sowie die
superprovisorischen Massnahmen des Bezirksgerichts Meilen vom 25. Juni 2019 seien in allen Punkten aufzuheben.
2. Das Gutachten vom 1. Juni 2019 sei aus dem Recht zu weisen und die Vorinstanz anzuweisen ein neues familienpsychologisches Gutachten zu erstellen.
3. Für die Dauer der Gutachtenserstellung seien die Kinder, C._, geb. tt.mm.2011, und D._, geb. tt.mm.2013, unter die Obhut der Berufungsklägerin eventualiter unter die alternierende Obhut der Eltern zu stellen; unter gleichzeitiger Erteilung eines begleiteten,  Besuchsrechts zugunsten des Berufungsbeklagten.
4. Eventualiter sei den Parteien das Aufenthaltsbestimmungsrecht (Ziff. 1, 2 und 3 der Verfügung des Bezirksgerichts Meilen vom 30. Juli 2019) wieder zu erteilen und die Kinder seien unter die Obhut der Berufungs-
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klägerin eventualiter unter die alternierende Obhut der Eltern zu stellen; unter gleichzeitiger Erteilung eines begleiteten, gerichtsüblichen  zugunsten des Berufungsbeklagten.
5. Eventualiter sei der Berufungsklägerin Akteneinsicht in die Dokumente der Gutachterin zu gewähren und ihr eine angemessene Frist zur  zum Gutachten anzusetzen, eventualiter die Vorinstanz  ein Obergutachten erstellen zu lassen.
6. Eventualiter seien die Ziffern 6, 7 und 8 der Verfügung des  Meilen vom 30. Juli 2019 aufzuheben.
7. Subeventualiter sei die Ziffer 3 der Verfügung des Bezirksgerichts  vom 30. Juli 2019 dahingehend abzuändern, dass den Eltern ein erweitertes Besuchsrecht von mindestens je drei Stunden an zwei  pro Woche zuzugestehen sei, wobei die ...-Wohngruppe H._ G._ zu berechtigen sei, dieses Besuchsrecht auszuweiten.
8. Subeventualiter sei die Ziffer 4 der Verfügung des Bezirksgerichts  vom 30. Juli 2019 dahingehend zu erweitern, dass die Beiständin zusätzlich die zeitnahe Beschulung der Kinder in die Wege zu leiten und den entsprechenden Behörden Meldung zu erstatten habe.
9. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zuzüglich MwSt.)  des Berufungsbeklagten.
Prozessuale Anträge: 1. Es sei der Berufungsbeklagte zu verpflichten, einen Prozesskostenvor-
schuss von Fr. 20'000.– zu leisten. 2. Eventualiter sei der Berufungsklägerin die unentgeltliche Rechtspflege
zu gewähren und der Unterzeichnende als ihr Rechtsbeistand zu ."
des Klägers und Berufungsbeklagten (Urk. 36 S. 2): "Die Berufung sei vollumfänglich abzuweisen. Es sei die Beklagte und Berufungsklägerin zu verpflichten, dem Kläger und Berufungsbeklagten für das Berufungsverfahren einen  von Fr. 5'000.– zu bezahlen. Eventualiter sei dem Kläger und  für das Berufungsverfahren die unentgeltliche  zu gewähren und in meiner Person ein unentgeltlicher Rechtsanwalt beizugeben. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zahlbar an den , zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer) zu Lasten der ."
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der Kindervertreterin (Urk. 49 S. 2 f.): "von C._ und D._: 1. Es sei den Kindern C._ und D._ umgehend zu erlauben, zu
ihrer Mutter zurückzukehren. ergänzende prozessuale Anträge der Kindesverfahrensvertretung: 2. Es seien die neueren Verfahrensakten der Vorinstanz zur Thematik der
weiteren Abklärung der Kinder (Entwicklungsabklärung etc.) .
3. Es sei die Anordnung einer erwachsenenpsychiatrischen Begutachtung der Kindesmutter zu prüfen.
4. Es sei von der Beiständin und/oder der ...-Wohngruppe G._ einen aktuellen Bericht über den Verlauf der Besuchskontakte beider , zur Entwicklung des Verhaltens der Kinder in der ...-Wohngruppe sowie zur Frage der weiteren Ausdehnungen der elterlichen Kontakten zugunsten von Lernstunden einzuholen."

## Considerations

Erwägungen:
I.
1. Die Parteien sind verheiratet und haben zwei gemeinsame Kinder, C._,
geb. am tt.mm.2011, und D._, geb. am tt.mm.2013. Mit Eingabe vom 22. No-
vember 2018 erhob der Kläger und Berufungsbeklagte (fortan Kläger) vor dem
Einzelgericht im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Meilen (Vorinstanz) ei-
ne Scheidungsklage gegen die Beklagte und Berufungsklägerin (fortan Beklagte;
vgl. Urk. 10/1). Zugleich stellte er ein Gesuch um superprovisorischen Erlass vor-
sorglicher Massnahmen und ersuchte insbesondere – nebst Anträgen zu Kindes-
und persönlichem Unterhalt – um Umteilung der elterlichen Obhut für die beiden
Kinder an ihn, eventualiter um Unterbringung der Kinder bei einer Pflegefamilie
oder in einer geeigneten Institution (Urk. 10/1 S. 4 f.). Mit Verfügung vom 25. Juni
2019 hob die Vorinstanz namentlich das Aufenthaltsbestimmungsrecht der Eltern
im Sinne einer superprovisorischen Massnahme auf, brachte die Kinder in der ...-
Wohngruppe G._, H._ - Stiftung ..., ... [Adresse] (fortan ...-
Wohngruppe) unter, räumte den Eltern gemäss Organisation durch die Beiständin
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sowie in Absprache mit der ...-Wohngruppe ein Recht auf persönlichen Verkehr
im Rahmen eines begleiteten Besuchsrechts ein, bestätigte einstweilen die mit
Dispositiv-Ziffer 2 und 3 des Entscheides vom 20. September 2018 der Kinder-
und Erwachsenenschutzbehörde Meilen (fortan KESB Meilen) angeordnete Bei-
standschaft und betraute die Beiständin der Kinder E._ mit zusätzlichen
Aufgaben (Urk. 10/60). Nach durchgeführter Massnahmeverhandlung vom 19. Juli
2019 (Prot. I S. 78 ff.) erliess die Vorinstanz am 30. Juli 2019 den eingangs aufge-
führten Entscheid (Urk. 10/113 = Urk. 2). Für die Einzelheiten des erstinstanzli-
chen Verfahrens sowie des diesem vorangegangenen Eheschutzverfahrens und
des – teilweise überschneidend dazu verlaufenen – Verfahrens vor der KESB
Meilen wird auf die detaillierten Ausführungen im angefochtenen Entscheid ver-
wiesen (Urk. 2 E. I f.).
2. Die Beklagte erhob gegen diesen Entscheid vom 30. Juli 2019 am 7. August
2019 innert Frist Berufung und stellte die obgennanten Anträge (Urk. 1). Mit Ver-
fügung vom 20. August 2019 wurde dem Kläger Frist zur Berufungsantwort ange-
setzt. Ausserdem wurden Kopien der Gefährdungsmeldung Kindesschutz vom
13. August 2019 (Urk. 9), der "Aufruf im Fall A._ und ihrer beiden Kinder
C._ und D._" vom 15. August 2019 samt Beilagen (Urk. 12-13) und das
Schreiben von J._ und K._ an die KESB Meilen vom 16. August 2019
(Urk. 14) den Parteien und der Kindervertreterin zur Kenntnisnahme zugestellt
(Urk. 15). Am 21. August 2019 stellte Rechtsanwalt MLaw X1._ ein Gesuch
um Entlassung als unentgeltlicher Rechtsvertreter der Beklagten und teilte mit,
dass die Beklagte nunmehr durch Rechtsanwalt lic. iur. X._ vertreten werde
(Urk. 16). Am 26., 27. bzw. 29. August 2019 gingen weitere "Gefährdungsmel-
dungen Kindesschutz" bei der Kammer ein, welche den Parteien und der Kinder-
vertreterin jeweils zur Kenntnisnahme zugestellt wurden (vgl. Urk. 20-21/1-4;
Urk. 24-25/2; Urk. 27). Die Beklagte selbst reichte am 30. August 2019 eine Ein-
gabe betreffend eine Lernstunde für die gemeinsamen Kinder der Parteien ein
(Urk. 34). Die innert Frist erstattete Berufungsantwort des Klägers datiert vom
2. September 2019 (Urk. 36). Mit Beschluss vom 5. September 2019 wurde der
Kindervertreterin Frist angesetzt, um zur Berufungsschrift sowie zur Berufungsan-
twort Stellung zu nehmen. Zudem wurden dem Kläger und der Kindervertreterin
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Frist zur Stellungnahme zur Eingabe der Beklagten vom 30. August 2019 ange-
setzt. Überdies wurden die Gesuche beider Parteien um Zusprechung eines Pro-
zesskostenvorschusses bzw. um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für
das Berufungsverfahren abgewiesen (Urk. 42). Die Stellungnahme des Klägers
zur beklagtischen Eingabe vom 30. August 2019 datiert vom 12. September 2019
(Urk. 43), diejenige der Kindervertreterin zur Berufungsschrift, zur Berufungsant-
wortschrift, zur Eingabe der Beklagten vom 30. August 2019 und zu den Gefähr-
dungsmeldungen vom 16. September 2019 (Urk. 49). Beide Eingaben wurden je-
weils der Gegenseite bzw. der Kindervertreterin zur Kenntnisnahme zugestellt. Mit
Verfügung vom 30. September 2019 wurden die Eingaben der Beklagten vom
19. bzw. 25. September 2019 (Urk. 53-56/2; Urk. 59-60) dem Kläger und der Kin-
dervertreterin, die Eingabe des Klägers vom 24. September 2019 (Urk. 57-58) der
Beklagten und der Kindervertreterin sowie die Aufstellung der Kindervertreterin
über ihre Aufwände vom 26. September 2019 (Urk. 62), die Schreiben des kjz
Meilen vom 24. September 2019 (Urk. 63/1) sowie der Psychiatrischen Universi-
tätsklinik Zürich vom 25. September 2019 (Urk. 63/2) beiden Parteien jeweils zur
Kenntnisnahme zugestellt. Zugleich wurde den Parteien mitgeteilt, dass kein wei-
terer Schriftenwechsel angeordnet und keine Berufungsverhandlung durchgeführt
und vorgemerkt werde, dass das Verfahren spruchreif und in die Phase der Ur-
teilsberatung übergegangen sei (Urk. 68). Die diversen im Nachgang erstatteten
Eingaben (Urk. 66-67; Urk. 71-72/3; Urk. 74-75) sowie die Aktennotiz vom 11. Ok-
tober 2019 (Urk. 73) sind den Parteien bzw. der Kindervertreterin daher mit dem
vorliegenden (End-)Entscheid zuzustellen.
II.
1. Novenrecht
Bei Verfahren betreffend Kinderbelange ist der Sachverhalt nach Art. 296 ZPO
von Amtes wegen zu erforschen. Infolgedessen können die Parteien im Beru-
fungsverfahren auch dann neue Tatsachen und Beweismittel vorbringen, wenn
die Voraussetzungen nach Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht erfüllt sind (BGE 144 III 349
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E. 4.2.1). Die von der Beklagten sowie vom Kläger im Berufungsverfahren neu
eingereichten Urkunden (insb. Urk. 5/3; Urk. 5/5-7; Urk. 5/9-11; Urk. 38/1-6;
Urk. 45/1-3; Urk. 50/1; Urk. 58; Urk. 60) sowie die daraus abgeleiteten Vorbringen
sind somit im Berufungsverfahren zu berücksichtigen.
2. Begründungspflicht
2.1. Das Berufungsverfahren stellt keine Fortsetzung des erstinstanzlichen Ver-
fahrens dar, sondern ist nach der gesetzlichen Konzeption als eigenständiges
Verfahren ausgestaltet (BGE 142 III 413 E. 2.2.1 m.w.Hinw. auf die Botschaft zur
Schweizerischen ZPO, BBl 2006, S. 7374). Mit der Berufung kann eine unrichtige
Rechtsanwendung und eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend
gemacht werden (Art. 310 ZPO). Die Berufungsinstanz verfügt über unbeschränk-
te Kognition bezüglich Tat- und Rechtsfragen, einschliesslich der Frage richtiger
Ermessensausübung (Angemessenheitsprüfung; BGer 5A_184/2013 vom 26. Ap-
ril 2013, E. 3.1). In der schriftlichen Berufungsbegründung (Art. 311 ZPO) ist hin-
reichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche Entscheid in den an-
gefochtenen Punkten als fehlerhaft zu betrachten ist bzw. an einem der genann-
ten Mängel leidet. Das setzt (im Sinne einer von Amtes wegen zu prüfenden Ein-
tretensvoraussetzung) voraus, dass der Berufungskläger die vorinstanzlichen Er-
wägungen bezeichnet, die er anficht, sich argumentativ mit diesen auseinander-
setzt und mittels genügend präziser Verweisungen auf die Akten aufzeigt, wo die
massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Bestreitungen und Einreden erho-
ben wurden bzw. aus welchen Aktenstellen sich der geltend gemachte Beru-
fungsgrund ergeben soll. Die pauschale Verweisung auf frühere Vorbringen oder
deren blosse Wiederholung genügen nicht (vgl. BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer
5A_247/2013 vom 15. Oktober 2013, E. 3.2; BGer 5A_751/2014 vom 28. Mai
2015, E. 2.1). Was nicht oder nicht in einer den gesetzlichen Begründungsanfor-
derungen entsprechenden Weise beanstandet wird, braucht von der Rechtsmittel-
instanz nicht überprüft zu werden; diese hat sich – abgesehen von offensichtli-
chen Mängeln – grundsätzlich auf die Beurteilung der Beanstandungen zu be-
schränken, die in der schriftlichen Begründung formgerecht gegen den erstin-
stanzlichen Entscheid erhoben werden (vgl. BGE 142 III 413 E. 2.2.4 m.w.Hinw.;
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BGer 5A_111/2016 vom 6. September 2016, E. 5.3; BGer 4A_258/2015 vom
21. Oktober 2015, E. 2.4.3; BGer 4A_290/2014 vom 1. September 2014, E. 3.1
und E. 5). Insofern erfährt der Grundsatz "iura novit curia" (Art. 57 ZPO) im Beru-
fungsverfahren eine Relativierung (BK ZPO I-Hurni, Art. 57 N 21 und N 39 ff.;
Glasl, DIKE-Komm-ZPO, Art. 57 N 22). In diesem Rahmen ist insoweit auf die
Parteivorbringen einzugehen, als dies für die Entscheidfindung erforderlich ist
(BGE 134 I 83 E. 4.1 m.w.Hinw.).
2.2. Die Beklagte macht in ihrer Berufungsschrift über weite Strecken (rechtliche)
Ausführungen allgemeiner Natur (vgl. insb. zum Grundsatz des rechtlichen Ge-
hörs [Urk. 1 Rz. 8 ff.]; zur Suizidgefahr [Urk. 1 Rz. 21]; zur Begründungspflicht
[Urk. 1 Rz. 35]; zur Erziehungsfähigkeit [Urk. 1 Rz. 115 ff.]; zu den Bindungsmus-
tern [Urk. 1 Rz. 138 ff.]; zum Kindeswohl [Urk. 1 Rz. 158 ff.] sowie zu den vorsorg-
lichen Massnahmen [Urk. 1 Rz. 172 f., 183, 185]) beziehungsweise wiederholt sie
wörtlich, was sie bereits anlässlich der Verhandlung betreffend vorsorgliche Mas-
snahmen vom 19. Juli 2019 vor Vorinstanz vorgetragen hat (insb. Urk. 1 Rz. 12
[vgl. Urk. 10/106 Rz. 7 ]; Urk. 1 Rz. 48 [vgl. Urk. 10/106 Rz. 17]; Urk. 1 Rz. 49
[vgl. Urk. 10/106 Rz. 9]; Urk. 1 Rz. 52 f. [vgl. Urk. 10/106 Rz. 23 f.]; Urk. 1 Rz. 57
[vgl. Urk. 10/106 Rz. 25]; Urk. 1 Rz. 59 ff. [vgl. Urk. 10/106 Rz. 88 ff.]; Urk. 1 Rz.
76 f. [vgl. Urk. 10/106 Rz. 78, 89]; Urk. 1 Rz. 89 [vgl. Urk. 10/106 Rz. 112]; Urk. 1
Rz. 98 [vgl. Urk. 10/106 Rz. 30, 133]; Urk. 1 Rz. 105 [vgl. Urk. 10/106 Rz. 144 f.];
Urk. 1 Rz. 145 [vgl. Urk. 10/106 Rz. 42 ff.]; Urk. 1 Rz. 157 [vgl. Urk. 10/106
Rz. 169]; Urk. 1 Rz. 164 f. [vgl. Urk. 10/106 Rz. 162 f.]; Urk. 1 Rz. 167 f. [vgl.
Urk. 10/106 Rz. 159 f.]; Urk. 1 Rz. 171 [vgl. Urk. 10/106 Rz. 164]; Urk. 1 Rz. 176
[vgl. Urk. 10/106 S. 36]; Urk. 1 Rz. 178 ff. [vgl. Urk. 10/106 S. 37]; Urk. 1
Rz. 188 f. [vgl. Urk. 10/106 Rz. 151 f.]; Urk. 1 Rz. 191 [vgl. Urk. 10/106 Rz. 153]).
Ein erkennbarer (geschweige denn näherer) Bezug zum vorinstanzlichen Ent-
scheid wird dabei nie hergestellt; es enthalten die sich deshalb in blossen Wie-
derholungen erschöpfenden Ausführungen zwangsläufig auch keine erkennbare
Mitteilung von Überlegungen der Beklagten an die Rechtsmittelinstanz dazu, in-
wiefern die Vorinstanz Recht falsch angewendet oder einen bestimmten Sachver-
halt unrichtig festgestellt hätte. Den entsprechenden Ausführungen kommt inso-
weit auch keine selbständige Bedeutung zu. Nach dem vorhin in E. II.2.1 Darge-
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legten erweist sich die Berufung in diesem Teil deshalb als unbegründet, worauf
auch der Kläger in seiner Berufungsantwort zu Recht hinweist (vgl. Urk. 36 S. 2).
Ebenso wenig vermag die Beklagte mit ihrem pauschalen Vorwurf, die Haltung
der Vorinstanz ihr gegenüber sei wirklich sehr voreingenommen, es werde näm-
lich jedes Verhalten dahingehend durchleuchtet, einen negativen Punkt zu finden
und ihr diesen vorzuhalten (Urk. 1 Rz. 101), ihrer Begründungspflicht nach
Art. 311 ZPO zu genügen. Entsprechend ist nicht weiter auf ihre diesbezügliche
Kritik einzugehen. Dasselbe gilt für ihre in Rz. 80 der Berufungsschrift (Urk. 1) er-
hobene undifferenzierte Rüge, es fänden sich in der ganzen angefochtenen Ver-
fügung verstreut unsubstantiierte und nicht nachvollziehbare einzelne Äusserun-
gen, welche der Vorinstanz dazu dienten, ein negatives Bild über sie zu zeichnen,
welches vorliegend nicht sachlich vertretbar sei und entsprechend instrumentali-
siert werde, um eine nicht verhältnismässige Massnahme zu stützen.
3. Verletzung des rechtlichen Gehörs im Bezug auf die Klageschrift
3.1.1. Die Beklagte macht berufungsweise eine Verletzung ihres rechtlichen Ge-
hörs geltend. Sie begründet dies im Wesentlichen, wie bereits vor Vorinstanz (vgl.
Urk. 10/106 Rz. 2 ff.), damit, dass ihr die Klageschrift vom 22. November 2018
bewusst vorenthalten worden sei und sie deshalb bei der Begutachtung in Un-
kenntnis der klägerischen Anträge auf Obhutsentzug mitgewirkt habe. Ihrer An-
sicht nach sei es um die Wiederherstellung des Vater-Kind-Kontaktes und um das
Homeschooling gegangen. Hätte sie von den klägerischen Anträgen gewusst, so
hätte sie sich anders verhalten und es wäre anders gekommen. Unter diesen
Umständen könne weder das Gutachten vom 1. Juni 2019 verwertet noch der ge-
stützt auf dieses Gutachten ergangene superprovisorische Entscheid vom 25. Ju-
ni 2019 und die bestätigten vorsorglichen Massnahmen vom 30. Juli 2019 auf-
rechterhalten werden. Es sei ein neues unabhängiges familienpsychologisches
Gutachten zu erstellen, wobei das Gutachten vom 1. Juni 2019 dabei nicht zur
Kenntnis gebracht werden dürfe (Urk. 1 Rz. 7, 14 ff.).
3.1.2. Vorsorgliche Massnahmen werden in der Regel erst nach vorgängiger An-
hörung der Gegenpartei angeordnet (Art. 253 ZPO, KUKO ZPO-Kofmel Ehrenzel-
- 16 -
ler, Art. 265 N 4). Bei besonderer Dringlichkeit, insbesondere bei Vereitelungsge-
fahr, kann das Gericht die vorsorgliche Massnahme sofort und ohne Anhörung
der Gegenpartei anordnen (Art. 265 Abs. 1 ZPO). Mit der Anordnung lädt das Ge-
richt die Parteien zu einer Verhandlung vor, die unverzüglich stattzufinden hat,
oder setzt der Gegenpartei eine Frist zur schriftlichen Stellungnahme an. Nach
Anhörung der Gegenpartei entscheidet das Gericht unverzüglich über das Ge-
such (Art. 265 Abs. 2 ZPO). Damit wird dem Gesuchsgegner das rechtliche Gehör
nachträglich sofort gewährt. Die erst nachträgliche Gewährung des rechtlichen
Gehörs ergibt sich aus der Natur der Sache und widerspricht Art. 29 Abs. 2 BV
("Die Parteien haben Anspruch auf rechtliches Gehör") nicht, da der verfassungs-
rechtliche Gehörsanspruch "nicht unbegrenzt gilt" (BSK ZPO-Sprecher, Art. 265
N 1 m.Hinw. auf BGE 106 Ia 6 E. 2b/bb; ZK ZPO-Huber, Art. 265 N 2).
Im Rahmen seiner Klageschrift vom 22. November 2018 stellte der Kläger ein-
gangs wiedergegebenes Gesuch um superprovisorischen Erlass vorsorglicher
Massnahmen (Urk. 10/1 S. 4). Nach Durchführung einer Anhörung der Parteien
zu den vorsorglichen Massnahmen am 4. Dezember 2018 (vgl. Prot. I S. 6 ff.), bei
der es sich – wie aus der Vorladung (vgl. Urk. 10/9) und dem ausdrücklichen Hin-
weis der Vorderrichterin anlässlich der Verhandlung hervorgeht (vgl. Prot. I S. 6) –
nicht um eine formelle Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen handel-
te, mithin (noch) keine eigentliche Stellungnahme zu den klägerischen Anträgen
zu erfolgen hatte, und der Einholung des familienpsychologischen Gutachtens
vom 1. Juni 2019 (Urk. 10/54) wurden im Rahmen der Verfügung vom 25. Juni
2019 superprovisorische Anordnungen erlassen (insbesondere wurde der Entzug
des Aufenthaltsbestimmungsrechtes der Eltern und die Unterbringung der Kinder
in der ...-Wohngruppe verfügt; vgl. Urk. 10/60). Zugleich wurde die Eröffnung des
familienpsychologischen Gutachtens auf den 4. Juli 2019 angesetzt und festge-
halten, dass zur Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen nach Abspra-
che mit den Parteien mit separatem Formular vorgeladen werde, was gemäss
Vorladungsprotokoll am 4. Juli 2019 erfolgte (vgl. Urk. 10/83/1). Im Rahmen der
Eröffnung des familienpsychologischen Gutachtens am 4. Juli 2019 wurden der
Beklagten insbesondere das Doppel der klägerischen Eingabe vom 22. November
2018 samt Beilagen und ihrem damaligen Rechtsvertreter MLaw X1._ die
- 17 -
(übrigen) Verfahrensakten ausgehändigt (vgl. Prot. I S. 69 f.). Damit verfügte die
Beklagten im Zeitpunkt der Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen
vom 19. Juli 2019 (vgl. Prot. I S. 78 ff.) über sämtliche Verfahrensakten, insbe-
sondere auch über die Klageschrift vom 22. November 2018 (Urk. 10/1), und
konnte hierzu Stellung nehmen. Dass ihr diese Rechtsschrift nicht bereits vor Er-
öffnung des Entscheides vom 25. Juni 2019 zukam bzw. sie sich nicht bereits im
Vorfeld zu ebendieser äussern konnte, schadet vor diesem Hintergrund nicht. Mit
dem definitiven Massnahmeentscheid vom 30. Juli 2019 wurde der superproviso-
rische Entscheid vom 25. Juni 2019 materiell überprüft und formal ersetzt (BSK
ZPO-Sprecher, Art. 265 N 44).
3.2.1. Nachfolgend ist auf die weiteren Ausführungen der Beklagten unter dem Ti-
tel "Verletzung des rechtlichen Gehörs" in der Berufungsschrift (Urk. 1 Rz. 14 ff.)
insoweit einzugehen, als diesen Berufungsrügen entnommen werden können.
3.2.2. Die Vorinstanz legte dar, der Beklagten hätte schon anlässlich der Anhö-
rung vom 4. Dezember 2018 klar sein müssen und es sei ihr auch klar gewesen,
dass ihre Erziehungsmethode infrage gestanden habe, sei sie doch hierzu einge-
hend befragt worden. Ferner sei mit den Parteien abgesprochen worden, dass ein
Gutachten über die Erziehungsfähigkeit einzuholen sei, und es sei in Aussicht ge-
stellt worden, dass nach Eingang des Gutachtens zu den vorsorglichen Mass-
nahmen betreffend Obhut der Kinder Stellung genommen werden könne. Dass
Obhutsfragen zu klären gewesen seien, gehe auch klar aus der Verfügung vom
8. Januar 2019 hervor, worin die Parteien den Gutachtensauftrag im Entwurf zur
Stellungnahme unterbreitet erhalten hätten. Die Fragen 1, 2, 3 und 4 zu den El-
tern im Gutachtensauftragsentwurf liessen klar und transparent erkennen, dass
das Gutachten eine Grundlage geben werde, um über die Obhut der Kinder zu
entscheiden. Die Beklagte habe dies auch durchaus verstanden. Dies ergebe sich
aus ihrer Stellungnahme zum Gutachtensauftrag vom 23. Januar 2019, worin sie
nämlich zu Frage 2 zu den Eltern schreibe: "B._ versucht mit seinen An-
schuldigungen (Mangelernährung, Abschottung, Nichterfüllen der Schulpflicht,
etc.) seine Forderung nach stationärer Abklärung, Obhutsentzug der Mutter, etc.
durchzusetzen". Auch gegenüber der Gutachterin L._ habe sie klar geäus-
- 18 -
sert, dass ihr der möglicherweise drohende Kindesentzug bewusst gewesen sei.
Der Beklagten sei also seit dem 4. Dezember 2018, spätestens aber nach Ein-
sicht in den Gutachtensauftragsentwurf bewusst gewesen, dass die Obhutsumtei-
lung Streitgegenstand dargestellt habe, und dass das Gutachten in dieser Hin-
sicht eine zentrale Rolle spielen werde (Urk. 2 E. IV.1.2).
Die Vorhaltung der Beklagten, die vorinstanzliche Behauptung, dass sie durch die
Gehörsverletzung in der Gutachtenssituation nicht tangiert gewesen sei, da sie
genau gewusst habe, was abgeklärt werden solle, könne nicht nachvollzogen
werden und werde durch die Vorinstanz auch nicht rechtsgenügend dargelegt
(Urk. 1 Rz. 56), erweist sich angesichts der vorstehend zitierten Ausführungen als
falsch. Die Beklagte führt berufungsweise weiter aus, dass für sie tatsächlich er-
sichtlich gewesen sein dürfte, dass die Obhutsumteilung ein Streitgegenstand im
Scheidungsverfahren sein könnte und die Erziehungsfähigkeit beider Eltern abge-
klärt werden sollte. Dass aber eine Fremdplatzierung ebenfalls von Seiten des
Klägers beantragt worden sei, habe sie keinem der aufgeführten Dokumente oder
Erklärungen entnehmen können. Für sie sei es "nur" um eine Obhutszuteilung
zwischen ihr und dem Kläger gegangen (Urk. 1 Rz. 14, 56). Diese Argumentation
überzeugt aus mehreren Gründen nicht. Zunächst gilt – worauf auch der Kläger
vor Vorinstanz hingewiesen hat (Prot. I S. 132 f.) – bei Kinderbelangen in familien-
rechtlichen Angelegenheiten ohnehin der Offizialgrundsatz, d.h. das Gericht ent-
scheidet ohne Bindung an die Parteianträge (Art. 296 Abs. 3 ZPO). Des Weiteren
wurde ein Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrecht bereits im vorangegangenen
Verfahren der KESB Meilen, in welchem die Beklagte durch Rechtsanwältin lic.
iur. X2._ vertreten war (vgl. Urk. 10/17/1/115B), mehrfach thematisiert (vgl.
Urk. 10/17/1/129; Urk. 10/17/1/190). Schliesslich tat die Beklagte nicht nur gegen-
über der Gutachterin L._ (vgl. Urk. 10/54 S. 18), sondern – wie sich aus dem
Zwischenbericht vom 2. Juli 2018 ergibt (Urk. 10/5/4 S. 20) – bereits auch schon
gegenüber den Gutachtern der Praxis M._ ihre Besorgnis über einen mög-
licherweise drohenden Kindesentzug kund. Dies lässt kein anderes Fazit zu, als
dass die Beklagte sich durchaus darüber im Klaren war, dass dies ein mögliches
Szenario darstellte.
- 19 -
3.2.3. In den Rz. 15 ff. der Berufungsschrift (Urk. 1) moniert die Beklagte zusam-
mengefasst, da die Vorwürfe des erweiterten Suizides weder im Zwischenbericht,
noch im Gutachten der Praxis M._ erwähnt und angeblich nur im Rahmen
eines Telefonats der KESB Meilen mitgeteilt worden seien, hätte die Vorinstanz
nach Eingang der Klageschrift bei der KESB Meilen (telefonisch) nachfragen
müssen, was die Umstände dieser angeblichen Gefährdung seien. Es gebe kei-
nerlei Anzeichen eines erweiterten Suizides und habe auch nie solche gegeben.
Ihre Psychologin habe sich bereits nach drei Sitzungen in der Lage gefühlt, zu at-
testieren, dass sie nicht suizidal sei und keine Fremdgefährdung im Sinne eines
erweiterten Suizides drohe. Seit Eingang der Klageschrift bis zum 12. Juli 2019
tauche das Wort Suizid nicht im Protokoll auf. Weshalb die Vorinstanz während
dieser ganzen Zeit, trotz Geltung der Offizialmaxime, nicht von sich aus minimals-
te Abklärungen getroffen habe, könne nicht nachvollzogen werden.
Die Beklagte verkennt, dass die Vorinstanz nach Eingang der Klageschrift des
Klägers am 23. November 2018 (Urk. 10/1) unmittelbar Abklärungen getroffen
hat, primär damit, dass sie die Parteien umgehend auf den 4. Dezember 2018 zu
einer (ausführlichen) Anhörung vorgeladen (vgl. Prot. I S. 6 ff.) und dass sie am
30. Januar 2019 bei L._ ein familienpädagogisches Gutachten in Auftrag ge-
geben hat (vgl. Urk. 10/26/1). Überdies zog die Vorderrichterin die vollständigen,
umfangreichen Akten der KESB Meilen bei (vgl. Urk. 10/17/1-2). Darin findet sich
auch eine Aktennotiz des – vom Kläger im Rahmen seiner Klageschrift vom
22. November 2019 erwähnten (vgl. Urk. 10/1 S. 15) – Telefonates zwischen dem
Gutachter N._ von der Praxis M._ und der Vizepräsidentin der KESB
Meilen O._. N._ zeigt darin die Gefahr eines Suizides bzw. eines erwei-
terten Suizides der Beklagten auf (Urk. 10/17/1/106A S. 2). Dass es keinerlei An-
zeichen hinsichtlich eines erweiterten Suizides gegeben habe, trifft somit nicht zu
und es war insofern auch durchaus angezeigt, dass die Vorinstanz diesen Um-
stand im Rahmen ihrer Prozessleitung berücksichtigte. Dass dahingehende Be-
fürchtungen auch aktuell noch ein Thema sind, zeigen die Ausführungen von
P._ von der ...-Wohngruppe in der Ergänzung zum Kurzbericht der Beistän-
din E._ vom 18. Juli 2019. P._ gab gegenüber der Beiständin bekannt,
"die psychische Verfassung der Kindsmutter sei 'kritisch' und gebe Anlass zur
- 20 -
Sorge. Sollte das Gericht nicht im Sinne der Mutter entscheiden, werde ihr
dadurch möglicherweise 'der Boden unter den Füssen weggezogen'. Das Risiko
einer Selbstgefährdung der Kindsmutter sei nicht zu unterschätzen. Die Kindsmut-
ter müsste ihrer Ansicht nach unter diesen Umständen unbedingt psychologische
Unterstützung erhalten, zudem sollte dies bei der Besuchsrechtsregelung mitbe-
rücksichtigt werden" (Urk. 10/103). Zu einem anderen Ergebnis führt auch das
von der Beklagten im Berufungsverfahren eingereichte Schreiben bzw. die ärztli-
che Bescheinigung von Dr. med. I._ vom 30. Juli 2019 bzw. vom
22. September 2019 (Urk. 5/3; Urk. 60), wonach zu keinem Zeitpunkt eine Suizid-
gefahr bestanden habe, nicht. Diesen ärztlichen Bescheinigungen kommt im Ver-
gleich zu den vorstehend erwähnten Urkunden (Urk. 10/17/1/106A; Urk. 10/103)
keine erhöhte Beweiskraft zu, zumal es sich bei Dr. med. I._ um die behan-
delnde Ärztin der Beklagten handelt (vgl. auch E. III.A.1.2) und intransparent
bleibt, wie diese Bescheinigungen entstanden, d.h. auf welche (private) Instrukti-
on hin und gestützt auf welche Informationen oder Unterlagen die Urkunden von
der Ärztin verfasst wurden. Ohnehin keine Aussagekraft kommt den Bescheini-
gungen – angesichts dessen, dass die Beklagte Dr. med. I._ erstmals am
16. Juli 2019 konsultierte (vgl. Urk. 60) – für die diesem Datum vorangegangene
Zeitperiode zu.
Die Beklagte macht in Bezug auf den Verzicht der Vorinstanz, ihr nach der Man-
datsniederlegung ihrer damaligen Rechtsvertreterin die Klageschrift vom 22. No-
vember 2018 nochmals zuzustellen, geltend, die Vorinstanz führe nicht aus, in-
wiefern durch einen professionellen rechtlichen Beistand einem angeblichen im
Raum stehenden erweiterten Suizid begegnet werden sollte (Urk. 1 Rz. 17, 37).
Dass eine Rechtsvertreterin keinen (erweiterten) Suizid verhindern kann, steht
ausser Frage. Ein Rechtsbeiständin hätte aber deeskalierend auf die Beklagte
einwirken können, indem sie der Beklagten hätte aufzeigen können, dass es sich
bei den Vorwürfen in der Klageschrift (einstweilen einzig) um den Standpunkt des
Klägers handelte, und indem sie die Beklagte über ihre rechtlichen Möglichkeiten,
insbesondere über die Möglichkeit, ihren eigenen Standpunkt ins Verfahren ein-
zubringen, hätte aufklären können.
- 21 -
Zum Vorwurf kann der Vorinstanz – entgegen der Beklagten (Urk. 1 Rz. 17) –
denn auch der Umstand nicht gereichen, dass die Vorinstanz der Beklagten an-
lässlich der Anhörung vom 4. Dezember 2018 weder selber noch durch eine Not-
fallpsychologin die Klageschrift vom 22. November 2018 eröffnet hat. Wie die
Vorderrichterin der Beklagten am 4. Dezember 2018 darlegte, ging es anlässlich
dieser Anhörung nur darum, dass sie einen persönlichen Eindruck der Parteien
gewinnen konnte, um gestützt darauf die weiteren Schritte zu entscheiden, und es
handelte sich gerade nicht um eine formelle Verhandlung über die vorsorglichen
Massnahmen (vgl. Prot. I S. 6), in welcher der Beklagten Gelegenheit zur Stel-
lungnahme zu den mit der Scheidungsklage beantragten vorsorglichen Mass-
nahmen einzuräumen gewesen wäre.
3.2.4. Die Beklagte beanstandet, die Vorinstanz habe durch das schlichte Auf-
zählen einiger Fragen aus der Verhandlung vom 4. Dezember 2018 in keiner
Weise nachvollziehbar begründet, inwiefern diese Aussagen dazu beigetragen
hätten, auch nur ansatzweise eine Vereitelungsgefahr bei einem Obhutsentzug
glaubhaft zu machen (Urk. 1 Rz. 24 ff.). Einerseits begründete die Vorinstanz den
von Seiten der Beklagten zu erwartenden Widerstand insbesondere auch mit dem
von der Beklagten in der Vergangenheit gegenüber Behörden im weiteren Sinne
gezeigten Verhalten (vgl. Urk. 2 E. V.3.12, E. V.4.4). Andererseits zeugen die von
der Vorinstanz in E. IV.1.4 des angefochtenen Entscheides (Urk. 2) angeführten
Zitate durchaus davon, dass die Beklagte sich – wie die Gutachterin L._ es
bezeichnet (vgl. Urk. 10/54 S. 49) – ein eigenes, weltabgewandtes Lebenskon-
zept zurechtlegt (vgl. insbesondere ihre Aussage "ich habe absolut meine Regeln,
die eingehalten werden müssen"; Prot. I S. 26). Die Beklagte sieht die Ursache für
die vorliegenden Probleme – wie sich aus besagten Aussagen ergibt – bei allen
anderen (Gutachter, Kläger, Eltern und Geschwister des Klägers) und bringt damit
ihre Einstellung zum Ausdruck, dass nur sie weiss, was für die Kinder am Besten
ist. Eine solche Abwehrhaltung legte zweifellos, in diesem Punkt ist mit der Vor-
instanz einig zu gehen, die Befürchtung nahe, dass die Beklagte einem Obhuts-
entzug mit vehementem Widerstand begegnen würde.
- 22 -
3.2.5. Auf die Rügen der Beklagten im Zusammenhang mit ihrem Gesuch um
Erlass der Prozessführungs- und Gutachterkosten vom 23. Januar 2019, insbe-
sondere, dass nicht umgehend darüber befunden worden sei (Urk. 1 Rz. 39 ff.),
ist nicht einzutreten, da dies nicht Gegenstand des angefochtenen Entscheides
vom 30. Juli 2019 bildet (vgl. bereits den entsprechenden ergänzenden Hinweis
der Vorinstanz in E. VII.1.1 des angefochtenen Entscheides; Urk. 2). Hierüber
wurde im Rahmen der Verfügung vom 25. Juni 2019 (Urk. 10/60) befunden. Ein
unmittelbarer Entscheid drängte sich vorliegend jedoch ohnehin deswegen nicht
auf, da die Beklagte nach Einreichung ihres Antrags auf Erlass der Prozessfüh-
rungs- und Gutachterkosten infolge des in Auftrag gegebenen familienpsychologi-
schen Gutachtens bis zum Entscheid betreffend superprovisorische Massnahmen
vom 25. Juni 2019 nicht gehalten war, weitere Verfahrensschritte zu unternehmen
(vgl. BGer 4A_20/2011 vom 11. April 2011, E. 7.2.2).
3.2.6. Die Beklagte macht weiter geltend, es sei nicht nachvollziehbar, verletze
das rechtliche Gehör und sei willkürlich, wieso ihr nicht spätestens am 4. Dezem-
ber 2018 gemäss Art. 69 ZPO eine Frist zur Benennung eines Rechtsbeistands
angesetzt und ihr nicht spätestens im Laufe des Monats Dezember 2018 von Am-
tes wegen ein Vertreter bestellt worden sei (Urk. 1 Rz. 45). Zunächst ist zu be-
merken, dass die Vorinstanz die Beklagte mehrfach deutlich auf die Möglichkeit
des Beizugs eines Rechtsbeistands hinwies. So machte die Vorderrichterin die
Beklagte bereits anlässlich der Anhörung vom 4. Dezember 2018 auf die Möglich-
keit aufmerksam, sich anwaltlich vertreten zu lassen und ein Gesuch um unent-
geltliche Rechtspflege zu stellen (Prot. I S. 35). Nachdem die Beklagte am 23. Ja-
nuar 2019 einzig einen Antrag auf Erlass der Prozessführungs- und Gutachter-
kosten gestellt hatte (vgl. Urk. 10/23), empfahl ihr die Vorderrichterin im Schreiben
vom 27. Juni 2019 überdies ausdrücklich den Beizug eines Rechtsvertreters
(Urk. 10/66/1 S. 2). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass eine mittellose Partei,
die der Meinung ist, sie bedürfe anwaltlicher Vertretung, grundsätzlich selber ei-
nen Anwalt beizuziehen hat, der sodann das Gesuch um Bestellung als unentgelt-
licher Rechtsbeistand stellt. Unter dem Vorbehalt des Falles, in welchem eine
Partei offensichtlich nicht zur selbständigen Führung des Prozesses in der Lage
ist (Art. 69 ZPO), ist es nicht am Gericht, den (unentgeltlichen) Rechtsvertreter zu
- 23 -
beauftragen (und auch im erwähnten Ausnahmefall bestellt erst dann das Gericht
die Vertretung, wenn die Partei auf Fristansetzung hin nicht selber eine Vertreterin
oder einen Vertreter beauftragt, vgl. Art. 69 ZPO). Eine allgemeine Pflicht der Ge-
richte, einer Prozesspartei auf Antrag hin einen Anwalt zu bestellen, besteht nicht
(OGer ZH PF110064 vom 25.01.2012, E. III.4.2). Gerichte sind gestützt auf
Art. 69 ZPO nur dann gehalten, einer Partei eine Rechtsvertretung zu bestellen,
wenn diese offensichtlich nicht im Stande ist, den Prozess selbst zu führen oder
eine Vertretung zu bestellen. Das bedeutet eine schwerwiegende Unbeholfenheit,
was auch der im Gesetz nachfolgende Hinweis auf Massnahmen des Erwachse-
nenschutzes deutlich macht (OGer ZH LF180024 vom 04.06.2018, E. 4.2). Eine
solche Unfähigkeit ist daher nicht leichthin anzunehmen, insbesondere ist der
Umstand, dass eine Partei juristischer Laie ist, für sich allein kein Grund für ein
Vorgehen nach Art. 69 Abs. 1 ZPO. Das Gericht gibt der Partei durch Nachfragen
Gelegenheit, Unklarheiten zu beheben. Es kann die Partei auf drohende Rechts-
verluste aufmerksam machen oder Eingaben zur Verbesserung zurückweisen
(ZK ZPO-Staehelin/Schweizer, Art. 69 N 5; KUKO ZPO-Domej, Art. 69 N 2; OGer
ZH LA160034 vom 01.06.2017, E. II.2; OGer ZH LA130032 vom 10.02.2014,
E. 4.1). Die Beklagte war vor Vorinstanz durchaus im Stande, ihre Position zu ver-
treten und dafür zu argumentieren. Dies ergibt sich bereits aus ihren unzweideuti-
gen und themenbezogenen Ausführungen zu den Kinderbelangen anlässlich der
Anhörung vom 4. Dezember 2018 (vgl. Prot. I S. 18 ff.). Ebenso vermochte sie im
Rahmen ihrer Eingabe vom 23. Januar 2019 zur Gutachterwahl ihre Standpunkte
in verständlicher Form zu formulieren, klare Anträge zum Gutachten zu stellen
und sich mit den – den Parteien von der Vorinstanz vorgeschlagenen – Gutach-
terfragen auseinanderzusetzen (vgl. Urk. 10/23). Auch aus dem Umstand, dass
die Vorinstanz eine Zustellung der Klageschrift vom 22. November 2018 an die
Beklagte nach Mandatsniederlegung ihrer damaligen Rechtsvertreterin angesichts
des Inhaltes der Klageschrift als nicht mehr opportun erachtete, lässt sich – ent-
gegen der Beklagten (Urk. 1 Rz. 45) – nicht auf ein Prozessführungsunvermögen
der Beklagten schliessen. Vielmehr nahm die Vorinstanz hiermit in nachvollzieh-
barer Weise darauf Rücksicht, dass es sich bei der Beklagten um eine unvertre-
tene Laiin handelt. Die Vorinstanz hat eingehend dargelegt, dass bei der Verfah-
- 24 -
rensführung noch weitere Interessen zu schützen seien als das rechtliche Gehör
der Parteien und dass vorliegend weder im Hinblick auf das Kindeswohl noch auf
die Vereitelungsgefahr erkennbar gewesen sei, dass eine sofortige Zustellung der
Klageschrift sinnvoll wäre, bzw. dass diese Grundsätze deutlich hinter den An-
spruch der Beklagten auf rechtliches Gehör zurückzutreten hätten, vielmehr er-
schienen diese Bedenken immer gewichtiger (Urk. 2 E. IV.1.4). Mit dieser Be-
gründung setzt sich die Beklagte ohnehin nicht rechtsgenügend auseinander
(Art. 311 ZPO). Vielmehr erweisen sich ihre Vorbringen hierzu in Rz. 44 f. der Be-
rufungsschrift (Urk. 1) als blosse Wiederholungen des vor Vorinstanz Ausgeführ-
ten (vgl. Urk. 10/106 Rz. 10). Dass die Beklagte schliesslich auch in der Lage war,
eine Rechtsvertretung zu suchen und zu mandatieren, ist aufgrund des Schrei-
bens von Rechtsanwalt MLaw X1._ vom 1. Juli 2019, in welchem er das Ver-
tretungsverhältnis anzeigt und um Bestellung als unentgeltlichen Rechtsvertreter
ersucht (Urk. 10/71), erstellt. Insofern bestand kein Anlass für die Vorinstanz, der
Beklagten von sich aus einen Rechtsvertreter zu bestellen. Im Lichte dieser Er-
wägungen geht auch die beklagtische Argumentation, bereits aus dem Grundsatz
der Waffengleichheit wäre der Beizug eines Rechtsvertreters für sie notwendig
gewesen (Urk. 1 Rz. 38), an der Sache vorbei.
An der Verhandlung vom 4. Juli 2019 und an der Massnahmeverhandlung vom
19. Juli 2019 war die Beklagte durch Rechtsanwalt X1._ vertreten (Prot. I S.
68, S. 78). Am 4. Juli 2019 wurden der Beklagten die Klageschrift samt Mass-
nahmegesuch (Urk. 1) und weitere Akten ausgehändigt (Prot. I S. 70). An der
Verhandlung vom 19. Juli 2019 nahm die Beklagte zu den beantragten vorsorgli-
chen Massnahmen und zum Gutachten Stellung (Urk. 10/106 S. 16 ff.). Die Gele-
genheit, eine Erläuterung des Gutachtens zu verlangen oder Ergänzungsfragen
zu stellen, wurde der Beklagten bereits anlässlich der Eröffnung des Gutachtens
am 4. Juli 2019 ermöglicht, auch wenn nicht formell dazu Frist angesetzt wurde
(Prot. I S. 69). Diese Gelegenheit wurde von der Beklagten denn auch genutzt,
"so dass diese Punkte in einer Stellungnahme in der Verhandlung um die vorsorg-
lichen Massnahmen bereits thematisiert werden könnten" (Urk. 10/87). Die Gut-
achterin beantwortete die Ergänzungsfragen am 16. Juli 2019 (Urk. 10/93) und
die Beklagte ging an der Verhandlung vom 19. Juli 2019 auch darauf ein
- 25 -
(Urk. 10/106 Rz 95, 115, 118). Eine Verletzung von Art. 187 Abs. 4 ZPO wird
diesbezüglich denn auch nicht gerügt. Vielmehr führt die Beklagte aus, die Erläu-
terungsfragen seien nicht hinreichend beantwortet worden, und macht geltend,
anlässlich der Verhandlung vom 19. Juli 2019 sei – insbesondere aufgrund der te-
lefonischen Auskunft vom 17. Juli 2019 (Prot. I S. 77) – überhaupt keine Stellung-
nahme zum Gutachten angezeigt gewesen (vgl. Urk. 1 S. 24 Rz 72 ff.). Darauf
wird in E. III/E. 1.2 eingegangen.
3.2.7. Die Vorinstanz entgegnete der Beklagten auf ihr Vorbringen, das Gutach-
ten vom 1. Juni 2019 sei infolge Verletzung ihres rechtlichen Gehörsanspruchs
unverwertbar, weil sie sie sich in voller Kenntnis des Ernstes der Lage oder des
Hinweises auf den "erweiterten Suizid" anders verhalten hätte, Folgendes: Ein
solches Argument kann vorliegend kaum Anlass zum Zweifel an der Verwertbar-
keit der gutachterlichen Erkenntnisse geben, denn letztlich sagt es nichts anderes
aus, als dass die Beklagte sich erst dann um das von Fachleuten und Behörden
vielfach angeregte Verhalten bemüht, wenn ihr die schärfste aller Massnahmen
droht. Gegenstand des Gutachtens sollte aber gerade nicht erwünschtes, durch
Drohung herbeigeführtes und möglicherweise nur temporäres Verhalten sein,
sondern der wahre familiäre Kontext der Beklagten mit ihrer Grundhaltung und ih-
rem üblichen Verhalten (Urk. 2 E. IV.1.5). Die Beklagte wiederholt in den Rz. 46
und 48 ihrer Berufungsschrift (Urk. 1) teils wörtlich und teils sinngemäss ebendie-
ses Vorbringen ohne aufzuzeigen, inwiefern die diesbezüglichen Überlegungen
der Vorinstanz falsch sein sollten. Sie kommt damit ihrer Begründungspflicht nicht
nach (vgl. E. II.2.1), weshalb sich Weiterungen erübrigen.
3.3. Nachdem somit keine Verletzung des rechtlichen Gehörs der Beklagten
auszumachen ist, ist weder das Gutachten vom 1. Juni 2019 (Urk. 10/54) aus
dem Recht zu weisen (bzw. die Vorinstanz anzuweisen, ein neues familienpsy-
chologisches Gutachten zu erstellen) noch ist die angefochtene Verfügung vom
30. Juli 2019 (Urk. 2) aus diesem Grund aufzuheben. Die entsprechenden Beru-
fungsanträge der Beklagten (Urk. 1 S. 2, Berufungsanträge 1-3) sind abzuweisen.
Gegen eine superprovisorisch angeordnete Massnahme ist eine Berufung an die
zweite kantonale Instanz nicht möglich (ZK ZPO-Huber, Art. 265 N 20; vgl. auch
- 26 -
nachfolgend E. III.A.6). Soweit die Beklagte somit die Aufhebung der Verfügung
der Vorinstanz vom 25. Juni 2019 (Urk. 10/60) verlangt, ist auf ihre Berufung nicht
einzutreten.
4. Akteneinsicht in die Unterlagen der Gutachterin L._
4.1. Die Beklagte beanstandet, die Vorinstanz habe ihr die Akteneinsicht in die
Dokumente der Gutachterin L._ verweigert und verweise auf das Schreiben
der Gutachterin vom 16. Juli 2019, wonach die Akten ihr nicht herauszugeben
seien, weil sie keine psychologische Fachperson sei. Inwiefern die Vorinstanz
zum Schluss komme, dass diese Unterlagen gerade nicht einer weiteren psycho-
logischen Fachperson gezeigt werden würden, stelle eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs dar (Akteneinsichtsrecht). Wie die Vorinstanz wisse, habe sie bspw.
bereits die superprovisorische Verfügung Q._ (Experte in Sachen Kinderer-
ziehung/-verhalten, Kinderarzt und Leiter der Abteilung "..." der Universitäts-
Kinderklinik Zürich etc.) vorgelegt und stehe auch mit weiteren psychologischen
Fachexperten in Kontakt. Da aus diesen Kreisen grosse Kritik am Gutachten vom
1. Juni 2019 geübt werde, sei es für die genaue Analyse dieses Gutachtens not-
wendig, dass die Grundlagen und Rohdaten erhältlich gemacht würden. Es gebe
zum jetzigen Zeitpunkt keinen Grund, ihr diese Akten vorzuenthalten (Urk. 1
Rz. 58, 135).
4.2. Aus Art. 29 Abs. 2 BV ergibt sich nach ständiger Rechtsprechung kein An-
spruch auf Einsicht in rein interne Akten, die für die interne Meinungsbildung be-
stimmt sind und denen kein Beweischarakter zukommt (BGE 129 V 472 E. 4.2.2;
BGE 125 II 473 E. 4a; BGE 115 V 297 E. 2g/aa). Dementsprechend besteht auch
im Rahmen einer Begutachtung grundsätzlich kein Anspruch auf Einsicht in die
der internen Meinungsbildung dienenden Notizen des Gutachters oder generell in
das Gutachten vorbereitende Arbeitsunterlagen, wie Hilfsmittel für die Erstellung
eines Gutachtens, etwa schriftliche Aufzeichnungen über Testergebnisse oder
andere Befunde. Das Gericht kann indessen zum Beizug solcher Dokumente ver-
pflichtet sein, wenn dies im Einzelfall zur Überprüfung der Grundlagen und
Schlussfolgerungen eines Gutachtens angezeigt erscheint (BGer 1P.544/2003
- 27 -
vom 12. November 2003, E. 5.3; BGer 8C_899/2014 vom 28. Mai 2015, E. 3.3.2).
Das Bundesgericht hat beispielsweise einen Anspruch auf Edition der Aufzeich-
nungen des psychiatrischen Gutachters anlässlich der von ihm durchgeführten
Exploration mit der Begründung verneint, diese hätten die Funktion einer Gedan-
kenstütze oder eines Hilfsmittels für die Erstellung des Gutachtens und ihren
Zweck mit der Ausarbeitung des Gutachtens erfüllt. Derartigen Arbeitsunterlagen
gehe der Beweischarakter ab und ein Anspruch auf Einsicht in dieselben sei zu
verneinen (BGer 9C_591/2010 vom 20. Dezember 2010, E. 5.1; BGer
8C_466/2017 vom 9. November 2017, E. 4.1.2). Vorliegend beantragt die Beklag-
te die Edition sämtlicher Notizen, Testergebnisse und Dokumentationen (Urk. 1
Rz. 64), mithin ebensolcher von der Gutachterin L._ im Rahmen der Begut-
achtung selbst erstellter Aufzeichnungen. Soweit die Beklagte die Edition der zur
Erstellung des Gutachtens beigezogenen Dokumente verlangt (Urk. 1 Rz. 64), ist
zu bemerken, dass diese im Anhang zum Gutachten einzeln aufgeführt sind (vgl.
Urk. 10/54) und es sich hierbei allesamt um Urkunden handelt, welche ohnehin
Teil der vorliegenden Scheidungsakten bilden (inklusive der beigezogenen Akten
der diesem Verfahren vorangegangenen Eheschutz- und KESB-Verfahren) und in
welche der Beklagten auch bereits Akteneinsicht gewährt wurde (vgl. Prot. I
S. 70). Im Übrigen fehlen Anhaltspunkte für Zweifel an der Richtigkeit der von
L._ erhobenen Befunde und gezogenen Schlussfolgerungen (vgl. nachfol-
gend E. III.A.1.2). Der Antrag der Beklagten auf Edition der Unterlagen der Gut-
achterin ist demnach abzuweisen.
4.3. Worauf das Vorbringen der Beklagten, es habe von den Begutachtungen in
der Praxis Videoaufnahmen gegeben, deren Offenlegung sie ebenfalls beantragt
habe und wozu die Vorinstanz keine Stellung genommen habe (Urk. 1 Rz. 65 f.),
abzielt, erhellt nicht, zumal die Beklagte selbst davon ausgeht, dass diese Video-
aufnahmen zwischenzeitlich gelöscht worden sind (Urk. 10/106 Rz. 95).
5. Anträge der Kindervertreterin auf Beizug der neueren Verfahrensakten der
Vorinstanz zur Thematik der weiteren Abklärung der Kinder, auf Einholung eines
aktuellen Berichtes bei der Beiständin und/oder der ...-Wohngruppe sowie auf
- 28 -
Prüfung der Anordnung einer erwachsenenpsychiatrischen Begutachtung der Be-
klagten
5.1. Die Kindervertreterin beantragt im Rahmen ihrer Stellungnahme vom
16. September 2019 den Beizug der neueren Verfahrensakten der Vorinstanz zur
Thematik der weiteren Abklärung der Kinder, die Einholung eines aktuellen Be-
richtes bei der Beiständin und/oder der ...-Wohngruppe (über den Verlauf der Be-
suchskontakte, zur Entwicklung des Verhaltens der Kinder sowie zur Frage der
weiteren Ausdehnung der elterlichen Kontakte zugunsten von Lernstunden) und
die Prüfung der Anordnung einer erwachsenenpsychiatrischen Begutachtung der
Beklagten (Urk. 49 S. 3).
5.2. Vorsorgliche Massnahmen regeln das in der Hauptsache umstrittene
Rechtsverhältnis für die Dauer des Verfahrens. Sie müssen daher wesentlich
schneller erlassen werden als das Urteil in der Hauptsache. Dies wird dadurch er-
reicht, dass einerseits das Verfahren abgekürzt wird, und anderseits, indem weni-
ger Beweise erhoben werden. Das Beweismass reduziert sich auf die Glaubhaft-
machung. Das Gericht hat daher bei der vorsorglichen Regelung der Kinderbe-
lange grundsätzlich auf die Vorbringen der Parteien sowie auf die bereits vorhan-
denen Beweismittel abzustellen. Langwierige Abklärungen, etwa durch Gutach-
ten, sollten auch im Streitfall nicht die Regel sein, sondern nur angeordnet wer-
den, wenn besondere Umstände vorliegen (ZK ZGB-Bräm/Hasenböhler, Art. 176
N 90; OGer ZH LY130027 vom 11.06.2014, E. II.2b; OGer ZH LE180028 vom
20.12.2018, E. II.5). Erst Recht besteht kein Anspruch darauf, dass eine Vielzahl
von Gutachten oder Obergutachten eingeholt werden (BGE 114 II 201 E. 2).
5.3. In den vorinstanzlichen Akten finden sich diverse, für die Regelung der vor-
liegend strittigen Kinderbelange aussagekräftige Berichte von Fachpersonen, wo-
bei der Zwischenbericht vom 2. Juli 2018 (Urk. 10/5/4) und das Gutachten vom
22. November 2018 (Urk. 10/17/1/268) der Praxis M._ sowie das von der Vo-
rinstanz in Auftrag gegebene familienpsychologische Gutachten vom 1. Juni 2019
(Urk. 10/54) hervorzuheben sind. Seit der mit Verfügung vom 25. Juni 2019 su-
perprovisorisch angeordneten Aufhebung des Aufenthaltsbestimmungsrechts der
Eltern betreffend die gemeinsamen Kinder, C._ und D._, und deren Un-
- 29 -
terbringung in der ...-Wohngruppe (Urk. 10/60) fanden sodann insbesondere fol-
gende Urkunden Eingang in die erst- und zweitinstanzlichen Akten:
− Kurzbericht zur Aufnahme in die ...-Wohngruppe G._ vom 3. Juli 2019 (Urk. 10/79),
− Telefonnotiz betreffend Gespräch mit P._, ...-Wohngruppe, vom 4. Juli 2019 (Prot. I S. 66 f.),
− Kurzbericht inklusive Empfehlung zur Regelung des persönlichen  zu den Kindseltern der Beiständin E._ vom 16. Juli 2019 (Urk. 10/99),
− Verlaufsbericht Aufenthalt in der ...-Wohngruppe G._ vom 17. Juli 2019 (Urk. 10/100),
− Ergänzung zum Kurzbericht der Beiständin E._ vom 18. Juli 2019 (Urk. 10/103),
− E-Mail P._, ...-Wohngruppe, vom 6. August 2019 (Urk. 5/11), − Protokoll vom Standortgespräch in der ...-Wohngruppe vom 16. August
2019 (Urk. 38/6), − E-Mail R._, ...-Wohngruppe, vom 23. August 2019 betreffend Be-
suchsgestaltung ab Montag, 26. August 2019 (Urk. 45/1), − Entwicklungsabklärungen von C._ und D._ des Kantonsspi-
tals G._ vom 29. August 2019 (Urk. 45/3), − E-Mail des Teams ...-Wohngruppe vom 17. September 2019 betreffend
Besuch Klinikschule der Kinderklinik G._ (Urk. 58), − Kurzbericht zur aktuellen Platzierungssituation der Beiständin E._
vom 24. September 2019 (Urk. 63/1).
Diese Urkunden neueren Datums vermitteln der Kammer namentlich auch einen
Überblick über die aktuellen Entwicklungen seit der Unterbringung der Kinder in
der ...-Wohngruppe, insbesondere über die Verfassung und die Verhaltensweisen
der Kinder, über ihre Bedürfnisse sowie über die Elternkontakte. Damit besteht für
die Kammer eine genügende Entscheidungsgrundlage. Weiterungen sind – auch
aufgrund des vorliegenden summarischen Verfahrens – nicht angezeigt. Die vor-
stehend aufgeführten prozessualen Anträge der Kindervertreterin sind daher ab-
zuweisen, soweit ihnen in Form der hiervor aufgeführten Urkunden nicht bereits
nachgekommen wurde (vgl. insb. die Entwicklungsabklärungen des Kantonsspi-
tals G._ vom 29. August 2019 [Urk. 45/3]; Antrag 2 der Kindervertreterin
[Urk. 49 S. 2]).
- 30 -
III.
A) Kindesschutzmassnahme: Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechtes
1.1. Zwischenbericht vom 2. Juli 2018 (Urk. 10/5/4) und Gutachten vom 22. No-
vember 2018 (Urk. 10/17/1/268) der Praxis M._
Wie bereits erwähnt (vgl. E. II.2.2), wiederholt die Beklagte mit ihren Einwendun-
gen gegen den Zwischenbericht vom 2. Juli 2018 sowie gegen das Gutachten
vom 22. November 2018 in den Rz. 76 f. der Berufungsschrift (Urk. 1) lediglich ih-
ren bereits vor Vorinstanz vertretenen Standpunkt (vgl. Urk. 106 Rz. 60, 78, 89).
Daher ist auf ihre Vorbringen nicht einzutreten (E. II.2.1). Auch wenn darauf ein-
zutreten wäre, wären diese Urkunden jedoch im vorliegenden Verfahren zu be-
rücksichtigen. Die II. Zivilkammer des Obergerichtes des Kantons Zürich hat be-
reits in ihrem Entscheid vom 15. April 2019 bezugnehmend auf die entsprechen-
den Einwendungen der Beklagten unter Hinweis auf die zutreffenden Erwägungen
4.1.4 bis 4.1.9 des Urteils des Bezirksrates Meilen vom 20. Februar 2019
(Urk. 10/35/1) korrekterweise festgehalten, es sei nichts ersichtlich, was den Zwi-
schenbericht als unverwertbar erscheinen liesse (Urk. 10/44 E. 3.3). Auf die ent-
sprechenden Erwägungen kann vollumfänglich verwiesen werden. Soweit die Be-
klagte berufungsweise neu vorbringt, das Gutachten vom 22. November 2018 sei
ihr nicht einmal zur Kenntnis gebracht worden, was eine Verletzung des rechtli-
chen Gehörs darstelle (Urk. 1 Rz. 76 f.), ist ihr entgegenzuhalten, dass die Vo-
rinstanz ihr bzw. ihrem damaligen Rechtsvertreter MLaw X1._ am 4. Juli
2019, mithin vor der Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen vom
19. Juli 2019, sämtliche Verfahrensakten, beinhaltend insbesondere auch das be-
sagte Gutachten vom 22. November 2018, zur Einsicht zukommen liess (vgl.
Prot. I S. 70). Da sich schon nur infolge der in Kinderbelangen geltenden Unter-
suchungsmaxime für die Vorinstanz aufdrängte, wie diese in E. V.2.2 des ange-
fochtenen Entscheids (Urk. 2) zu Recht festhielt, für die Beurteilung der vorsorgli-
chen Massnahmen den sich in den Akten befindlichen Zwischenbericht vom
2. Juli 2018 und das Gutachten vom 22. November 2018 insoweit heranzuziehen,
als sie über das Verhalten der Beklagten Auskunft geben, selbstredend unter frei-
- 31 -
er Würdigung deren Inhalte, musste die anwaltlich vertretene Beklagte entgegen
ihrer Auffassung (Urk. 1 Rz. 77) – auch ohne eine entsprechende Aufforderung
der Vorinstanz – davon ausgehen, dass eine allfällige Stellungnahme hierzu an-
lässlich der Verhandlung betreffend vorsorgliche Massnahmen vom 19. Juli 2019
hätte erfolgen müssen.
1.2. Gutachten vom 1. Juni 2019 (Urk. 10/54)
1.2.1. Die Beklagte bringt in Bezug auf das Gutachten vom 1. Juni 2019 in ihrer
Berufung mehrfach vor, es werde entsprechend dem Vertrauensgrundsatz darauf
hingewiesen, dass ihr von der Vorinstanz mitgeteilt worden sei, es werde an der
Verhandlung vom 19. Juli 2019 keine eigentliche Stellungnahme zum Gutachten
erwartet; aufgrund der vorgängigen Verweigerung der Einsicht in die Akten der
Gutachterin sei für sie nicht absehbar gewesen, dass dennoch eine vollumfängli-
che Stellungnahme zum Gutachten erwartet werden würde (Urk. 1 Rz. 74, 78,
92). Daraus kann die Beklagte nichts zu ihren Gunsten ableiten. Nicht nur gibt die
Beklagte die Auskunft der Vorinstanz damit unvollständig wieder. Aus der Tele-
fonnotiz vom 17. Juli 2019 geht nämlich hervor, dass die Vorinstanz den vormali-
gen Rechtsvertreter der Beklagten, X1._, unter anderem explizit darauf hin-
wies, es gehe um eine Stellungnahme zu den Massnahmen und den klägerischen
Anträgen, wie auch um die Begründung der eigenen Anträge (wobei eine Bezug-
nahme auf das Gutachten in der Sache unvermeidlich sei; vgl. Prot. I S. 77). Zu-
vor hatte der damalige Rechtsvertreter der Beklagten mit Eingabe vom 9. Juli
2019 zu diversen Punkten die Erläuterung des Gutachtens verlangt, "so dass die-
se Punkte in einer Stellungnahme in der Verhandlung um die vorsorglichen Mas-
snahmen bereits thematisiert werden könnten" (Urk. 87 S. 1; vgl. dazu auch die
Nachfrage der Beklagten in der Verhandlung vom 4. Juli 2019 betreffend Ergän-
zungsfragen in Prot. I S. 69). Eine Stellungnahme zum Gutachten war im Übrigen
auch ohne Einsicht in die Akten der Gutachterin möglich. Es ist zudem auch un-
klar, worauf die Beklagte letztlich hinaus will, hat sie sich anlässlich der Verhand-
lung vom 19. Juli 2019 nämlich – ohne sich ausdrücklich weitere Ausführungen
vorzubehalten – einlässlich zum Gutachten vom 1. Juni 2019 samt Erläuterungen
vom 16. Juli 2019 (Urk. 93) geäussert (vgl. insb. Urk. 10/106 Rz. 88 ff., 95, 115,
- 32 -
118, 165, 169). Dass sie bzw. welche Einwendungen sie in diesem Rahmen nicht
hat vorbringen können, führt die Beklagte im Übrigen berufungsweise nicht aus.
Auch folgte seitens der Beklagten keine Reaktion, als die Vorinstanz den Parteien
am Ende der Verhandlung vom 19. Juli 2019 die Zustellung des Entscheids über
die vorsorglichen Massnahmen in Aussicht stellte (Prot. I S. 144).
1.2.2. Entgegen der Beklagten zeugen die im Gutachten zum Verlauf festgehal-
tenen Vorbemerkungen der Gutachterin L._ nicht von deren Voreingenom-
menheit. L._ hielt unter diesem Titel lediglich fest, sie habe aufgrund der in
den Akten beschriebenen schwierigen Kooperation mit der Mutter bewusst ver-
sucht, möglichst defensiv zu handeln und so beispielsweise nicht versucht, den
Kindern die Hand zu geben, Terminfindungen der Mutter überlassen und überdies
deren Wunsch nachgegeben, einen Spaziergang zu begleiten, und nicht auf ei-
nem Hausbesuch beharrt (Urk. 10/54 S. 6). Dass sich die Beklagte im Rahmen
früherer Begutachtungen durch die Praxis M._ nicht kooperativ zeigte, ist –
wie L._ in ihren Vorbemerkungen zutreffenderweise festhält – aktenkundig
(vgl. Urk. 10/17/1/103; Urk. 10/17/1/173; Urk. 10/17/1/268) und wird von der Be-
klagten in der Berufung – zumindest an gewissen Stellen – auch gar nicht in Ab-
rede gestellt (vgl. Urk. 1 Rz. 104). Die Beklagte kann sich auch nicht vom Vorwurf
der fehlenden Kooperation im Rahmen der aktuellen Begutachtung befreien,
wenn sie berufungsweise ausführen lässt, sie habe mit ihren Vorschlägen zu den
Modalitäten des Erstkontaktes bzw. des Abschlussgespräches lediglich ein sanf-
tes Kennenlernen zwischen der Gutachterin und den Kindern ermöglichen wollen
bzw. die Möglichkeit eines Abschlusstelefonates (anstatt eines Abschlussgesprä-
ches) sei auf der Internetseite der Gutachterin als Option aufgeführt worden
(Urk. 1 Rz. 79). Die Beklagte scheint damit vielmehr zu verkennen, dass es
grundsätzlich an der Gutachterin ist, festzulegen, wie sie vorgehen möchte, um
den Gutachtensauftrag der Vorinstanz erfüllen zu können. Es ist der Gutachterin
überlassen, in welchen Settings sie ihre Beobachtungen machen möchte und was
sie als zielführend erachtet. Zwar führt die Beklagte anschliessend in Rz. 80 ihrer
Berufung (Urk. 1) zutreffend aus, dass ihre kritische Haltung gegenüber der Gut-
achterin für sich alleine ihr nicht zum Nachteil gereichen kann. Vorliegend be-
schränkt sich das Verhalten der Beklagten aber nicht bloss auf eine kritische Hal-
- 33 -
tung, sondern es ist vielmehr von einer mangelnden Kooperation der Beklagten
im Rahmen der Begutachtung durch L._ auszugehen (vgl. hierzu auch
E. III.A.3.2).
1.2.3. Unzutreffend ist das Vorbringen der Beklagten, die Vorinstanz habe sich
nicht mit dem von ihr gerügten Umstand, dass die Gutachterin keinen Kontakt zur
Kinderärztin Dr. med. S._ aufgenommen habe, auseinandergesetzt (Urk. 1
Rz. 81). Die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang nämlich festgehalten, die-
ser Umstand sei offenbar darauf zurückzuführen, dass Dr. med. S._ eine E-
Mail der Gutachterin nicht beantwortet habe, weil sie sich nicht habe instrumenta-
lisieren lassen wollen. Hierbei den Versuch der Gutachterin, mit der Kinderärztin
Kontakt aufzunehmen, als "Alibiübung" zu bezeichnen, gehe an der Sache vorbei
(Urk. 1 E. V.2.4). Rein aus der Reihenfolge, in welcher die Gutachterin Berichte
bei Dritten eingeholt hat, kann sodann – entgegen der Auffassung der Beklagten
(Urk. 1 Rz. 81) – keineswegs auf eine Ungleichbehandlung der Parteien ge-
schlossen werden, vielmehr ist diese Teil des Gestaltungsspielraums der Gutach-
terin bei der Erfüllung ihres Auftrages. In Bezug auf die von der Beklagten ver-
langte Einholung eines Berichtes bei Dr. med. S._ (Urk. 1 Rz. 81) ist erneut
darauf hinzuweisen, dass es nicht Sache der Beklagten ist, der Gutachterin zu
sagen, wie sie ihre Abklärungen zu gestalten hat. Die Gutachterin L._ hält
überdies auf S. 7 des Gutachtens (Urk. 10/54) ausdrücklich fest, sie habe die Be-
klagte im Telefonat vom 20. Mai 2019 darüber informiert, dass sich die Kinderärz-
tin auf ihre Anfrage per E-Mail vom 6. Mai 2019 hin nicht gemeldet habe. Die Be-
klagte habe angegeben, Dr. med. S._ habe ihr erklärt, sie wolle sich nicht in-
strumentalisieren lassen und werde höchstens schriftlich berichten, dass die Kin-
der in einem guten Allgemeinzustand seien. Jedoch habe sie dasselbe ja bereits
gegenüber der Anwältin der Beklagten geäussert. Die Art der Auftragsausführung
lässt vor diesem Hintergrund nicht auf eine Parteilichkeit der Gutachterin schlies-
sen. Die Kontaktaufnahme mit Dr. med. S._ erfolgte zudem am 6. Mai 2019
(vgl. Urk. 10/54 S. 7) und das Gutachten von L._ datiert vom 1. Juni 2019
(Urk. 10/54 S. 1), womit Dr. med. S._ ausreichend Zeit zur Verfügung ge-
standen hätte, um dennoch einen entsprechenden Bericht zuhanden der Gutach-
- 34 -
terin zu erstellen, wie sie dies im Übrigen am 3. Juli 2019 auch zuhanden der Vo-
rinstanz tat (vgl. Urk. 10/107/7).
1.2.4. Der Vorwurf der Beklagten, wonach die Vorinstanz sich anmasse, die fach-
liche Kompetenz der Kinderärztin Dr. med. S._ – welche als Kinder- und Ju-
gendmedizinerin FMH ebenfalls in der Lage sei, entsprechende fachpsychologi-
sche Erkenntnisse zu gewinnen – anzuzweifeln (Urk. 1 Rz. 85, vgl. auch Rz. 154),
verfängt nicht. Die Vorinstanz hat in Bezug auf die Schreiben von Dr. med
S._ vom 3. Juli 2019 und vom 16. Juli 2019 einzig festgehalten, dass eine
Kinderärztin normalerweise um das physische Wohlbefinden und körperliche
Krankheitsbilder besorgt sei, jedoch regelmässig nicht über spezifizierte fachpsy-
chologische Kenntnisse verfüge, um abschliessend Aussagen über die altersent-
sprechende geistige Entwicklung zu treffen. So stünde denn auch das körperliche
Wohlbefinden der Kinder vorliegend nicht zur Debatte, sondern vielmehr der emo-
tionale soziale Entwicklungsstand. Hinzu komme, dass Dr. med. S._ die Kin-
der nur sehr kurz bei sich in der Praxis gesehen habe und nicht ersichtlich sei,
worauf sich die Feststellungen der Ärztin überhaupt stützten, geschweige denn,
ob irgendwelche Testverfahren durchgeführt worden seien. Ein solcher Bericht sei
somit gänzlich ungeeignet, um das Gutachten in Zweifel zu ziehen und müsse ge-
radezu als unseriös bezeichnet werden (Urk. 2 E. V.2.6). Hiermit greift die Vo-
rinstanz zutreffenderweise den vor Vorinstanz erhobenen Einwand des Klägers
auf, dass die entsprechenden Kurzberichte ohne Aktenkenntnis erstellt wurden
(vgl. Prot. I S. 137), was von der Beklagten vor Vor-instanz auch eingeräumt wur-
de (vgl. Prot. I S. 142). Mithin lagen der Kinderärztin keine – über die Schilderun-
gen der Beklagten hinausgehenden – Hintergrundinformationen vor, was keine
umfassende Beurteilung der Gesamtsituation bzw. -verfassung der Kinder zuliess.
Daran ändert auch der von der Beklagten bereits vor Vorinstanz vorgebrachte
Umstand (vgl. Prot. I S. 142 f.), dass die Kinderärztin Dr. med. S._ die Kinder
seit Geburt kenne (Urk. 1 Rz. 85), nichts. Anzumerken ist hinsichtlich solcher
Meinungsäusserungen zudem, dass es sich prozessual um (Kurz-)Privat-
gutachten handelt, d.h. als von der Beklagten selber veranlasste Fachmeinungen.
Privatgutachten sind keine Beweismittel i.S.v. Art. 183 ZPO. Dabei ist zu beach-
ten, dass Privatgutachter – abgesehen vom besonderen Arzt-/Patientenverhältnis
- 35 -
– nicht unabhängig sind wie die Verfasser gerichtlicher Gutachten und die Inte-
ressen derjenigen Person wahren, die Anlass für das Gutachten war. Der Be-
weiswert eines Privatgutachtens kann immerhin in der Überzeugungskraft der Ar-
gumentation liegen, was gegebenenfalls etwa zur Ergänzung oder Erläuterung
des Gerichtsgutachtens führen kann (KUKO ZPO-Schmid, Art. 183 N 18; OGer
ZH PQ170007 vom 10.04.2017, E. III.3d). Eine solche Überzeugungskraft hat
das, was Dr. med. S._ in ihren beiden Schreiben vom 3. bzw. 16. Juli 2019
anführt, nicht. Sie beschränkt sich darin nämlich auf pauschale Feststellungen,
wie etwa, dass beide Kinder gesund und altersentsprechend entwickelt seien
(Urk. 10/107/7) oder dass absolut keinerlei Anzeichen für eine Gefährdung der
Kinder jedwelcher Art im angestammten Milieu unter der Betreuung ihrer Mutter
bestünden, insbesondere keinerlei Hinweise auf eine suizidale Gefahr selbst unter
den aktuellen traumatischen Bedingungen (Urk. 10/107/18). Ohne der Kinderärz-
tin ihre Fachkenntnisse in Kinderpsychologie absprechen zu wollen, stellt sich die
Frage, inwiefern sie überhaupt in der Lage sein soll, die (psychische) Verfassung
einer Kindesmutter zu beurteilen. Die Beklagte bringt sodann vor, es sei willkür-
lich, wenn die Vorinstanz behaupte, dass eine Fachperson, welche die Kinder seit
acht resp. sechs Jahren kenne, in einer Notfallkonsultation nicht zumindest eine
grundlegende Einschätzung abgeben könne, eine andere Fachperson in 1.5
Stunden aber ein fundiertes Gutachten erstellen könne, die Kinder aber letztlich
insgesamt drei Mal gesehen habe (Urk. 1 Rz. 87, 143). Diesbezüglich kann auf
die Antwort von L._ auf die entsprechende Ergänzungsfrage 7 der Beklag-
ten, wie eine Gutachterin zu ihren absoluten Schlüssen komme, obwohl sie die
Kinder nur an einem Termin tatsächlich wahrgenommen habe, verwiesen werden.
L._ führt dazu überzeugend Folgendes aus: "Die Schlussfolgerungen im
Gutachten beruhen nicht auf einer singulären Beobachtung. Beide Kinder wurden
zu mehreren Zeitpunkten gesehen. Auch die Tatsache, dass die Arbeit mit beiden
Kindern sehr schwierig und vor allem mit C._ in weiten Teilen praktisch un-
möglich war, ist von diagnostischer Relevanz. Eine Entwicklung im Beziehungs-
verhalten der Kinder im Verlauf der Zeit konnte nicht festgestellt werden"
(Urk. 10/92, S. 4). Wesentlich ist schliesslich ohnehin nicht die für die Exploration
aufgewendete Zeit, sondern die Qualität eines Gutachtens.
- 36 -
1.2.5. An der vorinstanzlichen Einschätzung, dass die Konsultation bei der Kin-
derärztin Dr. med. S._ vom 16. Juli 2019 unabgesprochen erfolgt sei (vgl.
Urk. 2 E. V.2.6), ändern auch die im Berufungsverfahren neu eingereichten E-
Mails des vormaligen Rechtsvertreters der Beklagten, MLaw X1._, an die
Beiständin E._ vom 12. Juli 2019 (Urk. 5/7) nichts. Nach eigener Darstellung
der Beklagten teilte die Stellvertreterin der Beiständin E._ auf die entspre-
chende E-Mail von Rechtsanwalt MLaw X1._ vom 12. Juli 2019 mit, man
müsse auf die Rückkehr der Beiständin am Dienstag warten (Urk. 1 Rz. 88). Aus
welchem Grund diese Haltung der Stellvertreterin der Beiständin nicht akzeptiert
werden konnte, wie die Beklagte vorbringt, tut die Beklagte in ihrer Berufung ge-
rade nicht dar (Urk. 1 Rz. 88, 101). Die Beklagte führt insbesondere nicht sub-
stantiiert aus, inwiefern eine Notfallsituation bzw. ein akuter Handlungsbedarf be-
standen hätte (Urk. 1 Rz. 88, 101; vgl. Prot. I S. 83). Die Dringlichkeit einer kin-
derärztlichen Abklärung ist denn auch nicht ersichtlich. Nicht nur fand die entspre-
chende Konsultation bei Dr. med. S._, wie aus dem entsprechenden Bericht
hervorgeht, nicht gleichentags, sondern vielmehr gerade erst am Dienstag,
16. Juli 2019, und somit am Tag der erneuten Erreichbarkeit der Beiständin, statt
(vgl. Urk. 10/107/18). Im Bericht wird zudem auch festgehalten, dass die Kinder
"im Rahmen der kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchung sowie zur Beurteilung
des aktuellen Gesundheitszustandes" in der Praxis gewesen seien. Von einer
medizinisch indiziierten dringenden Abklärung kann mithin keine Rede sein, was
die Kinderärztin – wie aus der Ergänzung zum Kurzbericht der Beiständin vom
18. Juli 2019 hervorgeht (Urk. 10/103) – gegenüber P._ von der ...-
Wohngruppe auch kundtat. Dies lässt den Eindruck entstehen, die Beklagte habe
einfach ihr bereits an der Verhandlung vom 4. Juli 2019 angekündigtes Anliegen,
die Kinder durch Dr. med. S._ abklären zu lassen (vgl. Prot. I S. 69), umset-
zen wollen. Der Vollständigkeit halber ist noch herauszustreichen, dass die Vor-
derrichterin die Beklagte bereits anlässlich der Verhandlung vom 4. Juli 2019
ausdrücklich darauf hingewiesen hatte, dass eine solche Abklärung mit der ...-
Wohngruppe abzusprechen sei (vgl. Prot. I S. 69). Es bleibt somit bei der vo-
rinstanzlichen Feststellung, dass das beklagtische Unternehmen, die Kinder am
- 37 -
16. Juli 2019 zur Kinderärztin Dr. med. S._ zu bringen, als eigenmächtig zu
bezeichnen ist.
1.2.6. Soweit die Beklagte beanstandet, die Gutachterin habe die bevorstehende
Einschulung nicht genügend berücksichtigt (Urk. 1 Rz. 73, 83), bringt sie lediglich
erneut ihre vor Vorinstanz erhobene Kritik vor (vgl. Urk. 10/106/97), womit sie ih-
rer Begründungpflicht nicht Genüge tut (vgl. Urk. II.2.1) und wozu der Kläger be-
reits vor Vorinstanz korrekterweise bemerkt hat, die Frage der Einschulung sei
rechtskräftig geklärt und solle jetzt einfach stattfinden und die entsprechenden
Massnahmen seien bereits im Aufbau (vgl. Prot. I S. 139). L._ spricht sich
unter den Punkten 4.1.7 und 4.2.7 des Gutachtens deutlich für die Notwendigkeit
einer Einschulung der Kinder sowie für die Notwendigkeit von begleitenden Mass-
nahmen dazu aus (Urk. 10/54 S. 56, 59). Das Gutachten von L._ ist somit
hinsichtlich dieser Thematik keineswegs als unvollständig zu werten.
1.2.7. Die Beklagte wiederholt in Rz. 89 ihrer Berufungsschrift (Urk. 1) ihren be-
reits vor Vorinstanz erhobenen Einwand, dass aussenstehende Personen wie die
Reitlehrerin Frau T._ und die Bambusflötenlehrerin Frau U._ von der
Gutachterin L._ und der Vorinstanz unbegründet nicht einbezogen worden
seien (vgl. Urk. 10/106 Rz. 112 f.) und bringt vor, die Vorinstanz führe hierzu kei-
ne Begründung an. Diesbezüglich kann auf die für die Nichtberücksichtigung der
Berichte aus dem Freundes- und Bekanntenkreis der Beklagten ausschlaggeben-
de Feststellung der Vorinstanz verwiesen werden, wonach es sich dabei um Per-
sonen handle, welche der Beklagten nahestünden. Dies falle umso mehr ins Ge-
wicht, als dieser Personenkreis durch die Beklagte geradezu handverlesen sei,
was sich im rigorosen Ausschluss von anderen, nicht akzeptierten Personen
spiegle (Urk. 2 E. V.2.7). Dieser zutreffenden vorinstanzlichen Erwägung vermag
die Beklagte mit ihrem Hinweis, ihre angeblich handverlesenen Freunde seien ge-
rade die gemeinsamen Familienfreunde der Parteien gewesen, als sie noch zu-
sammengelebt hätten, nichts entgegenzusetzen (Urk. 1 Rz. 90). So bestätigt sie
doch mit ihrem Folgesatz, dass sämtliche Familienfreunde ihr nach der Trennung
erhalten geblieben seien (Urk. 1 Rz. 90), gerade, dass diese Personen nunmehr
ihr alleine persönlich verbunden sind. Diese Personen sind somit nicht wie die
- 38 -
Verfasser von gerichtlich angeordneten Gutachten als unabhängig zu erachten,
vielmehr sind deren Sichtweisen von derjenigen Person geprägt, die Anlass für
die entsprechenden Aussagen war, d.h. vorliegend von der Beklagten. Auch die
Gutachterin L._ hält im Rahmen der Beantwortung der Ergänzungsfragen
der Beklagten explizit fest, zu den vom Gutachten abweichenden schriftlichen
Schilderungen von Bezugspersonen der Mutter in den Akten sei zu sagen, dass
diese vor dem Hintergrund der Unterstützung der Mutter zu sehen seien, sodass
ihnen nur eine eingeschränkte Objektivität zugeordnet werden könne (Urk. 10/92
S. 3). Korrekterweise kam die Vorinstanz damit zum Schluss, dass die Gutachte-
rin L._ diese Berichte nicht zugunsten der Beklagten miteinbezogen habe,
schade der Schlüssigkeit des Gutachtens vom 1. Juni 2019 in keiner Weise
(Urk. 2 E. V.2.8).
1.2.8. Soweit die Beklagte schliesslich vorbringt, die Gutachterin habe ihre Er-
gänzungsfragen teilweise nicht hinreichend und befriedigend beantwortet (Urk. 1
Rz. 73), handelt es sich um eine völlig unsubstantiierte Rüge. Unabhängig davon
hat L._ sämtliche Fragen der Beklagten beantwortet; die von der Beklagten
erwähnten Fragen 11 und 25 durch zulässigen Verweis auf die Antworten zu den
Fragen 9 und 10 (vgl. Urk. 10/92). Nur weil die Gutachterin Fragen allenfalls an-
ders, als von der Beklagten gewünscht bzw. erwartet, beantwortet hat, heisst dies
im Übrigen nicht, dass die Fragen nicht hinreichend bzw. befriedigend beantwor-
tet wurden.
1.2.9. Zusammenfassend ist – mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 2 E. V.2.9) – festzu-
halten, dass das Gutachten vom 1. Juni 2019 nicht zu beanstanden ist, weder
hinsichtlich seiner Vollständigkeit, seiner Klarheit noch seiner Schlüssigkeit, wes-
halb von seiner Verwertbarkeit als Beweismittel für das vorliegende Verfahren
auszugehen ist. Ist das Gutachten vom 1. Juni 2019 somit als nicht mangelhaft zu
werten, ist auch der Antrag der Beklagten auf Einholung eines Obergutachtens
(Urk. 1 S. 2; Rz. 70, 93) abzuweisen (vgl. FamKomm Scheidung/Schweighauser,
Anh. ZPO, Art. 294 N 20; BGE 114 II 200 E. 2b; KUKO ZPO-Schmid, Art. 188
N 4).
- 39 -
2. Kontaktabbruch zum Vater
2.1. Die Vorinstanz erwog, am Anfang des Kontaktabbruchs zum Vater habe der
von der Beklagten regelmässig vorgebrachte Vorwurf gestanden, der Kläger habe
pädophile Fantasien, den die Beklagte aber immer wieder dahingehend ein-
schränke, dass sie dem Kläger nicht unterstelle, sich tatsächlich an den Kindern
vergehen zu wollen. Die Beklagte habe deswegen auch keine Angst, die Kinder
zum Vater zu bringen. Letztlich erscheine dieser Vorwurf schon aufgrund dieser
Relativierung widersprüchlich, lasse die Beklagte doch erkennen, dass sie keine
eigentliche Gefahr vom Kläger befürchte. Trotzdem habe die Beklagte im April
2017 gestützt darauf eine Gefährdungsmeldung bei der KESB Meilen eingereicht
und seither jeden Kontaktversuch des Klägers abgewehrt (Urk. 2 E. V.3.4). Die
Beklagte setzt dem im Wesentlichen entgegen, sie sei sich bereits im Zeitpunkt
der Gefährdungsmeldung vom 15. April 2017 bewusst gewesen, dass, wenn sie
ihre Befürchtung ohne entsprechende Relativierung vorbringen würde, ein Straf-
verfahren folgen könnte, welches im Falle einer Nichtbewahrheitung des Verdach-
tes zum Bumerang werden könnte, indem sie sich der falschen Anschuldigung
strafbar machen würde. Sie sei deshalb stets vorsichtig mit der vermuteten An-
schuldigung gewesen und habe erwirken wollen, dass man über die möglichen
Vorfälle zuerst hinreichende Sicherheit gewinne, bevor ein allfälliges Strafverfah-
ren losgetreten werde. Ein solches Verhalten sei nicht widersprüchlich, sondern
eher der entsprechenden Sache geschuldet (Urk. 1 Rz. 97). Damit vermag die
Beklagte aber das zutreffende Hauptargument der Vorinstanz, wonach, selbst
wenn davon ausgegangen werden müsste, dass mit dieser (letztlich nie substanti-
ierten) Verdächtigung ein Rechtfertigungsgrund für diese krasse Abschottung be-
standen hätte, gerade das konstante Widerstreben der Beklagten, der KESB Mei-
len (die gerade da sei, alle Massnahmen zu ergreifen, um die Kinder zu schützen
und bei der sie selber die Gefährdungsmeldung deponiert hatte) den Zugang zu
ebendiesen Kindern zu erlauben, irritiert (Urk. 2 E. V.3.4), nicht zu Fall zu bringen.
Die Vorinstanz merkte schliesslich an, dass nach Aussage von Dr. rer. medic.
V._, Fachpsychologe für Psychotherapie, bei welchem der Kläger seit dem
Jahr 2016 bis Anfang 2018 in Therapie gewesen sei, pädophile Strebungen völlig
ausgeschlossen seien (Urk. 2 E. V.3.4). Dass diese Einschätzung von Dr. rer.
- 40 -
medic. V._ der Beklagten nie zur Kenntnis gebracht worden sei, wie sie in
Rz. 98 ihrer Berufung (Urk. 1) vorträgt, trifft nicht zu. Die entsprechende Einschät-
zung findet sich im Gutachten von L._ (vgl. Urk. 10/54 S. 34), welches der
Beklagten am 4. Juli 2019 ausgehändigt wurde (vgl. Prot. I S. 70).
2.2. Die Vorinstanz folgerte, dass, wenn die Wahrnehmung der Beklagten vor
der Fremdplatzierung der Kinder noch so gewesen sei, dass zufällige Treffen mit
dem Kläger im Dorf "höchst unangenehm und belastend" seien, und wenn dies
gar zu einer Änderung des Einkaufsortes führe, könne nicht ernsthaft davon aus-
gegangen werden, dass von der Beklagten in absehbarer Zeit ein Umdenken hin-
sichtlich von Kontakten der Kinder zum Kläger hätte erwartet werden können
(Urk. 2 E. V.3.7). Die Behauptung der Beklagten, diese Schlussfolgerung blende
die Empfehlung von Fachpersonen (Gutachterin, Kindervertreterin, Heimleitung
der ...-Wohngruppe) aus, welche sich für einen langsamen Kontaktaufbau stark
machten (Urk. 1 Rz. 99 f.), geht an der Sache vorbei. Dass nach einem längeren
Kontaktunterbruch ein Besuchsrecht bzw. eine Betreuung durch den anderen El-
ternteil im Interesse des Kindeswohls behutsam aufgebaut werden muss, ist
grundsätzlich zutreffend. Vorliegend geht es aber um kurze Zusammentreffen der
Kinder mit dem Beklagten, ausserhalb eines eigentlichen Besuchsrechtes, im öf-
fentlichen Raum und im Wesentlichen um die persönliche Haltung der Beklagten
hierzu. Die vorstehend erwähnten sowie die noch deutlicheren Äusserungen der
Beklagten in der Berufungsschrift hierzu (vgl. Urk. 1 Rz. 99 f.) machen ihre kate-
gorische Abwehrhaltung gegenüber diesen Begegnungen mit dem Kläger deut-
lich; diese Begegnungen werden von der Beklagten mithin geradezu als Bedro-
hung empfunden. Mit der Vorinstanz ist insofern einig zu gehen, dass diese Aus-
sagen der Beklagten nicht dafür sprechen, dass sie ihre Einstellung gegenüber
Kontakten jeglicher Art der Kinder zum Kläger geändert hätte. Vielmehr manifes-
tieren diese Aussagen, dass die Beklagte solche Zusammentreffen – wenn über-
haupt – lediglich zu ihren Konditionen zulassen will.
Erneut erhebliche Zweifel an der Bereitschaft der Beklagten, eine positive Haltung
gegenüber den Kontakten zwischen den Kindern und dem Kläger einzunehmen,
erweckt nebstdem die von der Beklagten im Berufungsverfahren persönlich einge-
- 41 -
reichte Eingabe vom 30. August 2019. Darin führt sie aus, was folgt: "Inwiefern
eine Lernstunde mit dem Kindsvater möglich und sinnvoll ist, bleibt genau zu prü-
fen. Gemäss Aussage der Heimleitung stellen die Vaterbesuche für die Kinder ei-
ne Belastung dar. In 9 Wochen kam keine Kommunikation zustande, sie fliehen
nach wie vor seinen Blickkontakt". Nicht nur wird die Entwicklung der väterlichen
Kontakte zu den Kindern vom Kläger weitaus positiver umschrieben (vgl.
Urk. 10/99 S. 4 f.; Urk. 10/36 Rz. 7; Prot. I S. 89 ff.); es finden sich in den der
Kammer vorliegenden Akten überdies auch keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass
die Heimleitung sich entsprechend geäussert hätte. Wie aus der E-Mail von
R._ betreffend Besuchsgestaltung ab Montag 25. August 2019 vom
23. August 2019 hervorgeht, sprach sich die ...-Wohngruppe gerade für einen
egalitären Kontakt der Kinder zu beiden Elternteilen aus (Urk. 45/1), wie dies auch
die Beiständin bereits im Vorfeld angeregt hatte (Urk. 38/6 S. 2).
2.3. Die Beklagte wirft der Vorinstanz vor, ihre Aussage anlässlich der Verhand-
lung vom 19. Juli 2019 (Prot. I. S. 107 f.), wo sie eine Krisensituation als Grund für
den Kontaktabbruch zum Kläger angegeben habe, aus dem Kontext gerissen zu
haben (Urk. 1 Rz. 100). Die Ausführungen hätten sich auf den Entscheid des
Homeschool-Unterrichts bezogen und nicht auf den generellen Vaterkontakt. Die-
ser Argumentation kann nicht gefolgt werden. In der entsprechenden Antwort an-
lässlich der Verhandlung vom 19. Juli 2019 nahm die Beklagte ausdrücklich da-
rauf Bezug, dass ihr Verhalten "der Eheschutzvereinbarung und dem vereinbarten
Besuchsrecht" widersprochen habe und erwähnte ihre Gefährdungsmeldung vom
15. April 2017 (vgl. Prot. I S. 108), worin die Beklagte wiederum angab, die gel-
tend gemachte Kindeswohlgefährdung könne durch eine Aufhebung des Be-
suchsrechts behoben werden (Urk. 10/17/1/2).
2.4. Der beklagtische Einwand in der Berufung, dass die Vorinstanz weder sub-
stantiiert begründet habe, weshalb die Beklagte nicht innerlich bereit sei, zum jet-
zigen Zeitpunkt einen Vaterkontakt aufzubauen, noch aufgezeigt habe, weshalb
dieser innere Wille nicht glaubwürdig sei (Urk. 1 Rz. 102), erweist sich angesichts
der vorstehend wiedergegebenen vorinstanzlichen Ausführungen als unbegrün-
det.
- 42 -
3. Fehlende Kooperation mit den Behörden und Homeschooling
3.1. Die Beklagte beanstandet, die Vorinstanz führe nicht aus, inwiefern eine feh-
lende Kooperation mit den Behörden eine Kindswohlgefährdung darstelle (Urk. 1
Rz. 103). Die fehlende Bereitschaft zur Zusammenarbeit eines Elternteils mit den
Behörden kann den nötigen Informationsfluss verhindern und den involvierten
Stellen, insbesondere der Beiständin, die Erfüllung ihrer Aufgaben erschweren
bzw. sogar verunmöglichen, was letztlich durchaus das Kindeswohl tangiert.
3.2. Die Tatsachen alleine, dass die Beklagte im Rahmen der Begutachtung
durch L._ Termine wahrgenommen und vor Vorinstanz an den Verhandlun-
gen, zu welchen sie unter Androhung von Säumnisfolgen vorgeladen wurde (vgl.
Urk. 10/9; Urk. 10/83/1), teilgenommen hat, vermag der Beklagten – entgegen ih-
rer Auffassung in den Rz. 91, 104 und 130 der Berufungsschrift (Urk. 1) – keine
Kooperationsfähigkeit mit den Behörden zu attestieren. Schlicht aktenwidrig ist
sodann das beklagtische Vorbringen, die mangelnde Kooperationsbereitschaft
während dem Verfahren der KESB Meilen lasse sich auf praktisch einen einzigen
Termin reduzieren, welcher nicht eingehalten worden sei (Urk. 1 Rz. 104).
Exemplarisch sind die Weigerung der Beklagten, die Kinder zur Anhörung zu
ebendieser Behörde zu bringen (Urk. 10/17/1/32), ihr Widersetzen gegenüber ei-
nem Kontakt der Kindesvertreterin zu den Kindern (Prot. I. S. 116) oder ihr feh-
lendes Mitwirken bei der von der KESB Meilen in Auftrag gegebenen Begutach-
tung durch die Praxis M._ (Urk. 10/17/1/103, 173, 268), anzuführen. Die Be-
klagte betont in ihrer Berufung mehrfach, sie habe während der aktuellen Gutach-
tenserstellung kooperiert (Urk. 1 Rz. 79, 104). Das Bild, welches die Gutachterin
L._ von der Kooperationsbereitschaft der Beklagten zeichnet, weicht davon
aber diametral ab. Bereits die Telefonnotiz der Vorderrichterin vom 20. Mai 2019
hält fest, dass L._ ausgeführt habe, die Beklagte kooperiere oberflächlich,
die Zusammenarbeit sei aber schwierig gewesen (Prot. I S. 48). Im Rahmen des
Gutachtens hielt L._ zur Kooperationsfähigkeit der Beklagten sodann Fol-
gendes fest: "Sie versuchte im vorliegenden Gutachten die Untersuchungen zu
kontrollieren und konnte nur dadurch zur Zusammenarbeit angehalten werden,
dass ihr die Hoheit über die Entscheidungen überlassen wurde, indem auf ihre
- 43 -
Forderungen eingegangen (Spaziergang, Türe offen lassen) und keine Kritik ge-
übt wurde. Dies jedoch mit der Einschränkung, dass sie oberflächlich und auswei-
chend antwortete oder sich über die Dauer und Häufigkeit der Termine beklagte.
Im Abschlusstelefonat ging Frau A._ nicht auf Fragen zu korrigierenden
Massnahmen (Einschulung, Kontakt zum Vater, eigene Therapie, Reflexion ihres
Verhaltens mit einer Erziehungshilfe) ein. Sie legte nochmals dar, wieso sie sich
im Recht sieht und beschrieb dezidiert, wie negativ solche Massnahmen auf die
Kinder wirken würden. Die Zusammenarbeit mit Frau A._ ist sehr schwierig.
Alles prallt an ihr ab. Es geht ihr vor allem darum, ihre eigene Sicht darzulegen.
Ein Eintreten auf andere Argumente, Selbstreflexion oder gar Selbstkritik finden
nicht statt. Es ist nicht anzunehmen, dass die Mutter in Zukunft eine innere Hal-
tung aufbringt, um tatsächlich offen mit Behörden oder in einer Beratung zu ko-
operieren und sich zu entwickeln" (Urk. 10/54 S. 62).
3.3. Die Beklagte geht fehl in ihrer Annahme, das Nichtbeibringen der Unter-
schrift des Klägers auf der Homeschooling-Anmeldung sei ihr nicht als kooperati-
onsverweigerndes Verhalten anzulasten (Urk. 1 Rz. 105). Entgegen ihrer bereits
vor Vorinstanz vertretenen Auffassung, handelte es sich nämlich nicht um eine
reine Formalie (vgl. Prot. I S. 25 f.), dass auf der Anmeldung zum Homeschooling
die Unterschrift beider Elternteile verlangt war. Dies ist vielmehr Ausdruck davon,
dass es sich bei der Frage der Beschulung um einen grundsätzlich von beiden In-
habern der elterlichen Sorge gemeinsam zu fällenden Entscheid handelt
(vgl. BSK ZGB I-Schwenzer/Cottier, Art. 301 N 3c; FamKomm Scheidung/Büchler/
Clausen, Art. 301 N 8). Die Beklagte geht auch fehl in der Annahme, sie könne
die Verantwortung für das Einholen der Unterschrift des Klägers auf dem Formu-
lar auf das Volksschulamt abschieben (Urk. 1 Rz. 105). Dieses hatte hierzu kei-
nerlei Veranlassung, nachdem der Kläger bereits am 8. Dezember 2017 gegen-
über dem Volksschulamt klar kommunizierte, dass er seine Zustimmung zum
Homeschooling widerrufe (Urk. 10/17/1/74).
3.4. Die Beklagte moniert, die Vorinstanz führe ein Telefonat zwischen ihr und
dem Kläger, in dem sie versucht habe, dem Kläger die Vorteile des Homeschoo-
lings aufzuzeigen, an, um ihre mangelnde Kooperation zu belegen. Inwiefern da-
- 44 -
rin ein mangelnder Wille zur Kooperation gesehen werden könne, führe die Vor-
instanz gerade nicht aus. Sie habe lediglich einen beträchtlichen Mangel an In-
formationen seitens des Kindsvaters festgestellt, der bei ihm zu unbegründeten
Ängsten gegenüber dieser Unterrichtsform geführt habe, und ihn eingeladen, die-
sen zu beheben. Die Weiterführung des Privatunterrichts wäre trotz rechtskräfti-
gem Entscheid des Bezirksrates möglich gewesen, wenn beide Inhaber der elter-
lichen Sorge sich für die weitere Beschulung der Kinder im Homeschooling aus-
gesprochen hätten (Urk. 1 Rz. 107 f.). Damit zeigt die Beklagte gerade selbst auf,
dass sie trotz Vorliegen eines zweitinstanzlichen Entscheides (vgl. Urk. 10/35/1)
betreffend Einschulung der Kinder in eine öffentliche Schule (erneut) einen Weg
gesucht hat, um eine solche zu verhindern, anstatt die von dieser Behörde ent-
schiedene Einschulung der Kinder zu akzeptieren. Auch die Frage der Gutachte-
rin im Rahmen des Abschlusstelefonates, wie sie aktuell zur Einschulung stehe,
beantwortete die Beklagte damit, dass die Einschulung für die Kinder eine gravie-
rende Schädigung darstelle, die Kinder würden aus den aktuellen Beziehungen
herausgerissen (Urk. 10/54 S. 45). Bei ihrer erneuten Beteuerung in der Berufung,
sie habe die bevorstehende Einschulung der beiden Kinder in die öffentliche
Schule akzeptiert (Urk. 1 Rz. 108), handelt es sich vor diesem Hintergrund um ei-
ne inhaltsleere Aussage. Zu einem anderen Ergebnis führt auch der Umstand,
dass die Beklagte die Klassenzuteilung vom 24. Juni 2019 nicht angefochten hat,
wie sie in ihrer Berufung weiter anführt (Urk. 1 Rz. 108), nicht, hätte ein Rechts-
mittel dagegen am Grundsatzentscheid, dass das von ihr gewünschte Home-
schooling nicht weiterzuführen ist, ohnehin nichts mehr geändert.
3.5. Die Vorinstanz hat zur Begründung, weshalb sie die von der Beklagten in
Aussicht gestellte hypothetische Kooperation alles andere als glaubhaft erachtete,
mitunter ausgeführt, die Beklagte habe sich am 22. Mai 2019 telefonisch und am
8. Juni 2019 schriftlich vernehmen lassen und ausgeführt, dass eine Einschulung
aus ihrer Sicht die Verhandlungsgrundlage im vorliegenden Scheidungsverfahren
gänzlich ändern würde, dass noch vor August (d.h. vor Beginn des Schuljahres)
zur Verhandlung vorzuladen sei, und dass die KESB Meilen (die zu jener Zeit die
Vorbereitungen für die Einschulung getroffen hatte) sich vollkommen heraushal-
ten solle. Telefonisch habe die Beklagte dies nochmals am 18. Juni 2019 wieder-
- 45 -
holt. Solche Verhaltensweisen könnten nur dahingehend verstanden werden, so
die Vorinstanz weiter, dass die Beklagte sich nach der Niederlage im Instanzen-
zug eine "Rettung" des Homeschooling durch das Scheidungsverfahren erhofft
habe. Wenn die Beklagte noch vor der Fremdplatzierung davon gesprochen habe,
dass bei der Einschulung "die Verhandlungsgrundlagen gänzlich anders" aussä-
hen, müssten die Aussagen nach der Fremdplatzierung, wonach sie bei der Ein-
schulung "immer noch voll dabei" sei, stark relativiert werden (Urk. 2 E. V.3.13).
Auf diese zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz geht die Beklagte nicht im An-
satz ein. Vielmehr belässt sie es in Rz. 110 ihrer Berufungsschrift (Urk. 1) dabei,
ihren bereits vor Vorinstanz vertretenen Standpunkt, wonach ihr Antrag, das
KESB-Verfahren und das Scheidungsverfahren zusammenzulegen aus einem ju-
ristischen Unverständnis hervorgegangen sei und sie sich erhofft habe, den Pri-
vatunterricht nochmals besprechen zu können, zu wiederholen (vgl. Prot. I
S. 129 ff., 141). Insofern genügen ihre Ausführungen den in Erwägung II.2.1 ge-
nannten Anforderungen an eine hinreichende Berufungsbegründung im Sinne von
Art. 311 ZPO nicht. Die Argumentation der Beklagten, die Vorinstanz habe ihr die
Verfahrenszusammenhänge nicht erläutern können (Urk. 1 Rz. 110), überzeugt
angesichts der Deutlichkeit, in welcher ihr die Vorinstanz am Telefon mehrfach
aufzeigte, weshalb eine Zusammenlegung der Verfahren nicht in Frage kam, oh-
nehin nicht (vgl. Prot. I S. 49 und 52).
3.6. Auch mit dem Hinweis allein, dass sie mit der Beiständin Kontakt aufge-
nommen habe (Urk. 1 Rz. 109), vermag die Beklagte ihre Kooperationsbereit-
schaft nicht glaubhaft zu machen. So umfasst doch eine eigentliche Zusammen-
arbeit mit einer Kinderbeiständin weit mehr. Augenfällig ist in diesem Zusammen-
hang zudem, dass die Beklagte anlässlich der Verhandlung betreffend vorsorgli-
che Massnahmen vom 19. Juli 2019 deutlich signalisierte, dass das Vertrauen zur
Beiständin E._ für eine Zusammenarbeit vorhanden sei (Prot. I S. 123).
Demgegenüber liess die Beklagte aber bereits in der rund zweieinhalb Wochen
später verfassten Berufungsschrift vom 7. August 2019 die Fachkompetenz und
die Unvoreingenommenheit der Beiständin in Frage stellen (Urk. 1 Rz. 88) und
setzt sich – wie aus den der Kammer zur Kenntnisnahme zugestellten Eingaben
an die Vorinstanz bzw. an die KESB Meilen vom 30. August 2019 bzw. 19. Sep-
- 46 -
tember 2019 hervorgeht (Urk. 33; Urk. 54) – inzwischen für einen Wechsel der
Beiständin ein. Ausdruck mangelnder Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der
Beiständin ist auch der von der Beklagten in Eigeninitiative wahrgenommene
Arztbesuch vom 16. Juli 2019 bei der Kinderärztin Dr. med. S._ (vgl.
E. III.A.1.2.5). Die Beiständin E._ warf daraufhin in ihrer Ergänzung zum
Kurzbericht vom 18. Juli 2019 denn auch die Frage auf, ob die elterliche Sorge
der Beklagten in medizinischen Belangen einzuschränken sei (Urk. 10/103 S. 1).
3.7. Das vorinstanzliche Fazit, dass in den vorliegend wesentlichen Bereichen
keine Verhaltensänderung der Beklagten eingetreten sei und dass allfällige An-
zeichen von Kooperationsbereitschaft dem Zweck dienten, Druck der Behörden
abzubauen, ohne aber von echter Einsicht begleitet zu sein (Urk. 2 E. V.3.14),
erweist sich vor diesem Hintergrund als zutreffend.
4. Eingeschränkte Erziehungsfähigkeit
4.1. Stützt sich das Gericht auf sachverständige Personen, um sich das für den
Entscheid erforderliche Fachwissen zu verschaffen, so würdigt es die von diesen
Fachpersonen angefertigten Gutachten grundsätzlich frei. Allerdings darf ein Ge-
richt in Fachfragen nur aus triftigen Gründen von einem Gutachten abweichen. Es
hat zu prüfen, ob sich aufgrund der übrigen Beweismittel und der Vorbringen der
Parteien ernsthafte Einwände gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darle-
gungen aufdrängen. Erscheint ihm die Schlüssigkeit eines Gutachtens in wesent-
lichen Punkten zweifelhaft, hat das Gericht nötigenfalls ergänzende Beweise zur
Klärung dieser Zweifel zu erheben. Das Abstellen auf eine nicht schlüssige Exper-
tise bzw. der Verzicht auf die gebotenen zusätzlichen Beweiserhebungen kann
gegen das Verbot der willkürlichen Beweiswürdigung verstossen (BGE 138 III 193
E. 4.3.1; BGE 141 IV 369 E. 6.1; BGE 142 IV 49 E. 2.1.3; BGer 5A_901/2017 vom
27. März 2018, E. 2.3).
Die Beklagte bestreitet die Feststellungen der Gutachterin, dass die Beklagte der
Ansicht sei, nur sie könne die Kinder beschützen, und dass die Kinder sich selbst
überlassen würden (Urk. 1 Rz. 126 f.). Letztendlich handelt es sich hierbei nur um
die eigene Wahrnehmung der Beklagten, die sie wiedergibt, und nicht um zuver-
- 47 -
lässig begründete Tatsachen oder Indizien, die die Überzeugungskraft des Gut-
achtens ernstlich zu erschüttern vermöchten. Die Beklagte bringt weiter vor, dass
sie gerade bewusst die naturgegebene Strebung fördere, entspreche einem aner-
kannten Erziehungsmuster (Montessoripädagogik und Walddorfpädagogik) und
sei, auch wenn es nicht dem Leitbild der öffentlichen Schulen entspreche, per se
keine Kindswohlgefährdung. Weder die Gutachterin noch die Vorinstanz setzten
sich mit diesen anerkannten Erziehungspraktiken auseinander (Urk. 1 Rz. 127 f.).
Dieser Vorwurf ist unbegründet. Die Vorinstanz führte diesbezüglich aus, das Le-
benskonzept der Beklagten sowie die Erziehungsschulen, denen sie folge, stün-
den vorliegend nicht auf dem Prüfstand und hätten auf die Beurteilung der Kinds-
wohlgefährdung keinen Einfluss. Im Rahmen der persönlichen Freiheit stünden
diese Lebenskonzepte, in den Grenzen, die das Recht setze, jedermann offen.
Eine solche Grenze werde aber namentlich durch die gemeinsame elterliche Sor-
ge gesetzt, welche die Eltern zur gemeinsamen Absprache in Erziehungsfragen
anhalte (Urk. 2 E. V.3.15). Zudem hat die Gutachterin L._ die Ergänzungs-
frage 2 der Beklagten, inwiefern eine anthroposophische Weltanschauung das
Kindeswohl akut gefährde, beantwortet. Sie hat dazu explizit festgehalten, es ge-
he nicht um die anthroposophische Weltanschauung an sich, sondern darum, wie
die Mutter anthroposophische Konzepte adaptiere, persönlich intepretiere und ri-
gide anwende. In dieser Ausprägung (siehe häufige Schilderungen von Frau
A._, wie schädlich sich ihrer Meinung nach erzieherische Führung auf das
Kindswohl auswirkt) umgesetzt, behinderten sie die kindliche Entwicklung
(Urk. 10/93 S. 2). Damit hat es sein Bewenden. Auch mit ihrer Behauptung, dass
sie durchaus bereit sei, Fachmeinungen aufzunehmen (Urk. 1 Rz. 131), gibt die
Beklagte lediglich ihre persönliche Einschätzung wieder. Die Gutachterin L._
gelangte demgegenüber zum Schluss, ein Dialog zwischen der Beklagten und
Menschen, die ihre Ansichten nicht teilten, sei kaum möglich, auf Fachmeinungen
höre sie nicht (Urk. 10/53 S. 51 f., 62). Letztlich vermag die subjektive Ansicht der
Beklagten, dass dem nicht so sei, nicht dazu zu führen, dass sich ernsthafte Ein-
wände gegen die Schlüssigkeit der gutachterlichen Darlegungen aufdrängten.
4.2. Die Beklagte stört sich an der Diskrepanz zwischen der befähigten Home-
schoollehrerin und der erziehungsunfähigen Kindsmutter. Sie bringt insbesondere
- 48 -
vor, die beiden Aufsichtsberichte zum Homeschooling würden ihr ein ausgezeich-
netes Zeugnis ausstellen (Urk. 1 Rz. 126). Es wird – auch vom Kläger (Urk. 10/1
S. 9) und der Gutachterin L._ (Urk. 10/54 S. 59) – nicht bestritten, dass die
Klägerin eine gute Lehrerin ist und die Aufsichtsbesuche durch das Volksschulamt
positiv verlaufen sind. Einerseits wird im entsprechenden Bericht vom 20. No-
vember 2018 jedoch ausdrücklich festgehalten, die Einschätzung beziehe sich auf
die schulischen Belange des Privatunterrichts (Urk. 5/8 S. 3), was von der Beklag-
ten vor Vorinstanz im Übrigen auch so anerkannt wurde (vgl. Prot. I S. 25). Die
Beklagte geht andererseits auch fehl in ihrer Einschätzung, dass ihre beruflichen
Fähigkeiten als Lehrerin ihr auch erzieherische Fähigkeiten im privaten Bereich zu
attestieren vermöchten (Urk. 1 Rz. 126). Die Gutachterin L._ hat die Tatsa-
che, dass die Beklagte gut in der Lage ist, den Kindern den Schulstoff zu vermit-
teln, durchaus berücksichtigt, kam jedoch nichtsdestotrotz zum Schluss, dass ins-
gesamt "leider die psychischen Auffälligkeiten und Einschränkungen der Beklag-
ten zu einem dysfunktionalen Beziehungs-, Betreuungs- und Erziehungsverhal-
ten" führen (Urk. 10/54 S. 59). Dies muss sich die Beklagte entgegenhalten las-
sen.
4.3. Als unsubstantiiert und angesichts der in Erwägung V.3.18 des angefochte-
nen Entscheides (Urk. 2) wiedergegebenen Zitatstellen aus dem Gutachten vom
1. Juni 2019 auch als unberechtigt erweist sich die Rüge der Beklagten, die Vo-
rinstanz habe ihre Erziehungsdefizite nicht herausgeschält (Urk. 1 Rz. 134).
Ebenso ins Leere zielt ihr Vorbringen, sowohl die Gutachterin als auch die Vo-
rinstanz unterliessen es zu bestimmen, worin die Gefahr der deutlichen Fehlent-
wicklung der Kinder bestehe, entsprechend sei das Gutachten nicht vollständig
und nicht nachvollziehbar (Urk. 1 Rz. 129). Es bleibt diesbezüglich beispielhaft auf
folgende äusserst deutlichen Feststellungen im Gutachten vom 1. Juni 2019
(Urk. 10/54) hinzuweisen:
− Die Kinder dürfen und können sich keine eigene Meinung bilden. Auch wenn die Mutter angibt, sie nehme Äusserungen der Kinder ernst, scheint sie diesen doch nicht wirklich zu vertrauen: Drücken die Kinder Gefühle aus, verhalten sie sich z.B. gereizt, sucht die Mutter nach  liegenden Problemen. So werden dann den Kindern wiederum Erklärungen der Mutter aufgestülpt. Gibt die Mutter an, ihr oberstes Ziel
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sei es, dass die Kinder sich frei entwickeln und Autonomie erlangen könnten, erreicht sie leider durch das die implizite Botschaft "macht, was ihr wollt, aber nur auf meiner Linie" das Gegenteil. So lehrt sie die Kinder vor allem nein zu sagen, sich von Menschen abzuwenden und sich zu verweigern (S. 50 f.).
− C._ lebt wie die Mutter in ihrer eigenen Welt. In der Untersuchung ging sie kaum auf die Gutachterin ein, als ob sie woanders wäre. Sie richtet sich nicht auf Beziehungspartner aus und kann sich anderen nur schwer anschliessen. Ihr Beziehungsverhalten wirkt gestört. C._ lernt nein, anstatt ja zu sagen. Sie ist es nicht gewohnt, Anweisungen zu erhalten, kann nicht auf Stimuli von aussen eingehen, nicht . Sie wehrt einfach alles ab, was sie nicht kennt. D._ wirkte etwas extravertierter und neugieriger als C._. Aber auch sie ist stark verunsichert und war nicht in der Lage, sich frei zu äussern und zu verhalten. (...) Beide Kinder sind in einem auffälligen Zustand und verfügen nicht über altersgemässe soziale Fähigkeiten. Sie können nicht auf andere Menschen eingehen und weder auf Anforderungen noch auf Impulse reagieren: Bei der Mutter müssen sie dies nicht, bei anderen Menschen können sie es nicht. Bereits jetzt wird ihre  in den Schulunterricht anspruchsvoll sein. Je länger dieser Zustand andauert, desto schwieriger wird es für sie, sich an die  der Gesellschaft anzupassen (S. 53 f.).
− Das Wohlergehen von D._ ist bei der Mutter gefährdet. Sie wird überbehütet, in anstehenden Entwicklungsaufgaben nicht gefördert sowie von Kontakten mit der Aussenwelt, mit dem Vater und der  Familie ferngehalten. Sie lernt zu wenig, auf andere Menschen  einzugehen und auf deren Impulse zu reagieren. Sie  deshalb nicht über altersgemässe soziale Fähigkeiten, konnte sich nicht eigenständig entwickeln und ist sehr unsicher (S. 58).
− In der ausschliesslichen Betreuung der Mutter mit Beschulung zu  entwickelten die Kinder bereits starke Verhaltensauffälligkeiten, die sich in Zukunft noch verstärken und ihre weitere psychosoziale  gefährden würden. In Zukunft würden sich die Kinder noch mehr dem Verhalten der Mutter angleichen. Es ist eine  des Zustands der Kinder zu erwarten, mit oppositionellem , Misstrauen gegenüber der Aussenwelt und Fixierung auf die  mit entsprechenden Beziehungsstörungen (S. 63).
Ein in Bezug auf die Verhaltensauffälligkeit der Kinder identisches Bild vermitteln
im Übrigen auch die Entwicklungsabklärungen des Kantonsspitals G._ vom
29. August 2019 (Schwierigkeiten der Kinder in der Kontaktaufnahme und Kom-
munikation sowie Ignorieren der Instruktionen der Untersucherin, Zeichen der Im-
pulsität und Übergriffigkeit und zeitweise situativ unangepasstes Verhalten; vgl.
Urk. 45/3 jeweils S. 2). Ebenso schildert die Beiständin E._ in ihrem Kurzbe-
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richt vom 16. Juli 2019, dass das bei den Kindern beobachtete und beschriebene
Sozialverhalten nicht altersentsprechend und höchst auffällig sei. Die Mädchen
zeigten hinsichtlich der Einschulung und zum Kindsvater irrationale Ängste. Auf-
grund der gelebten Isolation liege die Vermutung nahe, dass diese Ängste durch
die Kindsmutter geschürt worden seien. Die derzeit vorliegenden Auffälligkeiten
korrespondierten mit dem im vorliegenden Gutachten beschriebenen Verhalten
(Urk. 10/99 S. 5) . Am 24. September 2019 berichtete die Beiständin erneut, seit
Beginn der Platzierung gelinge es den Mädchen nur ansatzweise, sich gegenüber
anderen, nicht der Kindsmutter nahestehenden Personen, zu öffnen (Urk. 63/1
S. 1).
4.4. Die Vorinstanz führte an, illustrativ für das gestörte Erziehungsverhalten der
Beklagten, in welchem die Kinder einerseits überbehütet und andererseits bei
richtungsweisenden Erziehungsfragen sich selbst überlassen würden, sei die um-
strittene Frage des Kindergartenbesuchs von C._ im Jahr 2016 gewesen, an
welchem der Ehekonflikt der Parteien schlussendlich eskaliert sei. Es werde be-
richtet, dass die Beklagte C._ zum Kindergarten gebracht habe, und so lang
in der Garderobe gewartet habe, bis diese ihr das Zeichen gegeben habe, sie
könne nun gehen. Es sei auch vorgekommen, dass C._ ihre Mutter an der
Hand genommen und zur Tür begleitet habe, als Zeichen "Du kannst jetzt gehen".
Nach Äusserung der Kindergärtnerin, Frau W._, seien auch nie Anzeichen
zu erkennen gewesen, dass C._ mit dem Kindergarten Mühe habe. Selbst
wenn dies aber der Fall gewesen wäre, so habe die Beklagte ihr keinerlei Unter-
stützung bei der Bewältigung dieser Herausforderung gegeben. Vielmehr habe sie
sich jeweils am Morgen erkundigt, ob C._ überhaupt in den Kindergarten
wolle, und diese Erziehungsaufgabe somit verhandelbar gemacht (Urk. 2
E. V.3.20). Die Beklagte bringt diesbezüglich vor, es sei störend, dass die Vo-
rinstanz nur auf die KESB Akten sowie auf ihre Aussagen in der ersten Anhörung
vom 4. Dezember 2018 abstelle. In der Befragung vom 19. Juli 2019 habe sie ihr
Verhalten nochmals genau und detailliert wiedergegeben. So werde nicht er-
wähnt, dass sie sich auf die Einschulung gefreut habe und bereit gewesen sei,
diese mehrere Male zu versuchen. Auch der Vorfall, an welchem C._ gesagt
habe "Du kannst jetzt gehen", werde in dieser Befragung nochmals ausführlich
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dargelegt. Die Wiedergabe dieses Ereignisses durch die Vorinstanz entspreche
somit in keiner Art und Weise dem tatsächlich Geschehenen (Urk. 1 Rz. 133). Die
Berücksichtigung der beklagtischen Aussagen vom 19. Juli 2019 ändert aber
nichts an der zutreffenden vorinstanzlichen Feststellung, dass die Beklagte
C._ keinerlei Unterstützung bei der Bewältigung dieser Herausforderung ge-
geben habe. Zwar behauptete die Beklagten anlässlich der Verhandlung betref-
fend vorsorgliche Massnahmen vom 19. Juli 2019 mehrfach, dass sie ihre Tochter
unterstützt habe (Prot. I S. 103, 105), worin konkret ihre Unterstützung bestanden
hat (wie beispielsweise gutes Zureden, Gespräche mit dem Kind im Vor- bzw.
Nachgang zu den Kindergartenbesuchen, Inanspruchnahme von allfälligen Hilfe-
leistungen der Kindergärtnerin), legt die Beklagte jedoch nicht ansatzweise dar
und ist auch nicht erkennbar.
4.5. Die Beklagte bemängelt, es sei von der Vorinstanz nicht genügend berück-
sichtigt worden, dass nicht sie die Kindswohlgefährdung dargestellt habe, sondern
dass die Kindswohlgefährdung, ja sogar gravierende Kindswohlschädigung gera-
de erst mit der Heimplatzierung stattgefunden habe (Urk. 1 Rz. 136). Dieselbe
Auffassung teilen diverse der Beklagten nahestehende Personen in den von
ihnen seit der Eröffnung des angefochtenen Entscheides eingereichten Gefähr-
dungsmeldungen (Urk. 9; Urk. 14; Urk. 21/1; Urk. 24; Urk. 31; Urk. 10/121/2;
Urk. 10/124) bzw. in einem von ihnen unterzeichneten Aufruf vom 15. August
2019 (Urk. 12-13). Die Kindervertreterin bringt es in ihrer Stellungnahme vom
16. September 2019 auf den Punkt, indem sie hierzu ausführt, es sei sicherlich
zutreffend, dass eine Fremdplatzierung immer eine Gefährdung der kindlichen
Entwicklung sei, da diese insbesondere bei jüngeren Kindern zu einem Bindungs-
abbruch zur primären Bezugsperson führe und die Kinder damit immer destabili-
siere. Dies lasse sich nicht vermeiden. Die zentrale Frage sei aber, so die Kinder-
vertreterin weiter, was die kindliche Entwicklung mehr gefährde, die Fremdplatzie-
rung oder der weitere Verbleib der Kinder unter der Obhut des hauptbetreuenden
Elternteils (Urk. 49 S. 5). Das Gutachten vom 1. Juni 2019 gelangt unzweideutig
zum Schluss, dass die Erziehungsfähigkeit der Beklagten stark eingeschränkt ist
und es in ihrer Obhut zu einer deutlichen Fehlentwicklung der Kinder kommt
(Urk. 10/54 S. 60 f.). Angesichts dessen, dass ein Abweichen vom Gutachten sich
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nur rechtfertigen würde, wenn sich ernsthafte Einwände gegen seine Schlüssig-
keit aufdrängen würden (vgl. hierzu E. III.A.4.1), was weder dargetan wurde noch
ersichtlich ist, ist somit davon auszugehen, dass ein weiterer Verbleib der Kinder
unter der Obhut der Beklagten eine grössere Gefährdung für die gesunde kindli-
che Entwicklung darstellt als der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechtes.
4.6. Die der Beklagten von der Gutachterin L._ attestierte eingeschränkten
Erziehungsfähigkeit zeigt sich schliesslich auch im Verhalten der Beklagten ge-
genüber den Medien (Initiierung eines Zeitungsartikels im AA._, vgl.
Urk. 38/1-2) und im Internet (öffentlicher Eintrag auf Facebook, vgl. Urk. 38/3)
nach Eröffnung des angefochtenen Entscheides, womit sie einer breiten Öffent-
lichkeit Informationen über die familiären Verhältnisse der Parteien zugänglich
machte. Wie der Kläger in seiner Berufungsantwort zu Recht bemerkt, stellt die
Beklagte hiermit klarerweise ihre eigenen Interessen über diejenigen ihrer Kinder,
insbesondere über das Interesse der Kinder nach Wahrung ihrer Privatsphäre
(vgl. Urk. 36 Rz. 8, 16).
5. Zustand der Kinder
5.1. Die Beklagte bringt vor, beiden Kindern werde ein unsicher-vermeidendes
Bindungsmuster attestiert. Dabei unterlasse es die Gutachterin, dieses Bin-
dungsmuster zu werten, was die Vorinstanz weder bemängle noch negativ fest-
stelle. Stattdessen werde der Ausdruck des unsicher-vermeidenden Bindungs-
musters einfach übernommen und im Kontext als negativ dargestellt, obwohl ein
solches weit verbreitet sei und als normal eingestuft werde (Urk. 1 Rz. 137, 147).
Diese Argumentation verfängt nicht. Die Gutachterin hat in Bezug auf das unsi-
cher-vermeidende Bindungsmuster der beiden Kinder durchaus eine Würdigung
vorgenommen. So führte sie insbesondere explizit aus, die hohe Bindungsunsi-
cherheit zeige an, dass D._ sehr verunsichert sei, dass sie emotional und er-
zieherisch zu wenig Halt finde und wenig innere Sicherheit habe aufbauen können
(Urk. 10/54 S. 57). Unabhängig davon floss dieser Aspekt zweifelsohne auch in
die Gesamtbeurteilung der Gutachterin ein, wonach das Wohlergehen und die
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weitere Entwicklung der Kinder unter der Obhut der Beklagten gefährdet seien
(Urk. 10/54 S. 55, 58 und 60).
5.2. Die Beklagte beanstandet, die Gutachterin habe die Interaktion mit anderen
Kindern im Anschluss an die Begutachtungssituation nicht wahrnehmen wollen,
obwohl sie von ihr direkt vor der Praxis in AB._ dazu aufgefordert worden sei
(Urk. 1 Rz. 143). Diesbezüglich ist der Beklagten erneut (vgl. E. III.A.1.2.3) entge-
genzuhalten, dass es nicht ihre Sache ist, der Gutachterin vorzuschreiben, wie sie
ihre Abklärungen vorzunehmen hat. Das Gutachten ist somit in dieser Hinsicht
auch nicht als unvollständig zu qualifizieren.
5.3. Die Beklagte kritisiert weiter, dass die Vorinstanz die Stimmen von Dritten
nicht gehört habe, was nicht nachvollziehbar und willkürlich sei. Die Kindervertre-
terin habe sich zu den Kindern dahingehend geäussert, dass sie diese als sehr in-
telligent einschätze und nicht denke, dass diese entwicklungsverzögert seien. Es
könne auch das Thema der Hochsensibilität nicht ausgeschlossen werden. So
stelle sich auch die Frage, ob das Verhalten der Kindesmutter eine Reaktion auf
die besonderen Entwicklungsbedürfnisse der Kinder oder umgekehrt die beson-
deren Bedürfnisse der Kinder ein Produkt der angeblichen eingeschränkten Er-
ziehungsfähigkeit der Kindsmutter sei. Diese Frage beantworte weder das Gut-
achten noch nehme die Vorinstanz dazu Stellung. Auch Frau P._ von der ...-
Wohngruppe bezeichne die Mädchen als fröhlich, glücklich und entspannt. Sie
seien interessierte, offene, aufmerksame und wache Kinder (Urk. 1 Rz. 144).
Zunächst ist festzuhalten, dass die Beklagte die Äusserungen sowohl der Kinder-
vertreterin als auch von P._ unvollständig wiedergibt. So führte die Kinder-
vertreterin zwar aus, sie habe nicht den Eindruck gehabt, dass die Kinder entwick-
lungsverzögert seien. Es seien zwei ganz "vife" Kinder, welche sprachlich total gut
entwickelt seien und auch das Spielverhalten scheine gut. Ergänzend bemerkte
die Kindervertreterin aber, vorliegend seien es andere Probleme, es seien Verhal-
tensprobleme, welche nicht ganz der Norm entsprächen (Prot. I S. 87). Auf Nach-
frage der Vorderrichterin, was für Verhaltensprobleme sie habe beobachten kön-
nen, berichtete die Kindervertreterin Folgendes: "Die grosse Abwehrhaltung, wel-
che da ist. Dass sie auch nach Erklärungen kein Vertrauen fassen können und
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nicht merken, dass ich für sie da bin. (...) Diese Angst, mit mir in Kontakt zu tre-
ten, diese ganz starke Abwehrhaltung beobachtete ich. Aber auch diese grosse
Dominanz von C._, welche D._ sagt, was zu tun ist und kontrolliert, was
sie macht. D._ ist offener und neugieriger. C._ ist ganz klar abgrenzend.
Es ist mit ihr viel schwieriger, Kontakt herzustellen" (Prot. I S. 87). An anderer
Stelle führte die Kindervertreterin überdies aus, "es ist wirklich so, dass einerseits
der erste Kontakt zu fremden Personen und andererseits die Interaktion zwischen
den Kindern auffällig ist. Dies muss pädagogisch begleitet werden" (Prot. I S. 85
f.). P._ ihrerseits sprach zwar von sehr interessierten, offenen, aufmerksa-
men und wachen Kindern, gleichzeitig führte sie jedoch auch an, was folgt: "Ein-
drücklich sei, dass beide Kinder immer alles miteinander und gemeinsam machen
würden, es gäbe sozusagen nur ein 'Wir', ohne Autonomie des einzelnen Kindes.
Was die Bindung anbelange, seien sie fast säuglingsmässig. Auffallend sei auch,
dass sie sehr beherrscht seien, sich wie in eine Muschel zurückziehen würden
und sich verschlössen. (..) Man erhalte den Eindruck, dass sie sich nicht wirklich
den Gefühlen öffnen könnten oder getrauten und eine grosse Unsicherheit betref-
fend Gefühlen vorliege" (Prot. I. S. 66). Diese Aussagen sind demnach – entge-
gen der Beklagten (Urk. 1 Rz. 153) – aktenkundig und P._ hat sich in der von
der Beklagten im Berufungsverfahren ins Recht gelegten E-Mail vom 6. August
2019 (Urk. 5/11) auch nicht von diesen distanziert. Dass die Kinder altersadäquat
entwickelt seien, wurde auch bereits von den Gutachtern der Praxis M._ in
ihrem Zwischenbericht vom 2. Juli 2018 gar nicht bestritten, vielmehr führten die
Gutachter damals aus, sie könnten bezüglich der kognitiven Entwicklung keine
detaillierten Aussagen machen, da eine standartisierte Abklärung nicht möglich
sei. Sie gingen jedoch davon aus, dass die Kinder kognitiv altersentsprechend
entwickelt seien, das Sprachverständnis scheine altersentsprechend zu sein und
der Wortschatz von D._ sei gut (Urk. 10/5/4 S. 3). Die gleiche Schlussfolge-
rung findet sich denn auch in der Entwicklungsabklärung der Kinder am Kan-
tonsspital G._ vom 29. August 2019 (Urk. 45/3 jeweils S. 3). Der entschei-
dende Punkt ist vorliegend aber ohnehin, dass die von der Beklagten zitierten Be-
schreibungen der Kinder durch die Kindervertreterin und P._ nichts an der
Tatsache zu ändern vermögen, dass die Gutachterin L._ eine stark einge-
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schränkte Erziehungsfähigkeit der Beklagten und aufgrund dessen eine Gefähr-
dung des Kindswohls von C._ und D._ unter deren Obhut festgestellt
hat (Urk. 10/54 S. 55, 58 und 60).
Die Vorinstanz erwog, was die Berichte aus dem Freundes- und Bekanntenkreis
der Beklagten anbelange, sei festzuhalten, dass es sich dabei um Personen
handle, welche ihr nahe stünden. Dies falle umso mehr ins Gewicht, als dieser
Personenkreis durch die Beklagte geradezu handverlesen sei, was sich im rigoro-
sen Ausschluss von anderen, nicht akzeptierten Personen spiegle. Ihre Darstel-
lungen entsprächen somit nicht dem, was die Gutachterin L._ als "neutrale
Aussenansicht" bezeichne, von denen eine grössere Objektivität zu erwarten wä-
re. Das Problem im vorliegenden Fall bestehe einerseits darin, dass die Kinder
sich nur noch im freundschaftlichen Rahmen der Kindsmutter bewegten, unter to-
talem Ausschluss des familiären und freundschaftlichen Rahmens des Vaters.
Nähe zum Vater führe offensichtlich zum Ausschluss aus dem von der Beklagten
genehmen Personenkreis, wie namentlich im Falle ihrer Mutter, ihres Bruders
oder der Kirchgemeinde, welche der Kläger angehöre. Auch der Zugang der Gut-
achter der Praxis M._, der Gutachterin L._, der Kindesvertreterin und
der KESB Meilen zu den Kindern sei – wenn überhaupt – nur unter sehr schwieri-
gen Vorzeichen und Obstruktionsversuchen der Beklagten und bei der Gutachte-
rin L._ auch nur, weil sie sich den von der Beklagten gemachten Vorgaben
angepasst habe, erfolgt. Aussagen von Personen, die offenbar nicht den gleichen
Zugangsbeschränkungen zu den Kindern unterlägen wie der Vater, die Gutachter
oder die Behördenvertreter, erschienen dann nur noch als blosse Loyalitätsbe-
kundungen eines verschworenen Zirkels, deren Überprüfung und Verifizierung
durch einen eigenen persönlichen Eindruck nicht gewünscht und gar verhindert
werde (Urk. 2 E. V.2.7). Sodann erschienen die Berichte der mit der Beklagten
befreundeten Drittpersonen regelmässig reaktiv, d.h. sie seien lediglich darauf
ausgerichtet, den konkreten Feststellungen der Begutachtungen eine pauschale
und kaum je näher begründete Gegendarstellung entgegenzusetzen. Die Beklag-
te und ihr Umfeld zeichneten zudem ein durchwegs positives Bild von der Erzie-
hungsfähigkeit der Beklagten, ungetrübt durch den Kontaktabbruch zum Kläger,
der doch verschiedenen Personen hätte bekannt sein dürfen, aber in keinem ein-
- 56 -
zigen dieser Schreiben Erwähnung finde und an keiner Stelle zum Anlass für
Selbstreflexion oder Verbesserungsvorschläge genommen werde (Urk. 2
E. V.3.27). Auf diese zutreffende Argumentation der Vorinstanz geht die Beklagte
in Rz. 150 ihrer Berufungsschrift (Urk. 1) nicht im Ansatz ein. Sie bringt an dieser
Stelle lediglich pauschal vor, die Vorinstanz tue die Berichte ihres sozialen Um-
felds allgemein als unglaubwürdig ab, was eine voreilige und willkürliche Qualifi-
kation darstelle. Damit genügt sie der Begründungspflicht nach Art. 311 ZPO nicht
(vgl. E. II.2.1).
5.4. Die Beklagte vermag den Anschein einer Abschottung der Kinder im Übrigen
auch nicht zu entkräften, indem sie auf die Berichte des Volksschulamtes zu den
Aufsichtsbesuchen 2017 und 2018 verweist, worin die Förderung von Sozialkon-
takten (in Form der Teilnahme an Vernetzungstreffen) bestätigt werde, und indem
sie ausserdem vorbringt, die Kinder seien im Quartier und mit den Nachbarskin-
dern gut vernetzt (Urk. 1 Rz. 148). Als problematisch wertete die Vorinstanz näm-
lich zutreffenderweise gerade die fehlenden Kontakte der Kinder über einen von
der Beklagten ausschliesslich nach ihren eigenen Kriterien auserwählten Perso-
nenkreis hinaus, insbesondere zum Kläger bzw. zu Personen aus seinem Umfeld
(vgl. Urk. 2 E. V.2.7).
5.5. Die Beweggründe des Klägers zur Konsultation des "Mannebüro" sind ent-
gegen der Beklagten (vgl. Urk. 1 Rz. 151) vorliegend irrelevant und vermögen die
überzeugende vorinstanzliche Argumentation, wonach der Kläger hiermit – wie
auch mit der Aufnahme einer psychologischen Therapie bei Dr. rer. medic.
V._ – aufgezeigt habe, dass er in der Lage sei, eigenes Verhalten zu hinter-
fragen und an sich zu arbeiten (Urk. 2 E. V.3.27), nicht umzustossen.
6. Superprovisorische Anordnung
Die Beklagte äussert sich in Rz. 172 ff. ihrer Berufungsschrift (Urk. 1) zur super-
provisorischen Anordnung des Entzuges des Aufenthaltsbestimmungsrechtes der
Eltern (insbesondere zur zeitlichen Dringlichkeit) im Rahmen der Verfügung vom
25. Juni 2019 (Urk. 10/60). Soweit diese Ausführungen nicht ohnehin ins Kapitel
der blossen – mehrheitlich wörtlichen – Wiederholung der vorinstanzlichen Vor-
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bringen der Beklagten fallen (Urk. 1 Rz. 175 f. [vgl. Urk. 10/106 Rz. 53 und S. 36];
Urk. 1 Rz. 178 ff. [vgl. Urk. 10/106 S. 37]), ist auf sie auch aus einem anderen
Grund nicht einzutreten: Gegen eine superprovisorisch angeordnete Massnahme
ist – wie bereits dargetan (E. II.3.3) – kein Rechtsmittel gegeben (KUKO ZPO-
Kofmel Ehrenzeller, Art. 265 N 6). Erst die "definitive", nach Anhörung der Ge-
genseite bestätigte vorsorgliche Massnahme ist mit Berufung oder Beschwerde
anfechtbar. Gegenstand des Rechtsmittelverfahrens ist einzig der definitive Mas-
snahmeentscheid, welcher die superprovisorische Massnahme mit ex-tunc-
Wirkung definitiv ersetzt hat (ZK ZPO-Huber, Art. 265 N 20). Anzumerken bleibt
der Vollständigkeit halber an dieser Stelle, dass – entgegen dem Dafürhalten der
Beklagten (Urk. 1 Rz. 175) – auch die Gutachterin L._ von einer symbioti-
schen Beziehung der Kinder zur Mutter ausgeht (Urk. 10/54 S. 63).
7. Verhältnismässigkeit (mildere Massnahmen)
7.1. Die Vorinstanz führte aus, für sich allein stellten die einzelnen Erscheinun-
gen des dysfunktionalen Familienlebens der Parteien bereits selbständige Ge-
fährdungen dar. Der Kontaktabbruch der Kinder zum Kläger und zum weiteren
Umfeld, soweit nicht von der Beklagten akzeptiert, die umstrittene Einschulungssi-
tuation und die Verweigerung gegenüber Fachleuten und Behörden für sich allein
rechtfertigten bereits Kindesschutzmassnahmen nach Art. 307 ff. ZGB. Soweit es
die Verhältnismässigkeit betreffe, wäre jeder dieser Tatbestände womöglich durch
massgeschneiderte Anordnungen anzugehen gewesen. So hätte sich für den
Kontaktabbruch namentlich eine Besuchsrechtsbeistandschaft wirksam gezeigt
und für die Einschulung wäre eine Weisung der KESB Meilen, die Kinder in die öf-
fentliche Schule zu verbringen, auf den ersten Blick die angepasste Massnahme
gewesen, wie dies die KESB Meilen in ihrem Entscheid vom 20. September 2018
beabsichtigt habe. Wie sich aber nach immerhin zwei Gutachten gezeigt habe,
liege das Problem tiefer. Die eigentliche Kindswohlgefährdung, von welcher die
oben diskutierten Tatbestände letztlich nur konkret sichtbare "Symptome" seien,
bestehe in der eingeschränkten Erziehungsfähigkeit der Beklagten. Diese verlan-
ge weitergehende Massnahmen, wobei sich die Auswahl an möglichen Optionen
aufgrund dieser tiefgehenden Problematik auf zwei Varianten zuspitze: Obhuts-
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entzug der Kindsmutter oder Errichtung eines engmaschigen Massnahmennetzes
durch die Behörden, um die Einschränkung auszugleichen. Vor dem Hintergrund
dieser Auswahl seien aber die Gesamtumstände in Erwägung zu ziehen. Die
Verweigerung gegenüber der Behörden, die auch bei der Beurteilung des Vorlie-
gens einer Kindswohlgefährdung zu berücksichtigen gewesen sei, spiele erneut
eine Rolle bei der Wahl der geeigneten Massnahme. Dabei sei die Platzierung der
Kinder, die einem Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechtes der Eltern entspre-
che, gemäss dem Befund beider Gutachten die vorzuziehende Massnahme. Wür-
de man den Aufschub der Platzierung in Erwägung ziehen, so die Gutachterin
L._, müsste die Beklagte bereit und in der Lage sein, vollumfänglich mit den
Behörden zu kooperieren, begleitete Besuche mit dem Kläger ab sofort zuzulas-
sen (ohne ihre Anwesenheit), eine psychiatrisch/psychotherapeutische Behand-
lung in Anspruch zu nehmen mit Entbindung des Arztes von der Schweigepflicht
gegenüber den Behörden, die Kinder einzuschulen, mit einer sozialpädagogi-
schen Familienbegleitung zusammenzuarbeiten und sich mit der bereits einge-
setzten Beiständin in eine verbindliche Zusammenarbeit einzulassen. Abgesehen
davon, dass ein grosser Teil der Vorgaben der Gutachterin bereits erfolglos instal-
liert worden sei, weise die Gutachterin L._ zu Recht darauf hin, dass ein Un-
terstützungssystem in dieser Dichte höchst störungsanfällig und in der Regel ein
Hinweis dafür sei, dass die Unterbringung in einer geeigneten Einrichtung mit an-
schliessender Überprüfung der Obhut die Kinder stärker entlasten würde. Die
Gutachterin führe ins Feld, dass die Beklagte bereits jetzt massiven Druck auf die
Kinder ausübe. Die Umsetzung der Massnahmen würde die Beklagte unter einen
noch stärkeren Druck setzen, den sie wiederum an die Kinder weitergeben würde,
was sich bei diesen in belastenden inneren Spannungen manifestieren würde. Die
Gefahr der Verweigerung, die sich seit der Eheschutzvereinbarung im Jahr 2016
gegenüber dem Vater und der KESB Meilen immer wieder manifestiert habe, oh-
ne dass Besserung zu verzeichnen gewesen wäre, und die sich auch vor der
Platzierung am 26. Juni 2019 in Bezug auf die Einschulung abgezeichnet habe,
lasse keine Hoffnung auf das Funktionieren eines engmaschigen Unterstützungs-
netzes für die Beklagte zu. Jedenfalls wären die damit zu erwartenden Friktionen
und Widerstände abermals zulasten der Kinder gegangen. Der Entzug des Auf-
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enthaltsbestimmungsrechts und damit faktisch der Obhutsentzug verbleibe nach
all diesen Ausschlüssen als die letzte, geeignete Massnahme, die Kindeswohlge-
fährdung anzugehen (Urk. 2 E. V. 4.1 ff.).
Der in der Berufung wiederholt erhobene Vorwurf der Beklagten, die Vorinstanz
unterlasse es, eine Verhältnismässigkeitsprüfung anzustellen, obschon die Be-
klagte die Vorinstanz bereits in ihrem Plädoyer vom 19. Juli 2019 dazu angehal-
ten habe (Urk. 1 Rz. 165, 184), entbehrt im Lichte dieser vorinstanzlichen Ausfüh-
rungen jeglicher Grundlage. Soweit die Beklagte sodann mehrfach rügt, die Vor-
instanz berücksichtige weder, dass die Behördenkooperation bzw. der Vater-Kind-
Kontakt auch mit milderen Mitteln hätten erreicht werden können (Urk. 1 Rz. 84,
113, 170), noch, dass selbst die Gutachterin L._ davon ausgehe, dass auch
eine nur in die Zukunft gerichtete Kooperationsbereitschaft ihrerseits ausreichen
würde (Urk. 1 Rz. 102, 112), um eine Heimplatzierung abzuwenden, setzt sie sich
mit diesen ausführlichen vorinstanzlichen Erwägungen in keiner Weise näher
auseinander. Damit kommt die Beklagte ihrer Begründungspflicht erneut nicht
nach (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Vollständigkeitshalber ist die vorinstanzliche Feststel-
lung hervorzuheben, wonach der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechtes der
Eltern gemäss dem Befund beider Gutachten die vorzuziehende Massnahme ist.
Zwar stellte die Gutachterin L._ fest, von einer Platzierung könne unter ge-
wissen Voraussetzungen, insbesondere unter der Voraussetzung einer vollum-
fänglichen Kooperation der Beklagten mit den Behörden abgesehen werden. Die
Beklagte blendet in ihrer Berufung aber komplett aus, dass ihr die Gutachterin
diesbezüglich gerade eine negative Prognose stellte. So führte L._ bereits im
Gutachten vom 1. Juni 2019 aus: "Wegen der stark eingeschränkten Kooperati-
onsfähigkeit der Mutter, die vor dem Hintergrund ihrer auffälligen Persönlichkeits-
züge zu sehen ist, sind Lösungswege, die Zusammenarbeit erfordern, kaum um-
setzbar. Die Gutachterin geht davon aus, dass die Mutter weder gewillt noch in
der Lage ist, tatsächlich mitzuarbeiten und nötige Massnahmen innert nützlicher
Frist umzusetzen. Frau A._ würde die Zusammenarbeit entweder verweigern
oder allenfalls vordergründig auf Massnahmen eingehen, wäre aber psychisch
nicht in der Lage, tatsächlich dazu zu stehen und sie den Kindern gegenüber zu
vertreten. Dadurch würde wiederum viel Zeit vergehen, bis die Kinder wirkliche
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Hilfe und ein förderliches Betreuungsumfeld erhalten würden. Da die Mutter ihre
Haltung nicht ändern kann, würde sie die Kinder ausserdem weiterhin psychisch
stark unter Druck setzen, sodass diese sich nur schwer auf andere einlassen
könnten und unter Loyalitätskonflikten zu leiden hätten. Da Frau A._ in der
Vorstellung gefangen ist, sie mache alles richtig und nur sie könne die Kinder be-
schützen, wehrte sie bisher jegliche Einflussversuche ab. Für die Mutter kommt
nur die Weiterführung des status quo in Frage" (Urk. 10/54 S. 62 f.). Im Rahmen
der Beantwortung der (beklagtischen) Ergänzungsfragen zum Gutachten vom
16. Juli 2019 präzisierte L._ diesbezüglich was folgt: "Die Erziehungsfähig-
keit der Mutter wurde im Gutachten als stark eingeschränkt beschrieben. Bezüg-
lich einer Entwicklung der Mutter ist es als prognostisch ungünstig einzuschätzen,
dass die Mutter weder in vorherigen Kontakten mit Behörden, Fachpersonen oder
ehemaligen Gutachtern noch im aktuellen Gutachten Ansätze zeigte, das eigene
Verhalten reflektieren zu wollen, und dadurch sowie durch Eingehen auf Fach-
meinungen tatsächlich zu einer veränderten Einsicht und Haltung und schliesslich
zu Verhaltensänderungen zu gelangen. Wie in der Antwort zu Frage 9 dargelegt,
würde ein gewünschtes Verhalten wahrscheinlich einen längeren (therapeuti-
schen) Prozess bedingen" (Urk. 10/54 S. 5). Die Frage, inwiefern das heutige
Verhalten der Kindsmutter noch als unkooperativ angesehen werden könne, be-
antwortete die Gutachterin sodann wie folgt: "Ansätze zur Veränderung konnten
bei Abschluss des Gutachtens nicht wahrgenommen werden" (Urk. 10/54 S. 5).
Nicht nur reiht sich die Gutachterin damit in die Einschätzung der Gutachter der
Praxis M._ vom 22. November 2018 ein (Urk. 10/17/1/268 S. 11), worauf be-
reits die Vorinstanz zutreffend hingewiesen hat. Denselben Eindruck vermitteln
des Weiteren auch die vorstehenden Ausführungen zur Kooperationsbereitschaft
der Beklagten (vgl. E. III.3).
7.2. Die Beklagte bringt schliesslich vor, die bevorstehende Einschulung in der
öffentlichen Schule in F._ hätte die angebliche Kindeswohlgefährdung ent-
schärft, werde aktuell aber auf unbestimmte Zeit aufgeschoben, was einerseits
eine Verletzung des Grundrechts auf Grundschulunterricht und andererseits
selbst eine Kindeswohlgefährdung darstelle (Urk. 1 Rz. 169, 190). Im Wesentli-
chen wiederholt die Beklagte hiermit lediglich ihre eigenen Ausführungen vor
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Vorinstanz (vgl. Urk. 10/106 Rz. 51, 117), weshalb auf ihre Vorbringen nicht ein-
zutreten ist (vgl. E. II.2.1). Selbst wenn auf diese einzutreten wäre, wären sie al-
lerdings nicht stichhaltig. So gab die Vorinstanz bereits am 25. Juli 2019 beim
Kantonsspital G._ eine Entwicklungsabklärung betreffend die beiden Kinder
in Auftrag. Dies mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass auch der Schulpsychologi-
sche Dienst am Wohnsitz der Kinder einzubeziehen sei, um allfällige spezifische
Abklärungsbedürfnisse der Kinder aus Sicht der Schule zu berücksichtigen. Ab-
zuklären waren insbesondere die Möglichkeit einer Beschulung in der Regelschu-
le, und welche Therapien und Massnahmen die Kinder genau benötigten (vgl.
Urk. 10/111/1). Die entsprechenden Abklärungsberichte betreffend die beiden
Kinder wurden in der Folge am 29. August 2019 erstattet (Urk. 45/3). Sodann teil-
te die ...-Wohngrupppe den Parteien am 17. September 2019 – nachdem die Be-
schulung der Kinder im Hinblick auf den Beginn des neuen Schuljahres schon an-
lässlich des Standortgesprächs in der ...-Wohngruppe vom 16. August 2019 be-
sprochen worden war (vgl. Urk. 38/6) – mit, dass C._ ab dem 18. September
2019 die Klinikschule der Kinderklinik G._ besuchen könne (Urk. 58). In ih-
rem Bericht vom 24. September 2019 gab die Beiständin sodann bekannt, für
D._ werde die Möglichkeit der Teilnahme in einem örtlichen Kindergarten
geprüft (Urk. 63/1). Die Thematik der Einschulung der Kinder wurde insofern kei-
neswegs auf unbestimmte Zeit aufgeschoben. Überdies beantwortete die Gutach-
terin L._ die (Ergänzungs-)Frage der Beklagten, ob der weitere Verlauf (Ein-
schulung im August 2019 in eine öffentliche Schule) hätte abgewartet werden sol-
len, um die Entwicklung später nochmals abzuklären, damit, dass sie auf den lan-
gen Zeitraum verweise, der seit der Trennung bereits verstrichen sei, ohne dass
die vielfältigen Appelle und Interventionen eine Veränderung herbeigeführt hätten
(Urk. 10/92 S. 6). Im Weiteren hielten die Abklärungsberichte des Kantonsspitals
G._ vom 29. August 2019 (Urk. 45/3) als Fazit fest, dass eine Beschulung in
einem Regelschulsetting aktuell nicht vorstellbar sei, aber auch eine Beschulung
in einem Kleingruppensetting bei entsprechendem Umfeld eine Herausforderung
darstellen könne, und zeigten einen Bedarf beider Kinder an Sonderschulmass-
nahmen auf (vgl. Urk. 45/3 je S. 3). Eine erfolgreiche Einschulung in eine Regel-
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klasse in der öffentlichen Schule in F._ für das Schuljahr 2019/2020 wäre in-
sofern ohnehin nicht realistisch gewesen.
8. Fazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die vorinstanzliche Schlussfolgerung,
der Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechtes und damit faktisch der Obhuts-
entzug verbleibe als letzte, geeignete Massnahme, die Kindswohlgefährdung an-
zugehen, nicht zu beanstanden ist. Demnach ist auch der beklagtische Eventu-
alantrag gemäss Ziffer 4 der Berufungsschrift (Urk. 2 S. 2) abzuweisen.
B) Besuchsrecht
Die Beklagte beantragt subeventualiter, es sei den Eltern ein erweitertes Be-
suchsrecht von mindestens je drei Stunden an zwei Tagen pro Woche zuzuge-
stehen, wobei die ...-Wohngruppe zu berechtigen sei, dieses Besuchsrecht aus-
zuweiten (Urk. 1 S. 2 f.). Mit der Beklagten ist einig zu gehen, dass für die Kinder
C._ und D._ die Beklagte als ihre bisherige Hauptbezugsperson sehr
wichtig ist (Urk. 1 Rz. 193, 195). Gleichzeitig ist aber vorliegend – wie die Vo-
rinstanz zutreffenderweise ausgeführt hat (Urk. 2 E. V.5.2) – der Aufbau des Kon-
taktes der Kinder zum Kläger von höchster Priorität. In diesem Zusammenhang ist
auch die Einschätzung der Beiständin E._, wonach die Kontakte zur Kinds-
mutter weiter begleitet und auf zwei Mal wöchentlich begrenzt bleiben und eine
Öffnung der Kontakte erst erfolgen sollte, wenn zwischen Vater und Töchter ein
Vertrauensaufbau stattgefunden hat und eine Vertrautheit feststellbar ist, relevant
(Urk. 10/99 S. 5). Zu beachten ist auch, dass seitens der ...-Wohngruppe mehr-
fach darauf hingewiesen wurde, es sei Ruhe in die Besuche zu bringen (vgl.
Prot. I S. 66; Urk. 45/1). Dass der vorinstanzliche Entscheid, die Organisation des
persönlichen Kontaktes zwischen den Parteien und ihren Kindern während der
Dauer der Fremdplatzierung der Beiständin in Absprache mit der aktuell zuständi-
gen Institution, der ...-Wohngruppe, zu überlassen (Urk. 2, Dispositiv-Ziffer 3,
E. V.5.2), vorliegend angemessen war und den Einbezug der aktuellen Verhält-
nisse ermöglichte, weshalb er auch inskünftig als sachgerecht erscheint, zeigt die
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jüngere Entwicklung auf. So konnte das von der Vorinstanz bis auf Weiteres fest-
gelegte begleitete Kontaktrecht der Eltern von je einem einstündigen sowie einem
zweistündigen begleiteten Kontakt pro Woche sowie von begleiteten Telefonkon-
takten gemäss Vorgabe durch die ...-Wohngruppe (Urk. 2, Dispositiv-Ziffer 3,
E. V.5.3) bereits ausgeweitet werden. Anlässlich des Standortgesprächs in der ...-
Wohngruppe vom 16. August 2019, an welcher neben den Parteien die Beistän-
din E._ sowie Frau P._ und Frau R._ von der ...-Wohngruppe teil-
nahmen, wurde die Ausdehnung der Besuchszeiten thematisiert (Urk. 38/6). Nach
Abklärungen durch die Beiständin und die ...-Wohngruppe (vgl. Urk. 38/6 S. 2)
teilte R._ von der ...-Wohngruppe anschliessend mit E-Mail vom 23. August
2019 mit, ab kommender Woche werde versucht, Folgendes umzusetzen: "die
Besuche neu jeweils Vormittags, immer zur selben Zeit; Montag und Mittwoch,
10:00 bis 12:00 Uhr, Herr B._; Dienstag und Freitag, 10:00 Uhr bis 12:00 Uhr
Frau A._; Telefontermine Frau A._ jeweils um 13:30 bis 14:00 Uhr an
den Tagen an welchen keine Besuche sind" (Urk. 45/1). Damit wurde auch die
Befürchtung der Beklagten widerlegt, eine Kompetenzkollision zwischen der Bei-
ständin und der ...-Wohngruppe sei vorprogrammiert und die ...-Wohngruppe wis-
se nicht, ab wann sie ein Ermessen bei den Besuchen ausüben könne (Urk. 1
Rz. 195). Seitens der ...-Wohngruppe wurde der Beklagten dessen ungeachtet
bereits mit E-Mail von P._ vom 6. August 2019 klar kommuniziert, dass der
persönliche Kontakt zwischen den Parteien und den Kindern von der Beiständin
organisiert werde und sie von der ...-Wohngruppe in diesem Fall lediglich ausfüh-
rend seien. Es wäre hilfreich, so P._ weiter, wenn die Klärung jeweils direkt
bei der Beiständin gemacht werden könnte (Urk. 5/11). Die Berufung erweist sich
somit auch in diesem Punkt als unbegründet. Die Kinder waren bis anhin in der
...-Wohngruppe G._ untergebracht. Da ein Wechsel der Platzierung der Kin-
der bevorsteht (Urk. 2 S. 62, Urk. 63/1, Urk. 64), ist ergänzend festzuhalten, dass
bei einem Wechsel des Pflegeplatzes die Absprache der Besuche und die Vorga-
be der Telefonkontakte gemäss Dispositiv Ziffer 3 der Verfügung der Vorinstanz
mit der jeweiligen mit der Unterbringung der Kinder betrauten Pflegeinstitution zu
erfolgen hat.
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C) Erweiterung der Aufgaben der Beiständin / Beschulung
Die Beklagte beantragt, subeventualiter sei die Ziffer 4 der angefochtenen Verfü-
gung dahingehend zu erweitern, dass die Beiständin zusätzlich die zeitnahe Be-
schulung der Kinder in die Wege zu leiten und den entsprechenden Behörden
Meldung zu erstatten habe (Urk. 1 S. 3). Die Beklagte bemängelt, im Rahmen der
weiteren Aufgaben der Beiständin werde die bevorstehende Einschulung der Kin-
der nicht thematisiert, obwohl dies gerade das Hauptthema des KESB-Verfahrens
gewesen sei und zeitnah umgesetzt werden sollte. Die aktuelle Unterbringung in
der ...-Wohngruppe lasse keine Beschulung in der öffentlichen Schule in F._
zu. Weder setze sich die Vorinstanz mit diesem Umstand auseinander noch weise
sie die Beiständin an, diesbezüglich tätig zu werden. Es sei weder geklärt, wer die
Volksschulbehörde über das Ausbleiben der Einschulung am 19. August 2019 in
Kenntnis setze, noch wer die Einschulung vorbereite (Urk. 1 Rz. 199 f.). Die Be-
klagte hat sich in diesem Zusammenhang entgegenhalten zu lassen, dass die Vo-
rinstanz in E. V.6.3 des angefochtenen Entscheides (Urk. 2) ausdrücklich pro
memoria festgehalten hat, dass die Beiständin die mit Schreiben vom 12. Juli
2019 in Auftrag gegebene Entwicklungsabklärung möglichst zeitnah und – in
Übereinstimmung mit den Anträgen der Kindervertreterin – in Absprache mit dem
zuständigen schulpsychologischen Dienst vornehme. Dies stelle eine Teilaufgabe
der fachlichen Begleitung der Unterbringung von C._ und D._ dar. Der
entsprechende Auftrag fand denn auch Eingang in den Aufgabenkatalog der Bei-
ständin in Dispositiv-Ziffer 4 der angefochtenen Verfügung (Urk. 2). Nicht nur lie-
gen zwischenzeitlich die Entwicklungsabklärungen der beiden Kinder vom
29. August 2019 vor, aus welchen sich insbesondere der Sonderschulbedarf der
Mädchen ergibt (Urk. 45/3). Wie aus der E-Mail der ...-Wohngruppe vom 17. Sep-
tember 2019 hervorgeht, wurde inzwischen auch veranlasst, dass C._ die
Klinikschule der Kinderklinik G._ besuchen kann (Urk. 58). Im Rahmen ihres
Berichtes vom 24. September 2019 teilte die Beiständin E._ des Weiteren
mit, dass für D._ der Besuch des örtlichen Kindergartens geprüft werde. In
Zusammenarbeit mit dem Schulpsychologischen Dienst und der Schulbehörde
F._ werde aktuell eine Schulheimplatzierung abgeklärt, welche dem Sonder-
schulbedarf und den sozio-emotionalen Bedürfnissen der Kinder Rechnung trage
- 65 -
(Urk. 63/1). Insgesamt bleibt es somit beim von der Vorinstanz festgelegten,
sachgerechten Aufgabenkatalog der Beiständin. Angesichts dessen, dass die Be-
schulung der Kinder bereits in die Wege geleitet wurde, wird auch die Durchfüh-
rung der von der Beklagten erwünschten Lernstunde hinfällig (vgl. Urk. 34).
D) Kinderunterhalt und persönlicher Unterhalt
Für den Fall, dass der von der Vorinstanz angeordnete Entzug des Aufenthalts-
bestimmungsrechts der Parteien (und die Unterbringung der Kinder in der ...-
Wohngruppe) bestätigt wird, hat die Beklagte keinen bezifferten (und begründe-
ten) Eventualantrag (vgl. OGer ZH LY180010 vom 18.05.2018, E. II.1.3.2;
OGer ZH LY150010 vom 18.08.2015, E. II.2.1 mit Hinw. auf BGE 137 III 617,
E. 4.3) hinsichtlich der Kinder- und Ehegattenunterhaltsbeiträge gestellt (vgl.
Urk. 1 S. 2 und 61 f.), weshalb es bei der – sachgerechten Regelung – der Vor-
instanz bleibt.
E) Ergebnis
Die Berufung erweist sich damit zusammengefasst als unbegründet. Entspre-
chend ist sie abzuweisen und die angefochtene Verfügung des Einzelgerichts im
ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Meilen vom 30. Juli 2019 ist – mit der
vorgenannten Ergänzung (E. III/B a. E.) – zu bestätigen (Art. 318 Abs. 1 lit. a
ZPO).
IV.
1. Die Vorinstanz hat in Anwendung von Art. 104 Abs. 3 ZPO den Entscheid
über die Kosten- und Entschädigungsfolgen dem Endentscheid vorbehalten
(Urk. 2, Dispositiv-Ziffer 11). Dabei hat es sein Bewenden.
2.1. Für das Berufungsverfahren rechtfertigt sich in Anwendung von § 12 Abs. 1
und 2 in Verbindung mit § 2, § 5 Abs. 1, § 6 Abs. 1 und § 8 Abs. 1 GebV OG eine
Entscheidgebühr von Fr. 5'500.–. Die Entschädigung für die Vertretung des Kin-
des gehört ebenfalls zu den Gerichtskosten (Art. 95 Abs. 2 lit. e ZPO) und ist im
- 66 -
Entscheiddispositiv festzusetzen. Die Bemessung der Entschädigung ist bundes-
rechtlich nicht geregelt. Vielmehr setzen die Kantone die Tarife fest (Art. 96 ZPO).
Rechtsgrundlage für die Festsetzung der Entschädigung für die anwaltliche Kin-
desvertretung ist im Kanton Zürich die Anwaltsgebührenverordnung (vgl. BGE
142 III 153 E. 5.3.4.2). Vorliegend erscheint angesichts des notwendigen Zeitauf-
wands und der Verantwortung der Kindervertreterin sowie der Schwierigkeit des
Falles (vgl. § 2 Abs. 1 AnwGebV) die von ihr geltend gemachte und von den Par-
teien nicht beanstandete Entschädigung von insgesamt Fr. 3'128.25 (Urk. 62) als
angemessen.
2.2. Bei streitigen Kinderbelangen werden die Prozesskosten praxisgemäss un-
abhängig vom Ausgang des Verfahrens den Parteien je zur Hälfte auferlegt und
die Parteientschädigungen wettgeschlagen, wenn die Parteien unter dem Ge-
sichtspunkt des Kindesinteresses gute Gründe zur Antragsstellung hatten
(Art. 107 Abs. 1 lit. c ZPO; ZR 84 Nr. 41; OGer ZH LE140047 vom 21.01.2015,
E. IV/2). Dies war vorliegend der Fall, weshalb die Kosten des Berufungsverfah-
rens den Parteien je zur Hälfte aufzuerlegen und die Parteientschädigungen wett-
zuschlagen sind.