# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 564b9f98-24c0-475b-825d-94d8d2663f58
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._,
geboren 1964, verfügt über keine Berufsausbildung und war zuletzt ab dem
1.
April 2000 bei der Y._
AG als Bauarbeiter Strassen- und Tiefbau tätig. Am 1
1.
April 2003 erlitt er während der Arbeit einen Autounfall als Beifahrer in einem Mannschaftstransporter, bei dem er sich ein Halswirbel
säulen
distorsionstrauma zuzog (
Urk.
8/10/126,
Urk.
8
/17/20). Wegen der Folgen dieses Unfalles meldete er sich am 1
4.
Mai 2004 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherun
g zum Leistungsbezug an (
Urk.
8
/2). Mit Verf
ügung vom 3
0.
März 2005 (
Urk.
8
/20) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Rentenanspruch des Versicherten. In Gutheissung der dagegen erhobenen Einsprache erfolgte mit undatier
tem Einspracheentscheid (
Urk.
8
/74) und
Verfügungen vom
1.
März (
Urk.
8
/73) bezie
hungsweise 2
9.
März 2010 (
Urk.
8/78 ff.
) die
Zusprache
einer abgestuften Invalidenrente. Die ab
1.
April 2004 zugesprochene ganze Rente wurde per
1.
Februar 2010 auf eine unbefristete Dreivier
telsrente reduziert.
1.2
Im Januar 2011 (
Urk.
10/84) leitete die IV-Stelle eine amtliche Rentenrevision ein und ve
rfügte
gestützt auf die
danach durchgeführten
Abklärungen (
Urk.
8/86 ff.).
am 2
8.
Juni 2012
die Einstellung der Invalidenrente
(
Urk.
8/104)
. Gleichentags teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, dass Kostengutsprache für eine Potenzialabklärung während Eingliederungsm
assnahmen erteilt werde (
Urk.
8
/106) und die Invalidenrente ab
1.
August 2012 aufgrund der Teilnahme an Mass
nahmen zur Wiedereingliederung für die Dauer von maximal zwei Jahren weiterhin aus
gerichtet werde (
Urk.
8
/105). Am 2
8.
September 2012 teilte die
IV-Stelle dem Versicherten den sofortigen Abbruch der Wiedereingliederungs
mass
nahmen und die Einstellung der Dreiviertelsrente per
3
0.
September 2012 mit (
Urk.
8/116).
1.3
Am 2
5.
Oktober
2012 (
Urk.
8
/118) meldete sich der
Versicherte
erneut bei der Invalidenver
sicherung zum Leistungsbezug an
Auf der Grundlage eines am
2.
Juli 2013 erstatteten
bidisziplinären
Gutachtens von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Rheumatologie, und
Dr.
med.
A._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychothe
rapie (
Urk.
8
/134)
,
wies die IV-Stelle das Leistungsbegehren mit Verfügun
g vom 2
2.
November 2013 (
Urk.
8
/151) ab.
1.4
Auf eine weitere Anmeldung zum Leistungsbezug vom
2
1.
Juni 2016 (
Urk.
8
/164) trat die IV-Stelle mit Verfüg
ung vom
1.
November 2016 (
Urk.
8/173
) nicht ein.
Die vom Versicherten
dagegen
erhobene Beschwerde
wies das
Sozialversiche
rungsgericht mit Urteil
IV.2016.01350
vom 1
4.
August 2017 (
Urk.
8/193)
ab,
und
anschliessend
bestätigte auch
das Bundesgericht mit Urteil 8C_664/2017 vom 2
5.
Januar 2018
den
Nichteintretensentscheid
(
Urk.
8/199).
1.5
Am 2
7.
Oktober 2020 (Eingangsdatum)
meldete sich der Versicherte
unter Beilage eines Berichts des
Zentrums B._
vom 1
5.
Septem
ber 2020
(
Urk.
8/210) wiederum zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/212). Nachdem der Versicherte auf entsprechende Aufforderung (
Urk.
8/214) aktuelle Berichte der behandelnden Ärzte eingereicht hatte (
Urk.
8/217,
Urk.
8/231)
,
legte die IV-Stelle diese
Dr.
med. C._
, praktische Ärztin, vom Regionalärztlichen Dienst (RAD)
,
zur Beurteilung vor
(
Urk.
8/234/4 u. 5 f.)
und
stellte
dem Versicherten
mit Vorbescheid vom
3.
März 2021 die Abweisung seines Leistungs
begehrens in Aussicht (
Urk.
8/235), wogegen
er
am 3
1.
März 2021
, ergänzt am 1
3.
Mai 2021,
Einwand erhob (
Urk.
8/237
,
Urk.
8/241
). Mit Verfügung vom 1
0.
Juni 2021
verneinte
die IV-Stelle wie angekündigt
einen Rentenanspruch des Versicherten
(
Urk.
8/244 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin Andrea Steiner
Lettoriello
, am 1
4.
Juli 2021 Beschwerde mit den Rechtsbegehren, die Verfügung vom 1
0.
Juni 2021 sei aufzuheben und es sei die Sache zur Vornahme von ergänzenden Abklärungen (insbesondere
eine
BEFAS
-Abklärung
) an die IV-Stelle zurückzuweisen; eventualiter seien ihm die gesetzlichen Leistungen der Invalidenversicherung (berufliche Massnahmen und / oder eine Invalidenrente) auszurichten. In formeller Hinsicht stellte er sodann ein Gesuch um unentgelt
liche
Prozessführung
und
Bestellung von Rechtsanwältin Andrea Steiner
Lettoriello
als unentgeltliche Rechtsvertreterin (
Urk.
1). Die Beschwerdegegne
rin schloss mit Beschwerdeantwort
vom 1
3.
September 2021 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7). Dies wurde dem Beschwerdeführer mit Verfügung 1
5.
Februar 2022 mitgeteilt. Gleichzeitig wurde ihm die unentgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwältin Andrea Steiner
Lettoriello
als unentgeltliche Rechts
vertreterin bestellt (
Urk.
15). Am 2
6.
April 2022 ging schliesslich die Honorarnote von Rechtsanwältin Steiner
Lettoriello
vom 2
3.
April 2022 hierorts ein (
Urk.
17 f.).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da die angefochtene Verfügung vor dem
1.
Januar 2022 erging, sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden (vgl. statt vieler: Urteile des Bundesgerichts 8C_251/2022 vom 11. Juli 2022 E. 3.1 und 8C_804/2021 vom 1. Juni 2022 E. 2.2).
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstel
len, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.5
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3 IVV), so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfen, ob im Sinne von Art. 17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Weder eine im Vergleich zu früheren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens genügt somit per se, um auf einen verbesserten oder
verschlechterten Gesundheitszustand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine veränderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27. April 2021 E. 2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_144/2021 vom 27. Mai 2021 E. 2.3, je mit Hinweisen).
1.6
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
1.7
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E.
4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die
angefochtene
Verfügung dahingehend, dass gemäss den medizinischen Abklärungen keine dauerhafte
Veränderung
des Gesundheitszustandes seit der letzten
Abweisung des L
eistungsbegehr
ens vom
1.
November 2016 ausgewiesen sei. Es bestehe somit keine
Verschlechterung
der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Unter Weiterführung der fach
ärztlichen Therapie sei die zuletzt beurteilte Arbeitsfähigkeit umsetzbar. Die Verschlechterung der psychischen Beschwerden sei auf die Problematik mit dem Migrationsamt zurückzuführen. Da es sich um keine dauerhafte Verschlechterung handle, entstehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
2 S. 1 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen
im Wesentlichen
vor,
sein Gesundheits
zustand habe sich seit der Verfügung vom
1.
November 2016 erheblich, dauerhaft und invalide
n
versicherungsrechtlich relevant verschlechtert, was durch die eingereichten Arztberichte belegt werde. Die behandelnden Ärzte stellten jeweils
diverse
somatische und psychische Diagnose
n
. I
nsbesondere im Bericht vom
3.
Januar 2021 des
B._
werde die ab 2017 einsetzende Verschlechterung des Gesundheitszustandes und die Zunahme der Auswirkungen der verschiedenen Diagnosen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit ausführlich begründet.
Da demnach eine Verschlechterung ausgewiesen sei, hätte die Beschwerde
gegnerin
mindestens
ergänzende Abklärungen (insbesondere eine neue Begutachtung und / oder eine BEFAS-Abklärung) vornehmen müssen
. Indem sie dies unterlassen habe, habe sie die Untersuchungspflicht verletzt
(
Urk.
1 S. 4 f.).
2.3
Die Beschwerdegegnerin trat
dem Wortlaut der Verfügung nach (wie schon im Vorbescheid
angekündigt
) auf das neue Leistungsgesuch vom
2
7.
Oktober 2020 (
Urk.
8/212)
ein
und wies letzteres ab, indem sie sich auf den Standpunkt stellte, es lägen keine medizinischen Tatsachen vor
, die eine Änderung des
vormaligen Entscheides zu begründen vermöchten (
Urk.
2 S. 2)
. Das Gericht hat daher in materiell-rechtlicher Hinsicht zu prüfen, ob und gegebenenfalls inwiefern sich die anspruchsrelevanten tatsächlichen Verhältnisse seit der
letzten materiell-rechtlichen Leistungsprüfung
, bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung vom
1
0.
Juni 2021
(
Urk.
2) in rentenbegründendem Ausmass verändert haben.
Eine solche materiell-rechtliche Leistungsprüfung wurde entgegen der Darstel
lung der Beschwerdegegnerin im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2 S. 1) nicht letztmals mit der Verfügung vom
1.
November 2016,
letztinstanzlich
bestätigt mit
Urteil des Bundesgerichts 8C_664/2017 vom 2
5.
Januar 2018 (
Urk.
8/199)
, durchgeführt.
Bei der betreffenden Verfügung
handelt es sich nicht um eine
n
Abweisung
s-
, sondern um einen
Nicht
eintretensentscheid
(
Urk.
8/173
); es wurde dabei mithin keine
umfassende
materiell-rechtliche Leistungsprüfung vorgenom
men. Dieser Entscheid kann daher nicht die
hier entscheidende
zeitliche Vergleichsbasis bilden. Massgeblich ist vielmehr der Sachverhalt, welcher der letzten leistungsabweisenden Verfügung vom
2
2.
November 2013 (
Urk.
18
/151)
zugrunde gelegen hatte.
3.
3.1
3.1.1
Vor Erlass der
Verfügung vom 2
2.
November 2013 (
Urk.
8/151)
hatte die Beschwerdegegnerin
das von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
erstattete rheumatolo
gisch-psychiatrische Gutachten vom
2.
Juli 2013 (
Urk.
8/134)
eingeholt
.
Dr.
Z._
stellte aus somatischer Sicht keine Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (
Urk.
8/134/9)
. Keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit mass er den folgenden Diagnosen zu (
Urk.
8/134/9):
-
c
hronisches generalisiertes Schmerzsyndrom
-
Panvertebralsyndrom
, betont an der oberen Wirbelsäule
, mit
spondylogener
Ausstrahlung in den Kopf und in alle Extremitäten
-
d
iffuse
idiopathische
skelettale
Hyperostose
mit Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule
-
c
irca 1980 Unfall mit Fraktur im Bereich des linken Zeigefingers nach konser
vativer Therapie
,
seither bestehende Achsenfehlstellung im PIP-Gelenk
-
Gonarthrose links
-
Adipositas mit Body-Mass-Index von 36.07 kg/m2
-
Nikotinkonsum
-
a
rterielle Hypertonie
-
a
namnestisch Reizmage
n
-Syndrom
-
Verdacht auf subklinische Hypothyreose
Dr.
Z._
führte aus, in der klinischen Untersuchung hätten eine schmerzver
mittelnde Mimik und Gestik,
eine
nicht
dermatombezogene
S
ensibilitätsstörung
, Bewegungsschmerzen aller axialen und peripheren Gelenke, diffuse
Druck
schmerzen
, eine Adipositas, Bewegungse
i
nschränkungen der Wirbelsäule und eine Fehlstellung im Bereich des linken
Zeigefingers
imponiert (
Urk.
8/134/10
)
. I
nsgesamt beurteile er die vom Beschwerdeführer geschilderten Beschwerden
bezüglich Umfang und Intensität als partiell auf objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunden abstützbar (
Urk.
8/135/17).
3.1.
2
Dr.
A._
stellte im psychiatrischen Teilgutachten eine psychosomatische Überlagerung der Schmerzen fest, weshalb er die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung stellte (
Urk.
8/134/4
3
). Zudem diagnostizierte er eine rezidivierende depressive Störung, seit 2013 leichtgradige Episode (ICD-10 F33.0)
,
und hielt finanzielle Schwierigkeiten (ICD-10 Z59), familiäre Probleme (ICD-10 Z63) sowie einen Verdacht auf schädlich
en
Temestakonsum
(ICD-10 F13.1) fest
(
Urk.
8/134/43 f.).
Dr.
A._
legte dar, es bestünden
eine Schmerzfixierung, hypochondrische Befürchtungen
und eine Schmerzausdehnung
. Die Schmerzen hätten den Haupt
fo
kus
des
Interesses
des Beschwerdeführers
gebildet
(
Urk.
8/134/43).
Nach
dem Unfall 2003
habe sich zudem
eine depres
s
ive Reaktion entwickelt, woraus mit der Zeit eine depressive Episode beziehungsweise eine rezidivierende depressive Störung entstanden sei. Unterdessen habe sich eine günstige Entwicklung einge
stellt. Seit Ende 2012 scheine sich der Versicherte aufgefangen und damit abgefunden zu haben, arbeitsunfähig zu sein.
Er versuche daraus das Beste zu machen. Er habe einen regelmässigen Tagesablauf und pflege soziale Kontakte. Des Weiteren mache er jedes Jahr Ferien im Heimatland.
Gemäss dem aktuellen Befund sei er nur leicht depressiv verstimmt
, er sei während der Besprechung aufgetaut und habe mit dem Übersetzer Spässe austauschen können
. Seit Anfang 2013 sei von einer leichtgradigen depressiven Episode auszugehen (
Urk.
8/134/
45).
Dr.
A._
hielt abschliessend fest
, dass gross
en
teils überwind
bare psychosomatische Beschwerden bestehen würden, welche nur teilweise eine Beei
nträchtigung darstellten (
Urk.
8
/134/47).
3.1.
3
Im Rahmen der Konsensbeurteilung
führten die Gutachter aus
, dass zur Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit auf das psychiatrische Teilgutachten abgestellt werde (
Urk.
8/134/22). Die Arbeitsfähigkeit sei aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht beurteilt für die vom Beschwerdeführer in der Schweiz ausgeübten Tätig
keiten zu keinem Zeitpunkt anhaltend eingeschränkt gewesen. Auch für Haushaltsarbeiten mit einem leicht- bis mittelgradig körperlich belastenden Arbeitsprofil könne keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit formuliert werden (
Urk.
8/134/21 f.). Aus psychiatrischer Sicht stehe für den Beschwerdeführer die psychosomatische Überlagerung der Schmerzen im Rahmen der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung im
Vordergrund
. Die psychische Komorbidität habe zwischen 2008 und Ende 2012 zu einer Einschränkung in der zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit von 30
%
und seit Anfang 2013 von 10
%
geführt
(
Urk.
8/134/21 f.).
3.1.4
Die Beschwerdegegnerin legte der Verfügung vom 2
2.
November 2013 die Erkenntnisse des Gutachtens von
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
zwar zu Grunde, hielt aber fest, der Umstand, dass das
bidisziplinäre
Gutachten bezüglich der Darlegung der medizinischen Situation und Lebensumstände unstrittig beweiskräftig sei, bedeute nicht, dass auch die dortige Einschätzung der Restarbeitsfähigkeit für die Belange der Invalidenversicherung ohne Weiteres massgeblich sei. Nach gelten
der Rechtsprechung könnten die
Folgen einer Schmerzstörung überwunden werden. Von dieser Annahme sei nur in Ausnahmefällen abzuweichen, wenn neben der Schme
rz
störung ein schweres psychisches Leiden bestehe, das die Überwindbarkeit der Störung verhindere.
Dies sei hier zu verneinen. Da keine Komorbidität vorliege und die Förster-Kriterien nicht erfüllt seien, sei bezüglich der Schmerzstörung von deren Überwindbarkeit auszugehen. Eine Invalidität sei demnach zu verneinen (
Urk.
8/151/2).
3.2
3.2.1
Zur Begründung der Neuanmeldung
vom 2
7.
Oktober
2020 (
Urk.
8/212) reichte der Beschwerdeführer die folgende
n medizinischen Unterlagen ein:
M
ed.
pract
. D._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und
Dr.
phil.
klin
. psych. E._
vom
B._
beantworteten am 1
5.
September 2020 vom Migrationsamt gestellte Fragen. Sie führten aus, der Beschwerdeführer sei seit dem 1
3.
August 2019
bei ihnen
in Behandlung. Bisher zeige sich eine therapieresistente Situation mit
nur leichter
B
esserung trotz Medikation und regelmässiger psychiatrischer Behandlung
sowie
achtwöchiger stationärer Behandlung im Jahr 201
9.
Seit dem Unfall im Jahr 2004
bis heute
sei der Beschwerdeführer im Wesentlichen
zu
1
00
%
arbeitsunfähig (
Urk.
8/210/1).
3.2.2
Eine am
3
1.
August 2020 durchgeführte Sonographie des Abdomens und
der
Inguina
rechts
ergab eine direkte
Inguinalhernie
rechts mit Fettinhalt unter der
Valsalva
mit vollständiger Reposition in Ruhe. Die Sonographie des Abdomens war
unauffällig
(
Urk.
8/217/2).
3.2.3
Vom 2
9.
April bis am 2
5.
Juni 2020 war der Beschwerdeführer
auf Zuweisung der Behandler des
B._
im Sanatorium
F._
hospitalisiert. Die behandelnden Fachpersonen führten auf dem psychiatrischen Fachgebiet als Hauptdiagnose eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
und als Nebendiag
nosen eine generalisierte
Angststörung
(ICD-10 F41.1) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) auf (
Urk.
8/217/4).
Der Beschwer
deführer habe bei Eintritt von
Ängsten
berichtet, die in letzter Zeit schlimmer geworden seien. Ausserdem habe sich
s
eine Depression deutlich verstärkt und er leide unter Durchschlafstörungen und Nervosität, die
trotz Medikation nicht genügend kontrolliert werden könne. Er habe weiter von Zittern, kaltem Schweiss,
Stress und Anspannung berichtet.
Die Beschwerden hätten im Jahr 2003 nach einem
Autounfall
begonnen. Seitdem leide er zunehmend unter Schmerzen sowie vorwiegend körperlich wahrgenommenen Angstsymptomen (
Urk.
8/217/4 f.). Am Schluss der stationären Behandlung habe der Beschwerde
führer von einer leichten Zustandsverbesserung berichtet, wobei weiter
hin
eine ausgeprägte depressive Symptomatik bestanden habe. Aufgrund des Längs
schnittverlaufs der
letzten
Jahre
würden
sie von einem erheblichen
c
hronifizier
ten
Zustandsbild aus
gehen
.
Der chronische Schwindel dürfte am ehesten im Rahmen der beschriebenen psychiatrischen Diagnosen erklärbar sein (
Urk.
8/217/7).
3.2.4
Die
behandelnden
Ärzte des
B._
stellten in ihrem Bericht zur interdisziplinären Schmerzbehandlung vom
3.
Januar 2021 im Wesentlichen die folgenden Diag
nosen (
Urk.
8/231/2):
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode, im Verlauf schwere Episode mit psychosomatischen Symptomen (ICD-10 F33.1) bei
chronifizierter
depressiver Verstimmung: Double Depression, das heisst Major Depression
-
p
osttraumatische Belastungsstörung, ausgelöst durch
2.
Verkehrsunfall 2003 bei unbekanntem Vorzustand aus dem Balkankrieg
-
g
eneralisierte Angststörung (ICD-10 F41.1) mit zeitweise Ängsten im Rahmen vegetativer Dekompensation (ICD-10 F41.3)
-
Status nach Halswirbelsäulen-Distorsion mit/bei Status nach
2.
Autounfall 2003 und chr
onischen Spannungskopfschmerzen
-
t
horakovertebrales
Syndrom
-
c
hronische Lumbalgie
-
ISG-Syndrom beidseits
-
p
rimäres
Fibromyalgiesyndrom
-
mittelschweres OSAS mit CPAP bei Durchschlafinsomnie
-
Diabetes M
ellitus
-
Adipositas BMI 35
Die
Behandler
hielten fest, aus orthopädisch-chirurgischer Sicht
könne a
ufgrund der Symptomlokalisation und der Beschwerden eine zervikale Pathologie im Sinne einer
Zervikalstenose
beziehungsweise Myelopathie ausgeschl
ossen werden. Differentialdiagno
stisch
sei
eine Neuropathie in Betracht zu ziehen, weshalb noch nicht zur Arbeitsfähigkeit beziehungsweise
zu
Rehabilitations
massnahmen Stellung bezogen werden könne. Aus neurologischer Sicht hielten sie ein chronisches, therapierefraktäres Schmerzsyndrom fest und empfahlen eine
Weiterführung der konservativen Schmerztherapie (
Urk.
8/231/11).
Aus ps
ycho
somatischer Sicht habe der B
eschwerdeführer nach dem Ver
kehrsunfall 2003 ein Schmerzsyn
drom auf Basis eines früheren Psychotraumas entwickelt, Therapien seien ohne Erfolg geblieben. Seit dem Unfall leide der Beschwerdeführer an Kopf
schmerzen und subjektiv
an einem deutlichen Gedächtnisve
rlust und schlechter Konzentration.
Er habe
sich stark verändert, sei zunehmend gereizter und müder geworden. Er habe in der Folge eine depressive Störung entwickelt, die inzwischen als
chronifiziert
beurteilt werden müsse
,
mit erheblicher vegetativer Zeichnung. Zeitweise bestünden Ängste im Rahmen vegetativer Dekompensation. Die psychosoziale Belastung durch die Isolation, finanzielle Probleme, ein einge
schränktes Verhaltensrepertoire und den Verlust der sozialen Bedeutung nehme zu. Zudem habe er Sch
merzen in diversen Körperteilen
, einhergehend mit Müdig
keit, Schlafstörungen und Atembeschwerden, Zittern am ganzen Körper und Nervosität. Seit 2017 zeige sich eine Zunahme der Kopfschmerzen, Kraftlosigkeit, Durchschlafstörungen mit Albträumen un
d nächtlichen Ängste
n
, Taubheits
gefühle
n
in den Armen und zeitweise
ein
em leichten
Globusgefühl. Seit 2020 sei
en
eine deutliche Zunahme der Ängste und deutliche Verstär
kung der Depres
sion eingetreten, ebenso
Durchschlafstörungen, Nervosität, Zittern, kalter Schweiss, Stress und Anspannung. Diverse Therapien seien ohne Verbesserung geblieben
(
Urk.
8/231/12).
Aus psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer subjektiv zu 100
%
arbeits
unfähig. Er könne etwa 15-20 Minuten Spazierengehen, etwa 20-30 Minuten sitzen und im Liegen würden Nacken und Rücken sofort schmerzen. Er brauche für alles länger und sei sehr schnell von den Schmerzen beeinträchtigt. Er könne nur noch 3-4 kg tragen. Aus orthopädischer Sicht könne aufgrund der Klinik und dem MRI-Befund lumbal nur eine für die Wirbelsäule adaptierte Arbeit zugemutet werden. Zwischen Sitzen und Stehen sollte gewählt werden können. Aus neuro
logischer Sicht sei der Beschwerdeführer aufgrund der genannten Funktions
störungen
zu
100
%
arbeitsunfähig. In
der Konsensbeurteilung kamen die Behandler
zum Schluss,
der Beschwerdeführer sei aus neurologischer und psychi
atrischer Sicht sowohl in der angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter als auch in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
8/231/12).
3.2.5
RAD-Ärztin
Dr.
C._
nahm am 1
3.
November 2020 und am 2
6.
Februar 2021 Stellung zu den Akten.
Am 1
3.
November 2020
führte
sie
aus, aus dem Bericht betreffend den stationären Aufenthalt in der Privatklinik
F._
ergebe sich eine leichte Zustandsverbesserung. Ob diese noch anhalte, sei durch Einholung eines ausführlichen poststationären Verlaufsberichts im
B._
zu evaluieren (
Urk.
8/234/4). Nach Eingang des Berichtes des
B._
vom
3.
Januar 2021
(vorstehend E. 3.2.4)
hielt
Dr.
C._
am 2
6.
Februar 2021
fest, aus versicherungs
medizinischer Sicht ergäben sich anhand des vorgelegten Berichtes im Vergleich keine Veränderungen, welche eine dauerhafte Veränderung des gesamthaften Gesundheitszustandes begründe
te
n und damit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
(Berücksichtigung des Belastungsprofils)
hätten. Unter Weiterführung der fachärztlichen Therapie sei die zuletzt beurteilte Arbeitsfähig
keit umsetzbar. Die Verschlechterung der psychischen Beschwerden sei
vor
dem Hintergrund einer Problematik mit dem Migrationsamt nachvollziehbar (
Urk.
8/234/6).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin stützte sich bei der
Abweisung
des Leistungsbege
h
rens des Beschwerdeführers massgeblich auf die Stellungnahmen von
Dr.
C._
vom 1
3.
November 2020 und 2
6.
F
ebruar 2021
,
wonach sich
aus
de
n
vorgelegten Berichte
n
keine Veränderungen ergeben hätten, die eine dauerhafte
Verschlechterung
des gesamthaften Gesundheitszustandes begründen würden (
Urk.
8/234/6).
Bei
diesen
Stellungnahmen
handelt es sich um Aktenbeurteilun
g
en
, da der Beschwerdefü
hrer nicht untersucht wurde. Ihnen
kann trotzdem voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesent
lichen nur um die ärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht (Urteil des Bundesgerichts 8C_281/2018 vom 2
5.
Juni 2018
E. 3.2.2 mit Hinweisen). Ob dies vorliegend der Fall ist, ist nachfolgend zu prüfen.
4.2
4.2.1
Zum psychischen Gesundheitszustand des Beschwerdeführers im Zeitpunkt der rentenabweisenden Verfügung vom 2
2.
November 2013 ist dem psychiatrischen Teilgutachten von
Dr.
A._
zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer an einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung sowie an einer rezidivierenden depressiven Störung, seit Anfang 2013 leichtgradige Episode
,
litt
.
Im Hinblick auf die Depression ging
Dr.
A._
damals
davon aus, dass der Beschwerdeführer sich seit Anfang 2013 aufgefangen habe und versuche, das Beste aus der Situation zu machen. Er beschrieb eine lediglich leicht
e
depressive Stimmung, wobei der
Beschwerdeführer während der Besprechung aufgetaut sei und mit dem Dolmetscher Spässe gemacht habe
,
und
er
hob hervor, dass
d
er
Beschwerdeführer
einen regelmässigen Tagesablauf mit der Pflege sozialer Kontakte geschildert habe (
Urk.
8/134
/45
).
Demgegenüber ergibt sich aus den
im
aktuellen
Neuanmeldungsverfahren einge
reichten Unterlagen, dass der Beschwerdeführer vom 2
9.
April bis am 2
6.
Juni 2020 aufgrund der Hauptdiagnose einer mittelgradigen depressiven Episode im Rahmen der rezidiv
i
erenden depressiven Störung
im Sanatorium
F._
stationär behandelt wurde. Im Gegensatz zu den Befunden von
Dr.
A._
, wonach
der Beschwerdeführer zwar mürrisch und
dysphorisch
aber auch mehr
mals gut gestimmt gewesen sei und weder ein verarmter noch ein gesteigerter Antrieb bestanden habe,
wurde im Eintrittsbefund
des Sanatoriums
F._
beschrieben, der Beschwerdeführer sei affektarm, stark deprimiert und än
g
stlich. Es bestünden eine ausgeprägte innere Unruhe, Insuffizienzgefühle, eine
erheb
liche
Antriebsarmut sowie ein starker sozialer Rückzug (
Urk.
8/217).
Beim Austritt des Beschwerdeführers
verzichteten die behandelnden Ärzte
zwar
auf eine erneute Erhebung des psychopathologischen Befundes
, hielten
indessen
abschliessend fest, trotz einer
vom Beschwerdeführer empfundene
n
leichte
n
Zustandsverbesserung
bestehe
weiterhin
eine
ausgeprägte depressive Symptoma
tik (
Urk.
8/217/7)
.
Dafür, dass
sich der psychische Zustand des Beschwerdeführers längerdauernd verschlechtert haben könnte und
es sich
bei den im Bericht der Privatklinik
F._
festgehaltenen psychiatrischen Befunde
nicht um eine bloss vorübergehende, durch die stationäre Behandlung wieder aufgefangene Verschlechterung des psychischen Zustandes handelt, spricht des Weiteren auch die Beurteilung der behandelnden Ärzte des
B._
, die am
3.
Januar 2021 berich
teten, die Depressivität des Beschwerdeführers habe sich seit dem Jahr 2020 deutlich verschlechtert und die Symptome hätten in ihrer Intensität zugenommen (
Urk.
8/231/12).
Eine Verschlechterung der psychischen Beschwerden wurde schliesslich auch von RAD-Ärztin
Dr.
C._
grundsätzlich nicht verneint
.
Damit bestehen Anhaltspunkte für eine Verschlechterung des psychischen Gesundheits
zustandes im
massgebenden
Zeitraum.
Fraglich ist indessen, ob gestützt darauf - anders als noch im Vergleichszeitpunkt am 2
2.
November 2013 - von einer
massgeblich
eingeschränkten Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers auszugehen ist.
4.2.3
Dr.
C._
hielt diesbezüglich fest
, die Verschlechterung
der psychischen Beschwerden sei
vor dem Hintergrund der Problematik mit dem Migrationsamt nachvollziehbar (
Urk.
8/234/6).
Zwar trifft es grundsätzlich zu, dass soziale Belastungen, die direkt negative funktionelle Folgen
zeitigen, bei der Beurteilung
der Gesundheitsbeeinträchtigung ausgeklammert bleiben (Urteil des Bundesge
richts 8C_717/2018 vom 22. März 2019 E. 3). Vorliegend
greift
die Beurteilung von
Dr.
C._
jedoch
vor dem Hintergrund, dass keiner der behandelnden Ärzte eine Verbindung zwischen dem psychischen Zustand des Beschwerdeführers und dessen ausländerrechtlichem Status her
ge
stellt
hatte
,
zu kurz, zumal aus den Akten lediglich hervorgeht, dass ein diesbezügliches Verfahren durchgeführt wird beziehungsweise wurde
(vgl. d
as
zu
Handen
des
M
igrationsamt
s
verfasste
Schreiben
des
B._
vom 1
5.
Dezember 2020;
Urk.
8/
210
)
und nicht, dass im betreffenden Zeitraum für den Beschwerdeführer nachteilige Entscheidungen getroffen
w
u
rden
oder
zu erwarten
waren
.
Dass eine
von einem
rein
reaktiven
und daher grundsätzlich
invaliditätsfremden Geschehen
unterscheidbare andau
ernde
Verschlechterung der
Depression im fachmedizinischen Sinne mit Auswir
kungen auf die A
rbeitsfähigkeit besteht, welcher
selbständige Bedeutung zukommt, kann daher nicht
ohne Weiteres
mit
einem V
erweis auf das migra
tionsrechtliche
Verfahren verneint werden.
Die Stellungnahme der RAD-Ärztin
erweist sich somit nicht als schlüssig und nachvollziehbar, es bestehen mehr als geringe Zweifel an
ihrer
Zuverlässigkeit.
4.2.4
Ob die
festgehaltene
Verschlechterung der psychischen Befunde zu einer mass
geblichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers führt, kann aufgrund der
weiteren
vorliegenden
medizinischen Unterlagen
sodann
ebenfalls
nicht
abschliessend
geklärt
werden.
So liegt diesbezüglich einzig die Einschätzung der behandelnden Ärzte des
B._
vor, wonach der B
eschwerdefüh
rer aus psychiatrischer Sicht
subjektiv zu 100
%
arbeitsunfähig
sei.
Sie
beschrie
ben
jedoch
darauffolgend
auch ein Belastbarkeitsprofil
für eine angepasste Tätigkeit (
Urk.
8/231/12)
, so dass unklar bleibt, ob und inwiefern der Beschwer
deführer ihrer Ansicht nach auch in einer
angepassten
Tätigkeit
objektiv
eingeschränkt ist.
Diesbezüglich gilt es zudem auf die Erfahrungstatsache hinzu
weisen, wonach behandelnde Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen, weshalb die direkte Zusprechung von Leistungen der Invalidenversicherung im Wesentlichen gestützt auf deren Angaben kaum je in Frage kommt (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_549/2021 vom 7. Januar 2022 E. 7.2).
Insgesamt ergeben sich damit aus den medizinischen Unterlagen Hinweise auf ein psychisches Krankheitsbild, dessen aktuelle Ausprägung und Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers aufgrund der vorliegenden Akten nicht
abschliessend
beurteilt werden kann. Die medizinische Aktenlage erweist sich daher als ergänzungsbedürftig.
4.3
Der somatische Gesundheitszustand des Beschwerdeführers wurde
einzig
im
Bericht zur interdisziplinären Schmerztherapie des
B._
vom
3.
J
anuar 2021 ärztlich beurteilt
.
Darin wird
abweichend von der Ansicht des rheumatologischen Gutachters
Dr.
Z._
, der
sämtliche vom Beschwerdeführer bisher in der Schweiz ausgeübten
Tätigkeit
en
fü
r uneingeschränkt möglich hielt
(
Urk.
8/134/21)
-
mithin auch die zuletzt ausgeübte
, wohl eher schwere
Tätigkeit als Bauarbeiter im Strassen - und Tiefbau (
Urk.
8/11) -
aufgrund einer am 2
4.
Oktober 2020 durchgeführten MRI-Untersuchung sowie des klinischen Befundes
nur eine an die Wirbelsäule adaptierte Tätigkeit bei der zwischen Sitzen und Stehen gewählt werden können sollte,
für zumutbar erachtet
(
Urk.
8/
231/12)
.
Ob
somit die bishe
rige Tätigkeit nicht mehr zumutbar ist oder
es sich
allenfalls
um eine unerhebliche andere Beurteilung desselben Sachverhaltes
handelt
,
kann aufgrund der vorlie
genden Akten nicht abschl
iessend beurteilt werden. E
ine Verschlechterung des somatischen Zustandes des Beschwerdeführers erscheint
auf der anderen Seite aber auch
nicht ausgeschlossen.
4.
4
Insgesamt erweisen sich die vorhandenen medizinischen Unterlagen für eine abschliessende Beurteilung des Verlaufs des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers und damit des vorliegend strittigen Leistungsanspruchs als nicht genügend. Die Beschwerdegegnerin ist zwar auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers eingetreten. Obwohl sie es mithin als möglich erachtet hat, dass eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheits
zustandes des Beschwerdeführers eingetreten sein könnte, hat sie aber die nötigen medizinischen Abklärungen nicht vorgenommen.
Die Beschwerdegegnerin hat daher ergänzende medizinische Abklärungen vorzu
nehmen, die sämtliche Beschwerden des Beschwerdeführers umfassen und eine hinreichende fachärztliche Grundlage darstellen, welche die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlauben. Hierzu empfiehlt sich eine
bi
-
oder polydisziplinäre Begutachtung, die insbesondere eine Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes nach Massgabe der Standardindikatoren gemäss der mit BGE 141 V 281 begründeten Rechtsprechung ermöglicht. Beson
deres Augenmerk wird im Rahmen der ergänzenden Abklärung insbesondere auf die Frage nach der effektiven Veränderung des Gesundheitszustandes im Vergleich zum Referenzzeitpunkt zu richten sein (Urteil des Bundesgerichts 8C_300/2020 vom
2.
Dezember 2020 E. 2.6.2). Hernach hat die Beschwerdegeg
nerin neu über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu entscheiden.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 1
0.
Juni 2021 (
Urk.
2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerdegegnerin zur ergänzenden medizinischen Abklärung im Sinne der Erwägungen und zu
neuem Entscheid über den Rentenanspruch des Beschwerdeführers zurückzu
weisen.
5.
5.1
Das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über IV-Leistungen vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht ist kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1'000.-- festgelegt (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Im vorliegenden Verfahren sind sie ermessensweise auf Fr.
700.-- anzusetzen. Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 210 E. 7.1, 137 V 57 E. 2.2), weshalb die Gerichtskosten der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen sind.
5.2
Nach
Art.
61 lit. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 GSVGer hat die obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses sowie dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3 GSVGer).
Mit Honorarnote vom
2
3.
April 2022
machte
Rechtsanwältin Andrea Steiner
Lettoriello
als unentgeltliche
Rechtsvertreter
in
des Beschwerdeführ
ers einen Gesamtaufwand von 7
Stunden
und 20 Minuten
à
Fr.
220.-- zuzüglich Baraus
lagen von
Fr.
48.40
und 7.7
%
Mehrwertsteuer gelt
end (
Urk.
18
), was unter Berücksichtigung der obgenannten Kriterien
als
angemessen er
scheint. Dement
sprechend ist die Beschwerdegegnerin
zu verpflichten
eine Prozessentschädigung von
Fr.
1'789.65
(inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer)
zu bezahlen, wobei diese direkt der unentgeltlichen Rechtsvertreterin des obsiegenden Beschwerdeführers zuzusprechen ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_170/2018 vom 2
0.
Juni 2018 E. 1.3 mit Hinweisen).