# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1770ad12-3397-52d5-b344-6c5c75e8f215
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1964 geborene A_ meldete sich am 1. April 2014 wegen einer seit
Dezember 2013 bestehenden cervikalen Myelopathie1 bei der IV-Stelle Appenzell Ausser-
rhoden an.2 In der Folge klärte die IV-Stelle den medizinischen sowie den erwerblichen
Sachverhalt ab – unter anderem übernahm sie die Kosten einer Arbeitsplatzanpassung und
holte ein interdisziplinäres medizinisches Gutachten beim Zentrum für Medizinische
Begutachtung (ZMB), Basel, ein – und zog die Akten des Krankenversicherers bei.3
B. Mit Vorbescheid vom 19. Oktober 2016 kündigte die IV-Stelle A_ an, es bestehe kein
Rentenanspruch. Dagegen liess A_ am 17. November 2016 Einwand erheben. Die IV-
Stelle holte daraufhin beim Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), Dr. med. C_, Facharzt
für Arbeitsmedizin, und bei Dr. med. D_, Facharzt FMH für Psychiatrie und
Psychotherapie, ZMB, Basel, eine Stellungnahme ein.4 Mit Schreiben vom 6. Februar 2017
1 Myelopathie: 1. Erkrankung des Rückenmarks, 2. Erkrankung des Knochenmarks, in: Pschyrembel,
Klinisches Wörterbuch, 261. Aufl., Berlin 2007, S. 1282 2 IV-act. 2 3 IV-act. 41, IV-act. 73 und IV-act. 63 4 IV-act. 86 und IV-act. 91
Seite 3
wurde A_ eine zweite Anhörung zum Vorbescheid gewährt.5 Mit Eingabe vom 5. April
2017 nahm A_ zu den Vernehmlassungen der erwähnten Fachärzte Stellung.6 Die IV-
Stelle hielt in der Verfügung vom 23. Mai 2017 an ihrem Vorbescheid fest und wies das
Leistungsbegehren von A_ ab.7
C. Gegen die Verfügung vom 23. Mai 2017 liess A_ am 23. Juni 2017 mit den eingangs
erwähnten Anträgen Beschwerde beim Obergericht des Kantons Appenzell Ausserrhoden
erheben.8
D. Die IV-Stelle beantragte mit Vernehmlassung vom 25. September 2017 die Abweisung der
Beschwerde.9
E. Innert erstreckter Frist liess A_ am 28. November 2017 die Replik einreichen.10 Die IV-
Stelle verzichtete stillschweigend auf eine Duplik.

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
Gemäss Art. 57 ATSG11 i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b JG12 beurteilt das Obergericht als
kantonales Versicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen.
Die örtliche Zuständigkeit ist gegeben (Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG13).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der
5 IV-act. 92 6 IV-act. 95 7 IV-act. 97 8 Act. 1 9 Act. 8 10 Act. 16 11 Bundesgesetz vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG,
SR 830.1) 12 Justizgesetz vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) 13 Bundesgesetz vom 19. Juni 1959 über die Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20)
Seite 4
Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59, Art. 60 Abs. 1 und
Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 VRPG14).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1
Die IV-Stelle vertrat in der angefochtenen Verfügung gestützt auf das interdisziplinäre
medizinische Gutachten des ZMB vom 16. Juni 2016 die Ansicht, dem Beschwerdeführer
sei die bisherige Tätigkeit in einem Pensum von 70% zumutbar. Der Einkommensvergleich
ergebe einen Invaliditätsgrad von 30%, weshalb ihm kein Anspruch auf eine IV-Rente zu-
stehe. In den vom Beschwerdeführer vorgebrachten Einwänden vom 17. November 2016
und 5. April 2017 seien keine neuen medizinischen Tatsachen geltend gemacht worden,
welche nicht bereits von den Gutachtern und dem RAD beurteilt worden seien.
Der Beschwerdeführer rügt im Wesentlichen den Beweiswert des Gutachtens des ZMB und
erachtet dessen Ergänzung beziehungsweise ein Obergutachten als notwendig. Im Einzel-
nen lässt er geltend machen, dass das Gutachten nicht auf vollständiger Kenntnis der
Vorakten beruhe, dass der Sachverhalt – auch gerade in Bezug auf den Herzinfarkt – un-
genügend abgeklärt worden sei, dass die psychiatrische Diagnose im Gutachten falsch sei,
dass keine Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden stattgefunden habe, dass keine
hinreichend differenzierte und nachvollziehbare Beurteilung der Arbeitsfähigkeit vorge-
nommen worden sei, dass eine Auseinandersetzung mit anderslautenden Einschätzungen
fehle, dass die Teilgutachten entgegen den versicherungsmedizinischen Leitlinien keine
Aussagen zur Arbeitsfähigkeit enthielten und dass keine interdisziplinäre Konsensbeurtei-
lung vorgenommen worden sei.
2.2
2.2.1
Nach Art. 8 Abs. 1 ATSG ist Invalidität die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit
dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit. Die Invalidität kann nach Art. 4 Abs. 1
IVG Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein. Erwerbsunfähigkeit ist der
durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur-
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil-
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen
Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsun-
14 Gesetz vom 9. September 2002 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1)
Seite 5
fähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berück-
sichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht
überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die unter anderem
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindestens 40% ar-
beitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens
40% invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht ein Anspruch auf eine Viertels-
rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem In-
validitätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditäts-
grad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
2.2.3
Nach dem im Sozialversicherungsverfahren geltenden Untersuchungsgrundsatz ist der
rechtserhebliche Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären, und zwar richtig und vollstän-
dig (Art. 43 Abs. 1 ATSG und Art. 61 lit. c ATSG).15
2.2.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung und im Beschwerdefall
das Gericht auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere
Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe der Ärztin oder des Arztes ist es, den
Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und
bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind
die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Ar-
beitsleistungen der Person noch zugemutet werden können.16
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist entscheidend, ob der Bericht für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklag-
ten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medi-
zinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der Experten begründet
sind.17
15 BGE 136 V 376 E. 4.1.1 16 BGE 132 V 99 E. 4 17 BGE 134 V 231 E. 5.1
Seite 6
2.3
2.3.1
Der psychiatrische Gutachter Dr. med. D_ führte im Teilgutachten aus, es lägen keine
psychiatrischen Berichte vor, der Beschwerdeführer habe erstmals vor einigen Wochen
eine Schmerzpsychologin aufgesucht.18 In der psychiatrischen Beurteilung stellte er fest,
dass kein psychisches Leiden mit Krankheitswert festzustellen sei. In den Akten seien
keine Berichte in Bezug auf die vom Beschwerdeführer geltend gemachte psychisch
schwierige Zeit vom vergangenen Sommer bis Winter vorhanden. Möglicherweise habe er
damals auch im Rahmen der beruflichen Schwierigkeiten eine depressive Episode durch-
gemacht, welche heute aber nicht mehr bestehe. Die heutige psychiatrische Untersuchung
habe weder subjektiv noch objektiv Hinweise für eine relevant verminderte Willensbildung
im Rahmen des somatisch begründbaren Schmerzsyndroms ergeben, es bestehe kein af-
fektiv relevantes Leiden, keine Hinweise für ein anderes psychisches Geschehen mit Aus-
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit.19 Zweifellos habe das chronische Schmerzsyndrom einen
gewissen Einfluss auch auf die Stimmungslage des Beschwerdeführers, jedoch habe er
sich an sein Schmerzleiden recht gut adaptiert.20 Die vom Beschwerdeführer beklagten
resultierenden Funktionsstörungen seien ebenfalls aus somatischer Sicht zu beurteilen.
Psychische Funktionsstörungen im eigentlichen Sinne bestünden nicht.21 Der Beschwerde-
führer erscheine insgesamt von seiner Emotionalität etwas distanziert, was im Rahmen
einer Abwehrarbeit interpretiert worden sei. Hinweise für aktuell relevante strukturelle
Probleme hätten sich dabei aber nicht ergeben.22
2.3.2
Dr. med. E_ rügte in der monodisziplinären psychiatrischen Gegendarstellung vom 9.
November 2016 unter anderem die falschen Angaben im Gutachten des ZMB zum
Therapiebesuch.23 Diese beruhen jedoch auf Aussagen des Beschwerdeführers gegenüber
den Gutachtern, weshalb sie nicht als Fehler des Gutachtens gelten können.24 Des
Weiteren machte die behandelnde Psychiaterin geltend, sie möchte dem Hinweis im
Gutachten für kein manifestes affektives Leiden mit Krankheitswert widersprechen. Der Be-
schwerdeführer könne nicht unter dem organischen Schmerzsyndrom leiden und keine af-
fektive Beeinträchtigung haben.25 Der psychiatrische Gutachter Dr. med. D_ brachte
18 IV-act. 73-38/56 19 IV-act. 73-43/56 20 IV-act. 73-43/56 21 IV-act. 73-43f/56 22 IV-act. 73-44/56 23 IV-act. 85-5/7 24 IV-act. 73-21/56 und IV-act. 73-38/56 25 IV-act. 85-5f/7
Seite 7
hierzu in seiner Stellungnahme vom 24. Januar 2017 nachvollziehbar und schlüssig vor, er
habe nicht bestritten, dass ein chronisches (organisches) Schmerzsyndrom einen Einfluss
auf die Befindlichkeit eines Versicherten habe. Daher habe er unter psychiatrische
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit die Diagnose eines somatisch
begründbaren Schmerzsyndroms aufgeführt. Der Beschwerdeführer habe sich
psychopathologisch aber nicht mit einer affektiven Störung gezeigt, welche die ICD-10-Kri-
terien für eine entsprechende Störung erfülle. Es habe auch keine anhaltende somatoforme
Schmerzstörung oder eine andere neurotische Störung bestanden, das Schmerzsyndrom
sei organisch begründet. Die beim Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Begutachtung
zweifellos bestandene Befindlichkeitsstörung sei im Rahmen der organischen (neurologi-
schen) Diagnose beinhaltet.26 Sodann ist der Rüge von Dr. med. E_, wonach die
psychopharmakologische Massnahme sowie die psychotherapeutischen Massnahmen
nicht gewürdigt und erwähnt worden waren, entgegenzuhalten, dass der Beschwerdeführer
die Gutachter nicht über die entsprechenden Massnahmen informierte.27 Das Gleiche gilt
für die Rüge, wonach der psychiatrische Teil des Gutachtens nicht neutral und nicht
fachgerecht erstellt worden sei, da die geklagten Beschwerden, bisherige Behandlungen
und die erhobenen Befunde nicht dargestellt worden sein.28 Auch hier gilt, dass die von der
behandelnden Psychiaterin geltend gemachten abweichenden Befunde bzw.
Behandlungen den Gutachtern mangels entsprechender Information durch den Beschwer-
deführer nicht bekannt waren. Nicht zutreffend ist, dass die vom Beschwerdeführer ge-
klagten subjektiven Beschwerden im Teilgutachten nicht erhoben und dargestellt worden
seien.29 Sodann kann mangels Begründung der Ansicht von Dr. med. E_, wonach sie die
Meinung des Gutachters, dass keine relevante Strukturproblematik bestehe, nicht gefolgt
werden.30 Zumal der psychiatrische Gutachter Dr. med. D_ in seiner Stellungnahme
überzeugend begründet, weshalb die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung nach ICD-10
nicht erfüllt sind.31
2.3.3
Soweit der Beschwerdeführer vorbringt, das Gutachten des ZMB vom 16. Juni 2016 beruhe
nicht auf vollständiger Kenntnis der Vorakten, da der Arztbericht der ihn seit Januar 2016
behandelnden Psychiaterin Dr. med. E_, Fachärztin Psychiatrie und Psychotherapie,
Herisau, fehle, kann ihm nicht gefolgt werden. Nach Angaben des Beschwerdeführers
gegenüber dem psychiatrischen Gutachter Dr. med. D_ habe er erstmals vor einigen
Wochen Termin bei einer Schmerzpsychologin gehabt und bisher drei Gespräche im
26 IV-act. 91-2/4 27 IV-act. 85-6/7 28 IV-act. 85-6/7 29 IV-act. 73-39/56 30 IV-act. 85-6/7 31 IV-act. 91-4/4
Seite 8
Rahmen der Schmerztherapie geführt.32 Dem Teilgutachter kann aufgrund dieser Aussage
des Beschwerdeführers nicht vorgeworfen werden, bei Dr. med. E_ keinen Bericht
eingeholt zu haben, zumal auch die Psychiaterin eigenen Angaben zufolge IV-
Abklärungsberichte prinzipiell erst nach sechsmonatiger Behandlungsdauer zu erstellen
pflegt.33 Die Rüge des Beschwerdeführers geht somit fehl. Die IV-Stelle hat, nachdem das
Gutachten des ZMB Mitte Juni 2016 bei ihr eingegangen war, Anfang Juli 2016 einen
Arztbericht bei der behandelnden Fachärztin eingeholt und die Akten somit
vervollständigt.34
Die Rüge des Beschwerdeführers, es habe im Gutachten keine Berücksichtigung der
subjektiven Beschwerden stattgefunden, geht fehl. Im Teilgutachten von Dr. med. F_,
Facharzt FMH Allgemeine Innere Medizin, ZMB, Basel, wurden die subjektiven Angaben
unter dem Titel Ziffer 3.3. Krankheitsanamnese, im Teil über die Systemanamnese sowie
die aktuellen Behandlungen (Ziffer 3.4 und 3. 5) sowie unter dem Titel Ziffer 3.6 Von der
versicherten Person geklagte Beschwerden erhoben.35 Im orthopädischen Teilgutachten
von Dr. med. G_, Facharzt FMH Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des
Bewegungsapparates, ZMB, Basel, wurden unter Ziff. 4.2.2 die Aktuellen Beschwerden des
Beschwerdeführers erfasst.36 Ebenfalls berücksichtigt wurden die aktuellen Beschwerden
des Beschwerdeführers unter Ziff. 4.3.2 im Teilgutachten von Dr. med. H_, Facharzt
FMH Neurologie, ZMB, Basel.37 Sodann hat auch der psychiatrische Teilgutachter Dr. med.
D_ in Ziff. 4.4.2 die aktuellen Beschwerden des Beschwerdeführers berücksichtigt.38
Weiter ist dem Vorwurf des Beschwerdeführers, wonach die Beurteilung der Arbeitsfähig-
keit ausserordentlich kurz ausgefallen sei, entgegenzuhalten, dass anlässlich der orthopä-
dischen, internistischen und auch der psychiatrischen Untersuchung keine Befunde mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit erhoben worden waren.39 Jedoch wurde als Resultat
der Konsenskonferenz in der aktuell ausgeübten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 70%
festgestellt. Die Teilgutachter begründeten auf rund einer Seite des Gutachtens, weshalb
und unter Berücksichtigung welcher Einschränkungen sie zu ihrer Beurteilung gelangten.
Insofern kann von einer ausserordentlich kurzen Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht die
Rede sein.40
32 IV-act. 73-38/56 33 IV-act. 95-5/8 34 IV-act. 75 35 IV-act. 73-18ff/56 36 IV-act. 73-26f/56 37 IV-act. 73-32f/56 38 IV-act. 73-39ff/56 39 IV-act. 73-48/56 40 IV-act. 73-49f/56
Seite 9
Der Rüge des Beschwerdeführers, es fehle eine Auseinandersetzung mit anderslautenden
Einschätzungen ist entgegenzuhalten, dass entweder keine fachspezifischen Vorberichte
vorliegen – so im Bereich Allgemeine Innere Medizin und Psychiatrie –41 oder aber keine
Differenzen zu den Vorberichten – so im Bereich Orthopädie und Neurologie –42 festgestellt
wurden.43 Insofern geht daher auch diese Rüge fehl.
Der Beschwerdeführer bringt weiter vor, dass die Teilgutachten keine Aussagen zur
Arbeitsfähigkeit enthielten, obwohl dies die versicherungsmedizinischen Leitlinien verlan-
gen. Dies ist unzutreffend, äussern sich doch sämtliche Teilgutachter zur Arbeitsfähigkeit.
Dr. med. F_ äussert sich in der allgemeinmedizinischen und internistischen Beurteilung
dahingehend, dass keine Befunde vorlägen, welche eine eingeschränkte Arbeitsfähigkeit
für die angestammte Büroarbeit mit Aussendienstaufgaben erklären könnten.44 Gemäss Dr.
med. G_ könne eine Verminderung der Arbeitsfähigkeit aus orthopädischer Sicht nicht
begründet werden.45 Der Neurologe Dr. med. H_ erachtet die Beurteilung der
Arbeitsfähigkeit als nicht einfach. Gemäss dem Beschwerdeführer bestände die
Hauptbehinderung in den brennenden Schmerzen im linken Bein. Kognitive Einbussen
beständen keine, die Arbeit am PC sei aber etwas eingeschränkt durch die leichte, zentrale
motorische Störung der rechten Hand. Es bestehe eine hohe Restarbeitsfähigkeit, welche,
da die Einschränkung aufgrund der Schmerzen schwierig einzuschätzen bleibe, im
Rahmen der Konsenskonferenz festgelegt werden müsse.46 Gemäss dem psychiatrisches
Teilgutachter Dr. med. D_ müsse aus rein psychiatrischer Sicht die dem
Beschwerdeführer mögliche Arbeitsfähigkeit wesentlich aus rein somatischer Sicht
begründet werden.47
Abschliessend stösst auch die vom Beschwerdeführer vorgebrachte Rüge, wonach keine
interdisziplinäre Konsensbeurteilung stattgefunden habe, ins Leere. Am 28. April 2016 fand
eine Konsenskonferenz statt.48 An dieser wurden die Diagnosen sowie die medizinische
Beurteilung aus polydisziplinärer Sicht festgestellt und eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
vorgenommen.49
2.4
41 IV-act. 73-25/56 und IV-act. 73-38/56 42 IV-act. 73-31/56 und IV-act. 73-37/56 43 IV-act. 73-51/56 44 IV-act. 73-24f/56 45 IV-act. 73-31/56 46 IV-act. 73-38/56 47 IV-act. 73-43/56 48 IV-act. 73-45/56 49 IV-act. 73-46ff/56
Seite 10
Zusammenfassend überzeugt die Kritik des Beschwerdeführers am Gutachten des ZMB
nicht. Insgesamt ist das Gutachten des ZMB plausibel und nachvollziehbar begründet, be-
ruht auf den im Rahmen der Untersuchung gewonnenen Erkenntnissen, wurde in Kenntnis
der Vorakten und unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden abgegeben und
leuchtet in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge ein. Dem Gutachten kommt
daher voller Beweiswert zu.
2.5
Soweit der Beschwerdeführer auch einen ungenügend abgeklärten Sachverhalt in Bezug
auf den von ihm erlittenen Herzinfarkt und dessen Folgen geltend macht, ist ihm entgegen-
zuhalten, dass sich in den Akten ein Bericht des Kantonsspitals St. Gallen, Klinik für Kardi-
ologie, vom 28. September 2017 zuhanden der IV-Stelle befindet, wonach die Prognose
von Seiten des Ereignisses gut sei. Ab Dezember 2016 sei in einer körperlich leichten
Tätigkeit eine schrittweise Steigerung des Arbeitspensums auf 100% innert maximal 3
Monaten zu erwarten.50 Der Beschwerdeführer reicht keine Unterlagen ein, welche die auf
der letzten Kontrolle im Dezember 2016 – und damit innerhalb des vorliegend massgeben-
den Zeitpunktes51 – beruhende Prognose des Kantonsspitals in Zweifel zu ziehen vermöch-
ten. Die diesbezügliche Rüge des Beschwerdeführers geht daher fehl.
2.6
Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet; sie ist abzuweisen.
3. Kosten und Entschädigung
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren um die Bewilligung oder Verwei-
gerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Dem Beschwerdeführer
sind daher – unter Verrechnung mit dem von ihm in gleicher Höhe einbezahlten Kostenvor-
schuss – ausgangsgemäss die Kosten des Verfahrens in Höhe von Fr. 800.-- aufzuerlegen.
Der obsiegenden IV-Stelle wird keine Parteientschädigung ausgerichtet.52
50 Act. 12 51 BGE 132 V 215 E. 3.1.1 52 BGE 126 V 143 E. 4
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