# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8a25dc75-8c53-440f-91f4-46f4c5c2d245
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _1979 in O.1_, L.1_, geboren. Nach ihrem Schulabschluss absolvierte sie eine Ausbildung zur Kellnerin. Im Jahre 2005 kam sie in die Schweiz. Sie ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. X._ erzielt durch ihre derzeitige Beschäftigung als Zimmermädchen im Hotel A._ in O.2_ ein monatliches Nettoeinkommen von CHF 2'800.--. Sie ist weder im schweizerischen Zentralstrafregister noch im SVG-Massnahmenregister (ADMAS) verzeichnet.
B. X._ verursachte am 2. November 2012 auf der B._ in Fahrtrichtung O.2_ mit ihrem Personenwagen einen Selbstunfall. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend Staatsanwaltschaft) vom 9. Januar 2013, mitgeteilt am 16. Januar 2013, wurde X._ der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 4 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 aSVG für schuldig befunden und zu einer Busse von CHF 300.-- verurteilt (vgl. Akten StA act. 9). Dem Strafbefehl lag folgender Sachverhalt zu Grunde:
„Am 02. November 2012, um 07.30 Uhr, fuhr die Beschuldigte mit dem Personenwagen SKODA CZ Octavia Combi 4×4, GR_, von O.3_ in Richtung O.2_. Auf der Bahnübergangsbrücke kam ihr ein schleudernder Personenwagen entgegen, weshalb sie ihr Fahrzeug abbremste. Dabei verlor sie infolge nicht angepasster Geschwindigkeit an die Strassenverhältnisse die Kontrolle über ihr Fahrzeug und geriet auf die Gegenfahrbahn, wo sie mit der Stützmauer kollidierte. Anschliessend überschlug sich das Fahrzeug mehrmals und kam schliesslich, teilweise auf der Stützmauer liegend, total beschädigt zum Stillstand. Die Beschuldigte wurde leicht verletzt.“
C. Hiergegen erhob X._, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Thomas Schütt, am 23. Januar 2013 Einsprache (vgl. Akten StA act. 14). Die Staatsanwaltschaft ergänzte in der Folge die Strafuntersuchung. Am 8. Mai 2013 teilte sie X._ mit, dass die Strafuntersuchung abgeschlossen sei (vgl. Akten StA act. 22). Gleichzeitig stellte sie auf Grund der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse die Überweisung des Strafbefehls an das Gericht gemäss Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO wegen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 4 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 aSVG in Aussicht.
D. Mit Verfügung vom 29. Mai 2013, mitgeteilt am 30. Mai 2013, überwies die Staatsanwaltschaft die Akten an das Bezirksgericht Maloja zur Durchführung des
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Hauptverfahrens. Dabei hielt die Staatsanwaltschaft am Strafbefehl vom 9. Januar 2013 fest und beantragte, dass X._ gestützt auf Art. 32 Abs. 1 SVG und – abweichend vom Strafbefehl – gestützt auf Art. 4 Abs. 2 VRV sowie Art. 90 Ziff. 1 aSVG schuldig zu sprechen sei (vgl. Akten StA act. 26). Zeitgleich erging der Schlussbericht der Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 326 Abs. 2 StPO (vgl. Akten StA act. 27), in welchem sie festhielt, dass die Beschuldigte geständig sei, bei ihrem Bremsmanöver auf vereister Fahrbahn ins Rutschen geraten und mit der Stützmauer auf der linken Strassenseite zusammengestossen zu sein. Angesichts der winterlichen Strassenverhältnisse hätte sie wesentlich langsamer, nötigenfalls sogar im Schritttempo fahren müssen. Trotz der sichtbar vereisten Rechtsbiegung nach der Bahnüberführung zwischen O.3_ und O.2_ sei die Beschuldigte mit einer Geschwindigkeit von 30-40 km/h unterwegs gewesen. In diesem Zusammenhang wurde auf das Urteil des Kantonsgerichts von Graubünden SB 05 3 vom 16. Februar 2005 verwiesen. Die Behauptung der Beschuldigten, dass sie einem entgegenkommenden Fahrzeug habe ausweichen müssen und daher zunächst auf die Gegenfahrbahn gefahren sei, vermöge sie nicht zu entlasten, da sie angesichts der vereisten Fahrbahn zu schnell unterwegs gewesen sei. Ausserdem sei diese Behauptung nachweislich unzutreffend, da das Fotoblatt (vgl. Akten StA act. 3) beweise, dass die Beschuldigte von der rechten Fahrbahnhälfte aus direkt gegen die Stützmauer auf der linken Strassenseite geraten sei. Im Übrigen erscheine die Behauptung auch insofern unglaubwürdig, als dieser angeblich entgegenkommende schwarze Audi trotz der Beschreibung der Beschuldigten nicht habe ermittelt werden können.
E. Mit prozessleitender Verfügung vom 18. März 2013, mitgeteilt am 5. Juni 2013, wurde X._ eine Frist von zehn Tagen angesetzt, um allfällige Beweisanträge geltend zu machen (vgl. Akten VI act. 2), worauf diese mit Schreiben vom 11. Juni 2013 explizit verzichtete (vgl. Akten VI act. 3). Die Hauptverhandlung, zu welcher mit prozessleitender Verfügung vom 17. Juni 2013 vorgeladen wurde (vgl. Akten VI act. 4), fand am 13. August 2013 vor dem Bezirksgericht Maloja statt. X._ sowie ihr privater Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. iur. Thomas Schütt, erschienen persönlich, während die Staatsanwaltschaft auf eine Teilnahme verzichtete. X._ liess folgende Anträge stellen (vgl. Akten VI act. 7 und 8):
„1. Die Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge für das Untersuchungsverfahren und für das Gerichtsverfahren zu Lasten des Staates.“
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F. Das am 13. August 2013 gefällte und gleichentags mündlich eröffnete Urteil des Bezirksgerichts Maloja wurde X._ am 14. August 2013 ohne schriftliche Begründung im Dispositiv mitgeteilt. Gegen dieses Urteil meldete der Verteidiger von X._ am 23. August 2013 Berufung an (vgl. Akten VI act. 11). Daraufhin teilte das Bezirksgericht Maloja den Parteien am 8. Januar 2014 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es wie folgt:
„1. X._ ist schuldig der einfachen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 1 SVG und Art. 4 Abs. 2 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 aSVG.
2. Dafür wird X._ mit einer Busse von CHF 300.- bestraft.
Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 3 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft CHF 1'025.00
- Barauslagen der Staatsanwaltschaft CHF 275.00
- Gerichtsgebühr CHF 2'000.00
Total CHF 3'300.00
werden X._ auferlegt.

## Considerations