# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 30d94721-7ee3-4a46-90f7-fed07fac4975
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_005
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. Am 18. Februar 2019 erliess der Gemeindevorstand D._ gestützt auf
Art. 21 des kantonalen Raumplanungsgesetzes (KRG; BR 801.100) über
das ganze Gemeindegebiet eine Planungszone mit einstweiliger Geltung
bis 14. März 2021. Die Planungszone blieb unangefochten.
2. Die E._ AG reichte am 14. April 2020 das Gesuch um Erstellung
eines Wohn- und Geschäftshauses auf der Parzelle F._ in G._,
Gemeinde D._, ein. Das Baugesuch wurde am 17. April 2020 amtlich
publiziert und öffentlich aufgelegt.
3. Mit Eingaben vom 3. Mai 2020 erhoben C._ und B._ sowie am
7. Mai 2020 A._ dagegen Einsprache und beantragten die Abweisung
des Baugesuchs, eventualiter die Unterstellung des Baugesuchs der
Planungszone vom 18. Februar 2019 betreffend Überprüfung und
Anpassung der Bauzonen und Umsetzung der weiteren Vorgaben von
Art. 15 RPG und Sistierung bis zur Inkraftsetzung des neuen Rechts.
Aufgrund der Komplexität des Baugesuches erachteten die Einsprecher
den Beizug eines sachkundigen Beraters (Art. AC._ Baugesetz der
Gemeinde D._ [BG]) zur Beurteilung der guten Gesamtwirkung und
einer nachhaltigen Dorfentwicklung als zwingend notwendig.
4. Am 5. Juni 2020 erfolgte eine gemeinsame Besprechung der
Bauherrschaft, Vertretern der Gemeinde, des Vertreters des Einsprechers
sowie weiteren Einsprechern, an der die Parteien an ihren Standpunkten
festhielten. Mit Schreiben vom 22. Juni 2020 ersuchte A._ die
Baukommission um Zustellung der Stellungnahme der E._ AG
zwecks Kenntnis- und allfälliger Stellungnahme. Die Baugesuchstellerin
liess sich mit Eingabe vom 29. Juni 2020 zur Einsprache vernehmen,
wobei sie sinngemäss die Abweisung der Einsprache und Bewilligung des
Baugesuchs beantragte und nachträglich angepasste Pläne einreichte.
- 4 -
5. Mit Entscheiden vom 7., mitgeteilt am 28. Juli 2020, wies die
Baukommission D._ die Einsprachen gegen das Baugesuch ab und
bewilligte unter Auflagen den Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses
in G._, Parzelle F._. Die Baukommission zog dabei einen
juristischen Berater im Sinne von Art. AC._ BG hinzu, den Beizug der
Bauberatung gemäss Art. AD._ BG erachtete sie als nicht notwendig.
6. Gegen diesen Entscheid erhoben am 17. August 2020 A._ sowie
B._, C._ beim Gemeindevorstand D._
'Einsprache/Beschwerde' und beantragten die Aufhebung des
Einspracheentscheids und der Baubewilligung vom 28. Juli 2020 sowie die
Abweisung des Baugesuchs, die Rückweisung der Sache an die
Baukommission zur Ergänzung des Schriftenwechsels und erneuten
Beurteilung; eventualiter die Abweisung des Baugesuchs (wegen
Verletzung der Ästhetikvorschriften); subeventualiter die Unterstellung des
Baugesuchs unter die Planungszone vom 18. Februar 2019 und
Sistierung desselben bis Inkraftsetzung des neuen Rechts. In formeller
Hinsicht beantragten die Einsprecher die Erteilung der aufschiebenden
Wirkung und den Ausstand von H._ und I._. Mit Verfügung vom
2. September 2020 erkannte der verfahrensleitende
Gemeindevizepräsident der Einsprache die aufschiebende Wirkung zu
und untersagte gleichzeitig der Bauherrschaft, mit der Ausführung des
Bauvorhabens zu beginnen, unter Verweis auf den Ausstand von I._
und H._ bei der Behandlung der Einsprache. Ferner wurden den
Einsprechern (nachträglich) die Vernehmlassung der E._ AG vom
29. Juni 2020 und die nachgereichten Baugesuchspläne zur freigestellten
Stellungnahme zugestellt.
7. Mit Schreiben vom 10. bzw. 11. September 2020 nahmen die Einsprecher
zur Vernehmlassung der E._ AG Stellung, wobei A._ Ziff. 1 lit. a
seines Rechtsbegehrens dahingehend modifizierte, dass die Sache zur
Ergänzung des Schriftenwechsels und erneuten Beurteilung an die
- 5 -
Baukommission zurückzuweisen sei, wobei H._ im Verfahren vor der
Baukommission aufgrund neu gewonnener Erkenntnisse in den Ausstand
zu treten habe.
8. Mit Entscheid vom 14., mitgeteilt am 16. September 2020, wies der
Gemeindevorstand D._ die Einsprachen ab, womit die erteilte
Baubewilligung bestätigt wurde.
9. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer 1, Verfahren
R 20 99) am 16. Oktober 2020 beim Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden Beschwerde und beantragte was folgt:
1. Es seien der Einspracheentscheid des Gemeindevorstandes der Gemeinde
D._ vom 16. September 2020 sowie die Baubewilligung vom 28. Juli 2020
und der Einspracheentscheid vom 28. Juli 2020 der Baukommission der
Gemeinde D._ aufzuheben, und
a) das Baugesuch sei abzuweisen,
b) eventualiter sei die Sache zur erneuten Durchführung des
Baubewilligungsverfahrens in rechtskonformer Besetzung an die Gemeinde
D._ (Baukommission) zurückzuweisen,
c) subeventualiter sei das Baugesuch der Planungszone vom 18. Februar 2019
betreffend Überprüfung und Anpassung der Bauzonen und Umsetzung der
weiteren Vorgaben von Art. 15 RPG sowie des kantonalen KRIP-S zu
unterstellen und damit bis zur Inkraftsetzung des neuen Rechts zu sistieren.
2. Es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen und
der Beschwerdegegnerin 2 bis zum Abschluss des hängigen Verfahrens zu
untersagen, mit der Ausführung des Bauvorhabens zu beginnen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerinnen.
Zur Begründung des Antrags um Abweisung des Baugesuchs
(Rechtsbegehren Ziff. 1 lit. a) bringt der Beschwerdeführer 1 im
Wesentlichen einen Verstoss gegen die Grössenvorschriften und die
Vorgaben von Art. AG._ und Art. AF._ BG sowie Art. 73 KRG,
die Verletzung der Begründungspflicht und des Verbots der Willkür und im
- 6 -
Zusammenhang mit dem Rückweisungsantrag (Rechtsbegehren Ziff. 1 lit.
b) eine mehrfache Verletzung des rechtlichen Gehörs und die
Befangenheit der Behördenmitglieder im Verfahren vor der
Baukommission vor.
10. Gegen den Einspracheentscheid der Gemeinde D._ erhoben auch
B._ sowie C._ (nachfolgend Beschwerdeführer 2, Verfahren
R 20 100) am 16. Oktober 2020 Beschwerde beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden und beantragten was folgt:
1. Es seien der Einspracheentscheid des Gemeindevorstandes der Gemeinde
D._ vom 16. September 2020 sowie die Baubewilligung vom 28. Juli 2020
und der Einspracheentscheid vom 28. Juli 2020 der Baukommission der
Gemeinde D._ aufzuheben, und
a) das Baugesuch sei abzuweisen,
b) eventualiter sei die Sache zur erneuten Durchführung des
Baubewilligungsverfahrens in rechtskonformer Besetzung an die Gemeinde
D._ (Baukommission) zurückzuweisen.
2. Es sei der vorliegenden Beschwerde die aufschiebende Wirkung zuzuerkennen und
der Bauherrschaft bis zum Abschluss des hängigen Verfahrens zu untersagen, mit
der Ausführung des Bauvorhabens zu beginnen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 7.7 % MWST zu Lasten der
Beschwerdegegnerinnen.
Zur Begründung des Antrags um Abweisung des Baugesuchs
(Rechtsbegehren Ziff. 1 lit. a) bringen die Beschwerdeführer 2 im
Wesentlichen einen Verstoss gegen die Grössenvorschriften und die
Vorgaben von Art. AG._ BG vor. Sie rügen eine Beeinträchtigung des
Kreuzweges, mangelhafte Planunterlagen, fehlende Angaben zur
Wärmepumpe sowie die gewerbliche Nutzung. Im Zusammenhang mit
dem Rückweisungsantrag (Rechtsbegehren Ziff. 1 lit. b) führen sie zudem
die mehrfache Verletzung des rechtlichen Gehörs sowie die Befangenheit
der Behördenmitglieder im Verfahren vor der Baukommission an.
- 7 -
11. Mit Vernehmlassungen vom 6. November 2020 beantragte die E._
AG (Bauherrin, nachfolgend Beschwerdegegnerin 2) sinngemäss die
Abweisung der beiden Beschwerden.
12. In ihren Vernehmlassungen vom 30. November 2020 beantragte die
Gemeinde D._ (nachfolgend Beschwerdegegnerin 1) die
kostenfällige Abweisung der beiden Beschwerden, soweit darauf
einzutreten sei und in verfahrensrechtlicher Hinsicht die Vereinigung der
Verfahren R 20 99 und R 20 100.
13. Mit prozessleitender Verfügung vom 3. Dezember 2020 vereinigte der
Instruktionsrichter die Beschwerdeverfahren R 20 99 und R 20 100 und
erkannte den Beschwerden die aufschiebende Wirkung zu.
14. Mit Replik vom 12. Januar 2021 hielten die Beschwerdeführer 1 und 2
unverändert an den bisherigen Rechtsbegehren fest und vertieften ihre
Argumente.
15. Am 18. Januar 2021 verzichteten sowohl die Beschwerdegegnerin 1 als
auch die Beschwerdegegnerin 2 auf die Erstattung einer Duplik.
16. Am 25. Januar 2021 liess der Beschwerdeführer 1 dem Gericht zum
Antrag auf Sistierung des Baugesuchs die aktuelle Wegleitung des ARE,
die neu publizierte 'Technische Wegleitung zur Ermittlung des
Bauzonenbedarfs in der Ortsplanung' wonach von der Mobilisierung aller
unüberbauten Baulandparzellen auszugehen sei und die Honorarnote, am
8. Februar 2021 die vom ARE aktualisierte 'Bevölkerungsperspektive
Gemeinden Graubündens 2019 – 2050: Szenario hoch/mittel/tief' sowie
am 20. April 2021 schliesslich die Publikation der Verlängerung der
Planungszone um zwei Jahre (bis 22. Februar 2023) einreichen.
- 8 -
17. Am 15. November 2021 forderte das Verwaltungsgericht die
Beschwerdegegnerin 1 auf, von ihrer Bauberatung einen Bericht zum
streitbetroffenen Bauprojekt einzuholen. Der Bericht der kommunalen
Bauberatung vom 29. November 2021 wurde den Parteien am
10. Dezember 2021 zur freigestellten Stellungnahme zugestellt.
18. Mit Eingabe vom 27. Januar 2022 nahmen die Beschwerdeführer 1 und 2
Stellung zum Bericht des Bauberaters vom 29. November 2021, äusserten
sich gleichzeitig ergänzend zur Planungszone und teilten mit, dass die
Beschwerdeführer C._ ihr Miteigentum an der Parzelle J._ auf
ihre Tochter, B._, übertragen hätten. Am 1. bzw. 4. Februar 2022
verzichteten die Beschwerdegegnerin 1 als auch die
Beschwerdegegnerin 2 auf eine weitere Stellungnahme.
19.1. Am 2. Mai 2022 führte das Verwaltungsgericht (5. Kammer) einen
Augenschein vor Ort durch, an welchem der Vertreter des
Beschwerdeführers 1, K._, die Beschwerdeführerin 2, B._, mit
ihrem Ehemann, L._, sowie ihrem Rechtsvertreter, die
Beschwerdegegnerin 1 vertreten durch den Gemeindepräsident I._,
und ihrem Rechtsvertreter, die Beschwerdegegnerin 2, vertreten durch
M._, sowie der Bauingenieur N._ anwesend waren. Anlässlich
des Augenscheins wurde den Anwesenden Gelegenheit geboten, sich an
Ort und Stelle zur Sache bzw. den eingenommenen Standorten zu
äussern. Seitens des Gerichts wurden Fotoaufnahmen gemacht und diese
dem Augenscheinprotokoll angefügt. Das Augenscheinprotokoll wurde
den Parteien am 9. Mai 2022 mit-samt den durch die Beschwerdeführer
anlässlich des Augenscheins zusätzlich eingereichten Unterlagen sowie
der E-Mail des Ingenieurbüros N._ vom 6. Mai 2022 zur (freiwilligen)
Stellungnahme zugestellt.
- 9 -
19.2. Am 11. Mai 2022 nahm die Beschwerdegegnerin 1 Stellung zum
Augenscheinprotokoll. Die Beschwerdegegnerin 2 hatte am 23. Mai 2022
keine Anmerkungen zum Protokoll.
Die Beschwerdeführer 1 und 2 äusserten sich mit Stellungnahme vom
30. Mai 2022 zum Augenscheinprotokoll. Zur E-Mail des Ingenieurbüros
N._ vom 6. Mai 2022 führten die Beschwerdeführer an, mit der zu
tiefen Ansetzung der Profile um bis zu 0.33 m werde die übliche Toleranz,
die im Dezimeterbereich liege, klar überschritten, so dass sich das
Bauvorhaben und seine Raumwirkung nicht abschliessend und seriös
beurteilen lasse.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in ihren Rechtsschriften, den
angefochtenen Entscheid und die weiteren Akten wird, soweit erforderlich,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt des verwaltungsgerichtlichen Verfahrens sind die
gestützt auf Art. AH._ Abs. 3 BG ergangenen Einspracheentscheide
des Gemeindevorstands D._ vom 14., mitgeteilt am 16. September
2020, womit die Beschwerdegegnerin 1 die Einsprachen der
Beschwerdeführer 1 und 2 abwies (vgl. beschwerdeführerische Akten 1
und 2 [Bf1-act., Bf2-act.] 2). Soweit die Beschwerdeführer die Aufhebung
der Baubewilligung und des Einspracheentscheids der Baukommission
D._ vom 7., mitgeteilt am 28. Juli 2020 (vgl. Bf1-act. 10 f., Bf2-act.
8 f.), beantragen, kann darauf nicht eingetreten werden. Die Entscheide
der Baukommission D._ sind vielmehr durch die
Einspracheentscheide des Gemeindevorstands D._ vom 14.,
mitgeteilt am 16. September 2020, ersetzt worden, womit auch die
Baubewilligung bestätigt wurde, und gelten als inhaltlich mitangefochten
(Devolutiveffekt des Rechtsmittels; vgl. BGE 136 II 539 E.1.2; 134 II 142
- 10 -
E.1.4 je mit Hinweis; Urteil des Bundesgerichts 1C_476/2018 vom 3. Juli
2019 E.1.1; Urteil des Verwaltungsgerichts [VGU] R 18 63 vom 7. Mai
2019 E.1.2).
1.2. Nach Art. 49 Abs. 1 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRG, BR 370.100) beurteilt das Verwaltungsgericht des Kantons
Graubünden Beschwerden gegen Entscheide von Gemeinden, soweit
diese nicht bei einer anderen Instanz angefochten werden können oder
nach kantonalem oder eidgenössischem Recht endgültig sind. Die
vorliegend angefochtenen kommunalen Entscheide vom 14., mitgeteilt am
16. September 2020, sind weder endgültig noch können sie bei einer
anderen Instanz angefochten werden. Als formelle und materielle
Adressaten der angefochtenen Entscheide und bei Beschwerdeerhebung
allesamt Stockwerkeigentümer der Parzelle J._ sind die unmittelbar
benachbarten Beschwerdeführer berührt und haben ein schutzwürdiges
Interesse an deren Aufhebung oder Änderung, weshalb sie zur
Beschwerdeführung legitimiert sind (Art. 50 Abs. 1 VRG). Auf die frist- und
formgerecht eingereichten Beschwerden ist daher einzutreten.
1.3. Den prozessualen Anträgen, wonach einerseits den Beschwerden die
aufschiebende Wirkung zu erteilen und die Verfahren zu vereinigen seien
und andererseits ein Augenschein durchzuführen sei, ist der
Instruktionsrichter gestützt auf Art. 53 Abs. 2 bzw. Art. 6 lit. a VRG mit
prozessleitender Verfügung vom 3. Dezember 2020 bzw. das
streitberufene Gericht am 2. Mai 2022 nachgekommen.
2. Vorgängig sind zunächst die formellen Rügen der Beschwerdeführer zu
prüfen bzw. auf die Rügen der nicht rechtskonform zusammengesetzten
Baubehörde infolge Befangenheit der Mitglieder der Baukommission
sowie die Befangenheit des kommunalen Bauberaters einzugehen, da
Verletzungen des Rechts auf korrekte Zusammensetzung der Behörde
nicht geheilt werden können (vgl. BGE 142 I 172 E.3.2;
- 11 -
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. Aufl., Zürich
2020, Rz. 1174).
2.1. Die Beschwerdeführer machen geltend, H._ habe am 5. Juni 2020
den Sohn des Beschwerdeführers 1 zum Rückzug der Baueinsprache zu
bewegen versucht und dabei angedroht, im Falle einer Verzögerung des
vorliegenden Baugesuchs habe der Beschwerdeführer 1 (damaliger
Einsprecher) mit der Realisierung einer noch grösseren Baute zu rechnen.
Zudem habe H._ anlässlich der Besprechung vom 5. Juni 2020
deutlich gemacht, dass das Baugesuch geprüft und bewilligungsfähig sei.
Aufgrund seiner Befangenheit hätte H._ somit, der von sich aus im
Verfahren vor der Vorinstanz (Gemeindevorstand) in den Ausstand
getreten sei, auch nicht am Entscheid der Baukommission mitwirken
dürfen, schon gar nicht in bestimmender Funktion als
Interimskommissionspräsident. Der erwähnte Vorfall habe bereits vor der
Entscheidberatung der Baukommission vom 7. Juli 2020 stattgefunden,
womit die entsprechenden Befangenheitsgründe bereits zum damaligen
Zeitpunkt vorgelegen hätten. Der Vernehmlassung der
Beschwerdegegnerin 2 vom 29. Juni 2020 lasse sich zudem entnehmen,
dass der Kommissionspräsident H._ offenbar ausserhalb des
Verfahrens Zusicherungen in Bezug auf eine spätere Nichtauszonung der
Bauparzelle und damit bezüglich einen das Einspracheverfahren
betreffenden Streitpunkt abgegeben habe, so dass er im Zeitpunkt des
erstinstanzlichen Entscheides als befangen gemäss Art. 6a Abs. 1 lit. f
VRG gelten müsse und folglich der erstinstanzliche Entscheid von einer
nicht rechtskonform zusammengesetzten Behörde gefällt worden sei. Da
im Verfahren vor der Baukommission die Bestimmungen zum Ausstand
gemäss VRG verletzt worden seien, hätte die Vorinstanz den Entscheid
aufheben und die Sache zur korrekten Durchführung des Verfahrens an
die Baukommission zurückweisen müssen. Stattdessen habe sie selber
einen rechtswidrigen Entscheid gefällt, der aufzuheben sei.
- 12 -
2.2. Die Beschwerdegegnerin 1 weist den Vorwurf der Befangenheit der
Behördenmitglieder im Verfahren vor der Baukommission entschieden
zurück. H._ würden sachfremde Worte in den Mund gelegt (z.B.
Androhung mit der Realisierung einer noch grösseren Baute im Falle einer
Verzögerung und Druck zum Rückzug), die zu keinem Zeitpunkt geäussert
worden seien. Etwas Anderes ergebe sich auch nicht aus den Akten, was
von diversen Personen bezeugt werden könne. Ein allfälliger (nicht
gegebener) Ausstandsgrund hätte zudem sofort gerügt werden müssen.
An der Aussage der Beschwerdegegnerin 2 "Der Gemeindepräsident
I._ und H._, Departementsvorsteher Bauwesen und Mitglieder
der Baukommission, haben uns versichert, dass der Gemeindevorstand
keinesfalls vorschlagen werde, eine Bauparzelle auszuzonen, welche im
überbauten Gebiet liege und für welche bereits ein Baugesuch eingereicht
worden sei, denn dies würde den vitalen Interessen der Gemeinde
D._ widersprechen" sei auch nichts Falsches, habe die
Baukommission doch bereits bei Eingang des Baugesuchs im Rahmen
der Vorprüfung mit Blick auf zukünftiges Recht eine allfällige
Unterstellungspflicht der Planungszone vom 18. Februar 2019 zu
beurteilen gehabt. Mit dem Ausstand von H._ und I._ im
Einspracheverfahren vor dem Gemeindevorstand habe sich somit ein
Gemeindevorstand mit dem Rechtsmittel des Beschwerdeführers befasst,
der in das Verfahren nicht ansatzweise involviert gewesen sei, womit
antragsgemäss jeglicher Anschein einer Befangenheit vollständig habe
entkräftet werden können.
2.3.1. Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen
Eidgenossenschaft (BV; SR 101) und Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101)
garantieren für gerichtliche Verfahren einen Anspruch auf ein durch
Gesetz geschaffenes, unabhängiges und unparteiisches Gericht. Für
nichtgerichtliche Behörden umfasst der Anspruch auf gleiche und gerechte
- 13 -
Behandlung gemäss Art. 29 Abs. 1 BV nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung auch das Gebot der Unbefangenheit als Teilgehalt des
Anspruchs auf ein faires Verfahren (siehe BGE 140 I 326 E.5.2; Urteil des
Bundesgerichts 2C_382/2018 vom 15. März 2019 E.2.3). In Analogie zu
Art. 30 Abs. 1 BV verpflichtet Art. 29 Abs. 1 BV eine Amtsperson zum
Ausstand, wenn Umstände vorliegen, die nach objektiven
Gesichtspunkten geeignet sind, den Anschein der Befangenheit zu
erwecken (siehe BGE 144 I 234 E.5.2, 141 IV 178 E.3.2.1, 139 I 121 E.5.1;
Urteile des Bundesgerichts 8C_659/2020 vom 20. April 2021 E.3.2.1,
6B_1005/2019 vom 25. Juni 2020 E.1.3 und 2C_717/2018 vom 24. Januar
2020 E.4.1). Kern der Garantie der Unbefangenheit bildet sowohl für
Behördenmitglieder wie für Mitglieder der Gerichte, dass sie sich in Bezug
auf die Beurteilung eines Sachverhalts nicht bereits festgelegt haben. Die
für Gerichte geltenden Anforderungen an die Unbefangenheit können
allerdings nicht unbesehen auf das Verwaltungsverfahren übertragen
werden. Liegt die amtliche Mehrfachbefassung im öffentlichen Interesse
und ist sie in diesem Sinne systembedingt, so liegt nicht bereits darin eine
unzulässige Vorbefassung. Ob eine systembedingt vorbefasste
Amtsperson tatsächlich voreingenommen erscheint, entscheidet sich nach
den konkreten Umständen des Einzelfalls (siehe BGE 140 I 326 E.5.2;
Urteile des Bundesgerichts 6B_457/2020 vom 20. Juli 2020 E.2.2.2,
2C_426/2018 vom 25. März 2019 E.5.2, 1C_517/2017 vom 18. Dezember
2017 E.4.2, 1C_413/2012 vom 14. Juni 2013 E.4.2). Voreingenommenheit
und Befangenheit werden nach der Rechtsprechung angenommen, wenn
Umstände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung geeignet sind,
Misstrauen in die Unparteilichkeit des Richters zu erwecken. Solche
Umstände können entweder in einem bestimmten Verhalten des
betreffenden Richters oder in gewissen äusseren Gegebenheiten
funktioneller und organisatorischer Natur begründet sein. Bei der
Beurteilung solcher Umstände ist nicht auf das subjektive Empfinden einer
Partei abzustellen. Das Misstrauen in die Unvoreingenommenheit muss
- 14 -
vielmehr in objektiver Weise begründet erscheinen. Es genügt, wenn
Umstände vorliegen, die bei objektiver Betrachtung den Anschein der
Befangenheit und Voreingenommenheit erwecken. Für die Ablehnung
wird nicht verlangt, dass der Richter tatsächlich befangen ist (siehe BGE
144 I 159 E.4.3. 142 III 521 E.3.1.1, 140 III 221 E.4.1, je mit Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts 6B_457/2020 vom 20. Juli 2020 E.2.2.2).
2.3.2. Die Baukommission der Gemeinde D._ ist keine richterliche Behörde,
sondern als Baubehörde Organ der Verwaltung. Nach der gefestigten
Praxis des Bundesgerichts sind politische Behörden
(Kantonsregierungen, Gemeindeexekutiven etc.) wegen ihres Amtes,
anders als ein Gericht, nicht allein zur (neutralen) Rechtsanwendung oder
Streitentscheidung berufen. Sie tragen zugleich eine besondere
Verantwortung für die Erfüllung bestimmter öffentlicher Aufgaben. Das
Bundesgericht hat denn auch wiederholt entschieden, dass
Behördenmitglieder nur dann in den Ausstand zu treten haben, wenn sie
an der zu behandelnden Sache ein persönliches Interesse haben; nimmt
ein Behördenmitglied jedoch öffentliche Interessen wahr, so besteht
grundsätzlich keine Ausstandpflicht (so Urteil des Bundesgerichts
1P.48/2007 vom 11. Juni 2007 E.4.1). Die für Gerichtspersonen geltenden
Ausstandsregeln finden deshalb keine Anwendung. Wann Mitglieder einer
Administrativbehörde in den Ausstand zu treten haben, bestimmt sich
ausschliesslich nach dem anwendbaren Verfahrensrecht und nach den
aus Art. 29 Abs. 1 BV herzuleitenden Grundsätzen (siehe BGE 125 I 119
E.3b ff., Urteil des Bundesgerichts 2C_36/2010 vom 14. Juni 2010 E.3.1;
PVG 2011 Nr. 20 E.1).
2.3.3. Nach Art. 33 Abs. 1 des Gemeindegesetzes des Kantons Graubünden
(GG; BR 175.050) haben Mitglieder einer Gemeindebehörde bei der
Behandlung einer Angelegenheit in Ausstand zu treten, wenn sie selbst
oder eine mit ihnen im Ausschlussverhältnis im Sinne von Art. 32 GG
stehende Person daran ein unmittelbares persönliches Interesse haben.
- 15 -
Im Bereich der Rechtspflege richtet sich der Ausstand nach den
Bestimmungen des VRG (Art. 33 Abs. 3 GG). Laut Art. 6a Abs. 1 VRG
treten Personen, die einen Entscheid zu treffen, vorzubereiten oder zu
redigieren haben, von Amtes wegen oder auf Gesuch in den Ausstand u.a.
in Verfahren, wenn sie aufgrund anderer Umstände als befangen
erscheinen (lit. f). Die den Ausstand begründenden Tatsachen sind
glaubhaft zu machen. Gemäss Art. AC._ Abs. 1 i.V.m. Art. AI._ f.
BG stellt die Baukommission D._ die Baubehörde dar, welche über
das Baugesuch sowie allfällige Einsprachen zu entscheiden hat.
Entscheide der Baukommission können wiederum an den
Gemeindevorstand weitergezogen werden (Art. AC._ Abs. 2 BG).
Vorliegend geht es um die Befangenheit eines Mitgliedes der
Baukommission und damit um eine Person im Sinne von Art. 6a Abs. 1
VRG, die (als verwaltungsinterne Rechtsmittelinstanz) einen Entscheid zu
treffen, vorzubereiten oder zu redigieren hat (vgl. dazu VGU R 18 26 vom
19. Februar 2019 E.5.2, R 16 24 vom 4. April 2017 E.5, insbesondere
E.5d).
2.3.4. Formell stützen sich die Beschwerdeführer auf Art. 6 Abs. 1 lit. f VRG,
wonach Personen, die einen Entscheid zu treffen, vorzubereiten oder zu
redigieren haben, von Amtes wegen oder auf Gesuch in Verfahren in den
Ausstand treten, in denen sie aufgrund "anderer Umstände" als befangen
erscheinen. Die Sach- und Rechtslage sind gerade bei Bau- und
Planungssachen oft komplex, die Folgen von Fehlplanungen können
schwer wiegen. Unter diesen Umständen kann es der Prozessökonomie
dienen, wenn die Verwaltung und die private Bauherrschaft durch
vorprozessuale Abklärungen oder Verhandlungen die Voraussetzungen
für einen effizienten und sachgerechten Entscheid schaffen. Zudem liegt
es im Interesse der Verfahrenskoordination, wenn sich die zuständigen
Behörden als Träger der Planungshoheit möglichst frühzeitig in den
Planungsprozess einbringen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
- 16 -
1C_914/2013 vom 26. Juni 2014 E.6.1, mit weiteren Hinweisen). Eine
Vorbefassung mit der Sache ist der Stellung von H._ als Mitglied der
Baukommission, die gleichzeitig als Baubehörde das Baugesuch auf die
Übereinstimmung mit den gesetzlichen Vorgaben zu prüfen hat,
immanent. Auch dass sich dieser als Behördenmitglied bereits eine
Meinung betreffend Bewilligungsfähigkeit und (allfälliger) Unterstellung
der betroffenen Parzelle unter die Planungszone gebildet hat, lässt sich
aus seiner Tätigkeit bei der Baubehörde erklären, oblag es der
Baukommission doch zum einen, die Sache bezüglich Vereinbarkeit mit
den gesetzlichen Vorgaben zu prüfen und war andererseits bereits bei
Eingang des Baugesuchs der Beschwerdegegnerin 2 im Rahmen der
Vorprüfung mit Blick auf zukünftiges Recht eine allfällige
Unterstellungspflicht der Planungszone vom 18. Februar 2019 zu
beurteilen. Diese Meinung darf aber nicht von Beginn an unumstösslich
sein bzw. es darf kein entsprechender Anschein erweckt werden. Bei einer
Bejahung der Unterstellungspflicht hätte denn auch auf die öffentliche
Auflage des Baugesuches und weitere Schritte verzichtet werden können.
Im Baubewilligungsverfahren ist zudem eine unverbindliche Äusserung
der Behörde zur (voraussichtlichen) Bewilligungsfähigkeit zulässig, was
u.a. Art. 41 der Raumplanungsverordnung für den Kanton Graubünden
('Vorläufige Beurteilung' [KRVO, BR 801.110]) so vorsieht. Eine
vorgängige Äusserung erweist sich deshalb als nicht absolut unzulässig
und ist damit auch nicht als (einziger) Beweis der Befangenheit des
Behördenmitglieds zu erachten.
Zu den (weiteren) bestrittenen Behauptungen werden von beiden Seiten
Zeugenbefragungen angeboten. Nach Auffassung des streitberufenen
Gerichts kann jedoch auch von deren Befragung keine weitere Klärung der
Sachlage erwartet werden, liegen doch vorliegend diametral
gegensätzliche Behauptungen vor, die weder eine glaubhafte Vermutung
noch einen stichhaltigen Beweis für eine unzulässige Befangenheit zu
- 17 -
begründen vermögen, so dass in antizipierter Beweiswürdigung auf die
Befragung der (angebotenen) Zeugen verzichtet werden kann (siehe BGE
136 I 229 E.5.3, 134 I 140 E.5.3, 131 I 153 E.3, mit Hinweisen). Abgesehen
davon ist nicht bewiesen, dass H._ die geltend gemachten Aussagen
genau in diesem Wortlaut gemacht hat, liegen diese Aussagen doch nicht
(unter-)schriftlich und damit beweisrelevant vor. Weil überdies auch keine
unmittelbaren persönlichen Interessen (vgl. Art. 6a VRG) des
Baukommissionsmitglieds ersichtlich sind und solche auch von den
Beschwerdeführern nicht geltend gemacht werden, erweist sich die
Ausstandrüge gegen H._ und damit zusammenhängend auch die
Rüge der nicht rechtskonform zusammengesetzten Behörde als
unbegründet, womit sie abzuweisen sind.
2.4. Im Zusammenhang mit dem eingeholten Bericht des kommunalen
Bauberaters vom 29. November 2021 machen die Beschwerdeführer
überdies geltend, der Bericht äussere sich nur summarisch zu den
strittigen Fragen und blende kritische Punkte aus. Die stark
ergebnisorientierte Argumentation erwecke nicht den Eindruck einer
objektiven Einschätzung der ästhetischen Einordnung der projektierten
Baute in ihre Umgebung, vielmehr entstehe der Eindruck eines
Gefälligkeitsgutachtens, das im Übrigen von unvollständigen und teilweise
unrichtigen Prämissen ausgehe.
2.4.1. Vorliegend geht es um die Beurteilung einer allfälligen Befangenheit des
kommunalen Bauberaters O._. Dass es sich bei diesem weder um
eine Person im Sinne von Art. 6a Abs. 1 VRG, die einen Entscheid zu
treffen, vorzubereiten oder zu redigieren hat, noch um ein Mitglied einer
Gemeindebehörde im Sinne von Art. 25 Abs. 1 GG handelt, liegt auf der
Hand und bedarf keiner weiteren Ausführungen. Der kommunale
Bauberater kann lediglich eine Empfehlung zuhanden der Baubehörde
abgeben, der Entscheid darüber, ob das Bauvorhaben bewilligt werden
kann oder nicht, obliegt letztlich der Baubehörde. Art. 73 Abs. 2 KRG hält
- 18 -
denn auch explizit fest, dass sich die Baubehörde bei der Beurteilung des
Bauvorhabens durch Fachleute in Fragen der Baugestaltung beraten zu
lassen hat. Das kommunale Baugesetz sieht den Beizug eines
Bauberaters im Streitfall vor (Art. AD._ Abs. 2 BG). Wie bereits in
PVG 2017 Nr. 31 E.5d festgehalten, vermag dies indes nichts an der
Tatsache zu ändern, dass der kommunale Bauberater aufgrund seines
besonderen Sachwissens dennoch als Entscheidgehilfe bei der
Urteilsfindung mitwirkt. Die Bauberatung unterstützt die Baubehörde mit
Empfehlungen zu Baugesuchen, informiert über die geltenden
Bauvorschriften und berät in Gestaltungsfragen. Formell betrachtet dient
die Bauberatung der Baubehörde somit als Entscheidungsgrundlage,
indem die Empfehlungen in Verfügungen einfliessen können (siehe dazu
auch 'Bauberatung in Graubünden', Kurs-Dokumentation zur
Baugestaltungs-Praxis für Baubehörden, Bauherren, Projektverfasser und
Bauberater der Bündner Vereinigung für Raumentwicklung Bauberatung
[BVR], S. 8 f.). Die Erkenntnisse und Beurteilungen des Bauberaters
können den Ausgang eines Verfahrens wesentlich beeinflussen bzw. in
Einzelfällen gar entscheiden. Somit macht es Sinn, den kommunalen
Bauberater in den Schutzbereich der Unabhängigkeitsgarantie von Art. 29
Abs. 1 BV einzubeziehen. Die Anforderungen an gerichtliche Experten
richten sich wiederum nach Art. 30 Abs. 1 BV (so auch WIEDERKEHR,
Öffentliches Verfahrensrecht, Bern 2016, Rz. 46; BREITENMOSER/SPORI
FEDAIL, in: Waldmann/Weissenberger [Hrsg.], Praxiskommentar
Verwaltungsverfahrensgesetz, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 10
Rz. 35; STEINMANN, in: Ehrenzeller/Schindler/Schweizer/Vallender [Hrsg.],
Die schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 29 Rz. 35 und Art. 30 Rz. 10, vgl. zum
Ganzen auch: Urteil des Bundesgerichtes 1C_422/2015 vom 11. April
2016).
- 19 -
2.4.2. Dementsprechend ist vorliegend zu prüfen, ob die Beurteilung des
kommunalen Bauberaters vom 29. November 2021 durch das Gericht
berücksichtigt werden darf oder ob sie durch eine weitere unabhängige
Beurteilung ersetzt oder ergänzt werden müsste. Die wichtigsten Gründe,
die zu einer subjektiven Befangenheit führen, sind ein unmittelbares
eigenes Interesse am Ausgang des Verfahrens, eine besonders nahe
Beziehung zu einer am Verfahren beteiligten Partei, äusserer Druck sowie
ein spezifisches Verhalten vor oder während eines Verfahrens wie z.B.
allfällige Äusserungen oder verfahrensbezogene Stellungnahmen (vgl.
WIEDERKEHR, a.a.O., Rz. 48). Anerkannt als Ausstandsgrund sind
insbesondere auch spezifische Näheverhältnisse zwischen Experten und
Verfahrensbeteiligten (vgl. BREITENMOSER/SPORI FEDAIL, a.a.O., Art. 10
Rz. 36; KIENER/KRÜSI, Die Unabhängigkeit von Gerichtssachverständigen,
in: ZSR 2006 I S. 487 ff., S. 496). In solchen Fällen droht nämlich die
Gefahr, dass Expertinnen und Experten sich – mehr oder weniger bewusst
– den Standpunkt der ihnen nahestehenden Partei zu Eigen machen oder
sich im Gegenteil davon distanzieren (vgl. KIENER/KRÜSI, a.a.O., S. 496 f.).
Mit Blick auf die verfassungsrechtliche Dimension hat das Bundesgericht
indes festgehalten, dass nicht jede irgendwie geartete Beziehung
zwischen dem Sachverständigen und den Parteien den Verdacht der
Befangenheit begründen könne. So ergebe sich eine solche nicht schon
daraus, dass ein Experte im gleichen Institut arbeite wie ein Kollege,
dessen Meinungsäusserung zu beurteilen sei; denn sonst könnte in vielen
Fällen überhaupt kein geeigneter Experte gefunden werden. Ebenso
wenig ergebe sich eine Befangenheit daraus, dass der Experte etwa als
Spitalarzt Angestellter des Gemeinwesens sei (siehe BGE 147 III 89 E.5.2,
125 II 541 E.4b; zum Ganzen PVG 2017 Nr. 31 E.6).
2.4.3. Die P._ GmbH mit Sitz in Q._, deren einziger Gesellschafter und
Geschäftsführer O._ ist, bezweckt u.a. den Betrieb eines
Architekturateliers, insbesondere die Projektierung sowie Realisierung
- 20 -
von Bauvorhaben aller Art, die Bauberatung und die Erstellung von
Bauexpertisen, sowie die Förderung der Baukultur und die Vermittlung von
Architektur. Vorliegend hat der Bauberater erst nach Ergehen des
Baubescheids und des (angefochtenen) Einspracheentscheids Stellung
zum strittigen Bauprojekt genommen, so dass nicht gesagt werden kann,
dass die Empfehlungen des Bauberaters Eingang in den Baubescheid
gefunden hätten. Dies zeigt, dass dessen Beurteilungen und
Empfehlungen auch den Verfahrensausgang nicht haben beeinflussen
können. Zudem ergibt sich weder aus den Akten noch aus der
Internetrecherche – nebst der einer kommunalen Bauberatung allfälligen
immanenten Nähe zur Gemeinde – eine spezifische Verbindungsnähe,
auch ist nichts über ergangene Auftragsverhältnisse des Bauberaters zur
Gemeinde D._ bekannt. Zudem bringen die Beschwerdeführer weder
Belege noch Behauptungen vor, die ihre Unterstellungen untermauern
würden. Auch die Rüge der stark ergebnisorientierten Argumentation kann
mit der als Bauberater inhärenten Aufgabe begründet werden.
Entscheidend ist jedoch, ob objektiv begründete Hinweise dafür bestehen,
dass der kommunale Bauberater möglicherweise befangen oder
voreingenommen war. Dies ist nach dem Gesagten zu verneinen, so dass
sich die Beschwerde in diesem Punkt als unbegründet erweist.
3.1. Die Beschwerdeführer machen weiter die Verletzung verschiedener
Aspekte des rechtlichen Gehörs geltend. Aus Art. 29 Abs. 2 BV und auf
kantonaler Ebene insbesondere aus Art. 16 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 VRG ergibt
sich der Anspruch auf rechtliches Gehör. Dieser dient einerseits der
Sachaufklärung und garantiert andererseits ein persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht der Parteien im Verfahren (siehe BGE 144 I 11 E.5.3,
142 I 86 E.2.2, 140 I 99 E.3.4; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O.,
Rz. 1001 ff.). Er umfasst namentlich das Recht der Parteien, in einem vor
einer Verwalt-ungs- oder Justizbehörde geführten Verfahren mit ihrem
Begehren angehört zu werden, Einblick in die Akten zu erhalten und zu
- 21 -
den für die Entscheidung wesentlichen Punkten Stellung nehmen zu
können (vgl. HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1002). Das Recht auf
Akteneinsicht (Art. 17 VRG; vgl. BGE 132 II 485 E.3) erstreckt sich
grundsätzlich auf alle Akten, die geeignet sind, Grundlage für die spätere
Entscheidung zu bilden, d.h. entscheidungsrelevant sind oder sein
könnten. Ausserdem ergibt sich für die entscheidende Behörde aus Art. 29
Abs. 2 BV eine Begründungspflicht (siehe BGE 146 II 335 E.5.1, 142 III
433 E.4.3.2). Art. 22 Abs. 1 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 VRG hält denn auch für
Gemeindebehörden ausdrücklich fest, dass Entscheide zu begründen
sind (vgl. VGU R 19 73, R 19 74, R 19 75 und R 19 76 vom 28. September
2021 E.8.5.6). Sinn und Zweck der Begründungspflicht liegt darin, dass
der Bürger wissen soll, warum eine Behörde entgegen seinem Antrag
entschieden hat. Die Begründung eines Entscheides muss deshalb so
abgefasst sein, dass der Betroffene ihn gegebenenfalls sachgerecht
anfechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die
Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild
machen können. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die
Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten
lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Es ist insbesondere nicht nötig,
dass sie sich mit jeder tatbestandlichen Behauptung und jedem
rechtlichen Einwand auseinandersetzt, sie kann sich vielmehr auf die für
den Entscheid wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (statt vieler
BGE 146 II 335 E.5.1, 143 III AE._ E.5.2, 142 I 135 E.2.1, 142 III 433
E.4.3.2, 141 V 557 E.3.2.1, 140 II 262 E.6.2 und 136 I 229 E.5.2; Urteile
des Bundesgerichts 2C_821/2019 vom 11. Februar 2020 E.3.2 und
9C_436/2018 vom 4. Oktober 2018 E.3.2.1; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN,
a.a.O., Rz. 1038). Ob die Begründung dann auch rechtlich zutreffend und
haltbar ist, ist nicht eine Frage des formellen Anspruchs auf rechtliches
Gehör, sondern der materiellen Beurteilung der Streitfrage (siehe zum
Ganzen auch VGU R 19 52 vom 13. Oktober 2021 E.2.2 und R 18 6 vom
2. Oktober 2018 E.3.1).
- 22 -
3.2. Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur, seine Verletzung
führt, ungeachtet der materiellen Begründetheit des Rechtsmittels bzw.
der Erfolgsaussichten der Beschwerde in der Sache selbst, grundsätzlich
zur Gutheissung der Beschwerde bzw. zur Aufhebung des angefochtenen
Entscheids und zur Rückweisung an die Verwaltungsbehörde zur
Durchführung eines ordnungsgemässen Verwaltungsverfahrens (siehe
BGE 144 I 11 E.5.3, 137 I 195 E.2.2, 132 V 387 E.5.1; Urteile des
Bundesgerichts 2C_821/2019 vom 11. Februar 2020 E.3.2, 1C_373/2019
vom 6. März 2020 E.3.1; PVG 2011 Nr. 31 E.2a;
HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1174). Dies aber unter dem
Vorbehalt, dass der Mangel nicht im Beschwerdeverfahren geheilt werden
kann (siehe BGE 138 II 77 E.4.3, 137 I 195 E.2.3.2, 136 V 117 E.4.2.2.2).
Nach der Praxis des Verwaltungsgerichts kann von einer Aufhebung eines
angefochtenen Entscheids und einer Rückweisung an die untere Instanz
wegen Verletzung des rechtlichen Gehörs indes dann abgesehen werden,
wenn diese nicht besonders schwer wiegt und dadurch geheilt wird, dass
die Parteien, deren Gehör verletzt wurde, sich vor einer Instanz äussern
können, die über eine umfassende Prüfungsbefugnis der Rechts- und
Sachlage verfügt, mithin die Kognition für die zu beurteilende Frage nicht
eingeschränkt ist (siehe PVG 2008 Nr. 1 E.1b, VGU R 07 AE._ vom
29. Januar 2008 E.1; BGE 142 II 218 E.2.8.1, 138 II 77 E.4 und 137 I 195
E.2.3.2 f. und 2.6; HÄFELIN/MÜLLER/UHLMANN, a.a.O., Rz. 1175 ff.).
Gestützt auf Art. 33 Abs. 3 lit. b des Bundesgesetzes über die
Raumplanung (RPG; SR 700) verfügt das Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden im Bereich des Raumplanungsrechts grundsätzlich
über eine volle Kognition, welche eine Heilung eines allfälligen formellen
Mangels ermöglicht (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_158/2019 vom
30. März 2020 E.2.6). Hinsichtlich einer eigentlichen Ermessenskontrolle
hat es sich aber trotzdem seiner Funktion als Rechtsmittelinstanz bewusst
zu sein (vgl. BGE 145 I 52 E.3.1 ff.; VGU R 19 6 vom 22. Dezember 2020
E.2.3.2 und R 18 15 vom 7. Januar 2020 E.2.5.1). Denn im Kanton
- 23 -
Graubünden verfügen die Gemeinden im Bereich des kommunalen Bau-
und Raumplanungsrechts grundsätzlich über eine relativ weitgehende
Entscheidungsfreiheit bzw. Autonomie (vgl. BGE 128 I 3 E.2b, 118 Ia 446
E.3c; Urteile des Bundesgerichts 1C_532/2015 vom 26. Januar 2016
E.2.4, 1C_163/2015 vom 10. November 2015 E.3.1). Von einer
Rückweisung an die Vorinstanz ist zudem – selbst bei einer
schwerwiegenden Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör –
abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung – im Sinne einer Heilung
des Mangels – zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen
Verzögerungen führen würde, die mit dem Interesse der Partei an einer
beförderlichen Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (siehe
BGE 142 II 218 E.2.8.1, 138 II 77 E.4.3, 137 I 195 E.2.3.2, 136 V 117
E.4.2.2.2; Urteile des Bundesgerichts 2C_756/2019 vom 14. Mai 2020
E.3.2, 1C_158/2019 vom 30. März 2020 E.2.6 und 1C_184/2016 vom
14. November 2016 E.2.4.1 sowie 1C_98/2012 vom 7. August 2012
E.3.1 ff.; PVG 2011 Nr. 31 E.2a).
3.3.1. Der Beschwerdeführer 1 rügt zum einen, die Vorinstanz habe
offengelassen, welche quantitativen Fakten (Angaben zu den konkreten
Gebäudelängen der ortstypischen umliegenden Gebäude) ihrem Schluss
zugrunde gelegen hätten, wonach die gerügte Gebäudelänge von 33.50 m
sowie die Stellung, Proportionen, Dachform und Gestaltung der geplanten
Bauten mit jenen der umliegenden Gebäude durchaus vergleichbar seien,
wodurch sich auch eine willkürliche rechtliche Würdigung ergebe. Es sei
zudem Sache der Behörde, im Rahmen der Untersuchungsmaxime und
Begründungspflicht die Schätzung des Beschwerdeführers in Bezug auf
verschiedene Gebäudevolumen zu korrigieren, falls ihr diese unzutreffend
erscheinen sollte. Damit macht der Beschwerdeführer 1 zum einen den
Verstoss gegen die Begründungspflicht im Sinne von Art. 29 BV geltend,
die in der Regel aber ohnehin keine besonders schwerwiegende
Verletzung des Anspruches auf rechtliches Gehör darstellt (siehe Urteile
- 24 -
des Bundesgerichts 1C_39/2017 vom 13. November 2017 E.2.1,
1C_474/2016 vom 1. Juni 2017 E.2 und 1C_300/2015 vom 14. März 2016
E.4.1). Zum anderen macht der Beschwerdeführer 1 damit
zusammenhängend eine willkürliche rechtliche Würdigung (Art. 9 BV)
geltend, die indes bei der materiellen Beurteilung zu würdigen ist.
3.3.2. Der Auffassung der Beschwerdegegnerin 1, wonach durch die
Baukommission und den Gemeindevorstand betreffend die Beurteilung
der Gebäudelänge des Wohn- und Geschäftshauses eine differenzierte
Betrachtungsweise vorgenommen worden sei bzw. die geforderte
Bezugnahme auf die umliegenden Gebäude sowohl in quantitativer als
auch in qualitativer Art thematisiert worden sei, kann gefolgt werden.
Thematisiert worden sind unter anderem die Zonenvorschriften, der
zusätzliche Bedarf für den Gewerberaum, die architektonische Gestaltung
des Neubaus mit Abstufung und Sockel teilweise im gewachsenen
Gelände, andere Wohnhäuser in G._ mit Ställen und/oder Garagen
sowie die Trennung zwischen Wohn- und Geschäftsgebäude durch den
Treppenaufgang. Die Baukommission hat sich dabei über nahezu vier
Seiten detailliert und vertieft mit den aufgeworfenen Ästhetikfragen
auseinandergesetzt, während die Vorinstanz, indem sie weitestgehend
deren Ausführungen wiederholte, ihrerseits dazu über fünf Seiten
Ausführungen gemacht hat. Dabei haben die kommunalen Behörden
anerkannt, dass beim projektierten Bau eine grössere Gesamtlänge als
bei den umliegenden Gebäuden resultiert und sich differenziert damit
auseinandergesetzt, wobei sie auch in quantitativer Hinsicht den Vergleich
mit den umliegenden Bauten gezogen haben (vgl. Bf1-act. 2 Rz. 42 f. und
Bf1-act. 10 Rz. 22 f.). Damit war es den Beschwerdeführern möglich, sich
über die Rechtsauffassung und die Tragweite der vorinstanzlichen
Erwägungen ein Bild zu machen und den Beschluss vom 14., mitgeteilt
am 16. September 2020, sachgerecht anzufechten (siehe dazu BGE 142
I 135 E.2.1; Urteil des Bundesgerichts 2C_821/2019 vom 11. Februar
- 25 -
2020 E.3.2). Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs bzw. der
Begründungspflicht der Beschwerdegegnerin 1 ist damit zu verneinen. Als
unbegründet erweist sich damit auch die Rüge der Verletzung der
Untersuchungsmaxime nach Art. 11 Abs. 1 VRG betreffend den Vorwurf,
die Beschwerdegegnerin 1 habe in den vorinstanzlichen Verfahren nicht
weiter begründete Schätzungen des Beschwerdeführers in Bezug auf
verschiedene Gebäudevolumen nicht korrigiert.
3.4.1. Der Beschwerdeführer 1 rügt weiter eine Verletzung der
Begründungspflicht, indem die Vorinstanz seine (fristgerechte) Rüge
betreffend nicht rechtskonform zusammengesetzter Behörde bzw. das
(ergänzende) Rechtsbegehren vom 11. September 2020 (Rückweisung
zwecks neuer Durchführung des Verfahrens vor der Baukommission unter
Ausstand von H._) im angefochtenen Entscheid gar nicht behandelt
und die (implizite) Abweisung auch nicht begründet habe.
3.4.2. Die Vorinstanz hat sich im angefochtenen Einspracheentscheid auf drei
Seiten darüber geäussert, dass sich der Antrag des Einsprechers auf
Aufhebung des Baubescheids und Rückweisung der Sache zur
Ergänzung des Schriftenwechsels und erneuten Beurteilung an die
Baukommission als unbegründet erweise, da betreffend die
Nichtzustellung der Stellungnahme der Bauherrschaft vom 29. Juni 2020
und der nachgereichten Baupläne keine Verletzung des rechtlichen
Gehörs vorliege bzw. eine solche als geheilt zu betrachten sei. Im
Umkehrschluss erwog sie dann, dass sich deshalb Ausführungen zum
ergänzenden Antrag vom 11. September 2020 bezüglich den Ausstand
von H._ im Verfahren vor der Baukommission erübrigten, werde doch
in den zitierten Ausführungen, soweit sie von H._ und nicht von
I._ stammten, überhaupt kein Ausstandsgrund erkannt bzw. würden
diese doch nur den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen (vgl. Bg1-
act. 16 Rz. 26, Ziff. II./2.C. zum Subeventualantrag der Unterstellung unter
die Planungszone).
- 26 -
Damit hat sich die Beschwerdegegnerin 1 ausreichend zum Hauptantrag
geäussert. Auch begründete sie die Nichtbehandlung des ergänzenden
Rechtsbegehrens (vgl. Bf1-act. 14, II.3), indem sie, wenn auch nur kurz,
die Überlegungen nannte, von denen sie sich leiten liess und auf die sich
ihr Entscheid stützte. Sie äusserte sich überdies, wiederum auch nur kurz,
zu den vorgeworfenen (in der Stellungnahme vom 29. Juni 2020 zitierten)
Ausführungen ("Der Gemeindepräsident I._ und H._,
Departementsvorsteher Bauwesen und Mitglied der Baukommission
haben uns versichert, dass der Gemeindevorstand keinesfalls
vorschlagen werde, eine Parzelle auszuzonen, welche im überbauten
Gebiet liegt und für welche bereits ein Baugesuch eingereicht worden ist,
denn dies würde den vitalen Interessen der Gemeinde D._
widersprechen."). Damit ist vorliegend auch in diesem Punkt keine
Verletzung der Begründungspflicht ersichtlich, war es dem
Beschwerdeführer 1 doch möglich, den Einspracheentscheid sachgerecht
anzufechten. Selbst wenn diesbezüglich eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs angenommen würde, wäre diese, da es sich dabei nicht um eine
besonders schwere Verletzung handelt, im vorliegenden Verfahren
aufgrund der Kognition des Verwaltungsgerichts und im Sinne der
Verfahrensökonomie als geheilt zu betrachten.
3.5.1. Die Beschwerdeführer machen weiter im Zusammenhang mit dem
Rückweisungsantrag (Eventualantrag) eine Verletzung des rechtlichen
Gehörs geltend (Rechtsbegehren Ziff. 1 b), indem die im
Einspracheentscheid der Baukommission genannten und von der
Beschwerdegegnerin 2 nachgereichten (korrigierten) Pläne den
Beschwerdeführern erst nach Ergehen des Einspracheentscheids bzw.
der Baubewilligung der Baukommission vom 7., mitgeteilt am 28. Juli
2020, im Rahmen des Rechtsmittelverfahrens am 2. September 2020 zur
Kenntnis- und Stellungnahme zugestellt worden seien. Dadurch sei im
Verfahren vor der Baukommission das rechtliche Gehör nach Art. 29
- 27 -
Abs. 2 BV der (heutigen) Beschwerdeführer in ihren Teilgehalten als
Akteneinsichtsrecht und als Kenntnisnahme- und Äusserungsrecht in
eklatanter Weise verletzt worden, was zur Aufhebung des angefochtenen
formell fehlerhaften Entscheids führen müsse. Eine Heilung der
Verletzung des Gehörsanspruchs im Verfahren vor der Vorinstanz falle
auch ausser Betracht, da die Beschwerdeführer Anspruch auf ein
korrektes zweistufiges Verfahren vor der Gemeinde hätten, und die
Verletzung der Parteirechte umso schwerer wiege, als der
Beschwerdeführer 1 am 22. Juni 2020 ausdrücklich um Zustellung der
genannten Stellungnahme ersucht habe und ihm diese von der
Baukommission auch nicht im Rahmen der Entscheideröffnung zugestellt
worden sei.
3.5.2. Aus dem verfassungsmässigen Anspruch auf rechtliches Gehör ergibt sich
in den Verfahren vor Verwaltungs- und Gerichtsbehörden, mithin allen
Arten von Verfahren, die durch individuell-konkrete Anordnung
abzuschliessen sind, das Recht, sich zu Eingaben von Vorinstanz oder
Gegenpartei zu äussern, soweit die darin vorgebrachten Noven
prozessual zulässig und materiell geeignet sind, den Entscheid zu
beeinflussen (sog. Replikrecht i.e.S.). Von diesem Replikrecht i.e.S. zu
unterscheiden ist die in Gerichtsverfahren geltende Möglichkeit, zu jeder
Eingabe von Vorinstanz
oder Gegenpartei Stellung zu nehmen, und zwar unabhängig davon, ob
diese neue und erhebliche Gesichtspunkte enthalten (hiernach als 'Recht
auf Kenntnisnahme von und Stellungnahme zu Eingaben der übrigen
Verfahrensbeteiligten' bezeichnet). Dieses Recht auf Kenntnisnahme von
und Stellungnahme zu Eingaben der übrigen Verfahrensbeteiligten gilt
gemäss Bundesgericht nicht im Verfahren vor anderen als gerichtlichen
Behörden (vgl. zum Ganzen BGE 138 I 154 E.2.3 und 2.5; Urteile des
Bundesgerichts 1C_221/2018 vom 10. September 2018 E.2.2 und
1C_159/2014 vom 10. Oktober 2014 E.4.1; VGU R 19 6 vom
- 28 -
22. Dezember 2020 E.2.3.3, R 18 15 vom 7. Januar 2020 E.2.5.2 und
R 18 23 vom 15. Januar 2019 E.2.5.1).
3.5.3. Vorliegend konnten sich die Beschwerdeführer nachträglich im Rahmen
des vorinstanzlichen Verfahrens zur umstrittenen Thematik ausführlich
und umfassend äussern, indem ihnen mit Schreiben vom 2. September
2020 (vgl. Bf1-act. 13; Bf2-act. 14) Gelegenheit zur Stellungnahme zu den
nachgereichten Unterlagen und der Stellungnahme der
Beschwerdegegnerin 2 vom 29. Juni 2020 eingeräumt worden war, wovon
die Beschwerdeführer 2 mit Eingabe vom 10. September 2020 und der
Beschwerdeführer 1 am 11. September 2020 (vgl. Bf1-act. 14; Bf2-act. 15)
Gebrauch machten, womit der aus dem Replikrecht fliessende Anspruch
auf Zustellung der Vernehmlassungen gewahrt werden konnte. Damit
wurde der Verfahrensmangel im vorinstanzlichen Verfahren geheilt, wobei
die Vorinstanz die Verletzung des rechtlichen Gehörs korrekterweise auch
bei der Verlegung der Verfahrenskosten im Einspracheentscheid
berücksichtigte. Die Vorinstanz hat auch zu Recht darauf hingewiesen,
dass eine Aufhebung und Rückweisung des Baubescheids
ausschliesslich zu einem formalisierten Leerlauf und damit zu unnötigen
Verfahrensverzögerungen geführt hätte, so dass im konkreten Fall aus
verfahrensökonomischen Gründen davon hat abgesehen werden können.
Damit erweist sich diese Rüge als unbegründet.
4.1. Damit ist noch die Rüge des verspäteten Beizugs der Bauberatung zu
prüfen. Der Vollzug des Baugesetzes obliegt in der Gemeinde D._
der Baukommission als Baubehörde, sie kann bei Bedarf sachkundige
Berater bezeichnen (Art. AC._ Abs. 1 und 4 BG). Unter dem Kapitel
4.1, Gestaltung und Situierung von Bauten und Anlagen, verweist
Art. AD._ Abs. 2 BG darauf, dass Bauvorhaben, die den
Anforderungen an eine gute Gestaltung, insbesondere bezüglich
Proportionen des Gebäudes, Gliederung der Fassaden, Dachgestaltung
oder Farbgebung, nicht genügen, zurückzuweisen sind. Im Streitfall ist die
- 29 -
Bauberatung beizuziehen oder eine Beurteilung der kantonalen
Denkmalpflege einzuholen. Vorliegend erhoben die (heutigen)
Beschwerdeführer 1 und 2 zunächst Einsprache bei der Baukommission
und darauf folgend 'Einsprache/Beschwerde' beim Gemeindevorstand
D._. Die Beschwerdeführer 2 erachteten bereits zu diesem Zeitpunkt
den Beizug eines sachkundigen Beraters im Sinne von Art. AC._ BG
zur Beurteilung der guten Gesamtwirkung und einer nachhaltigen
Dorfentwicklung als zwingend notwendig (vgl. Bf2-act. 5). Dem
widersprach aber die Baukommission (vgl. Bg1-act. 9 Rz. 42).
4.2. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts handelt es sich vorliegend
um einen sog. 'Streitfall' im Sinne von Art. AD._ Abs. 2 BG, womit
durch die Baukommission bzw. Vorinstanz zwingend die Bauberatung
beizuziehen gewesen wäre. Der Ansicht der Beschwerdeführer, dass der
(nachträgliche) Beizug der Bauberatung durch das Gericht verspätet
erfolgt sei, so dass eine Heilung ausser Betracht falle und der
angefochtenen Entscheid bereits aufgrund der Verletzung von
Art. AD._ Abs. 2 BG aufzuheben sei, kann indes nicht gefolgt werden.
Die Rückweisung der Sache an die Vorinstanz hätte zu einem
formalistischen Leerlauf und zu einer weiteren Verzögerung des
Verfahrens geführt, so dass dieses Versäumnis durch das streitberufene
Gericht mit Aufforderung an die Gemeinde vom 15. November 2021 hat
nachgeholt und damit geheilt werden können. Die Nichtvornahme der
zwingenden Beweisabnahme wird indes im Kostenpunkt zu
berücksichtigen sein.
5. In materieller Hinsicht gilt es im Einzelnen die Rügen der
Beschwerdeführer 1 und 2 betreffend Antrag um Abweisung des
Baugesuchs (Verletzung der Grössenvorschriften/Dimensionierung der
Baute, unzulässige Dachgestaltung und ästhetische Gesamtwirkung
[nachfolgend E.5.4 ff.], Schutz des Kreuzweges [E.6.2.], mangelhafte
Planunterlagen [E.7.3.], fehlende Angaben zur Wärmepumpe [E.8.3.],
- 30 -
gewerbliche Nutzung [E.9.2.]), und zum (Subeventual-)Antrag des
Beschwerdeführers 1 auf Unterstellung unter die Planungszone bzw. Sistierung des Baugesuchs (E.10.5), zu prüfen.
5.1. Die Beschwerdeführer monieren zum einen, die Gebäudelänge der
projektierten Baute von 33.50 m überschreite die Dimensionen der
ortstypischen und prägenden Bauten mit einer Gebäudelänge von
maximal ca. 13 m bei Weitem und widerspreche damit den
Grössenvorschriften bzw. den Vorgaben von Art. AG._ Abs. 2 BG.
Auch die Gesamtlänge der geplanten Baute nehme keinen Bezug auf die
umliegenden Gebäude. Art. AG._ Abs. 2 BG verlange zudem eine
Bezugnahme auf umstehende Bauten auch hinsichtlich der
Gebäudemasse. Mit ihrer Replik machten sie geltend, dass die
eingereichte detaillierte Berechnung nach SIA 416 des Gebäudevolumens
der projektierten Baute im Vergleich zum Haupthaus und der Garage der
Beschwerdeführer aufzeige, dass die projektierte Baute mehr als doppelt
so viel Gebäudevolumen aufweise. Das Gesamtvolumen der projektierten
Baute von 3'241.07 m3 entspreche 223 % des Gebäudevolumens des
benachbarten Wohnhauses inkl. Garage. Mit der Überschreitung der
Gebäudelänge um das Dreifache und einer Überschreitung des
Gebäudevolumens um das Zwei- bis Dreifache sei erstellt, dass die
projektierte Gesamtüberbauung in der Dorfzone aufgrund ihrer Dimension
eindeutig der vorhandenen gewachsenen Siedlungsstruktur des Weilers
G._/R._ im Vergleich zu den traditionellen ortstypischen und als
prägend eingestuften Bauten in der direkten Umgebung und damit den
Vorgaben von Art. AG._ Abs. 2 widerspreche und somit rechtswidrig
sei.
5.2. Die Beschwerdeführer rügen weiter, die Erstellung eines Flachdachs am
Eingang von G._ (Dorfzone) widerspreche sowohl Art. AG._
Abs. 2 BG als auch Art. AF._ Abs. 1 und 2 BG und stehe in
diametralem Widerspruch zu den vor Ort herrschendenden Verhältnissen
- 31 -
und sei damit klarerweise nicht bewilligungsfähig. Das grundsätzliche
Verbot von Pult- und Flachdächern gemäss Art. AF._ Abs. 1 BG
(Generalklausel) gelte ausdrücklich für alle Dächer in der Dorfzone.
Art. AF._ Abs. 2 BG zähle abschliessend auf, in welchen Zonen Pult-
und Flachdächer erlaubt oder – e contrario – eben nicht erlaubt seien.
Wenn die Vorinstanz von diesem Grundsatz abweiche, überschreite sie
zweifellos ihr Ermessen; ein zwingender baulicher oder ästhetischer
Grund für eine Ausnahme sei nicht erkennbar und auch nicht vorgebracht
worden. Auch könne das als Bürogebäude bezeichnete Gewerbeareal
nicht als Nebenbaute im Sinne von Art. AJ._ Abs. 2 BG qualifiziert
werden. Entscheidend sei, ob Bauten in der Dorfzone der Gemeinde
D._ Flach- oder Pultdächer aufwiesen; im Weiler G._ gäbe es
indes keine Flachdächer. Weiter führen sie an, die projektierten Bauten,
ein 3 m hoher und 33 m breiter Sichtbetonsockel, darüber ein
Bürogebäude mit Flachdach und Swimmingpool sowie eine Wohnbaute
mit einer Gebäudelänge von über 14 m, an prominenter Lage am
Ortseingang von G._, integrierten sich mitnichten "bestens in die
bestehende Landschaft", vielmehr sprengten die Dimensionen alles bisher
Bekannte. Mit dem Aussenschwimmbecken sei in der Dorfzone eines
historisch gewachsenen und bäuerlich geprägten Bergdorfs ein völlig
ortsfremdes Bauelement vorgesehen, was sich mit den hohen
Anforderungen von Art. AG._ BG nicht in Einklang bringen lasse, so
dass die geplanten Bauten schliesslich auch unter dem Blickwinkel der
ästhetischen Gesamtwirkung nach Art. 73 KRG, Art. AD._ und
Art. AG._ BG nicht bewilligungsfähig seien.
5.3. Die Beschwerdegegnerin 2 führt ihrerseits im Wesentlichen dazu an, der
Vergleich des vom Beschwerdeführer eingereichten Situationsplans der
Gebäude S._, T._, U._, V._ im Massstab 1:500 mit
demjenigen der projektierten Baute im Massstab 1:335 führe in die Irre, da
dadurch das Bauprojekt überdimensioniert wirke. Lediglich die
- 32 -
Entwicklungsabteilung der E._ AG werde nach G._ verlegt. Die
Grösse des Montageraums bzw. die Raumlänge von mindestens 10 m sei
für die Testung der Messtechnik von Geschwindigkeitsanlagen
(Verkehrsüberwachung) zwingend, in Ausnahmefällen würden für die
benötigten 20 m Länge die Zwischentüren geöffnet. Es sei nicht
ersichtlich, was an einem Ingenieurbüro ortsunüblich sei. Als nicht relevant
in Bezug auf die Ästhetik erachtet die Beschwerdegegnerin 2 zudem die
von den Beschwerdeführern vorgebrachte und bestrittene SIA-
Berechnung, wichtiger sei vielmehr das sichtbare Volumen bzw. die
Aussenmasse des Gebäudes. Mindestens die Hälfte des von den
Beschwerdeführern als störend empfundenen 33.5 m langen
Gebäudesockels befinde sich unter der Oberfläche des gewachsenen
Geländes und sei nicht sichtbar. Die restlichen sichtbaren ca. 15 m des
Gebäudesockels würden durch ein 3 m breites Garagentor aus Holz
aufgelockert.
5.4. Gemäss ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts müssen Bauten
und Anlagen nicht nur die geltende Bau- und Zonenordnung einhalten,
sondern auch den von der Rechtsordnung vorgesehenen ästhetischen
Anforderungen genügen. Art. 3 Abs. 2 lit. b RPG bestimmt u. a., dass sich
Bauten und Anlagen in die Landschaft einzuordnen haben. Nach Art. 73
Abs. 1 KRG sind Siedlungen, Bauten und Anlagen nach den Regeln der
Baukunst derart zu gestalten und einzuordnen, dass mit der Umgebung
und der Landschaft eine 'gute Gesamtwirkung' entsteht, was im Einzelfall
auf Grund der konkreten Verhältnisse zu prüfen ist (vgl. dazu Urteil des
Bundesgerichts 1C_434/2012 vom 28. März 2013 E.3.3; VGU R 17 47
vom 29. Mai 2018 E.9.4, R 12 10 vom 3. Juli 2012 E.3a; Botschaft der
Regierung an den Grossen Rat zur KRG-Revision, Heft Nr. 3/2004–2005,
343). Das kommunale Baugesetz verlangt überdies, dass Bauten und
Anlagen landschaftlich und architektonisch gut zu gestalten sind und auf
ihre Umgebung Bezug zu nehmen haben (Art. AD._ Abs. 1 BG).
- 33 -
Bezüglich der 'guten Gestaltung' haben insbesondere die Proportionen
des Gebäudes, die Gliederung der Fassaden, die Dachgestaltung oder die
Farbgebung des Bauvorhabens den Anforderungen zu genügen
(Art. AF._ Abs. 2 BG). Betreffend Bauweise und Mass der Nutzung in
den Bauzonen ist das Zonenschema und die dazugehörigen
Begriffsbestimmungen massgebend (Art. AM._ Abs. 1 BG).
Bezüglich Gebäudevolumen enthält das kommunale Baugesetz keine Vorgaben, die Zonenvorschriften betreffend die Dorfzone V verweisen
lediglich auf Art. AG._ BG und äussern sich nicht explizit zur
Ausnützungsziffer, Grundfläche oder Firsthöhe. Die auf der Parzelle
F._ projektierte Baute liegt in der Dorfzone V des Weilers G._ in
D._. Die Dorfzone ist in erster Linie für Wohnzwecke sowie mässig
störende Dienstleistungs- und Produktionsbetriebe bestimmt
(Auswirkungen im Rahmen herkömmlicher Handwerks- und
Gewerbebetriebe mit ortsüblichen Betriebszeiten; Art. AG._ Abs. 1
BG). Art. AG._ Abs. 2 BG präzisiert, dass Siedlungsstruktur und
Bauweise zu erhalten und zu ergänzen sind. Bezüglich Stellung,
Proportionen, Dachform und Gestaltung ist auf umliegende Bauten Bezug
zu nehmen, was insbesondere auch für die Gebäude- und Firsthöhe sowie
die Gebäudelänge gilt. Massgebend für die Beurteilung sind die
traditionellen, ortstypischen Bauten in der direkten Umgebung des
Bauvorhabens, insbesondere die als ortstypisch und prägend eingestuften
Bauten im Generellen Gestaltungsplan (GGP). Als ortstypische und
prägende Bauten gemäss GGP gelten in G._ die Gebäude S._,
T._, U._ und V._. Laut den Regelungen in Art. 73 Abs. 1
KRG und Art. AG._ BG werden aus ästhetischer Sicht relativ hohe
Anforderungen an ein Bauvorhaben gestellt, genügt es doch nicht, dass
ein solches nicht störend wirkt (keine negative Ästhetikklausel). Bei den
vorgenannten Ästhetikklauseln handelt es sich um unbestimmte
Rechtsbegriffe, deren Anwendung bzw. der Entscheid darüber, was 'gute
Gestaltung', 'gute Gesamtwirkung' und 'Bezug nehmen' erzielt,
- 34 -
Verwaltungsermessen voraussetzt. Die Gemeinwesen haben das ihnen
durch Art. 3 Abs. 1 KRG eingeräumte Ermessen pflichtgemäss
auszuüben.
5.5. Nach den Allgemeinen Bau-, Gestaltungs- und Nutzungsvorschriften der
Gemeinde D._ sind grundsätzlich Giebel- und Walmdächer
vorgesehen (Art. AF._ Abs. 1 BG). Art. AF._ Abs. 2 BG
konkretisiert, dass Pult- und Flachdächer in der Gewerbe- und Wohnzone,
in der Gewerbezone, in der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen sowie
für An- und Nebenbauten erlaubt sind. Nach Art. AG._ Abs. 2 BG ist
in der Dorfzone V bezüglich Dachform auf umliegende Bauten Bezug zu
nehmen, wobei die als ortstypisch und prägend eingestuften Bauten im
GGP für die Beurteilung massgebend sind. Vorliegend stellt sich dem
streitberufenen Gericht damit die Frage, ob die projektierte Neubaute auf
der Parzelle F._ den Anforderungen gemäss Art. AG._ Abs. 2
BG genügt, wonach bezüglich Stellung, Proportionen, Dachform und
Gestaltung auf die als ortstypisch und prägenden Bauten gemäss GGP
Bezug zu nehmen ist, was insbesondere auch für die Gebäudelänge gilt.
Bestritten wird u.a., dass die Gebäudelänge auf die umliegenden bzw.
ortstypischen und prägenden Bauten Bezug nehme. Wie die Wendung
"Bezug nehmen" (sich auf etwas beziehen, ein Thema wieder aufgreifen,
an etwas anknüpfend; abrufbar unter:
https://www.duden.de/rechtschreibung, https://educalingo.com/de/dic-
de/bezug-nehmen, https://www.wortbedeutung.info/bezugnehmend,
zuletzt besucht am 29. März 2022) verdeutlicht, ist damit nicht gesagt,
dass keine Unterschiede bestehen dürfen. Bei der Beurteilung dieser
Frage kommt denn der Baubehörde – wie bereits ausgeführt – ein
Ermessen zu.
5.6. Zur vorgebrachten Verletzung von Grössenvorschriften verweist die
Beschwerdegegnerin 1 auf die Ausführungen der Baukommission und des
Gemeindevorstands in den vorinstanzlichen Verfahren. Die Vorinstanz
- 35 -
habe den Entscheid der kommunalen Baubehörde unter Berücksichtigung
der massgebenden Vorschriften geprüft und sich der Beurteilung der
Baukommission D._ angeschlossen, wonach das Bauvorhaben den
bauästhetischen Anforderungen von Art. 73 Abs. 1 KRG, Art. AD._
BG und Art. AG._ BG zu genügen vermöge, indem das Wohn- und
Geschäftshaus bezüglich Stellung des Gebäudes, Proportionen,
Dachform und Gestaltung bestens Bezug nehme auf die im GGP als
ortstypisch und prägend eingestuften Bauten. Die Vorinstanz habe weiter
begründet, dass das Wohnhaus unter Berücksichtigung des modernen
Baustandards sogar zu einem grossen Teil den umliegenden Gebäuden
entspreche, gerade die gerügte Gebäudelänge des Wohnhauses sei mit
diesen durchwegs vergleichbar. Das Gesetz verlange keine identischen
oder ähnliche Gebäudebreiten, genauso wenig sei die Gebäudebreite
oder das Volumen das einzige bzw. massgebliche Kriterium nach
Art. AG._ Abs. 2 BG. Vielmehr entscheidend sei eine gesamtheitliche
ausreichende Bezugnahme. Vor dem Hintergrund der grossen
gestalterischen Baufreiheiten auch in der Dorfzone und der schwierigen
Topographie füge sich die im östlichen Bereich der Bauzone projektierte
Neubaute optimal in das Dorfbild von G._/R._ und das
bestehende Orts- und Landschaftsbild ein, sie nehme darüber hinaus auch
Bezug auf die umliegenden Gebäude. Dass die Gesamtlänge nicht als
Ganzes wahrgenommen werde und sich nicht störend auswirke, werde
durch den Aufgang, die unterschiedlichen Fluchten und die Abstufung der
höheren Wohnbaute zur tieferen Gewerbebaute inkl. Garagen zu einem
noch tieferen Disponibelraum bewirkt. Die westliche Abstufung in Richtung
Zone für Nebenbauten und Nebenanlagen bette sich zudem gut in das
Landschaftsbild ein. Die grössere Gesamtlänge resultiere primär aus dem
nachgewiesenen Bedarf nach Gewerberaum. Die Gemeinde strebe denn
auch die Zulässigkeit von Gewerben in der Dorfzone an (vgl. auch
Art. AG._ Abs. 1 BG). Das Gewerbehaus füge sich mit dem
Wohngebäude harmonisch in das Dorfbild ein und halte überdies die
- 36 -
Zonenvorschriften ein. Die Dachgestaltung des Wohngebäudes
(Hauptgebäude) entspreche zudem den Vorgaben von Art. AF._
Abs. 1 BG. Das Flachdach vermöge bei der Gewerbebaute die
umliegenden Bauten besser miteinzubeziehen als ein Giebeldach, womit
das Gesamtvolumen optisch erheblich minimiert werde. Ähnlicher
Auffassung waren auch die Beschwerdeführer 2 in ihrer Einsprache vom
3. Mai 2020, wonach sich der eher ortsfremde Flachdachbau nur mit
einem begrünten Flachdach in die vorhandene Umgebung eingliedern
könne (vgl. Bf2-act. 5, Ziff. 8). Der strittige Neubau des Wohn- und
Geschäftshauses inklusive Pool in der Dorfzone vermöge zudem mit der
Umgebung und der Landschaft eine gute ästhetische Gesamtwirkung zu
erzielen.
5.7. Die Beurteilung der Beschwerdegegnerin 1 und der Vorinstanzen wird
durch den Bericht des Bauberaters, O._, vom 29. November 2021
gestützt, wonach sich die projektierte Baute als Solitärbau ganz im Osten
des Weilers, dessen Gebäude stark durch die grossen, holzigen
Solitärbauten auf massiven Sockeln geprägt seien, situiere, wobei der
Kreuzweg unberührt bleibe. Bezüglich Volumen/Proportionen der
Neubaute sei die gewählte Ansicht der Plandarstellung für das
Verständnis der Gliederung nicht sehr förderlich. Der Gebäudesockel
befinde sich mehrheitlich im gewachsenen Gelände und sei deshalb
grösstenteils nur aus südlicher Richtung sichtbar. Sein Volumen werde
durch den Treppenaufgang und die unterschiedlichen Fluchten der Wände
gut gegliedert, sodass die Gesamtlänge nicht als Ganzes wahrgenommen
werde und seine Erscheinung sich somit den Sockeln in Grösse und
Proportion seiner Nachbarsgebäude angleiche. Als berechtigt, gleichzeitig
jedoch Sache des Einzelnen, so dass keine öffentliche Diskussion nötig
sei, erachtet der Bauberater die Frage nach der Erforderlichkeit des
Swimmingpools. Für den Bauberater fügt sich das Projekt trotz seines
Volumens in seiner Gesamtheit in das Ortsbild ein, indem der Bedarf an
- 37 -
grossem Gewerberaum mit der Trennung zwischen Wohn- und
Geschäftshaus mittels Treppenaufgang architektonisch geschickt und
elegant gelöst worden sei. Das niedrig gehaltene Geschäftshaus mit
Bruchsteinfassade und begrüntem Flachdach verschmelze mit der
Landschaft wodurch das Augenmerk auf das Haupthaus gelenkt werde,
das eine Firsthöhe aufweise, die mit den umliegenden Gebäuden
vergleichbar sei. Der Bauberater verweist im Weiteren darauf, dass das
(begrünte) Flachdach die Dachlandschaft des Weilers weniger störe als
zum Beispiel der Anbau des Hauses auf Parzelle J._, bei dem der
First nicht Richtung Tal gerichtet sei. Für den Bauberater nimmt das
Projekt auch Bezug auf die (nachhaltige, schadstofffreie und
energieeffiziente) Bauweise und Baumaterialien, die in der W._
bereits seit Generationen zum Bauen verwendet würden, wie bei den
direkt umliegenden Gebäuden. Dem Projekt gelinge es, sich in einer
unkomplizierten und zurückhaltenden Weise, durch die Aufteilung in
Haupt- und Nebengebäude, die Abstufung unterschiedlicher Höhen, die
Gliederung des Sockels, die selbstverständliche Situierung und
Einbettung in die Landschaft, städtebaulich in das Dorfbild von D._
einzuordnen. Der Bauberater erachtet das Projekt als Bereicherung des
Weilers, das seinen Beitrag an ein lebendiges und attraktives Dorf leisten
werde, indem es für die Öffentlichkeit zu einem selbstverständlichen Teil
des Weilers werden könne, wo man gerne wohne und gleichzeitig bei guter
Aussicht arbeiten könne (vgl. Edition Akten Baubewilligungsverfahren,
Gerichtsakte G1).
5.8. Die Beschwerdeführer entgegen diesen Ausführungen im Wesentlichen,
dass der massige Gesamteindruck des als kompakte Einheit
erscheinenden Ensembles im Vergleich zu den als ortstypisch
eingestuften Wohnhäusern bestehen bleibe. Im Weiteren gehe auch der
Bauberater von der störenden Wirkung des nicht zonenkonformen
Flachdaches aus. Der Meinung des Bauberaters, wonach der geplante
- 38 -
Vorplatz, dessen Gestaltung am Dorfeingang des Weilers G._ eine
den Ortscharakter prägende Rolle zukäme, keiner weiteren
Geländemodellierung bedürfe, könne nicht gefolgt werden, erschliesse
sich doch aus den Plänen nicht, wie der Übergang des Vorplatzes zum
natürlichen Gelände umgesetzt werden solle. Denn auch dem Bauberater
hätte auffallen sollen, dass die vorliegenden Planunterlagen nicht
ausreichten.
5.9. Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts kann der Beurteilung der
Vorinstanz, die durch den Bericht des Bauberaters vom 29. November
2021 gestützt wird, und der bei der Auslegung von Ästhetikfragen im Sinne
von Art. AG._ BG und damit bei der Prüfung der Frage der
Eingliederung bzw. Bezugnahme von Bauten in eine bestehende
Umgebung ein geschützter Beurteilungs- und Ermessensspielraum
zusteht, gefolgt werden. Dies trifft auch auf die Ausführungen zum
geplanten Flachdach zu, geht der speziellere Art. AG._ Abs. 2 BG
doch den allgemeinen Bestimmungen von Art. AD._ BG vor, womit
vorliegend die Bezugnahme bzw. die Ästhetikklausel zur Anwendung
gelangt. Das betroffene Gebäude nimmt denn auch mit seinem
Nebenbautencharakter (vgl. Art. AD._ Abs. 2 BG) gemäss
Bauberater in ästhetischer Hinsicht Bezug auf die übrigen Bauten und
gliedert sich in die Umgebung ein. Für das streitberufene Gericht steht fest,
dass die Bestimmungen betreffend gestalterischer Einordnung einer
Baute in das zeitlich gewachsene Orts- und Landschaftsbild naturgemäss
einen relativ weiten Ermessenspielraum der Bewilligungsbehörden mit
sich bringen, da diese mit dem jeweils vorherrschenden Baustil, der
historischen Bau- und Ortsentwicklung sowie den architektonischen
Gepflogenheiten und Besonderheiten in ihrer Gemeinde am besten
vertraut sind. Nach gefestigter Rechtsprechung auferlegt sich das
Verwaltungsgericht bei der einzelfallbezogenen Überprüfung von Fragen
der Ästhetik und Gestaltung selbst eine gewisse Zurückhaltung, was
- 39 -
bedeutet, dass es nur aus ganz triftigen Gründen bzw. nicht ohne Not in
das beträchtliche Ermessen der lokalen Baubehörden eingreift, was im
Ergebnis auf eine weniger strenge Willkürprüfung hinausläuft (vgl. statt
vieler: VGU R 19 54 vom 24. November 2020 E.4.3, R 17 44 vom
2. Dezember 2019 E.21.2, R 17 37 vom 6. März 2018 E.3. f, R 16 35 vom
4. November 2016 E.2d; vgl. ferner Urteile des Bundesgerichts
1C_116/2018 vom 26. Oktober 2018 E.4.4, 1C_5/2016 vom 18. Mai 2016
E.5.3, 1C_92/2015 vom 18. November 2015 E.3.1.3, 1C_629/2013 vom
5. Mai 2014 E.7.1 mit Hinweisen, 1C_434/2012 vom 28. März 2013 E.3
und E.3.2 f.). An dieser Beurteilung ändern nach Auffassung des Gerichts
auch die anlässlich des Augenscheins vom 2. Mai 2022
wahrgenommenen Eindrücke nichts, auch wenn die Profilierung zu
diesem Zeitpunkt um bis zu 0.33 m zu tief angesetzt war, was indes nichts
daran ändert, dass betreffend die projektierte Baute ausschliesslich die
bewilligten Baupläne massgebend sind. Ein Missbrauch oder eine
Überschreitung des zustehenden Ermessensspielraums ist damit –
entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführer – nicht ersichtlich.
Ebenso ist die gerügte willkürliche rechtliche Würdigung durch die
Vorinstanz zu verneinen. Aufgrund des Gesagten erweist sich der
Entscheid der Vorinstanz als sachgerecht, und ist damit im Rahmen des
verwaltungsgerichtlichen Verfahrens nicht zu beanstanden, so dass die
Beschwerde in diesen Punkten abzuweisen ist.
6.1. Die Beschwerdeführer 2 machen unter dem Titel 'Schutz des Kreuzweges'
geltend, dass vorliegend in unmittelbarer Umgebung zum projektierten
Neubau überdies noch als schützenswert gekennzeichnete Bauten und
Anlagen vorhanden seien, welche es zu wahren gelte (Burgruine R._
im nördlichen Sichtbereich oberhalb am Hang, das in westlicher Richtung
liegende ehemalige Backhaus sowie Stationen des Kreuzweges entlang
der Strasse vom Dorf D._ bis zur Kapelle von G._). Durch den
massiven Neubau werde die sich auf der zu überbauenden Parzelle
- 40 -
F._ befindliche Station des schützenswerten Kreuzwegs massiv
beeinträchtigt, was Art. 43 Abs. 2 und Art. 44 Abs. 2 KRG sowie
Art. AK._ BG widerspreche. Mit Stellungnahme zum Bericht des
Bauberaters führten sie zudem an, dass fraglich sei, ob die Versetzung
der Kreuzwegstation auf der Parzelle F._ in den letzten Jahren immer
weiter Richtung Osten rechtens erfolgt sei. Der im Gestaltungsplan
ausgewiesene Standort der Kreuzwegstation liege unmittelbar vor dem
imposanten Rohbetonsockel des Bauvorhabens.
6.2. Laut Beurteilung des kommunalen Bauberaters vom 29. November 2021
bleibt der Kreuzweg von der projektierten Baute unberührt. Das
streitberufene Gericht kann sich dieser Beurteilung wie auch den
Ausführungen der Vorinstanz anschliessen, wonach sich aus den
Baubewilligungsakten offenkundig ergibt, dass die Station des besagten
Kreuzweges und seine Umgebung vom Neubau unberührt bleiben und
damit auch keine Beeinträchtigung erfolgt. Die Frage der (früheren oder
künftigen) Versetzung der (Kreuzweg-)Stationen ist vorliegend nicht
Thema, womit sich Ausführungen dazu erübrigen.
7.1. Die Beschwerdeführer 2 bringen weiter vor, dass die zum Baugesuch
eingereichten Unterlagen nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprächen,
sie seien derart mangelhaft, dass das Baugesuch nicht hätte aufgelegt
bzw. auch gar nicht hätte bewilligt werden dürfen. Auch die nachträglich
zugestellten Unterlagen vom 2. September 2020 wiesen (trotz
Überarbeitung) noch immer diverse Mängel auf (geringfüge Überarbeitung
von Süd- und Westfassade ohne aktualisiertes Datum, fehlende
Darstellung der Liegenschaft A._/C._ B._ in Schnitten und
Ansichten, fehlende Einzeichnung des Gebäudes Nr. U._ in den
Fassadenplänen [Gebäudehöhe und Firsthöhe], unvollständige
Darstellung der bestehenden und neuen Terrainverläufe und Höhenkoten,
unfertiger nachgereichter Plan der Südfassade und unrichtige Darstellung
des Planes, widersprüchliche Darstellung des Längsschnitts mit den
- 41 -
Grundrissplänen, nicht aktualisierte/unvollständige Pläne der Ostfassade
und des Querschnitts, unvollständige Darstellung konkreter Ausführung
des Flachdaches, nicht aktualisierte Pläne des Kaminzugs, unvollständige
Darstellung Kellergeschossgrundriss, nicht eindeutiger Umgebungsplan,
fehlende Dachaufsicht, fehlende Angaben zu Art und Standort der
Wärmepumpe sowie fehlende Bewilligungen/Nachweise, fehlender
Energienachweis). Das für eine abschliessende, vollumfassende
Beurteilung unvollständige Bauprojekt sei damit noch immer nicht
bewilligungsfähig. In ihrer Replik verweisen sie zudem darauf hin, dass
bereits im jetzigen Verfahren ein vollständiger Energienachweis hätte
erbracht werden müssen, wenn man davon ausgehe, dass ein
koordinationsbedürftiges Heizungssystem eingebaut würde, was Art. 34
Abs. 1 BEG und Art. 49 BEV widerspreche.
7.2. Zu dieser Rüge führt die Beschwerdegegnerin 1 aus, die eingereichten
Baugesuchunterlagen hätten unter Berücksichtigung von Art. AL._
BG ein unter sämtlichen Gesichtspunkten vollständiges Bild des
beabsichtigten Bauvorhabens auf der Parzelle X._ (recte: F._)
ergeben, weder seien die Planunterlagen mangelhaft oder unvollständig
noch gebe es ungeklärte Punkte. Der Gemeindevorstand habe aufgrund
der Aktenlage nachvollziehen können, dass die vorhandenen
Baugesuchsunterlagen für eine Erteilung der Baubewilligung durch die
Baukommission ohne Weiteres ausreichend gewesen seien. Auch sei
eine seriöse Beurteilung der guten Gesamtwirkung und der Gebäude- und
Firsthöhe der Neubaute und der bekannten örtlichen Gegebenheiten
möglich gewesen. Da die Beschwerdeführer bis heute keine spezifischen
Verletzungen rügten, müsse auf die verschiedenen angeblichen Mängel
auch nicht näher eingegangen werden. Die Beschwerdegegnerin 2 weist
ihrerseits darauf hin, dass der Energienachweis – entgegen den
beschwerdeführerischen Behauptungen – der Baubehörde mit dem
Baugesuch vom 14. April 2020 eingereicht und das Näherbaurecht mit
- 42 -
Schreiben der Gemeinde vom 21. April 2020 erteilt worden sei. Der
Heizraum sei zudem auf den Planunterlagen mit 'Technik' bezeichnet. Im
Weiteren werde auch gar keine Stützmauer gebaut; über die Gestaltung
der Umgebung werde vielmehr erst nach Rücksprache mit der
Baukommission entschieden.
7.3. Das Baubewilligungsverfahren soll es der Behörde ermöglichen, das
Bauprojekt im Interesse der Öffentlichkeit und der Nachbarschaft vor
seiner Ausführung auf die Übereinstimmung mit der raumplanerischen
Nutzungsordnung und der übrigen einschlägigen Gesetzgebung zu
überprüfen (siehe BGE 139 II 134 E.5.2, 123 II 256 E.3; Urteil des
Bundesgerichts 1C_448/2017 vom 3. Juli 2018 E.2.2). Das Baugesuch hat
alle für die baurechtliche Beurteilung des Vorhabens erforderlichen
Angaben zu enthalten; insbesondere sind Pläne beizulegen. Nur was aus
den Plänen mit hinreichender Klarheit hervorgeht, kann von der Behörde
bewilligt und mit Ablauf der Rechtsmittelfrist rechtskräftig werden. Im Falle
von unklaren
oder missverständlichen Bauplänen trägt die Bauherrschaft die Folgen
unklarer Planinhalte (vgl. zum Ganzen: Urteile des Bundesgerichts
1C_2/2021 vom 3. Dezember 2021 E.3.2, 1C_448/2017 vom 3. Juli 2018
E.2.2 und 1C_344/2017 vom 17. April 2018 E.3.1, mit Hinweisen; siehe
auch VGU R 17 92 vom 2. Oktober 2018 E.3.3). Das kommunale
Baugesetz sieht für Gesuche im Baubewilligungsverfahren in
Art. AL._ folgendes vor:
1 Für alle der Bewilligungspflicht unterliegenden Bauten und Anlagen
(Bauvorhaben) ist bei der Baubehörde ein Baugesuch in dreifacher Ausfertigung
auf amtlichem Formular einzureichen. Dem Baugesuch sind, soweit erforderlich
beizulegen:
[...]
- 43 -
2 Die Baubehörde kann bei allen Baugesuchen auf einzelne Planunterlagen
verzichten oder weitere anfordern, sofern dies für die Beurteilung des
Bauvorhabens notwendig ist. Bei besonderen Bauvorhaben kann sie ein Modell
verlangen.
3 Das Baugesuch, die Planbeilagen, die Berechnung der AZ, der Energienachweis
und die Emissionserklärung sind von den Grundeigentümern, der Bauherrschaft
und vom Projektverfasser zu unterzeichnen.
4 [...].
Das Baugesuch ist durch die zuständige Baubehörde nach Eingang auf
seine Vollständigkeit zu prüfen (siehe auch Art. 44 KRVO). Ist die
Baueingabe mangelhaft, wird den Gesuchstellenden Gelegenheit zur
Behebung der Mängel gegeben, bevor das Baugesuch öffentlich
aufgelegt wird. Die Vorinstanz erachtete die von der Bauherrin
eingebrachten Planunterlagen als ausreichend, um das Bauvorhaben
im Sinne von Art. AL._ BG durch die Baukommission beurteilen zu
können. Der Baukommission stand es nach Absatz 2 dieser
Bestimmung denn auch frei, auf einzelne Planunterlagen zu verzichten
oder gar weitere anzufordern. Wesentlich ist dabei, ob die ihr
vorliegenden Planunterlagen für die Beurteilung des Bauvorhabens
ausreichten oder dazu weitere Unterlagen notwendig waren, was durch
die (beweisbelasteten) Beschwerdeführer 2 genügend zu
substantiieren ist. Die Beschwerdeführer haben lediglich allgemein
gerügt, welche Unterlagen ihrer Ansicht nach für die Beurteilung einer
Baubewilligung gefehlt hätten, dabei aber nicht spezifisch gerügt,
weshalb es der Baukommission oblegen hätte, die besagten weiteren
Unterlagen heranzuziehen. Dabei gilt es festzuhalten, dass die Bündner
Gemeinden in weiten Bereichen des Bauwesens und der Raumplanung
autonom sind (siehe Urteil des Bundesgerichts 1C_131/2015 vom
16. Oktober 2015 E.2.1 f., mit Hinweisen auf BGE 128 I 3 E.2b; vgl.
auch Art. 3 Abs. 1, Art. 22 Abs. 1 und 3 und Art. 53 KRG sowie
Art. AE._ der Verfassung des Kantons Graubünden [KV; BR
110.100]; VGU R 17 101 vom 19. Juni 2018 E.1.4). Eine Gemeinde ist
- 44 -
in Bezug auf all jene Fragen autonom, welche das kantonale Recht
nicht abschliessend ordnet, sondern ganz und teilweise der Gemeinde
zur Regelung überlässt und ihr dabei einen relativ wesentlichen
Entscheidungsspielraum einräumt (siehe BGE 128 I 3 E.2a, mit
Hinweisen; VGU R 14 26 vom 1. Juli 2014 E.2b; R 13 241 vom 20. Mai
2014 E.2b, mit weiteren Hinweisen). Dabei bezieht sich die
Gemeindeautonomie nicht nur auf die Rechtssetzung, sondern auch auf
die Rechtsanwendung und –auslegung, sofern die anwendbare
Bestimmung dem selbständigen Gemeinderecht angehört. Das
Verwaltungsgericht hat entsprechende Normen zurückhaltend
anzuwenden und auszulegen, wenn ein Zweifelsfall vorliegt, die
Auslegung schwierig ist oder in besonderem Masse örtliche
Verhältnisse zu würdigen sind. Das Gericht kann nur dann eingreifen,
wenn sich der gestützt auf autonomes Gemeinderecht erlassene
Entscheid als sachlich unvertretbar erweist oder gegen allgemeine
Rechtsgrundsätze verstösst (vgl. statt vieler VGU R 19 80 vom
5. Januar 2021 E.2.1.3, R 10 50 vom 6. Juli 2010 E.1). Aufgrund des
der Baubehörde innehabenden Ermessens in Bausachen ist damit auf
die gerügten, nicht näher substantiierten (angeblichen) Mängel,
bezüglich denen auch keine spezifischen Verletzungen gerügt wurden,
nicht weiter einzugehen und auch diese Rüge abzuweisen. Ebenso
geht das Vorbringen bezüglich fehlendem Energienachweis und
Näherbaurecht ins Leere, wurde der Energienachweis der Baubehörde
doch bereits mit dem Baugesuch vom 14. April 2020 eingereicht und
das Näherbaurecht mit Schreiben der Gemeinde vom 21. April 2020
erteilt.
8.1. Betreffend die fehlenden Angaben zur Wärmepumpe führen die
Beschwerdeführer 2 aus, der Ansicht der Beschwerdegegnerin 1, wonach
es reiche, im Einspracheentscheid eine Auflage betreffend Wärmepumpe
und Lärmschutznachweis aufzunehmen, könne nicht gefolgt werden. Den
- 45 -
(damaligen) Einsprechern sei weder betreffend Art und Standort der
Wärmepumpe noch betreffend den Lärmschutznachweis und weitere
Massnahmen zur Lärmschutzdämmung das rechtliche Gehör gewährt
worden. Damit seien im Baubewilligungsverfahren entgegen den
Weisungen des ANU sowie der bundes- und verwaltungsgerichtlichen
Rechtsprechung die von der LSV geforderten Vorkehrungen nicht
getroffen worden. Da auch möglicherweise die kantonalen
Gewässerschutzvorschriften verletzt worden seien, sei der angefochtene
Entscheid aufzuheben und das Baugesuch aufgrund der eklatanten
Mängel abzuweisen. Mit ihrer Replik führen die Beschwerdeführer
ergänzend aus, dass die Bewilligung mit Auflage und Auslagerung in ein
nachträgliches Baubewilligungsverfahren dem sich aus Art. 25a RPG und
Art. 88 Abs. 1 KRG ergebenden Koordinationsgebot widerspreche und
deshalb unzulässig sei, könne doch nicht ausgeschlossen werden, dass
die Baute mit einer Wärmepumpe mit Erdregister oder -wärmesonde
beheizt oder Grund- oder Oberflächengewässerwärme nutzen werde. Im
Weiteren sei bei der Installation einer Luft/Wasser-Wärmepumpe die per
1. Januar 2021 in Kraft gesetzte Teilrevision des kantonalen
Energiegesetzes zu beachten, wonach eine Eigenstromerzeugungspflicht
gelte. Auch die bundesgerichtlichen Voraussetzungen zum
nachgelagerten Verfahren seien nicht erfüllt, denn die Baubewilligung
gelte als Gesamtentscheid (Art. 22 RPG, Art. 86 Abs. 1 KRG). Ein
nachgelagertes Verfahren – wie das vorliegende – sei gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zulässig (u.a. Urteil des
Bundesgericht 1C_615/2017).
8.2. Die Beschwerdegegnerin 1 verweist diesbezüglich auf die
vorinstanzlichen Entscheide (vgl. Bg-act. 9 Rz. 47 f. und Bg-act. 16
Rz. 35), wonach in der Baubewilligung vorgesehen sei, dass ein
Lärmschutznachweis vor Beginn der Arbeiten vorhanden sein müsse und
die Lärmemissionen der Wärmepumpe die Werte gemäss Art. AE._
- 46 -
Baugesetz (Empfindlichkeitsstufe III) nicht überschreiten dürften. In der
Tat seien der Standort der Wärmepumpe, die Wahl der spezifischen
Wärmepumpe und allfällige Lärmschutzmassnahmen bisher unbekannt.
Aufgrund der Erfahrungswerte dürften angesichts der Distanz zwischen
dem Neubau und dem nächsten Fenster der beschwerdeführerischen
Liegenschaft voraussichtlich keine gesetzlich überschrittenen
Planungswerte durch den Betrieb einer Wärmepumpe zu erwarten sein.
Spätestens vor Baubeginn werde die Gemeinde anhand der dann
vorhandenen Unterlagen über das Verfahren betreffend Wärmepumpe
entscheiden, und die Unterlagen den Beschwerdeführern zur
Stellungnahme zustellen. Damit gingen diese auch keinerlei Rechte
verlustig. Aus ökonomischer Sicht sei das Zuwarten betreffend
Detailplanung bis zur Rechtskraft der Baubewilligung nachvollziehbar. Die
Trennung der Verfahren sei zulässig, da eine Auflage zur Einreichung
eines derartigen Baugesuchs unter Wahrung des rechtlichen Gehörs der
Beschwerdeführer aufgenommen worden sei.
8.3.1. Erfordern Bauvorhaben neben der Baubewilligung und einer allfälligen
BAB-Bewilligung zusätzliche Bewilligungen, Ausnahmebewilligungen,
Genehmigungen oder Zustimmungen weiterer Behörden
(Zusatzbewilligungen) und besteht zwischen den Bewilligungen ein derart
enger Sachzusammenhang, dass sie nicht getrennt und unabhängig
voneinander erteilt werden können, sondern inhaltlich abgestimmt werden
müssen, werden Verfahren und Entscheide im Baubewilligungsverfahren
und im BAB-Verfahren koordiniert (Art. 88 Abs. 1 KRG). Bei Bauvorhaben
innerhalb der Bauzonen ist die Koordination Sache der kommunalen
Baubehörde (Art. 88 Abs. 2 KRG). Die Liste der zu koordinierenden
Zusatzbewilligungen des Departements für Volkswirtschaft und Soziales
Graubünden (DVS) gibt Auskunft darüber, bei welchen
Zusatzbewilligungen grundsätzlich ein solcher Koordinationsbedarf
besteht (Art. 52 Abs. 1 KRVO; ersichtlich unter:
- 47 -
https://www.gr.ch/DE/publikationen/Verwaltungsverordnungen/Liste%20d
er%20zu%20koordinierenden%20Zusatzbewilligungen.pdf; letztmals
besucht am 29. März 2022). Demgemäss werden für die Bewilligung des
Baus und den Betrieb von Wärmepumpenanlagen zur Nutzung mit
Erdregister und Erdwärmesonden (Nutzung von Bodenwärme) sowie
Wärmepumpen mit Nutzung von Grundwasserwärme oder
Oberflächengewässern neben einer allfälligen Baubewilligung der
Standortgemeinde (gewässerschutzrechtliche) Zusatzbewilligungen des
Kantons, d.h. des Amtes für Natur und Umwelt (ANU) bzw. der
Regierung/Erziehungs-, Kultur und Umweltschutzdepartement (EKUD)
benötigt. Nach Art. 53 Abs. 1 KRVO sind Gesuche für
koordinationsbedürftige Zusatzbewilligungen zusammen mit dem
Baugesuch, einem allfälligen BAB-Gesuch sowie allen für die Beurteilung
notwendigen Unterlagen bei der Gemeinde einzureichen.
8.3.2. Die Vorinstanz hat den Entscheid der Baukommission, wonach die
Bauherrschaft zwecks Kontrolle im Sinne einer Auflage verpflichtet wurde,
vor Beginn der Bauarbeiten mitzuteilen, was für eine Wärmepumpe
geplant ist und wo sich der Standort der Anlage befinden werde, wobei die
Unterlagen den Einsprechern zugestellt würden, sowie der Auflage, dass
die Lärmemissionen der Wärmepumpe die Werte gemäss Art. AE._
BG nicht überschreiten dürften (siehe Bg1-act. 8 und 9 Rz. 48), gestützt
und darauf verwiesen, dass der Einspracheentscheid der Baukommission
zusammen mit der Baubewilligung integrierender Bestandteil des
Baubescheids bilde, so dass dessen Erwägungen ebenso verbindlich für
die Bauherrschaft seien. Der Schutz vor Lärmemissionen sei nicht nur
durch die Anwendung der Planungswerte (Art. 7 Abs. 1 lit. b LSV), sondern
auch durch die Anwendung des Prinzips der vorsorglichen
Emissionsbegrenzung gewährleistet (Art. 11 Abs. 2 USG und Art. 7 Abs.
1 lit. a LSV).
- 48 -
Wie die Beschwerdeführer 2 zu Recht vorbringen, wurden im vorliegenden
Baubewilligungsverfahren – entgegen den gesetzlichen Vorgaben – die
geforderten Vorkehrungen (Zusatzbewilligungen) in Bezug auf den
allfälligen Bau und Betrieb einer Wärmepumpe mit Erdwärme oder
Nutzung von Wasser nicht getroffen. Entgegen der Auffassung der
Vorinstanz ist – wie vorgängig dargelegt – ein nachträgliches
Baubewilligungsverfahren ausserhalb des primären
Baubewilligungsverfahrens für Wärmepumpen mit Nutzung der Erdwärme
oder Wassernutzung nicht zulässig, so dass vorliegend lediglich die
Variante der Luft/Luft-Wärmepumpe oder Luft/Wasser-Wärmepumpe
verbliebe, bei der jedoch die Lärmschutzvorgaben einzuhalten sind.
Ausserdem gilt nach Art. 9b des Energiegesetzes des Kantons
Graubünden (BEG; BR 820.200) eine Eigenstromerzeugungspflicht, so
dass bei Neubauten ein Teil der benötigten Elektrizität durch
Elektrizitätserzeugungsanlagen zu decken ist. Auch bringen die
Beschwerdeführer 2 zu Recht vor, dass die betroffene Parzelle die
Voraussetzungen gemäss Art. 46 BEV nicht erfülle, so dass Luft/Wasser-
Wärmepumpen in D._ nicht förderberechtigt sind (Art. 47 Abs. 1 BEV,
Anhang 5 BEV).
8.3.3. Entgegen den Vorbringen der Beschwerdeführer 2 wurde der
Energienachweis vom 10. März 2020 durch die Beschwerdegegnerin 2
bereits mit dem Baugesuch vom 14. April 2020 eingereicht (siehe Bg1-act.
1; Beilagen Beschwerdegegnerin 2 [Bg2-act.] 1) und ist der Heizraum auf
den Planunterlagen mit 'Technik' bezeichnet. Dem Energienachweis ist
der Vermerk 'Wärmepumpe mit Aussenluft für Heizung und
Wassererwärmung ganzjährig' zu entnehmen (siehe Energienachweis,
Formular Höchstanteil Standardlösung Ziff. 7, Bg1-act. 1). Zudem kann
der Aktennotiz der Besprechung vom 5. Juni 2020 entnommen werden,
dass N._, Bauingenieur Projekt E._ AG, als auch die
Beschwerdegegnerin 2 darauf verwiesen, dass die für eine
- 49 -
'Luft/Wärmepumpe' bestehenden Grenzwerte einzuhalten seien (siehe
Bg1-act. 6 S. 4).
8.3.4. In der baurechtlichen Praxis stellt sich immer wieder die Frage, ob einzelne
Mängel eines Bauprojekts zur blossen teilweisen Baubewilligung führen
können oder immerhin durch die Anordnung von Auflagen und
Bedingungen im Rahmen der Baubewilligung behoben werden dürfen
oder müssen. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist eine teilweise
Baubewilligung nur möglich, wenn sich bewilligte und nicht bewilligte Teile
klarerweise vollständig voneinander trennen lassen und die Bauherrschaft
mit einer entsprechenden Aufteilung einverstanden ist bzw. diese als
Eventualstandpunkt beantragt hat (Grundsatz der Einheit des
Baubewilligungsentscheids, Koordinationsgrundsatz und
Dispositionsprinzip; Urteile des Bundesgerichts 1C_217/2020 vom 8. Juni
2021 E.5.3, 1C_615/2017 vom 12. Oktober 2018 E.2.4, 1C_152/2017,
1C_164/2017 vom 28. August 2018 E.2.2). Das bundesrechtliche
Koordinationsgebot von Art. 25a RPG verlangt grundsätzlich, dass ein
geplantes Bauvorhaben in einem einzigen und einheitlichen
Bewilligungsverfahren geprüft wird (vgl. STALDER/TSCHIRKY, in:
Griffel/Liniger/Rausch/Thurnherr, Fachhandbuch Öffentliches Baurecht,
Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 2.25; siehe auch MARTI, in:
Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen [Hrsg.], Kommentar RPG,
Zürich/Basel/Genf 2010, Rz. 17 zu Art. 25a RPG). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung können grundsätzlich nur
untergeordnete Mängel eines Baugesuchs durch Nebenbestimmungen
behoben werden, dabei ist zu unterscheiden, ob es um klare und
eindeutige gesetzliche Anforderungen an Bauten oder um blosse
Abwägungs- und Ermessensfragen geht (z.B. Verkürzung oder
Verschiebung einer Mauer oder Begrünung eines Daches). Nachgelagerte
Verfahren sind etwa dann zulässig, wenn dies von der Sache her sinnvoll
ist – so etwa wenn die Beurteilung der Farb- und Materialwahl während
- 50 -
der Bauausführung besser möglich ist – und sich daraus keine
wesentlichen neuen Auswirkungen oder Änderungen für das Projekt
ergeben oder ergeben können und sich auch kein grösserer
Planungsaufwand ergeben würde (vgl. zum Ganzen MARTI, Kommentar
zum Urteil des Bundesgerichts 1C_615/2017 vom 12. Oktober 2018
E.2.4 f., in: ZBl 118/2017 S. 622 f.).
8.3.5. Vorliegend ist demnach zu prüfen, ob die Bewilligung der Wärmepumpe in
einem separaten, nachgelagerten Verfahren mittels Auflagen zulässig ist.
Aufgrund des Gesagten und gestützt auf den Antrag der
Beschwerdegegnerin 2 auf Abweisung der Beschwerde verbleibt nur noch
die Möglichkeit bzw. Schlussfolgerung des (nicht
koordinationsbedürftigen) Baus und Betriebs einer Luft/Wasser-
Wärmepumpe oder (seltener) Luft/Luft-Wärmepumpe, Anhaltspunkte
dafür ergeben sich aus den Akten (siehe Energienachweis, Formular
Höchstanteil Standardlösung Ziff. 7, Bg1-act. 1; Aktennotiz Besprechung
Projekt E._ AG, Bg1-act. 6, S. 4). Für deren Bau ist (lediglich) eine
Baubewilligung der Gemeinde erforderlich. Im Rahmen des
Bewilligungsverfahrens wäre dann sicherzustellen, dass der Betrieb der
Luft/Wasser-Wärmepumpe oder Luft/Luft-Wärmepumpe namentlich die
Lärmschutzvorschriften (Vorsorge und Planungswert) einhält und zu
keinen lärmrechtlichen Problemen führt (vgl. Art. 11 Abs. 2
Umweltschutzgesetz [USG; SR 814.01], Art. 7 Lärmschutz-Verordnung
[LSV; SR 814.41; Art. AE._ BG]).
Nach Auffassung des streitberufenen Gerichts ist ein nachgelagertes
Verfahren bezüglich einer Luft/Luft- bzw. Luft/Wasser-Wärmepumpe noch
vor Baubeginn der projektierten Liegenschaft zulässig, ergeben sich doch
durch den Bau und Betrieb einer solchen Anlage, bei Einhaltung der
lärmschutzrechtlichen Vorgaben, keine wesentlichen Auswirkungen
oder Änderungen für das primäre Bauprojekt und kann damit vom
Grundsatz der Einheit des Entscheides abgewichen werden. Die
- 51 -
Baubehörde hat nach Erhalt aller notwendigen Angaben den Entscheid zu
treffen, ob betreffend die Wärmepumpe ein vereinfachtes oder ein
ordentliches Baubewilligungsverfahren durchgeführt wird, was
massgeblich von den Angaben betreffend Standort, Art der Pumpe,
Lärmschutzmassnahmen, etc.) abhängig ist (siehe dazu auch
Vernehmlassung der Beschwerdegegnerin 1). Immerhin ist zu bemerken,
dass durch eine solche Aufteilung des Verfahrens keine geringeren
Anforderungen an die vorsorgliche Emissionsbegrenzung an der Quelle
zu stellen sind. Mit dem nachgelagerten Bewilligungsverfahren
einhergehend ist auch die Gewährung des rechtlichen Gehörs der
(vorliegenden) Beschwerdeführer, werden ihnen doch gemäss Auflage in
der Baubewilligung die Unterlagen ebenfalls vor Ergehen des (Bau-
)Entscheides zugestellt, so dass ihnen aus der Teilung des Verfahrens
kein Rechtsnachteil erwächst. Die Beschwerdegegnerin 1 hat denn auch
zu Recht darauf verwiesen, dass der Einspracheentscheid der
Baukommission vom 7., mitgeteilt am 28. Juli 2020, zusammen mit der
Baubewilligung integrierender Bestandteil des Baubescheids bildet,
sodass dessen Erwägungen ebenso verbindlich für die Bauherrschaft
sind. Dies ist durchaus nicht unüblich (siehe etwa VGU R 18 15 vom
7. Januar 2020 E.2.4, 3.3.2 und 7.2). Alternativ hätte die Baukommission
die Erwägungen betreffend die Wärmepumpe im Einspracheentscheid
(Ziffer II 2.C. f.) auch einfach wortwörtlich in den Baubescheid vom 7. Juli
2020 übernehmen können. Warum dies aber vorliegend zwingend
geboten sein soll, ist für das streitberufene Gericht nicht ersichtlich. Somit
ist auch diese Rüge abzuweisen.
9.1. Schliesslich rügen die Beschwerdeführer 2 die gewerbliche Nutzung der
projektierten Bauten. Die erstmalige Ansiedlung eines Gewerbebetriebes
in dieser Umgebung mit ortstypischen und prägenden Wohnhäusern
entspreche nicht der vorhandenen gewachsenen Siedlungsstruktur, ein
Gewerbebetrieb sei äusserst fremd.
- 52 -
9.2. Die Vorinstanz geht zu Recht von der Zonenkonformität des
beabsichtigten gewerblichen Betriebs gemäss Art. AG._ Abs. 1 BG
aus, wonach die Dorfzone nicht bloss für Wohnzwecke, sondern genauso
in erster Linie für mässig störende Dienstleistungs- und
Produktionsbetriebe (Auswirkungen im Rahmen herkömmlicher
Handwerks- und Gewerbebetriebe mit ortsüblichen Betriebszeiten)
bestimmt ist. Auch den weiteren Ausführungen der Vorinstanz, wonach
sich der mässig störende Dienstleistungs- und Produktionsbetrieb der
Beschwerdegegnerin 2 in die Dorfzone am Dorfeingang von G._
einfüge und die Bezugnahme auf die umliegenden Gebäude aufgrund der
geringen Grösse des Gewerbehauses und der Art des Betriebs in der
Dorfzone mit der Empfindlichkeitsstufe III nicht zu beanstanden sei, ist
beizupflichten, so dass sich die Rüge der Beschwerdeführer als
unbegründet erweist und weitere Ausführungen dazu erübrigen.
10.1. Damit ist schliesslich noch auf die (subeventualiter) beantragte Sistierung
des Baugesuchs einzugehen. Der Beschwerdeführer 1 bringt dazu im
Wesentlichen vor, das Bauvorhaben sehe die Beanspruchung einer völlig
unüberbauten Fläche am östlichen Ende des äusserst spärlich besiedelten
Weilers R._ vor. Die Parzelle F._ grenze nordöstlich an die
unbebaute Parzelle Y._ (Landwirtschaftszone), östlich an die
unbebaute und bewaldete Parzelle Z._, und südöstlich an die
unbebaute Parzelle AA._ (Landwirtschaftszone). Einzig auf der
südlich gelegenen Parzelle AB._ stehe ein mehrheitlich in der
Landwirtschaftszone liegendes Haus. Damit sei erstellt, dass die Fläche
der Parzelle F._, die am Rande der Bauzone liege, klarerweise
"ausserhalb des weitgehend überbauten Gebietes" der Gemeinde
D._ im Sinne der Planungszone vom 18. Februar 2019 liege und
somit in den Anwendungsbereich der zu überprüfenden und der
anzupassenden Bauzonen falle. Die Gemeinde D._ sei als 'sog. Fall
C' im Sinne der kantonalen Richtplanung zu qualifizieren und habe
- 53 -
demzufolge bis zum 20. März 2023 den überwiegenden Teil der
unbebauten Baulandparzellen auszuzonen. Nur eine Sistierung des
vorliegenden Bauvorhabens stelle sicher, dass die Bevölkerung von
D._ und die Regierung des Kantons Graubünden im Rahmen einer
Ortsplanungsrevision über die auszuzonenden Baulandparzellen befinden
könnten – und nicht Behördenvertreter im Rahmen von einzelnen
Baubewilligungsverfahren. In ihrer Replik führen die Beschwerdeführer
ergänzend den Grundsatz von aArt. 15 lit. a RPG an. Die Parzelle F._
könne nicht ansatzweise als "weitgehend überbautes Gebiet" oder gar als
"Baulücke" qualifiziert werden. Das unüberbaute Grundstück F._
gehöre nicht zu den Grundstücken, die "zum geschlossenen
Siedlungsbereich gehören, an der Siedlungsqualität teilhaben und von der
bestehenden Überbauung so stark geprägt sind, dass sinnvollerweise nur
ihre Aufnahme in die Bauzone in Frage kommt". Mit Stellungnahme vom
27. Januar 2022 führen die Beschwerdeführer ergänzend den Beschluss
der Regierung des Kantons Graubünden in Sachen 'Sufers' vom 2.,
mitgeteilt am 3. Februar 2021 (Prot. Nr. 109/2021), in Bezug auf den
Umfang der zuzugestehenden WMZ-Restreserve im Allgemeinen an und
führen aus, dass dem sich ausserhalb des weitgehend überbauten
Gebiets (WÜG) der Gemeinde liegenden Weiler G._/R._
gestützt auf die technische Wegleitung zur Ermittlung des
Bauzonenbedarfs sicher weniger als drei Bauplätze verblieben und die im
Streit befindliche Parzelle F._ damit offensichtlich eine potentielle
Auszonungsfläche darstelle.
10.2. Für die Beschwerdegegnerin 1 sind – mit Verweis auf die vertieften
Ausführungen der Baukommission bzw. die Vorinstanz – die
Voraussetzungen für eine Sistierung in Bezug auf das fragliche
Bauvorhaben auf Parzelle F._ gerade nicht gegeben. Die
Baukommission habe in Kenntnis der Vorbereitungsarbeiten des
Gemeindevorstands für die Ortsplanungsrevision und in einer
- 54 -
Gesamtschau aller Bauzonen ein Bauvorhaben im Hinblick auf die
Vereinbarkeit mit aktuellem und zukünftigem Recht sowie auf die in der
Planungszone definierten Kriterien geprüft. Der Gemeindevorstand, der
die künftige Planung für die Gemeindeversammlung vorbereite, habe den
Schluss der Baukommission, dass das Bauvorhaben nicht unter die
Planungszone vom 18. Februar 2019 zu stellen sei, bestätigt. Die Parzelle
F._ liege inmitten des weitgehend überbauten Gebiets. Unterhalb der
Via G._ befänden sich zwei Wohngebäude und oberhalb der Strasse
drei Gebäude. Mit dem Bauvorhaben werde folglich die bestehende
Baulücke geschlossen. Mit einer Auszonung würden unterhalb und
oberhalb der Strasse je zwei unzulässige Kleinstbauzonen geschaffen,
womit der Charakter des Dorfes verloren ginge. Die Topografie sei ideal
zur Realisierung eines Hauses und die Erschliessung mit der Angrenzung
an die Via G._ unproblematisch. Zudem lägen die Versorgungs- und
Entsorgungsleitungen in unmittelbarer Nähe. Gerade in der Dorfzone am
Dorfeingang stehe eine Auszonung in einer Gesamtschau über das
Gemeindegebiet ausser Frage. Die Beschwerdegegnerin 1 gibt an, sich
der Redimensionierung der Bauzonen und der Abstimmung der
Gemeindeversammlung über die Planung bewusst zu sein. Der
Gemeindevorstand habe die Bauzonen überprüft und die potentiellen
Auszonungsflächen effektiv abseits bzw. ausserhalb und am Rand des
weitgehend überbauten Gebiets, im Rahmen einer Gesamtschau aller
Bauzonen im Gemeindegebiet ebenfalls bereits evaluiert. Die Parzelle
F._ gehöre definitiv nicht dazu und werde deshalb eine zukünftige
Planung nicht negativ präjudizieren.
10.3. Am 18. Februar 2019 hatte der Gemeindevorstand D._ gestützt auf
Art. 21 KRG über das ganze Gemeindegebiet eine Planungszone mit
einstweiliger Geltung bis 14. März 2021 erlassen. Ziel derselben ist die
Überprüfung und Anpassung der Bauzonen (Dorf-, Dorferweiterungs- und
Wohnzonen sowie Gewerbe- und Wohnzonen) abseits und am Rand des
- 55 -
weitgehend überbauten Gebiets entsprechend den Vorgaben von Art. 15
Abs. 1 und 2 RPG und des kantonalen Richtplans (KRIP-S) vom 20. März
2018 sowie die Umsetzung der weiteren Vorgaben gemäss diesen
Gesetzen, insbesondere betreffend Förderung einer hochwertigen
baulichen Siedlungsentwicklung nach innen und Siedlungserneuerung
(siehe KRIP-S, Ziff. 5.1.2, Handlungsanweisungen). Bauvorhaben dürfen
demnach nur bewilligt werden, wenn sie weder den rechtskräftigen noch
den vorgesehen neuen Planungen und Vorschriften widersprechen
könnten. Baubewilligungen sind insbesondere dann zurückzustellen,
wenn das Bauvorhaben Flächen beansprucht, die ausserhalb des
weitgehend überbauten Gebiets liegen. In diesem Fall darf das
Bauvorhaben eine allfällige Auszonung der verbleibenden Restfläche nicht
negativ beeinflussen. Die Planungszone blieb unangefochten (vgl. Bf1-act.
5). Am 22. Februar 2021 wurde die Planungszone um zwei Jahre
verlängert, wobei die vorstehend erwähnten Planungsziele unverändert
blieben.
10.4. Im Rahmen einer Baueinsprache ist die akzessorische Überprüfung der
Nutzungsplanung – insbesondere bei einer erheblich veränderten Sach-
oder Rechtslage im Sinne von Art. 21 Abs. 2 RPG sowie wenn das
Interesse an deren Überprüfung bzw. Anpassung die entgegenstehenden
Interessen der Rechtssicherheit und der Planbeständigkeit überwiegt –
grundsätzlich nicht ausgeschlossen. Eine Planungszone im Sinne von
Art. 27 RPG und Art. 21 KRG trägt zur Sicherung einer Nutzungsplanung
bei, womit für die Bewilligungsfähigkeit des vorliegenden Bauvorhabens
also insbesondere dessen Vereinbarkeit mit der Planungszone
massgebend ist. Dem Grundsatz nach entfaltet eine Planungszone ihre
Wirkung auf Bauvorhaben bzw. Baugesuche, welche nach dem Erlass der
Planungszone eingereicht werden. Ob und inwieweit eine Planungszone
die Behandlung bereits hängiger Baugesuche hemmt, hängt auch vom
kantonalen Recht ab (siehe zum Ganzen RUCH, in:
- 56 -
Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen, Praxiskommentar RPG:
Nutzungsplanung [nachfolgend: Praxiskommentar NUP 2016],
Zürich/Basel/Genf 2016, Art. 27 Rz. 25 f. und 53 ff.; vgl. auch Urteile des
Bundesgerichts 1C_358/2020 vom 9. Juli 2021 E.4.2, 1C_440/2019 vom
7. Januar 2020 E.4.3.1; VGU R 20 73 vom 1. Dezember 2020 E.5.4).
Bauvorhaben dürfen während der Geltung einer Planungszone infolge
deren negativen Vorwirkung also nur noch bewilligt werden, wenn die
vorgesehene Neuordnung dadurch nicht erschwert wird bzw. sie weder
den rechtskräftigen noch den vorgesehenen neuen Planungen und
Vorschriften widersprechen (siehe BGE 136 I 142 E.3.2; Urteile des
Bundesgerichts 1C_39/2017 vom 13. November 2017 E.4.5,
1C_518/2016 vom 26. September 2017 E.5.5 f. und 1C_287/2016 vom
5. Januar 2017 E.3.2).
10.5. Daraus ergibt sich, dass unter dem Gesichtspunkt der Planungszone die
Zulässigkeit der erteilten Baubewilligung auch unter dem Gesichtspunkt
der Auszonungseignung bzw. -wahrscheinlichkeit der Parzelle F._ zu
beurteilen ist. Unbestritten ist die Gemeinde D._ gemäss kantonalem
Richtplan als Gemeinde mit überdimensionierter Wohn-, Misch- und
Zentrumszonen (WMZ) bis 2030 festgesetzt. Die Gemeinden haben
gemäss kantonalem Richtplan, der von der Regierung in den Bereichen
Raumordnungspolitik (Kapitel 2) und Siedlung (Kapitel 5) mit Beschluss
vom 20. März 2018 (vom Bundesrat am 10. April 2019 genehmigt) bzw.
25. Juni 2019 (Kenntnisnahme Genehmigungsbeschluss und Änderungen
im Richtplantext gemäss bundesrechtlichem Genehmigungsbeschluss)
geändert wurde, die gesamtkantonalen Grundlagen zu überprüfen und
dem Kanton Bericht zu erstatten (siehe dazu die genehmigten
Richtplanbestandteile unter:
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/are/dienstleistungen/ric
htplanung/Seiten/Text-und-Karte.aspx, zuletzt besucht am 29. März
2022). Der Kanton Graubünden tätigte im Hinblick auf die
- 57 -
Richtplananpassung infolge der RPG-Revision vom 15. Juni 2012, in Kraft
seit 1. Mai 2014, verschiedene Erhebungen, damit den kommunalen
Kapazitätsberechnungen nur effektiv nutz-/überbaubare und verdichtbare
Kapazitätsreserven zugrunde gelegt werden. Dem Richtplanauftrag
betreffend die Überprüfung der gesamtkantonalen Grundlagen für Gebiete
mit Auszonungspotenzial an WMZ > 0.3 ha sowie der Übersicht mit
Gebieten mit nicht überbaubaren WMZ-Flächen > 1 ha, welche die
gesamtkantonale Bilanz belasten, ist die Beschwerdegegnerin 1 noch
nicht nachgekommen, ist die Erarbeitung des kommunalen räumlichen
Leitbilds (KRL), in dem graphisch potenzielle Auszonungsgebiete
bezeichnet werden sollen, doch noch hängig.
10.6. Entscheidend ist, dass die verbliebenen, mobilisierbaren WMZ-Reserven
mit der erwarteten Bevölkerungsentwicklung korrespondieren. Nach der
voraussichtlichen Genehmigungspraxis der Regierung betreffend
Ortsplanungsrevision könnten Gemeinden mit mehr als 500 Einwohnern –
trotz grundsätzlichem Rückzonungsbedarf – pro 100 Einwohner einen
Bauplatz im Sinne einer angemessenen Reserve beibehalten (vgl. dazu
ARE GR, Technische Wegleitung zur Ermittlung des Bauzonenbedarfs in
der Ortsplanung vom Dezember 2020, S. 3 ff.). Aus der erwähnten
technischen Wegleitung des ARE GR ergibt sich weiter, dass C-
Gemeinden mit überdimensionierter WMZ, wozu die
Beschwerdegegnerin 1 gehört, die WMZ-Reduktion stufenweise
anzugehen haben. In erster Priorität sind nicht erschlossene bzw. nicht
überbaubare WMZ-Reserven am Siedlungsrand und ortsbaulich
bedeutende (momentan einer WMZ zugeordnete) Freiräume
heranzuziehen und im Rahmen der Ortsplanungsrevision einer nWMZ
zuzuweisen, in zweiter Priorität sollen auch erschlossene WMZ-Reserven
am Siedlungsrand einer geeigneten nWMZ zugewiesen werden, als
Drittes dann nicht erschlossene WMZ-Reserven innerhalb des
Siedlungskörpers und schliesslich auch noch bereits erschlossene WMZ-
- 58 -
Reserven innerhalb des Siedlungskörpers (siehe ARE GR, Technische
Wegleitung zur Ermittlung des Bauzonenbedarfs in der Ortsplanung vom
Dezember 2020, S. 4 f.).
10.7. Für die Beschwerdeführer ist erstellt, dass die Fläche der peripher
gelegenen Parzelle F._, die am Rande der Bauzone liege,
offensichtlich am Rande des überbauten Gebiets von G._ und damit
klarerweise "ausserhalb des weitgehend überbauten Gebietes" der
Gemeinde D._ im Sinne der Planungszone vom 18. Februar 2019
liege und somit in den Anwendungsbereich der zu überprüfenden und der
anzupassenden Bauzonen falle bzw. eine potentielle Auszonungsfläche
darstelle. Die periphere Lage bzw. eine solche am Rand des (effektiv)
überbaubaren Siedlungsgebietes ist für die Bejahung eines realistischen
Rückzonungspotentials aber ohnehin nicht das einzig massgebende
Kriterium. So kann etwa eine bestehende Erschliessung gegen eine
(prioritäre) Rückzonung sprechen (vgl. dazu etwa die Kriterien des KRL
auf S. 29 und in der Technischen Wegleitung zur Ermittlung des
Bauzonenbedarfs in der Ortsplanung des ARE GR auf S. 4). Vorliegend
soll der Gemeindevorstand im Hinblick auf die Revision der
Nutzungsplanung weitere Entscheidungen gefällt haben bzw. sollen
gewisse Parzellen, wozu die Parzelle F._ jedoch nicht gehöre, bereits
zur Aus- bzw. Rückzonung vorgesehen worden sein. Dabei ist auch zu
berücksichtigen, dass eine Baubewilligungserteilung während einer
geltenden Planungszone keine Ausnahmebewilligung darstellt, sofern das
Bauvorhaben die zukünftige Planung (voraussichtlich) nicht erschweren
kann, sondern ein eigentlicher Anspruch auf die Bewilligungserteilung
besteht (vgl. RUCH, in: Aemisegger/Moor/Ruch/Tschannen,
Praxiskommentar NUP 2016, Art. 27 Rz. 54).
10.8. Die Beschwerdegegnerin 1 bringt – in Anbetracht der Siedlungsstruktur
der Gemeinde D._ mit verschiedenen Weilern – zu Recht vor, dass
die Parzelle F._ in Bezug auf den Weiler G._/R._ durchaus
- 59 -
als innerhalb bzw. zumindest am Rand des weitgehend überbauten
Gebiets gelegen betrachtet werden kann und damit nicht klar peripher
gelegen ist. Beim Weiler G._/R._ ist zu beachten, dass dieser,
wie weitere Weiler in der Gemeinde auch, eine langgezogene Form
aufweist, wobei sich sämtliche Liegenschaften entlang der Hauptstrasse
via G._ positionieren, so dass kein eigentlicher Dorfkern vorhanden
ist. Die Parzelle F._ ist Teil der stärksten Anhäufung von Gebäuden
im Weiler G._/R._ und zwischen der Via G._ und der Via
G._-R._ eingefasst. Überdies erscheint die Parzelle am Eingang
des Dorfes bzw. des Weilers G._/R._ als passender
Siedlungsabschluss. In Übereinstimmung mit der Beschwerdegegnerin 1
und ihrer nachvollziehbaren Darlegungen zu anderen potenziellen
Auszonungsflächen, stellt die Parzelle F._ somit kein in sehr hoher
Priorität zurückzuzonendes Grundstück dar. Der Kanton hat denn auch die
Parzelle F._ nicht als potentielle Auszonungsfläche bezeichnet bzw.
nicht ins Auge gefasst, diese Parzelle als Auszonungsfläche zu
bezeichnen. Somit erscheint der Entscheid der Vorinstanz, die Parzelle
F._ aus dem potentiellen Auszonungsgebiet auszuschliessen, als
durchaus vertretbar, basiert er doch auch auf durchaus plausiblen sowie
richtplan-, verfassungs- und gesetzeskonformen Überlegungen.
Der Entscheid, das strittige Bauvorhaben – trotz der geltenden
Planungszone – als bewilligungsfähig zu erachten, ist auch im Rahmen
der verwaltungsgerichtlichen Kognition gemäss Art. 33 Abs. 3 lit. b RPG
nicht zu beanstanden. Denn die Beurteilung der Vorinstanz, wonach das
strittige Bauvorhaben mangels Erschwerung der künftigen Planung bzw.
der Vereinbarkeit sowohl mit dem geltenden als auch dem
(voraussichtlichen) künftigen Recht, als bewilligungsfähig erachtet wird,
kann gut nachvollzogen werden. Dabei darf auch berücksichtigt werden,
dass einem solchen Entscheid der kommunalen Baubewilligungsbehörde
(vgl. dazu Art. 85 Abs. 2 KRG und Art. AC._ Abs. 1 BG), welche
- 60 -
gemäss Art. AC._ Abs. 1 BG auch als (federführende)
Planungsbehörde amtet, insbesondere in planerischen Gesichtspunkten
(vgl. dazu Art. 3 Abs. 1 KRG), ein gewisser, von der Gemeindeautonomie
geschützter Beurteilungsspielraum zugestanden werden kann (vgl.
BGE 145 I 52 E.3.3, 137 I 235 E.2.5 und 128 I 3 E.2b; Urteile des
Bundesgerichts 1C_128/2019 vom 25. August 2020 E.5.3, 1C_241/2019
vom 19. August 2019 E.2.2 und 1C_494/2018 vom 13. Juni 2019 und
1C_532/2015 vom 26. Januar 2016 E.2.2 ff.; VGU R 19 52 vom
13. Oktober 2021 E.4.6). Aufgrund des Gesagten erweist sich diese Rüge
damit als unbegründet.
11.1. Somit erweisen sich die Beschwerden als unbegründet und sind
abzuweisen. Bei diesem Verfahrensausgang gingen die Gerichtskosten,
bestehend aus einer Staatsgebühr und den Kanzleiauslagen (Art. 75
Abs. 1 lit. a und b VRG), gestützt auf Art. 73 Abs. 1 und 2 sowie Art. 72
Abs. 2 VRG grundsätzlich vollumfänglich und zu gleichen Teilen sowie
unter solidarischer Haftung zulasten der Beschwerdeführer 1 und 2. Wie
in der vorstehenden Erwägung 4.2 aber bereits festgehalten, wäre die
Baukommission bzw. die Vorinstanz zwingend gehalten gewesen, vor
Ergehen des Bauentscheids die Bauberatung beizuziehen. Unterliegt eine
Partei nur deshalb vollständig, weil ein formeller Fehler (Nichtvornahme
der Beweisabnahme) der Vorinstanz im Rechtsmittelverfahren geheilt
wurde, soll diesem Umstand im Rahmen der Kosten- und
Entschädigungsfolge Rechnung getragen werden (siehe Urteile des
Bundesgerichts 1C_326/2018 vom 21. November 2018 E.6.1 ff.,
1C_255/2017 vom 24. Oktober 2017 E.7.3, 1C_41/2014 vom 24. Juli 2014
E.7.3 f. und 1C_98/2012 vom 7. August 2012 E.9.3). Unter
Berücksichtigung der nachträglichen Einholung des Berichtes des
Bauberaters sind die Gerichtskosten zu 1/10 der Beschwerdegegnerin 1
aufzuerlegen. Dies in Nachachtung der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung betreffend Heilung formeller Mängel im
- 61 -
Rechtsmittelverfahren sowie des in Ausnahmefällen für die Kosten- und
Entschädigungsregelung heranzuziehenden Verursacherprinzips (vgl.
dazu VGU R 18 104 vom 15. Januar 2019 E.6 mit Hinweisen). Das Gericht
erachtet dabei ermessensweise – unter Berücksichtigung des Streitwertes
und des verursachten hohen Verfahrensaufwandes – eine Staatsgebühr
von insgesamt CHF 5'000.-- für angemessen. Davon sind den
Beschwerdeführern 1 und 2 insgesamt 9/10 bzw. CHF 4'500.-- (zzgl.
Anteil an Kanzleiauslagen) und der Beschwerdegegnerin 1 1/10 bzw.
CHF 500.-- (zzgl. Anteil an Kanzleiauslagen) zu überbinden.
11.2. Gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG wird im Rechtsmittel- und Klageverfahren die
unterliegende Partei in der Regel verpflichtet, der obsiegenden Partei die
durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen. Der
obsiegenden Gemeinde steht in der Regel in ihrem amtlichen
Wirkungskreis keine Parteientschädigung zu (Art. 78 Abs. 2 VRG). Auch
der nicht anwaltlich vertretenen Beschwerdegegnerin 2 steht
praxisgemäss keine Parteientschädigung zu.