# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9d61fe43-6d2c-5a88-949b-7b3f25889b5c
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.1966 geborene A._ (nachfolgend: Versicherter oder
Beschwerdeführer) meldete sich am 19. Mai 2009 aufgrund von Schmerzen bei repetitiver
Arbeit im Bereich der rechten Schulter und des Knies bei der IV-Stelle Appenzell
Ausserrhoden (nachfolgend IV-Stelle bzw. Vorinstanz) erstmals zum Bezug von Leistungen
der Invalidenversicherung (IV) an. Die IV-Stelle klärte in der Folge den medizinischen und
erwerblichen Sachverhalt ab, zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei und wies
schliesslich mit Verfügung vom 7. Januar 2010 das Leistungsbegehren des Versicherten ab
(IV-act. 1 - 14).
B. Am 24. Juni 2015 meldete sich der Versicherte unter Geltendmachung einer Leukämie ein
weiteres Mal zum Leistungsbezug an (IV-act. 15). Die IV-Stelle tätigte wiederum die
erwerblichen und medizinischen Abklärungen. Am 15. April 2016 gab sie bei der SMAB AG,
St. Gallen, ein onkologisch-psychiatrisches Gutachten in Auftrag (IV-act. 40/41). In ihrer
Gesamtbeurteilung vom 8. Juni 2016 kam die SMAB AG zum Schluss, dass in ihren
Fachbereichen keine wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für leichte bis
mittelschwere Tätigkeiten bestehe. Sie präzisierte indes, dass für eine abschliessende
Beurteilung eine neurologische und orthopädische Untersuchung angezeigt seien (IV-act.
42).
C. Mit Vorbescheid vom 22. März 2017 stellte die IV-Stelle dem Versicherten die Abweisung
des Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act. 63). Dagegen liess der Versicherte am 17. Mai
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2017 durch die DAS Rechtsschutz-Versicherungs-AG Einsprache erheben (IV-act. 72).
Nachdem eine Stellungnahme seitens der SMAB AG erfolgt war, veranlasste die IV-Stelle
entsprechend deren Empfehlung eine neuerliche medizinische Abklärung bei der SMAB mit
den Fachdisziplinen Neurologie, Onkologie und Orthopädie (IV-act. 88). Die SMAB lieferte
am 19. März 2018 ihr Folgegutachten (IV-act. 100), gemäss welchem unter Vorbehalt der
Beachtung eines bestimmten Belastungsprofils kein Gesundheitsschaden mit Auswirkung
auf die Arbeitsfähigkeit in der angestammten oder einer adaptierten Tätigkeit gegeben sei.
D. In ihrem neuen, auf das Folgegutachten gestützten Vorbescheid vom 23. April 2018 stellte
die IV-Stelle dem Versicherten die Ablehnung seines Rentenbegehrens in Aussicht (IV-act.
102). Am 7. Mai 2018 gab der Versicherte bei der IV-Stelle seinen mündlichen Einwand zu
Protokoll (IV-act. 105). Des Weiteren liess er am 15. Juni 2018 durch die DAS
Rechtsschutz-Versicherungs-AG Einwand erheben. Die IV-Stelle verfügte am 14. August
2018 im Sinne des Vorbescheids (IV-act. 110).
E. Gegen die Verfügung vom 14. August 2018 liess der Versicherte am 12. September 2018
durch Rechtsanwalt AA._ mit den eingangs erwähnten Anträgen Beschwerde beim
Obergericht des Kantons Appenzell Ausserrhoden erheben (act. 1). In ihrer
Vernehmlassung vom 8. Oktober 2018 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der
Beschwerde (act. 7). Am 8. Januar 2019 folgte die Replik des Versicherten (act. 12). Die
Vorinstanz verzichtete auf eine Duplik (vgl. act. 14).
F. Die Parteien verzichteten auf eine mündliche Verhandlung (vgl. act. 14).
G. Nachdem den Parteien das Dispositiv mit dem vorliegenden Entscheid zugestellt worden
war, verlangten beide innert Frist eine schriftliche Begründung (act. 17 und 18).

## Considerations

Erwägungen
1. 1.1
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2000 über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes
vom 13. September 2010 (JG, bGS 145.31) beurteilt das Obergericht als kantonales Ver-
sicherungsgericht Beschwerden aus dem Bereich der Sozialversicherungen. Die örtliche
Zuständigkeit ist nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes vom 19. Juni 1959 über die
Invalidenversicherung (IVG, SR 831.20) gegeben.
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1.2
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
letztere sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form-
und Fristerfordernisse erfüllt sind (Art. 1 Abs. 1 und Art. 69 Abs. 1 lit. a IVG, Art. 60 Abs. 1
und Art. 61 lit. b ATSG, Art. 28 lit. b JG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. 2.1
Der Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung setzt voraus, dass die versicherte
Person invalid oder von Invalidität unmittelbar bedroht ist. Als Invalidität gilt gemäss Art. 4
IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG die durch einen körperlichen oder geistigen Gesund-
heitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraus-
sichtlich bleibende oder längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art. 28 Abs.
2 IVG haben versicherte Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens
zu 70 %, auf eine Dreiviertelsrente, wenn sie mindestens zu 60 %, auf eine halbe Rente,
wenn sie mindestens zu 50 %, und auf eine Viertelsrente, wenn sie mindestens zu 40 %
invalid sind.
2.2
Gemäss Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG haben nur diejenigen versicherten Personen Anspruch auf
eine Rente, die während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich
mindestens 40% arbeitsunfähig gewesen sind (sog. Wartejahr). Ein wesentlicher
Unterbruch der Arbeitsunfähigkeit im Sinne dieser Gesetzesbestimmung liegt dann vor,
wenn die versicherte Person an mindestens 30 aufeinanderfolgenden Tagen voll
arbeitsfähig gewesen ist (vgl. Art. 29ter der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]
vom 17. Januar 1961). Die Wartezeit im Sinne von Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG gilt in jenem
Zeitpunkt als eröffnet, in welchem eine deutliche Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
eingetreten ist. Als erheblich gilt bereits eine Arbeitsunfähigkeit von 20 % (Urteil des
Bundesgerichts 9C_757/2010 vom 24. November 2010, E. 4.1). Unerheblich ist, auf welche
gesundheitlich bedingten Ursachen die Arbeitsunfähigkeit zurückzuführen ist
(Kreisschreiben des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] über Invalidität und
Hilflosigkeit in der Invalidenversicherung [KSIH], gültig ab 1. Januar 2015, Rz. 2009). Der
Rentenanspruch entsteht frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach
Geltendmachung des Leistungsanspruchs (Art. 29 Abs. 1 IVG).
Seite 5
2.3
Zur Feststellung der medizinischen Verhältnisse ist die rechtsanwendende Behörde auf
Unterlagen angewiesen, die ihr von Ärztinnen und Ärzten zur Verfügung zu stellen sind
(BGE 122 V 158 f. E. 1b mit zahlreichen Hinweisen). Das Gericht hat diese Unterlagen
nach dem für den Sozialversicherungsprozess gültigen Grundsatz der freien
Beweiswürdigung (Art. 61 lit. c ATSG) - wie alle anderen Beweismittel - frei, d.h. ohne
Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Dies
bedeutet, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von
wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren
Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten.
Insbesondere darf das Gericht bei einander widersprechenden medizinischen Berichten
den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die
Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These
abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob
dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese)
abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen der
Expertin oder des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist
grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE
134 V 232 E. 5.1; 125 V 352 E. 3a, 122 V 160 E. 1c). Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens durch die Behörden eingeholten Gutachten von externen
Spezialärzten, welche auf Grund eingehender Beobachtungen und Untersuchungen sowie
nach Einsicht in die Akten Bericht erstatten und bei der Erörterung der Befunde zu
schlüssigen Ergebnissen gelangen, ist bei der Beweiswürdigung volle Beweiskraft
zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise
sprechen (BGE 125 V 351).
3. 3.1
Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob die medizinische Aktenlage eine
rechtsgenügliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers erlaubt.
3.2
Die IV-Stelle stützt die rentenablehnende Verfügung vom 14. August 2018 auf das SMAB-
Gutachten vom 19. März 2018 (IV-act. 100; vgl. insbesondere S. 7 ff). Das Gutachten stellt
keine Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit). Unter den
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (letzte Tätigkeit) sind aufgeführt:
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Rezidivierende Synkopen unklarer Ätiologie; Chronische myeolische Leukämie ED
10/2014, Sokal-Score: Low risk, BCR-ABL positiv (Litalir vom 04.10.2014 bis 09.10.2014;
Glivec vom 09.10.2014 bis 16.06.2015; Sprycel seit 15.07.2015; Optimales
Therapieansprechen, fehlender Nachweis von BCR-ABL (Stand 12/2017)); Beginnende
mediale Gonarthrose links; Partialruptur der rechten Supraspinatussehne; Senk-Spreizfuss
beidseits. In ihrer zusammenfassenden Beurteilung der Arbeitsfähigkeit erklären die
Gutachter, der Beschwerdeführer klage über unveränderte Einschränkungen seit der
letzten Begutachtung. Er beschreibe anhaltende Einschränkungen in Verrichtung
sämtlicher Aktivitäten des täglichen Lebens einschliesslich seiner beruflichen Tätigkeit,
aufgrund von Kraftmangel, Müdigkeit und unspezifischer Beschwerden, welche er auf
Nebenwirkungen durch die Medikamente zurückführe. Des Weiteren berichte er, dass
seine Blutdruckwerte und Blutwerte „nicht so gut“ seien. Ein nachgeforderter Bericht der
onkologischen Abteilung des Kantonsspitals St. Gallen beschreibe jedoch unauffällige
periphere Blutwerte inkl. BCR-ABL bei bislang optimalem Therapieverlauf. Auch Anamnese
und Untersuchung hätten ohne Äusserung von Problemen oder Ermüdungszeichen
durchgeführt werden können. Die berichteten Beschwerden hätten keinem umschriebenen
Krankheitsbild zugeordnet werden können. Ein Gesundheitsschaden mit funktionellen
Einschränkungen habe weder auf neurologischem, onkologischem noch orthopädisch-
traumatologischem Gebiet festgestellt werden können. Retrospektiv ergebe sich keine
wesentliche Veränderung des Begutachtungsergebnisses seit der letzten bidisziplinären
Begutachtung vom 08.06.2016 (vgl. dazu oben B.), sowohl in der Beurteilung einer
bisherigen wie auch einer leidensadaptierten Tätigkeit; ausser neu die Einschränkung für
Überkopf- und Fahrtätigkeit. Eine Leistungseinschränkung sei durch die CML auch aktuell
nicht gegeben. In den zusätzlich begutachteten Fachgebieten Neurologie und Orthopädie
habe ebenfalls kein Gesundheitsschaden mit funktioneller Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit festgestellt werden können. Dem zusammenfassenden Belastungs-
/Ressourcenprofil im polydisziplinären Konsens ist der gutachterlichen Gesamtbeurteilung
folgendes zu entnehmen: Körperlich leicht bis mittelschwere Tätigkeiten ohne häufige Über-
Kopf-Arbeiten mit dem dominanten rechten Arm. Keine Arbeit an laufenden Maschinen
oder auf Leitern, keine Fahrtätigkeit.
3.3
Im Folgenden ist zu prüfen, ob bzw. inwieweit auf das interdisziplinäre Gutachten
abgestellt werden kann. Der Beschwerdeführer kritisiert dieses in mehrfacher Hinsicht und
hält seine Ergebnisse nicht für verwertbar.
Seite 7
3.3.1
Konkret bringt der Beschwerdeführer vor, die gutachterliche Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit sei mit Blick auf die Beurteilungen der behandelnden Ärzte nicht
nachvollziehbar. Der Hausarzt Dr. B._ habe erklärt, aufgrund seiner Leukämie
sei der Beschwerdeführer sehr erschöpft und anhaltend zu max. 50 % arbeitsfähig. Zu
beachten sei überdies, dass auch die behandelnde Onkologin Dr. C._ nach
Absprache mit dem Hausarzt schliesslich auf eine 50%ige Arbeitsfähigkeit geschlossen
hätte. Des Weiteren seien die gutachterlichen Tests insoweit nicht aussagekräftig, als diese
nur eineinhalb Stunden gedauert hätten. Die durch die Medikation bedingte Müdigkeit
zwinge ihn erst nach vier Stunden zur Aufgabe seiner Arbeit bei der D._ AG. Es
verstehe sich von selbst, dass sich bei einer nicht einmal halb so langen ärztlichen
Untersuchung noch keine Anzeichen von Müdigkeit einstellten. Die gute Verträglichkeit der
Medikamente gegen Leukämie schliesse die schnellere Übermüdung nicht aus, ebenso
wenig, dass die Bluttests keine überhöhte Müdigkeit angezeigt hätten. Schliesslich weist
der Beschwerdeführer in seiner Replik anhand der Patienteninformationen des Arzneimittel-
Kompendiums der Schweiz auf eine ganze Reihe von Nebenwirkungen hin, die auch beim
Beschwerdeführer vorlägen. Vor allem leide er unter Müdigkeit und Erschöpfung (IV-act. 1
und 12).
3.3.2
a) Im Folgenden ist auf diese Kritikpunkte des Beschwerdeführers einzugehen. In Bezug
auf das Vorbringen, der gutachterlichen Arbeitsfähigkeitsschätzung könne mit Blick auf die
Berichte der behandelnden Ärzte nicht gefolgt werden, ist zunächst auf die konstante
Rechtsprechung betreffend das Verhältnis eines versicherungsexternen Gutachtens im
Vergleich zu den Berichten der behandelnden Ärzte hinzuweisen. Demnach kann den
Berichten der behandelnden Ärzte aufgrund der Tatsache, dass diese Personen in einem
auftragsrechtlichen Vertrauensverhältnis zum Versicherten stehen, nur eine beschränkte
Aussagekraft beigemessen werden. Da sich die behandelnden Ärztinnen und Ärzte in
erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben, verfolgen deren Berichte nicht den
Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche
erlaubenden objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum
je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a S. 352.
Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer
Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen), wird im
Streitfall eine direkte Leistungszusprache einzig gestützt auf die Angaben der
behandelnden Ärztinnen und Ärzte denn auch kaum je in Frage kommen (BGE 135 V 465
E. 4.5). Im Sinne dieser Erwägungen kommt einem externen Gutachten gegenüber den
Seite 8
Berichten der behandelnden Ärzte mithin Priorität zu, wenn letztere keine begründeten
Zweifel an jenem zu erwecken vermögen (vgl. dazu schon oben E. 3.3). Im vorliegenden
Fall fehlt es an konkreten Indizien in den Berichten der behandelnden Ärzte, welche
begründete Zweifel am Gutachten hervorrufen. Im Gegenteil bestehen augenscheinliche
Zweifel an der Zuverlässigkeit der Einschätzung der behandelnden Ärzte Dr. B._
und Dr. C._, die sich schlussendlich gemeinsam auf eine Arbeitsunfähigkeit von
50 % verständig hatten (IV-act 111-13). In dem nämlichen Schreiben erklärte Dr.
C._, die von ihr ursprünglich bezifferte Leistungsreduktion sei nur als grober
Richtwert gedacht gewesen; sie habe nicht bedacht, dass dieser Wert nicht dem
Mindestprozentsatz zur Begründung einer IV-Rente entspreche. Da nun eine
Arbeitsfähigkeitsschätzung ausschliesslich auf medizinischen Gesichtspunkten beruhen
und frei von versicherungsrechtlichen Überlegungen sein soll, erscheint der Beweiswert
dieser gemeinsamen Bezifferung der Arbeitsfähigkeit durch Dr. B._ und Dr.
C._ von vornherein als erheblich reduziert.
Bezogen auf das Verhältnis Gutachten und Bericht des behandelnden Arztes mit Vorsicht
zu geniessen ist auch die vom Beschwerdeführer mit Verweis auf BGE 140 V 193
vorgetragene ausführliche Argumentation, es sei keineswegs allein Sache der gutachtlich
befassten Arztperson, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle
verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer
Arbeitsunfähigkeit führt. In dem betreffenden Präjudiz war der Fall wesentlich anders
gelagert als in dem vorliegenden: Das von der IV-Stelle eingeholte Gutachten bescheinigte
für einen befristeten Zeitraum eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und unbefristet eine
solche von 40 %. Die IV-Stelle hielt diese Schlussfolgerungen jedoch (namentlich mit Blick
auf die damalige Rechtsprechung betreffend die Überwindbarkeit von psychischen Leiden)
nicht für nachvollziehbar und erkannte auf gar keine Arbeitsunfähigkeit bzw. keinen
Rentenanspruch. Das hierauf vom Versicherten angerufene Versicherungsgericht St.
Gallen hob alsdann den Entscheid auf und stellte auf die ursprünglichen gutachterlichen
Einschätzungen ab (vgl. Entscheid vom 13.11.2013; IV 2011/376), indessen wurde das
Urteil durch den hier in Frage stehenden BGE gekippt.
b) Soweit der Beschwerdeführer die onkologische Beurteilung im Gutachten kritisiert, d.h.
die fehlende Auswirkung der chronischen myeloischen Leukämie (CML) bzw. der dafür
erforderlichen Medikation, kann ihm nicht gefolgt werden. Die Gutachter zeigen plausibel
auf, dass diese Erkrankung letztlich nicht mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
verbunden ist. So wird ausgeführt, die CML zeige sich in kompletter Remission. Gemäss
den durchgeführten Nachsorgeuntersuchungen habe sich kein sichtbarer Nachweis einer
Krankheitsaktivität ergeben. Die medikamentöse Therapie werde gut vertragen. Diese
positiven gutachterlichen Einschätzungen werden durch die Anamnese vollumfänglich
Seite 9
gestützt. So hatte das Kantonsspital St. Gallen am 5. April 2016 nach der Umstellung in der
Medikation von Glivec auf Sprycel von einem optimalen Ansprechen gesprochen. Auch
werde die Behandlung als verträglicher empfunden. Insgesamt liege ein hocherfreuliches
Ergebnis vor (IV-act. 42-48). In gleicher Weise ist dem von den Gutachtern noch
eingeholten Bericht des Kantonsspitals St. Gallen vom 29. Dezember 2017 (IV-act. 100-70)
zu entnehmen, die Untersuchung der peripheren Blutwerte habe ergeben, dass diese in
einem optimalen Bereich lägen. Die Gutachter weisen in diesem Zusammenhang im
Übrigen auch darauf hin, dass dies der eigenen Behauptung des Versicherten
widerspreche, gemäss welchem die Blutwerte „nicht so gut“ seien (vgl. schon oben E. 3.2).
Bei dieser Ausgangslage, d.h. bei kompletter Krankheitsremission und grundsätzlich guter
Verträglichkeit der Medikamente, ist es nicht angängig, die gutachterliche Einschätzung der
körperlichen Leistungsfähigkeit des Versicherten in Frage zu stellen. Auf die eigenen
Angaben des Beschwerdeführers gegenüber den Gutachtern, wonach er sich kraftlos und
müde durch die Leukämie fühle (wobei er letzteres auch noch mit Verweis auf die
einschlägige Deklaration in den erwähnten Patienteninformationen zu beweisen versucht)
und er spätestens nach vier Stunden zur Aufgabe der Arbeit gezwungen sei, kann in
diesem Sinne nicht abgestellt werden. Fehlt es in diesem Fall nach dem Gesagten nämlich
an objektivierbaren Gesichtspunkten, welche durch einen Gesundheitsschaden bedingte
funktionelle Einschränkungen belegen, so erschiene es verfehlt, die fraglichen Angaben für
massgebend zu erklären, da sie eben rein subjektiv sind und für die Vornahme einer
versicherungsmedizinischen Beurteilung somit ungeeignet.
Dem Vorwurf des Beschwerdeführers, die Untersuchungen der Gutachter hätten wesentlich
länger dauern müssen als nur eineinhalb Stunden, kann im Sinne dieser Erwägungen
ebenfalls nicht gefolgt werden, da sich an der Beurteilung, dass sich aufgrund der
Leukämie-Erkrankung bzw. aus onkologischer Sicht keine objektivierbaren Nachweise für
eine Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit ergeben, letztlich nichts änderte. Im
Übrigen ist auch festzustellen, dass die Gutachter den (namentlich aus orthopädisch-
traumatologischer Sicht resultierenden) körperlichen Einschränkungen des Versicherten
durchaus Rechnung getragen haben, indem sie diese bei der Festlegung des
Belastungsprofils berücksichtigten. Dies kann gleichsam als Indiz für die Zuverlässigkeit der
gutachterlichen Gesamtbeurteilung gelten.
c) Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das SMAB-Gutachten eine rechtsgenügliche
Grundlage zur Beurteilung der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers darstellt. Die darin enthaltene Arbeitsfähigkeitsschätzung ist für diesen
Fall somit als massgebend zu erklären.
Seite 10
5.
Ausgehend von der gutachterlich bescheinigten Arbeitsfähigkeit bleiben die erwerblichen
Auswirkungen zu bestimmen.
Bei einer 100%igen Arbeitsfähigkeit für die angestammte sowie eine andere
leidensangepasste Tätigkeit kann die konkrete Ermittlung der Vergleichseinkommen
offenbleiben. Selbst wenn nämlich zugunsten des Beschwerdeführers ein Prozentvergleich
(siehe zum Prozentvergleich etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_628/2015 vom 6. April
2016, E. 5.3.1 mit Hinweisen) und der nach der bundesgerichtlichen Praxis höchstzulässige
Tabellenlohnabzug von 25 % (BGE 126 V 75) gewährt würde, resultierte ein nicht
rentenbegründender Invaliditätsgrad von höchstens 25 % (vgl. zum Beispiel Entscheid des
Versicherungsgerichts St. Gallen IV 2018/180 vom 4. September 2019).
6.
Bei diesem Ergebnis hat die IV-Stelle einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers zu
Recht verneint. Die Beschwerde ist damit abzuweisen.
7.
7.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Vorliegend erscheint die in vergleichbaren Fällen
übliche Entscheidgebühr von Fr. 800.-- als angemessen. Sie ist dem unterliegenden
Beschwerdeführer aufzuerlegen, unter Verrechnung mit dem von ihm in gleicher Höhe
geleisteten Kostenvorschuss.
7.2
Es ist keine Parteientschädigung auszurichten, da der Beschwerdeführer unterliegt (Art. 61
lit. g ATSG e contrario) und da es sich bei der obsiegenden IV-Stelle um eine staatliche
Einrichtung handelt (UELI KIESER, ATSG-Kommentar, 3. Aufl. 2015, N. 200 zu Art. 61
ATSG).
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