# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3ea44e77-230b-455c-be85-14f02dba523c
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. 1. X._ wurde am _1967 in O.1_ geboren. Er ist geschieden und hat gemäss seinen eigenen Angaben keine Unterstützungspflichten. X._ arbeitet bei der E._ in O.2_ und erwirbt dort nach seinen Angaben ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 6'000.00. Gemäss der Auskunft der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden vom 11. Dezember 2013 weist er für die Steuerperiode vom 1. Januar 2013 bis 22. Juli 2013 ein Vermögen von Fr. 18'506.00 auf.
2. Im SVG-Massnahmenregister ist X._ nicht verzeichnet. Im Schweizerischen Zentralstrafregister weist X._ folgenden Eintrag auf:
- Strafmandat des Kreispräsidiums Fünf Dörfer vom 9. November 2007; Geldstrafe 20 Tagessätze zu Fr. 160.00, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 2 Jahren und Busse in der Höhe von Fr. 1'000.00 (Grund: Pornographie [mehrfache Begehung] gemäss Art. 197 Ziff. 3 StGB in der Zeit vom 5. Februar 2007 bis 30 März 2007).
3. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 16. Januar 2013, mitgeteilt am gleichen Tag, wurde X._ der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen. Dafür wurde er bestraft mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je Fr. 170.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 500.00. Bei schuldhafter Nichtbezahlung trete an die Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von zwei Tagen. Die Kosten des Verfahrens wurden X._ auferlegt.
4. Die Staatsanwaltschaft legte dem Strafbefehl vom 16. Januar 2013 folgende Feststellungen zugrunde:
"Am 25. April 2011, um 16:35 Uhr, fuhr der Beschuldigte mit seinem Personenwagen MAZDA J 6 2.3l TURBO, Kontrollschild _ (CH), auf der _strasse von O.3_ in Richtung O.4_. Auf Höhe "A._" setzte er zum Überholen des vor ihm fahrenden Personenwagens an, obwohl er Gegenverkehr erkennen konnte. Beim Gegenverkehr handelte es sich unter anderem um B._, welcher mit seinem Personenwagen CHRYSLER USA Neon 2.0 L, Kontrollschild _ (CH), auf der _strasse von O.4_ in Richtung O.3_ fuhr und auf Höhe "C._" ebenfalls einen Personenwagen überholte, sodass sich zwei überholende Fahrzeuge entgegenfuhren. B._ führte sein Überholmanöver mit ca. 80 km/h aus. Der Beschuldigte überholte mit
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ca. 90 km/h. Infolge des beschriebenen Gegenverkehrs kam es beim Wiedereinbiegen beider Fahrzeuge beinahe zu einer Frontalkollision.
Für ein korrektes Überholmanöver hätte der Beschuldigte bei Abschluss des Überholmanövers noch eine Sicherheitsmarge von 2 Sekunden, umgerechnet knapp 100 Meter Abstand, zum Gegenverkehr einhalten müssen. Der Beschuldigte hätte aufgrund der dargestellten Umstände damit rechnen müssen, dass er bei einem ihm mit 90 km/h entgegenfahrenden Fahrzeug diese Sicherheitsmarge nicht einhalten konnte. Beim Entscheid, an der fraglichen Stelle zu überholen, zog der Beschuldigte zumindest aus grober Pflichtwidrigkeit nicht in Betracht, dass er mit seinem Verhalten in vorhersehbarer Weise eine gefährliche Verkehrssituation schaffen würde.
Aufgrund des verkehrsregelwidrigen Verhaltens des Beschuldigten veranlasste dieser den ihm entgegenfahrenden B._, um eine Kollision zu verhindern, sein Fahrzeug abrupt nach rechts zu steuern, wobei das Fahrzeugheck ausbrach und der Personenwagen über den rechten Fahrbahnrand hinaus schleuderte. Letztlich stürzte der Personenwagen über das rechtsseitige Strassenbord hinunter und prallte heftig gegen die dortigen Bäume. Dabei erlitt B._ eine Thoraxkontusion sowie diverse Rissquetschwunden. Am 15. Mai 2011 stellte er Strafantrag gegen X._ wegen Körperverletzung."
5. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft vom 16. Januar 2013, mitgeteilt am gleichen Tag, wurde B._ der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG für schuldig befunden. Dafür wurde er bestraft mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je Fr. 60.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie einer Busse in der Höhe von Fr. 300.00. Bei schuldhafter Nichtbezahlung trete an die Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von fünf Tagen. Die Kosten des Verfahrens wurden B._ auferlegt. Dieser Strafbefehl ist unangefochten in Rechtskraft erwachsen.
6. X._ liess gegen seinen Strafbefehl vom 16. Januar 2013 am 25. Januar 2013 und damit fristgerecht Einsprache erheben, woraufhin die Staatsanwaltschaft die Strafuntersuchung weiterführte. Nach deren Abschluss überwies sie den Strafbefehl am 29. Januar 2014 gestützt auf Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO ans Bezirksgericht Landquart.
7. Die Hauptverhandlung, zu der mit prozessleitender Verfügung vom 14. Februar 2014 vorgeladen wurde, fand am 26. März 2014 statt. Während die Staatsanwaltschaft unter Beilage eines Schlussberichts vom 29. Januar 2014 auf die Entsendung eines Vertreters verzichtet hatte, war X._ mit seinem Verteidiger persönlich vor dem Bezirksgericht Landquart erschienen. Im Zuge der Verhandlung verzichtete X._ unter anderem ausdrücklich auf eine formelle
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Einvernahme seiner eigenen Person und auf die Durchführung eines Augenscheins. Die Schlussanträge der Parteien lauteten wie folgt:
Anträge X._:
"1. X._ sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge."
Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden:
(vgl. den oben zitierten Strafbefehl. Die Verurteilung entspricht den Anträgen).
8. Das am 26. März 2014 gefällte und gleichentags mündlich eröffnete Urteil des Bezirksgerichts Landquart wurde X._ am 26. März 2014 ohne schriftliche Begründung im Dispositiv mitgeteilt. Gegen dieses Urteil meldete X._ am 31. März 2014 Berufung beim Bezirksgericht Landquart an. Daraufhin teilte das Bezirksgericht Landquart den Parteien am 28. April 2014 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es wie folgt:
"1. X._ ist schuldig der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 1 StGB.
2. Dafür wird er mit einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je CHF 150.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie mit einer Busse von CHF 500.00 bestraft. Die Ersatzfreiheitsstrafe für eine schuldhafte Nichtbezahlung der Busse wird auf zwei Tage festgesetzt.
3. Die Verfahrenskosten, bestehend aus: - der Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 1'275.00
- den Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 318.10
- der Gerichtsgebühr des Bezirksgerichts Landquart (mit schriftlicher Urteilsbegründung) CHF 3'500.00
total somit CHF 5'093.10
werden vollumfänglich dem Verurteilten auferlegt, welchem aufgrund des Ausgangs des Verfahrens keine Prozessentschädigung ausgerichtet wird.

## Considerations