# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a7561542-40b8-59fc-b29b-24f96e99b30e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1969
,
Mutter eines Sohnes (Jahrgang 1988),
ist seit dem
1.
Juni 1985 bei der
Y._
als Mitarbeiterin Kasse und Kundendienst
information
tätig (
Urk.
6/23
)
.
Unter Hinweis auf
eine vorbeugende Krebs
behandlung
stellte die Versicherte
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, am
9.
September 2013 ein
Gesuch u
m Übernahme der Kosten für
eine Brustprothese und einen Spezialbüstenhalter (
Urk.
6/4) sowie am 1
8.
September 2013 für eine
Perücke
(
Urk.
6/3). Mit Mitteilungen vom 1
6.
und 1
7.
Oktober 2013 gewährte die IV-Stelle die Übernahme der Kosten für Perücken (
Urk.
6/
5
) sowie für Brustprothesen/spezielle Büstenhalter (
Urk.
6/
6
).
1.2
Unter Hinweis auf Brustkrebs, die Entfernung der rechten Brust und der Lymph
knoten meldete sich die Versicherte
am 2
7.
Dezember 2013
bei der
IV-Stelle
zum
Rentenbezug
an (
Urk.
6/7
). Die
IV-Stelle
klärte die medizinische und erwerbl
iche Situation ab, zog Akten des Krankentaggeldversicherers
bei (Urk.
6/19,
Urk.
6/43) und holte
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
27.
Mai 2016
erstattet wurde (
Urk.
6/76
)
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Urk.
6/81
;
Urk.
6/90
) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
7.
Dezember 2016
einen
Leistungs
anspruch (
Urk.
6/93
=
Urk.
2)
.
2.
Die Versicherte erhob am
2
3.
Januar 2017
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
7.
Dezember 2016
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihr
ab
1.
August 2014 mindestens eine halbe Rente
zuzusprechen (
Urk.
1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2
4.
Februar 2017
(
Urk.
5
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
5.
April 2017
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7
).
Mit Verfügung vom 21. Februar 2018 (Urk. 8) wurde die Migros-Pensionskasse
zum
Prozess beigeladen. Die
Mirgros
-Pensionskasse liess sich innert Frist nicht vernehmen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krankheitswert besteht, welches die ver
sicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objekti
vierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2; zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_841/2016 vom 30. November 2017 E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psycho
somatische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tat
sächliche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE
141 V 281). Mit zur Publikation in der amtlichen Sammlung vorge
sehenem Urteil 8C_130/2017 vom 30. November 2017 hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung ein
zelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsun
fähigkeit schliessen lassen (E. 7).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens sind als Standardindikatoren die folgenden Aspekte massgebend (BGE 141 V 281 E. 4.1.3):
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungs
hin
dernder
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensations
poten
zialen (Ressourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsver
mögen ein
zuschätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die mate
riell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
1
.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorak
ten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) gestützt auf die medizinischen Abklärungen, insbesondere das polydisziplinäre Gutach
ten vom
2
7.
Mai 2016
(
Urk.
6/76
), davon aus, dass
es sich bei einer depressiven Episode um ein vorübergehendes Leiden handle, indem solche Episoden im Mittel etwa sechs Monate, selten länger als ein Jahr andauern würden. Vor
liegend sei
en
die Diagnose und Beschwerden explizit auf private Belastungs
situationen zurückzuführen. Diese seien IV-fremd.
Die psychosozialen Faktoren seien vorliegend massgebend für die Auslösung der depressiven Episode.
Eine mittelgradige depressive Episode könne keine längerdauernde Arbeitsunfähig
keit begründen. Die Beschwerdeführerin verfüge über genügend Ressourcen, um wieder in der Berufswelt Fuss fassen zu können. Der Beschwerdeführerin sei eine angepasste Tätigkeit ohne Wechselschichten und ohne hohen Zeit- und Leistungsdruck auch in einem 100
%
- Pensum zumutbar. Die Tagesstruktur sei intakt.
Die Diagnose sei weiterhin überwindbar (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich
die
Beschwerdeführer
in
im Wesentlichen auf den Standpunkt (
Urk.
1),
es treffe zwar zu, dass mittelschwere Depressionen thera
peutisch
angehbar
seien, doch habe das Bundesgericht festgehalten, dass bei mittelschweren depressiven Episoden die invalidisierende Wirkung nicht schlecht
hin auszuschliessen sei (S. 5 unten). Deren Annahme bedinge allerdings, dass es sich nicht bloss um eine Begleiterscheinung einer Schmerzkrankheit handle und im Weiteren, dass eine konsequente Depressionsbehandlung befolgt werde, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweise (S. 6 oben). Wie dem Gutachten zu entnehmen sei, handle es sich vorliegend nicht um einen Fall eines
pathogenetisch
-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebildes ohne
nachweisbare organische Grundlage. Vielmehr lieg
e
eine eigenständige psychi
sche Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit vor. Die psychische Krankheit sei mit der Krebserkrankung aufgetreten.
Die Beschwerde
führerin
habe in der Folge regelmässige therapeutische Hilfe in Anspruch genommen und habe sich medikamentös behandeln lassen. Trotz aktenkundiger wöchentlicher Therapie habe sich das eigenständige psychische Leiden bis heute nicht derart gebessert, dass sie einer vollschichtigen Arbeit nachgehen könne.
Die Beschwerdegegnerin habe vorliegend keinen Grund, davon auszugehen, dass die Diagnose auf eine private Belastungssituation zurückzuführen sei; diese in die angefochtene Verfügung eingeflossene Beurteilung sei aktenwidrig und willkürlich. Gestützt auf das beweiskräftige Gutachten liege bei ihr vielmehr eine eigenständige psychische Erkrankung vor, die eine Arbeitsunfähigkeit von mindestens 50
%
zur Folge habe. Es liege somit eine Erwerbsunfähigkeit vor, die ausschliesslich Folge der Depression sei (S. 6).
Indem die Beschwerde
gegnerin in der angefochtenen Verfügung nicht
dargelegt habe
, über welche konkreten Ressourcen sie verfügen soll, die es ihr erlauben würden, wieder in der Berufswelt Fuss zu fassen, habe sie ihr
en
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt (S. 7 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin und ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen invalidisierenden Gesundheitsschaden verneint hat.
Soweit die Beschwerdeführerin eine Verletzung des rechtlichen Gehörs geltend macht (vgl.
Urk.
1 S.
7
), darf diese - soweit sie überhaupt vorliegen sollte - als geheilt betrachtet werden, handelt es sich beim hiesigen Gericht doch um eine
Beschwerdeinstanz, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprü
fen kann (BGE 127 V 431 E. 3d/
aa
).
3.
3.1
Die Ärzte der
Z._
berichteten
nach Zuwei
sung durch eine Psychoonkologin des
A._
am
2
4.
Nove
mber 2014 (
Urk.
6/56/2-5)
über eine Abklärungsuntersuchung vom 2
2.
Mai 2014 bis 1
3.
November 2014 und nannten als Diagnose eine mittelgra
dige depressive Episode. Eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei indiziert. Das depressive Syndrom sei in den letzten Wochen leicht
regre
dient
. Die Beschwerdeführerin schlafe wieder besser, die Stimmung sei aufge
hellter und die innere Anspannung etwas zurückgegangen.
3.2
Die Ärzte des
Z._
,
Akutpsychiatrie/Kriseninterventionszentrum
, berichteten am
1
4.
Oktober 2015 (
Urk.
6/55/2-3)
über eine Behandlung vom 2
8.
September bis
6.
Oktober 2015 und nannte
n
als Diagnosen eine rezidivierende depressive Stö
rung,
gegenwärtig
mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
und einen Status nach Mamma
Ca
und Chemotherapie 201
3.
Die
Zuweisung
sei
aufgrund von zunehmenden Ängsten
,
sic
h selbst zu verletzen bei latent
vorhandenen Suizidgedanken
erfolgt
. Die Beschwerdeführerin zeige einen hohen Leidens
druck und Ohnmachtsgefühle. Diverse körperliche Beschwerden
,
vermutlich auf dem Boden eines anamnestisch seit Jahren bestehenden, anhaltenden Paarkon
fliktes, würden im Vordergrund stehen.
3.3
Med.
pract
.
B._
und
lic
.
phil
C._
, Fachpsychologin, führ
ten im Bericht vom
2.
November 2015 (Eingangsdatum,
Urk.
6/53)
aus
, sie
wür
den
die Versicherte seit dem 2
4.
März 2015 (
Ziff.
1.2)
behandeln
und nannten als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittel
gradige Episode (ICD-10 F33.1)
,
sowie einen Status nach Mamma
Ca
und Chemotherapie im Jahr 2013 (
Ziff.
1.1).
Die
Beschwerdeführerin befinde sich mit einem Arbeitspensum von 20
%
an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Aufgrund des sich verschlechternden Zustandsbildes seit dem 2
8.
September 2015 sei eine zeitnahe Erhöhung des Arbeitspensums nicht förderlich. Ob langfristig eine Steigerung möglich sei, erscheine derzeit nicht beurteilbar (
Ziff.
1.4). Die Behandlung finde wöchentlich statt (
Ziff.
1.5). Es bestehe eine stark einge
schränkte Belastbarkeit,
eine
rasche Ermüdbarkeit,
ein
leicht eingeschränktes Konzentrationsvermögen,
eine
mittel eingeschränkte Anpassungsfähigkeit und ein leicht eingeschränktes Auffassungsvermögen. Im Zusammenhang mit psychosozialem Stress komme es zu einer Verschlechterung der kognitiven Anpassungsleistung und der Belastung. Die Arbeitsfähigkeit werde dadurch
reduziert. Es bestehe eine schnelle Überlastung der Beschwerdeführerin, einher
gehend
mit Weinerlichkeit sowie rascher Ermüdbarkeit (einhergehend mit mehr Pausen). Die bisherige Tätigkeit sei i
m
Rahmen von 20
%
zumutbar. Aufgrund der depressiven Symptomatik bestehe eine erhöhte Ermüdbarkeit. Besonders bei der sitzenden Tätigkeit an der Kasse leide die Beschwerdeführerin nach unge
fähr zwei Stunden unter Gedankenkreisen, Enge in der Brust mit Atemnot und einem Gefühl von sehr schweren Armen und Beinen, so dass sie ihre Vorge
setzte bitten müsse, ihr eine Pause und eine Arbeit im Stehen zu ermöglichen. Nach vier Stunden sei sie so erschöpft, dass sie sich zu
H
ause umgehend hinlegen müsse. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei seit April 2015 zu 40
%
(vier mal vier Stunden pro Woche) und seit 1
4.
Oktober 2015 zu 20
%
(zwei mal vier Stunden pro Woche) zumutbar (
Ziff.
1.7).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Innere Medizin und für Onkologie, sowie
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psycho
therapie, nannten im polydisziplinären Gutachten des
G._
vom 2
7.
Mai 2016 (
Urk.
6/76) als Diagnose
mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit eine protrahierte deutliche mit
telgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1). Auf dem allgemein internistischen Fachgebiet hätten sich keine die Arbeitsfähigkeit beeinflussenden Funktionsstö
rungen ergeben. Diagnostiziert worden sei eine medikamentös gut eingestellte Hypertonie, Migräne, ein statisch
myalgisches
Wirbelsäulensyndrom und eine Adipositas, diese jeweils ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 8 unten). Internistisch-Onkologisch seien die Folgezustände des bekannten Mammakarzi
noms beschrieben worden. Seit Beendigung der
chemo
- und strahlentherapeuti
schen Behandlung mit den entsprechenden Nebenwirkungen seien keine ent
scheidenden Funktionsstörungen mehr gesehen worden. Hinweise für ein Rezidiv würden sich klinisch und laborchemisch keine finden. Die Arbeitsfähig
keit sei dementsprechend als nicht beeinträchtigt
zu beurteilen
(S. 9 oben). Psychiatrisch sei bei der Beschwerdeführerin eine deutliche protrahierte depressive Episode gesehen worden, diese bestehend seit 201
3.
Komplizierend habe sich ein zusätzlich bestehender langjähriger Ehekonflikt ausgewirkt, der jedoch gutachterlich inzwischen losgelöst von der affektiven Erkrankung einge
ordnet werden müsse. Im psychischen Befund hätten sich gesamthaft deutliche
Psychopathologika
gefunden. Die medizinische Behandlung werde ausreichend wahrgenommen und sei als ausreichend beurteilt worden. Die Arbeitsfähigkeit sei mit 50
%
eingeschränkt
zu beurteilen
(S. 9 oben).
Interdisziplinär ergebe sich somit gegenwärtig auf der psychiatrischen Situation beruhend eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 50
%
, wobei sich auf dem internistischen und onkologischen Fachgebiet keine Leistungseinbussen ergeben würden (S. 9 oben). Psychiatrisch sollten Tätigkeiten mit Wechsel
schicht oder hohem Zeit-/Leistungsdruck wie durchgehende Band- oder Akkord
tätigkeiten vermieden werden (S. 9 Mitte).
Vom
1.
August 2013 bis 1.
August 2014 habe aufgrund der Tumorerkrankung und der Nachfolgebehand
lungen eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Vom 27.
August 2013 bis heute sei aus psychiatrischen Gründen eine 50%ige Arbeitsfähigkeit zu konsta
tieren (S. 10 oben). Psychiatrisch sollte die fachspezifische Behandlung weiter fortgeführt werden. Die psychiatrische Prognose sei überwiegend günstig. Eine Nachuntersuchung in zwei Jahren sei empfehlenswert (S. 10 Mitte).
4.
4.1
Streitig und zu prüfen ist, ob es sich bei der Erkrankung der Beschwerdeführerin um ein dauerhaftes, invalidisierendes Leiden handelt. Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) fest, dass aufgrund der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode sowie aufgrund der psychosozialen Belastungsfaktoren kein invalidisierender Gesundheitsschaden ausgewiesen sei.
4.2
Den im Rahmen des Verwaltungsverfahrens durch die Sozialversicherung rechtmässig eingeholten Gutachten ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit sprechen (BGE 125 V 351 E.
3b/
bb
).
Für die Beurteilung in medizinischer Hinsicht ist vorliegend auf das polydis
ziplinäre Gutachten (vorstehend E.
3.4) abzustellen. Das Gutachten berücksich
tigt die von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden in angemessener Weise, wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet und trägt der konkreten medizinischen Situation Rechnung. Die Beur
teilung leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein und die vorgenommenen Schlussfolgerungen werden ausführlich begr
ündet (vgl.
vorstehend E. 1.4
).
Die Gutachter kamen
dabei nachvollziehbar
zum Schluss, dass
sich gegenwärtig
aus psychiatrischer Sicht
eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit von 50
%
ergebe.
4.
3
Inwieweit aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit anzunehmen oder zu verneinen sei, wurde im Gutachten einlässlich erörtert (vorstehend E. 3.
4
).
Von besonderem Gewicht und hinsichtlich der Diagnose
stellung und Beurteilung der Arbeitsfähigkeit als aufschlussreich erscheint schliesslich der Umstand, dass
das Gutachten bereits in Anlehnung an die Stan
dardindikatoren erstellt wurde
(vgl.
Urk.
6/76 S. 10 ff. sowie S. 23 f.)
, wie dies mit
BGE 143 V 418
nun für sämtliche psy
chischen Leiden gefordert wird (vgl. vorstehend E. 1.2).
4.4
4.4.1
Entgegen den Ausführungen der Besch
werdegegnerin (vgl.
Urk.
2 S. 2
) ist gestützt auf das polydisziplinäre Gutachten von einem invalidisierenden und somit langandauernden psychischen Gesundheitsschaden auszugehen.
4.4.
2
I
nvaliditätsfremde psychosoziale Faktoren
sind
bei der Beurteilung der Arbeits
fähigkeit auch nach der geänderten Rechtsprechung des strukturierten Beweis
verfahrens
(vgl. vorstehend E. 1.2)
weiterhin
auszuscheiden
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_616/2015 vom 2
0.
Mai 2016 E. 3.2). Entsprechend ist beim Indikator der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (zum strukturierten Beweisverfahren und den Indikatoren vgl.
vorstehend E. 1.2) festzustellen, ob
die Schwere des Krankheitsgeschehens auf einen (versicherten)
Gesundheitss
schaden
oder auf nicht versicherte Faktoren zurückzuführen ist (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1).
Soweit sich die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) auf den Standpunkt stellt, dass
die vorliegende Diagnose und die Beschwerden explizit auf private Belastungssituationen zurückzuführen seien und somit
kein invalidisierender Gesundheitsschaden vorliege (
S. 2
),
vermag dies
angesichts
der
medizinische Aktenlage, insbesondere
des
vorliegende
n
Gutachten
s
(
vgl.
vor
stehend E. 3.4
)
,
nicht
zu überzeugen
. Sobald eine Diagnose lege
artis
gestellt wird und der Psychiater oder die Psychiaterin respektive der Gutachter nicht bloss Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, sondern verselbstständigte psychische Störungen diagnostiziert, liegt ein invali
denversicherungsrechtlich potenziell relevanter psychischer Gesundheitsschaden vor (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_478/2007 vom 19.
Juni 2008, E. 3.3.2). Mit anderen Worten ist eine wie im vorliegenden Gutachten nachvollziehbar festgestellte psychische Erkrankung, welche eine andauernde und erhebliche Erwerbsunfähigkeit bewirkt, relevant und nicht deshalb invaliditätsfremd, weil sie auch auf psychosoziale Faktoren zurückgeführt werden kann. Im gleichen Sinn hielt das Bundesgericht in einem anderen Urteil fest, sofern ein Gutachter lege
artis
begutachtet und unter Berücksichtigung der normativen Vorgaben gemäss der Rechtsprechung auf eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit schliesst,
ist
dem
aus rechtlicher Sicht zu folgen
, sofern die rechtsanwendende Stelle nicht konkrete, fallgebundene Gesichtspunkte zu nennen vermag, die im Rahmen der Folgenabschätzung eine im Vergleich zum Gutachter abweichende Ermes
sens
ausübung gebieten (Urteil des Bundesgerichts 9C_855/2014
vom 2
4.
Oktober 2014 E. 2.4.2).
Solches ist vorliegend
zu verneinen.
Was die psychosozialen Faktoren betrifft, so liegen solche vorliegend unbestrittener
massen vor, was denn im vorliegenden Gutachten auch festgehalten wurde. Aus dem Gutachten ergibt sich allerdings auch, dass
sich der
zusätzlich bestehende langjährige Ehekonflikt
zwar
komplizierend ausgewirkt habe, dieser jedoch gut
achterlich inzwischen losgelöst von der affektiven Erkrankung eingeordnet werden müsse (vgl. vorstehend E. 3.4
).
Die Gutachter wiesen explizit darauf hin, dass der bestehende Ehekonflikt nicht in die versicherungsmedizinische Wer
tung eingeflossen worden sei (vgl.
Urk.
6/76 S. 11 oben).
4.4.3
Die Beschwerdegegnerin verkennt, dass neben den psychosozialen Faktoren eine verselbständigte psychische Störung vorliegt, welche die Arbeitsfähigkeit einschränkt
.
Zwa
r hält die Beschwerdegegnerin
zu Recht fest, dass es sich bei depressiven Episoden (ICD-10 F32) definitionsgemäss um vorübergehende
Leiden handelt, indem solche Episoden im Mittel etwa sechs Monate, selten länger als ein Jahr dauern. Demgegenüber sind länger dauernde Störungen unter der Codierung F33 respektive F34 zu subsumieren (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_80/2011 vom 1
4.
Juni 2011 E. 6.3.2 mit Hinweis).
Dem Umstand, dass im polydisziplinären Gutachten (nur) eine mittelgradige depressive Episode und keine rezidivierende depressive Störung im eigentlichen Sinne diagnosti
ziert worden ist, kommt vorliegend jedoch keine entscheidende Bedeutung zu. Selbst wenn das depressive Leiden vorliegend
fachärztlicherseits
unter eine depressive Episode subsummiert wurde, so geht aus dem polydisziplinären Gut
achten nachvollziehbar und plausibel hervor, dass (mittlerweile) von einem langandauernden Gesundheitsschaden auszugehen ist. So konstatierten die Gut
achter bei der Beschwerdeführerin eine psychisch bedingte 50%ige Arbeitsunfä
higkeit seit August 2013, also im Begutachtungszeit
punkt
seit deutlich mehr als zwei Jahren
(
vgl. vorstehend E.
3.4
)
.
4.4.
4
Schliesslich vermag die Beschwerdegegnerin auch hinsichtlich des Indikators Behand
lungs- und Eingliederungserfolg
oder -resistenz, aus welchem sich eben
falls wichtige Rückschlüsse auf den Schweregrad einer Gesundheitsschädigung ergeben
(vgl. BGE 141 V 281 E. 4.3.1.2)
, nichts vorzubringen, was im Rahmen der Folgenabschätzung eine im Vergleich zum Gutachten abweichende Ermessensausübung gebietet. Die Gutachter
stellten hierzu fest
, dass die psychi
atrisch-psychotherapeutische Behandlung ausreichend wahrgenommen werde und auch der Spiegel des Antidepressivums im therapeutischen Bereich gelegen habe.
Zusätzliche Therapieoptionen würden nicht bestehen.
Zwar gingen die Gutachter von einer günstigen Prognose
respektive
in Bezug auf die Arbeitsfä
higkeit von
einer prognostischen Steigerungstendenz
aus, sie empfahlen aber eine Nachevaluation erst nach zwei
Jahren.
Vorliegend ergeben sich
sodann
auch aus der gescheiterten Eingliederung beim angestammten Arbeitgeber
wei
tere
Rückschlüsse auf den Schweregrad der Gesundheitsschädigung. Die nach der Brustkrebserkrankung und den entsprechenden Therapien erfolgte Reduk
tion des Pensums auf 40
%
musste inzwischen - trotz Motivation - weiter auf 20
%
reduziert werden (vgl.
Urk.
6/76 S. 20 Mitte).
4.5
Trotz unauffälliger Persönlichkeit und intaktem sozialen Umfeld, welches bestä
tigende und mobilisierbare, sich potentiell günstig auf die Ressourcen auswir
kende Faktoren bereithält, spricht der funktionelle Schweregrad des psychischen Leidens für eine invalidisierende Einschränkung.
Es
besteht ein erhebliches psy
chisches Leiden, wobei sich keine Hinweise für relevante Inkonsistenzen
erga
ben
. Die psychosozialen Umstände wurden
im Gutachten eingehend
dargelegt und
schliesslich
im Rahmen der Arbeitsunfähigkeitsschätzung ausgeklammert. Mit anderen Worten nahmen die Gutachter unter
Berücksichtigung der vorhan
de
nen Ressourcen eine objektive Beurteilung vor, welche auf das Vorliegen eines invalidisierenden Gesund
heitsschadens
schliessen
lässt.
Es sind - unter
sozialversicherungsrechtlichen
Aspekten - weder Gründe ersicht
lich, sich über diese Feststellungen hinwegzusetzen, noch vermag d
ie Beschwer
degegnerin solche vorzubringen
.
So vermögen die von ihr in der angefochtenen Verfügung genannten „genügenden Ressourcen“ ohne diese im Einzelnen zu benennen sowie die in der Beschwerdeantwort erwähnten Ressourcen
nach dem Gesagten
die Beurteilung der Gutac
hter nicht in Frage zu stellen.
4.6
Zusammenfassend erlaubt
das Gutachten
insgesamt
eine schlüssige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im Lichte
der
massgeblichen
Indikatoren
(
vgl. vorstehend E.
1.2
). Aus deren Gesamtbetrachtung ergibt sich, dass im
Gutachten
sowohl eine gesundheitliche Beeinträchtigung von erheblichem Schweregrad als auch deren funktionelle Auswirkungen in Beruf und Erwerb objektiv (vgl.
Art.
7 Abs.
2 ATSG), kohärent und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrschein
lichkeit nachgewiesen sind. Mithin kann
abschliessend
auf die gutachterliche Zumutbarkeitsbeurteilung (Einschränkung der Arbeitsfähigke
it um 50
%
) abge
stellt werden.
5.
5.1
Für die Ermittlung der erwerblichen Auswirkungen ist vorliegend bei beiden hypothetischen Einkommen (mit und ohne Invalidität) der Lohn
massgebend
, den die Beschwerdeführerin in der zuletzt
- und aktuell nur im Umfang von 20 % -
verrich
teten Tätigkeit erzielen könnte,
so dass sich die
Erwerbseinbusse
anhand der in Prozenten angegebenen Arbeitsunfähigkeit festlegen lässt.
Dies führt unter Berücksichtigung des zumutbaren Pensums zu einem Invalidi
tätsgrad von 50
%
.
5.2
Die Beschwerde ist somit in dem Sinne
gutzuheissen
, dass die angefochtene Verfügung mit der Feststellung aufzuheben ist, dass die Beschwerdeführerin
nach Ablauf des Wartejahres
ab August 2014
(vgl. vorstehend E. 1.3)
Anspruch
auf eine halbe Rente hat.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem
Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzu
erlegen.
6.2
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozial
versicherungsgericht hat die obsiegende
beschwerdeführende
Person Anspruch auf den vom Gericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzenden Ersatz der Parteikosten. Die obsiegende vertretene Beschwerdeführerin hat Anspruch auf eine Parteientschädigung, die beim
praxis
gemässen
Stundenansatz von
Fr.
220
.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ermessens
weise auf
Fr.
2‘500
.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen und von der Beschwerdegegnerin zu bezahlen ist.