# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 781d06b8-b691-4402-8e6f-320afff651e6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1976,
war seit
dem 2
6.
August 2019 als Gipser bei der
Y._
AG,
in Z._
, angestellt und dadurch bei der Suva obligatorisch gegen die Folgen von Berufs- und Nichtberufsunfällen versichert
, als
a
m 1. September 2019
ein Personenwagen auf sein
an einer roten Ampel
stehendes
Fahrzeug auffuhr (
Urk.
13/1
f.
, 13/45 und 13/71).
Im Rahmen der notfallmässigen Erstversorgung im Universitätsspital
A._
wurde
n
mit Austrittsbericht vom
2.
September 2019
nebst einer HWS-Distorsion insbesondere Schulterschmerzen links, eine
Flankenklopfdolenz
links sowie beidseitige Hämatome an den Obe
rschenkeln diagnostiziert (Urk.
13/3/2). Die Suva erbrachte die gesetzlichen Leistungen für die attestierte
100%ige
Arbeitsunfähigkeit
(vgl. unter anderem
Urk.
13/14 f., 13/17 f. und 13/20 f.)
und die medizinische Behandlung (vgl.
Urk.
13/6, 13/247).
Nach Eingang
einer von der Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG veranlassten Unfallanalyse (
Urk.
13/71) sowie
weiterer
medizinischer Unterlagen (
Urk.
13/27, 13/54/2, 13/55/2, 13/82, 13/89, 13/123-125 und 13/131/2-5)
gelangte die Suva an den Kreisarzt
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates (S
tellungnahme
vom
2
7.
Juli 2020,
Urk.
13/132/3).
Mit Schreiben vom 2
8.
Juli 2020 orientierte sie den Versicherten über die Taggeldeinstellung per 1
0.
August 2020 (
Urk.
13/133).
Nachdem dieser dagegen opponiert hatte (
Urk.
13/136),
nahm
die Suva erneut
Rücksprache mit dem
Kreisarzt (Stellungnahmen vom 2
4.
August und
1.
September 2020 [U
rk.
13/137/2, 13/148]).
Mit Verfügung vom
2.
September 2020 stellte sie
sodann
die Versicherungsleistungen per
6.
September 2020 ein (
Urk.
13/149)
, wogegen der Versicherte am 1
7.
September 2020 Einsprache erhob (U
rk.
13/161/2). Am 2
4.
November 2020
zog die Suva ihre Verfügung zurück und erbrachte weiterhin Versicherungsleistungen (
Urk.
13/199/2-3
; vgl. auch Ur
k.
13/198/2 und Urk. 13/247
).
Nachdem der Kreisarzt am
4.
Januar 2021 erneut zur Sache Stellung genommen hatte (
Urk.
13/226), stellte sie ihre Leistungen mit Verfügung vom 1
8.
Januar 2021 per 3
1.
Januar 2021 ein (
Urk.
13/228).
Die dagegen vom Versicherten am
1.
Februar 2021 erhobene Einsprache (Urk. 13/235/1) wies sie mit
Einspracheentscheid
vom 2
5.
März 2021 ab (
Urk.
2 =
Urk.
13/252).
2.
Dagegen erhob
X._
, vertreten durch Rechtsanwältin Nicole Schneider, am 1
1.
Mai 2021 Beschwerde
mit dem Rechtsbegehren, der angefochtene
Ein
spracheentscheid
sei aufzuheben und ihm seien die gesetzlichen Leistungen zu erbringen. Eventualiter sei die Angelegenheit zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Des Weiteren sei ihm in prozessualer Hinsicht eine angemessene Nachfrist zur ergänzenden Begründung
der Be
schwerde anzusetzen. Ferner sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren und in der Person von Rechtsanwältin Nicole Schneider eine unent
geltliche Rechtsvertreterin zu bestellen (
Urk.
1 S. 2).
Innert mit Verfügung vom 1
8.
Mai 2021 (
Urk.
5) gewährter Nachfrist reichte der Beschwerdeführer am 2
8.
Mai 2021 eine ergänzende Beschwerdebegründung ein, wobei er nun even
tualiter die Einholung eines Gerichtsgutachtens in den Fachbereichen Orthopädie und Neurologie und
subeventualiter
die Rückweisung der Sache zur weiteren Sachverhaltsabklärung an die Beschwerdegegnerin beantragte (
Urk.
7 S. 2).
Diese schloss
nach Einholung zusätzlicher kreisärztlicher Stellungnahmen (vgl.
Urk.
13/271, 13/273)
mit Beschwerdeantwort vom
8.
September 2021 auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
12), worauf
dem Beschwerdeführer
mit Verfü
gung vom 10. September 2021
Rechtsanwältin Nicole Schneider als unentgelt
liche Rechtsvertreterin bestellt
und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet wurde
(
Urk.
14). Mit Eingabe vom 18.
Oktober 2021 teilte der Beschwerdeführer mit, auf die Erstattung einer Replik zu verzichten (
Urk.
16), worüber die Beschwerd
egegnerin mit Verfügung vom 19.
Oktober 2021 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
17).
Mit Eingabe vom 2
2.
Juni 2022 (
Urk.
19) reichte Rechtsanwältin Nicole Schneider ihre Honorarnote ein (
Urk.
20).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) werden – soweit das Gesetz nichts
anderes
bestimmt – die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (Abs. 1). Die Versicherung erbringt ihre Leistungen auch bei den im Einzelnen in Abs. 2 aufgeführten Körperschädigungen, sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sind. Ausserdem erbringt die Versicherung ihre Leistungen für Schädigungen, die der verunfallten Person bei der Heilbehandlung zugefügt werden (Abs. 3).
Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die zweckmäs
sige Behandlung ihrer Unfallfolgen. Ist sie infolge des Unfalles voll oder teilweise arbeitsunfähig, so steht ihr gemäss
Art.
16 Abs. 1 UVG ein Taggeld zu.
1.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invali
dität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhanden
sein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
1.4.1
Die Leistungspflicht des Unfallversicherers setzt im Weiteren voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden ein adäquater Kausalzusammenhang besteht. Nach der Rechtsprechung hat ein Ereignis dann als adäquate Ursache eines Erfolges zu gelten, wenn es nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung an sich geeignet ist, einen Erfolg von der Art des eingetretenen herbeizuführen, der Eintritt dieses Erfolges also durch das Ereignis allgemein als begünstigt erscheint (BGE 129 V 177 E. 3.2, 402 E. 2.2, 125 V 456 E. 5a).
1.4.2
Bei objektiv ausgewiesenen organischen Unfallfolgen deckt sich die adäquate, das heisst rechtserhebliche Kausalität weitgehend mit der natürlichen Kausalität; die Adäquanz hat hier gegenüber dem natürlichen Kausalzusammenhang praktisch keine selbständige Bedeutung (vgl. BGE 134 V 109 E. 2.1, 127 V 102 E. 5b/
bb
mit Hinweisen; Urteil des Bundesgerichts 8C_499/2020 vom 19. Novem
ber 2020 E. 2.2.1).
1.4.3
Für die Beurteilung der Frage, ob ein Unfall nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, eine psychische Gesundheitsschädigung herbeizuführen, ist nach der in BGE 115 V 133 ergange
nen Rechtsprechung auf eine weite Bandbreite von Versicherten abzustellen. Dazu gehören auch jene Versicherten, die aufgrund ihrer Veranlagung für psychische Störungen anfälliger sind und einen Unfall seelisch weniger gut verkraften als Gesunde, somit im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung des Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus versiche
rungsmässiger Sicht auf einen Unfall nicht optimal reagieren (BGE 115 V 133 E. 4b; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_493/2021 vom 4. März 2022 E. 3.3.3 mit Hinweisen).
Für die Bejahung des adäquaten Kausalzusammenhanges zwischen dem Unfall und psychischen Gesundheitsschädigungen ist im Einzelfall zu verlangen, dass dem Unfall für die Entstehung der Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit eine massgebende Bedeutung zukommt. Dies trifft dann zu, wenn er objektiv eine gewisse Schwere aufweist oder mit anderen Worten ernsthaft ins Gewicht fällt (vgl. RKUV 1996 Nr. U 264 S. 288 E. 3b; BGE 115 V 133 E. 7 mit Hinweisen).
Für die Beurteilung dieser Frage ist an das Unfallereignis anzuknüpfen, wobei
– ausgehend vom augenfälligen Geschehensablauf – folgende Einteilung vorge
nommen wurde: banale beziehungsweise leichte Unfälle einerseits, schwere Unfälle anderseits und schliesslich der dazwischen liegende mittlere Bereich (BGE 115 V 133 E. 6; vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1, 120 V 352 E. 5b/
aa
; SVR 1999 UV Nr. 10 E. 2).
1.4.4
Für die Beurteilung des adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen einem Unfall und der infolge eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule auch nach Ablauf einer gewissen Zeit nach dem Unfall weiterbestehenden Arbeits- beziehungsweise Erwerbsunfähigkeit, die nicht auf organisch nachweisbare Funktionsausfälle zurückzuführen ist, rechtfertigt es sich, im Einzelfall analog zur Methode vorzu
gehen, wie sie für psychische Störungen nach einem Unfall entwickelt worden ist (vgl. BGE 123 V 98 E. 3b, 122 V 415 E. 2c, 117 V 359 E. 5d/
bb
, vgl. auch 115 V 133 E. 6).
1.5
Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte kommt nach der Rechtsprechung Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (BGE 134 V 231 E. 5.1 mit Hinweis auf BGE 125 V 351 E. 3b/
ee
). Trotz dieser grundsätzlichen
Beweiseignung kommt den Berichten versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten unabhängiger Sachver
ständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung
eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssig
keit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 142 V 58 E. 5.1; 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 25. März 2021 zusammengefasst fest,
es bestehe kein Anlass, die schlüssig begründete Einschätzung des erfahrenen Versicherungsmediziners
Dr.
B._
in Frage zu stellen. Auf eine kreisärztliche Untersuchung des Beschwerdeführers habe angesichts der vollständigen medizinischen Dokumentation verzichtet werden können. Es sei folglich mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit erstellt, dass das Unfallereignis vom
1.
September 2019 nicht mehr Ursache des Gesundheitsschadens an der linken Schulter
bilde
, wie er sich spätestens am 1
3.
Oktober 2019 (sechs Wochen danach)
präsentiert habe
.
Der Status quo sine sei zu diesem Zeitpunkt erreicht gewesen (
Urk.
2 S. 8 f.).
Die übrigen vom Beschwerdeführer geklagten Beschwerden seien namentlich angesichts der bildgebenden Untersuchungen nicht organisch nachweis- respek
tive objektivierbar (
Urk.
2 S.
11).
Die zum typischen Beschwerdebild eines HWS-Schleudertraumas gehörenden Beeinträchtigungen seien zumindest teilweise vorhanden gewesen beziehungsweise lägen immer noch vor (
Urk.
2 S. 12). Da jedoch keines der
in diesem Zusammenhang zu prüfenden
bundesgerichtlichen Kriterien erfüllt sei, sei der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den noch bestehenden, nicht auf einem objektivierbaren organischen Substrat beruhenden Beschwerden und dem Unfallereignis zu verneinen.
Die Leistungseinstellung per 3
1.
Januar 2021 sei somit insgesamt zu Recht erfolgt; ein Anspruch auf weitere Geldleistungen (Invalidenrente, Integritätsentschädigung) bestehe nicht (
Urk.
2
S. 14).
2.2
Dieser Beurteilung hielt der Beschwerdeführer in seiner ergänzenden Beschwer
debegründung vom 2
8.
Mai 2021 im Wesentlichen
entgegen
,
es bestünden nicht nur geringe, sondern erhebliche Zweifel an der kreisärztlichen Beurteilung.
Dr.
B._
habe sich insbesondere in Bezug auf die Schulterproblematik nicht mit der neuesten medizinischen Literatur (Stellungnahme der Mitglieder der Schweizer Expertengruppe der Schulter- und Ellbogenchirurgie von Swiss
Orthopaedics
; vgl.
Urk.
8/5) auseinandergesetzt.
Die Behauptung der Beschwerde
geg
nerin, wonach keine der kreisärztlichen Beurteilung widersprechende S
tellung
nahme
vorliege
, sei zudem aktenwidrig.
Die
kreisärztliche
Beurteilung sei
insgesamt
weder nachvollziehbar noch schlüssig, weshalb darauf nicht abgestellt werden könne.
Weitere Abklärungen
vorzugsweise in Form eines Gerichtsgut
achtens
seien daher notwendig (
Urk.
7 S. 6-8)
.
2.3
Mit Beschwerdeantwort vom
8.
September 2021 hielt die Beschwerdegegnerin an ihrer
Auffassung fest, wobei sie namentlich auf
die
ergänzend bei
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Neurologie, und
Dr.
med.
D._
, Fach
arzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, eingeholte
n
kreisärztliche
n
Stellungnahmen vom 2
8.
Juli und
6.
September 2021 verwies (Urk. 13/271, 13/273). Es bestünden keine Indizien gegen die Zuverläs
sigkeit der kreisärztlichen Beurteilungen, weshalb vollumfänglich darauf abgestellt werden könne. Von weiteren Abklärungen seien keine neuen Erkennt
nisse zu erwarten, weshalb darauf zu verzichten sei (Urk. 12 S. 7).
3.
3.1
Nach der Auffahrkollision vom
1.
September 2019 wurde der Beschwerdeführer im
Universitätsspital A._
notfallmässig behandelt. Im Austrittsbericht
vom
2.
September 2019
wurden nebst einer HWS-Distorsion insbesondere Schulterschmerzen links, eine
Flankenklopfdolenz
links sowie beidseitige Hämatome an den Oberschenkeln diagnostiziert (
Urk.
13/3/2).
Die Sonographie des Abdomens
habe
keine Auffäl
ligkeiten
ergeben
(
Urk.
13/3/4, 13/55/2).
Zudem
hätten
mittels radiologischer Untersuchungen keine
o
ssäre
n
Verletzungen der Halswirbelsäule oder der linken Schulter festgestellt werden
können
(
Urk.
13/54/2).
3.2
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin und Radiolo
gie, untersuchte die linke Schulter sowie die Halswirbelsäule des Beschwerdefüh
rers am 2
7.
respektive 2
8.
Januar 2020 mittels MRI.
An der Schulter habe sich dabei insbesondere eine
transmurale
Ruptur der ventralen Anteile des
Musculus
supraspinatus
mit einer Sehnenretraktion von 1.3 cm und eine Rissbreite von 1.2 cm
mit minimalsten
Atrophiezeichen
des
Musculus
supraspinatus
gezeigt. Des Weiteren liege eine deutliche AC-Gelenksarthrose mit
osteophytären
Anbauten an der Klavikula vor (
Urk.
13/82/1).
In Bezug auf die Halswirbelsäule habe eine Wirbelfraktur ausgeschlossen werden können. Ferner hätten sich keine H
inweise für ausgeprägte
ligamentäre
Verletzungen ergeben.
An den Halswirbelkörpern 3/4 und 4/5 bestünden flache links- respektive rechtsparamediane Diskushernien (
Urk.
13/82/3).
3.3
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Neurologie, stellte in ihrem Bericht vom
6.
Februar 2020 folgende Diagnosen (
Urk.
13/89/1):
-
Auffahrunfall am
1.
September 2019 mit/bei
-
HWS-Distorsionstrauma mit
zervikozephalem
Schmerzsyndrom und
Chronifizierungstendenz
-
Schmerzsyndrom linke Schulter infolge partieller Ruptur
des
Mus
c
ulus
supraspinatus
links
-
klinisch und elektrophysiologisch kein Anhalt für eine
radikuläre
Kompression oder Läsion des Plexus
brachialis
links.
Die Lokalisation der Schmerzen und die eingeschränkte Armabduktion seien gut vereinbar mit der radiologisch nachgewiesenen partiellen Ruptur der ventralen Anteile des
Musculus
supraspinatus
links. Ein Zusammenhang mit dem Unfall (
Autogurt
) sei plausibel.
Für eine Läsion des Plexus
brachialis
oder der zervikalen Wurzeln fänden sich weder klinisch noch elektrophysiologisch Anhaltspunkte, was auch kernspintomographisch bestätigt worden sei. Die angegebene Sensibi
litätsstörung sei gut mit der Schmerzsymptomatik in Einklang zu bringen. Bezüglich Kopfschmerzen zeige sich
eine klinisch typische Konstellation nach einem HWS-Distorsionstrauma mit
Cervicalgie
und
migräniformen
Schmerzen, wahrscheinlich infolge einer Reizung des
Nervus
occipitalis
zervikal beziehungs
weise im Bereich der Facettengelenke C2/C
3.
Da bisher keine Migräne bekannt gewesen sei, handle es sich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit um eine
Unfallfolge
. Es bestehe eine Tendenz zur
Chronifizierung
, möglicherweise auch im Zusammenhang mit regelmässigem Schmerzmittelkonsum im Sinne eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes (
Urk.
13/89/2).
3.4
Am
8.
Juni 2020 wurde die Halswirbelsäule des Beschwerdeführers erneut mittels MRI untersucht. Gemäss Bericht gleichen D
atums hätten
sich dabei keine posttraumatischen Veränderungen nachweisen lassen. Es liege eine
o
steodisko
gene
hochgradige
Foraminalstenose
auf Höhe des Halswirbelkörpers 3/4 rechts vor, insbesondere bei bilateraler Facettengelenks- und
Uncovertebralarthrose
(
Urk.
13/125/2).
3.5
In seinen kreisärztlichen Stellungnahmen vom 2
7.
Juli und 2
4.
August 2020 verneinte
Dr.
B._
das Vorliegen struktureller Läsionen, die mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit auf den Unfall zurückzuführen wären
. Solche hätten bild
gebend nicht dargestellt werden können (
Urk.
13/132/3, 13/137/2).
An dieser
Auffassung
hielt er auch mit Beurteilung vom
1.
September 2020 fest
, wobei er ergänzend darauf hinwies, dass
sich im Jahr 2019 bildgebend ein regelrechter Befund des Schädels und des Gehirns gezeigt habe. Die strukturellen Verände
rungen
an der Halswirbelsäule
, die bildgebend im Juni 2020 dargestellt worden seien,
hätten
nach derzeitigem Wissensstand mit überwiegender Wahrscheinlich
keit bereits vor dem
Ereignis vorgelegen und seien durch
dieses
möglicherweise
vorübergehend
verschlimmert worden. Der Status quo sine nach
kraniozervi
kalem
Beschleunigungstrauma sei nach vier bis sechs Wochen erreicht worden (
Urk.
13/148/4).
3.6
Bereits ab Mai 2020 hatte der Beschwerdeführer aufgrund persistierender Kopf
schmerzen wiederholt die Klinik für Neurologie des
Universitätsspitals A._
konsultiert (vgl. Urk. 13/123 f., 13/131/2-5). D
ort
wurden
die Beschwerden
am ehesten als multifaktorielle Kopfschmerzen interpretiert und mit
Saroten
therapiert, worauf der Beschwerdeführer gemäss Bericht vom
9.
September 2020 insgesamt von einer deutlichen Besserung berichtet habe. Seit vier Wochen bestünden allerdings wieder verstärkte Kopfschmerzen mit starker Lärmempfindlichkeit und nächt
lichem Erwachen (
Urk.
13/197/5). Eine in der Folge am 2
7.
Oktober 2020 durch
geführte MRI-Untersuchung des Gehirns samt S
chädelkalotte ergab keine Auffälligkeiten, insbesondere keine ersichtlichen posttraumatischen Veränderun
gen oder Anhaltspunkte für eine HIV-
Encephalopathie
(Urk. 13/210/2).
3.7
Aus dem Bericht der
Klinik G._
vom 3
0.
Oktober 2020 geht hervor, dass beim Beschwerdeführer eine
transmurale
Supraspinatussehnenruptur
mit deutlich eingeschränkter Kraft und resultierender
Scapuladyskinesie
vorliege. Um die Funktion der Schulter zu verbessern, werde aufgrund des körperlichen Berufes und des jungen Alters eine operative
arthroskopische
Sehnenrekonstruktion empfohlen. Allerdings bestünden diverse Nebendiagnosen, welche mit einem erhöhten Risiko bezüglich
Reruptur
, Nichteinheilen der Sehne sowie weiterer Komplikationen einhergingen (
Urk.
13/189/3).
3.8
Am
4.
Januar 2021 äusserte sich der Kreisarzt
Dr.
B._
erneut zur Sache
, wobei er betonte, dass
sich bildgebend sowohl in Bezug auf die Halswirbelsäule als auch den Schädel und die linke Schulter keine strukturellen Läsionen gezeigt hätten, welche nach derzeitigem Wissensstand überwiegend wahrscheinlich unfallkausal seien.
Die Tätigkeit als Gipser sei spätestens sechs Wochen nach dem Unfall wieder vollzeitig zumutbar gewesen (
Urk.
13/226/5-6).
3.9
Gemäss Bericht der
Klinik G._
vom
5.
März 2021 habe sich der Beschwer
deführer für die Durchführung der Operation an der linken Schulter entschieden. Aufgrund der Sehnenruptur und der chronischen Kopf- und Nackenschmerzen sei nicht davon auszugehen, dass er zu 100
%
in seinen Beruf als Gipser zurück
kehren könne (
Urk.
13/249/2-3).
3.10
Im Laufe des Beschwerdeverfahrens holte die B
eschwerdegegnerin weitere kreis
ärztliche Beurteilungen ein.
Dr.
C._
gelangte
in seiner Stellung
nahme vom 2
8.
Juli 2021
aus neurologischer Sicht
im Wesentlichen
zum Schluss,
beim Beschwerdeführer hätten zum Unfallzeitpunkt leichte, insgesamt nicht eindeutig die Altersnorm überschreitende,
spondylodegenerative
Veränderungen der Halswirbelsäule vorgelegen. Es sei davon auszugehen, dass der Unfall mit überwiegender Wahrscheinlichkeit diese Vorschädigung aus der Latenz gehoben habe. Da unfallbedingte strukturelle
Traumafolgen
an der Halswirbelsäule nicht hätten nachgewiesen werden können, sei überwiegend wahrscheinlich davon auszugehen, dass nur vorübergehende klinische Beschwerden in Form einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung der Halswirbelsäule eine Unfallfolge darstellten. Der Status quo sine sei spätestens sechs Monate nach dem Unfall
ereignis wieder erreicht gewesen (
Urk.
13/271/5).
Dr.
D._
äusserte sich in seiner orthopädisch-chirurgischen Beurteilung vom 6. September 2021 dahingehend,
dass angesichts der zeitnah geltend gemachten Beschwerden am linken Schultergelenk ein natürlicher Kausalzusammenhang zu dem festgestellten Schaden der
Supraspinatussehne
möglich, aber nicht überwie
gend wahrscheinlich sei. Zur Schädigung der Sehne hätte es einer erheblichen Gewalteinwirkung durch den Sicherheitsgurt oder einer axialen Stauchung des ausgestreckten Armes am Lenkrad bedurft, die angesichts des geringen Delta-v bei der Kollision nicht überwiegend wahrscheinlich sei. Zudem spreche das Fehlen radiologischer Kriterien gegen eine Unfallkausalität des
Supraspinatus
-Schadens.
Es müsse davon ausgegangen werden, dass am linken Schultergelenk mit über
wiegender Wahrscheinlichkeit schon vor dem Unfall eine Läsion der
Supraspi
natussehne
in stummer Weise vorgelegen habe. Aufgrund der bildgebenden und klinischen Befunde sei es nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu einer Verschlimmerung eines krankhaften Zustandes gekommen. Die Läsion der
Supraspinatussehne
sei im Rahmen der Diagnostik anlässlich des Unfallereig
nisses zutage getreten. Beim Ereignis sei es mit überwiegender Wahrscheinlich
keit allenfalls zu einer Schulterdistorsion gekommen, was als vorübergehende Verschlimmerung anzusehen sei. Der Status quo sine sei angesichts fehlender Unfallfolgen am linken Schultergelenk nach vier bis sechs Wochen erreicht worden (
Urk.
13/273/5).
4.
4.1
Es ist unbestritten, dass das Schadenereignis vom
1.
September 2019 einen Unfall im Sinne von
Art.
4 ATSG darstellt (vgl.
Urk.
2 S. 7
Ziff.
3a)
.
Die Beschwerdegeg
nerin anerkannte denn auch ihre Leistungspflicht für einen begrenzten Zeitraum (vgl.
Urk.
13/6, 13/247). Strittig und zu prüfen ist allerdings, ob sie ihre Leistun
gen zu Recht per 3
1.
Januar 2021 eingestellt hat (vgl. vorstehende E. 2.1-2.3).
In diesem Zusammenhang ist vorab festzuhalten, dass der Unfallversicherer die Möglichkeit hat, die durch Ausrichtung von Heilbehandlung (und allenfalls Taggeld) anerkannte Leistungspflicht mit Wirkung ex
nunc
et pro
futuro
ohne Berufung auf den
Rückkommenstitel
der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision einzustellen, etwa mit dem Argument, bei richtiger Betrachtung liege kein versichertes Ereignis vor (BGE 130 V 380 E. 2.3.1) oder der Kausalzusam
menhang zwischen Unfall und leistungsbegründendem Gesundheitsschaden habe gar nie bestanden oder sei dahingefallen. Eine solche Einstellung kann auch rückwirkend erfolgen, sofern der Unfallversicherer keine Leistungen zurückfor
dern will (nicht
publ
. E. 3 des Urteils BGE 146 V 51; Urteile des Bundesgerichts 8C_605/2021 vom 30. März 2022 E. 3.2 und 8C_786/2021 vom 11. Februar 2022 E. 2, je mit Hinweisen).
4.2
Die Beschwerdegegnerin stützte ihren Entscheid in erster Linie auf die Ausführungen des Kreisarztes
Dr.
B._
, welcher zuletzt am
4.
Januar 2021 eine schriftliche
Beurteilung
abgegeben hatte (
Urk.
13/226).
Zusätzlich holte sie im Beschwerdeverfahren
bei
Dr.
C._
und Dr.
D._
Stellungnahmen ein (
Urk.
13/271, 13/273).
Alle involvierten Kreisärzte hatten den Beschwerdeführer nicht persönlich untersucht, sondern jeweils eine Aktenbeurteilung vorgenommen. Diesen kann trotzdem voller Beweiswert zukommen, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_812/2021 vom 17. Feb
ruar 2022 E. 5.2 mit Hinweisen).
Anhand der ihnen zur Verfügung gestellten
Vorakten
konnten sich die Kreisärzte, welche jeweils über die konkret notwendige fachliche Qualifikation verfügen (vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_480/2021 vom
6.
Dezember 2021 E. 4.2.1 mit Hinweis), ein vollständiges Bild über die Anamnese sowie den Behandlungs
verlauf verschaffen (vgl.
Urk.
13/226/2-5, 13/271/1-3 und 13/273/2-3). Da es vorliegend zudem nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich feststehen
den medizinischen Sachverhalts geht, ist nicht zu beanstanden, dass auf eine klinische Untersuchung des Beschwerdeführers verzichtet wurde. Gegenteiliges wurde von dessen Seite denn auch nicht geltend gemacht.
4
.3
4.3.1
Näher zu prüfen bleibt, ob die versicherungsinternen Aktenbeurteilung auch inhaltlich überzeugen oder ob auch nur geringe Zweifel an deren Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit bestehen, was ergänzende Abklärungen notwendig machen würde (vgl. vorstehende E. 1.5).
4.3.2
Dem B
eschwerdeführer ist
beizupflichten
(vgl.
Urk.
7 S. 6)
, dass
die Beurteilung d
es
Dr.
B._
vom
4.
Januar 2021
rudimentär
ausgefallen ist.
Es mangelt auch unter Berücksichtigung seiner früheren Stellungnahmen (Urk. 13/132/3, 13/137/2 und 13/148)
an
einer hinreichenden
und
einzelfallbezogenen Auseinandersetzung mit den medizinischen
Vorakten
. Der B
eschwerdeführer
rügt darüber hinaus zu Recht die
fehlenden Hinweise auf einschlägige Literatur oder Studien, obwohl D
r.
B._
seine Einschätzung wiederholt auf den «derzeitigen medizinischen Wissenstand» stützte (vgl. Urk. 13/226/5-6).
Insgesamt erweisen sich die S
chluss
folgerungen
als ungenügend begründet und es bestehen konkrete Indizien gegen deren Zuverlässigkeit, weshalb darauf in Nachachtung der bundesgerichtlichen Praxis nicht abgestellt werden kann.
4.3.3
Nach Beschwerdeerhebung veranlasste die Beschwerdegegnerin
indes
zwei weitere kreisärztliche Beurteilungen
.
Aus neurologischer Sicht legte
Dr.
C._
am 28. Juli 2021
dar, weshalb
in Bezug auf
die vom Beschwerdeführer geklagten Kopf
- und Nacken
schmerzen
der Status quo sine spätestens sechs Monate nach dem Unfallereignis erreicht war
(
Urk.
13/271/5)
. So habe der Unfall abgesehen von einem überwiegend wahrscheinlichen Anprall des Kopfes an der Nackenstütze zu keinem Schädelanprall geführt.
Gemäss dem echtzeitlichen Bericht des
Universitätsspitals A._
(vgl. U
rk.
13/3
/2-5
) seien weder eine Bewusst
losigkeit noch eine Amnesie aufgetreten, sodass eine leichte traumatische Hirn
verletzung auch angesichts der völlig normalen bildgebenden Befunde am Kopf des Beschwerdeführers
(vgl. Urk. 13/210)
als
Traumafolge
auszuschliessen sei.
Des Weiteren seien die Voraussetzungen für die Diagnose eines persistierenden posttraumatischen Kopfschmerzes nach der internationalen Kopfschmerzklassifi
kation (ICHD-3) nicht erfüllt, da dafür nicht nur
ein adäquates Schädeltrauma, sondern auch eine tägliche Konstanz der Kopfschmerzen über mindestens drei M
onate hinweg erforderlich wäre (Urk. 13/271/3).
Seitens der Neurologischen Klinik des
Universitätsspitals A._
sei
en
zu Recht ein Mischkopfschmerz festgestellt und die von
Dr.
F._
gestellte Diagnose einer Migräne nicht bestätigt worden. Allgemein könne eine Migräne als zyklischer
konstitutioneller Kopfschmerz nicht durch eine HWS-Beschleunigungsverletzung verursacht werden
. Zudem sei die von
Dr.
F._
in Betracht gezogene Verursachung der Migräne durch eine Reizung des
Nervus
occipitalis
zervikal beziehungsweise im Bereich der Facetten
gelenke C2/C3
wissenschaftlich nicht haltbar.
Im Übrigen habe das HWS-MRT zwar keine
Traumafolgen
, aber Hinweise für vorbestehende segmentale
spo
n
dy
lodegenerative
Veränderungen
ergeben
.
Tendomuskuläre
und
vertebragene
Schmerzsyndrome im Schulter- und Nackenbereich würden eine sehr hohe spontane «unfallunabhängige» Prävalenz aufweisen. Es sei möglich, dass durch eine HWS-Distorsion eine solche eventuell bislang subklinische Vorschädigung aus der Latenz gehoben worden sei und erstmals zu klinisch manifesten Symptomen geführt habe. Unter diesen Voraussetzungen habe der Unfall beim Beschwer
deführer mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine vorübergehende Verschlimmerung eines vorbestehenden Leidens verursacht, weshalb die geklag
ten Beschwerden an der Halswirbelsäule für einen begrenzten Zeitraum als Unfallfolge anzuerkennen seien (U
rk.
13/271/4).
Dr.
D._
zeigte
in seiner orthopädisch-chirurgischen Beurteilung vom 2. Sep
tember 2021
unter Einbezug der ihm zur Verfügung gestellten bildgebenden Befunde
im Einzelnen
auf, weshalb
angesichts der
zeitnah zum Unfall geltend gemachten Beschwerden am linken Schultergelenk nur möglich
er
weise, aber nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
ein natürlicher Kausalzusammen
hang zum an der
Supraspinatussehne
festgestellten Schaden besteht. Dabei trug er einerseits dem Unfallhergang Rechnung, indem er
in Anbetracht der kollisionsbedingten Geschwindigkeitsänderung (Delta-v 6.1 bis 11.0 km/h; vgl.
Urk.
13/71/2) nicht von
eine
r
massive
n
Beschleunigung des Oberkörpers Richtung Lenkrad
ausging. Entsprechend
erachtete er eine Sehnenschädigung mangels einer erheblichen Gewalteinwirkung durch den Sicherheitsgurt oder eine axiale Stauchung des ausgestreckten Armes am Lenkrad nicht für überwiegend wahrscheinlich.
Andererseits
verwies
Dr.
D._
auf fehlende Zeichen für eine akute Ruptur der
Supraspinatussehne
wie eine «Schlängelung» (
Kinking
) oder ein Ödem im Muskel-Sehnen-Übergang. Vor diesem Hintergrund
gelangte er zur Auffassung
, dass am linken Schultergelenk mit überwiegender Wahrscheinlich
keit schon vor der Auffahrkollision eine Läsion der
Supraspinatussehne
in stummer Weise vorgelegen habe. Beim Ereignis sei es mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit
zu einer Schulterdistorsion gekommen, welche als vorübergehende Verschlimmerung einzustufen sei. Vor diesem Hintergrund sei der Status quo sine am linken Schultergelenk nach vier bis sechs Wochen erreicht worden (
Urk.
13/273/4-5).
4.3.4
Die kreisärztlichen Beurteilungen der
Dres
.
C._
und
D._
erweisen sich in allen
entscheid
relevanten
Punkten als
überzeugend. Es wurde in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
in nachvollziehbarer Weise erläutert, weshalb die Auffahrkollision vom
1.
September 2019 nur für den begrenzten Zeitraum von maximal sechs Monaten (HWS-Beschwerden) respektive
vier bis sechs Wochen (Schulterbeschwerden)
geeignet
war, eine vorübergehende Verschlimmerung herbeizuführen. Konkrete Indizien, welche gegen die Zuver
lässigkeit dieser Beurteilungen sprechen, sind
nicht
ersichtlich
.
Diese wurden denn auch vom
B
eschwerdeführer, welcher
auf eine Stellungnahme zur Beschwerdeantwort und den damit neu vorgelegten kreisärztlichen
Unterlagen
verzichtete
(
Urk.
16)
, nicht in Frage gestellt.
Der Vollständigkeit halber bleibt festzuhalten, dass
sich
die Kreisärzte zwar nicht zur Stellungnahme der Mitglieder der Schweizer Expertengruppe der Schulter- und Ellbogenchirurgie von Swiss
Orthopaedics
vom
1.
Oktober 2020
äusserten
(
Urk.
8/5).
Jene gelangten insbesondere zum Schluss, dass ein direktes Schulter
trauma durchaus ein überwiegend wahrscheinlicher und sogar einer der häufigsten Mechanismen einer akuten/traumatischen
Rotatorenmanschetten
-ruptur sein könne (
Urk.
8/5 S. 4).
Dies vermag jedoch
an den
vorliegenden kreis
ärztlichen Beurteilungen
auch keine nur geringen
Zweifel zu
erwecken
, zumal sich das Bundesgericht im Urteil 8C_672/2020 vom 1
5.
April 2021 kritisch dazu äusserte und im Ergebnis festhielt, dass eine Einzelfallbeurteilung in jedem Fall unabdingbar sei (E. 4.5). Dabei seien die
einzelnen Kriterien, die für oder gegen eine traumatische Genese der Verletzung sprechen, aus medizinischer Sicht gegeneinander abzuwägen und der Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die
Wahrscheinlichkeit für sich habe
, der Wahrheit zu entsprechen.
In diesem Kontext ge
lt
e
es etwa, die bildgebenden
Befunde, die Vorgeschichte, den Unfallhergang, den Primärbefund und den Verlauf zu berücksichtigen (E. 4.1.3 mit Hinweis).
Diesen Vorgaben haben sowohl
Dr.
C._
als auch
Dr.
D._
rechtsgenüglich
Rechnung getragen.
Von weiteren Abklärungen medizinischer Art
wie namentlich der Einholung
d
es vom Beschwerdeführer eventualiter beantragten Gerichtsgutachtens sind
keine anderen
entscheidrelevanten
Erkennt
nisse zu erwarten, wesh
alb davon abgesehen werden kann
(
antizipierte
Beweis
würdigung; BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, 124 V 90 E. 4b).
5.
Die Beschwerdegegnerin hat sich
im Übrigen
eingehend
mit der Frage befasst, ob die
nicht organisch objektiv ausgewiesenen Unfallfolgen in einem adäquaten Kausalzusammenhang zur Auffahrkollision stehen (
Urk.
2 S. 11-14).
In diesem Zusammenhang hat
sie
angesichts
des vom Beschwerdeführer zeitnah zum Schadenereignis geklagten typischen Beschwerdebilds eines HWS-Schleuder
traumas
(unter anderem Kopf- und Nackenschmerzen, Übelk
eit und Schwindel; vgl.
Urk.
13/
3/3
,
13/58/
1-
2 und
13/89/1
)
zu Recht die vom Bundes
gericht statuierten Adäquanzkriterien geprüft (vgl. vorstehende E. 1.4.4).
Darauf kann grundsätzlich verwiesen werden, zumal der Beschwerdeführer keine
konkreten
Einwände
dagegen
vorbringt.
M
it Blick auf die
mittels Unfallanalyse festgestellte kollisionsbedingte Geschwindigkeitsänderung (Delta-v 6.1 bis 11.0 km/h;
Urk.
13/71/2) sowie die einschlägige
bundesgerichtliche Kasuistik
ist
die korrekte
Qualifikation
der Auffahrkollision als mitt
elschweres, im Grenz
bereich zu den leichten Unfällen liegendes Ereignis
hervorzuheben
(vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_246/2009 vom
6.
April 2010 E. 5.1 und U 297/06 vom 24. August 2007 E
.
4.2).
Zutreffend ist ausserdem
,
dass die Adäquanz unter diesen Umständen nur bejaht werden kann, wenn mindestens vier der sieben Adäquanzkriterien erfüllt sind oder eines besond
ers ausgeprägt gegeben ist (BGE
134 V 109 E. 10.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_620/2021 vom 1
4.
Januar 2022 E. 4.8 mit Hinweisen).
Dies hat die Beschwerdegegnerin mit überzeugender Begründung verneint (vgl.
Urk.
2 S. 14)
;
Weiterungen erübrigen
sich
.
6.
Zusammenfassend
ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen per 3
1.
Januar 2021 eingestellt hat.
In Bezug auf
das linke Schulter
gelenk war der Status quo sine mit überwiegender Wahrscheinlichkeit spätestens sechs Wochen
nach
der Auffahrkollision
vom
1.
September 2019
erreicht.
Hinsichtlich der Halswirbelsäule war dies spätestens nach sechs Monaten der Fall.
Der adäquate Kausalzusammenhang zwischen den nicht auf einem objektivier
baren organischen Substrat beruhenden Beschwerden und dem Unfallereignis ist im Übrigen zu verneinen.
Der angefochtene
Einspracheentscheid
vom 2
5.
März 2021 (
Urk.
2) erweist sich somit als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.
7.1
Das Beschwerdeverfahren ist kostenlos (
Art.
1
Abs.
1 UVG in Verbindung mit Ar
t. 61
lit
.
f
bis
ATSG).
7.2
7.2.1
Mit Verfügung vom
1
0.
September 2021 (
Urk.
14) wurde dem Beschwerdeführer Rechtsanwältin Nicole Schneider als unentgeltliche R
echtsv
ertreterin bestellt. Diese machte mit Honorarnote vom 2
2.
Juni 2022
einen Gesamtaufwand von 11.35 Stunden à
Fr.
220.-- sowie Barauslagen von
Fr.
41.30 geltend (
Urk.
20).
7.2.2
Nach
§
34
Abs.
3
des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert.
Gemäss
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Partei
grundsätzlich
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten des Verfahrens vor dem kantonalen Versicherungsgericht. Auch im Rahmen dieser Bestimmung gilt jedoch das Verursacherprinzip, wonach unnötige Kosten zu bezahlen hat, wer sie verursacht hat. Dies kann insbesondere eine Parteientschädigung zu Lasten des obsiegenden Versicherungsträgers beziehungsweise Durchführungsorgans begründen.
In Anwendung des Verur
sacherprinzips können der Verwaltung namentlich dann Parteikosten auferlegt werden, wenn sie ihre Abklärungspflicht nach
Art.
43
Abs.
1 ATSG
schuldhaft verletzt hat. Eine solche Durchbrechung des
Unterliegerprinzips
rechtfertigt sich allerdings nur, wenn die Verwaltung lediglich sehr rudimentäre Abklärungen vorgenommen hat
(Urteil des Bundesgerichts 8C_641/2019 vom 8. April 2020
E. 3.2 mit Hinweisen).
7.2.3
Wie zuvor dargelegt (vgl. vorstehende E. 4.3.2), erweisen sich die von der Beschwerdegegnerin
im Rahmen des Verwaltungsverfahrens
vorgenommenen Abklärungen offenkundig als unzureichend, da den sehr oberflächlichen kreis
ärztlichen Stellungnahmen von
Dr.
B._
kein Beweiswert zukommt. Indem die Beschwerdegegnerin im Beschwerdeverfahren sowohl eine neurologische als auch eine orthopädisch-chirurgische kreisärztliche Beurteilung veranlasste (
Urk.
13/271, 13/273), nahm sie mehr als eine rechtsprechungsgemäss grundsätz
lich zulässige, bloss punktuelle Abklärung mit dem Ziel einer Sachverhaltsver
vollständigung vor (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_49/2017 vom 2
8.
Februar 2017 E. 3.3 und 8C_284/2014 vom 1
6.
Dezember 2014 E. 5.2.3, je mit Hinweisen).
Dadurch wurden bereits im Verwaltungsverfahren notwendige Abklärungsmass
nahmen in das Gerichtsverfahren verlagert und der Beschwerdeführer sah sich in guten Treuen zur Prozessführung veranlasst. Unter diesen Umständen rechtfertigt es sich, ihm
beziehungsweise seiner unentgeltlichen Rechtsvertretung
trotz
d
es Unterliegens ausnahmsweise eine
Parteientschädigung zu Lasten der Beschwerdegegnerin zuzusprechen (vgl. auch
§
28
lit
. a
GSVGer
in Verbindung mit
Art.
107
lit
. b und
lit
. f der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO]).
Der von Rechtsanwältin Nicole Schneider in Rechnung gestellte Stundenaufwand erweist sich mit Blick auf die massgeblichen Kriterien als angemessen. Die ihr
als unentgeltliche Rechtsvertreterin
zu Lasten der Beschwerdegegnerin
direkt
zu
zusprechende
P
artei
entschädigung
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_170/2018 vom 2
0.
Juni 2018 E. 1.3 mit Hinweisen)
ist daher unter Berück
sichtigung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von Fr.
220.--
wie beantragt auf
Fr.
2'733.75 festzulegen (
Fr.
2'497.-- plus Barauslagen von Fr. 41.30 zuzüglich Mehrwertsteuer von 7.7
%
).