# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d0ba3acc-91bc-4a8d-86a7-12d34df33096
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970, war ab Mai 2017 vollzeitig al
s Pflegehilfe bei Y._
angestellt. Im Rahmen dieses Arbeitsverhältnisses war sie bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG (nachfolgend: Mobi
liar) durch Kollektivvertrag gegen Lohnau
sfall bei Krankheit versichert.
Ab dem 2
9.
April 2018 wurde der
Versicherten
v
on den behandelnden Ärzten
eine
in ihrem Ausmass variierende A
rbeitsunfähigkeit
wegen Krankheit attestiert.
Das Arbeitsverhältnis endete am 3
1.
März 2019
.
D
ie
Mobiliar
hatte
ab dem 29.
Mai 2018 Taggeldleistun
gen infolge von Fussbe
schwerden
erbracht
und gewährte
der Versicherten
alsdann
eine Übergangsfrist bis 3
0.
Juni 2019
für einen Berufswechsel. Mit Schreiben vom 13.
Juni 2019 machte die Versicherte geltend, ihre Arbeitsfähigkeit
in jeglicher Tätigkeit
sei durch eine
retraktile
Kap
sulitis
der rechten Schulter zu
sätzlich zu den
Fussbe
schwerden eingeschränkt
, weshalb ihr weiterhin Taggelder
zustünden
.
Am 21. Juli 2019 widerrief sie
zudem
ihre Erklärung zur Entbindung von der ärztli
chen Schweigepflicht gegenüber
der Mobiliar
. Diese erklärte m
i
t Schreiben vom 2
3.
Juli
2019
,
ohne Anerkennung einer Rechtspflicht werde noch das Taggeld für Juli 2019 über den bestehenden Krankheitsfall (Fussbeschwerden) ausbezahlt, weitere Leistungen ab August 2019 seien ohne Durchführung einer Begutachtung ausgeschlossen.
Im Übrigen erklärte
sie
am 2
3.
März 2020 auf die Einrede der Verjährung zu verzichten, soweit d
iese noch nicht eingetreten sei
(vgl.
Urk.
2 Sachverhalt E. 1.1-4)
.
1.
2
Mit Eingabe vom 1
6.
März 2020 erhob die Versicherte
Teilklage gegen die
Mobi
liar.
Darin beantragte sie,
diese
sei
zu verpflichten, ihr für den Zeitraum vom
1.
August 2019 bis zum Erreichen der maximalen Leistungsdauer Taggelder entsprechend der ärztlich attestierten Arbeitsunf
ähigkeit sowie unter Berücksich
tigung der von ihr bezogenen Arbeit
slosenentschädigung zuzüglich 5
% Zins seit jeweiligem Anfall zu bezahlen, wobei das Taggeld bei voller Arbeitsunfähigkeit – unter dem Vorbehalt der Nachklage –
Fr.
188.90 pro Tag betrage
(
Urk.
2 Sach
verhalt E. 2)
. Mit Urteil KK.2020.00021 vom 2
1.
Juni 2021 wies das Sozialver
sicherungsgericht des Kantons Zürich die Klage ab (
Urk.
2).
Dagegen erhob die Versicherte Beschwerde beim Bundesgericht
.
Das bundesgerichtliche Verfahren ist nach wie vor unter der Prozess-N
r.
4A_439/2021
hängig.
2.
Mit
Eingabe vom 2
7.
Oktober 2021
(
Urk.
1)
ersuchte die Versicherte das Sozial
versicherungsgericht des Kantons Zürich um Revision
seines Urteils
KK.2020.00021 vom 2
1.
Juni 2021
,
wobei
ihren Anträgen
gemäss
Teilklage vom 1
6.
März 2020 vollumfänglich stattzugeben und die Entschädigungsfolgen des Verfahrens KK.2020.00021
entsprechend
neu zu regeln
seien
; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen
zulasten
der Mobiliar
(
Urk.
1 S. 1 f.). In prozessualer Hinsicht ersuchte sie das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich, das Revisionsverfahren bis zum rechtskräftigen Entscheid im bundesgerichtlichen Prozess-Nr. 4A_439/2021 zu sistieren und im Falle eines
Nichteintretens
entscheids
oder abschlägigen Entscheids des Bundesgerichts aufgrund der Straf
anzeige bei der Staatsanwaltschaft Bern-Mittelland
wieder aufzunehmen
(
Urk.
1 S. 3).
Das Revisionsgesuch brachte das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich dem Bundesgericht mit Begleitschreiben vom
2.
November 2021 zur Kenntnis (
Urk.
4).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitigkeiten aus Zusatzversicherungen zur sozialen Krankenversicherung sind gemäss konstanter bundesgerichtlicher Rechtsprechung privatrechtlicher Natur (BGE 133 III 439 E. 2.1). Der vorliegend strittige Anspruch aus der kollektiven Krankentaggeldversicherung nach dem Bundesgesetz über den Versicherungs
vertrag (VVG) ist somit ein zivilrechtlicher.
Nach
Art.
1
lit
. a der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (ZPO)
unterliegen streitige Zivilsachen dem Geltungsbereich der ZPO. Dies hat zur Folge, dass die ZPO für Streitigkeiten aus der Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversi
cherung auch vor den Versicherungsgerichten die massgebliche Verfahrens
ordnung bildet (vgl. BGE
138 III 558
E. 3.2).
1.2
Nach
Art.
328
Abs.
1 ZPO kann eine Partei beim Gericht, das als letzte Instanz in der Sache entschieden hat, die Revision eines Entscheides verlangen, wenn (a) sie nachträglich erhebliche Tatsachen erfährt oder entscheidende Beweismittel findet, die sie im früheren Verfahren nicht beibringen konnte; ausgeschlossen sind Tatsachen und Beweismittel, die erst nach dem Entscheid entstanden sind, wenn (b) ein Strafverfahren ergeben hat, dass durch ein Verbrechen oder ein Vergehen zum Nachteil der betreffenden Partei auf den Entscheid eingewirkt wurde; eine Verurteilung durch das Strafgericht ist nicht erforderlich; ist das Strafverfahren nicht durchführbar, so kann der Beweis auf andere Weise erbracht werden; wenn (c) geltend gemacht wird, dass die Klageanerkennung, der Klagerückzug oder der gerichtliche Vergleich unwirksam ist.
Art.
328
Abs.
2 ZPO sieht ferner vor, dass unter gewissen Voraussetzungen gestützt auf ein endgültiges Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschen
rechte die Revision
wegen Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonven
tion (EMRK)
verlangt werden kann.
1.3
Das Revisionsgesuch ist innert 90 Tagen seit Entdeckung des Revisionsgrundes schriftlich und begründet einzureichen
(
Art.
329
Abs.
1 ZPO)
.
2.
2.
1
Ihren Antrag auf Sistierung des vorliegenden Verfahrens
begründete die
Gesuch
stellerin
damit
,
dass sie das Revisionsgesuch zur Wahrung der 90-tägigen Frist ab Entdeckung des Revisionsgrundes bereits heute einreiche, obschon das kanto
nale Urteil noch nicht rechtskräftig sei, weil es an
da
s Bundesgericht weiter
gezogen worden sei. Um die
Eintretensvoraussetzungen
zu wahren, sei es zwin
gend notwendig, das Verfahren zu sistieren (
Urk.
1 S. 3 f.).
2
.2
Gemäss
Art.
125 des
Bundesgesetz
es
über das Bundesgericht (BGG)
kann d
ie Revision eines Entscheids
des Bundesgerichts
, der den Entscheid der Vorinstanz bestätigt, nicht aus einem Grund verlangt werden, der scho
n vor der Ausfällung des bundes
gerichtlichen Entscheids entdeckt worden ist und mit einem Revisi
onsgesuch bei der Vorinstanz hätte geltend gemacht werden können.
In BGE 138 II 386 E 6.4 und 7 kam das Bundesgericht zum Schluss, dass mit Blick auf obgenannte Bestimmung eine Verfahrenspartei, die vor Abschluss des bundesgerichtlichen Verfahrens einen Grund entdeck
e
, der ihres Erachtens die Revision des kantonalen Entscheids begründe, ein Revisionsgesuch bei der kantonalen Instanz zu stellen
habe
. Die kantonale Instanz
dürfe
sodann nicht einzig mit der Begründung nicht auf das Revisionsgesuch eintreten, dass gegen den zu revidierenden Entscheid Beschwerde beim Bundesgerichts erhoben worden sei.
Um
Widersprüche mit einer abweichenden Qualifikation im späteren Bundes
gerichtsentscheid zu vermeiden,
habe sie also
von einer eigenständigen Prüfung der Frage abzusehen, ob der geltend gemachte Revisionsgrund auch ein vor Bundesgericht zulässiges Novum im dort hängigen Verfahren sein könnte. Viel
mehr
habe
sie während der
Hängigkeit
des bundesgerichtlichen Beschwerde
verfahrens das bei ihr eingereichte Revisionsgesuch auf der Grundlage des für sie massgeblichen Prozessrechts allseitig zu prüfen und ihren Entscheid allenfalls zu revidieren
(bestätigt etwa mit Urteil des Bundesgerichts 5A_950/2020 vom 2
1.
Dezember 2020 E. 2.1 betreffend die ZPO)
.
2
.3
Soweit ersichtlich geht die Gesuchstellerin davon aus, das Revisionsverfahren könne erst nach Eintritt der Rechtskraft des kantonalen Urteils durchgeführt werden. Einen anderen Sistierungsgrund
nannte
sich nicht. In Anbetracht der zitierten Rechtsprechung ist das Sistierungsgesuch
somit
abzuweisen.
Die
Gesuchstellerin
hätte vielmehr
um Sistierung des bundesgerichtlichen Verfahrens während der Dauer des
vorliegenden
Revisionsverfahrens
ersuchen müssen, um
sicherzustellen
, dass das Bundesgericht die Beschwerde betreffend das Urteil KK.2020.00021 vom 2
1.
Juni 2021
noch nicht
materiell beurteilt
. Denn hat das Bundesgericht erst ein materielles Urteil (Gutheissung oder Abweisung) gefällt,
tritt dieses a
n die Stelle des angefochtenen kantonalen Entscheids, womit es
in der Regel
an einem Gegenstand für ein Revisionsgesuch
vor dem
kantonalen Gericht
fehlt
und das Revisionsverfahren gegenstandslos
wird
(vgl. BGE 138 II 386 E. 6.2 und 7;
erwähntes Bundesgerichtsurteil
5A_950/2020 E. 2.1
,
ferner
BGE
147 III 238
E.
3.2.1
).
3.
3.1
Die Gesuchstellerin rief die Revisionsgründe nach
Art.
328
Abs.
1
lit
. a und b
ZP
O
an. Sie führte aus
, ein Revisionsgrund sei aufgrund der E-Mail der
Gesuchs
gegnerin
vom 2
8.
Juli 2021 vermutet worden und habe sich mit Zugang
von deren
Antwortschreiben vom
5.
August 2021
sowie der Akten bestätigt
. So habe die
Gesuchsgegnerin
darin ausgeführt
:
«Bitte beachten Sie, dass sowohl die Schulterbeschwerden als auch die Fussbeschwerden über das gleiche Dossier und damit die gleiche Schadennummer abgewickelt werden»
(vgl.
Urk.
1 S. 4 f.)
.
3.2
Daraus sei die Erkenntnis erfolgt, dass es sich um einen mutmasslichen Prozess
betrug handle, weil die
Gesuchsgegnerin
vor
Gericht vehement und wiederholt behauptet habe, es handle sich bei den ihr im Sinne einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes gemeldeten Schulterbeschwerden um einen neuen Schadenfall, den sie ablehne. Damit liege ein neues Beweismittel für eine Tatsache vor, die schon bei Erlass des angefochtenen Entscheids bestanden habe, aber von ihr aufgrund der Täuschung der
Gesuchsgegnerin
nicht habe vorgebracht werden können. Aufgrund des anerkannten Schadenfalls und der nahtlos vorgelegten Arztzeugnisse sei die
Gesuchsgeg
n
erin
in jedem Fall
bis 2
7.
Mai 2020 weiterhin nachleistungspflichtig (vgl.
Urk.
1 S. 5
f.
).
Die Arglist der
Gesuchsgegnerin
sei es gewesen, dass sie gewusst habe, dass das versicherte Risiko die unstrittige Arbeitsunfähigkeit bzw. der Erwerbsausfall in der angestammten Tätigkeit gewesen sei, sie jedoch vorgegaukelt habe, es läge ein neuer Versicherungsfall
vor und weil sie die Anspruchsberechtigung nicht habe prüfen können, keine Leistungen geschuldet seien (vgl. Urk.1 S. 7).
3.3
Mit den übrigen Vorbringen beanstandet die Gesuchstellerin vorab die Wieder
gabe der Parteivorbringen, die Feststellung des Sachverhalts, dessen rechtliche Würdigung, die Beweislastverteilung sowie die Rechtsanwendung durch das Gericht im Urteil KK.2020.00021 vom 2
1.
Juni 2021 als willkürlich und parteiisch (vgl.
Urk.
1 S. 8
ff.
). Ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
328 ZPO ist in diesem Zusammenhang nicht
erkennbar
;
vielmehr handelt es sich dabei
offensichtlich
um Auszüge aus
der Beschwerde ans Bundesgericht.
4.
4.1
Das Bundesgericht hat sich
in BGE 147 III 238
nochmals eingehend zum
in A
rt.
123
lit
.
Abs.
2
lit
. a BGG
vorgesehenen und
gleichermassen
in
Art.
328
Abs.
1
lit
. a ZPO aufgenommenen (dazu a
uch Urteil des Bundegerichts 8F_
9/2017 vom 1
5.
Januar 2018 E 1.2)
Revisionsgrund nachträglich entdeckter Tatsachen und Beweismittel geäussert.
Ein im Sinne dieser Bestimmungen «neues» Beweis
mittel muss demgemäss
insbesondere
bereits vor dem zu revidierenden Urteil bestanden haben
bzw.
bis zum Zeitpunkt, da es im Hauptverfahren prozessual zulässigerweise noch hätte eingebracht werden können
(vgl. BGE 147 III 238 E
.
4.2). Dies trifft auf die
von der Gesuchstellerin eingereichten,
erst im Nachgang zum Urteil KK.2020.00021 vom 2
1.
Juni 2021 von der
Gesuchsgegnerin
am 28. Juli 2021 verfasste E-Mail (
Urk.
3/4)
wie auch das von
dieser
verfasste Begleitschreiben
vom
5.
August 2021 (
Urk.
3/5) nicht zu
.
4.2
Eine Revision aufgrund nachträglich entdeckter Tatsachen setzt erstens voraus, dass der Gesuchsteller eine Tatsache geltend macht. Diese muss zweitens erheb
lich, das heisst geeignet sein, die
tatbeständliche
Grundlage des angefochtenen Urteils zu verändern und bei zutreffender rechtlicher Würdigung zu
einer andern Entscheidung
zu führen. Drittens muss sich die Tatsache bereits vor dem zu revidierenden Urteil bzw. bis zum Zeitpunkt, da im Hauptverfahren noch tatsäch
liche Vorbringen prozessual zulässig waren, verwirklicht haben (unechtes Novum). Tatsachen, die erst nach dem Entscheid entstanden sind, also echte
Noven
, werden nach
Art.
328
Abs.
1
lit
. a ZPO und
Art.
123
Abs.
2
lit
. a BGG ausdrücklich ausgeschlossen. Viertens muss die Tatsache nachträglich, also nach diesem Zeitpunkt entdeckt worden sein. Fünftens ist erforderlich, dass der Revisionsgesuchsteller die Tatsache im Hauptverfahren trotz hinreichender Sorg
falt nicht vorbringen konnte
(vgl. BGE 147 III 238 E 4.1; e
rwähntes Bunde
s
gerichtsurteil 8F_
9/2017 E 1.2).
Ob das Schulterleiden aufgrund der allgemeinen Versicherungsbedingung als neuer Versicherungsfall zu qualifizieren ist oder nicht, bildet Teil der rechtlichen Würdigung und stellt an sich keine Tatsache dar.
Wäre die
Gesuchstellerin
damit nicht einverstanden gewesen, hätte sie dies ohne weiteres im Prozess-Nr. KK.2020.00021 bestreiten können
, zumal sie nicht an die Behauptungen der
Gesuchsgegnerin
gebunden war
.
Das Fehlen einer eigenen Schadennummer
für das Schulterleiden
ist alsdann gerade ein Beleg dafür,
dass
die
Gesuchsgegnerin
den
Erwerbsausfall infolge des Schulterleidens
nie
als Schaden anerkannt
hat
.
Die Tatsache, dass
das Schulterleiden
infolgedessen
unter der Schaden
nummer der Fussbeschwerden abgewickelt wurde, hätte der
Gesuchstellerin
zudem spätestens
nach
Erhalt des
im Sachverhalt E. 1.1 erwähnten
und bereits im Prozess-Nr. KK.2020.00021 aktenkundigen
Schreibens vom 2
3.
Juli 2019 bewusst sein
müssen, wonach sich die
Gesuchsgegnerin
im Rahmen der Korrespondenz zum Schulterleiden bereit erklärte, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht für einen weiteren Monat Taggelder zu leisten, welche über die anerkannten Fussbe
schwerden abgewickelt würden. Dass ihr für das Schulterleiden jemals eine sepa
rate Schadennummer mitgeteilt worden wäre, behauptete die
Gesuchstellerin
selbst nicht.
Die Ausführungen der Gesuchstellerin lassen offensichtlich weder auf eine
unverschuldet erst
nachträglich bekannt gewordene noch
eine
in irgend
einer Weise für den Ausgang des Verfahrens KK.2020.00021 erhebliche
neu
e
Tatsache schliessen, die
ein Aufrollen des Prozesses rechtfertigen würde.
4.3
Wie eingangs erwähnt, liegt ge
mäss
Art.
328
Abs.
1
lit
. b ZPO ferner
ein Revisi
onsgrund vor, wenn ein Strafverfahren ergeben hat,
dass durch ein Verbrechen oder ein Vergehen zum Nachteil der betreffenden Partei auf den Entscheid
eingewirkt wurde
.
Vielfach wird das gesetzliche
Erfordernis durch Erlass eines eine Sanktion aussprechenden Strafurteils erfüllt sein, was indessen keine
zwingende Voraussetzung ist. Gemäss ausdrücklicher gesetzlicher Anordnung ist eine eigentliche
Verurteilung durch ein Strafgericht nicht erforderlich. Es genügt, wenn die Strafverfolgungsbehörde oder das
Strafgericht die Erfüllung des objek
tiven Tatbestands feststellt, aber in Ermangelung des erforderlichen
subjektiven Tatbestands die Strafverfolgung einstellt bzw. ein freisprechendes Urteil erlässt
. Entsprechendes gilt für die in
Art.
52 ff. des Strafgesetzbuches vorgesehene Straf
befreiung und Verfahrenseinstellung, die
Abstandnahme
von einer Bestrafung wegen Schuldunfähigkeit oder die Verfahrenseinstellung wegen Verfolgungs
verjährung
(
Nicolas Herzog
, in: Basler Kommentar, Zivilprozessordnung,
2.
Aufl.
201
3
,
N.
55
zu
Art.
358
ZPO
; Urteil des Bundesgerichts 4A_411/2017, 4A_333/2019 vom 2
1.
Februar 2020 E. 3.5).
V
orliegend
machte die Gesuchstellerin geltend, da sie sich aufgrund des zuge
fügten, immensen Vermögensschadens und eines
existe
n
ziellen Abwehr
interesses veranlasst sehe
, den aufgedeckten mutmasslichen Betrug seitens der Gegenpartei bei der Staatsanwaltschaft
anzuzeigen,
sei
gleichzeitig nebst der Beschwerde an das Bundesgericht bald
auch eine Strafanzeige pendent
(
Urk.
1 S. 3).
Soweit über
haupt bereits eingeleitet,
befindet sich das Strafverfahren
demnach
noch am Anfang. Gem
äss Gesetzeswortlaut, Rechtsprechung und Lehre
muss
ein Straf
verfahren
indessen – soweit möglich –
tatsächlich durchgeführt worden sein.
Gründe, weshalb ein Strafverfahren vorliegend nicht durchführbar
w
ä
re
(z.B. unbekannte Täterschaft, Verjährung der Straftat)
, brachte die Gesuchstellerin keine vor.
Es ist
somit
nicht Aufgabe des R
evisionsgericht
s
, den Entscheid des Strafgerichts quasi vorwegzunehmen.
Der Vollständigkeit halber sei
dennoch
angefügt, dass keinerlei
objektive Anhaltspunkte ersichtlich
sind
,
di
e für einen Prozessbetrug
oder eine andere strafbare Handlung
seitens der
Gesuchsgegnerin
sprechen
würden
.
5.
Zusammenfassend
ist kein Sistierungsgrund nach
Art.
126 ZPO ersichtlich, viel
mehr ist die zügige
Anhandnahme
des Verfahrens
grundsätzlich
im Interesse der Gesuchstellerin. Ihre Ausführungen lassen indessen nicht auf einen
Revisions
grund nach Art. 328 ZPO
schliessen
, wobei
deren
Aufzählung
im Gesetz
abschliessend ist (vgl.
BSK-Herzog
,
N.
34
zu
Art.
358
ZPO
)
und das Gericht das Recht von Amtes wegen anwendet (
Art.
57 ZPO)
.
Das Revisionsgesuch erweist
sich somit als offensichtlich unbegründet
, was zu seiner Abweisung führen muss
und die Anhörung der Gegenpartei obsolet macht
(
Art.
330 ZPO;
vgl. auch
§
19
Abs.
2 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
).
6.
Das Verfahren ist kostenlos, da es eine Streitigkeit aus einer Krankentaggeld
versicherung betrifft, welche gemäss bundesgerichtlicher Praxis unter den Begriff der Zusatzversicherung zur sozialen Krankenversicherung (nach dem Bundes
gesetz vom 1
8.
März 1994 über die Krankenversicherung; KVG) zu subsumieren ist (vgl.
Art.
114
lit
. e ZPO
i.V.m
.
§
33
Abs.
1
GSVGer
und das Urteil des Bundes
gerichts 4A_680/2014 vom 2
9.
April 2015 E. 2.1 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 142 V 448 E. 4.1). Der
Gesuchsgegnerin
steht
mangels Aufwand
keine Parteient
schädigung zu
.
Das Gericht
beschliesst
:
Das Gesuch um Sistierung des Verfahrens wird abgewiesen.
und erkennt:
1.
Das
Gesuch um Revision des Urteils des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich
KK.2020.00021 vom 2
1.
Juni 2021
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Der
Gesuchsgegnerin
wird keine Prozessentschädigung zugesprochen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X._
-
Schweizerische Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG unter Beilage einer Kopie von
Urk.
1 sowie der Doppel von
Urk.
3/2-5 und 3/8
-
Bundesgericht, 1000 Lausanne 14, ad Verfahren 4A_439/2021
-
Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FINMA
5
.