# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b451f355-daf2-5e22-842d-ff4271bde5d2
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerinnen sind Eigentümerinnen der westlichen Hälfte des
Doppelwohnhauses an der D._strasse 45 (Ligerz Gbbl. Nr. E._). Das
Gebäude ist im Bauinventar der Gemeinde als erhaltenswert eingestuft. Die Gemeinde
stellte fest, dass am Balkon der Wohnung im 2. Stock seit längerem ein Vermietungsplakat
für eine 31⁄2-Duplex-Zimmerwohnung angebracht war. Mit Schreiben vom 14. und 28.
Januar 2019 teilte die Gemeinde zunächst der Beschwerdeführerin 3 mit, die
Vermietungsreklame sei baubewilligungspflichtig. Die Gemeinde forderte sie auf, das
Vermietungsplakat bis am 20. Januar 2019 zu entfernen oder ihr zur Genehmigung zu
unterbreiten. Andernfalls werde eine Wiederherstellungsverfügung erlassen. Mit Schreiben
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vom 31. Januar 2019 bestritt die Beschwerdeführerin 3, dass es sich um eine
baubewilligungspflichtige Reklame handelt und machte zudem geltend, nicht sie sondern
ihre Töchter seien Eigentümerinnen der Wohnung im 2. Stock.
Mit Schreiben vom 5. Februar 2019 forderte die Gemeinde auch die
Beschwerdeführerinnen 1 und 2 auf, das Vermietungsplakat bis am 14. Februar 2019 zu
entfernen und drohte baupolizeiliche Massnahmen an. Die Beschwerdeführerinnen
entfernten das Vermietungsplakat vom Balkon im 2. Obergeschoss und montierten es am
Balkongeländer auf dem angebauten Carport.1 Mit Verweis auf die Rechtsschriften ihrer
Mutter (Beschwerdeführerin 3) bestritten sie, dass ein unrechtmässiger Zustand besteht.
2. Mit Wiederherstellungsverfügung vom 26. März 2019 forderte die Gemeinde die
Beschwerdeführerinnen 1 bis 3 auf, die ohne Bewilligung montierte Vermietungsreklame
an der Liegenschaft D._strasse 45 bis am 26. April 2019 zu entfernen. Gleichzeitig
wies sie auf die Möglichkeit eines nachträglichen Baugesuchs hin. Die
Beschwerdeführerinnen reichten kein nachträgliches Baugesuch ein.
3. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführerinnen am 23. April 2019
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie
beantragen die Aufhebung der Wiederherstellungsverfügung.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die Vorakten
ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde beantragt mit
Beschwerdeantwort vom 21. Mai 2019, die Beschwerde sei abzuweisen und eine kurze
Wiederherstellungsfrist anzuordnen.
5. Am 9. Juli 2019 teilten die Beschwerdeführerinnen mit, sie hätten die Wohnung
vermietet und das Vermietungsplakat entfernt. Da die Gemeinde die Wiederherstellung zu
1 Vgl. Foto in der Beschwerdebeilage. 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191).
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Unrecht angeordnet habe, seien sie nicht bereit, Kosten zu tragen. Sie behielten sich vor,
bei Bedarf auch in Zukunft wieder Vermietungsplakate anbringen. Es bestehe daher nach
wie vor ein Interesse an einer Bestätigung, dass die Anordnung der Gemeinde zu Unrecht
ergangen sei. Das Rechtsamt bat die Gemeinde um Auskunft, ob das Vermietungsplakat
abgehängt wurde und stellte in Aussicht, die Beschwerde wegen Gegenstandslosigkeit als
erledigt vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben. Am 18. Juli 2019 bestätigte die
Gemeinde, dass das Vermietungsplakat entfernt wurde. Sie erklärte, sie sei jedoch nicht
einverstanden mit der Abschreibung des Verfahrens. Da die Beschwerdeführerinnen
beabsichtigten, in Zukunft wieder Vermietungsplakate aufzuhängen, bestehe aus Gründen
der Rechtssicherheit ein öffentliches Interesse an einem Entscheid über die
Baubewilligungspflicht der Vermietungsreklame.
6. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG3 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die BVE ist somit zuständig. Die Beschwerde wurde form- und fristgerecht eingereicht.
b) Die Beschwerdeführerinnen sind Adressatinnen der angefochtenen Verfügung und
durch die Anordnungen beschwert (vgl. Art. 65 Abs. 1 Bst. a und b VRPG4). Dies allein
genügt noch nicht für die Beschwerdelegitimation. Erforderlich ist auch ein schutzwürdiges,
d.h. aktuelles und praktisches Interesse an der Aufhebung oder Änderung der Verfügung
(Art. 65 Abs. 1 Bst. c VRPG). Die tatsächliche oder rechtliche Situation der
beschwerdeführenden Person muss durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst
werden. Das Rechtsschutzinteresse muss deshalb nicht nur bei Einreichung der
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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Beschwerde, sondern auch im Zeitpunkt des Entscheids noch gegeben sein.5 Fällt im
Verlaufe des Verfahrens das rechtserhebliche Interesse am Erlass einer Verfügung oder
an einem Entscheid in der Sache weg, so schreibt die instruierende Behörde das
Verfahren als erledigt vom Geschäftsverzeichnis ab (Art. 39 Abs. 1 VRPG). Die
Gegenstandslosigkeit kann auch nur teilweise eintreten. Das Verfahren ist diesfalls nur
insoweit als gegenstandslos abzuschreiben und im Übrigen weiterzuführen.6
c) Die Beschwerdeführerinnen haben das umstrittene Vermietungsplakat im Verlauf des
Beschwerdeverfahrens entfernt. Da sich die Wiederherstellungsanordnung in Punkt 1 der
Verfügung nur auf ebendieses Plakat bezog, ist mit dessen Entfernung der
Streitgegenstand entfallen. Insofern wurde das Beschwerdeverfahren gegenstandslos.
Gegenstandslos wurde es auch in Bezug auf Punkt 2 der angefochtenen Verfügung, in
dem auf die Möglichkeit eines nachträglichen Baugesuchs hingewiesen wird. Das
Beschwerdeverfahren ist in Bezug auf Punkt 1 und 2 der Wiederherstellungsverfügung als
erledigt vom Geschäftsverzeichnis abzuschreiben.
d) Die Beschwerdeführerinnen haben sich der Wiederherstellungsverfügung der
Gemeinde jedoch nicht unterzogen; sie entfernten das Vermietungsplakat nicht, weil sie
der Wiederherstellungsanordnung nachkommen wollten, sondern weil die Wohnung
vermietet werden konnte. Sie sind weiterhin der Ansicht, dass die Gemeinde den
Wiederherstellungsbefehl zu Unrecht erlassen hat und sind nicht bereit, "Kosten aus dem
Verfahren" zu tragen.
Die Beschwerdeführerinnen haben die Aufhebung der gesamten
Wiederherstellungsverfügung beantragt. Diese umfasst in Punkt 3 auch die Kosten für das
baupolizeiliche Verfahren. Nach wie vor streitig und somit Verfahrensgegenstand ist somit
die Kostenverfügung. Diesbezüglich wurde das Beschwerdeverfahren durch die Entfernung
des Vermietungsplakats nicht gegenstandslos. Insoweit ist auf die Beschwerde einzutreten.
e) Die Höhe der vorinstanzlichen Verfahrenskosten ist nicht umstritten.
Streitgegenstand des Beschwerdeverfahrens ist nur, ob die Beschwerdeführerinnen
verpflichtet sind, diese Kosten zu tragen. Dies beurteilt sich danach, ob die Gemeinde die
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 39 N. 1, Art. 65 N. 25; Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40 N. 4a. 6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 39 N. 14 mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung.
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Wiederherstellungsverfügung zu Recht erlassen hat. Voraussetzung für die Anordnung von
Wiederherstellungsmassnahmen ist, dass ein unrechtmässiger Zustand besteht. Dies ist
namentlich der Fall, wenn ein baubewilligungspflichtiges Vorhaben ohne oder in
Überschreitung der Baubewilligung ausgeführt wird (vgl. Art. 46 Abs. 1 und 2 BauG). In
diesem Zusammenhang ist vorliegend zu prüfen, ob das Vermietungsplakat
baubewilligungspflichtig war und ein unrechtmässiger Zustand bestand. Es kann deshalb
offen gelassen werden, ob darüber hinaus ein grundsätzliches Rechtsschutzinteresse der
Beschwerdeführerinnen bzw. der Gemeinde an einem Entscheid in der Sache besteht.
2. Baubewilligungspflicht der Vermietungsreklame
a) Das Vermietungsplakat war nach Angaben der Beschwerdeführerinnen 70 x 100 cm
gross und mit schwarzer Schrift auf weissem Grund gestaltet. Es bestand im Januar 2019
bereits seit längerer Zeit und war bis Mitte Juli 2019 an einem Balkongeländer angebracht.7
Die Beschwerdeführerinnen sind der Ansicht, es handle sich um eine baubewilligungsfreie
Eigenreklame (Art. 6a Abs. 1 Bst. e BewD) oder ein bewilligungsfreies Vorhaben von
gleicher oder geringerer Bedeutung (Art. 6a Abs. 2 BewD). Es gebe keinen sachlichen
Grund, Vermietungsplakate gegenüber anderen Reklamen derselben Grösse zu
benachteiligen. Das kleine, neutral gestaltete Vermietungsplakat, das temporär am Balkon
auf dem kürzlich angebauten Autounterstand angebracht worden sei, beeinträchtige auch
das Schutzinteresse des Baudenkmals nicht. Es liege keine Ausnahme von der
Baubewilligungsfreiheit gemäss Art. 7 Abs. 2 BewD vor. Schliesslich stelle eine allfällige
Baubewilligungspflicht für Vermietungsplakate einen willkürlichen und unzulässigen Eingriff
in die Eigentums- und Wirtschaftsfreiheit dar.
b) Gemäss Art. 22 Abs. 1 RPG8 dürfen Bauten und Anlagen nur mit behördlicher Be-
willigung errichtet oder geändert werden. Die Baubewilligungspflicht stellt keinen
unzulässigen Eingriff in die Eigentums- und Wirtschaftsfreiheit dar (vgl. Art. 26, 27 und 36
BV9). Baubewilligungspflichtig sind alle künstlich geschaffenen und auf Dauer angelegten
Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Bauvorhaben), die in fester Beziehung zum Erdboden
stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu beeinflussen, indem sie zum Beispiel
7 Vorakten der Gemeinde, pag. 19; Schreiben der Beschwerdeführerinnen vom 9. Juli 2019. 8 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700). 9 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101).
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den Raum äusserlich erheblich verändern, die Erschliessung belasten oder die Umwelt
beeinträchtigen (Art. 1a Abs. 1 BauG). Ob eine bauliche Massnahme erheblich genug ist,
um sie dem Baubewilligungsverfahren zu unterwerfen, beurteilt sich danach, ob mit ihr so
wichtige räumliche Folgen verbunden sind, dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder der
Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle besteht.10
Das Anbringen und Ändern von Strassenreklamen ist im Bundesrecht spezialgesetzlich
geregelt (Art. 95 ff. SSV11 und Art. 6 SVG12). Als Strassenreklamen gelten alle
Werbeformen und andere Ankündigungen in Schrift, Bild, Licht, Ton usw., die im
Wahrnehmungsbereich der Fahrzeugführenden liegen, während diese ihre
Aufmerksamkeit dem Verkehr zuwenden (Art. 95 Abs. 1 SSV). Das vorliegende
Vermietungsplakat war von der Strasse aus deutlich einsehbar und richtete sich an die
Verkehrsteilnehmenden. Es stellt somit eine Strassenreklame dar. Strassenreklamen
bedürfen einer Bewilligung (vgl. Art. 99 Abs. 1 SSV i.V.m. Art. 32 Abs. 2 BauG). Die
Kantone sind jedoch befugt, für Strassenreklamen innerorts Ausnahmen von der
Bewilligungspflicht festzulegen (vgl. Art. 99 Abs. 2 SSV). Davon hat der bernische
Gesetzgeber Gebrauch gemacht und in Art. 1b BauG i.V.m. Art. 6a BewD13 die
bewilligungsfreien Strassenreklamen geregelt. In Art. 6a Abs. 1 sind die bewilligungsfreien
Strassenreklamen aufgezählt. Gemäss Art. 6a Abs. 2 BewD sind zudem auch alle
Vorhaben, die von gleicher oder geringerer Bedeutung sind wie die in Absatz 1 genannten,
baubewilligungsfrei. Die Baubewilligungsfreiheit gilt jedoch nicht uneingeschränkt. Sofern
ein baubewilligungsfreies Bauvorhaben nach Art. 6a BewD ausserhalb der Bauzone liegt
oder ein Baudenkmal oder dessen Umgebung betrifft und das entsprechende
Schutzinteresse betroffen ist, ist es dennoch baubewilligungspflichtig (Art. 7 Abs. 1 und 2
BewD).
Zu beachten ist, dass bei Strassenreklamen die Verkehrssicherheit im Vordergrund steht
und sich deshalb die Bewilligungspflicht nach dem Raumplanungsrecht nicht mit derjenigen
des Strassenverkehrsrechts deckt. Die Verkehrssicherheit kann auch bei
10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 10. 11 Signalisationsverordnung des Bundesrats vom 5. September 1979 (SSV; SR 741.21). 12 Strassenverkehrsgesetz des Bundes vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01). 13 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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Strassenreklamen tangiert sein, die aufgrund der geringen Grösse und damit der fehlenden
Auswirkung auf die Nutzungsordnung raumplanungsrechtlich noch irrelevant sind.14
c) Zu den baubewilligungsfreien Reklamen nach Art. 6a Abs. 1 BewD gehören
Eigenreklamen an oder vor den Fassaden bis zu insgesamt 1.2 m2 pro Gebäudeseite,
wenn sie flach an der Fassade angebracht oder unmittelbar vor der Fassade parallel dazu
aufgestellt werden (Art. 6a Abs. 1 Bst. e BewD). Aus dem Wortlaut dieser Bestimmung
lässt sich keine Definition der Eigenreklame ableiten. Gemäss der BSIG-Information
"Reklamen"15 werben Eigenreklamen für Firmen, Betriebe, Produkte, Dienstleistungen und
dergleichen, die mit dem Standort der Reklame in einem engen räumlichen
Zusammenhang stehen.16 Vermietungsreklamen sind in Art. 6a Abs. 1 Bst. h BewD
genannt. Innerorts dürfen auf Baugrundstücken Vermietungs- und Verkaufsreklamen bis zu
insgesamt 12 m2 ab Baubeginn bis sechs Monate nach Bauabnahme ohne Baubewilligung
aufgestellt werden. Als Baugrundstücke gelten auch Liegenschaften, bei denen
baubewilligungspflichtige Massnahmen vorgenommen wurden. Somit unterscheidet der
Gesetzgeber zwischen Eigenreklamen und Vermietungsreklamen. Das Dekret sieht
lediglich für temporäre Vermietungsplakate auf Baugrundstücken eine Ausnahme von der
Baubewilligungspflicht vor. Nach dem Umkehrschluss sind Vermietungsreklamen für
Wohnungen, die nicht in Zusammenhang mit Neu- und Umbauten stehen,
baubewilligungspflichtig.17
d) Nichts anderes ergibt sich aus der historischen Auslegung der Bestimmung. Die
Reklameverordnung von 198618 definierte Eigenreklamen in Art. 4 Abs. 1 wie folgt:
"Eigenreklamen werben für Firmen, Betriebe, Produkte, Dienstleistungen, Veranstaltungen,
Ideen und dergleichen, die mit dem Standort der Reklame in einem örtlichen
Zusammenhang stehen". Das heutige Verständnis des Begriffs Eigenreklamen basiert
nach wie vor auf dieser Definition.19 Nach der Reklameverordnung 1986 waren
Eigenreklamen in Schaufenstern oder an Volants von Sonnenstoren unter bestimmten
Voraussetzungen bewilligungsfrei (Art. 17 Abs. 1 Bst. a und f). Auch unbeleuchtete
Einzeltafeln bis zu 0,2 bzw. 0,5 m2 Grösse durften bewilligungsfrei im Bereich des
14 Vortrag des Regierungsrates an den Grossen Rat betreffend das Dekret über das Baubewilligungsverfahren vom 30. April 2008, S. 9. 15 BSIG-Information "Reklamen" Nr. 7/725.1/8.1 vom 20. Juli 2018. 16 BSIG-Information "Reklamen", a.a.O., S. 2. 17 BSIG-Information "Reklamen", a.a.O., S. 4. 18 Verordnung über die Aussen- und Strassenreklame vom 23. April 1986 (Reklameverordnung; GS 1986 147). 19 Vgl. BSIG-Information "Reklamen", a.a.O., S. 2.
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Geschäftseingangs oder der Schaufenster angebracht werden. Baureklamen, welche an
Ort über Neu- und Umbauten, die am Bau beteiligten Firmen sowie über Verkauf und
Vermietung orientierten, waren unter bestimmten Voraussetzungen zulässig, sie zählten
jedoch nicht zu den bewilligungsfreien Reklamen (vgl. Art. 11, Art. 17, Art. 29 Abs. 2
Reklameverordnung 1986).
Die Reklameverordnung 1986 wurde per 1. März 2000 durch die Verordnung über die
Aussen- und Strassenreklame (VASR) ersetzt.20 Gemäss Art. 5 Abs. 1 Bst. e VASR waren
Tafeln für die Vermietung von Ferienwohnungen bis insgesamt höchstens 1.15 m2 an der
Fassade des Mietobjektes oder freistehend auf dem dazugehörenden Areal
baubewilligungsfrei, sofern keine Schutzobjekte betroffen waren. Generell keiner
Bewilligung bedurften Verkaufs- und Vermietungsreklamen in der Grösse von maximal
1.15 m2 während längstens 6 Monaten nach Abschluss der Bauarbeiten (Art. 5 Abs. 2 Bst.
g VASR). Eigenreklamen von maximal 25 cm Höhe an Volants von Sonnenstoren waren
baubewilligungsfrei (Art. 5 Abs. 2 Bst. d VASR). Somit unterschied auch die VASR
zwischen eigentlichen Eigenreklamen und Vermietungsreklamen, für die sie zwei
bewilligungsfreie Tatbestände definierte (Vermietungsreklamen für Ferienwohnungen und
in Zusammenhang mit Bauarbeiten). Der Begriff der Eigenreklame umfasste die
Vermietungsreklamen weder nach der Reklameverordnung 1986 noch nach der VASR.
Mit dem Erlass von Art. 6a BewD wurden die Vorschriften für Reklamen in das
Baubewilligungsdekret überführt und die VASR aufgehoben. Damit wurde bezweckt, eine
bessere Übereinstimmung mit den Vorschriften der Baubewilligungspflicht zu erzielen und
das Verfahren zu vereinfachen. Bewilligungspflichtige Reklamen waren nur noch im
Baubewilligungsverfahren zu prüfen, die Baubewilligung gilt auch als Reklamebewilligung
nach der SSV (vgl. Art. 32 Abs. 2 BauG). Die bewilligungsfreien Eigenreklamen wurden in
Art. 6a Abs. 1 Bst. e BewD definiert. Die bisherigen Regelungen zu den bewilligungsfreien
Vermietungsreklamen wurden in Art. 6a Abs. 1 Bst. h BewD zusammengefasst und
insbesondere bezüglich der Masse neu definiert.21 Wie vorne gezeigt, können nach der
geltenden Regelung Vermietungs- und Verkaufsreklamen bis 12 m2 innerorts auf
Baugrundstücken während sechs Monaten baubewilligungsfrei erstellt werden. Auch die
Vermietungsplakate für Ferienwohnungen unterliegen nun dieser Beschränkung.
20 Verordnung über die Aussen- und Strassenreklame vom 17. November 1999 (VASR; BAG 00-2). 21 Vortrag des Regierungsrates an den Grossen Rat betreffend das Dekret über das Baubewilligungsverfahren vom 30. April 2008, S. 9 f., 12.
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e) Auch wenn die Mehrzahl der bewilligungsfrei erklärten Reklamen immer eine Form
von Eigenwerbung darstellt, unterschied der Gesetzgeber seit jeher zwischen
Vermietungsreklame und Eigenreklame. Die historische Auslegung bestätigt, dass die
Bestimmung zur Eigenreklame die Vermietungsreklamen nicht umfasst.
Vermietungsreklamen waren nie generell, sondern immer nur unter bestimmten
Voraussetzungen baubewilligungsfrei. Der Gesetzgeber erlaubt heute lediglich eine zeitlich
begrenzte Ausnahme von der Baubewilligungspflicht für Vermietungsplakate, die in
Zusammenhang mit neu erstellten oder umgebauten Liegenschaften stehen. Hintergrund
dieser Regelung ist, dass sich ein unkontrollierter Aushang von anderen
Vermietungsplakaten ästhetisch negativ auf das Ortsbild auswirken und den Eindruck einer
wirtschaftlich heruntergekommenen Gegend erwecken kann. Wenn der Gesetzgeber auch
Vermietungsplakate für leerstehende Wohnungen als baubewilligungsfrei hätte erklären
wollen, hätte er dies entsprechend geregelt.
f) Vorliegend wurde weder geltend gemacht noch ist ersichtlich, dass es sich bei der
Parzelle Ligerz-Gbbl. Nr. E._ um ein Baugrundstück im Sinne von Art. 6a Abs. 1
Bst. h BewD handelt. Das umstrittene Vermietungsplakat war deshalb
baubewilligungspflichtig.
Die Baubewilligungspflicht bestand vorliegend auch deshalb, weil das Reklametransparent
ein Baudenkmal betraf (vgl. Art. 7 Abs. 2 BewD). Das Gebäude ist als erhaltenswertes
Baudenkmal eingestuft. Ein Baudenkmal geniesst zudem Umgebungsschutz; es darf auch
nicht durch Veränderungen in der Umgebung beeinträchtigt werden (Art. 10b Abs. 1
BauG). Das am Balkongeländer angebrachte Transparent wurde zusammen mit der
Hauptfassade des erhaltenswerten Gebäudes wahrgenommen. Dies war nicht nur der Fall,
als das Transparent am Balkon des 2. Obergeschosses hing, sondern auch, als es am
Balkongeländer auf dem angebauten Carport montiert war.
g) Zusammenfassend war das umstrittene Vermietungstransparent
baubewilligungspflichtig. Da es ohne Baubewilligung angebracht wurde, bestand ein
unrechtmässiger Zustand. Die Gemeinde hat zu Recht die Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes angeordnet und den Beschwerdeführerinnen die
entsprechenden Kosten auferlegt. Die Beschwerde ist somit abzuweisen und Punkt 3
(Kosten) der Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Ligerz vom 26. März 2019 ist zu
bestätigen.
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3. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführerinnen
vollumfänglich. Sie haben die Verfahrenskosten des Beschwerdeverfahrens zu tragen
(Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 800.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV22).
b) Der Gemeinde sind keine ersatzfähigen Parteikosten entstanden (Art. 104 Abs. 1 und
Abs. 4 i.V.m. Art. 108 Abs. 3 VRPG).