# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9fee4e25-e145-52bd-bb5a-20d26cfac992
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 29. Juli 2016 bei der Gemeinde Muri bei Bern ein
Baugesuch ein für die Nutzung der Wohnung im Erdgeschoss der Liegenschaft
D._strasse 18 als Kindertagesstätte (Kita) mit 18 Betreuungsplätzen und
Öffnungszeiten Montag bis Freitag von 07.00 bis 18.30 Uhr. Die Liegenschaft D._
strasse 18 liegt auf der Parzelle Muri bei Bern Grundbuchblatt Nr. E._, welche in
RA Nr. 110/2016/184 2
der Wohnzone W2 liegt. Gegen das Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer
Einsprache. Mit Bauentscheid vom 17. November 2016 erteilte die Gemeinde Muri die
Baubewilligung für die Umnutzung des Erd- und Untergeschosses zu einer Kita.
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 14. Dezember 2016 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die
Aufhebung des Bauentscheids vom 17. November 2016 und die Erteilung des
Bauabschlags.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Der Beschwerdegegner beantragt in
seiner Beschwerdeantwort vom 16. Januar 2017, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit
darauf eingetreten werden könne. Die Gemeinde Muri hält in ihrer Stellungnahme vom
20. Januar 2017 am angefochtenen Bauentscheid fest und beantragt damit sinngemäss
ebenfalls die Abweisung der Beschwerde.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Der Beschwerdeführer hat in seiner Eingabe vom 6. März 2017 unter anderem
erklärt, er ziehe die Beschwerde unter der Bedingung, dass seine (Verfahrens-)Anträge
abgewiesen würden, zurück. Diese Eingabe wurde ihm auf seinen Wunsch hin mit
Verfügung vom 9. März 2017 wieder zurückgeschickt, ohne dass sie zu den Akten
genommen wurde. Mit Schreiben vom 17. März 2017 hat er die Eingabe vom 6. März 2017
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 110/2016/184 3
als Beilage 1a wieder eingereicht. Mit Verfügung vom 22. März 2017 wurde der
Beschwerdeführer darauf hingewiesen, dass ein Beschwerderückzug unmissverständlich
und vorbehaltlos erfolgen müsse, was bedeute, dass der Beschwerderückzug
bedingungsfeindlich sei.2 Bis zum Entscheid der BVE, der voraussichtlich im April 2017
erfolge, bleibe es dem Beschwerdeführer freigestellt, seine Beschwerde
unmissverständlich und vorbehaltlos zurückzuziehen. Auf diese Verfügung hat der
Beschwerdeführer nicht reagiert. Somit wurde die Beschwerde nicht rechtswirksam
zurückgezogen und sie ist zu behandeln.
b) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die
Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Einsprache
abgewiesen wurde, ist durch den vorinstanzlichen Bauentscheid formell beschwert. Seine
Liegenschaften D._strasse 20 und 22 sind von der Bauparzelle lediglich durch die
F._strasse getrennt. Aufgrund dieser räumlichen Nähe zum Bauvorhaben ist der
Beschwerdeführer auch materiell beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert.
Auf seine form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Verfahrensfehler
a) Der Beschwerdeführer macht in seiner Beschwerde geltend, er sei von der Vor-
instanz bzw. einzelnen Gemeindevertretern nicht korrekt behandelt worden. So sei ihm
eine Fristverlängerung nicht im vollen Umfang gewährt worden. Weiter macht er geltend,
die Akten seien von der Vorinstanz nicht korrekt geführt worden. So würden vom
Beschwerdegegner eingereichte Urteile fehlen und es seien keine Unterlagen zu einer
Besprechung vorhanden, die zwischen dem Beschwerdegegner und dem Bauinspektor
stattgefunden habe. Darüber hinaus sei ihm auch die vollständige Einsicht in die Akten
nicht gewährt bzw. erschwert worden. Nachdem der Beschwerdeführer im
Beschwerdeverfahren erneut Einsicht in die Vorakten genommen hat, macht er in seiner
2 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 39 N. 7 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
RA Nr. 110/2016/184 4
Eingabe vom 6. März 2017 unter anderem geltend, die Vorakten seien nicht chronologisch
geordnet, unsauber paginiert und auf den Eingaben würden die Eingangsstempel fehlen.
b) Im angefochtenen Entscheid hält die Gemeinde Muri fest, dem Beschwerdeführer sei
nach der gesetzlichen Auflagefrist erneut Akteneinsicht gewährt worden. Dass die
Gemeinde dabei die Akten "gesiebt" habe, sei eine unzutreffende Unterstellung. In ihrer
Stellungnahme vom 20. Januar 2017 bestreitet die Gemeinde erneut, dass dem
Beschwerdeführer Akten vorenthalten worden seien. Ebenso wenig sei ihm die
Akteneinsicht verweigert worden.
c) Die BVE ist nicht Aufsichtsbehörde über die Gemeinden und deren Vertreterinnen
und Vertreter. Die kantonale Aufsicht über die Gemeinden obliegt der
Regierungsstatthalterin oder dem Regierungsstatthalter (Art. 85 ff. GG4). Soweit sich der
Beschwerdeführer mit seinen Rügen über die Geschäftsführung der Vorinstanz beklagt,
kann daher nicht darauf eingetreten werden.
d) Was die Aktenführung durch die Vorinstanz betrifft, so sind im Dossier, welches die
Gemeinde Muri der BVE eingereicht hat, alle wesentlichen Unterlagen vorhanden. Weder
eine gewisse "Unordnung" in den Vorakten noch die Art der Paginierung noch fehlende
Eingangsstempel auf den Eingaben vermögen daran etwas zu ändern. Zwar findet sich im
vorinstanzlichen Dossier lediglich ein Bundesgerichtsentscheid,5 obschon im E-Mail des
Beschwerdegegners vom 5. Oktober 2016 von drei Urteilen die Rede ist. Der angefochtene
Bauentscheid nimmt in Ziff. 7.1 jedoch lediglich Bezug auf den einen
Bundesgerichtsentscheid, der im Dossier abgelegt ist. Die beiden anderen
Bundesgerichtsentscheide waren für den Bauentscheid somit nicht relevant und mussten
daher nicht für das Dossier ausgedruckt werden. Was die Unterlagen zu einer allfälligen
Besprechung zwischen dem Beschwerdegegner und der Gemeinde Muri betrifft, war zwar
gemäss E-Mail des Beschwerdegegners vom 5. Oktober 2016 eine solche Besprechung
für den 10. Oktober 2016 geplant. Dass diese Besprechung tatsächlich stattgefunden hat,
lässt sich jedoch nicht feststellen. Das Schreiben der Gemeinde Muri vom 19. Oktober
2016 deutet jedenfalls nicht auf eine solche Besprechung hin.
4 Gemeindegesetz vom 16. März 1998 (GG; BSG 170.11) 5 Vorakten Baugesuch Nr. 2016/056, pag. 57 - 61
RA Nr. 110/2016/184 5
Aus dem Umstand, dass das von der Gemeinde Muri bei der BVE eingereichte Dossier alle
wesentlichen Unterlagen enthält, kann zwar nicht geschlossen werden, dass dem
Beschwerdeführer im vorinstanzlichen Verfahren zu jeder Zeit volle Akteneinsicht gewährt
wurde. Allerdings gibt es bis auf die entsprechende Darstellung des Beschwerdeführers
auch keine gegenteiligen Anzeichen. Dass dem Beschwerdeführer mehrmals Akteneinsicht
gewährt wurde, räumt auch der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde ein.
e) Ob die Vorinstanz das rechtliche Gehör des Beschwerdeführers durch unvollständige
Aktenführung oder -einsicht verletzt hat, lässt sich demnach aufgrund der vorhandenen
Unterlagen nicht nachweisen. Selbst wenn eine solche Verletzung begangen worden wäre,
stünde jedenfalls keine schwerwiegende Verletzung zur Diskussion. Zudem ist aus der
Beschwerde nicht erkennbar, welchen konkreten Nachteil der Beschwerdeführer aus den
geltend gemachten Verfahrensfehlern erlitten hätte. Somit hätte eine allfällige
Gehörsverletzung im Beschwerdeverfahren geheilt werden können, zumal dem
Beschwerdeführer im Beschwerdeverfahren die Vorakten noch zweimal zur Einsicht
zugestellt worden sind.6 Unter diesen Umständen müssen keine weiteren Untersuchungen
zur Abklärungen einer allfälligen Gehörsverletzung vorgenommen werden. Auch für die in
der Eingabe des Beschwerdeführers vom 6. März 2017 beantragte Rückweisung der
Vorakten zur Ergänzung an die Vorinstanz besteht kein Anlass.
f) Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass aus dem Umstand, dass der
Beschwerdegegner angeblich Vorbereitungshandlungen im Hinblick auf eine mögliche
Baubewilligung getroffen hat, nicht geschlossen werden kann, dass er vorgängig über den
Ausgang dieses Beschwerdeverfahrens informiert worden ist. Soweit der
Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 27. März 2017 eine solche Vermutung äussern
wollte, gilt es klarzustellen, dass weder das Rechtsamt noch die BVE den
Beschwerdegegner vorgängig über den Verfahrensausgang informiert haben.
3. Zonenkonformität / Lärmimmissionen
a) Der Beschwerdeführer bestreitet die Zonenkonformität des Bauvorhabens. Die
Gemeinde könne sich in diesem Zusammenhang nicht auf eine langjährige Praxis berufen,
6 Siehe Ziff. 2 der Verfügung vom 13. Februar 2017 und Ziff. 2 der Verfügung vom 13. März 2017
RA Nr. 110/2016/184 6
da keine solche existiere. Allenfalls seien gemäss Rechtsprechung kleine Kitas bis zu 12
Plätzen für Kleinkinder in einer Wohnzone zonenkonform, das Bauvorhaben sprenge
diesen Rahmen. Zudem fehle es auch an der "Quartiernähe", da es im Quartier nicht so
viele Kleinkinder gebe.
Zudem werde Art. 39 Abs. 2 GBR7 verletzt, welcher in der Wohnzone andere Nutzungen
auf einen Drittel der Fläche beschränke. Dabei müsse vorliegend neben dem Erdgeschoss
auch das Untergeschoss berücksichtigt werden, soweit dieses Geschoss von der Kita
mitbenutzt werde. Dass es sich bei einer Kita um eine andere Nutzung und nicht um eine
Wohnnutzung handle, ergebe sich auch daraus, dass ansonsten die Umnutzung in eine
Kita nicht baubewilligungspflichtig wäre. Im Übrigen betreffe das Baugesuch lediglich die
Umnutzung des Erdgeschosses und sei von der Vorinstanz unzulässigerweise auf eine
Umnutzung des Untergeschosses ausgedehnt worden.
b) Der Beschwerdegegner macht geltend, das Bundesgericht habe mehrfach
entschieden, dass eine Kindertagesstätte in der Wohnzone zonenkonform sei. Somit
handle es sich um eine Wohnnutzung und Art. 39 Abs. 2 GBR sei nicht von Belang. Auch
die Gemeinde Muri vertritt die Ansicht, dass der Betrieb einer Kita keine "andere als der
Wohnnutzung" dienende Nutzung im Sinne von Art. 39 Abs. 2 GBR darstelle.
c) Die Bauparzelle liegt in der Wohnzone W2. Die Wohnzone W2 ist der Wohnnutzung
vorbehalten (Art. 39 Abs. 1 GBR). In den Wohnzonen sind andere Nutzungen im Umfang
der Bestimmungen gemäss Art. 90 BauV8 zugelassen, wobei sie höchstens 1/3 der
realisierten Bruttogeschossflächen beanspruchen dürfen (Art. 39 Abs. 2 GBR). Gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung sind Wohnzonen auch für den Aufenthalt von Kindern
bestimmt, womit Kinderlärm in ihnen grundsätzlich zu dulden ist. Das Bundesgericht hat
ein entsprechendes funktionales Verständnis von "Wohnen" jedenfalls bei kleineren
Einrichtungen als vertretbar erachtet. Auch in einer eher ruhigen Wohnzone sei es den
Nachbarn zuzumuten, von Montag bis Freitag zwischen 06.30 bis 12.00 und 13.00 bis
19.00 Uhr den Lärm von in der Regel nicht mehr als 20 im Garten spielenden Kindern zu
dulden.9 Dementsprechend hat die BVE im Entscheid RA Nr. 110/2013/353 vom 27. Mai
2014 eine Kita mit 24 Betreuungsplätzen als in der Wohnzone zonenkonform beurteilt. Die
hier geplante Kindertagesstätte mit 18 Betreuungsplätzen ist demnach in der Wohnzone
7 Baureglement der Gemeinde Muri bei Bern vom 6. Juni 1993 8 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 9 BGer 1C_148/2010 vom 06.09.2010 E. 2.2.3 und BGer 1C_521/2015 vom 09.08.2016 E. 4.5
RA Nr. 110/2016/184 7
zonenkonform und der damit verbunden Lärm muss von der Nachbarschaft grundsätzlich
geduldet werden. Es ist nicht erkennbar, inwiefern ein vom Beschwerdeführer in diesem
Zusammenhang genannter Entscheid GER 1/2014 des Solothurner Bau- und
Justizdepartements vom 18. Dezember 2014 daran etwas ändern könnte. Auch dieser
Entscheid stützt sich im Übrigen auf die oben genannte bundesgerichtliche
Rechtsprechung.
Ob es sich, wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht, um Kleinkinder handelt oder
nicht, spielt dabei keine Rolle. Allerdings betreuen Kitas in der Regel ohnehin Kleinkinder.
Ebenso unerheblich ist, ob sämtliche zu betreuenden Kinder aus dem Quartier selber
stammen. Im Zusammenhang mit möglichen Lärmemissionen ist auch zu berücksichtigen,
dass die Kinder von geschultem Personal betreut werden. Von diesem darf erwartet
werden, dass es die Betreuung so gestaltet, dass keine unnötigen und übermässigen
Lärmemissionen entstehen. Dies lässt sich beispielsweise dadurch erreichen, dass im
Freien keine Spieleinrichtungen angeboten werden, die übermässigen Lärm verursachen,
dass auf Kinder, die im Freien durch anhaltendes Schreien oder Weinen übermässige
Lärmemissionen bewirken, Einfluss genommen wird und solche Kinder allenfalls
vorübergehend im Gebäudeinnern betreut werden, und dass Türen und Fenster
geschlossen werden, wenn im Gebäudeinnern durch Spiel oder Musik potentiell störende
Geräusche erzeugt werden. Zudem sind im vorliegenden Fall die räumlichen Verhältnisse
um die Liegenschaft herum relativ grosszügig, so dass die Nachbarschaft gegenüber den
Lärmemissionen nicht in besonderem Mass exponiert ist. Dies gilt insbesondere auch für
die Liegenschaften des Beschwerdeführers, die von der Bauparzelle durch die
F._strasse getrennt sind. Somit gibt es hier keine Gründe, vom Grundsatz
abzuweichen, wonach der mit einer Kita mit 18 Betreuungsplätzen verbundene Lärm von
der Nachbarschaft geduldet werden muss.
d) Somit stellt sich weiter die Frage, ob es sich um eine Wohnnutzung oder um eine
"andere Nutzung im Umfang der Bestimmungen gemäss Art. 90 BauV" handelt. Die
Gemeinde stellt die Kita-Nutzung der Wohnnutzung gleich. Diese Gleichstellung von Kita-
Nutzung und Wohnnutzung ist rechtlich haltbar, sie wurde vom Bundesgericht als ohne
weiteres vertretbar eingestuft.10 Auch die BVE hat sie im Entscheid RA Nr. 110/2013/353
vom 27. Mai 2014 gestützt, wobei in jenem Fall die Gleichstellung von Kindertagesstätten
10 BGer 1C_148/2010 vom 06.09.2010 E. 2.2.5
RA Nr. 110/2016/184 8
mit dem Wohnen im kommunalen Baureglement explizit vorgesehen war. Ob sich die
Gemeinde Muri diesbezüglich auf eine langjährige Praxis stützen kann, ist unerheblich.
Entscheidend ist, dass keine entgegenstehende Praxis besteht – auch der
Beschwerdeführer macht keine solche gelten. Damit handelt es sich bei der vorliegend
geplanten Kita um eine 100-prozentige Wohnnutzung und Art. 39 Abs. 2 GBR kommt hier
nicht zur Anwendung.
e) Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers ist die Frage der
Baubewilligungspflicht in diesem Zusammenhang nicht relevant. Da es sich lediglich um
eine Nutzung handelt, die der Wohnnutzung gleichgestellt ist, kann trotzdem eine
baubewilligungspflichtige Umnutzung vorliegen.
f) Auch eine unzulässige Ausdehnung des Baugesuchs durch die Vorinstanz auf eine
Umnutzung des Untergeschosses liegt nicht vor. Zwar soll gemäss Umschreibung des
Bauvorhabens und der vorgesehenen Nutzung im Baugesuchsformular lediglich die
Wohnung im Erdgeschoss als Kita genutzt werden, das Untergeschoss wird nicht erwähnt.
Aus den Baugesuchplänen (rot schraffierte Flächen im Keller-, Erdgeschoss- und
Schnittplan) und dem Betriebskonzept (Ziff. 2 der Ergänzung Standort D._strasse
18), welche beide als Anhang zum Baugesuchsformular Teil des Baugesuchs waren, ist
jedoch ersichtlich, dass auch das Untergeschoss von der Kita (mit)benutzt werden soll.
Unter diesen Umständen ist nicht zu beanstanden, dass die Gemeinde Muri die
Baubewilligung für die Umnutzung des Erd- und Untergeschosses erteilt hat.
4. Parkplätze / Verkehrssicherheit
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Liegenschaft habe lediglich zwei
Parkplätze, dies sei zu wenig. In der näheren Umgebung habe es auch nicht genügend
öffentliche Parkplätze. Als Folge davon befürchtet er ein Verkehrschaos im Bereich der
Einmündung der F._strasse in die D._strasse, wenn die Kinder morgens
in die Kita gebracht und abends wieder abgeholt werden. Er macht damit sinngemäss
geltend, die Erschliessung sei nicht ausreichend und das Bauvorhaben gefährde die
Verkehrssicherheit.
RA Nr. 110/2016/184 9
b) Welche Parkplatzbestimmung durch das Bauvorhaben verletzt würde, lässt sich der
Beschwerde nicht entnehmen. Wie bereits ausgeführt, handelt es sich bei der Kita-Nutzung
um eine der Wohnnutzung gleichgestellte Nutzung. Die Kita beansprucht primär die
Erdgeschosswohnung. Im Obergeschoss scheint sich eine weitere Wohnung zu befinden.
In der betroffenen Liegenschaft sind somit zwei Wohnungen vorhanden. Die Liegenschaft
besitzt gemäss Baugesuchsformular zwei Abstellplätze, gemäss angefochtener
Baubewilligung sind drei Abstellplätze vorhanden. Für die Wohnnutzung sieht Art. 51
Abs. 1 Bst. b BauV bei zwei Wohnungen eine Bandbreite von ein bis fünf Abstellplätze vor.
Somit hat es vorliegend genügend Parkplätze, unabhängig davon, ob zwei oder drei
Parkplätze vorhanden sind. Dies würde gemäss Art. 51 BauV selbst dann gelten, wenn in
der Liegenschaft vier Wohnungen vorhanden wären.
c) Das vom Beschwerdeführer befürchtete illegale Parkieren ist nicht im
Baubewilligungsverfahren zu prüfen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, wäre dem
verkehrspolizeilich zu begegnen. Das Bauvorhaben gefährdet auch nicht die
Verkehrssicherheit. Soweit ein Teil der betreuten Kinder morgens mit dem Auto in die Kita
gebracht und abends wieder abgeholt werden, darf vorausgesetzt werden, dass sich die
Eltern verkehrsregelkonform verhalten werden. Sollte dem nicht so sein, so wäre auch
dagegen verkehrspolizeilich vorzugehen. In diesem Zusammenhang ist auch zu
berücksichtigen, dass die Kinder gemäss Ziff. 3.1 des Betriebskonzepts in einem
Zeitfenster von 2.5 Stunden morgens und 2 Stunden abends gebracht und abgeholt
werden können. Somit ist nicht davon auszugehen, dass alle Kinder zur gleichen Zeit
gebracht und abgeholt werden. Das Bringen und Holen einzelner Kinder mit dem Auto führt
weder zu einem Verkehrschaos noch zu einer Gefährdung der Verkehrssicherheit. Diese
Rüge ist demnach unbegründet, soweit darauf eingetreten werden kann.
5. Betriebsbewilligung / Koordinationspflicht
a) Der Beschwerdeführer erwähnt in seiner Beschwerde, die Beschwerdeinstanz werde
sich auch um die Betriebsbewilligung zu kümmern haben, "eben um die Gesamtheit der
Angelegenheit". Er führt aber nicht weiter aus, inwiefern die entsprechenden Ausführungen
der Vorinstanz in Ziff. 4.7 des angefochtenen Entscheids falsch wären. Soweit der
Beschwerdeführer mit seinem Hinweis überhaupt eine fehlende Koordination des
RA Nr. 110/2016/184 10
Baubewilligungsverfahrens mit dem Betriebsbewilligungsverfahren rügen will, ist diese
Rüge jedenfalls ungenügend begründet, weshalb darauf nicht eingetreten werden kann.
b) Im Übrigen wäre die Rüge ohnehin unbegründet. Zwar sieht das Koordinationsgesetz
für alle Bauvorhaben, die von mehreren Behörden Bewilligungen erfordern, die inhaltliche
und zeitliche Koordination vor (Art. 1 KoG11). Das Gesetz greift jedoch nur so weit in die
einzelnen Verfahren ein, als es der Koordinationszweck verlangt. Wo kein
Koordinationsbedarf besteht, sind nach wie vor Einzelverfügungen mit unveränderten
Zuständigkeiten zu treffen.12 Für die Baubewilligung für eine Kita und für die
Betriebsbewilligung für eine Kita besteht kein solcher Koordinationsbedarf. Die kantonale
Pflegekinderverordnung bezweckt den Schutz Minderjähriger, die ausserhalb des
elterlichen Haushaltes untergebracht sind (Art. 1 Abs. 1 Pflegekinderverordnung13).
Demgegenüber werden im Baubewilligungsverfahren die bau- und planungsrechtlichen
Vorschriften und die nach anderen Gesetzen im baubewilligungsverfahren zu prüfenden
Vorschriften (insbesondere die umweltrechtlichen Vorschriften) geprüft (vgl. Art. 2 BauG).
Zwischen diesen beiden materiellrechtlichen Vorschriften besteht daher kein derart enger
Sachzusammenhang, dass sie nicht getrennt und unabhängig voneinander angewendet
werden dürfen.14
Sichergestellt werden muss bloss, dass vor Inbetriebnahme der Kita sämtliche
notwendigen Bewilligungen vorliegen. Dies ist einerseits mit der Auflage in Ziff. 3.2 der
angefochtenen Baubewilligung gewährleistet, wonach vor Inbetriebnahme der Kita die
Bewilligung des kantonalen Jugendamts einzuholen ist. Andererseits bleiben gemäss
Art. 10 Abs. 2 Pflegekinderverordnung unter anderem die Vorschriften der Feuer-, Bau-
und Gewässerschutzpolizei vorbehalten. Dementsprechend muss gemäss Checkliste des
Formulars des kantonalen Jugendamts für das Gesuch um Erteilung einer Erstbewilligung
zum Betrieb einer privaten Kita unter anderem die Bestätigung der Gemeinde als
Baubehörde vorliegen, dass der Betrieb der Kita an besagtem Standort konform mit dem
Zonenplan der Gemeinde ist.
11 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 12 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 2a N. 2 f. 13 Pflegekinderverordnung vom 4. Juli 1979 (BSG 213.223) 14 Zum engen Sachzusammenhang zwischen materiellrechtlichen Vorschriften als Voraussetzung eines Koordinationsbedarfs siehe BVR 2002 S. 443 E. 2.a
RA Nr. 110/2016/184 11
6. Ergänzung von Amtes wegen
Die Umschreibung des Baugesuchs im Formular 1.0 spricht von 18 Betreuungsplätzen.
Dies entspricht auch der Angabe in Ziff. 4.1 des Betriebskonzepts Ergänzung Standort
D._strasse 18. Im Sachverhalt des angefochtenen Bauentscheids ist jedoch von
16 Betreuungsplätzen die Rede. Diese Zahl dürfte aus der Voranfrage stammen, damals
war in der Umschreibung des Bauvorhabens von 16 Betreuungsplätzen die Rede. Im
Dispositiv des angefochtenen Bauentscheids wird keine Zahl genannt. Somit besteht
Unklarheit darüber, für welche Anzahl Betreuungsplätze die Baubewilligung erteilt wurde.
Daher wird das Dispositiv von Amtes wegen ergänzt und festgehalten, dass die
Baubewilligung für 18 Betreuungsplätze erteilt wird.
7. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG15). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1
i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV16). In Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschale auf
Fr. 1'200.-- festgelegt.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Bei
diesem Ausgang des Verfahrens gilt der Beschwerdeführer als unterliegende Partei und er
wird daher kostenpflichtig.
Da keine Verfahrensfehler nachgewiesen sind, gibt es im Kostenpunkt keine
Gehörsverletzung zu berücksichtigen. Dies gilt umso mehr, als der Beschwerdeführer im
Beschwerdeverfahren noch zweimal Einsicht in die vorinstanzlichen Akten genommen hat
und auch in Kenntnis dieser Akten an seiner Beschwerde festhält. Im Kostenpunkt ebenso
15 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 16 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
RA Nr. 110/2016/184 12
wenig zu berücksichtigen ist die Ergänzung des angefochtenen Bauentscheids von Amtes
wegen. Somit hat der Beschwerdeführer die Verfahrenskosten von Fr. 1'200.-- zu tragen.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat
demnach der unterliegende Beschwerdeführer dem obsiegenden Beschwerdegegner
dessen Parteikosten zu ersetzen.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). In Beschwerdeverfahren beträgt das Honorar in
Verwaltungsrechtsachen Fr. 400.-- bis 11'800.-- pro Instanz (Art. 11 Abs. 1 PKV17). Die
Tarifordnung besteht aus Rahmentarifen für Verwaltungsrechtssachen. Innerhalb des
Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen
Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
(Art. 41 Abs. 2 und 3 KAG18). Die Kostennote des Anwalts des Beschwerdegegners vom
14. Februar 2017 berechnet gestützt auf den gebotenen Zeitaufwand, die Bedeutung der
Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses den Ausschöpfungsgrad des
Tarifrahmens. Diese Berechnungsmethode entspricht den gesetzlichen Vorgaben. Zudem
ist auch das Ergebnis mit einem Ausschöpfungsgrad von 29 % nicht zu beanstanden. Die
vom Beschwerdeführer in seiner Eingabe vom 27. März 2017 gegen die Kostennote
vorgebrachten Rügen sind daher unbegründet und die beantragte Edition einer
Zusammenstellung des Stundenaufwands ist nicht nötig. Das vom Beschwerdeführer
zitierte Kreisschreiben Nr. 15 des Obergerichts des Kantons Bern vom 25. November 2016
hat die "Entschädigung der amtlich bestellten Anwältinnen und Anwälte und
Nachforderungsrecht" zum Gegenstand und ist daher vorliegend nicht einschlägig. Die
Kostennote des Anwalts des Beschwerdegegners, die sich auf Fr. 3'906.90 (inkl. Auslagen
und Mehrwertsteuer) beläuft, ist demzufolge nicht zu beanstanden.
17 Verordnung vom 17. Mai 2006 über die Bemessung des Parteikostenersatzes (Parteikostenverordnung, PKV; BSG 168.811) 18 Kantonales Anwaltsgesetz vom 28. März 2006 (KAG; BSG 168.11)
RA Nr. 110/2016/184 13