# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5912d985-3c37-5838-a3b5-82ad3c67e6e4
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. C._ wurde 1986 in Bosnien und Herzegowina geboren und reiste am 12. Mai 2014
als Touristin in die Schweiz ein. Am 24. Mai 2014 heiratete sie den in der Schweiz
niedergelassenen Landsmann D._, Jahrgang 1982. Der Ehemann von C._ reichte am
26. Mai 2014 ein Gesuch um Familiennachzug für sie ein. Nach Wiedereinreise in die
Schweiz am 26. Juli 2014 wurde ihr am 30. Juli 2014 im Rahmen des Familiennachzugs
die Aufenthaltsbewilligung unter Bedingungen erteilt.
b. Am 13. Juni 2015 kam es zu einer polizeilichen Intervention im häuslichen Bereich.
Beide Eheleute verzichteten jedoch auf Strafantrag wegen Tätlichkeiten, sodass das
Untersuchungsamt St. Gallen am 23. Juni 2015 eine Nichtanhandnahmeverfügung
erliess.
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c. D._ teile am 24. August 2015 dem Migrationsamt des Kantons St. Gallen mit, dass er
seit dem 24. Juli 2015 von seiner Ehefrau getrennt lebe und er in Bosnien die
Scheidung eingereicht habe. Mit Urteil des Gemeindegerichts U._ vom 6. Dezember
2016 wurde die Ehe rechtskräftig geschieden. Die Ehe blieb kinderlos.
d. Aufgrund der Trennung leitete das Migrationsamt eine Überprüfung des
Aufenthaltsverhältnisses ein und bat C._ und D._ mit Schreiben vom 3. September
2015 um Beantwortung diverser Fragen. D._ informierte das Migrationsamt am 15.
September 2015, dass er am 14. Juni 2015 die eheliche Wohnung verlassen habe und
keinerlei Absicht bestehe, die eheliche Gemeinschaft wieder aufzunehmen.
e. Nach Gewährung des rechtlichen Gehörs verfügte das Migrationsamt am 11.
Februar 2016 den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung von C._. Der Entscheid wurde
im Wesentlichen damit begründet, dass die Ehe nur knapp ein Jahr gedauert habe und
damit die dreijährige gesetzliche Frist nicht eingehalten sei. Ein wichtiger persönlicher
Grund für eine Bewilligungsverlängerung liege nicht vor, da keine häusliche Gewalt in
der Intensität vorliege, die das allgemein übliche und gesellschaftlich geduldete Mass
an physischer Einwirkung überschritten hätte und die Annahme eines Härtefalls
rechtfertigen würde. Auch sei ihr eine Rückkehr ins Heimatland nach nur ca. eineinhalb
Jahren Aufenthalt in der Schweiz ohne weiteres zumutbar. Den gegen diesen Entscheid
erhobenen Rekurs wies das Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom 26.
Februar 2018 ab.
B. C._ (Beschwerdeführerin) reichte am 19. März 2018 und Ergänzung vom 30. April
2018 durch ihren Rechtsvertreter Beschwerde gegen den Entscheid des Sicherheits-
und Justizdepartements (Vorinstanz) beim Verwaltungsgericht ein. Sie stellte das
Rechtsbegehren, der Entscheid der Vorinstanz und die Verfügung des Migrationsamts
seien aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin sei zu
verlängern, unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 22. Mai 2018 die Abweisung der
Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids.
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Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressatin des
angefochtenen Entscheids ist die im Rekursverfahren unterlegene Beschwerdeführerin
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 8. Februar 2018 rechtzeitig erhoben
und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 27. April 2018 formal wie inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist daher grundsätzlich einzutreten.
Nicht einzutreten ist darauf, soweit die Beschwerdeführerin beantragt, die Verfügung
des Migrationsamts sei aufzuheben. Denn diese erstinstanzliche Verfügung ist durch
den angefochtenen Entscheid ersetzt worden beziehungsweise gilt inhaltlich als
mitangefochten (Devolutiveffekt, BGer 2C_249/2014 vom 27. März 2015 E. 1.3 mit
Hinweis auf BGE 138 II 169 E. 3.3).
2. Ausländischen Ehegatten von Personen mit Aufenthaltsbewilligung kann eine
Aufenthaltsbewilligung erteilt werden, wenn sie mit diesen zusammenwohnen (Art. 44
lit. a des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer; SR 142.20, AuG).
Das Erfordernis des Zusammenwohnens nach den Art. 42-44 AuG besteht nicht, wenn
für getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend gemacht werden und die
Familiengemeinschaft weiter besteht (Art. 49 AuG). Nach Auflösung der Ehe oder der
Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach den Art. 42 und 43 AuG
weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine
erfolgreiche Integration besteht oder wichtige persönliche Gründe einen weiteren
Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 AuG, Art. 77 der
Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit; SR 142.201, VZAE).
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Die Beschwerdeführerin lebt unbestrittenermassen seit dem 24. Juli 2015 getrennt von
ihrem Ex-Mann und die Ehe wurde nach nur rund eineinhalb Jahren Dauer, mithin weit
weniger als drei Jahren, am 6. Dezember 2016 rechtskräftig geschieden. Sie behauptet
denn auch nicht, dass ein Anwendungsfall von Art. 49 AuG oder Art. 50 Abs. 1 lit. a
AuG vorliegt. Vielmehr beruft sie sich auf den sogenannten nachehelichen Härtefall
nach Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2 AuG. Sie sei Opfer ehelicher Gewalt geworden und
damit würden wichtige Gründe für einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz vorliegen.
3.
3.1. Wichtige persönliche Gründe nach Art. 50 Abs. 1 lit. b können namentlich
vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die
Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im
Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50 Abs. 2 AuG und Art. 77 Abs. 2 VZAE).
Die beiden Elemente der ehelichen bzw. häuslichen Gewalt und der sozialen
Wiedereingliederung (Art. 77 Abs. 2 VZAE) sind nicht kumulativ zu verstehen (vgl. BGE
138 II 229 E. 3.2.2). Eheliche Gewalt liegt insbesondere dann vor, wenn Personen
innerhalb einer bestehenden oder aufgelösten ehelichen Beziehung psychische,
physische oder sexuelle Gewalt ausüben oder androhen (vgl. M. Caroni, in: Caroni/
Gächter/Thurnherr (Hrsg.), Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer,
Handkommentar, Bern 2010, Rz. 32 zu Art. 50 AuG). Das Bundesgericht hat hierzu
ausgeführt, dass häusliche Gewalt eine systematische Misshandlung mit dem Ziel,
Macht und Kontrolle auszuüben, bedeute. Eine einmalige Ohrfeige oder eine verbale
Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits reichen dagegen nicht aus.
Vielmehr müsse die physische oder psychische Zwangsausübung und deren
Auswirkungen von einer gewissen Konstanz bzw. Intensität geprägt sein (BGE 138 II
229 E. 3.2.1 f., Caroni, a.a.O., Rz. 34 zu Art. 50 AuG).
3.2. Auch wenn eheliche Gewalt in den wenigsten Fällen direkt bewiesen werden kann,
trifft die ausländische Person bei der Feststellung des entsprechenden Sachverhalts
eine weitreichende Mitwirkungspflicht (vgl. Art. 90 AuG, BGE 138 II 229 E. 3.2.3). Dabei
genügen allgemein gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle
Spannungen nicht. Vielmehr muss die Systematik der Misshandlung bzw. deren
zeitliches Andauern und die daraus entstehende Belastung objektiv nachvollziehbar
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konkretisiert und beweismässig unterlegt werden (vgl. BGer 2C_873/2013 vom 25.März
2014, E. 4.4, M. Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka (Hrsg.), Kommentar
Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, N. 10 zu Art. 50, Art. 77 Abs. 5 VZAE). Als Hinweise für
eheliche Gewalt gelten nach Art. 77 Abs. 6 VZAE insbesondere Arztzeugnisse,
Polizeirapporte, Strafanzeigen, Massnahmen im Sinne von Art. 28b des
Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB; Klagen zum Schutz gegen Gewalt, Drohung oder
Nachstellung) und entsprechende strafrechtliche Verurteilungen.
3.3. Die Vorinstanz ist der Ansicht, dass kein Grund für die Annahme eines
nachehelichen Härtefalls vorliege. Die Umstände der Ehe seien nicht hinreichend
dokumentiert, da die Ausführungen in den Arztberichten hauptsächlich auf den
Aussagen der Beschwerdeführerin beruhen würden. Aus den Unterlagen gehe einzig
der Vorfall vom 13. Juni 2015 hervor. Bei den angeblich zuvor regelmässig einmal pro
Woche ereigneten Vorfällen durch Würgen, Schlagen und Drohen des Ehemanns
handle es sich mangels Belegen nur um Parteibehauptungen. Gegen ein vom Ehemann
ausgesprochenes Verbot der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit spreche, dass sie per
Februar 2015 eine Anstellung bei der X._ AG aufgenommen und Deutschkurse
absolviert habe. Die psychischen Probleme hätten nicht nur mit den Erlebnissen der
Ehe, sondern auch mit ihrer offenbar schweren Kindheit und Jugend sowie der im Mai
2015 erlittenen Fehlgeburt zu tun. Ein Zusammenhang zwischen den psychischen
Problemen der Beschwerdeführerin und häuslicher Gewalt sei nicht dargetan.
3.4. Dagegen wendet die Beschwerdeführerin ein, dass in der Beziehung erhebliche
Gewalt vorgeherrscht habe. Die Gewalt in der Ehe müsse sie nicht beweisen, sondern
lediglich glaubhaft machen. Sie habe zusammen mit ihrem Ex-Mann in einer
Einzimmerwohnung gleich neben ihren Schwiegereltern gewohnt. Dieses Zimmer sei
als Schlafzimmer genutzt worden. Gelebt habe man zusammen mit den
Schwiegereltern. Diese und ihr Ex-Mann hätten ihr verboten, sich frei zu bewegen, sich
mit Freundinnen zu treffen oder spazieren zu gehen. Die Schwiegermutter habe ihr
vorgeworfen, keine gute Ehefrau zu sein. Sie sei von ihrem Ex-Mann in jeder Hinsicht
gedemütigt worden. Aus dem Polizeirapport würden entsprechende Hinweise
hervorgehen. Die Ehe sei schon seit einem Jahr nicht mehr stimmig gewesen. Es seien
Beleidigungen festgehalten worden, ebenso dass sie von ihrem Mann am Oberarm
gepackt und an den Haaren gerissen worden sei. Diese Aussagen seien zu einem
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Zeitpunkt gemacht worden, anlässlich welchem der Verbleib in der Schweiz für sie
noch kein Thema gewesen sei. Auch in den medizinischen Berichten sei festgehalten
worden, dass der Ex-Mann Verhaltensstörungen zeige, sie gedemütigt habe und sie
sich immer im Unrecht habe fühlen lassen.
3.5. Gemäss den vorliegenden Akten kam es am 13. Juni 2015 zu einer polizeilichen
Intervention im häuslichen Bereich. Zum Tathergang wurde festgehalten, dass die seit
einem Jahr nicht mehr stimmige eheliche Situation zu einer verbalen
Auseinandersetzung mit gegenseitlichen Tätigkeiten geführt habe. Die
Beschwerdeführerin gab an, dass es seit dem ersten Tag nach der Heirat Probleme
gegeben habe. Ihr Mann gehe immer mit Kollegen weg und sie müsse zu Hause
warten. Sie dürfe keine Freundinnen haben. Er habe ihr gesagt, dass sie keine schöne
Frau sei. Beide Parteien verzichteten auf eine Strafanzeige. Tagsdrauf, am 14. Juni
2015, trennten sich die Beschwerdeführerin und ihr Ex-Mann und dieser verliess die
eheliche Wohnung. Der Hausarzt der Beschwerdeführerin, Dr. N._, überwies die
Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 21. Juli 2015 an die Klinik Z._. Die
Beschwerdeführerin habe über Beziehungsprobleme geklagt. Ihr Mann wolle sich von
ihr scheiden lassen, beschimpfe sie und mache sie klein. Vor zwei Monaten hätte sie
eine Fehlgeburt erlitten. Die gesamte Situation belaste sie sehr und sie wünsche
Unterstützung. Nach einem Erstgespräch am 27. Juli 2015 erhielt die
Beschwerdeführerin vom 17. August bis 11. September 2015 in der integrativen
tagesklinischen Behandlung in der Klinik Z._ Unterstützung. Dem Bericht über diese
ambulante Rehabilitationsbehandlung vom 12. November 2015 ist bei der
Krankheitsanamnese zu entnehmen, dass die Probleme der Beschwerdeführerin in der
Kindheit begonnen hätten, als die Familie mit dem Krieg konfrontiert worden sei.
Finanzielle Probleme und die Alkoholprobleme ihres Vaters hätten ihr die Hoffnung auf
eine bessere Zukunft verunmöglicht. Als sie ihren heutigen Ehemann kennengelernt
habe, habe sie das Gefühl gehabt, dass sich ihr Leben verbessern könne. Dieser habe
aber Verhaltensstörungen gezeigt und sie in jeder Hinsicht gedemütigt und sie immer
im Unrecht fühlen lassen. Sie habe trotzdem versucht, sich an die neue Umgebung
anzupassen und habe einen Deutschkurs besucht. Zudem habe sie im Mai 2015 in der
zehnten Schwangerschaftswoche ihr Baby verloren. Ihr Mann habe die Scheidung
gewollt und für sie sei eine Welt zusammengebrochen. Seitdem leide sie unter häufigen
Stimmungseinbrüchen, fühle sich zunehmend müde und ausgelaugt. Dr. B._, Chefarzt
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der Klinik Z._, gab in seinem Bericht vom 28. Januar 2016 zu Handen des
Rechtsvertreters der Beschwerdeführerin an, dass die psychischen Probleme auf
Ausschöpfung der psychischen Ressourcen bei massiven Eheproblemen
zurückzuführen seien, was nach der Fehlgeburt im Mai zum Ausbruch einer
Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt geführt habe. Der
Verlust der Selbstwertgefühle, die Trauer nach dem Verlust des Kindes, Schamgefühle
wegen der gescheiterten Ehe sowie die Wahrnehmung der eigenen Ohnmacht in Bezug
auf die Zukunftsgestaltung würden für die Beschwerdeführerin psychisch extreme
Belastungen bedeuten.
3.6. Die eingereichten Arztzeugnisse datieren vom 21. Juli, 5. August und 12.
November 2015 sowie vom 28. Januar 2016 und wurden somit nach der Trennung der
Ehegatten vom 14. Juni 2015 erstellt. Die Beschwerdeführerin begab sich damit erst
mehr als einen Monat nach der Trennung in medizinische Behandlung. Echtzeitliche
ärztliche Berichte, welche während des Zusammenlebens mit dem Ex-Mann
Gewalteinwirkungen durch diesen dokumentieren, existieren in den vorliegenden Akten
nicht. Gemäss der Krankheitsanamnese der vorliegenden Arztberichte führten denn
auch nicht nur die schwierige Situation mit dem Ex-Mann zu einer notwendigen
Behandlung, sondern auch die Fehlgeburt und die schwierige Kindheit. Detaillierte
Angaben, wie der Ex-Mann während der Ehe allfällige Gewalt auf sie ausgeübt hat, sind
weder Arztberichten noch dem Polizeibericht über die Intervention im häuslichen
Bereich vom 13. Juni 2015 zu entnehmen. Das im Polizeibericht geschilderte Ereignis
allein ist nicht geeignet, die von der Rechtsprechung verlangte Intensität und Konstanz
der ehelichen Gewalt zu belegen. Die Darlegungen der Beschwerdeführerin, aufgrund
derer eheliche bzw. häusliche Gewalt geschlossen werden müsste, werden demnach
weder durch Arztberichte noch Strafanzeigen oder wenigstens die Einleitung eines
Strafverfahrens gegen den Ex-Mann gestützt (vgl. BGer 2C_320/2017 vom 21.
Dezember 2017 E. 3.4.4). Auch gibt es keine Hinweise darauf, dass sich die
Beschwerdeführerin während des massgeblichen Zeitpunkts jemandem anvertraut
hätte (vgl. BGer 2C_58/2017 vom 23. Juni 2017 E. 2.3). Zwar macht die
Beschwerdeführerin zu Recht geltend, dass für das Vorliegen anspruchsbegründender
ehelicher bzw. häuslicher Gewalt nicht ein voller Beweis oder eine strafrechtliche
Verurteilung verlangt wird, sondern es genügt, wenn dies die ausländische Person,
losgelöst von einem strafrechtlichen Verfahren, in geeigneter Weise glaubhaft macht
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(BGE 138 II 229 E. 3.2.3, BGer 2C_765/2013 vom 2. Juni 2014 E. 4.3). Der
Beschwerdeführerin obliegt es jedoch, die erforderliche Intensität und Konstanz der
Gewalteinwirkungen glaubhaft zu machen. Sie hat aberweder die Systematik von
Misshandlungen bzw. deren zeitliches Andauern noch die daraus entstehende
subjektive Belastung objektiv nachvollziehbar konkretisiert oder belegt. Im Übrigen
vermag nicht jede unglückliche, belastende und nicht den eigenen Vorstellungen
entsprechende Entwicklung einer Beziehung bereits einen nachehelichen Härtefall und
ein weiteres Anwesenheitsrecht in der Schweiz zu begründen (BGE 138 II 229 E. 3.2.2).
Dass das Scheitern der Ehegemeinschaft die Beschwerdeführerin getroffen hat, ist
verständlich. Darin liegt indes keine für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls
relevante Beeinträchtigung vor. Auch die geltend gemachten Einmischungen ins
Privatleben und das allfällige Verbot ausserhäuslicher Aktivitäten durch den Ex-Mann
und die Schwiegermutter mögen zwar subjektiv als verletzend oder störend empfunden
worden sein; eine anhaltende, erniedrigende Behandlung oder eine schwerwiegende
psychische Druckausübung werden damit indes nicht aufgezeigt. Zwar wohnte die
Beschwerdeführerin im selben Haus wie ihre Schwiegereltern, jedoch nicht in
derselben Wohnung bzw. ihr stand zumindest ein Rückzugsort in ihre
Einzimmerwohnung zur Verfügung. Zudem gelang es der Beschwerdeführerin trotz des
von ihr geltend gemachten Verbots, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Auch im
Rahmen des Besuchs der Deutschkurse wäre es der Beschwerdeführerin möglich
gewesen, Sozialkontakte zu knüpfen.Insgesamt sind keine eindeutigen Anhaltspunkte
ersichtlich, die auf eine konstante und intensive (psychische und/oder physische)
eheliche bzw. häusliche Gewaltausübung durch ihren Ex-Mann schliessen lassen und
damit einen nachehelichen Härtefall zu begründen vermöchten.
4.
4.1. Nebst der ehelichen Gewalt stellt auch die starke Gefährdung der sozialen
Wiedereingliederung im Herkunftsland für sich allein einen wichtigen persönlichen
Grund im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AuG und Art. 77 Abs. 2 VZAE dar. Daher ist weiter
zu prüfen, ob aufgrund dessen die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen bzw. zu
verlängern ist. Die Beschwerdeführerin führt an, dass sie gewichtige private Interessen
habe. Sie sei in der Schweiz integriert, habe zwei Arbeitsstellen und sei mit einem hier
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ansässigen Mann liiert. Weiter würde die Wegweisung aus der Schweiz gemäss dem
Arztbericht eine zusätzliche psychische Belastung darstellen.
4.2. Hat der Aufenthalt nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen
zur Schweiz geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen,
wenn die erneute Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme darstellt
(BGE 138 II 229 E. 3.1, Botschaft AuG, BBl 2002 3709, 3754 Ziff. 1.3.7.6). Bei der
sozialen Wiedereingliederung ist entscheidend, ob die persönliche, berufliche und
familiäre Wiedereingliederung der betroffenen ausländischen Person bei einer
Rückkehr in ihre Heimat als stark gefährdet zu gelten hätte und nicht, ob ein Leben in
der Schweiz einfacher wäre und vorgezogen würde (BGer 2C_17/2012 vom 24. Januar
2012, E. 2.3.1; BGE 137 II 345, E. 3.2.3).
Es gilt dasselbe Beweismass wie bei der Geltendmachung von ehelicher Gewalt als
wichtigen Grund (vgl. E. 3.2). Auch hier genügen allgemeine Hinweise nicht; die
befürchtete Beeinträchtigung muss im Einzelfall aufgrund der konkreten Umstände
glaubhaft erscheinen (BGer 2C_765/2013 vom 2. Juni 2014 E. 4.1).
4.3. Die 32-jährige Beschwerdeführerin hält sich erst seit Juli 2014 in der Schweiz auf.
Sie verbrachte damit die ersten 28 Jahre ihres Lebens in ihrem Heimatland. Dort
besuchte sie die Schule und absolvierte eine Ausbildung zur Schneiderin. Nachdem sie
die sie prägende Schul- und Jugendzeit, wie auch einen grossen Teil ihres
Erwachsenen- und Erwerbslebens in ihrem Heimatland verbracht hat, darf davon
ausgegangen werden, dass ihr soziales Netz aus Familienmitgliedern und Freunden in
Bosnien und Herzegowina nach wie vor besteht bzw. sie bei ihrer Rückkehr in die
Heimat an frühere Beziehungen wieder anknüpfen kann. Aus dem Umstand, dass sie in
der Schweiz einer Erwerbstätigkeit nachgeht, sich um die Erlernung der deutschen
Sprache bemüht und in einer neuen Beziehung ist, lässt sich kein Anspruch auf einen
weiteren Verbleib in der Schweiz ableiten. Aufgrund der kurzen Aufenthaltsdauer (Ehe
rund eineinhalb Jahre; Rechtsmittelverfahren rund 2 Jahre) kann denn auch nicht von
einer fortgeschrittenen persönlichen Integration und Verwurzelung ausgegangen
werden. Wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz geknüpft und war der
Aufenthalt im Land nur von kurzer Dauer, besteht praxisgemäss kein Anspruch auf
einen weiteren Verbleib, auch wenn die betroffene ausländische Person hier nicht
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straffällig geworden ist, gearbeitet hat und inzwischen auch Deutsch spricht (BGer
2C_428/2012 vom 18. Mai 2012 E. 2.2.1). Dass die wirtschaftlichen Verhältnisse in der
Schweiz für sie vorteilhafter wären, fällt ebenfalls nicht ins Gewicht. Die
Lebenssituation, die sie in Bosnien und Herzegowina vorfinden wird, ist ihr vertraut und
nicht schlechter als die der übrigen Wohnbevölkerung. Es sind bereits daher keine
Gründe ersichtlich, die gegen ihre soziale Wiedereingliederung im Heimatland sprechen
könnten.
4.4. Aufgrund der nicht abschliessenden Aufzählung in Art. 50 Abs. 2 AuG kann auch
der Gesundheitszustand einer betroffenen Person einen wichtigen persönlichen Grund
darstellen (vgl. auch Art. 31 Abs. 1 lit. f VZAE, BGer 2C_721/2014 vom 15. Januar 2015
E. 3.2.1). Die gesundheitlichen Probleme müssen allerdings so gravierend sein, dass
eine Rückkehr ins Heimatland in medizinischer Hinsicht unhaltbar erscheint. Die
ungenügende Möglichkeit der Behandlung im Heimatland muss eine drastische und
lebensbedrohende Verschlechterung des Gesundheitszustands nach sich ziehen (BGer
2C_672/2015 vom 14. März 2016 E. 2.2).
Im psychiatrischen Bericht vom 28. Januar 2016 weist Dr. B._ darauf hin, dass bei
einer Ausweisung aus der Schweiz eine massive psychische Belastung angenommen
werden müsse. Daraus kann die Beschwerdeführerin indes nichts zugunsten ihrer
Begehren ableiten. Denn die betroffene Person müsste beweisen, dass sie an einem
ernsthaften Gesundheitsschaden leidet, der während einer langen Zeitspanne
dauernde Behandlung oder punktuelle medizinische Notfallmassnahmen erfordert, die
im Herkunftsland nicht verfügbar sind, sodass eine Ausreise aus der Schweiz
schwerwiegende Folgen für ihre Gesundheit nach sich ziehen könnte. Dass das
Gesundheitssystem im Herkunftsland der betroffenen Person nicht mit jenem in der
Schweiz vergleichbar ist und die hiesige medizinische Versorgung allenfalls einem
höheren Standard entspricht, begründet noch keinen Härtefall (vgl. BGE 139 II 393 E. 6,
BGer 2C_672/2015 vom 14. März 2016, E 2.2).Dr. B._ begründet nicht, warum für die
Beschwerdeführerin bei einer Rückkehr nach Bosnien und Herzegowina eine Gefahr für
Leib und Leben bestehen sollte und weshalb eine allfällige medizinische Behandlung
nicht auch im Heimatland durchführbar wäre (vgl. VerwGE B 2015/298 vom 30. Mai
2017 E. 3.3.1, www.gerichte.sg.ch). Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass kein
aktuellerer medizinischer Bericht in den Akten liegt. Es kann daher angenommen
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werden, dass sich die Beschwerdeführerin von ihrer Anpassungsstörung, welche
gemäss der Klassifikation nach ICD-10 in der Regel nicht länger als sechs Monate
andauert, erholt hat. Die Beschwerdeführerin legt damit keine glaubhaften Einwände
vor, die einen wichtigen Grund nach Art. 50 Abs. 2 AuG zu begründen vermöchten.
5.
5.1. Wie die Vorinstanz zu Recht festgestellt hat, erfüllt die Beschwerdeführerin die
Voraussetzungen für einen nachehelichen Härtefall nach Art. 50 Abs. 1 lit. b und Abs. 2
AuG und Art. 77 Abs. 2 VZAE nicht. Sie konnte weder glaubhaft machen, dass sie ein
Opfer ehelicher Gewalt ist, noch, dass die soziale Wiedereingliederung im
Herkunftsland stark gefährdet erscheint, noch dass eine allenfalls gebotene
medizinische Behandlung nicht in ihrem Heimatland erfolgten könnte. Besteht darauf
kein Anspruch, so liegt die Frage nach der Wegweisung bzw. nach der erneuten
Bewilligungserteilung im behördlichen Ermessen (Bolzli, in: Kommentar
Migrationsrecht, a.a.O., N 4 zu Art. 33 AuG). Das Verwaltungsgericht greift nicht in die
Ermessensausübung der Vorinstanzen ein, wenn diese nicht mit einem Rechtsfehler
behaftet ist (Art. 61 Abs. 1 VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 739 ff., VerwGE B 2015/45 vom 19. Juli 2016 E. 6.1,
B 2016/131 vom 16. Januar 2018 E. 3.6, www.gerichte.sg.ch).
5.2. Die Vorinstanz hat das öffentliche Interesse an einer restriktiven Migrationspolitik
höher gewichtet als die privaten Interessen der erst seit relativ kurzer Zeit hier lebenden
Beschwerdeführerin am weiteren Verbleib in der Schweiz. Wie bereits ausgeführt reiste
die Beschwerdeführerin erst im Alter von 28 Jahren aufgrund der Heirat ein, wo sie sich
seit Juli 2014 aufhält. Den grössten Teil ihres Lebens und insbesondere die Schulzeit
und die kulturell prägenden Jugendjahre verbrachte sie in Bosnien und Herzegowina
und ist demnach mit den dort herrschenden Sitten und Gebräuchen bestens vertraut.
Die Rückkehr in die Heimat ist ihr demzufolge ohne weiteres zumutbar und aufgrund
ihres jungen Alters ist sie in der Lage, sich den dort herrschenden Lebensumständen
wieder anzupassen. Auch sprechen keine gesundheitlichen Gründe gegen eine
Rückkehr (siehe E. 4.3). Die Beschwerdeführerin arbeitet zwar in der Schweiz als
Reinigungsangestellte, spricht einigermassen Deutsch (Deutschzertifikat Level A2) und
führt gemäss eigenen Angaben eine Liebesbeziehung mit einem hier ansässigen Mann.
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Diese Umstände allein lassen die vorinstanzliche Ermessensausübung jedoch nicht als
rechtsfehlerhaft erscheinen. Insbesondere ist nicht ersichtlich und wird von der
Beschwerdeführerin auch nicht weiter nachgewiesen, inwiefern sie in der Schweiz
besonders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Bindungen
gesellschaftlicher oder beruflicher Natur bzw. entsprechend vertiefte soziale
Beziehungen zum ausserfamiliären bzw. ausserhäuslichen Bereich unterhält. Wie die
Vorinstanz zu Recht ausführte, besteht ein öffentliches Interesse daran, dass
Ausländerinnen und Ausländer, bei denen die familiären Voraussetzungen, die für die
Erteilung des Aufenthaltsrechts massgebend waren, nach kurzer Zeit wegfallen, die
Schweiz wieder verlassen (VerwGE B 2012/105 vom 13. November 2012 E. 7,
www.gerichte.sg.ch).
6. Zusammenfassend können der Vorinstanz keine Rechtsfehler vorgeworfen werden,
wenn sie den Widerruf der Aufenthaltsbewilligung bestätigte. Die Beschwerde ist
abzuweisen.
7. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
2‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Die Kosten werden mit dem geleisteten Kostenvorschuss von CHF 2‘000
verrechnet.
Ausseramtliche Kosten sind bei diesem Verfahrensausgang nicht zu entschädigen (Art.
98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).