# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 72a3503e-f33c-43e8-922a-50a04f770670
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Am 1. Januar 2022 ersuchte R._, geb. 1964, die Sozialversicherungsanstalt des
Kantons St. Gallen (SVA) um eine individuelle Prämienverbilligung (IPV) für das Jahr
2022. Die SVA wies das Gesuch mit Verfügung vom 28. Januar 2022 ab. Begründet
wurde die Ablehnung damit, das anrechenbare Einkommen sei zu hoch. Dabei stellte
die SVA auf das Reineinkommen von CHF 31'367 gemäss Veranlagung der Kantons-
und Gemeindesteuern 2020 ab.
B.
R._ erhob gegen die Verfügung vom 28. Januar 2022 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen (SVA) Einsprache. Sie machte
geltend, es sei ihr nicht möglich, die Prämien zu bezahlen, zumal auch noch ihr
erwachsener Sohn bei ihr wohne. Die SVA wies die Einsprache mit Entscheid vom
4. Februar 2022 ab mit der Begründung, dass der Sohn ein eigenes Gesuch stellen
müsse und bei ihr zudem keine dauerhafte Einkommensveränderung vorliege.
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C.
Am 8. Februar 2022 erhob R._ gegen den Einsprache-Entscheid Rekurs beim
Versicherungsgericht des Kantons St. Gallen. Mit Entscheid vom 18. Mai 2022 wies
dieses das Rechtsmittel ab. Es verneinte eine wesentliche, anspruchsbegründende
Einkommensverminderung.
D.
Gegen den Rekursentscheid erhob R._ (Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom 3. Juni
2022 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem sinngemässen Antrag, es sei der
Entscheid des Versicherungsgerichts (Vorinstanz) vom 18. Mai 2022 aufzuheben und
ihr eine individuelle Prämienverbilligung für das Jahr 2022 zu gewähren. Am 24. Juli
2022 und 4. August 2022 reichte die Beschwerdeführerin weitere Stellungnahmen
sowie neue Beweismittel ein.
Das Versicherungsgericht erklärte mit Schreiben vom 13. Juni 2022, 28. Juli und
8. August Verzicht auf Vernehmlassung bzw. Stellungnahmen. Die SVA liess sich nicht
vernehmen.
Auf die Begründungen der Beschwerdeführerin sowie die Ausführungen im
angefochtenen Entscheid wird, soweit notwendig, in den folgenden Erwägungen
eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Als Adressatin des
angefochtenen Entscheids ist die Beschwerdeführerin zur Ergreifung des Rechtsmittels
befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am
30. Mai 2022 versandten und am 1. Juni 2022 zugestellten Entscheid wurde mit
Eingabe vom 3. Juni 2022 rechtzeitig erhoben und erfüllt formal wie inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2.
Beschwerdegegenstand bildet die Frage, ob für die Festsetzung des Anspruchs auf IPV
für das Jahr 2022 anstelle der definitiven Steuerveranlagung des Jahres 2020 und des
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darin ermittelten Reineinkommens auf die aktuelle wirtschaftliche Leistungsfähigkeit
der Beschwerdeführerin abzustellen ist. Diese macht im Wesentlichen sinngemäss
nämlich geltend, im Jahr 2020 habe sie in der Tat ein Einkommen von CHF 42'648
erzielt. Aktuell arbeite sie in zwei Betrieben stundenweise in Schichten. Angesichts ihrer
derzeit anhaltend hohen Lebenshaltungskosten für den Arbeitsweg (CHF 300), die
Miete (CHF 1'530) und für die Krankenkasse inkl. Medikamente (CHF 460) sowie
weiterer Kosten für eine Autoreparatur, Strom und Internet sei es ihr nicht möglich, die
Krankenkassenprämien zu bezahlen. Von ihrem getrenntlebenden Mann erhalte sie
keine finanzielle Hilfe, und sie müsse auch noch für ihren Sohn aufkommen (ca.
CHF 600 pro Monat). Im Juni 2022 habe sie CHF 3'200 verdient.
3.
Gemäss Art. 65 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (SR 832.10;
KVG) gewähren die Kantone Versicherten in bescheidenen wirtschaftlichen
Verhältnissen Prämienverbilligungen. Nach Abs. 3 derselben Bestimmung haben sie
dafür zu sorgen, dass bei der Überprüfung der Anspruchsvoraussetzungen,
insbesondere auf Antrag der versicherten Person hin, die aktuellsten Einkommens- und
Familienverhältnisse berücksichtigt werden. Der Vollzug der Prämienverbilligung obliegt
den Kantonen (Art. 97 Abs. 1 KVG). In den kantonalen Ausführungsbestimmungen sind
insbesondere die Anspruchsberechtigung und das Verfahren für die Ermittlung der
Berechtigten zu regeln. Der Kanton St. Gallen ist der Verpflichtung nach Art. 97 Abs. 1
KVG mit dem Erlass des EG-KVG (sGS 331.11) sowie der Verordnung zum
Einführungsgesetz zur Bundesgesetzgebung über die Krankenversicherung
(sGS 331.111, Vo EG-KVG) nachgekommen. Dabei setzte er in Art. 10 EG-KVG die
persönlichen und in Art. 11 EG-KVG die einkommensmässigen Voraussetzungen sowie
die Höhe der IPV (Art. 12 EG-KVG) fest.
Nach Art. 11 EG-KVG setzt die Regierung das die Prämienverbilligung auslösende
Einkommen unter teilweiser Berücksichtigung des steuerbaren Vermögens durch
Verordnung fest (Abs. 1). Grundlage bildet in der Regel die letzte definitive
Steuerveranlagung des vorletzten Jahres vor dem Jahr, für das die Prämienverbilligung
beansprucht wird (Abs. 2). Entspricht das ermittelte Einkommen offensichtlich nicht der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit, wird auf diese abgestellt (Abs. 3).
Die Vo EG-KVG enthält ergänzende Bestimmungen zum massgebenden Einkommen.
Gemäss Art. 12 Abs. 1 Vo EG-KVG bildet das nach kantonalem Steuerrecht ermittelte
3.1.
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Reineinkommen der Steuerperiode des vorletzten Jahres Grundlage für die
Berechnung des massgebenden Einkommens, und zwar wird bei noch nicht definitiv
veranlagten Personen auf die Steuerdeklaration (lit. a) und bei den andern auf die
definitive Veranlagung (lit. b) abgestellt. Art. 12 Vo EG-KVG sieht sodann vor, dass
auf die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit anstelle des ermittelten Einkommens
abgestellt wird, wenn sich die Einkommensgrundlagen dauerhaft verändert haben (Abs.
1), wobei die Abweichung im Bezugsjahr wenigstens einen Viertel des massgebenden
Einkommens des vorletzten Jahres betragen muss (Abs. 2). Diese beiden
Voraussetzungen müssen kumulativ erfüllt sein. Ein Abweichen von der definitiven
Steuerveranlagung des vorletzten Jahres ist praxisgemäss nur bei dauerhaften und
tiefgreifenden Änderungen der Einkommensverhältnisse gerechtfertigt (VerwGE B
2006/3 vom 21. März 2006 E. 2c und B 2005/23 vom 10. Mai 2005 E. 2c).
quater
Im angefochtenen Entscheid kam die Vorinstanz im Wesentlichen zum Schluss, der
Sohn habe sich am 1. Januar 2022 nicht in Ausbildung befunden, weshalb nicht von
einer Unterhaltspflicht der Beschwerdeführerin ausgegangen werden könne und daher
eine getrennte Prüfung zu erfolgen habe. Mittlerweile sei dem Sohn auf eigenen Antrag
hin die IPV für das Jahr 2022 zugesprochen worden. Verglichen mit dem
durchschnittlichen Lohn im Jahr 2020 von CHF 3'554 pro Monat liege bei Einkünften
von monatlich CHF 3'200 im Jahr 2022 keine Abweichung von mindestens einem
Viertel vor, womit ein Abstellen auf die aktuellen Einkommensdaten nicht gerechtfertigt
sei. Dass allfällige gesundheitsbedingte Einkommenseinbussen einen dauerhaften
Charakter hätten, sei nicht ausgewiesen. Die Trennung vom Ehemann sei in der
Steuerveranlagung 2020 bereits berücksichtigt worden.
3.2.
Die von der Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren erhobenen Einwände sind
nicht geeignet, den vorinstanzlichen Entscheid umzustossen. Das massgebende
Reineinkommen des Jahres 2020 betrug CHF 31'367, woraus sich ein Selbstbehalt von
CHF 5'260.25 ergibt (16,77 Prozent von CHF 31'367, vgl. Art. 5 Abs.1 lit. a des
Regierungsbeschlusses über die Prämienverbilligung 2022 für Personen im Kanton
St. Gallen, SGS 331.538). Dieser liegt über der Referenzprämie von CHF 4'643.40 für
das Jahr 2022 in der Region 2 (vgl. Art. 3 Abs. 1 lit. a des erwähnten
Regierungsbeschlusses), womit kein Anspruch auf IPV besteht.
Wie die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, ist der Anspruch des Sohnes auf IPV
separat zu ermitteln, da sich dieser am 1. Januar 2022 nicht in Ausbildung befand und
3.3.
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4.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 1'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV). Auf die Erhebung der Kosten ist indessen aufgrund der voraussichtlichen
Uneinbringlichkeit ausnahmsweise zu verzichten (Art. 97 VRP).
Ausseramtliche Kosten wurden keine beantragt; sie wären bei diesem
Verfahrensausgang ohnehin nicht zu entschädigen (Art. 98 und 98 VRP).
die Beschwerdeführerin für ihn keine Ausbildungszulage bezog. Dies ist mittlerweile
auch geschehen. Dem Sohn wurde mit Verfügung vom 11. Februar 2022 für 2022 eine
IPV von CHF 3'334.80 zugesprochen (act. 7/G 6.1). Insofern, als die
Beschwerdeführerin vorbringt, sie verdiene momentan CHF 3'200 pro Monat, kann sie
daraus nichts zu ihren Gunsten ableiten, weil damit die für eine erforderliche
quantitative Mindesteinkommensabweichung von 25 Prozent gegenüber dem Jahr
2020, in dem sich ihr durchschnittliches Monatseinkommen noch auf CHF 3'554 belief,
nicht erreicht (vgl. Art. 12 Abs. 2 Vo EG-KVG). Bereits daher erübrigt sich die
Prüfung der qualitativen Voraussetzung der Dauerhaftigkeit der Veränderung der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit (vgl. Art. 12quater Abs. 1 Vo EG-KVG). Nicht
massgebend für die Berechnung des Anspruchs auf individuelle Prämienverbilligung
sind sodann die aktuellen Lebenshaltungskosten wie auch das Vermögen der
Beschwerdeführerin, weshalb darauf auch nicht näher einzugehen ist (vgl. Art. 10 EG-
KVG).
quater
Zusammenfassend ergeben sich aus den Akten auch keinerlei Hinweise für eine
grundlegende Veränderung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit im Sinne einer
quantitativ erheblichen Veränderung der Einkommensgrundlagen der
Beschwerdeführerin, womit ein Abstellen auf veränderte Verhältnisse im Anspruchsjahr
ebenfalls ausser Betracht fällt (vgl. dazu Art. 65 Abs. 3 KVG, Art. 11 Abs. 3 EG KVG und
Art. 12 Abs. 2 Vo EG-KVG). Der Anspruch auf IPV für das Jahr 2022 wurde daher
von der Vorinstanz zu Recht basierend auf den Daten der definitiven
Steuerveranlagung des Jahres 2020 beurteilt und abgewiesen. Dementsprechend
erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist abzuweisen.
3.4.
quater
bis
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