# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1cf2c6fe-470a-59bf-9492-43e9c38bd3d2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
1.1.1
X._
, geboren 1924, seit Jahren Bezügerin von
Ergänzungsleis
tungen
, liess der Stadt
Z._
, Durchführungsstelle für Zusatzleistungen zur
AHV/IV (im Folgenden: Durchführungsstelle)
,
mit Schreiben vom 6. Oktober 2009
durch ihre Vertreterin mitteilen, sie sei am 15. September 2009 von ihrer Wohnung
in das Alterszentrum
A._
umgezogen (vgl. zum Sachverhalt im Fol
gen
den: Urteil des Soz
ialversicherungsgerichts ZL.2014.00080
vom
18.
De
zember 2014, Urk. 7
/2
)
. Aufgrund dieser Meldung passte die
Durch
führungsstelle
in den
f
olgenden Verfügungen die Berech
nung der
Ergänzungs
leistungen
zwar
an, rechnete jedoch gleichzeitig unter der Rubrik „Weitere Aus
gaben“ die
Mietkos
ten
für die Wohnung weiterhin als anerkannte Ausgabe an. Anlässlich der periodischen Überprüfung des Leistungsanspruchs im April 2012 b
emerkte sie den Fehler. In der Folge forderte sie von der Versicherten die in der
Zeit vom 1. Oktober 2009 bis 31. Mai 2012
zuviel
bezogenen
Ergänzungs
leistun
gen
von Fr. 33‘886.- zu
rück (Verfügung vom 10. Juli 2012). Die dagegen erhobene Ein
sprache wies sie mit Entscheid vom 27. Juli 2012 ab, äusserte sich inhaltlich aber nur zur Frage des Erlasses. Das
Sozialver
siche
rungs
gericht
hiess die dage
gen erhobene Beschwerde mit Urteil ZL.2012.00
0
77
vom 28. März 2013 (Urk.
7
/4
) in dem Sinne gut, dass es die Sache an die
Durch
führungsstelle
zurückwies, damit diese zunächst einen auf die Frage der
Rückerstattungs
forderung
beschränkten
Einspracheentscheid
erlasse und nach rechtskräftigem Abschluss dieses Verfahrens, soweit erforderlich, über das
Erlass
gesuch
verfüge und hernach, falls die Versicherte die Verfü
gung nicht akzeptiere, betreffend den Erlass ein
Einspracheverfahren
durchführe.
1.1.2
Darauf forderte die Durchführungsstelle mit Verfügung vom 27. Mai 2013 von der Versicherten die in der Zeit vom 1. Oktober 2009 bis 31. Mai 2012
zuviel
bezogenen Ergänzungsleistungen von Fr. 33‘886.- zurück und hielt daran nach erhobener Ein
sprache mit Entscheid vom 18. Juli 2013
fest; gleichzeitig wies sie ein Erlassgesuch der Versicherten ab. Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialver
sicherungsgericht mit Urteil
ZL.2013.00075 vom 28. Februar 2014 (Urk.
7
/3
) erneut
in dem Sinne gut, dass es die Sache an die Durchführungsstelle zurückwies, damit diese betreffend den Erlass ein
Einspracheverfahren
durch
führe.
1.1.3
Gestützt auf das Rückweisungsurteil vom 28. Februar 2014 wies die
Durch
führungsstelle
das Erlassgesuch der Versicherten mit Verfügung vom 3. Juni
2014 mangels eines guten Glaubens ab und hielt daran nach erhobener Ein
sprache vom
23. Juni 2014 mit Entscheid vom 7. Juli 2014 fest.
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das Sozialver
sicherungsgericht mit Urteil
ZL.2014.00080 vom 18. Dezember 2014 (Urk.
7
/2
)
in dem Sinne gut, dass es – nach Bejahung der Gutgläubigkeit der Beschwerdeführerin - die Sache an die Durchführungsstelle zurückwies, damit sie die zweite, kumulativ zu erfüllende Erlassvorau
ssetzung der grossen Härte prüfe
und hernach über das
Erlassgesuch erneut entscheide
. Auf die dagegen von der
Durchführungsstelle
erhobenen Beschwerde trat
das Bundesgericht mit Urteil 9C_
89/2015
vom 11. Februar 2015
nicht ein (Urk.
7
/1
).
1.2
In der Folge
wies die Durchführungsstelle das Erlassgesuch der Versicherten
bei
Bejahung der grossen Härte erneut mangels Erfüllung des guten Glaubens ab (Verfügung vom
13. März 2015, Urk. 6/2
) und hielt daran nach erhobener Ein
s
prache v
om 30. März 2015 (Urk. 6/3
) mit Entscheid vom
14. April
2015 fest (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
mit Eingabe vom 19. Mai 2015 (Urk. 1) Beschwerde. Die vom 19. Mai 2015 datierte Eingabe wurde am 20. Mai 2015 der Post übergeben (Urk. 1 sowie dazugehöriger Briefumschlag, Urk. 4).
Das Sozialversicherungsgericht holte von der Durchfüh
rungsstelle die Verfü
gung vom 13
.
März
2015 und die Einsprache der Versicherten
vom
30.
März
2015
sowie die Beschwerdeantwort vom 21. Juli 2015 (Urk. 11)
ein (Urk. 6/1-3
)
und zog die in Sachen der Parteien ergangenen Urteile bei (Urk. 7/1-4)
.
Auf die Ausführungen der Versicherten und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerde ist innerhalb von 30 Tagen nach Eröffnung des angefochtenen Entscheids zu erheben (
Art.
60 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Die Artikel 38 bis 41 ATSG sind sinngemäss anwendbar (
Art.
60 Abs. 2 ATSG).
Ist der letzte Tag der Frist ein Samstag, ein Sonntag oder ein vom Bundesrecht oder vom kantonalen Recht anerkannter Feiertag, so endet sie am nächstfolgen
den Werktag (
Art.
38 Abs. 3 Satz 1 ATSG). Schriftliche Eingaben müssen spä
testens am letzten Tag der Frist dem Versicherungs
träger eingereicht oder zu dessen
Handen
der Schweizerischen Post oder einer schweizerischen diplomati
schen oder konsularischen Vertretung übergeben werden (
Art.
39 Abs. 1 ATSG). Gelangt die Partei rechtzeitig an einen unzuständigen Versicherungsträger, so gilt die Frist als gewahrt (
Art.
39 Abs. 2 ATSG).
Ist die versicherte Person oder ihre Vertretung unverschuldeterweise abgehalten worden, binnen Frist zu handeln, so wird diese wieder hergestellt, sofern sie unter Angabe des Grundes innert 30 Tagen nach Wegfall des Hindernisses darum ersucht und die versäumte Rechtshandlung nachholt (
Art.
41 ATSG).
1.2
Gemäss der postalischen Nummer auf der Kopie des Briefumschlags des ange
foch
tenen Entscheid
s
(Urk. 2) in Verbindung mit dem entsprechenden Aus
druck betreffend Sendungsverfolgung der Schweizerischen Post (Urk. 5) wurde der angefochtene Entscheid vom 14. April 2015 (Urk. 2) gleichentags als einge
schriebene Sendung der Post übergeben und am 16. April 2015 der Beschwer
d
eführerin zugestellt. Der erste Tag der dreissigtägigen Beschwerdefrist war somit der 17. April 2015 und der letzte der 18. Mai 2015. Die am 20. Mai der Post übergebene Beschwerde
(vgl. Urk. 4) ist
somit verspätet.
Die Voraus
setzungen für eine Wiederherstellung der Frist nach
Art.
41 ATSG sind nicht erfüllt.
Von der
Einholung einer Stellungnahme durch die Versicherte ist auf
grund der nachfolgenden Erwägungen abzusehen.
Auf die Beschwerde ist daher
nicht einzutreten.
2.
2.1
Zu prüfen bleibt jedoch noch, ob Nichtigkeitsgründe vorliegen. Denn
die Nichtig
keit eines Entscheides
ist
jederzeit und von sämtlichen rechtsanwendenden Behörden von Amtes wegen zu beachten
und kann auch im Rechtsmittel- und selbst noch im Vollstreckungsverfahren geltend gemacht werden
(BGE 129 I 361 E. 2
).
2.2
Fehlerhafte Verwaltungsakte sind in der Regel nicht nichtig, sondern bloss anfechtbar, und sie erwachsen dementsprechend durch Nichtanfechtung in Rechtskraft. Nichtigkeit der Verfügung oder des Entscheids tritt nach ständiger bundesgerichtlicher Rechtsprechung ein, wenn: a) der ihnen anhaftende Mangel besonders schwer ist,
b) er offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und
c) zudem die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird.
Als Nichtigkeitsgründe fallen vorab funktionelle und sachliche Unzuständigkeit der entscheidenden Behörde sowie krasse
Ver
fahrensfehler
in Betracht. Inhaltliche Mängel einer Verfügung oder eines Ent
scheids führen nur ausnahmsweise zur Nichtigkeit
.
Nichtigkeit ist nur in Aus
nahmefällen anzunehmen, wenn die Verfügung gravierende Mängel aufweist (
Urteil des Bundesgerichts 9C_320/2014 vom 29. Januar 2015, E. 4.1, mit Hin
weis
).
2.3
Wie eingangs erwähnt hat die Beschwerdegegnerin die
Einspracheverfahren
insbesondere
betreffend den Erlass mehrfach nicht korrekt durchgeführt und dabei auch die für sie verbindlichen V
orgaben
im
Urteil des hiesigen Gerichts ZL.2012.00
0
77 vom 28. März 2013 nicht eingehalten (Urk.
7
/3). Mit dem nun
mehr angefochtenen Entscheid vom
14. April
2015 ging sie entgegen der für sie nach dem
Nichteintretensentscheid
des Bundesgerichts 9C_
89/2015
vom
11.
Februar 2015
verbindlichen Vorgaben (dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_472/2013 v
om
2.
Dezember 2013, E. 4.4) des
rechtskräftig gewordenen Urteil
s
des Sozialversicherungsgerichts ZL.2014.00080 vom 18. Dezember 2014 – in welchem die Gutgläubigkeit der Versicherten bejaht und die Sache zur Prüfung der grossen Härte und
zum Erlass
eines neuen Entscheids
über
das Erlassgesuch zurückgewiesen worden war –
erneut
davon aus, die Beschwerde
führerin
sei
nicht gutgläubig
gewesen
.
Zudem
fällt auf, dass die
Beschwerde
gegnerin
in der angefochtenen Verfügung vom
13. März 2015 in den einleiten
den und endenden Ausführungen mehrfach betonte, in Nachachtung der „Anweisungen“ des Urteils des Sozialversicherungsgerichts vom 18. Dezember 2014
vorgegangen zu sein
, was jedoch gerade nicht zutrifft. Ein solches
für einen Laien irreführendes
Vorgehen widerspricht einerseits dem
Verfassungs
prinzip
der Fairness des Verfahrens.
Andererseits hat die Beschwerdegegnerin
mit dem nunmehr angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) die Grenze, wo noch „bloss“ von einem nicht fairen Vorgehen gesprochen werden kann, klar über
schritten. Denn
die
Verfahrens-, Gerichts- und Instanzenordnung und
die sich daraus ergebenden Regeln sind zwingend und zumindest teilweise in der Bun
desverfassung (BV) geschützt (
Art.
29a und
Art.
30
Abs.
1 BV) und stehen daher nicht zur freien Disposition für die Beschwerdegegnerin, um damit
verfahrens
taktische
Zwecke anzustreben. Dies gilt auch, wenn im Einzelfall aufgrund der eingeschränkten Kognitionsbefugnisse des Bundesgerichts das
Sozialversiche
rungsgericht
einzelne materielle Punkte im Ergebnis abschliessend beurteilen kann. Somit beruhen der
angefochtene Entscheid vom
1
4.
April
2015 (
Urk.
2) und die vorangegangene Verfügung vom
1
3.
März 2015 (
Urk.
6/2
) auf
gra
vierenden
verfahrensrechtlichen und
inhaltlichen
Mängel
n
.
Sie sind daher nichtig,
soweit die Gutgläubigkeit der Beschwerdeführerin als
Erlass
voraus
setzung
verneint wurde
.
3
.
Nach dem Gesagten ist auf die Beschwerde vom 1
9.
Mai 2015 nicht einzutreten
sowie
die
Teiln
ichtigkeit der Verfügung vom 1
3.
März 2015 und des
Ein
sprach
e
entscheids
vom 1
4.
April 2015 festzustellen.