# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 58de22d0-4fe5-4aeb-ab72-7bb19bcc1b5a
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A.1. A._, geboren am _2008, ist die gemeinsame Tochter der unverheirateten Eltern X._ und Y._. Y._ anerkannte seine Tochter am 23. Juni 2008. Gemäss Beschluss der damaligen Vormundschaftsbehörde des Kreises Chur vom 29. Juli 2008 wurde den Eltern das gemeinsame Sorgerecht für A._ erteilt.
2. Am 4. November 2015 machte die Kantonspolizei Graubünden eine Meldung gemäss Art. 16 Abs. 1 lit. b PolG an die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (nachfolgend: KESB) Nordbünden. Aufgrund des ausschweifenden Lebensstils der Mutter X._ scheine die sichere Obhut der  Tochter A._ unsicher. A._ halte sich zurzeit mehrheitlich bei der Grossmutter auf.
3. Aufgrund dieser Meldung eröffnete die KESB Nordbünden am 12. November 2015 ein Abklärungsverfahren gemäss Art. 57 EGzZGB.
4. Die Grossmutter B._ (Mutter von X._) meldete sich am 17. November 2015 bei der KESB Nordbünden und teilte mit, dass A._ derzeit bei ihrem Vater wohne, welcher gut für sie sorge. A._ habe ihr berichtet, dass es am Morgen des 4. Novembers 2015 zu einem Vorfall gekommen sie. Sie sei ins Schlafzimmer ihrer Mutter gegangen. Als diese nicht reagiert habe, sei sie zu ihr ins Bett gegangen. Plötzlich habe sie eine Hand an ihren Genitalien gespürt und realisiert, dass ein Mann im Bett liegt.
Y._ führte an seinem Gespräch vom 23. November 2015 bei der KESB Nordbünden aus, dass sich A._ auch ihm wegen des Vorfalls anvertraut habe. X._ habe gemäss ihren Angaben am besagten Morgen nichts mitbekommen, weil sie unter Drogen gestanden sei. Er sei im Juli 2015 ausgezogen. Bis zum Vorfall habe A._ von Sonntagmittag bis Mittwochmittag bei ihm gewohnt, die restlichen Tage bei der Mutter und den Grosseltern. Zurzeit lebe A._ aber bei ihm. Er wolle nicht, dass A._ im Moment bei der Mutter lebe. Der Grund sei die ungewisse Situation betreffend den Täter. Der 21-jährige C._ sei Mitglied einer grossen Gruppe von Drogendealern. Er wisse nicht, welche Folgen die Strafanzeige mit sich bringen könne. X._ habe nach ihrer Trennung verschiedene Männerbekanntschaften gehabt.
X._ führte in ihrem Gespräch vom 24. November 2015 aus, dass sie sich an den besagten Abend beziehungsweise Morgen nur in einzelnen Sequenzen
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erinnern könne. Sie sei von einem C._ in einer Bar angesprochen worden. Sie sei dann irgendwann in einem Raum mit zehn Männern gewesen und habe Kokain gesnifft. Dann sei sie zu Hause aufgewacht und habe festgestellt, dass ihre Tochter mit ihr und diesem Mann im Bett liege. Ihr Mutterinstinkt habe insofern noch funktioniert, indem sie die Hand des Mannes festgehalten habe, der den Rücken ihrer Tochter gestreichelt habe. Der C._ bewege sich in einer dubiosen Gruppe von Drogenkonsumenten. Sie selber habe nie harte Drogen konsumiert. Alkohol sei zwar ein Thema, A._ habe sie aber nie betrunken gesehen. Sie habe Neuroleptika genommen. Im Moment nehme sie keine Medikamente.
5. Die Kinderärztin Dr. med. D._ äusserte sich in ihrem Schreiben vom 9. Dezember 2015 positiv über beide Eltern bezüglich der Bemühungen um eine gesunde Entwicklung von A._. Das Schulhaus E._ teilte am 11. Dezember 2015 mit, dass A._ immer gepflegt, pünktlich und gut versorgt zur Schule komme. Sie zeige keine Auffälligkeiten und sei in der Klasse sehr gut integriert. A._ äusserte sich in ihrem Gespräch bei der KESB Nordbünden vom 14. Dezember 2015 sowohl positiv über ihren Vater als auch über ihre Mutter. Die Grossmutter B._ führte am 21. Dezember 2015 Vorbehalte gegenüber ihrer Tochter insbesondere wegen ihres Lebenswandels, der Kindheit und ihrer Zuverlässigkeit an. Am 8. Januar 2016 meldete sich die Grossmutter bei der KESB Nordbünden. Sie mache sich Sorgen, da ihre Tochter A._ wieder zu sich nehmen wolle, obwohl A._ die letzten Monate nicht mehr bei ihrer Mutter gewesen sei und sie A._ eventuell nur ungenügend beaufsichtige und nicht in der Lage sei, zum Kind zu schauen. Y._ führte am 8. Januar 2016 aus, er habe mit X._ vereinbart, dass sich A._ mittwochs und freitags ausserhalb der Schulzeiten bei ihrer Mutter aufhalte und die Nächte bei ihrer Grossmutter verbringe. Er sei der Ansicht, dass sich die Grossmutter zu stark in ihre Angelegenheiten einmische.
6. Die Psychiatrischen Dienste Graubünden teilten am 13. Januar 2016 mit, dass X._ zur diagnostischen Abklärung und Krisenintervention sowie psychischen Stabilisierung seit dem 3. Juni 2015 in ambulanter Behandlung sei. Bei der Patientin würden eine Anpassungsstörung und der Verdacht auf eine posttraumatische Belastungsstörung vorliegen. Sie zeige sich diesbezüglich einsichtig. Eine Eigen- oder Fremdgefährdung liege aktuell nicht vor. Weitere krankheitsbedingte Einschränkungen auf die spezifische Lebenssituation von Mutter und Kind könnten aktuell nicht genannt werden.
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7. Am 1. Februar 2016 fand bei der KESB Nordbünden ein Elterngespräch bezüglich Errichtung einer Beistandschaft statt. Die Eltern sprachen sich dabei gegen eine Erziehungsbeistandschaft aus. Die Situation mit der Grossmutter habe sich beruhigt, obwohl sie die Fäden nach wie vor in der Hand habe und alles steuere. Die KESB Nordbünden verzichtete daraufhin vorerst auf die Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft.
8. Die Kinderärztin Dr. med. D._ berichtete der KESB Nordbünden am 1. Februar 2016 über die Befürchtungen der Grossmutter hinsichtlich der Möglichkeit eines Suizides und sogar eines erweiterten Suizides von X._ und über mögliche sexuelle Übergriffe auf A._, wenn sich diese unbeaufsichtigt bei ihrer Mutter aufhalte.
9. Am 2. Februar 2016 teilte X._ der KESB Nordbünden mit, es sei zu einer Eskalation zwischen ihr und der Grossmutter von A._ gekommen. A._ habe dabei alles mitanhören müssen. Y._ führte in dem darauf folgenden Telefongespräch aus, er spreche sich nach diesem Ereignis für die Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft aus. Die Mutter sei noch ambivalent.
10. Anlässlich des Gesprächs mit der KESB Nordbünden vom 3. Februar 2016 waren sich die Eltern einig, dass die Mutter nicht suizidal sei und für A._ keine Gefährdung darstelle. Auch stehe dem sukzessiven Übernachten von A._ bei ihrer Mutter nichts im Wege. Die Eltern waren mit der Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft für A._ einverstanden, was sie denn auch gleichentags unterschriftlich bestätigten.
11. Am 5. Februar 2016 reichte Dr. med. F._ diverse Unterlagen bei der KESB Nordbünden ein, aus denen hervorging, dass bei X._ keine Infektion mit HIV oder Hepatitis B vorliegt. Ebenso lag ein Entscheid der Stadt Chur betreffend Sozialhilfe an X._ in der Höhe von monatlich Fr. 1'296.15 bei.
12. Gemäss dem Bericht des Schulhauses E._ vom 10. Februar 2016 hätten sich bei A._ in einzelnen Punkten seit Mitte Januar 2016 Veränderungen ergeben. A._ wirke oft nervös, fahrig und arbeite unkonzentriert. Ihr Interesse und ihre Freude an der Schule seien kaum mehr feststellbar. Es müsse seit Januar 2016 Änderungen bei der Betreuung gegeben haben. Sie seien diesbezüglich von der Grossmutter in Kenntnis gesetzt worden. Seitdem sei es nicht mehr nachvollziehbar, wer A._ wann und wo betreue.
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B. Mit Entscheid der Kollegialbehörde vom 11. Februar 2016, mitgeteilt am 15. Februar 2016, erkannte die KESB Nordbünden wie folgt:
"1. Für A._ wird eine Beistandschaft nach Kindesschutzrecht (Art. 308 ZGB) errichtet.
2. Die Beistandsperson erhält folgende Aufgaben und Kompetenzen:
a. die Eltern von A._ im Rahmen der Erziehungsbeistandschaft (Art. 308 Abs. 1 ZGB) angemessen zu beraten und zu unterstützen, insbesondere in folgenden Bereichen:
1. Erziehung/Freizeit;
2. Gesundheit/Therapie;
3. Vermittlung zwischen Eltern und Grosseltern;
4. Begleitung von A._ und Mutter beim erneuten Zusammenleben und Festlegen von geeigneten Rahmenbedingungen;
b. sämtlichen an der Betreuung und Förderung von A._ Beteiligten als Ansprechperson zur Verfügung zu stehen.
3. Die Beistandsperson wird aufgefordert, unverzüglich nach Erhalt der Ernennungsurkunde sich die zur Erfüllung der Aufgaben nötigen Kenntnisse zu verschaffen und mit den Eltern und A._ persönlich Kontakt aufzunehmen.
4. Die Beistandsperson ist gehalten:
a. der KESB alle zwei Jahre (erstmals per 28. Februar 2018) einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Lage von A._ und die Ausübung der Erziehungsbeistandschaft) einzureichen;
b. insbesondere wenn sich der Gesundheitszustand der Mutter verschlechtert und dadurch das Wohl von A._ gefährdet sein sollte, der KESB Meldung zu erstatten. In diesem Fall sind vertiefte Abklärungen zur Erziehungsfähigkeit der Mutter und allenfalls des Vaters notwendig.
c. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von A._ während der Rechenschaftsperiode die KESB zu informieren und allenfalls eine geeignete Anpassung oder die Aufhebung der Massnahme vorzuschlagen.
5. G._ (Berufsbeistandschaft Plessur) wird zur Beiständin von A._ ernannt.
6. Betreffend Verfahrenskosten wird verfügt:
a. Die Kosten im Verfahren Errichtung Erziehungsbeistandschaft werden auf Fr. 1'220.-- festgesetzt.
b. Diese Kosten im Betrag von Fr. 1'220.-- werden den Eltern von A._ je zur Hälfte auferlegt.
c. Auf die Erhebung von Verfahrenskosten wird aufgrund der besonderen Umstände verzichtet.
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## Considerations