# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a8eb0687-dc64-57d0-aacd-0d556902fd4b
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer 1 reichte mit Schreiben vom 2. Juli 2015 bei der Stadt
Langenthal eine Anzeige ein. Diese richtete sich unter anderem gegen eine Anlage der
Beschwerdegegnerin 2 auf der Parzelle Langenthal 1 (Langenthal) Grundbuchblatt
Nr. F._, welche der Beschwerdegegnerin 1 gehört. Daraufhin eröffnete die Stadt
mit Schreiben vom 5. November 2015 ein Baupolizeiverfahren. Im weiteren Verlauf des
Verfahrens beklagte sich auch der Beschwerdeführer 2 über den Betrieb der
Beschwerdegegnerin 2 an diesem Standort. Gestützt auf einen Fachbericht des Amts für
Berner Wirtschaft (beco), Immissionsschutz, vom 30. Juni 2016 stellte die Stadt Langenthal
mit Verfügung vom 2. August 2016 fest, dass der am 10. Dezember 1997 bewilligte
Lagerplatz für Humus, Kies, Steine, Schnittgut und Maschinen auf der Parzelle
Nr. F._ im jetzigen Betriebszustand den Bestimmungen der Bau- und
Umweltschutzgesetzgebung entspreche. Sie eröffnete diese Verfügung unter anderem den
beiden Beschwerdeführern in ihrer Rolle als "Kläger".
2. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer 1 am 29. August 2016
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
beantragt, die Feststellungsverfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen. Am 31. August 2016 erhob auch der
Beschwerdeführer 2 Beschwerde bei der BVE. Er macht geltend, der Fachbericht des beco
und die angefochtene Verfügung basierten auf reinen Mutmassungen. Damit beantragt er
sinngemäss die Aufhebung der Feststellungsverfügung und eine Neubeurteilung der
Lärmsitua-tion.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Zusätzlich gab es auch dem beco
Gelegenheit zur Stellungnahme. Das beco nahm mit Schreiben vom 13. September 2016
zu den beiden Beschwerden Stellung, ohne einen Antrag zu stellen. Auch die
Beschwerdegegnerin 2 stellt in ihrer Beschwerdeantwort vom 6. Oktober 2016 keinen
Antrag, weder explizit noch sinngemäss. Sie sei bestrebt, sich an die Vorschriften zu
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 120/2016/37 3
halten, was die angefochtene Feststellungsverfügung bestätigt habe. Sie sei jedoch gerne
bereit, weitere Verbesserungen anzubringen. Die Beschwerdegegnerin 1 beantragt in ihrer
Beschwerdeantwort vom 24. Oktober 2016 die Abweisung der beiden Beschwerden. Die
Stadt Langenthal beantragt in ihrer Beschwerdeantwort, die Beschwerden seien
abzuweisen, soweit auf sie einzutreten sei.
Das Rechtsamt führte am 16. Januar 2017 einen Augenschein mit Instruktionsverhandlung
auf dem umstrittenen Lagerplatz durch. Im Anschluss daran erhielten die
Verfahrensbeteiligten die Gelegenheit, sich zum Ergebnis des Beweisverfahrens zu
äussern.
4. Auf die Rechtsschriften, Vorakten und das Protokoll des Augenscheins wird, soweit
für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist eine Verfügung der Stadt Langenthal, mit welcher diese ein
baupolizeiliches Verfahren mit der Feststellung abgeschlossen hat, dass der fragliche
Betriebszustand rechtmässig sei. Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche
Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerden
zuständig.
b) Die Beschwerdeführer sind als Anzeiger und Nachbarn durch die angefochtene
Verfügung beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert (Art. 65 Abs. 1 VRPG3). Zwar
macht die Stadt Langenthal geltend, die Beschwerde des Beschwerdeführers 2 enthalte
kein Rechtsbegehren, weshalb darauf nicht einzutreten sei. Die Praxis ist diesbezüglich
jedoch nicht streng. Dem Antragserfordernis von Art. 32 Abs. 2 VRPG ist bereits dann
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 3 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
RA Nr. 120/2016/37 4
Genüge getan, wenn sich aus dem Zusammenhang und unter Zuhilfenahme der
Begründung sinngemäss ergibt, was anbegehrt wird.4 Vorliegend ergibt sich aus der
Begründung sinngemäss, dass der Beschwerdeführer 2 die Aufhebung der
Feststellungsverfügung und eine Neubeurteilung der Lärmsituation verlangt (siehe oben
Sachverhalt 2.). Auf die beiden form- und fristgerecht eingereichten Beschwerden ist daher
einzutreten.
2. Formelle Rechtswidrigkeit
a) Die Organe der Baupolizei treffen im Rahmen ihrer Zuständigkeit alle Massnahmen,
die zur Durchführung dieses Gesetzes und der gestützt darauf erlassenen Vorschriften und
Verfügungen erforderlich sind. Insbesondere obliegt ihnen die Aufsicht über die Einhaltung
der Bauvorschriften und der Bedingungen und Auflagen der Baubewilligung sowie der
Bestimmungen über die Arbeitssicherheit und -hygiene bei der Ausführung von
Bauvorhaben, die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes bei widerrechtlicher
Bauausführung oder bei nachträglicher Missachtung von Bauvorschriften, Bedingungen
und Auflagen sowie die Beseitigung von Störungen der öffentlichen Ordnung, die von
unvollendeten, mangelhaft unterhaltenen oder sonstwie ordnungswidrigen Bauten und
Anlagen ausgehen (Art. 45 BauG).
Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer Baubewilligung
ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens Vorschriften
missachtet, so verfügt die zuständige Baupolizeibehörde die Einstellung der Bauarbeiten;
sie kann ein Benützungsverbot erlassen, wenn es die Verhältnisse erfordern. Die
Baupolizeibehörde setzt sodann dem jeweiligen Grundeigentümer oder Baurechtsinhaber
eine angemessene Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes unter
Androhung der Ersatzvornahme. Die Wiederherstellungsverfügung wird aufgeschoben,
wenn der Pflichtige innert 30 Tagen seit ihrer Eröffnung ein Gesuch um nachträgliche
Baubewilligung einreicht (Art. 46 BauG).
b) Die Beschwerdegegnerin 2 betreibt auf der Parzelle Nr. F._ einen Lagerplatz
für ihr Gartenbauunternehmen. Auf dem Areal werden diverse Materialien (unter anderem
4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 13
RA Nr. 120/2016/37 5
Schnittgut bzw. Astholz) und Geräte deponiert bzw. zwischengelagert. Das Schnittgut
wurde bisher zwei- bis dreimal pro Jahr mittels eines mobilen Schredders auf dem
Lagerplatz verarbeitet. Dieser Sachverhalt ist unbestritten.
Für den Betrieb dieses Lagerplatzes beruft sich die Beschwerdegegnerin 2 auf eine
(kleine) Baubewilligung vom 10. Dezember 1997. Diese Bewilligung erlaubt das Erstellen
eines Lagerplatzes mit den Lagergütern Humus, Kies, Steine, Schnittgut und Maschinen.5
Ein Lagerplatz umfasst die Anlieferung von Material, dessen Lagerung und schliesslich
dessen Abtransport. Für den Einsatz von Lieferwagen, Lastwagen, Pneuladern, Staplern
und ähnlichem zwecks Betriebs des Lagerplatzes besitzt die Beschwerdegegnerin 2 somit
eine Baubewilligung. Von einer Baubewilligung für einen Lagerplatz nicht umfasst sind aber
jegliche Bearbeitungen des Materials, die nicht der Lagerung dienen. Gemäss der
Rechtsprechung der BVE umfasst eine solche Baubewilligung insbesondere nicht die
Aufbereitung des gelagerten Materials. Dabei fallen unter die Aufbereitung alle Tätigkeiten
wie Sortieren, Ausscheiden von Verunreinigungen, Zerkleinern und Klassieren.6 Der
Betrieb des Schredders durch die Beschwerdegegnerin 2 ist somit von keiner
Baubewilligung umfasst.
c) Somit stellt sich als nächstes die Frage, ob der Betrieb eines mobilen Schredders
baubewilligungspflichtig ist. Baubewilligungspflichtig sind alle künstlich geschaffenen und
auf Dauer angelegten Bauten, Anlagen und Einrichtungen (Bauvorhaben), die in fester
Beziehung zum Erdboden stehen und geeignet sind, die Nutzungsordnung zu
beeinflussen, indem sie zum Beispiel den Raum äusserlich erheblich verändern, die
Erschliessung belasten oder die Umwelt beeinträchtigen (Art. 1a Abs. 1 BauG). Diese
Definition entspricht der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zum Raumplanungsgesetz.7
Keiner Baubewilligung bedürfen insbesondere der Unterhalt von Bauten und Anlagen, für
eine kurze Dauer erstellte Bauten und Anlagen sowie andere geringfügige Bauvorhaben
(Art. 1b BauG).
Ein Schredder ist eine Zerkleinerungsmaschine, deren Betrieb mit erheblichen Emissionen
verbunden ist, insbesondere Lärm- und Staubemissionen. Es handelt sich also um eine
5 Vorakten, pag. 175 ff. 6 Entscheid der BVE 110/2012/77 vom 13. November 2012, E. 3.g, und Entscheid der BVE 110/2014/85 vom 2. Dezember 2014, E. 6.e 7 BGE 113 Ib 314 E. 2.b
RA Nr. 120/2016/37 6
künstlich geschaffene Anlage, die geeignet ist, die Nutzungsordnung zu beeinflussen,
indem sie die Umwelt beeinträchtigt. Da die Beschwerdegegnerin 2 den Schredder
regelmässig einsetzt, ist die Anlage auch auf Dauer angelegt. Dass sie den Schredder
jeweils nur für die tatsächlich benötigte Zeit mietet und er deshalb nicht ständig auf Platz
steht, ist dabei unerheblich. Der jeweils bloss temporäre Einsatz und die Mobilität des
Schredders spielen auch hinsichtlich der letzten Voraussetzung für die
Baubewilligungspflicht, wonach das Bauvorhaben in fester Beziehung zum Erdboden
stehen muss, keine Rolle. Es kommt nicht darauf an, ob eine Baute fest mit dem Boden
verbunden oder nur auf ihm abgestellt wird, ebenso wenig darauf, ob sie für dauernden
Bestand oder nur als vorübergehende Einrichtung gedacht ist. Das Bewilligungserfordernis
gilt grundsätzlich auch für Fahrnisbauten, welche über nicht unerhebliche Zeiträume
ortsfest verwendet werden.8 Die Baubewilligungspflicht von regelmässig eingesetzten
mobilen Brechern ist in der Praxis denn auch unbestritten, aufgrund der Vergleichbarkeit
der beiden Anlagen muss dies auch für den regelmässigen Einsatz eines mobilen
Schredders gelten.
Allerdings ist vorliegend zu berücksichtigen, dass der Schredder nur sehr selten und dabei
relativ kurz eingesetzt wird. Gemäss der unbestrittenen Angabe der Beschwerdegegnerin 2
setzt sie den Schredder zwei- bis dreimal pro Jahr während maximal 3 Stunden ein. Die
Fälle, in denen eine Baubewilligungspflicht für mobile Brecher bejaht wurde, sind damit
nicht zu vergleichen. Bejaht wurde diese Pflicht beispielsweise bei einem Brecher, der an
36 Tagen pro Jahr während 285 Stunden betrieben werden sollte.9 Massstab dafür, ob eine
bauliche Massnahme erheblich genug ist, um sie dem Baubewilligungsverfahren zu
unterwerfen, ist die Frage, ob mit der Realisierung der Baute oder Anlage im Allgemeinen,
nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, so wichtige räumliche Folgen verbunden sind,
dass ein Interesse der Öffentlichkeit oder der Nachbarn an einer vorgängigen Kontrolle
besteht.10 Es ist fraglich, ob ein solches Interesse an einer vorgängigen Kontrolle bei
maximal dreimaligem Einsatz des Schredders von je drei Stunden, also maximal 9 Stunden
pro Jahr, besteht. Dies braucht jedoch mit Blick auf die folgende Überlegung nicht
abschliessend geprüft zu werden.
8 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 17 ; vgl. auch Art. 6 Abs. 1 Bst. k, m und o des Dekrets vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) im Umkehrschluss. 9 BGE 138 II 331 10 BGE 139 II 134 S. 140 mit Hinweis auf BGE 120 Ib 379 E. 3c S. 383
RA Nr. 120/2016/37 7
d) Gemäss der unwidersprochen gebliebenen Aussage der Beschwerdegegnerin 2
anlässlich des Augenscheins wird der Schredder in diesem Umfang seit über 14 Jahren
eingesetzt. Nach Ablauf von fünf Jahren, seitdem die Rechtswidrigkeit erkennbar war, kann
die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes aber nur noch verlangt werden, wenn
zwingende öffentliche Interessen es erfordern (Art. 46 Abs. 3 BauG). Selbst wenn der
Einsatz des mobilen Schredders durch die Beschwerdegegnerin 2 grundsätzlich
baubewilligungspflichtig wäre, könnte alleine aufgrund der fehlenden Baubewilligung
(formelle Rechtswidrigkeit) hier somit keine Wiederherstellung mehr verfügt werden. Daher
muss ohnehin geprüft werden, ob der Schredder insbesondere zu laut ist (materielle
Rechtswidrigkeit).
3. Materielle Rechtswidrigkeit
a) Soweit Lärmemissionen im Zusammenhang mit dem Betrieb des Lagerplatzes zur
Diskussion stehen, sind Massnahmen zur Emissionsbegrenzung trotz vorhandener
Baubewilligung möglich. Nachträgliche Massnahmen zur Emissionsbegrenzung sind auch
bei rechtskräftig bewilligten Anlagen nicht ausgeschlossen: Wo die Immissionen bei
Erteilen der Bewilligung nicht oder nicht vollständig vorausgesehen wurden oder wo eine
zuverlässige Prognose schwierig ist, ist die Prüfung der nachträglichen Anordnung von
Massnahmen zur Emissionsbegrenzung angezeigt. Die Herstellung des rechtmässigen
Zustands setzt in diesen Fällen eine umfassende Interessenabwägung voraus. Dabei
kommt dem Interesse an der Wahrung der Rechtssicherheit bzw. am Vertrauensschutz
nicht dasselbe Gewicht zu wie beim vollständigen Widerruf einer Verfügung, zumal der
Eingriff in die Rechtsposition des Betroffenen weniger stark ausfällt.11 Vorliegend war eine
zuverlässige Prognose hinsichtlich der Immissionen schwierig. Ein Lagerplatz kann sehr
unterschiedlich betrieben werden, insbesondere kann mehr oder weniger Material mit
unterschiedlichen Maschinen und Fahrzeugen umgeschlagen werden, wozu sich die
Baubewilligung vom 10. Dezember 1997 nicht äussert.
Erst Recht sind Massnahmen zur Emissionsbegrenzung hinsichtlich des
Schreddereinsatzes möglich. Für diesen liegt keine Baubewilligung vor, so dass keine
vorgängige Prüfung der zu erwartenden Lärmemissionen im Baubewilligungsverfahren
11 BGer 1C_177/2011 vom 9. Februar 2012, E. 4.2
RA Nr. 120/2016/37 8
stattgefunden hat. Für baubewilligungsfreie Bauten und Anlagen sieht Art. 1b Abs. 3 BauG
denn auch vor, dass die Baupolizeibehörde die erforderlichen baupolizeilichen
Massnahmen anordnet, wenn solche Bauten und Anlagen die öffentliche Ordnung stören,
dies insbesondere im Interesse der Gesundheit. Für baubewilligungspflichtige Bauten und
Anlagen nach Ablauf von fünf Jahren verlangt Art. 46 Abs. 3 BauG wie bereits erwähnt
zwingende öffentliche Interessen, die eine Widerherstellung erfordern.
b) Von einer Störung der öffentlichen Ordnung bzw. von zwingenden öffentlichen
Interessen ist vorliegend dann auszugehen, wenn die Vorgaben der
Umweltschutzgesetzgebung nicht eingehalten werden: Das Umweltschutzgesetz soll
Menschen vor schädlichen und lästigen Einwirkungen schützen (Art. 1 USG12). Spezifische
Vorgaben für den Lärm sind der Lärmschutzverordnung zu entnehmen. Die
Lärmemissionen einer neuen ortsfesten Anlage müssen laut Art. 7 Abs. 1 LSV13 nach den
Anordnungen der Vollzugsbehörde so weit begrenzt werden als dies technisch und
betrieblich möglich sowie wirtschaftlich tragbar ist (Vorsorgeprinzip) und dass die von der
Anlage allein erzeugten Lärmimmissionen die Planungswerte nicht überschreiten. Die
Bauparzelle liegt in der Arbeitszone Aa mit der Lärmempfindlichkeitsstufe (ES) IV, das
Wohnhaus der beiden Beschwerdeführer liegt in der Wohnzone W2/C mit der
Empfindlichkeitsstufe ES II. Die entsprechenden Belastungsgrenzwerte für Industrie- und
Gewerbelärm finden sich im Anhang 6 Ziff. 2 LSV. Somit gelten für das Wohnhaus der
beiden Beschwerdeführer tagsüber zwischen 07.00 und 19.00 Uhr ein Planungswert von
55 dB(A), ein Immissionsgrenzwert von 60 dB(A) und ein Alarmwert von 70 dB(A).
c) Das beco hat mit Fachbericht vom 30. Juni 2016 zu den Lärmklagen Stellung
genommen. Hinsichtlich des Lagerplatzes hat es eine lärmrechtliche Beurteilung für
Industrie- und Gewerbelärm gemäss Anhang 6 LSV vorgenommen. Es hat dabei die
arealinternen Lieferwagen- und Lastwagenfahrten sowie die Lärmemissionen aus dem
Betrieb des Pneuladers und des Gabelstaplers berücksichtigt. Gestützt auf die Angaben
der Beschwerdegegnerin 2 zu den Betriebsdaten ist das beco zum Schluss gekommen,
dass die Planungswerte für die ES II bei der Liegenschaft der Beschwerdeführer gut
eingehalten werden können.
12 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 13 Lärmschutz-Verordnung des Bundesrates vom 15. Dezember 1986 (LSV; SR 814.41)
RA Nr. 120/2016/37 9
Zwar hat sich anlässlich des Augenscheins gezeigt, dass neben dem Pneulader und dem
Gabelstapler zusätzlich ein Raupenbagger zum Einsatz kommt. Das beco hat dies jedoch
anlässlich des Augenscheins als nicht relevant eingestuft, da es von einem lauten
Pneulader ausgegangen sei, der auch mit einem Raupenbagger zu vergleichen sei. Zudem
sei der Planungswert gut eingehalten, so dass noch eine Reserve bestehe.
Weiter wird von den beiden Beschwerdeführern die Anzahl der Lastwagenfahrten
bestritten. Es handle sich um deutlich mehr, als die 15 Fahrten gemäss Angabe der
Beschwerdegegnerin 2. Die Beschwerdegegnerin 2 hat anlässlich des Augenscheins
eingeräumt, dass in letzter Zeit etwas mehr Lastwagenfahrten stattgefunden hätten. Dies
sei darauf zurückzuführen, dass versucht werde, auf den Einsatz des Schredders zu
verzichten, was mit einer Zunahme der Lastwagenfahrten verbunden sei. Diesbezüglich
hat das beco im Beschwerdeverfahren ausgeführt, dass eine Verdoppelung der
Lastwagenfahrten zu einer Zunahme des Teilbeurteilungspegels Lr,i um 3 dB(A) führe. Da
bei 15 Fahrten pro Jahr von einem Lr,i von 25 dB(A) auszugehen sei, sei selbst eine
deutlich grössere Anzahl Lastwagenfahrten unproblematisch und führe zu keiner
Überschreitung der Lärmgrenzwerte.
Die BVE sieht keine Veranlassung, diese Ausführung der Fachbehörde in Zweifel zu
ziehen. Aus der anlässlich des Augenscheins vom beco eingereichten Tabelle ist
ersichtlich, dass der Lagerplatz (ohne Einsatz des Schredders) den Planungswert von 55
dB(A) gut einhält. Die vorhandene Reserve macht Diskussionen um Details zu den
Betriebsdaten überflüssig. Zwar fehlt in der Tabelle die Addition der beide
Teilbeurteilungspegel Lr,i für die Lastwagen und den Pneulader. Eine Addition der beiden
Werte von 25 und 44 dB(A) ergibt jedoch einen Beurteilungspegel Lr von 44.05 dB(A), so
dass sich am Resultat nichts ändert. Der Betrieb des bewilligten Lagerplatzes (ohne
Berücksichtigung des Schredders) entspricht somit den Bestimmungen der
Umweltschutzgesetzgebung. Auch im Rahmen der Vorsorge sind keine verhältnismässigen
Massnahmen erkennbar, mit denen die Lärm-emissionen weiter begrenzt werden könnten.
Insofern erweisen sich die Beschwerden als unbegründet und sie werden abgewiesen.
d) Hinsichtlich des Schreddereinsatzes verweist das beco in seinem Fachbericht vom
30. Juni 2016 auf den Bundesgerichtsentscheid BGE 138 II 331. Dieser Entscheid befasst
sich mit einem mobilen Steinbrecher. Ein mobiler Schredder ist damit vergleichbar und der
Entscheid insofern einschlägig. Der Entscheid äusserte sich aber zu einem mobilen
Brecher, der an 36 Tagen pro Jahr während rund 8 Stunden, also insgesamt knapp 300
RA Nr. 120/2016/37 10
Stunden pro Jahr, eingesetzt werden sollte. Das Bundesgericht hat festgehalten, dass der
Lärm eines solchen Brechers nicht über die deutlich längere Betriebsdauer des
Gesamtbetriebs verdünnt werden darf. Auf einen Schredder, der lediglich an maximal drei
Tagen während jeweils drei Stunden und damit maximal neun Stunden pro Jahr betrieben
wird, lässt sich diese bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht übertragen. Das
Bundesgericht hat in seinem Entscheid denn auch angedeutet, dass ein Brecher mit
deutlich geringeren Betriebszeiten anders zu beurteilen wäre. Es hat dabei aber nicht
ausgeführt, wie diese andere Beurteilung genau aussehen würde.
Das beco interpretiert dieses Bundesgerichtsurteil dahingehend, dass es sich vorliegend
beim Schreddereinsatz aufgrund der kurzen jährlichen Betriebsdauer um ein "selten lautes
Ereignis" handle. Dafür sei keine lärmrechtliche Beurteilung für Industrie- und Gewerbelärm
gemäss Anhang 6 LSV vorzunehmen und Lärmschutzmassnahmen seien aufgrund der
kurzen Betriebszeit nicht verhältnismässig. Diese Haltung entspricht den Ausführungen in
der Vollzugshilfe des Bundesamts für Umwelt (BAFU), welche sich ebenfalls auf das
genannte Bundesgerichtsurteil abstützten. Gemäss dieser Vollzugshilfe verliert das
Beurteilungsvorgehen mit Einbezug der Betriebstage gemäss Anhang 6 Ziff. 3.2 LSV dann
seinen Sinn, wenn die Zahl der Betriebstage B so klein ist (einige wenige Tage), dass
eigentlich von Einzelereignissen während des Jahres gesprochen werden muss. In solchen
Fällen sei eine Beurteilung nach Anhang 6 LSV nicht störungsgerecht. Deshalb müsse der
Einzelfall direkt gestützt auf das USG bewertet werden.14 Diese Praxis der kantonalen und
eidgenössischen Fachbehörde überzeugt und die BVE sieht keine Veranlassung, ihr nicht
zu folgen.
e) Eine Einzelfallbeurteilung gestützt auf das USG ergibt, dass im vorliegenden Fall
keine zumutbaren Massnahmen erkennbar sind, wie der Lärm des Schredders
eingedämmt werden kann. Insbesondere wären eine Einhausung oder andere baulichen
Lärmschutzmassnahmen bei einer jährlichen Betriebsdauer von lediglich maximal 9
Stunden unverhältnismässig.
Somit könnte der Lärm lediglich durch einen Verzicht auf den Schreddereinsatz verhindert
werden. Der Schredder wurde jedoch über zehn Jahre eingesetzt, ohne dass dies zu
Reklamationen aus der Nachbarschaft geführt hätte. Aus der anlässlich des Augenscheins
14 Ermittlung und Beurteilung von Industrie- und Gewerbelärm, Vollzugshilfe für Industrie- und Gewerbeanlagen, BAFU 2016, Ziff. 3.3.3
RA Nr. 120/2016/37 11
vom beco eingereichten Tabelle lässt sich herauslesen, dass der Schredderbetrieb alleine
an den maximal drei Schreddertagen zumindest den Alarmwert von 70 dB(A) einhält.
Verdünnt man den Schredderlärm auf die rund 100 Tage, an denen auf dem Lagerplatz
Aktivitäten herrschen, so zeigt sich, dass der Lagerplatz inklusive dem Schreddereinsatz
den Planungswert von 55 dB(A) einhält. Da es sich um sehr seltene Lärmereignisse mit
einer Gesamtdauer von höchstens 9 Stunden pro Jahr handelt, wäre ein Verbot des
Schreddereinsatzes unter den gegebenen Umständen unverhältnismässig, sowohl unter
dem Stichwort "Vorsorge" als auch als verschärfte Emissionsbegrenzung. Auch insoweit
sieht die BVE somit keine Veranlassung, von der Einschätzung des beco als kantonaler
Fachbehörde abzuweichen.
f) Allerdings hat die Beschwerdegegnerin 2 anlässlich des Augenscheins mitgeteilt, sie
teste die Möglichkeit eines Verzichts auf den Schredder. Dazu werde das früher
geschredderte Grünmaterial in Kompogas- und Kompostieranlagen abtransportiert. Ob sich
dieses Verfahren bewährt und wirtschaftlich tragbar ist, muss sich aber erst noch in der
Praxis beweisen. Ein definitiver Verzicht auf den Schreddereinsatz kann daher von der
Beschwerdegegnerin 2 noch nicht zugesichert werden.
Sollte sich im Test zeigen, dass auf den Einsatz des Schredders nicht verzichtet werden
kann, kann von der Beschwerdegegnerin 2 jedoch verlangt werden, dass sie den
Schreddereinsatz in Zukunft vorankündigt. Gemäss Aussage der Beschwerdegegnerin 2
anlässlich des Augenscheins ist dies mindestens eine Woche im Voraus betrieblich
möglich und kann ihr ohne weiteres zugemutet werden. Die Parteien haben sich anlässlich
des Augenscheins denn auch darauf geeinigt, dass die Beschwerdegegnerin 2 den Einsatz
des Schredders in Zukunft mindestens eine Woche im Voraus ankündigt. Die angefochtene
Verfügung wird um eine entsprechende Verpflichtung ergänzt und die Beschwerden
werden insoweit gutgeheissen.
g) Soweit der Beschwerdeführer 1 geltend macht, die Stadt Langenthal müsste
planerisch tätig werden und zwischen der Arbeitszone mit ES IV und der Wohnzone mit
ES II eine Zone mit ES III vorsehen, liegt dies ausserhalb des Streitgegenstands, weshalb
darauf nicht eingetreten werden kann. Dies gilt auch für die Rügen der beiden
Beschwerdeführer, die sich auf andere Bauten und Anlagen in ihrer Nachbarschaft
beziehen. Es ist zwar verständlich, dass für die Beschwerdeführer letztlich die
Gesamtsituation entscheidend ist. Streitgegenstand im vorliegenden Beschwerdeverfahren
RA Nr. 120/2016/37 12
sind jedoch nur die Lärmemissionen des Lagerplatzes der Beschwerdegegnerin 2. Die
weiteren umstrittenen Bauten und Anlagen sind Gegenstand anderer hängiger Verfahren.
4. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr.
Für besondere Untersuchungen, Gutachten und dergleichen können zusätzliche Gebühren
erhoben werden (Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache
wird eine Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19
Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV15). Werden in einem einzigen Entscheid mehrere
Beschwerden beurteilt, so kann die Pauschalgebühr für die einzelnen Beschwerden
angemessen reduziert werden (Art. 21 Abs. 3 GebV). In Anwendung dieser Bestimmungen
wird die Pauschale für die beiden Beschwerden auf je Fr. 1'000.-- festgelegt. Für den
Augenschein vom 16. Januar 2017 wird in Anwendung von Art. 20 Abs. 1 GebV eine
zusätzliche Gebühr von Fr. 400.-- erhoben. Die Kosten des Beschwerdeverfahrens
betragen somit insgesamt Fr. 2'400.--.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Da
die Beschwerden teilweise gutgeheissen und im Übrigen abgewiesen werden, gelten die
beiden Beschwerdeführer als teilweise unterliegend. Dies gilt auch für die beiden
Beschwerdegegner. Zwar hat nur die Beschwerdegegnerin 1 die Abweisung der
Beschwerde beantragt. Die Beschwerdegegnerin 2 ist jedoch als Anlagebetreiberin für die
teilweise Gutheissung der Beschwerde verantwortlich, weshalb auch sie insoweit als
teilweise unterliegend zu betrachten ist. Da die Beschwerden grundsätzlich abgewiesen
und lediglich hinsichtlich einer zusätzlichen Auflage gutgeheissen werden, sind die beiden
Beschwerdeführer als zu fünf Sechsteln und die beiden Beschwerdegegnerinnen als zu
einem Sechstel unterliegend zu betrachten. Somit haben beide Beschwerdeführer je
15 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
RA Nr. 120/2016/37 13
Fr. 1'000.-- und beide Beschwerdegegnerinnen je Fr. 200.-- an Verfahrenskosten zu
tragen.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Parteikosten umfassen den durch die
berufsmässige Parteivertretung anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG).
Analog zu den Verfahrenskosten hat die teilweise obsiegende Beschwerdegegnerin 1
Anspruch auf Ersatz von fünf Sechsteln ihrer Parteikosten. Diese sind von den beiden
teilweise unterliegenden Beschwerdeführern je zur Hälfte zu bezahlen. Die Kostennote des
Parteianwalts der Beschwerdegegnerin 1 beläuft sich auf Fr. 1'837.10 (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuer) und gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Beide Beschwerdeführer haben
der Beschwerdegegnerin 1 somit je die Hälfte von Fr. 1'530.90, ausmachend je Fr. 765.45
zu bezahlen. Die beiden Beschwerdeführer und die Beschwerdegegnerin 2 waren nicht
anwaltliche vertreten und sie haben daher keinen Anspruch auf Parteikostenersatz.