# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9ed899c7-b7fc-466e-8e08-5275b859fc56
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ C. und R. B. wohnen in U. Der Ehemann arbeitet seit langem bei der M. AG in B. In
den Steuererklärungen für die Steuerperioden 1999-2007 machte er jeweils unter dem
Titel der Berufsauslagen einen Abzug für Fahrten zum Arbeitsplatz mit dem Privatauto
für 11'500 km pro Jahr geltend. Entsprechend wurden in den jeweiligen Veranlagungen
Kosten in Höhe von Fr. 6'210.-- (1999/2000) bzw. Fr. 6'785.-- (2001-2007) zum Abzug
zugelassen. Sämtliche Veranlagungen erwuchsen in Rechtskraft.
B./ Aufgrund einer steueramtlichen Meldung erhielt das Kantonale Steueramt Kenntnis
davon, dass R. B. zusammen mit anderen Personen mit einem Bus zur Arbeit fuhr und
seine Kosten für den Arbeitsweg somit nur Fr. 100.-- pro Monat betrugen. Mit
Schreiben vom 13. Juli 2009 zeigte deshalb das kantonale Steueramt R. und C. B. an,
es werde ein Nachsteuerverfahren eingeleitet, weil festgestellt worden sei, dass die
Differenz zwischen den deklarierten Fahrtkosten für das private Motorfahrzeug und den
effektiven Kosten für die Fahrgemeinschaft in den Jahren 1997-2007 steuerlich noch
nicht erfasst worden sei. R. B. nahm zum entsprechenden Vorhalt mit Schreiben vom
22. August 2009 Stellung. Am 25. September 2009 erging die Nachsteuerverfügung;
dabei wurde das steuerbare Einkommen für die Steuerperioden 1999 und 2000 um
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Fr. 5'000.-- und für die Steuerperioden 2001-2007 um je Fr. 3'300.-- erhöht. Eine
gegen die Nachsteuerverfügung erhobene Einsprache wies das kantonale Steueramt
mit Entscheid vom 28. Oktober 2009 ab.
C./ Dagegen liessen R. und C. B. am 16. November 2009 Rekurs erheben. Die
Verwaltungsrekurskommission hiess den Rekurs mit Entscheid vom 9. Dezember 2010
gut und hob den Einspracheentscheid vom 28. Oktober 2009 sowie die zugrunde
liegende Nachsteuerverfügung vom 25. September 2009 auf. Die
Entscheidbegründung wurde am 13. Januar 2011 expediert.
D./ Gegen den Rekursentscheid reichte das kantonale Steueramt mit Eingabe vom
21. Januar 2011 Beschwerde beim Verwaltungsgericht ein mit dem Antrag, es sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und der Einspracheentscheid vom 28. Oktober
2009 zu bestätigen, unter Kostenfolge zu Lasten der Beschwerdebeklagten.
Die Verwaltungsrekurskommission liess sich am 15. Februar 2011 zur Beschwerde
vernehmen. Sie stellte Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdegegner
liessen mit Eingabe vom 17. Februar 2011 ebenfalls Antrag auf Abweisung der
Beschwerde stellen.
Das kantonale Steueramt erklärte sodann mit Schreiben vom 22. Februar 2011 Verzicht
auf eine ergänzende Stellungnahme.
Auf die Begründungen des Beschwerdeführers und der Vorinstanz sowie auf die
Ausführungen im angefochtenen Entscheid wird, soweit erforderlich, in den folgenden

## Considerations

Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Gemäss Art. 199 Abs. 1 StG kann eine Nachsteuer erhoben werden, wenn sich
aufgrund von Tatsachen oder Beweismitteln, die der Steuerbehörde nicht bekannt
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waren, ergibt, dass eine Veranlagung zu Unrecht unterblieben oder eine rechtskräftige
Veranlagung unvollständig ist. Dementsprechend kann eine Nachsteuer unter drei
Voraussetzungen eingefordert werden: Es muss eine rechtskräftige Veranlagung
vorliegen, mit der eine Unterbesteuerung einhergeht, die sich aufgrund von neuen
Tatsachen oder Beweismitteln ergibt.
2.1 Vorliegend sind die Veranlagungen der Steuerperioden 1999-2007
unbestrittenermassen rechtskräftig geworden. Im gesamten Verfahren unbestritten
blieb zudem, dass es R. B. nicht zumutbar war, den Arbeitsweg mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln zurückzulegen. Der Beschwerdeführer erblickte jedoch eine
Unterbesteuerung darin, dass jeweils die Kosten für Fahrten zum Arbeitsplatz mit dem
Privatauto auf der Grundlage der geltenden Pauschalansätze pro Kilometer geltend
gemacht und zum Abzug zugelassen wurden, obwohl R. B. zusammen mit anderen
Personen eine Fahrgemeinschaft bildete und seine tatsächlichen Kosten deshalb tiefer
ausgefallen sind. Die Vorinstanz verneinte demgegenüber eine Unterbesteuerung mit
der Begründung, der Beschwerdegegner sei nicht verpflichtet, den Arbeitsweg
möglichst kostengünstig zu gestalten; er habe vielmehr Anspruch auf den
Pauschalabzug, weshalb sich die Veranlagungen der Steuerperioden 1999-2007 als
vollständig und rechtmässig erwiesen. Die Vorinstanz nahm dabei Bezug auf die Praxis
zum Zürcher Steuergesetz (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Kommentar zum
harmonisierten Zürcher Steuergesetz, 2. Auflage, N 114 und N 123 zu § 26 mit Hinweis
auf VerwGE ZH vom 17. Juni 1998, in: RB 1998 Nr. 137).
2.2 Die Gewinnungskosten im Rahmen der unselbständigen Erwerbstätigkeit sind in
Art. 39 StG geregelt. Sie können in der Praxis häufig als Pauschalbetrag geltend
gemacht werden, da ihr effektives Ausmass recht aufwendig zu ermitteln ist. In diesem
Zusammenhang sieht Abs. 2 von Art. 39 StG vor, dass die Pauschalansätze von der
Regierung festzulegen sind. Die Ausführungsbestimmungen von Art. 18-22 der
Steuerverordnung (sGS 811.11, abgekürzt StV) verweisen indessen bezüglich der
Pauschalen auf die bei der direkten Bundessteuer massgebenden Ansätze, womit eine
(betragsmässige) Harmonisierung zwischen den Staats- und Gemeindesteuern sowie
der direkten Bundessteuer sichergestellt wird. Pauschalansätze bestehen dabei für
Fahrkosten mit dem Privatauto zum Arbeitsplatz, für Mehrkosten bei auswärtiger
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Verpflegung, für Mehrkosten bei auswärtigem Wochenaufenthalt, für übrige
Berufskosten sowie für Auslagen bei Ausübung einer Nebenbeschäftigung.
2.3 Bei den Fahrkosten zum Arbeitsplatz im Speziellen können gemäss Art. 18 Abs. 1
StV grundsätzlich nur die tatsächlichen Kosten für die öffentlichen Verkehrsmittel
abgezogen werden und dies auch nur, soweit sich deren Benutzung als notwendig
erweist. Gleiches gilt nach Abs. 2 der gleichen Bestimmung, wenn der Arbeitsweg mit
dem Privatfahrzeug zurückgelegt wird, die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel
jedoch zumutbar ist. Art. 18 Abs. 3 StV bestimmt schliesslich, dass die Kosten für das
private Motorfahrzeug gemäss den für die direkte Bundessteuer massgebenden
Pauschalansätzen abgezogen werden können, wenn kein öffentliches Verkehrsmittel
zur Verfügung steht oder dessen Benützung dem Steuerpflichtigen nicht zugemutet
werden kann. Sind die entsprechenden Voraussetzungen gegeben, kann eine
Kilometerpauschale für die zweckmässigste Strecke geltend gemacht werden. Der
Nachweis höherer notwendiger Kosten bleibt jedoch vorbehalten.
Grundsätzlich sind somit die Fahrkosten zur Arbeit mit dem privaten Motorfahrzeug
nach oben hin offen. Zu prüfen bleibt nun, ob der Abzug der mit Hilfe der
Kilometerpauschale berechneten Fahrkosten auch beschränkt werden kann, wenn die
Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel zwar unbestrittenermassen unzumutbar ist,
der Arbeitsweg jedoch im Rahmen einer Fahrgemeinschaft zurückgelegt wird und die
Kosten für den Arbeitsweg unter den Mitfahrern aufgeteilt werden.
2.4 Der Wortlaut von Art. 18 Abs. 3 StV erweckt für sich allein betrachtet den Anschein,
dass
der Abzug der Kosten für Fahrten zum Arbeitsplatz mit dem privaten Motorfahrzeug
einzig von der Unzumutbarkeit der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel abhängig
sei. Zudem scheint ein Abzug entsprechender Kosten in jedem Fall möglich, wenn kein
öffentliches Verkehrsmittel zur Verfügung steht.
Die systematische Stellung der Bestimmung führt demgegenüber zu einem anderen
Schluss. Die Möglichkeit, die Kosten für das private Motorfahrzeug geltend zu machen,
stellt eine Ausnahme dar zu dem in Abs. 1 und Abs. 2 von Art. 18 StV geregelten
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Grundsatz, dass nur die tatsächlichen Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel
abgezogen werden können. Weshalb es nun im Fall der Notwendigkeit der
Zurücklegung des Arbeitsweges mit dem Privatauto möglich sein soll, die anhand eines
Pauschalansatzes pro gefahrenen Kilometer berechneten Kosten auch dann geltend zu
machen, wenn die tatsächlichen Kosten aufgrund der Bildung einer Fahrgemeinschaft
wesentlich tiefer ausgefallen sind, ist nicht ersichtlich.
Dies würde denn auch Sinn und Zweck der Regelung widersprechen.
Gewinnungskostenpauschalen dienen einerseits der Entlastung der Steuerpflichtigen
von der Sammlung und Aufbewahrung von Kleinbelegen, andererseits erleichtern sie
aber auch die Veranlagungstätigkeit, indem die Steuerbehörden die entsprechenden
Kleinbelege nicht einfordern und kontrollieren müssen (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter,
a.a.O., N 110 zu § 26). Eine weitergehende administrative Vereinfachung ist damit nicht
bezweckt. Dies gilt zumindest für den Fahrkostenabzug, welcher sich aus drei
Komponenten zusammensetzt: den Anzahl Arbeitstagen, der Distanz für den Hin- und
Rückweg und der Kilometerpauschale. Die Multiplikation der drei Komponenten ergibt
den abzugsfähigen Betrag. Dabei ist nur der jeweilige Ansatz pro Kilometer
pauschaliert. Für die übrigen Voraussetzungen sind hingegen die tatsächlichen
Verhältnisse massgebend. Es handelt sich somit nur um eine Teilpauschalierung. Darin
unterscheidet sich der Fahrkostenabzug beispielsweise vom Verpflegungsabzug.
Letzterer stellt eine Vollpauschale dar, die sowohl nach oben als auch nach unten hin
begrenzt ist und dem Pflichtigen grundsätzlich ohne Rücksicht darauf zusteht, wie er
sich tatsächlich verpflegt. Insoweit bleiben hier die tatsächlichen Verhältnisse
unberücksichtigt. Jedoch kann nicht einmal der volle, sondern nur ein reduzierter
Verpflegungsabzug beansprucht werden, wenn dem Pflichtigen für die Verpflegung
keine oder nur geringe Mehrkosten erwachsen, weil sich der Arbeitgeber an den
Kosten beteiligt. Nichts anderes kann dann aber beim Fahrkostenabzug gelten. Bilden
mehrere Pflichtige eine Fahrgemeinschaft und teilen sie die anfallenden Fahrkosten
untereinander auf, so wäre es nicht nur sachwidrig, sondern auch mit dem Grundsatz
der Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nicht zu vereinbaren,
wenn jedem Mitfahrer der volle Fahrkostenabzug zugestanden würde. Alsdann können
vielmehr nur die tatsächlich bezahlten Kosten oder die mit Hilfe der Kilometerpauschale
berechneten Fahrkosten abzüglich der von den Mitfahrern erhaltenen Entschädigungen
in Abzug gebracht werden.
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2.5 Dass der Pauschalansatz pro Fahrkilometer nicht ohne Rücksicht auf die
tatsächlichen Verhältnisse geltend gemacht werden kann, ergibt sich im Übrigen auch
aus der Berufskostenverordnung (SR 642.118.1), auf die Art. 18 Abs. 3 StV verweist. In
deren Anhang wird nicht nur eine Kilometerpauschale für Autos festgelegt, sondern
auch ein entsprechender (tieferer) Ansatz für Motorräder mit weissem Kontrollschild.
Mithin kommt es bei Unzumutbarkeit der Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel aus
zeitlichen oder anderen Gründen durchaus darauf an, wie der Arbeitsweg zurückgelegt
wird.
2.6 Benützt der Pflichtige hierfür sein privates Auto oder Motorrad, so steht ihm aber
die jeweilige Pauschale in jedem Fall zu, selbst wenn die effektiven Kosten für das
Fahrzeug tiefer sind. Die Deklaration der Pauschale anstelle der effektiven Kosten
begründet die (unwiderlegbare) Rechtsvermutung, die Pauschale entspreche den in der
Bemessungsperiode tatsächlich entstandenen Kosten (Richner/Frei/Kaufmann/ Meuter,
a.a.O., N 114 zu § 26). Daran vermag nach Meinung des Verwaltungsgerichts auch
nichts zu ändern, wenn der Pflichtige beispielsweise an einzelnen (wenigen) Tagen im
Jahr anstatt mit dem Auto oder dem Motorrad mit dem Zug zur Arbeit fährt oder hin
und wieder einmal den Arbeitsweg mit dem Velo anstatt mit dem öffentlichen
Verkehrsmittel zurücklegt.
3. Zusammenfassend ergibt sich, dass der mit Hilfe der Kilometerpauschale
berechnete Fahrkostenabzug dann nicht voll gewährt werden kann, wenn ein
Steuerpflichtiger zusammen mit anderen Personen eine Fahrgemeinschaft bildet und
deshalb seine Kosten für den Arbeitsweg wesentlich tiefer ausfallen. Der
Beschwerdeführer hat deshalb im Einspracheentscheid zu Recht die Differenz
zwischen den tatsächlichen Kosten für den Arbeitsweg und den in den ordentlichen
Veranlagungen gewährten Fahrkosten aufgerechnet. Folglich ist die Beschwerde
gutzuheissen, der angefochtene Entscheid vom 9. Dezember 2010 aufzuheben und der
Einspracheentscheid vom 28. Oktober 2009 zu bestätigen. Der Beschwerdeführer wird
allerdings darauf hingewiesen, dass er in Zukunft nicht nur bei steueramtlichen
Meldungen die tatsächlich angefallenen Kosten zu prüfen hat, sondern im Rahmen der
Veranlagung auch bei anderen Steuerpflichtigen entsprechende Abklärungen zu tätigen
hat.
4. (...).
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Demnach hat das Verwaltungsgericht