# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8dd45787-ccf5-4a40-a0df-11b832ba085b
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
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A.
a. A._, geb. 1997, von Deutschland, ist die Tochter von B._ und C._. Die Eltern sind
nicht miteinander verheiratet. Die elterliche Sorge über A._ steht der Mutter zu. C._
lebt seit dem 1. Oktober 2011 in der Schweiz. Ein von ihm gestelltes Gesuch um
Familiennachzug, dem unter anderem die Einverständniserklärung der Mutter vom
2. August 2012 (act. G 8/5/14e) beilag, bewilligte das Migrationsamt St. Gallen mit
Verfügung vom 14. Januar 2013 für A._ und lehnte es für B._ ab. Letztere wohnte in
der Folge in K._ (D). A._ lebte bereits seit dem 30. Juli 2012 in X._ bei ihrem Vater
und besuchte dort bis Juli 2013 die Schule. Vom 14. September bis 14. Dezember
2013 war sie in der Klinik L._ in M._ untergebracht. Mit Beschluss vom 19. Dezember
2013 wies die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Region Q._ A._ per
6. Januar 2014 in die sozialpädagogische Jugendwohngruppe O._ in P._ zur
sozialpädagogischen, psychotherapeutischen und ärztlichen Betreuung ein.
Gleichzeitig wurde den Eltern die elterliche Obhut im Sinn von Art. 310 Abs. 1 und 2
des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, ZGB) für die Dauer des Aufenthalts in
der Jugendwohngruppe entzogen. Ferner wurde für die Jugendliche eine kombinierte
Erziehungsbeistandschaft (Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB) errichtet (act. G 8/5/14c). Mit
Schreiben vom 26. Februar 2014 ersuchte das Amt für Soziales - in seiner Funktion als
Verbindungsstelle gemäss Art. 10 f. der Interkantonalen Vereinbarung für soziale
Einrichtungen IVSE (sGS 381.31; IVSE) - die politische Gemeinde X._ um Erteilung der
Kostenübernahmegarantie (act. G 8/5/17). Am 25. März 2014 erteilten die Sozialen
Dienste Y._ der Jugendwohngruppe O._ eine subsidiäre Kostengutsprache mit dem
Hinweis, dass die Wohnsitz- und Zuständigkeitsfrage noch zu klären sei (act. G 8/5/13).
Mit E-Mail vom 24. April 2014 sowie im Schreiben vom 30. September 2014 bestätigte
die KESB Q._ ihre Auffassung, dass das alleinige Sorgerecht für A._ bei B._ liege
(act. G 8/1/9, G 8/5/6). Am 23. Mai 2014 und 24. März 2015 lehnten die Sozialen
Dienste Y._ die Unterzeichnung der Kostenübernahmegarantie ab (act. G 8/5/4 und 9).
b. Am 6. März 2015 trat A._ aufgrund ihrer Volljährigkeit aus der Jugendwohngruppe
O._ aus. Nach Einräumung des rechtlichen Gehörs gegenüber den Sozialen Diensten
Y._ stellte die IVSE-Verbindungstelle mit Verfügung vom 22. Mai 2015 fest, dass die
Gemeinde X._ zuständig sei für die Kostentragung des vom 6. Januar 2014 bis
6. März 2015 dauernden Aufenthalts von A._ in der Jugendwohngruppe O._ (Ziff. 1).
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Die Sozialen Dienste Y._ wurden aufgefordert, für den erwähnten Aufenthalt die
Kostenübernahmegarantie zu unterzeichnen (Ziff. 2). Vorbehalten bleibe die
Kostentragung für die Beiträge der Unterhaltspflichtigen (Kost und Logis) durch die für
die Unterstützung zuständige Gemeinde nach dem Bundesgesetz über die
Zuständigkeit für die Unterstützung Bedürftiger (SR 851.1, ZUG; Ziff. 3). Die Anmeldung
von A._ und ihr faktischer Aufenthalt bei ihren Eltern (Vater) in X._ zum Zeitpunkt der
Platzierung durch die KESB Q._ sei geeignet gewesen, einen eigenständigen
Wohnsitz am Aufenthaltsort in X._ zu begründen. Eine Wohnsitzbegründung am neuen
Aufenthaltsort in P._ sei nicht möglich (gewesen), weil sie sich dort zu einem
Sonderzweck aufgehalten habe und keine Absicht des dauernden Verbleibs erkennbar
(gewesen) sei (act. G 8/1/1). Den gegen diese Verfügung von der politische Gemeinde
X._, vertreten durch die Sozialen Dienste Y._ am 8. Juni 2015 erhobenen Rekurs (act.
G 8/1) wies das Departement des Innern mit Entscheid vom 13. März 2017 ab, soweit
es darauf eintrat und auferlegte der Gemeinde amtliche Kosten von CHF 1‘000 (act. G
2/1).
B.
a. Gegen diesen Entscheid erhob die politische Gemeinde X._ mit Eingabe vom
27. März 2017 Beschwerde mit den Anträgen, der Entscheid sei aufzuheben (Ziff. 1). Es
sei festzustellen, dass sich der zivilrechtliche Wohnsitz von A._ während ihres
Aufenthalts in der Jugendwohngruppe O._ vom 6. Januar 2014 bis 6. März 2015 (vgl.
Berichtigung in act. G 5) in P._ befunden habe und die Beschwerdeführerin für die
IVSE-Leistungsabgeltung in diesem Zeitraum örtlich und sachlich nicht zuständig sei
(Ziff. 2). Es seien der Wohnkanton Appenzell Ausserrhoden sowie die Wohngemeinde
P._ dazu zu verpflichten, die Kostenübernahmegarantie zu unterzeichnen und die von
der Gemeinde Y._ aufgrund der subsidiären Finanzierung ohne Anerkennung der
Zuständigkeits- und Wohnsitzfrage übernommenen Kosten an diese zurückzuerstatten
(Ziff. 3). Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (Ziff. 4; act. G 1). Mit Eingabe
vom 20. April 2017 berichtigte die Beschwerdeführerin einzelne Datenangaben der
Beschwerde (act. G 5).
b. In der Vernehmlassung vom 27. April 2017 beantragte die Vorinstanz Abweisung der
Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Ausführungen im angefochtenen
Entscheid (act. G 7).
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c. Auf die Vorbringen in der Beschwerde wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in

## Considerations

den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Sodann ist die
politische Gemeinde X._ zur Beschwerde legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45
Abs. 1 VRP). Weiter entspricht die Beschwerdeeingabe vom 27. März/20. April 2017
zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
Nicht geprüft wurde im vorinstanzlichen Verfahren, ob A._ im Zeitpunkt der
Unterbringung in der Jugendwohngruppe O._ einen eigenen (dauernden)
Unterstützungswohnsitz im Sinn von Art. 7 Abs. 3 lit. c ZUG in P._ begründet hatte;
auf entsprechende Vorbringen trat die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid nicht ein
(vgl. act. G 2/2 E. 1.3.2). Diese Thematik hat somit, da nicht materieller Gegenstand
des vorinstanzlichen Entscheids, auch im vorliegenden Verfahren ausser Betracht zu
bleiben.
2.
2.1. Nach Art. 19 IVSE sichert der Wohnkanton der Einrichtung des Standortkantons
mit der Kostenübernahmegarantie die Leistungsabgeltung zu Gunsten der Person für
die zu garantierende Periode zu (Abs. 1). Die zahlungspflichtigen Stellen und Personen
des Wohnkantons schulden der Einrichtung des Standortkantons die
Leistungsabgeltung für die Leistungsdauer (Abs. 2). Wohnkanton ist gemäss Art. 4 lit. d
IVSE derjenige Kanton, in dem die Person, welche die Leistungen beansprucht, ihren
zivilrechtlichen Wohnsitz hat. Nach Art. 41 lit. a des Sozialhilfegesetzes (SHG; sGS
381.1) erhalten Heime und Einrichtungen ausserhalb des Kantons St. Gallen für st.
gallische Betreuungsbedürftige Beiträge nach der IVSE. Nach Art. 42 Abs. 1 SHG
leistet die zuständige Stelle des Staates Kostenübernahmegarantie bei zivilrechtlicher
Unterbringung und bei einer Unterbringung durch die Eltern in einem Kinder- oder
Jugendheim bis zum vollendeten 20. Altersjahr.
bis
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2.2. Eine natürliche Person hat ihren Wohnsitz im Sinne des Bundesgesetzes über das
Internationale Privatrecht (SR 291, IPRG) in dem Staat, in dem sie sich mit der Absicht
dauernden Verbleibens aufhält (Art. 20 Abs. 1 lit. a IPRG) bzw. ihren gewöhnlichen
Aufenthalt in dem Staat, in dem sie während längerer Zeit lebt, selbst wenn diese Zeit
zum vornherein befristet ist (lit. b). Nach Art. 20 Abs. 2 zweiter Satz IPRG bildet der
gewöhnliche Aufenthalt Ersatzanknüpfung, sofern eine natürliche Person weder in der
Schweiz noch im Ausland einen Wohnsitz aufweist. Gemäss Art. 20 Abs. 2 letzter Satz
IPRG sind (im internationalen Verhältnis) die Bestimmungen des Zivilgesetzbuches über
Wohnsitz und Aufenthalt nicht anwendbar; unbeachtlich sind im Geltungsbereich des
IPRG somit namentlich die Art. 24 ff. ZGB, die verschiedene Fälle fiktiven Wohnsitzes
vorsehen. Dieser Umstand schliesst indes nicht aus, dass bei der Auslegung von Art.
20 Abs. 1 IPRG auf die Praxis zu Art. 23 ZGB zurückgegriffen wird (BGer 4A_36/2016
vom 14. April 2016, E. 3.4 mit vielen Hinweisen). Für den innerstaatlichen Bereich
kommt demgegenüber das ZGB zur Anwendung (vgl. dazu nachstehende E. 4.2).
3.
3.1. Im angefochtenen Entscheid hielt die Vorinstanz unter anderem fest, dass A._ mit
ihrem Zuzug in die Schweiz am 30. Juli 2012 einen selbständigen Wohnsitz am
gewöhnlichen Aufenthaltsort in X._ bei ihrem (nicht sorge- und obhutsberechtigten)
Vater begründet habe. Dieser Wohnsitz sei nach Art. 24 Abs. 1 ZGB auch während der
Dauer der Platzierung in der Jugendwohngruppe O._ in P._ (wie auch während des
vorangegangenen dreimonatigen Aufenthalts in der Klinik L._ in M._) weiterhin in X._
bestehen geblieben. Er dürfe nicht als aufgegeben betrachtet werden, da ansonsten
die IVSE ihr Ziel und ihren Zweck verlieren würde. Im Übrigen decke sich dies auch mit
der klaren bundesgerichtlichen Rechtsprechung, und auch das Kindeswohl von A._
stehe dieser Auffassung nicht entgegen. Eine Überbindung der Leistungsabgeltung an
den Kanton AR bzw. die Gemeinde P._ würde den fairen Regeln der gegenseitigen
Kostenübernahme widersprechen. Demgemäss sei die Gemeinde X._ bis zum Austritt
von A._ aus der Jugendwohngruppe als Wohnsitzgemeinde im Sinn von Art. 4 Abs. 1
lit. d IVSE für die Kostentragung des Aufenthalts vom 6. Januar 2014 bis 6. März 2015
zuständig gewesen (act. G 2/2).
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3.2. Die Beschwerdeführerin bestätigt im vorliegenden Verfahren ihren Standpunkt,
dass A._ seit ihrem Zuzug am 30. Juli 2012 in die Schweiz einen selbständigen
zivilrechtlichen Wohnsitz nach Art. 20 IPRG an ihrem jeweiligen Aufenthaltsort habe.
Dies habe zur Folge, dass sich der selbständige zivilrechtliche Wohnsitz während der
Unterbringung in der Jugendwohngruppe O._ in der politischen Gemeinde P._
befunden habe. Es sei auf den klaren Wortlaut von Art. 4 Abs. 1 lit. d IVSE abzustellen
und an der Massgeblichkeit des zivilrechtlichen Wohnsitzes nach Art. 25 Abs. 1 zweiter
Halbsatz ZGB solange festzuhalten, wie kein Ausnahmetatbestand gemäss Art. 5 Abs.
1 IVSE für den Bereich A (Kinder- und Jugendheime) geschaffen werde. Der Wohnsitz
eines minderjährigen Kindes am Standort einer Einrichtung bleibe für die Zuständigkeit
zur Finanzierung der IVSE-Leistungsabgeltung solange von Bedeutung, wie keine vom
zivilrechtlichen Wohnsitz abweichende Regelung getroffen werde. Der angefochtene
Entscheid stelle eine der herrschenden Lehre und Rechtsprechung widersprechende
Anwendung der Bestimmungen über den zivilrechtlichen Wohnsitz des Kindes dar.
Damit gelte der Kanton Appenzell Aussenrhoden seit der Unterbringung von A._ in der
Jugendwohngruppe O._ in P._ als ihr zivilrechtlicher Wohnkanton. Dementsprechend
sei auch dieser Kanton für die Finanzierung der IVSE-Leistungsabgeltung örtlich und
sachlich zuständig, zumal dieser Kanton in allen Bereichen (A-D) der IVSE beigetreten
sei (act. G 1).
4.
4.1. Unbestritten ist vorliegend, dass dem in X._ wohnenden Vater von A._ weder vor
noch während dem hier zur Diskussion stehenden Zeitraum vom 6. Januar 2014 bis
6. März 2015 (Aufenthalt in der Jugendwohngruppe O._) das Sorgerecht für seine
Tochter zustand (vgl. auch schriftliche Einverständniserklärung von B._ in act. G
8/11.4). Nicht umstritten ist sodann, dass die allein sorgeberechtigte Mutter von A._ -
jedenfalls bis zu deren Volljährigkeit, welche das Sorgerecht der Mutter beendete (Art.
14 in Verbindung mit Art. 296 Abs. 1 des Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB) - in jenem
Zeitraum keinen zivilrechtlichen Wohnsitz in der Schweiz hatte. Das öffentliche Recht
knüpft zur Bestimmung des Wohnsitzes meist - wie vorliegend Art. 4 lit. d IVSE
ausdrücklich - am zivilrechtlichen Wohnsitzbegriff an, wobei der zivilrechtliche
Wohnsitz in einer „funktionalisierenden Auslegung“ zur angemessenen
Berücksichtigung der Interessen der Beteiligten und der Allgemeinheit teilweise
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modifiziert wird. Nach einem Teil der Lehre ist einer funktionalisierenden Auslegung des
zivilrechtlichen Wohnsitzbegriffs, welche die daran anknüpfenden Rechtsfolgen
berücksichtigt, zwar grundsätzlich zuzustimmen. Jedoch sei im Interesse der
Rechtssicherheit an der Einheitlichkeit des zivilrechtlichen Wohnsitzbegriffs
festzuhalten; unterschiedliche Auslegungen seien nur in geringem Umfang zuzulassen
(D. Staehelin, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 5. Aufl. 2014, Rz. 3 zu Art. 23
ZGB). Eine weitere Lehrmeinung erachtet die Wohnsitzbestimmung als einer
funktionalen Auslegung insofern zugänglich, als der zivilrechtliche Wohnsitz einer
räumlichen Zuordnung eines Rechtsobjekts diene und nie Selbstzweck sei. Bei der
Wohnsitzbestimmung sei in erster Linie das Kindeswohl zu berücksichtigten. Dieses
verlange in der Regel eine stabile Zuständigkeit für Kindesschutzmassnahmen und die
Vermögensverwaltung, die an einem schnell wechselnden Aufenthaltsort meist nicht
sichergestellt werden könne, sondern vielmehr am Wohnsitz des Sorgeberechtigten
(Hausheer/Reusser/Geiser, Berner Kommentar, 2. Aufl 1999, Rz. 34/5a zu Art. 162
ZGB).
Aus der letztgenannten Feststellung lässt sich im vorliegenden Zusammenhang
insofern nichts ableiten, als es im streitigen Zeitraum wie erwähnt an einem
(schweizerischen) Wohnsitz der Sorgeberechtigten (Mutter) fehlte. Auch das
Kindeswohl bildet konkret keinen Gesichtspunkt, welcher für einen der beiden Orte
(X._, P._) sprechen würde. Im Übrigen ist festzuhalten, dass entgegen der im
angefochtenen Entscheid (act. G 2/1 S. 14 f.) geäusserten Auffassung sich der Begriff
des (selbstredend vom Zivilrecht definierten) zivilrechtlichen Wohnsitzes im Sinn von
Art. 4 lit. d IVSE nicht ohne Weiteres in der Weise „umdeuten“ lässt, dass dem
Gesamtzweck der IVSE am besten nachgekommen wird. Andernfalls ergäben sich
unter Umständen, je nach Fragestellung und Rechtsgebiet, unterschiedliche
zivilrechtliche Wohnsitze, was sich mit Art. 20 Abs. 2 Satz 1 IPRG („Niemand kann an
mehreren Orten zugleich Wohnsitz haben“) nicht vereinbaren liesse.
4.2. Die Verfahrensbeteiligten (Vorinstanz, Beschwerdeführerin) vertreten die
Auffassung, dass A._ durch ihren Zuzug von Deutschland zu ihrem Vater in X._ per
30. Juli 2012 in Anwendung von Art. 20 Abs. 2 Satz 2 IPRG einen selbständigen
Wohnsitz am Aufenthaltsort (Ersatzanknüpfung; vgl. dazu Buhr/Gabriel/Schramm, in:
Furrer/Girsberger/Müller-Chen, Handkommentar zum Schweizer Privatrecht,
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Internationales Privatrecht, 3. Aufl. 2016, Rz. 20-28 zu Art. 20 IPRG; Staehelin, a.a.O.,
Rz. 8 f. zu Art. 24 ZGB) begründet habe. Nachstehend ist zu prüfen, ob dieser
Standpunkt zutrifft. Unbestritten blieb in diesem Zusammenhang, dass ab dem 30. Juli
2012 in Deutschland kein (fiktiver oder von der Mutter abgeleiteter) Wohnsitz von A._
mehr bestanden hatte. Sodann ist davon auszugehen, dass das IPRG aufgrund des
Wortlauts von Art. 20 Abs. 1 lit. a IPRG nur den Staat bestimmt, in welchem eine
Person ihren Wohnsitz hat. Bei Begründung eines Wohnsitzes in der Schweiz - wie er
vorliegend zur Diskussion steht - kommt demgegenüber im innerstaatlichen Verhältnis,
d.h. für die Bestimmung des Wohnsitzortes innerhalb der Schweiz, weiterhin das ZGB
und damit namentlich Art. 25 ZGB zur Anwendung (vgl. Staehelin, a.a.O., Rz. 4 zu
Art. 23 ZGB mit Hinweisen in Verbindung mit Rz. 2 zu Art. 25 ZGB). Nach der
letztgenannten Bestimmung gilt als Wohnsitz des Kindes unter elterlicher Sorge der
Wohnsitz der Eltern oder, wenn die Eltern keinen gemeinsamen Wohnsitz haben, der
Wohnsitz des Elternteils, unter dessen Obhut das Kind steht; in den übrigen Fällen gilt
sein Aufenthaltsort als Wohnsitz (Art. 25 Abs. 1 ZGB).
4.3. Zu klären ist, welcher Fall von Art. 25 Abs. 1 ZGB (Wohnsitz des in der Schweiz
lebenden Elternteils mit Obhutsberechtigung oder Aufenthaltsort des Kindes als
selbständiger Wohnsitz) vorliegend zum Tragen kommt. Dem Vater der Jugendlichen
wurde von Seiten des Migrationsamtes am 14. Januar 2013 - basierend auf der
Einverständniserklärung der allein sorgeberechtigten Mutter - der Familiennachzug
seiner Tochter in die Schweiz (mit Wohnort bei ihm) bewilligt (act. G 8/5/4b). Die
Einreise der Tochter in die Schweiz mit Aufenthalt beim Vater hatte zwangsläufig
dessen (faktische) Obhut zur Folge, zumal er nach Lage der Akten im Einreisezeitpunkt
die einzige Bezugsperson war. Hierbei ist von Bedeutung, dass sich die Eltern unter
Wahrung des Kindeswohls über eine Anpassung der Obhut verständigen bzw. einigen
können (Staehelin, a.a.O., Rz. 21 zu Art. 301a Abs. 5 ZGB). Die Mutter von A._ hatte
bereits am 2. August 2012 ihr Einverständnis gegeben, dass diese bei ihrem Vater in
der Schweiz leben dürfe (act. G 8/5/14e). Damit stimmte sie faktisch der Übertragung
der Obhut an den Vater zu. Die örtlich zuständige KESB hatte dieser
Obhutsübertragung insofern im Nachhinein konkludent zugestimmt (vgl. Art. 315b Abs.
2 ZGB), als sie in der Verfügung vom 19. Dezember 2013 den Obhutsentzug gegenüber
beiden Elternteilen angeordnet und die Verfügung an die Adresse des Vaters zugestellt
hatte (act. G 8/5/14c; vgl. auch Art. 298 Abs. 3 ZGB in der seit 1. Januar 2013
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anwendbaren Fassung). Vor diesem Hintergrund kann offenbleiben, ob mit der
erwähnten Einverständniserklärung der Mutter nur eine faktische oder bereits eine
formelle Obhutsübertragung an den Vater einherging; dies umso mehr, als die KESB
nach Art. 315b Abs. 2 ZGB zur Regelung der elterlichen Sorge und Obhut zuständig
war. Unter diesen Gegebenheiten ist an die im Zeitpunkt der Einreise von A._ in die
Schweiz bestehende tatsächliche (und nachträglich von der KESB konkludent
bewilligte formelle) Obhut des Vaters für die Bestimmung des zivilrechtlichen
Wohnsitzes von A._ anzuknüpfen. Die Auffassung der Vorinstanz und der
Beschwerdeführerin, wonach A._ einen selbständigen Wohnsitz am Aufenthaltsort in
X._ begründet habe, lässt sich nicht aufrechterhalten. Vielmehr hatte sie einen vom
Wohnsitz des Vaters (unter dessen Obhut sie aufgrund des Dargelegten stand)
abgeleiteten Wohnsitz in X._ (Art. 25 Abs. 1 ZGB).
4.4. A._ behielt den Wohnsitz in X._ durch die - gestützt auf den erwähnten KESB-
Beschluss erfolgte - Platzierung in der Jugendwohngruppe O._ bei, denn aufgrund
von Art. 23 Abs. 1 ZGB hatte die Unterbringung in der Einrichtung nicht zur Folge, an
ihrem neuen Aufenthaltsort in P._ in der Zeit vom 6. Januar 2014 bis 6. März 2015
einen neuen Wohnsitz zu begründen. Eine Absicht von A._, an dem - durch die KESB
Q._ zugewiesenen - Ort dauernd zu verbleiben, kann nicht unterstellt werden und ist
auch nicht ersichtlich. Die Unterbringung in einer Einrichtung begründet keinen
Wohnsitz, selbst wenn sie auf unbestimmte Zeit erfolgt, der Lebensmittelpunkt völlig in
die Anstalt verlegt wird und alle Beziehungen zum bisherigen Wohnort abgebrochen
werden (vgl. Staehelin, a.a.O., Rz. 19g und 19h zu Art. 23 ZGB). Im Resultat ist somit
der vorinstanzliche Entscheid, welcher die Beschwerdeführerin für die Kostentragung
des vom 6. Januar 2014 bis 6. März 2015 dauernden Aufenthalts von A._ in der
Jugendwohngruppe O._ in P._ als zuständig erklärte, zu bestätigen.
5.
5.1. (...).
5.2. (...).