# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 99e7d9ef-0013-4902-a49a-8c766ef05481
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. und Y., beide deutsche Staatsangehörige, heirateten am 2. November 2001 vor dem Standesamt A.. Aus der Ehe ist ein gemeinsames Kind, B., geboren am 23. Juni 2002, hervorgegangen. Aus einer ersten Ehe hat X. noch zwei weitere Kinder: C., geboren am 19. April 1992, und D., geboren am 5. Mai 1995.
B. Mit Urteil des Amtsgerichts Schöneburg (DE) vom 29. Juni 2010 wurde die Ehe der Parteien geschieden, wobei die Nebenfolgen nicht geregelt wurden. Am 20. Januar 2011 erhob X. beim Bezirksgericht Inn Klage betreffend Nebenfolgen der Scheidung in Ergänzung zum rechtskräftigen Scheidungsurteil des Amtsgerichts Schöneburg. Dieses Verfahren blieb auf Antrag der Klägerin zwecks Führung von Vergleichsverhandlungen bis im September 2011 sistiert.
C. Mit Eingabe vom 13. Juli 2011 liess X. beim Einzelrichter des Bezirksgerichts Inn ein Gesuch um Erlass von vorsorglichen Massnahmen einreichen, wobei die folgenden Anträge gestellt wurden:
„1. Der Gesuchsgegner sei im Rahmen vorsorglicher Massnahmen zu verurteilen, der Gesuchstellerin für die gemeinsame Tochter B. (geb. 23.06.2002) mit sofortiger Wirkung einen monatlichen Unterhaltsbeitrag in Höhe von Fr. 1'950.00 zu bezahlen, zahlbar je monatlich im voraus.
2. Der Gesuchsgegner sei ferner zu verurteilen, der Gesuchstellerin mit sofortiger Wirkung monatliche Beiträge in Höhe von Fr. 1'400.00 zu bezahlen, zahlbar je monatlich im voraus.
3. Unter gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Gesuchsgegners.“
In der Begründung machte die Gesuchstellerin im Wesentlichen geltend, dass die ihr zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel von Fr. 4'388.-- nicht ausreichen würden, den Grundbedarf der dreiköpfigen Familie von Fr. 4'773.-- zu decken, sondern vielmehr eine Unterdeckung von Fr. 385.-- pro Monat vorliege. Seit der Trennung habe Y. lediglich drei Mal jeweils Fr. 1'000.-- für die Monate März, April und Mai 2011 in unpräjudizieller Höhe an den Unterhalt der gemeinsamen Tochter B. bezahlt. Überdies benutze er die sich im Miteigentum der Parteien befindliche Liegenschaft in E. alleine und habe mit deren teilweisen Vermietung bereits Fr. 13'800.-- an Mietzinseinnahmen erzielt, ohne ihr jedoch den hälftigen Anteil am Entgelt zukommen zu lassen. Ausserdem habe er bis anhin noch keine Unterlagen eingereicht, aus denen sich seine konkrete Leistungsfähigkeit errechnen liesse.
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D. Noch vor Abschluss des Schriftenwechsels beantragte X. die superprovisorische Verpflichtung von Y., ihr bis zum rechtskräftigen Entscheid im vorsorglichen Massnahmeverfahren an den Unterhalt der gemeinsamen Tochter B. monatlich Fr. 1'000.-- zu bezahlen. Dieses Gesuch lehnte der Einzelrichter des Bezirksgerichts Inn mit Entscheid vom 5. August 2011 ab.
E. Nach Ablauf der ihm angesetzten Frist reichte Y. am 19. August 2011 eine Stellungnahme zum Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen ein. Darin machte er geltend, in prekären finanziellen Verhältnissen zu leben und schwerlich den monatlichen Unterhalt von Fr. 1'000.-- für die Tochter bezahlen zu können. Er versuche, ohne jegliche Hypothek für Schulden und Unterhaltskosten des Hauses und für das Kind aufzukommen, sei jedoch am Rande seiner finanziellen Möglichkeiten angelangt.
F. Mit Entscheid vom 30. August 2011, mitgeteilt am 1. September 2011, erkannte der Einzelrichter des Bezirksgerichts Inn wie folgt:
„1. Der Gesuchsgegner wird verpflichtet, für die Dauer des Verfahrens an die Gesuchstellerin monatliche Unterhaltsbeiträge in der Höhe von Fr. 1'000.--, rückwirkend ab 1. August 2011, zugunsten der gemeinsamen Tochter zu bezahlen.
2. Dem Gesuchsgegner wird für die Beibringung der aktuellen Steuererklärung und Veranlagung eine Frist von 10 Tagen angesetzt.
3. Im Übrigen werden die Anträge abgewiesen.
4. Die Kosten dieses Verfahrens bleiben bei der Prozedur.
5. Die Verfügung ist mit zivilrechtlicher Beschwerde anfechtbar (Art. 319 ff. ZPO). Diese ist beim Kantonsgericht von Graubünden, Engadinstrasse 24, 7000 Chur, innert 10 Tagen seit Zustellung des Entscheids schriftlich und begründet einzureichen. Der angefochtene Entscheid ist beizulegen (Art. 321 Abs. 2 und 3 ZPO i.V.m. Art. 7 EGzZPO).
6. (Mitteilung).“
In der Begründung hielt der Einzelrichter des Bezirksgerichts Inn fest, der Gesuchsgegner habe nicht glaubhaft dargelegt, inwiefern er tatsächlich in finanziellen Schwierigkeiten stecke und weswegen es ihm unmöglich sei, die Fr. 1'000.-- für die gemeinsame Tochter weiterhin zu bezahlen. Das Gericht erachte es demzufolge als vertretbar, ihn zu verpflichten, für die Dauer des Verfahrens an die Gesuchstellerin monatliche Unterhaltsbeiträge in Höhe von Fr. 1'000.-- zu leisten. Des Weiteren werde er verpflichtet, aktuelle Belege über seine finanzielle Situation, speziell Steuererklärung und Steuerveranlagung, beim Gericht einzureichen. Was den geforderten nachehelichen Unterhalt betrifft, führte der
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Einzelrichter aus, die Gesuchstellerin habe nicht glaubhaft dargelegt, weshalb der Gesuchsgegner monatlich Fr. 1'950.-- an sie bezahlen solle. Deswegen sehe das Gericht davon ab, ihr die anbegehrten monatlichen Unterhaltsbeiträge zuzusprechen. Auch der Antrag um Aufhebung des Grund-Miteigentums der Parteien in E. sei im vorliegenden Verfahren, in welchem es um vorsorgliche Massnahmen betreffend nacheheliche Unterhaltsbeiträge und um Kinderunterhaltsbeiträge gehe, nicht zu hören.
G. Gegen diesen Entscheid liess X. am 12. September 2011 beim Kantonsgericht Graubünden Beschwerde erheben, wobei folgende Anträge gestellt wurden:
„1. In Abänderung des Urteils des Einzelrichters des Bezirksgerichts Inn vom 30. August 2011, eingegangen am 2. September 2011, sei der Beschwerdegegner zu verurteilen, der Beschwerdeführerin für die gemeinsame Tochter B. (geb. 23.06.2002) mit Wirkung ab Juli 2011 einen monatlichen Unterhaltsbeitrag in Höhe von Fr. 1'950.00 zu bezahlen, zahlbar monatlich und im voraus.
2. Der Beschwerdegegner sei ferner zu verurteilen, der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab Juli 2011 monatliche Beiträge in Höhe von Fr. 1'400.00 zu bezahlen, zahlbar monatlich und im voraus.
3. Unter gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Beschwerdegegners.“
H. In seiner Stellungnahme vom 23. September 2011 beantragte Y. die Ablehnung des von X. eingebrachten Rechtsbegehrens. Zusätzlich reichte er Unterlagen zu seiner finanziellen Leistungsfähigkeit, darunter die Jahresrechnungen seiner Einzelfirma F. für die Geschäftsjahre 2005/06 bis 2007/08 und die der Vorinstanz in Befolgung von Ziffer 2 des angefochtenen Entscheids eingereichten Dokumente, zu den Akten.
Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Entscheid und in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1.a) Gegen erstinstanzliche Entscheide über vorsorgliche Massnahmen kann gemäss Art. 308 Abs. 1 lit. b ZPO Berufung im Sinne von Art. 308 ff. ZPO erhoben werden. In vermögensrechtlichen Angelegenheiten, wie sie vorliegend zur Diskussion stehen, ist die Berufung allerdings nur zulässig, wenn der Streitwert
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der zuletzt aufrechterhaltenen Rechtsbegehren CHF 10'000.-- übersteigt. Massgebend ist somit nicht der Streitwert, welcher sich anhand der Berufungsanträge der Parteien und dem vorinstanzlichen Entscheid errechnet. Abzustellen ist vielmehr auf den Betrag, welcher nach den Begehren der Parteien bei Erlass des erstinstanzlichen Urteils noch streitig war. Bei ungewisser oder unbeschränkter Dauer gilt als Kapitalwert der zwanzigfache Betrag der einjährigen Nutzung oder Leistung und bei Leibrenten der Barwert (Art. 92 Abs. 2 ZPO; vgl. dazu Karl Spühler, Basler Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, N. 8 zu Art. 308 ZPO; Reetz/Theiler, in Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, N. 39 f. zu Art. 308 ZPO; Kurt Blickenstorfer, in: Brunner/Gasser/Schwander, DIKE-Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, N. 24 zu Art. 308 ZPO).

## Considerations