# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a1479863-41ef-4a56-9b95-8490bb3ceff6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Esther
X._
, geboren 1955,
meldete sich erstmals im Juni 2000 zum Leistungsbezug bei der Invalidenversicherung an (Urk. 8/5).
Mit Verfügung vom 5. November 2001 wies die IV-Stelle Luzern das Rentengesuch ab (Urk. 8/21), was von der Sozialversicherungsrechtlichen Abteilung des Verwaltungsgericht
s des
Kanton
s
Luzern mit Urteil vom 17. März 2004 geschützt wurde (Urk. 8/40).
1.2
Im Januar 2008 meldete sich die Versicherte erneut zum Leistungsbezug an (Urk. 8/50).
Nachdem d
ie IV-Stelle Luzern
schliesslich auf das
Neuanmeldungs
gesuch
eingetreten war
(vgl. Urk. 8/56-57, Urk. 8/65-67)
,
holte
sie
Arztberichte
(Urk. 8/72
, Urk. 8/75, Urk. 8/82
, Urk. 8/103
)
ein
und
veranlasste eine
Haushalts
ab
klärung
(Urk. 8/71) sowie eine
polydisziplinäre
Begutachtung (Urk.
8/99, Urk. 8/101-
10
2, Urk. 8/104
).
Mit Verfügung vom 29. September 2010 v
erneinte die IV-Stelle Luzern einen
Rentenanspruch (Urk. 8/135).
1.3
Am 8. September 2011 meldete sich die Versicherte wiederum
bei der Invaliden
versicherung an (Urk. 8/149).
Nach durch
geführtem
Vorbescheidverfahr
en
(Urk. 8/156,
Urk. 8/161) trat
die
nun zuständige
IV-Stelle
des Kantons Zürich
mit Verfügun
g vom 15. Februar 2012 auf die Neuanmeldung nicht ein (Urk. 8/162 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 15. Februar 2012 (Urk. 2) erhob die Versicherte am 16. März 2012 Beschwerde und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die IV-Stelle anzuweisen, den Sachverhalt materiell zu prüfen (Urk. 1 S. 2). Mit
Be
schwerdeantwort
vom 8. Mai 2012 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Be
schwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin am 23. Mai 2012 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Wurde eine Rente, eine
Hilflosenentschädigung
oder ein Assistenzbeitrag wegen
eines zu geringen Invaliditätsgrades, wegen fehlender Hilflosigkeit oder weil auf
grund des zu geringen Hilfebedarfs kein Anspruch auf einen
Assistenzbei
trag
ent
steht, verweigert, so wird nach Art. 87
Abs.
3
der
Verordnung über die Invali
den
versicherung [IVV]
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn di
e Voraussetz
ung
en
gemäss
Abs.
2
dieser Bestimmung er
füllt sind. Danach ist im
Revisions
ge
such
glaub
haft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität oder der Hilf
losig
keit
oder die Höhe des
invaliditätsbeding
ten
Betreuungsaufwandes oder
Hilfebe
darfs
der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geän
dert hat.
1.2
Mit A
rt. 87
Abs.
3
i.V.m
.
Abs.
2 IVV
soll verhindert werden, dass sich die Ver
wal
tung nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweigerung immer wie
der mit gleich lautenden und nicht näher begründeten, d. h. keine Verände
rung des Sachverhalts darlegenden Gesuchen befassen muss (BGE 109 V 108 E.
2a,
264 E.
3). Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend aus
gelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes
An
spruchselement
betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechts
kräf
tigen Leistungsabweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die
versicherte Person zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem ge
sam
ten
für die Rentenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue
Leistungsbe
gehren
einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in recht
licher) Hinsicht allseitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und 200 E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 ff. E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hinweisen).
1.3
Nach Eingang einer Neuanmeldung ist die Verwaltung zunächst zur Prüfung ver
pflichtet, ob die Vorbringen der versicherten Person überhaupt glaubhaft sind; verneint sie dies, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen
durch Nichteintreten. Dabei wird sie u.a. zu berücksichtigen haben, ob die früh
ere
Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dement
sprechend
an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen (ZAK
1966 S. 279, vgl. auch BGE 130 V 64 ff. E. 5.2, 72 E. 2.2 mit Hin
weisen). Inso
fern steht ihr ein gewisser Beurteilungsspielraum zu, den das Ge
richt grund
sätz
lich zu respektieren hat. Daher hat das Gericht die Behandlung der
Eintre
tens
frage
durch die Verwaltung nur zu überprüfen, wenn das Eintre
ten streitig ist, d.h. wenn die Verwaltung gestützt auf Art. 87
Abs.
3 IVV
Nicht
eintreten be
schlossen hat und die versicherte Person deswegen Beschwerde führt; hingegen unterbleibt eine richterliche Beurteilung der
Eintretensfrage
, wenn die Verwal
tung auf die Neuanmeldung eingetreten ist (BGE 109 V 108 E. 2b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verf
ügung
davon aus,
ge
stützt auf die der Neuanmeldung vom September 2011 beigelegten medizini
schen
Berichte seien keine objektiven Gründe zur Annahme einer wesentlichen Verän
derung im Gesundheitszustand ausgewiesen. Da die Neuanmeldung nach nicht
einmal einem knappen Jahr seit der letzten Überprüfung erfolgt sei, seien an die Glaubhaftmachung einer wesentlichen Sachverhaltsänderung höhere Ansprüche zu stellen. Gestützt auf den von der Beschwerdeführerin angeführten Umstand, dass sich der Gesundheitszustand bei chronischen
Begleiterkrankun
gen
tenden
ziell im Laufe der Zeit verschlechtere, sei eine wesentliche Ver
schlechterung nich
t
glaubhaft dargetan worden (Urk. 2 S. 2).
Wenn es zur Über
prüfung einer
Neu
an
meldung
ausreichen würde, dass über einen längeren Zeit
raum keine Ver
besse
r
ung des Gesundheitszustands ein
ge
treten
sei
, so müsste jedes abgelehnte
Ren
te
n
gesuch
nach einer längeren Zeitspanne überprüft wer
den, was dem Sinn von Art. 87 Abs. 3
i.V.m
.
Abs. 2 IVV entgegenl
iefe
(Urk. 7).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1),
bei ihr liege ein chronisches Schmerzsyndrom vor. Es sei somit einzig und allein das zeitliche Kriterium der Foerster-Kriterien (chronische körperliche
Begleiter
krankung
und mehrjähriger Krankheitsverlauf bei unveränderter oder progre
dienter Symptomatik ohne längerfristige Remission)
zu berücksichtigen. Das heisst
,
es sei nicht nur eine Verschlechterung glaubhaft zu machen, sondern es sei
ausreichend, dass
während
eine
s
längeren Zeitraum
s
keine Verbesserung
einge
treten sei (S. 3 Ziff. 9 ff.). Als Richtschnur sei dabei die einjährige Wartezeit
gemäss Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG heranzuziehen. Da die Beschwerdeführerin wäh
r
end mehr als eines
Jahr
es
seit der letzten Überprüfung
weiterhin unter ihrer progredienten mehrjährigen Erkrankung gelitten habe, sei schon aufgrund
des Zeita
blaufs
eine Sachverhaltsveränderung glaubhaft gemacht und das
Nichtein
treten
somit
zu Unrecht verfügt worden (S. 4 Ziff. 12).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf das er
neute Leistungsgesuch ein
getreten ist
.
3.
3.1
Im MEDAS-Gutachten vom 29. April 2010 (Urk. 8/104) wurden im Wesentli
chen
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit festgehalten (S. 27):
chronisches lumbales Schmerzsyndrom und intermittierendes
lumboradi
kuläres
Reizsyndrom rechts betont
mit/
bei
Anterolisthesis
im Sinne einer
Pseudospondylolisthesis
L4 gegenüber L5
Osteochondrosen
, medianen
Diskusprotrusionen
,
Spondylarthrosen
L4/5
und L5/S1
Wirbelsäulenfehlform/-
fehlhaltung
, muskulärer
Dysbalance
chronisches zervikales und
zervikobrachiales
Schmerzsyndrom
linksbe
tont
Vorbeschrieben sei eine Anpassungsstörung, welche aktuell vollständig remit
tiert
sei.
Aus interdisziplinärer Sicht sei der Beschwerdeführerin eine angepasste Tätig
keit
zu 8.5 Stunden an 5 Tagen pro Woche zumutbar, wobei eine
Leistungsein
schrän
kung
von 20 % bestehe (S. 37).
3.2
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH Allgemeine Medizin, diagnostizierte
im Be
richt vom 1. März 2011 ein
chronisches
zerviko
-thorakales Schmerzsyndrom bei degenerativen Halswirbelsäulenveränderungen (Urk. 8/147/1-2).
3.3
Dr.
med.
Z._
, F
acharzt FMH Innere Medizin, hielt in seinem Bericht vom 7. Juli 2011 folgende Diagnosen fest (Urk. 8/147/4):
z
ervikospondylogenes
Syndrom, bei Status nach HWS-Distorsion 2005
und chronischen Spannungskopfschmerzen
Spannungskopfschmerzen
Panvertebralsyndrom
depressive Entwicklung bei Anpassungsstörung
Dr.
Z._
führte aus, die Beschwerdeführerin befinde sich
zurzeit
in einer intensiven Physiotherapie, ebenso fänden Konsultationen bei ihm statt. Sie sei weiterhin zu 100 % arbeitsunfähig.
4.
4.1
Den
mit der Neuanmeldung eingereichten Arztberichten (vgl. E. 3.2 f.) können
keine
neue
n
Diagnosen
oder
objektivierbare Befunde entnommen werden, die
ge
eignet sind, eine gesundheitliche Verschlechterung gegenüber den im MEDAS-
Gutachten festgehaltenen Verhältnissen
des
Jahres 2010 (vgl. E.3.1) als glaub
haft erscheinen zu lassen.
Die Beschwerdeführerin leidet vordergründig nach
wie vor an einem chronischen Schmerzsyndrom.
Ebenso wenig glaubhaft schein
t aufgrund der Aktenlage und den Vorbringen der Beschwerdeführerin, dass sich
die chronische Schmerzproblematik
in
ihrer
Intensität und in
ihren
Auswir
kung
en
auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat
.
Die Beschwerdeführerin
machte ohnehin keine explizite Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes geltend. Vielmehr ist sie der Ansicht, im Hinblick auf die
bei ihr
(unverändert)
vorliegende chronische Schmerzstörung sei allein schon auf
grund des Zeitablaufes eine Veränderung des Invaliditätsgrades erstellt
, wes
halb auf ihr Neuanmeldungsgesuch einzutreten sei
(vgl. E. 2.2).
4.2
Wie die Beschwerdegegnerin zu Recht ausführt
(Urk. 7)
, würde es Sinn
und Zweck
von Art. 87 Abs. 3
i.V.m
.
Abs. 2 IVV entgegenlaufen, wenn bereits die
Tatsache, dass über einen längeren Zeitraum keine Verbesserung des Gesund
heitszustands eingetreten ist, für eine Überprüfung einer Neuanmeldung genü
gen würde.
Denn wie bereits ausgeführt (vgl. E. 1.2),
soll nach vorangegangener rechtskräftiger Leistungsverweigerung gerade vermieden werden, dass sich die Verwaltung immer wieder mit Neuanmeldungsgesuchen befassen muss, ohne dass eine Änderung
des Sachverhalts eingetreten
wäre
.
Weshalb von dieser Rechtsprechung im Falle vo
n Versicherten, welche an einer
Schmerzstörung lei
den
,
abzuweichen ist
(vgl. Urk. 1 S. 4 Ziff. 12)
, ist nicht ersichtlich.
Im Übrigen stellt die Prüfung der Foerster-Kriterien bereits eine materielle Prü
fung
des Leistungsgesuchs
dar
, weshalb auf die diesbezüglichen Vorbringen in der Beschwerde
vorliegend
ohnehin n
icht einzugehen
ist.
4.3
Zusammenfassend ist die Beschwerdegegneri
n zu Recht nicht auf das erneu
te
Leis
tungsgesuch
eingetreten, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
5.
5.1
Die Beschwerdeführer
in
ersuchte um Gewährung der unentgeltlichen Rechts
pflege
für das vorliegende Verfahren (Urk. 1 S. 2).
5.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilli
gung der unentgeltlichen
Prozess
führung
und
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Die unentgeltliche Rechtspflege kann nur gewährt werden, wenn die
Rechtsvor
kehr
nicht aussichtslos ist. Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozessbegehren anzusehen, bei denen die Gewinnaus
sich
ten
(ex ante betrachtet) beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren und die des
halb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Be
geh
ren
nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren un
ge
fähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massge
bend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei ver
nünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 S. 616 mit Hinweisen).
5.3
D
ie Beschwerdeführerin
machte im Rahmen des Vorbescheid- und
Beschwerde
verfahrens
jeweils
geltend, auf das Neuanmeldungsgesuch
müsse schon allein
deswegen eingetreten werden, weil sie seit über einem Jahr weiterhin an einer chronischen Schmerzstörung leide
. Damit wollte sie
eine
neue Überprüfung rein
aufgrund der vergangenen Zeit (seit der letzten materiellen Überprüfung) bei
gleichbleibendem Gesundhe
itszustand erwirken, obwohl eine erneute Prüfung
kla
r eine wesentliche Veränderung des Sachverhaltes erfordert. Die vorliegende Beschwerde war daher
bereits bei der Einreichung (ex ante betrachtet) offen
sichtlich aussichtslos
(vgl. auch Urteil des Bundesgericht 9C_286/2009 vom 28. Mai 2009)
.
Das Gesuch um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtspflege im vorliegenden Verfahren ist demnach zufolge Aussichtslosigkeit der Beschwerde abzuweisen.
5.4
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
600.-- anzusetzen und der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.