# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c439803e-c478-4b8a-97ee-8d47e3688c65
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1953 geborene und als Sachbearbeiterin in der
Liegenschaftenverwaltung
erwerbstätig gewesene
X._
meldete sich unter Hinweis auf seit Okto
ber/November 2011 bestehende Angstzustände, Magenprobleme, Schlafstö
run
gen und Depressionen am 23. Mai 2012 bei der
So
zialversicherungsanstalt
des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 6/2). Eine erste
leis
tungsablehnende
Verfügung der IV-Stelle vom 4. Juli 2013 (Urk. 6/34) wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 28. November 2014 aufgehoben und die Sache zwecks Einholung eines fachpsychiatrischen Gutachtens
an die Verwal
tung
zurückgewiesen (Prozess Nr. IV.2013.00714; Urk. 6/46)
. Daraufhin holte die IV-Stelle aktuelle Auskünfte der behandelnden Ärzte ein
und beauftragte Dr. med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit einer Abklärung (Gutachten vom 11. September 2015, Urk. 6/60). Nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 6/62 ff.) wies sie das Leistungsbegehren
mit Verfügung vom 15. Dezember 2015
erneut ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
21. Dezember 2015 Beschwerde mit dem Rechtsbegehren um Aufhebung der angefochtenen Verfügung
und Zusprechung einer befristeten ganzen Rente vom 1. Dezember 2012 bis 31. Oktober 2014 (Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle ersuchte am 2
8.
Januar 2016 (
Urk.
5) um Abweisung der Beschwerde, was der Versicherten am 2
2.
März 2015 (
Urk.
8) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts; ATSG). Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist ent
scheidend, ob es für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderli
chen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berück
sichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person aus
einander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räu
mende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
Die Beschwerdegegnerin verneint den Leistungsanspruch der Beschwerdeführe
rin
im Wesentlichen
mit der Begründung, dass
,
während aus somatischer Sicht keine Einschränkung bestehe, davon auszugehen sei, dass die Beschwerdeführe
rin mittel- bis
schwergradige
(depressive) Episoden durchgemacht habe. Den
noch sei das Leiden eindeutig remittiert und somit ein langandauernder
Gesund
heitsschaden
zu verneinen (Urk. 2 S. 2 f.).
Demgegenüber stellt sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt,
aufgrund der Ausführungen von Dr.
Y._
im Gutachten vom 11. September 2015 und entsprechend den echtzeitlichen ärztlichen Attesten sei von einer vollen Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit von Dezember 2011 bis Juli 2014 auszugehen (Urk. 1 S. 5).
3.
Aus somatischer Sicht ist aufgrund der Angaben von Dr. med.
Z._
, Fachärztin für Chirurgie und Handchirurgie, im Bericht vom 6.
/11.
März 2015 (Urk. 6/51) erstellt, dass die Beschwerdeführerin
infolge der
Rhizarthrose
sowie Status nach
Trapezi
um
Resektions-
Athroplastik
und
Arthrodese
DIP
Dig
. II rechts
für belas
tende sowie feinmotorische Tätigkeiten (
Pinzettengriff
) der rechten Hand ein
geschränkt
ist
. Daraus ergibt sich eine volle Arbeitsfähigkeit für die bisherige Tätigkeit als Sachbearbeiterin
(vgl. auch Bericht von Dr. med.
A._
, Facharzt für Rheumatologie und Physikalische Medizin, vom 16. August 2012, Urk. 6/41/1-2)
. Dies ist unter den Parteien
denn auch
nicht strittig (vgl. Urk. 1 und Urk. 2 S. 2).
4
.
4
.1
Wie bereits im Urteil des hiesigen Gerichts vom 28. November 2014 erwogen
(E. 3.1-3.7, insbes. E. 3.5; Urk. 6/46 S. 5 ff.)
, ist die Beschwerdeführerin seit Februar 2012
im
B._
in
C._
in Behandlung.
Die
dortigen
Ärzte stellten im
umfassenden
Bericht vom 14. Juni 2013 (Urk. 6/27) folgende Diagnosen:
-
Agoraphobie (ICD-10 F40.00)
-
Mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F43.20)
-
Akzentuierte Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10 Z73.1)
Weiter gaben sie an, die Beschwerdeführerin habe am 1. Oktober 2011 eine neue Stelle angetreten. Nach der Probezeit habe sich die Stimmung mit der Vorgesetzten und den Kolleginnen schnell verschlimmert. Die Beschwerdeführe
rin habe eine depressive Symptomatik mit Ängsten und einem starken Gefühl, nicht gut genug zu sein und immer alles falsch zu machen, entwickelt. Sie habe sich sozial zurückgezogen und viele Überstunden geleistet. Sie habe sich bemüht, an der Arbeitsstelle alles richtig zu machen, und sei dan
n in eine Erschöpfung gefallen.
Im Verlauf der
im Februar 2012 eingeleiteten
Behandlung habe sich die depressive Symptomatik mit einer Stabilisierung der Stimmung verbessert. Die Angstsymptomatik habe sich nur wenig verbessert. In Situationen im Kontakt mit fremden Leuten seien immer wieder Panikattacken aufgetreten. Die Beschwerdeführerin habe im Februar 2013 trotzdem eine neue Arbeitsstelle angetreten. Am Arbeitsplatz hätten sich schnell Ängste entwickelt. Trotz dieser Symptomatik habe die Beschwerdeführerin ihre Arbeit erledigen können und sich viel Mühe gegeben, mit den Ängsten umzugehen. Vor Ende der Probezeit sei ihr gekündigt worden. Seither habe sich die depressive Symptomatik wieder verstärkt. Es seien wieder Suizidgedanken aufgetreten und die
Stimmungs
schwankungen
hätten sich verschärft. Am 9. April 2013 sei die Beschwerde
führerin
wieder ar
beitsunfähig geworden. Eine intensive ambulante Behandlung habe den klinischen Zustand stabilisieren können. Aktuell zeige die Beschwer
deführerin eine schwankende und instabile Stimmung mit Insuffizienz- und Schamgefühl, einen reduzierten Antrieb, eine innere Unruhe, einen sozialen Rückzug, ausgeprägte Ängste, unter Leuten zu sein, sowie Ein- und
Durch
schlafstörungen
. Die Komorbidität mit einer akzentuierten Persönlichkeit mit ängstlichen und vermeidenden Zügen beeinträchtige die Prognose. Aus diesem Grund sei von einer langfristigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen.
4
.2
Nach Rückweisung der Sache zwecks Ergänzung der medizinischen Abklärun
gen holte die Beschwerdegegnerin aktuelle Auskünfte der behandelnden Ärzte
im
B._
ein
. Im Bericht vom 27. April 2015 (Urk. 6/55) passten
s
i
e
die Diagnosen wie folgt an:
-
Agoraphobie (ICD-10 F40.01)
-
Rezidiviere
n
de depressive Störung, aktuell leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
Akzentuierte Persönlichkeit mit ängstlich-vermeidenden Zügen (ICD-10 Z73.1)
Die Ärzte führten aus, n
ach der erneuten 100%ige
n
Krankschreibung am 9. April 2013 habe die Beschwerdeführerin ihre Ängste
bis Januar 2014 wieder soweit reduzieren können, dass der Besuch einer ambulanten wöchentlichen Gruppentherapie möglich geworden sei. Im April 2014 habe sie zu einer wöchentlichen Ergotherapie-Gruppe gewechselt, die sie bis heute regelmässig besuche.
Gestützt darauf hielten die berichtenden Ärzte eine weitere schrittweise Verbesserung
für
möglich, gingen aber von einer langfristigen Arbeitsunfähig
keit aus. Dementspre
chend attestierten sie eine 100
%ige Arbeitsunfähigkeit
vom 17. Dezember 2011 bis 31. März 2013
sowie wiederum seit dem 9. April 2013.
4
.3
Dr.
Y._
stellte im Gutachten
vom 11. September 2015 (Urk. 6/60)
fol
gende
Diagnosen
(S. 14)
:
-
R
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4)
-
Akzentuierte Persönlichkeitszüge mit ängstlich vermeidender Färbung (ICD-10 Z73.1)
Weiter führte er aus, es sei
davon
auszugehen, dass die Beschwerdeführerin mit
tel- bis
schwergradige
Episoden
durchgemacht habe. In der Untersuchung habe sich jedoch eine eindeutige Remission gezeigt. Die Diagnose einer Agoraphobie müsse seiner Ansicht nach nicht gestellt werden. Die agoraphobische
n
Tenden
zen seien Ausdruck der ängstlich vermeidenden Persönlichkeitszüge. Die Beschwerdeführerin meide aus Angst vor Kritik die Menschen
(S. 14 f.)
.
Aufgrund der Beschwerden von Seiten der akzentuierten Persönlichkeitszüge mit ängstlich vermeidenden Zügen, insbesondere der geklagten Angst, an einem Arbeitsplatz erneut gemobbt, gekränkt, ausgelacht und zurückgestossen zu wer
den, lasse sich, unter Berücksichtigung der aktuellen Untersuchungsbefunde, aus psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 20 % begründen für sämtliche Tätigkeiten in der Marktwirtschaft
(S. 1
5)
.
Die Beschwerdeführerin könnte durchaus erneut in Konfliktsituationen am Arbeits
platz geraten. Sie brauche genügend Zeit zur psychophysischen Regene
ration (S. 17).
Weiter
beurteilte
der Gutachter die Coping-Strategien als nicht hinreichend gut. Die Beschwerdeführerin stehe kurz vor der Pensionierung und möchte sich im Grunde im Arbeitsmarkt nicht mehr integrieren. Sie gebe zwar an, dass sie maximal zwei Tage pro Woche arbeiten könne. Es sei sehr fraglich, ob es ihr
damit wirklich ernst sei.
Bei der Ausübung einer Erwerbstätigkeit könne sie sic
h
auf viele Ressourcen stützen. Lediglich in Mobbing-Situationen, die sich jedoch in ihrem Leben sehr selten zugetragen hätten, sei sie in diesen Fähig
keiten ein wenig eingeschränkt (S. 1
5 f.
).
Die Beurteilung der Entwicklung der Arbeitsfähigkeit sei schwierig. Nach eige
nen Angaben habe die Beschwerdeführerin ihre Stelle durch Kündigung im Dezember 2011 verloren, was eine depressive Krise und Insuffizienzgefühle im Rahmen der akzentuierten Persönlichkeitszüge hervorgebracht habe. Es sei davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin damals eine schwere depressive Episode durchgemacht habe. Sie gebe heute an, dass sie im Juli 2014 eine Ver
besserung erlebt habe.
Die
Beurteilung, ob sich ihr Zustand seit Juli 2014 bis heute verbessert habe oder gleich
geblieben sei, sei völlig unklar.
Gehe man davon aus, dass sich der psychische Zustand seit Juli 2014 nicht mehr verbes
sert habe, sei von einer Arbeitsfähigkeit von 80 % ab Juli 2014 auszugehen. Weiter sei davon auszugehen, dass im Dezember 2011 eine schwere depressive Episode
(bei wirksamen akzentuierten Persönlichkeitszügen) vorgelegen habe mit Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Eine genaue Entwicklung der Arbeitsun
fähigkeit von Dezember 2011 bis Juli 2014 sei nur schwer anzugeben.
Sowohl im Bericht von Dr. med.
D._
, Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie, vom 30. Januar 2012 (vgl. U
rk. 6/60 S. 3 und Urk. 6/1/6-7)
als auch
in jenem vom
B._
werde eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % attestiert. Insbesondere die Angabe von Dr.
D._
sei mit der Diagnostik einer schweren depressiven Epi
sode konsistent. Weniger konsistent dagegen sei sie mit der Diagnose einer mittelgradigen Episode im
B._
.
Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin Episoden schweren Grades durchgemacht habe. Offenbar sei sie tatsächlich bis 2014, als sich ihr Zustand verbessert habe, schwer depres
siv
gewesen
.
I
m letzten Bericht des
B._
(
Bericht
vom 27. April 2015
, Urk. 6/55
) werde erneut eine Arbeits
un
fähigkeit von 100 % attestiert. Dies sei mit einer leichten depressiven Episode, akzentuierten Persönlichkeitszügen sowie einer (höchstens leichten) Agoraphobie aus versicherungsmedizinischer Sicht nicht zu vereinbaren.
Der Bericht mache ein wenig den Eindruck, wie wenn die Versi
cherte doch dahingehend beurteilt worden sei, dass eine Persönlichkeitsstörung vorliege. Schon die Diagnose einer akzentuierten Persönlichkeit mit ängstlich vermeidenden Zügen sei im Grunde nicht ganz korrekt
, da es sich nicht um eine Persönlichkeitsstörung handle, sondern um akzentuierte Persönlichkeitszüge.
Der Hintergrund der Erkrankung
bilde eine traumatische Kindheit
. Eine Trau
matisierung in der Kindheit sei nicht abzustreiten. Es werde jedoch in diesem Bericht nicht berücksichtigt, dass die Beschwerdeführerin zur Mutter ein Ver
trauensverhältnis gehabt habe, und dass
wahrscheinlich aus diesem Grund das Mobbing in der Schule nicht aufgetreten sei und heute auch keine
Brücken
symptome
eruiert werden könnten. Des Weiteren werde überhaupt nicht berücksichtigt, dass die Be
schwerdeführerin praktisch ihr L
eben lang ohne das Gefühl von Mobbing habe tätig sein können. Die letzten Stellen bedeuteten also bezüglich Mobbing eigentlich eine Ausnahmesituation und nicht die Regel, wie es bei Persönlichkeitsstörungen der Fall wäre (S. 16 f.).
5.
5
.1
Vorwegzuschicken ist, dass das psychiatrische Gutachten von Dr.
Y._
vom 11. September 2015 (Urk. 6/60)
insbesondere
mit Bezug auf den aktuellen Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin
den praxisgemässen Anforderun
gen an den Beweiswert einer Expertise vollumfänglich entspricht. So ist das Gut
achten für die streitigen Belange umfassend, beantwortet es doch die Frage nach den gesundheitlichen Beeinträchtigungen und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Es beruht sodann auf einer umfassenden psychiatrischen Untersuchung und berücksichtigt die geklagten Beschwerden
sowie das Verhal
ten der Beschwerdeführerin während des Abklärungsgesprächs
. Der Gutachter schil
derte ausführlich die anamnestischen Angaben de
r Beschwerdeführerin und setzte
sich detailliert damit auseinander. Die Expertise wurde sodann in Kennt
nis der
Vorakten
insbesondere der Berichte der behandelnden Ärzte des
B._
abgegeben und sie leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein. In diesem Sinne erscheinen die gutachterlichen Schlussfolgerungen als begründet.
Auch
die Beschwerdeführerin bemängelt das Gutachten nicht
, sondern sieht
in der r
ück
blickende
n
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
die Grundlage des geltend gemachten Rentenanspruchs (Urk. 1)
.
5
.2
N
ach der Rechtsprechung
ist
es
in sämtlichen Fällen gesundheitlicher Beein
träch
tigungen, somit auch bei Depressionen, keineswegs allein Sache der mit dem konkreten Einzelfall (gutachtlich) befas
sten Arztperso
nen, selber abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle (Verwaltung, Gericht) verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer (andauernden oder vorübergehenden) Arbeitsunfähigkeit (bestimmter Höhe und Ausprägung) führt. Aufgrund dieser tat
sächlichen und rechtlichen Gege
benhei
ten hat die Rechtsprechung seit jeher die Aufgaben von Rechtsanwender und Arztperson im Rahmen der Invaliditätsbemessung wie folgt verteilt: Sache des (begutachtenden) Mediziners ist es erstens,
den Gesundheitszustand zu beur
tei
len und wenn nötig seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu beschreiben, d.h.
mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden die Befunde zu erheben und gestützt darauf die Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Sachverständige seine genuine Aufgabe, wofür Verwaltung und im Streitfall Gericht ni
cht kompetent sind. Bei der
Fol
genabschätzung
der erhobenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt der Arztperson hingeg
en keine abschliessende
Beurtei
lungskompetenz
zu (BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2).
In diesem
Sinne darf der Rechtsanwender
entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin (vgl. Urk. 1 S.
4
)
die Arbeitsfähigkeitseinschätzung der Ärzte nicht ohne vorgängige Prüfung der gesetzlichen Voraussetzungen für die Annahme eines invalidisierenden Gesundheitsschadens übernehmen.
5.
3
5.
3
.1
Leicht- bis mittelgradige Episoden einer Depression und selbst mittelgradige depressive Episoden sind rechtsprechungsgemäss regelmässig als eine von depressiven Verstimmungszuständen nicht klar unterscheidbare andauernde Dep
ression im Sinne eines verselb
ständigten Gesundheitsschadens zu betrach
ten. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_195/2014 vom 12. Juni 2014 E. 4.4 mit Hinweisen). Auch wenn eine invalidisierende Wirkung einer mittelschweren depressiven Störung nicht schlechthin auszuschliessen ist, bedingt deren Annahme jedoch, dass eine konsequente Depressionstherapie befolgt wird, deren Scheitern das Leiden als resistent ausweist. Fehlt es daran, ist in der Regel keine invalidisierende Wir
kung des Gesundheitsschadens anzunehmen (
Urteil des Bundesgerichts 8C_303/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 4.4 mit Hinweisen).
5.
3
.2
Nach Lage der Akten entstand die depressive Störung in Zusammenhang mit einer Mobbingsituation am Arbeitsplatz, die zum Stellenve
rlust im März 2012 führt
e (E.
4
.1; vgl. ferner Kündigungsschreiben vom 7. November 2011, Urk. 6/11). Nach Aufnahme der Behandlung im
B._
im Februar 2012 stabili
sierte sich der Zustand soweit, dass sich die Beschwerdeführerin im Juni 2012 auf Empfehlung der Kundenberaterin der IV-Stelle beim Regionalen
Arbeits
vermittlungszentrum
anmeldete (Mailschreiben der Beschwerdeführerin vom 1. Juli 2012 an die Kundenberaterin der IV-Stelle, Urk. 6/10). Da sie aber von den behandelnden Ärzten weiterhin als zu 100 % arbeitsunfähig geschrieben war, wurde ihre Vermittlungsfähigkeit offenbar verneint (Verlaufsprotokoll der Eingliederungsberatung vom 18. Dezember 2012, Urk. 6/17 S. 2). Dennoch trat sie im Februar 2013 eine neue Stelle, allerdings mit einem reduzierten Pensum von 80 %, an. In der Folge verschlechterte sich ihr Zustand wieder. Die
Beschwerdeführerin verlor ihre Stelle und wurde am 9. April 2013 wieder zu 100 % krankgeschrieben (E.
4.2
sowie
Einspracheschreiben
vom 2. Mai 2013, Urk. 6/23). Diese Verschlechterung
traf
nicht nur mit den erneuten Schwierig
keiten am Arbeitsplatz zusammen
,
sondern auch mit dem Erhalt des negativen Vorbescheids der Beschwerdegegnerin vom 3. April 2013 (Urk. 6/21). Die wei
tere psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung führte in der Folge zu einer erneuten Besserung des Zustands bis zur Remission der depressiven Symptomatik
im
Juli 2014 (E.
4.3
).
Bei Vorliegen einer seit Juli 2014 remittierten rezidivierenden depressiven Stö
rung kann aus invalidenversicherungsrechtlicher Sicht keine
relevante
Leis
tungsminde
rung
mehr begründet werden
, was unbestritten ist
.
Das
Arbeitsunfä
higkeitsattest
im Umfang von 20% ist – bei fehlenden einschlägigen Befunde
n
– nicht nach
vollziehbar, indes ohnehin ohne leistungsbegründende Auswirkung. Die Annah
me einer vollumfäng
lichen Arbeitsfähigkeit, wie sie die
B._
-Ärzte bestä
tigten (
Urk.
6/55/5
) ist bei von ihnen genannter n
ur noch leichter depressi
ver Episode (
Urk.
6/55/1) nicht nachvollziehbar. Dies
umsomehr
, als
das doku
men
tierte
Akti
vitätsverhalten
nicht für ein ausgeprägtes psychisches Leiden. Die Beschwerdeführerin beschreibt ihre Beziehung zum Ehemann und den beiden erwachsenen Kindern als sehr positiv. Sie führt ihren Zweipersonenhaushalt selbständig, macht oft Fitness, geht walken oder Velo fahren, kocht, bastelt und näht sehr gerne. Auch liest sie gerne Bücher und interessiert sich für Politik und Tiere (Urk. 6/60 S. 8).
Diese vielfältigen Interessen und Aktivitäten sprechen ge
gen
ei
ne invalidisierende Wirkung
des
depressiven Geschehen
s
.
H
insichtlich der rückblickenden Einschätzung der Arbeitsfähigkeit kann dem
Gutachter Dr.
Y._
nicht gefolgt werden. Bei der Bestätigung der von
den behan
delnden Ärzten attestierte
n
100
%igen Arbeitsunfähigkeit zwischen
Dezember 2011
und
Juli 2014
ging Dr.
Y._
von
einer schweren depressiven Episode aus
(Urk. 6/60 S. 16 f.)
und
verwies
auf die Beurteilung des Hausarztes Dr.
D._
(Bericht von Dr.
D._
vom 30. Januar 2012, Urk. 6/1/6-7
; vgl.
Gut
achten vom 11. September 2015,
Urk. 6/60 S. 3 und S. 16). Beim fraglichen Bericht handelt es sich jedoch um ein stichwortartig ausgefülltes
Zwischen
be
richtsformular
des
Krankentag
geld
ver
siche
rers
, worin Dr.
D._
lediglich die ICD-10-Kodierung F32.2 (schwere depressive Episode ohne psychotische Symp
tome) angab, über die erfolgte Überweisung ans
B._
informierte und eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % seit 14. Dezember 2011 attestierte. Weitere konkre
te Gründe für die Annahme einer
länger dauernden
schwergradigen
Depres
sion lassen sich dem Gutachten von Dr.
Y._
nicht entnehmen. Dem
ge
genüber gingen die Ärzte des
B._
echtzeitlich
stets von einer „lediglich“ mittel
gradigen depressiven Episode aus (Berichte des
B._
vom 20. März
und
4. Dezember 2012
sowie
14. Juni
2013; Urk. 6/1/4-5, Urk. 6/18/5-6, Urk. 6/27 S. 3). Die vom Gutachter
unter Hinweis auf eine schwere depressive Episode
bestätigte 100
%ige Arbeitsunfähigkeit während der fraglichen Zeit beruht somit lediglich auf den kargen Angaben des Hausarztes, der sich überdies nicht über eine fachliche Qualifikation
auf
dem
Gebiet der Psychiatrie ausw
e
i
sen kann. Obwohl es nicht auszuschliessen ist, dass die Beschwerdeführerin schwere depressive Episoden
durchgemacht hat
(so auch der Gutachter, Urk. 6/60 S. 15), kann daraus nicht auf eine durchgehende
schwergradige
depressive Störung beziehungsweise auf eine
relevante Einschränkung der
Arbeits
fähigkeit
wäh
rend der Dauer von
zweieinhalb Jahren
ohne wesentlichen Unterbruch
geschlos
sen werden.
Aufgrund des wellenförmigen Verlaufs der depressiven Störung
erscheint es
s
odann
als zweifelhaft, ob eine von den Belastungssituationen unterscheidbare und in diesem Sinne verselbständigte depressive Störung vorliegt und über
haupt ein invalidisierender Gesundheitsschaden angenommen werden kann (vgl. dazu BGE 127 V 294 E. 5a). Vielmehr enthält die Aktenlage deutliche Anhaltspunkte dafür, dass sich die invaliditätsfremden Elemente nicht klar vom medizinischen Leiden selbst trennen lassen, sondern die depressive Störung in den psychosozialen Belastungssituationen
am Arbeitsplatz
aufgeht.
5.
3
.
3
Schliesslich
stellt sich die Frage, ob eine konsequente Depressionstherapie statt
fand. Zwar war die Beschwerdeführerin ab Februar 2012 in integrierter psychi
atrisch-psychotherapeutischer Behandlung mit Gesprächs-, Verhaltens- und körperorientierter Psychotherapie in wöchentlichen Sitzungen sowie Pharmako
therapie (zwei Tabletten
Seropram
20 mg morgens und eine halbe Tablette
Trit
tico
50 mg in Reserve pro Tag
; vgl. dazu
Berichte des
B._
vom 20. März, 4. Dezember 2012 und 14. Juni 2013
,
Urk. 6/1/4-5, Urk. 6/18/5-6, Urk. 6/27 S. 3). Trotz der regelmässigen und motivierten Teilnahme an der ambulanten Therapie seitens der Beschwerdeführerin blieb der erhoffte Erfolg jedoch aus und die Beeinträchtigung war nach Einschätzung der behandelnden Ärzte während über zwei Jahren erheblich. Erst nach Intensivierung der Therapie mit Erhöhung der Fr
equenz auf zweimal wöchentlich
integrierter psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung und dem zusätzlichen wöchentlichen Besuch einer
Ergotherapiegruppe
ab April 2014 (Bericht des
B._
vom 27. April 2015, Urk. 6/55 S. 3 f.) erlebte die Beschwerdeführerin im Juli 2014 eine
massgebliche
Besserung der Symptomatik. Unter diesen Umständen
muss
, die Beibehaltung des Therapieplans während mehr als zwei Jahren trotz ausbleibender dauerhaf
ter Besserung
als nicht
ausreichend
konsequent
beurteilt werden
. Insbesondere wurde in der Berichterstattung des
B._
die Indikation einer stationären Behandlung
offenbar nie
diskutiert, was angesichts der seit Dezember 2011 attestierten 100 %
igen
Arbeitsunfähigkeit doch erstaunt.
5
.4
In Bezug auf die festgestellte Diagnose
von
akzentuierten Persönlichkeit
szügen
mit
ängstlich vermeidender Färbung (ICD-10 Z73.1) ist
sodann
zu berücksich
ti
gen, dass es sich bei den Diagnosen aus de
n Z-Kodierungen um Faktoren han
delt, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen. Die Kategorien Z00-Z99 sind für Fälle vorgesehen, in denen Sachverhalte als „Diagnosen" oder „Probleme" angegeben sind, die nicht als Krankheit, Verletzung oder äussere Ursache unter den Kategorien A00-Y89 klassifizierbar sind. Solche fallen nicht unter den Begriff der
invalidenver
sicherungsrechtlich
erheblichen Gesundheitsbeeinträchtigung und stellen grundsätzlich keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden dar (Urteil des Bun
desgerichts 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1 mit Hinweisen).
Vorliegend kann nichts anderes gelten. Die vom Gutachter Dr.
Y._
erwähnte Diagnose
von
akzentuierten Persönlichkeit
szügen
(ICD-10 Z73.1) hat
auch nac
h dessen detaillierter Einschät
zung (Urk.
6
/
60
S.
14 und S. 17
)
gerade nicht die Qualität, welche die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung rechtfertigt. Darüber hinaus war die Beschwerdeführerin vor Auftreten der depressiven Störung trotz ihren auffälligen Persönlichkeitszügen vollzeitlich erwerbstätig, was nicht zuletzt ihren vielen Ressourcen zur Bewältigung
der
Problematik zu verdanken ist. Deshalb ist davon auszugehen, dass diese Stö
rung die Arbeitsfähigkeit für sich
allein
gesehen nicht beeinträchtigt
hat
.
5.5
Angesichts dieser Umstände ist erstellt, dass invalidenversicherungsrechtlich
zu keiner Zeit
eine dauerhafte
Leistungsunfähig
keit der Beschwerdeführerin
ange
nommen werden konnte. Die Therapierbarkeit des Leidens
unter konsequenter Behandlung
, welche rechtsprechungsgemäss die Annahme einer andauernden Beeinträchtigung ausschliesst
(Urteil des Bundesgerichts 9C_254/2013 vom 30. Oktober 2013 E. 3.2, Urteil des damaligen Eidgenössischen
Versicherungs
gerichts
I 291/05 vom 31. März 2006 E. 3.3)
, wird durch die im Juli 2014 tatsächlich eingetretene Remission der depressiven Symptomatik bestätigt, wes
halb
es mit den getroffenen Feststellungen sein Bewenden
hat
.
Zusammenfassend steht fest, dass bei der Beschwerdeführerin keine Krankheit vorliegt
beziehungsweise vorgelegen hat
, welche
invalidenversicherungsrecht
lich
zur Annahme einer andauern
den Arbeitsunfähigkeit führt. Damit
war
die Beschwerdeführerin
zu keiner Zeit
invalid
im Sinne des Gesetzes
, weshalb die Beschwerde gegen die leistungsverweigernde Verfügung der
Beschwerdegegne
rin
abzuweisen ist.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr.
6
00
.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).