# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2279bd7a-ca36-52f0-a72b-1f44e220ea4f
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A. B., geboren am 3. Januar 1982, Staatsangehöriger von Mazedonien, reiste am
23. April 2006 mit einem Touristenvisum zum Besuch seiner Eltern in die Schweiz ein
und heiratete am 3. Juli 2006 in V. die Schweizerin R. B., geboren am 12. Juni 1987 in
Serbien-Montenegro. Am 4. Juli 2006 stellte die Ehefrau ein Gesuch um
Familiennachzug. A. B. erhielt in der Folge eine Jahresaufenthaltsbewilligung im
Familiennachzug, die letztmals am 11. Juni 2009 bis zum 2. Juli 2011 verlängert wurde.
B./ Am 21. Juli 2009 teilte die Ehegattin dem Einwohneramt V. mit, dass sie sich von
ihrem Ehemann getrennt habe und seit Juni 2008 wieder bei ihren Eltern wohne. Auf
Grund dieser Meldung widerrief das Ausländeramt am 27. November 2009 die
Aufenthaltsbewilligung von A. B. und forderte ihn auf, die Schweiz bis spätestens
8. Februar 2010 zu verlassen.
C./ Gegen diese Verfügung erhob A. B. durch seinen damaligen Rechtsvertreter am
14. Dezember 2009 beim Sicherheits- und Justizdepartement des Kantons St. Gallen
Rekurs. Dabei beantragte er, die Aufenthaltsbewilligung sei nicht zu widerrufen,
eventuell sei die Ausreisefrist um sechs Monate zu verlängern.
Das Sicherheits- und Justizdepartement wies den Rekurs am 9. August 2010 ab und
lud das Ausländeramt ein, dem Rekurrenten eine neue Frist zur Ausreise anzusetzen.
Es sah es als erwiesen an, dass die Eheleute keine drei Jahre zusammengelebt haben.
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D./ Gegen den Rekursentscheid erhob A. B. am 23. August 2010 durch seinen
Rechtsvertreter beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag Beschwerde, der Entscheid
der Vorinstanz sei kostenpflichtig aufzuheben und die Jahresaufenthaltsbewilligung des
Beschwerdeführers sei nicht zu widerrufen. Mit Beschwerdebegründung vom
17. September 2010 führt er aus, er könne beweisen bzw. Indizien dafür aufzeigen,
dass seine Frau falsch ausgesagt und die eheliche Gemeinschaft mindestens drei
Jahre gedauert habe.
Die Rekursinstanz verzichtete am 23. September 2010 auf eine Stellungnahme und
beantragte, die Beschwerde abzuweisen.
Mit Eingabe vom 27. September 2010 teilte der Beschwerdeführer dem Gericht mit,
dass seine Frau die Scheidungsklage am 22. September 2010 zurückgezogen habe.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 23. August bzw.
17. September 2010 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und
Abs. 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer bestreitet, weniger als drei Jahre mit seiner Frau
zusammengelebt zu haben. Dabei rügt er, dass die Vorinstanz ihren Entscheid einzig
auf die Aussagen seiner Frau abgestützt und darauf verzichtet habe, ihn und seine Frau
nochmals zu befragen sowie die als Zeugen bezeichneten Verwandten, Bekannten und
Nachbarn einzuvernehmen.
2.1. Wird das Ergebnis weiterer Beweiserhebung vorweggenommen, weil wegen des
bereits vorliegenden Beweisergebnisses ausgeschlossen werden kann, dass weitere
Beweiserhebungen daran etwas ändern könnten, spricht man von einer antizipierten
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Beweiswürdigung. Das Bundesgericht erachtet eine solche Würdigung als zulässig,
wenn auf Grund der bereits abgenommenen Beweise der rechtlich erhebliche
Sachverhalt für genügend geklärt erachtet wird und ohne Willkür vorweg die Annahme
getroffen werden kann, eine weitere Beweiserhebung werde an der rechtlichen
Überzeugung nichts ändern (Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton
St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 622; BGE 6B_366/2010 vom 21. September 2010 E.
1.4).
2.2. Die Ehefrau des Beschwerdeführers hat wiederholt und übereinstimmend über den
Trennungszeitpunkt ausgesagt. Der Beschwerdeführer selbst konnte sich dazu
mehrfach äussern. Es ist deshalb nicht ersichtlich, wieso die beiden dazu nochmals
befragt werden sollten. Sodann war es unnötig, Dritte über ihre eheliche Gemeinschaft
zu befragen, zumal bei der massgeblichen Frage, ob ein echter Ehewille vorliege, nebst
äusseren, hauptsächlich innere, gefühlsmässige Vorgänge bei den Ehegatten
massgebend sind. Die Verwandten, Bekannten und Nachbarn, deren Aussagen
grösstenteils bereits schriftlich bei den Akten liegen, können von vornherein nur
bezeugen, dass sie die Eheleute nach der geltend gemachten Trennung noch häufig
zusammen gesehen haben, dass die Ehegattin den Beschwerdeführer auch
nachträglich noch in seiner Wohnung und im Spital besucht habe und dass es bei
Albanern üblich sei, dass erwachsene Kinder regelmässig bei ihren Eltern übernachten
würden. Diese Feststellungen sind aber nicht geeignet, glaubhaft zu machen, dass die
Eheleute B.-B. ab dem geltend gemachten Trennungszeitpunkt im Juni 2008
tatsächlich noch zusammengewohnt haben, zumal die Ehefrau gar nicht abstreitet, den
Beschwerdeführer nach der Trennung noch getroffen zu haben. Sie führt im Gegenteil
aus, dass sie immer noch Kontakt hätten und weiterhin Freunde bleiben würden,
obwohl er mittlerweile eine neue Freundin hat, mit der er seinen Angaben zufolge eine
schöne und glückliche Zeit verbringt. Es sind daher keine Gründe ersichtlich, weshalb
die Ehefrau des Beschwerdeführers nicht die Wahrheit sagen soll und ihrem Mann mit
ihrer Aussage schaden wollte, während es für den Beschwerdeführer im Hinblick auf
das vorliegende Verfahren von entscheidender Bedeutung ist, dass sie mindestens drei
Jahre zusammengelebt haben.
2.3. Daran ändert nichts, dass die getrennt lebende Ehefrau das Scheidungsbegehren
(vorderhand) zurückgezogen hat. In der Instruktionseinvernahme machte sie auch
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gegenüber der Scheidungsrichterin geltend, seit Juni 2008 von ihrem Mann getrennt zu
leben, was ihre Eltern bestätigen könnten. Unter den gegebenen Umständen ist der
Rückzug weniger ein Indiz dafür, dass sie den Trennungszeitpunkt nicht beweisen
konnte, wie der Beschwerdeführer geltend macht, sondern ein Hinweis darauf, dass sie
aus eigenem Antrieb oder auf Druck ihres Umfelds das ihrige dazu beitragen wollte,
den Aufenthalt des Beschwerdeführers in der Schweiz nicht zu gefährden.
2.4. Die Vorinstanz hat damit zu Recht auf die zusätzliche Befragung der Eheleute
Bakija-Berisha und der angebotenen Zeugen verzichtet. Aus dem gleichen Grund kann
auf die Befragung der im Beschwerdeverfahren wiederum angebotenen Zeugen
verzichtet werden.
3. Art. 42 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (SR
142.20, abgekürzt AuG) bestimmt, dass ausländische Ehegatten von Schweizerinnen
und Schweizern Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
haben, wenn sie mit diesen zusammenwohnen. Nach einem ordnungsgemässen und
ununterbrochenen Aufenthalt von fünf Jahren hat der ausländische Ehepartner gemäss
Art. 42 Abs. 3 AuG Anspruch auf Erteilung einer Niederlassungsbewilligung. Der
Fortbestand dieser Bewilligung hängt hernach nicht mehr vom Zusammenleben der
Eheleute ab (vgl. Art. 34 Abs. 1 AuG; Urteil 2C_241/ 2009 vom 23. September 2009 E.
3). Der Beschwerdeführer macht mit Blick auf die Dauer seines Aufenthaltes zu Recht
keinen Anspruch nach Art. 42 Abs. 3 AuG geltend.
3.1 Nach Art. 62 lit. d AuG widerruft die zuständige Behörde eine
Aufenthaltsbewilligung, wenn der Ausländer eine mit der Verfügung verbundene
Bedingung nicht (mehr) einhält. Im Vordergrund steht dabei der Aufenthaltszweck, der,
ob verschuldet oder nicht, nicht mehr gegeben ist, namentlich im Zusammenhang mit
der Aufgabe des ehelichen Zusammenlebens bei einer zum "Verbleib beim Ehegatten"
erteilten Aufenthaltsbewilligung (Zünd/Arquint Hill in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser
[Hrsg.], Ausländerrecht, Basel 2009, Rz. 8.26).
3.2. Wie erwähnt setzt das Aufenthaltsrecht nach Art. 42 Abs. 1 AuG - im Gegensatz zu
Art. 42 Abs. 2 AuG und zum bis Ende des Jahres 2007 in Kraft gewesenen
Ausländerrecht - zwingend ein Zusammenwohnen der Eheleute voraus. Auf dieses
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Erfordernis kann gemäss Art. 49 AuG nur verzichtet werden, wenn wichtige Gründe
geltend gemacht werden und die Familiengemeinschaft weiterhin besteht. Diese
Verschärfung gegenüber dem alten Recht in Bezug auf Ehegatten von Schweizern ist
vom Gesetzgeber gewollt. Bei Trennung der Eheleute soll der Fortbestand des
Aufenthaltsrechtes insbesondere nicht mehr von einer Prüfung abhängen, ob die Ehe
nur noch formell besteht und sich der Ausländer daher rechtsmissbräuchlich auf sie
beruft. Das Aufenthaltsrecht des nicht niederlassungsberechtigten Ehepartners - von
den in Art. 49 und 50 AuG vorgesehenen besonderen Situationen abgesehen - soll
vielmehr direkt mit der Trennung der Eheleute wegfallen (BGE 2C_635/2009 vom
26. März 2010 E. 4.3). Dabei spielt es keine Rolle, dass dabei die Frist gemäss Art. 50
Abs. 1 lit. a AuG allenfalls nur knapp verfehlt wurde. Die erwähnte Grenze ist absolut,
zumal es sich dabei ohnehin nur um eine Ausnahmeregelung handelt. Ob der
Beschwerdeführer erfolgreich integriert ist, spielt insofern keine Rolle mehr (BGE
2C_304/2009 E. 3.3.5).
3.3. Konkret ist das Gericht auf Grund der glaubwürdigen Aussagen der Ehefrau des
Beschwerdeführers davon überzeugt, dass die Eheleute Bakija-Berisha lediglich bis
Juni 2008 und damit nur knapp zwei Jahre zusammenwohnt haben. Daran ändert
nichts, dass die Ehefrau die gütliche Trennung den Behörden erst am 21. Juli 2009
gemeldet und den Hausschlüssel der ehelichen Wohnung dem Beschwerdeführer
ebenfalls erst im Juli oder August 2009 zurückgegeben und dass der
Beschwerdeführer die Stromrechnungen und Steuern über die Trennung hinaus im
Namen beider bezahlt hat. Davon abgesehen, dass es in seinem eigenen Interesse lag,
den Behörden gegenüber möglichst lange den Anschein zu wahren, dass er noch mit
seiner Frau zusammenlebe, verlangte er im Scheidungsverfahren von seiner Frau, dass
sie ihm im Rahmen der güterrechtlichen Auseinandersetzung die Hälfte der Steuern für
das Jahr 2008 zurückzahle. Allein die Umstände, dass die beiden auch nach ihrer
Trennung noch gemeinsam im Auto, in seiner Wohnung und im Restaurant gesehen
wurden, ändern mit Blick auf ihr andauerndes freundschaftliches Verhältnis an der
Tatsache ihres Getrenntlebens nichts. Wichtige persönliche Gründe nach Art. 49 Abs. 1
lit. b AuG macht er nicht geltend und sind auch sonst nicht ersichtlich.
4. Ein Widerruf der Aufenthaltsbewilligung rechtfertigt sich nur, wenn die
Interessenabwägung im Einzelfall die Massnahme als verhältnismässig erscheinen
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lässt. Die zuständigen Behörden berücksichtigen bei der Ermessensausübung die
öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der
Integration des Ausländers (Art. 96 Abs. 1 AuG).
4.1. Der Beschwerdeführer reiste vor knapp fünf Jahren als 24-Jähriger in die Schweiz
ein und verfügt seither über eine Aufenthaltsbewilligung. Damit verbrachte er den
überwiegenden Teil seines Lebens und die prägenden Kinder- und Jugendjahre in
seinem Heimatland. Trotz seines kurzen Aufenthalts in der Schweiz musste er aber
doch schon zwei Mal wegen eines SVG-Delikts verurteilt werden. Sodann hat er noch
Schulden aus einem Autounfall, die er über das Betreibungsamt abbezahlt. Ansonsten
hat er in relativ kurzer Zeit Deutsch gelernt, ist Mitglied in einem Fussballklub und nicht
sozialhilfeabhängig. Der Umstand allein, dass er für seinen Lebensunterhalt selber
aufkommt, kann dabei allerdings nicht als besondere Leistung gewürdigt werden,
sondern wird von einem jungen gesunden Mann erwartet. Von einer speziell
erwähnenswerten Integration, die einer Rückkehr entgegen stehen würde, kann somit
nicht gesprochen werden.
4.2. Demgegenüber ist der Vorinstanz insofern beizupflichten, dass die Schweiz im
Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Bestand der schweizerischen
und ausländischen Wohnbevölkerung gegenüber Ausländern ausserhalb des EU- und
EFTA-Raums in Fragen der Aufenthaltsberechtigung eine restriktive Politik verfolgt.
Dazu kommt, dass der Beschwerdeführer als Hilfsarbeiter keine besonders qualifizierte
Tätigkeit ausübt, die aus wirtschaftlicher oder arbeitsmarktlicher Sicht eine
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gebieten würde. Der Beschwerdeführer hat
bei der Rückkehr in sein Heimatland keine überdurchschnittlichen Schwierigkeiten zu
gewärtigen. Seine hier erlernten Fähigkeiten als Schweisser wird er auch in seiner
Heimat einsetzen können, auch wenn die Lebens- und Arbeitsbedingungen dort
gegenüber der Schweiz teilweise ungünstiger sein mögen. Einer Rückkehr des heute
knapp 29 Jahre alten und kinderlosen Beschwerdeführers steht somit nichts im Wege
und stellt insbesondere auch keine grosse Härte dar.
5. Zusammengefasst ergibt sich, dass das Ausländeramt die Aufenthaltsbewilligung
des Beschwerdeführers zu Recht widerrufen hat und seine Rückkehr im öffentlichen
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Interesse liegt sowie verhältnismässig und zumutbar ist. Die Beschwerde ist deshalb
abzuweisen.
6. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten vom
Beschwerdeführer zu bezahlen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Sie ist mit
dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht