# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7a97b383-5d1f-4b57-94b2-0ae210b25f76
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am 23. März 1977 in A. geboren und wuchs zusammen mit drei Geschwistern bei seinen Eltern in B. auf. Dort besuchte er die Primar- und Sekundarschule. Anschliessend wechselte er ins Gymnasium nach A. und beendete diese Ausbildung erfolgreich mit der Matura. In C. besuchte er sodann eine Handelsschule. Seit dem Jahr 2003 arbeitet X. im elterlichen Betrieb, der D., in B.. Heute ist er Geschäftsführer dieser Firma. Gemäss Auszug der Steuerverwaltung Graubünden vom 11. Januar 2010 betrug sein Nettoeinkommen inklusive Erträge aus Wertschriften im Jahr 2008 Fr. 57'540.--, dasjenige seiner Ehefrau Fr. 34'942.--. Das Reinvermögen des Ehepaares belief sich auf Fr. 31'362.--. Gemäss anlässlich der Berufungsverhandlung vor Kantonsgericht bestätigten Angaben erzielt X. aktuell ein Nettoeinkommen von rund Fr. 60'000.-- jährlich. Die Ehefrau von X. ist derzeit nicht berufstätig.
X. ist verheiratet und Vater zweier Söhne (Jahrgang 2008 und 2010).
Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X. mit drei Eintragungen verzeichnet. Am 16. März 2007 wurde er vom Militärgericht 7 wegen Militärdienstversäumnis und unerlaubter Entfernung mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu Fr. 120.--, bedingt vollziehbar, Probezeit zwei Jahre und einer Busse von Fr. 500.--, bestraft. Diese Probezeit wurde am 2. Dezember 2007 um ein Jahr verlängert. Am 7. Juli 2009 widerrief das Militärgericht 7 sodann diese bedingt ausgesprochene Strafe.
Mit Urteil vom 2. Dezember 2008 verurteilte das Militärgericht 7 X. wegen Militärdienstversäumnisses und unerlaubter Entfernung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu Fr. 100.--, bedingt vollziehbar, Probezeit drei Jahre und einer Busse von Fr. 1’000.--. Am 7. Juli 2009 wurde X. wiederum vom Militärgericht 7 wegen Militärdienstversäumnisses und unerlaubter Entfernung mit einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu Fr. 100.--, bedingt vollziehbar, Probezeit vier Jahre, als Zusatzstrafe zum Urteil vom 2. Dezember 2008 des Militärgerichts 7, bestraft.
Am 27. November 2009 verurteilte der Kreispräsident Schams X. wegen fahrlässiger Widerhandlung gegen das Gewässerschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 100.--, bedingt, bei einer Probezeit von drei Jahren sowie einer Busse von Fr. 500.--, ersatzweise bei schuldhafter Nichtbezahlung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Tagen. Auf den Widerruf der mit Urteilen des Militärgerichts 7 vom 2. Dezember 2008 respektive 7. Juli 2009 bedingt
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ausgesprochenen Geldstrafen von 40 respektive 10 Tagessätzen wurde verzichtet.
B. Die Staatsanwaltschaft Graubünden legte der Anklageschrift vom 7. Mai 2010 folgenden Sachverhalt zugrunde:
„Am 20. Februar 2009 wollte E., welcher seit ca. 20 Jahren bei der Firma D. in B. arbeitete, die Spindel der Blocksäge Gigant 459, Baujahr 1972, schmieren. Dazu stieg er auf einen Schlammhügel neben der Maschine und von dort auf deren Sockel. Wie er dies in all den Jahren vorher bei der wöchentlichen Schmierung auch getan hatte, stellte er den Motor der Maschine nicht ab, weshalb sich die Antriebswelle der Spindel drehte. Die Maschine war nie mit einer Schutzvorrichtung an den eingreifbaren Stellen nachgerüstet worden. So war es möglich, dass E. mit dem rechten Ärmel seines Hemdes an die Kupplung der sich drehenden Antriebswelle geriet. Weil sich der Hemdärmel in der Kupplung verfing, wurde der Arm von E. zwischen der Welle und dem Träger der Blocksäge eingeklemmt. Dabei erlitt E. sehr schwere Verletzungen, an deren Folgen er am 22. Februar 2009 verstarb.
X. ist seit ca. 2004 bei der Firma D. für die Arbeitssicherheit im Betrieb verantwortlich. Er war somit verpflichtet, Massnahmen zur Verhütung von Unfällen im Betrieb resp. zum Schutz der Arbeitnehmer zu ergreifen. Dazu gehören alle Massnahmen zum Schutz von Leben, Gesundheit und persönlicher Integrität der Arbeitnehmer, die nach der Erfahrung notwendig, nach dem Stand der Technik anwendbar und den Verhältnissen des Betriebes angemessen sind (vgl. Art. 328 Abs. 2 OR). Er war auch verantwortlich, die Arbeitnehmer über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefahren zu informieren (vgl. Art. 6 VUV). Arbeitsmittel, welche beim Verwenden eine Gefährdung der Arbeitnehmer durch bewegte Teile darstellen, sind mit entsprechenden Schutzeinrichtungen auszurüsten, welche verhindern, dass in den Gefahrenbereich bewegter Teile getreten oder gegriffen werden kann (vgl. Art. 24 und 28 VUV).
E. hatte die Schmierarbeiten seit ca. 20 Jahren immer auf die beschriebene Art, nämlich auf dem Sockel stehend, bei laufender Maschine vorgenommen. Obwohl X. demzufolge die Vorgehensweise von E. bei Einhaltung seiner Sorgfaltspflichten hätte erkennen müssen, hat er E. nie dahingehend instruiert, dass die Schmierung vom Sockel aus niemals bei laufender Maschine erfolgen darf. Auch die Nachrüstung der Maschine mit einer Schutzvorrichtung, welche verhindert hätte, dass E. von bewegten Teilen der Maschine erfasst werden konnte, hat X. unterlassen.“
C. Am 9. März 2010 liessen F., die Witwe von E., und die beiden Söhne G. und H. eine Adhäsionsklage beim Untersuchungsrichteramt A. mit folgenden Rechtsbegehren einreichen:
„1. Es sei im Sinne von Art. 38 Abs. 3 OHG dem Grundsatze nach festzustellen, dass X. den Geschädigten F., G. und H. vollumfänglich für die aus dem Tode von E., gest. 20. Februar 2008 (recte: 22. Februar 2009), entstandenen Zivilansprüche haftet.
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2.a)X. sei zu verpflichten, F. eine Genugtuung von Fr. 50'000.-- zuzüglich 5% Zins seit 20. Februar 2008 (recte: 22. Februar 2009), eventuell nach richterlichem Ermessen, zu bezahlen.
b) X. sei zu verpflichten, G. eine Genugtuung von Fr. 30'000.-- nebst 5% Zins seit 20. Februar 2008 (recte: 22. Februar 2009), eventuell nach richterlichem Ermessen, zu bezahlen.
c) X. sei zu verpflichten, H. eine Genugtuung von Fr. 30'000.-- nebst 5% Zins seit 20. Februar 2008 (recte: 22. Februar 2009), eventuell nach richterlichem Ermessen, zu bezahlen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des X..“
X. liess sich am 16. Juni 2010 dazu vernehmen. Er beantragte:
„1. Die Klage sei ad separatum zu verweisen.
2. Eventuell sei die Klage abzuweisen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Adhäsionskläger.“
D. Mit Anklageverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 7. Mai 2010 wurde X. wegen fahrlässiger Tötung gemäss Art. 117 StGB in Anklagezustand versetzt.
E. Am 17. August 2010 fand die Hauptverhandlung vor Bezirksgericht Hinterrhein statt. Die anwesende Untersuchungsrichterin stellte folgende Anträge:
„1. X. sei der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er - als Zusatzstrafe zum Strafmandat des Militärgerichts 7 vom 7. Juli 2009 und zum Strafmandat des Kreispräsidenten Schams vom 27. November 2009 – zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je Fr. 70.-- bedingt, bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu verurteilen.
3. Es sei von einem Widerruf des bedingten Strafvollzuges des Strafbefehls des Militärgerichts 7, C., vom 2. Dezember 2008 abzusehen.
4. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
Der Rechtsvertreter der Adhäsionskläger bestätigte die am 9. März 2010 mit der Adhäsionsklage gestellten Anträge. Einzige Korrektur bildete der Beginn des Zinsenlaufs, welcher auf den 22. Februar 2009 festgesetzt wurde.
Der Verteidiger von X. beantragte den Freispruch des Angeklagten unter Überbindung der Kosten an den Staat und Verweisung der Adhäsionsklage auf den Zivilweg. Für den Fall einer Verurteilung beantragte er die Reduktion der von der Staatsanwaltschat beantragten Strafe und die Aussprechung einer
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Genugtuung für die Witwe von höchstens Fr. 15'000.-- und für die Halbweisen von je höchstens Fr. 7'500.--.
F. Mit Urteil vom 17. August 2010, mitgeteilt am 14. September 2010, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss Hinterrhein:
„1. X. wird der fahrlässigen Tötung gemäss Art. 117 StGB schuldig gesprochen.
2. Dafür wird er – als Zusatzstrafe zum Strafmandat des Militärgerichts 7 vom 7. Juli 2009 und zum Strafmandat des Kreispräsidenten Schams vom 27. November 2009 – zu einer Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je Fr. 70.-- bedingt, bei einer Probezeit von zwei Jahren, verurteilt.
3. Es wird von einem Widerruf des bedingten Strafvollzuges des Strafbefehls des Militärgerichts 7, C., vom 2. Dezember 2008 abgesehen. Die Probezeit wird um ein Jahr verlängert.
4. Die Adhäsionsklage wird wie folgt gutgeheissen:
1. Im Sinne von Art. 38 Abs. 3 OHG wird dem Grundsatze nach festgestellt, dass X. gegenüber den Geschädigten F., G. und H. für die Folgen aus dem Tod von E., gestorben am 22. Februar 2009, vollumfänglich schadenersatzpflichtig ist.
2.a) X. wird verpflichtet, F. eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 30'000.-- zuzüglich 5% Zins seit dem 22. Februar 2009 zu bezahlen.
b) X. wird verpflichtet, G. eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 20'000.-- zuzüglich 5% Zins seit dem 22. Februar 2009 zu bezahlen.
c) X. wird verpflichtet, H. eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 20'000.-- zuzüglich 5% Zins seit dem 22. Februar 2009 zu bezahlen.
3. Ausseramtlich hat X. die Adhäsionsklägerin und die Adhäsionskläger mit total Fr. 4'274.75, inklusive Mehrwertsteuer, zu entschädigen.
5. Die Kosten des Verfahrens bestehend aus
- Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden Fr. 5'965.00 - Gerichtsgebühr Fr. 4'835.65 Total Fr. 10'800.65
gehen zu Lasten von X..

## Considerations