# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 714e8fc1-82e4-433d-9513-7a0bfe9243ce
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A.1. A. wuchs zusammen mit einem Bruder in geordneten Familienverhältnissen bei seinen Eltern in Z. (Y.) auf, wo er sechs Klassen der Volksschule besuchte. Einen Beruf hat er nicht erlernt. Nach der Schulentlassung arbeitete er an verschiedenen Orten in Y. als Hilfsarbeiter auf dem Bau sowie als Kellner. Vom 23. März 2011 bis zu seiner Festnahme am 21. November 2011 war A. bei der Firma B. in X. als Hilfsarbeiter tätig. Dabei verdiente er je nach Anzahl geleisteter Stunden monatlich zwischen Fr. 2‘700.-- bis Fr. 3‘000.-- netto. Nach seinen Angaben ist er in Y. Inhaber zweier Caféterias. Er ist primär infolge Aufnahme eines Kredits wegen Glücksspielen verschuldet.
2. Im Schweizerischen Strafregister ist A. nicht verzeichnet. Gemäss Strafregisterauszug aus Y. wurde er am 10. November 2008 rechtskräftig wegen einfachen Diebstahls und Urkundenfälschung, begangen im September 2003, zu einer Geldstrafe von 400 Tagessätzen zu je € 7.00, somit zu total € 2‘800.00, verurteilt. Diese Geldstrafe hat er gemäss Strafregisterauszug bis Juni 2010 bezahlt. Gemäss Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden vom 21. Dezember 2011 war sein Arbeitgeber und Vermieter in der Schweiz mit seiner Arbeit und seinem allgemeinen Verhalten stets zufrieden.
B.1. A. wurde am 21. November 2011 in W. festgenommen und befand sich bis am 20. Februar 2012 in Untersuchungshaft. Anschliessend wurde er in Sicherheitshaft genommen, aus welcher am 20. April 2012 entlassen und auf freien Fuss gesetzt wurde.
2. Am 1. Dezember 2011 wurde Rechtsanwalt Dr. iur. Werner Jörger von der Staatsanwaltschaft Graubünden als notwendiger Verteidiger von A. eingesetzt.
C. Am 14. Februar 2012 erhob die Staatsanwaltschaft Graubünden Anklage gegen A.. Der Anklageschrift vom 14. Februar 2012 liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
„1. Raub gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
Am Nachmittag des 20. November 2011 konsumierten C. und A. zusammen mit einem weiteren Landsmann in W. eine Flasche Wein und rauchten einen Joint Marihuana. Ca. um 17.00 Uhr begaben sich hierauf C. und A. in die Unterkunft des letztgenannten nach X., wo sie das Nachtessen einnahmen und erneut einen Joint Marihuana rauchten. Nachdem sie dort über Geldprobleme gesprochen hatten, fassten sie gemeinsam den Entschluss, in W. eine Prostituierte zu berauben, um dadurch Geld zu erlangen. Ca. um 21.45 Uhr fuhren die
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beiden Beschuldigten mit dieser Absicht mit einem Lieferwagen von X. zur V. nach W., wobei A. den Lieferwagen lenkte und C. vorne rechts auf einem der beiden Beifahrersitze mitfuhr. Auf der V. sprach C. die Prostituierte D. an und fragte sie nach dem Preis für deren Dienstleistungen. Nachdem sie sich einig geworden waren, liessen die Beschuldigten die Prostituierte vorne rechts in den Lieferwagen einsteigen und fuhren danach zum nahe gelegenen Parkplatz an der „U.“. Dort nahm der direkt neben D. sitzende C. – mit Willen des Mittäters – plötzlich ein Messer mit einer geöffneten Klinge hervor, hielt es gegen den Oberkörper des Opfers, wodurch er es an Leib und Leben bedrohte, und forderte von ihr „Geld und Drogen“. D. hielt während dieser Zeit eine Handtasche auf den Knien und übergab diese hierauf C.. Dieser öffnete in der Folge die Beifahrertüre und liess die Prostituierte aussteigen, nachdem er ihr noch zu verstehen gegeben hatte, dass sie nicht die Polizei rufen solle. Anschliessend fuhren die Beschuldigten in Richtung X. davon. Auf dieser Fahrt durchsuchte C. die Tasche des Opfers, die deren Identitätskarte sowie Schmuck- und Hygieneartikel enthielt. Nach den Angaben von D. soll sich in dieser Tasche zudem eine 100 Franken Note befunden haben, was von den Beschuldigten jedoch bestritten wird.
Gemäss dem Polizeirapport ist der Wert der Handtasche samt dem Inhalt – ohne Bargeld – auf ca. CHF 170.00 zu beziffern. Die Identitätskarte des Opfers konnte später in der Unterkunft von A. in X. sichergestellt werden. Den Rest des Deliktsgutes hatte A. nach der Tat auf der Brücke bei T. in den Rhein geworfen.
Akten: 1.5 (S. 2), 1.10 (S. 2f.), 8.1, 8.2, 9.3, 9.5, 9.7 - 9.11, 10.1, 10.2
2. Mehrfache Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG
In der Zeit von ca. Ende Mai 2011 bis zum 22. November 2011 kaufte A. von unbekannten Personen in W. und X. unter verschiedenen Malen insgesamt ca. 10 gr Heroin zum Preis von insgesamt ca. CHF 1‘000.00, ca. 20 gr Kokain zum Preis von total ca. CHF 2‘400.00 sowie ca. 30 gr Marihuana zum Preis von total ca. CHF 300.00. Diese Betäubungsmittel verwendete er für den Eigenkonsum.
Anlässlich einer Hausdurchsuchung vom 25. November 2011 wurden in der Unterkunft des Beschuldigten 0.4 gr Marihuana sichergestellt. Dieses wurde mit Verfügung vom 20. Januar 2012 durch die Staatsanwaltschaft Graubünden beschlagnahmt.
Akten: 1.10 (S. 3), 1.13, 13.1, 13.2“
D. Anlässlich der Hauptverhandlung vor Bezirksgericht Plessur vom 19. April 2012 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden folgende Schlussanträge:
„1.a) A. sei schuldig zu sprechen
- des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, - der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
b) Dafür sei er zu bestrafen mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten, wovon die Hälfte bedingt aufzuschieben sei bei einer Probezeit von drei Jahren. Sodann sei er zu bestrafen mit einer Busse von Fr. 200.00.
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c) Die erstandene Polizei-, Untersuchungs- und Sicherheitshaft sei auf die Freiheitsstrafe anzurechnen.
d) Das bei A. beschlagnahmte Marihuana (0.4 gr) sei gestützt auf Art. 69 StGB einzuziehen und zu vernichten.
e) Das bei A. beschlagnahmte Bargeld im Betrag von Fr. 500.00 sei zur Bezahlung der Busse und eines Teils der Verfahrenskosten zu verwenden.
2. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
A., vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Werner Jörger, seinerseits stellte folgende Schlussanträge:
„1. Der Beschuldigte sei des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit einer Geldstrafe oder einer bedingten Freiheitsstrafe von 6 Monaten zu bestrafen.“
E. Gegen das am 19. April 2012 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und am 20. April 2012 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Plessur meldete die Staatsanwaltschaft Graubünden mit Eingabe vom 24. April 2012 Berufung an, woraufhin das Bezirksgericht Plessur den Parteien am 22. Mai 2012 das schriftlich begründete Urteil mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:
„1. A. ist schuldig des Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. a) Dafür wird A. mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten und einer Busse von CHF 200.00 bestraft.
b) An die Freiheitsstrafe ist die erstandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft von 151 Tagen anzurechnen.
c) Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren aufgeschoben.
d) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 2 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3. Das beschlagnahmte Bargeld in Höhe von CHF 500.00 wird gestützt auf Art. 268 StPO an die Verfahrenskosten und an die Busse angerechnet. Die beschlagnahmten Betäubungsmittel (0.4 gr Marihuana) werden gestützt auf Art. 69 StGB gerichtlich eingezogen und sind zu vernichten.
4. a) Die Kosten des Verfahrens von CHF 7‘144.70 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 3‘544.70, Gerichtsgebühren CHF 3‘600.00) gehen zu Lasten von A..
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b) Die Kosten der angerechneten Untersuchungshaft von CHF 30‘624.00 sowie des Strafvollzugs gehen zu Lasten des Kantons Graubünden. Die beschuldigte Person hat sich daran nach Massgabe von Art. 380 Abs. 2 StGB zu beteiligen.
c) Die Kosten der amtlich bestellten Übersetzerin in Höhe von CHF 105.00 gehen zu Lasten der Gerichtskasse.
d) A. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich:
Busse CHF 200.00 Verfahrenskosten CHF 7‘144.70 Depositum - CHF 500.00 Total CHF 6‘844.70
In Rechtskraft erwachsene Bussen und Verfahrenskosten sind dem Bezirksgericht Plessur innert 30 Tagen nach der Zustellung des Entscheids mit beiliegendem Einzahlungsschein zu bezahlen.
5. a) Die amtliche Verteidigung wird – unter dem Vorbehalt, dass dieses Urteil in Rechtskraft erwächst – mit CHF 6‘847.20 entschädigt. Die Entschädigung geht zu Lasten des Kantons Graubünden und wird aus der Gerichtskasse bezahlt. Vorbehalten bleibt die Rückerstattungspflicht der beschuldigten Person gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.

## Considerations