# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 37f7f1ad-bf6f-4b15-aa4e-473e8c0ebf48
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1960,
war
als Reinigungsangestellte
seit dem
1.
März 2001 bei der
Z._
AG,
in A._
,
und seit dem
1.
April 2011 der
B._
GmbH,
in C._
,
jeweils in einem Teilzeitpensum
tätig (
Urk.
7/10
Ziff.
2.1-3,
Urk.
7/14
Ziff.
2.1-3
)
und meldete sich am
1.
April 2020
unter Hinweis auf eine seit einem Unfall am 2
3.
September 2019 bestehende Überdehnung der Sehnen an der Schulter und eine anschliessende Operation Mitte November 2019 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/
2
Ziff.
6.1-2)
.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die beruflich-erwerbliche und die medizinische Situa
tion ab, zog die Akten
der
Krankentag
geldversicherung und der
Suva
bei und
verneinte nach
durchgeführtem
Vorbe
scheidverf
ahren
(
Urk.
7/
20
;
Urk.
7/
22
,
Urk.
7/28
) mit Verfügung vom
2.
Juni
2021 einen
A
nspruch auf eine Invalidenrente
(Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am
5.
Juli 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
2.
Juni 2021 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die Beschwerde
gegnerin sei zu verpflichten
,
die gesetzlichen Leistungen nach
dem
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung (IVG)
zu gewähren (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerde
antwort vom 1
4.
September 2021 (
Urk.
6) beantragte die IV-Stelle, die Be
schwer
de sei abzuweisen, was der Beschwerdeführerin am 2
2.
Oktober 2021 zur Kennt
nis gebracht wurde (
Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.
5
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hy
pothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonde
ren (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegen
über Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung ent
wickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Be
urteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11.
Mai
2021 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
6
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.
7
Ist bei Versicherten, die
nur zum Teil erwerbstätig sind
, anzunehmen, dass sie im Zeitpunkt der Prüfung des Rentenanspruches ohne Gesundheitsschaden ganztä
gig erwerbstätig wären, so ist die Invaliditätsbemessung ausschliesslich nach den Grundsätzen für Erwerbstätige zu bemessen (Art. 27
bis
Abs. 1 IVV).
1.
8
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihre Verfügung (
Urk.
2) damit,
dass bei der Beschwerdeführerin
keine langandauernden Einschränkungen vor
lägen
und
sie
kurz nach Erreichen des Wartejahres im September 2020 wieder
in ihrer ange
stammten Tätigkeit, welche als angepasst anzusehen sei, zu
100
%
arbeitsfähig
gewesen
sei.
Die psychisch leicht depressive Symptomatik stelle
k
eine Sympto
matik dar, welche bei der Invalidenversicherung versichert sei. Diese sei behan
delbar und nicht langandauernd.
E
ine regelmässige
Behandlung finde nicht statt
(S. 1 f.)
.
2.2
Dagegen machte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde (
Urk.
1) geltend
,
sie habe zuletzt als Reinigungsangestellte in einem Pensum von gesamthaft 100
%
gearbeitet und
sei seit dem 2
0.
September 2019 vollständig arbeitsunfähig. Das Wartejahr sei damit am 2
0.
September 2020 abgelaufen. Bis Mitte November 2020 habe bei ihr eine voll
e Erwerbsunfähigkeit bestanden
(
S. 3
Ziff.
1.1, S. 5 unten f.).
Die Anspruchsvoraussetzungen seien folglich erfüllt, weshalb sie ab
1.
Oktober 2020 einen Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe (S. 6 Mitte). Gemäss dem Bericht von
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
,
vom 2
9.
Oktober
2020 liege ab Mitte November 2020 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (oder gar 100%ige) in einer angepassten Tätigkeit vor. Die Herabsetzung der Rente dürfe rechtsprechungs
gemäss demnach frühestens per
1.
März
2021 erfolgen. Ob eine vollständige Ar
beits
fähigkeit ab Mitte November 2020 habe erreicht werden können, gehe aus den Akten nicht schlüssig hervor und werde bestritten. Ob eine Einstellung der Invalidenrente zulässig sei, sei mittels Einholung weitergehender Verlaufsberichte bei
Dr.
D._
abzuk
l
ären (S. 7 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
Was die von der Beschwerdeführerin geltend gemachte Qualifikation als Voller
werbstätige anbelangt (vorstehend E. 2.
2
)
,
kann dem in Anbetracht der
Angaben der
beiden
Arbeitgeber
B._
GmbH
und
Z._
AG
sowie
de
r Höhe des
vor Eintritt des Gesundheitsschaden
s
gemäss
Auszug aus dem individuellen Konto (
IK-Auszug;
Urk.
7/8
) im Jahr 2018 angegebenen Verdienstes von insge
samt
Fr.
22'157.--
nicht gefolgt werden
. Gemäss Angaben im Arbeitgeberbericht
der
B._
GmbH
vom
2
7.
April 2020
hat
te
die Beschwerdeführerin
ein
Pensum von
43
%
inne
(
Urk.
7/10
Ziff.
2.2
)
.
Zusätzlich war sie laut
Angaben der
Z._
AG
in einem Pensum
zwischen 19
%
und 2
6
%
ebenfalls in der Unter
haltsreinigung
tätig
(
Urk.
7/
11/77
Ziff.
3
,
Urk.
7/14
Ziff.
2.3
). Die Beschwerde
führerin ist bei drei erwachsenen Kindern
(geboren 1981, 1
9
83 und 1988;
Urk.
7/2
Ziff.
3)
daher als Teilerwerbstätige
mit einem Arbeitspensum zwischen 6
2
%
und
6
9
%
ohne A
ufgabenbereich zu qualifizieren
(vgl. vorstehend E. 1.5-7)
.
4
.
4
.1
Dr.
D._
nannte in seinem Bericht vom
1.
Juli 2020 (
Urk.
7/16/7-8
) als Dia
gnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen Status nach Schulterar
thro
skopie mit
Bizepstenotomie
,
Rotatorenmanschetten
(RM)-Rekonstruktion (
Sup
ra
spinatussehne
),
Bursektomie
und
Ak
r
omiop
last
ik
links am 1
4.
November
2019 (
Ziff.
2.5).
Er
führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem 2
4.
Oktober 2019 bei ihm in Behandlung sei, und die letzte Kontrolle am 2
9.
April
2020 stattge
funden habe (
Ziff.
1.1).
Vom 2
4.
Oktober 2019 bis 3
1.
Mai
2020 habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden (
Ziff.
1.3). Die Prognose zur Arbeitsfähig
keit sei gut (
Ziff.
2.7). Es sei ihm nicht bekannt, welche Tätigkeit die Beschwer
deführerin gegenwärtig ausübe (
Ziff.
3.1). Es bestehe eine schnelle Ermüdbarkeit bei Überkopfarbeiten bei noch bestehendem Kraftdefizit
,
und bei regelmässigen Überkopftätigkeiten trä
ten Schmerzen auf (
Ziff.
3.4).
Ab Juni 2020 sollte in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit
bestanden haben
(
Ziff.
4.2
3). Bei Überkopftätigkeiten bestehe noch eine geringe Einschränkung (
Ziff.
4.5). Einer Eingliederung stehe nichts entgegen (
Ziff.
4.4).
4
.2
Dr.
D._
stellte in seinem Bericht vom 2
9.
Oktober
2020 (
Urk.
7/33/46-47) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Acromio-Cla
vicular
(
AC
)
-
Arthropathie
links
-
Status nach intraartikulärer AC-Gelenksinfiltration links am 1
8.
September 2020
-
Status nach Schulterarthroskopie, RM-Rekonstruktion (
Supraspinatussehne
),
Bizepstenotomie
,
Bursektomie
und
Akromioplastik
links am 1
4.
November 2019
Dr.
D._
führte aus, dass er die Patientin am 2
7.
Oktober 2020 für eine Ver
laufskontrolle in seiner Sprechstunde gesehen habe. Die AC-Gelenksinfiltration habe zu einer 60%igen Schmerzverbesserung der li
nken Schulter geführt. Über
kopf-
Tätigkeiten seien besser möglich. Jedoch bestehe noch eine schnelle Ermüd
barkeit mit Schmerzen bei längeren
Überkopf-
Tätigkeiten. Die Befunde seien un
ver
ändert. Die beiden Jobs seien der Patientin gekündigt worden. Von seiner Seite sei nochmals eine Arbeitsunfähigkeit vom
1.
Oktober bis 1
5.
November
2020 atte
stiert worden. Aktuell bestünden für
schulterbelastende Tätigkeiten
mit schwerem Heben und Tragen von Gewichten über Kopf noch Einschränkungen. Ab Mitte November 2020 sollte eine 50%ige oder gar 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit erreichbar sein (S. 1).
4
.
3
Dr.
med.
univ.
E._
,
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, stellte in ihrem Bericht vom
2
7.
Januar 2021
(
Urk.
7/33
/1-6
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.5):
-
Zervikobrachialgie
bei Status nach RM-Rekonstruktion links
-
Gonarthrose links, Meniskusriss
-
Cataracta
seni
lis
,
Pseudophakie
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte sie einen Status nach
Lipomexzision
am linken Arm am 2
7.
Dezember 2017, einen S
tatus nach Hysterektomie mit Ovar
ektomie links, eine arterielle Hypertonie, einen Status nach einer Lungene
mb
olie im Jahr 2000 und rezidivierende Depressionen (
Ziff.
2.6).
Dr.
E._
führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem 1
3.
Juni 2019 bei ihr in Behandlung sei und die letzte Kontrolle am 1
9.
Januar 2021 stattgefunden habe (
Ziff.
1.1).
Der Beschwerdeführerin
sei unter anderem vom 2
3.
September bis 1
8.
Oktober 2019 und vom 3
1.
Mai bis 3
1.
August 2020 für sämtliche Tätigkeiten eine 100%ige Arbeitsunfähigkei
t attestiert worden (
Ziff.
1.3)
. Die aktuelle T
ätigkeit der Beschwerdeführerin als Putzfrau sei körper
lich streng (
Ziff.
3.1 und
Ziff.
3.3). Eine körperliche Tätigkeit komme für sie nicht in Frage wegen der
Zervikobrachialgie
, der Schulterschmerzen und der Knie
schmerzen (
Ziff.
3.4). Die bisherige Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar (
Ziff.
4.1).
I
n einer leidensangepassten Tätigkeit
bestehe
eine Ar
beitsfähigkeit von zwei Stunden am Tag (
Ziff.
4.2). Einer Eingliederung stünden die mangelnden Sprachkenntnisse und die chronischen Sc
hmerzen im Wege (
Ziff.
4.4).
4.4
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, nannte in sei
nem Bericht vom 1
5.
März 2021 (
Urk.
7/39) als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD
10 F32.01;
Ziff.
2.5). Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit nannte er eine Adipositas und einen Diabetes mellitus Typ II (
Ziff.
2.6).
Dr.
F._
führte aus, dass die Beschwerdeführerin seit dem
1.
Oktober 2020 bei ihm in Be
handlung sei und die letzte Kontrolle am 1
1.
Januar 2021 stattgefunden habe (
Ziff.
1.1).
Es fänden monatliche Behandlungen statt (
Ziff.
1.2). Seit dem
1.
Okto
ber 2020 bestehe in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Putzfrau eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Ziff.
1.3). Eine dem Leiden angepasste Tätigkeit sei derzeit zwischen e
in und zwei Stunden zumutbar (
Ziff.
4.2).
Die Beschwer
de
führerin fühle sich matt und ausgelaugt. Sie leide an Rücken- und Gliederschmer
zen (
Ziff.
2.2). Es bestehe eine leichte depre
ssive Symptomatik (
Ziff.
2.4).
In Anbe
tracht des Alters der Beschwerdeführerin sei die Prognose zur Arbeitsfähigkeit eher schlecht.
Dr.
F._
führte aus, dass sein weiteres Vorgehen
und sein Behand
lungsplan in der
Krankschreibung und
in
ein
em
Hoffen auf Besserung
bestehe
(
Ziff.
2.8).
4.5
Laut Rücksprache mit dem R
egionalen Ärztlichen Dienst (RAD)
vom
4.
Mai 2021 (
Urk.
7/42/3-4) könne aus somatischer Sicht auf den Bericht von
Dr.
D._
vom 2
9.
Oktober 2020 abgestellt werden. Demnach sei eine angepasste Tätigkeit ab Mitte November
2020
wieder vollumfänglich möglich. Die angestammte Tätigkeit (Reinigungskraft) sei der angepassten Tätigkeit gleich zu stellen. Mit dem vorge
gebenen Belastungsprofil ohne schulterbelastende Tätigkeiten
und ohne
schweres Heben und
Tragen von Gewichten über Kopf
sei die bisherige Tätigkeit
in leichter Form weiterhin vollumfänglich möglich. Die Hausärztin weiche von der fachärzt
lichen Beurteilung ab und beziehe sich ebenfalls auf
nicht
IV-versicherte Ein
schränkungen, zum Beispiel auf mangelnde Sprachkenntnisse. Zudem leide die Beschwerdeführerin an chronischen Schmerzen, befinde sich aber seit langem nicht mehr in fachärztlicher Behandlung, weshalb der Leidensdruck fraglich sei. Bezüglich der psychischen Komponente handle es sich um eine nicht IV
ver
sicherte Diagnose. Die leichte depressive Symptomatik sei behandelbar und über
windbar. Bezüglich der psychischen Beschwerden sei keine langandauernde Einschränkung gegeben.
5
.
5
.
1
Die Beschwerdegegnerin ging im Wesentlichen gestützt auf die Feststellungen des behandelnden Facharztes
Dr.
D._
davon aus, dass die Beschwerdeführerin seit September 2019 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen sei, jedoch seit Juni 2020 und spätestens seit Mitte November 2020 wieder von einer vollständigen Arbeitsfä
higkeit auszugehen sei
(vorstehend E. 2.1 und E. 4.5)
.
5
.
2
Der die Beschwerdeführerin behandelnde Facharzt
Dr.
D._
bestätigte in sei
nem Bericht vom
1.
Juli 2020 (vorstehend E.
4.
1
) lediglich eine vom 2
4.
Oktober 2019 bis 3
1.
Mai 2020 bestehende vollständige Arbeitsunfähigkeit und ging bereits ab Juni 2020 von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit
aus
, wobei
lediglich noch bei Überkopftätigkeiten geringe Einschrän
kung bestünden.
Bei unveränderter Befundlage attestierte
Dr.
D._
der Be
schwerdeführerin in seinem Bericht vom 2
9.
Oktober
2020 (vorstehend E.
4.
2
) dann noch bis Mitte November
2020
eine Arbeitsunfähigkeit für schulter
belas
tende Tätigkeiten mit schwerem Heben und
Tragen von Gewichten über Kopf
.
Weder
de
m
Arbeitgeberbericht der
B._
GmbH
noch dem Arbeitgeberbericht der
Z._
AG
lässt sich hinsichtlich der
ausgeübten Reinigungstätigkeit entnehmen, dass Überkopfarbeiten einen wesentlichen
Arbeitsbestand
teil
gebil
det hätten (
Urk.
7/10
Ziff.
3,
Urk.
7/14
Ziff.
3).
In Anbetracht
dessen,
dass sich die von
Dr.
D._
genannten Einschränkungen lediglich auf Überkopfarbeiten bezogen, darf ohne weiteres davon ausgegangen werden, dass in einer
behinde
rungsangepassten Tätigkeit
ohne Überkopfarbeiten
schon
vor November 2020
eine vollständige
Arbeitsfähigkeit bestanden hat, dies umso mehr bezogen auf das
maximal 70%ige
Teilzeitpensum der Beschwerdeführerin
(vorstehend E. 3)
.
Daran vermögen die Beurteilungen der Arbeitsfähigkeit durch die Hausärztin
Dr.
E._
(vorstehend E. 4.3)
sowie durch den seit
1.
Oktober
2020 behandelnden Psychiater
Dr.
F._
(vorstehend E. 4.4)
nichts zu ändern.
So ist h
in
sichtlich der
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch
Dr.
E._
zu beach
ten, dass das Gericht in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen hat, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3b/cc).
Die von
Dr.
E._
angegebene
nicht weiter begründete
Restarbeitsfähigkeit
in einer Verweistätigkeit
von lediglich noch zwei Stunden am Tag erweist sich so
dann als nicht nachvollziehbar,
da sie auch
invaliditätsfremde Faktoren
wie man
gelnde Sprachkenntnisse berücksichtigte. Zudem lässt
sich aus keinem der
von
Dr.
E._
eingereichten
fachärztlichen Berichte
über stattgefunden
e
Untersuchungen und Behandlungen (
Urk.
7/33/7-49)
eine derartige Einschrän
kung der Ar
beitsf
ähigkeit entnehmen
.
Die gleichen Vorbehalte
wie bei
Dr.
E._
müss
en
hinsichtlich
Dr.
F._
erwähnt werden, zumal seine auftragsrechtliche Vertrauensstellung zumindest als hausarztähnlich bezeichnet werden muss. Dies kommt
insbesondere dadurch
zum Ausdruck, indem sich
die durch ihn
ab
1.
Oktober 2020
attestierte vollständige A
rbeitsunfähigkeit in kei
ner Weise nachvollziehen lässt.
So steht diese einerseits im Widerspruch zu der festgestellten
nur
leichten depressiven Symptomatik, an
dererseits zu der lediglich einmal im Monat stattfindenden Behandlung. Zudem führte er
diesbezüglich aus, dass sein weiteres Vorgehen und sein Behandlungs
plan in der Krankschreibung und in einem Hoffen auf Besserung best
ünden
, was nichts mit einer ernsthaften
fachärztlichen
Behandlung
einer psychischen Erkran
kung
zu tun hat.
Weiter erweist es sich auch als potentiell inkonsistent, wenn
-
wie vorliegend
-
erst nach einem negativen Vorbescheid (
Urk.
7/20) mit einer Therapie begonnen wird
(vgl. Urteil des Bundesgericht
s
9C_885/2015 vom 1
3.
Januar 2016 E. 2, BGE 141 V 281 E. 4.4.2).
Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interferenzen durch psychiatrische Komorbiditäten lässt sich
zudem
im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Poten
tial, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt.
Diesfalls
müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (zur Publikation vor
gesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 17. November
2021 E. 6.2.2 mit Hinweis).
Solche sind vorliegend nicht ersichtlich.
Soweit die Beschwerdeführerin verlangt, es seien weitere Abklärungen durchzu
führen (
vorstehend E. 2.2
), kann darauf in antizipierter Beweiswürdigung (BGE 127 V 491 E. 1b mit Hinweisen) verzichtet werden. Der Gesundheitszustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit sind aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt. Von weiteren Untersuchungen
sind
keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.
5.3
Aufgrund des Gesagten ist davon auszugehen, dass sowohl in der angestammten Tätigkeit und umso mehr in jeder angepassten Tätigkeit nach Ablauf des Warte
jahres im September
2020 eine vollständige Arbeitsfähigkeit in dem von der Beschwerdeführerin umgesetzten
Teilzeitpensum von maximal 69
%
bestanden hat, zumal sich die gegen Ende des Wartejahres
attestierten Einschränkungen ledig
lich noch auf Überkopfarbeiten bezogen.
6
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
6
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden Beschwerdefüh
rer
in aufzuerlegen.