# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 373ca5ff-6e9a-581e-906c-407d80e24ebf
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2004
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Im August 1996 schrieb das TBA die Ausführungs- und Detailprojektierungsarbeiten
sowie die örtliche Bauleitung für die beiden Projektabschnitte Bözingenfeld und
Seevorstadt-Salzhausstrasse der Nationalstrasse N 5, Umfahrung Biel, Teilprojekt City, im
selektiven Verfahren öffentlich aus. Innerhalb der Eingabefrist beantragten mehrere
Unternehmen, am Beschaffungsverfahren teilnehmen zu können. Nachdem das TBA die
Eignung der interessierten Unternehmungen geprüft hatte, beschränkte es die Zahl der
potentiellen Anbieterinnen und Anbieter auf sieben.
2. Im Mai 1997 teilte das TBA den für die Angebotseinreichung selektionierten
Unternehmen mit, das Beschaffungsverfahren müsse unterbrochen werden, da das
generelle Projekt der Bieler Westtangente N 5 vom Bundesrat noch nicht genehmigt
worden sei. Das Beschaffungsverfahren blieb danach bis Ende 2001 sistiert.
3. Nachdem der Bundesrat das generelle Projekt der Westtangente N 5 genehmigt
hatte, teilte das TBA den selektionierten Unternehmen im Dezember 2001 mit, dass das
Beschaffungsverfahren fortgesetzt werde. Die Unternehmen hatten Gelegenheit, die
Ausschreibungsunterlagen beim TBA zu beziehen und ein Angebot einzureichen.
Insgesamt reichten sechs Unternehmen beim TBA ein Angebot für die 1996
ausgeschrieben Projektierungsarbeiten ein.
Mit Verfügung vom 9. September 2003 erteilte das TBA den Zuschlag der
Beschwerdegegnerin.
4. Gegen diese Zuschlagsverfügung erhoben die Beschwerdeführerinnen bei der
kantonalen Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) am 19. September 2003
Beschwerde. Sie beantragen, die Verfügung sei aufzuheben und die Sache sei zur
Wiederholung des Ausschreibungsverfahrens und zu neuem Entscheid an die Vorinstanz
zurückzuweisen. Ausserdem sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung
zuzuerkennen. Zur Begründung machen sie geltend, die Ausschreibungsunterlagen
würden ohne sachlichen Grund das Total der aufzuwendenden Arbeitsstunden vorgeben.
3
Dies führe dazu, dass die Anbietenden Stunden auszuweisen hätten, die sie gar nicht
benötigten. Einer Anbieterin oder einem Anbieter, der die Arbeiten in weniger Zeit, das
heisst effizienter, erledigen könne, werde es dadurch verunmöglicht, diesen
Wettbewerbsvorteil geltend zu machen.
5. Das Rechtsamt der BVE, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, gab
der Beschwerdegegnerin und dem TBA Gelegenheit, zum Gesuch um Erteilung der
aufschiebenden Wirkung der Beschwerde Stellung zu nehmen. Von dieser Möglichkeit
machten weder die Beschwerdegegnerin noch die Vorinstanz Gebrauch. Das Rechtsamt
erteilte daraufhin der Beschwerde die aufschiebende Wirkung.
6. Mit Stellungnahme vom 27. Oktober 2003 beantragt das TBA, die Beschwerde sei
abzuweisen. Es macht geltend, das Beschaffungsverfahren sei seriös und professionell
durchgeführt worden. Im Übrigen wäre es den Beschwerdeführerinnen möglich gewesen,
den gerügten Mangel, das heisst die zwingende Vorgabe der aufzuwendenden
Arbeitsstunden, nach Einsicht in die Ausschreibungsunterlagen, spätestens aber
zusammen mit der Einreichung des Angebots, geltend zu machen und allenfalls eine
Unternehmervariante einzureichen. Bei derart umfangreichen und komplexen
Dienstleistungsaufträgen sei ein fairer Wettbewerb nur möglich, wenn präzise Vorgaben
bezüglich des Leistungsvolumens gemacht würden. Dieses Vorgehen sei während des
Verfahrens von keinem der anbietenden Unternehmen beanstandet worden. Aus den
eingegangenen Offerten gehe hervor, dass die Aufteilung der Arbeitsstunden auf die
verschiedenen Arbeitskategorien vernünftig vorgenommen worden sei. Sämtliche
Zuschlagskriterien und ihre Gewichtung seien in den Ausschreibungsunterlagen klar und
transparent bekannt gegeben worden.
7. Das Rechtsamt führte auf Antrag der Beschwerdeführerinnen einen zweiten
Schriftenwechsel durch.
Auf die einzelnen Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung, in den
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE, BSG 155.221.191)
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Erwägungen zurückzukommen sein.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Nach Art. 12 Abs. 1 ÖBG können Verfügungen kantonaler Auftraggeberinnen und
Auftraggeber mit Beschwerde bei der in der Sache zuständigen Direktion des
Regierungsrates angefochten werden. Die BVE ist zur Behandlung der vorliegenden
Beschwerde zuständig, da die angefochtene Zuschlagsverfügung vom TBA erlassen
wurde. Die Beschwerdeführerinnen sind durch die angefochtene Verfügung beschwert und
somit unbestritten zur Beschwerde befugt. Der geschätzte Auftragswert liegt im Übrigen
weit über dem Schwellenwert anfechtbarer Verfügungen im Sinne von Art. 11 Abs. 2 ÖBG.
Auf die Beschwerde, welche form- und fristgerecht eingereicht wurde, ist einzutreten.
2. Zeitpunkt der Anfechtung der Ausschreibungsunterlagen, Unternehmervariante
Das TBA vertritt die Auffassung, die Beschwerdeführerinnen hätten ihre Rüge, die Vorgabe
der aufzuwendenden Arbeitsstunden verletze das Beschaffungsrecht, spätestens bei der
Einreichung ihrer Offerte erheben müssen. Im Übrigen wäre es den
Beschwerdeführerinnen möglich gewesen, neben der Basisofferte eine
Unternehmervariante einzureichen.
Aus den Vorakten ergibt sich, dass in der Ausschreibung auf das System der festen
Stundenvorgabe nicht hingewiesen wurde. Dieses bildete vielmehr Bestandteil der
Ausschreibungsunterlagen. Nach der geltenden Rechtsprechung sind Mängel in den
Ausschreibungsunterlagen nicht selbständig, sondern mit dem nächstfolgenden
Verfahrensschritt, der in eine Verfügung mündet, anzufechten2. Im vorliegenden Fall war
dies die angefochtene Zuschlagsverfügung vom 9. September 2003. Für die
Beschwerdeführerinnen bestand somit keine Möglichkeit, den Mangel der festen
Stundenvorgabe in einem früheren Zeitpunkt zu rügen. Die Ausschreibungsunterlagen
selber stellten keine Verfügung dar und waren daher auch nicht mit einer
2 Peter Galli/André Moser/Elisabeth Lang, Praxis des öffentlichen Beschaffungsrechts, Schulthess 2003, N. 610 mit Hinweisen
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Rechtsmittelbelehrung versehen. Im Übrigen wurde in den Ausschreibungsunterlagen
ausdrücklich bestimmt, dass Angebotsvarianten in diesem Beschaffungsverfahren nicht
zugelassen sind3. Für die Anbietenden bestand somit keine Möglichkeit, eine
Unternehmervariante einzureichen. Hinzu kommt, dass das System der festen
Stundenvorgabe kaum Raum für Varianten geboten hätte.
3. Genaue Festlegung der Arbeitsstunden, Verletzung des Transparenzprinzips
a) Im vorliegenden Fall ist hauptsächlich strittig, ob das Vorgehen des TBA, die
Arbeitsstunden für jede Modulgruppe der geplanten Projektierungsarbeiten fest
vorzugeben, dem Beschaffungsrecht widerspricht. Die Beschwerdeführerinnen rügen, das
System der festen Stundenvorgabe stelle ein sachlich nicht haltbares Bewertungssystem
dar, welches die zu beurteilenden Angebote verzerre und das beschaffungsrechtliche
Gebot der Transparenz krass verletze.
b) Auf den 1. Juni 2002 ist das Abkommen zwischen der Europäischen Gemeinschaft
und der Schweizerischen Eidgenossenschaft über bestimmte Aspekte des öffentlichen
Beschaffungswesen4 in Kraft getreten. Die Artikel 4 und 5 des Abkommens regeln die
Anforderungen an das Beschaffungs- und an das Beschwerdeverfahren. Gemäss Art. 4
Ziff. 1 achten die Vertragsparteien darauf, dass die von ihren Beschaffungsstellen
angewandten Verfahren und Praktiken der Auftragsvergabe den Grundsätzen der
Nichtdiskriminierung, der Transparenz und der Gleichbehandlung entsprechen. In Art. 4
Ziff. 1 Bst. a-e des Abkommens werden die Mindestanforderungen aufgeführt, denen die
Beschaffungsverfahren hinsichtlich öffentlicher Ausschreibung, Fristen,
Ausschreibungsunterlagen, Auswahlkriterien und Prüfsystemen sowie der Kriterien der
Auftragsvergabe genügen müssen.
Der Grundsatz der Transparenz, dem im öffentlichen Beschaffungswesen eine zentrale
Funktion zukommt, soll einerseits einen echten Wettbewerb gewährleisten, damit die
öffentlichen Mittel wirtschaftlich eingesetzt werden. Zum andern bezweckt das
Transparenzprinzip, ein faires Beschaffungsverfahren zu gewährleisten und die Gefahr von
Missbrauch und Manipulationen von Seiten der Auftraggeberin bzw. des Auftraggebers zu
3 Dokument A/Programm des Ausschreibungsverfahrens, Ziff. 2.5 4 SR 0.172.052.68
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verhindern5. Die Einhaltung des Transparenzgrundsatzes, der eine ständige und
umfassende Information der Beteiligten in jedem Stadium des Beschaffungsverfahrens
zum Ziel hat, garantiert zudem die Gleichbehandlung aller Teilnehmenden. Die
Auftraggebenden haben die Pflicht, mit einer klaren, transparenten und inhaltlich
vollständigen Ausschreibung die Grundlage für ein möglichst transparentes Verfahren zu
schaffen. Die Zuschlagskriterien sind klar zu definieren und in den
Ausschreibungsunterlagen mit ihrer Gewichtung aufzuführen (Art. 30 Abs. 2 ÖBV6)7.
c) Aus den Vorakten geht hervor, dass die Angebotsunterlagen für die Ausführungs-
und Detailprojektierungsarbeiten aus vier Dokumenten bestehen. Dokument A umfasst das
Programm des Ausschreibungsverfahrens, Dokument B den Projekt- und
Leistungsbeschrieb, Dokument C enthält Angaben des Anbieters und Dokument D das
Preisangebot. Das Preisangebot ist in 20 Modulgruppen eingeteilt, die insbesondere die
verschiedenen Streckenabschnitte wiedergeben. In Ziffer 2.13 von Dokument A werden die
Zuschlagskriterien, das heisst der sogenannte "Qualitätswert", wie folgt festgelegt:
Qualitative Kriterien (Qualitätswert) und deren Gewichtung (maximal 100%-Punkte) %-Punkte
 Auftragsspezifische Erfahrung, Kenntnisse, Einsatz und Verfügbarkeit des offerierten Schlüsselpersonals für Projektierung und örtliche Bauleitung 50
Beurteilt werden:
- Auftragsspezifische Erfahrung und Kenntnisse der Projektleitung und des Chefbauleiters (Angaben Dok. C, Kap. 3) (16)
- Auftragsspezifische Erfahrung und Kenntnisse der übrigen Schlüsselpersonen (Angaben Dok. C, Kap. 3) (24)
- Einsatz/Verfügbarkeit: Projektleiter und Chefbauleiter (Dok. D) (6) - Einsatz/Verfügbarkeit: Übrige Schlüsselpersonen (4)
 Technischer Wert 30
Beurteilt werden die im Dokument C einzureichenden Bemerkungen zu den Themen:
- Problemanalyse (Dok. C, Kap. 4.1) (15) Beschrieb der aus Sicht des Anbieters bei der Durchführung der Arbeiten im Vordergrund stehenden Probleme bezüglich Randbedingungen, Schnittstellen, technischer, gestalterischer, städtebaulicher, organisatorischer Aspekte und Umweltaspekte
- Mögliche Massnahmen, Lösungsansätze (Dok. C, Kap. 4.2) Überlegungen zum Umgang mit den erwähnten Problemen (15)
 Ablauf und Termine 10
5 BGE 125 II 86 E. 7c, veröffentlicht in Pra 1999 S. 571 E. 7c 6 Verordnung über das öffentliche Beschaffungswesen vom 16. Oktober 2002 (BSG 731.21) 7 KPG-Bulletin 3/2002 S. 58 ff.
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Beurteilt wird der als Beilage zum Dokument C (vgl. Kap. 4.3) einzureichende Detaillierte Terminplan bis zur Planauflage mit den darin aufzuzeigenden Abläufen, Abhängigkeiten sowie Zeiträumen für Bauherrenentscheide
 Risikobeurteilung aus Sicht des Bauherrn bezüglich Einhalten von Kosten und Terminen 10
Den Zuschlag erhielt das Angebot mit dem tiefsten Beurteilungspreis. Dieser wurde
berechnet aus dem Preis (Angebotssumme) dividiert durch den Qualitätswert.
d) Aus den Angebotsunterlagen ergibt sich, dass die geplanten Ausführungs- und
Detailprojektierungsarbeiten in 20 Modulgruppen aufgeteilt wurden8. Für jede Modulgruppe
wurde vom TBA hinsichtlich des Preisangebots eine feste Stundenvorgabe festgelegt, die
von den Anbietenden nicht verändert werden durfte. Die Anbietenden hatten je
Modulgruppe den Aufwand der beteiligten Personen, getrennt nach Honorarkategorien von
A (erfahrene Chefingenieure) bis G (Hilfspersonal), aufzuführen. Dabei waren die
Arbeitsstunden für die Grund- und Zusatzleistungen getrennt anzugeben. Für die
Stundenansätze, welche ebenfalls vom TBA vorgegeben wurden, wurden folgende
Ansätze nach KBOB9 für das Jahr 2003 als anwendbar erklärt:
Kategorie A B C D E F G
Fr./Stunde 190 160 130 110 95 85 75
Dieses System hat zur Folge, dass der zu offerierende Preis praktisch vollständig durch die
Anzahl der aufzuwendenden Stunden beziehungsweise der massgebenden
Stundenansätze bestimmt wird. Die Preisfestsetzung durch die Anbietenden bestand somit
einzig darin, die vorgegebenen Stundentotale auf die Honorarkategorien A-G aufzuteilen.
Den Anbietenden wurde damit die Möglichkeit genommen, den Auftrag in weniger als den
vorgegebenen Stunden, dafür mit höher qualifiziertem Personal zum höheren
Stundenansatz zu offerieren. Aus den eingegangenen Brutto-Offertsummen geht zudem
hervor, dass sich die durchschnittlichen Stundenansätze zwischen preislich günstigstem
und preislich teuerstem Angebot zwischen 110 und 120 Franken bewegen. Bei den Netto-
Offertsummen, bei denen Rabatte und Skonti berücksichtigt wurden, liegen die
durchschnittlichen Stundenansätze zwischen 88 und 105 Franken10. Der Mittelansatz für
8 Dokument D/Preisangebot 9 Koordination der Bau- und Liegenschaftsorgane des Bundes 10 Stellungnahme des TBA vom 27. Oktober 2003, S. 5
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Planungsgruppen, das heisst der sogenannte Zeit-Mittel-Tarif, beträgt demgegenüber 140
Franken11. In Anbetracht der anspruchsvollen Planungsarbeiten sowie der Tatsache, dass
das TBA bei den Zuschlagskriterien die Qualifikation der Schlüsselpersonen und deren
Einsatz mit 50 % verhältnismässig hoch gewichtet hat, liegt der durchschnittliche
Stundenansatz der eingegangenen Preisofferten im Vergleich zum Mittelansatz deutlich
tiefer. Dies lässt darauf schliessen, dass die Anbietenden - um einen möglichst tiefen Preis
offerieren zu können - anstelle von Arbeitsstunden einer höheren Honorarkategorie solche
einer niedrigeren Honorarkategorie eingesetzt haben oder dass die Anbietenden die vom
TBA fest vorgegebene Stundenzahl als zu hoch erachteten und die nicht benötigten
Stunden bei einer niedrigen Honorarkategorie auswiesen. Im Übrigen hat es das TBA
unterlassen, zu prüfen, ob die Anbietenden überhaupt in der Lage sind, den
Planungsauftrag mit der personellen Zusammensetzung des jeweiligen Planungsteams
überhaupt erfüllen zu können. Obschon die Kriterien "auftragsspezifische Erfahrung" sowie
"Kenntnisse, Einsatz und Verfügbarkeit des offerierten Schlüsselpersonals" in den
Zuschlagskriterien mit 50 % gewichtet wurden, fand eine Bewertung der Aufteilung der
Honorarkategorien nach Qualitätskriterien nicht statt. Eine solche Bewertung wäre aber
umso mehr angebracht gewesen, weil sich beim "Qualitätswert" der Angebote keine
grossen Abweichungen ergaben (die Angebote erreichten Punktzahlen zwischen 7.72 und
7.93).
Zusammenfassend folgt, dass das System der festen Stundenvorgabe zu Angeboten
führte, die inhaltlich nicht transparent und somit auch nicht vergleichbar sind. Die
Anbietenden wurden faktisch gezwungen, in ihren Preisofferten falsche Angaben zu den
tatsächlich eingesetzten Honorarkategorien zu machen. Das Gebot der Transparenz wurde
somit verletzt.
e) Das TBA macht geltend, die feste Vorgabe der Arbeitsstunden habe im Vergleich zu
Global- oder Pauschalofferten, bei denen die Anbietenden die aufzuwendenden
Arbeitsstunden selber berechnen, den Vorteil, dass allfällige Zusatzarbeiten (z.B.
Variantenstudien) bereits eingerechnet seien. Bei derart komplexen Planungsaufträgen sei
es nicht möglich, alle auszuführenden Arbeiten und Planungen so genau zu umschreiben,
dass die Anbietenden in der Lage seien, eine Global- oder Pauschalofferte einzureichen.
11 Ziff. 3 der Empfehlungen der KBOB für das Jahr 2003 zur Honorierung der Architekten und Ingenieure, Beschwerdebeilage 3
9
Diese Argumentation des TBA überzeugt nicht. Es ist insbesondere nicht ersichtlich,
welches Risiko die Beschaffungsstelle bei einer Global- oder Pauschalofferte tragen sollte.
Dem TBA wäre es möglich gewesen, für Varianten und ähnliches bei den Zusatzleistungen
eine gewisse Stundenzahl vorzugeben, um unvorhersehbare Leistungen abzudecken. Im
Übrigen ist davon auszugehen, dass es sich bei den selektionierten Anbietenden um
Planungsbüros handelt, die aufgrund ihrer Erfahrung durchaus in der Lage sind, den
Arbeitsaufwand eines Dienstleistungsauftrags dieser Grössenordnung abschätzen zu
können. Im vorliegenden Fall stellt sich sogar die Frage, ob das TBA auf das Kriterium
"Preis" nicht ganz hätte verzichten können, da an die Qualität der Auftragsausführung
verhältnismässig hohe Anforderungen gestellt werden. Die Frage, ob ein genereller
Verzicht auf den Preis als Zuschlagskriterium zulässig ist, ist in der Praxis umstritten. Nach
der Rechtsprechung der Eidgenössischen Rekurskommission über das öffentliche
Beschaffungswesen kann es sich jedenfalls bei komplexen Dienstleistungsaufträgen wie
dem vorliegenden Planungsauftrag rechtfertigen, das wirtschaftlich günstigste Angebot
dadurch zu ermitteln, dass ein festes Kostendach vorgegeben und nach der
überzeugendsten Leistung gefragt wird12. Bei standardisierten Leistungen ist es nach der
Praxis zulässig, beim Zuschlag nur auf den Preis abzustellen. Als Gegenstück dazu kann
sich bei komplexen Mandaten, bei denen es ausschliesslich auf die Qualität der Leistung
ankommt, ein Kriterienkatalog ohne den Preis rechtfertigen13. Ist aber der Preis wie hier ein
Zuschlagskriterium, ist es unzulässig, mit einer festen Stundenvorgabe gewissermassen
ein "unteres Kostendach" festzusetzen, da den offerierenden Unternehmen damit die
Möglichkeit genommen wird, die Auftragserfüllung mit höher qualifiziertem Personal, dafür
mit weniger Arbeitsstunden zu offerieren.
4. Zusammenfassung
Aus diesen Erwägungen folgt zusammenfassend, dass das Vorgehen des TBA, die
Arbeitsstunden für jede Modulgruppe der geplanten Projektierungsarbeiten fest
vorzugeben, dem beschaffungsrechtlichen Grundsatz der Transparenz widerspricht. Den
Anbietenden hätte es ermöglicht werden müssen, ohne verbindliche Stundenvorgabe zu
offerieren, was zu inhaltlich richtigen, transparenten und vergleichbaren Angeboten geführt
hätte. Da es sich um einen komplexen Dienstleistungsauftrag handelt, wäre es aber auch
12 BRK 3/01 E. 2c 13 Peter Galli/André Moser/Elisabeth Lang, a.a.O., N. 401 mit Hinweisen
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möglich, auf den Preis als Zuschlagskriterium ganz zu verzichten, ein Kostendach
vorzusehen und den Zuschlag einzig gestützt auf Qualitätskriterien zu erteilen.
Die Beschwerde ist somit gutzuheissen und die angefochtene Zuschlagsverfügung des
TBA aufzuheben. Die Vorakten gehen zurück an das TBA zur Weiterführung des
Beschaffungsverfahrens im Sinne der Erwägungen.
5. Kosten
a) Bei diesem Verfahrensausgang obsiegen die Beschwerdeführerinnen. Der
Beschaffungsstelle können keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108 Abs. 2
VRPG14) und die Beschwerdegegnerin wird nicht kostenpflichtig, weil sie im
Beschwerdeverfahren vor der BVE keine Anträge gestellt hat15. Es werden somit keine
Verfahrenskosten erhoben.
b) Der Kanton Bern als Beschaffungsstelle hat den Beschwerdeführerinnen dagegen
die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Nach Art. 13 Abs. 1 GebD16 beträgt
der Gebührenrahmen in Streitigkeiten ohne bestimmten Streitwert Fr. 400.00 bis Fr.
11'800.00. Die Beschwerdeführerinnen weisen in ihrer Kostennote ein Anwaltshonorar von
insgesamt Fr. 14'400.00 aus. Sie machen geltend, es seien umfangreiche Abklärungen
erforderlich gewesen, welche besonders viel Zeit und Arbeit beansprucht hätten. Dies
rechtfertige einen Zuschlag nach Art. 11 Bst. a GebD.
Bei der Bemessung der Parteikosten ist zu berücksichtigen, dass sich vorliegend nur eine
Rechtsfrage stellte. Der von den Beschwerdeführerinnen in ihrer Kostennote eingesetzte
Betrag erscheint daher als zu hoch. Im vorliegenden Fall ist es gerechtfertigt, die
Normalgebühr auf Fr. 5'000.00 festzusetzen. Angesichts eines gewissen Mehraufwands in
zeitlicher Hinsicht rechtfertigt sich jedoch ein Zuschlag von 20 % der Normalgebühr im
Sinne von 11 Bst. a GebD. Die Parteikosten betragen somit insgesamt Fr. 6'812.15
(Normalgebühr: Fr. 5'000.00, Zuschlag von 20 % nach Art. 11 GebD: Fr. 1'000.00,
Auslagen Fr. 331.00, Mehrwertsteuer: Fr. 481.15).
14 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 15 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 3 16 Dekret vom 6. November 1973 über die Anwaltsgebühren (GebD; BSG 168.81)
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