# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8b72db05-a78b-46de-9f53-4e4578feb245
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die
1963 geborene
X._
ist ausgebildete Hotelfachfrau und arbeitete ab
dem 1
2.
August 2010 als Pflegehelferin SRK mit einem
Beschäftigungsgrad
von 75
%
bei einer sozialen Institution
(
Urk.
7/3 S. 4).
Zusätzlich war sie als soziale Betreuerin bei einem Verein
angestellt
(
Urk.
7/3 S. 4).
Am 1
3.
Juni 2014 meldete sich die
Versicherte unter Hinweis auf einen Erschöpfungszustand und eine depressive Erkrankung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/3).
Daraufhin zog die IV-Stelle
Auszüge
aus dem individuellen Konto sowie die Unterlagen der
Krankentag
geldversicherungen
bei (
Urk.
7/11, 7/
12, 7/21, 7/36-37
, 7/39
) und holte Bericht
e
der behandelnden Ärztin ein (Urk. 7/17
, 7/38
).
Am 1
4.
August 2015 gab die IV
Stelle die Erstellung eines polydisziplinären Gutachtens bei der
Abklärungs
stelle
Z._
in Auftrag (Urk. 7/44). Dieses wurde am 2
0.
Nov
ember 2015 von Dr. med. A._
, Facharzt für Psychiatrie,
PD
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH Innere Medizin und Gastroenterologie,
Dr.
med.
C._
, Fachärztin FMH Neurologie
,
und
Dr.
med. D._
, Facharzt FMH Innere Medizin und Rheuma
tologie
,
erstattet (
Urk.
7/50).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
(Vorbescheid vom
2
3.
Februar 2016
[Urk. 7/
63
]; Einwand vom
8.
April 2016
[Urk. 7/
67
] und dessen ergänzende Begründung vom
1
1.
Mai
2016 [Urk. 7/
70
]) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
2
7.
Mai 2016
einen Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung (Urk. 2 [= Urk. 7/
74
]).
2.
Dagegen führte die Versicherte mit Eingabe vom 2
9.
Juni 2016 Beschwerde und beantragte, es sei die Verfügung vom 2
7.
Mai 2016 aufzuheben und der Beschwerdeführerin ab Februar 2015 eine halbe Rente der Invalidenversiche
rung zuzusprechen. Der Beschwerdeführerin sei zudem die unentgeltliche
Pro
zessführung
zu gewähren, alles unter Kostenfolge zu Lasten der
Beschwerde
gegnerin
(
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
2
6.
Juli 2016 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 6
)
, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2
8.
Juli 2016 angezeigt wurde (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts;
ATSG).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetztes über die Invalidenversicherung;
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit
Krank
heitswert
besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. De
zember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesgerichts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. No
vember 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invali
dität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weit
gehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der ver
sicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer Restarbeitsfähigkeit auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeits
markt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft tragbar sei
(BGE
141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkran
kungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosozi
ale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vor
handen sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invali
dität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokul
turellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E.
5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend aus
wirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.
4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychischen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebenenfalls deutlich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversiche
rung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen,
die medizinischen Abklärungen hätten ergeben, dass bei der Beschwerdeführerin eine Teilarbeitsunfähigkeit vor
liege. Diese sei jedoch überwiegend wahrscheinlich auf psychosoziale Fak
toren, wie Belastungen und Dauerstress am Arbeitsplatz, zurückzuführen und dürfe daher von der Invalidenversicherung nicht berücksichtigt werden. Die Unter
suchungen hätten zudem gezeigt, dass die Beschwerdeführerin ihre Medi
kation nicht verordnungsgemäss einnehme. Eine regelmässige Einnahme der Medika
mente w
ü
rde sich stabilisierend auf ihren Gesundheitszustand auswir
ken.
Es sei
der Beschwerdeführerin zumutbar, ein rentenausschliessendes Ein
kommen zu erzielen, weshalb keine Invalidität ausgewiesen sei (
Urk.
2 S.
1
2).
Zu den im
Vorbescheidverfahren
erhobenen Einwänden wurde im angefochte
nen Entscheid erwogen,
die
Beschwerdeführerin habe über Schwierigkeiten am letzten Arbeitsplatz geklagt. Sie sei überfordert gewesen und habe unter dem schlechten Arbeitsklima gelitten. Mitarbeitermangel, Unzufriedenheit im Team, unerfüllte Weiterbildungswünsche und auch monatelanges Mobbing durch die Geschäftsleitung hätten sie erschöpft. Die behandelnde Ärztin habe in ihren Berichten darauf hingewiesen, dass es der Beschwerdeführerin langsam besser gehe und die Kündigung der Arbeitsstelle eine Entlastung gebracht habe. Die psychische Stabilität werde aber schnell erschüttert, wenn Fragen und Anfor
derungen auftauchen würden, insbesondere im Zusammenhang mit der Arbeits
stelle. Bei der Beschwerdeführerin könne von keiner Ausschöpfung der
The
ra
pie
möglichkeiten
ausgegangen werden, weil die Laboruntersuchung des Gutachters ergeben habe, dass die Medikamente nicht verordnungsgemäss ein
genommen würden. Im Gutachten sei die Prognose als keineswegs ungünstig beurteilt worden, wobei ein positiver Einfluss einer konsequenten Medikation auf den Verlauf der depressiven Erkrankung als wahrscheinlich angesehen
wor
den sei
.
Die festgestellte psychische Krankheit finde ihre hinreichende Erklärung in psychosozialen Umständen und gehe in ihnen auf, weshalb die psychischen Beschwerden aus versicherungsrechtliche
r
Sicht nicht berücksichtigt werden könnten. Entsprechend werde an der Abweisung des Leistungsbegehrens festge
halten (
Urk.
2 S. 2-3).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt,
die Gut
achter hätten
bei
ihr eine re
zidivierende depressive Störung mit einer
aktuell mittelgradige
n
depressive
n Episode (ICD-10 F 33.1)
diagnostiziert.
Sie
sei
en
nach detaillierter Prüfung zum Schluss gekommen, dass eine
komorbide
Per
sönlich
keitsakzentuierung
mit Neigung zur Selbstüberforderung und psychi
schen
Dekompensation vorliege. Aufgrund der psychischen Erkrankung sei ihr eine Arbeitsunfähigkeit von
50
%
in angestammter und angepasster
Arbeitstä
tigkeit
attestiert worden. Der RAD-Arzt habe
festgestellt
, dass das Gutachten die formalen Qualitätskriterien erfülle. Die medizinischen Schlussfolgerungen
habe
er als nachvollziehbar und plausibel
beurteilt
. Zudem
sei
er von einer vollstän
digen Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit und einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Arbeitstätigkeit aus
gegangen
. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die IV-Stelle
trotz dieser Beurteilungen davon aus
gehe, dass die Beschwerdeführerin ein rentenausschliessendes Einkommen erzielen könne. Die
Argumentation, die Entwicklung
der psychischen Beschwer
den würden mit den Belastungen am Arbeitsplatz zusammenhängen, vermöge nicht zu überzeugen. Die Begutachtung der Beschwerdeführerin sei durchge
führt worden, als sie schon lange nicht mehr im Arbeitsprozess gestanden habe. Dies zeige, dass sich die
depressive Erkrankung verselb
ständigt habe und eine psychische Störung mit Krankheitswert vorliege.
Entgegen der Ansicht der Beschwerde
gegnerin
unterziehe sich die Beschwerdeführerin zudem einer konse
quenten Depressionstherapie.
Nur weil sie auf
die Untersuchungen mit Anspannung, Angst sowie körperlich mit einer Verschlechterung ihrer
Colitis
ulcerosa
reagiert
habe, habe sie
das Antidepressivum vorübergehend nicht ein
genommen. Aus diesen Gründen sei auf die Beurteilung der Gutachter resp. des RAD-Arztes abzustellen und der Beschwerdeführerin eine halbe Rente der Inva
lidenversicherung zuzusprechen (
Urk.
1).
3.
Im polydisziplinären
Gutachten
vom 2
0.
November 2015 führten die Gutachter folgende Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (
Urk.
7/50 S. 12):
rezidivierende depressive Störung, mittelgrade depressive Episode (ICD
10 F 33.1)
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende aufge
führt (
Urk.
7/50 S. 12):
Persönlichkeitsakzentuierung (
ICD-10
Z 73.1) mit
histrionischen
,
depen
denten
und einzelnen
anankastischen
Zügen
psychologische Faktoren bei andernorts klassifizierten somatischen Krank
heiten (
Colitis
ulcerosa
ICD-10 F 54, K 51)
Colitis
ulcerosa
in Remission
anamnestisch paroxysmale AV-Knoten-
Reentry
-Tachykardie
Status nach totaler Hysterektomie und
Adnexektomie
rechts bei Brenner Tumor
2009
Status nach
Adnexektomie
links bei Brenner Tumor 1999
Nikotinabusus
Hypermotilitätssyndrom (Hände, Wirbelsäule)
Migräne mit Aura
vasomotorische Kopfschmerzen
Der Psychiater,
Dr.
A._
, hielt fest,
aus den psychopathologischen Befunden, der Aktenlage und der Anamnese gehe hervor, dass die Explorandin Symptome einer mittelschweren depressiven Episode bei rezidivierender depressiver Stö
rung aufweise. Darüber hinaus bestehe eine Persönlichkeitsakzentuierung mit
histrionischen
,
dependenten
und einzelnen
anankastischen
Zügen, wobei der Ausprägungsgrad einer Persönlichkeitsstörung nicht erfüllt sei. Bei der Entste
hung und Aufrechterhaltung zahlreicher somatischer Erkrankungen seien psy
chologische Faktoren beteiligt, so insbesondere bei der chronischen
Colitis
mit rezidivierenden
Colitisschüben
(
Urk.
7/50 S. 27).
Hinsichtlich des funktionellen Schweregrades der Erkrankung führte er aus, die Befunde entsprächen dem Bild einer mittelgradigen depressiven Episode, wobei auf die
komorbide
Persönlichkeitsakzentuierung mit daraus resultierender Nei
gung zur Selbstüberforderung und zur psychischen Dekompensation hinzuwei
sen sei. Trotz laufender Fachbehandlung sei noch keine durchgreifende Stabili
sierung eingetreten. Allerdings würden Hinweise darauf vorliegen, dass die Explorandin das
Antidepressivum nicht einnehme (
Urk.
7/50 S. 27-28).
Bei der Explorandin zeige sich ein leichter sozialer Rückzug, der
krankheitsbe
dingt
sei. Es bestehe eine gleichmässige Beeinträchtigung des
Aktivitäten
niveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen wie Haushalt, Freizeitgestal
tung und Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Explorandin sei in der Lage, Tätigkeiten durchschnittlicher geistiger Art mit durchschnittlicher Verantwortung auszuüben. Tätigkeiten mit besonderen Anforderungen an die seelische Belastbarkeit wie Team- und Konfliktfähigkeit seien aber
zurzeit
zu meiden (
Urk.
7/50 S. 28-29).
Die Arbeitsfähigkeit der Explorandin sei sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht quantitativ und qualitativ deutlich eingeschränkt. Die Explorandin sei seit Februar 2014 in der Lage, 4.5
Stunden pro Tag einer Arbeit nachzugehen, was einer Arbeitsunfähigkeit von rund 50 % entspreche. Eine darüber hinausgehende Minderung der Leistungs
fä
higkeit liege nicht vor
(
Urk.
7/50 S.
29
).
Im Gutachten wurde weiter festgehalten, aus neurologischer, rheumatologischer und internistischer Sicht könnten der Explorandin keine Diagnosen mit Rele
vanz für die Arbeitsfähigkeit gestellt werden. Deshalb könne der Explorandin aus polydisziplinärer Sic
ht
seit Februar 2014
eine Arbeitsfähigkeit von 50
% attestiert werden, sowohl in bisheriger als auch in angepasster Tätigkeit
(Urk. 7/50 S. 13).
4.
4.1
Das
polydisziplinäre Gutachten vom 2
0.
November 2015 beruht auf sorgfältigen und allseitigen Untersuchungen (Urk. 7/50 S. 18-26, 32-35, 39-43 und 46-50), berücksichtigt die geklagten Beschwerden (Urk. 7/50 S. 18-21, 32, 39-40 und 46-47) und ist in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgegebe
n worden (Urk.
7/50 S. 3-11).
A
us somatischer Sicht
sind der Beschwerdeführerin keine Tätigkeiten mit hochgradiger Anforderung an die Feinmotorik der Hände und starker Belastung der Wirbelsäule zumutbar (
Urk.
7/50 S. 44).
4.2
Aus psychiatrischer Sicht wurde
bei
der Beschwerdeführerin eine rezidivierende depressive Störung in einer mittelgradigen depressiven Episode
diagnostiziert.
Streitig ist,
inwiefern
sich diese auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin auswirkt
.
4.3
Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtes fallen leichte bis
mittelgradig
e
depressive Störungen, seien sie im Auftreten rezidivierend oder episodisch, ein
zig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesener
massen
therapieresistent sind (statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3 mit Hinweis). Nur in einer solchen - seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich ver
langten Konstellation ist den normativen Anforderungen des Art. 7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und Prüfungsweise Genüge getan (Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 14. April 2016 E. 4.2).
Ein solcher Sachverhalt muss überwiegend wahrscheinlich und darf nicht lediglich
auszuschliessen
sein. Zudem muss die Therapie in dem Sinn konsequent gewesen sei
n
, als die in fachärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären) Behandlungsmöglichkeiten in kooperativer Weise optimal und nachhaltig ausgeschöpft wurden (Urteil des Bundesgerichtes 8C_399/2016 vom 24. August 2016 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 140 V 193 E
.
3.3; 141 V 281 E. 3.7.1 bis 3.7.3; 137 V 64 E
.
5.2; siehe auch 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 7.2.1 mit Hinweisen).
4.4
Anlässlich der polydisziplinären Begutachtung wurde bei der Beschwerdeführe
rin eine Blutprobe entnommen. Dabei zeigte sich, dass
sie
das von ihr angege
bene Antidepressivum
Cymbalta
nicht in der verordnungsgemässen Dosierung eingenommen hatte (
Urk.
7/50 S. 14, S. 28, S. 50).
Die Beschwerdeführerin machte geltend,
sie habe auf
die ersten drei
Untersuchungen körperlich mit einer Verschlechterung der
Colitis
ulcerosa
reagiert und deshalb das Antide
pressivum ausnahmsweise nicht eingenommen
,
um den Darm nicht zusätzlich zu belasten
. Sie würde sich seit Jahren einer konsequenten Depressionstherapie unterziehen
(
Urk.
1 S. 9).
Diese Ausführungen vermögen nicht zu überzeugen. So schilderte die Beschwerdeführerin gleichzeitig, sie habe auf die Untersu
chungen mit Anspannung, Angst, Hoffnungslosigkeit und Gefühlsüberflutungen reagiert (Urk. 1 S. 8-9). Es erscheint nicht nachvollziehbar, weshalb sie trotz Verschlechterung
des
psychischen Zustandes gerade zu diesem Zeitpunkt das Antidepressivum
ausnahmsweise
abgesetzt haben soll. Zum anderen stimmen diese Angaben nicht mit denjenigen überein, die sie anlässlich der letzten Untersuchung – also genau zu dem Zeitpunkt,
als
die akute
Colitis
ulcerosa
sie zur Absetzung des Antidepressivums
gezwungen
haben soll
–
gegenüber der Neurologin tätigte. So gab sie am 1
6.
Oktober 2015 an, sie sei in Behandlung wegen einer nicht sehr aktiven
Colitis
ulcerosa
(Urk. 7/50 S. 48). Weiter führte sie aus, sie habe Darmprobleme, die aber nicht so schlimm seien. Der Haupt
grund für ihren schlechten Zustand seien
die psychischen Probleme (Urk.
7/50 S. 47).
Es erscheint nicht plausibel, dass die Beschwerdeführerin den akuten Schub der
Colitis
, der so schlimm war, dass sie ihre Medikation aussetzen musste, unerwähnt liess. Vielmehr weisen die inkonsistenten Schilderungen der Beschwerdeführerin darauf hin, dass sie die Antidepressiva regelmässig nicht in der verordneten Dosierung einnahm. Damit kann von einer konsequenten Depressionstherapie nicht die Rede sein. Hinzu kommt, dass die Beschwerde
führerin sich nie einer (teil-)stationären Behandlung unterzog
en hat
und sich gemäss eigenen Angaben im Jahr 2016 lediglich alle zwei bis drei Wochen in Psychotherapie begab
(
Urk.
1 S. 9)
. Damit erscheinen die
Behandlungsmöglich
keiten
keineswegs als ausgeschöpft und es ist nicht von einer
therapieresisten
ten
depressiven Störung auszugehen.
4.5
Ein Abweichen von den durch die Ärzte gezogenen Schlussfolgerungen ist mög
lich, wenn sich aus rechtlicher Sicht eine andere Einschätzung ergibt (
vgl.
BGE 140 V 193 E. 3.1 und 3.2 sowie 130 V 352 E. 3.3). Aus
invalidenversi
cherungsrechtlicher
Sicht kann
aufgrund dessen, dass keine Therapieresistenz der depressiven Störung ausgewiesen ist,
nicht auf die von
Dr.
A._
vorge
nommene Einschätzung der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeit abgestellt
werden. Demzufolge ist mit der Diagnose einer
mittelgradig
depressiven
Episode
keine invalidisierende psychische Erkrankung im Sinne des Gesetzes gegeben.
5.
Nach dem Gesagten
hat die Verwaltung einen invalidisierenden
Gesund
heits
scha
den
mit Verfügung vom 2
7.
Mai 2016 zu Recht verneint. Die dagegen gerichtete Beschwerde ist daher abzuweisen.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
700.-- festzulegen und
ausgangsgemäss
von der Beschwerdeführerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
. Zufolge
Gewährung der unentgeltlichen
Prozessführung
sind sie jedoch
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwerdeführerin ist darauf hinzuweisen, dass sie zur Nachzahlung der Kosten für die
unentgeltliche
Prozessführung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (§ 16 Abs. 4 des Gesetzes über
das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).