# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0b602205-b634-422e-b667-2e0f12e8df93
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend gewerbsmässigen Diebstahl etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzelgericht in Zivil- und Strafsachen, vom 7. September 2018 (GG180010)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See-Oberland vom 27. März 2018 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 1/96).
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte wird freigesprochen von den Vorwürfen
 des Diebstahls am 15. März 2012 im Betrag von Fr. 1'500.– und der Urkundenfälschung in diesem Zusammenhang,
 des Diebstahls ca. am 18. April 2013 im Betrag von Fr. 195.30,
 des Diebstahls am 30. April 2013 im Betrag von Fr. 99.95,
 des Diebstahls ca. am 23. Mai 2013 im Betrag von Fr. 297.90 sowie
 des Diebstahls ca. am 21. September 2013 im Betrag von ca. Fr. 1'200.– bis Fr. 1'500.– (Einnahmen Essensbons).
2. Die Beschuldigte ist schuldig
 des gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 139 Ziff. 2 StGB,
 der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1, 2 und 4 StGB sowie
 der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB.
3. Die Beschuldigte wird mit einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen à Fr. 110.–
sowie mit einer Busse von Fr. 6'600.– bestraft.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf zwei
Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt die Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 60 Tagen.
6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Schadenersatz in Höhe
von Fr. 59'142.95 zuzüglich 5% Zins seit 18. November 2013, Fr. 9'903.60
zuzüglich 5% Zins seit 7. Februar 2014, Fr. 2'628.– zuzüglich 5% Zins seit
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17. Dezember 2014 und Fr. 5'000.– zuzüglich 5% Zins seit 24. Mai 2018 zu
bezahlen.
Im Mehrbetrag wird der Privatkläger mit seinem Schadenersatzbegehren auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
7. Die Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger Fr. 75'533.– (inkl. Bar-
auslagen und 7.7% MWSt.) für notwendige Aufwendungen in diesem Ver-
fahren zu bezahlen.
8. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 10'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 7'000.– Gebühr für das Vorverfahren,
Fr. 221.– Zeugenentschädigung.
Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermäs-
sigt sich die Gerichtsgebühr auf zwei Drittel.
9. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten auferlegt.
10. [Mitteilungen]
11. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 144 S. 1)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Hinwil vom 7. September 2018
(GG180010-E) sei mit Ausnahme von Ziffer 1 und Ziffer 8 vollumfäng-
lich aufzuheben.
2. Die Berufungsklägerin sei von Schuld und Strafe vollumfänglich freizu-
sprechen.
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3. Das Schadenersatzbegehren der Berufungsbeklagten 2 sei abzuwei-
sen.
4. Die Kosten der Untersuchung, des erst- sowie zweitinstanzlichen Ver-
fahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen.
5. Der Berufungsklägerin sei eine angemessene Entschädigung und Ge-
nugtuung zuzusprechen.
b) Der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(schriftlich; Urk. 133)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Untersuchungs- und erstinstanzliches Verfahren
1.1. Die Beschuldigte meldete am 18. November 2013 beim Polizeiposten in
B._ den Diebstahl von ca. Fr. 25'000.-- aus dem Tresor des Instituts C._
in ... D._ (fortan Geschädigter oder Privatkläger genannt). Kurz darauf wurde
die Hauptkasse des Instituts C._ durch einen externen Treuhandexperten
geprüft, welcher gegenüber dem Vorstand des Instituts die Empfehlung abgab,
die Einleitung einer Strafanzeige gegen die Beschuldigte zu prüfen (Urk. 1/1 S. 2).
In der Folge wurde E._ als Vertreterin des Geschädigten am 12. Februar
2014 als polizeiliche Auskunftsperson befragt (Urk. 1/29.1). Anlässlich der Einver-
nahme reichte diese verschiedene Unterlagen ein (Urk. 1/29.2). Nach einer ersten
polizeilichen Befragung der Beschuldigten am 4. März 2014 (Urk. 1/28.1) erteilte
die Staatsanwaltschaft See / Oberland (fortan Staatsanwaltschaft) am 7. Mai 2014
der Kantonspolizei Zürich den Auftrag, die Ermittlungen wegen Veruntreuung etc.
zu ergänzen (Urk. 1/3). Der Rapport der zuständigen polizeilichen Sachbearbeite-
rin zeigt die Ergebnisse der weiteren Ermittlungen auf, wonach sich der Verdacht
erhärtete, dass die Beschuldigte strafbare Handlungen begangen habe (Urk 1/4).
In der Folge wurde ein Untersuchungsverfahren gegen die Beschuldigte geführt.
Der Geschädigte konstituierte sich als Privatkläger (Urk. 1/90.2 und 1/90.5). Das
Untersuchungsverfahren wurde aufgrund weiterer Eingaben des Privatklägers in
den Jahren 2016 und 2017 auch auf Vorgänge in den Jahren 2011 und 2012
ausgedehnt (Urk. 1/10+12).
1.2. Nach durchgeführter Untersuchung erhob die Staatsanwaltschaft am
27. März 2018 Anklage gegen die Beschuldigte wegen gewerbsmässigen Dieb-
stahls, mehrfacher Urkundenfälschung sowie Irreführung der Rechtspflege
(Urk. 1/96). Zum erstinstanzlichen Verfahrensgang kann auf die Ausführungen im
Urteil der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 124 = Urk. 127 S. 3). Die vorinstanz-
liche Hauptverhandlung fand am 24. Juli 2018 statt (Prot. I S. 5 ff.).
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1.3. Mit eingangs wiedergegebenem Urteil des Bezirksgerichtes Hinwil, Einzel-
gericht, vom 7. September 2018 wurde die Beschuldigte von den Vorwürfen des
Diebstahls am 15. März 2012, ca. am 18. April 2013, am 30. April 2013 und ca.
am 23. Mai 2013 sowie ca. am 21. September 2013 frei gesprochen. Sie wurde
jedoch wegen gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 139 Ziff. 2 StGB, der mehrfachen Urkundenfälschung im Sin-
ne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1, 2 und 4 StGB sowie der Irreführung der Rechtspfle-
ge im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB schuldig gesprochen. Sie wur-
de bestraft mit einer Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu Fr. 110.– sowie mit einer
(Verbindungs-)Busse von Fr. 6'600.–. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufge-
schoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Für den Fall der schuldhaften
Nichtbezahlung der Busse wurde eine Ersatzfreiheitsstrafe von 60 Tagen ausge-
sprochen. Die Beschuldigte wurde sodann verpflichtet, dem Privatkläger Scha-
denersatz in Höhe von Fr. 59'142.95, Fr. 9'903.60, Fr. 2'628.-- sowie Fr. 5'000.--
je zuzüglich 5% ab verschiedenen Daten zu bezahlen. Im Mehrbetrag wurde der
Privatkläger mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen. Ferner wurde die Beschuldigte verpflichtet, dem Privatkläger Fr.
75'533.-- inklusive Barauslagen und Mehrwertssteuer für notwendige Aufwendun-
gen in diesem Strafverfahren zu bezahlen. Im Mehrbetrag verwies die Vorinstanz
den Privatkläger mit seinem Schadenersatzanspruch auf den Weg des Zivilpro-
zesses. Schliesslich wurden die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen
Verfahrens der Beschuldigten auferlegt (Urk. 127 S. 60 f.).
2. Berufungsverfahren
2.1. Gegen das am 13. September 2018 schriftlich im Dispositiv zugestellte Ur-
teil vom 7. September 2018 (Urk. 118 und 119), meldete der Verteidiger der Be-
schuldigten mit Eingabe vom 17. September 2018 (Urk. 121) innert Frist die Beru-
fung an. Das begründete Urteil wurde den Parteien am 4. respektive 7. Januar
2019 zugestellt (Urk. 124 und 125).
2.2. Die Beschuldigte legte die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399
Abs. 3 StPO mit Schreiben vom 15. Januar 2019 fristgerecht ein. Beweisanträge
wurden keine gestellt (Urk. 128). Mit Präsidialverfügung vom 11. März 2019 wur-
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de der Staatsanwaltschaft sowie dem Privatkläger Frist zur Erhebung einer allfäl-
ligen Anschlussberufung angesetzt (Urk. 131). Die Staatsanwaltschaft verzichtete
mit Eingabe vom 9. April 2019 auf Anschlussberufung, beantragte die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils und erklärte, sie werde sich am weiteren Verfahren
nicht aktiv beteiligen (Urk. 133). Mit Eingabe vom 8. Mai 2019 teilte die vom Pri-
vatkläger bevollmächtigte Vertreterin, Rechtsanwältin lic. iur. Y1._, mit, sie
erteile Substitutionsvollmacht an Rechtsanwältin Y2._. Im übrigen verzichtete
der Privatkläger sinngemäss auf eine Anschlussberufung (Urk. 135).
2.3. Die Parteien wurden auf den 29. Oktober 2019 zur Berufungsverhandlung
vorgeladen. Mit Eingabe vom 9. Oktober 2019 brachte der Verteidiger im Hinblick
auf die Berufungsverhandlung verschiedene Einwendungen gegen den Schuld-
spruch der Vorinstanz vor. Er legte sodann die Stellungnahme der Beschuldigten
persönlich zu den einzelnen Anklagesachverhalten bei (Urk. 137/1+2). Mit Präsi-
dialverfügung vom 10. Oktober 2019 wurden diese Eingaben der Staatsanwalt-
schaft und dem Privatkläger zugestellt und gleichzeitig eine kurze Frist zur Stel-
lung von allfälligen Beweisanträgen angesetzt (Urk. 138). Die Staatsanwaltschaft
erklärte am 16. Oktober 2019 Verzicht auf Vernehmlassung und Stellung von Be-
weisanträgen (Urk. 140).
2.4. Die Vertreterin des Privatklägers äusserte sich im Rahmen der Berufungs-
verhandlung unter anderem zu diesen Einwendungen. Sie reichte in diesem Zu-
sammenhang eine Bildschirmaufnahme betreffend einen Benutzer des Buchhal-
tungssystems Abacus beim Privatkläger ein, welche vom IT-Verantwortlichen,
F._ von der G._ AG, erstellt worden sei (Urk. 142). Rechtsanwalt
Dr. X._ beantragte die Einvernahme von H._ als Zeuge; dieser war frü-
her als Abacus-Berater bei der G._ AG angestellt und für den Privatkläger
zuständig (Urk. 1/68 S. 3). Rechtsanwältin Y2._ beantragte die Einvernahme
von H._ und F._ als Zeugen (Prot. II S. 19 f. und 22). Nach Erstattung
der Parteivorträge wurde über die Anträge der Parteivertreter betreffend die Ein-
vernahme der Herren H._ und F._ als Zeugen beraten (Prot. II S. 32).
Nachdem die Vertreterin des Privatklägers deren Adressen bekannt gegeben hat-
te, wurden die Zeugeneinvernahmen am 6. November 2019 beschlossen (Prot. II
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S. 32, Urk. 146 und 147). Die Zeugen sowie die Parteivertreter wurden dement-
sprechend in der Folge auf den 18. März 2020 vorgeladen (Urk. 149).
2.5. Die auf den 18. März 2020 anberaumte Verhandlung musste im Zusam-
menhang mit der Corona-Pandemie verschoben werden. Am 13. August 2020
wurden die Zeugen H._ und F._ einvernommen (Prot. II S. 34 ff.). Die
Parteivertreter sowie die Beschuldigte erhielten in der Folge Gelegenheit, zu den
Befragungen und zu den jeweiligen Eingaben der Parteivertreter schriftlich Stel-
lung zu nehmen (Urk. 159, 160, 166 und 170). Das Verfahren erweist sich nun-
mehr als spruchreif. Die Parteien haben auf eine mündliche Urteilseröffnung ver-
zichtet (Prot. II S. 72).
3. Umfang der Berufung
Die Verteidigung wendet sich mit ihrer Berufung gegen die Verurteilung der Be-
schuldigten und beantragt mit Ausnahme von Ziffer 1 und 8 die vollumfängliche
Aufhebung des Urteils des Bezirksgerichtes Hinwil vom 7. September 2018
(Prot. II S. 19). Somit sind lediglich Ziffer 1 (Freisprüche) sowie Ziffer 8 (Kosten-
festsetzung) in Rechtskraft erwachsen. Davon ist vorab mittels Beschlusses Vor-
merk zu nehmen.
II. Schuldpunkt
A. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf und Parteistandpunkte
1.1. Der Beschuldigten wird in der Anklage zusammengefasst vorgeworfen,
über einen längeren Zeitraum ab ca. Februar 2011 wiederholt verschieden grosse
Beträge in der Höhe von insgesamt Fr. 62'771.80.-- entweder - anstatt in die Kas-
se des Privatklägers zu legen - selber behalten oder aus der Kasse entnommen
und für eigene Bedürfnisse verwendet zu haben. Zur Vertuschung ihres Bemäch-
tigens der Geldbeträge habe die Beschuldigte teilweise Buchungen unterlassen
oder fiktive Buchungen vorgenommen und mehrfach falsche Belege erstellt. In
der Anklageschrift sind die einzelnen Vorgänge ausführlich geschildert (vgl. Urk.
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1/96). Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass die Täterschaft der Beschuldigten
hinsichtlich einiger Tatvorwürfe, nämlich derjenigen vom 15. März 2012 (Fr.
1'500.--), ca. vom 18. April 2013 (Fr. 195.30), vom 30. April 2013 (Fr. 99.95) und
ca. vom 23. Mai 2013 (ca. Fr. 297.90) sowie ca. vom 21. September 2013 (ca. Fr.
1'200.-- bis Fr. 1'500.--) im Deliktsbetrag von total Fr. 3'293.15 nicht erstellt ist.
Somit beträgt der Deliktsbetrag der heute noch zu beurteilenden Vorwürfe ge-
samthaft rund knapp Fr. 60'000.--.
1.2. Die Beschuldigte macht seit ihrer Anzeige vom 18. November 2013 gel-
tend, es sei ein grösserer Bargeldbetrag - enthalten in zwei Couverts - aus dem
Tresor im Sekretariat des Privatklägers gestohlen worden. Sie selber habe keine
Gelder für sich behalten oder aus der Kasse behändigt und folglich auch keine
Vertuschungshandlungen vorgenommen. Bei dieser Darstellung blieb sie wäh-
rend der ganzen Untersuchung und auch anlässlich der Befragung in der vo-
rinstanzlichen Hauptverhandlung (Urk. 1/28.1 S. 2 ff. und Prot. I S. 11 ff.). Die
Einzelheiten ihrer Stellungnahme zu den Tatvorwürfen, wonach sie die Kasse
nicht zuverlässig habe abstimmen können, weil mehrere Personen diese - auch
ausserhalb der Kassenstunden - bedient sowie Belege und Gelder gefehlt hätten
und dass aufgrund weiterer Umstände das Führen eines Kassenbuchs nur
schwer möglich gewesen sei und deshalb der Saldo der Buchhaltung nie ge-
stimmt habe, hat die Vorinstanz zutreffend dargestellt; es kann darauf verwiesen
werden (Urk. 127 S. 5 f. Ziff. 2.3.1).
1.3. Das erstinstanzliche Gericht schilderte auch die weiteren Parteistandpunk-
te korrekt. Dies betrifft zunächst die Vorbringen des Privatklägers anlässlich der
Hauptverhandlung, woraus er die Täterschaft der Beschuldigten ableitet (Urk. 127
S. 4 f. Ziff. 2.2.). Ebenso zeigte die Vorinstanz zusammengefasst die Argumenta-
tionslinie des Verteidigers auf: Danach sei einseitig gegen die Beschuldigte ermit-
telt und eine andere Täterschaft nie geprüft worden; beim Privatkläger hätten
grosse Defizite bestanden, was die Datensicherheit, den Zugang zu Bargeld und
Wertgegenständen sowie zu vertraulichen Dokumenten betreffe; von diesen Un-
zulänglichkeiten hätte abgelenkt werden sollen. Da die Polizei alles unkritisch von
der Heimleitung übernommen und keine Beweissicherung vorgenommen habe,
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hätte eine allfällige interne Täterschaft nach der Diebstahlsanzeige durch Manipu-
lationen den Verdacht auf die Beschuldigte lenken können; so hätten auch ohne
weiteres andere Mitarbeiterinnen Buchungen im Abacus Buchhaltungssystem
machen können (Urk. 127 S. 6 f. Ziff. 2.3.2). Zur Vermeidung von Wiederholungen
kann auf diese Darstellungen verwiesen werden. Auf weitere Einwendungen der
Verteidigung in der Eingabe vom 9. Oktober 2019 und anlässlich der Berufungs-
verhandlung ist nachfolgend im Zusammenhang mit der Sachverhaltserstellung
einzugehen.
2. Vorbemerkungen
2.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze des Beweisrechts zutreffend dargestellt
(Urk. 127 S. 8 Ziff. 3.1.).
2.2. Die Verteidigung monierte vor Vorinstanz, die Untersuchung sei einseitig
gegen die Beschuldigte geführt worden, es seien keine Unterlagen beschlag-
nahmt und keine Daten gesichert worden. Alle für die Untersuchung verwendeten
Unterlagen seien von der Privatklägerschaft geliefert worden und die Liste der
fehlenden Belege sei beispielsweise im Auftrag der Heimleiterin E._ erstellt
worden. Zudem sei diese zunächst als Zeugin statt als Auskunftsperson befragt
worden (Urk. 116 S. 3 f.).
Die Beschuldigte hatte die Buchhaltungsbelege betreffend Kasse 2013 enthalten-
den zwei Bundesordner offenbar nach ihrer Diebstahlsanzeige und bis zu ihrer
Kündigung zusammengestellt, das Fehlen von Buchungsbelegen festgestellt und
mit violetten "Post-it" - Zetteln mit handschriftlichen Hinweisen auf den fehlenden
Beleg versehen der Heimleiterin E._ übergeben (Urk. 1/29.1 S. 2 f. Frage 5).
Die beiden Ordner wurden auf Aufforderung der Staatsanwaltschaft im Schreiben
vom 20. Februar 2017 von I._ anlässlich der Einvernahme vom 23. Mai 2017
zu den Akten gegeben (Urk. 1/7, 1/8 und 1/31 S. 21 sowie Urk 1/32/1+2). Die von
der Verteidigung als mangelhaft bezeichnete Liste der fehlenden Buchungsbelege
von der Bargeldkasse (Urk. 1/29.2.1) wurde von E._ aufgrund der Markie-
rungen durch die Beschuldigte erstellt (Urk. 1/29.20 S. 15, Frage 79). Die Be-
schuldigte sagte dazu gar aus, sie selber habe die Liste mit den fehlenden Bele-
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gen erstellt (Urk. 1/28.6 S 3). Auf den in den Ordnern angebrachten Zetteln ist -
bei einem Vergleich mit den handschriftlichen Ergänzungen der Beschuldigten in
der polizeilichen Einvernahme vom 4. März 2014 - unschwer deren Handschrift zu
erkennen; die Liste basiert somit auf den eigenen Feststellungen der Beschuldig-
ten, welche Belege fehlten. Auf diese von der Heimleitung eingereichten Unterla-
gen darf somit ohne weiteres abgestellt werden (Urk. 1/29.1 z.B. S. 5 und 7 ff.
sowie Urk. 1/29.20 S. 15 f. Frage 79).
Die Heimleiterin E._ war nicht aktiv in der Buchhaltung tätig und entnahm nur
selten Geld aus der Kasse. Da sich aus den polizeilichen Befragungen zudem
keine Verdachtsmomente gegen sie ergaben, ist nachvollziehbar und nicht zu be-
anstanden, dass sie zunächst als Zeugin befragt wurde (vgl. dazu auch Urk.
1/88.5). Die Einvernahme fand am 17. Februar 2017 statt (Urk. 1/29.20), erst ge-
gen Ende derselben kam die Rede auf die Zugriffsberechtigungen im Buchhal-
tungssystem Abacus (S. 24 Frage 118). Zudem erstattete die Verteidigung der
Beschuldigten erst nach dieser Einvernahme mit Eingabe vom 16. März 2017
Strafanzeige gegen unbekannt (Urk. 1/9). Danach wurde E._ ein weiteres
Mal am 18. August 2017 durch die Staatsanwaltschaft einvernommen und zwar
als Auskunftsperson gemäss Art. 178 lit. d StPO (Urk. 1/29.23 S. 1 ff.). Somit wa-
ren erst gegen Ende der Zeugeneinvernahme und danach Tatsachen aufge-
taucht, die eine Tatbeteiligung von E._ nicht als gänzlich ausgeschlossen er-
scheinen liessen, weshalb sämtliche Aussagen, auch diejenigen als Zeugin, ver-
wertbar sind (Schmid, Handbuch des Schweizerischen Strafprozessrechts, 3.
Aufl., Zürich 2017, S. 382 Rz 927).
2.3. Die Anklage beruht sodann auf Buchhaltungsunterlagen und weiteren Un-
terlagen aus dem Geschäftsbetrieb des Privatklägers sowie auf zahlreichen Aus-
sagen von Personen, die beim Privatkläger in verschiedenen Funktionen tätig
sind oder waren und teilweise mit der Beschuldigten zusammenarbeiteten. Die
formellen Anforderungen wie insbesondere die Einhaltung der Teilnahmerechte
und das Recht auf Stellungnahme wurden stets eingehalten respektive gewährt,
so dass grundsätzlich von der Verwertbarkeit der Beweismittel auszugehen ist. Im
übrigen gab die Heimleiterin E._ anlässlich ihrer Befragung bei der Staats-
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anwaltschaft am 17. Februar 2017 an, sie hätten nach Bekanntwerden des Dieb-
stahls am 18. November 2013 das Schloss zum Sekretariat ausgewechselt, da
sie von einem Einbruch ausgegangen seien. Die drei Heimleitungsmitglieder so-
wie die Sekretariatsmitarbeiterinnen hätten weiterhin Zugang zum Sekretariat ge-
habt. Die Buchhaltungsunterlagen 2013 hätten sich ab dann bis zur Prüfung durch
Herrn J._ weiterhin dort im Sekretariat befunden; dies allerdings mit Aus-
nahme der zwei dicken Ordner, wo sich alle Belege und die Post-it-Zettel betref-
fend fehlende Belege befunden hätten. Diese zwei Ordner habe sie - so E._ -
zu sich genommen, nachdem die Beschuldigte diese Belege ca. bis zwei Wochen
nach der Diebstahlsmeldung zusammen getragen und ihr die Ordner übergeben
habe (Urk. 22 Frage 108 ff.). Sie erklärte weiter, gleich nachdem Frau A._
nicht mehr am Arbeitsplatz gewesen sei, hätten sie Sicherheitsvorkehrungen ge-
troffen und alles fixiert und gespeichert so, wie es Frau A._ am letzten Ar-
beitstag zurück gelassen habe. Diese Daten könnten sie einer tieferen Untersu-
chung vorlegen (Urk. 1/29.20 S. 23 Frage 113 ff.). Dieses Vorgehen zeigt, dass
die Heimleitung umsichtig handelte und keine Anhaltspunkte dafür bestehen, dass
beim Privatkläger nach dem Weggang der Beschuldigten Vertuschungshandlun-
gen oder gar Manipulationen im Zusammenhang mit Unterlagen vorgenommen
wurden.
3. Grundsätzliche Einwendungen der Beschuldigten
Das erstinstanzliche Gericht hat sich auch mit den weiteren grundsätzlichen Ein-
wendungen der Beschuldigten und der Verteidigung einlässlich befasst (Urk. 127
S. 13 ff. Ziff. 3.3.). Es kann in erster Linie darauf verwiesen werden. Namentlich
auf die Ausführungen unter Ziff. 3.3.5. und 3.3.6.
3.1. Bezüglich der Frage, ob die Beschuldigte die Verantwortung für die Kasse
inne hatte, ist zur Verdeutlichung der vorinstanzlichen Ausführungen unter
Ziff. 3.3.1. nochmals festzuhalten, dass dies für die Strafbarkeit an sich nicht aus-
schlaggebend ist. Indessen ergibt es sich einerseits aus ihrer Funktion als Rech-
nungsführerin respektive Rechnungssekretärin (Urk. 1/8.1) und andererseits aus
ihrem Tätigkeitsbereich gemäss Arbeitsvertrag, der sowohl die Leitung des Sekre-
tariats, als auch die gesamte Buchhaltung umfasste (Urk. 1/8.2). Desweitern be-
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nannten die verantwortliche Heimleiterin E._ (Urk. 1/29.1 Frage 11 und
1/29.20 Frage 42) und die Sekretariatsmitarbeiterinnen I._ (Urk. 1/31 S. Fra-
ge 56) und K._ (Urk. 1/35 S. 7 Frage 57) die Beschuldigte übereinstimmend
als für die Führung der Kasse Hauptverantwortliche. Zahlreiche weitere Personen,
mit denen die Beschuldigte während ihrer Anstellung beim Privatkläger in Kontakt
kam, bestätigten, dass diese jeweils Bargeldauszahlungen aus der Kasse tätigte
sowie Bargeldbeträge entgegen nahm (vgl. beispielhaft die Aussagen des Sozial-
pädagogen L._ [Urk. 1/36 S. 4 Fragen 24, 26-28], der Gesamtleiterin der Er-
wachsenenbetreuung sowie der Standortleiterin "M._" N._ [Urk. 1/61 S.
5 f. Fragen 35 ff.] und von O._ [Urk. 1/63 S. 4 Fragen 24 - 26] sowie von
P._ [Urk. 1/74 S. 4 ff. Fragen 23 ff.]). Weiter ist zwar bekannt und im Prü-
fungsbericht vom 20. Dezember 2013 des Treuhandexperten J._ festgehal-
ten, dass bei einer Abwesenheit der Beschuldigten oder an Wochenenden auch
die weiteren Sekretariatsmitarbeiterinnen und Heimleitungsmitglieder Gelder aus
der Kasse nehmen konnten und dies ausnahmsweise auch machten (Urk.
1/29/2.5 S. 2). Die getätigten Bezüge oder Einlagen wurden jedoch gemäss den
überzeugenden Aussagen der jeweiligen Personen durch entsprechende Belege
und von I._ durch das Führen eines Kassabuches dokumentiert (E._
Urk. 1/29/23 S. 2 f. Fragen 8 bis 13; I._ Urk. 1/31 S. 8 f. Fragen 59 bis 67
und O._ 1/63 S. 4 f. Fragen 27-32 sowie 64). Dass dennoch vereinzelt eine
Entnahme ohne Hinterlegung eines Beleges in der Kasse erfolgte, kann nicht
gänzlich ausgeschlossen werden, ein gehäuftes Vorkommen scheint aber höchst
unwahrscheinlich. K._ war an sich ebenfalls befugt, während der Abwesen-
heit der Beschuldigten Geld aus der Kasse zu nehmen; sie hatte Zugang zum
Tresor und legte gelegentlich Bargeld hinein, bediente jedoch die Kasse nicht,
weil die Kassette zu schwer war und sie diese wegen ihrer körperlichen Konstitu-
tion nicht selber heraus heben konnte (Urk. 1/35 S. 7 f. Frage 62 - 64), was
E._ bestätigte (Urk. 1/29.23 S. 3 Frage 13). Im übrigen erklärte K._,
dass sie fakturiere und keine Buchungen vornehme, dies sei auch in den Jahren
2011 bis 2013 so gewesen (Urk 1/35 S. 5 Frage 36 + 36). Folglich kommt sie für
die zu Vertuschungszwecken vorgenommenen Buchungen ohnehin nicht in Frage
(vgl. dazu auch nachfolgend Ziff. 4.2). Dies deckt sich mit den Angaben zu den
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Berechtigungen für das Buchhaltungssystem in Urk. 1/29.25.1.2. Auch Q._,
der per Ende 2014 pensionierte Dritte des Heimleitungsteams, nahm zunächst an,
dass er keinen Zugang zur Kasse hatte (Urk. 1/64 S. 4. Frage 22); die weiteren
beiden Heimleitungsmitglieder gingen ebenfalls davon aus, dass Q._ keine
Bezüge aus der Kasse tätigte, da er nicht gewusst habe, wo der Tresorschlüssel
aufbewahrt wurde (E._ Urk. 1/29.23 S. 3 Frage 13 und O._ Urk. 1/63 S.
5 Frage 33). Im Verlauf der weiteren Befragung gab Q._ indessen an, er ha-
be nicht gewusst, wo die Kasse sei, habe dann aber einmal, als er im Büro gewe-
sen sei, gesehen, wie Frau K._ Geld aus der Kasse genommen habe und
dabei gesehen, wo der Tresorschlüssel aufbewahrt worden sei. Er führte weiter
aus, er erinnere sich nicht mehr genau, wann es gewesen sei, an einem Fest oder
einem Elterntag, dass er Geld von Eltern erhalten habe, welches er in die Kasse
gelegt habe mit dem entsprechenden Vermerk, er wisse jetzt auch nicht mehr, ob
er das Geld in die Festkasse oder in die Tresorkasse gelegt habe. Angesichts der
von Q._ geäusserten Unsicherheiten ist durchaus möglich, dass dieser nicht
K._, sondern eine andere Mitarbeiterin beim Herausnehmen der Kasse beo-
bachtet hatte oder K._ zusah, als sie einmal den Tresor öffnete, um Geld
hinein zu legen (ohne die Kasse herauszunehmen), wie sie dies geschildert hatte.
Q._ erinnerte sich zwar nicht mehr genau, ob er auch einmal mit einem ent-
sprechenden Vermerk etwas aus der Kasse genommen hatte, gab jedoch an, er
sei zu 100 % sicher, dass diesfalls eine Quittung dabei gewesen sei (Urk. 1/64 S.
4. Frage 24).
Wie bereits die Vorinstanz ausführte, ist die Darstellung der Beschuldigten, sie
habe immer wieder auf Missstände hingewiesen und die Verantwortung für die
Kasse wegen Unregelmässigkeiten eigentlich ablehnen wollen, nicht glaubhaft, da
diese jedenfalls nicht auf Zugriffe durch andere Berechtigte zurückzuführen sind.
Diese Begründung steht sodann auch im Widerspruch mit den Angaben von
E._, wonach die Beschuldigte ihr erst am Schluss gesagt habe, sie könne die
Kasse nicht mehr führen, in den Jahren ab 2009 sei dies nie ein Thema gewesen.
Es sei schon seit langem vorgesehen gewesen, dass Frau I._ die Führung
der Kasse übernehmen würde (Urk. 1/29.1 S. 5 Frage 11 und 1/29.10 S. 6 Frage
17). Auch I._ bestätigte, dass sie eigentlich die Kasse seit längerem hätte
- 15 -
übernehmen sollen. Dazu sei es aber nicht gekommen, weil die Beschuldigte die-
se nie übergeben habe (Urk. 1/31 S. 5 Frage 38). Hätte es so grosse Missstände
gegeben, hätte die Beschuldigte die Verantwortung über die Kasse wohl lieber
früher als später an eine andere Person abgegeben.
3.2. Im Zusammenhang mit den geltend gemachten "Sicherheitsproblemen" ist
ergänzend zu den treffenden Erwägungen des Vorderrichters unter Ziff. 3.3.2. fol-
gendes zu bemerken: Zu den von der Beschuldigten erwähnten Problemen mit
dem Buchhaltungssystem Abacus (vgl. Plädoyer Verteidigung anlässlich der
Hauptverhandlung vor Vorinstanz Urk. 116 S. 2) sagte der für die Einführung der
Abacus Softwarelösung beim Privatkläger zuständige Projektleiter R._, eine
Analyse des Jahres 2013 habe ergeben, dass für 80 % der Probleme Anwender-
fehler und nicht eigentliche Systemfehler verantwortlich gewesen seien (Urk. 1/65
S. 5 Frage 29). Offenbar konnten die anderen Mitarbeiterinnen - Frau K._
zumindest nach einer gewissen Einführungszeit und Frau I._ von Anfang an -
gut mit dem System Abacus arbeiten (vgl. dazu die Aussagen von E._ Urk.
1/29.10 S. 9 f. Fragen 35 f.).
3.3. Bezüglich Ziffer 3.3.3. der vorinstanzlichen Erwägungen ist zusätzlich fest-
zuhalten, dass der Beschuldigten der Fragenkatalog, der von Frau E._ der
Polizei übergeben worden war, bereits vom Privatkläger unterbreitet worden war.
Die darin enthaltenen Fragen, die ihr nebst anderen anlässlich der polizeilichen
Einvernahme vom März 2014 gestellt wurden, trafen sie somit nicht unvorbereitet
(Urk. 1/28/1 S. 3 f. Frage 11 f. und Urk. 1/29.1 S. 4 f. Frage 8).
3.4. Sodann kann - in Bekräftigung der Ausführungen der Vorinstanz unter
Ziff. 3.3.4. - nahezu ausgeschlossen werden, dass von der Beschuldigten getätig-
te Buchungen nachträglich durch andere Personen manipuliert wurden: Dies
ergibt sich insbesondere aus den Angaben der Zeugen R._, S._ und
H._, wonach weder der Urheber einer Buchung noch die automatisch verge-
benen Buchungsnummern nachträglich verändert werden könnten und Änderun-
gen jedenfalls ersichtlich wären (Urk. 1/65 S. 7 f. Frage 45 f. und 52 sowie S. 10
Frage 74, Urk 1/67 S. 6 f. Fragen 33 und 41 sowie Urk. 1/68 S. 6 f. Fragen 31 und
38 und Urk. 1/69.4). Entgegen den Ausführungen der Verteidigung vor Vorinstanz
- 16 -
(Urk. 116 S. 7), wonach den Revisoren - sinngemäss wohl in den Vorjahren - je-
weils keine Unregelmässigkeiten aufgefallen seien, enthält das Revisionsprotokoll
vom 22. Juli 2014 den Hinweis, dass anlässlich der Schlussrevision 2012 grösse-
re Saldi hätten ausgebucht werden müssen, die nicht hätten erklärt werden kön-
nen und deren Ursache zum Teil im Jahr 2011 gelegen sei. Die Bilanz sei per
31.12.2012 bereinigt worden. In der ergänzenden Berichterstattung sei der Ver-
einsvorstand darauf hingewiesen worden, dass im Jahr 2013 keine unbegründe-
ten Ausbuchungen mehr akzeptiert werden könnten (Urk. 1/29.16 S. 4). Dies
ergibt sich auch aus dem Protokoll der Besprechung zum Jahresabschluss 2012
(Urk 1/29.1 S. 6 Frage 15 und 1/29.2.8).
3.5. Hinsichtlich der Erwägungen des erstinstanzlichen Richters unter Ziff. 3.3.7
ist zu ergänzen, dass die Beschuldigte vor Vorinstanz geltend machen liess, ihr
Benutzerkonto sei zunächst inaktiviert und zu einem unbekannten späteren Zeit-
punkt von einer unbekannten Person gelöscht worden. Es sei also möglich, dass
ein beliebiger Täter mit ihrem Passwort oder ihrem Administratorenzugang nach-
träglich Buchungen vorgenommen habe (Urk. 114 S. 6). Die Verteidigung wies
sodann in ihrer Eingabe vom 9. Oktober 2019 darauf hin, der Benutzer "A'._"
sei erst einige Zeit nach dem Austritt der Beschuldigten gelöscht worden und ge-
mäss Aussagen von Herrn R._, habe Frau I._ einige Zeit nach deren
Austreten mit dem Benutzer "A'._" weiter gearbeitet (Urk. 137/1 S. 2). Auch
anlässlich der Berufungsverhandlung wurde von der Verteidigung vorgebracht,
das Passwort sei leicht zugänglich herum gelegen, so dass auch jemand anderes
sich als "A'._" eingeloggt haben könnte; man wisse nicht, wann genau und
durch wen der User "A'._" gelöscht worden sei und wie lange dieser insbe-
sondere auch nach dem Austritt der Beschuldigten noch weiter bestanden habe
und allenfalls benutzt worden sei (Urk. 144 S. 9). Eine solche Aussage, dass
I._ einige Zeit nach dem Austreten der Beschuldigten mit deren Benutzer
"A'._" weitergearbeitet habe, ist indessen in der Einvernahme von Herrn
R._ nicht enthalten (Urk. 1/65). Gemäss Ausführungen des Vertreters des
Privatklägers habe dieser nach den Vorfällen im November und Dezember 2013
die Sperrung des Users "A'._" im Abacus veranlasst. Ab dem 18. Dezember
2013 habe der User "A'._" keine Buchungen mehr vornehmen können (Urk.
- 17 -
1/20 S. 2). Es finden sich keine Hinweise in den Akten, dass I._ nach dem
Austritt der Beschuldigten mit deren Benutzername A'._ weiter gearbeitet hat
(vgl. dazu auch nachfolgend unter Ziff. 4.5.). Im Anschluss an die Zeugeneinver-
nahmen reichte die Vertreterin des Privatklägers am 13. August 2020 ein Email-
Schreiben der Mitarbeiterin K._ an die Firma T._ ein, aus welchem her-
vorgeht, dass die Sperrung des Benutzers A._ am 18. Dezember 2013 ver-
anlasst worden war (Urk. 156).
4. Hinweise auf die Täterschaft der Beschuldigten
4.1. Der Vorderrichter leitete in seiner Urteilsbegründung unter Zugrundelegung
der wesentlichen Umstände sorgfältig die Täterschaft der Beschuldigten her.
Auch darauf ist vorab zu verweisen (Urk. 127 S. 9 f. Ziff. 3.2.).
4.2. Die Verteidigung wendete anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhand-
lung ein, weitere Personen wie zum Beispiel Frau I._, Frau K._ und
Frau N._ hätten die Möglichkeit gehabt, Buchungen vorzunehmen. Auch das
Administratorenpasswort habe nicht nur die Beschuldigte selbst, sondern gemäss
Aussage des Zeugen R._ nebst der Beschuldigten auch Frau K._ ge-
habt (Urk. 1/116 S. 4 mit Verweis). Die Heimleiterin E._ hatte sodann erklärt,
sie habe das Administratorenpasswort bei sich unter Verschluss gehabt, konnte
sich aber nicht erinnern, dieses je weiter gegeben zu haben (Urk. 1/29.20 S. 24
Frage 118). Da davon auszugehen ist, dass K._ weder Buchungen im Aba-
cus System - mit Ausnahme von Rechnungen in der Debitorenbuchhaltung (vgl.
Urk. 167/2) - vornahm, noch Bargeld aus der Kasse behändigte, kommt sie man-
gels Erfahrung in diesem Bereich und wegen ihrer körperlichen Konstitution - wie
bereits ausgeführt - als Täterin mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht in Frage.
E._ hatte als Mitglied der Heimleitung nur ein Einsichtsrecht; und selbst
wenn sie mittels Administratorenpasswort selber unter einem fremden Kürzel,
beispielsweise demjenigen der Beschuldigten "A'._", hätte Buchungen vor-
nehmen können, scheidet sie aufgrund des Umstandes, dass sie in Buchhal-
tungsfragen über keine vertiefteren Kenntnisse verfügt und die Aufsichtspflicht im
Bereich Buchhaltung an den Quästor abgegeben hatte (Urk. 1/29/20 S. 9 Frage
41 und S. 24 f. Fragen 118 ff. ), ebenfalls als Täterin aus.
- 18 -
4.3. Bekanntlich wurde das Benutzerkonto der Beschuldigten für das Abacus
System auf unbekannte Weise gelöscht. Bei den anderen ausgetretenen Mitarbei-
tenden U._ (Benutzer Nr. 9, Kürzel U'._) und V._ (Benutzerin Nr.
11, Kürzel V'._) wurden die Benutzerprofile nicht gelöscht, so dass sie als
"user" bezüglich der von ihnen vorgenommenen Buchungen noch mit den ent-
sprechenden Kürzeln identifizierbar sind (vgl. z.B. zwei Buchungen KÜRZEL
U'._ in Urk. 1/21/2). Gemäss den Angaben des bei der Firma W._ AG
als Abacus-Berater unter anderem ab dem zweiten Semester 2014 für den Privat-
kläger tätigen Zeugen H._ gab es in der Abacus Installation des Privatklä-
gers nur einen einzigen gelöschten Benutzer. In der Folge erschien bei den unter
dem Kürzel "A'._" getätigten Buchungen dieses Kürzel nicht mehr, sondern
wurde auf "0" umgeschrieben. Der Zeuge H._ leitete aus dem Umstand,
dass der Benutzer mit dem Kürzel "A'._" (= Kürzel der Beschuldigten
A._) als einziger User gelöscht worden sei, aufgrund des Ausschlussprinzips ab, dass die Buchungen mit "0" oder keiner Bezeichnung durch den gelöschten
User erfasst oder geändert worden seien (Urk. 1/68 S. 6 Frage 35 und Urk.
1/69.3). Auf Nachfrage des Vertreters des Privatklägers bestätigte der Zeuge
H._, dass alle Buchungen, welche in der Spalte "Benutzerkürzel" keine An-
gaben enthielten, vom gelöschten Benutzer "A'._" vorgenommen worden
seien (Urk. 1/68 S. 9 Fragen 52 f. und Urk. 1/69.3). Damit wäre an sich - so die
Schlussfolgerung der Vorinstanz - bereits erstellt, das die Beschuldigte - oder al-
lenfalls jemand, der sich mit ihrem Benutzerpasswort eingeloggt hätte - Urheberin
der Buchungen mit "0" war.
Mit Eingabe vom 9. Oktober 2019 brachte die Verteidigung jedoch unter anderem
vor, es sei auf dem vom Zeugen H._ eingereichten USB-Stick vorhandenen
Screenshot der Benutzerverwaltung und der dort abgebildeten Benutzeroberflä-
che und Datenbank ersichtlich, dass nebst dem Benutzer Nr. 5 ("A'._") auch
der Benutzer Nr. 3 fehle; es sei unbekannt, welche Person als Benutzer Nr. 3 ge-
arbeitet habe, und der Zeuge H._ habe sich dazu auch nicht geäussert. Des-
halb bestehe die erhebliche Wahrscheinlichkeit, dass nicht nur ein, sondern zwei
User gelöscht worden seien (Urk. 137/1 S. 1 f. mit Verweis auf Urk. 1/69/3 und 5).
- 19 -
Dieses Vorbringen wiederholte die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhand-
lung (Urk. 144 S. 7 f. und Urk. 143).
Gleich im Anschluss an die Zeugenbefragung bei der Staatsanwaltschaft tätigte
der Zeuge H._ sodann Abklärungen, weshalb zwar ein gelöschter Benutzer
in der Datenbanktabelle unter "Benutzer" noch vorhanden und nur als gelöscht
markiert sei, im Feld "Benutzerreferenz" jedoch auf den einzelnen Fibu-
Buchungen der Bezug zum gelöschten Benutzer nicht vorhanden sei. Es ergab
sich, dass bei einem Datenupdate ein Fehler unterlaufen war, indem die Referen-
zen von gelöschten Benutzern verloren gingen. Bei Verwendung der tatzeitaktuel-
len Programmversion, habe er anhand von Stichproben zeigen können, dass dort,
wo die ursprünglichen Auswertungen 0 gezeigt hätten, jetzt eine 5 erscheine (vgl.
E-Mail Nachricht vom 25. August 2017, Urk. 1/70). Diese Ergänzung erfolgte zeit-
nah an die Zeugenbefragung vom 24. August 2017 und wurde der Beschuldigten
zur Stellungnahme unterbreitet (Urk. 1/28.31 S. 12 Frage 31). Die Erklärung ist
nachvollziehbar und einleuchtend. H._ gab anlässlich seiner zweiten Befra-
gung als Zeuge vor dem Berufungsgericht am 13. August 2020 auf Vorhalt seines
damaligen schriftlichen Nachtrags an, er könne bestätigen, was er damals ge-
schrieben habe, es habe haargenau den Tatsachen entsprochen, er habe auch
nichts hinzugefügt oder weggelassen (Prot. II S. 38). Bei den getätigten Stichpro-
ben war offenbar kein Benutzer Nr. 3 aufgetaucht.
Aus dem angerufenen Screenshot Urk. 1/69/3 (erstellt respektive eingereicht vom
Zeugen H._ anlässlich der ersten Zeugeneinvernahme bei der Staatsanwalt-
schaft am 24. August 2017) sowie aus den Unterlagen gemäss Urk. 143, 1. Seite,
ergibt sich tatsächlich, dass auf dem "Bild der Benutzeroberfläche" sowohl die
Nr. 3 als auch die Nr. 5 fehlen. Unter "Name/ Voller Name" wird Nr. 1 dem Admi-
nistrator zugeordnet, Nr. 2 steht neben AA._, ab Nr. 4 sind die verschiede-
nen Benutzer, d.h. natürliche Personen beim Privatkläger aufgeführt und bei Nr. 8
die Heimleitung sowie bei Nr. 10 "T._" (= Firma die ABACUS beim Privatklä-
ger einführte, vgl. z.B. Urk. 1/29.25.1.2). Gemäss dem "Bild der Datenbank" wird
hingegen die Nr. 5 in der Spalte "Number" aufgeführt, nicht jedoch die Nr. 3. In
der Spalte "CODE" wird überall eine 0 aufgeführt ausser bei Nr. 5, wo als Code
- 20 -
die Zahl "13" aufgeführt ist. Die Zahl 13 steht gemäss Angaben des Zeugen
H._ offenbar für einen gelöschten Benutzer. Wäre der User Nr. 3 dannzumal
gelöscht gewesen, wäre zu erwarten, dass er ebenfalls mit dem CODE "13" ver-
sehen aufgeführt worden wäre. Es stellt sich die Frage, wer oder was der fehlen-
de Benutzer Nr. 3 sein könnte: In den von der Heimleiterin E._ eingereichten
"manuell erstellten" Unterlagen betreffend Zugriffsrechte für den Zeitraum 2011-
2017 ist beispielsweise in den Jahren 2011 und 2012 auch der Quästor AB._
aufgeführt mit dem Benutzername "AB'._" (vgl. Urk. 1/29.25.1.1+2). In der
weiter eingereichten "Übersicht der Benutzer 2011-2017 wurde A._ mit der
Nr. 5 nicht aufgeführt. Die Nr. 3 fehlt ebenfalls auf der Übersicht (Urk
1/29.25.1.13). Es scheint höchst unwahrscheinlich, dass es einmal einen Benut-
zer (natürliche Person) mit der Nr. 3 gab, der später gelöscht wurde, nannte die
Beschuldigte doch im Rahmen der Befragungen selber auch keine weiteren Be-
nutzer als jene, die auf den fraglichen Listen (Urk. 1/29.25.1.1 und /129.25.1.13)
stehen. Insbesondere war AB._ im Jahr 2013 offenbar nicht mehr berechtigt.
Dannzumal wurden aber noch verschiedene Buchungen vorgenommen wie die
nachstehenden Ausführungen zu den Anklagevorwürfen 25 ff. zeigen. Im übrigen
ist auch den Aussagen der Beschuldigten zu entnehmen, dass der Quästor nicht
im Tagesgeschäft tätig war, sondern dieser sei nur bei Fragen zur Verfügung ge-
standen oder wenn die Revision angestanden habe (Urk.1/28.6 S. 4). Schliesslich
bestätigte der Zeuge H._, Herrn AB._ gebe es nicht auf der EDV-
Benutzerliste und erklärte, er habe den Namen noch nie gehört (Prot. II S. 54).
Somit kann AB._ als Benutzer Nr. 3 oder Urheber von Buchungen in der Fi-
nanzbuchhaltung nahezu ausgeschlossen werden.
4.4. Anlässlich der Berufungsverhandlung legte die Vertreterin des Privatklä-
gers einen Beleg vor, wonach es sich gemäss Überprüfungen des IT-
Verantwortlichen des Privatklägers, Herr F._, beim Benutzer Nr. 3 um den
Systemnutzer handle (Urk. 142, Bildschirmaufnahme). Dieser könne keine Bu-
chungen vornehmen. Er sei nur eröffnet worden, um automatische Prozesse –
bspw. Schnittstellenverarbeitungen – durchzuführen. Der Benutzer Nr. 3 sei auch
nach wie vor aktiv. Rechtsanwältin lic. iur. Y2._ erklärte auf entsprechende
Nachfrage des Präsidenten, F._ von der G._ AG habe als IT-
- 21 -
Verantwortlicher des Privatklägers die Bildschirmaufnahme erstellt. Mithin sei
dadurch erwiesen, dass der zweite, angeblich gelöschte Benutzer wegfalle. Es
gebe nur einen Benutzer, welcher gelöscht worden sei, wobei es sich bei diesem
um die Beschuldigte handle (Prot. II S. 19 f.).
Durch die Befragung der Zeugen H._ und F._ konnte geklärt werden,
dass es sich beim Benutzer Nr. 3 mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit effektiv um
den Systemnutzer und um keine natürliche Person handeln dürfte: Vorab ist fest-
zuhalten, dass die Angaben des Zeugen H._ - entgegen der Meinung der
Verteidigung (Urk. 159 S. 1 f.) - insgesamt reflektiert und kompetent wirken, gera-
de weil er sich zu gewissen Fragen vorsichtig zurückhaltend äusserte, wenn er
sich nicht (mehr) sicher war und dies nicht im Rahmen der Befragung fundiert prü-
fen konnte. Demgegenüber antwortete der Zeuge AC._ mehrfach rasch und
bestimmt, ohne die Antworten näher begründen zu können. Er musste jedoch
seine Angaben verschiedene Male relativieren. Dies lässt zumindest daran zwei-
feln, ob seine Aussagen fundierter sind als diejenigen von Zeuge H._.
So gab H._ an, der Benutzer Nr. 3 sei der Systemnutzer, welcher auf der
damaligen Version nicht vergeben worden sei, der aber auf der aktuellen Version
angezeigt werde. Er könne die genaue Funktionalität von Benutzer Nr. 3 nicht er-
klären, es sei aber auf jeden Fall ein Nutzer, der mit sämtlichen Installationen
ausgeliefert werde. Man könne sich mit diesem nicht anmelden und auch nicht
selber etwas mit dem Namen "System" machen. Es sei keine Person (Prot. II S.
39 f.). Der Zeuge AC._ gab auf Vorhalt von Urk. 143 an, er wisse nicht, ob es
einen Benutzer 3 mal gegeben habe. Sie (gemeint jemand - mutmasslich Frau
E._ - vom Privatkläger) seien in Kontakt gewesen und er habe verschiedene
Auswertungen machen müssen. Auf Vorhalt der entsprechenden Urk.
1/29.25.1.13 und Urk. 1/69.3 und des entsprechenden Hinweises, darauf gebe es
keinen Benutzer Nr. 3, mutmasste der Zeuge F._, wie es aussehe, müsse
dieser gelöscht worden sein. Und auf Nachfrage, erklärte er, theoretisch könnte
dies auch ein Benutzer für einen internen Job, d.h. keine Person, sondern ein
Service sein, das sehe er da drauf nicht. Er konnte sich nicht mehr konkret daran
erinnern, dass er die auf Urk. 142 als von ihm stammende wie folgt festgehaltene
- 22 -
Auskunft erteilt hatte: "Der Abacus-User Nr. 3 'System' ist kein Benutzer von einer
Person. Dieser Benutzer wurde eröffnet, damit z.B. mit diesem User automatisier-
te Prozesse (z.B. Schnittstellen verarbeiten) gestartet werden können." Der Zeuge
F._ meinte aber, es könnte sein. Wenn er das so lese, schliesse er eigent-
lich, dass es ein Systemuser sei und keine natürliche Person (Prot. II S. 59 f.).
Der Zeuge erklärte schliesslich, der Fall liege sehr weit zurück, er wisse aber
noch, dass er für Frau E._ Auswertungen habe machen müssen, diese habe
er während dem Telefonieren gemacht, es sei um die Usernummer 3 oder 5 ge-
gangen. Auf Vorhalt von Urk. 142 sagte er dann aus, es sei möglich, dass er sol-
che Screenshots gemacht habe. Schliesslich gab der Zeuge F._ zu Protokoll,
wenn man das Passwort des Users kenne, sei es möglich, mit User Nr. 3 Bu-
chungen zu machen, dann würde aber das Kürzel "System" da stehen. Er bestä-
tigte demgegenüber jedoch, dass Systemuser im Hintergrund laufen und automa-
tische Prozesse verarbeiten würden (Prot. II S. 64 ff.). Im Gegensatz zu seiner
früheren Antwort, dass der User Nr. 3 gelöscht worden sein müsse, erklärte er auf
Vorhalt von Urk. 151 (recte: 152, Benutzertabelle Stand 12.8.2020), auf welchem
Ausdruck der User Number 3 mit dem Code 0 (für nicht gelöschter User) er-
scheint, und dem Hinweis, Benutzer Nr. 3 weise in der ersten Spalte "RE..." eine
auffallend hohe Zahl (149) auf, nach seiner Logik müsste eigentlich der User Nr. 3
nach dem User Nr. 16 erfasst worden sein, welcher die Nr. 148 habe, von der
chronologischen Reihenfolge her, dass man also den Systemnutzer vorher nicht
gebraucht und erst für die automatische Prozessverarbeitung eingesetzt habe
(Prot. II S. 68). Diese letzte Aussage würde sich decken mit den Angaben des
Zeugen H._. Aus Urk. 152 geht klar hervor, dass der User mit der Nr. 3 im
August 2020 (noch) existierte. Nachdem auf Urk. 1/69.3 vom Zeugen H._
ausdrücklich festgehalten wurde (vgl. auch entsprechendes Dokument auf dem
anlässlich der Zeugeneinvernahme vom 24. August 2017 vom Zeugen eingereich-
ten Stick), gelöschte Benutzer könnten nicht wieder hergestellt werden, und in
den Benutzertabellen 1/69.3 und Urk. 152 nur Benutzer Nr. 5 mit dem Kürzel
A'._ den Code 13 (gelöschter Nutzer) trägt, steht rechtsgenügend fest, dass
es nur einen gelöschten Benutzer gab, nämlich denjenigen der Beschuldigten
A._.
- 23 -
Demzufolge ist auch klar, dass die Beschuldigte - oder allenfalls jemand, der sich
mit ihrem Benutzerpasswort eingeloggt hätte - Urheberin der Buchungen mit
"000" war. Die fraglichen Buchungen gemäss Anklageschrift können somit dem
oder der Benutzer/in Nr. 5 zugeordnet werden.
4.5. Wie bereits die Vorinstanz ausführte, ist zwar rein theoretisch möglich,
dass sich jemand mit dem Passwort der Beschuldigten, das gemäss den Aussa-
gen des Sohnes der Beschuldigten auf ihrem Schreibtisch zugänglich war, an-
meldete (Urk. 1/62 S. 4 f. Frage 27). Als Täter oder Täterin kommen jedoch nur
die damals angestellten und in Buchhaltungsfragen versierten sowie mit dem
Buchhaltungs-System Abacus vertrauten Personen in Frage, die jederzeit Zutritt
zum Büro hatten. Dies waren beim Privatkläger in der fraglichen Zeit bekanntlich
nebst der Beschuldigten in der Zeit von ca. Sommer 2010 bis ca. Oktober 2012
(Urk. 1/62 S. 3 Frage 11) ihr Sohn U._ und nach dessen Austreten ab Sep-
tember 2012 I._ (Urk. 1/30 S. 1 Frage 5 und Urk. 1/31 S. 2 Frage 9) sowie
Frau K._, die bereits ausgeschlossen werden konnte. Da die Vorinstanz da-
von ausging, dass die angeklagten Tathandlungen im Zeitraum zwischen Frühjahr
2011 und bis im Spätherbst 2013 ausgeführt wurden, kam sie zum Schluss,
U._ und I._, kämen als Täter respektive Täterin nicht in Frage.
Die Verteidigung brachte anlässlich der Berufungsverhandlung dagegen vor, bei
einer Datei, die als Anhang zu einer E-Mail von E._ zu den Akten gekommen
sei, im Dokument "Zugriffsrechte Mitarbeiter Instituts C._ 2011-2013 fehle ei-
genartigerweise I._, und zwar sowohl im 2012 als auch im 2013. Damit ist
wohl Urk. 1/29.25.1.1.1 gemeint. Ferner weist die Verteidigung darauf hin, der
Zeuge R._ habe ausgesagt, er habe einmal das Konto von Frau A._ in-
aktivieren müssen, weil ja dann deren Nachfolgerin, Frau I._, deren Stelle
übernommen habe. Es erschliesse sich ihnen nicht, was es für einen Grund ge-
ben könnte, einen User, nachdem er inaktiviert worden sei, noch gänzlich zu lö-
schen. Wäre dieser nicht gelöscht worden, wäre heute alles noch nachvollziehbar.
Es sei aber nicht bekannt, wann der User der Beschuldigten gelöscht worden sei,
deshalb könne man nicht sagen, bis wann noch mit diesem User Buchungen ge-
tätigt worden seien (Urk. 144 S. 8). Die Beschuldigte macht sinngemäss geltend,
- 24 -
I._ könnte in den Jahren 2012 und 2013 und wohl auch noch nach dem Aus-
treten der Beschuldigten unter deren Kürzel gebucht haben. Dies erscheint aber
sehr unwahrscheinlich, ergibt sich doch aus den bei den Akten befindlichen CDs,
dass die Buchungen mit den "000" ganz kurz vor dem Austritt der Beschuldigten
aufhörten (Urk. 1/21.3 und 1/69.5). Ebenso ergibt sich daraus, dass I._ min-
destens seit anfangs 2013 mit dem Kürzel I'._ Buchungen tätigte. Es dürfte
sich um ein bedauerliches Versehen handeln, dass I._ in der Zusammenstel-
lung der Zugriffsrechte (Urk. 1/29.25.1.1.1) nicht aufgeführt ist.
Die Verteidigung machte in der Eingabe vom 9. Oktober 2019 weiter geltend, die
Vorinstanz verkenne, dass die Manipulationsbuchungen gerade nicht am jeweili-
gen Buchungsdatum vorgenommen worden seien, sondern erst nachträglich,
teilweise erst wesentlich später. Dies sei erkennbar an den durchwegs hohen Bu-
chungsnummern, welche beim Erfassen einer Buchung laufend erteilt würden,
auch wenn ein weiter zurück liegendes Buchungsdatum eingegeben werde. Somit
könne insbesondere Frau I._ nicht ohne weiteres als Täterin ausgeschlossen
werden (Urk. 137 S. 2 f. Ziff. 5). Diese Argumentationslinie wiederholte die Vertei-
digung anlässlich der Berufungsverhandlung und machte geltend, man könne
grossmehrheitlich ausschliessen, dass die angeklagten "Verschleierungsbuchun-
gen" tatsächlich am Tag des entsprechenden Geschäftsvorgangs eingebucht
worden seien: Wenn man die jeweiligen Buchungsnummern anschaue, sehe
man, dass diese Buchungen jeweils sehr viel später eingebucht worden sein
müssten; so ergebe sich aus Dateien auf dem vom Zeugen H._ eingereich-
ten USB-Stick, dass Buchungen für das Geschäftsjahr 2011 teilweise sogar "Er-
fassungsdaten" aufwiesen, welche erst im Jahr 2013 lägen. Dies sei merkwürdig,
denn inzwischen werde ja der Jahresabschluss 2011 längst erstellt worden sein.
Es frage sich also, ob sogar nachträglich noch Änderungen vorgenommen wor-
den seien. Jedenfalls dürfe man nicht einfach davon ausgehen, dass alle Ver-
schleierungshandlungen des Jahres 2011 auch in dem Jahr vorgenommen wor-
den seien (Urk. 144 S. 3 f. mit Verweis auf die Dateien 14-61, insbesondere ganz
am Ende, 15-62 und 16-63 auf dem vom Zeugen H._ eingereichten USB-
Stick Urk. 1/69.5). Eine weitere offene Frage sei, was das eigentlich für ein Datum
sei, welches in den genannten Excel-Dateien (14-61, 15-62 und 16-63) in der
- 25 -
Spalte "Erfassungsdaten" erscheine. Es sei alles andere als sicher, dass es sich
dabei um das Datum handle, an dem die Buchung eingegeben worden sei. So fal-
le auf, dass diese Excel-Listen im Dateinamen den Zusatz "ohne Korrekturen"
trügen. Auf dem USB-Stick gebe es aber auch noch Journale mit dem Zusatz
"inkl.Korrrekturen", bei welchen auffalle, dass viele Buchungen in der Spalte
"Text" mit "Mutation" und einem entsprechenden Datum bezeichnet seien. Bei
diesen seien sehr viele Buchungen aufgeführt, die in der Spalte "BuchNr." nicht
eine Buchungsnummer, sondern die Abkürzung "Korr." aufweisen würden. Merk-
würdigerweise seien gewisse Buchungen gleich mehrfach nachträglich mutiert
worden, wobei der Grund hiefür aus den Journals nicht ersichtlich sei. Der Zeuge
H._ habe dazu (bei der Staatsanwaltschaft) nichts gesagt und auch nicht er-
klärt, was das genau für ein Datum sei, welches in den Journals "ohne Korrektu-
ren in der Spalte "Erfassungsdatum " erscheine (Urk. 144 S. 5).
Die aufgeführten Buchungsdaten im System wurden wahrscheinlich jeweils am
Tag der entsprechenden Buchung automatisch gespeichert; diese konnten mut-
masslich nachträglich nicht unbemerkt verändert werden. Dies ergibt sich indirekt
aus der Aussage von R._, wonach das einzige, was man manuell eingeben
könne, die Belegnummer sei (Urk. 1/65 S. 8 Frage 52). Die vom Privatkläger ein-
gereichten Logfiles (Urk. 1/21.1+2) wurden aufgrund der von H._ erstellten
vollständigen Logfiles der Buchungen im Buchhaltungssystem des Privatklägers
in den Jahren 2011, 2012 und 2013 im Excelformat (vgl. E-Mail und Eingabe von
RA Dr. AD._ vom 21. Juni 2017 und 22. Juni 2017 [Urk.1/19 und 1/20]) zu-
sammengestellt (Urk. 1/67 S. 8 Fragen 47 ff.); diese zeigen gemäss den Angaben
des Anwalts der Privatkläger die effektiven Buchungsdaten (Urk.1/20 S. 3 Rz 11):
Ob die Logfiles tatsächlich die effektiven Buchungsdaten zeigen, kann das Ge-
richt - mangels Sachkunde im Buchhaltungsprogramm Abacus - nicht ohne weite-
res zuverlässig beurteilen. H._ bestätigte anlässlich der Zeugenbefragung
vom 24. August 2017, dass er die Excel-Dateien über die Buchhaltung 2011,
2012 und 2013 des Institut C._ - dabei dürfte es sich um Urk. 1/21/3 und um
Urk. 1/69.5 handeln - erstellt habe. Auf die Frage, was die Dateien enthalten, führ-
te der Zeuge H._ die Spaltentitel an, nämlich "Buchungsnummer, Belegda-
tum, Erfassungs - / Mutationsdatum, Belegnummer sofern vorhanden, Konto
- 26 -
oder Kostenart, Kostenstelle, Gegenkonto oder Gegenkostenart, Gegenkosten-
stelle, Textzeilen 1 und 2, Buchungsherkunft (Applikation), Leitwährungsbetrag,
Benutzerkürzel, Benutzungsnummer (Hash); es handle sich hierbei um eine les-
bare Darstellungsform des Abacus-Erfassungsjournals FIBU (Urk. 1/67 S. 8 Frage
49). Dies könnte man dahingehend deuten, dass diese Daten - mit Ausnahme der
Belegnummer - und somit auch das Erfassungsdatum automatisch gespeichert
werden. Eine klare Aussage, dass man Erfassungsdaten nicht rückdatieren oder
manuell erfassen kann, existierte jedoch im Untersuchungsverfahren nicht. Es er-
scheint indessen unwahrscheinlich, dass die im ersten Halbjahr 2011 getätigten
unrechtmässigen Behändigungen allesamt erst nach dem Eintritt von I._ d.h.
nach September 2012 verbucht wurden.
H._ wurde auf Antrag der Parteien am 13. August 2020 nochmals befragt
und bestätigte als Zeuge, dass die aufgeführten Buchungen effektiv an den in der
Rubrik "Erfassungsdatum" genannten Daten erfolgten. Das Belegdatum sei hin-
gegen das Datum, welches zeige, in welcher Zeitperiode die Buchung buchhalte-
risch erscheinen müsse. Das Erfassungsdatum zeige, an welchem Tag der Buch-
halter die Buchung erfasst habe; ob die Buchung an diesem Datum eingegeben
oder korrigiert worden sei, da sei er nicht ganz sicher, seines Wissens werde aber
das Erfassungsdatum bei einer Korrektur angepasst. Das Erfassungsdatum kön-
ne nicht manuell erfasst und somit auch nicht rückdatiert werden. Buchungen im
System Abacus seien auch in späteren Geschäftsjahren in einem alten Ge-
schäftsjahr möglich, solange dieses frühere Geschäftsjahr nicht definitiv abge-
schlossen sei (Prot. II S. 41). Auch der Zeuge F._ erklärte, Erfassungsdaten
würden vom System zugeteilt und könnten nicht beeinflusst werden; eine Rückda-
tierung von Erfassungsdaten sei seiner Meinung nach nicht möglich (Prot. II S. 61
und 63). Weiter erklärte der Zeuge H._, bei den auf dem Buchhaltungsstick
enthaltenen Listen mit dem Zusatz "inkl. Korrekturen" handle es sich um PDF-
Dokumente, in denen man die Korrekturen mitsamt dem Datum derselben sehe.
Die Excel-Tabellen mit der Bezeichnung "ohne Korrekturen" zeigten die zuletzt er-
fasste Version, d.h. so wie die Buchungen schlussendlich verbucht worden seien
(Prot. II S. 46 ff.). Ein beispielhafter Vergleich der auf der Buchhaltungs-CD Urk.
1/69.5 vorhandenen PDF-Listen mit den entsprechenden Excel-Tabellen, nämlich
- 27 -
im Jahr 2011 betreffend Buchungsnummern 2656 und 2658 (vgl. dazu "41 Jour-
nal 2011 inkl Korrekturen" und "61 Erfassungsjournal 2011 ohne Korrekturen"), im
Jahr 2012 betreffend Buchungsnummern 1635 und 6933 (vgl. dazu "42 Journal
2012 inkl Korrekturen" und "62 Erfassungsjournal 2012 ohne Korrekturen") und im
Jahr 2013 betreffend Buchungsnummern 9461, 9462 und 9500 sowie 9501 (vgl.
dazu "43 Journal 2013 inkl Korrekturen" und "63 Erfassungsjournal 2013 ohne
Korrekturen") zeigt, dass bei den Buchungen in der Excel-Tabelle jeweils das Da-
tum der jüngsten Korrektur oder Mutation als Erfassungsdatum aufgeführt ist.
Somit trifft die von der Vertreterin der Privatklägerin anhand einer nachträglich
vorgenommenen Korrektur gezeigte Schlussfolgerung zu, dass sich die als Erfas-
sungsdaten aufgeführten Daten auf das Datum der ursprünglichen Erfassung be-
ziehen, falls keine Korrekturen erfolgt sind, oder auf das Datum der letzten Kor-
rektur, falls solche im Nachhinein vorgenommen wurden (Urk. 166 S. 2 mit Ver-
weis auf Urk. 167/1). Damit steht fest, dass die Buchungen tatsächlich an den in
der Rubrik "Erfassungsdatum" aufgeführten Daten erfolgten.
4.6. Ein weiteres, wenn auch nicht ausschlaggebendes Indiz für die Täterschaft
der Beschuldigten, ergibt sich beim Vergleich der Umsätze in Soll und Haben der
Bargeldkasse: So waren diese im Durchschnitt in den Jahren 2011-13 deutlich
(ungefähr CHF 50'000.–) höher als nach Beendigung der Tätigkeit der Beschul-
digten per Dezember 2013 in den Jahren 2014-2016 (vgl. Eingabe vom 12. Sep-
tember 2017 [Urk. 1/26] und Beilagen [Urk. 1/11/3 und 1/13/1+2 sowie 1/27/5-7]).
4.7. Letztlich stellt - worauf bereits die Vorinstanz zutreffend hingewiesen hat -
der Umstand, dass die Beschuldigte als einzige der in Frage kommenden Perso-
nen - mit Ausnahme von Sonntag 17. Februar 2013 - an allen Daten, an denen
(ein Grossteil der) in der Anklageschrift erwähnten Buchungen getätigt wurden, im
Büro anwesend war, einen zusätzlichen wichtigen Hinweis auf ihre Täterschaft
dar. Dies ist aufgrund der fraglichen Buchungsdaten (Urk. 1/21/1+2) - nachdem
davon auszugehen ist, dass diese effektiv an den aufgeführten Erfassungsdaten
erfolgten - und der Arbeitszeiterfassungen der weiteren Mitarbeiterinnen und Mit-
arbeiter für die Zeit von Juli 2011 bis Ende März 2013 belegt (Urk. 1/26 S. 1 und
1/27/1-3). Die Beschuldigte war am 11. Dezember 2013 das letzte Mal im Büro
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beim Privatkläger anwesend (Urk. 1/28.1 S. 11 und Urk. 1/28.5 S. 2 sowie Urk.
1/29.1 S. 4); somit kommt sie auch für die weiteren ab 2013 (ab Seite 16 der An-
klageschrift) eingeklagten Daten als Täterin in Frage. Die Buchungen zu den in
der Anklageschrift im Jahr 2013 aufgeführten Anklagevorwürfen 25, 26, 31, 33
und 34, 36 und 37 sowie 40 (vgl. nachfolgend auch unter Ziff. 5.) wurden ausge-
führt, was aus dem Auszug "Konto 1000 Kasse" betreffend das Jahr 2013 ersicht-
lich ist (Urk. 1/11.3 S. 4 f., 7 f. und 10). Aus den eingereichten Buchhaltungs-CDs
(Urk. 1/21/3 und 1/69.5) ergibt sich bezüglich dieser im Jahr 2013 aufgeführten
Anklagevorwürfe (vgl. nachfolgend auch unter Ziff. 5.), dass an den fraglichen Da-
ten der Buchungen - mit einer Ausnahme im Anklagesachverhalt 40, wo "I'._"
die Buchung vornahm - keine Angaben zum Kürzel des Users und in der hinters-
ten Spalte zahlreiche "0" aufgeführt sind, so dass diese einem gelöschten User
zugeordnet werden können.
Wie die nachfolgenden Ausführungen zu den einzelnen Sachverhaltsvorwürfen
zeigen, lässt sich die Täterschaft der Beschuldigten für viele Anklagevorwürfe er-
stellen, jedoch auch aufgrund weiterer Umstände (vgl. dazu auch die Zusammen-
fassung unter Ziff. 5.42).
5. Einzelne Sachverhaltsvorwürfe
5.1. Die Vorinstanz kam aufgrund der Vorbringen der Verteidigung anlässlich
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung (Urk. 116 S. 7 f.) zum Schluss, der Vorfall
gemäss Anklagevorwurf 1 habe sich in chronologischer Hinsicht wohl anders zu-
getragen als in der Anklageschrift geschildert. In diesem Zusammenhang brachte
die Verteidigung anlässlich der Berufungsverhandlung vor, die Umdeutung der
Buchungsdaten sei eine unzulässige Abweichung vom Anklagesachverhalt, des-
halb sei das Anklageprinzip verletzt (Urk. 144 S. 10). Das erstinstanzliche Gericht
hielt fest, wesentlich sei, dass die Beschuldigte den Geschäftsfall doppelt gebucht
habe, was nur dazu gedient haben könne, eine widerrechtliche Entnahme von
Fr. 2'954.-- oder Fr. 3'000.-- zu vertuschen. Die fraglichen Buchungen seien vom
gelöschten Benutzer, folglich von der Beschuldigten vorgenommen worden und
an den effektiven Buchungsdaten 27. Juli 2011 und 17. April 2012 sei die Be-
schuldigte im Büro anwesend gewesen, während K._ am 27. Juli 2011 in den
- 29 -
Ferien geweilt habe (Urk. 127 S. 21 f. mit Verweis auf Urk. 1/13.1 S. 4, 1/13.5 und
Urk. 1/21.1 sowie 1/27.1). Diesen Ausführungen kann beigepflichtet werden, ins-
besondere ist der Anklagevorwurf, der Vorfall sei von der Beschuldigten doppelt
gebucht worden, genügend konkret, damit sie sich verteidigen kann. Der Vorgang
wurde effektiv doppelt gebucht (Urk. 1/13.3) und beide Buchungen in der Buch-
haltung des Privatklägers sind keinem bestimmten Benutzer zugeordnet, sondern
weisen stattdessen in der hintersten Spalte viele Nullen auf (vgl. Urk. 1/21/1 sowie
Urk. 1/69.5 Erfassungsjournal 2011 ohne Korrektur). Der Sachverhalt ist somit er-
stellt, da die fraglichen Buchungen der einzigen gelöschten Benutzerin Nr. 5, mit-
hin der Beschuldigten, zugeschrieben werden können. Daran vermögen die sinn-
gemässen Vorbringen der Beschuldigten, es sei unwahrscheinlich, dass die kor-
rekte Buchung gemäss den Erwägungen der Vorinstanz erst fünf Monate und die
fiktive erst über ein Jahr später erfolgt seien (Urk. 137/2 S. 1), nichts zu ändern.
5.2. Die Vorinstanz ging bezüglich Anklagevorwurf 2 wiederum davon aus, dass
wohl die frühere Buchung Nr. 3231 korrekt sei, die spätere Buchung Nr. 20752
hingegen die fiktive Buchung darstelle und es sich beim Beleg Urk. 1/13.8 mög-
licherweise um den Beleg für die Buchung 3231 handle (Urk. 127 S. 22 f.). Dies
kann offenbleiben. N._ gab klar an, dass sie den Lohnvorschuss aus der
Kasse M._ nahm und AE._ gegen Quittung aushändigte. Ferner sagte
sie überzeugt aus, dass sie von keiner weiteren Barzahlung an AE._ Kennt-
nis habe, eine solche hätte jedoch mit ihr abgesprochen werden müssen (Urk.
1/61 S. 7 f. Fragen 54 ff.). Beizupflichten ist deshalb den Ausführungen der Vo-
rinstanz, wonach aufgrund der an sich zurückhaltenden Angaben von AE._,
die jedoch die Bar-Auszahlung logisch mit der verzögerten Auszahlung von Kin-
derzulagen im Mai 2011 in Verbindung brachte, und der klaren Aussage von
N._, ausgeschlossen werden kann, dass AE._ aus der Hauptkasse eine
zweite Vorschusszahlung im Betrag von Fr. 2'000.-- erhielt (vgl. die Aussagen in
Urk. 1/51 Fragen 4 und 20 ff., insbesondere Frage 25 und Urk. 1/61 Fragen 50 ff.
und 64 ff. sowie Belege Urk. 1/13.6-8). Nachdem beide fraglichen Buchungen
existieren (Urk. 1/13.1 S. 9 und 1/13.7) und die Buchung im Konto der Hauptkas-
se ebenso von einem gelöschten User vorgenommen wurde (Urk. 1/21.1), wie
auch die Buchung im Konto der Kasse M._ (Urk. 1/69.5 Erfassungsjournal
- 30 -
2011 ohne Korrektur), können diese der Beschuldigten zugeordnet werden (auf-
grund des Nachweises, dass nur ein gelöschter User existiert und die Buchungen
dem User Nr. 5 mit dem Kürzel A'._ zugewiesen werden können).
5.3. Betreffend Anklagevorwurf 3 führt die Beschuldigte in ihrer eigenen Stel-
lungnahme im Vorfeld der Berufungsverhandlung aus, die Lohnabrechnung datie-
re vom 18. Juli 2011, dieser Lohn sei AF._ gemäss Lohnabrechnung auf das
ZKB-Konto überwiesen worden, wobei dieses auf ihren Mann gelautet habe. Des-
halb sei das Geld zurücküberwiesen worden, wofür die Beschuldigte auf einen
beigelegten Rücküberweisungsbeleg der CS verweist. Sie habe versucht, Frau
AF._ telefonisch zu erreichen, um eine korrekte Kontonummer zu erhalten.
Auf ihre Nachricht auf dem Telefonbeantworter habe sich Frau AF._ gemel-
det und bestätigt, dass es sich um die Kontonummer ihres Ehemannes handle.
Deshalb sei es dann zur Barauszahlung gekommen, wobei sie nicht mehr wisse,
ab an Frau AF._ direkt oder über N._. Eine zweite Überweisung an das
korrekte ZKB-Konto von Frau AF._ durch die Bank habe sie im CS-Konto-
Auszug 2011 nicht gefunden (Urk. 137/2 S. 2). Tatsächlich datiert die "Lohnab-
rechnung per 18. Juli 2011" vom 25. Juli 2011 und trägt den handschriftlichen
Vermerk "Bar ausbezahlt 25.07.11" mit dem Visum A'._, wobei es sich um
die Handschrift der Beschuldigten handeln dürfte. Frau AF._ war offenbar
dann in den Ferien (vgl. Anhang zu Urk. 1/50). Falls die Auszahlung an Frau
N._ erfolgt wäre, wäre ein entsprechender Hinweis, "Auszahlung an Frau
N._ zu Handen Frau AF._" oder ähnliches zu erwarten gewesen oder
eine Unterschrift von N._ für die Entgegennahme des recht hohen Barbetra-
ges. Anlässlich der Einvernahme bestätigte AF._, dass ihr der Lohn im Jahr
2011 monatlich ausbezahlt und ihr jeweils auf das Konto von ihr und ihrem Mann
AG._ bei der ZKB überwiesen worden sei; das Konto laute deshalb möglich-
erweise nicht auf sie. Sie könne sich nicht daran erinnern, dass ihr der Lohn je
aus der Bargeldkasse ausbezahlt worden sei, sie glaube eher nicht. Jedenfalls
könne es aber nicht stimmen, dass sie wie in der Lohnabrechnung per 18. Juli
2011 aufgeführt, 180 Stunden gearbeitet und dafür mit Fr. 5'030.65 entlöhnt wor-
den sei. Sie sei für die Zeit von Februar bis August 2011 auf insgesamt Fr.
2'650.40 gekommen, da sie einen Tag pro Woche, dies nicht regelmässig, jeweils
- 31 -
am Freitag Betreuung gemacht habe; d.h. sie habe mit den behinderten Jugendli-
chen geputzt. Dies in der Zeit von Februar bis Juli 2011 (Urk. 1/50 S. 2 f. Frage 9
f. und S. 3 f. Frage 18 ff.). Beim erwähnten CS-Beleg betreffend Rücküberwei-
sung handelt es sich gemäss den Ausführungen im Plädoyer der Verteidigung an-
lässlich der Berufungsverhandlung um den Credit-Suisse Kontoauszug des Pri-
vatklägers per 30.09.2011 S. 3 (Urk. 144 S. 11). Der erwähnte Auszug weist per
21. Juli 2011 tatsächlich eine Vergütung der Zürcher Kantonalbank über Fr.
5'030.65 an den Privatkläger aus (Urk. 1/85/9, Kontoauszug CS per 30.09.2011
S. 3). Es steht jedoch kein Zahlungsgrund dabei. Auf dem von AF._ einge-
reichten Kontoauszug der ZKB lautend auf AG._, auf welches gemäss Lohn-
abrechnung per 18. Juli 2018 der Lohn überwiesen wurde, ist bis Ende Juli 2011
keine Rücküberweisung ersichtlich (vgl. Anhang zur Einvernahme Urk. 1/50 am
Ende). Der CS Bankauszug belegt jedenfalls keine anschliessende effektive Bar-
auszahlung von Fr. 5'030.65 an AF._. AF._ sagte als Zeugin glaubhaft
aus, sie erinnere sich nicht, je eine Lohnauszahlung in bar erhalten zu haben, und
sie habe während ihrer ganzen Beschäftigungsdauer insgesamt nur Lohnansprü-
che von gut der Hälfte der geltend gemachten Barauszahlung für den Juli-Lohn
gehabt. Deshalb und weil die Barauszahlung lediglich durch die handschriftliche
Notiz der Beschuldigten versehen mit ihrem Kürzel "A'._" bestätigt wird, ist
nicht belegt, dass AF._ Fr. 5'030.65 in bar erhielt. Folglich ist dieser Sach-
verhalt erstellt.
5.4. Zum Anklagevorwurf 4 und den von der Verteidigung anlässlich der vo-
rinstanzlichen Hauptverhandlung erhobenen Einwendungen, machte die Vo-
rinstanz überzeugende Ausführungen (Urk. 127 S. 25 ff.). Es kann vorab darauf
verwiesen werden. Die Beschuldigte bringt vor, es habe dokumentiert und belegt
werden können, dass namentlich im Februar 2012 auch die von AH._ privat
für E._ geleisteten Stunden entsprechend Fr. 615.-- über den Privatkläger
gelaufen seien (Urk. 116 S. 10 und 137/2 S. 2). Die Verteidigung wiederholte die-
se Vorbringen im Rahmen der Berufungsverhandlung (Urk. 144 S. 12). Aus den
auf Antrag der Beschuldigten vom Privatkläger edierten Stundenzusammenstel-
lungen (Urk. 1/93/13.2) ergeben sich tatsächlich Hinweise, dass auch teilweise
die privat geleisteten Stunden vom Privatkläger überwiesen wurden. Indessen ist
- 32 -
das klar dokumentiert (vgl. z.B. E-Mail Schreiben E._ vom 8. Mai 2012 im
Anhang zur Stundenzusammenstellung bis Mitte Mai 2012) und die Beschuldigte
quittierte denn auch, dass sie den entsprechenden Betrag in bar von der Heimlei-
terin E._ erhalten hatte. Im übrigen ist nachvollziehbar, dass sich AH._
anlässlich ihrer Einvernahme vom 29. Juni 2017 angesichts des Zeitablaufs nicht
mehr im Detail erinnern konnte, dass sie ein oder evtl. mehrere Male die privat
geleisteten Stunden mit den Zahlungen der für den Privatkläger erbrachten Ar-
beitsstunden erhalten hatte. Entscheidend ist jedoch, dass sie angab, die Lohn-
zahlungen immer auf ihr Konto erhalten zu haben und die Auszahlung von Barbe-
trägen klar verneinte; hierfür existieren denn auch keine von AH._ unter-
zeichneten Quittungen (vgl. zu den Anklagevorwürfen 9 und 17 die Lohnabrech-
nungen per 2. Februar 2012 und vom 27. September 2012, je mit dem in der
Handschrift der Beschuldigten geschriebenen Vermerk "Bar ausbezahlt" im An-
hang zur Einvernahme Urk. 1/49). Die fragliche Buchung wurde vom gelöschten
User vorgenommen (Urk. 1/21/1); da es sich dabei praktisch nur um die Beschul-
digte handeln kann, ist der Sachverhalt erwiesen.
5.5. Betreffend Anklagevorwurf 5 (Zahlung an AI._) ging die Vorinstanz auf
die Vorbringen der Verteidigung anlässlich der Hauptverhandlung ein (Urk. 127
S. 27). In ihrer Eingabe vom 9. Oktober 2019 warf die Beschuldigte die Frage auf,
inwiefern die korrekte Buchung mit einer Buchungsnummer von etwas mehr über
6000, wie sie im September 2011 verwendet worden seien, erst am 17. April 2012
habe verbucht werden können (Urk. 137/2 S. 2). Auch anlässlich der Berufungs-
verhandlung brachte die Verteidigung vor, gemäss Urteil der Vorinstanz solle die
korrekte Buchung die Belegnummer 6233 tragen und die falsche die Belegnum-
mer 6231, so dass diese wegen den nahe beieinanderliegenden Buchungsnum-
mern in unmittelbarer zeitlicher Nähe zueinander hätten eingebucht worden sein
müssen. Die relevanten Buchungen sollten jedoch vom 12. Oktober 2011 und
vom 17. April 2012 datieren und somit über ein halbes Jahr auseinanderliegen.
Dies könne definitiv nicht stimmen. Da die Buchungsnummern nicht manipuliert
werden könnten, stimmten vermutlich die Buchungsdaten nicht, so dass auch
nicht ausschlaggebend sei, wer an diesen Daten im Büro anwesend gewesen sei
(Urk. 144 S. 12 f.). Die Vorinstanz kam mit der überzeugenden Begründung, dass
- 33 -
der Rechnungsbetrag für 80 Palettgitteraufsätze à Fr. 45.-- Fr. 3'600.-- ergebe,
dieser Betrag mittels Einzahlungsschein bei der Post AJ._ beglichen worden
und gemäss glaubhafter Aussage des Zeugen AI._ nur eine Lieferung erfolgt
sei, zum Schluss, dass mangels Hinweisen auf weitere Forderungen oder Zah-
lungen an AI._ davon auszugehen sei, die Beschuldigte habe das Durchei-
nander bei den Buchungen zur Vertuschung der unrechtmässigen Entnahme von
Fr. 2'000.-- verursacht (Urk. 127 S. 27 mit Verweis auf Urk. 1/71). Die fraglichen
zwei Buchungen über Fr. 2'000.-- und 3'600.-- sind in Urk. 1/13.1 S. 13 vorhanden
und wurden vom gelöschten User vorgenommen (Urk 1/21.1). Nachdem sie der
Beschuldigten zugeordnet werden können, ist der Sachverhalt erstellt.
5.6. Zum Anklagevorwurf 6 kann wiederum auf die zutreffenden Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden, wonach der Mitarbeiter AK._ glaubhaft
ausgesagt habe, dass nie eine Lohnzahlung in bar erfolgt sei (Urk. 127 S. 28 mit
Verweis auf Urk. 1/72). Zu ergänzen ist diesbezüglich, dass AK._ - nach Ein-
blick in die von ihm mitgebrachten Unterlagen - als Auskunftsperson angab, er
habe im Dezember 2011 das Salär in der Höhe von CHF 6'695.35 auf sein Konto
bei der PostFinance ausbezahlt erhalten (Urk. 1/72 S. 4 f. Fragen 29 ff.). Folglich
bleibt ohne Auswirkung, dass sich keine Lohndeklaration respektive Lohnjournale
betreffend AK._ bei den Akten befinden, wie die Beschuldigte in der Eingabe
vom 9. Oktober 2019 und anlässlich der Berufungsverhandlung einwendete (Urk.
137/2 S. 3 und Urk. 144 S. 13). Da die Buchungen durch den gelöschten User der
Beschuldigten zugeschrieben werden können, ist der Sachverhalt erstellt.
5.7. Auch betreffend Anklagevorwurf 7 (Lohnzahlung an AL._) überzeugen
die Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 127 S. 29). Die Beschuldigte wies in ihrer
Eingabe vom 9. Oktober 2019 auf Ungereimtheiten in der Abfolge der Buchungs-
nummern hin (Urk. 137/2 S. 3 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte
die Verteidigung vor, es lägen zwei Buchungen aus der Lohnbuchhaltung vor, die
sich gegenseitig aufheben würden, womit die Dritte wiederum durchaus korrekt
sein könnte (Urk. 144 S. 13). Letztlich entscheidend ist jedoch, dass die fraglichen
Buchungen über denselben Betrag von Fr. 2'546.65 mit dem Vermerk "Kasse,
Barauszhg Lohn AL'._ 1029" respektive "Kasse, Barauszhg Lohn AL._"
- 34 -
zwei Mal erfolgten, nämlich per 21. Dezember 2011 (Urk. 1/13.1 S. 18 und Urk.
1/21.1) und nochmals per 16. Januar 2012 (Urk. 1/13.2 S. 1 und Urk. 1/21.2,
BuchNr. 2233), und von einem gelöschten User getätigt wurden. Es liegt jedoch
nur ein Beleg mit der Nr. 2233 vor, auf dem AL._ den Erhalt einer Lohn-
Barzahlung quittierte (Urk. 1.13.13): Nachdem rechtsgenügend feststeht, dass die
Beschuldigte die einzige gelöschte Nutzerin war, ist der Sachverhalt erstellt.
5.8. Anklagevorwurf 8 (Auslagen AM._): Die Verteidigung brachte vor Vo-
rinstanz vor, die Nebenkostenabrechnung von AM._ sei offenbar unter der
falschen Kostenstelle (220 statt 520) gebucht worden. Die Beschuldigte habe
aber nie Debitorenrechnungen gestellt; Nebenkostenabrechnungen für M._-
Betreute seien immer von N._ gestellt worden (Urk. 116 S. 12). Die Vo-
rinstanz kam zum Schluss, es sei nicht ersichtlich, weshalb die Buchung unter ei-
ner falschen Kostenstellennummer für die Schuldfrage massgebend sein solle,
die Nebenkostenabrechnung sei sodann in der Tat von N._ ausgestellt wor-
den, diese habe jedoch keine Buchungen vorgenommen. Die fiktive Buchung sei
am 12. Januar 2012 vom gelöschten User und folglich von der Beschuldigten vor-
genommen worden (Urk. 127 S. 29). Die Beschuldigte warf in ihrer Eingabe vom
9. Oktober 2019 verschiedene Fragen auf (Urk. 137/2 S. 4). Die Verteidigung
brachte sodann anlässlich der Berufungsverhandlung vor, es sei nicht erörtert
worden, weshalb die vom gelöschten User vorgenommene Buchung fiktiv sein
solle (Urk. 144 S. 13). Der Betrag von Fr. 1'010.20 wurde zwei Mal als Auslage
gebucht, einmal auf die Hauptkasse und einmal auf die Kasse M._, obwohl
die Kosten offensichtlich nur einmal entstanden und der zuständigen Behörde
(AN._ Bezirk ...) auch nur einmal in Rechnung gestellt worden waren (Urk.
1/77). Dies ist auffällig und ein Indiz für eine unrechtmässige Entnahme aus der
Kasse. Gemäss Anklageschrift entnahm N._ ca. Ende Dezember 2011 der
Kasse M._ Fr. 1'020.10 für Auslagen, die für AM._ entstanden waren
und stellte am 4. Januar 2012 entsprechend Rechnung an die zuständige
AN._ .... Nachdem dieser Vorgang von I._ gemäss Anklageschrift erst
anfangs 2013 mit Belegdatum 04.01.2012 korrekt verbucht wurde, steht nicht
zweifelsfrei fest, dass die von einem gelöschten User vorgenommene Buchung
vom 12. Januar 2012 unter dem Belegdatum "31.12.2011" (Urk. 1/21/1) fiktiv war.
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Dies wäre anders zu beurteilen, wenn beide Buchungen vom gelöschten User ge-
tätigt worden wären und der Beschuldigten zugeordnet werden könnten. Es könn-
te sich bei der Buchung vom 12. Januar 2012 jedoch auch um eine irrtümlich auf
die Hauptkasse Konto 1000 statt auf das Konto Kasse M._ 1003 vorgenom-
mene Buchung handeln. Hier hat in Nachachtung des Grundsatzes "in dubio pro
reo" ein Freispruch zu erfolgen.
5.9. Zu Anklagevorwurf 9 kann auf die Ausführungen unter Ziff. 5.4. betreffend
Anklagevorwurf 4 verwiesen werden. Die fragliche Buchung wurde vom gelösch-
ten User vorgenommen (Urk. 1/21/2).
5.10. Bezüglich Anklagevorwurf 10 sind die Ausführungen der Vorinstanz
schlüssig (Urk. 127 S. 30). Die Beschuldigte bringt in der Eingabe vom 9. Oktober
2019 vor, es sei auffällig, dass die Buchung gemäss Anklage erst am 18.02.2013
erfolgt sein solle, die fiktive Buchung aber die korrekte Höhe der Belegnummern
vom Februar 2012 aufweise. Dies sei nicht möglich nach den Aussagen von
H._ und R._. Auffällig sei auch, dass im Kassenkonto ein paar Buchun-
gen später jedoch auf der gleichen Seite der gleich hohe Betrag nochmals er-
scheine (Urk.137/2 S. 4 mit Verweis wohl auf Urk. 1.13.17+18). Diese Vorbringen
wiederholte die Verteidigung sinngemäss anlässlich der Berufungsverhandlung
und machte geltend, es könnte eine Doppelzahlung vorliegen. Aufgrund der Un-
gereimtheiten mit den Buchungsnummern und -daten sei ein Abgleich mit den An-
und Abwesenheiten der verschiedenen Mitarbeiterinnen ungeeignet, um die Tä-
terschaft zu eruieren (Urk. 144 S. 14). Die Zahlung der fraglichen Rechnung Nr.
54706 auf das Postcheck-Konto der AO._ AG ist belegt (Urk. 81/6-8). Die
Buchung der (weiteren) Barzahlung an die AO._ AG im gleichen Betrag von
Fr. 3'588.90 wurde vom gelöschten User vorgenommen. Da diese der Beschul-
digten zugeordnet werden kann (Urk. 1/13.2 S. 3 und 1/21/2), ist dieser Sachver-
halt ebenfalls erstellt.
5.11. Betreffend Anklagevorwurf 11 kann erneut vorab auf die überzeugende
Begründung der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 127 S. 31). Die Beschuldigte
bringt vor, die fiktive Buchung vom 29. Februar 2012 über Fr. 2'150.-- sei am
18.02.2013 verbucht worden mit der Buchungsnummer 754, was der korrekten
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Höhe der Belegnummer für Februar 2012 entspreche. Dies sei nicht möglich nach
den Aussagen von H._ und R._ (137/2 S. 5). Auch hier ist der Sachver-
halt rechtsgenügend erstellt, da die fragliche Buchung durch den gelöschten Be-
nutzer ohne unüberwindbare Zweifel der Beschuldigten zugeordnet werden kann.
5.12. Die Beschuldigte wurde von der Vorinstanz vom Anklagevorwurf 12 (Vor-
schuss Küche an AP._, Fr. 1'500.--) frei gesprochen. Der Freispruch ist in
Rechtskraft erwachsen.
5.13. Was die unter Anklagevorwurf 13 erwähnte Lohnzahlung an AQ._ be-
trifft, erscheint die Argumentation der Vorinstanz wiederum nachvollziehbar, ins-
besondere, dass keine Bestätigung einer Barauszahlung durch AQ._ erfolgt
ist und die Buchung mutmasslich der Beschuldigten zugeordnet werden könne
(Urk. 127 S. 32). Die Beschuldigte verweist jedoch in ihrer Stellungnahme vom
9. Oktober 2019 darauf, dass auch zwei weitere Zahlungen in bar an diese Mitar-
beiterin erfolgt seien: So seien ihr am 4. Juli 2011 Fr. 2'200.-- Vorschuss und am
14. Juli 2012 nochmals Fr. 1'211.10, welcher Betrag sich auch nicht im Kumula-
tivjournal befinde, ausbezahlt worden (Urk. 137/2 S. 5). Dies wiederholte die Ver-
teidigung anlässlich der Berufungsverhandlung und machte geltend, die Bu-
chungstexte suggerierten alle, dass die entsprechenden Zahlungen aus der Kas-
se, also in bar vorgenommen worden seien (Urk. 144 S. 15). Die erwähnten Bar-
zahlungen sind in den Auszügen "Konto 1000 Kasse" der Jahre 2011 mit dem
Buchungstext "Kasse, Vorschuss AQ._" (Urk. 1/13.1 S. 9) und 2012 mit dem
Buchungstext "Kasse, Lohn AQ._ 19.6.-12.7.2012" (Urk. 1/13.2 S. 11) ent-
halten. AQ._ konnte nicht mehr aufgefunden und deshalb nicht zu den Vor-
gängen befragt werden. Es kann - davon ist zugunsten der Beschuldigten auszu-
gehen - aufgrund der weiteren Buchungen betreffend Lohnzahlungen in bar nicht
ausgeschlossen werden, dass der Mitarbeiterin AQ._ im Sinne einer Aus-
nahme und entgegen der Gepflogenheiten beim Privatkläger doch ein oder meh-
rere Male Lohnzahlungen in bar ausgerichtet wurden. Die Beschuldigte ist dies-
bezüglich vom Vorwurf des Diebstahls frei zu sprechen.
- 37 -
5.14. Betreffend Anklagevorwurf 14 (Einkauf von AR._ an der Blumenbörse,
Fr. 246.40) gibt es der treffenden Begründung im erstinstanzlichen Urteil nichts
beizufügen (Urk. 127 S. 33). Der Sachverhalt ist erstellt.
5.15. Die Beschuldigte brachte bezüglich Anklagevorwurf 15 (Rechnung Firma
AS._, Fr. 10'000.--) in ihrer Stellungnahme vom 9. Oktober 2019 vor, die Be-
legnummern der zwei Barbezüge à Fr. 5'000.-- an den geltend gemachten Bu-
chungsdaten 15. November 2011 seien nicht möglich, da die Höhe der Beleg-
nummern (gemeint wohl Buchungsnummern) denjenigen von Oktober 2012 ent-
sprächen (Urk. 137/2 S. 5). Anlässlich der Berufungsverhandlung brachte die Ver-
teidigung vor, sowohl die korrekte, wie auch die angeblich fiktive Buchung seien
auf dasselbe Sanierungskonto gebucht worden. Dies sei deshalb relevant, weil
sich in diesem Konto nur sehr wenige Buchungen befänden und dieses nach Ab-
schluss der Sanierung saldiert und auf das betreffende Liegenschaftenkonto um-
gebucht worden sei. Diese Doppelbuchung hätte somit auffallen müssen. Sanie-
rungen seien grundsätzlich subventioniert worden, wozu man das Sanierungskon-
to mit Details also z.B. Rechnungen habe einreichen müssen (Urk. 144 S. 16 und
Urk. 137/2 S. 6). Die erstinstanzlichen Erwägungen sind überzeugend (vgl.
Urk. 127 S. 33 f.). Es ist belegt, dass vom Privatkläger sowohl die Akontozahlung
als auch der Restbetrag und somit der ganze Rechnungsbetrag auf das Firmen-
konto der AS._ bei der ZKB überwiesen wurden. Folglich flossen keine Bar-
beträge (Urk. 1/57/2-5). Da die Buchung der zwei Mal Fr. 5'000.-- durch den ge-
löschten Benutzer der Beschuldigten angerechnet werden kann, spielt das effekti-
ve Buchungsdatum und, dass eine Doppelbuchung auffällig gewesen wäre, keine
entscheidende Rolle.
5.16. Bezüglich Anklagevorwurf 16 bringt die Beschuldigte vor, sie habe von der
Auszahlung von Fr. 1'000.-- gemäss Urk. 1/13.34 nichts gewusst. Bezüglich des
weiteren Beleges Urk. 1/13.36 sei es offensichtlich zu einer Barauszahlung ge-
kommen, evtl. habe sie diesen und das Geld bereit gestellt und dann zur Auszah-
lung und Unterschrift weiter gegeben (Urk. 137/2 S. 6). P._ sagte klar aus,
sie habe die Bargeldbezahlung von Fr. 1'000.-- gemäss Beleg 5948 (Urk. 1/13.34)
von der Beschuldigten erhalten. Es sei ihr in den Jahren 2012 und 2013 nie Bar-
- 38 -
geld von jemand anderem als der Beschuldigten ausbezahlt worden. Weiter gab
sie an, die Auslagen von insgesamt CHF 335.75 (gemäss Quittungen Urk.
1/13.35) habe sie vom Bargeldbetrag von Fr. 1'000.-- bezahlt. Das restliche Geld
in der Höhe von Fr. 664.25 habe sie ins Büro zurück gebracht und A._ über-
geben (Urk. 1/74 S. 4 ff. Fragen 23 ff.). Diese Aussagen wirken sehr glaubhaft.
Die Beschuldigte bestreitet, dass die BelegNr. auf Urk. 1/13.34 von ihr stamme.
Der Vorinstanz ist beizupflichten, dass es sich durchaus um die Handschrift der
Beschuldigten handeln könnte. Die Buchung unter Beleg Nr. 5948 mit dem Be-
legdatum 19.07.2012, Erfassungsdatum 11.10.2012 mit der Textzeile, Kasse,
Auslagen P._ Möbel Gr. 4 fehlt zwar im Stichproben-Auszug aus der Finanz-
buchhaltung betreffend das Geschäftsjahr 2012 (Urk. 1/21/2). Jedoch kann auf-
grund des Datensticks, welcher der Zeuge H._ anlässlich seiner Zeugenein-
vernahme eingereicht hat, festgestellt werden, dass die fragliche Buchung vom
gelöschten Benutzer getätigt wurde (Urk. 1/69.5 Erfassungsjournal 2012 ohne
Korrektur). Da erstellt werden konnte, dass es keinen weiteren gelöschten Benut-
zer gibt, ist der Sachverhalt rechtsgenügend nachgewiesen.
5.17. Zu Anklagevorwurf 17 kann auf die Ausführungen unter Ziff. 5.4. betreffend
Anklagevorwurf 4 und die Erwägungen der Vorinstanz zu diesem Anklagesach-
verhalt (Urk. 127 S. 35) verwiesen werden. Der Sachverhalt ist nachgewiesen.
Die fragliche Buchung wurde von einem gelöschten User vorgenommen (Urk.
1/21/2).
5.18. Betreffend Anklagevorwurf 18 (Rechnung von Dr. med. AT._, Fr. 800.-
-) ist auf die zutreffende Begründung im erstinstanzlichen Urteil zu verweisen
(Urk. 127 S. 35 f.). Aufgrund des Datensticks, welcher der Zeuge H._ anläss-
lich seiner Zeugeneinvernahme eingereicht hat, kann sodann festgestellt werden,
dass die fraglichen Buchungen 22294 und 22295 auch von einem gelöschten Be-
nutzer getätigt wurden (Urk. 1/69.5 Erfassungsjournal 2012 ohne Korrektur). Der
Sachverhalt ist erstellt, da die Buchungen Nr. 22293 bis 22295 vom 13. Februar
2013 mit Belegdatum 21.12.2012 der Beschuldigten zugeordnet werden können.
5.19.-20. Zu Anklagevorwurf 19 und 20 (Lebensmitteleinkauf sowie Kilometerspe-
sen von AP._, Fr. 356.95 und Fr. 177.70) kann erneut auf die schlüssigen
- 39 -
Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden. Die Beschuldigte bringt vor, es
handle sich jeweils um Spesen für das Vorjahr, die bis Ende Januar des neuen
Jahres getätigt worden seien, es bedeute jedoch nicht, dass diese Spesen vom
31. Dezember gewesen seien. Kilometerspesen seien Ende Jahr generell per
31.12. datiert worden. Dies bestätige auch das Buchungsdatum des Vorganges
gemäss Urteil am 13.02.2013. Die Höhe der Buchungsnummern sei für den Mo-
nat Dezember korrekt und die Belege seien jeweils im Kassenordner abgelegt
worden. Bezüglich der Kilometerspesen argumentierte die Beschuldigte indessen
wiederum angesichts der Dezember 2012 entsprechenden Buchungsnummer sei
nicht möglich, dass der Betrag von Fr. 177.70 so spät, nämlich am 4. März 2013
eingebucht worden sei (Urk. 137/2 S. 7). Nachdem die Buchungen der Beschul-
digten zugeschrieben werden können, spielt das effektive Buchungsdatum keine
entscheidende Rolle. Der Sachverhalt ist bewiesen.
5.21.-24. Die Anklagvorwürfe 21-24 (diverse Auslagen von E._, insgesamt
Fr. 1'181.90 [Fr. 609.05, Fr. 176.80, Fr. 372.65 und Fr. 23.40]). Hier gilt wiederum,
dass die Sachverhalte aufgrund der überzeugenden Erwägungen der Vorinstanz
(Urk. 127 S. 37 f.) erstellt sind: Namentlich ist die Überweisung auf das Konto von
E._ belegt (Urk. 1/13.48+49), sodass die nicht dokumentierten Barauszah-
lungen fingiert sind, da die entsprechenden Buchungen der Beschuldigten zuge-
ordnet werden können.
5.25. Entgegen der Vorinstanz ist die fragliche Buchung gemäss Anklagevorwurf
25 (Mitarbeitergeschenk, Fr. 82.20) in Urk. 1/13.2 S. 24 nicht ersichtlich, und es
ergibt sich auch nicht aus Urk. 1/21/2, dass diese von einem gelöschten Benutzer
getätigt wurde. Die Buchung findet sich vielmehr in Urk. 1/11/.3 S. 4 unter der Be-
legNr 6737 und weist als BelDatum den 9. März 2013 auf. Auf der Buchhaltungs-
CD ist diese Buchung unter der Belegnummer und dem Erfassungsdatum
03.12.2013 zu finden, wobei in der Spalte Benutzer zahlreiche Nullen stehen und
die Buchung somit von einem gelöschten Benutzer stammt (Urk. 1/21.3). Auch
dieser Sachverhalt ist erstellt, nachdem die Buchung der Beschuldigten zugeord-
net werden kann.
- 40 -
5.26. Betreffend Anklagevorwurf 26 findet sich die fragliche Buchung in Urk.
1/11.3 S. 5 unter Bel.Datum 26. März 2013; gemäss den Ausführungen der Vo-
rinstanz wurde die Buchung am 3. Dezember 2013 vom gelöschten User vorge-
nommen (Urk. 127 S. 39 f. mit Verweis auf Urk. 1/21.3). Die Buchung unter der
BelegNr. 5848 findet sich auf der Buchhaltungs-CD. Der Sachverhalt ist wie oben
- da die Buchung der Beschuldigten zugeordnet werden kann - erwiesen.
5.27. Bezüglich Anklagevorwurf 27 (Einzahlung von K._ für Einkäufe mit Ma-
norkarte, Fr. 2'400.--) kann einstweilen auf die zutreffenden Erwägungen der Vo-
rinstanz verwiesen werden (Urk. 127 S. 40). Die Beschuldigte bezieht sich in ihrer
Stellungnahme vom 9. Oktober 2019 auf eine Aufstellung mit den Eingängen Ma-
norkarten des Kassenkontos, welche klar die von ihr quittierten Einnahmen bele-
gen würden (Urk. 137/2 S. 8). Diese Aufstellung war der Eingabe nicht beigelegt.
Die Verteidigung argumentiert, es sei nicht relevant, von welchem Mitarbeiter die
Einkäufe getätigt worden seien, wichtig sei, dass das Geld nicht entwendet, son-
dern richtig verbucht worden sei (Urk. 144 S. 17). Die Beschuldigte stellt offenbar
nicht in Abrede, am 26. März 2013 Fr. 2'400.-- von K._ entgegen genommen
zu haben (Urk. 1/37/2 S. 8, vgl. Beleg im Anhang 2 zu Urk. 1/34). Die Verteidi-
gung machte anlässlich der Berufungsverhandlung jedoch geltend, die Soll-
Buchungen vom 5. März 2013 in der Höhe von CHF 1'470.00 sowie jene vom
13. März 2013 in der Höhe von CHF 1'015.55 ergäben zusammen gerade etwa
den von der Beschuldigten quittierten Betrag von Fr. 2'400.- (Urk. 144 S. 17). Es
ist zwar nicht nachvollziehbar, weshalb die quittierte Barzahlung von Fr. 2'400.--
in der Buchhaltung nicht als Akontozahlung erfasst wurde. Indessen befinden sich
in den grünen Ordnern mit Belegen betreffend das Geschäftsjahr 2013 tatsächlich
Aufstellungen vom 16. Februar und 16. März 2013 mit dem Titel "manor-
Abrechnung". Bei der Februarrechnung steht unter dem Total ein Abzug von Fr.
1'000.-- mit dem Vermerk "Heimkasse", in der Märzabrechnung wurde ein Abzug
von Fr. 1'400.-- mit dem Vermerk "Heimkasse" aufgeführt. Kopien von diesen
Aufstellungen werden als Urk. 151/1+2 zu den Akten genommen. Die in den bei-
den Abrechnungen aufgeführten Beträge wurden mit Ausnahme von Fr. 38.60,
die offenbar über die Bank bezahlt wurden, allesamt in der Buchhaltung im Konto
„1000 Kasse„ im Soll verbucht (Urk. 1/11.3 S. 4 bis 6 oben). Es kann somit nicht
- 41 -
erstellt werden, dass die Beschuldigte das übergebene Bargeld von Fr. 2'400.--
für sich behalten hat. Es hat hier ein Freispruch zu ergehen.
5.28. Betreffend Anklagevorwurf 28 (Einnahmen des Ostermarktes, Fr. 4'021.85)
ist auf die schlüssige Begründung im erstinstanzlichen Urteil zu verweisen
(Urk. 127 S. 40 f.). Es kann offen bleiben, ob die Beschuldigte geltend machte,
dass die Einnahmen aus dem Ostermarkt in anderen Jahren auch nicht in die
Hauptkasse gegangen seien oder meinte, die Buchung sei jeweils erst nach Fest-
legung des Verwendungszwecks erfolgt (Urk. 137/2 S. 8): Jedenfalls finden sich
in den Vorjahren entsprechende Buchungen unter dem Belegdaten 31.05.2011
beziehungsweise 18.04.2012 in der Hauptkasse (Urk. 1/13.1 S. 8 und Urk. 1/13.2
S. 7). Dass über die Verwendung des Erlöses des Ostermarktes im Jahr 2013 bis
im Dezember noch nicht entschieden und deshalb (noch) keine Buchung vorge-
nommen wurde, scheint lebensfremd. Der Sachverhalt ist mangels Buchung als
Einnahme im Jahr 2013 bewiesen.
5.29. Betreffend Anklagevorwurf 29 (Rechnung für Material von AU._,
Fr. 195.30) ist der vorinstanzliche Freispruch in Rechtskraft erwachsen.
5.30. Betreffend Anklagevorwurf 30 (Privateinkauf von AU._ bei AV._
AG, Fr. 99.95) wurde die Beschuldigte ebenfalls frei gesprochen. Der Freispruch
ist in Rechtskraft erwachsen.
5.31. Die Ausführungen der Vorinstanz mit Bezug auf Anklagevorwurf 31 sind
wiederum überzeugend (Urk. 127 S. 43); die Beschuldigte bringt nichts Neues
dazu vor (Urk. 137/2 S. 9). Die fraglichen Buchungen wurden durch einen ge-
löschten Anwender vorgenommen (Urk. 1/11.3 S. 7 f. und Urk. 21.3). Der Sach-
verhalt ist rechtsgenügend erstellt, da diese der Beschuldigten zugeordnet wer-
den können.
5.32. Betreffend Anklagevorwurf 32 (Rechnung für Material von AU._,
Fr. 195.30) ist der vorinstanzliche Freispruch in Rechtskraft erwachsen.
5.33. und 34. Auch mit Bezug auf die Anklagevorwürfe 33 und 34 wird auf die zu-
treffenden Erwägungen des erstinstanzlichen Richters verwiesen (Urk. 127
- 42 -
S. 44 f.). Die fraglichen Buchungen vom 10. September 2013 sind dokumentiert
(Urk. 1/11.3 S. 8) und wurden vom gelöschten User - somit von der Beschuldigten
- ausgeführt (Urk. 1/21.3).
5.35. Zu Anklagevorwurf 35 bringt die Beschuldigte wohl sinngemäss vor, das
Rückgeld von Fr. 485.40 (Klassenlager Oberstufe 1, Rückgeld) sei nicht als Ein-
nahme verbucht worden, weil die Totalkosten vom Vorschuss von Fr. 2'500.-- ab-
gezogen und letztlich nur die effektiven Auslagen von Fr. 2'287.35 Kasse Lager
Gr. 5 gebucht worden seien (Urk. 137/2 S. 9). Nachdem im Kassenbuch der Ein-
gang des Rückgeldes am 10. Juni 2013 fest gehalten und erst am 18. Juni 2013
der Barvorschuss von Fr. 2'500.-- notiert wurde (Urk. 1/31 Anhang), ist sehr un-
wahrscheinlich, dass diese Zahlen dasselbe Lager betrafen. Unter Verweis auf
die schlüssige Begründung der Vorinstanz (Urk. 127 S. 45 f.) ist mangels Bu-
chung des Rückgeldes in Urk. 1/11.3 diesbezüglich der Sachverhalt rechtsgenü-
gend nachgewiesen.
5.36. Die Beschuldigte macht betreffend Anklagevorwurf 36 geltend, es treffe
nicht zu, dass AW._ jeweils nur die Fahrtkosten zu Weiterbildungen vorge-
schossen und nachher aus der Kasse zurückerstattet erhalten habe. Aus Beilage
Konto Kasse 2011/2012 ergebe sich, dass jeweils Weiterbildungskosten zurück
erstattet worden seien (Urk. 137/2 S. 10). In den Kontenauszügen betreffend die
Jahre 2011 und 2012 (Urk. 1/13.1.+2.) finden sich zwar zahlreiche Auszahlungen
für Weiterbildungen respektive Weiterbildungsspesen; indessen erhielt AW._
nur einmal am 6. November 2011 den Betrag von Fr. 125.-- (Urk. 1/13.2 S. 18).
Die Buchung über den wesentlich höheren Betrag von Fr. 388.50 wurde vom ge-
löschten Nutzer ausgeführt (Urk. 1/21.3), nachdem diese der Beschuldigten zu-
gewiesen werden kann, ist der Sachverhalt erstellt.
5.37. Die Beschuldigte wendet betreffend Anklagevorwurf 37 ein, Frau BA._
habe ein Jahr zuvor auch eine Weiterbildung besucht und die Kosten hätten
Fr. 333.60 betragen. Die erwähnte Beilage ist nicht mitgeschickt worden
(Urk. 137/2 S. 10). Indessen ist ausschlaggebend, wie die Vorinstanz zutreffend
vorbringt, dass ein Beleg für die Barauszahlung fehlt und die fragliche Buchung
(Urk. 1/11.3. S. 10) von einem gelöschten User ausgeführt wurde (Urk. 1/21.3).
- 43 -
Weil es sich beim gelöschten User um die Beschuldigte handelt, ist auch dieser
Sachverhalt erstellt.
5.38. Zu Anklagevorwurf 38 kann zunächst auf die überzeugende Begründung im
erstinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 127 S. 47 f). Die Beschuldigte un-
terzeichnete am 12. September 2013 eine Quittung über den fraglichen Betrag
von Fr. 1‘100.— (Urk. 1/34. Anhang 2), und es wurde keine entsprechende Bu-
chung vorgenommen. Die Verteidigung verweist auf ihre Ausführungen unter An-
klagevorwurf 27 (Urk. 144 S. 18). Die Beschuldigte macht hierzu - wie bei Ankla-
gevorwurf 27 - sinngemäss geltend, sie habe Barvorschüsse erhalten und eine
Zusammenstellung der Eingänge Manorkarten des Kassenkontos beigelegt, wel-
che ganz klar die Einnahmen belegen würden, die von ihr quittiert worden seien
(Urk. 137/2 S. 8). Eine entsprechende Zusammenstellung wurde nicht eingereicht.
Auf der Quittung vom 12. September 2013 sind Einzelbeträge von Fr. 50.— Juli,
Fr. 550.—, Fr. 150.— und nochmals Fr. 150.— je mit August aufgeführt. Diesbe-
züglich existiert in den Ordnern mit Belegen für das Jahr 2013 nur eine Aufstel-
lung manor-Abrechnung vom 16. Juni 2013, abgelegt im Juli und im September
Register, aus welcher ein Abzug „Heimkasse“ von Fr. 50.— hervorgeht `(vgl. Ko-
pie Urk. 151/4). Die dort aufgeführten Beträge sind im Konto Kasse als Einnah-
men gebucht, nämlich Fr. 31.40 (AW._, Urk. 1/11.3 S. 9), Fr. 96.30
(BB._, S. 10) und Fr. 17.80 (BC._ S. 16). Weitere Abrechnungen sind
nicht auffindbar. Aus dem Konto Kasse 1000 für das Jahr 2013 sind in der zwei-
ten Jahreshälfte auch keine entsprechenden Buchungen die Monate Juli und Au-
gust betreffend auffindbar (Urk. 1/11.3). Somit ist der Sachverhalt im Fr. 50.—
übersteigenden Betrag erstellt.
5.39. Der Freispruch hinsichtlich Anklagevorwurf 39 der Vorinstanz ist in Rechts-
kraft erwachsen.
5.40. Zum Anklagesachverhalt 40 gilt zu sagen, dass die Beschuldigte in ihrer
Eingabe vom 9. Oktober 2019 sogar bestätigt, sie habe das Geld entgegen ge-
nommen; sie macht jedoch geltend, sie habe den Vorgang bis zu ihrem Weggang
nicht verbucht; sie wisse nicht, was mit dem Geld passiert sei (Urk. 137/2 S. 10).
Hierzu kann vollumfänglich auf die vorinstanzlichen Ausführungen verwiesen
- 44 -
werden; das Vorbringen ist angesichts des Umstandes, dass die Beschuldigte die
Rechnung zur Zahlung weitergab, ohne die Barzahlung zu verbuchen, als
Schutzbehauptung zu werten (Uri. 127 S. 48 f.).
5.41. Zu Anklagesachverhalt 41: Die Verteidigung monierte in der Eingabe vom
9. Oktober 2019, die Vorinstanz habe das Eintrittsdatum von Frau I._
(1. September 2012) grosszügig übersehen: So erachte sie es als glaubhaft, dass
diese bestätigt habe, Frau K._ habe der Beschuldigten das Geld aus der Kaf-
feekasse jeweils "über den Tisch" zwecks Verbuchung übergeben. Indessen kön-
ne Frau I._ aber bei keiner der von Frau K._ handschriftlich notierten
Geldübergaben vom 15. Juli 2010, 20. April 2011 und 3. Juli 2012 anwesend ge-
wesen sein, da sie erst am 1. September 2012 eingetreten sei (Urk. 137/1 S. 3 f.).
Dazu ist zu bemerken, dass K._ erklärte, Frau E._ habe ihre Notizen
betreffend Bargeldübergaben an die Beschuldigte aus dem Verkauf von Kaffee-
kapseln bereits zu den Akten gereicht; vom Jahr 2013 fehlten die Notizen kom-
plett, da sie ihr das Geld - ein bis zweimal - zu den Kassastunden übergeben ha-
be, weil Frau A._ zu wenig Geld in der Kasse gehabt habe. Dies habe jedoch
Frau I._ gesehen (Urk. 1/34 S. 5 Fragen 17 und 18 sowie Urk. 1/35 S. 11 f.
Fragen 92 bis 94). I._ gab in der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft
vom 23. Mai 2017 an, man könne ausschliessen, dass sie bei sämtlichen Über-
gaben von Geld aus der Kaffeetasse von Frau K._ an Frau A._ anwe-
send gewesen sei. Sie sei ja keine Hellseherin. Sie habe mitbekommen, dass
Frau A._ gedrängt habe, dass sie fast nichts mehr in der Kasse habe und
dann Frau K._ über den Tisch das Geld aus der Kaffeekasse für die Kasse
übergeben habe. Frau K._ sei gutgläubig gewesen und habe das ohne ir-
gendeinen Beleg gemacht und gedacht, dass das Geld dann in die Kasse fliesse.
Sie erklärte auf Nachfrage, wie oft das vorgekommen sei, die Staatsanwältin solle
Frau K._ fragen, sie habe das einige Male, ein paar Mal mitbekommen, aber
sie wolle sich nicht festlegen (Urk. 1/31 S. 18 Frage 124). I._ deklarierte klar,
dass sie nicht bei sämtlichen Übergaben dabei gewesen sein konnte. Die Aussa-
gen beider Sekretariatsmitarbeiterinnen sind äusserst glaubhaft.
- 45 -
5.42. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Verteidigung und die Beschul-
digte einige Einwände vorgebracht haben, die bedenkenswert sind. So war jeden-
falls bis zur Befragung der Zeugen H._ und F._ insbesondere nicht klar,
wie es sich mit dem Benutzer Nr. 3 verhält. Angesichts des Umstandes, dass der
Beschuldigten jedoch verschiedene Anklagesachverhalte nachgewiesen werden
konnten, bei denen sie es unterliess, erhaltene Barzahlungen korrekt zu verbu-
chen und die Beträge für sich behielt (namentlich die Anklagevorwürfe 14, 16 und
28, 35, 38 sowie 41) erscheinen die verbleibenden Zweifel marginal. So ist kaum
vorstellbar, dass ein möglicher bisher unbekannter User, den weder die Beschul-
digte, noch E._, noch die Sekretariatsmitarbeiterinnen K._ und I._
konkret als Berechtigten im Buchhaltungssystem Abacus bezeichneten und der
jedenfalls nicht im Tagesgeschäft des Sekretariats tätig gewesen sein kann, im
ganzen Zeitraum ab Ende Februar 2011 bis Oktober 2013 die zahlreichen Bu-
chungen gemäss Anklageschrift vornahm. Dies kann praktisch ausgeschlossen
werden, so dass die Buchungen mit den vielen "0", die aufgrund der Löschung ei-
nes Users und einem Update-Fehler aufgetreten sind, der Beschuldigten zuge-
rechnet werden können. Die Wahrscheinlichkeit einer Dritt-Täterschaft ist realisti-
scherweise so klein, dass letztlich keine unüberwindbaren Zweifel an der Täter-
schaft der Beschuldigten bleiben.
6. Schliesslich ist auch bezüglich der falschen Diebstahlsanzeige auf die
überzeugende Argumentation des Vorderrichters abzustellen (Urk. 127 S. 50 f.).
Die Aussagen der Beschuldigten im Zusammenhang mit dem geltend gemachten
Diebstahl von zwei Couverts sind geprägt von Anpassungen (wechselnde Beträ-
ge) und falschen Angaben (Notengeld habe gefehlt und die Kasse sei "durchei-
nander" gewesen), die von zwei Personen (AU._ und I._) unabhängig
klar widerlegt wurden (Urk. 127 S. 50 f. mit Verweisen). Die Verteidigung wendet
ein, im Urteil der Vorinstanz finde sich in Bezug auf die angeblich falsche Dieb-
stahlsanzeige ein logischer Bruch, indem seine Mandantin den Diebstahl erfun-
den haben solle, um die "riesige Differenz zwischen dem Kassensaldo gemäss
Buchhaltung und dem tatsächlichen Bargeldbestand zu erklären", das Urteil aber
gleichzeitig darauf basiere, dass seine Mandantin die Bargeldentnahmen durch
fiktive Buchungen kaschiert habe. Wäre diese tatsächlich so vorgegangen, hätte
- 46 -
der Kassensaldo gemäss Buchhaltung mit dem tatsächlichen Saldo übereinge-
stimmt (Urk. 137/1 S. 4). Diese Argumentationsweise verfängt nicht, da ja auch
die Beschuldigte einräumen musste, dass der Kassenstand im November 2013
nahezu Fr. 50'000.-- betrug (Urk. 1/281 S. 1 Frage 4), so dass unter Annahme
des Diebstahls von Fr. 32'000.-- immer noch eine unerklärliche Differenz bestan-
den hätte (S. 13 Frage 68 - 70); dass noch Bargeld aus der Kasse genommen
wurde, scheint unwahrscheinlich, da sich noch rund Fr. 16'000.-- (Urk. 1.1. S. 4) in
der Kassette befanden. Der Sachverhalt ist erstellt.
B. Zusammenfassung und rechtliche Würdigung
1. Zusammengefasst ergibt sich, dass die Beschuldigte vom Anklagevorwurf
8 (Auslagen AM._, Fr. 1'010.20) und vom Anklagevorwurf 13 (Lohnzahlung
an AQ._, Fr. 2'329.--) sowie vom Anklagevorwurf 27 (Übergabe Bargeld von
K._ für Einkäufe mit Manor-Karte, Fr. 2'400.--) frei zu sprechen ist. Im übri-
gen sind die Gegenstand des Berufungsverfahrens bildenden Anklagsachverhalte
erwiesen.
2. Der Vorderrichter wies anlässlich der Hauptverhandlung die Parteien da-
raufhin, dass sich im Falle eines fehlenden Gewahrsamsbruchs die Frage stelle,
ob der Tatbestand der Veruntreuung erfüllt sei. Die Parteivertreter nahmen dazu
keine Stellung (Prot. I S. 28 und Urk. 114 sowie 116). Anlässlich der Berufungs-
verhandlung brachten zur rechtlichen Würdigung weder der Vertreterin des Pri-
vatklägers noch der Verteidiger etwas vor (Prot. II S. 23 ff. und Urk. 144). Bei den
Sachverhalten in den Anklagevorwürfen 14, 16 und 28, 35, 38 sowie 41 wird der
Beschuldigten vorgeworfen, sie habe Bargeldbeträge entgegen genommen und
diese - statt sie in die Hauptkasse zu legen - selber behändigt. Die Vorinstanz er-
kannte schliesslich im Urteil vom 7. September 2018, die objektiven und subjekti-
ven Tatbestände des gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1
StGB in Verbindung mit Art. 139 Ziff. 2 StGB, der mehrfachen Urkundenfälschung
im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1, 2 und 4 StGB und der Irreführung der
Rechtspflege im Sinne von Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB seien erfüllt. Recht-
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fertigungs- oder Schuldausschlussgründe lägen nicht vor. Da letztlich nicht ganz
klar ist, ob die Beschuldigte allenfalls die vereinnahmten Beträge vorübergehend
im Tresor deponierte, wo zumindest Mitgewahrsam der weiteren Personen be-
stand, die Zugang und Kenntnis vom Aufbewahrungsort der Schlüssel hatten, ist
die Beschuldigte deshalb in Bestätigung der vorinstanzlichen Schuldsprüche des
gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit
Art. 139 Ziff. 2 StGB, der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251
Ziff. 1 Abs. 1, 2 und 4 StGB und der Irreführung der Rechtspflege im Sinne von
Art. 304 Ziff. 1 Abs. 1 und 3 StGB schuldig zu sprechen.
III. Sanktion
1. Übergangsrecht
1.1. Am 1. Januar 2018 ist die Teilrevision des Strafgesetzbuches (Änderungen
des Sanktionenrechts) vom 19. Juni 2015 in Kraft getreten. Nach neuem Recht
wird grundsätzlich nur beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Delikt began-
gen hat (Art. 2 Abs. 1 StGB). Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor In-
krafttreten dieses Gesetzes begangen, erfolgt die Beurteilung jedoch - auch in ei-
nem Rechtsmittelverfahren - erst nachher, so ist dieses neue Gesetz anzuwen-
den, wenn es für den Täter das mildere ist (lex mitior; Art. 2 Abs. 2 StGB).
In der Schweiz folgen Lehre und Rechtsprechung bei der Beurteilung der lex
mitior der konkreten Methode, d.h. es wird geprüft, nach welchem der beiden
Rechte der Täter für die gerade zu beurteilende Tat besser wegkommt. Die
gleichzeitige Anwendung von altem und neuem Recht auf ein und dieselbe Tat ist
jedoch ausgeschlossen (Urteil des Bundesgerichtes 6B_538/2007 vom 2. Juni
2008 E. 2.2 sowie BSK StGB-Popp/Berkemeier, a.a.O., Art. 2 N 20 mit Verweisen
u.a. auf BGE 134 IV 82 ff. und BGE 134 IV 129).).
1.2. Nachdem unter altem Recht eine Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen aus-
gefällt werden konnte und aktuell die Obergrenze bei 180 Tagessätzen Geldstrafe
liegt, ist dieses als das mildere Recht vorliegend anzuwenden.
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2. Strafzumessung
2.1. Zu den Kriterien der Strafzumessung sei auf die Ausführungen der Vo-
rinstanz verwiesen (Urk. 127 S. 52 f.).
2.2. Die Strafzumessung durch die Vorinstanz ist ebenfalls weitgehend korrekt
erfolgt. Nachdem aufgrund der Freisprüche bezüglich der Anklagevorwürfe 8 und
13 sowie 27 nunmehr von einem Deliktsbetrag von rund Fr. 53'000.-- auszugehen
ist, ist die Einsatzstrafe für den gewerbsmässigen Diebstahl und die Urkundenfäl-
schungen etwas tiefer auf 240 Tagessätze (statt auf 270 bis 300 Tagessätze
Urk. 127 S. 53) Geldstrafe anzusetzen. Damit ist auch bereits berücksichtigt, dass
aufgrund des Freispruchs zwei Urkundenfälschungen wegfallen; bei den Urkun-
denfälschungen fällt der zusätzliche Unrechtsgehalt nur noch leicht ins Gewicht
und dieser ist mit der Strafe für den gewerbsmässigen Diebstahl weitgehend ab-
gedeckt. Aufgrund der langen Verfahrensdauer und des Umstandes, dass vermut-
lich aufgrund der sich stellenden komplexen Buchhaltungsfragen, die eine zeitin-
tensive Untersuchung erforderlich machten, während längerer Zeit kaum Untersu-
chungshandlungen vorgenommen wurden sowie aufgrund des Wohlverhaltens
der Beschuldigten nach den begangenen Taten (Urk. 127 S. 54 f.), rechtfertigt
sich aufgrund der Tätermerkmale eine etwas deutlichere Strafreduktion um 60
Tagessätze auf 180 Tagessätze. Indessen ist die Straferhöhung aufgrund des
weiteren Delikts der Irreführung der Rechtspflege wiederum um 60 Tagessätze zu
erhöhen, da ein anderes Rechtsgut geschützt wird. Die falsche Diebstahlsanzeige
deutet auf ein illoyales und egoistisches Verhalten der Beschuldigten hin, welches
einzig dem Zweck diente, ihre Delinquenz zu vertuschen. Somit erweist sich vor-
liegend die Bestrafung mit 240 Tagessätzen Geldstrafe als angemessen.
2.3. Die Vorinstanz setzte den Tagessatz auf Fr. 110.-- fest. Die Beschuldigte
gab vor Vorinstanz an, einen Bruttolohn von Fr. 7'500.-- mal 13 zu erzielen. Sie
lebe mit ihrem Mann zur Miete und sie hätten Gütertrennung vereinbart. Sie ver-
füge weder über Vermögen noch habe sie Schulden (Prot. I S. 8 ff.). Anlässlich
der Berufungsverhandlung vom Oktober 2019 erklärte die Beschuldigte auf Be-
fragen, sie sei immer noch in einem 80% Pensum tätig und verdiene Fr. 6'000.--
netto zuzüglich 13. Monatslohn. Ihr Mann und sie würden je ca. Fr. 21'000.-- für
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Steuern bezahlen und ihre Krankenkasse betrage Fr. 379.-- monatlich. Ab dem 1.
Dezember 2019 arbeite sie in einem 50% Pensum (Prot. II S. 8 f. ). Anlässlich der
Verhandlung vom 13. August 2020 gab die Beschuldigte an, noch immer 80% zu
arbeiten und Fr. 6'500.-- zu verdienen, dies bis noch jemand eingestellt werde;
auch sonst habe es keine Veränderungen in den persönlichen Verhältnissen ge-
geben (Prot. II S. 70 f.). Angesichts der Einkommensverhältnisse der Beschuldig-
ten ist der Tagessatz in der Höhe von Fr. 110.-- nach wie vor sehr moderat und
entsprechend der Vorinstanz festzulegen.
3. Vollzug etc.
3.1. Nachdem die Beschuldigte keine Vorstrafen aufweist, sie sich in den letz-
ten Jahren wohl verhalten und das vorliegende lange Verfahren sie beeindruckt
haben dürfte, ist von einer günstigen Prognose auszugehen und der Vollzug der
Geldstrafe aufzuschieben sowie die Probezeit mit der Vorinstanz auf zwei Jahre
festzulegen.
3.2. Da die Beschuldigte ausgangsgemäss die Verfahrenskosten zu bezahlen
hat und auch zur Leistung von erheblichen Zivilforderungen und einer Entschädi-
gung für anwaltlichen Aufwand verpflichtet wird, ist auf die Ausfällung einer Ver-
bindungsbusse zu verzichten.
IV. Zivilansprüche
1. Deliktsbetrag
Die Vorinstanz verpflichtete die Beschuldigte zur Leistung von Schadenersatz in
der Höhe des ausgewiesenen Deliktsbetrags von Fr. 59'142.95 zuzüglich Zins.
Aufgrund der zusätzlichen Freisprüche vom Anklagevorwurf 8 (Auslagen
AM._, Fr. 1'010.20) und Anklagevorwurf 13 (Lohnzahlung an AQ._, Fr. 2'329.--) sowie Anklagevorwurf 27 (Übergabe Bargeld von K._ für  mit Manor-Karte, Fr. 2'400.-reduziert sich der Deliktsbetrag um gesamthaft '5'739.20 auf Fr. 53'403.75 zuzüglich Zins zu 5 % seit 18. November 2013. Im
Mehrbetrag ist der Privatkläger mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen.
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2. Weiterer Schaden
Im weiteren sprach die Vorinstanz dem Privatkläger antragsgemäss weiteren
Schadenersatz für den Beizug der Firma BD._ AG im Betrag von
Fr. 9'903.60 zuzüglich Zins seit 7. Februar 2014. Für Mehrleistungen der Ange-
stellten I._ verpflichtete die Vorinstanz die Beschuldigte zur Leistung von Fr.
2'628.-- zuzüglich 5 Zins seit 17. Dezember 2014 und Fr. 5'000.--zuzüglich Zins
seit 24. Mai 2018 zu (Urk. 127 S. 57 ff.). Die geltend gemachten Schadenspositi-
onen sind belegt (Urk. 115/1-8) und blieben vor Vorinstanz unbestritten. Die Ver-
teidigung machte zwar Verrechnung mit ausstehenden Lohnforderungen von
Fr. 19'189.70 geltend und verwies auf die Schreiben vom 21. Januar und 24. Feb-
ruar sowie 31. März 2014, welche bei den Akten liegen müssten (Urk. 116 S. 21).
Dieser allgemeine Verweis ist jedoch zu unbestimmt, so dass im vorliegenden Fall
keine Tilgung durch Verrechnung im Betrag von Fr. 19'189.70 angenommen wer-
den kann.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens
1.1. Nachdem es auch im Rahmen des Berufungsverfahrens weitgehend bei
einem Schuldspruch bleibt, ist die vorinstanzliche Kostenauflage (Dispositivziffer
9) zu bestätigen (Art. 426 StPO).
1.2. Überdies ist die Beschuldigte in Anwendung von Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO
in Bestätigung der Regelung durch die Vorinstanz zu verpflichten, dem Privatklä-
ger eine gestützt auf die Honorarnote der Rechtsvertreterin des Privatklägers
(Urk. 115/9) festzusetzende angemessene Entschädigung im Betrag von Fr.
75'533.– (inkl. Barauslagen und 7.7% MWSt.) für seine notwendigen Aufwendun-
gen bis und mit Abschluss des erstinstanzlichen Verfahrens zu bezahlen. Demzu-
folge ist die vorinstanzliche Regelung gemäss Ziffer 7 zu bestätigen.
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1. Kosten der Berufungsinstanz
2.1. Die Kosten im Rechtsmittelverfahren tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte un-
terliegt im Schuldpunkt zum grössten Teil und die Reduktion der Strafe beruht
weitgehend auf Ermessen der Berufungsinstanz. Es ist deshalb gerechtfertigt, die
Kosten des Berufungsverfahrens der Beschuldigten aufzuerlegen.
2.2. Die Privatklägerschaft hat gestützt auf Art. 433 Abs. 1 StPO gegenüber der
beschuldigten Person dann Anspruch auf eine angemessene Entschädigung für
notwendige Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt (lit. a) oder wenn die
beschuldigte Person nach Art. 426 Abs. 2 StPO kostenpflichtig ist (lit. b). Die gel-
tend gemachten Anwaltskosten sind schliesslich durch eine detaillierte Honorar-
note zu belegen (BSK StPO II-WEHRENBERGER/FRANK, a.a.O., Art. 433 N. 24).
Dem Privatkläger ist eine angemessene Entschädigung für die notwendigen Auf-
wendungen für die Rechtsvertretung im Berufungsverfahren zuzusprechen (Art.
433 Abs. 1 lit. a StPO), nachdem der Schuldspruch durch die Vorinstanz weitge-
hend zu bestätigen ist und auch die Zivilforderungen grösstenteils zuzusprechen
sind. Gemäss der von der Rechtsvertreterin des Privatklägers eingereichten Auf-
stellung ihrer Bemühungen samt beiliegenden Rechnungen betrug ihr Aufwand
für das Berufungsverfahren Fr. 9'470.-- zuzüglich Barauslagen und Mehrwert-
steuer, weshalb ein Rechnungsbetrag von Fr. 10'505.15 ausgewiesen wird
(Urk. 161). Da der Aufwand für die Eingabe vom 5. Oktober 2020 (Urk. 166) im
geltend gemachten Aufwand noch nicht enthalten ist, ist dieser Betrag aufzurun-
den und die Entschädigung auf Fr. 11'000.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwert-
steuer) festzusetzen.
2.3. Die zweitinstanzliche Gerichtsgebühr ist auf Fr. 4'000.-- festzusetzen.