# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 86ff3f6c-7726-4090-b078-5a30b55f4253
**Court:** AG_OG
**Chamber:** AG_OG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** AG / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Obergericht entnimmt den Akten:
1.
1.1.
Die Klägerin betrieb die Beklagte mit Zahlungsbefehl Nr. xxx des Betrei-
bungsamts Q. vom 2. November 2020 für eine Forderung von Fr. 6'000.00
nebst Zins zu 5 % seit 28. Mai 2020. In der Rubrik "Forderungsurkunde mit
Datum oder Angabe des Forderungsgrundes" wurde angegeben: "Vertrag
vom 25.05.2020".
1.2.
Die Beklagte erhob gegen den ihr am 6. November 2020 zugestellten Zah-
lungsbefehl gleichentags Rechtsvorschlag.
2.
2.1.
Mit Eingabe vom 17. Mai 2021 stellte die Klägerin beim Bezirksgericht
Rheinfelden das Gesuch um Erteilung der provisorischen Rechtsöffnung
für Fr. 6'000.00 nebst Zins zu 5 % seit 2. November 2020. In der Rubrik
"Rechtsöffnungstitel" gab sie an: "Vertrag vom 06.07.20, somit Schuldan-
erkennung durch Zahlung der Raten."
2.2.
Die Beklagte ersuchte mit Stellungnahme vom 11. Juni 2021 um Abwei-
sung des Rechtsöffnungsbegehrens, unter Kosten- und Entschädigungs-
folgen zu Lasten der Klägerin. Ausserdem stellte sie das Gesuch um Be-
willigung der unentgeltlichen Rechtspflege und Bestellung ihres Anwalts zu
ihrem unentgeltlichen Rechtsvertreter.
2.3.
Am 17. August 2021 verfügte der Präsident des Bezirksgerichts Rheinfel-
den die Sistierung des Rechtsöffnungsverfahrens bis zum Entscheid des
Zivilgerichts Basel-Stadt im Verfahren GS.2020.36, einstweilen bis zum
30. November 2021.
2.4.
Der Entscheid GS.2020.36 des Zivilgerichts Basel-Stadt vom 13. Oktober
2021 ging am 11. November 2021 beim Präsidium des Bezirksgerichts
Rheinfelden ein und wurde am 15. November 2021 der Klägerin zugestellt.
2.5.
Die Klägerin nahm mit Eingabe vom 13. Dezember 2021 dazu Stellung.
2.6.
Der Präsident des Bezirksgerichts Rheinfelden erkannte am 25. Januar
2022:
- 3 -
" 1. Die Sistierung wird aufgehoben.
2. Das Gesuch um Rechtsöffnung wird abgewiesen.
3. Die Entscheidgebühr von Fr. 300.– wird der Gesuchstellerin auferlegt und mit ihrem Kostenvorschuss in der gleichen Höhe verrechnet.
4. Die Honorarnote des Vertreters der Gesuchsgegnerin, Rechtsanwalt lic. iur. Orlando Meyer, wird im Umfang von Fr. 1'090.60 (inkl. Fr. 77.95 MWST) genehmigt.
5. Die Gesuchstellerin hat der Gesuchsgegnerin eine Parteientschädigung von Fr. 1'090.60 zu bezahlen."
3.
3.1.
Gegen diesen ihr am 3. Februar 2022 zugestellten Entscheid reichte die
Klägerin mit auf den 17. Januar 2022 datierter Eingabe (Postaufgabe am
11. Februar 2022) beim Obergericht des Kantons Aargau eine Beschwerde
ein mit dem sinngemässen Antrag, der Entscheid vom 25. Januar 2022 sei
aufzuheben und es sei ihr in der Betreibung Nr. xxx des Betreibungsamts
Q. (Zahlungsbefehl vom 2. November 2020) für Fr. 6'000.00 nebst Zins zu
5 % seit 2. November 2020 provisorische Rechtsöffnung zu erteilen.
3.2.
Die Beklagte beantragte mit Beschwerdeantwort vom 15. März 2022:
" 1. Die Beschwerde der Klägerin sie vollumfänglich abzuweisen und der  der Vorinstanz entsprechend zu bestätigen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin.
3. Es sei der Beklagten die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren und den Unterzeichneten als unentgeltlichen Rechtsvertreter einzusetzen."

## Considerations

Das Obergericht zieht in Erwägung:
1.
Rechtsöffnungsentscheide sind mit Beschwerde anfechtbar (Art. 319 lit. a
i.V.m. Art. 309 lit. b Ziff. 3 ZPO). Mit der Beschwerde können die unrichtige
Rechtsanwendung und die offensichtlich unrichtige Feststellung des Sach-
verhalts geltend gemacht werden (Art. 320 ZPO). Offensichtlich unrichtig
- 4 -
bedeutet willkürlich (Urteil des Bundesgerichts 4A_149/2017 vom 28. Sep-
tember 2017 E. 2.2). Neue Anträge, neue Tatsachenbehauptungen und
neue Beweismittel sind ausgeschlossen (Art. 326 Abs. 1 ZPO). Das gilt so-
wohl für echte als auch für unechte Noven, da die Beschwerde nicht der
Fortführung des erstinstanzlichen Prozesses, sondern grundsätzlich nur
der Rechtskontrolle des erstinstanzlichen Entscheids dient (DIETER FREI-
BURGHAUS/SUSANNE AFHELDT, in: THOMAS SUTTER-SOMM/FRANZ HASEN-
BÖHLER/CHRISTOPH LEUENBERGER [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung, 3. Aufl. 2016, N. 3 f. zu Art. 326 ZPO). Ob ein
gültiger Rechtsöffnungstitel vorliegt, hat die Beschwerdeinstanz von Amtes
wegen zu prüfen. Abgesehen von offensichtlichen Mängeln am Rechtsöff-
nungstitel hat die Rechtsmittelinstanz nur diejenigen Beanstandungen zu
beurteilen, welche die Parteien in ihren Rechtsmittelschriften gegen das
erstinstanzliche Urteil erhoben haben (BGE 147 III 176 E. 4.2.1; DANIEL
STAEHELIN, in: Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung
und Konkurs I, 3. Aufl. 2021, N. 90 zu Art. 84 SchKG).
2.
Die Klägerin machte in ihrer Beschwerde vorab geltend, die Vorinstanz
habe ihren Anspruch auf rechtliches Gehör (Art. 29 Abs. 2 BV, Art. 53
Abs. 1 ZPO) verletzt, indem die Sistierung aufgehoben worden sei, ohne
dass sie die Möglichkeit gehabt habe, zu den neuen Tatsachenbehauptun-
gen der Beklagten Stellung zu nehmen. Diese Rüge erweist sich als haltlos.
Die Vorinstanz stellte der Klägerin am 15. November 2021 den Entscheid
GS.2020.36 des Zivilgerichts Basel-Stadt vom 13. Oktober 2021 zu, worauf
die Klägerin mit Eingabe vom 13. Dezember 2021 eine Stellungnahme ein-
reichte. Es wäre der Klägerin unbenommen gewesen, sich in dieser Ein-
gabe auch zur Stellungnahme der Beklagten vom 11. Juni 2021 zu äussern
oder dazu bis zur Fällung des vorinstanzlichen Entscheids eine separate
Stellungnahme einzureichen. Eine Verletzung des Anspruchs der Klägerin
auf rechtliches Gehör kann deshalb nicht erkannt werden. Diesbezüglich
ist die Beschwerde abzuweisen.
3.
3.1.
In der Beschwerdeschrift ist substantiiert darzulegen, aus welchen Grün-
den der angefochtene Entscheid i.S.v. Art. 320 ZPO unrichtig sei und wa-
rum und wie er geändert werden müsse. Die Beschwerdeschrift hat sich
vornehmlich mit den Erwägungen der Vorinstanz auseinanderzusetzen und
soll nicht einfach die Ausführungen vor der ersten Instanz wiederholen.
Diese Pflicht besteht auch in Angelegenheiten, in denen die Untersu-
chungsmaxime gilt (z.B. Art. 247 Abs. 2 ZPO). In der Beschwerde ist dar-
zulegen, wo und wie die erste Instanz das Recht unrichtig angewendet oder
den Sachverhalt offensichtlich unrichtig festgestellt haben soll. Dabei ge-
nügt es nicht, auf die vor der ersten Instanz vorgebrachten Gründe zu ver-
weisen oder eine ganz allgemeine Kritik am angefochtenen Entscheid zu
- 5 -
üben. Vielmehr ist erforderlich, dass die Passagen des Entscheids, die der
Beschwerdeführer angreift, und die Aktenstücke, auf die sich seine Kritik
stützt, genau bezeichnet werden. Enthält der erstinstanzliche Entscheid
mehrere selbständige (alternative oder subsidiäre) Begründungen, muss
sich der Beschwerdeführer mit allen Begründungen auseinandersetzen.
Bei ungenügender Begründung muss die Beschwerdeinstanz nicht Frist zur
Behebung des Mangels anzusetzen (BGE 138 III 374 E. 4.3.1; KARL SPÜH-
LER, in: Basler Kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, 3. Aufl.
2017, N. 4 zu Art. 321 ZPO i.V.m. N. 15 ff. zu Art. 311 ZPO). Die Begrün-
dung ist eine gesetzliche, von Amtes wegen zu prüfende Zulässigkeitsvor-
aussetzung für die Beschwerde. Fehlt sie, tritt das obere kantonale Gericht
nicht auf die Beschwerde ein. Gleiches muss gelten, wenn der Beschwer-
deführer lediglich auf Vorakten verweist oder wenn die Beschwerde den
umschriebenen Anforderungen in anderweitiger Hinsicht nicht genügt (Ur-
teil des Bundesgerichts 5A_209/2014 vom 2. September 2014 E. 4.2.1
analog).
3.2.
3.2.1.
Die Vorinstanz begründete die Abweisung des Rechtsöffnungsbegehrens
der Klägerin primär damit, dass als Forderungsgrund im Zahlungsbefehl
Nr. xxx "Vertrag vom 25. Mai 2020" angegeben worden sei, die Klägerin als
Rechtsöffnungstitel hingegen einen Kaufvertrag zwischen der Beklagten
und der "C., A. GmbH" vom 6. Juli 2020 einlege. Damit mangle es an der
Identität zwischen dem im Zahlungsbefehl genannten Grund der Forderung
und dem dem Rechtsöffnungstitel zugrundeliegenden Lebenssachverhalt
(E. 3). Als subsidiäre Begründung führte die Vorinstanz an, aus dem ein-
gereichten Arbeitsvertrag vom 25. Mai 2020 werde ersichtlich, dass die Be-
klagte durch den Arbeitsvertrag verpflichtet worden sei, ein Reinigungsge-
rät bei ihrer Arbeitgeberin (der Klägerin) zu kaufen. Abgewickelt worden sei
der Verkauf zunächst über die D., welche den gesamten Kaufpreis bezahlt
und die Beklagte über einen Mietvertrag zur Ratenzahlung verpflichtet
habe. Sowohl im Mietvertrag als auch in der Ratenrechnung sei als Be-
günstigte jeweils die Klägerin genannt worden. Somit stehe ausser Frage,
dass die Abrede im Arbeitsvertrag ausschliesslich im Interesse der Arbeit-
geberin, d.h. der Klägerin, stehe. Die Abrede bezüglich der Miete oder des
Kaufs eines Reinigungsgeräts verstosse damit gegen das Truckverbot
(Art. 323b Abs. 3 OR) und sei nichtig. Der während des Arbeitsverhältnis-
ses abgeschlossene Kaufvertrag über das Reinigungsgerät vom 6. Juli
2020 sei ebenfalls als Abrede über die Verwendung des Lohns im Interesse
der Arbeitgeberin zu werten und demzufolge ebenfalls nichtig. Auch aus
diesem Grund wäre das Rechtsöffnungsbegehren selbst bei Identität zwi-
schen der in Betreibung gesetzten Forderung und der in dem Titel bezeich-
neten Forderung abzuweisen (E. 4).
- 6 -
3.2.2.
Die Klägerin setzte sich in ihrer Beschwerde mit der Hauptbegründung des
vorinstanzlichen Entscheids, wonach die in Betreibung gesetzte Forderung
und die im Rechtsöffnungstitel bezeichnete Forderung nicht identisch
seien, nicht ansatzweise auseinander. Ihre Ausführungen richteten sich
einzig gegen die subsidiäre Begründung, dass die Abreden, auf welche die
Klägerin die in Betreibung gesetzte Forderung bzw. ihr Rechtsöffnungsbe-
gehren stütze, nichtig seien. Insoweit genügt die Eingabe der Klägerin vom
11. Februar 2022 (Postaufgabe) den in E. 3.1 hievor dargelegten formellen
Anforderungen an eine Beschwerde gemäss Art. 319 ff. ZPO nicht. Auf die
Beschwerde ist deshalb nicht einzutreten, soweit sie über die Rüge der
Verletzung des rechtlichen Gehörs hinausgeht.
4.
Nach den obigen Ausführungen ist die Beschwerde abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist. Bei diesem Ausgang des Beschwerdeverfahrens hat
die Klägerin die obergerichtliche Entscheidgebühr zu bezahlen (Art. 106
Abs. 1 ZPO; Art. 61 Abs. 1 i.V.m. Art. 48 Abs. 1 GebV SchKG) und ihre
Parteikosten selber zu tragen. Die Klägerin hat der Beklagten gestützt auf
Art. 106 Abs. 1 i.V.m. Art. 95 Abs. 3 lit. b ZPO eine Parteientschädigung zu
bezahlen. Diese ist - ausgehend vom Streitwert von Fr. 6'000.00 - nach
Massgabe von § 8 i.V.m. § 3 Abs. 1 und 2 sowie § 6 Abs. 1 und 2 AnwT
zuzüglich einer Auslagenpauschale von 3 % (§ 13 Abs. 1 AnwT) und 7,7 %
MWSt auf Fr. 650.00 festzusetzen.
5.
5.1.
Die Beklagte stellte in ihrer Beschwerdeantwort das Gesuch um Gewäh-
rung der unentgeltlichen Rechtspflege und Bestellung ihres Anwalts zu ih-
rem unentgeltlichen Rechtsbeistand.
5.2.
Gemäss Art. 117 ZPO hat eine Person Anspruch auf unentgeltliche Rechts-
pflege, wenn sie nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (lit. a) und ihr
Rechtsbegehren nicht aussichtslos erscheint (lit. b). Die unentgeltliche
Rechtspflege umfasst nach Art. 118 Abs. 1 ZPO nebst der Befreiung von
Vorschuss- und Sicherheitsleistungen (lit. a) die Befreiung von den Ge-
richtskosten (lit. b) und die gerichtliche Bestellung einer Rechtsbeiständin
oder eines Rechtsbeistands, wenn dies zur Wahrung der Rechte notwendig
ist, insbesondere wenn die Gegenpartei anwaltlich vertreten ist (lit. c).
5.3.
5.3.1.
Nachdem die Beklagte im vorliegenden Beschwerdeverfahren obsiegt, ist
ihr Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege im Beschwer-
deverfahren in Bezug auf die Gerichtskosten gegenstandslos geworden.
- 7 -
Zu prüfen bleibt, ob der Beklagten für ihre Anwaltskosten im Beschwerde-
verfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren bzw. ihr Anwalt zu
ihrem unentgeltlichen Rechtsbeistand zu bestellen ist.
5.3.2.
Da die Beklagte im Beschwerdeverfahren obsiegt, war ihr in der Beschwer-
deantwort gestelltes Rechtsbegehren nicht aussichtslos i.S.v. Art. 117 lit. b
ZPO. Im Folgenden bleibt somit zu untersuchen, ob die Beklagte über die
erforderlichen Mittel zur Bezahlung ihres anwaltlichen Rechtsbeistands
verfügt.
5.3.3.
5.3.3.1.
Bedürftigkeit i.S.v. Art. 117 lit. a ZPO setzt voraus, dass der Gesuchsteller
nicht in der Lage ist, für die durch ein Verfahren verursachten Kosten auf-
zukommen, ohne Mittel zu beanspruchen, die zur Deckung des Grundbe-
darfs für ihn und seine Familie erforderlich sind (BGE 128 I 225 E. 2.5.1).
Die prozessuale Bedürftigkeit beurteilt sich nach der gesamten wirtschaft-
lichen Situation des Gesuchstellers im Zeitpunkt der Einreichung des Ge-
suchs. Dazu gehören einerseits sämtliche finanziellen Verpflichtungen, an-
dererseits die Einkommens- und Vermögensverhältnisse (Urteil des Bun-
desgerichts 1B_389/2015 vom 7. Januar 2016 E. 5.3). Grundsätzlich ob-
liegt es dem Gesuchsteller, seine Einkommens- und Vermögensverhält-
nisse umfassend darzulegen und soweit wie möglich zu belegen. Dabei
dürfen umso höhere Anforderungen an eine umfassende und klare Darstel-
lung der finanziellen Situation gestellt werden, je komplexer die finanziellen
Verhältnisse sind. Aus den eingereichten Belegen muss auf jeden Fall der
aktuelle Grundbedarf des Gesuchstellers hervorgehen. Die Belege haben
zudem über sämtliche finanzielle Verpflichtungen des Gesuchstellers so-
wie über seine Einkommens- und Vermögensverhältnisse Aufschluss zu
geben (BGE 125 IV 161 E. 4a).
Nicht jeder Aktivsaldo lässt indessen auf eine fehlende Bedürftigkeit i.S.v.
Art. 117 lit. a ZPO schliessen. Massgebend ist einzig, ob der Aktivsaldo
(Einkommensüberschuss) der gesuchstellenden Partei erlaubt, die Pro-
zesskosten bei weniger aufwendigen Prozessen innert eines Jahres, bei
anderen innert zweier Jahre zu tilgen (BGE 135 I 221 E. 5.1; DANIEL
WUFFLI, Die unentgeltliche Rechtspflege in der Schweizerischen Zivilpro-
zessordnung, 2015, Rz. 327).
5.3.3.2.
Ob das nach ihren eigenen Angaben und den eingereichten Unterlagen
vorhandene Vermögen der Beklagten zur Finanzierung der Anwaltskosten
heranzuziehen wäre, kann offenbleiben, da die prozessuale Bedürftigkeit
- 8 -
der Beklagten aus den im Folgenden dargelegten Gründen ohnehin zu ver-
neinen ist.
5.3.3.3.
Die Beklagte ist arbeitslos und bezieht Taggelder von der Arbeitslosenver-
sicherung (ALV). Bei durchschnittlich 21,7 Arbeitstagen pro Monat und ei-
nem Taggeld von Fr. 167.45 werden der Beklagten monatlich Taggelder
von brutto Fr. 3'633.65 ausgerichtet. Unter Berücksichtigung der Abzüge
von 5,3 % für AHV/IV/EO (= Fr. 192.60), 2,51 % für NBU (= Fr. 91.20) und
der BVG-Risikoprämie von Fr. 1.00 ergibt sich ein der Beklagten ausbe-
zahlter monatlicher Nettobetrag von Fr. 3'348.85.
Beim prozessualen Existenzminimum ist der Beklagten ein Grundbetrag
von Fr. 1'375.00 (Fr. 1'100.00 für einen alleinstehenden Schuldner in Haus-
haltgemeinschaft mit einer erwachsenen Person + Zuschlag von 25 %) zu-
zugestehen. Hinzu kommen Fr. 857.50 für die Untermiete (inkl. Nebenkos-
ten) und Fr. 334.45 für die obligatorische Krankenversicherung. Die Prä-
mien für die Zusatzversicherungen nach VVG von Fr. 36.75 können - da
Privatversicherungsbeiträge bereits im monatlichen Grundbetrag enthalten
sind - nicht berücksichtigt werden (vgl. WUFFLI, a.a.O. Rz. 282 f.), ebenso
die von der Beklagten nicht näher substantiierten und nicht belegten Aus-
lagen von Fr. 80.00 für Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr und von
Fr. 310.00 für Unterhaltszahlungen (vgl. WUFFLI, a.a.O., Rz. 296, 302, 306)
sowie die im Grundbetrag enthaltenen Auslagen von Fr. 30.00 für Telefon
und Internet (vgl. WUFFLI, a.a.O., Rz. 307). Auch für verfallene und lau-
fende Steuern kann kein Betrag in die Berechnung aufgenommen werden,
da es am Nachweis ihrer tatsächlichen und regelmässigen Bezahlung fehlt
(vgl. WUFFLI, a.a.O., Rz. 309). Das prozessuale Existenzminimum beläuft
sich demnach auf total Fr. 2'566.95 (= Fr. 1'375.00 + Fr. 857.50 +
Fr. 334.45). Somit besteht ein monatlicher Überschuss von Fr. 781.90
(Fr. 3'348.85 ./. Fr. 2'566.95), der es der Beklagten erlauben würde, ihre im
Beschwerdeverfahren aufgelaufenen Anwaltskosten innert maximal eines
Jahres zu bezahlen. Die Bedürftigkeit der Beklagten ist deshalb zu vernei-
nen. Ihr Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege für das
Beschwerdeverfahren ist demzufolge abzuweisen, soweit es nicht gegen-
standslos geworden ist.