# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fd5dbd61-bddc-41b6-ac24-6d7f181558f1
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_005
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** Criminal
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 11
I. Sachverhalt
A. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 20. Mai 2015 wurde X._ der mehrfachen falschen Anschuldigung gemäss Art. 303 Ziff. 1 StGB und des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage gemäss Art. 179septies StGB schuldig befunden und mit einer Freiheitsstrafe von 70 Tagen sowie einer Busse von CHF 300.00 bestraft.
B. Der Strafbefehl wurde am 26. Mai 2015 als eingeschriebene Postsendung der Schweizerischen Post zum Versand übergeben. Die Postsendung wurde am 27. Mai 2015 der Staatsanwaltschaft Graubünden mit dem Vermerk "Zurück. Weggezogen. Nachsendefrist abgelaufen." retourniert.
C. Die Nachforschungen der Staatsanwaltschaft ergaben, dass sich X._ in der Justizvollzugsanstalt D._ im Strafvollzug befand. Mit Schreiben vom 15. Juni 2015 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden X._ den Strafbefehl vom 20. Mai 2015 mit A-Post in die Justizvollzugsanstalt D._ zu.
D. Am 25. Juni 2015 (Poststempel) erhob X._ bei der Staatsanwaltschaft Graubünden Einsprache gegen den Strafbefehl.
E. In der Überweisungsverfügung vom 17. Juli 2015, mitgeteilt am 20. Juli 2015, hielt die Staatsanwaltschaft am Strafbefehl fest und beantragte, die Einsprache wegen verspäteter Eingabe für ungültig zu erklären und einen Nichteintretensentscheid zu fällen.
F. Mit Urteil (recte: Beschluss) vom 08. Oktober 2015, mitgeteilt am 09. Oktober 2015, entschied das Bezirksgericht Inn was folgt:
"1. Auf die Einsprache von X._ wird nicht eingetreten.
2. Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 20./26. Mai 2015 ist rechtskräftig, das heisst:
1. X._ ist schuldig der mehrfachen falschen Anschuldigung gemäss Art. 303 Ziff. 1 StGB und des Missbrauchs einer Fernmeldeanlage gemäss Art. 179septies StGB.
2. Die beschuldigte Person wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 70 Tagen.
3. Die beschuldigte Person wird zudem bestraft mit einer Busse von CHF 300.00. Bei schuldhafter Nichtbezahlung tritt an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Die Kosten des Verfahrens werden der beschuldigten Person auferlegt.
Seite 3 — 11
5. Demgemäss hat die beschuldigte Person zu bezahlen:
Busse CHF 300.00
Barauslagen CHF 300.00
Gebühren CHF 725.00
Rechnungsbetrag CHF 1'325.00
6. (Zustellung)
3. Die Privatklagen von A._, C._ und B._ werden auf den Zivilweg verwiesen.
4. (Kosten)
5. (Kosten)
6. Gegen dieses Urteil kann strafrechtliche Berufung geführt werden (Art. 398 ff. StPO). Diese ist beim Bezirksgericht Inn innert 10 Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden (Art. 399 Abs. 1 StPO). Die Anmeldung ist nicht zu begründen.
7. Die eine Berufung anmeldende Partei hat dem Kantonsgericht von Graubünden, Poststrasse 14, 7002 Chur, innert 20 Tagen seit Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Darin ist anzugeben, ob das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen angefochten wird, welche Abänderungen des Urteils verlangt und welche Beweisanträge gestellt werden (Art. 399 Abs. 3 StPO).
8. (Mitteilung)."
G. Dagegen erhob X._ (nachfolgend Beschwerdeführer) mit Eingabe vom 05. November 2015 (Poststempel) beim Kantonsgericht von Graubünden Berufung (recte: Beschwerde) und beantragte sinngemäss die Aufhebung des Urteils (recte: Beschluss) des Bezirksgerichts Inn vom 08. Oktober 2015. Zur Begründung führte er u.a. aus, die Post habe den Strafbefehl vom 20. Mai 2015 fälschlicherweise mit dem Vermerk "Weggezogen" an die Staatsanwaltschaft Graubünden retourniert, weshalb er nicht fristgerecht Einsprache gegen den Strafbefehl erheben konnte. Dieser Fehler der Post könne ihm nicht zur Last gelegt werden.
H. Mit Verfügung vom 16. November 2015 des Vorsitzenden der II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden wurden die Staatsanwaltschaft Graubünden, das Bezirksgericht Inn sowie A._, B._ und C._ aufgefordert, ihre Stellungnahmen bis zum 27. November 2015 einzureichen.
Seite 4 — 11
I. Mit Stellungnahme vom 24. November 2015 beantragte die Staatsanwaltschaft Graubünden unter Hinweis auf das Urteil (recte: Beschluss) des Bezirksgerichts Inn sinngemäss das Nichteintreten auf die Beschwerde. Das Bezirksgericht Inn, A._, B._ und C._ liessen sich zur Sache nicht vernehmen.
J. Auf die weiteren Ausführungen im angefochtenen Urteil (recte: Beschluss) sowie in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. Gemäss Art. 393 Abs. 1 lit. b StPO in Verbindung mit Art. 22 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordnung (EGzStPO; BR 350.100) kann gegen Verfügungen, Beschlüsse sowie Verfahrenshandlungen der erstinstanzlichen Gerichte beim Kantonsgericht von Graubünden Beschwerde geführt werden. Darunter fallen auch Entscheide über die Ungültigkeit der Einsprache gegen den Strafbefehl gemäss Art. 356 Abs. 2 StPO (vgl. Franz Riklin, StPO Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2014, N 2 zu Art. 356 StPO; Patrick Guidon, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger, Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung, Art. 196-457 StPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 12 zu Art. 393 StPO [zit. Basler Kommentar Art. 196-457 StPO]). Die Beschwerde gegen schriftlich oder mündlich eröffnete Entscheide ist innert 10 Tagen schriftlich und begründet bei der Beschwerdeinstanz einzureichen (Art. 396 Abs. 1 StPO). Die Behandlung der Beschwerde fällt in die Zuständigkeit der II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden (Art. 10 Abs. 1 der Kantonsgerichtsverordnung [KGV; BR 173.110]). Mit der Beschwerde können nach Art. 393 Abs. 2 StPO Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Missbrauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a), die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) sowie die Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden. Legitimiert dazu ist jede Partei, die ein rechtlich geschütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des vorinstanzlichen Entscheids hat (Art. 382 StPO). Der Beschwerdeführer hat am 05. November 2015 Berufung (recte: Beschwerde) gegen das Urteil (recte: Beschluss) des Bezirksgerichts Inn beim Kantonsgericht von Graubünden eingereicht. Nachfolgend stellt sich die Frage, ob die als Berufung bezeichnete Beschwerde frist- und formgerecht eingereicht wurde.
Seite 5 — 11

## Considerations