# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 54d82666-1f92-4807-a4fb-5a86d539a6c0
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._, geboren am _1967, wuchs in O.1_ auf. Nach der Primar- und Mittelschule schloss er das Jurastudium ab und erwarb anschliessend das Anwaltspatent. Zurzeit arbeitet er jedoch nicht als Rechtsanwalt, sondern betreut in O.2_ ein Solarprojekt. Nach eigenen Angaben verfügt er über kein Einkommen und sein Vermögen soll aus dem in die Pensionskasse einbezahlten Geld bestehen, wobei er nicht wisse, wie hoch dieser Betrag sei. Er ist ledig und hat keine Unterhaltsverpflichtungen.
Im schweizerischen Zentralstrafregister ist X._ nicht verzeichnet.
B. Mit Strafmandat des Strassenverkehrsamtes des Kantons Graubünden vom 10. November 2010 wurde X._ wegen Verletzung von Art. 29 SVG und Art. 73 Abs. 6 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG sowie wegen Verletzung von Art. 30 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG mit einer Busse von Fr. 370.-- bestraft. Nachdem X._ gegen dieses Strafmandat Einsprache erhoben hatte, verurteilte das Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden ihn nach Durchführung der Strafuntersuchung mit Strafverfügung vom 13. Juli 2011 zu einer Busse von Fr. 450.-- wegen Widerhandlung gegen Art. 29 SVG und Art. 30 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 93 Ziff. 2 SVG. Die hiergegen erhobene Berufung wurde von der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden mit Urteil vom 11. November 2011 dahingehend entschieden, als die Strafverfügung des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit Graubünden vom 13. Juli 2011 aufgehoben und die Sache zur Untersuchung an die Staatsanwaltschaft Graubünden zurückgewiesen wurde.
C. Mit Anklageschrift vom 13. Juni 2012, mitgeteilt am 20. Juni 2012, erhob die Staatsanwaltschaft Graubünden Anklage gegen X._ wegen Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 3 SVG (Art. 71 Abs. 5 VTS) und Art. 73 Abs. 4 Satz 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG. Dieser Anklageschrift legte die Staatsanwaltschaft Graubünden folgenden Sachverhalt zugrunde:
"Der Beschuldigte lenkte am 24. August 2010 um 15.40 Uhr seinen Personenwagen, einen Ford D Probe, _, von O.3_ nach O.4_. Direkt auf dem Dach seines Sportwagens (ohne Dachträger) führte er zwei Surfbretter mit, wovon sich eines in einem offenen Futteral befand. Die beiden Surfbretter hatte er mit zwei Spanngurten fixiert, die mangels einer Dachreling durch den Innenraum des Fahrzeuges geführt wurden.
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Im Innenraum des Fahrzeuges transportierte der Beschuldigte Surfutensilien, die bis an die Frontscheibe reichten und während der Fahrt die Sicht nach rechts stark beeinträchtigten."
D.1. Nachdem mit Schreiben vom 9. Juli 2012 zur Verhandlung am 6. November 2012 vorgeladen worden war, stellte X._ innert erstreckter Frist verschiedene Beweisergänzungsanträge. Mit Verfügung des Bezirksgerichtspräsidiums Maloja vom 24. September 2012 wurde der Antrag auf Einvernahme der Zeugin A._ gutgeheissen, derjenige auf Einvernahme von B._, von einer Person namens C._ sowie von D._ dagegen abgewiesen. Weiter wurde in dieser Verfügung die E-Mail der Person namens C._ zu den Akten genommen, der Antrag auf Einholung eines Gutachtens abgelehnt und die auf den 6. November 2012 angesetzte Verhandlung verschoben.
2. Die in der Folge auf den 22. Januar 2013 angesetzte Hauptverhandlung musste alsdann wegen einer Erkrankung von X._ kurzfristig abgesagt werden und wurde neu auf den 5. Februar 2013 angesetzt. Mit Eingabe vom 31. Januar 2013 stellte X._ ein Ausstandsbegehren gegen das Gesamtgericht. Mit Schreiben vom 14. Februar 2013 forderte das Kantonsgericht von Graubünden X._ auf, das gestellte Ausstandsgesuch zu begründen, woraufhin dieser sein Begehren mit Schreiben vom 22. Februar 2013 auf ein Ausstandsgesuch gegen den Bezirksgerichtspräsidenten Maloja reduzierte. Am 4. März 2013 wurde X._ zur Hauptverhandlung vom 16. April 2013 vorgeladen. Mit Verfügung der II. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 6. März 2013 wurde das Ausstandsbegehren abgewiesen, soweit darauf eingetreten wurde.
3. Am 4. April 2013 teilte der vormalige Rechtsvertreter von X._ dem Bezirksgericht Maloja mit, dass die das Ausstandsbegehren betreffende Verfügung des Kantonsgerichts von Graubünden noch nicht in Rechtskraft erwachsen sei, weshalb die Verschiebung der Hauptverhandlung beantragt werde. Zudem orientierte er das Gericht darüber, dass zwischen ihm und X._ per sofort kein Mandatsverhältnis mehr bestehe und die zukünftige Korrespondenz somit direkt über Letzteren zu erfolgen habe. Entsprechend teilte der Bezirksgerichtspräsident Maloja X._ mit Schreiben vom 8. April 2013 mit, dass das Gesuch um Verschiebung der Hauptverhandlung abgewiesen werde. Daraufhin beantragte X._ mit Schreiben vom 10. April 2013 erneut die Verschiebung der Hauptverhandlung, da es ihm nicht möglich sei, einen Anwalt für die auf den 16. April 2013 angesetzte Verhandlung zu finden. Für den Fall, dass diesem Gesuch nicht entsprochen werden sollte, teilte er mit, dass er am 16. April
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2013 nicht an der Verhandlung teilnehmen werde und zudem den zu erwartenden Entscheid wegen mangelnder Verteidigung anfechten müsste.
E. Die erste Hauptverhandlung fand am 16. April 2013 statt, zu welcher X._ – wie angekündigt – nicht erschien. Mit Urteil vom selben Tag, mitgeteilt am 10. Juni 2013, wurde X._ der Verletzung von Art. 31 Abs. 3 SVG (Art. 71 Abs. 5 aVTS) und Art. 73 Abs. 4 Satz 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig gesprochen und zu einer Busse von Fr. 300.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von drei Tagen, verurteilt. Die hiergegen erhobene Berufung wurde von der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden mit Beschluss vom 3. Dezember 2013 dahin entschieden, als das angefochtene Urteil aufgehoben und die Sache zur Durchführung der Hauptverhandlung an die Vorinstanz zurückgewiesen wurde.
F. Mit Beschluss des Bezirksgerichts Maloja vom 10. März 2014 wurde die Staatsanwaltschaft Graubünden ersucht, A._ als Zeugin einzuvernehmen. Diesem Ersuchen leistete die Staatsanwaltschaft Graubünden am 9. April 2014 Folge.
G. Anlässlich der zweiten Hauptverhandlung vor Bezirksgericht Maloja vom 2. Juni 2014 stellten die Parteien folgende Anträge:
"Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden:
1. X._ sei der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 3 SVG (Art. 71 Abs. 5 VTS) und Art. 73 Abs. 4 Satz 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig zu sprechen.
2. Die beschuldigte Person sei mit einer Busse von CHF 300.- zu bestrafen, bei schuldhafter Nichtbezahlung mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
3. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten aufzuerlegen.
Anträge des Beschuldigten:
1. X._ sei von der Anklage der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 31 Abs. 3 SVG (Art. 71 Abs. 5 VTS) und Art. 73 Abs. 4 Satz 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG freizusprechen.
2. Eventuell sei eine Expertise anzuordnen, welche Aufschluss darüber gibt, ob, selbst wenn man auf die in den Akten vorhandenen Fotografien (Act. 3.02) abstellen würde, diese die Situation korrekt wiedergeben, die Sicht ausreichend ist, die Aussenspiegel eingesehen und zudem der geforderte Bereich von zwölf Metern vor dem Fahrzeug überblickt werden kann. Eine zweite Expertise müsste über die Ladungssicherheit (Dachträger/Surfbretter direkt auf dem Dach)
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Auskunft geben. Zudem wären B._, "C._" und D._ als Zeugen einzuvernehmen.
3. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge."
H. Gegen das am 2. Juni 2014 gefällte und am 5. Juni 2014 im Dispositiv mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Maloja meldete X._ am 16. Juni 2014 Berufung an, woraufhin das Bezirksgericht Maloja den Parteien das begründete Urteil am 22. August 2014 mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:
"1. X._ ist schuldig der Verletzung von Art. 73 Abs. 4 Satz 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.
2. Dafür wird er zu einer Busse von CHF 150.-, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 2 Tagen, verurteilt.
3. Vom Vorwurf der Verletzung von Art. 31 Abs. 3 SVG (Art. 71 Abs. 1 [recte Abs. 5] aVTS) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG wird X._ freigesprochen.
4. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft CHF 1'642.00
- Gerichtsgebühr CHF 1'000.00
Total CHF 2'642.00
werden X._ zur Hälfte, d.h. im Umfang von CHF 1'321.-, auferlegt. Zuzüglich der Busse von CHF 150.- hat er dem Bezirksgericht Maloja den Betrag von CHF 1'471.- zu überweisen. Die andere Hälfte der Verfahrenskosten werden auf die Staatskasse genommen, d.h. CHF 821.- zulasten des Kantons Graubünden und CHF 500.- zulasten des Bezirksgerichts Maloja.
5. X._ wird im Sinne von Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO eine Entschädigung zulasten des Bezirksgerichtes Maloja von CHF 1'000.- inkl. MwSt. zugesprochen.

## Considerations