# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 08e80343-af2a-4bb2-b364-84669a13a584
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1976,
verfügt über keine Berufsausbildung
. Ab dem Jahr 2000
arbeitete
sie
in einem Teilzeit
pensum von
zunächst 70
%
und später
80
%
in der Hörgeräte
produktion
(vgl.
Urk.
7/2/4,
7/9/2
f.
,
7/10
und 7/43/53
)
.
Im Oktober 2018 meldete
sie sich
wegen psychische
n und somatischen
Beschwerden
zum Leistungsbezug
bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
an (
Urk.
7/2
).
Diese zo
g die Akten des Kr
ankentaggeldversicherers (
Urk.
7
/12
,
7/21
und 7/23
)
bei und
holte einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK;
Urk. 7/140) sowie medizinische
Unterlagen (
Urk.
7/18
, 7/26-30
)
ein
.
So
dann
gab sie eine
rheumatologisch
-
psychiatrische
Begutachtung in A
uftrag.
Dr.
med.
Y._
, Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie, erstattete ihr Teilgutachten a
m
9.
Dezember 2019
(
Urk.
7/43)
.
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
verfasste sein Teilgutachten, einschliesslich
d
er interdisziplinären Beurteilung, am 2
6.
Februar 2020
(
Urk.
7/45)
.
Inzwischen hatte d
ie Arbeitgeberin das
Arbeits
verhältnis mit der Versicherten per
Ende
November 2019
aufgelöst
(
Urk.
7/32).
Mit Vorbescheid vom 2
0.
März 2020
stellte
die IV-Stelle der Versicherte
n
in Aussicht
, einen
Leistungsanspruch gegen
über
der Invalidenversicherung zu verneinen (vgl. Urk. 7/51).
Dagegen erhob die
Versicherte Einwand (
Urk.
7/53; Begründung
Urk.
7/70) unter Beilage eines Berichts der
aktuell
behandelnden Psychiaterin (
Urk.
7/69)
. Nach Vorliegen eines Verlaufsberichts derselben (
Urk.
7/71)
, zu welchem sowohl die
Versicherte (
Urk.
7/74)
als auch der
Regionale Ä
rztliche
Dienst (RAD;
Urk.
7/75/4 f.)
Stellung nahmen,
verfügte die IV-Stelle am 2
4.
Februar 2021 wie angekündigt (
Urk.
2).
2.
Gegen
diese Verfügung
erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
2.
April 2021, vertreten durch Rechtsanwalt
Glavas
, Beschwerde (
Urk.
1). Darin beantragte sie, ihr berufliche Massnahmen zuzusprechen; eventualiter sei die Sache an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese nach weiteren
Abklärungen erneut über ihren Leistungsanspruch entscheid
e
(
Urk.
1 S. 2).
I
n der Beschwerdeantwort vom 12.
Mai 2021 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Die Beschwerdeantwort wurde der Versicherten mit Verfügung vom 1
9.
Mai 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten. In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechts
sätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechts
folgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Der in der Invalidenversicherung geltende Grundsatz "Eingliederung vor Rente" bewirkt, dass die Rente hinter einer Eingliederungsmassnahme bzw. dem damit verbundenen Taggeld zurücktritt (
vgl.
Art.
28
Abs.
1
lit
. a IVG
und
Art.
7
Abs.
1 ATSG
). Ein Rentenanspruch kann erst nach Beendigung der Eingliederungsmass
nahmen entstehen, und zwar selbst dann, wenn diese nur einen Teilerfolg brachten oder scheiterten. Vor diesem Zeitpunkt ist eine Invalidenrente, gegebe
nenfalls auch rückwirkend, nur zuzusprechen, wenn die versicherte Person nicht oder noch nicht eingliederungsfähig ist
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_689/2019 vom 2
0.
Dezember 2019 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die Pflicht zur Selbsteingliederung geht dabei – als Ausdruck der allgemeinen Schadenminde
rungspflicht – nicht nur dem Renten-, sondern auch dem gesetzlichen Eingliede
rungsanspruch vor (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_348/2013 vom 1
9.
Septem
ber 2013 E. 6.3).
1.3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
Abs. 1
IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen
, soweit
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbes
sern
(
lit
. a)
; und
die Voraussetzungen für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind
(
lit
. b)
.
Die Massnahmen beruflicher Art sind
dabei
in
Art.
15 ff. IVG geregelt.
1.
4
Der Untersuchungsgrundsatz verpflichtet das kantonale Gericht - unter Vorbehalt der Mitwirkungspflichten der Parteien -, von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen. Massnah
men zur Klärung des rechtserheblichen Sachverhalts müssen vorgenommen oder veranlasst werden, wenn dazu auf Grund der Parteivorbringen oder anderer sich aus den Akten ergebender Anhaltspunkte hinreichender Anlass besteht. Rechts
erheblich sind dabei alle Tatsachen, von deren Vorliegen es abhängt, ob über den streitigen Anspruch so oder anders zu entscheiden ist. In Nachachtung des Untersuchungsgrundsatzes sind etwa weitere Abklärungen vorzunehmen, wenn der festgestellte Sachverhalt unauflösbare Widersprüche enthält oder eine
entscheidwesentliche
Tatfrage bislang auf einer unvollständigen Beweisgrund
lage beantwortet wurde
.
Die Untersuchungspflicht dauert so lange, bis über die für die Beurteilung des streitigen Anspruchs
erforderlichen Tatsache
n hinreichende Klarheit besteht.
Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht dürfen eine
Tatsache als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im
Sozialversicherungsrecht hat das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nicht etwas Abweichendes
vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit zu fällen. Die blosse Möglichkeit
eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Gesche
hensabläufen als die
wahrscheinlichste würdigt (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_521/2021 vom 2
2.
März 2022 E. 3.1.1 und 3.1.2 mit Hinweisen insbesondere auf BGE146 V 240 E. 8.1 und
144 V 427 E. 3.2
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog, die Beschwerdeführerin sei vier Monate nach Ablauf der einjährigen Wartezeit wieder voll arbeitsfähig gewesen, weshalb kein Anspruch auf eine Rente bestehe. Den nachgereichten Arztberichten seien keine neuen Aspekte zu entnehmen und die darin enthaltene Beurteilung der Arbeits
fähigkeit
sei
nich
t plausibel und widersprüchlich (
Urk.
2).
2.2
Die Beschwerdeführerin hielt indessen dafür,
ihr psychischer
Zustand habe sich nach der Begutachtung
verschlechtert, weshalb weitere
Abklärungen notwendig seien, sofern nicht auf die Beurteilung
ihrer
Behandlerin
abgestellt werde
(
Urk.
1
Ziff.
II.3)
. Nach dem Grundsatz
«
Eingliederung vor Rente
»
sei die Beschwerdegeg
nerin
alsdann
verpflichtet, den Entscheid aufzuheben und sie
mittels beruflicher
Massnahmen zu unterstützen, zumal sie nun doch erheblich in ihrer Arbeits
fähigkeit eingeschränkt sei (
vgl.
Urk.
1
Ziff.
III.5-9).
2.3
Von der Beschwerdeführer
in
wurde
somit
ein nicht näher
spezifizierter Anspruch auf beruflich
e
Massnahme
infolge einer gesundheitlichen
Verschlechterung
im Laufe des Jahres 2020 – mithin
nach der psychiatrischen B
egutachtung durch
Dr.
Z._
Mitte November 201
9
(vgl. Urk. 7/45/1)
–
geltend gemacht.
Weder
verlangte sie
konkret
die
Zusprechung einer Invalidenrente für die Zeit vor
Erlass der angefochtenen Verfügung,
welche die
richterliche Überprüfungsbefugnis
zeitlich begrenzt
, noch monierte sie die medizinischen Schlussfolgerungen der beiden Gutachter,
Dr.
Y._
und
Dr.
Z._
; vielmehr räumte sie explizit ein, dass
aus psychiatrischer Sicht
im Begutachtungszeitpunkt keine relevanten Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit bestanden hätten (vgl. Urk. 1
Ziff.
III.4).
3.
3.1
Dr.
Y._
diagnostizierte
(vgl. Urk. 7/43/61)
i
m Rahmen der
Begutachtung
vom
2
7.
November 2019
in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
(vgl.
Urk.
7/43/64 f.) einerseits
eine verminderte
Belastbarkeit und intermittierende Beschwerden der Lendenwirbelsäule bei
erosiver
Osteochondrose
L5/S1 mit Vorwölbung von Diskusmaterial
und
rezessaler
Tangierung der Nervenwurzeln S1 links mehr als rechts
,
aber
ohne Kompression neurogener Strukturen
(dazu auch
Urk.
7/43/74)
und
szintigrafisch
ohne
vermehrte Aktivit
ät,
und andererseits
eine rheumatoide Arthritis ohne Nachweis entzündlicher Gelenkprozesses in der Szintigrafie vom Juli 2019
(dazu auch
Urk.
7/29/1 unten)
bzw.
in klinischer und labordiagnostischer Remission ab August 2019
(dazu auch
Urk.
7/26/3 oben)
.
Dazu
führte
sie aus
, i
m
klinischen Untersuch seien Diskrepanzen aufgefallen, so bleibe das Schmerzzucken bei Ablenkung aus wie auch das
im Untersuch noch gezeigte
heftige Hinken beim Gang zum Auto. Es bestünden weder Unter
schenkel- noch Knöchelödeme. Alle Abschnitte der Wirbelsäule seien normal beweg
lich
.
Radikuläre
Zeichen seien keine vorhanden. E
s werde mehrmals spontan der
Langsitz
eingenommen.
Alle
18 Tenderpoints und 8 Kontrollpunkte seien patho
logisch und
dabei
deutlich ausgeprägter als bei einer rheumatoiden Arthritis
(
insbesondere
in Remission)
. Am ehesten liege eine Schmerzausweitung vor, wobei differentialdiagnostisch eine Polymyalgie nicht ganz auszuschliessen sei. Alle grossen peripheren Gelenke seien normal
beweglich. Gelenkergüsse,
Synovitid
en
oder überwärmte Gelenke seien nicht vorhanden. Angesichts der Gebrauchsspuren der Fingerkuppen von Daumen und Zeigerfinger setze die Bes
chwerdeführerin ihre Hände lang
andauernd kraftvoll
ein.
Diskrepant und
nicht erklärbar zeige
sie
– bei auch normalem Handeinsatz im Untersuch –
eine maximale Handkraft rechts bis 25
%
und links v
on 35
%
(vgl.
Urk.
7/43/62 f.).
Dr.
Y._
schlussfolgerte
, dass die Beschwerdeführerin in der angestammten wie auch in einer angepassten Tätigkeit (insbesondere ohne Hantieren von Lasten über 10 kg, ohne Verharren in vor
n
über geneigter Haltung und unter Vermeidung von Nässe, Kälte und Temperaturschwankungen) uneingeschränkt arbeitsfähig sei.
Aufgrund der Lendenwirbelsäule habe nie eine lang andauernde Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit bestanden.
Bereits im April 2019 habe
sie
wieder in der angestammten Tätigkeit arbeiten können; die ab Mai 2019 infolge der rheumatoiden Arthritis attestierte Arbeitsunfähigkeit habe längstens bis
zum Eintritt der Remission am
21. August 2019 gedauert
(vgl.
Urk.
7/43/66 f.)
.
Im Haushalt
habe nie eine lang andauernde Arbeits
un
fähigkeit bestanden. So
könne sich die Beschwerdeführerin ihren Einsatz einteilen
;
bei besonders belas
tenden Tätigkeiten könnte
n
ihr die erwachsenen Töchter sowie
der Ehemann helfen (vgl.
Urk.
7/43/68).
3.
2
Dr.
Z._
stellte
gestützt auf die Exploration
(vgl. Urk. 7/45/11-16)
und test
psychologische Untersuchung
(vgl.
Urk.
7/45/16)
vom 1
4.
November 2019
sowie unter Berücksichtigung der
Vorakten
(vgl.
Urk.
7/45/5-11)
die Diagnosen einer
reaktive
n
generalisierte
n
Angststörung im Rahmen der jahrelangen psychophy
sischen Überbelastung (ICD-10: F41.1), gegenwärtig weitgehend remittiert, sowie eine
r
Anpassungsstörung mit längerer depressiver Reaktion (ICD-10: F43.21), gegenwärtig vollständig remittiert
(vgl. Urk. 7/45/16 f.).
Den
aktuellen
Befund bezeichnete
er
als
in psychopathologischer Hinsicht ganz unauffällig, bei objektiv ganz unauffälligen psychokognitiven Funktionen (vgl.
Urk.
7/45/18 Mitte),
wobei die Beschwerdeführerin hintergründig leicht ängstlich und innerlich
angespannt wirk
t
e
(vgl.
Urk.
7/45/16 oben)
.
Er erörtert
e
, dass g
emäss den anamnestischen Angaben
–
trotz vermehrte
n
Schlafbedarf
s
und rascher körperlicher Ermüdung
–
eine vollständig erhaltene Tagesstruktur
, die regelmässige Pflege sozialer Kontakte, der Erhalt der Lebens
freude und eine uneingeschränkte Haushaltsführung
festzustellen
seien
, womit nicht von einer Störung aus dem affektiven Formenkreis
auszugehen sei
. Die frühe Kindheit sei ohne gravierende traumatische Ereignisse verlaufen
;
die abge
schlossene Primar- und Wirtschaftsschule würden psychische Probleme mit Krankheitswert in der Kindheit und Pubertät sowie im früheren Erwachsenenalter ausschliessen.
Als Erwachsene habe die Beschwerdeführerin
sogar
jahrelang ein überdurchschnittliches Leistungsniveau aufgewiesen
.
Zudem
bestünden keine Hinweise auf anhaltend auffällige Verhaltensmuster bezüglich Kognition, Wahrnehmung und sozialer Interaktion
oder
auf anhaltende Störungen der
Impuls- und Affektkontrolle,
was
psychische Probleme mit Krankheitswert, einschliesslich einer Persönlichkeitsstörung,
aus
s
chliesse
(vgl.
Urk.
7/45/17).
Eine
generalisierte Angststörung
werde
durch Konzentrationsstörungen, fehlende Arbeitseffizienz, Sorgen und Anspannungen, vegetative Übererregbarkeit und motorische Anspannungen mit einer Vielzahl funktioneller körperlicher Beschwerden
charakterisiert
. Die Beschwerdeführerin habe über jahrelange Mehrfachbelastung mit fehlender Erholung berichtet (berufliche Tätigkeit von
17 bis 23 Uhr, Haushaltsführung, Be
treuung dreier Kinder, fehlende
Unter
stützung seitens des Ehemannes, zunehmend
Stress am Arbeitsplatz,
eigene Neigung zum
Perfektionismus), was ab dem Jahr 2016 zu zunehmenden Konzentrationsstörun
gen und
zur
Fehleranfälligkeit am Arbeitsplatz,
zu
einer verminderten Arbeits
effizienz un
d eingeschränkten Lernfähigkeit sowie
zu
Gereiztheit,
Dünnhäutig
keit
, affektiven Schwankungen, Schwindelgefühlen, funktionellen Herzbeschwer
den und Schwitzen geführt habe.
Infolge
zuneh
mende
r
Ausschöpfung der psychophysischen Ressourcen habe
sich
im
Laufe des
Jahr
2017
eine
Erschöpfungsdepression
entwickelt
. Auch wenn die erste psychiatrische Behand
lung im Juli 2018 stattgefunden habe, könne von einer Teilarbeitsunfähigkeit ab März 2018 ausgegangen werden. Diese
habe
vor und nach der tagesklinischen Behandlung (2
2.
Oktober bis 1
3.
Dezember 2018
,
dazu
Urk.
7/18/9
)
infolge einer höchstens mittelschweren depressiven Symptomatik
im Längsschnitt höchstens 50
%
betragen
; wä
hrend derselben könne
aufgrund der nötigen Therapiepräsenz
eine
Arbeitsfähigkeit von höchstens 30
%
attestiert werden. Der
weitere
Verlauf
der Arbeitsfähigkeit
im Jahr 2019 sei nicht genau rekonstruierbar
. S
chwere psychische Dekompensationen seien
aber
weder aktenmässig noch anamnestisch festzustellen
. Zudem habe die Beschwerde
führerin im Sommer und Herbst
2019
Ferienreisen unternommen und die Behandlungsmassnahmen unregelmässig wahrgenommen. Es könne daher ab Juli 2019 von einer weitgehenden Symptom
rückbildung
und vollen Arbeitsfähigkeit für sämtliche dem Bildungsniveau entsprechende Tätigkeiten
ausgegangen werden
. Die psychotherapeutische und medikamentöse Behandlung
(
Escitalopram
)
sei bei positiver Wirkung im Hinblick auf die Erhaltung der vollen Arbeitsfähigkeit weiterzuführen
(vgl.
Urk.
7/45/17 f.
und 7/45/20
f.
).
3.
3
Das
rheumato
logisch-psychiatrische
Gutachten erfüllt
somit
die vom Bundesgericht postulierten beweisrechtlichen Anforderungen
(vgl. BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a; Urteil des Bundesgerichts 8C_225/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
Es beruht auf allseitigen
(klinischen und bildgebenden)
Untersuchungen sämtlicher
damals
geklagter Beschwerden
(vgl. dazu
Urk.
7/43/51 und 7/45/11)
und auch die
Vorakten
wurden darin gewürdigt.
Die sich daraus ergebenden
Diagnosen
sowie die damit verbundenen
, konkreten
Funktionseinschränkungen
wurden seitens
der
Gutachter
im Rahmen ihrer jeweiligen Fachkenntnisse
einlässlich
und einleuchtend
begründet,
so dass sich ihre
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, einschliesslich des Belastungsprofils
,
ohne weiteres
nachvollziehen lässt
.
Es bleibt
zur
Darstellung
der Beschwerdefüh
rerin (vgl.
Urk.
1
Ziff.
III.
2
) anzufügen, dass
Dr.
Y._
zur Beurteilung der behandelnden Rheumatologin
Dr.
med.
A._
zutreffend
festhielt,
dass
radio
logisch keine Kompressionen von Nervenwurzeln nachgewiesen seien und
im
Bericht zur Konsultation vom 2
1.
August 2019
auch
keine Arbeitsunfähigkeit attestiert
worden sei
(vgl.
Urk.
7/43/64 f.).
Tatsächlich machte
Dr.
A._
keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit und notierte lediglich, dass im Schub der Grunder
krankung eine Reduktion der Belastbarkeit bei der Haushaltsführung und Kinder
betreuung «denkbar» sei (vgl.
Urk.
7/26/6).
4
.
4
.1
Wie nachfolgend aufzuzeigen ist, finden sich in den Berichten von
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin keine Anhaltspunkte für eine
seit der Begutachtung einge
tretene
gesundheitliche Verschlechterung, die der weiteren Abklärung bedürfte.
Vi
elmehr handelt es sich bei ihrer Beurteilung um die
abweichende Würdigung eines im Wesentlichen
seit der
psychiatrischen
Begutachtung
unveränderten medizinischen Sachverhalts
, welche unbegründet ist
.
4
.2
Die Beschwerdeführerin konsultierte
Dr.
B._
alle zwei Wochen ab dem 4. September 202
0.
Diese verfasste am 5. Oktober (
Urk.
7/69
[=
Urk.
3/3]
) und 30. November 2020 (
Urk.
7/71)
jeweils
einen Bericht
zuhanden des Rechtsvertre
ters der Beschwerdeführerin bzw. der Beschwerdegegnerin
. In beiden
Berichten
diagnostizierte
sie
eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom.
Im jüngeren Bericht schloss sie diesbezüglich auf eine
chronifizierte
Depression.
Im älteren Bericht
hielt sie ergänzend fest, die depressive Episode
sei wahrscheinlich Folge einer Wochenbettdepression
und eines schweren Burnouts; der Beschwerdeführerin gehe es seit der dritten Schwangerschaft schlecht und seit zweieinhalb Jahren immer schlechter. Zudem stellte sie damals noch die Verdachtsdiagnosen Narkolepsie und Fibromyalgie.
Zu Befund und Anamnese notierte
die Psychiaterin
in beiden Berichten, dass Aufmerksamkeit und Konzentration subjektiv stark
und
objektiv leicht einge
schränkt seien. Die Stimmung sei gedrückt. Es bestünden Antriebs-, Freud- und Interessenlosigkeit, schnelle Ermüdbarkeit und Erschöpfung, Schmerzen im
Schulter-/Nackenbereich, Kraftlosigkeit, Schweissausbrüche, Hitzewallungen, Schwindel- und Schuldgefühle, ein vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstver
trauen sowie ein erhöhter Schlafbedarf verbunden mit dem Gefühl beim Aufstehen, betrunken zu sein. Dabei gehe es der Beschwerdeführerin insbeson
dere von 15 bis 23 Uhr
bzw. nachmittags
schlechter. Sie habe Angst, von Gott wegen Faulheit bestraft zu werden, und Albträume, in welchen sie immer noch an ihrem alten Arbeitsplatz arbeite. Es bestünden Aktivitätseinschränkungen bzw. ein Verlust von Interesse und Freude an angenehmen Aktivitäten wie dem Kontakt zu früheren Arbeitskolleginnen. Die Beschwerdeführerin lebe isoliert und sei psychomotorisch gehemmt.
Die Arbeitsfähigkeit schätzte
Dr.
B._
im älteren Bericht auf 50
%
im geschütz
ten Rahmen und ca. 20
%
in der freien Wirtschaft, im jüngeren Bericht auf drei Stunden pro Tag mit einer Leistungsfähigkeit von 50
%
in einer angepassten sitzenden Tätigkeit ohne Stress und «ohne Bedarf» an guten kognitiven Fähigkei
t
en
wie Aufmerksamkeit, Konzentration und Ausdauer. Hörgeräte könne die Beschwerdeführerin bei mangelhafter Aufmerksamkeit und Konzentration nicht mehr genau testen, weshalb sie im bisherigen Beruf voll arbeitsunfähig sei. Die Prognose beurteilte
Dr.
B._
zunächst als ungewiss,
zuletzt
jedoch als nicht schlecht. Die Dosis von
Wellbutrin
wurde
dabei
von 150 mg im ersten Bericht auf 300 mg im zweiten Bericht erhöht.
4
.3
Es kann
vorab
auf die RAD-ärztliche Stellungnahme
des fachkundigen
Dr.
med. C._
vom 21.
Januar 2021 verwiesen werden
. Er hielt fest
, dass es sich bei der
im älteren Bericht diagnostizierten
Narkolepsie und
Fybromyalgie
um fachfremde, offenbar allein auf den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin basierende
,
blosse Verdachtsdiagnosen handle. Soweit die depressive Störung auf die Wochenbettdepression bzw. ein Burnout zurückgeführt werde, liege kein nach der Begutachtung neu aufgetretener Gesundheitsschaden vor.
Die Psychiaterin habe die Beschwerdeführerin
damals
erst seit einem Monat gekannt und sei nicht im Besitz der vollständigen Akten gewesen.
Im jüngeren Bericht bezeichne sie die mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom nun als
chronifi
zierte
Depression – eine Verschlechterung sei somit nicht eingetreten. Trotz vier weiterer Konsultationen sei der Befund identisch. In den Berichten würden unterschiedliche Arbeitsfähigkeiten und Prognosen postuliert. Insgesamt seien die Berichte sowohl diagnostisch als auch in Bezug auf die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit nicht plausibel und widersprüchlich (vgl.
Urk.
7/75/4 f.)
.
4
.4
Es
ist
zu ergänzen, dass
Dr.
B._
die objektiven Befunde und anamnestischen Angaben kaum auseinander
hielt und letztlich unkritisch allein auf die Aussagen der Beschwerdeführerin abstellte.
Soweit ersichtlich
,
verfügte sie
nämlich
ü
ber
kein
e
Vorakten
,
abgesehen vom Bericht zur tagesklinischen Behandlung im Jahr 2018
, und würdigte weder das
Aktiv
itätenniveau
noch die Familiensituation der Beschwerdeführerin.
Allein der Hinweis
, dass die
se weder
Interesse
noch
Freude am Kontakt
mit
ehemaligen Arbeitskolleginnen
habe, vermag jedenfalls
kein
herabgesetztes Funktionsniveau
im Alltag
und keine
Isolation
im Fünf-Personen-Haushalt
zu begründen.
Angesichts der nicht ungünstigen Prognose gemäss
Dr.
B._
scheint die Beschwerdeführerin zudem
erneut
gut und schnell auf die psychiatrische und medikamentöse Behandlung anzusprechen.
Ein
e
vorüber
gehende
Verschlechterung des psychischen Zustandes
im Rahmen eines negativen Vorbescheid
s
der Invalidenversicherung
(
oder
auch des
Aussetzen
s
der medikamentösen und psychiatrischen Behandlung, vgl.
Urk.
1
Ziff.
III.7)
wäre dabei
zudem
weder ungewöhnlich noch
versicherungsrechtlich
relevant.
Insbesondere aber
berichtete
die
Beschwerdeführerin
– entgegen ihrer
unsubstan
tiierten
Behauptung im Prozess (vgl.
Urk.
1
Ziff.
III.9) –
in der Begutachtung im Wesentlichen über dieselben Beschwerden gleichen Ausmasses
wie gegenüber
Dr.
B._
.
So gab sie bereits gegenüber
Dr.
Z._
an, dass es ihr physisch und psychisch nicht gut gehe. Sie sei noch erschöpfter und müder, wenn sie jemand beleidige oder wenn sie unzufrieden sei. Ihr Körper benötige 10 bis 12 Stunden Schlaf pro Tag. Dieser Zustand und die Ungewissheit darüber, wie lange dieser noch andauern werde, mache sie traurig und nervös. Wenn sie nicht gut schlafe, sei sie wie betrunken, müde und nervös (vgl.
Urk.
7/45/11).
Auch beschrieb sie im Tagesablauf viel im Bett zu sein, gab aber gleichzeitig auch an, regelmässig aufzustehen,
gerne
zu putzen und wenn es sein
müsse
, auch einzukaufen und zu kochen.
Auch pflegt si
e
nach eigenen Angaben soziale Kontakte und machte Urlaub
(vgl.
Urk.
7/45/14
f.
).
Gegenüber
Dr.
Y._
klagte
sie
ebenfalls über Müdigkeit. Sie gab zudem an, in allen Gelenken Schmerzen zu spüren – vor allem im Nacken, Ellbogen sowie in beiden Handgelenken. Auch die Schultern, die Beine und die Fersen würden schmerzen. Sie berichtete über Schwellung in den unteren Extremitäten, vor
allem
an heissen Tagen
,
und über seit 18 Jahren
, nicht aber am Untersuchungstag
bestehende Rüc
k
en
schmerzen (vgl.
Urk.
7/43/51).
Dabei wies
Dr.
Y._
auf
von ihr beobachtete
Inkonsistenzen hin und
Dr.
Z._
betonte die gute Funktionalität im Alltag trotz des angege
benen Schlafbedarfs und der geklagten Erschöpfbarkeit (vgl. E. 3.
1
und 3.
2
).
Der Vollständigkeit halber sei angefügt,
dass die Beschwerdeführerin nach eigenen Angaben eine gute Arbeit mit einem guten Chef und angenehmen Mitarbeiterinnen hatte und die Kündigung sie bedrückte (vgl.
Urk.
7/43/53). Der letzte
Arbeitstag
war zudem
bereits im Mai 201
9.
Dass es ihr als zirkadiane Besonderheit gerade während der früheren Arbeitszeiten besonders schlecht
gehen soll und sie wegen ihrer früheren Arbeitsstelle Albträume hat, ist daher nicht ohne weiteres nachvollziehbar. Stattdessen bestehen Hinweise, dass die Beschwerdeführerin in den letzten Jahren nach der Fusion zweier Abteilungen unzufrieden war mit den Arbeitsbedingungen,
vorab
weil die Schichten geändert
hatten
, was für sie als Mutter und Hausfrau ungünstig war (vgl.
Urk.
7/4
3
/53). Zudem musste sie damals viel Neues lernen (vgl.
Urk.
7/45/13).
4
.5
Gesamthaft betrachtet
ergeben sich aus den Berichten von
Dr.
B._
somit
keine Anhaltspunkte für eine gesundheitliche Verschlechterung nach der Begutachtung respektive im Laufe des Jahres 202
0.
Eine solche wurde in ihren Berichten denn auch nie explizit erwähnt; im Gegenteil notierte sie im Widerspruch zu den Akten, dass es der Beschwerdeführerin schon seit der dritten Schwangerschaft schlecht und seit zweieinhalb Jahren – mithin also seit dem Jahr 2018 und auch im Jahr 2019 – immer schl
echter gehe (vgl.
Urk.
7/69/1).
Den Berichten sind
ferner
keine Aspekte zu entnehmen, die von den Gutachtern verkannt bzw. nicht berücksich
tigt wurden und aufgrund derer sich eine abweichende Beurteilung der medizinischen Situation aufdrängen würde.
Sie
sind daher im Rahmen der
Erfahrungs
tatsache
zu sehen
, dass Behandlungspersonen
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc
; Urteil des Bundesgerichts 8C_77/2021 vom 20. April 2021 E. 3 mit Hinweisen).
Der vom RAD zusätzlich festgestellten falschen Kodierung der psychischen Störung
(
Urk.
7/75/4 unten)
kommt dabei
übrigens
keine Bedeutung zu.
Es
ist
ihm
aber insbesondere
beizupf
lichten, dass es widersprüchlich erscheint, wenn
Dr.
B._
trotz identischem Befund ohne Hinweis auf eine zwischenzeitlich eingetretene gesundheitliche Besserung
oder anderweitige neue Erkenntnisse
in ihren Berichten
die Arbeitsfähigkeit und Prognose
unterschiedlich
beurteilte. Darüber
hinaus
hat sie ihre Einschätzung
nicht
anhand objektiver Umstände plausibili
siert.
Es bestehen also keine Zweifel an der Beurteilung des RAD, die das extern eingeholte und von der Beschwerdeführerin nicht weiter bestrittene
bidisziplinäre
Gutachten auch lediglich ergänzt.
5
.
5
.1
Abschliessend ist festzuhalten, dass das Bundesgericht
m
it BGE 143 V 418 entschied, grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struktur
ierten Beweisverfahren nach BGE
141 V 281 zu unterziehen
(E. 6 und 7).
Dieses
definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15
.
Februar 2018 E.
5.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu trage
n (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE
144 V 50 E. 4.3).
5
.2
Mit Blick auf die von
Dr.
B._
gestellte Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode mit
«
nicht schlechter
»
Prognose ist
vorweg festzuha
lten
,
dass sich
eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Inter
ferenzen durch psychiatrische Komorbiditäten im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren
lässt
. Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt.
Diesfalls
müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (BGE 148 V 49 E. 6.2.2 mit Hinweis).
Solche wurden vorliegend nicht dargetan und sind auch nicht ersichtlich.
5
.3
Mit Blick auf
die Indikatoren des
ersten Komplex
es
«Gesundheitsschädigung»
beschrieb
Dr.
Z._
bei unauffälligem Befund eine weitgehend remittierte Angststörung und vollständig remittierte Anpassungsstörung
(vgl. E. 3.
2
)
. Die
«Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde und Symptome»
ist daher gering
fügig.
Auch
Dr.
B._
konnte
objektiv
übrigens
nur eine leichte Einschränkung von Konzentration und Aufmerksamkeit feststellen (vgl. E.
4
.2).
Eine Behand
lungsresistenz
liegt
somit offensichtlich nicht vor; selbst
Dr.
B._
stellte trotz
chronifizierter
Depression keine schlechte Prognose (vgl. E.
4
.2).
Eine Eingliede
rung
fand seit Sommer 2019 nicht statt.
Als Komorbi
ditäten bestehen
inter
mittierende Beschwerden der Lendenwirbelsäule
, allerdings
ohne Kompression neurogener Strukturen
,
und
die
rheumatoide Arthritis,
die sich
derzeit
jedoch
in Remission
befinde
(vgl. E. 3.
1
)
.
S
trukturelle
Defizite im Sinne einer eigentlichen Persönlichkeitsproblematik
stehen (bei
auch
unauffälliger
Erwerbsbiografie, vgl.
Urk.
7/45/12 f.
) nicht zur Diskussion.
Eine s
ubjektive Krankheitsüberzeugung (vgl.
Urk.
7/43/52 unten)
mit dysfunktionalem Verhalten
und sekundärem Krankheitsgewinn
erschwer
t
gegebenenfalls
zwar
das berufliche Fortkommen,
stellt aber keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden dar (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_473/2019 vom 2
5.
Februar 2020 E. 4.2.2).
Zum sozialen Kontext ist gemäss BGE 141 V 281 E. 4.3.3 zweierlei festzuhalten: Soweit soziale Belastungen direkt negative funktionelle Folgen zeitigen, bleiben sie nach wie vor ausgeklammert (vgl. BGE 127 V 294 E. 5a). Anderseits hält der Lebenskontext der versicherten Person auch (mobilisierbare) Ressourcen bereit, so die Unterstützung, die
ihr im sozialen Netzwerk
zuteil
wird
. Ein sozialer Rück
zug
oder gar eine Isolation
ist vorliegend nicht ausgewiesen
(vgl. E.
4
.4). Die familiäre Situation ist angesichts der Situation der ältesten Tochter, der Entwick
lungsstörung der jüngsten Tochter und des als «faul» bezeichneten Ehemannes
allerdings
eher belastend, auch wenn
sich das Verhältnis zur
älteste
n
Tochter mittlerweile
verbessert hat und ihr diese
viel hilft
(
vgl.
Urk.
7/43/52 und 7/45/12 oben).
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der «Konsistenz» (etwa Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
Zum
Indikator «gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen»
ist mit
Dr.
Z._
festzuhalten, dass trotz der geklagten Müdigkeit eine Tagesstruktur, soziale Kontakte und Lebensfreu
de
/Interessen
(z.B. Natur, Ferien,
Treffen mit
A
rbeitskolleginnen
) vorhanden sind und die Beschwerdeführerin ihren Haushalt bewerkstelligen kann (vgl. E. 3.
2
).
Die geringen Einschränkungen im Alltag sprechen klar gegen eine
massive
Einschränkung im Beruf.
Zum Indikator «behandlungs- und eingliederungsanam
nestisch ausgewiesener Leidensdruck»
ist
denn auch festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin erst nach dem negativen Vorbescheid wieder eine regel
mässig,
niederfrequentige
Gesprächstherapie aufnahm und ein neues Antidepres
sivum erhielt (vgl.
Urk.
7/45/18 Mitte und
E. 4
.2).
5
.4
Demnach
lässt sich anhand der Standardindikatoren nach BGE 141 V 281 – und damit aus der Optik des Rechtsanwenders, der die ärztlichen Einschätzungen und Schlussfolgerungen auf ihre sozialversicherungsrechtliche Relevanz und Trag
weite hin zu prüfen hat – keine
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen bestätigen. Eine solche lässt sich weder anhand
der Alltagsschilderun
gen
n
och der Befundlage
oder des
seit der
Begutachtung behandlungsanamnes
tisch ausgewiesenen Leidensdrucks
plausibilisieren.
Psychosoziale Faktoren haben zudem einen erheblichen Einfluss
auf den Beschwerdeverlauf
, was sich
etwa
darin zeigt,
dass es der Beschwerdeführerin
nun
deutlich
besser
geht
,
nachdem i
hr Verhältnis zur ältesten Tochter gebessert hat und die jüngste Tochter
die
Normalschule
besucht, wobei
diese
therapiebedingt auch über Mittag nicht nach Hause kommt (vgl.
Urk.
7/43/52, 7
/45/12 oben und 7/45/14 unten).
Auch
unter diesem
Gesichtspunkt
kann
Dr.
Z._
beigepflichtet werden, der
eine eigenständige und selbstunterhaltende depressive Störung explizit verneinte (vgl.
Urk.
7/45/21 oben).
6
.
6
.1
Zusammenfassend hat es damit
bei der gutachterlichen
Beurteilung
sein Bewenden, wonach die Beschwerdeführerin
–
nach der
Wiederaufnahme der Arbeitstätigkeit im April 2019 und vorübergehend erneuter Arbeitsunfähigkeit infolge einer rheumatoiden Arthritis (vgl.
Urk.
7/43/67 oben) – s
eit
Juli
, spätes
tens August
2019 für
Tätigkeiten entsprechend dem von
Dr.
Y._
definierten Zumutbarkeitsprofil wieder voll arbeitsfähig ist, worunter auch die bisherige Tätigkeit in der Hörgeräteproduktion fällt.
Die Berichte der aktuell behandelnden Psychiaterin vermögen hieran keine Zweifel zu wecken. Diese indizieren weder eine seit der Begutachtung eingetretene Verschlechterung des psychischen Zustandes, noch bringen sie neu (relevante) Aspekte ans Licht.
Es sind daher keine weiteren Abklärungen angezeigt.
6
.2
Es liegt folglich
weder eine Invalidität vor, noch ist die Beschwerdeführerin von Invalidität bedroht
, womit
sie
grundsätzlich keinen Anspruch auf berufliche M
assnahmen hat. Da sie
ihren Anspruch n
icht weiter spezifiziert hat, sei ergän
zend festgehalten, dass der
Anspruch auf Arbeitsvermittlung
nach
Art.
18 IVG
zwar
weder der Invalidität noch eines Mindestinvaliditätsgrades
bedarf
, jedoch ist zu
r Begründung dieses Anspruchs eine spezifische Einschränkung gesundheit
licher Art notwendig, wenn die Arbeitsfähigkeit einzig insoweit betroffen ist, als der versicherten Person
– wie der Beschwerdeführerin –
nur leichte Tätigkeiten voll zumutbar sind. Die leistungsspezifische Invalidität des Anspruchs liegt vor, wenn die Behinderung Probleme bei der Stellensuche verursacht. Dies trifft z. B. zu, wenn wegen Stummheit oder mangelnder Mobilität kein Bewerbungsgespräch möglich ist oder dem potenziellen Arbeitgeber die besonderen Möglichkeiten und Grenzen der versicherten Person erläutert werden müssen (z.B. welche Tätigkeiten trotz Sehbehinderung erledigt werden können), damit sie überhaupt eine Chance hat, den gewünschten Arbeitsplatz zu erhalten (
vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_641/2015 vom 1
2.
Januar 2016
E. 2).
Es ist nicht ersichtlich und wurde von der Beschwerdeführerin auch nicht darge
tan, inwiefern bei ihr
spezifische Einschränkungen gesundheitlicher Art im Sinne
dieser
Rechtsprechung
vorliegen würden
. Vielmehr kann
sie
eine
dem
gutachter
lichen
Zumutbarkeitsprofil
entsprechende Arbeitsstelle auf dem massgebenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (
Art.
16 ATSG
) o
hne Arbeitsvermittlung durch die
Beschwerdegegnerin
finden. Zu denken ist etwa an
die in solchen Fällen üblichen
einfache
n
Überwachungs-, Prüf- und Kontrollarbeiten, die Bedienung und Über
wachung von (halb-) automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten sowie Sortierarbeiten, die mit keinerlei körperli
cher Anstrengung verbunden sind
.
In diesem Bereich hat die Beschwerdeführerin denn auch schon in den letzten Jahren gearbeitet.
Die Suche nach einer solchen Tätigkeit bedar
f keiner besonderen Kenntnisse.
Auf eine Prüfung der subjektiven Eingliederungsfähigkeit (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 9C_469/2016 vom 2
2.
Dezember 2016 E. 7) kann unter diesen Umständen verzichtet werden. Wie im Gutachten ausgeführt, ist es der Beschwerdeführerin zumutbar, sich mit Hilfe des Regionalen Arbeitsvermitt
lungszentrum
s
(RAV) selbst einzugliedern
(Urk. 7/45/19 Pkt. 10.2.3)
6
.3
Fehlt
es bereits vor einer Eingliederung an einem rentenbegründenden Invalidi
tätsgrad, ist
im Übrigen auch
nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin unabhängig von allfälligen Eingliederungsnahmen über den Rentenanspruch entschieden hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_534/2018 vom 1
5.
Februar 2019 E. 2.1).
Der angefochtene Entscheid ist somit nicht zu beanstanden und d
ie Beschwerde ist folglich abzuweisen.
7
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG). Diese sind auf Fr. 700.-- festzusetzen und de
r
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzuerlegen.