# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e857952d-983b-582a-b4ee-6d4487f1fdfe
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die
1982
geborene
X._
begann
nach der obligatorischen Schulzeit
eine Ausbildung im Bereich Informatik, erlangte aber
keine
n
Berufs
a
bschluss
(
Urk.
13/
8/4
)
.
Ab dem
2
4.
August 2009
arbeitete
sie bei der
Y._
GmbH als
Specialist
-Verkäuferin, bis
d
i
e
Arbeitgeber
in
das Arbeits
verhältnis
wegen
eines
Verstoss
es
gegen die Unternehmensrichtlinien per
2
6.
August 2010
kündigte
(
Urk.
13/18/8
,
Urk.
13/146/3-4
)
.
In der Folge
wurde
sie
in der
p
sychiatrischen
K
linik
Z._
ambulant, s
t
ationär und teil
stationär behandelt
(
Urk.
13/20/2
,
Urk.
13/35
,
Urk.
13/39/3
)
.
Am
2
9.
Januar 2013
meldete
sie
sich unter Hinweis auf
eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ab dem
5.
Juli 2012 wegen einer Anpassungsstörung und dem Verdacht auf eine kom
bi
nierte Persönlichkeitsstörung
bei der Invalidenversicherung zum Leistungs
bezug an
(
Urk.
13/8)
.
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
traf berufliche
Abklärungen
(
Urk.
13/17-18
)
, zog Berichte der behandeln
den Ärzte
bei
(
Urk.
13/20,
Urk.
13/28,
Urk.
13/
35,
Urk.
13/39,
Urk.
13/44
,
Urk.
13/57
,
Urk.
13/99,
Urk.
13/101
)
und holte das Gutachten
von med. pract.
A._
, Fach
ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 2
0.
Januar 2016
(
Urk.
13/96)
so
wie dessen Ergänzung vom
3
0.
April 2016 (
Urk.
13/109)
ein
, in welcher Zusatz
fragen der IV-Stelle beantwortet w
u
rden (
Urk.
13/107)
.
Mit Schreiben vom 2
0.
Juni 2016
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, die Voraussetzungen für eine
Rentenzusprache
seien erfüllt; i
hr Gesundheitszustand
könne
mit einer intensiven wöchentlichen Physiotherapie aber auch wesentlich verbessert werden und
es
seien
berufliche Integrationsmassnahmen angezeigt.
Zudem
verpflichtete die
IV-Stelle die
Versicherte
,
unter Hinweis auf ihre Mit
wirkungspflicht, eine Psychotherapie zu besuchen und ihre Bereitschaft zu er
klären, an Massnahmen zur beruflichen Integration teilzunehmen
(
Urk.
13/112; vgl. auch
Urk.
13/110,
Urk.
13/116
-118
).
Gestützt
auf die
im Gutachten
gestellte Diagnose
einer kombinierten Persönlich
keitsstörung (
Urk.
13/96/32)
und die deshalb bescheinigte 100%ige
Arbeits
un
fähigkeit
(
Urk.
13/96/41-42,
Urk.
13/109)
sprach
die IV-Stelle
der Versicherten nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(
Urk.
13/114)
mit Verfügung vom
5.
Oktober 2016
ab
1.
August 2013
ein
e
ganze Rente
zu (
Urk.
13/126
,
Urk.
13/121
).
1.2
Im Oktober 2017 leitete die IV-Stelle von Amtes wegen eine Rentenrevision ein (
Urk.
13/136)
und erkundigte sich beim behandelnden Psychotherapeuten nach dem Verlauf der Psychotherapie (
Urk.
13/138,
Urk.
13/143
,
Urk.
13/155
; vgl.
auch
Urk.
13/152
)
.
Mit Vorbescheid vom
2
0.
November 2018
stellte sie der Ver
sicherten in Aussicht, ihre Rente für die Zukunft aufzuheben, da sie die ihr auf
erlegte Psychotherapie nicht durchgeführt habe (
Urk.
13/157). Nachdem die Ver
sicherte dagegen Einwand erhoben (
Urk.
13/159,
Urk.
13/165) und der be
handelnde Psychiater einen Verlaufsbericht eingereicht hatte (
Urk.
13/166; vgl. auch
Urk.
13/167,
Urk.
13/171,
Urk.
13/174),
gab die IV-Stelle eine psychiatrische Verlaufsbegutachtung in Auftrag (
Urk.
13/172) und holte einen Auszug aus dem Strafregister der Versicherten ein (
Urk.
13/177; vgl. auch
Urk.
13/176)
.
D
as Gut
achten von
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
vom
C._
,
welches auch auf dem neuropsychologischen
Unter
suchungsbericht von
Dr.
phil.
D._
vom 2
9.
August 2019
basiert, wurde am
2.
September 2019 fertiggestellt (
Urk.
13/180).
Die Versicherte nahm hierzu unter Beilage eines Berichts ihrer behandelnden Therapeuten Stellung (
Urk.
13/185-186). Mit Verfügung vom 1
5.
November 2019 hob die IV-Stelle die laufende ganze Rente ankündigungsgemäss auf
Ende des der Zustellung der Verfügung folgenden Monats auf
(
Urk.
13/188 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 1
6.
Dezember 2019
Beschwerde und beantragte
, es sei ihr weiterhin eine ganze Rente auszurichten, eventualiter sei die Sache zwecks ergänzender medizinischer Abklärung an die IV-Stelle zu
rückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Bewilligung der un
entgeltlichen Prozessführung (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom
4.
März 2020 beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde (
Urk.
12). Mit Ver
fügung vom 1
0.
März 2020 hiess das Gericht
das Ges
uch der Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Prozessführung gut und stellte ihr eine Kopie der Beschwerdeantwort zur Kenntnisnahme zu (
Urk.
14).
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien und die Akten ist, soweit für die Entscheidfindung erforderlich, in den Erwägungen einzugehen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetz
es
über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
[ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Be
urteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
1.2.1
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3). Diese Recht
sprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.2.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.2.3
Rechtsprechungsgemäss liegt regelmässig kein versicherter Gesundheitsschaden vor, soweit die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht. Dies trifft namentlich zu, wenn: eine erhebliche Diskrepanz zwischen den geschilderten Schmerzen oder Einschränkungen und dem gezeigten Verhalten oder der Anamnese besteht; intensive Schmerzen angegeben werden, deren Charakterisierung jedoch vage bleibt; keine medizinische Behandlung und Therapie in Anspruch genommen wird; demonstrativ vorgetragene Klagen auf den Sachverständigen unglaubwürdig wirken oder wenn schwere Ein
schrän
kungen im Alltag behauptet werden, das psychosoziale Umfeld jedoch weit
gehend intakt ist. Nicht per se auf Aggravation weist blosses verdeutlichendes Verhalten hin (BGE 141 V 281 E. 2.2.1, BGE 131 V 49 E. 1.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 29. Juni 2015 E. 4.1). Steht fest, dass eine an
spruchsausschliessende Aggravation oder ähnliche Konstellation im Sinne der Rechtsprechung gegeben ist, erübrigt sich die Durchführung eines strukturierten Beweisverfahrens nach BGE 141 V 281 (vgl. BGE 141 V 281 E. 2.2.2; Urteil des Bundesgerichts 9C_899/2014 vom 2
9.
Juni 2015 E. 4.4).
1.3
1.3.1
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zu
sprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Be
urteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen). Liegt in diesem Sinne ein
Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtlicher und tatsächlicher Hin
sicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Be
urteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3.2
Auch ein
früher nicht gezeig
tes Verhalten der v
ersicherten Person kann unter Umständen eine im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG
relevante Tatsachenänderung darstellen, wenn es sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Rentenanspruchs auszuwirken vermag. Dies trifft etwa zu bei Versicherten mit einem Beschwerdebild, auf das die Rechtsprechung gemäss
BGE 141 V 281
an
wendbar ist, wenn ein Ausschlussgrund vorliegt, d.h. die Leistungseinschränkung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht, die eindeutig über die blosse (unbewusste) Tendenz zur Schmerzausweitung und -verdeutlichung hinausgeht
. Soweit die betreffenden Anzeichen neben einer ausgewiesenen ver
selbständigten Gesundheitsschädigung auftreten, sind deren Auswirkunge
n im Umfang der Aggravation zu b
ereinigen (Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2019 vom 1
1.
Oktober 2019 E. 4.1 und 8C_825/2018 vom
6.
März 2019 E. 6 mit weiteren Hinweisen).
1.4
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.
2.1
Die IV-Stelle begründete die Aufhebung der laufenden ganzen Rente in der an
gefochtenen Verfügung vom 1
5.
November 2019 damit, ihre Abklärungen hätten ergeben, dass die Beschwerdeführerin die ihr mit Schreiben vom 2
0.
Juni 2016 auferlegte psychotherapeutische Behandlung nicht durchgeführt habe. Aufgrund der medizinischen Unterlagen könne davon ausgegangen werden, dass bei Ein
haltung der auferlegten Behandlung berufliche Massnahmen hätten durchgeführt werden können.
Da
mit der Durchführung der
angeordneten Massnahmen
von einer Eingliederungsfähigkeit ausgegangen werden könne
, werde die Invaliden
rente für die Zukunft aufgehoben.
Das
aufgrund der Einwände der Beschwerde
führerin in Auftrag gegebene psychia
t
risch-
neuropsychologische
Gutachten von
Dr.
B._
bestätige, dass zu keiner Zeit eine Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines psychischen Gesundheitsschadens bestanden habe; vielmehr liege ein Aggravationsverhalten vor
(
Urk.
2)
.
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt, sie
habe weiterhin Anspruch auf Ausrichtung der ganzen Rente (
Urk.
1 S. 2 und 13).
Die Nichterfüllung der Auflage, eine
intensive
Psychotherapie
zu absolvieren
, sei Folge
einer
fehlenden Krankheitse
insicht als Teil ihres Leidens
(
Urk.
1 S. 5-6).
I
m Rahmen der durch die Erkrankung eingeschränkten Möglichkeiten
habe sie
ihre Schadenminderungspflicht
durchaus
wahrgenommen.
Da das Gutachten
von
Dr.
B._
einen unveränderten Gesundheitszustand festhalte, sei nach wie vor von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, weshalb die Renten
einstellung unter dem Gesichtspunkt
einer
Verletzung der Schadenminderungs
pflicht nicht rechtmässig sei. Im Übrigen wäre die Sanktion nach
Art.
21
Abs.
4 ATSG wieder aufzuheben, da sie mittlerweile der auferlegten Schaden
minderungspflicht nachkomme (
Urk.
1 S. 6-8
).
Es liege auch kein Revisionsgrund vor, welcher eine Neubeurteilung
und die revisionsweise Aufhebung der Rente
erlauben würde.
Der Gutachter
Dr.
B._
gehe in der diagnostischen Ein
ordnung der Befunde mit med. pract.
A._
einig.
Er
habe die Arbeitsfähigkeit lediglich anders gewürdigt a
ls diese, indem er
festhalte, dass in der Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt eine relevante
Einschränkung vorgelegen habe
(
Urk.
1 S. 9).
Im Übrigen
dürfe nicht auf
sein
Gutachten abgestellt werden,
weil
dieses
vor dem Hintergrund der Akten widersprüchlich und nicht schlüssig sei
.
Med. pract.
E._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
und
der
Psychotherapeut
F._
hätten dies in ihrer Stellungnahme vom 2
1.
Oktober 2019 dar
gelegt. Unzutreffend sei die Beurteilung des
Gutachters
, dass sie bis zur Inhaf
tierung
Mitte 2010
unproblematisch Tätigkeiten auf dem ersten Arbeits
markt
nachgegangen sowie
durchgehend im Stande gewesen sei, das eigene Ver
halten zu modulieren und
bei Vorliegen einer entsprechenden Motivation
anzu
passen
(
Urk.
1 S. 11).
Auch die Feststellung
von
Dr.
B._
,
dass
keine authentischen funktionellen Einschränkungen
vo
rlägen
, überzeuge nicht ange
sichts der von ihm beschriebenen
Ausprägung der
Persönlichkeitsstörung
,
der Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, des Jobverlusts, der strafrechtlichen Verur
teilung sowie der Probleme mit dem betreuten Wohnen.
D
urch die diversen stationären Aufenthalte und die langdauernde problematische Wohnsituation
werde ihr Leidensdruck manifest.
Dies spre
che
auch gegen vorhandene Ressour
cen,
welche
ihr die Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit aus eigener Kraft er
möglichten. Falls das Gericht vom Vorliegen
eines Revisionsgrundes ausgehe
,
werde die Rückweisung der Sache zwecks Anordnung eines neuen Gutachtens beantragt (
Urk.
1 S. 12
f.).
2.3
In der Beschwerdeantwort begründet die IV-Stelle die Rentenherabsetzung zu
sätzlich damit,
es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit auf Krankheits
gründe zurückzuführen
, dass
die Beschwerdeführerin
der auferlegten Schaden
minderungspflicht nicht nachgekommen sei.
Nach Auffassung des psychiat
rischen Gutachters
Dr.
B._
und des RAD müsse vielmehr
davon
aus
gegangen werden
, dass sie sich bewusst nicht auf
die Behandlung eingelassen habe
und
für eine psychotherapeutische Behandlung ihrer abweichenden Persönlichkeitsstruktur keine ausreichende Motivation besitze
(
Urk.
12 S. 2 f.).
Laut
Dr.
B._
hindere d
ie Persönlichkeitsstörung die Beschwerdeführerin nicht daran, auf vo
rhandene Ressourcen zuzugreifen
.
S
ie
sei
während Jahren im ersten Arbeitsmarkt tätig gewesen
und habe gute Arbeitszeugnisse erhalten.
Dies
lasse darauf schliessen, dass sie
einen
überdurchschnittlich guten Umgang mit der
Persönlichkeitspathologie habe
(
Urk.
12 S. 3)
.
G
emäss
dem Gutachter
liege
aus psychiatrischer Sicht eine 100%ige Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätig
keit
vor
(
Urk.
12 S. 3).
Auf sein
e ausgesprochen
s
chlüssige
Expertise
könne voll
umfänglich abgestellt werden (
Urk.
12 S. 5).
Weil sich der Gesundheitszustand insgesamt auch ohne Inanspruchnahme regelmässiger psychotherapeutischer Sitzungen relevant verbessert habe
, liege ein
Revisionsgrund vor.
Die Beschwerdeführerin habe somit keinen Rentenanspruch mehr (
Urk.
12 S. 5).
3.
3.1
3.1.1
Der
r
entenzusprechenden Verfügung vom
5.
Oktober 2016
(
Urk.
13/126)
lagen in medizinischer Hinsicht das Gutachten vom
2
0.
Januar 2016
von med. pract.
A._
(
Urk.
13/96)
, dessen Ergänzung vom
3
0.
April 2016 (
Urk.
13/109)
sowie die Stellungnahme
vom 1
3.
Juni 2016 des RAD-Psychiaters
Dr.
G._
(
Urk.
13/119/9-10)
zugrunde.
3.
1.
2
Med. pract.
A._
diagnostizierte in ihrem Gutachten vom
2
0.
Januar 2016
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen (Borderline)
, narzisstischen und antisozialen Anteilen, differentialdiagnostisch mit Anteilen einer einfachen Aktivit
äts- und Auf
merk
samkeitsstörung
(
ADHS
)
, mit Anteilen eines Asperger-Syndroms sowie mit Reaktion auf eine schwere Belastung (Gefängnisaufenthalt;
Urk.
13/96/32).
In
a
namnestischer Hinsicht ist ihrer Expertise zu entnehmen, die Beschwerde
führerin
sei
von ihrer Mutter bereits im Alter von sechs Monaten in eine Pflege
familie gegeben
worden
, da
diese
mit der Erziehung überfordert
gewesen sei
. In ihrer Jugend
habe
sie häusliche Gewalt
erlebt
. Mit 14 Jahren
habe
sie erstmals Drogen
konsumiert
. Mit anderen Jugendlichen
habe
sie Diebstähle und Einbrüche
begangen
und
sei
in verschiedene Schlägereien verwickelt
gewesen
. Nach Ab
schluss der Realschule und eines 1
0.
Schuljahrs
habe s
ie
eine Informatik-Lehre begonnen, die
sie nach einem Jahr ab
gebro
ch
en habe. In der Folge sei sie in verschiedenen Betrieben tätig gewesen - am längsten bei der
H._
AG als Media-Managerin während über fünf Jahren -, die ihr sehr positive Arbeits
zeugnisse ausgestellt hätten
(
Urk.
1
3
/96/33-34)
. Ihre letzte, im August 2009 an
getretene Stelle bei der
Y._
GmbH sei ihr aufgrund eines Verstosses gegen die Unternehmensrichtlinien gekündigt worden. An ihrem letz
ten Arbeitstag, dem 1
2.
August 2010, sei sie laut eigenen Angaben im Laden festgenommen worden. Insgesamt habe sie sieben Wochen in Untersuchungshaft verbracht, schliesslich habe sie einen Strafbefehl wegen «betrügerischen Miss
brauchs einer Datenverarbeitungsanlage» erhalten.
Da sie mit der psychosozialen Situation nach der Haftentlassung überfordert gewesen sei, sei eine Beistand
schaft errichtet worden
(
Urk.
1
3
/96/34-35). Sie habe erstmals 2011 psychiatrische Hilfe in Form von zunächst ambulanten Gesprächen in Anspruch genommen (
Urk.
13/96/41).
V
om
5.
bis 2
3.
Juli 2012, vom 2
7.
August 2012 bis 2
6.
Februar 2013 und vom
3.
Juni bis 2
0.
November 2013
sei sie
stationär psychiatrisch be
handelt worden. Dazwischen sei sie tagesklinisch
therapiert
worden und habe sich in betreuten Wohnheimen aufgehalten. Die Eingliederung in ein ausgewogenes therapeutisches Setting sei schwierig gewesen, da sie häufig nicht bereit gewesen sei, Anforderungen oder Vorschlägen nachzukommen. Auch die Organisation sozialer Angelegenheiten, zum Beispiel des betreuten Wohnens, sei an ihrem
Widerstand und an Konflikten mit ver
schiedenen Personen gescheitert (
Urk.
13/96/35
-37).
Med. pract.
A._
legte dar, die
biografische Vorgeschichte
sowie die Unter
suchungsbefunde und Verhaltensbeobachtungen ergäben, im Wesentlichen über
einstimmend mit den
medizinischen Vor
berichten, die Diagnose einer P
ersönlich
keitsstörung. Manche Angaben der Beschwerdeführerin seien vage geblieben, es sei der Eindruck der
Unoffenheit
entstanden
. Der Affekt sei während der drei
Untersuchungsgespräche sehr wechselhaft gewesen und habe auch als mani
pulativ imponiert.
Die Krit
erien für eine antisoziale Persönlichkeit seien in vollem Umfang erfüllt,
die Beschwerdeführerin sei bereits in der Jugend delinquent ge
worden und scheine keinerlei Schuldbewusstsein zu haben beziehungsweise zur Schuldverschiebung zu neigen.
Den Borderline-Anteilen entsprächen das in
stabile Selbstbild und eine überhöhte (narzisstische) Selbstwahrnehmung, immer wieder auftretendes impulsives Verhalten mit potentiell selbst
schädigenden Handlungen (Substanzmissbrauch, Selbstverletzungen) sowie
eine
affektive In
stabilität. Vorübergehend seien auch paranoide Vorstellungen, Depressivität und
Zwangsgedanken vorhanden. Zusätzlich bestehe ein mangelndes Einfühlungs
vermögen, die Beschwerdeführerin sei nicht bereit
,
be
ziehungsweise fühle sich nicht in der Lage, sich auf Gefühle und Bedürfnisse anderer einzulassen.
Auf
grund des durchgeführten «Adult Asperger Assessment» könne die Diagnose eines Asperger-Syndroms eher nicht gestellt werden, wenn
gleich möglicherweise An
teile vorhanden seien.
Die Symptome eines dif
ferentialdiagnostisch zu erwägenden ADHS würden sich mit jenen der Border
line-Persönlichkeitsstörung überschneiden. Anamnestisch sei aber eher über Ver
haltensauffälligkeiten (Wut, Gereiztheit, dissoziales Verhalten) berichtet worden als über Unaufmerksamkeit und Hyperaktivität
(
Urk.
13/96/37-39
).
Die Beschwerdeführerin wünsche ganz klar die Zusprache einer Invalidenrente, um einen grösseren finanziellen Spielraum zu haben. Sie habe angegeben, sich nicht in andere Menschen hineinversetzen zu können und deshal
b nicht mehr arbeiten zu können
. Zudem habe sie gesagt, wegen eines Schuldenbergs von mehr als
Fr.
100'000.
--
und drohender Lohnpfändung
sei sie nicht motiviert, jemals wieder zu arbeiten.
Ferner
könne sie bei Erhalt einer Invalidenrente, wodurch sie als behindert gelte, einer Resthaftstrafe entgehen, und die bisher schwierige Wohnungssuche werde vereinfacht
. Aktuell lebe sie bei wechselnden Bekannten, die teilweise selbst psychisch krank seien, was zu unguten zwischenmenschlichen Situationen führe
(
Urk.
13/9
6/40-41; vgl
. auch
Urk.
13/39/3,
Urk.
13/96/18,
Urk.
13/96/21-22
)
.
Sie
fühle sich momentan rasch angegriffen und reagiere aggressiv und impulsiv, es fehle ihr an genügender Abgrenzung, Konflikt
fähigkeit und Frustrationstoleranz
(
Urk.
13/96/40)
.
Mit dem Mini-ICF-APP seien
deutliche Einschränkungen in wichtigen Funktionsbereichen erhoben worden, die aller
dings vor dem Gefängnisaufenthalt Mitte 2010 so nicht zutage getreten seien. In den Bereichen Anpassung an Regeln und Routinen, Entscheidungs- und Urteils
fähigkeit, Selbstbehauptungsfähigkeit, Gruppenfähigkeit und familiäre
beziehungsweise intime Beziehungen sei die
Beschwerdeführerin mittelgradig
be
einträchtigt. Eine schwere Beeinträchtigung bestehe bei der Planung und S
trukturierung von Aufgaben: D
ie
Beschwerdeführerin
habe k
eine Tagesstruktur
mehr; es bestünden unregelmässige Schlafens- und Essenszeiten und ein mangelndes Gefühl für derartige Grundbedürfnisse
aufgrund einseitiger, inten
siver Beschäftigung mit anderen Dingen (Internet, Astrophysik)
. Da sie sich praktisch gar nicht auf andere Personen einstimmen und moduliert
auf sie
reagieren könne, sei die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit vollständig beein
trächtigt (
Urk.
13/96/26-27).
Aufgrund
der mit einem strukturierten Fragebogen
durchgeführten Konsistenzprüfung erscheine es möglich, dass
die Beschwerde
führerin
die Symptomatik mit dem Ziel einer
Rentenzusprache
und de
m
Entgeh
en
einer
Verbüssung der Resthafttage
mindestens
aggraviere
, wobei der Verdacht einer Simulation bestehen bleibe. Inkonsistent sei zudem, dass in ihren überaus positiven Arbeitgeberzeugnissen von keinerlei Schwierigkeiten und Verhaltens
auffälligkeiten die Rede sei und sie
in
der Vergangenheit immerhin einige Jahre habe arbeiten können (
Urk.
13/96/41).
Die vorbestehenden schwierigen Persönlichkeitsanteile hätten die Beschwerde
führerin bis zu den Vorkommnissen bei
Y._
nicht an der Ausübung einer Arbeitstätigkeit
in der Informatikbranche beziehungsweise als Video-Cutterin so
wie im Support und Verkauf
gehindert. Die enorme narzisstische Kränkung durch die Untersuchungshaft
habe
zu einer Exazerbation der Persönlichkeits
anteile
ge
führt
, welche aktuell eine Rückkehr in die Arbeitswelt verunmögliche.
Als psychosoziale
Faktor
en
hätten
aktuell auch
der hohe Schuldenberg und
das Nicht-Vorhandensein einer eigenen Wohnung einen wichtigen Einfluss auf
die Arbeitsmotivation und das
Wohlbefinden. Bisher habe mangels psychosozialer Beruhigung durch einen festen Wohnsitz und eine stabile finanzielle Grundlage therapeutisch
kaum etwas erreicht werden können. Deshalb wäre es einen Ver
such wert, der Beschwerdeführerin für einen befristeten Zeitraum von einem Jahr eine Rente zuzusprechen mit der Auflage, sich während dieser Zeit in eine inten
sive, insbesondere auf die Persönlichkeitsstörung bezogene ambulante Psycho
therapie zu begeben und begleitend eine berufliche Wiedereingliederung in ihrem angestammten beruflichen Tätigkeitsfeld in Angriff zu nehmen. Dadurch hätte die Beschwerdeführerin auch eine gewisse Tagesstruktur.
Eine wichtige Therapiegrundlage
wäre auch die Klärung der Wohnsituation. Es werde eine gut
achterliche
Re-Evaluation nach einem
Jahr empfohlen, da
prognostisch nicht zur Arbeitsfähigkeit Stellung genommen werden könne.
Jedenfalls wäre der blosse Umstand, dass die Beschwerdeführerin nach einer beruflichen Wieder
eingliederung eine Lohnpfändung zu gewärtigen hätte, kein Grund zur Zu
sprechung einer Invalidenrente (
Urk.
13/96/41-43).
3.1.3
Am
3
0.
April 2016
präzisierte
med. pract.
A._
ihre gutachterlichen Aus
führungen
im Wesentlichen
dahingehend,
dass
die der Beschwerdeführerin attestierte vollständige Arbeitsunfähigkeit für sämtliche Tätigkeiten gelte und seit Sommer 2010 bestehe (
Urk.
13/109).
3.1.4
In seiner versicherungsmedizinischen Stellungnahme vom 1
3.
Juni 2016 ging der RAD-Psychiater
Dr.
G._
gestützt auf die Experti
s
e
von med. pract.
A._
von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin aus. Er empfahl die Einleitung einer regelmässigen, möglichst wöchentlichen intensiven störungsspezifischen psychotherapeutischen Behandlung mit gleichzeitigen be
ruflichen Massnahmen. Die invaliditätsfremden psychosozialen Faktoren
(Wohnen, Tagesstruktur, Schulden) müssten
deutlich vermindert werden. Spätestens nach Abschluss der beruflichen Massnahmen könne eine erneute medizinische Prüfung empfohlen werden
(
Urk.
13/119/9-10)
.
3.2
3.2.1
Dem Bericht des behandelnden Psychiaters
Dr.
I._
vom
6.
Januar 2018 ist zu entnehmen, dass er die Beschwerdeführerin seit dem
3.
Juli 2017 rund einmal monatlich sah und die von der vorbehandelnden Psychologin
J._
gestellte Diagnose eines Asperger-Syndroms (vgl.
Urk.
13/28)
sowie
die bereits etablierte Psychopharmakotherapie fortführte, ohne eigene umfassende Abklärungen vor
zunehmen (
Urk.
13/143/2). Weiter hielt
Dr.
I._
fest, er habe der Beschwerde
führerin mehrmals die Kontaktaufnahme mit einer auf die Behandlung er
wachsener Autisten spezialisierten Psychologin empfohlen, um eine intensivere Betreuung zu gewährleisten. Ob sie d
ies getan habe, wisse er nicht
(
Urk.
13/143/4).
Am 2
5.
Februar 2019 führte
Dr.
I._
aus, ihm sei berichtet worden, dass der Beschwerdeführerin die Einstellung der Rente wegen Verletzung der Schaden
minderungspflicht angedroht worden sei. Aus seiner Sicht sei dies nicht gerecht
fertigt, d
a
sie
ihm zwischenanamnestisch von einer Verschlimmerung der psy
chischen Symptomatik und kausal damit verbundenen psychosozialen Er
schwernissen (Instabilitäten in der Betreuungs- und Wohnsituation) berichtet habe. Sie habe sich sozial vollständig zurückgezogen und deshalb keine medizinische Hilfe in Anspruch nehmen können. Eine psychiatrisch-psycho
therapeutische Behandlung solle nun künftig entsprechend der Indikation in
stalliert werden (
Urk.
13/166/1-2). Die Arbeitsfähigkeit in einem angepassten Rahmen liege aktuell bei unter 20
%
(
Urk.
13/166/3).
Im Verlaufsbericht vom 1
1.
April 2019 hielt
Dr.
I._
zu Handen der IV-Stelle fest, er habe seit dem Vorbericht eine Sitzungsfrequenz von 14 Tagen eingehalten. Die Beschwerdeführerin habe nun mit
F._
einen Psychologen ge
funden, welcher unter der Aufsicht von med.
pract.
E._
ab sofort ihre psychotherapeutische Behandlung aufnehmen werde. Er erachte eine Begut
achtung der Beschwerdeführerin als nicht erforderlich und empfehle, sie in ihrer aktuellen psychosozialen Situation durch die Androhung des Rentenentzugs nicht weiter zu destabilisieren (
Urk.
13/174).
3.2.2
Aus dem
von der IV-Stelle eingeholte
n
psychiatrische
n
G
utachten von
Dr.
B._
vom
2.
September 2019
geht hervor
, dass
laut der
Beschwerde
führerin
soziale Interaktionen
aufgrund ihres Asperger-Syndroms für sie schwierig
seien
. Ein weiteres Problem seien Reizüberflutungen. Sie sei lärm
empfindlich, und in ihrem
Alltag müssten Dinge nach bestimmten Abläufen ge
schehen und ihre Sachen eine bestimmte Ordnung haben. Würden diese Vorgaben gestört, gerate sie in eine innere Anspannung, sie erlebe eine noch höhere Reiz
überflutung und es komme zu konfl
ikthaften Auseinandersetzungen
(
Urk.
13/180/18-19).
I
m Kindergartenalter sei sie extrafamiliär von verschiedenen Menschen missbraucht worden. Sie sei zusammen mit anderen Kindern gefesselt und in Käfigen eingesperrt worden und sei auch gezwungen worden, Blut von anderen Kindern zu trinken (
Urk.
13/180/23). Im Zusammenhang mit den Vor
fällen bei ihrem letzten Arbeitgeber sei sie unschuldig verurteilt worden. Der ehe
malige Arbeitgeber verfüge über interne Abteilungen, welche Menschen durch Erpressung unter Druck setzten und sogar Leute verschwinden
liessen
(
Urk.
13/180/21
)
. Ihre gesundheitliche Beeinträchtigung habe sich fortlaufend verbessert
(
Urk.
13/180/22), allerdings
befürchte
sie
, dass sie mit der Therapie keine Fortschritte mehr mache, wenn sie wieder zu arbeiten beginne. Aktuell lebe sie von Leistungen der Invalidenversicherung und
von
Ergänzungsleistungen. Die Gesamtschuldensumme belaufe sich auf 60’000-70'000 Franken.
Seit eineinhalb Jahren sei sie mit ihrer neuen Partnerin zusammen, welche ihr sehr viel Halt gebe. Mit ihr bewohne sie eine Mietwohnung. Wenn sie nicht mit Haushaltarbeiten beschäftigt sei oder T
herapietermine wahrnehme
, gehe sie ihren vielen Hobbys nach. Sie schaue etwa YouTub
e-Videos über Quantenphysik an
(
Urk.
13/180/25).
In der klinischen Untersuchung erhob
Dr.
B._
weitgehend unauffällige
psychische
Befunde
(
Urk.
13/180/28).
Die neuropsychologische Testung durch
Dr.
D._
ergab
ein unauffälliges Kommunikationsverhalten und eine aus
reichende konzentrative Belastbarkeit und Ausdauer
während der mehr als drei
stündigen Untersuchung, ohne dass Ablenkbarkeit, Impulsivität oder Unruhe aus
zumachen waren. Im
Rahmen der Symptomvalidierung
fanden sich keine Hin
weise auf Aggravation oder Simulation. Die
kognitive
Testung ergab weitgehend durchschnittliche Resultate
. Wegen leichten Leistungseinbussen in der Auf
merk
samkeitsaktivierung, der verbalen Interferenzkontrolle, der intellektuellen Flexibilität und des Erwerbs verbaler Informationen
diagnostizierte
Dr.
D._
eine leichte neuropsychologische Störung, welche überwiegend wahrscheinlich dem konstitutionellen Leistungsniveau entspreche. Die Funktionsfähigkeit sollte dadurch im Alltag und unter den meisten beruflichen Anforderungen nicht ein
geschränkt sein. Bei Aufgaben und Tätigkeiten mit hohen Anforderungen an die Kognition könne von einer Arbeitsunfähigkeit von 20
%
ausgegangen werden (
Urk.
13/180/
10,
Urk.
13/180/
29).
Anhand von fremdanamnestischen Angaben der Mutter und der Untersuchungsbefunde hätten sich Hinweise für das Bestehen eines Asperger-Syndroms ergeben. Die von der
Beschwerdeführerin angegebenen
Defizite in der sozialen Kommunikation und Interaktion stünden allerdings in einem erheblichen Widerspruch zur Verhaltensbeobachtung in der Unter
suchungssituation. Eine abschliessende Einschätzung bezüglich dieser Situation sei deshalb nicht möglich. Eine Asperger-Symptomatik würde auf jeden Fall keine relevanten Funktionsstörungen begründen. Das Vorliegen eines instrumentellen Verhaltens bei vorhandener strafrechtlicher Problematik könne nicht aus
geschlossen werden (
Urk.
13/180/
8-11,
Urk.
13/180/29-30). Für das Vorliegen eines ADHS hätten sich keine ausreichenden Hinweise ergeben. Zwar habe der Selbsteinschätzungsfragebogen in diese Richtung gewiesen, im Rahmen der drei
einhalbstündigen neuropsychologischen klinischen und test
psychologischen Untersuchung
hätten aber keine entsprechenden Anhaltspunkte erhoben werden können (
Urk.
13/180/30).
Der behandelnde Psychotherapeut
F._
be
richtete
Dr.
B._
, der Therapieprozess sei in den letzten Monaten wiederholt durch negative äussere Einflüsse gestört worden (
Urk.
13/180/30-31).
Dr.
B._
stellte die Diagnose einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit dissozialen, narzisstischen und emotional instabilen Merkmalen. Die Be
schwerdeführerin neige zum
Unbeteiligtsein
gegenüber den Gefühlen anderer, zur Missachtung sozialer Normen, Regeln und Verpflichtungen bis hin zur mani
festen Delinquenz, zum externalisierenden
Attributionsstil
sowie dazu, für das eigene problematische Verhalten plausible Rationalisierungen anzubieten. Das Vollbild einer dissozialen Persönlichkeitsstörung bestehe jedoch nicht, weil die einzelnen Kriterien nicht in der notwendigen Zahl und Ausprägung vorlägen. Die Beschwerdeführerin präsentiere sich zudem selbstzentriert, mit überhöhtem Selbstbild und erwarte eine besondere Behandlung.
Das
Vollbild der narzissti
schen Persönlichkeitsstörung sei aber ebenfalls nicht gegeben. Ihre Tendenz, ohne Berücksichtigung der Konsequenzen zu handeln sowie die Neigung zu Streit
ereien und Konflikten mit anderen und Ausbrüchen von Wut entspreche der emo
tional instabilen Komponente der Persönlichkeitsorganisation (
Urk.
13/180/31-32).
In der abschliessenden Beurteilung führte
Dr.
B._
aus, die
Beschwerde
führerin
sei
bereits im Schulalter mit Gewalttätigkeiten
aufgefallen
und
habe
im heranw
achsenden Alter regelmässig
psychoaktive
Substanzen konsumiert.
B
is zu der im Jahr 2010 erfolgten Festnahme
mit dem Vorwurf eines Betruges
und der anschliessenden mehrwöchigen Untersuchungshaft
habe sie sich jedoch
nicht
in
psy
chiatrisch-psychotherapeutische
Behandlung
begeben
.
Das soziale Verhalten sei von ihren abweichenden Persönlichkeitszügen weitgehend unberührt ge
blieben und es hätten auch keine Funktionseinschränkungen bestanden.
Die durch die Verurteilung erlittene Kränkung
habe zu einer erheblichen Veränderung
in der Präsentation des abnormen Verhaltens nach aussen
hin geführt
, gepaart mit einer starken Identifizierung
der Beschwerdeführerin
mit der Krankenrolle. Dies
setze
sie
zu ins
trumentellen Zwecken ein,
auch in der aktuellen Situation. Von Fachpersonen sei
ihr
Verhalten mitgetragen und im lerntheoretischen Sinne anhaltend verstärkt worden. Obwohl sie bei der psychiatrischen Vorbegutachtung kein authentisches Bild präsentiert habe, sei ihre Arbeitsfähigkeit als aufgehoben beurteilt worden, mit der Empfehlung einer zeitlich befr
isteten Berentung. Den bei der Behandlung erteilten Auflagen habe
die
Beschwerdeführerin
dann ent
sprechend ihrer Persönlichkeitsstruktur keine Folge geleistet (
Urk.
13/180/32).
Die Persönlichkeitsstörung hindere
s
ie nicht am Zugriff auf ihre Ressourcen, wie überdurchschnittlich gute soziale Fertigkeiten, Lernfähigkeit sowie die Bereit
schaft, Neues auszuprobieren und aktiv zu handeln. In der Gesamtschau der Dokumentation könne nicht als überwiegend wahrscheinlich gelten, dass sie je
mals eine
behandlungsbedürftige
psychische Problematik
aufgewiesen habe. Sie
sei
nämlich durchgehend imstande gewesen, das eigene Verhalten zu modulieren und beim Vorliegen einer ausreichenden Motivation anzupassen. Dies lasse
auf einen überdurchschnittlich guten Umgang mit der Persönlichkeitspathologie schliessen und erkläre, weshalb sie während Jahren problemlos in der Lage ge
wesen sei, Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt nachzugehen. Hinsichtlich ihres Eingliederungspotentials sei entscheidend, dass ihr abweichendes Verhalten im Sinne einer Persönlichkeitsstörung stets zweckgebunden gewesen
sei
, so dass sie
keine Veränderungsmotivation besessen habe und eine solche auch heute nicht aufweise (
Urk.
13/180/33).
Sie sei durchaus
imstande, Regeln und Normen zu
erkennen und bei aus
reichender Motivation
einzuhalten
. Es falle ihr aber signifikant leichter als der Mehrheit der Bevölkerung,
diese
zu missachten und für
ihr
Verhalten vorder
gründig plausibel klingende Erklärungen anzubieten. Bei drohenden negativen Konsequenzen verringere sich die Plausibilität ihrer Erklärungen, was sich etwa in ihren grob realitätsfremden anamnestischen Angaben
manifestiere
,
wonach sie als Kind von Sexualstraftätern gezwungen worden sei, das Blut anderer Kinder zu Trinken, und dass ihr ehemaliger Arbeitgeber «Killertruppen»
unterhalte
.
Aus dem gleichen Grund sei es zur stark verzerrten Beantwortung von Fragen in test
psychologischen Instrumenten zur Diagnostik des Asperger-Syndroms und von ADHS gekommen.
Für die Beschwerdeführerin, die über die jeweiligen Störungs
bilder gut informiert gewesen sei, sei es
mangels Fachkenntnissen nicht erkenn
bar gewesen, dass der klinische Befund, ihre Biografie und die ICD-10 Kriterien der jeweiligen Störung nicht mit ihren Antworten in den psychodiagnostischen
Instrumenten vereinbar gewesen seien.
Weder lägen authent
ische Funktions
defizite vor, noch authentische Einschränkungen in vergleichbaren Lebens
bereichen.
In der angebotenen Konstellation habe keine Möglichkeit bestanden, eine
verlässliche
Fremdanamnese einzuholen. Verwertbare Aussagen über das Funktionsniveau der Beschwerdeführerin wären ausschliesslich auf der Grund
lage einer hinreichend langen Fremdbeobachtung im Sinne einer Observation möglich
.
Von der Beschwerdeführerin sei in der aktuellen Untersuchung kein authentisches Beschwerdebild angeboten worden, mit Ausnahme der Persönlich
keitsstruktur, welche anhand des Befundes, der anamnestischen An
gaben und der Vorberichte mit der notwendigen Sicherheit habe festgestellt wer
den können
(
Urk.
13/180/33-36
)
.
Die diagnostischen Ausführungen im psychiatrischen Gutachten von med. pract.
A._
seien im Gegensatz zu den anderen
Arztb
erichten medizinisch fundiert und nachvollziehbar.
Wenig nachvollziehbar sei hingegen, weshalb
die Gut
achterin
trotz des beschriebenen zumindest
aggravatorischen
Verhaltens detail
liert Fähigkeitseinschränkungen mittels des Mini ICF-APP beschrieben habe. Beim
dokumentierten
Grad an Inkonsistenzen habe nämlich kein fundiertes Assessment von relevanten Funktionsdefiziten erfolgen können (
Urk.
13/180/37).
Die Beschwerdeführerin sei aus psychiatrischer Sicht nicht in ihrer Arbeitsfähig
keit eingeschränkt, und es erscheine überwiegend Wahrscheinlich,
dass eine relevante Arbeitsunfähigkeit in der Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt be
standen habe.
Seit der
Vorbegutachtung sei es dahingehend zu einer relevanten Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen, dass die fehlende Authenti
zität der beklagten Funktionseinschränkungen noch deutlic
her zum Vorschein gekommen sei
. Auch seien die zahlreichen Ressourcen der Beschwerdeführerin
deutlicher zum Tragen gekommen. Unter anderem
gemessen an
der massiven Ab
nahme der Inanspruchnahme medizinischer Hilfe
sei die gesundheitliche Ver
besserung spätesten
s
im Januar 2017 eingetreten (
Urk.
13/180/39).
3.2.3
Am 2
1.
Oktober 2019 nahmen die Behandler med. pract.
E._
und der Psychologe
F._
zum Gutachten von
Dr.
B._
Stellung. Sie hielten fest, aus ihrer Sicht bildeten die Diagnosen eines Asperger-Syndroms so
wie eines ADHS im Erwachsenenalter die Defizite der Beschwerdeführerin besser ab als die von
Dr.
B._
diagnostizierte Persönlichkeitsstörung
mit dis
sozialen, narzisstischen und emotional
instabilen Zügen
.
Der Gutachter be
gründe seine abweichende diagnostische Einschätzung in erster Linie mit drei Arbeits
zeugnissen, die ihr mindestens durchschnittliche soziale Kompetenzen und Um
gangsformen bescheinigten. Diese Argumentation sei dürftig, da soziale Defizite in Arbeitszeugnissen kaum je genannt würden. Ihrer Ansicht nach weise die
Beschwerdeführerin auch keinen Grundzug von Verantwortungslosigkeit und Missachtung sozialer Normen auf, wie dies zentrales Element der dissozialen Per
sönlichkeitsstörung sei. Eine Einordnung der
funktionellen Defizite in die grund
legend «andere» Erlebens- und Interaktionsform des
Aspergerautismus
erscheine viel passender (
Urk.
13/185/1-3).
Die Beurteilung von
Dr.
B._
, die Beschwerdeführerin sei bis zur Mitte 2010 erfolgten Inhaftierung problemlos im Stande gewesen, Tätigkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt nachzugehen, wobei ihr Verhalten in der darauffolgenden Zeit dem aktiven Ausleben von abnormen Persönlichkeitsmerkmalen in einem instrumen
tellen, zweckgebundenen, strategischen Verhalten entsprochen habe, erachteten sie als absolut unhaltbar. Die Inhaftierung habe bereits auf er
heblichem Problem
verhalten am Arbeitsplatz gefusst
,
welches als krankheits
bedingte Überforderung
im Umgang mit komplexen Rollen-Strukturen und Kommunikations
herausforderungen gesehen werden müsse.
Die Arbeitstätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt sei also ganz und gar nicht unproblematisch ge
wesen, sondern
habe seit Beginn immer die Suche nach einer angepassten Nische dargestellt, wo die Defizite in der Gruppenfähigkeit und Flexibili
tät/Anpassungsfähigkeit nicht zu
sehr zum Tragen gekommen seien
(
Urk.
13/185/6). Ihre Ausbildung im IT-Bereich sei gescheitert, da sie von sozialen Dynamiken überfordert gewesen sei. Sie habe geschildert, wie sie plötzlich von einem Tag auf den anderen nicht mehr habe programmieren können. In den be
treuten Wohnungen sei es zu tiefgreifenden Verletzungen und interaktionellen
Retraumatisierungen
mit Verschlechterung des Gesundheitszustandes gekommen, die sie daran gehindert hätten, die Therapie richtig zu beginnen. Durch ihre Krankheit
sei
die Anpassung an Gruppenprozesse an einer Arbeitsstelle massiv eingeschränkt, in den letzten Jahren in zunehmen
dem Ausmass. Das subjektive Empfinden einer leichten Verbesserung und Stabilis
ier
ung im stark selbst
determinierten Tagesablauf der Beschwerdeführerin lasse sich nicht auf einen Arbeitsalltag übertragen.
Chancen auf eine Reintegra
tion bestünden nur durch
Integrationsmassnahmen in einem angepassten Rahmen im zweiten Arbeitsmarkt in einer administrativen Tätigkeit. In einem zweiten Schritt könne darauf auf
gebaut werden (
Urk.
13/185/7-8).
4.
4.1
Zu prüfen ist zunächst, ob seit der Rent
enzusprechung
in der
Verfügung vom
5.
Oktober 2016 (
Urk.
13/126)
eine erhebliche Änderung des Gesundheits
zustandes
beziehungsweise der Arbeitsfähigkeit
eingetreten ist und damit ein Revisionsgrund
im Sinne von
Art.
17 ATSG
vorliegt.
Solchenfalls
könnte die Rente nämlich angepasst werden, ohne dass auf den von der IV-Stelle hierfür
ebenfalls angeführten Grund einer Verletzung der Schadenminderungspflicht weiter eingegangen werden müsste.
4.2
4.2.1
Das von der IV-Stelle eingeholte psychiatrische
G
utachten von
Dr.
B._
vom
2.
September 2019 ber
uht auf umfangreichen A
bklärungen, nämlich auf einer rund vierstündigen gutachterlichen Untersuchung (
Urk.
13/180/13), den Er
gebnissen der am 1
1.
Juni 2019 von
Dr.
D._
durchgeführten, rund dreieinhalb
stündigen neuropsychologischen Untersuchung
en
samt ergänzenden psycho
logischen Tests (
Urk.
13/180/2,
Urk.
13/180/6-9,
Urk.
13/180/29), der vor Beginn der psychiatrischen Exploration erfolgten 45-minütigen Vorbesprechung mit dem
behandelnden
Psychotherapeuten
F._
sowie den Angaben
im
Straf
registereintrag der Beschwerdeführerin (
Urk.
13/180/28,
Urk.
13/180/30-31).
Es berücksic
htigt die geklagten Beschwerden, ist in Kenntnis der Vorakten (Anam
nese) abgegeben worden, leuchtet in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und ent
häl
t begründete Schlussfolgerungen
.
Deshalb erfüllt
es die höchstrichterlichen Anforderungen an beweiskräftige medizinische
Entscheidungsgrundlagen grund
sätzlich
(BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis)
, zumal es auch zur Frage Stellung nimmt, ob sich der Gesundheitszustand
und die
Arbeitsfähigkeit
seit
Erlass der Rentenverfügung
wesentlich
verändert
haben
(
Urk.
13/180/38-39
).
4.2.2
D
ie Behandler med. pract.
E._
und
F._
stellen sich
in ihrer Stellungnahme vom 2
1.
Oktober 2019
auf den Standpunkt
, die Diagnosen eines Asperger-Syndroms sowie eines ADHS im Erwachsenenalter
bildeten
die Defizite der Beschwerdeführerin besser ab als die von
Dr.
B._
diagnostizierte Per
sönlichkeitsstörung mit dissozialen, narzisstischen und emotional instabilen Zü
gen
(
Urk.
13/185/1-3).
Dem
ist
entgegenzuhalten
, dass die Gutachter med. pract.
A._
und
Dr.
B._
das Vorliegen eines Asperger-Syndroms sowie eines ADHS
nach umfangreichen, auch testpsychologischen
Abklärungen nicht als überwiegend wahrscheinlich erachteten und
bei der Beschwerdeführerin mindes
tens Tendenzen zur Aggravation, wenn nicht gar Simulation psycho
patho
logischer Symptome ausmachten (
Urk.
13/96/39,
Urk.
13/96/41
, Urk. 13/180/33-37
). Die Neuropsy
ch
ologin
Dr.
D._
, welche für
Dr.
B._
die test
psycho
logische Untersuchung durchführte, hielt fest, die in Richtung eines Asperger-Syndroms sowie eines ADHS weisenden Angaben der Beschwerde
führerin stün
den in
(teils
erheblichem
)
Widerspruch zur Verhaltensbeobachtung in der Unter
suchungssituation (
Urk.
13/180
/7-9,
Urk.
13/180/11,
Urk.
13/180/30).
Dies betraf insbesondere das mit einer Asperger-Symptomatik unvereinbare unauffällige Kommunikationsverhalten (
Urk.
13/180/8,
Urk.
13/180/10).
Dr.
B._
wies zudem darauf hin
,
das
im Bericht der p
sychiatrischen
K
linik
Z._
vom 2
4.
Sept
ember 2013
beschriebene manipulative und agierende Verhalten
(
Urk.
13/39/4-5)
sei mit einem Asperger-Syndrom nicht ver
einbar, weil es eine mindestens durchschnittliche Fähigkeit für soziale Kognitionen und eher überdurchschnittliche soziale Fertigkeiten erfordere (
Urk.
13/180/36).
In den Akten finden sich mehrere weitere
Beispiele
für ein
manipulatives und mindestens durchschnittlich sozialkompetentes
Verhalten
der Beschwerdeführerin
, etwa
ihre
Angabe
,
sie
habe früher Spass daran gehabt, an
der
e
zu manipulieren und Probleme zwischen
ihnen
auszulösen (13/56/12),
sie
sei Anführerin einer Jugendbande gewesen
, habe sich häufig im Jugendhaus auf
gehalten und für andere Leute Diebstähle geplant (13/96/19)
,
und sie habe
fünf Jahre in einer Musikband gespielt
(13/35/8).
Vor diesem Hintergrund vermag auch die Erklärung der Behandler, die strafrechtliche
Verurteilung wegen be
trügerischen Missbrauchs einer Datenverarbeitungsanlage sei auf eine krank
heitsbedingte Überforderung im Umgang mit komplexen Rollen-Strukturen und Kommunikationsherausforderungen zurückzuführen (
Urk.
13/185/6), nicht zu überzeugen.
Das delinquente
Verhalten lässt sich mit den von beiden Gutachtern
aufgrund einer sorgfältigen Anamneseerhebung
diagnostizierten dissozialen Per
sönlichkeitsanteilen
weitaus
besser erklären.
Ebenfalls unzutreffend ist nach dem Gesagten die Interpretation von med. pract.
E._
und
F._
,
Dr.
B._
habe seine abweichende diagnos
tische Einordnung in erster Linie mit den Angaben in den Arbeits
zeugnissen der Beschwerdeführerin begründet (
Urk.
13/185/2). Die Behauptung der Behandler, die Beschwerdeführerin habe bereits vor dem Vorfall beim letzten Arbeitgeber, der zur Inhaftierung führte,
immer
Probleme gehabt, auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bestehen (
Urk.
13/185/6)
,
findet in
den
guten
Arbeitszeugnissen k
eine
Stütze
(
Urk.
13/7/11-15,
Urk.
13
/96/2-3)
;
die
se haben
zwar
grundsätzlich wohlwollend
, aber in de
n Grundsätzen der Wahrheit
v
erpflichtet
zu sein
(BGE 129 III 177)
, was die behandelnden Fachpersonen zu übersehen scheinen
.
Auch
lässt sich die Tat
sache, dass s
ie bei der
H._
AG
während
mehr als fünf
Jahren arbeitete
(
Urk.
19/96/34)
, mit der Betrachtungsweise
der Behandler
kaum ver
einbaren.
Zwar gab sie ihren Therapeuten offenbar an,
ihre Ausbildung im IT-Bereich
sei gescheitert
, weil sie plötzlich von einem Tag auf den anderen nicht mehr habe programmieren können
, und die Behandler schlossen aus ihren An
gaben, dass sie damals von sozialen Dynamiken überfordert gewesen sei
(
Urk.
13/185
/7).
Im Widerspruch dazu gab die Beschwerdeführerin den beiden Gutachtern als Grund für den fehlenden Ausbildungsabschluss
aber
an, die Lehre
habe
sie gelangweilt; sie habe während der Ausbildung ein Jobangebot erhalten und sich mit dem Lohn
dieser
Stelle eine eigene Wohnung und ein Auto leisten können (
Urk.
13/96/20,
Urk.
13/96/34,
Urk.
13/180/24). Auch aus dem Lehr
zeugnis geht hervor,
dass ihr der
Beruf
nicht zu
sagt
e
(
Urk.
13/7/15
).
Mit diesen
Angaben
setzten sich die bei
den Therapeuten nicht auseinander.
Med. pract.
E._
und
F._
führen weiter
die Probleme der Be
schwerdeführerin
während der Zeit des betreuten Wohnens
ins Feld
.
In diesem Rahmen
sei es zu tiefgreifenden Verletzungen und intera
ktionellen
Re
trauma
tisierung
en
und damit zu einer gesundheitlichen Verschlechterung gekommen
(
Urk.
13/185/7; vgl.
auch
Urk.
13/96/22-23,
Urk.
13/96
/36,
Urk.
13/141,
Urk.
13/166/1-2
).
A
us dem Gutachten von med. pract.
A._
geht hervor, dass die von der Beschwerdeführerin
während der Zeit, als sie keine eigene Wohnung mehr hatte,
erlebten Konfliktsituationen
zumindest
teilweise
auch auf das
als
problematisch
erlebt
e Verhalten
psychisch kranker
Mitbewohner zurückzuführen gewesen sein dürften
(
Urk.
13/96/22,
Urk.
13/96/40)
.
Ferner
hatte sich
die
prekäre
Wohnsituation
der Beschwerdeführerin und damit auch die psychosoziale Situation
anlässlich der Begutachtung durch
Dr.
B._
wiede
r stabilisiert; sie lebte seit
eineinhalb Jahren in der eigenen Wohnung
(
Urk.
10/180/25)
, wie bereits vor der Inhaftierung Mitte 2010
(
Urk.
10/96/34)
.
Diese veränderten äusseren Um
stände dürften sich positiv auf die psychische Situation ausgewirkt haben, worauf nachfolgend noch zurückzukommen sein wird.
Insgesamt entsteht der Eindruck, dass die abweichende Beurteilung von med. pract.
E._
und
F._
hauptsächlich auf einer unkritischen Über
nahme der subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin beruht, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann.
4.2.3
Die
Beschwerdeführerin
wendet
gegen das Gutachten von
Dr.
B._
ein,
der
Sachverständige
widerspreche sich selbst, soweit er
einerseits
feststelle, sie habe entsprechend ihrer Persönlichkeitsstruktur der Auflage der IV-Stelle keine Folge geleistet,
ihr
andererseits aber
eine unbeeinträchtigte
Modulationsfähigkeit
attestiere (
Urk.
1 S. 11)
.
Dieser Auffassung kann nicht beigepflichtet werden.
Dr.
B._
legt
e
nachvollziehbar
dar,
das
aktenmässig dokumentierte
ab
weichende
Verhalten
der Beschwerdeführerin
im Sinne
einer
Persönlichkeits
störung
sei
stets zweckgebunden
gewesen;
sie
sei durchaus imstande gewesen, Regeln und Normen zu erkennen und
bei ausreichender Motivation
einzuhalten, es falle ihr aber auch signifikant leichter als der Mehrheit der Bevölkerung, diese zu missachten und für ihr Verhalten vordergründig plausible Erklärungen anzu
bieten (
Urk.
13/180/35).
Dass sie keine
intensive
psychotherapeutische Betreuung im Sinne der Auflagen der IV-Stelle aufnahm, qualifizierte der Sachverständige als inkonsistentes Verhalten
beziehungswei
s
e
als Ausdruck eines
Nicht-Wollens
(
Urk.
13/180/34)
und nicht als
Zeichen krankheitsbedingter
Unflexibilität
im Sinne eines Nicht-Könnens.
Dass die Beschwerdeführerin auch in dieser Hinsicht anpassungsfähig war,
zeigt sich daran, dass
sie
sich
laut Bericht von
Dr.
I._
vom 2
5.
Februar 2019
um eine engmaschigere
P
sychotherap
ie
entsprechend der Auflage seitens der IV-Stelle
bemühte
(
Urk.
13/166/1-2,
Urk.
13/
174; vgl. vor
stehend E. 3.2.1)
, nachdem ihr mit Vorbescheid vom
2
0.
November 2018
die Auf
hebung der laufenden Rente wegen ungen
ügender Einhaltung
ihrer Schaden
minderungspflicht
angekündigt
worden war (
Urk.
13/157)
. Zuvor hatte sie nur sporadisch
rund einmal pro Monat den Psychiater
Dr.
I._
konsultiert, obwohl ihr dieser eine
intensivere
Therapie bei einer Psychologin empfohlen hatte
(
Urk.
13/
143/2,
Urk.
13/143/4)
.
Insofern trifft
entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin
auch die Feststellung von
Dr.
B._
zu,
sie
habe sich erst nach Erhalt des Vorbescheids um eine psychotherapeutische Betreuung bemüht (
Urk.
13/180/
34).
Die Beschwerdeführerin macht geltend, angesichts der Schwierigkeiten am Arbeitsplatz, des Jobverlusts, der strafrechtlichen Verurteilung
,
der diversen stationären Aufenthalte
sowie der langdauernden problematische
n
Wohn
situation
vermöge die
Feststellung des Gutachters, dass keine
authentischen funktionellen Einschränkungen vorlägen, nicht zu überzeugen
(
Urk.
1 S. 12
f.).
Zu beachten ist in diesem Zusammenhang zunächst, dass
der Stellenverlust Folge des regelwidrigen, strafrechtlich relevanten Verhaltens am Arbeitsplatz war
;
die anschliessende Stellensuche war laut Angaben der Beschwerdeführerin dadurch erschwert (
Urk.
13/180/4). D
ie schwierige Wohnsituation
war
ebenfalls
auf die
strafrechtliche Verurteilung mit Strafregistereintrag
und die
danach bestehenden
finanziellen Probleme, welche die Wohnungssuche erschwerten (
vgl.
Urk.
96/22),
zurückzuführen
.
Diese
Schwierigkeiten
hingen
also nicht
direkt mit den
psy
chische
n
Auffälligkeiten
der Beschwerdeführerin
zusammen
.
Auch
für
die stationären Klinikaufenthalte
ware
n zu einem grossen Teil
die
psychosoziale Problematik im Zusammenhang mit der
Inhaftierung beziehungsweise
die
von den Gutachtern erwähnte
,
damit verbundene
schwere narzisstische
Kränkung
ur
sächlich
(
Urk.
13/96/41-42,
Urk.
13/180/32).
Beide Gutachter gingen davon aus, die strafrechtliche Verurteilung habe zu einer Identifizierung der Beschwerde
führerin mit der Krankenrolle geführt (
Urk.
13/180/32), wobei med. pract.
A._
aufgrund ihrer Erhebungen gar vermutete, dass die
Hospitalisationen
instrumentalisiert wurden, um einem weiteren Haftaufenthalt zu entgehen (
Urk.
13/72/1,
Urk.
13/96/22).
Wohl
könnten
der Gefängnisaufenthalt
und
die
strafrechtliche Verurteilung direkt eine Folge
der
abweichenden Persönlichkeits
struktur
der Beschwerdeführerin gewesen sein. W
ährend
der
vorange
gangen
en
rund zehnjährigen Erwerbslaufbahn
(vgl.
Urk.
13/96/2-3)
hatten sich die Straf
verfolgungsbehörden
aber
nach Lage der Akten
nie mit
ihr befassen müssen
(vgl. auch
Urk.
13/180/24)
. Deshalb überzeugt die
auf einer umfassenden Anamnese
erhebung beruhende
Beurteilung von
Dr.
B._
, dass die Beschwerdeführerin überdurchschnittlich gut mit ihrer Persönlichkeitsstörung umgehen
kann, ihr ab
weichendes Verhalten zweckgebunden ist und sie
vor der Inhaftierung keiner psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung
bedurfte (
Urk.
13/180/33). Dass er ihr vor dem Hintergrund ihrer unauffälligen Erwerbsbiografie vor der Inhaftierung, des Umstands, dass sie
anlässlich der Begutachtung
seit längerem nicht mehr stationär hospitalisiert war und des erhobenen Untersuchungsbefunds mit der festgestellten Aggravation keine erheblichen funktionellen Ein
schränkungen attestierte (
Urk.
13/180/33-35,
Urk.
13/180/37), ist nachvollzieh
bar.
Die von der Beschwerdeführerin angeführten
, nicht mittels echtzeitlichen Arzt
berichten dokumentierten
zwei Burnouts, welche sie während ihrer Anstellung bei der
H._
AG erlitten habe (
Urk.
1 S. 11), deuten für sich allein noch nicht auf eine Arbeitsunfähigkeit im angestammten Tätigkeitsbereich hin. Med. pract.
A._
gab
die Beschwerdeführerin
nämlich an, Grund für eines der Burnouts sei gewesen, dass sie nach dem Gefängnisaufenthalt, also erst nach Beendigung der Anstellung bei der
H._
AG, während zwei Jahren als
Kokaindealerin
ge
arbeitet habe (
Urk.
13/96/24).
Dr.
B._
gegenüber begründete sie die nun
mehr zwei angegebenen Burnouts damit, sie sei Workaholic
gewesen
und habe massiv Überstunden geleistet (
Urk.
13/180/25). Hinsichtlich dieser Erklärung ist zum einen zu beachten, dass bei der Invalidenversicherung grundsätzlich nur ein normales Arbeitspensum versichert ist, zum anderen, dass auch psychisch
g
e
sunde Personen
wegen
beruflicher Belastung
ein Burnout erleiden können.
Mit der besonderen Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin zusammen
hängende, gelegentliche Konflikte am Arbeitsplatz
(vgl.
Urk.
1 S.
11,
Urk.
13/56
/11,
Urk.
13/96/17,
Urk.
13/96/34,
Urk.
13/180/20) vermögen im Üb
rigen für sich allein noch nicht eine Arbeitsunfähigkeit im angestammten Tätig
keitsbereich zu begründen.
4.2.4
Zu prüfen bleibt, ob die von
Dr.
B._
bescheinigte 100%ige Arbeitsfähigkeit
auch im Lichte der nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu berück
sichtigenden Standardindikatoren überzeugt (vorstehend E.
1.2.2).
Dr.
B._
diagnostizierte eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dis
sozialen
, narzisstischen und emotional i
nstabilen Merkmalen.
Die
psychiatrischen sowie neuropsychologischen Untersuchungen
ergaben
weitgehend unauffällige
Befunde
(
Urk.
13/180/22,
Urk.
13/180/28-30)
.
Der Sachverständige
erhob
weder das Vollbild einer dissozialen noch einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (
Urk.
13/180/32). Zud
em gelangte er aufgrund der Ana
mneseerhebung zur Beur
teilung, die Beschwerdeführerin sei durchgehend imstande gewesen, ihr Ver
halten zu modulieren und beim Vorliegen einer ausreichenden Motivation anzu
passen
(
Urk.
13/180/33)
.
Authentische funktionelle Defizite stellte er nicht fest (
Urk.
13/180/35).
Hingegen ergaben
seine
Abklärungen, dass die Beschwerde
führerin während der Begutachtung kein authentisches Beschwerdebild zeigte
und die dargebotenen Symptome eines Asperger-Syndroms und eines ADHS
im Wesentlichen
auf Aggravation beruhten
(
Urk.
13/180/
33-36)
.
Es
ist
deshalb
von
einer
eher
leichtgradigen Ausprägung der
Persönlichkeitsstörung
auszugehen
.
Nach einer P
hase intensiver, auch stationärer Therapie
im Anschluss an
den
Ge
fängnisaufenthalt Mitte 2010
(vgl.
Urk.
13/96/35-36,
Urk.
13/180/27)
befand sich die Beschwerdeführerin
seit etwa Mitte 2017
, bevor ihr mit
Vorbescheid vom 2
0.
November 2018 (
Urk.
13/157)
die Rentenaufhebung angekündigt wurde, nur noch sporadisch im monatlichen Rhythmus in psychiatrischer Behandlung
(
Urk.
13/143/2,
Urk.
13/143/4)
. Daraus kann
allenfalls
auf ei
nen gewissen Behandlungserfolg und
verminderten
Leidensdruck
geschlossen werden.
Gestützt auf seine Untersuchungsbefunde und anamnestischen Erhebungen schloss
Dr.
B._
auf gute Ressourcen der Beschwerdeführerin
, nämlich
Aus
dauer im Verfolgen von eigenen Zielen,
überdurchschnittlich
e
soziale Fertig
keiten, Lernfähigkeit
und
die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und aktiv zu handeln
(
Urk.
13/180/33
,
Urk.
13/180/39
).
Zudem verfügt sie
gemäss
neuro
psychologischen Testergebnissen über
mehrheitlich
durchschnittliche
und in ein
zelnen Bereichen überdurchschnittliche
kognitive Fähigkeiten (
Urk.
13/180/29)
. Sie
hat Kontakt zu
ihrer Mutter
, die sie im
Einwandverfahren
unterstützte (
Urk.
13/160/1)
,
und
verfügt
gemäss
ihren Angaben
über
ein
relativ
positives und hilfreiches
soziales Umfeld (
Urk.
13/180/19,
Urk.
13/180/22
, Urk.
13/180/26
).
Die bereits seit eineinhalb Jahren bestehende Beziehung zu ihrer Partnerin, mit wel
cher sie zusammenwohnt, gibt
ihr
Sinn und Halt
. Ihren Alltag gestaltet sie aktiv mit Haushaltarbeiten und
Hobbys
(
Urk.
13/180/26)
. Eine wesentliche Ein
schränkung in Lebensbereichen, welche mit einer Erwerbstätigkeit vergleichbar sind, ergibt sich aus ihren Angaben gegenüber
Dr.
B._
nicht (
Urk.
13/180/25-27,
Urk.
13/180/33). Die geringe Therapiefrequenz vor Erhalt des Vorbescheids mit Ankündigung der Rentenaufhebung spricht nicht für einen be
sonderen Leidensdruck (
Urk.
13/180/34).
Vor dem Hintergrund der Arbeitsanamnese bis zur Inhaftierung im Jahr 2010, der von
Dr.
B._
erhobenen
diagnoserelevanten Befunde und der Aktivitäten in
vergleichbaren Lebensbereichen, insbesondere der anlässlich der Begutachtung weitgehend unauffälligen psychosozialen Situation mit aktiver Alltagsgestaltung, überzeugt die Einschätzung
des Sachverständigen. Demnach ist
gestützt auf
die Beurteilung von
Dr.
B._
ausgewiesen
,
dass die Beschwerdeführerin ihre er
werbliche Leistungsfähigkeit vor der Inhaftierung wieder erreicht hat und im an
gestammten Tätigkeitsbereich zu 100
%
arbeitsfähig ist (
Urk.
13/180/38-39).
4.3
4.3.1
Dr.
B._
hielt in seinem Gutachten einerseits fest, die Beschwerdeführerin sei aus versicherungspsychiatrischer Sicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu keinem Zeitpunkt in relevantem Ausmass arbeitsunfähig gewesen (
Urk.
13/180/38). Andererseits
bejahte
er aber
die Frage der IV-Stelle, ob sich der Gesundheitszustand seit Erlass der Rentenverfügung verändert habe (
Urk.
13/180/39). Nachfolgend ist
deshalb
noch
zu untersuchen, ob
eine
er
heb
lich
e
Sachverhaltsänderung und damit ein
Revisionsgrund
vorliegt
.
4.3.2
Med. pract.
A._
gegenüber
hatte
die Beschwerdeführerin
noch
die Ein
schätzung
geäussert
, nicht mehr arbeiten zu können (
Urk.
13/96
/40).
Dr.
B._
gab sie dagegen
an,
ihre gesundheitliche Situation habe sich fort
laufend verbessert (
Urk.
13/180/22).
Der Neuropsychologin
Dr.
D._
berichtete sie, sie habe sich in den letzten Jahren stark verändert. Sie
würde
eigentlich gerne wieder arbeiten und
so
von der Invalidenversicherung
wegkommen
, dürfe dies aufgrund der rechtlichen Lage aktuell aber nicht.
Auch
würde sie gerne eine Erstausbildung abschliessen (
Urk.
13/180/4-5).
Es fällt auf, dass
die Beschwerdeführerin
anlässlich der Untersuchung durch med. pract.
A._
von
verschiedene
n
psychosoziale
n
Faktoren (Fehlen einer eigenen Wohnung, Schuldenberg von mehr als
Fr.
100'000.-- und finanziell schwierige Lage) belastet wurde (
Urk.
13/96/
40-42)
, die im Zeitpunkt der
Begutachtung
bei
Dr.
B._
grösstenteils weggefallen waren.
Zwischenzeitlich
war
sie
finanziell
durch
die
Invalidenrente
samt
Ergänzungsleistungen abgesichert, hatte offen
bar
ihre
Schulden
auf einen Betrag von rund
Fr.
60'000.-- bis
Fr.
70'000.-- redu
ziert
und wohnte seit eineinhalb Jahren
in einer eigenen Wohnung
.
Mit ihrer neuen L
ebenspartnerin
, die mit ihr zusammen
wohnte,
hatte sie
zudem
eine stabile Beziehung, die ihr Halt und Sinn gab (
Urk.
13/180/25
).
Auch hatte die Be
schwerde
führerin in der Zwischenzeit eine mehrjährige, wenn auch nicht immer engmaschige, psychotherapeutische Behandlung absolviert (vgl.
Urk.
13/143,
Urk.
13/166,
Urk.
13/174). Die
psychosoziale Stabilisierung wurde auf der
medizinischen
Befundebene
von
eine
r
Abnahme der pathologischen Sym
p
tome begleitet.
M
ed. pract.
A._
ha
tte
während der Untersuchungs
gespräche einen
wechselhaften Affekt
erhoben
und
über intermittierende para
noide
Vor
stellungen, Zwangsgedanken, d
epressive Symptome
und agora
ph
obische
Än
gste
berichtet
(
Urk.
13/96/37-39)
. Ferner
hatte
ihr die Beschwerde
führerin an
gegeben
, unter starken Gewichtsschwankungen und Schlafstörungen zu leiden (
Urk.
13/96/24).
Als weitere
Problem
e
erwähnte med. pract.
A._
eine fehlende Tagesstruktur
(
Urk.
13/96/27)
sowie
, dass es der Beschwerdeführerin da
mals an genügender Abgrenzung, Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz fehlte; sie fühlte sich rasch angegriffen und reagierte aggressiv und impulsiv (
Urk.
13/96/40).
Dr.
B._
erhob keine entsprechenden Beeinträchtigungen mehr (
Urk.
13/180/28)
. Die Beschwerdeführerin
gab
ihm
an
,
ihre
Stimmungslage
sei stabil
(
Urk.
13/180/22) und
sie leide
nicht unter
Phobien
,
Gewichtsschwankungen sowie Schlafstörungen (
Urk.
13/180/28).
Auch erhob
Dr.
B._
im Gegensatz zu med. pract.
A._
(
Urk.
13/96/37)
nicht mehr ein
Vollbild
einer
dissozialen Persönlichkeitsstörung
(
Urk.
13/180/32
)
und stellte keine authentischen Funktionsstörungen fest (
Urk.
13/180/38), während med. pract.
A._
noch
deutliche Einschränkungen in wichtigen Funktionsbereichen
erhob
(
Urk.
13/96/26-27
)
.
Dass es zwischenzeitlich zu einer subj
ektiven Verbesserung der psychischen Situation gekommen war, wurde auch von den Behandlern med. pract.
E._
und
F._
eingeräumt (
Urk.
13/185/7).
Damit ist insgesamt eine Abnahme d
er psychopathologischen Symptomatik
seit der Vorbegutachtung bei med. pract.
A._
, welche der Rentenverfügung
vom
5.
Oktober 2016 (
Urk.
13/126)
zugrunde
liegt
,
ausgewiesen.
4.3.3
Dr.
B._
erwähnte in seinem Gutachten ein weiteres Sachverhaltselement, welches sich im Vergleich zur Situation
vor Erlass der Rentenverfügung
verändert hatte:
Laut seiner Einschätzung traten
die
fehlende Authentizität
der geklagten Funktionseinschränkungen auf der einen Seite und die zahlreichen Ressourcen der Beschwerdeführerin auf der anderen Seite anlässlich seiner Untersuchung
deutlicher zum Vorschein
als während der Vorbegutachtung
(
Urk.
13/180/39)
.
Diese Beurteilung leuchtet
mit Blick auf die beiden Gutachten
ein:
Während med. pract.
A._
lediglich die Möglichkeit erwähnte, dass die Beschwerdeführerin Symptome mindestens
aggraviere
oder gar simuliere (
Urk.
13/96/41),
und
der Beschwerdeführerin
erhebliche Funktionseinschränkungen attestierte (
Urk.
13/96/40), bejahte
Dr.
B._
eine Aggravation klar
und verneinte das Bestehen authentischer Funktionsstörungen (
Urk.
13/180/33-35,
Urk.
13/180/38)
. Zudem konnte er bei der Beschwerdeführerin
zahlreiche Ressourcen feststell
en
(
Urk.
13/180/39)
.
Auf ein verändertes Verhalten lassen auch ihre
grob realitäts
fremden Aussagen gegenüber
Dr.
B._
schliessen
, wonach sie auf Verlangen von
Sexualstraftätern Blut von
anderen Kindern habe trinken müssen und ihr ehemaliger Arbeitgeber „Killertruppen“ unterhalte (
Urk.
13/180/35
; vgl. auch
Urk.
13/187/5
).
Damit liegt eine
eindeutig über die blosse (unbewusste) Tendenz zur Schmerzausweitun
g und -verdeutlichung hinausgehende Aggravation vor, welche gemäss BGE 141 V 281
keinen versicherten Gesundheitsschaden
darstellt
(vgl. vorstehend E
.
1.2.3
)
.
4.3.4
I
nsgesamt hat sich der Sachverhalt erheblich geändert im Sinne einer Ver
besserung des Gesundheitszustandes
und
des Auftretens
eines im Zeitpunkt der Begutachtung durch med.
pract.
A._
nicht gezeigten Verhaltens
, nämlich deutlicher
Aggravation
.
Damit liegt
ein Revisionsgrund vor
(Urteil des Bundes
gerichts 9C_602/2016 vom 1
4.
Dezember 2016 E. 5.2.2.2)
und
der Renten
anspruch
ist
umfassend
(«
allseitig
»)
ohne Bindung an die frühere Beurteilung
zu prüfen
(vorstehend E. 1.3.1-2)
. Daran ändert nichts, dass
Dr.
B._
von einer im Wesentlichen unveränderten
, zu keinem Zeitpunkt relevant eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit ausging
(vgl. die Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2019 vom 1
1.
Oktober 2019 E. 4.4
,
8C_825/2018 vom
6.
März 2019 E. 6.7
und 9C_602/2016 vom 1
4.
Dezember 2016 E. 5.2.2
).
4.4
Zur Beurteilung des veränderten Sachverhalts kann nach dem Gesagten auf das beweiskräftige Gutachten von
Dr.
B._
vom
2.
September 2019
abgestellt werden.
Gestützt darauf
steht fest, dass die Beschwerdeführeri
n
spätestens ab der Begutachtung im angestammten Tätigkeitsbereich wieder vollständig arbeitsfähig war
(
Urk.
13/180/38)
.
Da damit keine Invalidität mehr vorliegt beziehungsweise der Invaliditätsgrad Null
beträgt, besteht kein Rentenanspruch mehr (vorstehend E. 1.4).
Die
A
ufhebung
der ab
1.
August 2013
ausgerichteten Rente
per
3
1.
Dezember 2019, auf Ende des dem Erlass der angefochtenen Verfügung vom 1
5.
November 2019 folgenden Monats (vgl.
Art.
88
bis
Abs.
2 lit. a der
Verordnun
g über die Invalidenversicherung),
ist deshalb im Ergebnis
– unter dem Titel einer Revision nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG -
nicht zu beanstanden.
Dies führt zur Ab
weisung der Beschwerde.
Bei diesem Ergebnis kann
offen bleiben
, ob
die Rentenaufhebung auch
mit der substituierten Begründung hätte geschützt werden können, dass die ursprüng
liche Rentenverfügung vom
5.
Oktober 2016 (
Urk.
13/126) zweifellos unrichtig, ihre Berichtigung von erheblicher Bedeutung und damit die Voraussetzungen für eine Wiedererwägung im Sinne von
Art.
53
Abs.
2 ATSG gegeben seien (vgl. dazu BGE 144 I 103 E. 2.2, 140 V 85 E. 4.2, 125 V 368 E. 2, je mit Hinweisen).
Es bleibt darauf hinzuweisen, dass es der Beschwerdeführerin
frei steht
, sich bei der
IV-Stelle
zum Bezug von
beruflichen
Eingliederungsmassnahmen anzu
melden, sollte sie motiviert sein, solche durchzuführen (vgl.
Urk.
13/180/4-5,
Urk.
13/180/33).
5.
Ausgangsgemäss gehen die Verfahrenskosten von
Fr.
900.
--
zulasten der un
ter
liegenden Beschwerdeführerin
(
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), sind zufolge gewährter un
entgeltlicher Prozessführung (
Urk.
14) aber einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die
Beschwerdeführer
in
wird auf § 16 Abs. 4 GSVGer aufmerksam ge
macht, wonach
sie
zur Nachzahlung der einstweilen zulasten der Gerichtskasse genommenen Kosten verpflichtet werden kann, sofern
sie
dazu in der Lage ist.