# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7cec0f16-d5e8-40f3-9059-658cc0cf00ef
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1985, gelernte Kunsttechnologin, bezog ab
1. Novem
ber 2011 Arbeitslosenentschädigung (
Urk.
7/26). Mit Verfügung vom 6. August 2012 stellte das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) die Versicherte wegen Nichtbefolgens von Weisungen für die Dauer von 36 Tagen ab dem
15. Mai 2012 in der Anspruchsberechtigung ein, da sie sich
für die
ihr am
14. Mai 2012 zugewiesenen Stelle als Kunsttechnologin bei der
Y._
nicht beworben habe (
Urk.
7/11). Die dagegen erhobene Einsprache der Versi
cherten vom 2
2.
u
nd 31. August
2012
sowie vom 21.
September und
8. Okto
ber 2012
(
Urk.
7/12)
wies das AWA mit Entscheid vom 29. Oktober 2012 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 27. November 2012 Beschwerde (
Urk.
1) mit dem Antrag, der angefochtene Entscheid sei ersatzlos aufzuheben; eventualiter sei die Dauer der Einstellung in der Anspruchsberechtigung auf höchstens zehn Tage zu reduzieren. Im Weiteren beantragte sie die Durchführung einer öffentli
chen Verhandlung mitsamt einer Zeugenbefragung. In der Beschwerdeantwort vom 31. Januar 2013 schloss das AWA auf Abweisung der Beschwerde. Mit Eingabe vom 7. März 2014 liess
die Versicherte
durch ihren Rechtsvertreter mitteilen, dass sie auf eine öffentliche Verhandlung und eine Zeugenbefragung verzichte (
Urk.
9).
Die Einzelrichterin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdeführerin wohnte im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung in Niederglatt im Kanton Zürich (
Urk.
1). Zuständig für die Beurteilung der Be
schwerde ist daher das Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich (
Art.
58 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungs
rechts
).
1.2
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
;
GSVGer
).
2.
2.1
Nach Art. 17 Abs. 3 Satz 1 des Bundesgesetzes über die obligatorische
Arbeits
-
lo
senversi
cherung
und die Insolvenzentschädigung (AVIG) muss die ar
beitslose Person eine ver
mittelte zumutbare Arbeit annehmen. Gemäss Art. 30 Abs. 1
lit
.
d AVIG ist die versicherte Person in der Anspruchsberechtigung ein
zustellen, wenn sie die Kontrollvorschriften oder die Weisungen der zuständigen Amts
stelle nicht befolgt, namentlich eine zumutbare Arbeit nicht annimmt oder eine
arbeitsmarktliche
Massnahme ohne entschuldbaren Grund nicht antritt, abbricht oder deren Durchführung oder Zweck durch ihr Verhalten beeinträch
tigt oder verunmöglicht.
Eine Ablehnung vermittelter zumutbarer Arbeit liegt nicht nur dann vor, wenn die versicherte Person eine Stelle aus
drücklich zurückweist, sondern auch, wenn sie eine nach den Umständen gebotene ausdrückliche Annahmeerklärung unter
lässt. Sie hat bei den Verhand
lungen mit künftigen Arbeitgeberinnen oder Ar
beitgebern klar und eindeutig die Bereit
schaft zum Vertragsabschluss zu bekun
den, um die Beendigung der Arbeitslosigkeit nicht zu gefährden (ARV 1984
Nr.
14 S. 167). Der erwähnte Tatbestand der Ablehnung zumutbarer Ar
beit ist nicht nur erfüllt, wenn die arbeits
lose Person bei eigent
lichen Vertragsver
handlungen eine nach den Umständen gebo
tene ausdrückliche Annahmeerklä
rung unter
lässt, sondern auch dann, wenn sie sich trotz Zuweisung einer Stelle durch das Ar
beitsamt gar nicht ernsthaft um die Aufnahme von Ver
trags
ver
handlungen bemüht (ARV 1986 Nr. 5 S. 22).
2.2
Die Dauer der Einstellung bemisst sich nach dem Grad des Verschuldens (Art. 30 Abs. 3 AVIG) und beträgt 1 bis 15 Tage bei leichtem, 16 bis 30
Tage bei mittelschwerem und 31
bis 60 Tage bei schwerem Verschulden (Art. 45 Abs. 3
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die Insol
venzentschädigung; AVIV
).
Gemäss Art. 45 Abs. 4
AVIV liegt ein schweres Verschulden vor, wenn die versi
cherte Person ohne entschuldbaren Grund eine zumutbare Arbeitsstelle ohne Zusicherung einer neuen aufgegeben oder eine zumutbare Arbeit abge
lehnt hat. Nach der Rechtsprechung (BGE 130 V 125) ist indes auch b
ei Ableh
nung einer amtlich zuge
wiesenen zumutbaren Arbeitsstelle oder
arbeitsmarktli
chen
Massnahme oder bei Nichtannahme einer selbst gefundenen zumutbaren Arbeitsstelle nicht zwin
gend von einem schweren Verschulden auszugehen, falls ein „entschuldbarer Gr
und" im Sinne von Art. 45 Abs. 4
AVIV vorliegt. Unter einem entschuldbaren Grund im Sinne dieser Bestimmung ist ein Grund zu verstehen, der das Ver
schulden als mittelschwer oder leicht erscheinen lassen
kann. Ein solcher im konkreten Einzelfall liegender Grund kann die subjektive Situation der betroffe
nen Person oder eine objektive Gegebenheit beschlagen (BGE 130 V 130 E. 3.5).
3.
3.1
Aktenkundig und unbestritten
ist, dass die Beschwerdeführerin
am 14. Mai 2012
vom Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
Z._
angewiesen
worden war
, sich bis spätestens 20. Mai 2012 bei der
Y._
als Kunsttechnolo
gin zu bewerben
, und dass die Firma
in der Folge die Zustellung einer
entspre
chenden Bewerbung in ihren Rückmeldungen vom 20. Juni und 20. Ju
li 2012 verneint
e
(
Urk.
7/4
-6). Unbestritten ist auch, dass die Stelle zumutbar war
.
3.2
Der Beschwerdegegner begründet die verfügte Sanktion zusammengefasst damit (Urk. 2), es sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt, dass sich die Beschwerdeführerin auf die ihr zugewiesene Stelle bei der
Y._
be
worben habe.
Die Beschwerdeführerin bringt
dagegen
im Wesentlichen
vor (
Urk.
1), sie habe sich
bereits
mit Bewerbungsschreiben
vom 3. Mai 2012, als das relevante
Stel
leninserat
als Kunsttechnologin aufgeschaltet worden sei, bei der
Y._
beworben und
sich
danach mehrfach bei der Firma telefonisch erkundigt, was mit ihrer Bewerbung geschehe; jedoch h
abe
ihr
dies
niemand beantworten
kön
nen. Zudem habe sie das Bewerbungsschreiben der zuständigen
RAV-Personal
beraterin
,
Frau
A._
,
gezeigt, weshalb
diese
davon Kenntnis
habe
haben
m
üssen
.
4.
4.1
Das Gericht hat im Rahmen des Untersuchungsgrundsatzes und mit freier
Beweis
würdigung
unter Ausschöpfung der Untersuchungsmittel, in Berücksich
tigung der gesamten bekannten Umstände und in gewissenhafter Prüfung der Beweise aufgrund
seiner
frei gebildeten Überzeugung einen Sachverhalt zu er
mitteln, der zumindest die überwiegende Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (BGE 117 V 261 E. 3b). Ist dies nach Abschluss der Untersuchungen nicht möglich, so stellt sich die Frage der Beweislast. Diese trägt für die erfolgte Stellenbewerbung die versicherte Person (Urteil des Bun
desgerichts C 1
93/06 vom 7. November 2006, E. 2.2
). In diesem Zusammenhang gehört zu
einer
Stellenbewerbung nicht nur das Verfassen des Bewerbungs
sch
reibens und dessen rechtzeitiger
Versand, sondern auch - da die Bewerbung eine empfangsbedürftige Willenserklärung ist - dessen Zustellung. Da die Be
werbung auf Gefahr des Erklärenden reist, trägt der Bewerber somit das Risiko,
dass die Unterlagen beim Empfänger ankommen, weshalb es ihm allenfalls an einem
rechtsgenügli
chen
Nachweis seiner Bewerbung
mangelt, wenn er sich ge
gen eine eingeschriebene Briefpostsendung entscheidet und sich auch nicht auf andere Weise bezüglich
der Zustellung der
Bewerbung absichert (Urteil des Bundesgerichts C 193/06 vom 7. November 2006
, E. 2.
2). Kann die versicherte Person nicht beweisen, dass sie sich um die zugewiesene Stelle beworben hat, liegt
somit
Beweislosigkeit vor, deren Folgen
sie
zu tragen hat.
4.2
D
ie Beschwerdeführerin
macht
geltend, sie
hab
e
das
Bewerbung
sschrei
ben vom 3. Mai 2012
gleichentags
uneingeschrieben
mit der Post abgeschickt
(
Urk.
1; Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 26. Juli 2012,
Urk.
7/9
; Kopie
des
Bewerbungsschreiben
s vom 3. Mai 2012
,
Urk.
3/3
)
.
Einen Beleg dafür hat sie nicht. Auch der Hinweis, sie habe das Bewerbungsschreiben der zustän
digen RAV-Beraterin gezeigt, vermag wohl dessen Existenz, nicht aber dessen Zustel
lung an die
Y._
zu belegen. Weitere Anhaltspunkte dafür, dass das Bewerbungsschreiben vom 3. Mai 2012 bei der potentiellen Arbeitgeberin ein
getroffen ist, liegen nicht vor. Bei
dieser Aktenlage
ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin nicht beweisen kann, dass sie sich um die zuge
wiesene Stelle beworben hat. Von
w
eiteren Sachverhaltsabklärungen,
wie
etwa
einer
Parteibefr
agung (
Urk.
1)
,
sind
keine neuen/anderen
entscheidrelevante
Er
kenntnisse zu erwarten, weshalb davon abzusehen ist (antizipi
erte
Beweiswür
digung
;
BGE 124 V 90 E. 4b).
Somit liegt diesbezüglich Beweislosigkeit vor, deren Folgen nach dem Gesagten die Versicherte zu tragen hat.
Nach dem Gesagten
hat der Beschwerdegegner die Beschwerdeführerin zu Recht gestützt
auf
Art.
30
Abs.
1
lit
. d AVIG in der Anspruchsberechtigung eingestellt.
4.3
Der Beschwerdegegner hat das Versc
hulden der Beschwerdeführerin
mit 36
Ein
stelltagen
im unteren Bereich eines schweren Verschuldens festgesetzt (Urk. 2).
Bei der Überprüfung der Angemessenheit der verfügten Einstellungsdauer ist der Grundsatz zu beachten, dass das Sozialversicherungsgeri
cht sein Ermes
sen nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen darf, und dass das Gericht sich auf Gegebenheiten abstützen können muss, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 126 V 362 E. 5d).
Aufgrund
des
vorgelegten
Bewerbungsschrei
ben
s
vom 3. Mai 2012 (
Urk.
3/3) und
des
Stelleninse
rat
es
vom 3. Mai 2012 (
Urk.
3/4) ist unter Berü
ck
sichtigung der übrigen Akten –
Stellenzuweisu
ng vom 14. Mai 2012
(
Urk.
7/4
),
Nachweis
formular
vom 5. Juni 2012
betreffend persönliche Arbeitsbe
mühungen für den Monat
Mai
2012
(
Urk.
7/19
),
Beratungsgespräch
vom
5. Juni
201
2
(
Beratungs
protokoll
,
Urk.
7/
1
8)
-
glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin
Be
werbungs
schreiben
vom 3. Mai 2012
verfasst
e
und
dass
sie in der Folge subjek
tiv von ei
ner planmässig ordnungsgemäss zugestellten Bewerbung
ausging
.
Allerdings hätte sie sich dann, als sie sich
bei der Firma
telefonisch
nach dem Stand
des
Bewerbung
sverfahrens
erkundigt
e
,
absichern müssen, dass ihre Be
werbung tat
sächlich eingetroffen war, und sich gegebenenfalls nochmals schriftlich bewer
ben müssen. Diese Unterlassung ist sicher auch auf eine ge
wisse Unerfahrenheit zurückzuführen
(
vgl.
dazu auch das
Beratungsgespräch
vom 16. Juli 2012,
Urk.
7/18)
.
Es ist daher gerechtfertigt, das Verschulden des Versicherten als mittelschwer einzustufen und die Einstellung in der Anspruchsberechtigung auf 20 Tage fest
zusetzen.
Die Beschwerde ist in diesem Sinne teilweise gutzuheissen, und der angefoch
tene
Einspracheentscheid
vom
29. Oktober 2012
(
Urk.
2)
ist entsprechend abzu
ändern.
5
.
Nach
§
34
Abs.
1
GSVGer
hat die obsiegende
b
eschwerdeführende
Person An
spruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen (
§
34
Abs.
3
GSVGer
).
Ausgangsgemäss hat die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine reduzierte
Pro
zessentschädigung
, welch
e
unter Berücksichtigung der genannten Kriterien auf
Fr.
500.--
festzusetzen ist.