# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0ab45eac-6118-5cdb-a7ab-b0f76a2f038f
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_004
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Mit Eingabe vom 5. Januar 2017 liess A_, vertreten durch RA C_, beim Obergericht
Rechtsverweigerungsbeschwerde gegen das Departement Gesundheit und Soziales
erheben. Gleichzeitig beantragte sie in jenem Verfahren, welches beim Obergericht unter
der Nummer O4V 17 2 eingeschrieben ist, die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung. Mit Verfügung vom 24. Januar 2017 gewährte der vorsitzende
Obergerichtsvizepräsident lic. iur. Walter Kobler A_ im Verfahren O4V 17 2 die
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung.
B. Nach erfolgter Akteneinsicht reichte A_ (im Folgenden: Gesuchstellerin) mit Eingabe vom
18. August 2017 beim Obergericht das eingangs erwähnte Ausstandsbegehren gegen
W. Kobler ein.
C. Mit Schreiben vom 24. August 2017 liess sich W. Kobler (im Folgenden: Gesuchsgegner)
zum Ausstandsbegehren mit dem eingangs erwähnten Rechtsbegehren vernehmen. Mit
Schreiben vom 2. November 2017 nahm der Gesuchsgegner nachträglich zum Schreiben
der Gesuchstellerin vom 17. August 2017 Stellung, welches Beilage des
Ausstandsbegehrens bildet. Dazu liess sich die Gesuchstellerin mit Schreiben vom
17. November 2017 vernehmen.
D. Mit Verfügung vom 28. November 2017 wurde den Parteien angezeigt, dass die Akten des
Verfahrens ERV 2011 66 betreffend fürsorglicher Freiheitsentzug der Gesuchstellerin in die
Akten des vorliegenden Verfahrens aufgenommen würden. Nach der Akteneinsicht liess
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sich die Gesuchstellerin mit Schreiben vom 12. Januar 2018 vernehmen, worin sie an ihrem
Ausstandsbegehren festhielt.
E. Mit Entscheid vom 24. Januar 2018 wies der Einzelrichter das Gesuch der Gesuchstellerin
betreffend unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung im vorliegenden
Verfahren wegen Aussichtslosigkeit des Befangenheitsantrags ab. Auf die dagegen
erhobene Beschwerde der Gesuchstellerin trat das Bundesgericht mit Urteil vom 19. Juni
2018 nicht ein.
F. Auf Eröffnung des Urteildispositivs hin verlangte die Gesuchstellerin mit Schreiben vom
26. September 2018 eine Begründung des vorliegenden Urteils. Damit sind die
Voraussetzungen für die nach Ziff. 4 des Dispositivs in Aussicht gestellte Reduktion der
Entscheidgebühr nicht gegeben.
G. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
näher eingegangen.

## Considerations

Erwägungen
1. Ist ein Ausstandsgrund streitig, so entscheidet nach Art. 8 Abs. 2 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRPG, bGS 143.1) i.V.m. Art. 1 Abs. 2 des Justizgesetzes (JG,
bGS 145.31) – ebenso Art. 47 lit. c JG – bei Mitgliedern sowie bei der Aktuarin oder dem
Aktuar einer Kollegialbehörde diese Behörde unter Ausschluss der betroffenen Person.
Demgemäss ist für das Verfahren betreffend Ausstandsbegehren gegen den
Gesuchsgegner die 4. Abteilung des Obergerichts unter Ausschluss des Gesuchsgegners
zuständig.
2. Nach Art. 30 Abs. 1 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV,
SR 101) hat jede Person, deren Sache in einem gerichtlichen Verfahren beurteilt werden
muss, Anspruch auf ein durch Gesetz geschaffenes, zuständiges, unabhängiges und
unparteiisches Gericht. Die Garantie des verfassungsmässigen Richters ist verletzt, wenn
bei objektiver Betrachtungsweise Gegebenheiten vorliegen, die den Anschein der
Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit eines Gerichtsmitglieds zu
begründen vermögen. Voreingenommenheit und Befangenheit in diesem Sinne werden
nach der Rechtsprechung angenommen, wenn im Einzelfall anhand aller tatsächlichen und
verfahrensrechtlichen Umstände Gegebenheiten vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in
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die Unparteilichkeit des Gerichtsmitglieds zu erwecken. Da Befangenheit ein innerer,
schwer nachweisbarer Zustand ist, braucht ihr tatsächliches Vorliegen nicht bewiesen zu
werden. Es genügt vielmehr, wenn Umstände bestehen, die den Anschein der
Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Solche
Umstände können namentlich in einem bestimmten Verhalten des betreffenden
Gerichtsmitglieds liegen. Auf das bloss subjektive Empfinden einer Partei kann bei dieser
Beurteilung allerdings nicht abgestellt werden. Das Misstrauen in die
Unvoreingenommenheit muss vielmehr in objektiver Weise begründet erscheinen (BGE
142 III 521 E. 3.1.1; 140 III 221 E. 4.1; 134 I 238 E. 2.1; Urteil 5A_701/2017 vom 14. Mai
2018 E. 4.3).
Äusserungen über den Verfahrensausgang wecken Zweifel an der Unbefangenheit, wenn
sie konkret sind, die notwendige Distanz vermissen lassen und dadurch auf eine
abschliessende Meinungsbildung hindeuten (BGE 134 I 238 E. 2; BGE 133 I 89 E. 3.3).
Abschätzige Äusserungen über die Parteien oder sehr stark wertende Äusserungen über
die fraglichen Vorfälle können unter Umständen den Anschein der Befangenheit begründen
(BGE 127 I 196 E. 2d).
Verfahrensmassnahmen eines Richters als solche, seien sie richtig oder falsch, vermögen
praxisgemäss im Allgemeinen keinen objektiven Verdacht der Befangenheit des Richters
zu erregen, der sie verfügt hat (BGE 114 Ia 153 E. 3b/bb mit Hinweis). Dasselbe gilt für
einen allenfalls materiell falschen Entscheid (BGE 115 Ia 400 E. 3b S. 404). Anders verhält
es sich, wenn besonders krasse oder wiederholte Irrtümer vorliegen, die als schwere
Verletzung der Richterpflichten bewertet werden müssen (BGE 116 Ia 135 E. 3a S. 138;
115 Ia 400 E. 3b S. 404). Ein Ausstandsbegehren, welches allein damit begründet wird,
dass Gerichtsmitglieder an einem Entscheid mitgewirkt haben, der für die das
Ausstandsbegehren stellende Partei negativ ausgefallen ist, ist nicht zulässig (Urteil des
Bundesgerichts 1C_187/2017 vom 20. März 2017 E. 4.2). Der Umstand, dass einem
Verfahrensbeteiligten das Ergebnis eines solchen früheren Verfahrens nicht genehm ist,
bildet folglich für sich allein keinen Grund für den Ausstand einer Gerichtsperson, die in
jenem Verfahren mitgewirkt hat (Verfügung des Bundesgerichts 5A_374/2012 vom 16.
August 2012 E. 2.1; 2C_466/2010 vom 25. Oktober 2010 E. 2.3.1).
Die dem Ausstandsbegehren zugrunde liegenden Tatsachen sind von der das Gesuch
stellenden Partei glaubhaft zu machen (STEPHAN WULLSCHLEGER, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
Zivilprozessordnung (ZPO), 3. Aufl. 2016, N. 6 zu Art. 49 ZPO.
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2.1 Art. 8 VRPG konkretisiert die allgemeinen Verfahrensvoraussetzungen von Art. 30 Abs. 1
BV, indem der Ausstand im kantonalen Verwaltungsverfahren geregelt wird. Nach Art. 8
Abs. 1 VRPG müssen Personen bei der Vorbereitung und dem Erlass einer Verfügung in
den Ausstand treten, die mit einer Partei verwandtschaftlich besonders verbunden sind (lit.
a); bereits am Vorentscheid mitgewirkt haben (lit. b); sich mit der Sache als Parteivertreter
bereits beschäftigt haben (lit. c); sie in Sachen einer juristischen Person am Ergebnis
erheblich interessiert sind (lit. d) oder sie aus anderen Gründen in der Sache befangen sein
könnten (lit. e). Im vorliegenden Fall kommt keiner der in Art. 8 Abs. 1 lit. a-d VRPG
erwähnten Ausstandsgründe in Betracht. Zu prüfen ist jedoch, ob der Gesuchsgegner im
Sinne von Art. 8 Abs. 1 lit. e VRPG aus anderen Gründen in der Sache befangen sein
könnte.
2.2 Die Gesuchstellerin begründet ihr Ausstandsbegehren damit, dass allein aufgrund ihres
Besuches und ihrer Vorsprache am 18. August 2017 beim Obergericht nur unschwer zu
erkennen sei, dass beim Gesuchsgegner weder Unparteilichkeit noch Unabhängigkeit
gegeben seien. Alleine die Tatsache, dass er ihr das ihr zustehende Recht auf
vollumfängliches rechtliches Gehör nicht habe gewähren wollen, sowie seine Behandlung
ihrer Person gegenüber und seine Worte sprächen Bände und für seine Parteilichkeit und
Voreingenommenheit. Die oberste Rechtsprechung zeige deutlich, dass weder die
Behörden, deren Mitglieder noch der Gesuchsgegner in ihrem Fall schon von Beginn an
unparteilich noch unabhängig waren. Auch ihr Anspruch auf Familien- und Privatleben sei
verletzt. Im dem Ausstandsbegehren beiliegenden Schreiben vom 17. August 2017
schildert sie zudem eine Begegnung mit dem Gesuchsgegner anlässlich eines
Fürsorglichen Freiheitsentzugs im Jahr 2011, wo dieser erklärt habe, „dass ganz Appenzell
um ihre Familie wisse und sie alle Behörden beschäftige. Keiner habe mehr Lust, sich um
sie zu kümmern“. Anschliessend habe der Gesuchsgegner strikte Anweisung an den
Chefarzt Dr. D_ gegeben, „sie keinesfalls ohne Verschreibung und Verabreichung von
Psychopharmaka zu entlassen“. Von diesem Arzt habe sie im Weiteren erfahren, dass die
Behörden bereits ihre Entmündigung planten.
2.3 Der Gesuchsgegner wendet dagegen ein, dass die Gesuchstellerin nicht explizit einen der
5 Ausstandsgründe von Art. 8 VRPG anrufe. Die angeblich bestehende Unparteilichkeit und
fehlende Unabhängigkeit werde bestritten. Sie nenne keine konkreten Umstände, aus
denen sie Ausstandsgründe ableiten wolle und rede von der Verweigerung des rechtlichen
Gehörs und der Behandlung ihrer Person, ohne diese Vorwürfe zu substantiieren. Am
18. August 2017 sei ihr Akteneinsicht gewährt und es seien auf ihren Wunsch hin auch die
von ihr gewünschten Aktenstücke kopiert und ausgehändigt worden. Er habe dabei den
Hinweis angebracht, dass der Gesuchstellerin die unentgeltliche Rechtsverbeiständung
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bereits bewilligt, aber noch kein Anwalt eingesetzt worden sei. Er bestreite zudem, sich
gegenüber der Gesuchstellerin im Jahr 2011 in der behaupteten Art und Weise geäussert
und dem Arzt Anweisungen erteilt zu haben. Nach seiner Erinnerung habe er vor der FFE-
Anhörung weder beruflich noch privat mit der Gesuchstellerin zu tun und keinerlei
Vorkenntnisse über ihre persönlichen Verhältnisse gehabt. Bei FFE-Anhörungen würden
nur ganz selten Kontakte zu Ärzten des PZA stattfinden. Wenn es im Psychiatrischen
Zentrum (PZA) zu Begegnungen komme, sei dies Zufall. Dr. D_ habe er nur einmal
anlässlich einer Sitzung (über Grundsätzliches) im PZA getroffen; an weitere Kontakte
könne er sich nicht erinnern. Er habe noch nie Anweisungen an Ärzte des PZA bezüglich
der Behandlung von Patienten gegeben. Weil kein Ausstandsgrund ersichtlich sei, werde er
nicht von sich aus in den Ausstand treten.
2.4 Die Gesuchstellerin bestreitet im Schreiben vom 12. Januar 2018, dass der Gesuchsgegner
zum Zeitpunkt des Fürsorglichen Freiheitsentzugs nicht mit Dr. D_ gesprochen habe und
verweist diesbezüglich auf einen Auszug aus der Krankengeschichte A_ vom
18. November 2011 des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden.
2.5 Die Gesuchstellerin nennt bezüglich der Akteneinsicht vom 18. August 2018 keine
konkreten Sachverhalte, die eine Befangenheit des Gesuchstellers auslösen könnten. Die
behauptete Verletzung des rechtlichen Gehörs wird von ihr nicht substantiiert. Zudem ist
nirgends ersichtlich, dass sich der Gesuchsgegner schon in einem früheren Verfahren mit
der konkreten Streitsache befasst und sich eine abschliessende Meinung gebildet hat.
Einer solchen Annahme steht zudem der Umstand klar entgegen, dass der Gesuchsgegner
der Gesuchstellerin mit Verfügung vom 24. Januar 2017 die unentgeltliche Rechtspflege
und Rechtsverbeiständung im Verfahren O4V 17 2 gewährt hat, womit er nicht von
Vornherein von der Aussichtslosigkeit des betreffenden Verfahrens ausging. Im Weiteren
sind keine Verfahrensfehler des Gesuchsgegners aktenkundig, welche einen objektiven
Verdacht der Befangenheit begründen würden.
Wertende Äusserungen des Gesuchsgegners sind weder im Verfahren O4V 17 2 noch im
Verfahren ERV 2011 66 nachgewiesen, welche seine Unparteilichkeit in Frage stellen und
den Anschein der Befangenheit erwecken könnten. Daran würde auch der Umstand nichts
ändern, dass der Gesuchsgegner anlässlich des FFE-Verfahren im Jahr 2011 mit Dr. D_
über die Gesuchsstellerin gesprochen hat, zumal die behauptete Anweisung an den Arzt
zulasten der Gesuchstellerin in den Akten nicht belegt wird. Jener Fall liegt zudem schon 7
Jahre zurück, womit es durchaus nachvollziehbar erscheint, wenn sich der Gesuchsgegner
an ein allfälliges Gespräch mit dem damaligen Arzt nicht mehr erinnern kann. Im Lichte der
oben genannten Rechtsprechung bildet auch der Umstand, dass die damalige Beschwerde
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der Gesuchstellerin gegen den Fürsorglichen Freiheitsentzug durch den Gesuchsgegner
abgewiesen wurde, keinen Ausstandsgrund, wobei das Verfahren ERV 2011 66 mit dem
Verfahren O4V 17 2 ohnehin keinen Zusammenhang aufweist. Damit ist keine Antipathie
oder eine Ungleichbehandlung durch den Gesuchsgegner gegenüber der Gesuchstellerin
erkennbar, welche Zweifel an seiner Unbefangenheit im Verfahren O4V 17 2 aufkommen
lassen. Eine Verletzung des Anspruchs auf Familien- und Privatleben ist ebenfalls nicht
ersichtlich, zumal auch diese Rüge von der Gesuchstellerin nicht substantiiert wird.
2.6. Zusammenfassend sind vorliegend keine Umstände auszumachen, welche den Anschein
der Befangenheit des Gesuchsgegners im Verfahren O4V 17 2 zu erwecken vermögen.
Infolgedessen kommt das Obergericht zum Schluss, dass die von der Gesuchstellerin
vorgebrachten Begebenheiten objektiv nicht geeignet sind, den Eindruck von dessen
Befangenheit zu begründen. Das Ausstandsbegehren ist damit abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend wird die Gesuchstellerin kostenpflichtig (Art. 19
Abs. 1 VRPG). Da sich das Ausstandsbegehren als aussichtslos erwies, kann auf die
Erhebung von Gerichtskosten nicht verzichtet werden (Art. 59 i. V. m. Art. 25 Abs. 1
VRPG). Aus Billigkeitsgründen wird jedoch nur eine reduzierte Entscheidgebühr von
Fr. 300.-- erhoben. Auf die Zusprechung von Parteientschädigungen wird verzichtet (Art. 59
i. V. m. Art. 53 Abs. 3 VRGP).
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