# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 53afc010-9b9e-45bd-b8d4-de4af0de9c16
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2006
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Entscheid Verwaltungsgericht, 22.02.2006 Ausländerrecht, Art. 10 Abs. 1 und Art. 11 Abs. 3 ANAG (SR 142.20). Ausweisung eines in der Schweiz niedergelassenen Ausländers, der mehrmals straffällig wurde sowie erhebliche Sozialleistungen bezog. Im Verfahren vor Verwaltungsgericht werden grundsätzlich keine echte Noven mehr berücksichtigt; aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist im Ausländerrecht indes auf den Sachverhalt im Zeitpunkt des Entscheides abzustellen. Die Verheiratung des Beschwerdeführers während des Beschwerdeverfahrens bewirkt eine wesentliche Änderung der Rechtslage, weshalb die Streitsache an das Ausländeramt zurückzuweisen ist (Verwaltungsgericht, B 2005/101).
Anwesend: Präsident Prof. Dr. U. Cavelti; Verwaltungsrichter Dr. E. Oesch-Frischkopf,
lic. iur. A. Linder, Dr. B. Heer, lic. iur. A. Rufener; Gerichtsschreiberin Dr. R. Hirt
_
In Sachen
E. M.,
Beschwerdeführer,
vertreten durch Rechtsanwalt B. W.,
gegen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 2/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Justiz- und Polizeidepartement des Kantons St. Gallen,
Oberer Graben 32, 9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
betreffend
Ausweisung
hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Der brasilianische Staatsangehörige E. M., geb. 1967, heiratete im Jahr 1988 die
Schweizerin M. W.. Im Rahmen des Familiennachzugs wurde ihm daraufhin eine
Aufenthaltsbewilligung erteilt. 1989 wurde der gemeinsame Sohn M. L. geboren. Am
16. August 1993 erhielt E. M. die Niederlassungsbewilligung. Am 14. Dezember 1993
wurde die Ehe mit M. W. geschieden.
E. M. machte sich während seiner Anwesenheit in der Schweiz mehrfach strafbar: Im
August 1994 wurde er vom Bezirksgericht S. wegen Betrugs und Urkundenfälschung
zu drei Monaten Gefängnis bedingt verurteilt; im März 1995 verurteilte ihn das
Bezirksgericht U. wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz zu fünf Monaten Gefängnis bedingt; im Dezember 1997 wurde
er wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz mit Fr. 300.--
gebüsst; im Mai 1998 wurde er wegen Diebstahls und mehrfacher Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz vom Bezirksamt N. zu vierzehn Tage Gefängnis
und einer Busse von Fr. 200.-- verurteilt; im Dezember 1998 büsste ihn das Bezirksamt
R. wegen eines geringfügigen Vermögensdelikts mit Fr. 150.--; im März 2000 verurteilte
ihn das Bezirksamt R. wegen mehrfachen Betrugs sowie mehrfacher Widerhandlung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
gegen das Betäubungsmittelgesetz mit einer bedingten Gefängnisstrafe von fünf
Wochen und einer Busse von Fr. 60.--; im April 2002 büsste ihn das Untersuchungsamt
S. wegen mehrfacher Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes und mehrfacher
Übertretung des Transportgesetzes mit Fr. 400.--; im Juli 2003 büsste ihn das
Untersuchungsamt S. erneut wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das
Transportgesetz mit Fr. 250.--; im Dezember 2003 verurteilte ihn das
Untersuchungsamt S. wegen Betrugs und mehrfacher Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz zu vier Wochen Gefängnis.
Seit 1997 wurde E. M. mit Sozialhilfeleistungen von rund Fr. 120'000.-- unterstützt.
Nach einer Verwarnung und einer angedrohten Ausweisung verfügte das Ausländeramt
des Kantons St. Gallen am 18. März 2004 die Ausweisung von E. M. für die Dauer von
fünf Jahren.
B./ Den gegen die Verfügung vom 18. März 2004 erhobenen Rekurs wies das Justiz-
und Polizeidepartement des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 1. Juni 2005 ab. Es
erwog im wesentlichen, E. M. habe durch sein Verhalten mehrere Ausweisungsgründe
nach dem Bundesgesetz über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer (SR 142.20,
abgekürzt ANAG) erfüllt und sich hiervon auch nicht durch Verwarnung und angedrohte
Ausweisung abbringen lassen. Es bestehe deshalb ein erhebliches öffentliches
Interesse an seiner Ausweisung, welches sein persönliches Interesse an einem Verbleib
überwiege. Die Ausweisung erweise sich daher als recht- und verhältnismässig.
C./ Mit Eingabe vom 15. Juni 2005 erhob E. M. Beschwerde beim Verwaltungsgericht.
Er beantragte die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Verbeiständung
und ersuchte um Ansetzung einer Frist für die Beschwerdebegründung.
Mit Verfügung vom 16. Juni 2005 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts das
Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege und -verbeiständung ab (Ziff. 1 des
Dispositivs) und forderte den Beschwerdeführer auf, innert angesetzter Frist einen
Kostenvorschuss zu leisten (Ziff. 2 des Dispositivs) sowie innert gleicher Frist die
Beschwerde durch einen Antrag, eine Sachverhaltsdarstellung und eine Begründung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unter Beilage der Beweismittel zu ergänzen (Ziff. 3 des Dispositivs); zugleich wurden
die Kosten der Verfügung zur Hauptsache geschlagen (Ziff. 4 des Dispositivs).
Mit staatsrechtlicher Beschwerde vom 24. August 2005 beantragte E. M. vor
Bundesgericht, die Präsidialverfügung vom 16. Juni 2005 sei aufzuheben und ihm auch
für das bundesgerichtliche Verfahren die unentgeltliche Rechtspflege und -
verbeiständung zu gewähren.
Mit Entscheid vom 8. November 2005 hiess das Bundesgericht die staatsrechtliche
Beschwerde gut, soweit darauf einzutreten war, und hob die Ziffern 1, 2 und 4 des
Dispositivs der Präsidialverfügung vom 16. Juni 2005 auf. Auf die Erhebung amtlicher
Kosten wurde verzichtet und der Kanton St. Gallen verpflichtet, E. M. für das
bundesgerichtliche Verfahren mit Fr. 1'500.-- zu entschädigen. Das Gesuch um
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und -verbeiständung wurde als
gegenstandslos abgeschrieben. Das Bundesgericht begründete seinen Entscheid im
wesentlichen damit, dass E. M. zwar wiederholt straffällig geworden sei und
beträchtliche Sozialhilfeleistungen bezogen habe, dass es sich aber bei diesen
Straftaten weder um Gewalt- oder Sexualdelikte noch um Betäubungsmittelhandel
handle und dass auch die Gesamtdauer der Freiheitsstrafen von knapp zehn Monaten
nicht für eine besonders schwere Delinquenz spreche. Zudem halte er sich seit knapp
17 Jahren, wovon 12 Jahre mit Niederlassungsbewilligung, in der Schweiz auf, wo
auch sein heute 16-jähriger Sohn lebe. Schliesslich scheine E. M. einer geregelten
Arbeit nachzugehen und beabsichtige, seine Freundin schweizerischer
Staatsangehörigkeit zu heiraten. Unter diesen Umständen erscheine die
Aussichtslosigkeit der beim Verwaltungsgericht erhobenen Beschwerde entgegen den
Ausführungen in der Präsidialverfügung nicht als eindeutig.
Aufgrund dieses Urteil des Bundesgerichts, welches die Präsidialverfügung vom 16.
Juni 2005 aufhob, wurde dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Rechtspflege und
verbeiständung gewährt und Rechtsanwalt B. W., Zürich, als unentgeltlicher
Rechtsbeistand bestimmt.
–
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mit Eingabe vom 29. November 2005 ergänzte E. M. seine Beschwerdeerklärung vom
15. Juni 2005 und beantragt, der angefochtene Entscheid sei aufzuheben und ihm der
weitere Verbleib in der Schweiz zu bewilligen; eventualiter sei die Sache an die
Vorinstanz zur erneuten Entscheidfindung zurückzuweisen. Zudem sei für das
vorinstanzliche Verfahren eine ausseramtliche Entschädigung von Fr. 1'797.65 (inkl.
Auslagen und MWSt) festzusetzen; unter Kosten- und Entschädigungsfolgen.
Eventualiter sei ihm die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu
gewähren und der Unterzeichnete mit letzterer zu beauftragen. Als verfahrensleitende
Anträge bringt er zudem vor, der Präsident des Verwaltungsgerichts solle in den
Ausstand treten und es sei E. M. für den Fall, dass die Rechtsmittelinstanz auf die
Einvernahme der angebotenen Zeugen und Sachverständigen verzichten wolle, die
Gelegenheit zu geben, schriftliche Aussagen der entsprechenden Personen
nachzureichen. E. M. begründet die Beschwerde im wesentlichen damit, dass er keine
schwerwiegenden Straftaten begangen habe, weshalb das öffentliche Interesse an
einer Ausweisung sein privates Interesse an einem Verbleib nicht zu überwiegen
vermöge. Zudem habe er seine Probleme überwunden, sozialen Halt und eine ihn
befriedigende Arbeitsstelle gefunden, weshalb auch das günstige künftige Verhalten zu
würdigen sei. Auch hinsichtlich der Sozialhilfeleistungen bestünde keine Gefahr eines
erneuten Bezugs, da er eine feste Anstellung habe und seit einiger Zeit gar seine
Schulden abbaue. Schliesslich führe er auch wieder eine intensive Beziehung mit
seinem Sohn, den er mindestens wöchentlich treffe, und sei seit dem 26. August 2005
mit einer Schweizerin verheiratet.
Am 29. November 2005 stellte die Ehegattin von E. M., G. M., beim Ausländeramt ein
Gesuch um Familiennachzug für ihren Ehemann. Das Ausländeramt teilte daraufhin
dem Rechtsvertreter von E. M. mit, dass es bereit wäre, E. M. nach Rückzug der
Beschwerde eine Jahresaufenthaltsbewilligung zu erteilen. Andernfalls würde das
Verfahren bis zum Vorliegen eines rechtskräftigen Entscheids sistiert. Mit
Antwortschreiben vom 1. Dezember 2005 verzichtete E. M. auf einen Rückzug der
Beschwerde, beantragte aber, das Gesuch um Familiennachzug sei unabhängig vom
hängigen Beschwerdeverfahren zu prüfen.
In seiner Vernehmlassung vom 12. Dezember 2005 zur hängigen Beschwerde
beantragt das Justiz- und Polizeidepartement die Abweisung der Beschwerde und
verzichtet auf ergänzende Bemerkungen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Mit Verfügung vom 12. Januar 2006 wies die Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichts
das Ausstandsbegehren von E. M. gegen den Präsidenten des Verwaltungsgerichts ab.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Gleiches gilt für den Rechtsvertreter des
Beschwerdeführers hinsichtlich der Bemessung der Entschädigung zufolge
unentgeltlicher Rechtsvertretung im Rekursverfahren. Nach der Rechtsprechung des
Verwaltungsgerichts kann der unentgeltliche Vertreter die Festsetzung der
Entschädigung im eigenen Namen mit dem ordentlichen Rechtsmittel anfechten (R.
Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz,
Diss. St. Gallen 2004, S. 265 mit weiterem Hinweis). Die Beschwerdeeingaben vom 15.
Juni und 29. November 2005 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde von E. M. und die Kostenbeschwerde des Rechtsvertreters ist
einzutreten.
2./ a) Ein Ausländer kann u.a. aus der Schweiz ausgewiesen werden, wenn er wegen
eines Verbrechens oder Vergehens gerichtlich bestraft wurde (Art. 10 Abs. 1 lit. a
ANAG), wenn sein Verhalten im Allgemeinen und seine Handlungen darauf schliessen
lassen, dass er nicht gewillt oder nicht fähig ist, sich in die im Gaststaat geltende
Ordnung einzufügen (lit. b), oder wenn er oder eine Person, für die er zu sorgen hat, der
öffentlichen Wohltätigkeit fortgesetzt und in erheblichem Masse zur Last fällt (lit. d).
Das Vorliegen eines solchen Grundes ist als Voraussetzung für eine Ausweisung aber
noch nicht hinreichend. Eine Ausweisung darf vielmehr nur dann verfügt werden, wenn
sie angemessen erscheint (Art. 11 Abs. 3 ANAG). Zur Beurteilung der Angemessenheit
sind namentlich die Schwere des Verschuldens des Ausländers, die Dauer seiner
Anwesenheit in der Schweiz sowie die ihm und seiner Familie drohenden Nachteile zu
würdigen (Art. 16 Abs. 3 der Vollziehungsverordnung zum ANAG, SR 142.201). Hat ein
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ausländer anwesenheitsberechtigte Familienmitglieder, stellt die Ausweisung
regelmässig einen Eingriff in den Anspruch auf Achtung des Familienlebens nach Art. 8
der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR 0.101,
abgekürzt EMRK) dar. Es hat deshalb auch eine Interessenabwägung unter dem
Gesichtspunkt der Eingriffsgründe von Art. 8 Abs. 2 EMRK zu erfolgen.
b) Der Beschwerdeführer heiratete am 26. August 2005, mithin zu einem Zeitpunkt, als
die Streitsache bereits beim Verwaltungsgericht hängig war, G. K.. Im Grundsatz
werden im Verfahren vor Verwaltungsgericht keine Tatsachen berücksichtigt, die nach
Abschluss des Rekursverfahrens eingetreten sind (sog. "echte Noven"; vgl. Art. 61 Abs.
3 VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen
2003, Rz. 642). Im Ausländerrecht indessen hat das Bundesgericht ausdrücklich
festgehalten, dass das Verwaltungsgericht auf den Sachverhalt im Zeitpunkt des
Entscheides abzustellen hat (BGE 128 II 149; Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 645). Folglich
ist die Eheschliessung des Beschwerdeführers mit einer Schweizerin im
Beschwerdeverfahren beachtlich.
c) Die Verheiratung des Beschwerdeführers bewirkt eine wesentliche Änderung der
Rechtslage. Zum einen sind im Streitfall neu auch die Interessen der Ehefrau in die
Abwägung einzubeziehen, da die Ausweisung des Ehemannes einen Eingriff in das in
Art. 8 Ziff. 1 EMRK verankerte Recht auf Familienleben darstellt. Zum andern sind im
Hinblick auf den Ausweisungsgrund der Fürsorgeabhängigkeit bei der Beurteilung, ob
die Unterstützung auch in Zukunft zu leisten ist, auch die finanziellen Möglichkeiten der
Ehefrau zu berücksichtigen (BGE 122 II 8). Diese geänderte Rechtslage rechtfertigt es,
die Streitsache an das Ausländeramt zurückzuweisen. Dies gilt unabhängig davon,
dass die Tatsache, dass der Beschwerdeführer mit einer Schweizerin verheiratet ist,
einer Ausweisung nicht grundsätzlich entgegensteht (vgl. Art. 7 Abs. 1 in fine ANAG
sowie Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Würde das Verwaltungsgericht in Berücksichtigung der
neuen Tatsache entscheiden, unterbliebe eine Interessenabwägung durch eine
Behörde mit umfassendem Ermessensspielraum. Zudem wäre eine Überprüfung in
einem Rechtsmittelverfahren ausgeschlossen. Das Gesagte führt dazu, den
angefochtenen Rekursentscheid vom 1. Juni 2005 aufzuheben und die Streitsache
gestützt auf Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 56 Abs. 2 VRP zur neuen Beurteilung
im Sinne der Erwägungen und zur neuen Entscheidung an das Ausländeramt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zurückzuweisen. Dies entspricht einer teilweisen Gutheissung der Beschwerde, da über
den im Rechtsbegehren geforderten Verzicht auf eine Ausweisung noch nicht
abschliessend entschieden wird (vgl. VerwGE vom 17. August 2004 i.S. R.H.). Im
übrigen ist die Beschwerde abzuweisen. Mit Blick auf diesen Verfahrensausgang ist auf
die Abnahme der vom Beschwerdeführer genannten Beweismittel zu verzichten, und es
ist ihm auch keine Gelegenheit zur Einreichung weiterer schriftlicher Bestätigungen zu
gewähren.
3./ a) Zu prüfen ist im weiteren die Rüge des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers,
seine Kostennote sei im vorinstanzlichen Verfahren zu Unrecht gekürzt worden.
b) Der Rechtsvertreter hat im Rekursverfahren eine Kostennote über Fr. 1'797.65 (Fr.
1'600.-- Honorar, Fr. 70.70 Barauslagen, Fr. 126.95 MWSt) eingereicht. Die Vorinstanz
erachtete das geltend gemachte Honorar als übersetzt und legte die Entschädigung
zufolge unentgeltlicher Rechtsverbeiständung ausgehend von einem Honorar von Fr.
1'000.-- auf Fr. 800.-- fest (Art. 31 Abs. 3 des Anwaltsgesetzes, sGS 963.70, abgekürzt
AnwG).
c) Im Verfahren vor Verwaltungsbehörden beträgt das Honorar pauschal Fr. 500.-- bis
Fr. 5'000.-- (Art. 22 Abs. 1 lit. a der Honorarordnung für Rechtsanwälte und
Rechtsagenten, sGS 963.75, abgekürzt HonO). Innerhalb des für eine Pauschale
gesetzten Rahmens wird das Grundhonorar nach den besonderen Umständen,
namentlich nach Art und Umfang der Bemühungen, der Schwierigkeit des Falles und
den wirtschaftlichen Verhältnissen der Beteiligten bemessen (Art. 19 HonO). Den
Behörden kommt diesbezüglich ein erheblicher Ermessenspielraum zu (vgl. Hirt, a.a.O.,
S. 202, mit weiteren Hinweisen). Die Gründe für die Kürzung einer Kostennote
brauchen von den Behörden und Gerichten nur – aber immerhin - summarisch
dargelegt zu werden (Hirt, a.a.O., S. 208 mit weiterem Hinweis).
d) Ausgehend von einem zugestandenen Honorar von Fr. 1'000.-- und einem mittleren
Stundenansatz von Fr. 200.-- (vgl. Art. 24 Abs. 1 HonO) erachtet die Vorinstanz für das
gesamte Rekursverfahren einen Aufwand von fünf Stunden als angemessen. Der
Rechtsvertreter führt hierzu aus, dass das Rechtsmittelverfahren neben zwei
Besprechungen mit dem Klienten zunächst das Studium der umfangreichen Akten des
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ausländeramtes bedingt habe. Zudem seien Briefe an Drittpersonen zu schreiben und
Auskünfte wie etwa der Suchtberatungsstelle, des behandelnden Hausarztes und des
Arbeitgebers einzuholen gewesen. Schliesslich habe die Rekursschrift verfasst werden
müssen.
e) Die Vorinstanz hat nicht (auch nicht summarisch) begründet, weshalb sie die
Honorarnote des unentgeltlichen Rechtsvertreters als übersetzt erachtet hat. Die
geltend gemachten Aufwendungen hängen mit der Wahrung der Interessen des
Beschwerdeführers zusammen und erweisen sich zur gehörigen Führung des Mandats
nicht als überflüssig (vgl. Hirt, a.a.O., S. 247). Der in Rechnung gestellte zeitliche
Aufwand von 10.1 Stunden ist für die Durchsicht der Akten, die Instruktion des
Mandanten und die Ausarbeitung der Rekursschrift nachvollziehbar und nicht
übersetzt; demgegenüber erweist sich der zugestandene Aufwand von fünf Stunden
als knapp bemessen. Die Nichtberücksichtigung der Barauslagen und die zusätzliche
Kürzung des Honorars um einen Fünftel führen schliesslich dazu, dass das von der
Vorinstanz zugesprochene Entgelt nicht mehr in einem vernünftigen Verhältnis zu den
geleisteten Diensten steht (vgl. Hirt, a.a.O., S. 248). Dies stellt eine Rechtsverletzung
dar, weshalb die Kostenbeschwerde gutzuheissen und das Entgelt des unentgeltlichen
Rechtsvertreters für die Vertretung des Beschwerdeführers auf Fr. 1'797.65
festzusetzen ist.
4./ Ausschlaggebend für die teilweise Gutheissung der Beschwerde des
Beschwerdeführers ist seine nachträgliche Verheiratung mit einer Schweizerin. Da
mithin nicht die Vorinstanz den Verfahrensausgang zu vertreten hat, wäre es stossend,
dem Staat amtliche Kosten für das Beschwerdeverfahren aufzuerlegen. In analoger
Anwendung von Art. 266 des Zivilprozessgesetzes (sGS 961.2, abgekürzt ZPG; vgl.
Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 785) sind deshalb dem Beschwerdeführer trotz seines
teilweisen Obsiegens im Beschwerdeverfahren (inkl. Verfügung der Vizepräsidentin
vom 12. Januar 2006 und Beurteilung der Kostenbeschwerde des Rechtsvertreters
durch das Verwaltungsgericht) die gesamten amtlichen Kosten aufzuerlegen. Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Aufgrund der Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege ist auf die
Erhebung der Kosten vorläufig zu verzichten (Art. 99 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art.
288 ZPG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Der Anspruch des unentgeltlichen Rechtsbeistands aus der Vertretung im
Beschwerdeverfahren (inkl. Verfügung der Vizepräsidentin vom 12. Januar 2006) ist auf
Fr. 1'600.-- zuzügl. MWSt festzusetzen (Art. 22 Abs. 1 lit. c und Art. 19 HonO in
Verbindung mit Art. 30 lit. b Ziff. 2 und Art. 31 Abs. 3 AnwG).
Demnach hat das Verwaltungsgericht
z u R e c h t e r k a n n t:
1./ Die Beschwerde des Beschwerdeführers wird teilweise gutgeheissen. Ziff. 1 des
Rekursentscheides vom 1. Juni 2005 wird aufgehoben und die Streitsache zur neuen
Beurteilung im Sinne der Erwägungen und zur neuen Entscheidung an das
Ausländeramt zurückgewiesen. Im übrigen wird die Beschwerde abgewiesen.
2./ Die Kostenbeschwerde des unentgeltlichen Rechtsvertreters wird gutgeheissen und
Ziff. 3 des Rekursentscheides vom 1. Juni 2005 wie folgt geändert:
"Der Kanton St. Gallen entschädigt B. W., Rechtsanwalt, zufolge unentgeltlicher
Rechtsverbeiständung mit Fr. 1'797.65 (inkl. MWSt)."
3./ Die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens von Fr. 2'000.-- werden dem
Beschwerdeführer auferlegt. Zufolge unentgeltlicher Rechtspflege wird auf die
Erhebung vorläufig verzichtet.
4./ Der Anspruch des unentgeltlichen Rechtsbeistands im Beschwerdeverfahren
beträgt Fr. 1'600.-- zuzügl. MWSt.
V. R. W.
Der Präsident:
Die Gerichtsschreiberin:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zustellung dieses Entscheides an:
B. W.)
am: