# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 345b3923-2808-4d75-9eac-3516c5a1722d
**Court:** ZH_HG
**Chamber:** ZH_HG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
- 2 -
Rechtsbegehren: (act. 1 S. 2)
"1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin den Betrag von CHF 52'059.77 zuzüglich Zins zu 5% seit 11. Februar 2016 zu bezahlen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der  zuzüglich Mehrwertsteuer."
Mit der Replik geändertes Rechtsbegehren: (act. 22 S. 2 f.)
- 3 -
- 4 -
Inhaltsverzeichnis:
Sachverhalt und Verfahren: ................................................................................... 5 A. Sachverhaltsübersicht .................................................................................... 5
a. Parteien ...................................................................................................... 5 b. Prozessgegenstand .................................................................................... 5

## Considerations

B. Prozessverlauf ................................................................................................ 6 Erwägungen: ......................................................................................................... 7 1. Formelles ........................................................................................................ 7
1.1. Örtliche und sachliche Zuständigkeit ....................................................... 7 1.2. Klageänderung ........................................................................................ 7 1.3. Prozessuale Ausgestaltung der Stufenklage ........................................... 8
2. Materielles ...................................................................................................... 9 2.1. Vertragsschluss / Höhe des Kaufpreises ................................................. 9 2.1.1. Parteivorbringen ....................................................................................... 9 2.1.2. Rechtliches ............................................................................................ 10 2.1.2.1. Bestimmbarkeit des Kaufpreises (Unternehmenskaufvertrag) ............ 10 2.1.2.2. Irrtum (Art. 23 ff. OR) / Täuschung (Art. 28 OR) ................................. 10 2.1.2.3. Vertragsauslegung und Vertragsergänzung ........................................ 10 2.1.3. Würdigung .............................................................................................. 12 2.1.3.1. Konsens .............................................................................................. 12 2.1.3.2. Irrtum (Art. 23 ff. OR) / Täuschung (Art. 28 OR) ................................. 13 2.1.3.3. Vertragsauslegung .............................................................................. 13 2.1.3.3.1. Objektivierte Vertragsauslegung ...................................................... 13 2.1.3.3.2. Subjektive Vertragsauslegung ......................................................... 18 2.1.3.4. Vertragsergänzung ............................................................................. 18 2.1.4. Zwischenfazit ......................................................................................... 20 2.2. Treuwidrige Verhinderung des Eintritts einer Bedingung (Art. 156 OR) 21 2.2.1. Vorbemerkung ....................................................................................... 21 2.2.2. Parteivorbringen ..................................................................................... 21 2.2.3. Rechtliches ............................................................................................ 22 2.2.4. Würdigung .............................................................................................. 23 2.2.4.1. Strategie .............................................................................................. 23 2.2.4.2. Treuwidriges Verhindern des Eintritts einer Bedingung ...................... 24 2.2.5. Zwischenfazit ......................................................................................... 25 2.3. Umsatzrelevante Kunden ...................................................................... 25 2.3.1. Vorbemerkung ....................................................................................... 25 2.3.2. Parteivorbringen ..................................................................................... 25 2.3.3. Würdigung .............................................................................................. 26 2.3.4. Zwischenfazit ......................................................................................... 30 2.4. Informationsbegehren / Stufenklage ..................................................... 30 2.4.1. Vorbemerkung ....................................................................................... 30 2.4.2. Parteivorbringen ..................................................................................... 31 2.4.3. Rechtliches ............................................................................................ 32 2.4.4. Würdigung .............................................................................................. 33
- 5 -
2.4.4.1. Zulässigkeit der Stufenklage im Eventualbegehren ............................ 33 2.4.4.2. Anspruchsgrundlagen ......................................................................... 34 2.4.4.3. Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit der Bezifferung .......................... 36 2.4.4.4. Umfang des Einsichts- und Kontrollrechts .......................................... 36 2.4.5. Zwischenfazit ......................................................................................... 43
3. Frist zur Erfüllung des Informationsanspruches ........................................... 44 4. Vollstreckungsmassnahmen ......................................................................... 44 5. Kosten- und Entschädigungsfolgen .............................................................. 44
Sachverhalt und Verfahren:
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien
Die Klägerin ist eine GmbH mit Sitz in CC._. Sie bezweckt die ... von Waren
aller Art, insbesondere ... und die Erbringung von Beratungsdienstleitungen im
Bereich der ... des Internets (act. 3/2).
Die Beklagte ist eine AG mit Sitz in Zürich. Sie bezweckt die Erbringung von
Dienstleistungen in den Bereichen Marken, Marketing und Kommunikation
(act. 3/3).
b. Prozessgegenstand
Die Parteien schlossen einen Kaufvertrag vom 5. November 2012. Die Klägerin
übertrug dabei der Beklagten ihren Geschäftsbereich "Online-Marketing". Die
Klägerin verlangt nun von der Beklagen die Bezahlung des Restkaufpreises in der
Höhe von CHF 52'059.77. Im Eventualbegehren erhebt sie eine Stufenklage, um
den Kaufpreis zu beziffern. Die Beklagte schliesst auf Abweisung der Klage
(Rechtsbegehren Ziff. 1). Eventualiter beantragt sie, es sei auf das Informations-
begehren (Rechtsbegehren Ziff. 2) nicht einzutreten bzw. es sei dieses abzuwei-
sen.
- 6 -
B. Prozessverlauf
Am 29. März 2019 (Datum Poststempel) reichte die Klägerin die Klage mit dem
oben genannten Rechtsbegehren ein (act. 1). Den von ihr geforderten Vorschuss
für die Gerichtskosten in Höhe von CHF 5'800.‒ leistete sie fristgerecht (act. 4;
act. 6). Die Beklagte erstattete die Klageantwort vom 14. Juni 2019 innert der ihr
mit Verfügung vom 10. April 2019 angesetzten Frist (act. 7; act. 10). Mit Verfü-
gung vom 18. Juni 2019 wurde das vorliegende Verfahren an Oberrichterin Noëlle
Kaiser Job als Instruktionsrichterin delegiert (act. 12). Anlässlich der Vergleichs-
verhandlung vom 23. Januar 2020 schlossen die Parteien einen Vergleich mit Wi-
derrufsvorbehalt, der von der Klägerin fristgerecht widerrufen wurde (act. 16;
act. 17; Prot. S. 6 ff.). Mit Eingabe vom 31. Januar 2020 teilten die Rechtsvertreter
der Klägerin mit, diese ab sofort nicht mehr zu vertreten (act. 19). Sowohl die
Replik vom 22. April 2020 als auch die Duplik vom 2. September 2020 ergingen
rechtzeitig (act. 20; act. 22; act. 24; act. 26; act. 28; act. 30). Mit Verfügung vom
14. September 2020 wurde der Beklagten eine Nachfrist angesetzt, um zwei von
ihr offerierte Urkunden nachzureichen (act. 31). Diese wurden fristgerecht mit
Eingabe vom 23. September 2020 nachgereicht (act. 33; act. 43; act. 35/1). Mit
Verfügung vom 29. September 2020 wurde den Parteien der Aktenschluss ange-
zeigt (act. 36).
Mit Verfügung vom 21. Oktober 2021 wurde den Parteien Frist angesetzt zur Er-
klärung, ob sie auf die Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung ‒ unter
Vorbehalt der Durchführung eines Beweisverfahrens ‒ verzichteten (act. 38). In
der Folge verzichtete die Beklagte auf die Durchführung einer mündlichen Haupt-
verhandlung (act. 40), die Klägerin hingegen nicht (act. 41). So wurden die Par-
teien am 11. November 2021 zur Hauptverhandlung auf den 21. Dezember 2021
vorgeladen (act. 42). Anlässlich dieser Hauptverhandlung hielten die Parteien ihre
Parteivorträge. Es wurden keine zulässigen Noven vorgebracht (Prot. S. 16 f.;
act. 43).
- 7 -
Das Verfahren ist spruchreif. Auf die Parteivorbringen wird in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen, soweit sich dies als zur Entscheidfindung notwendig
erweist.
Erwägungen:
1. Formelles
1.1. Örtliche und sachliche Zuständigkeit
In Bezug auf die geltend gemachten Ansprüche aus Kaufvertrag haben die Par-
teien mit Vereinbarung vom 2. Mai 2016 (act. 3/5) die Streitschlichtungs- und
Schiedsklausel im Kaufvertrag (act. 3/4 Ziff. 11) aufgehoben und durch eine Ge-
richtsstandklausel ersetzt. Entsprechend sind die Gerichte der Stadt Zürich 8 ‒
konkret das Handelsgericht des Kantons Zürich ‒ zur Beurteilung dieser Streitig-
keit örtlich zuständig (Art. 17 ZPO). Dies ist unbestritten geblieben. Die sachliche
Zuständigkeit stützt sich auf Art. 6 Abs. 2 ZPO i.V.m. § 44 lit. b GOG und ist
ebenso gegeben.
1.2. Klageänderung
Eine Klageänderung i.S.v. Art. 227 ZPO ist zulässig, wenn der geänderte oder
neue Anspruch nach der gleichen Verfahrensart zu beurteilen ist und (lit. a) mit
dem bisherigen Anspruch in einem sachlichen Zusammenhang steht oder (lit. b)
die Gegenpartei zustimmt (Art. 227 Ziff. 1 ZPO).
Die Klägerin erhebt in ihrer Replik im Eventualbegehren neu eine Stufenklage
(act. 22 S. 2 f.). Sie ersucht um die Herausgabe von bestimmten Urkunden durch
die Beklagte (Rechtsbegehren Ziff. 2 lit. a) und behält sich die abschliessende
Bezifferung ihres Anspruchs vor (Rechtsbegehren Ziff. 2 lit. b). Die Beklagte ver-
tritt zwar den Standpunkt, dass das Erheben einer Stufenklage im Eventualbegeh-
ren unzulässig sei. Die Zulässigkeit der Klageänderung bestreitet sie indes nicht.
Sie macht lediglich geltend, diese sei in der Sache zu wenig substantiiert (act. 30
N. 10, N. 108).
- 8 -
Zwischen dem Begehren auf Herausgabe von Urkunden bzw. auf nachträgliche
Bezifferung der Forderungssumme (Rechtsbegehren Ziff. 2 lit. a und b) und dem
Hauptbegehren (Rechtsbegehren Ziff. 1) besteht Konnexität. Das hiesige Gericht
ist zudem zur Beurteilung des Eventualbegehrens sachlich zuständig, zumal die
Klägerin einen Mindestwert von CHF 31'000.‒ geltend macht. Die Klageänderung
erweist sich entsprechend als zulässig. Die Zulässigkeit der Stufenklage ist an
anderer Stelle zu beurteilen (siehe dazu die Erwägungen unter Ziff. 2.4).
1.3. Prozessuale Ausgestaltung der Stufenklage
Die Klägerin erhebt in ihrem Eventualbegehren eine Stufenklage (Rechtsbegeh-
ren Ziff. 2 lit. a und b). Sollte das Gericht zum Schluss kommen, dass kein fixer
Kaufpreis, sondern ein variabler Kaufpreis (Kaufpreis mit Umsatzbeteiligung) vor-
liegt, behält sie sich die Bezifferung ihrer Forderung nach entsprechender Infor-
mationserteilung durch die Beklagte vor.
Bereits an dieser Stelle ist festzuhalten, dass vorliegend zur Beurteilung dieser
Stufenklage geschritten werden muss. Ebenso ist vorauszuschicken, dass die
Voraussetzungen zur Erhebung einer Stufenklage ‒ namentlich die Unzumutbar-
keit bzw. Unmöglichkeit der Bezifferung der Forderung ‒ im konkreten Fall erfüllt
sind (siehe dazu die Erwägungen unter Ziff. 2.4). In der Regel sind Stufenklagen
in prozessualer Hinsicht dahingehend zu gestalten, als dass in einer ersten Stufe
ausschliesslich das Informationsbegehren zu beurteilen ist. Erst in der zweiten
Stufe wird über den materiellen Anspruch bzw. das Quantitativ entschieden (siehe
BAECHLER, Die Stufenklage, in: sic! 2017, S. 1 ff.). Von diesem Vorgehen soll ‒
zumindest im Grundsatz ‒ auch hier nicht abgewichen werden. Vorliegend prä-
sentieren sich indes verschiedene strittige Sach- und Rechtsfragen, die derart eng
mit dem Informationsbegehren verknüpft sind bzw. dieses gar bedingen, dass sie
bereits in der ersten Stufe zu behandeln sind. Zunächst wird die Stufenklage ‒
wie erwähnt ‒ als Eventualbegehren erhoben. Entsprechend ist über die Vorfra-
gen, ob der Kaufvertrag zustande gekommen ist (Konsens), ob Willensmängel
(Grundlagenirrtum/Täuschung) vorliegen, ob ein fixer Kaufpreis oder ein variabler
Kaufpreis (Kaufpreis mit Umsatzbeteiligung) vereinbart wurde und ob die Beklagte
das Erwirtschaften von Umsätzen treuwidrig verhindert hat, vorab zu entscheiden
- 9 -
(siehe dazu die Erwägungen unter Ziff. 2.1 und Ziff. 2.2). Zur Beurteilung des In-
formationsbegehrens drängt es sich sodann auf, bereits in der ersten Stufe zu
eruieren, auf welchen Kunden sich die Umsatzbeteiligung errechnet (siehe dazu
die Erwägungen unter Ziff. 2.3). Erst dann zeigt sich, in Bezug auf welche Kunden
die Klägerin überhaupt über einen Informationsanspruch verfügt. Die Stufenklage
wurde in der Replik erhoben. Entsprechend haben sich die Parteien zu den vor-
genannten Sach- und Rechtsfragen in ihren Rechtsschriften bereits zweimal ein-
gehend geäussert. Über das Quantitativ (Entscheid über nachträglich beziffertes
Rechtsbegehren) wird indes erst in der zweiten Stufe zu befinden sein.
2. Materielles
2.1. Vertragsschluss / Höhe des Kaufpreises
2.1.1. Parteivorbringen
Die Klägerin macht im Hauptstandpunkt geltend, mit der Beklagten am 5. Novem-
ber 2012 einen Kaufvertrag betreffend den Geschäftsbereich "Online-Marketing"
abgeschlossen zu haben (act. 1 N. 1 ff., N. 12; act. 3/4). Der Kaufpreis habe fix
CHF 100'000.‒ betragen. Er habe sich aus einem Baranteil von CHF 25'000.‒
und aus einer Umsatzbeteiligung von CHF 75'000.‒ zusammengesetzt (act. 1
N. 15; act. 22 N. 32 ff.). Der Mechanismus zur Berechnung des Kaufpreises sei so
gestaltet worden, dass die Beklagte den Kauf aus dem Betrieb heraus habe fi-
nanzieren können (act. 22 N. 35). Sie (die Klägerin) habe dabei in Kauf genom-
men, dass sich die Bezahlung über ein bis zwei Jahre hinziehe (act. 22 N. 35).
Die Beklagte wendet zunächst ein, dass der CHF 25'000.‒ übersteigende Teil des
Kaufpreises und der Kaufgegenstand nicht bestimmbar seien. Damit fehle es an
einem Konsens. Der Kaufvertrag sei entsprechend nicht zustande gekommen
(act. 30 N. 27 ff.; act. 30 N. 110). Sodann seien weder die von der Klägerin in
Aussicht gestellten Umsätze erzielt noch Neukunden ("New Business A2._-
"Kunden) gewonnen worden, weshalb sie (die Beklagte) sich in einem Grundla-
genirrtum befunden habe bzw. getäuscht worden sei. Sie (die Beklagte) habe
damit Anspruch auf Rückerstattung des Kaufpreises (CHF 2'420.‒) (act. 30 N.
- 10 -
69). Die Klägerin habe die Klage rechtsmissbräuchlich erhoben (act. 10 N. 68 ff.).
Selbst wenn der Kaufpreis genügend bestimmbar gewesen wäre, hätte ‒ abgese-
hen vom Baranteil in Höhe von CHF 25'000.‒ ‒ kein fixer, sondern ein variabler
Kaufpreis vorgelegen (act. 30 N. 29 ff.). Sofern sie (die Beklagte) provisionsbe-
rechtigte Umsätze erzielt hätte, hätte sie (die Beklagte) der Klägerin Provisionen
gemäss dem im Vertrag definierten Berechnungsmodus bezahlen müssen
(act. 30 N. 29). Da sich die Parteien auf keine bestimmte Vertragsdauer geeinigt
hätten, sei eventualiter die Dauer der Umsatzbeteiligung auf zwei Jahre zu be-
schränken (act. 30 N. 28 ff.).
2.1.2. Rechtliches
2.1.2.1. Bestimmbarkeit des Kaufpreises (Unternehmenskaufvertrag)
Der Kaufpreis kann, muss aber nicht ziffernmässig bestimmt sein (Art. 184
Abs. 3 OR). Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in einem Unternehmenskaufver-
trag den Kaufpreis zu gestalten. Die Parteien können einerseits einen Fixpreis
vereinbaren. Dieser Fixpreis kann mit Preisanpassungsmechanismen verbunden
werden. Andererseits ist auch ein vom zukünftigen Ertrag abhängiger Kaufpreis
möglich (sog. Earn-Out Klausel) (SCHENKER, Unternehmenskauf, Bern 2016,
S. 235 f.). Der Kaufpreis ist bestimmbar, wenn die Parteien eine Formel oder ein
Verfahren zur Berechnung des Kaufpreises vorsehen (SCHENKER, a.a.O., S. 229).
2.1.2.2. Irrtum (Art. 23 ff. OR) / Täuschung (Art. 28 OR)
Hat eine Partei bei Vertragsschluss in einem wesentlichen Irrtum gehandelt, so
kann sie den Vertrag binnen Jahresfrist für einseitig unverbindlich erklären
(Art. 23 ff. OR i.V.m. Art. 31 OR). Gleiches gilt, wenn der Vertragsschliessende
durch absichtliche Täuschung des anderen zum Vertragsschluss verleitet wurde
(Art. 28 OR i.V.m. Art. 31 OR).
2.1.2.3. Vertragsauslegung und Vertragsergänzung
Vertragsauslegung: Der Inhalt eines Vertrages ist durch Auslegung der Wil-
lensäusserungen der Parteien zu bestimmen. Ziel der Vertragsauslegung ist es, in
- 11 -
erster Linie den übereinstimmenden wirklichen Parteiwillen festzustellen (Art. 18
Abs. 1 OR). Steht eine tatsächliche Willensübereinstimmung fest, bleibt für eine
Auslegung nach dem Vertrauensgrundsatz kein Raum (BGE 128 III 70 E. 1a
S. 73) (subjektive Auslegung). Erst wenn eine tatsächliche Willensübereinstim-
mung unbewiesen bleibt, sind zur Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens die
Erklärungen der Parteien aufgrund des Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie
nach ihrem Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umständen ver-
standen werden durften und mussten (objektivierte Auslegung). Massgebend ist
der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses. Nachträgliches Parteiverhalten ist bei der
Auslegung nach dem Vertrauensprinzip nicht von Bedeutung; es kann berücksich-
tigt werden, wenn es Rückschlüsse auf den tatsächlichen Willen der Parteien zu-
lässt (BGE 132 III 626 E. 3.1 S. 632 m.w.H.). Die objektivierte Vertragsauslegung
ergibt sich nicht allein aus dem Wortlaut, sondern kann sich auch aus anderen
Elementen ergeben wie aus dem Vertragszweck, der Systematik des Vertrages,
der Interessenlage der Parteien oder aus den Gesamtumständen. Von einem kla-
ren Vertragswortlaut ist jedoch nur abzuweichen, wenn sich ernsthafte Anhalts-
punkte dafür ergeben, dass dieser nicht dem Willen der Parteien entspricht (statt
vieler: BGE 137 III 444 E. 4.2.4 S. 451; siehe zur Vertragsauslegung allgemein
auch das Urteil HG160214 des Handelsgerichts Zürich vom 7. Juni 2019,
E. 3.1 ff.).
Im Rahmen der subjektiven Auslegung prüft das Gericht, ob Beweise bzw. Indi-
zienbeweise dafür vorliegen, dass die Parteien tatsächlich einen vom Ergebnis
der objektivierten Auslegung abweichenden Willen hatten. Eine derartige Abwei-
chung lässt sich nur durch Umstände rechtfertigen, die bei der Auslegung nach
dem Vertrauensprinzip nicht berücksichtigt werden (siehe die Urteile des Bundes-
gerichts 4A_571/2012 und 4A_579/2012 vom 18. März 2013, E. 4.2.2; siehe auch
JÄGGI/GAUCH/HARTMANN, in: Zürcher Kommentar zu Art. 18 OR: Auslegung, Er-
gänzung und Anpassung der Verträge; Simulation, 4. Aufl., Zürich 2014, Art. 18
N. 368).
Vertragsergänzung: Ist der Vertrag lückenhaft, muss er ergänzt werden. Eine Ver-
tragslücke besteht dann, wenn die Parteien eine Rechtsfrage, die den Vertragsin-
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-III-444%3Ade&number_of_ranks=0#page444
- 12 -
halt betrifft, nicht oder nicht vollständig geregelt haben (BGE 115 II 484 E. 4a
S. 487; JÄGGI/GAUCH/HARTMANN, a.a.O., Art. 18 N. 542 m.w.H.). Wenn das
Schweigen der Parteien zu einer Rechtsfrage hingegen eine stillschweigende ne-
gative Entscheidung ist, liegt keine Vertragslücke vor (JÄGGI/GAUCH/HARTMANN,
a.a.O., N. 546). Muss ein lückenhafter Vertrag ergänzt werden, so hat der Richter
‒ falls dispositive Gesetzesbestimmungen fehlen ‒ zu ermitteln, was die Parteien
nach dem Grundsatz von Treu und Glauben vereinbart hätten, wenn sie den nicht
geregelten Punkt in Betracht gezogen hätten (sog. hypothetischer Parteiwille)
(BGE 115 II 484 E. 4b S. 488).
2.1.3. Würdigung
2.1.3.1. Konsens
Die Beklagte wendet zunächst ein, dass kein Kaufvertrag zustande gekommen
sei. Dies, da der CHF 25'000.‒ übersteigende Teil des Kaufpreises nicht genü-
gend bestimmbar sei. Ferner sei auch der Kaufgegenstand (Ziff. 1 des Kaufver-
trags vom 5. November 2012, fortan: "Kaufvertrag") nicht genügend bestimmt.
Damit fehle es an einem Konsens über die essentialia negotii (act. 10 N. 16 ff.;
act. 30 N. 27 ff.; act. 30 N. 110).
Der Kaufgegenstand umfasst gemäss Ziff. 1 des Kaufvertrags "alle Assets des
Bereichs Online-Marketing" der Klägerin. Gemäss Ziff. 1 lit. a‒g des Kaufvertrags
setzt sich der Kaufgegenstand im Einzelnen aus "allen Kunden und Kundenbe-
ziehungen" (lit. a), aus "bestehenden Verträgen [...]" (lit. b), "Referenzen" (lit. c)
etc. zusammen (act. 3/4 S. 1 f.). Diese Elemente des Kaufgegenstands sind zwar
nur rudimentär umschrieben. Sie könnten indes mittels Vertragsauslegung kon-
kretisiert werden. Damit ist es im Grundsatz möglich, den Kaufgegenstand zu
identifizieren (siehe SCHENKER, Unternehmenskauf, a.a.O., S. 223). Er ist damit
genügend bestimmt. Der Kaufpreis besteht sodann gemäss Ziff. 2 des Kaufver-
trags aus einem Baranteil (CHF 25'000.‒) und einer Umsatzbeteiligung (umstrit-
ten, ob fix oder variabel) (act. 3/4 S. 2). Die Umsatzbeteiligung errechnet sich ge-
mäss Ziff. 2 lit. c aus einem festgelegten System basierend auf Nettobetriebser-
- 13 -
trägen (NBE) (act. 3/4 S. 2 f.). Damit ist auch der Kaufpreis bestimmbar (vgl.
Art. 184 Abs. 3 OR). Demzufolge ist der Kaufvertrag zustande gekommen.
2.1.3.2. Irrtum (Art. 23 ff. OR) / Täuschung (Art. 28 OR)
Die Beklagte macht einen Grundlagenirrtum (Art. 23 ff. OR) bzw. eine Täuschung
(Art. 28 OR) geltend. Sie bringt vor, dass weder die von der Klägerin in Aussicht
gestellten Umsätze erzielt noch Neukunden gewonnen worden seien.
Die durch Irrtum oder Täuschung beeinflusste Vertragspartei kann den Vertrag
innert Jahresfrist für ungültig erklären (Art. 31 Abs. 1 OR). Die Beklagte führt dazu
aus, den Kaufvertrag vom 5. November 2012 mit Schreiben vom 2. Dezember
2013 wegen Grundlagenirrtum bzw. Täuschung angefochten zu haben (act. 30
N. 111; act. 11/3 S. 4). Das Bundesgericht lässt einen Grundlagenirrtum zu, wenn
ein Irrender ein zukünftiges Ereignis fälschlicherweise als sicher annahm und
auch die Gegenpartei nach Treu und Glauben hätte erkennen müssen, dass die
Sicherheit für die andere Partei Vertragsvoraussetzung war (BGE 118 II 297 E. 2b
S. 300 m.w.H.). Eine lediglich auf Hoffnung gründende spekulative Erwartung er-
füllt diese Voraussetzungen indes nicht (BGE 118 II 297 E. 2b S. 300 f.). Einem
Asset Deal ist das Risiko, dass sich die Geschäfte nicht vorstellungsgemäss ent-
wickeln, strukturimmanent. Die Klägerin hatte alsdann unbestrittenermassen nie
Zusicherungen betreffend Umsatzentwicklungen abgegeben. Die Beklagte kann
sich aufgrund enttäuschter Erwartungen nicht auf einen Irrtum oder auf eine Täu-
schung berufen. Ihr stehen unter diesem Titel keine Ansprüche auf Rückerstat-
tung des Kaufpreises zu (act. 30 N. 69; N. 104). Eine rechtsmissbräuchliche Er-
hebung der Klage ist im Übrigen weder dargetan noch ersichtlich. Es liegen dem-
zufolge keine Ungültigkeitsgründe vor.
2.1.3.3. Vertragsauslegung
2.1.3.3.1. Objektivierte Vertragsauslegung
Die Klägerin macht geltend, der Kaufpreis betrage fix CHF 100'000.‒. Zusätzlich
zum Baranteil in der Höhe von CHF 25'000.‒ hätten sie (die Parteien) eine fixe
Umsatzbeteiligung in der Höhe von CHF 75'000.‒ vorgesehen. Folgt man diesem
- 14 -
Standpunkt, so wäre der Kaufpreis gestaffelt ‒ abhängig von den erwirtschafteten
Erträgen ‒ zu entrichten gewesen. Die Beklagte wendet dagegen ein, dass es
sich bei der Umsatzbeteiligung um eine variable Komponente des Kaufpreises
handle. Der Kaufpreis betrage maximal CHF 100'000.‒, könne aber auch ‒ ab-
hängig von der Ertragslage ‒ tiefer ausfallen.
Es ist zunächst unbestritten, dass der Baranteil CHF 25'000.‒ beträgt und bereits
bezahlt wurde (Ziff. 2 lit. a des Kaufvertrags, act. 3/4 S. 2) (act. 22 N. 32, act. 30
N. 27). Streitpunkt bildet die zweite Komponente des Kaufpreises: die Umsatzbe-
teiligung.
Ziff. 2 des Kaufvertrags lautet wie folgt:
- 15 -
Wortlaut: Der Wortlaut ist der Ausgangspunkt der Vertragsauslegung. In Ziff. 2
des Kaufvertrags wird einleitend festgehalten, dass sich der Kaufpreis aus einem
Baranteil sowie einer Umsatzbeteiligung zusammensetzt. Der Terminus "Umsatz-
beteiligung" impliziert ‒ namentlich in Gegenüberstellung mit dem Begriff "Baran-
teil" ‒ eine variable Komponente des Kaufpreises. Ziff. 2 lit. b‒f halten sodann den
Mechanismus zur Berechnung der Umsatzbeteiligung fest. Ziff. 2 lit. g statuiert
diesbezüglich abschliessend: "Der maximale Kaufpreis beträgt CHF 100'000.‒.
Danach erlischt die Umsatzbeteiligung". Der Terminus "maximal" indiziert, dass
es sich beim Betrag von CHF 100'000.‒ um die Obergrenze des Kaufpreises
handelt. Der Satz "Danach erlischt die Umsatzbeteiligung" ist im Kontext des
Worts "maximal" zu verstehen und verdeutlicht, dass bei einer Ertragslage, die
sich besser als erwartet entwickelt, ab dem Erreichen des Betrags von
CHF 100'000.‒ keine weitere Beteiligung am Umsatz mehr geschuldet ist. Sowohl
im allgemeinen als auch fachtechnischen Sprachgebrauch wird das Wort "Um-
satzbeteiligung" als erfolgsabhängiger Bestandteil verstanden. Es ist weder dar-
gelegt noch ersichtlich, dass die Parteien diesem Wort einen davon abweichen-
den, individuellen Sinn beigemessen haben. Zusammenfassend führt die Ausle-
gung nach dem Wortlaut einstweilen zum Ergebnis, dass es sich beim
CHF 25'000.‒ übersteigenden Anteil des Kaufpreises um eine variable Kompo-
nente des Kaufpreises handelt.
Systematik: Ziff. 2 des Kaufvertrags hält einleitend fest, dass sich der Kaufpreis
aus einem Baranteil und einer Umsatzbeteiligung zusammensetzt. Präzisierend
wird in Ziff. 2 lit. a der Baranteil mit CHF 25'000.‒ beziffert. Nach der ausführli-
chen Darlegung der Berechnungsmethode nennt Ziff. 2 lit. g abschliessend einen
"maximalen" Kaufpreis in Höhe von CHF 100'000.‒. Diese Systematik legt nahe,
dass die Parteien mit dem Terminus "Umsatzbeteiligung" eine variable Kompo-
- 16 -
nente des Kaufpreises beabsichtigt haben. Hätten sie dagegen einen Fixpreis in
der Höhe von exakt CHF 100'000.‒ gewollt, wäre vielmehr eine (einleitende)
Formulierung in etwa wie folgt zu erwarten gewesen: "Die Umsatzbeteiligung be-
trägt CHF 75'000.‒ und ist wie folgt zu bezahlen: ...". Die Parteien haben der Be-
rechnung der Umsatzbeteiligung sodann einen differenzierten Mechanismus zu-
grunde gelegt. Zunächst wird zwischen den Kunden "B2._" und "A2._
inkl. New Business A2._" unterschieden. Die Höhe der prozentualen Beteili-
gung an den Umsätzen ist abhängig davon, unter welches Segment ("B2._"
oder "A2._ inkl. New Business A2._") ein Kunde fällt. Die Umsatzbeteili-
gung ist progressiv ausgestaltet. Je höher der Nettobetriebsumsatz (NBE) aus-
fällt, desto höher wird auch die prozentuale Beteiligung (siehe Ziff. 2 lit. c des
Kaufvertrags oben). Ziff. 3 des Kaufvertrages verpflichtet schliesslich die Beklag-
te, der Klägerin alle zwei Monate eine Übersicht mit den Nettobetriebserträgen
(NBE) zukommen zu lassen (act. 3/4 S. 3). Nach Vorlage der entsprechenden Ab-
rechnungen sieht der Berechnungsmechanismus für die Halbjahresperiode vom
1.1 bis 30.6 jeweils eine Akontozahlung vor. Die definitive Abrechnung erfolgt so-
dann am 31.12 unter Berücksichtigung der bereits geleisteten Anzahlungen.
Schliesslich haben die Parteien ausdrücklich vereinbart, dass die massgebende
Preisspanne beim Nettobetriebsertrag (NBE) bei CHF 0.‒ beginnt. Damit haben
sie vertraglich ein Szenario vorgesehen, in dem kein Umsatz erwirtschaftet wird.
Diese komplexe und aufwändige Berechnungssystematik ‒ gekoppelt mit Aus-
kunfts- und Informationsansprüchen ‒ würde wenig Sinn ergeben, wenn sich die
Parteien ohnehin auf einen Fixpreis von CHF 100'000.‒ geeinigt hätten.
Vertragszweck: Ein Kaufpreiselement in Form einer Umsatzbeteiligung bezweckt
zunächst einen Ausgleich der Interessen der Vertragsparteien, indem sich der
Kaufpreis nach der tatsächlichen Entwicklung des zukünftigen Unternehmenser-
trags richtet. Entgegengesetzte Vorstellungen über die Höhe des Kaufpreises
können auf diese Weise überbrückt werden (SCHENKER, a.a.O., S. 250 m.w.H.;
VISCHER, Earn-Out-Klauseln in Unternehmenskaufverträgen, SJZ 98/2002,
S. 509). Ferner wohnt solchen Klauseln auch eine Finanzierungsfunktion inne.
Der ertragsabhängige Teil wird bis zur definitiven Abrechnung gestundet und
kann damit aus zukünftigen Erträgen finanziert werden (SCHENKER, a.a.O., S. 250
- 17 -
m.w.H.). Die Klägerin macht geltend, dass die vertragliche Regelung des Kauf-
preises so gewählt worden sei, damit die Beklagte den Kauf aus dem Betrieb hin-
aus habe finanzieren können (act. 22 N. 35). Die Beklagte bestreitet dies (act. 30
N. 37). Konkrete Umstände, die indizieren, dass die Kreditfunktion bei den Partei-
en im Vordergrund stand, legt die Klägerin nicht dar und sind auch nicht ersicht-
lich. Vielmehr spricht die Komplexität des vertraglich vorgesehenen Berech-
nungsmechanismus mit zweimonatlich zuzustellenden Übersichten über die Net-
tobetriebserträge, Akontozahlungen und nach Kundensegmenten differenzieren-
den Provisionsansätzen für ein variables Kaufpreiselement.
Interessenlage: Der Verkauf eines Unternehmens bzw. eines Unternehmensteils
birgt naturgemäss Risiken. Hinsichtlich der Ertragskraft besteht eine Informations-
asymmetrie. Die zukünftige Ertragskraft kann der Verkäufer besser einschätzen
als der Käufer. Andererseits sind die zukünftigen Erträge von der Unternehmens-
führung des Käufers abhängig (FEHR/BENKERT/POGGENSEE, Earn-Out: Erfolgsori-
entierter Kaufpreis, EF 10/15, S. 797 m.w.H). Die Parteien haben dieser Informa-
tionsasymmetrie insofern Rechnung getragen, als dass CD._ ‒ der Ge-
schäftsführer der Klägerin ‒ mit Arbeitsvertrag vom 5. November 2012 für zwölf
Monate befristet angestellt wurde, um übergangsweise für die Beklagte zu arbei-
ten (act. 1 N. 53; act. 3/4; act. 3/8). Dies ist unbestritten geblieben (vgl. act. 10 N.
26; act. 30 N. 36). Hätten die Parteien von Anfang an einen Fixpreis vereinbart,
wäre eine geplante Mitarbeit von CD._ über einen solch langen Zeitraum
hinweg nicht naheliegend gewesen. Auch dieser Umstand deutet auf ein variables
Kaufpreiselement hin.
Begleitumstände und Vorgeschichte des Vertrages: Auch die Entstehungsge-
schichte des Vertrages muss bei der objektivierten Vertragsauslegung berück-
sichtigt werden (JÄGGI/GAUCH/HARTMANN, a.a.O., N. 389). Die Klägerin beruft sich
diesbezüglich auf ein E-Mail von CF._ (strategischer Planer der Beklagten)
an CD._ vom 30. Oktober 2012. Darin schrieb CF._ u.a.: "Die Outlines und die Summe des Kaufvertrags seien nun klar. Was noch zu detaillieren war, ist der Split der Basis (B2._. / A2._). Dies hat ja auf den eigentlichen Kaufpreis keinen Einfluss sondern betont nur unser Bestreben, dass die Kraft auf das Halten und Ausbauen auf A2._ Kunden gelegt wird
- 18 -
und wir so im Online Bereich schneller wachsen [...]." (act. 3/6). Sie leitet daraus ab, dass die Parteien in der Korrespondenz vor Vertragsschluss von einem fixen Kaufpreis
ausgegangen seien (act. 22 N. 33). Diesem E-Mail ist weder die Höhe des Kauf-
preises zu entnehmen noch dass es sich dabei um ein Fixum handelte. Zudem
blendet die Klägerin die vor Vertragsschluss erstellte Verkaufsdokumentation aus.
Dieser ist zu entnehmen, dass darin zwei Varianten vorgesehen waren: eine Vari-
ante ohne Umsatzbeteiligung und eine solche mit einer 20%-igen Umsatzbeteili-
gung (act. 3/11 S. 22). Auch dies zeigt, dass die Umsatzbeteiligung als variable
Komponente des Verkaufspreises zu verstehen ist.
Zusammenfassend ergibt eine objektivierte Auslegung der Kaufvertrags gemäss
Vertrauensprinzip, dass die Parteien ein variables Kaufpreiselement vorgesehen
haben. Sie beabsichtigten nach Massgabe von Treu und Glauben, den definitiven
Kaufpreis von der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung des übertragenen Un-
ternehmensteils abhängig zu machen.
2.1.3.3.2. Subjektive Vertragsauslegung
Die Klägerin nennt keine übereinstimmenden gegenseitigen Willensäusserungen
hinsichtlich der Kaufpreisgestaltung. Auch das zuvor erwähnte E-Mail (act. 3/12)
enthält keine solchen Willensäusserungen. Dies gilt erst recht für das Schreiben
der beklagtischen Rechtsvertreterin vom 25. März 2014, worin diese die darin
enthaltenen Aufstellungen ausdrücklich als unpräjudiziell und nicht für den Ge-
richtsgebrauch bezeichnete (act. 11/5 S. 3). Mangels substantiierter Behauptun-
gen erübrigt sich die Abnahme der offerierten Zeugenbeweise. Ein vom Ergebnis
der objektivierten Auslegung abweichender tatsächlicher Parteiwille ist entspre-
chend weder behauptet noch ersichtlich.
2.1.3.4. Vertragsergänzung
Lückenhaftigkeit des Vertrages: Die vorstehenden Erwägungen haben gezeigt,
dass es sich bei der Umsatzbeteiligung gemäss Ziff. 2 des Kaufvertrags um ein
variables Kaufpreiselement handelt. Die Parteien haben zwar einen komplexen
Modus zur Berechnung der Umsatzbeteiligung vorgesehen. Eine zeitliche Dauer
- 19 -
haben sie indes nicht festgelegt. Ein variabler Kaufpreis in Abhängigkeit vom Er-
trag ist sachlogisch betrachtet zwingend auf eine bestimmte Zeitperiode zu be-
grenzen (sog. "Earn-Out-Periode"). Die Parteien haben damit eine Rechtsfrage,
die den Vertragsinhalt betrifft, nicht geregelt. Entsprechend liegt eine Vertragslü-
cke vor, die gefüllt ‒ also vervollständigt ‒ werden muss (JÄGGI/GAUCH/HARTMANN,
a.a.O., N. 556). Die sich hier präsentierende Problemstellung ist nicht vom dispo-
sitiven Gesetzesrecht geregelt. Eine Verkehrsübung liegt ebenfalls nicht vor. Der
Vertrag muss ‒ unter Rückgriff auf die Figur des hypothetischen Parteiwillens ‒
richterlich ergänzt werden.
Richterliche Vertragsergänzung: Der hypothetische Parteiwille ist festzustellen
und der Vertrag ist nach der "Natur des Geschäfts" zu ergänzen. Der Vertrag
muss mittels einer Norm ergänzt werden, die nach dem Massstab von "Recht und
Billigkeit" (Art. 4 ZGB) der individuellen Situation gerecht wird (JÄG-
GI/GAUCH/HARTMANN, a.a.O., N. 609). Wie erwähnt, ist ein Kaufpreis, der (teilwei-
se) auf einer Umsatzbeteiligung basiert, für beide Parteien mit Unsicherheiten be-
haftet. Die Führungsverantwortung liegt neu beim Käufer. Er prägt die künftige Er-
tragslage des Unternehmens bzw. des Unternehmensteils massgeblich (SCHEN-
KER, a.a.O., S. 250 m.w.H.). Anderseits ist dem Verkäufer das Unternehmen bzw.
der Unternehmensteil besser bekannt. Er kann aus Erfahrungswerten schöpfen
und abschätzen, welche Gewinnaussichten bestehen. Dies verschafft ihm bei der
Vertragsverhandlungen einen Vorteil. Dies, da er beispielsweise für sich ein vor-
teilhaftes Verhältnis zwischen Umsatzbeteiligung und Fixpreis aushandeln kann.
Die Parteien können Mechanismen in den Vertrag integrieren, um diese beidseitig
bestehenden Risiken auszutarieren. Es sind dies Einsichts-, Informations-, Mitwir-
kungs- und Zustimmungsregelungen (siehe MEIER-MAZZUCATO/RICKLIN, Earn-Out
mit Bewertungs- und Finanzierungsfunktion als probate Methode bei der Unter-
nehmensnachfolge, TREX 2014, S. 289). Der Verkäufer kann die Entwicklung der
Ertragslage zusätzlich beeinflussen, indem er weiterhin für das Unternehmen
bzw. den Unternehmensteil tätig bleibt (FEHR/BENKERT/POGGENSEE, a.a.O.,
S. 803). Ein weiterer zentraler Faktor ist die zeitliche Bemessung der Earn-Out-
Periode. Eine ausgedehnte Earn-Out-Periode entspricht auf lange Sicht nicht den
Interessen der Vertragsparteien. Der Einfluss des Verkäufers auf den Unterneh-
- 20 -
menserfolg wird infolge Zeitablaufs schwinden. Umgekehrt wird der Käufer nicht
geneigt sein, Erträge, die seiner erfolgreichen Unternehmensführung zuzuschrei-
ben sind, zeitlich unbeschränkt mit dem Verkäufer zu teilen. Earn-Out-Klauseln
sind deshalb in der Regel auf einen Zeitraum von einem bis zu drei Jahren ausge-
legt (FEHR/BENKERT/POGGENSEE, a.a.O., S. 803 m.w.H.). Der hier vorliegende
Kaufvertrag enthält mehrere Elemente, die Rückschlüsse auf den hypothetischen
Parteiwillen betreffend die zeitliche Bemessung der Earn-Out-Periode zulassen.
Zum einen verpflichtete sich die Klägerin während zweier Jahre ab Vertragsunter-
zeichnung, die Beklagte nicht zu konkurrenzieren (Ziff. 7.2 lit b des Kaufvertrags;
act. 3/4 S. 4). Der Beklagten wurde zum anderen das Nutzungsrecht an der Be-
zeichnung "A2._" während ebenfalls zweier Jahre ab Vertragsunterzeich-
nung eingeräumt (Ziff. 1. lit. f des Kaufvertrags; act. 3/4 S. 2) (act. 30 N. 27).
Gleichzeitig schlossen die Beklagte und CD._ einen auf zwölf Monate befris-
teten Arbeitsvertrag, um die Integrationsphase des übertragenen Unterneh-
mensteils "Online-Marketing" zu begleiten (act. 1 N. 53; act. 3/8). Unter Berück-
sichtigung dieses Regelungsgefüges erscheint eine zeitliche Beschränkung der
"Earn-Out-Periode" auf einen Zeitraum von zwei Jahren (1. Januar 2013 bis 31.
Dezember 2014) als angemessen. Diese Regelung entspricht dem hypotheti-
schen Parteiwillen.
2.1.4. Zwischenfazit
Der Kaufvertrag ist zustande gekommen. Ungültigkeitsgründe liegen keine vor.
Die Parteien haben nach Massgabe von Treu und Glauben ‒ zusätzlich zum fixen
Kaufpreis in Höhe von CHF 25'000.‒ ‒ ein variables Kaufpreiselement vereinbart.
Eine Vertragsergänzung nach dem hypothetischen Parteiwillen ergibt zudem eine
Beschränkung der umsatz- und damit kaufpreisrelevanten Periode (Earn-Out-
Periode) auf einen Zeitraum von zwei Jahren (1. Januar 2013 bis 31. Dezember
2014).
- 21 -
2.2. Treuwidrige Verhinderung des Eintritts einer Bedingung (Art. 156 OR)
2.2.1. Vorbemerkung
Die Klägerin macht geltend, dass die Beklagte die gemeinsam definierte Strategie
ohne sachliche Gründe nicht umgesetzt habe. Entsprechend sei in Anwendung
von Art. 2 ZGB i.V.m. Art. 156 OR die Umsatzbeteiligung geschuldet, die nach
dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenserfahrung einge-
treten wäre. Der (Rest-)Kaufpreis in Höhe von CHF 52'059.77 sei spätestens seit
dem 10. Februar 2016 zur Zahlung fällig (act. 1 N. 67).
Wie gezeigt, haben die Parteien keinen Fixpreis in der Höhe von CHF 100'000.‒
vereinbart. Vielmehr handelt es sich beim CHF 25'000.‒ übersteigenden Betrag
um einen variablen Bestandteil des Kaufpreises. Entsprechend fragt sich, ob die
Klägerin ‒ bezogen auf den rechtserheblichen Zeitraum zwischen dem 1. Januar
2013 bis 31. Dezember 2014 ‒ unter dem Titel von Art. 2 ZGB i.V.m. Art. 156 OR
einen Erfüllungsanspruch auf den maximalen Kaufpreis in Höhe von CHF
100'000.‒ hat. In diesem Fall würde sich eine Behandlung der Stufenklage, eine
damit allfällig verbundene Edition der massgeblichen Dokumente und eine nach-
trägliche Bezifferung des Kaufpreises erübrigen.
2.2.2. Parteivorbringen
Die Klägerin macht geltend, die Parteien hätten eine Strategie vereinbart, welche
die Beklagte während der Vertragslaufzeit hätte beibehalten bzw. umsetzen müs-
sen. Diese sei mündlich im Rahmen der Vertragsverhandlungen definiert worden.
Konkret sei der Aufbau eines Teams "Digital Unit" mit drei Vollzeitstellen im Früh-
ling 2013 und der Ausbau auf vier Vollzeitstellen per Ende 2013 vorgesehen ge-
wesen. Letztlich sei aber nur eine dieser Stellen besetzt worden (act. 1 N. 30;
act. 22 N. 49). Zudem hätten die Kompetenzen in den Technologien HTML5,
CSS3, PHP, MySQL und Adobe Flash ausgebaut werden müssen (act. 1 N. 31).
Im Übrigen habe sich die Beklagte in Ziff. 7.1 lit. c des Kaufvertrags verpflichtet,
"[...] alle On- und Offline-Kunden während der Vertragslaufzeit mit gleicher Priori-
tät [zu betreuen]." (act. 22 N. 46). Auch im Budget für das Jahr 2013 sei diese
- 22 -
Strategie berücksichtigt gewesen (act. 1 N. 31). Sie sei auch tatsächlich bis im
Mai 2013 umgesetzt worden (act. 22 N. 44). Danach habe die Beklagte diese
Strategie indes pflichtwidrig nicht mehr weiterverfolgt (act. 1 N. 34). Dies, da sie
sich mit substantiellen Drittforderungen konfrontiert gesehen habe (act. 22
N. 61 ff.). Da die Beklagte die vereinbarte Strategie pflichtwidrig aufgeben habe,
sei die Restforderung längst fällig (act. 1 N. 5).
Die Beklagte hält dagegen, dass die Parteien keine verbindliche Strategie verein-
bart hätten (act. 10 N. 42; act. 30 N. 54). Insbesondere nehme der Kaufvertrag
nirgends auf eine "Digital Unit" Bezug (act. 30 N. 50). Die Beklagte habe sich
nicht verpflichtet, ein solches Team aufzubauen (act. 30 N. 54). Es sei denn auch
keine Strategie hinsichtlich "Technologien, Tools und Stundenansätze" bis Mitte
Mai 2013 umgesetzt worden (act. 30 N. 52). Selbst wenn die Beklagte ursprüng-
lich verpflichtet gewesen wäre, weitere Mitarbeiter anzustellen, hätte aufgrund der
hinter den Erwartungen zurückgebliebenen Umsatzzahlen ‒ einzig mit 3 von an-
geblich 34 "A2._"-Kunden hätten überhaupt Umsätze erzielt werden können
‒ für sie ein sachlicher Grund bestanden, davon abzusehen (act. 10 N. 43; act. 30
N. 55).
2.2.3. Rechtliches
Eine Bedingung gilt als erfüllt, wenn ihr Eintritt von einer Vertragspartei wider Treu
und Glauben verhindert worden ist (Art. 156 OR). Treuwidrig im Sinne dieser Be-
stimmung handelt u.a., wer ohne ernsthaften sachlichen Grund den Eintritt einer
Bedingung verhindert (GUTMANS, Die Regel der "Erfüllungs- bzw. Nichterfüllungs-
fiktion" im Recht der Bedingungen [Art. 156 OR], Basel/Frankfurt a.M., 1995,
S. 8 ff.). Die Verhinderung des Eintritts einer Bedingung ist unter Berücksichtigung
der konkreten Umstände, insbesondere der Beweggründe und der verfolgten Zie-
le zu beurteilen, wobei die Rechtsprechung eine zu weite Auslegung ablehnt
(BGE 117 II 273 E. 5c S. 280; Urteil 4C_281/2005 des Bundesgerichts vom
15. Dezember 2005, E. 3.5; HONSELL, in: Kurzkommentar zum OR, Honsell
[Hrsg.], Basel 2014, Art. 156 N. 5).
- 23 -
2.2.4. Würdigung
2.2.4.1. Strategie
Die Klägerin macht geltend, dass die Parteien eine bestimmte Strategie hinsicht-
lich der Unternehmensführung vereinbart hätten. Die von ihr ins Feld geführte
Strategie soll den Aufbau eines Teams "Digital Unit" mit drei Vollzeitstellen im
Frühling 2013 sowie den Ausbau des Teams auf vier Vollzeitstellen per Ende
2013 beinhaltet haben. Andererseits wäre gemäss klägerischem Vorbringen der
Auf- und Ausbau von Kompetenzen in den Technologien HTML5, CSS3, PHP,
MySQL und Adobe Flash vorgesehen gewesen. Diese behauptete Strategie ist
komplex. Sie setzt sich aus mehreren Elementen zusammen. Zentral soll insbe-
sondere der Auf- bzw. Ausbau der sog. "Digital Unit" sein. Die Klägerin beruft sich
diesbezüglich auf Ziff. 7.1 lit. b des Kaufvertrags. Diese lautet wie folgt: "Die  [...] behält die definierte Strategie, insbesondere bezüglich Technologien, Tools und , während der Vertragslaufzeit, so weit möglich bei." (act. 3/4 S. 3). Diese Klausel  keine konkrete, ausgereifte Strategie. Der recht allgemein abgefasste Wort-
laut nimmt lediglich rudimentär Bezug auf eine "definierte Strategie" bezüglich
"Technologien, Tools und Stundensätze". Namentlich sind die von der Klägerin
behaupteten Strategie-Elemente darin nicht verbrieft. Sie macht zwar diesbezüg-
lich geltend, dass sich die streitgegenständliche Strategie auch aus der Verkaufs-
dokumentation ergebe (act. 22 N. 48, act. 3/11). Interessanterweise verweist der
Wortlaut des Kaufvertrags aber nicht auf die Verkaufsdokumentation. In der Ver-
kaufsdokumentation sind unter der Rubrik "Arbeitsweise" einzelne der Tools und
Technologien aufgeführt (act. 3/11 S. 10). Die von der Klägerin beschriebene
Strategie ‒ insbesondere der Auf- bzw. Ausbau der "Digital Unit" ‒ geht daraus
indes nicht hervor. Aus den eingereichten Unterlagen ergibt sich nur, dass die
Parteien Stellenbesetzungen thematisiert, Arbeitsstellen budgetiert (act. 3/12) und
auch entsprechende Stelleninserate aufgeschaltet hatten (act. 3/9‒10; act. 23/43;
act. 23/48‒51). Eine verbindliche Strategie in dem von der Klägerin behaupteten
Detaillierungsgrad lässt sich daraus nicht ableiten. Den Unterlagen lässt sich auch
nicht entnehmen, ob ‒ wie von der Klägerin behauptet (act. 22 N. 44) ‒ die Be-
klagte die konkret behauptete Strategie bis im Mai 2013 tatsächlich umgesetzt
- 24 -
hatte. Auch der Umstand, dass die Beklagte auf ihrem Briefpapier das Logo
"A2._ ‒ Die Digital Unit von B1._ AG" abgedruckt hat, ist wenig aussa-
gekräftig (act. 22 N. 49; act. 23/42). Eine solche Strategie ergibt sich schliesslich
auch nicht aus der angerufenen, ebenfalls pauschal abgefassten Ziff. 7.1 lit. c des
Kaufvertrags, wonach alle On- und Offlinekunden während der Vertragslaufzeit
mit gleicher Priorität zu betreuen seien (act. 3/4 S. 4). Nach Massgabe von Treu
und Glauben kann nicht angenommen werden, dass die Parteien eine verbindli-
che Strategie mit dem behaupteten Inhalt vereinbart haben (objektivierte Ausle-
gung). Ein anderslautender tatsächlicher Parteiwille bezüglich der behaupteten
Strategie ist sodann weder behauptet noch ersichtlich (subjektive Auslegung).
Damit gelingt es der Klägerin nicht, eine Vereinbarung über die streitgegenständ-
liche Strategie rechtsgenügend zu behaupten und beweisen. Aus diesem Grund
hat sie keinen Anspruch auf Erfüllung des Restkaufpreises gemäss Art. 156 OR
i.V.m. Art. 2 ZGB.
2.2.4.2. Treuwidriges Verhindern des Eintritts einer Bedingung
Selbst wenn es der Klägerin gelänge, eine Vereinbarung über eine verbindliche
Strategie darzulegen, wäre damit ein treuwidriges Abweichen von der Strategie
durch die Beklagte nicht erstellt. Die streitgegenständliche Klausel Ziff. 7.1 lit. b
sieht vor, dass die Klägerin die Strategie "soweit wie möglich" beibehalten soll
(act. 3/4 S. 3). Damit wäre die Beklagte beim Vorliegen von ernsthaften sachli-
chen Gründen nicht mehr verpflichtet gewesen, an der (behauptet) vereinbarten
Strategie festzuhalten. Dies macht selbst die Klägerin geltend, wenn sie der Be-
klagten vorwirft, diese habe die von den Parteien definierte Strategie grundlos
aufgegeben (act. 22 N. 55 ff., N. 60). Die Klägerin behauptet u.a. selbst, dass die
Umsätze mit den "A2._"-Kunden ab dem 2. Halbjahr 2013 zurückgegangen
seien (act. 22 N. 56). Bei einem Umsatzrückgang hätte es der Beklagten ange-
sichts der vertraglichen Regelung erlaubt sein müssen, ihre Strategie neu auszu-
richten. Vor diesem Hintergrund ist ein treuwidriges Verhalten der Beklagten zu
verneinen. Ohnehin ist nicht substantiiert dargetan, dass ein Abrücken von der
(behauptet) vereinbarten Strategie adäquat kausal für Umsatzrückgänge gewesen
war. Das Zusammenspiel zwischen Umsatzhöhe und Geschäftsstrategie ist gene-
- 25 -
rell komplex und von diversen Faktoren abhängig. Die Erfüllungsfiktion greift
demzufolge auch aus diesem Grund nicht. Die Klägerin beruft sich ferner pau-
schal auf einen Grundlagenirrtum. Ohne die Umsetzung dieser Strategie hätte sie
den Kaufvertrag nie abgeschlossen (act. 22 N. 148). Dies macht schon deshalb
keinen Sinn, weil sie ja vorliegend einen Erfüllungsanspruch aus Vertrag einklagt.
Gleichzeitig die einseitige Unverbindlichkeit des Vertrages geltend zu machen,
ohne erkennbar einen Eventualstandpunkt zu vertreten, ist widersprüchlich und
nicht weiter zu beachten.
2.2.5. Zwischenfazit
Die Klägerin kann aus Art. 2 ZGB i.V.m. Art. 156 OR keinen Erfüllungsanspruch
auf den Restkaufpreis ‒ basierend auf dem maximalen Kaufpreis von
CHF 100'000.‒ ‒ ableiten.
2.3. Umsatzrelevante Kunden
2.3.1. Vorbemerkung
Wie gezeigt, haben die Parteien keinen fixen Kaufpreis in der Höhe von
CHF 100'000.‒ vereinbart. Ebenso hat die Klägerin keinen Erfüllungsanspruch auf
den maximalen Kaufpreis in Höhe von CHF 100'000.‒. Entsprechend muss zur
Beurteilung der Zulässigkeit der Stufenklage bzw. des Informationsbegehrens ge-
schritten werden (Rechtsbegehren Ziff. 2) (siehe dazu vorne unter Ziff. 2.4). Vorab
ist indes zu eruieren, welche Kunden zur Berechnung des Provisionsanspruchs
relevant sind. Denn in Bezug auf die übrigen Kunden ist das Interesse an präpa-
ratorischen Informationen von vornherein nicht gegeben.
2.3.2. Parteivorbringen
Die Klägerin macht geltend, dass sich der Nettobetriebsertrag (NBE) einerseits
aus allen Umsätzen mit den Kunden gemäss Anhang 1 des Kaufvertrags
("A2._"-Kunden) sowie aus den von CD._ während seiner Anstellung
gewonnenen Neukunden ("Neukunden CD._") zusammensetze. Im Kaufver-
trag werde für diese Kunden der Begriff "NBE A2._ inkl. New Business
- 26 -
A2._" verwendet (act. 1 N. 16 f.). Zur Berechnung der Umsatzbeteiligung
seien andererseits Online-Umsätze, die mit sämtlichen Kunden der Beklagten,
d.h. mit den von ihr vorbestehenden Kunden und mit den durch sie selbst (mithin
nicht durch CD._ während seiner Anstellung) neu gewonnenen Kunden er-
wirtschaftet würden, massgeblich. Im Kaufvertrag würden diese Kunden unter
dem Begriff "NBE B2._ Kunden" zusammengefasst (act. 1 N. 18 f.; act. 22 N.
36 ff.).
Die Beklagte macht geltend, dass Neukunden von "B2._", die nicht von
CD._ während seiner Anstellung gewonnen worden seien, mangels vertragli-
cher Grundlage nicht zur Berechnung der Umsatzbeteiligung herangezogen wer-
den dürften. Eine anderslautende Regelung hätte der Vertrag ausdrücklich stipu-
lieren müssen (act. 10 N. 28; act. 30 N. 38). Dass die Klägerin bezüglich "New
Business A2._"-Kunden provisionsberechtigt sei, sei auf die Mitarbeit von
CD._ zurückzuführen. Als Arbeitnehmer sei er verpflichtet gewesen, Neu-
kunden zu gewinnen (act. 30 N. 38 f.). Die Bezeichnung "New Business
A2._" diene ‒ im Gegensatz zur Bezeichnung "B2._"-Kunden ‒ gerade
zur Kennzeichnung provisionsrelevanter Neukunden (act. 30 N. 40).
2.3.3. Würdigung
Die Parteien sind sich nicht einig darüber, mit welchen Kunden sich die Umsatz-
provision errechnet. Namentlich ist umstritten, welche Kunden unter die Bezeich-
nung "B2._" fallen. Die Klägerin vertritt den Standpunkt, dass davon die vor-
bestehenden Kunden der Beklagten sowie die durch sie nach Vertragsschluss
neu zugewonnenen Kunden erfasst seien. Die Beklagte macht dagegen geltend,
dass darunter nur ihre bei Vertragsschluss bereits bestehenden Kunden zu sub-
sumieren seien. Neukunden, die nicht aufgrund der Mitarbeit von CD._ ge-
wonnen worden seien, gehörten nicht dazu.
Gemäss Anhang 1 des Kaufvertrags handelt es sich bei den "A2._ Kunden"
(Kunden der Klägerin) um die folgenden Kunden (act. 3/4 Anhang 1 ["Kundenlis-
te"] S. 5):
- 27 -
Bei den "B2._"-Kunden handelt es sich gemäss klägerischem Vorbringen
u.a. um die folgenden Kunden (act. 1 N. 19, Aufzählung der Klägerin):
- 28 -
Die Beklagte bestreitet nicht, dass es sich bei den genannten Kunden um
"B2._"-Kunden handelt (act. 10 N. 28).
Wortlaut: Art. 2 lit. b des Kaufvertrags lautet wie folgt: "Die Umsatzbeteiligung basiert auf dem Nettobetriebsertrag (NBE) aller Kunden gemäss dieser Vereinbarung, der von CD._ während seiner Anstellung gewonnenen Neukunden sowie der Online-Umsätze der Kunden von B2._. Der NBE errechnet sich aus dem Bruttobetriebsertrag abzüglich Mehrwertsteuern und im Honorar inbegriffenen Drittkosten." (act. 3/4 S. 2). Der Wortlaut von Art. 2 lit. b des Kaufvertrags bezieht sich lediglich auf "B2._"-Kunden (Kunden der Beklag-
ten). Er enthält diesbezüglich keine weitere Spezifizierungen. Der Wortlaut des im
Kaufvertrag dargestellten Berechnungsmechanismus (Art. 2 lit. c des Kaufvertrag)
unterscheidet hinsichtlich der Kunden der Klägerin zwischen den von ihr einge-
brachten Kunden ("NBE A2._ Kunden") und den von CD._ neu zuge-
wonnenen Kunden ("inkl. New Business A2._"). Die Kunden der Beklagten
werden in der Berechnungsformel wiederum als "NBE B2._ Kunden" tituliert
(act. 3/4 S. 2).
Die Beklagte macht diesbezüglich geltend, dass der Zusatz "New Business
A2._" zur Bezeichnung der Neukunden gewählt worden sei. Da ein solcher
Zusatz bei Kunden von "B2._" fehle, würden Neukunden nicht unter die Pro-
visionsregelung fallen. Der Wortlaut des Kaufvertrags ist hinsichtlich der umsatz-
relevanten Kunden der Beklagten nicht eindeutig. Eine Beschränkung der
"B2._"-Kunden auf Kunden, die bei Vertragsschluss bereits bestanden hat-
ten, lässt sich dem Wortlaut nicht entnehmen. Aus ihm ergibt sich wiederum auch
nicht, dass die von der Beklagten nach Vertragsschluss ‒ und ohne die Mitwir-
kung von CD._ ‒ neu zugewonnenen Kunden provisionsrelevant sind.
Vertragszweck/Interessenlage: Die Beklagte bezweckte mit dem Vertragsschluss
unstreitig, in den Online-Bereich zu expandieren. Die Klägerin beabsichtigte da-
- 29 -
gegen, den von ihr aufgebauten Unternehmensteil zu verkaufen. Es liegt auf der
Hand, dass in einem Setting wie dem vorliegenden sowohl die Kunden der Kläge-
rin als auch diejenigen der Beklagten ‒ zum Profit beider Vertragsparteien ‒ Er-
trag generieren sollten. Dies sieht auch die Beklagte so (act. 10 N. 67). Dabei soll-
te die Beklagte auf ein von der Klägerin aufgebautes Beziehungsnetz, auf ihr
Know-How sowie auf ihren Goodwill zurückgreifen können. Vor diesem Hinter-
grund wäre es nicht sachgerecht, die von der Beklagten nach Vertragsschluss
neu zugewonnen Kunden von der Umsatzprovision auszunehmen. Vielmehr er-
scheint es angemessen, dass die Klägerin auch von Kunden profitiert, die die Be-
klagte mithilfe der von der Klägerin generierten Werten und Erfahrungen neu ge-
winnen konnte. Es ist zweckmässig, dass sich dieses Ansinnen auch im Kaufpreis
widerspiegelt. Dieser Vertragszweck wird wiederum durch den Wortlaut gestützt,
der von "Online-Umsätzen" der "B2._"-Kunden spricht. Die Beklagte hat un-
bestrittenermassen erst nach Vertragsschluss massgeblich in den Online-Bereich
expandiert. Auch aus diesem Grund ist es konsequent, dass sich die Provision
auch auf dem von der Beklagten neu zugewonnenen Kundenkreis errechnet. Eine
einschränkende Auslegung des Begriffs "B2._"-Kunden ist entsprechend
nicht mit dem Vertragszweck vereinbar.
Systematik: Art. 3 des Kaufvertrags (Übersicht über die Nettobetriebseinnahmen)
bezieht sich auf die "für die Umsatzbeteiligung relevanten Kunden". Aus dieser
pauschalen Formulierung kann indes nicht abgeleitet werden, dass neu gewon-
nene "B2._"-Kunden nicht provisionsrelevant sein sollen. Im Vertragsgefüge
erscheint es denn auch sachlogisch, dass zur Berechnung der Umsatzbeteiligung
auf den "B2._"-Kunden ein geringerer Prozentsatz vorgesehen ist als auf den
"A2._ inkl. New Business A2._"-Kunden (10%, 15% bzw. 20%
["B2._"-Kunden] vs. 15%, 20% bzw. 30% ["A2._ inkl. New Business
A2._"-Kunden]). Darin kommt der Umstand zum Ausdruck, dass die
"A2._ inkl. New Business A2._"-Kunden eng mit der Arbeitsleistung von
CD._ verknüpft sind. In systematischer Hinsicht kommt schliesslich zum Tra-
gen, dass die im Zeitpunkt des Vertragsschlusses bestehenden "B2._"-
Kunden ‒ im Gegensatz zu den "A2._"-Kunden ‒ nicht im Vertrag einzeln
aufgeführt sind. Dies ist dahingehend zu verstehen, als dass die Parteien den
- 30 -
Kaufgegenstand ‒ also die einzubringenden "A2._"-Kunden ‒ genau definie-
ren wollten. Wäre eine Beschränkung der Umsatzbeteiligung auf im Vertrags-
schluss bestehende Kunden von "B2._" gewollt gewesen, hätte es nahege-
legen, diese Kunden ebenfalls im Vertrag klar zu definieren.
Zusammenfassend sind nach Massgabe von Treu und Glauben auch "B2._"-
Kunden, die nach Vertragsschluss und ohne Mitwirkung von CD._ zugewon-
nen wurden, zur Berechnung der Umsatzbeteiligung relevant (objektivierte Ausle-
gung). Ein anderslautender tatsächlicher Parteiwille ist weder behauptet noch er-
sichtlich (subjektive Auslegung).
2.3.4. Zwischenfazit
Sowohl die von der Beklagten bei Vertragsschluss bestehenden Kunden sowie
die von ihr ‒ ohne die Mitarbeit von CD._ ‒ neu zugewonnen Kunden sind
zur Berechnung der Umsatzprovision relevant.
2.4. Informationsbegehren / Stufenklage
2.4.1. Vorbemerkung
Der CHF 25'000.‒ übersteigende Anteil des Kaufpreises errechnet sich auf Basis
der erwirtschafteten Umsätze. Die Klägerin fordert für diesen Fall ‒ im Sinne einer
Stufenklage ‒ eine Übersicht über die Nettobetriebsumsätze der Beklagten für
den Zeitraum vom 1. Januar 2013 bis dato (Rechtsbegehren Ziff. 2 lit. a.i.). Ferner
beantragt sie die Herausgabe sämtlicher an die Kunden der Beklagten gestellten
Rechnungen (Originalkopien) sowie eine Übersicht über die von diesen Kunden
empfangenen Zahlungen betreffend den vorgenannten Zeitraum (Rechtsbegeh-
ren Ziff. 2 lit. a.ii.). Unter Angabe des Mindeststreitwerts (CHF 31'000.‒) behält
sich die Klägerin die abschliessende Bezifferung ihrer Forderung nach Einrei-
chung der eingeforderten Unterlagen vor. Es sind mithin vorab die Voraussetzun-
gen der Stufenklage zu prüfen.
- 31 -
2.4.2. Parteivorbringen
Die Klägerin stützt ihr Informationsbegehren auf Ziff. 2 lit. e, Ziff. 3 sowie Ziff. 6.1
des Kaufvertrags (act. 22 N. 66, N. 153). Gemäss Ziff. 3 des Kaufvertrags habe
die Beklagte ihr (der Klägerin) alle zwei Monate eine Übersicht mit den Nettobe-
triebseinnahmen zu senden. Zudem stehe ihr gemäss Ziff. 6.1 lit. b des Kaufver-
trags ein Einsichtsrecht zu (act. 22 N. 66). Die Beklagte treffe auch eine gesetzli-
che Rechenschaftsablagepflicht, zumal nur sie (die Beklagte) den Eintritt bzw.
den Nichteintritt des die Beteiligung auslösenden Umsatzes beurteilen könne
(act. 22 N. 153). Die Beklagte habe ihr (der Klägerin) entsprechend in analoger
Anwendung von Art. 322a Abs. 2 OR bzw. Art. 322c Abs. 2 OR eine detaillierte
Abrechnung über den massgebenden Nettobetriebsumsatz vorzulegen. Dies un-
ter Beilage derjenigen Angaben, die eine Nachprüfung ermöglichten. Entspre-
chend stehe es ihr (der Klägerin) zu, Einsicht in die Geschäftsbücher der Beklag-
ten zu nehmen (act. 22 N. 154 f.). Die Beklagte habe ihr (der Klägerin) schliess-
lich pflichtwidrig keine bzw. mangelhafte Umsatzlisten geliefert (act. 22 N. 156).
Die Beklagte wendet zunächst ein, dass es im vorliegenden Fall nicht zulässig
sei, eine Stufenklage im Eventualbegehren zu erheben. Die Klägerin habe in ih-
rem Hauptbegehren ihre Forderung zunächst beziffert. Es sei unzulässig, eine
Stufenklage im Eventualbegehren (Informationsbegehren, Rechtsbegehren Ziff. 2)
zu erheben für den Fall, dass das Hauptbegehren (Rechtsbegehren Ziff. 1) abge-
wiesen werde. Denn bei Abweisung des Hauptbegehrens könne gleichzeitig keine
Edition von Unterlagen angeordnet werden, die sich auf das abgewiesene Haupt-
begehren beziehe (act. 30 N. 10). Entsprechend sei auf das Informationsbegeh-
ren (Rechtsbegehren Ziff. 2) nicht einzutreten. Zudem habe die Klägerin alle not-
wendigen Unterlagen zur Bezifferung ihrer Forderung zur Verfügung (act. 30
N. 105 f., N. 121). Der theoretische Anspruch, eine Nachprüfung der gemachten
Umsatzangaben vorzunehmen, würde sich nicht auf sämtliche Geschäftsunterla-
gen beziehen (act. 30 N. 107).
- 32 -
2.4.3. Rechtliches
Stufenklage: Klagen auf Geldzahlung sind grundsätzlich zu beziffern (Art. 84
Abs. 2 ZPO). Ist der klagenden Partei die Bezifferung unmöglich oder unzumut-
bar, kann sie eine unbezifferte Forderungsklage erheben, wobei sie einen Min-
deststreitwert anzugeben hat (Art. 85 Abs. 1 ZPO). Art. 85 Abs. 1 ZPO regelt so-
wohl die unbezifferte Forderungsklage i.e.S. als auch die Stufenklage. Die Stu-
fenklage charakterisiert sich dadurch, dass ein selbständiger materiell-rechtlicher
Hilfsanspruch auf Auskunft und Rechnungslegung im Sinne einer objektiven Kla-
gehäufung mit einer unbezifferten Forderungsklage verbunden wird. Die Stufen-
klage ist bloss ein prozessualer Modus (BGE 143 III 297 E. 8.2.5.3 S. 325 f.). Die
Forderung ist zu beziffern, sobald die klagende Partei nach Abschluss des Be-
weisverfahrens oder nach Auskunftserteilung dazu in der Lage ist (Art. 85 Abs. 2
ZPO).
Die Unmöglichkeit bzw. Unzumutbarkeit der Forderungsbezifferung muss anfäng-
lich und vorübergehend sowie tatsächlicher Natur sein. Sie muss somit vor Pro-
zessbeginn bestehen, Angaben betreffen, die mit der anbegehrten Auskunftsertei-
lung zu Tage gefördert werden, und auf fehlender Kenntnis von Tatsachen beru-
hen (BAUMANN WEY, Die unbezifferte Forderungsklage nach Art. 85 ZPO, Zürich
2013, N. 438 ff.). Unmöglich bzw. unzumutbar i.S.v. Art. 85 ZPO ist eine Beziffe-
rung zu Prozessbeginn dann, wenn die klagende Partei die Höhe ihres Anspruchs
nicht kennen kann, da diese von Informationen bzw. Tatsachen abhängig ist, über
die sie nicht verfügt und die nicht in ihrem Einflussbereich liegen (Unmöglichkeit),
oder von denen sie nur durch die Inanspruchnahme weiterer (vor)prozessualer
Möglichkeiten Kenntnis erhalten könnte (FÜLLEMANN, in: DIKE-Kommentar zur
ZPO, 2. Aufl. 2016, Art. 85 ZPO N. 2).
Die Stufenklage zeichnet sich dadurch aus, dass in einer ersten Stufe über den
Informationsanspruch und erst nach Informationserteilung sowie darauf basieren-
der Bezifferung über den Hauptanspruch zu entscheiden ist. Erweist sich der In-
formationsanspruch als begründet, ist darüber ein gutheissender Teilentscheid zu
fällen (OBERHAMMER/WEBER, in: Kurzkommentar zur ZPO, Oberham-
- 33 -
mer/Domej/Haas [Hrsg.], 3. Aufl. 2021, Art. 85 ZPO N. 13 f.; BAUMANN WEY,
a.a.O., N. 652).
2.4.4. Würdigung
2.4.4.1. Zulässigkeit der Stufenklage im Eventualbegehren
Die Klägerin beziffert in ihrem Hauptbegehren (Rechtsbegehren Ziff. 1) ihre For-
derung auf CHF 52'059.77. Dieser Klagebetrag setzt sich gemäss ihrem Vorbrin-
gen wie folgt zusammen: CHF 100'000.‒ (Fixpreis) zuzüglich CHF 13'650.‒ als
zedierte Honorarforderung aus dem Arbeitsverhältnis zwischen CD._ und der
Beklagten (act. 1 N. 61). Nach Abzug der von der Beklagten bereits geleisteten
Zahlungen von insgesamt CHF 61'590.23 soll gemäss klägerischem Vorbringen
eine Restforderung in Höhe von CHF 52'059.77 resultieren (act. 1 N. 62 f.).
Wie gezeigt, kann dem Rechtsstandpunkt der Klägerin, wonach es sich beim
Kaufpreis (gesamthaft) um einen Fixpreis handle, nicht gefolgt werden. Entspre-
chend kann sie ihre Forderung nicht mehr ohne Weiteres beziffern. Die Beklagte
wendet diesbezüglich ein, dass bei einer Abweisung des Hauptbegehrens die
eventualiter anbegehrte Stufenklage nicht mehr beurteilt werden könne, zumal in
diesem Fall gar kein mit der Stufenklage verknüpfter Hauptanspruch mehr beste-
he (act. 30 N. 10).
Rechtsbegehren sind nach Treu und Glauben auszulegen (Art. 52 ZPO). Das
Rechtsbegehren Ziff. 1 (Forderung in Höhe von CHF 52'059.77) basiert auf dem
maximalen Kaufpreis in Höhe von CHF 100'000.‒. Ob in der vorliegend massge-
blichen Earn-Out-Periode (1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2014) Umsätze er-
wirtschaftet wurden, auf deren Basis sich der Maximalkaufpreis errechnet, kann in
diesem Prozessstadium nicht beurteilt werden. Dafür ist in einer ersten Stufe über
das Informationsbegehren (Rechtsbegehren Ziff. 2) zu entscheiden. Mithin wurde
der Hauptanspruch (Rechtsbegehren Ziff. 1) bzw. das ihm zugrundeliegende
Quantitativ noch nicht beurteilt. Damit erweist sich die Stufenklage im Eventual-
begehren unter den konkreten Umständen als zulässig. Es sind demzufolge die
weiteren Voraussetzungen der Stufenklage zu prüfen.
- 34 -
2.4.4.2. Anspruchsgrundlagen
Die Klägerin beruft sich zunächst auf Ziff. 3 des Kaufvertrags ("Übersicht der Net-
tobetriebseinnahmen"). Darin verpflichtete sich die Beklagte, der Klägerin alle
zwei Monate eine Übersicht mit den Nettobetriebseinnahmen betreffend die um-
satzrelevanten Kunden per E-Mail zu schicken (act. 3/4 S. 3). Ferner ruft die Klä-
gerin Ziff. 2 lit. e des Kaufvertrags an, wonach ihr die Beklagte die Auszüge der
halbjährlichen Geschäftsabschlüsse, auf denen die relevanten Kundenumsätze
ersichtlich sind, per Post oder elektronisch zuzustellen habe (act. 3/4 S. 3). So-
dann verweist sie auf Ziff. 6.1 lit. b. des Kaufvertrags, wonach die Beklagte die
Einsicht gemäss Ziff. 3 des Kaufvertrags sicherzustellen habe (act. 3/4 S. 3).
Schliesslich beruft sich die Klägerin auf eine gesetzliche Pflicht zur Rechen-
schaftsablage sowie auf ein Kontrollrecht i.S.v. Art. 322a Abs. 2 OR bzw. Art. 322
Abs. 2 OR (act. 22 N. 153 f.). Daraus leitet sie überdies ein generelles Einsichts-
recht in die beklagtischen Unterlagen ab (act. 22 N. 155). Die Beklagte hält dage-
gen, dass sich das Einsichtsrecht nur auf diejenigen Unterlagen beziehe, die zur
Ermittlung bzw. Nachprüfung des Provisionsanspruchs erforderlich seien (act. 30
N. 107). Sie bestreitet das von der Klägerin geltend gemachte generelle Einsichts-
recht (act. 30 N. 105).
Die Klägerin verlangt konkret die Übersichten über die Nettobetriebsumsätze der
Beklagten für den Zeitraum vom 1. Januar 2013 bis dato (Rechtsbegehren Ziff. 2
lit. a.i.), sämtliche an die Kunden der Beklagten gestellten Rechnungen (Original-
kopien) sowie eine Übersicht zu den diesbezüglich empfangenen Zahlungen
(Rechtsbegehren Ziff. 2 lit. ii). Die von der Klägerin eingeforderten Übersichten
über die Nettobetriebsumsätze sind ‒ zumindest, was den rechtserheblichen Zeit-
raum vom 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2014 anbelangt ‒ von Ziff. 3 des
Kaufvertrags erfasst. Die Beklagte trifft in dieser Hinsicht im Grundsatz eine ver-
tragliche Informations- bzw. Herausgabepflicht.
Die Klägerin fordert zusätzlich Rechnungen ein, welche die Beklagte an alle Kun-
den im Zeitraum vom 1. Januar 2013 bis dato versendet hat, sowie eine Übersicht
zu den von diesen Kunden empfangenen Zahlungen (Rechtsbegehren Ziff. 2
lit. a.ii.). Die spezifische Herausgabe von Rechnungen sowie von Übersichten zu
- 35 -
Zahlungseingängen sind vom Wortlaut der vorgenannten vertraglichen Informati-
onsrechte nicht ausdrücklich erfasst. In der vorliegenden Konstellation liegen die
zur Berechnung der Umsatzbeteiligung massgeblichen Informationen vollständig
im Machtbereich der Beklagten. Die Klägerin beabsichtigt u.a., die Berechnung
der Umsatzbeteiligung mittels dieser Belege selber vornehmen. Damit macht sie
im Kern ein Kontrollrecht geltend. Die vertraglichen Bestimmungen sehen auch
ein solches Kontrollrecht nicht explizit vor. Zwar besteht im Schweizerischen Ver-
tragsrecht kein generelles Recht auf Erteilung jeglicher Auskünfte und Informatio-
nen (AFFOLTER, Die Durchsetzung von Informationsansprüchen im Zivilprozess,
Diss. St. Gallen 1994, S. 12; LEUMANN LIEBSTER, Die Stufenklage im Zivilprozess,
Diss. Basel 2005, S. 9). Vorliegend verhält es sich indes so, dass ‒ insbesondere,
was den Zeitraum nach dem Ausscheiden von CD._ betrifft ‒ nur die Beklag-
te den Eintritt des die Beteiligung auslösenden Erfolgs zuverlässig beurteilen
kann. Aufgrund dieser Ausgangslage muss der Klägerin in analoger Anwendung
von Art. 2 ZGB i.V.m. Art. 322a Abs. 2 OR bzw. Art. 322c Abs. 2 OR ein Ein-
sichts- und Kontrollrecht zugestanden werden (siehe VISCHER, a.a.O., S. 514 mit
Verweis auf MERZ, in: Berner Kommentar. Band 1: Einleitung und Personenrecht.
Art. 1‒10 ZGB, Zürich 1962/66, Art. 2 ZGB N. 278). Dieses Kontrollrecht umfasst
die Einsicht in diejenigen Belege, die erforderlich sind, eine Berechnung und
Nachprüfung der Umsatzbeteiligung bzw. der bereits vorgelegten Umsatzüber-
sichten vorzunehmen. Die eingeforderten Rechnungen und Zahlungsübersichten
sind grundsätzlich erforderlich und geeignet, um eine solche Nachprüfung vorzu-
nehmen. Das Einsichtsrecht umfasst indes nur diejenigen Rechnungen und Zah-
lungsbelege, welche die "B2._"-Kunden und die "A2._-Kunden inkl. New
Business A2._"-Kunden im Sinne der vorstehenden Erwägungen (siehe dazu
die Erwägungen unter Ziff. 2.3) betreffen. Die Beklagte macht hinsichtlich dieser
Belege auch keine konkreten Geheimhaltungsinteressen geltend. Ein umfassen-
des Einsichtsrecht in sämtliche Bücher und Belege der Beklagten ‒ namentlich in
Rechnungen und Zahlungsbelege von sämtlichen Kunden ausserhalb des ver-
traglichen Kontexts ‒ steht der Klägerin indessen weder aus Vertrag noch aus
Gesetz zu.
- 36 -
2.4.4.3. Unmöglichkeit oder Unzumutbarkeit der Bezifferung
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen liegt es auf der Hand, dass die Klägerin
ihre Forderungen betreffend die Umsatzbeteiligung (variabler Bestandteil des
Kaufpreises) ohne die Mitwirkung der Beklagten grundsätzlich nicht abschlies-
send beziffern kann. Damit ist das Erfordernis der Unzumutbarkeit bzw. Unmög-
lichkeit der Bezifferung gegeben. Die Klägerin gibt in diesem Zusammenhang
auch einen Mindestwert in Höhe von CHF 31'000.‒ an. Damit sind die formellen
Erfordernisse hinsichtlich der Stufenklage i.S.v. Art. 85 ZPO erfüllt. Was den kon-
kreten Umfang des Einsichts- und Kontrollrechts betrifft, kann auf die nachste-
henden Erwägungen unter Ziff. 2.4.4.4 verwiesen werden.
2.4.4.4. Umfang des Einsichts- und Kontrollrechts
Einsichts- und Kontrollrecht betreffend das 1. Halbjahr 2013: Die Klägerin macht
geltend, die Umsatzliste für das 1. Halbjahr 2013 erst am 2. Dezember 2013 statt
am 30. Juni 2013 erhalten zu haben (act. 3/13). Diese sei darüber hinaus inhalt-
lich falsch und unvollständig (act. 22 N. 67). Sie stellt in ihrer Replik stattdessen
die folgende Abrechnung betreffend die Umsatzbeteiligung auf (act. 22 N. 69):
- 37 -
Basierend auf dieser Abrechnung macht die Klägerin für das erste Halbjahr 2013
eine Umsatzbeteiligung in der Höhe von mindestens CHF 13'477.‒ geltend
(act. 22 N. 69). Hinsichtlich der Kunden "AW._" und "BF._" behauptet
sie etwa zusätzliche Umsätze in Höhe von mindestens CHF 21'000.‒ (AW._)
und CHF 22'288.‒ (BF._: Betreuung Social-Media) (act. 22 N. 69, N. 73 f.).
In diesem Zusammenhang beantragt die Klägerin u.a. die Edition der an
"AW._" und "BF._" gestellten Rechnungen (und Zahlungsbelege)
(act. 22 N. 73 f.). Wie erwähnt, verfügt die Klägerin über keinen Anspruch auf Edi-
tion sämtlicher von der Beklagten an alle Kunden gestellten Rechnungen (bzw. al-
ler zugehörigen Zahlungsbelege) für das erste Halbjahr 2013 (act. 22 N. 77). In
diesem Umfang ist das Begehren auf Einsicht und Kontrolle abzuweisen. Viel-
mehr hat die Beklagte lediglich die Rechnungen und Übersichten zu Zahlungsein-
- 38 -
gängen betreffend den Zeitraum "1. Halbjahr 2013", welche die "B2._"-
Kunden und die "A1._-Media-Kunden inkl. New Business A2._"-Kunden
im Sinne der vorstehenden Erwägungen (siehe dazu die Erwägungen unter Ziff.
2.3) betreffen, herauszugeben.
Die Beklagte hat im Übrigen die "Übersicht Nettobetriebsumsätze" für das erste
Halbjahr 2013 geliefert (act. 11/4). Ob sie ‒ wie von der Klägerin geltend gemacht
‒ korrekt und vollständig ist, ist hinsichtlich des Einsichts- und Kontrollrechts nicht
rechtserheblich. Demzufolge verfügt die Klägerin über keinen Anspruch auf
nochmalige Ausstellung einer Übersicht über die Nettobetriebsumsätze für das
erste Halbjahr 2013. In diesem Umfang ist das Begehren auf Einsicht - und Kon-
trolle abzuweisen.
Einsichts- und Kontrollrecht betreffend das 2. Halbjahr 2013: Die Klägerin macht
geltend, die von der Beklagten gelieferte Übersicht betreffend das zweite Halbjahr
2013 sei ebenfalls inhaltlich falsch und unkorrekt (act. 11/6). Sie stellt in ihrer
Replik stattdessen die folgende Abrechnung betreffend die Umsatzbeteiligung auf
(act. 22 N. 84):
- 39 -
Basierend auf dieser Abrechnung macht die Klägerin für das zweite Halbjahr 2013
eine Umsatzbeteiligung in der Höhe von mindestens CHF 25'334.31 geltend
(act. 22 N. 84). Sie bringt insbesondere vor, dass die Beklagte im Sommer 2013
diverse Neukunden gewonnen habe. Dies seien ‒ nicht abschliessend ‒
BC._/BB._, CF._, und die Stadtpolizei Zürich gewesen. Betreffend
die Stadtpolizei Zürich schätzt die Klägerin die relevanten Umsätze auf rund CHF
33'000.‒ (act. 22 N. 81). Zudem macht sie geltend, dass Projekte in Höhe von
rund CHF 70'000.‒ (z.B. für Intranet) nicht hätten umgesetzt werden können, da
- 40 -
die Beklagte die Strategie pflichtwidrig nicht mehr weiterverfolgt habe (act. 22 N.
82). Wie es sich mit diesem behauptet "verlorenen Potential" verhält, kann in die-
sem Prozessstadium (noch) nicht beurteilt werden. Die Klägerin verfügt indes
über ein Recht auf Einsicht und Kontrolle hinsichtlich der ausgestellten Rechnun-
gen und der zugehörigen Übersichten über die Zahlungseingänge betreffend die
"B2._"-Kunden und "A2._ inkl. New Business A2._"-Kunden im
Sinne der vorstehenden Erwägungen (siehe dazu die Erwägungen unter Ziff. 2.3)
betreffend den Zeitraum "2. Halbjahr 2013".
Die Beklagte hat im Übrigen auch die "Übersicht Nettobetriebsumsätze" für das
zweite Halbjahr 2013 geliefert (act. 11/6). Ob sie ‒ wie von der Klägerin geltend
gemacht ‒ korrekt und vollständig ist, ist hinsichtlich des Einsichts- und Kontroll-
rechts nicht rechtserheblich. Sodann ist der Einwand der Klägerin, wonach die
Beklagte diese Übersichten mit der Bemerkung "nicht für den Gerichtsgebrauch"
versehen habe, irrelevant, zumal die Beklagte diese Listen selber ins Recht ge-
reicht hat (act. 22 N. 18 ff.). Demzufolge verfügt die Klägerin über keinen An-
spruch auf nochmalige Ausstellung einer Übersicht über die Nettobetriebsumsät-
ze für das zweite Halbjahr 2013. In diesem Umfang ist das Begehren auf Einsicht
und Kontrolle abzuweisen.
Einsichts- und Kontrollrecht betreffend das 1. und 2. Halbjahr 2014: Die Klägerin
macht geltend, die von der Beklagten gelieferte Übersicht betreffend das erste
Halbjahr 2014 (act. 11/7) sei unvollständig und fehlerhaft gewesen (act. 22 N. 87).
Sie stellt in ihrer Replik stattdessen die folgende Abrechnung betreffend die Um-
satzbeteiligung auf (act. 22 N. 93):
- 41 -
- 42 -
Basierend auf dieser Berechnung macht sie für das zweite Halbjahr 2014 eine
Umsatzbeteiligung in der Höhe von insgesamt mindestens CHF 26'530.21
(CHF 12'970.20 betreffend das erste Halbjahr 2014 und CHF 13'560.‒ betreffend
das zweite Halbjahr 2014) geltend (act. 22 N. 93). Die Klägerin trifft für verschie-
dene Kundenprojekte Annahmen (bspw. betreffend D._, C._, E._).
Sie macht ferner geltend, den Medien entnommen zu haben, dass die Beklagte
im Jahr 2014 diverse Projekte, u.a. für das AT'._ (Kanton Zürich) sowie die
Stadtpolizei Zürich, umgesetzt habe. Alleine für diese Projekte habe ein geschätz-
ter Umsatz von über CHF 50'000.‒ resultiert (act. 22 N. 88; act. 23/79, act. 23/86‒
87). Die Beklagte wendet in diesem Zusammenhang ein, dass die "Unit
A2._" per 1. Juli 2014 aufgelöst worden sei. Entsprechend seien in diesem
Bereich auch keine Umsätze mehr erwirtschaftet worden. Das Online-Geschäft
sei erst im Jahr 2016 wieder aufgenommen worden (act. 30 N. 78). Die Klägerin
reicht Presseartikel zu Medienkampagnen für das AT'._ (Kanton Zürich) so-
wie für die Stadtpolizei Zürich ein (act. 23/79, act. 23/86‒87). Zudem ergibt sich
aus der Pressemitteilung vom 20. Oktober 2014 sowie dem zugehörigen Linke-
dIn-Profil, dass CH._ im Jahr 2014 als "Leiterin Digital Unit" fungierte (act.
23/81‒82). Schliesslich legt die Klägerin die E-Mail-Korrespondenz zwischen
CD._ und CI._ von der D._ aus dem Oktober 2014 ins Recht. Sie
handelt von einer in diesem Zeitraum irrtümlich an die Klägerin ‒ statt an die Be-
klagte ‒ geleisteten Zahlung (act. 22 N. 91; act. 23/83). Das sind zumindest Indi-
zien dafür, dass auch im zweiten Halbjahr 2014 relevante Umsätze erwirtschaftet
wurden. Die Beklagte bringt derzeit auch nichts vor, was diese Indizien entkräften
würde (vgl. act. 30 N. 78 ff.). Demzufolge ist nicht ausgeschlossen, dass die Be-
klagte auch im zweiten Halbjahr 2014 Umsätze erwirtschaftete, die sich auf den
Kaufpreis auswirken. Die Klägerin verfügt damit über ein Recht auf Einsicht und
Kontrolle hinsichtlich der ausgestellten Rechnungen sowie der Übersichten zu
den Zahlungseingängen für die "B2._"-Kunden und "A2._ inkl. New Bu-
siness A2._"-Kunden im Sinne der vorstehenden Erwägungen (siehe dazu
die Erwägungen unter Ziff. 2.3) betreffend den Zeitraum vom 1. Januar 2014 bis
31. Dezember 2014.
- 43 -
Die Beklagte hat im Übrigen auch die "Übersicht Nettobetriebsumsätze" für das
erste Halbjahr 2014 geliefert (act. 11/7). Ob sie ‒ wie von der Klägerin geltend
gemacht ‒ korrekt und vollständig ist, ist hinsichtlich des Einsichts- und Kontroll-
rechts nicht rechtserheblich. Demzufolge verfügt die Klägerin über keinen An-
spruch auf nochmalige Ausstellung einer Übersicht über die Nettobetriebsumsät-
ze für das erste Halbjahr 2014. In diesem Umfang ist das Begehren auf Einsicht
und Kontrolle abzuweisen. Die Beklagte ist dagegen zu verpflichten, der Klägerin
eine solche Übersicht für das zweite Halbjahr 2014 abzuliefern.
Einsicht- und Kontrollrecht betreffend den Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis dato:
Die Klägerin bezieht ihr Informationsbegehren ferner auf den Zeitraum vom
1. Januar 2015 bis dato (act. 22 N. 94 ff.). Sie macht geltend, dass im genannten
Zeitraum mit den folgenden Kunden bzw. Projekten provisionsrelevante Umsätze
generiert worden seien: BM._, BN._, BO._, BP._ AG,
BQ._ AG, BR._, BS._, Stadtpolizei Zürich, Stiftung BT._,
BU._, BV._ AG, BW._ AG, CA._ sowie CB._. Diese Kun-
den bzw. Projekte betreffen gemäss klägerischer Darstellung die Jahre 2015 bis
2019 (act. 22 N. 96). Dieser Zeitraum ist ‒ wie eingangs gezeigt (siehe dazu die
Erwägungen unter Ziff. 2.1.3.4) ‒ nicht provisionsrelevant. Die Klägerin vertritt
überdies die Ansicht, dass ihr Provisionsanspruch in Höhe von CHF 75'000.‒ be-
reits per 10. Februar 2016 fällig gewesen sei. Die darauf folgenden Jahren kön-
nen auch aus diesem Grund nicht rechtserheblich sein (act. 22 N. 98). Zusam-
mengefasst erstreckt sich der Informationsanspruch der Klägerin nicht auf den
Zeitraum ab dem 1. Januar 2015. Demzufolge ist das Informationsbegehren (Be-
gehren um Einsicht und Kontrolle) in diesem Umfang abzuweisen.
2.4.5. Zwischenfazit
Die Klägerin verfügt für den Zeitraum vom 1. Januar 2013 bis 31. Dezember 2014
über einen Anspruch auf Einsicht und Kontrolle betreffend die ausgestellten
Rechnungen und die zugehörigen Übersichten über die Zahlungseingänge für
"B2._"-Kunden und "A2._ inkl. New Business A2._"-Kunden im
Sinne der vorstehenden Erwägungen (siehe dazu die Erwägungen unter Ziff. 2.3).
- 44 -
Ebenfalls ist die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin eine Übersicht über die
Nettobetriebsumsätze für das zweite Halbjahr 2014 herauszugeben.
3. Frist zur Erfüllung des Informationsanspruches
Es dürfte eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, diese Unterlagen zusammenzu-
stellen. Insgesamt erscheint es angemessen, die Frist zur Erfüllung des Informati-
onsanspruchs auf 40 Tage ab Vollstreckbarkeit des vorliegenden (Teil-)Urteils an-
zusetzen.
4. Vollstreckungsmassnahmen
Urteile des Handelsgerichts sind mit deren Ausfällung bzw. Mitteilung an die Par-
teien vollstreckbar, soweit das Bundesgericht nicht im Rahmen einer allfälligen
Beschwerde auf Gesuch hin die aufschiebende Wirkung erteilt hat (Art. 103
Abs. 1 und Abs. 3 BGG; BGE 142 III 738 E. 5.5.4 S. 745). Gemäss Art. 236
Abs. 3 ZPO kann das Gericht auf Antrag der obsiegenden Partei Vollstreckungs-
massnahmen anordnen. Die Klägerin hat keinen entsprechenden Antrag gestellt,
weshalb die Anordnung von Vollstreckungsmassnahmen durch das erkennende
Gericht ausscheidet.
5. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Eine abschliessende Bezifferung und Beurteilung des Forderungsanspruchs im
Rahmen eines weiteren Teilentscheides steht noch aus. Im jetzigen Zeitpunkt
kann keine Kostenverlegung erfolgen. Durch die abschliessende Bezifferung
könnte sich zudem der Streitwert erhöhen. Demzufolge rechtfertigt es sich, die
Bemessung und Verteilung der Prozesskosten des vorliegenden Teilentscheides
dem nach erfolgter Bezifferung noch zu fällenden (weiteren) Teilentscheid vorzu-
behalten.
- 45 -
Das Handelsgericht erkennt:
1. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für den Zeitraum vom 1. Januar
2013 bis 31. Dezember 2014 innert 40 Tagen ab Vollstreckbarkeit dieses
(Teil-)Urteils sämtliche ausgestellten Rechnungen (Originalkopien) und eine
Übersicht zu den in diesem Zusammenhang empfangenen Zahlungen für
die "B2._"-Kunden und die "A2._ inkl. New Business A2._"-
Kunden im Sinne der vorstehenden Erwägungen Ziff. 2.3 herauszugeben.
Die genannte Verpflichtung betrifft, nicht abschliessend, u.a. die folgenden
Kunden:
‒ C._ (Gruppe)
‒ D._ (Gruppe)
‒ E._ AG
‒ F._ GmbH
‒ G._ AG
‒ H._ GmbH
‒ I._ (J._)
‒ K._
‒ L._
‒ M._ AG
‒ N1._ (N2._ AG)
‒ O._ Fotografin
‒ P._ AG
‒ Q._ AG
‒ R._ AG
‒ S._ AG (Gruppe)
‒ T._ AG
‒ U._ AG
‒ V._ AG
‒ W._
- 46 -
‒ AA._ AG
‒ AB._ AG
‒ AC._ AG
‒ AD._ AG
‒ AE._ AG
‒ Restaurant AF._ GmbH
‒ AG._ AG
‒ AH._ GmbH
‒ AI._ GmbH
‒ AJ._ GmbH
‒ AK._ AG
‒ AL._ AG
‒ Verlag AM._ GmbH
‒ AN._ AG
‒ AO._
‒ AP._
‒ AQ._
‒ AR._
‒ AS._
‒ AT._ (AT'._ Kanton Zürich)
‒ AU._
‒ AV._
‒ AW._ Schweiz
‒ BA1._, BB._
‒ BC._
‒ BD._
‒ BE._
‒ BF._ (Stiftung BG._)
‒ BH._
‒ BI._
‒ BJ._ (Garagen)
‒ BK._
- 47 -
‒Stadtpolizei Zürich
‒ CG._
‒ BL._ (BL'._)
2. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin innert 40 Tagen ab Vollstreck-
barkeit dieses (Teil-)Urteils eine Übersicht über die Nettobetriebsumsätze für
das zweite Halbjahr 2014 betreffend die "B2._"-Kunden und die
"A2._ inkl. New Business A2._"-Kunden im Sinne der vorstehen-
den Erwägungen Ziff. 2.3 herauszugeben.
3. Im darüber hinausgehenden Umfang wird das Informationsbegehren
(Rechtsbegehren Ziff. 2 lit. a.i‒ii) abgewiesen.
4. Den Parteien wird aufgegeben, das Gericht umgehend über die Erfüllung
der Verpflichtungen der Beklagten gemäss Dispositiv-Ziff. 1‒2 zu orientie-
ren. Gleiches gilt für das Ausbleiben einer fristgerechten Erfüllung. Über all-
fällige weitere Verfahrensschritte werden die Parteien im dannzumaligen
Zeitpunkt mittels separatem Entscheid orientiert.
5. Der Entscheid über die Prozesskosten wird demnach abschliessender Bezif-
ferung der Forderung auszufällenden (weiteren) Teilentscheid vorbehalten.
6. Schriftliche Mitteilung an die Parteien.
- 48 -
7. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder Art.
113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42 und
90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streitwert
beträgt CHF 52'059.77.