# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2f6d5d77-550b-42ab-bcfe-fc2b6dfd6945
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Betrug etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Strafgericht, vom
27. März 2015 (DG130024)
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Anklagen:
Die Anklageschriften der Staatsanwaltschaft See / Oberland vom 28. Oktober
2013 sind diesem Urteil beigeheftet (Urk. 61/8, 62/9 und 64/11).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB (ND 19);
− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2
StGB (ND 7, 11, 12, 13, 19);
− der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1
StGB (ND 3, 5, 6, 8), teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
(ND 4);
− der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB (ND 12);
− der Anstiftung zum mehrfachen Erschleichen einer falschen Beurkun-
dung im Sinne von Art. 253 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24
Abs. 1 StGB (ND 4, 6, 7, 8, 11);
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (ND 19);
− der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB (ND 13).
2. Vom Vorwurf des falschen Zeugnisses im Sinne von Art. 307 Abs. 1 StGB
(ND 19) wird der Beschuldigte A._ freigesprochen.
3. Der Beschuldigte B._ ist schuldig
− des gewerbsmässigen Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2
StGB (ND 7, 11, 13);
− der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1
StGB (ND 3, 6, 8), teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
(ND 4);
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− des Erschleichens einer falschen Beurkundung (Gebrauch) im Sinne
von Art. 253 Abs. 2 StGB (ND 4);
− des Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 2
aSVG (in der ab 1. Januar 2005 gültigen Fassung) in Verbindung mit
Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV (ND 1);
− des Fahrens trotz Entzug des Führerausweises im Sinne von Art. 95
Ziff. 2 aSVG (in der ab 1. Januar 2005 gültigen Fassung; ND 2).
4. Der Beschuldigte B._ wird von folgenden Vorwürfen freigesprochen:
− des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB und der Veruntreuung
im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB (ND 5);
− des Erschleichens einer falschen Beurkundung (Gebrauch) im Sinne
von Art. 253 Abs. 2 StGB (ND 8).
5. Die Beschuldigte C._ ist schuldig der Misswirtschaft im Sinne von
Art. 165 Ziff. 1 StGB.
6. Vom Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158
Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird die Beschuldigte C._ freigesprochen.
7. Der Beschuldigte A._ wird bestraft mit 4 Jahren und 6 Monaten Frei-
heitsstrafe, wovon bis und mit heute 1'085 Tage durch Haft sowie durch
vorzeitigen Strafantritt (9. September 2009, 16.45 Uhr, bis 8. Juli 2010,
15.00 Uhr [302 Tage Untersuchungshaft Kanton Zürich]; 9. September 2011,
00.13 Uhr, bis 30. Oktober 2013, 18.45 Uhr [783 Tage Untersuchungshaft
und vorzeitiger Strafantritt Kanton Aargau hinsichtlich Strafuntersuchung
Nr. ST.2011.4075]) erstanden sind.
8. Der Beschuldigte B._ wird bestraft mit 36 Monaten Freiheitsstrafe, wo-
von bis und mit heute 180 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer
Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu Fr. 30.–.
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9. Der Vollzug der Freiheitsstrafe des Beschuldigten B._ wird im Umfang
von 30 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im
Übrigen wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
Der Vollzug der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben.
10. Die Beschuldigte C._ wird bestraft mit einer Geldstrafe von 180 Ta-
gessätzen zu Fr. 10.–, wovon bis und mit heute 17 Tagessätze als durch
Haft geleistet gelten.
11. Der Vollzug der Geldstrafe der Beschuldigten C._ wird aufgeschoben
und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
12. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 28. Oktober
2013 beim Beschuldigten A._ beschlagnahmte Bargeldbetrag in der
Höhe von Fr. 260.– wird eingezogen und zur Deckung der dem
Beschuldigten A._ auferlegten Verfahrenskosten verwendet.
13. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 1. Oktober
2013 beim Beschuldigten A._ als Beweismittel beschlagnahmte Ordner
"M._ [...]" wird dem Beschuldigten A._ durch die Bezirksgerichts-
kasse Uster nach Rechtskraft dieses Entscheids hinsichtlich ND 19 auf Ver-
langen herausgegeben. Verlangt der Beschuldigte A._ innert 3 Mona-
ten nach Rechtskraft dieses Entscheids die Herausgabe des Ordners
"M._ [...]" nicht, vernichtet die Bezirksgerichtskasse Uster den Ordner
"M._ [...]".
14. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
24. September 2009 mittels Kontosperre beschlagnahmte Guthaben (inkl.
Zinsen) des Beschuldigten B._ bei der N._ Bank AG, CHF-
Privatkonto-Nr. ..., wird eingezogen. Die N._ Bank AG, ... [Adresse],
wird nach Eintritt der Rechtskraft dieser Dispositivziffer sowie der Kostenauf-
lage zu Lasten des Beschuldigten B._ angewiesen, das CHF-
Privatkonto-Nr. ..., lautend auf B._, geb. am tt. September 1982,
Staatsangehöriger von O._ [Staat in Südosteuropa], wohnhaft ... [Ad-
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resse], zu saldieren und das Guthaben der Bezirksgerichtskasse Uster zu
überweisen. Das eingezogene Guthaben wird zur Deckung der dem
Beschuldigten B._ auferlegten Verfahrenskosten verwendet.
15. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 1. Oktober
2013 beim Beschuldigten B._ beschlagnahmte Bargeldbetrag in der
Höhe von Fr. 2'252.75 wird eingezogen und zur Deckung der dem
Beschuldigten B._ auferlegten Verfahrenskosten verwendet.
16. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom
24. September 2009 mittels Kontosperre beschlagnahmte Guthaben (inkl.
Zinsen) der Beschuldigten C._ bei der P._, CHF-Privatkonto-Nr. ...
wird eingezogen. Die P._, ... [Adresse], wird nach Eintritt der Rechts-
kraft dieser Dispositivziffer sowie der Kostenauflage zu Lasten der Beschul-
digten C._ angewiesen, das Privatkonto-Nr. ..., lautend auf C._,
geb. am tt. März 1983, Staatsangehörige von O._, wohnhaft ... [Adres-
se], zu saldieren und das Guthaben der Bezirksgerichtskasse Uster zu
überweisen. Das eingezogene Guthaben wird zur Deckung der der
Beschuldigten C._ auferlegten Verfahrenskosten verwendet.
17. Die Bezirksgerichtskasse Uster wird nach rechtskräftiger Erledigung dieses
Verfahrens angewiesen, die unter der Dep.Nr. ... gelagerte Festplatte,
enthaltend Datensicherungen ... und ..., in die Akten zu geben.
18. Die Beschuldigten A._ und B._ werden verpflichtet, der Privatklä-
gerin 1 (D._ AG) Schadenersatz von Fr. 69'746.50 zuzüglich 5 % Zins
seit 28. Oktober 2008 zu bezahlen, unter solidarischer Haftung für den ge-
samten Betrag.
Auf den Entschädigungsantrag der Privatklägerin 1 wird nicht eingetreten.
19. Die Privatklägerin 2 (E._ AG) wird mit ihren Zivilansprüchen auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
20. Die Privatklägerin 3 (F._ (Schweiz) AG) wird mit ihren Zivilansprüchen
auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
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21. Die Beschuldigten A._ und B._ werden verpflichtet, der Privatklä-
gerin 5 (F1._ (Schweiz) AG) Schadenersatz von Fr. 74'713.35 zuzüg-
lich 5 % Zins seit 1. Januar 2009 zu bezahlen, unter solidarischer Haftung
für den gesamten Betrag.
Die Beschuldigten A._ und B._ werden verpflichtet, der Privatklä-
gerin 5 (F1._ (Schweiz) AG) eine Prozessentschädigung von
Fr. 8'411.75 (inklusive MwSt) zu bezahlen, unter solidarischer Haftung für
den gesamten Betrag.
22. Die Privatklägerin 6 (G._ Bank AG) wird mit ihren Zivilansprüchen auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
23. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, der Privatklägerin 7 (H._
AG) Schadenersatz von Fr. 94'750.41 zuzüglich 5 % Zins seit 22. Juni 2009
zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird die Privatklägerin 7 auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen.
24. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, der Privatklägerin 8 (I._
AG) Schadenersatz von Fr. 9'960.– zu bezahlen.
Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 8 wird abgewiesen.
25. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, dem Privatkläger 9 (J._)
Genugtuung von Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins seit 3. Juni 2008 zu bezah-
len.
Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren des Privatklägers 9 abge-
wiesen.
26. Der Beschuldigte A._ wird verpflichtet, der Privatklägerin 10 (K._
Versicherungs-Gesellschaft AG) Schadenersatz von Fr. 3'731.95 zu bezah-
len.
27. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 18'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
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Fr. 27'139.30 Untersuchungskosten A._
Fr. 11'153.40 Untersuchungskosten B._
Fr. 5'000.– Gebühr Strafunters. § 4 GebV StrV A._
Fr. 4'000.– Gebühr Strafunters. § 4 GebV StrV B._
Fr. 3'000.– Gebühr Strafunters. § 4 GebV StrV C._
Fr. 2'880.– Kosten der Kantonspolizei A._
Fr. 1'810.– Kosten der Kantonspolizei B._
Fr. 217.50 ausserkantonale Untersuchungskosten A._
Fr. 217.50 ausserkantonale Untersuchungskosten B._
28. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden wie
folgt den Beschuldigten auferlegt:
a) A._: Fr. 45'316.80 (56 % der Entscheidgebühr [Fr. 10'080.–], Un-
tersuchungskosten [Fr. 27'139.30], Gebühr Strafuntersuchung
[Fr. 5'000.–], Kosten der Kantonspolizei [Fr. 2'880.–], ausserkantonale
Untersuchungskosten [Fr. 217.50]),
b) B._: Fr. 22'024.60 (35.5 % der Entscheidgebühr [Fr. 6'390.–], 91
% der Untersuchungskosten [Fr. 10'149.60], 91 % der Gebühr Strafun-
tersuchung [Fr. 3'640.–], 91 % der Kosten der Kantonspolizei
[Fr. 1'647.10], 91% der ausserkantonalen Untersuchungskosten
[Fr. 197.90]),
c) C._: Fr. 1'450.– (2.5 % der Entscheidgebühr [Fr. 450.–], 1/3 der
Gebühr Strafuntersuchung [Fr. 1'000.–]).
Im Mehrbetrag werden die Kosten auf die Gerichtskasse genommen.
29. Rechtsanwalt lic. iur. X1._ wird für seine Bemühungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten A._ zusätzlich zu der mit Verfügung des
Bezirksgerichts Meilen vom 9. Oktober 2009 ausbezahlten Fr. 2'578.10 mit
Fr. 91'629.20 (inkl. Barauslagen und 8 % MwSt) aus der Gerichtskasse ent-
schädigt.
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30. Die Kosten der amtlichen Verteidigung des Beschuldigten A._ werden
auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
31. Rechtsanwalt lic. iur. X2._ wird für seine Bemühungen als amtlicher
Verteidiger des Beschuldigten B._ zusätzlich zu der mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 26. Juli 2013 ausbezahlten
Fr. 5'309.50 (Akontozahlung) mit Fr. 63'728.45 (inkl. Barauslagen und 8 %
MwSt) aus der Gerichtskasse entschädigt.
32. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen des Beschuldigten B._ von
Rechtsanwältin lic. iur. X4._ (Fr. 1'490.10) sowie Rechtsanwalt lic. iur.
X2._ (Fr. 69'037.95) werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbe-
halten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang
von Fr. 64'180.55.
33. Der Beschuldigten C._ wird eine Prozessentschädigung von
Fr. 20'505.15 (inkl. Barauslagen und MwSt [bis 31.12.2010 7.6 %; ab
01.01.2011 8 %]) für die anwaltliche Verteidigung aus der Gerichtskasse zu-
gesprochen.
Das Verrechnungsrecht des Staates bleibt vorbehalten.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten A._:
(Urk. 207 S. 1 f.)
1. A._ sei wegen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 unter Berücksichtigung von Art. 26 StGB schuldig zu sprechen (ND 13);
2. Er sei wegen Gehilfenschaft zu mehrfacher unrechtmässiger  im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 i.V.m. Art. 25 StGB schuldig zu  (ND 3, ND 7, ND 8 und ND 11);
3. Er sei von den übrigen Vorwürfen der Anklage freizusprechen;
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4. Er sei unter Anrechnung der erstandenen Haft mit einer Geldstrafe von 303 Tagessätzen à Fr. 30.– zu bestrafen;
5. Die Zivilansprüche seien auf den Zivilweg zu verweisen, soweit sie nicht abzuweisen sind;
6. Die Gerichts- und Verfahrenskosten seien dem Angeklagten nach den Regeln in Art. 426 StPO teilweise aufzuerlegen; die Kosten der  Verteidigung seien auf die Gerichtskasse zu nehmen.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten B._:
(Urk. 209 S. 2 ff.)
1. Es seien die Dispositivziffer 3 Absätze 1 bis 3 und die Dispositivziffern 8, 9, 14, 15, 18, 21 und 28 des Urteils des Bezirksgerichts Uster vom 27. März 2015 aufzuheben.
2. B._ sei aus dem Sachverhalt Nebendossiers 3, 4, 6 bis und mit 8 sowie 11 von sämtlichen Anklagevorwürfen (Betrug [einmal versucht], Veruntreuung [einmal versucht] und Erschleichen einer falschen  [Gebrauch]) freizusprechen. Wir haben heute gehört, es wäre allenfalls nach Art. 97 aSVG zu . Am Antrag auf Freispruch tut dies keine Änderung.
3. B._ sei aus dem Sachverhalt Nebendossier 13 von sämtlichen Anklagevorwürfen (Betrug und Veruntreuung) freizusprechen.
Eventualiter sei B._ aus dem Sachverhalt Nebendossier 13 der Beihilfe zur Veruntreuung schuldig zu sprechen.
Subeventualiter sei B._ aus dem Sachverhalt Nebendossier 13 der Beihilfe zum Betrug schuldig zu sprechen.
4. B._ sei mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen à Fr. 30.– zu  – unter Feststellung, dass diese Strafe aufgrund der  bereits erstanden ist.
Eventualiter, im Falle einer Verurteilung gemäss Eventual- oder  Ziff. 3 Abs. 2 oder 3, sei B._ maximal mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen à Fr. 30.– zu bestrafen – unter , dass diese Strafe aufgrund der Untersuchungshaft bereits  ist.
5. Es sei B._ für den Fall, dass die vom Gericht ausgefällte Strafe mehr als das Äquivalent der verbrachten Untersuchungshaft von 180 Tagen betragen sollte, der bedingte Strafvollzug zu gewähren und die Probezeit auf vier Jahre festzusetzen – unter der Feststellung dass  bereits 180 Tage(ssätze) aufgrund der Untersuchungshaft  sind.
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6. Es seien die Zivilansprüche der Privatkläger 1 und 5, bei der  5 inklusive Entschädigungsantrag, abzuweisen.
Eventualiter seien die Zivilansprüche der Privatkläger 1 und 5 auf den Zivilweg zu verweisen.
7. Es seien die mit Beschlag belegten Vermögenswerte abzüglich der Kostenbeteiligung von B._ an den Verfahrenskosten gemäss  Ziff. 9 frei zu geben.
8. B._ sei eine angemessene Genugtuung für die unrechtmässig  Haft sowie eine Entschädigung für Erwerbsausfall in der Höhe von Fr. 17'500.– zuzusprechen.
Eventualiter, im Falle einer Verurteilung gemäss Eventual- oder  Ziff. 3 Abs. 2 oder 3, wird weder eine Genugtuung noch eine Entschädigung verlangt.
9. Die Kosten des erstinstanzlichen Verfahrens seien in der Höhe von max. Fr. 1'100.– B._ aufzuerlegen und im Übrigen auf die  zu nehmen.
Eventualiter, im Falle der Verurteilung gemäss Eventual- oder  Ziff. 3 Abs. 2 oder 3, seien die Kosten des  Verfahrens in der Höhe von max. Fr. 2'500.– Herrn B._  und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen.
10. Die Kosten des vorliegenden Verfahrens, inkl. der amtlichen , seien auf die Staatskasse zu nehmen.
Eventualiter, im Falle einer Verurteilung gemäss Eventual- oder  Ziff. 3 Abs. 2 oder 3, seien die Kosten des vorliegenden Verfahrens ausgangsgemäss B._ aufzuerlegen und im Übrigen auf die Staatskasse zu nehmen.
c) Der Verteidigung der Beschuldigten C._:
(Urk. 211 S. 1 f.)
1. Das Strafverfahren gegen C._ sei definitiv einzustellen.
2. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 24. September 2009 mittels Kontosperre beschlagnahmte Guthaben inkl. Zinsen von Frau C._ (Saldo am 16.08.12 = Fr. 440.36) sei nach Rechtskraft des Urteils umgehend an sie herauszugeben.
3. C._ sei für die zu Unrecht erlittene Haft von 18 Tagen mit Fr. 5'000.– nebst Zins zu 5 % seit dem 16. September 2009 zu .
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4. Sämtliche Untersuchungs-, Verfahrens- und Gerichtskosten sowohl für das vorinstanzliche Gerichtsverfahren wie auch für das  seien auf die Staatskasse zu nehmen.
5. C._ sei für ihre Auslagen in der Höhe der von der Verteidigung ins Recht gelegten Kostennoten sowohl für das erstinstanzliche Verfahren wie auch für das Berufungsverfahren vollumfänglich zu entschädigen.
Eventualantrag:
6. C._ sei mit den Nebenfolgen gemäss Ziff. 2 - 5 der Hauptanträge von Schuld und Strafe vollumfänglich freizusprechen.
d) Des Vertreters der Privatklägerin 1:
(Prot. II S. 63 f.)
1. Das erstinstanzliche Urteil sei zu bestätigen, somit die Bezahlung des Schadenersatzbeitrages von Fr. 69'746.50 nebst Zins zu 5 % seit dem 28.10.2008.
2. Unter Entschädigungsfolge für das Berufungsverfahren.
e) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 212, S. 1 f.)
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils mit Ausnahme der Ziffern 7, 8, 9 und 10. Diese beziehen sich auf das Strafmass. Als Ergänzung: Gegen eine allfällige Korrektur, dass anstelle von StGB 253 der Art. 97 Abs. 4 aSVG zur Anwendung kommt, wehrt sich die Staatsanwaltschaft sicher nicht.
2. Bestrafung von A._ mit einer Freiheitsstrafe von 4 1⁄4 Jahren unter Anrechnung der im vorliegenden Verfahren von A._ erstandenen Haft von 302 Tagen.
3. Bestrafung von B._ mit einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten unter Anrechnung von 180 Tagen Haft.
Vollzug von 6 Monaten und Aufschub der restlichen 27 Monaten  unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
4. Bestrafung von C._ mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen,  Aufschub des Vollzugs bei einer Probezeit von 2 Jahren.
5. Auflage der Kosten des Berufungsverfahrens an die Beschuldigten.
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Inhaltsverzeichnis
1. Teil : Verfahrensgang..................................................................................................19 2. Teil : Prozessuales ......................................................................................................19
A. Teilrechtskraft...................................................................................................19 B. Sachzusammenhang mit separat geführten Strafverfahren .....................22 C. Anwendbares Verfahrensrecht / Beweisverwertbarkeit ............................23
1. Einwendungen ..........................................................................................23 2. Rechtslage allgemein ..............................................................................24 3. Nebendossier 19 ......................................................................................24 4. Nebendossier 12 ......................................................................................30 5. Nebendossier 5.........................................................................................35 6. Nebendossiers 3, 4, 6-8 und Nebendossier 11 (Fahrzeugleasings)37 7. Nebendossier 13 ......................................................................................40
D. Verletzung des Anklageprinzips ....................................................................43 E. Beweisgrundsätze ...........................................................................................46
3. Teil : Sachverhalt und rechtliche Würdigung...........................................................49 A. A._: Absichtsunfall (ND 19) ...................................................................49
I. Sachverhalt.......................................................................................................49 1. Anklagevorwurf .........................................................................................49 2. Einwendungen Beschuldigter A._ .................................................50 3. Unbestrittener Sachverhalt .....................................................................51 4. Sachverhaltserstellung hinsichtlich Unfallhergang der Kollision.......52
II. Betrug ................................................................................................................58 1. Weiterer Anklagevorwurf .........................................................................58 2. Einwendungen Beschuldigter .................................................................59 3. Rechtsgrundlage ......................................................................................60 4. Subsumtion ...............................................................................................63
4.1. Arglistige Täuschung ..........................................................................63 4.2. Vermögensschaden............................................................................72 4.3. Vorsatz / Bereicherungsabsicht ........................................................75
III. Falsche Anschuldigung ..................................................................................82 1. Rechtsgrundlage ......................................................................................82 2. Subsumtion ...............................................................................................82
IV. Sachbeschädigung...................................................................................84 1. Rechtsgrundlage ......................................................................................84 2. Subsumtion ...............................................................................................84
B. Vorbemerkungen zu den ND 3 - 8 und 11 - 13...........................................86 I. Beziehungen der wichtigsten Akteure und Firmen ....................................86
1. A._ / Q._ und die Firmen R._ - S._ - T._ GmbH - U._ GmbH - V._ GmbH ..................................................86 2. W._ / A._ / Q._ und die Firmen AA._ GmbH - AB._ Garage AG .....................................................................................89 3. AF._ / Schwimmbad / AC._ und AD._ ........................95 4. A._ / B._ und C._ / AE._ / T._ GmbH ........96 5. Graphische Übersicht Firmen.................................................................99 6. Fazit Interessen am Ausgang des Verfahrens / Aussagewürdigung 100
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II. Fahrzeug-Leasings (ND 3-4, 7-8, 11) ....................................................... 102 1. Vorbemerkungen der Anklagebehörde zur Mittäterschaft .............. 102 2. Übersicht angeklagte Delikte Fahrzeugleasing ................................ 102 3. Verschlechterungsverbot ..................................................................... 103
C. A._, B._, C._: Hypothekarkredit (ND 13) ........................ 104 I. Sachverhalt.................................................................................................... 104
1. Anklagevorwurf ...................................................................................... 104 1.1. Betrug, ev. Veruntreuung................................................................ 104 1.2. Geldwäscherei .................................................................................. 107 1.3. Misswirtschaft ................................................................................... 107
2. Einwendungen ....................................................................................... 108 3. Unbestrittener Sachverhalt .................................................................. 110 4. Sachverhaltserstellung ......................................................................... 113
4.1. Organisation des Grundstückkaufs und Bauprojektes AG._ 113
4.2. Organisation des Hypothekardarlehens und des Werkvertrages 117
4.3. Leistungsabrechnungen und Barbezüge der ......................................................................................... 127
4.4. Zweck des Grundstückkaufs und Bauprojektes AG._....... 132 4.5. Übergabe von Fr. 80'000.– an W._ ...................................... 140 4.6. Kenntnisstand betreffend Geschäftsführung von C._ ....... 142 4.7. Finanzielle Situation der Firma T._ GmbH / Misswirtschaft
145 II. Betrug, eventualiter Veruntreuung ............................................................. 148
1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 148 2. Subsumtion ............................................................................................ 149
2.1. Mittäterschaft .................................................................................... 149 2.2. Arglistige Täuschung ....................................................................... 150 2.3. Vermögensschaden / Bereicherungsabsicht ............................... 153 2.4. Fazit.................................................................................................... 155
III. Geldwäscherei .............................................................................................. 156 1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 156 2. Subsumtion ............................................................................................ 157
IV. Misswirtschaft ........................................................................................ 157 1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 157 2. Subsumtion ............................................................................................ 159
D. A._ und B._: BMW X5 (ND 3) / Veruntreuung........................ 161 I. Sachverhalt.................................................................................................... 161
1. Anklagevorwurf ...................................................................................... 161 2. Einwendungen ....................................................................................... 163 3. Unbestrittener Sachverhalt .................................................................. 164 4. Sachverhaltserstellung ......................................................................... 165
II. Rechtliche Würdigung.................................................................................. 176 1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 176 2. Subsumtion ............................................................................................ 177
E. A._ und B._: Lieferwagen Nissan Cabstar (ND 7 und 11)....... 178 I. Sachverhalt.................................................................................................... 178
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1. Anklagevorwurf ...................................................................................... 178 1.1. Nissan Cabstar I (ND 11)................................................................ 178 1.2. Nissan Cabstar II (ND 7) ................................................................. 180
2. Einwendungen ....................................................................................... 181 3. Unbestrittener Sachverhalt .................................................................. 182
3.1. Nissan Cabstar I (ND 11)................................................................ 183 3.2. Nissan Cabstar II (ND 7) ................................................................. 184
4. Sachverhaltserstellung ......................................................................... 185 4.1. Beweismittel ...................................................................................... 185 4.2. Beweiswürdigung ............................................................................. 194
II. Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung ................... 202 1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 202 2. Subsumtion ............................................................................................ 205
III. Betrug, eventualiter Veruntreuung ............................................................. 207 1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 207 2. Subsumtion ............................................................................................ 207
2.1. Arglistige Täuschung ....................................................................... 207 2.2. Vermögensschaden / Bereicherungsabsicht ............................... 209 2.3. Fazit.................................................................................................... 211
F. A._ und B._: BMW X5 (ND 8) ................................................... 211 Veruntreuung / Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung . 211
I. Sachverhalt.................................................................................................... 211 1. Anklagevorwurf ...................................................................................... 211 2. Einwendungen ....................................................................................... 212 3. Sachverhaltserstellung ......................................................................... 213
3.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................. 213 3.2. Sachverhaltserstellung .................................................................... 213
II. Rechtliche Würdigung.................................................................................. 219 1. Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung ............ 219 2. Veruntreuung ......................................................................................... 220
G. A._ und B._: Mercedes ML und BMW X6 (ND 4 und 6) .......... 222 Veruntreuung / Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung . 222
I. Sachverhalt.................................................................................................... 222 1. Anklagevorwurf ...................................................................................... 222 2. Einwendungen ....................................................................................... 224 3. Sachverhaltserstellung ......................................................................... 226
3.1. Unbestrittener Sachverhalt ............................................................. 226 3.2. Zweck des Kaufs der AB._ Garage AG ............................... 227 3.3. Zweck des Kaufs der AB._ Garage AG durch B._ .... 229 3.4. Löschung des Codes 108 Mercedes ML 63 AMG ...................... 231 3.5. versuchte Löschung des Codes 108 BMW X6............................ 232
II. Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung ................... 234 1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 234 2. Subsumtion ............................................................................................ 235
H. A._: Baumaschinen H._ AG (ND 12) ....................................... 237 Betrug, eventualiter Veruntreuung / Urkundenfälschung ................................ 237
I. Sachverhalt.................................................................................................... 237 1. Anklagevorwurf ...................................................................................... 237
- 16 -
2. Einwendungen ....................................................................................... 239 3. Unbestrittener Sachverhalt / Eingestandener SV von AH._ .. 239 4. Sachverhaltserstellung ......................................................................... 242
4.1. Rückwirkende Teilnehmeridentifikation ........................................ 243 4.2. Anmietung der Baumaschinen....................................................... 244 4.3. Transport von zwei Baumaschinen ins Ausland ......................... 254 4.4. Organisation des Baumaschinentransports ins Ausland ........... 254
II. Urkundenfälschung ...................................................................................... 261 1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 261 2. Subsumtion ............................................................................................ 262
III. Betrug, eventualiter Veruntreuung ............................................................. 264 1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 264 2. Subsumtion ............................................................................................ 264
2.1. Arglistige Täuschung ....................................................................... 264 2.2. Vermögensschaden / Bereicherungsabsicht ............................... 267 2.3. Fazit.................................................................................................... 267
I. A._: Baumaschinen E._ AG (ND 5) ......................................... 268 Veruntreuung .......................................................................................................... 268
I. Ausgangslage / Sachverhalt ....................................................................... 268 1. Ausgangslage ........................................................................................ 268 2. Anklagevorwurf ...................................................................................... 268 3. Einwendungen ....................................................................................... 269 4. Sachverhaltserstellung ......................................................................... 270
4.1. Beweismittel ...................................................................................... 270 4.2. Anmietung und Auslieferung der vier Baumaschinen ................ 271 4.3. Transport ins Ausland ..................................................................... 278 4.4. Verbleib der Baumaschinen ........................................................... 282 4.5. Fazit.................................................................................................... 283
II. Veruntreuung................................................................................................. 283 1. Rechtsgrundlage ................................................................................... 283 2. Subsumtion ............................................................................................ 283
J. Gewerbsmässigkeit bezüglich der Betrugstatbestände ......................... 285 K. Fazit ................................................................................................................ 288
4. Teil : Strafzumessung und Vollzug ........................................................................ 289 A. Allgemeines ................................................................................................... 289
1. Vorinstanz............................................................................................... 289 2. Einwendungen ....................................................................................... 290 3. Strafzumessungsregeln / Gesamtstrafenbi ldung ............................. 290
B. Beschuldigter A._................................................................................. 293 1. Strafrahmen Gesamtstrafe ........................................................... 293 2. Strafart.............................................................................................. 294 3. Hypothetische Einsatzstrafe ......................................................... 294 4. Hypothetische Gesamtstrafe unter Berücksichtigung der übrigen
Delikte ..................................................................................................... 296 4.1. Gewerbsmässiger Betrug (ND 7, 11, 12, 13 und 19) ............... 296 4.2. Mehrfache Veruntreuung (ND 3, 5, 6, und 8), teilweise versucht
(ND 4) ...................................................................................................... 300 4.3. Urkundenfälschung (ND 12) ......................................................... 303
- 17 -
4.4. Anstiftung zum mehrfachen Erschleichen eines Ausweises (ND 4, 6, 7, 8 und 11), Geldwäscherei (ND 13) und Sachbeschädigung (ND 19) ................................................................ 304
4.5. Zwischenfazit .................................................................................. 306 5. Täterkomponenten ......................................................................... 307 6. Verletzung des Beschleunigungsgebotes .................................. 308 7. Fazit Gesamtfreiheitsstrafe ........................................................... 311 8. Anrechnung der erstandenen Haft .............................................. 311 9. Vollzug ............................................................................................. 311
C. Beschuldigter B._................................................................................. 312 1. Strafrahmen Gesamtstrafe ........................................................... 312 2. Strafart.............................................................................................. 312 3. Hypothetische Einsatzstrafe ......................................................... 313 4. Hypothetische Gesamtstrafe unter Berücksichtigung der übrigen
Delikte ..................................................................................................... 316 4.1. Mehrfache Veruntreuung (ND 3, 6, und 8), teilweise versucht
(ND 4) ...................................................................................................... 316 4.2. Missbrauch von Ausweisen und Schildern (ND 4).................... 319 4.3. Fahren in fahrunfähigem Zustand und Fahren trotz Entzug des
Führerausweises (ND 1 und 2) ........................................................... 319 4.4. Zwischenfazit .................................................................................. 321 5. Täterkomponenten ......................................................................... 321 6. Verletzung des Beschleunigungsgebotes .................................. 321 7. Zeitablauf mit Wohlverhalten ........................................................ 322 8. Fazit Gesamtfreiheitsstrafe ........................................................... 323 9. Tagessatzhöhe der Geldstrafe ..................................................... 323 10. Anrechnung der erstandenen Haft .............................................. 325 11. Vollzug ............................................................................................. 325
D. Beschuldigte C._.................................................................................. 326 1. Strafrahmen..................................................................................... 326 2. Konkrete Strafzumessung............................................................. 326 3. Anrechnung der erstandenen Haft .............................................. 329 4. Vollzug ............................................................................................. 330
5. Teil : Zivilforderungen .............................................................................................. 330 1. Vorbemerkungen ................................................................................... 330 2. Einwendungen ....................................................................................... 332 3. Zivilklagen die Beschuldigten A._ und B._ gemeinsam betreffend ....................................................................................................... 332
3.1. Privatklägerin 1 - D._ AG (ND 3)......................................... 332 3.2. Privatklägerin 5 - F1._ (Schweiz) AG (ND 8) .................... 334
4. Zivilklagen den Beschuldigten A._ alleine betreffend ............. 334 4.1. Privatklägerin 7 - H._ AG (ND 12) ...................................... 334 4.2. Privatklägerin 8 - I._ AG (ND 19) ........................................ 336 4.3. Privatkläger 9 - J._ (ND 19) ................................................. 338 4.4. Privatklägerin 10 - K._ Versicherungs-Gesellschaft AG (ND
19) 340 6. Teil : Einziehungen / Beschlagnahmungen .......................................................... 340 7. Teil : Kosten- und Entschädigungsfolgen ............................................................. 342
- 18 -
A. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen.............................. 342 1. Kostenfolgen .......................................................................................... 342 2. Entschädigungsfolgen .......................................................................... 344
B. Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahren ............... 346 1. Kostenfolgen .......................................................................................... 346 2. Entschädigungsfolgen .......................................................................... 348
C. Genugtuung bei Freiheitsentzug ................................................................ 348
- 19 -

## Considerations

Erwägungen:
1. Teil: Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs im Dispositiv erwähnte Urteil des Bezirksgerichtes Us-
ter, Strafgericht, vom 27. März 2015, das gleichentags mündlich eröffnet und den
Parteien im Dispositiv übergeben worden war (Prot. I S. 95 und 104; Urk. 139),
meldeten die Verteidiger der drei Beschuldigten mit Eingaben vom 30. März 2015
resp. 7. April 2015 rechtzeitig die Berufung an (Urk. 141, 146 und 147).
2. Nach Zustellung des begründeten Urteils der Vorinstanz an die Parteien am
9. bis 15. Juli 2015 (Urk. 159 sowie Urk. 158 [Empfangsscheine]) reichten die
amtlichen Verteidiger der Beschuldigten A._ und B._ bei der hiesigen
Berufungsinstanz ihre Berufungserklärungen vom 17. und 27. Juli 2015 ein
(Urk. 160 und 161), gefolgt vom erbetenen Verteidiger der Beschuldigten C._
mit seiner Eingabe vom 3. August 2015 (Urk. 162), je innert der gesetzlichen Frist
nach Art. 399 Abs. 3 StPO. Daraufhin verzichteten innert angesetzter Frist ge-
mäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO die Anklagebehörde mit Eingabe vom 1. Septem-
ber 2015 (Urk. 171), die Privatkläger 8 und 9 mit Eingabe vom 13. August 2015
(Urk. 165), die Privatklägerin 2 mit Schreiben vom 14. August 2015 (Urk. 166) und
die Privatklägerin 1 mit Eingabe vom 31. August 2015 (Urk. 170) explizit auf eine
Anschlussberufung. Die übrigen Privatkläger liessen sich nicht vernehmen. Es
wurden keine weiteren Beweisanträge gestellt, so dass schliesslich nach Rück-
sprache mit den Parteien bezüglich des Termins zur Berufungsverhandlung auf
den 8. und 9. März 2017 vorgeladen wurde (Urk. 194), zu welcher die Beschuldig-
ten mit ihren Verteidigern, der Vertreter der Anklagebehörde und der Vertreter der
Privatklägerin 1 erschienen (Prot. II S. 3).
2. Teil: Prozessuales
A. Teilrechtskraft
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
- 20 -
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO).
Dabei ist es naheliegend, dass weitere nicht angefochtene Punkte in die Überprü-
fung des Urteils einzubeziehen sind, wenn eine enge Konnexität mit den ange-
fochtenen Punkten besteht. Entsprechend ist im Zusammenhang mit einer Über-
prüfung des Strafmasses regelmässig auch über den bedingten oder unbedingten
Vollzug zu entscheiden. Bei Anfechtung des Schuldspruchs mit Antrag auf Frei-
spruch gelten für den Fall der Gutheissung automatisch auch damit zusammen-
hängende Folgepunkte des Urteils, wie zum Beispiel Nebenfolgen von Entschei-
den über Einziehungen, Zivilpunkte sowie Kosten- und Entschädigungsregelun-
gen, als angefochten. Bestätigt das Berufungsgericht den Schuldspruch, sind die
weiteren nicht angefochtenen Urteilspunkte bei einer Beschränkung der Berufung
nicht zu überprüfen (vgl. dazu Niklaus Schmid, Schweizerische Strafprozessord-
nung, Praxiskommentar [kurz: Praxiskommentar StPO], 2.A., Zürich/St. Gallen
2013, Art. 399 N 18; Hug/Scheidegger in: Donatsch/ Hansjakob/Lieber [Hrsg.],
Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung [kurz: ZH StPO Komm.],
2.A. Zürich-Basel-Genf 2014, N 19 und 20 zu Art. 399; Sprenger in: Niggli/Heer/
Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Schweizerische Strafprozessordnung
[kurz: BSK StPO], 2. A. Basel 2014, Art. 437, N 31 f.).
Auch wenn das Berufungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt
es am Ende ein insgesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzuge-
ben hat, welche Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (Urteile des
Bundesgerichtes vom 3. April 2013 6B_482/2012 E. 5.3. und vom 14. November
2012 6B_99/2012 E. 5.3.; BSK StPO-Eugster, a.a.O., Art. 402 N 2; ZH StPO
Komm.-Hug, a.a.O., N 2 zu Art. 402).
2. Der Beschuldigte A._ liess seine Berufung namentlich auf die
Schuldsprüche (Dispositiv-Ziffer 1), die Strafe (Dispositiv-Ziffer 7), und die Ver-
pflichtungen zu Schadenersatz- und Genugtuungsleistungen (Dispositiv-
Ziffern 18, 21, 23 - 26) sowie die Kostenfestsetzung und -auflage (Dispositiv-
Ziffern 27 bis 28) beschränken (Urk. 160 S. 2, Urk. 207 S. 1 f.).
- 21 -
Der Beschuldigte B._ beantragte ebenfalls die Aufhebung der ihn betreffen-
den Schuldsprüche mit Ausnahme der beiden SVG Delikte (Dispositiv-Ziffer 3
Abs. 1 bis 3), der Sanktion samt Vollzug (Dispositiv-Ziffern 8 und 9), der Einzie-
hungs- und Verwendungsanordnungen betreffend beschlagnahmtes Guthaben
und Bargeld (Dispositiv-Ziffern 14 und 15) und die Verpflichtungen zu Schadener-
satz- und Genugtuungsleistungen (Dispositiv-Ziffern 18 und 21) sowie die Kosten-
festsetzung und -auflage (Dispositiv-Ziffern 27 bis 28). Er beantragte im Haupt-
standpunkt den Freispruch von sämtlichen Anklagevorwürfen, abgesehen von
den beiden SVG Delikten, mit entsprechender Regelung der Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen und der Verweisung der Zivilforderungen auf den Zivilweg so-
wie eine Genugtuung für die unrechtmässig erlittene Haft und eine Entschädigung
für Erwerbsausfall in der Höhe von Fr. 17'500.– (Urk. 161 S. 2 f., Urk. 209 S. 2 ff.).
Die Beschuldigte C._ beantragte die Einstellung des Verfahrens, eventualiter
einen vollumfänglichen Freispruch, unter entsprechender Regelung der Kosten-
und Entschädigungsfolgen bei Zusprechung einer Genugtuung für die zu Unrecht
erlittene Haft im Betrage von Fr. 5'000.– und focht ebenfalls ausdrücklich den sie
betreffenden Schuldspruch (Dispositiv-Ziffer 5), die Strafe samt Vollzug (Disposi-
tiv-Ziffer 10 und 11), die Einziehungsanordnung betreffend beschlagnahmtes
Guthaben (Dispositiv-Ziffer 16), die sie betreffende Kostenauflage (Dispositiv-
Ziffer 28 lit. c) und die ihr zugesprochene Prozessentschädigung (Dispositiv-Ziffer
33) an (Urk. 162 S. 2, Urk. 211 S. 1 f.).
3. Die Staatsanwaltschaft beantragte grundsätzlich die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils (Urk. 171, Urk. 212 S. 1 f.), ebenso wie der Vertreter der
Privatklägerin 1 (Urk. 170 S. 2, Prot. II S. 6).
4. Entsprechend ist festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Uster,
Strafgericht, vom 27. März 2015 bezüglich der Dispositivziffern 2, 4 und 6 (Frei-
sprüche), 3 Abs. 4 und 5 (Schuldsprüche B._ betr. SVG-Delikte), 12 und 13
(Einziehungen zulasten des Beschuldigten A._), 17 (Sicherstellung Festplat-
te), 19, 20 und 22 (Zivilansprüche der Privatklägerinnen 2, 3 und 6) sowie 29 bis
32 (Entschädigungen der amtlichen Verteidigungen) in Rechtskraft erwachsen ist.
- 22 -
B. Sachzusammenhang mit separat geführten Strafverfahren
Da die Staatsanwaltschaft gegen die im vorliegenden Sachverhalt vorkommenden
Beteiligten separate Verfahren führte und je separat Anklage erhob, drängt es
sich für das Verständnis des Gesamtzusammenhangs auf, vorab auf diejenigen
beiden Verfahren kurz einzugehen, die in getrennten gerichtlichen Verfahren be-
reits rechtskräftig erledigt wurden, aber einen Sachzusammenhang mit Teilen der
hier zu beurteilenden Sachverhalte aufweisen:
W._ wurde aufgrund ihres Geständnisses im abgekürzten Verfahren vom
Bezirksgericht Uster mit Urteil vom 27. März 2015 (Urk. 67/17) schuldig gespro-
chen
- der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (ND 4 und 6)
- der Gehilfenschaft zum Betrug im Sinne von Art. 146 Abs. 2 in Verbindung
mit Art. 25 StGB (ND 13)
- der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB (ND 13) und
- der mehrfachen groben und der mehrfachen einfachen Verletzung der Ver-
kehrsregeln (ND 24; kein Zusammenhang mit vorliegendem Sachverhalt).
Das Urteil ist rechtskräftig (Urk. 67, ausgefertigtes Urteilsexemplar mit Rechts-
kraftbestätigung vom 7. Mai 2015). Auf den konkreten Sachzusammenhang und
die Bedeutung für das vorliegende Verfahren wird in den einzelnen tangierten An-
klagepunkten näher eingegangen werden.
Bezüglich AF._ wurde das Strafverfahren im Zusammenhang mit den ND 3
und 6 mittels Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 10. Juni 2013
rechtskräftig abgeschlossen. AF._ wurde der mehrfachen Hehlerei im Sinne
von Art. 160 Ziff. 1 StGB schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von 180
Tagessätzen zu Fr. 70.– bei einer Probezeit von zwei Jahren und mit einer Busse
von Fr. 800.– bestraft (Beizugsakten C-3/2011/783). Auf seine Aussagen und die
- 23 -
Erkenntnisse aus der diesbezüglichen Untersuchung wird im Zusammenhang mit
den einzelnen Delikten nochmals zurückzukommen sein.
AH._ wurde bezüglich des ND 12 mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
See/Oberland vom 15. November 2012 rechtskräftig der Gehilfenschaft zum Be-
trug zum Nachteil der H._ AG im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 25 StGB schuldig gesprochen und mit einer Geldstrafe von
120 Tagessätzen zu je Fr. 90.– bestraft unter Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren (Urk. 58/1-4). Die sich im Strafbefehl abbildenden Geständnisse hin-
sichtlich des Deliktsvorhalts werden ebenfalls später nochmals zur Sprache kom-
men.
J._, der an der Kollision mit dem Beschuldigten A._ beim Autounfall
vom 14. Mai 2008 beteiligt war (ND 19), wurde aufgrund des Strafantrags von
A._ im Zuge des diesbezüglichen Strafverfahrens erstinstanzlich am
10. März 2010 von der Einzelrichterin am Bezirksgericht Uster der fahrlässigen
Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen und mit
einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 60.– bestraft (Urk. 178/52), jedoch
zweitinstanzlich vom Obergericht des Kantons Zürich von Schuld und Strafe frei-
gesprochen (Urk. 178/75). Auch dieses Urteil ist in Rechtskraft erwachsen
(Urk. 178/76-77). Auf die entsprechenden und in Bezug auf den Anklagepunkt des
ND 19 wesentlichen Erwägungen wird ebenfalls bei der Sachverhaltserstellung im
Detail zurückzukommen sein.
C. Anwendbares Verfahrensrecht / Beweisverwertbarkeit
1. Einwendungen
Die Vorinstanz äussert sich hinsichtlich ND 19 zur Verwertbarkeit der vom Be-
schuldigten A._ gemachten Aussagen anlässlich der polizeilichen Einver-
nahme vom 19. Mai 2008 und der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom
24. September 2009 im Verfahren gegen J._ betreffend den Absichtsunfall
vom 14. Mai 2008 (Urk. 159 S. 20 ff.) und hält in Bezug auf weitere Nebendos-
siers zu einigen Einvernahmen fest, sie seien mangels Teilnahmemöglichkeit des
- 24 -
Beschuldigten A._ nicht verwertbar, so dass darauf im Einzelnen einzugehen
ist.
2. Rechtslage allgemein
1. Die Anklageschriften vom 28. Oktober 2013 gegen die Beschuldigten gingen
am 31. Oktober 2013 bei der Vorinstanz ein (HD 61/8, HD 62/9 und HD 64/11),
weshalb grundsätzlich auf das vorliegende Verfahren das am 1. Januar 2011 in
Kraft getretene neue Prozessrecht gemäss der eidgenössischen Strafprozessord-
nung zur Anwendung gelangt (Art. 448 ff. StPO).
2. Einige dieser Einvernahmen fanden noch unter der Geltung des kantonalen
Strafprozessrechts statt. Verfahrenshandlungen, die vor Inkrafttreten der Schwei-
zerischen StPO angeordnet oder durchgeführt wurden, behalten gemäss Art. 448
Abs. 2 StPO indes ihre Gültigkeit, auch wenn sie den Anforderungen der eidge-
nössischen Strafprozessordnung nicht genügen sollten. Dies gilt allerdings nur,
soweit sie im Einklang mit der BV und der EMRK stehen und gemäss dem im
Zeitpunkt ihrer Abnahme geltenden Recht gültig sind (Uster in: BSK StPO, N 3 zu
Art. 448; Schmid, Praxiskommentar StPO, a.a.O., N 4 und 5 zu Art. 448; Urteile
des Bundesgerichts 6B_1160/2014 vom 19. August 2015 E. 4.2 - 4.3 und
6B_436/2014 vom 2. März 2015 E. 2.2). Soweit sich das Gericht also auf solche
Beweise abstützt, ist die Frage der Verwertbarkeit derselben - entgegen der Vor-
instanz - nach den Vorgaben der Strafprozessordnung des Kantons Zürich vom
4. Mai 1919 (LS 321; nachfolgend nur noch StPO/ZH) und der damals geltenden
Rechtsprechung, namentlich zu den Verfahrensgarantien der BV und der EMRK,
zu beantworten und entgegen der Vorinstanz nicht nach der eidgenössischen
Strafprozessordnung (Urk. 159 S. 20 ff.).
3. Nebendossier 19
1. Der heutige Beschuldigte A._ wurde im Nachgang zum Verkehrsunfall
vom 14. Mai 2008 (ND 19) am 19. Mai 2008 polizeilich befragt (Urk. 177/6 [= ND
19/12/2]). Das Protokoll trägt den Titel "Einvernahme Befragung zum Verkehrsun-
fall" und der heutige Beschuldigte wurde gleich zu Beginn der Einvernahme da-
rauf hingewiesen, dass er die Aussage verweigern könne, seine Aussagen als
- 25 -
Beweismittel verwendet werden könnten und er jederzeit eine Verteidigung be-
stellen könne (a.a.O. S. 1). Weiter wurde der heutige Beschuldigte davon in
Kenntnis gesetzt, dass er wegen Nichtbeherrschen des Fahrzeugs verzeigt werde
(a.a.O., S. 4).
Im Polizeirapport der Kantonspolizei Zürich vom 14. Juni 2008 wird der heutige
Beschuldigte entsprechend als "Verzeigter" geführt (Urk. 177/1 S. 3 und S. 5). Als
Schlussbemerkung wird festgehalten, dass die widersprüchlichen Aussagen der
Unfallbeteiligten zum Unfallhergang anlässlich der Sachverhaltsaufnahme und der
Befragungen nicht hätten ausgeräumt werden können (Urk. 177/1 S. 7). Am
3. Juni 2008 stellte der heutige Beschuldigte, der nach seinen Angaben bei dem
Unfall leicht verletzt worden war (Urk. 177/1 S. 3, 177/2 S. 2, 177/14 [ärztlicher
Bericht Spital Uster]), Strafantrag gegen den Unfallbeteiligten J._
(Urk. 177/5). An diesem Strafantrag hielt er in der Folge ausdrücklich fest
(Urk. 177/12 S. 2).
2. Gemäss § 11 StPO/ZH war zu Beginn seiner ersten Einvernahme der Ange-
schuldigte darauf hinzuweisen, dass er jederzeit einen Verteidiger bestellen und
die Aussage verweigern könne und dass seine Aussagen als Beweismittel ver-
wendet werden könnten. Die Auskunftsperson dagegen war auf ihr Aussagever-
weigerungsrecht sowie die Bedeutung ihrer Aussage hinzuweisen und ohne Hin-
weis auf die Straffolgen von Art. 307 StGB aufzufordern, die Wahrheit zu sagen.
Ausserdem war sie auf die Strafbarkeit von falscher Anschuldigung, Irreführung
der Rechtspflege und Begünstigung gemäss Art. 303-305 StGB aufmerksam zu
machen (Art. 149b Abs. 2 StPO/ZH). Nach dem kantonalen Verfahrensrecht
konnte die Polizei Personen, welche durch sie nicht als Angeschuldigte behandelt
wurden, protokollarisch befragen und zwar als Auskunftsperson "sui generis", d.h.
nicht in Form der Auskunftsperson von § 149 a StPO/ZH. Eine Person, die später
im Untersuchungsverfahren als Auskunftsperson in Frage kam, war von der Poli-
zei aber nicht notwendigerweise auf ihr Aussageverweigerungsrecht im Sinne von
§ 149 b Abs. 2 StPO/ZH hinzuweisen. Infolgedessen waren die polizeilich proto-
kollierten Aussagen generell lediglich dann beweismässig verwertbar, wenn die
betreffende Person anschliessend noch ordnungsgemäss durch die Staatsan-
- 26 -
waltschaft oder das Gericht einvernommen wurde und dabei auf die Ausübung
des Aussageverweigerungsrechts verzichtete (ZR 112/2013 Nr. 24, S. 90,
E. 3.2.2. a) mit Hinweisen zu Literatur und Judikatur).
3. Der heutige Beschuldigte A._ wurde am 19. Mai 2008 aufgrund der
konkret vorgehaltenen Belehrungen in Übereinstimmung mit der damals gelten-
den kantonalen Verfahrensordnung als Beschuldigter befragt, was sowohl bezüg-
lich der noch ungeklärten Verschuldensfrage und des Verzeigungsvorhalts auch
schlüssig, nachvollziehbar und korrekt war. Entgegen den Ausführungen der Vor-
instanz (Urk. 159 S. 21) wurde der heutige Beschuldigte im Verfahren gegen
J._ in der ersten polizeilichen Befragung vom 19. Mai 2008 namentlich auch
auf sein Aussageverweigerungsrecht hingewiesen. Da im Übrigen auch kein Fall
notwendiger Verteidigung im Sinne von § 11 Abs. 2 StPO/ZH vorlag, erübrigten
sich weitere Hinweise wie zum Beispiel nach § 13 Abs. 1 StPO/ZH. Demnach sind
die gültig und korrekt zustande gekommenen Aussagen des heutigen Beschuldig-
ten A._ gegenüber der Kantonspolizei Zürich weiterhin auch zu seinen Las-
ten verwertbar, sofern nachfolgend eine ordnungsgemässe Einvernahme durch
die Staatsanwaltschaft oder das Gericht folgte, was demnach nun zu prüfen ist.
4. Der heutige Beschuldigte mandatierte damals im Verfahren wegen fahrläs-
siger Körperverletzung gegen den Beschuldigten J._ einen Rechtsanwalt als
Geschädigtenvertreter, der in dem Verfahren auch Zivilansprüche gegen den
nachmalig freigesprochenen Unfallbeteiligten geltend machte (Urk. 177/25/1-2,
177/15). Nachdem der heutige Beschuldigte am Strafantrag festgehalten hatte
und weitere Ermittlungshandlungen (darunter Einholung Arztbericht, Gutachten
zur Auswertung der sichergestellten Tachoscheibe des vom Unfallbeteiligten
J._ gelenkten Lastwagens) erfolgt waren (Urk. 177/9-14, 177/22-23), wurde
er am 24. September 2009 von der Staatsanwaltschaft zum Unfallhergang als
Zeuge befragt (Urk. 177/18 [= ND 19/2/18]). Gleich zu Beginn der Befragung wur-
de er zur Wahrheit ermahnt, auf die Straffolgen eines wissentlich falschen Zeug-
nisses aufmerksam gemacht und es wurde ihm das allgemeine Zeugnisverweige-
rungsrecht gemäss § 131 StPO/ZH erläutert. Ausserdem bestätigte er, am Straf-
antrag gegen den Unfallbeteiligten festzuhalten und bereit zu sein, Aussagen zu
- 27 -
machen. Gemäss dem Einvernahmeprotokoll war der heutige Beschuldigte zur
Befragung in Begleitung seines Rechtsanwalts als Geschädigtenvertreter er-
schienen. Ebenfalls anwesend war auch der beschuldigte Unfallbeteiligte J._
in Begleitung seines Verteidigers (a.a.O. S. 1), der am Ende der Einvernahme ei-
nige Ergänzungsfragen stellte, welche auch beantwortet wurden (a.a.O. S. 5 f.).
Der heutige Beschuldigte bestätigte ausserdem, bei der ersten polizeilichen Ein-
vernahme die Wahrheit gesagt zu haben (a.a.O. S. 3).
5. Die von der Vorinstanz in Bezug auf den heutigen Beschuldigten A._
aufgeworfene Frage, ob die Zeugeneinvernahme zu seinen Lasten verwertbar sei
oder nicht (Urk. 159 S. 21), ist grundsätzlich ebenfalls nach dem damals gelten-
den kantonalen Strafprozessrecht zu entscheiden. Gemäss § 128 StPO/ZH war
ausdrücklich auch der Geschädigte verpflichtet, vor der Untersuchungsbehörde
als Zeuge auszusagen. Der Geschädigte war nach dem damals geltenden Recht
per definitionem in § 395 Abs. 1 Ziff. 2 StPO/ZH die Person, welcher durch das
Delikt unmittelbar ein Schaden zugefügt wurde oder zu erwachsen drohte (Ni-
klaus Schmid, Strafprozessrecht [kurz: Schmid StPO/ZH], 4.A. Zürich 2004,
Rz 502). Die Untersuchungsbehörde musste nach kantonalem Verfahrensrecht
Personen, welche das Zeugnis verweigern durften, hierauf aufmerksam machen
und davon im Protokoll Vormerk nehmen (§ 132 Abs. 1 StPO/ZH). § 131 Abs. 1
StPO/ZH sah denn auch vor, dass der Zeuge die Beantwortung von Fragen ver-
weigern durfte, die ihn oder einen der in § 129 genannten Angehörigen der Ge-
fahr strafrechtlicher Verfolgung aussetzen würde. Vor ihrer Einvernahme waren
die Zeugen unter Hinweis auf die Strafe des falschen Zeugnisses an ihre Pflicht
zu erinnern, nur die Wahrheit zu sagen und nichts zu verschweigen, was zur Sa-
che gehört (§ 141 StPO/ZH). Gemäss § 10 Abs. 6 StPO/ZH war der Geschädigte
jedoch nur soweit einzuvernehmen, als es zur Abklärung des Sachverhalts nötig
war. Schliesslich sah bereits damals § 15 StPO/ZH vor, dass Einvernahmen von
Zeugen, Auskunftspersonen oder Sachverständigen, bei welchen die Vorschriften
von § 14 (Teilnahmerechte) nicht eingehalten wurden, nichtig waren und nicht
hatten beachtet werden dürfen, soweit sie den Angeschuldigten belasteten.
- 28 -
Statt als Zeuge musste nach § 149 a StPO/ZH als Auskunftsperson einvernom-
men werden, wer (unter anderem) ohne selber der abzuklärenden Straftat be-
schuldigt oder dringend verdächtigt zu werden, als Täter oder Teilnehmer der Tat
oder einer mit ihr im Zusammenhang stehenden anderen strafbaren Handlung
nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Auskunftsperson musste vom Untersu-
chungsbeamten über das Recht zur Aussageverweigerung sowie die Bedeutung
ihrer Aussage belehrt und ohne Hinweis auf die Straffolgen von Art. 307 StGB
aufgefordert werden, die Wahrheit zu sagen. Ausserdem musste er die Aus-
kunftsperson auf die Strafbarkeit von falscher Anschuldigung, Irreführung der
Rechtspflege und Begünstigung gemäss Art. 303-305 StGB aufmerksam machen
(§ 149 b Abs. 3 StPO/ZH).
Lehre und Rechtsprechung waren sich einig, dass nach kantonalem Verfahrens-
recht eine Person nur unter bestimmten, im Gesetz abschliessend genannten
Gründen (insbesondere § 149 a StPO/ZH) ausnahmsweise nicht als Zeuge, son-
dern als Auskunftsperson zu befragen war und in den übrigen Fällen die Beweis-
erhebung zwingend nach den gesetzlichen Bestimmungen (insbesondere § 141
StPO/ZH) über die Zeugeneinvernahme zu erfolgen hatte (SB080572 Urteil des
Obergerichts des Kantons Zürich vom 30. März 2009 E. 2.2.5.2 mit Hinweisen).
Ob eine Person anstatt als Zeuge als Auskunftsperson einzuvernehmen war, ent-
schied der einzuvernehmende Beamte anhand der Aktenlage im Zeitpunkt der
Einvernahme, wobei davon auszugehen war, dass ohne konkrete Hinweise eine
Person am zu untersuchenden Straftatbestand unbeteiligt zu erachten war und
demnach primär als Zeuge in Betracht fiel (ZR 112/2013 Nr. 24 E. 3.2.2. a) mit
Hinweisen; Schmid, StPO/ZH, Rz 659h).
6. Der heutige Beschuldigte A._ wurde im Verfahren betreffend fahrlässi-
ge Körperverletzung gegen den Unfallbeteiligten J._ von der Staatsanwalt-
schaft in Beachtung sämtlicher damals geltender Verfahrensvorschriften korrekt
als Zeuge einvernommen, nachdem er von der Kantonspolizei bereits ein erstes
Mal am 19. Mai 2008 noch ohne ausdrückliche Qualifikation, aber unter Hinwei-
sen wie bei einem Angeschuldigten und unter Vorhalt einer Verzeigung, befragt
worden war (siehe oben Erw. II. C. 3.1.). Dabei wurde auch der kassationsrichter-
- 29 -
lichen Vorgabe nachgelebt und dem Zeugen nicht einfach seine früheren vor der
Polizei gemachten Aussagen vorgehalten, sondern der Zeuge angehalten, seine
Aussagen zur Sache ohne Vorhalt ganz spontan zu machen (Entscheid des Kas-
sationsgerichts des Kantons Zürich AC030105 vom 19. Mai 2004), wie sich aus
dem Protokoll ergibt (Urk. 177/18 S. 3 ff.). Im Zeitpunkt dieser Zeugeneinvernah-
me war es von der Sachlage her logisch und zwingend, den heutigen Beschuldig-
ten als Zeugen einzuvernehmen, war er doch Geschädigter im Sinne des Geset-
zes und kam er bezüglich des zu untersuchenden Tatbestandes der fahrlässigen
Körperverletzung anlässlich einer Kollision seines Fahrzeuges mit demjenigen
des Unfallbeteiligten weder als Täter noch als Teilnehmer der Körperverletzung in
Frage. Die Untersuchungsbehörde hatte im damaligen Zeitpunkt auch noch kei-
nen Anlass, an den Aussagen des heutigen Beschuldigten zu zweifeln, was sich
auch darin zeigt, dass der damalige angeschuldigte Unfallbeteiligte J._ erst-
instanzlich am 10. März 2010 der fahrlässigen Körperverletzung schuldig gespro-
chen wurde (Urk. 177/52). Diese Zweifel ergaben sich erst später im Rahmen der
Strafuntersuchung betreffend Betrug gegen den heutigen Beschuldigten A._
selbst, wie aus dem Fax der Kantonspolizei Zürich an den Statthalter des Bezirks
Uster vom 7. Mai 2010 hervorgeht, in welchem sie den Verdacht äussert, der heu-
tige Beschuldigte habe den Verkehrsunfall absichtlich herbeigeführt (Urk. ND
19/8). Am 8. Juli 2010 folgte schliesslich der Ermittlungsauftrag mit Delegations-
verfügung der Staatsanwaltschaft an die Kantonspolizei Zürich gegen den heuti-
gen Beschuldigten betreffend falsche Anschuldigung (Urk. ND 19/9-10), welche
Gegenstand der vorliegenden Anklage bildet (Urk. 61/8 S. 51 f.), nachdem der
Unfallbeteiligte J._ am 14. Januar 2011 rechtskräftig vom Vorwurf der fahr-
lässigen Körperverletzung freigesprochen worden war (Urk. 178/75). Die Zeugen-
einvernahme des heutigen Beschuldigten A._ war somit fehlerfrei und die
Rollenzuteilung wurde zum damaligen Zeitpunkt korrekt vorgenommen. Damit
sind die Aussagen des heutigen Beschuldigten anlässlich der polizeilichen Befra-
gung vom 19. Mai 2008 vollumfänglich und damit auch zu seinen Lasten verwert-
bar.
7. Schliesslich bleibt noch die Frage zu klären, ob dem Beschuldigten A._
im damaligen Verfahren materielle Beschuldigteneigenschaft zukam (siehe hierzu
- 30 -
Schmid, StPO/ZH, Rz 460) und ob sich dies gegebenenfalls auf die Verwertbar-
keit seiner Zeugenaussage auswirkte. Nach Auffassung von Schmid war der be-
treffende Zeuge, bei welchem die Voraussetzungen für die Einvernahme als Aus-
kunftsperson erst nach der Zeugeneinvernahme erfüllt wurden (indem z.B. der
Beschuldigte nachträglich eine Strafanzeige wegen falscher Anschuldigung gegen
den Zeugen einreichte oder Tatsachen ans Tageslicht kamen, die eine Tatbeteili-
gung des Zeugen als nicht ausgeschlossen erscheinen liessen), grundsätzlich
fortan als Auskunftsperson zu befragen. Dabei blieben die früheren Zeugenaus-
sagen nur gültig, wenn sich die betreffende Person später nicht als materiell Be-
schuldigter erwies (Schmid, StPO/ ZH, Rz 659h). In gleichem Sinne entschied das
Obergericht am 24. April 2013 (ZR 112/2013 Nr. 24). Der vorliegende Fall unter-
scheidet sich von jenem, welcher diesem Obergerichtsentscheid zugrunde lag in-
sofern wesentlich, als sich dort der zunächst als Zeuge einvernommene Be-
schwerdeführer im Laufe des Strafverfahrens als an der fahrlässigen Tötung von
A beteiligt dringend verdächtig herausstellte (a.a.O. S. 91 E. 3.2.2. b). Betreffend
den Tatvorwurf der fahrlässigen Körperverletzung lagen zum Zeitpunkt der Ein-
vernahme als Zeuge am 24. September 2009 keine konkreten Verdachtsgründe
vor, die für eine strafrechtlich relevante Mitwirkung (Täterschaft, Anstiftung, Gehil-
fenschaft, Nachtäterschaft wie Hehlerei, Begünstigung, Geldwäscherei) des heu-
tigen Beschuldigten A._ an der (eigenen) Körperverletzung sprachen, so
dass A._ im Verfahren gegen J._ auch keine materielle Beschul-
digteneigenschaft zukam. Somit bleiben auch seine als Zeuge im Verfahren ge-
gen J._ gemachten und allenfalls ihn selbst belastenden Aussagen verwert-
bar. Selbst wenn man zum gegenteiligen Ergebnis der Unverwertbarkeit der Aus-
sagen von A._ gelangen würde, fiele das Beweisergebnis in ND 19, wie
nachfolgend aufgezeigt wird, nicht anders aus (vgl. 3. Teil Ziff. A.I.4).
4. Nebendossier 12
1. Die Vorinstanz beurteilte die von ihr hinsichtlich ND 12 einzeln aufgeführten
Einvernahmen von AH._, B._, AI._ und AJ._ nicht zufolge fal-
scher Rollenverteilung oder fehlerhafter Vorhalte als nicht verwertbar, sondern zu-
folge fehlender Teilnahmemöglichkeit des Beschuldigten A._ (Urk. 195
- 31 -
S. 236), was bezüglich der vor dem 1. Januar 2011 erfolgten Einvernahmen wie
oben dargelegt anhand der kantonalen Strafprozessordnung und der damals gel-
tenden Rechtsprechung zu prüfen ist. Einzig in Bezug auf die polizeiliche Einver-
nahme von AH._ vom 23. Juni 2011 (Urk. ND 12/10/3) und die staatsanwalt-
schaftliche Einvernahme von B._ vom 26. März 2013 (Urk. 4/23 [= ND
12/10/10]) sind die Bestimmungen der eidgenössischen Strafprozessordnung an-
zuwenden (Art. 448 Abs. 1 StPO).
2. Nach § 14 Abs. 1 StPO/ZH war dem Angeschuldigten und seinem Verteidi-
ger Gelegenheit zu geben, den Einvernahmen von Zeugen beizuwohnen und an
sie Fragen zu richten. Das Recht, Fragen an die Belastungszeugen zu stellen
oder stellen zu lassen, wird auch von der Europäischen Menschenrechtskonven-
tion garantiert (Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK). Der Beschuldigte muss demnach in der
Lage sein, die Glaubhaftigkeit einer Aussage zu prüfen und ihren Beweiswert in
kontradiktorischer Weise auf die Probe und in Frage zu stellen. Eine belastende
Aussage eines Beschuldigten in einem getrennt geführten Strafverfahren oder ei-
nes Belastungszeugen war daher grundsätzlich nur verwertbar, wenn der Be-
schuldigte wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene und hinrei-
chende Gelegenheit hatte, die ihn belastenden Aussagen in Zweifel zu ziehen
und Fragen an den Beschuldigten in getrennten Verfahren, resp. den Zeugen, zu
stellen (BGE 140 IV 172 E. 1.3 und BGE 133 I 33 E. 2.2, zum bisher anwendba-
ren kantonalen Recht, je mit Hinweisen). Die Konfrontation konnte entweder im
Zeitpunkt der Aussage des Belastungszeugen oder des Beschuldigten in getrenn-
ten Verfahren erfolgen oder auch in einem späteren Verfahrensstadium, wobei es
grundsätzlich genügte, wenn der Angeschuldigte im Verlaufe seines Strafverfah-
rens wenigstens einmal Gelegenheit erhielt, den ihn belastenden Personen Er-
gänzungsfragen zu stellen (Urteile des Bundesgerichts 6B_529/2014 vom 10. De-
zember 2014 E. 4.2.1 [nicht publ. in BGE 140 IV 196]; 6B_436/2014 vom 2. März
2015 E. 2. und 6B_1160/2014 vom 19. August 2015 E. 4., je mit Hinweisen).
Diese Rechtslage gilt auch weiterhin seit Inkrafttreten der eidgenössischen Straf-
prozessordnung: Gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO steht den Parteien, das heisst der
beschuldigten Person, der Privatklägerschaft und der Staatsanwaltschaft (Art. 104
- 32 -
Abs. 1 StPO), ein Teilnahme- und Mitwirkungsrecht bei Beweiserhebungen durch
die Staatsanwaltschaft und die Gerichte zu. Der gesetzliche Anspruch auf Teil-
nahme an den Beweiserhebungen im Untersuchungs- und Hauptverfahren gilt
grundsätzlich auch für die Einvernahme von Mitbeschuldigten. In getrennt geführ-
ten Verfahren kommt den Beschuldigten im jeweils anderen Verfahren jedoch
keine Parteistellung zu, weshalb kein gesetzlicher Anspruch auf Teilnahme an
den Beweiserhebungen im eigenständigen Untersuchungs- und Hauptverfahren
der anderen beschuldigten Person besteht. Allerdings ist auch nach geltendem
Recht dem Konfrontationsrecht Rechnung zu tragen, wenn sich die Strafverfol-
gungsbehörden auf Aussagen eines Beschuldigten aus einem getrennt geführten
Verfahren abstützen, wobei auch hier die einmalige angemessene und hinrei-
chende Gelegenheit zur Befragung der belastenden Person im Verlaufe des Ver-
fahrens genügt. Gemäss Art. 178 lit. f StPO ist der Beschuldigte in einem anderen
Verfahren als Auskunftsperson einzuvernehmen (BGE 141 IV 220 E. 4.5; Urteil
6B_611/2015 vom 17. Dezember 2015 E. 1.3 mit Hinweisen). Die Bestimmung er-
fasst gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung Mittäter oder Teilnehmer der
abzuklärenden Tat, die in einem anderen Verfahren beurteilt werden, wobei das
selbst für den Fall zutrifft, dass in beiden Verfahren nicht gleiche, aber konnexe
Straftaten verfolgt werden (BGE 140 IV 172 E. 1.2 - 3., mit Hinweisen). Nach
ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichts kann auf das Konfrontationsrecht
verzichtet werden, was namentlich dann anzunehmen ist, wenn der Beschuldigte
es unterlassen hat, rechtzeitig und formgerecht Anträge für eine entsprechende
Befragung zu stellen (Urteil des Bundesgerichts 6B_877/2014 vom 5. November
2015 E. 2.4, [nicht publ. in BGE 141 IV 465]).
3. a) Wie sich aus den Akten ergibt, wurden dem Verteidiger des Beschuldig-
ten A._ die polizeilichen Einvernahmen von AH._ vom 17. Juli 2009 und
vom 11. Februar 2010 (Urk. ND 12/10/1-2) vorgängig der Konfrontationseinver-
nahme vom 2. Juni 2010, welche gemäss Vorladung und der Seitennummerie-
rung in der Kopfzeile wohl tatsächlich am 18. Mai 2010 stattfand
(Urk. ND 12/10/13 [= Urk. 8/8], S. 2 ff.; Urk. 51/24, 51/26 und 51/28), auf welches
Datum auch in der späteren Konfrontationseinvernahme Bezug genommen wurde
(Urk. 3/12 S. 20 [= Urk. ND 12/10/6]), zugestellt (Urk. 27/24 und Urk. ND 12/10/23
- 33 -
S. 2). Der Beschuldigte A._ konnte diese einsehen, mit seinem Verteidiger
besprechen und anlässlich der darauf folgenden Konfrontationseinvernahme mit
AH._ hatte er Gelegenheit, Stellung zu dessen Aussagen zu nehmen und
diesem direkt Ergänzungsfragen zu stellen, von welchem Recht er auch Ge-
brauch machte (Urk. ND 12/10/13). Diese Einvernahmen genügen somit den ge-
setzlichen Vorschriften ohne weiteres, weshalb sie vollumfänglich verwertbar sind.
Die delegierte polizeiliche Einvernahme von AH._ vom 23. Juni 2011 fand
ebenfalls in Abwesenheit des Beschuldigten A._ und von dessen Verteidiger
statt (Urk. ND 12/10/3). Mittels Aktenzustellung vom 3. Dezember 2012 erhielt er
jedoch nachweislich Kenntnis auch von dieser Einvernahme (Urk. 27/37). Anläss-
lich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. Mai 2013 bestätigte denn
auch der Beschuldigte A._, dass er sich bezüglich des Nebendossiers 12 mit
seinem Verteidiger besprechen konnte und verzichtete ausdrücklich auf eine er-
gänzende Stellungnahme und auf die Stellung von Beweisanträgen (Urk. 3/12
S. 7 und 23). Selbst im vorinstanzlichen Gerichtsverfahren rügte der Verteidiger
keine Verletzung des Konfrontationsanspruchs und stellte auch keine entspre-
chenden Beweisanträge (Urk. 93, Prot. I S. 11-12 und S. 88; Urk. 133 S. 26-28).
Das Berufungsverfahren beruht grundsätzlich auf den Beweisen des Vorverfah-
rens und des erstinstanzlichen Hauptverfahrens (Art. 389 Abs. 1 StPO). Da eine
Beweisabnahme im Sinne von Abs. 2 der genannten Bestimmung von Amtes we-
gen vorliegend nicht angezeigt erscheint und auch keine besonderen Umstände
ersichtlich sind, die bei gegebener einmaliger Konfrontation einen Anspruch auf
erneute Konfrontation ergäben, ist auch die delegierte polizeiliche Einvernahme
von AH._ vom 23. Juni 2011 vollumfänglich, somit auch zu Lasten des Be-
schuldigten A._, verwertbar.
b) Gleich wie bezüglich AH._ verhält es sich hinsichtlich der Konfrontation
des Beschuldigten A._ mit den polizeilichen Einvernahmen von B._ vom
8. September 2009 und 17. November 2009 (Urk. ND 12/10/8-9 [= Urk. 4/3 und
4/11]): Die beiden polizeilichen Einvernahmen waren dem Verteidiger des Be-
schuldigten A._ im Hinblick auf die Konfrontationseinvernahme mit B._
vom 1. März 2010 zugestellt worden (Urk. 27/21), worauf zu Beginn dieser Kon-
- 34 -
frontationseinvernahme ausdrücklich hingewiesen wurde (Urk. 8/2 S. 2). Sie ge-
nügen ohne Zweifel den gesetzlichen Anforderungen betreffend den Konfrontati-
onsanspruch und sind daher vollumfänglich verwertbar.
Die Verhandlungsanzeige zur letzten Einvernahme des Beschuldigten B._
durch die Staatsanwaltschaft, die auf den 26. März 2013 angesetzt war, wurde
auch dem Verteidiger des Beschuldigten A._ zugestellt (Urk. 51/54). Er ver-
zichtete indessen auf eine Teilnahme, wie aus dem Einvernahmeprotokoll vom
26. März 2013 ersichtlich ist, denn er erschien trotz Kenntnis des Termins nicht
(Urk. ND 12/1010 [= Urk. 4/23]). Inhaltliche Angaben zum Nebendossier 12 mach-
te der Beschuldigte B._ anlässlich dieser Einvernahme ohnehin nicht. Seine
Aussage beschränkte sich auf eine pauschale Bestreitung (Urk. ND 12/10/10).
Mangels einer inhaltlichen Aussage wurde diese reine Bestreitung dem Beschul-
digten A._ in seiner darauffolgenden Einvernahme vom 27. Mai 2013 nicht
eigens vorgehalten (Urk. 3/12 S. 19-23), lässt sich doch aus ihr nichts Neues zu
seinen Lasten entnehmen. Eine Verletzung des Konfrontationsrechts liegt damit
auch hier nicht vor.
c) Bei der polizeilichen Einvernahme von AI._ vom 22. Juni 2009 handelt
es sich um dessen erklärende Ausführungen anlässlich der Anzeigeerstattung im
Namen der Privatklägerin 7, der Firma H._ AG (Urk. ND 12/10/14). Die Be-
fragung von AI._ diente denn auch im Wesentlichen der sachdienlichen Er-
mittlung. Mit den inhaltlich-sachlichen Vorwürfen, namentlich auch seitens des
Mitbeschuldigten B._, wurde der Beschuldigte A._ denn auch sehr wohl
regelkonform konfrontiert (Urk. ND12/10/11). Im Übrigen ist mangels eines bis
heute erfolgten Antrages der Parteien auf Konfrontation mit AI._ von einem
konkludenten Verzicht einer solchen auszugehen.
d) Die polizeiliche Einvernahme von AJ._ vom 16. Februar 2010 (Urk. 7/6)
erfolgte noch während der ersten Ermittlungsphase gegen den Beschuldigten
A._. Nach Vorliegen der Ergebnisse der rückwirkenden Teilnehmeridentifika-
tion (Urk. 17/1) wurde auch der Beschuldigte A._ zu seinen Handys und Te-
lefonnummern befragt, und zwar am 23. Februar 2010 (Urk. 17/2). Dabei wurde er
mit der polizeilich festgestellten Tatsache konfrontiert, dass anlässlich der Befra-
- 35 -
gung von AJ._ im Kontaktordner unter der Telefonnummer 078 1... der Na-
me 'AK._' erschien. Ausserdem wurde er mit den diesbezüglichen Aussagen
von AJ._ konfrontiert. Dabei bestätigte er, AJ._ zu kennen, wollte aber
nichts davon wissen, mittels dieser Nummer mit AJ._ telefoniert zu haben
(Urk. 17/2 S. 6 und S. 5-9). Mit dem Ergebnis der rückwirkenden Teilnehmeriden-
tifikation bezüglich der vorgenannten Nummer wurde der Beschuldigte A._
im Übrigen anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 27. Mai
2013 nochmals konfrontiert (Urk. 3/12 S. 15), nachdem ihm resp. seinem Vertei-
diger die gesamten Akten am 3. Dezember 2012 zugestellt worden waren
(Urk. 27/37 und Urk. 61/2/5 S. 2). In der Folge verzichtete der Beschuldigte dies-
bezüglich auf eine Beweisergänzung (Urk. 3/12 S. 16 und S. 23). Wie vorstehend
unter 3.a) erwähnt, rügte der Verteidiger auch im vorinstanzlichen Gerichtsverfah-
ren keine Verletzung des Konfrontationsanspruchs und stellte auch keine ent-
sprechenden Beweisanträge (Urk. 93, Prot. I S. 11-12 und S. 88; Urk. 133 S. 26-
28). Damit hat er gültig auf eine separate Konfrontationseinvernahme zwischen
dem Beschuldigten A._ und AJ._ verzichtet, was ohne weiteres zulässig
und zu beachten ist. Die polizeiliche Einvernahme von AJ._ ist daher unein-
geschränkt verwertbar.
5. Nebendossier 5
1. Die Vorinstanz erwog, dass die von ihr zum ND 5 einzeln aufgeführten Ein-
vernahmen von W._ und C._ mangels Teilnahmemöglichkeit beider Be-
schuldigter ebenfalls unverwertbar seien (Urk. 159 S. 222), obwohl dies von Sei-
ten der Verteidigung nicht geltend gemacht worden war.
2.1. Die polizeilichen Einvernahmen von W._ vom Jahre 2009 (Urk. 5/3, 5/5,
5/6 und 5/10) wurden der Verteidigung von A._ und B._ je im Hinblick
auf die Konfrontationseinvernahme zugestellt, so dass sie mit der Verteidigung
besprochen werden konnten, was betreffend W._ explizit im Protokoll ver-
merkt wurde (Urk. 27/13 und Urk. 8/1 [A._]; Urk. 28/12 und Urk. 9/1 S. 2
[B._]). Dasselbe gilt in Bezug auf den Beschuldigten A._ für die Einver-
nahmen von C._ im Jahre 2009 (Urk. 6/2 und 6/5), welche ebenfalls im Hin-
- 36 -
blick auf die Konfrontationseinvernahme zugestellt worden waren (Urk. 27/24-25
und Urk. 8/6 S. 2). Sie sind daher allesamt uneingeschränkt verwertbar.
2.2. Bei der Verwertbarkeit der Einvernahmen von W._ vom 15. Mai 2013
(Urk. 5/13) und von C._ vom 11. Juni 2013 (Urk. 6/10) besteht ebenfalls kei-
ne Einschränkung, wurden sie doch bereits einmal einlässlich und regelkonform
mit dem Beschuldigten A._ - und soweit es W._ betrifft auch mit dem
Beschuldigten B._ - konfrontiert. Diese Einvernahmen können daher ohne
weiteres zulasten des Beschuldigten A._ und bezüglich W._ auch zulas-
ten des Beschuldigten B._ verwertet werden, wobei darauf hinzuweisen ist,
dass es sich dabei um den abschliessenden Deliktsvorhalt und die Schlussein-
vernahme handelte, so dass sich darin keine wesentlichen neuen inhaltlichen
Aussagen finden. Davon gehen offensichtlich auch die Verteidiger aus, beantrag-
ten sie weder nach dem Schlussvorhalt durch die Staatsanwaltschaft noch vor
Vorinstanz die entsprechende Vornahme einer (erneuten) Konfrontationseinver-
nahme, weshalb von einem Verzicht auf dieses Parteirecht auszugehen ist.
3. Die Eheleute C._ und B._ allerdings wurden nie direkt konfrontiert,
jedoch erhielten ihre Verteidigungen sämtliche Akten zur Besprechung mit ihrer
Klientschaft zugestellt. Überdies verzichteten die Verteidigungen von C._
und B._ konkludent darauf, dass die Eheleute konfrontiert werden, indem sie
von entsprechenden Anträgen bis heute absahen. Ausserdem war die Gelegen-
heit zur Konfrontation allerspätestens anlässlich der vorinstanzlichen Hauptver-
handlung gegeben, denn dort waren alle drei Beschuldigten gleichzeitig anwe-
send (Prot. I S. 11) und die Verteidigung hatte abschliessende und umfassende
Aktenkenntnis. Dennoch liegt weder ein entsprechender Antrag vor noch wurde
die Verwertbarkeit bestritten. Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung
verzichteten denn auch die Verteidiger der Beschuldigten A._ und B._
auf Ergänzungsfragen, resp. nahmen die Gelegenheit jedenfalls nicht wahr (Prot.
I S. 24 und S. 45). Schliesslich ist darauf hinzuweisen, dass sich die Verteidigung
von B._ selbst auf die Aussagen von C._ abstützt (Urk. 131 S. 33),
ebenso wie deren Verteidigung auf die Aussagen von B._ (Urk. 129 S. 6 und
8).
- 37 -
Mithin sind auch die Einvernahmen von C._ uneingeschränkt und damit auch
zulasten von B._ verwertbar.
4. Wie bei AI._ (ND 12) handelt es sich bei AL._ um den Geschäfts-
führer der Privatklägerin 2, der Firma E._ AG, und in deren Namen um den
Anzeigeerstatter (Urk. ND 5/8/1). Auch er machte seine Aussagen gegenüber der
Kantonspolizei im Ermittlungsverfahren und selbstverständlich konnten die Be-
schuldigten zu den inhaltlichen Angaben Stellung nehmen. Die Verteidigungen
verzichteten auch bezüglich AL._ bis heute auf einen Beweisantrag auf Kon-
frontation, resp. Einvernahme der Auskunftsperson als Zeuge mit der Möglichkeit
dieser beizuwohnen, zitierten aber vor Vorinstanz dennoch seine Aussagen
(Urk. 131 S. 32 f. und Urk. 133 S. 24), so dass einer Verwertung seiner Angaben
im Rahmen der Anzeigeerstattung nichts entgegensteht, da ein Verzicht auf die-
ses Parteirecht auch hier anzunehmen ist.
5. Die Vorinstanz legt selbst dar, dass AM._ nach seiner ersten Befragung
als Auskunftsperson auch noch formell als Zeuge einvernommen wurde und be-
züglich dieser Zeugeneinvernahme die Teilnahmerechte der Beschuldigten
A._ und B._ gewahrt wurden (Urk. 159 S. 222). So wurde ihnen der
Termin der Zeugeneinvernahme angezeigt (Urk. 50/53-54) und sie nahmen ihn
auch wahr (Urk. ND 5/8/29 S. 1). Wie vorstehend unter 4. zum ND 12 dargelegt,
genügt die Gewährung der Teilnahmerechte einmal während des Verfahrens den
gesetzlichen Vorschriften. Indem die Untersuchungsbehörde die Auskunftsperson
formell noch als Zeuge einvernommen hatte, wurden auch dessen Aussagen als
Auskunftsperson legitimiert. Somit ist auch die polizeiliche Einvernahme von
AM._ vom 6. Juli 2011 (Urk. ND 5/8/27) ohne weiteres vollumfänglich ver-
wertbar.
6. Nebendossiers 3, 4, 6-8 und Nebendossier 11 (Fahrzeugleasings)
1. Weiter hielt die Vorinstanz fest, dass die von ihr zu den obgenannten Ne-
bendossiers einzeln aufgeführten Einvernahmen von W._ (Urk. 5/1, 5/3, 5/7,
5/8, 5/9, 5/12 und 5/13), C._ (Urk. 6/1, 6/6, 6/8, 6/9 und 6/10), AD._
(Urk. ND 11/5/1), AF._ (Urk. ND 3/15/9-11 und ND 6/17/11= ND 3/15/11),
- 38 -
AN._ (Urk. ND 8/12/14), AO._ (ND 11/5/14), AP._ (ND 11/5/14),
AQ._ (Urk. ND 3/15/16), AR._ (Urk. ND 6/17/15), AS._
(Urk. ND 6/17/16-17), AT._ (Urk. ND 7/9/10) und AU._ (Urk. ND 7/9/14
und 16) mangels Teilnahmemöglichkeit beider Beschuldigter ebenfalls unverwert-
bar seien (Urk. 159 S. 145, 161, 172, 180, 209, 216 und 222).
Ausserdem erwog sie zu ND 3 und ND 8, je eine Zeugeneinvernahme von
AQ._ (Urk. ND 3/15/17) und von AN._ (ND 8/12/16) sei gegen den Be-
schuldigten A._ infolge fehlender Teilnahmemöglichkeit nicht verwertbar
(Urk. 159 S. 161 und S. 180).
Von Seiten der Verteidigung war im Verlaufe des Verfahrens nichts dergleichen
gerügt worden.
2. Grundsätzlich kann wie zu den Nebendossiers 5 und 12 bereits ausgeführt,
darauf verwiesen werden, dass die Untersuchungsbehörde die Einvernahmen von
W._, C._, AD._, AC._, AF._ und AO._ den Verteidi-
gungen der Beschuldigten A._ und B._ jeweils zugestellt hatte, so dass
diese die Aussagen im Hinblick auf die Konfrontationseinvernahmen mit ihren
Verteidigungen einlässlich besprechen konnten, resp. Verzicht auf eine (erneute)
Konfrontation vorliegt, nachdem die Verteidigungen über die anstehenden Einver-
nahmetermine orientiert waren (Urk. 27 und 28 [Zustellungen], Urk. 50 und 51
[Vorladungen]; Urk. 61/2/5). Die Verteidigungen hatten volle Akteneinsicht resp. -
kenntnis und verzichteten dennoch auf die Stellung entsprechender Beweisanträ-
ge. Eine Verletzung der Teilnahmerechte liegt nicht vor. Somit sind die entspre-
chenden Einvernahmen uneingeschränkt verwertbar.
3. Die Einvernahmen von AQ._ (Urk. ND 3/15/16-17) sind unter Verweis
auf das kantonale Prozessrecht vollumfänglich zulasten der Beschuldigten
A._ und B._ verwertbar, da der polizeilichen Einvernahme später noch
die ordnungsgemässe staatsanwaltschaftliche Einvernahme als Auskunftsperson
(und nicht Zeugeneinvernahme wie die Vorinstanz erwägt) folgte, an welcher der
Beschuldigte B._ mit seinem Verteidiger anwesend war (Urk. ND 3/15/17).
Mit den Aussagen aus dieser letzten Einvernahme wurde der Beschuldigte
- 39 -
A._ im Beisein seines Verteidigers alsdann am 24. Juli 2013 konfrontiert und
verzichtete bereits dort ausdrücklich auf weitere Beweisanträge (Urk. ND 3/15/7
S. 4).
4. Dasselbe gilt analog für die polizeilichen Einvernahmen von AU._ vom
April und Juni 2010 (Urk. ND 7/9/14 und 7/9/16). Gestützt auf die Delegationsver-
fügung der Staatsanwaltschaft vom 2. Februar 2010 (Urk. 2/6) erfolgten bereits
die ersten Einvernahmen von AU._ nach dem anwendbaren kantonalen Pro-
zessrecht regelkonform. Da anschliessend eine Konfrontation mit A._ statt-
fand (Urk. 8/12), sind auch die früheren Aussagen uneingeschränkt verwertbar.
Die Verteidigung von B._ erhielt sodann im Hinblick auf dessen Befragung
am 26. März 2013 (Urk. 4/22) volle Akteneinsicht (Urk. 28/24) und hatte daher
Kenntnis von den Aussagen von AU._, jedoch auf eine Konfrontation ver-
zichtet, indem sie keinerlei solche Beweisanträge stellte, womit einer uneinge-
schränkten Verwertung dieser Aussagen nichts entgegen steht.
5. Gleiches gilt ebenfalls für die Einvernahmen von AN._. Die polizeilichen
Einvernahmen wurden beiden Beschuldigten zugestellt (Urk. 27/24 [A._];
Urk. 28/11 und 28/22 [B._]). Die Konfrontationseinvernahme vom 18. Mai
2010 fand mit dem Beschuldigten A._ (Urk. 8/7) und jene vom 28. Juni 2013
mit dem Beschuldigten B._ statt (Urk. ND 8/12/16). Damit erfolgte im Verlau-
fe des Verfahrens je eine umfassende Konfrontation, so dass die Teilnahmerech-
te beider Beschuldigter gewährleistet wurden und die Aussagen vollumfänglich
verwertet werden dürfen.
6. Die polizeiliche Einvernahme von AP._ vom 18. September 2009 be-
treffend die ND 7 und 11 (Urk. ND 11/5/16 = ND 7/9/17) fand im Rahmen der ers-
ten Ermittlungshandlungen statt, handelte es sich dabei doch um den Garagisten,
der die zwei geleasten Fahrzeuge lieferte (Urk. 61/8 S. 6 ff. und S. 11 ff.). Er wur-
de in der Folge durch die Staatsanwaltschaft oder delegiert durch die Polizei nicht
mehr befragt. Die Beschuldigten A._ und B._ wurden jedoch bezüglich
der ND 7 und 11 zu den Beschuldigungen seitens AD._ und C._, wel-
che - wie noch zu zeigen sein wird - die Angaben von AP._ stützten, einläss-
lich befragt und mit ihnen ordnungsgemäss konfrontiert (Urk. 8/2 S. 27 und S. 31
- 40 -
f. [Konf-EV A._/B._]; Urk. 8/3 [Konf-EV A._/AD._]; Urk. 8/6
[Konf-EV A._/C._]). Nachdem beide Parteien bei der ihnen bekannten
Sachlage und dem Inhalt der Aussagen auf die Stellung entsprechender Beweis-
anträge verzichteten, ist davon auszugehen, dass sie (auch) bezüglich AP._
auf ihr Recht, eine Konfrontation zu verlangen, rechtsgültig verzichteten. Damit
kann seine Einvernahme, zumal sie nicht das einzige Beweismittel darstellt,
grundsätzlich ohne weiteres verwertet werden.
7. Ausführungen zu den polizeilichen Befragungen von AR._ und
AS._ im Zuge der Ermittlungen zu ND 6 erübrigen sich, da sie weder seitens
der Staatsanwaltschaft noch seitens der Verteidigungen der beiden Beschuldigten
A._ und B._ verwendet wurden (Urk. 127 S. 18 f.; Urk. 133 S. 13 f.;
Urk. 131 S. 81 f.). Die Aussagen von AT._ zu ND 7 erschöpfen sich im We-
sentlichen darin, dass er die Beschuldigten nicht kenne und in der Bestreitung, mit
dem Vorfall etwas zu tun zu haben (Urk. ND 7/9/10), so dass sie für die Erstellung
des Sachverhaltes ohne Bedeutung sind.
7. Nebendossier 13
1. Die Vorinstanz ging davon aus, dass die Einvernahmen von AV._
(Urk. ND 13712), AC._ (Urk. 7/9 = ND 3/14), AW._ (Urk. ND 13/15),
W._ (Urk. 5/11 = ND 13/17, 5/12 = ND 13/19 und 5/13 = ND 13/21), Q._
(Urk. ND 13/43 und ND 13/46) und von BA._ (Urk. ND 13/48) mangels Teil-
nahmemöglichkeit beider Beschuldigter unverwertbar seien (Urk. 159 S. 71).
Von Seiten der Verteidigung war im Verlaufe des Verfahrens nichts dergleichen
gerügt worden.
2. Die Einvernahmen von W._ vom 19. und 28. April 2010 (Urk. 5/11-12)
wurden der Verteidigung von A._ im Hinblick auf die Konfrontationseinver-
nahme vom 7. Juli 2010 (Urk. 8/13) zugestellt (Urk. 27/30) und sind damit bezüg-
lich dieses Beschuldigten uneingeschränkt verwertbar. Da der gesetzliche An-
spruch auf mindestens einmalige Konfrontation während des Verfahrens gewahrt
wurde, ist auch die weitere Einvernahme von W._ ohne weiteres verwertbar.
Dasselbe gilt in Bezug auf den Beschuldigten B._: Seiner Verteidigung wur-
- 41 -
den die Einvernahmen vom April 2010 am 23. September 2010 zugestellt
(Urk. 28/22) und die gesamten Akten am 28. September 2012 (Urk. 28/24). Be-
züglich der Einvernahme vom 15. Mai 2013 kann auf das vorstehend Ausgeführte
verwiesen werden (C. 5. 2.2.). Es fand eine Konfrontation zwischen B._ und
W._ statt (Urk. 9/1), so dass bezüglich der Verwertbarkeit der Einvernahmen
keine Einschränkungen bestehen.
3. Beide Beschuldigten wurden regelkonform mit AC._ konfrontiert, nach-
dem ihnen die polizeilichen Einvernahmen desselben zur Kenntnis gebracht wor-
den waren (Urk. 8/4 und Urk. 9/3). Das Teilnahmerecht ist nicht verletzt. Die Ein-
vernahmen von AC._ sind vollumfänglich verwertbar.
4. Q._ wurde am 29. April 2010 und 30. Juni 2010 polizeilich befragt
(Urk. ND 13/43 = Urk. EIZ 5/3 und Urk. ND 13/46), jedoch gestützt auf eine Dele-
gationsverfügung der zuständigen Staatsanwältin vom 2. Februar 2010 und den
Ermittlungsauftrag dazu vom 3. Februar 2010 (Urk. 2/6 und 2/7). Der einverneh-
mende Polizeibeamte handelte daher mit den (delegierten) Befugnissen der
Staatsanwaltschaft und entsprechend machte er Q._ zu Beginn der Einver-
nahmen auf dessen Aussageverweigerungsrecht und die Folgen einer falschen
Anschuldigung, Begünstigung und Irreführung der Rechtspflege im Sinne von
§ 149 b Abs. 3 StPO/ZH aufmerksam (Urk. ND 13/43 S. 1 und ND 13/46 S. 1).
Damit wurden die damals geltenden prozessualen Vorschriften eingehalten (siehe
oben 2. Teil C. 3. 2.). Nachdem das Verfahren gegen Q._ abgetrennt und un-
ter der Nummer C-3/2010/577 weitergeführt wurde (Urk. 60/1/1) erfolgten ent-
sprechende Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft dort (Urk. 60/1/1 [EV
vom 19. August 2013]). Dem Beschuldigten A._, denn nur ihm wird noch der
Anklagevorwurf der Geldwäscherei im Zusammenhang mit dem Grundstück
BB._ gemacht, waren - nebst den Aussagen von W._ und B._ -
schon früh im Verfahren (am 5. Juli 2010) die Aussagen von Q._ zu den
Leistungsabrechnungen der V._ GmbH (die jedoch nicht Eingang in die An-
klage fanden {Urk. 61/8 S. 61/8 S. 39-42 und S. 45-47 [A._]; Urk. 62/9 S. 34-
35 und S. 39-40 [B._]; Urk. 64/11 S. 4 [C._]}) und zur Finanzierung des
Grundstücks in BB._ durch die Eheleute W/CO._ sowie die Aussagen
- 42 -
dazu von W._ im Einzelnen vorgehalten worden, so dass er sich dazu äus-
sern konnte (Urk. ND 13/24 S. 30-39 und S. 39-41). Es ist vermittelst der vollum-
fänglichen Aktenkenntnis der Beschuldigten davon auszugehen, dass sie auf eine
Konfrontation konkludent verzichteten, beantragten sie eine solche doch im bishe-
rigen Verfahren nie, was ihnen selbstverständlich unbenommen war. Die fragli-
chen delegierten Einvernahmen von Q._ sind somit uneingeschränkt ver-
wertbar.
5. Auch AV._ wurde am 17. März 2010 gestützt auf denselben Ermitt-
lungsauftrag wie bei Q._ delegiert polizeilich befragt (Urk. ND 13/12). Der
einvernehmende Polizeibeamte handelte daher mit den (delegierten) Befugnissen
der Staatsanwaltschaft und entsprechend erfolgten auch bei ihr zu Beginn der
Einvernahmen die gesetzlich vorgesehenen Hinweise zum Aussageverweige-
rungsrecht und den Folgen einer falschen Anschuldigung, Begünstigung und Irre-
führung der Rechtspflege im Sinne von § 149 b Abs. 3 StPO/ZH (Urk. ND 13/12
S. 1). Damit wurden auch bei ihr die damals geltenden prozessualen Vorschriften
eingehalten. Ausserdem wurde der Beschuldigte A._ am 5. Juli 2010 und
sodann erneut am 27. Mai 2013 einlässlich mit den Aussagen der Auskunftsper-
son AV._ und der diesbezüglichen Dokumente konfrontiert und konnte dazu
Stellung nehmen (Urk. ND 13/24 S. 7 ff.; Urk. 3/12 S. 25 ff.) und verzichtete auch
hier auf Beweisanträge (Urk. 3/12 S. 29). Auch B._ wurde zum ND 13 am
4. März 2010 einlässlich delegiert und damit prozessual korrekt befragt
(Urk. ND 13/29) und verwies in den späteren Einvernahmen durch die Staatsan-
waltschaft ausdrücklich darauf, bei diesen Aussagen zu bleiben (Urk. 4/22 S. 16
und Urk. 4/23 S. 11 ff.). Im Übrigen kann auf die vorstehenden Erwägungen zu
AH._ (siehe 2. Teil C. 4. 3.a) und Q._ verwiesen und festgehalten wer-
den, dass die Aussagen der Auskunftsperson AV._ uneingeschränkt für bei-
de Beschuldigten verwertbar sind.
6. Die polizeiliche Einvernahme von BA._ vom 2. Februar 2010 durch die
Kantonspolizei Aargau fand im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens gegen
AO._ statt (Urk. ND 13/48 S. 1). Im dortigen Verfahren hatten die Beschul-
digten keine Parteistellung und entsprechend kein Teilnahmerecht. Die polizeili-
- 43 -
che Befragung wurde ausserdem nach kantonalem zürcherischem Prozessrecht
durch die spätere staatsanwaltschaftliche Konfrontationseinvernahme mit
A._ legalisiert (Urk. 8/5), so dass beide Einvernahmen im vorliegenden Ver-
fahren bezüglich A._ uneingeschränkt auch zu seinen Lasten verwertbar
sind. Auch dem Beschuldigten B._ wurden die Aussagen von BA._ so-
wie die entsprechenden Belege einzeln vorgehalten und er konnte dazu einläss-
lich Stellung nehmen (Urk. ND 13/29 S. 27 ff.), und zwar prozessual verwertbar
anlässlich einer delegierten polizeilichen Einvernahme durch den zuständigen po-
lizeilichen Sachbearbeiter (Urk. 2/6-8). B._ oder seine Verteidigung verlang-
ten im bisherigen Verfahren ebenfalls nie eine separate Konfrontation, obwohl sie
vollumfängliche Aktenkenntnis hatten. Es ist daher bezüglich des Beschuldigten
B._ ein Verzicht auf sein Konfrontationsrecht anzunehmen, abgesehen da-
von, dass er bezüglich des Nebendossiers 13 in der Sache weitgehend geständig
ist, worauf später noch einzugehen sein wird.
D. Verletzung des Anklageprinzips
1. Wie schon vor Vorinstanz rügt die Verteidigung des Beschuldigten B._
hinsichtlich der in der Anklageschrift aufgeführten Delikte in allgemeiner Art wie
auch in Bezug auf die einzelnen Nebendossiers eine Verletzung des Anklageprin-
zips, da nebst einzelnen Tatbestandsmerkmalen namentlich auch die Tatbeteili-
gung des Beschuldigten B._ gar nicht, respektive jeweils zu wenig präzise,
umschrieben worden sei (Urk. 209 S. 6; Urk. 131 S. 10 f. und S. 17 ff.).
2. Nach dem in Art. 9 Abs. 1 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz be-
stimmt die Anklage den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunk-
tion). Gemäss Art. 325 Abs. 1 StPO bezeichnet die Anklageschrift unter anderem
möglichst kurz, aber genau, die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten
mit Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung (lit. f)
und die nach Auffassung der Staatsanwaltschaft erfüllten Straftatbestände unter
Angabe der anwendbaren Gesetzesbestimmungen (lit. g).
Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem
Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und sub-
- 44 -
jektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Zugleich bezweckt das Anklageprin-
zip den Schutz der Verteidigungsrechte des Beschuldigten und garantiert den An-
spruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion; BGE 141 IV 132 E. 3.4.1;
BGE 140 IV 188 E. 1.3). Die beschuldigte Person muss aus der Anklageschrift er-
sehen können, wessen sie angeklagt ist. Das bedingt eine zureichende Um-
schreibung der Tat. Entscheidend ist, dass die beschuldigte Person genau weiss,
welcher konkreter Handlungen sie beschuldigt und wie ihr Verhalten rechtlich
qualifiziert wird, so dass sie sich in ihrer Verteidigung richtig vorbereiten kann (Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_492/2015 vom 2. Dezember 2015 E. 2.2 mit Hinwei-
sen, nicht publ. in BGE 141 IV 437).
Kernstück der Anklageschrift bildet die Darstellung der dem Beschuldigten zur
Last gelegten Tat. Die Darstellung des tatsächlichen Vorgangs ist auf den gesetz-
lichen Tatbestand auszurichten, der nach Auffassung der Anklage erfüllt zu be-
trachten ist, d.h. es ist anzugeben, welche einzelnen Vorgänge und Sachverhalte
den einzelnen Merkmalen des Straftatbestandes entsprechen. Zu den gesetzli-
chen Merkmalen der strafbaren Handlung gehören neben den Tatbestandsmerk-
malen die Schuldform (sofern vorsätzliches und fahrlässiges Verhalten strafbar
ist), die Teilnahmeform (Mittäterschaft, Anstiftung, Gehilfenschaft) sowie die Er-
scheinungsform (Versuch oder vollendetes Delikt) und allfällige Konkurrenzen
(Urteil des Bundesgerichts 6B_633/2015 vom 12. Januar 2016, E. 1.3.2). Dabei
ist jedoch der Inhalt des Tatbestandes ebenso wenig anzuführen, wie diesbezüg-
liche rechtliche Ausführungen, denn das Gericht ist in der rechtlichen Würdigung
des Tatvorwurfs frei (Urteil des Bundesgerichts 6B_492/2015 vom 2. Dezember
2015 E. 2.3; nicht publ. in BGE 141 IV 437).
3. Eine Verletzung des Anklageprinzips liegt in concreto nicht vor. Entgegen
der Darstellung des Verteidigers des Beschuldigten B._ werden die ent-
scheidenden Handlungen gerade nicht nur A._ vorgeworfen (Urk. 131 S. 17
ff.). Ganz im Gegenteil hält die Anklageschrift bereits eingangs unter Ziffer 1 bei
der Umschreibung des Sachverhaltes fest, dass der beschuldigte B._ "in Mit-
täterschaft mit A._" sowie "teilweise in Mittäterschaft mit W._", d.h. "auf-
grund gemeinsamer Planung, Entschlussfindung und Tatausführung" handelte,
- 45 -
wobei die Anklageschrift anschliessend unter dem Titel "Vorbemerkungen zu den
ND 3-8, 11, 13" wiederum ausdrücklich festhält, dass das Tatvorgehen arbeitstei-
lig war und an den Tatausführungen immer mehrere Personen beteiligt waren
(Urk. 62/9 S. 2). Im Folgenden stellt die Anklage detailliert und konkret bezüglich
genau umschriebener Lebenssachverhalte dar, welche Handlungen der Beschul-
digte wann, wo, mit wem und wozu vorgenommen haben soll. Immer wieder wird
im Einzelnen darauf hingewiesen, welcher Art der Tatbeitrag des Beschuldigten
war. Es bleibt entgegen der Behauptung der Verteidigung keineswegs unklar, was
denn dem beschuldigten B._ genau vorgeworfen wird oder was er genau ge-
tan haben soll (Urk. 131 S. 10). So wird ihm zum Beispiel zu ND 3 in der Anklage
ausdrücklich vorgeworfen, gemeinsam mit dem beschuldigten A._ beschlos-
sen zu haben, unter Täuschung einer Leasinggesellschaft A._ einen Perso-
nenwagen zu beschaffen (Urk. 62/9 S. 3) und listet den Tathergang detailliert mit
Angabe der Handlungen des beschuldigten B._ auf, wobei sie auch Angaben
bezüglich des subjektiven Tatbestandes macht, indem sie festhält, der beschul-
digte A._ habe geplant und B._ habe zumindest in Kauf genommen,
den genannten BMW weiter zu veräussern, womit A._ und B._ beab-
sichtigten bzw. zumindest billigend in Kauf nahmen, dass das Vermögen der
F1._ Leasing im Umfang des Fahrzeugwertes vermindert und andererseits
ihr Vermögen in demselben Umfang direkt bzw. indirekt vermehrt würde (a.a.O.
S. 5). Dasselbe trifft auch auf die weiteren Nebendossiers zu, in welchen die An-
klageschrift ebenso detailliert sowohl die gemeinsame Planung wie die konkrete
arbeitsteilige Umsetzung dieser Planung durch die Beschuldigten schildert, oft mit
praktisch den gleichen Formulierungen, je angepasst auf den konkreten Sachver-
halt, resp. das konkrete Fahrzeug (Urk. 62/9 S. 6 f., S. 10 f., S. 14 f., S. 23 f.,
S. 27 f.). Auch bezüglich des Vorwurfs des Erschleichens einer falschen Beur-
kundung (ND 4) legt die Staatsanwaltschaft detailliert dar, inwiefern der Delikts-
vorwurf dem beschuldigten B._ durch Zusammenwirken mit dem beschuldig-
ten A._ gemacht wird (a.a.O. S. 27). Dasselbe trifft auf den Vorwurf bezüg-
lich des Betrugs mittels Hypothekarkredit zu (a.a.O. S. 31 f.). Für die Prüfung der
Einhaltung des Anklageprinzips ist nicht massgeblich, ob der Sachverhalt wie von
der Verteidigung gewünscht genau so in der Anklageschrift zu finden ist. Massge-
- 46 -
bend ist wie erwähnt, dass dem Beschuldigten durch hinreichende Umschreibung
des eigentlichen Tatgeschehens im Sinne von Art. 325 Abs. 1 lit. f und g StPO
klar ist, welches Verhalten ihm vorgeworfen wird. Daran, wogegen er sich zu ver-
teidigen hat, verbleibt vorliegend aufgrund des detailliert geschilderten Tatvorge-
hens in der Anklageschrift jedenfalls kein Zweifel. Die diesbezüglichen Vorwürfe
der Verteidigung zielen letztlich bereits auf die Würdigung des Sachverhaltes hin.
Ob die der Anklage zugrundeliegenden Tatbestandselemente beweismässig er-
stellt werden können oder für die Anwendung der angerufenen Strafnormen aus-
reichend sind, ist jedoch nicht unter dem Aspekt des Anklageprinzips zu prüfen,
sondern wird Gegenstand des materiellen Entscheides gestützt auf die Beweis-
würdigung sein.
E. Beweisgrundsätze
1. Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfenen Taten, ist der Sachver-
halt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argu-
mente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus
Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 10 Abs. 3 StPO sowie Art. 6 Ziff. 2
EMRK verankerten Maxime "in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis
seiner Schuld zu vermuten, dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte un-
schuldig ist (BGE 137 IV 219, E. 7.3. mit Hinweisen; BGE 127 I 38, E. 2a; Urteil
des Bundesgerichts 6B_617/ 2013 vom 4. April 2014, E. 1.2.). Angesichts der Un-
schuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der verfolgende Staat hat
dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbestandselemente nach-
zuweisen (Niklaus Schmid, Handbuch des schweizerischen Strafprozessrechts,
2. A., Zürich/St. Gallen 2013 [kurz: Schmid, Handbuch], N 216) und nicht der Be-
schuldigte seine Unschuld (BGE 127 I 38, E. 2a). Als Beweiswürdigungsregel be-
sagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von der Existenz eines für den
Beschuldigten ungünstigen Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei ob-
jektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob
sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 138 V 74, E. 7; BGE 128 I 81, E. 2
mit Hinweisen; Donatsch/Schwarzenegger/Wohlers, Strafprozessrecht, Zürcher
Grundrisse des Strafrechts, 2. A., Zürich-Basel-Genf 2014, § 2 11.2, S. 60 f.). Die
- 47 -
Überzeugung des Richters muss auf einem verstandesmässig einleuchtenden
Schluss beruhen und für den unbefangenen Beobachter nachvollziehbar sein (Ur-
teil des Bundesgerichts 1P.474/2004 E. 2.2; Hauser/Schweri/Hartmann, Schwei-
zerisches Strafprozessrecht, 6.A. Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Es liegt in der Natur
der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in
der Beweisführung erreicht werden kann. Daher muss es genügen, dass das Be-
weisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist. Bloss abstrakte oder
theoretische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer mög-
lich sind (BGE 138 V 74, E. 7 mit Hinweisen). Es genügt also, wenn vernünftige
Zweifel an der Schuld ausgeschlossen werden können. Hingegen darf ein
Schuldspruch nie auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen (Schmid, Handbuch,
a.a.O. N 227-228; Urteil des Bundesgerichts 1P.474/2004 E. 2.2).
2. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind die-
se frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher Umstände, die
sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche
Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt
der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben er-
folgten. Nach neueren Erkenntnissen kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit der
befragten Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kaum mehr
Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine
Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen, welche durch ei-
ne methodische Analyse ihres Inhaltes darauf zu überprüfen sind, ob die auf ein
bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des
Befragten entspringen. Damit eine Aussage als zuverlässig gewürdigt werden
kann, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein von Realitätskriterien und um-
gekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu überprüfen. Dabei wird zu-
nächst davon ausgegangen, dass die Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist,
und erst wenn sich diese Annahme aufgrund der festgestellten Realitätskriterien
nicht mehr halten lässt, wird geschlossen, dass die Aussage einem wirklich Erleb-
ten entspricht und wahr ist (BGE 133 I 33, E. 4.3. mit Hinweisen und Urteil des
Bundesgerichts 6B_95/2015, 6B_112/2015, 6B_113/2015 vom 25. Januar 2016
- 48 -
E. 6.-3 mit Hinweisen; Niklaus Ruckstuhl/Volker Dittmann/Jörg Arnold, Strafpro-
zessrecht, Zürich - Basel - Genf 2011, § 9 N 505).
3. Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein
indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen,
die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu
beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl
von Indizien, welche für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf
die Täterschaft oder die Tat hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des
Andersseins offen lassen, können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer
Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel be-
stehen lässt, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Das ist mithin auch der
Fall, wenn sich die als belastend gewerteten Indizien zu einer Gewissheit verdich-
ten, welche die ausser Acht gelassenen entlastenden Umstände als unerheblich
erscheinen lassen (Urteil des Bundesgerichts 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014,
E. 3.3. mit Hinweisen).
4. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-
dung, wenn der Beschuldigte eine ihn entlastende Behauptung aufstellt, ohne
dass er diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt nämlich in-
soweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene Schutz-
behauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis wider-
legt werden muss (Schmid, Praxiskommentar StPO, a.a.O., Art. 10, N 2a; BSK
StPO-Tophinke, a.a.O., Art. 10, N 21).
5. Auf die Argumente des Beschuldigten oder seiner Verteidigung ist im Rah-
men der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Dabei muss sich das Gericht
nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen Ein-
wand auseinandersetzen; vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfindung
wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 138 I 232, E. 5.1. mit Hinweisen;
Urteil des Bundesgerichts 6B_484/2013, E. 3.2. vom 3. März 2014).
Auf die einzelnen Beweismittel wird in den nachfolgenden Erwägungen – soweit
für die Urteilsfindung relevant – zurückzukommen sein. Dabei ist schon an dieser
- 49 -
Stelle festzuhalten, dass aus dem Grundsatz des rechtlichen Gehörs zwar die
Pflicht zur Berücksichtigung rechtzeitig und formrichtig gestellter Beweisanträge
folgt, dies indessen nicht bedeutet, dass sämtliche angebotenen Beweise abge-
nommen werden müssen.
3. Teil: Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Vorauszuschicken ist, dass die Anklageschrift mit Ausnahme bezüglich des
ND 19 einem chronologischen Aufbau folgt. Da den Beschuldigten A._ und
B._ ein gemeinschaftliches Tatvorgehen hinsichtlich der ND 3, 4 und 6-8, 11
sowie 13 betreffend Betrug, eventualiter Veruntreuung, vorgeworfen wird (Urk.
61/8 S. 1-3; Urk. 62/9 S. 1-3), wobei bezüglich ND 13 zusätzlich auch der Be-
schuldigten C._ ein strafrechtlich relevantes Handeln angelastet wird (Urk.
64/11), drängt es sich auf, diese Deliktsvorwürfe bezüglich der Beschuldigten ge-
meinsam zu erörtern. Daran anschliessend sind die beiden Nebendossiers betref-
fend die Miete von Baumaschinen (ND 5 und ND 12) zu erörtern, bezüglich wel-
cher wohl der Beschuldigte A._, nicht hingegen B._, von der Vorinstanz
schuldig gesprochen wurde (Urk. 159 S. 331).
2. Getrennt ist jedoch vorab auf die verbleibenden Deliktsvorwürfe einzugehen,
die nur dem Beschuldigten A._ gemacht werden und weder vom Vorgehen
her noch von den Beteiligten her einen Zusammenhang mit den oben erwähnten
Nebendossiers aufweisen, so dass zunächst die Delikte betreffend den Absichts-
unfall vom 18. Mai 2008 (ND 19) behandelt werden.
A. A._: Absichtsunfall (ND 19) Betrug / falsche Anschuldigung / Sachbeschädigung
I. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Die Staatsanwaltschaft macht dem Beschuldigten A._ zusammengefasst den
Vorwurf, er habe am Mittwoch, 14. Mai 2008, kurz nach 14.00 Uhr, beim Ver-
kehrskreisel BC._-/BD._-/BE._-Strasse in BF._ [Ortschaft] mit
- 50 -
dem von ihm gelenkten Personenwagen Ford Mondeo absichtlich eine Kollision
mit dem von J._ gelenkten Lastwagen Scania R 124 B herbeigeführt, indem
er den herannahenden vortrittsbelasteten J._ mittels Licht- und Handzeichen
aufgefordert habe, zuzufahren, obwohl er gar nie die Absicht gehabt habe, auf
sein Vortrittsrecht zu verzichten, und er habe statt dessen seinen Personenwagen
beschleunigt und den Lastwagen von J._ bewusst seitlich von hinten ge-
rammt. Dadurch sei an dem von J._ gelenkten Lastwagen zum Nachteil der
Firma I._ AG ein Sachschaden in der Höhe von ca. Fr. 3'615.– entstanden.
A._ habe eine mittlere Gehirnerschütterung, ein Schleudertrauma im Bereich
der Halswirbelsäule sowie eine posttraumatische Belastungsstörung erlitten, bzw.
habe die entsprechenden Beschwerden gegenüber den untersuchenden Ärzten
zumindest vorgetäuscht. Der Beschuldigte A._ habe so gehandelt, um sich
wahrheitswidrig zu Lasten der betroffenen involvierten Versicherungen Versiche-
rungsleistungen auszahlen zu lassen, ohne darauf einen Anspruch zu haben,
wodurch die Versicherungsgesellschaften im Betrag der ausbezahlten Versiche-
rungsleistungen eine Schädigung bzw. Verminderung ihres Vermögens erlitten
hätten. Überdies habe er sowohl gegenüber der Polizei als auch gegenüber der
Staatsanwaltschaft wissentlich falsche Angaben gemacht, wonach J._ den
Unfall verursacht habe. Er habe damit eine Strafverfolgung gegen J._ herbei-
führen wollen, bzw. habe eine solche in Kauf genommen, um an sein vordergrün-
diges Ziel, der Auszahlung von Versicherungsleistungen, zu kommen. Die Staats-
anwaltschaft wirft dem Beschuldigten A._ in diesem Zusammenhang Betrug,
falsche Anschuldigung und Sachbeschädigung vor. Die Details zu diesem Vorfall
sind der Anklageschrift zu entnehmen (Urk. 61/8 S. 49-54), worauf verwiesen
wird.
2. Einwendungen Beschuldigter A._
2.1. Der Beschuldigte bestreitet nach wie vor, diese Kollision absichtlich herbei-
geführt zu haben und namentlich, dem Unfallbeteiligten J._ Licht- und Hand-
zeichen gegeben zu haben, damit dieser den Kreisel befahren könne. Es habe
sich statt dessen um ein Missverständnis zwischen ihm und J._ gehandelt
(Urk. 207 S. 2 ff.; Prot. I S. 57; Urk. 3/15 S. 4).
- 51 -
2.2. Die Verteidigung macht im Übrigen zur Hauptsache geltend, dass an den
Aussagen des Unfallbeteiligten J._ ernsthaft gezweifelt werden müsse, da
dieser entgegen seiner Aussage, er habe an der Kreiseleinfahrt angehalten, ge-
mäss Auswertung der Tachoscheibe seines Lastwagens nur auf 9 km/h herunter
gebremst und mithin gelogen habe, um im Verfahren besser dazustehen
(Urk. 207 S. 3 f.; Urk. 133 S. 34 f.).
3. Unbestrittener Sachverhalt
3.1. Wie die Vorinstanz korrekt festhält, ist vorliegend unbestritten und ergibt sich
aus den Akten, dass es am 14. Mai 2008, kurz nach 14.00 Uhr, beim Verkehrs-
kreisel BC._-/BD._-/ BE._-Strasse in BF._ zu einer Kollision
zwischen dem Beschuldigten A._ kam, der den Personenwagen der Marke
"Ford Mondeo" mit dem Kennzeichen ... lenkte und von J._, der mit dem
Lastwagen Scania R 124 LB, Kennzeichen ..., von der BD._-Strasse her in
den Kreisel hineinfuhr und vortrittsbelastet war (Urk. 159 S. 23). Die Kollision
fand, wie aus den Übersichtsaufnahmen der Kantonspolizei Zürich und ihrer Un-
fallskizze zu sehen ist, erwiesenermassen im Bereich der Ausfahrt aus dem Krei-
sel Höhe BC._-Strasse Richtung BF._ Zentrum statt (Urk. 178/2-3; Urk.
ND19/18/2 Blatt 1-9).
3.2. Entgegen der Vorinstanz (Urk. 195 S. 23) ist jedoch nicht unbestritten, dass
der Beschuldigte A._ seinen Personenwagen von der BC._-Strasse in
den Kreisel lenkte. Wie sich aus dem Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich
vom 14. Januar 2011 ergibt, behauptete A._, er sei aus der BE._-
Strasse in den Kreisel und in diesem Richtung BF._ Zentrum gefahren, wäh-
rend J._ geltend machte, jener sei von BG._ kommend auf der
BC._-Strasse Richtung BF._ Zentrum am Kreisel gestanden und damit
unmittelbar vor ihm in den Kreisel eingefahren (Urk. 178/75 S. 10; Urk. 178/6 S. 2
[A._]; Urk. 178/7 S. 2 [J._]). Mithin ist auch dieser Sachverhaltsteil des
Absichtsunfalls vorliegend beweismässig zu erstellen.
- 52 -
4. Sachverhaltserstellung hinsichtlich Unfallhergang der Kollision
4.1. Da es für den Unfall keine Zeugen gab, liegen neben den Sachbeweisen nur
die Aussagen der unmittelbar an der Kollision beteiligten Fahrzeuglenker J._
(Urk. 177/7, 177/16, 177/20, ND 19/16, Prot. in Urk. 177 und Urk. 178/74) und
A._ (Urk. 177/8, 177/18; ND19/11, ND19/13-15, [Urk. 3/14-15 = ND19/14-
15], Prot. in Urk. 177 und Urk. 178/74) als Personalbeweise vor. Als Sachbeweise
sind hauptsächlich wesentlich das Gutachten der Stadtpolizei Zürich zur Auswer-
tung der Diagrammschreibe aus dem Tachografen des Lastwagens vom 21. Au-
gust 2009 (Urk. 177/22/4), die Akten der Kantonspolizei Zürich, Verkehrsabteilung
Zürich, Unfallfotodienst mit u.a. 20 Fotoblättern (Urk. 19/18/2-4), die Fotoaufnah-
men der Kantonspolizei von der am Unfallort angetroffenen Situation (Urk. 177/3),
die biomechanische Kurzbeurteilung der AGU Zürich vom 12. Dezember 2008
(Urk. ND19/12/3 und ND19/4/1/11), der Vorbericht des Wissenschaftlichen Diens-
tes (WD) der Stadtpolizei Zürich vom 28. April 2010 zur Fragestellung eines Ab-
sichtsunfalls (Urk. ND19/18/1) und hierzu ebenfalls das Gutachten des Forensi-
schen Instituts Zürich (FOR) vom 26. Januar 2011 (Urk. ND19/18/ 7) sowie medi-
zinische Akten des Beschuldigten A._ (u.a. Urk. 177/23, 177/29, ND19/4/6/8,
ND19/12/4, ND19/12/14-16) mitsamt einer psychiatrischen Beurteilung des Versi-
cherungspsychiatrischen Dienstes der M._ ... vom 18. November 2009 (Urk.
ND19/12/27). Überdies sind die anlässlich der Hausdurchsuchung beim Beschul-
digten A._ sichergestellten Originalakten im violetten Ordner (Urk. ND19/15)
von Bedeutung, ebenso wie die Unterlagen hinsichtlich der erbrachten Versiche-
rungsleistungen (Urk. ND 19/3 [M._], ND 19/3/92 [BH._-Krankenkasse],
ND 19/4/6 und ND19/23/3 [K._], ND19/24/4 [L._ AG]).
4.2.1. Die hiesige Kammer des Obergerichts nahm in ihrem Urteil vom
14. Januar 2011 im Verfahren gegen J._ eine sorgfältige Sachverhaltserstel-
lung vor und würdigte die vorhandenen Beweismittel einzeln und in ihrer Gesamt-
heit einlässlich und überzeugend. Sie setzte sich auch mit den Einwänden des
Beschuldigten A._ eingehend auseinander (Urk. 178/75 S. 8-14). Sie legt
schlüssig dar, dass aufgrund der auf der Tachoscheibe aufgezeichneten Distanz-
angaben davon auszugehen ist, dass der Unfallbeteiligte J._ seine Ge-
- 53 -
schwindigkeit auf 9 km/h abgebremst, vor der Einfahrt zum Kreisel wieder auf 15
km/h beschleunigt hatte, ungebremst in den Kreisel einfuhr und erst mit der Kolli-
sion zum Stillstand kam. Weiter schloss sie aufgrund der Sachbeweise nachvoll-
ziehbar, dass J._ die Geschwindigkeit vor der Einfahrt in den Kreisel ausrei-
chend gemässigt hatte, so dass er dazu in der Lage gewesen wäre, vor dem
Kreisel anzuhalten und den von links kommenden, sich bereits im Kreisel befindli-
chen Fahrzeugen den Vortritt zu gewähren (a.a.O. S. 7-8). Im Übrigen widerlegt
sie den Standpunkt des Beschuldigten A._, wonach er von der BE._-
Strasse her in den Kreisel eingefahren sei, eindrücklich durch Überprüfung dieser
Sachdarstellung mittels objektiver Beweise und physikalischer Gegebenheiten
(a.a.O. S. 10-14). Ausserdem widerlegte sie auch die Aussage des Beschuldigten
A._, wonach er versucht habe, den Unfall zu verhindern, durch die Würdi-
gung der Rekonstruktion des Unfallhergangs (a.a.O. S. 12-13). Diese sorgfältige
Würdigung der Beweismittel lässt keinen Raum für Zweifel, so dass auf die dies-
bezüglichen zutreffenden Erwägungen verwiesen werden kann.
4.2.2. Die Vorinstanz stützte sich zur Überprüfung der sich widersprechenden
Aussagen der Unfallbeteiligten ebenfalls auf die objektiven Beweismittel (Urk. 195
S. 23-27) und bestätigte in Übereinstimmung mit dem Obergerichtsurteil vom
14. Januar 2011, dass die Aussage des Unfallbeteiligten J._, wonach er die
Geschwindigkeit vor dem Kreisel stark vermindert habe, kurz vor dem Stillstand
gewesen sei, dann die Fahrt fortgesetzt habe, woraufhin es im Kreisel zur Kollisi-
on gekommen sei, durch die Auswertung der Diagrammscheibe durch den WD
der Stadtpolizei Zürich gestützt werde (Urk. 195 S. 24).
Der Vorinstanz lag im Unterschied zur II. Strafkammer des Obergerichts zusätz-
lich das Gutachten des Forensischen Instituts Zürich vom 26. Januar 2011 vor
(Urk. ND19/18/7). Sie wies insbesondere darauf hin, dass gemäss diesem Gut-
achten die Kollision nur erklärbar sei, wenn der Beschuldigte A._ nicht mit
einer Bremsung reagierte oder vor der Kollision beschleunigte (Urk. 195 S. 26).
Sie erwog in Würdigung des Gutachtens weiter, dass die wiederholte Aussage
des Beschuldigten A._, er hätte den Unfall in jedem Fall verhindern wollen,
wenn er die Möglichkeit gehabt resp. wenn die Reaktionszeit gereicht hätte
- 54 -
(Urk. 177/6 S. 2 und 4; Urk. 177/18 S. 4; Urk. ND 19/13 S. 3 f.; Urk. ND 19/14
S. 5), im krassen Widerspruch zu den durch das Gutachten festgestellten objekti-
ven Anknüpfungspunkten stehe und einzig den Schluss zulasse, dass der Be-
schuldigte A._ aktiv die Kollision herbeigeführt oder aktiv diese nicht verhin-
dert habe (Urk. 159 S. 26 f.; Urk. ND 19/18/7 S. 21). Die Vorinstanz hat im Weite-
ren die Aussagen der Beteiligten korrekt wiedergegeben und insgesamt eine
nachvollziehbare Sachverhaltserstellung vorgenommen, die zutreffend ist, so
dass auf sie verwiesen werden kann.
4.3.1. Ergänzend ist zu betonen, dass sich die Aussagen des Unfallbeteilig-
ten J._ zum Unfallhergang, wie er sie konstant und übereinstimmend zeitnah
und daher mit der zuverlässigsten Erinnerung noch auf der Unfallstelle gegenüber
den ausgerückten Polizeibeamten (Urk. 1 S. 6 f. und Urk. 2 S. 4), am 24. Mai
2008 (Urk. 177/7) gegenüber der Kantonspolizei Zürich und am 3. Dezember
2008 gegenüber der Staatsanwaltschaft (Urk. 177/16) deponiert hatte, sowohl mit
der Auswertung der Tacho-Diagrammscheibe durch den WD der Stadtpolizei Zü-
rich als auch mit dem Gutachten des Forensischen Instituts Zürich (FOR) vom
26. Januar 2011 decken. Wenn er dann nach fast zwei Jahren vor dem Bezirks-
gericht Uster erstmals angab, vor der Einfahrt in den Kreisel angehalten zu haben
(Prot. in Urk. 177 S. 7 f.), so würdigte die II. Strafkammer des hiesigen Oberge-
richts in ihrem Urteil vom 14. Januar 2011 diese Aussage vor dem Hintergrund
des langen Zeitabstandes zutreffend nicht als bewusste Falschaussage, sondern
als falsche Interpretation der Auswertung der Tacho-Diagrammscheibe (Urk.
178/75 S. 12). Dies trifft umso mehr zu, da die Frage, ob der Unfallbeteiligte
J._ gänzlich angehalten oder nur soweit abgebremst hatte, dass er hätte an-
halten können, im gesamten Kontext des Unfallhergangs einerseits durch objekti-
ve Beweismittel unabhängig geklärt werden konnte und andererseits seine ge-
samte Darstellung, wie es zur Kollision kam, nur unwesentlich veränderte.
4.3.2. Überdies sprechen noch weitere Anhaltspunkte für die Glaubhaftigkeit
der Aussagen von J._: So können die Aussagen des Beschuldigten A._
zur Frage, wo er in den Kreisel hineinfuhr und ob er den Unfall durch Bremsen
und Ausweichen verhindern wollte, mit den objektiven Sachbeweismitteln in kei-
- 55 -
ner Weise in Deckung gebracht werden und sind geradezu als durch die wissen-
schaftlichen Auswertungen und Gutachten zum Unfallhergang widerlegt zu be-
trachten (Urk. ND 19/18/7 S. 18 ff.).
4.3.3. Ausserdem erweist sich das Aussageverhalten des Beschuldigten
A._ als von Anfang an widersprüchlich und in Abgleichung mit den realen
Gegebenheiten der Unfallörtlichkeit als nicht nachvollziehbar: Nur schon in der
ersten polizeilichen Befragung vom 19. Mai 2008 ergibt sich ein nicht aufzulösen-
der Widerspruch, indem er zunächst angab, von der BE._-Strasse her den
Kreisel Richtung Zentrum umrundet zu haben und den Lastwagen kommen gese-
hen zu haben. Dabei habe es so ausgesehen, als ob er zufahren möchte, aber
schliesslich habe der Lastwagen abgebremst, "er denke bis zum Stillstand". Als
der Lastwagen still gestanden sei, habe er selbst wieder etwas beschleunigt und
fast gleichzeitig sei der Lastwagen los gefahren (Urk. 177/6 S. 2 Antw. 4). Wie die
gleiche Situation einmal danach aussehen kann, dass der Lastwagen "zufährt"
und gleichzeitig, dass er bis zum Stillstand abbremst, erschliesst sich nicht leicht.
Dass (auch) der Lastwagen nach der ersten Angabe des Beschuldigten A._
zunächst bis zum Stillstand abgebremst haben und gemäss späterer Aussage -
nach Vorlage der Unfallfotos und der Kollisionsspuren - gleichzeitig "relativ
schnell" in den Kreisel eingefahren sein soll (a.a.O. S. 4 Antw. 16), erweist sich
ebenfalls als unmöglich. Ebenso wenig ist aufgrund der Begrünung und des Radi-
us des Kreisels nachvollziehbar, dass der Beschuldigte A._ die Phase des
Herannahens des Lastwagens aus der von ihm behaupteten Perspektive des Um-
rundens des Kreisels und seiner gefahrenen Geschwindigkeit tatsächlich hätte
einsehen können (Urk. ND19/18/4 Blätter 2, 5, 20; Urk. 177/20 Fotobeilage Blatt
1). Zudem wollte der Beschuldigte A._ selbst einerseits bis fast zum Still-
stand abgebremst haben (Urk. 177/6. S. 3 Antw. 13), andererseits gab er an, er
habe nur "mal kurz abbremsen" müssen, weil er gedacht habe, dass der Lastwa-
genfahrer einfach in den Kreisel fahren würde (a.a.O. S. 2 Antw. 8). Demgegen-
über sagte der Beschuldigte gegenüber der Staatsanwaltschaft am 24. Septem-
ber 2009 aus, der "plötzlich" von rechts herangekommene Lastwagen sei lang-
samer geworden, so dass er gedacht habe, jener halte an, was er aber nicht ge-
tan habe. Der Lastwagen habe jedenfalls nicht ganz angehalten (Urk. 177/18 S. 3
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und 4). Mit dieser Aussage widerspricht er klar seiner bei der Polizei abgegebe-
nen ersten Aussage. Erst nach Konfrontation mit seiner Aussage gegenüber der
Polizei relativiert der Beschuldigte A._ diese Aussage und passt sie seinen
aktuellen gegenüber der Staatsanwaltschaft an, indem er sie dahingehend ab-
schwächt, der Lastwagen sei "sehr langsam" unterwegs gewesen, wie wenn er
beinahe angehalten hätte (a.a.O. S. 5 unten). Dadurch setzt er sich aber erneut in
Widerspruch zu seiner ersten Aussage, wonach der Lastwagen relativ schnell in
den Kreisel eingefahren sei. Im Weiteren spricht die ermittelte Kollisionsge-
schwindigkeit des Personenwagens des Beschuldigten A._ von ca. 30 km/h,
resp. von 24 km/h bis 30 km/h, gegen seine Aussagen, er habe bei Bemerken des
Lastwagens bis zum Stillstand abgebremst oder mindestens kurz abgebremst und
nach der Beschleunigung die Kollision durch Bremsen verhindern wollen (Urk. ND
19/18/1 S. 6 und Urk. ND 19/18/7 S. 17). Auch nach Vorliegen des Gutachtens
des Forensischen Instituts Zürich veränderte der Beschuldigte A._ seine
Aussage erneut und im Widerspruch zu seiner Aussage, er habe gebremst, indem
er nun angab, er habe den Fuss vom Gaspedal genommen und Bremsbereit-
schaft erstellt und es habe sich um ein Missverständnis gehandelt, blieb aber bei
der Bestreitung, Licht- und Handzeichen gegeben zu haben (Urk. ND 19/14 S. 4
ff.). Anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung gab er dagegen wiederum
an, auf einmal sei ein Lastwagen sehr schnell von rechts gekommen und er habe
noch gebremst (Prot. I S. 56), was einer Abkehr der zuvor deponierten Aussagen
gleichkommt. Zudem behauptete er neu, beide Lenker der unfallbeteiligten Fahr-
zeuge hätten "einfach ein bisschen geschrien und gestikuliert" (Prot. I S. 57), was
angesichts des späten und erstmaligen Vorbringens weder von Authentizität noch
von Glaubhaftigkeit zeugt, ist doch nach menschlichem Ermessen davon auszu-
gehen, dass der Beschuldigte A._ ein solches Geschehen, so es den Tatsa-
chen entsprochen hätte, bereits am Unfalltag und bei den folgenden tatnächsten
Einvernahmen deponiert hätte, was er nicht tat. Schliesslich ist in Betracht zu zie-
hen, dass naturgemäss die Erinnerung dann noch frischer und näher bei der
Wahrheit ist, je näher die Aussagen zeitlich zum Vorfall erfolgen. Es entspricht der
allgemeinen Erfahrung, dass die tatnächsten Aussagen authentischer und ver-
lässlicher sind, als solche, die Wochen oder gar Jahre später erfolgen.
- 57 -
4.3.4. Selbst wenn die Aussagen des Beschuldigten als unverwertbar be-
trachtet und somit bei der Erstellung des Sachverhalts nicht einbezogen würden,
ergäben sich die Widersprüche in den Angaben des Beschuldigten bereits aus
dessen schriftlichen Angaben gegenüber den involvierten Versicherungsgesell-
schaften. Auf der von der BH._ Krankenversicherung angeforderten Unfall-
anzeige und der Bagatellunfall-Meldung für die M._ gab er an, der Lastwa-
gen sei plötzlich von rechts gekommen, als er sich im Kreisel in BF._ befun-
den habe und er habe in diesem Moment nicht mehr bremsen können, weshalb er
in den Lastwagen hineingefahren sei (Urk. ND 19/7/2 S. 1; ND 19/12/7). Dagegen
gab er im Erhebungsblatt für die Abklärung von HWS-Fällen gegenüber der
M._ an, in Fahrt gewesen und auf die Kollision gefasst gewesen zu sein und
mit einer Vollbremsung reagiert zu haben (Urk. ND 19/12/15 S. 2).
4.3.5. Im Gegensatz dazu sind die weiteren Angaben des Unfallbeteiligten
J._, wonach er den Beschuldigten A._ auf seiner linken Seite auf der
BC._-Strasse bei der Einfahrt in den Kreisel Richtung BF._ Zentrum
stehen sah, abbremste, um diesem den Vortritt zu gewähren und dies von der
Geschwindigkeit her auch hätte tun können, jedoch aufgrund von dessen Lichthu-
pe und eindeutigem Handzeichen, die ihm bedeuteten, dass er zufahren könne,
wieder beschleunigte und in den Kreisel einfuhr, bis es dann kurz danach zur Kol-
lision kam, indem der Personenwagen von A._ ihn auf seiner linken Seite
rammte, aufgrund der detaillierten Beweismittelwürdigung im Urteil des Oberge-
richts vom 14. Januar 2011 (Urk. 178/75 S. 10-14 E. e-g), die hier nicht zu wie-
derholen ist, wegen ihrer Konstanz und Schlüssigkeit als absolut glaubhaft zu
qualifizieren, soweit sie nicht sogar durch die wissenschaftlichen Beweise zum
Unfallhergang klar bestätigt wurden. Es ist daher infolge der im Einzelnen wie im
Gesamten glaubhaften Aussagen des Unfallbeteiligten J._ grundsätzlich auf
seine Schilderung des Unfallhergangs abzustellen, namentlich auch auf die vom
Beschuldigten A._ bestrittenen Umstände, da sich dessen Angaben als nicht
zuverlässig, unglaubhaft und tatsachenwidrig erwiesen. So ist gestützt auf die
konstanten Aussagen von J._ auch als erstellt zu betrachten, dass der Be-
schuldigte A._ auf der BC._-Strasse bei der Einmündung in den Kreisel
Richtung BF._ Zentrum stehend dem Lastwagenlenker Licht- und Handzei-
- 58 -
chen gab, um diesem den Vortritt zu gewähren, resp. ihn in den Kreisel einfahren
zu lassen. Ausserdem ist davon auszugehen, dass der Lastwagenlenker nach
dem Einbiegen in den Kreisel plötzlich ein Fahrzeug hörte, das sehr stark be-
schleunigte, worauf es auch schon auf der linken Seite seines Lastwagens ge-
knallt habe (Urk. 177/7), und dass es sich dabei um das Fahrzeug des Beschul-
digten A._ handelte, wovon im Wesentlichen auch die Vorinstanz ausging
(Urk. 159 S. 26).
4.4. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 159 S. 27) kann davon ausge-
gangen werden, dass der dem Anklagevorwurf zugrunde liegende Sachverhalt
beweismässig erstellt ist. Dieses Beweisergebnis stützt sich auf die zuvor ge-
schilderten Sachbeweise und die glaubhaften Aussagen von J._ und würde,
auch wenn die ersten Aussagen des Beschuldigten ausser Acht gelassen würden,
nicht umgestossen. Damit führte der Beschuldigte A._ den Unfall aktiv her-
bei, indem er sein Fahrzeug beschleunigte und seitlich in den Lastwagen des Un-
fallbeteiligten J._ hineinfuhr, obwohl er diesem mittels Hand- und Lichtzei-
chen den Vortritt gewährt hatte, so dass dieser in den Kreisel eingefahren war,
nachdem er seine Geschwindigkeit zuvor ausreichend reduziert gehabt hatte, um
am Kreisel anzuhalten und dem Beschuldigten A._, der mit seinem Perso-
nenwagen bei der Einfahrt in den Kreisel auf der BC._-Strasse Richtung
BF._ Zentrum stand, den Vortritt zu lassen.
II. Betrug
1. Weiterer Anklagevorwurf Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten A._ im Zusammenhang mit
dem absichtlich herbeigeführten Verkehrsunfall im Kreisel in Uster vor, dass er
mittels wahrheitswidriger Angaben zum Unfallhergang in den Schadenmeldungen
gegenüber den involvierten Versicherungsgesellschaften, der erschlichenen ärzt-
lichen Befunde und seines Vorgehens gegen den Unfallbeteiligten J._ die
Auszahlung von ihm nicht zustehenden Versicherungsleistungen anstrebte, im
Wissen darum, dass er zufolge des von ihm absichtlich herbeigeführten Unfalles
auf keine Versicherungsleistungen Anspruch hatte und dass seine Angaben durch
die Versicherungsgesellschaften nur mit ausserordentlichem Aufwand überprüfbar
- 59 -
gewesen wären, der zudem in keinem Verhältnis zum geltend gemachten Scha-
densbetrag gestanden wäre. Im Umfang der ausbezahlten Versicherungsleistun-
gen hätten die Versicherungsgesellschaften eine Schädigung bzw. eine Vermin-
derung ihres Vermögens erlitten, und zwar die M._ insgesamt im Betrag von
Fr. 113'881.90, die L._ AG im Total von Fr. 5'900.50, die BH._ Kranken-
kasse vorübergehend durch Bezahlung von Arzt- und Medikamentenrechnungen
über ca. Fr. 4'965.80, was ihr durch die M._ bereits wieder rückerstattet wor-
den sei und schliesslich die K._ Haftpflichtversicherung im Gesamtbetrag
von Fr. 3'731.75. Für Einzelheiten zu diesem Anklagesachverhalt sei auf die An-
klageschrift verwiesen (Urk. 61/8 S. 49 ff. Ziff. 27.1. - 4.).
2. Einwendungen Beschuldigter
Obwohl der Beschuldigte daran festhielt, den Unfall nicht absichtlich herbeigeführt
zu haben, räumte der Verteidiger dennoch ein, es möge wohl verdächtig erschei-
nen, dass der Beschuldigte A._ einen Tag vor dem Unfall den Versiche-
rungsschutz seiner Motorfahrzeughaftpflichtversicherung auf den Einschluss gro-
ber Verkehrsregelverletzungen erweitert habe, letztlich sei dies aber reiner Zufall
gewesen (Urk. 207 S. 7; Urk. 133 S. 38). Hinsichtlich der durch den Unfall erlitte-
nen Verletzungen bestreitet der Beschuldigte A._ nach wie vor, die in der
Anklageschrift aufgeführten Beschwerden nur vorgetäuscht zu haben (Urk. 207
S. 11 ff.). Bis auf die erbrachten Taggeldleistungen der M._ erübrigten sich
Ausführungen zu den Versicherungsleistungen, da der Unfall nicht absichtlich
herbeigeführt worden sei und daher den vertraglich geltenden Versicherungs-
schutz nach sich ziehe (Urk. 133 S. 39).
Bezüglich der angeblich vorgetäuschten Beschwerden wies der Verteidiger darauf
hin, dass gemäss der biometrischen Kurzbeurteilung der AGU die anschliessend
an das Ereignis bei Herrn A._ festgestellten von der HWS ausgehenden Be-
schwerden und Befunde durch die Kollisionseinwirkung nur im Normalfall nicht er-
klärbar seien. Beim Beschuldigten A._ liege hingegen gerade nicht ein sol-
cher Normalfall vor, denn er habe bereits 12 Jahre vor dem Absichtsunfall einen
Unfall mit HWS-Beteiligung erlitten und auch vorbestehend gelegentlich Rücken-
schmerzen gehabt. Des Weiteren seien in einem MRI auch einige Veränderungen
- 60 -
oder Beschädigungen der Wirbelsäule festgestellt worden (Urk. 207 S. 11-13;
Urk. 133 S. 38-41). Schliesslich deuteten die vorsichtigen Äusserungen von
Dr. med. BI._ in dessen psychiatrischer Beurteilung des Beschuldigten
A._ darauf hin, dass man sich auch bei der M._ nicht sicher sei und je-
denfalls aus dieser Beurteilung keine Schlüsse gezogen werden könnten, welche
die Beschuldigung in der Anklage bekräftigen könnten (Urk. 207 S. 13; Urk. 133
S. 41). Gemäss telefonischer Auskunft von Dr. med. BJ._, der den Beschul-
digten A._ noch 1 1/2 Jahre nach dem Unfall behandelte, sei es unwahr-
scheinlich, dass ihm A._ über die ganze Zeit hinweg derart hätte etwas vor-
spielen können (Urk. 207 S. 13 f. ;Urk. 133 S. 42).
3. Rechtsgrundlage
3.1. Zusammengefasst macht sich des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1
StGB schuldig, wer in der Absicht, sich oder einen anderen unrechtmässig zu be-
reichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arg-
listig irreführt und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser
sich selbst oder einen anderen am Vermögen schädigt. Arglist ist nach der stän-
digen Rechtsprechung des Bundesgerichts gegeben, wenn der Täter ein ganzes
Lügengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe be-
dient. Ein Lügengebäude liegt vor, wenn mehrere Lügen derart raffiniert aufeinan-
der abgestimmt sind und von besonderer Hinterhältigkeit zeugen, dass sich selbst
eine kritische Person täuschen lässt. Als besondere Machenschaften gelten Er-
findungen und Vorkehren sowie das Ausnützen von Begebenheiten, die allein
oder gestützt auf Lügen oder Kniffe geeignet sind, den Betroffenen irrezuführen.
Darüber hinaus wird Arglist auch bei einfachen falschen Angaben bejaht, wenn
deren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zu-
mutbar ist, und wenn der Täter das Opfer von der möglichen Überprüfung abhält
oder nach den Umständen voraussieht, dass dieses die Überprüfung der Anga-
ben aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde (zum
Ganzen BGE 135 IV 76 E. 5.2 S. 81 f. mit Hinweisen). Angriffsmittel beim Betrug
ist die Täuschung. Als Täuschung gilt die unrichtige Erklärung über Tatsachen,
d.h. über objektiv feststehende, vergangene oder gegenwärtige Geschehnisse
- 61 -
oder Zustände, die darauf gerichtet ist, bei einem andern eine von der Wirklichkeit
abweichende Vorstellung hervorzurufen. Zukünftige Ereignisse sind, soweit sie
jedenfalls ungewiss sind, keine Tatsachen (BGE 135 IV 76 E. 5.1 mit Hinweisen).
Die Täuschung im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB kann auch durch konkludentes
Handeln erfolgen. Unvollständige Angaben eines Sozialhilfebezügers, die ein fal-
sches Gesamtbild entstehen lassen, bzw. dieses bekräftigen, kommen einer akti-
ven Irreführung durch konkludentes Handeln gleich (BGE 140 IV 11 E. 2.3.2 und
2.4.6 sowie BGE 131 IV 83 Erw. 2.2; Urteile des Bundesgerichts 6B_99/2015 vom
27 November 2015 E. 3.2; 6B_542/2012 vom 10. Januar 2013, Erw. 1.2). Beson-
dere betrügerische Machenschaften sind nach der Rechtsprechung gegeben,
wenn der Arzt bei der Feststellung der Arbeitsfähigkeit über das Ausmass der Be-
schwerden und damit über den Umfang der Einschränkung in der Arbeitsfähigkeit
sowie über die tatsächlich erheblichen geschäftlichen und privaten Tätigkeiten ge-
täuscht wird, da der Arzt bei der Feststellung der Arbeitsfähigkeit mangels orga-
nisch nachweisbarer pathologischer Befunde in hohem Masse auf die Befragung
des Patienten angewiesen ist und die von diesem vorgegebenen Beschwerden
und Schmerzen nicht oder nur mit einem unzumutbaren Aufwand überprüfbar
sind (Urteil des Bundesgerichts 6B_107/2015 vom 3. Februar 2017 E. 6.2.1 und
6.3).
3.2. Arglist scheidet aus, wenn das Täuschungsopfer den Irrtum bei Inanspruch-
nahme der ihm zur Verfügung stehenden Selbstschutzmöglichkeiten hätte ver-
meiden bzw. sich mit einem Mindestmass an Aufmerksamkeit selbst hätte schüt-
zen können, wobei im Einzelfall der jeweiligen Lage und Schutzbedürftigkeit des
Betroffenen bzw. seiner Fachkenntnis und Geschäftserfahrung Rechnung zu tra-
gen ist. Entsprechend entfällt der strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässig-
keit des Opfers, sondern nur bei Leichtfertigkeit, welche das betrügerische Verhal-
ten des Täters in den Hintergrund treten lässt (BGE 135 IV 76 Erw. 5.2; Urteile
des Bundesgerichts 6B_99/2015 vom 27. November 2015 E. 3.3 und
6B_546/2014 vom 11. November 2014, E. 1.1 mit Hinweisen).
3.3. Nach der im Bereich der Sozialhilfe ergangenen Rechtsprechung handelt ei-
ne Behörde leichtfertig, wenn sie die eingereichten Belege nicht prüft oder es un-
- 62 -
terlässt, die um Sozialhilfe ersuchende Person aufzufordern, die für die Abklärung
der Einkommens- und Vermögensverhältnisse relevanten Unterlagen wie bei-
spielsweise die letzte Steuererklärung und die Steuerveranlagung oder Kontoaus-
züge einzureichen. Hingegen kann ihr eine solche Unterlassung angesichts der
grossen Zahl von Sozialhilfeersuchen nicht zum Vorwurf gemacht werden, wenn
diese Unterlagen keine oder voraussichtlich keine Hinweise auf nicht deklarierte
Einkommens- und Vermögenswerte enthalten (Urteile des Bundesgerichts
6B_99/2015 vom 27 November 2015 E. 3.3. a.E.; 6B_932/2015 vom 18. Novem-
ber 2015 E. 3.2; 6B_546/2014 vom 11. November 2014, Erw. 1.1 a.E. und
6B_1073/2010 vom 21. Juni 2011, E. 4.2.3).
3.4. Bezüglich des Vermögensschadens genügt nach Lehre und Rechtspre-
chung jede Beeinträchtigung des Vermögens, auch wenn sie bloss vorüberge-
hend ist (Donatsch, Strafrecht III, S. 240; Markus Boog, Die Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum Begriff des Vermögensschadens beim Betrug, Basler Stu-
dien zur Rechtswissenschaft, Reihe C: Strafrecht, Basel 1991, S. 34; Urteil des
Bundesgerichts 6B_99/2015 vom 27. November 2015 E. 3.4.; BGE 102 IV 84,
E. 3.). Beim Sozialleistungsbetrug liegt der Schaden darin, dass die Behörde Ver-
gütungen erbringt, welche sie nicht oder nicht in diesem Ausmass zu leisten ver-
pflichtet wäre (Urteil des Bundesgerichts 6B_183/2014 vom 28. Oktober 2014
E. 3.3 [nicht publ. in BGE 140 IV 150]). Dabei ist die Schadenshöhe für die Erfül-
lung des objektiven Betrugstatbestandes irrelevant, da der Strafrichter den Scha-
den, beziehungsweise den angestrebten Vorteil, frei schätzen kann (Arzt in: Nig-
gli/ Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Strafrecht II [kurz: BSK Strafrecht II],
3. A. Basel 2013, Art. 146 N 144). Selbst wenn der Rentenbezüger den zu Un-
recht erhaltenen Betrag unverzüglich nach dessen Aufdeckung durch die IV zu-
rückzahlt, ist ein Schaden im Sinne des Tatbestandes entstanden (Beatrice Kä-
ser, Sozialleistungsbetrug, Zürcher Studien zum Strafrecht, Zürich 2012, N 249).
3.5. In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand des Betruges Vorsatz und
ein Handeln in Bereicherungsabsicht, wobei gemäss Lehre und Rechtsprechung
Eventualvorsatz bzw. Eventualabsicht genügt (Urteil des Bundesgerichtes
6B_546/2014 vom 11. November 2014, E. 1.6.2 mit Hinweisen; Donatsch, Straf-
- 63 -
recht III, S. 244). Eventualabsicht bezüglich der Bereicherung wird in der Recht-
sprechung angenommen, wenn sich der Täter der Möglichkeit eines unrechtmäs-
sigen Vermögensvorteils bewusst ist, er diesen für den Fall des Eintritts will und
nicht bloss als eine notwendige, vielleicht höchst unerwünschte Nebenfolge eines
von ihm angestrebten anderen Erfolges hinnimmt (Urteil des Bundesgerichts
6B_689/2010 vom 25. Oktober 2010, E. 4.1 mit Hinweisen).
4. Subsumtion
4.1. Arglistige Täuschung
4.1.1. Zum Tatbestandsmerkmal der Irreführung respektive Täuschung ist
vorab zu prüfen, ob der Beschuldigte A._ gegenüber den involvierten Versi-
cherungsgesellschaften wesentliche Umstände zum Unfallhergang und zu seinen
durch den Unfall erlittenen Verletzungen verschwieg und durch die so abgegebe-
nen unvollständigen Angaben auf den Antrags- und Revisionsformularen sowie
gegenüber Mitarbeitenden der Versicherungsgesellschaften und den behandeln-
den Ärzten ein falsches Gesamtbild entstehen liess und aufrecht erhielt. Was der
Beschuldigte wusste, wollte oder in Kauf nahm, lässt sich als innere Tatsache
nicht direkt beweisen, sondern kann nur mittels Indizien und anhand der Würdi-
gung des äusseren Verhaltens sowie gegebenenfalls weiterer Umstände er-
schlossen werden.
4.1.2. Der Beschuldigte A._ reichte die in der Anklageschrift genannte
Schadenmeldung bei der M._ - dort eingegangen am 26. Mai 2008 - mit dem
darauf festgehaltenen Inhalt ein (Urk. ND 19/11 S. 8, ND 19/3/1.1 und
ND 19/12/7). Mit Bezug auf die Erwägungen oben 3. Teil B.I.4. ist demnach als
erstellt zu betrachten, dass der Beschuldigte A._ den Unfallhergang gegen-
über der M._ wissentlich falsch mitteilte, indem er es so darstellte, dass er
sich im Kreisel korrekt verhalten habe und die Kollision auf das Fehlverhalten des
Lastwagenfahrers zurückzuführen sei (Urk. 19/3/1.1), was er durch die später
eingereichte Unfallskizze bekräftigte (Urk. ND 19/3/5.2; Urk. ND 19/11 S. 8 f.).
Entsprechend hielt die M._ auf der ausgefertigten Schadenmeldung vom
2. Juni 2008 zum Unfallhergang fest "wurde im Kreisel von einem Lastwagen an-
gefahren" (Urk. ND 19/3/1). Auch gegenüber der BK._ Rechtsschutzversi-
- 64 -
cherung (Urk. 19/11 S. 11 und Urk. ND 19/12/21 S. 1) und auf der Unfall-Anzeige
der BH._ Krankenkasse (Urk. 19/5/075 und ND 19/7/2) machte er denselben
unwahren Unfallhergang geltend.
4.1.3. a) Abgesehen davon, dass der Beschuldigte A._ am 23. Septem-
ber 2009 gegenüber dem M._-Mitarbeiter BL._ angab, er sei auf die
Kollision gefasst gewesen und habe eine Vollbremsung gemacht
(Urk. ND 19/3/15 S. 2), was seiner ersten Darstellung widerspricht (oben unter
dem 3. Teil A.I. 4.3.4 Seite 57), berichtete er, nie grössere Unfälle mit längeren
Behandlungen erlitten zu haben und vor zwei Jahren nur einmal kurz in psycholo-
gischer Behandlung bei Dr. med. BM._ gewesen zu sein. Seine gelegentli-
chen Rückenschmerzen, an welchen er jeweils nur zwischen ein bis drei Tagen
gelitten habe, habe er nie behandeln lassen (Urk. ND 19/12/16 und ND 19/12/15
S. 3).
b) Dies steht in völligem Gegensatz zur Aktenlage der BN._ Versicherun-
gen, welche das Krankentaggeld des Personals der Firma R._ GmbH - und
ab Gründung dasjenige der S._ GmbH [in der Folge nur S._] - versichert
hatte, wozu auch der Beschuldigte A._ als Betriebsinhaber und Geschäfts-
führer zählte (unter anderen Urk. ND 19/4/10/2, ND 19/4/10/9, ND 19/4/10/20 und
ND 19/4/10/24-25). Gemäss den Krankentaggeldabrechnungen der BN._
Versicherungen war der Beschuldigte A._ fast ein halbes Jahr lang, vom
2. Februar 2007 bis zum 20. Juli 2007, infolge Krankheit (Überlastung) zu 100 %
arbeitsunfähig, wobei in diese Phase auch die erwähnte Psychotherapie bei
Dr. med. BM._ von rund einem Monat vom 7. Juni bis 9. Juli 2007 fiel (Urk.
ND 19/4/10/12-14). Diese Tatsachen wurden einerseits vom Beschuldigten
A._ selbst am 27. August 2007 gegenüber der BN._ Versicherungsge-
sellschaft (Urk. ND 19/4/10/20 [Anhang Gesundheitsfragen]) bestätigt und sind
andererseits auch durch diverse Arztzeugnisse belegt (Urk. ND 19/4/10/1.1, ND
19/4/10/4, ND 19/4/10/6, ND 19/4/10/8; ND 19/4/10/12-14; ND 19/4/10/17.1).
Nicht gegenüber der M._, jedoch gegenüber der L._ AG führte der Be-
schuldigte A._ im Fragebogen zur Erwerbsunfähigkeit auf, dass er 2007
krank gewesen sei und eine mittelgradige Depressionsepisode gehabt habe, auf-
- 65 -
grund welcher aber keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen mehr bestünden
(Urk. ND 19/12/25 S. 2). Er verschwieg jedoch auch gegenüber der L._ AG
die andere mehrere Monate dauernde Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit im Jah-
re 2007.
Ausserdem verschwieg der Beschuldigte A._ bezüglich seines Gesundheits-
zustandes gegenüber der M._ weiter, dass ihm seine Hausärztin, Dr. med.
BO._, eine 100 % Arbeitsunfähigkeit vom 1. Oktober 2007 bis zum 23. No-
vember 2007 infolge Krankheit attestiert hatte (Urk. ND 19/5/38-40), und dass er
schliesslich auch noch vom 3. Januar 2008 bis 9. Februar 2008 von Dr. med.
BP._, Facharzt für Urologie, 100 % arbeitsunfähig geschrieben worden war
(Urk. ND 19/4/10/27-30). Aufgrund dieser Umstände steht somit fest, dass der
Beschuldigte A._ gegenüber der M._ und der L._ AG alleine für
das Jahr 2007 eine fast 8-monatige krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit, die
zwar der Taggeldversicherung (der BN._ Versicherungsgesellschaft) nicht
aber dem Unfallversicherer und dem Erwerbsausfallversicherer bekannt war, wi-
der besseres Wissen nicht offenlegte, was angesichts dieses Ausmasses ohne
Zweifel kein Versehen mehr darstellen kann, sondern offensichtlich ganz gezielt
erfolgte, um keine Fragen nach der Leistungspflicht des jeweiligen Versicherers
aufzuwerfen.
c) Dass es den Mitarbeitenden der M._ nicht auffiel, dass der Beschuldig-
te A._ in der ersten Schadenmeldung angab, es sei zur Kollision gekommen,
obwohl er noch gebremst habe (ND 19/3/1.1 und ND 19/12/7) und vier Monate
später anlässlich der Abklärung von HWS-Fällen, er sei auf die Kollision gefasst
gewesen und habe mit einer Vollbremsung reagiert (Urk. ND 19/3/15 S. 2), kann
ihnen angesichts der Tatsache, dass sie wussten, dass die Strafbehörden den
Sachverhalt untersuchten (Urk. 19/3/5.1; Urk. ND 19/3/9), diese auch die Anga-
ben des Beschuldigten A._ festhielten, wie zum Beispiel auf dem der
M._ zugestellten Unfallfoto (Urk. 19/3/31 S. 2 Bild oben) und dem Polizeirap-
port, welcher der M._ ebenfalls zugegangen war (Urk. 19/3/28), und schliess-
lich auch eine erstinstanzliche Verurteilung des Unfallgegners erfolgte, nicht ent-
gegen gehalten werden. Wie der ermittelnde Polizeibeamte im Nachtragsrapport
- 66 -
vom 13. September 2011 festhielt, wird der vom Beschuldigten A._ provo-
zierte Verkehrsunfall als "heimtückische Variante" und der Aufklärungsaufwand
als überdurchschnittlich bezeichnet (Urk. ND 19/6 S. 5). Ausserdem hatte die
M._ zusätzlich Arztzeugnisse vorliegen, in welchen der Unfallhergang und
die unfallbedingten Beschwerden ebenfalls nach Angaben des Beschuldigten
dargestellt waren (Urk. 19/3/4), so dass zu dem Zeitpunkt keine Anhaltspunkte
dafür vorlagen, dass der Beschuldigte ganz bewusst und gezielt die Unwahrheit
sagte. Da zudem die Angaben der Ärzte ebenfalls nicht leicht überprüfbar waren,
wie vorliegendes Verfahren zeigt, trägt die M._ jedenfalls keine Mitverantwor-
tung dafür, dass die Lügen des Beschuldigten A._ nicht früher aufgeflogen
sind.
d) Sowohl gegen das effektive Vorliegen der vom Beschuldigten behaupteten
vorbestehenden, nur ein bis drei Tage dauernden, Rückenschmerzen als auch
gegen die Darstellung, solche seien nie behandelt worden, spricht der von ihm
ausgefüllte Fragebogen zur Erwerbsunfähigkeit zuhanden der L._ AG, worin
er lediglich Kopfschmerzen und Arbeitsunfähigkeit angab (Urk. ND 19/12/25). Er
kreuzte ausserdem auf die Frage, ob er früher schon an der gleichen Krankheit
gelitten habe, ein 'Nein' an. Gemäss dem Post-it, das an den Fragebogen gehef-
tet und vom Beschuldigten geschrieben worden war, schickte er diesen am
9. September 2008 ausgefüllt an L._ zurück (Urk. ND 19/12/25; ND 19/11
S. 13), welche gemäss der beim Beschuldigten A._ beschlagnahmten Origi-
nal-Akten den Eingang seiner Schadenanzeige am 22. September 2008 bestätig-
te (Urk. ND 19/5/193). Auch laut dem anlässlich der Hausdurchsuchung be-
schlagnahmten, sich im violetten Ordner (Urk. ND 19/5) zuhinterst im Abgriff
'L._' befindlichen, ärztlichen Zeugnis der Praxis BQ._ vom 18. Juli 2008,
das von Dr. med. BR._ unterzeichnet ist (jedoch keinen Adressaten enthält),
wird bestätigt, dass die Lumboischialgie, an welcher A._ gelitten habe, voll-
kommen abgeheilt sei und der Patient seit Juni 2006 auf Grund der Lumboischial-
gie nicht mehr arbeitsunfähig gewesen sei (Urk. ND 19/5/210). Gemäss Wikipedia
ist die Lumboischialgie eine Kombination aus einer Lumbago (landläufiger Hexen-
schuss) und einer Ischialgie und bezeichnet Schmerzen im Areal einer lumbalen
Nervenwurzel, fast immer des fünften Lendenwirbels und des darunter liegenden
- 67 -
Kreuzbeinwirbels (Internet https://de. wikipedia.org/wiki/Ischialgie vom 5. April
2016) und somit Schmerzen am unteren Rücken. Nebst dem Inhalt dieses Arzt-
zeugnisses, dem kein Hinweis auf die aktuelle Behandlung der Unfallfolgen vom
14. Mai 2008 zu entnehmen ist, ist auch dessen Datum bezeichnend, denn es
wurde erst gut zwei Monate nach dem Absichtsunfall ausgestellt und bestätigt
dennoch eine Beschwerdefreiheit seitens der Lumboischialgie, und zwar ohne je-
de Einschränkung. Auffallend ist weiter, dass der Beschuldigte A._ diese Be-
stätigung nicht von den ihn im Zeitpunkt Juli 2008 behandelnden Ärzten Dr. med.
BO._ (Urk. ND 19/3/6, ND 19/3/8a, ND 19/3/40) und Dr. med. BJ._ (Urk.
ND 19/3/3, ND 19/3/40 und ND 19/3/63) erhältlich machte, sondern von einer As-
sistenzärztin in der Praxis BO._ (Urk. ND 19/3/43 Briefkopf). Der Beschuldig-
te lässt sich folglich eine Bestätigung über seine Beschwerdefreiheit bezüglich der
Lumboischialgie ausstellen, obwohl er gleichzeitig geltend macht, seit dem Unfall
vom 14. Mai 2008 ununterbrochen erwerbsunfähig zu sein und in ärztlicher Be-
handlung zu stehen. Auch gab er gegenüber der Staatsanwaltschaft am 24. Sep-
tember 2009 an, die Medikamente Tonopan gegen Kopfschmerzen, Sarotens ge-
gen Depression und Stilnax gegen Schlafstörungen sowie zwei weitere Medika-
mente erst seit dem Unfall vom 14. Mai 2008 eingenommen zu haben und nebst
ärztlicher Behandlung durch die Hausärztin seit drei Monaten zu einem Schmerz-
spezialisten ins Spital Baden und weiterhin sowohl zur Physio- als auch zur Psy-
chotherapie zu gehen (Urk. 177/18 S. 2).
Somit ist offensichtlich und belegt, dass der Beschuldigte A._ gegenüber
seinen Versicherern unwahre Angaben machte, indem er ihnen wesentliche Fak-
ten - jeweils andere - vorenthielt und damit die Situation namentlich auch hinsicht-
lich seiner Beschwerden massgeblich falsch darstellte.
4.1.4. a) Gestützt auf die beim Beschuldigten beschlagnahmten Original-
Akten ist zudem als erstellt davon auszugehen, dass der Versicherungsvertrag
der ... Police ... der L._ AG mit Beginn der Versicherungsdauer am 1. Juli
2007 unter dem Titel 'Besondere Bedingungen' eine Einschränkung betreffend
den Beschuldigten A._ als versicherte Person gemäss der von diesem unter-
zeichneten Offerte vom 26. Juni 2007 enthielt, wonach Leiden der Wirbelsäule
- 68 -
samt medizinisch nachweisbaren Folgen keinen Anspruch auf Leistungen bei Er-
werbsunfähigkeit gaben und eine Revision dieser Bestimmung erst nach Ablauf
von einem Jahr ab Datum der Unterschrift beantragt werden konnte (Urk. ND
19/5/200-201 und ND 19/5 207-209). Mit Schreiben vom 22. Juli 2008 an den Be-
schuldigten A._ teilte die L._ AG hinsichtlich eines offensichtlich von ihm
gestellten (sich nicht in den Akten befindenden) Revisionsgesuches mit, dass die
Einschränkungsklausel aufgehoben werde und per 23. Juli 2008 nicht mehr gültig
sei (Urk. ND 19/5/204), worauf der entsprechende Nachtrag zur Police (Urk. ND
19/5/202) mittels Schreiben vom 28. Juli 2008 an den Beschuldigten A._ ver-
sandt wurde (Urk. ND 19/5/203). Vom Absichtsunfall vom 14. Mai 2008 erfuhr die
L._ AG jedoch erst nach der Aufhebung der Leistungseinschränkung, näm-
lich frühestens am 10. September 2008 (Urk. ND 19/12/25; Urk. ND 19/5/193;
ND 19/11 S. 13).
Aufgrund der Platzierung des Arztzeugnisses von Dr. med. BR._ vom 18. Juli
2008 im Abgriff 'L._' im violetten Ordner des Beschuldigten A._ und des
offensichtlichen, auch zeitlichen, Zusammenhangs mit der Aufhebung der Leis-
tungseinschränkung hinsichtlich Leiden der Wirbelsäule auf einen Zeitpunkt nach
dem Absichtsunfall vom 14. Mai 2008 und noch während der Behandlungsphase
der gesundheitlichen Folgen dieses Unfalls, darunter gemäss dem Beschuldigten
auch ein Halswirbel-Schleudertrauma (Urk. 177/6 S. 4; Urk. 177/14 [Arztbericht
Spital Uster]), drängt sich im Zusammenhang mit dem Schreiben der L._ AG
vom 22. Juli 2008 der Schluss auf, dass der Beschuldigte A._ ihr gegenüber
wahrheitswidrig trotz bestehender medizinischer Behandlung eines HWS-
Schleudertraumas behauptete, ein Leiden der Wirbelsäule läge bei ihm nicht
mehr vor, andernfalls die Aufhebung der entsprechenden Leistungseinschränkung
seitens der Versicherung keinen Sinn ergibt. Der Beschuldigte sorgte mithin zu-
erst für die Aufhebung der Leistungseinschränkung bei der L._ AG und mel-
dete unmittelbar nach deren Bestätigung den Unfall vom 14. Mai 2008 an, von
dem er jedoch bereits im Zeitpunkt der Stellung seines Revisionsbegehrens
Kenntnis hatte und wegen welchem er auch bereits Erwerbs-ausfall-Leistungen
der M._ bezog, was er seit dem 19. Juni 2008 aufgrund entsprechender Ori-
- 69 -
entierungsschreiben der M._ wusste (Urk. 19/5/73 und 19/5/77-78, Urk.
19/3/7 und 19/3/10), aber dennoch gegenüber der L._ AG verschwieg.
b) Nicht nur in Bezug auf die Erwerbsausfallversicherung, sondern auch hin-
sichtlich der Motorfahrzeugversicherung des vom Beschuldigten A._ gelenk-
ten Personenwagens, Ford Mondeo 2,5i V6 Trend, erfolgte in unmittelbarem zeit-
lichen Zusammenhang eine wesentliche Änderung im Versicherungsschutz, die
auf die Intervention des Beschuldigten A._ zurückging:
Für den obgenannten Ford Mondeo lag bereits vor dem Unfall vom 14. Mai 2008
eine Motorfahrzeugversicherung bei der K._ (Police Nr. ...) vor (Urk. ND
19/5/186-188), die erst drei Monate zuvor abgeändert worden war (Urk. 19/5/182).
Der Versicherungsvertrag bezeichnete die Firma S._ an der ... [Adresse] als
Versicherungsnehmerin (Urk. ND19/5/171, 174, 178-179), deren einziger (einzel-)
zeichnungsberechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer der Beschuldigte
A._ war, der an der gleichen Adresse seinen Wohnsitz hatte (Urk. 182 und
Urk. 178/1 S. 3). In seiner Eigenschaft als Geschäftsführer der Firma S._ un-
terzeichnete der Beschuldigte A._ am 13. Mai 2008 offenbar einen Antrag
zur Vertragsänderung dieser Motorfahrzeugversicherung (Urk. ND 19/5/179). Sie
trat gemäss der beim Beschuldigten sichergestellten Urkunden noch am gleichen
Tag und damit nur einen Tag vor dem Unfallereignis in Kraft, mit der Folge, dass
der Versicherungsschutz erweitert worden war, indem die Versicherungsgesell-
schaft auf einen Regress respektive eine Leistungskürzung bei Grobfahrlässigkeit
verzichtete (Urk. ND 19/5/171-177 [inkl. grüne Versicherungskarte per 13.5.2008];
insb. Urk. ND19/5/174). Dieser Umstand wird denn auch vom Beschuldigten an-
erkannt (Urk. 133 S. 38 Rz 10.8).
Weiter blieb unbestritten, dass über die vom Beschuldigten A._ gegründete
S._ am 28. April 2008 der Konkurs eröffnet und sie infolge dessen am
15. Oktober 2008 gelöscht worden war (Urk. 182 und ND19/19/20 sowie Urk. 133
S. 5 f.). Somit war der Personenwagen Ford Mondeo im Zeitpunkt des Unfalls und
mithin rund drei Wochen nach erfolgter Konkurseröffnung Eigentum der Kon-
kursmasse der S._ und der Beschuldigte A._ nicht mehr für die konkur-
site Firma handlungsberechtigt (Art. 204 Abs. 1 SchKG). Indem er trotzdem mit
- 70 -
der K._ eine Vertragsänderung aushandelte und diese nicht über die wahren
Besitz- und Verfügungsberechtigungen aufklärte, wovon ausgegangen werden
kann, da die Versicherungsgesellschaft andernfalls wohl kaum einer Vertragsän-
derung zugestimmt hätte, täuschte er - erneut wider besseres Wissen - den Be-
stand der Firma und seine Handlungsfähigkeit für diese vor, was von Seiten der
Versicherungsgesellschaft nicht leicht überprüfbar war, denn die Publikation der
Konkurseröffnung erfolgte im Schweizerischen Handelsamtsblatt (SHAB) just erst
am tt. Mai 2008, mithin am Tag der Ausfertigung der geänderten Police (Urk. ND
19/5/172 Fussnote).
c) Gemäss Art. 28 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial-
versicherungsrechts (ATSG) haben die Versicherten und ihre Arbeitgeber beim
Vollzug der Sozialversicherungsgesetze unentgeltlich mitzuwirken (Abs. 1) und
wer Versicherungsleistungen beansprucht, muss unentgeltlich alle Auskünfte er-
teilen, die zur Abklärung des Anspruchs und zur Festsetzung der Versicherungs-
leistungen erforderlich sind (Abs. 2). Ausserdem ist nach Art. 31 Abs. 1 ATSG je-
de wesentliche Änderung in den für eine Leistung massgebenden Verhältnissen
von den Bezügerinnen und Bezügern, ihren Angehörigen oder Dritten, denen die
Leistung zukommt, dem Versicherungsträger oder dem jeweils zuständigen
Durchführungsorgan zu melden. In Ergänzung zum ATSG sieht das Bundesge-
setz über die Unfallversicherung (UVG) in Art. 112 Abs. 1 vor, dass mit Gefängnis
bis zu sechs Monaten oder mit Busse bestraft wird, wer sich durch unwahre oder
unvollständige Angaben oder in anderer Weise der Versicherungs- oder der Prä-
mienpflicht ganz oder teilweise entzieht. Schliesslich hat der Antragsteller auch
nach Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Versicherungsvertrag (VVG)
dem Versicherer an Hand eines Fragebogens oder auf sonstiges schriftliches Be-
fragen alle für die Beurteilung der Gefahr erheblichen Tatsachen, soweit und so
wie sie ihm beim Vertragsabschlusse bekannt sind oder bekannt sein müssen,
schriftlich mitzuteilen. Dabei sind gemäss Abs. 2 der Bestimmung diejenigen Ge-
fahrstatsachen erheblich, die geeignet sind, auf den Entschluss des Versicherers,
den Vertrag überhaupt oder zu den vereinbarten Bedingungen abzuschliessen,
einen Einfluss auszuüben.
- 71 -
Das Wissen über diese gesetzlichen Bestimmungen ist wie immer zu vermuten
und dem Beschuldigten A._ entgegen zu halten. Dies gilt umso mehr, als die
Verpflichtung des Versicherten, alle Angaben zum Schadenfall und sämtliche Tat-
sachen, die die Feststellung der Schadenumstände beeinflussen, vollständig, in-
haltlich korrekt und freiwillig mitzuteilen, was auch für Aussagen gegenüber der
Polizei, Behörden, Sachverständigen und Ärzten gilt, in Art. A 7.3 der Allgemeinen
Versicherungsbedingungen (AVB) für die Fahrzeugversicherung des Ford Mon-
deo bei der K._, Ausgabe 01.2006, ausdrücklich enthalten ist. Sie ist zudem
mit der Androhung verbunden, dass die Versicherungsgesellschaft die Leistungen
verweigern kann, wenn der Versicherte diesen Verpflichtungen nicht nachkommt
(Urk. ND 19/5/187 i.V. m. Urk. ND 19/5/186; Urk. ND 19/5/176 i.V.m. Urk. ND
19/5/172). Dem Beschuldigten A._ als einzelzeichnungsberechtigter Ge-
schäftsführer der Versicherungsnehmerin S._ ist auch das Wissen um diese
Vertragsbedingungen anzurechnen, zumal sich diese tatsächlich in seinem Besitz
befanden (Urk. ND 19/5 [violetter Ordner]). Somit steht fest, dass sich der Be-
schuldigte A._ in mehrfacher Hinsicht gegenüber den Versicherungsgesell-
schaften vertragswidrig verhielt, sei es weil er wesentliche Umstände hinsichtlich
einer von ihm beabsichtigten Vertragsänderung (K._ und L._ AG) ver-
schwieg, sei es weil er im Zusammenhang mit dem Schadenfall vom 14. Mai 2008
falsche und unvollständige Angaben machte, die die Leistungspflicht des Versi-
cherers beeinflussten.
4.1.5. Das hier dargelegte Verhalten des Beschuldigten kann im gesamten
Kontext zusammenfassend nicht anders als hinterhältig und durchtrieben be-
zeichnet werden. Es ist aber auch arglistig, weil er die Lügen über seinen Ge-
sundheitszustand je gegenüber der aus einem anderen Grund leistungspflichtigen
Versicherungsgesellschaft durch weitere Machenschaften untermauerte und
glaubhaft machte, indem er manipulativ Arztzeugnisse einholte und je die betref-
fend den gewünschten Versicherungsschutz passenden vorlegte, die übrigen je-
doch treuwidrig nicht einreichte, so dass bei den einzelnen Versicherern je ein
insgesamt falsches Bild der gesundheitlichen Situation des Beschuldigten
A._ erzeugt wurde. Der nachgewiesene absichtlich und aktiv vom Beschul-
digten A._ herbeigeführte Verkehrsunfall erscheint aufgrund der vorstehend
- 72 -
dargelegten Indizien sowohl vom Datum her, mithin unmittelbar nach Aufhebung
des Regressrechts wegen Grobfahrlässigkeit und nach erfolgter Konkurseröff-
nung über die Firma des Beschuldigten, die S._, als auch vom Verhalten ge-
genüber den Versicherungsgesellschaften und den Strafverfolgungsbehörden her
vom Beschuldigten A._ wohlüberlegt geplant worden zu sein, sorgte er je-
denfalls dafür, dass er die Kollision in einem Moment herbeiführte, als keine Zeu-
gen anwesend waren, was ihm ja dadurch möglich war, da er bei der Einfahrt zum
Kreisel auf der BC._-Strasse nach erstelltem Sachverhalt angehalten hatte
und die Situation überblickte. Durch Dutzende falscher Angaben, die derart raffi-
niert aufeinander abgestimmt waren, dass sie zu einem eigentlichen Lügenge-
bäude zusammenwuchsen und die zudem mit Halbwahrheiten (insbesondere be-
treffend Gesundheitszustand) gespickt und praktisch nicht überprüfbar waren,
zumal die Angaben zum Gesundheitszustand durch entsprechend vom Beschul-
digten A._ eingeholte und jeweils für den Einzelfall stimmige Arztzeugnisse
scheinbar belegt waren, täuschte er die Versicherungsgesellschaften arglistig
auch hinsichtlich seines (fehlenden) Willens, die jeweiligen Vertragsregeln, res-
pektive die gesetzlich vorgeschriebene Aufrichtigkeit und Offenheit gegenüber
dem jeweiligen Versicherer, von seiner Seite her einzuhalten. Ohne Zweifel erfüll-
te der Beschuldigte A._ mit seinem Vorgehen und seinem Verhalten sämtli-
che Merkmale des arglistigen Handelns im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB.
4.2. Vermögensschaden
4.2.1. a) Der Beschuldigte A._ bestritt nicht, die in der Anklageschrift ge-
nannte Schadenmeldung bei der M._ - dort eingegangen am 26. Mai 2008 -
eingereicht (Urk. ND 19/11 S. 8, ND 19/3/1.1 und ND 19/12/7) und Versicherungs-
leistungen für Heilungskosten und Taggeld in der Höhe von gesamthaft
Fr. 113'881.90 von der M._ erhalten zu haben (Aufstellung M._ über er-
brachte Leistungen vom 2.6.2010 und Bordereau vom 1.6.2010, beides im Ordner
II ND 19/3; Urk. 133 S. 39 Rz. 10.11; Urk. ND 19/11 S. 6 [Beschuldigter]; Urk. 133
S. 39 Rz 10.11).
b) Ebenfalls unbestritten blieb, dass die L._ AG aus der ... Police Nr. ...
zugunsten des Beschuldigten A._ wegen seiner Erwerbsunfähigkeit für die
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Zeit vom 18. August 2008 bis zum 31. Mai 2010 Leistungen von insgesamt
Fr. 5'900.50 erbrachte (Urk. ND 19/11 S. 15), wobei die monatlichen Prämienzah-
lungen von je Fr. 275.60 (Urk. 19/5/196) nicht ausgezahlt wurden, sondern in die
Police geflossen waren (Urk. ND 19/24/4).
c) Weiter blieb unbestritten, dass die BH._ Versicherung als obligatorische
Krankenversicherung des Beschuldigten A._ unfallbedingte Leistungen für
den Zeitraum vom 16. Mai 2008 bis 11. November 2009 im Umfang von
Fr. 4'965.80 erbrachte (Urk. ND 19/3/92), welche jedoch anschliessend von der
M._ ... vollständig rückerstattet wurden, wobei einige der in der Leistungs-
übersicht der BH._ Versicherung aufgeführten Rechnungsbeträge im Ge-
samtbetrag von Fr. 470.50 bereits direkt dem Rechnungssteller seitens der
M._ ... überwiesen worden waren (Urk. 19/3/94).
d) Der Beschuldigte A._ bestätigte sodann, dass er die Schadenmeldung
an die K._ Versicherungs-Gesellschaft AG, kurz K._, (Urk. ND 19/5/180
[= ND 19/12/24]) verschickte (Urk. ND 19/11 S. 13), was sich mit der Aufforderung
dazu seitens der K._ vom 23. Mai 2008 deckt (Urk. ND 19/5/181). Unbestrit-
ten blieb schliesslich auch, dass die K._ als obligatorischer Motorfahrzeug-
haftpflichtversicherer des vom Beschuldigten gelenkten Ford Mondeo die Netto-
Kosten der Reparatur des vom Unfallbeteiligen J._ gelenkten Lastwagens im
Betrage von Fr. 3'360.20 (Urk. ND 19/23/4/2; ND 19/18/2/5-6 [= 19/4/1/6-7]) und
Fr. 371.75 gemäss Rechnung vom 19. Juni 2008 (Urk. ND 19/23/4/1), damit ins-
gesamt Fr. 3'731.95 aus dem Schadenereignis bezahlte (Urk. ND 19/23/3 und 5).
4.2.2. Die Vorinstanz ging davon aus, dass die in der Anklage aufgeführten
von den einzelnen Versicherern erbrachten Versicherungsleistungen erstellt sind
(Urk. 159 S. 32-33; Urk. 61/8 S. 50-51) und argumentierte mit Bezug auf die ge-
setzlichen Grundlagen, dass den Versicherungsgesellschaften durch die erbrach-
ten Leistungen im Umfange von ca. Fr. 125'000.– ein Schaden entstand, da sie
im Wissen um die absichtliche Herbeiführung des Unfalls vom 14. Mai 2008 nicht
geleistet hätten und sich daher im genannten Umfang ihr Vermögen verminderte
(Urk. 159 S. 291).
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Dem ist grundsätzlich zuzustimmen, denn gemäss Art. 21 Abs. 1 ATSG können
der versicherten Person die Geldleistungen vorübergehend oder dauernd gekürzt
oder in schweren Fällen verweigert werden, wenn sie den Versicherungsfall vor-
sätzlich oder bei vorsätzlicher Ausübung eines Verbrechens oder Vergehens her-
beigeführt oder verschlimmert hat. Entsprechendes sieht Art. 37 Abs. 1 UVG vor,
wonach kein Anspruch auf Versicherungsleistungen, mit Ausnahme der Bestat-
tungskosten, besteht, wenn der Versicherte den Gesundheitsschaden oder den
Tod absichtlich herbeigeführt hat. Auch nach Art. 14 VVG haftet der Versicherer
nicht, wenn der Versicherungsnehmer oder der Anspruchsberechtigte das be-
fürchtete Ereignis absichtlich herbeigeführt hat (Abs. 1). Hat der Versicherungs-
nehmer oder der Anspruchsberechtigte das Ereignis grobfahrlässig herbeigeführt,
so ist der Versicherer berechtigt, seine Leistung in einem dem Grade des Ver-
schuldens entsprechenden Verhältnis zu kürzen (Abs. 2). Ist das Ereignis absicht-
lich oder grobfahrlässig von einer Person herbeigeführt worden, die mit dem Ver-
sicherungsnehmer oder dem Anspruchsberechtigten in häuslicher Gemeinschaft
lebt, oder für deren Handlungen der Versicherungsnehmer oder der Anspruchsbe-
rechtigte einstehen muss, und hat er sich in der Beaufsichtigung, durch die An-
stellung oder durch die Aufnahme jener Person einer groben Fahrlässigkeit
schuldig gemacht, so kann der Versicherer seine Leistung in einem Verhältnis
kürzen, das dem Grade des Verschuldens des Versicherungsnehmers oder des
Anspruchsberechtigten entspricht (Abs. 3).
Da sich der Beschuldigte A._ teils als Versicherungsnehmer, teils als Ge-
schäftsführer der Versicherungsnehmerin, gegenüber den Versicherern krass
treu- und vertragswidrig verhielt, entrichteten diese in Unkenntnis der tatsächli-
chen Begebenheiten Versicherungsleistungen einerseits grundsätzlich, anderer-
seits mindestens aber höhere, als sie gesetzlich verpflichtet gewesen wären.
Dadurch ist ihnen gesamthaft betrachtet ein namhafter Schaden durch eine -
wenn auch nach allfällig (teilweise bereits) erfolgter Rückzahlung nur vorüberge-
hende - Vermögensminderung entstanden. Somit ist auch das Tatbestandsele-
ment des Vermögensschadens im Sinne des objektiven Tatbestandes von
Art. 146 Abs.1 StGB vorliegend erfüllt.
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4.3. Vorsatz / Bereicherungsabsicht
4.3.1. Die Absicht des Beschuldigten A._, sich durch das Erlangen von
Versicherungsleistungen zu bereichern, auf die er keinen Anspruch hatte, kann
als innere Tatsache nur mittels äusserer Anhaltspunkte und Hinweise, mithin
durch Indizien, nachgewiesen werden. Dabei ist dem Beschuldigten in erster Linie
entgegen zu halten, dass er die Einzelheiten des Versicherungsschutzes der in-
volvierten Versicherungsgesellschaften genau kannte, hatte er sie ja gezielt und
arglistig zu seinen Gunsten dahingehend verändert, dass unter anderem ein Re-
gress bei Grobfahrlässigkeit ausgeschlossen und die Einschränkung bezüglich
Verletzungen der Wirbelsäule aufgehoben worden war. Er verschwieg wie oben
dargelegt die für den Versicherungsschutz respektive die für dessen Änderung
notwendigen tatsächlichen Gegebenheiten genauso, wie er die absichtliche Her-
beiführung des Verkehrsunfalls verschwieg, um nicht eine Kürzung oder gar die
Verweigerung der Versicherungsleistungen der einzelnen Versicherer hinnehmen
zu müssen.
4.3.2. Ein Blick auf seine finanzielle Situation bestätigt diese Annahme, denn
im Zeitpunkt des Absichtsunfalls im Mai 2008 hatte der Beschuldigte A._ kei-
ne offizielle Anstellung als Geschäftsführer seiner eigenen Firma mehr:
Der Beschuldigte A._ war Gründer und Geschäftsführer verschiedener Fir-
men gewesen, wobei die S._ nicht zu verwechseln ist mit der R._
GmbH [kurz: R._], die der Beschuldigte A._ am 5. April 2004 gegründet
hatte, deren einziger zeichnungsberechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer
er war, und deren Stammanteile er am 27. Juli 2007 an Q._ verkaufte, wo-
rauf nach der Sitzverlegung in den Kanton Zürich über die Gesellschaft am
20. November 2007 der Konkurs eröffnet und sie in der Folge am 24. Juni 2008
gelöscht wurde (Urk. ND 9/2/6-7, Prot. I S. 46-49 und S. 59).
Fast gleichzeitig mit der Übertragung der R._ an Q._ gründete der Be-
schuldigte A._ die S._ GmbH (kurz: S._), und zwar gemäss Han-
delsregisterauszug am 3. Juli 2007 (Urk. 182). Laut einem Schreiben der
BS._ Lohnbuchhaltung an die Krankentaggeldversicherung der S._ vom
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24. Juli 2007 übernahm offenbar die S._ das Personal der R._ (Urk. ND
19/4/10/17). Über die S._ wurde jedoch bereits am 28. April 2008 der Kon-
kurs eröffnet und sie wurde infolge dessen am 15. Oktober 2008 gelöscht (Urk.
182 und ND19/19/20 sowie Urk. 133 S. 5 f. und Prot. I S. 48).
Gemäss Handelsregisterauszug hatte der Beschuldigte A._ mit seiner Ehe-
frau per 6. Dezember 2007 auch noch die T._ GmbH [kurz: T._ GmbH]
gegründet, wobei hier nicht der Beschuldigte A._, sondern seine Ehefrau als
einzige zeichnungsberechtigte Gesellschafterin und Geschäftsführerin eingetra-
gen war. Mit Statutenänderung vom 18. August 2008 übernahm alsdann C._
sämtliche Stammanteile und die Funktion der einzelzeichnungsberechtigten Ge-
sellschafterin und der Geschäftsführerin bis sie - wie im SHAB am tt. April 2009
publiziert - durch ihren Ehemann B._ ersetzt wurde (worauf später noch zu-
rückzukommen sein wird; siehe 3. Teil B.I.1.). Über die Gesellschaft wurde am 21.
Oktober 2009 der Konkurs eröffnet und sie wurde in der Folge am 22. Februar
2010 gelöscht (Urk. 1/6-7 und ND 9/2/5).
4.3.3. Auch bezüglich seiner finanziellen Situation kann nicht einfach auf die
Angaben des Beschuldigten A._ abgestellt werden. Sein Aussageverhalten
bezüglich des Absichtsunfalls gegenüber allen Beteiligten und auch bereits im
Vorfeld gegenüber den Versicherungsgesellschaften zeigt auf, dass seine Anga-
ben mit allerhöchster Zurückhaltung zu würdigen und nicht unbesehen als richtig
oder wahr entgegen genommen werden können, sondern besonders sorgfältig
auf ihre Glaubhaftigkeit hin zu überprüfen sind. Es hat sich gezeigt, dass auf die-
se erst abgestellt werden kann, wenn sie durch objektive Anhaltspunkte bekräftigt
oder durch unabhängige beziehungsweise übereinstimmende sachliche Beweise
belegt werden. Zu oft und zu hemmungslos in unterschiedlichsten Situationen hat
der Beschuldigte A._ bereits nachweislich gelogen, so auch in Bezug auf
seine finanzielle und geschäftliche Lage:
a) Aufgrund der Ermittlungsakten und der Aussagen des Beschuldigten
A._ kam dieser am 12. Oktober 1991 vom O._ kommend in die
Schweiz, wo er zuerst in BT._ zusammen mit seiner Ehefrau BU._ und
der gemeinsamen Tochter wohnte (Beizugsakten Bezirksamt Baden
- 77 -
ST.2004.1005 act. 2). Laut eigenen Angaben habe er eine Gärtneranlehre abge-
brochen, habe aber dort noch weitergearbeitet. Anschliessend habe er fünf Jahre
in ... im BV._ als Maschinenführer gearbeitet, sei dann noch drei Jahre als
Abteilungsleiter bei der BW._ in ... beschäftigt gewesen bis er mit der Grün-
dung der R._ im Jahre 2004 begonnen habe, selber Baufirmen zu gründen
und zu führen (Urk. 3/15 S. 7; Prot. I S. 46). Mit der R._ habe er 7 bis 8 Häu-
ser verkauft, sechs davon in BB._, zwei in CA._ und zwei Wohnungen
in CB._, die er ca. im Jahre 2003/2004 besessen habe (Urk. 3/5 S. 16).
b) Nicht ganz in dieses Bild passt jedoch seine Aussage vom 9. April 2004 ge-
genüber der Kantonspolizei Aargau, sein Beruf sei Bauangestellter, er sei zur Zeit
arbeitslos und habe in seiner letzten Anstellung bei CC._ als Handlanger ge-
arbeitet (a.a.O. act. 6). Gemäss den in jenem Verfahren ergangenen Strafbe-
fehlsakten arbeitete er bei CC._ zu einem Stundenlohn von Fr. 26.– vom
18. Oktober 2002 bis 31. Oktober 2003, wurde dann jedoch fristlos entlassen
(a.a.O. act. 25 und 55). Gemäss rechtskräftigem Strafbefehl beantragte der Be-
schuldigte A._ am 22. November 2003 am Bankschalter der G1._ Bank
in ... einen Kredit über Fr. 50'000.– mittels von ihm verfälschter Lohnabrechnun-
gen für die Monate September und Oktober 2003, in welchen er namentlich statt
dem korrekten Stundenlohn einen solchen von Fr. 35.– aufführte (a.a.O. Strafbe-
fehl vom 9. Juni 2004). Ebenfalls wird sich im nachfolgenden Abschnitt zeigen,
dass auch die Aussage des Beschuldigten A._ bezüglich der zwei Wohnun-
gen in CB._ nicht den Tatsachen entspricht, besass er diese doch entgegen
seiner Aussage 2007 noch. Ausserdem wird sich nachstehend zeigen, dass auch
die Aussage bezüglich des Verkaufs seines Einfamilienhauses in BB._ an
seinen Vater jedenfalls zeitlich nicht stimmt, verkaufte er dieses gemäss Steuer-
erklärung 2007 doch bereits am 30. Juni 2007 und nicht erst Ende 2007.
c) Gemäss Auszug aus dem Steuerregister der Gemeinde BB._ / AG, wo-
hin die Familie inzwischen umgezogen war, wurde für das Steuerjahr 2006 ein
steuerbares Jahreseinkommen von Fr. 211'482.– definitiv und für 2007 ein sol-
ches von Fr. 100'681.– provisorisch veranlagt (Urk. 35/7). Als Betriebsinhaber der
S._ wurde der Beschuldigte A._ gemäss den beim Beschuldigten si-
- 78 -
chergestellten Dokumenten in der kollektiven Krankentaggeldversicherung der
BN._ Versicherungsgesellschaft ab 1. August 2007 mit einem Jahreslohn
von Fr. 68'900.– versichert (ND 19/4/10/25) und bezog für den Zeitraum vom
2. Februar 2007 bis 20. Juli 2007 bei einer praktisch immer vorliegenden
100 %-igen Arbeitsunfähigkeit insgesamt Fr. 16'389.– (ND 19/4/10/3-19). Dies
deklarierte er jedoch in der Steuererklärung 2007 wahrheitswidrig nicht, gab er
dort doch an, als Geschäftsführer der R._ und anschliessend der S._
bei einem Arbeitspensum von 100 % insgesamt im Jahre 2007 einen Erwerb von
netto Fr. 100'062.– erzielt zu haben, was er durch entsprechende Lohnausweise
belegte, wie sich aus den Akten des akzessorischen Einziehungsverfahrens
EIZ/2009/18 (kurz: EIZ) ergibt (Urk. EIZ 30/11 S. 5 und 11 mitsamt Lohnauswei-
sen). Gemäss Steuererklärung 2007 verkaufte der Beschuldigte A._ am
30. Juni 2007 sein Einfamilienhaus an der ...strasse ... in BB._ und besass
am 31. Dezember 2007 nebst den zwei Stockwerkeigentumswohnungen in
CB._ auch noch ein Einfamilienhaus in CA._, das er am 3. April 2007
erworben hatte und - entgegen dem handschriftlichen Vermerk - nicht am 1. No-
vember 2007 sondern erst am 1. Februar 2008 wieder verkaufte (Urk. EIZ 30/11
S. 14-17 und Urk. EIZ 30/12 S. 15).
Ende 2007 verfügte der Beschuldigte A._ gemäss der Steuererklärung 2007
über ein Vermögen aus Liegenschaften im Werte von Fr. 891'150.–, belastet mit
Hypothekenschulden von insgesamt Fr. 876'250.–. Ausserdem hatte er Schulden
von Fr. 27'443.– aus einem Konsumkredit bei der Bank CD._ AG (Urk. EIZ
30/11 S. 7 und S. 9-10). Trotz des respektablen deklarierten und nicht deklarier-
ten Einkommens wies der Beschuldigte A._ Ende 2007 lediglich ein bewegli-
ches Vermögen von Fr. 24'280.– aus, wobei Guthaben aus Bankkonti lediglich
Fr. 3'308.– ausmachten (Urk. EIZ 30/11 S. 2 des Wertschriftenverzeichnisses und
Urk. EIZ 24/15).
d) Gemäss der Steuererklärung 2008 verfügte der Beschuldigte A._ 2008
ausschliesslich über Einkünfte aus Sozial- und anderen Versicherungen und er-
zielte keinen Lohn aus Arbeitstätigkeit mehr (Urk. EIZ 30/12 S. 5). Auch seine
Ehefrau bezog 62 % ihres deklarierten Einkommens aus Versicherungsleistungen
- 79 -
(a.a.O., je mit Beilagen). Obwohl er nachweislich für die Zeit ab 3. Januar 2008
bis 9. Februar 2008 wiederum Krankentaggelder im Betrage von Fr. 3'625.– be-
zogen hatte (Urk. ND 19/4/10/31), verschwieg er gegenüber der Steuerbehörde
das Krankentaggeld ganz (Urk. EIZ 30/12 S. 5 und 10).
Aus den beiden Wohnungen in CB._ erzielte der Beschuldigte A._ Net-
toeinnahmen von insgesamt Fr. 6'686.–, die sich ergeben aus den Mietzinsein-
nahmen von Fr. 24'500.– vom 1. Januar bis 31. Juli 2008, abzüglich Hypothekar-
zinsen von Fr. 12'621.05 und Nebenkosten von zusammen Fr. 5'192.70 (Urk. EIZ
30/12 S. 5 und S. 9 mitsamt Beilagen). Gemäss Steuererklärung 2008 wurden die
beiden Wohnungen Ende Juli 2008 verkauft (a.a.O. S. 13-14), was sich mit dem
Kontoauszug des Universalkontos des Beschuldigten A._ bei der CE._
[Bank] (CE'._) deckt. Per Ende Juli erfolgte zulasten von CF._,
CB._, eine Gutschrift in der Höhe von insgesamt Fr. 68'000.–, so dass ein
neues Guthaben von Fr. 70'125.95 verbucht wurde, welches aber durch die Aus-
zahlung von Fr. 68'000.– am 4. August 2008 sofort abgeschöpft wurde (Urk. EIZ
24/14).
e) Aufgrund der Aussagen des Beschuldigten, welche durch die Akten des ak-
zessorischen Einziehungsverfahrens EIZ/2009/18 belegt werden, baute er immer
wieder Häuser, resp. Wohnungen, welcher er zwischenzeitlich besass, dann je-
doch wieder verkaufte (Urk. 3/15 S. 7; Prot. I S. 46). Die daraus erzielten Geldbe-
träge sind jedoch jeweils sofort nach deren Gutschriften wieder vom jeweiligen
Konto abgeflossen beziehungsweise abgehoben worden (Urk. EIZ 24/14,
Urk. EIZ 25/16) und es kann an dieser Stelle noch offen bleiben, ob diese, wie
vom Beschuldigten behauptet (Urk. 3/5 S. 16), wieder investiert oder aber ander-
weitig verwendet wurden.
f) Tatsächlich lässt sich das dokumentierte bewegliche Vermögen des Be-
schuldigten A._ für den Zeitpunkt unmittelbar vor dem Absichtsunfall vom
14. Mai 2008 tabellarisch so festhalten: Bank IBAN Datum Fr. Saldo/
Saldierung Fr. Akten
CG._ Privatkonto
CH...
1.1.2008 - 5.– 18.2.2008
- 75.68
EIZ 19/12
N._ Bank 31.12.2007 nie EIZ
- 80 -
Sparkonto CH... - 30.4.2008 > 0.– 30.4.2008
- 12.–
22/16
CH._ ... Mitglieder-Privatkonto
CH...
31.12.2007
51.15 1.4.2008
40.50
EIZ 25/16
CE'._ Universalkonto Liegensch. CB._
CH...
31.12.2007 3'032.20 30.4.2008 29.10.2008
5'005.50 0.–
EIZ 24/15
CI._ Sparkonto der Eheleute A/BU._
CH...
31.12. 2007 - 5.95 10.3.2008
0.– EIZ 20/10
Wie vorstehend unter dem 3. Teil A II.4.1. (Seite 63) dargelegt, verschwieg der
Beschuldigte A._ jeweils gegenüber den involvierten Versicherungen Tatsa-
chen, die die Leistungspflicht schmälern könnten. Er verhielt sich jedoch offen-
sichtlich auch gegenüber den Steuerbehörden treuwidrig, indem er wesentliche
Einkommensfaktoren, wie Leistungen von Taggeldversicherern, verschwieg. Dies
konnte von diesen praktisch nicht überprüft werden, sorgte der Beschuldigte doch
als Geschäftsführer derjenigen Firmen, bei denen er angestellt war, dafür, dass
die Lohnausweise den deklarierten Angaben entsprachen, so dass die Steuerbe-
hörden keinen Anlass hatten, bei einer belegten 100 %-igen Erwerbstätigkeit im
2007 nach Versicherungsleistungen zu forschen, was sich überdies angesichts
des Arztgeheimnisses auch als praktisch unmöglich erweisen musste.
Dem beweglichen Vermögen des Beschuldigten A._ standen jedoch im Zeit-
punkt des Absichtsunfalls in Betreibung gesetzte Forderungen in der Höhe von
zusammen Fr. 26'317.70 gegenüber, wobei zusätzlich eine Betreibung über
Fr. 25'284.80 am 9. Juli 2008 bereits zum Pfändungsvollzug stand
(Urk. ND 19/4/4/1).
g) Gleichzeitig war er aber ausserdem mit weiteren geschäftlichen Problemen
konfrontiert: Einerseits lag am 24. November 2007 gegen die S._ eine Kon-
kursandrohung betreffend eine Forderung über Fr. 6'350.– vor und insgesamt war
die S._ im Zeitraum vor dem Absichtsunfall vom 14. Mai 2008 zwischen
24. November 2007 und 21. April 2008 über eine Summe von insgesamt
Fr. 121'591.60 betrieben worden (Urk. ND 19/4/4/2). Andererseits gab es bezüg-
lich des Baus an der CJ._-Strasse ..., bei welchem er die Bauleitung inne
hatte, Probleme mit der Sicherheit der Gerüste: Nachdem auf der Baustelle
CJ._-Strasse ... in Zürich durch das Amt für Baubewilligungen der Stadt Zü-
rich erhebliche Mängel beim Baugerüst festgestellt worden waren, die auch nach
- 81 -
schriftlichen Ermahnungen nicht behoben wurden, so dass ein Verbot des Betre-
tens des Gerüsts mittels Plakaten vor Ort ausgesprochen werden musste, reichte
die M._ ... mit Schreiben vom 14. März 2008 Strafanzeige gegen den Be-
schuldigten A._ und eventuell weitere Verantwortliche der Firmen S._
GmbH, U._ GmbH sowie R._ GmbH wegen Zuwiderhandlungen gegen
die Regeln der Baukunde und die Vorschriften über die Arbeitssicherheit bei der
Stadtpolizei Zürich bezüglich der Baustelle CJ._-Strasse ... in Zürich ein
(Urk. ND 16/2 und ND 16/3/18 sowie Urk. ND 16/5/1 [Beschuldigter A._]).
4.3.4. Bezüglich des Vorsatzes gilt es abschliessend festzuhalten, dass auf-
grund der Indizien kein anderer Schluss gezogen werden kann, als dass der Be-
schuldigte durch sein geplantes und manipulatives Verhalten mittels eines gezielt
aufgebauten Lügengebäudes je gegenüber der einzelnen Versicherungsgesell-
schaft die Auszahlung ihm nicht zustehender Erwerbsausfall-Leistungen wollte
und damit im Rechtssinne direktvorsätzlich handelte. Dass er einen ganz anderen
Erfolg angestrebt hätte, als durch den Absichtsunfall ungerechtfertigte Taggelder
erhältlich zu machen, wurde nicht geltend gemacht und ist auch nicht ersichtlich.
Im Gegenteil vermag auch die - jedenfalls im Zeitpunkt des Absichtsunfalls - sehr
angespannte finanzielle Lage des Beschuldigten A._, wie vorstehend darge-
legt, den auf der Hand liegenden Schluss, dass er durch den Absichtsunfall Versi-
cherungsleistungen für Lohnausfall erhältlich machen wollte, nicht zu entkräften.
Mithin bestehen keine unüberwindbaren Zweifel an der Bereicherungsabsicht des
Beschuldigten. Da der Beschuldigte vorliegend sowohl den objektiven wie den
subjektiven Tatbestand des Betruges erfüllt hat, ist er in Bestätigung des ange-
fochtenen Urteils des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig zu
sprechen.
Ob das Verhalten des Beschuldigten A._ gemäss der Anklage als gewerbs-
mässig im Sinne von Art. 146 Abs. 2 StGB zu qualifizieren ist, wird später noch zu
erörtern sein.
- 82 -
III. Falsche Anschuldigung
1. Rechtsgrundlage
Gemäss Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe oder Geldstrafe be-
straft, wer einen Nichtschuldigen wider besseres Wissen bei der Behörde eines
Verbrechens oder Vergehens beschuldigt, in der Absicht, eine Strafverfolgung
gegen ihn herbeizuführen. Der gleichen Strafandrohung unterliegt nach Art. 303
Ziff. 1 Abs. 2 StGB, wer in anderer Weise arglistige Veranstaltungen trifft, in der
Absicht, eine Strafuntersuchung gegen einen Nichtschuldigen herbeizuführen.
Der Tatbestand der falschen Anschuldigung schützt in erster Linie die Zuverläs-
sigkeit der Rechtspflege. Die Tathandlung gemäss Art. 303 Ziff. 1 StGB führt zu
einem unnützen Einsatz öffentlicher Mittel. Daneben handelt es sich bei der fal-
schen Anschuldigung aber auch um ein Delikt gegen die Person. Geschützt wer-
den danach die Persönlichkeitsrechte zu Unrecht Angeschuldigter (BGE 136 IV
170 E. 2.1 S. 175 f.; 132 IV 20 E. 4.1 S. 24 f.; je mit Hinweisen; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_458/ 2015 vom 16. Dezember 2015 E. 3.2.2). Der subjektive Tat-
bestand erfordert Vorsatz und in Bezug auf die Unwahrheit der Beschuldigung
Handeln wider besseres Wissen. Das Bewusstsein, die Behauptung könnte mög-
licherweise falsch sein, genügt mithin nicht. Der Täter muss vielmehr sicher da-
rum wissen, dass die Anschuldigung unwahr ist. Insofern scheidet Eventualvor-
satz aus (BGE 136 IV 170 E. 2.1 S. 176 f. mit Hinweisen).
2. Subsumtion
Wie oben dargelegt wurde, führte der Beschuldigte A._ die Kollision mit dem
Lastwagen des Unfallbeteiligten J._ aktiv herbei, indem er entgegen seinen
Licht- und Handzeichen dem Lastwagenfahrer die ungehinderte Einfahrt in den
Kreisel nicht überliess, sondern seinen Personenwagen beschleunigte, um seitlich
in den sich bereits im Kreisel befindenden Lastwagen hineinzufahren (siehe 3.
Teil A. I. 4.). Der Beschuldigte A._ schilderte den Strafverfolgungsbehörden
gegenüber von Anfang an einen tatsachenwidrigen Unfallhergang dergestalt,
dass der Unfallbeteiligte J._ als der Verursacher der Kollision dastand (Urk.
177/6 S. 1 f. Antw. 4 und S. 3 Antw. 15; Urk. 177/18 S. 4 f.; ND 19/11 S. 3, 8 und
- 83 -
14; ND 19/13 S. 3; ND 19/14 S. 5 f.). Ausserdem verlangte er aktiv und bewusst
dessen Strafverfolgung, indem er nicht nur Strafantrag stellte (Urk. 177/5 Vorder-
seite), nachdem er sich dies noch rund einen halben Monat überlegt hatte (Urk.
177/5 Rückseite und 177/6 S. 4 Antw. 20), sondern auch in fortgeschrittenem Un-
tersuchungsstadium am Strafantrag explizit festhielt (Urk. 177/12 S. 2 und 177/18
S. 1). Wie mehrfach erwähnt, wurde gestützt darauf tatsächlich ein Strafverfahren
gegen J._ geführt, das nach einem erstinstanzlichen Schuldspruch mit einem
gänzlichen Freispruch durch die Berufungsinstanz endete (Urk. 178/52 und
178/75). Die eindeutigen Erklärungen des Beschuldigten A._ lassen keinen
anderen Schluss zu, als dass er die falsche Anschuldigung willentlich und wis-
sentlich beging, mithin vorsätzlich und entgegen der Vorinstanz (Urk. 159 S. 292
E. 19.11.2.2) nicht nur eventualvorsätzlich. Er wollte, wie sich aus der Stellung
des Strafantrages deutlich ergibt, dass gegen den Unfallbeteiligten J._ ein
Strafverfahren eröffnet wird. Damit ist sowohl der objektive wie der subjektive
Tatbestand erfüllt. Nachdem es sich bei Art. 303 Ziff. 1 Abs. 2 StGB um einen
Auffangtatbestand handelt, der im Unterschied zu Abs. 1 derselben Bestimmung
die averbale mittelbare Beschuldigung erfasst (Delnon/Rüdy in: BSK Strafrecht II,
a.a.O., N 23 zu Art. 303; Trechsel/Affolter-Eijsten in: Trechsel/Pieth (Hrsg.),
Schweizerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar [kurz: Praxkomm. StGB],
2. A. Zürich/St. Gallen 2013, N 6 zu Art. 303), kommt vorliegend aufgrund der di-
rekten unmittelbaren Bezichtigung, der Unfallbeteiligte habe strafbar gehandelt,
einzig die Anwendung von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Frage. Das Dispositiv ist
diesbezüglich zu präzisieren. Dies wirkt sich nicht zulasten des Beschuldigten
A._ aus (siehe hierzu nachfolgend C.II.3.), ging doch aufgrund ihrer Begrün-
dung ganz offensichtlich auch die Vorinstanz hiervon aus (Urk. 159 S. 291 f.). In
Ermangelung von Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründen ist der Be-
schuldigte A._ daher der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303
Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
- 84 -
IV. Sachbeschädigung
1. Rechtsgrundlage
1.1. Wer eine Sache, an der ein fremdes Eigentums-, Gebrauchs- oder Nutz-
niessungsrecht besteht, beschädigt, zerstört oder unbrauchbar macht, wird, auf
Antrag, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. In subjekti-
ver Hinsicht ist Vorsatz oder zumindest Eventualvorsatz erforderlich (statt vieler:
Andreas Donatsch, Strafrecht III, Delikte gegen den Einzelnen [kurz: Strafrecht
III], 10. A. Zürich-Basel-Genf 2013, S. 207). Direkter Vorsatz ist auch gegeben,
wenn der Täter den deliktischen Erfolg als notwendige Folge oder als Mittel zur
Erreichung des verfolgten Zwecks in seinen Entschluss mit einbezogen hat, selbst
wenn dieser ihm gleichgültig oder sogar unerwünscht sein mag (sog. direkter Vor-
satz zweiten Grades). Er braucht nicht das direkt vom Täter erstrebte Ziel zu sein.
Es genügt, dass er mitgewollt ist (BGE 119 IV 193 E. 2b/cc mit Hinweisen; Urteil
des Bundesgerichts 6B_352/2011 vom 20. Okt. 2011 E. 3.1).
1.2. Ist eine Tat nur auf Antrag strafbar, so kann gemäss Art. 30 Abs. 1 StGB je-
de Person, die durch sie verletzt worden ist, die Bestrafung des Täters beantra-
gen. Das Vorliegen eines Strafantrages ist dabei eine Prozessvoraussetzung (Ur-
teil 6B_856/2013 vom 3. April 2014, Erw. 2.3). Bei Fehlen eines gültigen Strafan-
trags fällt eine Strafverfolgung und damit eine Bestrafung ausser Betracht (BGE
129 IV 305 E. 4.2.3.). Es ist daher von Amtes wegen zu prüfen, ob ein gültiger
Strafantrag vorliegt, wobei die Antragsfrist gemäss Art. 31 StGB mit dem Tag zu
laufen beginnt, an welchem der antragsberechtigten Person der Täter bekannt
wird und nach Ablauf von drei Monaten erlischt. Diese Frist wird gemäss Art. 110
Abs. 6 StPO nach dem Kalender berechnet, wobei der Tag der Kenntnisnahme
nicht mitgezählt wird (Art. 90 Abs. 1 StPO). Mit Bezug auf die Fristwahrung gelten
die Grundsätze von Art. 91 StPO.
2. Subsumtion
Es blieb vorliegend unbestritten und insbesondere durch die Fotoaufnahmen am
Unfallort urkundlich belegt, dass durch die vom Beschuldigten A._ herbeige-
führte Kollision am Lastwagen, den J._ für die Halterin des Fahrzeugs, die
- 85 -
Firma I._ AG, lenkte, Sachschaden entstanden ist (Urk. 1 S. 2; ND 19/5/177
[beigelegter grüner internationaler Versicherungsausweis]; ND19/18/2/1-2; ND
19/18/2/4 Blätter 10-16 [Aufnahmen Unfallfotodienst]). Die Reparaturrechnung für
die Behebung dieses Schadens belief sich auf Fr. 3'615.50 (ND 19/18/2/5-6 [=
19/4/1/6-7]; ND 19/23/4/1-2).
Nachdem der Halterin von Seiten der Kantonspolizei Zürich am 21. Mai 2010 mit-
geteilt worden war, dass davon auszugehen sei, dass A._ den Verkehrsunfall
provozierte und absichtlich verursachte (Urk. ND 19/4/7/1), reichte die Halterin in-
nert der dreimonatigen gesetzlichen Frist rechtzeitig am 31. Mai 2010 über ihren
Rechtsvertreter erstmals Strafantrag ein. Dieser wiederholte die Stellung des
Strafantrags sodann am 2. Juni 2010 nochmals mittels des von einem Organ un-
terzeichneten Antrags vom 28. Mai 2010 und unter Beilage der unterzeichneten
Anwaltsvollmacht (Urk ND 19/4/7/2-3 und 19/4/8/3-4). Damit ist die Strafbarkeits-
voraussetzung in formeller und zeitlicher Hinsicht erfüllt.
Indem der Beschuldigte absichtlich beschleunigte, den Zusammenstoss mit dem
Lastwagen aktiv herbeiführte und eine solche Kollision, die für den Unfallbeteilig-
ten J._ weder vorhersehbar noch vermeidbar war, naturgemäss Schäden an
beiden beteiligten Fahrzeugen zur Folge hat, kann aufgrund des Verhaltens des
Beschuldigten A._ kein anderer Schluss gezogen werden, als dass er auch
den Sachschaden am beteiligten Lastwagen direkt vorsätzlich beging, auch wenn
er - wie nachstehend zu zeigen sein wird - einen anderen Hauptzweck mit dem
Absichtsunfall verfolgte, als der Firma I._ AG einen Sachschaden zuzufügen.
Damit ist entgegen der Vorinstanz bezüglich des subjektiven Tatbestandes nicht
von Eventualvorsatz sondern von direktem Vorsatz (zweiten Grades) auszuge-
hen, was den Schuldspruch wegen Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144
Abs. 1 StGB nach sich zieht.
- 86 -
B. Vorbemerkungen zu den ND 3 - 8 und 11 - 13
I. Beziehungen der wichtigsten Akteure und Firmen
1. A._ / Q._ und die Firmen R._ - S._ - T._ GmbH - U._ GmbH - V._ GmbH
Zwischen dem Beschuldigten A._ und Q._ bestand, wie nachfolgend
gezeigt wird, eine langjährige und vielschichtige Beziehung, so dass davon aus-
gegangen werden kann, dass sich die nachfolgend genannten Akteure sehr gut
kannten und keinesfalls zufällig gleichzeitig in den angeklagten Sachverhalten
vorkommen. Der Beschuldigte A._ gab zwar anfänglich an, Q._ "nor-
mal" zu kennen, nicht ganz gut, nicht ganz schlecht (Urk. 3/5 S. 13), was völlig un-
tertrieben ist, bezeichnete doch A._ Q._ am Ende des Untersuchungs-
verfahrens dann selbst als "sehr guten Freund" (Urk. 3/14 S. 12). Hier zeigt sich
beispielhaft, wie der Beschuldigte A._ auch zu seinen persönlichen Bezie-
hungen keineswegs immer wahrheitsgemässe Aussagen machte und diese des-
halb ebenfalls nur mit der allergrösster Zurückhaltung gewürdigt werden können.
1.1. Der Beschuldigte A._ hatte am 5. April 2004 die Firma R._ GmbH
[kurz: R._] mit einem Stammkapital von Fr. 20'000.– gegründet, deren einzi-
ger zeichnungsberechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer er war und deren
Zweck hauptsächlich in der Ausführung von Bauten als Generalunternehmen be-
stand (Urk. ND 9/2/6). Die Stammanteile gingen am 27. Juli 2007 auf Q._
über, worauf nach der Sitzverlegung in den Kanton Zürich über die Gesellschaft
am 20. November 2007 der Konkurs eröffnet wurde. Der Konkurs wurde dann je-
doch mangels Aktiven eingestellt, worauf die Firma in der Folge am 24. Juni 2008
gelöscht wurde (Urk. ND 9/2/6-7, Prot. I S. 46-49 und S. 59).
1.2. Q._ seinerseits hatte am 31. März 2003 als einziger einzelzeichnungs-
berechtigter Gesellschafter und Geschäftsführer die U._ GmbH mit Sitz an
der CK._-Strasse ... in Zürich gegründet, deren Zweck in Betrieb und Orga-
nisation von Bauarbeiten, Übernahme und Ausführung von Akkordarbeiten und
ferner unter anderem in Dienstleistungen in der Reise und Touristikbranche be-
stand. Die Büroräumlichkeiten befanden sich immer an der CK._-Strasse ...
in Zürich. Q._ verkaufte die Firma am 14. November 2007 an CL._,
- 87 -
blieb jedoch nach eigenen Angaben weiterhin Angestellter bei der neu U._
GmbH genannten Firma (Urk. 40/17, ND 5/12/3 und Urk. ND 15/6/1 S. 2).
Q._ war aber gemäss eigenen Angaben (auch) bei der V._ GmbH [kurz:
V._ GmbH] angestellt (Urk. EIZ 5/3 S. 6), die am 9. Oktober 2007 von seiner
nachmaligen Ehefrau CM._ als einzige einzelzeichnungsberechtigte Gesell-
schafterin und Geschäftsführerin gegründet worden war (Urk. 185).
1.3. Fast gleichzeitig mit der Übertragung der R._ an Q._ gründete der
Beschuldigte A._ die S._ GmbH (kurz: S._), und zwar gemäss
Handelsregisterauszug am 3. Juli 2007 (Urk. 182). Die S._ hatte mit der
U._ GmbH bezüglich des Baus an der CJ._-Strasse in Zürich einen
Werkvertrag, so dass hier ebenfalls eine direkte Beteiligung von A._ und
Q._ vorlag. Über die S._ wurde dann jedoch am 28. April 2008 der Kon-
kurs eröffnet und sie wurde infolge dessen am 15. Oktober 2008 nach nur knapp
einem Jahr Bestand bereits wieder gelöscht (Urk. 182 und ND19/19/20 sowie Urk.
133 S. 5 f. und Prot. I S. 48).
1.4. Gemäss Handelsregisterauszug hatte der Beschuldigte A._ mit seiner
Ehefrau per 6. Dezember 2007 auch noch die T._ GmbH [kurz: T._
GmbH] gegründet, wobei hier nicht der Beschuldigte A._, sondern seine
Ehefrau als einzige zeichnungsberechtigte Gesellschafterin und Geschäftsführerin
eingetragen war. Die T._ GmbH blieb unbestrittenermassen bis zur Übertra-
gung an C._, der Ehefrau von B._, inaktiv und hatte weder Einkommen
noch Ausgaben (Urk. 3/4 S. 6; Urk. EIZ 19/19, 21/21). Mit Statutenänderung vom
18. August 2008 übernahm C._ nebst sämtlichen Stammanteilen auch die
Funktion der einzelzeichnungsberechtigten Gesellschafterin und der Geschäfts-
führerin bis sie - wie im SHAB am tt. April 2009 publiziert - durch ihren Ehemann
B._ ersetzt wurde. Die Geschäfte der Firma wurden gestützt auf die einläss-
liche und überzeugende Beweisführung der Vorinstanz, die hier daher nicht wie-
derholt zu werden braucht (Art. 82 Abs. 4 StPO), nicht - wie im Handelsregister
vermerkt - vom Beschuldigten B._, sondern effektiv vom Beschuldigten
A._ geführt, der dort zu 100 % beschäftigt war (Urk. 159 S. 40 - 48 E. 9.6. -
9.6.9). Über die Gesellschaft wurde am 21. Oktober 2009 der Konkurs eröffnet
- 88 -
und sie wurde in der Folge am 22. Februar 2010 gelöscht (Urk. 1/6-7 und ND
9/2/5).
1.5. Selbst wenn auf die Aussagen des Beschuldigten A._ infolge dessen
nachweislich ständiger unwahren Angaben nur mit Zurückhaltung abgestellt wer-
den kann, ergibt sich zweifelsfrei, dass Q._ mit seiner U._ GmbH bereits
ab ca. 2005 im Unterakkord Bauarbeiten für die Firmen R._ resp. später die
S._ des Beschuldigten A._ ausgeführt hatte (Urk. EIZ 3 S. 63; Urk. ND
16/5/2 S. 1 [Q._]; Urk. 3/5 S. 13 unten, Urk. ND 9/5/1 S. 3 und ND 16/5/1
S. 1 [A._]; Urk. 4/5 S. 2 [B._]; Urk. ND 16/7/9 und Urk. EIZ 3 S. 62 f. mit
dortigen Verweisen). Er arbeitete indes auch nach der Übernahme der R._
weiterhin via die T._ GmbH mit dem Beschuldigten A._ zusammen (Urk.
5/10 S. 10 und 5/11 S. 4 [W._]), obwohl dieser gegenüber der Kantonspolizei
Aargau im Juli 2009 noch eingeschränkt hatte, er habe seit dem Verkauf der
R._ an Q._ (sc. vom 27. Juli 2007) nur noch auf privater Ebene Kontakt
(Urk. ND 9/5/1 S. 3). Das trifft - einmal mehr - nachweislich nicht zu, arbeiteten die
beiden doch 2007/2008 in Zürich am Projekt CJ._-Strasse ... zusammen
(Urk. ND 16/2 und ND 16/3/18 sowie ND 16/5/1 [Beschuldigter A._] und ND
16/5/2 [Q._]), ebenso wie bezüglich der Projekte in BB._ und CA._,
beide auch im Laufe der Jahre 2008/2009 aktuell (Urk. 5/11 S. 43 [W._]; Urk.
4/10 S. 11 [B._]; Urk. 3/5 S. 13 [A._]; Urk. ND 15/6/1 S. 2 [Q._]).
W._ bezeichnete denn entsprechend Q._ auch als den "Baumeister der
Firma T._" (Urk. 10/2 S. 9), da er, resp. seine Firmen V._ GmbH oder
U._ GmbH, jeweils unbestrittenermassen die Baumeisterarbeiten für die Ge-
neralunternehmerfirmen von A._ ausführten. Ausserdem ergibt sich aus den
im Rahmen der akzessorischen Einziehung edierten Bankunterlagen, dass zwi-
schen Dezember 2008 und Februar 2009 Geldmittel im Betrage von
Fr. 178'630.80 zulasten der T._ GmbH an die V._ GmbH abflossen und
diese ihr wieder Beträge von gesamthaft Fr. 157'000.– zurück überwies, die dann
von B._ und C._ bar ab dem Bankkonto der T._ GmbH bei der
CG._ bezogen wurden (Urk. EIZ 4/5 S. 1).
- 89 -
1.6. Es bestand aber ausserdem noch eine weitere Beziehung zwischen den
Eheleuten A/BU._ und Q._, indem die Ehefrau des Beschuldigten
A._ mit einem Pensum von 100 % seit dem 1. August 2007 bis 31. Dezem-
ber 2008 als Büroangestellte für Q._ aufgeführt ist, was zeitlich mit seinem
Engagement bei der U._ GmbH in Zürich zusammenfällt, wie sich aus den
Steuererklärungen 2007 und 2008 ergibt (Urk. EIZ 30/11 S. 4 und 11 und Urk.
30/12 S. 4 und 11; je mitsamt Lohnausweis).
1.7. Schliesslich übernahm die T._ GmbH am 29. Dezember 2008 die
AA._ GmbH (kurz: AA._ GmbH) von der davor einzigen einzelzeich-
nungsberechtigten Gesellschafterin und Geschäftsführerin AN._ (Urk. 1/3),
welche ihrerseits gleichzeitig für Q._, resp. seine U._ GmbH arbeitete
(Urk. 4/5 S. 4 [B._]; Urk. 8/7 S. 3 [AN._]) und das Einstellungsgespräch
für den Beschuldigten A._ seitens T._ GmbH mit W._ führte. Die-
ses fand in den Büroräumlichkeiten an der CK._-Strasse ... in Zürich statt,
wo zeitweilig die Geschäfte der T._ GmbH, der U._ GmbH und der
AB._ Garage AG geführt wurden und wo A._ bis zum Bezug der Büros
der T._ GmbH in CN._ Untermieter war (Urk. 5/5 S. 7 f. [W._]; Urk.
8/7 S. 3 ff. [AN._]). Die AA._ GmbH wurde infolge Inaktivität und Desin-
teresse an der Firma am 15. Oktober 2010 von Amtes wegen gelöscht (Urk. 1/3).
Auf Details im Zusammenhang mit dem Kauf und Verkauf der AA._ GmbH
an B._ und von diesem an eine weitere Person wird später noch einzugehen
sein (siehe unten 3. Teil F. I. 3.2.).
2. W._ / A._ / Q._ und die Firmen AA._ GmbH - AB._ Garage AG
2.1. W._ war in der Zeit von ca. Mitte Dezember 2008 bis ca. Anfang Mai
2009 zu 100 % bei der T._ GmbH als Sachbearbeiterin angestellt (Urk. 5/11
S. 3 f., 8/13 S. 3 f. [W._] und Urk. 18/6/13 [Neuarbeitsvertrag]), nachdem sie
von der Arbeitslosenkasse "ausgesteuert" worden war und via das RAV eine neue
Stelle gesucht hatte. Ihr Aufgabenbereich umfasste die Eröffnung von Konten der
Firmen und das Bestellen von Material, wofür sie eine weitreichende Vollmacht für
die allgemeinen Geschäftsabwicklungen, aber auch für Bankaufträge hatte. Sie
- 90 -
erledigte gemäss übereinstimmender Aussagen alles Schriftliche für die T._
GmbH und A._, der selbst nicht gut deutsch schreiben konnte (Urk. 5/3 S. 8;
Urk. 5/5 S. 11, Urk. 5/11 S. 8 und Urk. 10/2 S. 11 [W._]; Urk. 4/3 S. 6; Urk.
4/5 S. 4, 6 und 11; Urk. 10/1 S. 33 [B._]; Urk. 18/6/15 [Vollmachtsurkunde]
und Urk. 5/11 S. 7). Durch die Stelle bei der T._ GmbH lernte sie nebst dem
Beschuldigten A._ ebenso Q._ kennen (Urk. 5/5 S. 11 und Urk. 5/10
S. 10 [W._]; Urk. 4/5 S. 4 [B._]; Urk. EIZ 5/3 S. 4; Urk. 10/1 S. 8; 10/2
S. 3; Urk. 10/3 S. 3 [Konfrontations-EV]). Das Einstellungsgespräch mit ihr hatte
wie erwähnt auf Veranlassung des Beschuldigten A._ AN._ geführt, die
in den Büroräumlichkeiten der U._ GmbH in Zürich für Q._ arbeitete
(siehe hierzu übereinstimmend die Vorinstanz Urk. 159 S. 42-44).
Die Vorinstanz wies überzeugend nach, dass es - wovon auch die Anklage aus-
geht - der Beschuldigte A._ war, welcher der eigentliche Geschäftsführer der
T._ GmbH und derjenige war, der die Anweisungen erteilte. Mittels einlässli-
cher Würdigung der Aussagen und Abwägen der Glaubhaftigkeit der einzelnen
Angaben kam die Vorinstanz zum Schluss, dass der Beschuldigte A._ so-
wohl nach aussen, meist unter dem Namen von B._ resp. sich ausgebend
als jener, als auch gegenüber W._ klar als Chef der T._ GmbH auftrat
(Urk. 159 S. 42-48 und S. 60-68). Diesen Erwägungen ist ohne Zweifel zu folgen
und im Wesentlichen gab das der Beschuldigte A._ vor Vorinstanz auch zu
(Prot. I S. 60 f.). Im Übrigen ist anzufügen, dass sich, der Vorinstanz folgend,
W._ ebenfalls unter falschem Namen als Frau W'._ für die T._
GmbH ausgab, und zwar auf Veranlassung des Beschuldigten A._ (Urk. 159
S. 65-67).
2.2. Gemäss übereinstimmenden Angaben von B._ und W._ wurde
diese von A._ öfters betatscht resp. begrabscht, obwohl sie dies nicht wollte.
Sie wehrte sich aber nicht wirklich dagegen, weil A._ ihr damit drohte, ihrem
Ehemann zu erzählen, dass sie eine Beziehung mit ihm habe, so dass sich dieser
von ihr trennen würde, was sie um jeden Preis verhindern wollte (Urk. 5/3 S. 3,
Urk. 5/4 S. 3, Urk. 5/5 S. 20 f.; Urk. 8/1 S. 4; Urk. 10/2 S. 4 [W._]; Urk. 10/1
S. 5 f. [B._]). W._ sagte diesbezüglich von Beginn der Strafuntersu-
- 91 -
chung an konstant und auch mit den Beobachtungen von B._ übereinstim-
mend aus, selbst nachdem sie bezüglich der ihr vorgeworfenen Delikte bereits al-
les gestanden hatte. Ihre Aussagen sind authentisch und glaubhaft. Aufgrund des
nachweislich mit Lügen gespickten Aussageverhaltens von A._ vermögen
seine Bestreitungen die Glaubhaftigkeit der Aussagen von W._ nicht zu er-
schüttern. Es ist daher als erstellt davon auszugehen, dass sich W._ wäh-
rend ihrer Tätigkeit für die T._ GmbH fortwährender sexueller Belästigungen
seitens des Beschuldigten A._ ausgesetzt sah und sie ihm auch mehrere
Male eins "blasen" musste. In Bezug auf ihr Handeln wie auch auf ihr Aussage-
verhalten ist überdies zu berücksichtigen, dass sie von A._ unter Druck ge-
setzt wurde, zu tun, was er verlangte, damit ihre Ehe nicht durch Äusserungen
von ihm gefährdet würde.
2.3. W._ kaufte am 10. März 2009 auf Veranlassung von A._ die
AB._ Garage AG, weil er es, wie er ihr sagte, wegen offener Betreibungen
selbst nicht habe tun können (Urk. 5/3 S. 1 ff.; Urk. 5/5 S. 14 f., S. 19). Die
AB._ Garage AG hatte ihren Sitz wie die U._ GmbH und kurzzeitig die
T._ GmbH an der CK._-Strasse ... in Zürich. W._ kaufte sie dem
Vorbesitzer, AO._ ab (Urk. 1/2). Bei AO._ handelt es sich um einen
Verwandten von A._, welcher mit Autos handelt und Immobiliengeschäfte be-
treibt. Diesbezüglich hatte er mit A._ schon früher geschäftlich zu tun. Aus-
serdem hatte A._ bei ihm Schulden, die aber bezüglich der Höhe bestritten
sind (Urk. 8/4 S. 9 [B._]; Urk. 5/6 S. 5 f., 5/11 S. 34; 8/1 S. 9 [W._]; Urk.
7/7 S. 10, 8/4 S. 4 [AC._]; Urk. 8/9 S. 3-6 [Konf.-EV AO._/A._]; Urk.
8/13 S. 4 [Konf-EV A._/W._ ]; Urk. 8/2 S. 6 [Konf-EV A._ /
B._]; Urk. 7/6 S. 10 [AJ._]). W._ verkaufte schliesslich auf gemein-
same Veranlassung von B._ und A._ die AB._ Garage AG noch im
gleichen Monat, nämlich am 25. März 2009 an B._ weiter (Urk. 5/6 S. 9
[W._]; Urk. 1/2). Auf Einzelheiten im Zusammenhang mit dem Kauf und Ver-
kauf der AB._ Garage AG wird ebenfalls später noch zurückzukommen sein
(siehe unten 3. Teil G. I. 3.2.).
- 92 -
2.4. Der Ehemann von W._, CO._, war als Gipser ebenfalls in die Bau-
projekte von A._ und Q._ involviert, sollte er doch für den Bau des Ein-
familienhauses in CA._ die Gipserarbeiten übernehmen, wozu es aber offen-
bar schliesslich doch nicht kam. Jedenfalls kennt CO._ spätestens von dort
nicht nur A._, sondern auch B._ und Q._ (Urk. 5/10 S. 6 f.). Im Üb-
rigen kennen sich A._, B._, Q._ und die Eheleute W/CO._
auch vom geplanten Bauprojekt eines Doppeleinfamilienhauses in BB._. Das
Projekt der T._ GmbH, resp. von A._, umfasste die von den Eheleuten
W/CO._ und von Q._ gekauften nebeneinander auf dem gleichen
Grundstück liegenden Parzellen in BB._ / AG, das notabene von der
V._ GmbH hätte ausgeführt werden sollen (Urk. EIZ 5/1; Urk. 5/3 S. 9,
Urk. 5/10 S. 3 und S. 11 [W._]; Urk. EIZ 5/3 S. 1, S. 4 ff. und S. 8 [Q._];
Urk. 7/11/1 S. 2, Urk. 7/11/5 S. 3 und S. 14 [CP._]; Urk. 4/10 S. 11 f.
[B._]).
2.5. W._ kaufte zusammen mit ihrem Ehemann auf Veranlassung von
A._ und mit Fr. 80'000.–, die sie dafür von Letzterem erhalten hatte, wie er-
wähnt die Parzelle GB Nr. ... auf einem Grundstück in BB._ / AG, dessen
zweite Parzelle von Q._ erworben worden war (Urk. 5/10 S. 2 ff.). Gemäss
ihrem Geständnis im separaten Strafverfahren (siehe 2. Teil B. Seite 22 f.) erfolg-
te der Kauf dieses Grundstücks zum Zwecke der Beschaffung von Aufträgen für
die T._ GmbH, indem die Bank einen Hypothekarkredit für das Bauprojekt
hätte bewilligen und die entsprechenden Zahlungen für erbrachte Bauleistungen
zu Gunsten der T._ GmbH bzw. A._ analog dem Vorgehen beim Bau-
projekt CA._ hätte auslösen sollen. Dabei wusste W._, dass der Betrag
von Fr. 80'000.–, den sie von A._ für den Kauf der Parzelle erhalten hatte,
aus dem betrügerisch erlangten Hypothekarkredit zum Bauprojekt CA._
stammte, für welches sie auf Veranlassung von A._ teilweise auch fiktive
Rechnungen für tatsächlich nicht erbrachte Leistungen der T._ GmbH erstellt
hatte, worauf die CH._ ... die entsprechenden Teilzahlungen zulasten des
Hypothekarkredits auslöste (Urk. 5/10, 5/11 S. 37 f. und Urk. 5/13 S. 6 ff., S. 17,
S. 22-24; Urk. EIZ 5/1 S. 4 ff.; Urk. 67/17 [rechtskräftiges Urteil vom 27. März
2015]). Tatsächlich erfolgten auf dem Grundstück in BB._ infolge Stopps des
- 93 -
Hypothekarkredits durch die Bank lediglich der Aushub und die Erschliessung
(Urk. 5/3 S. 10 [W._]).
2.6. W._ lernte durch die Beschäftigung für A._ resp. die T._
GmbH wie gesagt auch Q._ kennen. Welcher Art die Beziehung der beiden
zueinander war, kann vorliegend offen bleiben. Jedenfalls ist bezeichnend, dass
Q._ angab, W._ von der T._ GmbH her zu kennen und privat nichts
mit ihr zu tun zu haben (Urk. EIZ 5/3 S. 4). W._ ihrerseits räumte im Zusam-
menhang mit dem Bauprojekt CA._ ein, dass sie für die V._ GmbH, die
den Rohbau erstellt habe, Rechnungen bei der T._ GmbH geschrieben habe
und nicht sicher zu sein, ob die Leistungen auch tatsächlich erbracht wurden (Urk.
5/11 S. 44). Im Zusammenhang mit dem Verkauf der Parzelle von W/CO._
an einen neuen Eigentümer hatte Q._ jedoch nach eigenen Angaben weiter-
hin mit W._ Kontakt gehalten und zwar hinter dem Rücken von deren Ehe-
mann, der nur noch via Anwalt mit ihm habe verkehren wollen (Urk. EIZ 5/3 S. 5
ff.). Laut Aussagen von W._ sei der Kaufpreis zwischen ihr und dem Käufer
AW._ auf Fr. 130'000.– abgemacht worden, jedoch sei auf Wunsch der Käu-
ferschaft die Kaufpreissumme im Kaufvertrag mit Fr. 183'000.– angegeben wor-
den (Urk. EIZ 5/1 S. 13), was Q._ vehement bestritt und darauf beharrte, der
Kaufpreis sei tatsächlich Fr. 183'000.– gewesen und er habe intern mit W._
und AW._ abgemacht, dass er den Betrag von Fr. 120'000.– übernehme
(Urk. EIZ 5/3 S. 7 f. und S. 10 f.), was wiederum W._ bestritt (Urk. EIZ 5/1
S. 22). Zum Aussageverhalten von W._ ist hier zu betonen, dass sie in die-
ser delegierten Einvernahme durch die Kantonspolizei Zürich vom 28. April 2010
zunächst andere Angaben gemacht hatte, die sie später- unter Hinweis auf die
Konfrontation mit den Aussagen der übrigen Beteiligten - zu einem grossen Teil
korrigierte und alsdann beteuerte, die Wahrheit zu sagen (Urk. EIZ 5/1 S. 11),
was sich später als unzutreffend erwies (a.a.O. S. 21 ff.). Bezeichnend ist insbe-
sondere, dass W._ in ihren ersten Angaben die Mitwirkung resp. Beteiligung
von Q._ an diesem Verkauf an AW._ vollständig verschwieg und es so
darstellte, als wenn der Verkauf zwischen ihr, ihrem Ehemann und AW._ völ-
lig unabhängig zustande gekommen wäre, ebenso wie die Festlegung des Kauf-
preises (Urk. EIZ 5/1 S. 3 ff.). Anschliessend gab sie zwar eine andere Version zu
- 94 -
Protokoll (a.a.O. S. 11 ff.), bei welcher sie aber bezüglich der Bezahlung des
Kaufpreises wiederum die Beteiligung von Q._ verschwieg und falsche An-
gaben machte, die sie erst auf Konfrontation mit dessen Aussagen ein weiteres
Mal korrigierte (a.a.O. S. 21 ff.), notabene mit der Begründung, sie habe Q._
nicht in die Sache hineinziehen wollen (Urk. EIZ 5/1 S. 22). Auch bezüglich des
Bauprojektes CA._ bestritt W._ trotz der Beteiligung der V._
GmbH, mit Q._ Kontakt gehabt zu haben (Urk. 5/11 S. 44), was angesichts
ihrer diversen gemeinsamen geschäftlichen Projekte mit der T._ GmbH und
des jeweils vorliegenden Eigeninteresses von Q._ absolut unglaubhaft ist.
Dieses Aussageverhalten von W._ zog sich durch das gesamte Ermittlungs-
verfahren, denn sie fing auch erst nach ihrer Verhaftung an, ihre anfänglich depo-
nierten falschen Aussagen zu korrigieren, was offensichtlich auf die Haftsituation
zurückzuführen war (Urk. 5/3 S. 1). Dass sie nun trotz dieser Erfahrung und
nachdem sie anlässlich der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 19. April
2010 sehr umfangreich Angaben bezüglich des Hypothekarkredites Bauprojekt
CA._ / B._s und bezüglich des Bauprojektes BB._ gemacht hatte
(Urk. 5/11), kaum zwei Wochen später bei der nächsten Einvernahme jedoch be-
reits wieder log, und zwar mehrfach, ist mehr als denkwürdig. In Bezug auf die
Beteiligung von Q._ an den Bauprojekten CA._, BB._ und am Ver-
kauf der Parzelle W/CO._ in BB._ sowie bezüglich der Geschäfte der
T._ GmbH resp. mit A._ sind deshalb auch ihre Aussagen - trotz ihres
sie selbst betreffenden Geständnisses - mit der allergrössten Zurückhaltung zu
würdigen, da sie offensichtlich nicht vollumfänglich wahrheitsgemäss aussagte,
worauf teilweise auch die Vorinstanz hinwies (Urk. 159 S. 18 f.). Überdies wurden
namentlich auch die Umstände und Hintergründe, die W._ dazu veranlass-
ten, Q._ zu schützen, nicht offen gelegt, obwohl eine massgebliche Einfluss-
nahme seitens Q._ klarerweise gegeben war, indem er beispielsweise aus-
sagte, er selbst habe den noch offenen Kreditbetrag ihres Ehemannes bei der
Bank CD._ AG von Fr. 26'516.10 bezahlt und er sei es, der ihren eigenen
noch offenen Bankkredit von Fr. 26'500.– bezahlen werde (EIZ 5/3 S. 13 und EIZ
5/3/012). Ausserdem sagte er selbst aus, W._ hätte Probleme mit ihrem
Ehemann bekommen, wenn dieser gewusst hätte, dass sie hinter seinem Rücken
- 95 -
weiterhin mit Q._ verhandelte (Urk. EIZ 5/3 S. 7). Q._ verfolgte mit dem
Bauprojekt in BB._ auf dem Grundstück, das hälftig ihm und hälftig den Ehe-
leuten W/CO._ gehörte, eigene Interessen via seine Firma V._ GmbH,
so dass er in AW._ einen Käufer fand, der pro forma die Parzelle von den
Eheleuten W._ kaufte, obwohl Q._ sämtliche Kaufsmodalitäten mit
W._ vereinbart, den grössten Teil der Kaufsumme zur Begleichung über-
nommen, den Kaufvertrag selbst vorgängig erhalten und den Käufer AW._
zum Notartermin begleitet hatte, welchem gegenüber er massgebliche Unterstüt-
zung bei der Finanzierung des Kaufpreises zugesichert hatte (Urk. EIZ 5/3 S. 3
und S. 8 ff. [Q._]; Urk. EIZ 5/2 S. 3 ff. [AW._]; Urk. EIZ 5/1 S. 5, S. 21 f.
[W._]; Urk. EIZ 5/3 S. 14; Urk. EIZ 4/4).
3. AF._ / Schwimmbad / AC._ und AD._
AF._, A._ und B._ kommen ursprünglich aus dem gleichen Ort im
O._, CQ._ [Ort], woher sie sich auch mehr oder weniger gut kennen.
Zudem ist der Vater von A._ der Pate von AF._ (Beizugsakten C-
3/2011/ 783 Urk. 2/1 S. 2 [=ND 3/15/9]; 2/2 S. 2 f. [=ND 3/15/10], Urk. 2/3 S. 6
[=ND 3/15/11] und Urk. 6 [AF._]; Urk. 36 - Personalakten, Urk. 4/10 S. 12 f.
[B._]; Urk. 35 - Personalakten, Urk. 3/5 S. 2, 3/7 S. 7 f. [A._]; Urk. 8/4
S. 23 [AC._]) und die Ehefrau von CR._ ist ebenfalls verwandt mit
AF._, welcher seinerseits der Neffe von CR._ ist (Urk. 7/4 S. 3; Urk. 8/6
S. 7). Dem Vater von A._ gehörte in der Heimat ein Schwimmbad, das
AC._, der Bruder von B._, für diesen via A._ kaufte, wie die Vo-
rinstanz nach überzeugender Beweiswürdigung festhielt (Urk. 159 S. 35-36).
B._ kaufte im April 2008 zwar via A._ für Fr. 500'000.– dieses
Schwimmbad von dessen Vater (Urk. 48/1-3), bezahlte jedoch nicht den gesam-
ten Kaufpreis, sondern einen Betrag um die Fr. 300'000.– bis 340'000.–, wobei
Fr. 45'000.– durch die Übernahme der T._ GmbH von A._ angerechnet
wurden und der restliche Betrag durch das Abarbeiten von Aufträgen für den Be-
schuldigten A._ geleistet werden sollte (Urk. 4/7 S. 8, Urk. 4/8 S. 4, Urk. 4/10
S. 11, Urk. 4/22 S. 9 [B._]; Urk. 5/3 S. 9, Urk. 5/4 S. 5 [W._]; Urk. 8/6
S. 5 ff. [Konf-EV A._ / C._]).
- 96 -
Unbestrittenermassen ist jedoch AC._ und nicht sein Bruder B._ ge-
mäss schriftlichem Kaufvertrag der Eigentümer des Schwimmbades geworden
(Urk. 48/1-3). B._ räumte denn auch ein, dass der schriftliche Kaufvertrag
von AC._ inhaltlich nicht dem entsprach, was zwischen den Brüdern und mit
A._ vereinbart worden war (Urk. 4/7 S. 8 f. [B._]). Jedenfalls machte
AF._ unter Einreichung des schriftlichen Vertrages vom 26. Mai 2009 (Urk.
47/1) geltend, das Schwimmbad für die Dauer von 5 Jahren zu einem Preis von
€ 9'000.– pro Jahr von AC._ "gekauft" (sc. wohl gepachtet) zu haben (Urk.
9/3 S. 4; Beizugsakten C-3/2011/783, Urk. 2/2 S. 9 f. [AF._]), was auch von
weiteren Beteiligten bestätigt wurde (Urk. 8/4 S. 6 [AC._]; Urk. 8/6 S. 5 ff.
[C._]; Urk. 10/2 S. 4-7 [W._]). Laut Aussagen von AC._, B._
und C._ gehöre das Schwimmbad jetzt jedoch definitiv zu 100 % AF._,
weil B._s den restlichen Kaufpreis weder innert Frist bezahlen, noch durch
B._s Arbeit abarbeiten konnten, so dass das von B._ bereits bezahlte
Geld verloren gegangen sei (Urk. 8/4 S. 6; Urk. 8/6 S. 6 f.; Urk. 8/2 S. 10 ff.). Wei-
ter ist für die Beweiswürdigung zu berücksichtigen, dass es sich bei C._ und
AD._ um Schwestern handelt (beide hatten vor der Heirat den Familienna-
men C/AD._; Urk. 1/1 S. 3 und 16 und Urk. ND 11/5/1 S. 1 [AD._];
Urk. 6/2 S. 13; 6/4 S. 14 f. [C._]), die ihrerseits zwei Brüder heirateten
(Urk. 9/3 S. 3 und Urk. 6/4 S. 14 [C._]; Urk. 36/8 und 42/2).
4. A._ / B._ und C._ / AE._ / T._ GmbH
4.1. B._ und A._ kennen sich gemäss übereinstimmenden Aussagen
seit Herbst 2007, wo sie beide auf der Baustelle CJ._-Strasse in Zürich ge-
arbeitet hatten. B._ machte dort via seine Firma AE._ die Lüftungen im
Auftrag von A._s Firma S._ (Urk. ND 16/7/14; Urk. 3/4 S. 2 [A._];
Urk. 4/5 S. 2 f. [B._]). Dort lernte B._ auch Q._ von der U._
GmbH kennen, der auf dieser Baustelle die Baumeisterarbeiten ausführte (Urk.
ND 16/5/2).
Der Beschuldigte B._ sagte aus, es habe sich zwischen ihm und A._
seit der Zusammenarbeit auf der Baustelle CJ._-Strasse in Zürich eine gute
Beziehung entwickelt. Offenbar erzählte A._, dass er Häuser besitze und
- 97 -
seinen Schwestern auch Häuser gebaut habe, obwohl er mit nichts angefangen
gehabt habe und überzeugte so B._, ebenfalls Häuser zu bauen, resp. in die
Baubranche einzusteigen (Urk. 4/5 S. 8 f.; Urk. 9/3 S. 6 [B._]), was selbst der
Beschuldigte A._ einräumte (Urk. 3/12 S. 24; Prot. I S. 85). Sie sahen sich ab
dann zwei- bis dreimal wöchentlich, ab der Zusammenarbeit mit der T._
GmbH täglich und waren viel zusammen (Urk. 5/5 S. 11 [W._]; Urk. 8/13 S. 4
[Konf-EV A._-W._]; Urk. 6/2 [C._]). B._ bezeichnete es so,
dass A._ ihm geholfen habe (Urk. 4/5 S. 8 f.). Auch wiederholte er, A._
vertraut und sich nicht darum gekümmert zu haben, was dieser im einzelnen mit
seinen Firmen, auch den Firmen von C._ und B._, getrieben habe (Urk.
4/5 S. 11). Er begründete den Kauf der Firma AA._ GmbH durch die T._
GmbH damit, A._ habe ihm erklärt, es sei besser, mehrere Firmen zu besit-
zen, damit man so auch grössere Projekte realisieren könne. Es sei ihm erklärt
worden, dass er mit einer Firma als Generalunternehmer ein Haus bauen könne
und sich selbst resp. seiner Firma einen Sanitärauftrag erteilen könne, womit er
gleichzeitig als Generalunternehmer und auch als Sanitärinstallateur verdienen
könne, was ihm eingeleuchtet habe (Urk. 4/3 S. 3; Urk. 4/5 S. 12). Dies sei auch
der Grund gewesen, weshalb er die T._ GmbH, die AA._ GmbH und die
AB._ Garage übernommen habe (Urk. 4/5 S. 11 f.). Wie sich aus den vorste-
henden Erwägungen zu Q._, W._ und AF._ ergibt, war die Zu-
sammenarbeit zwischen B._ und A._ sehr eng und bezog sich nament-
lich auf sämtliche Geschäfte der T._ GmbH. Einzig die Angelegenheiten sei-
ner Einzelfirma AE._ erledigte B._ offenbar selbständig und jedenfalls
ohne die Mitwirkung von W._.
4.2. Die Ehefrau des Beschuldigten B._, C._, bestätigte diese Anga-
ben, insbesondere auch, dass A._ sie und ihren Ehemann im Hinblick auf
den Einstieg in die Baubranche habe unterstützen wollen und dies der Grund für
den Kauf der T._ GmbH gewesen sei (Urk. 6/1 S. 2; Urk. 6/2 S. 2; Urk. 6/4
S. 2; Urk. 11/1 S. 8). Sie sagte jedoch weiter aus, A._ sei täglich im Büro der
T._ GmbH und immer mit ihrem Ehemann zusammen gewesen, häufig bis
spät abends, weshalb es auch einmal zu einer Auseinandersetzung zwischen ihr
und A._ gekommen sei (Urk. 11/1 S. 9 f.; Urk. 8/6 S. 9 f.). Dass sich A._
- 98 -
täglich in den Büroräumlichkeiten der T._ GmbH aufhielt, wird namentlich
auch durch W._ bestätigt (Urk. 5/5 S. 11; Urk. 10/3 S. 3 f.). Wie aktiv die Rol-
le von C._ bei den Geschäften der T._ GmbH war, kann vorliegend of-
fen gelassen werden, jedoch steht fest, dass sie mehrere Verträge (darunter ins-
besondere Auto-Leasingverträge) und Konto-Eröffnungen für Bankkonti der
T._ GmbH als nominelle Geschäftsführerin unterschrieb (Urk. 6/4 S. 6 ff.;
Urk. 49/3-4; Urk. EIZ 19/18, 21/21, 25/27, 26/32). Sie wusste, dass sie zumindest
für Aussenstehende für die Geschäfte verantwortlich war. Sie wusste auch, wie
sie zugab, dass geleaste Autos nicht verkauft werden dürfen (Urk. 6/4 S. 8). Aus-
serdem nahm sie zusammen mit ihrem Ehemann zur Finanzierung des
Schwimmbades, das die Eheleute zusammen im O._ anschauen gegangen
waren und über welches sie mit ihrem Ehemann bezüglich Erwerb oder Nichter-
werb diskutiert hatte, zusätzlich zum Ersparten Kredite auf. Gemäss den Aussa-
gen von C._ sprach sie mit ihrem Ehemann auch über die Schuldensituation
und war bezüglich der Übernahme von A._s Schulden bei AF._ im Bilde
(Urk. 8/6 S. 6 ff.), so dass jedenfalls nicht generell gesagt werden kann, dass
C._ von geschäftlichen Angelegenheiten überhaupt keine Ahnung gehabt
habe. Entsprechendes ergibt sich überdies aus dem Handelsregister, wonach
C._ nur drei Monate nach der formellen Löschung der Einzelfirma AE._
ihres Ehemannes ein gleichlautendes Einzelunternehmen unter ihrem eigenen
Namen am 6. Mai 2008 gegründet hatte, welches jedoch infolge Aufgabe der Ge-
schäftstätigkeit per 30. März 2010 gelöscht wurde (Urk. 186/1-2). Andererseits
ergibt sich aus den Aussagen glaubhaft, dass C._ ihrem Mann jedenfalls am
Anfang vertraute und namentlich auf sein Ersuchen hin die Firma T._ GmbH
von A._ kaufte und auch die ihr vorgelegten Leasingverträge unterzeichnete
(Urk. 6/4 S. 4 und S. 11 ff.; Urk. 6/10 S. 2 ff.; Urk. 8/6 S. 9 ff.). Sie hatte ihrem
Ehemann eine Vollmacht erteilt, um für sie zu handeln, insbesondere auch des-
halb, weil sie im Herbst 2008 schwanger war, dabei Nierenprobleme hatte und
sich nicht um die Geschäfte kümmern konnte, weshalb sie geltend machte, die ihr
vorgelegten Leasingverträge für Autos im Vertrauen auf ihren Mann unterschrie-
ben zu haben (Urk. 6/4 S. 8 ff.; Urk. 6/10 S. 4-9). Das Kind wurde denn auch am
tt.mm.2008 geboren (Urk. 6/1 S. 3 f.; Urk. 6/4 S. 5 und 13, Urk. 8/6 S. 11,13 f. und
- 99 -
S. 17). Dies wird durch die Aussagen von AN._ bestätigt (Urk. 8/7 S. 11).
C._ räumte aber ein, ab Dezember 2008 bis Februar 2009 mehrere Male
Bargeld in jeweils 5-stelliger Höhe ab dem Bankkonto der T._ GmbH abge-
hoben und in den Büroräumlichkeiten in CN._ A._ übergeben zu haben
(Urk. 6/2 S. 6, Urk. 6/10 S. 13 ff., Urk. 8/6 S. 16), was von W._ und B._
bestätigt wird (Urk. 8/1 S. 39, Urk. 8/13 S. 13 [W._]; Urk. 9/1 S. 33 f.
[B._]).
5. Graphische Übersicht Firmen
- 100 -
6. Fazit Interessen am Ausgang des Verfahrens / Aussagewürdigung
Infolge ihrer Verhaftung konnten die Beschuldigten A._, C._ und
B._ sowie W._ jedenfalls ab dem 9. September 2009 ihre Aussagen
nicht mehr miteinander absprechen. Die Genannten waren wie folgt in Haft
(Urk. 19/3-4, 19/43; Urk. 20/1, 20/3, 20/18; Urk. 20/28; Urk. 21/2-9; Urk. 22/8-9):
Die voran gegangenen Ausführungen und die Skizze verdeutlichen, dass bei
sämtlichen Beteiligten eigene Interessen vorliegen, aufgrund welcher ihre Aussa-
gen mit Vorsicht zu würdigen sind. Insbesondere aufgrund ihrer weitgehenden
und oft auch spontanen Zugaben kann dennoch zu einem grossen Teil auf die
Aussagen von C._ abgestellt werden, schliesslich belastete sie damit auch
ihren eigenen Ehemann massiv. Für die Authentizität ihrer Angaben spricht nicht
nur, dass diese durch die Aussagen weiterer Beteiligter und durch Dokumente
bestätigt wurden, sondern namentlich auch dadurch, dass sie, kaum aus der Un-
tersuchungshaft entlassen, selbst die Polizei telefonisch kontaktierte, um weitere
Aussagen zu machen, nachdem sie von AF._ aufgesucht worden war. Dabei
gab sie unter Berücksichtigung ihrer Bemühungen, die Firma T._ GmbH los
zu werden und zu vermeiden, dass ihr Ehemann für andere im Gefängnis bleiben
müsse, glaubhaft als Grund an, sie wolle, dass endlich die Wahrheit heraus kom-
me (Urk. 6/5 S. 1 und S. 4). Diese Erleichterung, dass nun endlich die Wahrheit
auf den Tisch komme und sie sich freue, dass sie nun alles sagen könne (Urk. 6/3
S. 4) zeigt sich in ihren Einvernahmen und wird durch ihre spontanen und detail-
lierten Aussagen zur Sache, die sie von allem Anfang an machte, umso glaubhaf-
ter. Überdies ergibt sich aus ihren Aussagen insgesamt ebenfalls durchaus
glaubhaft, dass sie auch in geschäftlichen Dingen zunächst ihrem Ehemann ver-
- 101 -
traute, bis sie selbst mit Unregelmässigkeiten konfrontiert wurde und von seinen
Lügen erfuhr (Urk. 6/1 S. 3 f.; Urk. 6/2 S. 3; Urk. 8/6 S. 8 f., S. 13-15, S. 24 und
26). Auch W._ belastete sich mit ihren Aussagen selbst und gestand den ihr
vorgeworfenen Anklagesachverhalt ein (Urk. 5/13 S. 11-25, Urk. 67/17). Trotzdem
ist im Einzelfall anhand weiterer Beweise oder Indizien der Wahrheitsgehalt ihrer
Aussagen zu prüfen, da sich herausgestellt hat, dass sie wiederholt trotz erstan-
dener Untersuchungshaft danach erneut zunächst wahrheitswidrige Angaben
machte und namentlich Q._ nicht ins Verfahren einbeziehen wollte. Bezüg-
lich C._ ist hauptsächlich für die erste Zeit der Übernahme der Firma
T._ GmbH zu bedenken, dass sie womöglich mehr wusste, als sie einräum-
te, da sie aufgrund ihrer Aussagen ganz offensichtlich sehr wohl mit ihrem Ehe-
mann über Geschäftliches, namentlich auch über Schulden und Schuldentilgung
sprach. Hinsichtlich A._ steht fest, dass er wiederholt und ausdauernd ge-
genüber sämtlichen Behörden und auch Vertragspartnern die Unwahrheit sagte,
so dass - wie erwähnt - auf seine Angaben nur abgestellt werden kann, wenn sie
durch objektive Beweismittel oder übereinstimmende Aussagen Beteiligter bestä-
tigt werden. Nachdem B._ seine Beteiligung an den Machenschaften der
Firma T._ GmbH und den verschiedenen Delikten anfänglich noch abschwä-
chend so darstellte, als ob er eine Marionette von A._ gewesen wäre, räumte
er schliesslich ein, "schon nicht unschuldig" gewesen zu sein und "mitgemacht"
zu haben. Ausserdem habe er Leute machen lassen, was diese wollten und er
habe seinen Namen für die Firmen gegeben (Urk. 4/4 S. 5 f.). Das entspricht wohl
eher den Tatsachen, zumal erstellt ist, dass sich A._ und B._ täglich sa-
hen und die ganze Zeit in engem Austausch miteinander standen. Seine Aussa-
gen sind daher ebenfalls mit grösster Zurückhaltung zu würdigen und es ist dabei
namentlich in Betracht zu ziehen, dass er eine wesentlich aktivere Rolle hatte, als
er teilweise aussagte (z.B. Urk. 8/3 S. 5 [AD._], Urk. 8/4 S. 7 [AC._]). Er
gab insbesondere zu, die Firmen T._ GmbH, AA._ GmbH und die
AB._ Garage zusammengekauft zu haben, um mit diesen Geld zu verdienen
und zu wachsen. Er machte diesbezüglich auch früh im Verfahren detailliertere
Angaben zu den Firmen (z.B. Urk. 4/5 S. 13 f.), woraus der Schluss gezogen
- 102 -
werden muss, dass er im Einzelnen doch viel besser Bescheid wusste, als er an-
gegeben hatte.
II. Fahrzeug-Leasings (ND 3-4, 7-8, 11)
1. Vorbemerkungen der Anklagebehörde zur Mittäterschaft
Die Anklage bemerkt zum Tatvorgehen bezüglich der ND 3-8 und ND 11 vorab,
dass die Täterschaft jeweils über verschiedene Firmen Fahrzeuge geleast habe,
welche anschliessend weiterverkauft worden seien. Die einzelnen Firmen seien
jeweils nicht aktive und substanzlose Firmen gewesen, mit welchen es der Täter-
schaft gelungen sei, sich gegenüber den jeweiligen Leasinggesellschaften als li-
quide Vertragspartei auszugeben, wobei jeweils Drittpersonen, überwiegend
Frauen, als Firmeninhaber vorgeschoben worden seien. Das Tatvorgehen sei da-
bei arbeitsteilig gewesen. An den Tatausführungen seien immer mehrere Perso-
nen beteiligt gewesen. Der beschuldigte A._ habe jeweils als Drahtzieher
und Organisator fungiert, wobei er zumindest teilweise auch unter dem Namen
B._ aufgetreten sei und gegen aussen mehrheitlich die übrigen Tatbeteiligten
in Erscheinung getreten seien. Diese Vorbemerkungen der Anklage sind für die
bezeichneten Nebendossiers ergänzend zum jeweiligen Sachverhalt zu berück-
sichtigen. Im Übrigen wird für Einzelheiten auf den Sachverhalt der einzelnen Ne-
bendossiers verwiesen (Urk. 61/8 S. 3 und Urk. 62/9 S. 2 f.).
2. Übersicht angeklagte Delikte Fahrzeugleasing
Für eine bessere Erfassung des zeitlichen Ablaufs und der beteiligten Personen
sei dies - der Anklageschrift folgend, deren Sachverhalt diesbezüglich aber noch
zu erstellen ist - in nachstehender Grafik dargestellt:
- 103 -
3. Verschlechterungsverbot
3.1. Die Vorinstanz erkannte hinsichtlich der Beschuldigten A._ und
B._ bezüglich der Nebendossiers 3, 6 und 8 (BMW X5, BMW X6 und BMW
X5) statt auf Betrug auf Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
und bezüglich des Nebendossiers 4 (Mercedes ML 63 AMG) auf versuchte Verun-
treuung (Urk. 159 S. 331).
Ausserdem sprach sie den Beschuldigten B._ hinsichtlich des Nebendos-
siers 8 des Erschleichens einer falschen Urkunde (Gebrauch) im Sinne von
Art. 253 Abs. 2 StGB frei (Urk. 159 S. 332).
3.2. Gemäss dem Verschlechterungsverbot im Sinne von Art. 391 Abs. 2 StPO
darf der Entscheid der Vorinstanz nicht zum Nachteil der beschuldigten oder ver-
urteilten Person abgeändert werden, wenn das Rechtsmittel nur zu deren Guns-
ten eingereicht wurde. Für die Frage, ob eine unzulässige reformatio in peius vor-
liegt, ist allein das Dispositiv des vorinstanzlichen Urteils massgebend, denn die
von der Vorinstanz abweichenden Erwägungen der Rechtsmittelinstanz dürfen
- 104 -
nicht zu einem schärferen Schuldspruch und auch nicht zu einer härteren Strafe
führen, wenn ausschliesslich die beschuldigte oder verurteilte Person ein
Rechtsmittel ergriff. Eine Verletzung des Verschlechterungsverbots liegt entspre-
chend dem gesetzgeberischen Willen daher nicht nur bei einer Verschärfung der
Sanktion, sondern auch bei einer härteren rechtlichen Qualifikation der Tat vor.
Dies ist der Fall, wenn der neue Straftatbestand eine höhere Strafdrohung vor-
sieht, d.h. einen höheren oberen Strafrahmen oder eine (höhere) Mindeststrafe,
sowie bei zusätzlichen Schuldsprüchen (BGE 139 IV 282, E. 2.6).
3.3. Nachdem die Anklagebehörde die vorinstanzlichen Schuldsprüche bezüglich
der ND 3, 4, 6 und 8 durch ihren Verzicht auf Anschlussberufung nicht angefoch-
ten hat, ist der erstellte Sachverhalt bezüglich dieser Nebendossiers in Nachach-
tung des Verschlechterungsverbots einzig hinsichtlich der von der Vorinstanz ge-
fällten Schuldsprüche betreffend Veruntreuung resp. versuchter Veruntreuung zu
prüfen und nicht hinsichtlich des von der Staatsanwaltschaft der Anklage zugrun-
de gelegten Hauptvorwurfs des Betruges, resp. versuchten Betruges, im Sinne
von Art. 146 StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (Urk. 61/8
S. 54 und Urk. 62/9 S. 43). Dies, weil die Strafandrohung bei gewerbsmässigem
Betrug gemäss Art. 146 Abs. 2 StGB auf eine Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren
lautet, hingegen diejenige bei Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 StGB nur auf
eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren und der qualifizierte Tatbestand gemäss
Art. 138 Ziff. 2 StGB vorliegend nicht zur Anwendung kommt.
C. A._, B._, C._: Hypothekarkredit (ND 13) Betrug, eventualiter Veruntreuung / Geldwäscherei / Misswirtschaft
I. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
1.1. Betrug, ev. Veruntreuung
Die Anklage geht in diesem Punkt bezüglich der Beschuldigten A._ und
B._ zusammengefasst von folgendem Sachverhalt aus, dessen Einzelheiten
den Anklageschriften (Urk. 61/8 S. 37 - 48 und Urk. 62/9 S. 31 - 41) zu entneh-
men sind: A._ (zusammen mit W._) und B._ hätten vereinbart, ge-
- 105 -
meinsam unter Täuschung der CH._ ... (heutiger Name) für B._ bzw. im
Ergebnis für A._ liquide Mittel zu beschaffen. Zu diesem Zweck sei von
A._ geplant gewesen, dass B._ zusammen mit seinem Bruder
AC._ und dessen Ehefrau AD._ das Grundstück "AG._" in
CA._ kaufen sollte und die Finanzierung des Baus des darauf geplanten Ein-
familienhauses über ein Hypothekardarlehen der CH._ ... in der Höhe von
Fr. 705'000.– erfolgen solle. Dabei sei von A._ von Anfang an geplant gewe-
sen und B._ habe dies zumindest billigend in Kauf genommen, dass A._
beabsichtigte, das Geld aus dem Darlehen zur Befriedigung eigener Bedürfnisse
zu verwenden. Um die Bank zur Auszahlung der Hypothekarkredit-Teilzahlungen,
welche an den baulichen Fortschritt des geplanten Einfamilienhauses gebunden
waren, zu bewegen, sei von A._ geplant gewesen und von B._ zumin-
dest billigend in Kauf genommen worden, dass die faktisch von A._ be-
herrschte Firma T._ GmbH der Bank fiktive Rechnungen bzw. wahrheitswid-
rige Leistungsverrechnungen einreichen werde. Nachdem A._ den Grund-
stückkauf organisiert gehabt habe, hätten AD._, AC._ und B._ den
Kaufvertrag über das Grundstück, den Basiskreditvertrag und eine Produktever-
einbarung zur Hypothek sowie einen Werkvertrag mit der T._ GmbH über die
schlüsselfertige Erstellung des Einfamilienhauses zu einem Werkpreis von
Fr. 510'000.– abgeschlossen. Danach habe A._ die Erstellung von Rech-
nungen für Leistungen der Firma T._ GmbH durch W._ bzw. solche für
Leistungen der Firma AE._ durch B._ veranlasst und solche der Firma
DE._ GmbH vermutungsweise eigenhändig erstellt, wobei die in den Rech-
nungen aufgeführten Leistungen zumindest teilweise gar nicht erbracht worden
seien. Anhand dieser Rechnungen habe W._ auf Anweisung von A._
die entsprechenden Leistungsabrechnungsformulare "Zahlungsauftrag Baufinan-
zierung" zuhanden der CH._ ... ausgefüllt. Diese hätten B._, AC._
und AD._ für die Bauherrschaft und C._ für die T._ GmbH unter-
zeichnet, so dass die CH._ ... gestützt darauf die entsprechenden Hypothe-
kar-Teilzahlungen ausgelöst habe, und zwar den Gesamtbetrag von
Fr. 254'030.95 auf das Konto der T._ GmbH und total Fr. 76'433.55 auf das
Konto von C._. Diese wiederum habe jeweils unmittelbar nach den Vergü-
- 106 -
tungen das Geld (insgesamt Fr. 253'970.– und Fr. 76'409.65) bar bezogen und es
in Absprache mit B._ sowie auf Anweisung von W._ und / oder A._
in den Büroräumlichkeiten der T._ GmbH in CN._ an A._ überge-
ben, welcher es in nicht bekannter Weise zumindest teilweise für seine eigenen
Bedürfnisse verwendet habe bzw. B._ damit dessen Schulden bei ihm habe
abbauen lassen. Zumindest im Umfang der fiktiven Leistungsabrechnungen von
insgesamt Fr. 189'268.75 hätten A._ und B._ das Hypothekardarlehen
entgegen der vereinbarten Zweckbestimmung nicht für den Bau der geplanten
Liegenschaft, sondern zur Befriedigung ihrer persönlichen Bedürfnisse verwendet.
A._ habe damit beabsichtigt und B._ habe es zumindest billigend in
Kauf genommen, dass einerseits das Vermögen der CH._ ... zumindest im
Umfang der fiktiven Leistungsabrechnungen von insgesamt Fr. 189'268.75 ver-
mindert und das eigene Vermögen andererseits im selben Umfang direkt bzw. in-
direkt vermehrt würde, wobei A._ von Anfang an die vertraglichen Verpflich-
tungen mit der Bank nicht habe einhalten wollen, was sich B._ zumindest
habe aufdrängen müssen. Die Liegenschaft, die sich im September 2009 im Roh-
bau befunden und gemäss Schätzung einen Wert von Fr. 356'000.– aufgewiesen
habe, sei mit Bauhandwerkerpfandrechten in der Höhe von insgesamt
Fr. 50'792.50 belastet gewesen, so dass die hohe Wahrscheinlichkeit bestanden
habe, dass die CH._ ... das von ihr gewährte Darlehen nicht mehr zurücker-
stattet erhalte, da keine ausreichende Sicherheit mittels vertraglich vereinbartem
Grundpfand mehr vorhanden sei. Dabei hätte diese Bank den Basiskreditvertrag
gar nie abgeschlossen und keine Hypothekarzahlungen geleistet, wenn sie ge-
wusst hätte, dass A._ und B._ gar nie die Absicht gehabt hätten, das
Hypothekardarlehen vereinbarungsgemäss zu verwenden, sondern vielmehr in
kurzer Zeit hätten zu möglichst viel Bargeld kommen wollen.
Nur A._, nicht hingegen auch B._, wird zudem vorgeworfen, BA._,
Geschäftsführer der DE._ GmbH, veranlasst zu haben, drei Hypothekar-
Teilzahlungen, die in der Höhe von gesamthaft Fr. 47'946.65 von der CH._
an die DE._ GmbH überwiesen worden waren, bar zu beziehen und das
Geld ihm, resp. im Umfang von Fr. 20'000.– an AO._, zu übergeben. Auch
- 107 -
dieses Geld habe A._ für seine eigenen Bedürfnisse und zur Rückzahlung
seiner Schulden gegenüber AO._ verwendet.
1.2. Geldwäscherei
A._ wird von der Anklage zusätzlich angelastet, ca. am 29. Januar 2009
W._ in den Büroräumlichkeiten der T._ GmbH in CN._ Fr. 80'000.–
, welche aus dem Hypothekarkredit des Bauprojektes AG._ CA._
stammten, übergeben zu haben, wobei sie vereinbart gehabt hätten, dieses Geld
in den Kauf des Grundstückes durch die Eheleute W/CO._ in BB._ zu
investieren, um schliesslich der Firma T._ GmbH durch dieses Bauprojekt
Aufträge zu beschaffen, bzw. zu erreichen, dass die Bank einen Hypothekarkredit
für dieses Bauprojekt bewilligt und die entsprechenden Zahlungen zugunsten der
Firma T._ GmbH bzw. von A._ auszahlt. W._ habe das Geld auf ihr
Privatkonto eingezahlt und auf das Raiffeisenkonto von ihr und ihrem Ehemann
transferiert, woraus der Preis für den Landkauf (ergänzt mit Eigenmitteln) via
Banküberweisung beglichen worden sei. Durch diese Geldverschiebung habe
A._ bezweckt, die deliktische Herkunft des Geldes aus dem betrügerisch er-
langten Hypothekarkredit zum Bauprojekt AG._ CA._zu verschleiern.
1.3. Misswirtschaft
C._ wird vor dem Hintergrund der Bargeldbezüge von insgesamt
Fr. 330'379.65 aus den Hypothekar-Teilzahlungen der CH._ ... für das Bau-
projekt AG._ CA._vorgeworfen, dass sie unter grober Verletzung ihrer
gesetzlichen Pflichten als Geschäftsführerin der T._ GmbH in Kauf genom-
men habe, dass die Firma T._ GmbH in geschäftlicher Schieflage sei und
begründete Besorgnis einer Überschuldung spätestens ab 27. Februar 2009 be-
standen habe, als insgesamt 62 Betreibungen angehoben worden seien. C._
habe dabei jegliche gesetzlich vorgeschriebene Kontrolle und Aufsicht, insbeson-
dere jegliche Finanzplanung und Finanzkontrolle, unterlassen. Zudem habe sie
ohne Überprüfung teilweise unwahre Formulare (darunter auch Leistungsabrech-
nungsformulare zuhanden der CH._) unterzeichnet, mehrere hunderttausend
Franken vom Firmenkonto der T._ GmbH abgehoben, aber nicht für Firmen-
zwecke verwendet, und unbesehen der Liquidität der Firma zwei Leasingverträge
- 108 -
für diese über einen BMW und einen Nissan Cabstar abgeschlossen, obwohl die
T._ GmbH nicht in der Lage gewesen sei, die Leasingraten zu bezahlen, was
sich C._ hätte aufdrängen müssen. Als Folge der unterlassenen Kontrollen,
der Bargeldübergabe von Fr. 237'884.50 an A._ und der Übernahme der
Geschäftsführung ohne jegliche Erfahrung sei die Überschuldung der T._
GmbH ursächlich begünstigt worden, was für C._ voraussehbar gewesen sei
oder sie gar billigend in Kauf genommen habe. Bei pflichtgemässem Verhalten
von ihr zum Beispiel durch die Weigerung der Übergabe derartiger Beträge an
A._ oder mindestens der Überprüfung, ob sie für die Firma verwendet wer-
den, wäre mit hoher Wahrscheinlichkeit der Eintritt der Zahlungsunfähigkeit zu
vermeiden gewesen. Stattdessen sei es zu immer mehr Betreibungen gekommen,
was den Schaden der Gläubiger laufend vergrössert habe und was für C._
ebenfalls voraussehbar gewesen sei und was sie zumindest billigend in Kauf ge-
nommen habe.
2. Einwendungen
2.1. A._ anerkennt, mit Wissen und Willen bei der Vermögensveruntreuung
zum Nachteil der CH._ ... mitgewirkt zu haben, bestreitet jedoch, Organisa-
tor und Hauptbegünstigter dieser Handlungen zu sein (Prot. I S. 63 f., 76 und
S. 84 f.; Urk. 133 S. 28 f.). Namentlich bestreitet er jedoch, die behaupteten Bar-
geldbeträge übergeben erhalten zu haben (Prot. I S. 64) und gibt an, allfällige
Rechnungen und Formulare nur auf Anweisung von B._ geschrieben resp.
ausgefüllt zu haben (Urk. 3/12 S. 26 ff.; Prot. I S. 25). Er lässt weiter geltend ma-
chen, die ursprüngliche Idee sei nur gewesen, das Eigenkapital für das Baupro-
jekt CA._ über den Verkauf der Leasingfahrzeuge zu erlangen, nicht jedoch
von Anfang an, den Hypothekarkredit anderweitig zu verwenden. Selbst wenn
man - was bestritten wird - von Betrug ausginge, würde es wegen der Opfermit-
verantwortung der Bank an der Arglist fehlen, denn es seien weder die Löhne der
Antragsteller überprüft worden, noch sei geprüft worden, dass ein Teil des ver-
langten Eigenkapitals mit Kleinkrediten finanziert worden sei. Der Beschuldigte
A._ sei daher als Teilnehmer im Sinne von Art. 26 StGB der Veruntreuung
- 109 -
nach Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen (Urk. 133 S. 31 f.; Urk. 207
S. 30).
Bezüglich des Geldwäschereivorwurfs bestreitet A._, W._ die
Fr. 80'000.– übergeben zu haben (Prot. I S. 65; Urk. 133 S. 33; Urk. 207 S. 30).
2.2. Der Beschuldigte B._ lässt dagegen geltend machen, alle massgeben-
den Handlungen bezüglich des Hypothekarkredites, vom Entschluss, der Planung
und der Ausführung, habe A._ alleine vorgenommen. Namentlich habe er
den Grundstückkauf lange vor dem Erscheinen von B._ eingefädelt und alles
organisiert. Es sei A._ gewesen, der nach der Organisation des Grundstück-
kaufs auf B._ zu gekommen sei und ihm erklärt habe, mit diesem Kauf gebe
er ihm die Möglichkeit, seine Schulden zu verringern und gleichzeitig ein Haus zu
bauen. Dabei sollte B._s eigene Arbeit von der Bank bezahlt werden und an
A._ fliessen. B._ habe nichts von einer Täuschung via fiktive Rechnun-
gen und einer zweckfremden Verwendung der Gelder geahnt und habe daher
auch nicht seinem Bruder und der Schwägerin Tatsachen unterschlagen oder
sonst wahrheitswidrige Angaben gemacht (Urk. 131 S. 83 - 87; Urk. 209 S. 34 ff.).
Die fraglichen Rechnungen der T._ GmbH seien denn auch von W._
und A._ erstellt worden und B._ habe diese nie gesehen. B._ gibt
aber zu, die von A._ verlangten Rechnungen der Firma AE._ ausgestellt
zu haben, wobei er aber überzeugt gewesen sei, die noch nicht geleisteten, aber
in Rechnung gestellten, Arbeiten später noch auszuführen. Weiter gibt B._
zu, die Leistungsabrechnungsformulare "Zahlungsauftrag Baufinanzierung" für die
CH._ zusammen mit Mitkäufern unterzeichnet zu haben, macht jedoch gel-
tend, diese nicht der Bank eingereicht zu haben (Prot. I S. 36; Urk. 131 S. 87 -
90). B._ anerkannte jedoch, selbst auch Geld, das von der CH._ auf das
P._-Konto ausbezahlt worden sei, abgehoben und an A._ übergeben zu
haben (Prot. I S. 36). Im Übrigen lässt der Beschuldigte B._ einwenden, die
Anklägerin habe es unterlassen, einen Vermögensschaden zu umschreiben. Be-
reits der Wert der Liegenschaft gemäss der Schätzung aus dem Jahre 2009 de-
cke problemlos den Betrag der mutmasslich fiktiven Rechnungen (Urk. 131 S. 91
f.). Für eine Verurteilung wegen Betrugs fehle bereits das objektive Tatbestands-
- 110 -
merkmal der Täuschung, aber auch jenes des Vermögensschadens (Urk. 131
S. 94). Selbst bei einer Verurteilung von A._ wegen Betrugs käme bei
B._ höchstens die Bestrafung wegen Beihilfe zum Betrug in Betracht, wenn
von einem eventualvorsätzlichen Handeln ausgegangen werde (Urk. 131 S. 97).
Auch für den Eventualstandpunkt der Anklage sei B._ höchstens der Beihilfe
zur Veruntreuung schuldig zu sprechen (Urk. 131 S. 97 - 99).
2.3. Die Verteidigung von C._ bestreitet namentlich den schlechten finanzi-
ellen Zustand und die Zahlungsunfähigkeit der Firma T._ GmbH schon kurz
nach der Übernahme derselben durch die Beschuldigte. Ausserdem macht sie
geltend, C._ habe im vollen Vertrauen in ihren Ehemann die Leistungsab-
rechnungen unterschrieben und nicht einmal entfernt daran gedacht, dass diese
Rechnungen teilweise nicht der Wahrheit entsprechen würden. Ebenfalls sei sie
davon überzeugt gewesen, dass mittels des von ihr an A._ übergebenen
Bargeldes Bauarbeiter entlohnt und Baumaterial bezahlt würde. Schliesslich habe
sie im Zeitpunkt des Abschlusses der beiden Leasingverträge für die Fahrzeuge
und damit nur rund zwei Monate nach Übernahme der Firma noch keine Zweifel
haben müssen, dass die Firma ihren finanziellen Verpflichtungen allenfalls nicht
nachkommen könne. Aufgrund ihres vollkommen fehlenden betriebsökonomi-
schen Wissens habe es C._ zudem von vornherein nur schon am Eventual-
vorsatz gefehlt (Urk. 129 S. 5 - 9). Im Übrigen wird der Anklagesachverhalt aner-
kannt (Prot. I S. 18 f., 21 f. und 23 f.; Urk. 129 S. 5).
3. Unbestrittener Sachverhalt
3.1. Aufgrund objektiver Beweismittel, namentlich der im vorinstanzlichen Urteil
aufgezählten Dokumente (Urk. 159 S. 68 - 71), übereinstimmender Aussagen der
Beteiligten und vorliegender Zugaben ist mit Ausnahme der vorstehend genann-
ten Einwendungen der angeklagte Sachverhalt anerkannt, unbestritten oder be-
legt und damit erstellt, namentlich was den Ablauf des Grundstückkaufes
CA._ und die damit zusammenhängenden Verträge (Urk. 61/8 Anklagepunkt
X. 24.2.-24.4. [S. 37-39] und Urk. 62/9 Anklagepunkt IX. 18.2.-18.4 [S. 32 f.]), die
Rechnungen der Firmen T._ GmbH, AE._ und DE._ GmbH und die
entsprechenden Leistungsabrechnungsformulare "Zahlungsauftrag Baufinanzie-
- 111 -
rung" samt ausbezahlten Hypothekar-Teilzahlungen seitens der CH._ betrifft.
Ausserdem blieb unbestritten, dass C._ die Barabhebungen im Gesamtbe-
trag von Fr. 253'970.– ab dem CG._-Konto der T._ GmbH und von
Fr. 76'409.65 ab ihrem eigenen P._-Konto vornahm (Urk. 61/8 Anklagepunkt
X. 24.5.-24.5.2. [S. 39-42] und Urk. 62/9 Anklagepunkt IX. 18.5.-18.5.2. [S. 33-
36]).
Hier gilt es namentlich darauf hinzuweisen, dass das Baukonto des Hypothekar-
darlehens (Konto-Nr. 1) und das Kontokorrentkonto des Baukonsortiums
"AG._" (Konto-Nr. 2) bezüglich der Verwendung an das Bauprojekt von
AD._, AC._ und B._ zur Erstellung eines Einfamilienhauses in
CA._ gebunden war. In der von allen drei Familienmitgliedern unterzeichne-
ten Produktevereinbarung vom 13. November 2008 zum Baukonto wird zur Ver-
wendung des Kapitals festgehalten: "Das Baukonto ist nur im Zusammenhang mit
dem Erstellen eines Einfamilienhauses am AG._ in CA._ Nr. ... ver-
wendbar" (Urk. ND 13/4/9). Zudem wurde beim Kontokorrentkonto des Baukon-
sortiums (Konto-Nr. 2) und beim Basiskreditvertrag vom 5. Februar 2009 der Ver-
wendungszweck mit "Bau eines Hauses am AG._ in CA._" umschrieben
(Urk. ND 13/4/10 und Urk. ND 13/4/12), was auch die Vorinstanz aufgeführt hat
(Urk. 159 S. 84 f. Ziff. 10.3.2.1.-10.3.2.2.). Ausserdem haben auch alle drei Fami-
lienmitglieder B._ unterschriftlich die Herkunft der finanziellen Mittel des
Baukonsortiums "AG._" angegeben mit "Einkommen aus Erwerbstätigkeit,
Ersparnisse" (Urk. ND 13/4/10).
3.2. Hinsichtlich der Vorwürfe der Gehilfenschaft zu Betrug und der Geldwäsche-
rei zulasten von W._ ist auf das rechtskräftige Urteil vom 27. März 2015 im
abgekürzten Verfahren am Bezirksgericht Uster (Urk. 67/17) hinzuweisen, das
gestützt auf ihr Geständnis erging (siehe auch oben 2. Teil B.). Danach anerkann-
te sie den Anklagevorwurf, der vom Sachverhalt her mit dem vorliegenden gegen
die Beschuldigten A._ und B._ übereinstimmt (Urk. 67/17, angeheftete
Anklageschrift), wonach sie ungefähr in der Zeit vom 1. Dezember 2008 bis
20. März 2009 auf Veranlassung von A._ Rechnungen für Leistungen der
Firma T._ GmbH schrieb, die zumindest teilweise gar nicht erbracht worden
- 112 -
waren, was sie zumindest annahm. Anhand dieser Rechnungen füllte sie auf An-
weisung von A._ die entsprechenden, in der Anklageschrift einzeln aufge-
führten Leistungsabrechnungsformulare zuhanden der CH._ ... aus, die
dann von der Bauherrschaft B._ unterzeichnet wurden. Gestützt darauf löste
die genannte CH._ die entsprechenden Hypothekar-Teilzahlungen in der
Höhe von insgesamt Fr. 254'030.95 auf das CG._ Konto der T._ GmbH
aus, wovon es jeweils unmittelbar nach den Vergütungen von C._ bar bezo-
gen wurde (Urk. 5/13 S. 22). Schliesslich blieb sie bei ihrer Aussage, wonach sie
die Fr. 80'000.–, die sie aus dem Hypothekarkredit des Bauprojektes AG._
CA._ von A._ bar erhalten habe, für die Finanzierung ihres eigenes
Bauprojekt in BB._ verwendete, obwohl sie die Herkunft des Geldes kannte
(Urk. 5/13 S. 9).
3.3. Laut der Schätzung des Bauzustandes vom 23. September 2009
(Urk. ND13/5/2) setzte sich die Wertannahme gemäss Ist-Zustand des Rohbaus
wie folgt zusammen:
Fr. 232'000.– Gebäude Realwert Ist-Zustand Fr. 20'000.– Vorbereitung (Erschliessung) ./. Fr. 10'000.– Baugrubensicherung ./. Fr. 65'000.– Instandstellung
Fr. 177'000.– Total ca.
Addiert man dazu statt der Annahme des Grundstückpreises von Fr. 179'000.–
gemäss der Schätzung den effektiv im Jahre 2008 bezahlten Grundstückspreis
von Fr. 255'000.– dazu, ergibt sich ein geschätzter Wert der Liegenschaft im Sep-
tember 2009 von ca. Fr. 432'000.–, zusätzlich vermindert durch die eingetragenen
Bauhandwerkerpfandrechte in der Höhe von Fr. 50'792.50. Diesem geschätzten
Wert der Liegenschaft von rund Fr. 381'000.– stand das per 17. April 2009 voll-
ständig ausbezahlte Hypothekardarlehen von Fr. 705'000.– gegenüber
(Urk. EIZ 25/38 [Kontoauszug 01.01. 2009 - 6.10. 2009]).
- 113 -
4. Sachverhaltserstellung
4.1. Organisation des Grundstückkaufs und Bauprojektes AG._ CA._
4.1.1. Die Vorinstanz kam aufgrund ihrer Beweiswürdigung (Urk. 159 S. 72 -
84), wonach auf die Aussagen von A._ zufolge seines Aussageverhaltens,
seiner widersprüchlichen Angaben und der vielen Lügensignale nicht abgestellt
werden könne (Urk. 159 S. 83), die im Kern übereinstimmenden Aussagen der
übrigen Beteiligten, namentlich von B._ und W._, jedoch mit den objek-
tiven Beweismitteln übereinstimmten (Urk. 159 S. 75), zum Schluss, es sei er-
stellt, dass der Beschuldigte A._ den Kauf der Liegenschaft AG._ in
CA._ organisiert habe (Urk. 159 S. 84).
4.1.2. Anhand der vorliegenden Dokumente der Verkäuferin der Liegenschaft
CA._, der DF._ AG resp. DF1._ AG (kurz: DF._), auf welche
die Vorinstanz im Einzelnen auch eingegangen ist, lässt sich folgender Ablauf -
der wie erwähnt unbestritten blieb - wie es zum Kaufvertrag der Parzelle
"AG._" CA._ kam, in einer tabellarischen Übersicht aufzeigen, wobei
sich die eingefügten Leasingdelikte auf die Anklage stützen und nachfolgend noch
zu erstellen sind:
Datum Handlung Aktenstelle(n) / Urk.
4.3. 2008 A._ meldet sich bei DF._ als Kaufinteressent DF._ schickt Verkaufsdokumentation an seine  in BB._
ND 13/6/1-3
26.3. 2008 Absage da für Privatperson Eigenheim EIZ 32/3/16066
16.7. 2008 1. Kaufvertragsentwurf; Käufer: A._ ND 13/6/4
5.8. 2008 E-Mail DF._ → A._: Bestätigung mündl. : Reservation Parz. bis 12.9. 2008 bei Anzahlung von Fr. 2'500.–
ND 13/6/5
7.8. 2008 DF._ → A._: Reservationsvereinbarung ND 13/6/6
8.8. 2008 A._ unterzeichnet Reservationsvereinbarung mit DF._, worin er mit seiner Privatadresse als Käufer aufgeführt ist
ND 13/6/7; EIZ 32/1/16044
11.8. 2008 A._ bezahlt 2'500.– an DF._ per Posteinzahlung ND 13/6/8
18.8. 2008 T._ GmbH von A._ → C._ 1/6-7
9.9. 2008 A._ bestätigt Kaufabsicht ohne Baubewilligung ND 13/6/9
15.9. 2008 2. Kaufvertragsentwurf DF._ → A._; Käufer: A._ ND 13/6/10-11
- 114 -
30.9. 2008 E-Mail von A._ → DF._: neuer Käufer: DG._
ND 13/6/12; EIZ 32/1/16036
21./ 22.10. 2008
1. und 2. Leasingvertrag NissanCabstar I und BMW X5 ND 11 und ND 3
22.10. 2008 DF._ → A._: Kaufvertragsentwurf mit DG._ EIZ 32/1/16026-28
27.10. 2008 B._, AC._ und AD._ unterzeichnen  der Mitglieder des Baukonsortiums "AG._" der CH._
EIZ 25/31/1-3; ND 13/4/10
5.11. 2008 E-Mail DF._ → A._: Frist bis 6. 11. 2008 für  Kaufvertrag; dann Verhandlung mit 
ND 13/6/14
6.11. 2008 Eröffnung Kontokorrentkonto T._ GmbH CH._ EIZ 25/27/3 10.11. 2008 3. Leasingvertrag Nissan Cabstar II ND 7
13.11. 2008 Produktevereinbarung Baukonto in Ergänzung zum  Hypothek vom 13.11. 2008 zw. CH._ ↔ B._, AC._ und AD._
ND 13/4/9
14.11. 2008 4. Leasingvertrag BMW X5 ND 8
19.11. 2008 Zusicherung Grundpfanddarlehen von DF._ → B._, AC._ und AD._ über Fr. 605'000.– ND 13/4/4
26.11. 2008 Abschluss schriftl. Kaufvertrag DF._ ↔ B._, AC._ und AD._
ND 13/6/15
4.11.-27.11.08 Werkvertrag zwischen B._, AC._ und AD._ ↔ T._ GmbH / C._
ND 13/8/5
9.12. 2008 Baukonto Nr. 1 (und damit zusammenhängend  Nr. 1), ltd. auf B._, AC._ und AD._; Eröffnung bei CH._
ND 13/4/14
22.12. 2008 Erhöhung Darlehenszusicherung CH._ auf Fr. 705'000.–
ND 13/4/6
12.1. 2009 Unterschrift von B._ für alle 3 Miteigentümer unter Pfandvertrag
ND 13/4/5
14.1. 2009 GB-Anmeldung Erhöhung Inhaberschuldbrief ND 13/4/7
1.12. 2008 - 21.4. 2009 Leistungsabrechnungen zuhanden CH._
ND 13/7/3-4; ND 13/8/3; ND 13/9/3; ND 13/10/3
5.2. 2009 Basiskreditvertrag zw. CH._ ↔ B._, AC._ und AD._
ND 13/4/12-13
12.3. 2009 letzte Leasingverträge BMW X5 und Mercedes ND 4 und 6
4.1.3. Die vorinstanzlichen Erwägungen werden durch die Aussagen der fol-
genden Personen gestützt, allen voran von AV._, der Kontaktperson bei der
DF._ (Urk. ND 13/12). Sie bestätigte ausdrücklich, dass bis zum Abschluss
des Kaufvertrages mit den Parteien B._ klar A._ ihr Ansprechpartner
gewesen sei, was dieser mit den schlechten Deutschkenntnissen der Käufer
B._ begründet habe (Urk. ND 13/12 S. 22). Entsprechend habe sie auch nur
- 115 -
ihm ein Exemplar des Kaufvertragsentwurfes per E-Mail zukommen lassen und
habe auch mit ihm den Termin beim Notariat abgemacht, zu dem er entgegen an-
derslautender Angabe aber nicht erschienen sei (a.a.O. S. 23 f.). Der ursprüngli-
che Verkaufsvertragsentwurf sei mit A._ besprochen worden und die späte-
ren Versionen mit der jeweils neuen Käuferschaft hätten dann nur noch bezogen
auf die neuen Käufer geändert werden müssen (a.a.O. S. 24). AV._ bestätig-
te auch, dass die handschriftlichen Vermerke auf dem E-Mail vom 26. März 2008,
mit welchem A._ mitgeteilt worden war, dass man einer Privatperson, welche
für sich selber ein Eigenheim erstellen möchte, den Vorzug geben wolle und wo-
mit man sinngemäss das Kaufinteresse von A._ abgelehnt hatte (Urk. EIZ
32/3/16066), von ihr stammen (Urk. ND 13/12 S. 8). Gemäss diesen Vermerken,
dass (sc. von Seiten A._s) noch Interesse bestehe, ist zu schliessen, dass
sich A._ gegenüber der Verkäuferin wahrheitswidrig dahingehend geäussert
haben muss, dass das auf ihn zutreffe. Dieser Schluss wird zudem durch die wei-
tergeführte geschäftliche Beziehung zur Verkäuferin gestützt, so dass von einer
solchen Erklärung seitens A._s auszugehen ist.
4.1.4. W._ ihrerseits sagte glaubhaft aus, sie habe im Zuge ihrer Tätig-
keit bei der T._ GmbH mitbekommen, dass A._ den Landkauf für
B./C._s organisiert gehabt habe. Sie selbst habe nur bezüglich des Baupro-
jektes BB._ Kontakt mit dem Notariat gehabt (Urk. 5/11 S. 17). B._ be-
stätigte, die Person der Verkäuferin das erste Mal beim Notar gesehen zu haben
und dass entweder W._ oder A._ den Termin beim Notar vereinbarten
(Urk. ND 13/29 S. 3 f.). Schliesslich sagte auch C._ aus, dass A._ das
Land gesucht gehabt habe. Die Entscheidung, ein Grundstück in CA._ zu
kaufen, sei von A._ gekommen (Urk. ND 13/33 S. 2 f.).
4.1.5. Der Einwand der Verteidigung hinsichtlich der möglichen Absprache
der Familienmitglieder B/C._ ist nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen.
Es sei hierzu auf die Ausführungen zu den ND 7 und 11 verwiesen (siehe 3. Teil
E I. 4.1.2.). Diesem Argument ist indes entgegen zu halten, dass durchaus auch
eine Absprache zwischen B._ einerseits und A._ andererseits hätte er-
folgen können, da es nach den glaubhaften Aussagen von C._ im Juli 2009
- 116 -
zu einem Treffen zwischen A._ und B._ im O._ gekommen war,
das sie selber beobachtete, da sie selbst auch vor Ort war (Urk. 6/9 S. 6 f.). Auch
A._ bestätigte, vor dem Sommer 2009 B._ im O._ getroffen zu ha-
ben (Urk. 8/1 S. 10 und 12; Urk. 8/2 S. 54 f.), ebenso wie W._ darauf hin-
wies, dass sie vor den Sommerferien 2009 falsche Aussagen gemacht hätten und
A._ B._ auch getroffen habe (Urk. 5/10 S. 5). Dieses Treffen fand mithin
nach den ersten polizeilichen Befragungen vom Januar 2009 zu geleasten Autos
statt, woraufhin eingestandenermassen bereits Absprachen unter den Beteiligten
getroffen worden waren, so dass deren Angaben jedenfalls sorgfältig und mit be-
sonderer Vorsicht zu würdigen sind. Insofern aber die Aussagen der Familienmit-
glieder durch objektive Beweismittel wie die vorliegenden Dokumente und Aussa-
gen Dritter gestützt werden, sind sie alsdann trotzdem als glaubhaft einzustufen.
Zudem kann diesbezüglich auf die obigen allgemeinen Ausführungen zur Interes-
senlage der Befragten und der Würdigung ihrer Aussagen verwiesen werden
(siehe 3. Teil B. I. 6.).
4.1.6. Die Bestreitungen des Beschuldigten A._, er sei nicht der Organi-
sator gewesen und er habe ja für die Firma von B._ (sc. die T._ GmbH)
gearbeitet und habe da schon ein paar Sachen für ihn erledigt (Urk. 8/4 S. 8),
resp. er habe zwar das Bauland reserviert, dies aber für B._ getan (Urk. 8/13
S. 8), erweisen sich als aktenwidrig, unglaubhaft und als reine Schutzbehauptun-
gen. Dies zumal er sich persönlich und unter seiner Privatadresse bereits fünf
Monate vor der Übertragung der T._ GmbH, notabene zu einem Zeitpunkt,
als immer noch er selber und seine Ehefrau als Vertreter der T._ GmbH im
Handelsregister eingetragen waren, als Kaufinteressent bei der DF._ gemel-
det hatte und noch bis zum 30. September 2008 als solcher auftrat. Somit ist vor
dem Hintergrund des oben tabellarisch aufgeführten Ablaufs bis zum Abschluss
des Kaufvertrages und den damit übereinstimmenden Aussagen der Beteiligten
den nachvollziehbaren und schlüssigen Erwägungen der Vorinstanz zweifellos zu
folgen. Demnach ist erstellt, dass A._ der Initiator und Organisator des
Grundstückkaufs AG._ CA._ sowie einzige Kontaktperson der Käufer-
schaft zur Verkäuferin DF._ war, und zwar bis zum Termin der Vertragsun-
terzeichnung beim Notar.
- 117 -
4.2. Organisation des Hypothekardarlehens und des Werkvertrages
4.2.1. Bezüglich der Organisation des Hypothekardarlehens von der
CH._ ... und dem Abschluss des Werkvertrages zwischen der T._
GmbH und den Mitgliedern des Baukonsortiums AG._ CA._ kann vorab
auf die zutreffend vorinstanzliche Sachverhaltserstellung verwiesen werden, wo-
nach sie aufgrund der übereinstimmenden Aussagen von B._ und C._,
W._ und AC._ davon ausgeht, dass A._ auch die Hypothek im Zu-
sammenhang mit dem Bauprojekt CA._ organisierte (Urk. 159 S. 86 - 101,
insb. S. 86, 95 f. und 100 f.), so dass sie nicht wiederholt zu werden braucht. Er-
gänzend ist indes auf Folgendes hinzuweisen: Da sich A._ gegenüber Aus-
senstehenden meist als B._ ausgab (siehe oben 3. Teil B. I. 2.1. Seite 89 f.)
und der Werkvertrag namens der T._ GmbH abgeschlossen wurde, war für
die kreditgebende CH._ nicht ersichtlich, dass an diesem Geschäft massge-
blich A._ beteiligt war.
4.2.2. Die Frage, ob die von den Mitgliedern des Baukonsortiums "AG._"
als Eigenkapital eingezahlten Mittel aus einem Darlehen in der Höhe von
Fr. 130'000.– von CR._ stammten, wovon die Vorinstanz ausging (Urk. 159
S. 95), ist nicht Gegenstand der Anklageschrift. Allerdings wird von der Verteidi-
gung A._s geltend gemacht, die diesbezüglichen Aussagen der beteiligten
B/C._s seien völlig unglaubhaft, zumal CR._ bestreite, ihnen diese
Fr. 130'000.– geliehen zu haben. Statt dessen stamme das Geld vielmehr aus
den Verkäufen der beiden von B._ geleasten Lieferwagen und des BMW X5
(ND 3, 7 und 11), zumal der gesamte Verkaufserlös kaum zufällig genau so hoch
sei, wie das behauptete Darlehen von CR._ (Urk. 133 S. 31). Die Frage ist
allerdings im Zusammenhang mit dem anvisierten Zweck des Hypothekardarle-
hens tatsächlich zu klären:
a) B._ sagte zur Finanzierung zuerst aus, seine Mutter, seine Schwägerin,
sein Bruder und seine Frau hätten je einen Kleinkredit aufgenommen. Er selber
habe rund Fr. 50'000.– erspartes Vermögen gehabt. So hätten sie Fr. 180'000.–
zusammen gebracht, welche sie A._ zum Abzahlen der Schulden des
Schwimmbades gegeben hätten. Dieser wiederum habe Schulden bei CR._
- 118 -
gehabt und habe mit diesem Geld seine Schulden dort bezahlt. Von CR._
hätten sie Fr. 130'000.– Privatkredit aufgenommen und so hätten sie das als Ei-
genkapital zur Bank gebracht (Urk. ND 13/28 S. 3 f.). Auf Vorhalt der entspre-
chenden Bankbelege sagte B._ weiter aus, sie hätten das Geld von
CR._ auf AD._, AC._, C._ und ihn aufgeteilt, so dass jeder
etwas habe einbringen können. Die Fr. 35'000.–, die auf sein P._ Privatkonto
am 29. Oktober 2008 einbezahlt worden seien, stammten daraus, ebenso die
Fr. 45'000.–, die am 29. Oktober 2008 auf sein N._ Bankkonto einbezahlt
wurden, denn er habe nur von CR._ Bargeld erhalten (Urk. ND 13/28 S. 8).
Auf Vorhalt, dass am 12. November 2008 bei der CH._ ... auf dem Konto
des Baukonsortiums eine Gutschrift über Fr. 41'000.– vom CI._ Konto von
C._ verzeichnet sei, sagte er aus, dass dieses Geld auch von CR._ ge-
wesen sein müsse. Auch bezüglich der Fr. 39'000.–, die am 11. November 2008
auf das CI._ Konto seiner Ehefrau C._ bar einbezahlt worden waren,
gab B._ an, diese stammten von dem Geld von CR._ (Urk. ND 13/28
S. 8 f.). Bei den am 8. Januar 2009 auf seinem P._ Privatkonto eingezahlten
Fr. 22'820.– könne es sich um die ca. Fr. 20'000.– handeln, die er bereits erwähnt
habe und die von Herrn A._ gekommen seien. Das treffe auch auf die
Fr. 6'000.– zu, die am 13. November 2008 bar auf das Konto des Baukonsortiums
AG._ eingezahlt worden seien. Dieses Geld habe er auch von A._ bar
auf die Hand erhalten, er wisse aber nicht mehr, ob Fr. 5'000.– oder 4'000.–, je-
denfalls sei der grösste Teil von A._ gewesen (Urk. ND 13/28 S. 9). In einer
späteren Einvernahme damit konfrontiert, dass CR._ bestreitet, ihm die
Fr. 130'000.– geliehen zu haben, erklärte B._ das Prozedere wie sein Bruder
AC._, wonach der Vertrag im O._ gemacht, ihm aber in der Schweiz
von CR._ Fr. 120'000.– übergeben worden seien und AC._ noch
Fr. 10'000.– von CQ._ mit in die Schweiz gebracht habe (Urk. ND 13/29
S. 7).
b) AC._ sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 4. März 2010, als
B._ noch in Untersuchungshaft war, zur Finanzierung des Bauvorhabens
aus, das hätten alles sein Bruder und A._ organisiert. Er habe ihnen gesagt,
er habe kein Geld, worauf sie ihm gesagt hätten, dies sei kein Problem. Er und
- 119 -
seine Frau hätten nichts eingebracht. Sie hätten zwar einen Kredit von um die
Fr. 40'000.– bis 50'000.– aufgenommen, jedoch nicht für das Haus, sondern um
A._ zu helfen resp. um es B._ für die Anzahlung des Schwimmbades zu
geben. Nur seine Mutter und C._ hätten einen Kredit für das Haus aufge-
nommen (Urk. ND 13/14 S. 6). Im Übrigen habe seine Frau plötzlich Fr. 38'000.–
auf ihrem Bankkonto gehabt, das sie auf dasselbe Konto bei der CH._ über-
wiesen habe, wie er die Fr. 40'000.–, die er für die Erbringung der Eigenmittel von
A._ und B._ bar erhalten gehabt habe (Urk. ND 13/14 S. 7). Konfrontiert
damit, dass gemäss B._ mit den Krediten und seinen ersparten Fr. 50'000.–
die benötigten Eigenmittel von Fr. 180'000.– zusammengebracht worden seien,
beteuerte AC._, dass er selbst zu diesem Zweck keinen Kredit aufgenom-
men habe und soviel er wisse, hätten sie nur Fr. 160'000.– Eigenkapital einbrin-
gen müssen. Allerdings konnte er keinerlei Angaben dazu machen, wem, wann
und an wen die Fr. 180'000.– übergeben worden seien (Urk. ND 13/14 S. 8). Er
sagte zudem aus, von einem Darlehen über Fr. 130'000.– von CR._, den
sein Vater schon ewig kenne, wisse er nichts. Auf Vorhalt der Aussage seines
Bruders B._ betreffend Aufnahme des Kredites über Fr. 130'000.– von
CR._ und der Einzahlung derselben als Eigenkapital bei der CH._ gab
er an, davon keine Ahnung zu haben. Er wisse nur, dass er Fr. 40'000.– bar er-
halten habe, wisse aber nicht, woher das Geld gekommen sei, er habe wirklich
keine Ahnung, was da genau gelaufen sei. Auf Nachfrage sagte er dann, sein
Bruder habe ihm gesagt, dass es von A._ sei. Über die Rückzahlung sei
nichts vereinbart worden. Da er nichts unterschrieben habe, könne lange einer
kommen und sagen, dass er ihm Geld schulde, er könne es ja nicht beweisen
(Urk. ND 13/14 S. 10).
In der Konfrontationseinvernahme mit seinem Bruder B._ vom 5. März 2010
wurde AC._ zuerst zu den Eigenmitteln für das Hypothekardarlehen befragt
und schilderte sogleich die Geschichte mit dem Darlehen von CR._ und dem
Beitrag von AC._ bezüglich dessen Reise in den O._ mit allen Details
(Urk. 9/3 S. 3 f.). Daraufhin sagte AC._ nunmehr aus, die Aussagen von
B._ würden stimmen. Gefragt, weshalb er dies in der polizeilichen Befragung
nicht gesagt habe, verwies AC._ auf ihre Mentalität, die anders sei als dieje-
- 120 -
nige der Schweizer. Nach jeder Einvernahme sei er wieder bedroht worden. Er
wolle keine Probleme und da nicht hineingezogen werden; er habe eine Frau und
Kinder zuhause (Urk. 9/3 S. 4). Weiter bestätigte er die Aussage von B._,
wonach er und seine Frau das Geld aufgenommen und an B._ gegeben hät-
ten, der es dann an A._ weitergegeben habe. Auf den Widerspruch zu seiner
polizeilichen Aussage hingewiesen, gab AC._ an, er habe B._ geholfen.
Er habe angenommen, der Kredit sei für das Schwimmbad, aber er habe nicht
nachgefragt. Das entspreche ihrer Mentalität einander zu helfen ohne gross zu
fragen (Urk. 9/3 S. 5).
Die Aussage über die Fr. 40'000.– bestätigte AC._ sodann in der Konfronta-
tionseinvernahme mit A._ vom 4. Mai 2010 und präzisierte, dass er dieses
Geld bei der CG._ in DH._ [Ort] eingezahlt habe (Urk. 8/4 S. 8). Zum
Darlehen von CR._ sagte er aus, er sei von A._ und B._ in den
O._ geschickt worden, die den Vertrag mit CR._ organisiert hätten. Er
habe aber das Geld nicht mit eigenen Augen gesehen und er habe jedenfalls kei-
nen Vertrag mit Zins unterschrieben. Unterschrieben hätten er und ein Freund von
CR._, dessen Namen er nicht mehr wisse. Wie und wo das Geld ausbezahlt
worden sei, wisse er nicht. Fr. 10'000.– habe er bar aus dem O._ vom Ver-
tragspartner mit in die Schweiz gebracht und am Flughafen sei er von B._
und A._ abgeholt worden. B._ habe ihm später gesagt, dass er und
A._ die Fr. 120'000.– holen gegangen seien (Urk. 8/4 S. 8 f.). Auf die Frage,
ob noch anderweitig Geld aufgenommen worden sei, gab AC._ an, er und
seine Frau hätten auch noch einen Kredit aufgenommen. Seiner habe ca.
Fr. 30'000.– und der seiner Frau zwischen Fr. 20'000.– und Fr. 30'000.– betragen.
Dieses Geld hätten sie B._ gegeben. Er nehme an, dieser habe es an
A._ weitergegeben (Urk. 8/4 S. 9).
c) C._ sagte zu den Eigenmitteln aus, sie und ihr Ehemann hätten so ca.
Fr. 50'000.– gespart gehabt. Dieses Geld habe sie von ihrem Konto bei der
CI._ bar abgehoben und ihrem Mann für das Haus gegeben. Sie habe dann
auch noch einen Kredit bei der G._ über Fr. 30'000.– aufgenommen und
auch dieses Geld habe sie ihrem Mann gegeben, der ihr gesagt habe, dieses
- 121 -
Geld sei für das Haus. Sie habe ihm die Fr. 50'000.– ca. im Juli oder August 2008
gegeben und die Fr. 30'000.– ungefähr im gleichen Zeitraum (Urk. ND 13/33
S. 6 f.). Auf das von B._ geschilderte Darlehen von CR._ angesprochen
konnte sie keine näheren Angaben dazu machen, sagte lediglich, sie habe von ih-
rem Ehemann am Telefon gehört, dass er von CR._ Geld bekommen habe,
aber den Zweck wisse sie nicht, ebenfalls nicht, wann er das Geld bekommen ha-
be. Ausserdem wisse sie nichts darüber, dass bei dem Kredit von CR._ auch
AC._ und AD._ mitgemacht haben sollen (Urk. ND 13/33 S. 7 f.).
d) Aus den Akten des akzessorischen Einziehungsverfahrens ergibt sich, dass
per 12. November 2008 eine Gutschrift lautend auf AD._ im Betrage von
Fr. 38'000.– auf dem Konto des Baukonsortiums "AG._" verbucht wurde. Un-
ter dem gleichen Datum folgten Gutschriften von Fr. 35'000.– seitens B._,
von Fr. 41'000.– seitens C._ sowie eine solche von Fr. 40'000.– lautend auf
AC._ (Urk. EIZ 25/33 S. 1). Am 13. November 2008 ging noch eine Barzah-
lung über Fr. 6'000.– von B._ ein (a.a.O.), so dass die Fr. 160'000.– an Bar-
mitteln, die gemäss der Produktevereinbarung der Mitglieder des Baukonsortiums
"AG._" zu leisten waren (Urk. ND 13/4/9), erbracht wurden.
Überdies sind die folgenden Transaktionen mittels Bankunterlagen belegt:
- Bareinzahlung von Fr. 35'000.– am 29. Oktober 2008 auf das P._ Konto
von B._, auf dem seit dem 31. Juli 2007 keine Kontobewegungen statt-
gefunden hatten und das per 31.12. 2007 einen Saldovortrag von Fr. 20.25
aufgewiesen hatte (Urk. EIZ 21/15 Kontoauszug per 31.10. 2008) und
Überweisung von Fr. 35'000.– am 12. November 2008 auf das Konto des
Baukonsortiums auf den Namen von AD._ und AC._
(Urk. EIZ 21/15 Auszug per 30.11. 2008)
- Bareinzahlung von Fr. 45'000.– am 29. Oktober 2008 auf das N._
Bankkonto von B._, das zuvor gewöhnlich einen monatlichen Umsatz
zwischen Fr. 2'629.60 und Fr. 9'232.40 an Gutschriften aufwies
(Urk. EIZ 22/12 Kontoauszüge) und Auszahlung von Fr. 45'172.50 am
5. November 2008 (Urk. EIZ 22/12 Postenauszug per 30.11. 2008)
- 122 -
- Bareinzahlung von Fr. 22'800.– am 8. Januar 2009 auf das P._ Konto
von B._ und Überweisung von Fr. 22'820.– am 12. Januar 2009 auf das
Konto des Baukonsortiums auf den Namen von AD._ und AC._
(Urk. EIZ 21/15 Auszug per 31.01. 2009)
- Überweisung von Fr. 20'080.– vom P._ Konto von C._ auf ihr ei-
genes CI._ Konto per 30.01.2008 (Urk. 21/18 P._ Auszug per
31. Januar 2008 und Urk. EIZ 20/7 Kontoauszug der CI._ vom 1.1. -
31.12. 2008 Seite 1) und Barbezug von Fr. 42'500.– ab dem CI._ Konto
von C._ am 7. April 2008; Saldo anschliessend Fr. 47.95 (Urk. EIZ 20/7
Kontoauszug der CI._ vom 1.1. - 31.12. 2008 Seite 2)
- Vergütung von Fr. 30'000.– auf das CI._ Konto von C._ am
18. April 2008 seitens Bank CD._ AG und Barbezug von Fr. 30'100.–
ab demselben Konto am 21. April 2008; Saldo anschliessend Fr. 1'377.60
(Urk. EIZ 20/7 Kontoauszug der CI._ vom 1.1. - 31.12. 2008 Seite 2)
- Einzahlung von Fr. 39'000.– auf das CI._ Konto von C._ am
11. November 2008 und Überweisung von Fr. 41'000.– auf das Konto des
Baukonsortiums auf den Namen von AD._ und AC._ am 12. No-
vember 2008 (Urk. EIZ 20/7 Kontoauszug der CI._ vom 1.1. - 31.12.
2008 Seite 7 und 8)
Dass B._ jedenfalls mit seinem eigenen Einkünften (Salär, resp. Rente) we-
der die Hypothekarzinsen noch überhaupt grössere Beträge bezahlen konnte,
räumte er bezüglich des Verkaufs des geleasten BMW X5 (ND 3) denn auch ein
und sagte aus, er sei damals in der Krise gewesen. Er habe Geld gebraucht und
der Käufer habe ihm gesagt, er bezahle alles bar auf die Hand (Urk. 4/3 S. 3 und
S. 5). Zudem gab er im Januar 2009 an, seit Ende September 2008 arbeitsunfä-
hig zu sein und M._-Gelder zu beziehen (Urk. 36/14), so dass er auch mittels
verstärkter Arbeitstätigkeit kein höheres Einkommen erzielen konnte. Das deckt
sich auch mit den Akten des akzessorischen Einziehungsverfahrens, wonach sich
keine relevanten Vermögenswerte auf den Konten von B._ befanden
(Urk. EIZ 4/1). Wie oben dargelegt sind auf dem Privatkonto von B._ bei der
- 123 -
P._ vor Oktober 2008 keine Kontobewegungen verzeichnet. Auf sein Privat-
konto bei der N._ Bank wurden im Jahre 2008 monatlich folgende Gutschrif-
ten unter dem Stichwort "Salär/Rente" resp. ESR-Eingang verbucht (Urk. EIZ
22/13):
Datum Salär/Rente (CHF) ESR-Eingang (CHF) Saldo Monatsende
8.1 2008 3'700.–
31.1.2008 3'250.– 8'006.96
1.2.2008 2'507.50 - 348.19
31.3.2008 0.– 0.– - 668.19
10.4.2008 1'131.75
23.4.2008 2'263.60
30.4.2008 1'131.85 764.26
21.5.2008 1'800.–
28.5.2008 2'168.20 3'532.36
4.6.2008 1'131.85
11.6.2008 913.60
18.6.2008 2'283.25
26.6.2008 2'488.–
30.6.2008 221.30 3'315.76
25.7.2008 4'975.95 5'139.01
26.8.2008 4'975.95 4'861.06
26.9.2008 5'145.95 3'436.31
- 124 -
Aber auch auf dem P._-Privatkonto von C._, das auf den Rechnungen
der Firma AE._ als Zahlungsadresse angegeben war (und worauf die
CH._ ... die entsprechenden Vergütungen vornahm; Urk. EIZ 4/5), schwank-
ten die monatlichen Gutschriften in der Zeit vor Ende September 2008 stark
(Urk. EIZ 21/18):
- Monate (2008) in CHF - Februar 6'238.20 - März 2'983.50 - April 6'229.45 - Mai 974.50 - Juni 0.– - Juli 3'382.50 - August 1'365.10 - September 700.– - Oktober 7'192.70
Somit steht jedenfalls fest, dass B._ aus seinen Einkünften weder Hypothe-
karzinsen bezahlen noch andere namhafte Ausgaben daraus bestreiten konnte.
e) Die Aussagen von C._ erweisen sich gestützt auf die oben erwähnten
Bankbelege als weitestgehend zutreffend, sowohl hinsichtlich der Übergabe von
ca. Fr. 50'000.– an B._ als auch hinsichtlich der Kreditaufnahme und Über-
gabe dieser Fr. 30'000.– ebenfalls an B._. Auffällig jedoch ist, dass der zeitli-
che Bezug nicht mit dem übrigen Beweisergebnis übereinstimmt, denn der Bar-
bezug von Fr. 42'500.– und die Kreditaufnahme von Fr. 30'000.– erfolgten bereits
im April 2008, mithin in einem Zeitpunkt, als gemäss übereinstimmenden Aussa-
gen der Beteiligten vom Bauprojekt CA._ noch nicht die Rede war, und nicht
erst im Juli/August 2008. Trotzdem war das Geld gemäss C._s Aussagen
explizit für den Hausbau gedacht. Wie unter dem 3. Teil E. I. 4.2. aufgezeigt wer-
den wird, ist erstellt, dass der Verkaufserlös des Nissan Cabstar I von Fr. 38'000.–
(ND 11) via das Konto von AD._ direkt auf das Konto des Baukonsortiums
AG._ floss. Damit erweist sich die Aussage von B._ über das Darlehen
von CR._ und die Aufteilung dieses Geldes auf die Bauherrschaft zwecks
Einbringens von Eigenmitteln als falsch. Bezüglich der Aussagen von AC._
fällt auf, dass er diese betreffend das Darlehen über Fr. 130'000.– von CR._
sofort nach der Konfrontation mit den entsprechenden Aussagen seines Bruders
B._ an dessen ihm nun bekannte Geschichte anpasste. Angesichts des fami-
- 125 -
liären Verhältnisses und der Zugabe der Brüder, dass sie eine sehr gute, enge
Beziehung zueinander haben (Urk. 9/3 S. 3) sowie der Aussage von AC._,
dass sie einander helfen würden (Urk. 9/3 S. 5), kann nicht ohne weiteres auf die
geänderten Aussagen von AC._ abgestellt werden, und zwar bereits nicht
auf diejenigen der Konfrontationseinvernahme mit B._, weil ihm dort die Aus-
sagen seines Bruders bekannt wurden, bevor er dazu befragt wurde (Urk. 9/3
S. 3) und jene vom 4. Mai 2010 deshalb nicht, weil zu dem Zeitpunkt B._ be-
reits aus der Haft entlassen worden war, so dass sich die Brüder im Hinblick auf
die Konfrontationseinvernahme zwischen A._ und AC._ ohne weiteres
absprechen konnten. Da sich die erste deponierte Aussage von AC._ bezüg-
lich der Kreditaufnahme durch C._ für den Hausbau mit der eigenen Aussa-
ge von C._ deckt, können diese Angaben als glaubhaft beurteilt werden.
Nachvollziehbar, authentisch und anhand der Bankakten durchaus glaubhaft er-
weist sich auch AC._s erste Aussage hinsichtlich der gänzlich fehlenden Ei-
genmittel von ihm und seiner Ehefrau für einen solchen Hausbau, ebenso wie
seine Aussage, sie hätten beide nichts eingebracht. Das ist bezüglich AD._
wie erwähnt via die Weiterleitung des Verkaufserlöses vom Nissan Cabstar nach-
gewiesen. Zudem ist auf ihre glaubhaften Aussagen zum ND 11 hinzuweisen
(siehe hierzu auch 3. Teil E. I.), wonach sie im Oktober 2008 gar nicht gearbeitet
und nichts verdient habe und ihr Mann erst im Oktober 2008 wieder bei der
DI._ zu arbeiten begonnen habe, nachdem er zuvor arbeitslos gewesen sei
(Urk. ND 11/5/11 S. 9 ff.), wovon auch die Vorinstanz ausging (Urk. 159 S. 147 f.).
Die erste Aussage von AC._ betreffend Nichtleistung eigener Mittel muss
deshalb als glaubhaft, weil zutreffend, beurteilt werden, so dass dies ebenfalls ein
Indiz dafür darstellt, dass seine zweite Aussage nicht mehr authentisch und an die
Angaben seines Bruders angeglichen war. Das deckt sich im Übrigen mit dem
Beweisergebnis, dass es von Anfang an die Absicht von A._ und B._
war, die Eigenmittel via Verkauf von geleasten Autos erhältlich zu machen (siehe
3. Teil E. I. 4.2.2.). Die von B._ angeführte Geschichte mit dem von
CR._ erhaltenen Darlehen über Fr. 130'000.– erweist sich daher als nicht
glaubhaft, so dass davon - entgegen der Vorinstanz (Urk. 159 S. 95) - nicht aus-
gegangen werden kann.
- 126 -
Aufgrund der glaubhaften und sich mit den Bankakten deckenden Aussagen ver-
fügten die Bauherren AD._, AC._ und B._ mit Ausnahme der
Fr. 42'500.–, die C._ ihrem Ehemann für den Hausbau übergeben hatte,
über keine Eigenmittel, die sie zwecks Finanzierung der Hypothek einbringen
konnten. Dass diese Fr. 42'500.– von C._ tatsächlich für den Hausbau ver-
wendet wurden, lässt sich nicht erstellen. Im Gegenteil ist davon auszugehen,
dass dies gerade nicht der Fall war und statt dessen das Geld für den Kauf des
Schwimmbades verwendet wurde, weil dieser gemäss übereinstimmenden Aus-
sagen nachgerade in ebendiesem Monat April 2008 stattfand und wofür sie min-
destens Fr. 300'000.– an A._ bezahlten (3. Teil B. I 3.). Die gleiche Verwen-
dung ist für die Fr. 30'000.– vom Kredit der Bank CD._ AG anzunehmen,
denn ansonsten hätte ihr Mann entweder Fr. 42'500.– oder gar 72'500.– (und
nicht nur Fr. 35'000.–, die er erst am 29. Oktober 2008 auf sein Konto einbezahlt
erhielt) auf das Konto des Baukonsortiums eingezahlt. Aufgrund des unmittelba-
ren zeitlichen Bezugs und des erstellten Planes, die Eigenmittel eben genau auf
diese Weise bereit zu stellen, verbleibt allerdings kein unüberwindbarer Zweifel,
dass die Zahlungseingänge auf den beiden Konten von B._ am 29. Oktober
2008 vom Verkaufserlös des BMW X5 stammen müssen (siehe unten 3. Teil D. I.
4.10.). Auch AC._ verfügte nach glaubhaften eigenen Aussagen über keine
Eigenmittel und gab konstant und widerspruchsfrei zu, Fr. 40'000.– von A._
und B._ erhalten zu haben, um damit "seine" Eigenmittel einzubringen, was
er gemäss Bankakten auch tat.
In Würdigung der gesamten Umstände, namentlich des geplanten Erhalts der ef-
fektiv fehlenden Eigenmittel durch den Verkauf geleaster Autos und des Nachwei-
ses, dass dies bezüglich AD._, C._ und B._ auch tatsächlich so
bewerkstelligt wurde, verbleibt kein Zweifel, dass die von AC._ genannte
Barschaft von Fr. 40'000.–, die er von A._ und B._ erhielt, zumindest zu
einem Grossteil (Fr. 34'500.–) ebenfalls aus dem Verkauf eines geleasten Fahr-
zeuges stammte, wurde doch der zweite Nissan Cabstar (ND 7) am 13. Novem-
ber 2008 bei der Garage AP._ AG abgeholt und damit an dem Tag, an dem
AC._s Einzahlung auf das Baukonto erfolgte (siehe unten 3. Teil E. I. 4.2.4.).
Gestützt auf seine erste Aussage ist zudem erstellt, dass weder er noch
- 127 -
AD._ einen Kredit aufgenommen haben, um das Bauprojekt CA._ zu fi-
nanzieren.
4.3. Leistungsabrechnungen und Barbezüge der Hypothekar-Teilzahlungen
4.3.1. Der vorinstanzlichen Sachverhaltserstellung bezüglich der Rechnungen
seitens der Firmen T._ GmbH, AE._ und der DE._ GmbH von
BA._, gestützt auf welche die unbestrittenen Teilzahlungen aus dem Hypo-
thekarkredit der CH._ erfolgten, da die Leistungsabrechnungsformulare
"Zahlungsauftrag Baufinanzierung" von den Mitgliedern der Bauherrschaft unter-
zeichnet waren (Urk. 159 S. 101 - 129; insb. E. 10.3.5.14.-15.), ist mit einer Aus-
nahme zu folgen, so dass darauf verwiesen werden kann.
Die Ausnahme bezieht sich auf die von der Vorinstanz aufgeführten Rechnungen
der V._ GmbH und die entsprechenden Zahlungen mittels der Baufinanzie-
rung sowie die Zahlungen an verschiedene Bauunternehmen und Dritte (Urk. 159
S. 106 ff.; E. 10.3.5.9.-10.3.5.10.), die nicht Gegenstand der Anklage sind
(Urk. 61/8 S. 61/8 S. 39-42 und S. 45-47 [A._]; Urk. 62/9 S. 34-35 und S. 39-
40 [B._]; Urk. 64/11 S. 4 [C._]), so dass darauf nicht weiter einzugehen
ist.
Es ist hier verständnishalber darauf hinzuweisen, dass die CH._ ... am
6. November 2008 im Hinblick auf das Bauprojekt AG._ CA._ gestützt
auf den Werkvertrag zwischen B._, AD._ und AC._ als Bauherr-
schaft und der T._ GmbH als Erstellerin (Urk. ND 13/25/20) ein Generalun-
ternehmer-Kontokorrentkonto lautend auf die T._ GmbH eröffnete (Urk. EIZ
25/27/3). Ebenfalls ist nochmals festzuhalten, dass die Generalunternehmerin
T._ GmbH formell in Übereinstimmung mit dem Basiskreditvertrag Hypothek
der CH._ ... (Urk. ND 13/4/12-13) und der Produktevereinbarung Baukonto
(Urk. ND 13/4/9) handelte, indem sie die Leistungsabrechnungsformulare von der
Bauherrschaft unterzeichnen liess und der Bank einreichte, bevor diese die Hypo-
thekar-Teilzahlungen auf das GU-Konto der T._ GmbH vornahm (Urk. 159
S. 129 f.).
- 128 -
4.3.2. Es ist an dieser Stelle namentlich nochmals festzustellen, dass die
Barbezüge von C._ in der Höhe von gesamthaft Fr. 253'970.– ab dem
CG._-Konto der T._ GmbH und von total Fr. 76'409.65 ab dem
P._-Konto der Firma AE._ gestützt auf die übereinstimmenden Aussa-
gen von B._, C._, AC._ und W._ und mittels Bankakten er-
stellt sind (Urk. 159 S. 130 ff.).
4.3.3. Ebenso ist erstellt, dass C._ die einzelnen Bargeldbezüge jeweils
an A._ übergab (mit Ausnahme von Fr. 60'000.– die sie an AC._ über-
gab, der sie wiederum an A._ weiterreichte), was teilweise von ihrem Ehe-
mann, teilweise von W._ und von AC._ direkt beobachtet worden ist
(Urk. ND 13/17 S. 29-33 [W._]; Urk. ND 13/14 S. 12 [AC._];
Urk. ND 13/29 S. 23 [B._]), so dass aufgrund der bestätigten Übergaben kei-
nerlei Zweifel verbleibt, dass auch jene Geldübergaben, bei welchen keine Dritt-
personen anwesend waren, wie von C._ glaubhaft geschildert erfolgten
(Urk. 159 131 - 139). Zudem stellt das von A._ zugegebene - der Anklage
gegen ihn zugrundeliegende - Vorgehen bezüglich der Rechnungstellung zuguns-
ten der DE._ GmbH und der von ihm veranlassten Bargeldbezüge von total
Fr. 47'916.40 durch BA._ (Geschäftsführer der DE._ GmbH) ab dem
Geschäftskonto, auf das die entsprechenden Hypothekarteilzahlungen erfolgt wa-
ren, sowie der anschliessenden Übergabe des Geldes bar auf die Hand an ihn
persönlich, resp. im Umfang von Fr. 20'000.– an AO._ und gestützt auf eine
entsprechende Anweisung von A._ zum Zwecke der Schuldentilgung (Prot. I
S. 84 und Urk. 133 S. 29), ein starkes Indiz dafür dar, dass das analoge Vorgehen
bezüglich der Firmen T._ GmbH und AE._ ebenfalls auf A._s Initia-
tive und Anweisung erfolgte, zumal er auch dort derjenige war, der direkt in den
Besitz der Barmittel kam. Hierzu sagte B._ aus, er habe sich nicht darum ge-
kümmert, wohin das Geld anschliessend gegangen sei, er habe auch nicht ge-
fragt, weil die Firma ja A._ gehört habe, denn er habe sie damals bereits
mündlich für Fr. 45'000.– an A._ verkauft gehabt, resp. diese seien ihm an
den Schulden bei A._ abgezogen worden, damit Letzterer die Firma habe
weiterführen können. Ihm sei es vor allem darum gegangen, seine Schulden ab-
zubauen (Urk. ND 13/29 S. 5 und S. 14 f.; Urk. 8/2 S. 12 ff.). Er, B._, habe
- 129 -
aber selbst Geld aus dem Hypothekarkredit an CR._ gegeben, um seine ei-
genen Schulden bei ihm zu begleichen, es habe sich um ca. Fr. 90'000.– bis
Fr. 110'000.– gehandelt (Urk. ND 13/29 S. 16, S. 23 und S. 26). Insgesamt ist da-
her für die rechtliche Würdigung davon auszugehen, dass A._ Bargeld in der
Höhe von Fr. 253'970.– ab dem CG._-Konto der T._ GmbH und in der
Höhe von Fr. 76'409.65 ab dem P._-Konto der Firma AE._ durch
C._ (resp. im Umfang von Fr. 60'000.– einmal durch AC._) übergeben
wurde und er dieses Geld nach eigenem Gutdünken verwendete, wobei B._
teilweise damit seine Schulden bei A._ abbauen konnte.
4.3.4. Auch bezüglich des Erstellens der fiktiven Rechnungen und der darauf
basierenden Leistungsabrechnungen zuhanden der kreditgebenden CH._
stützte sich die Vorinstanz auf die im Kern übereinstimmenden Aussagen von
B._ und W._ sowie von AC._, BA._ und AO._ (Urk. 159
S. 114-129, insb. S. 122 und 129). Dem ist - ebenfalls unter Hinweis auf das Ein-
geständnis von A._ hinsichtlich der fiktiven Rechnungen zugunsten der
DE._ GmbH - zuzustimmen. Ergänzend ist anzufügen, dass A._ auf
Vorhalt der Rechnungen der T._ GmbH einräumte, diese zu kennen. Als er
bei der T._ GmbH gearbeitet habe, habe er schon gesehen, wie die (sc.
W._ und B._) diese Rechnungen gemacht hätten. Er gab weiter an, bei-
de hätten solche Rechnungen erstellt und dann an die Bank verschickt
(Urk. ND 13/24 S. 29). Im Übrigen sagte er in dieser Einvernahme vor allem, die
ihm vorgehaltenen Aussagen von B._ und W._ stimmten nicht und be-
stritt, Entscheidungen in diesem Zusammenhang getroffen zu haben (Urk.
ND 13/24). Trotzdem beschrieb er, wie er die Papiere (sc. Leistungsabrechnun-
gen zuhanden der CH._) schon gesehen habe, als Frau W._ diese aus-
gefüllt habe und dass B._ sie informiert habe, wie sie diese Papiere ausfüllen
müsse. Er gab zudem konkret an, B._ habe ihr erklärt, welche Firma, welche
Arbeit und welcher Betrag habe geschrieben werden müssen (Urk. ND 13/24
S. 32). Er machte zudem geltend, er habe bei der T._ einfach gemacht, was
B._ ihm gesagt habe. Er habe immer zuerst B._ fragen müssen, der sei
sein Chef gewesen (Urk. ND 13/24 S. 36). Diese Aussagen sind namentlich vor
dem Hintergrund, dass A._ selbst, aber auch W._ und C._ über-
- 130 -
einstimmend aussagten, B._ habe vom Bauen nichts verstanden und
A._ habe ihm alles gesagt und ihn dabei unterstützt, völlig unglaubhaft. Dass
B._ wenig Ahnung von den Vorgängen hatte, ergibt sich auch aus seinen ei-
genen Aussagen, wonach er zum Beispiel nicht einmal angeben konnte, in wel-
cher Form resp. welcher Funktion die T._ GmbH das Haus in CA._ hät-
te bauen sollen und keinerlei Angaben zum eingesetzten Fremdkapital, den Si-
cherheiten und den erbrachten Leistungen machen konnte (Urk. ND 13/28 S. 4
ff.). B._ bestätigte, dass sie Rechnungen für die Heizung, die Kanalisation
etc. geschrieben hätten und verwies darauf, dass A._ ja gewusst habe, wann
er eine Rechnung habe schicken müssen und für was das gewesen wäre
(Urk. ND 13/28 S. 10). Zudem wurde erstellt, dass die T._ GmbH faktisch
von A._ geführt wurde und B._ nur die Belange seiner Sanitärfirma eini-
germassen selbständig handhabte (siehe oben 3. Teil B. I. 1.4, 2.1. und 4. sowie
Urk. 159 S. 37-48; Urk. ND 13/17 S. 7 f. [W._]). B._ schilderte lebens-
nah und detailreich, W._ und A._ hätten eine Art Plan gehabt, auf wel-
chem Firmen enthalten gewesen seien, an die habe gezahlt werden sollen und
dass jedes Mal, wenn es darum gegangen sei, vom GU-Konto Überweisungen zu
machen, A._ diesen Plan hervorgenommen habe und ihm dann gesagt habe,
er solle nun eine Rechnung im Namen der AE._ in einem bestimmten Betrag
schreiben (Urk. ND 13/29 S. 11). Diese Schilderung wird von W._ deckungs-
gleich, jedoch mit eigenen Worten, bestätigt (Urk. ND 13/17 S. 21 ff.) und stimmt -
abgesehen von der eigenen Beteiligung - im Kern sogar mit dem von A._
selbst angegebenen Geschehen überein. Die Bestreitung der eigenen Beteiligung
von A._ ist angesichts seines unzuverlässigen Aussageverhaltens und der
sonst im Wesentlichen übereinstimmenden Angaben als Schutzbehauptung zu
qualifizieren. Dasselbe gilt für den Einwand von B._, er habe die fraglichen
Rechnungen der T._ GmbH nie gesehen, damit hätten quasi nur A._
und W._ zu tun gehabt. Es erscheint aufgrund der übereinstimmenden Schil-
derungen, wie die Rechnungsstellung und das anschliessende Ausfüllen der Leis-
tungsabrechnungsformulare in den Büroräumlichkeiten der T._ GmbH in
CN._ abliefen, völlig unglaubhaft. Abgesehen davon ist aufgrund überein-
stimmender Aussagen der Beteiligten und der Bankakten erstellt, dass die Bau-
- 131 -
herrschaft, wozu auch B._ gehörte, die Leistungsabrechnungsformulare je-
weils zu Dritt unterzeichnete, so dass davon ausgegangen werden kann, dass er
die dazugehörigen Rechnungen auch gesehen hat, was von W._ glaubhaft
entsprechend bestätigt wurde (Urk. ND 13/17 S. 27). Dass die Leistungsabrech-
nungsformulare zwar teilweise, aber nicht immer, im Voraus blanko unterzeichnet
wurden, ergibt sich aus den übereinstimmenden Aussagen von AC._ und
W._ (Urk. ND 13/14 S. 2 f. [AC._]; Urk. ND 13/17 S. 26 f. [W._]),
womit ebenfalls erstellt ist, dass sie durchaus auch erst nach dem Ausfüllen von
der Bauherrschaft, zumindest jedoch von B._, unterzeichnet wurden.
Schliesslich ergibt sich aus B._s Aussage mit Bezug auf die Rechnungen der
T._ GmbH, wonach sie, also mehrere Personen, Rechnungen für die Hei-
zung, für die Kanalisation etc. geschrieben hätten (Urk. ND 13/28 S. 9 f.), dass er
selbst daran auch beteiligt war. Damit ist seine Bestreitung bezüglich seines Mit-
wirkens bei den Rechnungen der T._ GmbH als reine Schutzbehauptung zu
werten. Angesichts dieser Beweislage verbleibt kein Zweifel, dass die Erstellung
der Rechnungen für den Bau CA._ der Firmen T._ GmbH, AE._
und DE._ GmbH wie in der Anklage geschildert vonstatten ging. Das trifft
ebenso auf das Ausfüllen der Leistungsabrechnungen zuhanden der CH._,
deren Verbringen per Post oder durch Einwurf in den Briefkasten der Bank durch
B._, W._ und A._ zu (Urk. ND 13/17 S. 25 [W._];
Urk. ND13/28 S. 7 und ND 13/29 S. 13 [B._]; Urk. ND 13/24 S. 29 und 33
[A._]).
4.3.5. Erstellt ist somit auch, dass der A._ übergebene Bargeldbetrag
zumindest im Umfang der fiktiven Leistungsabrechnungen von insgesamt
Fr. 189'268.75 (Fr. 118'401.40 Rechnungen der T._ GmbH / Fr. 22'920.70
Rechnungen der AE._ / Fr. 47'946.65 Rechnungen der DE._ GmbH)
nicht für Leistungen am Hausbau in CA._ verwendet wurde, da die Rech-
nungen in diesem Umfang für nicht erbrachte Leistungen (welche in der Anklage-
schrift einzeln und detailliert aufgelistet sind; Urk. 61/8 S. 40-42; Urk. 62/9 S. 34-
35) ausgestellt worden waren. Von diesem Sachverhalt ging auch die Vorinstanz
aus, der darin im Wesentlichen gestützt auf die übereinstimmenden und sich
selbst nicht unerheblich belastenden und daher glaubhaften Aussagen von
- 132 -
B._ und W._ zu folgen ist (Urk. 159 S. 108-114, insb. S. 113 f. und Urk.
159 S. 130-139, insb. S. 138 f.).
4.4. Zweck des Grundstückkaufs und Bauprojektes AG._ CA._
4.4.1. a) C._ sagte in ihrer ersten polizeilichen Befragung wegen des
von ihr geleasten BMW X5 auf die Frage zu den finanziellen Verhältnissen aus,
sie habe von der eigenen Firma ein sehr unterschiedliches Einkommen, mal mehr
mal weniger. Sie hätten ein Haus in DJ._, das im Bau stehe und der Firma
gehöre. Es werde später verkauft. Sie selbst habe kein Vermögen (Urk. 6/1 S. 2).
Sie habe die Firma T._ GmbH gekauft, weil ihr Mann und A._ zusam-
men ein Haus hatten bauen wollen (Urk. 6/2 S. 3). Die Firma sei eine Immobilien
GmbH gewesen, verkaufen, bauen, das seien ihre Geschäfte gewesen, sie wisse
es aber nicht, sie kenne sich nicht aus (Urk. 6/2 S. 4). Weiter sagte sie zu diesem
Thema aus, ihr Ehemann habe sie angerufen und ihr gesagt, sie müssten eine
Firma von A._ kaufen. Damit könnten sie Häuser bauen und ihre Schulden
zurückzahlen. Sie sei zwar dagegen gewesen, aber trotzdem seien sie dann glei-
chentags zum Notar nach DJ._ gegangen, wo sie A._ und dessen Frau
getroffen und die Verträge unterschrieben hätten (Urk. 8/6 S. 8). Sie erläuterte
weiter, ihr Ehemann habe zu Beginn das Haus bauen und es dann verkaufen wol-
len. Später habe er es dann für seinen Bruder AC._ und dessen Ehefrau
AD._ bauen wollen. Sie selber habe gar kein Interesse daran gehabt
(Urk. 8/6 S. 20; Urk. ND 13/33 S. 3). Die Idee, mit der Firma T._ GmbH ein
Haus zu bauen, sei von A._ gekommen, der sich in solchen Sachen ausken-
ne. Sie und ihr Mann hätten darin keine Erfahrung. Ihr Mann habe ihr gegenüber
auch gesagt, er selbst habe kein Interesse an dem Haus. Das Interesse daran sei
von A._ gekommen, der auch den Entscheid getroffen habe, ein Grundstück
in CA._ zu kaufen (Urk. ND 13/33 S. 2 ff.). A._ habe die Absicht gehabt,
das Haus zu verkaufen, sie wisse nicht an wen, nur, dass dies sein Ziel gewesen
sei (Urk. ND 13/33 S. 3). Sie führte zudem aus, dass sie selbst sicher nie hätte
dort wohnen wollen und ihres Wissens weder AC._ noch AD._ ein Inte-
resse an dem Bauprojekt gezeigt hätten (Urk. ND 13/33 S. 4 f.). Sie habe aber
mitbekommen, wie ihr Mann seinen Bruder und AD._ gefragt habe, ob sie
- 133 -
ihm bei der Finanzierung dieses Hauses helfen würden. Ob AD._ und
AC._ aber dort hätten wohnen wollen, dazu könne sie nichts sagen
(Urk. ND 13/33 S. 5). Anlässlich der letzten Einvernahme bei der Staatsanwalt-
schaft sagte sie aus, dass ihr Mann damals das Schwimmbad von A._ ge-
kauft habe und ihr gesagt habe, er brauche die Firma T._ GmbH, um das
Schwimmbad zu bezahlen. Es sei geplant gewesen, mit der Firma im Baugewer-
be zu arbeiten, um dadurch so schnell wie möglich das Schwimmbad abzuzahlen
(Urk. 6/10 S. 2). Im Weiteren sagte C._ zu diesem Thema aus, Frau
W._ habe sie im Juni 2009 angerufen und ihr gesagt, sie solle zur Bank ge-
hen und nochmals Fr. 200'000.– holen und einfach sagen, dass noch eine Gara-
ge oder ein Schwimmbad gebaut würden. Sie sei sich sicher, dass dies mit
A._ abgesprochen gewesen sei. Sie habe es dann aber nicht gemacht und
habe ihren Ehemann angerufen, der im O._ gewesen sei (Urk. 8/6 S. 25).
b) Diese Aussagen werden namentlich von B._ bestätigt, der aussagte, er
habe wegen des Schwimmbades Schulden bei A._ gehabt und die einzige
Möglichkeit, diese abzuzahlen sei gewesen, für A._ zu arbeiten. Wegen sei-
nes Interesses, die Schulden abzuzahlen, habe er seinen Bruder AC._ und
seine Schwägerin AD._ überzeugt, bei dem Projekt mitzumachen. A._
habe ihm gesagt, dass er alleine das Haus nicht werde bauen können, da er es
alleine nicht finanzieren könne, weshalb er letztlich seinen Bruder und AD._
habe überzeugen müssen, bei dem Bau mitzumachen. Er habe aber seinem Bru-
der den wahren Grund nicht genannt, weil er dann vielleicht nicht mitgemacht hät-
te, so habe er ihm einfach erklärt, er wolle ein Haus bauen. Das Ziel sei ja ur-
sprünglich gewesen, das Haus zu bauen und dann zu verkaufen (Urk. ND 13/29
S. 3; Urk. 9/3 S. 6). B._ bestätigte zudem übereinstimmend mit seiner Ehe-
frau, dass er kein Interesse daran gehabt habe, dort zu wohnen, dies sei keine
Gegend für ihn (Urk. 8/2 S. 48). Die Idee zur Schuldentilgung über den Hausbau
in CA._ stamme von A._, der sie ihm vorgetragen gehabt habe, lange
bevor er jemals von ihm eine Firma übernommen habe. Im Zusammenhang mit
dem Schwimmbad habe A._ zu ihm gesagt, er solle ihm Fr. 140'000.– geben
und den Rest bei ihm abarbeiten. Später habe er dann den Vorschlag mit dem
Hausbau gemacht, über welchen er die Schulden hätte abarbeiten sollen, indem
- 134 -
er beispielsweise Sanitärarbeiten in CA._ erledigt und Rechnungen für seine
Arbeit geschrieben hätte, die von der Bank auf sein Konto bezahlt würden, wo er
es abheben und A._ geben würde. Das habe er auch gemacht
(Urk. ND 13/29 S. 4 f.). Auf wiederholte Frage bestätigte B._, es sei für ihn
wichtig gewesen, den Baukredit zu erhalten, damit er die Schulden bei A._
bezahlen könne. Für ihn sei das Haus nicht wichtig gewesen. Er schätze, es sei
ihm mit dem Hausbau gelungen, ca. Fr. 20'000.– bis 30'000.– an Schulden bei
A._ abzubauen. Er bekräftigte erneut, es sei A._s Idee gewesen, denn
dieser habe ja schon früher auf diese Weise Geld verdient (Urk. ND 13/29 S. 6).
B._ äusserte sich auch an weiteren Stellen im Zusammenhang mit dem Er-
werb der Firmen AA._ GmbH und AB._ Garage entsprechend (Urk. 4/3
S. 3; Urk. 4/5 S. 11 f.; Urk. 13/29 S. 10). Auf Vorhalt der Aussage von W._
bestätigte B._, dass die Firma T._ GmbH von Anfang an in den Konkurs
hatte getrieben werden sollen, machte aber geltend, er habe davon keine Ahnung
gehabt und es erst später gehört (Urk. 9/1 S. 10 f.).
c) AC._ räumte ein, sein Bruder B._ habe ihm gesagt, dass er das
Grundstück kaufen solle. B._ und A._, der seines Wissens das Grund-
stück gefunden habe, hätten alles abgewickelt und so habe er ein Grundstück ge-
kauft, ohne es vorher gesehen zu haben, weil er seinem Bruder vertraut habe, der
wiederum A._ vertraut und alles gemacht habe, was dieser gesagt habe
(Urk. ND 7/9 = ND 13/14 S. 1 f.). Damit übereinstimmend sagte er aus, sein Bru-
der sei im November oder Dezember 2008 zu ihm gekommen und habe ihn ge-
fragt, ob er ein Haus kaufen wolle, er baue zusammen mit A._ ein Haus.
Dieser habe das Bauland und auch alles andere organisiert und den Notar be-
sorgt. Er sei dann zusammen mit B._ und seiner Ehefrau zum Notar gegan-
gen, wohin sie A._ gefahren habe (Urk. 8/4 S. 7 f.). B._, teilweise zu-
sammen mit A._, habe die Formulare zu ihm nach Hause gebracht, wo er
und seine Frau sie unterschrieben hätten. Sie hätten B._ vertraut und alles
unterschrieben. Er und A._ hätten jeweils gesagt, es gehe ums Haus, wes-
halb er unterschrieben habe. B._ habe immer gesagt, A._ wisse schon,
was er mache und alles habe auch immer schnell gehen müssen (Urk. 8/4 S. 9 f.).
Er nehme an, A._ habe mit dem Geld aus der Hypothek seine Schulden be-
- 135 -
zahlt. Er habe überall Schulden. AC._ erwähnte in diesem Zusammenhang
ebenfalls ein Hotel, das A._ im O._ baue (Urk. 8/4 S. 12). Er habe erst
erkannt, dass mit dem Bau in CA._ etwas nicht stimme, als der Hausbau
noch nirgends gewesen sei und die Arbeiter nicht bezahlt worden seien. Da habe
er sich mit A._ getroffen, der zu ihm gesagt habe, dass man noch
Fr. 200'000.– herausholen könne. W._ habe ihn deswegen auch noch ange-
rufen. Da habe er aber nicht mehr mitgemacht (Urk. ND 13/14 S. 14; Urk. 8/4
S. 12).
d) W._ sagte eindeutig und widerspruchsfrei aus, dass B._ bei A._
wegen des Schwimmbadkaufs im O._ Schulden gehabt habe, weshalb er mit
A._ einen Deal abgeschlossen habe. A._ habe B._ gesagt, er wis-
se, wie B._ ihm die Schulden zurückzahlen könne. Daher sei die Firma
T._ GmbH an B._ verkauft worden und A._ habe B._ vorge-
schlagen, dass man Autos leasen und anschliessend verkaufen könne. B._
habe dann mitgemacht, er habe ja auch den Druck seiner Schulden gehabt
(Urk. 5/4 S. 5). Später bestätigte sie ihre Aussage und beschrieb, A._ habe
die Firma T._ GmbH eigentlich geführt, er habe deren Geschäfte gemacht
und die Ideen eingebracht, was mit der Firma zu tun sei. Auch habe er gesagt,
was bezüglich der Autos, der Häuser und der damit zusammenhängenden Hypo-
theken zu tun sei. Er habe das mit den Hypotheken, den Häusern und den Autos
gemacht (Urk. 5/11 S. 6). A._ habe auch diese Telefonate, bei denen es um
den Bau von Häusern gegangen sei, sich ausgebend als B._ gemacht, weil
dieser ja in den Belangen selbst keine Ahnung gehabt habe (Urk. 5/11 S. 9). Die
Finanzierung und die Zahlungen zum Projekt CA._ seien immer über
A._ gelaufen, d.h. er habe immer über die finanziellen Angelegenheiten in
CA._ Bescheid gewusst und er habe auch über die notwendigen Zahlungen
entschieden (Urk. 5/11 S. 17). W._ bestätigte sodann ausdrücklich, dass das
Geld aus dem Hypothekarkredit für das Bauprojekt AG._ CA._ an
A._ geflossen sei. Wofür genau er es verwendete, könne sie nicht sagen,
aber jedenfalls habe A._ das Geld aus der Hypothek für das Bauprojekt
CA._ in seine eigene Tasche gesteckt, das ihm zuvor von der Familie
B/C._ bar übergeben worden sei. Das Geld sei von C._ und / oder
- 136 -
B._ in Teilbeträgen von Fr. 30'000.–, einmal auch Fr. 70'000.– übergeben
worden, wobei sicher drei oder vier solche Übergaben stattgefunden hätten. Das
Geld sei jeweils in einem Couvert übergeben worden, dann habe es A._ ge-
zählt, wieder ins Couvert gesteckt und mit sich genommen. Teilweise sei es für
den Bau in BB._ aufgewendet worden, teilweise seien auch Autos damit fi-
nanziert worden, wo eine Anzahlung nötig gewesen sei. Bezüglich der weiteren
Verwendung dieses Geldes verwies W._ darauf, A._ habe Schulden
und zudem ein Projekt im O._ - den Bau eines Hotels - am Laufen gehabt
(Urk. 5/11 S. 20 f. und S. 33 ff.; Urk. 5/13 S. 8; Urk. 8/13 S. 13 f.). Weiter sagte sie
aus, A._ habe jeweils B._ aufgefordert, nachzusehen, ob auf dem Konto
der T._ CA._ Geld angekommen sei und habe ihm dann gesagt, er solle
das Geld von diesem Konto abheben und ihm bringen. Die Geldübergabe habe
sie mit eigenen Augen gesehen, auch dass C._ Bargeld an A._ überge-
ben habe (Urk. 5/11 S. 29 ff.). Es sei richtig, dass immer Geld in die Firma geflos-
sen sei, die Rechnungen aber nicht mehr bezahlt worden seien, sondern A._
das Geld für andere Sachen, zum Beispiel die AB._ Garage AG, verwendete
(Urk. 8/13 S. 14). W._ sagte jedoch auch schon früh aus, es sei offenbar
zwischen B._ und A._ abgemacht gewesen, dass man die Firma
T._ GmbH in den Konkurs treibe, was sie später von B._ erfahren habe.
Es sei die Idee gewesen, dass B._ damit seine Schulden bei A._ be-
gleichen könne. A._ sei offensichtlich ein Spezialist, wenn es darum gehe,
Firmen in den Konkurs zu treiben (Urk. 5/3 S. 8). Sie wisse aber nicht, wie die
beiden bei diesem Konkurs hatten vorgehen wollen (Urk. 5/11 S. 14). Jedenfalls
habe sie daraus, was B._ und A._ miteinander besprachen, herausge-
hört, dass B._ die Firma am Schluss hätte verkaufen sollen und dass dies
ein Deal zwischen ihnen gewesen sei, auf die Idee von A._ hin, der zu
B._ gesagt habe, er kenne sich ja damit aus, Firmen in den Konkurs zu trei-
ben (Urk. 9/1 S. 8 f.). Jedenfalls seien die Rechnungen der Firma am Anfang be-
zahlt worden, später - so ab Januar / Februar 2009 - aber nicht mehr, weil das
Geld für andere Zwecke verwendet worden sei. A._ sei es gewesen, der das
Geld der T._ GmbH eingesteckt habe (Urk. 5/11 S. 15 f.; Urk. 8/13 S. 6 f.).
- 137 -
e) AO._ bestätigte die Aussage von W._ in der Konfrontations-
einvernahme mit A._, wonach dieser in der Nähe von CQ._ begonnen
habe ein Hotel zu bauen (Urk. 8/9 S. 16). Überdies sagte er aus, A._ habe
ihm gesagt, die Liegenschaft in CA._ gehöre ihm. Es habe sich dann aber
herausgestellt, dass dies nicht stimme, da AC._ ihm die Liegenschaft zum
Kauf angeboten habe (Urk. 8/9 S. 16).
f) Selbst A._ gab anlässlich der Hauptverhandlung zu, er habe die T._
GmbH gegründet, um in CA._ mit einer als Architekturbüro erscheinenden
Firma des besseren Images wegen für diverse Interessenten (Häuser) zu bauen
und weil er gesehen habe, dass es bei der S._ eng geworden sei (Prot. I
S. 49). Zudem hatte er schon früher eingeräumt, dass T._ für A._ stehe
(Urk. 8/2 S. 14 f.).
4.4.2. Aus den übereinstimmenden Aussagen von C._, ihrem Ehemann
und W._, die mit ihnen weder verwandt noch befreundet ist und auf deren
Aussagen weitgehend abgestellt werden kann, da diese wiederum durch die in
den Akten liegenden Dokumente gedeckt werden (siehe oben 3. Teil B. I. 6.),
ergibt sich ohne Zweifel, dass der Verkauf der Firma T._ GmbH an C._
und der Grundstückskauf mit Bauprojekt CA._ einzig zu dem Zweck erfolg-
ten, grosse Mengen an (Bar-)Geld von der kreditgebenden Bank erhältlich zu ma-
chen, um damit die Schulden von B._ aus dem Schwimmbadkauf bei
A._ zu tilgen (wovon auch die Vorinstanz ausging; Urk. 159 S. 60) und dar-
über hinaus A._ Barvermögen zufliessen zu lassen, mit welchem dieser ei-
gene Bedürfnisse befriedigen konnte. Das Interesse lag jedenfalls nicht in der Er-
stellung des geplanten Einfamilienhauses und der Rückzahlung des von der
CH._ gewährten Hypothekarkredites, sondern unter anderem in der Erstel-
lung eines Hotels in CQ._ / O._ durch A._. Insbesondere ergibt
sich aus den frühen Aussagen von B._ zum Vorschlag A._s bezüglich
der Schuldentilgung via Hausbau und dessen späterer Idee, zu diesem Zwecke
solle er die T._ GmbH von ihm kaufen, eindeutig, dass beide Beschuldigte
spätestens im Zeitpunkt der Übernahme der Firma T._ GmbH durch C._
am 18. August 2008 bereits miteinander vereinbart und besprochen hatten, zum
- 138 -
Zwecke der Schuldentilgung mit der Firma T._ GmbH als Generalunterneh-
merin ein Haus zu bauen und die Hypothekarleistungen für ihre eigenen Zwecke
zu verwenden. B._ schilderte ja den Plan mit dem Rechnungen-Schreiben
und dass die Bank dann das Geld auf sein Konto bezahlen und er dieses abhe-
ben und A._ geben würde augenfällig identisch mit dem nachher durchge-
führten Prozedere (siehe vorstehende lit. b). Er räumte zudem ein, seinem Bruder
nicht alles gesagt zu haben, da er sonst womöglich nicht mitgemacht hätte. Auch
dies stellt ein Indiz dafür dar, dass B._ ganz genau wusste, dass die Umset-
zung des gemeinsamen Planes von ihm und A._ nicht rechtens bzw. richtig
war. Dass der Kauf der Firma T._ GmbH für C._ völlig unvorbereitet
noch am gleichen Tag stattfand, wie ihr Mann ihr dies mitteilte, lässt den Schluss
zu, dass es A._ und B._ nun mit der Umsetzung eilte, nachdem
A._ am 11. August 2008 bereits die Reservationszahlung von Fr. 2'500.– an
die Verkäuferin des Grundstücks geleistet hatte. Ausserdem ergibt sich aus dem
zeitlichen Zusammenhang mit den ersten beiden Leasingverträgen (ND 11 und
3), dass B._ und A._ bereits bei der Planung der bereitzustellenden Ei-
genmittel befasst waren, denn der Preis für das Grundstück war ja bereits be-
kannt (siehe Tabelle). Dies wird gestützt durch den Umstand, dass C._ an-
geblich für den Hausbau ihrem Ehemann Fr. 42'500.– von ihrem Konto und
Fr. 30'000.– aus einem Kredit bereits im April 2008 übergab, so dass der Schluss
gezogen werden muss, dass von A._ und B._ schon im damaligen Zeit-
punkt konkret der Bau eines Hauses ein Thema war. Es ist zudem erstellt - wie
nachfolgend noch zu zeigen sein wird - dass das Eigenkapital für das Bauprojekt
CA._ über den Verkauf der Leasingfahrzeuge erlangt werden sollte (Urk. 133
S. 31 f. und nachfolgende Erwägungen zu ND 3 [3. Teil D. I. 4.10.] und ND 11 [3.
Teil E. I. 4.2.1.-4.2.5.]). Die Aussagen von C._, B._, AC._ und
A._ selbst lassen eindeutig erkennen, dass das geplante Haus von Anfang
an verkauft und weder von der Familie B._ noch von derjenigen seines Bru-
ders selbst bewohnt werden sollte. Anders ist es nicht zu erklären, dass
AC._ - gemäss glaubhaften Aussagen - ein Grundstück mitfinanzieren half,
das er gar nie sah. Zudem hatten weder er noch seine Frau irgendein Interesse
an dem Grundstück gezeigt. Die Aussagen von AC._, wonach er seinem
- 139 -
Bruder habe helfen wollen, sind durchaus glaubhaft, auch wenn angesichts sämt-
licher Umstände, namentlich der diversen Treffen - auch mit A._ - und dem
Verkauf der geleasten Autos, bei welchen AC._ dabei war oder von dessen
Verkauf er wusste (ND 3 und 11), davon ausgegangen werden muss, dass er
über Einzelheiten weitaus besser informiert war, als er angab, was aus Gründen
des Selbstschutzes und um seinen Bruder nicht zu belasten durchaus nachvoll-
ziehbar ist. Aus dem Ablauf und den Aussagen, wie es zum Grundstückkauf und
dem diesbezüglichen Hypothekarkredit kam, ergibt sich zudem eindeutig, dass
A._ die treibende Kraft hinter dem Projekt war und er zweifellos B._, der
in diesen Dingen unbestrittenermassen völlig unerfahren war, davon überzeugt
hatte, auf diese Weise das grosse Geld zu machen und seine Schulden los zu
werden. Angesichts der Konkurse der Firmen R._ und S._ von A._
(siehe oben 3. Teil A. II. 4.3.2.) erweisen sich die Aussagen von B._ und
W._ hinsichtlich des Ziels, die überschuldete Firma T._ GmbH am
Schluss Konkurs gehen zu lassen, ebenfalls als durchaus glaubhaft. Das wird zu-
dem durch die Aussagen unterstrichen, wonach W._ und A._ im Früh-
ling 2009 versuchten, C._ und AC._ dazu zu bringen, "nochmals
Fr. 200'000.– herauszuholen", obwohl allen Beteiligten aufgrund der unbestritte-
nen Reklamationen der Lieferanten und Handwerker bereits klar war, dass diver-
se Rechnungen von Material und Arbeit für den Bau noch nicht bezahlt waren,
weil das Geld dazu anderweitig verwendet worden und darüber hinaus kein Geld
mehr vorhanden war. Entsprechend hielt auch die Vorinstanz fest, dass die zwei
Konkurs gegangenen Firmen von A._, R._ und S._, ein Indiz dafür
darstellen, dass die Firma T._ GmbH für andere Zwecke gegründet worden
sei (Urk. 159 S. 39), was hiermit bestätigt wird. Aufgrund der finanziellen Situation
des Beschuldigten A._ im Sommer / Herbst 2008 mit den konkursiten Firmen
und hängigen Betreibungs- bzw. Pfändungsverfahren (siehe dazu oben 3. Teil A.
II. 4.3.3.) drängt sich zwingend der Schluss auf, dass A._ unter Mithilfe von
B._ dessen Frau C._ als "pro forma"-Geschäftsführerin der T._
GmbH vorschob, um Aussenstehende, namentlich Banken, darüber zu täuschen,
dass effektiv er die Geschäfte der Firma weiterhin führte, gegen welche als bisher
- 140 -
inaktive Firma keine Betreibungen vorlagen, genauso wenig wie gegen C._
selbst, und dies ganz im Gegensatz zu seiner eigenen Situation.
4.4.3. Der von der Anklage bezüglich des Hypothekarkreditbetruges geschil-
derte Sachverhalt (Urk. 61/8 Ziffer X. und Urk. 62/9 Ziffer IX.) ist somit erstellt und
der rechtlichen Würdigung zugrunde zu legen.
4.5. Übergabe von Fr. 80'000.– an W._
4.5.1. Die Vorinstanz beurteilte die Aussagen von W._ als sehr glaub-
haft, da sie ihre Angaben in weiteren Einvernahmen ohne erkennbare Widersprü-
che bestätigt habe und sich ihre Aussagen mit den erstellten Barbezügen durch
C._ im Betrage von Fr. 46'690.– und Fr. 33'000.– nur wenige Tage vor der
Bargeldübergabe von Fr. 80'000.– am 29. Januar 2009 von A._ an W._
deckten. Da zudem die Investition dieses Betrages in den Erwerb der Liegen-
schaft BB._ durch die Eheleute W/CO._ mittels Bankbelegen erhärtet
sei, hielt die Vorinstanz fest, dass der angeklagte Sachverhalt erstellt sei
(Urk. 159 S. 140-142).
4.5.2. Ergänzend ist festzuhalten, dass die entsprechenden widerspruchs-
freien Aussagen von W._ und ihr diesbezügliches Geständnis (Urk. 5/10
S. 11; Urk. EIZ 5/1 S. 2 ff.; Urk. 5/13 S. 8 ff. und S. 22 ff.) im anfänglich auch ge-
gen sie selbst geführten und nachträglich abgetrennten Strafverfahren zu ihrer
rechtskräftigen Verurteilung führten (Urk. 67/17).
4.5.3. W._ sagte zu den Fr. 80'000.– und einer allfälligen Rückzahlung
an A._ aus, das sei kein Thema gewesen. A._ hätte dann einfach das
Geld wieder aus der Hypothek erhalten, welche sie und ihr Ehemann für ihr Bau-
projekt in BB._ erhalten hätten. Diese Hypothek sei ja dann aber zum Glück
von der CH._ ... gestoppt worden. Das Grundstück sei nur erschlossen wor-
den und diese Kosten in der Höhe von ca. Fr. 14'000.– seien aus dem Baukonto
der CH._ bezahlt worden (Urk. ND 13/19 S. 3).
4.5.4. a) Ausserdem werden die Aussagen auch von B._ bestätigt, wel-
cher auf die Frage, wohin das Geld aus dem Hypothekarkredit geflossen sei,
- 141 -
spontan BA._, W._ und AO._ bezeichnete (Urk. ND 13/29 S. 9).
Bezüglich W._ wurde B._ noch deutlicher und sagte explizit aus, dass
der Betrag von Fr. 80'000.– gestützt auf eine Leistungsabrechnung vom 6. April
2009 an sie gegangen sei, damit sie dieses Geld für das Haus, das von ihr gebaut
werden sollte, verwende (Urk. ND 13/29 S. 22).
b) Die von B._ genannte Leistungsabrechnung weist Leistungen im Umfang
von Fr. 80'359.85 zulasten der T._ GmbH aus (Urk. ND 13/34/4 [Zahlungs-
auftragsformular CH._ ... mit "Gebucht"-Stempel vom 8. April 2009]). Ge-
mäss edierten Bankunterlagen überwies die CH._ ... per 8. April 2009 ent-
sprechend dieser Leistungsabrechnung Fr. 60'215.40 auf das CG._-Konto
der T._ GmbH, Fr. 20'030.– an die DE._ GmbH und Fr. 114.20 an die
DK._ (Urk. ND 13/34/3 S. 3; Urk. ND 13/34/6). C._ bezog gleichentags
ab dem CG._-Konto den Barbetrag von Fr. 60'000.– und weitere Fr. 26'520.–
am 21. April 2009 nach einer Gutschrift seitens der CH._ über Fr. 26'320.20
(Urk. ND 13/34/6).
c) Die Aussagen von B._ decken sich nur scheinbar nicht mit den vor-
instanzlichen Feststellungen. Aufgrund der glaubhaften Aussagen von W._
ist davon auszugehen, dass der Bargeldbetrag wie von der Vorinstanz dargelegt
am 29. Januar 2009 übergeben und gleichentags von W._ auf ihr DL._
Privatkonto eingezahlt wurde (Urk. EIZ 3 S. 67 f.). Das Bargeld kann daher nicht
aus der Vergütung der von B._ genannten Leistungsabrechnung vom 6. April
2009 stammen. Da jedoch der Kredit der CH._ ... für das Bauprojekt
BB._ gestoppt wurde und die erste und einzige Zahlung aus dem Baukredit
in der Höhe von Fr. 53'000.– am 7. April 2009 erfolgt war (Urk. EIZ 3 S. 64),
drängt sich der Schluss geradezu auf, dass die Fr. 80'000.– gestützt auf frühere
Leistungsabrechnungen und entsprechende Bargeldbezüge ab dem Konto der
T._ GmbH zusammen gekommen sind. Aus den Akten des akzessorischen
Einziehungsverfahrens ergibt sich folgendes: Unmittelbar vor der Einzahlung der
Fr. 80'000.– am 29. Januar 2009 hob C._ am 27. Januar 2009 Fr. 33'000.–
und am 23. Januar 2009 Fr. 46'680.– (zusammen Fr. 76'680.–) vom CG._-
Konto der T._ GmbH ab, nachdem B._ bereits am 30. Dezember 2008
- 142 -
Fr. 60'000.– bar ab demselben Konto bezogen hatte (Urk. EIZ 4/5 [Geldmittelflüs-
se]). Zudem gab A._ zu, die am 22. Januar 2009 an die DE._ GmbH
Fr. 24'700.– in bar von BA._ zurück erhalten zu haben. Somit ist aufgrund
dieses Beweisergebnisses die Aussage von W._ ohne weiteres untermauert,
abgesehen davon, dass es an der Glaubhaftigkeit ihrer diesbezüglich sich selbst
erheblich belastenden Aussagen keinerlei Zweifel gibt. Die Aussage von B._
ist vielmehr im Zusammenhang mit dem geplanten Rückfluss dieses Betrages an
A._ zu sehen. Dass ein solcher Rückfluss an A._ aus einer Hypothek
vorgesehen war, sagten B._ und W._ übereinstimmend und glaubhaft
aus. Ihre diesbezüglichen Aussagen werden zudem gestützt durch die Bankunter-
lagen, wonach sich der Betrag von Fr. 80'000.– ohne weiteres aus dem Barbezug
von Fr. 60'000.– ab dem CG._-Konto der T._ GmbH plus der
Fr. 20'000.– aus der Rückzahlung resp. der Weitergabe dieses Betrages durch
BA._ an AO._ ergibt. Damit erweist sich als erstellt, dass der von
W._ auf ihr DL._ Konto einbezahlte Betrag von Fr. 80'000.– aus dem
Hypothekarkredit für das Bauprojekt "AG._" CA._ stammte.
4.5.5. Mit dieser Ergänzung kann somit der vorinstanzlichen Sachverhaltser-
stellung gefolgt werden. Der unter Ziffer X. in der Anklage gegen A._
(Urk. 61/8) und - damit identisch (mit Ausnahme der Rechnungen der DE._
GmbH und des Geldwäschereivorwurfs) - unter Ziffer IX. in der Anklage gegen
B._ aufgeführte Sachverhalt ist damit erstellt, wovon für die rechtliche Würdi-
gung auszugehen ist.
4.6. Kenntnisstand betreffend Geschäftsführung von C._
4.6.1. Nach eigenen Angaben, die unbestritten blieben, hatte die Beschuldig-
te C._ keinerlei Erfahrung im Führen eines Geschäftes wie der T._
GmbH im Bereiche Bau, als sie diese übernahm, um ihrem Mann zu helfen, der
angeblich selbst neben seinen Firmen keine weitere Firma haben sollte (Urk. 6/2
S. 3; Urk. 6/4 S. 10; Urk. 6/10 S. 3; Urk. 8/6 S. 8). Die T._ GmbH habe sie
auf Bitten ihres Ehemannes lediglich pro forma "auf dem Papier" übernommen
und sie habe sich nicht um die geschäftlichen Belange gekümmert (z.B.
Urk. ND13/33 S. 10), bzw. solche nur auf Anweisung ihres Ehemannes oder von
- 143 -
A._ erledigt, keine Handlungen hinterfragt und letztlich vollumfänglich ihrem
Ehemann vertraut, von dem sie gewusst habe, dass dieser wiederum A._
vertraute und machte, was dieser ihm sagte (Urk. ND 13/33 S. 14, 18 f.). Sie habe
die Schule teils in der Schweiz, teils im O._ abgeschlossen, habe aber keine
Ausbildung anfangen können. Nachdem sie mit ihrem Ehemann in die Schweiz
gekommen sei, habe sie zuerst als Reinigungskraft gearbeitet, damit aber aufge-
hört, als sie mit ihrem Sohn, der am tt.mm.2008 geboren wurde, im zweiten Monat
schwanger gewesen sei. Seither sei sie Mutter und Hausfrau (Urk. 6/2 S. 2). Sie
habe nach einer längeren Mutterschaftspause als Verkäuferin im DM._ gear-
beitet (Urk. 6/4 S. 11; Urk. 6/10 S. 3 und Prot. I S. 13 ff.). Die Beschuldigte
C._ gibt weiter an, nie gewusst zu haben, was in der Firma gemacht worden
sei, sie habe auch nie irgendwelche Arbeiten für die Firma beschafft, da sie gar
nicht wisse, wie das geht. Die Buchhaltung habe Frau W._ gemacht und die
Geschäftsunterlagen seien in Zürich-... in einem Büro gewesen, weshalb wisse
sie nicht (Urk. 6/2 S. 4, S. 6; Urk. 6/4 S. 12). Die Buchhaltungsunterlagen habe sie
nie bekommen und auch vor der Übernahme der Firma nicht eingesehen. Sie ha-
be daher nicht gewusst, ob die Firma gewinnbringend gewesen sei oder ob sie
Schulden bzw. Betreibungen gehabt habe. Sie habe sich nie danach erkundigt,
wie es um die Firma gestanden habe, sie habe nur ihrem Ehemann vertraut
(Urk. 6/4 S. 14; Urk. 6/10 S. 3). Sie sagte zudem aus, nicht gewusst zu haben,
wer in ihrer Firma welche Tätigkeiten ausführte. Sie habe nur gewusst, dass Herr
A._ der Boss gewesen sei (Urk. 6/4 S. 13).
4.6.2. Ihre Aussagen zur ihrer nicht bestehenden Tätigkeit im Büro der
T._ GmbH werden durch die Akten und die Aussagen von B._ und
AC._, W._, A._ sowie von CP._ bestätigt (Urk. 8/2 S. 16;
Urk. 5/5 S. 3; Urk. 4/5 S. 6; Urk. 7/11/5 S. 5 ff.). Auch ist, wovon offenbar auch die
Vorinstanz ausging (Urk. 159 S. 288 i.V.m. S. 132 f.), aufgrund der entsprechen-
den glaubhaften Aussagen von C._ erstellt, dass sie die Firma T._
GmbH ohne jegliche Kenntnisse über die Geschäftsführung übernahm. Aufgrund
ihrer Zugaben und den Akten ist ebenfalls erstellt, dass sie diverse Unterschriften
für die T._ GmbH im Zusammenhang mit Bankkontoeröffnungen, Verträgen,
Rechnungen etc. leistete, ohne über die Vorgänge informiert zu sein, teilweise
- 144 -
ohne gelesen zu haben, was genau sie unterzeichnete und ohne je eine Quittung
zu verlangen, weil ihr Mann ihr gesagt habe, sie solle das sein lassen (z.B.
Urk. ND 13/33 S. 13 f., S. 15, 27). Diese Aussagen werden zudem gestützt durch
gleichlautende Aussagen von W._ und B._ (Urk. 5/5 S. 2 f. und S. 11;
Urk. 8/1 S. 14; Urk. ND 13/17 S. 10 [W._]; Urk. 4/3 S. 9 [B._]).
4.6.3. C._ hob insgesamt Fr. 330'379.65 an Bargeld zulasten der
T._ GmbH ab, das aus dem Hypothekarkredit auf das Konto der T._
GmbH bei der CG._ und auf ihres bei der P._ geflossen war und über-
gab es anschliessend an A._ (siehe oben 3. Teil C. I. 4.3., insb. 4.3.2. -
4.3.3.). Dass solche Transaktionen kein übliches Geschäftsgebaren darstellen,
musste ihr klar gewesen sein. So räumte sie denn auch ein, dass sie versucht
habe, die Bargeldübergaben zu verweigern und Anzeige zu erstatten, jedoch dem
Flehen ihres Ehemannes nachgegeben habe und hinsichtlich der Anzeige keine
Unterstützung, insbesondere keine Beweise, gehabt habe (Urk. 6/10 S. 14 f.). Sie
führte auch aus, ihren Ehemann auf die Autos aus den Leasingverträgen ange-
sprochen zu haben, jedoch nie richtige Antworten erhalten zu haben und nach-
dem sie im März (sc. 2009) bemerkt habe, dass ihr Mann alles Geld, auch das
Mutterschaftsgeld von ca. Fr. 10'000.– genommen und A._ gegeben habe,
sei sie ausgeflippt und habe die Gütertrennung gewollt und dass er die Firma
übernimmt, weil er alles Vermögen vernichtet habe (Urk. 6/4 S. 15; Urk. 6/10
S. 4). Auch habe sie Angst bekommen, als fremde Leute wegen Geschäftlichem
zu ihr privat nach Hause gekommen seien (Urk. 6/4 S. 14; Urk. 6/10 S. 3; Urk. 8/6
S. 16 f.). In der Folge sei sie dann im März 2009 mit ihrem Ehemann zum Notar in
DJ._ gegangen, um den Ehevertrag auf Gütertrennung notariell beurkunden
zu lassen (Urk. 6/4 S. 14; Urk. 8/6 S. 11). Dies wird einerseits durch die öffentli-
che Urkunde vom 31. März 2009 (Urk. 49/13) und andererseits durch die Aussa-
gen von W._ bestätigt, wonach C._ mit ihrem Ehemann Stress gehabt
habe, weil sie das Vertrauen in ihn verloren habe (Urk. 8/1 S. 14). Die Aussagen
von C._, wonach sie zunächst im Vertrauen in ihren Ehemann handelte und
die ihr vorgelegten Verträge unterschrieb und erst ca. im März 2009 das Vertrau-
en in ihren Ehemann verloren habe, sind glaubhaft und im Kontext nachvollzieh-
bar. Sie werden im Übrigen durch entsprechende Handlungen wie die Errichtung
- 145 -
der Gütertrennung und die Übertragung der Firma T._ GmbH am 26. März
2009 an ihren Ehemann B._ (Urk. 1/6-7; Urk. 6/10 S. 3 f.) bekräftigt, was sie
umso glaubhafter machen.
Im Übrigen kann diesbezüglich auch auf die Erwägungen unter dem 3. Teil B. I.
4.2. verwiesen werden.
4.7. Finanzielle Situation der Firma T._ GmbH / Misswirtschaft
4.7.1. Bezüglich der in der Anklageschrift dargelegten Details zum Abschluss
und den Verpflichtungen der T._ GmbH aus dem Werkvertrag mit der Bau-
herrschaft B._ (Bauprojekt CA._) und zu den gestützt auf die Rechnun-
gen der T._ GmbH ausgelösten Hypothekarteilzahlungen von insgesamt
Fr. 254'030.95 auf das CG._-Konto und von Fr. 76'433.55 auf das
CH._-GU-Konto, wovon die Beschuldigte C._ insgesamt Fr. 253'970.–
bzw. Fr. 76'409.65 bar bezog und an A._ übergab, sowie zu den beiden Lea-
singverträgen der T._ GmbH betreffend einen BMW X5 und einen Nissan
Cabstar gilt es vorab festzustellen, dass diese Details samt und sonders erstellt
sind.
4.7.2. a) C._ sagte wiederholt aus, sie sei davon ausgegangen, dass
von dem Bargeld, das sie A._ jeweils übergab, Material und Löhne der Arbei-
ter für das Haus in CA._ bezahlt würden (Urk. ND 13/33 S. 9, 12, 17; 21 ff. ).
Auch sagte sie - was aufgrund ihrer übrigen sich als glaubhaft herausgestellten
Aussagen ebenfalls glaubhaft erscheint - aus, sie habe nie im Leben solche Kon-
toauszüge der CG._ vom Konto der T._ nach Hause geschickt bekom-
men (Urk. ND 13/33 S. 11). Als Leute zu ihr nach Hause gekommen seien, die ihr
Geld für Arbeiten auf der Baustelle in CA._ hätten haben wollen und die sie
auch bedroht hätten, habe sie - das sei im Januar oder Februar 2009 gewesen -
Verdacht geschöpft, dass etwas nicht stimmen könne (Urk. ND 13/33 S. 29).
b) Ähnliches wird von W._ geschildert, die angab, so etwa im Februar 2009
hätten die Kunden angefangen anzurufen und nach dem Geld zu fragen und da
habe sie gemerkt, dass etwas mit der T._ nicht stimme (Urk. 5/4 S. 7).
- 146 -
c) B._ sagte zur finanziellen Situation der T._ GmbH aus, sie sei im
Zeitpunkt des Kaufs von A._s (sc. 18. August 2008) stillgelegt gewesen, d.h.
mit ihr sei noch nie gearbeitet worden (Urk. 8/2 S. 13). Die T._ GmbH habe
auch über kein Geld verfügt; jedenfalls sei die Firma ohne Fr. 20'000.– drin an ihn
übergeben worden (Urk. 4/5 S. 3). Am 10. November 2008 (Leasing Nissan Cab-
star; ND 7) habe die Firma nicht über die erforderlichen liquiden Mittel verfügt, um
die Anzahlung von Fr. 13'000.– für den Nissan leisten zu können. Daher sei vor-
gesehen gewesen, dass A._ die Leasingraten hätte bezahlen sollen. Es sei
ja auch die Post umgeleitet gewesen nach BB._, so dass er auch nie Mah-
nungen gesehen habe. Die Post sei wegen des Hausbaus in CA._ zu
A._ umgeleitet gewesen, da A._ keine Zeit gehabt habe, zu ihm zu
kommen, wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gegeben habe. A._ habe
ihm erklärt, er sage ihm dann schon, wenn es etwas Interessantes gäbe. Ausser-
dem sei er selbst ja nicht immer hier gewesen (Urk. 4/6 S. 6 f.).
d) Dem Auszug aus dem Betreibungsregister des Betreibungsamtes Männedorf
vom 7. November 2011 über die T._ GmbH für die Periode vom 1. Septem-
ber 2008 bis 7. November 2009 ist zu entnehmen, dass am 27. Februar 2009 eine
erste Betreibung über Fr. 1'498.45 von der SVA eingeleitet wurde, jedoch im März
2009 dann namhafte Betreibungen der DN._ AG über Fr. 32'471.85 und der
D._ AG über Fr. 69'746.50 folgten und jedenfalls Ende März 2009 bereits 7
offene Betreibungen über eine Gesamtsumme von Fr. 113'638.45 registriert wa-
ren (Urk. 1/8 S. 2). Mit dem Betreibungsauszug stimmt auch die Kreditauskunft
der Creditreform an die CT._ vom 4. Juni 2009 überein, wonach zulasten der
T._ GmbH im Jahre 2009 bis dato 9 Betreibungen in der Höhe von gesamt-
haft Fr. 275'297.– verzeichnet waren (ND 7/5/30).
e) Diesen Betreibungen stand jedoch kein entsprechendes liquides Vermögen der
T._ GmbH gegenüber, wie sich aus den edierten Bankakten ergibt:
Mit Ausnahme der Gutschrift von Fr. 31'900.– vom Baukonsortium AG._ vom
9. Dezember 2008 wurde das Baukonto 1... der CH._ ... nach dem Erwerb
des Grundstückes und bis zum 20. April 2009, ab welchem die Hypothekarteilzah-
lungen erfolgten, ausschliesslich aus der gewährten Hypothek der Bank mit ins-
- 147 -
gesamt Fr. 673'000.– alimentiert (Urk. EIZ 25/36 S. 1 und 2; Urk. EIZ 25/38 S. 1
und 2 sowie Urk. 25/33 S. 1), wobei durch die Auszahlung der Hypothek im Um-
fang von Fr. 32'000.– am 17. April 2009 die gewährte Kreditlimite von
Fr. 705'000.– ausgeschöpft wurde (Urk. EIZ 25/38 S. 2 und Urk. EIZ 25/34 Basis-
kreditvertrag).
Das Konto der T._ GmbH bei der P._ ... wies einen Anfangssaldo von
Fr. 0.–, einen Schlusssaldo am 31. Dezember 2008 von minus Fr. 15.– und am
30. April 2009 einen Schlusssaldo von Fr. 9.95 auf (Urk. EIZ 21/21).
Das Kontokorrentkonto der Firma T._ GmbH bei der CG._ verzeichnete
ab der Eröffnung am 1. Oktober 2008 jeweils Ende Monat einen Saldo von
Fr. 12.01 (Dezember 2008), Fr. 12.01 (Januar 2009), Fr. 1.86 (Februar 2009), mi-
nus Fr. 12.87 (März 2009) und Fr. 2.73 (April 2009), obwohl in dieser Zeit insge-
samt Fr. 413'030.95 an Vergütungen eingingen, jedoch unmittelbar nach Eingang
bei der CG._ BF._ bar bezogen wurden (Urk. EIZ 19/18).
f) Die edierten Bankunterlagen bestätigen demnach die Aussagen von B._
zur finanziellen Situation der Firma T._ GmbH, wovon für die rechtliche Wür-
digung auszugehen ist. Allerdings ist festzuhalten, dass C._ gemäss den
edierten Bankunterlagen, insbesondere auch der Kopie ihres Personalausweises,
der zur Identifikation zu den Akten genommen worden war, noch am 9. April 2009
Fr. 60'000.– abhob (Urk. 19/20/1.3), obwohl sie doch gemäss eigenen Angaben
bereits im Januar oder Februar 2009 Verdacht geschöpft hatte, dass etwas nicht
stimmt. Ebenso ist die entsprechende Aussage von W._ mit Vorbehalt zu
würdigen, da sie am 24. Februar 2009 (zusammen mit ihrem Ehemann) das
Grundstück in BB._ kaufte, mithin als sie schon bemerkt hatte, dass etwas
nicht stimmt. Aufgrund der gesamten Umstände, namentlich der Art und Weise
der Finanzierung des Bauprojektes BB._ und der engen Verknüpfung von
W._ in das Geschehen betreffend Rechnungstellung zuhanden der
CH._ für das Bauprojekt CA._, ist davon auszugehen, dass W._ im
Wissen um die vertragswidrige Verwendung der Hypothekar-Teilzahlungen aus
dem Projekt CA._ davon profitieren und in der gleichen Art und Weise bei
dem Projekt BB._ mitwirken wollte. Es drängt sich daher der Schluss auf,
- 148 -
dass sie die Signale von den reklamierenden Gläubigern genauso wenig beachte-
te und in ihren Handlungen weiterfuhr, wie das auch auf C._ zutrifft. Diese
hatte nach eigenen Angaben nicht einmal ab dem Zeitpunkt ihres ersten Ver-
dachts Kontrollen hinsichtlich der Verwendung der Gelder angestellt, sondern ver-
traute weiterhin den Angaben ihres Ehemannes. Weiter ist erstellt, dass sich
C._ zu keinem Zeitpunkt darüber informierte, ob die T._ GmbH ihre
Verpflichtungen erfüllen kann, die sie in ihrem Namen eingegangen war, zum Bei-
spiel durch Konsultation der Kontoauszüge, die sie anlässlich ihrer Bargeldbezü-
ge ohne weiteres hätte verlangen können.
II. Betrug, eventualiter Veruntreuung
1. Rechtsgrundlage
1.1. Bezüglich der Legaldefinition des Betruges im Sinne von Art. 146 StGB sei
zunächst auf die vorstehenden Erwägungen im 3. Teil A. II. 3. verwiesen. Ergän-
zend ist folgendes festzuhalten:
Beim Kreditbetrug täuscht der Borger beim Abschluss des Darlehensvertrages
über seine Rückzahlungsfähigkeit, d.h. seine Kreditwürdigkeit und damit die Si-
cherheit der Forderung, bzw. über seinen Rückzahlungswillen. Der Vermögens-
schaden ist gegeben und der Betrug somit vollendet, wenn der Borger entgegen
der beim Darleiher geweckten Erwartungen im Zeitpunkt der Kreditgewährung
dermassen wenig Gewähr für eine vertragsgemässe Rückzahlung des Geldes
bietet, dass die Darlehensforderung erheblich gefährdet und infolgedessen in ih-
rem Wert wesentlich herabgesetzt ist (Gefährdungsschaden). Werden dem Kre-
ditgeber für seine Leistung Sicherheiten vorgetäuscht, welche diese in Wahrheit
nicht abdecken, ergibt sich der Betrugsschaden daraus, dass der Darleiher mit
der Gewährung des gänzlich oder teilweise ungesicherten Darlehens einen ver-
mögensmässigen Minderwert als Risiko auf sich nimmt (Urteil 6B_462/2014 vom
27. August 2015 E. 8.1.2. mit Hinweisen [nicht publ. in BGE 141 IV 369]). In der
Darlehensgewährung liegt dann nicht nur eine (vorübergehende) Vermögensge-
fährdung in Höhe des Darlehensbetrages, sondern gleichzeitig auch ein Schaden
in der Höhe des abzuschreibenden Teilbetrages vor (Urteil 6B_173/2014 vom
2. Juli 2015 E. 4.3.1 mit Hinweisen).
- 149 -
1.2. Bezüglich der Erwägungen zur Mittäterschaft und Gehilfenschaft kann auf
das vorinstanzliche Urteil verwiesen werden, wo die Grundlagen zutreffend ge-
schildert werden (Urk. 159 S. 249 f.). Ergänzend ist auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung im Urteil 6B_42/2016 vom 26. Mai 2016 E. 3.2. hinzuweisen,
wonach es darauf ankommt, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkre-
ten Falles und dem Tatplan für die Ausführung des Delikts so wesentlich ist, dass
sie mit ihm steht oder fällt. Das blosse Wollen der Tat, der subjektive Wille allein
genügt zur Begründung von Mittäterschaft jedoch nicht. Der Mittäter muss viel-
mehr bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch tatsächlich
mitwirken. Daraus folgt aber nicht, dass Mittäter nur ist, wer an der eigentlichen
Tatausführung beteiligt ist oder sie zu beeinflussen vermag. Dass der Mittäter bei
der Fassung des gemeinsamen Tatentschlusses mitwirkt, ist nicht erforderlich; es
genügt, dass er sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht (BGE 135
IV 152 E. 2.3.1 S. 155; 130 IV 58 E. 9.2.1; je mit Hinweis). Auch konkludentes
Handeln genügt (BGE 126 IV 84 E. 2c/aa; 125 IV 134 E. 3a). Die Inkaufnahme
durch Billigen oder Einverständnis im Sinne des Eventualvorsatzes erfasst auch
den unerwünschten, aber um des Handlungsziels willen hingenommenen Erfolg
(Urteil 6B_939/2013 vom 17. Juni 2014 E. 2 mit Hinweis). Gehilfe ist demgegen-
über, wer zu einem Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet, die Tat je-
doch nur durch einen untergeordneten Tatbeitrag unterstützt (BGE 129 IV E. 3.2).
2. Subsumtion
2.1. Mittäterschaft
Entgegen der Verteidigung von B._ war seine Beteiligung am Unterfangen
"Bauvorhaben/Hypothek/Verkauf geleaster Autos" gestützt auf vorstehendes Be-
weisergebnis keineswegs untergeordneter Natur. Ganz im Gegenteil nahm er ei-
ne zentrale Rolle ein und ohne seine tatkräftige Mitwirkung hätte das geplante
Bauvorhaben gar nicht umgesetzt werden können, denn das Gelingen hing mass-
geblich von seiner Einflussnahme sowohl auf seine Ehefrau C._ als auch auf
seinen Bruder AC._ und dessen Ehefrau AD._ ab. Nur dank deren Ver-
trauen in seine Person gelang es B._ seine Frau von der Übernahme der
Firma T._ GmbH zu überzeugen, ihm eine weitreichende Vollmacht für die
- 150 -
T._ GmbH zu erteilen, sie zur Leistung von diversen Unterschriften als Ge-
schäftsführerin zu überreden und seinen Bruder zusammen mit dessen Ehefrau
zur Mitwirkung beim Bauprojekt CA._ und sogar dem Verkauf eines geleas-
ten Autos zu bewegen. Ausserdem war sein Tatbeitrag wesentlich, weil nur er
seine Frau C._ dazu bringen konnte, enorme Summen Bargeld ab dem Kon-
to der T._ GmbH abzuheben und diese A._ zu übergeben. Nachdem
nur C._ über dieses Konto verfügungsberechtigt war, die Hypothekar-
Teilzahlungen aber darauf eingingen, war auch dieser Aspekt seiner Mitwirkung
für das Gelingen des Vorhabens, die Barbezüge für eigene Zwecke zu verwen-
den, zentral. Überdies wirkte der Beschuldigte B._ - wie nachfolgend noch zu
zeigen sein wird - auch aktiv an den Leasings der Fahrzeuge und deren nachfol-
genden Verkaufs mit, ganz abgesehen davon, dass er dank oder wegen seiner
Beteiligung als Mitbauherr auch bezüglich der Einholung der Unterschriften seines
Bruders und seiner Schwägerin auf den Leistungsabrechnungsformularen tatkräf-
tig mithalf, da er ihnen diese jeweils zur Unterschrift vorbei- und anschliessend
wieder ins Büro brachte. Schliesslich ist aufgrund des koordinierten Vorgehens
davon auszugehen, dass B._ das gesamte Vorhaben mit A._ plante,
respektive sich dessen Vorschlag für das Vorgehen anschloss und die Ausfüh-
rung im Wissen um das ganze Vorhaben umsetzte. Aber auch der Tatbeitrag von
A._ kann keineswegs als untergeordnet beurteilt werden, fusste doch alles
auf seiner Organisation des Grundstücks, Vorbereitung des Kaufvertrages samt
Bauprojekt mit Einholung der Baubewilligung, Organisation der Hypothek, han-
delsregistertauglicher Übergabe der Firma T._ GmbH und wesentliche Mit-
wirkung beim Leasing und Verkauf der geleasten Autos, wie nachfolgend noch zu
zeigen sein wird. Insgesamt ist daher ohne weiteres von einem gleichwertigen,
arbeitsteiligen Vorgehen von A._ und B._ im Sinne der Mittäterschaft
auszugehen.
2.2. Arglistige Täuschung
Das koordinierte Vorgehen von A._ und B._ erfüllt klarerweise die Krite-
rien der Arglist. B._ hat, mit Verweis auf die Kompetenz von A._,
AD._ und AC._ - die er über die wahren Absichten im Unklaren gelas-
- 151 -
sen hatte - dazu gebracht, zusammen mit ihm ein Grundstück zu kaufen und ein
Einfamilienhaus zu bauen und hat so gegenüber der kreditgebenden Bank vor-
gemacht, es handle sich um die Finanzierung eines Einfamilienhauses, in dem die
Familie AD._ und AC._ dereinst wohnen würde, obwohl dies nicht den
Tatsachen entsprach und von Anfang an geplant war, aus dem Bauprojekt mög-
lichst viel Geld herauszuholen. Bereits im Frühling 2008 hatte A._ - wahr-
heitswidrig - gegenüber der Verkäuferin des Grundstücks vorgemacht, er wolle es
für sich als Privatperson kaufen, obwohl er ja bereits ein Eigenheim in BB._
bewohnte. A._ und B._ weiteten das Lügengebäude gegenüber der Hy-
pothekardarleiherin noch weiter aus, indem sie sie glauben liessen, ihr einge-
brachtes Kapital stamme aus Erwerbseinkommen und Ersparnissen, obwohl sie
genau wussten, dass dies nicht der Fall war. Ganz im Gegenteil hatten sie schon
vor Eingehen des Darlehensvertrages und noch vor der Eröffnung des GU-
Kontokorrentkontos der T._ GmbH bei der CH._ ihren Plan in die Tat
umgesetzt und mit den ersten beiden Verkäufen geleaster Fahrzeuge (siehe
nachstehende Sachverhaltserstellung zu ND 3 und 11) Barmittel im Umfang von
Fr. 118'000.– erhältlich gemacht, welche als Eigenmittel für das Bauprojekt ver-
wendet werden sollten. A._ und B._ bezogen in die Umsetzung ihres
Planes aber auch AD._ und AC._ mit ein, die die Herkunft der Eigenmit-
tel ebenfalls wahrheitswidrig unterschriftlich bestätigten. Sämtliche Mitglieder des
Baukonsortiums "AG._" CA._ täuschten dadurch eine falsche Vermö-
genslage und ihre fehlende Rückzahlungsfähigkeit vor. Die Beschuldigten
A._ und B._ (unter Mithilfe von AD._, AC._ und C._, die
ohne weiteres Nachfragen alles unterschrieben, was B._ ihnen vorlegte und
machten, was B._ und A._ von ihnen verlangten) missbrauchten das
Vertrauen der kreditgebenden Bank in die Redlichkeit ihrer Vertragspartner je-
doch noch weiter, indem sie via die T._ GmbH, die Firma AE._ und die
DE._ GmbH fiktive Rechnungen mittels der Leistungsabrechnungsformulare
zur Auszahlung von entsprechenden Hypothekar-Teilzahlungen einreichten und
damit der Bank einerseits - wahrheitswidrig - vormachten, diese Leistungen seien
gemäss den entsprechenden Rechnungen der genannten Firmen am Bau tat-
sächlich erbracht worden und andererseits, diese Rechnungen und deren Kor-
- 152 -
rektheit seien durch die Bauherrschaft gemäss deren jeweiliger Unterschriften von
AD._, AC._ und B._ geprüft worden. Zur Untermauerung der tat-
sächlich nicht erbrachten Leistungen schrieben sie ausserdem die inhaltlich fal-
schen Rechnungen selbst, und zwar nach einem zuvor festgelegten Plan, so dass
sie in Bezug auf den Bau plausibel waren, wie sich aus den entsprechenden Aus-
sagen ergab. Diese Machenschaften waren raffiniert auf weitere zahlreiche Lügen
hinsichtlich Zweck des Bauprojektes und des von Anfang an (fehlenden) Willens
zur Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der CH._ ..., na-
mentlich der Rückzahlung des gewährten Darlehens, abgestimmt. Das arglistige
Konstrukt ging aber noch weiter, indem A._ und B._ die kreditgebende
Bank im Unklaren darüber liessen, dass entgegen dem Handelsregistereintrag
A._, dessen zwei letzte Firmen innerhalb eines Jahres Konkurs gegangen
und gegen den etliche Betreibungen hängig waren, die T._ GmbH führte und
auch er effektiv hinter dem Grundstückkauf und dem Hausbau stand. Weiter ver-
schwiegen sie, dass A._ im Hintergrund sämtliche Handlungen für den
Grundstückkauf und die Hypothek bei der Bank organisierte, bei der Umsetzung
aktiv mitwirkte und der Bau dieses Hauses ganz wesentlich auch in seinem Inte-
resse erfolgt war. Aufgrund des erstellten Ablaufs und der schlechten finanziellen
Lage von A._ (zumindest auf dem Papier) drängt sich der Schluss auf, dass
A._ wegen seiner fehlenden Kreditwürdigkeit gegenüber der CH._ ...,
bei welcher er diverse Konten und auch schon Baukredite laufen hatte (Urk. EIZ
25/16-24), nicht mehr in Erscheinung treten wollte, weshalb A._ und B._
als Bauherren AD._, AC._ und B._ und als Geschäftsführerin der
Firma T._ GmbH C._ vorschoben, die zwar offiziell, aber tatsächlich nur
pro forma als Geschäftsführerin und Eigentümerin der T._ GmbH fungierte.
So lagen aus Sicht der CH._ ... keine Hindernisse vor, in Bezug auf den
Werkvertrag der Bauherrschaft namens der T._ GmbH als Generalunter-
nehmerin und Werkerstellerin ein GU-Kontokorrentkonto zu eröffnen, über wel-
ches die Hypothekar-Teilzahlungen liefen, da sie mit ihren Vertragspartnern bis-
her keine Geschäftsbeziehung hatte (Urk. ND 13/5/1) und aufgrund der vorge-
schobenen Protagonisten auch keine Veranlassung zu Misstrauen bestand. Die
wahrheitswidrigen Angaben zum Eigenkapital, der von vorneherein fehlende Wille
- 153 -
zur Einhaltung des abgeschlossenen Darlehensvertrages, den nicht den Tatsa-
chen entsprechende Inhalt der ihr vorgelegten Baurechnungen und der vertrags-
widrige Zweck des Hypothekargeschäfts konnten von der kreditgebenden Bank
angesichts des koordinierten Vorgehens der Beschuldigten (unter zumindest teil-
weise ahnungslosen Mitwirkens von AD._, AC._ und C._) nicht
leicht überprüft werden. Die Bank hatte zudem keine Veranlassung, an der Echt-
heit der ihr eingereichten Dokumente zu zweifeln und durfte sich vor dem Hinter-
grund des ungetrübten finanziellen Leumunds der Generalunternehmerin und der
Bauherrschaft auch auf diese abstützen. Selbst wenn die kreditgebende Bank,
wie von der Verteidigung A._ verlangt, wohl noch die Löhne der Bauherr-
schaft mittels Lohnabrechnungen hätte verifizieren können, vermag diese Nach-
lässigkeit der Bank angesichts des mit viel Aufwand betriebenen Vorgehens der
Beschuldigten noch keine Leichtfertigkeit zu begründen, welche das betrügeri-
sche Verhalten in den Hintergrund zu drängen vermag. Es liegt mithin keine rele-
vante Opfermitverantwortung vor, zumal sich aus dem erstellten Sachverhalt zu
ND 11 ergibt, dass die Beschuldigten andernorts auch nicht davor zurückschreck-
ten, für ihre Zwecke gefälschte Lohnabrechnungen einzureichen.
Die Beschuldigten A._ und B._ sind daher des arglistigen Handelns im
Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
2.3. Vermögensschaden / Bereicherungsabsicht
2.3.1. Auch wenn B._ bei einzelnen Handlungen entsprechend der ihm
fehlenden Branchenkenntnisse bezüglich dem Bau eines Hauses oder dem Ver-
kauf von geleasten Autos wohl nicht jede einzelne Handlung im Voraus kannte,
resp. über deren konkrete Umsetzung im Einzelnen im Bilde war, wie zum Bei-
spiel bei der Erstellung der fiktiven Rechnungen, ist aufgrund seiner gleichgültigen
Haltung, wonach er A._ nicht gefragt habe, ihn habe machen lassen und es
ihm egal gewesen sei, was dieser genau mit der Firma T._ GmbH gemacht
habe, davon auszugehen, dass er diese Handlungen konkludent akzeptierte. Sein
Einwand, er habe gedacht, er werde die Arbeiten später noch leisten, ist ange-
sichts seiner umfassenden Beteiligung bei der Planung und Umsetzung des be-
trügerischen Vorgehens, seiner Arbeitsunfähigkeit seit Ende September 2008 und
- 154 -
seinem Eingeständnis, dass er das Haus ohne dessen Zweckbestimmung als
"Bargeldquelle" nicht gebaut hätte, als reine Schutzbehauptung zu werten. Beide
Beschuldigten stützten sich ja auch auf den von ihnen geplanten groben Ablauf
ihres Vorhabens, so dass aufgrund ihrer Tatbeiträge kein Zweifel besteht, dass
beide Beschuldigte mit Wissen und Willen, somit direktvorsätzlich betrügerisch
handelten, um via die fiktiven Rechnungen, welche von der kreditgebenden
CH._ über das GU-Konto der T._ GmbH aus dem Hypothekardarlehen
der Bauherrschaft AD._, AC._ und B._ bezahlt wurden, grösstmög-
liche Mengen an Bargeld zu erhalten, mit welchen sie eigene Bedürfnisse befrie-
digen wollten, so B._ namentlich die Tilgung seiner Schulden bei A._
und dieser unter anderem die Finanzierung seines Hotelprojektes im O._ und
ebenfalls die Tilgung seiner Schulden. Der Vorinstanz folgend bereicherten sie
sich zumindest im Umfang der fiktiven Rechnungen in der Höhe von
Fr. 189'268.75 ohne adäquate Gegenleistung und schädigten entsprechend im
gleichen Umfang die CH._ direkt (Urk. 159 S. 286). Da weder A._ noch
B._ über ein legales Erwerbseinkommen verfügten und B._ ausdrück-
lich bestätigte, dass er ohne die Schulden bei A._ kein Haus gebaut hätte
(Urk. ND 13/29 S. 4), wird deutlich, dass der ganze Hausbau in CA._ nur Mit-
tel zum Zweck des Erhalts von grossen Bargeldsummen war.
2.3.2. Ausserdem verminderten die Beschuldigten A._ und B._ den
effektiven Wert des Grundpfandes, indem sie den Hypothekarkredit von
Fr. 705'000.– nicht gänzlich in den Bau des Hauses haben fliessen lassen, so
dass im September 2009 und damit nur wenige Monate nach der Auszahlung der
letzten Hypothekar-Teilzahlung der Darlehensforderung tatsächlich nur ein Ge-
genwert in Form des sich im Rohbau befindlichen Hauses von rund Fr. 381'000.–
gegenüber stand. Da die Beschuldigten bereits im Zeitpunkt der Kreditgewährung
beabsichtigt hatten, die Hypothekar-Teilzahlungen zu einem grossen Teil nicht für
den Bau zu verwenden, nahmen sie bewusst in Kauf, dass die Bank wirtschaftlich
ein erhöhtes Risiko bei der Kreditgewährung einging, da ihre Sicherheit, beste-
hend im vertraglich vereinbarten Grundpfand, in ihrem Wert erheblich vermindert
war. Damit täuschten die Beschuldigten der Bank auch eine falsche Sicherheit vor
und nicht nur den fehlenden Willen zur Rückzahlung des Darlehens.
- 155 -
2.3.3. Der für den Tatbestand des wie hier vorliegenden Kreditbetrugs mass-
gebende Vermögensschaden auf Seiten der CH._ ... trat jedoch bereits im
Zeitpunkt der Gewährung des Hypothekardarlehens ein, denn die Bauherrschaft
verfügte entgegen ihrer unterschriftlich bestätigten Herkunft der Eigenmittel kei-
neswegs über solche. Statt dessen stand allen drei Bauherren überhaupt kein er-
spartes Vermögen, auch kein solches, das sie aus Erwerbseinkommen erzielt hat-
ten, zur Verfügung, weshalb sie das von ihnen als Barmittel zu erbringende Ei-
genkapital von Fr. 160'000.– mittels der - widerrechtlichen - Verkäufe geleaster
Fahrzeuge aufbrachten (siehe dazu die nachstehende Sachverhaltserstellung zu
den Leasingdelikten). Damit war die Darlehensforderung von allem Anfang an ext-
rem gefährdet und infolgedessen in ihrem Wert zweifellos derart massiv herabge-
setzt, dass ein Gefährdungsschaden im Sinne des Tatbestandes vorlag. Für die
Erfüllung des Tatbestandes ist es zudem irrelevant, dass die genaue Höhe dieses
Gefährdungsschadens nicht beziffert ist, zumal eine Kreditgewährung an Antrag-
steller, die über keinerlei Eigenmittel verfügen, ohne weiteres als zu grosses und
unkalkulierbares Risiko ausgeschlossen werden kann, zumal alle Mitglieder des
Baukonsortiums auch nicht über namhaftes regelmässiges Einkommen verfügten.
Somit ist auch das Tatbestandselement des Vermögensschadens im Sinne des
Betrugstatbestandes vorliegend erfüllt.
2.4. Fazit
Die Beschuldigten A._ und B._ erfüllten mit ihrem geplanten und koor-
dinierten Vorgehen als Mittäter sämtliche objektiven und subjektiven Tatbe-
standsmerkmale des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB, weshalb sie
bezüglich ND 13 in Anwendung dieser Bestimmung schuldig zu sprechen sind.
Auch hier ist der Vorbehalt anzubringen, dass über die Frage der Gewerbsmäs-
sigkeit später zu entscheiden ist.
- 156 -
III. Geldwäscherei
1. Rechtsgrundlage
Gemäss Art. 305bis Ziff. 1 StGB macht sich der Geldwäscherei schuldig, wer eine
Handlung vornimmt, die geeignet ist, die Ermittlung der Herkunft, die Auffindung
oder die Einziehung von Vermögenswerten zu vereiteln, die, wie er weiss oder
annehmen muss, aus einem Verbrechen herrühren. Nach der Rechtsprechung
des Bundesgerichts kann der Tatbestand auch vom Vortäter selbst erfüllt werden
(BGE 120 IV 323 E. 3; 124 IV 274 E. 3). Durch Geldwäscherei soll - aus Sicht des
Täters - der Zugriff der Strafbehörden auf die Verbrechensbeute vereitelt werden.
Die Bestimmung erstreckt sich auch auf Werte, die von Einzelnen (und nicht nur
durch organisierte Kriminalität) durch ein Verbrechen im Sinne von Art. 10 Abs. 2
StGB erzielt wurden. Nicht erforderlich ist denn auch, dass die verbrecherisch er-
langten Vermögenswerte weiteren Verbrechen dienen. In objektiver Hinsicht setzt
ein Schuldspruch wegen Geldwäscherei gemäss bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung das Vorliegen einer Geldwäschereihandlung, einer tatbestandsmässig und
rechtswidrig begangenen Vortat im Sinne von Art. 10 Abs. 2 StGB (Verbrechen)
und den Nachweis voraus, dass die gewaschenen Vermögenswerte aus dieser
Vortat stammen. Als Geldwäschereihandlung gilt jede Handlung, die geeignet ist,
die Einziehung zu vereiteln. Sie muss somit grundsätzlich geeignet sein, die sog.
Papierspur zu unterbrechen (Stefan Flachsmann, Kommentar StGB, 19. A., Zü-
rich 2013, Verlag Orell Füssli [kurz: OFK - StGB], N 2, 4 7 und 16 zu Art. 305bis).
Gemäss Trechsel/Affolter-Eijsten kann eine Barauszahlung folglich Tathandlung
sein, weil sie die Spur der Vermögenswerte unterbricht. Das Einzahlen von Geld
auf ein eigenes inländisches Namenkonto durch den wirtschaftlich Berechtigten
ist dagegen keine Geldwäscherei. Keine Tathandlung ist auch die Überweisung
von Geld von einem inländischen auf ein anderes inländisches Bankkonto, sofern
für beide Konten die wirtschaftliche Berechtigung der gleichen Person ausgewie-
sen ist (Trechsel/Affolter-Eijsten in: Praxkomm. StGB, a.a.O., N 18 zu Art. 305bis
mit Hinweisen). In subjektiver Hinsicht genügt Eventualvorsatz, auch bezüglich
des Wissens um die deliktische Herkunft (Trechsel/Affolter-Eijsten, a.a.O. N 21 zu
Art. 305bis und Stefan Flachsmann, a.a.O. N 20 zu Art. 305bis).
- 157 -
2. Subsumtion
A._ ist als Hauptbeteiligter am Hypothekarbetrug zum Nachteil der CH._
... das Wissen um die deliktische Herkunft des Barbetrages von Fr. 80'000.– an-
zurechnen. Indem er die Barabhebungen ab den Konten der T._ GmbH unter
Mithilfe von B._ und Mitwirkung von C._ veranlasste, wollte er - was ge-
stützt auf den Zweck, die Mittel für eigene Bedürfnisse und nicht im Sinne des
Kreditvertrages zu verwenden, eindeutig zu folgern ist - ohne Zweifel die Spur des
Geldes verwischen. Ansonsten hätte er eine entsprechende Überweisung ab dem
Konto der T._ GmbH auf dasjenige von W._ einfach vornehmen (las-
sen) können, zumal er erwiesenermassen effektiv derjenige in der Firma T._
GmbH war, der bestimmte, welche Zahlungen wie vorgenommen wurden. Nach-
dem erstellt ist, dass A._ als Organisator sowohl des Grundstückkaufs, wie
des Hypothekarkredites wie auch des Werkvertrages genau wusste, dass die Mit-
tel des Hypothekardarlehens der CH._ ... zweckgebunden waren, lässt sein
Vorgehen keinen anderen Schluss zu, als dass er durch die Abhebung und Über-
gabe des Bargeldes an W._ die ihm bekannte deliktische Herkunft verschlei-
ern wollte. Der Vorinstanz ist darin zuzustimmen, dass der Beschuldigte A._
damit sämtliche objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale der Geldwä-
scherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB erfüllte (Urk. 159 S. 287), wofür er
angemessen zu bestrafen ist.
IV. Misswirtschaft
1. Rechtsgrundlage
1.1. Der Misswirtschaft macht sich schuldig, wer als Schuldner namentlich durch
ungenügende Kapitalausstattung, unverhältnismässigen Aufwand, gewagte Spe-
kulationen, leichtsinniges Gewähren oder Benützen von Kredit, Verschleudern
von Vermögenswerten oder arge Nachlässigkeit in der Berufsausübung oder
Vermögensverwaltung seine Überschuldung herbeiführt oder verschlimmert, sei-
ne Zahlungsunfähigkeit herbeiführt oder im Bewusstsein seiner Zahlungsunfähig-
keit seine Vermögenslage verschlimmert, wenn über ihn der Konkurs eröffnet
oder gegen ihn ein Verlustschein ausgestellt worden ist und wird mit Freiheitsstra-
fe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe bestraft (Art. 165 Ziff. 1 StGB).
- 158 -
1.2. Nach der Rechtsprechung liegt eine nachlässige Berufsausübung vor, wenn
gesetzliche Bestimmungen der Unternehmensführung missachtet werden. Dazu
gehören insbesondere die Vernachlässigung der Rechnungslegung oder die Ver-
letzung der Pflicht des Verwaltungsrats einer Aktiengesellschaft, den Richter im
Falle der Überschuldung zu benachrichtigen (Urteil des Bundesgerichts
6B_1047/2015 vom 28. April 2016 E. 4.3. mit Hinweisen). Tatbestandsmässig ist
jedoch nur ein krasses wirtschaftliches Fehlverhalten (Andreas Donatsch, Straf-
recht III, a.a.O. S. 354 f.). Arg nachlässig in der Berufsausübung handelt nament-
lich auch, wer ohne Branchenkenntnisse bzw. ohne kommerzielle Erfahrung und
ohne Geld einen Fabrikbetrieb eröffnet oder die Buchhaltung nicht oder unvoll-
ständig führt (Trechsel/Ogg in: Praxkomm. StGB, a.a.O., N 8 zu Art. 165). Das
Eingehen eines jeder Geschäftstätigkeit inhärenten Risikos ist nicht strafbar, auch
wenn sich ex post herausstellt, dass eine Fehlentscheidung getroffen worden ist
(Nadine Hagenstein in: BSK Strafrecht II, a.a.O., Art. 165 N 11).
Überschuldung tritt gemäss Art. 725 Abs. 2 OR dann ein, wenn die Aktiven die
Verbindlichkeiten nicht mehr decken. Dazu hielt das Bundesgericht fest, eine
Überschuldung im Sinne von Art. 725 Abs. 2 OR liege jedenfalls dann vor, wenn
das Fremdkapital die Aktiven übersteigt. Dies sei bei einer Gesellschaft ohne Ei-
genkapital der Fall, sobald sie einen Verlust erleidet und keine Aktiven aus frühe-
rer Geschäftstätigkeit oder anderer Herkunft vorhanden sind (Urteil 6B_231/2015
vom 18. April 2016 E. 2.3.2). Unter Zahlungsunfähigkeit ist das dauerhafte Aus-
bleiben von Zahlungsmitteln zu verstehen, die erforderlich sind, um Schulden bei
Fälligkeit zu begleichen (Trechsel/Ogg, a.a.O., N 9 zu Art. 165).
Zwischen der tatbestandsmässigen Verhaltensweise und der Verschlimmerung
der Vermögenslage bzw. dem Eintritt der Zahlungsunfähigkeit muss ein Kausal-
zusammenhang bestehen, doch brauchen die Bankrotthandlungen nicht die ein-
zige Ursache des tatbestandsmässigen Erfolges zu sein (Andreas Donatsch, OFK
- StGB, a.a.O., N 6 zu Art. 165).
1.3. Der subjektive Tatbestand verlangt Vorsatz nur hinsichtlich der tatbe-
standsmässigen Bankrotthandlung, für die Vermögenseinbusse genügt grobe
- 159 -
Fahrlässigkeit, denn bestraft wird nicht nur, wer die Zahlungsunfähigkeit will oder
in Kauf nimmt, sondern auch wer sie in unverantwortlicher Weise bzw. unter Ver-
letzung elementarster Vorsichtspflichten (vgl. OR 717) verneint, weil ihm jegliches
Verantwortungsgefühl fehlt, zumal in wirtschaftlich angespannter Situation eine
erhöhte Aufmerksamkeit des Schuldners erwartet werden darf (Trechsel/Ogg,
a.a.O., N 11 zu Art. 165 mit Hinweisen). Zudem hielt das Bundesgericht fest, wer
im Wissen um seine fehlenden Sach- und Rechtskenntnisse ein Verwaltungs-
ratsmandat annimmt, begeht (mindestens) eventualvorsätzlich eine arge Nach-
lässigkeit in der Berufsausübung und Vermögensverwaltung im Sinne von
Art. 165 Ziff. 1 StGB (Urteil des Bundesgerichts 6B_242/2015 vom 6. Oktober
2015, E. 1.4.).
1.4. Mit der Gründung oder Übernahme einer Aktiengesellschaft oder GmbH,
d.h. mit der Eintragung als Organ oder Geschäftsführer einer solchen Gesell-
schaft ins Handelsregister, übernehmen die eintretenden natürlichen Personen
von Gesetzes wegen unübertragbare und unentziehbare Pflichten. Dazu gehören
insbesondere die Buchführungspflicht, die Finanzkontrolle sowie die Anzeige-
pflicht bei begründeter Überschuldung (für die AG: Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 und 7
OR und Art. 725 Abs. 2 OR; für die GmbH: Art. 810 Abs. 2 Ziff. 3 und 7 OR und
Art. 725 Abs. 2 OR). Diese Pflichten gelten für jedes Organ einer Aktiengesell-
schaft oder GmbH und können weder übertragen noch delegiert oder entzogen
werden [für die AG: Art. 716a Abs. 1 Ziff. 3 und 7 OR; für die GmbH: Art. 810
Abs. 2 Ziff. 3 und 7 OR] (Daniel Nussbaumer in: Blätter für Schuldbetreibungs-
und Konkurs [BlSchK], 2016 S. 128 f. E. 3a).
2. Subsumtion
2.1. Über die T._ GmbH wurde am 21. Oktober 2009 der Konkurs eröffnet
und sie wurde in der Folge am 22. Februar 2010 gelöscht (Urk. 1/6-7 und ND
9/2/5), so dass die objektive Strafbarkeitsvoraussetzung von Art. 165 Ziff. 1 StGB
vorliegend erfüllt ist.
- 160 -
2.2. Die Beschuldigte C._ handelte gleich mehrfach tatbestandsmässig: So
übernahm sie trotz fehlender rudimentärster Kenntnisse über das Führen eines
Geschäftes und ohne jegliche Kenntnisse in der Baubranche, in welcher die Firma
aktiv werden sollte, die Funktion einer Geschäftsführerin der T._ GmbH und
nahm es hin, dass sie weder vor noch nach der Übernahme der Firma je die
Buchhaltungsunterlagen einsehen konnte, was bereits eine eventualvorsätzliche
Erfüllung des Tatbestandes darstellt. Nachdem sie die Firma T._ GmbH
übernommen hatte, welche bisher geschäftlich nicht aktiv war, über keinerlei
Vermögen und Barmittel verfügte und sie Kenntnis davon hatte, dass es bereits
wegen der Bezahlung der Leasingraten Probleme gab, hätte sie dem auch bei
Fehlen kaufmännischer Kenntnisse nachgehen und abklären müssen, worauf die
fehlende Zahlung zurückzuführen war. Dass sie sich jedoch in keiner Art und
Weise um die geschäftlichen Belange kümmerte, ist als direktvorsätzlich zu wer-
ten. Zudem unterzeichnete sie im Namen der T._ GmbH den Werkvertrag
mit der Bauherrschaft AG._ CA._ und zahlreiche Dokumente hinsicht-
lich der Bankverbindungen der Firma im Zusammenhang mit dem Bauprojekt, so
dass sie in Kenntnis jedenfalls dieses konkreten Bauvorhabens seitens der
T._ GmbH nicht nur nachlässig, sondern gar verantwortungslos handelte, in-
dem sie nie Rechenschaft über die Geschäfte verlangte, obwohl sie wusste, dass
die Firma gegenüber Lieferanten und Auftragnehmern konkrete Verpflichtungen
hatte, weil diese bereits Leistungen für den Hausbau erbracht hatten. Sie nahm
weiter in Kauf, dass die T._ GmbH ihren Verpflichtungen weder kurzfristig
noch langfristig nachkommen konnte, indem sie sämtliches Guthaben auf den
Bankkonten sofort abschöpfte und dergestalt weitergab, dass eine Kontrolle über
die Verwendung der beträchtlichen Mittel ausgeschlossen war. Dass sie dabei auf
die Angaben von A._ vertraute, die Mittel würden zur Zahlung von Löhnen
und Material verwendet, enthob sie nicht ihrer Pflicht, die Einhaltung dieser Ver-
sprechen zu überprüfen, zumal selbst ihr bezüglich der Bargeldabhebungen Be-
denken gekommen waren. Damit verhielt sie sich zweifellos im Sinne des Tatbe-
standes arg nachlässig in der Berufsausübung. Nachdem die Firma T._
GmbH mit Null Franken Vermögen durch die Beschuldigte C._ übernommen
worden war, bewirkte sie durch das Eingehen von Verpflichtungen namens dieser
- 161 -
Firma (Leasing- / Werkvertrag) und dem jeweils sofort auf die Gutschrift folgenden
Abzug der eingegangenen Beträge gefolgt durch die Übergabe derselben an eine
aussenstehende Drittperson direkt die Zahlungsunfähigkeit der T._ GmbH.
Bei gebotener pflichtgemässer Geschäftsführung hätte sie das gewusst, da keine
anderen liquiden Mittel vorhanden waren als jene, die sie fortlaufend entzog. Die
gebotene Handlung hätte zudem lediglich in der Nachfrage bei der Bank über den
aktuellen Kontostand bestanden, wäre mithin einfach und unkompliziert gewesen.
Bei dieser Sachlage bestand eindeutig die begründete Besorgnis einer Über-
schuldung der T._ GmbH, da deren immer grösser werdenden Verpflichtun-
gen aus Materialbestellungen und Aufträgen nach wie vor praktisch Null Vermö-
gen gegenüberstand. Angesichts dieser Sachlage hätte die Beschuldigte C._
daher die Pflicht gehabt, eine Zwischenbilanz erstellen zu lassen. Statt dessen
war sie nur bestrebt, die Firma namentlich auch formell an ihren Mann los zu wer-
den, was den Schluss zulässt, dass ihr bewusst war, dass ihr Handeln nicht rech-
tens war und sie sich um ihre Pflichten als Geschäftsführerin foutierte. Dass sie
die Gläubiger durch die Vernachlässigung ihrer Pflichten nicht direktvorsätzlich
schädigen wollte und lediglich davon auszugehen ist, dass sie deren Vermögens-
einbussen durch die Überschuldung und die Zahlungsunfähigkeit der GmbH ledig-
lich pflichtwidrig in Kauf nahm, ändert nichts daran, dass die Beschuldigte ihren
Pflichten vorsätzlich nicht nachgekommen war. Damit ist auch der subjektive Tat-
bestand durch die Handlungen der Beschuldigten erfüllt und ist entgegen der Vor-
instanz nicht nur Eventualvorsatz gegeben.
2.3. Mithin ist die Beschuldigte C._ der Misswirtschaft nach Art. 165 Ziff. 1
StGB schuldig zu sprechen.
D. A._ und B._: BMW X5 (ND 3) / Veruntreuung
I. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Zusammengefasst liegt diesem Anklagepunkt folgender Sachverhalt zugrunde:
A._ und B._ hätten geplant, C._ vorzutäuschen, einen Personen-
wagen für die T._ GmbH, welche am 26. August 2008 zum Schein und unter
- 162 -
Beibehaltung der faktischen Geschäftsführung durch A._ von diesem an
C._ übergeben worden war, zu leasen, obwohl zwischen A._ und
B._ vereinbart gewesen sei, dass sie das Fahrzeug nach eigenem Gutdün-
ken nutzen würden und B._ zu jenem Zeitpunkt zumindest davon ausgegan-
gen sei, dass A._ den Weiterverkauf des Autos veranlassen würde, was die-
ser von Anfang an beabsichtigt gehabt habe. Sie hätten beide nicht die Absicht
gehabt, die gegenüber der Eigentümerin des Personenwagens eingegangenen fi-
nanziellen Verpflichtungen nach Übergabe des Personenwagens zu erfüllen. Sie
hätten zudem damit gerechnet, das der Fahrzeuglieferant, die D._ AG in
DO._ [Ortschaft], bzw. die Leasinggeberin, die F1._ Leasing, mit
C._ als Vertreterin einer GmbH ohne weiteres einen Leasingvertrag über ei-
nen Personenwagen abschliessen und ihr das Fahrzeug übergeben würde, zumal
keine Anhaltspunkte für eine geplante widerrechtliche Verwendung des Fahr-
zeugs erkennbar gewesen seien. Nach Kontaktnahme mit der D._ AG via In-
ternet durch A._ oder B._ habe sich die D._ AG in Absprache mit
der F1._ Leasing bereit erklärt, den Vertrag einzugehen.
A._ habe das Fahrzeug ausgesucht und C._ habe im Auftrage ihres
Ehemannes B._, gutgläubig vermeintlich für die T._ GmbH handelnd,
den Leasingvertrag Nr. ... betreffend den Personenwagen der Marke BMW X5
xDrive 30d, Chassis Nr. ... im Wert von Fr. 81'250.– auf ihren Namen mit der
F1._ Leasing abgeschlossen, wobei eine Laufdauer von 48 Monaten verein-
bart worden sei. Es sei zudem ausdrücklich vereinbart worden, dass der Perso-
nenwagen während der ganzen Vertragsdauer Eigentum der Leasinggeberin blei-
be. A._ und B._ sei dies alles bekannt gewesen. Zwischen C._ und
B._ sei vereinbart gewesen, dass die T._ GmbH bzw. B._ und/oder
A._ alle im Zusammenhang mit dem Personenwagen anfallenden Kosten,
insbesondere auch die Leasingraten, und die übrigen vertraglichen Verpflichtun-
gen aus dem Leasingvertrag übernehmen würden. Gestützt auf diese Abmachung
hätten A._ und B._ am 27. Oktober 2008 bei der Firma D._ AG in
DO._ den genannten BMW X5 abgeholt. Dabei habe B._ der D._
AG zuhanden der F1._ Leasing in bar Fr. 10'000.– als Kaution und die 1.
Leasingrate in der Höhe von Fr. 1'503.50 bezahlt, wobei er das entsprechende
- 163 -
Geld vorgängig von A._ erhalten gehabt habe. Unmittelbar nach der Über-
nahme seien sie zum DP._ [Ort] in Zürich gefahren, wo A._ das Fahr-
zeug zu einem nicht bekannten Preis an AF._ veräussert habe, währenddes-
sen B._ in einem anderen Fahrzeug gewartet habe, wobei der Weiterverkauf
mit seinem Wissen oder zumindest in der sich ihm aufdrängenden Annahme ge-
schehen sei und er diesen Weiterverkauf zumindest billigend in Kauf genommen
habe. Mit diesem Vorgehen habe A._ seine Schulden gegenüber AF._
und B._ seinerseits seine Schulden gegenüber A._ reduzieren können
(Urk. 61/8 S. 5 f. und Urk. 62/9 S. 4 ff.).
2. Einwendungen
2.1. Der Beschuldigte A._ räumte bereits in der Untersuchung eine Beteili-
gung im Sinne einer Gehilfenschaft zu diesem Anklagevorwurf ein, indem er zu-
gab, dem Beschuldigten B._ beim Weiterverkauf der Fahrzeuge geholfen zu
haben (Urk. 3/14 S. 11). Er bestreitet jedoch nach wie vor, der Drahtzieher und
Organisator gewesen zu sein. Bestritten wird auch, dass er B._ das Geld für
die Kaution und die erste Leasingrate gegeben habe (Urk. 3/5 S. 2; Urk. 3/14 S. 2
f. und S. 11 f.). Ausserdem habe auch nicht er, sondern B._, das Fahrzeug
weiterverkauft. B._ habe den BMW schnellstmöglich verkaufen und das Geld
in das Bauprojekt CA._ stecken wollen, was A._ gewusst habe. A._
habe auch gewusst, dass AF._ mit Luxusfahrzeugen handle und habe die
beiden lediglich zusammen gebracht (Urk. 133 S. 13; Urk. 207 S. 31 ff.).
2.2. Der Beschuldigte B._ lässt zusammengefasst hauptsächlich geltend
machen, er habe keine Tatherrschaft gehabt, so dass keine Mittäterschaft vorlie-
ge. Ausserdem fehle es für eine Verurteilung am subjektiven Tatbestand
(Urk. 131 S. 28 und 30). So bestreitet er namentlich, in den einschlägigen Zeit-
punkten gewusst zu haben, dass A._ die Autos aus den Leasings weiterver-
kaufen würde. Davon sei nie die Rede gewesen (Urk. 131 S. 29; Urk. 209 S. 10).
Ausserdem habe er darauf vertraut, dass A._ die Leasingraten bezahlen
werde, wie er es ihm zugesichert gehabt habe (Urk. 131 S. 28; Prot. I S. 38; Urk.
209 S. 10). Der weitere Einwand der Verteidigung hinsichtlich des bei der
F1._ Leasing nicht entstandenen Schadens (Urk. 131 S. 43) geht an der Sa-
- 164 -
che vorbei, da die Vorinstanz lediglich auf Veruntreuung und nicht auf Betrug er-
kannte.
3. Unbestrittener Sachverhalt
Gemäss übereinstimmenden Aussagen der Beteiligten, die sich diesbezüglich mit
der Aktenlage decken, unterzeichnete C._ am 22. Oktober 2008 den Lea-
singvertrag zwischen ihr persönlich und der F1._ Leasing, einer Abteilung
der F._ (Schweiz) AG, über den in der Anklageschrift detailliert beschriebe-
nen BMW X5 xDrive 30d (Urk. ND 3/5), welchen die D._ AG als Fahrzeuglie-
ferantin gleichentags bei der F._ (Schweiz) AG mit schriftlichem Kaufvertrag
bezog (Urk. ND 3/4). Weiter kann der rechtlichen Würdigung zugrunde gelegt
werden, dass C._ den Leasingvertrag nach entsprechenden Angaben ihres
Ehemannes im Glauben daran unterzeichnete, dass das Fahrzeug für die ihr
übertragene T._ GmbH gebraucht würde. Der genannte BMW X5 im Wert
von Fr. 81'250.– wurde am 27. Oktober 2008 von den Beschuldigten A._ und
B._ abgeholt. Die erste Leasingrate von Fr. 1'503.50 und eine Kaution von
Fr. 10'000.– wurden dabei in bar der Fahrzeuglieferantin D._ AG übergeben
(Urk. ND 3/7). AF._ gab zu, das Fahrzeug gekauft und dann an DQ._ im
O._ weiterverkauft zu haben (Urk. ND 3/15/10 S. 7; Urk. ND 3/15/11). Zudem
ist aufgrund übereinstimmender Aussagen davon auszugehen, dass der schriftli-
che Kaufvertrag zwischen B._ (im Namen der T._ GmbH) und AF._
(Urk. ND 3/13/2) nachträglich angefertigt wurde (Urk. ND 3/15/11 S. 3 f.
[AF._]; Urk. 4/7 S. 8 [B._]). Mit Strafbefehl vom 10. Juni 2013, der nicht
angefochten wurde und der deshalb rechtskräftig ist, wurde AF._ der Hehle-
rei schuldig gesprochen (Beizugsakten C-3/2011/783; siehe auch oben 2. Teil Zif-
fer B.). Dies ist bei der Würdigung der Aussagen zu berücksichtigen. Im Weiteren
blieb unbestritten, dass der Fahrzeugausweis zum fraglichen BMW X5 am 27. Ok-
tober 2008 auf die T._ GmbH ausgestellt wurde, ohne dass ein Code 178
("Halterwechsel verboten") eingetragen war (Urk. ND 3/8). Laut Ermittlungsbericht
der Kantonspolizei Zürich vom 23. Januar 2009 wurde das Fahrzeug gemäss Ein-
tragungen im Infocar noch am gleichen Tag wieder ausser Verkehr genommen
und auf den neuen Halter AF._ eingetragen (Urk. ND 3/12 S. 5).
- 165 -
4. Sachverhaltserstellung
4.1. Die Vorinstanz hielt dafür, der angeklagte Sachverhalt sei mit einer
Ausnahme beweismässig erstellt: Nicht erwiesen sei, dass der Beschuldigte
A._ das Leasing betreffend den BMW X5 organisiert habe und dass die
T._ GmbH vorgeschoben worden sei (Urk. 159 S. 170). Sie erwog hierzu,
dass die einzigen belastenden Aussagen von B._ für die Organisation des
Leasings durch A._ diverse Widersprüche aufweisen würden, weshalb auf
sie nicht abgestellt werden könne. Da der Beschuldigte A._ dennoch einen
massgebenden Tatbeitrag geleistet habe, sei von seiner Mittäterschaft auszuge-
hen (Urk. 159 S. 163). Dass sie jedoch an anderer Stelle praktisch gegenteilig er-
wog, dass den Ausführungen von B._ bezüglich seinen Ausführungen dazu,
dass er das Geld für die Leasings von A._ erhalten habe, einzig gestützt auf
das gleiche Vorgehen wie in den Nebendossiers 8 und 11 zu glauben sei
(Urk. 159 S. 165), ist nicht leicht nachvollziehbar und ruft daher nach einer Über-
prüfung. Im Weiteren erwog die Vorinstanz, der Beschuldigte A._ habe "zu-
gegebenermassen" einen Betrag von Fr. 135'000.– vom Beschuldigten B._
erhalten (Urk. 159 S. 169), obwohl dies nicht zutrifft, da eine entsprechende Zu-
gabe des Beschuldigten zu dieser Aussage fehlt. Aus den Angaben des Beschul-
digten B._ auch noch anlässlich der Hauptverhandlung geht im Gegenteil
hervor, dass er kein Geld erhalten, resp. nicht profitiert, sondern nur die Beträge
an seinen Schulden abgezogen bekommen habe (Urk. 4/23; Prot. I S. 39 und
S. 43).
4.2. Die Vorinstanz stützte sich nicht auf die Aussagen von B._ und
A._ vor deren Verhaftung, da sie sich namentlich in Bezug auf die Leasing-
delikte, zu welchen sie zur Aussage vorgeladen waren, abgesprochen hatten
(Urk. 159 S. 168 f.), wie sich übereinstimmend aus späteren Befragungen ergibt
(Urk. 5/10 S. 5 [W._]; Urk. 4/7 S.8 [B._]; Urk. 9/3 S. 9 ff. [AC._]).
Das bezog sich jedoch vor allem auf die Geschichte mit dem zufälligen Treffen
von B._ und AF._ in einer Waschanlage in BG._ und dem dort
spontan erfolgten Verkauf des BMW, damit auf den Ort des Verkaufs sowie auf
die daran Beteiligten. Der grundsätzlichen Nichtbeachtung der frühen Aussagen
- 166 -
kann jedoch, wie nachfolgend zu zeigen sein wird, nicht vollumfänglich zuge-
stimmt werden. Statt dessen sind die Aussagen besonders sorgfältig auf ihre
Glaubhaftigkeit und namentlich sehr differenziert nach dem eigentlichen Inhalt zu
würdigen. Überdies sind zusätzlich gegenüber der Vorinstanz auch die Aussagen
von C._ und W._ zur Beweiswürdigung hinzuzuziehen. Ausserdem sind,
wie unter dem 2. Teil C. 6. bereits ausgeführt (Seite 37), sämtliche Einvernahmen
auch von AF._ und AQ._ uneingeschränkt verwertbar. Soweit die Vo-
rinstanz die Aussagen der Befragten wiedergibt, tat sie das korrekt, so dass diese
hier nicht wiederholt zu werden brauchen. Ergänzend wird allerdings auf diejeni-
gen Aussagen eingegangen, die dem vorinstanzlichen Urteil teilweise nicht voll-
ständig bzw. gar nicht zugrunde gelegt wurden.
4.3. Zum Aussageverhalten von B._ ist festzuhalten, dass er in den
Einvernahmen vom Januar und März 2009 (Urk. 4/1-2) und unmittelbar nach sei-
ner Verhaftung am 8. September 2009 (Urk. 4/3-4) teilweise andere Angaben
machte als in den späteren Befragungen. Bereits in der Einvernahme vom 1. Ok-
tober 2009, mithin nach fast einem Monat Untersuchungshaft, gab er jedoch auf
Fragen detailliert Auskunft (Urk. 4/5). Zudem blieb er bei diesen Angaben, welche
sich im Verlaufe der Untersuchung zum allergrössten Teil auch als zutreffend er-
wiesen, da sie durch Aussagen weiterer Beteiligter und dem Ermittlungsergebnis
bestätigt wurden, wie zum Beispiel die Angaben über Q._ und A._, zu
den diversen Firmen und deren Konkursen sowie zum Mehrfamilienhaus
CJ._-Strasse ... in Zürich, das der Beschuldigte B._ als "Block" be-
zeichnete (Urk. 4/5 S. 2). In der Einvernahme vom 5. Oktober 2009 erklärte der
Beschuldigte B._ seine Abkehr vom bisherigen Aussageverhalten damit,
dass er seine Frau "schon genug reingeritten" habe und keine Lust habe, dass
das noch so weitergehe (Urk. 4/6 S. 4). Das erscheint durchaus plausibel und
nachvollziehbar, hat doch die Strafuntersuchung ergeben, dass seine Frau
C._ ihrem Mann in geschäftlichen Dingen vertraute und unterschrieb, was er
ihr zur Unterschrift für die T._ GmbH resp. fürs Geschäftliche vorhielt, zumal
sie die Firma T._ GmbH auf Betreiben und Rat seitens ihres Mannes und
A._s erst im August 2008 erworben hatte, im Wissen darum, dass sie nur pro
forma die Geschäftsführerin war, in Tat und Wahrheit aber ihr Mann mit ihrer
- 167 -
Vollmacht und mit Beratung von A._ handelte (Urk. 6/1, insb. S. 4 und
Urk. 6/2; siehe auch 3. Teil B.I. 1.4.-1.7., B.I. 2.1. und B.I. 4.). Aufgrund der ge-
meinsamen Verhaftung an ihrem Wohnort und des vor dem 1. Oktober 2009
stattgefundenen Kontaktes mit seiner amtlichen Verteidigerin (Urk. 28/7 und
Urk.4/5 S. 1) ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte B._ wusste, dass
auch seine Frau längere Zeit in Untersuchungshaft verbringen musste und die
gemeinsamen kleinen Kinder seiner Schwester AD._ anvertraut werden
mussten, was für sie nicht leicht zu ertragen war (Urk. 6/2 S. 12 f.). B._ ver-
suchte aber trotz seiner zahlreichen Zugaben im Verlaufe der Strafuntersuchung,
seine Beteiligung und seine Rolle bei den einzelnen Tatvorgehen herunterzuspie-
len resp. zu beschönigen. So übernahm er zunächst (noch vor seiner Verhaftung)
die ganze Verantwortung für das Leasing des BMW bei der D._ Garage und
den Weiterverkauf (Urk. 4/1), woraufhin er nach der Umkehr in seinem Aussage-
verhalten zunächst noch einen Tatbeitrag zugab, indem er aussagte, die Idee da-
zu habe er gehabt, sonst habe er aber nichts vorbereitet (Urk. 4/7 S. 2 f.),
schliesslich aber den Beschuldigten A._ schwer belastet und die ganze Or-
ganisation und Verantwortung auf diesen abschob (Urk. 4/7 S. 8 ff. und Urk. 8/2
S. 24). Dabei machte B._ wiederholt - nicht nur bezüglich des ND 3 - geltend,
erst nach den Vorkommnissen durch A._ orientiert worden zu sein, resp. im
Unwissen um die Umstände in dessen Auftrag, ohne weitere Nachfragen oder
richtiges Durchlesen der Unterlagen, gehandelt zu haben (Urk. 4/7 S. 9; Urk. 4/8
S. 2 ff., S. 8; Urk. 4/9 S. 2 f.; Urk. 4/10 S. 7; Urk. 8/2 S. 18 f., S. 22, S. 24, S. 27,
S. 38, S. 40 f., S. 45 ff.). Seine Stellung als (Mit-) Beschuldigter mit einem unmit-
telbaren Interesse am Ausgang des Verfahrens und seine Tendenz, sich als un-
wissend und als reine nach Massgabe von A._s Anweisungen ausführende
Person darzustellen, gilt es entsprechend bei der Würdigung seiner Aussagen zu
berücksichtigen.
4.4. B._ sagte in seiner ersten polizeilichen Einvernahme vom
21. Januar 2009 und damit lange vor seiner Verhaftung aus, er habe für das Ge-
schäft seiner Frau ein gutes Auto gesucht, das auch etwas darstellen sollte. Er
habe den BMW im Internet gesehen, sei das Auto mit einem Kollegen anschauen
gegangen, habe eine Probefahrt gemacht und später sei er mit diesem zusam-
- 168 -
men das Auto abholen gegangen (Urk. 4/1 S. 1). Seine Ehefrau habe den Lea-
singvertrag unterzeichnet, weil die Garage das so verlangt habe und er das so
gewollt habe. Leasingraten habe er nicht bezahlt, da er keine Einzahlungsscheine
von der Garage bekommen habe. Das Auto habe er an einen Kollegen verkauft
(Urk. 4/1 S. 2). Eine Kollegin von ihm habe dann den Kaufvertrag gemacht. Den
Kaufbetrag von ca. Fr. 70'000.– bis 80'000.– habe er in bar beim Wiederverkauf
von AF._ bekommen (Urk. 4/1 S. 3 ff.).
Nach seiner Verhaftung bezeichnete der Beschuldigte B._ zunächst eine
Mehrzahl von Personen als Handelnde: "Wir machten ein Leasing", "wir machten
eine Barzahlung von Fr. 15'000.– als Anzahlung" oder auch, er sei mit Herr
A._ zur D._ Garage gegangen und er habe auch das Geld von A._
erhalten gehabt (Urk. 4/3 S. 3). B._ blieb dann jedoch dabei, dass er das Au-
to ausgesucht, geleast und dann "gerade im Anschluss an den Kauf" verkauft ha-
be (Urk. 4/3 S. 4 f.). Gleichzeitig sagte er jedoch wahrheitswidrig weiter aus, er
habe den Leasingvertrag unterzeichnet (Urk. 4/3 S. 4). Zum Verkauf des BMW X5
und seinem Motiv dazu gab er an, er habe damals ab und zu den Kollegen
AF._ gesehen, der zufälligerweise ein solches Auto gesucht habe. Dieser
habe ihm gesagt, er könne ja das Auto verkaufen. Er, B._, sei damals in der
Krise gewesen. Er habe Geld gebraucht und der Käufer habe ihm gesagt, er be-
zahle alles bar auf die Hand (Urk. 4/3 S. 3 und S. 5). Später im Verfahren
schwächte B._ jedoch seine Tatbeteiligung beträchtlich ab, indem er aussag-
te, er habe zwar die Idee gehabt, A._ habe aber das Geschäft mit dem BMW
X5 vorbereitet, er habe mit der Garage verhandelt und schliesslich habe A._
wegen seiner eigenen Schulden bei AF._ den Deal mit dem BMW gemacht.
Er selbst habe nicht von Anfang an gewusst, was das Ziel des Leasings gewesen
sei. Er habe zwar mit A._ das Auto bei der Garage abgeholt, dieses dann
aber nur bis zum DP._ gefahren, wo es A._ übernommen habe (Urk. 4/7
S. 2 und S. 8 f.). Weiter sagte er aus, im Zeitpunkt der Abholung des Autos bei
der D._ Garage habe er noch nicht gewusst, dass er das Auto an A._
weitergeben würde. Das Auto sei für A._ fürs Geschäft gewesen, er sei ja
der Geschäftsführer gewesen. Das Auto sei bereits verkauft gewesen, als
A._ ihn unter Druck gesetzt habe, damit er den Vertrag mit AF._ unter-
- 169 -
zeichne. Wie das Fahrzeug verkauft worden sei, habe er nicht gesehen (Urk. 4/22
S. 6 bis 19 und S. 17). Schliesslich sagte er in der Konfrontationseinvernahme mit
A._ aus, dieser habe alles organisiert und auch das Auto ausgesucht. Das
Geld für die Anzahlung und die erste Leasingrate habe er von A._ erhalten
und dem Herrn der Garage D._ in die Hand gedrückt. Nachdem sie das Auto
in Empfang genommen hätten, seien er und A._ zum DP._ gefahren.
A._ sei mit dem BMW unterwegs gewesen und er selbst habe im Auto ge-
wartet, bis A._ zurückgekommen sei. Den BMW habe er dann nicht mehr
gesehen. Er glaube, A._ habe den BMW AF._ übergeben, doch dies
habe er erst im Zeitpunkt erfahren, als der schriftliche Kaufvertrag aufgesetzt
worden sei. Für den BMW habe er nichts erhalten, er habe einfach Fr. 45'000.–
für die T._ GmbH an seinen Schulden abgezogen (Urk. 8/2 S. 23 ff.).
4.5. AQ._, Vertreter der D._ AG und Anzeigeerstatter (Urk.
ND 3/3 S. 3), bestätigte die erste Aussage von B._, wonach dieser den BMW
im Internet gesehen, eine Probefahrt gemacht und das Auto dann schliesslich -
vorgeblich über die Firma - geleast habe. Nach der Bonitätsprüfung und der Be-
willigung hätten sie das Auto vorbereitet, die Leasingverträge seien unterschrie-
ben und das Auto sei gegen Barzahlung der Anzahlung und der ersten Rate von
B._ abgeholt worden. Er erwähnte ausserdem, dass die Fahrzeugumschrei-
bung durch den Kunden selber gemacht worden sei, das heisst, sie hätten den
Fahrzeugausweis zu B._ geschickt, der dann die entsprechende Umschrei-
bung beim Strassenverkehrsamt Zürich selber vorgenommen habe. Um nachträg-
lich den Code 178 "Halterwechsel verboten" im Fahrzeugausweis eintragen zu
lassen, hätten sie B._ aufgefordert, den Fahrzeugausweis zurückzuschicken.
Dieser habe sie aber immer wieder vertröstet, bis er schliesslich selber zu ihm
nach Hause gegangen sei, begleitet von zwei weiteren Mitarbeitern der Garage
(Urk. ND 3/15/16 S. 2 f. und Urk. ND 3715/17 S. 4 f.). B._ habe sich bei die-
ser Gelegenheit darüber beklagt, dass er finanzielle Probleme habe und gezwun-
gen worden sei, das Fahrzeug zu verkaufen, um an Geld zu kommen. B._
habe ihm weiter gesagt, den Leasingvertrag habe zwar seine Frau unterschrie-
ben, aber er werde sagen, dass er es gewesen sei, sollte es Probleme geben
(Urk. ND 3/15/16 S. 3).
- 170 -
AQ._ bestätigt demnach bezüglich des Zustandekommens des Leasingver-
trages und der Übergabe des Autos durchaus glaubhaft, was der Beschuldigte
B._ bereits in der ersten polizeilichen Einvernahme angegeben hatte, so
dass diesbezüglich kein Grund ersichtlich ist, nicht auch auf die diesbezüglichen
Aussagen von B._ abzustellen. Überdies erklärt sich dadurch auch, weshalb
B._ anfangs wahrheitswidrig dabei blieb, dass er den Leasingvertrag unter-
schrieben habe. Ganz offensichtlich wollte er damit seine Frau schützen, wie er
es gegenüber AQ._ angekündigt hatte. Dadurch alleine werden aber nicht al-
le seine Aussagen über die weiteren Umstände unglaubhaft und schliesslich
räumte er auch ein, dass es sich so verhielt, wie seine Frau ausgesagt hatte
(Urk. 4/7 S. 1).
4.6. C._ machte schon im Januar 2009 und damit vor ihrer Verhaftung
zu diesem Nebendossier Aussagen, die sie später bestätigte. So sei ihr Mann mit
den Papieren für das Leasing des fraglichen BMW nach Hause gekommen und
dort habe sie diese im Vertrauen in ihren Mann einfach unterschrieben, ohne die
Details zu kennen und weil die Firma auf ihren Namen gelaufen sei. Ihr Mann ha-
be ihr gesagt, sie bräuchten ein Auto für die Firma T._ GmbH und er habe in
DO._ einen BMW gesehen, der gut wäre. Sie sagte von allem Anfang an
aus, dass sie von einem Weiterverkauf des Fahrzeugs nichts gewusst habe bis
die Männer der Garage D._ zu ihr nach Hause gekommen seien und das Au-
to heraus verlangt hätten. Das sei alles hinter ihrem Rücken passiert und sie habe
auch heftig mit ihrem Mann gestritten, weil er ein so teures Auto geleast habe
(Urk. 6/1 und Urk. 6/4 S. 6 ff.; Urk. 6/4 S. 8). B._ bestätigte diese Sachdar-
stellung: Er habe seine Frau nach Stunden schliesslich überzeugen können, den
Leasingvertrag zu unterzeichnen, indem er ihr gesagt habe, er hätte es verdient,
ein besseres Auto zu fahren (Urk. 4/7 S. 3). Weiter sagte er aus, sie seien zwei
Mal bei der D._ Garage gewesen. Das erste Mal hätten sie die Verträge mit
nach Hause genommen und das zweite Mal hätten sie diese zur Garage zurück-
gebracht und auch gleich das Auto in Empfang genommen (Urk. 4/7 S. 3). Das
deckt sich mit seiner Schilderung in seiner allerersten Befragung, wo er eine Pro-
befahrt erwähnte und dass ihn jeweils der gleiche Kollege begleitet habe (Urk. 4/1
S. 1), von dem inzwischen bekannt ist, dass es sich um den Beschuldigten
- 171 -
A._ handelte. C._ sagte auch klar aus, ihr Mann habe den BMW ver-
kauft. Sie habe nie gewusst, was in der T._ GmbH gemacht worden sei
(Urk. 6/2 S. 6 und 8) und sie habe jedenfalls mit dem Verkauf nichts zu tun
(Urk. 6/4 S. 1 und 8). Es ist bezeichnend, dass C._ bezüglich des Zeitraumes
nach dem September 2008 bis März 2009 (sc. Ehevertrag Gütertrennung) über
ihren Ehemann B._ sagte, er habe zu dem Zeitpunkt "ganz komische Sa-
chen" gemacht, er habe alles verkaufen wollen und immer gemacht, was ihm Herr
A._ gesagt habe (Urk. 6/2 S. 9). Auch diese frühe Aussage deckt sich mit
den späteren, obwohl sie damit ihren Ehemann klarerweise auch stark belastete.
Wie oben unter dem 3. Teil B. I. 4.2. und 6. dargelegt (Seite 97 f.), sind die Aus-
sagen von C._ durchaus authentisch, schlüssig und widerspruchsfrei, so
dass auf sie abgestellt werden kann.
4.7. W._ sagte allgemein zu den Leasinggeschäften in der Hafteinver-
nahme aus, die Idee dazu, Autos zu leasen und dann zu verkaufen, sei von
A._ ausgegangen, B._ sei aber auch involviert gewesen (Urk. 5/4 S. 3).
Aus dem Schwimmbadgeschäft im O._ habe B._ Fr. 600'000.– Schul-
den bei A._ gehabt. Dieser habe dann B._ gesagt, er wisse, wie er ihm
die Schulden wieder zurückzahlen könne. Daher sei die Firma T._ GmbH an
B._ verkauft worden und A._ habe B._ vorgeschlagen, dass man
Autos leasen und anschliessend verkaufen könne. B._ habe dann mitge-
macht, denn er habe ja den Druck von den Schulden gehabt; ansonsten wäre ihm
das Schwimmbad weggenommen worden. Innerhalb der T._ GmbH seien,
so W._, ja auch zwei Fahrzeuge geleast und verkauft worden, ein Nissan
und ein BMW (Urk. 5/4 S. 5).
4.8. AF._ sagte zunächst aus, das Auto von B._ gekauft zu ha-
ben, nachdem sie sich zufällig beim Autowaschen in BG._ getroffen hätten
und B._ ihm gesagt habe, dass er das Auto verkaufen wolle. Er habe seinen
Mercedes GL verkaufen und mit diesem Geld den BMW kaufen wollen, da er ihm
gefallen habe. Er habe ca. zwei Wochen beide Autos gehabt, sei dann mit dem
BMW X5 in den O._ gefahren, wo er ihn dann nach weiteren ca. zwei Wo-
chen an eine Privatperson verkauft habe. Der Interessent für den Mercedes habe
- 172 -
diesen dann aber nicht mehr kaufen wollen und seine Frau habe den Mercedes
behalten wollen, weshalb er den BMW verkauft habe. Er habe B._ den Ge-
samtbetrag von Fr. 75'000.– bei der Übergabe des Autos in bar übergeben (Urk.
ND 3/15/9 S. 1 f.). In der zweiten Befragung sagte er dann, er habe B._
Fr. 30'000.– in die Hand gegeben, mehr habe er auch nicht bezahlen können.
Erst als er dann den X5 einem Kollegen habe verkaufen können, habe er ihm
dann noch Euro 30'000.– gegeben. B._ sei mit dem Auto zu ihm gekommen
und sie hätten es dann zusammen eingelöst, worauf B._ nach Hause gegan-
gen sei, wie wisse er nicht mehr. Der Vertrag sei im Auto vor seiner Wohnung un-
terzeichnet worden (Urk. ND 3/15/10 S. 3 f.). Schliesslich blieb er dabei, dass er
den Kaufvertrag bei sich zuhause unterzeichnet habe, nachdem B._ mit dem
Auto, dem ungültig gestempelten Fahrzeugausweis und dem Vertrag zu ihm ge-
kommen sei. Dort habe er ihm die Hälfte bezahlt. Dann habe er das Fahrzeug
eingelöst und die zweite Hälfte bezahlt, nachdem er es weiterverkauft habe
(Urk. ND 3/15/11 S. 3).
Es fällt auf, dass AF._ seine früheren Angaben den jeweiligen Vorhalten zu-
nehmend anpasste: So bezüglich der Bezahlung des Kaufpreises, des Kaufda-
tums, der Fahrzeugübergabe und der Umstände des Einlösens des Fahrzeugs
(Urk. ND 3/15/11 S. 3 f.). Er korrigierte zum Beispiel seine Aussage, B._ ha-
be das Fahrzeug eingelöst, dahingehend, er sei zusammen mit B._ auf dem
Strassenverkehrsamt gewesen und er habe dort den Fahrzeugausweis ungültig
gestempelt und gleich auf seinen Namen überschrieben. Auch änderte er seine
Aussage bezüglich der Übergabe und dem Vertrag und gab an, er habe das Auto
am gleichen Tag erhalten, wie der Ausweis ungültig gestempelt worden sei, den
Kaufvertrag jedoch erst ein paar Tage später (Urk. ND 3/15/11 S. 4). Schliesslich
räumte er ein, dass bei der Vertragsunterzeichnung auch AC._ dabei gewe-
sen sei (Urk. ND 3/15/11 S. 5), was dieser auch bestätigte und sich im Übrigen
mit den späteren Aussagen von B._ deckt, worauf die Vorinstanz zu Recht
hinwies (Urk. 159 S. 168). Die Aussagen von AF._ erweisen sich durch die
deutlichen Lügensignale und sein anpassendes Aussageverhalten als äusserst
unzuverlässig, so dass auf sie nicht ohne weiteres abgestellt werden kann.
- 173 -
4.9. A._ bestritt zunächst beharrlich jegliche Beteiligung am Tatvorge-
hen bezüglich des Leasings von Fahrzeugen und deren Weiterverkauf, räumte
einzig ein, B._ herumgefahren zu haben (Urk. 3/3 S. 2 f.; Urk. 3/4 S. 15 ff.;
Urk. 3/5 S. 1 ff.). Rund drei Jahre später sagte er dann aus, die Sache mit den
Leasingfahrzeugen sei alles die Idee von B._ gewesen. Er habe ihm nur ge-
holfen, die Fahrzeuge zu verkaufen. Da die Leute B._ nicht vertraut hätten,
sei er immer mit B._ unterwegs gewesen. B._ habe ihm dann mal
Fr. 135'000.– gegeben, von welchen er denke, sie stammten aus den Leasing-
fahrzeugen bzw. aus den Immobilien. Er selber habe das Geld dann Q._
übergeben, im Zusammenhang mit einem Bauprojekt in BB._ (Urk. 3/14
S. 11 f.). Dass ihm B._ nach dessen Angaben vor dem Kauf der Liegen-
schaft CA._ Fr. 180'000.– zur Abzahlung der Schulden aus dem Schwimm-
badkauf übergeben habe, stritt A._ dann an anderer Stelle jedoch ab
(Urk. 3/5 S. 12; Urk. 8/2 S. 11).
4.10. Die vorinstanzliche Würdigung der Aussagen von B._ hinsichtlich
seiner Unkenntnis über die Bedeutung von Leasing angesichts des sich in den
Akten befindlichen, aus dem Jahre 2006 stammenden und auf B._ lautenden
leasingähnlichen Vertrages über den Opel Astra und des im entsprechenden
Fahrzeugausweis eingetragenen Codes 178 "Halterwechsel verboten"
(Urk. ND 11/7/5 [Sammelbeilage]) als sinngemäss völlig unglaubhaft (Urk. 159
S. 263), ist schlüssig und zutreffend. Es ist ihr darin zu folgen, dass erstellt ist,
dass B._ solche Verträge über Autos mit Eigentumsvorbehalt bekannt waren
und er wusste, dass er über solcherart "gekaufte" oder geleaste Fahrzeuge nicht
frei verfügen durfte, da sie bis zur Bezahlung der letzten Rate noch im Eigentum
der "Verkäuferin" resp. der Leasinggeberin standen.
Aufgrund der eigenen Aussagen von B._ hinsichtlich der zwei Garagenbesu-
che zusammen mit A._, die von AQ._ bestätigt wurden, und dem zeitli-
chen Zusammenhang, wonach gemäss Infocar der fragliche BMW X5 am 27. Ok-
tober 2008 zunächst auf die T._ GmbH eingelöst, dann ausser Verkehr ge-
nommen und noch gleichentags auf AF._ eingelöst worden war, der dieses
Fahrzeug bereits am 7. November 2008 im O._ weiter verkaufte, drängt sich
- 174 -
der zwingende Schluss auf, dass dieses Vorgehen durch B._ und A._
von Anfang an abgesprochen war, da sie ja erstelltermassen geplant hatten,
durch den Verkauf von geleasten Autos Geld für den Grundstückkauf und Haus-
bau in CA._ zu erhalten (siehe oben 3. Teil C. I. 4.4.2.). Dieser Schluss wird
zudem durch die diesbezüglichen klaren und glaubhaften Aussagen von W._
bestätigt. Ebenso wird dieser Indizienschluss durch die Aussagen von A._
bekräftigt, wonach er den Käufer AF._ vermittelte, von dem er wusste, dass
er mit Luxusautos handelte. Da die Übergabe des Fahrzeugs durch die Garage
D._ AG an A._ und B._ am gleichen Tag erfolgte wie die an-
schliessende Überschreibung an AF._, muss das Zusammenwirken zweifels-
frei vorgängig unter den Beteiligten abgesprochen worden sein. Schliesslich
spricht für diesen Schluss auch noch das starke Indiz, dass AF._ den Straf-
befehl wegen Hehlerei unangefochten liess, so dass davon ausgegangen werden
kann, dass er wusste bzw. zumindest annehmen musste, dass dieser BMW delik-
tisch erlangt worden war (Beizugsakten C-3/2011/783, Strafbefehl vom 10. Juni
2013 S. 3; siehe auch oben 2. Teil B.). Angesichts der finanziellen Probleme, die
B._ wegen dem Schwimmbadkauf bei A._ hatte (siehe dazu oben 3.
Teil B.I. 3.), erscheint auch seine Angabe, wonach er das Geld für die Anzahlung
und die erste Rate von A._ erhalten habe, nachvollziehbar und schlüssig.
Aufgrund seiner weiteren Aussagen, wonach alles, was in der T._ GmbH von
Aufträgen und Sanitärarbeiten hereingekommen sei, an A._ übergeben resp.
an seine Schulden bei ihm angerechnet worden sei (Urk. 8/2 S. 10, 12, 46 und
48), erscheint es höchst unwahrscheinlich und nicht glaubhaft, dass B._ ei-
nen solchen Geldbetrag hätte bar beibringen können, zumal er selbst aussagte,
wegen zu wenig Geld in der Krise gewesen zu sein. Ausserdem steht seine Aus-
sage, wonach er das Geld von A._ erhalten habe, inmitten weiterer Aussa-
gen zum Ablauf der Tat, die sich als zutreffend und richtig erwiesen, wie zum Bei-
spiel, dass der BMW "gerade im Anschluss an den Kauf" verkauft worden sei,
was sich mit dem Eintrag im Infocar deckt. Es gibt somit keinen Anlass, an den
übrigen an dieser Stelle von B._ gemachten Aussagen zu zweifeln. Es ver-
bleibt daher - unter Einbezug der Erwägungen der Vorinstanz, wonach das
gleichartige Vorgehen in den ND 8 und 11 ein gewichtiges Indiz dafür darstelle,
- 175 -
dass dem Beschuldigten B._ bezüglich des Vorschusses durch A._ zu
glauben sei (Urk. 159 S. 165) - kein unüberwindbarer Zweifel, dass A._ nicht
nur das Vorgehen mit B._ plante und die Sache durchführte, sondern ihm
auch das Bargeld für die Anzahlung und die erste Leasingrate übergab, damit er
dies bei der Übergabe des Fahrzeugs an den Mitarbeiter der D._ AG aus-
händigen konnte. Ebenfalls muss gestützt auf die authentischen ersten Aussagen
von B._, die mit den ersten Aussagen von AF._ im Kern übereinstim-
men, davon ausgegangen werden, dass AF._ B._ für den BMW X5
Fr. 80'000.– bar bei der Übergabe am 27. Oktober 2008 bezahlte. Dieser Schluss
wird zudem dadurch untermauert, dass B._ just am 29. Oktober 2008 und
damit nur zwei Tage später zwei namhafte Bargeldbeträge auf seine Konten ein-
zahlte, nämlich Fr. 35'000.–auf sein P._ Konto und Fr. 45'000.– auf sein
N._ Bankkonto (siehe oben 3. Teil C. I. 4.2.2. d), so dass aufgrund der Aus-
sagen und des zeitlichen Zusammenhangs kein Zweifel verbleibt, dass dieser
Bargeldbetrag aus dem Verkauf des BMW X5 stammte.
Schliesslich bleibt eine letzte Anmerkung zum Sachverhalt zu machen: Sowohl
C._ wie auch B._ sagten aus, der BMW X5 sei - vordergründig - für die
Firma T._ GmbH geleast worden, auch wenn tatsächlich der Leasingvertrag
auf die Geschäftsführerin C._ persönlich ausgestellt wurde. Dass die Firma
T._ GmbH aber im Zusammenhang mit dem Leasing des BMW eine Rolle
spielte, ergibt sich unmittelbar aus dem Fahrzeugausweis, wonach das Auto per
27. Oktober 2008 und damit per Übergabetag durch die D._ AG auf ebendie-
se Firma eingelöst wurde (Urk. ND 3/8). Letztlich bleibt dies aber für die rechtliche
Würdigung unerheblich, da B._ das Fahrzeug mit Wissen und mit Vollmacht
seiner Frau übernahm und infolge Fehlens des Codes 178 im Fahrzeugausweis,
der ihm durch die Garage mit dem Fahrzeug ausgehändigt worden war, darüber
auch tatsächlich verfügen konnte.
In diesem Sinne ist der Anklagesachverhalt zu diesem Nebendossier erstellt.
- 176 -
II. Rechtliche Würdigung
1. Rechtsgrundlage
1.1. Die Vorinstanz hat die objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale der
Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB zutreffend aufgeführt. Es kann
vorab, um Wiederholungen zu vermeiden, auf ihre diesbezüglichen theoretischen
Erwägungen verwiesen werden (Urk. 159 S. 253). Ergänzend sei angemerkt,
dass sich die Frage, ob eine Sache im Sinne von Art. 138 StGB fremd ist, nach
zivilrechtlichen Kriterien beurteilt (BGE 133 IV 5 E. 3.3). Entscheidend für die Ei-
gentumsverhältnisse ist der zwischen den Parteien abgeschlossene Vertrag (Ur-
teil des Bundesgerichts 6B_79/2011 vom 5. August 2011 E. 5.3.3 mit Hinweisen).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung verlangt das für den Vorsatz not-
wendige Wissen, soweit es sich auf Tatbestandsmerkmale bezieht, deren Ver-
ständnis eine Wertung voraussetzt, nicht die juristisch exakte Erfassung des ge-
setzlichen Begriffs. Vielmehr genügt es, wenn der Täter den Tatbestand so ver-
standen hat, wie es der landläufigen Anschauung eines Laien entspricht (sog. Pa-
rallelwertung in der Laiensphäre). Versteht der Täter in laienhafter Anschauung
die soziale Bedeutung des von ihm verwirklichten Sachverhalts, so handelt er mit
Vorsatz, auch wenn er über die genaue rechtliche Qualifikation irrt, was als recht-
lich unbeachtlicher Subsumtionsirrtum anzusehen ist (BGE 129 IV 238 E. 3.2.2.
mit Hinweisen; Urteil 6B_176/2009 vom 8. Oktober 2009 E. 4.1). Der Vorsatz in
Bezug auf das Tatbestandsmerkmal des Anvertrautseins ist gegeben, wenn der
Täter wusste oder zumindest in Kauf nahm, dass er über die ihm übergebenen
Vermögenswerte oder Gegenstände nicht frei verfügen durfte (Urteil des Bundes-
gerichts 6B_79/2011 vom 5. August 2011 E. 5.4.2). In subjektiver Hinsicht wird
zudem die Absicht unrechtmässiger Bereicherung verlangt, welche regelmässig
mit der Aneignung selbst gegeben ist (BGE 114 IV 137).
1.2. Bezüglich der Rechtsgrundlagen zur Mittäterschaft und Gehilfenschaft kann
auf die diesbezüglichen Erwägungen unter dem 3. Teil C. II. 1.2. verwiesen wer-
den.
- 177 -
2. Subsumtion
Aufgrund des erstellten Sachverhaltes ist davon auszugehen, dass die Beschul-
digten B._ und A._ auf dessen Vorschlag hin den fraglichen BMW X5
gerade zum Zwecke des Verkaufs und der damit einhergehenden Erhältlichma-
chung eines Geldbetrages in der Höhe von ca. Fr. 76'500.–, sei es in bar oder als
Anrechnung an bestehende Schulden, geleast haben und von vornherein den Wil-
len und den Vorsatz hatten, das nicht ihnen gehörende Fahrzeug unmittelbar
nach der Übergabe durch die Garage in Vertretung von C._, der es durch
den Leasingvertrag rechtmässig anvertraut war, in Besitz zu nehmen und es wei-
terzuverkaufen. Dafür hatten sie bereits alles organisiert und mit AF._ abge-
sprochen, so dass das Fahrzeug noch am Tag der Übernahme unter dessen Mit-
wirken auf ihn eingelöst werden konnte. Damit handelten sie, wie wenn sie selbst
Eigentümer wären, obwohl sie wussten, dass sie nicht frei über das Fahrzeug ver-
fügen durften. Sie eigneten sich im Rechtssinne das Fahrzeug an, da sie bereits
mit dem Verkaufsangebot an AF._ die effektiv nicht gegebene Eigentümer-
stellung manifestierten. A._, der den Vorschlag zu diesem Vorgehen machte,
B._ bei der Probefahrt und der Übernahme begleitete und ihm die Anzahlung
vorgeschossen hatte sowie den Käufer AF._ vermittelte, von dem er - und
nicht B._ - wusste, dass er mit Luxusfahrzeugen handelte, leistete damit ei-
nen wesentlichen Beitrag zum Gelingen der Tat und wirkte sowohl bei der Ent-
schlussfassung als auch bei der Ausführung selbst persönlich mit. Sein Tatbeitrag
erfüllt damit sämtliche Eigenschaften einer Mittäterschaft und beschränkt sich
mitnichten auf eine blosse Gehilfenschaft. Sowohl A._ als auch B._ ist
das Wissen darum anzurechnen, dass sie den BMW X5 nicht hätten verkaufen
dürfen, da sie beide massgeblich am Abschluss des Leasingvertrages beteiligt
waren und wussten, dass das Auto gemäss schriftlichem Leasingvertrag bis zur
vollständigen Begleichung aller Leasingraten noch im Eigentum der Lieferantin,
der D._ AG, stand und ihnen via C._ im Rechtssinne anvertraut worden
war. Aufgrund des Tatvorgehens, woraus auf ihren Willen als eine innere Tatsa-
che geschlossen werden kann, verbleibt kein Zweifel, dass beide nie beabsichtig-
ten, die restlichen Leasingraten zu bezahlen oder das Fahrzeug der Eigentümerin
zurückzugeben. Somit entstand bereits durch die Aneignung der tatbestandsmäs-
- 178 -
sige Schaden im Entzug des Fahrzeugwertes und dem Verlust der Sicherheit für
die Vertragsforderung durch das Weiterverkaufen an einen gutgläubigen Dritten.
Durch ihr Verhalten im Zusammenwirken als Mittäter erfüllten beide Beschuldig-
ten sämtliche objektiven und subjektiven Tatbestandsmerkmale der Veruntreuung
im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, weshalb dem Schuldspruch durch die
Vorinstanz zu folgen ist.
E. A._ und B._: Lieferwagen Nissan Cabstar (ND 7 und 11)
I. Sachverhalt
Diese beiden Anklagepunkte (je Ziffern III. und IV.; Urk. 61/9 und Urk. 62/9 je
S. 6 ff.) befassen sich mit dem Leasing je eines Lieferwagens der Marke Nissan
Cabstar bei der Garage AP._ AG in DR._ [Ortschaft], finanziert durch
die G._ Bank AG und CT._ Company Establishment (nachfolgend
CT._ genannt) (siehe obige Übersicht 3. Teil B. II. 2.). Die Leasingverträge
wurden innerhalb von nur drei Wochen abgeschlossen, der erste durch
AD._, der zweite durch C._. Dass sich daraus eine hohe Möglichkeit für
Verwechslungen in den Befragungen darüber ergibt, von welchem Nissan Cab-
star gerade die Rede ist, liegt auf der Hand, zumal die beiden Delikte nicht gleich-
zeitig bekannt wurden. So wurde effektiv im zweiten Leasing vom 10. November
2008 namens der T._ GmbH aufgrund schriftlicher Strafanzeige vom 24. Juni
2009 zuerst ermittelt und im effektiv ersten Leasing vom 21. Oktober 2008 erst
auf Anzeige von AD._ vom 30. September 2009 hin, wie sich aus den Poli-
zeirapporten ergibt (Urk. ND 7/1 S. 1 und 8; Urk. Urk. ND 11/1 S. 5). Angesichts
dieser Umstände erscheint es sachgerecht, die beiden Anklagepunkte zusammen
zu erörtern.
1. Anklagevorwurf
1.1. Nissan Cabstar I (ND 11)
Der Anklagepunkt III. (ND 11) hat zusammengefasst das (erste) Leasing des Lie-
ferwagens der Marke Nissan Cabstar Basis (Pro) 35.13 im Wert von Fr 42'760.–
von AD._, der Schwägerin von B._, bei der Garage AP._ AG, fi-
nanziert durch die G._ Bank AG, zum Gegenstand. Den Beschuldigten
- 179 -
A._ und B._ wird im Wesentlichen vorgeworfen, nach entsprechender
Absprache einerseits AD._ wahrheitswidrig vorgegeben zu haben, dass der
Lieferwagen für die Firma T._ GmbH gebraucht würde und sie dadurch
B._ helfe, in der Firma arbeiten zu können und dass sie andererseits der Ga-
rage AP._ AG bzw. der G._ Bank AG mittels gefälschter Lohnausweise
von AD._ und AC._ eine nicht gegebene Leistungsfähigkeit und Leis-
tungswilligkeit zur Bezahlung der finanziellen Vertragspflichten vormachten, so
dass AD._ den genannten Leasingvertrag am 21. Oktober 2008 unterschrieb
und das Fahrzeug am 28. Oktober 2008 abgeholt wurde. Die erste Rate in der
Höhe von Fr. 5'000.– habe B._ bei der Abholung bar bezahlt, wobei er das
Geld vorgängig von A._ erhalten habe. Der Lieferwagen, so die Anklage wei-
ter, sei im Besitz von A._ bzw. B._ verblieben. Ca. zwei Wochen später
hätten sich A._, B._, AD._ und AC._ zur Garage von
AO._ begeben, wo der Lieferwagen an ihn für Fr. 38'000.– weiterverkauft
worden sei, nachdem A._ zuvor die Löschung des Codes 178 (Halterwechsel
verboten) im Fahrzeugausweis erwirkt gehabt habe, indem er bzw. eine unbe-
kannte Täterschaft dem Strassenverkehrsamt am 3. November 2008 ein nachge-
ahmtes Löschungsbegehren mit einer nachgeahmten Unterschrift namens der
G._ Bank AG vorgelegt habe. AD._ habe den ihr von AO._ auf ihr
Konto überwiesenen Kaufpreis an ein von A._ bestimmtes und ihr von
B._ angegebenes Konto weiterüberwiesen. Dabei hätten A._ bzw.
B._ beabsichtigt bzw. billigend in Kauf genommen, dass das Vermögen der
G._ Bank AG im Umfang des Fahrzeugwertes (abzüglich der bei Übergabe
geleisteten Zahlung) vermindert und ihr Vermögen im selben Umfang direkt bzw.
indirekt vermehrt würde. Die Einzelheiten zu diesem Anklagepunkt können im Üb-
rigen der Anklageschrift entnommen werden (Urk. 61/8 S. 6-10; Urk. 62/9 S. 6-
10).
A._ - nicht jedoch B._ - wird durch die Anklagebehörde zusätzlich vor-
geworfen, er habe zumindest eine unbekannte Täterschaft veranlasst, dass die
Mitarbeiter des Strassenverkehrsamtes mittels eines gefälschten Löschungsbe-
gehrens den Code 178 aus dem Fahrzeugausweis des Nissan Cabstar löschten.
Obwohl A._ gewusst habe, dass der Fahrzeugausweis nachgeahmt gewe-
- 180 -
sen sei, sei dieser dann beim Verkauf des Lieferwagens an AO._ vorgezeigt
worden, der darauf vertraut habe, dass er richtig sei. A._ habe gewusst, dass
AO._ nicht bemerken würde, dass es sich um ein Leasingfahrzeug handle
und es daher kaufen würde (Urk. 61/8 S. 11).
1.2. Nissan Cabstar II (ND 7)
Im Anklagepunkt Ziffer IV. wird den Beschuldigten A._ und B._ zusam-
mengefasst im Wesentlichen vorgeworfen, sie hätten zusammen geplant und ver-
einbart, C._ vorgeblich für die T._ GmbH einen Lieferwagen leasen zu
lassen, obwohl A._ von Anfang an beabsichtigt habe, dessen Weiterverkauf
zu veranlassen, wovon auch B._ bereits in diesem Zeitpunkt ausgegangen
sei. Beide hätten nie die Absicht gehabt, je die gegenüber der Eigentümerin des
Lieferwagens eingegangenen finanziellen Verpflichtungen nach dessen Übergabe
zu erfüllen, wozu auch beide nicht in der Lage gewesen wären, was sie auch ge-
wusst hätten. A._ oder B._ sei mit der Garage AP._ AG in Kontakt
getreten und schliesslich habe A._ den Nissan Cabstar ausgesucht. B._
habe seine Frau ersucht, für die Firma T._ GmbH den Leasingvertrag zu un-
terschreiben, was sie auch getan habe. Am 13. November 2008 hätten sich
A._ und B._ zur Garage AP._ begeben, wobei B._ zuhanden
der Leasinggeberin CT._ eine Sonderzahlung von Fr. 13'000.– sowie die ers-
te Leasingrate in der Höhe von Fr. 802.– in bar übergeben habe. Das Geld hierzu
habe er zuvor von A._ bekommen. B._ habe den Lieferwagen nunmehr
an A._ übergeben, wobei sich B._ angesichts der bereits vorgängigen
deliktischen Handlungen im Zusammenhang mit den Leasingfahrzeugen die An-
nahme habe aufdrängen müssen, dass A._ den Lieferwagen nach der Über-
gabe veräussern würde. Nachdem dieser die Löschung des Codes 178 im Fahr-
zeugausweis mittels eines unautorisierten Löschungsbegehrens vom 2. Dezem-
ber 2008 erwirkt gehabt habe, habe er den fraglichen Lieferwagen am 5. Januar
2009 an AU._ zu einem Preis von Fr. 34'500.– verkauft. Abgesehen von ei-
ner einzigen Leasingrate sei keine weitere geschuldete Rate bezahlt worden.
Damit hätten die beiden Beschuldigten zumindest billigend in Kauf genommen,
dass das Vermögen der CT._ im Umfange des Fahrzeugwertes abzüglich
- 181 -
der geleisteten Zahlungen vermindert und ihres entsprechend vermehrt würde.
Durch dieses Vorgehen habe A._ seine Schulden gegenüber AF._ und
B._ seinerseits seine Schulden gegenüber A._ reduziert, so dass beide
vom Verkauf des Fahrzeugs profitiert hätten (Urk. 61/8 S. 11-15 und Urk. 62/9
S. 10-14).
Wie zu ND 11 wird dem Beschuldigten A._ zusätzlich vorgeworfen, die Lö-
schung des Codes 178 mittels eines nachgeahmten Löschungsbegehrens durch
eine unbekannte Täterschaft, vermutungsweise AT._, veranlasst, wenn nicht
gar selbst die Nachahmung vorgenommen zu haben. Analog zu ND 11 wird ihm
weiter vorgeworfen, dass dieser nachgeahmte Fahrzeugausweis beim Verkauf
des Fahrzeugs an AU._ vorgezeigt worden sei, der ebenfalls von dessen
Richtigkeit ausgegangen sei. Dabei habe A._ gewusst, dass der Fahrzeug-
ausweis nachgeahmt worden war, AU._ dies aber nicht bemerken und infol-
gedessen den Lieferwagen kaufen würde (Urk. 61/8 S. 15).
2. Einwendungen
2.1. Der Beschuldigte A._ lässt auch hier seine Tatbeteiligung als Vermittler
der Käufer AO._ und AU._ sowie die Organisation dieses Weiterver-
kaufs resp. die Mithilfe hierbei zugeben, bestreitet jedoch jede weitere Tatbeteili-
gung. Er betont zudem erneut, mit der Löschung des Codes 178 aus dem Fahr-
zeugausweis nichts zu tun und auch nicht vom Verkauf der beiden Nissan Cab-
star profitiert zu haben, weshalb seine Verteidigung beantragt, er sei lediglich we-
gen unrechtmässiger Aneignung im Sinne von Art. 137 Ziff. 1 StGB i.V.m. Art. 27
StGB zu verurteilen (Urk. 3/14 S. 11 f.; Prot. I S. 65-68; Urk. 133 S. 13 f. und
S. 17 f.; Urk. 207 S. 37 ff. und S. 47 ff.). Im Weiteren wendete der Beschuldigte
A._ sinngemäss ein, B._, AC._ und AD._ hätten sich abge-
sprochen und sagten jeweils das Gleiche aus, sie würden zusammenspannen, da
sie eine Familie seien (Urk. 3/12 S. 5, Urk. 3/14 S. 3).
2.2.1. Im Wesentlichen lässt der Beschuldigte B._ zu ND 11 bestreiten,
dass er vor Abschluss des Leasingvertrages durch AD._ von den Plänen
A._s zum Verkauf des Lieferwagens gewusst habe und negiert sodann im
- 182 -
Ganzen die Erfüllung des subjektiven Tatbestandes. Ausserdem sei bei der
G._ Bank AG kein Vermögensschaden eingetreten, da ja AD._ die Lea-
singraten weiterhin beglichen habe resp. begleiche, wie die Anklageschrift zutref-
fend vorbringe (Urk. 131 S. 51 ff.; Urk. 209 S. 39). Zur Eventualanklage wird be-
stritten, dass das Fahrzeug B._ anvertraut worden sei, statt dessen sei dies
AD._ resp. de facto A._ gewesen. Einzig A._ habe sich das Fahr-
zeug angeeignet und wie ein Eigentümer darüber verfügt (Urk. 131 S. 57 f.).
2.2.2. B._ lässt bezüglich ND 7 unter Verweis auf die Einwendungen zu
ND 11 namentlich bestreiten, dass geplant gewesen sei, dass er das Auto nach
eigenem Gutdünken nutzen würde, da es für die T._ GmbH bestimmt gewe-
sen sei und damit für A._, der ihm gesagt habe, der Cabstar werde zu ge-
schäftlichen Zwecken gebraucht, um Schutt und Material zu transportieren. Abge-
sehen davon habe B._ zu dem Zeitpunkt über keinen Führerausweis verfügt.
Bestritten wird auch, dass B._ geahnt habe, dass das Auto verkauft würde.
Der Verkauf sei ohne Wissen und Zutun seitens B._s alleine von A._
vorgenommen worden, was sich aus den Aussagen von AU._ ergebe. Aus-
serdem habe B._ keinen Rappen aus dem Verkauf erhalten und wisse auch
nicht, wohin der Kaufpreis letztendlich geflossen sei (Urk. 131 S. 59 ff.; Urk. 209
S. 32).
2.3. Die Verteidigungen beider Beschuldigter schieben die Schuld hinsichtlich
der Löschung der Codes 178 in den Fahrzeugausweisen jeweils dem anderen
Mitbeschuldigten resp. mutmasslich einer weiteren Person zu (Urk. 133 S. 15 f.;
Urk. 131 S. 54).
3. Unbestrittener Sachverhalt
Aufgrund objektiver Beweismittel, namentlich der im vorinstanzlichen Urteil aufge-
zählten Dokumente (Urk. 159 S. 143 f. und S. 170 f.), übereinstimmender Aussa-
gen der Beteiligten und vorliegender Zugaben (Urk. 133 S. 14 f. und S. 17 f.
[A._]; Urk. 131 S. 51 ff. und S. 59 ff. [B._]) ist folgender Sachverhalt an-
erkannt, unbestritten oder belegt und damit erstellt:
- 183 -
3.1. Nissan Cabstar I (ND 11)
B._ bat seine Schwägerin AD._ darum, ihm zuliebe in ihrem Namen ei-
nen Leasingvertrag für ein Fahrzeug für die T._ GmbH abzuschliessen, wozu
sie sich bereit erklärte, um ihm zu helfen. Im Zuge der Vertragsvorbereitung im
Hinblick auf das Leasinggeschäft über einen Nissan Cabstar gingen am 20. Okto-
ber 2008 bei der Garage AP._ AG in DR._ gefälschte Lohnausweise be-
treffend eine angebliche tatsachenwidrige Arbeitstätigkeit von AD._ von Au-
gust bis Oktober 2008 bei der Firma AE._ mit einem monatlichen Lohn in der
Höhe von Fr. 5'266.21 und ebensolche betreffend eine angebliche tatsachenwid-
rige Arbeitstätigkeit von AC._ von August bis Oktober 2008 bei der Firma
U._ GmbH mit einem monatlichen Lohn von Fr. 4'275.25 ein, obwohl beide
kein solches Einkommen erzielten (Urk. 159 S. 148 f. E. 11.3.1.2 und 11.3.1.4. je
mit Belegstellen). Weiter lagen der Garage AP._ AG zum Zeitpunkt des Ab-
schlusses des Leasingvertrages die von AD._ unterzeichneten Dokumente
"Budgetberechnung", die ebenfalls vom wahrheitswidrigen Monatslohn ausging,
"Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten" und die "Kaskobestätigung und
Zessionserklärung", je vom 21. Oktober 2008, vor. Die Garage AP._ AG hol-
te einen Betreibungsregisterauszug von AD._ ein, der bestätigte, dass weder
Betreibungen noch Verlustscheine bestünden, und die G._ Bank AG ver-
suchte - allerdings erfolglos - einen solchen von AC._ zu erhalten (Urk. ND
11/7/4). Am 21. Oktober 2008 schloss AD._ mit der G._ Bank AG den
Leasingvertrag Nr. ... betreffend den Lieferwagen der Marke Nissan Cabstar Ba-
sis (Pro) 35.13, im Wert von Fr. 42'760.– mit einer Laufdauer des Leasingvertra-
ges von 42 Monaten ab. Lieferant des Fahrzeugs war die Garage AP._ AG in
DR._, wobei die G._ Bank AG das Fahrzeug durch den Kauf bei der
Garage AP._ AG vorfinanziert hatte (Urk. ND 11/7/4/5).
Am 29. Oktober 2008 wurde der Nissan Cabstar zumindest von B._ persön-
lich bei der Garage AP._ AG abgeholt. Dabei bezahlte er die erste Leasing-
rate von Fr. 5'000.– in bar. Der auf AD._ lautende Fahrzeugausweis zum be-
sagten Nissan Cabstar war mit dem Code 178 "Halterwechsel verboten" versehen
(Urk. ND 11/7/4/9).
- 184 -
Mittels eines Löschungsbegehrens bezüglich des Codes 178 vom 3. November
2008, das mit einer nachgeahmten Unterschrift der G._ Bank AG versehen
war (Urk. ND 11/2/1), wurde die Löschung dieses Codes per 5. November 2008
durch das Strassenverkehrsamt erwirkt (Urk. ND 11/2/3).
Nach der Übergabe des Lieferwagens durch die Garage AP._ AG wurde das
Fahrzeug, dessen Fahrzeugausweis keinen Code 178 mehr enthielt, an
AO._, handelnd für die AB._ AG, verkauft (Urk. ND 11/6/1), mit wel-
chem der Beschuldigte A._ zwecks Verkaufs des Fahrzeugs Kontakt aufge-
nommen und die Details ausgehandelt hatte. Zum Verkauf bei der AB._ AG
von AO._ in DS._ [Ortschaft] waren AD._, AC._ und B._
sowie A._ erschienen. AO._ bezahlte für den Lieferwagen Fr. 38'000.–,
wobei er das Geld auf das Konto Nr. ... von AD._ bei der N._ Bank
überwies (Urk. ND 11/6/2-3), da er es abgelehnt hatte, bar zu bezahlen.
Unbestritten und belegt ist schliesslich, dass AD._ die Leasingraten auch
nach dem Weiterverkauf des Lieferwagens an AO._ weiterhin bezahlte, was
auch die Vorinstanz entsprechend festhielt (Urk. 159 S. 160). Tatsächlich ist ent-
gegen der Vorinstanz (Urk. 159 S. 323) jedoch davon auszugehen, dass aufgrund
der eingereichten Belege seitens der Privatklägerin 6 (G._ Bank AG; heute
G._ Bank AG) ein weitaus höherer Ausstand an Leasingraten anhand des
Kontoauszuges erstellt ist, und zwar ein solcher in der Höhe von Fr. 12'177.90 per
16. Februar 2011 (Urk. ND 11/4/3). Weiter ergibt sich aus diesem Kontoauszug,
dass die letzte monatliche Rate im Betrage von Fr. 929.65 am 3. Februar 2010
gutgeschrieben worden war.
3.2. Nissan Cabstar II (ND 7)
Unbestritten ist hier was folgt: B._ ersuchte seine Frau C._, den Lea-
singvertrag für einen Lieferwagen zu unterschreiben, der vorgeblich für die Firma
T._ gebraucht würde. Am 10. November 2008 unterschrieb sie im Beisein ih-
res Ehemannes im Namen der T._ GmbH, deren Geschäftsführerin sie war,
vor Ort bei der Garage AP._ AG in DR._ den Leasingvertrag für einen
Nissan Cabstar mit der Chassis-Nr. ... im Wert von Fr. 42'760.–. Am 13. Novem-
- 185 -
ber 2008 wurde der Nissan Cabstar zumindest von B._ persönlich bei der
Garage AP._ AG abgeholt. Dabei übergab er die in der Anklage genannte
Sonderzahlung und die erste Rate in bar zuhanden der CT._. Der zum be-
sagten Nissan Cabstar gehörende Fahrzeugausweis war mit dem Code 178 "Hal-
terwechsel verboten" versehen (Urk. ND 7/5/24; Urk. 159 S. 172-174 Rz. 13.3.2.-
4.; Rz.13.3.5; mit weiteren Belegstellen).
Mittels einem Löschungsbegehren bezüglich des Codes 178 vom 2. Dezember
2008, das auf eine falsche begünstigte Leasingfirma lautete (Urk. ND 7/5/25),
wurde die Löschung dieses Codes per 18. Dezember 2008 beim Strassenver-
kehrsamt Regensdorf erwirkt (Urk. ND 7/5/23d und ND 7/9/15/2).
Der fragliche Nissan Cabstar wurde alsdann nach Vermittlung durch A._ am
5. Januar 2009 unter Vorweisung des erschlichenen, keinen Code 178 mehr ent-
haltenden, Fahrzeugausweises für Fr. 34'500.– an AU._ übergeben
(ND 7/5/23b-d; ND 7/9/15/1) und von diesem am 16. März 2009 weiterverkauft
(Urk. ND 7/9/15/5). Gemäss unbestritten gebliebenen Angaben der CT._ und
der dazu von ihr eingereichten Unterlagen wies dieser Nissan Cabstar einen
Neuwert von Fr. 42'760.– auf (Urk. ND 7/5/5 und ND 7/5/7), an welchen die Son-
deranzahlung von Fr. 13'000.– und die erste Rate von Fr. 802.– angerechnet
wurden (Urk. ND 7/5/5-8). Alsdann ging per 12. Februar 2009 die zweite Rate von
Fr. 802.– ein (Urk. ND 7/5/10), so dass der Vermögensschaden ohne Zins und
Folgekosten Fr. 28'156.– betrug. Berechnet anhand der ausstehenden Leasingra-
ten gemäss Leasingvertrag, Anrechnung eines Restwertes bei vorzeitiger Ver-
tragsauflösung und Folgeschadens machte die Geschädigte einen Schaden in der
Höhe von Fr. 43'658.– geltend (Urk. ND 7/10/11/1-4), wobei sie die Straf- und Zi-
vilklage mit Eingabe vom 13. August 2014 zurückzog (Urk. 83).
4. Sachverhaltserstellung
4.1. Beweismittel
4.1.1. Bezüglich der von der Vorinstanz als nicht verwertbar beurteilten Ein-
vernahmen ist auf die Ausführungen unter dem 2. Teil C. 6. zu verweisen, wonach
diese durchaus in die Beweiswürdigung einzubeziehen sind. Auch Angaben wei-
- 186 -
terer Beteiligter, die gegebenenfalls Aussagen hierzu in Einvernahmen zu ande-
ren Anklagepunkten machten, können ohne weiteres auch für den vorliegenden
Sachverhalt berücksichtigt werden. Infolge der Bestreitung seitens A._s hin-
sichtlich jeglicher Tatbeteiligung an den Leasinggeschäften bzw. den Handlungen
vor dem Weiterverkauf der beiden Lieferwagen ist insbesondere dieser ihm von
der Anklage vorgeworfene Tatbeitrag beweismässig noch zu erstellen.
4.1.2. AD._ meldete sich am 30. September 2009 selbst bei der Polizei,
um eine Anzeige zu erstatten, da sie auch ein Fahrzeug geleast habe, das von
A._ und B._ weiterverkauft worden sei, worauf hin sie zuerst polizeilich
einvernommen wurde (Urk. ND 11/1 S. 5 und ND 11/5/1 S. 1). Als Grund für ihre
Anzeige nannte sie ihre Schwester, welche ihr von den Autos erzählt habe und ih-
ren Vertrag habe anschauen wollen, wobei sie festgestellt habe, dass es sich um
ein Leasingauto handelte (Urk. ND 11/5/1 S. 1). Sie sagte aus, sie sei von
B._ gebeten worden, für ihn bzw. die Firma "ein Auto zu nehmen". Sie sei
damit einverstanden gewesen und mit ihm und A._, der am Steuer des Autos
von B._ gesessen sei, zur Garage gefahren, wo ihr Schwager dem Garagis-
ten Fr. 5'000.– in bar übergeben habe, die er zuvor von A._ erhalten gehabt
habe. Während sie in den Büroräumlichkeiten der Autogarage den Vertrag unter-
zeichnet hätten, habe A._ bei der Tankstelle gewartet. Anschliessend hätten
sie die beiden wieder nach Hause gefahren. Weil das Auto, das sie nach dem Be-
such bei der Garage nie mehr gesehen habe, gemäss Angaben von A._
nicht mehr gebraucht würde, sei es an einen AO._ verkauft worden. Sie sei
mit ihrer kleinen Tochter, ihrem Mann, A._ und B._ zur Autogarage in
den Aargau gefahren, wo sie auf Geheiss von A._ unterschrieben habe,
nachdem sich die Männer besprochen gehabt hätten. Für den Nissan habe sie ca.
Fr. 38'000.– auf ihr Konto bekommen. A._ habe ihr einen Zettel mit einer Ad-
resse darauf gegeben, wohin sie das Geld habe überweisen müssen. Eigentlich
habe Herr A._ das Geld bar auf die Hand gewollt, was der Garagist aber ab-
gelehnt habe. Statt dessen habe er ihr das Geld überwiesen (Urk. ND 11/5/1 S. 1-
3). Sie habe dabei nur ihrem Schwager helfen wollen und ihm vertraut. Sie habe
kein Geld gehabt, um den Nissan zu kaufen, aber sie hätten ihr gesagt, dass sie
einen Kredit aufnähmen. Die Raten für das Fahrzeug zahle sie immer noch. Das
- 187 -
sei von Anfang an so abgemacht gewesen. A._ habe vor der Vertragsunter-
zeichnung durch sie gesagt, dass er dann das Geld zurückzahle, wenn es mit der
Firma dann laufe (Urk. ND 11/5/1 S. 4 f.). Diese Aussagen bestätigte AD._
später in der Konfrontationseinvernahme mit A._ zum allergrössten Teil
(Urk. 8/3 = ND 11/5/11). Sie führte jedoch noch aus, B._ habe sie zu jener
Zeit häufig besucht und sie habe zuhause "schon noch andere Sachen wegen
des Hausbaus" unterschrieben. Von einem Auto sei vor dem Besuch in der Gara-
ge AP._ aber nie die Rede gewesen. Es sei alles sehr schnell gegangen und
man habe ihr nichts darüber erzählt. Ihr Schwager habe hauptsächlich mit dem
Garagisten gesprochen, wovon sie aber vieles gar nicht verstanden habe. Dann
habe man ihr gesagt, sie solle unterschreiben, was sie auch getan habe, weil sie
B._ habe helfen wollen (Urk. 8/3 S. 7 ff.). In einem Punkt jedoch decken sich
AD._s Aussagen nicht: So bezeichnete sie zuerst A._ als denjenigen,
der ihr den Zettel mit den Kontoangaben zur Weiterleitung des Kaufpreises gege-
ben habe, wohingegen sie später angab, diesen von B._ erhalten zu haben
(Urk. 8/3 S. 12).
4.1.3. AC._ bestätigte in seiner ersten Befragung die Aussagen seiner
Frau AD._ zum Nissan Cabstar, nicht ohne sie beide in Schutz zu nehmen
und anzugeben, dass sie nicht gewusst hätten, dass das ein Leasing gewesen
sei. Betreffend die Zeit nach dem Leasing sagte er aus, A._ und B._
seien zu seiner Frau gekommen und hätten gesagt, man brauche Geld für die
Firma und müsse den Lieferwagen verkaufen. Darauf seien sie alle zu AO._
gefahren, wo das Auto verkauft worden sei. A._ habe seiner Frau gesagt,
dass sie das Geld an ihn überweisen müsse, er brauche das Geld für die Firma
(Urk. 7/7 S. 10). Anlässlich der zweiten Befragung vom März 2010 sagte er im
Zusammenhang mit dem Hauskauf in CA._ (ND 13) aus, er habe einen Kre-
dit aufgenommen, als sein Bruder das Schwimmbad gekauft habe. Er und seine
Frau hätten um die Fr. 40'000.– bis Fr. 50'000.– aufgenommen, um Herrn
A._ zu helfen, nicht jedoch für das Haus. C._ und seine Mutter hätten
aber je einen Kredit dafür aufgenommen. Seine Frau habe plötzlich ca.
Fr. 38'000.– auf ihrem Bankkonto gehabt. Als er habe Eigenmittel erbringen müs-
sen, hätten A._ und sein Bruder ihm Fr. 40'000.– in bar übergeben, die sie
- 188 -
auf der Bank einbezahlt hätten. Auch seine Frau habe das Geld, so glaube er, auf
dasselbe Konto bei der CH._ einbezahlt. Er habe keine Ahnung, woher das
Geld gekommen sei (Urk. 7/9 S. 6-9 und S. 15). Konkret auf den Nissan Cabstar
angesprochen, bestätigte AC._ seine ersten Aussagen mehrheitlich. Er gab
jetzt aber neu an, A._ und B._ hätten ihnen gesagt, sie bräuchten Geld
für die Firma, da sie bauen müssten. Weiter schwächte er seine Beteiligung ab,
indem er angab, während des Verkaufs des Nissan sei er meistens bei seiner
Frau draussen am Warten gewesen. Ausserdem gab er keinen genauen Kauf-
preis des Nissan Cabstar an, sondern grenzte ihn zwischen Fr. 35'000.– und
Fr. 40'000.– ein (Urk. 7/9 S. 17). In der Konfrontationseinvernahme mit seinem
Bruder bestätigte AC._ wiederum, dass ca. Fr. 38'000.– aus dem Verkauf
des Nissan Cabstar an AO._ auf das Konto seiner Frau gegangen seien und
sie den Betrag gemäss Anweisungen von A._ weiter überwiesen habe
(Urk. 9/3 S. 7). Auf die Frage, wer den Vertrag aufgesetzt habe, benannte er
AO._ und erwähnte, A._ sei die ganze Zeit neben ihm gestanden
(Urk. 9/3 S. 8). Damit relativierte er seine zweite Aussage, wonach er selbst
mehrheitlich draussen gewartet habe, denn eine solche Beobachtung hatte er ja
nur machen können, wenn er selbst dabei gewesen ist.
4.1.4. C._ sagte aus, dass sie die Firma T._ GmbH gekauft habe,
weil ihr Ehemann gesagt habe, sie müssten das, weil sie damit Häuser bauen und
so ihre Schulden bei A._ zurückbezahlen könnten (Urk. 8/6 S. 8). Zum Lea-
sing des Nissan Cabstar bei der Garage AP._ AG (ND 7) sagte sie insbe-
sondere, sie wisse nicht, wer mit der Garage verhandelt habe, es sei alles vorbe-
reitet gewesen und sie habe einfach unterschrieben. Ihr Ehemann habe ihr auf ei-
ne entsprechende Frage geantwortet, A._ habe den BMW X5 und den
Nissan Cabstar genommen, sie wisse aber nicht, was anschliessend damit ge-
schehen sei (Urk. 8/6 S. 15 f.). Sie sei sich aber hundertprozentig sicher, dass ihr
Mann ihr gesagt habe, dass er das Geld für die Anzahlung und die erste Rate am
Vormittag von A._ erhalten gehabt habe. Sie hätten ja kein Geld gehabt
(Urk. 8/6 S. 16).
- 189 -
4.1.5. a) B._ sagte zum Hergang, wie es zum Leasing des Nissan Cab-
star durch AD._ (ND 11) gekommen sei aus, A._ habe ihm gesagt, sie
würden noch Geld für die Baufinanzierung (sc. CA._ ND 13) benötigen. Er
solle seine Schwägerin holen, er (A._) habe ein Fahrzeug gesehen und das
Leasing vorbereitet. Dann solle B._ ihm das Fahrzeug geben, er würde es
verkaufen und die Leasingraten bezahlen. Das Geld würde A._ ihm dann
überweisen. So habe er seiner Schwägerin AD._ gesagt, sie solle mitkom-
men, worauf sie zur Garage gegangen seien, wo die Leasingformalitäten ausge-
fertigt worden seien (Urk. 4/13 = ND 11/5/2 S. 2). Bezüglich dem Geld aus dem
Verkauf des Nissan Cabstar (ND 11) sagte er aus, dieses sei auf ein Konto seines
Bruders AC._ einbezahlt und von diesem dann auf das Konto der Baufirma
in CA._ überwiesen worden (Urk. 4/13 S. 2 und 7 sowie Urk. 8/2 S. 28). Aus-
serdem bestätigte B._ auch, zwei, drei Mal bei der Garage AP._ in
DR._ gewesen zu sein und dass es sich um zwei Nissan Cabstar gehandelt
habe (Urk. 4/13 S. 4). Noch am Tage des Kaufes (sc. Übergabe des Leasingfahr-
zeugs durch die Garage AP._ AG) habe er den Nissan an A._ überge-
ben und das Fahrzeug danach bis zum Verkauf bei AO._ nicht mehr gese-
hen (Urk. 4/13 S. 5). B._ räumte auch ein, es könne möglich sein, dass bei
der G._ Bank gefälschte Lohnausweise im Namen von AD._ eingereicht
worden seien; das "Zeugs" habe eigentlich immer alles A._ organisiert. Sie
hätten dann immer nur das Auto abgeholt (Urk. 4/21 S. 6). Schliesslich sagte er
vor Vorinstanz zu ND 11 aus, A._ habe alles vorbereitet und gesagt, es sei
für die Finanzierung des Hauses. Er erklärte dem Gericht, man könne das Haus
finanzieren, indem man ein (sc. geleastes) Auto weiterverkaufe. Damals sei das
Auto ja gar nicht bezahlt worden. Die Anzahlung sei tief gewesen und der Wert
des Autos hoch. Der Erlös aus dem Verkauf sei in die T._ geflossen; aller-
dings habe man dann eine Schuld gehabt (Prot. I S. 39).
b) Zum Leasing des anderen Nissan Cabstar durch seine Frau C._ (ND 7)
gab B._ zu, zusammen mit ihr mehrere Fahrzeuge geleast und die Fahrzeu-
ge dann verkauft zu haben. Alles das, damit der Code nicht mehr im Fahrzeug-
ausweis sichtbar gewesen sei, habe Herr A._ irgendwie gemacht. Seine Frau
habe die Firma T._ GmbH von Herrn A._ gekauft. Der Zweck sei gewe-
- 190 -
sen, ein Haus zu bauen. Dieses stehe in CA._ an der AG._-Strasse
(Urk. 4/3 S. 1 f.). Für die Firma T._ GmbH seien ca. drei Fahrzeuge ange-
schafft worden, er wisse es aber nicht mehr sicher. Er habe den BMW X5 (sc. ND
3) ausgesucht, A._ den Pick-up (Urk. 4/3 S. 3 f.). Er sagte aus, er wisse nicht
mehr genau, wohin das Geld aus dem Autoverkauf genau hingegangen sei. Er
habe eine Menge offener Rechnungen und Lohn des Hausbaus bezahlt. Auch
habe er A._ das Geld zurückbezahlt, welches er ihm vorgeschossen habe
(Urk. 4/3 S. 7). Weiter sagte er aus, sie hätten das Auto geleast und am gleichen
Tag habe es A._ mitgenommen. Er habe ihm gesagt, dass er schauen wer-
de, dass es der Firma wieder gut gehen würde; dann habe er das Auto verkauft
(Urk. 4/3 S. 8 f.). Diese Aussagen bestätigte der Beschuldigte B._ anlässlich
der Hafteinvernahme (Urk. 4/4 S. 3 f.) und auch später nochmals, wobei er be-
kräftigte, dass A._ alles für das Leasing vorbereitet gehabt habe und er mit
seiner Frau nur zur Unterzeichnung zur Garage AP._ gegangen sei (Urk. 4/6
S. 2 ff.). Er habe seine Frau überzeugt, den Vertrag zu unterschreiben. Bei dieser
Gelegenheit habe er eine Anzahlung von Fr. 13'000.– geleistet. Das Geld habe er
vorgängig von A._ erhalten. Er selbst habe keine solchen liquiden Mittel zur
Verfügung gehabt, auch nicht solche für die Bezahlung der Leasingraten (Urk. 4/6
S. 6). Er habe zusammen mit A._ den Nissan abgeholt und ihm das Auto
nach der Entgegenahme noch am gleichen Tag übergeben. A._ habe das
Auto zu sich genommen und wo er es gelassen habe, wisse er nicht (Urk. 4/6
S. 7). Er habe erst nachträglich erfahren, dass das Auto verkauft worden sei, aber
er sage den Namen nicht, da er nicht noch mehr Probleme haben wolle. Auf Vor-
halt, dass das Auto an AU._ verkauft worden sei, sagte er, das glaube er
nicht, das Auto sei an eine andere Person verkauft worden. Auf Nachfrage be-
zeichnete er einen AO._ als Käufer, nämlich denjenigen, welcher die Garage
an Frau W._ verkauft habe. Weiter zu AO._ befragt, sagte er aus, er
wisse, dass er Autogaragen habe, dass er Häuser baue und ein gefährlicher Typ
sei (Urk. 4/6 S. 8). A._ habe das Auto dann verkauft, obwohl er gewusst ha-
be, dass es sich um ein Leasingfahrzeug gehandelt habe, denn er habe ja alles
vorbereitet. A._ hätte auch einen Teil der Leasingraten zahlen sollen
(Urk. 4/6 S. 7 - 9). Gefragt, was er mit dem Geld aus dem Autoverkauf (sc. ND 3)
- 191 -
gemacht habe, antwortete B._, er sei auf das Objekt, also auf das Haus (sc.
CA._), konzentriert gewesen und nicht auf andere Sachen (Urk. 4/7 S. 7). Zu
ND 4 befragt, sagte B._ weiter aus, im Büro seien drei, vier solche Formulare
(sc. betreffend Löschung des Code 178) herum gelegen und Frau W._ könne
dazu sicher mehr Angaben machen (Urk. 4/8 S. 11). B._ verneinte in der Be-
fragung zu ND 6 sodann ausdrücklich, dass er jemals versucht habe, für Fahr-
zeuge den Code 178 löschen zu lassen. Er habe im Büro an der CK._-
Strasse aber schon solche Formulare gesehen (Urk. 4/9 S. 7). Mit seiner ersten
Aussage konfrontiert, wonach der Nissan nicht an AU._ sondern an einen
AO._ verkauft worden sei, gab B._ an, dass er sich nicht mehr sicher
sei, ob AO._ zwei oder nur einen Nissan hatte (Urk. 4/13 S. 7). Auf Vorhalt
der Aussage von AU._, wonach dieser anlässlich einer Fotokonfrontation
A._ als Verkäufer des Nissan Cabstar erkannt habe und lediglich A._
(sc. nicht aber B._) kenne, sagte B._ aus, ja, Herr A._ habe so-
wieso alle Autos verkauft (Urk. 4/20 S. 5). Im Übrigen bestritt er jedoch, dass
A._ ausser einmal beim Büromöbel-Zügeln je bei ihm zuhause in DT._
[Ortschaft] gewesen sei und fügte an, bei ihm zuhause sei kein Platz für andere
Autos gewesen (Urk. 4/20 S. 3 f.). Vor Vorinstanz bestätigte B._ ausdrück-
lich, das Ziel des Leasingvertrages sei es gewesen, an Bargeld zu kommen oder
diesen fürs Geschäft zu brauchen (Prot. I S. 40).
4.1.6. W._ gab spontan, von sich aus und glaubhaft an, dass von
A._ und B._ von Anfang an geplant gewesen sei, die geleasten Fahr-
zeuge zu verkaufen, wobei A._ auf diese Idee gekommen sei (Urk. 5/4 S. 3
und 5). Weiter sagte sie aus, so viel sie wisse, seien über die T._ zwei Fahr-
zeuge geleast und verkauft worden, ein Nissan und ein BMW. Auf die Frage, wer
die Codes (sc. "Halterwechsel verboten" in den Fahrzeugausweisen) habe lö-
schen lassen, bezeichnete sie den Beschuldigten A._. Sie habe ihn mit den
Löschungsformularen in den Händen gesehen, als diese noch leer gewesen sei-
en. Wie er das Formular ausgefüllt und gestempelt habe, habe sie aber nicht ge-
sehen. In CN._ im Büro habe A._ das ausgedruckt (Urk. 5/4 S. 5 f.;
Urk. 5/5 S. 17 f.; Urk. 5/8 S. 5 f.; Urk. 8/1 S. 29).
- 192 -
4.1.7. AO._ sagte in der polizeilichen Einvernahme vom 15. Februar
2010 aus, A._ habe ihm die Leute gebracht, welche den Nissan Cabstar ver-
kaufen wollten, es sei sein Mann und eine Frau gewesen. Das Fahrzeug sei auf
die Frau oder eine Firma eingelöst gewesen, das wisse er nicht mehr genau. Das
Fahrzeug habe A._ zu ihm in seine Garage nach DS._ gebracht, wo der
Verkauf stattgefunden habe (Urk. ND 11/5/14 S. 6 f.). Auf entsprechende Frage
sagte AO._, er habe den Fahrzeugausweis angeschaut, es sei kein Code
178 'Halterwechsel verboten' eingetragen gewesen, als A._ ihm den Wagen
gebracht habe. Er habe nicht gewusst, dass es sich um ein Leasingfahrzeug ge-
handelt habe. Hätte er das gewusst, hätte er das Fahrzeug sicher nicht gekauft
(Urk. ND 11/5/14 S. 8). In der Konfrontationseinvernahme vom 4. Mai 2010 bestä-
tigte er diese ersten Aussagen (Urk. 8/9). Er bekräftigte erneut, A._ habe den
Verkauf organisiert, er sei auf ihn zugekommen und habe ihm den Lieferwagen
angeboten und ihm gezeigt (Urk. 8/3 S. 12). Er fügte an, er habe darauf bestan-
den, dass der Eigentümer persönlich anwesend sein müsse und zu 90 % sei er
sich sicher, dass die Frau, welche mit zum Verkauf gekommen sei, den Vertrag
unterschrieben habe (Urk. 8/3 S. 13).
4.1.8. AU._ sagte bezüglich des Kaufs des zweiten Nissan Cabstar (ND
7) zunächst aus, er habe A._ irgendwo getroffen und sei mit ihm ins Ge-
spräch gekommen, wobei A._ ihm gesagt habe, dass er einen Lieferwagen
verkaufe. Es sei ein interessantes Angebot gewesen und der Lieferwagen sei wie
neu gewesen (Urk. ND 7/9/14 S. 2). Er sei dann zwei Tage vor dem eigentlichen
Kauf den Lieferwagen in DH._- oder DH1._ anschauen gegangen und
dort hätten sie auch den Preis abgemacht. Zwei Tage später sei er dann den Lie-
ferwagen in ... holen gegangen und habe ihn bezahlt, wobei er nicht sicher sei,
wo es genau gewesen sei. Verhandelt habe er nur mit A._ (Urk. ND 7/9/14
S. 3 f.). Beim Kauf habe er den Fahrzeugausweis gesehen, ob der Code 178 ein-
getragen war, glaube er nicht, aber er habe nicht geschaut. Hätte er gewusst,
dass es sich um ein Leasingfahrzeug gehandelt habe, hätte er es nie gekauft,
aber das habe man ihm nie gesagt (a.a.O. S. 4 f.). Nachdem er mit der Polizei die
in Frage kommenden Örtlichkeiten abgefahren war, sagte AU._ aus,
A._ sei in DT._ (sc. am Wohnort von B._) in einer Wohnung ver-
- 193 -
schwunden und habe entweder Fahrzeugschlüssel oder die Papiere oder den
Vertrag geholt. Im Büro in CN._ seien nebst ihm und A._ noch zwei
Männer anwesend gewesen, die er nicht gekannt habe (Urk. ND 11/9/16 S. 2 f.).
Beim Büro habe er das Auto erhalten. Sein Bruder sei auch dabei gewesen, der
ihm mit dem Geld geholfen habe. Das Geld habe er in DT._ übergeben (Urk.
ND 11/9/16 S. 4 f). Erst anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit A._
sagte AU._ aus, dass er A._ in der Garage bei AO._ getroffen ha-
be, wo er darauf angesprochen worden sei, ob er Interesse an dem Fahrzeug ha-
be. Er wisse nicht mehr, ob das Angebot zu einem Preis von ca. Fr. 34'000.– von
A._ oder AO._ aus gegangen sei (Urk. 8/12 S. 9). Zum ersten Mal sagte
er zudem aus, er sei zusammen mit AO._ nach DT._ gegangen, um den
Nissan Cabstar anzuschauen. Ein jüngerer und ein älterer Herr hätten ihm das
Fahrzeug gezeigt; A._ sei nicht dabei gewesen. Ein paar Tage nach der Be-
sichtigung sei er mit AO._ in diese Büroräumlichkeiten nach CN._ ge-
gangen, um das Fahrzeug abzuholen, wo wieder ein jüngerer und ein älterer Herr
anwesend gewesen seien; A._ sei nicht dabei gewesen (Urk. 8/12 S. 10).
Auf Vorhalt seiner früher gemachten Aussagen, wonach er A._ auf dem Fo-
tobogen bezeichnete und aussagte, er sei mit A._ nach DT._ gefahren,
gab er an, es nicht mehr genau zu wissen, er wolle niemanden falsch beschuldi-
gen, vielleicht sei es auch B._ gewesen, er wisse es nicht. In Bezug auf die
Kontaktperson, mit der er die Verhandlungen geführt habe, gab er wiederum an,
es sei dieser junge Mann gewesen und AO._ sei auch dabei gewesen,
A._ hingegen nicht. In dem Restaurant in DH._ sei A._ nicht dabei
gewesen, glaube er (Urk. 8/12 S. 11). Darüber, ob er den Kaufpreis von
Fr. 34'000.– in den Büroräumlichkeiten der Firma T._ GmbH in CN._
übergab oder erst bei Erhalt der Abgas- und Fahrzeugdokumente in DT._
(sc. am Wohnort des Beschuldigten B._; Urk. ND 7/9/16 Fotobeilage), mach-
te er widersprüchliche Aussagen (Urk. ND 7/9/16 S. 4; Urk. 8/12 S. 11 f.), blieb
jedoch dabei, dass der Kaufpreis bar bezahlt worden sei (Urk. 8/12 S. 12).
- 194 -
4.2. Beweiswürdigung
4.2.1. Die Vorinstanz geht davon aus, es ergäben sich keine Anhaltspunkte,
wonach die Aussagen von AD._, AC._ und B._ untereinander ab-
gesprochen worden wären (Urk. 159 S. 148). Das trifft nicht zu, denn sowohl
B._ wie auch sein Bruder AC._ gaben zu, sich mit A._ und
AF._ im Hinblick auf die polizeiliche Befragung (sc. im Januar 2009 zu ND 3)
in einem Restaurant getroffen zu haben, um ihre Aussagen abzusprechen (siehe
oben 3. Teil D I. 4.2.). Ausserdem fällt auf, dass sich AD._ erst nach der
Haftentlassung ihrer Schwester C._ (sc. 25. September 2009) bei der Polizei
meldete und sowohl vom zeitlichen Zusammenhang als auch von ihrer eigenen
Angabe her, weshalb sie zur Polizei ging, kein Zweifel verbleibt, dass sie über den
Gegenstand der laufenden Strafuntersuchung von C._ informiert worden war
und sie ihre ersten Aussagen in Kenntnis dieser Umstände machte. Das trifft ge-
mäss eigenen Angaben ebenfalls auf AC._ zu (Urk. 7/9 S. 16). Es kann da-
her nicht ohne weiteres auf die Aussagen von AD._ und AC._ abgestellt
werden, solange nicht objektive Anhaltspunkte vorliegen, wonach sich ihre Anga-
ben als glaubhaft erweisen, zumal sie als Direktbetroffene bezüglich des Grund-
stückkaufs und des Baus in CA._ (ND 13) einerseits allfällige Nutzniesser
aus deliktisch erlangtem Geld wären und andererseits auch durch die familiären
Bande und das gemeinsame Vorgehen mit B._ betreffend Hausbau ein per-
sönliches Interesse am Ausgang des Verfahrens haben. Bezüglich der Glaubhaf-
tigkeit der Aussagen von C._ kann dagegen auf die Erwägungen oben unter
3. Teil B. I. 6. verwiesen werden.
4.2.2. Die diesbezüglich übereinstimmenden Aussagen von B._ und
W._ lassen keinen anderen Schluss zu, als dass das Motiv für die Fahrzeug-
leasings und den Verkauf der Autos darin bestand, Geld für das Bauprojekt in
CA._ (siehe dazu 3. Teil C. I. 4.2.2.) erhältlich zu machen. So erläuterte
B._ vor Vorinstanz zu ND 11 anschaulich, wie aus dem "Verkauf" eines Au-
tos, das man ja eigentlich noch gar nicht bezahlt hatte, dessen Wert aber um vie-
les höher war, Kapital zu gewinnen war. Auch zu ND 7 sagte er aus, das Ziel des
Leasingvertrages sei es gewesen, an Bargeld zu kommen oder diesen fürs Ge-
- 195 -
schäft zu brauchen (Prot. I S. 40). Das deckt sich auch mit seiner Aussage zu ND
3, wonach er damals in der Krise gewesen sei und das Geld gebraucht habe
(Urk. 4/3 S. 3 und S. 5) und seiner frühen Aussage vom 5. Oktober 2009, wonach
ein Teil aus dem Autoverkauf (sc. ND 3) in den O._ zwecks Gründung einer
Firma und ein Teil zurück an A._ gegangen sei, bei dem er noch Schulden
gehabt habe (Urk. 4/7 S. 7). Auch W._ hielt ausdrücklich fest, dass die Be-
schuldigten A._ und B._ via den Verkauf von geleasten Autos zu Geld
hatten kommen wollen und das Vorgehen auf Initiative von A._ hin in die Tat
umsetzten (Urk. 5/4 S. 5; siehe auch oben 3. Teil C. I. 4.7.). Selbst A._ be-
stätigte - allerdings unter Verneinung seiner Mitwirkung - dieses Motiv, indem er
aussagte, dass B._ aus dem Verkauf der geleasten Autos die Eigenmittel für
den Grundstückkauf (sc. CA._ ND 13) zusammengebracht habe (Urk. 3/12
S. 24).
4.2.3. Alle Beteiligten sagten wie erwähnt übereinstimmend aus, AD._
habe den Verkaufserlös aus dem Nissan Cabstar I gemäss Anweisungen von ih-
rem Bankkonto auf ein anderes weiter überwiesen. Dass es sich dabei um das
Konto des Baukonsortiums AG._ handelte, verschwiegen dabei sowohl sie
als auch ihr Ehemann und B._, was bei ihrer Beteiligung als Mitglieder des
Baukonsortiums AG._ und damit Käufer des Grundstückes und Bauherren
(Urk. ND 13/4/9, ND 13/8/5 und ND 13/6/15) ohne weiteres als Handlung zu ihrem
eigenen Schutz und ihrer Entlastung zu qualifizieren ist. Auch die Aussage von
AC._, seine Frau habe die sich "plötzlich" auf ihrem Konto befundenen
Fr. 38'000.– zwar auf das Baukonto einbezahlt, er wisse aber nicht, woher das
Geld gekommen sei, ist in diesem Lichte als reine Schutzbehauptung zu sehen.
Dass es sich dabei um den Verkaufserlös aus dem Verkauf des Nissan Cabstar
an AO._ handelte, ergibt sich zweifelsfrei aus den diesbezüglichen Aussagen
von AD._ und AO._, wonach er den Kaufpreis von Fr. 38'000.– auf ihr
Konto überwiesen habe (Urk. 8/9 S. 14), was wiederum gestützt wird durch zwei
Dokumente, einerseits den schriftlichen Kaufvertrag vom 7. November 2008 und
die Posteinzahlungsquittung der Bezahlung des Betrages auf das Bankkonto von
AD._ vom gleichen Tag (Urk. ND 11/6/1-2) und andererseits dadurch, dass
es sich beim fraglichen Konto um jenes von AD._ handelte. Dies wiederum
- 196 -
wird bestätigt durch eine Kopie der entsprechenden Bankkarte (Urk. ND 11/6/3),
die AO._ angefertigt und den Untersuchungsbehörden eingereicht hatte
(Urk. ND 11/3 S. 3). Die Aussagen von AO._ erweisen sich als zutreffend, so
dass auf sie abgestellt werden kann. Ebenfalls betrifft dies die Angaben von
AD._ zur Bezahlung des Kaufpreises, wobei einzuräumen ist, dass sie es
vermied, anzugeben, wofür das Geld anschliessend verwendet wurde.
Dass AD._, AC._ und B._ nicht so ahnungslos waren, wie sie das
selber darzustellen versuchten, zeigt sich aus dem nachgewiesenen Zusammen-
hang mit dem von ihnen angestrebten Bauvorhaben CA._: So erfolgte der
Verkauf der beiden Nissan Cabstar, die am 29. Oktober 2008 und 13. November
2008 von der Garage AP._ AG übernommen worden waren, in einer Phase,
als B._ am 7. November 2008 nachweislich das Formular der CH._ ...
betreffend die Identifikation der Mitglieder des Baukonsortiums "AG._" unter-
zeichnet hatte (Urk. ND 13/4/10). Damit ist als erstellt davon auszugehen, dass al-
le Beteiligten, die ja am 13. November 2008 die Produktevereinbarung mit der
CH._ unterschrieben, so namentlich AD._, AC._ und B._
(Urk. ND 13/4/9), im Hinblick auf das Bauvorhaben und im Zusammenhang mit
dem bereits lange Zeit vorliegenden Kaufvertragsentwurf über das fragliche
Grundstück (Urk. ND 13/6/4 [1. Kauvertragsentwurf]; Urk. ND 13/6/10-11 [2. Kau-
vertragsentwurf]) bereits im Vorfeld und damit vor dem 7. November 2008 wuss-
ten, in welcher Grössenordnung von ihnen das Erbringen von Eigenmitteln erwar-
tet wurde. Dass sich auf dem von B._ ab dem Computer von A._ resp.
der Firma T._ GmbH sichergestellten USB Memory Stick das Dokument mit
dem Dateinamen "Kuvertrag envurf (AC._) B._.doc" und dem Titel
"Werkvertrag", erstellt am 12. Oktober 2008 vom Autor "...", befand (Urk. 18/4/9,
insb. auch letzte Seite; Urk. 18/1-2 und Urk. 18/8/6 sowie 18/7 S. 1-2), das der
Käuferschaft gemäss glaubhafter Aussage von B._ von A._ zur Unter-
schrift vorgelegt worden war (Urk. 18/7 S. 5), stellt ein weiteres wichtiges Indiz da-
für dar, dass die bereits im Entwurf als Käuferschaft aufgeführten AD._,
AC._ und B._ den Kaufpreis des Grundstücks von Fr. 255'000.– und
den Werkpreis von Fr. 510'000.– bereits rund eine Woche vor dem Abschluss des
ersten Leasingvertrages (ND 11) kannten (Urk. 18/4/9 S. 1 und 2). Schliesslich
- 197 -
wird die Aussage von AC._, wonach er Fr. 40'000.– auf das Baukonto bei
der CH._ einzahlte und seine Frau den Betrag von Fr. 38'000.– ebenfalls
dorthin überwies (siehe oben 3. Teil E I 4.1.3.) durch den entsprechenden er-
wähnten Kontoauszug bestätigt (Urk. EIZ 25/33). Damit kann als erstellt davon
ausgegangen werden, dass der Verkaufserlös des ersten Nissan Cabstar via
AD._ direkt in das Bauvorhaben CA._ floss, was - zumindest von
B._ und A._ - so geplant gewesen war.
4.2.4. Entgegen der Vorinstanz (Urk. 159 S. 172) kann nicht uneingeschränkt
auf die Aussagen von AU._ abgestellt werden. So veränderte er in jeder Ein-
vernahme die Beteiligten, sprach zuerst nur in der Einzahl von sich selbst als
Handelnden und erwähnte einzig A._ als Kontaktperson auf Seiten der Ver-
käuferschaft namentlich und gab an, A._ eigentlich nicht zu kennen, ihn über
andere Kollegen kennen gelernt zu haben und mit ihm sonst keine Geschäfte
gemacht zu haben. Anlässlich der zweiten Befragung rund zwei Monate später
gab er dann neu an, er sei zusammen mit A._ nach DT._ gefahren und
zuletzt gab er an, AO._ habe ihn begleitet, wovon zuvor noch nie die Rede
gewesen war. Zudem fällt auf, dass der Zeuge bei den polizeilichen Einvernah-
men unmissverständlich und an mehreren Stellen aussagte, dass er nur mit
A._ über den Kauf des Lieferwagens verhandelt habe (Urk. ND 7/9/14 S. 3;
Urk. ND 7/9/16 S. 2 und 4), wohingegen er in der Konfrontationseinvernahme be-
stritt, dass A._ in DH._ und im Büro in CN._ anwesend gewesen
sei und gar angab, sich nicht sicher zu sein, ob das Kaufangebot von A._
oder AO._ ausgegangen sei. Weiter ist nicht nachvollziehbar, dass
AU._ den Lieferwagen einmal in DH._ und einmal in CN._ ange-
schaut haben will, welche Ortschaften derart weit auseinander liegen, dass eine
Verwechslung nicht möglich ist. Schliesslich war sich der Zeuge nicht einmal
mehr sicher, ob er das Fahrzeug beim Büro in CN._ abholte oder bei
AO._. Ausserdem ist zu berücksichtigen, dass AU._ den Weiterverkauf
des Nissan Cabstar schriftlich im Namen der DU._ GmbH, ..., unterzeichnete
(Urk. ND 7/9/15/5), welche gemäss eigenen Aussagen von AU._ einen sil-
berfarbenen Mercedes ML zum Verkauf inseriert habe, den er zuvor auf Vermitt-
lung von AO._, B._ oder A._ abgekauft gehabt habe und der dann
- 198 -
aber nicht habe verkauft werden können, da es sich um ein Leasingfahrzeug ge-
handelt habe, was durch einen Telefonanruf einer anderen Garage herausge-
kommen sei. Er habe dann das Fahrzeug wieder zurückgegeben und das Geld
zurückverlangt, das er bezahlt hatte. Er habe von AO._ verlangt, dass er bei
der Rückübergabe dabei sei, da er den Kontakt hergestellt hatte. Vielleicht habe
das in der Garage von AO._ stattgefunden, das wisse er nicht mehr. Das
Geld habe er von B._ erhalten. Damit konfrontiert, dass er angegeben hatte,
B._ gar nicht zu kennen, sagte er, vielleicht sei es auch A._ gewesen
(Urk. 8/12 S. 5 ff.). Aus diesen Aussagen ergibt sich ohne Zweifel, dass AU._
AO._ gut kannte und sich öfters in seiner Garage in DS._ aufhielt. Es
ergibt sich daraus aber weiter, dass er sowohl B._ wie auch A._ im Zeit-
raum Juli 2008 bis Anfang 2009 (Urk. 8/12 S. 4) bereits einmal begegnete, ohne
dass dies einen Zusammenhang mit dem Verkauf des Nissan Cabstar gehabt hät-
te und er in ein anderes Geschäft verwickelt war, bei dem es um den Verkauf ei-
nes geleasten Fahrzeugs ging. Diese Umstände sprechen für die allergrösste Zu-
rückhaltung bei der Würdigung seiner Aussagen. Dass AU._ in der Konfron-
tationseinvernahme mit A._ dessen Anwesenheit beim Verkauf und der
Übergabe des Nissan Cabstar weitgehend leugnete, ist angesichts seiner abwei-
chenden ersten Aussagen als Schutzbehauptung angesichts der direkten Kon-
frontation zu werten. Insgesamt ergibt sich somit, dass die Aussagen von
AU._ nicht zuverlässig sind, so dass auf sie nur insoweit abgestellt werden
kann, als sie durch andere Beweismittel gestützt werden.
Nachdem erstellt ist, dass A._ derjenige war, der den Verkauf der geleasten
Autos vermittelte und organisierte, B._ von Anfang an aussagte, beide
Nissan Cabstars seien an AO._ gegangen und er auch nach der Konfrontati-
on mit der Aussage von AU._ dabei blieb und lediglich einräumte, sich nicht
mehr sicher zu sein, kann als erstellt davon ausgegangen werden, dass der zwei-
te Nissan Cabstar an AO._ ging und von ihm oder unter seiner Mitwirkung an
AU._ verkauft wurde. Die Aussagen von B._, wonach er den Nissan
Cabstar nach der Übergabe durch die Garage AP._ noch gleichentags an
A._ zwecks Verkaufs übergab, sind aufgrund des gesamten Kontextes
durchaus glaubhaft, hatte doch A._ die entsprechenden Kontakte - wie unter
- 199 -
anderem AO._ resp. die AB._ AG - und eben nicht B._. Ausserdem
ist auf die glaubhafte Aussage von B._ abzustellen, dass der Verkaufserlös
des Nissan Cabstar II auf das Konto von AC._ einbezahlt worden sei, wovon
dieser es auf das Baukonto überwiesen habe (siehe vorstehend 3. Teil E. I.
4.1.5), wobei hier - angesichts der zwei gleichen Lieferwagen - ohne weiteres von
einer Verwechslung ausgegangen werden kann und er effektiv den zweiten
Nissan Cabstar meinte, denn es wurde ja nachgewiesen, dass der Verkaufserlös
des ersten Nissan Cabstar von AO._ auf das Konto von AD._ eingezahlt
und von ihr auf das Baukonto überwiesen wurde (siehe oben 3. Teil E. I. 4.2.3.).
Das wird auch durch den engen zeitlichen Zusammenhang untermauert, da
AC._ am Übergabetag des Nissan Cabstar II die Überweisung der
Fr. 40'000.–, von welchen er eingestand, sie von A._ und B._ erhalten
zu haben, auf das Baukonto vornahm (siehe dazu oben 3. Teil C. I. 4.2.2.). Es ist
daher erstellt, dass zumindest der zugegebene Betrag des Verkaufserlöses von
Fr. 34'500.– direkt in das Bauvorhaben investiert wurde.
4.2.5. Angesichts des Umstandes, dass dem Beschuldigten A._ von der
Verkäuferin des Grundstücks AG._ in CA._ eine letzte Frist bis spätes-
tens am 6. November 2008 gesetzt worden war, um den Kaufvertrag zu unter-
zeichnen, ansonsten man sich an Zweitinteressenten wenden werde
(Urk. ND 13/6/14), die nachmaligen Käufer, AD._ und AC._ sowie
B._, jedoch nicht über das erforderliche Geld verfügten (Urk. 7/9 S. 2 ff.;
Urk. 8/4 S. 8 [AC._]), A._ aber das Grundstück schon seit dem März
2008 hatte kaufen wollen (Urk. ND 13/6/1-9), verbleibt kein anderer Schluss, als
dass der Beschuldigte A._ ebenfalls ein eigenes Interesse am Zustande-
kommen des Grundstückverkaufs hatte und in dessen Zuge zusammen mit der
Käuferschaft daran ging, Fahrzeuge zu leasen, um sie anschliessend zu verkau-
fen und das so erhaltene Geld in das Bauvorhaben einzubringen. Dieses Vorge-
hen wurde denn auch von W._ schon früh eindeutig und ausführlich darge-
legt und schliesslich - vom Zweck her - auch von A._ bestätigt. Dass er die
Initiative daran und seine Beteiligung abstritt, ist als reine Schutzbehauptung zu
werten und angesichts seines unzuverlässigen und mit Lügen gespickten Aussa-
geverhaltens und des erstellten Sachverhaltes ausserdem völlig unglaubhaft.
- 200 -
4.2.6. Im Übrigen ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass die Aussagen
von W._ und B._ in Bezug auf die Formulare betreffend die Löschung
des Codes 178 aus den Fahrzeugausweisen als glaubhaft zu beurteilen sind
(Urk. 159 S. 174 - 177). Ihre Erwägungen zur Löschung des Codes zu ND 11
überzeugen und der Hinweis auf die sich entsprechenden Unterschriften bezüg-
lich des von B._ geleasten Opels Astra Caravan stellt ein wichtiges Indiz für
das gemeinsame Vorgehen der Beschuldigten B._ und A._ dar
(Urk. 159 S. 155 f.). Dass der Beschuldigte A._ ganz grundsätzlich nicht da-
vor zurückschreckt, Dokumente für seine Zwecke zu fälschen, ergibt sich zum ei-
nen aus der Sachverhaltserstellung zu ND 12 (siehe 3. Teil H. II. 2.) und zum an-
deren aus der einschlägigen Vorstrafe vom 9. Juni 2004. Mit Strafbefehl des Be-
zirksamtes Baden wurde der Beschuldigte A._ rechtskräftig des versuchten
Betruges und der Urkundenfälschung schuldig gesprochen, weil er zwecks Er-
halts eines Kredites bei der G1._ Bank in ... die vorgelegten Lohnabrech-
nungen der Monate September und Oktober 2003 auf seinem Computer derart
verfälschte, dass sie ein höheres als das tatsächliche Einkommen auswiesen
(Beizugsakten ST.2004.1005 des Bezirksamtes Baden / Kanton Aargau). Auch für
B._ trifft aber zu, dass er vor einer Fälschung von Dokumenten nicht zurück-
schreckte, gab er doch zu, für seine Ehefrau C._ und seine Schwägerin
AD._ Lohnausweise ausgestellt zu haben, die einen Monatslohn auswiesen,
welchen er resp. seine Firma AE._ gar nicht ausbezahlt hatte (Urk. 4/20
S. 6 ff.). Ausserdem gestand er, dass er seinem Bruder AC._ inhaltlich fal-
sche Lohnabrechnungen der U._ GmbH habe zukommen lassen, die er von
A._ erhalten gehabt habe und diesem dafür Fr. 4'000.– bezahlt habe
(Urk. 4/20 S. 6). Diese Aussagen werden durch die entsprechenden sichergestell-
ten Dokumente gedeckt, die der G._ Bank AG mit dem Leasinggesuch ein-
gereicht worden waren (Urk. ND 11/7/4/12 und 11/7/4/15).
Unbestrittenermassen und nachweislich wurden gefälschte Löschungsbegehren
bezüglich des Codes 178 "Halterwechsel verboten" beim Strassenverkehrsamt
Regensdorf und Zürich eingereicht, gestützt worauf entsprechende Fahrzeug-
ausweise ohne den Code 178 ausgestellt wurden (Urk. ND 7/5/25 [Amtl. Formular
Löschungsbegehren] i.V.m. Urk. ND 7/5723d [Fahrzeugausweis ohne Code 178];
- 201 -
Urk. ND 11/2/1 [Amtl. Formular Löschungsbegehren] i.V.m. Urk. ND 11/8/7 [Fahr-
zeugausweis ohne Code 178] und Urk. ND 11/2/3 [Infocar-Auszug]). Wie aus den
Löschungsbegehren ersichtlich ist, enthalten diese die Stammnummer und den
genauen Typ des Fahrzeugs sowie die Angaben zum Fahrzeughalter, die nicht
ohne weiteres jeder beliebigen Person bekannt sein können. Der Beschuldigte
A._ war sowohl im Besitz der Lieferwagen als auch der Fahrzeugdokumente
und hatte überdies die Leasingverträge ausgehandelt, weshalb nicht nur B._,
der beim Abschluss der Verträge dabei war, sondern auch A._ über sämtli-
che Angaben verfügte, welche für das Ausfüllen der amtlichen Formulare zur Lö-
schung des Codes 178 notwendige Voraussetzung waren. Dass A._ für die
Fahrzeuge einen Käufer suchte, blieb unbestritten. Aufgrund der gemeinsamen
Planung und Organisation der Leasings durch B._ und A._ ist weiter er-
stellt, dass beide wussten, dass die Fahrzeuge ohne Einverständnis der Fahrzeu-
geigentümerin nicht verkauft werden durften. Nachdem AO._ als Inhaber der
AB._ AG in DS._ und AU._ als Inhaber der Einzelfirma DV._
in ... (Urk. ND 7/2/5) selbst im Autohandel tätig waren, sind ihre Aussagen, wo-
nach sie den Fahrzeugausweis des jeweiligen Lieferwagens bezüglich des Codes
178 vor dem Kauf angeschaut hatten, durchaus als glaubhaft zu beurteilen, da
ihnen berufsbedingt diese Gegebenheiten bestens vertraut sein mussten. Da bei-
de Lieferwagen Nissan Cabstar im Hinblick auf den Verkauf dem Beschuldigten
A._ übergeben und von A._ zur Garage nach DS._ (ND 11) resp.
zum Büro nach CN._ (ND 7) gebracht worden waren und ausserdem
A._ die Verkaufsverhandlungen mit AO._ und AU._ führte sowie
ihnen den neuen falschen Fahrzeugausweis vorlegte, lässt der durch glaubhafte
Aussagen erstellte Ablauf keinen anderen Schluss zu, als dass der Beschuldigte
A._, der schliesslich die verfälschten Fahrzeugausweise bei sich hatte, damit
er sie dem Kaufinteressenten vorlegen konnte, zumindest mit unbekannten Dritt-
personen in Kontakt stand, von welchen er den verfälschten Fahrzeugausweis
entgegennahm, da er ja danach erwiesenermassen in dessen Besitz war. Vor
dem Hintergrund des von A._ und B._ gemeinsam angestrebten Zwe-
ckes der Fahrzeugleasings, dem Umstand, dass Fahrzeuge mit dem Eintrag ei-
nes Codes 178 nicht verkauft werden können, A._ von den beiden Lieferwa-
- 202 -
gen wusste, dass sie ursprünglich geleast waren und er zumindest mit dem Aus-
drucken der entsprechenden Formulare zur Löschung des Codes 178 ab seinem
Computer in irgendeiner Form direkt an der Löschung der Codes in den beiden
geleasten Nissan Cabstars mitwirkte, ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass
zumindest davon ausgegangen werden muss, dass A._ und / oder B._
eine unbekannte Drittperson veranlassten, das gefälschte Löschungsbegehren,
von dem sie beide wussten, dass es gefälscht war, beim Strassenverkehrsamt
einzureichen und es infolge ihrer gemeinsamen Planung, Organisation und
Durchführung offen gelassen werden kann, wer genau die Drittperson im Einzel-
fall kontaktierte und zur Handlung bewegte oder ob sie gar selbst die Formulare
einreichten (Urk. 159 S. 155 f. und S. 177 f.).
Damit ist für die rechtliche Würdigung der Nebendossiers 7 und 11 von diesem
erstellten, der Anklage entsprechenden, Sachverhalt auszugehen.
II. Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung
1. Rechtsgrundlage
1. Sowohl in Bezug auf ND 7 als auch ND 11 wirft die Anklagebehörde (aus-
schliesslich) dem Beschuldigten A._ das Erschleichen einer falschen Beur-
kundung im Sinne von Art. 253 Abs. 1 StGB vor, respektive eventualiter Anstif-
tung dazu im Sinne von Art. 24 Abs. 1 StGB (Urk. 159 S. 11 und 15). Des Weite-
ren beantragt sie, A._ sei zusätzlich betreffend ND 7 des Erschleichens einer
falschen Beurkundung (Gebrauch) im Sinne von Art. 253 Abs. 2 StGB schuldig zu
sprechen (Urk. 61/8 S. 54), ohne dies jedoch näher zu begründen (Urk. 61/8
S. 15). Die Vorinstanz folgte dem Eventualantrag bezüglich Art. 253 Abs. 1 StGB
(Urk. 159 S. 331), indem sie ohne Begründung davon ausging, der Fahrzeugaus-
weis stelle eine öffentliche Urkunde im Sinne der Bestimmung dar (Urk. 159
S. 276) resp. der Fahrzeugausweis ohne Code 178 gelte als falsche Beurkundung
(a.a.O. S. 281). Überdies erwog sie, dass der Gebrauch der erschlichenen Beur-
kundung gemäss Art. 253 Abs. 2 StGB als mitbestrafte Nachtat gelte (Urk. 159
S. 276) und sah im Dispositiv ihres Entscheides von einem diesbezüglichen Frei-
spruch ab (Urk. 159 S. 331).
- 203 -
2.1. Gemäss Art. 253 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren
oder Geldstrafe bestraft, wer durch Täuschung bewirkt, dass ein Beamter oder ei-
ne Person öffentlichen Glaubens eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig be-
urkundet, namentlich eine falsche Unterschrift oder eine unrichtige Abschrift be-
glaubigt. Ebenso wird nach Art. 253 Abs. 2 StGB bestraft, wer eine so erschliche-
ne Urkunde gebraucht, um einen andern über die darin beurkundete Tatsache zu
täuschen.
In den Kommentierungen wird zum Begriff der öffentlichen Urkunde auf Art. 110
Abs. 5 StGB verwiesen (Markus Boog in: BSK Strafrecht II, a.a.O., Art. 253 N 3;
Ulrich Weder, OFK - StGB, a.a.O., N 2 und 6 zu Art. 253; Trechsel/Erni in: Prax-
komm. StGB, a.a.O., N 2 zu Art. 253). Danach fallen unter den Begriff "öffentliche
Urkunde" Urkunden, die von Mitgliedern einer Behörde, Beamten und Personen
öffentlichen Glaubens in Wahrnehmung hoheitlicher Funktionen ausgestellt wer-
den. Gemäss Markus Boog kommt der öffentlichen Urkunde nach der Teilrevision
von 1994 nur noch im Rahmen von Art. 253 und 317 Bedeutung zu, deren An-
wendungsbereich auf von Beamten oder Personen öffentlichen Glaubens ange-
fertigte öffentliche Urkunden beschränkt ist (Boog in: Praxkomm. StGB, a.a.O.,
Art. 110 Abs. 5 N 1). Ob das Produkt der Erschleichung eine öffentliche Urkunde
sein muss, werde gemäss Boog in der Literatur nicht einheitlich beantwortet, er-
gebe sich aber aus dem französischen und italienischen Gesetzestext (Boog in:
Praxkomm. StGB, a.a.O., Art. 253 N 8).
2.2. Nach Art. 97 Abs. 1 lit. d SVG wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bestraft, wer vorsätzlich durch unrichtige Angaben, Verschweigen er-
heblicher Tatsachen oder Vorlage von falschen Bescheinigungen einen Ausweis
oder eine Bewilligung erschleicht. Darunter fällt namentlich auch der Fahrzeug-
ausweis gemäss Art. 10 Abs. 1 SVG, der ausschliesslich von den Verwaltungsbe-
hörden erteilt und entzogen werden kann (Art. 22 SVG). Art. 97 Abs. 2 SVG be-
stimmt sodann ausdrücklich, dass die besonderen Bestimmungen des Strafge-
setzbuches in diesen Fällen keine Anwendung finden.
2.3. Am 1. Januar 2012 trat eine revidierte Fassung von Art. 97 SVG in Kraft und
damit nach dem Vorfall des ND 4 vom Frühling 2009, bezüglich welchem dem
- 204 -
Beschuldigten der Gebrauch eines erschlichenen Fahrzeugausweises vorgewor-
fen wird. Diese revidierte Bestimmung entspricht inhaltlich der alten am 1. Januar
2005 in Kraft getretenen Fassung von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG, weshalb wei-
terhin das alte Recht anzuwenden ist, da das neue Recht im konkreten Fall nicht
milder ist (Art. 102 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 und 2 StGB), zu-
mal auch die Strafandrohungen gleich lauten.
2.4.1. Aufgrund des Wortlautes war - wie auch heute - in subjektiver Hinsicht
Vorsatz verlangt (Philippe Weissenberger, Kommentar zum Strassenverkehrsge-
setz, 1. A. Zürich/St. Gallen 2011, N 2 zu Art. 97; Urteil des Bundesgerichts
6B_539/2009 vom 8. September 2009, E. 2.2).
2.4.2. Soweit ersichtlich sind sich die Kommentatoren darin einig, dass Art. 97
Abs. 1 lit. d SVG als lex specialis zu Art. 253 StGB der letzteren Bestimmung
grundsätzlich vorgeht (Hans Giger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Orell
Füssli Verlag AG, 8. A. Zürich 2014 [kurz: OFK-SVG], Art. 97 N 10; Philippe
Weissenberger, Kommentar Strassenverkehrsgesetz und Ordnungsbussenge-
setz, 2. A. Zürich/St. Gallen 2015, N 31 zu Art. 97; Trechsel/Erni, Praxkomm.,
a.a.O., Art. 251 N 20; Weder in OFK - StGB, a.a.O., Vorbemerkungen zu Art. 251-
257 N 6; Boog in: Praxkomm. StGB, a.a.O., Art. 253 N 32; Günther Straten-
werth/Wolfang Wohlers, Schweizerisches Strafgesetzbuch Handkommentar, 3. A.
Bern 2013, Art. 251 N 18). Dasselbe trifft auf die bis 1. Januar 2012 gültige alte
Fassung von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG zu (Weissenberger, 1.A. 2011, a.a.O.,
N 21 zu Art. 97; Giger,OFK-SVG, 6.A., Zürich 2002, S. 279, zu Abs. 4).
2.4.3. In BGE 111 IV 24 hielt das Bundesgericht jedoch fest, dass nur dort aus-
schliesslich das SVG gelten soll, wo die Tathandlung nicht weitergeht, als dies zur
Erfüllung der in Art. 97 Ziff. 1 aSVG genannten Tatbestände erforderlich ist. Eine
Bestrafung wegen weiterer Delikte des besonderen Teils des StGB hat demnach
zu erfolgen, wenn die strafbare Handlung zwar im Zusammenhang mit einer SVG-
Verletzung erfolgte, aber neben derselben auch eine vom gesetzlichen Tatbe-
stand von Art. 97 Ziff. 1 aSVG unabhängige Straftat im Sinne des StGB darstellt
(E. 1.c).
- 205 -
2.5. Da alle Tatbestandsvarianten des Art. 97 Ziff. 1 aSVG als Vergehen ausge-
staltet sind, sind sowohl die versuchte Tatbegehung als auch alle Teilnahmefor-
men möglich.
Bezüglich der rechtlichen Grundlagen zur Anstiftung im Sinne von Art. 24 Abs. 1
StGB kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 159 S. 250)
verwiesen werden (Art.84 Abs. 2 StPO).
2. Subsumtion
1. Die Fahrzeugausweise des jeweiligen Nissan Cabstar stellen Ausweise im
Sinne der Definition von Art. 10 Abs. 1 SVG dar, so dass das Erschleichen eines
Fahrzeugausweises kraft des Vorranges der lex sepecialis von der Strafbestim-
mung des Art. 97 aSVG erfasst wird. Das gälte selbst dann, wenn man wie die
Vorinstanz davon ausginge, dass es sich beim Fahrzeugausweis um eine öffentli-
che Urkunde im Sinne von Art. 110 Abs. 5 StGB handelte. Es kann aber vorlie-
gend offen gelassen werden, ob der Fahrzeugausweis eine öffentliche Urkunde
darstellt, auch wenn die Mitarbeitenden des Strassenverkehrsamtes wohl Beamte
oder Mitglieder einer Behörde sind, nicht aber Beamte oder Personen öffentlichen
Glaubens und damit Urkundspersonen, und sie zwar mit dem Fahrzeugausweis
wohl eine Urkunde, indessen keine öffentliche Urkunde, ausstellen. Aufgrund des
vorstehend erstellten Sachverhaltes verbleibt kein Zweifel, dass A._ in bei-
den Fällen zumindest eine unbekannte Drittperson veranlasste, je ein amtliches
Formular für die Löschung des Codes 178 mit inhaltlich falschen Angaben betref-
fend den Berechtigten resp. mit nachgeahmten Unterschriften einzureichen, damit
ein neuer Fahrzeugausweis ohne den Code 178 "Halterwechsel verboten" vom
betreffenden Strassenverkehrsamt ausgestellt würde, was auch geschah. Damit
war das Einreichen der falschen Löschungsbegehren für die Erstellung der zum
Verkaufe der Leasingfahrzeuge wichtigen Fahrzeugausweise ohne Code 178 es-
sentiell und kausal, so dass der objektive Tatbestand von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4
aSVG erfüllt ist. Aufgrund des konkreten Geschehens, des Ausdruckens von Lö-
schungsformularen, des Ausfüllens von falschen Angaben und des Einreichens
solcher falscher Angaben zwecks Beseitigung des Codes 178 ist kein anderer
Schluss möglich, als dass die Tathandlung vorsätzlich begangen wurde. Dem An-
- 206 -
klageprinzip zur Täterschaft folgend und gestützt auf den erstellten Sachverhalt ist
davon auszugehen, dass der Beschuldigte A._ in beiden Fällen der ND 7
und 11 zumindest den Tatentschluss zum Erschleichen des (falschen) Fahrzeug-
ausweises bei dem unbekannten Dritten hervorgerufen hatte, den dieser in die
Tat umsetzte. Damit hat sich der Beschuldigten A._ der Anstiftung zum
mehrfachen Erschleichen eines Ausweises im Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4
aSVG i.V.m. Art. 24 Abs. 1 StGB schuldig gemacht, wofür er angemessen zu be-
strafen ist.
2. Analog zur Sachlage gemäss Art. 253 Abs. 1 und 2 StGB muss auch hier
gelten, dass die Verwendung solcherart erschlichener Fahrzeugausweise als
straflose Nachtat zu betrachten ist, denn wie dort schliesst die Erschleichung ei-
nes falschen Fahrzeugausweises auch den Vorsatz in sich, diese Urkunde im
Rechtsverkehr zu gebrauchen (BGE 100 IV 238 E. 5), ansonsten eine solche Tat-
handlung wenig Sinn ergäbe. Ob hier in Nachachtung der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung dennoch ein Urkundendelikt nach den Bestimmungen des StGB
(Art. 251 ff.) vorläge, da die Verwendung eines formal echten, aber inhaltlich fal-
schen, Fahrzeugausweises (was der Beschuldigte wusste) eventuell nicht von
Art. 97 Ziff. 1 Abs. 1 aSVG erfasst wird, kann vorliegend offen gelassen werden,
da ein zusätzlicher Schuldspruch in Anwendung des Verbots der reformatio in
peius gegenüber dem vorinstanzlichen Urteil unzulässig wäre.
3. Da der Beschuldigte A._ im Dispositiv des vorinstanzlichen Urteils nur
wegen der Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung im Sinne von
Art. 253 Abs. 1 StGB und nicht auch wegen des Gebrauchs einer solchen Urkun-
de nach Art. 253 Abs. 2 StGB verurteilt wurde, steht dem Schuldspruch nach
Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG auch nicht das Verbot der reformatio in peius entge-
gen, da die Strafandrohung betreffend das Erschleichen eines Ausweises nach
dem SVG milder ist als diejenige nach StGB und eine zusätzliche Bestrafung für
den Gebrauch entfällt. Da der Sachverhalt im Urteilsdispositiv durch den Schuld-
spruch erschöpfend beurteilt ist, hat in Anwendung der neusten Rechtsprechung
des Bundesgerichts kein Freispruch zu ergehen (Urteil 6B_988/2015 vom 8. Au-
gust 2016 E. 1.3).
- 207 -
III. Betrug, eventualiter Veruntreuung
1. Rechtsgrundlage
Bezüglich der Legaldefinition des Betruges im Sinne von Art. 146 StGB sei zu-
nächst auf die entsprechenden Erwägungen im 3. Teil A. II. 3. verwiesen. Bezüg-
lich der Arglist ist an dieser Stelle zu ergänzen, dass die Vortäuschung des Leis-
tungswillens grundsätzlich arglistig im Sinne von Art. 146 StGB ist, weil sie eine
innere Tatsache betrifft, die vom Vertragspartner ihrem Wesen nach nicht direkt
überprüft werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_419/2014 vom 9. Januar
2015, E. 1.2.3 mit Hinweisen).
Zum Vermögensschaden sei bezüglich der Erwägungen unter 3. Teil A. II. 3.4 und
3. Teil C. II. 1.1. ergänzt, dass der Vermögensschaden auch in einer qualifizierten
Vermögensgefährdung liegen kann, wenn dieser im Rahmen einer sorgfältigen Bi-
lanzierung durch Wertberichtigung oder Rückstellung Rechnung getragen werden
muss. Bei wirtschaftlicher Betrachtungsweise liegt gemäss der Rechtsprechung
des Bundesgerichts ein objektiver Schaden vor, wenn das Vermögen des Opfers
nach Vornahme der täuschungsbedingten Vermögensverfügung in seinem Ge-
samtwert wertmässig vermindert ist (Urteil 6B_173/2014 vom 2. Juli 2015 E. 2.3.1
mit Hinweisen).
2. Subsumtion
2.1. Arglistige Täuschung
Die Vorinstanz nahm eine schlüssige, nachvollziehbare und zutreffende Sub-
sumtion vor, auf welche vorab vollumfänglich verwiesen werden kann (Urk. 159
S. 274 f. und S. 280 f.). Das Vorgehen der Beschuldigten B._ und A._
erfüllt das Tatbestandsmerkmal der Arglist, zumal sie auch AD._ und
C._ gegenüber die wahren Absichten des Vertragsschlusses verheimlichten,
so dass diese guten Glaubens und offen gegenüber dem Garagisten auftreten
und die kundgetanen Absichten zur Eingehung des Vertrages glaubhaft vermitteln
konnten.
2.1.1. Indem die Beschuldigten B._ und A._ zwecks Abschluss des
Leasingvertrages mit AD._ als Leasingnehmerin (ND 11) gefälschte Lohnab-
- 208 -
rechnungen von AD._ und AC._ sowie eine sich darauf abstützende
und daher ebenfalls inhaltlich unwahre Budgetberechnung einreichten oder ein-
reichen liessen, von welchen sie wussten, dass sie nicht den Tatsachen entspra-
chen, täuschten sie nicht nur mit einer einfachen Lüge sondern mittels eines gan-
zen Lügengebäudes eine derart gute wirtschaftliche Lage vor, dass der Vertrags-
partner entgegen der Wirklichkeit davon ausgehen konnte, dass die vertragsge-
mässe Bezahlung der Leasingraten nicht ernsthaft gefährdet war und der Wert
des bevorschussten Kaufpreises des Leasingfahrzeuges in finanzieller buchhalte-
rischer Weise nicht wesentlich herabgesetzt war. Das Lügengebäude plausibili-
sierten sie ausserdem mittels gefälschter Urkunden, was bereits als arglistig im
Sinne des Tatbestandes zu qualifizieren ist. Zu Recht wies die Vorinstanz darauf
hin, dass angesichts der vorgenommenen Überprüfungen der Garage AP._
AG resp. der G._ Bank AG für diese keine Anhaltspunkte vorlagen, den
ihnen gegenüber gemachten Angaben nicht zu vertrauen. Sie sind vielmehr dem
geforderten Mindestmass an Überprüfung der Zahlungsfähigkeit des Vertrags-
partners mit den von ihnen verlangten Unterlagen zur Einkommenssituation und
den Lebenshaltungskosten sowie der Abklärung beim Betreibungsamt rechtsge-
nügend nachgekommen. Dass sie den eingereichten Lohnabrechnungen vertrau-
ten, kann ihnen nicht zum Vorwurf gemacht werden, kann doch im normalen Ge-
schäftsverkehr nicht verlangt werden, dass sie solche Urkunden, die letztlich mit
der Buchhaltung der Arbeitgeberfirma übereinzustimmen haben und auf die daher
grundsätzlich vertraut werden kann, nicht auch noch mittels Nachfragen bei den
Arbeitgebern auf ihre Authentizität prüften, da grundsätzlich auf solche Dokumen-
te abgestellt werden darf (Urteil des Bundesgerichts 6B_163/2016 vom 25. Mai
2016). Indem die Beschuldigten B._ und A._ der G._ Bank AG und
der Garage AP._ AG gegenüber vortäuschten, ihren vertraglichen Verpflich-
tungen durch Bezahlung der Leasingraten nachzukommen, ohne je die Absicht
gehabt zu haben, das Leasingfahrzeug gemäss Art. 1.3. und 17 der Allgemeinen
Vertragsbedingungen Typ A am letzten Tag der Vertragsdauer (oder sofort im
Falle vorzeitiger Auflösung) der Leasinggesellschaft oder einer von ihr bezeichne-
ten Stelle zurückzugeben und das Eigentum der Leasinggesellschaft am Fahr-
zeug zu respektieren (Urk. ND 11/7/4/3 S. 1 und 3; Urk. ND 11/7/4/2 Zeile unmit-
- 209 -
telbar vor Unterschrift), handelten sie bereits arglistig, aber auch mit Bereiche-
rungsvorsatz, da sie das Fahrzeug gerade zum Zwecke des Verkaufs und des
sich daraus ergebenden Erlöses und nicht zum vertragsgemässen Gebrauch wie
in Art. 1.1 der Allgemeinen Vertragsbedingungen Typ A vorgesehen
(Urk. ND 11/7/4/3 S. 1) in Besitz nahmen.
2.1.2. Auch bezüglich des zweiten Nissan Cabstar (ND 7) ist das Vorgehen
der Beschuldigten B._ und A._ als arglistig zu qualifizieren, da sie die
T._ GmbH als Vertragspartnerin vorschoben, welche - worauf die Vorinstanz
zutreffend hinwies - zufolge ihrer Inaktivität bis zum Verkauf an C._ kein ne-
gatives Ergebnis einer Kreditprüfung aufwies (Urk. ND 7/5/2-3), so dass deren
tatsächlich fehlende Leistungsfähigkeit für einen Aussenstehenden nicht festzu-
stellen war. Im Übrigen täuschten hier A._ und B._ ausserdem über den
von Anfang an fehlenden Zahlungswillen, denn sie wussten beide, dass sie infol-
ge des geplanten Verkaufs des Fahrzeugs die Leasingraten gar nie bezahlen
würden, was sie aber C._, die nicht mit den Geschäften der T._ GmbH
vertraut war und die sie ihrem Ehemann und dieser wiederum A._ zur effek-
tiven Führung überliess, ebenfalls verschwiegen. Weiter täuschten sie auch hier
den von Anfang an fehlenden Willen zur Einhaltung ihrer vertraglichen Verpflich-
tung zur Rückgabe des Fahrzeugs resp. Beachtung des Eigentums daran seitens
der CT._ vor, auf welches sie im Übergabeprotokoll nochmals ausdrücklich
hingewiesen worden waren (Urk. ND 7/5/8 unmittelbar vor der Unterschrift). Durch
die Verheimlichung dieser inneren und nicht überprüfbaren Tatsachen und dem
damit einhergehenden falschen Eindruck betreffend Fähigkeit und Wille zur ver-
tragsgemässen Erfüllung seitens der Leasingnehmerin ist auch bezüglich des
zweiten Nissan Cabstar Arglist im Rechtssinne gegeben.
2.2. Vermögensschaden / Bereicherungsabsicht
2.2.1. Der Einwand des Beschuldigten B._, es sei kein Vermögensscha-
den entstanden, da AD._ ja die Leasingraten weiter bezahle, gehen vollstän-
dig an der Sache vorbei, wie nur schon der Betrag der per 16. Februar 2011 aus-
stehenden Leasingraten von Fr. 12'177.90 aufzeigt. Abgesehen davon ist jedoch
auch das geleaste Fahrzeug an sich und dessen Restwert durch den widerrechtli-
- 210 -
chen Verkauf des Fahrzeugs an einen gutgläubigen Dritten unwiederbringlich für
die ursprüngliche Eigentümerin und Leasinggeberin, die G._ Bank AG, verlo-
ren. Damit haben die Beschuldigten B._ und A._ der Leasinggeberin de-
ren Sicherheit ersatzlos entzogen. Indem sie zusätzlich die Einkommenssituation
von AD._ und AC._ mittels gefälschter Lohnabrechnungen und darauf
basierender Budgetberechnung krass falsch darstellten, liegt in concreto der
Schaden der Leasinggeberin ganz wesentlich auch in der Gefährdung ihrer For-
derung, welche ungleich höher liegt, als sie aufgrund der vorgespiegelten finanzi-
ellen Situation annehmen musste. Die Einbringlichkeit ihrer ursprünglichen Forde-
rung gegenüber AD._ wurde empfindlich verschlechtert, wenn nicht gar ver-
unmöglicht, da eine Schadloshaltung über die Rücknahme und Veräusserung o-
der Weiterverleasung des Nissan Cabstar nicht mehr möglich und die Leistungs-
fähigkeit von AD._ ganz offensichtlich ungenügend war, wie sich aus der
schleppenden Bezahlung der offenen Leasingraten, der unzähligen Mahnungen
und Verzugszinsen aus dem Kontoauszug per 16. Februar 2011 ohne weiteres
ergibt. Dadurch liegt nebst einer (allenfalls nur vorübergehenden) Vermögensge-
fährdung auch der Verlust der wirtschaftlichen Sicherheit durch den Entzug des
Leasingfahrzeugs und ein allenfalls buchhalterischer wirtschaftlicher Schaden im
Umfange eines abzuschreibenden Teilbetrages vor.
2.2.2. Hinsichtlich ND 7 kann bezüglich des Vermögensschadens und der Be-
reicherungsabsicht vollumfänglich auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz verwiesen werden, wonach die CT._ als Eigentümerin des Fahr-
zeugs mindestens im Umfange von Fr. 28'156.– (Wert des Fahrzeugs abzüglich
Anzahlung und zwei geleistete Raten; ohne Folgeschaden) einen Vermögens-
schaden erlitt, da das Fahrzeug aufgrund des gutgläubigen Erwerbs durch
AU._ von diesem und späteren Erwerbern nicht herausverlangt werden
konnte und die ausstehenden Leasingraten von der T._ GmbH nicht bezahlt
wurden (Urk. 159 S. 274 f.). Die Bereicherungsabsicht ergibt sich durch den von
allem Anfang an geplanten Verkauf des Leasingfahrzeugs und der Verwendung
des Kaufserlöses für eigene Zwecke.
- 211 -
2.3. Fazit
Die Beschuldigen A._ und B._ haben in Kenntnis der von den Bauher-
ren des Bauprojektes "AG._" in CA._ (AD._, AC._ und
B._) erwarteten und zugesicherten finanziellen Eigenleistung von
Fr. 160'000.– an Barmitteln, die gemäss der Produktevereinbarung der Mitglieder
des Baukonsortiums "AG._" zu leisten waren, auf Idee von A._ hin ge-
meinsam geplant, zum Zwecke des Erhalts von namhaften Geldmitteln in ge-
meinschaftlichem Zusammenwirken und arbeitsteiliger Durchführung Fahrzeuge
zu leasen, um sie sogleich an Dritte zu verkaufen, wobei sie sowohl AD._
wie auch C._ über ihre wahren Absichten im Unklaren liessen und sie statt
dessen drängten, die ihnen vorgelegten Papiere zu unterzeichnen in der Meinung,
sie würden dadurch B._ resp. der Firma T._ GmbH helfen. Indem sie
dabei arglistig im Sinne der Rechtsprechung vorgingen und das Ziel ihrer Hand-
lung darin bestand, die so erlangten Geldmittel einerseits in das Bauprojekt
"AG._" CA._ als Eigenmittel einzubringen und andererseits bestehende
Schulden von B._ gegenüber A._ abzubauen, erfüllten die beiden Be-
schuldigten hinsichtlich der ND 7 und 11 als Mittäter sämtliche objektiven und
subjektiven Tatbestandsmerkmale des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1
StGB, wofür sie angemessen zu bestrafen sind.
Ob das Verhalten des Beschuldigten A._ gemäss der Anklage als gewerbs-
mässig im Sinne von Art. 146 Abs. 2 StGB zu qualifizieren ist, wird später noch zu
erörtern sein.
F. A._ und B._: BMW X5 (ND 8) Veruntreuung / Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung
I. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
1.1. Dieser Anklagepunkt befasst sich mit dem Leasingvertrag, den AN._,
Inhaberin und Geschäftsführerin der AA._ GmbH (siehe oben 3. Teil B. I.
1.7.), im Auftrag von A._ und B._ namens der AA._ GmbH mit der
- 212 -
CV._ (Schweiz) AG über einen BMW X5 3.0d im Wert von Fr. 86'350.– und
über eine Laufdauer von 5 Jahren abschloss. Es wird den beiden Beschuldigten
A._ und B._ vorgeworfen, sie hätten mit AN._ vereinbart, dass sie
alle im Zusammenhang mit diesem Personenwagen anfallenden Kosten, insbe-
sondere die Leasingraten, und die übrigen Verpflichtungen aus dem Leasingver-
trag übernehmen würden, hätten noch am Übergabetag des BMW X5 an
AN._ von ihr das Fahrzeug erhalten und kurze Zeit später namens der
AA._ GmbH, welche von der T._ GmbH übernommen worden war, zu
einem Preis von ca. Fr. 75'000.– am 4. Dezember 2008 an DC._ verkauft.
Dieser habe den Kaufpreis in zwei Malen an B._ bezahlt, mittels ca.
Fr. 35'000.– in .../SZ und mit ca. Fr. 40'000.– rund 1 Woche später bei der Über-
gabe des Fahrzeugs. Das Fahrzeug hätten sie unter Vorweisung des erschliche-
nen Fahrzeugausweises, der keinen Code 178 mehr enthalten habe, verkauft
(Urk. 61/8 S. 19-20; Urk. 62/9 S. 18-19).
1.2. Dem Beschuldigten A._ wird zusätzlich vorgeworfen, er habe selbst
oder eine unbekannte Täterschaft habe mittels eines nachgeahmten Löschungs-
begehrens erwirkt, dass die Mitarbeiter des Strassenverkehrsamtes den
Code 178 am 1. Dezember 2008 aus dem Fahrzeugausweis löschten. Dieser
derart gefälschte Fahrzeugausweis sei anlässlich des Weiterverkauf des geleas-
ten BMW X5 am 4. Dezember 2008 im Beisein von B._ und A._ an
DC._ vorgezeigt worden, wobei sie gewusst hätten, dass der Fahrzeugaus-
weis nachgeahmt war und der Käufer infolgedessen nicht bemerken würde, dass
es sich um ein Leasingfahrzeug handelte (Urk. 61/8 S. 20).
2. Einwendungen
2.1. Der Beschuldigte A._ liess den äusseren Ablauf des Anklagesachver-
halts einräumen und eine Beteiligung im Sinne einer Gehilfenschaft zu diesem
Anklagevorwurf zugeben (Urk. 133 S. 19 f.). Er lässt jedoch betonen, ausschliess-
lich im Auftrag von B._ gehandelt zu haben, der mehr Geld für sein Projekt
gebraucht habe und schon seine ganze Familie mit hineingezogen habe. B._
habe deshalb eine nicht aktive Firma gesucht, um mit dieser ein weiteres "Lea-
singgeschäft" zu realisieren. A._ habe von der nicht aktiven AA._ GmbH
- 213 -
gewusst und habe deren Inhaberin im Auftrag von B._ kontaktiert und ihr
Fr. 3'000.– für die Firma geboten. AN._ sollte aber vor dem Verkauf auf den
Namen der Firma noch ein Fahrzeug leasen, wobei ihr versprochen worden sei,
dass die Leasingraten von B._, resp. der T._ GmbH bezahlt würden
(Urk. 133 S. 19). Mit dem angeklagten Urkundendelikt habe er jedoch nichts zu
tun (Urk. 133 S. 13; Urk. 207 S. 54 ff.).
2.2. Der Beschuldigte B._ lässt zusammengefasst hauptsächlich geltend
machen, er sei nicht am Betrugs-Entschluss beteiligt gewesen, es fehle auch der
Aneignungs- und Bereicherungsvorsatz und es habe ausschliesslich AA._
gehandelt (Urk. 131 S. 63 f., 65 und 72). Ausserdem macht er geltend, das Fahr-
zeug sei an DC._ verkauft worden, bevor die T._ GmbH die AA._
GmbH übernommen habe, weshalb es B._ nie anvertraut worden sei
(Urk. 131 S. 66 und 72; Urk. 209 S. 44).
3. Sachverhaltserstellung
3.1. Unbestrittener Sachverhalt
Der äussere, in der Anklage geschilderte, Ablauf betreffend den Verkauf der Fir-
ma AA._ GmbH, handelnd durch AN._, an die T._ GmbH, han-
delnd durch B._, betreffend Abschluss und Inhalt des Leasingvertrages vom
14. November 2008 zwischen der AA._ GmbH und der CV._ (Schweiz)
AG über einen BMW X5 3.0d im Wert von Fr. 86'350.–, betreffend die Übergabe
des Fahrzeugs an A._ und schliesslich den Verkauf an DC._ blieb letzt-
lich unbestritten. Davon ist für die rechtliche Würdigung auszugehen.
3.2. Sachverhaltserstellung
3.2.1. Die Vorinstanz nahm zudem eine nachvollziehbare Sachverhaltserstel-
lung über die Frage vor, auf wessen Initiative hin die AA._ GmbH von wem
und wofür übernommen wurde und desgleichen welche Motive bezüglich des
Fahrzeugleasings gegenüber AN._ kommuniziert wurden. Sie stützt sich da-
bei massgeblich auf die Aussagen von AN._, die sie mit absolut zutreffender
Begründung für glaubhaft erachtete (Urk. 159 S. 182-183). Es ist demnach von
folgendem erstelltem Sachverhalt auszugehen:
- 214 -
a) Im Hinblick auf den Kauf der Firma AA._ GmbH durch die T._
GmbH, handelnd durch B._, kontaktierte der Beschuldigte A._
AN._, die er bereits kannte, im Wissen um deren desolate finanzielle Situati-
on und bot ihr Fr. 3'000.– für den Verkauf der Firma an, von der er wusste, dass
sie noch nicht aktiv gewesen war. A._ stellte B._ im Zuge dieser Firme-
nübernahme bei AN._ vor und sie sah ihn erneut am 29. Dezember 2008 an-
lässlich des Termins beim Notariat in DJ._, als dort in Anwesenheit des No-
tars von B._ sowie den Schwestern DB._ und AN._ gemäss öffent-
licher Urkunde die AA._ GmbH an die T._ GmbH übertragen wurde
(Urk. ND 8/11/2-5). A._ bezahlte AN._ die von ihm zugesagten
Fr. 3'000.– für den Verkauf. Zusätzlich war von Seiten A._s als Vorausset-
zung für den Kauf der Firma von AN._ verlangt worden, dass sie zuvor noch
ein Fahrzeug für die Firma lease, worauf es zum fraglichen Leasingvertrag über
den BMW X5 vom 14. November 2008 kam (Urk. 159 S. 181-186 E. 14.3.1-
14.3.4).
b) Das Leasing wurde durch A._ organisiert. Als AN._ mit ihm und ih-
rem Mann zur Autogarage ging, war bereits alles für die Unterschrift vorbereitet.
Aufgrund der Versprechungen von A._ und B._, sie resp. die T._
GmbH würden sämtliche Kosten und Verpflichtungen aus dem Leasingvertrag
übernehmen, und nach einer gewissen Druckausübung seitens A._s unter-
zeichnete AN._ den Leasingvertrag und auch noch eine Schuldbeitrittserklä-
rung, so dass sie auch persönlich aus dem Leasingvertrag verpflichtet wurde
(Urk. ND 8/6/2). Am 15. November 2008 wurde ihr sodann das Fahrzeug überge-
ben (Urk. ND 8/6/3). Der Beschuldigte A._ bezahlte bei Übergabe des Fahr-
zeugs eine Anzahlung von Fr. 10'000.– und die erste Leasingrate von Fr. 1'212.20
(Urk. ND 8/6/3), wobei er das Geld zuvor von einem unbekannten Dritten, bei dem
es sich mit Sicherheit nicht um den Beschuldigten B._ handelte, entgegen
genommen hatte (Urk. 159 S. 183-193 E. 14.3.2.2 - 14.3.5.4).
c) Im Nachhinein, d.h. nach dem Termin beim Notar in DJ._ und nach
dem Abschluss des Leasingvertrages über den BMW X5 wurde noch ein sog. "In-
terner Kauf- und Abtretungsvertrag" zwischen den beiden GmbH's erstellt, der
- 215 -
von B._ und von den Schwestern AN/DB._ unterzeichnet und auf den
1. Dezember 2008 rückdatiert worden war. Dessen Inhalt, jedenfalls dass die
AA._ GmbH und das von AN._ geleaste Fahrzeug ebenfalls an die
T._ GmbH übergeht, entsprach dem Parteiwillen und dem, was die Parteien
zuvor mündlich vereinbart hatten. Unbestritten blieb indes, dass A._ und
B._ AN._ nicht über ihre wahren Absichten hinsichtlich des Verkaufs
des geleasten Fahrzeugs aufklärten und sie statt dessen im Glauben liessen,
B._, handelnd für die T._ GmbH, wolle die Firma für seine Ehefrau er-
werben (Urk. 159 S. 193-197 E. 14.3.7-17.3.7.3).
d) Gemäss glaubhaften Aussagen von AN._ übergab sie den fraglichen
BMW X5 noch gleichentags am 15. November 2008 an A._, der mit dem
Fahrzeug davon fuhr (Urk. 159 S. 206). Am 18. November 2008 wurde der Fahr-
zeugausweis lautend auf die AA._ GmbH als Halterin ausgestellt, wobei der
Code 178 "Halterwechsel verboten" vermerkt war (Urk. ND 8/6/6). Aufgrund eines
von Unbekannt verfälschten Löschungsantrages vom 1. Dezember 2008, in wel-
chem statt die korrekte Berechtigte die DW._ GmbH aufgeführt war
(Urk. ND 8/2/1), wurde am 2. Dezember 2008 ein Fahrzeugausweis für denselben
BMW X5 ohne den Code 178 "Halterwechsel verboten" auf die bisherige Halterin
AA._ GmbH ausgestellt (Urk. ND 8/10/1/3), der in den Besitz von A._
kam, der ihn wiederum DC._ aushändigte, welcher per 4. Dezember 2008
als neuer Halter des Fahrzeugs registriert wurde (Urk. ND 8/6/7). Wie und wann
es zu diesem Verkauf an DC._ kam, blieb aufgrund widersprüchlicher Aus-
sagen unklar (Urk. 159 S. 197 - 207 E. 14.3.8 - 14.3.10).
e) Da der weiterverkaufte geleaste BMW X5 vom gutgläubigen Dritterwerber
nicht mehr zurück geholt werden konnte, erlitt die CV._ (Schweiz) AG einen
Vermögensschaden im Umfang von mindestens Fr. 73'925.60 entsprechend dem
Saldo aus Kaufpreis abzüglich Anzahlung und zwei bezahlten Raten
(Urk. ND 8/6/1; Urk. 159 S. 207) plus Zins, resp. gemäss eigener unbestrittener
Berechnung einen solchen von Fr. 74'713.35 (Urk. 113), entsprechend dem Bar-
wert der zukünftigen Raten inklusive Restwert, nebst Zins (Urk. 159 S. 322).
- 216 -
3.2.2. Aufgrund der sehr glaubhaften Aussagen von AN._, die im We-
sentlichen letztlich von B._ und A._ bestätigt wurden, besteht kein An-
lass, ihre Aussagen zu den Initianten und den Beweggründen der Firmenüber-
nahme nicht ebenfalls als glaubhaft zu beurteilen, zumal sich die Bestreitungen
von B._ und A._ darauf beschränken, ihre Beteiligung zu minimalisieren
und die Verantwortung je dem anderen zuzuschieben. Dieses Verhalten ist wie in
den übrigen Nebendossiers auch hier als reine Selbstschutzmassnahme zu be-
trachten. Die Beteiligung von A._ wird zudem durch den Fundort des Doku-
mentes mit dem Titel "Abtretung Stammanteil", erstellt am 12. Dezember 2008
vom Autor '...' (Urk. 18/4/7), gespeichert auf dem sichergestellten Memorystick
(Urk. 18/1), gestützt, der keinen anderen Schluss zulässt, als dass dieses Doku-
ment, in welchem es um die Abtretung der Stammanteile der AA._ GmbH
geht, tatsächlich auf dem Computer von A._ und damit jedenfalls in seinem
Einflussbereich erstellt und abgespeichert wurde. Via den Memorystick gelangten
diese dann an B._ resp. seine Ehefrau, die ihn fand und an die Polizei weiter
gab (Urk. 18/5 S. 14 [B._] und Urk. 6/5 S. 9 [C._]).
3.2.3. So ist gestützt auf die Aussagen von AN._ davon auszugehen,
dass A._ und B._ gemeinsam die Übernahme der Firma AA._
GmbH mitsamt dem vorgängigen Leasinggeschäft planten und in arbeitsteiliger
Vorgehensweise vollzogen (Urk. ND 8/12/14 S. 9 ff.; Urk. 8/7 S. 6 f.;
Urk. ND 8/12/16 S. 3 f. und S. 8). Das wird namentlich von W._ bestätigt,
wonach B._ den Kauf der AA._ GmbH auf Vorschlag von A._ ge-
macht habe, um seine Schulden abzubauen (Urk. 5/4 S. 5) und letztlich gar von
A._ selbst, mit der Einschränkung, er habe im Auftrag von B._ gehan-
delt (siehe vorstehende Erwägung Ziff. 2.1.). Im Übrigen kann hier insbesondere
auf die Ausführungen zum Hypothekarkreditbetrug (ND 13) verwiesen werden, wo
erstellt wurde, dass die Leasinggeschäfte gerade zum Zwecke der Finanzierung
der Eigenmittel für das Bauprojekt AG._ in CA._ geplant waren (siehe
oben 3. Teil C I. 4.4.2.), so dass das vorliegende Nebendossier im Zusammen-
hang mit diesem Hypothekarkreditbetrug zu sehen und zu würdigen ist, in das es
sich widerspruchsfrei einordnet (siehe Tabelle Seite 113 f.).
- 217 -
3.2.4. Die Vorinstanz ging davon aus, es könne nicht erstellt werden, wann
der interne Kauf- und Abtretungsvertrag unterzeichnet worden sei (Urk. 159
S. 196 f.), jedoch liegen auch hier keinerlei Anhaltspunkte vor, weshalb auf die
diesbezüglichen Aussagen von AN._ nicht sollte abgestellt werden können.
Danach sagte sie zwar mehrfach aus, sie könne sich an das Datum nicht mehr
genau erinnern, betonte jedoch, es sei ganz sicher nach der Geburt ihres Kindes
vom tt.mm.2009 gewesen (Urk. 8/7 S. 10; ND 8/12/16 S. 8). Zur Plausibilität der
Aussagen von AN._ kann erneut auf die vorinstanzlichen Ausführungen dazu
verwiesen werden (Urk. 159 S. 182-183). Zudem stellt die Tatsache, dass ihre
Angaben zu den bei der Vertragsunterzeichnung des internen Kauf- und Abtre-
tungsvertrages anwesenden Personen von diesen bestätigt werden, ein zusätzli-
ches Indiz für die Richtigkeit ihrer Angaben dar. Nachdem ein Ereignis wie die
Geburt des eigenen Kindes erfahrungsgemäss zeitlich genau verortet werden
kann und da AN._ aussagte, bei der Unterzeichnung des internen Kauf- und
Abtretungsvertrages sei auch noch eine "Kopie des Notariates" dabei gewesen
und man habe den Vertrag gerade darum aufgesetzt, weil im (sc. notariell be-
glaubigten) Kaufvertrag vom 23./24. Dezember 2008 das Fahrzeug nicht aufge-
führt gewesen sei (Urk. 8/7 S. 11), verbleibt kein Zweifel, dass der interne Kauf-
und Abtretungsvertrag, der auf den 1. Dezember 2008 zurückdatiert worden war
und der einen falschen Kaufpreis enthielt, jedenfalls erst nach dem 10. Januar
2009 aufgesetzt und unterzeichnet wurde.
3.2.5. Letztlich bleibt noch festzuhalten, dass die Verhandlungen betreffend
die Übernahme der AA._ GmbH gemäss glaubhaften Angaben von
AN._, die zeitlich durch den Abschluss des Leasingvertrages gestützt wer-
den, bereits im Oktober / November 2008 stattfanden (Urk. 8/7 S. 6;
Urk. ND 8/12/16 S. 9).
3.2.6. Aufgrund der glaubhaften Aussagen von AN._ nahm A._ am
Übergabetag den geleasten BMW X5 in Besitz und fuhr weg. Nach im Kern über-
einstimmenden Angaben wurde DC._ das Fahrzeug, die Papiere und die
Schlüssel übergeben, wobei er bei der Polizei angab, er habe alles von A._
erhalten und auch ihm das Geld gegeben, wohingegen er in der Konfrontations-
- 218 -
einvernahme mit A._ alles dahingehend abschwächte, dass A._ nur da-
bei gewesen sei, Akteur aber B._ gewesen sei und er auch diesem das Geld
gegeben habe (Urk. ND 8/12/17 S. 5 und 11; Urk. 8/14 S. 6 ff.). Wie die Vo-
rinstanz zutreffend festhielt, sind seine Aussagen derart widersprüchlich, nicht
nachvollziehbar und sowohl betreffend die Beteiligung von C._, die eine sol-
che konstant und glaubhaft bestritt, da sie sich selbst infolge der Entbindung von
ihrem Sohn am Vortag am tt.mm.2008 noch im Spital befand (Urk. 6/6 S. 3;
Urk. 6/8 S. 2 f.; Urk. 8/6 S. 18), als auch bezüglich Übergabe und Einlösung des
Fahrzeugs unrealistisch und unglaubhaft, so dass auf sie nicht abgestellt werden
kann (Urk. 159 S. 197-205; insb. S. 205 f.). Auf den von DC._ eingereichten
schriftlichen Kaufvertrag vom 4. Dezember 2008 über den BMW X5 kann eben-
falls nicht abgestellt werden, wurde er doch vom Käufer nicht unterzeichnet und
figurieren darauf als Verkäuferin die T._ GmbH und als Käufer ein EA._
(Urk. ND 8/10/1-2) und gerade nicht die sich aus dem Fahrzeugausweis ergeben-
de Halterin AA._ GmbH und auch nicht DC._ als Käufer, dem nachmali-
gen Halter des Fahrzeugs. Mithin vermag dieser Kaufvertrag den darin aufgeführ-
ten Sachverhalt in keiner Art und Weise zu belegen. Es ist aber aus dem zeitli-
chen Zusammenhang davon auszugehen, dass der fragliche BMW X5 zwischen
dem 2. und 4. Dezember 2008 an DC._ verkauft und übergeben wurde, zu
einem Zeitpunkt, als der Code 178 bereits gelöscht war und der neue Fahrzeug-
ausweis nunmehr ohne Einschränkung vorlag, da der Zweck der Weitergabe ja im
Verkauf des eigentlich geleasten Fahrzeugs bestand, wie nachfolgend zu zeigen
sein wird. Insofern kann der Vorinstanz nicht gefolgt werden, wenn sie als erstellt
betrachtet, dass der BMW X5 schon vor der Änderung des Fahrzeugausweises
an DC._ verkauft wurde, da seine Angaben auch hierzu alles andere als
glaubhaft sind.
B._ bestätigte zudem ausdrücklich, dass die Rückdatierung des internen
Kauf- und Abtretungsvertrages auf den 1. Dezember 2008 deshalb vorgenommen
worden war, weil der Verkauf des geleasten Autos (sc. an DC._) in Tat und
Wahrheit vollzogen worden war, bevor die Firma AA._ GmbH an ihn resp.
die T._ GmbH übertragen wurde (Urk. 4/14 S. 6). Aufgrund der glaubhaften
Aussagen von AN._ fand der Termin beim Notariat DJ._ erst am
- 219 -
24. Dezember 2008 statt, weil der Notar vorher keine freien Termine mehr gehabt
habe, wie ihr B._ erklärt habe (Urk. 8/12/14 S. 7), obwohl die Verkaufsver-
handlungen betreffend die AA._ GmbH bereits im Oktober / November statt-
gefunden hatten.
Nachdem A._ zugab, aktiv am Verkauf des Fahrzeugs beteiligt gewesen zu
sein, ist infolge der Übergabe desselben an ihn und dem analogen Vorgehen bei
den anderen Fahrzeugdelikten ohne weiteres davon auszugehen, dass er, dem
bereits der originale erste Fahrzeugausweis vorgelegen hatte, zumindest via un-
bekannte Dritte zu einem Fahrzeugausweis ohne Code 178 kam, den er dann an
DC._ weitergab, denn ohne einen solchen wäre ihm die nachmalige Einlö-
sung des BMW X5 auf seinen eigenen Namen nicht möglich gewesen. Wie be-
reits zu ND 7 und 11 ausgeführt, ist davon auszugehen, dass A._ in den Bü-
roräumlichkeiten in CN._ über leere Löschungsformulare betreffend den
Code 178 verfügte (siehe oben 3. Teil E. I. 4.2.6.) und so in der Lage war, wenn
nicht selbst, so doch zumindest eine unbekannte Drittperson dahin gehend zu be-
stimmen, dass diese den Löschungsantrag einreicht und so einen inhaltlich fal-
schen Fahrzeugausweis erhältlich macht, der wiederum an A._ ausgehändigt
wurde. Von der Motivlage her besteht kein Zweifel, dass der Anstoss zu einem
solchen Vorgehen von A._ (und B._, was jedoch nicht angeklagt ist)
ausging, da nur er und B._ einen Vorteil davon hatten, indem sie nun in der
Lage waren, das Fahrzeug trotz bestehenden Leasingvertrages, von dem sie ja
bestens Kenntnis hatten, zu verkaufen, was von Anfang an ihr Plan war.
Mit dieser Einschränkung in zeitlicher Hinsicht betreffend den Verkauf des BMW
X5 an DC._ ist der angeklagte Sachverhalt zu ND 8 erstellt, was der rechtli-
chen Würdigung zugrunde zu legen ist.
II. Rechtliche Würdigung
1. Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung
Bezüglich der anwendbaren gesetzlichen Bestimmung kann auf das bereits zu
ND 7 und 11 Dargelegte verwiesen werden (siehe oben 3. Teil E. II.). Auch im
vorliegenden Fall handelt es sich bei der erschlichenen Urkunde um einen Fahr-
- 220 -
zeugausweis gemäss der Definition von Art. 10 Abs. 1 SVG, so dass das Er-
schleichen eines Fahrzeugausweises kraft des Vorranges der lex sepecialis von
der Strafbestimmung des Art. 97 aSVG erfasst wird.
Gestützt auf den erstellten Sachverhalt ist davon auszugehen, dass der Beschul-
digte A._ aufgrund der Motivlage zumindest den Tatentschluss zum Er-
schleichen des (falschen) Fahrzeugausweises bei dem unbekannten Dritten her-
vorgerufen hatte, den dieser in die Tat umsetzte. Damit hat sich der Beschuldig-
ten A._ der Anstiftung (erneut nach ND 7 und 11) zum Erschleichen eines
Ausweises im Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG i.V.m. Art. 24 Abs. 1 StGB
schuldig gemacht, so dass dieser Anklagepunkt in den bereits erfolgten Schuld-
spruch betreffend Anstiftung zu mehrfachem Erschleichen eines Ausweises im
Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG i.V.m. Art. 24 Abs. 1 StGB aufzunehmen ist.
Unter Verweis auf die zuvor genannten Erwägungen zu ND 7 und 11 muss auch
hier gelten, dass die Verwendung solcherart erschlichener Fahrzeugausweise als
straflose Nachtat zu betrachten ist, bezüglich welcher kein Freispruch zu ergehen
hat, da der Sachverhalt im Urteilsdispositiv durch den Schuldspruch erschöpfend
beurteilt ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_988/2015 vom 8. August 2016 E. 1.3)
und ein zusätzlicher Schuldspruch wegen des Verschlechterungsverbots nicht in
Frage kommt.
2. Veruntreuung
2.1. In Bezug auf die Rechtsgrundlagen betreffend den Tatbestand der Verun-
treuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und betreffend die Frage der
Teilnahme sind die Erwägungen zu ND 3 heranzuziehen (siehe 3. Teil D. II. 1.). In
Nachachtung des Verschlechterungsverbots verbietet es sich, den vorliegend er-
stellten Sachverhalt unter der Prämisse des Betrugstatbestandes zu würdigen.
2.2. Aufgrund des Leasingvertrages wurde AN._ der vertragsgegenständli-
che BMW X5 im Sinne des Tatbestandes anvertraut, blieb doch die Vertragspart-
nerin gemäss ausdrücklichem Eigentumsvorbehalt sowie klarer und eindeutiger
Vertragsinhalte (Überlassung zum Gebrauch und Rückgabe nach Ablauf der Ver-
tragsdauer) trotz Übergabe des Fahrzeugs weiterhin dessen Eigentümerin. Mit
- 221 -
der Veräusserung - bzw. bereits mit dem Verkaufsangebot und der damit einher-
gehenden Manifestation der Eigentümerstellung - eigneten sich die Beschuldigten
A._ und B._ teils abwechselnd und teils zusammen das Fahrzeug im
Rechtssinne an. Sie wussten, wie vorstehend zu ND 3 bereits erstellt wurde, dass
sie damit gegen die Abmachungen aus dem Leasingvertrag verstiessen (siehe
oben 3. Teil D. I. 4.10.), zumal sie vorliegend den Abschluss eines Leasingvertra-
ges namens der AA._ GmbH geradezu als Voraussetzung für den Kauf der
Firma von AN._ verlangt hatten und A._ diesen gar selbst vorbereitete
und organisierte. Da AN._ auf die Angaben von A._ und B._ ver-
traute, wonach sie das Fahrzeug für die Firma AA._ GmbH benötigten und
die Firma von der Ehefrau B._s betrieben werden sollte (Urk. 8/12/16 S. 3 f.),
übergab sie A._ (und via diesen auch) B._ den BMW X5 als Vermö-
genswert aber auch als Verpflichtung zur Bezahlung sämtlicher Kosten aus dem
Leasingvertrag im Vertrauen und gestützt auf die zwischen ihnen eingegangene -
vorerst nur mündlich getroffene - Vereinbarung. A._ und B._ handelten
vorsätzlich im Sinne des Tatbestandes, da sie im Wissen um die eingegangene
Vereinbarung mit der AA._ GmbH das der Leasinggeberin gehörende und
damit im Rechtssinne fremde Auto verkauften, ohne dazu berechtigt zu sein und
ohne je den Willen gehabt zu haben, das Fahrzeug vertragsgemäss wieder der
rechtmässigen Eigentümerin, der CV._ (Schweiz) AG, zurückzugeben. Damit
entstand bereits durch die Aneignung der tatbestandsmässige Schaden im Ent-
zug des Fahrzeugwertes und dem Verlust der Sicherheit für die Vertragsforde-
rung. Die Beschuldigten A._ und B._ planten das Vorgehen gemeinsam,
bestimmten jedenfalls zusammen, wer welche Handlungen wann vornimmt und
gingen dabei arbeitsteilig, jedoch im Sinne ihres Planes zielgerichtet vor, so dass
die Handlungen des einen vom anderen gutgeheissen, gar durch eigene Hand-
lungen gedeckt und unterstützt wurden. Die Beschuldigten A._ und B._
erfüllten damit vorsätzlich und in mittäterschaftlichem Zusammenwirken den Tat-
bestand der Veruntreuung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, so dass sie der
mehrfach begangenen Veruntreuung schuldig zu sprechen sind, nachdem sie
diesen Tatbestand bereits bezüglich ND 3 erfüllten.
- 222 -
G. A._ und B._: Mercedes ML und BMW X6 (ND 4 und 6) Veruntreuung / Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung
I. Sachverhalt
Diese beiden Anklagepunkte (je Ziffern VII. und VIII.; Urk. 61/8 S. 24 ff. und
Urk. 62/9 S. 23 ff.) befassen sich mit dem Leasing eines Mercedes ML 63 AMG
und eines BMW X6 durch die AB._ AG. Da beide Leasingverträge, datierend
je vom 12. März 2009, durch W._ als Vertreterin der AB._ AG abge-
schlossen wurden (siehe obige Übersichten 3. Teil B. I. 5. [Firmen] und 3. Teil B.
II. 2. [Leasings]) und die Leasingverträge im Zuge der Übernahme der AB._
AG durch B._ an ihn übergingen, drängt es sich auf, die beiden Anklage-
punkte zusammen zu erörtern.
1. Anklagevorwurf
1.1. Der Eventualanklage der versuchten Veruntreuung gegen die Beschuldigten
A._ und B._ liegt zusammengefasst im Wesentlichen folgender Sach-
verhalt zugrunde:
Am 10. März 2009 habe W._ die AB._ AG und die Stellung als Mitglied
des Verwaltungsrates mit Einzelunterschrift übernommen. Sie habe namens der
AB._ AG am 12. März 2009 zwei Leasingverträge abgeschlossen, und zwar
- mit der Bank CD._ AG den Leasingvertrag Nr. ... über den Mercedes -
Benz M-Class ML 63 AMG 4Matic im Wert von Fr. 99'800.– mit einer Lauf-
dauer von 60 Monaten, wobei sie der DW._ Garage AG bei der Über-
gabe Fr. 1'560.45 als erste Leasingrate zuhanden der Bank CD._ AG
übergeben habe und
- mit der F1._ Leasing den Leasingvertrag Nr. ... über den BMW X6
xDrive 35d mit einem Verkaufswert von Fr. 116'120.– mit einer Laufdauer
von 60 Monaten, wobei sie der DA._ AG zuhanden der F1._ Lea-
sing in bar Fr. 1'278.80 als erste Leasingrate und Fr. 16'000.– als erste
grosse Leasingrate übergeben habe.
- 223 -
W._ sei der Mercedes am 12. März 2009 und der BMW X6 am 14. März
2009 übergeben worden, woraufhin sie diese zu den Geschäftsräumlichkeiten der
T._ GmbH in CN._ gefahren habe. Mit Vertrag vom 19. März 2009 habe
B._ die AB._ AG (Eintrag im Handelsregister am 25. März 2009) inklusi-
ve dem genannten Mercedes und dem BMW X6 übernommen. Zwischen
W._, A._ und B._ sei vereinbart worden, dass Letztere alle im Zu-
sammenhang mit den Personenwagen anfallenden Kosten, insbesondere auch
die Leasingraten, und die übrigen Verpflichtungen aufgrund der Leasingverträge
mit der Übernahme der AB._ AG übernehmen werden (Urk. 61/8 S. 27 und
31 sowie Urk. 62/9 S. 26 und 30).
Am 20. März 2009 sei B._ in Absprache mit A._, resp. auf dessen Ver-
anlassung, mit dem Mercedes ML 63 AMG nach ... zum Autohändler DD._
gefahren, welchem er - entgegen der ausdrücklichen vertraglichen Vereinbarung
im Leasingvertrag - das Fahrzeug für Fr. 65'000.– unter Vorweisung des erschli-
chenen Fahrzeugausweises ohne Code 178 zum Kauf angeboten habe, wobei
sowohl er als auch A._ von der geplanten Veräusserung hätten profitieren
wollen. Da der Kaufinteressent wegen des tiefen Preises misstrauisch geworden
sei und via einen Kollegen telefonische Rücksprache mit der DW._ Garage
AG genommen habe, sei es nicht zum Verkauf des geleasten Fahrzeugs gekom-
men und das Auto sei in der Folge seinem rechtmässigen Eigentümer überbracht
worden. Damit hätten A._, B._ und W._ beabsichtigt, jedenfalls
zumindest billigend in Kauf genommen, dass das Vermögen der Bank CD._
AG im Umfang des Fahrzeugwertes von 99'800.– (abzüglich der bei der Fahr-
zeugübergabe geleisteten Zahlungen) vermindert und andererseits ihr Vermögen
im selben Umfang direkt bzw. indirekt vermehrt würde (Urk. 61/8 S. 27 f. i.V.m.
S. 26; Urk. 62/9 S. 26 f. i.V.m. S. 25 f.).
Den BMW X6 habe W._ gestützt auf die vorgenannte Vereinbarung mit
A._ und B._ Letzterem wahrscheinlich im Frühling / Sommer 2009 über-
lassen, worauf hin der BMW X6 - entgegen der ausdrücklichen vertraglichen Ver-
einbarung mit der Leasinggeberin - zumindest auf Veranlassung von A._
bzw. B._ auf unbekannte Art und Weise an einen unbekannten Ort verbracht,
- 224 -
bzw. höchstwahrscheinlich weiterverkauft worden sei. Damit hätten A._,
B._ und W._ beabsichtigt, jedenfalls zumindest billigend in Kauf ge-
nommen, dass das Vermögen der F1._ Leasing im Umfang des Fahrzeug-
wertes von 116'120.– (abzüglich der bei der Fahrzeugübergabe geleisteten Zah-
lungen) vermindert und andererseits ihr Vermögen im selben Umfang direkt bzw.
indirekt vermehrt würde (Urk. 61/8 S. 32 i.V.m. S. 31; Urk. 62/9 S. 31 i.V.m.
S. 30).
1.2. Beiden Beschuldigten wird bezüglich des Mercedes ML 63 AMG (ND 4) vor-
geworfen, die Löschung des Codes 178 mittels eines nachgeahmten Löschungs-
begehrens (nachgeahmte Unterschrift der DW._ Garage AG) durch eine un-
bekannte Täterschaft veranlasst, wenn nicht gar selbst die Nachahmung vorge-
nommen zu haben. Analog zu ND 11 wird ihnen weiter vorgeworfen, dass dieser
nachgeahmte Fahrzeugausweis beim Versuch das Fahrzeugs an DD._ zu
verkaufen, diesem vorgezeigt worden sei, der von dessen Richtigkeit ausgegan-
gen sei. Dabei hätten A._ und B._ gewusst, dass der Fahrzeugausweis
nachgeahmt worden war, und beabsichtigt, dass DD._ dies nicht bemerken
und infolgedessen das Fahrzeug kaufen würde (Urk. 61/8 S. 28; Urk. 62/9 S. 27).
1.3. Zusätzlich wird nur dem Beschuldigten A._ auch in Bezug auf den
BMW X6 (ND 6) vorgeworfen, er oder eine unbekannte Täterschaft zumindest auf
Veranlassung von A._ habe am 15. Mai 2009 mittels eines gefälschten Lö-
schungsbegehrens, auf welchem ein Stempel der DA._ AG nachgeahmt war,
versucht, dass Mitarbeiter des Strassenverkehrsamtes Regensdorf den Code 178
aus dem Fahrzeugausweis löschten, so dass der genannte BMW fälschlicher-
weise nicht mehr als Leasingfahrzeug erkennbar gewesen wäre und damit leich-
ter hätte verkauft werden können. Da die zuständige Mitarbeiterin des Strassen-
verkehrsamtes misstrauisch geworden sei, und die unbekannte Person die Flucht
ergriffen habe, sei es nicht zur Löschung des Codes gekommen (Urk. 61/8 S. 32).
2. Einwendungen
2.1. Der Beschuldigte A._ liess auch hier den äusseren Ablauf des Ankla-
gesachverhalts einräumen, bestreitet jedoch bezüglich des Mercedes überhaupt
- 225 -
selbst daran beteiligt gewesen zu sein (Urk. 133 S. 22; Urk. 207 S. 57 f.), was er
bezüglich des BMW X6 wiederholt, jedoch eventualiter vorbringen lässt, er sei
höchstens wegen unrechtmässiger Aneignung zu bestrafen (Urk. 133 S. 23 f.;
Urk. 207 S. 59 ff.). A._ macht hauptsächlich geltend, die Anklage stütze sich
zu Unrecht auf die Aussagen von B._ und W._ ab, welche unglaubhaft
seien und reine Schutzbehauptungen darstellten.
2.2. Auch der Beschuldigte B._ bestreitet den äusseren Ablauf bezüglich
Abschluss der Leasingverträge durch W._ mit Übergabe der Fahrzeuge an
diese, Übernahme der AB._ AG durch B._ und Verkaufsversuch bezüg-
lich des Mercedes ebenfalls durch ihn nicht. Er macht jedoch geltend, er habe mit
dem Entschluss betreffend Abschluss der Leasingverträge und späteren Verkauf
der Fahrzeuge nichts zu tun gehabt, denn das sei vor der Übernahme der
AB._ AG ausschliesslich zwischen A._ und W._ abgemacht wor-
den. Er habe zwar gewusst, dass sich in der Firma die beiden Fahrzeuge befun-
den hätten, als er die AB._ AG übernahm und auch, dass sie dazu da gewe-
sen seien, Barkapital zu bringen (Urk. 131 S. 75; Urk. 209 S. 32 ff.), jedoch sei
beim Mercedes der Code 178 im Zeitpunkt der Übernahme der AB._ AG be-
reits gelöscht gewesen und er habe den Mercedes auf Initiative und im Auftrag
von A._ lediglich als dessen Bote verkaufen wollen (Urk. 133 S. 76 und 79
f.). Den BMW X6 habe B._ nie gesehen, er sei ihm nicht übergeben worden
und zudem sei sich B._ infolge des bestehenden Codes 178 bei der Über-
nahme der AB._ AG bewusst gewesen, dass der BMW nicht verkauft werden
dürfe (Urk. 131 S. 81). W._ habe - gemäss ihren Angaben gegenüber
B._ - das Fahrzeug an A._ übergeben, der es anlässlich des Weiterver-
kaufs der AB._ AG an CS._ diesem hätte übergeben müssen (Urk. 131
S. 76). Generell wird bestritten, dass B._ beabsichtigt gehabt habe, finanziel-
le Verpflichtungen aus Leasinggeschäften nicht zu erfüllen und die Fahrzeuge zu
verkaufen (Urk. 131 S. 76).
- 226 -
3. Sachverhaltserstellung
3.1. Unbestrittener Sachverhalt
3.1.1. Der äussere, in der Anklage geschilderte, Ablauf betreffend den Ab-
schluss der Leasingverträge durch W._ namens der AB._ AG, die Be-
zahlung von ersten Raten bei Übergabe der Fahrzeuge und deren Verbringen
durch W._ nach CN._, die Übernahme der AB._ AG mitsamt den
von W._ abgeschlossenen Leasingverträgen betreffend den Mercedes ML
63 AMG und den BMW X6 durch B._, der Weiterverkauf an CS._ sowie
der Verkaufsversuch bezüglich des Mercedes durch B._ und das Auffinden
des BMW X6 in Deutschland blieben unbestritten, ebenso wie der Umstand, dass
der Löschung des Codes 178 im Fahrzeugausweis des Mercedes ein gefälschter
Löschungsantrag zugrunde lag (zu den Firmenübernahmen siehe auch die Über-
sicht im 3. Teil B. I. 2.3. und 5.).
3.1.2. Weiter ist unbestritten, dass B._ am 27. März 2009 eine Vollmacht
für AF._ ausstellte, wonach dieser berechtigt war, den BMW X6 zwischen
dem 26. März und dem 11. April 2009 auch mit ins Ausland zu nehmen
(Urk. ND 6/2/3). Diese Vollmacht wurde gar am 30. März 2009 amtlich beglaubigt
(Urk. ND 6/1 S. 9). Zudem ist darauf hinzuweisen, dass der gegen AF._ aus-
gesprochene Strafbefehl wegen Hehlerei betreffend den BMW X6 (hiesiges ND 6)
unangefochten in Rechtskraft erwuchs (siehe auch oben 2. Teil B. und 3. Teil D.
I.4.10.), so dass davon auszugehen ist, dass der dortige Anklagesachverhalt an-
erkannt wurde. Danach übergab B._ ungefähr anfangs April 2009 den BMW
X6 an AF._, wobei dieser die anschliessende Veräusserung zumindest un-
terstützt habe und dabei zumindest habe annehmen müssen, dass dieses Fahr-
zeug deliktisch erlangt worden sei (Beizugsakten C-3/2011/783, Strafbefehl vom
10. Juni 2013 S. 3).
3.1.3. Hinsichtlich des Vorwurfes betreffend teilweise Veruntreuung zulasten
von W._ (ND 4 und ND 6) ist auf das rechtskräftige Urteil vom 27. März 2015
im abgekürzten Verfahren am Bezirksgericht Uster (Urk. 67/17) hinzuweisen, das
gestützt auf ihr Geständnis erging (siehe auch oben 1. Teil B.). Danach anerkann-
te sie den Anklagevorwurf, der vom Sachverhalt her mit dem vorliegenden gegen
- 227 -
die Beschuldigten A._ und B._ übereinstimmt (Urk. 67/17, angeheftete
Anklageschrift S. 3 und 4), und somit namentlich auch, dass sie alle drei Kenntnis
vom bestehenden Eigentum der Leasinggeberin hatten und dass unter ihnen
dreien vereinbart worden sei, dass A._ und B._ alle im Zusammenhang
mit den Personenwagen anfallenden Kosten, insbesondere auch die Leasingra-
ten, und die übrigen vertraglichen Verpflichtungen, welche die AB._ AG auf-
grund der Leasingverträge hatte, mit der Übernahme der AB._ AG überneh-
men würden. Sie anerkannte anklagegemäss auch, dass sie den Mercedes an
A._ und den BMW X6 an B._ übergeben hatte. W._ anerkannte
auch den Vorwurf, dass sie (neben A._ und B._) durch den Weiterver-
kauf des Mercedes ihr Vermögen im Umfang des Fahrzeugwertes habe vermeh-
ren wollen und durch den Verkauf des BMW X6 indirekt habe profitieren wollen,
indem sie dadurch ihren Lohn für die Tätigkeit bei der T._ GmbH hätte aus-
bezahlt bekommen sollen (Urk. 5/7 S. 3 und 6; Urk. 5/8 S. 2; Urk. 5/13 S. 2-4).
Auch von den diesbezüglichen Zugaben W._s ist für das vorliegende Urteil
auszugehen.
3.2. Zweck des Kaufs der AB._ AG
3.2.1. W._ sagte zum Kauf der AB._ AG aus, sie habe diese auf Druck
von A._ dem AO._ abkaufen müssen, weil ca. acht Autos in der Garage
gewesen seien, die AO._ von der EB._ bezogen hatte, bei welchen aber
noch Rechnungen offen gewesen seien. Da AO._ die Garage nicht mit den
Autos hätte verkaufen dürfen und A._ sie vorgeblich wegen eigenen Betrei-
bungen nicht habe erwerben können, habe statt dessen sie die Garage auf Ge-
heiss von A._ übernehmen müssen und A._ habe dann die Autos ver-
kauft, wobei sie beim Verkauf der beiden VW Busse selbst dabei gewesen sei.
Bei der Übergabe seien ein Aktienkaufvertrag, eine Bilanz und Statuten überge-
ben worden. Sie habe zwar auf dem Papier die Garage übernommen, aber Chef
der Garage sei sie nie gewesen. A._ habe die Autos verkauft und die ent-
sprechenden Leute gekannt. Sie habe das nur darum gemacht, weil sie sich er-
hofft habe, dass die T._ GmbH gut laufe und ihr Lohn bezahlt werde. Tat-
sächlich habe sie aber kein Geld erhalten, weder von den Autoverkäufen und
- 228 -
auch nicht beim späteren "Verkauf" der Garage an B._. A._ habe aber
vom Verkauf der beiden VW Busse Fr. 80'000.– in bar erhalten, die sie ihm nach
dem Verkauf übergeben habe (Urk. 5/3 S. 3 f.; Urk. 5/5 S. 14 ff.; Urk. 5/6 S. 8 und
10 ff.; Urk. 5/8 S. 2 ff.; Urk. 8/1 S. 19 ff. und S. 26). Insgesamt habe A._ aus
den Autoverkäufen um die Fr. 280'000.– eingenommen, jedoch sei das Geld nicht
auf ein Bankkonto der AB._ AG geflossen, denn ein solches habe es nicht
gegeben. Leasingraten habe sie für die AB._ AG ausser denjenigen bei der
Fahrzeugübergabe des Mercedes ML 63 AMG und des BMW X6 nicht bezahlt,
denn sie habe ja noch im gleichen Monat die Firma wieder - an B._ - verkauft
(Urk. 5/7 S. 4 ff.; Urk. 5/8 S. 3 ff.). Im Zeitpunkt der Übernahme der AB._ AG
durch sie seien nur noch vier Fahrzeuge in der Firma gewesen, da AO._ zu-
vor noch vier verkauft habe und die anderen vier habe sie selbst verkauft. Als sie
die Firma an B._ weitergegeben habe, seien keine Autos mehr im Inventar
der AB._ AG gewesen, die von AO._ geleast worden seien, sondern nur
noch der Mercedes ML 63 AMG und der BMW X6 (Urk. 5/10 S. 9 ff.). Dass
B._ ihr die AB._ AG abkaufe und die von ihr im Namen der AB._
AG geleasten Autos (Mercedes und BMW) durch deren umgehenden Verkauf
ebenfalls zu Bargeld hätten gemacht werden sollen, hätten A._ und B._
so miteinander vereinbart; sie seien auch beide zusammen deswegen auf sie zu
gekommen (Urk. 5/5 S. 18 f.; Urk. 5/6 S. 9).
3.2.2. Diese Aussagen von W._ sind detailreich, durchwegs konstant und
wurden auch durch AO._ bestätigt (Urk. 8/9 S. 9 ff.). Das alleine spricht be-
reits für deren Glaubhaftigkeit, was noch durch den Umstand, dass sie sich dabei
auch selbst belastete, unterstrichen wird. Ausserdem fügen sie sich widerspruchs-
frei in das durch Dokumente belegte Geschehen betreffend Übernahme und Ver-
kauf der AB._ AG ein (Urk. ND 4/2-7). Es ist daher erstellt, dass W._ die
AB._ AG nur pro forma übernahm, um die sich darin befindlichen Fahrzeuge
(teilweise zusammen mit A._) zu verkaufen, wobei die Verkäufe durch
A._ organisiert und durchgeführt wurden. Der dadurch erworbene Verkaufs-
erlös floss uneingeschränkt an A._ und nicht in die AB._ AG.
- 229 -
3.2.3. Der Vorinstanz ist in ihrer Beweiswürdigung zuzustimmen, wonach
W._ sowohl den Mercedes ML 63 AMG als auch den BMW X6 im Namen der
AB._ AG leaste, und zwar im Auftrag von A._ und unter Übergabe der
notwendigen Barmittel für die Anzahlungen durch diesen (Urk. 159 S. 210 f. und
S. 217).
3.3. Zweck des Kaufs der AB._ AG durch B._
3.3.1. B._ sagte schon früh in der Untersuchung klar aus, er habe die
AB._ gekauft, damit er einen Mercedes habe verkaufen können (Urk. 4/5
S. 12) und ergänzte, in der AB._ AG habe es nichts ausser zwei Autos ge-
habt, einen Mercedes und einen BMW und beide seien geleast gewesen (Urk. 4/5
S. 13). Das deckt sich auch mit seiner späteren Aussage, wonach er CS._
darüber informiert habe, dass der BMW X6 und der Mercedes ML Leasingfahr-
zeuge seien (Urk. 4/9 S. 8). Der Beschuldigte B._ sagte mit Bezug auf seine
Bestreitung um das Wissen betreffend die bestehenden Leasingverträge zum
Mercedes und dem BMW X6 ausserdem aus, er hätte das Auto auch verkauft,
wenn er gewusst hätte, dass es geleast war (Urk. 4/8 S. 4). Angesichts seiner ei-
genen frühen Aussage, wonach er über die sich in der AB._ AG befindenden
Autos nur gewusst habe, dass sie "verkauft worden sind" und er für die Autos
"Geld erhalten würde" (Urk. 4/5 S. 13; Urk. 4/8 S. 2), ist als nachgewiesen zu be-
trachten, dass er von allem Anfang an und namentlich bevor er die AB._ AG
übernahm mit A._ abgesprochen gehabt hatte, diese Autos trotz bestehen-
der Leasingverträge zu verkaufen. Dass er damals gleichzeitig (noch) behauptet
hatte, keine Kenntnis vom Leasingvertrag des Mercedes gehabt zu haben
(Urk. 4/8 S. 3), ist angesichts seiner ersten und damit grundsätzlich tatnäheren
Aussage als reine Schutzbehauptung zu qualifizieren.
3.3.2. Diese Aussagen lassen keinen Spielraum für Interpretationen, auch wenn
der Beschuldigte später im Verfahren sowohl seine Tatbeteiligung herunterspielt
als auch seine Kenntnis bezüglich der Leasingverträge bestreitet, da sich sein
Aussageverhalten ohne Zweifel als Versuch der Schadensbegrenzung verstehen
lässt. Der Beschuldigte B._ wusste demnach ganz genau, dass beide fragli-
chen Fahrzeuge geleast worden waren und dass sie somit nicht hätten verkauft
- 230 -
werden dürfen, handelte mitnichten unwissend bloss im Auftrage von A._.
Seine frühen Aussagen mit Bezug auf den Zweck des Garagenkaufs und den Ab-
sichten bezüglich Verkaufs der Fahrzeuge decken sich im Übrigen mit denjenigen
von W._, wonach die Übernahme der Garage, das Leasing der Fahrzeuge
und deren Verkauf zwischen A._ und B._ mündlich vereinbart worden
war. Somit ist vorliegend die von W._ angeführte, und der Anklage zugrunde
liegende, mündliche Vereinbarung zwischen A._ und B._ beweismässig
erstellt. Gestützt auf die glaubhafte Aussage von W._ ist sodann ebenfalls
erstellt, dass zwischen A._ und B._ vereinbart worden war, dass sie den
BMW X6 nicht wie den Mercedes ML 63 AMG an A._, sondern an B._
übergeben sollte, was sie auch tat (Urk. 5/6 S. 8; Urk. 5/9 S. 1; Urk. 8/1 S. 27 f.).
Ihre Aussage wird ausserdem gestützt durch die Tatsache, dass der Beschuldigte
B._ offensichtlich im Besitz des BMW X6 war, als er diesen ca. anfangs April
2009 samt der beglaubigten Vollmacht zum Verbringen dieses Fahrzeugs ins
Ausland an AF._ übergab (siehe Sachverhalt zum Strafbefehl, vorstehende
Ziff. 3.1.2.). Aus der Tatsache, dass er das Fahrzeug im Wissen um den beste-
henden Leasingvertrag einer ihm als Autohändler bekannten Person überliess
und offensichtlich - es fehlen jegliche entsprechende andere Handlungsansätze -
tolerierte, dass das Fahrzeug nicht wieder an ihn zurück gegeben wurde, und
dass er schliesslich ebenfalls wusste, dass AF._ bereits den BMW X5 abge-
kauft hatte (ND 3), ergibt sich in Anbetracht des von Anfang an bestehenden
Ziels, die Autos zu verkaufen, ohne jeden Zweifel, dass der Beschuldigte B._
wollte, dass auch der BMW X6 durch AF._ verkauft und zu Bargeld gemacht
würde.
3.3.3. Der Zweck der Übernahme der AB._ AG durch B._ bestand
zweifellos darin, die im Namen der AB._ AG geleasten beiden Fahrzeuge
(Mercedes ML 63 AMG und BMW X6) zu verkaufen und das Bargeld einzustrei-
chen. Dabei gingen A._ und B._ wiederum arbeitsteilig vor, indem
A._ W._ dazu brachte, einerseits die Garage von AO._ zu kaufen
und andererseits die von ihm gewünschten Leasingverträge abzuschliessen.
B._ dagegen oblag es die Firma samt den beiden geleasten Fahrzeugen zu
- 231 -
übernehmen und beim Verkauf derselben mitzuwirken, was er, wie vorstehend
nachgewiesen, auch tat.
3.4. Löschung des Codes 178 Mercedes ML 63 AMG
3.4.1. Zur Löschung des Codes 178 sagte B._ schon am 8. September
2009 aus, A._ habe ihm den Käufer für den Mercedes gefunden, bei dem der
Code bereits gelöscht gewesen sei, als er die AB._ AG gekauft habe. Er
glaube, dass der A._ den Code, dass man das Auto nicht verkaufen dürfe,
habe löschen lassen (Urk. 4/3 S. 12). Später sagte er zudem, er habe solche
Formulare zur Beantragung der Löschung beim Strassenverkehrsamt im Büro an
der CK._-Strasse schon mal gesehen, es hätten dort drei, vier solcher For-
mulare herum gelegen (Urk. 4/8 S. 11; Urk. 4/9 S. 7). Diese Aussagen decken
sich mit denjenigen von W._, die A._ und B._ (schliesslich aber
mehrheitlich nur A._) als diejenigen bezeichnete, die die Antragsformulare
für die Löschung des Codes ausfüllten, die Codes löschen liessen, bzw. die Lö-
schung der Codes veranlassten (Urk. 5/3 S. 6; Urk. 5/4 S. 5 f.; Urk. 5/5 S. 17). Sie
habe gesehen, wie A._ mit den noch leeren Löschungsformularen in den
Händen im Büro gestanden sei und dass er das dort am PC ausgedruckt habe
(Urk. 5/4 S. 6; Urk. 5/5 S. 18; Urk. 5/8 S. 7).
3.4.2. B._ sagte bezüglich des Verkaufsversuchs des Mercedes vom
20. März 2009 aus, er habe einen Tag vor dem Verkauf mit Herrn DD._ Kon-
takt aufgenommen (Urk. 4/8 S. 8). Das war mithin noch am gleichen Tag, an dem
er die Verträge zur Übernahme der AB._ AG beim Notar in DJ._ unter-
zeichnete (Urk. ND 4/2-6). Nur gerade einen Tag davor wurde der gefälschte amt-
liche Löschungsantrag beim Strassenverkehrsamt eingereicht (Urk. ND 4/9/2),
woraufhin noch am gleichen Tag, den 18. März 2009, der neue Fahrzeugausweis
ohne Code 178 "Halterwechsel verboten" für den Mercedes ML 63 AMG auf die
Halterin AB._ AG ausgestellt wurde (Urk. ND 4/9/3). Der zeitliche Zusam-
menhang stellt damit ein wichtiges Indiz dafür dar, dass die Beschuldigten
A._ und B._ im Zeitpunkt der Kontaktaufnahme mit dem potentiellen
Kunden bereits wussten, dass der einen Verkauf verhindernde Code 178 bereits
gelöscht war.
- 232 -
3.4.3. Nachdem aufgrund der glaubhaften Aussagen von W._ davon aus-
gegangen werden muss, dass sie den Mercedes ML 63 AMG nach der Übergabe
durch die DW._ Garage am 12. März 2009 (Urk. ND 4/9/4) direkt an A._
weitergab, verbleibt kein unüberwindbarer Zweifel, dass A._ entsprechend
den bei ihm im Büro befindlichen Löschungsformularen und als momentaner Be-
sitzer des Fahrzeugs samt des ursprünglichen Fahrzeugausweises zumindest
durch dessen Übergabe an einen unbekannten Dritten diesen veranlasste, die
Dokumente zwecks Löschens des Codes 178 beim Strassenverkehrsamt einzu-
reichen. Dass er oder auch B._ selbst danach wieder in den Besitz sowohl
des Fahrzeugs als auch des gestützt auf den gefälschten Löschungsantrag neuen
Fahrzeugausweises ohne Code (Urk. ND 4/9/3) kam, steht aufgrund des Ver-
kaufsversuchs vom 20. März 2009 fest. Dort hatte ja B._ anerkanntermassen
das Fahrzeug sowie dessen Papiere bei sich, als er es an DD._ verkaufen
wollte. Auch die Motivlage von A._ und B._, die ja von Anfang an die
geleasten Autos verkaufen wollten, wie sie es auch davor schon einige Male ge-
macht hatten, lässt keinen anderen Schluss zu, als dass sie beide zusammen o-
der auch A._ in arbeitsteiligem Zusammenwirken mit B._ zumindest ei-
nen unbekannten Dritten dazu bestimmten, die Löschung des Codes 178 im
Fahrzeugausweis des Mercedes ML 63 AMG zu bewirken, so wie es in der An-
klage geschildert wurde.
3.5. versuchte Löschung des Codes 178 BMW X6
3.5.1. Gestützt auf die polizeilichen Ermittlungen infolge der Strafanzeige na-
mens der Eigentümerin des BMW X6, die nach dem geleasten Fahrzeug suchen
liess (Urk. ND 6/4 S. 6 und ND 6/5/1), stellte die Stadtpolizei Zürich fest, dass am
15. Mai 2009 ein unbekannter Mann am Schalter beim Strassenverkehrsamt Re-
gensdorf der dort anwesenden Schalterbeamtin einen Fahrzeugausweis und das
Antragsformular für die Löschung des Codes 178 vorgelegt hatte, jedoch davon-
gerannt sei, nachdem die Schalterbeamtin im PC einen internen Vermerk festge-
stellt hatte und der Mann bemerkt haben musste, dass sie stutzig geworden war.
Der Fahrzeugausweis und das Löschungsformular wurden liegen gelassen und
beim Strassenverkehrsamt im Tresor aufbewahrt, weshalb sie Eingang in die Ak-
- 233 -
ten fanden (Urk. ND 6/4 S. 7 ff.; Urk. ND 6/13 S. 7). Bei dem vorgelegten Fahr-
zeugausweis handelte es sich um denjenigen des BMW X6, der noch den Ver-
merk "Halterwechsel verboten" aufwies (Urk. ND 6/4 S. 5; ND 6/5/5) und den Lö-
schungsantrag vom 15. Mai 2009 (Urk. ND 6/5/8; Urk. ND 6/4 S. 7).
Am 22. Mai 2009 erschienen laut Ermittlungsbericht der Stadtpolizei Zürich zwei
Herren mit einer Kopie des Fahrzeugausweises des BMW X6, einer Kopie des
Leasingvertrages und einer notariell beglaubigten Kopie des Handelsregisteraus-
zuges der Firma AB._ AG, wobei einer der beiden namens CS._ ein
Duplikat des Fahrzeugausweises verlangt habe, da das Original verloren gegan-
gen sei. Dazu kam es allerdings nicht, jedoch liegen die beim Strassenverkehrs-
amt am 22. Mai 2009 vorgelegten Urkunden im Recht (Urk. ND 6/4 S. f.;
Urk. ND 6/5/9-11) sowie der VIACAR Ausdruck des Strassenverkehrsamtes über
den BMW X6 vom gleichen Datum mit einer Notiz des Strassenverkehrsamtes zur
Telefonnummer von CS._ (Urk. ND 6/5/12).
3.5.2. Aus den beim Strassenverkehrsamt Regensdorf liegen gelassenen Do-
kumenten ergibt sich zweifelsfrei, dass mittels des verfälschten Löschungsantra-
ges und der Vorlage des originalen Fahrzeugausweises des BMW X6 am 22. Mai
2009 versucht worden war, die Löschung des Codes 178 zu bewirken. Nachdem
aufgrund des übrigen Beweisergebnisses feststeht, dass A._ und B._
mit gemeinsamer Planung und Umsetzung des Kaufs der AB._ AG mit den
beiden von W._ geleasten Fahrzeugen (Mercedes und BMW) durch B._
einzig bezweckten, die geleasten Autos zu verkaufen, verbleibt angesichts des in
allen übrigen Fällen verkaufter geleaster Autos, namentlich auch bezüglich des
ebenfalls von W._ geleasten Mercedes ML 63 AMG (ND 4), gleichartigen
Vorgehens kein unüberwindbarer Zweifel, dass sie auch bezüglich des BMW X6
einen unbekannten Dritten dazu motivierten, den Löschungsantrag und den Fahr-
zeugausweis dem Strassenverkehrsamt Regensdorf vorzulegen. Dass sie ihm da-
für den originalen Fahrzeugausweis übergeben haben mussten, bedarf keiner
weiteren Erörterung. Dabei bleibt schliesslich aufgrund des gemeinsamen Tatent-
schlusses und der gemeinsamen arbeitsteiligen Vorgehensweise unerheblich, ob
die Papiere durch A._ oder B._ dem unbekannten Dritten überlassen
- 234 -
wurden. Beide wollten ja auch den BMW X6 verkaufen, obwohl er geleast war und
wollten das durch die - ungerechtfertigte - Löschung des Codes 178 erleichtern,
wie sie dies bereits mehrfach getan hatten. Dass auch A._ diesbezüglich ein
wesentlicher Tatbeitrag zukommt, ergibt sich aus den übereinstimmenden Aussa-
gen, wonach er solche Löschungsformulare bei sich im Büro herumliegen hatte
und solche auch ab seinem PC ausdruckte. Nachdem er die Leasingverträge für
W._ organisiert hatte, verfügte er zudem über die notwendigen Kenntnisse,
um den Löschungsantrag entsprechend inhaltlich zu fälschen. Der Anklagevor-
wurf der Anstiftung zum Erschleichen einer Falschbeurkundung (die allerdings im
Stadium des Versuchs blieb) zulasten von A._ ist damit erstellt.
II. Anstiftung zum Erschleichen einer falschen Beurkundung
1. Rechtsgrundlage
1.1. Bezüglich ND 4 und ND 6 wirft die Anklagebehörde (ausschliesslich) dem
Beschuldigten A._ das Erschleichen einer falschen Beurkundung im Sinne
von Art. 253 Abs. 1 StGB vor, respektive eventualiter Anstiftung dazu im Sinne
von Art. 24 Abs. 1 StGB (Urk. 61/8 S. 28, 32 und 54). Des Weiteren beantragt sie,
A._ sei zusätzlich betreffend ND 4 des Erschleichens einer falschen Beur-
kundung (Gebrauch) im Sinne von Art. 253 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen
(Urk. 61/8 S. 54), ohne dies jedoch näher zu begründen (Urk. 61/8 S. 28). Die Vorinstanz folgte dem Eventualantrag bezüglich Art. 253 Abs. 1 StGB (Urk. 159
S. 331), indem sie ohne Begründung davon ausging, der Fahrzeugausweis stelle
eine öffentliche Urkunde im Sinne der Bestimmung dar resp. der Fahrzeugaus-
weis ohne Code 178 gelte in concreto als falsche Beurkundung (Urk. 159 S. 266 f.
und 273). Entsprechend ihren Erwägungen zum Gebrauch als mitbestrafter Nach-
tat bezüglich ND 7 (Urk. 159 S. 276) sah sie im Dispositiv ihres Entscheides von
einem diesbezüglichen Freispruch ab und erkannte A._ gemäss Eventualan-
klage betreffend Anstiftung zum Erschleichen einer Beurkundung in den ND 4 und
6 schuldig, B._ jedoch nur des Erschleichens einer Beurkundung (Gebrauch)
hinsichtlich ND 4 (Urk. 159 S. 331).
1.2. Bezüglich der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich des
Erschleichens eines Fahrzeugausweises (resp. Anstiftung dazu) kann auf das be-
- 235 -
reits zu ND 7 und 11 Dargelegte verwiesen werden (siehe oben 3. Teil F. II.).
Auch im vorliegenden Fall handelt es sich bei den erschlichenen Urkunden um
Fahrzeugausweise gemäss der Definition von Art. 10 Abs. 1 SVG, so dass das
Erschleichen eines Fahrzeugausweises kraft des Vorranges der lex sepecialis
von der Strafbestimmung des Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG erfasst wird und Anstif-
tung zu diesem als Vergehen konzipierten Tatbestand grundsätzlich möglich ist.
1.3. Gemäss Art. 97 Ziff. 1 Abs. 1 aSVG macht sich des Missbrauchs von Aus-
weisen und Schildern schuldig, wer Ausweise oder Kontrollschilder verwendet, die
nicht für ihn oder sein Fahrzeug bestimmt sind. Von dieser Bestimmung erfasst
war - und ist nach der gleichlautenden neuen Bestimmung von Art. 97 Abs. 1 lit. a
SVG ebenfalls - nur die missbräuchliche Verwendung echter Ausweise oder Kon-
trollschilder. Die Verwendung falscher oder gefälschter Ausweise fällt dagegen
gemäss BGE 98 IV 55 und BGE 111 IV 55 entweder unter Art. 251 oder Art. 252
StGB (siehe auch Weissenberger, 2.A. 2013, N 7 zu Art. 97; Giger, OFK-SVG,
8.A., Zürich 2014, N 4 zu Art. 97).
2. Subsumtion
2.1. Die Fahrzeugausweise des Mercedes ML 63 AMG und des BMW X6 stellen
Ausweise im Sinne der Definition von Art. 10 Abs. 1 SVG dar, so dass das Er-
schleichen eines Fahrzeugausweises kraft des Vorranges der lex sepecialis von
der Strafbestimmung des Art. 97 aSVG erfasst wird.
2.2.1. Gestützt auf den erstellten Sachverhalt (und nach der Einschränkung
der Täterschaft infolge des Anklageprinzips) ist davon auszugehen, dass der Be-
schuldigte A._ zumindest den Tatentschluss zum Erschleichen der (falschen)
Fahrzeugausweise bei dem oder den unbekannten Dritten hervorgerufen hatte,
da die Täterschaft ihn in die Tat umsetzte. Das Einreichen der falschen Lö-
schungsbegehren war für die Erstellung der zum Verkaufe des Leasingfahrzeugs
wichtigen Fahrzeugausweise ohne Code 178 essentiell und kausal, so dass der
objektive Tatbestand von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG erfüllt ist. Aufgrund des kon-
kreten Geschehens, des Ausdruckens von Löschungsformularen, des Ausfüllens
von falschen Angaben und des Einreichens solcher falscher Angaben zwecks Be-
- 236 -
seitigung des Codes 178 ist kein anderer Schluss möglich, als dass die Tathand-
lung vorsätzlich begangen wurde. Weil dem Beschuldigten A._ jedoch nur
nachgewiesen werden kann, dass er eine Drittperson anstiftete und den Lö-
schungsantrag nicht selbst fälschte oder einreichte, hat sich der Beschuldigte
A._ mithin der Anstiftung zum Erschleichen eines Ausweises im Sinne von
Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG i.V.m. Art. 24 Abs. 1 StGB (wie bereits bezüglich ND 7
und 11) schuldig gemacht, so dass diese Anklagepunkte in den bereits erfolgten
Schuldspruch betreffend Anstiftung zu mehrfachem Erschleichen eines Auswei-
ses im Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG i.V.m. Art. 24 Abs. 1 StGB aufzu-
nehmen sind.
2.2.2. Unter Verweis auf die zuvor genannten Erwägungen zu ND 7 und 11
muss auch hier gelten, dass die Verwendung solcherart erschlichener Fahrzeug-
ausweise als straflose Nachtat zu betrachten ist, bezüglich welcher kein Frei-
spruch zu ergehen hat, da der Sachverhalt im Urteilsdispositiv durch den Schuld-
spruch erschöpfend beurteilt wurde (Urteil des Bundesgerichts 6B_988/2015 vom
8. August 2016 E. 1.3) und sich ein zusätzlicher Schuldspruch infolge des Verbots
der reformatio in peius verbietet.
2.3.1. Es besteht kein Zweifel, dass der vorliegend durch unbekannte Täter-
schaft erschlichene Fahrzeugausweis für den Mercedes ML 63 AMG, welchen
B._ zwecks Verkaufs an DD._ vorzeigte, zwar mittels falschem Lö-
schungsbegehren erschlichen worden war, aber dennoch einen echten Ausweis
darstellte, da er von der dafür zuständigen Behörde ausgestellt worden war. Da-
ran ändert auch der Umstand nichts, dass das Strassenverkehrsamt den Fahr-
zeugausweis ohne Code 178 gleichentags ungültig stempelte mit dem Hinweis,
dieser Fahrzeugausweis sei dem neuen Halter zu übergeben (Urk. ND 4/9/3). In-
dem B._ anlässlich des Verkaufsversuchs den echten, aber wie er wusste
inhaltlich falschen, Fahrzeugausweis verwendete, um das tatsächlich geleaste
Auto, über das er nicht verfügungsberechtigt war - was er ebenfalls wusste - wi-
derrechtlich zu verkaufen, verwendete er den Fahrzeugausweis missbräuchlich im
Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 1 aSVG. Gestützt auf den erstellten Sachverhalt
handelte der Beschuldigte zudem vorsätzlich, so dass sowohl die objektiven wie
- 237 -
die subjektiven Tatbestandsmerkmale erfüllt sind, so dass B._ des Miss-
brauchs von Ausweisen und Schildern im Sinne von Art. 97 Ziff. 1 Abs. 1 aSVG
schuldig zu sprechen ist.
2.3.2. Nachdem der Beschuldigte B._ vor Vorinstanz des Gebrauchs ei-
ner erschlichenen Urkunde im Sinne von Art. 253 Abs. 2 StGB schuldig gespro-
chen wurde, dem eine Strafandrohung von bis fünf Jahren Freiheitsstrafe oder
Geldstrafe zugrunde liegt, steht dem Schuldspruch nach Art. 97 Ziff. 1 Abs. 1
aSVG auch nicht das Verbot der reformatio in peius entgegen, da die Strafandro-
hung betreffend das missbräuchliche Verwenden eines erschlichenen Ausweises
nach dem SVG mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe milder
ist als diejenige nach StGB. Da der Sachverhalt im Urteilsdispositiv durch den
Schuldspruch erschöpfend beurteilt ist, hat in Anwendung der neusten Recht-
sprechung des Bundesgerichts bezüglich der Nichtanwendung des Art. 253
Abs. 2 StGB kein Freispruch zu ergehen (Urteil 6B_988/2015 vom 8. August 2016
E. 1.3).
H. A._: Baumaschinen H._ AG (ND 12) Betrug, eventualiter Veruntreuung / Urkundenfälschung
I. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten A._ unter dem Anklagepunkt
IX. zusammengefasst vor, er habe zu einem nicht mehr genau eruierbaren Zeit-
punkt im Frühling/Sommer 2009 beschlossen, unter Mithilfe von AH._ (sepa-
rater Strafbefehl durch die Staatsanwaltschaft See/Oberland), bzw. dessen Firma
EC._ GmbH, sich selber unter Täuschung der Baumaschinenfirma H._
AG zwei Kompaktbagger Caterpillar D und einen Abbauhammer Caterpillar B zu
verschaffen, um sie ins Ausland zu verschieben bzw. weiterzuverkaufen. Dabei
habe er über AH._ resp. die EC._ GmbH die drei genannten, in der An-
klageschrift im Einzelnen genau bezeichneten, Baumaschinen ca. am 15. Juni
2009 für die Zeit vom 17. Juni 2009 bis 22. Juni 2009 für insgesamt Fr. 8'205.45
von der H._ AG (zunächst mündlich) gemietet, obwohl weder er noch
- 238 -
AH._ die Absicht hatten, die damit eingegangenen finanziellen Verpflichtun-
gen nach Übergabe der Baumaschinen je vertragsgemäss zu erfüllen, wozu sie
beide, was sie gewusst hätten, auch nicht in der Lage gewesen wären. Der Be-
schuldigte A._ habe die verlangte Anzahlung von Fr. 10'000.– geleistet,
weshalb er und AH._ davon ausgegangen seien, dass die H._ AG de-
ren fehlende Leistungsfähigkeit und -willigkeit, soweit überhaupt möglich, nicht
überprüfen würde. Nach Auslieferung des einen Kompaktbaggers Caterpillar D
und des Abbauhammers Caterpillar B auf der Baustelle AG._-Strasse in
CA._ sowie des zweiten Kompaktbaggers Caterpillar D in BT._ habe
der Beschuldigte A._ die Verschiebung der beiden Kompaktbagger Caterpil-
lar D in den O._ veranlasst. Nachdem AH._ auf Intervention eines Mit-
arbeiters der H._ AG hin den schriftlichen Mietvertrag vom 17. Juni 2009 un-
terzeichnet gehabt habe, habe der Beschuldigte A._ ca. am 3. Juli 2009 der
H._ AG zwei von ihm verfasste Schreiben vom 17. Juni 2009 gefaxt, aus
welchen wahrheitswidrig hervorgehe, dass die Baumaschinen Kompaktbagger
Caterpillar D, ..., im Wert von Fr. 274'000.– und Kompaktbagger Caterpillar D, ...,
im Wert von Fr. 128'000.– durch die Firma EC._ GmbH für drei Monate für
Arbeitsleistungen in den O._ gebracht worden seien, was in Tat und Wahr-
heit nicht der Fall gewesen sei. Zudem habe der Beschuldigte A._ die ge-
nannten Schreiben, die den Schein erweckten, die Bagger würden nach der drei-
monatigen Ausleihfrist wieder zurückgebracht werden, mit dem Namen von
AH._ bzw. der EC._ GmbH unterzeichnet und am 3. Juli 2009 an die
H._ AG gefaxt oder faxen lassen (Urk. 61/8 S. 36 i.V.m. S. 34 f.). Dies, um
zu verhindern, dass seitens der H._ AG weitere Nachforschungen betreffend
den Verbleib der Baumaschinen angestellt würden. Der Beschuldigte A._
habe damit beabsichtigt, das Vermögen der H._ AG im Umfange des Wertes
der drei Baumaschinen von insgesamt Fr. 459'000.– zu vermindern und seines zu
vermehren. Die beiden Kompaktbagger Caterpillar D seien denn auch bis zur An-
klageerhebung der rechtmässigen Eigentümerin, der H._ AG, nicht wieder
zurückgegeben worden. Für weitere Angaben und Einzelheiten sei auf die detail-
lierte Anklageschrift verwiesen (Urk. 61/8 S. 32 - 36).
- 239 -
2. Einwendungen
Der Beschuldigte A._ bestreitet nach wie vor, die drei Baumaschinen bestellt
und etwas mit deren Verschwinden zu tun zu haben. Ausserdem bestreitet er, der
Verfasser und Versender der beiden Fax-Schreiben an die H._ AG vom
17. Juni 2009 zu sein (Urk. 207 S. 66 ff.; Urk. 133 S. 26 f.; Urk. 159 S. 237).
3. Unbestrittener Sachverhalt / Eingestandener SV von AH._
Zu diesem Nebendossier sind folgende Umstände, die für die Sachverhaltserstel-
lung relevant sein könnten, unbestritten geblieben und teilweise auch durch Ur-
kunden belegt, so dass für die Würdigung der Beweise und im Hinblick auf die
Beurteilung der Rechtslage darauf abzustellen ist:
3.1. AH._ gründete am 10. Mai 2005 mit seiner Ehefrau ED._ die
EC._ GmbH, eine Hoch- und Tiefbaufirma mit Sitz an der ...strasse ... in
EE._/ SG, dem Wohnort von AH._ (Urk. 41/4 und Urk. 1/9). AH._
war einziger einzelzeichnungsberechtigter Gesellschafter und auch Geschäftsfüh-
rer der Firma. Am 10. August 2009 wurde über die Firma der Konkurs eröffnet,
welcher am 19. August 2009 mangels Aktiven eingestellt und in dessen Folge die
Firma am 10. Dezember 2009 im Handelsregister gelöscht wurde (Urk. 1/9). Noch
während des Bestehens der EC._ GmbH gründete AH._ unter der Fir-
ma EF._ GmbH nochmals eine Firma mit praktisch demselben Zweck und
ebenfalls mit Sitz an seinem Wohnort, diesmal allerdings hielt er - mittlerweile
nicht mehr Bürger von EG._ und EH._ [Staaten Südosteuropas], son-
dern von EE._ / SG, alle Stammanteile der GmbH alleine (Urk. 187). Auch
über diese Firma wurde der Konkurs eröffnet, und zwar am 17. August 2011, wo-
raufhin die Gesellschaft per 11. Dezember 2013 von Amtes wegen gelöscht wur-
de, nachdem der Konkurs mangels Aktiven hatte eingestellt werden müssen
(Urk. 187).
3.2. AH._ kam über B._, der ihn A._ für die Aushubarbeiten be-
züglich dem Bauvorhaben in BB._ / AG empfohlen hatte, mit diesem via die
Firma T._ GmbH ca. im Februar 2009 in Kontakt. B._ und AH._
hatten zuvor schon während zwei Jahren zusammengearbeitet, wohingegen
- 240 -
A._ AH._ zuvor nicht gekannt hatte (Urk. ND 12/10/2 S. 12,
ND 12/10/13 S. 3 [AH._]; Urk. ND 12/10/4, ND12/10/11 S. 42, ND 12/10/13
S. 3 [A._]; Urk. ND 12/10/11 S. 44; Urk. 4/10 S. 10 [B._]). Es ist daher
davon auszugehen, dass sich B._ und AH._ näher standen, als letzterer
zu A._, was sich auch aus der Aussage von B._ schliessen lässt, wo-
nach er viel mit AH._ zusammengearbeitet und ein gutes Verhältnis zu ihm
habe. Ausserdem bestritt er, bei AH._ noch Schulden zu haben und ergänzte
spontan, dass er ihm sowieso Geld geben würde, da AH._ ihm auch schon
zu Aufträgen verholfen habe (Urk. ND 12/10/11 S. 42 f.).
3.3. Unter Hinweis auf die Bemerkungen unter dem 2. Teil B. ist vorab festzustel-
len, dass AH._ mit Bezug auf die von der H._ AG gemieteten drei Bau-
maschinen (zwei Kompaktbagger Caterpillar D und einem Abbauhammer Cater-
pillar B) rechtskräftig wegen Gehilfenschaft zum Betrug im Sinne von Art. 146
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 25 StG verurteilt und mit einer bedingt auf
zwei Jahre aufgeschobenen Geldstrafe und mit Fr. 600.– Busse bestraft wurde
(Urk. 58). Obwohl AH._ bis zuletzt dabei blieb, dass er weder mit der Miete
noch mit dem Transport der Baumaschinen ins Ausland etwas zu tun gehabt habe
(Urk. ND 12/10/3 S. 8 f.), blieb der verurteilende Strafbefehl vom 15. November
2012 unangefochten, was für die Würdigung der Aussagen des Beschuldigten
AH._ zu berücksichtigen ist.
3.4. Unbestritten blieb namentlich, dass AH._ namens der EC._ GmbH
den schriftlichen Mietvertrag vom 17. Juni 2009 mit der H._ AG, BG._,
über einen Kompaktbagger Caterpillar ... zum Mietpreis von Fr. 2'340.–, einen
Hydraulik Abbauhammer Caterpillar ... zum Mietpreis von Fr. 1'740.– und einen
Walzenzug Caterpillar CAT ... zum Mietpreis von Fr. 1'980.– unterschrieb
(Urk. ND 12/10/2 S. 3; ND 12/10/3 S. 3 und S. 5 [AH._]). Aus dem schriftli-
chen Mietvertrag ergibt sich unter Einbezug des Zubehörs für die Baumaschinen
für eine Miete von drei Tagen eine Gesamt-Mietsumme von Fr. 8'205.45, wobei
vermerkt wurde, dass der Kunde Fr. 10'000.– hinterlegt hatte (Urk. ND 12/4/1),
wovon auch die Vorinstanz ausging (Urk. 159 S. 237-238). Da ebenfalls unbestrit-
ten, ist mit der Vorinstanz davon auszugehen, dass AH._ den Vertrag am
- 241 -
19. Juni 2009 unterschrieb, nachdem die Baumaschinen bereits auf die Baustel-
len AG._, resp. BT._, ausgeliefert worden waren (Urk. ND 12/4/1 Blatt 2
und 3; Urk ND 12/3; ND 12/10/3 S. 3 und S. 5 [AH._]). Überdies ist erstellt,
dass einzig der Abbauhammer am 2. Juli 2009 noch in der Schweiz aufgefunden
und alsdann der H._ AG zurückgegeben wurde (Urk. ND 12/9/1; Urk. 159
S. 243).
Der in der Anklageschrift und im vorinstanzlichen Urteil erwähnte zweite Kom-
paktbagger Caterpillar D, ... (Urk. 61/8 S. 34, Urk. 159 S. 242) ist aufgrund der
Rentnummer ... und der Seriennummer ... identisch mit der im Mietvertrag als
Walzenzug CAT ... bezeichneten Baumaschine (Urk. ND 12/4/1 S. 2 und
Urk. ND 12/10/14 S. 2/3). Wenn also im Folgenden die Beteiligten in ihren Aussa-
gen von einem Walzenzug sprechen, so ist diese dritte im Mietvertrag aufgeführte
Baumaschine gemeint und es handelt sich nicht um einen weiteren anderen Bag-
ger.
Der Wert der drei Baumaschinen ergibt sich aus den Belegen der Buchhaltung
der Firma H._ AG wie folgt: Der Kompaktbagger Caterpillar D, CAT... weist
einen Neuwert von Fr. 251'878.69 und derjenige des Walzenzuges Caterpillar D,
... einen solchen von Fr. 126'537.60 auf (Urk. ND 12/17/4/3 und 5;
Urk. ND 12/10/3). Der Vertreter der H._ AG bezifferte bei der Anzeigeerstat-
tung ausserdem den Wert des Abbauhammers Caterpillar B, ..., mit Fr. 57'500.–
(Urk. ND 12/10/14 S. 3). Diese - teils belegten - Angaben blieben unbestritten
(Urk. 133 S. 26 f.; Urk. 207 S. 66 ff.), so dass für die rechtlichen Erwägungen
hiervon auszugehen ist.
3.5. Schliesslich bestätigte A._ nach entsprechender Darstellung durch
AH._, dass es am 3. Juli 2009 zu einem Treffen zwischen ihm, AH._
und drei Männern von der H._ AG auf der Autobahnraststätte EI._ ge-
kommen war. Anlässlich dieses Treffens, welches AH._ organisiert hatte, ge-
riet A._ in einen heftigen Streit, woraufhin sie alle den dazugekommenen Po-
lizeibeamten ihre Ausweise zeigen mussten (Urk. 3/8 S. 3 f. [A._]; Urk. 8/8
S. 11 [AH._]; Urk. ND 12/1 S. 8; ND 12/2/1). Diesbezüglich ist mit der Vo-
rinstanz davon auszugehen, dass es nach den glaubhaften Aussagen von
- 242 -
AH._ bei diesem Treffen nicht um Schulden von B._ ihm gegenüber
ging, sondern um den Verbleib der durch die Mitarbeiter der Firma H._ AG
vermissten Baumaschinen, wegen welchen sie überhaupt Kontakt mit AH._
aufgenommen und ihn bedrängt hatten, anzugeben, wo die Baumaschinen abge-
blieben waren (Urk. 159 S. 241).
3.6. Gemäss unbestritten gebliebenen Angaben der H._ AG hatte die Firma
EC._ GmbH Rechnungsausstände bei verschiedenen Filialen, weshalb mit
der EC._ GmbH bezüglich der Vermietung der hier interessierenden drei
Baumaschinen abgemacht worden war, dass sie die Maschinen nur gegen eine
Vorauszahlung von Fr. 10'000.– bekommen würden und die Anzahlung auch tat-
sächlich geleistet wurde. Allerdings bestritten sowohl A._ wie auch
AH._, diesen Betrag bezahlt zu haben (Urk. ND 12/10/14 S. 2 [AI._];
Urk. ND 12/10/2 S. 3, Urk. ND 12/10/3 S. 3 [AH._]; Urk. 3/8 S. 2 [A._]).
Aufgrund der Angaben der Firma H._ AG steht aber immerhin fest, dass der
Betrag nicht von der EC._ GmbH, sondern von einer unbekannten Drittper-
son bezahlt worden war (Urk. ND 12/16/3 S. 5 Rz 16). Im Übrigen blieb unbestrit-
ten, dass weder A._ noch AH._ eine einzige der geschuldeten Mietzins-
raten an die H._ AG bezahlten.
4. Sachverhaltserstellung
Bezüglich der für dieses Nebendossier relevanten Beweismittel kann auf die Auf-
zählung derselben im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 159
S. 235 f.). Dabei ist allerdings unter Hinweis auf das unter dem 2. Teil C. 4. (Sei-
te 30 f.) zur Beweisverwertbarkeit Dargelegte festzuhalten, dass sämtliche vor-
handenen Aussagen der befragten Beteiligten ebenfalls für die Beweiswürdigung
herangezogen werden können, namentlich auch diejenigen von A._, B._
und C._, W._ und AH._. Es ist im Gesamtkontext zu prüfen, wel-
che Aussagen aus welchen Gründen glaubhaft sind und welche nicht. Im Übrigen
gab die Vorinstanz die Aussagen der Beteiligten, soweit zitiert, korrekt wieder
(Urk. 159 S. 239-245), so dass auf eine Wiederholung an dieser Stelle verzichtet
werden kann.
- 243 -
4.1. Rückwirkende Teilnehmeridentifikation
Aufgrund diverser unabhängiger, übereinstimmender und authentischer Aussagen
gilt als erstellt, dass A._ gewöhnlich während einer gewissen Zeitspanne
gleichzeitig zwischen 10 bis 20 verschiedene Handynummern benutzte und schon
nach kurzer Zeit, spätestens nach zwei bis drei Wochen, jeweils wieder eine neue
Nummer kaufte, vorzugsweise Prepaid-Karten, deren Besitzer nicht registriert
wurden, um nicht erwischt zu werden (Urk. 8/2 S. 16 und Urk. 17/3 S. 6 [B._];
Urk. 17/4 S. 4 [W._]; Urk. ND12/10/2 S. 11 und S. 14, Urk. ND12/10/3 S. 5
[AH._]; Urk. ND 11/5/14 S. 12 [AO._]). B._ sagte diesbezüglich
weiter aus, dass auf seiner Visitenkarte die Telefonnummer von A._ angege-
ben war (Urk. 8/2 S. 16). Im Gesamtkontext bezüglich der effektiven Geschäfts-
führung der Firma T._ GmbH (siehe 3. Teil B. 1.4.) ist diese Aussage als
durchaus glaubhaft einzustufen. Ausserdem verwendete der Beschuldigte
A._ mit seinem Handy SIM-Karten, die auf fremde Namen registriert waren,
welche nicht existierten oder deren Adressen fiktiv waren, wie zum Beispiel
EJ._, EK._, EL._ oder EM._. Das ergibt sich insbesondere
aus dem Ermittlungsbericht der Kantonspolizei Zürich vom 12. Juli 2011 über die
Auswertung der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation samt Beilagen (Urk. 17/1
und Urk. 17/2-16). Aufgrund der Antennenstandorte, der ermittelten Verbindun-
gen, dem Nachweis, mit welchem Handy welche Nummern benützt wurden, und
den im Handy von B._ und AJ._ unter dem Namen "AK'._",
"AK1._", resp. "AK._" gespeicherten Nummern von A._ verbleiben
keinerlei Zweifel, dass nebst den auf A._ und / oder BU._ registrierten
Nummern namentlich auch die folgenden eindeutig A._ zuzuordnen sind
(Urk. 17/1, insb. S. 4/5, S. 7 und S. 9; Urk. 17/7-8):
078 1... alias EM._
076 2... alias EK._
076 3... alias EJ._
076 4... alias EL._
078 5... alias EN._
- 244 -
B._ gab zu, im Auftrag von A._ auch für sich selbst und seine Firmen
verschiedene Male registrierte und nicht registrierte SIM-Karten gekauft, bekom-
men und verwendet zu haben, wobei er sich nicht einmal an all die unter-
schiedlichen Nummern zu erinnern vermochte (Urk. 17/3, S. 4-7). Die insgesamt
15 Telefonnummern sind im oben erwähnten Ermittlungsbericht zur Teilnehmer-
identifikation alle im Einzelnen aufgeführt, was an dieser Stelle nicht wiederholt zu
werden braucht (Urk. 17/1, S. 3 f., S. 6 und S. 8 f.).
Alleine aufgrund der Ermittlungen zu den überwachten Telefonnummern kann ein
strikter Beweis indes nicht geführt werden, dass entweder A._ oder
AH._ die Baumaschinen bei der Firma H._ AG bestellten. Es ergibt sich
jedoch, dass zwischen dem 14. April und 10. Juni 2009 von sämtlichen überwach-
ten Telefonnummern lediglich die A._ zuzuordnende Nummer 078 1... unter
dem registrierten Abonnenten EM._ Kontakt zur H._ AG hatte (Urk.
17/12 S. 3 und Urk. 17/1 S. 7). Wenn die Vorinstanz hier erwägt, der Teilnehmer
dieser Nummer habe genau drei Tage vor Mietbeginn insgesamt 7 Mal mit der
Firma H._ AG telefoniert (Urk. 159 S. 241), so trifft das jedenfalls auf die Mie-
te der Baumaschinen, die Gegenstand der Anklage betreffend ND 12 sind, nicht
zu, wird doch von der geschädigten Firma geltend gemacht, sie hätten am Mon-
tag, 15. Juni 2009 (und nicht April), eine Anfrage für die Miete von Geräten zur
Abholung am Mittwoch, 17. Juni 2009, erhalten (Urk. ND12/10/14 S. 2). Diese
Angaben werden auch von AH._ bestätigt (Urk. ND 12/10/2, Urk. 8/8 und
Urk. ND 12/10/3), so dass entsprechend auch die Anklagebehörde von diesem
Zeitrahmen ausgeht (Urk. 61/8 S. 34), der im Übrigen auch dem Strafbefehl ge-
gen AH._ zugrunde liegt (Urk. 58/1 S. 3/4).
4.2. Anmietung der Baumaschinen
4.2.1. Bezüglich des Aussageverhaltens von AH._ ist vorab darauf hin-
zuweisen, dass er zunächst bei der ersten polizeilichen Einvernahme am 17. Juli
2009 in Wil / SG (Urk. ND 12/10/1) in weiten Teilen andere Angaben machte, als
am 11. Februar 2010 gegenüber der Kantonspolizei Aargau (Urk. ND 12/10/3)
und als am 2. Juni 2010 in der Konfrontationseinvernahme mit A._ (Urk. 8/8
[= Urk. ND 12/10/13]) sowie als am 23. Juni 2011 anlässlich der delegierten Ein-
- 245 -
vernahme durch die Kantonspolizei Zürich (Urk. ND 12/10/3), dies nachdem ihm
die Kantonspolizei Aargau mitgeteilt hatte, dass sich A._ in Haft befand
(Urk. ND 12/8 S. 4). Als Grund dafür gab AH._ an, er und seine Familie seien
von A._ resp. von dessen Leuten bedroht worden. Man habe ihm gesagt,
man werde ihm den Kopf abhauen, wenn er nach EO._ [Staat in Südosteu-
ropa] gehe. Zudem habe es geheissen, A._ pflege Kontakte in ganz Europa
und Leute, die sich nicht an die Abmachungen hielten, würden monatelang in Kel-
lern eingesperrt. A._ habe ihm zum Beispiel auch gesagt, wenn er es wolle,
würde er in fünf Minuten nicht mehr existieren. Ausserdem habe A._ ihm ge-
sagt, was er aussagen solle (Urk. 8/8 S. 14 f.; Urk. ND 12/10/2 S. 4, 13 und 17,
Urk. ND 12/10/3 S. 9).
Tatsächlich fällt auf, dass AH._ anlässlich seiner ersten polizeilichen Befra-
gung gegenüber der Kantonspolizei St. Gallen den Namen A._ oder sonst
einen Hinweis auf ihn nirgends erwähnt und für die Miete der fraglichen Bauma-
schinen vollständig selber die Verantwortung übernimmt. Überdies belastete er
sich noch selbst, indem er aussagte, die Maschinen einem EP._, mit dem er
schon vorher zusammen geschaut habe, ob diese Maschinen etwas für ihn wä-
ren, bis Ende August 2009 nach EO._ weitervermietet zu haben
(Urk. ND 12/10/1). In den nachfolgenden Einvernahmen allerdings belastete
AH._ A._ dann schwer und bezeichnete ihn als Drahtzieher und Organi-
sator, der ihn gar mit dem Tode bedrohte und machte seine Situation entgegen
seiner ersten Aussage verbessernd geltend, A._ habe alles hinter seinem
Rücken gemacht und er habe alles von ihm erst hinterher erfahren
(Urk. ND 12/10/2 S. 5 und 12; Urk. ND 12/10/3 S. 3). Dass dies nicht restlos über-
zeugt und als Schutzbehauptung zu qualifizieren ist, wird nachfolgend aufgezeigt
werden.
Trotz dieser Umkehr im Aussageverhalten und der damit einhergehenden Offen-
legung der Tatumstände ist dennoch zu berücksichtigen, dass AH._ im Zeit-
punkt der Einvernahmen als (Mit-)Beschuldigter ein unmittelbares Interesse daran
hatte, sich nicht weiter als nötig selbst zu belasten, auch wenn seine Beteuerun-
gen und seine persönlichen Bemühungen, die verschwundenen Baumaschinen -
- 246 -
auch solche der Firma E._ AG - selber und mittels seines Anwaltes in
EO._ wieder aufzufinden, glaubhaft, dokumentiert und damit erstellt sind
(Urk. ND 12/10/1 S. 7, Urk. ND 12/10/2 S. 6 f. und 14; Urk. 12/10/3 S. 2; Urk. 8/8
S. 9 und 16; Urk. ND 12/11/3; ND 12/2/3 S. 11 ff.).
Dass AH._ trotz diverser Zugaben auch oft nicht die (ganze) Wahrheit sagte,
zeigt sich zum Beispiel in der gleichbleibenden Aussage, er habe bei der Firma
H._ AG lediglich einen Zahlungsrückstand von um die Fr. 8'000.– bzw. weni-
ger als Fr. 10'000.– gehabt (Urk. ND 12/10/1 S. 2; Urk. ND 12/10/3 S. 3). Dies
steht im Widerspruch zu den Angaben der Privatklägerin H._ AG, die angab,
bei allen ihren Filialen habe die EC._ GmbH Ausstände in der Höhe von ins-
gesamt Fr. 30'000.– gehabt (Urk. ND 12/10/14 S. 2 [AI._]), und zur eigenen
Aussage von AH._, wonach er wegen seiner Schulden selbst keine Chance
gehabt habe, die Baumaschinen zu mieten, da er bei der H._ AG gesperrt
gewesen sei (Urk. 8/8 S. 7). Dass die EC._ GmbH in finanziellen Schwierig-
keiten steckte, wird durch die kurz darauf erfolgte Konkurseröffnung vom 10. Au-
gust 2009 und die Einstellung des Konkurses mangels Aktiven am 19. August
2009 belegt und ist daher offenkundig (Urk. 1/9), so dass davon ausgegangen
werden kann, dass AH._ nicht in der Lage gewesen war, den verlangten
Mietvorschuss von Fr. 10'000.– zu bezahlen. Wenn der Beschuldigte AH._ in
der ersten Einvernahme angab, dieser EP._ habe sich am Freitag, 19. Juni
2009, die Baumaschinen angeschaut und gemeint, diese wären ideal für ihn und
EP._ habe dann den Abtransport selbst organisiert (Urk. ND 12/10/1 S. 5 f.),
wird diese Aussage durch die Zolldokumente widerlegt, nach welchen die beiden
Baumaschinen bereits am 17. und 18. Juni 2009 abtransportiert worden waren,
und zwar nicht nach EO._, sondern in den O._. Die Geschichte mit
EP._ erscheint daher grundsätzlich nicht glaubhaft, genauso wenig wie die
Behauptung, die Baumaschinen seien zunächst noch drei bis vier Tage im Ein-
satz gewesen, aber ab Montag oder Dienstag hätten sie sie nicht mehr benötigt
(Urk. ND 12/10/1 S. 5). Auch diese Aussage von AH._ wird durch die Zollpa-
piere widerlegt.
- 247 -
4.2.2. Zur Anmietung der Baumaschinen sagte AH._ bei der ersten Ein-
vernahme nach der Inhaftierung von A._ aus, er habe für diesen Kanalisati-
onsarbeiten auf einer Baustelle in BB._ ausgeführt. A._ habe alles or-
ganisiert und bezahlt, denn er selbst habe bereits Schulden bei der Firma
H._ AG gehabt. Er habe gewusst, dass er vermutlich bei der H._ AG
keine Maschinen bekomme, weshalb dies Herr A._ abgewickelt habe.
A._ habe den Bagger und die Walze, also das heisst, sie hätten die Maschi-
nen für drei oder vier Tage gemietet (Urk. ND12/10/2 S. 2). Er selbst habe
A._ gesagt, dass seine eigenen Maschinen für den Bau von Entwässerungs-
schächten zu klein seien. Aufgrund dieser Erkenntnis und weil er angeblich
schneller habe vorwärts kommen wollen, habe er (sc. A._) dann diese Bau-
maschinen gemietet und auf die Baustelle BB._ bringen lassen. A._ ha-
be zudem für seine Baustelle in BT._ grössere Maschinen gebraucht, als er
selber gehabt habe. Er selber habe aber die Anzahlung nicht geleistet, er habe
sowieso noch Schulden bei der H._ AG. Er nehme an, dass A._ die An-
zahlung getätigt habe (Urk. ND 12/10/2 S. 3, 13 und S. 15; Urk. 8/8 S. 6). Nach-
dem eine Person der H._ AG bei ihm zuhause aufgetaucht gewesen sei, ha-
be er den Mietvertrag unterschrieben, weil er auf seine Firma EC._ GmbH
ausgestellt gewesen sei, sich die Maschinen ja bereits auf den Baustellen befun-
den hätten und weil er sich mies gefühlt resp. Schuldgefühle gehabt habe (a.a.O.
S. 3, 5 und 15).
Diese Aussage bestätigte AH._ sodann in der Konfrontationseinvernahme
vom 2. Juni 2010 (Urk. 8/8 S. 7) und in der Einvernahme vom 23. Juni 2011, wo
er präzisierte, dass A._, ihn "vor der ganzen Angelegenheit" gefragt hatte, ob
er (AH._) bei der Firma H._ AG Baumaschinen mieten könne, was an-
gesichts seiner offenen Schulden gegenüber dieser Firma nicht möglich sei.
A._ habe darauf hin gemeint, dann werde er die Baumaschinen in seinem
Namen bestellen. Als einige Tage später ein Mitarbeiter der H._ AG bei ihm
zuhause erschienen sei und ihm den Mietvertrag zur Unterschrift präsentiert ha-
be, habe er mit A._ telefoniert, welcher ihm gesagt habe, er solle einfach den
Vertrag unterschreiben. Von der H._ AG habe er dann auch erfahren, wohin
die Baumaschinen geliefert worden seien, nämlich nach BB._ und BT._,
- 248 -
so dass er gewusst habe, dass es sich um die Baustellen der T._ GmbH ge-
handelt habe. A._ habe ihm danach auch gesagt, dass er die Baumaschinen
auf den Namen von AH._s Firma, der EC._ GmbH, bestellt habe. Den
Vertrag habe er dann unterschrieben, weil er sowohl von A._ diesbezüglich
unter Druck gesetzt worden sei, aber auch von Seiten der H._ AG, denn de-
ren Mitarbeiter habe "wie ein Verrückter gestürmt" und sei jeden Abend zu ihm
nach Hause gekommen (Urk. ND 12/10/3 S. 3 bis S. 5). Auch habe der Vertreter
der H._ AG mit einer Anzeige bei der Polizei gedroht, wenn er nicht unter-
schreibe (Urk. ND 12/10/2 S. 5, ND 12/10/3 S. 3). AH._ räumte aber
schliesslich ein, bereits im Zeitpunkt der Vertragsunterschrift gewusst zu haben,
dass A._ die Baumaschinen gemietet hatte und sie sich bereits in EO._
befanden. A._ habe ihm gesagt, sie würden nur für drei Monate in EO._
bleiben und dann wieder retour kommen (Urk. 8/8 S. 8 und S. 15). An anderer
Stelle gab AH._ weiter zu, dass A._ ihm - allerdings erst nach der Un-
terzeichnung des Vertrages - einmal gesagt habe, er könne die Maschinen ver-
gessen resp. diese kämen nicht mehr retour. Es sei kein Problem, dass sie im
Ausland seien, das habe er (A._) nicht zum ersten Mal und auch mit der Fir-
ma T._ und B._ schon einmal gemacht (Urk. ND 12/10/2 S. 4, 6, 7 und
13; Urk. 8/8 S. 12). AH._s Aussagen, er habe die von der H._ AG ge-
mieteten Baumaschinen nie gesehen (Urk. ND 12/10/2 S. 3 und 5; ND 12/10/3
S. 5), stehen im Widerspruch zu seiner anderen Aussage, wonach er auf der
Baustelle BB._ gearbeitet habe, wohin A._ die Maschinen habe bringen
lassen (Urk. ND 12/10/2 S. 15), die impliziert, dass er sie dort auch gesehen hat.
Ausserdem erklären sich dadurch auch die von AH._ angegebenen Schuld-
gefühle gegenüber der H._ AG, denn nach eigener Aussage habe AH._
eines Tages selbst gemerkt, dass die Maschinen verschwunden waren und es sei
ihm schon vor der Vertragsunterzeichnung komisch vorgekommen (Urk. 8/8
S. 15). Als er daraufhin mit A._ deswegen Kontakt aufgenommen habe, sei
er von diesem unter Druck gesetzt worden (Urk. ND 12/10/2 S. 15). Im Zuge der
Erkenntnis, dass die Maschinen bereits im Ausland waren, ging AH._ dann
gemäss eigener Aussage ein Geschäft mit A._ ein, wonach dieser ihm
Fr. 15'000.– pro Monat für die dreimonatige Miete der Maschinen ins Ausland be-
- 249 -
zahlen sollte, damit AH._ wiederum die Miete an die H._ AG hätte be-
zahlen können. Dabei war sich AH._ offensichtlich nicht bewusst, dass die
Miete der Baumaschinen pro Tag gemäss dem Mietvertrag mit der H._ AG
auf den Monat umgerechnet rund Fr. 50'000.– betragen hätte und somit das ver-
sprochene aber nie bezahlte Entgelt von A._ gar nie gereicht hätte, um den
vereinbarten Mietpreis zu bezahlen (Urk. ND 12/10/2 S. 9 f. und Urk. 8/8 S. 10 f.).
Dass AH._ trotz dieser eigenen Aussagen die ihm vorgeworfenen Straftatbe-
stände nicht anerkannte (Urk. ND 12/10/2 S. 14, Urk. ND 12/10/3 S. 8 f.), ändert
nichts am ausgesagten Sachverhalt. Es ist aufgrund der Aussagen von AH._
davon auszugehen, dass die Anmietung der Baumaschinen im Namen der
EC._ GmbH durch A._ mit AH._ besprochen worden war, zumin-
dest aber von AH._ gedeckt wurde, indem er den Mietvertrag unterzeichnete,
obwohl er in dem Moment bereits wusste, dass die Baumaschinen ausser Landes
geschafft worden waren.
4.2.3. Der von AH._ dargelegte Sachverhalt wird denn auch entschei-
dend durch die Angaben des Vertreters der H._ AG, AI._, gestützt, wel-
che er anlässlich der Anzeigeerstattung am 22. Juni 2009 gegenüber der Kan-
tonspolizei Aargau deponiert hatte (Urk. ND 12/10/14). Danach hätten sie am
Montag, 15. Juni 2009, von der Firma EC._ GmbH eine Anfrage bekommen,
Geräte für die Abholung am Mittwoch zu mieten. Da sie gewusst hätten, dass die
Firma EC._ GmbH mit gesamthaft Fr. 30'000.– bei verschiedenen ihrer Filia-
len in Verzug gewesen sei, hätten sie mit der EC._ GmbH abgemacht, dass
sie die Maschinen für eine Vorauszahlung von Fr. 10'000.– bekämen. Die Vo-
rauszahlung sei dann auch gleich beglichen worden. Die Baumaschinen seien für
zweieinhalb Tage gemietet worden. Am Freitagnachmittag (sc. 19. Juni 2009) ha-
be dann die Firma EC._ angerufen und gefragt, ob sie die Geräte noch et-
was länger, zwei bis drei Tage, haben könnten. Voraussetzung für ihr Einver-
ständnis sei gewesen, dass er dies am Montagmorgen bezahlen komme. Es sei
jedoch am Montagmorgen niemand aufgetaucht und seither sei auch die Firma
nicht mehr erreichbar gewesen. Mit dem Filialleiter von ... [Ortschaft] sei er des-
halb am Montag auf die Baustellen gegangen, wohin die Maschinen geliefert wor-
- 250 -
den waren, wo sie aber nicht hätten aufgefunden werden können (Urk. ND
12/10/14 S. 2 [AI._]). Namentlich die Angaben von AI._ zur telefonisch
am 19. Juni 2009 verlangten Verlängerung des Mietvertrages und zur verlangten
Bezahlung des weiteren Mietzinses bis Montagmorgen 22. Juni 2009 wurden von
AH._ in seiner allerersten polizeilichen Befragung durch die Kantonspolizei
St. Gallen explizit bestätigt. Dabei bezeichnete AH._ insbesondere den Ver-
treter der H._ AG spontan und ohne Vorhalt als Herrn AI._, mit dem er
betreffend die Verlängerung und deren Modalitäten Kontakt gehabt habe
(Urk. ND 12/10/1 S. 3). Aus dem schriftlichen Mietvertrag, der dem Beschuldigten
AH._ zur Unterschrift vorgelegt worden war, ist der Name AI._ nicht er-
sichtlich, so dass auch die Nennung dieses Namens für die Authentizität der An-
gaben von AH._ betreffend telefonischer Verlängerung des Mietvertrages
spricht, auch wenn er diese Angaben bereits in seiner ersten Einvernahme mach-
te, mithin als A._ noch nicht in Haft war. Es trifft insofern offensichtlich nicht
zu, dass seine dort deponierten Aussagen allesamt nicht stimmen und es müssen
auch hier seine Aussagen sorgfältig mit anderen Indizien auf Glaubhaftigkeit
überprüft werden. In concreto stimmen die Details zur Miete in den Aussagen von
AH._ und von AI._ auch mit dem Inhalt des schriftlichen Mietvertrags
überein (Urk. ND 12/10/4/1). Schliesslich ist als Indiz für die Glaubhaftigkeit der
Aussage von AH._, er habe den Mietvertrag erst einige Tage nach Mietbe-
ginn auf Betreiben eines Vertreters der H._ AG unterschrieben, die Tatsache
zu nennen, dass gemäss Angaben von AI._ eine externe Firma, die durch
die EC._ GmbH beauftragt worden sei, die Baumaschinen am Mittwoch-
nachmittag zum Transport auf die Baustellen BB._ und BT._ abgeholt
hatte (Urk. ND 12/10/14 S. 2). Das macht es plausibel und nachvollziehbar, dass
der Vertreter der H._ AG bei AH._ zuhause "stürmte", dass dieser den
schriftlichen Mietvertrag nachträglich noch unterzeichnen sollte, war er doch of-
fenbar am Mittwoch selbst nicht vor Ort gewesen und wurde die Miete zuvor nur
mündlich per Telefon abgemacht.
4.2.4. Die Darstellung von AH._, er habe mit der Anmietung der Bauma-
schinen nichts zu tun, das habe alles A._ organisiert, überzeugt daher nicht.
So räumte er mehrfach ein, da der Vertrag auf seine Firma EC._ GmbH lau-
- 251 -
te, trage er die Verantwortung (Urk. ND 12/10/2 S. 3, 5 und 9; Urk. 8/8 S. 7), was
nicht erklärt, weshalb er einen Mietvertrag nachträglich unterzeichnen und damit
genehmigen sollte, wenn er denn tatsächlich überhaupt nichts damit zu tun ge-
habt hätte, insbesondere weil er ja selber aussagte, A._ habe ihm erwidert,
dann werde er (sc. A._) die Baumaschinen mieten, was jener ihm dann auch
telefonisch bestätigt hatte und woraufhin A._ ihn aufgefordert habe, den
Mietvertrag zu unterzeichnen. Das lässt den Schluss zu, dass AH._ tatsäch-
lich mehr wusste, als er später aussagte oder dass er A._ und die Aktion
Miete der Baumaschinen zumindest deckte, indem er im Wissen um die Umstän-
de dennoch den Mietvertrag unterschrieb. Auch gegen die später von AH._
deponierte Version, er habe alles erst nachträglich von A._ erfahren, spricht
die soeben zitierte Aussage und die von AH._ verwendete Formulierung "wir"
in seiner Einvernahme vom 11. Februar 2010 "also das heisst, wir haben die Ma-
schinen (...) gemietet" (Urk. ND 12/10/2 S. 2) und "Wir hätten zuerst mit der
H._ AG einen anderen Vertrag abschliessen sollen. Nicht einfach so, wie wir
das gemacht haben" (a.a.O. S. 9).
4.2.5. Weiter fällt auf, dass auf dem Mietvertrag gerade nicht die Geschäfts-
adresse der Firma der EC._ GmbH, die ...strasse ... in EE._ / SG
(Urk.1/9), welche zudem identisch ist mit der privaten Wohnadresse von
AH._ (Urk. 41/4; Urk. ND 12/1 S. 3 und Urk. 41/9 S. 1), aufgeführt war, son-
dern die ...strasse ... in ... EQ._ (Urk. ND 12/4/1 S. 2). Diese Adresse ist al-
lerdings im Handelsregister weder unter der Firma EC._ GmbH noch unter
der Firma EF._ GmbH erfasst (Urk. 1/9 und 187). Aus den Personalakten
ergibt sich jedoch, dass AH._ an der genannten Adresse im Jahr 2009 eine
Liegenschaft käuflich erwarb (Urk. 41/8 S. 2 und Urk. 41/9 S. 2). Diese Adresse
dürfte mit allergrösster Wahrscheinlichkeit nicht ohne Zutun von AH._ der
H._ AG bekannt gegeben worden sein, da es sich weder um die Firmenan-
schrift noch um den Wohnsitz von AH._ handelte. Dagegen sind die von der
H._ AG auf dem Mietvertrag festgehaltenen Telefonadressen von Handy und
Festnetz, unter welchen der als Anfrager notierte Herr AH._ zu erreichen sei,
identisch mit den Telefonnummern der Firma EC._ GmbH (Urk. 41/9 S. 3).
Das deckt sich im Übrigen mit den Angaben von AI._, wonach sie bei der Er-
- 252 -
öffnung des Kunden die Telefonnummer 079 7... bekommen hätten
(Urk. ND 12/10/14 S. 2), welche AH._ gehört (Urk. 41/9 S. 3).
4.2.6. Dass A._ eine Beteiligung an der Anmietung der Baumaschinen
und an ihrem Transport ins Ausland kategorisch abstritt, vermag nicht zu über-
zeugen und erscheint als reine Schutzbehauptung, zumal aus dem bisher Darge-
legten klar wurde, dass er ständig, wiederholt und ohne Skrupel gegenüber Mitbe-
teiligten und Behörden log und falsche Angaben machte. Dies trifft auch auf vor-
liegenden Sachverhalt zu. So antwortete A._ zum Beispiel auf die Frage, ob
er im Jahre 2009 einmal mit einem oder mehreren Mitarbeitern der Firma H._
AG Kontakt gehabt habe "ja einmal" und verwies auf das polizeilich dokumentierte
Treffen auf der Autobahnraststätte EI._ (Urk. 3/8 S. 3). Dass er nur einmal
Kontakt mit der H._ AG hatte, trifft nachweislich nicht zu, hatte er doch zuvor
bereits etliche Male zwischen dem 14. April und 10. Juni 2009 telefonischen Kon-
takt zur Firma H._ AG, wie sich aus dem Ermittlungsbericht zur rückwirken-
den Teilnehmeridentifikation ergibt. Es kann somit auf die Angaben von A._
auch hier nicht abgestellt werden, sofern sie nicht durch objektive Beweise oder
unabhängige übereinstimmende Aussagen gestützt werden.
4.2.7. Ein weiteres Indiz nebst den Aussagen von AH._ dafür, dass
A._ die Anmietung und die Weiterverwendung der Baumaschinen zuzurech-
nen ist, ergibt sich aus den Aussagen von W._, die in der ersten Einvernah-
me nach ihrer Verhaftung auf die offene Frage, was sie über Baumaschinen wis-
se, aussagte, Herr A._ habe die Bagger etc. gemietet, weil es einen Aushub
in BB._ zu machen gegeben habe. Bei der Firma H._ habe die T._
keine Baumaschinen mehr erhalten, weil die Rechnungen nie bezahlt worden sei-
en (Urk. 5/3 S. 7). Da die schlechte Finanzlage der T._ GmbH anfangs 2009
unbestritten blieb, erklärt dies, warum A._ die Baumaschinen für den Aushub
in BB._, der anerkanntermassen durch die EC._ GmbH ausgeführt wur-
de, via diese Firma bei der H._ AG bestellte. Auch wenn W._ ab ca. Mit-
te Mai 2009 nicht mehr in der Firma T._ GmbH arbeitete, hatte sie, mindes-
tens bezüglich des Bauvorhabens auf der von ihr und ihrem Ehemann gekauften
Parzelle in BB._, weiterhin Kontakt sowohl zu A._ wie auch zu Q._,
- 253 -
was anerkannt und unbestritten blieb. Ausserdem wird dies auch durch die rück-
wirkende Teilnehmeridentifikation belegt, wonach sie sowohl im Mai als auch im
Juni mittels der auf sie registrierten Telefonnummer 076 6... (Urk. 17/1 S. 5) in
regem Austausch mit den A._ zuzuordnenden Telefonnummern 076 3... und
076 2... stand, jedoch ab dem 30. Mai 2009 auch intensiven Kontakt mit der Tele-
fonnummer 076 8... hatte (Urk. 188), die auf CM._ registriert war (Urk. 17/3
S. 8), der nachmaligen Ehefrau von Q._ (Urk. 40/11). Das lässt den Schluss
zu, dass W._ einerseits auch über das Ende ihrer Anstellung bei der T._
GmbH hinaus durch den Austausch mit A._ gut informiert und immer noch in
dessen Geschäfte involviert war und andererseits die Verbindung über die Num-
mer von CM._ effektiv zu Q._ zustande kam. Dass sie mit Bezug auf
den Verkauf der Liegenschaft von W._s Kontakt hatten, bestätigte Q._
selbst ausdrücklich.
4.2.8. Auch C._ sagte glaubhaft aus, dass sie nach ihrer Entlassung aus
der Haft von AF._ gehört habe, dass A._ Bagger verkauft habe, einen
nach EO._, einen in den O._ und einen in der Schweiz (Urk. 6/5 S. 2).
4.2.9. Insgesamt sprechen sowohl die eigenen Aussagen von AH._, als
auch die Angaben von AI._ anlässlich der Anzeigeerstattung sowie der Um-
stand, dass AH._ tatsächlich telefonischen Kontakt mit AI._ zwecks Ver-
längerung des Mietvertrages hatte und diesen auf Vorhalt nachträglich unter-
zeichnete, zusammen mit den ersten Aussagen von AH._ zur Anmietung, die
sich - entgegen seiner späteren Darstellung - mit denjenigen von AI._ de-
cken, und der nicht korrekten Adresse der Firma EC._ GmbH auf dem Miet-
vertrag dafür, dass A._ im Namen der EC._ GmbH und nachdem er
dies mit AH._ besprochen hatte, die Baumaschinen bei der H._ AG an-
mietete, AH._ selbst aber an der Anmietung der Baumaschinen zumindest
mitbeteiligt war. Aufgrund der Ergebnisse der rückwirkenden Teilnehmeridentifika-
tion steht zudem fest, dass A._ telefonisch mit der H._ AG in stetem
Kontakt war. Die oben dargelegten Indizien verdichten sich derart zu einem zu-
sammenhängenden Bild, dass auch angesichts der weitestgehenden Zugeständ-
nisse von AH._, der offenkundigen finanziellen Probleme seiner EC._
- 254 -
GmbH und dem Umstand, dass er glaubhaft darlegte, dass A._ alles organi-
sierte und er von diesem persönlich erfuhr, dass er die Baumaschinen gemietet
habe (Urk. ND 12/10/2 S. 2 f.), kein unüberwindbarer Zweifel verbleibt, dass
A._ mittels Vorschiebens der Firma EC._ GmbH unter Mitwirkens von
AH._ die Anmietung inklusive Bezahlung des Mietvorschusses und den
Transport der Baumaschinen auf die Baustellen BB._ und BT._ veran-
lasste, so wie das die Anklage im Detail schildert (Urk. 61/8 S. 32-34).
4.3. Transport von zwei Baumaschinen ins Ausland
Die Vorinstanz legte mit Verweis auf die sichergestellten Urkunden dar, dass ge-
mäss den vorliegenden Zollpapieren der Transport des Kompaktbaggers Caterpil-
lar D, ... über Deutschland in Richtung O._ vom 18. bis 21. Juni 2009 erfolg-
te und der Transport des Walzenzuges Caterpillar D CAT ... über das Zollamt
Chiasso nach ER._ oder CQ._, beides im O._, ab BT._ in der
Zeit vom 19. bis 22. Juni 2009 stattfand. Weiter legte sie dar, dass mit den Zoll-
papieren für die beiden Baumaschinen auch je ein Schreiben der Firma EC._
GmbH vom 17. Juni 2009 mitgeschickt worden sei, wonach die EC._ GmbH
die Bagger für ca. drei Monate für Arbeitsleistungen nach O._ ausgeführt ha-
be (Urk. 159 S. 242-243). Darauf kann, um unnötige Wiederholungen zu vermei-
den, verwiesen werden, wobei einzig zu präzisieren ist, dass die Übernahme des
Kompaktbaggers von der Firma ES._ mit 17. Juni 2009 in Zürich angegeben
und der Durchgang am Zollamt Singen mit dem 18. Juni 2009 dokumentiert ist
(Urk. ND 12/2/3 S. 4 und 5). Auch der Walzenzug wurde gemäss den Zollpapie-
ren bereits am 18. Juni 2009 von BT._ abtransportiert und kam am 19. Juni
2009 am Zollamt in Chiasso an (Urk. ND 12/2/4/5 und 7). Davon ist auszugehen.
4.4. Organisation des Baumaschinentransports ins Ausland
4.4.1. Aufgrund der beiden Schreiben der EC._ GmbH vom 17. Juni
2009, welche den Papieren für die Zollabfertigung für die Ausfuhr der beiden
Baumaschinen beilagen (in der Folge kurz Zollschreiben genannt) und sowohl mit
einem Stempel der EC._ GmbH als auch mit einer Unterschrift darüber ver-
sehen waren (Urk. ND1 12/2/3-4, je Seite 1), ergibt sich eindeutig, dass diese vor
- 255 -
dem Abtransport der Baumaschinen ins Ausland erstellt worden waren, da dieser
wie oben dargelegt am 17. resp. am 18. Juni 2009 erfolgte.
4.4.2. Am 3. Juli 2009 um 10.50 Uhr wurden gemäss Bestätigung der Post
von der Poststelle CB._ AG zwei Schreiben der EC._ GmbH mit Datum
vom 17. Juni 2009 an die Fax-Nummer ... der Firma H._ AG gesendet. Auf
der Postbestätigung ist zur Absenderadresse der EC._ GmbH vermerkt "er-
reichbar unter Nr. 076'9..." (Urk. ND 12/6/3). Diese Nummer war laut polizeilichen
Ermittlungen auf den Namen ET._, ..., eingelöst (Urk. ND 12/9/4 und
Urk. ND 12/8 S. 4), der weder AH._ noch A._ bekannt gewesen sein soll
(Urk. ND 12/10/2 S. 7/8).
4.4.3. Auf den ersten Blick scheint es sich bei den beiden Schreiben um Ko-
pien der Zollschreiben vom gleichen Datum zu handeln (Urk. ND 12/2/3-4, je Sei-
te 1). Tatsächlich aber unterscheiden sich die an die H._ AG gefaxten von
den für die Zollbehörden bestimmten in mancherlei Hinsicht und nicht nur, wie
auch die Vorinstanz zutreffend feststellte, bezüglich der Unterschrift über dem
Firmenstempel (Urk. 159 S. 247): So ist der Firmenname in den Zollschreiben
farbig ausgefüllt und nicht wie in den Faxschreiben nur umrandet und ausserdem
stimmen die aufgeführten Telefonnummern nicht überein. In den Zollschreiben
folgt auf die korrekte Festnetznummer der EC._ GmbH die Natelnummer 076
10..., die gemäss polizeilicher Ermittlungen weder AH._ noch seiner Firma
zuzuordnen ist. Sie war statt dessen auf den Namen EU._, ..., eingelöst
(Urk. ND12/8 S. 4). Dagegen enthält der Briefkopf der Faxschreiben die korrekte
Festnetz- und Faxnummer der Firma EC._ GmbH (Urk. 12/6/1-2). Im Übrigen
erscheinen die Empfängeradressen ebenfalls nur auf den ersten Blick identisch
zu sein. Tatsächlich ist nicht nur die Schreibweise der Firmenanschrift EV1._
versus EV2._ und EV3._ versus EV2._ zum Verwechseln ähnlich,
sondern auch der Name EW1._ versus EW2._. Dagegen befindet sich
der eine angegebene Lieferort ER._ in O._ und der andere FA._ in
EO._. Entsprechend unterscheidet sich auch der Text der Bestätigung, wo
das Wort O._ durch EO._ ausgetauscht wurde (Urk. ND 12/2/3-4, je
Seite 1 und Urk. ND 12/6/1-2). Damit steht fest, dass es sich nicht um dieselben
- 256 -
Schreiben handelt, sondern dass die per Fax an die H._ AG gesendeten
Schreiben den Zollschreiben täuschend ähnlich nachgemacht wurden, sich inhalt-
lich aber deutlich voneinander unterscheiden. Eindeutig gleich lauteten nur die
Beschreibungen der beiden Baumaschinen sowie der Absender.
4.4.4. In der ersten Einvernahme, in welcher AH._ noch die ganze Ver-
antwortung auf sich genommen hatte, sagte er zu den Faxschreiben an die
H._ AG aus, diese habe er am 3. Juli 2009 geschrieben, weil die Firma habe
wissen wollen, wo sich die Maschinen befänden. Unmittelbar davor bezeichnete
er auf die Frage, wo sich die Baumaschinen befänden, die Ortschaft mit FA._
(Urk. ND 12/10/1 S. 6). Auch in der späteren Einvernahme nach der Inhaftierung
von A._ blieb AH._ dabei, dass sich die Baumaschinen in EO._ be-
fänden und A._ ihm auch einmal von einem Autobahnprojekt in EO._
erzählt habe, für welches er die Maschinen vorzeigen müsse, um den Auftrag zu
erhalten (Urk. ND 12/10/2 S. 5 und 13). Allerdings gab AH._ ebenfalls an, er
habe A._ nach dem Treffen auf der Raststätte EI._ gebeten, diese
Schreiben an die H._ AG zu schicken, weil die Firma die Adresse in
EO._ gebraucht habe, um die Maschinen wieder zu beschaffen
(Urk. ND 12/10/2 S. 6 f. und S. 11 unten und Urk. 8/8 S. 11). A._ habe auf
sein Verlangen hin diese Schreiben (sc. Faxschreiben) nach dem Treffen verfasst
(Urk. 8/8 S. 11). Er dürfte es seiner Meinung nach auch gewesen sein, der die
Schreiben gefaxt habe, denn sie seien ja in CB._ aufgegeben worden. In der
Konfrontationseinvernahme rund drei Monate später gab AH._ zudem an,
A._ habe ihm zuerst gesagt, die Baumaschinen seien im O._, dann in
EO._ (Urk. 8/8 S. 8). Das lässt zusammen mit den Erwägungen zur Anmie-
tung der Baumaschinen durchaus den Schluss zu, dass AH._ von Anfang an
mehr über die Absichten des Verschiebens der Maschinen ins Ausland durch
A._ wusste. Zudem erscheint es anders schwer vorstellbar, dass A._
den Firmenstempel von AH._ ohne dessen Einwilligung verwenden konnte.
Das heisst aber noch nicht, dass deswegen als Verfasser der Schreiben vom
17. Juni 2009 nur AH._ in Frage käme.
- 257 -
4.4.5. An besagtem 3. Juli 2009 fand wie erwähnt das von AH._ organi-
sierte Treffen mit den Leuten der H._ AG und A._ auf der Autobahnrast-
stätte EI._ statt. Gemäss Journaleintrag der Kantonspolizei ging der Auftrag
zur Klärung einer verdächtigen Situation um 14:48:53 Uhr ein, woraufhin die Poli-
zeibeamten um 14:55:36 Uhr am Einsatzort eintrafen (Urk. ND 12/2/1 und
ND 12/1 S. 8). Die Aussage von AH._, die Schreiben seien erst nach diesem
Treffen entstanden, entsprechen daher offensichtlich nicht der Wahrheit, wurden
sie doch bereits am Vormittag abgeschickt. Grundsätzlich käme daher auch
AH._ als Verfasser der Schreiben vom 17. Juni 2009 in Betracht. Dass die-
sem Schluss der Absendeort CB._ entgegenstehe, wie die Vorinstanz erwägt
(Urk. 159 S. 245), trifft wohl nicht zu, ist doch unbestritten geblieben, dass
AH._ auch für das Bauprojekt CA._ Arbeiten für A._, resp. die
T._ GmbH, ausführte und so jedenfalls ebenso gut als Versender der
Schreiben in Frage käme, da CB._ ein Ortsteil (früher ein Nachbarort) von
CA._ ist. Auch die ersten Aussagen von AH._, die Baumaschinen be-
fänden sich in EO._ an der in den gefaxten Schreiben angegebenen Adres-
se, sprechen eher dagegen, dass er die Zollschreiben verfasste. Er beschuldigte
sich ja selbst, die Baumaschinen weiter gegeben zu haben und hätte daher kei-
nen Grund gehabt, die tatsächlich dort mit O._ angegebene Lieferadresse -
von der er als Verfasser der Zollschreiben hätte Kenntnis haben müssen - falsch
anzugeben. Viel eher ist auch aufgrund seiner Aussagen davon auszugehen,
dass er jedenfalls am Anfang selber nicht wusste, dass die Baumaschinen nicht
nach EO._, sondern in den O._ transportiert worden waren, wie er dann
ja selber einräumte.
4.4.6. Gegen AH._ als Verfasser der Zollschreiben spricht in erster Linie,
dass als erstellt zu betrachten ist, dass es A._ war, der die Baumaschinen im
Namen der EC._ GmbH anmietete und es keinen Sinn ergibt, dass
AH._, wäre er der Verfasser der Zollschreiben gewesen, nicht seinen Origi-
nal-Briefkopf mit den korrekten Kontaktnummern verwendet hätte, wenn er
gleichzeitig den Brief mit seinem Originalstempel versah. Es ergibt indessen für
A._ als Verfasser einen Sinn, da er so diejenige Handynummer einfügen
konnte, unter der er - und eben gerade nicht AH._ - erreichbar war, oder zu-
- 258 -
mindest jemand, der in die Verschiebung eingeweiht gewesen war. Andernfalls ist
nicht nachvollziehbar, wieso AH._ bei der Anmietung seine korrekten Tele-
fonnummern angab, jedoch für die Verschiebung dann nicht. Ausserdem ist eben-
falls nicht nachvollziehbar, wieso AH._, der ja den Mietvertrag unterzeichne-
te, die Zollschreiben dagegen nicht hätte selbst unterzeichnen sollen. Diesbezüg-
lich sind seine Aussagen, wonach die Unterschriften auf den Briefen nicht die sei-
nen seien, durchaus glaubhaft. Die Unterschiede zwischen den Zollschreiben und
den an die H._ AG gefaxten Schreiben stellen damit ein gewichtiges Indiz
dafür dar, dass nicht AH._ der Verfasser der Zollschreiben war. Anders wäre
die gleichbleibende Aussage von AH._, die Baumaschinen seien nach
EO._ geschickt worden, nicht nachvollziehbar, da er ja dann als Verfasser
der Zollschreiben gewusst hätte, dass darin nicht EO._, sondern der
O._ als Bestimmungsort angegeben worden war. Aufgrund der Tatsache,
dass A._ gewöhnlich 10 bis 20 nicht registrierte, resp. auf nicht existente
Personen registrierte, Handynummern verwendete, und dem Umstand, dass es
sich bei der auf den Zollschreiben angegebenen Handynummer ebenfalls um eine
nicht registrierte Telefonnummer handelte, ist davon auszugehen, dass A._
der Verfasser ist. Das wird durch das weitgehende Geständnis von AH._ und
namentlich durch dessen Aussage gestützt, A._ habe ihm dann mal einfach
diese Schreiben - gemeint sind diejenigen, die am 3. Juli 2009 gefaxt wurden -
ausgedruckt (Urk. ND 12/10/2 S. 7 oben). Dies war ja nur möglich, wenn sie im
Computer von A._ gespeichert waren. Aufgrund der Ähnlichkeit der Schriftar-
ten und der Darstellung des Textes auf den Schreiben sowie den inhaltlichen
Übereinstimmungen erscheint die Aussage von AH._ äusserst glaubhaft,
denn dergestalt war es A._ ohne weiteres möglich, die bereits erstellten und
den Zollpapieren beigelegten ursprünglichen Schreiben vom 17. Juni 2009 so ab-
zuändern, wie sie dann am 3. Juli 2009 an die H._ AG gefaxt wurden.
4.4.7. B._ sagte bezüglich der Bagger aus, ein FB._, der mit
A._ verwandt sei, wisse auch, wo die Bagger seien (Urk. 4/8 S. 9 und
Urk. 4/12 S. 1). Als er im O._ gewesen sei, habe dieser FB._ ihn ange-
rufen und gefragt, ob A._ diese Bagger nun verkauft habe. Der FB._
von Deutschland suche A._ auf jeden Fall, weil dieser ihm € 660'000.–
- 259 -
schulde (Urk. 4/8 S. 9; Urk. 4/16 S. 6). Ausserdem wüssten ausser A._ und
FB._ noch AF._, W._, Q._, der FC._, der auf der Baustel-
le in CA._ die Bauführung innehatte und CR._, wo sich die Baumaschi-
nen befinden (Urk. 4/12 S. 1; Urk. 8/2 S. 36 ff.).
AC._ sagte diesbezüglich zunächst aus, A._ habe ihm im Zusammen-
hang mit dem Bauprojekt CA._ gesagt, er werde die Bagger zusammen mit
seinem Bruder in den O._ transportieren und dort verkaufen, er wisse aber
nicht an wen (Urk. 7/7 S. 9). In der Konfrontationseinvernahme blieb AC._
bei dieser Aussage und gab an, sein Bruder B._ sei im Sommer 2009 zur
medizinischen Behandlung im O._ gewesen und während dieser Zeit sei
A._ wegen den Baggern zu ihm gereist. Sie seien dann mit zwei Verwandten
mit dem Auto von A._ nach EO._ gefahren. Allerdings seien weder
B._ noch A._ zur Grenze gegangen, dies hätten statt dessen die Ver-
wandten von A._ getan. Anschliessend habe A._ die Bagger in den
O._ bringen wollen (Urk. 8/4 S. 15).
C._ präzisierte bezüglich der Baumaschinen, dass zwei verschiedene Male
Leute wegen Baggern zu ihr gekommen seien. Das zweite Mal sei im Juni (sc.
2009) gewesen sei, als ihr Ehemann im O._ gewesen sei. Sie habe daher ins
Büro angerufen, da Herr A._ ja sowieso für die Bagger zuständig gewesen
sei. W._ habe daraufhin A._ ans Telefon geholt, der mit der Person ge-
sprochen habe, die bei ihr gewesen sei (Urk. 8/6 S. 10). AF._ habe ihr nach
ihrer Entlassung aus der U-Haft gesagt, dass A._ einen Bagger in den
O._ nach FD._ verkauft habe und einen in EO._. Ein dritter sei in
der Schweiz verkauft worden. Es sei A._ gewesen, der die Bagger verkauft
habe. Dies alles habe A._ AF._ erzählt (Urk. 6/5 S. 2; Urk. 8/6 S. 18 ff.).
Dieser arbeite bei einer Transportfirma, mit der B._ auch schon Material für
das Schwimmbad in den O._ habe schicken lassen. Sie glaube der Name sei
FE._. AF._ habe ihr ausserdem erzählt, dass A._ bei verschiede-
nen Verwandten in Deutschland insgesamt ca. € 600'000.– Schulden habe
(Urk. 6/5 S. 2 f.).
- 260 -
Alle diese Aussagen decken sich im Kerngehalt, weshalb glaubhaft erscheint,
dass A._ die Baumaschinen anmietete, um sie in EO._ und im O._
zu verkaufen und auch, dass er deren Transport ins Ausland organisierte. Die
Aussage von AC._ wird zudem durch den Transportauftrag von FF._,
einem Verwandten von A._ (oder FF._) gedeckt, der sich bei den Zoll-
papieren für den Kompaktbagger Caterpillar ... befindet (Urk. ND 12/2/3 S. 11-
12), und durch die Unterschrift von FF._ unter dem Zolldeklarationsschreiben
vom 22. Juni 2009 für die Einfuhr des Walzenzuges Caterpillar CAT ... am ...
Zollamt [des Staates O._] (Urk. ND 12/2/4 S. 12).
4.4.8. Schliesslich bleibt noch auf die Orthographiefehler in den Schreiben
vom 17. Juni 2009 hinzuweisen und auf die diesbezüglichen Erwägungen der
Vorinstanz. Sie begründet detailliert und nachvollziehbar sowie im Vergleich mit
den von A._ im ND 19 verfassten Unfallmeldungen, dass die Ähnlichkeit der
Art der Orthographiefehler ebenfalls ein Indiz für die Urheberschaft von A._
für diese Schreiben vom 17. Juni 2009 darstellt (Urk. 159 S. 246-247). Dem ist
beizupflichten, so dass aufgrund der gesamten Indizienlage und der glaubhaften
Aussagen von AH._ kein Zweifel daran verbleibt, dass A._ der Verfas-
ser der den Baumaschinen beigelegten Zollschreiben und der Fax-Schreiben an
die H._ AG, allesamt datiert vom 17. Juni 2009, war.
4.4.9. Allerdings handelt es sich um eine Verwechslung, wenn die Vorinstanz
erwägt, A._ habe eingestanden, in BT._ auf die Baumaschinen gewartet
zu haben (Urk. 159 S. 247). Tatsächlich gab A._ zu, bei der Firma E._
AG einen roten Bagger für den Aushub auf der Baustelle BB._, ...gasse, te-
lefonisch bestellt zu haben, allerdings will er das auf Anweisung von B._ für
die Firma T._ GmbH gemacht haben. Ausserdem habe er im Auftrag von
B._ einmal auf der Baustelle beim Bahnhof FG._ einen Bagger der Fir-
ma E._ in Empfang nehmen sollen, der aber gemäss dem Chef der Bagger-
firma wieder mitgenommen worden sei (Urk. 3/1 S. 3 f.; Urk. 8/2 S. 34 f.). Wie der
Anklageschrift zu entnehmen ist, sind diese Aussagen im Zusammenhang mit den
im April 2009 ab den Baustellen CA._ und BB._ verschwundenen Bau-
- 261 -
maschinen der Firma E._ AG zu sehen (Urk. 61/8 S. 20 ff.; siehe dazu nach-
stehende Ziffer I. zu ND 5).
4.4.10. Der Umstand, dass die ins Ausland verschobenen Baumaschinen gar
nicht für die EC._ GmbH im Einsatz waren und AH._ zumindest die
nach BT._ gelieferten Baumaschinen gar nie sah, sowie der zeitliche Zu-
sammenhang, wonach die Zollschreiben am 17. Juni 2009 bereits verfasst und
den Maschinen zuhanden des Zolls mitgegeben worden waren, spricht zusam-
men mit den im Kerngehalt übereinstimmenden Aussagen dafür, dass A._
von Anfang an geplant hatte, die Baumaschinen - entgegen dem mündlich ver-
einbarten Mietvertrag für drei Tage - ins Ausland zu schaffen, um sie zu verkau-
fen. Dass er, wie die Zollschreiben vom 17. Juni 2009 Glauben machen, die
Baumaschinen nach der "Arbeitsausleihe" wieder zurückbringen wollte
(Urk. ND 12/2/3-4, je Seite 1), entsprach gemäss den vorliegenden übereinstim-
menden Aussagen ohne Zweifel nicht seinen wirklichen Absichten. So sagte
AH._ diesbezüglich aus, die Schreiben, die er von A._ verlangt gehabt
und die dieser am 3. Juli 2009 an die H._ AG gefaxt habe, hätten den Zweck
gehabt, die H._ AG zu vertrösten (Urk. ND 12/10/2 S. 7).
4.4.11. Zusammenfassend ist aufgrund der vorliegenden Indizien der Sach-
verhalt, wie er der Anklageschrift zu Nebendossier 12 zugrunde liegt, erstellt.
II. Urkundenfälschung
1. Rechtsgrundlage
Nach Art. 251 Ziff. 1 StGB erfüllt den Tatbestand der Urkundenfälschung unter
anderem, wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an anderen Rechten
zu schädigen oder sich oder einem anderen einen unrechtmässigen Vorteil zu
verschaffen, eine Urkunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift eines an-
deren zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt, eine rechtlich erhebliche
Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden lässt oder eine Urkunde dieser
Art zur Täuschung gebraucht. Urkunden sind nach der Definition in Art. 110
Abs. 4 StGB Schriften, die bestimmt und geeignet sind, oder Zeichen, die be-
stimmt sind, eine Tatsache von rechtlicher Bedeutung zu beweisen. Die Aufzeich-
- 262 -
nung auf Bild- und Datenträgern steht der Schriftform gleich, sofern sie demsel-
ben Zweck dient.
Rechtlich erheblich sind Tatsachen, welche allein oder in Verbindung mit anderen
Tatsachen die Entstehung, Veränderung, Aufhebung oder Feststellung eines
Rechts bewirken, aber auch Indizien, die den Schluss auf erhebliche Tatsachen
zulassen und ebenso Hilfstatsachen, die für die Beurteilung des Werts oder der
Beweiskraft eines Beweismittels von Bedeutung sind (BGE 113 IV 77 E. 3a mit
Hinweisen).
Die Urkundenfälschung im engeren Sinne erfasst das Herstellen einer unechten
Urkunde, deren wirklicher Aussteller mit dem aus ihr ersichtlichen Urheber nicht
identisch ist. Demgegenüber betrifft die Falschbeurkundung die Errichtung einer
echten, aber unwahren Urkunde, bei der der wirkliche und der in der Urkunde
enthaltene Sachverhalt nicht übereinstimmen. Die Tatbestände des Urkunden-
strafrechts schützen das Vertrauen, welches im Rechtsverkehr einer Urkunde als
einem Beweismittel entgegengebracht wird. Der Urkundencharakter eines Schrift-
stücks ist relativ. Es kann mit Bezug auf bestimmte Aspekte Urkundenqualität ha-
ben, hinsichtlich anderer Gesichtspunkte nicht. Nach der Gerichtspraxis kann sich
unmittelbar aus dem Gesetz oder aus der Verkehrsübung bzw. dem Sinn oder der
Art des Schriftstücks ergeben, ob dieses zum Beweis einer bestimmten Tatsache
bestimmt und geeignet ist (BGE 138 IV 130 E. 2.1 - 2.2.1).
Gemäss BGE 120 IV 179 E. 1c stellt auch das vom empfangenden Telefaxappa-
rat angefertigte Schriftstück eine Urkunde im Sinne des Tatbestandes dar, wenn
das beim Absender verwendete Schriftstück, das fernkopiert wird, selber Urkun-
denqualität hat.
2. Subsumtion
Hier ist zu beachten, dass Gegenstand der Anklage lediglich die am 3. Juli 2009
an die H._ AG gefaxten Schreiben vom 17. Juni 2009 betreffend den Kom-
paktbagger und den Walzenzug darstellen (Urk. ND 12/6/1-2) und nicht auch jene
ursprünglichen Schreiben vom 17. Juni 2009, die den Zollpapieren der ins Aus-
land transportierten Baumaschinen beilagen (Urk. ND 12/2/3-4, je Seite 1). Die
- 263 -
zwei genannten Faxschreiben sind sowohl unecht als auch unwahr. Wie die
Sachverhaltserstellung zeigte, sind sie nicht vom aus der Urkunde ersichtlichen
Aussteller, der EC._ GmbH, sondern von A._ angefertigt worden. Sie
entsprechen zudem auch inhaltlich nicht der Wahrheit, wurden die Baumaschinen
doch zum Zwecke des Verkaufs ausgeführt und nicht zur "Ausleihe". Ausserdem
war von vornherein die Nichtrückgabe der Baumaschinen an die Vermieterin
(H._ AG) zufolge Verkaufs derselben geplant. Der Vorinstanz ist darin zuzu-
stimmen, dass es sich bei den Faxschreiben um Urkunden im rechtlichen Sinne
handelt und damit der objektive Tatbestand der Urkundenfälschung im Sinne von
Art. 110 Abs. 4 StGB erfüllt ist (Urk. 159 S. 255 und 284).
Für den Nachweis des Vorsatzes kann sich das Gericht - soweit der Täter nicht
geständig ist - regelmässig nur auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfah-
rungsregeln stützen, die ihm Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf die
innere Einstellung des Täters erlauben. Aufgrund des gesamten Vorgehens des
Beschuldigten A._ kann kein anderer Schluss gezogen werden, als dass er
mit Wissen und Willen die falschen Urkunden mit einem unwahren Inhalt herstell-
te und versendete, um den - ebenfalls falschen - Anschein zu erwecken, die
Baumaschinen der H._ AG würden nach Ablauf von drei Monaten wieder zu-
rückgebracht. Dabei ist aufgrund des erstellten Sachverhaltes davon auszugehen,
dass A._ im Zeitpunkt der Erstellung dieser Faxschreiben bereits wusste,
dass die beiden Baumaschinen verkauft waren (und daher nicht mehr zurückge-
bracht werden würden) und dass auch der Bestimmungsort resp. die Empfänger-
adresse nicht den Tatsachen entsprach. Dass die H._ AG durch den Verlust
der beiden Baumaschinen im Wert von Fr. 378'416.29 geschädigt wurde, steht
fest, ebenso wie die damit einhergehende Bereicherung im gleichen Umfang auf
Seiten von A._, der über diese Maschinen eigenmächtig verfügte. Die auf
subjektiver Seite bezüglich der Urkundenfälschung verlangte Bereicherungsab-
sicht liegt ohne Zweifel vor, so dass mit der Vorinstanz festzuhalten ist, dass
sämtliche Tatbestandselemente erfüllt sind, weshalb A._ bezüglich des Ne-
bendossiers 12 der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB schul-
dig zu sprechen ist.
- 264 -
III. Betrug, eventualiter Veruntreuung
1. Rechtsgrundlage
Bezüglich der Legaldefinition des Betruges im Sinne von Art. 146 StGB sei zu-
nächst auf die entsprechenden Erwägungen im 3. Teil B. IV. 3. und 3. Teil E. 2.2.
1. verwiesen. Zu betonen ist auch hier, dass die Vortäuschung des Leistungswil-
lens grundsätzlich arglistig im Sinne von Art. 146 StGB ist, weil sie eine innere
Tatsache betrifft, die vom Vertragspartner ihrem Wesen nach nicht direkt über-
prüft werden kann (Urteil des Bundesgerichts 6B_419/2014 vom 9. Januar 2015,
E. 1.2.3 mit Hinweisen). Arglist scheidet auch bei betrügerischen Machenschaften
aus, soweit die Behauptung des Erfüllungswillens mittels Nachforschungen über
die Erfüllungsfähigkeit überprüfbar ist und sich aus der möglichen und zumutba-
ren Prüfung ergeben hätte, dass der andere zur Erfüllung nicht fähig ist (Urteil des
Bundesgerichts 6B_419/2014 vom 9. Januar 2015, E. 1.2.3 mit Hinweisen), je-
doch gilt das nicht, wenn der Täter seine falschen Angaben mit gefälschten Ur-
kunden im Sinne von Art. 251 StGB stützt, da im geschäftlichen Verkehr grund-
sätzlich auf die Echtheit von Urkunden vertraut werden darf. Anders kann es sich
aber dann verhalten, wenn sich aus den vorgelegten Urkunden selbst ernsthafte
Anhaltspunkte für deren Unechtheit ergeben (Urteil 6B_163/2016 vom 25. Mai
2016 E. 3.4.2).
2. Subsumtion
2.1. Arglistige Täuschung
Indem der Beschuldigte A._ unter Vorschiebens der EC._ GmbH, in de-
ren Namen er - auch wenn nach Absprache resp. nachträglicher Genehmigung
durch AH._ - mit der H._ AG einen Mietvertrag über drei Baumaschinen
samt Zubehör abschloss, wohl wissend, dass er die Maschinen sofort nach Aus-
lieferung durch die H._ AG ohne deren Wissen und auch ohne (vorheriges)
Wissen oder Einverständnis der EC._ GmbH ins Ausland verschieben wür-
de, um sie zu verkaufen, handelte er in mehrfacher Hinsicht arglistig im Rechts-
sinne. Er belog die Vermieterin in erster Linie über deren Vertragspartner, mietete
doch effektiv nicht die EC._ GmbH resp. AH._ die genannten Bau-
maschinen, sondern A._ selber, was er jedoch der H._ AG verschwieg.
- 265 -
Er liess sie wider besseres Wissen im Glauben, er miete die Baumaschinen na-
mens und im Auftrag der ihr bekannten und im Baugewerbe tätigen EC._
GmbH, mit der sie bereits früher geschäftliche Beziehungen hatte. Nur deshalb
verlangte die H._ AG ja auch die Hinterlegung von Fr. 10'000.–, da die
EC._ GmbH ihr gegenüber bereits im Zahlungsrückstand war. Da der ver-
langte Vorschuss geleistet wurde und damit der Mietzins für die vereinbarte Miet-
dauer von drei Tagen gedeckt war, lieferte sie die Baumaschinen vermeintlich der
Vertragspartnerin aus. Dadurch täuschte A._ die Vermieterin konkludent,
weil er der Vermieterin suggerierte, dass die EC._ GmbH ihren vertraglichen
Verpflichtungen nachkomme, obwohl weder diese noch AH._ die Hinterlage
bezahlt hatten und dazu auch gar nicht in der Lage waren. Weiter täuschte
A._ die Vermieterin, indem er angab, die Baumaschinen würden auf Baustel-
len in der Schweiz gebraucht, obwohl er wusste, dass die Baumaschinen sofort
nach Auslieferung ins Ausland abtransportiert und gar nie mehr zurückgebracht
würden. Darüber liess der Beschuldigte A._ auch AH._ und dessen Fir-
ma im Zeitpunkt des Vertragsschlusses und der Auslieferung der Baumaschinen
in Unkenntnis. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, waren diese A._ be-
kannten inneren Tatsachen für Dritte nicht überprüfbar und hatte die H._ AG
nach Bezahlung des Vorschusses in der Höhe des gesamten Mietpreises bei ei-
nem ihr bereits bekannten Kunden keine Veranlassung, weitergehende Vorkeh-
rungen oder Überprüfungen zu tätigen (Urk. 159 S. 282 f.). Obwohl die EC._
GmbH Rechnungsausstände bei ihr hatte, hatte sie aber ganz offensichtlich noch
nie Baumaschinen nicht zurückgegeben, weshalb die H._ AG von einem sol-
chen Umstand nicht ausgehen musste. A._ bediente sich jedoch weiterer
Machenschaften, um die H._ AG zu täuschen, resp. deren Täuschung auf-
recht zu erhalten, organisierte er doch die Abholung der "gemieteten" Bauma-
schinen durch eine externe Firma, so dass niemand von der EC._ GmbH vor
Ort war, um den Mietvertrag schriftlich zu bestätigen und sorgte er dafür, dass die
Baumaschinen unmittelbar nach Anlieferung bereits ins Ausland abtransportiert
wurden. Für den Zoll fertigte er sodann die unechten und unwahren Urkunden
vom 17. Juni 2009 lautend auf die EC._ GmbH an, die er den Baumaschinen
mitgab. Mit diesen wurde der Anschein erweckt, die EC._ GmbH habe die
- 266 -
Baumaschinen ins Ausland "ausgeliehen" und sie würden der Eigentümerin da-
nach wieder zurückgegeben, obwohl auch das von Anfang an nicht den wirklichen
Absichten entsprach. A._ hielt sodann unter Mitwirkung von AH._, der
den Vertrag namens der EC._ GmbH durch seine Unterschrift bekräftigte,
den Anschein aufrecht, es liege ein regulärer Mietvertrag vor, der von den Ver-
tragsparteien erfüllt werde. Dieser Umstand wurde noch dadurch untermauert,
dass AH._ um eine Verlängerung des Mietvertrages um drei, vier Tage er-
suchte, obwohl er in jenem Zeitpunkt bereits wusste, dass sich die Baumaschinen
im Ausland befanden. Schliesslich stützte der Beschuldigte A._ die falschen
Angaben gegenüber der H._ AG, die Baumaschinen würden ihnen zurück-
gegeben werden, durch das Erstellen und Versenden der unechten und unwahren
Faxschreiben vom 17. Juni 2009. Diese enthielten sowohl die korrekte Firmenad-
resse der EC._ GmbH als auch deren Stempel mit Unterschrift, so dass sich
aus ihnen selbst kein offensichtlicher Anhaltspunkt für deren Unechtheit ergab.
Auch wenn sie erst am 3. Juli 2009 gefaxt wurden und die H._ AG bereits am
22. Juni 2009 Strafanzeige eingereicht hatte, fertigte A._ dieses zweite Paar
Schreiben an, um die H._ AG einerseits im Glauben zu lassen, die EC._
GmbH wüsste, wo sich die Maschinen befinden und andererseits, diese würden
wieder zurückgebracht, was alles nicht den Tatsachen entsprach und was der
Beschuldigte A._ genau wusste.
Die Vermieterin der Baumaschinen handelte in concreto auch nicht leichtfertig,
wurde der von ihr verlangte Vorschuss vermeintlich von der EC._ GmbH
doch bezahlt. Eine weitergehende Prüfung der Fähigkeit des Vertragspartners zur
finanziellen Erfüllung des Mietvertrages war verzichtbar, da sich daraus nur erge-
ben hätte, dass sich die EC._ GmbH in finanziellen Schwierigkeiten befand,
was der H._ AG ja bereits bekannt war. Selbstredend ist der Wille zur Rück-
gabe der Mietsache, die seitens des Vertragspartners fehlte, als reine innere Tat-
sache nicht überprüfbar. Somit vermag das Verhalten der Vermieterin der Bau-
maschinen das arglistige und durch falsche Angaben und Machenschaften ver-
schleierte und unüberprüfbare Vorgehen des Beschuldigten A._ in keiner Art
und Weise in den Hintergrund zu drängen. Der Beschuldigte A._ ging plan-
- 267 -
mässig und gut organisiert vor, so dass von einer relevanten Opfermitverantwor-
tung keine Rede sein kann.
2.2. Vermögensschaden / Bereicherungsabsicht
Wie zum unbestrittenen Sachverhalt ausgeführt, entstand der Vermieterin der
Baumaschinen, der Firma H._ AG, durch das Wegbringen des Baggers
Caterpillars D und des Walzenzuges Caterpillar ein Schaden im Wert von
Fr. 378'416.29. Wie die Vorinstanz richtig festhält, kommt der Mietausfall für den
wieder aufgefundenen Abbauhammer hinzu und ist der bezahlte Vorschuss abzu-
ziehen (Urk. 159 S. 283). Da es für die Erfüllung des Tatbestandes nicht erforder-
lich ist, den genauen Schadensbetrag festzustellen und auch eine vorübergehen-
de Verminderung des Vermögens tatbestandsmässig ist (siehe 3. Teil B. IV. 3.4.),
liegt hier ein Vermögensschaden im Sinne des Gesetzes vor.
2.3. Fazit
Aufgrund des von Anfang an im Detail organisierten Vorgehens des Beschuldig-
ten A._ besteht kein Zweifel, dass er die Baumaschinen unmittelbar nach
Auslieferung durch die Vermieterin in seine Verfügungsgewalt bringen wollte, um
nach eigenem Gutdünken mit ihnen zu verfahren. Durch die unabhängigen und
übereinstimmenden Aussagen, wonach A._ bei Verwandten Schulden von
mehreren Hunderttausend Euro hatte, werden auch die Aussagen, A._ habe
die Baumaschinen verkauft, plausibilisiert, indem ein klares Motiv gegeben ist. In-
dem der Beschuldigte A._ direktvorsätzlich und mit Bereicherungsabsicht
handelte, ist auch der subjektive Tatbestand des Betruges im Sinne von Art. 146
StGB erfüllt. Davon ging zu Recht auch die Vorinstanz aus (Urk. 159 S. 292-284),
so dass der Beschuldigte A._ bezüglich des Nebendossiers 12 des Betruges
im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen ist.
- 268 -
I. A._: Baumaschinen E._ AG (ND 5) Veruntreuung
I. Ausgangslage / Sachverhalt
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten B._ bezüglich der ihm von
der Anklagebehörde vorgeworfenen Tatbeteiligung am Betrug resp. an der Verun-
treuung gegen die Privatklägerin 2, die E._ AG, frei (Urk. 159 S. 331 i.V. m.
S. 235). Wie eingangs im 2. Teil Ziffer A. festgestellt, ist dieser Freispruch rechts-
kräftig, so dass darauf nicht zurückzukommen ist.
1.2. Betreffend den Beschuldigten A._ sah die Vorinstanz den Anklagesa-
chverhalt als erstellt an und nahm davon einzig die gegenüber der E._ AG
geäusserte Absicht, die T._ GmbH wolle die gemieteten Baumaschinen käuf-
lich erwerben, aus (Urk. 159 S. 221-235; insb. S. 235 und 227/228). Sie verneinte
in der Folge die Tatbestandsmässigkeit im Sinne des Betruges gemäss Art. 146
StGB und qualifizierte das Verhalten des Beschuldigten A._ statt dessen als
Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB (Urk. 159 S. 331 i.V. m.
S. 269/270).
1.3. Aufgrund des unter dem 3. Teil B.II. 3. bereits erwähnten Verschlechte-
rungsverbotes (Art. 391 Abs. 2 StPO) und nachdem die Anklagebehörde die vor-
instanzlichen Freisprüche in ihrer Anschlussberufung nicht angefochten hatte, ist
der erstellte Sachverhalt bezüglich des Nebendossiers 5 in Nachachtung des
Verschlechterungsverbots einzig hinsichtlich des von der Vorinstanz gefällten
Schuldspruches betreffend Veruntreuung zu prüfen und nicht hinsichtlich des von
der Staatsanwaltschaft der Anklage zugrunde gelegten Hauptvorwurfs des Betru-
ges im Sinne von Art. 146 StGB (Urk. 61/8 S. 20 ff. und Urk. 62/9 S. 19 ff.).
2. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten A._ wird seitens der Staatsanwaltschaft zusammenge-
fasst vorgeworfen, er habe namens der T._ GmbH vier im einzelnen be-
zeichnete Baumaschinen, darunter drei Bagger der Marke FH._ und eine
Walze der Marke FI._ zwischen dem 24. Februar und dem 15. April 2009 zu
- 269 -
vier verschiedenen Zeitpunkten bei der Firma E._ AG gemietet. Da die Tä-
terschaft den Kauf der Baumaschinen in Aussicht gestellt habe, sei keine be-
stimmte Laufdauer des Vertrages, jedoch die Verrechnung der Mietzinse mit dem
Kaufpreis, vereinbart worden. Aus den Allgemeinen Mietbedingungen sei deutlich
hervor gegangen, dass die Baumaschinen während der ganzen Vertragsdauer
Eigentum der E._ AG bleiben, was dem Beschuldigten A._ bekannt ge-
wesen sei. Bis spätestens 6. Mai 2009 seien sämtliche Baumaschinen auf Veran-
lassung des Beschuldigten A._ an andere Standorte abtransportiert worden,
die Walze über Italien in den O._ an den Wohnort des Vaters von B._
und ein Bagger FH._ ... nach EO._. Der Verbleib der beiden anderen
Baumaschinen sei unklar. Aus der anschliessenden unbekannten Verwendung
der Baumaschinen habe die Täterschaft selber oder eine unbekannte Drittperson
finanziell profitiert. Der Wert der vier Baumaschinen betrage insgesamt
Fr. 525'088.–. Die Baumaschinen seien alle der rechtmässigen Eigentümerin, der
Privatklägerin 2, nicht wieder zurückgebracht worden. Im Übrigen wird für weitere
Details des Sachverhalts auf die Anklageschrift verwiesen (Urk. 61/8 S. 23-24
i.V.m. S. 20-23).
3. Einwendungen
Der Beschuldigte räumte von Anfang an ein, einmal eine Walze bei der Privatklä-
gerin 2 für die Baustelle in BB._ bestellt zu haben, jedoch habe er dies im
Auftrag von B._ getan. Im Übrigen gab er an, von anderen Baumaschinen,
namentlich Baggern, nichts zu wissen (Prot. I S. 71 und 73). Sein Verteidiger
machte zudem geltend, da der Beschuldigte A._ nur gebrochen deutsch
spreche und nicht in der Lage sei, einen fehlerfreien Satz auf Deutsch zu schrei-
ben, komme er als Täter nicht in Betracht, B._ hingegen schon. Im Übrigen
beteuerte der Beschuldigte A._, mit der ganzen Sache nichts zu tun zu ha-
ben (Prot. I S. 71 ff. und Urk. 133 S. 24 ff.). Dabei blieb er auch anlässlich der Be-
rufungsverhandlung (Urk. 207 S. 61 ff.).
- 270 -
4. Sachverhaltserstellung
4.1. Beweismittel
Die für dieses Nebendossier wesentlichen relevanten Beweismittel wurden zutref-
fend von der Vorinstanz einzeln aufgeführt, so dass darauf verwiesen werden
kann (Urk. 159 S. 221 f.). Wie eingangs im 2. Teil C.5. dargelegt, sind jedoch -
und dies entgegen der Vorinstanz - sämtliche Aussagen der befragten Personen
auch verwertbar.
Bezüglich der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten A._ ist unter Hinweis auf
die Ausführungen zu den Nebendossiers 19 und 12 vorab festzuhalten, dass er
sich als notorischer Lügner entpuppte und auf seine Aussagen nur dann abge-
stellt werden kann, wenn sie von unabhängiger dritter Seite bestätigt oder mittels
anderer objektiver Sachbeweise belegt wurden. Dafür, dass der Beschuldigte
A._ bezüglich des Nebendossiers 5 plötzlich die Wahrheit ausgesagt haben
könnte, liegen keine Anhaltspunkte vor, ganz im Gegenteil. So behauptete er ge-
genüber der Vorinstanz wider besseres Wissen, in den Jahren 2008 und 2009 nur
eine einzige Telefonnummer gehabt zu haben (Prot. I S. 74). Auch behauptete er
gegenüber der Kantonspolizei Aargau, die Firma AB._ nicht zu kennen
(Urk. 3/1 S. 2), was beides nachweislich nicht zutrifft. Konfrontiert mit dem Ergeb-
nis der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation, wonach die Telefonnummer 078
1... im Zusammenhang mit der H._ AG ihm zuzurechnen sei, versuchte er
AH._ zu belasten und wollte von gar nichts etwas wissen (Prot. I S. 72 ff.).
Zu Recht wies der Vorsitzende der Vorinstanz darauf hin, dass sich der Beschul-
digte A._ selbst widersprochen habe, wenn er anlässlich der Hauptverhand-
lung behauptete, nie über eine Vollmacht der T._ GmbH verfügt zu haben,
wohingegen er in einer polizeilichen Befragung selbst angegeben hatte, eine sol-
che schon gehabt zu haben (Prot. I S. 72). Das bestätigt einmal mehr, dass die
Aussagen des Beschuldigten A._ weder konstant noch zuverlässig sind.
Im Übrigen ist für die Beweiswürdigung auch hier zur Hauptsache die Glaubhaf-
tigkeit der Aussagen der Befragten anhand der übrigen Beweismittel zu prüfen
und weniger auf eine allgemeine Glaubwürdigkeit abzustellen.
- 271 -
4.2. Anmietung und Auslieferung der vier Baumaschinen
4.2.1. 14-Tonnen-Bagger FH._ ... Lieferung 24. Februar 2009
Der Beschuldigte A._ gab bei seiner allerersten Befragung im Rahmen die-
ses Strafverfahrens gegenüber der Kantonspolizei Aargau im Juli 2009 zu, dass
der Chef der Firma E._ AG einmal auf der Baustelle in BB._ erschienen
sei und ihm eine Visitenkarte in die Hand gedrückt und dazu gemeint habe, wenn
er einen Bagger mieten müsse, könne er das bei seiner Firma tun. Sie hätten
dann tatsächlich einen Bagger für diese Baustelle gebraucht, weshalb er telefo-
nisch mit dem Herrn Kontakt aufgenommen habe. Dieser Bagger sei dann auf die
Baustelle geliefert worden (Urk. 3/1 S. 3). Es habe sich dabei um einen ... 8-10
Tonnen-Bagger gehandelt, bei dessen Auslieferung er aber nicht vor Ort gewesen
sei (Urk. 3/1 S. 4).
Diese - noch vor der Verhaftung gemachte - Aussage deckt sich mit derjenigen
von AL._, Filialleiter der Firma E._ AG in ... und Anzeigeerstatter
(Urk. 5/1 S. 4-6), welcher zusätzlich präzisierte, dass er den gelieferten Bagger
einem Maschinisten der Firma EC._ vorgeführt habe. Ausserdem führte er
an, dass die Firma EC._ auch zu seinen Kunden gezählt habe und er mit ihr
abgesehen von wenig Mietschulden keine Probleme gehabt habe (Urk. ND 5/8/1
S. 2). Dass AH._ mit seiner Firma anfangs 2009 und bis zum Frühling Arbei-
ten auf der genannten Baustelle in BB._ für die Firma T._ GmbH, resp.
A._, ausführte, wurde von ihm bestätigt (Urk. ND 12/10/2 S. 2 und S. 12) und
blieb im Zusammenhang mit dem Nebendossier 12 (Baumaschinen der H._
AG) unbestritten (siehe 3. Teil H. I. 3.2.). Als Indiz dafür, dass diese Aussagen
von AL._ den Tatsachen entsprechen, ist auch der unterzeichnete Miet-
Lieferschein vom 24. Februar 2009 heranzuziehen: Danach wurde bezüglich der
Baustellenadresse der Ort BB._ AG ergänzt mit "EC._" und der Tele-
fonnummer 079 7... (Urk. ND 5/8/2/4), die offiziell AH._ gehörte (Urk. 41/9
S. 3 und oben 3. Teil H. I. 4.2.5.). Die authentischen und bezüglich Details von
selbst Erlebtem zeugenden Aussagen von AL._ erweisen sich folglich als
äusserst glaubhaft und zuverlässig, so dass darauf ohne weiteres abgestellt wer-
den kann.
- 272 -
Es ist daher als nachgewiesen zu betrachten, dass der Beschuldigte A._ den
14-Tonnen-Bagger FH._ ... bei der Privatklägerin 2 bestellt hatte, der am
24. Februar 2009 auf die Baustelle BB._ geliefert und via die EC._
GmbH dort entgegen genommen wurde.
4.2.2. Zwei Bagger FH._ ... und eine Walze FI._ ...
a) Aufgrund der sich als authentisch erweisenden und durch weitere Indizien, na-
mentlich die schriftlichen Miet-Lieferverträge (Urk. ND 5/8/2/4-7) gestützten Aus-
sagen von AL._ ist auch bezüglich der drei weiteren von ihm genannten
Baumaschinen davon auszugehen, dass diese wie von ihm dargelegt bestellt und
ausgeliefert wurden: Der 8-Tonnen-Bagger FH._ ... am 6. April 2009 durch
das Transportunternehmen FJ._, ..., auf die Baustelle CA._
(Urk. ND 5/8/1 S. 2; Urk. ND 5/8/2/5), der weitere 8-Tonnen-Bagger FH._ ...
am 7. April 2009 durch die Transportfirma FK._, ..., auf die Baustelle
BB._ (Urk. ND 5/8/1 S. 3; Urk. ND 5/8/ 2/6) und der 7.2-Tonnen Walzenzug
... wiederum durch die FJ._ am 15. April 2009 auf die Baustelle CA._
(Urk. ND 5/8/1 S. 3; Urk. ND 5/8/2/7).
b) Bestätigt wird dieser Sachverhalt ausserdem durch das von AC._ ein-
gereichte Foto, das er gemäss eigener Aussage auf der Baustelle CA._ ge-
macht habe (Urk. 8/4 S. 14 f.) und das einen ... Bagger ... mit dem Aufkleber
"E._" zeigt (Urk. ND 5/9). Weiter sagte AC._ bezüglich der Baumaschi-
nen aus, er habe auf der Baustelle CA._ zwei Baumaschinen gesehen. Sie
seien von B._ und A._ in den O._ transportiert worden (Urk. 8/4
S. 14). Er habe A._ gefragt, was mit diesen Baggern sei, da für das kleine
Haus in CA._ solche Bagger gar nicht nötig gewesen seien. Er habe ihm da-
rauf geantwortet, er würde die Bagger in den O._ transportieren (Urk. 8/4
S. 15).
c) Anlässlich der Hafteinvernahme vom 9. September 2009 sagte W._ auf
Vorhalt diesbezüglich aus, der Beschuldigte A._ habe die vier Baumaschinen
bei der Firma E._ AG für die T._ GmbH gemietet, wobei aber auch
B._ über alles Bescheid gewusst habe. A._ habe sich - wie für anderes
- 273 -
auch - für diese Bestellungen als B._ ausgegeben. Sie bestätigte ausser-
dem, dass sie einmal mit Herrn AL._ wegen eines Termins telefoniert habe,
als A._ und B._ im Ausland gewesen seien (Urk. 5/3 S. 7, Urk. 5/4 S. 6
und Urk. 5/5 S. 13). Sie bekräftigte ihre Aussage in der Konfrontationseinvernah-
me mit B._, wo sie ausserdem darauf hinwies, dass sich zum Zeitpunkt ihrer
Bestellung der beiden Baumaschinen sowohl A._ als auch B._ zusam-
men im O._ aufgehalten hätten. Dies habe ihr A._ gesagt und sie habe
ausserdem B._ im Hintergrund hören können, als sie mit A._ telefoniert
habe (Urk. 9/1 S. 25 ff. und S. 28). Sie wiederholte ihre Aussage auch in der Kon-
frontationseinvernahme mit A._, wo sie ausdrücklich festhielt, dass sie von
ihm den Auftrag erhalten hatte, telefonisch zwei Baumaschinen für die Baustellen
BB._ und CA._ zu bestellen, was sie auch getan habe. In BB._ ha-
be der Aushub gemacht werden müssen, in CA._ sei die Baumaschine für
Gartenarbeiten gedacht gewesen (Urk. 8/1 S. 30).
d) Die Aussage von AL._, wonach er auf der Suche nach den Baumaschi-
nen an der Adresse der Firma T._ GmbH, an der sich ein Wohnblock und die
Wohnung der Familie B._ befand, die Ehefrau von B._ angetroffen und
auf deren Vermittlung mit dem sich im Ausland befindenden B._ telefoniert
habe (Urk. ND 5/8/1 S. 5), wird durch C._ vollumfänglich bestätigt. Sie hatte
angegeben, sie habe beim ersten Mal, als jemand zu ihr nach Hause gekommen
sei und nach den Baggern gefragt habe, ihren Mann angerufen, der zu dem Zeit-
punkt im Ausland, im O._, gewesen sei und dieser habe dann mit dem Mann
gesprochen (Urk. 8/6 S. 10). Ausserdem sagte C._ schon unmittelbar nach
ihrer Verhaftung aus, sie habe ihren Mann auf die vermissten Baumaschinen an-
gesprochen, nachdem ein Mann deswegen bei ihr zuhause aufgetaucht sei und
sie hätten deswegen gestritten. Es sei dabei um vier Baumaschinen gegangen,
davon drei Bagger und eine "Maschine, wo die Strasse neu gemacht wird", die
gemäss diesem Mann von der T._ GmbH gemietet worden seien (Urk. 6/2
S. 9 f.). Diese klare Aussage aufgrund von Angaben ihres Ehemannes und im Üb-
rigen in ihren eigenen Worten spricht ebenfalls dafür, dass die vier in der Anklage
genannten Baumaschinen tatsächlich von der T._ GmbH gemietet wurden
und B._ in jedem Fall darüber informiert war, so dass er seiner Frau diese
- 274 -
Angaben überhaupt machen konnte. Überdies sagte C._ in diesem Zusam-
menhang aus, ihr Mann sei zu dem Zeitpunkt öfters für längere Zeit, bis zu einer
Woche, nicht zuhause gewesen. Ihr Mann sei schon im April 2009 in den O._
gefahren, um sich behandeln zu lassen (Urk. 6/2 S. 9 und S. 11) und sei im Mai
auch noch im O._ gewesen (Urk. 6/10 S. 10).
e) Diese Aussage über den Aufenthalt von B._ im O._ wird nament-
lich gestützt durch die Auskunft von Interpol FL._, wonach B._ während
den Monaten Mai und August ins Land ein- und ausgereist sei (ND 5/2/6 S. 4
[Antwort S. 1]). Sie wird zudem durch den Umstand gestützt, dass AL._ als
Kontaktnummer die Handynummer 078 11... angegeben bekam, die - wie wir aus
der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation inzwischen wissen - auf die AB._
AG lautete, jedoch B._ zuzurechnen ist (Urk. 17/1 S. 6). Der Zeitpunkt des
Auslandaufenthalts von B._ Anfang Mai 2009 deckt sich auch mit den Anga-
ben von AL._, wonach er am 6. Mai 2009 alle Baumaschinen habe einsam-
meln wollen, es sei aber keine einzige mehr vorhanden gewesen. Deshalb sei er
am 8. Mai 2009 zur Adresse der Firma T._ gegangen, wo er die Ehefrau von
B._ angetroffen habe und worauf er von dort mit ihrem Ehemann im O._
telefoniert habe (Urk. ND 5/8/1 S. 5). B._ selbst bestätigte ausserdem, im
Mai 2009 im O._ gewesen zu sein (Urk. 8/2 S. 36), ebenso wie das sein Bru-
der AC._ aussagte, dies gar ausdrücklich im Zusammenhang mit den Bau-
maschinen, sagte er doch aus, im Sommer 2009 habe sich sein Bruder im
O._ aufgehalten und A._ sei wegen den Baggern zu ihm gereist
(Urk. 8/4 S. 15).
f) An den Miet-Lieferschein für den ersten am 24. Februar 2009 ausgelieferten
Bagger ist die AL._ überlassene Visitenkarte der Firma T._ GmbH an-
geheftet, worauf als Kontakt 'B._' gedruckt ist und wo handschriftlich unter
den gedruckten Telefonnummern das Folgezeichen " unter die Ziffern 078 und die
Nummer 1... unter den übrigen Telefonnummern angebracht wurde
(Urk. ND 5/8/2/4). B._ bestätigte, dass auf seiner Visitenkarte der T._
GmbH die Telefonnummer von A._ angegeben gewesen sei, obwohl die Visi-
tenkarte aber auf seinen Namen gelaufen sei (Urk. 8/2 S. 16). Indem als Kontakt-
- 275 -
nummer die A._ zuzurechnende Handynummer gegenüber der E._ AG
angegeben war, ist auch dies als ein weiteres Indiz dafür zu werten, dass
A._ die Bestellungen und Lieferungen der Baumaschinen organisierte.
g) Die Aussage von AL._, B._ habe seitens der Firma T._
GmbH bezüglich der Baumaschinen Kaufabsichten geäussert, wegen zeitlicher
Probleme sei aber ein Gespräch nie zustande gekommen (Urk. ND 5/8/1 S. 3),
wird gestützt durch das E-Mail von B._ an ihn vom 9. März 2009, in welchem
die T._ GmbH ihn bittet, die beiden Bagger von der Baustelle BB._ nach
CA._ zu zügeln und ihn auffordert, die beiden Offerten zu schicken
(Urk. ND 5/8/2/9). Auch W._ bestätigte die Kaufabsichten. Sie sagte diesbe-
züglich aus, sie habe von Herrn A._ den Auftrag erhalten, mit Herrn
AL._ einen Termin zu machen, damit Herr B._ den Bagger hätte an-
schauen könne, weil er den Bagger offenbar habe kaufen wollen. Sie ergänzte,
dass dies in der Zeit gewesen sei, als B._ und A._ im O._ und in
EO._ gewesen seien (Urk. 5/3 S. 7). Sie bestätigte ausserdem, betreffend
die Baumaschinen einmal ein E-Mail an Herrn AL._ geschrieben zu haben
(Urk. 5/5 S. 13). Es ist aufgrund dieses Beweisergebnisses - entgegen der Vo-
rinstanz - für die rechtliche Würdigung als erstellt davon auszugehen, dass
A._ und B._ gegenüber der E._ AG Kaufabsichten geäussert ha-
ben, es aber zu eigentlichen Gesprächen darüber nicht mehr kam.
h) AM._ wurde wie erwähnt (2. Teil C.5.6.) korrekt formell als Zeuge be-
fragt, nachdem er bereits als Auskunftsperson ausgesagt hatte (Urk. ND 5/8/29
und ND 5/8/27). Als Gartenbauer für den Bauherrn B._, "den Sanitär", auf
der Baustelle in CA._ tätig, meldete sich AM._ gemäss dem Aufkleber
auf dem Bagger, welcher dort vor Ort stand, bei der Firma E._ AG und er-
kundigte sich nach dem Eigentümer des Baggers. Dies tat er nach eigener Aus-
sage, weil ihnen der Bauleiter, "der Festere", am Schluss gesagt habe, sie sollten
einen Bagger, Backsteine oder einen Lieferwagen mitnehmen, nachdem er vom
Bauleiter immer wieder vertröstet worden sei, das Geld käme bald, resp. Ende
Monat. Aber es sei kein Geld gekommen. Der "Festere" habe ihm zudem gesagt,
der Bagger gehöre ihm. Er habe dann jedoch von der Firma E._ AG zur Ant-
- 276 -
wort bekommen, dass es sich bei dem Bagger um ein Mietobjekt handle und er
den Bagger nicht mitnehmen könne (Urk. ND 5/2/27 S. 4 f. und ND 5/2/29 S. 4
ff.). Diese Aussage des Zeugen AM._ ist durchaus glaubhaft, namentlich
auch deshalb, weil dies den Angaben von AL._ bezüglich der auf dem Auf-
kleber angeführten Telefonnummer entspricht (Urk. ND 5/8/1 S. 8). Gemäss Aus-
sage von AL._ rief auf die Telefonnummer der Filiale ... jemand anonym am
8. oder 11. Mai 2009 von der Handynummer 076 12... an, um mitzuteilen, dass
die Baumaschinen sofort abgeholt werden sollten, da sie ansonsten weg seien
(Urk. ND 5/8/1 S. 8). Gemäss polizeilicher Ermittlungen handelte es sich dabei um
die auf FM._, der Ehefrau von AM._, registrierte Telefonnummer
(Urk. ND 5/1 S. 12 und ND 5/2/7). Dass AM._ im fraglichen Zeitraum tatsäch-
lich mit der T._ GmbH zu tun hatte, ergibt sich auch aus der rückwirkenden
Teilnehmer-identifikation, wonach Telefonverbindungen zumindest am 20. April
2009 dokumentiert sind (Urk. 17/14).
i) Auch wenn der Beschuldigte A._ später sowohl die Bestellung wie auch
die Aufträge zum Abtransport der Baumaschinen bestritt, hatte er in der Haftein-
vernahme vom 10. September 2009 auf Vorhalt, um welche Baumaschinen und
welchen Zeitraum es sich handelte, noch ausdrücklich zugestanden, dass er die
Baumaschinen resp. die Bagger bestellt habe, allerdings unter der Firma T._
und im Auftrag von B._ (Urk. 3/3 S. 6). Er nannte auf die offene Frage, was
nach der Bestellung mit den Baggern geschehen sei, spontan die Baustellen
CA._ und BB._, wo sie hingebracht worden seien (Urk. 3/3 S. 6 unten),
was mit dem übrigen Beweisergebnis übereinstimmt (Urk. ND 5/8/2/6-7). A._
ergänzte dann von sich aus weiter, er selbst habe nur eine Walze bestellt
(Urk. 3/3 S. 6 unten). Das bestätigte er erneut in der Konfrontationseinvernahme
mit W._, wo er zudem ausführte, er habe bei der Bestellung der Walze nicht
mit Herrn AL._ gesprochen, sondern wegen dessen Ferienabwesenheit mit
einem seiner Mitarbeiter (Urk. 8/1 S. 32). Diese Aussage ist glaubhaft, hält doch
AL._ fest, der 7.2-Tonnen-Walzenzug sei während seiner Ferienabwesenheit
bei seinem Mechaniker FN._ von einer Person namens B._ bestellt
worden, die gebrochen Deutsch gesprochen habe. Wie er selbst wisse, spreche
B._ jedoch sehr gut Deutsch (Urk. ND 5/8/1 S. 3). Ausserdem plausibilisierte
- 277 -
AL._ seine Einschätzung durch die von A._ bestätigte Begegnung der
beiden am Bahnhof FG._, wo A._ den von der Transportfirma FO._
ab der Baustelle BB._ gelieferten 8-Tonnen-Bagger entgegennehmen wollte,
ihn jedoch bei Auftreten von AL._ wieder an den Aufladeort zurückschickte.
Dabei gab der Beschuldigte A._ für das Zurückschicken als Begründung an,
der Termin habe nicht gestimmt (Urk. ND 5/8/1 S. 3-4 [AL._]; Urk. 3/3 S. 7
[A._]). Weiter kann auf die zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen ver-
wiesen werden, wonach mittels der rückwirkenden Teilnehmeridentifikation (u.a.
Urk. 17/1 und 17/12) erstellt ist, dass A._ ab dem 14. April 2009 bis zum
8. Mai 2009 via die Telefonnummer 078 1... (EM._) und B._ ab dem
8. Mai 2009 via die Telefonnummer 078 11... (W._ AG) Kontakt zur Firma
E._ AG hatten (Urk. 159 S. 223-226, Rz 17.3.2). Das stimmt im Übrigen auch
mit der Aussage von AL._ überein, wonach er ab dem 8. Mai 2009 mit
B._ wegen der vermissten Baumaschinen telefonischen Kontakt hatte
(Urk. ND 5/8/1 S. 5).
j) Die Aussagen von B._ bezüglich der Baumaschinen erscheinen ange-
sichts dieses Beweisergebnisses als völlig unzuverlässig und unglaubhaft. Es er-
weist sich, dass er log, wenn er jegliche Beteiligung an der Sache mit den Bau-
maschinen abstritt (Urk. 4/10 S. 12; Urk. 4/22 S. 10 f.; Urk. 8/5 S. 35 ff.). Auf seine
Aussagen in diesem Zusammenhang kann daher nur dann abgestellt werden,
wenn sie durch unabhängige Drittpersonen oder objektive Beweismittel bestätigt
werden.
k) Nachdem erstellt ist, dass der Beschuldigte A._ im fraglichen Zeitraum,
wenn auch nicht mehr formell auf dem Papier, dafür aber tatsächlich die Ge-
schäftsführung der T._ GmbH innehatte und sich oft als B._ ausgab,
resp. auch B._ oft auf Anweisungen von A._ für die T._ GmbH
handelte (siehe 3. Teil B. I. 2.1.), kann offen bleiben, ob A._ zwei Bagger un-
ter Angabe des Namens B._ bestellte oder ob tatsächlich B._ selbst bei
AL._ die beiden Bagger FH._ ... bestellte, wie jener angab oder ob gar
W._ im Auftrage von B._ für die T._ GmbH zwei Bagger bestellte.
Denn aus den Aussagen der Befragten und den weiteren Indizien ergibt sich ohne
- 278 -
jeden Zweifel, dass die vier in der Anklage genannten und vorstehend aufgeführ-
ten Baumaschinen namens der Firma T._ GmbH telefonisch bei der E._
AG zur Miete bestellt und via der von ihr beauftragten Transportfirmen auf die
Baustellen BB._ und CA._ geliefert wurden.
4.3. Transport ins Ausland
a) Laut Aussagen von AL._ hat er im Zuge seiner Abklärungen über den
Verbleib der Baumaschinen von einem Chauffeur der Firma FJ._ erfahren,
dass sein Walzenzug von der Firma FO._ aus ... vor ca. drei Wochen (sc.
vor der Befragung vom Mittwoch, 13. Mai 2009; also ca. um den 20. April 2009)
an den Bahnhof FG._ transportiert und dort auf einen weiteren Lastwagen
der Firma FP._ aus FQ._ [Staat in Zentraleuropa] (recte: FP._)
aufgeladen worden sei, wobei ein Mann vor Ort den Umlad koordiniert habe
(Urk. ND 5/8/1 S. 6 f.). Diese Angaben decken sich mit den Zollabklärungen der
Polizei, wonach die Firma FP._ Transport & Logistika aus FQ._ den
Transport der Walze, Marke FI._ ..., durchführte und diese am 20. April 2009
in Thayngen zur Ausfuhr nach Deutschland deklariert wurde. Dabei wurde auf den
Papieren CQ._ / O._ angegeben, teils auch die Firma FR._ in
CQ._, resp. B._, FS._, CQ._, in jedem Fall aber der O._
(Urk. ND 5/1 S. 10; Urk. ND 5/2/2). Gemäss der ... Interpol-Auskunft ... O._
vom 30. Dezember 2009 führte B._ am 27. April 2009 in ... einen "road roller
tamp with vibration, made FI._ (...), serial number ..." in den O._ ein un-
ter Angabe der Firma T._ GmbH als Exporteur (Urk. ND 12/2/8 S. 5 und 6
[Antwort S. 2 und 3]).
b) Dass sowohl C._ als auch W._ angaben, über den Transport der
Bagger, resp. der Baumaschinen, wüssten A._ und B._ Bescheid
(Urk. 6/10 S. 10;Urk. 5/3 S. 7 f. und Urk. 5/5 S. 13) und AC._ ausdrücklich
A._ als Organisator des Abtransportes in den O._ bezeichnete (Urk. 7/7
S. 9; Urk. 8/4 S. 14), spricht dafür, dass tatsächlich die beiden Beschuldigten den
Transport der Baumaschinen ab den Baustellen in der Schweiz in den O._
organisierten.
- 279 -
c) Wie oben erwähnt, stritt B._ jegliche Beteiligung bezüglich der Sache
mit den Baumaschinen ab, insbesondere auch die Entgegennahme der Walze
FI._ (Urk. 4/11 S. 3 ff.; Urk. 8/2 S. 35 ff.). Davon ging auch die Vorinstanz
aus (Urk. 159 S. 228-232 Rz 17.3.6.1.-2.). Dass sie dennoch dafür hielt, es gäbe
begründete Zweifel, dass der Beschuldigte B._ mit der Miete der Bauma-
schinen etwas zu tun habe (Urk. 159 S. 232), steht in Bezug auf ihren diesbezüg-
lichen Freispruch zugunsten von B._ angesichts des Verschlechterungsver-
botes nicht zur Disposition. Dennoch kann das vorliegende Beweisergebnis in
Bezug auf den Beschuldigten A._ frei gewürdigt werden. Auch wenn also
B._ jegliche Beteiligung bestritt, fällt auf, dass er - noch ohne Konfrontation
mit dem Zusammenhang "Baumaschinen" - auf die Frage, wo er während seines
unbestrittenen Aufenthaltes im O._ im Frühling 2009 und zur fraglichen Zeit
gewohnt habe, als Adresse "FS._ (CQ._)" angab und die Adresse
"FS._, CQ._." als die seine bestätigte (Urk. 4/11 S. 1-2). Diese stimmt
überein mit derjenigen, die im Schreiben der T._ GmbH zuhanden des Zolls
vom 17. April 2009 angegeben ist und wo als Empfänger der Walze FI._ (...)
B._, FS._, Gb. tt.09.1982, Numri Personal (...) aufgeführt ist
(Urk. ND 5/2/2 S. 2). Sowohl Geburtsdatum wie auch die Personalnummer stim-
men mit denjenigen von B._ überein (Urk. ND 5/2/5 S. 1; ND 5/8/9 S. 2).
Seine spätere Aussage bezüglich der Adresse im Zusammenhang mit dem
Transport der Walze resp. deren Empfang (Urk. 4/22 S. 10) ist als reine Ausflucht
und Schutzbehauptung zu werten, zumal seine Ehefrau C._ mehrfach bestä-
tigte, dass er sich im Zeitpunkt, als das erste Mal ein Mann wegen der Bauma-
schinen zu ihr gekommen sei (sc. Herr AL._), im O._ aufgehalten habe.
Dies bestätigte er denn auch zunächst noch selbst, als er geltend machte, er sei
ja am 17. / 18. April 2009 gar nicht in der Schweiz, sondern im O._ - notabe-
ne an der genannten Adresse seines Vaters - gewesen, weshalb er für die Auf-
tragserteilung der Lieferung der Walze gar nicht in Frage kommen könne
(Urk. 4/11 S. 4). Zudem sagte B._ auch aus, dass es sich bei der Unterschrift
auf dem Schreiben um die seine handle, wobei er gleichzeitig bestritt, dieses
Schreiben je gesehen zu haben (Urk. 4/11 S. 3). Das erscheint angesichts seiner
nachgewiesenen Beteiligung an der Anmietung der Baumaschinen, seinem Kon-
- 280 -
takt mit Herrn AL._ im Zusammenhang mit den vermissten Baumaschinen
via die Nummer der AB._ AG, die Herr AL._ von C._ erhalten hatte
(Urk. 17/1 S. 7 f.; Urk. 17/3 S. 7), der Kenntnis über die vier Baumaschinen, die er
seiner Frau weitergab und den klaren Aussagen seines Bruders als völlig un-
glaubhaft. Da sein Aufenthalt im O._ im Zeitpunkt der Lieferung der Bauma-
schinen durch übereinstimmende Aussagen bestätigt wurde, ist für die rechtliche
Würdigung davon auszugehen und es stellt zusammen mit den Zollpapieren ein
gewichtiges Indiz dafür dar, dass er sich in jenem Zeitpunkt im O._ aufhielt,
gerade um die gelieferten Baumaschinen, insb. auch die Walze FI._, entge-
gen zu nehmen. Da sich der Beschuldigte B._ am 17. April 2009 bereits im
O._ aufhielt, das Zollschreiben jedoch mit seiner Unterschrift auf das gleiche
Datum lautet (Urk. ND 5/2/2 S. 2), drängt sich der Schluss auf, dass das Schrei-
ben entweder von ihm vorbereitet oder im Einverständnis mit ihm auf diesen Tag
datiert wurde und er im Wissen um den Abtransport rechtzeitig vorher in den
O._ reiste, um vor Ort zu sein, wenn die Walze geliefert wird. Die Umstände
sprechen jedenfalls für ein abgesprochenes Vorgehen, wobei aufgrund der über-
einstimmenden Aussagen von W._, C._ und AC._ davon auszuge-
hen ist, dass A._ als effektiver Geschäftsführer der T._ GmbH und täg-
lich in intensivem direktem Austausch mit B._ stehend, den Abtransport in
der Schweiz regelte.
d) Ebenfalls ein Indiz dafür, dass A._ eine zentrale Rolle dabei zukam,
stellt der Umstand dar, dass er am Bahnhof FG._ zugegen war, als die
Transportfirma FO._ den 8-Tonnen-Bagger abliefern wollte, AL._ aber
ebenfalls erschien und der Bagger dann wieder zurück geschickt wurde. Diese
Episode stellt daher ein gewichtiges Indiz für die Organisation der Verschiebung
der Baumaschinen durch A._ dar, da die Parallelen zum Abtransport der
Walze FI._, die bezeichnenderweise ebenfalls an den Bahnhof FG._
transportiert worden war, wo sie auf einen Lastwagen der Firma FP._ umge-
laden wurde, derart deutlich sind, dass hier nicht mehr von einem Zufall ausge-
gangen werden kann, sondern es handelt sich dabei um ein gleiches Vorgehen,
wie auch die Vorinstanz erwog (Urk. 159 S. 227).
- 281 -
e) Dafür, dass A._ den Abtransport der Baumaschinen in den O._
und nach EO._ massgeblich mitorganisierte, spricht auch die authentische,
klare und überzeugende Aussage von AH._ (ND 12), wonach sich die Bau-
maschinen der Firma E._ in EO._ befänden (Urk. ND 12/10/3 S. 3;
Urk. 8/8 S. 8 f.). Das habe er vom zuständigen Staatsanwalt gehört, als er mit
seinem eigenen Rechtsanwalt (sc. wegen der Wiederbeschaffung der Bauma-
schinen auch der Firma H._ AG) bei ihm gewesen sei. Die Staatsanwalt-
schaft in FL._ halte den Standort der Maschinen geheim, weil die Bande, die
das organisiert habe, sehr gross sei (Urk. ND 12/10/3 S. 3). Diese Aussage ist
auch deshalb glaubhaft, weil urkundlich dokumentiert ist, dass AH._ betref-
fend der verschwundenen Baumaschinen Strafanzeige einreichte
(Urk. ND 12/10/3 S. 2; Urk. ND 12/11/1-3; Urk. 12/2/9 S. 11 [Antwort S. 1]).
Schliesslich bleibt ebenfalls zu erwähnen, dass AH._ glaubhaft aussagte,
A._ habe ihm erzählt, dass er dies (sc. das Verbringen der Baumaschinen
ins Ausland) schon einmal so gemacht habe (Urk. ND 12/10/2 S. 6; Urk. 8/8
S. 12).
Aufgrund des gesamten Beweisergebnisses ist ohne Zweifel als erstellt zu be-
trachten, dass A._ den Transport der gemieteten Baumaschinen ins Ausland
- wohl zusammen mit B._ resp. unter dessen Mithilfe - organisierte und dabei
selbst sowohl in der Schweiz als auch im O._ mitwirkte, was ihm ohne weite-
res möglich war, sagte er doch selbst aus, er sei von Januar 2009 bis zu seiner
Verhaftung im September 2009 fünf bis sechs Mal im O._ gewesen und je-
weils drei bis vier Tage dort geblieben (Urk. 3/3 S. 7).
f) Indem der Beschuldigte A._ - worauf auch die Vorinstanz zu Recht
hinwies (Urk. 159 S. 233) - als effektiver Geschäftsführer der T._ GmbH und
mit Wissen und mit Billigung von B._, dem formellen Geschäftsführer, die
Baumaschinen (teils selbst) bestellte, auf die Baustellen der T._ GmbH in
BB._ und CA._ liefern liess und sie später von dort abholen und ins
Ausland transportieren liess, kann sein Verhalten bezüglich des Entfernens der
Baumaschinen von den Baustellen, auf welche sie geliefert wurden, resp. auf
- 282 -
welche sie mit Zustimmung der E._ AG später verschoben wurden
(Urk. ND 5/8/1 S. 4), nur als vorsätzlich im Rechtssinne qualifiziert werden.
4.4. Verbleib der Baumaschinen
a) Bezüglich des Verbleibs und des Werts der Baumaschinen kann auf die zu-
treffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden, wonach der Verbleib
von zwei Baggern und der Walze FI._ ungeklärt ist und ein Bagger FH._
... in ..., EO._, verortet werden konnte, wobei keine einzige der vier Bauma-
schinen bisher an die Privatklägerin 2, Firma E._ AG, zurückgegeben wurde
(Urk. 159 S. 233-234). Der Neuwert dieser vier Baumaschinen wurde von der
Firma E._ AG mit Fr. 525'088.– angegeben, wobei die Schadenssumme un-
ter teilweiser Berücksichtigung eines Nachlasses wegen Gebrauchs auf
Fr. 427'209.– beziffert wurde, wobei auf den Listenpreis 25 % Verkaufsrabatt und
10 % Handelsspanne angerechnet wurden (Urk. ND 5/14/8/1 Rückseite), was un-
bestritten blieb (Urk. 133).
b) Da sich die Aussagen von AL._ durchwegs als zuverlässig erwiesen, ist
auch in Bezug auf die Bezahlung der Mietzinse auf seine Aussage abzustellen.
Demnach sei bis dato (sc. Befragung vom 13. Mai 2009) kein Franken an Miete
bezahlt worden. Die Miete für den 14-Tonnen-Bagger habe gemäss dem schriftli-
chen Miet-Lieferschein, auf welchem der monatliche Mietpreis angegeben war,
weil die Maschine für längere Zeit gemietet worden sei, Fr. 5'000.– betragen. Bei
den übrigen Baumaschinen sei kein Mietpreis in die Miet-Lieferscheine eingetra-
gen worden, weil von einer unbekannten kurzen Mietdauer ausgegangen worden
sei. Die Mietpreise seien im weiteren unter www.E._.com einsehbar
(Urk. ND 5/8/1 S. 9). Anhand der eingereichten Kopien der Miet-Lieferscheine der
E._ AG ist ersichtlich, dass auf der Rückseite dieser Lieferscheine die Allge-
meinen Mietbedingungen abgedruckt sind (Urk. ND 5/8/2/4 wo der Text der Rück-
seite durchscheint; Urk. ND 5/8/2/5-7, wo der Hinweis auf der ersten Seite unten
auf die rückseitigen Allgemeinen Mietbedingungen in einem dunklen Kasten her-
vorgehoben ist), welche AL._ ebenfalls eingereicht hatte. In Ziffer 1 der All-
gemeinen Mietbedingungen wird festgehalten, dass der Mietgegenstand samt
- 283 -
Bestandteilen und Zubehör während der ganzen Mietdauer ausschliesslich Eigen-
tum des Vermieters bleibt (Urk. ND 5/8/2/8).
c) Aufgrund der bereits erwähnten übereinstimmenden Aussagen und dem In-
halt des einzigen vorliegenden E-Mails zwischen der Privatklägerin 2 und der
T._ GmbH ist als erstellt davon auszugehen, dass letztere via B._ (oder
A._, der sich als B._ ausgab) Kaufabsichten bezüglich zwei Baggern
äusserte, es zu einem konkreten Gespräch über den Kauf jedoch nicht kam. Im
Übrigen stellte AL._ klar, dass es bei ihnen üblich sei, dass die Baumaschi-
nen per Telefon gemietet würden und es auch normal sei, dass kein Empfang der
Baumaschinen bestätigt würde (Urk. ND 5/8/1 S. 8).
4.5. Fazit
Zusammenfassend ist festzustellen, dass der Sachverhalt zu ND 5 gemäss An-
klage Ziffer 14.1.-2. beweismässig erstellt wurde, so dass für die rechtliche Wür-
digung davon auszugehen ist.
II. Veruntreuung
1. Rechtsgrundlage
Zur Prämisse der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB kann
auf die vorinstanzlichen Ausführungen (Urk. 159 S. 253) und die obigen Ergän-
zungen im 3. Teil D. II. 1.1. verwiesen werden.
2. Subsumtion
Unter der Prämisse des Verschlechterungsverbots ist die Qualifikation des Ver-
haltens des Beschuldigten gemäss der Eventualanklage in Ziffer 14.1.-2. als Ver-
untreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB durch die Vorinstanz ebenso
wie die diesbezügliche Begründung (Urk. 159 S. 269 f.) zutreffend. Nachdem es
sich beim Beschuldigten A._ um eine Person handelt, die über jahrlange Er-
fahrung im Bauwesen verfügte, namentlich bereits mehrere Häuser baute und
dann weiterverkaufte, damit die Usanzen in der Baubranche auch bezüglich der
Miete von Baumaschinen kannte, ist davon auszugehen, dass der Mietvertrag
über die vier Baumaschinen zwischen der E._ AG und der Firma T._
- 284 -
GmbH mindestens konkludent zustande kam, indem die telefonisch bestellten
Baumaschinen auf den Baustellen der Firma T._ GmbH entgegen genom-
men und abgestellt wurden, teilweise auch im Einsatz waren. Da die Vorinstanz
Arglist und damit Betrug verneinte, kann offen bleiben, ob die Absicht, die Bau-
maschinen ins Ausland zu verbringen, schon im Zeitpunkt ihrer Bestellung be-
stand oder der Tatentschluss erst später gefasst wurde. Jedenfalls wusste der
Beschuldigte A._, der über die Finanzen der T._ GmbH genauestens im
Bilde war, dass die Baumaschinen nicht gekauft worden waren, oder musste zu-
mindest davon ausgehen, auch weil die Baumaschinen immer noch mit dem Auf-
kleber der E._ AG versehen waren. Dass eine Firma wie die E._ AG ih-
re teuren Geräte den Handwerkern oder Generalunternehmungen gratis zur Ver-
fügung stellen würde, wäre äusserst ungewöhnlich und erscheint auch lebens-
fremd, so dass der Beschuldigte von einer solchen Voraussetzung auch nicht
ausgehen konnte. Es ist ihm anzurechnen, dass er wusste, dass die Maschinen
gegen Entgelt gemietet waren und bis zur Rückgabe im Eigentum des Vermieters,
der E._ AG blieben, wie das in den Allgemeinen Bedingungen auf dem ers-
ten, notabene unterzeichneten, Miet-Lieferschein vom 24. Februar 2009 festge-
halten ist (Urk. ND 5/8/2/4). Durch die Angabe der T._ GmbH als Absender
auf den Zollpapieren liess der Beschuldigte den Anschein erwecken, der Absen-
der sei berechtigt, die Baumaschinen ausser Landes zu transportieren, wird doch
nirgends erwähnt, dass die eigentliche Eigentümerin die E._ AG war, was
der Beschuldigte wusste. Indem er sich ausserdem zumindest gegenüber
AM._ als Eigentümer des in CA._ vorhandenen Baggers ausgab und
diesen gar an zahlungsstatt für den Handwerkerlohn an AM._ übergeben
wollte, leugnete er das Eigentumsrecht des Vermieters gar ausdrücklich. Dem
Beschuldigten A._ musste klar gewesen sein, dass die Nachverfolgung und
Auffindung der Baumaschinen im O._ und in EO._ für die Vermieterin,
die ja nichts von der Verschiebung wusste, äusserst schwierig und aufwendig wä-
re, wodurch er zumindest in Kauf nahm, wenn er es nicht gar von Anfang an woll-
te, dass die Baumaschinen ihrer regulären Eigentümerin nicht mehr zurückgege-
ben werden. Indem er die gemieteten Baumaschinen ohne Wissen der Eigentü-
merin und entgegen der vertraglichen Abmachung von den Baustellen entfernen
- 285 -
liess und deren Abtransport ins Ausland organisierte, hat er die dauernde Enteig-
nung der Vermieterin der Baumaschinen gewollt, zumindest aber in Kauf genom-
men. Damit handelte der Beschuldigte A._ im Sinne des Tatbestandes vor-
sätzlich. Er verschaffte sich durch den Abtransport der Baumaschinen in jedem
Falle auch eine wirtschaftliche Besserstellung, indem er über die teuren Geräte
nach Belieben wie ein Eigentümer verfügte, ohne je der effektiven Eigentümerin
dafür etwas bezahlt zu haben. So verursachte er einerseits auf Seiten der Vermie-
terin zumindest den Schaden im Umfang des entzogenen Wertes der Bauma-
schinen und bereicherte sich selbst im gleichen Masse. Für die Erfüllung des Tat-
bestandes reicht es aus, wenn die Bereicherung des Täters auch nur vorüberge-
hend gewesen sein sollte, bestand eine solche doch zweifellos solange die Bau-
maschinen in der Verfügungsgewalt des Beschuldigten A._ und seiner Helfer
blieben, auch wenn nicht geklärt werden konnte, inwiefern A._ für die Ver-
schiebung der Baumaschinen oder ihre Verwendung von dritter Seite entschädigt
wurde. Sowohl der objektive wie der subjektive Tatbestand ist somit erfüllt, wes-
halb der Beschuldigte A._ der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen ist.
J. Gewerbsmässigkeit bezüglich der Betrugstatbestände
1. Die Vorinstanz folgte der Anklage und stellte fest, dass A._ von Mai
2008 bis zu seiner Verhaftung am 9. September 2009 mehrere Hunderttausend
Franken ertrog, wobei er in dieser Zeit über kein weiteres (sc. legales) Erwerbs-
einkommen verfügte, so dass er gewerbsmässig im Sinne des Gesetzes gehan-
delt habe (Urk. 159 S. 294). Mit gleicher Begründung, jedoch für den Zeitraum
vom Herbst 2008 bis Frühjahr 2009 hielt die Vorinstanz auch bezüglich des Be-
schuldigten B._ die Gewerbsmässigkeit im Sinne von Art. 146 Abs. 2 StGB
für erfüllt (Urk. 159 S. 294 f.).
2. Nachdem die Verteidigungen der beiden Beschuldigten die Schuldsprüche
betreffend Betrugs anfochten, gingen sie nicht auf die Frage der Gewerbsmässig-
keit ein.
- 286 -
3. Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts liegt der Ansatzpunkt für die
Definition der Gewerbsmässigkeit im berufsmässigen Handeln. Der Täter handelt
berufsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die deliktische
Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb eines bestimm-
ten Zeitraums sowie aus den angestrebten und erzielten Einkünften ergibt, dass
er die deliktische Tätigkeit nach der Art eines Berufes ausübt. Wesentlich für die
Annahme der Gewerbsmässigkeit ist, dass der Täter, wie aus den gesamten Um-
ständen geschlossen werden muss, sich darauf eingerichtet hat, durch deliktische
Handlungen Einkünfte zu erzielen, die einen namhaften Beitrag an die Kosten zur
Finanzierung seiner Lebensgestaltung darstellen; dann ist die erforderliche sozia-
le Gefährlichkeit gegeben (Urteil 6B_932/2015 vom 18. November 2015 E. 4.1 mit
Hinweis auf BGE 116 IV 319 E. 4c; 119 IV 129 E. 3a). Eine quasi nebenberufliche
deliktische Tätigkeit als Voraussetzung der Gewerbsmässigkeit genügt, wenn die
erforderliche soziale Gefährlichkeit gegeben ist (Urteil 6B_838/2014 vom 5. Mai
2015 E. 5.3 mit Hinweisen; BGE 123 IV 113 E. 2c; Trechsel/Crameri in: Prax-
komm. StGB, a.a.O., N 34 ff. zu Art. 146).
4.1. A._ machte sich betreffend ND 19 (Absichtsunfall), ND 7 und 11 (Lea-
singdelikte Nissan Cabstar I und II), ND 12 (Miete Baumaschinen H._ AG)
und ND 13 (Hypothekarkredit) des Betruges schuldig. Wie oben unter dem 3. Teil
A. II. 4.3.3. dargelegt wurde, erzielte der Beschuldigte A._ weder im Jahre
2008 noch im Jahr 2009 auf legalem Wege ein Erwerbseinkommen. Mit Hilfe des
Absichtsunfalls vom 14. Mai 2008 beabsichtigte er im Gegenteil - ihm nicht zu-
stehende - Versicherungsleistungen anstelle eines Erwerbseinkommens zu erhal-
ten, womit er seinen Lebensunterhalt bestreiten wollte. Das gelang ihm auch,
weshalb ein Schaden in der Grössenordnung von ca. Fr. 125'000.– entstand. Da-
neben betätigte er sich aber zudem via die T._ GmbH als deren Geschäfts-
führer und bereicherte sich via den geplanten Einfamilienhausbau in CA._
mit mehreren Hunderttausend Franken (ND 13). Auch die geleasten Lieferwagen
und die gemieteten Baumaschinen (ND 7,11 und 12) ergaben einen Erlös weit
über Fr. 400'000.–. Es verbleibt daher kein Zweifel, dass sich der Beschuldigte
A._ darauf eingerichtet hatte, wenn nicht den gesamten Lebensunterhalt, so
doch zumindest den massgeblichen Teil nicht mittels legalen Einkünften, sondern
- 287 -
mittels betrügerischer Handlungen diverse Art zu bestreiten, wobei sich aufgrund
des Beweisergebnisses zum Hypothekarkredit zeigte, dass er - zusammen mit
B._, teilweise mit W._ - die grundsätzliche Idee hatte, via den Verkauf
geleaster Fahrzeuge erhebliche Barmittel wann immer nötig erhältlich zu machen
und diesen Plan auch in die Tat umsetzte. Der Beschuldigte A._ war mithin
bereit, ähnliche Delikte gegenüber einer Vielzahl von Opfern zu begehen. Die Ka-
denz der deliktischen Tätigkeit war zudem beachtlich, abgesehen davon, dass der
Beschuldigte betreffend den Versicherungsleistungsbetrug die Täuschung der
Versicherungen über mehrere Monate hinweg aufrecht erhalten musste. Daran,
dass seine Taten die Merkmale des gewerbsmässigen Handelns erfüllen, ver-
bleibt kein Zweifel.
4.2. B._ erzielte gemäss den Akten des akzessorischen Einziehungsverfah-
rens vor Beginn der deliktischen Tätigkeit durchschnittlich rund Fr. 4'454.– pro
Monat (siehe oben 3. Teil C. I. 4.2.2. Tabelle) und ausser den ersparten ca.
Fr. 50'000.–, die er im Zusammenhang mit dem Bau AG._ erwähnte, verfüg-
ten er und seine Frau C._ über keinerlei Vermögen, hatten aber aus dem
Schwimmbadkauf erhebliche Schulden von zwischen 160'000.– bis Fr. 200'000.–
bei A._, die sie mit dem normalen Einkommen von B._ nicht begleichen
konnten, zumal C._ am tt.mm.2008 ihr zweites Kind geboren hatte und da-
raufhin keiner Erwerbstätigkeit mehr nachging. Mit dem Verkauf der beiden ge-
leasten Nissan Cabstars (ND 7 und 11) und dem Bargeld aus dem ertrogenen
Hypothekarkredit (ND13) erzielte B._ gemessen an seinen normalen - lega-
len - Einkünften vor dem Deliktszeitraum einen horrenden Beitrag in die Haus-
haltskasse. Dass er dieses Geld nicht für den Lebensunterhalt, sondern zur
Schuldentilgung bei A._ verwendete, ändert nichts an der Sachlage, wonach
er von Ende Oktober 2008 bis zum 21. April 2009 in ca. einem Dutzend Einzelak-
ten (wovon zwei Fahrzeugverkäufe) einen Schaden in der Höhe von knapp unter
Fr. 400'000.– verursachte. Selbst wenn dieser Betrag hälftig auf die Beschuldig-
ten A._ und B._ aufgeteilt würde, wäre angesichts der Kadenz und der
Höhe der einzelnen unrechtmässig bezogenen Barmittel immer noch das Tatbe-
standsmerkmal der Gewerbsmässigkeit gegeben. Bezüglich der Fahrzeuglea-
sings steht aufgrund des Beweisergebnisses überdies fest, dass auch der Be-
- 288 -
schuldigte B._ nach der Absprache mit A._ grundsätzlich bereit war, in
einer Vielzahl von Fällen gegen (noch unbekannte Dritte) in der gleichen Art delik-
tisch vorzugehen und bei Bedarf die für eigene Bedürfnisse benötigten Barmittel
via Verkauf von geleasten Autos erhältlich zu machen. Auch betreffend den Be-
schuldigten B._ sind die Qualifikationsmerkmale der Gewerbsmässigkeit da-
her erfüllt.
5. Die Beschuldigten A._ und B._ sind somit bezüglich des Schuld-
spruchs wegen Betrugs je des gewerbsmässigen Betruges im Sinne von Art. 146
Abs. 1 und 2 StGB schuldig zu sprechen.
K. Fazit
Zusammengefasst sind die Beschuldigten folgender Delikte schuldig zu sprechen:
1. A._:
- der falschen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
(ND 19)
- des gewerbsmässigen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB
(ND 7, 11, 12, 13 und 19)
- der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs.1 StGB
(ND 3, 5, 6 und 8), teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (ND 4)
- der Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB (ND 12)
- der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB (ND 13)
- der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB (ND 19)
- der Anstiftung zum mehrfachen Erschleichen eines Ausweises im Sinne von
Art. 97 Ziff. 1 Abs. 4 aSVG in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB (ND 4, 6,
7, 8 und 11)
2. B._: ferner
- 289 -
- des gewerbsmässigen Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1 und 2 StGB
(ND 7, 11, und 13)
- der mehrfachen Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs.1 StGB
(ND 3, 6 und 8), teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs.1 StGB (ND 4)
- des Missbrauchs von Ausweisen und Schildern im Sinne von Art. 97 Ziff. 1
Abs. 1 aSVG (ND 4)
3. C._:
- der Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB (ND 13)
4. Teil: Strafzumessung und Vollzug
A. Allgemeines
1. Vorinstanz
1.1. Die Vorinstanz fällte für den Beschuldigten A._ eine Freiheitsstrafe von
4 Jahren und 6 Monaten aus, wobei sie 1'085 Tage erstandene Haft bzw. vorzei-
tigen Strafvollzug (auch von ausserkantonalen Verfahren) an die Freiheitsstrafe
anrechnete (Urk. 159 S. 332, Dispositiv Ziffer 7).
1.2. Den Beschuldigten B._ bestrafte die Vorinstanz mit 36 Monaten Frei-
heitsstrafe, wovon 180 Tage durch Haft bis zum 27. März 2015 erstanden waren,
und mit einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu Fr. 30.–. Sie schob den Vollzug
der Freiheitsstrafe im Umfang von 30 Monaten auf und setzte eine Probezeit von
drei Jahren fest. Den Vollzug der Geldstrafe schob sie nicht auf (Urk. 159 S. 332
Dispositiv Ziffern 8 und 9).
1.3. Die Beschuldigte C._ wurde durch die Vorinstanz mit einer Geldstrafe
von 180 Tagessätzen zu Fr. 10.– bestraft, wobei 17 Tagessätze durch erstandene
Haft als geleistet angerechnet wurden. Der Vollzug der Geldstrafe wurde unter
Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben (Urk. 159 S. 332 Dis-
positiv Ziffern 10 und 11).
- 290 -
2. Einwendungen
2.1. Die Verteidigung von A._ beantragte unter Hinweis auf das Primat der
Geldstrafe vor Vorinstanz und auch heute die Ausfällung einer Geldstrafe von 303
Tagessätzen zu Fr. 30.– als dem Verschulden, der erstandenen Haft, des Ge-
ständnisses und der sehr langen Verfahrensdauer angemessen (Urk. 207 S. 76;
Prot. II S. 4; Urk. 133 S. 43).
2.2. Der Verteidiger des Beschuldigten B._ beantragte eine Sanktionierung
mit einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu Fr. 70.–, eventualiter sei der Be-
schuldigte maximal mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 70.– zu be-
strafen, wobei festzustellen sei, dass die Strafe durch die erstandene Untersu-
chungshaft bereits erstanden sei. Für den Fall, dass die von der Berufungsinstanz
ausgefällte Strafe mehr als die 180 Tage erstandener Haft beträgt, sei der Straf-
vollzug aufzuschieben und eine Probezeit von vier Jahren festzusetzen (Urk. 161
S. 2 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung stellte der Verteidiger dieselben An-
träge bis auf die Tagessatzhöhe, welche er mit der Vorinstanz auf Fr. 30.– fest-
setzte (Urk. 209 S. 3 f. und S. 55).
2.3. Die Beschuldigte C._ äusserte sich infolge ihres Antrages auf vollum-
fänglichen Freispruch nicht zu einem allfälligen Strafmass (Urk. 162; Urk. 211).
3. Strafzumessungsregeln / Gesamtstrafenbildung
3.1. Eingangs ist festzuhalten, dass die Strafzumessung der Vorinstanz in ver-
schiedener Hinsicht nicht den Vorgaben des Bundesgerichts und der Praxis der
zweiten Instanz entspricht, weshalb eine neue Strafzumessung vorzunehmen ist.
3.2. Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Es be-
rücksichtigt dabei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse sowie die Wir-
kung der Strafe auf das Leben des Täters (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden
wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechts-
guts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des
Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren
Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden
- 291 -
(Art. 47 Abs. 2 StGB). Für die Zumessung der Strafe ist zwischen der Tat- und der
Täterkomponente zu unterscheiden. Bei der Tatkomponente ist als Ausgangs-
punkt die objektive Schwere des Delikts festzulegen und zu bewerten. Dabei ist
anhand des Ausmasses des Erfolgs sowie auf Grund der Art und Weise des Vor-
gehens zu beurteilen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut beein-
trächtigt worden ist. Ebenfalls von Bedeutung sind die kriminelle Energie, der Tat-
beitrag bei Tatausführung durch mehrere Täter sowie ein allfälliger Versuch. Hin-
sichtlich des subjektiven Verschuldens sind insbesondere das Motiv, die Beweg-
gründe, die Willensrichtung sowie das Mass an Entscheidungsfreiheit des Täters
zu beurteilen. Die Täterkomponente umfasst die persönlichen Verhältnisse, das
Vorleben, insbesondere frühere Strafen oder Wohlverhalten, und das Verhalten
nach der Tat und im Strafverfahren, insbesondere gezeigte Reue und Einsicht,
oder ein abgelegtes Geständnis, sofern dieses zur Vereinfachung und Verkürzung
des Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beiträgt (Hug, OFK-StGB, a.a.O.,
Art. 47 N 5 ff. mit Hinweisen; Urteil 6B_312/2016 vom 23. Juni 2016 E. 1.3.2).
3.3. Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des or-
dentlichen Strafrahmens der (schwersten) Strafbestimmung unter obligatorischer
Berücksichtigung der einzelnen Strafzumessungsfaktoren festzusetzen. Durch
Strafschärfungs- oder Strafmilderungsgründe wird der ordentliche Strafrahmen
jedoch nicht automatisch erweitert. Dieser ist nur zu verlassen, wenn ausserge-
wöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe
im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8 mit Hin-
weisen).
3.4.1. Hat ein Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzun-
gen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht gemäss
Art. 49 Abs. 1 StGB zu der Strafe der schwersten Straftat (Einsatzstrafe) und er-
höht sie in Anwendung des Asperationsprinzips angemessen (Gesamtstrafe). Die
Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist nur bei gleichar-
tigen Strafen möglich. Ungleichartige Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das
Asperationsprinzip nur greift, wenn mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen
werden. Geld- und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von
- 292 -
Art. 49 Abs. 1 StGB (BGE 137 IV 57 E. 4.3.1; Trechsel/Affolter-Eijsten, in: Prax-
komm. StGB, a.a.O., N 7 zu Art. 49 StGB). Die Voraussetzungen von Art. 49
Abs. 1 StGB sind erfüllt, wenn das Gericht im konkreten Fall für jeden einzelnen
Normverstoss gleichartige Strafen ausfällt. Dass die anzuwendenden Strafbe-
stimmungen abstrakt gleichartige Strafen androhen, genügt nicht (BGE 138 IV
120 E. 5.2).
3.4.2. Für Strafen von weniger als sechs Monaten ist grundsätzlich eine
Geldstrafe oder gemeinnützige Arbeit auszusprechen (Art. 34 Abs. 1, Art. 37
Abs. 1, Art. 40 und 41 Abs. 1 StGB). Für Strafen von sechs Monaten bis zu einem
Jahr sieht das Gesetz die Geldstrafe und die Freiheitsstrafe vor (Art. 34 und 40
StGB). Zwar stellt die Geldstrafe die Hauptsanktion dar. Sie ist aber nicht die al-
lein mögliche Strafe. Allgemein sind für die Wahl der Sanktionsart die Kriterien,
die sich aus Art. 47 StGB herleiten lassen, heranzuziehen, namentlich das Ge-
wicht der Tat und das Verschulden des Täters. Grundsätzlich gilt, dass die Strafe
umso schwerer ausfällt, je grösser das Verschulden ist (Hans Mathys, Leitfaden
Strafzumessung, Basel 2016, N 350-351). Als wichtiges Kriterium sind weiter die
Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter
und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE
134 IV 97 E. 4.2). Da Art. 41 StGB in erster Linie bezweckt, dass kein Freiheits-
entzug von weniger als sechs Monaten angeordnet wird, stellt sich dieses Prob-
lem bei der Bildung einer Gesamtstrafe nicht, wenn als Einsatzstrafe für die
schwerste Straftat eine Freiheitsstrafe festgesetzt und deren Dauer für die weite-
ren Delikte angemessen erhöht wird, solange die Gesamtstrafe mindestens sechs
Monate beträgt. Massgebend ist die Dauer der Strafe, welche der Beschuldigte al-
lenfalls zu verbüssen hat (Urteil 6B_1246/2015 vom 9. März 2016 E. 1.2.2 mit
Hinweisen; Mathys, Leitfaden a.a.O., N 363).
3.5. In Nachachtung der ständigen Rechtsprechung des Bundesgerichts ist zum
Vorgehen bei der Bildung einer Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB festzuhal-
ten, dass zunächst der Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und
alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat innerhalb dieses Strafrahmens
festzusetzen ist (Urteil 6B_1246/2015 vom 9. März 2016 E. 1.1 mit Hinweisen).
- 293 -
Bei der Festsetzung der Einsatzstrafe sind zunächst alle objektiven und subjekti-
ven verschuldensrelevanten Umstände zu beachten, in einem weiteren Schritt die
übrigen Delikte zu beurteilen und aufzuzeigen, in welchem Ausmass die Einsatz-
strafe in Anwendung des Asperationsprinzips zu erhöhen ist. Schliesslich sind
erst nach Festlegung der (hypothetischen) Gesamtstrafe für sämtliche Delikte die
allgemeinen Täterkomponenten zu berücksichtigen (Urteil 6B_466/2013 vom
25. Juli 2013, E. 2.1 und 2.3.2; mit Hinweisen, bestätigt in Urteilen 6B_375/2014
vom 28. August 2014, E. 2.6. und 6B_1246/2015 vom 9. März 2016 E. 1.1).
3.6. Hat der Richter im gleichen Verfahren mehrere Mittäter zu beurteilen, so ist
bei der Verschuldensbewertung mit zu berücksichtigen, in welchem gegenseitigen
Verhältnis die Tatbeiträge stehen (BGE 135 IV 191 E. 3.2; Urteile des Bundesge-
richts 6B_526/2016 vom 13. Oktober 2016 E. 3.3 und 6B_466/2013 vom 25. Juli
2013 E. 2.3.5).
3.7. Gestützt auf Art. 51 StGB rechnet das Gericht die Untersuchungshaft, die
der Täter während dieses oder eines anderen Verfahrens ausgestanden hat, auf
die Strafe an. Ein Tag Haft entspricht gemäss dieser Bestimmung einem Tages-
satz Geldstrafe oder vier Stunden gemeinnütziger Arbeit. Als Untersuchungshaft
gilt jede in einem Strafverfahren verhängte Haft, Untersuchungs-, Sicherheits- und
Auslieferungshaft (Art. 110 Abs. 7 StGB). Für die Anrechnung der Haft ist nach
dem Wortlaut von Art. 51 StGB weder Tat- noch Verfahrensidentität erforderlich.
Anzurechnen ist sowohl auf unbedingte als auch auf bedingte Strafen, denn
Art. 51 StGB liegt der Grundsatz der umfassenden Haftanrechnung zugrunde
(BGE 141 IV 236 E. 3.3 mit Hinweisen).
B. Beschuldigter A._
1. Strafrahmen Gesamtstrafe
Infolge der Tatmehrheit und der mehrfachen Begehung der zu beurteilenden De-
likte ist nach den Grundsätzen von Art. 49 Abs. 1 StGB eine hypothetische Ge-
samtstrafe zu bilden. Es ist mit der Vorinstanz als Ausgangspunkt dafür vom
Strafrahmen für das Delikt mit der schwersten abstrakten Strafandrohung, der fal-
- 294 -
schen Anschuldigung im Sinne von Art. 303 Ziff. 1 StGB, auszugehen (Urk. 159
S. 296), obwohl der Schuldspruch betreffend gewerbsmässigem Betrug ange-
sichts des Umfangs der Delinquenz prima vista gewichtiger erscheint. Entgegen
der Vorinstanz führen jedoch die Strafschärfungsgründe der Deliktsmehrheit und
der mehrfachen Tatbegehung nicht zu einer automatischen Erweiterung des
Strafrahmens, sondern sind stattdessen innerhalb des ordentlichen Strafrahmens
zu berücksichtigen, da keine weiteren ausserordentlichen Umstände vorliegen,
welche die Erweiterung des Strafrahmens bewirken würden. Der Strafrahmen
reicht entsprechend der gesetzlichen Strafandrohung von einer Geldstrafe von ei-
nem bis 360 Tagessätzen oder einer Freiheitsstrafe bis zu zwanzig Jahren
(Art. 34 Abs. 1 StGB und Art. 40 StGB).
2. Strafart
Die Vorinstanz sprach gedanklich für die einzelnen Delikte keine Geld-, sondern
eine Freiheitsstrafe aus (Urk. 159 S. 296 - 303). Angesichts der schwerwiegenden
Tatvorwürfe, der Deliktsmehrheit und mehrfachen Tatbegehung kommt eine Geld-
strafe nicht mehr in Betracht, da sich unter Berücksichtigung aller Umstände nur
noch eine Freiheitsstrafe als angemessen erweist, wie nachfolgend gezeigt wird.
3. Hypothetische Einsatzstrafe
3.1. In objektiver Hinsicht ist zu betonen, dass Art. 303 StGB einerseits den un-
gehinderten Gang der Rechtspflege und andererseits den Bürger vor ungerecht-
fertigter Strafverfolgung schützen will (Flachsmann, OFK - StGB, a.a.O., N 3 zu
Art. 303). Diese beiden Rechtsgüter hat der Beschuldigte vorliegend erheblich
verletzt. Der Beschuldigte äusserte gegenüber den Strafverfolgungsbehörden
keineswegs etwa nur einmal die - ihm bekannte - unwahre Behauptung, J._
habe den Unfall durch ein nicht gegebenes Fehlverhalten verursacht, sondern
wiederholte seine Beschuldigungen auch noch bis in die gerichtlichen Verfahren.
Verschuldenserhöhend fällt dabei in Betracht, dass er sich nicht darauf be-
schränkte, dem Unfallbeteiligten zum Beispiel pauschal die Schuld an der Kollisi-
on zu geben - was nachgerade im Strassenverkehr häufig der Fall sein dürfte -
sondern seiner Bezichtigung zusätzlich diverse falsche Angaben folgen liess, na-
mentlich auch über Ausmass und Grad seiner Verletzungen. Dabei wäre es dem
- 295 -
Beschuldigten ohne weiteres möglich gewesen, die Abklärung der Verschuldens-
lage den Behörden zu überlassen, ohne den Unfallbeteiligten J._ derart zu
beschuldigen. Dass er aber wissentlich den Unfall selbst herbeiführte, hernach
den Kollisionsgegner als den einzig Fehlbaren darstellte und die Anschuldigung
noch durch das Stellen des Strafantrages unterstützte, zeugt von einiger Dreistig-
keit gegenüber den Behörden und dem Rechtsstaat an sich und erheblicher kri-
mineller Energie. Auch das von Art. 303 StGB geschützte Rechtsgut der Persön-
lichkeit des zu Unrecht beschuldigten J._ wurde erheblich verletzt, schliess-
lich wurde dieser keines Bagatelldelikts mehr beschuldigt, sondern immerhin der
fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB und damit eines
Vergehens, was im Falle des Schuldspruchs einen Eintrag im Strafregister nach
sich zieht (Art. 366 Abs. 2 lit. a StGB). Auch was das Ausmass des Erfolges be-
trifft, wiegt das objektive Tatverschulden schwer, wurde J._ doch nicht nur in
ein polizeiliches Ermittlungsverfahren, sondern in eine staatsanwaltschaftliche
Strafuntersuchung zu Unrecht hinein gezogen, in dessen Folge er erstinstanzlich
der fahrlässigen Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 1 StGB schuldig
gesprochen und mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 60.– bestraft
wurde, was einen nicht unerheblichen Eingriff in seine Ehre und seine Privatsphä-
re darstellt. Das wiegt umso schwerer, als es sich beim falsch Beschuldigten um
einen Berufschauffeur mit ca. 90'000 gefahrenen Kilometern pro Jahr handelte
(Urk. 177/7 S. 1), der noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten war
(Urk. 177/26/3-4 und Urk. 177 Prot. S. 5) und bei welchem sich eine solche An-
schuldigung auch auf seinen Beruf auswirken kann. Ausserdem war der Aufwand,
den Unfallhergang abzuklären, wegen der falschen Angaben des Beschuldigten
gemessen an einem "normalen" Verkehrsunfall verhältnismässig gross und band
relativ viele Ressourcen der Strafverfolgungsbehörden unnötigerweise. Das ob-
jektive Verschulden ist mithin nur noch knapp als eher leicht einzustufen.
3.2. In subjektiver Hinsicht kommen als Tatmotiv einzig egoistische Beweggrün-
de, namentlich die Erlangung finanzieller Vorteile in Betracht. Verschuldensmin-
dernde Faktoren liegen keine vor. Dass der absichtlich herbeigeführte Verkehrs-
unfall bezweckte, nicht zustehende Versicherungsleistungen erhältlich zu machen
und wohl eine falsche Anschuldigung nicht das unmittelbare Ziel der Handlungen
- 296 -
des Beschuldigten war, vermag das subjektive Tatverschulden aber nicht zu rela-
tivieren, denn dem Beschuldigten wäre es einfach möglich gewesen, die Darstel-
lung des Unfallbeteiligten zu bestreiten, statt mit falschen Angaben über den Her-
gang und die Folgen der Kollision die eingeleitete Strafverfolgung auch noch
durch seinen wiederholten Strafantrag wegen Körperverletzung fortzuführen. Das
objektive Tatverschulden wird vorliegend durch die subjektive Tatschwerde nicht
relativiert, sondern im Gegenteil noch leicht erhöht. Entsprechend erweist sich die
von der Vorinstanz festgesetzte Einsatzstrafe von drei Monaten angesichts des
anwendbaren Strafrahmens als deutlich zu tief.
3.3. Es rechtfertigt sich selbst in Berücksichtigung des Umstands, dass die Straf-
androhung, welche mit vorsätzlicher Tötung oder schweren Formen der Entfüh-
rung und Geiselnahme vergleichbar und damit - was wohl zu Recht auch kritisiert
wird (Delnon/Rüdy in: BSK Strafrecht II, a.a.O., N 32 zu Art. 303) - ausseror-
dentlich hoch ist, aufgrund des Verschuldens eine hypothetische Einsatzstrafe
von einem Jahr Freiheitsstrafe festzusetzen.
4. Hypothetische Gesamtstrafe unter Berücksichtigung der übrigen Delikte
4.1. Gewerbsmässiger Betrug (ND 7, 11, 12, 13 und 19)
4.1.1. Bei der Bestimmung der objektiven Tatschwere ist das Doppelverwer-
tungsverbot zu beachten. Dieses besagt, dass Umstände, die zur Anwendung ei-
nes höheren oder tieferen Strafrahmens führen, innerhalb des geänderten Straf-
rahmens nicht noch einmal als Straferhöhungs- oder Strafminderungsgrund her-
angezogen werden dürfen, weil dem Täter sonst der gleiche Umstand zweimal
zur Last gelegt oder zugutegehalten würde (BGE 142 IV 14 E. 5.4 mit Hinweisen).
Indessen darf der Richter zusätzlich berücksichtigen, in welchem Ausmass ein
qualifizierender oder privilegierender Tatumstand gegeben ist. Der Richter verfei-
nert damit nur die Wertung, die der Gesetzgeber mit der Festsetzung des Straf-
rahmens vorgezeichnet hat (BGE 120 IV 67 E. 2b und BGE 118 IV 342 E. 2b).
4.1.2. In objektiver Hinsicht fällt innerhalb des qualifizierten Tatbestands des
gewerbsmässigen Betruges - auch bei Berücksichtigung des Doppelverwertungs-
verbotes - zulasten des Beschuldigten ins Gewicht, dass er innert eines Zeitrau-
- 297 -
mes von knapp einem Jahr zwar nur in fünf Fällen betrügerisch vorging, dabei je-
doch Einzelsummen im sechsstelligen Bereich erzielte (siehe oben 3. Teil J. 4.1.).
Die effektive Schädigung der einzelnen Gruppen von Geschädigten (Versicherer,
Leasinggeber, hypothekarkreditgebende Bank) ist damit auch innerhalb des ge-
setzlichen Rahmens des qualifizierten Tatbestandes durchaus als beachtlich und
die Verletzung des geschützten Rechtsguts insgesamt als erheblich zu bezeich-
nen. Der Beschuldigte ging in allen Fällen geplant und zielgerichtet vor, scheute
dabei jeweils abgestimmt auf den im Einzelnen beabsichtigten Zweck auch nicht
davor zurück, raffiniert, hinterhältig und durchtrieben vorzugehen, indem er sein
Auftreten je nach dem Gegenüber (seien es die verschiedenen Versicherer, ver-
schiedene Ärzte, Garagenbesitzer, Lieferanten, Handwerker oder Immobilienver-
mittler) anpasste, je andere Geschichten erzählte, um so mittels eines von aussen
nicht überschaubaren Lügengebäudes seine Position resp. Darstellung zu stärken
und das Vertrauen des Gegenübers zu gewinnen. Dabei setzte er teilweise auch
unwissende Drittpersonen ein (z.B. bei den Leasings), welche Verbindlichkeiten
eingingen, vermeintlich um B._ bei dessen Geschäften zu helfen oder auch
nur, weil er sie entsprechend unter Druck setzte (z.B. W._ bezüglich ihres
Lohnes oder AH._ betreffend des schriftlichen Mietvertrages). Zudem miss-
brauchte er bestehende Firmen wie die T._ GmbH oder die EC._ GmbH
für Betrügereien zu seinen eigenen Gunsten und erschwerte dadurch den Ver-
tragspartnern zu erkennen, dass effektiv eine Privatperson ohne Handlungsvoll-
macht hinter den abgewickelten Geschäften stand. Der Beschuldigte verwendete
bei der Umsetzung seiner Pläne auch gefälschte Dokumente (z.B. Lohnabrech-
nungen AD._ und AC._), gab sich wahrheitswidrig als B._ resp.
AH._ aus und bediente sich beim Baukreditbetrug selbst erstellter fiktiver
Handwerkerrechnungen und inhaltlich falscher Leistungsabrechnungsformulare,
so dass die Verschleierung der tatsächlichen Gegebenheiten, namentlich der tat-
sächlichen Finanzlage, auf Seiten der Miet-, Leasing- und Kreditnehmer mittels
ganzer Lügengebäude gestützt wurde. Es drängt sich daher auf, diesen vom Be-
schuldigten zur Untermauerung seiner Täuschungen verwendeten Machenschaf-
ten innerhalb des qualifizierten Tatbestands des gewerbsmässigen Betrugs zu-
sätzlich Rechnung zu tragen. Der Beschuldigte A._ offenbarte mit seiner
- 298 -
praktisch schon routinemässig erscheinenden betrügerischen Vorgehensweise
zudem eine enorme Selbstverständlichkeit deliktischen Handelns. Dadurch mani-
festiert sich eine erhebliche kriminelle Energie, denn obwohl das Vorgehen teil-
weise ähnlich war (Leasingdelikte), fasste er in jedem Einzelfall separat wieder
den Entschluss, auf die gleiche Art und Weise zu Geld zu kommen. Darüber hin-
aus war ihm, darin ist der Vorinstanz durchaus zuzustimmen (Urk. 159 S. 288 f.),
offenbar jedes Mittel recht, um ohne eigene Arbeitsleistung zu Geld zu kommen.
Dabei fällt verschuldenserschwerend durchaus in Betracht, dass er immer wieder
andere, dem Zweck entsprechende, Vorgehensweisen einsetzte. So erforderte
der Baumaschinenbetrug zum Nachteil der H._ AG ein grosses Mass an Or-
ganisation und koordiniertem Vorgehen mit Dritten (Transport der Maschinen auf
die Baustellen / Abtransport ins Ausland / Zollabfertigung). Das trifft auch auf den
Hypothekarkreditbetrug zu, wobei hier auch B._ in Bezug auf das Verhalten
zur Bank und zu seinen Familienangehörigen eine wichtige Funktion übernahm.
Auch bezüglich der Leasingbetrüge (ND 7 und 11) war der Tatbeitrag von
A._ unverzichtbar, jedoch muss er nur leicht höher eingestuft werden als der-
jenige von B._, denn es war A._, der die Verbindungen zu den Autover-
käufern und der Drittperson hatte, welche die Fahrzeugausweise der geleasten
Autos ohne den Code 178 erschlich, ohne welche der Verkauf der geleasten
Fahrzeuge wesentlich schwieriger gewesen wäre. Allerdings war dabei auch die
Mitwirkung von B._ mit Blick auf die durch Familienmitglieder von B._
geleasten Fahrzeuge unverzichtbar, denn ohne dessen Überredungs-, resp.
Überzeugungskunst hätten diese wohl keine Fahrzeuge für die von A._ und
B._ geplanten Zwecke geleast. Für den Versicherungsbetrug wiederum ging
der Beschuldigte entsprechend anders vor, jedoch fusste sein Vorgehen auch hier
auf Dutzenden von Lügen gegenüber seinen Ansprechpersonen und zeugt sein
Verhalten hinsichtlich der Änderung des Versicherungsschutzes auch hier von ei-
nem im Voraus geplanten und hernach koordinierten Vorgehen, was verschul-
denserschwerend zu berücksichtigen ist.
Hinsichtlich der in Mittäterschaft mit B._ begangenen Betrugsdelikte (ND 7,
11 und 13) wirkt sich verschuldenserschwerend aus, dass es der Beschuldigte
A._ war, der den Anstoss zu den Betrugshandlungen gab, indem er dem Be-
- 299 -
schuldigten B._ vorschlug, dessen Schulden bei ihm mittels des Hypothe-
karkredits zu tilgen (oder zumindest zu reduzieren) und die dafür benötigten Ei-
genmittel via des Verkaufs geleaster Fahrzeuge erhältlich zu machen, er mithin
der Initiant des gemeinsamen deliktischen Vorgehens war. Nicht zuzustimmen ist
jedoch der Vorinstanz bezüglich der Gewichtung der Tatbeiträge (Urk. 159
S. 299). Wenn auch A._ der Initiant des Vorgehens war, planten doch beide
Beschuldigten zusammen das konkrete Vorgehen und setzten es in arbeitsteiliger
Weise auch um. Insofern sind ihre Tatbeiträge durchaus vergleichbar und kann
der Beschuldigte A._ nicht alleine als treibende Kraft betrachtet werden. Ein-
zuräumen bleibt aber, dass der Beschuldigte A._ und nicht B._ das ge-
schäftliche Fachwissen hinsichtlich der Erstellung und Finanzierung eines Einfa-
milienhauses einbrachte und damit die Grundlage lieferte, ohne welche es
B._ alleine nicht möglich gewesen wäre, ein solches Betrugskonstrukt zu
realisieren. Diesbezüglich kam dem Beschuldigten A._ im Vergleich mit dem
Beschuldigten B._ doch eine übergeordnete Rolle zu, was sich auch darin
zeigt, dass er für die Erarbeitung der schriftlichen Verträge und die Verhandlun-
gen nach aussen sowie den Kauf der Liegenschaft CA._ verantwortlich war.
Das objektive Verschulden von A._ wiegt bezüglich aller Betrugshandlungen
mithin erheblich und ist daher im oberen Bereich des mittleren Drittels des Straf-
rahmens anzusiedeln.
4.1.3. In subjektiver Hinsicht fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigte mit di-
rektem Vorsatz handelte. Als Tatmotiv kommt einzig die Erlangung finanzieller
Vorteile in Betracht und somit das Handeln des Beschuldigten aus rein egoisti-
schen Beweggründen, namentlich ohne eigene Arbeitsleistung seinen Lebensun-
terhalt und seine Geschäftstätigkeit zu finanzieren. Dabei wäre es ihm ohne wei-
teres möglich gewesen, mittels bezahlter Arbeit ein Erwerbseinkommen zu erzie-
len. Deutlich erschwerend ist seine an den Tag gelegte Skrupellosigkeit zu veran-
schlagen. So brachte der Beschuldigte im Wissen um die finanziellen Probleme
von AH._ diesen beim Betrug zum Nachteil der H._ AG schliesslich da-
zu, den schriftlichen Mietvertrag im Nachhinein noch zu unterzeichnen und damit
die Verantwortung nach aussen alleine zu übernehmen, obwohl er in dem Zeit-
- 300 -
punkt bereits wusste, dass die Baumaschinen bereits im Ausland waren. Ähnlich
verhält es sich auch beim Hypothekarkreditbetrug. Der Beschuldigte A._ hat-
te seine eigenen Interessen daran immer vor Augen und nützte das Vertrauen
und die Unkenntnis von B._ und dessen Familienmitgliedern aus, wobei er
sich formell immer im Hintergrund hielt, um seine Mitwirkung zu vertuschen. Das
subjektive Tatverschulden ist nicht neutral zu werten, sondern führt zu einer leich-
ten Erhöhung des objektiven Verschuldens.
4.1.4. Isoliert betrachtet wäre daher eine hypothetische Strafe im oberen Be-
reich des mittleren Drittels des Strafrahmens im Bereich von fünf Jahren Frei-
heitsstrafe dem erheblichen Verschulden angemessen. In Nachachtung des As-
perationsprinzips rechtfertigt es sich aber immerhin, die hypothetische Einsatz-
strafe für den gewerbsmässigen Betrug um rund 4 Jahre zu erhöhen.
4.2. Mehrfache Veruntreuung (ND 3, 5, 6, und 8), teilweise versucht (ND 4)
4.2.1. Bezüglich der versuchten Veruntreuung ist das Tatverschulden zu-
nächst hypothetisch für das vollendete Delikt zu ermitteln und erst hernach ist der
Umfang der Reduktion der Strafe wegen des vollendeten Versuchs im Sinne von
Art. 22 Abs. 1 StGB zu bestimmen (Mathys, Leitfaden, a.a.O., N 216 bis 219).
4.2.2. Zur objektiven Tatschwere ist zunächst auf die mehrfache Tatbege-
hung hinzuweisen, die sich verschuldenserhöhend auswirkt. Dabei fällt der bei
vollendeter Tatbegehung durch die Veruntreuungen innerhalb von nur sechs Mo-
naten hervorgerufene massive Deliktsbetrag von rund Fr. 867'055.– (Fr. 69'746.–
[ND 3], Fr. 98'240.– [ND 4], Fr. 98'841.– [ND 6], Fr. 75'140.– [ND 8], Fr. 525'088.–
[ND 5]) stark ins Gewicht. Alleine aus dieser Aufzählung ergibt sich (erneut) die
enorme kriminelle Energie, die der Beschuldigte A._ an den Tag legte. Dabei
ging er durchaus raffiniert vor, indem er Drittpersonen (W._ [ND 4 und 6] und
AN._ [ND 8]) in seine Tatplanung und -ausführung einbezog, die auf seine
Intervention hin, nichtsahnend hinsichtlich des effektiv von A._ und B._
angestrebten Ziels und ohne das notwendige Knowhow Firmen kauften und in de-
ren Namen Leasinggeschäfte über Fahrzeuge abwickelten, welche der Beschul-
digte ausgesucht hatte und die er zusammen mit B._ verkaufte, resp. verkau-
- 301 -
fen wollte. Auch hier blieb der Beschuldigte A._ - wie teilweise auch der Be-
schuldigte B._ - trotz massgeblichen Tatbeitrags im Hintergrund und liess
vordergründig andere für seine Ziele und seine persönliche Bereicherung haften.
Dieses organisierte und arbeitsteilige Vorgehen zusammen mit B._ wirkt sich
erschwerend auf das Tatverschulden aus, da dadurch die Gefährdung des Ver-
mögens und der Verfügungsmacht der Eigentümer über die Fahrzeuge noch er-
höht wurde. Auch bezüglich der Veruntreuungen fällt gleichermassen wie beim
gewerbsmässigen Betrug erschwerend in Betracht, dass der Beschuldigte
A._ für den Verkauf Fahrzeugpapiere verwendete, von welchen er wusste,
dass sie mittels falscher Angaben erschlichen waren.
Was diese als Mittäter zusammen mit B._ begangenen Veruntreuungen be-
trifft (Fahrzeugleasings) ist festzuhalten, dass die Tatbeiträge der beiden Be-
schuldigten in etwa gleichwertig waren, indem beide das Tatvorgehen miteinander
abgesprochen und die Tatausführung arbeitsteilig unter ihnen beiden aufgeteilt
hatten. Wo B._ den näheren Kontakt hatte, überzeugte er die Drittpersonen
zum Abschluss des jeweiligen Leasingvertrages (ND 3), ansonsten übernahm
dies A._ (ND 4 und 6) oder beide zusammen (ND 8). Bei der Umsetzung des
Planes, insbesondere der Vorbereitung der Leasingverträge und der Übernahme-
verträge bezüglich der Firmenkäufe, die Voraussetzung für weitere Autoverkäufe
waren, sowie der Abholung der Fahrzeuge und deren anschliessenden Verkaufs
(-versuchs) gingen die Beschuldigten jedoch ebenfalls etwa zu gleichen Teilen
gemeinsam vor, so dass ein gleichwertiger Tatbeitrag vorliegt, der in objektiver
Hinsicht als mittelschwer einzustufen ist.
Bei der Veruntreuung der Baumaschinen zum Nachteil der Firma E._ AG
(ND 5) handelte der Beschuldigte A._ ohne Mitwirkung von B._ (wovon
nur gestützt auf das Verschlechterungsverbot auszugehen ist), jedoch nicht weni-
ger geplant und durchtrieben. So fällt hinsichtlich der objektiven Tatschwere dies-
bezüglich deutlich erschwerend die minutiöse bis ins Detail ausgefeilte Planung
und das koordinierte Vorgehen mit diversen am Delikt Beteiligten ins Gewicht.
Das hinterhältige Tatvorgehen, indem der Beschuldigte A._ als B._ und
im Namen der Firma T._ GmbH nach aussen auftrat und die gar länderüber-
- 302 -
greifende Zusammenarbeit mit anderen Personen oder Organisationen, die ihm
dabei behilflich waren, die Baumaschinen mit inhaltlich falschen Zollpapieren ins
Ausland zu verbringen, wobei er selbst auch im Ausland vor Ort bei der Verschie-
bung resp. Lieferung mitwirkte, macht namentlich auch bezüglich des ähnlichen
Tatvorgehens in Bezug auf die Baumaschinen der H._ AG deutlich, wie
schwer das objektive Tatverschulden wiegt, war der Beschuldigte doch offensicht-
lich bereit, bei jeder sich bietenden Gelegenheit mit neuem Tatentschluss erneut
zu delinquieren. Sowohl die an den Tag gelegte kriminelle Energie als auch die
Gefährdung des von Art. 138 Ziff. 1 StGB geschützten Rechtsgutes erweist sich
dabei nachgerade als extrem hoch, missbrauchte der Beschuldigte doch das von
der Vermieterin der Baumaschinen in den Vertragspartner gesetzte Vertrauen in
die Rückgabe der grossen und teuren Maschinen, ohne welches eine funktionie-
rende reibungslose Zusammenarbeit namentlich auch auf dem Bau nicht möglich
wäre, zutiefst. Das objektive Verschulden des Beschuldigten A._ liegt im
mittleren Drittel des Strafrahmens und ist als mittelschwer zu qualifizieren.
4.2.3. In subjektiver Hinsicht fällt das besondere finanzielle Motiv speziell ins
Gewicht, denn der Beschuldigte beging diese Delikte als Mittel zum Zweck im
Rahmen des dahinter stehenden grossen Betrugskonstruktes zulasten der
CH._. Er bereicherte sich damit in erster Linie, um sich durch weiteres straf-
bares Handeln in noch grösserem Stil auf Kosten anderer zu bereichern. Er of-
fenbarte dadurch eine Geringschätzung der Vermögenswerte anderer und zudem
eine beispiellose Rücksichtslosigkeit, indem er die finanzielle Notlage von
AN._ nicht nur für den Verkauf der AA._ GmbH und den Abschluss des
Leasinggeschäfts ausnützte, sondern sie zudem noch derart unter Druck setzte,
dass sie trotz fehlenden finanziellen Möglichkeiten auch noch persönlich die Haf-
tung für die Verbindlichkeiten aus dem Leasingvertrag übernahm. Das subjektive
Verschulden vermag jedenfalls das objektive nicht zu relativieren.
4.2.4. Dass die Tat bezüglich der Veruntreuung des Mercedes ML 63 AMG
(ND 4) nicht zur Vollendung gelangte, sondern es beim vollendeten Versuch blieb,
kann sich grundsätzlich im Sinne einer fakultativen Reduktion der verschuldens-
angemessenen Strafe auswirken (Art. 22 Abs. 1 StGB i.V.m. Art. 48 Abs. 1 StGB;
- 303 -
BGE 137 IV 113 E. 1.4.2). Das Mass der zulässigen Strafreduktion beim vollende-
ten Versuch hängt unter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs
und den tatsächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion der Strafe wird mit an-
dern Worten umso geringer sein, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je
schwerwiegender die tatsächlichen Folgen der Tat waren (Wiprächtiger/Keller in:
Niggli/Wiprächtiger, BSK StGB I, a.a.O., Art. 48a N 24 mit Hinweisen; Mathys,
Leitfaden, a.a.O. N 217 f.). Vorliegend hat der Beschuldigte B._, dessen
Handeln dem Beschuldigten A._ zufolge der arbeitsteilig umgesetzten Tat-
planung vollumfänglich anzurechnen ist, die Tathandlung zu Ende geführt und al-
les von ihm aus Notwendige unternommen, um den Mercedes dem Verkaufsinte-
ressenten DD._ zu verkaufen. Dass es nicht dazu kam, entzog sich der Ein-
flussmöglichkeit des Beschuldigten vollständig, so dass sich unter diesem Aspekt
keine Strafreduktion aufdrängt. Allerdings weist die versuchte Tat eine grosse Dis-
tanz zum tatbestandsmässigen Erfolg auf, da das Fahrzeug dank dem Eingreifen
des Verkaufsinteressenten und Dritten dem Einflussbereich der Beschuldigten
entzogen werden konnte und dadurch der Vermögensschaden deutlich minimiert
wurde, da das Fahrzeug als Sicherheit der Leasinggeberin ungeschmälert erhal-
ten blieb und nur der Ausfall der Leasingraten zu Buche schlug. Eine Reduktion
der hypothetischen Einsatzstrafe für das vollendete Delikt ist daher trotzdem an-
gebracht, wobei zu berücksichtigen ist, dass sich diese Reduktion angesichts der
übrigen vollendeten Veruntreuungsdelikte nur marginal auswirken kann, so dass
das Verschulden für diese Taten insgesamt jedenfalls als mittelschwer einzustu-
fen ist.
4.2.5. Angesichts der Strafandrohung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
von Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe und dem mittelschweren
Verschulden ist die Einsatzstrafe für die mehrfache Veruntreuung asperierend um
2 Jahre zu erhöhen.
4.3. Urkundenfälschung (ND 12)
4.3.1. Zusätzlich zum gewerbsmässigen Betrug und den mehrfachen Verun-
treuungen machte sich der Beschuldigte A._ auch der Urkundenfälschung
schuldig. Die Urkundenfälschung steht in direktem Zusammenhang mit dem vom
- 304 -
Beschuldigten begangenen Betrug zum Nachteil der H._ AG. Der Beschul-
digte fälschte die beiden Faxschreiben vom 17. Juni 2009, um die Eigentümerin
über den Verbleib der Baumaschinen resp. über den von Anfang an fehlenden
Willen zur Rückgabe derselben zu täuschen und sie so hinzuhalten und zu ver-
meiden, dass rechtliche - auch strafrechtliche - Schritte unternommen würden.
Wie die Vorinstanz zutreffend erwägt, ging es offensichtlich darum, das Auffinden
der Baumaschinen zu erschweren und die bereits begangenen Taten zu decken.
Insofern wiegt das objektive Verschulden nicht allzu schwer, jedoch zeigt das
Verhalten des Beschuldigten einmal mehr seine mangelnde Achtung gegenüber
der Rechtsordnung und Einiges an krimineller Energie ist dem Beschuldigten da-
her auch hier anzulasten.
4.3.2. In subjektiver Hinsicht stehen ausnahmslos egoistische Beweggründe
im Vordergrund. Allerdings kann dem Beschuldigten wenigstens ganz leicht zu
Gute gehalten werden, dass die Tat (sc. nur die Fälschung der Faxschreiben)
nicht von langer Hand geplant war, sondern vielmehr spontan aufgrund des Drän-
gens seitens von AH._ resp. der Baumaschinenvermieterin erfolgte, aber
immerhin in allererster Linie, um nicht resp. erst später entdeckt zu werden. Es
bleibt insgesamt bei einem noch leichten Tatverschulden.
4.3.3. Aufgrund des engen Zusammenhanges mit dem Vermögensdelikt wirkt
sich die singuläre Urkundenfälschung lediglich leicht straferhöhend aus, so dass
unter Beachtung des Asperationsprinzips und angesichts des Strafrahmens von
Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe eine Erhöhung der Einsatzstrafe
um 2 Monate Freiheitsstrafe angemessen erscheint.
4.4. Anstiftung zum mehrfachen Erschleichen eines Ausweises (ND 4, 6, 7, 8
und 11), Geldwäscherei (ND 13) und Sachbeschädigung (ND 19)
4.4.1. Diesen drei vom Beschuldigten verwirklichten Tatbeständen ist die
gleiche Strafandrohung von Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
gemeinsam. Das gilt gemäss Art. 24 Abs. 1 StGB auch für die Anstiftung zum Er-
schleichen eines Ausweises, denn wer vorsätzlich jemanden zu dem von diesem
verübten Verbrechen oder Vergehen bestimmt, wird nach der Strafandrohung be-
- 305 -
straft, die auf den Täter Anwendung findet. Es rechtfertigt sich somit, die Strafer-
höhung der Einsatzstrafe für diese Delikte gesamthaft vorzunehmen, zumal sie im
Vergleich zu den schwer wiegenden Vermögensdelikten viel weniger Bedeutung
haben, da ihnen sozusagen der Charakter von Begleitdelikten zukommt.
4.4.2. Dabei sticht die Anstiftung zum mehrfachen Erschleichen eines Aus-
weises ins Auge, ist diesbezüglich doch die mehrfache Tatbegehung zu berück-
sichtigen. Dies wird allerdings durch das grundsätzlich immer gleichartige Vorge-
hen deutlich relativiert. Das objektive Tatverschulden wiegt dennoch nicht ganz
leicht, wurden doch die Fahrzeugausweise nicht mittels irgendeiner gefälschten
Urkunde oder falscher Angaben, sondern mittels gefälschter amtlicher Lö-
schungsformulare erschlichen, welchen im Rechtsverkehr von Seiten der Behör-
den ein grundsätzlich hohes Vertrauen als Beweismittel entgegengebracht wird.
Damit ist diesen SVG-Delikten durchaus mehr als nur Bagatellcharakter beizu-
messen, denn der Beschuldigte verletzte damit das geschützte Rechtsgut emp-
findlich. Verschuldensmindernde Umstände sind nicht ersichtlich. Der Beschuldig-
te war getrieben von seiner Bereicherungsabsicht, die er mittels Betrugs- resp.
Veruntreuungshandlungen befriedigen wollte. Dem Strassenverkehrsamt quasi
ein Mitverschulden anzulasten, wie es die Vorinstanz tat (Urk. 159 S. 301), geht
zu weit, schliesslich wurden die Urkundenfälschungen der amtlichen Formulare
von Personen vorgenommen, die über sämtliche relevanten Angaben verfügten
und im Besitz des originalen Fahrzeugausweises waren, so dass das Strassen-
verkehrsamt keine Anhaltspunkte hatte, den vorgelegten Dokumenten nicht zu
vertrauen. Hinsichtlich ND 4 ist angesichts der gemeinschaftlichen Planung und
deren arbeitsteiligen Umsetzung der Tatbeitrag beider Beschuldigter als gleich-
wertig zu beurteilen.
4.4.3. Betreffend die Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB ist in
objektiver Hinsicht zu berücksichtigen, dass vorliegend ohne Zweifel der Tatbe-
stand erfüllt wurde, sich jedoch die kriminologisch typische Geldwäscherei da-
durch auszeichnet, dass die schmutzigen Vermögenswerte von Verbrecherorga-
nisationen stammen und durch systematischen Einsatz der Finanzmarktinstru-
mente dem Zugriff der Strafverfolgungsbehörden entzogen werden (Trechsel/Af-
- 306 -
folter-Eijsten in: Praxkomm. StGB, a.a.O., N 3 zu Art. 305bis). Die vorliegend vom
Beschuldigten A._ zusammen mit W._ (siehe Urk. 67/17) vollendete
Tathandlung steht nicht im Zusammenhang mit dem internationalen organisierten
Verbrechen und auch nicht mit Drogenhandel oder Ähnlichem. Sein Tatbeitrag er-
schöpfte sich im Begeben von Bargeld, um die illegale Herkunft zu verschleiern.
Das Tatvorgehen war weder besonders raffiniert, noch bediente sich der Be-
schuldigte besonderer Konstrukte, um den Tatbestand zu erfüllen. Auch ange-
sichts des im Vergleich zu den typischen Geldwäschereidelikten eher geringen
Betrages von Fr. 80'000.– ist das objektive Tatverschulden als noch leicht zu qua-
lifizieren. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist auch hier einzig ein egoisti-
sches Motiv ersichtlich, wollte der Beschuldigte A._ doch mit W._, deren
Ehemann und Q._ in BB._ noch einmal einen gleichen Hypothekarkre-
ditbetrug begehen wie zuvor in CA._, wofür ebenfalls Eigenmittel zu beschaf-
fen waren, die legal nicht vorhanden waren. Das ist zulasten des Beschuldigten
zu würdigen. Dennoch bleibt das Verschulden angesichts des geschützten
Rechtsgutes insgesamt noch leicht.
4.4.4. Mit der Vorinstanz ist der durch die Sachbeschädigung bewirkte Scha-
den vergleichsweise gering und steht ebenfalls in unmittelbarem Zusammenhang
mit dem Versicherungsbetrug. Auch hier war das Herbeiführen der Kollision mit
der Folge des Sachschadens Mittel zum Zweck des Vermögensdelikts und hat
verschuldensmässig keine eigenständige Bedeutung, so dass die Sachbeschädi-
gung nur leicht straferhöhend zu berücksichtigen ist.
4.4.5. Die hypothetische Einsatzstrafe ist für diese Delikte gesamthaft und un-
ter Beachtung des Asperationsprinzips um fünf Monate Freiheitsstrafe zu erhö-
hen, wobei je zwei Monate auf die Anstiftung zum Erschleichen eines Ausweises
und die Geldwäscherei entfallen und für die Sachbeschädigung ein weiterer Mo-
nat einzusetzen ist.
4.5. Zwischenfazit
Die Gesamtwürdigung aller genannten Delikte ergibt als Zwischenresultat eine
Erhöhung der Einsatzstrafe (1 Jahr Freiheitsstrafe) um 6 Jahre und 7 Monate, so
- 307 -
dass sich die hypothetische Gesamtstrafe gestützt auf das Tatverschulden auf
7 Jahre und 7 Monate Freiheitsstrafe bemisst. Da das Asperationsprinzip bereits
bei allen zur Erhöhung der Einsatzstrafe führenden Delikten beachtet wurde und
sich die Deliktsmehrheit deutlich straferhöhend bzw. strafschärfend auswirkt (vgl.
Urteil des Bundesgerichts 6B_865/2009 vom 25. März 2010, Erw. 1.2.2), er-
scheint aufgrund der gesamten Tatschwere - und vor Berücksichtigung der tat-
fremden Strafzumessungsgründe - eine hypothetische Gesamtstrafe im Bereich
von rund 8 Jahren Freiheitsstrafe als angemessen.
5. Täterkomponenten
5.1. Die Vorinstanz hat sich zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen
des Beschuldigten eingehend geäussert (Urk. 159 S. 297 f.). Darauf kann, um
Wiederholungen zu vermeiden, vollumfänglich verwiesen werden. Anlässlich der
Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte erst noch aus, er sei angestellt
und verdiene monatlich Fr. 4'500.–, korrigierte dies jedoch, nachdem seitens des
Gerichts nochmals nachgefragt wurde, und sagte dann, er sei seit Mai 2016 ar-
beitslos und erziele lediglich ab und zu einen Zwischenverdienst. Er werde von
der Arbeitslosenkasse unterstützt und habe zudem Schulden in der Höhe von
Fr. 135'000.–. Neue Strafverfahren gegen ihn würden keine laufen und das am
18. November 2016 gefällte Urteil des Obergerichts des Kantons Aargau, mit wel-
chem er zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt wurde, sei noch beim
Bundesgericht hängig (Prot. II S. 8 ff.).
5.2. Zu Recht erkannte die Vorinstanz, dass weder die persönlichen Verhältnisse
des Beschuldigten, noch sein Vorleben oder seine Vorstrafenlosigkeit einen Ein-
fluss auf die Strafzumessung haben. Aufgrund der Verharmlosung seines Tatbei-
trags kann weder auf Reue noch auf uneingeschränkte Einsicht in das begangene
Unrecht geschlossen werden. Das späte teilweise Geständnis anlässlich der
vorinstanzlichen Hauptverhandlung hat die Vorinstanz zu Recht nicht strafmin-
dernd berücksichtigt (Urk. 159 S. 298), da es weder zur Vereinfachung und Ver-
kürzung des Verfahrens, noch zur Tataufdeckung wesentlich beitrug (siehe dazu
BGE 121 IV 202 E. 2d/cc und Urteil des Bundesgerichts 6B_759/2014 vom
24. November 2014 E. 3.2). Da auch das Nachtatverhalten neutral zu werten ist,
- 308 -
bleiben die Täterkomponenten somit insgesamt ohne Einfluss auf die hypotheti-
sche Gesamtstrafe.
6. Verletzung des Beschleunigungsgebotes
6.1. Der Beschuldigte machte unter Verweis auf die Ausführungen des Verteidi-
gers von B._ geltend, das Verfahren habe wegen des Gerichtsstandsstreits
zwischen den Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich und des Kantons
Aargau sehr lange gedauert, was strafmindernd zu berücksichtigen sei (Urk. 133
S. 43 und Prot. I S. 83).
6.2. Die Vorinstanz erwog, dass bei der Anzahl angeklagter Delikte mit zahlrei-
chen Beteiligten und des Umfangs der Akten von mehreren Dutzend Bundesord-
nern nicht von einer übermässig langen Verfahrensdauer gesprochen werden
könne, seien doch seit der Verhaftung bis zum erstinstanzlichen Urteil nur rund
4 1⁄2 Jahre vergangen. Dennoch reduzierte die Vorinstanz die hypothetische Ge-
samtstrafe um acht Monate, weil es zwei Gerichtsstandskonflikte zwischen den
Kantonen Zürich und Aargau gegeben habe und weil seit dem Eingang der An-
klageschrift vor Vorinstanz am 31. Oktober 2013 noch einmal fast 1 1⁄2 Jahre ver-
strichen seien bis das Urteil gefällt worden sei (Urk. 159 S. 303).
6.3. Das Beschleunigungsgebot (Art. 5 StPO, Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1
EMRK und Art. 14 Ziff. 3 lit. c UNO-Pakt II [SR 0.103.2]) verpflichtet die Behörden,
das Strafverfahren voranzutreiben, um den Beschuldigten nicht unnötig über die
gegen ihn erhobenen Vorwürfe im Ungewissen zu lassen. Es gilt für das ganze
Verfahren. Welche Verfahrensdauer angemessen ist, hängt von den konkreten
Umständen ab, die in ihrer Gesamtheit zu würdigen sind. Kriterien hierfür bilden
etwa die Schwere des Tatvorwurfs, die Komplexität des Sachverhalts, die da-
durch gebotenen Untersuchungshandlungen, das Verhalten der beschuldigten
Person und dasjenige der Behörden (z.B. unnötige Massnahmen oder Liegenlas-
sen des Falles) sowie die Zumutbarkeit für die beschuldigte Person. Von den Be-
hörden und Gerichten kann nicht verlangt werden, dass sie sich ständig einem
einzigen Fall widmen. Zeiten, in denen das Verfahren stillsteht, sind unumgäng-
lich. Wirkt keiner dieser Zeitabschnitte stossend, ist eine Gesamtbetrachtung vor-
- 309 -
zunehmen (BGE 133 IV 158 E. 8; Urteile des Bundesgerichtes 6B_42/2016 vom
26. Mai 2016 E. 5.4 und 6B_397/2014 vom 28. August 2014, Erw. 3.3., je mit
Hinweisen; Mathys, Leitfaden, a.a.O., N 270 - 272).
6.4.1. Die Anklagen gegen die vorliegend Beschuldigten sowie gegen
W._ (abgekürztes Verfahren) gingen am 31. Oktober 2013 bei der Vorinstanz
als getrennte Verfahren ein (Urk. 61/8, 62/9, 63/9 und 67). Die Akten umfassen 45
Bundesordner und drei grosse Aktentheks und Gegenstand des Verfahrens ge-
gen den Beschuldigten A._ waren 10 Anklagepunkte mit (teilweise) ver-
schiedenen Mitbeschuldigten, jeweils anderen Tatvorgehen und diversen verwirk-
lichten Tatbeständen (Urk. 61/8). Am 27. Juni 2014 wurden die Verfahren gegen
A._ und B._ vereinigt und diese am 28. Oktober 2014 auch mit dem
Verfahren gegen C._, woraufhin am 30. Oktober 2014 zur Hauptverhandlung
auf den 12. und 13. März 2015 vorgeladen wurde (Urk. 96-100). Das vorinstanzli-
che Urteil vom 27. März 2015 wurde den Parteien gleichentags mündlich eröffnet
und die Zustellung des begründeten Urteils mit einem Umfang von 338 Seiten
folgte bereits am 9. bis 15. Juli 2015. Dass bei diesem Aktenumfang und der Ko-
ordination mehrerer parallel zu behandelnder Verfahren knapp acht Monate bis
zur Aufnahme der ersten prozessualen Anordnungen durch die Vorinstanz ver-
strichen, vermag angesichts der beförderlichen Erledigung und der raschen Aus-
fertigung des begründeten Entscheides jedenfalls nicht das Beschleunigungsge-
bot zu verletzen, erforderten doch auch die notwenigen erstinstanzlichen prozess-
leitenden Handlungen, dass sich die Verfahrensleitung davor einen einigermas-
sen genauen Überblick über die gesamten Akten verschaffte.
6.4.2. Es trifft zu, dass die Staatsanwaltschaft See / Oberland vorliegend am
9. Oktober 2009 und damit schon sehr früh im Ermittlungsverfahren, als die Be-
schuldigten A._, B._ und W._ noch in Untersuchungshaft sassen,
ein Gerichtsstandsverfahren einleitete mit dem Antrag um Übernahme durch die
Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau (Urk. 44/1). Dabei wurde aber gleichzei-
tig das Ermittlungsverfahren ohne Verzug fortgesetzt, was sich schon alleine aus
den diversen Einvernahmen der Beschuldigten, Zeugen und Auskunftspersonen
ergibt. Nach Ablehnung der Übernahme durch die Aargauer Behörden übernahm
- 310 -
die Staatsanwaltschaft See / Oberland das Verfahren am 14. Juni 2010 bis zum
Abschluss des polizeilichen Ermittlungsverfahrens unter dem Vorbehalt, dass erst
danach ein endgültiger Entscheid möglich sei (Urk. 44/8). Die Staatsanwaltschaft
See / Oberland initiierte am 29. September 2011 offensichtlich nach Abschluss
des polizeilichen Ermittlungsverfahrens das Gerichtsstandsverfahren erneut mit
einem Übernahmeersuchen an die Staatsanwaltschaft Baden infolge der dort ge-
gen den Beschuldigten A._ geführten Strafuntersuchung wegen Anstiftung
zu versuchter Tötung etc. und qualifizierten Raubes (Urk. 44/9, 44/10/2). Infolge
Ablehnung der Übernahme durch den Kanton Aargau am 2. Februar 2012 wurde
das Übernahmegesuch ans Bundesstrafgericht weitergezogen (Urk. 44/14), wel-
ches darüber endgültig am 20. März 2012 entschied (Urk. 44/17). Im Hinblick auf
die Verfahrenserledigung wurden sodann die umfangreichen Akten zwischen
Herbst 2012 und März 2013 den verschiedenen Verteidigern zugestellt
(Urk. 27/37; Urk. 28/24; Urk. 29/26; Urk. 30/15; Urk. 31/3; Urk. 33/10). Daraufhin
wurden die Verfahren gegen AH._, AC._, Q._ und AF._ zwi-
schen dem 15. November 2012 und dem 4. September 2013 mittels Strafbefehl
oder Einstellungsverfügung abgeschlossen (Urk. 57-60 und Beizugsakten Staats-
anwaltschaft See / Oberland C-3/2011/783), nachdem im Frühling und Herbst
2013 noch die letzten staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen stattgefunden hat-
ten. Die Untersuchungsbehörden waren somit keineswegs untätig geblieben. Das
Gerichtsstandsverfahren wurde denn auch durch das neue Strafverfahren gegen
A._, der äusserst schwerwiegender Delikte angeklagt wurde, die er am
23. Juni 2011 begangen haben sollte (Urk. 44/10/4), massgeblich beeinflusst,
resp. wurde durch dessen erneute Delinquenz nötig. Dass die Staatsanwaltschaft
See / Oberland resp. die Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich angesichts
dieser neuen und schweren Tatvorwürfe in Anbetracht der umfangreichen, kom-
plexen und zusammenhängenden Delikte gegen mehrere Täter, die in verschie-
dener Zusammensetzung teilweise als Mittäter vorgegangen waren, den Ent-
scheid dem Bundesstrafgericht unterbreitete, kann ihr nicht zum Vorwurf gemacht
werden, zumal sie das polizeiliche Ermittlungsverfahren bei der gegebenen kom-
plexen Sachlage sehr schnell abschloss und das Untersuchungsverfahren wegen
des Gerichtsstandsverfahrens lediglich während weniger Monate ruhte, die ange-
- 311 -
sichts des umfangreichen Ermittlungs- und Untersuchungsverfahrens jedenfalls
nicht ins Gewicht fallen. Auch wenn entgegen der Vorinstanz zwischen der Ver-
haftung anfangs September 2009 bis zum Vorliegen des erstinstanzlichen Urteils
am 27. März 2015 nicht viereinhalb sondern fünfeinhalb Jahre verstrichen sind, ist
das angesichts der konkreten Umstände nicht als übermässig lang zu beurteilen,
zumal das erneute Übernahmegesuch vom September 2011 gerade auch auf das
Verhalten des Beschuldigten selbst zurückzuführen war. Die gesamte Verfah-
rensdauer war demnach dem Beschuldigten trotz der wenigen Monate, welche bis
zum Entscheid des Bundesstrafgerichts verstrichen, noch zumutbar. Allerdings
konnte der Fall infolge Auslastung der hiesigen Kammer nicht bereits Anfang Sep-
tember 2015, sondern erst Ende Februar 2016 von der Referentin an die Hand
genommen werden. Das hat der Beschuldigte nicht zu vertreten. Insgesamt recht-
fertigt sich eine Strafminderung von einem Jahr.
7. Fazit Gesamtfreiheitsstrafe
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erscheint die Bestrafung des Beschul-
digten mit einer Gesamtstrafe in der Höhe von 7 Jahren Freiheitsstrafe als seinem
Verschulden und seinen persönlichen Verhältnissen angemessen. Infolge des
vorliegend zu beachtenden Prinzips des Verschlechterungsverbotes nach Art. 391
Abs. 2 StPO hat es allerdings bei der von der Vorinstanz festgesetzten Freiheits-
strafe von 4 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe zu bleiben.
8. Anrechnung der erstandenen Haft
Dem Beschuldigten A._ ist in Anwendung von Art. 51 StGB die von ihm im
vorliegenden Verfahren erstandene Haft von 303 Tagen an die ausgefällte Strafe
anzurechnen.
9. Vollzug
In Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 159 S. 319) ist durch die Ausfällung
einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Jahren die objektive Voraussetzung für die
Anordnung eines bedingten oder teilbedingten Strafvollzuges gemäss Art. 42
Abs. 1 und Art. 43 Abs. 1 StGB nicht erfüllt. Die festgesetzte Freiheitsstrafe von
4 1⁄2 Jahren ist daher zu vollziehen.
- 312 -
C. Beschuldigter B._
1. Strafrahmen Gesamtstrafe
Infolge der Tatmehrheit und der mehrfachen Begehung der zu beurteilenden
Delikte ist auch für den Beschuldigten B._ nach den Grundsätzen von Art. 49
Abs. 1 StGB eine hypothetische Gesamtstrafe zu bilden. Es ist mit der Vorinstanz
als Ausgangspunkt dafür vom gewerbsmässigen Betrug im Sinne von Art. 146
Abs. 1 und 2 StGB als dem Delikt mit der schwersten abstrakten Strafandrohung,
die von einer Geldstrafe nicht unter 90 Tagen bis zu einer Freiheitsstrafe von 10
Jahren reicht, auszugehen (Urk. 159 S. 303 f.).
2. Strafart
2.1. Die Vorinstanz sprach gedanklich für die im Zusammenhang mit den Vermö-
gensdelikten erfüllten Tatbestände eine Freiheitsstrafe aus (Urk. 159 S. 303 -
307), kam hingegen betreffend die SVG-Delikte des Fahrens in fahrunfähigem
Zustand und Fahrens trotz Entzugs des Führerausweises zum Schluss, sie hätte
dafür lediglich eine Geldstrafe ausgefällt, wäre der Beschuldigte B._ nicht
wegen weiterer Delikte angeklagt und erachtete eine Geldstrafe von 150 Tages-
sätzen aufgrund des Verschuldens und in Anwendung des Asperationsprinzips
als angemessen (Urk. 159 S. 309).
2.2. Bezüglich der Erwägungen zur Geldstrafe kann der Vorinstanz indes nicht
gefolgt werden. Sowohl das Fahren in fahrunfähigem Zustand im Sinne von
Art. 91 Abs. 2 aSVG (in der ab 1. Januar 2005 gültigen Fassung) in Verbindung
mit Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2 Abs. 1 VRV (ND 1) als auch das Fahren trotz
Entzug des Führerausweises im Sinne von Art. 95 Ziff. 2 aSVG (in der ab 1. Ja-
nuar 2005 gültigen Fassung) wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder
Geldstrafe bedroht, namentlich auch weil durch deren Verletzung eine ernstliche
Gefahr für die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer droht. Es handelt sich
mithin nicht um Bagatelldelikte im Strassenverkehr. Wie die Vorinstanz selbst
auch anführt, war der Beschuldigte B._ im Tatzeitpunkt dieser Delikte zwei-
fach einschlägig vorbestraft und beging die zu beurteilenden Delikte innerhalb der
vierjährigen Probezeit für die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See / Ober-
- 313 -
land vom 18. August 2006 bedingt ausgesprochene Gefängnisstrafe von
30 Tagen wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln (Urk. 159 S. 308 und 309;
Urk. 110 und 180). Die Vorstrafen haben offensichtlich keinerlei Wirkung gezeigt,
so dass aufgrund der wiederholten Delinquenz innerhalb der Probezeit und wäh-
rend laufendem neuem Strafverfahren aufgrund des Vorfalls vom 4. Dezember
2008 (ND 1) sowie des Schweregrades der vorliegend zu beurteilenden Taten
nicht mehr eine Geldstrafe, sondern nur noch eine Freiheitsstrafe als angemes-
sene und zweckmässige Sanktion in Frage kommt.
2.3. Das Verbot der reformatio in peius steht hier allerdings einer einheitlichen
verschuldensangemessenen Bestrafung des Beschuldigten B._ mit einer
Freiheitsstrafe entgegen, da nur dieser und nicht (auch) die Staatsanwaltschaft
Berufung erhob. Die alleinige Ausfällung einer Freiheitsstrafe würde eine Ände-
rung im vorinstanzlichen Dispositiv zulasten des Beschuldigten B._ bewirken,
die nicht zulässig ist. Darauf ist bei der konkret vorzunehmenden Strafzumessung
Rücksicht zu nehmen.
3. Hypothetische Einsatzstrafe
3.1. In objektiver Hinsicht fällt innerhalb des qualifizierten Tatbestands des ge-
werbsmässigen Betruges - auch bei Berücksichtigung des Doppelverwertungs-
verbotes (siehe hierzu oben 4. Teil B. 4.1.1.) - der hohe sechsstellige Deliktsbe-
trag auf, der in nur rund einem halben Jahr in ca. einem Dutzend Einzelakten
(Bargeldabhebungen und zwei Fahrzeugverkäufe) anfiel (siehe oben 3. Teil J.
4.2.). Die Verletzung des geschützten Rechtsguts ist damit insgesamt als nicht
mehr leicht zu bezeichnen. Verschuldenserschwerend muss dem Beschuldigten
innerhalb des qualifizierten Tatbestands des gewerbsmässigen Betrugs zusätzlich
zur Last gelegt werden, dass auch er - gleich wie der Beschuldigte A._ - ge-
fälschte Dokumente für die Betrügereien einsetzte, fiktive Handwerkerrechnungen
erstellte und inhaltlich falsche Leistungsabrechnungsformulare verwendete und
teilweise auch Drittpersonen für seine Zwecke einspannte, welche er bezüglich
der wahren Absichten belog. Dadurch manifestiert sich eine erhebliche kriminelle
Energie, fasste er doch bezüglich der Leasingdelikte in jedem Einzelfall separat
wieder den Entschluss, auf die gleiche Art und Weise zu Geld zu kommen, was
- 314 -
auf die verschiedenen fiktiven Handwerkerrechnungen und der dadurch ermög-
lichten Bargeldbezüge gleichermassen zutrifft. Es wäre ihm daher grundsätzlich
möglich gewesen, weiteres Delinquieren zu vermeiden, was er aber unterliess.
Auch betreffend den Hypothekarkreditbetrug übernahm B._ in Bezug auf das
Verhalten zur Bank und zu seinen Familienangehörigen, inklusive seiner Ehefrau,
eine in vielerlei Hinsicht wichtige Funktion. Als Mittel zum Zweck des Baukreditbe-
truges war es entscheidend, dass er seine in geschäftlichen Dingen unerfahrene
Ehefrau dazu überreden konnte, die T._ GmbH als formelle einzelzeich-
nungsberechtigte Geschäftsführerin zu übernehmen, so dass er als ihr Stellvertre-
ter für eine unauffällige, bisher nicht in Erscheinung getretene, prinzipiell glaub-
würdige GmbH handeln konnte, was namentlich im Hinblick auf das Auftreten der
T._ GmbH als Generalunternehmerin gegenüber der Bank und für die fikti-
ven Handwerkerrechnungen eine wesentliche Grundlage für die Umsetzung des
Betrugsplanes war. Zudem ermöglichte dies A._ unter dem Deckmantel der
GmbH zu handeln und konnte er so vermeiden, mit seinem eigenen Namen auf-
zutreten. Das alles wusste, tolerierte und deckte B._, weshalb diese ganzen
Machenschaften auch innerhalb des qualifizierten Tatbestandes des gewerbs-
mässigen Betruges hinsichtlich der objektiven Tatschwere zulasten des Beschul-
digten B._ berücksichtigt werden müssen.
Hinsichtlich der in Mittäterschaft mit A._ begangenen Betrugsdelikte (ND 7,
11 und 13) wirkt sich leicht strafmindernd zugunsten des Beschuldigten B._
aus, dass es der Beschuldigte A._ war, der den Anstoss zu den Betrugs-
handlungen gab und vorschlug, er könne seine Schulden bei ihm mittels des Hy-
pothekarkredits tilgen (oder zumindest reduzieren) und die dafür benötigten Ei-
genmittel via des Verkaufs geleaster Fahrzeuge erhältlich machen. Nicht zuzu-
stimmen ist der Vorinstanz jedoch bezüglich der Gewichtung der Tatbeiträge, wie
dies bei der Strafzumessung für A._ bereits erwähnt wurde. Wenn auch
A._ der Initiant des Vorgehens war, planten doch beide Beschuldigten zu-
sammen das konkrete Vorgehen und setzten es in arbeitsteiliger Weise auch um,
wobei dem Beschuldigten B._ hinsichtlich des Einbezugs seiner Ehefrau (als
formelle Geschäftsführerin der T._ GmbH) und seiner Familienangehörigen
(AD._ und AC._) sowie deren Vertretung gegenüber der Bank und der
- 315 -
Autogarage AP._ eine zentrale Rolle zukam. Es kann insofern der Vorinstanz
nicht gefolgt werden, wenn sie erwägt, der Beschuldigte B._ sei nicht die
treibende Kraft gewesen oder habe nicht die führende Rolle inne gehabt (Urk. 159
S. 304). Einzuräumen bleibt indessen, dass der Beschuldigte B._ nicht das
geschäftliche Fachwissen für die Erstellung und Finanzierung eines Einfamilien-
hauses hatte und er alleine ein solches Betrugskonstrukt wohl nicht hätte realisie-
ren können. Diesbezüglich kam dem Beschuldigten A._ im Vergleich mit dem
Beschuldigten B._ doch eine übergeordnete Rolle zu, was sich auch darin
zeigt, dass er für die Erarbeitung der schriftlichen Verträge und die Verhandlun-
gen nach aussen sowie den Kauf der Liegenschaft CA._ verantwortlich war.
Ebenfalls muss der Tatbeitrag von A._ bezüglich der Leasingbetrüge als in-
soweit unverzichtbar und leicht höher eingestuft werden als derjenige von
B._, weil es A._ war, der die Verbindungen zu den Autoverkäufern und
der Drittperson hatte, welche die Fahrzeugausweise der geleasten Autos ohne
den Code 178 erschlich, ohne welche der Verkauf der geleasten Fahrzeuge we-
sentlich schwieriger gewesen wäre.
Das objektive Verschulden von B._ ist im mittleren Drittel des Strafrahmens
anzusiedeln und wiegt vor allem deshalb weniger schwer als dasjenige von
A._, weil dieser mit dem Baumaschinen- und dem Versicherungsbetrug noch
weitere und ebenfalls schwerwiegende Tathandlungen beging.
3.2. In subjektiver Hinsicht fällt ins Gewicht, dass der Beschuldigte mit direktem
Vorsatz handelte. Als Tatmotiv kommt einzig die Erlangung finanzieller Vorteile in
Betracht und somit das Handeln des Beschuldigten aus rein egoistischen Beweg-
gründen, namentlich ohne eigene Arbeitsleistung seine Schulden zu reduzieren
und seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Dabei wäre es ihm ohne weiteres
möglich gewesen, mittels bezahlter Arbeit ein Erwerbseinkommen zu erzielen.
Deutlich erschwerend ist seine an den Tag gelegte Rücksichtslosigkeit zu veran-
schlagen und der Missbrauch des Vertrauens, das ihm von Seiten seiner Ehefrau,
seines Bruders und seiner Schwägerin entgegen gebracht wurde. So brachte der
Beschuldigte im Wissen um die fehlenden finanziellen Möglichkeiten von
AD._ und AC._ diese dazu, den Grundstückkaufvertrag, den Werkver-
- 316 -
trag und den Hypothekarkreditvertrag zu unterzeichnen und damit die aus diesen
Verträgen fliessenden Verpflichtungen und Verbindlichkeiten mit ihm zusammen
zu übernehmen. Er setzte sie damit nicht nur einer allfälligen strafbaren Teilnah-
me, sondern auch einem erheblichen finanziellen Risiko aus, das ihnen in keiner
Art und Weise bekannt war, da er sie über die effektiven Ziele und der damit ein-
hergehenden Gefährdung ihres eigenen Vermögens, die zumindest in der Ver-
mehrung ihrer Schulden lag, im Unklaren liess. Dass der Beschuldigte B._
Schulden gegenüber A._ hatte, vermag das objektive Tatverschulden nicht
zu relativieren. Im Gegenteil fällt das egoistische Motiv und die beispiellose Rück-
sichtslosigkeit gegenüber seinen Familienangehörigen verschuldenserschwerend
in Betracht und wird das objektive Tatverschulden durch die subjektiven Faktoren
gar erhöht.
3.3. Entsprechend erweist sich das von der Vorinstanz als leicht qualifizierte
Verschulden als unangemessen mild und die festgesetzte Einsatzstrafe von
dreissig Monaten angesichts des anwendbaren Strafrahmens als zu tief. Mit Blick
auf diesen rechtfertigt es sich vorliegend, die hypothetische Einsatzstrafe ent-
sprechend des keineswegs leichten Verschuldens auf 3 1⁄2 Jahre Freiheitsstrafe
festzusetzen.
4. Hypothetische Gesamtstrafe unter Berücksichtigung der übrigen Delikte
4.1. Mehrfache Veruntreuung (ND 3, 6, und 8), teilweise versucht (ND 4)
4.1.1. Auch hier ist bezüglich der versuchten Veruntreuung das Tatverschul-
den zunächst hypothetisch für das vollendete Delikt zu ermitteln und erst hernach
der Umfang der Reduktion der Strafe wegen des vollendeten Versuchs im Sinne
von Art. 22 Abs. 1 StGB zu bestimmen.
4.1.2. Zur objektiven Tatschwere ist zunächst auf die mehrfache Tatbege-
hung hinzuweisen, die sich verschuldenserhöhend auswirkt. Innerhalb von nur
sechs Monaten wurde ein stattlicher Deliktsbetrag von rund Fr. 341'967.–
(Fr. 69'746.– [ND 3], Fr. 98'240.– [ND 4], Fr. 98'841.– [ND 6], Fr. 75'140.– [ND 8])
erreicht, was bezüglich der objektiven Tatschwere ins Auge sticht. Alleine aus
dieser Aufzählung ergibt sich ein beachtliches Mass an krimineller Energie des
- 317 -
Beschuldigten B._. Dabei ging auch er durchaus raffiniert vor, indem er - zu-
sammen mit A._ - Drittpersonen (seine Ehefrau C._ [ND 3], W._
[ND 4 und 6] und AN._ [ND 8]) in seine Tatplanung und -ausführung einbe-
zog, die auf seine Intervention hin, nichtsahnend hinsichtlich des effektiv von
ihnen angestrebten Ziels und ohne das notwendige Knowhow Firmen kauften und
in deren Namen Leasinggeschäfte über Fahrzeuge abwickelten, welche der Be-
schuldigte A._ zuvor ausgesucht hatte und die dieser dann zusammen mit
B._ verkaufte, resp. verkaufen wollte. Der Beschuldigte B._ liess
dadurch vordergründig andere für seine Ziele und seine persönliche Bereicherung
haften und missbrauchte das in ihn gesetzte Vertrauen seitens seiner Ehefrau,
aber auch von AN._ schwer. Zudem handelte er zusammen mit A._ im
Team und gemäss ihrem abgesprochenen planmässigen und arbeitsteiligen Vor-
gehen, was sich erschwerend auf das Tatverschulden auswirkt, da dadurch die
Gefährdung des Vermögens und der Verfügungsmacht der Eigentümer über die
Fahrzeuge noch erhöht wurde, da ihnen aufgrund der vorgeblichen Gründe für
den Abschluss der Leasingverträge die Dimension der Taten nicht einsichtig war.
Bezüglich der versuchten Veruntreuung (ND 4) fällt zudem verschuldenserschwe-
rend in Betracht, dass der Beschuldigte B._ für den Verkaufsversuch den
Fahrzeugausweis des Mercedes ML 63 AMG verwendete, von welchem er wuss-
te, dass er mittels falscher Angaben erschlichen worden war.
Was diese in Mittäterschaft zusammen mit A._ begangenen Veruntreuungen
betrifft, ist festzuhalten, dass die Tatbeiträge der beiden Beschuldigten in etwa
gleichwertig waren, indem beide das Tatvorgehen miteinander abgesprochen und
die Tatausführung arbeitsteilig unter ihnen beiden aufgeteilt hatten. Wo B._
den näheren Kontakt hatte, überzeugte er die Drittpersonen zum Abschluss des
jeweiligen Leasingvertrages (ND 3), ansonsten übernahm dies A._ (ND 4
und 6) oder beide zusammen (ND 8). Bei der Umsetzung des Planes, insbeson-
dere der Vorbereitung der Leasingverträge und der Übernahmeverträge bezüglich
der Firmenkäufe, die Voraussetzung für weitere Autoverkäufe waren, sowie der
Abholung der Fahrzeuge und deren anschliessenden Verkauf gingen die Be-
schuldigten jedoch ebenfalls etwa zu gleichen Teilen gemeinsam vor, so dass ein
- 318 -
gleichwertiger Tatbeitrag vorliegt. Die objektive Tatschwere ist jedenfalls als kei-
neswegs mehr leicht einzustufen.
4.1.3. In subjektiver Hinsicht fällt bezüglich des finanziellen Motivs zulasten
des Beschuldigten ins Gewicht, dass er für die Begehung des Hypothekarkredit-
betruges bereit war, die Leasingdelikte zusätzlich zu begehen, um damit das er-
forderliche Bargeld zu beschaffen, mit welchem er sich im Rahmen des Baukre-
ditbetrugs noch weit mehr bereichern wollte. Dabei ging er namentlich gegenüber
AN._ besonders rücksichtslos und durchtrieben vor, nützte er deren finanzi-
elle Notlage nicht nur für den Verkauf der AA._ GmbH und den Abschluss
des Leasinggeschäfts aus, sondern schob er wissentlich effektiv nicht vorhande-
nes Interesse am Reinigungsinstitut durch seine Ehefrau mehrmals vor, um ihre
Zweifel betreffend den Verkauf zu zerstreuen. Dass A._ sie zudem unter
Druck setzte, auch noch persönlich für die Verbindlichkeiten zu haften, fällt, da
dies vom mittäterschaftlichen Vorgehen erfasst wird, ebenfalls verschuldensmäs-
sig ins Gewicht. Das subjektive Verschulden trägt somit zur Erhöhung der objekti-
ven Tatschwere bei.
4.1.4. Dass die Tat bezüglich der Veruntreuung des Mercedes ML 63 AMG
(ND 4) nicht zur Vollendung gelangte, führt vorliegend zu einer leichten Strafmin-
derung, obwohl der Beschuldigte die Tathandlung zu Ende führte und alles von
ihm aus Notwendige unternahm, um den Mercedes dem Verkaufsinteressenten
DD._ zu verkaufen. Dass es nicht dazu kam, entzog sich der Einflussmög-
lichkeit des Beschuldigten vollständig, so dass sich unter diesem Aspekt keine
Strafreduktion aufdrängt. Allerdings weist die versuchte Tat eine grosse Distanz
zum tatbestandsmässigen Erfolg auf, da das Fahrzeug dank dem Eingreifen des
Verkaufsinteressenten und Dritten dem Einflussbereich der Beschuldigten entzo-
gen werden konnte und dadurch der Vermögensschaden deutlich minimiert wur-
de, da das Fahrzeug als Sicherheit der Leasinggeberin ungeschmälert erhalten
blieb und nur der Ausfall der Leasingraten zu Buche schlug. Eine Reduktion der
hypothetischen Einsatzstrafe für das vollendete Delikt ist daher trotzdem ange-
bracht, wobei zu berücksichtigen ist, dass sich diese Reduktion angesichts der
- 319 -
übrigen vollendeten Veruntreuungsdelikte nur leicht auswirkt, so dass das Ver-
schulden für diese Taten insgesamt als keineswegs mehr leicht zu beurteilen ist.
4.1.5. In Nachachtung des Asperationsprinzips und angesichts der Strafan-
drohung gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 1 StGB von Freiheitsstrafe bis zu fünf Jah-
ren oder Geldstrafe ist die Einsatzstrafe für die mehrfache Veruntreuung gemes-
sen am nicht unerheblichen Verschulden um 1 1⁄2 Jahre zu erhöhen.
4.2. Missbrauch von Ausweisen und Schildern (ND 4)
4.2.1. In objektiver Hinsicht kann das Verschulden des Beschuldigten
B._ als leicht bezeichnet werden, erschöpfte sich doch die Tathandlung im
Verwenden eines inhaltlich falschen Fahrzeugausweises und handelte es sich um
eine einzige Tatbegehung. Auch wenn der Beschuldigte um die tatsächliche Ei-
gentümerin des Fahrzeugs wusste, so hat er sich dennoch nicht der Anstiftung
zum Erschleichen des falschen Ausweises schuldig gemacht, sondern lediglich
dessen Verwendung. Bezüglich des Tatverschuldens fällt einzig in Betracht, dass
dem Fahrzeugausweis vom Publikum ein relativ grosses Vertrauen entgegen ge-
bracht wird, weil er von einer staatlichen Behörde ausgestellt wird und eine direkt-
vorsätzliche Verwendung eines solchen Ausweises im Wissen um dessen fal-
schen Inhalt daher nicht ohne Weiteres leicht wiegt.
4.2.2. In subjektiver Hinsicht fällt das Motiv zur Tatbegehung zusammen mit
dem übergeordneten Ziel, durch den Verkauf der Leasingfahrzeuge den gross
angelegten Hypothekarkreditbetrug zu bewerkstelligen ins Gewicht. Strafmin-
dernde Faktoren sind nicht ersichtlich, so dass das Verschulden insgesamt als
leicht zu bewerten ist, was asperierend zu einer leichten Straferhöhung der Ein-
satzstrafe um maximal einen Monat führt.
4.3. Fahren in fahrunfähigem Zustand und Fahren trotz Entzug des  (ND 1 und 2)
4.3.1. In objektiver Hinsicht hat der Beschuldigte B._ bezüglich des Fah-
rens in fahrunfähigem Zustand angesichts seines in Bezug auf das Lenken eines
Fahrzeuges katastrophalen Zustandes, der als apathisch, wirr und zitternd be-
zeichnet wird und der zur Folge hatte, dass er gar sitzend einschlief (vgl. Urk. ND
- 320 -
1/8 S. 2 und ND 1/1 S. 7), das von der Strafbestimmung geschützte Rechtsgut
der Sicherheit der übrigen Verkehrsteilnehmer schwerwiegend gefährdet, da er
das Fahrzeug überhaupt nicht mehr beherrschte. Es zeigt sich im Verhalten des
Beschuldigten auch eine eigentliche Gleichgültigkeit gegenüber der Unversehrt-
heit der anderen Verkehrsteilnehmer, wusste er doch im Zeitpunkt des Fahrtantrit-
tes genau, dass er mehrere Tabletten Temesta eingenommen hatte, über deren
Wirkung ihn die verschreibende Ärztin aufgeklärt hatte, wie der Beschuldigte
selbst einräumen lässt (Urk. 131 S. 101). Dass er sich, wie er geltend machen
lässt, aufgrund seiner gesundheitlichen Verfassung zur Einnahme des Medika-
mentes gezwungen sah (Urk. 131 S. 101), vermag das subjektive Tatverschulden
nicht zu mindern. Er hätte in jedem Fall nach der Einnahme von Temesta kein
Fahrzeug mehr führen dürfen und es wäre ihm objektiv betrachtet durchaus ein-
fach möglich gewesen, das strafbare Handeln zu vermeiden, indem er diesfalls
die öffentlichen Verkehrsmittel oder ein Taxi benutzt hätte. Der Vorfall ereignete
sich auf der Fahrt von CN._ in Richtung ... an einem Donnerstag Nachmit-
tag, so dass diese Option zweifellos zur Verfügung stand. Das subjektive Tatver-
schulden vermag das objektive nicht zu relativieren. Insgesamt erweist sich ange-
sichts des nicht mehr leichten Verschuldens und den persönlichen Verhältnissen
eine Bestrafung des Beschuldigten B._ mit einer Freiheitsstrafe von rund fünf
bis sechs Monaten als angemessen.
4.3.2. Bezüglich des Fahrens trotz Führerausweisentzugs wiegt das objektive
Tatverschulden nicht mehr leicht, vergingen doch nicht einmal zwei Monate seit
dem Entzug und bestand für die Fahrt kein zwingender Grund. Sein Verhalten
zeugt von einer beträchtlichen Uneinsichtigkeit in das Unrecht seiner Taten, von
einer hohen Missachtung der staatlichen Rechtsordnung und - erneut - von einer
eigentlichen Gleichgültigkeit gegenüber einer potentiellen Gefährdung Dritter,
zwecks deren Schutzes ihm ja der Führerausweis entzogen worden war. Straf-
mindernde Faktoren sind keine ersichtlich, so dass angesichts des Verschuldens
eine Freiheitsstrafe von rund drei Monaten angemessen erscheint.
4.3.3. Insgesamt ist die hypothetische Einsatzstrafe für die schweren Ver-
kehrsregelverstösse asperierend um 6 Monate zu erhöhen.
- 321 -
4.4. Zwischenfazit
Die Gesamtwürdigung aller genannten Delikte ergibt als Zwischenresultat eine
Erhöhung der Einsatzstrafe (3 1⁄2 Jahre Freiheitsstrafe) um rund 2 Jahre und ein
Monat, so dass sich die hypothetische Gesamtstrafe gestützt auf das Tatver-
schulden auf rund 5 1⁄2 Jahre Freiheitsstrafe bemisst. Da das Asperationsprinzip
bereits bei allen zur Erhöhung der Einsatzstrafe führenden Delikten beachtet wur-
de, hat sich nur noch die übrige Deliktsmehrheit im Komplex der Vermögensdelik-
te straferhöhend bzw. strafschärfend auszuwirken (vgl. Urteil des Bundesgerichts
6B_865/2009 vom 25. März 2010, Erw. 1.2.2). Aufgrund der gesamten Tatschwe-
re - und vor Berücksichtigung der tatfremden Strafzumessungsgründe - erscheint
somit eine hypothetische Gesamtstrafe von 5 1⁄2 bis 6 Jahren Freiheitsstrafe als
angemessen.
5. Täterkomponenten
5.1. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten
B._ kann auf die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 159 S. 305 und 308). Aufgrund der Ausführungen des Beschuldigten
anlässlich der Berufungsverhandlung ergaben sich folgende Veränderungen in
seinen persönlichen Verhältnissen: Nachdem der Beschuldigte ein paar Monate
angestellt war, machte er sich im Oktober 2016 erneut mit einer GmbH selbstän-
dig. Zwar wurde diese noch nicht liquidiert, doch gab der Beschuldigte seine
Selbständigkeit bereits nach kurzer Zeit wieder auf und ist seit dem 1. März 2017
bei der FT._ AG als Bauleiter Monteur angestellt (Prot. II S. 19 ff.).
5.2. Der Beschuldigte B._ verfügt gemäss aktuellem Strafregisterauszug
über keine Vorstrafen (Urk. 199). Zu Recht erkannte die Vorinstanz, dass sämtli-
che Täterkomponenten keinen Einfluss auf die Strafzumessung haben und somit
neutral zu werten sind (Urk. 159 S. 305 f.).
6. Verletzung des Beschleunigungsgebotes
6.1. Auch die Verteidigung des Beschuldigten B._ rügte die Verletzung des
Beschleunigungsgebots, denn das Verfahren habe wegen des Gerichtsstands-
streits zwischen den Strafverfolgungsbehörden des Kantons Zürich und des Kan-
- 322 -
tons Aargau seit dem Ermittlungsverfahren bis und mit dem erstinstanzlichen
Hauptverfahren insgesamt über sechs Jahre gedauert, was unangemessen und
daher strafmindernd zu berücksichtigen sei (Urk. 209 S. 52 ff., Urk. 131 S. 6 ff.
und S. 105 f.).
6.2. Die Vorinstanz erwog unter Verweis auf die Ausführungen zur Strafzumes-
sung bezüglich A._, dass zwar nicht von einer übermässig langen Verfah-
rensdauer gesprochen werden könne, reduzierte aber dennoch die hypothetische
Gesamtstrafe wegen Verletzung des Beschleunigungsgebotes um rund 1⁄8 resp.
um fünf Monate bzw. um 20 Tagessätze (Urk. 159 S. 309).
6.3. Bezüglich der äusseren Umstände des Verfahrensgangs und des Gerichts-
standsverfahrens kann auf die diesbezüglichen vorstehenden Erwägungen ver-
wiesen werden (oben 4. Teil B. 6.4.1. und 6.4.2.). Was die Umsetzung auf die
konkrete Strafzumessung für B._ betrifft, ist festzuhalten, dass nicht sein
Verhalten zur erneuten Prüfung des Gerichtsstandes führte, sondern ausschliess-
lich dasjenige von A._. Eingedenk des grossen Aktenumfangs und der kom-
plizierten Verhältnisse, welche selbst die Verteidigung von B._ einräumt
(Urk. 131 S. 9), ist eine lange Verfahrensdauer auf die konkreten Umstände des
Falles zurückzuführen und insofern hinzunehmen. Mit Blick auf die gesamte Ver-
fahrensdauer (inklusive des Berufungsverfahrens) erscheint jedoch gerade beim
Beschuldigten B._, der die Gerichtsstandsauseinandersetzung nicht zu ver-
antworten hat, eine Strafminderung von 11 Monaten als angemessen, was im
Verhältnis zur Höhe seiner hypothetischen Gesamtstrafe eine in Bezug auf
A._ vergleichsweise stärkeren Berücksichtigung entspricht.
7. Zeitablauf mit Wohlverhalten
7.1. Die Verteidigung des Beschuldigten B._ machte überdies neben der
Verletzung des Beschleunigungsgebotes die weitere Strafmilderung infolge Zeit-
ablaufs und daher fehlenden Strafbedürfnisses gemäss Art. 48 lit. e StGB für die
SVG-Delikte geltend (Urk. 131 S. 106).
7.2. Nach Art. 48 lit. e StGB hat das Gericht die Strafe zu mildern, wenn das
Strafbedürfnis in Anbetracht der seit der Tat verstrichenen Zeit deutlich vermindert
- 323 -
ist und der Täter sich in dieser Zeit wohlverhalten hat. Laut Bundesgericht ist die-
ser Strafmilderungsgrund (bei Wohlverhalten) zu beachten, wenn zwei Drittel der
Verjährungsfrist verstrichen sind (BGE 140 IV 145 E. 3.1 = Pra 104 [2015] Nr. 50
E. 3.1). Die Verjährungsfrist für die Strassenverkehrsdelikte beträgt gemäss
Art. 97 Abs. 1 lit. c aStGB (in der am 1. Oktober 2008 gültigen Fassung) 7 Jahre.
Im vorliegenden Fall liegen die Tathandlungen rund acht Jahre zurück. Damit ist
die Verfolgungsverjährungsfrist seit der Tatbegehung vollumfänglich verstrichen,
wenn auch die Verjährung zufolge des erstinstanzlichen Urteils vom 27. März
2015 gemäss Art. 97 Abs. 3 aStGB (in der am 1. Oktober 2008 gültigen Fassung)
nicht mehr eintreten konnte. Dem Gericht sind keine Umstände bekannt, wonach
sich der Beschuldigte seit Begehung der ihm vorgeworfenen Taten nicht wohlver-
halten hätte. Eine Anwendung von Art. 48 lit. e StGB und eine deutliche Strafre-
duktion im Umfang von 4 Monaten erscheint daher angezeigt.
8. Fazit Gesamtfreiheitsstrafe
Aufgrund der vorstehenden Erwägungen erscheint die Bestrafung des Beschul-
digten B._ mit einer Gesamtstrafe in der Höhe von 4 1⁄2 Jahren Freiheitsstrafe
als seinem Verschulden und seinen persönlichen Verhältnissen angemessen. In-
folge des Verschlechterungsverbotes nach Art. 391 Abs. 2 StPO hat es bei der
von der Vorinstanz festgesetzten Sanktion zu bleiben, da sich diese gegenüber
der von der erkennenden Kammer als angemessen beurteilten Freiheitsstrafe
insgesamt als milder erweist, so dass der Beschuldigte B._ mit 36 Monaten
Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu bestrafen ist.
9. Tagessatzhöhe der Geldstrafe
9.1. Während das Gericht die Zahl der Tagessätze nach dem Verschulden des
Täters bemisst, wobei sich in der Anzahl Tagessätze das Strafmass niederschlägt
(BGE 134 IV 60 E. 5.2 - 5.3), bestimmt es gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB die Höhe
des Tagessatzes nach den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des
Täters im Zeitpunkt des Urteils, namentlich nach Einkommen und Vermögen, Le-
bensaufwand, allfälligen Familien- und Unterstützungspflichten sowie nach dem
Existenzminimum. Ausgangspunkt für die Bemessung des Tagessatzes bildet das
Einkommen, das dem Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Was gesetz-
- 324 -
lich geschuldet ist oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, ist abzuziehen, so
die laufenden Steuern, die Beiträge an die obligatorische Kranken- und Unfallver-
sicherung, sowie die notwendigen Berufsauslagen (BGE 134 IV 60 E. 6.1). Das
Nettoeinkommen ist weiter um die Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge zu re-
duzieren, soweit der Verurteilte ihnen tatsächlich nachkommt. Anderweitige finan-
zielle Lasten können nur im Rahmen der persönlichen Verhältnisse berücksichtigt
werden (BGE 134 IV 60 E. 6.4). Fehlendes Vermögen stellt insoweit kein Grund
dar, die Höhe des Tagessatzes zu senken, ebenso wenig wie vorhandenes Ver-
mögen zu einer Erhöhung führen soll (BGE 134 IV 60 E. 6.2).
9.2. Die Vorinstanz setzte den Tagessatz für den Beschuldigten B._ auf
Fr. 30.– fest. Angesichts der an der Berufungsverhandlung geschilderten verän-
derten finanziellen Verhältnisse des Ehepaars B/C._ drängt sich jedoch eine
Erhöhung des Tagessatzes auf. Der Beschuldigte ist seit dem 1. März 2017
100 % bei der FT._ AG als Bauleiter Monteur angestellt und verdient netto
durchschnittlich zwischen Fr. 5'500.– und Fr. 6'000.– pro Monat, zuzüglich eines
13. Monatslohns. Auch seine Ehefrau arbeitet wieder und ist seit Mitte 2015 im
Stundenlohn im Verkauf bei DM._ angestellt. Vermögen weist der Beschul-
digte zwar keines auf, aber inzwischen hat er die meisten seiner Schulden abbe-
zahlt (Prot. II S. 22 ff.). In Anbetracht des Einkommens des Beschuldigten sowie
seiner familiären Unterstützungspflichten erscheint, bei Berücksichtigung eines
Pauschalabzugs von 25% für Steuern und Krankenkasse, von 15% für das erste
und 12.5% für das zweite Kind, eine Tagessatzhöhe von Fr. 80.– als angemes-
sen.
9.3. Das Verbot der reformatio in peius steht einer Erhöhung des Tagessatzes
nicht entgegen, denn gemäss dem expliziten Wortlaut von Art. 34 Abs. 2 StGB hat
das Gericht die Höhe des Tagessatzes nach den persönlichen und wirtschaftli-
chen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils zu bestimmen. Das Ge-
richt hat die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit möglichst aktuell und genau zu er-
mitteln und zwar im Hinblick auf den Zeitraum, in dem die Geldstrafe zu zahlen
sein wird. Daraus folgt, dass künftige Einkommensverbesserungen oder Einkom-
mensverschlechterungen zu berücksichtigen sind, jedoch nur, wenn sie konkret
- 325 -
zu erwarten sind und unmittelbar bevorstehen (BGE 134 IV 60 E. 6.1 mit Hinwei-
sen, Urteil des Bundesgerichts 6B_436/2014 vom 2. März 2015 E. 4.4.2). Könnte
der Tagessatz infolge des Verschlechterungsverbots nicht angepasst werden,
wenn sich die finanzielle Lage des Beschuldigten verbessert hat, so erlitte der
Beschuldigte auch bei vollumfänglicher Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
nicht mehr dieselbe Strafe. Dies würde Sinn und Zweck der gesetzlichen Bestim-
mung widersprechen, wonach eine Geldstrafe sowohl den finanzstarken wie auch
-schwachen Täter bei gleichem Verschulden gleich hart treffen soll.
9.4. Die Höhe des Tagessatzes ist daher auf Fr. 80.– festzusetzen und der Be-
schuldigte B._ demzufolge nebst 36 Monaten Freiheitsstrafe mit einer Geld-
strafe von 130 Tagessätzen zu Fr. 80.– zu bestrafen.
10. Anrechnung der erstandenen Haft
Die vom Beschuldigten B._ erstandene Haft beläuft sich gemäss zutreffen-
den Ausführungen der Vorinstanz auf 180 Tage (Urk. 159 S. 313), welche in An-
wendung von Art. 51 StGB an die vorliegend ausgefällte Freiheitsstrafe anzu-
rechnen sind.
11. Vollzug
10.1. Die Vorinstanz hat den Vollzug der dreijährigen Freiheitsstrafe im Umfang
von 30 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf drei Jahre festgesetzt
(Urk. 159 S. 332). Da der zu vollziehende Teil bei einer teilbedingt ausgesproche-
nen Freiheitsstrafe gemäss Art. 43 Abs. 3 StGB mindestens sechs Monate betra-
gen muss und nur der Beschuldigte zu seinen Gunsten Berufung erhob, ist der
vorinstanzliche Entscheid schon aufgrund des Verschlechterungsverbotes
(Art. 391 Abs. 2 StPO) ohne Weiteres zu bestätigen.
10.2.1. Nach der Rechtsprechung kann die Geldstrafe bei kumulierten un-
gleichartigen Strafen unabhängig von der Höhe der gleichzeitig ergangenen Frei-
heitsstrafe bedingt oder teilbedingt ausgesprochen werden, wenn die übrigen Vor-
aussetzungen hierfür erfüllt sind (BGE 138 IV 120 E. 6 und Urteil des Bundesge-
richts 6B_165/2011 vom 19. Juli 2011, E. 2.3.4 und 3.3). Nachdem vorliegend
- 326 -
kumulativ zur Freiheitsstrafe eine Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu Fr. 80.–
ausgefällt wurde, ist über deren Vollzugsform separat und unabhängig von der
Freiheitsstrafe zu entscheiden.
10.2.2. Die Vorinstanz hat die Kriterien, die bezüglich der Prüfung, ob ein be-
dingter oder teilbedingter Vollzug der ausgesprochenen Geldstrafe in Frage
kommt, zutreffend dargelegt (Urk. 159 S. 315 f.). Im Gegensatz zur Beurteilung
der Legalprognose durch die Vorinstanz können dem Beschuldigten zum jetzigen
Zeitpunkt keine Vorstrafen mehr entgegen gehalten werden (Urk. 159 S. 316 f.).
In Betracht zu ziehen ist jedoch, dass dem Beschuldigten für die Freiheitsstrafe
der teilbedingte Strafvollzug gewährt wird. Nicht aufgeschoben wird lediglich das
gesetzliche Minimum von 6 Monaten Freiheitsstrafe, welche der Beschuldigte je-
doch bereits erstanden hat. Im Lichte der Legalprognose erscheint es daher not-
wendig, die Geldstrafe zu vollziehen.
D. Beschuldigte C._
1. Strafrahmen
Die Strafe ist innerhalb des Strafrahmens von Art. 165 Ziff. 1 StGB, welcher von
einem Tagessatz bis zu 360 Tagessätzen Geldstrafe bzw. bis zu fünf Jahren Frei-
heitsstrafe reicht, nach dem Verschulden der Beschuldigten festzusetzen. Davon
ging auch die Vorinstanz aus (Urk. 159 S. 312).
2. Konkrete Strafzumessung
2.1. Die Vorinstanz sprach ohne nähere Begründung für den Tatbestand der
Misswirtschaft im Sinne von Art. 165 Ziff. 1 StGB eine Geld- und keine Frei-
heitsstrafe aus. Sie bemass diese auf 180 Tagessätze zu Fr. 10.– (Urk. 159
S. 310 - 313).
2.2. In objektiver Hinsicht wurde das Vermögen der Gläubiger der T._
GmbH in schwerwiegender Weise gefährdet und zwar gleich in mehrfacher Hin-
sicht. Zum einen handelte die Beschuldigte arg nachlässig resp. geradezu in un-
verantwortlicher Art und Weise, indem sie ohne jegliche administrative Kenntnisse
und trotz fehlender Branchenerfahrung eine GmbH als Geschäftsführerin über-
- 327 -
nahm und in deren Namen gar weitreichende Verpflichtungen im Hinblick auf das
Bauprojekt CA._ einging. Zum anderen kümmerte sie sich aber trotz ihres
Wissens um die eingegangen Verbindlichkeiten unter Verletzung elementarster
Vorsichtspflichten nicht um deren Einhaltung. So sorgte sie nicht für die Sicher-
stellung der notwendigen Liquidität für die ihr bekannten Verbindlichkeiten der Fir-
ma. Angesichts des Umstandes, dass die GmbH über keinerlei finanzielles Pol-
ster verfügte, als die Beschuldigte sie übernahm, wiegt es umso schwerer, dass
sie mit dem Bauprojekt namens der T._ GmbH Verpflichtungen zu Leistun-
gen aus dem Werkvertrag in der Höhe von mehreren Hunderttausend Franken
einging, worunter nicht nur Dienstleistungen der T._ GmbH, sondern auch
einzukaufende Arbeiten von dritten Handwerkern und zu bestellendes Material,
fielen. Die durch das pflichtwidrige Verhalten der Beschuldigten hervorgerufene
Vermögensgefährdung kann somit nicht mehr als leicht bezeichnet werden, zumal
sie auch dann nicht adäquat handelte, als selbst ihr ob der wiederholten grossen
Bargeldbezüge Zweifel kamen.
2.3. In subjektiver Hinsicht fällt ins Gewicht, dass sie sich in äusserst nachlässi-
ger Art den wirtschaftlichen Realitäten verschloss und dadurch eine nicht leicht zu
nehmende Gleichgültigkeit gegenüber dem Vermögen anderer offenbarte. So ver-
langte sie zwar bezüglich ihres eigenen Vermögens im Hinblick auf weitere Schä-
digung die Gütertrennung, unternahm aber immer noch nichts zur Vermeidung
eines immensen Gläubigerschadens durch die fehlende Liquidität der Firma, die
sie notabene selbst mitverantwortete. Im Rahmen der subjektiven Tatschwere
vermag das zu ihrem Ehemann anfänglich bestehende Vertrauensverhältnis das
Tatverschulden nur leicht zu relativieren. Entlastend ist der Beschuldigten zugute
zu halten, dass sie aus ihrem nachlässigen und verantwortungslosen Handeln
nicht unmittelbar für sich selbst einen Profit erzielen wollte, sondern im vermeint-
lichen Geschäftsinteresse nach Anweisungen ihres Ehemannes handelte, von
dem sie annahm, er verfüge - mit Hilfe und Unterstützung von A._ - als
langjährig im Bauwesen tätiger Sanitär über genügend Erfahrung, dass sie ihm
blind vertrauen könne.
- 328 -
2.4. Insgesamt ist das Verschulden der Beschuldigten C._ als zwar nicht
mehr leicht, aber jedenfalls auch nicht als besonders schwer einzustufen. Eine
Strafe im unteren Drittel erscheint daher angemessen, so dass sich vor der
Berücksichtigung der tatfremden Faktoren eine Strafe im Bereich von 15 Monaten
Freiheitsstrafe ergibt.
2.5. Die Vorinstanz wertete zu Recht die persönlichen Verhältnisse und die
Vorstrafenlosigkeit der Beschuldigten C._ als neutral (Urk. 311). Daran
ändert sich auch nach ihren Aussagen anlässlich der Berufungsverhandlung
nichts (vgl. Prot. II S. 30 ff.).
2.6. Das frühe Geständnis der Beschuldigten hinsichtlich des ihr angelasteten
Sachverhaltes hat sich indessen deutlich strafmindernd auszuwirken (Urk. 159
S. 312). Das trifft auch auf den Strafmilderungsgrund der Verletzung des
Beschleunigungsgebotes zu, der vergleichbar wie beim Beschuldigten B._
deutlich strafmindernd zu berücksichtigen ist. Angesichts der Strafandrohung von
Art. 165 Ziff. 1 StGB und der sich gemäss Art. 97 Abs. 1 lit. b aStGB (in der am
1. Oktober 2008 gültigen Fassung) ergebenden Verfolgungsverjährung von
15 Jahren, von welchen im Urteilszeitpunkt zwei Drittel noch längst nicht
abgelaufen sind, ist keine weitere Strafminderung zusätzlich zur Strafreduktion
wegen der Verletzung des Beschleunigungsgebotes vorzunehmen.
2.7. Zusammenfassend erscheint in Anbetracht des nicht mehr leichten Tatver-
schuldens der Beschuldigten C._ und der Berücksichtigung der tatfremden
Strafzumessungsfaktoren eine Freiheitsstrafe von 8 Monaten resp. eine
Geldstrafe von 240 Tagessätzen als angemessen.
2.8. Es kann vorliegend offen bleiben, ob eine Geldstrafe dem Tatverschulden
der Beschuldigten C._ noch angemessen ist oder sich eine solche an-
gesichts der von ihr erstandenen Untersuchungshaft geradezu als in präventiver
Hinsicht ausreichend aufdrängt, denn einer Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe
statt der erstinstanzlich ausgefällten Geldstrafe steht das Verbot der reformatio in
peius entgegen. Entsprechend ist die Beschuldigte C._ mit einer Geldstrafe
von 180 Tagessätzen zu bestrafen.
- 329 -
2.9. Die Vorinstanz setzte die Tagessatzhöhe auf Fr. 10.– fest. Infolge der
veränderten finanziellen Verhältnisse des Ehepaars B._ erscheint auch bei
der Beschuldigten C._ eine Erhöhung des Tagessatzes angezeigt. Bezüglich
der Theorie zur Festsetzung der Tagessatzhöhe sowie in Bezug auf das
Verschlecherungverbot kann auf die diesbezüglichen Ausführungen bei B._
verwiesen werden (vgl. 4. Teil C.9.1 und 9.3).
2.10. Die Beschuldigte C._ arbeitet wie bereits ausgeführt seit Mitte des
Jahres 2015 im Verkauf bei DM._. Anlässlich der Berufungsverhandlung
führte sie aus, dass sie im Stundenlohn angestellt sei und im Vertrag eine
Arbeitszeit von 8 bis 20 Stunden pro Woche angegeben sei. Es gebe jedoch
Wochen, in welchen sie 30 oder 43 Stunden arbeite. Im Durchschnitt verdiene sie
zwischen Fr. 3'000.– und Fr. 4'000.– netto pro Monat (Prot. II S. 34). Da die
Beschuldigte im Stundenlohn angestellt ist, ist nicht davon auszugehen, dass sie
einen 13. Monatslohn erhält. C._ verfügt wie ihr Ehemann über keine
Ersparnisse. Den von ihr aufgenommenen Kredit in der Höhe von Fr. 30'000.–
wird sie voraussichtlich im Juli 2017 abbezahlt haben (Prot. II S. 35 f.). Angesichts
ihres Einkommens sowie ihrer familiären Unterstützungspflichten erscheint es
angemessen, bei Berücksichtigung eines Pauschalabzugs von 25% für Steuern
und Krankenkasse, von 15% für das erste Kind und 12.5% für das zweite Kind,
den Tagessatz auf Fr. 30.– festzusetzen.
2.11. Die Beschuldigte C._ ist daher mit einer Geldstrafe von
180 Tagessätzen zu Fr. 30.– zu bestrafen.
3. Anrechnung der erstandenen Haft
Untersuchungshaft ist grundsätzlich auch auf Geldstrafen anzurechnen (BGE 135
IV 126), so dass die von der Beschuldigten C._ erstandene Untersuchungs-
haft von 18 Tagen (Urk. 159 S. 313 f.) in Anwendung von Art. 51 StGB auf ihre
Geldstrafe von 180 Tagessätzen anzurechnen sind.
- 330 -
4. Vollzug
Die Vorinstanz gewährte der Beschuldigten den bedingten Strafvollzug unter An-
setzung einer Probezeit von zwei Jahren (Urk. 159 S. 332). Dabei muss es blei-
ben, nachdem einzig die Beschuldigte das bezirksgerichtliche Urteil angefochten
hat (Art. 391 Abs. 2 StPO).
5. Teil: Zivilforderungen
1. Vorbemerkungen
1.1. Da die Dispositivziffern, mit welchen die Vorinstanz die Zivilansprüche der
Privatklägerin 3 (F._ Schweiz AG) aus ND 6 und der Privatklägerin 6
(G._ AG) aus ND 11 auf den Weg des Zivilprozesses verwies (Urk. 159
S. 334 und 335; Ziffern 20 und 22), nicht angefochten wurden, verbleibt über die
Zivilforderungen zu entscheiden, welche die Beschuldigten A._ und B._
aus den Nebendossiers 3 und 8 gemeinsam betreffen und jene aus den Neben-
dossiers 12 und 19, für welche infolge des Schuldspruches nur der Beschuldigte
A._ adhäsionsweise ins Recht gefasst werden kann.
1.2. Die Vorinstanz handelt unter dem Titel Zivilforderungen systemwidrig auch
die Prozessentschädigungen ab, obwohl sie sich in der Anspruchsgrundlage we-
sentlich unterscheiden und nicht zu vermischen sind:
Die im Sinne von Art. 122 StPO adhäsionsweise geltend gemachten Ansprüche
müssen ihre rechtliche Grundlage im materiellen Privatrecht haben, wobei ein
Kausalzusammenhang (Konnexität) zwischen der Straftat, die Gegenstand des
Strafverfahrens bzw. der Verurteilung bildet, und dem Schaden (allenfalls immate-
rieller Unbill) bestehen muss, welcher der adhäsionsweise geltend gemachten
Forderung zugrunde liegt. Dabei genügt, dass die zivilrechtlichen Ansprüche "eine
unmittelbare Folge des Täterverhaltens" darstellen, ohne selbst Gegenstand der
Anklage zu bilden oder überhaupt einen Straftatbestand zu erfüllen (Lieber in: ZH
StPO Komm., a.a.O., Art. 122 N 5 mit Hinweisen).
- 331 -
Bei den in Art. 433 StPO geregelten Prozessentschädigungen für notwendige
Aufwendungen im Strafverfahren handelt es sich hingegen um prozessuale Ne-
benfolgen des Strafverfahrens, für deren Beurteilung völlig andere Fragen zu be-
antworten sind als für die Zivilforderungen. Es ist mithin auf die Prozessentschä-
digungen erst später bei der Behandlung der Nebenfolgen des Urteils zurückzu-
kommen. Hier sind entsprechend lediglich die von den Privatklägern geltend ge-
machten sich aus der strafbaren Handlung ergebenden Zivilforderungen zu prü-
fen.
1.3. In Bezug auf die rechtlichen Grundlagen für die Zivilforderungen kann hin-
gegen auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden, die
zu Recht einerseits auf die Grundlagen des Schadenersatzrechts nach den Best-
immungen von Art. 41 ff. OR und andererseits auf die Substanzierungspflicht der
Privatklägerschaft hinsichtlich ihres Zivilanspruchs und das Primat der Dispositi-
onsmaxime für den Adhäsionsprozess hinwies (Urk. 159 S. 318 - 320; Lieber in:
StPO-Komm., a.a.O., Art. 122 N 4 ff.; BSK StPO-Dolge, a.a.O., Art. 122 N 22 ff.).
Entsprechend darf daher die Rechtsmittelinstanz der Privatklägerschaft im Rah-
men der Zivilklage nicht mehr und nichts anderes zusprechen, als diese verlangt,
was zudem in Art. 391 Abs. 1 lit. b StPO ausdrücklich festgehalten wurde (BSK
StPO- Dolge, a.a.O., Art. 122 N 5 ff. und N 24 f.; Schmid, Praxiskommentar StPO,
a.a.O., Art. 391 N 2).
1.4. Grundsätzlich hat das Gericht gemäss Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO über die
anhängig gemachte Zivilklage zu entscheiden, wenn es die beschuldigte Person
schuldig spricht. Davon darf das Gericht nur dann abweichen, wenn die Privatklä-
gerschaft die Zivilklage nicht hinreichend begründet oder beziffert hat (Art. 126
Abs. 2 lit. c StPO) oder die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhält-
nismässig aufwendig wäre (Art. 126 Abs. 3 StPO). In diesen Fällen ist die Zivilkla-
ge auf den Zivilweg zu verweisen. Inhaltlich kann das Adhäsionsurteil auf Gut-
heissung, teilweise Gutheissung oder Abweisung der Zivilklage lauten. Bei teil-
weiser Gutheissung muss auch über den nicht gutgeheissenen Teil ebenfalls eine
Entscheidung gefällt werden: Ist dieser Teil spruchreif, aber nicht begründet, wird
er abgewiesen. Ist dieser Teil dagegen nicht genügend substanziert, wird er auf
- 332 -
den Zivilweg gewiesen. Abzuweisen ist die Zivilklage hingegen dann, wenn sie
spruchreif, aber unbegründet ist oder die Aktiv- oder die Passivlegitimation nicht
gegeben ist, schliesslich auch dann, wenn aufgrund der Beweislosigkeit zu Lasten
der Zivilklägerschaft zu entscheiden ist (BSK StPO-Dolge, a.a.O., Art. 126
N 23 ff.).
2. Einwendungen
2.1. Die Verteidigung von A._ macht geltend, die Zivilansprüche seien zu-
folge Freispruchs auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen (Prot. I S. 83),
beanstandet im Übrigen aber die vorinstanzlichen Ausführungen zu den einzelnen
Ansprüchen nicht (Urk. 207 S. 77).
2.2. Der Beschuldigte B._ lässt dagegen beantragen, die Zivilansprüche der
Privatklägerinnen 1 und 5 seien abzuweisen, eventualiter auf den Weg des Zivil-
prozesses zu verweisen (Urk. 131 S. 3; Urk. 209 S. 4). Er macht hinsichtlich der
Privatklägerin 1 (ND 3) im Wesentlichen geltend, diese habe den ihr zugefügten
Schaden selbst zu verantworten, weil sie es verpasst habe, wie verpflichtet vor
der Übergabe des Fahrzeugs und des Fahrzeugausweises das Halterwechsel-
verbot darin eintragen zu lassen und überdies habe sie den geforderten Betrag
nicht substanziert (Urk. 131 S. 109 und S. 43). Zudem führte der Verteidiger an-
lässlich der Berufungsverhandlung aus, die Privatklägerin 1 behaupte, die
F._ habe den Kaufpreis nie beglichen, was aber nicht bewiesen sei. Ausser-
dem habe die Privatklägerin 1 das Fahrzeug in vollem Bewusstsein der falschen
Person übergeben (Urk. 209 S. 55). Hinsichtlich der Privatklägerin 5 (ND 8) ver-
neint die Verteidigung von B._ eine Schadenersatzpflicht unter Verweis auf
den ihrer Ansicht nach nicht erstellten Sachverhalt gegen den Beschuldigten
B._ (Urk. 131 S. 110; Urk. 209 S. 55).
3. Zivilklagen die Beschuldigten A._ und B._ gemeinsam 
3.1. Privatklägerin 1 - D._ AG (ND 3)
3.1.1. Die D._ AG bekräftigte ihre Konstituierung als Straf- und Zivilklä-
gerin im Sinne von Art. 118 StPO (Urk. ND 3/16/9), nachdem sie das Strafverfah-
- 333 -
ren mittels Strafanzeige eingeleitet und bereits mittels Formular vom 10. Februar
2009 die Beteiligung als Zivilklägerin erklärt hatte (Urk. ND 3/3 und Urk. ND
3/16/1). Mittels schriftlicher Eingabe vom 31. August 2015 sowie anlässlich der
Berufungsverhandlung liess die Privatklägerin 1 die Bestätigung des
vorinstanzlichen Urteils, zumindest aber dessen Ziffer 18, beantragen (Urk. 170
S. 2; Prot. II S. 6).
3.1.2. Mit der Vorinstanz ist die geltend gemachte Forderung von
Fr. 69'746.50 nebst Zins zu 5 % seit dem 28. Oktober 2008 (Urk. ND 3/16/9 und
Urk. 128 S. 2) durch den Schuldspruch von B._ und A._ wegen Verun-
treuung in Bestand und Umfang nachgewiesen (Urk. 159 S. 320 f.), ergibt sich der
Forderungsbetrag doch durch die Subtraktion der Anzahlung und der ersten Lea-
singrate vom Kaufpreis des BMW X5 (siehe oben 3. Teil D. I. 3.). Dass die
F._ (Schweiz) AG der Privatklägerin 1 den Kaufpreis für den BMW X5 nicht
erstattet hat, ergibt sich einerseits aus den Kaufvertrags-Bedingungen Ziff. 8.6
sowie einer ausdrücklichen Erklärung seitens des Vertreters der Privatklägerin 1,
AQ._, anlässlich der Einvernahme vom 28. Juni 2013 (Urk. ND 3/4 S. 3,
ND 3/15/17 S. 8). Ein weiterer Beweis für die "Nicht-Bezahlung" kann und muss
auch nicht beigebracht werden. Der Schaden der Privatklägerin ist damit ausge-
wiesen. Da die Beschuldigten die strafbare Handlung in Mittäterschaft begingen,
haften sie für den dadurch verursachten Schaden gemeinsam und zu gleichen
Teilen (Art. 50 Abs. 2 OR). Sie sind daher entsprechend unter solidarischer Haf-
tung für den ganzen Betrag zum Ersatz dieses Schadens zu verpflichten (Art. 50
Abs. 1 OR). Die Höhe des Zinssatzes ist gesetzlich geregelt (Art. 73 OR). Der
Zins beginnt am Tag des schädigenden Ereignisses und damit am Tag des den
Schaden verursachenden Deliktes zu laufen (BGE 129 IV 149 E. 4.1. und 4.3),
hier dem Tag der Veruntreuung, dem 27. Oktober 2008. Nachdem die Privatklä-
gerin 1 den Zins erst ab dem 28. Oktober 2008 verlangt, was ihr unbenommen ist,
sind die Beschuldigten B._ und A._ entsprechend und in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz zu verpflichten, der Privatklägerin 1 den Schadenersatz
wie beantragt zu bezahlen.
- 334 -
3.2. Privatklägerin 5 - F1._ (Schweiz) AG (ND 8)
3.2.1. Die Rechtsvorgängerin der F1._ (Schweiz) AG, die CV._
(Schweiz) AG liess mittels Strafanzeige ihrer Rechtsvertreterin das Strafverfahren
bezüglich ND 8 einleiten und konstituierte sich gültig als Straf- und Zivilklägerin
(Urk. ND 8/3, 8/13/4 und ND 8/5) und bekräftigte ihre Konstituierung im Sinne von
Art. 118 StPO auch nach dem Übergang der Aktivlegitimation auf ihre Rechts-
nachfolgerin (Urk. 113-114 und Urk. 120). Sie verlangte nebst dem Schuldspruch
von A._ und B._ wegen Veruntreuung deren solidarische Verpflichtung
zum Ersatz des Schadens in der Höhe von Fr. 74'713.35 zuzüglich 5 % Zins seit
1. Januar 2009 (Urk. 113 S. 2) mit einlässlicher Begründung unter Beilage der
notwendigen Belege (Urk. 115/1-4). Im Hinblick auf das Berufungsverfahren liess
sich die Privatklägerin 5 nicht vernehmen.
3.2.2. Gemäss dem bezüglich ND 8 erstellten Sachverhalt, welcher der Ver-
urteilung der beiden Beschuldigten B._ und A._ zugrunde liegt, betrug
der Verlust am Tag der Auslieferung des Fahrzeugs am 15. November 2008
(Urk. ND 8/6/3), an dem es auch veruntreut wurde, bestehend im Kaufpreis minus
Anzahlung und erste Leasingrate Fr. 75'137.80 (siehe oben 3. Teil F. I. 3.2.1.b
und 3.2.6). Nachdem die Privatklägerin 5 mit ihrem Begehren weniger verlangt,
ihre Begründung aber nachvollziehbar und belegt ist, worauf die Vorinstanz zu
Recht verwies (Urk. 159 S. 322), und weder die Bezifferung noch die Höhe des
Schadens von den Beschuldigten bestritten wurde, sind diese solidarisch zu ver-
pflichten, der Privatklägerin 5 Schadenersatz in der Höhe von Fr. 74'713.35 plus
5 % Zins seit 1. Januar 2009 zu bezahlen.
4. Zivilklagen den Beschuldigten A._ alleine betreffend
4.1. Privatklägerin 7 - H._ AG (ND 12)
4.1.1. Die Privatklägerin 7 leitete mit ihrer Strafanzeige vom 22. Juni 2009,
handelnd durch AI._, das Strafverfahren bezüglich der verschwundenen im
Namen der EC._ GmbH gemieteten Baumaschinen ein (Urk. ND 12/1) und
liess durch ihren Rechtsvertreter (Urk. ND 12/16/1) nach einer ersten Geltendma-
chung von Schadenersatzforderungen mit Eingabe vom 18. Dezember 2009
- 335 -
(Urk. ND 12/16/3) schliesslich am 3. Februar 2011 verbindlich beantragen, der
oder die Beschuldigten seien zu verpflichten, der Privatklägerin 7 den Betrag von
Fr. 641'002.41 nebst Verzugszins von 5 % seit dem 22. Juni 2009 zu bezahlen
(Urk. ND 12/17/3). Der Betrag setze sich aus dem Wert des Kompaktbaggers
CAT ... von Fr. 119'133.61 und des Walzenzuges von Fr. 75'616.80 im Zeitpunkt
ihres Verschwindens sowie der entgangenen Mietzinseinnahmen in der Höhe von
Fr. 546'252.– für die drei Baumaschinen, abzüglich des von der FU._ Versi-
cherungsgesellschaft ohne Präjudiz bezahlten Betrages von Fr. 100'000.– zu-
sammen (Urk. ND 12/17/3). Die Berechnung der entgangenen Mietzinseinnah-
men basiere auf der durchschnittlichen Häufigkeit der Vermietung, welche sich
aus dem Auszug der Betriebsunterlagen ergebe. Das Mietverhältnis habe am
22. Juni 2009 geendet, ohne dass die Maschinen zurückgebracht worden seien,
weshalb von da an bis zum 31. Januar 2011 ein Mietzins von insgesamt
Fr. 546'252.– zuzüglich Verzugszins zu 5 % aufgelaufen sei (Urk. ND 12/17/3
S. 2).
4.1.2. Die Vorinstanz sah mit überzeugender Begründung den Schadensbe-
trag bezüglich der veruntreuten und nicht wieder aufgefundenen Baumaschinen
als rechtsgenügend begründet und ausreichend belegt an und verpflichtete ent-
sprechend den Beschuldigten A._ zur Bezahlung der entsprechenden Sum-
me, wobei sie die von der Versicherungsgesellschaft geleisteten Fr. 100'000.– zu
Recht abgezogen hatte (Urk. 159 S. 324). Dass sie im Übrigen den Schadener-
satzanspruch der Privatklägerin 7 auf den Zivilweg verwies, erfolgte gestützt auf
Art. 126 Abs. 3 StPO zu Recht, ergibt sich doch weder aus der Berechnung der
Privatklägerin 7 noch aus den von ihr eingereichten Belegen hinreichend, dass
der Schaden im beantragten Umfang alleine auf das strafbare Verhalten des Be-
schuldigten zurückzuführen ist. Namentlich erreicht der Wert der beiden nicht auf-
gefundenen Baumaschinen bei weitem nicht den Betrag des entgangenen Miet-
zinses und sind daher die Abklärungen, ob und gegebenenfalls in welchem Um-
fang die Privatklägerin 7 zum Beispiel durch die Wiederanschaffung gleicher Ma-
schinen den Schaden frühzeitig hätte mindern können und inwiefern nebst dem
Wertersatz der Baumaschinen zusätzlich entgangener Mietzins tatsächlich ange-
fallen ist, unumgänglich und jedenfalls im vorliegenden Verfahren unverhältnis-
- 336 -
mässig aufwendig. Da auch der Zinsenlauf angesichts des erstellten Anklage-
sachverhalts ausgewiesen ist, ist der Vorinstanz bezüglich dieser Schadensposi-
tion vollumfänglich zu folgen und der Beschuldigte A._ zu verpflichten, der
Privatklägerin 7 Schadenersatz im Betrage von Fr. 94'750.41 zuzüglich 5 % Zins
seit 22. Juni 2009 zu bezahlen. Im Übrigen ist die Forderung der Privatklägerin 7
auf den Zivilweg zu verweisen.
4.2. Privatklägerin 8 - I._ AG (ND 19)
4.2.1. a) Die Privatklägerin 8 liess durch ihren Rechtsvertreter Schadenersatz
im Umfang von Fr. 9'960.– beantragen (Urk. ND 19/20/15), mit welchem sie einen
Verlust infolge des unfallbedingten Arbeitsausfalls von J._ geltend machte.
Die Forderung ergebe sich aus der Anzahl ausgefallener Arbeitstage (5), multipli-
ziert mit der Anzahl Arbeitsstunden pro Tag (8) und dem Kostenansatz für einen
Lastzug / Sattelzug von Fr. 249.– pro Stunde gemäss den Allgemeinen Bedin-
gungen des Schweizerischen Nutzfahrzeugverbandes ASTAG (Urk. ND 19/20/
18/1 - 2). Die Vorinstanz schützte das Schadenersatzbegehren und verpflichtete
entsprechend den Beschuldigten A._ zur Bezahlung (Urk. 159 S. 335 Ziff. 24
Abs. 1).
b) Es ergibt sich indessen aus den Akten weder eine unfallbedingte Erwerbsunfä-
higkeit des Chauffeurs J._ (eine solche wurde auch nie geltend gemacht,
denn der Lastwagen-Chauffeur blieb gemäss Polizeirapport unverletzt; Urk. 177/2
S. 3 [Unfallaufnahme-Protokoll]), noch ein fünf Tage andauernder Ausfall des be-
schädigten Lastwagens (Urk. 177/1-3). Im Gegenteil weist die Reparaturrechnung
Mechanikerarbeit lediglich im Umfang von 7.10 Stunden aus und dass der Repa-
ratur-Auftrag am 15. Mai 2008, somit am Tag nach der Kollision, erteilt worden
war (Urk. ND 19/4/1/6 - 7). Wann die Reparatur stattfand, erschliesst sich jedoch
nicht. Die geltend gemachten fünf Tage Arbeitsausfall sind jedenfalls nicht belegt.
Schliesslich ist nicht nachvollziehbar, weshalb der Tarif für einen Lastzug / Sattel-
zug berechnet wurde, handelte es sich doch gemäss den Akten beim Fahrzeug,
das J._ lenkte, um einen Lastwagen (z.B. Urk. ND 19/18/4/13 [Fotoblätter]),
wofür gemäss den Allgemeinen Bedingungen des Schweizerischen Nutzfahr-
zeugverbandes ASTAG nur Fr. 195.– pro Stunde verrechnet werden könnten
- 337 -
(Urk. ND 19/20/18/2 S. 6). Infolge Bestreitung des zugrunde liegenden Betrugs-
sachverhaltes und fehlender Anerkennung des Schadens durch den Beschuldig-
ten fehlt es vorliegend der Forderung der Privatklägerin 8 an Liquidität, weshalb
sie auf den Zivilweg zu verweisen ist.
4.2.2. a) Weiter liess die Eigentümerin des beschädigten Lastwagens und Ar-
beitgeberin von J._ Fr. 2'000.– Genugtuung geltend machen, weil sie durch
das Verfahren gegen ihren Chauffeur in ein eher schiefes Licht gebracht worden
sei (Urk. ND 19/20715 S. 2). Die Vorinstanz wies das Begehren ab mit der Be-
gründung, es sei nicht ersichtlich, inwiefern eine Persönlichkeitsverletzung der
Privatklägerin 8 als juristische Person gegeben sei, die eine Genugtuung rechtfer-
tige (Urk. 159 S. 325 und S. 335 Ziff. 24 Abs. 2). Die Privatklägerin 8 verzichtete
auf Anschlussberufung und das Stellen von Anträgen (Urk. 165 S. 2).
b) Grundsätzlich ist nicht jedermann, der Ansprüche gegen die beschuldigte Per-
son geltend machen will, zur Erhebung der Adhäsionsklage berechtigt, sondern
ausschliesslich die Privatklägerschaft. Darunter fallen die geschädigte Person und
Angehörige des Opfers, wenn sie eigene Zivilansprüche geltend machen (Art. 122
Abs. 1 und 2 StPO i. V. m. Art. 118 sowie Art. 115, 116 und 117 Abs. 3 StPO).
Nicht klageberechtigt sind durch die Straftat bloss indirekt geschädigte Personen,
welche als Folge des Schadens einer direkt geschädigten Person einen sog. Re-
flexschaden erleiden, namentlich weil sie nicht unmittelbar in ihren Rechtsgütern
verletzt sind (BSK StPO-Dolge, a.a.O., Art. 122 N 51 und 56).
c) Bei dem durch die Privatklägerin 8 geltend gemachten Schaden handelt es sich
um einen typischen Reflexschaden, so dass ihr dafür materiellrechtlich kein Er-
satzanspruch gegenüber dem Beschuldigten A._ zusteht. Dass sie dennoch
als Privatklägerin am Verfahren teilnimmt, ist auf ihren Schadenersatzanspruch
als direkt Betroffene zurückzuführen, der ihr wegen der Beschädigung ihres Last-
wagens grundsätzlich zusteht. Darauf ist nachfolgend zurückzukommen.
Die korrekte vorinstanzliche Abweisung des Genugtuungsanspruchs der Privat-
klägerin 8 bedeutet zivilrechtlich eine res iudicata, die nicht noch einmal anhängig
gemacht werden kann (BSK StPO-Dolge, a.a.O., Art. 126 N 23). Daher würde ei-
- 338 -
ne (nachträgliche) Verweisung des Anspruchs durch die Rechtsmittelinstanz auf
den Zivilweg jedenfalls eine Verschlechterung des Dispositivs zulasten des Be-
schuldigten bedeuten, was schon infolge des Verbots der reformatio in peius
(Art. 391 Abs. 2 StPO) unzulässig wäre. Somit hat es bei der vorinstanzlichen
Abweisung des Begehrens zu bleiben.
4.3. Privatkläger 9 - J._ (ND 19)
4.3.1. Der Privatkläger 9, der sich rechtsgültig als Zivil- und Strafkläger kon-
stituiert hatte, liess durch seinen Rechtsvertreter ein Genugtuungsbegehren im
Betrage von Fr. 5'000.– nebst 5 % Zins seit dem 14. Mai 2008 stellen
(Urk. ND 19/20/15 - 16). Die Vorinstanz sprach dem Privatkläger 9 zulasten des
Beschuldigten A._ eine Genugtuung von Fr. 1'000.– zu, da er als Chauffeur
durch das gegen ihn geführte Strafverfahren und die (sc. erstinstanzliche) Verur-
teilung in seiner Berufsehre betroffen gewesen sei, was zu einer immateriellen
Unbill geführt habe. Sie setzte den Beginn des Zinsenlaufes auf den 3. Juni 2008
(Datum des Strafantrags von A._) fest und wies im Mehrbetrag das Genug-
tuungsbegehren ab (Urk. 159 S. 326 und S. 335 Ziff. 25). Der Privatkläger 9 stell-
te im Berufungsverfahren keine Anträge, auch nicht zu seiner Zivilforderung
(Urk. 165 S. 2).
4.3.2. a) Der Vorinstanz ist grundsätzlich darin zuzustimmen, dass der Privat-
kläger 9 durch das Strafverfahren und die erstinstanzliche Verurteilung, welche
Folgen des strafbaren Handelns des Beschuldigten A._ (falsche Anschuldi-
gung) waren, in seiner Persönlichkeit verletzt wurde und ihm daher grundsätzlich
eine Genugtuung für diese immaterielle Unbill zusteht. Es ist ihr auch darin zu fol-
gen, dass die Verletzung der Persönlichkeit namentlich in Anbetracht anderer
möglicher durch eine Straftat herbeigeführte Persönlichkeitsverletzungen eher
noch gering ist. Die Festsetzung der Genugtuung auf Fr. 1'000.– erscheint daher
angemessen (Urk. 159 S. 326).
b) Da das Gericht auch bei adhäsionsweise geltend gemachten Zivilforderungen
die Prozessvoraussetzungen von Amtes wegen zu prüfen hat, besteht auch im
Adhäsionsprozess ein Prozesshindernis, wenn eine identische Klage, d.h. eine
- 339 -
Klage zwischen denselben Parteien über denselben Streitgegenstand, bereits in
einem Zivilprozess rechtshängig ist oder darüber schon rechtskräftig entschieden
wurde (BSK StPO-Dolge, a.a.O., Art. 122 N 80). Mit Urteil des Obergerichts,
II. Strafkammer, vom 14. Januar 2011 wurde dem freigesprochenen J._
nebst einer Prozessentschädigung für anwaltliche Verteidigung auch eine Um-
triebsentschädigung von Fr. 1'000.– für seine persönlichen Umtriebe aus der Ge-
richtskasse zugesprochen (Urk. 178/75 S. 15). Dieser Entscheid stellt somit keine
res iudicata dar, denn es handelte sich dabei nicht um eine Genugtuung für seeli-
sche Unbill und es wurde zur Bezahlung auch nicht der Beschuldigte A._
verpflichtet. Der Zusprechung einer Genugtuung im vorliegenden Verfahren steht
somit nichts entgegen.
c) Da das Gericht über den Genugtuungsanspruch infolge Schuldspruch und
Spruchreife abschliessend zu entscheiden hat, ist auch die vorinstanzliche Ab-
weisung im Mehrbetrag nicht zu beanstanden. Nicht zuzustimmen ist jedoch der
Vorinstanz, wenn sie den Zinsenlauf erst mit der Stellung des Strafantrages be-
ginnen lässt. Wie sich aus der einlässlichen Begründung des Bundesgerichts
ergibt, will der Beginn des Zinsenlaufes ab dem schädigenden Ereignis den Gläu-
biger so stellen, als wäre ihm der Geldbetrag bereits im Zeitpunkt der Persönlich-
keitsverletzung bzw. der Entstehung der seelischen Unbill zugeflossen (BGE 129
IV 149 E. 4.2.). Die Vorinstanz hat offenbar das schädigende Ereignis beim Stel-
len des Strafantrages gegen J._ verortet, weshalb sie den Beginn des Zin-
senlaufes ab dann festsetzte. Es kann offen bleiben, ob nicht auch hier das Da-
tum der Straftat und damit die absichtlich herbeigeführte Kollision massgeblich
wäre, da es auch hier der Privatklägerschaft überlassen bleibt, was und wieviel
sie geltend machen will. Sie stellte indessen gegenüber dem vorinstanzlichen Ur-
teil keine abweichenden Anträge, weshalb der Beschuldigte zu verpflichten ist,
dem Privatkläger 9, J._, eine Genugtuung von Fr. 1'000.– zuzüglich 5 % Zins
seit dem 3. Juni 2008 zu bezahlen. Im Mehrbetrag ist das Genugtuungsbegehren
des Privatklägers 9 abzuweisen.
- 340 -
4.4. Privatklägerin 10 - K._ Versicherungs-Gesellschaft AG (ND 19)
4.4.1. Die Privatklägerin 10, die K._, machte unter der Referenz der
Schaden-Nr. ... Schadenersatz im Umfang von Fr. 3'731.95 gegenüber dem Be-
schuldigten A._ geltend und konstituierte sich als Privat- und Strafklägerin im
vorliegenden Verfahren (Urk. ND 19/23/2 - 3). Gemäss den von ihr eingereichten
Belegen belief sich die Reparaturrechnung für die Behebung des Sachschadens
am kollisionsbeteiligten Lastwagen auf Fr. 3'615.50 (Urk. ND 19/23/4/2; siehe
auch oben 3. Teil A. II. 4.2.1. d). Gemäss Angaben der K._ bezahlte sie
Fr. 3'360.20 an den Reparaturbetrieb, was dem Betrag gemäss Reparaturrech-
nung ohne die Mehrwertsteuer entspricht und Fr. 371.75 an die I._ AG ent-
sprechend deren Rechnung (Urk. ND 19/23/ 4/1 und ND 19/23/5). Im Hinblick auf
das Berufungsverfahren stellte die Privatklägerin 10 keine Anträge.
4.4.2. Bei der K._ handelt es sich gemäss Polizeirapport um die Motor-
fahrzeug-Haftpflichtversicherung, bei dem das vom Beschuldigten A._ be-
nützte Fahrzeug versichert war (Urk. 177/1 S. 3 und 177/2 S. 2). Das wird durch
die beim Beschuldigten anlässlich der Hausdurchsuchung im violetten Ordner si-
chergestellten Akten bestätigt (Urk. ND 19/5/181). Wie bereits beim Sachverhalt
erwähnt, wurden diese Sachumstände vom Beschuldigten nicht bestritten (siehe
oben 3. Teil A. II. 4.2.1. d). Dass die Privatklägerin 10 als obligatorische Motor-
fahrzeug-Haftpflichtversicherung vorleistungspflichtig ist, ergibt sich ohne weiteres
aufgrund ihres gesetzlichen Auftrages. Ihr Schadenersatzanspruch gegenüber
dem Beschuldigten ist damit rechtsgenügend belegt. Die Vorinstanz hat ihr Scha-
denersatzbegehren zu Recht gutgeheissen. Dass sie ausdrücklich keine Zinsfor-
derung geltend machte, ist ihr unbenommen. Infolge des durch den Absichtsunfall
entstandenen Sachschadens am kollisionsbeteiligten Lastwagen der I._ AG
ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerin 10 Fr. 3'731.95 zu bezah-
len.
6. Teil: Einziehungen / Beschlagnahmungen
1. Die Vorinstanz zog gestützt auf Art. 268 Abs. 1 lit. a StPO den beim Be-
schuldigten B._ beschlagnahmten Bargeldbetrag in der Höhe von
- 341 -
Fr. 2'252.75 und sein mittels Kontosperre beschlagnahmtes Guthaben (samt Zin-
sen) bei der N._ Bank AG, Zürich, zur Deckung der ihm auferlegten Verfah-
renskosten mit der Begründung ein, diese könnten nicht einzelnen Geschädigten
zugeordnet werden, weshalb eine Rückerstattung an diese im Sinne von Art. 73
StGB zu unterbleiben habe (Urk. 159 S. 327 und S. 333 Dispositiv Ziffern 14 und
15). Mit derselben Begründung zog sie das mittels Kontosperre beschlagnahmte
Guthaben (samt Zinsen) der Beschuldigten C._ ebenfalls zur Deckung der
Verfahrenskosten ein (Urk. 159 S. 327 und S. 333 Dispositiv Ziffer 16).
2. Der Verteidiger des Beschuldigten B._ akzeptierte diese Anordnung im
Grundsatze, verlangte jedoch die Herausgabe jenes Teils des mit Beschlag be-
legten Vermögens, das die seiner Ansicht nach eventualiter höchstens gerechtfer-
tigte Kostenbeteiligung des Beschuldigten in der Höhe von Fr. 2'500.– übersteige
(Urk.161 S. 3; Urk. 209 S. 57; Urk. 131 S. 113).
Der Verteidiger der Beschuldigten C._ focht die vorinstanzliche Regelung le-
diglich unter Verweis auf den von ihm für richtig erachteten Freispruch an, kriti-
sierte die Anordnung aber nicht weiter (Urk. 162 S. 2 f.; Urk. 211 S. 1; Urk. 129
S. 10).
3. Die von der Vorinstanz getroffenen Anordnungen bezüglich der beschlag-
nahmten Vermögenswerte erfolgten in Übereinstimmung mit den gesetzlichen
Grundlagen und erscheinen in Anbetracht der bereits entstandenen Kosten so-
wohl verhältnismässig als auch angemessen (per 16. August 2012 wies das Pri-
vatkonto des Beschuldigten B._ bei der N._ Bank einen Saldo von
Fr. 1'640.56 und dasjenige der Beschuldigten C._ bei der P._ einen sol-
chen von Fr. 440.36 aus [Urk. EIZ 33 S. 14]) und sind daher ohne weiteres zu be-
stätigen. Soweit sich die Appellation gegen die Kostenhöhe und -festsetzung rich-
tet, ist sie gegebenenfalls unter dem Punkt Kosten- und Entschädigungsfolgen zu
prüfen.
- 342 -
7. Teil: Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. Erstinstanzliche Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kostenfolgen
1.1. Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO hat die Rechtsmittelinstanz von Amtes
wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden,
wenn sie selber ein neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet (Griesser
in: ZH StPO Komm., a.a.O., N 14 zu Art. 428).
Gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskos-
ten, wenn sie verurteilt wird. Ausgenommen sind die Kosten der amtlichen Vertei-
digung. Wird das Verfahren eingestellt oder die beschuldigte Person freigespro-
chen, können ihr die Verfahrenskosten ganz oder teilweise auferlegt werden,
wenn sie rechtswidrig und schuldhaft die Einleitung des Verfahrens bewirkt oder
dessen Durchführung erschwert hat (Art. 426 Abs. 2 StPO).
Nach der Rechtsprechung sind der beschuldigten Person, die bei mehreren an-
geklagten Straftaten nur teilweise schuldig gesprochen, im Übrigen aber freige-
sprochen wird, die Verfahrenskosten nur anteilmässig aufzuerlegen. Dies gilt je-
denfalls, soweit sich die verschiedenen Anklagekomplexe klar auseinanderhalten
lassen. Die anteilmässig auf die mit einem Freispruch endenden Anklagepunkte
entfallenden Kosten verbleiben gestützt auf Art. 423 StPO i.V.m. Art. 426 Abs. 2
StPO beim Staat (Urteil des Bundesgerichts 6B_151/2014 vom 4. Dezember 2014
E. 3.2; Riklin, OFK-StPO, 2. A., Zürich 2014, N 2 zu Art. 426; Griesser in: ZH
StPO Komm., a.a.O., N 3 zu Art. 426).
1.2. Die Vorinstanz befasste sich einlässlich mit der Kostenauflage und berück-
sichtigte dabei sowohl die Anteile der Beschuldigten an den einzelnen Delikten
bzw. der dafür notwendigen Untersuchungshandlungen und den unterschiedlich
grossen Aufwand für die verschiedenen Deliktskategorien als auch den Ausgang
des erstinstanzlichen Verfahrens für die Beschuldigten. Sie wog den Anteil der
einzelnen Nebendossiers in Bezug auf das gesamte Verfahren in Prozentsätzen
ab und kam zu folgender Aufteilung: ND 1 und 2 je 2.5 %, ND 13 25 %, ND 19
- 343 -
15 %, die Leasingdelikte je 6 % (ND 3, 4,6, 7, 8 und 11), ND 5 und 12 je 7 % und
für die C._ betreffenden Anklagedelikte 5 % (Urk. 159 S. 327 f.).
Weiter berücksichtigte sie, dass der Beschuldigte A._ als hinsichtlich ND 12
und 19 allein Verurteilter die entsprechenden Kosten vollumfänglich, jedoch die
Kosten betreffend die ND 3-8, 11 und 13 hälftig mit B._ zu tragen habe, wo-
bei sie erwog, dass sich der Freispruch hinsichtlich des falschen Zeugnisses kos-
tenmässig nicht auswirke. Zudem habe der Beschuldigte A._ die ihm zuge-
wiesenen Kosten der Untersuchung ausgangsgemäss vollumfänglich zu über-
nehmen (Urk. 159 S. 328). Betreffend den Beschuldigten B._ erwog sie zu-
dem, dass dieser infolge des Freispruchs hinsichtlich ND 5 die dieses Dossier be-
treffenden Kosten nicht zu tragen habe, jedoch der Freispruch betreffend den Ge-
brauch einer erschlichenen falschen Beurkundung (ND 8) keine Auswirkungen auf
die Kosten habe, so dass sich entsprechend dem Ausgang eine Kostenpflicht für
das Untersuchungsverfahren von 91 % ergebe (Urk. 159 S. 328 f.). Schliesslich
schätzte die Vorinstanz den Aufwand für die beiden angeklagten Delikte, welche
alleine der Beschuldigten C._ vorgeworfen wurden, je gleich hoch ein und
erwog infolge des Teilfreispruches, dass sie entsprechend 2.5 % der Entscheid-
gebühr zu tragen habe (Urk. 159 S. 329). Bezüglich der Gebühr für die Strafun-
tersuchung bezog sie die Einstellungen hinsichtlich der auch gegen die Beschul-
digte C._ geführten Strafuntersuchungen (ND 3-13) in ihren Entscheid mit
ein und legte den Kostenanteil der Beschuldigten auf einen Drittel fest (Urk. 159
S. 329). Die Vorinstanz stützte sich bezüglich der auf die Beschuldigten einzeln
entfallenen Kosten der Strafuntersuchung auf die detaillierten Kostenblätter der
Staatsanwaltschaft See / Oberland (Urk. 52, 53 und 55).
Die Vorinstanz setzte sodann die Entscheidgebühr mit Hinweis auf den enormen
Aufwand hinsichtlich Vorbereitung, Aktenstudium und Verhandlungstage auf
Fr. 18'000.– fest (Urk. 159 S. 328).
1.3. Die Kostenregelung der Vorinstanz wurde seitens der Verteidigungen
grundsätzlich nicht bestritten (Urk. 207 S. 77, Urk. 209 S. 56 f.), von Seiten der
Beschuldigten C._ hinsichtlich der Kostenfestsetzung sie betreffend gar aus-
drücklich nicht (Urk. 162 S. 3). Die Anfechtung der vorinstanzlichen Kostenrege-
- 344 -
lung (Dispositiv-Ziffern 27 und 28) ist somit bedingt durch die von den Verteidi-
gungen beantragten Freisprüche, resp. Teilfreisprüche.
1.4. Die von der Vorinstanz festgesetzte erstinstanzliche Gerichtsgebühr von
Fr. 18'000.– erscheint unter Berücksichtigung von § 2 Abs. 1 und § 14 Abs. 1 lit. b
Gebührenverordnung des Obergerichts des Kantons Zürich vom 8. September
2010 (GebV OG), wonach für den Strafprozess im erstinstanzliche Verfahren eine
Gebühr bis Fr. 45'000.– vorgesehen ist, angesichts der Grösse des Falles und
des dadurch entstandenen Aufwandes als angemessen und ist nicht zu beanstan-
den. Im Übrigen nahm die Vorinstanz eine detaillierte, konkret auf das vorliegende
Verfahren umgesetzte Kostenaufteilung vor, welche die gesetzlichen Vorgaben
beachtete und nachvollziehbar ist. Es kann hierauf verwiesen werden (Urk. 159
S. 327 ff.). Da sich eine andere Gewichtung, die zwangsläufig zu einer Schlech-
terstellung der einen oder anderen beschuldigten Person führen würde, ange-
sichts des Verschlechterungsverbotes verbietet und sich die Aufteilung im We-
sentlichen angemessen erweist, ist das Kostendispositiv der Vorinstanz (Zif-
fern 27 und 28) vollumfänglich zu bestätigen.
2. Entschädigungsfolgen
2.1. Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO hat die beschuldigte Person, wenn sie
ganz oder teilweise freigesprochen wird oder das Verfahren gegen sie eingestellt
wird, Anspruch auf Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene
Ausübung ihrer Verfahrensrechte, worunter insbesondere die Kosten für einen er-
betenen Verteidiger fallen.
2.2. Die Vorinstanz sprach der Beschuldigten C._ eine Prozessentschädi-
gung von Fr. 20'505.15 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) für die anwaltliche
Verteidigung aus der Gerichtskasse zu (Urk. 159 S. 337, Ziff. 33). Sie begründete
diesen Anspruch mit dem ergangenen Teilfreispruch von C._, wobei der von
der Verteidigung geltend gemachte Aufwand zu einem Drittel von der Beschuldig-
ten zu tragen sei (Urk. 159 S. 330). Es besteht vorliegend kein Grund von dem im
Ermessen der Vorinstanz liegenden Entscheid über den Umfang der Entschädi-
- 345 -
gung abzuweichen, so dass die Ziffer 33 des vorinstanzlichen Urteils betreffend
die an C._ auszurichtende Prozessentschädigung zu bestätigen ist.
2.3. Gemäss Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO hat die Privatklägerschaft gegenüber der
beschuldigten Person Anspruch auf angemessene Entschädigung für notwendige
Aufwendungen im Verfahren, wenn sie obsiegt, worunter in erster Linie die An-
waltskosten fallen, soweit diese durch die Beteiligung am Strafverfahren selbst
verursacht wurden und für die Wahrung der Interessen der Privatklägerschaft
notwendig waren (BGE 139 IV 102 E. 4.1). Die Privatklägerschaft obsiegt, wenn
im Falle der Strafklage die beschuldigte Person schuldig gesprochen und/oder
wenn im Falle der Zivilklage die Zivilforderung geschützt wird. Das Letztere ist
auch dann der Fall, wenn die Zivilforderung nur dem Grundsatz nach geschützt
wird, im Übrigen aber auf den Zivilweg verwiesen wird (BGE 139 IV 102 E. 4.1;
bestätigt in Urteil des Bundesgerichtes 6B_1046/2013 vom 14. Mai 2014, E. 2.1.
und 2.4. sowie Riklin, OFK-StPO, a.a.O., N 1 zu Art. 433).
Die Entschädigung nach Art. 433 Abs. 1 StPO ist vom Gericht nach Ermessen
festzusetzen (vgl. BGE 139 IV 102 E. 4.5), jedoch tritt die Strafbehörde auf den
Entschädigungsantrag nicht ein, wenn die Privatklägerschaft ihre Entschädi-
gungsforderung nicht beziffert und nicht belegt (Art. 433 Abs. 2 StPO).
2.4. Die Vorinstanz trat auf den Entschädigungsantrag der Privatklägerin 1,
D._ AG, aus ND 3 mangels Belegen unter Verweis auf Art. 433 Abs. 2 StPO
nicht ein (Urk. 159 S. 321 und S. 334 Dispositiv Ziffer 18 Abs. 2). Der Vertreter
der Privatklägerin 1 stellte keine Anträge und machte geltend, das Bezirksgericht
Uster habe mit seinem Urteil seinen Anträgen vollumfänglich entsprochen, wes-
halb er um Bestätigung des Urteils ersuche (Urk. 170 S. 2).
Die vorinstanzliche Regelung ist zutreffend und ohne weiteres in Nachachtung
des auch hier geltenden Verschlechterungsverbotes zu bestätigen.
2.5. Die Vorinstanz hiess den Antrag der Privatklägerin 5, F1._ (Schweiz)
AG, auf eine Prozessentschädigung in der Höhe von Fr. 8'411.75 (inklusive
Mehrwertsteuer) mit Verweis auf die eingereichte Honorarnote vom 27. Februar
2015 (Urk. 116) und den mit der Strafanzeige verbundenen Aufwand infolge An-
gemessenheit gut. Sie verpflichtete die Beschuldigten A._ und B._ unter
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solidarischer Haftung für den gesamten Betrag zur Bezahlung der verlangten Ent-
schädigung (Urk. 159 S. 323 und S. 334 Dispositiv Ziffer 21 Abs. 2). Die Privat-
klägerin 5 liess sich nicht vernehmen und die Verteidiger der beiden Beschuldig-
ten erhoben keine substantiierten Einwände gegen die vorinstanzliche Entschädi-
gungsregelung.
Die Privatklägerin 5 obsiegte mit ihrer Strafklage, so dass ihr grundsätzlich eine
Prozessentschädigung zusteht. Da sich die Privatklägerin 5 gerade auch im
Schuldpunkt konstituierte, darf der notwendige Aufwand der Anwältin nicht wie in
einem Zivilprozess aufgrund des Deliktsbetrages oder der Höhe der Schadener-
satzforderung nach der für Zivilprozesse massgeblichen Anwaltsgebührenverord-
nung entschädigt werden, da die Vertreterin der Privatklägerin deren Rechte auch
im Hinblick auf den Schuldpunkt zu wahren hatte. Der vor Vorinstanz geltend ge-
machte Betrag für die Prozessentschädigung an die Privatklägerin 5 steht im Üb-
rigen im Einklang mit den Ansätzen der Verordnung des Obergerichts des Kan-
tons Zürich über die Anwaltsgebühren vom 8. September 2010 (AnwGebV) und
erweist sich als angemessen. Angesichts der gleichlautenden Schuldsprüche sind
die Beschuldigten A._ und B._ entsprechend zu gleichen Teilen und so-
lidarisch zu verpflichten, der Privatklägerin 5 die beantragte Prozessentschädi-
gung für das Untersuchungs- und das Hauptverfahren vor dem Erstgericht zu be-
zahlen.
B. Kosten- und Entschädigungsfolgen des Berufungsverfahren
1. Kostenfolgen
1.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob bzw. inwieweit eine
Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen
werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015 E. 2.4.1
mit Hinweisen; bestätigt in 6B_10/2015 vom 24. März 2015 E. 4.2.1). Für die Kos-
tenauflage gemäss Art. 426 Abs. 1 StPO sind nicht die rechtliche Würdigung und
die Anzahl der angeklagten Tatbestände, sondern der zur Anklage gebrachte Le-
benssachverhalt massgebend (Urteil des Bundesgerichts 6B_803/2014 vom
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15. Januar 2015 E. 3.5). Wird der Entscheid im Rechtsmittelverfahren nur unwe-
sentlich abgeändert, können die Kosten nach dem Verursacherprinzip auferlegt
werden (Urteil 6B_318/2016 vom 13. Oktober 2016 E. 4.1 mit Hinweisen).
1.2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahrens ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG un-
ter Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeit-
aufwands des Gerichts für dieses Verfahren auf Fr. 25'000.– festzusetzen.
1.3. Alle drei Beschuldigten unterliegen im Berufungsverfahren vollumfänglich.
Daran ändert auch die leicht andere rechtliche Qualifikation bezüglich des Er-
schleichens der Fahrzeugausweise resp. von deren Gebrauch nichts, wurden die
Beschuldigten A._ und B._ doch in allen angefochtenen Anklagepunk-
ten für den "realen Lebenssachverhalt" (BGE 140 IV 188 E. 1.6) schuldig gespro-
chen. Da die Privatklägerin 8 im Strafpunkt obsiegt, ist die Verweisung ihres
Schadenersatzanspruchs auf den Zivilweg statt dessen Gutheissung als unwe-
sentliche Änderung des vorinstanzlichen Entscheides zu beurteilen, kann doch
nicht ausgeschlossen werden, dass der Zivilrichter gegebenenfalls den Anspruch
gestützt auf eine ausreichende Begründung und rechtsgenügende Belege
schützt. Den Beschuldigten sind daher ausgangsgemäss die Kosten des Beru-
fungsverfahrens entsprechend dem auf sie entfallenden Anteil am ganzen Verfah-
ren aufzuerlegen, der für die Beschuldigte C._ auf 5 %, für den Beschuldig-
ten B._ auf 35 % (nur die relativ kleinen ND 1 und 2 fallen bei ihm alleine zu-
sätzlich an und bei diesen war er geständig) und für den Beschuldigten A._
auf 60 % (die umfangreichen resp. aufwendigen ND 12 und 19 betreffen nur ihn
allein) zu veranschlagen ist.
1.4. In Anwendung von Art. 267 Abs. 3 StPO i.V.m. Art. 268 Abs. 1 StPO sind die
oben erwähnten beschlagnahmten Vermögenswerte der Beschuldigten zur De-
ckung der ihnen auferlegten Verfahrenskosten zu verwenden.
1.5. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen im Berufungsverfahren sind auf die
Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 i. V. m. Art. 135 Abs. 4 StPO).
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Die amtlichen Verteidiger der Beschuldigten A._ und B._ beantragen für
das Berufungsverfahren eine Entschädigung von Fr. 23'521.30 (Rechtsanwalt lic.
iur. X1._; Urk. 208) und von Fr. 31'011.65 (Rechtsanwalt lic. iur. X2._;
Urk. 205/2 und Urk. 210), je inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen sowie in-
klusive des teilweise zu hoch geschätzten Aufwands für die Berufungsverhand-
lung und die Nachbesprechung. Die geltend gemachten Honoraransprüche ste-
hen im Einklang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung und erweisen
sich grundsätzlich als angemessen. In Berücksichtigung der Dauer der Beru-
fungsverhandlung, des Anfahrtsweges und der voraussichtlichen Dauer der
Nachbesprechung sind Rechtsanwalt lic. iur. X1._ als amtlicher Verteidiger
des Beschuldigten A._ mit Fr. 26'500.– und Rechtsanwalt lic. iur. X2._
als amtlicher Verteidiger des Beschuldigten B._ mit Fr. 29'500.– aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen. Die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO bleibt bei beiden Beschuldigten jedoch vorbehalten.
2. Entschädigungsfolgen
Die Entschädigungsfrage folgt den gleichen Regeln wie der Kostenentscheid. Es
gilt der Grundsatz, dass bei Auferlegung der Kosten keine Entschädigung oder
Genugtuung auszurichten ist (Urteil des Bundesgerichtes 6B_802/2015 vom
9. Dezember 2015 E. 5.3; BGE 137 IV 352 E. 2.4.2). Damit fehlt es für die Zu-
sprechung einer Entschädigung an den erbetenen Verteidiger der Beschuldigten
C._ ausgangsgemäss an der notwendigen Grundlage.
C. Genugtuung bei Freiheitsentzug
1. Wird die beschuldigte Person ganz oder teilweise freigesprochen oder wird
das Verfahren gegen sie eingestellt, so hat sie gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. b StPO
Anspruch auf Entschädigung der wirtschaftlichen Einbussen, die ihr aus ihrer
notwendigen Beteiligung am Strafverfahren entstanden sind sowie gemäss
Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO Anspruch auf Genugtuung für besonders schwere Ver-
letzungen ihrer persönlichen Verhältnisse, insbesondere bei Freiheitsentzug. Ma-
teriellrechtlich beurteilt sich der Anspruch nach Art. 28a Abs. 3 ZGB und Art. 49
OR (Urteil des Bundesgerichts 6B_192/2015 vom 9. September 2015 E. 1.2 mit
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Hinweisen). Im Fall von Untersuchungs- und Sicherheitshaft entfällt der Anspruch
auf Entschädigung für die Überschreitung der zulässigen Haftdauer oder des
übermässigen Freiheitsentzuges im Sinne von Art. 431 Abs. 2 StPO, wenn die
beschuldigte Person zu einer Geldstrafe, gemeinnütziger Arbeit oder einer Busse
verurteilt wird, die umgewandelt eine Freiheitsstrafe ergäbe, die nicht wesentlich
kürzer wäre als die ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft (Art. 431
Abs. 3 lit. a StPO) oder wenn sie zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt wird,
deren Dauer die ausgestandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft überschrei-
tet (Art. 431 Abs. 3 lit. b StPO).
2. Für die Zusprechung einer Genugtuung und einer Entschädigung an den
Beschuldigten B._ für erlittene Überhaft und den Erwerbsausfall, wie dies
sein Verteidiger beantragt (Urk. 209 S. 4), fehlt es an den entsprechenden Vo-
raussetzungen. Da Art. 431 Abs. 3 lit. b StPO bei bedingt ausgesprochenen Stra-
fen Anwendung findet, muss dies erst recht auch im Falle einer teilbedingt ausge-
sprochenen Freiheitsstrafe, wie sie vorliegend ausgefällt wurde, gelten. Deren
Umfang übersteigt die erstandene Haft bei weitem, so dass das Genugtuungs-
und Entschädigungsbegehren des Beschuldigten B._ abzuweisen ist.
3. Nachdem die Beschuldigte C._ schuldig gesprochen und mit 180 Ta-
gessätzen Geldstrafe bestraft wurde, bleibt in Anwendung des Umrechnungs-
schlüssels von Art. 51 StGB kein Raum für die von ihr verlangte Genugtuung für
zu Unrecht erlittene Haft (Urk. 162 S. 2; Urk. 211 S. 1).