# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a15f449e-a926-4133-a06a-87b0990d531c
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_005
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

daher mit Sachverhalten konfrontiert, welche ebenfalls das Baurecht
beträfen. Er habe daher über noch mehr Kenntnisse verfügt als ein
durchschnittlicher Fachmann. Wenn er angesichts dieser Umstände die
Rechtslage nicht geprüft und keine Zweifel an seiner Einschätzung gehegt
habe, so habe er sich pflicht- und sorgfaltswidrig verhalten. Der Vorwurf der
Fahrlässigkeit müsse damit bestehen bleiben. Zumindest ein leichtes
Verschulden sei dem Beschwerdeführer entgegenzuhalten. Auch seien
entlastende und damit bussenreduzierende Umstände angemessen
berücksichtigt worden. Die daraus folgende Bussenhöhe liege kaum über
dem gesetzlichen Minimalbetrag (bei Bussenrahmen Fr. 200.-- bis 40'000.-
-). Auch die erhobenen Verfahrenskosten bewegten sich am untersten
Rand.
9. In der Replik vom 23. April 2020 hielt der Beschwerdeführer unverändert
an seinen Anträgen in der Beschwerde fest. Er betonte darin, dass es nur
um die Sanierung der Sanitärfallstränge innerhalb der Liegenschaft, d.h.
Zu- und Ableitungen über alle Geschosse gegangen sei und nicht um die
Sanierung von Anschlüssen nach aussen und/oder von elektrischen
Leitungen bzw. dem Elektrotableau, die allerdings auch nicht
bewilligungspflichtig gewesen wären. Es sei auch nicht um die Sanierung
der Türen gegangen, die schon vor der Meldung in enger Absprache mit
der Feuerpolizei saniert worden seien. Die ausgeführten
Sanierungsarbeiten stellten keine baulichen Massnahmen nach Art. 50
KRVO dar, da es nur um Werterhaltung gegangen sei. Zur Anwendung
komme Art. 40 KRVO, wonach für Reparatur- und Unterhaltsarbeiten laut
kommunalem Baugesetz der Beschwerdegegnerin kein Meldeverfahren
eingeführt worden sei und sich der Beschwerdeführer deswegen auch nicht
strafbar gemacht habe. Mit der Replik reichte der Anwalt des
Beschwerdeführers aufforderungsgemäss auch noch seine Honorarnote
über Fr. 3'631.55 beim Gericht ein.
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10. In der Duplik vom 6. Mai 2020 hielt die Beschwerdegegnerin unverändert
am Antrag auf kostenfällige Abweisung der Beschwerde fest. Sie
bekräftigte darin nochmals, dass die Erneuerung der Fallstränge in einem
Gebäude nach ihrer Ansicht eine bewilligungspflichtige bauliche
Massnahme sei, welche nicht unter die Ausnahmebestimmung von Art. 40
KRVO falle. Die Erneuerung der Fallstränge in einem Gebäude sei ein
untergeordnetes Bauvorhaben im Sinne von Art. 50 KRVO, weshalb das
Meldeverfahren nach Art. 51 KRVO zur Anwendung komme. Zur
strafrechtlichen Verantwortung (Busse) seien Art. 95 ff. KRG massgebend
und anwendbar.
11. Mit Eingabe vom 21. August 2020 ersuchte der Anwalt des
Beschwerdeführers um möglichst rasche Beurteilung der hängigen
Beschwerde.
Auf die weiteren Vorbringen und Argumente der Parteien wird, soweit
erforderlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend der Entscheid vom 28. Januar, mitgeteilt
am 5. Februar 2019, worin die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer
wegen Verstosses gegen das formelle Baurecht mit einer Busse von Fr.
300.-- (Ziff. 2 Entscheiddispositiv) und Verfahrenskosten von Fr. 300.-- (Ziff.
3 Entscheiddispositiv) belegte. Beschwerdethema ist demzufolge die
Rechtmässigkeit des angefochtenen Baubussenentscheids (inkl. Kosten).
1.2. Nach Art. 50 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR
370.100) ist zur Beschwerde vor Verwaltungsgericht legitimiert, wer durch
den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse
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an seiner Aufhebung oder Änderung hat. Konkret wird der
Beschwerdeführer durch den strittigen Baubussenentscheid finanziell
sowie persönlich (vgl. Eingabe vom 21. August 2020) belastet, womit er ein
schutzwürdiges Interesse an der gerichtlichen Überprüfung des
Bussenentscheids hat. Die Beschwerde ist auch form- und fristgerecht (Art.
38 Abs. 1 i.V.m. Art. 52 Abs. 1 VRG) eingereicht worden, weshalb darauf
eingetreten wird.
1.3. Zum anwendbaren Recht sind sich die Parteien einig, dass vorliegend auf
die Bestimmungen des Raumplanungsgesetzes für den Kanton
Graubünden (KRG; BR 801.100) und der zugehörigen
Raumplanungsverordnung (KRVO; BR 801.110) seit dem Jahre 2005
abzustellen ist und somit hier die Teilrevision des KRG samt KRVO per 1.
April 2019 ohne Belang ist.
2.1. Ausgangspunkt für die materielle Beurteilung der vorliegenden Streitigkeit
sind die Art. 86 Abs. 2 KRG (keine Baubewilligungspflicht), Art. 40 Abs. 1
Ziff. 1 und Ziff. 2 (nicht bewilligungspflichtige Bauvorhaben) sowie Art. 50 f.
(Meldeverfahren) KRVO. Nach Art. 86 Abs. 2 KRG unterliegen zeitlich
begrenzte Bauvorhaben sowie solche, die weder öffentliche noch private
Interessen berühren, nicht der Baubewilligungspflicht. Die Regierung
bestimmt durch Verordnung, welche Bauvorhaben keiner Baubewilligung
bedürfen. In Art. 86 Abs. 3 KRG wird dazu noch ergänzend festgehalten,
dass die Gemeinden im Baugesetz nicht bewilligungspflichtige
Bauvorhaben dem Meldeverfahren unterstellen können. Nach Art. 40 Abs.
1 KRVO bedürfen u.a. namentlich folgende Bauvorhaben keiner
Baubewilligung: (Ziff. 1) Reparatur- und Unterhaltsarbeiten an
bestimmungsgemäss nutzbaren Bauten und Anlagen, sofern sie nur der
Werterhaltung dienen und die Baute und Anlage dadurch keine Änderung
oder Zweckänderung erfährt; (Ziff. 2) Geringfügige Änderungen im Innern
von Bauten und Anlagen mit Ausnahme von Änderungen der Nutzfläche
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oder der Anzahl Räume, ausgenommen ausserhalb der Bauzonen. Art. 50
Abs. 1 KRVO hält zum Meldeverfahren fest: Das Meldeverfahren ist ein
vereinfachtes Baubewilligungsverfahren. Es findet Anwendung auf
untergeordnete Bauvorhaben, bei welchen mit keinen Einsprachen zu
rechnen ist, wie insbesondere (Ziff. 1) geringfügige Projektänderungen
bereits bewilligter Bauvorhaben; oder (Ziff. 2) bauliche Massnahmen, die
nach aussen nicht in Erscheinung treten, zonenkonform sind und zu keinen
Veränderungen bezüglich Verkehrsbelastung oder Ausnützung führen.
Laut Art. 50 Abs. 2 KRVO findet das Meldeverfahren überdies Anwendung
auf Bauvorhaben, die gemäss Art. 40 von der Baubewilligungspflicht
ausgenommen, jedoch gemäss kommunalem Baugesetz der Meldepflicht
unterstellt sind.
Im Lichte dieser Vorgaben ist die vorliegende Streitsache zu entscheiden.
2.2. Der Beschwerdeführer ist der Überzeugung, sein Bauvorhaben sei eines
gemäss Art. 40 Abs. 1 Ziff. 1 KRVO. Das Gericht gibt ihm diesbezüglich
vollständig Recht. Bei den Leitungssanierungs- und Erneuerungsarbeiten
im Haus der Bauherrin auf Parzelle 1896 handelte es sich eindeutig um
Reparatur- und Unterhaltsarbeiten, die nur der Werterhaltung des bereits
1965 erstellten Gebäudes (vor 55 Jahre gebaut) dienen, zumal die sanierte
Liegenschaft dadurch keine Änderung oder Zweckänderung erfährt.
2.3. Es spielt dabei keine Rolle, dass ebenfalls eine Feuerpolizeibewilligung
eingeholt werden muss, weil nach Art. 40 Abs. 3 KRVO die Befreiung von
der Bewilligungspflicht gegenüber der Beschwerdegegnerin unabhängig
von der Einholung anderer Bewilligungen gilt. Die Bewilligungsbefreiung
nach Art. 40 Abs. 1 Ziff. 1 KRVO sorgt zudem dafür, dass Art. 50 Abs. 1
KRVO keine Anwendung findet, ist doch auf jeden Fall die
Bewilligungsbefreiung gemäss Art. 40 Abs. 1 Ziff. 1 KRVO die spezielle
Norm, welche zudem die Durchführung eines Baubewilligungsverfahrens
unnötig macht, weil sie ja gerade bewilligungsfrei ist. Besteht folglich von
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Anfang an keine Bewilligungspflicht, ist auch kein Bewilligungsverfahren
durchzuführen.
2.4. Im Weiteren ist die Nichteinreichung einer feuerpolizeilichen Bewilligung
dem Beschwerdeführer im Bussverfahren von der Beschwerdegegnerin
nicht vorgehalten worden. Überhaupt wurde dem Beschwerdeführer von
der Beschwerdegegnerin persönlich nichts vorgeworfen; es sei denn, man
betrachte das Schreiben der Beschwerdegegnerin an die Bauherrin vom 7.
September 2018 als Vorhalt. Dieses Schreiben enthält jedoch ebenfalls
keinen Vorhalt bezüglich der feuerpolizeilichen Bewilligung. Der Vorhalt
beinhaltet lediglich, das Bauvorhaben umgesetzt zu haben, ohne dass die
Baubewilligung für die getätigten Leitungssanierungen vorgelegen hatte.
2.5. Das vereinfachte Baubewilligungsverfahren findet gemäss Art. 50 Abs. 2
KRVO auf Bauvorhaben Anwendung, die nach Art. 40 KRVO kommunal
von der Baubewilligungspflicht ausgenommen sind, jedoch gemäss
kommunalem Baugesetz dem vereinbarten vereinfachten
Baubewilligungsverfahren unterstellt sind. Letzteres ist aber in der
Gemeinde der Beschwerdegegnerin gerade nicht der Fall, so dass im
konkreten Fall weder nach kantonalem noch nach kommunalem Recht der
zuständigen Baubehörde der Beschwerdegegnerin etwas gemeldet
werden musste.
2.6. Aus dem Gesagten ergibt sich zusammengefasst, dass der
Beschwerdeführer demnach keine baurechtlichen Vorschriften verletzt hat,
weswegen seine Beschwerde vom 25. Februar 2019 gutzuheissen ist und
der angefochtene Baubussenentscheid vom 28. Januar/5. Februar 2029
(inkl. Verfahrenskosten) aufzuheben ist.
3.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens sind die Gerichtskosten gestützt auf
Art. 73 Abs. 1 VRG der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Das Gericht
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erachtet dabei vorliegend eine Staatsgebühr von Fr. 1'500.-- (zzgl.
Kanzleiauslagen) für angemessen und gerechtfertigt.
3.2. Aussergerichtlich hat die Beschwerdegegnerin den – nicht
vorsteuerabzugsberechtigten – Beschwerdeführer für die 'notwendig
verursachten Kosten' dieses Verfahrens gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG zu
entschädigen. Es kann dafür auf die Honorarnote vom 23. April 2019 des
Anwalts des Beschwerdeführers (mit Honorarvereinbarung vom 13.
September 2018 gemäss Art. 4 Abs. 1 der Verordnung über die
Bemessung des Honorars der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
[Honorarverordnung; HV; BR 310.259]) in der Höhe von total Fr. 3'631.55
(bestehend aus: Arbeits-/Zeitaufwand 12.166 h à Fr. 270.--/h [Fr. 3'285.--]
plus MWST [Fr. 253.95], zzgl. Spesen [Fr. 86.--] plus 7.7% MWST auf Fr.
86.-- [Fr. 6.60]) verwiesen und diese anwaltliche Kostennote unverändert
übernommen werden. Die Beschwerdegegnerin hat dem
Beschwerdeführer in diesem Umfang also eine Parteientschädigung zu
bezahlen.