# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2ea25322-0da4-4c3e-84a2-9f8b01ae7dac
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
einfache Körperverletzung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur, Einzelgericht, vom 14. Juni 2017 (GG170022)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 16. März
2017 (Urk. 16) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 56 S. 30 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
- der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB,
- der üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 StGB sowie
- der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu Fr. 60.00 (ent-
sprechend gesamthaft Fr. 7'200.00) sowie mit einer Busse von Fr. 1'500.00.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatzfrei-
heitsstrafe von 15 Tagen.
5. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin B._ aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz- und genugtuungspflichtig ist.
Zur genauen Feststellung des Umfanges des Zivilanspruchs wird die Privatklägerin
B._ auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
6. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin C._ wird abgewiesen.
7. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'500.00 Gebühr Vorverfahren
Fr. 4'000.00 Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Verlangt keine der Parteien eine schriftliche Begründung des Urteils, ermässigt sich die
Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
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8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin B._ für das gesamte Verfahren
eine Prozessentschädigung von Fr. 3'260.00 zu bezahlen.
10. (Mitteilungen.)
11. (Rechtsmittel.)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 5)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 57 S. 2 f.; Urk. 91 S. 1)
1. Das vorinstanzliche Urteil sei vollumfänglich aufzuheben.
2. Herr A._ sei vollumfänglich freizusprechen.
3. Herr A._ sei Schadenersatz von CHF 18'098.25 für die ausgewie-
senen Anwaltskosten zuzusprechen.
4. Ausgangsgemäss sei auf die Zivilforderungen nicht einzutreten.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen für das erst- und zweit-
instanzliche Verfahren zu Lasten der Staatskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 64)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Berufungsumfang, Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. In Bezug auf den Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur
Vermeidung von Wiederholungen auf die Erwägungen im angefochtenen Ent-
scheid verwiesen werden (Urk. 56 S. 5).
1.2. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz
vom 14. Juni 2017 wurde der Beschuldigte der einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB, der üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 StGB
sowie der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen
(Urk. 56 S. 30 f.).
1.3. Gegen dieses zunächst mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 26 ff.) liess der
Beschuldigte mit Eingabe vom 15. Juni 2017 (Urk. 50) rechtzeitig Berufung an-
melden (Art. 399 Abs. 1 StPO). Am 21. August 2017 wurde dem Verteidiger des
Beschuldigten das begründete Urteil (Urk. 52 = Urk. 56) zugestellt (Urk. 53).
1.4. Die Berufungserklärung der Beschuldigten erfolgte am 11. September
2017 (Datum Postaufgabe) und damit innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399
Abs. 3 StPO (Urk. 57). Mit der Berufungserklärung stellte die Verteidigung diverse
Beweisanträge (Urk. 57 S. 2 f.).
1.5. Mit Präsidialverfügung vom 27. September 2017 wurde die Berufungser-
klärung des Beschuldigten der Staatsanwaltschaft und den Privatklägerinnen zu-
gestellt und Frist angesetzt, um gegebenenfalls Anschlussberufung zu erheben
oder ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen sowie um zu den Beweis-
anträgen Stellung zu nehmen (Urk. 62). Die Staatsanwaltschaft beantragte in ihrer
Eingabe vom 3. Oktober 2017 die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils sowie
die Abweisung sämtlicher Beweisanträge (Urk. 64). Die Privatklägerinnen liessen
sich nicht vernehmen.
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1.6. Die Beweisanträge des Beschuldigten wurden in der Folge mit Präsidial-
verfügung vom 8. November 2017 abgewiesen unter Hinweis darauf, dass abge-
lehnte Beweisanträge an der Berufungsverhandlung erneut gestellt werden kön-
nen (Urk. 69).
1.7. Mit Eingabe vom 26. März 2018 teilte der bisherige erbetene Verteidiger
des Beschuldigten, Rechtsanwalt lic. iur. X2._, seine Mandatsniederlegung
mit (Urk. 79). Gleichentags zeigte der neue erbetene Verteidiger des Beschuldig-
ten, Rechtsanwalt lic. iur. X1._, die Mandatsübernahme an (Urk. 76; Voll-
macht: Urk. 77).
1.8. Zur Berufungsverhandlung am 19. April 2018 erschien der Beschuldigte in
Begleitung seines Verteidigers (Prot. II S. 5).
2. Umfang der Berufung
2.1. Mit Ausnahme von Dispositivziffern 6 und 7 ficht der Beschuldigte das vor-
instanzliche Urteil zur Gänze an, beantragt einen vollumfänglichen Freispruch und
die Abweisung der Zivilansprüche der Privatklägerinnen, alles unter entsprechen-
den Kosten- und Entschädigungsfolgen (Urk. 57 S. 2; Urk. 91 S. 1).
2.2. Die vorinstanzliche Abweisung des Genugtuungsbegehrens der Privat-
klägerin C._ (Disp.-Ziff. 6) blieb unangefochten. Anlässlich der Berufungs-
verhandlung erklärte die Verteidigung, dass die vorinstanzliche Kostenfestsetzung
(Disp.-Ziff. 7) ebenfalls nicht angefochten sei (Prot. II S. 6). Dispositivziffern 6 und
7 sind damit in Rechtskraft erwachsen, was vorab festzustellen ist (Art. 399 Abs. 3
StPO in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO sowie Art. 404 StPO).
3. Strafanträge
Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt (Urk. 56 S. 5), dass die für die Beurtei-
lung der vorliegenden Delikte erforderlichen Strafanträge form- und fristgerecht
gestellt wurden (Tätlichkeiten zum Nachteil Privatklägerin 1: Urk. 7/5; Ehrver-
letzung zum Nachteil Privatklägerin 2: ND3 Urk. 7), was denn auch von keiner
Partei in Abrede gestellt wird.
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4. Beweisanträge
4.1. In der Berufungserklärung stellte die Verteidigung des Beschuldigten die
nachfolgend aufgeführten Beweisanträge (Urk. 52 S. 2 f.), die die Verteidigung
bereits vor Vorinstanz (Urk. 33 S. 2; Urk. 46 S. 3) vorgebracht hatte und abgewie-
sen worden sind (vgl. Urk. 35):
- Augenschein im Eingangsbereich der D._. - Befragung der Privatklägerin 2 als Auskunftsperson. - Befragung von E._, ...[Adresse], als Zeuge.
Mit Präsidialverfügung vom 8. November 2017 wurden die Beweisanträge des
Beschuldigten abgewiesen (Urk. 69).
4.2. Im Zusammenhang mit Anklagedossier 1 beantragte die Verteidigung im
Vorfeld der Berufungsverhandlung neu zusätzlich die Befragung der Privatkläge-
rin 1 (Urk. 84). Anlässlich der Berufungsverhandlung liess der Beschuldigte sämt-
liche vorgenannten Beweisanträge erneut stellen (vgl. Prot. II S. 6 f.). Überdies
wurde anlässlich der Berufungsverhandlung im Zusammenhang mit Anklage-
dossier 2 zur Führung des Wahrheits- resp. Gutglaubensbeweises neu beantragt,
es seien die Eheschutzakten beizuziehen und es sei einen psychiatrische Be-
gutachtung der Privatklägerin 2 anzuordnen. Sämtliche Beweisanträge wurden
anlässlich der Berufungsverhandlung einstweilen abgewiesen (Prot. II S. 8).
4.3. An der in der Präsidialverfügung resp. in der von der Vorinstanz vor-
genommenen Beurteilung der früheren drei Beweisanträge (Augenschein, Befra-
gung Privatklägerin 2 und E._) hat sich nichts geändert. Es kann folglich
vollumfänglich auf die Ausführungen in der Präsidialverfügung vom 8. November
2017 (Urk. 69) resp. auf die Beurteilung der Vorinstanz (Urk. 35) sowie auf die
nachfolgende Beweiswürdigung verwiesen werden.
4.4. Nachdem – wie zu zeigen sein wird – in Bezug auf Anklagedossier 1 ein
Freispruch zu ergehen hat, sind der beantragte Augenschein sowie der Antrag auf
Befragung der Privatklägerin 1 gegenstandslos geworden.
4.5. Die übrigen Beweisanträge (Befragung Privatklägerin 2 und E._, Bei-
zug Eheschutzakten, psychiatrische Begutachtung Privatklägerin 2) wurden im
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Zusammenhang mit dem Vorwurf der üblen Nachrede, Anklagedossier 2, gestellt.
Da die offerierten Beweismittel teils überhaupt nicht geeignet sind, den damit an-
gestrebten Wahrheitsbeweis zu erbringen (Art. 139 Abs. 1 StPO), und insbeson-
dere da der Beschuldigte – wie zu zeigen sein wird – ohnehin nicht zum Ent-
lastungsbeweis zuzulassen ist, sind diese übrigen Beweisanträge wegen Uner-
heblichkeit (Art. 139 Abs. 2 StPO) abzuweisen.
5. Verwertbarkeit der Einvernahmen von F._ und G._
5.1. Die Vorinstanz erwog (Urk. 56 S. 8), dass der Beschuldigte anlässlich der
Einvernahmen von F._ bzw. G._ am 20. Dezember 2015 (Urk. 4 und
Urk. 5) nicht habe anwesend sein können. Die Einvernahmen seien ihm auch
nicht vorgehalten worden, weshalb diese Aussagen nicht zu Lasten des Beschul-
digten verwertet werden können.
5.2. Art. 147 Abs. 1 StPO räumt den Parteien das Recht ein, bei Beweiser-
hebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und
den einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Bei Beweiserhebungen durch
die Polizei, etwa bei polizeilichen Einvernahmen von Auskunftspersonen, sind die
Parteien nicht zur Teilnahme berechtigt (Umkehrschluss aus Art. 147 Abs. 1
StPO). Soweit die Polizei Einvernahmen im Auftrag der Staatsanwaltschaft durch-
führt, stehen den Verfahrensbeteiligten die Verfahrensrechte zu, die ihnen bei
Einvernahmen durch die Staatsanwaltschaft zukommen (Art. 312 Abs. 2 StPO;
jüngst Urteil des Bundesgerichts 6B_422/2017 vom 12. Dezember 2017; Urteil
6B_217/2015 vom 5. November 2015 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 423;
BGE 139 IV 25 E. 4.2 S. 29 f.). Beweise, die in Verletzung dieser Bestimmung er-
hoben worden sind, dürfen gemäss Art. 147 Abs. 4 StPO nicht zulasten der Partei
verwertet werden, die nicht anwesend war.
Sollen Einvernahmen von Auskunftspersonen im polizeilichen Ermittlungsverfah-
ren allerdings zum Nachteil der beschuldigten Person verwertet werden, muss
das sich aus der EMRK ergebende Konfrontationsrecht (Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK)
entweder schon bei der Einvernahme selbst oder aber nachträglich gewährt wer-
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den (WOHLERS, in: Donatsch/Hansjakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweiz-
erischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 147 N 2).
5.3. F._ wurde im gesamten Verfahren lediglich einmal durch die Polizei
im Rahmen des Ermittlungsverfahren befragt, wobei dem Beschuldigten kein Kon-
frontationsrecht gewährt wurde (Urk. 4). Diese Aussagen sind nach dem Gesag-
ten jedenfalls nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertbar. Gleiches gilt in Be-
zug auf die Aussagen von G._ zu ihren Beobachtungen im Zusammenhang
mit den Vorwürfen in Dossier 1, welche sie als Nachbarin des Beschuldigten ge-
macht haben will (Urk. 5). Zwar wurde G._ im weiteren Verlauf des Verfah-
rens von der Staatsanwaltschaft unter Gewährung des Teilnahmerechts des Be-
schuldigten einvernommen (Urk. 3/4). Gegenstand jener Befragung war allerdings
der Vorwurf von Ehrverletzungsdelikten des Beschuldigten zum Nachteil von
G._, der im späteren Verlauf des Verfahrens aufgrund des Rückzugs des
Strafantrags von G._ eingestellt wurde (Urk. 18). Somit sind auch – wie die
Vorinstanz im Ergebnis ebenfalls zutreffend feststellte (Urk. 56 S. 8) – die Aussa-
gen von G._ zu den Vorwürfen in Anklagedossier 1 nicht zu Lasten des Be-
schuldigten verwertbar.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwürfe
1.1. In Dossier 1 wird dem Beschuldigten im Wesentlichen vorgeworfen, er ha-
be der Privatklägerin B._ im Zuge eines verbalen Streits am 12. Dezember
2015 mit der Faust ins Gesicht auf das rechte Auge geschlagen, sodass die Pri-
vatklägerin mit dem Kopf gegen die Wand geprallt und schliesslich zu Boden ge-
gangen sei. Sodann habe er die am Boden liegende Privatklägerin gegen den
Oberschenkel getreten und sie an den Haaren gerissen. Vom Schlag habe die
Privatklägerin ein Hämatom davongetragen und eine zumindest vorübergehende
Einbusse ihrer Sehkraft erlitten. Durch den Tritt habe der Beschuldigte ihr eine
Prellung zugefügt (Urk. 16 S. 2).
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1.2. Gemäss Anklagevorwurf zu Dossier 2 soll der Beschuldigte zum Nachteil
seiner Ehefrau und Privatklägerin 2, C._, eine E-Mail an
ca. 25 Privatpersonen, Behördenmitglieder und Rechtsvertreter versandt haben,
worin er die Privatklägerin unter anderem als Lügnerin und Psychopatin benannt
habe. Er habe sie als labile und psychisch sehr instabile Person bezeichnet, de-
ren Zustand nun in einer krankhaften Angst bzw. in "Violence" mit Attacken mit
Gegenständen ende, was früher oder später auch für den gemeinsamen Sohn ge-
fährlich sei. Weiter habe er ausgeführt, der gemeinsame Sohn müsse vor dieser
Psychopathin gerettet und in Sicherheit gebracht werden (Urk. 16 S. 3).
2. Zusammengefasster Standpunkt des Beschuldigten / Ausgangslage
2.1. Den in Dossier 2 zur Anklage gebrachten Sachverhalt anerkennt der Be-
schuldigte (so zuletzt Prot. I S. 16 ff.; Urk. 2/6 S. 4; Urk. 2/5 S. 1-3; Urk. 90 S. 9;
Urk. 91 S. 7). Allerdings will er zum Entlastungsbeweis zugelassen werden und
bestreitet damit eine Strafbarkeit auch in Bezug auf Anklagedossier 2. Dies wird
im Rahmen der rechtlichen Würdigung zu erörtern sein.
2.2. Der Beschuldigte bestritt den ihm in Anklagedossier 1 zur Last gelegten
Sachverhalt im bisherigen Verfahren (Urk. 2/1 F 21, Urk. 2/3 F 17, Urk. 2/4 F 12,
Urk. 2/6 F 36, Prot. I S. 14 ff.) und erklärte, der Vorwurf basiere vollumfänglich auf
einer Lüge der Privatklägerin 1 (Urk. 2/6 F 36, Prot. I S. 15). Auch im Berufungs-
verfahren bestritt der Beschuldigte, die Privatklägerin 1 absichtlich mit der Faust
geschlagen zu haben. Er habe lediglich eine Abwehrbewegung gemacht. Die Ver-
letzungen würden nicht von ihm stammen (Urk. 90 S. 5-8).
2.3. Angesichts dieser Bestreitung ist deshalb im Folgenden zu prüfen, ob sich
der dem Beschuldigten zur Last gelegte Anklagesachverhalt in Dossier 1 mit
rechtsgenügender Sicherheit erstellen lässt. Die Berufungsinstanz muss sich da-
bei nicht mit jedem einzelnen Vorbringen des Beschuldigten auseinandersetzen.
Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschrän-
ken. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen
sich das Gericht hat leiten lassen und auf die sich sein Entscheid stützt (BGE 139
IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2; je mit Hinweisen).
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3. Grundsätze der Sachverhaltserstellung
3.1. Die Vorinstanz führte sinngemäss aus, der Beschuldigte sei weniger
glaubwürdig, weil er als Beschuldigter ein legitimes Interesse daran habe, sich
nicht selbst zu belasten (Urk. 56 S. 11). Dies ist entweder ein untaugliches Kriteri-
um zur Unterscheidung von wahren und erfundenen Aussagen, weil ein Unschul-
diger dasselbe Interesse hat, oder es ist ein Zirkelschluss, indem von vornherein
von der Schuld des Beschuldigten ausgegangen wird. Darüber hinaus verstösst
eine solche Feststellung gegen das Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen
(Art. 113 Abs. 1 StPO). Die prozessuale Stellung einer Partei vermag für die
Sachverhaltserstellung nie etwas beizutragen, weder im positiven noch im negati-
ven Sinne. Auch die Ausführungen der Vorinstanz zur Glaubwürdigkeit der Privat-
klägerin 1 sind folglich für die Glaubhaftigkeitsbeurteilung nicht von Relevanz.
Was die Vorinstanz im Übrigen zu den massgebenden Grundsätzen der Sachver-
haltserstellung, den Beweiswürdigungsregeln sowie den verfügbaren Beweismit-
teln und deren Verwertbarkeit (dazu vorstehend) ausführt, ist nicht zu beanstan-
den (Urk. 56 S. 7 f.). Zur Vermeidung von Wiederholungen kann darauf verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Ferner hat die Vorinstanz diese Aussagen allesamt korrekt zusammenge-
fasst (Urk. 56 S. 8 f. [Aussagen der Privatklägerin 1, B._]; S. 10 ff. [Aussagen
des Beschuldigten]). Darauf kann ebenfalls verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO).
4. Zur Vorgeschichte mit B._ (Privatklägerin 1)
4.1. Unbestritten ist, dass die Privatklägerin 1 den Beschuldigten mit der Erstel-
lung der Buchhaltung für ihre im ...-Bereich tätige GmbH beauftragte. Weiter ist
unbestritten, dass es im Zuge dieses Mandatsverhältnisses zu Unstimmigkeiten
und gegenseitigen Vorwürfen zwischen dem Beschuldigten und der Privatkläge-
rin 1 kam. Sie mündeten darin, dass die Privatklägerin 1 am Tage des hier zu be-
urteilenden Vorfalls den Beschuldigten zu Hause aufsuchte und von diesem die
bereits früher für die Erstellung der Buchhaltung ausgehändigten Unterlagen und
Belege zurückforderte, wobei es zu einem tätlichen Streit kam (Beschuldigter:
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Prot. I S. 10 ff.; Urk. 2/1 S. 1 ff.; Urk. 2/3 S. 4 ff.; Urk. 90 S. 5-7; Privatklägerin:
Urk. 3/1 S. 1 f.; Urk. 3/2).
4.2. Bestritten ist demgegenüber, wer resp. was die genaue Ursache für diesen
Disput bezüglich der Buchhaltung war. Diese Frage braucht indes vorliegend nicht
näher erörtert zu werden, nachdem sie für die Beurteilung des Anklagevorwurfs
nicht von Relevanz ist.
5. Objektive Beweismittel zu den Verletzungen der Beteiligten
5.1. Gemäss der Anklageschrift soll sich der Vorfall am 12. Dezember 2015 um
ca. 13.30 Uhr ereignet haben (vgl. auch Polizeirapport, Urk. 1). Um 13.38 Uhr
setzte F._, der Begleiter der Privatklägerin 1 am fraglichen Tag, den Notruf
ab, worauf die Polizei an den Einsatzort ausrückte (Urk. 1 S. 3). Nach Angaben
der Privatklägerin 1 sei die Polizei "sehr schnell" an den Tatort gekommen
(Urk. 3/1 S. 3 oben). In ihrem Rapport notierte die Polizei folgende Verletzungen
des Beschuldigten (Urk. 1 S. 1): Kratzspuren und Prellungen am linken Oberarm
und am linken Oberschenkel. Zur Privatklägerin 1 wurde rapportiert (Urk. 1 S. 2):
Prellungen am rechten Auge, Hinterkopf, beide Unterarme und rechter Ober-
schenkel. Kleine Rissquetschwunde an rechter Hand.
5.2. Die Polizei dokumentierte die Verletzungen bei ihrem Einsatz am Tatort
zudem fotografisch (Urk. 1 S. 4; Urk. 6/1). Die beim Beschuldigten rapportierten
Kratzspuren am linken Arm sowie am linken Oberschenkel sind darauf klar er-
sichtlich (Urk. 6/1 S. 2). Bei der Privatklägerin 1 sind Schürfungen an den Händen
deutlich erkennbar (Urk. 6/1 S. 4 f.). Demgegenüber vermitteln die Fotos keine
Verletzung am Auge bzw. im Augenbereich, welche ein mit dem Fall nicht näher
betrauter medizinischer Laie erwarten würde, wenn die Privatklägerin 1 – wie in
der Anklage umschrieben – vom Beschuldigten "mit der zur Faust geballten linken
Hand mit voller Wucht" geschlagen worden wäre.
5.3. Die Privatklägerin 1 begab sich am 12. Dezember 2015, also am Tattag, in
ärztliche Behandlung im Kantonsspital Winterthur. Dabei wurden eine Kontusion
am rechten Auge, ein Hämatom am oberen Orbitarand, ein mögliches Netzhaut-
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ödem und Prellungen am Hinterkopf und beidseits der Unterarme, am rechten
Oberschenkel und an beiden Knien sowie eine kleine Rissquetschwunde an der
rechten Handfläche diagnostiziert (Urk. 6/4 S. 1). Im augenärztlichen Bericht der
Pallas Klinik, wohin sich die Privatklägerin ab 13. September 2016 – mithin
10 Monate nach dem Vorfall – in Behandlung begab, wird auf entsprechende
Frage hin festgehalten, dass die Verletzungen auf einen Schlag auf das Auge zu-
rückgeführt werden können. Es bestehe ein erhöhtes Risiko einer Netzhaut-
ablösung nach einer Erschütterung des Auges. Abschliessend wurde darauf hin-
gewiesen, dass sich die "Befunde auf die Angaben der Patientin" (also der Privat-
klägerin 1) bezögen (Urk. 6/9 S. 1). Schliesslich ist auf den ärztlichen Bericht der
Augenklinik des Kantonsspitals Winterthur vom 21. Dezember 2016 (rund ein Jahr
nach dem Vorfall) hinzuweisen (Urk. 6/11). Darin wird aus ophthalmologischer
Sicht festgehalten, dass die Patientin eine Prellung des rechten Auges erlitten ha-
be, welche gut durch einen Schlag entstanden sein könne, wobei nicht beurteilt
werden könne, ob dies durch Selbst- oder Fremdverschulden verursacht worden
sei. Es bestehe ein lebenslanges erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Netz-
hautpathologie und einer sich daraus eventuell entwickelnden Netzhautablösung
im Vergleich zur Normalbevölkerung (Urk. 6/11 S. 1).
5.4. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass sich alleine aufgrund der im Recht
liegenden Sachbeweise (Fotodokumentation, Arztberichte) nicht rechtsgenügend
erstellen lässt, dass der Beschuldigte die Privatklägerin 1 am 12. Dezember 2015
mit seiner Faust mit voller Wucht aufs Auge geschlagen hat, wie in der Anklage-
schrift umschrieben. Aufgrund der zeitlichen Abläufe – unmittelbares Ausrücken
der Polizei nach dem Vorfall, ärztliche Behandlung im Kantonsspital Winterthur
noch am Tattag – und gestützt auf die vorhandenen Arztberichte – dabei insbe-
sondere der ambulante Bericht des Kantonsspitals Winterthur vom Tattag
(Urk. 6/4) – bestehen indes keine vernünftigen Zweifel daran, dass die Privatklä-
gerin die erwähnten Verletzungen, insbesondere die Prellung des rechten Auges,
von einer tätlichen Auseinandersetzung mit dem Beschuldigten davongetragen
hat. Zu prüfen bleibt, ob sich der zur Anklage gebrachte Sachverhalt gestützt auf
die übrigen verfügbaren Beweismitteln – den Aussagen der Beteiligten – erstellten
lässt.
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6. Aussagen des Beschuldigten
6.1. Im Rahmen der ersten polizeilichen – und tatnächsten – Einvernahme am
12. Dezember 2015 (Urk. 2/1) beschrieb der Beschuldigte, wie sich vor seiner
Wohnungstüre der Streit über die Buchhaltung entfachte, nachdem er der Privat-
klägerin 1 die Unterlagen ausgehändigt hatte. Die Privatklägerin 1 habe darauf
bestanden, dass er die Buchhaltung und Steuererklärung 2014 abschliessen sol-
le. Er habe ihr gesagt, sie solle das Haus resp. die Wohnung verlassen. Er habe
sie zum Treppenhaus begleitet, wo sie die Forderungen bezüglich des Ab-
schlusses wiederholt habe, was er zurückgewiesen habe, da vieles "nicht seriös
und gesetzeskonform" sei. Sie sei sehr verärgert gewesen und habe angefangen,
ihn zu bedrohen und zu beschimpfen. Er habe die Privatklägerin 1 daraufhin an
ihrem Arm ergriffen in der Absicht, sie nach draussen zu führen. Daraufhin habe
die Privatklägerin begonnen auf ihn einzuschlagen. Sie habe ihn zuerst mit ihrer
Hand auf den Oberarm und auf den Oberkörper geschlagen. Er habe eine Reflex-
Abwehrbewegung gemacht und sie dabei mit seiner rechten Hand einmal gegen
ihren Kopf geschlagen, wobei er nicht absichtlich auf den Kopf gezielt, sondern
sich einfach gewehrt habe. Danach sei er zurückgewichen und sie habe begon-
nen, ihn zu treten, wodurch es zu den vorstehend beschriebenen Verletzungen
gekommen sei. Dann habe F._ den Eingangsbereich der Liegenschaft betre-
ten und gesagt, er habe gesehen, wie der Beschuldigte die Privatklägerin 1 ge-
schlagen habe. Die Privatklägerin habe dann unten im Eingangsbereich Morddro-
hungen ausgestossen und weiter gegen ihn getreten. Er habe sie nicht zuerst ge-
schlagen. Er habe sie lediglich, als sie das Haus nicht verlassen wollte, hinaus-
führen wollen und habe sie dabei im Schulter-/Rückenbereich ergriffen, worauf sie
mit ihrem Arm zurück gegen ihn geschlagen habe (Urk. 2/1
S. 1-3).
6.2. Augenfällig sind einerseits die in den späteren Aussagen feststellbaren
Aggravationen in Bezug auf das angebliche Verhalten der Privatklägerin und an-
dererseits doch deutliche Abschwächung in den Schilderungen des eigenen Ver-
haltens im Rahmen der Auseinandersetzung.
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6.2.1. So gab der Beschuldigte im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einver-
nahme vom 12. August 2016 (Urk. 2/3) zu Protokoll, der Auslöser des Streits sei
gewesen, dass er der Geschädigten gesagt habe, sie müsse das Haus verlassen.
Sie habe ihn dann beschimpft und ihm mehrmals gedroht, ihn umzubringen.
Nachdem er ihr gesagt habe, sie müsse gehen, habe sie den Kopf gedreht und
ihm ins Gesicht gespuckt (Urk. 2/3 S. 4 und 6; so auch anlässlich der vorinstanz-
lichen Hauptverhandlung, Prot. I S. 14, sowie anlässlich der Berufungsverhand-
lung, Urk. 90 S. 6). Dabei erstaunt, dass das Spucken ins Gesicht bei der ersten
Einvernahme überhaupt keine Erwähnung fand. Hätte dieses behauptete Spu-
cken einen realen Hintergrund und wäre dies – mit den Worten des Beschuldigten
(Prot. I S. 14) – tatsächlich Ausgangspunkt der folgenden tätlichen Auseinander-
setzung gewesen, wäre zu erwarten, dass eine solch widerwärtige Aktion be-
sondere negative Gefühle beim Betroffenen weckt und dieser Eindruck bei der
tatnächsten Befragung noch sehr präsent ist und deshalb auch erwähnt wird.
Gänzlich unglaubhaft wirken dann schliesslich die Ausführungen des Beschuldig-
ten, wie er auf diese Spuck-Attacke reagiert haben will: "Ich wollte sie daraufhin
hinausschieben [...]." Eine solch emotions- und harmlose Reaktion des angeblich
Bespuckten passt nicht ins Bild einer emotional negativ aufgeladenen Situation
nach einer Spuck-Attacke.
6.2.2. Weiter führte der Beschuldigte in jener Einvernahme aus, er habe die Pri-
vatklägerin nach dem Spucken aus dem Haus geschoben, worauf sie mit dem
Ellbogen nach hinten geschlagen habe (Urk. 2/3 S. 6; so auch Prot. I S. 14; ähn-
lich Urk. 90 S. 6). Auch von diesem angeblichen Ellbogenschlag war in der ersten
Einvernahme keine Rede. Dort machte er noch geltend, sie habe ihn zuerst mit ih-
rer Hand auf den Oberarm und auf den Oberkörper geschlagen (Urk. 2/1 S. 2).
Auch diesbezüglich fällt auf, dass der Beschuldigte den angeblich ersten Schlag
der Privatklägerin doch deutlich abgewandelt und gravierender beschreibt, als er
dies noch in der ersten Einvernahme gemacht hatte.
6.2.3. Auch was die tätliche Einwirkung auf resp. gegen den Kopf der Privat-
klägerin anbelangt, schwächte der Beschuldigte seine Aussagen im Vergleich zur
ersten Einvernahme deutlich ab: Im Rahmen der ersten polizeilichen Einvernah-
- 15 -
me gestand der Beschuldigte noch ein, eine Reflex-Abwehrbewegung gemacht
und die Privatklägerin dabei mit seiner rechten Hand einmal gegen ihren Kopf ge-
schlagen zu haben, wobei er nicht absichtlich auf den Kopf gezielt, sondern sich
einfach gewehrt habe. Gemäss seinen späteren Aussagen will er die Privat-
klägerin dann durch diese Abwehrbewegung "irgendwie am Kopf gestreift", "aber
wirklich nur wenig" (Urk. 2/3 S. 6 sowie auch S. 9 f.), bzw. "dabei wahrscheinlich
berührt" haben (Prot. I S. 14; ähnlich Urk. 90 S. 6 und 8).
6.2.4. Auf Vorhalt der Aufnahmen der Verletzungen der Privatklägerin durch die
Staatsanwältin, räumte der Beschuldigte noch ein, dass die Verletzung am Kopf
der Privatklägerin von seiner "Abwehrbewegung" herrühre (Urk. 2/3 S. 9). In der
letzten staatsanwaltschaftlichen Einvernahme behauptete der Beschuldigte auf
Vorhalt der ärztlichen Befunde dann, die Privatklägerin habe sich diese Verlet-
zungen selbst zugefügt (Urk. 2/6 S. 7) und vor Vorinstanz, es sei "alles fake" bzw.
die Privatklägerin hätte "genug Zeit [gehabt], um irgendetwas zu machen" (Prot. I
S. 15). An der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte auf die Frage, ob er
sich erklären könne, wie es zu den Verletzungen der Privatklägerin 1 gekommen
sei, an: "Das sind Spezialisten. Diese Kosovaren sind Lügner und Betrüger"
(Urk. 90 S. 8).
6.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass in den Aussagen des Beschuldig-
ten klare Aggravationstendenzen zu erkennen sind wie auch das Bemühen, das
eigene Verhalten zunehmend in einem für den Beschuldigten günstigeren Licht
darzustellen sowie eigenes Verhalten abzuschwächen und zu verharmlosen. All
dies sind in der Lehre der Aussagepsychologie deutliche Anzeichen, die gegen
die Glaubhaftigkeit der Schilderungen des Beschuldigen sprechen. Auf solch un-
glaubhafte Aussagen kann nicht abgestellt werden.
7. Aussagen der Privatklägerin 1
7.1. Auch die Privatklägerin 1 vermochte das Kerngeschehen – also der angeb-
liche gezielte und mit voller Wucht ausgeführte Schlag des Beschuldigten auf ihr
Auge – nicht glaubhaft zu schildern.
- 16 -
7.1.1. Gegenüber der Polizei gab die Privatklägerin 1 zu Protokoll, der Beschul-
digte habe ihr die Türe aufgehalten, mit der rechten Faust ausgeholt und sie ins
Auge geschlagen. Er habe sie dann weiter geschlagen und sie habe sich dann
gewehrt. Er habe sie mit grosser Wucht, auf einer Skala von 1 bis 10 mit "sicher
10" geschlagen. Er habe sie dann noch an den Oberschenkel gekickt und sie an
den Haaren gerissen (Urk. 3/1 S. 3).
7.1.2. Zunächst sind Zweifel angebracht, was die Intensität des angeblichen
Schlags anbelangt. So macht sie geltend, der Beschuldigte habe sie mit voller In-
tensität geschlagen (Urk. 3/1 S. 3: "10 von 10"; Urk. 3/2 S. 9: "sehr stark"). Wie
bereits vorstehend im Zusammenhang mit den medizinischen Unterlagen ausge-
führt, entsprach das Verletzungsbild nicht einem solch harten, kräftigen Schlag.
Frau G._ gab im Rahmen der polizeilichen Befragung zu Protokoll, sie habe
(am Ende der Streitigkeit im Treppenhaus) gesehen, wie die Privatklägerin 1 den
Beschuldigten am linken Arm gehalten, der Beschuldigte seinen Arm zurückgezo-
gen habe und zurück in seine Wohnung habe gehen wollen (Urk. 5 S. 3). Auch
diese Schilderung vermittelt jedenfalls nicht den Eindruck der Privatklägerin 1, die
– wie in der Anklageschrift ausgeführt – soeben mit voller Wucht einen Faust-
schlag auf das Auge kassiert hat. Weiter hat Frau G._ in der besagten Ein-
vernahme ausgeführt, sie sei nach dem Vorfall von der Privatklägerin 1 gefragt
worden, ob sie (die Privatklägerin 1) etwas am Auge habe. Dies habe sie verneint,
da sie keine Verletzungen habe sehen können (Urk. 5 S. 3). Diese Schilderung
deckt sich mit dem Eindruck, der sich aus der Fotodokumentation (dazu vorste-
hend) ergibt, nämlich dass sich jedenfalls für den medizinischen Laien unmittelbar
nach dem Vorfall kein Verletzungsbild bei der Privatklägerin 1 präsentierte, das
nach einem mit voller Wucht ausgeführten Faustschlag aufs Auge zu erwarten
wäre.
7.1.3. Bei der Polizei gab die Privatklägerin 1 noch an, der Beschuldigte habe sie
mit der rechten Faust geschlagen (Urk. 3/1 S. 3). Im Rahmen der staatsanwalt-
schaftlichen Einvernahme machte sie geltend, der Beschuldigte habe unten vor
dem Hauseingang die Türe mit dem rechten Fuss und dem rechten Arm aufgehal-
ten und dann, als sie den Blick nach vorne zum Haus hinaus gerichtet habe, habe
- 17 -
sie der Beschuldigte mit der anderen Hand – demnach mit der linken – aufs Auge
geschlagen (Urk. 3/2 S. 4 f. und 6).
7.1.4. Die Verteidigung reichte anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung
ein Foto aus dem Eingangsbereich der Liegenschaft ein (Urk. 47/2). Daraus er-
hellt, dass sich die Eingangstüre nach innen gegen rechts hin öffnen lässt. Auch
diese örtlichen Gegebenheiten wecken Zweifel an der Darstellung der Privat-
klägerin 1 zum angeblich gezielten heftigen Faustschlag des Beschuldigten. Der
Beschuldigte ist Rechtshänder (Urk. 90 S. 8, jedenfalls fürs Schreiben). So gab er
dann auch an, die Privatklägerin 1 mit der rechten Hand am Kopf getroffen zu ha-
ben (Urk. 2/3 S. 6 und 8). Ein Schlag mit der rechten Hand, wie es zunächst auch
die Privatklägerin 1 beschrieb, lässt sich allerdings angesichts der örtlichen Be-
gebenheiten nicht mit der Schilderung der Privatklägerin 1 in Einklang bringen,
wonach der Beschuldigte mit der rechten Hand die Türe aufgehalten haben soll.
Umständlich, unnatürlich und damit – mit der Verteidigung (Urk. 91 S. 4 f.) – nicht
plausibel ist, dass der Beschuldigte – so, wie in der zweiten Einvernahme von der
Privatklägerin geschildert – mit der Türe in seiner starken rechten Rand einen ge-
zielten Faustschlag mit der schwächeren linken Hand ausgeführt haben soll, und
dann erst noch mit maximaler Intensität, wie es die Privatklägerin 1 geltend
macht.
7.1.5. Weiter ergibt sich aus den Aussagen von F._ und G._ ein Wider-
spruch zu denjenigen der Privatklägerin 1: So führte die Privatklägerin 1 aus, Herr
F._ habe sie beide (den Beschuldigten und die Privatklägerin 1) auseinander
nehmen müssen (Urk. 3/1 S. 3) bzw. als Herr F._ hereinkam, sei der Be-
schuldigte noch auf ihr gewesen und sei erst dann zurück. Davon, dass er die
Beiden habe trennen müssen, erwähnte Herr F._ – wie die Verteidigung zu
Recht anmerkt (Urk. 91 S. 4) – allerdings nichts. Er habe lediglich gesehen, wie
der Beschuldigte die Privatklägerin 1 von sich weggestossen habe (Urk. 4 S. 3).
Und Frau G._ sagte aus, der Beschuldigte sei von der Privatklägerin am Arm
gehalten worden, habe sich dann losgerissen und habe in seine Wohnung zu-
rückgehen wollen (Urk. 5 S. 3). Diese Aussagen lassen sich jedenfalls nicht zu ei-
nem mit den Depositionen der Privatklägerin 1 stimmigen Gesamtbild verflechten.
- 18 -
7.1.6. Widersprüchlich und damit unglaubhaft wirken auch die Aussagen der Pri-
vatklägerin zu den behaupteten weiteren Tätlichkeiten nach dem angeblichen
Faustschlag des Beschuldigten. Gegenüber der Polizei (Urk. 3/1 S. 3) und der
Staatsanwaltschaft (Urk. 3/2 S. 5) sagte die Privatklägerin aus, der Beschuldigte
habe sie noch an den Oberschenkel gekickt und dann an den Haaren gerissen.
Gegenüber der Staatsanwaltschaft führte die Privatklägerin indes auch aus
(Urk. 3/2 S. 6): "Wissen Sie, er hat mich fest geschlagen und ging dann zurück."
Wenn sich aber der Beschuldigte tatsächlich zurückgezogen haben soll nach dem
Schlag, dann leuchtet nicht ein, weshalb sich die Privatklägerin 1 – wie sie eben-
falls geltend macht (Urk. 3/1 S. 3 und Urk. 3/2 S. 5 und 140) – zu (weiteren) Ab-
wehrhandlungen gezwungen gesehen haben will. Es bleibt damit auch im Dun-
keln, was sich nach dem angeblichen gezielten Faustschlag weiter genau zuge-
tragen hat resp. ob die angeklagten weiteren Tätlichkeiten tatsächlich stattge-
funden haben.
7.2. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass auch die Aussagen der Privatklä-
gerin 1 nicht glaubhaft wirken und deshalb nicht darauf abgestellt werden kann.
Dieser Eindruck verstärkt sich durch ihre Aussagen auf die Ergänzungsfragen der
Verteidigung anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme. Die Frage, ob
sie den Beschuldigten jemals gegenüber anderen Personen als "Psychopath" be-
zeichnet habe, beantwortete die Privatklägerin 1, wie folgt (Urk. 3/2 S. 8): "Nein,
das habe ich nicht." Und auf die Frage, ob sie jemals eine Drohung ausgestossen
habe, sie würde den Beschuldigten töten, gab sie zur Protokoll: "Nein, niemals."
Beide Antworten wurden sodann durch eine Foto einer SMS offenbar der Privat-
klägerin 1 (die Absendernummer stimmt mit den Angaben zu ihrer Tel.-Nr. im Po-
lizeirapport überein, Urk. 1 S. 2) an Herrn F._ als falsch widerlegt, die die
Verteidigung ins Recht legte. In dieser SMS ist zu lesen (Urk. 3/2 Beilage im An-
hang; Schreibweise übernommen): "Schaue diese psychopat was schreibt mir lä-
cherlich. Er verlangt mir noch geld ich bringe ihm um."
8. Fazit
8.1. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass weder auf die Aussagen des Be-
schuldigten noch auf jene der Privatklägerin abgestellt werden kann, da sich bei-
- 19 -
de in Bezug auf das angeklagte Kerngeschehen – den angeblichen Faustschlag
mit anschliessenden Tätlichkeiten – als unglaubhaft erweisen.
8.2. Aus den medizinischen Akten und der Fotodokumentation sowie gestützt
auf die Aussagen des Beschuldigten gegenüber der Polizei ist zwar erstellt, dass
der Beschuldigte die Privatklägerin 1 im Rahmen der tätlichen Auseinanderset-
zung am Kopf getroffen hat. Dass der Beschuldigte allerdings der Privatklägerin 1
mit Wissen und Willen einen derart gezielten und heftigen Faustschlag auf das
rechte Auge verpasst haben soll, lässt sich angesichts der unglaubhaften Aus-
sagen der Beteiligten nicht erstellen. Auch aus den medizinischen Unterlagen und
den Fotos lässt sich nicht der ausserhalb vernünftiger Zweifel stehende Schluss
ziehen, dass der Beschuldigten einen derartigen Schlag ausgeführt hat. Im Ge-
genteil: Die medizinischen Akten und insbesondere die Fotos vermitteln nicht das
Bild einer Verletzung, das nach einem – wie angeklagt – wuchtigen Faustschlag
aufs Auge zu erwarten wäre.
8.3. Gestützt auf die verfügbaren Beweismittel lässt sich auch nicht erstellen,
dass der Beschuldigte überhaupt einen gezielten Schlag resp. eine gezielte wis-
sentliche und willentliche Bewegung in Richtung des Kopfs der Privatklägerin
ausgeführt hat, was sowohl für einen Schuldspruch wegen einfacher Körperver-
letzung als auch wegen Tätlichkeit erforderlich wäre. Es lässt sich nicht vernünftig
und plausibel ausschliessen, dass es durch eine – wie vom Beschuldigten be-
hauptete – unkontrollierte Abwehrbewegung zur Kopfberührung kam. Erwiesen
ist, dass es ein Handgemenge gab. Es kann aber nicht mehr festgestellt werden,
welche Bewegungen nur reine Abwehrhandlungen waren, welche Retorsionen
und welche gezielt mit Verletzungsabsicht erfolgten.
8.4. Gleiches gilt schliesslich für die weiteren angeklagten Tätlichkeiten – den
Tritt gegen den Oberschenkel der Privatklägerin 1 und das Haare-Reissen: Auch
sie lassen sich angesichts der unglaubhaften Aussagen nicht rechtsgenügend er-
stellen.
8.5. Da der genaue Ablauf der Handgreiflichkeiten völlig im Ungewissen bleibt,
ist zumindest ein Vorsatz des Beschuldigten, die Privatklägerin 1 zu verletzen,
- 20 -
nicht rechtsgenügend nachweisebar. Es verbleiben nach dem Gesagten nicht zu
unterdrückende Zweifel, dass sich der Sachverhalt so zugetragen hat, wie er zur
Anklage gebracht wurde. Bei dieser Sachlage darf sich das Gericht gemäss dem
Grundsatz "in dubio pro reo" (Art. 10 Abs. 1 StPO) nicht von einem für den An-
geklagten ungünstigen Sachverhalt überzeugt erklären, wenn – wie vorliegend –
bei objektiver Betrachtung Zweifel an den angeklagten Vorwürfen bestehen (dazu
Urteil des Bundesgerichts 6B_988/2016 vom 8. Mai 2017 E. 1.3.2; BGE 138 V 74
E. 7; 127 I 38 E. 2a). In Bezug auf Dossier 1 ist der Beschuldigte demnach freizu-
sprechen, womit auch die diesbezüglich gestellten Beweisanträge gegenstands-
los werden (dazu bereits vorstehend).
III. Rechtliche Würdigung
1. Dossier 1: Einfache Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB) und  (Art. 126 StGB)
Nachdem sich, wie vorstehend gezeigt, die tatsächlichen Voraussetzungen der in
Dossier 1 angeklagten Taten nicht erstellen lassen, hat diesbezüglich ein Frei-
spruch zu ergehen.
2. Dossier 2: Üble Nachrede (Art. 173 StGB)
2.1. Nach Art. 173 Ziff. 1 StGB wird auf Antrag mit Geldstrafe bestraft, wer je-
manden bei einem andern eines unehrenhaften Verhaltens oder anderer Tat-
sachen, die geeignet sind, den Ruf zu schädigen, beschuldigt oder verdächtigt.
2.2. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass der Beschuldigte durch das
inkriminierte E-Mail den objektiven Tatbestand der üblen Nachrede nach Art. 173
StGB erfüllt hat (Urk. 56 S. 18 f.). Darauf kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StPO). Auch der Beschuldigte selbst (Urk. 90 S. 9) wie auch die Verteidigung
(Urk. 46 S. 16; Urk. 91 S. 7 ff. ) anerkennen, dass der Beschuldigte in objektiver
Hinsicht tatbestandsmässig gehandelt hatte.
2.3. Der frühere Verteidiger des Beschuldigten bestreitet hingegen zum subjek-
tiven Tatbestand, dass der Beschuldigte einen Vorsatz hatte in Bezug auf die üble
- 21 -
Nachrede. Der Beschuldigte habe stets daran festgehalten und tue das nach wie
vor, dass seine objektiv ehrverletzenden Äusserungen wahr seien. Sein Vorsatz
sei nicht darauf gerichtet gewesen, die Privatklägerin 2 eines unehrenhaften Ver-
haltens zu beschuldigen, sondern einzig darauf, seinen Standpunkt mit Blick auf
das Sorge- und Umgangsrecht zu seinem Sohn durchzusetzen. Da dem Beschul-
digten die allfällige Unwahrheit seiner Behauptungen nicht vor Augen gewesen
sei, fehle ihm "für die Ehrverletzung der erforderliche direkte Vorsatz". Er sei da-
her mangels Vorsatz vom Vorwurf der üblen Nachrede freizusprechen (Urk. 46
S. 15 f.).
2.3.1. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass der Einwand der Verteidigung nicht
die Frage nach dem subjektiven Tatbestand, mithin des Vorsatzes beschlägt. Ge-
genstand der üblen Nachrede können sowohl wahre als auch unwahre Tat-
sachenbehauptungen sein (BSK StGB II-RIKLIN, Art. 173 N 5). Deshalb ist für die
Erfüllung des subjektiven Tatbestands auch nicht entscheidend, ob der Beschul-
digte von der Wahrheit seiner Tatsachenbehauptungen ausging. Auch eine Belei-
digungsabsicht ist nicht erforderlich. Vielmehr genügt, dass sich der Täter der Eh-
renrührigkeit seiner (wahren oder unwahren) Behauptung bewusst war und sie
dennoch erhoben hat (BSK StGB II-RIKLIN, Art. 173 N 9 f.).
2.3.2. Die Vorinstanz hat auch den subjektiven Tatbestand zu recht bejaht, indem
sie erwog, der Beschuldigte habe im Wissen um die ehrenrührigen Äusserungen
und mit dem klaren Willen, die Privatklägerin 2 vor den in ihre Ehestreitigkeit in-
volvierten Personen zu diskreditieren, die E-Mail verfasst (Urk. 56 S. 19). Darauf
kann verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
2.4. Der Einwand der früheren Verteidigung beschlägt vielmehr die Frage nach
dem sogenannten Wahrheits- resp. Gutglaubensbeweis. Auch die Argumentation
und Beweisanträge der neuen Verteidigung zielen darauf ab, den strafbefreienden
Entlastungsbeweis zu erbringen. Beweist der Beschuldigte, dass die von ihm vor-
gebrachte oder weiterverbreitete Äusserung der Wahrheit entspricht, oder dass er
ernsthafte Gründe hatte, sie in guten Treuen für wahr zu halten, so ist er nicht
strafbar (Art. 173 Ziff. 2 StGB). Der Beschuldigte wird zum Beweis nicht zugelas-
sen und ist strafbar für Äusserungen, die ohne Wahrung öffentlicher Interessen
- 22 -
oder sonst wie ohne begründete Veranlassung, vorwiegend in der Absicht vorge-
bracht oder verbreitet werden, jemandem Übles vorzuwerfen, insbesondere, wenn
sich die Äusserungen auf das Privat- oder Familienleben beziehen (Art. 173 Ziff. 3
StGB). Der Wahrheitsbeweis nach Art. 173 Ziff. 2 StGB ist erbracht, wenn die
durch die inkriminierte Äusserung zum Ausdruck gebrachte Tatsachen-
behauptung, soweit sie ehrverletzend ist, in ihren wesentlichen Punkten der
Wahrheit entspricht. Verhältnismässig unbedeutende Übertreibungen und Unge-
nauigkeiten sind unerheblich (Urteil des Bundesgerichts 6B_683/2016 vom
14. März 2017 E. 1.7).
2.4.1. Der Beschuldigte bezeichnete die Privatklägerin 2 in der fraglichen E-Mail
unter anderem als Lügnerin und Psychopatin, als labile und psychisch sehr insta-
bile Person, deren Zustand nun in einer krankhaften Angst bzw. in "Violence" mit
Attacken mit Gegenständen ende, was früher oder später auch für den gemein-
samen Sohn gefährlich sei. Der gemeinsame Sohn müsse vor dieser Psycho-
pathin gerettet und in Sicherheit gebracht werden.
2.4.2. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass nur Tatsachen Gegenstand des
Wahrheitsbeweises bilden können (BSK StGB II-RIKLIN, Art. 173 N 14). Für die
Wahrheit dieser Tatsachen ist nicht der Staat, sondern der Beschuldigte beweis-
pflichtig, d.h. der Grundsatz "in dubio pro reo" findet beim Wahrheitsbeweis keine
Anwendung (BSK StGB II-RIKLIN, Art. 173 N 13).
2.4.3. Die inkriminierten Äusserungen des Beschuldigten beinhalten offensichtlich
aber auch wertende Elemente, so bspw. die Ausdrücke "labil" und "psychisch in-
stabil". Auch der Terminus "Psychopathin" wird im fraglichen E-Mail offensichtlich
nicht als medizinisch-psychiatrische Diagnose verwendet. Jedenfalls bringt der
Beschuldigte keine Beweise vor, die eine derartige Diagnose bei der Beschuldig-
ten belegen würden. Vielmehr wird dieser Terminus im vorliegenden Kontext dazu
missbraucht, die Privatklägerin 2 als verschroben, abnorm, charakterlich nicht
einwandfrei oder gar minderwertig zu bezeichnen (vgl. dazu BSK StGB II-RIKLIN,
Vor Art. 173 N 26). In Bezug auf diese wertenden Elemente kann ohnehin kein
Wahrheitsbeweis geführt werden, wohl aber hinsichtlich der den Wertungen zu-
grundeliegenden Tatsachen.
- 23 -
2.4.4. Wie erwähnt wird zum Entlastungsbeweis nicht zugelassen, wer die ehren-
rührige Tatsachenbehauptung ohne begründete Veranlassung und vorwiegend in
der Absicht vorbringt, jemanden Übles vorzuwerfen. Mit anderen Worten: Der Ent-
lastungsbeweis steht nur zur Verfügung, wenn die tatbestandsmässige üble
Nachrede in Wahrung öffentlicher oder privater Interessen erfolgt, die objektiv be-
standen haben und Beweggrund für die Äusserungen waren (BSK StGB II-RIKLIN,
Art. 173 N 26 f.).
2.4.5. Auf die Frage in der polizeilichen Einvernahme vom 14. Oktober 2016, was
sich der Beschuldigte von dieser E-Mail erhofft habe, gab der Beschuldigte an
(Urk. 2/5 = D2 Urk. 2 S. 2): "Nichts. Ich erhoffte mir nichts davon." Und weiter
führte er aus: "Ich wollte mit dem Schreiben nur die Wahrheit kundtun. [...] Mehr
müssen Sie dazu nicht schreiben. [...] Meine Frau ist hinterhältig und falsch. Mehr
habe ich dazu nicht zu sagen." Gegenüber der Staatsanwaltschaft gab er an, er
habe "diese Umstände bekannt" machen wollen. Die Privatklägerin sei "eine Lüg-
nerin, eine Falschspielerin, eine Gewalttäterin" (Urk. 2/6 S. 4) Indem der Beschul-
digte gegenüber der Staatsanwältin schliesslich deponierte, "Heute ist sie [die
Privatklägerin 2] dort, wo ich sie haben wollte", entlarvte er sein wahres Motiv für
die inkriminierte E-Mail.
2.4.6. Anlässlich der Berufungsverhandlung räumte der Beschuldigte ein, er habe
in der Erregung etwas übertrieben Er sei unter Druck gestanden aufgrund des
laufenden Eheschutzverfahrens. Er habe mit dieser E-Mail die Behörden informie-
ren resp. "beeinflussen" wollen. Andererseits gab der Beschuldigte selbst an, sein
Sohn sei zu diesem Zeitpunkt nicht in Gefahr gewesen. Der Adressatenkreis der
fraglichen E-Mail sei "ganz wild durcheinander" gewesen, er habe sich "selber
nicht mehr unter Kontrolle" gehabt (Urk. 90 S. 9-11).
2.4.7. Dies alles belegt, dass es dem Beschuldigten offensichtlich und vorder-
gründig darum ging, die Privatklägerin 2 in ihrer Ehre herabzusetzen, sie zu dis-
kreditieren, ihr mithin Übles vorzuwerfen. Dass der Beschuldigte mit seiner E-Mail
ein öffentliches oder privates Interesse verfolgte, ist nicht dargetan und nicht er-
sichtlich. Vor dem Hintergrund der vorstehend wiedergegebenen Aussagen des
Beschuldigten zu seinen Beweggründen, erscheint der vom Beschuldigten später
- 24 -
angeführte sinngemässe Grund, er habe diese E-Mail quasi im legitimen Kampf
um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn versandt (Prot. I S. 18 f.), als
nachgeschobene Schutzbehauptung. Das zeigt sich nicht zuletzt auch in dem
vom Beschuldigten gewählten Adressatenkreis, der nebst Personen im persön-
lichen Umfeld auch Politiker und Angehörige der Polizei beinhaltete, also Perso-
nen, die mit der Sorgerechtsstreitigkeiten rein gar nichts zu tun haben
(vgl. Urk. 2/5 S. 2). Alles in allem wirkt die E-Mail wie eine Abrechnung, ein Rund-
umschlag im Rahmen des Eheschutzverfahrens.
2.4.8. Damit ist der Beschuldigte nicht zum Wahrheitsbeweis zuzulassen und es
erübrigt sich eine Prüfung, ob die vorgebrachten Tatsachenbehauptung der
Wahrheit entsprechen bzw. ob sie der Beschuldigte für wahr gehalten hat. Vor
diesem Hintergrund sind denn auch die diesbezüglich gestellten Beweisanträge
allesamt abzulehnen (dazu bereits vorstehend).
2.5. Der Beschuldigte hat sich damit der üblen Nachrede im Sinne von Art. 173
StGB schuldig gemacht, wofür er angemessen zu bestrafen ist.
IV. Strafzumessung, Strafvollzug
1. Allgemeines/Grundsätze/Strafrahmen
1.1. Die Vorinstanz hat in sämtlichen Anklagepunkten einen Schuldspruch ge-
fällt und den Beschuldigten mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu
Fr. 60.00 (für die einfache Körperverletzung und die üble Nachrede) sowie mit ei-
ner Busse von Fr. 1'500.00 (für die Tätlichkeiten) bestraft.
1.2. Bei der nachfolgend vorzunehmenden Strafzumessung wird insbesondere
zu berücksichtigen sein, dass die Schuldsprüche wegen einfacher Körperver-
letzung und Tätlichkeiten entfallen. Zudem darf der Entscheid der Vorinstanz nicht
zum Nachteil des Beschuldigten abgeändert werden, da lediglich der Beschuldig-
te Berufung erhoben hat (Verschlechterungsverbot; Art. 391 Abs. 2 Satz 1 StPO).
Es darf im Berufungsverfahren deshalb keine strengere Bestrafung erfolgen.
- 25 -
1.3. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen
ist, richtig zusammengefasst (vgl. Urk. 56 S. 21 f.). Darauf kann verwiesen wer-
den, ebenso auf die vom Bundesgericht in verschiedenen jüngeren Urteilen für
die Strafzumessung vorgegebenen Regeln (BGE 136 IV 55 E. 5.4 ff.; 135 IV 130
E. 5.3.1; 132 IV 102 E. 8.1; je mit Hinweisen).
1.4. Vorliegend hat sich der Beschuldigte der üblen Nachrede im Sinne von
Art. 173 StGB schuldig gemacht. Dieser Straftatbestand sieht als abstrakte Straf-
androhung eine Geldstrafe bis 180 Tagessätze vor.
1.5. Die vorliegend zu beurteilende Tat beging der Beschuldigte am 22. Juni
2016, also noch unter altrechtlichem Sanktionenrecht. Das seit dem 1. Januar
2018 in Kraft stehende neue Sanktionenrecht zeitigt auf die vorliegende Straf-
zumessung keine Auswirkungen (Art. 2 Abs. 2 StGB). Es gelangt damit das im
Tatzeitpunkt geltende Recht zur Anwendung.
2. Tatverschulden der üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 StGB
2.1. In objektiver Hinsicht ist zu bemerken, dass der Beschuldigte seine E-Mail
an einen doch grösseren Adressatenkreis versandte, der nicht nur Personen aus
dem privaten Umfeld, sondern auch Behördenmitglieder, Politiker und Polizei-
angehörige mitumfasste. Die getätigten ehrverletzenden Äusserungen sind nicht
unerheblich, warf er doch seiner Ehefrau vor, sie sei psychisch krank, eine Lügne-
rin, sie sei gewalttätig und stelle eine Gefahr für den gemeinsamen Sohn dar.
Dies zeigt, dass es der Beschuldigte auch nicht nur bei einer ehrverletzenden Be-
hauptung beliess. Allerdings sind im Spektrum möglicher Ehrverletzungsdelikte
durchaus schwerere Tatvarianten denkbar. Das objektive Tatverschulden er-
scheint demgemäss als eher leicht.
2.2. Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz. Es ging ihm – wie vor-
stehend gezeigt – einzig darum, die Privatklägerin 2 angesichts der laufenden
Eheschutzstreitigkeit und der dabei drohenden Ausweisung des Beschuldigten
aus der ehelichen Wohnung (vgl. Urk. 90 S. 9-11) in ein schlechtes Licht zu rü-
cken, sie zu diskreditieren und zu beleidigen.
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2.3. Das Tatverschulden erscheint insgesamt als noch leicht, wofür sich eine
Einsatzstrafe im Bereich von 30 Tagessätzen rechtfertigt.
3. Täterkomponente
3.1. Was die persönlichen Verhältnisse anbelangt, so kann auf die Ausführ-
ungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 63 S. 36 f.), zumal sich nach An-
gaben des Beschuldigten anlässlich der Berufungsverhandlung daran nichts ge-
ändert habe (Urk. 90 S. 1-4).
Die persönlichen Verhältnisse zeitigen keine Auswirkung auf die Strafzumessung.
3.2. Gleiches gilt für sein Vorleben. Die Vorstrafenlosigkeit (Urk. 61) ist straf-
zumessungsneutral zu werten.
3.3. Die Beschuldigte ist in Bezug auf den Vorwurf der üblen Nachrede insoweit
geständig, als er die Erfüllung des objektiven Tatbestands anerkannt hat. Aller-
dings ist zu bemerken, dass der Beschuldigte durch die im Recht liegende inkri-
minierte E-Mail in objektiver Hinsicht überführt war. Bestritten hat der Beschuldig-
te den Vorwurf insofern, als er seine Handlung als gerechtfertigt wähnte. Er zeigt
folglich keine Reue und Einsicht, was allerdings strafzumessungsneutral zu wer-
ten ist.
3.4. Insgesamt fällt die Täterkomponente weder straferhöhend noch straf-
mindernd aus.
4. Fazit, Strafart, Tagessatzhöhe, Vollzug
4.1. Auch nach Berücksichtigung der Täterkomponenten bleibt es bei einer
Geldstrafe von 30 Tagessätzen für die begangene üble Nachrede.
4.2. Die von der Vorinstanz festgesetzte Tagessatzhöhe von Fr. 60.– ist den
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Beschuldigten angemessen
(vgl. Urk. 56 S. 25 f.; Urk. 90 S. 1-4).
- 27 -
4.3. Nachdem einzig der Beschuldigte Berufung erhoben hat, bleibt es bei einer
bedingten Geldstrafe und der von der Vorinstanz festgesetzten minimalen Probe-
zeit von zwei Jahren (Urk. 56 S. 26 f.; Art. 391 Abs. 2 StPO).
V. Zivilansprüche
1. Die vorinstanzliche Abweisung des Genugtuungsbegehrens der Privat-
klägerin 2 blieb unangefochten und ist damit rechtskräftig.
2. Die Privatklägerin 1 stellte vor Vorinstanz den Antrag, es sei der Beschuldig-
te zu verpflichten, ihr dem Grundsatze nach Schadenersatz sowie Genugtuung zu
bezahlen (Urk. 43). Die Vorinstanz stellte fest, dass der Beschuldigte der Privat-
klägerin 1 dem Grundsatze nach schadenersatz- und genugtuungspflichtig sei
und verwies die Privatklägerin 1 zur genauen Feststellung des Umfanges des Zi-
vilanspruchs auf den Weg des Zivilprozesses (Urk. 56 S. 29).
Nachdem vorliegend allerdings ein Freispruch in Bezug auf die Vorwürfe zum
Nachteil der Privatklägerin 1, aus denen sie die Zivilansprüche ableitet, zu erge-
hen hat, ist die Zivilklage der Privatklägerin 1 in Anwendung von Art. 126 Abs. 2
lit. d StPO auf den Zivilweg zu verweisen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliche Kostenfolgen
1.1. Die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Disp.-Ziff. 7 ) ist zu bestätigen.
1.2. Nachdem die Schuldsprüche wegen einfacher Körperverletzung und Tät-
lichkeiten wegfallen, sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen
Verfahrens zu einem Drittel dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu zwei Drittel
auf die Gerichtskasse zu nehmen.
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2. Kostenfolgen im Berufungsverfahren
Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen aufer-
legt (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte obsiegt in Bezug auf die Frei-
sprüche von den Vorwürfen der einfachen Körperverletzung und Tätlichkeiten und
folglich in Bezug auf die Anpassung der Strafhöhe und die Zivilforderungen der
Privatklägerin 1. Er unterliegt in Bezug auf die üble Nachrede. Vorliegend recht-
fertigt es sich, im Lichte einer interessen- und aufwandgemässen Wertung dem
Beschuldigten die Kosten zu 1/3 aufzuerlegen und zu 2/3 auf die Gerichtskasse
zu nehmen.
3. Entschädigung
3.1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, der Privatklägerin 1 für
das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 3'260.00 zu bezah-
len. Beim vorliegenden Verfahrensausgang besteht allerdings keine Grundlage für
die Zusprechung einer Entschädigung an die Privatklägerin 1 (vgl. Art. 433 StPO).
3.2. Bei diesem Verfahrensausgang – teilweiser Freispruch – hat der Beschul-
digte Anspruch auf Entschädigung gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO.
3.2.1. Die Verteidigung beantragt für das gesamte Verfahren eine Entschädigung
(inkl. Entschädigung für die vormalige Verteidigung) von total rund Fr. 18'000.–
(vgl. Beilage zu Urk. 91).
3.2.2. Zu berücksichtigen ist zunächst, dass aufgrund des Verteidigerwechsels
Mehrkosten (insb. erneutes Aktenstudium durch den neuen Verteidiger) ange-
fallen sind, wobei der Beschuldigte nicht dargetan hat, inwiefern ein Verteidiger-
wechsel für die Wahrung seiner Interessen geboten gewesen ist. Diese unbe-
gründet gebliebenen Mehrkosten sind in Abzug zu bringen. Weiter ist zu beach-
ten, dass der Beschuldigte nicht vollumfänglich obsiegt im Berufungsverfahren.
Vor diesem Hintergrund rechtfertigt sich eine pauschale reduzierte Prozessent-
schädigung für anwaltliche Verteidigung für das gesamte Verfahren in der Höhe
von Fr. 9'000.– inkl. MWSt.
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