# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 95edadf9-d158-4046-85a4-c609f989f698
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1973, war
bei der
Y._
GmbH
als Bauarbeiter angestellt (
Urk.
9/15
Ziff.
2.1 und
Ziff.
2.7)
. Am
5.
September 2011 hatte er eine Quetschung eines Fingers erlitten
(
Urk.
9/23/258).
A
m
1
3.
Januar 2014 verletzte er sich am linken Knie (
Urk.
9/23/64)
und erlitt am 1
4.
Mai 2014 einen Rückfall betreffend
den Finger
(vgl.
Urk.
9/23/252).
Am
5.
August 2015 meldete er sich bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
9/8). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerblich
e
und medizinische Abklärungen und zog die Akten der Suva (
Urk.
9/23/1-319)
bei. Am
7.
Juni 2016 erliess sie den Vorbescheid und stellte die Abweisung des Leistungs
gesuchs in Aussicht (
Urk.
9/28). Dagegen erhob der Versicherte Einwände (
Urk.
9/35
), worauf die IV-Stelle erneut die Unfallakten (
Urk.
9/41/1-66;
Urk.
9/46/1-88;
Urk.
9/47/1-366) beizog. Mit Verfügung vom
2.
März 2018 ver
neinte die IV-Stelle einen Leistungsanspruch des Versicherten (
Urk.
9/62 =
Urk.
2).
2.
Der
Versicherte erhob am 2
0.
April 2018 Beschwerde gegen die Verfügung vom
2.
März 2018 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung sowie die Ausrichtung der gesetzlichen Versicherungsleistungen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 2
9.
Mai 2018 (
Urk.
8) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 1
1.
Juli 2018 (
Urk.
13) zur Kenntnis gebracht wurde. Das Gericht zog sodann die Akten der Suva (
Urk.
18/1-176;
Urk.
27/1-183;
Urk.
35/1-187) bei.
Am
5.
November 2018 (
Urk.
20) wurde antragsgemäss (
Urk.
1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertre
tung bewilligt.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
1.4
Im gegenseitigen Verhältnis zwischen Invaliden- und Unfallversicherung besteht keine Bindungswirkung der Invaliditätsschätzung des einen Versicherers für den jeweils anderen Sozialversicherungszweig. Die IV-Stellen und die Unfallversiche
rer haben die Invaliditätsbemessung in jedem einzelnen Fall selbständig vorzu
nehmen. Sie dürfen sich ohne weitere eigene Prüfung nicht mit der blossen Über
nahme des Invaliditätsgrades des jeweils anderen Sozialversicherers begnügen (BGE 133 V 549 E. 6.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Der Beschwerdeführer sei aufgrund seiner Unfälle vom
5.
September 2011 und vom 1
3.
Januar 2014 in seiner Tätigkeit als Bauarbeiter zeitweilig gesundheitsbedingt eingeschränkt gewesen.
In dieser Tätigkeit sei er nach wie vor zu 100
%
arbeits
unfähig. Angepasste Tätigkeiten seien ihm jedoch unter Beachtung eines Belas
tungsprofils zu 100
%
zumutbar. Er erleide keine anspruchsrelevante Erwerbsein
busse. Auf die Erstellung eines Lohnvergleichs könne verzichtet werden, da der Beschwerdeführer bis anhin Einkommen auf dem Niveau von Hilfsarbeiten erzielt habe (S. 1 f.).
2.2
Dagegen machte der Beschwerdeführer geltend (
Urk.
1), er habe in seinem Hei
matland eine Berufsschule für Agronomie absolviert und erfolgreich abgeschlos
sen
, weshalb er
Anspruch auf berufliche Massnahmen
habe
. Das unfallversiche
rungsrechtliche Verfahren sei nicht abgeschlossen. Er
leide auch an psychischen Beschwerden und
sei
selbst
in einer
angepassten Tätigkeit nicht vollständig arbeitsfähig (S. 5 f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Invaliditätsgrad des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Die Ärzte der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie am Universitäts
spital
Z._
, stellten mit Bericht vom
7.
Januar 2014 (
Urk.
9/
13/
11-12) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Verdacht auf schmerzhaftes Neurom Zeigefinger links
palmoulnarseits
Höhe Basis P1, ausgehend vom
ulnopalmaren
Digitalnerven links (
adomi
nant
) bei
-
Status nach Schnitt-/Quetschverletzung und Wundversorgung 2012
-
Triggerfinger
Mittelfinger rechts
-
fragliches Karpaltunnelsyndrom rechts
Es stellten sich operative Therapieoptionen (S. 2).
3.2
Dr.
A._
, Facharzt für Neurologie und Oberarzt am
Z._
, stellte mit Bericht vom 1
1.
März 2014 (
Urk.
9/13/13-14) folgende Diagnosen (S. 1):
-
elektrodiagnostisch leichte, fokale, sensomotorische,
demyelinisierende
Schädigung des
N.
medianus am Handgelenk links
-
schwere axonale Schädigung des R.
digitalis
palmaris
ulnaris
(
N.
media
nus) links mit neuropathischen Schmerzen
-
Status nach Schnitt-/Quetschverletzung am
5.
September 2012
Am 1
4.
Mai 2014 erfolgte eine operative Therapie des schmerzhaften Neuroms mittels Neuromresektion und Rekonstruktion des ulnaren Digitalnervens am Zei
gefinger (
Urk.
9/13/10-11).
3.3
Vom 1
3.
bis 1
8.
Juni 2014 hielt sich d
er Beschwerdeführer stationär in
der psychiatrischen K
linik
B._
auf. Mit Austrittsbericht vom 2
6.
Juni 2014 (
Urk.
9/13/6-8) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 1):
-
Anpassungsstörungen (ICD-10 F43.2)
-
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol: schädlicher Gebrauch (ICD-10 F10.1)
-
Status nach Nerventransplantation
Dig
II
Zur Arbeitsfähigkeit wurde keine Stellung genommen.
3.4
Mit Bericht vom 2
1.
Oktober 2014 (
Urk.
7/23/163-164)
diagnostizierten
die Ärzte
der
B._
, wo sich der Beschwerdeführer seit 2
4.
Juni 2014 in Behandlung befand,
Anpassungsstörungen (ICD-10 F43.2) und einen Verdacht auf eine Persönlichkeitsakzentuierung (S. 1). Die Schlafstörungen und die innere Unruhe hätten sich durch die angebotene Medikation leicht gebessert, der Patient lehne jedoch bis jetzt eine psychopharmakologische Behandlung ab, weil er Angst vor den Nebenwirkungen habe. In den unterstüt
zenden therapeutischen Gesprächen würden die Traurigkeit und die Ratlosigkeit des Patie
nten im Rahmen seines Unfalls betont, der zu der jetzigen psychosozia
len Belastung geführt habe. Es bestehe aus psychiatrischer Sicht eine depressive Reaktion bei psychosozialer Belastung bei Status nach Arbeitsunfall vor zwei Jahren.
Es lägen Hinweise auf eine Persönlichkeitsakzentuierung beziehungs
weise -störung (am ehesten kombiniert) vor,
welche man aber aufgrund der Sprachbarriere nicht vollständig beurteilen könne (S. 2).
3.5
Mit Bericht vom 1
0.
Dezember 2014 (
Urk.
9/23/122-143) über die Untersuchung vom 1
8.
November 2014 stellte Kreisärztin
Dr.
C._
, Fach
ärztin für Chirurgie, folgende Diagnosen (S. 10):
-
Status nach tiefer T-förmiger Rissquetschwunde am linken (
adominanten
) Zeigefinger mit neurovaskulärer Verletzung und primärer Wundversor
gung am
5.
September 2011
-
Status nach Neuromresektion bei schmerzhaftem Neurom Zeigefinger links
N.
digitalis
proprius
ulnaris
, Höhe Basis P1 und Rekonstruktion des ulnaren Digitalnerven am Zeigefinger
mittels
Nerveninterponat
am
14.
Mai 2014
Bei der heutigen Untersuchung bekunde der Versicherte eine deutliche Schmerzabnahme am linken Zeigefinger seit der Operation, insbesondere der elektrisierenden Schmerzen. Trotzdem habe er subjektiv noch Schmerzen, so dass er den linken Zeigefinger im Alltag und bei der Arbeit nicht gut einsetzen könne.
Während der Untersuchung zeige sich, dass der Versicherte den linken Zeigefin
ger schone. Unter Berücksichtigung der Hände mit starken Arbeits- und Schmutz
spuren und der
Hornhautbeschwielung
an beiden Händen sei ein deutlich höheres Aktivitätsniveau der Hände anzunehmen, als vom Versicherten berichtet und demonstriert werde. Auch die Faustschlusskraftmessung bestätige, dass die objektiv vorhandene Handkraft während der Untersuchung nicht gezeigt worden sei. Aufgrund der neurovas
k
ulären Verletzung am linken Zeigefinger sei die beschriebene Kälteintoleranz nachvollziehbar, so dass lange Arbeiten in Kälte und Nässe kontraindiziert seien. Die eingeschränkte Sensibilität am linken Zeige
finger beeinträchtige den Versicherten bei feinmotorischen Arbeiten. Unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen sei die Arbeitsfähigkeit in seiner ange
stammten Tätigkeit nicht mehr voll möglich. Eine angepasste Tätigkeit (ohne erhöhte Anforderungen an die Feinmotorik der linken Hand bei Rechtsdominanz und ohne Arbeiten in Feuchte oder Nässe) sei dem Versicherten ab sofort voll
schichtig zuzumuten (S. 10).
Am 1
8.
November 2014 hielt der Beschwerdeführer nach der kreisärztlichen Untersuchung fest, die Behandlung des linken Knies sei abgeschlossen und er habe momentan keine Beschwerden im linken Knie (
Urk.
9/23/146).
3.6
Am 1
2.
Dezember 2014 wurde eine arthroskopische mediale
Teilmeniskektomie
und
Plicaresektion
des linken Knies durchgeführt. Der postoperative Verlauf sei regulär; der Beschwerdeführer sei mit der Situation zufrieden und die Schmerzen
medialseitig
seien
regredient
. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
(Bericht des Spitals
D._
vom 2
3.
Dezember 2014;
Urk.
9/
23/
109).
3.7
Dr.
E._
, praktische Ärztin, stellte mit Bericht vom 1
5.
August 2015 (
Urk.
9/13/1-
5) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2)
-
Verdacht auf Persönlichkeitsakzentuierung bzw. -störung
-
Status nach Nerventransplantation
Dig
. II
Es bestehe aus psychosozialer Sicht eine depressive Reaktion bei psychosozialer Belastungssituation seit dem Unfall vor drei Jahren.
Die psychiatrische Prognose sei schlecht. Der psychische Zustand des Beschwer
deführers könne sich höchstens verbessern, wenn er wieder in geordneten Ver
hältnissen leben könne. Er nehme keine Medikamente, da er keine Einsicht habe, psychisch auffällig zu sein (
Ziff.
1.4-5).
3.8
Mit Bericht vom 1
7.
September 2015
(
Urk.
9/16/1-5)
stellte
Dr.
F._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, folgende Diagnosen mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
Status nach Beugesehnenphlegmone und Partialdurchtrennung der ober
flächlichen und tiefen Beugesehne
Dig
III rechte Hand
-
mit Beugesehnenrevision im August 2010
-
Entwicklung von
Triggerfinger
mit Kälteintoleranz
-
Rissquetschwunde über Grundgelenk
Dig
II linke Hand im September 2011
-
Entwicklung eines Neuroms vom
ulnopalmaren
Nerv ausgehend, Revi
sion
Z._
-
Sturz aus 3m Höhe auf Becken und Thorax Distorsion Knie im April 2014
-
Kniearthroskopie links Dezember 2014
-
aufgrund seiner Situation depressive Verstimmung mit zum Teil psycho
tischen Zügen
Als Bauarbeiter könne der Beschwerdeführer nicht mehr den ganzen Tag auf unebenem Boden gehen, kälteexponiert sein oder auf Leitern arbeiten. Die bishe
rige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar. Eine leichte körperliche Arbeit mit wech
selnden Positionen wäre zu 100
%
zumutbar (
Ziff.
1.6-7).
3.9
Dr.
A._
diagnostizierte mit Bericht vom 1
5.
Dezember 2015 (
Urk.
7/23/15-16) Weichteilschmerzen medial Knie links und neuropathische Missempfindungen radialer linker Untera
r
m, radiale linke Hand nach schmerzhaftem Neurom Zeige
finger links (S. 1). Es fänden sich zwei Problemkreise mit Chronifizierung: Beim linken Arm nach Rekonstruktion vom 1
4.
Mai
2014 mit sich dort lokal ausbil
dender, schwerer
Hypalgesie
über den ganzen radialen Unterarm - dies sei ana
tomisch nachvollziehbar, nachdem der
N.
cutaneus
antebrachi
lateralis
für das
Interponat
verwendet worden sei - zusätzlich aber bestehe eine Hypästhesie im Bereich der ganzen linken radialen Hand, was neurologisch und elektrodiagnos
tisch nicht durch die primäre Nervenläsion erklärt werden könne. Die intermit
tierenden Adduktionsbewegungen imponierten in erster Linie
dystoniform
, mög
lich wäre eine posttraumatische Dystonie, die Klinik imponiere funktionell über
lagert. Weiter
beim linken
Knie: Bei fehlendem, kla
ren anatomischen Korrelat ohne
Hinweise für eine neurogene Läsion des
R.
infrapatellaris
klinisch und bei fehlendem Ansp
rechen auf die Nervenblockade fä
nden sich keine
objektivierba
ren Befunde für eine Neuralgie dieses sensiblen Saphenus Astes. Das
hypästheti
sche
Areal beginn
e
weit proximal der Operationsnarbe und erstrecke
sich deutlich über dasjenige
,
welches man bei einer
ramus
infrapatellaris
Schädigung erwarten würde
.
Dr.
A._
empfahl,
primär eine andere Schmerz-Ursache zu finden und diese zu behandeln
(S. 2).
3.10
Dr.
G._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nahm am 2
3.
Februar 2016 Stellung (
Urk.
7/27/3-5) und hielt fest,
mittel
schwere und schwere körperliche Tätigkeiten, insbesondere solche mit überwie
gender Belastung des linken Handgelenkes und linken Zeigefingers und mit erhöhten Anforderungen an die Kraft der linken Hand sowie mit Kälte- und Näs
seexposition sollten vermieden werden. Bei Schädigung des linken Kniegelenks bestehe aus medizinisch-theoretischer Sicht eine verminderte Belastbarkeit für regelmässiges mittelschweres und schweres Heben, Tragen und Transportieren von Lasten, für Arbeiten auf Leitern und Gerüsten
, für ausschliesslich stehende Tätigkeiten, für häufiges Bücken sowie für Tätigkeiten in körperlichen Zwangs
haltungen wie Knien, Kriechen, Hocken, für Arbeiten mit erhöhten Anforderun
gen an die Stand- und Gangsicherheit und für dauerhaftes Gehen und Stehen auf unebenem Grund (
Urk.
7/27/4).
D
em Beschwerdeführer seien aus versicherungsmedizinischer Sicht körperlich leichte angepasste Tätigkeiten mit Wechselbelastung ohne erhöhte Anforderun
gen an die Kraft und Haltefunktion der linken Hand und des linken Zeigefingers, daher auch ohne Besteigen von Leitern und Gerüsten, ohne Heben und Tragen von Lasten und ohne Arbeiten mit ungünstigen Hebelwirkungen, ohne repetitive Beanspruchung
und ohne erhöhte Anforderungen an das feinmotorische Geschick der linken Hand und des linken Zeigefingers
weiterhin zu 100
%
zumutbar; diese Einschätzung gelte ab
September 2015 (
Urk.
7/27/5).
3.11
Mit Bericht vom 1
3.
März 2017 (
Urk.
7/44/1-5)
wiederholte
Dr.
E._
die bereits mit Bericht vom
1
5.
August 2015
(vgl. vorstehend E. 3.6) gemachten Angaben.
3.12
Den weiteren Berichten des
Institut
s
für Anästhesiologie d
es
Z._
(vgl.
Urk.
7
/47/305-321) und von
Dr.
A._
(
Urk.
35/179 =
Urk.
35/171) sowie der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie (
Urk.
35/170) sind keine Anga
ben zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers zu entnehmen.
4.
4.1
Die Ärzte der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie
und
Dr.
A._
nahmen ihrem Behandlungsauftrag entsprechend keine Beurteilung der Arbeits
fähigkeit des Beschwerdefüh
rers vor (vgl. vorstehend E. 3.1-3.2). Kreisärztin
Dr.
C._
ging nach ausführlicher Untersuchung des Beschwerdeführers im Dezember 2014 davon aus, dass die angestammte Tätigkeit des Beschwerdefüh
rers
aufgrund der glaubhaften Kälteintoleranz und der eingeschränkten Sensibi
lität nicht mehr zumutbar sei. Eine angepasste Tätigkeit ohne erhöhte Anforde
rungen an die Feinmotorik der linken Hand
bei Rechtsdominanz und ohne Arbeiten in Feuchte oder Nässe seien vollschichtig zumutbar (vorstehend E. 3.
5). Dieser Bericht vermag den praxisgemässen Anforderungen (vgl. vorstehend
E.
1.3) vollumfänglich zu entsprechen.
Dr.
C._
stellte
starke Arbeits- und Schmutzspuren
sowie eine
Hornhautbeschwielung
an beiden Händen des Beschwerdeführers fest, womit ein hohes beidhändiges Aktivitätsniveau anzu
nehmen ist. Ebenso bestätigte die durch
Dr.
C._
festgestellte Faustschluss
kraft, dass der Beschwerdeführer seine objektiv vorhandene Handkraft während der Untersuchung nicht zeigte.
Solche Feststellungen untermauern die Annahme einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit. Hinzu kommt, dass es sich bei der verletzten Extremität um die
adominante
Seite handelt, was eine volle Arbeitsfähigkeit umso plausibler erscheinen lässt. Dass sich die gezeigten Beschwerden nicht vollständig mit den klinischen Befunden vereinbaren lassen, ergibt sich auch aus dem Bericht von
Dr.
A._
vom 1
5.
Dezember 2015 (vgl. vorstehend E. 3.9), welcher eine funktionelle Überlagerung vermutete.
4.2
Hinsichtlich der Kniebeschwerden
ist festzuhalten
, dass der Beschwerdeführer diese anlässlich der kreisärztlichen Begutachtung gar nicht erwähnte
, sondern danach festhielt, die Behandlung sei abgeschlossen und er habe keine Beschwer
den (vgl. vorstehend E. 3.5). Die operative Behandlung im Dezember 2014 verur
sachte lediglich eine vorübergehende Arbeitsunfähigkeit (vorstehend E. 3.6).
Dr.
A._
konnte bei fehlendem anatomischem Korrelat keine objektivierbaren Befunde für eine Neuralgie finden und empfahl, eine andere Schmerz-Ursache zu finden (vorstehend E. 3.9).
4.3
Angesichts dieser medizinischen Situation ist auf die Gesamtwürdigung durch
Dr.
G._
(vorstehend E. 3.10) abzustellen, welcher unter Beschreibung eines ausführlichen Belastungsprofils, das auf die Einschränkungen Rücksicht nimmt, von einer vollen Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ausging. Die angestammte Tätigkeit als Bauarbeiter ist nicht mehr zumutbar. Diese Einschätzung stimmt auch mit derjenigen von
Dr.
F._
(vor
stehend E. 3.8) überein.
4.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturel
len Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
4.5
Ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden ist
nach dem Gesagten
nicht ausgewiesen, da
die psychosoziale Genese der Beei
nträchtigung im Vorder
grund steht
. So stellten di
e Ärzte
der
B._
fest, es bestehe eine depressive Reaktion bei psychosozialer Belastung bei Status nach Arbeitsunfall vor zwei Jahren (vgl. vorstehend E. 3.4), und
Dr.
E._
- die jedoch keine Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist - führte aus, es bestehe aus psychosozialer Sicht eine depressive Reaktion bei psychosozialer Belastungssituation seit dem Unfall; der psychische Zustand des Beschwerdefüh
rers könne sich höchstens verbessern, wenn
er wieder in geordneten Verhältnis
sen leben könne (vorstehend E. 3.7).
4.6
Zusammenfassend ist somit festzuhalten, dass der Beschwerdeführer aus somati
schen Gründen in der angestammten Tätigkeit als Bauarbeiter nicht mehr und in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig ist.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174)
.
Ein
Rent
enanspruch entsteht gemäss Art.
29 IVG frühestens nach Ablauf von sechs Monaten nach Geltendmachung des Leistung
sanspruchs nach Artikel 29 Abs.
1 ATSG
. Der Beschwerdeführer meldete sich im August 2015 bei der Invali
denversicherung an (vgl.
Urk.
9/8), womit ein allfälliger Rentenbeginn frühestens im März 2016 wäre. Der Einkommensvergleich ist somit auf diesen Zeitpunkt vorzunehmen.
5.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139
V
28 E. 3.3.2; 135 V 58 E. 3.1;
134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
5.4
Gemäss IK-Auszug (
Urk.
7/6/2) erzielte der Beschwerdeführer im Jahr 2013 ein Einkommen von
Fr.
59'862.--. Angepasst an die Lohnentwicklung der Jahre 2014, 2015 und 2016 im Baugewerbe in Höhe von
0.5
%
, -0.2
%
und 0.4
%
(bfs.admin.ch) ergibt dies einen Wert von
Fr.
60'281.-- (
Fr.
59'862.-- x 1.005 ./.
1.002 x 1.004).
5.5
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgege
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1, 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grund
sätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statisti
schen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1).
5.6
Angesichts der Zumutbarkeit einer behinderungsangepassten Arbeitstätigkeit von
100
%
steht dem Beschwerdeführer grundsätzlich eine breite Palette von Tätig
keiten offen.
Es rechtfertigt sich daher, für die Ermittlung des Invalideneinkom
mens auf den standardisierten Durchschnittslohn für einfache Tätigkeiten kör
perlicher oder handwerklicher Art in sämtlichen Wirtschaftszweigen des privaten Sektors
(LSE 2016, Tabellengruppe TA1_tirage_skill_level, Total, Niveau 1)
abzu
stellen.
Die Rechtsprechung
hat
wiederholt bestätigt, dass auf dem ausgegliche
nen Arbeitsmarkt genügend realistische Betätigungsmöglichkeiten für Personen bestehen, die funktionell als Einarmige zu betrachten sind und überdies nur
noch leichte Arbeit verrichten können. Zu denken ist etwa an einfache Über
-
wachungs
-, Prüf- und Kontrolltätigkeiten sowie an die Bedienung und Über
-
wachung
von (halb-) automatischen Maschinen oder Produktionseinheiten, die keinen Einsatz des dominanten Arms und der dominanten Hand voraussetzen (Urteil des Bun
desgericht 8C_37/2016 vom 8. Juli 2016 E. 5.1.2 mit Hinweisen; vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_628/2017 vom 12. Januar 2018 E. 6.4 und 8C_622/2016 vom 21. Dezember 2016 E. 5.2.2 mit weiteren Hinweisen).
Vorliegend ist die
adomi
nante
Hand des
Beschwerdeführer
s
beeinträchtigt.
5.7
Das im Jahr 2016 von
M
ännern
im Durchschnitt aller einfachen Tätigkeiten kör
perlicher oder handwerklicher Art erzielte Eink
ommen betrug pro Monat
Fr.
5'389.--, mithin
Fr.
64'668.-- im Jahr (
Fr.
5'389
.-- x 12). Der durchschnittli
chen wöchentlichen Arbeitszeit im Jahr 2016 von 41.7 Stunden (Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen) angepasst, ergibt dies den Betrag von run
d
Fr.
67'416.-- (
Fr.
64'668
.-- ./.
40 x 41.7), was das hypothetische
Valideneinkommen
von
Fr.
60'281.--
übersteigt. Der Beschwerde
führer erleidet damit keine Erwerbseinbusse. Selbst bei Gewährung des maxima
len Abzugs vom Tabellenlohn in Höhe von 25
%
- für den vorliegend jedoch kein Anlass besteht - ergäbe sich ein hypothetisches Invalideneinkommen von
Fr.
50'562.-- (
Fr.
67'416.-- x 0.75) und damit ein nicht anspruchsbegründender Invaliditätsgrad von 1
6
%
. Damit sind auch keine beruflichen Massnahmen geschuldet, zumal der Beschwerdeführer den behaupteten Berufsabschluss nicht zu belegen vermag.
5.8
Der angefochtene Entscheid ist nach dem Gesagten rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
7
00.-- anzusetzen. Entspre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdefüh
rer aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
6.2
Nach
§
34
Abs.
3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. In Berücksichtigung der vorstehend genannten Kriterien ist Rechtsanwalt
Dominique
Chopard
, Zürich,
bei Anwendung des gerichtsüblichen Stundenansatzes von
Fr.
220.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer)
mit
Fr.
2‘8
00.-- (inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer)
aus der Gerichtskasse zu entschädigen
.
6.3
Der Beschwerdeführer ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach er zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern er dazu in der Lage ist.