# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 18b0fcc5-d48f-5cbb-a02b-eb4d20442f16
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit Wiederherstellungsverfügung vom 7. Dezember 2017 forderte die Gemeinde
Thun die Beschwerdeführenden 1 bis 4 auf, den gemäss Situationsplan vom 12. Dezember
2007 als grüne Fläche bezeichneten Perimeter auf Parzelle Thun Grundblatt
RA Nr. 120/2018/4 2
Nr. F._ "bis 31. Januar 2018 von sämtlichen Bauten, Anlagen, Vorkehren,
Lagerstätten, Abstellplätzen, Materialien, Booten, Anhängern usw. zu räumen, zu
renaturieren und dauerhaft von neuen, nicht bewilligten Nutzungen freizuhalten" (Ziff. 1).
Werde Ziffer 1 nicht innert der gesetzten Frist vollständig umgesetzt, werde die
Baupolizeibehörde zur Ersatzvornahme schreiten und die angeordneten Massnahmen auf
Kosten der Beschwerdeführenden 1 bis 4 durch Dritte ausführen lassen (Ziff. 2). Zudem
wurden den Beschwerdeführenden 1 bis 4 die Gebühren von Fr. 1'195.– auferlegt. Die
Gemeinde begründet ihren Entscheid damit, dass der Vater der Beschwerdeführenden 1
bis 4 (E._) im Jahr 2007 darum ersucht habe, die Wohnwagenplätze aufzuheben
und in eine Wiese zu renaturieren. Für dieses Vorhaben sei ihm am 29. Mai 2008 die
Baubewilligung erteilt worden. Im Jahr 2009 habe die Gemeinde festgestellt, dass von der
Baubewilligung zwar Gebrauch gemacht worden sei, auf der fraglichen Fläche aber erneut
drei Wohnwagen sowie ein Motorboot abgestellt worden seien. Bei der Nachkontrolle im
Juni 2010 sei erneut eine "Verschärfung" des rechtswidrigen Zustands bemerkt worden, da
weitere Elemente auf der zu renaturierenden Fläche abgestellt worden seien: ein
Zeltklappenanhänger, Gerüstmaterial, ein Viehfütterungsstand und ein Jauchefass. 2014
hätten die Beschwerdeführenden 1 bis 4 die Umzonung der betroffenen, als Lager- und
Abstellplätze genutzten Fläche von der Landwirtschaftszone (LWZ) in eine Arbeitszone
verlangt. Nach Durchführung einer Kontrolle im Dezember 2016 und unter Hinweis auf die
Möglichkeit eines nachträglichen Baugesuchs1 hätten die Beschwerdeführenden im Januar
2017 eine teilweise Räumung des Areals in Aussicht gestellt; die abgestellten Camper und
Wohnwagen, Anhänger und Boote würden hingegen erst geräumt, wenn über das hängige
Umzonungsbegehren entschieden worden sei. Im Anschluss daran erliess die Gemeinde
die Wiederherstellungsverfügung vom 7. Dezember 2017. Mit Schreiben vom
30. Dezember 2017 ersuchten die Beschwerdeführenden 1 bis 4 zur Prüfung der weiteren
Schritte um Fristverlängerung für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands bis
Ende September 2018 und um Stundung der Gebührenrechnung. Mit Verfügung vom
3. Januar 2017 (recte 2018) verlängerte die Gemeinde in Ziffer 1 die
Wiederherstellungsfrist auf den 31. März 2018. Die gleiche Frist setzte sie für die
Begleichung der Gebühren fest (Ziff. 2).
1 Vorakten, pag. 31/32
RA Nr. 120/2018/4 3
2. Gegen diese Verfügung reichten die Beschwerdeführenden 1 bis 4 am 26. Januar
2018 Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE)
ein. Gemäss Ziffer 1 fechten sie die Verfügung als solche an. Laut Ziffer 2 ersuchen sie um
eine Fristerstreckung für die vollständige Räumung des Geländes. Sie machen
insbesondere geltend, dass eine vollständige Räumung erst auf den 31. Juli 2018 erfolgen
könne, da sie den Mieterinnen und Mietern gegenüber eine Kündigungsfrist von 3 Monaten
einzuhalten hätten. Trotz des hängigen Umzonungsverfahrens hätten sie am 7. Dezember
2017 die Wiederherstellungsverfügung erhalten. Sie weisen auf weitere Fälle in der
Gemeinde hin, bei denen Abstellplätze für Camper in der Landwirtschaftszone (Thun-
Allmendingen), für ein Materiallager in der Landwirtschaftszone (Thun-Allmendingen) und
auf öffentlichem Grund (Thun-Gwatt) geduldet würden. Sie berufen sich somit sinngemäss
auf den Grundsatz der Gleichbehandlung im Unrecht.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, gab den
Beschwerdeführenden eine kurze Nachfrist zur Verbesserung der Beschwerde bzw.
Ergänzung durch die Unterschriften sämtlicher Mitglieder der G._, was mit
Eingabe vom 10. Februar 2018 (Eingang am 16. Februar 2018) erfolgte. Die Gemeinde
beantragt mit Beschwerdeantwort vom 26. Februar 2018 die Abweisung der Beschwerde.
Den Grundeigentümern sei seit vielen Jahren bekannt, dass die heute betriebene Nutzung
nicht bewilligungsfähig sei und das Terrain bereits 2008/2009 habe geräumt werden
müssen. Bei der Vermietung handle es sich um bösgläubiges Handeln, weshalb allfällig
daraus entstandene privatrechtliche Verpflichtungen auch keinen Schutz geniessen sollten.
Sie nimmt im Übrigen zu den Vergleichsfällen gemäss Beschwerdeschrift Stellung.
4. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich,
in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
RA Nr. 120/2018/4 4

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG3 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis 48
BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
Die Beschwerdeführenden 1 bis 4 sind Eigentümerin bzw. Eigentümer der Parzelle Thun
Grundblatt Nr. F._ und als Adressatin bzw. Adressaten durch die angefochtene
Verfügung beschwert und daher zur Beschwerde legitimiert. Auf die form- und fristgerechte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht sich
nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien, ob sie die gesamte
Verfügung oder nur Teile davon anfechten wollen.4 Streitgegenstand bildet gemäss
Beschwerde die in Ziffer 1 der angefochtenen Verfügung verlängerte
Wiederherstellungsfrist, die gemäss der Wiederherstellungsverfügung vom 7. Dezember
2017 vom 31. Januar 2018 auf den 31. März verschoben worden ist. In der Begründung
der Beschwerde machen die Beschwerdeführenden 1 bis 4 überdies eine Verletzung des
Grundsatzes der Gleichbehandlung im Unrecht geltend. Mit dieser Rüge wenden sie aber
nichts gegen die Frist zur Wiederherstellung ein, sondern die Rüge betrifft die
Wiederherstellungsmassnahmen als solche. Über die Wiederherstellung wurde mit
Entscheid vom 7. Dezember 2017 verfügt und hätte innert 30 Tagen nach Eröffnung dieser
Wiederherstellungsverfügung mit Beschwerde angefochten werden müssen. Soweit sich
die Beschwerdeführenden 1 bis 4 gegen die Wiederherstellungsmassnahmen als solche
wenden, kann darauf somit nicht eingetreten werden.
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 72 N. 6 bis 8
RA Nr. 120/2018/4 5
3. Fristverlängerung für die Wiederherstellung
a) Mit der angefochtenen Verfügung hat die Gemeinde den Beschwerdeführenden 1 bis
4 Frist bis zum 31. März 2018 gesetzt. Sie sind innert dieser Frist aufgefordert, die fragliche
grün markierte Fläche auf Parzelle Thun Grundblatt Nr. F._ von "sämtlichen
Bauten, Anlagen, Vorkehren, Lagerstätten, Abstellplätzen, Materialien, Booten, Anhängern
usw." zu räumen und zu renaturieren. Nach Ansicht der Beschwerdeführenden 1 bis 4
könne die vollständige Räumung des Geländes frühestens auf den 31. Juli 2018 festgelegt
werden. Als Grund nennen die Beschwerdeführenden die gegenüber ihren Mieterinnen und
Mietern einzuhaltenden Kündigungsfristen. Zudem hätten sie zuerst eine Antwort der
Gemeinde auf ihr Umzonungsbegehren erwartet. Dieses Gesuch aus dem Jahr 2014 sei
bis heute weder bewilligt noch abgelehnt worden.
b) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde eine angemessene Frist zur
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme
(Art. 46 Abs. 1 und 2 BauG).5 Die Bestimmung einer Wiederherstellungsfrist erfordert ein
Abwägen der betroffenen Interessen. Die Wiederherstellungsfrist soll den pflichtigen
Personen die zur Vorbereitung und Durchführung der Massnahme notwendige Zeit
einräumen und deutlich machen, ab wann sie mit der Vollstreckung durch die Behörde zu
rechnen haben.6 Die Frist ist so zu bemessen, dass die pflichtigen Personen nach
allgemeiner Erfahrung ihre Pflicht bis zum Ablauf der Frist erfüllen können. Die Behörde
hat bei der Bemessung der Frist auch denjenigen Werten Rechnung zu tragen, die
gefährdet sind, wenn die Sachverfügung unvollstreckbar bleibt. Rechtliche Interessen der
pflichtigen Person sind nach Möglichkeit dann zu berücksichtigen, sofern sich dies auf
Grund der Rechtsgüterabwägung verantworten lässt.7
c) Für die Bemessung der Frist ist vorab massgebend, innert welchem Zeitraum die
Beschwerdeführenden 1 bis 4 den rechtmässigen Zustand von sich aus wiederherstellen
können. Gemäss den Vorakten werden die Abstell- und Lagerplätze vornehmlich für
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9 6 VGE 100/2012 vom 3. Juli 2013, E. 5.5 7 BVR 2001 S. 207 E. 3d
RA Nr. 120/2018/4 6
Wohnwagen, Camper, Anhänger oder Boote genutzt, die relativ leicht bewegt werden
können.8 In Einzelfällen handelt es sich um mit dem Boden verbundene Fahrnisbauten, wie
beispielsweise ein Gartenhaus oder eine Art Geräteschopf.9 Die Räumung der beweglichen
Elemente und Fahrnisbauten ist vom Aufwand her ohne weiteres innert einer kurzen Frist
möglich. Die Beschwerdeführenden 1 bis 4 bestreiten dies richtigerweise auch nicht. Sie
berufen sich jedoch darauf, dass sie gegenüber ihren Mieterinnen und Mietern eine
Kündigungsfrist einzuhalten hätten. Die Gemeinde ist jedoch der Ansicht, dass es auf
Grund der Umstände bei der Vermietung um "bösgläubiges Handeln" gehe, weshalb
allfällig daraus entstandene privatrechtliche Verträge auch keinen Schutz geniessen
sollten. Trotzdem hat sie den Beschwerdeführenden 1 bis 4 die ursprüngliche Frist vom
31. Januar auf den 31. März 2018 verlängert. Diese Frist erscheint auch im Hinblick auf die
Information der Mieterinnen und Mieter und Kündigung der Mietverhältnisse als
hinreichend lang: Vom Erlass der im Grundsatz unbestritten gebliebenen
Wiederherstellungsverfügung bis Ende der Frist sind es fast vier Monate. Da es um eine
Nutzung als Abstell- und Lagerplatz und um Gartenhäuser und Geräteschöpfe geht, reicht
diese Zeit ohne weiteres aus, um bestehende Mietverhältnisse in dieser Zeit aufzulösen
und die nötigen Renaturierungsmassnahmen vorzunehmen. Die Tatsache, dass die
Beschwerdeführenden 1 bis 4 offenbar mit der Information und Kündigung der Mieterinnen
und Mieter zugewartet haben, haben sie sich selbst zuzuschreiben und rechtfertigt keine
Verlängerung der Wiederherstellungsfrist. Zudem ist hier zu berücksichtigen, dass die
widerrechtlich als Abstell- und Lagerplatz genutzte Fläche in der Landwirtschaftszone liegt
und bereits gemäss der Baubewilligung vom 29. Mai 2008 in eine Wiese hätte renaturiert
werden müssen. Schliesslich machen die Beschwerdeführenden 1 bis 4 geltend, dass sie
im Jahr 2014 ein Umzonungsgesuch gestellt hätten, dessen Ausgang noch offen sei.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden 1 bis 4 besteht kein Rechtsanspruch auf
Umzonung ihrer Parzelle oder eines Teils davon.10 Dies bedeutet, dass das hängige
Gesuch einer baupolizeilichen Massnahme nicht im Wege steht. Insgesamt ist vorliegend
das öffentliche Interesse an einer zügigen Umsetzung der geforderten Wiederherstellung
des rechtmässigen Zustands höher zu gewichten als das wirtschaftliche Interesse der
Beschwerdeführenden 1 bis 4 an einer möglichst langen Nutzung der fraglichen Fläche als
8 Vgl. undatierte Fotodokumentation, Vorakten, pag. 11 bis 20 sowie Fotodokumentation vom 6. Dezember 2016, Vorakten pag. 65 ff. 9 Vgl. Fotodokumentation vom 6. Dezember 2016, Vorakten pag. 67 bzw. 72. Vgl. auch Fotodokumentation vom 18. Februar 2014, Vorakten, pag 75 ff. 10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band II, Bern 2017, Art. 71 N. 11
RA Nr. 120/2018/4 7
Abstell- und Lagerplatz. Die gesetzte Frist ist daher verhältnismässig. Durch das
vorliegende Beschwerdeverfahren muss die Frist jedoch neu angesetzt werden. Da die
Beschwerdeführenden 1 bis 4 seit spätestens Dezember 2017 Kenntnis von der
Wiederherstellungsverfügung haben, muss keine neue lange Frist gesetzt werden. Die
Verfügung vom 3. Januar 2017 (recte 2018) wird deshalb dahingehend geändert, dass die
Frist für die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands auf den 31. Mai 2018
festgesetzt wird.
4. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden 1 bis 4
vollumfänglich. Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese
werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 800.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m.
Art. 19 Abs. 1 GebV11). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und Abs. 4
VRPG).