# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9c9a98f7-dcd3-4b07-ae59-84a404001f92
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend fahrlässige schwere Körperverletzung etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, Einzelgericht Strafsachen, vom 29. März 2021 (GG200027)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 28. Septem-
ber 2020 (Urk. 35) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125
Abs. 1 und Abs. 2 StGB,
− des mehrfachen Vergehens gegen das Waffengesetz im Sinne von
Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit Art. 4 Abs. 1 lit. d WG und
Art. 5 Abs. 2 lit. b und Abs. 6 WG sowie Art. 27 Abs. 1 WG,
− der vorsätzlichen (groben) Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von
Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 4
Abs. 1 VRV, in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG
und Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV sowie in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1
SVG,
− des fahrlässigen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von
Art. 91 Abs. 1 lit. a SVG,
− der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a
Ziff. 1 BetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 320 Tagessätzen zu
Fr. 170.– (entsprechend Fr. 54'400.–) sowie mit einer Busse von Fr. 2'000.–
(davon Fr. 1'700.– als Verbindungsbusse).
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
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4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 12 Tagen.
5. Die folgenden, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
(heute: Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich) vom 5. September 2017
(Dossier 1 act. 16/1) beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen
und vernichtet:
- eine Metalldose mit drei Patronen Kal .222, eine Patrone Kal .500, eine
Patrone Kal .45 sowie eine Patronenhülse leer (Asservat-
Nr. A008'637'249)
- ein iPhone 5, blau, mit Schutzhülle (Italien-Flagge), noch nicht auf
Werkeinstellungen zurückgesetzt (Asservat-Nr. A008'635'367)
- eine Selbstladepistole Marke Springfield, Modell 1911 A1 Tactical, Ka-
liber .45 AUTO, Nr. N375330 (FOR Ref.Nr. K151013-080; Asservat-
Nr. A008'639'369)
- sechs Patronen Kaliber .45 AUTO (FOR Ref.Nr. K151013-080; Asser-
vat-Nr. A008'639'427)
- eine Manipulierpatrone (FOR Ref.Nr. K151013-080; Asservat-
Nr. A008'639'392)
- eine Hülse (FOR Ref.Nr. K151013-080; Asservat-Nr. A008'639'472)
- drei Projektilteile (FOR Ref.Nr. K151013-080; Asservat-Nr. A008'639'
507)
- ein Holster (FOR Ref.Nr. K151013-080; Asservat-Nr. A008'639'621).
6. Der folgende, mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich
vom 3. September 2020 (Dossier 3 act. 9/1) beschlagnahmte Gegenstand
wird eingezogen und vernichtet:
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- ein Paar "selfdefence tactical"-Handschuhe, schwarz (Hard Knuckle
Gloves) (Asservat-Nr. A012'364'668).
7. Mit Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides werden die folgenden, mit
Verfügung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (heute: Staatsan-
waltschaft II des Kantons Zürich) vom 5. September 2017 (Dossier 1 act.
16/1) einzig als Beweismittel beschlagnahmten Gegenstände an D._
freigegeben:
- ein Spiel für X-Box 360 "Dead Island" (Asservat-Nr. A008'637'272)
- eine Spielkonsole X-Box 360 inkl. Auflade-/Stromkabel plus ein Con-
troller (Asservat-Nr. A008'637'283).
D._ wird eine Frist von 60 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft dieses Ur-
teils angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst (oder durch
eine bevollmächtigte Person) unter Vorlage dieses Urteils und eines amtli-
chen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der nachgenannten
Lagerbehörde (Kantonspolizei Zürich, Asservate Triage) abzuholen.
Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist bei der La-
gerbehörde abgeholt, werden diese der Lagerbehörde zur gutscheinenden
Verwendung bzw. Vernichtung überlassen.
8. Mit Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides werden die folgenden, mit
Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 28. September
2020 (Dossier 1 act. 16/12) einzig als Beweismittel beschlagnahmten Ge-
genstände an den Beschuldigten freigegeben:
- eine CD für Play-Station "The Cursed Crusace" (Asservat-Nr.
A008'637'294)
- eine CD für Play-Station "Tomb Raider" (Asservat-Nr. A008'637'307)
- eine DVD "Rise Of An Empire" (Asservat-Nr. A008'637'329)
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- eine DVD "Wyrmwood Road Of The Dead" (Asservat-Nr.
A008'637'330)
- eine DVD "The Raid" (Asservat-Nr. A008'637'341).
Dem Beschuldigten wird eine Frist von 60 Tagen ab Eintritt der Rechtskraft
dieses Urteils angesetzt, um die herauszugebenden Gegenstände selbst (o-
der durch eine bevollmächtigte Person) unter Vorlage dieses Urteils und ei-
nes amtlichen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung, bei der nach-
genannten Lagerbehörde (Jugendanwaltschaft See/Oberland) abzuholen.
Werden die herauszugebenden Gegenstände nicht innert Frist bei der La-
gerbehörde abgeholt, werden diese der Lagerbehörde zur gutscheinenden
Verwendung bzw. Vernichtung überlassen.
9. Die Universität Zürich, Institut für Rechtsmedizin, Toxleitstelle, wird ange-
wiesen, die unter der Asservat-Nr. TN 19-1270 aufbewahrten Untersu-
chungsmaterialien nach Eintritt der Rechtskraft zu vernichten.
10. Der Privatkläger 1 B._ wird mit seinen Zivilansprüchen (Schadenersatz
und Genugtuung) auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
11. Die Privatklägerin 2 C._ AG wird mit ihren Zivilansprüchen (Schadener-
satz) auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
12. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 2'100.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 4'000.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 6'802.– Auslagen (Gutachten)
Fr. 376.95 Auslagen
Fr. 900.– Auslagen Polizei
Fr. 437.50 Entschädigung Zeuge
Fr. 19'476.25 Kosten der amtlichen Verteidigung (inkl. 7.7% MwSt. und Auslagen)
Allfällige weitere Kosten bleiben vorbehalten.
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13. Die Kosten gemäss Ziffer 12 vorstehend, ausgenommen diejenigen der amt-
lichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf die Gerichts-
kasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO.
15. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 B._ für das ge-
samte Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 10'556.85 (inkl. 7.7%
MwSt. und Auslagen) zu bezahlen.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 59 S. 1 f.; Prot. II S. 31 f.)
1. Das vorinstanzliche Urteil sei hinsichtlich der Dispositiv-Ziffern 1 bis 5
sowie 13 und 15 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Die Selbstladepistole Marke Springfield, Modell 1911 A1 Tactical, Kali-
ber .45 AUTO, Nr. N375330 (FOR Ref. K151013-080; Asservat-Nr.
A008'639'369), sei dem Beschuldigten herauszugeben.
4. Die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens
sowie die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Gerichts-
kasse zu nehmen.
5. Unter praxisgemässen Kosten- und Entschädigungsfolgen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(Urk. 64, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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c) Des Vertreters des Privatklägers 1:
(Urk. 65; Urk. 82)
1. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
2. Der Beschuldigte sei zur Bezahlung einer Parteientschädigung für das
Berufungsverfahren gemäss eingereichter Honorarnote zu verpflichten.
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## Considerations

Erwägungen:
1. Prozessgeschichte
1.1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil des Bezirksge-
richtes Pfäffikon, Einzelgericht Strafsachen, vom 29. März 2021 meldete der Be-
schuldigte am 7. April 2021 Berufung an (Urk. 52). Das begründete Urteil der Vor-
instanz wurde ihm am 28. Juni 2021 zugestellt (Urk. 57/1), worauf er am 16. Juli
2021 rechtzeitig die Berufungserklärung einreichte (Urk. 59).
1.2. Innert angesetzter Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO verzichteten die
Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich (fortan Staatsanwaltschaft) und der Pri-
vatkläger 1, B._, auf Erhebung einer Anschlussberufung (Urk. 64 und 65).
Die C._ AG (Privatklägerin 2) liess sich nicht vernehmen.
1.3. Am 22. Juli 2021, am 23. Mai 2022 und am 16. August 2022 wurden neue
Strafregisterauszüge über den Beschuldigten eingeholt (Urk. 61, 73 und 79).
1.4. Die mit Präsidialverfügung vom 27. Juli 2021 eingeforderten Unterlagen
(Datenerfassungsblatt sowie Unterlagen betreffend die finanziellen Verhältnisse;
vgl. Urk. 62) wurden seitens des Beschuldigten nicht eingereicht.
1.5. Zur einmal verschobenen und heute schliesslich durchgeführten Beru-
fungsverhandlung sind der Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidi-
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gers, Rechtsanwalt lic. iur. X._, sowie der Vertreter des Privatklägers 1,
Rechtsanwalt MLaw Y._, erschienen (Prot. II S. 4).
2. Umfang der Berufung
2.1. Der Beschuldigte verlangt mit seiner Berufung einen vollumfänglichen Frei-
spruch samt definitiver Kostenübernahme durch die Gerichtskasse sowie die Her-
ausgabe der Selbstladepistole Marke Springfield, beantragt jedoch im Übrigen die
Bestätigung der diversen Anordnungen betreffend Einziehung von Gegenständen,
Beweismitteln und Untersuchungsmaterial, der Verweisung der Zivilforderungen
auf den Weg des Zivilprozesses sowie der Kostenfestsetzung (Urk. 59 S. 1 f.;
Art. 399 Abs. 4 lit. b, c und e StPO).
2.2. Entsprechend ist vorab festzuhalten, dass das Urteil des Bezirksgerichtes
Pfäffikon, Einzelgericht Strafsachen, vom 29. März 2021 bezüglich der Dispositiv-
ziffern 5 teilweise (1., 2. sowie 4.-8. Spiegelstrich; Einziehung und Vernichtung
beschlagnahmter Gegenstände), 6 (Einziehung und Vernichtung der Handschu-
he), 7-8 (Freigabe von Beweismitteln), 9 (Vernichtung von Untersuchungsmateri-
al), 10-11 (Zivilansprüche) und 12 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen
ist (vgl. BSK StPO-EUGSTER, 2. Aufl. 2014, Art. 402 N 1 f.).
3. Sachverhalt
3.1. Der Beschuldigte bestritt vor Vorinstanz (Prot. I S. 7 ff.) und auch heute
(Prot. II S. 9 ff.), dass sich gewisse Anklagesachverhalte wie dargestellt ereignet
hätten. Entsprechend ist zu prüfen, ob die Vorwürfe aufgrund der vorliegenden
Beweismittel rechtsgenügend erstellt werden können. Gemäss der aus Art. 8 und
32 Abs. 1 BV fliessenden und auch in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime "in
dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten,
dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Art. 10 Abs. 3
StPO). Angesichts der Unschuldsvermutung besteht Beweisbedürftigkeit, d.h. der
verfolgende Staat hat dem Beschuldigten alle objektiven und subjektiven Tatbe-
standselemente nachzuweisen und nicht der Beschuldigte seine Unschuld (BGE
127 I 38, E. 2a). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der
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Strafrichter nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen Sach-
verhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel beste-
hen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE 138 V 74, E. 7; BGE 128 I
81, E. 2 mit Hinweisen). Die Überzeugung des Richters muss auf einem verstan-
desgemäss einleuchtenden Schluss beruhen und für den unbefangenen Be-
obachter nachvollziehbar sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches
Strafprozessrecht, 6. A., Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Wenn erhebliche oder nicht
zu unterdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so abgespielt hat,
wie er eingeklagt ist, ist der Beschuldigte freizusprechen.
Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in objekti-
ver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem be-
stimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen Rich-
tigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 2 und 3 StPO). Es liegt in der Natur
der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute Sicherheit in
der Beweisführung erreicht werden kann. Daher muss es genügen, dass das Be-
weisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist. Bloss abstrakte oder
theoretische Zweifel dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer mög-
lich sind (BGE 138 V 74, E. 7 mit Hinweisen). Hingegen darf ein Schuldspruch nie
auf blosser Wahrscheinlichkeit beruhen.
3.2. Was den Anklagevorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung (An-
klageziffer 1) angeht, anerkennt der Beschuldigte – wie bereits in der Untersu-
chung und vor Vorinstanz (vgl. D1 Urk. 4/3 S. 2, Prot. I und Urk. 58 S. 5 f.) – den
äusseren Sachverhalt grossmehrheitlich, bestreitet jedoch, dass die Aufbewah-
rung der Pistole vorliegend pflichtwidrig und deren Behändigung samt Schussab-
gabe mit Verletzungsfolge durch D._ für ihn vorhersehbar gewesen sei
(Prot. II S. 9 ff.). Hinsichtlich der bestrittenen ADHS-Diagnose von D._ und
der Frage, ob die Pistole schon früher im unverschlossenen Alkohol-
/Tresorschrank aufbewahrt wurde, kann vollumfänglich auf die zutreffenden Aus-
führungen der Vor-instanz verwiesen werden (Urk. 58 S. 6 f.; Art. 82 Abs. 4
StPO), womit der Sachverhalt – und damit zumindest die natürliche Kausalität
(vgl. BGE 98 IV 168 E. 2; PK StGB-TRECHSEL/FATEH-MOGHADAM 2021, Art. 12 N
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25 m.w.H.) – insgesamt als erstellt zu würdigen ist. Die Fragen der Pflichtwidrig-
keit sowie der Vorhersehbarkeit (adäquate Kausalität) werden (erst) im Rahmen
der rechtlichen Würdigung zu klären sein.
3.3. Hinsichtlich Anklageziffer 2 anerkennt der Beschuldigte, die besagten
Handschuhe (bei den Akten, Ordner 6 beigeheftet) im Jahr 2017 an einer Waf-
fenmesse gekauft und sie anlässlich des Verkehrsunfalles vom tt. Januar 2019
(vgl. Anklageziffer 3) im Auto in seiner Waffentasche transportiert zu haben, ohne
für sie über eine waffenrechtliche Bewilligung verfügt zu haben. Er bestreitet je-
doch, dass diese Handschuhe aufgrund ihrer Machart dazu bestimmt waren/sind,
Menschen zu verletzen bzw. dass er dies wusste oder zumindest damit rechnete
(D2 Urk. 6/3 S. 19 ff.; Prot. I S. 15 f.; Prot. II S. 18 f.). Mithin bestreitet er, dass
diese Handschuhe als Waffen im Sinne des Waffengesetzes zu qualifizieren und
damit bewilligungspflichtig sind. Auch hierauf wird erst im Rahmen der rechtlichen
Würdigung näher einzugehen sein. Der diesbezügliche Anklagesachverhalt ist je-
doch rechtsgenügend erstellt.
3.4. Mit Bezug auf den in Anklageschrift Ziffer 4 geschilderten Ablauf (Schleu-
derunfall infolge deutlich übersetzter Geschwindigkeit) macht der Beschuldigte
geltend, zunächst mit zulässiger Maximalgeschwindigkeit unterwegs gewesen zu
sein. Er habe dann einem plötzlich von rechts auf die Strasse laufenden Fuchs
nach rechts ausweichen wollen und sei dabei eventuell aus Versehen aufs Gas-
statt aufs Bremspedal geraten, worauf es zum Schleuderunfall gekommen sei,
wobei er dazu konkret keine Erinnerung habe, da er eine Hirnerschütterung erlit-
ten habe (D2 Urk. 6/9 S. 2 in Verbindung mit D2 Urk. 6/10 S. 4; Prot. I S. 13;
Prot. II S. 20 f.).
Die Vorinstanz hat sich hierzu im angefochtenen Urteil geäussert und kam – unter
Bezugnahme auf das unfallanalytische Gutachten des Forensischen Instituts Zü-
rich (FOR) vom 11. August 2020 (D2 Urk. 9/13) – zum überzeugenden Schluss,
dass uneingeschränkt auf die gutachterlichen Erkenntnisse abzustellen sei, wel-
che von einer Anfangsgeschwindigkeit von mindestens 122 km/h ausgehen
(Urk. 58 S. 8; Art. 82 Abs. 4 StPO). Die Aussagen des Beschuldigten seien dem-
gegenüber aus naturwissenschaftlich-logischen Gesichtspunkten nicht plausibel,
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da ein Fuchs bei den damals herrschenden Verhältnissen kaum klar zu erkennen
gewesen wäre und – dies scheint von primärer Bedeutung – das angetroffene
Spurenbild mit dem geschilderten Ausweichmanöver nach rechts nicht in Über-
einstimmung zu bringen ist. Hierzu wies im Übrigen bereits der Gutachter nach-
vollziehbar darauf hin, dass der Beschuldigte, hätte er zu Beginn der in Fahrtrich-
tung nach links verlaufenden S-Kurve eine heftige Lenkbewegung nach rechts
ausgeführt, deutlicher zur rechten Seite von der Strasse hätte abkommen müs-
sen, was eher nicht plausibel erscheine (D2 Urk. 9/13 S. 14). Die objektiven An-
knüpfungstatsachen sprächen vielmehr dafür, dass der Beschuldigte eine stärke-
re Lenkradbewegung nach links ausgeführt habe. Dies, weil die E._-strasse
dort im Streckenbereich von ca. 50 m um ca. eine Fahrstreifenbreite nach links
versetzt sei, was einem Spurwechsel von seitlich ca. 3 m entspreche. Damit der
Personenwagen dieses Fahrmanöver habe ausführen können, habe er aufgrund
der hohen Geschwindigkeit eine längere Strecke benötigt, als ihm bis zur Sicht-
grenze bei Abblendlicht zur Verfügung gestanden sei. Der Gutachter schliesst aus
diesen Gegebenheiten, dass der Beschuldigte die
S-Kurve mit einer Geschwindigkeit von mindestens 122 km/h nicht habe ausfah-
ren können und sein Wagen dadurch rechts von der Strasse abgekommen sei
(ebenda S. 16 f.). Dies überzeugt. Kommt hinzu, dass das Fuchs-Szenario nicht
zu erklären vermag, wieso das Fahrzeug nach dem Ausweichmanöver – vom Be-
schuldigten ungewollt – von der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h
auf mindestens 122 km/h hätte beschleunigen sollen, einzig durch ein versehent-
liches Abrutschen vom Brems- auf das Gaspedal. Immerhin ist davon auszuge-
hen, dass hierfür ein mindestens 2,7 Sekunden dauerndes Betätigen des Gaspe-
dals nötig wäre, was sich nicht mit einem versehentlichen Abrutschen vereinbaren
lässt (vgl. die hierzu vom Staatsanwalt angestellten Überlegungen in D2 Urk. 6/9
S. 4). Daran ändert das Vorbringen der Verteidigung nichts, dass kein anderes
Motiv für eine kurzfristige massive Beschleunigung ersichtlich sei (Prot. II S. 29 f.),
zumal eine solche mit einem sportlichen Fahrzeug der Marke Jaguar jederzeit
möglich ist und sowohl aus Gründen eines Adrenalinkicks wie durchaus auch aus
einem Frustmoment heraus vorgenommen worden sein kann. Schliesslich wäre
gemäss allgemeiner Erfahrung weiter davon auszugehen, dass der Beschuldigte
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sofort und uneingeschränkt Auskunft über den angeblichen Fuchs als Unfallursa-
che gegeben hätte, da ein derartiges Hindernis seinen Unfall hätte erklären kön-
nen. Dies war jedoch nicht der Fall. Vielmehr verweigerte er nicht nur vor Ort und
im Rahmen der ersten polizeilichen Einvernahme jegliche Aussagen (D2 Urk. 2 S.
3 und D2 Urk. 6/1-2), auch erwähnte er solches gegenüber der Zeugin F._
nicht, welche er selbst an den Unfallort aufgeboten hatte, um seinen beim Unfall
aus dem Auto geschleuderten Hund zu suchen und medizinisch abklären zu las-
sen, sondern sprach ihr gegenüber lediglich von einem Abrutschen von der Stras-
se (D2 Urk. 6/5 S. 8), was mit dem Gutachten übereinstimmt. Dies alles lässt nur
den Schluss zu, dass es sich beim angeblichen Ausweichmanöver wegen eines
Fuchses um eine Schutzbehauptung handelt und es ist aufgrund der Ergebnisse
des unfallanalytischen Gutachtens davon auszugehen, dass sich der Unfall we-
gen stark überhöhter, das zulässige Mass um 42 km/h überschreitender Ge-
schwindigkeit ereignete, wobei dem Beschuldigten angesichts des gefahrenen
Tempos bewusst sein musste, dass die zulässige Maximalgeschwindigkeit ganz
wesentlich überschritten wurde, was er entsprechend auch wollte. Mit der Vo-
rinstanz (Urk. 58 S. 9) ist vor diesem Hintergrund evident, dass der Beschuldigte
bei dieser Fahrweise eine erhöhte Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer in Kauf
nahm. Der Anklagesachverhalt Ziffer 4 ist damit rechtsgenügend erstellt.
3.5. Hinsichtlich Anklageziffer 5 bestreitet der Beschuldigte, mehr als ein Glas
Wein getrunken und ab Fahrtantritt am tt. Januar 2019 bis 19.00 Uhr einen Blutal-
koholgehalt von mindestens 0.50 Gewichtspromille aufgewiesen zu haben bzw.
bestreitet er sinngemäss, vor 19.00 Uhr losgefahren zu sein (Prot. I S. 14 und
Prot. II S. 22).
Wie bereits die Vorinstanz schlüssig darlegte, auf deren überzeugende Erwägun-
gen verwiesen werden kann (Urk. 58 S. 7; Art. 82 Abs. 4 StPO), ist aufgrund des
Alarmierungszeitpunkts um 19.10.40 Uhr (D2 Urk. 3/2 S. 1) vom im Polizeirapport
angegebene Unfallzeitpunkt (19.05 Uhr; D2 Urk. 2 S. 1) auszugehen. Selbst wenn
nun aber auf die neuesten Angaben des Beschuldigten, dass er für die Strecke
nur 9 Minuten gebraucht habe (vgl. Prot. I S. 14; in den ersten einlässlichen Ein-
vernahmen sprach er noch von 20 Minuten [D2 Urk. 6/4 S. 8], Google-Maps nennt
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11 Minuten als kürzeste Variante, allerdings für eine Fahrt mitten am Nachmittag,
nicht in der abendlichen Stosszeit [vgl. Urk. 47/2]) abgestellt wird, war er damit
bereits vor 19.00 Uhr im Auto unterwegs. Dies anerkannte er im Übrigen auch an-
lässlich der untersuchungsrichterlichen Einvernahme vom 2. September 2020 (D2
Urk. 6/10 S. 2 f.). Gemäss der gutachterlichen Rückrechnung belief sich der Blut-
alkoholgehalt um 19.00 Uhr noch auf mindestens 0.50 Gewichtspromille. Dass
der Beschuldigte demgegenüber leichtfertig davon ausging, den Grenzwert nicht
zu erreichen, kann ihm ohne Weiteres geglaubt werden. Der Anklagesachverhalt
5 ist damit rechtgenügend erstellt.
3.6. Schliesslich bestreitet der Beschuldigte, Ende Januar 2019 eine kleine Por-
tion Kokain (eine Linie, entsprechend ca. 0.03-0.2 g Kokain, vgl. D2 Urk. 8/9) kon-
sumiert zu haben (Anklagesachverhalt 6; vgl. Prot. I S. 15 und Prot. II S. 22 f.).
Indes wurde entsprechendes nach seinem Verkehrsunfall (Anklageziffer 4 und 5)
im Rahmen der untersuchungsrichterlich angeordneten Urinkontrolle gutachterlich
festgestellt (D2 Urk. 8/3 und 4; insb. D2 Urk. 8/4 S. 2 f.: Cocain-positiver immuno-
chemischer Urinvortest und qualitativer Nachweis von Cocain-Metabolit in der fo-
rensisch-toxikologischen Urin-Analyse). Anzeichen für eine fehlerhafte Proben-
auswertung bestehen keine, zumal der Beschuldigte die gleichzeitig vorgenom-
mene Auswertung des Blutalkoholwertes anerkennt (Prot. I S. 14). Die vom Be-
schuldigten in diesem Zusammenhang der Vorinstanz eingereichten Laborresulta-
te betreffend einen Zeitraum im März 2021 (Urk. 47/3) vermögen an diesem Re-
sultat keine Zweifel zu wecken, zumal die Laboranalyse soweit ersichtlich gar
nicht auf Kokain(-Metabolit) untersuchte. Eine Haaranalyse, welche der Beschul-
digte und die Verteidigung als zu Unrecht nicht vorgenommen erachten (Prot. II
S. 23 und 31), hätte zudem bloss einen längerfristigen Konsum feststellen kön-
nen, bezüglich der Frage eines einmaligen Konsums aber keine Erkenntnisse ge-
bracht. Und schliesslich erweist es sich entgegen den Aussagen des Beschuldig-
ten (Prot. II S. 23) auch nicht als derart weltfremd oder unvorstellbar, dass an ei-
nem Montagabend in einer Arbeitswoche nicht nur Rotwein, sondern auch eine
Linie Kokain konsumiert wird, dass sich daraus etwas Entlastendes ableiten lies-
se. Der Anklagesachverhalt 6 ist damit rechtsgenügend erstellt.
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4. Rechtliche Würdigung
4.1. Wer fahrlässig einen Menschen schwer am Körper oder an der Gesundheit
schädigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft
(Art. 125 Abs. 1 StGB). Fahrlässig begeht ein Verbrechen oder Vergehen, wer die
Folge seines Verhaltens aus pflichtwidriger Unvorsichtigkeit nicht bedenkt oder
darauf nicht Rücksicht nimmt. Pflichtwidrig ist die Unvorsichtigkeit, wenn der Täter
nicht die Vorsicht beachtet, zu der er nach den Umständen und nach seinen per-
sönlichen Verhältnissen verpflichtet ist (Art. 12 Abs. 3 StGB).
4.1.1. a) Die fahrlässige Körperverletzung knüpft im objektiven Tatbestand an die
Voraussetzungen der vorsätzlichen Körperverletzung nach Art. 122 und 123 StGB
an, nur dass eben nicht Vorsatz gefordert ist, sondern Fahrlässigkeit genügt (BSK
StGB-ROTH/KESHELAVA, 4. A., Art. 125 N 1).
b) Die von B._ erlittenen Verletzungen sind zweifellos als schwer im Sinne
von Art. 122 StGB zu qualifizieren (der Durchschuss der Wirbelsäule im Halsbe-
reich führte zum Bruch des 6. und 7. Halswirbelkörpers, was eine komplette Tet-
raplegie sub C5 verursachte).
4.1.2. a) In subjektiver Hinsicht müssen bei der fahrlässigen Körperverletzung die
bereits erwähnten regulären Voraussetzungen der Fahrlässigkeit gegeben sein
(BSK StGB-ROTH/KESHELAVA, 4. A., Art. 125 N 6), insbesondere muss der Täter
mit seinem Verhalten eine Sorgfaltspflicht verletzt haben (PK StGB-
TRECHSEL/FATEH-MOGHADAM 2021, Art. 12 N 29). Mithin muss der Täter den ein-
getretenen Erfolg verursacht oder mitverursacht haben, wobei sein Handeln
pflichtwidrig unvorsichtig war und der Erfolg sich als Auswirkung gerade der durch
den Sorgfaltsmangel geschaffenen Gefahr darstellt (BSK StGB-NIGGLI/MAEDER, 4.
A., Art. 12 N 88).
Sorgfaltswidrig ist ein Verhalten, wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat aufgrund
der Umstände sowie seiner Kenntnisse und Fähigkeiten die damit bewirkte Ge-
fährdung der Rechtsgüter des Opfers hätte erkennen können und müssen und
wenn er zugleich die Grenzen des erlaubten Risikos überschritten hat. Wo be-
sondere Normen ein bestimmtes Verhalten gebieten, bestimmt sich das Mass der
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zu beachtenden Sorgfalt in erster Linie nach diesen Vorschriften. Dies schliesst
nicht aus, dass der Vorwurf der Fahrlässigkeit auch auf allgemeine Rechtsgrund-
sätze wie etwa den allgemeinen Gefahrensatz gestützt werden kann. Denn einer-
seits begründet nicht jeder Verstoss gegen eine gesetzliche oder für bestimmte
Tätigkeiten allgemein anerkannte Verhaltensnorm den Vorwurf der Fahrlässigkeit,
und andererseits kann ein Verhalten sorgfaltswidrig sein, auch wenn nicht gegen
eine bestimmte Verhaltensnorm verstossen wurde. Die Vorsicht, zu der ein Täter
verpflichtet ist, wird letztlich durch die konkreten Umstände und seine persönli-
chen Verhältnisse bestimmt, weil naturgemäss nicht alle tatsächlichen Gegeben-
heiten in Vorschriften gefasst werden können. Grundvoraussetzung für das Be-
stehen einer Sorgfaltspflichtverletzung und mithin für die Fahrlässigkeitshaftung
bildet die Vorhersehbarkeit des Erfolgs. Die zum Erfolg führenden Geschehen-
sabläufe müssen für den konkreten Täter mindestens in den wesentlichen Zügen
voraussehbar sein. Zunächst ist daher zu fragen, ob der Täter eine Gefährdung
der Rechtsgüter des Opfers hätte voraussehen bzw. erkennen können und müs-
sen. Hierbei gilt der
Massstab der Adäquanz. Danach muss das Verhalten geeignet sein, nach dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens einen Erfolg wie
den eingetretenen herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen. Die Adä-
quanz ist nur zu verneinen, wenn ganz aussergewöhnliche Umstände, wie das
Mitverschulden des Opfers bzw. eines Dritten oder Material- oder Konstruktions-
fehler, als Mitursache hinzutreten, mit denen schlechthin nicht gerechnet werden
musste und die derart schwer wiegen, dass sie als wahrscheinlichste und unmit-
telbarste Ursache des Erfolgs erscheinen und so alle anderen mitverursachenden
Faktoren in den Hintergrund drängen. Weitere Voraussetzung ist schliesslich,
dass der Erfolg auch vermeidbar war, dass also bei pflichtgemässem Verhalten
des Täters der Erfolg ausgeblieben wäre (BGE 135 IV 56 E. 2.1 m.w.H.).
Gemäss Art. 26 WG sind Waffen und Munition sorgfältig aufzubewahren und vor
dem Zugriff unberechtigter Dritter zu schützen. Dabei gilt grundsätzlich, dass die
einzuhaltende Sorgfaltspflicht umso höher anzusetzen sind, je gefährlicher die
Waffe ist, wobei zusätzlich den konkreten Umständen Rechnung zu tragen ist. So
sind beispielsweise Waffen und Munition in Haushalten, in denen auch Kinder o-
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der Jugendliche wohnen, getrennt aufzubewahren und derart einzuschliessen,
dass ein Jugendlicher das Behältnis nicht öffnen kann (BGE 128 IV 49 E. 2d),
zumal Waffen auf Jugendliche generell eine hohe Anziehungskraft ausüben
(BGE 103 IV 12 E. 2). Gemäss SHK Waffengesetz-BOPP, Art. 26 N 19, wird un-
abhängig der Umstände zumindest verlangt, dass Waffen in einem ungeladenen
Zustand und die dazugehörige Munition getrennt von der Waffe aufbewahrt wer-
den, da es sich dabei um grundlegende und einfach umsetzbare Sicherheitsvor-
kehrungen handelt. Das Bundesgericht erachtete im Entscheid 6B_884/2013 vom
9. Oktober 2014, E. 3.4.1-3 in einem Fall, bei welchem eine Pistole, Magazin und
Munition getrennt voneinander in einem Einbauschrank lagen und keine Kinder
oder Jugendliche, sondern bloss teilweise erwachsene Dritte im Haushalt lebten,
die Aufbewahrung als sorgfaltswidrig an, da die Waffenbestandteile im geschlos-
senen aber nicht abgeschlossenen Schrank mit einem Blick erkennbar und sofort
greifbar gewesen seien.
b) Mit Blick auf obige Grundsätze ist mit der Vorinstanz (vgl. ihre überzeugenden
Ausführungen in Urk. 58 S. 10 f.) festzuhalten, dass für den Beschuldigten auf-
grund der konkreten Umstände und der eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten er-
kennbar war, dass die Aufbewahrung der mit scharfer Munition geladenen Waffe
im unverschlossenen Alkoholschrank/Tresor einen Schiessunfall nach sich ziehen
könnte. So wusste der Beschuldigte bereits vor seiner Abreise, dass der damals
16 Jahre alte D._ nach der Rückkehr aus dessen Ferien zunächst alleine zu-
hause sein würde. Dass er dabei die scharf geladene Waffe hinter dem Alkohol im
unverschlossenen Schrank finden und auch behändigen könnte, lag absolut im
Rahmen des Erwartbaren. Auch war es D._ erlaubt, einen Gast einzuladen.
Dass D._ schliesslich einen anderen Jugendlichen (bzw. sogar zwei) zu sich
nach Hause einlud, als ihm erlaubt worden war, ist mit Blick auf das allgemeine
Verhalten von Jugendlichen, die sogenannt "sturmfrei" haben, nicht als ausser-
gewöhnlich zu werten und vermag den adäquaten Kausalzusammenhang nicht zu
unterbrechen, zumal selbst dann, wenn er sich an die mütterlichen Vorgaben ge-
halten hätte, noch für ihn selbst (und den erlaubten Gast) ein hohes Verletzungs-
risiko bestanden hätte. Entsprechend überzeugt denn auch die Beteuerung des
Beschuldigten nicht, dass sich D._ bis dann stets an Absprachen gehalten
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habe und das zum Tatzeitpunkt abweichende Verhalten deshalb, trotz Pubertäts-
alter, nicht voraussehbar gewesen sei (Prot. II S. 14 ff.). Auch ein allfällig ausge-
sprochenes Verbot, die Waffe zu behändigen (vgl. Prot. II S. 25 und 37), reichte
als Schutzmassnahme nach Art. 26 WG jedenfalls nicht aus.
Weiter wusste der Beschuldigte darum, dass sich D._ – wie viele männliche
Jugendliche seines Alters – für Waffen interessierte (vgl. u.a. Prot. II S. 16), aber
darin nicht vertieft instruiert oder gar im Umgang routiniert war, weshalb er bei
Waffenkontakt jedenfalls hätte angeleitet und überwacht werden müssen, auch
wenn er früher bereits vereinzelt im Schiessstand geschossen sowie einmal am
Knabenschiessen teilgenommen hatte. So führte der Beschuldigte selber aus,
D._ habe keine Routine gehabt, was das Schiessen betreffe (D1 Urk. 4/3 S.
2 f.; D1 Urk. 4/5/1 S. 9; Prot. II S. 11), und dass er (der Beschuldigte) ihm die Ent-
lademanipulation nicht gezeigt habe, wobei eine derart falsche Manipulation (wie
von D._ vorgenommen) niemandem passiere, der sich auskenne (D1
Urk. 4/2 S. 5 f.). Hinzu kommt, was jedoch insgesamt nicht als ausschlaggebend
erscheint, dass er um die ADHS-Diagnose von D._ wusste (D1 Urk. 4/5/1 S.
18; Prot. II S. 17), was sich bei diesem gemäss eigenen Angaben durch Unauf-
merksamkeit und Zappeligkeit äusserte (D1 Urk. 4/9 S. 9). Aufgrund seiner Her-
kunft war der Beschuldigte, als langjähriger Sportschütze, Jagdscheinaspirant und
(rechtmässiger) Besitzer von verschiedenen Schusswaffen (vgl. D 1 Urk. 4/5/3
S. 1 f.), sodann sogar die rigideren bzw. expliziteren ... Vorschriften [des Staates
G._] betreffend die Aufbewahrung von Waffen und Munition gewohnt (vgl.
seine eigenen Aussagen vor Vorinstanz, dass er nach ... Recht [des Staates
G._] klar gegen die Vorschriften verstossen hätte, Prot. I S. 10). Vor dem
Hintergrund seines Zusammenlebens mit einem pubertierenden Jugendlichen
durfte er jedenfalls, entgegen seinen heutigen Aussagen (Prot. II S. 10), nicht da-
von ausgehen, dass die offener formulierten Vorschriften in der Schweiz lascher
zu interpretieren wären.
Mit der zwar nicht sichtbaren, aber auch nicht verschlossenen Lagerung der un-
terladenen Waffe – zumal im Schrank, in welchem der hochprozentige Alkohol
aufbewahrt wurde, welcher auf unbeaufsichtigte Jugendliche erfahrungsgemäss
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ebenfalls eine hohe Anziehungskraft ausüben kann – ging der Beschuldigte nach
dem Gesagten ein unzulässiges Risiko ein und verletzte seine Pflichten nach dem
Waffengesetz wie auch nach dem allgemeinen Gefahrensatz, welcher ihn ver-
pflichtet hätte, das von ihm geschaffene Risiko des Waffenbesitzes vor seiner Ab-
reise durch geeignete Schutzmassnahmen zu entschärfen. Dies wäre ihm auch
ohne weiteres möglich gewesen, durch Entfernung des Magazins sowie durch ge-
trennten Einschluss von Waffe und Munition in seinen (vorhandenen) abschliess-
baren Waffenschränken. Dies tat er jedoch nicht, weshalb er sogar in doppelter
Hinsicht sorgfaltswidrig gehandelt hat. Der Privatklägervertretung ist beizupflich-
ten (Prot. II S. 35 und 38), dass der vorliegende Sachverhalt genau dem leider
immer wieder vorkommenden Lebenssachverhalt entspricht, dass Kinder und Ju-
gendliche in unbeaufsichtigten Momenten unsachgemäss aufbewahrte Schuss-
waffen behändigen und schwere Unfälle geschehen. Vor diesem Hintergrund
vermögen schliesslich das Verschulden des Schützen D._ sowie der Um-
stand, dass sich der Privatkläger nicht wie der weitere Kollege H._ aus der
Gefahrenlage entfernte, das Mitverschulden des Beschuldigten auch nicht in den
Hintergrund zu drängen und die Kausalität zu unterbrechen.
Keiner speziellen Begründung bedarf, dass die Verletzung des Privatklägers
durch Ergreifen besagter Schutzmassnahmen vermeidbar gewesen wäre. Denn
wenn die Waffe (oder zumindest die scharfe Munition) dem Zugriff von D._
entzogen gewesen wäre, hätte dieser daraus keinen Schuss abgeben können,
weshalb es auch nicht zur schweren Verletzung des Privatklägers gekommen wä-
re.
4.1.3. Nachdem die Voraussetzungen der Fahrlässigkeit somit insgesamt zu be-
jahen sind und Rechtfertigungs- sowie Schuldausschlussgründe fehlen, ist der
Beschuldigte anklagegemäss der fahrlässigen schweren Körperverletzung im
Sinne von Art. 125 Abs. 1 und 2 StGB schuldig zu sprechen.
4.2. Eine Verurteilung wegen mehrfacher Verletzung des Waffengesetzes ist
nur dann zulässig, wenn die besagten, am Handrücken über den Knöcheln durch
Hartplastik verstärkten Handschuhe der Marke "Voodoo tactical" (vgl. Ordner 6,
beigeheftet) als Waffen gelten, wovon die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz
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ausgehen. Derartige taktische Einsatzhandschuhe werden unter anderem von Po-
lizei- und Militäreinsatzkräften getragen, sind aber auch in der Survival- und Out-
doorszene beliebt, zum Schutz der Hände, insbesondere der Handrücken vor
stumpfen Schlägen. Soweit ersichtlich, sind sie im Internet frei käuflich (vgl. bei-
spielsweise www.I._/ oder www.J._: Urk. 74), was die Aussage des Be-
schuldigten, die Handschuhe an einer Waffenmesse an einem Bekleidungsstand
erworben zu haben, ohne dass nach einer Erwerbsbewilligung gefragt worden
wäre, bestätigt. Ohnehin überzeugt es nicht, aus dem Erwerb an einer Waffen-
messe auf Waffenqualität zu schliessen, denn es liesse sich genauso überzeu-
gend argumentieren, dass gerade Ausstellern einer Waffenmesse bekannt sein
muss, für welche Verkaufsgegenstände eine Erwerbsbewilligung zu verlangen ist,
und welche frei verkauft werden dürfen. Wie der Beschuldigte zudem bereits vor
Vorinstanz belegte, verkaufen auch Motorradzubehörshops ähnlich konstruierte
Handschuhe mit plastikverstärktem Knöchelschutz (Urk. 47/1). Anders als die
vom Vorderrichter erwähnten Quarzhandschuhe, welche allgemein auch als
schlagkraftverstärkende Handschuhe oder Schlaghandschuhe bezeichnet werden
und Waffen im Sinne von Art. 4 Abs. 1 lit. d Waffengesetz (WG) darstellen, liegt
bei taktischen Einsatzhandschuhen, wie die Verteidigung zutreffend vorbringt
(Prot. II S. 28), der primäre Zweck im Schutz der Hände vor Verletzungen. Nicht
geteilt werden kann diesbezüglich die Einschätzung der Vorinstanz, bei den
Handschuhen des Beschuldigten stünde die Schutzfunktion objektiv betrachtet
nicht im Vordergrund, da der Stoff relativ dünn sei und wenig Struktur aufweise
(Urk. 60 S. 12). Bei genauer Betrachtung zeigt sich vielmehr, dass die Handschu-
he auf der Handinnenseite aus weichem Leder sind, wie dies auch bei Motorrad-
handschuhen üblich ist, während der Handrücken zwar aus (wohl) luftdurchlässi-
gem Stoff besteht, die Handschuhe jedoch am Handrücken selbst (Ledereinsatz),
über den Knöcheln (Plastikverstärkung) und im Bereich der untersten Fingerglie-
der (Stoffpolsterung) zusätzlich verstärkt sind. Der Zeigefinger ist überdies auch
im Bereich der Fingerspitze durch einen Ledereinsatz verstärkt. Damit kann ins-
gesamt nicht gesagt werden, die Handschuhe würden aufgrund ihrer objektiven
Beschaffenheit von vornherein als Angriffs- oder Verteidigungsmittel dienen mit
der zentralen oder zumindest überwiegenden Zweckbestimmung, Menschen zu
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verletzen (vgl. zu dieser Definition einer Waffe im Sinne von Art. 4 Abs. 1 lit. d WG
BGE 129 IV 348 E. 2.3). Dies im Gegensatz zu beispielsweise einem Schlagring
(vgl. SHK Waffengesetz-ASLANTAS, Art. 4 WG N 9). Vor dem Hintergrund, dass
die Generalklausel von Art. 4 Abs. 1 lit. d WG restriktiv auszulegen ist, will man
dem Grundsatz der Gesetzmässigkeit (Art. 1 StGB) Rechnung tragen, können die
taktischen Handschuhe des Beschuldigten bei dieser Sachlage nicht als Waffen
im Sinne des Waffengesetzes qualifiziert werden. Damit ist der Beschuldigte vom
Vorwurf, sich mehrfacher Vergehen gegen das Waffengesetz schuldig gemacht
zu haben, freizusprechen.
Aufgrund der Rechtskraft der vorinstanzlichen Dispositivziffer 6 erweist sich im
Übrigen die Frage, ob es sich bei den taktischen Handschuhen um gefährliche
Gegenstände im Sinne von Art. 4 Abs. 6 WG handelt (vgl. Prot. II S. 29), als obso-
let.
4.3. Was die übrigen Tatvorwürfe (Anklageschrift Ziffern 4, 5 und 6) angeht, er-
weist sich die rechtliche Würdigung der Staatsanwaltschaft (Urk. 35 S. 10) bzw.
der Vorinstanz (Urk. 60 S. 12) grundsätzlich als zutreffend, weshalb darauf ver-
wiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO). Entgegen den Vorbringen der Vertei-
digung (Prot. II S. 31) ist insbesondere bereits das Erreichen und nicht erst das
Überschreiten des Grenzwerts von 0.5 Promille nach Art. 91 Abs. 1 lit. a SVG
strafbar (vgl. Art. 1 lit. a BAGV, SR 741.13). Einzig hinsichtlich des nachgewiese-
nen Kokainkonsums ist, abweichend von der Vorinstanz, aufgrund der kleinen
Menge, welche bloss auf einen einmaligen Konsum einer einzigen Linie schlies-
sen lässt, von einem leichten Fall im Sinne von Art. 19a Ziff. 2 BetmG auszuge-
hen (vgl. OFK-BetmG, 3. A., BetmG 19a N 23).
Entsprechend ist der Beschuldigte auch
− der vorsätzlichen (groben) Verkehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 32 Abs. 1 SVG und Art. 4 Abs. 1 VRV, in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 32 Abs. 2 SVG und Art. 4a Abs. 1 lit. b VRV sowie in Verbindung mit Art. 31 Abs. 1 SVG
− des fahrlässigen Fahrens in fahrunfähigem Zustand im Sinne von Art. 91 Abs. 1 lit. a SVG sowie
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− der Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes im Sinne von Art. 19a Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 BetmG (leichter Fall)
schuldig zu sprechen.
5. Strafzumessung und Vollzug
5.1. Die Vorinstanz hat zu Recht darauf hingewiesen, dass die fahrlässige Kör-
perverletzung noch unter Geltung des bis Ende 2017 anwendbaren Sanktionen-
rechts begangen wurde. Beizupflichten ist ihr grundsätzlich auch darin, dass nach
neuem Recht aufgrund des eingeschränkten Anwendungsbereichs der Geldstrafe
hierfür eine (kurze) Freiheitsstrafe auszusprechen wäre, weshalb vorliegend von
der Weitergeltung des alten Sanktionenrechts als milderes Recht (Art. 2 Abs. 2
StGB; BGE 147 IV 241 E. 4 = Pra 111 (2022) Nr. 17) auszugehen ist. Da auch für
die nach Januar 2018 begangene Verkehrsregelverletzung vorliegend eine Geld-
strafe angezeigt erscheint, ist hinsichtlich dieser beiden Delikte eine Gesamtstrafe
festzusetzen (PK StGB-TRECHSEL/VEST 2021, Art. 2 N 5), allenfalls unter Einbe-
zug einer Verbindungsbusse gemäss Art. 42 Abs. 4 StGB. Die bei der Strafzu-
messung zu berücksichtigenden Kriterien wurden bereits im angefochtenen Urteil
genannt (Urk. 58 S. 13 f.), hierauf kann verwiesen werden.
Kumulativ ist sodann für das fahrlässige Fahren in fahrunfähigem Zustand eine
Busse auszusprechen, während hinsichtlich der Übertretung des Betäubungsmit-
telgesetzes von einer Strafe abzusehen ist, da lediglich ein leichter Fall vorliegt
und von einem einmaligen Ausrutscher auszugehen ist (Art. 19a Abs. 2 BetmG).
5.2. Mit Bezug auf die Tatkomponenten der fahrlässigen Körperverletzung ist
festzuhalten, dass sich diese – zwangsläufig – gegen das höchste Rechtsgut
überhaupt (Leben) richtet und allerschwerste Verletzungen verursacht wurden,
die den Privatkläger den Rest seines Lebens einschränken werden. Allerdings ist
mit Blick auf die objektive Tatschwere primär das Mass der Pflichtwidrigkeit zu be-
rücksichtigen. Der Umgang mit Waffen erfordert ein hohes Pflichtbewusstsein. In-
dem der Beschuldigte eine mit scharfer Munition unterladene Waffe unverschlos-
sen aufbewahrte, im Wissen, dass ein 16-jähriger Jugendlicher längere Zeit allei-
ne zuhause sein würde, verletzte er die im Umgang mit Schusswaffen gebotene
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Sorgfalt in erheblichem Mass. Zwar ist ihm zugute zu halten, dass die Waffe nicht
offen herumlag. Indes war der Ort des Verstecks, nämlich hinter hochprozentigem
Alkohol, gerade mit Blick auf übliches Teenagerverhalten ausgesprochen schlecht
gewählt. Immerhin war offenbar nicht von vornherein geplant, die Waffe im offe-
nen Schrank zu belassen, sondern blieb der Schrank erst im Abreisestress unver-
schlossen, nachdem der Beschuldigte daraus im letzten Moment noch das für die
Reise benötigte Bargeld behändigt hatte (D1 Urk. 4/5/1 S. 6 f., D1 Urk. 4/10
S. 14); der Beschuldigte hatte schlicht vergessen, nach Herausnahme des Bar-
gelds den Schrank wieder abzuschliessen (so der Beschuldigte heute explizit:
Prot. II S. 10). Insofern ist ihm auch nicht bewusste, sondern lediglich unbewusste
Fahrlässigkeit vorzuwerfen. Allerdings kann auch nicht übersehen werden, dass
es ein leichtes gewesen wäre, Waffe und Munition von vornherein korrekt, näm-
lich getrennt voneinander, zu verschliessen, so dass eine Gefahrensituation gar
nicht hätte entstehen können, womit der Beschuldigte in doppelter Hinsicht
pflichtwidrig gehandelt hat. Insgesamt ist von einem nicht mehr leichten Verschul-
den zu sprechen. Eine Einsatzstrafe von 270 Tagessätzen ist verschuldensange-
messen.
Im Rahmen der Täterkomponenten ist leicht strafmindernd anzurechnen, dass der
Beschuldigte den äusseren Sachverhalt anerkannte. Merklich strafmindernd hin-
sichtlich dieses Dossiers ist sodann den von der Privatklägervertretung vorge-
brachten Reuebekundungen des Beschuldigten gegenüber dem Privatkläger
(Urk. 81 S. 6) sowie der langen Verfahrensdauer Rechnung zu tragen, weshalb
für die fahrlässige schwere Körperverletzung insgesamt eine Strafe von
180 Tagessätzen angemessen erscheint.
5.3. Hinsichtlich der groben Verkehrsregelverletzung taxierte die Vorinstanz die
objektive Tatschwere als knapp noch leicht. Dazu verwies sie auf die doch be-
achtliche Geschwindigkeitsüberschreitung um 42 km/h, die nicht harmlosen örtli-
chen Verhältnisse (S-Kurve, Abendverkehr) und die beträchtliche abstrakte Ge-
fahr für andere Verkehrsteilnehmer, die durch den Unfall geschaffen wurde
(Urk. 58 S. 15). Dem kann uneingeschränkt gefolgt werden. Subjektiv ist von vor-
sätzlicher Geschwindigkeitsüberschreitung auszugehen, wobei die ernstliche Ge-
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fahr für die Sicherheit anderer zumindest in Kauf genommen wurde. Das Ver-
schulden ist insgesamt als knapp noch leicht zu qualifizieren. Eine isolierte Strafe
von 90 Tagessätzen erscheint deshalb dem Verschulden angemessen.
Im Rahmen der Täterkomponenten signifikant ist, dass sich die Delikte gemäss
Dossier 2 während bereits laufender Strafuntersuchung ereigneten, was mit Blick
auf die grobe Verkehrsregelverletzung leicht straferhöhend zu berücksichtigen ist.
Entsprechend ist die isolierte Einsatzstrafe auf 100 Tagessätze zu erhöhen. So-
dann ist diese Strafe – mit der Vorinstanz und in Berücksichtigung der Schnittstel-
lenproblematik – aufzuteilen in 90 Tagessätze Geldstrafe und eine (Verbindungs-)
Busse von Fr. 1'700.– (vgl. zur Berechnung der Bussenhöhe das angefochtene
Urteil, Urk. 58 S. 17 und Ziff. 5.5 nachfolgend). Die 90 Tagessätze Geldstrafe sind
schliesslich auf die Einsatzstrafe für die fahrlässige schwere Körperverletzung zu
asperieren, wobei sich eine Erhöhung letzterer Einsatzstrafe um 70 Tagessätze
rechtfertigt.
5.4. Vorleben und persönliche Verhältnisse des Beschuldigten geben im Übri-
gen hinsichtlich sämtlichen Delikten zu keinen besonderen Ausführungen Anlass.
Der in G._ [Staat in Europa] aufgewachsene und seit 2003 in der Schweiz
lebende und arbeitende Beschuldigte ist nicht vorbestraft. Er lebt allein und hat
auch keine Unterhaltspflichten (Prot. I S. 5; Prot. II S. 7 f.).
Im Ergebnis ist für die Vergehen somit eine Gesamtgeldstrafe von 250 Tagessät-
zen und eine Verbindungsbusse von Fr. 1'700.– auszusprechen.
5.5. Die Vorinstanz hat die Tagessatzhöhe ausgehend von einem Monatslohn
von rund Fr. 7'000.– (zzgl. 13. Monatslohn) auf Fr. 170.– festgesetzt (Urk. 58
S. 17). Der Beschuldigte hat es trotz entsprechender Aufforderung unterlassen,
aktuelle Unterlagen betreffend seine finanziellen Verhältnisse einzureichen. Im
Rahmen der Befragung zu den persönlichen Verhältnissen führte er aus, er erhal-
te inklusive Spesen für die geschäftliche Nutzung des Privatautos monatlich ca.
Fr. 7'700.– (zzgl. 13. Monatslohn) ausbezahlt. Zudem sei er mit den Steuerzah-
lungen im Rückstand und deshalb im Umfang von etwa Fr. 10'000.– verschuldet
(Prot. II S. 8; wobei er schon vor Vorinstanz von ähnlich hohen Steuerschulden
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berichtete: Prot. I S. 6). Damit ist davon auszugehen, dass sich seine finanziellen
Verhältnisse inzwischen nicht massgeblich verändert haben. Da er keine familien-
rechtlichen Unterhaltspflichten hat, besteht kein Anlass, den vorinstanzlich festge-
setzten Tagessatz zu reduzieren, und eine Erhöhung verbietet das Verschlechte-
rungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO).
5.6. Was das alkoholisierte Fahren angeht, ist von geringem Verschulden aus-
zugehen, da sich der Alkoholisierungsgrad am untersten Rahmen bewegte und
auch nicht während der ganzen Fahrt anhielt, sondern nur in den ersten Minuten
relevant gewesen sein dürfte. Zudem lag lediglich fahrlässige Tatbegehung vor.
Dies rechtfertigt, die Einsatzstrafe auf Fr. 200.– Busse festzusetzen. Bei Asperati-
on mit der oben festgelegten Verbindungsbusse resultiert insgesamt eine Bus-
senhöhe von Fr. 1'850.–.
5.7. Mit der Vorinstanz ist dem nicht vorbestraften Beschuldigten für die Geld-
strafe der bedingte Vollzug zu gewähren, unter Ansetzung einer zweijährigen
Probezeit (Art. 42 und 44 StGB).
Die Busse ist von Gesetzes wegen zu bezahlen (Art. 105 Abs. 1 StGB e contra-
rio). Für den Fall der schuldhaften Nichtbezahlung ist die Ersatzfreiheitsstrafe auf
11 Tage festzusetzen (Art. 106 Abs. 2 und 3 StGB).
6. Selbstladepistole Marke Springfield
Der Beschuldigte beantragt die Herausgabe der beschlagnahmten Selbstladepis-
tole Marke Springfield (Urk. 59 S. 1 und Prot. II S. 31 f.). Da es sich dabei um die
Tatwaffe handelt, mit welcher D._ B._ schwer verletzt hat, ist diese je-
doch in Anwendung von Art. 69 Abs. 1 StGB definitiv einzuziehen und zu vernich-
ten.
7. Kosten- und Entschädigungsfolgen
7.1. Die beschuldigte Person trägt die Verfahrenskosten, wenn sie verurteilt
wird (Art. 426 Abs. 1 StPO). Nach der Rechtsprechung sind der beschuldigten
Person, die bei mehreren angeklagten Straftaten nur teilweise schuldig gespro-
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chen, im Übrigen aber freigesprochen wird, die Verfahrenskosten grundsätzlich
anteilsmässig aufzuerlegen. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind den Par-
teien nach Massgabe ihres Obsiegens und Unterliegens aufzuerlegen (Art. 428
Abs. 1 StPO).
7.2. Die Kostenfestsetzung der Vorinstanz für die Untersuchung und das erstin-
stanzliche Gerichtsverfahren ist bereits in Rechtskraft erwachsen (vgl. Ziff. 2 hier-
vor). Nachdem der Beschuldigte heute vom Vorwurf der mehrfachen Vergehen
gegen das Waffengesetz freizusprechen ist, sind ihm diese Kosten, ausgenom-
men diejenigen der amtlichen Verteidigung, lediglich zu drei Vierteln aufzuerlegen
und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei hinsichtlich
von drei Vierteln der Kosten die Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4
StPO vorzubehalten ist.
7.3. Für das Berufungsverfahren ist eine Gerichtsgebühr von Fr. 3'000.– zu er-
heben. Sodann ist der amtliche Verteidiger des Beschuldigten mit Fr. 4'000.– zu
entschädigen (Urk. 78; § 23 in Verbindung mit § 17 f. AnwGebV). Der Beschuldig-
te erzielte im Berufungsverfahren einen Teilfreispruch und eine Strafreduktion,
gleichwohl erreichte er sein Ziel eines vollumfänglichen Freispruchs mehrheitlich
nicht. Ausgangsgemäss sind ihm deshalb die Kosten des Berufungsverfahrens,
mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, zu zwei Dritteln aufzuerle-
gen und im Übrigen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen, unter Vorbehalt
der Rückzahlung von zwei Dritteln dieser Kosten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
7.4. Schliesslich ist der Beschuldigte zu verpflichten, den Privatkläger 1 für sei-
nen Verfahrensaufwand zu entschädigen, da der Schuldspruch betreffend fahr-
lässige schwere Körperverletzung zu bestätigen ist (Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO).
Die Vorinstanz hat die Entschädigung für die Untersuchung und die erste Instanz
auf (im Stundenansatz reduzierte) Fr. 10'556.85 (inkl. Mehrwertsteuer und Bar-
auslagen) festgesetzt (Urk. 58 S. 19). Für eine weitere Kürzung besteht kein An-
lass. Für die Teilnahme am Berufungsverfahren ist der Privatkläger 1 unter Be-
rücksichtigung der eingereichten Honorarnote (Urk. 83) und der Verhandlungs-
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dauer mit Fr. 5'000.– zu entschädigen, weshalb der Beschuldigte zu verpflichten
ist, diesem für das gesamte Verfahren eine Prozessentschädigung von insgesamt
Fr. 15'556.85 zu bezahlen.