# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4c65bacb-23ee-5dc3-97bc-6a263c945e18
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2006
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ N. A., geboren am 5. August 1941, Staatsangehöriger von Mazedonien, erhielt am
14. November 1991 eine Aufenthaltsbewilligung, nachdem er in der Schweiz als
Saisonnier gearbeitet hatte. Am 18. April 1996 wurde ihm die
Niederlassungsbewilligung erteilt. Nachdem seine erste Ehefrau in Mazedonien
verstorben war, heiratete N. A. am 22. November 2000 in seiner Heimat D. B., geboren
am 15. September 1961.
Ein erstes Gesuch N. A.'s um Nachzug seiner Ehefrau wies das Ausländeramt am 19.
November 2002 mit der Begründung ab, es fehle ihm an den erforderlichen finanziellen
Mitteln. Bei Gewährung des Familiennachzugs bestehe die konkrete Gefahr einer
fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit. Am 24. Mai 2005 ersuchte N. A.
das Ausländeramt erneut darum, der Nachzug von D. A.-B. sei zu bewilligen. Das
Gesuch wurde am 10. August 2005 wiederum mit der Begründung abgewiesen, bei
einem Nachzug der Ehefrau bestehe aufgrund der finanziellen Situation die konkrete
Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit. Das Einkommen von
N. A. bestehe aus einer Invalidenrente und Ergänzungsleistungen im Betrag von Fr.
2'287.25, während der Bedarf nach den Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für
Sozialhilfe (SKOS-Richtlinien) im Fall des Nachzugs von D. A.-B. bei Fr. 2'531.40 liege.
Zudem gehe aus den Akten hervor, dass N. A. beim Sozialamt G. Sozialhilfe in der
Höhe von Fr. 15'923.25 bezogen habe. Des weiteren sei er beim Betreibungsamt G. mit
zwei Betreibungen in der Höhe von Fr. 2'504.05 verzeichnet. D. A.-B., die sich bereits
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
bei ihrem Ehemann aufhielt, wurde aufgefordert, die Schweiz bis 31. Oktober 2005 zu
verlassen.
B./ Gegen die Abweisung des Gesuchs um Nachzug seiner Ehefrau erhob N. A. am 25.
August 2005 Rekurs beim Justiz- und Polizeidepartement. Er stellte die
Rechtsbegehren, die Verfügung des Ausländeramtes vom 10. August 2005 sei
aufzuheben und das Ausländeramt sei anzuweisen, dem Gesuch um Familiennachzug
von D. A.-B. zu entsprechen (Ziff. 1 und 2). Sodann sei im Sinn einer vorsorglichen
Massnahme zu verfügen, dass D. A.-B. berechtigt sei, sich während der Dauer des
Rekursverfahrens weiterhin bei ihrem Ehemann in der Schweiz aufzuhalten (Ziff. 3).
Auch sei N. A. für das Rekursverfahren die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren
(Ziff. 4).
Am 28. September 2005 wurde dem Gesuch um Erlass einer vorsorglichen
Massnahme entsprochen. Somit war D. A.-B. berechtigt, während der Dauer des
Rekursverfahrens im Kanton St. Gallen zu bleiben. Nachdem das Justiz- und
Polizeidepartement bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons St. Gallen
Abklärungen bezüglich der Höhe der Ergänzungsleistungen im Fall eines Nachzugs von
D. A.-B. getroffen hatte, wies es den Rekurs am 20. Februar 2006 ab und lud das
Ausländeramt ein, der Ehefrau des Rekurrenten eine neue Frist zur Ausreise
anzusetzen. Dem Gesuch N. A.'s um unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung wurde entsprochen und sein Rechtsvertreter wurde mit Fr.
1'200.-- (zuzüglich MWSt) entschädigt.
C./ Am 7. März 2006 erhoben N. A. und D. A.-B. gegen den Entscheid des Justiz- und
Polizeidepartements vom 20. Februar 2004 (richtig: 2006) Rekurs (richtig: Beschwerde)
beim Verwaltungsgericht. Sie stellten die Anträge, der angefochtene Entscheid und die
Verfügung des Ausländeramtes vom 10. August 2005 seien aufzuheben und dem
Familiennachzugsgesuch von N. A. für seine Ehefrau sei zu entsprechen (Ziff. 1 und 2).
Sodann sei den Beschwerdeführern für das Beschwerdeverfahren die unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu bewilligen (Ziff. 3).
a) Am 9. März 2006 wies der Präsident des Verwaltungsgerichts das Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ab. Er erachtete die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerde als aussichtslos, weil die konkrete Gefahr bestehe, dass sich die
Abhängigkeit von Sozialleistungen bei einem Nachzug der Ehefrau erheblich
vergrössere. Zudem hätten bereits vor der Heirat ungünstige finanzielle Verhältnisse
bestanden.
Gegen die Verfügung des Präsidenten des Verwaltungsgerichts vom 9. März 2006
erhoben N. A. und D. A.-B. staatsrechtliche Beschwerde beim Bundesgericht, weshalb
das Verfahren vor Verwaltungsgericht sistiert wurde. Am 16. Mai 2006 hiess das
Bundesgericht die Beschwerde gut und hob die angefochtene Verfügung auf. Es stellte
fest, der Präsidialentscheid verletze Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung (SR 101,
abgekürzt BV) und führte aus, die Prognose über die finanziellen Verhältnisse erscheine
nach der jetzigen Akten- und Beweislage nicht derart eindeutig ungünstig, dass die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung mangels
genügender Erfolgsaussichten verweigert werden dürfte.
b) Am 23. Mai 2006 gewährte der Präsident des Verwaltungsgerichts den
Beschwerdeführern die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung und
bestimmte Rechtsanwalt Peter Jans als unentgeltlichen Rechtsbeistand.
c) Am 26. Juni 2006 wurde die Beschwerde begründet und am 4. Juli 2006 beantragte
das Justiz- und Polizeidepartement, es sei ihr keine Folge zu geben.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
a) Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, SGS 951.1, abgekürzt VRP). Sodann
entsprechen die Eingaben vom 7. März 2006 und 26. Juni 2006 zeitlich, formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs.
1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Weiter ist N. A. zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP).
b) Zu prüfen ist weiter, ob auch D. A.-B. zur Beschwerde zuzulassen ist. Nach der
Praxis des Verwaltungsgerichts setzt die Teilnahme am Rechtsmittelverfahren unter
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
anderem voraus, dass der Rechtsuchende mit seinem Rechtsbegehren nicht oder nicht
vollständig durchgedrungen bzw. dass er formell beschwert ist. Er muss sich somit am
vorinstanzlichen Verfahren beteiligt haben (vgl. Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 403 mit
Hinweisen und Rz. 404 mit Hinweis auf GVP 1998 Nr. 87 und VGE vom 20. August
2002 i.S. A. AG). Diese Voraussetzung ist bezüglich D. A.-B. nicht erfüllt, weshalb auf
ihre Beschwerde nicht eingetreten werden kann.
2./ Unbestritten ist, dass der Beschwerdeführer über die Niederlassungsbewilligung
verfügt. Damit hat seine Ehefrau Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung, solange die Ehegatten zusammen wohnen (Art. 17 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer, SR 142.20,
abgekürzt ANAG). Sodann gewährleisten Art. 8 Ziff. 1 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) und Art. 13 Abs. 1 BV die
Achtung des Privat- und Familienlebens. Diese Garantien können verletzt sein, wenn
einem Ausländer, dessen Familienangehörige hier weilen, die Anwesenheit untersagt
und damit das Familienleben vereitelt wird. Voraussetzung ist, dass der sich hier
aufhaltende Angehörige über ein gefestigtes Anwesenheitsrecht verfügt. Dies ist der
Fall, wenn ihm die Niederlassungsbewilligung erteilt worden ist (BGE 130 II 285 mit
Hinweisen).
Nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK ist ein Eingriff in das Familienleben zulässig, soweit er
gesetzlich vorgesehen ist und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig ist für
die nationale oder öffentliche Sicherheit, für das wirtschaftliche Wohl des Landes, zur
Aufrechterhaltung der Ordnung, zur Verhütung von Straftaten, zum Schutz der
Gesundheit oder der Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer.
a) Der Familiennachzug darf verweigert werden, wenn der Gesuchsteller umgehend
wieder ausgewiesen werden dürfte, d.h. wenn ein Ausweisungsgrund nach Art. 10 Abs.
1 ANAG vorliegt. Dies ist nach Art. 10 Abs. 1 lit. d ANAG der Fall, wenn der Ausländer
oder eine Person, für die er zu sorgen hat, der öffentlichen Wohlfahrt fortgesetzt und in
erheblichem Mass zur Last fällt. Streitgegenstand ist die Frage, ob im Fall des
Nachzugs von D. A.-B. eine derartige Gefahr besteht.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Terminologisch ist die fortgesetzte und erhebliche Fürsorgeabhängigkeit ein
unbestimmter Rechts- oder Gesetzesbegriff (vgl. Häfelin/Müller, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 4. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 445 f.; Rhinow/Krähenmann,
Schweizerische Verwaltungsrechtsprechung, Ergänzungsband, Basel und Frankfurt
1990, Nr. 66 B. II. b). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung genügen bloss
finanzielle Bedenken für die Abweisung eines Gesuches nicht. Es muss die konkrete
Gefahr einer fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit gegeben sein (vgl.
BGE 125 II 641 E. 3c mit Hinweis auf BGE 122 II 1 E. 3c und 119 Ib 81 E. 2). Für die
Beurteilung der Gefahr der Fürsorgeabhängigkeit ist von den aktuellen
Voraussetzungen auszugehen; die wahrscheinliche finanzielle Entwicklung ist aber auf
längere Sicht abzuwägen. Weiter darf nicht einzig auf das Einkommen des hier
anwesenden Familienangehörigen abgestellt werden, sondern es sind - dem
Gesetzeszweck der Vereinigung der Gesamtfamilie entsprechend - die finanziellen
Möglichkeiten aller Familienmitglieder über eine längere Sicht abzuwägen. Das
Einkommen des Angehörigen, der an die Lebenshaltungskosten der Familie beitragen
soll, ist daran zu messen, ob und in welchem Umfang es tatsächlich realisierbar ist. In
diesem Sinn müssen die Erwerbsmöglichkeit und das damit verbundene
Zusatzeinkommen konkret belegt und mit gewisser Wahrscheinlichkeit sowie, soweit
möglich, auf mehr als nur kurze Frist erhärtet sein, um Berücksichtigung zu finden (vgl.
BGE 122 II 8 E. 3c mit Hinweis).
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zählen Sozialversicherungsleistungen
wie Invalidenrenten und Ergänzungsleistungen, auf welche der invalide
Beschwerdeführer einen gesetzlichen Anspruch hat (vgl. Art. 2 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und
Invalidenversicherung, SR 831.30, abgekürzt ELG), nicht zu den Fürsorgeleistungen im
Sinn von Art. 10 Abs. 1 lit. d ANAG. Die jährliche Ergänzungsleistung hat dem Betrag
zu entsprechen, um den die anerkannten Ausgaben die anrechenbaren Einnahmen
übersteigen (Art. 3a Abs. 1 ELG). Abgesehen davon, dass Art. 12 der
Bundesverfassung (SR 101) einer Person, die in Not gerät und nicht selbst in der Lage
ist, für sich zu sorgen, ebenfalls einen individuellen und allenfalls richterlich
durchsetzbaren Anspruch auf Hilfe und Betreuung in Notlagen einräumt (vgl. Bigler-
Eggenberger, in: St. Galler Kommentar zu Art. 12 BV, Zürich/Basel/Genf 2002, Rz. 13),
führt die Unterscheidung zwischen bedarfsdeckenden Ergänzungsleistungen und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ebenfalls bedarfsabhängigen Fürsorgeleistungen bei der Beurteilung von Gesuchen um
Bewilligung des Familiennachzugs gestützt auf Art. 17 Abs. 2 ANAG unter dem
Gesichtspunkt der Gefahr der fortgesetzten und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit zu
einer stossenden Ungleichbehandlung. Gesuchsteller die, wie der Beschwerdeführer,
eine volle Invalidenrente und Ergänzungsleistungen beziehen und deren anerkannte
Ausgaben somit durch Leistungen aus Sozialversicherung gedeckt sind, werden
gegenüber Gesuchstellern privilegiert, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen und deren
Einkommen nicht ausreicht, um die Alltagsbedürfnisse in der Schweiz zu decken und
die deshalb regelmässig auf Sozialhilfeleistungen angewiesen sind (sogenannte
working poor). Es fragt sich deshalb, ob in jedem Fall an dieser rechtlichen
Ungleichbehandlung festzuhalten ist, zumal der Zweck beider Leistungen in der
Gewährung der Existenzsicherung besteht (Art. 112 BV und Art. 115 BV).
b) Ohne weiteres als "erheblich" hat das Bundesgericht Unterstützungsleistungen
angesehen, welche einem Ehepaar in Höhe von insgesamt Fr. 80'000.-- im Zeitraum
von rund 5 1⁄2 Jahren geleistet wurden (vgl. BGE 119 Ib 6). Sodann hat es die
Verweigerung des Familiennachzugs in einem Fall als unzulässig erachtet, wo der
Ehemann erhebliche voreheliche Schulden hatte, die Ehegatten indessen beide ein
Erwerbseinkommen erzielten, welches das Existenzminimum der Familie deckte und
ihnen darüber hinaus - in begrenztem Umfang - die Sanierung der aufgelaufenen
Schulden erlaubte (vgl. BGE 125 II 641). Weiter hat das Bundesgericht festgestellt, die
Tatsache, dass ein Ehepartner gemäss bei den Akten liegendem Arbeitsvertrag eine
Arbeitsstelle gehabt hätte, die er mangels Bewilligung nicht habe antreten können, sei
zu berücksichtigen. Auch wenn die Verdienstmöglichkeit nicht frankenmässig genau
ausgewiesen sei, müsste die zu erwartende Entlastung der öffentlichen Fürsorge, die
sich daraus ergebe, zugunsten der Beschwerdeführerin gewertet werden (vgl. BGE 122
II 9).
c) Nach den unbestritten gebliebenen Feststellungen des angefochtenen Entscheids
bezieht der Beschwerdeführer eine volle Invalidenrente von Fr. 1'136.25 je Monat. Weil
diese Rente die von der Sozialversicherung anerkannten Ausgaben nicht abzudecken
vermag, werden ihm Ergänzungsleistungen ausgerichtet. Seit 1. Januar 2005 erhält er
monatlich Fr. 1'151.--. Damit stehen dem Beschwerdeführer für seinen Lebensunterhalt
Fr. 2'287.25 je Monat zur Verfügung, wobei die Ergänzungsleistungen höher sind als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Invalidenrente. Der vom Ausländeramt am 9. Juni 2005 berechnete finanzielle
Bedarf des Beschwerdeführers im Fall des Familiennachzugs seiner Ehefrau beträgt Fr.
2'531.40 je Monat. Er ergibt sich somit ein Fehlbetrag von Fr. 244.-- je Monat.
d) Der Beschwerdeführer macht vorab geltend, selbst wenn der finanzielle Bedarf des
Ehepaars A.-B. - mangels Zusatzeinkommens der Ehefrau - im Umfang von jeweils Fr.
244.-- je Monat nicht gedeckt sein sollte, sei die Verweigerung des Familiennachzugs
nicht rechtmässig, weil die Abhängigkeit von Sozialhilfe im Umfang von weniger als Fr.
3'000.-- je Jahr wohl als fortgesetzt, nicht aber als erheblich bezeichnet werden könne.
Hinzu komme, dass nach den Ausführungen im Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai
2006 ohnehin zweifelhaft sei, ob bei einem auf Art. 17 Abs. 2 ANAG gestützten
Familiennachzug auf das nach den SKOS-Richtlinien errechnete soziale
Existenzminimum abgestellt werden dürfe.
Zutreffend ist, dass das Bundesgericht in den Erwägungen zum Urteil vom 16. Mai
2006 mit Hinweis auf BGE 122 II 9 E. 3c, 119 Ib 81 E. 2e und Urteil 2A.397/2001 vom
17. Januar 2002 E. 3 erneut zum Ausdruck gebracht hat, es sei zweifelhaft, ob für die
Beurteilung eines auf Art. 17 Abs. 2 ANAG gestützten Familiennachzugs auf das nach
den SKOS-Richtlinien berechnete soziale, d.h. fürsorgerische Existenzminimum
abgestellt werden dürfe. Unabhängig davon, ob auf den nach den SKOS-Richtlinien
berechneten Lebensbedarf abgestellt wird, ergibt sich indessen ohne weiteres, dass
ein Betrag von lediglich Fr. 2'287.25 je Monat nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt
von zwei in der Schweiz lebenden erwachsenen Personen zu bestreiten, selbst dann
nicht, wenn sie im gleichen Haushalt wohnen und wenn keine ausserordentlichen
Vorkommnisse zusätzliche Ausgaben bedingen. Damit muss indessen immer wieder
gerechnet werden, zumal der 65 Jahre alte Beschwerdeführer, der eine Invalidenrente
bezieht, schwerwiegende gesundheitliche Probleme hat. Im Zusammenhang mit der
Konkretisierung von Art. 39 Abs. 1 lit. c der Verordnung über die Begrenzung der Zahl
der Ausländer (SR 823.21), wonach der Familiennachzug bewilligt werden kann, wenn
der Ausländer genügend finanzielle Mittel für den Unterhalt seiner Familie hat, hat das
Verwaltungsgericht entschieden, es rechtfertige sich, die in den SKOS-Richtlinien
festgelegten Bedarfsgrössen nicht zu unterschreiten. Es bestehe eine erhöhte Gefahr
der Fürsorgeabhängigkeit, wenn der Familiennachzug Personen bewilligt werde, die
aus eigener Kraft ein genügendes Einkommen nur mit Mühe erreichten oder deren
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einkommen die Grenze des Existenzminimums nur geringfügig übersteige. In diesem
Fall bestehe die Gefahr, dass schon relativ kleine Schwankungen im Einkommen zur
Folge hätten, dass der Unterhalt der Familie nicht mehr bestritten werden könne (vgl.
VerwGE vom 20. August 2002 i.S. Y.D. mit Hinweis auf VerwGE vom 18. November
1999 i.S. M.S.). Der Beschwerdeführer bestreitet denn auch nicht, dass er und seine
Ehefrau regelmässig und somit fortgesetzt von Sozialhilfe abhängig sein würden, wenn
ihnen ein Betrag von lediglich Fr. 2'287.25 je Monat oder weniger zur Bestreitung der
Lebenshaltungskosten zur Verfügung stünde. In Anbetracht dieser Tatsache ist
entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ohne weiteres davon auszugehen,
der Umfang der Unterstützungsleistungen würde nach und nach einen erheblichen
Umfang annehmen, zumal er gemäss Bestätigung des Einwohneramtes G. vom 1. Juni
2005 bereits Sozialhilfe im Umfang von Fr. 15'923.25 bezogen hat.
d) Der Beschwerdeführer wendet weiter ein, die konkrete Gefahr einer fortgesetzten
und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit bestehe nicht, weil es möglich sei, die
finanziellen Mittel von Fr. 2'287.25, die heute monatlich zur Verfügung stehen, mit dem
Nachzug von D. A.-B. zu erhöhen. Die Vorinstanz habe ihr Ermessen überschritten
bzw. missbraucht, weil sie nur vom schlechtesten aller denkbaren Szenarien ausgehe
und annehme, seine Ehefrau bemühe sich nur ungenügend um eine Arbeitsstelle und
finde deshalb auch keine, weshalb die heute ausgerichteten Ergänzungsleistungen
wegen Anrechnung eines hypothetischen Einkommens gekürzt werden müssten, was
das Sozialhilferisiko erhöhen würde. Eine solche Prognose beruhe auf Mutmassungen
und Bedenken, die weder aufgrund der Akten noch nach der allgemeinen
Lebenserfahrung berechtigt seien. Denkbar sei, dass D. A.-B. innert angemessener Zeit
eine Arbeitsstelle finde und ein eigenes Einkommen erziele. In diesem Fall könnten die
heute ausgerichteten Ergänzungsleistungen gekürzt werden und Sozialhilfe wäre nicht
erforderlich. Auch wenn seine Ehefrau trotz intensiver Suche keine Arbeitsstelle finde,
habe dies nicht zur Folge, dass die für ihn bestimmten Ergänzungsleistungen, die keine
Sozialhilfe seien, gekürzt würden. Gegebenenfalls würden sie sogar erhöht.
aa) Zutreffend ist, dass die Voraussage, ob einem Ausländer im Fall des Nachzugs
seiner Ehefrau monatlich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen bzw. ob die
heute bestehende Gefahr einer fortgesetzten erheblichen Fürsorgeabhängigkeit durch
zusätzliche Einkünfte auf längere Sicht gebannt werden kann, aufgrund aller
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
massgebenden Umstände zum Zeitpunkt des zu fällenden Entscheids gemacht werden
muss. Dies schliesst indessen nicht aus, dass die Behörde zum Ergebnis kommt, es
müsse aller Wahrscheinlichkeit nach davon ausgegangen werden, dass die
nachzuziehende Ehefrau kein regelmässiges Einkommen erziele, das es zusammen mit
den Einkünften des Ehemannes erlaube, die Lebenshaltungskosten eines Zwei-
Personen-Haushalts zu decken.
bb) Die Vorinstanz hat ein allfälliges Erwerbseinkommen von D. A.-B. mit der
Begründung unberücksichtigt gelassen, sie habe keinen Arbeitsvertrag eingereicht und
sie könnte überdies nicht ohne weiteres mit einer Stellenantrittsbewilligung rechnen.
Der Beschwerdeführer wendet ein, seine Ehefrau sei zur Zeit gar nicht berechtigt, eine
Erwerbstätigkeit aufzunehmen, weshalb die Tatsache, dass ein Arbeitsvertrag fehle,
nicht als negatives Element herangezogen werden dürfe, um die Wahrscheinlichkeit
einer zukünftigen Fürsorgeabhängigkeit zu belegen. Sodann gelte der Vorrang der
inländischen Arbeitnehmer im Fall von Ehegatten von hier niedergelassenen
Ausländern nicht. D. A.-B. werde somit lediglich einer Lohnkontrolle unterliegen,
weshalb die kantonale Arbeitsmarktbehörde ihren Eintritt ins Erwerbsleben entgegen
der Annahme der Vorinstanz nicht weiter behindern werde.
In Anbetracht der Tatsache, dass das Ehepaar A.-B. offenkundig auf regelmässige
zusätzliche Einkünfte angewiesen wäre, weil andernfalls die Gefahr einer fortgesetzten
und erheblichen Fürsorgeabhängigkeit besteht, durfte die Vorinstanz verlangen, dass
der Beschwerdeführer belegt, dass seine Ehefrau nicht nur gewillt, sondern aller
Wahrscheinlichkeit nach auch objektiv in der Lage ist, regelmässig und auf längere
Sicht in ausreichendem Ausmass an die Lebenshaltungskosten beizutragen. Denkbar
ist, dass dieser Nachweis auch dann erbracht sein kann, wenn kein Arbeitsvertrag mit
der Zustimmung der kantonalen Arbeitsmarktbehörde vorliegt. Es darf indessen
erwartet werden, dass die Zusicherung eines Arbeitgebers beigebracht wird, aus der
glaubhaft hervorgeht, dass er gewillt ist, die Ausländerin unter Vorbehalt der
erforderlichen Bewilligungen in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis zu beschäftigen,
und dass diese bestätigt, die ihr angebotene Arbeit annehmen zu wollen. Diese
Voraussetzung ist vorliegend nicht erfüllt. Am 6. April 2006 hat das Spital K. auf den
Eingang der Bewerbung der Ehefrau des Beschwerdeführers Bezug genommen und
mitgeteilt, zur Zeit sei keine Arbeitsstelle frei. Fest steht sodann, dass D. A.-B. seit 9.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Juni 2006 beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum als Stellensuchende
angemeldet ist. Auf dem Formular "Nachweis der persönlichen Arbeitsbemühungen"
für den Monat Juni 2006 sind sechs Absagen verzeichnet, mehrheitlich mit dem
Vermerk "keine freie Stelle" bzw. kein Bedarf an Personal. Unabhängig von der
Bewilligung des Aufenthalts von D. A.-B. bestehen somit keine konkreten
Anhaltspunkte, wonach in der näheren Umgebung des Wohnorts des
Beschwerdeführers Arbeitskräfte in Bereichen gesucht werden, die für sie in Frage
kommen bzw. dass ein potentieller Arbeitgeber ein konkretes Interesse hat, die Ehefrau
des Beschwerdeführers anzustellen. An dieser Beurteilung ändert nichts, dass sie
gemäss eigenen Angaben dabei ist, die deutsche Sprache zu erlernen, und dass eine
Verwandte am 11. Juni 2006 bestätigt hat, sie bemühe sich, eine Arbeitsstelle zu
finden, was ihr nach Erteilung der Aufenthaltsbewilligung gelingen werde. Somit kann
nicht damit gerechnet werden, D. A.-B. könne in der Schweiz aus eigener Kraft für
ihren Lebensunterhalt sorgen. Offen bleiben kann bei dieser Sachlage, inwieweit es ihr
in zeitlicher Hinsicht überhaupt möglich wäre, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen,
zumal sie ihren invaliden Ehemann betreut.
cc) Zu prüfen ist weiter, ob die Vorinstanz in Anbetracht der prekären finanziellen
Verhältnisse des Beschwerdeführers positiv hätte in Rechnung stellen müssen, dass
die für den Beschwerdeführer bestimmten Ergänzungsleistungen allenfalls erhöht
werden können, wenn es D. A.-B. trotz intensiver Bemühungen nicht gelingen sollte,
eine Arbeitsstelle zu finden, zumal es sich bei Ergänzungsleistungen nicht um
Sozialhilfe handelt (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 16. Mai 2006 mit Hinweis auf
Urteil 2A.495/2005 vom 13. Januar 2005, publiziert in Pra 2005 Nr. 143).
Gemäss einer im Rahmen des Rekursverfahrens erteilten Stellungnahme der
Sozialversicherungsanstalt St. Gallen vom 24. November 2005 müsste bei einem
Nachzug der Ehefrau des Beschwerdeführers mit einer Kürzung der
Ergänzungsleistungen gerechnet werden. Weil es ihr zumutbar wäre, einer
Erwerbstätigkeit nachzugehen, würde ein hypothetisches Einkommen angerechnet. Der
Fehlbetrag von heute Fr. 244.-- zwischen dem finanziellen Bedarf des Ehepaars und
den effektiven Einkünften würde somit noch grösser bzw. das Sozialhilferisiko würde
intensiviert. Auf die Anrechnung eines hypothetischen Einkommens könnte gemäss
Auskunft der Sozialversicherungsanstalt vom 24. November 2005 höchstens dann
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verzichtet werden, wenn D. A.-B. den Nachweis erbringen könnte, dass es ihr trotz
intensiver Bemühungen nicht gelingt, eine Erwerbstätigkeit zu finden. Der Vorinstanz ist
indessen beizupflichten, dass ein in Zukunft allenfalls mögliches Zusatzeinkommen des
Ehepaars A.-B. in Form von erhöhten Ergänzungsleistungen, die ausgerichtet würden,
weil die Ehefrau unverschuldet keine Arbeit findet, nicht als Einkommen der
nachzuziehenden Ehefrau angerechnet werden kann. Es handelt sich um hypothetische
Einkünfte in unbekannter Höhe die nicht belegt sind und nur unter bestimmten
Voraussetzungen ausgerichtet würden.
3./ Zusammenfassend ergibt sich somit, dass auf die Beschwerde von D. A.-B. nicht
einzutreten und die Beschwerde von N. A. abzuweisen ist. Das öffentliche Interesse,
die konkret voraussehbare Belastung der öffentlichen Wohlfahrt zu vermeiden,
überwiegt gegenüber dem privaten Interesse des Beschwerdeführers am Nachzug
seiner Ehefrau, mit der er seit November 2000 verheiratet ist und die bis 2005 im
Heimatland gelebt hat. Auch ist es ihm zumutbar, mit seiner Ehefrau nach Mazedonien
zurückzukehren, zumal er 65 Jahre alt ist und ihm die Invalidenrente auch dort
ausgerichtet würde. Hinzu kommt, dass er im Beschwerdeverfahren nicht geltend
macht, er sei aus medizinischen Gründen darauf angewiesen, in der Schweiz zu leben.
a) Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens grundsätzlich zulasten der Beschwerdeführer (Art. 95 Abs. 1
VRP). Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss
verfahrensleitender Verfügung vom 23. Mai 2006 trägt indessen der Staat die amtlichen
Kosten. Eine Entscheidgebühr von Fr. 2'500.-- ist angemessen (Ziff. 382 des
Gerichtskostentarifs, sGS 941.12). Auf die Erhebung wird vorläufig verzichtet (Art. 99
Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 288 des Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2).
b) Im weiteren wurde den Beschwerdeführern mit verfahrensleitender Verfügung vom
23. Mai 2006 die unentgeltliche Rechtsverbeiständung gewährt. Ihr Rechtsvertreter hat
keine Kostennote eingereicht. Die Entschädigung ist deshalb nach Ermessen
festzusetzen (Art. 6 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS
963.75, abgekürzt HonO). Ein Betrag von Fr. 2'000.-- (zuzüglich MWSt) ist angemessen
(Art. 22 Abs. 1 lit. c in Verbindung mit Art. 19 HonO und Art. 31 Abs. 3 des
Anwaltsgesetzes, sGS 963.70).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte