# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c7d6a1bb-38f3-4f51-a0fb-3127bd0cb0b2
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Raub etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Strafgericht, vom 21. Februar 2019 (DG180024)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 12. November 2018
(Urk. D1 60) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte, A._, ist schuldig
- des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit
Ziff. 2 StGB;
- der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB
(Dossier 3);
- des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB.
2. Vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
StGB (Dossier 1) wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe (wovon bis
und mit heute 86 Tage durch Haft erstanden sind).
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten aufgescho-
ben und die Probezeit auf 3 Jahre festgesetzt. Im Übrigen wird die Freiheits-
strafe vollzogen.
5. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a StGB für die Dauer von
5 Jahren des Landes verwiesen.
6. Es wird die Ausschreibung der Landesverweisung (Einreise- und Aufent-
haltsverweigerung) im Schengener Informationssystem angeordnet.
7. Folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom
22. August 2018 beschlagnahmten Gegenstände werden eingezogen und
der Lagerbehörde zur Vernichtung überlassen:
- 1 Marihuana-Mühle, blau (Asservat Nr. A010'496'352)
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- 1 Pfefferspray, 40 ml (Asservat Nr. A010'496'363).
8. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung des
Privatklägers 1 (B._) in der Höhe von Fr. 600.–, unter solidarischer Haf-
tung mit C._, anerkannt hat.
Es wird davon Vormerk genommen, dass C._ dem Privatkläger 2 an
diese anerkannte Schadenersatzforderung bereits Fr. 300.– bezahlt hat.
Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
9. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte die Schadenersatzforderung des
Privatklägers 2 (D._) in der Höhe von Fr. 20.–, unter solidarischer Haf-
tung mit C._, anerkannt hat.
Im Mehrbetrag wird das Schadenersatzbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
10. Der Beschuldigte wird, unter solidarischer Haftung mit C._, verpflichtet,
dem Privatklägern 1 (B._) Fr. 500.– Genugtuung zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
11. Der Beschuldigte wird, unter solidarischer Haftung mit C._, verpflichtet,
dem Privatkläger 2 (D._) Fr. 500.– Genugtuung zu bezahlen.
Im Mehrbetrag wird das Genugtuungsbegehren abgewiesen.
12. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatklägern 3 (E._) Fr. 1'000.–
Genugtuung zu bezahlen.
13. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 3'000.–.
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14. Die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'000.– Gebühren für das Vorverfahren Fr. 1'520.– Telefonkontrolle
Fr. 33.15 Auslagen (Spitalbericht)
Fr. 140.– Auslagen Polizei
15. Die Entscheidgebühr und die weiteren Kosten werden dem Beschuldigten
auferlegt, aber abgeschrieben.
16. Rechtsanwältin MLaw X2._ wird für ihre Bemühungen als amtliche
Verteidigerin des Beschuldigten mit Fr. 26'500.– (inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse entschädigt.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung beim Beschuldigten ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 107 S. 20)
1. Es sei festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Uster, Strafge-
richt, vom 21. Februar 2019 bezüglich der Dispositivziffern 1., zweiter
du dritter Spiegelstrich, 2. sowie 7. bis 16. in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Der Beschuldigte sei wegen Raubes i.S.v. Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
zu verurteilen.
3. Der Beschuldigte sei unter Anrechnung der erstandenen Haft zu einer
Geldstrafe von höchstens 280 Tagessätzen zu CHF 10.00 zu verurtei-
len.
4. Der Vollzug der Strafe sei aufzuschieben und die Probezeit auf drei
Jahre festzusetzen.
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5. Von einer Landesverweisung des Beschuldigten und damit von einer
Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informationssys-
tem sei abzusehen.
6. Unter ausgangsgemässer Regelung der Kostenfolgen. Allfällige dem
Beschuldigten aufzuerlegende Kosten seien infolge offensichtlicher
Uneinbringlichkeit abzuschreiben. Die Kosten der amtlichen Verteidi-
gung seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 100, schriftlich, sinngemäss)
1. Verzicht auf Anschlussberufung
2. Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
3. Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung
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## Considerations

Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Uster, Strafgericht, vom 21. Februar 2019 wurde
der Beschuldigte des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung
mit Ziff. 2 StGB, der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
StGB und des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB schuldig gesprochen. Vom
Vorwurf der einfachen Körperverletzung betreffend Dossier 1 wurde er freigespro-
chen. Er wurde mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten bestraft. Im Umfang von
24 Monaten wurde ihm der teilbedingte Strafvollzug gewährt unter Ansetzung ei-
ner Probezeit von 3 Jahren, im Übrigen wurde der Vollzug der Freiheitsstrafe an-
geordnet. Der Beschuldigte wurde für die Dauer von 5 Jahren des Landes verwie-
sen, und es wurde die Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener In-
formationssystem angeordnet. Ferner wurde über die Verwendung beschlag-
nahmter Gegenstände und über die Zivilforderungen der Privatkläger entschieden
(Urk. 94).
Gegen dieses Urteil hat der Beschuldigte mit Eingabe vom 26. Februar 2019 frist-
gerecht Berufung angemeldet (Urk. 77) und mit Eingabe vom 12. August 2019 die
Berufungserklärung eingereicht (Urk. 95). Er ficht den Schuldspruch betreffend
qualifizierten Raub an und beantragt, er sei des Raubes im Sinne von Art. 140
Ziff. 1 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen, mit einer bedingten Geldstrafe von
höchstens 280 Tagessätzen zu Fr. 10.– zu bestrafen unter Ansetzung einer Pro-
bezeit von 3 Jahren, es sei von einer Landesverweisung und einer Ausschreibung
im Schengener Informationssystem abzusehen. Seitens der Privatkläger wurde
keine Anschlussberufung erhoben. Die Staatsanwaltschaft hat ausdrücklich auf
Anschlussberufung verzichtet und beantragte mit Eingabe vom 23. August 2019
die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 100). Ihr Dispensationsgesuch
betreffend die Teilnahme an der Berufungsverhandlung wurde am 3. Oktober
2019 bewilligt (Urk. 100).
Demzufolge ist festzuhalten, dass das vorinstanzliche Urteil bezüglich der Dispo-
sitiv-Ziffern 1 Lemma 2 und 3 (Schuldsprüche einfache Körperverletzung Dossier
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3 und Angriff), 2 (Freispruch einfache Körperverletzung Dossier 1), 7 (Einziehun-
gen), 8-12 (Zivilansprüche der Privatkläger) und 13-16 (Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen) in Rechtskraft erwachsen ist.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Ober-
land vom 12. November 2018 vorgeworfen, er habe am 10. Juni 2017 zusammen
mit C._ und einem unbekannten Dritten am Bahnhof F._ die Geschädig-
ten B._ und D._ ausgeraubt. Die drei mit Schal und teilweise auch Bas-
ketballmütze vermummten Täter hätten sich wie vorgängig miteinander abgespro-
chen in einem Abstand von ca. einem halben Meter vor die sitzenden Geschädig-
ten gestellt. Der Unbekannte habe den Geschädigten verboten, aufzublicken und
habe ein einhändig bedienbares Klappmesser mit einer Klingenlänge von ca. 12
bis 20 cm aus der rechten Hosentasche genommen, habe die Messerspitze ge-
gen D._ gerichtet und von beiden Geschädigten die Herausgabe sämtlicher
Gegenstände verlangt. D._ habe unter dem Eindruck der körperlich überle-
genen in der Überzahl befindlichen Täter und aufgrund der vorgehaltenen Waffe
dem Unbekannten das ganze Münzgeld aus seinem Portemonnaie (ca. Fr. 20.–)
übergeben. Während der unbekannte Täter die beiden Geschädigten weiterhin
mit dem Messer bedroht habe, was der Beschuldigte und C._ realisiert hät-
ten und damit einverstanden gewesen seien, habe der Beschuldigte B._
mehrfach aufgefordert, er solle ihm alles geben, sonst würde er sehen, was pas-
siere. B._ habe sich aus Angst heraus der Waffendrohung gebeugt und habe
zugelassen, dass der Beschuldigte das Mobiltelefon Apple iPhone 6 im Wert von
ca. Fr. 800.– aus dem Hosensack genommen und ihn nach weiteren Wertgegen-
ständen abgetastet habe. Auf entsprechende Aufforderung des Beschuldigten
habe B._ seine Sporttasche geöffnet. C._, der während der Tat haupt-
sächlich als Aufpasser figuriert habe, die Geschädigten im Auge behalten habe,
und durch seine körperliche Überlegenheit die Übermacht der Täter unterstützt
habe, habe den Inhalt der Sporttasche ausgeleert. Der Beschuldigte habe diesen
durchsucht und einen Kopfhörer im Wert von ca. Fr. 450.–, Sportschuhe, ein T-
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Shirt und Duschutensilien entwendet. Die drei Täter hätten den Tatort unter Mit-
nahme der erbeuteten Gegenstände verlassen.
2. Erstellter und zu erstellender Sachverhalt
In der Befragung vor Vorinstanz erklärte der Beschuldigte, er habe am fraglichen
Abend C._ am G._-see getroffen. Dort habe ein Unbekannter sie ange-
sprochen, ob sie ihm helfen könnten. Er habe dies bejaht. Er sei betrunken gewe-
sen, habe gekifft und habe nicht viel überlegt, was der Unbekannte von ihnen ge-
wollt habe. Sie seien mit dem Unbekannten nach F._ gefahren (Prot. I S. 10).
Er habe nicht gewusst, was in F._ passieren würde, es sei nicht abgespro-
chen gewesen. Er habe erst gewusst, was passiere, als der Unbekannte zu den
Geschädigten gegangen sei und diese aufgefordert habe, die Gegenstände her-
auszugeben (Prot. I S. 11). In diesem Zeitpunkt habe er entschieden, mitzuma-
chen (Prot. I S. 12). Er habe keinen Schal getragen, es treffe nicht zu, dass er
sich vermummt habe (Prot. I S. 12). Er wisse nichts von einem Messer, habe kein
solches gesehen, es sei auch nicht davon geredet worden. Es sei für ihn unwahr-
scheinlich, dass der Unbekannte ein Messer verwendet habe, sonst hätte er dies
gesehen (Prot. I S. 13). Er habe gegenüber B._ nicht gedroht, er habe nur
wiederholt, was der Unbekannte gesagt habe, nämlich dass der Geschädigte al-
les geben solle (Prot. I S. 14). Es sei möglich, dass den Geschädigten ein Apple
iPhone 6, ein Kopfhörer, Sportschuhe, ein T-Shirt sowie Duschutensilien entwen-
det wurden, er wisse aber nicht genau, was entwendet worden sei (Prot. I S. 14).
Es treffe nicht zu, dass er das iPhone aus der Hosentasche von B._ genom-
men habe, dieser habe es ihm gegeben (Prot. I S. 15). Er wisse nicht mehr, ob er
die Sporttasche durchsucht habe. Sein Anteil an der Beute seien die Kopfhörer
und die Sportschuhe gewesen (Prot. I S. 15).
Den Aussagen des Beschuldigten vor Vorinstanz ist zu entnehmen, dass er ge-
ständig ist, beim angeklagten Vorfall mitgewirkt zu haben und dabei zusammen
mit C._ und einem Unbekannten den beiden Geschädigten B._ und
D._ die in der Anklage aufgeführten Gegenstände abgenommen zu haben.
Im Umfang dieses Geständnisses ist der Sachverhalt gestützt auf die Aussagen
der Geschädigten und die Akten erstellt. Bestritten wird vom Beschuldigten, dass
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ein Messer zum Einsatz kam. Er macht geltend, es sei weder über den Einsatz
eines Messers gesprochen worden, noch habe er ein solches gesehen, obwohl er
ein solches aufgrund seiner Position hätte sehen können. Ferner bestreitet er,
den Geschädigten bedroht zu haben und vermummt gewesen zu sein. Schliess-
lich macht er geltend, die Tat sei nicht geplant gewesen, er habe vielmehr erst re-
alisiert, was geschehe, als der Unbekannte auf die Geschädigten zugegangen sei
und von ihnen ihre Gegenstände verlangt habe. In diesem Zeitpunkt habe er ent-
schieden, mitzumachen. In den vom Beschuldigten bestrittenen Punkten, insbe-
sondere betreffend Einsatz eines Messers, ist zu prüfen, ob sich der Anklagesa-
chverhalt erstellen lässt. Ergänzend ist festzuhalten, dass der Anklagevorwurf,
wonach der Unbekannte beim Verlassen des Tatorts nochmals zu den Geschä-
digten zurückgekehrt sei und B._ einen Faustschlag gegen die linke Wange
versetzt habe, einen Sachverhalt betrifft, welcher sich nach Vollendung des Rau-
bes verwirklicht haben soll. In diesem Punkt bildet der Anklagesachverhalt nicht
mehr Gegenstand des Raubvorwurfes oder eines anderen gegen den Beschuldi-
gen gerichteten Vorwurfs, weshalb darauf nicht weiter einzugehen ist.
Für die Erstellung des Sachverhaltes stehen neben den Aussagen des Beschul-
digten diejenigen des Mitbeschuldigten C._ und der beiden Geschädigten
B._ und D._ zur Verfügung.
3. Beweismittel
3.1. Aussagen des Beschuldigten
In der ersten polizeilichen Einvernahme vom 15. Juni 2017 verweigerte der Be-
schuldigte die Aussage (Urk. D2 6/1).
Der Beschuldigte sagte in der Hafteinvernahme vom 16. Juni 2017 aus, er sei in
der fraglichen Zeit mit zwei Kollegen in einem silbrigen Fahrzeug herumgefahren.
In F._ sei dann die Sache passiert, dass sie den Geschädigten die Sachen
weggenommen hätten. Er werde alles erzählen, aber er werde die Namen der
beiden anderen nicht nennen (Urk. D2 6/2 S. 2 f.). Von einem Messer wisse er
nichts (Urk. D2 6/2 S. 2). Er habe kein Messer gesehen und keiner von ihnen ha-
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be von einem Messer gesprochen (Urk. D2 6/2 S. 4). Es treffe nicht zu, dass sie
maskiert gewesen seien. Sie seien ganz sicher alle drei unmaskiert gewesen. Sie
hätten Schuhe, Kopfhörer und ein Handy erbeutet. Er habe die Kopfhörer und die
Schuhe bekommen (Urk. D2 6/2 S. 3).
In der Befragung vom 19. Juli 2017 sagte der Beschuldigte aus, er habe im Aus-
gang C._ getroffen auf einer Party mit vielen Leuten in H._ am See.
Dort habe ein Unbekannter sie gefragt, ob sie ihm behilflich sein könnten. Er sei
dann mit C._ und dem Unbekannten nach F._ gefahren. Dort sei der
Unbekannte voraus zu zwei auf einer Bank sitzenden Männern gegangen und
habe diese aufgefordert, ihre Sachen zu geben. Er habe aus Dummheit mitge-
macht. Er habe Handy, Kopfhörer und Turnschuhe an sich genommen, jedoch
keine Dusch-utensilien (Urk. D2 6/3 S. 4). Auch von Bargeld wisse er nichts (Urk.
D2 6/3 S. 5). Alle drei Täter hätten mit den Geschädigten gesprochen. Er habe
gesagt, sie sollten ihre Sachen herausgeben (Urk. D2 6/3 S. 5). Niemand habe
ein Messer gehabt, er habe kein Messer gesehen (Urk. D2 6/3 S. 5). Wenn der
Unbekannte ein Messer in der Hand gehabt hätte, hätte er es gesehen (Urk. D2
6/3 S. 5). Das Natel habe der Unbekannte genommen, die Kopfhörer und die
Schuhe habe er für den Unbekannten aufbewahrt (Urk. D2 6/3 S. 6). Er habe mit-
gemacht, weil er besoffen gewesen sei (Urk. D2 6/3 S. 7).
Der Beschuldigte hielt in der Einvernahme vom 25. Juli 2017 (Urk. D2 6/4) erneut
daran fest, dass er C._ in H._ bei der Party am See getroffen habe und
der unbekannte Dritte sie gefragt habe, ob sie ihm behilflich sein könnten. Sie hät-
ten bejaht, ohne zu wissen, worum es gehe (Urk. D2 6/4 S. 2). Sie seien alle drei
mit dem Auto von C._ nach F._ gefahren. Der Unbekannte habe das
Auto gelenkt und sei nach F._ gefahren, ohne etwas zu sagen. Dort seien sie
aus dem Auto ausgestiegen. Der Unbekannte sei Richtung Bushaltestelle gegan-
gen, wo zwei junge Männer gewesen seien und habe zu diesen gesagt, sie soll-
ten ihre Sachen herausgeben. Sie hätten aus Dummheit mitgemacht (Urk. D2 6/4
S. 3). Er habe in ganz normalem Ton wiederholt, was der Unbekannte gesagt ha-
be, und habe nicht bemerkt, dass die beiden jungen Männer Angst gehabt hätten.
Die Geschädigten hätten sich gegenseitig angeschaut, hätten aber nichts Gros-
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ses gesagt. Der eine habe seine Sporttasche etwas näher zu ihnen hingestellt. Er
habe diese geöffnet, sich den Inhalt angeschaut und Kopfhörer und Turnschuhe
entnommen. Dieser Geschädigte habe dann auch noch sein Handy herausge-
rückt und habe es ihm gegeben. Er wisse nichts davon, dass auch noch Geld ge-
stohlen worden sei (Urk. D2 6/4 S. 3). Er wüsste nicht, dass die Geschädigten
bedroht worden seien oder ihnen Gewalt angedroht worden sei (Urk. D2 6/4 S. 4).
Er habe nur zum Geschädigten gesagt, er solle die Sachen herausgeben, habe
dies aber nicht mit einer Drohung verbunden. Wie er sich erinnere, habe der Ge-
schädigte ihm das Handy gegeben, er habe es ihm nicht aus dem Hosensack ge-
nommen und habe ihn nicht abgetastet (Urk. D2 6/4 S. 5). Die beiden Mittäter und
er seien nicht vermummt gewesen (Urk. D2 6/4 S. 4). Er wisse nichts von einem
Messer und habe auch kein solches gesehen (Urk. D2 6/4 S. 5). Er wiederholte,
aus Dummheit mitgemacht zu haben und weil er besoffen gewesen sei (Urk. D2
6/4 S. 5).
Am 31. Mai 2018 (Urk. D2 6/5) verwies der Beschuldigte auf seine bisherigen
Aussagen und entschuldigte sich gegenüber den beiden Privatklägern (Urk. D2
6/5 S. 2).
In der Schlusseinvernahme vom 16. August 2018 verwies der Beschuldigte auf
seine bisherigen Aussagen (Urk. D2 6/6 S. 6).
Bezüglich der Aussagen in der Befragung vor Vorinstanz kann auf die vorstehen-
de Zusammenfassung unter Ziffer 2 verwiesen werden.
Anlässlich der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte erneut aus, ein Un-
bekannter habe ihn und C._ gefragt, ob sie ihm behilflich sein könnten. Sie
hätten nicht gefragt bei was, sondern einfach ja gesagt. Dann seien sie mit dem
Unbekannten nach F._ gegangen, wo diese Sache passiert sei. Es stimme,
dass er den Geschädigten aufgefordert habe, die Sachen herauszugeben. Sonst
habe er nichts weiter gesagt. Er habe nur die Sätze wiederholt, die der Unbekann-
te gesagt habe. Vermummt sei er nicht gewesen, und er habe auch kein Messer
gesehen. Er sei besoffen gewesen und habe sich aus reiner Dummheit an diesem
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Raub beteiligt. Den Unbekannten habe er nicht gekannt. Er wisse auch dessen
Namen nicht (Prot. II S. 13 ff.).
3.2. Aussagen C._
In seiner ersten polizeilichen Befragung vom 8. Juni 2017 bestritt C._ eine
Beteiligung an der Raubtat (Urk. D2 7/1 S. 3). Er habe zur fraglichen Zeit Party
gefeiert und sei sehr betrunken gewesen. Die Schlüssel zum Auto seiner Mutter
habe er einem Dritten gegeben, der ihn nach Hause gefahren habe (Urk. D2 7/1
S. 4).
Er hielt in der Hafteinvernahme vom 16. Juni 2017 daran fest, dass er nicht am
Raub beteiligt gewesen sei und von einem Unbekannten nach der Party am See
nach Hause gefahren worden sei (Urk. D2 7/2 S. 2). Der Beschuldigte sei sicher
nicht im Auto dabei gewesen (Urk. D2 7/2 S. 3). Auf Vorhalt des Geständnisses
des Beschuldigten betreffend Beteiligung am Raub und dessen Aussage, dass er
in ein silbernes Fahrzeug gestiegen sei, erklärte C._, er habe den Beschul-
digten nicht gesehen im Auto, er sei besoffen gewesen und habe im Auto ge-
schlafen (Urk. D2 7/2 S. 3 f.).
In der Einvernahme vom 18. Juli 2017 korrigierte er seine bisherigen Aussagen
und erklärte, der Beschuldigte sei im Auto gewesen. Der Unbekannte habe sein
Auto gelenkt und sei zum Bahnhof F._ gefahren. Dort habe er gesagt, sie
sollten aussteigen und mitkommen. Sie seien zu den auf der Bank sitzenden
Männern gegangen. Der Unbekannte habe zu diesen gesagt, sie sollten bitte ihre
Sachen geben. Sie hätten nicht gedroht und auch kein Messer dabei gehabt. Die
eine Person habe gelacht und habe seine Sachen herausgegeben, so wie wenn
er eine Zigarette gegeben hätte. Er habe die Sporttasche ausgeleert, es seien nur
Duschutensilien und Sportschuhe drin gewesen (Urk. D2 7/3 S. 2). Von Bargeld
habe er nichts gesehen (Urk. D2 7/3 S. 3). Er bestätigte, dass sie Schuhe, Kopf-
hörer und Natel mitgenommen hätten (Urk. D2 7/3 S. 3). Er habe von der Beute
nichts bekommen. Der Beschuldigte habe die Kopfhörer genommen, der Unbe-
kannte das Handy, von den Schuhen wisse er nichts (Urk. D2 7/3 S. 4). Er habe
kein Bargeld und kein Messer gesehen (Urk. D2 7/3 S. 4).
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In der Einvernahme vom 25. Juli 2017 sagte C._ aus, nachdem er die Ein-
vernahmen der Geschädigten habe lesen können, sei ihm Stück für Stück wieder
eingefallen. Er habe vor der Tat Alkohol konsumiert und sei betrunken gewesen.
Ausserdem habe er gekifft. Er habe das Fahrzeug nicht am See lassen wollen
und habe herumgefragt, ob jemand die Autoprüfung habe. Der Unbekannte habe
sich gemeldet. So seien sie etwa um 4 Uhr losgefahren. Der Beschuldigte sei
auch dabei gewesen. Sie seien zuerst nach H._ gefahren, dort seien sie
ausgestiegen und hätten über irgendetwas gestritten, er wisse nicht mehr über
was (Urk. D2 7/5 S. 2). Dann seien sie weiter gefahren zum Bahnhof F._.
Der Unbekannte habe gesagt, sie sollten mitkommen. Er habe versucht, ihn und
den Beschuldigten als Angsthasen hinzustellen, indem er gefragt habe, ob sie
Angst hätten. Er habe sie aufgefordert, ihre Kapuzen über die Köpfe zu ziehen,
sich sozusagen zu vermummen. Vermummt gewesen sei nur der Unbekannte, er
und der Beschuldigte hätten nur die Kapuzen über ihre Köpfe gestülpt. Sie seien
zu den beiden jungen Männern gegangen. Er habe eine Baseballmütze getragen,
das Gesicht des Beschuldigten sei vollständig frei gewesen (Urk. D2 7/5 S. 3). Ein
Messer sei nie im Spiel gewesen (Urk. D2 7/5 S. 3). Er wolle die Tat nicht gut re-
den, es sei ein Raub gewesen, jedoch würden die Geschädigten übertreiben. Sie
hätten die Geschädigten gefragt, wie wenn man nach einer Zigarette frage. Die
Geschädigten hätten keine Angst gehabt, seien einfach locker da gesessen, wie
wenn sie sie schon lange kennen würden. Der Geschädigte habe sein Handy aus
dem Hosensack genommen und habe es dem Unbekannten überreicht. Er habe
erst später bemerkt, dass auch noch Kopfhörer abgenommen worden seien. Er
wisse nicht, ob dies der Beschuldigte gewesen sei. Sie hätten auch etwas Münz-
geld max. Fr. 10.– bis Fr. 20.– abgenommen. Er habe die Sporttasche ausgeleert,
aber nichts selber behändigt. Irgendwie seien Schuhe mitgekommen, er wisse
nicht, wer diese behändigt habe. Der Beschuldigte habe sie irgendwann gehabt
(Urk. D2 7/5 S. 4). Er habe nichts von der Beute genommen, er sei überrumpelt
worden und habe nichts mit der Sache zu tun haben wollen (Urk. D2 7/5 S. 5).
Der Beschuldigte habe sich nach seiner Erinnerung passiv verhalten. Der Ge-
schädigte habe ihnen sein Handy entgegengestreckt und ihnen gezeigt, dass er
im Portemonnaie nur Münz gehabt habe.
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C._ wiederholte in der Einvernahme vom 31. Mai 2018, dass weder er noch
der Beschuldigte ein Messer dabei gehabt hätten. Er wisse nicht, was die Ge-
schädigten gesehen hätten. Wenn dies ein Gegenstand gewesen sei, habe er
diesen nicht realisiert (Urk. D2 7/6 S. 2).
In der Schlusseinvernahme vom 20. Juni 2018 betonte er, es treffe nicht zu, dass
sie sich vorgängig untereinander abgesprochen hätten. Er bestätigte auf Vorhalt
der entsprechenden Aussage der Geschädigten, dass sie miteinander diskutiert
hätten bevor sie zu den Geschädigten herangetreten seien. Er wisse nicht mehr,
über was sie diskutiert hätten, jedenfalls nicht über den Raub (Urk. D2 7/7 S. 5).
Sie hätten nicht den Plan gehabt, jemanden auszurauben (Urk D2 7/7 S. 6). Der
Unbekannte habe den Beschuldigten und ihn provoziert, ob sie Angst hätten mit-
zukommen. Er habe den Unbekannten gefragt, was er machen wolle. Dieser habe
dann so eine "halbtote Antwort" gegeben. Der Unbekannte habe kein Messer ge-
habt, hätte dieser ein Messer gezückt, hätte er es mit Sicherheit gesehen (Urk. D2
7/7 S. 5).
In der Befragung vor Vorinstanz am 21. Februar 2019 sagte C._, er habe am
Anfang nicht verstanden, was der Unbekannte vorgehabt habe. Sie seien nicht
maskiert gewesen. Es sei alles sehr schnell gegangen. Die anderen beiden hätten
etwas gemacht. Er habe nichts damit zu tun haben wollen und sei einfach nur da-
gestanden (Prot. I S. 9 im Proz. Nr. DG180023). Die Tat sei nicht geplant gewe-
sen. Der Unbekannte sei vorausgegangen, sie beide hinterher. Bis sie da gewe-
sen seien und es passiert sei, habe er nicht gewusst, was passieren sollte (Prot. I
S. 11 im Proz. Nr. DG180023). Es sei kein Messer im Spiel gewesen, ansonsten
er dies gesehen hätte (Prot. I S. 12 im Proz. Nr. DG180023). Der Unbekannte hät-
te ein Messer nicht derart hervornehmen können, dass die Geschädigten es be-
merkten, er und der Beschuldigte dagegen nicht (Prot. I S. 13 im Proz. Nr.
DG180023).
3.3. Aussagen B._
In der ersten polizeilichen Befragung am Tattag sagte B._ aus, er habe am
Bahnhof in F._ zusammen mit D._ auf den Bus gewartet. Sie seien bei-
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de sehr müde gewesen. D._ sei immer wach gewesen, er habe zwischen-
durch ein wenig gedöst. Dann seien drei Typen erschienen, hätten sich vor sie
gestellt und die Bank umringt. Jener, der links von D._ gestanden sei, habe
ihm seine Kapuze über den Kopf gezogen, sodass er die Gesichter nicht habe
sehen können. Dieser Täter habe dann auch ein Messer hervorgeholt und habe
gesagt, sie sollten alles hergeben, was sie hätten, und sie sollten ihre Gesichter
nach unten halten. D._ habe sein Geld aus dem Portemonnaie gegeben. Ein
dunkelhäutiger Latino Typ habe zu ihm gesagt, er solle auch alles geben, habe
sein Handy aus seiner Hosentasche genommen und habe ihn nach weiteren Ge-
genständen abgetastet (Urk. D2 4/1 S. 2 und S. 4). Sie seien die ganze Zeit mit
dem Messer bedroht worden. Der Latino Typ habe auch seine Sporttasche durch-
sucht und daraus diverse Gegenstände entwendet. Die drei seien davongerannt.
Derjenige, der das Messer in der Hand gehalten habe, sei zurückgekehrt und ha-
be ihm einen Faustschlag ins Gesicht verpasst. Dieser habe einen "Shippi-
Akzent" gehabt, sei vermummt gewesen, habe die Baseballmütze ins Gesicht ge-
zogen gehabt (Urk. D2 4/1 S. 2). Das eingesetzte Messer sei ein Spickmesser
gewesen mit silberner Klinge und einem hellblauen Griff (Urk. D2 4/1 S. 2). Er ha-
be das Messer einhändig bedient, und er habe es klicken gehört, als die Klinge
hervorgekommen sei (Urk. D2 4/1 S. 3). Der Täter, welcher in der Mitte gestanden
sei, habe kein Wort gesagt, sei komplett vermummt gewesen mit einem dunklen
Tuch vor dem Kopf und der Kapuze über dem Kopf, sei passiv dagestanden und
habe zugeschaut. Es könne sein, dass dieser eine Aufpasserfunktion gehabt ha-
be. Der Latino-Typ sei eher dunkelhäutig, habe ein Burberry-Tuch vor dem Ge-
sicht gehabt und zuerst eine Kapuze über dem Kopf, letztere aber danach runter-
genommen. Er habe mehrmals wiederholt "gib dini Sache ane, suscht gsehsch
was passiert" (Urk. D2 4/1 S. 3). Er habe ihn aufgefordert, die Sporttasche zu öff-
nen, was er getan habe. Der Täter habe seine Duschutensilien, den Beatskopfhö-
rer, sein Handy mit Hülle, seine Trainingsschuhe und ein Nike T-Shirt mitgenom-
men. Nach seiner Einschätzung sei der Täter mit dem Messer der Anführer ge-
wesen. Dieser sei auch zurückgekommen und habe ihn zweimal ins Gesicht ge-
schlagen (Urk. D2 4/1 S. 4). Während der Tat habe er noch nicht gezittert, nach
dem Weggang der Täter habe er unglaublich gezittert, habe praktisch nicht mehr
- 16 -
reden können und sei damit nicht klargekommen. Es habe ihn total blockiert
(Urk. D2 4/1 S. 5).
Am 15. Juni 2017 bestätigte B._, dass der Latino-Typ mit einem Tuch mit
Burberry-Muster maskiert gewesen sei, welches ihm während des Überfalls her-
untergerutscht sei, weshalb er dessen Gesicht habe sehen können (Urk. D2 4/2
S. 3 f.). Dieser Täter habe Schweizerdeutsch gesprochen ohne Akzent und habe
gesagt "Gib alles was hesch susch gsehsch es". Der andere Täter mit dem
Spickmesser habe einen Balkan-Akzent gehabt.
In der Einvernahme vom 31. Mai 2018 bestätigte er, er habe mit D._ auf der
Bank beim Bahnhof F._ gesessen, als drei Personen gekommen seien, ei-
nen halben Meter vor ihnen stehen geblieben seien und gesagt hätten, sie sollten
alles geben, was sie hätten. Der Beschuldigte habe ihn persönlich angesprochen,
ihm habe er seine Sachen übergeben. Der Täter mit dem Messer habe von
D._ Geld verlangt. D._ habe sein Münz in die Hand des Täters geleert.
Er habe das Messer erstmals realisiert, als er zu D._ hinüber geschaut habe,
um zu sehen, wie es ihm gehe. Das Messer sei vermutlich ein Klappmesser ge-
wesen (Urk. D2 4/4 S. 5). Der Täter in der Mitte habe nicht viel gesagt, nur ge-
schaut, dass sie sich nicht wehrten (Urk. D2 4/4 S. 5). Der Beschuldigte habe ihn
aufgefordert, seine Sporttasche auszuräumen und habe seine Sportschuhe, seine
Beatskopfhörer, sein Handy und Duschutensilien entwendet. Die Täter hätten ein
Tuch über dem unteren Teil des Gesichts und der Nase gehabt (Urk. D2 4/4 S. 6).
Er habe den Eindruck gehabt, der Beschuldigte sei der Anführer, da er gespro-
chen und agiert habe (Urk. D2 4/4 S. 7). Das Messer sei gut sichtbar gewesen,
die anderen Täter seien so gestanden, dass sie es sehen konnten. Die drei Täter
seien nahe beieinander gestanden vielleicht im Abstand von einem halben Meter
(Urk. D2 4/4 S. 8). Der Beschuldigte habe zuerst die Herausgabe verlangt (Urk.
D2 4/4 S. 8). Der Beschuldigte habe ihn abgetastet und das Handy im Hosensack
bemerkt.
- 17 -
3.4. Aussagen D._
D._ wurde am Tattag polizeilich einvernommen. Er sagte aus, er habe mit
B._ am Bahnhof F._ auf einer Bank gesessen und habe auf den Bus
gewartet. Die drei Täter hätten vor ihnen eine Reihe gebildet. Einer habe gesagt,
sie sollten alle Sachen herausgeben und habe ein Springmesser gezückt. Er habe
sein Geld gegeben. B._ sei härter angegangen worden. Ihm hätten sie sein
Handy und Wertsachen aus der Sporttasche weggenommen. Als die Täter den
Ort verlassen wollten, habe B._ gefragt, ob er sein Handy wiederhaben kön-
ne, worauf einer ihn mit der Faust auf die Wange geschlagen habe (Urk. D2 5/1
S. 1). Er beschrieb das Messer als Spickmesser mit silberner Klinge und blauem
Griff. Klinge und Griff seien je eine Handbreite lang gewesen, die Gesamtlänge
schätze er auf 25 cm (Urk. D2 5/1 S. 2). Der Täter mit dem Messer habe einen
Balkan-Dialekt gehabt. Der eine Täter habe einen blau/schwarz karierten Schal
über die Nase gezogen gehabt, der Latino-Typ einen Schal mit BurberryMuster,
der Täter mit dem Messer habe eine Baseballmütze getragen. Der Täter mit dem
Messer habe zu ihnen mehrfach gesagt, sie sollten ihm alle ihre Sachen geben.
Zu B._ habe er gesagt, er solle den Kopf herunterhalten, ihm habe er die
Kapuze über den Kopf gezogen und zum Boden gedrückt. Er habe sein Geld ge-
geben, insgesamt ca. Fr. 20.– bis Fr. 30.–. B._ habe man neben dem Handy
die Beatskopfhörer, Duschutensilien und Schuhe entwendet (Urk. D2 5/1 S. 3).
In der Einvernahme vom 31. Mai 2018 wiederholte er, mit B._ auf der Bank
am Bahnhof F._ auf den ersten Bus gewartet zu haben. Dann seien drei
Personen auf sie zugekommen, die unterwegs einen kurzen Halt gemacht hätten
und sich miteinander unterhielten. Anschliessend seien sie ziemlich direkt auf sie
zugekommen. Einer der Täter habe gesagt, sie sollten das Geld herausgeben. Er
wisse nicht mehr mit Sicherheit, welcher der drei Täter es gewesen sei. Ein Täter
habe etwas in der Hand gehabt, er sei sich nicht mehr sicher, ob es ein Messer
gewesen sei (Urk. D2 5/2 S. 4). Einer habe zu ihm gesagt, er solle sie nicht an-
schauen und habe ihm seine Kapuze über den Kopf gestülpt und seinen Kopf
nach unten gedrückt. Er habe erst wieder aufgeschaut als die Täter weggingen.
B._ habe gefragt, ob er seine Handyhülle zurückerhalte, da sei einer der Tä-
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ter zurückgekommen und habe ihm einen Faustschlag gegen die Wange versetzt.
Zwei der Täter hätten so eine Art Halstuch über dem unteren Teil des Gesichts
gehabt, der andere habe eine Baseballmütze getragen, sodass man sein Gesicht
nicht gut habe sehen können (Urk. D2 5/2 S. 5). Er habe sich bedroht gefühlt, da
die Täter sie auf eine Art eingekreist hätten, so nahe vor sie gestanden seien und
in der Überzahl gewesen seien (Urk. D2 5/2 S. 5).
4. Beweiswürdigung
4.1. Glaubwürdigkeit der Aussagenden
Sowohl die Privatkläger, welche adhäsionsweise Zivilforderungen geltend mach-
ten, wie die beiden Beschuldigten haben ein gewichtiges Interesse am Ausgang
des Verfahrens. Seitens keiner dieser Personen liegen Hinweise vor, welche an
ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln liessen.
4.2. Glaubhaftigkeit der Aussagen
4.2.1. Beschuldigter und C._
a) C._
Bei C._ fällt auf, dass er seine Aussagen dem jeweiligen Stand der erhobe-
nen Beweismittel anpasste. Während er in den ersten beiden Einvernahmen jede
Beteiligung am Raub bestritt, räumte er eine Beteiligung in den späteren Einver-
nahmen ein. Dabei wird aber eine klare Tendenz erkennbar, die Tat zu verharm-
losen. Dies zeigt sich besonders deutlich darin, dass C._ ausführte, die Ge-
schädigten seien gebeten worden, ihre Sachen zu geben. Sie seien nicht bedroht
worden. Sie seien gefragt worden, wie wenn man um eine Zigarette bitte. Der ei-
ne Geschädigte habe gelacht und habe seine Sachen herausgegeben, wie wenn
er eine Zigarette gegeben hätte. Als realitätsfremd erscheint, dass die drei Täter
die Geschädigten um Herausgabe ihrer Wertsachen gebeten haben sollen. Eben-
falls völlig unglaubhaft erweist sich die Darstellung, dass die überrumpelten und
von einer Übermacht umringten Geschädigten ganz locker geblieben seien, einer
von ihnen sogar gelacht habe.
- 19 -
Das dem Ergebnis der Beweiserhebungen angepasste Aussageverhalten und die
Tendenz zur Verharmlosung lassen Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen
von C._ aufkommen. Nicht nachvollziehbar ist seine Erklärung, ihm sei Stück
für Stück wieder eingefallen, nachdem er die Einvernahmen der Geschädigten
habe lesen können (Urk. D2 7/5 S. 2), wäre doch vielmehr zu erwarten, dass die
Erinnerung mit zunehmendem Zeitablauf eher verblasst. Zudem hatte er zuvor
beteuert, er sei betrunken gewesen und habe gekifft. Hätte er aufgrund seines
angeschlagenen Zustandes nichts wahrgenommen, könnte auch nach der Kennt-
nisnahme der Aussagen der Geschädigten keine Erinnerung an etwas aufkom-
men, das er gar nie wahrgenommen hat. Auf Vorhalt der Aussage des Geschä-
digten, wonach die drei Täter vor der Tat miteinander diskutiert hätten, antwortete
er, er wisse nicht mehr, über was sie diskutiert hätten, jedenfalls nicht über den
Raub (Urk. D2 7/7 S. 5). Diese selektive Erinnerung nur zugunsten der Beschul-
digten wirkt unglaubhaft. Gleichzeitig führte er auch aus, er habe den Unbekann-
ten gefragt, was dieser vorhabe, worauf dieser eine "halbtote Antwort" gegeben
habe. Es erscheint nicht glaubhaft, dass er sich mit einer so nichtssagenden Ant-
wort zufrieden gegeben hat. Dass er sich nicht von der Tat distanziert hat, viel-
mehr zusammen mit dem Beschuldigten und dem Unbekannten vor den Geschä-
digten stehen blieb, spricht dagegen, dass er überrascht wurde.
Die Aussagen von C._ sind nebst den aufgezeigten Widersprüchen zudem
detailarm. Mindestens merkwürdig, wenn nicht gar lebensfremd, erscheint seine
Aussage, dass er das Steuer des Fahrzeuges seiner Mutter einem völlig Unbe-
kannten überlassen habe, den er an einer Party kennenlernte, diesem Unbekann-
ten dann hinterhergelaufen sei, als dieser in F._ anhielt, ohne zu wissen, was
dieser vorhatte, um dann auch noch ohne irgendwelche Absprache spontan bei
der vom Unbekannten initiierten Raubtat mitzuwirken.
b) Beschuldigter
Hinsichtlich der geltend gemachten fehlenden Kenntnis der vom Unbekannten
geplanten Tat, der Bestreitung einer Absprache vor der Tat und dem behaupteten
spontanen Beitritt zur Tat als der Unbekannte bereits damit angefangen hatte,
kann auf die Ausführungen betreffend die Würdigung der Aussagen von C._
- 20 -
verwiesen werden. Diesbezüglich erweisen sich die übereinstimmenden Darstel-
lungen der beiden Komplizen als blosse Schutzbehauptungen.
Die Behauptung des Beschuldigten, er habe nicht bemerkt, dass die Geschädig-
ten Angst gehabt hätten, ist vor dem Hintergrund der unbestrittenen zahlenmässi-
gen Überlegenheit und dem Umringen der auf der Bank sitzenden, völlig über-
rumpelten Geschädigten höchst unglaubhaft. Es widerspricht denn auch jeder Le-
benserfahrung, dass die Geschädigten nicht bedroht wurden. Allein schon der
Umstand, dass sie von drei unbekannten Tätern, welche sich nahe vor sie hin-
stellten, aufgefordert wurden, ihre Wertgegenstände herauszugeben, musste be-
drohlich auf die Geschädigten wirken. Der Beschuldigte versteigt sich zwar nicht
wie der Mittäter C._ in die Behauptung, einer der Geschädigten habe gelacht
und die Geschädigten seien locker gewesen, jedoch ist schon seine Behauptung
lebensfremd, er habe nicht bemerkt, dass die Geschädigten Angst hatten.
Die Schilderungen des Beschuldigten betreffend den Tatablauf sind zudem auffäl-
lig dürftig ausgefallen. Die Vorinstanz führte zutreffend als Beispiel für die man-
gelnde Detaillierung die Erklärung in der Hafteinvernahme an, in welcher er aus-
sagte "Plötzlich kamen wir nach F._, wo dann die Sache passierte." (Urk. 94
S. 11), was er mit fast identischem Wortlaut anlässlich der Berufungsverhandlung
wiederholte (Prot. II S. 14). Es fehlen auch andere Realitätskriterien wie Schilde-
rung seines eigenen Erlebens und seiner Gedanken, als er realisiert haben will,
dass der Unbekannte sich dazu anschickte, einen Raub zu begehen.
c) B._ und D._
B._ sagte im Kerngehalt über alle Aussagen hinweg widerspruchsfrei aus.
Seine Darstellung ergibt ein stimmiges Ganzes. Es sind keine Hinweise auf Über-
treibungen erkennbar, dies zeigt sich beispielsweise darin, dass die Drohung, er
solle seine Sachen geben, sonst sehe er, was geschehe, nicht dramatisiert er-
scheint. Die Aussage, er habe gedacht, "ou, jetzt ist es nicht mehr gut", als das
Messer gezogen worden sei und die Schilderung, er habe erst nach der Tat ange-
fangen, stark zu zittern, habe kaum mehr sprechen können und habe eine eigent-
liche Blockade erlebt, sprechen für authentische Aussagen und weisen auf tat-
- 21 -
sächlich Erlebtes hin. B._ konnte für jeden der drei Täter ein Signalement
geben. Den Beschuldigten beschrieb er als dunkelhäutigen Latino-Typ und erklär-
te, dieser habe bis über die Nase ein Tuch mit Burberry-Muster getragen und eine
Kapuze, welche er aber danach runtergenommen habe, er habe kurze dunkle
Haare (Urk. D2 4/1 S. 3). Das Tuch sei ihm heruntergefallen, als er seine Kopfhö-
rer genommen habe, da habe er sein Gesicht sehen können (Urk. D2 4/4 S. 7).
Das Gesicht von C._ habe er gesehen, als dieser sich beim Wegrennen kurz
umgedreht habe (Urk. D2 4/4 S. 7). Die zutreffende Beschreibung des Beschul-
digten wie auch die detaillierte Beschreibung der anderen beiden Täter spricht für
eine zuverlässige Beobachtungsgabe des Privatklägers, zumal er diese Wahr-
nehmungen in der für ihn sehr belastenden Situation als Opfer einer Raubtat
machte. Dies gilt auch für die Beschreibung des Messers als Spickmesser mit ei-
nem hellblauen Griff, die ungefähre Grössenangabe, das von ihm erwähnte Kli-
cken beim Hervorholen des Messers und seine Aussage, dass der Täter das
Messer einhändig bedient habe (Urk. D2 4/1 S. 3). Die Detailliertheit seiner Anga-
ben spricht für deren Glaubhaftigkeit.
Auch die Aussagen von D._ wirken lebensnah und decken sich über weite
Strecken mit denjenigen von B._ sowohl bezüglich des Tatablaufes, der Be-
schreibung der Täter (Balkantyp mit "Shippi" Dialekt, Latinotyp), der Rolle jedes
einzelnen Täters, deren Vermummung (dunkler blau/schwarzer Schal und Schal
mit Burberry-Muster) und der Beute. In seiner ersten Einvernahme am Tattag
schilderte D._ auch, dass ein Messer eingesetzt worden sei. Er beschrieb
dieses als blaues Spickmesser mit silberner Klinge, Gesamtlänge ca. 25 cm und
erstellte eine Zeichnung (Urk. D2 5/1 S. 2). In der Einvernahme vom 31. Mai 2018
sagte er dann aus, einer der Täter habe etwas in der Hand gehabt, er sei nicht
mehr sicher, ob es ein Messer gewesen sei. Auf Vorhalt, dass er bei der Polizei
das Messer sogar gezeichnet habe, bestätigte er, dass seine damaligen Aussa-
gen der Wahrheit entsprachen (Urk. D2 5/2 S. 4). Dass D._, welcher direkt
vom Unbekannten mit dem Messer bedroht worden sein soll, sich ein knappes
Jahr nach dem Vorfall nicht mehr erinnern kann, ob ein Messer im Einsatz war,
erscheint ungewöhnlich, wäre doch zu erwarten, dass er ein so zentraler Moment
in Erinnerung behält. Dies ändert jedoch nichts daran, dass die konstanten und
- 22 -
widerspruchsfreien Aussagen von B._ als glaubhaft erscheinen. Dass
D._ in der zweiten Einvernahme nicht mehr sicher war, ob der Gegenstand,
den einer der Täter in den Händen hielt, ein Messer war, spricht gegen eine Ab-
sprache mit B._. Dieser Umstand vermag keine Zweifel an den Aussagen
von B._ zu erwecken, zumal D._ auch bestätigte, in der ersten Einver-
nahme die Wahrheit gesagt zu haben und er in dieser Einvernahme das Messer
klar gleich beschrieb und zeichnete wie B._.
Gestützt auf die glaubhaften Aussagen beider Privatkläger ist erstellt, dass der
Beschuldigte und C._ sich bei der Tatbegehung mit einem Tuch/Schal ver-
mummten. Aufgrund dieser Vermummung ist ihre Behauptung widerlegt, dass sie
mit dem Unbekannten nicht über den Raub gesprochen hätten, sondern erst rea-
lisierten, was dieser tun wollte, als er bereits mit der Tatausführung angefangen
hatte. Es ist daher erstellt, dass eine vorgängige Absprache zwischen den drei
Tätern stattgefunden hat.
Dass die Privatkläger nicht bedroht wurden, erscheint aufgrund der ganzen Kons-
tellation, in welcher sie von drei unbekannten vermummten Tätern umringt und
aufgefordert wurden, ihre Sachen zu übergeben, als schlicht lebensfremd. Ge-
stützt auf die glaubhaften Aussagen von B._ ist erstellt, dass der Beschuldig-
te ihn aufforderte, seine Sachen herauszugeben ansonsten er sehen werde, was
passiere, ihn auf Gegenstände abtastete, ihm das Handy wegnahm sowie aus der
Sporttasche Kopfhörer, Sportschuhe und Duschutensilien behändigte.
Basierend auf den glaubhaften Aussagen von B._, welche durch diejenigen
von D._ in der ersten Einvernahme gestützt werden, ist zudem erstellt, dass
der Unbekannte die Privatkläger mit einem Springmesser bedrohte. Erstellt ist
auch, dass die drei Täter nahe bei den Privatklägern standen. Vom Beschuldigten
wird denn auch nicht in Abrede gestellt, dass er aufgrund seiner Position ein Mes-
ser hätte sehen können; im Gegenteil, sowohl er als auch C._ bestätigten
ausdrücklich, dass sie ein Messer von ihrer Position her hätten sehen können
(Prot. I S. 13) bzw. mit Sicherheit gesehen hätten (Urk. D2 7/7 S. 5). Gestützt auf
diese Aussagen ist der Argumentation der Verteidigung, wonach es dem Be-
schuldigten aufgrund seiner Position – im toten Winkel stehend – nicht möglich
- 23 -
gewesen sei, das Messer zu sehen, zumal der Unbekannte dieses allenfalls mit
seinem Körper verdeckt habe (Urk. 107 S. 4 f.), nicht zu folgen. Auch aus dem
Einwand, wonach es fast unmöglich sei, ein nicht alltägliches Geräusch einem
Gegenstand zuzuordnen, den man nicht sehen könne (Urk. 107 S. 5), kann die
Verteidigung nichts zugunsten des Beschuldigten ableiten, zumal der Geschädig-
te D._, auch ohne das Klicken des Messers zu hören, den Gegenstand als
Springmesser erkannt hatte. Zudem liegen auch keine Anhaltspunkte dafür vor,
dass ein anderes Messer als ein Springmesser zum Einsatz hätte kommen kön-
nen, insbesondere da der Unbekannte ein Küchenmesser mit langer Klinge offen
hätte tragen müssen und nicht einfach aus seiner Hosentasche hätte nehmen
können. Es ist daher davon auszugehen, dass nicht nur die Geschädigten dieses
Springmesser gesehen haben, sondern auch der Beschuldigte, zumal dieser nicht
dem gleichen Stress ausgesetzt gewesen war wie die Geschädigten. Der Be-
schuldigte hat den Einsatz des Messers zumindest in Kauf genommen, ansonsten
er von diesem Raub hätte Abstand nehmen müssen (vgl. nachfolgend, Erw. III.).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Sachverhalt gemäss Anklage in ob-
jektiver und subjektiver Hinsicht vollumfänglich erstellt ist. Insbesondere ist in sub-
jektiver Hinsicht der Nachweis erbracht, dass der Beschuldigte den Einsatz eines
Messers wahrgenommen hat, weshalb der Messereinsatz allgemein von seinem
Vorsatz mitumfasst wurde. Aufgrund seiner Position ist auch davon auszugehen,
dass er erkannt hat, dass es sich dabei um ein Springmesser handelte. Es ver-
bleiben somit keine unüberwindbaren Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO,
dass der Beschuldigte den Einsatz dieses Springmessers zumindest in Kauf ge-
nommen hat.
III. Rechtliche Würdigung
Vorab kann auf die zutreffenden allgemeinen Ausführungen der Vorinstanz zum
Grundtatbestand des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und zum
qualifizierten Tatbestand des Art. 140 Ziff. 2 StGB verwiesen werden (Urk. 94
S. 19 ff.). Auch im Berufungsverfahren wird vom Beschuldigten zu Recht aner-
kannt, dass er in objektiver und in subjektiver Hinsicht, den Tatbestand des Rau-
- 24 -
bes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB erfüllt hat (Urk. 95 S. 3 ). Bestritten wird die
rechtliche Qualifikation als Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 2 StGB.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der Begriff der Waffe im Sinne
von Art. 140 Ziff. 2 StGB unabhängig von der konkreten Verwendung des Gegen-
standes zu beurteilen und entspricht dem Verständnis des Waffenbegriffs gemäss
Waffengesetz. Waffen stellen somit Messer dar, deren Klinge mit einem einhändig
bedienbaren automatischen Mechanismus ausgefahren werden kann, Schmetter-
lingsmesser, Wurfmesser und Dolche mit symmetrischer Klinge (Art. 4 Abs. 1 lit. c
WG). Ein Küchenmesser fällt dagegen nicht unter den Waffenbegriff. Massge-
bend ist, ob ein Gegenstand aufgrund seiner objektiven Zweckbestimmung ent-
sprechend zu Angriff oder Verteidigung dient (BGer 6B_756/2010 Urteil vom
6.12.2010 E. 3.2.2.). Alltagsgegenstände wie Küchenmesser gelten nicht als Waf-
fe, auch wenn ein derartiges Messer ernsthafte Verletzungen herbeiführen kann
(BGer 6B_756/2010 Urteil vom 6.12.2010 E. 3.2.4.).
Vorliegend ist erstellt, dass der unbekannte Komplize bei der Tat ein eigenhändig
bedienbares Springmesser gegen die Privatkläger zum Einsatz brachte. Ein sol-
ches Springmesser stellt eine Waffe im Sinne von Art. 4 Abs. 1 lit. c WG und ent-
sprechend auch im Sinne von Art. 140 Ziff. 2 StGB dar. Erstellt ist ferner, dass der
Beschuldigte das Springmesser gesehen hat, weshalb dessen Einsatz von sei-
nem Vorsatz erfasst ist. Wäre er mit dem Einsatz dieser gefährlichen Waffe nicht
einverstanden gewesen, hätte er die Möglichkeit gehabt, seine Tatbeteiligung so-
fort zu beenden und sich von den Geschädigten zu entfernen. Da der Beschuldig-
te dies unterliess, ist von seiner zumindest konkludenten Einwilligung zur Ver-
wendung dieses Messers beim Raub auszugehen. Damit ist auch der subjektive
Tatbestand des qualifizierten Raubes gemäss Art. 140 Ziff. 2 StGB erfüllt. Der
Beschuldigte ist daher des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbin-
dung mit Ziff. 2 StGB schuldig zu sprechen.
- 25 -
IV. Strafzumessung
1. Allgemeines
Die Vorinstanz hat die allgemeinen Grundsätze für die Strafzumessung zutreffend
dargelegt. Es kann vorab darauf verwiesen werden (Urk. 94 S. 37 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO). Festzuhalten ist, dass der Raub im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1
in Verbindung mit Ziff. 2 StGB die schwerste Tat darstellt. Daher ist bei der Straf-
zumessung zunächst die hypothetische Einsatzstrafe für den qualifizierten Raub
festzusetzen. Diese ist in einem zweiten Schritt durch Asperation für die Delikte
des Angriffs und der einfachen Körperverletzung angemessen zu erhöhen.
Am 1. Januar 2018 sind die neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des
Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts) in Kraft getreten (AS 2016
1249). Der Beschuldigte hat die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten des
revidierten Rechts verübt. Nach Art. 2 Abs. 1 StGB wird nach neuem Recht nur
beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Verbrechen oder Vergehen begangen
hat. Hat der Täter ein Verbrechen oder Vergehen vor Inkrafttreten des neuen
Rechts begangen, erfolgt die Beurteilung aber erst nachher, ist das neue Recht
anzuwenden, wenn es für den Täter milder ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Wie sich
nachfolgend ergibt, ist der Beschuldigte mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe zu
bestrafen. In diesem Bereich erweist sich das neue Recht nicht als milder, wes-
halb das alte Sanktionenrecht anzuwenden ist.
2. Raub
2.1. Tatkomponente
2.1.1. Objektive Tatschwere
Die drei Täter haben bei der Tatausführung bewusst ihre zahlen- als auch kräfte-
mässige Übermacht eingesetzt. Sie haben sich vermummt, was auf ein geplantes
Vorgehen hindeutet. Die getroffenen Vorkehrungen sind jedoch nicht aufwändig,
sodass nicht von einer von langer Hand vorbereiteten Tat auszugehen ist. Die Tat
selber dauerte nur relativ kurze Zeit, die Beute fiel eher gering aus. Verschul-
- 26 -
denserschwerend fällt ins Gewicht, dass zwei Personen geschädigt wurden und
dass ein Messer zum Einsatz kam, was die Bedrohungssituation für die Geschä-
digten vergrösserte. Das Verschulden wiegt in objektiver Hinsicht noch leicht.
2.1.2. Subjektive Tatschwere
Auf der subjektiven Seite liegt direkter Vorsatz vor. Das Tatmotiv war rein finanzi-
eller Natur. Zugunsten des Beschuldigten ist davon auszugehen, dass er nicht die
treibende Kraft war, die Idee zur Tatbegehung vielmehr vom Unbekannten kam.
Der Beschuldigte macht geltend, am Tatabend Alkohol getrunken und sich nur an
der Tat beteiligt zu haben, weil er besoffen gewesen sei (Prot. II S. 14 und S. 19).
Das koordinierte Verhalten des Beschuldigten, indem er den Geschädigten gezielt
abgetastet und diesen zur Herausgabe seiner Sachen aufgefordert hatte, was auf
eine konzentrierte Vorgehensweise hindeutet, spricht allerdings gegen eine Ein-
schränkung seiner Steuerungsfähigkeit im Sinne von Art. 19 StGB aufgrund sei-
nes alkoholisierten Zustandes. Zu seinen Gunsten ist immerhin davon auszuge-
hen, dass die Übernächtigung und sein alkoholisierter Zustand zu einer gewissen
Enthemmung und erhöhten Impulsivität geführt haben mag, was leicht strafmin-
dernd zu berücksichtigen ist. Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 107
S. 8) hat das jugendliche Alter des Beschuldigten respektive dessen jugendliche
Unreife keine Auswirkungen auf das Verschulden (vgl. nachfolgend, Erw.
IV.2.2.1.). Allerdings kann der Gruppendruck unter Jugendlichen den Beschuldig-
ten insofern beeinflusst haben, dass es ihm schwerer gefallen ist, sich von den
anderen am Raub beteiligten Personen respektive dem gesamten Tatvorgehen zu
distanzieren, was zu berücksichtigen ist. Die subjektive Tatkomponente ändert
nichts an der Gesamtbewertung des Verschuldens im Rahmen des qualifizierten
Tatbestandes als noch leicht.
2.1.3. Zwischenfazit
Innerhalb des weiten Strafrahmens von nicht unter einem Jahr bis zu 10 Jahren
Freiheitsstrafe erscheint eine hypothetische Einsatzstrafe von 24 Monaten als der
Tatschwere angemessen.
- 27 -
2.2. Täterkomponente
2.2.1. Persönliche Verhältnisse
Hinsichtlich der persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten kann vorab auf die
Darlegungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 94 S. 39 f.). Der Beschuldig-
te wurde in ... in der Republik Kongo geboren und kam im Alter von 3 Jahren zu-
sammen mit seiner Mutter und seinem Stiefvater in die Schweiz. Er hat fünf Ge-
schwister. Nach Abschluss der Sekundarschule C hat er eine Ausbildung als
Baupraktiker begonnen, jedoch wieder abgebrochen. Mit drei Geschwistern wohnt
er noch immer bei seiner Mutter und dem Stiefvater, die vollumfänglich für seinen
Lebensunterhalt aufkommen. Seit 6 Monaten arbeitet er bei McDonald's am ....
Dort hat er eine Teilzeitstelle. Sein Arbeitspensum ist sehr unterschiedlich, sodass
er monatlich zwischen Fr. 200.– und Fr. 700.– verdient. Der Beschuldigte sucht
eine Lehrstelle im Pflegebereich. Er verfügt über kein Vermögen und hat Schul-
den im Betrage von Fr. 3'000.–. Er ist ledig und hat keine Kinder (Prot. I S. 6 f.;
Prot. II S. 5 ff.).
Entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 94 S. 40) rechtfertigen die persön-
lichen Verhältnisse des Beschuldigten, insbesondere seine Integrationssituation,
keine Strafminderung. Da es sich beim Raub um ein Delikt handelt, dessen Un-
rechtsgehalt und Folgen für die Geschädigten auch für einen jungen Menschen
ohne Weiteres erkennbar sind, erscheint es auch als zu mild, wenn die Vorinstanz
dem Beschuldigten sein jugendliches Alter merklich strafmindernd zugutehält
(Urk. 94 S. 40). Den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten sind keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren zu entnehmen.
2.2.2. Vorleben
Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf, was sich strafzumessungsneutral
auswirkt. Die Delinquenz während hängiger Untersuchung betreffend die Ankla-
gevorwürfe D1 und D3 und relativ kurze Zeit nach der Haftentlassung vom 6. April
2017 (Urk. D1/30/11) fällt deutlich straferhöhend ins Gewicht.
- 28 -
2.2.3. Nachtatverhalten
Der Beschuldigte erklärte sich teilweise geständig, was sich nur leicht strafmin-
dernd auswirkt, da er den Vorwurf in zentralen Punkten (Messereinsatz und Ver-
mummung) bestritt und das Verfahren nicht entscheidend erleichtert hat. Die
Strafminderung infolge des Teilgeständnisses vermag die Straferhöhung infolge
Delinquenz während laufendem Verfahren nicht aufzuwiegen.
2.3. Einsatzstrafe für Raub
Die Einsatzstrafe ist unter Einbezug der Täterkomponente auf 28 Monate zu er-
höhen.
3. Asperation für Angriff und einfache Körperverletzung
Da bereits für den Raub eine Strafe von 28 Monaten angemessen erscheint und
das Verschlechterungsverbot zu beachten ist (Art. 391 Abs. 2 StPO), erübrigen
sich detaillierte Ausführungen zur Strafzumessung betreffend die Delikte des An-
griffs und der einfachen Körperverletzung, da die dafür auszufällende Asperation
zwei Monate deutlich übersteigt. Das Tatverschulden für den Angriff wiegt noch
leicht. Der Beschuldigte schloss sich in einem späten Zeitpunkt dem Angriff an,
hat aber zugeschlagen und damit einen sehr aktiven Beitrag geleistet. In subjekti-
ver Hinsicht liegt Vorsatz vor. Er handelte aus einem Rachemotiv, es ging um ei-
ne Vergeltungsmassnahme, da E._ im Zusammenhang mit der Körperverlet-
zung Anzeige erstattet hatte. Hinsichtlich der Täterkomponente kann auf die Aus-
führungen zum Raub verwiesen werden. Das Geständnis ist strafmindernd zu be-
rücksichtigen, die Delinquenz während hängigem Verfahren straferhöhend. Allein
für den Angriff erscheint eine Asperation um 4 Monate angemessen, was zu einer
Überschreitung der von der Vorinstanz ausgefällten Strafe führt. Auf Ausführun-
gen zur Strafzumessung für die Körperverletzung kann daher verzichtet werden.
Unter Berücksichtigung des Verschlechterungsverbots ist der Beschuldigte daher
mit einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten zu bestrafen unter Anrechnung von
86 Tagen erstandener Haft.
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V. Vollzug
Es kann bezüglich der allgemeinen Voraussetzungen für die Gewährung des teil-
bedingten Strafvollzugs auf die Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 94 S. 41).
Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft und die auszufällende Sanktionshöhe von
30 Monaten erlaubt die Gewährung des teilbedingten Strafvollzugs. Bedenken er-
geben sich bei der Prognosestellung aufgrund der wiederholten Delinquenz des
Beschuldigten während hängiger Untersuchung. Zweifel an einer günstigen Prog-
nose bestehen insbesondere aufgrund des Umstands, dass sich der Beschuldigte
trotz erlittener Untersuchungshaft vom 21. Februar 2017 (Urk. D1 30/2) bis 6. Ap-
ril 2017 (Urk. D1 30/11) kurze Zeit nach der Haftentlassung am Raub vom 10. Ju-
ni 2017 beteiligte. Auf der anderen Seite ist zu beachten, dass der noch sehr jun-
ge Beschuldigte bisher noch nie durch die Ausfällung einer bedingten Sanktion
gewarnt wurde. Er lebt in geordneten familiären Verhältnissen und wird von seiner
Familie unterstützt. Das Verschulden wiegt insgesamt noch leicht.
Unter Berücksichtigung aller dieser Umstände erweist sich die Gewährung des
teilbedingten Strafvollzugs mit einem minimalen vollziehbaren Teil von 6 Monaten
gemäss dem vorinstanzlichen Urteil als mild. Einer Verschärfung der Anordnung
steht jedoch das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2 StPO) entgegen. Der
Vollzug der Freiheitsstrafe ist daher im Umfang von 24 Monaten aufzuschieben
unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren. Im Übrigen (6 Monate abzüglich
86 Tage erstandener Haft) ist die Freiheitsstrafe zu vollziehen.
VI. Landesverweisung
1. Allgemeine Grundsätze
Der Beschuldigte ist (neben der einfachen Körperverletzung) des Raubes und des
Angriffs schuldig zu sprechen. Diese beiden Delikte stellen Katalogtaten dar für
eine obligatorische Landesverweisung gestützt auf Art. 66a Abs. 1 lit. b und lit. c
StGB.
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Von einer obligatorischen Landesverweisung kann gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB
ausnahmsweise abgesehen werden, wenn diese für den Ausländer einen schwe-
ren persönlichen Härtefall bewirken würde und die öffentlichen Interessen an der
Landesverweisung gegenüber den privaten Interessen des Ausländers am Ver-
bleib in der Schweiz nicht überwiegen, wobei der besonderen Situation der Aus-
länder Rechnung zu tragen ist, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen
sind. Vorliegen eines schweren persönlichen Härtefalls und nicht überwiegendes
öffentliches Interesse müssen für einen Verzicht auf die Landesverweisung kumu-
lativ erfüllt sein. Bei der Interessenabwägung können die Kriterien für den Wider-
ruf einer Niederlassungsbewilligung herangezogen werden (BGer 6B_1070/2018
E. 6.2.2.). Ein schwerer persönlicher Härtefall ist in der Regel zu bejahen bei ei-
nem Eingriff von einer gewissen Tragweite in den Anspruch des Ausländers auf
Achtung des Privat- und Familienlebens. Auch junge Erwachsene (wie der Be-
schuldigte), die noch keine eigene Familie gegründet haben, können sich auf
Art. 8 EMRK berufen, sofern eine genügend nahe, echte und tatsächlich gelebte
Beziehung besteht (BGer 6B_1070/2018 E. 6.3.2.). Art. 66a StGB ist EMRK-
konform auszulegen. Die Interessenabwägung im Rahmen der Härtefallklausel
hat sich an der Verhältnismässigkeitsprüfung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu orientie-
ren (BGer 6B_1070/2018 E. 6.3.4.).
2. Anwendung in concreto
2.1. Schwerer persönlicher Härtefall
Der Beschuldigte ist im Alter von drei Jahren zusammen mit seiner Mutter und
seinem Stiefvater in die Schweiz gekommen. Er hat mit Ausnahme der ersten
Jahre als Kleinkind, welche im Zusammenhang mit der Integration in einem Land
von vernachlässigbarer Bedeutung sind, sein ganzes bisheriges Leben in der
Schweiz verbracht und hat hier die Schulen absolviert. Seine Mutter und seine
Geschwister leben in der Schweiz, sein leiblicher Vater in Frankreich. Der Be-
schuldigte lebt zusammen mit drei Geschwistern bei seiner Mutter und dem Stief-
vater, von denen er unterstützt wird. Zu seinem Heimatland hat er keine Bezie-
hung. Weder leben dort Verwandte oder Bekannte noch hat er das Land seit sei-
ner Einreise in die Schweiz je besucht. Der Beschuldigte ist somit in der Schweiz
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verwurzelt und hat hier enge tatsächlich gelebte Beziehungen. Eine Resozialisie-
rung im Heimatland würde sich sehr schwierig gestalten, zumal der junge Be-
schuldigte in einem für ihn völlig fremden Land auf sich alleine gestellt wäre. Die
Vorinstanz kam zutreffend zum Schluss, dass eine Landesverweisung für den
Beschuldigten einen schweren persönlichen Härtefall darstellen würde.
2.2. Interessenabwägung
Dem schwerwiegenden Interesse des Beschuldigten an einem Verbleib in der
Schweiz ist das öffentliche Interesse an einer Landesverweisung gegenüberzu-
stellen. Das öffentliche Interesse ist vorliegend gewichtiger Natur. Der Beschuldig-
te hat gleich zwei Katalogtaten begangen, die in Zusammenhang mit einer Ge-
fährdung der körperlichen Integrität anderer Menschen stehen. Seine mehrfache
Delinquenz während hängiger Untersuchung und kurze Zeit nach Entlassung aus
der Untersuchungshaft lassen Zweifel daran aufkommen, ob er sich durch die vor-
liegende Verurteilung beeindrucken lässt. Allerdings konnte von einer für die Ge-
währung des teilbedingten Strafvollzugs erforderlichen günstigen Prognose aus-
gegangen werden. Mit dem vorliegenden Verfahren wird dem Beschuldigten denn
auch mit letzter Klarheit vor Augen geführt, was für ihn und seine Familie bei er-
neuter Delinquenz auf dem Spiel steht und was eine Landesverweisung für ihn
bedeuten würde. Vor diesem Hintergrund ist die Gefahr für die öffentliche Sicher-
heit aufgrund erneuter Gewalttaten seitens des Beschuldigten nicht als gross zu
bewerten. Das öffentliche Interesse an einer Entfernung des Beschuldigten aus
dem Land wiegt im Vergleich zum schwergewichtigen Interesse des Beschuldig-
ten an einem Verbleib in der Schweiz ungleich weniger schwer, so dass die An-
ordnung einer Landesverweisung nicht mehr dem Verhältnismässigkeitsprinzip
vereinbar erscheint. Das Bundesgericht hat mit Urteil 6B_627/2018 vom 22. März
2019, auf welches auch die Verteidigung zu Recht hingewiesen hat (Urk. 107
S. 14), das Absehen einer Landesverweisung für eine beschuldigte Person bestä-
tigt, welche vollständig in der Schweiz sozialisiert worden war und sich bis zu den
Anlasstaten klaglos verhalten hatte. Diese lebte eingebunden in ihre Familie und
fand dort den für ihre Alterskategorie nötigen Halt. Das Bundesgericht erwog,
dass ein Herausreissen aus der stützenden familiären Struktur und sozialen Um-
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gebung in diesem kritischen jugendlichen Alter zu einer psychischen Destabilisie-
rung und Dissozialisierung führen könne (vgl. Urteil des Bundesgerichtes
6B_627/2018 vom 22. März 2019, E. 1.7). Dies trifft vorliegend ganz klar auch auf
den Beschuldigten zu.
3. Fazit
Die Voraussetzungen für die Härtefallklausel im Sinne von Art. 66 Abs. 2 StGB
sind vorliegend erfüllt. Es ist daher von der Anordnung einer Landesverweisung
abzusehen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Der Beschuldigte obsiegt im Berufungsverfahren mit seinem Antrag betreffend
Absehen von einer Landesverweisung. Dagegen unterliegt er mit seinem Antrag
betreffend Schuldspruch im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB, Sanktionsart, Sankti-
onshöhe und Gewährung des bedingten Strafvollzugs. Ausgangsgemäss sind da-
her die Kosten des Berufungsverfahrens, ausgenommen diejenigen der amtlichen
Verteidigung, zu einem Drittel auf die Gerichtskasse zu nehmen und zu zwei Drit-
teln dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO). Entgegen der Auf-
fassung der Verteidigung sind diese allerdings nicht definitiv abzuschreiben
(Urk. 107 S. 19), da der Beschuldigte aufgrund seines jungen Alters arbeitsfähig
ist und die Möglichkeit besteht, diese Kosten nach Rücksprache in Raten abzube-
zahlen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren in der Hö-
he von Fr. 8'000.– (inkl. Mehrwertsteuer; Urk. 105) sind auf die Gerichtskasse zu
nehmen, vorbehalten bleibt die Rückforderung gegenüber dem Beschuldigten im
Umfang von zwei Dritteln (Art. 135 Abs. 4 StPO).