# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** cea80d6b-98a0-41b6-b645-0911fe8b22ca
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
mehrfache Drohung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, Einzelgericht, vom 21. Juni 2017 (GG170029)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 13. April
2017 (Urk. 15) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 42 S. 35 f.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 80.–, wovon
1 Tagessatz als durch Haft geleistet gilt.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt.
4. Der Anspruch der Privatklägerin auf Schadenersatz in der Höhe von Fr. 1'810.80 zzgl. Zins
von 5 % seit 6. März 2017 wird auf den Zivilweg verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin eine Genugtuung in der Höhe von
Fr. 500.– zzgl. Zins von 5 % seit 1. Januar 2017 (mittlerer Verfall) zu bezahlen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'200.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'600.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem Beschuldigten
auferlegt.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Verfahren eine Pro-
zessentschädigung von Fr. 3'300.– (inkl. 8 % MwSt.) zu bezahlen.
9. (Mitteilung)
10. (Rechtsmittel)"
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Berufungsanträge: (Prot. II S. 5)
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 45 S. 2; Urk. 63 S. 1)
1. Es sei das Urteil vom 21. Juni 2017 (Dispositiv Ziff. 1-3 sowie Ziff. 5-8) auf-
zuheben.
2. Es sei der Beschuldigte von Schuld und Strafe freizusprechen.
3. Es sei ihm eine Entschädigung in der Höhe von Fr. 1'000.– zuzusprechen.
4. Die Kosten des Verfahrens 1. Instanz seien dem Staat aufzuerlegen.
5. Auf die Zivilforderung der Privatklägerin sei nicht einzutreten ev. sei diese
abzuweisen, allenfalls auf den Zivilweg zu verweisen.
6. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich; Urk. 50 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Vermei-
dung von unnötigen Wiederholungen auf die Erwägungen der Vorinstanz im an-
gefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 42 S. 5; Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.2. Gegen das vorstehend wiedergegebene mündlich eröffnete Urteil des Be-
zirksgerichts Bülach, Einzelgericht, vom 21. Juni 2017 (Prot. I S. 20 ff.) meldete
die Verteidigung am 28. Juni 2017 (Datum Posteingang) fristgerecht Berufung an
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(Urk. 35) und reichte nach Zustellung des begründeten Urteils am 12. September
2017 (Urk. 41) – ebenfalls fristgerecht – am 29. September 2017 (Datum Post-
eingang) dem Obergericht die Berufungserklärung ein, wobei die Verteidigung
gleichzeitig Beweisanträge stellte (Urk. 45). Mit Präsidialverfügung vom
2. Oktober 2017 wurde die Berufungserklärung in Anwendung von Art. 400 Abs. 2
und 3 StPO der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft zugestellt, um gegebe-
nenfalls Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung
zu beantragen sowie zu den Beweisanträgen der Verteidigung Stellung zu neh-
men. Gleichzeitig wurde dem Beschuldigten Frist angesetzt, um zu seinen finan-
ziellen Verhältnissen verschiedene Auskünfte zu erteilen und zu belegen
(Urk. 48). Am 5. Oktober 2017 teilte die Staatsanwaltschaft mit, die Bestätigung
des vorinstanzlichen Urteils sowie die Abweisung der Beweisanträge des Be-
schuldigten zu beantragen (Urk. 50). Innert einmal erstreckter Frist (Urk. 52)
reichte der Beschuldigte das ausgefüllte Datenerfassungsblatt sowie weitere Un-
terlagen betreffend seine finanziellen Verhältnisse am 17. November 2017 ein
(Urk. 58 und 59/1-6). Die Privatklägerin liess sich nicht vernehmen.
1.3. Zur heutigen Berufungsverhandlung erschien der Beschuldigte in Beglei-
tung seiner Verteidigung (Prot. II S. 5). Vorfragen waren keine zu entscheiden und
– abgesehen von der Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 62) – auch keine Be-
weise abzunehmen (Prot. II S. 6).
2. Beweisantrag des Beschuldigten
2.1. Im Rahmen der Berufungserklärung stellte die Verteidigung den Antrag, es
seien die Beiständinnen der Tochter des Beschuldigten, B._ und Frau
C._ als Zeuginnen zu befragen (Urk. 45 S. 2). Die Staatsanwaltschaft bean-
tragte die Abweisung der Beweisanträge (Urk. 50 S. 2).
2.2. Mit Präsidialverfügung vom 7. November 2017 wurden die Beweisanträge
abgewiesen mit der Begründung, dass die beiden angerufenen Zeuginnen nichts
zum Inhalt der strittigen Telefongespräche vom 23. Dezember 2016 und 9. Januar
2017 beitragen könnten und auch unerheblich sei, ob die beiden angerufenen
Zeuginnen bestätigen könnten, dass ihnen die von der Privatklägerin angeblich
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der KESB gemachten Mitteilungen zugetragen worden seien oder nicht, weshalb
aufgrund der derzeitigen Beweislage die beantragten Zeugeneinvernahmen nicht
notwendig erscheinen würden (Urk. 54 S. 2). Anlässlich der Berufungsverhand-
lung wurde der Beweisantrag durch die Verteidigung nicht erneuert.
3. Umfang der Berufung
3.1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich gegen den Schuld- und Straf-
punkt, die Zusprechung einer Genugtuung an die Privatklägerin sowie gegen die
Kosten- und Entschädigungsfolgen, nicht aber gegen Dispositiv-Ziffer 4 (Verweis
der Privatklägerin mit ihrem Schadenersatzanspruch auf den Zivilweg) und die
Kostenfestsetzung gemäss Dispositiv-Ziffer 6 (Urk. 45 S. 2; Prot. II S. 6).
3.2. Damit kann festgehalten werden, dass die Dispositiv-Ziffern 4 und 6 nicht
angefochten und somit in Rechtskraft erwachsen sind, was vorab festzustellen ist
(Art. 399 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 402 und 437 StPO). Im übrigen Umfang
steht der angefochtene Entscheid im Rahmen des Berufungsverfahrens unter
Vorbehalt des Verschlechterungsverbotes zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
4. Formelles
4.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
4.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1; BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinweisen). Die Be-
rufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte
beschränken.
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II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
1. Vorbemerkungen zur Beweiswürdigung
1.1. Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es
nach seiner freien aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung als
verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO). Eine strafrechtliche Verurteilung kann
nur erfolgen, wenn die Schuld des Beschuldigten mit hinreichender Sicherheit er-
wiesen ist. Es darf namentlich kein vernünftiger Zweifel darüber bestehen, dass
sich der dem Beschuldigten in der Anklageschrift vorgeworfene Tatbestand tat-
sächlich verwirklicht hat. Dies bedingt, dass das Gericht eine persönliche Gewiss-
heit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn die vorliegenden Beweise objektiv klar auf
eine Schuld des Beschuldigten hindeuten, das Gericht aber persönlich nicht zu
überzeugen vermögen. Allfällige abstrakte theoretische Zweifel sind nicht mass-
gebend, weil solche immer möglich sind und absolute Gewissheit nicht verlangt
werden kann. Es muss ausreichen, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld des
Beschuldigten ausgeschlossen werden können. Allerdings vermag eine blosse
Wahrscheinlichkeit einen Schuldspruch nicht zu begründen. Wenn sich das Ge-
richt nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen weder von der Existenz noch von
der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tatsachen zu überzeugen vermag,
kommt der den Beschuldigten begünstigende Grundsatz "in dubio pro reo" zur
Anwendung. Hat das Gericht also erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel
(d.h. solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrängen), so muss es den
Beschuldigten freisprechen.
1.2. Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf Aussagen von Beteilig-
ten, so sind diese frei zu würdigen. Steht Aussage gegen Aussage, ist anhand
sämtlicher Umstände, die sich aus den Akten ergeben, zu untersuchen, welche
Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt
der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben er-
folgen. Beim Abwägen der Aussagen ist im Besonderen zwischen der Glaub-
würdigkeit einer Person und der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen zu unterscheiden.
Während die erste Grundlage dafür liefert, ob einer Person getraut werden kann,
ist die letztere für die im Prozess massgebende Entscheidung bedeutungsvoll, ob
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sich der Sachverhalt zur Hauptsache so zugetragen hat oder nicht (Hauser, Der
Zeugenbeweis im Strafprozess, Zürich 1974, S. 312 ff.). Grundsätzlich kommt der
Glaubwürdigkeit im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft bei der Aus-
sageanalyse keine wesentliche Bedeutung zu, sondern die Glaubhaftigkeit der
konkreten Aussage, welche durch methodische Analyse ihres Inhalts darauf
überprüft wird, ob die auf ein bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem
tatsächlichen Erleben entspringen. Damit eine Aussage als zuverlässig gewürdigt
werden kann, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein von Realitätskriterien
(BENDER/NACK/TREUER, Tatsachenfeststellung vor Gericht, 4. Auflage 2014,
S. 76 ff.) und umgekehrt auf das Fehlen von Fantasiesignalen (BENDER/NACK/
TREUER, a.a.O., S. 82 f.) zu überprüfen (vgl. Urteil 6B_390/2014 vom 20. Oktober
2014, BGE 133 I 33 E. 4.3.S. 45, BGE 129 I 49).
2. Tatvorwurf der Drohung vom 23. Dezember 2016
2.1. Tatsächliches
2.1.1. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, er habe am 23. Dezember 2016,
nachdem die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde die Tochter des Be-
schuldigten, D._, geb. tt.mm.2010, fremdplatziert habe, in den Kindergarten
angerufen, wo er mit der Kindergartenlehrerin und Privatklägerin E._ gespro-
chen habe. Dabei habe der Beschuldigte ihr gesagt, dass er nicht ruhig bleiben
werde über die Festtage und wisse, wo sie wohne. Diese Aussagen des Beschul-
digten hätten bei der Privatklägerin dazu geführt, dass sie ihres Sicherheitsge-
fühls verlustig gegangen sei und stetig befürchtet habe, dass der Beschuldigte bei
ihr zu Hause auftauchen würde und sie nicht mehr habe schlafen können. Der
Beschuldigte habe diese Folgen mit seinem Tun in Kauf genommen (Urk. 15
S. 2).
2.1.2. Der Beschuldigte sagte anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom
10. Januar 2017 aus, er sei zum Zeitpunkt als er die Nachricht der Fremd-
platzierung erhalten habe, in Lausanne gewesen. Die Nachricht habe ihn auf 200
gebracht. Er sei sehr wütend gewesen, weil alles hinter ihrem Rücken (gemeint:
seinem und dem Rücken seiner Frau) und ohne ihr Wissen geschehen sei. In der
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Wut sage man noch vieles ohne es wirklich zu meinen (Urk. 2 S. 3 F/A 14). Was
er konkret gegenüber der Privatklägerin gesagt hat, dazu wurde er nicht befragt.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass das Vorgehen der Polizei gelinde ausgedrückt unglücklich war. Nicht nur hat sie den Beschuldigten mit Bezug auf
die Privatklägerin nicht zum Vorfall befragt, sondern liess sie überdies sowohl den
Beschuldigten als auch die Privatklägerin durch Wm mbA F._ befragen, wel-
cher den zweiten Anruf des Beschuldigten in den Kindergarten entgegen genom-
men hat und gegenüber welchem der Beschuldigte Äusserungen mit bedrohli-
chem Inhalt geäussert haben soll. Es stellt sich deswegen die Frage nach einem
Ausstand.
Die Ausstandsgründe von Art. 56 StPO können, wie sich nur schon aus Art. 59
Abs. 1 lit. a StPO ergibt, nämlich auch gegen Polizeibeamte geltend gemacht
werden. Die in einer Strafbehörde tätige Person darf in eigener Sache weder er-
mitteln noch entscheiden. Ist die Person an einem Strafverfahren, z.B. als Opfer
oder Geschädigte direkt beteiligt, ist sie aufgrund der Interessenkollision vom Ver-
fahren von vorneherein ausgeschlossen. Erforderlich ist ein ableitbares erheb-
liches eigenes Interesse und eine spürbare persönliche Beziehungsnähe zum
Streitgegenstand (BSK StPO-BOOG, Art. 56 N 14 f.). Bei gravierenden Fällen stellt
sich die Frage der Nichtigkeit der Amtshandlung, ansonsten sind Amtshandlungen
gemäss Art. 60 Abs. 1 StPO bloss anfechtbar (BSK StPO-BOOG, Art. 60 N 3).
Nach Art. 57 StPO hat eine in einer Strafbehörde tätige Person, bei welcher ein
Ausstandsgrund vorliegt, dies rechtzeitig der Verfahrensleitung mitzuteilen. Die
Pflicht zur Mitteilung besteht nicht nur, wenn klarerweise ein Ausstandsgrund vor-
liegt, sondern auch wenn blosse Anhaltspunkte dafür bestehen, dass ein solcher
gegeben sein könnte. Grundsätzlich sind aber Ausstandsgründe nach dem Sinn
von Art. 56 ff. StPO von Amtes wegen in jedem Verfahrensstadium zu beachten.
Die Ausstandspflicht besteht m.a.W. auch dann, wenn die Parteien die behörd-
liche Unabhängigkeit selber nicht in Frage stellen oder auf die Geltendmachung
der Ausstandspflicht verzichten (BSK StPO-BOOG, Art. 56 N 6).
Gemäss Angaben des Polizisten F._ habe der Beschuldigte ihm gegenüber
unterschwellige Aussagen gemacht. Der Beschuldigte habe zu verstehen gege-
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ben, dass man sehen werde, was passieren würde. Auf die Frage, was er damit
genau meine, habe der Beschuldigte gesagt, dass wir nun abwarten und sehen
müssten und er über die Festtage sicherlich nicht untätig in seinen vier Wänden
sitzen bleibe (Urk. 1 S. 4). Zunächst richtete sich die Untersuchung, was den
23. Dezember 2017 angeht, denn auch nur auf diese Aussagen. Eine Drohung
gegenüber der Privatklägerin wurde in den Einvernahmen vom 10. Januar 2017
durch Polizei und Staatsanwaltschaft nicht thematisiert. Vielmehr stand zunächst
nur der Vorwurf einer Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im
Raum (vgl. Urk. 3 S. 2). Nur als Klammerbemerkung sei hier erwähnt, dass dieses
Verfahren bis heute weder formell eröffnet wurde, was aufgrund von Art. 309
Abs. 1 lit. b StPO zwingend notwendig gewesen wäre, noch wurde dieses Verfah-
ren vor Anklageerhebung eingestellt. In diesem Verfahren wäre der Polizist als
Zeuge zu befragen gewesen, was mit ziemlicher Sicherheit den Ausstandsgrund
gemäss Art. 56 lit. b StPO erfüllt hätte. Eine solche Zeugeneinvernahme hat aber
nie stattgefunden, weswegen "eine Tätigkeit in der gleichen Sache" zu verneinen
ist. Ob aus anderen Gründen von einer Befangenheit des Polizisten auszugehen
ist, kann offen bleiben, weil – wie noch zu zeigen sein wird – in der vorliegenden
Sache aus anderen Gründen ein Freispruch erfolgt.
Anlässlich der Hafteinvernahme 10. Januar 2017 machte der Beschuldigte eben-
falls keine konkreten Angaben zum Inhalt des Telefongesprächs mit der Privat-
klägerin vom 23. Dezember 2016, wurde er doch wiederum hierzu nicht befragt
(Urk. 3 S. 2 f.).
Bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. März 2017 gab der Be-
schuldigte mit den Aussagen der Privatklägerin konfrontiert zu Protokoll, dass er
die Presse habe informieren wollen. Das sei das Einzige gewesen, was er gesagt
habe. Die Kinder hätten ihm nichts zu Leide getan, es gäbe keinen Grund, wes-
halb er sie bedrohen sollte. Das sei "birreweich" (Urk. 4 S. 2 F/A 4). Er habe die
Privatklägerin nur gefragt, "was sie da mache" und die Privatklägerin habe dann
aufgelegt. Er habe dann nochmals angerufen, dann sei der Polizist ans Telefon
gegangen. Er wisse nicht, weshalb die Privatklägerin ihn zu Unrecht belasten soll-
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te. Er habe lediglich das mit der Presse gesagt, das sei aber keine Drohung
(Urk. 4 S. 3 F/A 6).
Anlässlich der Hauptverhandlung sagte der Beschuldigte aus, der ihm gemachte
Vorwurf stimme nicht. Er habe am Morgen des 23. Dezember 2016 mit der Privat-
klägerin telefoniert. Er könne sich gut daran erinnern. Seine Frau habe ihm telefo-
niert und gesagt, dass die KESB und die Polizei im Kindergarten ihre Tochter ab-
geholt hätten. Dann habe er die Privatklägerin angerufen. Beim ersten Mal habe
sie gleich wieder aufgelegt. Beim zweiten Mal habe Herr F._ das Telefon
entgegengenommen. Er habe die Privatklägerin gefragt, was sie da für einen
"Seich" mache; was sie da mache. Dann habe sie aufgelegt. Er habe nicht mehr
sagen können, sie habe schon aufgelegt gehabt. Er sei aufgewühlt und traurig
gewesen. Die Privatklägerin habe kein Wort bzw. keinen Ton gesagt, sondern
gleich aufgelegt (Prot. I S. 8 f.).
An der heutigen Berufungsverhandlung sagte der Beschuldigte aus, er habe nicht
viel sagen können. Die Privatklägerin habe den Anruf entgegen genommen und
sie hätten sich gegenseitig vorgestellt. Dann habe er gesagt, was sie da für einen
"Seich" mache. Dann habe die Privatklägerin aufgelegt. Er habe nochmals ange-
rufen und der Polizist F._ habe den Anruf entgegen genommen. Er habe we-
gen D._ angerufen und ob man noch was retten könne. Er habe nicht zur
Privatklägerin gesagt, dass er nicht ruhig bleiben werde über die Festtage und
dass er wisse, wo sie wohne. Er habe nie gesagt, dass er wisse, wo die Privat-
klägerin wohne. Die Aussagen der Privatklägerin würden nicht stimmen (Urk. 62
S. 4 f. und 10)
2.1.3. Die Privatklägerin sagte bei der polizeilichen Einvernahme vom 9. Januar
2017 aus, sie habe vom Beschuldigten am 23. Dezember 2016 zwei Anrufe in
den Kindergarten bekommen. Das erste Telefonat habe sie noch mit dem Be-
schuldigten geführt, das zweite Telefonat habe sie der Polizei übergeben. Beim
ersten Telefon, welches sie geführt habe, habe der Beschuldigte nur zu ihr ge-
sagt, "was sie [ich] wieder angestellt habe". Sie sei völlig perplex gewesen und
habe keine Antwort geben können. Sie habe nicht gewusst, wie sie reagieren soll
und habe das Telefon aufgehängt. Kurz danach habe er wieder angerufen (Urk. 5
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S. 1 F/A 4). Sie habe sich zwischen Weihnachten und Neujahr, bis Schulbeginn,
nicht wohl gefühlt. Sie habe ein mulmiges Bauchgefühl gehabt (Urk. 5 S. 2 F/A 6).
Sie sei durch die Aussagen des Beschuldigten schockiert gewesen und habe
Angst bekommen. Sie habe nicht gewusst, wie die Aussagen am Telefon zu wer-
ten gewesen seien. Sie habe sich selber beobachten können, wie sie sich immer
wieder um- und zur Seite geschaut habe, wenn sie sich nicht im Schulzimmer be-
funden habe (Urk. 5 S. 2 F/A 7).
An der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. März 2017 sagte die Privat-
klägerin zu Beginn aus, sie erinnere sich an die polizeiliche Befragung, sie habe
bei der polizeilichen Einvernahme die Wahrheit gesagt (Urk. 6 S. 3 f. F/A 13 f.).
Der Beschuldigte habe ihr am 23. Dezember 2016 gesagt, er wisse, wo sie wohne
und dass sie es spüren werde. Nachher seien die Weihnachtsferien gewesen.
Das sei keine schöne Zeit gewesen. Er habe auch damals gesagt, dass er die
Medien, also Telezüri, vorbeischicken werde (Urk. 6 S. 4 F/A 18). Das erste Tele-
fon sei am 23. Dezember 2016, 9:15 Uhr, gewesen. Der Beschuldigte habe ihr
angerufen und sie habe den Hörer abgehoben. Als das Telefon geklingelt habe,
habe sie nicht damit gerechnet, dass es der Beschuldigte sei. Sie sei innerlich
recht aufgewühlt gewesen. Sie habe das Telefon auf die Seite gelegt und aufge-
legt. Sie sei sprachlos gewesen. Dann habe es nochmals geklingelt. Sie habe
gewusst, dass es der Beschuldigte sei. Sie habe das erahnt. Sie habe den Hörer
abgehoben und ihn den anderen Leuten hingehalten. Einer der Polizisten habe
ihn dann genommen und mit dem Beschuldigten gesprochen (Urk. 6 S. 5 F/A 21).
Auf den Beginn des Gesprächs angesprochen, sagte die Privatklägerin aus, er
habe angerufen und gesagt, was ihr einfalle. Sie hätte die Familie zerstört und
habe gesagt, warum sie wisse, dass das Kind (gemeint D._) leichtbekleidet
gewesen sei. Dann habe er wieder den Alkoholismus erwähnt. Seine Frau habe
sich immer gut um das Kind gekümmert. Er habe gefragt, warum sie das gemacht
habe, dass jetzt die Fremdplatzierung gemacht worden sei. Wo das Kind jetzt sei.
Dazu habe sie ihm keine Auskunft gegeben. Er habe gesagt, er werde nicht ruhig
bleiben über die Festtage. Er werde auch die Medien informieren. Er habe auch
gesagt, dass er wisse, wo sie wohne (Urk. 6 S. 5 F/A 22). Sein Ton sei viel ener-
gischer, viel wütender gewesen, "so aufbrausend". Man habe ihn gar nicht unter-
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brechen können, er sei richtig in Fahrt gewesen (Urk. 6 S. 6 F/A 23). Er sei ihr
richtig nahe gegangen in den Ferien. In der Dunkelheit, wenn sie ein Geräusch
gehört habe, habe sie sich überlegt, ob er nun komme (Urk. 6 S. 6 F/A 24). Sie
habe konkret befürchtet, dass er komme und ihr (wohl: etwas) ins Gesicht sage,
die Konfrontation. Sie wisse nicht, wie berechenbar er sei. Er habe auch schon El-
terngespräche gehabt, in denen der Beschuldigte nach Alkohol gerochen habe.
Die Polizei habe ebenfalls gesagt, dass man vom Schlimmsten ausgehen müsse
(Urk. 6 S. 6 F/A 25 f.). In ihrem Verhalten habe sie der Vorfall nicht beeinflusst,
auch gegenüber den Kindern nicht. Sie sei nach wie vor gerne im Beruf (Urk. 6
S. 8 F/A 36). Sie sei einfach unsicherer geworden. Sie habe auch Unterstützung
bekommen. Sie seien seit dem 9. Januar 2017 immer zu zweit im Kindergarten
gewesen bis zu den Sportferien. Wenn sie schwimmen gehen würden, würden sie
beim Haus des Beschuldigten vorbeikommen und da begleite sie immer der
Hausabwart, damit sie nicht alleine sei. Wenn das Telefon klingle, denke sie im-
mer, dass er es sein könne. Das sei vor allem in der Weihnachtszeit gewesen. Sie
habe die Nummer sperren lassen, dann sei es besser gewesen. Das Schlafen
und die Nächte allgemein seien sehr schlimm gewesen. Sie habe nicht schlafen
können. Das Ganze sei immer wieder heraufgekommen. Sie habe aber keine
Medikamente genommen. Sie habe eine Psychologin beansprucht (Urk. 6 S. 8 f.
F/A 37). Sie sagte weiter aus, der Vorfall gehe ihr noch nach, auch als sie die Vor-
ladung erhalten habe, habe sie sich gefragt, was noch alles geschehe (Urk. 6 S. 9
F/A 41).
2.1.4. Gemäss dem Auszug der Verbindungen mit der Mobiltelefonnummer
... (Nummer des Beschuldigten) wurde von dieser am 23. Dezember 2016,
9:32.22 Uhr, die Nummer 1811 angewählt. Weiter wurde am 9:34.39 für
28 Sekunden eine Verbindung zur Nummer ... (Nummer des Kindergartens der
Privatklägerin) aufgebaut. Am 9:36.07 wurde mit derselben Nummer eine Verbin-
dung für 4 Minuten und 8 Sekunden aufgebaut (Urk. 31 S. 1 f.).
2.1.5. Die Verteidigung des Beschuldigten machte vor der Vorinstanz zusammen-
gefasst geltend, der Beschuldigte habe am 23. Dezember 2016 in den Kindergar-
ten angerufen, um mit der Privatklägerin zu sprechen. Er habe sie in etwa gefragt:
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"Was haben Sie denn wieder gemacht." Ohne dass er ihr irgendetwas Weiteres
hätte sagen können, habe die Privatklägerin aufgelegt. Inklusive Begrüssung ha-
be dieses Gespräch gerademal 28 Sekunden gedauert. Dass es zu keiner schwe-
ren Drohung gekommen sei, welche diese in Angst und Schrecken versetzt habe,
zeige sich daran, dass diese zu diesem Zeitpunkt keinerlei Veranlassung gesehen
habe, irgendwelche Hilfe zu holen. Die Privatklägerin habe bei der Polizei ausge-
sagt, der Beschuldigte habe zu ihr nur gesagt, was sie wieder angestellt habe. Zu
Beginn der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme habe sie gesagt, dass sie bei
der Polizei die Wahrheit gesagt habe. Sie habe dann aber plötzlich ausgeführt,
dass er auch gesagt habe, dass er wisse, wo sie wohne und dass sie es spüren
werde. Noch später habe die Geschichte dann wieder eine erweiterte Dimension.
Der Beschuldigte habe gesagt, sie hätte die Familie zerstört und habe gesagt, wa-
rum sie wisse, dass das Kind leicht bekleidet gewesen sei. Er habe Alkoholismus
erwähnt. Seine Frau habe sich immer gut gekümmert um das Kind. Er habe ge-
fragt, warum sie das gemacht habe. Wo das Kind sei. Er werde nicht ruhig bleiben
über die Festtage. Er werde auch die Medien informieren. Er habe auch gesagt,
dass er wisse, wo sie wohne. Dies seien ganz andere Aussagen als die bei der
Polizei gemachten und die insbesondere deckungsgleich seien mit den Aussagen
des Beschuldigten und der Aktenlage. Das Telefonat am 23. Dezember 2016 mit
der Privatklägerin habe 28 Sekunden gedauert und in diesen 28 Sekunden habe
der Beschuldigte nichts anderes gesagt, als was sie denn wieder angestellt habe.
Für den Vorwurf der Staatsanwaltschaft würden die Akten nichts hergeben
(Urk. 32 S. 2 ff.).
2.1.6. Die Vorinstanz hat erwogen, dass der Beschuldigte hinsichtlich des Tele-
fongesprächs zwischen ihm und der Privatklägerin vom 23. Dezember 2016 vor-
bringe, er habe ausser der Frage, was sie da für einen Seich mache, nichts zur
Privatklägerin sagen können, da habe diese auch schon aufgelegt. Die Privatklä-
gerin habe bei der Polizei zunächst zwar ebenfalls ausgesagt, der Beschuldigte
habe nur das gesagt, habe in der gleichen Einvernahme in der Folge aber ge-
schildert, den Schulleiter informiert und mit ihm für den ersten Tag nach den
Weihnachtsferien Vorkehrungen getroffen zu haben und sehr verängstigt und
verunsichert gewesen zu sein. Es treffe damit nicht zu, dass, wie es die Vertei-
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digung vorbringe, die Darlegungen der Privatklägerin im Verlauf des Verfahrens
immer dramatischer geworden seien. Sollte der Beschuldigte der Privatklägerin
nur diese kurze (rhetorische) Frage gestellt haben, und diese sogleich aufgelegt
haben, so erscheint die Dauer dieses Telefonats von 28 Sekunden dafür zu lang.
Bedenke man dabei noch, dass die Privatklägerin vom Telefonanruf überrascht
und perplex gewesen sei und nicht gewusst habe, wie sie reagieren sollte bzw.
dass die Privatklägerin den wütenden Beschuldigten nicht habe unterbrechen
können – der Beschuldigte selber habe ausgesagt, die Privatklägerin habe kein
Wort gesagt –, müsse der Beschuldigte zur Privatklägerin einiges Mehr gesagt
haben. Es sei naheliegender, dass der Beschuldigte gegen die Privatklägerin we-
gen der Fremdplatzierung seiner Tochter Vorwürfe erhob, so wie es die Privat-
klägerin in ihrer zweiten Einvernahme auch geschildert habe. Der Beschuldigte
selber habe angegeben, er habe nochmals angerufen, weil er keine Antwort er-
halten habe, was bedeute, dass er sich auf seine Äusserungen hin ungehört ge-
fühlt habe. Es sei die persönliche Situation des Beschuldigten an diesem Morgen
vor Augen zu halten, der, eben von der Fremdplatzierung seiner Tochter erfahren,
verärgert gewesen sei vom überraschenden Vorgehen der KESB am letzten Tag
vor den Weihnachtsferien, in den Kindergarten angerufen habe und dabei die Pri-
vatklägerin erreicht habe, welche aufgrund ihrer Beobachtungen mit einer Ge-
fährdungsmeldung an die KESB gelangt sei. Unstrittigerweise habe sich der Be-
schuldigte im kurz darauffolgenden zweiten Telefonat gegenüber dem Polizisten
mit ähnlichem Wortlaut geäussert, was dieser unterschwellig als Drohungen ver-
standen habe. Es sei angesichts dieses erstellten zweiten Telefonats des Be-
schuldigten lebensfremd anzunehmen, der Beschuldigte habe beim unmittelbar
vorangegangenen Telefongespräch mit der Privatklägerin – vor dem Hintergrund
seiner zu diesem Zeitpunkt vorliegenden persönlichen Situation – ihr gegenüber
keine Worte verwendet, die diese erschrecken oder ängstigen könnten. Wenn die
Verteidigung vorbringe, der Beschuldigte könne anlässlich dieses Telefonats gar
keine schwere Drohung gegenüber der Privatklägerin ausgesprochen haben, da
diese zu diesem Zeitpunkt keinerlei Veranlassung gesehen habe, Hilfe zu holen
respektive die getroffenen Vorsichtsmassnahmen seien vom Polizisten F._
veranlasst worden, sei dem zu widersprechen. Die Privatklägerin habe in ihrer
- 15 -
ersten polizeilichen Befragung bei der Polizei angegeben, den Schulleiter infor-
miert und mit ihm vereinbart zu haben, er würde am ersten Schultag nach den
Weihnachtsferien in den Kindergarten kommen. Weiter habe die Privatklägerin
ausgesagt, sie habe sich an die Polizei gewendet, die ihr dann geholfen habe.
Sollte der Beschuldigte der Privatklägerin nicht gedroht haben – so die Vorinstanz
weiter –, so stelle sich die Frage, weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten
fälschlicherweise einer Straftat bezichtigen sollte. Der Beschuldigte, der in den
Einvernahmen angegeben habe, eigentlich kein Problem mit der Privatklägerin
gehabt zu haben, gehe selber auch nicht davon aus, dass diese ihn durch die fal-
schen Angaben wirklich direkt habe schädigen, sondern indirekt der Tochter
D._ habe helfen wollen. Dies überzeuge nicht. Im Zeitpunkt des Telefon-
gesprächs am 23. Dezember 2016 sei die Fremdplatzierung bereits beschlossen
gewesen und im Begriff gewesen, eben vollzogen zu werden. Die KESB habe be-
reits sehr schnell gehandelt. Es sei nicht ersichtlich, wie die Privatklägerin durch
eine Falschbezichtigung das Vorgehen der KESB noch hätte bestärken oder was
sie daran noch hätte beschleunigen können. Es sei kein Grund auszumachen,
weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten derart schwer belasten sollte.
Es sei zwar hinsichtlich des genauen Wortlauts der angeklagten Drohung einzu-
räumen, dass die Privatklägerin diese erst in ihrer zweiten Einvernahme bei der
Staatsanwältin geschildert habe. Indessen sei sie da auch erstmals hierzu befragt
worden. Die diesbezüglichen Aussagen seien jedoch schlüssig und würden in die
Situation passen, in der sich der Beschuldigte – und auch die Privatklägerin – an
jenem Morgen befunden hätten. Der Beschuldigte habe ihr gegenüber zunächst
Vorwürfe erhoben und dann gesagt, er würde nicht ruhig bleiben über die Fest-
tage, er würde die Medien informieren und er wisse, wo sie wohne. Dabei sei der
Beschuldigte sehr aufgebracht, energisch und wütend gewesen. Es sei wenig
wahrscheinlich, dass, wie es die Verteidigung vorbringe, der Beschuldigte gegen-
über der Privatklägerin nicht mit den Medien gedroht haben soll, wenn er sich
unmittelbar zuvor die Telefonnummer von Telezüri besorgt habe. Habe der Be-
schuldigte zunächst noch behauptet, die Adresse der Privatklägerin nicht zu ken-
nen und lediglich zu wissen, sie wohne in G._, habe er später eingeräumt,
- 16 -
deren Adresse vom Telefonalarm her zu kennen. Die Privatklägerin habe in ihren
Aussagen ihre Empfindungen geschildert (etwa: "ich war innerlich recht aufge-
wühlt. Ich wollte nur das Beste für das Kind"), hinterfrage während der Einver-
nahme ihr Vorgehen und zeige sich kritisch gegenüber dem Vorgehen der KESB.
Die Aussagen der Privatklägerin seien daher insgesamt glaubhaft.
Die Vorinstanz schloss, es bestünden in Anbetracht der persönlichen Situation, in
der sich der Beschuldigte am Morgen des 23. Dezember 2016 befunden habe,
nachdem er mit der Fremdplatzierung seiner Tochter vor den Weihnachtstagen
überrascht worden sei, keine wesentlichen Zweifel daran, dass er der Privatkläge-
rin gegenüber anlässlich des Telefongesprächs am 23. Dezember 2016 Vorwürfe
erhoben und dabei gesagt habe, er würde nicht ruhig bleiben über die Festtage
und wissen, wo sie wohne. Im unmittelbar darauffolgenden Telefongespräch habe
sich der Beschuldigte ja auf ähnliche Art und Weise geäussert. Es sei kein Grund
ersichtlich, weshalb die Privatklägerin den Beschuldigten fälschlicherweise einer
Straftat bezichtigen sollte (Urk. 42 S. 9 ff.).
2.1.7. Aufgrund der Aktenlage ergibt sich in tatsächlicher Hinsicht, dass der Be-
schuldigte am Morgen des 23. Dezember 2016, jedoch nicht am 8:15 Uhr wie in
der Anklage vorgeworfen, sondern erst am 9:34 Uhr, der Privatklägerin in den
Kindergarten angerufen hat und für 28 Sekunden mit dieser telefoniert hat
(vgl. Urk. 31 S. 2). Was nun aber während diesen 28 Sekunden alles gesagt wur-
de, so insbesondere ob der Beschuldigte der Privatklägerin gesagt hat, dass er
nicht ruhig bleiben werde über die Festtage und wisse, wo sie wohne, lässt sich
entgegen der Vorinstanz nicht mit rechtsgenügender Sicherheit erstellen. Auch
wenn das Telefonat immerhin 28 Sekunden gedauert hat, so lässt sich dem Be-
schuldigten nicht widerlegen, dass er nur gerade diesen einen Satz (was sie da
wieder für einen "Seich" mache) zur Privatklägerin gesagt hat. Die Privatklägerin
selber führte aus, sie habe das Telefon auf die Seite gelegt und aufgelegt (Urk. 6
S. 5. Antwort 21). Auch bei der Polizei sprach die Privatklägerin am 9. Januar
2017 nur davon, dass der Beschuldigte zu ihr gesagt habe "was ich wieder ange-
stellt habe" (Urk. 5 S. 1 Antwort 4). Aufgrund des ungeschickten Vorgehens der
- 17 -
Polizei ist letztlich auch nicht klar, was der Beschuldigte zur Privatklägerin und
was zum Polizeibeamten F._ sagte.
Nicht gefolgt werden kann der Vorinstanz, dass unstrittig sei, dass sich der Be-
schuldigte im zweiten Telefonat gegenüber dem Polizisten mit ähnlichem Wortlaut
geäussert habe, was dieser unterschwellig als Drohungen verstanden habe
(Urk. 42 S. 10). Der Beschuldigte bestätigte bei der Polizei lediglich, dass er auch
dem Polizisten gegenüber unterschwellige Bemerkungen geäussert habe. Aller-
dings relativiert er dies gerade anschliessend, mit den Worten, "wenn sie es
sagen" und führt weiter aus, er könne sich nicht daran erinnern (Urk. 2 S. 3
F/A 13 f.). Anlässlich der Hafteinvernahme erklärte er schliesslich, dass er gegen-
über dem Polizisten gesagt habe, sie würden sehen, was passiere. Er werde über
die Festtage sicherlich nicht untätig in seinen vier Wänden sitzen bleiben (Urk. 3
S. 2 F/A 5). Zwar wird mit dieser Aussage ein gewisses Verhalten angekündigt,
allerdings erweist sich deren Inhalt als mehrdeutig, was ja schliesslich auch der
Polizist zum Ausdruck brachte, indem er gegenüber dem Beschuldigten sagte,
man könne das auch als Drohung verstehen. Zwingend ist dies gerade nicht.
Vielmehr kann der Beschuldigte damit auch zum Ausdruck gebracht haben wol-
len, dass er sich zeitnah mit Rechtsmitteln oder Ähnlichem, z.B. eben durch die
Information der Medien, gegen die Fremdplatzierung seiner Tochter zur Wehr
setzen möchte. Nicht zwingend ist darin sodann eine Bestätigung dafür zu sehen,
dass der Beschuldigte anlässlich des ersten Telefonats mit der Privatklägerin eine
Drohung ausgesprochen hat, geschweige denn konkret gesagt hat, dass er nicht
ruhig bleiben werde über die Festtage und wisse, wo sie wohne. Nur weil sich der
Beschuldigte während des zweiten Telefongesprächs allenfalls gegenüber dem
Polizisten entsprechend ausgedrückt hat, heisst das nicht automatisch, dass er
ähnliche Worte gegenüber der Privatklägerin benutzt hätte. Nicht richtig ist es
deshalb, wenn die Vorinstanz schliesst, dass es lebensfremd sei anzunehmen,
der Beschuldigte habe beim ersten Gespräch gegenüber der Privatklägerin keine
Worte verwendet, die diese erschrecken oder ängstigen könnten.
Wenn die Vorinstanz dann weiter aus den getroffenen Vorsichtsmassnahmen den
Schluss zieht, dass anlässlich des Telefonats eine Drohung ausgesprochen wor-
- 18 -
den sei, so kann ihr darin ebenfalls nicht gefolgt werden. Offenbar hat die Polizei
der Privatklägerin gesagt, "dass man vom Schlimmsten ausgehen müsse" (Urk. 6
S. 6 F/A 26). Es ist nicht auszuschliessen, dass die Privatklägerin gerade und erst
dadurch verängstigt wurde und sich zu weitergehenden Vorsichtsmassnahmen
veranlasst sah. So ist eine solche Aussage der Polizei, auf deren Angaben man
sich diesbezüglich doch zu verlassen pflegt, durchaus geeignet, eine allenfalls
bestehende Verunsicherung weiter zu verstärken oder eine solche gar erst zu be-
gründen. Jedenfalls ist der Konnex nicht derart eindeutig, wie ihn die Vorinstanz
gesehen hat, so dass daraus nicht der Schluss gezogen werden muss, anlässlich
des ersten Telefonats mit der Privatklägerin sei es zur spezifischen zur Anklage
gebrachten Äusserung gekommen.
Gleichzeitig erweist sich das Aussageverhalten der Privatklägerin, was das Tele-
fongespräch vom 23. Dezember 2016 angeht, nicht kohärent. So sagte sie an-
lässlich der ersten polizeilichen Einvernahme vom 9. Januar 2017, dass der Be-
schuldigte nur zu ihr gesagt habe, "was sie [ich] wieder angestellt habe". Sie sei
dann perplex gewesen, habe nicht gewusst, wie sie reagieren sollte und habe
aufgelegt (Urk. 5 S. 1 F/A 4). Später in der Einvernahme spricht sie dann von
Aussagen, durch welche sie schockiert gewesen sei, sie Angst bekommen habe
und nicht wusste, wie die Aussagen am Telefon zu werten wären (Urk. 5 S. 2
F/A 7). Zum einen spricht die Privatklägerin somit im Gegensatz zum Beginn der
Einvernahme statt von einer plötzlich von einer Mehrzahl von Aussagen, zum an-
deren konkretisiert sie den Inhalt dieser Aussagen auch nicht weiter. Kommt hin-
zu, dass sich auch aus dem Polizeirapport vom 11. Januar 2017 keinerlei Hin-
weise ergeben, dass es am 23. Dezember 2016 zu Drohungen gegenüber der
Privatklägerin gekommen ist, obwohl sich zu diesem Zeitpunkt sogar Polizei-
beamte im Kindergarten aufgehalten haben und nicht einmal zwei Minuten später
das zweite Telefon mit dem Beschuldigten geführt haben (Urk. 1 S. 3 f.; Urk. 31
S. 2). Rapportiert wurde nur wegen des Vorfalls vom 9. Januar 2017 (Urk. 1 S. 1).
Bei lebensnaher Betrachtung ist doch anzunehmen, dass die Privatklägerin be-
reits am Morgen des 23. Dezember 2016 den anwesenden Polizisten vom dro-
hendem Inhalt ihres Telefongesprächs erzählt hätte, wenn tatsächlich diese Worte
benutzt worden wären bzw. wenn sie durch die Worte des Beschuldigten dann
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auch tatsächlich derart in Schrecken versetzt worden wäre. Dieser Umstand wäre
dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch rapportiert worden. Dass sich dem
Rapport nichts dergleichen entnehmen lässt, weist darauf hin, dass die Beschul-
digte sich durch das Telefonat mit dem Beschuldigten nicht derart bedroht fühlte.
Das gewonnene Bild wird auch durch die Hafteinvernahme vom 10. Januar 2017
bestätigt, anlässlich welcher dem Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Vor-
fall vom 23. Dezember 2016 "nur" eine Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte vorgeworfen wurde (Urk. 3 S. 2 F/A 5). Eine Drohung gegenüber der Pri-
vatklägerin war kein Thema. Erst anlässlich der Einvernahme durch die Staats-
anwaltschaft am 8. März 2017 gab die Privatklägerin dann zu Protokoll, der Be-
schuldigte habe schon am 23. Dezember 2016 gesagt, dass er wisse, wo sie
wohne und sie es spüren werde. Er habe auch damals schon gesagt, dass er die
Medien vorbeischicken werde (Urk. 6 S. 4 F/A 18). Er habe zuerst gesagt, was ihr
einfalle. Sie hätte die Familie zerstört und habe gesagt, warum sie wisse, dass
das Kind leichtbekleidet gewesen sei. Dann habe er den Alkoholismus erwähnt.
Seine Frau habe sich immer gut gekümmert um das Kind. Er habe gefragt, warum
sie das gemacht habe. Dass jetzt die Fremdplatzierung gemacht worden sei, wo
das Kind jetzt sei. Er habe gesagt, er werde nicht ruhig bleiben über die Festtage.
Er werde auch die Medien informieren (Urk. 6 S. 5 F/A 22). Diese Angaben ste-
hen nicht nur im Widerspruch zu ihrer bei der Polizei gemachten Aussage, welche
sie zu Beginn der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme noch als richtig bestätig-
te (Urk. 6 S. 4 F/A 14), sondern das Gespräch kann sich auch tatsächlich nicht so
zugetragen haben. Die Verbindung dauerte nur gerade 28 Sekunden. Es ist mit
der Verteidigung (Urk. 63 S.9) selbst bei schneller, erregter Sprechweise schlicht
nicht möglich, dass der Beschuldigte dies in der kurzen Zeit alles gesagt hat, ge-
schweige denn dass die Privatklägerin dies dann auch gehört hat, sagte diese
doch selber aus, sie habe das Telefon zuerst noch auf die Seite und dann erst
aufgelegt (Urk. 6 S. 5 F/A 21). Sie hat deshalb nicht einmal die ganzen
28 Sekunden, während welcher die Verbindung aufgebaut war, dem Beschuldig-
ten zugehört. Allenfalls hat hier die Privatklägerin unbewusst Inhalte der beiden
Anrufe vom 23. Dezember 2016 und dem 9. Januar 2017 miteinander vermischt.
Jedenfalls ist mit der Vorinstanz kein Grund erkennbar, weshalb die Privatklägerin
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den Beschuldigten zu Unrecht belasten sollte. Dieser Umstand ändert jedoch
nichts an der Tatsache, dass sich die Angaben der Privatklägerin mit Bezug auf
das Telefonat vom 23. Dezember 2016 als zu unsicher erweisen, um auf diese
abzustellen zu können.
2.1.8. Aufgrund des Gesagten erhellt, dass sich nicht mit rechtsgenügender Si-
cherheit erstellen lässt, dass der Beschuldigte der Privatklägerin gesagt hat, dass
er nicht ruhig bleiben werde über die Festtage und wisse, wo sie wohne. Der Be-
schuldigte ist "in dubio pro reo" vom Vorwurf der Drohung am 23. Dezember 2016
freizusprechen.
3. Tatvorwurf der Drohung vom 9. Januar 2017
3.1. Tatsächliches
3.1.1. Dem Beschuldigten wird weiter vorgeworfen, er habe zur Privatklägerin am
9. Januar 2017 am Telefon gesagt, dass er wisse, wo sie wohne und dass sie und
die anderen Kindergartenschüler es spüren würden. Durch diese Aussage sei die
Privatklägerin, die sich als Lehrerin für ihre Kindergartenschüler verantwortlich ge-
fühlt habe, in Angst versetzt worden, zumal sie befürchtet habe, dass der Be-
schuldigte plötzlich bei ihr zu Hause oder im Kindergarten auftauchen könnte und
dass dann etwas passieren könnte. Der Beschuldigte habe diese Folgen mit sei-
nem Tun zumindest in Kauf genommen (Urk. 15 S. 2).
3.1.2. Der Beschuldigte sagte hierzu befragt an der polizeilichen Einvernahme
vom 10. Januar 2017 aus, er habe gegenüber der Privatklägerin nie eine Drohung
ausgesprochen. Er habe ihr lediglich gesagt, dass er die Presse, 20min, Telezüri,
usw. einschalten werde. Weiter habe er von ihr sämtliche Gegenstände von sei-
ner Tochter verlangt, welche noch im Kindergarten gewesen seien. Er habe sich
auch noch ironisch bei der Privatklägerin für die schönen Weihnachten bedankt.
Er wisse, dass die Privatklägerin bei der KESB eine Meldung gemacht habe, wo-
nach die Ehefrau des Beschuldigten betrunken in den Kindergarten gekommen
sei, was nicht stimme (Urk. 2 S. 1 F/A 2). Der Grund des Anrufs sei die
Fremdplatzierung der Tochter am 23. Dezember 2016 durch die KESB Bülach
- 21 -
Nord gewesen. Konkret zum Inhalt des Telefongesprächs befragt sagte der Be-
schuldigte nochmals aus, er habe sich zuerst ironisch bei ihr für die schönen
Weihnachten bedankt, weil seine Tochter am 23. Dezember 2016 fremdplatziert
worden sei. Dann habe er die Gegenstände verlangt, welche seine Tochter im
Kindergarten zurückgelassen habe. Weiter habe er zur Privatklägerin gesagt,
dass die Schule der KESB gemeldet habe, dass seine Tochter bei kalten Tempe-
raturen in kurzer Hose und FlipFlops in den Kindergarten gekommen sei. Auch sei
seine Frau betrunken gewesen. Dies alles stimme jedoch nicht. Weiter habe er
gesagt, dass er 20min und Telezüri in den Fall einbeziehen werde. Sonst habe er
nichts mehr gesagt ausser, dass die Privatklägerin die Gegenstände von D._
in einen Sack vor die Türe im Kindergarten stellen solle. Darauf habe die Privat-
klägerin aufgelegt (Urk. 2 S. 2 F/A 5 und 7). Es stimme nicht, dass er zur Privat-
klägerin in ernstem und bestimmtem Ton gesagt habe, dass er wisse, wo sie
wohne. Er wisse, dass die Privatklägerin in G._ wohne. Die genaue Adresse
kenne er nicht (Urk. 2 S. 2 F/A 8). Er habe der Privatklägerin auch nicht gesagt,
dass sie und die Kindergartenschüler es spüren würden. Er habe allenfalls ge-
sagt, dass D._ geweint habe, weil sie nicht mehr zu der Privatklägerin und
den Kindern in den Kindergarten habe gehen können (Urk. 2 S. 2 f. F/A 9). Zum
Motiv befragt, weshalb die Privatklägerin ihn mit falschen Aussagen belasten soll-
te, gab er zu Protokoll, es seien falsche Aussagen, die die Privatklägerin mache.
Auch bei der KESB habe die Privatklägerin falsche Aussagen gemacht. Er wolle
der Privatklägerin nichts unterstellen, aber er nehme an, dass sie mit den Falsch-
aussagen bei der KESB habe Druck aufsetzen wollen, dass etwas passiere. Die
Idee der Fremdplatzierung sei von ihm aus gekommen, er habe keinen Grund je-
manden zu bedrohen (Urk. 2 S. 3 F/A 10). Erneut nach dem Grund seines Anru-
fes gefragt, gab er an, es sei wegen den zurückgebliebenen Gegenständen im
Kindergarten gewesen, welche sie (gemeint: er und seine Frau) hätten zurück-
haben wollen (Urk. 2 S. 3 F/A 12).
Anlässlich der Hafteinvernahme vom 10. Januar 2017 gab der Beschuldigte zu
Protokoll, er habe die Privatklägerin am 11:55 Uhr angerufen. Er sei zu diesem
Zeitpunkt in Lausanne gewesen. Er habe die Privatklägerin begrüsst und dann
habe er gesagt, dass er ihr für die schönen Weihnachten danke. Sie habe nach-
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gefragt, ob sie schöne Weihnachten gehabt hätten. Er habe zu ihr gesagt, dass
sie ihn nicht so einen "Seich" fragen solle. Er habe zu ihr gesagt, dass er gerne
die Sachen von D._ zurück haben möchte. Sie habe gefragt, wohin sie die
Sachen tun solle. Er habe gesagt, sie solle das vor die Türe tun und er hole das
am Abend ab. Er habe zu ihr gesagt, dass es traurig sei, dass D._ nicht mehr
in den Kindergarten gehen könne. Am Schluss habe er ihr gesagt, dass er das
Ganze Telezüri und 20min mitteile. Dann habe die Privatklägerin aufgelegt. Er
habe der Privatklägerin am Telefon auch vorgeworfen, dass jemand gemeldet ha-
be, dass die Ehefrau des Beschuldigten D._ betrunken vom Kinderhort ab-
geholt habe (Urk. 3 S. 4 F/A 15 f.). Er habe der Privatklägerin nicht gesagt, dass
er wisse, wo sie wohne. Er wisse nur, dass sie in G._ wohne (Urk. 3 S. 4
F/A 17). Er habe auch nicht gesagt, dass sie und die anderen Kindergarten-
schüler es spüren würden. Er habe nur ihre Meldungen an die KESB ange-
sprochen. Er habe auch gesagt, dass das alles erfunden sei. Er habe gefragt, ob
sie einen Beweis hätten, dass D._ im Winter mit kurzen Hosen im Kinder-
garten erschienen sei. Die Privatklägerin habe ihm gesagt, dass sie das nicht
fotografieren dürften (Urk. 3 S. 4 F/A 18.). Zum Motiv einer allfälligen Falschaus-
sage durch die Privatklägerin befragt, gab er zur Antwort, das wisse er nicht. Er
habe eigentlich kein Problem mit der Privatklägerin (Urk. 3 S. 7 F/A 35).
Bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. März 2017 gab der Be-
schuldigte zu Protokoll, es sei logisch, dass er die Adresse der Privatklägerin
kenne. Sie stehe ja auf dem Notfallzettel. Im Zusammenhang mit der Aussage der
Privatklägerin, dass der Beschuldigte gesagt habe, er werde die Eltern der Kinder
informieren, sagte dieser aus, er wolle einfach sein Recht, die anderen gingen ihn
nichts an. Dass er die Presse informieren wolle, treffe aber zu. Das sei das Einzi-
ge, was er gesagt habe (Urk. 4 S. 2 F/A 4).
An der Hauptverhandlung führte der Beschuldigte aus, der ihm gemachte Vorwurf
sei erlogen. Er habe die Privatklägerin angerufen, weil er die Sachen der Tochter
D._ habe zurückhaben wollen. Er sei sicher nicht glücklich gewesen, als er
angerufen habe. Er sei aber auch nicht wütend gewesen. Er habe gesagt, "Danke
für die schönen Weihnachten, die wir gehabt haben". Weiter habe er gesagt, dass
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die Vorwürfe gegenüber seiner Ehefrau nicht stimmen würden, dass diese er-
funden seien. Von einem Wohnort, wo die Privatklägerin wohne, habe er ihr nie
etwas gesagt. Er wisse von einem Elternabend, als sich die Privatklägerin vorge-
stellt habe, dass sie von G._ sei. Die Privatklägerin habe das Telefon aufge-
legt, nachdem er das mit der Presse erwähnt habe. Sie habe gesagt, dass sie das
Material vor die Türe stellen werde. Das habe sie auch getan (Prot. I S. 12 ff.).
Dass er die Kinder bedroht habe, sei völlig aus der Luft gegriffen (Prot. I S. 16).
An der Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte zum Vorfall befragt aus,
seine Tochter habe noch Sachen im Kindergarten gehabt. Er habe sich zuerst
ironisch bedankt für die schönen Weihnachten. Dann habe er gesagt, er wolle die
Sachen zurück. Er habe dann nochmals die Medien erwähnt. Am Schluss hätten
sie abgemacht, dass sie die Sachen vor der Türe deponiere und er diese dann
holen werde. Mehr sei nicht gesprochen worden. Er habe nie gesagt, er wisse, wo
sie wohne und dass die anderen Kindergartenschüler es spüren würden. Die
Aussagen der Privatklägerin seien frei erfunden (Urk. 62 S. 6 f.)
3.1.3. Die Privatklägerin sagte bei der Polizei am 9. Januar 2017 aus, der Be-
schuldigte habe am 9. Januar 2017 in den Kindergarten angerufen. Zuerst habe
er in freundlichem und anständigem Ton gesagt: "Ich bedanke mich fürs Wieh-
nachtsgschänk für d'D._." Sie habe zuerst nicht verstanden, um was es ge-
gangen sei. Erst nach kurzem überlegen habe sie sich daran erinnert, dass sie für
D._ einen Teddybären auf die Reise zur Fremdplatzierung mitgegeben habe.
Sie habe zum Beschuldigten gesagt, dass es sie freue, dass D._ sich über
den Teddybären gefreut habe. Nach dieser Aussage habe der Beschuldigte seine
Tonlage geändert. Er sei sehr ernst und bestimmt geworden. Der Beschuldigte
habe gesagt, dass er die Medien, wie NZZ, 20min und Fernsehen, in diesen Fall
einschalten werde und diese dann im Kindergarten auftauchen würden. Weiter
habe er zu ihr gesagt, dass er wisse, wo sie zu Hause sei. Sie und die weiteren
Kindergartenschüler würden es spüren. Er habe ja sämtliche Telefonnummern
und Adressen der anderen Kindergartenschüler. Er werde die Eltern der Kinder-
gartenschüler informieren, was vorgefallen sei. Er wolle die Gegenstände von
D._ noch im Kindergarten abholen, worauf sie ihm zur Antwort gegeben ha-
- 24 -
be, dass sie alles in einen Sack legen und vor die Türe bringen werde. Sie habe
ihm noch einen guten Nachmittag gewünscht und aufgelegt. Ihr sei das Telefon-
gespräch mit dem Beschuldigten sehr suspekt und bedrohlich vorgekommen
(Urk. 5 S. 2 F/A 5). Sie könne die Aussage, dass sie und die weiteren Kindergar-
tenschüler es spüren werden, nicht einordnen. Es sei zweideutig. Es sei unbe-
rechenbar. Sie könne es nicht einschätzen. Sie selber nehme es als Drohung auf.
Es sei schwierig zu erklären, wegen der Tonlage, in welcher der Beschuldigte die
Aussage gemacht habe. Für sie sei es eine Drohung gegen sie als Person und
die Kindergartenklasse gewesen (Urk. 5 S. 2 F/A 8). Sie sei dadurch in Angst und
Schrecken versetzt worden. Sie könne die Aussage nicht einordnen, sie habe je-
doch Angst um sich und die Kinder. Sie habe Angst gehabt, dass der Beschuldig-
te plötzlich bei ihr zu Hause oder im Kindergarten auftauchen könnte. Sie habe
Angst davor gehabt, dass etwas passieren könnte (Urk. 5 S. 3 F/A 9).
Anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Konfrontationseinvernahme vom 8. März
2017 sagte die Privatklägerin aus, am 9. Januar 2017, um 12:00 Uhr habe das
Telefon im Kindergarten geklingelt. Es sei der Beschuldigte am Telefon gewesen
und er habe sich zuerst bei ihr bedankt für das Weihnachtsgeschenk für D._.
Weil D._ vor Weihnachten fremdplatziert worden sei, habe sie ihr ein Ad-
ventsgeschenk mitgegeben, damit sie nicht alleine sei auf ihrer Reise. Dann habe
er sich bedankt und gefragt, was sie wieder angestellt habe. Er habe gesagt, dass
er wisse, wo sie und die Kinder wohnen würden. Er werde die Eltern der Kinder
der Klasse informieren, was sie für eine Frau sei. Er werde auch die Presse in-
formieren. Das sei das, was er gesagt habe. Er bleibe nicht ruhig, er handle. Sie
und die Kinder würden es spüren (Urk. 6 S. 4 F/A 15). Und was ihr einfalle, woher
sie die Beobachtungen habe, dass das Kind leicht bekleidet in den Kindergarten
gekommen sei. Ob sie Fotos habe. Sie habe gesagt, dass sie keine Fotos mache
und dass das Beobachtungen seien (Urk. 6 S. 4 F/A 16). Sie habe ihm gesagt,
dass sie noch einen schönen Tag wünsche und habe aufgelegt. Sie wisse nicht,
wie sie das noch habe sagen können (Urk. 6 S. 4 F/A 17). Das sei ein bisschen
doof gewesen. Am 23. Dezember 2016 habe die Fremdplatzierung stattgefunden
(Urk. 6 S. 4 F/A 18). Sie habe sich nach den Aussagen des Beschuldigten nicht
gut gefühlt. Es sei Montag gewesen und sie seien gestartet und es sei alles wie-
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der hervorgekommen. Es sei das erste Mal gewesen, als die Kinder nach den Fe-
rien gestartet seien. Man wisse nicht, was auf einen zukomme und wie es weiter-
gehe. Sie habe Angst gehabt (Urk. 6 S. 4 f. F/A 19). Er sei am Telefon sehr be-
stimmt, klar, verärgert und sehr energisch gewesen (Urk. 6 S. 5 F/A 20). Sie fügte
später im Sinne einer Ergänzung hinzu, der Beschuldigte habe gesagt, was ihr
einfalle, dass sie wisse, dass die Frau des Beschuldigten betrunken gewesen sei.
Sie sei noch nie betrunken gewesen (Urk. 6 S. 5 F/A 21).
3.1.4. Die Verteidigung des Beschuldigten führte anlässlich der Hauptverhandlung
aus, man könne den Akten entnehmen und der Beschuldigte sei auch anlässlich
der vorinstanzlichen Befragung dabei geblieben, dass er eine solche Äusserung
nicht gemacht habe. Dass er ein Telefonat geführt habe, das habe er sofort zuge-
geben. Er habe die Sachen von D._ zurückgewollt. Es treffe auch zu, dass er
der Privatklägerin Vorhalte gemacht habe. Er habe ihr vorgehalten, dass im Rah-
men der Fremdplatzierung von D._ die Privatklägerin falsche Angaben ge-
macht habe. Der Beschuldigte gehe davon aus, dass sie diese gemacht habe, um
die Gefährdungsmeldung an die KESB und die entsprechen Sanktionen voranzu-
treiben und zu stärken. Er gehe nicht davon aus, dass die Privatklägerin ihn habe
schädigen wollen, sondern D._ habe indirekt helfen wollen. Die Ausführun-
gen seien im Verlauf der Verfahrens immer dramatischer geworden. Es sei nach
dem Grundsatz in dubio pro reo den Aussagen des Beschuldigten zu folgen
(Urk. 32 S. 7 ff.).
3.1.5. Die Vorinstanz hat erwogen, dass sich schon aus dem Einstieg ins Tele-
fongespräch – ironischer Dank an die Privatklägerin – ergebe, dass die Fremd-
platzierung seiner Tochter am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien und die
Umstände den Beschuldigten rund zwei Wochen später immer noch sehr be-
schäftigt hätten. Auch wenn der Grund des Telefonats auch die im Kindergarten
verbliebenen Gegenstände der Tochter gewesen seien, der Beschuldigte habe
umgehend das Geschehen von vor den Ferien zum eigentlichen Gesprächsthema
gemacht. Insbesondere die verschiedenen Vorkommnisse und – gerade auch sei-
tens der Privatklägerin gemachten – Beobachtungen (Alkoholprobleme der Ehe-
frau des Beschuldigten, Verdacht auf häusliche Gewalt gegenüber der Ehefrau
- 26 -
und der Tochter, Vernachlässigung der Tochter [zur kühlen Jahreszeit unpassen-
de Kleidung, wenig Nahrung]), welche zur Gefährdungsmeldung der Privatkläge-
rin und letztlich zur Fremdplatzierung geführt hätten, hätten den Beschuldigten
veranlasst, hierzu Stellung zu nehmen und diese zu bestreiten. Es liege auf der
Hand, dass der Beschuldigte in diesem Zusammenhang auch gesagt haben
musste, er würde die Medien kontaktieren, und es dränge sich der Schluss auf,
dass der Beschuldigte der Privatklägerin dabei neuerlich gedroht habe.
Die Privatklägerin habe bereits bei ihrer polizeilichen Einvernahme noch am glei-
chen Tag des Telefongesprächs ausgesagt, dass der Beschuldigte ihr gesagt ha-
be, er wisse, wo sie zu Hause sei, und dass sie und die Kindergartenschüler es
spüren würden. Diese Aussage habe sie auch gegenüber der Staatsanwaltschaft
zwei Monate später bestätigt. Ebenfalls habe sie beide Male erwähnt, dass der
Beschuldigte gesagt habe, er würde die Medien einschalten respektive die Presse
informieren sowie, er würde die Eltern der Kinder informieren. Damit sei der Ver-
teidigung zu widersprechen, die Privatklägerin habe auch den Inhalt des Telefon-
gesprächs vom 9. Januar 2017 mit zunehmender Dauer dramatisiert. Die Privat-
klägerin habe zwar ausgeführt, dass sie sich in Gegenwart des Beschuldigten nie
wohl gefühlt habe und lege deutlich ihre Ängste und Befürchtungen dar, welche
sie in der Folge beschäftigt hätten, enthalte sich in ihren Ausführungen aber jegli-
cher Übertreibung. So habe sie ausgesagt, sie könne die Aussage des Beschul-
digten, sie und die Kindergartenschüler würden es spüren, wegen ihrer Zweideu-
tigkeit nicht einordnen; sie könne es nicht deuten, man wisse nicht, was auf einen
zukomme und wie es weitergehe. Die Reaktion der Privatklägerin auch im Nach-
gang zum Telefonat vom 9. Januar 2017 seien nachvollziehbar und angemessen
gewesen: Man sei für die Zeit bis zu den Sportferien stets zu zweit im Kinder-
garten gewesen und sie sei begleitet worden, wenn sie mit den Kindern vor dem
Haus des Beschuldigten vorbei habe laufen müssen. Ausserdem habe die Privat-
klägerin Strafantrag gestellt, weil der Beschuldigte nach dem 23. Dezember 2016
ihr ein zweites Mal gedroht habe. Wenn der Beschuldigte hinsichtlich der Drohun-
gen vorbringe, er habe keinen Nutzen davon bzw. solche würden keinen Sinn
machen, so sei dem zu entgegnen, dass ihm nicht vorgeworfen werde, er habe
sich derart geäussert, um ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Es sei dem Beschul-
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digten zuzugestehen, dass er sich in einer sehr schwierigen Situation befunden
habe, der er sich ohnmächtig gegenübergestellt gesehen habe, weshalb er die
Drohungen unüberlegt ausgesprochen habe. Die Ausführungen der Privatklägerin
seien glaubhaft. Sie zeige sich hinsichtlich des Telefongesprächs vom 9. Januar
2017 selbstkritisch, wenn sie sich vorwerfe, wie sie dem Beschuldigten am
Schluss noch einen schönen Tag habe wünschen können angesichts der über-
raschenden Fremdplatzierung von dessen Tochter am 23. Dezember 2016.
Schliesslich sei kein Grund ersichtlich, weshalb die Privatklägerin den Beschuldig-
ten fälschlicherweise einer Straftat bezichtigen sollte. Die Vorinstanz resümierte,
es bestünden keine unüberwindbaren Zweifel daran, dass der Beschuldigte wäh-
rend des Telefonats vom 9. Januar 2017 gegenüber der Privatklägerin im Zu-
sammenhang mit den der Gefährdungsmeldung zugrunde liegenden Vorwürfen
und der Ankündigung, an die Medien bzw. die Presse zu gelangen, gesagt habe,
er wisse, wo sie wohne, und sie und die anderen Kindergartenschüler würden es
spüren (Urk. 42 S. 15 ff.).
3.1.6. Zunächst ist zu den Aussagen des Beschuldigten zu erwähnen, dass er
zwar den Inhalt des Telefongesprächs vom 9. Januar 2017 im Wesentlichen
gleichlautend schildert. Allerdings erweisen sich seine Angaben im Zusammen-
hang mit dem Wohnort der Privatklägerin mit der Vorinstanz nicht überzeugend.
Während er zunächst aussagte, er wisse (nur), dass die Privatklägerin in G._
wohnhaft sei, und er wisse nicht, ob die komplette Adresse auf dem Zettel des
Schulalarms stehe (Urk. 2 S. 2 F/A 8), sagte er später aus, es sei ja logisch, dass
er die Adresse der Privatklägerin kenne, sie stehe ja auf dem Notfallzettel (Urk. 4
S. 2 F/A 4), bevor er an der Hauptverhandlung ausführte, er wisse von einem El-
ternabend, dass die Privatklägerin von G._ sei (Prot. I S. 13). Nicht zu über-
zeugen vermögen auch seine Ausführungen zum Motiv einer allfälligen Falsch-
aussage durch die Privatklägerin, konnte er doch letztlich nur Angaben machen,
weshalb die Privatklägerin allenfalls gegenüber der KESB falsche Angaben ge-
macht haben könnte, nicht aber weshalb sie ihn zu Unrecht im vorliegenden Ver-
fahren belasten sollte. Hierfür ist auch kein Grund ersichtlich, wobei allerdings
gleichzeitig zu betonen ist, dass es nicht die Aufgabe des Beschuldigten ist, sich
zu entlasten.
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Aufgrund der weitgehend übereinstimmenden Angaben des Beschuldigten und
der Privatklägerin – abweichend schildern sie im Wesentlichen nur, ob der Be-
schuldigte sich zu Beginn des Gesprächs ironisch für die schönen Weihnachten
oder ehrlich für das Geschenk an D._ bedankt hat, sowie ob er die ihm in der
Anklage vorgeworfene Äusserung getätigt hat – ist in tatsächlicher Hinsicht davon
auszugehen, dass der Beschuldigte am 9. Januar 2017, ca. 12:00 Uhr, der Privat-
klägerin in den Kindergarten angerufen hat. Weiter ist aufgrund der gleich lauten-
den Angaben davon auszugehen, dass der Beschuldigte die sich noch im Kinder-
garten befindlichen Gegenstände von D._ herausverlangte sowie die diver-
sen ihm und seiner Ehefrau vorgeworfenen Verfehlungen im Zusammenhang mit
der Tochter in Abrede gestellt respektive thematisiert hat und die Privatklägerin
auf ihre Meldung an die KESB angesprochen hat. Ebenfalls als gegeben zu be-
trachten, ist, dass der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin gesagt hat, er
werde die Medien über seinen Fall informieren (Urk. 2 S. 2 F/A 7; Urk. 3 S. 4 F/A
16 und 18).
Aufgrund der glaubhaften Aussagen der Privatklägerin ist weiter davon auszu-
gehen, dass der Beschuldigte der Privatklägerin gegenüber gesagt hat, dass er
wisse, wo sie wohne und dass sie und die Kindergartenschüler es spüren würden.
Die Privatklägerin sagte sowohl an der polizeilichen Einvernahme, welche am Ta-
ge des fraglichen Telefonats durchgeführt wurde und somit die Erinnerung an das
Telefongespräch noch frisch war, sowie knapp zwei Monate später bei der
Staatsanwaltschaft gleichlautend aus, der Beschuldigte habe die entsprechende
Äusserung ihr gegenüber getätigt, wobei sie überdies den Inhalt des Telefonge-
sprächs und ihre Gefühlslage lebensnah schildern konnte. Zudem erweisen sich
die Aussagen des Beschuldigten wie oben erwähnt gerade bei der Frage der Ad-
resse der Privatklägerin als nicht kohärent und ausweichend. Zwar erscheint die
Privatklägerin dem Beschuldigten gegenüber nicht völlig unbelastet zu sein. Sie
gab an, den Beschuldigten von Elternabenden und Elterngesprächen zu kennen.
Er sei aufdringlich in Sachen Fragestellungen gewesen. Sie habe sich nie wohl
gefühlt, wenn der Beschuldigte anwesend gewesen sei. Sie habe deshalb die El-
terngespräche mit der Familie A._ auch nie alleine durchgeführt, weil sie sich
einfach nie wohl gefühlt habe, wenn der Beschuldigte dabei gewesen sei (Urk. 5
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S. 3 F/A 11). Er sei grimmig gewesen, sein Gesichtsausdruck, sein Äusseres. Er
sei viel zu spät zum ersten Elterngespräch gekommen (Urk. 6 S. 9 F/A 40). Dass
die Privatklägerin den Beschuldigten deswegen zu Unrecht belasten sollte, ist
aber daraus nicht zu schliessen. Mit der Vorinstanz (Urk. 42 S. 17) ist vielmehr
hervorzuheben, dass sich die Privatklägerin kritisch gegenüber ihrem eigenen
Verhalten zeigt, indem sie sich vorwirft, wie sie dem Beschuldigten am Schluss
noch einen schönen Tag habe wünschen können angesichts der überraschenden
Fremdplatzierung von dessen Tochter am 23. Dezember 2016. Offenbar tut ihr
dieses Verhalten gegenüber dem Beschuldigten leid.
3.1.7. Es ist in tatsächlicher Hinsicht davon auszugehen, dass der Beschuldigte
anlässlich eines Telefongesprächs vom 9. Januar 2017 mit der Privatklägerin ge-
sagt hat, dass er wisse, wo sie wohne und dass sie und die anderen Kindergar-
tenschüler es spüren würden. Es ist deshalb für die rechtliche Würdigung vom
Sachverhalt gemäss Anklageschrift auszugehen.
3.2. Rechtliche Würdigung
3.2.1. Gemäss Art. 180 Abs. 1 StGB macht sich strafbar, wer jemanden durch
schwere Drohung in Angst und Schrecken versetzt. Die Tathandlung der schwe-
ren Drohung erschöpft sich in der Ankündigung eines künftigen Übels, welches
Schrecken und Angst erzeugt. Die Drohung besteht darin, dass der Drohende
seinem Opfer ein künftiges Übel ankündigt oder in Aussicht stellt. Eine Drohung
liegt nur vor, wenn der Eintritt des angekündigten Übels in irgendeiner Weise als
vom Drohenden abhängig hingestellt wird. Ansonsten liegt nur eine straflose
Warnung vor (BGE 106 IV 125). Unter die Drohung fällt nicht nur die ausdrück-
liche Erklärung, sondern jegliches Verhalten, durch welches das Opfer vom Dro-
henden bewusst in Angst und Schrecken versetzt wird. Dies kann durch Worte
oder Gesten, durch konkludentes Verhalten, aber auch durch anderweitiges Wis-
senlassen erfolgen (BGE 99 IV 215; zum Ganzen BSK StGB II-DELNON/RÜDY,
Art. 180 N 12 ff.). Unwesentlich ist, ob der Drohende seine Drohung ernst meint
oder ob er zur Verwirklichung des angeordneten Übels überhaupt in der Lage wä-
re. Entscheidend ist vielmehr, dass sie als ernst gemeint in Erscheinung tritt
(BSK StGB II-DELNON/RÜDY, Art. 180 N 18).
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Die Drohung muss schwer sein und Angst machen. Bis vor Kurzem verlangten die
herrschende Lehre und bundesgerichtliche Rechtsprechung einschränkungslos,
dass das Tatmittel der schweren Drohung an einem objektiven Massstab zu mes-
sen ist. Nur diejenige Drohung soll nach dieser Auffassung als schwer gelten, die
ein verständiger Mensch mit durchschnittlicher Belastbarkeit als solche empfindet.
Die subjektive Widerstandskraft des Opfers wurde quasi für bedeutungslos er-
klärt. Dem ist grundsätzlich beizupflichten. Nicht jede Drohung erfüllt den Tatbe-
stand, nur weil ein übermässig ängstliches Opfer darüber in Angst und Schrecken
versetzt wird. Bei besonders schutzbedürftigen Personengruppen wie Kindern,
hochbetagten oder psychisch beeinträchtigten Menschen müssen allerdings die
subjektiven Momente ebenfalls beachtet werden (BSK StGB II-DELNON/RÜDY,
Art. 180 N 20 f.). Abgesehen von diesen besonders schutzbedürftigen Personen
sind die Anforderungen aber hoch anzusetzen. Die schwere Drohung muss gra-
vierender sein als die Androhung ernstlicher Nachteile im Sinne von Art. 181
StGB (BSK StGB II-DELNON/RÜDY, Art. 180 N 22). Regelmässig dürfte eine
schwere Drohung bei einer Androhung von strafbaren oder rechtswidrigen Hand-
lungen von einigem Gewicht erfüllt sein.
3.2.2. Die Verteidigung macht geltend, selbst wenn das in der Anklage Überwie-
sene zutreffe, sei festzustellen, dass der Tatbestand von Art. 180 StGB weder ob-
jektiv noch subjektiv erfüllt sei. Art. 180 StGB verlange eine schwere Drohung, die
den Betroffenen in Angst und Schrecken versetze. Nach Hinweis auf Lehre und
Rechtsprechung führt die Verteidigung aus, der Beschuldigte habe der Privat-
klägerin Vorwürfe gemacht, er habe ihr gesagt, dass er die Medien einschalten
werde. Wenn nun davon ausgegangen werde, er habe tatsächlich gesagt, er wis-
se, wo die Privatklägerin wohne und sie es schon spüren werde, so könne diese
Äusserung ja nur im Zusammenhang mit der Ankündigung stehen, dass der Be-
schuldigte die Medien einschalten werde. Dies werde durch die Aussagen der
Privatklägerin in Frage 15 der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 8. März
2017 bestätigt. Wenn man von einer Aussage, wie in der Anklageschrift aufge-
führt, ausgehe, dann sei diese Aussage im Zusammenhang mit dem Einschalten
der Medien zu sehen und darin liege selbstverständlich keine Drohung. Man müs-
se die Aussage in ihrem gesamten Zusammenhang würdigen. Auch der subjek-
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tive Tatbestand sei nicht erfüllt, da es dem Beschuldigten stets darum gegangen
sei, das Verhalten der Privatklägerin und im Übrigen von allen Beteiligten publik
zu machen. Irgendjemandem drohen wollte er nicht. Er habe dies auch nicht in
Kauf genommen. Es sei auch festzustellen, dass die Privatklägerin die Aussage,
sie und die weiteren Kindergartenschüler werden es spüren, nicht habe richtig
einordnen können. Demnach sei auch unter diesem Aspekt festzustellen, dass
nicht von einer schweren Drohung auszugehen sei. Eine schwere Drohung sei
eindeutig und versetze das Opfer unverzüglich in Angst und Schrecken (Urk. 32
S. 10 ff.).
3.2.3. Die Vorinstanz hat erwogen, wenn am 9. Januar 2017 auch zwei Wochen
seit der plötzlichen Fremdplatzierung seiner Tochter vergangen gewesen seien
und der Grund des Anrufes damit direkt nichts zu tun gehabt habe, so habe der
Beschuldigte mit seiner ironischen Bemerkung gleich zu Beginn des Gespräches
bei der Privatklägerin doch die Situation von vor den Ferien in Erinnerung geru-
fen. Der Beschuldigte habe das Thema in der Folge vertieft, indem er gegenüber
der Privatklägerin einzelne Vorwürfe bezüglich der Vernachlässigung seiner Toch-
ter bestritten habe, welche auf deren Beobachtungen beruht und zur Fremd-
platzierung geführt hätten. Vor diesem Hintergrund seien auch hier die Aussagen
des Beschuldigten, er wisse, wo die Privatklägerin wohne, und dass sie und die
anderen Kindergartenschüler es spüren würden, objektiv geeignet, die Privatklä-
gerin zu ängstigen. Die Ankündigung, an die Medien und die Eltern der anderen
Kindergartenschüler zu gelangen, um über die Angelegenheit bzw. die Privatklä-
gerin zu informieren, lässt hier die anderen, angeklagten Äusserungen (zu wis-
sen, wo die Privatklägerin wohne und diese und die anderen Kindergartenschüler
würden es spüren) nicht in einem milderen Lichte sehen. Weder die Kenntnis des
Wohnorts der Privatklägerin noch die in Aussicht gestellten, nicht weiter konkre-
tisierten, aber spürbaren Folgen für sie und die Kinder liessen sich in einen Zu-
sammenhang setzen mit der Ankündigung, die Medien respektive die Eltern zu in-
formieren. Indem der Beschuldigte der Privatklägerin angekündigt habe, nicht nur
sie, sondern auch deren Kindergartenschüler würden irgendwelche Folgen spü-
ren, wirke die Aussage für die Kindergartenlehrerin zusätzlich bedrohlich. Ein wei-
terer, konkreter, schwerer Nachteil sei entgegen der Auffassung der Verteidigung
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hier für eine schwere Drohung nicht erforderlich. Ebenso unbehelflich sei der
Hinweis der Verteidigung auf die Erwägung der Oberstaatsanwaltschaft in deren
Verfügung vom 22. März 2017, worin diese die Schwere der Tat des Beschuldig-
ten als gering einstufe, sodass nicht von einer schweren Drohung auszugehen
sei. Abgesehen davon, dass die Einschätzung der Oberstaatsanwaltschaft für das
Gericht nicht verbindlich sei, äussere sich diese damit nicht in rechtlicher Hinsicht,
sondern stufe mit dieser Formulierung den vorliegenden Fall lediglich als sog. Ba-
gatellfall im Sinne von Art. 132 Abs. 2 und 3 StPO ein, für den eine amtliche Ver-
teidigung nicht anzuordnen sei. Das daraufhin gezeigte Verhalten der Privat-
klägerin – Information des Schulleiters, getroffene Massnahmen im Kindergarten,
Inanspruchnahme psychologischer Hilfe – zeige, dass die Drohungen sie tat-
sächlich ängstigten und schreckten. Der Beschuldigte habe eventualvorsätzlich
gehandelt, d.h. er habe im Zeitpunkt der Äusserungen die Privatklägerin in Schre-
cken oder Angst versetzen wollen und habe zumindest in Kauf genommen, dass
seine Aussagen diese Wirkung bei ihr hervorrufen (Urk. 42 S. 19 ff.).
3.2.4. Richtigerweise hat die Vorinstanz die Aussagen des Beschuldigten in einen
Gesamtzusammenhang gestellt und nicht isoliert betrachtet. Was aber die von der
Vorinstanz daraus gezogenen Schlüsse angeht, so kann ihr darin nicht gefolgt
werden. Gleich zu Beginn des Telefongesprächs vom 9. Januar 2017 ist es zu ei-
nem Missverständnis gekommen. Während der Beschuldigte sich in ironischer
Weise für die "schönen Weihnachten" bedankte und damit Bezug nahm auf die
Fremdplatzierung von D._ unmittelbar vor Weihnachten (Urk. 2 S. 1 f. F/A 2
und 7; Urk. 3 S. 4 F/A 16), hat die Privatklägerin offenbar gemeint, dass der Be-
schuldigte sich für einen Teddybären bedankt hat, den die Privatklägerin D._
geschenkt hat (Urk. 5 S. 2 F/A 5; Urk. 6 S. 4 F/A 15). Die Privatklägerin hat hier
den Beschuldigten falsch verstanden. Bei dieser Betrachtungsweise macht auch
die Reaktion des Beschuldigten Sinn, als er auf die anschliessende Frage der Pri-
vatklägerin, ob sie denn schöne Weihnachten gehabt hätten, zu ihr gesagt hat, sie
solle nicht so einen "Seich" fragen (Urk. 3 S. 4 F/A 16) und korrespondiert auch
mit dem Erlebnis der Privatklägerin, dass der Beschuldigte dabei seine Tonlage
geändert hat (Urk. 5 S. 2 F/A 5), weil diese aus seiner Sicht die Ironie in seiner
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Aussage nicht erfassen konnte respektive eine solche Frage stellen konnte, ob-
wohl sein Kind unmittelbar vor Weihnachten fremdplatziert worden ist.
Was nun die konkrete Äusserung angeht, er wisse, wo die Privatklägerin und die
weiteren Kindergartenschüler wohnen, so zog die Vorinstanz den Schluss, die
Äusserungen seien vor dem Hintergrund der Bestreitung der Vernachlässigung
von D._ und der Bezugnahme auf die Situation vor Weihnachten geeignet,
die Privatklägerin in Angst und Schrecken zu versetzen.
Die Äusserung ist, wie ja auch die Privatklägerin selber wiederholt ausführt (Urk. 5
S. 2 F/A 8), deutungsbedürftig. Erhellend ist in diesem Zusammenhang, was die
Privatklägerin nur ungefähr fünf Stunden, als die Erinnerung an das Gespräch mit
dem Beschuldigten noch frisch war, bei der Polizei sagte: Nach dem bereits er-
wähnten Missverständnis zu Beginn des Gesprächs hat der Beschuldigte gesagt,
er werde die Medien einschalten und diese werden im Kindergarten auftauchen.
Dann machte er die ihm effektiv vorgeworfene Äusserung, dass er wisse, wo die
Privatklägerin zu Hause sei. Sie und die weiteren Kindergartenschüler werden es
spüren. Er habe ja sämtliche Telefonnummern und Adressen der anderen Kinder-
gartenschüler. Er werde die Eltern der Kindergartenschüler informieren, was vor-
gefallen sei. Bei Betrachtung dieser nur wenige Stunden nach dem effektiven Ge-
spräch deponierten Aussagen der Privatklägerin erscheint es nun plausibel, dass
der Beschuldigte mit seinen Worten zum Ausdruck bringen wollte – wie er auch
selber geltend macht –, dass er mit der Geschichte an die Medien gelangen will.
Genau dies würden die Privatklägerin und ihre Kindergartenschüler zu spüren be-
kommen, da er "ja sämtliche Telefonnummern und Adressen der anderen Kinder-
gartenschüler" kennt und die Medien bei ihnen auftauchen und Fragen stellen
könnten (so auch die Verteidigung: Urk. 63 S. 18 f.). In eine ähnliche Richtung
deutet sodann auch eine weitere Aussage der Privatklägerin, welche bei der
Staatsanwalt zu Protokoll gab, der Beschuldigte werde die Eltern der Kinder der
Klasse informieren, was sie für eine Frau sei (Urk. 6 S. 4 F/A 15). Jedenfalls sagte
sie nicht aus, der Beschuldigte habe gedroht den Kindern etwas anzutun oder
Ähnliches. Für eine solche Drohung gegenüber den völlig unbeteiligten Kindern ist
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mit der Verteidigung (Urk. 63 S. 14) denn auch kein Motiv seitens des Beschuldig-
ten ersichtlich.
Schliesslich ist auch bemerkenswert, was die Privatklägerin selbst für Nachteile
vom Beschuldigten befürchtete: Bei der Polizei sagte die Privatklägerin am
9. Januar 2017 aus, sie habe Angst davor, dass der Beschuldigte plötzlich bei ihr
zu Hause oder im Kindergarten auftauchen könnte. Sie habe Angst davor, dass
etwas passieren könnte (Urk. 5 S. 3 F/A 9). Was sie mit "etwas" genau meinte,
wurde damals nicht weiter konkretisiert. Auf die Frage der Staatsanwaltschaft,
was die Privatklägerin konkret befürchtete, sagte diese, dass der Beschuldigte
komme, dass er ihr etwas ins Gesicht sage, die Konfrontation (Urk. 6 S. 6 F/A 26).
Wie bereits erwähnt, muss die Täterschaft dem Opfer einen schweren Nachteil
ankündigen, was aber für den nach der Vorstellung der Privatklägerin angekün-
digten Nachteil – konkret, dass der Beschuldigte im Kindergarten auftauchen und
sie persönlich zur Rede stellen wird – gerade nicht gelten kann. Ein derartiger
Nachteil erreicht nicht die von Art. 180 StGB geforderte Schwere, zumal die Pri-
vatklägerin auch als "einfühlsame und authentische Kindergärtnerin (Urk. 25/1)"
nicht zu einer besonders schutzbedürftigen Personengruppe zählt.
3.2.5. Der Beschuldigte ist demgemäss auch in diesem Zusammenhang vom
Vorwurf der Drohung freizusprechen.
III. Genugtuung
1. Die Vorinstanz erachtete die Voraussetzungen für die Zusprechung einer
Genugtuung als gegeben an. In Anbetracht der gesamten Umstände erscheine
eine Genugtuung in Höhe von Fr. 500.– zuzüglich Zins von 5% ab dem 1. Januar
2017 angemessen (Urk. 42 S. 32).
2. Wie oben gesehen, wird der Beschuldigte hinsichtlich des Vorwurfs vom
23. Dezember 2016 in dubio pro reo freigesprochen. Mit Bezug auf den Vorwurf
der Drohung vom 9. Januar 2017 kann die vom Beschuldigten an die Privatkläge-
rin gerichtete Äusserung nicht als Drohung i.S.v. Art. 180 StGB gewertet werden,
weshalb der Beschuldigte auch von diesem Vorwurf freigesprochen wird. Es
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mangelt somit letztlich an der Voraussetzung der Widerrechtlichkeit der Persön-
lichkeitsverletzung. Der Genugtuungsanspruch der Privatklägerin ist deshalb ab-
zuweisen.
IV. Kosten und Entschädigung
1. Die Vorinstanz hat – dem damaligen Ausgang des Verfahrens entsprechend
– die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Verfahrens dem Be-
schuldigten auferlegt (Urk. 42 S. 32). Die erstinstanzliche Kostenfestsetzung an
sich ist nicht angefochten (Prot. II S. 6) und zu bestätigen. Aufgrund des heutigen
vollumfänglichen Freispruches des Beschuldigten sind diese Kosten im Sinne von
Art. 426 Abs. 1 StPO ausgangsgemäss auf die Gerichtskasse zu nehmen.
2. Im Berufungsverfahren werden die Kosten nach Massgabe des Obsiegen
und Unterliegens auferlegt (Art. 428 Abs. 1 Satz 1 StPO). Nachdem der Be-
schuldigte freizusprechen ist und die Staatsanwaltschaft mit ihrem Bestätigungs-
antrag vollumfänglich unterliegt, sind die Kosten des Berufungsverfahrens auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
3. Der Beschuldigte hat Anspruch auf Entschädigung seiner Aufwendungen für
die angemessene Ausübung seiner Verfahrensrechte, wenn er freigesprochen
wird (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO). Zu den Entschädigungen für Aufwendungen zur
Wahrung der Verfahrensrechte (Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO) gehören primär die
Kosten der frei gewählten Verteidigung, wenn die Verbeiständung angesichts der
tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität des Falls geboten war (Schmid, Hand-
buch StPO, 2. Aufl., N. 1810). Gemäss Art. 436 Abs. 1 StPO sind die Bestimmun-
gen nach Art. 429 ff. StPO auch für das Rechtsmittelverfahren anwendbar. Vorlie-
gend war der Beizug einer anwaltlichen Verteidigung gerechtfertigt. Die Verteidi-
gung reichte anlässlich der Berufungsverhandlung zwei Honorarnoten ein und
machte einen Aufwand von gesamthaft Fr. 7'890.60 geltend (Urk. 64/1-2). Da die
Berufungsverhandlung im Vergleich zur Schätzung der Verteidigung kürzer aus-
gefallen ist, der geltend gemachte Aufwand sich im Übrigen aber als angemessen
erweist, ist dem Beschuldigten eine Entschädigung von Fr. 7'645.40 zuzuspre-
chen.
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4. Der Privatklägerin ist ausgangsgemäss – entgegen Dispositiv-Ziffer 8 des
erstinstanzlichen Urteils – keine Prozessentschädigung zuzusprechen.
V. Genugtuung infolge Freispruch
1. Der Beschuldigte beantragt wie schon vor der Vorinstanz, es sei ihm eine
Entschädigung von Fr. 1'000.– für zu Unrecht erlittene Haft zuzusprechen
(Urk. 45 S. 2). Der Beschuldigte sei einen Tag "aus dem Verkehr gezogen" wor-
den und habe seiner Arbeit nicht nachgehen können. Er habe seinen Chef zu in-
formieren gehabt. Dies seien Umstände, die die geltend gemachte Entschädigung
von Fr. 1'000.– ohne weiteres als ausgewiesen erscheinen liessen (Urk. 32 S. 15;
Urk. 63 S. 22).
2. Gemäss Art. 429 Abs. 1 lit. c StPO hat die beschuldigte Person Anspruch
auf Genugtuung für besonders schwere Verletzungen ihrer persönlichen Verhält-
nisse, insbesondere bei Freiheitsentzug, wenn sie freigesprochen wird. Voraus-
gesetzt ist, dass eine besonders schwere Verletzung im Sinne von Art. 28 Abs. 2
ZGB oder Art. 49 OR vorliegt. Als Beispiele können neben der ungerechtfertigten
Untersuchungs- und Sicherheitshaft die publik gewordene Hausdurchsuchung
oder eine sehr lange Verfahrensdauer genannt werden. Der Freiheitsentzug muss
im Gegensatz zum Fall von Art. 431 StPO allerdings nicht widerrechtlich gewesen
sein. Die Festlegung der Höhe der Genugtuung beruht auf richterlichem Ermes-
sen. Bei dessen Ausübung ist den Besonderheiten des Einzelfalls Rechnung zu
tragen. Zu berücksichtigen sind alle Umstände, auch die Schwere des vorge-
worfenen Delikts sowie die Auswirkungen der Haft auf die persönliche Situation
des Verhafteten und die Belastung durch das Verfahren. Das Bundesgericht geht
davon aus, dass im Falle einer ungerechtfertigten Haft von kurzer Dauer grund-
sätzlich ein Betrag von Fr. 200.– pro Tag eine angemessene Entschädigung dar-
stellt, sofern nicht besondere Umstände gegeben sind, welche die Zahlung eines
tieferen oder höheren Betrages rechtfertigen könnten (BSK StPO-WEHRENBERG/
FRANK, Art. 429 N 28, vgl. BGE 139 IV 243 = Pra 102 (2013) Nr. 108, Entscheid
des Bundesgerichts 6B_506/2015 vom 6. August 2015).
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3. Der Beschuldigte war vom 9. Januar 2017, 20:30 Uhr, bis 10. Januar 2017,
17:30 Uhr, mitunter während 21 Stunden vorläufig festgenommen. Die von der
Verteidigung angeführten Umstände, versäumte Arbeit für einen Tag sowie Mit-
teilung an den Chef, führen nicht zu einer Erhöhung des Entschädigungssatzes.
Weitere Nachteile werden nicht geltend gemacht, weshalb dem Beschuldigten ei-
ne Genugtuung von Fr. 200.– aus der Gerichtskasse zu bezahlen ist. Der weiter-
gehende Genugtuungs- und Entschädigungsanspruch ist abzuweisen.