# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2674953f-1d41-41b6-b2df-71f034834d12
**Court:** CH_EDÖB
**Chamber:** CH_EDÖB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte stellt fest:
1. Die Antragstellerin (Stiftung) hat am 11. Oktober 2017 gestützt auf das Bundesgesetz über das
Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ; SR 152.3) bei der
Eidgenössischen Revisionsaufsichtsbehörde RAB um Zugang zu Akten aus einem Verfahren
der RAB gegen einen namentlich bezeichneten Revisor ersucht, um diese gegebenenfalls als
Beweise in einem von ihr veranlassten Gerichtsverfahren verwenden zu können.
2. Am 23. Oktober 2017 lehnte die RAB das Ersuchen der Antragstellerin ab und teilte mit, dass
das Öffentlichkeitsgesetz aufgrund des bereits hängigen Verfahrens vorliegend nicht
anwendbar sei (Art. 4 Bst. b BGÖ). Vielmehr seien die entsprechenden Editionsbegehren für
Beweismittel gemäss dem einschlägigen Verfahrenserlass beim zuständigen Gericht zu stellen.
3. Am 25. Oktober 2017 reichte die Antragstellerin einen Schlichtungsantrag beim
Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Beauftragter) ein. Die
Antragstellerin wandte ein, eine spezielle Gesetzesbestimmung, welche vom
Öffentlichkeitsgesetz abweichende Regeln über den Zugang zu Dokumenten von
abgeschlossenen Verwaltungsverfahren der RAB aufstelle, sei nicht ersichtlich und werde von
der Behörde auch nicht angeführt. Sodann seien nur Dokumente, die zu den Verfahrensakten
eines laufenden Verfahrens gehörten, vom sachlichen Geltungsbereich des
Öffentlichkeitsgesetzes ausgenommen. Vorliegend werde aber Zugang zu Dokumenten eines
rechtskräftig abgeschlossenen Verwaltungsverfahrens verlangt.
4. Mit Schreiben vom 27. Oktober 2017 bestätigte der Beauftragte gegenüber der Antragstellerin
den Eingang des Schlichtungsantrages und forderte gleichentags die RAB dazu auf, die
betroffenen Dokumente und bei Bedarf eine ergänzende Stellungnahme einzureichen.
5. Am 8. November 2017 reichte die RAB die vom Zugangsgesuch betroffene Verfügung und eine
ergänzende Stellungnahme ein. Darin machte die RAB geltend, das Bundesgesetz über die
Zulassung und Beaufsichtigung der Revisorinnen und Revisoren (Revisionsaufsichtsgesetz,
RAG; SR 221.302) sehe für den Zugang der Öffentlichkeit zu Dokumenten und Informationen
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aus laufenden und abgeschlossenen Verfahren der RAB einen spezialgesetzlichen Vorbehalt
zum Öffentlichkeitsgesetz vor.
6. Am 17. November 2017 fand eine Schlichtungsverhandlung statt, in welcher sich die Parteien
nicht einigen konnten.
7. Auf die weiteren Ausführungen der Antragstellerin und der RAB sowie auf die eingereichten

## Considerations

Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den folgenden Erwägungen eingegangen.
II. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte zieht in Erwägung:
A. Formelle Erwägungen: Schlichtungsverfahren und Empfehlung gemäss Art. 14 BGÖ
8. Die Antragstellerin reichte ein Zugangsgesuch nach Art. 10 BGÖ bei der RAB ein. Diese
verweigerte den Zugang zu den verlangten Dokumenten. Die Antragstellerin ist als
Teilnehmerin an einem vorangegangenen Gesuchsverfahren zur Einreichung eines
Schlichtungsantrags berechtigt (Art. 13 Abs. 1 Bst. a BGÖ). Der Schlichtungsantrag wurde
formgerecht (einfache Schriftlichkeit) und fristgerecht (innert 20 Tagen nach Empfang der
Stellungnahme der Behörde) beim Beauftragten eingereicht (Art. 13 Abs. 2 BGÖ).
9. Das Schlichtungsverfahren findet auf schriftlichem Weg oder konferenziell (mit einzelnen oder
allen Beteiligten) unter Leitung des Beauftragten statt, der das Verfahren im Detail festlegt.1
Kommt keine Einigung zustande oder besteht keine Aussicht auf eine einvernehmliche Lösung,
ist der Beauftragte gemäss Art. 14 BGÖ gehalten, aufgrund seiner Beurteilung der
Angelegenheit eine Empfehlung abzugeben.
B. Materielle Erwägungen
10. Der Beauftragte prüft nach Art. 12 Abs. 1 der Verordnung über das Öffentlichkeitsprinzip der
Verwaltung (Öffentlichkeitsverordnung, VBGÖ; SR 152.31) die Rechtmässigkeit und die
Angemessenheit der Beurteilung des Zugangsgesuches durch die Behörde.2
11. Als Verwaltungseinheit der dezentralen Bundesverwaltung3 untersteht die RAB gemäss Art. 2
Abs. 1 Bst. a BGÖ dem persönlichen Geltungsbereich des Öffentlichkeitsgesetzes, was im
vorliegenden Schlichtungsverfahren auch nicht bestritten wurde. Die verlangten Dokumente
betreffen ein rechtskräftig abgeschlossenes Verwaltungsverfahren der RAB und sind überdies
nicht Teil der Verfahrensakten im aktuell von der Antragstellerin geführten Gerichtsverfahren.
Die Dokumente unterstehen folglich auch dem sachlichen Geltungsbereich des
Öffentlichkeitsgesetzes (Art. 3 BGÖ).
12. Nach Auffassung der RAB stellt Art. 19. Abs. 2 des Revisionsaufsichtsgesetzes jedoch eine
spezialgesetzliche Bestimmung im Sinne von Art. 4 Bst. b BGÖ dar, die dem
Öffentlichkeitsgesetz vorgeht. Bei dieser Bestimmung handle es sich nicht lediglich um eine
allgemeine Umschreibung des Amtsgeheimnisses nach Art. 34 RAG, welches sich auf jene
Informationen beschränke, die gemäss Öffentlichkeitsgesetz nicht öffentlich zugänglich seien.
Vielmehr werde in Art. 19 Abs. 2 RAG eine spezielle Zugangsnorm statuiert, welche dem
Öffentlichkeitsgesetz als lex specialis vorgehe (Art. 4 Bst. b BGÖ). Dieser Regelung liege die
1 Botschaft zum Bundesgesetz über die Öffentlichkeit der Verwaltung (Öffentlichkeitsgesetz, BGÖ) vom 12. Februar 2003,
BBl 2003 2024. 2 GUY-ECABERT, in: Brunner/Mader [Hrsg.], Stämpflis Handkommentar zum BGÖ, Bern 2008 (zit. Handkommentar BGÖ),
Art. 13, Rz 8. 3 Gemäss Anhang 1 der Regierungs- und Verwaltungsorganisationsverordnung (RVOV; SR 172.010.1).
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Überlegung zu Grunde, dass sich aufsichtsrechtliche Massnahmen der RAB praktisch immer
auf Unterlagen und Informationen stützten, die dem Revisionsgeheimnis (Art. 730b Abs. 2 OR)
unterliegen, als Geschäftsgeheimnis des betroffenen Revisionsunternehmens gelten sowie mit
Blick auf den Persönlichkeits- und Datenschutz der betroffenen Personen relevant seien. Neben
der Kollisionsregel der lex specialis führe die Kollisionsregel der „lex posterior derogat legi
priori“ zum selben Ergebnis, da das Revisionsaufsichtsgesetz als jüngeres Gesetz am
1. September 2007 in Kraft getreten sei.
13. Art. 19 RAG trägt die Überschrift „Information der Öffentlichkeit“ und besagt in Abs. 1, dass die
RAB jährlich einen Bericht über ihre Tätigkeit und Praxis veröffentlicht. Gemäss Abs. 2
informiert die RAB über laufende und abgeschlossene Verfahren nur, wenn dies aus Gründen
überwiegender öffentlicher oder privater Interessen erforderlich ist.
14. Der Beauftragte weist darauf hin, dass klar zwischen der aktiven und passiven
Behördeninformation zu unterscheiden ist.4 Die aktive Information, die sog. Information von
Amtes wegen, wird vom Öffentlichkeitsgesetz nicht erfasst.5 Aktive Informationspflichten sind
einerseits spezialrechtlich (bspw. Veröffentlichung von Erlassen und Verträgen gemäss
Publikationsgesetz, die Berichterstattung des Beauftragten nach Art. 30 DSG) und andererseits
allgemein (Art. 180 BV, Art. 10 RVOG) geregelt. Bei der allgemeinen aktiven Information verfügt
die Behörde über einen grossen Ermessenspielraum ob, und in welchem Umfang sie
Informationen veröffentlichen will.6 Das Öffentlichkeitsgesetz regelt hingegen die passive
Information, d.h. den subjektiven Anspruch jeder Person auf Gesuch hin Zugang zu amtlichen
Dokumenten zu erhalten.
15. Nach Ansicht des Beauftragten handelt sich bei der erwähnten Bestimmung im
Revisionsaufsichtsgesetz um eine spezialrechtlich geregelte aktive Informationspflicht der
Behörde. Gemäss Bundesverwaltungsgericht kann aus einer solchen Bestimmung, deren
zufolge die Behörde gewisse Informationen von sich aus (also aktiv) zugänglich zu machen hat,
nicht gefolgert werden, jeder beantragte weitergehende Zugang könne verweigert werden. Dies
gilt schon gar nicht, wenn die entsprechenden Normen nicht klar regeln, welche Informationen
zu veröffentlichen sind, sondern dies dem Ermessen der zuständigen Behörde überlassen.7
Das Recht auf Zugang zu amtlichen Dokumenten auf Gesuch hin besteht demnach vorliegend
unabhängig von der spezialrechtlich geregelten aktiven Informationstätigkeit gemäss Art. 19
RAG. Sie stellt deshalb keine Spezialbestimmung zum Öffentlichkeitsgesetz im Sinne von Art. 4
BGÖ dar.
16. Der Anspruch auf Zugang gemäss dem Öffentlichkeitsgesetz gilt indessen nicht absolut,
sondern wird durch Ausnahmen begrenzt. So sieht beispielsweise Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ vor,
dass der Zugang eingeschränkt, aufgeschoben oder verweigert werden kann, wenn Berufs-,
Geschäfts- oder Fabrikationsgeheimnisse offenbart werden können. Das Öffentlichkeitsgesetz
sieht zudem eine Ausnahme zum Schutz der Privatsphäre Dritter vor (Art. 7 Abs. 2 BGÖ) vor.
Die von der RAB vorgebrachten Persönlichkeitsrechte des betroffenen Revisors sowie allfällige
Geschäftsgeheimnisse können folglich im Rahmen des Verfahrens auf Zugang gemäss
Öffentlichkeitsgesetz berücksichtigt werden.
17. Zusammengefasst gelangt der Beauftragte damit zu folgendem Ergebnis: Es liegt keine
Spezialbestimmung nach Art. 4 BGÖ vor, weshalb das Öffentlichkeitsgesetz im vorliegenden
4 BRUNNER, Persönlichkeitsschutz bei der behördlichen Information der Öffentlichkeit von Amtes wegen: Ein Leitfaden, ZBl
111/2010, 599 ff. 5 BBl 2003 1977. 6 BRUNNER/MADER, Handkommentar BGÖ, Einl. Rz. 86 ff. 7 Urteil des BVGer A-4571/2015 vom 10. August 2016 E. 4.2.
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Fall zur Anwendung gelangt. Er empfiehlt der RAB, im Rahmen ihrer Unterstützungspflicht
(Art. 3 Abs. 1 VBGÖ) der Antragstellerin eine Liste der vom Zugangsgesuch betroffenen
Dokumente zuzustellen, damit diese ihr Zugangsgesuch konkretisieren bzw. eingrenzen kann
(Art. 7 Abs. 3 VBGÖ).8 Im Anschluss gewährt die RAB den Zugang nach Massgabe des
Öffentlichkeitsgesetzes. In Bezug auf das Vorhandensein von allfälligen
Geschäftsgeheimnissen gemäss Art. 7 Abs. 1 Bst. g BGÖ sowie Personendaten (Art. 7 Abs. 2
i.V.m. Art. 9 BGÖ) sind gegebenenfalls vorgängig die betroffenen Drittpersonen anzuhören
(Art. 11 BGÖ).