# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 589e12b6-c4c1-57a3-9f4c-6577b8025052
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ a) X.Y., St. Gallen, ist Staatsangehöriger von Italien. Er ist am 23. Mai 1967 im
Kanton St. Gallen geboren und hier aufgewachsen. Er verfügt über die
Niederlassungsbewilligung. Mit Beschluss der damaligen Vormundschaftsbehörde
Rorschach vom 29. Oktober 1985 wurde er im Drogenrehabilitationszentrum
Lärchenheim (heute Rehabilitationszentrum Lutzenberg), Lutzenberg, platziert. Das
damalige Bezirksgericht Rorschach (heute Kreisgericht) führte die vormundschaftliche
Massnahme am 6. Februar 1986 in eine stationäre Massnahme über. Mit Verfügung
vom 29. Juni 1987 des damaligen kantonalen Justiz- und Polizeidepartements (heute
Sicherheits- und Justizdepartment) wurde er unter anderem deshalb vorzeitig aus der
Massnahme entlassen, weil das Zentrum nicht mehr länger bereit war, die Therapie
fortzuführen. Stattdessen wurde er unter Schutzaufsicht gestellt (Vorakten
Migrationsamt act. 3 ff.). Im Jahr 1992 kam seine Tochter zur Welt. Da er wie seine
ebenfalls drogensüchtige Lebenspartnerin nicht in der Lage war, das Kind zu betreuen,
musste dieses fremdplatziert werden. Die Tochter ist mittlerweile erwachsen und
selbstständig.
b) Dem Urteil des Bezirksgerichts Rorschach vom 6. Februar 1986 lagen verschiedene
Delikte aus den Jahren 1984 bis 1985 zu Grunde (Unzucht mit Kindern, wiederholter
und fortgesetzter Diebstahl und Versuch dazu, Betrugsversuch, wiederholte Hehlerei,
wiederholte und fortgesetzte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz).
Am 10. Juli 1986 wurde er erneut wegen wiederholten Diebstahls, Diebstahlversuchs
und Hehlerei verurteilt. Bis am 11. März 2011 folgten 26 weitere Verurteilungen. Nebst
den immer wiederkehrenden Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz
erfüllte er Tatbestände wie Entwendung zum Gebrauch, gewerbsmässiger- und
bandenmässiger Diebstahl, Hehlerei, Raub, Hausfriedensbruch, Urkundenfälschung,
Tätlichkeit, einfache Körperverletzung, einfache Körperverletzung mit einem
gefährlichen Werkzeug, Betrugsversuch, Sachbeschädigung, fahrlässige Verursachung
einer Feuersbrunst, Drohung und Gewalt gegen Beamte, diverse Verkehrsdelikte und
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Vergehen gegen das Waffengesetz. Diese Straftaten beging er in der Regel wiederholt,
mehrfach und fortgesetzt. Mit seinen insgesamt 28 Verurteilungen kamen
Freiheitsstrafen von insgesamt über sieben Jahren zusammen, wobei die längste 18
Monate betrug.
c) Auf Grund seiner Drogensucht war X.Y. bereits in jungen Jahren häufig arbeitslos
und fürsorgeabhängig. Beim Sozialamt der Stadt St. Gallen sind von den Zahlungen
von rund Fr. 172'000.-- noch gut Fr. 85'000.-- offen. Dazu kommen übernommene
Kinderunterhaltsbeiträge für die Tochter von gut Fr. 30'000.--. Beim Betreibungsamt
der Stadt St. Gallen sind 72 offene Verlustscheine im Betrag von über Fr. 77'000.--
registriert (Vorakten Migrationsamt act. 731 ff.).
B./ Das Sicherheits- und Justizdepartment entliess ihn mit Verfügung vom
11. September 1991 erneut vorzeitig aus dem Strafvollzug. Zwar erachtete es die
Prognose auf Grund seines Vorlebens, der erneuten Straffälligkeit nach der Entlassung
aus dem Vollzug einer stationären Drogentherapie und seiner Flucht aus dem
Strafvollzug nicht ohne Weiteres als gut. Es nahm aber gleichwohl an, dass der
Ausländer aus seinen Straftaten und dem Strafvollzug seine Lehren gezogen habe. Die
erhoffte positive Wandlung sah es darin, dass er gemäss eigenen Angaben keine
Drogen mehr konsumieren würde (Vorakten Migrationsamt act. 42 ff.). Am 31. Oktober
1991, zwei Wochen nach seiner vorzeitigen Entlassung aus dem Strafvollzug (Vorakten
Migrationsamt act. 43), delinquierte X.Y. erneut (Vorakten Migrationsamt act. 4). Auch
in der Folge liess er sich weder von Geld- und Freiheitsstrafen und Bussen davon
abhalten, weiterhin straffällig zu werden. Als er nach der ersten Verurteilung wegen
Drogenhandels am 24. Januar 2008 am 11. März 2011 deswegen erneut verurteilt
werden musste, widerrief das Migrationsamt am 30. November 2011 seine
Niederlassungsbewilligung und forderte ihn auf, die Schweiz bis am 12. Februar 2012
verlassen.
C./ Der Betroffene liess gegen die Wegweisungsverfügung am 15. Dezember 2011
beim Sicherheits- und Justizdepartement Rekurs erheben. Die Rekursinstanz bestätigte
die angefochtene Verfügung mit Entscheid vom 2. November 2012, da sie ebenfalls der
Ansicht war, dass die Niederlassungsbewilligung zu widerrufen sei und der Betroffene
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das Land verlassen müsse, auch wenn seine Anwesenheit in der Schweiz seit Geburt
ein starkes persönliches Interesse am Verbleib zu begründen vermöge.
D./ Dagegen liess der Rekurrent am 21. November 2012 beim Verwaltungsgericht des
Kantons St. Gallen mit dem Antrag Beschwerde erheben, der Rekursentscheid sei
kostenpflichtig aufzuheben und vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei
abzusehen. Mit Beschwerdeergänzung vom 17. Dezember 2012 macht er geltend, er
lebe nunmehr seit über 45 Jahren in der Schweiz und kenne sein Heimatland bloss von
Ferienaufenthalten her. Die Wegweisung würde für ihn einen völligen Neuanfang ohne
jegliche Unterstützung bedeuten. Zwar sei er regelmässig straffällig geworden. Seine
Straftaten stünden aber allesamt im Zusammenhang mit seiner langjährigen
Drogensucht. Davon wolle er nun gemeinsam mit seiner ebenfalls drogensüchtigen
Partnerin loskommen. Seit seiner letzten Verurteilung im März 2011 habe er sich nichts
mehr zuschulden kommen lassen. In Italien kenne er niemanden. Es sei daher
ungewiss, wie sich seine Suchtmittelsituation dort entwickeln werde. Ihm sei aber auch
deshalb unzumutbar, die Schweiz zu verlassen, weil seine mittlerweile erwachsene
Tochter hier lebe, mit der er ein enges Familienverhältnis habe.
E./ Am 20. Dezember 2012 gewährte der Präsident des Verwaltungsgerichts dem
Gesuchsteller die unentgeltliche Prozessführung und -verbeiständung.
F./ Die Vorinstanz beantragt am 3. Januar 2013, die Beschwerde kostenpflichtig
abzuweisen und verzichtet ansonsten auf eine Stellungnahme.
G./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,
soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Für Ausländer gilt das Bundesgesetz über die Ausländer (SR 142.20; abgekürzt
AuG), soweit keine anderen Bestimmungen des Bundesrechts oder von der Schweiz
abgeschlossene völkerrechtliche Verträge zur Anwendung gelangen. Für Angehörige
der EU- und EFTA-Staaten und ihre Familienmitglieder sowie gewisse
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Dienstleistungserbringer kommt es subsidiär zur Anwendung, soweit nicht das
Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der
Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die
Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, abgekürzt FZA) bzw. die entsprechenden
Assoziierungsabkommen mit den EFTA-Staaten abweichende Bestimmungen enthalten
oder wenn es günstigere Bestimmungen vorsieht (Art. 2 AuG; Spescha/Thür/Zünd/
Bolzli, Migrationsrecht, 3. Auflage, Zürich 2012, Rz. 2 zu Art. 2 AuG).
2.1. Auf den italienischen Beschwerdeführer ist nach dem Gesagten das FZA
anwendbar. Die Niederlassungsbewilligung EU/EFTA wird aber nach Massgabe des
nationalen Rechts erlassen und entzogen (vgl. Art. 2 Abs. 2 AuG, Art. 5 und Art. 23
Abs. 2 der Verordnung über die schrittweise Einführung des freien Personenverkehrs
[SR 142.203]). Mit Blick auf das FZA ist dabei zu berücksichtigen, dass eine
strafrechtliche Verurteilung nur insoweit als Anlass für einen Bewilligungswiderruf
herangezogen werden darf, als die ihr zu Grunde liegenden Umstände ein persönliches
Verhalten erkennen lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen
Ordnung darstellt. Art. 5 Anhang I FZA steht aufenthaltsbeendenden Massnahmen -
anders als das Landesrecht - entgegen, die aus generalpräventiven Gründen verfügt
werden. Damit kommt es wesentlich auf das Rückfallrisiko an. Verlangt wird eine nach
Art und Ausmass der möglichen Rechtsgüterverletzung zu differenzierende,
hinreichende Wahrscheinlichkeit, dass der Ausländer auch künftig die öffentliche
Sicherheit und Ordnung stören wird. Je schwerer die möglichen
Rechtsgüterverletzungen wiegen, desto niedriger sind die Anforderungen, welche an
die hinzunehmende Rückfallgefahr zu stellen sind (BGer 2C_839/2011 vom 28. Februar
2012 E. 2.3).
2.2. Die Niederlassungsbewilligung kann unter anderem widerrufen werden, wenn der
Ausländer zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe, das heisst zu einer solchen von mehr
als einem Jahr verurteilt worden ist, wobei mehrere unterjährige Strafen nicht kumuliert
werden (Art. 63 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG; BGE 137 II 297 E. 2).
Dabei spielt es keine Rolle, ob die Sanktion bedingt, teilbedingt oder unbedingt
ausgesprochen wurde (BGer 2C_515/2009 vom 27. Januar 2010 E. 2.1). Ein Widerruf
ist zudem zulässig, wenn der Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Schweiz oder im Ausland verstossen hat
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oder diese gefährdet (Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG). Das ist regelmässig dann der Fall, wenn
er durch seine Handlungen besonders hochwertige Rechtsgüter verletzt oder in Gefahr
bringt; der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung ist aber auch dann zulässig, wenn
der Ausländer sich von strafrechtlichen Massnahmen nicht beeindrucken lässt und
damit zeigt, dass er auch künftig weder gewillt noch fähig ist, sich an die
Rechtsordnung zu halten, was jeweils im Rahmen einer Gesamtbetrachtung zu prüfen
ist (BGer 2C_839/2011 vom 28. Februar 2012 E. 2.1).
2.3. Je länger eine ausländische Person in der Schweiz gelebt hat, desto strengere
Anforderungen sind an Entfernungs- und Fernhaltemassnahmen zu stellen. Die
genannten Widerrufsgründe gelten jedoch auch bei Niederlassungsbewilligungen
ausländischer Personen, die sich seit mehr als 15 Jahren ununterbrochen und
ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten (Art. 63 Abs. 2 AuG). Die Wegweisung ist
selbst bei ausländischen Personen der "zweiten Generation", die in der Schweiz
geboren sind und hier ihr ganzes bisheriges Leben verbracht haben, bei Gewaltdelikten
bzw. wiederholter schwerer Straffälligkeit nicht generell ausgeschlossen. Solche
Ausländer dürfen allerdings in der Regel nicht schon wegen eines einzelnen Delikts
weggewiesen werden, sondern nur bei wiederholten Straftaten von einigem Gewicht,
etwa bei Gewalt-, Sexual- und Betäubungsmitteldelikten (BGer 2C_371/2012 vom
20. Dezember 2012 E. 2.3 mit Hinweisen) bzw. wenn die ausländische Person - statt
sich zu bessern - mit der deliktischen Tätigkeit fortfährt und sich namentlich immer
schwerere Straftaten zu Schulden kommen lässt. Ausschlaggebend ist die
Verhältnismässigkeit der Massnahme im Einzelfall, die praxisgemäss gestützt auf die
gesamten wesentlichen Umstände geprüft werden muss (BGer 2C_50/2012 vom
28. September 2012 E. 5.3.3, BGer 2C_828/2011 vom 12. Oktober 2012 E. 5.3).
2.4. Seit Eintritt ins Erwachsenenalter delinquierte der Beschwerdeführer konstant,
wofür er zum Teil mehrmals pro Jahr bestraft werden musste, unter anderem mit
mehrmonatigen Freiheitsstrafen. So erhielt er im Jahr 1986 eine Freiheitsstrafe von
zehn Monaten, im Jahr 1989 zwei von zwölf und acht Monaten, im Jahr 1990 eine von
sieben Monaten, im Jahr 1994 wiederum zwei von vier und zwölf Monaten, im Jahr
1996 eine von sieben Monaten, im Jahr 2002 eine von zwei Monaten, im Jahr 2008
eine von 18 Monaten und im Jahr 2011 eine solche von elf Monaten. Allein mit der
Gefängnisstrafe im Jahr 2008 von 18 Monaten hat er den Widerrufsgrund gemäss
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Art. 62 lit. b AuG erfüllt. Damit kann offenbleiben, ob er mit seinen zahlreichen übrigen
Verurteilungen und seinen Schulden zudem in schwerwiegender Weise gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen bzw. diese gefährdet und damit den
Widerrufsgrund gemäss Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG ebenfalls erfüllt hat. Diese werden
aber im Rahmen der nachfolgenden Verhältnismässigkeitsprüfung gemäss Art. 96 Abs.
1 AuG und Art. 8 Ziff. 2 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (SR 0.101, abgekürzt EMRK) zu berücksichtigen sein (BGer
2C_50/2012 vom 28. September 2012 E. 5.1).
3. Liegt ein Widerrufsgrund vor, müssen die Behörden darüber hinaus prüfen, ob die
Wegweisung verhältnismässig ist (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung, [SR 101,
abgekürzt BV], BGer 2C_828/2011 vom 12. Oktober 2012 E. 5.3). Dabei
berücksichtigen sie nach Art. 96 Abs. 1 AuG die öffentlichen Interessen und die
persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration.
3.1. Der Beschwerdeführer ist seit über 25 Jahren drogensüchtig und in diesem
Zusammenhang laufend straffällig geworden. Ausländerrechtlich fällt dabei besonders
ins Gewicht, dass er nebst seinem permanenten Konsum von Heroin, Kokain und
anderen illegalen Suchtmitteln in den letzten fünf Jahren zusätzlich zwei Mal wegen
Drogenhandels verurteilt werden musste. Dabei ging das Strafgericht davon aus, dass
er und seine Partnerin einen "regen Betäubungsmittelhandel" (Vorakten Migrationsamt
act. 421) betrieben haben. In diesem Zusammenhang kam es auch zur
Gewaltanwendung, indem er einem Kunden, der bei der Abwicklung eines der
Drogengeschäfte seinen Fuss zwischen Tür und Rahmen stellte, mit einem Messer in
dessen Schuh stach, bis dieser den Fuss verletzt wieder zurückziehen musste
(Vorakten Migrationsamt act. 323). Damit hat der Beschwerdeführer Straftaten
begangen, in deren Zusammenhang das Bundesgericht - in Übereinstimmung mit der
in Europa herrschenden Rechtsüberzeugung - ausländerrechtlich eine strenge Praxis
verfolgt (BGer 2C_28/2010 vom 25. März 2011 E. 2.3 mit Hinweisen).
3.2. Die Strafverfolgungsbehörden und -gerichte haben immer wieder zu Gunsten des
Beschwerdeführers angenommen, dass er sich künftig wohlverhalten werde. So sprach
der Strafrichter am 24. Januar 2008 auch die 18-monatige Freiheitsstrafe bedingt aus.
Das Gleiche gilt für die letzte Verurteilung vom 11. März 2011. Demgegenüber kamen
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das Migrationsamt und das Sicherheits- und Justizdepartement bei der Überprüfung
der Niederlassungsbewilligung übereinstimmend zum Schluss, dass der
Beschwerdeführer auf Grund seines jahrelangen Fehlverhaltens, das im wiederholten
Drogenhandel gipfelte, entgegen seiner Beteuerungen eine gegenwärtige Gefährdung
der öffentlichen Ordnung darstelle. In dieser unterschiedlichen Prognosenbeurteilung
besteht indes kein Widerspruch. Der Grund für die gegenteilige Einschätzung der
verschiedenen Behörden liegt darin, dass nach den Bestimmungen des neuen
allgemeinen Teils des Strafgesetzbuches (Art. 42 Abs. 1, SR 311.0) der bedingte
Strafvollzug keine günstige Prognose voraussetzt, sondern allein das Fehlen einer
ungünstigen Prognose genügen lässt. Damit bildet im weiten Bereich prognostischer
Unsicherheit der Strafaufschub die Regel. In fremdenpolizeilicher Hinsicht indessen
kommt für die Legalprognose - mit Blick auf das im Vordergrund stehende Interesse
der öffentlichen Ordnung und Sicherheit - ein strengerer Beurteilungsmassstab zum
Tragen als im strafrechtlichen Sanktionenrecht. Während sich also das Strafrecht auf
die Resozialisierungschancen des Straftäters fokussiert, steht für die
Ausländerbehörden das Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit im
Vordergrund. Die Ausländerbehörden haben eine umfassende Interessenabwägung
aller öffentlichen und privaten Interessen vorzunehmen, woraus sich ein im Vergleich
mit den Straf- und Strafvollzugsbehörden strengerer Beurteilungsmassstab ergibt
(BGer 2C_218/2011 vom 4. Januar 2012 E. 3.3.1 mit Hinweisen; BGer 2C_1026/2011
vom 23. Juli 2012 E. 4.2 mit Hinweisen; BGE 120 1b 129 E. 5b). Ausländerrechtlich fällt
massgeblich ins Gewicht, dass der Beschwerdeführer die einschlägigen Straftaten
während der letzten Jahre nicht mehr nur als Konsument, sondern auch als
Drogenhändler begangen hat und dabei nicht bloss als Gehilfe seiner Lebenspartnerin,
sondern als Mittäter mitgewirkt hat (Vorakten Migrationsamt act. 411).
3.3. Das Gericht stimmt der Vorinstanz insofern zu, als sein Verschulden insbesondere
wegen der letzten beiden Verurteilungen in den Jahren 2008 und 2011 zu insgesamt 24
Monaten in ausländerrechtlicher Hinsicht schwer wiegt. Der Beschwerdeführer wendet
zwar ein, dass diese Delikte wiederum im Zusammenhang mit seiner Drogensucht
gestanden hätten. Seine Sucht wurde aber wie bei all seinen vorherigen Strafen im
Rahmen der Einsatzstrafe bereits gebührend berücksichtigt. Dazu kommt, dass er mit
dem wiederholten Drogenhandel nicht nur sich selber geschadet hat, sondern auch die
Gesundheit einer Vielzahl von anderen Personen erheblich gefährdete. Auch wenn sein
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während Jahrzehnten dauernder Drogenmissbrauch eine Erklärung für sein
fortwährendes Strafverhalten ist, muss er sich gleichwohl entgegenhalten lassen, dass
er eigenverantwortlich für sein Verhalten blieb. Am 18. Mai 2011 wurde einzig eine
altrechtliche Beistandschaft errichtet (Vorakten Migrationsamt act. 435).
3.4. Für die ausländerrechtliche Prognose, ob der Beschwerdeführer sich künftig
wohlverhalten werde, fällt massgeblich ins Gewicht, dass er im Jahr 2008 unter
anderem wegen Drogenhandels verurteilt und noch während der Probezeit erneut des
Drogenhandels überführt werden musste. Damit hat er nach seinem jahrelangen
Drogenkonsum und der damit zusammenhängenden Beschaffungskriminalität eine
neue Schwelle überschritten, sich zugleich als unbelehrbarer Straftäter erwiesen und
dabei eine erhebliche Geringschätzung der hiesigen Gesellschaft und ihrer
Rechtsordnung gegenüber an den Tag gelegt. Die qualifizierten Drogendelikte hat er
begangen, obwohl er seit Jahren am staatlichen Methadonprogramm teilnimmt, womit
er legal genügend Ersatzstoffe hätte beziehen können. Auch sonst sind keine
entschuldbaren Umstände erkennbar, weshalb er sich von einer Drittperson zur
Teilnahme am Drogenhandel verleiten liess. Nachdem seine Partnerin zwischenzeitlich
vorzeitig aus dem Strafvollzug entlassen wurde, lebt er wiederum mit jener Person
zusammen, die ihn zum getätigten Rauschgifthandel verleitete und erklärtermassen
weder fähig noch willens ist, vom Konsum illegaler Drogen abzulassen (VerwGE B
2012/127 vom 12. März 2013 E. 4.3. in: www.gerichte.sg.ch). Damit hat sich an seiner
bisherigen Situation, in der er sich konstant fehlverhalten hat, nichts geändert.
Demnach stellt der Beschwerdeführer weiterhin eine grosse Gefahr für die hiesige
öffentliche Ordnung und Sicherheit dar, selbst wenn er seit dem Widerruf der
Niederlassungsbewilligung, unter dem Druck des laufenden Wegweisungsverfahrens,
nicht mehr delinquiert haben mag. Darüber hinaus weist er nicht nach, inwiefern er
seine bisherigen langjährigen Lebensgewohnheiten durchbrochen habe. Im Hinblick auf
seine letzte Verurteilung im Jahr 2011 wünschte er sich zwar noch, endlich von den
Drogen wegzukommen und mit seiner Partnerin eine Familientherapie zu machen
(Vorakten Migrationsamt act. 206). Den Tatbeweis dafür ist er in den letzten zwei
Jahren aber schuldig geblieben. Somit ist es unglaubwürdig, dass er ernsthaft willens
bzw. in der Lage ist, nach seiner über 25-jährigen Drogenkarriere nunmehr straffrei zu
leben.
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3.5. An der mangelnden Prognose, dass der Beschwerdeführer voraussichtlich nicht
mehr einschlägig delinquieren werde, vermag auch der Bericht seiner Betreuerin im
Methadonsubstitutionsprogramm vom 5. Oktober 2011 (Vorakten Migrationsamt
act. 477) nichts zu ändern. Die Sozialarbeiterin bestätigt zwar, dass er bis auf ein paar
Ausrutscher ein sehr anständiger Patient gewesen sei. Im gleichen Zug musste sie aber
einräumen, dass sämtliche Entzugstherapien ausnahmslos gescheitert seien. Das
ebenfalls angeführte enge Verhältnis zu seiner Tochter muss insofern relativiert werden,
als seine Betreuerin offensichtlich fälschlicherweise davon ausging, dass der
Beschwerdeführer seit der Geburt seines Kindes keine grösseren Delikte mehr
begangen habe. Tatsächlich hatte seine Rolle als Vater aber keinerlei Auswirkungen auf
sein Wohlverhalten. Davon abgesehen, dass er nicht in der Lage war, seine Tochter
selber gross zu ziehen, weshalb sie fremdplatziert werden musste, hielt ihn seine
Verantwortung als Vater nicht davon ab, weiterhin regelmässig straffällig zu werden.
Seit der Geburt seines Kindes im Jahr 1992 kamen so 17 Verurteilungen zusammen,
wofür er von Geldstrafen und zahlreichen Bussen abgesehen allein seit dessen Geburt
Gefängnisstrafen von insgesamt vier Jahren verwirkte. Damit war seine Beziehung zur
Tochter offensichtlich weder Halt noch Antrieb, seine Drogensucht zu überwinden und
sich fortan rechtskonform zu verhalten. Das Gleiche gilt im Übrigen für die Beziehung
zu seiner langjährigen Lebenspartnerin. Diese verleitete und involvierte ihn im Gegenteil
dazu, erheblich straffällig zu werden. Dabei war er wie bereits gesagt nicht ihr
willenloses Werkzeug, sondern wirkte insbesondere beim Drogenhandel im vollen
Bewusstsein mit, dass er damit seine Bewährung "versauen" werde (Vorakten
Migrationsamt act. 411).
3.6. Der Beschwerdeführer macht auch in diesem Verfahren wiederum geltend, dass er
fortan drogen- und straffrei leben wolle. Diese Absicht hegt er nun aber bereits seit
vielen Jahren erfolglos. Sodann ist nicht erkennbar, inwiefern es ihm nach dieser
langen Zeit auf einmal gelingen sollte, nunmehr straffrei zu leben, zumal er an seiner
Lebenssituation nichts geändert hat. Er lebt im Gegenteil wiederum mit seiner ebenfalls
drogensüchtigen und mehrfach vorbestraften Partnerin zusammen, die ihn
augenscheinlich ungünstig beeinflusst und ihrerseits nicht vom Drogenkonsum
ablassen will. Damit muss vielmehr davon ausgegangen werden, dass der
Beschwerdeführer auch künftig eine schwere und gegenwärtige Gefährdung der
öffentlichen Ordnung im Sinn von Art. 5 Anhang I FZA darstellt.
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3.7. Die Vorinstanz hat nicht verkannt, dass der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung den Beschwerdeführer hart treffen wird. Er ist hier geboren,
hat in der Schweiz die Schulen besucht und eine Berufsausbildung gemacht. Damit
gehört er zur Kategorie der Ausländer der "zweiten Generation". Der Beschwerdeführer
ist aber bereits seit mehr als 20 Jahren nicht mehr erwerbstätig und auch sonst kaum
integriert. Seine Tochter ist mittlerweile volljährig und selbstständig. Für ihren Unterhalt
und ihre Erziehung hat er kaum etwas beigetragen. Den bisherigen Kontakt mit ihr kann
er aufrechterhalten, auch wenn er sich fortan im benachbarten Italien aufhält.
Gegenseitige Besuche werden in Italien oder in der Schweiz möglich bleiben. Anders
als die altrechtliche Ausweisung stellt ein Bewilligungswiderruf keine
Fernhaltemassnahme mehr dar. Ein allfälliges Einreiseverbot müsste vielmehr
zusätzlich vom zuständigen Bundesamt verfügt werden (Art. 67 AuG). Allein durch die
hier streitige Massnahme werden Reisen in die Schweiz zu Besuchszwecken bei
Erfüllung der gesetzlichen Einreisevoraussetzungen nicht verunmöglicht (VerwGE B
2012/75 vom 15. Oktober 2012 E. 3.4.4., abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Nebst
dem, dass der Beschwerdeführer sein Heimatland auf Grund verschiedener Besuche
und Urlaube vertraut ist, wird auch seine langjährige Lebenspartnerin nach Italien
ausreisen müssen, die dort noch ihre Familie hat (VerwGE B 2012/127 vom 12. März
2013, abrufbar unter: www.gerichte.sg.ch). Die soziokulturellen und ökonomischen
Rahmenbedingungen in Italien, einem langjährigen EU-Mitgliedland, sind mit den
hiesigen vergleichbar. Auch Methadon- und Buprenorphinbehandlungen sind in Italien
möglich (www.indroonline.de/italien.htm). Der Beschwerdeführer ist nicht gänzlich
unbeholfen. Trotz seines Drogenproblems ist er durchaus in der Lage, seine Eltern, die
nach Spanien ausgewandert sind, regelmässig zu besuchen (Vorakten Migrationsamt
act. 327 und 477).
3.8. Der Beschwerdeführer lebt seit Jahren mit der Mutter seiner Tochter, einer
ebenfalls in der Schweiz niedergelassenen Italienerin zusammen. Auf Grund dieser
stabilen faktischen Familiengemeinschaft kann er sich grundsätzlich auf den Schutz
des Familienlebens gemäss Art. 8 EMRK berufen (BGer 2C_634/2011 vom 27. Juni
2012 E. 4.2.2). Da ihre Niederlassungsbewilligung zwischenzeitlich ebenfalls widerrufen
wurde, wird auch sie das Land verlassen und nach Italien ausreisen müssen, weshalb
der Konventionsschutz zum Vornherein nicht zum Tragen kommt. Der
Beschwerdeführer und seine Partnerin werden mit Hilfe ihrer vor Ort lebenden Eltern
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bzw. der staatlichen Stellen des Sozialstaats in Italien zusammen eine neue Existenz
aufbauen können bzw. müssen, auch wenn seine ursprüngliche Kernfamilie, seine
Eltern und Geschwister, nicht (mehr) in Italien leben. Ihre gemeinsame erwachsene
Tochter hat ein eigenständiges Aufenthaltsrecht in der Schweiz und ist weder finanziell
noch sonst von ihren Eltern abhängig. Damit fällt auch die Eltern-Tochter-Beziehung
nicht unter den Schutzbereich der EMRK (BGer 2C_1/2013 vom 16. Januar 2013 E.
3.2.1 mit Hinweisen).
3.9. Auf Grund des Gesagten überwiegt das öffentliche Interesse an der Wegweisung
des Beschwerdeführers seine privaten Interessen am weiteren Verbleib in der Schweiz,
womit sich der vorinstanzliche Entscheid auch als verhältnismässig und damit
rechtmässig erweist.
4. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung des Beschwerdeführers sowohl im Sinn des nationalen
Rechts als auch nach dem FZA zu Recht bestätigt hat. Da der Beschwerde
aufschiebende Wirkung zukam, war der Beschwerdeführer vorderhand weiterhin
berechtigt, sich in der Schweiz aufzuhalten (Art. 59 Abs. 2 der Verordnung über
Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit, SR 142.201). Nachdem die angesetzte
Ausreisefrist zwischenzeitlich abgelaufen ist, wird ihm das Migrationsamt eine neue
angemessene Ausreisefrist ansetzen (Art. 66 Abs. 2 AuG). Die Beschwerde ist folglich
abzuweisen.
5. (...).