# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1cddd612-7d8f-44f5-8973-d1a908c0422d
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Y. wurde am 2. März 1975 in A. geboren. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Im Jahre 1999 kam er in die Schweiz. Er ist gelernter Holztechniker. Nachdem er in der Schweiz für verschiedene Unternehmen vorwiegend als Chauffeur tätig war, folgte am 1. Dezember 2011 eine Anstellung bei der B. AG, C., wo er heute noch als Chauffeur für die D. tätig ist. Er erzielt ein monatliches Nettoeinkommen in der Höhe von Fr. 4‘200.--. Er hat Schulden in der Höhe von Fr. 10‘000.-- und unterstützt seine in Bosnien lebende Mutter monatlich mit rund Fr. 500.--. Im schweizerischen Zentralstrafregister und im ADMAS-Register ist Y. mit keinen Einträgen verzeichnet.
B. Am 25. Mai 2012 eröffnete die Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) ein Strafverfahren gegen Y.. Am 12. März 2012, mitgeteilt am 16. März 2012, erliess die Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen Y., sprach ihn der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG (Art. 66 Abs. 1 SSV) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig und bestrafte ihn mit einer Busse von Fr. 300.--, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von drei Tagen. Gegen diesen Strafbefehl erhob Y. am 23. März 2012 Einsprache, worauf die Staatsanwaltschaft in der Folge die Strafuntersuchung ergänzte und insbesondere eine Einvernahme von Y. alleine sowie im Konfront mit J. durchführte. Mit Parteimitteilung vom 4. Juni 2012, mitgeteilt am 5. Juni 2012, teilte die Staatsanwaltschaft Y. den Abschluss der Strafuntersuchung mit und räumte ihm eine Frist von 10 Tagen ein, um allfällige Beweisanträge zu stellen, was er unterliess.
C. Mit Anklageschrift vom 24. Juli 2012, mitgeteilt am 25. Juli 2012, erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Y. wegen der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG (Art. 66 Abs. 1 SSV) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG. Dieser Anklage legte die Staatsanwaltschaft folgenden Sachverhalt zu Grunde:
„Am 27. Januar 2012, ca. 09.51 Uhr, fuhr Y. mit dem Linienbus, Mercedes Benz, E., auf der F. von G. Richtung H.. Bereits von weitem gewahrte er, dass bei der Einfahrt zum Parkplatz des I. ein Securitas-Angestellter - es handelte sich um J. - den Verkehr regelte. Da in diesem Moment ein Fahrzeugkonvoi aus Richtung H. herannahte und gleichzeitig zwei Kleinbusse den Parkplatz des I. Richtung G. verlassen wollten, gab J., der in der Mitte der Fahrbahn stand, zunächst ein Haltezeichen, indem er den linken Arm in die Höhe hielt. Anschliessend erteilte er den Kleinbussen freie Fahrt, indem er diesen Fahrzeugen zuwinkte bzw. beide Arme ausgestreckt und angewinkelt in die Höhe hielt. Der Beschuldigte hielt
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jedoch den Linienbus pflichtwidrig nicht an. In der Folge kam es zu einer frontalseitlichen Kollision zwischen dem Linienbus und dem zweiten, aus dem Parkplatz herausfahrenden Kleinbus, einem VW D Multivan, K., der von L. gelenkt wurde. Am Linienbus und dem Personenwagen entstand ein Sachschaden von je ca. CHF 5‘000.00.“
Die Staatsanwaltschaft erklärte den Verzicht auf eine Vorladung zur Hauptverhandlung. Der Schlussbericht wurde in die Anklageschrift integriert.
D. Die Hauptverhandlung, zu welcher mit prozessleitender Verfügung vom 21. September 2012 vorgeladen wurde, fand am 25. Oktober 2012 vor dem Bezirksgericht Prättigau/Davos statt. Mit Schreiben vom 2. Oktober 2012 stellte der private Verteidiger von Y., Rechtsanwalt lic. iur. Peter Portmann, den Antrag auf Einvernahme von M. als Zeugin. Bei der Hauptverhandlung anwesend war Y. als Beschuldigter in Begleitung seines Rechtsvertreters. Die Staatsanwaltschaft war nicht zugegen. Zudem wurde M. anlässlich der Hauptverhandlung als Zeugin einvernommen. Die Parteien stellten die folgenden Schlussanträge:
Anträge der Staatsanwaltschaft Graubünden
1. Y. sei der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG (Art. 66 Abs. 1 SSV) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG schuldig zu sprechen.
2. Die beschuldigte Person sei mit einer Busse von CHF 300.00 zu bestrafen, bei schuldhafter Nichtbezahlung mit einer Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
3. Die Kosten des Verfahrens seien der beschuldigten Person zu überbinden.
Anträge von Y.
1. Y. sei der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG (Art. 66 Abs. 1 SSV) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG frei zu sprechen.
2. Die Kosten des Verfahrens seien durch die Staatskasse zu tragen.
3. Der Angeklagte sei für die ihm entstandenen Aufwendungen für die angemessene Vertretung seiner Interessen vollumfänglich zu entschädigen.
E. Gegen das am 25. Oktober 2012 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und ohne schriftliche Begründung am 30. Oktober 2012 mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Prättigau/Davos meldete die Staatsanwaltschaft am 1. November 2012 (Poststempel: 5. November 2012) Berufung an.
F. Daraufhin teilte das Bezirksgericht Prättigau/Davos den Parteien am 4. Januar 2013 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es wie folgt:
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„1. Y. wird vom Vorwurf der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG (Art 66 Abs. 1 SSV) in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG freigesprochen.
2. Die Kosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von CHF 1‘572.40 trägt der Kanton Graubünden. Die Gerichtsgebühr von CHF 4‘000.00 geht zulasten der Bezirksgerichtskasse Prättigau/Davos.
3. Y. wird aus der Bezirksgerichtskasse Prättigau/Davos mit CHF 5‘345.95 (inkl. Barauslagen und MwSt.) ausseramtlich entschädigt.

## Considerations