# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** de260ac7-3c4b-43b9-a5bf-c317031c16b3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1992, war durch ihren Lehrbetrieb, die
Y._
AG, bei der
HDI-Gerling Industrie Versicherung AG
(nachfolgend:
HDI-Gerling
)
obligatorisch gegen Berufs- und Nichtberufsunfälle versichert. Mit Unfallmeldung vom
5.
Januar 2010
teilte
der Arbeitgeber der Versicherung
mit
,
X._
habe
am
4.
Dezember 2009
während des Turnunterrichts an der Berufsschule
einen Unfall erlitten. Beim Trampolinspringen sei sie "komisch" auf den Füssen gelandet und habe
sich
dabei einen Bandscheibenvorfall
zugezogen
(Urk. 1
1/A1). Am
5.
Dezember 20
09
suchte die Versicherte
Dr.
med.
Z._
, Innere Medizin FMH, auf, welche eine Stauchung der Brustwirbelsäule (BWS) mit Deckplatten-Impressionsfraktur BWK 9 und leichter
Diskusprotrusion
BWK 7/8 diagnostizierte, Physiotherapie und entzündungshemmende
Medika
mente
verschrieb und eine mehrwöchige Arbeitsunfähigkeit attestierte (Urk. 12/M9). Die
HDI-Gerling
befragte
X._
zweimal (am 1
2.
Februar und am
4.
Mai 2010) s
chriftlich
zum Unfallhergang (Urk. 11/A4 und Urk. 11/A9) und holte weitere medizinische Unterlagen
, u.a.
verschiedene Berich
t
e von
Prof. Dr.
med.
A._
, Orthopädische Chirurgie FMH, spez. Wirbelsäulenchirurgie,
Einrichtung B._
,
in C._
, ein (Urk. 12/M11-
M
13).
Gestützt darauf lehnte die HDI-Gerling ihre Leistungspflicht für den Vorfall vom
4.
Dezember 20
09
ab, da
weder ein Unfall im Rechtssinne noch eine unfallähnliche Körperschädigung vorliege (Verfügung vom
1.
Oktober 2010, Urk. 11/A25). Die Einsprache der Versicherten wies sie mit Entscheid vom 1
4.
Oktober 2011 ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen liess
X._
mit Eingabe vom 1
4.
November 2011 Beschwerde erheben und beantragen, es seien die gesetzlichen Leistungen aus UVG aus dem Unfallereignis vom
4.
Dezember 20
09
auszurichten (Urk. 1).
Die Beschwerdegegnerin ersuchte mit Beschwerdeantwort vom
7.
März 2012 um Abweisung der Beschwerde (Urk. 10; der Beschwerdeführerin zugestellt am 2
6.
März 2012, Urk. 13).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach
Art.
6 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) wer
-
den
- soweit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Versicherungsleistungen bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufskrankheiten gewährt (
Abs.
1).
Ein Unfall ist gemäss
Art.
4 des Allgemeinen Teils des So
zialversicherungsrechts (ATSG)
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines unge
wöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
1.2
Sofern nicht eindeutig auf eine Erkrankung oder eine Degeneration zurückzufüh
ren, sind
auch ohne ungewöhnliche äussere
Einwirkung
die
in
Art. 9
Abs.
2
der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV)
abschliessend aufgeführten Körperschädigungen
(
Knochenbrüche
,
Verrenkungen von Gelen
ken
,
Meniskusrisse
,
Muskelrisse
,
Muskelzerrungen
und
Sehnenrisse
)
den
Unfäl
len gleichgestellt
.
1.3
Mit Ausnahme der Ungewöhnlichkeit müssen
somit
auch bei den unfallähnlichen Körperschädigungen die übrigen Tatbestandsmerkmale des Unfallbegriffs erfüllt sein. Vorausgesetzt wird ein äusseres Ereignis, d.h. ein ausserhalb des Körpers liegender, objektiv feststellbarer, sinnfällige
r
Vorfall. So ein solches Ereignis mit Einwirkung auf den Körper nicht stattgefunden hat, und sei es auch nur als Auslöser eines in
Art.
9
Abs.
2 UVV aufgezählten Gesundheitsschadens, liegt eine eindeutig krankheits- oder degenerativ bedingte Gesundheitsschädigu
ng vor (BGE 129 V 466
E. 2.2).
Die schädigende äussere Einwirkung kann in einer körpereigenen Bewegung bestehen (vgl. die in BGE 129 V 466 E. 4.1 aufgezählten Beispiele). Ausge
schlossen sind zunächst all jene Fälle, in denen der äussere Faktor mit dem (erstmaligen) Auftreten der für einen der in
Art.
9
Abs.
2
lit
. a-h UVV enthalte
nen Gesundheitsschäden typischen Schmerzen gleichgesetzt wird. Das Auftreten der Schmerzen als solches ist kein äusserer (schädigender) Faktor im Sinne der Rechtsprechung. Mit anderen Worten kann von einem erforderlichen äusseren schädigenden Faktor dort nicht gesprochen werden, wo die versicherte Person nur das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen in zeitlicher Hinsicht
anzugeben vermag (BGE 129 V 466
E. 4.2.1). Auch nicht erfüllt ist das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors, wenn das (erstmalige) Auftreten von Schmerzen mit einer blossen Lebensverrichtung einhergeht, welche die versicherte Person zu beschreiben in der Lage ist. Für die Bejahung eines äusseren, auf den
menschlichen Körper schädigend einwirkenden Faktors ist stets ein Geschehen verlangt, dem ein gewisses gesteigertes Gefährdungspotenzial innewohnt. Das ist zu bejahen, wenn die zum einschiessenden Schmerz führende Tätigkeit im Rahmen einer allgemein gesteigerten Gefahrenlage vorgenommen wird, wie dies etwa für viele sportliche Betätigungen zutreffen kann. Der äussere Faktor mit erheblichem Schädigungspotenzial ist sodann auch zu bejahen, wenn die in Frage stehende Lebensverrichtung einer mehr als physiologisch normalen und psychologisch beherrschten Beanspruchung des Körpers, insbesondere s
einer Gliedmassen, gleichkommt
(BGE 129 V 4
66
E. 4.2.2). Erfüllt ist demgegenüber das Erfordernis des äusseren schädigenden Faktors bei Änderung der Körper
lage, die nach unfallmedizinischer Erfahrung häufig zu körpereigenen Traumen führen können, also im Sinne der bisherigen Rechtsprechung das plötzliche Aufstehen aus der Hocke, die heftige und/oder belastende Bewegung und die durch äussere Einflüsse unkontrollierbare Änderung der Körperlage (BGE 129
V
4
66
E. 4.2.3
).
2.
Während die Beschwerdeführerin davon ausgeht, dass der Vorfall vom 4.
Dezember 20
09
sämtliche Merkmale eines Unfalles gemäss Art. 4 ATSG erfüllt (Urk. S. 3 f.), macht die Beschwerdegegnerin geltend, bei besagtem
Tram
polinsprung
habe sich nichts Aussergewöhnliches oder Programmwidriges ereignet
, weshalb mangels eines ungewöhnlichen äusseren Faktors kein Unfall vorliege (Urk. 2 S. 3 unten).
Gegenüber der erstbehandelnden Ärztin beschrieb die Beschwerdeführerin den Vorfa
ll folgendermassen "Am 4.1
2.
in der Schule beim Trampolinspringen beim Landen plötzlich Knacken in der mittleren BWS verspürt" (Urk. 12/M9). Im Fra
gebogen zuhanden der Beschwerdegegnerin führte
sie zum Hergang aus: "Ich bin falsch auf dem Trampolin gelandet als es mir einen Schlag auf den Rücken gab" (Urk. 12/A4). Angesichts dieser vagen Beschreibung verlangte die Beschwerdegegnerin detaillierte Angaben darüber, was mit "falscher Landung" gemeint sei.
Die Beschwerdeführerin
wurde explizit gefragt, ob sie gestürzt sei oder den Fuss umgeknickt oder verdreht habe. Hierauf präzisierte die Beschwer
deführerin, sie sei mit gestreckten Beinen auf dem
Trampolin
gelandet, als es auf einmal einen Schlag gegeben habe und sie vor Schmerzen nicht mehr habe atmen können (Urk. 12/A9). Mit der Beschwerdegegnerin (vgl. Urk. 2 S. 3) ist diese Aussage als klar und eindeutig zu
interpretieren
. Es sind sowohl ein Sturz wie eine andersgeartete unkoordinierte Bewegung auszuschliessen. Dass beim Trampolinspringen
bei den einfachsten Sprüngen
mit gestreckten Beinen gelan
det wird
,
liegt im Wesen dieser Sportart. Was die Beschwerdeführerin zur
potentiellen Gefährlichkeit des Trampolinspringens ausführt (Urk. 1 S. 4), ist für den
vorliegenden
konkreten Fall
unbehelflich
. Die Beschwerdeführerin behaup
tet selber nicht, sie habe einen schwierigen oder schwer beherrschbaren Sprung ausgeführt
,
noch
dass sie etwa mit hohlem Kreuz gelandet sei.
Nach der Recht
sprechung wird
eine Einwirkung ohne offensichtliche Schadensneigung erst durch das Hinzukommen eines zusätzlichen Ereignisses zum ungewöhnlichen äusseren Faktor.
Es bedarf
eines schadensspezifischen Zusatzgeschehens, damit ein Unfall angenommen werden kann
.
Es muss etwas
Besonderes ("
Programm
widriges
" oder "Sinnfälliges")
hinzutreten.
Ein solches Zusatzgeschehen - und mit diesem das Merkmal des ungewöhnlichen äusseren
Faktors
im Sinne einer den normalen Bewegungsablauf störenden Programmwidrigkeit - ist
vorliegend nicht
gegeben
(
vgl
dazu
BGE 134 V 72 E. 4.3.2.1)
.
3.
Die Beschwerdegegnerin hat im Weiteren in der Beschwerdeantwort darauf hinge
wiesen, dass selbst wenn mit der behaupteten Deckplatten-Impressionsfraktur einer der in Art. 9 Abs. 2 UVV aufgelisteten Körperschäden vorliegen sollte,
die Voraussetzungen einer unfallähnlichen Körperschädigung mangels äusseren Faktors nicht erfüllt
wären
. Die Beschwerdeführerin habe keinen unkontrollierten Sprung ausgeführt
, bei
welchem die physiologisch normale Belastung überschritten worden wäre. Es sei mit anderen Worten zu keinem Hinzutreten einer belastenden Bewegung, einer sinnfälligen Einwirkung auf den Körper der Beschwerdeführerin, gekommen. Das Vorliegen einer unfallähnlichen Körperschädigung sei damit zum vornherein zu verneinen (Urk. 10 S. 11 f.). Dieser Auffassung ist ohne weiteres zuzustimmen. Wie sich aus vorstehender E. 2 ergibt,
ist nicht nur die Ungewöhnlichkeit eines äusseren Faktors zu ver
neinen, sondern es ist überhaupt kein äusserer Faktor auszumachen, welcher geeignet gewesen wäre, den normalen Bewegungsablauf zu stören.
4.
Bei diesem Ergebnis erübrigt es sich, detailliert auf die medizinische Situation einzugehen. Festzuhalten ist lediglich, dass das MRI vom 2
4.
Dezember 20
09
nebst leichten degenerativen Schäden (u.a. mässige
Chondrose
BWK 7/8 und leichte
Diskusprotrusion
)
keine eigentliche
Fraktur
, sondern nur eine leicht imprimierte Deckplatte mit
residuellem
bone
bruise
zeigte (Urk. 12/M10). Eine Deckplatten-Impressionsfraktur BWK 9 wurde
vom untersuchenden Radiologie-Facharzt
als Verdachtsdiagnose gestellt.
Bei
Prof.
A._
wird
diese
Verdachts
diagnose
zu einem "Status nach Deckplattenimpressionsfraktur
Th
9 bei Sturz vom Trampolin am 05.12.09" (
Berichte vom
7.
April 2010 und vom 28. Juni
2010 (
Urk. 12/M10
-M11
). Ohne weitere eigene Abklär
ung
en er
hebt Prof.
A._
damit eine ursprüngliche Verdachtsdiagnose zu einer "richtigen" Diagnose
(vgl. aber deren Relativierung im Zusatzbericht vom 2
0.
September 2010 [Urk. 12/M13], wo nur noch von einer "Verletzung" der Wirbelsäule im Deckplattenbereich die Rede ist)
.
Auf den Bericht von Prof.
A._
kann
daher
nicht abgestellt werden. Hinzu kommt, dass Prof.
A._
offenbar von einem Sturz vom Trampolin ausgeht, einem Unfallgeschehen, das nicht mit der Aktenlage verein
bar ist.
Es ist daher nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin
eine Deckplatten-Impressionsfraktur
bloss als möglich betrachtete
(Urk. 2 S. 4 unten)
, was den
Beweisanforderungungen
im Sozialversicherungsrecht (über
wiegende Wahrscheinlichkeit, vgl.
BGE 126 V 353 E. 5b
mit Hinweisen)
nicht genügt.
5.
Gestützt auf diese Erwägungen erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.