# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b7dff65f-5248-4975-978b-0e3397910d44
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die
1963 geborene
X._
meldete sich am 19. November 2014 (Eingangs
datum) unter Hinweis auf eine seit 2008 bestehende psychische Beeinträchtigung bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungs
bezug an (Urk. 13/12).
Diese tätigte medizinische (Urk. 13/19, 13/24, 13/32, 13/37-38, 13/45, 13/47) sowie erwerbliche (Urk. 13/22) Abklärungen und zog die Akten des Krankentaggeldversicherers bei (Urk. 13/20, 13/34).
In der Folge ver
anlasste sie die Erstellung eines
bidisziplinären
Gutachtens bei der Begutach
tungsstelle
B._
AG, welches am 2. Juni 2016 erstattet wurde (Urk. 13/58).
Mit Schreiben vom 15. August 2016 auferlegte die IV-Stelle der Ver
sicherten eine Schadenminderungspflicht in Form einer intensiven Psychothera
pie in
ihrer
Muttersprache (Urk. 13/60).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidver
fahren
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 3. April 2017
einen Anspruch der Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 2 [= 13/71]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 18. Mai 2017 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die Sache sei zur weiteren Abklärung an die IV-Stelle zurückzuweisen. Eventualiter sei die IV-Stelle zu ver
pflichten, Eingliederungsmassnahmen durchzuführen. In prozessualer Hinsicht wurde um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ersucht (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom 10. August 2017 schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 12)
, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 11. August 2017 angezeigt wurde (Urk. 14).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdeführerin beantragt unter anderem die Gewährung von Eingliede
rungsmassnahmen in Form eines Aufbautrainings (Urk. 1).
1.2
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung – Stellung genommen hat. Die Verfügung bestimmt den beschwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfech
tungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und inso
weit keine Verfügung ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a, mit weiteren Hinweisen).
1.3
In der angefochtenen Verfügung vom
3.
April 2017 (
Urk.
2) wurde einzig der Anspruch auf Rentenleistungen der Invalidenversicherung beurteilt. Zu einem allfälligen Anspruch auf berufliche Massnahmen wurde keine Stellung genom
men. Da der Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen
nicht Gegenstand der angefochtenen Verfügung war, fehlt es vorliegend an einem Anfechtungsobjekt, womit auf diesen Antrag nicht einzutreten ist.
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und
E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem
Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2
.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichts
-
praxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungs
-
hindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensations
-
potentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die
funktionellen
Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
2
.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409,
141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «
funktioneller Schweregrad
»
(E. 4.3)
-
Komplex «
Gesundheitsschädigung
»
(E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «
Persönlichkeit
»
(Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «
Sozialer Kontext
»
(E. 4.3.3)
-
Kategorie «
Konsistenz
»
(Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
2
.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, wel
che Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2
.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem
Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
3
.
3
.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, aufgrund einer Schulterverletzung sei die Versicherte seit dem Jahr 2012 in ihrer angestammten Tätigkeit nur noch zu 80 % arbeitsfähig. In einer angepassten Tätigkeit bestehe hingegen eine volle Arbeitsfähigkeit. Bezüglich der
psychischen
Leiden
sei bisher noch keine adä
quate Therapie durchgeführt w
o
rden, weshalb diese nicht invalidisierend seien (Urk. 2).
3
.2
Demgegenüber bringt die Beschwerdeführerin vor, die medizinischen Abklärun
gen hätten gezeigt, dass sie seit August 2014 zu mindestens 80 % arbeitsunfähig sei. Zwar habe der psychiatrische Gutachter festgehalten, dass die Arbeitsfähig
keit mit einer adäquaten Therapie verbessert werden könne. Dabei handle es sich jedoch lediglich um eine Prognose, die nichts an ihrem momentanen Rentenan
spruch ändere (Urk. 1).
4
.
4
.1
Im Gutachten vom
2.
Juni 2016 wurden folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt (Urk. 13/58 S. 28):
-
rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradig (ICD-10: F 33.1)
-
generalisierte Angststörung (ICD-10: F 41.1)
-
Funktionsstörung der rech
t
en Schulter bei Ruptur der Schulterdrehman
schette
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit wurden folgende genannt (Urk. 13/58 S. 28):
-
Handgelenksganglion links
-
Bursitis
trochanterica
, links ausgeprägter als rechts, mit Tendinitis des
Tractus
iliotibialis
4
.2
Im orthopädischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die Explorandin
klage
über Schmerzen in der rechten Schulter seit einem Unfall im Jahr 201
2.
Damals habe sie die Schulter verrenkt. Noch immer könne sie nicht ganz nach oben greifen. Wenn sie auf der rechten Seite liege, habe sie manchmal Schmerzen, die bis in den Oberarm ausstrahlen würden. Seit ungefähr drei Jahren leide sie auch unter Schmerzen im linken Handgelenk. Dort sei eine Schwellung aufgetreten, die teil
weise wie Feuer brenne. Bisher sei noch keine Behandlung erfolgt. Weiter leide sie an beidseitigen Hüftschmerzen, links mehr als rechts. Sie könne kaum noch gehen. Nach etwa 10 Minuten würden die Schmerzen zunehmen (Urk. 13/58 S. 3-4).
Das Gangbild sei flüssig und
hinkfrei
. Das An- und Auskleide
n
erfolge selbständig ohne Hilfe, wobei der rechte Arm beim Ablegen der Oberbekleidung
nur bis etwas über die Horizontale angehoben werde. Dies sei auch beim Wiederankleiden zu beobachten. Ansonsten sei das Bewegungsbild harmonisch (Urk. 13/58 S. 5).
In der rechten oberen Schulterblattgrube sei eine diskrete Muskelminderung erkennbar. Das linke Schultergelenk sei in allen Ebenen frei beweglich. Das rechte Schultergelenk sei beim aktiven Vor- und Seitheben des gestreckten Armes ein
geschränkt. Passiv sei es hingegen frei beweglich. Das linke Handgelenk sei frei beweglich. Es lägen weder eine Schwellung noch eine Überwärmung vor.
Spei
chenwärts
sei ein erbsengrosses
,
gut verschiebbares Ganglion erkennbar. Es werde ein Druckschmerz angegeben. Der Faustschluss sei kräftig möglich. Die
Beschwielung
der
Hohlhand
sei beidseits normal entwickelt, die
g
robe Kraft bei
der Hände erhalten.
Beide Hüftgelenke seien frei beweglich ohne Stauch-, Rüttel- und Drehschmerz (Urk. 13/58 S. 6-7).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, seit der Schulterluxation im Oktober 2012 sei die Versicherte in ihrer angestammten Tätigkeit als Reinigungskraft zu 20 % eingeschränkt. In einer angepassten Tätigkeit ohne Überkopfarbeiten und ohne Heben und Tragen von Gegenständen von mehr als 10 kg sei sie hingegen vollständig arbeitsfähig (Urk. 13/58 S. 9).
4
.3
Im psychiatrischen Teilgutachten wurde ausgeführt, die Explorandin klage
dar
über, nervös und unruhig zu sein. Sie leide unter Atemnot und habe Angst, dass sie sterben müsse.
Auch um die Kinder habe sie ständig Angst und könne sich kaum beruhigen. Zusätzlich leide sie unter Panikattacken und sei wiederholt im Notfall gewesen. Seit dem Tod ihres Ehemannes im Jahr 2012 sei sie deprimiert, leide unter Schlafstörungen, Gedächtnisstörungen und ihre Stimmungslage sei wechselhaft (Urk. 13/58 S. 14).
Die Explorandin sei allseits orientiert und verfolge das Gespräch während der gesamten Untersuchung aufmerksam. Die Konzentrationsspanne könne teilweise jedoch nicht gehalten werden. Es würden sich weder Störungen des Kurzzeitge
dächtnisses noch Merkfähigkeitsstörungen zeigen. Auch das Langzeitgedächtnis erscheine unauffällig. Der formale Gedankengang sei assoziativ etwas gelockert, jedoch in Kohärenz und Stringenz ungestört. Die Explorandin wirke vermindert schwingungsfähig. Die affektive Modulationsfähigkeit sei reduziert (Urk. 13/19-21).
Zur Arbeitsfähigkeit wurde festgehalten, die Versicherte sei seit August 2014 in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt. Von August bis Dezember 2014 sei sie voll
ständig arbeitsunfähig gewesen. Danach habe sich die Arbeitsfähigkeit auf 10 % gesteigert, wobei ab dem Juli 2015 wieder eine Verschlechterung eingetreten sei. Seit dem August 2015 sei sie zu 20
%
arbeitsfähig. Dies gelte sowohl für ihre angestammte als auch für eine angepasste Tätigkeit (Urk. 13/58 S. 28).
4
.4
In der interdisziplinären Zusammenfassung wurde festgehalten,
die Versicherte sei seit August 2015 zu 20
%
arbeitsfähig, dies sowohl in ihrer angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit. Die ambulante psychiatrische Therapie sei zwar prinzipiell adäquat. Eine intensivierte Behandlung könnte durch Optimie
rung der medikamentösen Behandlung jedoch eine weitere Verbesserung der Ein
schränkungen bewirken. Aufgrund der mangelhaften Sprachkenntnisse sei eine Psychotherapie
in ihrer Muttersprache
erforderlich. Eine derart optimierte Behandlung könnte innert sechs Monaten zu einer versicherungsmedizinisch relevanten Verbesserung der psychischen Symptomatik führen (Urk. 13/58 S. 30-31).
5
.
Das Gutachten beruht auf sorgfältigen und allseitigen Untersuchungen (Urk. 13/58 S. 5-8, S.
18-23
), berücksichtigt
die geklagten Beschwerden (Urk. 13/58 S. 3-4, S. 14
) und ist in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgegeben worden (
Urk.
13/58, S. 2-3, S. 12-14
). Die Gutachter haben detaillierte Befunde und hieraus begründete Diagnosen erhoben, die medizinischen Zustände und Zusammenhänge dargelegt und ihre Schlussfolgerungen begründet. Daher erfüllt das Gutachten
formell
die rechtsprechungsgemässen Anforderungen a
n beweis
taugliche Entscheidungs
grundlagen.
6
.
6
.1
Wie bereits erwähnt, sind gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung grundsätz
lich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach
BGE 141 V 281 zu unterziehen (vgl. E. 1.3). Nachfolgend ist deshalb die Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers anhand der vom Bundesgericht genannten Indi
katoren zu prüfen.
6
.2
Unter dem Aspekt „funktioneller Schweregrad“ ist in Betracht zu ziehen, dass die diagnoserelevanten Befunde und Symptome nicht besonders ausgeprägt erschei
nen. Der im Rahmen der Begutachtung erhobene Psychostatus war weitgehend unauffällig. Die Beschwerdeführerin konnte dem Gespräch aufmerksam folgen, auch wenn die Konzentration nicht durchgehend aufrechterhalten werden konnte (
Urk.
13/58 S. 20). Es zeigten sich weder Störungen des Kurzzeit- noch des Lang
zeitgedächtnisses und die Merkfähigkeit war erhalten (Urk. 13/58 S. 20). Die affektive Modulationsfähigkeit erschien hingegen reduziert (Urk. 13/58 S. 20). Zu berücksichtigen ist ferner, dass die Behandlungsmöglichkeiten nicht ausgeschöpft sind. Die Beschwerdeführerin begibt sich zwar wöchentlich in psychiatrisch-psy
chotherapeutische Behandlung. Diese wird jedoch nicht in ihrer Muttersprache durchgeführt. Eine stationäre Behandlung fand bisher nicht statt (Urk. 13/58 S. 15). Nach Einschätzung des psychiatrischen Gutachters
würde eine intensi
vierte Therapie
innert sechs Monaten zu einer
Verbesserung der Arbeitsfähigkeit
führen
(Urk. 13/58 S. 30)
.
Psychiatrisch relevante Komorbiditäten
(ausser den gutachterlich festgehaltenen psychiatrischen Diagnosen)
liegen nicht vor
(
Urk. 13/58 S. 17
).
6
.3
Zum Komplex „Persönlichkeit“ ist festzuhalten, dass
weder eine
Persönlichkeits
akzentuierung
noch eine
Persönlichkeitsstörung diagnostiziert wurde
n
(
Urk.
13/58 S. 21
). Hinsichtlich des Komplexes „Sozialer Kontext“ ist zu berück
sichtigen, dass
zahlreiche
Ressourcen vorhanden sind.
Die Beschwerdeführerin lebt zusammen mit ihren drei Söhnen, wird regelmässig von zwei Freundinnen besucht und von ihren Nachbarn unterstützt (Urk. 13/58 S. 17). Zudem pflegt sie Kontakt zu ihrer Mutter und ihrem Bruder sowie
– zumindest telefonisch -
zu ihren Verwandten in Tunesien
(
Urk.
13/58 S. 17). Auch wenn sie angibt, teilwe
i
se keine Kapazität zu haben, mit anderen Menschen zu reden (Urk. 13/58 S. 17), verfügt sie insgesamt über ein intaktes soziales Umfeld
.
6
.4
Zum - beweisrechtlich entscheidenden - Aspekt der Konsistenz ist zu erwähnen,
dass sich Aggravationshinweise in Form einer übertriebenen, dramatischen und theatralischen Wirkung des Vorbringens der Klagen fanden (Urk. 13/58 S. 24). Von einer
gleichmässigen Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen ver
gleichbaren Lebensbereichen kann
nicht gesprochen werden
.
So hielt der psychi
atrische Gutachter fest, die Beschwerdeführerin sei weder in ihren häuslichen noch in ihren Freizeitaktivitäten
beeinträchtigt
(Urk. 13/58 S. 22).
Weder ihre
Kontaktfähigkeit zu Dritten, die Selbstbehauptungsfähigkeit noch die Wegefähig
keit und die Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten seien eingeschränkt (Urk. 13/58 S. 26).
Angesichts der nicht ausgeschöpften therapeutischen Mass
nahmen kann zudem nicht von einem erheblichen Leidensdruck ausgegangen werden.
6
.5
Zusammenfassend ergibt sich aus der Prüfung der Standardindikatoren und deren Gesamtwürdigung, dass
die
Beschwerdeführer
in
bei Ausschöpfung der vorhan
denen Ressourcen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in der Lage ist, eine lei
densangepasste Tätigkeit zu verrichten. Dafür sprechen nebst den objektiven Befunden insbeson
dere das intakte soziale Umfeld,
der fehlende Leidensdruck
sowie der Umstand, dass keine Einschränkung in ihren ausserberuflichen Tätig
keiten erkennbar ist. Damit ist mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Beschwerde
führerin in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig ist.
7
.
7
.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
7
.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
7
.3
Aus dem IK-Auszug geht hervor, dass die Beschwerdeführerin vor dem Jahr
2012
, in welchem sie die Schulterverletzung erlitt,
kaum
erwerbstätig war (Urk. 13/21 S.
3-4
). Damit erscheint fraglich, ob sie bei guter Gesundheit voll erwerbstätig wäre. Dies kann vorliegend
offen bleiben
, da auch unter der Annahme einer vol
len Erwerbstätigkeit kein Anspruch auf eine Invalidenrente
resultiert
, wie nach
folgende Erwägungen zeigen.
Den Akten ist zu entnehmen
, dass die Beschwerdeführerin über keine Ausbildung verfügt und als Raumpflegerin
tätig war. Da sie lediglich stundenweise arbeitete
(U
rk. 13/21-22), rechtfertigt es sich,
zur Bestimmung des
Valideneinkommens
auf die Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
gebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE)
abzustellen, wobei sie mangels formaler hiesiger Qualifikation als Hilfskraft zu qualifizieren ist
.
Wie vorstehend dargelegt, ist sie trotz ihrer Schulterverletzung in der Lage, einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
nachzugehen. Da
sie
auch in dieser Tätigkeit als Hilfskraft
tätig wäre
,
kann zur Bestimmung des Validen- sowie Invalideneinkommens auf denselben Lohn abgestellt werden. Damit erübrigt sich ein ziffernmässiger Einkommensvergleich, und es kann eine Gegenüberstellung blosser Prozentzahlen vorgenommen werden (9C_22/2014 vom 1
8.
Februar 2014 E. 3.2).
Selbst unter grosszügiger Annahme eines leidensbedingten Abzugs von 10
%
resultiert ein nicht anspruchsbegrün
dender Invaliditätsgrad von 10
%
.
Die angefochtene Verfügung ist im Resultat nicht zu beanstanden, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
8.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
7
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss
von der Beschwerdeführerin
zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Z
ufolge Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
sind sie
jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Beschwerdeführerin ist darauf hinzuweisen, dass sie zur Nachzahlung der Kosten
für die unentgeltliche Prozessführung verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist (
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht;
GSVGer
).