# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e142f153-230b-42f4-85c1-c6f0bfeef719
**Court:** CH_BGer
**Chamber:** CH_BGer_016
**Year:** 2000
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

A.- Mit zwei Verfügungen vom 7. September 1993 sprach
die Ausgleichskasse Musik und Radio dem 1940 geborenen
P._ auf Grund eines Invaliditätsgrades von 50 % eine
halbe Rente der Invalidenversicherung vom 1. Februar bis
31. Oktober 1991 und ab 1. November 1991 zu. Die (neu zu-
ständige) IV-Stelle Bern bestätigte diese mit Verfügung vom
10. Juni 1996. Am 2. April 1997 trat sie verfügungsweise
auf ein Revisionsgesuch vom 12. März 1997 nicht ein. Eine
sodann anfangs Mai 1997 auf erneutes Ersuchen des Versi-
cherten eingeleitete Rentenrevision ergab keine erhebliche
Veränderung des Gesundheitszustandes, weshalb die IV-Stelle
Bern am 8. September 1998 die Weiterausrichtung der halben
Rente verfügte.
B.- Die dagegen erhobene Beschwerde wies das Verwal-
tungsgericht des Kantons Bern ab (Entscheid vom 19. April
1999).
C.- P._ lässt Verwaltungsgerichtsbeschwerde füh-
ren und beantragen, der kantonale Entscheid und die Ver-
fügung der IV-Stelle vom 8. September 1998 seien aufzuheben
und es sei ihm ab 24. April 1997 eine ganze Invalidenrente
zuzuerkennen; eventuell sei die Sache zwecks Neufestlegung
des Invaliditätsgrades an das Verwaltungsgericht, mögli-
cherweise an die IV-Stelle, zurückzuweisen.
Die IV-Stelle schliesst auf Abweisung der Verwaltungs-
gerichtsbeschwerde. Das Bundesamt für Sozialversicherung
lässt sich nicht vernehmen.

## Considerations

Das Eidg. Versicherungsgericht zieht in Erwägung:
1.- Die Vorinstanz hat die massgebenden Bestimmungen
über den Begriff der Invalidität (Art. 4 Abs. 1 IVG), den
Umfang des Rentenanspruchs (Art. 28 Abs. 1 und 1bis IVG),
die Bemessung des Invaliditätsgrades nach der Einkommens-
vergleichsmethode (Art. 28 Abs. 2 IVG), die Revision der
Invalidenrente (Art. 41 IVG; Art. 87 Abs. 3 IVV) und die
dabei zu vergleichenden Sachverhalte (BGE 109 V 265
Erw. 4a, 106 V 87 Erw. 1a, 105 V 30; siehe auch BGE 112 V
372 Erw. 2b und 390 Erw. 1b) zutreffend dargelegt. Darauf
kann verwiesen werden.
2.- Streitig und zu prüfen ist, ob im Zeitraum zwi-
schen dem Erlass der beiden Kassenverfügungen vom 7. Sep-
tember 1993 und der Verfügung der IV-Stelle vom 8. Septem-
ber 1998 eine Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen
eingetreten ist, welche eine revisionsweise Heraufsetzung
der halben auf eine ganze Invalidenrente begründet.
3.- a) In medizinischer Hinsicht lagen den zwei Kas-
senverfügungen vom 7. September 1993 vor allem das Gutach-
ten des Spitals X._ der Medizinischen Abteilung des
Spitals X._ vom 31. Dezember 1992 und der Bericht
der Beruflichen Abklärungsstelle, (BEFAS), vom 15. Mai 1992
zu Grunde. Im Spital X._ wurde ein chronisch-invali-
disierendes Schmerzsyndrom mit mässig ausgeprägten organi-
schen Substraten im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule
sowie bei u.a. depressiver Grundstimmung diagnostiziert. Im
Rahmen der BEFAS-Abklärung vom 6. April bis 1. Mai 1992
wurde aus ärztlicher Sicht ein chronisches tendomyotisches,
vertebragenes Lumbal- und Zervikalsydrom sowie leichte Pe-
riarthropathien der linken Schulter und der Hüfte festge-
stellt. Dabei verneinten beide Institutionen eine Arbeits-
fähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Hilfs-An-
tennenbauer. In einer leidensangepassten Beschäftigung
schätzte das Spital X._ die Arbeitsfähigkeit auf
30 %. Die beruflichen Abklärungen in der BEFAS hatten dies-
bezüglich bei ganztägigem Einsatz eine Leistungsfähigkeit
von 50 % ergeben.
Anlässlich der ab anfangs Mai 1997 durchgeführten Ren-
tenrevision holte die IV-Stelle wiederum ein Gutachten des
Spitals X._ ein, welches am 15. Juni 1998 Bericht er-
stattete. Die Diagnose lautete auf chronisches Schmerzsynd-
rom des Rückens mit Lumbovertebralgien und Zervikobrachial-
gien mit radiologischem Nachweis degenerativer Zeichen am
Achsenskelett. Dazu hielt es fest, ein Vergleich der aktu-
ellen Befunde mit denjenigen vom 31. Dezember 1992 zeige
bezüglich der Befunde des Achsenskelettes stationäre Ver-
hältnisse. Das Fehlen der Beschreibung einer Beweglich-
keitseinschränkung der Schultern in der Voruntersuchung
lasse auf eine Progredienz dieser Befunde schliessen. Ein
psychisches Leidensbild, welches den Krankheitsverlauf re-
levant beeinflusst, lag nicht vor: Die im Vorgutachten er-
wähnte depressive Grundstimmung sei nicht mehr feststell-
bar. In der Folge wurde die Arbeitsfähigkeit in einer ge-
eigneten Tätigkeit auf 30 % geschätzt, wobei die tägliche
Arbeitsleistung drei Stunden nicht übersteigen dürfe.
b) In Würdigung der umfassenden und schlüssig begrün-
deten Beurteilung des Spitals X._ vom 15. Juni 1998,
auf welche ohne weiteres abzustellen ist (vgl. BGE 122
V 160 Erw. 1c), steht fest, dass sich der Sachverhalt zur
Zeit der streitigen Revisionsverfügung vom 8. September
1998 im Vergleich wie er im Zeitpunkt der ursprünglichen
Verfügungen vom 7. September 1993 bestanden hat, in einem
anderen Lichte präsentiert. Wenn auch der Grad der Arbeits-
fähigkeit gleich geblieben ist (30 %), hat sich der Gesund-
heitszustand erheblich verändert. In psychischer Hinsicht
ist eine Verbesserung eingetreten, liegt doch die depres-
sive Grundstimmung, welche im Gutachten des Spitals
X._ vom 31. Dezember 1992 diagnostiziert worden war,
nicht mehr vor. Dagegen haben sich die somatischen Beein-
trächtigungen verschlechtert. So förderte die Untersuchung
des Bewegungsapparates - anders als bei der erstmaligen Be-
funderhebung im Jahre 1992 - u.a. einen aktiven und passi-
ven Elevationsausfall über 100° der beiden Schultergelenke
zu Tage. Bei der Beantwortung der Gutachterfragen wurde
denn auch ausdrücklich auf den diesbezüglich progredienten
Verlauf hingewiesen. Nachdem das Ausmass der Arbeitsfähig-
keit im Ergebnis nicht geändert hat, bedeutet dies nichts
anderes, als dass der Wegfall der psychischen Beeinträchti-
gung durch die zugenommene Einschränkung im Bewegungsappa-
rat kompensiert wurde.
Insoweit die IV-Stelle gestützt auf den BEFAS-Bericht
vom 15. Mai 1992 von einer Arbeitsunfähigkeit von 50 % aus-
geht (vgl. Sachbearbeitungsprotokoll vom 9. Juli 1998),
lässt sie ausser Acht, dass diese im Rahmen der beruflichen
Abklärung festgesetzt wurde. Indes ist die Festlegung der
Arbeitsfähigkeit Aufgabe des Arztes und nicht des Berufsbe-
raters (BGE 115 V 134 Erw. 2, 114 V 314 Erw. 3c, 105 V 158
Erw. 1). Dazu kommt, dass der Beurteilung der beruflichen
Eingliederung vom 15. Mai 1992 eine Ganztagesbeschäftigung
zu Grunde liegt, während im Gutachten des Spitals X._
vom 15. Juni 1998 speziell festgehalten wurde, dass die
tägliche Arbeitsleistung drei Stunden nicht übersteigen
dürfe.
4.- a) Zu prüfen bleibt die erwerbliche Seite. Dabei
ist unbestritten, dass das ohne Invalidität vom Versicher-
ten erzielbare Einkommen (Valideneinkommen) im Jahre 1998
Fr. 59'513.20 betrug.
b) Für die Bestimmung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise noch realisierbaren Einkommens (Invaliden-
einkommen) können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne
beigezogen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn der
Versicherte - wie hier - nach Eintritt des Gesundheitsscha-
dens keine neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat (BGE 124 V
322 Erw. 3b/aa mit Hinweisen).
Laut Tabelle A 1 der LSE 1996 belief sich der Zentral-
wert für die mit einfachen und repetitiven Aufgaben (Anfor-
derungsniveau 4) beschäftigten Männer im privaten Sektor
(bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden) im
Jahre 1996 auf Fr. 4294.-, was bei Annahme einer betriebs-
üblichen durchschnittlichen Arbeitszeit von 41,9 Stunden
(Die Volkswirtschaft, 1999 Heft 12, Anhang S. 27, Tabelle B
9.2) ein Gehalt von monatlich Fr. 4498.- oder Fr. 53'976.-
im Jahr (Fr. 4498.- x 12) ergibt. Angepasst an die Nominal-
lohnentwicklung 1997 von 0,5 % und 1998 von 0,7 % (Die
Volkswirtschaft, 1999 Heft 12, Anhang S. 28, Tabelle B
10.2) beträgt das Invalideneinkommen im Jahre 1998
Fr. 54'625.60, welches sich auf Grund der eingeschränkten
Arbeitsfähigkeit auf Fr. 16'387.70 (Fr. 54'625.60 x 0,30)
reduziert. Verglichen mit dem Valideneinkommen von-
Fr. 59'513.20 (vgl. Erw. 4a) resultiert somit - unabhängig
eines zusätzlichen Abzuges, welcher ohnehin nicht generell
und in jedem Fall zur Anwendung kommt (AHI 1999 S. 181,
1998 S. 177 Erw. 3a; RKUV 1999 Nr. U 343 S. 414 Erw. 4b/cc,
1998 Nr. U 304 S. 373) - ein Invaliditätsgrad von rund
72,5 %, was Anspruch auf eine ganze Invalidenrente gibt.
5.- Was den Zeitpunkt der Rentenanpassung betrifft, so
bildet Art. 88bis IVV Ausgangspunkt. Nach dessen Abs. 1
lit. a erfolgt die Erhöhung der Rente, sofern der Versi-
cherte die Revision verlangt, frühestens von dem Monat an,
in dem das Revisionsbegehren gestellt wurde.
Im vorliegenden Fall ging das Revisionsgesuch am
24. April 1997 bei der Verwaltung ein, weshalb die bis an-
hin bezogene halbe Invalidenrente ab 1. April 1997 auf eine
ganze Invalidenrente zu erhöhen ist.