# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4f766a7b-7f40-4ee4-bdf8-c2c6c0c04186
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der 1952 geborene
X._
meldete sich am 2
3.
Mai 2007 bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Rentenbezug an (
Urk.
8/3). Die IV-Stelle
traf daraufhin medizinische und erwerbliche Abklärun
gen und zog die Akten des Krankentaggeldversi
cherers – die unter anderem
Gutachten der
Y._
vom 3
1.
Januar 2007 und von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH Psy
chiatrie und Psychotherapie
,
vom 2
8.
Februar 2007 enthielten – bei (Urk. 8/14). In der Folge verfügte sie – in Bestätigung ihres Vorbescheids vom 1. November 2007 (
Urk.
7/19)
–
aufgrund eines Invaliditätsgrads von 26
%
am 2
0.
Februar 2008 die Abweisung des Rentenbegehrens (
Urk.
8/32).
1.2
Auf die am 1
7.
Dezember 2009 (
Urk.
8/35) und
1
5.
Dezember 2010 (
Urk.
8/51
) erneut gestellten Gesuche um Rentenleistungen trat die Verwaltung – unter Hin
weis darauf, dass eine wesentliche Änderung der tatsächlichen Verhältnisse nicht glaubhaft gemacht worden sei – mit Verfügungen vom 2
2.
März 2010 (
Urk.
8/50) und 2
8.
März 2011 (
Urk.
8/55) nicht ein.
1.3
Am 2
5.
April 2012 meldete sich
X._
erneut zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/57-61).
In der Folge fand eine orthopädisch-rheumatologische Untersu
chung durch den regionalen ärztlichen Dienst (RAD) der IV-Stelle statt (Bericht vom 1
1.
Oktober 2012 [
Urk.
8/76]). Die gleichentags im RAD vorgesehene psy
chiatrische Untersuchung konnte aufgrund der Somnolenz des Versicherten nicht durchgeführt we
rden (
Urk.
8/77). Am
2.
November 2012 teilte die IV
Stelle darum mit, dass zur Abklärung der Leistungsansprüche eine medi
zinische Abklärung durch med.
pract
.
A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psy
chotherapie, nötig sei (
Urk.
8/75)
. Dieser gab
jedoch
den
Gutachtens
auftrag
am 3
1.
Dezember 2012 zurück (
Urk.
8/82-83). Daraufhin betraute die Verwal
tung
Dr.
med.
B._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, mit der Begutachtung (
Urk.
8/88). Der betreffende Arzt erstattete am 3
1.
August 2013
seine Expertise (
Urk.
8/91). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/94) wies die IV-Stelle am 1
7.
Februar 2014 auch dieses Rentenbegehren ab (
Urk.
8/100 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Versicherte mit Eingabe vom 2
0.
März 2014 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihm eine
Dreiviertelsrente
der Invalidenversicherung auszurichten. In prozessualer Hin
sicht ersuchte er um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 3
0.
April 2014 schloss die IV-Stelle auf Abweisung
der Beschwerde (
Urk.
7). Das Doppel der Beschwerdeantwort wurde dem Beschwerdeführer am
5.
Mai 2014 zugestellt (
Urk.
9).
3.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
). Erwerbsunfähigkeit
ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung [
IVV
]
), so ist im
Beschwerdever
fahren
zu prüfen, ob im Sinne von
Art.
17 ATSG eine für den Rentenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Rentenbezü
gers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tat
sächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen
Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E. 3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bun
desgerichts 9C_261/2009 vom 1
1.
Mai 2009 E. 1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisi
onsgrund
im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Ein
spracheentscheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Ren
tenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Invaliditätsbemessung beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E.
3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 1 mit Hinweisen).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gege
benenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob der Be
richt
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht,
auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorak
ten
(Anam
nese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situa
tion einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus
schlagge
bend
für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch
die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebe
nen Stellung
nah
me als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1 und BGE 125 V 351 E. 3a).
Auch auf Stellungnahmen des RAD kann nur abgestellt werden, wenn sie den
allgemeinen beweisrechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht ge
nü
gen (Urteil des Bundesgerichts 9C_323/2009 vom 14. Juli 2009 E. 4.3.1 mit wei
teren Hinweisen; siehe auch BGE 135 V 254 E. 3.3.2 mit weiteren Hinwei
sen).
1.6
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzu
stel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beur
teilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vor
liegen einander widersprechender medizinischer Be
richte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweisma
terial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze ent
scheidend, ob es für die Beant
wortung der gestellten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchun
gen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt - was vor allem bei psychischen Fehlent
wicklungen nö
tig ist -, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Auseinander
setzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge ein
leuchtet, ob die Schlussfolgerungen der medizinischen Exper
ten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszu
räumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Be
antwortung der Fragen erschweren oder ver
unmöglichen, gegebe
nenfalls deutlich macht (BGE
134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; U. Meyer-Blaser, Die Rechtspflege in der Sozialversi
cherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in H.
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutach
ten,
3.
Aufl. 1994, S. 24 f.).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die erneute Abweisung des
Leistungs
begeh
rens
damit, dass aufgrund der im Untersuchungsbericht des RAD dar
gelegten objektiven Befunde eine Verschlechterung des
somatischen
Gesund
heits
zustands nicht nachvollziehbar sei.
Gleiches gelte auch in psychi
scher Hinsicht aufgrund der Befundbeschreibung der Funktionseinschränkungen durch den Gutachter
Dr.
B._
(
Urk.
2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt, seit unge
fähr dem Jahr 2010 bestehe ein inzwischen
chronifiziertes
depressives Syndrom zumindest mittelgradigen Ausmasses, das invalidisierend sei. Folglich habe sich sein psychischer Gesundheitszustand verschlechtert. Gestützt auf die Beurtei
lung durch den RAD-Arzt sei auch in somatischer Hinsicht eine Verschlechte
rung mindestens wahrscheinlich.
Ausgehend von einer aus psychischen Grün
den bedingten 50%igen Arbeitsfähigkeit und unter Berücksichtigung eines
leidensbedingten Abzugs von 20
%
betrage das Invalideneinkommen
Fr.
23‘915.
-. Bei einem
Valideneinkommen
von Fr. 73‘151.-- ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 68
%
, was Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
gebe. Sofern die psychische Problematik als nicht invalidisierend betrachtet werde, würde ein Einkommensvergleich einzig unter Berücksichtigung der somatischen Beschwerden einen Invaliditätsgrad von 41 % ergeben (
Urk.
1 S. 7 ff.).
3.
3.1
Der rentenablehnenden Verfügung vom 2
0.
Februar 2008 (
Urk.
8/32) lagen die folgenden medizinischen Berichte zugrunde:
Im Auftrag seines Krankentaggeldversicherers wurde der Beschwerdeführer am
4.
und
5.
Januar 2007 mittels Funktionsorientierter Medizinischer Abklärung durch
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Innere Medizin sowie Rheumatolo
gie, und von der Physiotherapeutin
D._
,
Y._
AG,
untersucht. Im Gutachten vom
3
1.
Januar 2007 (
Urk.
8/14/12-24) stellten sie
folgende Diagnosen (S. 1):
Chronisches
zerviko
- und lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
mit/bei
vorgeneigter Rumpfhaltung, Kopf-/
Schulterprotraktion
(
Kopf-Seitnei
gung
nach links, Schonhaltung)
Diskusprotrusion
L4/L5 in geringem Ausmass
Fasziitis
plantaris
beidseits
Zeichen des dysfunktionalen Schmerz- und Krankheitsverhalte
n
s (Symp
tomausweitung)
Diabetes mellitus
Sie führten aus, anlässlich der klinischen Unter
suchung
hätten sie
eine deutlich vorgeneigte Rumpfposition mit Kopf- und
Schulterprotraktion
sowie eine Kopf-Seitneigung nach links als Zeichen einer Schonhaltung
gefunden. A
nsonsten
sei
jeweils schmerzbedingt
ein
muskuläres Gegenspannen bei
der
Prüfung der
Wir
belsäulenbeweglichkeit
beobachtbar gewesen
. Hinweise für eine
radikuläre
Reiz- oder sensomo
torische Ausfallsymptomatik seien
nicht zu erheben
gewesen. A
ufgrund der
anamnestischen und klini
s
c
hen Untersuchung
seien
keine Anhaltspunkte für eine entzündlich-rheumatische Genese
erkennbar gewesen,
auch wenn in den letzten Jahren zunehmend Nachtschmerzen und zu
letzt
Fer
senschmerzen
aufgetreten seien
. Die Fersenschmerzen
seien
im Zusammenhang mit der lokalen
Druckdolenz
mit einer
Fasziitis
plantaris
vereinbar. Im Gesamt
bild
dominiere
im Einklang mit den Reaktion
en während der klinischen Unter
suchung und den Belas
tungstests (ausgeprägte Schonhal
tung, schmerzbedingt muskuläres Gegenspannen, ver
bale Schmerzäusserungen,
Schmerz
mi
mik
/
ge
stik
, Inkonsistenzen, so
fortige
Selbstlimitierung schon bei geringsten Belas
tungen), den fehlenden aktiven Selbsthilfestrategien und
Coping
-Mechanismen und der deutlich tiefen Selbsteinschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit ein dysfunktionales Schmerz- und Krankheitsverhalten (deskriptiv im Sinne einer S
ymptomausweitung).
Das arbeitsbezogene relevante Problem
– so die Experten weiter – bestehe
in einer allgemein schmerzhaft verm
inderten
Belastungstole
ranz
. Die
Haupt
schwierigkeit
lieg
e vor allem im Um
gang des
Beschwerdeführers mit seinen Beschwerden. So zeige
er sich bereits
bei einfachen
Alltagshandlun
gen
, wie zum Beispiel
beim
An- oder Auskleiden, und
beim auf die
Untersu
chungsbank
l
iegen
und wieder aufstehen stark ein
geschränkt. Die
Leistungsbe
reitschaft
des
Versicherten würden sie als n
icht zuverlässig
beurteilen
. Die Beobachtungen bei den Tests
würden
auf eine deutliche Selbstlimitierung
hin
weisen
. Die Konsistenz be
i den Tests sei
schlecht. Die demonstrierte Belastbar
keit
sei
nur minimal. Infolge erheblicher Symptomausweitung, Selbstlimitierung und Inkonsistenz
seien
die Resultate der Belastbarkeitstests für die Beurteilung nicht verwertbar. Es
sei davon auszugeh
en, dass der
Beschwerdeführer
bei gutem
Effort
mehr
hätte leisten können (S. 2). Medizinisch-theoretisch bestehe für eine körperlich leichte bis knapp mittelschwere Tätigkeit eine volle Arbeits
fähigkeit (S. 3).
3.2
Dr.
Z._
konnte im Rahmen der am 2
1.
Februar 2007 durchgeführten
psy
chiatrischen Untersuchung
(Gutachten
vom 2
8.
Februar 2007 [
Urk.
8/14/3-
11)
keine Hinweise für eine direkt nach dem Unfall aufgetretene respektive für eine inzwischen immer noch bestehende posttraumatische Belastungsstörung fest
stellen. Er berichtete, dass die vom Beschwerdeführer angegebenen schlechten Träume allgemeine Angsträume seien und in keinem Zusammenhang mit dem Unfall st
ünden
. Es sei 18 Jahre nach dem Arbeitsunfall auch keine posttrauma
tische Symptomatik mehr zu erwarten.
Fü
r eine genuine depressive Störung gebe es
ebenfalls
aufgrund der Anamnese und der aktuellen Befunde keine Anhaltspunkte. Der Beschwerdeführer sei bisher weder in einer psychiatrischen Behandlung gestanden noch habe er ein Antidepressivum eingenommen. Zusammenfassend sei – so der Gutachter – davon auszugehen, dass beim Versi
cherten ein chronisches Schmerzsyndrom mit Verdacht auf eine erhebliche Aggravation bestehe, wobei keine psychiatrische Komorbidität
,
insbesondere keine klinisch manifeste Depression
und
keine posttraumatische Störung
,
vor
liege. Es seien auch keine der an Foerster angelehnten Kriterien erfüllt, die auf eine Unzumutbarkeit zur Überwindung der
somatoformen
Schmerzstörung hin
weisen würden. Aus psychiatrischer Sicht bestehe daher keine Arbeitsunfähig
keit
(S. 7 f.).
4.
4.1
Im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 1
7.
Februar 2014 (
Urk.
2) präsen
tierte sich der medizini
sche Sachverhalt
wie folgt:
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, stellte in seinem Bericht vom 1
2.
Mai 2012 nachstehende Diagnosen (
Urk.
8/65):
Schweres depressives Zustandsbild
Panvertebralsyndrom
mit
lumbo
-verteb
ralem,
lumbo-spondylogenem
und
zervik
o-spondylogenem
Syndrom mit chronischem
Schmerzsyn
drom
Diabetes mellitus Typ 2 (HbA1c 9.2
%
)
Chronische Gastritis mit
Refluxbeschwerden
Er führte aus, Haupt
ursache für die Arbeitsunfähigkeit des Beschwerdeführers sei eine seit Jahren zunehmende depressive Entwicklung. Die Situation betref
fend die psychische Erkrankung habe sich in den letzten zwei Jahren deutlich verschlechtert.
H
insichtlich des Bewegungsapparates
würden weiterhin Beschwerden
mit belastungsabhängigen panvertebralen Schmerzen ohne neu
rologische Ausfälle bestehen. Die psychischen Beschwerden seien als invalidi
sierend anzusehen (100%ige Arbeitsunfähigkeit), jedoch genauer durch den behandelnden Psychiater zu beurteilen. Aufgrund der somatischen Erkrankung (degenerative Erkrankung der Wirbelsäule) bestehe eine 50%ige Arbeitsunfähig
keit.
4.2
Gestützt auf die Ergebnisse der orthopädisch-rheumatologischen Untersuchung vom
1
1.
Oktober 2012 stellte der RAD-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, in seinem gleichentags verfassten Bericht (
Urk.
8/76) folgende Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 5):
Schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der Wirbel
säule mit/bei
zervikal- und lumbal betonten
Panvertebralschmerzen
degenerativer Genese und anamnestischen Hinweisen auf dysfunktionales
Schmerz
verhalten
anamnestisch unzureichend eingestelltem Diabetes mellitus
Er berichtete, der Gesundheitszustand habe sich seit Mai 2012 offensichtlich verschlechtert. In de
r bisherigen Tätigkeit als Kran
führer bestehe – unter Hin
weis auf den Bericht von
Dr.
E._
– eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer körperlich leichten wechselbelastenden Tätigkeit ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über zehn Kilogramm, ohne Arbeiten auf Leitern und Gerüsten, ohne Treppensteigen, ohne wirbelsäulen
-,
hüft
- und kniegelenksbe
lastende Zwangshaltungen (Bücken, Hocken, Knien, Überkopfarbeit, Arbeiten in Armvorhalte), ohne häufiges Gehen auf unebenem Gelände sowie ohne andau
ernde Vibrationsbelastungen und Nässe- respektive Kälteexposition sollte aus somatischer Sicht eine medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit von 80
%
gegeben sein
, wobei der 20%ige Leistungsabzug im vermehrten Pausenb
edarf wegen der Schmerzen und durch den
Körperstellungswechsel bedingt sei (S. 5).
4.3
Dem Gutachten von
Dr.
B._
vom 3
1.
August 2013 (
Urk.
8/91) kann entnom
men werden, dass sich anlässlich der Untersuchung beim Beschwerdeführer ein mittelgradiges depressives Syndrom mit Freud-
und Interesse
nverm
inderung, sozialem Rückzug,
Inaktivität, Resignation, Hoff
nungslosigkeit sowie
Ein- und Durchschlafstörungen (trotz medikamentöser Behandlung) feststellen
liess.
Der Experte führte aus, der
Antrieb
des Versicherten
sei
vermindert
gewesen
.
Er habe
über Gedächtnisstörungen
geklagt
und Suizidgedanken
geäussert
. Appetit und Libido
seien
als vermindert beschrieben
worden
. Es
habe
sich eine deutliche Aktivitätseinschränkung, Energieverminderung und erhöhte E
rmüdbarkeit
eruieren
lassen
. Hinweise auf bewusste Aggravation
seien nicht erkennbar gewesen. Der Beschwerdeführer habe
einen resignierten, hoffnungsarmen und deutlich bedrückten Eindruck
gemacht
. Im Vergleich zur Untersuchung dur
ch
Dr.
Z._
im Jahre 2007 sei
eine Verschlechterung
feststel
lbar
gewesen
. Im Längsverlauf
seien
zunächst die Rückenschmerzen im Vordergrund
gestanden
, die im Februar 2006 zur Krankschreibung
geführt hätten
. Trot
z ablehnenden Entscheiden der Invalidenversicherung habe der Beschwerdeführer
keine adap
tierte Arbeitstätigkeit
mehr aufgenommen. Ab circa
2010
sei vom
behandeln
den Hausarzt eine zunehmende de
pressive Entwicklung beschrieben
worden
. Auch unter Mitberücksichtigung der früher beschriebenen
Selbstlimitierung, einge
schränkten Kooperation und
Aggravation ha
be
sich zwischenzeitlich ein
chro
ni
fiziertes
, mittelgradiges depressives Syndrom eing
estellt. Die
Chronifizierung
sei
zumindest teilweise mit den fehlenden Perspektiven des
Beschwerdeführers erklärbar (S. 10).
Aufgrund der Gesamtsituation sei die bisherige Tätigkeit als Kranführer ungünstig (Unfallgefahr). Unter Berücksichtigung sämtlicher Fakto
ren, inklusive der somatischen, sei von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Für einfache, regelmässige Tätigkeiten mit berechenbarer
S
tress
belastung
bestehe eine Restarbeitsfähigkeit von circa 50
%
(S. 12).
5.
5.1
Anlässlich der ersten und zweiten Neuanmeldung wurde keine materielle Prü
fung des Rentenanspruchs vorgenommen. Der Prüfungszeitraum erstreckt sich daher vom 2
0.
Februar 2008 (
Urk.
8/32) bis
am
1
7.
Februar 2014 (
Urk.
2; vgl. zum Ganzen E. 1.
3
).
5.2
In
somatischer Hinsicht hat sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers nach Lage der Akten nicht erheblich verändert.
So stellte der RAD-Arzt
F._
– entsprechend den von den Experten der
Y._
AG schon am 31. Januar 2007 gestellten Diagnosen (
Urk.
8/14/12-24 S. 1)
– hauptsächlich eine schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der Wirbelsäule mit zervikal und lumbal betontem
Panvertebralsyndrom
degenerativer Genese und anamnestischen Hinweisen auf dysfunktionales Schmerzverhalten fest (Urk. 8/76).
Der Beschwerdeführer klagte weiterhin über zervikal und lumbal betonte
,
generalisierte
Rückenschmerzen und spannte – wie bereits bei der vor knapp sechs Jahren durchgeführten Untersuchung – bei der Bewegungsprüfung der Wirbelsäule in allen Ebenen dagegen
(S. 1 f).
Soweit der für die Beurteilung der physischen Beschwerden zuständige RAD-Arzt eine Verschlechterung des Gesundheitszustands unter Hinweis auf den Bericht
von
Dr.
E._
vom 1
2.
Mai 2012
anmerkte
(S. 5), ist darauf hinzuweisen, dass Letztgenannter
diese
auf
grund der psychischen Erkrankung
konstatiert
e
(
Urk.
8/65).
Was die von Dr.
F._
bescheinigte
80%ige Arbeitsfähigkeit in einer
behinderungsan
gepassten
Tätigkeit betrifft (S. 5), ist
daher
festzuhalten, dass es sich dabei lediglich um eine revisionsrechtlich nicht relevante andere Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts handelt (vgl. E. 1.
3
), konnte er doch keine abweichenden Befunde nennen. Ausserdem ist nicht nachvoll
ziehbar, inwiefern
der Körperstellungwechsel einen Leistungsabzug begründen könnte. Angesichts des formulierten Anforderungsprofils, das wirbelsäulenbe
lastende Zwangshaltungen und Tätigkeiten ausschliesst,
und der erhobenen objektiven Befunde
ist zudem die Notwendigkeit
eines vermehrten
Pausenbe
darfs
aufgrund
der (Rücken-)Schmerzen nicht
in dem vom RAD-Arzt festgeleg
ten Masse
ausgewiesen.
Darüber hinaus
nimmt
Dr.
F._
im Vergleich zu der in der
ursprünglichen leistungsabweisenden Verfügung
festgehaltenen
Gewichtslimite
von
fünf Kilogramm für das Heben und Tragen von Las
t
en (
Urk.
8/3
2
S. 2)
aktuell
sogar
eine höhere
Hebe- und Tragebelastung
(bis
zehn
Kilogramm) an (
Urk.
6/76 S. 5).
Am Ergebnis ändert nichts, dass auf bildgebende Untersuchungen verzichtet wurde (
Urk.
1 S. 8). Denn entscheidend sind die Funktionseinschränkungen, die auch ohne die Anfertigung neuer Bilder festgestellt werden konnten. Dass die
2008 als in geringem Ausmass beschriebene
Diskusprotrusion
sich nicht in erheblichem Ausmass verschlechtert hat, ist auch darin ersichtlich, dass sie Dr.
E._
in seiner Diagnoseliste nicht einmal aufführt und er in Bezug auf die Beschwerden des Bewegungsapparates keine Verschlimmerung geltend macht (Urk. 8/65).
5.3
Was den psychischen Gesundheitszustand anbelangt, diagnostizierte
Dr.
B._
in dem im Auftrag der Beschwerdegegnerin erstellten Gutachten
ein
chronifi
ziertes
mittelgradiges Syndrom (
Urk.
8/91 S. 10). Diesbezüglich
verwies
die
Beschwerdegegnerin in ihrer Verfügung vom 1
7.
Februar 2014
(Urk. 2 S. 2)
auf die fehlende ICD-
10-
Codierung und beurteilt
e
die Herleitung der Diagnose als nicht nachvollziehbar.
Sie hielt die vom Experten angeführten, zur
Chroni
fizierung
beitragenden Gründe für nicht einleuchtend und bemängelte
bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
die fehlende Ausklammerung
psychosozialer Gründe
. Die attestierte 50%ige Arbeitsfähigkeit leuchte
te
ihr zudem
aufgrund der erhobenen Befunde nicht ein.
Stattdessen
stellte sie
auf die
Aktenb
eurtei
lung
der RAD-Ärztin
Dr.
med.
G._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin und Arbeitsmedizin,
vom 1
3.
September 2013 (Urk.
8/92 S. 5) respektive die daraus von der Mitarbeiterin des Rechtsdienstes am
4.
November 2013 gezogene Schlussfolgerung (
Urk.
8/92 S. 6 f.) ab und ging von einem Verstimmungszustand aufgrund der längeren Abstinenz vom Arbeitsprozess
sowie
der subjektiv fehlenden Perspektiven aus
und damit von
einer Begrün
dung der psychiatrischen Diagnose durch ps
ychosoziale Belastungsfaktoren.
Gestützt darauf konnte sie eine Verschlechterung des Gesundheitszustands nicht erkennen. Vor diesem Hintergrund wäre die Beschwerdegegnerin aber gehalten gewesen, die bestehenden Unklarheiten entweder durch gezieltes Nachfragen beim Gutachter
Dr.
B._
zu beseitigen oder – sofern dies nicht möglich
war
– die streitentscheidende Frage durch die Einholung e
iner neuen Expertise zu klären, zumal
Dr.
G._
auch über keinen Facharzttitel in Psychiatrie ver
fügt. Dies gilt umso mehr, als sich
entgegen der Telefonnotiz vom 1
4.
März 2013 (
Urk.
8/85)
-
in den Akten
kein Bericht des seit 2010 behandelnden Psy
chiaters Dr.
H._
befindet
und der
sich aufgrund des
anlässlich der psychi
atrischen Untersuchung im RAD vom 11.
Oktober 2012 präsentierenden
Gesundheitszustand
s aufdrängenden
Frage
nach einer sachgemässen
Medika
menteneinnahme
respektive nach dem Medikamentenstatus nicht nachgegangen wurde
(vgl.
Urk.
8/77)
.
5.4
Nach dem Gesagten ist die Sache zur ergänzenden Abklärung der medizinischen Verhältnisse und zur anschliessenden Neuverfügung an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen. Dabei ist es der Verwaltung überlassen, ob sie
die
Frage nach einer anspruchsrelevanten Veränderung des psychischen Gesundheitszustands
–
allenfalls unter Einholung eines Berichts des beh
andelnden Psychiaters und unter Kontrolle
des Medikamentenspiegels –
mittels Zusatzfragen
an den Experten Dr.
B._
oder durch die Einholung eines neuen Gutachtens beant
wortet.
6.
6.1
D
ie Kosten des Verfahrens sind auf
Fr.
600.-- festzulegen und, da die
Rück
weisung
an die Verwaltung nach ständiger Rechtsprechung als vollständiges Obsiegen gilt (vgl. etwa Urteil des damaligen Eidgenössischen
Versicherungsge
richts
U 199/02 vom 1
0.
Februar 2004 E. 6 mit Hinweis auf BGE 110 V 57 E.
3a; SVR 1999 IV Nr. 10 S. 28 E. 3), ausgangsgemäss von der
Beschwer
degegne
rin
zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).
6.2
Der durch Rechtsanwalt Daniel
Christe
vertretene Beschwerdeführer hat sodann ausgangsgemäss gestützt auf
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34
Abs.
1 und 3 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht Anspruch
auf eine
Pro
zessentschädigung
. Diese ist unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsa
che und der Schwierigkeit des Prozesses auf
Fr.
2‘
6
00.-- (inklusive Mehrwert
steuer und Barauslagen) festzusetzen.
Das Gesuch um Gewährung der unent
geltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2) erweist sich damit als
gegenstandslos geworden
.