# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0a99913a-e74b-42a6-8a54-4e2a86716f80
**Court:** SG_VB
**Chamber:** SG_VB_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

Sachverhalt
A.
a) Die Politische Gemeinde X._ ist Eigentümerin von Grund-
stück Nr. 001, Grundbuch X._, in X._. Das Grundstück liegt ge-
mäss geltendem Zonenplan der Gemeinde X._ vom 16. August
2002 in der Kernzone.
b) Auf Grundstück Nr. 001 und weiteren umliegenden Grundstü-
cken im Zentrum von X._ wurde der Neubau eines Gemeinde- und
Kulturzentrums (Vers.-Nr. 002) mit Tiefgarage (Vers.-Nr. 003) und die
Erweiterung des Rathauses (Vers.-Nr. 004) geplant. Hiergegen setzte
sich A._, X._, Eigentümer von Grundstück Nr. 005, mittels Ein-
sprache zur Wehr. In der Folge erteilte der Gemeinderat X._ unter
anderem eine Baubewilligung für den Bau eines Kultur- und Kongress-
hauses auf Grundstück Nr. 001 (Kultur- und Kongresshaus B._) und
wies die Einsprache von A._ ab. Gegen diesen Entscheid erhob
A._ Rekurs beim Baudepartement (Rekursverfahren Nr. 16-7184),
zog seinen Rekurs in der Folge jedoch zurück, woraufhin das Rekurs-
verfahren von der Geschäftsliste des Baudepartementes abgeschrie-
ben wurde. Die Baubewilligung ist zwischenzeitlich rechtskräftig ge-
worden und das Kultur- und Kongresshaus B._ befindet sich aktuell
im Bau. Dessen Eröffnung ist im Oktober 2020 geplant (vgl.
www.[...].ch).
[...]
Übersicht Grundstücke (Quelle: Geoportal SG)
B.
a) Mit Baugesuch vom 23. Januar 2020 beantragte das Kultur- und
Kongresshaus B._ bzw. C._ in dessen Namen die Bewilligung für
ein "Bistro im Kultur- und Kongresshaus B._ [...] Nutzungserweite-
rung", mithin die Bewilligung einer Projektänderung. Geplant war ge-
mäss Baugesuch die Zusatznutzung eines Teils des Kultur- und Kon-
gresshaus B._ als gastronomischer Betrieb "Bistro".
b) Das Baugesuch lag vom 4. bis 17. Februar 2020 bei der Bau-
verwaltung der Gemeinde X._ auf und es wurden verschiedene Ei-
gentümer umliegender Grundstücke – darunter aber nicht A._ –
schriftlich und eingeschrieben über das Baugesuch in Kenntnis ge-
setzt. Auch wurde das Bauvorhaben am 4. Februar 2020 auf der kan-
tonalen Publikationsplattform veröffentlicht.
c) Mit Eingabe vom 19. Februar 2020 reichte A._ privat- und öf-
fentlich-rechtliche Einsprache gegen das Bauvorhaben ein.
d) Mit Entscheid vom 21. Februar 2020 hielt der Gemeinderat
X._ fest, die Einsprache von A._ vom 20. Februar 2020 erfolge
ausserhalb der Einsprachefrist. Auf die Einsprache wurde deshalb
nicht eingetreten.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 74/2020), Seite 3/12
e) Mit Schreiben vom 6. März 2020 beantragte A._, nun vertre-
ten durch lic.iur. Rony Kolb, Rechtsanwalt, Widnau, beim Gemeinderat
X._, es sei nicht auf das Baugesuch einzutreten. Darüber hinaus
verlangte er den Erlass eines vorsorglichen Baustopps, die Durchfüh-
rung des ordentlichen Baubewilligungsverfahrens sowie Aktenein-
sicht, alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
C.
a) Mit Schreiben vom 9. März 2020 erhob A._ durch seinen
Rechtsvertreter Rekurs beim Baudepartement. Es werden folgende
Anträge gestellt:
[...]
b) Der Gemeinderat X._ äusserte sich vor dem Hintergrund des
rekurrentischen Schreibens vom 6. März 2020 und der Rekurserklä-
rung vom 9. März 2020 mit Schreiben vom 26. März 2020 gegenüber
Rechtsanwalt Rony Kolb zur Sache. Dies geschah grundsätzlich aus-
serhalb des Rekursverfahrens, das Baudepartement wurde jedoch mit
einer Kopie des Schreibens bedient.
c) In Kenntnis des vorerwähnten Schreibens vom 26. März 2020
stellt der Rekurrent durch seinen Rechtsvertreter mit Rekursergän-
zung vom 31. März 2020 folgende Anträge:
[...]
Zur Begründung wird im Wesentlichen geltend gemacht, die
Vorinstanz habe das fragliche Baugesuch zu Unrecht im vereinfachten
Verfahren gemäss Art. 140 f. des Planungs- und Baugesetzes
(sGS 731.1; abgekürzt PBG) behandelt. Der Rekurrent sei unzulässi-
gerweise vom Verfahren ausgeschlossen worden. Ausserdem fehle
auf dem Baugesuch die Unterschrift des Grundeigentümers, weshalb
die angefochtene Verfügung nichtig, zumindest aber anfechtbar sei.
Es fehle zudem ein Gemeinderatsbeschluss, der für die Genehmigung
des Baugesuchs bzw. die Unterschrift der Gemeinde auf demselben
zwingend erforderlich sei. Weiter sei ein Baustopp im pendenten Ver-
fahren nötig, weil damit zumindest die Sachlage präjudiziert werde.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 21. April 2020 beantragt die
Vorinstanz den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen. Zur Begrün-
dung wird auf den angefochtenen Entscheid verwiesen und insbeson-
dere die Verspätung der Einsprache des Rekurrenten geltend ge-
macht.
b) Mit Schreiben vom 12. Mai 2020 macht der Rekurrent mit Ver-
weis auf einen Auszug aus den Gemeindepublikationen der Gemeinde
X._ ergänzend geltend, die Gemeinde gehe selber davon aus, dass
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 74/2020), Seite 4/12
mit dem Bistro im Kultur- und Kongresshaus B._ eine "Nutzungser-
weiterung" bewilligt werden solle, womit sie selbst davon auszugehen
scheine, dass es sich nicht nur um unwesentliche Anpassungen
handle.
c) Nach Gewährung der Einsicht in die Rekursakten am 24. Juni
2020 reichte der Rekurrent am 15. Juli 2020 eine zusätzliche Eingabe
ein.
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

## Considerations

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist – vorbehältlich nachfolgender Ausführungen in Er-
wägung 3 – einzutreten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das PBG in Kraft getreten und das Baugesetz
vom 6. Juni 1972 (nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden
(Art. 172 Bst. a PBG). Der angefochtene Entscheid erging am 21. Feb-
ruar 2020. Mithin sind vorliegend grundsätzlich die Bestimmungen des
PBG anwendbar, sofern sie gemäss Anhang zum Kreisschreiben
„Übergangsrechtliche Bestimmungen im PBG“ vom 8. März 2017
(Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2017/I/1) als unmittel-
bar anwendbar erklärt werden. Im Übrigen gelangen weiterhin das
BauG und das entsprechende Baureglement zur Anwendung.
3.
Der Rekurrent macht geltend, auf dem Baugesuch fehle die Unter-
schrift des Grundeigentümers, was zur Nichtigkeit, jedenfalls aber zur
Anfechtbarkeit der angefochtenen Verfügung führe. Weiter sei das
aufgelegte Baugesuch auch mangels Genehmigungsbeschluss der
Gemeinde als Grundeigentümerin nichtig.
3.1 Vorab ist festzustellen, dass das fragliche Baugesuch nicht Ver-
fahrensgegenstand ist und es sich dabei ohnehin um kein taugliches
Anfechtungsobjekt im Sinn einer der Vorinstanz zurechenbaren Verfü-
gung handelt. Verfahrensgegenstand ist auch nicht eine gestützt auf
das bemängelte Baugesuch erteilte Baubewilligung, sondern einzig
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 74/2020), Seite 5/12
der Entscheid vom 21. Februar 2020, mit welchem die Vorinstanz zu-
folge Verspätung nicht auf die Einsprache des Rekurrenten eintrat. So-
weit der Rekurrent die Nichtigkeit des Baugesuchs annimmt und be-
antragt, es sei nicht auf das Baugesuch einzutreten (vgl. Rekursergän-
zung), bewegt er sich ausserhalb des Verfahrensgegenstands und
kann auf seinen Rekurs nicht eingetreten werden. Ebenfalls nicht Ver-
fahrensgegenstand sind die vom Rekurrenten behaupteten materiel-
len Mängel der Baubewilligung (vgl. insbesondere Eingabe vom
15. Juli 2020 Ziff. 4 und Ziffn. 7 bis 10). Zu prüfen ist an dieser Stelle
einzig, ob die angeblichen Mängel des Baugesuchs die Nichtigkeit des
angefochtenen Entscheids zur Folge haben.
3.2 Die Nichtigkeit eines Verwaltungsakts ist jederzeit und von sämt-
lichen rechtsanwendenden Behörden von Amtes wegen zu beachten.
Fehlerhafte Verwaltungsakte sind in der Regel nicht nichtig, sondern
nur anfechtbar. Nichtigkeit, das heisst absolute Unwirksamkeit einer
Verfügung, wird nur angenommen, wenn der ihr anhaftende Mangel
besonders schwer wiegt, wenn er offensichtlich oder zumindest leicht
erkennbar ist und wenn zudem die Rechtssicherheit durch die An-
nahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Als Nichtigkeits-
gründe fallen hauptsächlich funktionelle und sachliche Unzuständig-
keit einer Behörde sowie schwerwiegende Verfahrensfehler in Be-
tracht (vgl. z.B. VerwGE B 2019/74 vom 19. Dezember 2019 Erw. 3.1
mit Hinweisen).
3.3 Nach Art. 137 PBG sind Baugesuche bei der zuständigen Bau-
behörde einzureichen. Gemäss Art. 21 Abs. 1 Satz 3 der Verordnung
zum Planungs- und Baugesetz (sGS 731.11; abgekürzt PBV) wird das
Baugesuch von der Bauherrschaft und den Grundeigentümerinnen
oder Grundeigentümern unterzeichnet. Gleiches statuiert Art. 33
Abs. 2 des Baureglements der Politischen Gemeinde X._ vom
15. Dezember 2009, wonach sämtliche Unterlagen von Bauherr,
Grundeigentümer und Projektverfasser original unterzeichnet sein
müssen. Bei der Vorschrift in Art. 21 Abs. 1 Satz 3 PBG sowie allge-
mein bei kommunalen Vorschriften wie Art. 33 Abs. 2 BauR kann es
sich nicht um absolut zu erfüllende Gültigkeitsvoraussetzungen han-
deln. Es sind vielmehr Ordnungsvorschriften mit dem Zweck, den
Grundeigentümer vor unzulässigen – gegen seinen Willen eingereich-
ten – Baugesuchen auf seinem Grundstück zu schützen, ohne dass er
sich dagegen zivilrechtlich wehren muss. Die Baubehörden haben sich
dabei auf die Prüfung der Frage zu beschränken, ob das Bauvorhaben
offenkundig Eigentumsrechte Dritter verletzt. Es ist nicht Sache der
Baubehörden, die Eigentumsverhältnisse – gleich wie der Zivilrichter
– im Einzelnen und endgültig aufzuklären. Die Baubehörden müssen
auf ein Baugesuch eintreten, wenn glaubhaft gemacht werden kann,
dass der Grundeigentümer dem Baugesuch zugestimmt hat. Selbst
wenn die Rechte Privater offenkundig sind, ist es nicht Aufgabe der
Baubewilligungsbehörde, diese durch die Verweigerung der Baubewil-
ligung zu wahren (BDE Nr. 15/2011 vom 8. April 2011 Erw. 3.3.2.2 mit
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 74/2020), Seite 6/12
Hinweisen; zusammengefasst in Baudepartement SG, Juristische Mit-
teilungen 2011/II/1; vgl. auch Baudepartement SG, Juristische Mittei-
lungen 2001/IV/38).
3.4 Vorliegend ist das Baugesuchsformular G1 nur vom Rekursgeg-
ner als Baugesuchsteller (Kultur- und Kongresshaus B._, handelnd
durch seine Geschäftsleiterin C._) unterzeichnet. Es fehlt eine Un-
terschrift der Politischen Gemeinde X._ als Eigentümerin des
Grundstücks Nr. 001. Der Rekurrent macht somit grundsätzlich zu
Recht die Verletzung der diesbezüglichen Vorschriften geltend. Bei
denselben handelt es sich aber wie gezeigt um Ordnungsvorschriften.
Deren Verletzung kann schon deshalb keinen derart schwerwiegen-
den Verfahrensmangel darstellen, der zur Nichtigkeit einer – hier oh-
nehin nicht Verfahrensgegenstand bildenden – Baubewilligung führte.
Noch viel weniger kann die fehlende Unterschrift eines Grundeigentü-
mers auf dem Baugesuch zur Nichtigkeit des verfahrensgegenständli-
chen Entscheids führen, mit welchem zufolge Verspätung nicht auf
eine Einsprache eingetreten wurde.
3.5 Der Rekurrent macht mit Blick auf das Baugesuch zudem gel-
tend, das aufgelegte Baugesuch sei mangels Genehmigungsbe-
schluss der Gemeinde als Grundeigentümerin allermindestens man-
gelhaft, nach seiner Ansicht gar nichtig. Die Gemeinde müsse einen
Gemeinderatsbeschluss fällen, der für die Genehmigung des Bauge-
suchs bzw. die Unterschrift der Gemeinde auf demselben zwingend
erforderlich sei. Dass der Rekurrent sich mit solchen Ausführungen
zum Baugesuch ausserhalb des Verfahrensgegenstands befindet,
wurde bereits erwähnt (vgl. oben, Ziff. 3.1). Jedenfalls ist mit Verweis
auf die vorstehenden Erwägungen ausgeschlossen, dass der angebli-
che Mangel des Baugesuchs (fehlender Genehmigungsbeschluss
durch die Politische Gemeinde X._ als Grundeigentümerin) zur
Nichtigkeit des nun angefochtenen Entscheids führen könnte. Ohnehin
hat die Politische Gemeinde X._ bzw. die Vorinstanz als ihr oberstes
Leitungs- und Verwaltungsorgan (vgl. Art. 26 der Gemeindeordnung
der Politischen Gemeinde X._ vom 13. April 2010) im vorliegenden
Rekursverfahren bestätigt, dass sie mit dem fraglichen Baugesuch
einverstanden war und nach wie vor ist.
3.6 Insgesamt ergibt sich, dass der angefochtene Entscheid weder
zufolge fehlender Unterschrift der Grundeigentümerin noch zufolge
fehlendem Beschluss betreffend "Genehmigung des Baugesuchs"
nichtig ist. Es fehlt diesbezüglich schon an einem Zusammenhang zwi-
schen den angeblichen Mängeln des Baugesuchs und dem angefoch-
tenen Entscheid, mit welchem auf die Einsprache des Rekurrenten
wegen Verspätung nicht eingetreten wurde. Selbst wenn ein Zusam-
menhang bestünde, wäre vorliegend auch ohne förmliche Unterschrift
auf dem Baugesuch und ohne separaten Beschluss der Vorinstanz
betreffend "Genehmigung des Baugesuchs" erstellt bzw. jedenfalls
glaubhaft gemacht, dass die Grundeigentümerin dem Baugesuch zu-
gestimmt hat, wie dies Art. 21 PBV und Art. 33 BauR verlangen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 74/2020), Seite 7/12
3.7 Soweit der Rekurrent im Zusammenhang mit dem Unter-
schriftserfordernis schliesslich geltend macht, es sei nach wie vor un-
klar, wer hinter der Bezeichnung "Kultur- und Kongresshaus B._"
stehe und es sei nicht gefestigt, wer überhaupt zur Vertretung "dieses
unbekannten juristischen Vehikels" berechtigt sei, ändert sich am Ge-
sagten nichts. Auch diesbezüglich mangelt es an einem Zusammen-
hang zum angefochtenen Entscheid betreffend Rechtzeitigkeit der
Einsprache und jedenfalls hätten diese Umstände nicht dessen Nich-
tigkeit zur Folge. Der Rekurs erweist sich auch diesbezüglich als un-
begründet.
4.
Der Rekurrent rügt weiter, die Vorinstanz habe das fragliche Bauge-
such zu Unrecht im vereinfachten Verfahren gemäss Art. 140 f. PBG
behandelt und er sei unzulässigerweise vom Verfahren ausgeschlos-
sen worden. Sollte dies zutreffen, ist nicht ausgeschlossen, dass ein
schwerwiegender Verfahrensmangel vorliegen und/oder dass dem
Rekurrenten trotz verspäteter Einsprache die Möglichkeit zur weiteren
Teilnahme am Baubewilligungsverfahren einzuräumen sein könnte.
Auf die Verfahrenswahl ist deshalb näher einzugehen.
4.1 Das PBG kennt für die Beurteilung von Baugesuchen drei Ver-
fahrensarten, nämlich das ordentliche Verfahren (Art. 138 ff. PBG),
das vereinfachte Verfahren (Art. 140 f. PBG) und das Meldeverfahren
(Art. 142 f. PBG). Das vereinfachte Verfahren ist grundsätzlich zuläs-
sig, wenn Bauten und Anlagen keine Interessen von Dritten oder die
Interessen nur von wenigen einspracheberechtigten Personen berüh-
ren (Art. 140 Satz 1 PBG). Gemäss Botschaft zum PBG ist das verein-
fachte Verfahren namentlich dann nicht anwendbar, wenn der Kreis
der Einspracheberechtigten nicht ausreichend bestimmbar ist. Ge-
mäss parlamentarischer Beratung soll das vereinfachte Verfahren in
denjenigen Fällen möglich sein, die keine oder nur die Interessen we-
niger bzw. eine überschaubare Anzahl von Einspracheberechtigten
berührten. Die Grenze sei einmal bei rund zehn Personen gezogen
worden. Als Beispiele, wann das vereinfachte Verfahren angewendet
werden kann, wurden etwa eine Dachaufbaute auf einer Seite, ein
Gartenhäuschen oder ein Anbau auf einer Gebäudeseite, welcher nur
einen Nachbarn betreffe, erwähnt. Ebenso eine Garage oder ein Gar-
tensitzplatz, den nur wenige einsehen könnten (vgl. zum Ganzen
Handbuch des Baudepartementes zum neuen Planungs- und Bauge-
setz [PBG], Stand 17. Januar 2020, Bemerkungen zu Art. 140).
4.2 Der Rekursgegner beantragte im Baugesuch die Durchführung
des vereinfachten Verfahrens. Das Baugesuch hat die Zusatznutzung
eines Teils des Kultur- und Kongresshaus B._ als gastronomischer
Betrieb "Bistro" zum Gegenstand. Der Bistrobetrieb soll zum Teil in-
nerhalb des Kultur- und Kongresshaus B._, z.T. auf dem davorlie-
genden Rathausplatz erfolgen. Es sollen 50 Sitzplätze zur Verfügung
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 74/2020), Seite 8/12
stehen, davon 24 im Freien. Hinzu kommen fünf Liegen im "Foyer". Im
Einzelnen zeigt sich folgendes Bild:
[...]
Übersicht Bistrobetrieb mit Sitzplätzen/Liegen (Quelle: [...])
Damit wird klar, dass mit der Umsetzung des Bauvorhabens eine er-
hebliche Nutzungserweiterung des Kultur- und Kongresshaus B._
einherginge. Der Besucherkreis des Bistros ist offen und die Bewirtung
findet in erheblichem Umfang auch im Freien statt. Es kann vor diesem
Hintergrund und angesichts der zentralen Lage des Bauvorhabens in
X._ sowie der zahlreich vorhandenen Nachbarn ausgeschlossen
werden, dass die Interessen nur von wenigen einspracheberechtigten
Personen berührt sind. Das Baugesuch muss somit grundsätzlich im
ordentlichen Verfahren gemäss Art. 138 f. PBG beurteilt werden.
4.3 Zu prüfen bleibt, ob das von der Vorinstanz durchgeführte Ver-
fahren den Vorgaben des ordentlichen Verfahrens genügt.
4.3.1 Im ordentlichen Verfahren stellt die Bauherrschaft vor dem Auf-
lageverfahren Visiere auf, die Stellung und Ausmass bzw. die tatsäch-
liche horizontale und vertikale Ausdehnung sowie die Gesamthöhe der
Baute oder Anlage bezeichnen (Art. 138 PBG i.V.m. Art. 22 Abs. 1
PBV). Aus wichtigen Gründen kann die Bewilligungsbehörde Erleich-
terungen anordnen, soweit die Information der Betroffenen und der Öf-
fentlichkeit sichergestellt ist (Art. 22 Abs. 2 PBV). Visiere bleiben bis
zum rechtskräftigen Entscheid über das Baugesuch stehen. Die Be-
willigungs- oder die Rechtsmittelbehörde kann einer Entfernung der
Visiere zustimmen oder deren Wiederherstellung anordnen (Art. 22
Abs. 3 PBV). Ungeachtet dieser Bestimmungen kann in bestimmten
Situationen von einer Visierung ohne Verstoss gegen die Visierpflicht
abgesehen werden, z.B. falls äusserlich keine Um- oder Neugestal-
tung sichtbar ist, die Visierung aus technischen Gründen nicht durch-
führbar ist oder die Baute eine so einfache äusserliche Gestalt auf-
weist, dass der Anstösser problemlos feststellen kann, ob die projek-
tierte Baute sich auf das eigene Grundstück auswirken wird
(BDE Nr. 6/2020 vom 6. Februar 2020 Erw. 3.1.2; BDE Nr. 55/2010
vom 10. September 2010 Erw. 3.1; je mit Hinweisen).
In den Plänen zum Baugesuch wurde im Wesentlichen die Anzahl und
Lage der vorgesehenen Tische und Stühle skizziert. Im Übrigen stellen
die Pläne die technischen Einrichtungen und Anlagen im Gebäudein-
nern dar. Weder das eine noch das andere kann oder muss visiert
werden, und es sind im vorliegenden Fall auch sonst keine baulichen
Massnahmen geplant, die sinnvoll visiert werden könnten. Hinzu
kommt, dass ein Teil des Vorhabens innerhalb des Gebäudes geplant
ist und dass sich das Kultur- und Kongresshaus B._ anfangs des
Jahres 2020 – also im Zeitpunkt der Einreichung des Baugesuchs und
während der öffentlichen Auflage – im Bau befand, was eine Visierung
mindestens teilweise ebenfalls verunmöglichte. Insgesamt war eine
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 74/2020), Seite 9/12
Visierung nicht nötig, womit eine Verletzung der Visierungspflicht ge-
mäss Art. 138 PBG ausscheidet.
4.3.2 Im ordentlichen Verfahren gibt die Baubehörde das Baugesuch
im amtlichen Publikationsorgan oder durch öffentlichen Anschlag so-
wie im Internet bekannt. Die zusätzliche Bekanntmachung im Internet
entfällt, wenn das amtliche Publikationsorgan der Gemeinde die Pub-
likationsplattform nach Art. 22 und 27 des Publikationsgesetzes
(sGS 140.3; abgekürzt PubG) ist (Art. 139 Abs. 1 Bst. a PBG). In der
Politischen Gemeinde X._ gilt die kantonale Publikationsplattform
als amtliches Publikationsorgan (vgl. www.[...], zuletzt besucht am
19. Juni 2020). Auf dieser Publikationsplattform (https://publikatio-
nen.sg.ch) wurde am 4. Februar 2020 die "Bauanzeige Kultur- und
Kongresshaus B._" veröffentlicht, worin unter anderem auf das Bau-
vorhaben ("Bistro im Kultur- und Kongresshaus B._ (Nutzungser-
weiterung)") auf dem Grundstück Nr. 001 und auf die öffentliche Auf-
lage (4. bis 17. Februar 2020) hingewiesen wurde. Damit hat die Vo-
rinstanz das Baugesuch in Nachachtung von Art. 139 Abs. 1 Bst. a
PBG bekannt gegeben und es liegt insofern ebenfalls keine Verletzung
von Verfahrensvorschriften vor. Bloss ergänzend ist zu erwähnen,
dass ebenfalls am 4. Februar 2020 auf der Internetseite des Gemeinde
X._ auf das Baugesuch, auf dessen Auflage vom 4. bis 17. Februar
2020 auf der Bauverwaltung X._ sowie auf die Einsprachemöglich-
keit hingewiesen wurde (vgl. www.[...]; zuletzt besucht am 19. Juni
2020).
4.3.3 Die Baubehörde gibt im ordentlichen Verfahren das Baugesuch
Grundeigentümerinnen oder Grundeigentümern, deren Grundstück
nicht mehr als 30 Meter von der geplanten Baute oder Anlage entfernt
ist, mit eingeschriebenem Brief zur Kenntnis (Art. 139 Abs. 1 Bst. b
PBG). Das Grundstück Nr. 005 des Rekurrenten befindet sich nördlich
des Grundstücks Nr. 001, auf welchem das Kultur- und Kongress-
haus B._ gebaut wird. Die Distanz zwischen der geplanten Nut-
zungserweiterung (Bistrobetrieb mit Sitzplätzen auch im Freien) und
der Grenze zum rekurrentischen Grundstück beträgt über 50 Meter.
Die kürzeste Distanz zwischen den Grundstücksgrenzen der beiden
Grundstücke beträgt rund 35 Meter. Angesichts dieser Umstände ist
auszuschliessen, dass dem Rekurrenten gestützt auf Art. 139 Abs. 1
Bst. b PBG das Baugesuch mit eingeschriebenem Brief hätte zur
Kenntnis gebracht werden müssen. Es liegt insofern keine Verletzung
von Verfahrensvorschriften bzw. –rechten vor.
4.3.4 Das Baugesuch wird nach Bekanntgabe während 14 Tagen zur
Einsichtnahme aufgelegt (Art. 139 Abs. 3 Satz 1 PBG). Eine derartige
öffentliche Auflage hat stattgefunden, und zwar vom 4. – 17. Februar
2020, was sich namentlich aus dem Baugesuchsformular G1 und aus
der Bauanzeige der Bauverwaltung X._ vom 28. Januar 2020 ergibt.
Den diesbezüglichen Anforderungen an das ordentliche Verfahren
wurde Rechnung getragen. Bloss ergänzend ist zu erwähnen, dass
der Rekurrent schon am 19. Februar 2020 eine begründete Einspra-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 74/2020), Seite 10/12
che formulieren und darin auf ausgewählte Details der Baugesuchs-
unterlagen Bezug nehmen konnte ("Baugesuch ist ohne Plankopf. Es
fehlen auch Unterschrift und Stempel der Bauherrschaft"; "Der Gast-
raum wird über die Fenster nach aussen gelüftet"; usw.). Dies spricht
dafür, dass er – wie auch die Vorinstanz ausführt – während der Auf-
lagefrist Einsicht nahm und nicht "zufällig" vom Baugesuch Kenntnis
erhielt. Wie es sich damit im Einzelnen verhält, kann jedoch offen blei-
ben.
4.3.5 Insgesamt zeigt sich damit, dass die Vorinstanz für die Behand-
lung des Baugesuchs – soweit den Rekurrenten betreffend – sämtli-
che Vorgaben des ordentlichen Verfahrens beachtet hat, soweit sie
überhaupt zu beachten waren (vgl. Visierung). Daran ändert nichts,
dass die Vorinstanz in der Bauanzeige vom 28. Januar 2020 das ver-
einfachte Verfahren erwähnte, auf Art. 140 PBG verwies und als "An-
stösser im Sinne von Art. 141 PBG" fünf Eigentümer verschiedener
benachbarter Grundstücke identifizierte. Daraus ist zwar zu schlies-
sen, dass die Vorinstanz ein vereinfachtes Verfahren durchführen
wollte. In Tat und Wahrheit befolgte sie jedoch die Vorgaben des or-
dentlichen Verfahrens. Massgebend bei der Beurteilung des gewähl-
ten Verfahrens ist nicht die falsche Bezeichnung, sondern einzig, ob
die Verfahrensrechte des Rekurrenten und insbesondere sein An-
spruch auf rechtliches Gehör gewahrt wurden. Dies war – wie sich ge-
stützt auf den konkreten Verfahrensablauf gezeigt hat – der Fall.
4.3.6 Weil die Vorinstanz gegenüber dem Rekurrenten die einschlägi-
gen Vorgaben des ordentlichen Verfahrens beachtete, wäre es ihm
gestützt auf die Bekanntmachung des Baugesuchs und dessen öffent-
liche Auflage vom 4. bis 17. Februar 2020 möglich und zumutbar ge-
wesen, rechtzeitig Einsicht in das Baugesuch zu nehmen und innert
der Auflagefrist seine Einsprache einzureichen. Er liess die Ein-
sprachefrist jedoch ungenutzt verstreichen bzw. reichte seine Einspra-
che erst nach Ablauf der Frist ein (Postaufgabe am 20. Februar 2020;
Eingang bei der Gemeinderatskanzlei X._ am 21. Februar 2020).
Weil es sich bei der vierzehntägigen Einsprachefrist nach Art. 139
Abs. 3 Satz 1 PBG i.V.m. Art. 153 PBG um eine gesetzliche Frist han-
delt, hat deren Nichtbeachtung Verwirkungsfolge (Art. 30bis VRP). Mit
der verspäteten Einreichung seiner Einsprache hat der Rekurrent
seine Ansprüche somit verwirkt. Nicht relevant ist unter den gegebe-
nen Umständen, ob – wie der Rekurrent geltend macht – die Auflage-
frist bis 17. Februar 2020 festgesetzt und gleichzeitig aber das "Datum
der ersten Sitzung der Baukommission mit dem formellen Bewilli-
gungsbeschluss bereits auf den 10. Februar 2020 festgelegt" worden
ist (so Eingabe vom 15. Juli 2020). Der "Bewilligungsbeschluss" ist
nicht Verfahrensgegenstand und unabhängig von dessen Entstehung
wäre der Rekurrent zur fristgerechten Einspracherhebung verpflichtet
gewesen. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs liegt entgegen der
rekurrentischen Darstellung nicht vor. Insgesamt trat die Vorinstanz
deshalb zu Recht nicht auf die Einsprache ein und der Rekurs erweist
sich als unbegründet.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 74/2020), Seite 11/12
4.3.7 Angesichts der dargestellten Sach- und Rechtslage erübrigt es
sich, die Sache gestützt auf Aufsichtsrecht zur Durchführung des or-
dentlichen Verfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen. Daran än-
dert der Umstand nichts, dass allenfalls in Missachtung von Art. 139
Abs. 1 Bst. b PBG das Baugesuch nicht sämtlichen Grundeigentü-
mern, deren Grundstück nicht mehr als 30 Meter vom Bauvorhaben
entfernt ist, mit eingeschriebenem Brief bekannt gegeben wurde. Darin
könnte allenfalls eine Verletzung des rechtlichen Gehörs dieser Ein-
spracheberechtigten liegen und für die Übergangenen würde gegebe-
nenfalls die Rechtsmittelfrist vorerst nicht zu laufen beginnen (vgl.
BDE Nr. 18/2016 vom 11. April 2016 Erw. 9.2.1 mit Hinweisen). Ein
solcher Verfahrensmangel rechtfertigt jedoch kein aufsichtsrechtliches
Einschreiten, zumal er auch nicht zur Nichtigkeit einer – im vorliegen-
den Verfahren nicht zu beurteilenden – Baubewilligung führt. Im Übri-
gen kann sich der Rekurrent nicht auf derartige Verletzungen von Ver-
fahrensrechten Dritter berufen.
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass die Vorinstanz jedenfalls im Ver-
hältnis zum Rekurrenten die einschlägigen Verfahrensvorschriften ein-
hielt und zu Recht von einer verspäteten Einsprache des Rekurrenten
ausging. Sie durfte ohne Rechtsverletzung auf die Einsprache des Re-
kurrenten nicht eintreten. Der Rekurs erweist sich deshalb als unbe-
gründet und ist abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
Damit erübrigt sich der Erlass eines Baustopps und der entsprechende
Antrag des Rekurrenten ist ebenfalls abzuweisen. Gleiches gilt für die
beantragte Edition der rechtskräftigen Baubewilligung des Kultur- und
Kongresshaus B._ samt aller Akten sowie für die verlangte Akten-
einsicht in verschiedene weitere Unterlagen (vgl. Rekursergänzung
S. 2). Alle diese Akten und Unterlagen sind nicht geeignet, den Aus-
gang des Rekursverfahrens zu beeinflussen, weshalb auf deren Ein-
holung sowie auf Gewährung der Einsicht zu verzichten ist.
6.
6.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die
amtlichen Kosten dem Rekurrenten zu überbinden.
6.2 Der vom Rekurrenten am 26. März 2020 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– ist anzurechnen.
7.
Rekurrent und Vorinstanz stellen ein Begehren um Ersatz der ausser-
amtlichen Kosten.
7.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 74/2020), Seite 12/12
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
7.2 Da der Rekurrent mit seinen Anträgen unterliegt, hat er von
vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung.
Sein Begehren ist deshalb abzuweisen.
7.3 Die Vorinstanz hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (R. HIRT, Die Regelung der Kosten nach
st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St.Gallen 2004,
S. 176). Sie bringt keine Gründe vor, die ein Abweichen von dieser
Regel rechtfertigen. Ihr Begehren ist daher abzuweisen.