# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 04e5aa44-fcdc-5ea4-ae77-e16c26d84039
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 17. September 2013 beim Bauinspektorat der
Stadt Bern ein Baugesuch ein, das insbesondere den Neubau eines Vordachs auf der
Westfassade des Hotels Y._ auf Parzelle Bern Grundbuchblatt Nr. Z._
beinhaltete. Das Vorhaben benötigt eine Sondernutzungskonzession, da es öffentlichen
Boden beansprucht (A._Platz, Verkehrsanlage im Eigentum der Stadt Bern). Mit
Schreiben vom 7. November 2013 machte das Bauinspektorat der Stadt Bern die
Beschwerdeführerin deshalb darauf aufmerksam, dass sie ein entsprechendes Gesuch
einreichen müsse. Die Projektverfasserin antwortete am 18. Dezember 2013, sie werde
das Gesuch im Januar 2014 direkt dem Tiefbauamt der Stadt Bern zustellen. Mit Schreiben
vom 14. November 2014 überwies das Tiefbauamt der Stadt Bern die vom Gemeinderat
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genehmigte Sondernutzungskonzession vom 20. Oktober 2014 dem Bauinspektorat.
Dieses leitete es zusammen mit seinem Bericht zum Bauentscheid Anfang Februar 2015
an das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland weiter. Mit Entscheid vom 10. Februar
2015 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland die Gesamtbewilligung. Diese
umfasste auch die Sondernutzungskonzession.
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 12. März 2015 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt die
Aufhebung von Ziffer 5 der Sondernutzungskonzession. Sie macht geltend, der
Gemeinderat der Stadt Bern habe ihr mit Schreiben vom 16. Dezember 2009 zugesichert,
dass für die Benützung des öffentlichen Grundes keine Gebühren erhoben würden.
3. Das Regierungsstatthalteramt verzichtete in seiner Eingabe vom 2. April 2015 auf
eine förmliche Vernehmlassung.
Die Stadt Bern beantragte in ihrer Eingabe vom 9. April 2015, das Beschwerdeverfahren
sei zu sistieren, bis der Gemeinderat über ein von der Beschwerdeführerin noch
einzureichendes Gesuch um Gebührenerlass entschieden habe. Die zitierte Textstelle im
Schreiben vom 16. Dezember 2009 beziehe sich einzig auf die Hotelvorfahrt und nicht auf
das Vordach. Es mache aus prozessökonomischen Gründen Sinn, wenn die
Beschwerdeführerin vorerst ein entsprechendes Gebührenerlassgesuch an den
Gemeinderat richte. Anschliessend könne das Beschwerdeverfahren ganz oder teilweise
abgeschrieben werden.
4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, erkundigte sich bei
der Beschwerdeführerin, ob sie ein Gebührenerlassgesuch stellen wolle. Zudem gab es
den Beteiligten Gelegenheit, zum Sistierungsgesuch Stellung zu nehmen. Die
Beschwerdeführerin teilte am 4. Mai 2015 mit, sie habe ein Gebührenerlassgesuch gestellt
und sei mit der Sistierung des Beschwerdeverfahrens bis zum Entscheid darüber
einverstanden. Mit Verfügung vom 7. Mai 2015 sistierte das Rechtsamt das
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Beschwerdeverfahren für drei Monate. Am 7. Juli 2015 teilte die Stadt Bern mit, der
Gemeinderat habe das Gebührenerlassgesuch gutgeheissen, soweit es die Gebühren für
das Vordach betroffen habe. Das Rechtsamt nahm das Verfahren mit Verfügung vom 8.
Juli 2015 wieder auf und gab den Beteiligten Gelegenheit, im Rahmen von
Schlussbemerkungen zur Erledigung des Verfahrens Stellung zu nehmen. Von dieser
Möglichkeit machten die Stadt Bern am 16. Juli 2015 und die Beschwerdeführerin am 30.
Juli 2015 Gebrauch. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist Ziffer 5 der Sondernutzungskonzession vom 20. Oktober 2014, die
Teil eines Gesamtentscheids nach Art. 9 KoG2 bildet. Unabhängig von den geltend
gemachten Einwänden kann ein Gesamtentscheid nur mit dem Rechtsmittel angefochten
werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist (Art. 11 Abs. 1 KoG). Im vorliegenden
Fall ist das Baubewilligungsverfahren Leitverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Diese ist somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Als Folge der Dispositionsmaxime wird der Streitgegenstand im
Rechtsmittelverfahren alleine durch die Parteien bestimmt. Dies geschieht durch die
Beschwerdeanträge und die Beschwerdebegründung.4 Die Beschwerdeführerin beantragt
zwar die vollständige Aufhebung von Ziffer 5 der Sondernutzungskonzession. Aus der
Begründung geht allerdings hervor, dass sich die Beschwerde einzig gegen die in Ziffer 5.1
geregelte Konzessionsgebühr für das Vordach richtet. Demgegenüber sind die ebenfalls in
Ziffer 5.1 festgesetzten Konzessionsgebühren für die Warenlifte, Lichtschächte und den
Entrauchungsschacht sowie die Ziffern 5.2 bis 5.4 offenkundig nicht umstritten. Sie bilden
deshalb mangels sachbezogener Begründung nicht Gegenstand des Verfahrens.
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 BGer 2C_124/2013 vom 25. November 2013 E. 2.2.3., mit weiteren Hinweisen
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c) Die Beschwerdeführerin ist als Baugesuchstellerin grundsätzlich
beschwerdelegitimiert (Art. 40 Abs. 2 BauG). Sie hat ein schutzwürdiges Interesse an der
Aufhebung der umstrittenen Sondernutzungsgebühr. Sie ist deshalb befugt, Beschwerde
zu führen (Art. 65 Abs. 1 VRPG5).
d) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG). Die BVE tritt
daher auf die Beschwerde ein.
2. Konzessionsgebühren für das Vordach
a) Die Beschwerdeführerin hat während des Beschwerdeverfahrens beim Gemeinderat
der Stadt Bern ein Gesuch um Gebührenerlass gestellt. Mit Schreiben vom 2. Juli 2015 hat
der Gemeinderat dem Gesuch insoweit stattgegeben, als er der Beschwerdeführerin die
Gebühren bezüglich des Vordachs vollständig erlassen hat. Im Übrigen hat er das Gesuch
abgelehnt. Eine neue, diesem Beschluss angepasste Sondernutzungskonzession ist
jedoch nicht ausgestellt worden. Die Stadt Bern vertritt in ihren Schlussbemerkungen vom
16. Juli 2015 die Auffassung, das Beschwerdeverfahren könne als gegenstandslos
abgeschrieben werden. Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin in ihrer
Stellungnahme vom 30. Juli 2015 geltend, durch den Gebührenerlass sei Ziffer 5 der
Sondernutzungskonzession noch nicht aufgehoben worden und das Verfahren deshalb
nicht gegenstandslos.
b) Fällt im Verlaufe des Verfahrens das rechtserhebliche Interesse am Erlass einer
Verfügung oder an einem Entscheid in der Sache weg, insbesondere zufolge Rückzugs der
Begehren, Rücknahme der angefochtenen Verfügung oder Einigung unter den Parteien, so
schreibt die instruierende Behörde das Verfahren als erledigt vom Geschäftsverzeichnis ab
(Art. 39 Abs. 1 VRPG). Ein Beschwerdeverfahren kann insbesondere dann ganz oder
teilweise gegenstandslos werden, wenn die verfügende Behörde zugunsten der
beschwerdeführenden Partei neu verfügt (vgl. Art. 71 VRPG). Jede Rechtsverfolgung setzt
grundsätzlich ein hinreichendes, aktuelles Rechtsschutzinteresse voraus. Verlangt wird ein
realer, praktischer Nutzen am Ergehen, an der Anfechtung oder an der Änderung eines
Verwaltungsakts. Fehlt ein solches Interesse, wird ein Begehren nicht geprüft. Fällt das
5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Rechtsschutzinteresse im Verlaufe des Verfahrens dahin, so wird das Verfahren
gegenstandslos. Es wird förmlich als erledigt erklärt und abgeschrieben.6
c) Während des Beschwerdeverfahrens hat die Beschwerdeführerin ein Gesuch um
Gebührenerlass gestellt, dem der Gemeinderat der Stadt Bern bezüglich der vorliegend
umstrittenen Gebühr für das Vordach entsprochen hat. Es besteht deshalb kein
hinreichendes, aktuelles Rechtsschutzinteresse mehr an einem Entscheid über die
Beschwerde. Insofern ist das Beschwerdeverfahren gegenstandlos geworden. Die
Gutheissung des Gesuchs um Gebührenerlass kommt inhaltlich einer (teilweisen)
Aufhebung von Ziffer 5 der Sondernutzungskonzession vom 20. Oktober 2014 gleich. Der
Rechtssicherheit halber wird die Sondernutzungskonzession deshalb entsprechend
angepasst werden.
3. Kosten
a) Laut Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Wegen des geringen Aufwandes wird darauf verzichtet, Verfahrenskosten für das
Beschwerdeverfahren zu erheben.
b) Wer ein Gesuch, eine Klage oder ein Rechtsmittel zurückzieht, den Abstand erklärt
oder auf andere Weise dafür sorgt, dass das Verfahren gegenstandslos wird, gilt laut
Art. 110 Abs. 1 VRPG als unterliegende Partei. Die unterliegende Partei hat der
Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung oder Wettschlagung gebieten oder die
Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3
VRPG).
Das Verfahren wurde gegenstandslos, weil die Beschwerdeführerin nachträglich ein
Kostenerlassgesuch einreichte, dem der Gemeinderat der Stadt Bern entsprach. Die
Beschwerdeführerin hat somit mit ihrem nachträglichen Gesuch auf andere Weise für die
Gegenstandslosigkeit des Verfahrens gesorgt. Besondere Umstände, die die Auflage der
6 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 39 N. 1
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Parteikosten an das Gemeinwesen rechtfertigen würden, sind keine ersichtlich.
Insbesondere kann dem Schreiben des Gemeinderats der Stadt Bern vom 16. Dezember
2009 nicht entnommen werden, dass die Beschwerdeführerin generell von sämtlichen
Konzessionsgebühren befreit wird. Gemäss dem klaren Wortlaut wurde ihr lediglich eine
speziell markierte Vorfahrt in einer Gesamtlänge von 45 m zugesichert. Die Stadt Bern
verpflichtete sich zudem, für die entsprechende Signalisation besorgt zu sein sowie die
Kosten sämtlicher Markierungs- und Signalisationsarbeiten zu tragen. Die Zusicherung,
keine Gebühren für die Benutzung des öffentlichen Grundes zu erheben, bezog sich
ausschliesslich auf diese speziell markierte Vorfahrt. Im Übrigen erklärte sich der
Gemeinderat lediglich bereit, den Erlass oder Teilerlass von einzelnen Gebühren auf
Gesuch hin zu prüfen. Eine vertrauensbegründende Zusicherung für einen weitergehenden
Gebührenverzicht lässt sich dem Schreiben vom 16. Dezember 2009 somit nicht
entnehmen. Aus diesen Gründen hat die Beschwerdeführerin keinen Anspruch auf
Parteikostenersatz.