# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8a589b09-c730-428f-9c36-1219f2e8414f
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2006
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ K. T., geboren 1968, ist marokkanischer Staatsangehöriger. Er heiratete am 20.
Februar 2001 in seinem Heimatstaat die in St. Gallen wohnhafte Schweizer Bürgerin
N.G., geboren 1960. Am 27. Mai 2001 reiste der Ehemann im Rahmen des
Familiennachzugs in die Schweiz ein und erhielt eine Aufenthaltsbewilligung.
Am 3. Juni 2003 beantragte die Ehefrau beim Bezirksgericht St. Gallen
Eheschutzmassnahmen. Mit Entscheid vom 23. Juni 2003 ordnete das Bezirksgericht
Gütertrennung an, und die Eheleute schlossen eine Vereinbarung über sämtliche
Nebenfolgen des Getrenntlebens.
Mit Verfügung vom 16. August 2005 wies das Ausländeramt das Gesuch des
Ehemannes um Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ab mit der Begründung, die
Berufung auf die formal bestehende Ehe sei rechtsmissbräuchlich.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob K. T. Rekurs, der vom Justiz- und
Polizeidepartement mit Entscheid vom 5. Dezember 2005 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 20. Dezember 2005 erhob K. T.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid sei
aufzuheben und es sei ihm weiterhin die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, unter
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Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im wesentlichen geltend
gemacht, die Berufung auf die Ehe sei nicht rechtsmissbräuchlich. Aufgrund der
kulturellen Unterschiede der Eheleute sei die Trennung kein Ausdruck eines
endgültigen Scheiterns der Ehe. Auf die einzelnen Ausführungen in der Beschwerde

## Considerations

wird, soweit wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 11. Januar 2006 auf Abweisung
der Beschwerde.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 20. Dezember 2005
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2./ Nach Art. 7 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der Ausländer
(SR 142.20, abgekürzt ANAG) hat der ausländische Ehegatte einer Schweizer Bürgerin
Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung. Nach einem
ordnungsgemässen und ununterbrochenen Aufenthalt von fünf Jahren hat er Anspruch
auf die Niederlassungsbewilligung. Kein solcher Anspruch besteht nach Art. 7 Abs. 2
ANAG, wenn die Ehe eingegangen worden ist, um die Vorschriften über Aufenthalt und
Niederlassung von Ausländern und namentlich jene über die Begrenzung der Zahl der
Ausländer zu umgehen. Erfasst wird davon die sogenannte Scheinehe bzw.
Ausländerrechtsehe, bei der die Ehegatten von vornherein keine echte eheliche
Gemeinschaft beabsichtigten (BGE 128 II 151, 127 II 55 mit Hinweisen). Auch wenn die
Ehe nicht bloss zum Schein eingegangen worden ist, heisst dies nicht zwingend, dass
dem ausländischen Ehepartner der Aufenthalt ungeachtet der weiteren Entwicklung
gestattet werden muss. Zu prüfen ist insbesondere, ob sich die Berufung auf die Ehe
nicht anderweitig als rechtsmissbräuchlich erweist (BGE 128 II 151 mit Hinweis).
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a) Rechtsmissbrauch liegt vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirklichung
von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen will (BGE 128 II
151, 127 II 56 je mit Hinweisen). Im Zusammenhang mit Art. 7 ANAG ist dies dann der
Fall, wenn sich der Ausländer in einem fremdenpolizeilichen Verfahren auf eine Ehe
beruft, welche nur noch formell und ohne Aussicht auf Aufnahme bzw.
Wiederaufnahme einer ehelichen Gemeinschaft besteht (BGE 128 II 151 mit Hinweis
auf BGE 127 II 56, 123 II 50 f.). Ein Rechtsmissbrauch darf nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht leichthin angenommen werden, namentlich
nicht schon deshalb, weil die Ehegatten nicht mehr zusammenleben oder ein
Eheschutz- oder Scheidungsverfahren eingeleitet worden ist (BGE 128 II 151).
Erforderlich sind konkrete Hinweise darauf, dass die Führung einer
Lebensgemeinschaft nicht mehr beabsichtigt und nicht mehr zu erwarten ist (BGE 128
II 151, 127 II 57).
b) Der Beschwerdeführer schloss mit seiner Ehefrau am 23. Juni 2003 eine
Vereinbarung über die Folgen des Getrenntlebens. Er selbst äusserte gegenüber dem
Ausländer-amt, er lebe seit 10. Juli 2003 von seiner Ehefrau getrennt. Diese hielt am
25. April 2004 gegenüber dem Ausländeramt schriftlich fest, es sei ihr gemeinsames
Ziel, weiter zusammen zu bleiben und das Leben gemeinsam zu verbringen. Sie
stünden trotz des Getrenntlebens in stetem Kontakt zueinander. Am 4. Mai 2005
äusserte sich die Ehefrau allerdings dahingehend, ihr Ehewille sei zwischenzeitlich
endgültig erloschen. Sie befinde sich seit mehr als einem halben Jahr in einer neuen
festen Beziehung. Selbst wenn ihr Ehegatte die Gemeinschaft wieder aufnehmen
wollte, wäre sie nicht mehr dazu bereit. Sie werde nach Ablauf der Trennungsfrist die
Scheidung einreichen.
Selbst wenn der Beschwerdeführer zu Beginn der Trennung noch davon ausgehen
durfte, eine Wiederaufnahme der ehelichen Gemeinschaft sei möglich, so ist
spätestens seit der unmissverständlichen Erklärung der Ehefrau vom 4. Mai 2005 und
der Aufnahme einer neuen Beziehung bei objektiver Betrachtung von einem definitiven
Scheitern der ehelichen Gemeinschaft auszugehen. Im übrigen sind auch keine
Bemühungen des Beschwerdeführers ersichtlich, die eheliche Gemeinschaft wieder
aufzunehmen. Unter diesen Umständen war spätestens im Zeitpunkt der Verweigerung
der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung im August 2005 davon auszugehen, dass
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objektiv keine Anhaltspunkte mehr für eine Wiederaufnahme der ehelichen
Gemeinschaft bestanden, weshalb Ausländeramt und Vorinstanz die Berufung des
Beschwerdeführers auf den formalen Bestand der Ehe zu Recht als missbräuchlich
qualifiziert haben. Somit steht dem Beschwerdeführer gestützt auf Art. 7 Abs. 1 ANAG
kein Anspruch auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu (BGE 128 II 154 und 127
II 59).
c) Zu prüfen bleibt, ob die Behörde das mit Art. 4 ANAG eingeräumte Ermessen
pflichtgemäss wahrgenommen hat bzw. ob in der Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung ein Ermessensmissbrauch zu erblicken ist.
Das Verwaltungsgericht übt lediglich eine Rechtskontrolle aus (Art. 61 Abs. 1 und 2
VRP). Im Streitfall kann somit nur geprüft werden, ob die Verwaltung ihr Ermessen
überschritten oder missbraucht hat und damit rechts-widrig handelte, als sie die
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigerte. Das Verwaltungsgericht hat den
Ermessensspielraum der Verwaltung zu respektieren, wenn diese bei ihrem Entscheid
von sachlichen und vernünftigen Ueberlegungen ausging, die im Einklang mit Sinn und
Zweck des Gesetzes stehen (GVP 1996 Nr. 9 und 1998 Nr. 71).
Die eheliche Gemeinschaft zwischen dem Beschwerdeführer und seiner Ehefrau
dauerte weniger als drei Jahre. Der Beschwerdeführer hält sich erst seit Mai 2001 und
damit seit weniger als fünf Jahren in der Schweiz auf. Er verbrachte den grössten Teil
seines Lebens im Herkunftsland. Seine Behauptung in der Beschwerde, er lebe seit
über zwölf Jahren im europäischen Kulturraum, ist nicht belegt. Ausserdem blieb die
Ehe kinderlos. Der Beschwerdeführer ist als Maler tätig, weshalb auch aufgrund der
Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage kein Grund besteht, der eine Verlängerung der
Bewilligung nahelegt. Nach einem Aufenthalt von knapp fünf Jahren ist zudem noch
nicht von einer weitgehenden Integration auszugehen. Somit ging die Vorinstanz zu
Recht davon aus, dass es dem Beschwerdeführer ohne besondere Schwierigkeit
möglich ist, in sein Heimatland zurückzukehren.
Die Berufung des Beschwerdeführers auf Art. 8 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) geht fehl. Aufgrund der
Trennung der Eheleute kann sich der Beschwerdeführer nicht auf einen Anspruch auf
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Schutz des Familienlebens berufen, da die familiäre Beziehung nicht gelebt wird bzw.
nicht intakt ist. Im übrigen liegt es im öffentlichen Interesse, dass Ausländer, bei denen
nach kurzer Zeit die Voraussetzungen für die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung nach
Scheidung oder Trennung der Ehe wegfallen, die Schweiz wieder verlassen (vgl. statt
vieler VerwGE B 2004/163 vom 25. Januar 2005, zurzeit publiziert in:
www.gerichte.sg.ch). Von einer Verletzung von Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR
101) wegen fehlenden öffentlichen Interesses bzw. fehlender Verhältnismässigkeit der
Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung kann daher nicht
gesprochen werden. Im übrigen sind auch den vom Beschwerdeführer vorgetragenen
Ausführungen zu den Schwierigkeiten gemischtnationaler Ehepaare keine konkreten
Gründe zu entnehmen, weshalb die Verweigerung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nach einer ehelichen Gemeinschaft von weniger als drei Jahren
ungerechtfertigt ist. Ohnehin sind diese Ausführungen höchst widersprüchlich.
Einerseits behauptet der Beschwerdeführer, er lebe und arbeite bereits über zwölf
Jahre im europäischen Kulturraum, und anderseits macht er als Grund für die ehelichen
Probleme unter anderem geltend, er stamme aus einem streng islamischen Land, wo
sich die Frau strikt dem Mann unterzuordnen habe und der Ehemann verpflichtet sei,
seine Ehefrau zu züchtigen. Auf diese widersprüchlichen Vorbringen ist daher nicht
weiter einzugehen.
Soweit sich der Beschwerdeführer auf den in Art. 8 EMRK verankerten Anspruch auf
Schutz des Privatlebens beruft, sind seine Vorbringen unbehelflich, da er keine
intensive Beziehung zur Schweiz bzw. keine Verwurzelung in den schweizerischen
Verhältnissen darzutun vermag.
d) Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass in der
Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers
keine Rechtsverletzung bzw. kein Ermessensmissbrauch erblickt werden kann. Folglich
ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
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Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).