# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fd4cfaf0-0fbf-4407-9eed-012116803f22
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. E._, geboren am E._ 1997, ist das gemeinsame Kind von B._, geboren am B._ 1970, und A._, geboren am A._ 1951. Die Ehe der Eltern von E._ wurde im Jahr 2006 geschieden. Gleichzeitig wurde ihnen die elterliche Sorge über E._ entzogen und dieser unter Vormundschaft gestellt. D.1._ ist die Mutter von B._ und E._ somit ihr Enkel. D.1._ ist mit D.2._ verheiratet, welcher der Stiefgrossvater von E._ ist und zu dessen Vormund ernannt wurde. E._ lebte viele Jahre bei D.1._ und D.2._, welche auch seine Pflegeeltern wurden. Mit Entscheid der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde der Bezirke I._ und J._ vom 20. Januar 2016 wurde die Vormundschaft über E._ infolge seiner Volljährigkeit abgeschrieben. E._ lebt auch heute noch bei D._.
B. Am 21. Juni 2016 reichte D.2._ beim kantonalen Sozialamt Graubünden ein Gesuch um Adoption von E._ ein, welches an die KESB Engadin/Südtäler weitergeleitet wurde. Da Zweifel am Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen für eine Einzeladoption aufkamen und das Inkrafttreten der Revision des Adoptionsrechts am 1. Januar 2018 kurz bevorstand, wurde das Gesuch nach Rücksprache bis auf weiteres nicht behandelt bzw. nach Mitteilung von D.2._, dass er und D.1._ im Jahr 2018 ein gemeinschaftliches Adoptionsgesuch einreichen würden, am 18. September 2017 von der KESB Engadin/Südtäler abgeschrieben.
C.a. Mit Eingabe vom 14. Februar 2018 reichten D._ (nachfolgend Ehepaar D._) bei der KESB Engadin/Südtäler ein Gesuch um gemeinsame Adoption von E._ ein. Dem Adoptionsgesuch wurde je eine unterschriebene und notariell beurkundete Zustimmungserklärung zu einer gemeinschaftlichen Adoption beigelegt. E._ stimmte der Adoption durch das Ehepaar D._ mit einer separaten und ebenfalls notariell beurkundeten Erklärung zu.
C.b. Die Anhörung des Ehepaares D._ zur Adoption von E._ fand am 6. April 2018 statt, jene von E._ am 12. April 2018.
C.c. Nachdem den leiblichen Eltern von E._ die Möglichkeit zur schriftlichen Stellungnahme zur beantragten Adoption – unter Hinweis, dass auf Wunsch auch eine persönliche Anhörung in H._ stattfinden könne – gegeben worden war, teilte A._ der KESB am 23. April 2018 mit, er
4 / 17
akzeptiere die Adoption nicht. Der Altersunterschied sei zu gross und D.2._ sei krank (Parkinson).
C.d. In der Folge nahmen die Rechtsvertreter der Parteien (Rechtsanwältin lic. iur. C._ für die leiblichen Eltern und Rechtsanwalt lic. iur. F._ für das Ehepaar D._) Stellung zum Adoptionsgesuch, wobei die Rechtsvertreterin der leiblichen Eltern die örtliche Zuständigkeit der KESB Engadin/Südtäler in Frage stellte. Mittels Kollegialentscheid vom 24. September 2018 bejahte die KESB Engadin/Südtäler ihre örtliche Zuständigkeit als Adoptionsbehörde im Fall der Erwachsenenadoption von E._ durch das Ehepaar D._. Die dagegen beim Verwaltungsgericht Graubünden eingereichte Beschwerde der leiblichen Eltern wurde zuständigkeitshalber an das Kantonsgericht von Graubünden weitergeleitet. Darin wurde in der Sache beantragt, die örtliche Zuständigkeit der KESB Engadin/Südtäler sei zu verneinen, eventualiter sei das Verfahren an die KESB Engadin/Südtäler zurückzuweisen zur Durchführung des Verfahrens gemäss Art. 444 Abs. 3 ZGB mit der KESB der Bezirke I._ und J._ am Wohnsitz des zu Adoptierenden. Mit Entscheid vom 4. Februar 2019 (ZK1 18 158) wies das Kantonsgericht von Graubünden die als verwaltungsrechtliche Berufung entgegengenommene Beschwerde ab, soweit darauf einzutreten sei, und verpflichtete die leiblichen Eltern zur Bezahlung der Verfahrenskosten sowie einer Parteientschädigung an das Ehepaar D._. Dieser Entscheid erwuchs in Rechtskraft.
D.a. Am 25. April 2019 wurden die leiblichen Eltern von der KESB Engadin/Südtäler gemeinsam zum Adoptionsgesuch des Ehepaares D._ betreffend ihren Sohn E._ angehört.
D.b. Am 3. bzw. 8. Mai 2019 wurden der KESB Engadin/Südtäler die verlangten Verfahrensakten des Bezirksgerichts I._ zum Entzug der elterlichen Sorge der leiblichen Eltern über E._ sowie die Akten der Vormundschaftskommission G._ betreffend Kindesschutzmassnahmen zugestellt.
D.c. Am 28. Juni 2019 wurden E._ alleine und das Ehepaar D._ gemeinsam in den Räumlichkeiten der KESB Engadin/Südtäler angehört.
D.d. Nachdem der Rechtsvertreterin der leiblichen Eltern von E._ auf ihr Ersuchen hin die Anhörungsprotokolle von E._ und dem Ehepaar D._ zugestellt worden waren, worin einige wenige Sätze durch die KESB
5 / 17
geschwärzt worden waren, um schutzwürdige private Interessen zu wahren, ersuchte sie um Zustellung eines unzensurierten Anhörungsprotokolls.
D.e. Mit Entscheid der Kollegialbehörde vom 2. September 2019, mitgeteilt am 6. September 2019, erkannte die KESB Engadin/Südtäler was folgt:
A. Antrag
1. Der Antrag auf Zustellung eines unzensurierten Anhörungsprotokolls wird abgelehnt (Art. 17 Abs. 2 und 3 VRG).
B. Hauptentscheid
1. Der Adoption von E._ (geb. E._1997, von I._) durch D.2._ (geb. D.2_1949, von K._, Gesuchsteller) und D.1._ (geb. D.1_1947, von I._, Gesuchstellerin) wird gestützt auf Art. 266 Abs. 1 Ziff. 2 und Abs. 2 ZGB zugestimmt.
2. Es wird festgestellt, dass mit der rechtskräftigen Adoption gemäss Ziff. 1 das bisherige Kindesverhältnis zu B._ (geb. B._1970, von I._ und L._, leibliche Mutter) und A._ (geb. A._1951, von I._ und L._, leiblicher Vater) erlischt (Art. 267 Abs. 2 ZGB).
3. Es wird festgestellt, dass mit Rechtskraft der Adoption gem. Ziff. 1:
- E._ neu den Nachnamen D._ (vollständig E._ D._) erhält.
- Das Bürgerrecht keine Änderung erfährt.
4. Die Kosten für dieses Verfahren werden auf Fr. 6'000.— festgesetzt und D._ auferlegt. Der Betrag ist innert 30 Tagen zu bezahlen.
5. Gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen seit Mitteilung schriftlich und begründet Berufung beim Kantonsgericht von Graubünden, Poststrasse 14, 7001 Chur, erhoben werden (Art. 308 ff. ZPO i.V.m. Art. 36 Abs. 4 und Art. 16 Abs. 3 EGzZGB). Die Berufung hemmt die Rechtskraft und Vollstreckbarkeit des angefochtenen Entscheids im Umfang der Anträge (Art. 315 Abs. 1 und 3 ZPO).
6. (Mitteilung).
E.a. Gegen diesen Entscheid liessen die leiblichen Eltern von E._, B._ und A._ (nachfolgend Berufungskläger), am 9. Oktober 2019 Berufung erheben und die folgenden Anträge stellen:
1. In Aenderung von Disp. Ziff. 1 des Entscheids der KESB Engadin/Südtäler vom 2. September 2019 sei das Adoptionsgesuch der Gesuchsteller vom 14. Februar 2018 abzulehnen.
2 Disp. Ziff. 2 und Disp. Ziff. 3 des Entscheids sei[en] ersatzlos aufzuheben.
3. Eventualiter (zu den Anträgen Ziff. 1 und 2)
6 / 17
Das Verfahren sei zur Vornahme ergänzender Abklärungen an die KESB Engadin/Südtäler zurückzuweisen.
4. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien den Berufungsbeklagten aufzuerlegen, und diese seien zu verpflichten, den Berufungsklägern eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen.
5. Den Berufungsklägern sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und ihnen die Unterzeichnete als unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen.
E.b. Am gleichen Tag (Poststempel) liessen die leiblichen Eltern mit separaten Gesuchen um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und Rechtsverbeiständung ersuchen (ZK1 19 171 und ZK1 19 172).
F. Mit Berufungsantwort vom 4. November 2019 beantragte die KESB Engadin/Südtäler die Abweisung der Berufung, sofern darauf eingetreten werden könne. Die Kosten- und Entschädigungsfolgen seien nach Gesetz zu verlegen.
G. Das Ehepaar D._ (nachfolgend Berufungsbeklagte) verlangte mit Berufungsantwort vom 15. November 2019 die Abweisung der Berufung unter Kosten–und Entschädigungsfolge.
H. Mit Schreiben vom 18. November 2019 teilte der Vorsitzende der I. Zivilkammer des Kantonsgerichts den Parteien mit, dass weder ein weiterer Schriftenwechsel noch eine mündliche Verhandlung vorgesehen sei.
I. Die Berufungskläger reichten am 2. Dezember 2019 eine weitere Stellungnahme ein. Die Berufungsbeklagten verlangten am 16. Dezember 2019 die Ausserrechtweisung dieser Stellungnahme, da diese vom Replikrecht nicht gedeckt sei.
J. Auf die weiteren Ausführungen in den Akten, im angefochtenen Entscheid und in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen

## Considerations