# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 49627bd0-cc6e-5e7e-aebe-791d7933097a
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. A.1
Die am XX.XX.1974 geborene A_ stammt aus dem Kosovo und lebt seit dem 10. August
1992 in der Schweiz. Sie ist verheiratet und Mutter von vier 2001, 2003 und 2010
(Zwillinge) geborenen Kindern. Am 28. Dezember 2013 meldete sie sich bei der
Invalidenversicherung (Eingang am 8. Januar 2014) wegen Depressionen, Bluthochdruck
und Herzbeschwerden zum Leistungsbezug an (IV-act. 1).
A.2
Gemäss Bericht des Kantonsspitals St. Gallen (KSSG) vom 3. August 2010 (IV-act. 10,
14/15) hatte die Versicherte nach einer bereits im siebten Schwangerschaftsmonat am
18. Juli 2010 in Chur erfolgten Kaiserschnittgeburt von zwei Zwillingen eine
Unterbauchblutung mit respiratorischer Dekompensation erlitten, weswegen sie am
folgenden Tag mit der Rega in das KSSG verlegt wurde.
A.3
Mit Schreiben vom 10. April 2013 (IV-act. 12, 8/14) kündigte das Alters- und Pflegeheim
C_ das Arbeitsverhältnis mit der Versicherten auf Ende Juli 2013, da sie die
Sommerferien 2013 nicht rechtzeitig bekanntgegeben und eigenmächtig bezogen habe.
A.4
Gemäss Bericht von Kardiologe FMH Dr. D_, Herisau, vom 5. Juni 2013 (IV-act. 10,
7/15) sei die Versicherte herzgesund. Präventiv sei auf Hypertonus und Nikotin-abusus zu
Seite 3
achten (s. auch dessen Bericht vom 2. Mai 2013 über umfangreiche ergometrische und
echokardiographische Abklärungen vom Vortag [IV-act. 10, 8/15]).
A.5
Mit Bericht vom 10. September 2013 (IV-act. 24, 10/19) gab med. pract. E_, FMH
Psychiatrie und Psychotherapie, Herisau, gegenüber der Krankentaggeldversicherung
H_ an, die Versicherte sei seit April wegen einer mittelgradigen depressiven Episode
weniger belastbar. Sie sei ängstlich, kraftlos, weine oft und habe starke Schlaf-störungen.
Derzeit sei sie zu 100% arbeitsunfähig, bei schlechter Prognose. Gemäss einem weiteren
Bericht von Psychiater E_ vom 6. Januar 2014 (IV-act. 24, 6/19) habe die Depression
dank regelmässiger Gespräche und Psychopharmaka stark gebessert. Die Arbeitsfähigkeit
für eine leichtere Tätigkeit liege derzeit bei 50%, wobei eine Abklärung und allenfalls ein
Coaching stattfinden müssten.
A.6
Internist FMH Dr. F_, Herisau, meinte mit Bericht vom 17. Januar 2014 (IV-act. 10), dass
wegen einer depressiven Reaktion bei persönlicher und beruflicher Belastung, einer Angst-
und Somatisierungsstörung, chronischer Insomnie, einer "multifaktoriellen
Leistungsintoleranz" und wegen atypischen Thoraxschmerzen vom 11. April bis
30. November 2013 eine vollständige Arbeitsunfähigkeit als Pflegehilfe bestanden habe,
die seit Anfang Dezember 2013 nur noch 50% betrage.
A.7
Gemäss Arbeitgeberbericht des Alters- und Pflegeheims C_ vom 21. Januar 2014 (IV-
act. 12) habe es am 1. Mai 2010 eine neue Leitung erhalten. Am Tag nach der Kündigung
habe sich die Versicherte krank gemeldet und bis Ende Januar 2014 Krankentaggelder
bezogen, obwohl vorher keine Krankheit bekannt gewesen sei.
A.8
Im Protokoll der Berufsberatung der Invalidenversicherung vom 21. Februar 2014 (IV-
act. 13) über ein Assessment der Versicherten ist nachzulesen, dass sie seit 1994 im
Altersheim C_ tätig war, zuerst in Reinigung und Küche, nach einem SRK-Kurs jedoch in
der Pflege, und dies immer in einem Pensum von 100%, auch nach der Geburt der Kinder
2001 und 2003, die damals von den Grosseltern betreut worden seien. 2005 habe sie eine
Auszeit von zehn Monaten wegen eines geplanten Umzugs nach Zürich genommen, der
jedoch nicht geklappt habe, weshalb sie ab 2006 wieder zu 100% im Altersheim tätig
gewesen sei. Nach der Geburt der Zwillinge 2010 sei sie zu 50% als Nachtwache tätig
Seite 4
gewesen, da die Kinderbetreuung tagsüber nicht gewährleistet gewesen sei. Dies sei aber
auch das Wunschpensum ohne Behinderung.
A.9
Mit Bericht vom 20. März 2014 (IV-act. 19) attestierte Psychiater E_ aufgrund einer seit
7. Juni 2013 bestehenden Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion
gemischt eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit, während die
Arbeitsfähigkeit adaptiert vorerst bei 50% des vorherigen Pensums liege.
A.10
Nach einer Aktennotiz des regionalärztlichen Dienstes der Invalidenversicherung
Ostschweiz vom 3. April 2014 (RAD; IV-act. 20), wonach das Eingliederungspotential
anfangs bei mindestens 2-3h/Tag liege, gewährte die IV-Stelle der Versicherten am 8. Mai
2014 (IV-act. 30) Arbeitsvermittlung.
A.11
Gemäss Gutachten von Psychiater und Neurologe FMH Dr. G_, Kreuzlingen, an die
H_ vom 10. Mai 2014 (IV-act. 58, 2/19) wiege die Versicherte 99 kg bei einer
Körperlänge von 169 cm (BMI von 34.7). Sie habe den Krankheitsverlauf nur unpräzis
geschildert und bei der Untersuchung eine gewisse Diskrepanz zwischen den subjektiven
Beschwerden, die auch nicht gut zu den relativ umfangreichen Alltagsaktivitäten passten,
und dem Verhalten erkennen lassen. Die Explorandin wirke bestimmt. Zu der von
Psychiater E_ diagnostizierten depressiven Episode passe ebenfalls nicht unbedingt,
dass die Versicherte sich während eines Ferienaufenthaltes im Juli und August 2013
ausgesprochen wohl gefühlt habe. Ferner spreche die relativ gleichförmig beibehaltene
medikamentöse Therapie gegen ein mehr als leichtes depressives Syndrom während
längerer Zeit. Dass die Arbeitsfähigkeit jemals durch eine depressive Episode beeinträchtigt
worden sei; sei deshalb anzuzweifeln; aktuell liege jedenfalls keine solche vor. Gegen die
vom Psychiater im jüngsten Bericht diagnostizierte Anpassungsstörung spreche, dass
diese Diagnose gemäss ICD nach einem belastenden Ereignis längstens sechs Monate
anhalte. Hingegen liege eine Neurasthenie vor, wodurch die Arbeitsfähigkeit aber nicht
beeinträchtigt werde, und dies mindestens seit dem Untersuchungszeitpunkt vom 9. Mai
2014. Ungeeignet sei einzig regelmässige Nachtarbeit. Eine Erwerbstätigkeit müsse so in
den Lebensrahmen der Hausfrau und Mutter von vier Kindern passen, dass ein übliches
Mass an Erholungszeit erhalten bleibe.
Seite 5
A.12
In Anbetracht des Gutachtens G_ forderte die H_ die Versicherte mit Schreiben vom
27. Mai 2014 (IV-act. 58, 16/19) auf, eine Erwerbstätigkeit zu suchen, da Taggelder nur
noch bis Ende Mai 2014 ausgerichtet würden.
A.13
Gemäss Aktennotiz der IV-Stelle vom 27. Januar 2015 (IV-act. 46) habe die Versicherte,
die die kleinsten Kinder in Herisau zur Betreuung abgeben könne (IV-act. 36), nach
einwöchiger Dauer des Arbeitsversuchs, der für die Zeit vom 3. November 2014 bis
6. Februar 2015 in einem geschützten Rahmen (J_, Herisau) mit einem Pensum von
40% und zu einem Tagessatz von Fr. 200.-- zuzüglich Taggeld von Fr. 63.20 (IV-act. 44)
vorgesehen war, extreme Rückenbeschwerden verspürt, weshalb sie das Aufbautraining
gemäss Aktennotizen der IV-Stelle vom 7. November 2014 (IV-act. 40) und vom
29. Januar 2015 (IV-act. 48) nach Rücksprache mit Dr. F_ und med. pract. E_ nicht
habe verlängern wollen. Gemäss Schlussbericht der Institution vom 9. Februar 2015 (IV-
act. 50) habe die Leistung in einem Pensum von maximal 30% bei leichter und mehrheitlich
sitzender Tätigkeit ca. 80-100% betragen, sodass derzeit keine Erwerbsfähigkeit vorliege
(vgl. auch den Eingliederungsbericht der IV-Stelle vom 10. Februar 2015 [IV-act. 49]).
A.14
Mit Verlaufsbericht vom 18. Februar 2015 (IV-act. 54) bezeichnete Dr. F_ den Zustand
als stationär mit einer mittleren bis schweren depressiven Störung bei wechselhaften
Phasen mit Überforderungsgefühlen. Seit 17. Januar 2014 betrage die Arbeitsfähigkeit in
geschütztem Rahmen wegen der psychischen "Konstellation" 30%. Zu empfehlen sei
weiterhin Psycho- und Pharmakotherapie. Von der ebenfalls vorgesehenen kardiologischen
Kontrolle sei keine wesentliche Änderung der Vorbefunde zu erwarten.
Auch Psychiater E_ bezeichnete den Zustand mit Verlaufsbericht vom 9. April 2015 (IV-
act. 56) als stationär bei unveränderter Diagnose, wobei die Arbeitsfähigkeit bei 30% liege.
Anzuraten seien weiterhin Psychotherapie und hausärztliche Kontrollen.
B. B.1
Nach zwei Stellungnahmen des RAD gemäss Aktennotizen vom 12. und 27. August 2015
(IV-act. 59 und 60) erging seitens der IV-Stelle ein Vorbescheid vom 17. September 2015
(IV-act. 61), wonach mangels relevanter gesundheitlicher Beeinträchtigung in den je mit
50% zu gewichtenden Bereichen Haushalt und Erwerb keine Invalidität bestehe, weshalb
das Rentenbegehren abzuweisen sei.
Seite 6
B.2
Mit Schreiben vom 12. Oktober 2015 (IV-act. 62) und vom 11. November 2015 (IV-act. 64)
liess die Versicherte dagegen hauptsächlich einwenden, dass das Gutachten G_ von der
H_ in Auftrag gegeben worden und schon rund 11⁄2 Jahre alt sei.
B.3
Nach einer Stellungnahme des RAD vom 27. November 2015 (IV-act. 65), wonach keine
weiteren medizinischen Abklärungen nötig seien, erging seitens der IV-Stelle eine
Verfügung vom 30. November 2015 (IV-act. 66) gemäss Vorbescheid.
B4
Gegen diese Verfügung liess die Versicherte mit Schreiben vom 15. Januar 2016
Beschwerde erheben. Die IV-Stelle stütze sich vor allem auf das Gutachten von Psychiater
Dr. G_, obwohl auch Herzbeschwerden, Bluthochdruck sowie Rücken- und
Kopfschmerzen vorlägen. Ausserdem sei dieses Gutachten veraltet, zumal von anderer
Stelle aktuellere und anders lautende Einschätzungen vorlägen. Nach der Geburt der
Zwillinge habe sie das Pensum aus gesundheitlichen Gründen von 100% auf 50%
reduziert, ansonsten dies höchstens im Ausmass von 20% geschehen wäre, sodass von
einem Status von 80% im Erwerb und 20% im Haushalt auszugehen sei. Zumutbar sei nur
noch eine Tätigkeit im zweiten Arbeitsmarkt.
B.5
Mit Beschwerdeantwort vom 23. Februar 2016 entgegnete die IV-Stelle, die
Krankheitsgeschichte habe einen Tag nach der überraschenden Kündigung durch die neue
Heimleitung begonnen. Das Gutachten G_ sei nicht veraltet, da auch die behandelnden
Ärzte von einem seit Frühjahr 2014 stationären Zustand ausgingen. Mangels Hinweisen in
den Akten auf andere potentiell invalidisierende und deshalb abzuklärende Leiden genüge
ein psychiatrisches Gutachten. Das berufliche Pensum werde durch die Belastung durch
Haushalt und Kinder und nicht gesundheitlich begrenzt. Für einen Status Erwerb und
Haushalt von 80:20 fehle ein aktenmässiger Beleg, und selbst eine gesunde Person
müsste sich mit einem Haushalt und vier Kindern neben der Erwerbstätigkeit von 50% noch
eine Entlastung organisieren.
B.6
Mit Replik vom 19. April 2016 meinte die Beschwerdeführerin, dass sie erst sieben Monate
nach der komplikationsreichen Geburt wieder ein Pensum von 50% als Nachtwache auf-
genommen habe. Die Kündigung habe die Symptome lediglich verschärft. Zu beachten sei,
dass die gemischte Methode die Menschenrechtskonvention verletze.
Seite 7

## Considerations

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Auf die Beschwerde ist deshalb einzutreten.
2. 2.1
Als Invalidität gilt gemäss Art. 4 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung vom
19. Juni 1959 (IVG; SR 831.20) in Verbindung mit Art. 8 des Bundesgesetzes über den
Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts vom 6. Oktober 2000 (ATSG; SR 830.1)
die durch einen körperlichen oder geistigen Gesundheitsschaden als Folge von
Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder
längere Zeit andauernde Erwerbsunfähigkeit. Gemäss Art. 28 IVG haben versicherte
Personen Anspruch auf eine ganze Rente, wenn sie mindestens zu siebzig Prozent, auf
eine Dreiviertelrente, wenn sie mindestens zu sechzig Prozent, auf eine halbe Rente, wenn
sie mindestens zu fünfzig Prozent und auf eine Viertelrente, wenn sie mindestens zu vierzig
Prozent invalid sind.
2.2
Bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit stützt sich die Verwaltung (und im Beschwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen, welche von ärztlichen und gegebenenfalls auch anderen
medizinischen Fachleuten zur Verfügung zu stellen sind (Urteile des Bundesgerichts
9C_636/2013 vom 25. Februar 2014 Erw. 4.2.1 und 4.2.2, 9C_922/2013 vom 19. Mai 2014
Erw. 3.2.1, 9C_644/2015 vom 3. Mai 2016 Erw. 3.2). Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist
es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem
Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im
Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der
Frage, welche Arbeitsleistungen der Person noch zugemutet werden können (BGE 132
V 93 Erw. 4, 140 V 193 Erw. 3.2).
2.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die
streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die
geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben
worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge sowie der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind (BGE 125 V 351
Erw. 3a, 134 V 231 Erw. 5.1, 137 V 210 Erw. 6.1.2). Den im Rahmen des
Verwaltungsverfahrens eingeholten Berichten von externen Spezialärzten ist bei der
Seite 8
Beweiswürdigung volle Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien
dagegen sprechen. In Bezug auf Berichte von Hausärzten bzw. behandelnden Ärzten darf
und soll der Richter der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass deren Angaben
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher
zugunsten ihrer Patienten ausfallen (BGE 125 V 351 Erw. 3, 135 V 465 Erw. 4.5; Urteile
des Bundesgerichts 8C_641/2013 vom 23. Dezember 2013 Erw. 5.4, 8C_637/2013 vom
11. März 2014 Erw. 2.2.2, 9C_203/2015 vom 14. April 2015 Erw. 3.2), was auch mit der
unterschiedlichen Natur von Behandlungs- und Begutachtungsauftrag zusammenhängen
mag (Urteile des Bundesgerichts 8C_768/2012 vom 24. Januar 2013 Erw. 3, 8C_107/2013
vom 23. April 2013 Erw. 3). Gleichwohl hat der Richter zu prüfen, ob eine von einer Partei
eingeholte ärztliche Stellungnahme in rechtserheblichen Fragen die Auffassungen und
Schlussfolgerungen des von der Verwaltung oder vom Gericht bestellten medizinischen
Sachverständigen derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen ist. Was
schliesslich die Beweiskraft versicherungsinterner Berichte anbelangt, so lässt ein
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger alleine nicht schon auf mangelnde
Objektivität und Befangenheit schliessen. Soll ein Versicherungsfall jedoch ohne Einholung
eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge
Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und
Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (BGE 122 V 157 Erw. 1d, 125 V 351 Erw. 3b/ee, 135 V 465
Erw. 4.4, 142 V 551 Erw. 8.3.1.1).
3. 3.1
Dass das vorliegend im Vordergrund stehende Gutachten bei Psychiater Dr. G_ von der
Krankentaggeldversicherung H_ eingeholt wurde, spricht praxisgemäss nicht gegen
dessen Beweiswert im Verfahren betreffend Prüfung eines
invalidenversicherungsrechtlichen Rentenanspruchs (Urteil des Bundesgerichts
8C_71/2016 vom 1. Juli 2016 Erw. 5.2). Im erwähnten Gutachten werden auf insgesamt 14
Seiten nicht nur die relevanten medizinischen Vorakten zusammenfassend wiedergegeben,
sondern auch die Angaben der Explorandin zur biographischen und sozialen Anamnese
inkl. Arbeitsanamnese sowie zu den aktuellen Beschwerden und deren Behandlung,
insbesondere aber die vom Gutachter erhobenen Befunde und gestellten Diagnosen
differentialdiagnostisch diskutiert und in einen Zusammenhang mit den übrigen
medizinischen Akten gestellt. Das Gutachten G_ erscheint deshalb als nachvollziehbar
und beweiskräftig, weshalb darauf abgestellt werden kann. Da es von der
Krankentaggeldversicherung und nicht von der Invalidenversicherung und damit nicht im
gesetzlich vorgesehenen Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholt wurde, kommt ihm der
Beweiswert versicherungsinterner ärztlicher Feststellungen zu (Urteil des Bundesgerichts
Seite 9
8C_486/2015 vom 30. November 2015 Erw. 4.1.3). Demnach ist im Fall der
Beschwerdeführerin von einer die Arbeitsfähigkeit nicht beeinträchtigenden Neurasthenie
auszugehen, und dies spätestens seit dem Begutachtungszeitpunkt bei Dr. G_ vom
9. Mai 2014. In Anbetracht dessen, dass selbst nach Auffassung der behandelnden Ärzte
E_ und F_ gemäss Berichten vom 6. bzw. 17. Januar 2014 eine adaptierte
Arbeitsfähigkeit von 50% vorliege bzw. in der bisherigen Tätigkeit seit Anfang Dezember
2013 eine solche von 50%, die diesen Einschätzungen zugrundeliegenden Diagnosen von
Psychiater G_ aber als unzutreffend erachtet wurden, kann die erwähnte Einschätzung
Dr. G_ ohne weiteres auf den Zeitpunkt der Anmeldung bei der Invalidenversicherung
vom 28. Dezember 2013 zurückbezogen werden. Nach Meinung Dr. G_ ist im Fall der
Beschwerdeführerin einzig zu berücksichtigen, dass eine Erwerbstätigkeit so in den
Lebensrahmen der Hausfrau und Mutter von vier Kindern passen muss, dass (trotzdem) ein
übliches Mass an Erholungszeit gewährleistet ist, wovon bei regelmässiger Nachtarbeit
nicht ausgegangen werden könne.
3.2
Was demgegenüber die aktuellsten Berichte der beiden behandelnden Ärzte anbelangt, so
muten diese insofern etwas seltsam an, als Psychiater E_ am 9. April 2015 betreffend
Arbeitsfähigkeit (auch) auf den Internisten Dr. F_ verweist, der seinerseits am
18. Februar 2015 eine ausschliesslich psychiatrische Diagnose gestellt und die
Weiterführung der entsprechenden Therapie angeraten hatte. Ausserdem wirken beide
Berichte mit einer attestierten Arbeitsunfähigkeit von 70% - bei diesem Invaliditätsgrad
bestünde Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung - etwas
ergebnisorientiert und zu sehr auf den Rentenwunsch der Beschwerdeführerin bezogen.
Nur am Rande sei in diesem Zusammenhang noch erwähnt, dass die Beschwerdeführerin
in der Anmeldung bei der Invalidenversicherung zwar auch somatische Beschwerden wie
Bluthochdruck und Herzbeschwerden angegeben hat, Kardiologe Dr. D_ mit Bericht vom
5. Juni 2013 sie jedoch als grundsätzlich herzgesund bezeichnet hat.
3.3
Entgegen der Beschwerdeführerin ist ausserdem nicht ersichtlich, weshalb das Gutachten
G_ veraltet sein sollte, nachdem selbst die behandelnden Ärzte in ihren beiden
erwähnten aktuellsten und nach dem Gutachten G_ erstatteten Berichten jeweils von
einem stationären Gesundheitszustand bei unveränderter Diagnose sprachen. Ausserdem
lassen sich bekanntlich allgemeingültige Regeln, wann eine Expertise als veraltet zu gelten
hat, nicht formulieren (Urteil des Bundesgerichts 9C_643/2016 vom 18. Januar 2017
Erw. 4.2).
Seite 10
4. 4.1
Im Hinblick auf die Bemessung der Invalidität, die als ganze oder teilweise
Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG) definiert wird, ist die Arbeitsunfähigkeit von der
Erwerbsunfähigkeit zu unterscheiden. Unter Letzterer ist der durch Beeinträchtigung der
körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer
Behandlung sowie Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der
Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt zu
verstehen (Art. 7 Abs. 1 ATSG), wobei für die Beurteilung, ob eine Erwerbsunfähigkeit
vorliegt, nach Art. 7 Abs. 2 ATSG ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen
Beeinträchtigung zu berücksichtigen sind.
4.2
Bei teilzeitlich erwerbstätigen Personen, die - wie die Beschwerdeführerin - zusätzlich im
Haushalt arbeiten, hat die Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (Art. 28a
Abs. 3 IVG) zu erfolgen, im erwerblichen Bereich mittels Einkommensvergleich
(Art. 16 ATSG) und im Aufgabenbereich mittels Betätigungsvergleich (Art. 28a Abs. 2 IVG).
An dieser Stelle ist vorab noch kurz auf die mit der Sistierung des vorliegenden Verfahrens
verbundene Problematik der Anwendbarkeit der gemischten Methode einzugehen. Nach
dem Urteil des Bundesgerichts 9C_399/2016 vom 18. Januar 2017 Erw. 4.1.1 betrifft die
Konstellation im Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte in Sachen
Di Trizio nur Fälle, "in denen eine versicherte Person, welche unter dem Status einer
Vollerwerbstätigen eine Invalidenrente beanspruchen konnte und diesen Anspruch zu
einem späteren Zeitpunkt allein aufgrund des Umstandes verlöre, dass sie wegen der
Geburt ihrer Kinder und der damit einhergehenden Reduktion des Erwerbspensums für die
Invaliditätsbemessung neu als Teilerwerbstätige mit einem Aufgabenbereich qualifiziert
wird (Urteil 9F_8/2016 vom 20. Dezember 2016 E. 4.1 [= BGE 143 I 50]). In einer solchen
Konstellation darf die Anwendung der gemischten Methode nicht zur revisionsweisen (vgl.
Art. 17 Abs. 1 ATSG) Aufhebung der Invalidenrente bzw. zur Befristung der rückwirkend
zugesprochenen Rente führen (Urteil 9F_8/2016 vom 20. Dezember 2016 E. 4.2 ...)." Da
der vorliegende Sachverhalt anders gelagert ist, bleibt die gemischte Methode anwendbar
und ist der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu
bemessen (Urteil des Bundesgerichts 9C_424/2012 vom 7. November 2012 Erw. 2).
5. 5.1
Bei der Festlegung der sog. Statusfrage, d.h. des Anteils von Erwerbstätigkeit und Tätigkeit
im Aufgabenbereich, ist zunächst zu klären, in welchem Ausmass die Beschwerdeführerin
ohne gesundheitliche Beschwerden erwerbstätig wäre, wobei nicht entscheidend ist,
welches Ausmass der Erwerbstätigkeit ihr im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte
Seite 11
(BGE 133 V 504 Erw. 3.3; Urteile des Bundesgerichts 9C_335/2012 vom 17. Juli 2012
Erw. 3.1, 8C_740/2015 vom 11. Februar 2016 Erw. 2). Nach der Rechtsprechung sind
dabei namentlich die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse wie
Alter, berufliche Fähigkeiten und Ausbildung sowie persönliche Neigungen und
Begabungen ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber
Kindern zu berücksichtigen. Bei dieser zwangsläufig hypothetischen Beurteilung sind auch
mutmassliche Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen, welche
als innere Tatsachen indessen einer direkten Beweisführung nicht zugänglich sind und in
aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden müssen (Urteile des Bundesgerichts
8C_357/2011 vom 8. November 2011 Erw. 4.1, 8C_724/2012 vom 8. Januar 2013
Erw. 4.1). Die Statusfrage beurteilt sich praxisgemäss nach den Verhältnissen, wie sie sich
bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische
Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im
Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
erforderlich ist (BGE 130 V 393 Erw. 3.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_889/2011 vom
30. März 2012 Erw. 3.2.1, 9C_335/2012 vom 17. Juli 2012 Erw. 3.2).
5.2
Gemäss Bericht der Berufsberatung der IV-Stelle vom 21. Februar 2014 wäre es der
Wunsch der Beschwerdeführerin, im Gesundheitsfall - wie schon seit der Geburt der
Zwillinge im Jahr 2010 -, (weiterhin) zu je 50% in Erwerb und Haushalt tätig zu sein. Auch
im Gutachten G_ vom 10. Mai 2014 wird erwähnt, dass die Versicherte vor vielen
Jahren, als die älteren Kinder noch klein gewesen seien, in einem Teilpensum erwerbstätig
gewesen sei (S. 8) und nach der Geburt der Zwillinge Mitte Juli 2010 sechs Monate lang
nicht gearbeitet habe und die Erwerbstätigkeit im Januar 2011 nur zu 50% und in der
Nacht-wache wiederaufgenommen habe (S. 5). Daraus ist zwanglos zu schliessen, dass
das teilzeitliche Erwerbspensum nicht gesundheitsbedingt war und ist, sondern wegen der
Kinder so gewählt wurde.
6. Zur Ermittlung der Einschränkung im Haushalt wird üblicherweise ein Betätigungsvergleich
vorgenommen (Urteile des Bundesgerichts 8C_889/2011 vom 30. März 2012 Erw. 3.2.1,
9C_645/2015 vom 3. Februar 2016 Erw. 2.3), wobei die erwähnten relevanten Umstände
(Ziff. 5.1 hiervor) zu berücksichtigen sind (Urteile des Bundesgerichts 8C_357/2011 vom
8. November 2011 Erw. 4.1, 8C_543/2015 vom 12. Februar 2016 Erw. 4.1). In einem Fall
wie dem vorliegenden mit einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Versicherten in dem mit 50%
zu gewichtenden Aufgabenbereich des Haushalts ist ein solcher Betätigungsvergleich
jedoch entbehrlich, da ohne weiteres klar wird, dass in diesem Teilbereich keine Invalidität
bestehen kann.
Seite 12
7. 7.1
Im erwerblichen Bereich wird für die Bestimmung des Invaliditätsgrades das Einkommen,
das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr
zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte, in Beziehung
gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden
wäre (Art. 16 ATSG).
Bei der Ermittlung des trotz Gesundheitsschädigung zumutbarerweise noch realisierbaren
Einkommens (Invalideneinkommen) ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation
auszugehen, in welcher die versicherte Person steht. Ist - wie vorliegend - kein solches
tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, namentlich weil nach Eintritt des
Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit
aufgenommen wurde, können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne, beispielsweise die
vom Bundesamt für Statistik in zweijährlichem Abstand herausgegebene
Lohnstrukturerhebung (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 76 Erw. 3b/bb).
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (frühestmöglichen)
Beginns eines allfälligen Rentenanspruchs massgebend, wobei die beiden
Vergleichseinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu ermitteln und allfällige
rentenwirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu
berücksichtigen sind (BGE 129 V 233 Erw. 4.1
7.2
Indessen hat die Ermittlung von Invaliden- und Valideneinkommen für die
Invaliditätsbemessung bei Versicherten, die bisher in Hilfsberufen tätig waren und ihre
Restarbeitsfähigkeit zumutbarerweise in körperlich leichten Hilfstätigkeiten verwerten
können, keine konstitutive Bedeutung, weshalb sich in solchen Fällen ein ziffernmässiger
Einkommensvergleich erübrigt (Urteil des Bundesgerichts 8C_282/2012 vom 11. Mai 2012
Erw. 7). Dennoch hat die IV-Stelle das Invaliden- und Valideneinkommen gestützt auf den
Arbeitgeberbericht des Alters- und Pflegeheims C_ je mit Fr. 28'620.-- beziffert. Dies ist
insofern nicht ganz korrekt, als dass die Beschwerdeführerin gemäss Psychiater Dr. G_
zwar in sämtlichen Tätigkeiten, also auch der bisherigen, zu 100% arbeitsfähig ist, mangels
ausreichender Erholungszeit aber dennoch von der Wiederaufnahme der Tätigkeit als
Nachtwache abzuraten sei. Bei dem von der IV-Stelle gewählten Vorgehen entspricht der
Invaliditätsgrad im Übrigen der Arbeitsunfähigkeit abzüglich eines allfälligen
Leidensabzuges (Urteil des Bundesgerichts 8C_365/2012 vom 30. Juli 2012 Erw. 7; s. auch
Seite 13
Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2016 vom 29. Dezember 2016 Erw. 4.1). Falls es ferner,
wie vorliegend, ausschliesslich um einen allfälligen Rentenanspruch und nicht (mehr) um
den Anspruch auf berufliche Massnahmen - diese wurden bereits am 10. Februar 2015
abgeschlossen - geht, besteht auch insofern kein rechtlich geschütztes Interesse der
Beschwerdeführerin an der genauen Ermittlung des in jedem Fall weniger als 40 %
betragenden IV-Grades (Urteil des Bundesgerichts 8C_438/2011 vom 31. Juli 2012
Erw. 3.1).
7.3
Selbst wenn aber ein eigentlicher Einkommensvergleich angestellt würde, bestünde kein
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente. Bei einem Valideneinkommen
im Jahr 2012 - auf den Jahreslohn 2013 wäre wegen der Kündigung auf Ende Juli 2013
nicht abzustellen - aufgrund eines 50%-Pensums von Fr. 28'620.-- gemäss IK-Auszug vom
14. Januar 2014 bzw. - indexiert auf den frühestmöglichen Rentenbeginn im Jahr 2014 -
von Fr. 29'088.-- und einem Invalideneinkommen von Fr. 26'141.- (LSE 2012, TA1,
Totalwert von Frauen auf Kompetenzniveau 1, 41.7h/Wo, indexiert auf 2014, Pensum von
50%, kein Leidensabzug bei der seit August 1992 in der Schweiz lebenden und gut
Deutsch sprechenden Beschwerdeführerin) würde im erwerblichen Bereich ein
Invaliditätsgrad von aufgerundet (BGE 130 V 1021 Erw. 3.2) 9% bzw. gewichtet mit dem
Anteil von 50% von 4.5% resultieren, der gleichzeitig dem Gesamt-Invaliditätsgrad
entspräche und zu keiner Invalidenrente berechtigen würde. Die Beschwerde ist deshalb
abzuweisen.
8. 8.1
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Vorliegend
erscheint eine Entscheidgebühr von Fr. 800.-- zulasten der unterliegenden
Beschwerdeführerin als angemessen, unter Verrechnung mit dem von ihr in gleicher Höhe
einbezahlten Kostenvorschuss.
8.2
Es sind keine Parteientschädigungen zuzusprechen, da die Beschwerdeführerin unterliegt
(Art. 61 lit. g ATSG e contrario) und da die obsiegende Vorinstanz eine staatliche
Einrichtung ist (Ueli Kieser, ATSG-Kommentar, 3. Auflage, Zürich 2015, Art. 61 N 200).
Seite 14