# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 67b07063-9ccc-4d55-9ff3-5512f1773398
**Court:** AG_SVWG
**Chamber:** AG_SVWG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** AG / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Gericht entnimmt den Akten:
A.
Der Kanton Aargau (nachfolgend: Gesuchsteller) beabsichtigt, die Kan-
tonsstrasse K 315 in Q. (R.) mit einem kombinierten Rad- und Gehweg aus-
zubauen sowie die Realisierung des Hochwasserschutzes XY/XZ. Die Pro-
jekte wurden mit Beschlüssen des Regierungsrats vom 30. November 2011
(RRB Nr. 2011-001773) resp. vom 21. Dezember 2011 (RRB Nr. 2011-
001955) genehmigt. Gleichzeitig wurde jeweils das Enteignungsrecht erteilt
(vgl. § 132 Abs. 1 lit. b und lit. d des Gesetzes über Raumentwicklung und
Bauwesen [BauG; SAR 713.100] vom 19. Januar 1993 und § 8 Abs. 1 des
Dekrets über den Bau, den Unterhalt und die Kostenverteilung bei Kantons-
strassen [Kantonsstrassendekret, KSD; SAR 715.120] vom 20. Oktober
1971).
B.1.
Der Rechtserwerb für den Strassenbau konnte mit den vom Projekt be-
troffenen Grundeigentümern mit drei Ausnahmen vertraglich geregelt wer-
den. Mit Eingabe vom 17. Januar 2013 ersuchte das Departement Bau,
Verkehr und Umwelt (nachfolgend: BVU) um Genehmigung der zustande
gekommenen Enteignungsverträge und um Einleitung des Enteignungs-
verfahrens für die offenen Rechtserwerbe. Im Weiteren beantragte das
BVU die vorzeitige Besitzergreifung.
B.2.
Mit Einschreiben vom 23. Januar 2013 wies der Präsident des Spezialver-
waltungsgerichts, Abteilung Kausalabgaben und Enteignungen (nachfol-
gend: SKE), den Stadtrat Q. an, die Enteignungsakten vom 30. Januar
2013 bis 28. Februar 2013 auf dem Stadtbüro zur Einsichtnahme zur Ver-
fügung zu halten. Die betroffenen Grundeigentümer würden direkt ange-
schrieben und zur Einreichung von Begehren nach § 152 Abs. 1 BauG auf-
gefordert.
B.3.
Mit Schreiben vom 25. Januar 2013 und vom 5. Februar 2013 teilte das
BVU mit, dass in zwei der drei offenen Fälle die Grundeigentümer die Ver-
träge nachträglich unterzeichnet hätten.
C.
A. (nachfolgend: Gesuchsgegner) ist Eigentümer der Parzellen aaa im
Halte von 1'327 m2 und bbb im Halte von 6'305 m2, von denen für den
Ausbau der Kantonsstrasse K 315 in Q. (R.) nach Enteignungstabelle und
Landerwerbsplan ca. 210 m2 resp. für den Hochwasserschutz XY/XZ ca.
258 m2 abzutreten sind. Zudem sind vorübergehende Beanspruchungen
von 477 m2 resp. 1'015 m2 vorgesehen.
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D.1.
Mit Einschreiben vom 24. Januar 2013 teilte der Präsident des SKE dem
Gesuchsgegner mit, dass ein Enteignungsverfahren eingeleitet werde und
allfällige Begehren innert Frist bei der Stadtverwaltung einzureichen seien.
Wenn keine Forderungen gestellt würden, werde das Gericht davon aus-
gehen, dass der Gesuchsgegner mit dem Angebot des Kantons doch ein-
verstanden sei. Das Verfahren würde diesfalls als durch gerichtliche Eini-
gung erledigt von der Kontrolle abgeschrieben. Gleichzeitig wurde der Ge-
suchsgegner aufgefordert, sich auch zum Gesuch um vorzeitige Besitzein-
weisung zu äussern.
D.2.
Mit Eingabe vom 28. Februar 2013 stellte der Gesuchsgegner ein Begeh-
ren um vollen Realersatz. Falls dieser nicht gewährt werde, sei eine Ent-
schädigung von Fr. 12.00/m2 festzusetzen. Der Minderwert der Grundstü-
cke sei zudem mit pauschal Fr. 10'000.00 zu entschädigen. Zusätzlich
machte er noch weitere Wegrechte, eine Entschädigung von je Fr. 1'250.00
für drei neue Schächte sowie eine Entschädigung von jährlich Fr. 250.00
für die vorübergehende Beanspruchung geltend. In Bezug auf die vorzei-
tige Besitzeinweisung führte er aus, dass diese abzulehnen sei.
E.1.
Da der Gesuchsgegner unter anderem die vom Kanton beantragte vorzei-
tige Besitzeinweisung ablehnte, führte das SKE in der ordentlichen Dreier-
besetzung am 13. März 2013 eine Augenscheinverhandlung durch (vgl.
Einladung vom 6. März 2013; zur Präsenz siehe Protokoll [1] vom 13. März
2013, S. 2).
E.2.
Anlässlich der Augenscheinverhandlung stellte sich heraus, dass nebst
dem das vorliegende Verfahren auslösenden Strassenbauprojekt zusätz-
lich noch ein ebenfalls rechtskräftiges Wasserbauvorhaben zur Realisie-
rung ansteht (Protokoll vom 13. März 2013, S. 2). Neben der Streitparzelle
aaa wird daher neu auch die ebenfalls im Eigentum des Gesuchsgegners
stehende Nachbarparzelle bbb im Halte von 6'305 m2 vom Kanton enteig-
nungsrechtlich beansprucht (Abtretung von ca. 258 m2, vorübergehende
Beanspruchung von ca. 1'015 m2; vgl. C.).
E.3.
Unter diesen Umständen drängte sich die Koordination der beiden offenen
Rechtserwerbe auf. Die auszurichtende Entschädigung muss für die beiden
Rechtserwerbe gemeinsam, gleichsam als Entschädigungseinheit, festge-
legt werden. Das erwähnte (D.2.) Entschädigungsbegehren des Gesuchs-
gegners folgte bereits dieser Linie. Der Kanton musste sein bisher auf das
Strassenbauprojekt beschränktes Angebot entsprechend nachbessern. Er
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erhielt dafür vereinbarungsgemäss eine ausserordentliche Frist bis Mitte
Juni 2013.
E.4.
In Bezug auf die vorzeitige Besitzeinweisung auf den 1. Mai 2013 schlos-
sen die Parteien am 13. März 2013 einen Vergleich. Der entsprechende
Beschluss des SKE erwuchs unangefochten in Rechtskraft
(4-EV.2013.4).
F.1.
Zur Frage des Realersatzes holte der Gesuchsteller beim Stadtrat Q. einen
Amtsbericht ein. Im Bericht vom 11. Juni 2013 lehnte dieser die Gewährung
von Realersatz ab.
F.2.
Mit Eingabe vom 17. Juni 2013 nahm der Gesuchsteller zu den Begehren
des Gesuchsgegners Stellung und präzisierte sein Entschädigungsange-
bot (überarbeiteter Enteignungsvertragsentwurf).
F.3.
Der Gesuchsgegner verzichtete nach Kenntnisgabe der Eingabe des Ge-
suchstellers vom 17. Juni 2013 und des Amtsberichts vom 11. Juni 2013
konkludent auf eine weitere Stellungnahme.
G.
Das SKE holte mit E-Mail vom 22. Januar 2014 bei C., Leiter Boden- und
Pachtrecht, Abteilung Landwirtschaft Aargau, die Vergleichspreise für die
Region Q. ein.
H.
Das SKE führte am 11. Juni 2014 in Q. eine Verhandlung durch (Präsenz
vgl. Protokoll [2] vom 11. Juni 2014, S. 2). Im Zuge der Verhandlung deu-
tete sich an, dass kein Realersatz würde zugesprochen werden können.
Der Gesuchsgegner verzichtete dann ausdrücklich auf einen Einigungsvor-
schlag des Gerichts für die Variante der finanziellen Entschädigung (Proto-
koll 2, S. 7).
Anschliessend hat es den Fall beraten und das nachfolgende Urteil gefällt.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
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1.
1.1.
Vorliegend konnten die Bauprojekte gutgeheissen und der Enteignungstitel
erteilt werden. Es liegen rechtskräftige Bauprojekte vor (A.) und der Ge-
suchsteller hat ein Begehren um Einleitung eines Enteignungsverfahrens
gestellt (B.1.). Die Enteignungsauflage hat ordnungsgemäss stattgefunden
(B.2.). Der Gesuchsgegner reichte während der Auflagefrist und somit frist-
gerecht seine Eingabe nach § 152 BauG ein (D.2.).
1.2.
Der Gesuchsteller ist als Enteigner befugt, das Verfahren der formellen Ent-
eignung einleiten zu lassen. Der Gesuchsgegner ist als Eigentümer der
Parzellen aaa und bbb vom Bauprojekt betroffen und somit ohne weiteres
zur Einreichung von Begehren legitimiert (§§ 151 und 152 BauG; § 42 lit. a
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; SAR 271.200]
vom 4. Dezember 2007; Michael Merker, Rechtsmittel, Klage und Normen-
kontrollverfahren nach dem [alten] aargauischen Gesetz über die Verwal-
tungsrechtspflege, Kommentar, Zürich 1998, § 38 N 129 ff.).
1.3.