# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a8954ccc-1fcc-4893-b2b3-18fd6563db42
**Court:** BL_SG
**Chamber:** BL_SG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BL / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

Sachverhalt:
1. Mit Veranlagungsverfügung der Staatssteuer 2011 vom 25. Juni 2015 wurden die Pflich-
tigen zu einem in Kanton Basel-Landschaft steuerbaren Einkommen in Höhe von Fr. 119‘306.--
und Vermögen in Höhe von Fr. 17‘395.-- veranlagt. Zur Begründung verwies die Steuerverwal-
tung auf ihr Schreiben vom 21. Oktober 2014, wo dargelegt worden sei, die Pflichtigen seien zur
Einreichung einer korrekt ausgefüllten Steuererklärung verpflichtet. Weil dies nicht geschehen
sei, habe eine Ermessenseinschätzung vorgenommen werden müssen.
2. Mit Eingabe vom 27. Juli 2015 erhoben die Pflichtigen mit dem Begehren, die Veranla-
gung sei unter Berücksichtigung des Doppelbesteuerungsabkommens vorzunehmen, Einspra-
che. Zur Begründung führten sie aus, aus der Erfolgsrechnung gehe hervor, dass der Ehemann
einen Verlust von Fr. 22‘038.30 erwirtschaftet habe. Wie die Steuerverwaltung auf ein steuerba-
res Einkommen von Fr. 119‘306.-- gekommen sei, könne nicht nachvollzogen werden. Dassel-
be gelte für die Vermögensermittlung.
3. Mit Einsprache-Entscheid vom 20. Juni 2016 wurde die Einsprache abgewiesen. Zur
Begründung führte die Steuerverwaltung aus, der Pflichtige sei als selbständigerwerbender
B._ mit festem Geschäftsdomizil in C._ (Betriebsstätte) tätig. Er begründe dort ein se-
kundäres Steuerdomizil aufgrund wirtschaftlicher Zugehörigkeit. Die nicht ausgefüllte Steuerer-
klärung bzw. die eingereichten Unterlagen hätten kein vollständig transparentes Bild der Steuer-
faktoren zugelassen. Aus diesem Grund habe zu einer Ermessenseinschätzung gegriffen wer-
den müssen. Die Erfolgsrechnung habe einen Verlust von Fr. 22‘038.30 und die Bilanz einen
anderen Wert ausgewiesen, so dass aufgrund der unklaren Situation auf Erfahrungszahlen, d.h.
auf die Zahlen der Vorperiode, mithin Fr. 121‘288.--, abgestellt worden sei.
4. Mit Eingabe vom 20. Juli 2016 erhoben die Pflichtigen mit dem Begehren, es sei der
Einsprache-Entscheid aufzuheben und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der
Anweisung, die Veranlagung gestützt auf die Erfolgsrechnung vorzunehmen, Rekurs. Zur Be-
gründung machten sie geltend, der Ehemann sei nicht buchführungspflichtig. Er sei nur ver-
pflichtet, seine jährlichen Einnahmen (Honorare) abzüglich der geschäftsbedingten Auslagen,
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also den jährlichen Gewinn, den Steuerbehörden bekannt zu geben. Der Verlust sei aufgrund
seiner mehrmonatigen Büroabwesenheit entstanden.
5. Mit Vernehmlassung vom 10. August 2016 beantragte die Steuerverwaltung die Abwei-
sung des Rekurses. Zur Begründung führte sie aus, die Mitwirkungspflichten seien seitens der
Rekurrenten vernachlässigt worden, weshalb es zu einzeln festgesetzten ermessensweisen
Einkommensfaktoren habe kommen müssen. Man habe Vergleichszahlen anderer B._ hin-
zugezogen, um ein realitätsnahes Einkommen bestimmen zu können.
6. Anlässlich der heutigen Verhandlung hielten die Parteien an ihren Begehren fest. Hin-
sichtlich der behaupteten Büroabwesenheit gab der Pflichtige auf eine entsprechende Frage an,
dass diese von September 2010 bis Mai 2011 gedauert habe. Angesprochen auf die diversen
Bilanzbrüche führte der Rekurrent aus, dass, da er davon wenig verstehe, seine Sekretärin die
Buchhaltung mache.

## Considerations

Das Steuergericht zieht in Erwägung:
1. Das Steuergericht ist gemäss § 124 des Gesetzes über die Staats- und Gemeindesteu-
ern (Steuergesetz) vom 7. Februar 1974 (StG) zur Beurteilung des vorliegenden Rekurses zu-
ständig. Gemäss § 129 Abs. 3 StG werden Rekurse, deren umstrittener Steuerbetrag wie im
vorliegenden Fall Fr. 8'000.-- pro Steuerjahr übersteigt, vom Präsidenten und vier Richterinnen
und Richtern des Steuergerichts beurteilt. Da die in formeller Hinsicht an einen Rekurs zu stel-
lenden Anforderungen erfüllt sind, ist ohne weiteres darauf einzutreten.
2. Der Pflichtige hat seinen Wohnsitz und damit das Hauptsteuerdomizil in Deutschland. Er
arbeitet als selbständigerwerbender B._ in C._. Damit liegt ein internationaler Sachver-
halt mit verschiedenen steuerlichen Anknüpfungspunkten vor. Vorab stellt sich damit die Frage,
wo das vom Pflichtigen erzielte Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit zu besteuern ist.
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a) Die Schweiz hat mit diversen Ländern internationale Staatsverträge zur Vermei-
dung der Doppelbesteuerung abgeschlossen, die jeweils weitgehend dem (unverbindlichen)
Musterabkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom
Einkommen und vom Vermögen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Ent-
wicklung (OECD) entsprechen. Zwischen der Schweiz und Deutschland ist das Abkommen zur
Vermeidung der Doppelbesteuerung auf dem Gebiet der Steuern vom Einkommen und vom
Vermögen vom 11. August 1971 (SR 0.672.913.62, DBA CH-D) massgebend.
b) In Art. 14 DBA CH-D sind die Grundsätze der Zuständigkeiten der beiden Staa-
ten zur Besteuerung von Einkünften aus selbständiger Erwerbstätigkeit geregelt. Gemäss
Abs. 1 können Einkünfte, die eine in einem Vertragsstaat ansässige Person aus einem freien
Beruf oder aus sonstiger selbständiger Tätigkeit ähnlicher Art bezieht, nur in diesem Staat be-
steuert werden, es sei denn, dass die Person für die Ausübung ihrer Tätigkeit in dem anderen
Vertragsstaat regelmässig über eine feste Einrichtung verfügt. Verfügt sie über eine solche fes-
te Einrichtung, so können die Einkünfte in dem anderen Staat besteuert werden, jedoch nur
insoweit, als sie dieser festen Einrichtung zugerechnet werden können. Gemäss Abs. 2 umfasst
der Ausdruck „freier Beruf“ insbesondere die selbständig ausgeübte wissenschaftliche, literari-
sche, künstlerische, erzieherische oder unterrichtende Tätigkeit sowie die selbständige Tätigkeit
der Ärzte, Rechtsanwälte, Ingenieure, Architekten, Zahnärzte und Bücherrevisoren. Gemäss
Art. 22 Abs. 2 DBA CH-D kann bewegliches Vermögen, das Betriebsvermögen einer Betriebs-
stätte eines Unternehmens darstellt oder das zu einer der Ausübung eines freien Berufes die-
nenden festen Einrichtung gehört, in dem Vertragsstaat besteuert werden, in dem sich die Be-
triebsstätte oder die feste Einrichtung befindet.
c) Rechtsprechung und Praxis haben die Voraussetzungen konkretisiert, wann eine
feste Einrichtung vorliegt. Drei Voraussetzungen sind kumulativ zu erfüllen: Es muss eine kör-
perliche Anlage vorhanden sein, die der Ausübung der selbständigen Tätigkeit dient, die Ein-
richtung muss auf eine gewisse Dauer angelegt sein und dem Steuerpflichtigen muss die Ver-
fügungsgewalt über diese Einrichtung zustehen (vgl. von Ah, in: Zweifel/Beusch/Matteotti
[Hrsg.], Kommentar zum Internationalen Steuerrecht, Art. 14 OECD-MA N 47, m.w.H.).
d) Vorliegend verfügt der Pflichtige in C._ zur Ausübung seiner selbständigen
Erwerbstätigkeit als B._ unbestrittenermassen über feste Einrichtungen im Sinne des Dop-
pelbesteuerungsabkommens und der hiervor zitierten Praxis. Damit begründet er in C._ ein
Nebensteuerdomizil, wo das dort erzielte Einkommen zu besteuern ist, wobei das steuerbare
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Gesamteinkommen der Ehegatten satzbestimmend zu berücksichtigen ist. Dasselbe gilt für das
Betriebsvermögen, welches in C._ zu besteuern ist, wobei auch hier das steuerbare Ge-
samtvermögen der Ehegatten satzbestimmend zu berücksichtigen ist. Dass die Steuerverwal-
tung die Besteuerung gemäss dem Doppelbesteuerungsabkommen dem Grundsatz nach kor-
rekt vorgenommen hat, ist im vorliegenden Rekursverfahren nicht (mehr) umstritten.
3. Der Beurteilung unterliegt, ob das vom Pflichtigen erzielte Einkommen aus selbständiger
Erwerbstätigkeit von der Steuerverwaltung zu Recht nach pflichtgemässem Ermessen ge-
schätzt wurde.
a) Gemäss § 101 StG hat der Steuerpflichtige zu Beginn jeder Veranlagungsperio-
de sowie bei Eintritt in die Steuerpflicht, eine Steuererklärung einzureichen. Er hat Einkommen,
Vermögen bzw. Ertrag und Kapital sowie gemachte oder erhaltene Schenkungen mit den
schenkenden oder beschenkten Personen anzugeben. Gemeinsam steuerpflichtige Ehegatten
haben eine gemeinsame, von beiden Ehegatten unterzeichnete Steuererklärung einzureichen.
Die Einreichung von Kopien der deutschen Steuerdeklaration ersetzt die hiesigen Mitwirkungs-
pflichten nicht (vgl. Entscheid des Bundesgerichts [BGE] 2C_837/2014 vom 23. Februar 2015).
b) Das gemischte Veranlagungsverfahren kombiniert und koordiniert Mitwirkungs-
handlungen der steuerpflichtigen Person und Untersuchungshandlungen der Einschätzungsbe-
hörden. Gemäss dem Mitwirkungsgrundsatz ist die steuerpflichtige Person verpflichtet, eine
Steuererklärung einzureichen und alle für eine korrekte Veranlagung notwendigen Mitwirkungs-
handlungen vorzunehmen. Die Einschätzungsbehörden haben anschliessend im Rahmen des
Untersuchungsgrundsatzes den steuerrelevanten Sachverhalt mit allen ihnen zur Verfügung
stehenden Untersuchungsmitteln abzuklären. Diese Verfahrensmaximen stehen im Unterord-
nungsverhältnis zueinander, indem der Mitwirkungsgrundsatz der Verwirklichung des Untersu-
chungsgrundsatzes dient (vgl. Meier in: Nefzger/Simonek/Wenk, Kommentar zum Steuergesetz
des Kantons Basel-Landschaft, § 101 N 1f.). Zur Ermittlung des Sachverhalts räumt das Gesetz
der Veranlagungsbehörde verschiedene Untersuchungsmittel ein, wie die Befragung des Steu-
erpflichtigen oder Dritter oder die Beweismittel (Urkunden, Bescheinigungen, Geschäftsbücher,
Sachverständigengutachten, Amtsbericht, Augenschein, Auskünfte mitwirkungspflichtiger Drit-
ter). Grundsätzlich liegt es im Ermessen der Veranlagungsbehörde, welche Untersuchungs-
handlungen sie vornehmen will (vgl. Zweifel in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht
I/1, Art. 46 StHG N 4b).
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c) Anlass zu einer Ermessensveranlagung bietet jede nicht zu beseitigende Unge-
wissheit über den Sachverhalt, welche es der Veranlagungsbehörde verunmöglicht, die Steuer-
faktoren oder Teile hiervon, einwandfrei zu ermitteln, und zwar aufgrund zuverlässiger Unterla-
gen, d.h. gestützt auf eine beweismässig Abklärung des Sachverhalts. Denn bei Missachtung
von Verfahrenspflichten durch den Steuerpflichtigen gerät die Veranlagungsbehörde regelmäs-
sig in einen Untersuchungsnotstand, der den abklärungsbedürftigen Sachverhalt als ungewiss
erscheinen lässt. Die Ermessensveranlagung wegen Nichterfüllung von Verfahrenspflichten
setzt voraus, dass der Steuerpflichtige seine Mitwirkungspflichten nicht erfüllt hat. Eine Nichter-
füllung liegt vor, wenn der Steuerpflichtige die verlangte Mitwirkungshandlung überhaupt nicht
vornimmt. Eine nicht gehörige Mitwirkung kann des Weiteren darin bestehen, dass der Steuer-
pflichtige seine Verfahrensplicht zwar erfüllt, die Erfüllung selber jedoch mangelhaft ist. Eine
formell nicht gehörige Erfüllung ist anzunehmen, wenn die Mitwirkungshandlung des Steuer-
pflichtigen in ihrer Form nicht vollständig mit der geforderten Handlung identisch ist, z.B. Abga-
be einer nicht unterzeichneten Steuerklärung. Die materiell nicht gehörige Erfüllung zeichnet
sich dadurch aus, dass die vorgenommene Mitwirkungshandlung qualitativ mangelhaft ist, d.h.
mit der verlangten Handlung zwar formell (äusserlich) identisch ist, zur Ermittlung des materiell
wahren Sachverhalts aber ganz oder teilweise untauglich ist, z.B. Abgabe einer Steuererklä-
rung, worin zu niedrige Einkünfte oder zu hohe Abzüge deklariert sind (vgl. Zweifel/Casanova,
Schweizerisches Steuerverfahrensrecht, § 19 N 10 ff., m.w.H.).
d) Vorliegend wurden die Pflichtigen hinsichtlich der Steuerklärungen der Jahre
2006 bis 2009 seitens der Steuerverwaltung mit Chargé-Schreiben vom 21. Oktober 2014 da-
rauf hingewiesen, dass sie als sekundär Steuerpflichtige dazu verpflichtet seien, für jedes Steu-
erjahr eine vollumfängliche Steuerklärung einzureichen, die alle Einnahmen und Ausgaben so-
wie alle Vermögenswerte im In- und Ausland samt den entsprechenden Belegen offen lege.
Das vorgenannte Schreiben bezog sich zwar nicht direkt auf das vorliegend strittige Steuerjahr.
Aus der Formulierung „für jedes Steuerjahr“ musste den Pflichtigen aber klar sein, dass dies
nicht nur für die Steuerklärungen der Jahre 2006 bis 2009, sondern auch für die nachfolgenden
Steuerjahre gilt. Trotzdem haben die Pflichtigen im hier strittigen Steuerjahr eine nicht ausgefüll-
te und nicht unterzeichnete Steuerklärung eingereicht und dieser die Bilanz und Erfolgsrech-
nung hinsichtlich der selbständigen Erwerbstätigkeit des Rekurrenten als B._ in C._ und
die deutschen Steuerunterlagen beigelegt. Damit liegt eine nicht gehörige Erfüllung vor, so dass
die Steuerverwaltung zu Recht eine Ermessensveranlagung vorgenommen hat.
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4. Der Beurteilung unterliegt weiter, ob die Steuerverwaltung das Ermessen pflichtgemäss
ausgeübt hat.
a) Hat der Steuerpflichtige gemäss Art. 46 Abs. 3 des Bundesgesetzes über die
Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden (StHG) vom 14. Dezember
1990 trotz Mahnung seine Verfahrenspflichten nicht erfüllt oder können die Steuerfaktoren
mangels zuverlässiger Unterlagen nicht einwandfrei ermittelt werden, so nimmt die Veranla-
gungsbehörde die Veranlagung nach pflichtgemässem Ermessen vor. Soweit gemäss § 109
Abs. 5 StG eine genaue Veranlagung aufgrund der vorhandenen Unterlagen nicht möglich ist,
wird sie nach pflichtgemässem Ermessen vorgenommen. Das Einkommen ist, soweit möglich,
nach Erfahrungszahlen oder nach dem Lebensaufwand des Steuerpflichtigen zu schätzen.
b) Bei der Ermessenseinschätzung hat die Steuerbehörde von Amtes wegen alle
Unterlagen zu berücksichtigen, die ihr zur Verfügung stehen. Sie hat alle Umstände in Rech-
nung zu stellen, von denen sie Kenntnis hat, auch wenn sie möglicherweise nicht in den Akten
vermerkt sind; denn die amtliche Veranlagung ist nach pflichtgemässem Ermessen vorzuneh-
men. Der Steuerpflichtige soll möglichst entsprechend seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
eingeschätzt werden. Das setzt eine Würdigung der gesamten Verhältnisse voraus. Die Steuer-
behörde hat dabei eine vorsichtige Schätzung vorzunehmen, ohne allerdings dazu verpflichtet
zu sein, bei der durch das Verhalten des Steuerpflichtigen bedingten Ermessensbetätigung im
Zweifelsfall die für diesen günstigste Annahme zu treffen: Es soll vermieden werden, dass der-
jenige Steuerpflichtige, der für die Möglichkeit der Nachprüfung der von ihm erklärten Verhält-
nisse Sorge getragen hat, höhere Steuern zu bezahlen hat als derjenige, bei dem eine solche
Nachprüfung aus von ihm zu vertretenden Gründen unmöglich ist. Die Verletzung von Verfah-
renspflichten darf sich nicht lohnen. Soweit als möglich sind die Verhältnisse des Einzelfalles zu
würdigen. Namentlich sind allfällige vereinzelt feststehende Tatsachen der Schätzung zugrunde
zu legen. Ferner sind allfällige ausreichend abgestützte Schätzungshilfen und Schätzungsme-
thoden beizuziehen. Insbesondere können Erfahrungszahlen, Vermögensentwicklung und Le-
bensaufwand des Steuerpflichtigen bei der Schätzung berücksichtigt werden (vgl. Zwei-
fel/Casanova, a.a.O., § 19 N 19, m.w.H.).
c) Wie hiervor gesehen, liegt es im Ermessen der Veranlagungsbehörde, welche
Untersuchungshandlungen sie vornehmen will. Dass die Steuerverwaltung vorliegend keine
weiteren Unterlagen einverlangt, telefonisch nachgefragt oder die Angelegenheit mit den Pflich-
tigen besprochen hat, kann ihr deshalb nicht entgegengehalten werden, zumal es bei § 109
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Abs. 2 und 3 StG um Kann-Vorschriften handelt, wonach die Steuerverwaltung nicht verpflich-
tet, sondern lediglich befugt ist, Abklärungen im hiervor zitierten Sinn vorzunehmen.
d) Vorliegend macht die Steuerverwaltung geltend, die Bilanz weiche im Ergebnis
von der Erfolgsrechnung ab. Deshalb habe man Vergleichszahlen anderer B._ hinzugezo-
gen, um ein realitätsnahes Einkommen bestimmen zu können. Um was für Vergleichszahlen es
sich handelt, bleibt unklar. Da die Steuerverwaltung entgegen ihren Aussagen aber sowieso
nicht auf solche Vergleichszahlen, sondern auf die effektiven Zahlen des Pflichtigen, d.h. auf die
Zahlen der Vorperiode abgestellt hat, erübrigt sich eine weitere Auseinandersetzung damit.
Somit ist nachstehend auf die von der Steuerverwaltung monierte Abweichung zwischen Bilanz
und Erfolgsrechnung einzugehen.
e) Vorab stellt sich die Frage, ob der Pflichtige für seine selbständige Erwerbstätig-
keit als B._ aufzeichnungs- oder buchführungspflichtig ist. Für die Ermittlung des Unterneh-
mensgewinnes müssen u.a. die allgemeinen gesetzlichen Bestimmungen der kaufmännischen
Buchführung (Art. 957-964 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des Schweizeri-
schen Zivilgesetzbuches [Fünfter Teil: Obligationenrecht] vom 30. März 1911 [OR] in der im
vorliegenden Fall gültigen Fassung), sowie die allgemein anerkannten Grundsätze der kauf-
männischen Buchführung, auf welche in Art. 959 aOR verwiesen wird, herangezogen werden
(vgl. Kuhn/Brühlisauer in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht I/1, Art. 24 StHG
N 14). Nicht alle Selbstständigerwerbenden sind zur Führung einer ordnungsgemässen Buch-
haltung verpflichtet. Alle Steuerpflichtigen sind jedoch zu Aufzeichnungen verpflichtet, die eine
ordnungsgemässe Ermittlung des steuerbaren Reineinkommens gewährleisten. Buchführungs-
pflichtig ist, wer verpflichtet ist, seine Firma in das Handelsregister eintragen zu lassen (Art. 957
aOR). Eintragungspflichtig ist, wer ein Handels-, Fabrikations- oder ein anderes nach kaufmän-
nischer Art geführtes Gewerbe betreibt (OR 934 I i.V.m. Art. 52 der Handelsregisterverordnung
vom 7. Juni 1937 [HRegV] in der im vorliegenden Fall gültigen Fassung). Für die Buchfüh-
rungspflicht ist nicht der Handelsregistereintrag als solcher von Bedeutung, sondern die Erfül-
lung der Anforderungen an ein nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe (vgl. Rich-
ner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. A. Zürich 2009, Art. 18 N 122 f.).
Nach Art. 52 Abs. 3 aHRegV liegt ein kaufmännisches Unternehmen vor, wenn dieses auf eine
selbständige, auf Erwerb gerichtete wirtschaftliche Tätigkeit ausgerichtet ist. Bei diesem kann
es sich gemäss Art. 53 aHRegV um ein Handelsgewerbe, um ein Fabrikationsgewerbe oder um
ein anderes nach kaufmännischer Art geführtes Gewerbe handeln. Von der Eintragungspflicht
sind diese Gewerbe dann befreit, wenn die jährliche Roheinnahme die Summe von
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Fr. 100'000.-- nicht erreicht (Art. 54 aHRegV). Die freien Berufe unterliegen dem Grundsatz
nach nicht der Eintragungspflicht. Bei diesen Berufen steht nämlich die persönliche Beziehung
zwischen dem Arzt, Zahnarzt, Ingenieur, Architekten, Anwalt etc. und dem Patienten oder Klien-
ten im Vordergrund; dem Angehörigen eines freien Berufs wird wegen seiner persönlichen
Kenntnisse und Fähigkeiten, weniger wegen seiner finanziellen Kreditwürdigkeit vertraut (vgl.
BGE vom 21. Januar 2009, 4A_526/2008, E. 4.2). Vorliegend ist der Pflichtige als B._ zwar
nicht eintragungspflichtig, aber zu Aufzeichnungen verpflichtet, die eine ordnungsgemässe Er-
mittlung des steuerbaren Reineinkommens gewährleisten. Dieser Aufzeichnungspflicht ist der
Pflichtige denn auch nachgekommen, hat er doch für das hier strittige Steuerjahr eine Erfolgs-
rechnung mit Einnahmen und Ausgaben erstellt. Darüber hinaus hat er auch eine Bilanz mit
Aktiven und Passiven ins Recht gelegt.
f) Wie gesehen, macht die Steuerverwaltung geltend, der Verlust gemäss Erfolgs-
rechnung in Höhe von Fr. 22‘038.30 weiche vom Bilanzgewinn ab. Aufgrund der unklaren Situa-
tion habe man auf Erfahrungszahlen, d.h. auf die Zahlen der Vorperiode abgestellt. Der Rekur-
rent hält dafür, der Verlust sei aufgrund seiner mehrmonatigen Büroabwesenheit entstanden.
g) Eine Prüfung von Bilanz und Erfolgsrechnung ergibt, dass deren Aussagekraft,
insbesondere aufgrund nicht nachvollziehbarer Bilanzbrüche, gering ist. So beläuft sich bei-
spielsweise das Eigenkapitalkonto Nr. 2850, Privat A._, welches per 31. Dezember 2010
einen Saldo von Fr. 150‘648.67 aufwies, per 1. Januar 2011 auf Fr. 0.--. Weiter ist auf das Ei-
genkapitalkonto Nr. 2810, Kapital A._ zu verweisen, welches per 31. Dezember 2010 einen
Saldo von Fr. 0.-- aufwies, per 1. Januar 2011 indes einen solchen von - Fr. 17‘938.79. Damit
können diese Abschlüsse nicht als schlüssig bezeichnet werden. Auch die heutige Befragung
des Pflichtigen konnte die Angelegenheit nicht erhellen. Daher ist auf Erfahrungszahlen bzw.
Schätzungen abzustellen. Dass die Steuerverwaltung dabei von den Vorjahreszahlen ausge-
gangen ist, ist dem Grundsatz nach nicht zu bemängeln. Im Vorjahr belief sich das steuerbare
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit des Pflichtigen auf Fr. 33‘164.80 und wurde
gemäss Angaben des Rekurrenten, aufgrund seiner Büroabwesenheit von September 2010 bis
Mai 2011, innerhalb von 8 Monaten (Januar bis August) erwirtschaftet, so dass sich sein Ein-
kommen auf monatlich Fr. 4‘145.-- (= Fr. 33‘164.80 / 8 Monate) belief. Geht man davon aus,
dass der Rekurrent im Jahr 2011 aufgrund seiner geltend gemachten Büroabwesenheit lediglich
während 7 Monaten (Juni bis Dezember) gearbeitet hat, ergibt sich ein Einkommen von
Fr. 29‘015.-- (= 7 Monate à Fr. 4‘145.--). Aus alledem ergibt sich, dass das steuerbare Einkom-
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men des Pflichtigen aus selbständiger Erwerbstätigkeit ermessensweise auf Fr. 30‘000.-- fest-
zulegen ist.
Der Rekurs ist damit teilweise gutzuheissen.
5. Ausgangsgemäss sind den Rekurrenten reduzierte Verfahrenskosten aufzuerlegen
(§ 130 StG i.V.m. § 20 des Gesetzes vom 16. Dezember 1993 über die Verfassungs- und Ver-
waltungsprozessordnung [VPO]). Entsprechend dem teilweisen Obsiegen im Umfang von rund
2/3 werden die Verfahrenskosten auf Fr. 500.-- festgelegt.
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