# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 01098e1e-eb49-4b11-ad4f-a85b87d877a0
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
X._, geboren am 23. Juni 1990, wurde nach einem Unterbruch ab 1. April 2018
sozialhilferechtlich von der politischen Gemeinde Y._ unterstützt. Da X._ ab dem 4.
Februar 2019 an einer beruflichen Eingliederungsmassnahme der IV-Stelle teilnahm
und ihr dafür ein Taggeld der Invalidenversicherung (IV) zugesprochen wurde
(Verfügung der IV-Stelle vom 18. Januar 2019, act. 6/4/5), konnte sie per 28. Februar
2019 von der Sozialhilfe abgelöst werden (Kontoauszug der Sozialhilfe, act. 6/4/3).
A.a.
Mit E-Mail vom 11. Januar 2019 ersuchte X._ die Sozialen Dienste Y._ um
Übernahme der Jahresprämie 2019 der Einzel-Unfallversicherung der S._
Versicherungen AG (act. 6/4/1 und 6/4/6). Gleichentags informierte der zuständige
Sozialarbeiter der Sozialen Dienste Y._ X._, dass die Unfallversicherung bereits in der
Krankenversicherung der Agrisano Krankenkasse AG eingeschlossen sei. Bei der
Einzel-Unfallversicherung der S._ Versicherungen AG handle es sich um eine
Doppelversicherung. Diese Prämie könne nicht von den Sozialen Diensten
übernommen werden. Der Vater von X._, Z._, bat mit E-Mail vom 16. Januar 2019
erneut um Übernahme der Jahresprämie 2019 sowie der noch nicht beglichenen
Jahresprämie 2018 der S._ Versicherungen AG im Gesamtbetrag von CHF 355.40. Er
betonte, dass es sich nicht um eine Doppelversicherung handle, sondern um eine
A.b.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/7
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B.
Am 6. Januar 2020 reichte X._ (Beschwerdeführerin) beim Verwaltungsgericht
Beschwerde gegen den Entscheid des Departements des Innern (Vorinstanz) vom 18.
Dezember 2019 ein. Sie beantragte die Aufhebung von Ziff. 1 des Entscheids der
Vorinstanz und die Übernahme der Jahresprämien für die Einzelunfallversicherung der
S._ der Jahre 2018 und 2019. Zudem beantragte sie die Gewährung der
unentgeltlichen Rechtspflege im Sinne eines Verzichts auf Gerichtskostenvorschüsse.
Der Abteilungspräsident verzichtete mit Schreiben vom 8. Januar 2020 auf die
Erhebung eines Kostenvorschusses und stellte gleichentags die Gegenstandslosigkeit
des entsprechenden Antrags fest.
Die Vorinstanz schloss in ihrer Vernehmlassung vom 15. Januar 2020 auf Abweisung
der Beschwerde und verwies im Wesentlichen auf die Ausführungen im angefochtenen
Entscheid. Mit Eingabe vom 7. Februar 2020 ersuchte die politische Gemeinde Y._
(Beschwerdegegnerin) ebenfalls um Abweisung der Beschwerde, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Die Beschwerdeführerin nahm mit Eingabe vom 27. Februar
2020 zu den Vernehmlassungen Stellung. Am 6. März 2020 verzichtete die
Beschwerdegegnerin ausdrücklich auf eine weitere Stellungnahme. Die Vorinstanz
verzichtete stillschweigend.

## Considerations

Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids und die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge sowie die Akten wird, soweit für
den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Invaliditätsversicherung, welche seit Jahren bestehe und daher analog der
bestehenden Hausratversicherung zu übernehmen sei.
Die Sozialen Dienste Y._ lehnten die Kostenübernahme und somit die Bezahlung der
beiden Jahresprämien 2018 und 2019 von insgesamt CHF 355.40 mit Verfügung vom
31. Mai 2019 ab. Sie begründeten ihren Entscheid damit, dass es sich bei der Einzel-
Unfallversicherung der S._ Versicherungen AG um eine Kapitalversicherung und damit
um eine Zusatzversicherung handle, welche nicht von der Sozialhilfe übernommen
werden könne. Sodann liege kein begründeter Ausnahmefall vor, welcher eine
Übernahme rechtfertigen würde. Die Prämienrechnung vom 9. Januar 2019 betreffe
zudem die Periode ab 1. März 2019. Ab diesem Zeitpunkt habe X._ ohnehin keinen
Anspruch mehr auf Sozialhilfe (act. 6/4/8). Den dagegen erhobenen Rekurs wies das
Departement des Inneren mit Entscheid vom 18. Dezember 2019 ab.
A.c.
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Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
(...)
2.
Anspruch auf finanzielle Sozialhilfe hat, wer für seinen Lebensunterhalt nicht
hinreichend oder nicht rechtzeitig aus eigenen Mitteln aufkommen kann (Art. 9 Abs. 1
des Sozialhilfegesetzes (sGS 381.1, SHG). Finanzielle Sozialhilfe umfasst Geld- und
Sachleistungen sowie Kostengutsprachen. Sie wird rechtzeitig gewährt (Art. 10 Abs. 1
und 2 SHG). Zur materiellen Grundsicherung gehören nebst dem Grundbedarf für den
Lebensunterhalt und den Wohnkosten auch die medizinische Grundversorgung (G.
Wizent, Sozialhilferecht, Zürich/St. Gallen 2020, Rz. 479 und S. 193 ff.; Richtlinien der
Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) [nachfolgend: SKOS-Richtlinien]
Kapitel B). Zur medizinischen Grundversorgung zählt die obligatorische
Grundversicherung gemäss dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (SR
832.10, KVG; SKOS-Richtlinien Kapitel B.5; Wizent, a.a.O., Rz. 513). Das individuelle
Unterstützungsbudget enthält aber nicht nur die materielle Grundsicherung, sondern
auch situationsbedingte Leistungen, welche spezifische Lebensbereiche und –
umstände decken. Diese Leistungen haben ihre Ursache oft in einer besonderen
gesundheitlichen, wirtschaftlichen, persönlichen oder familiären Lage einer
unterstützten Person (Wizent, a.a.O., Rz. 518; SKOS-Richtlinien Kapitel C). Zu den
situationsbedingten Leistungen gehören unter anderem krankheits- oder
behinderungsbedingte Auslagen, die nicht im Rahmen der medizinischen
Grundversorgung liegen (z.B. Hilfsmittel, Pflege und Betreuung zu Hause, vgl. SKOS-
Richtlinien Kapitel C.1.4).
Prämien für über die medizinische Grundversicherung hinausgehende
Zusatzversicherungen nach dem Bundesgesetz über den Versicherungsvertrag (SR
221.229.1, VVG) können in begründeten Ausnahmefällen angerechnet werden. Sie sind
zu übernehmen, "wenn die zu erwartenden oder erbrachten Versicherungsleistungen
höher sind als die Prämien". Zu denken ist namentlich an
Krankentaggeldversicherungen und Zahnversicherungen für Kinder (BGer 8C_824/2015
vom 19. Mai 2016 E. 14.1). In Bezug auf die Krankentaggeldversicherung erscheint
diese als sinnvoll, wenn sie der unterstützten Person ein regelmässiges Einkommen
garantiert, das die Prämien bei Weitem übersteigt (Urteil des Verwaltungsgerichts des
2.1.
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Kantons Zürich VB.2014.00577 vom 10. Februar 2015 E. 3.2). Prämien weiterer
Versicherungen, beispielsweise im Bereich der Komplementär- und Alternativmedizin,
können in begründeten Fällen übernommen werden (SKOS-Richtlinien Ziff. C.1.1;
Wizent, a.a.O., Rz. 536; BGer 8C_824/2015 vom 19. Mai 2016 E. 14.1).
Sowohl die Vorinstanz wie auch die Beschwerdegegnerin sind zum Schluss
gekommen, dass es sich bei den vorliegend strittigen Versicherungsprämien um
Prämien für eine über die medizinische Grundversicherung hinausgehende
Zusatzversicherung nach VVG handle. Weder die Akten noch die Darlegungen der
Beschwerdeführerin würden Anhaltspunkte liefern, die eine ausnahmsweise
Übernahme der strittigen Leistungsabrechnung rechtfertigen würden.
Die Beschwerdeführerin weist darauf hin, dass sie in einer besonderen Situation sei.
Ihre Mutter sei tödlich verunglückt, als sie vier Jahre alt gewesen sei. Daher verstehe es
sich von selbst, dass sie einen besonderen Respekt vor Unfällen mit Todes- oder
Invaliditätsausgang habe und sich deswegen habe versichern lassen. In Anbetracht der
sehr tiefen Versicherungsprämien im Verhältnis zur sehr hohen Versicherungssumme
im Falle eines Unfalls könne das sinnvolle Verhältnis des Nutzens zum finanziellen
Aufwand nicht bestritten werden. Die Versicherung bestehe bereits seit Jahren und
müsse analog der Hausratversicherung übernommen werden.
2.2.
Strittig ist die Übernahme von zwei Jahresprämien der Einzel-Unfallversicherung der
S._ Versicherungen AG in der Höhe von insgesamt CHF 355.40. Bei dieser Einzel-
Unfallversicherung handelt es sich um ein Versicherungsprodukt, bei welchem die
Eventualitäten Tod und Invalidität in Folge eines Unfalls versichert sind. Im
Versicherungsfall erhalten die Anspruchsberechtigten beim Tod ein Kapital in der Höhe
von CHF 10'000 und bei Invalidität ein Kapital von CHF 200'000 bei einer Progression
von bis zu 350%. Ein Taggeld und/oder Heilungskosten sind nicht versichert (act.
6/4/6). Gemäss der Versicherungspolice der Agrisano Krankenkasse AG vom 10.
Oktober 2018 beinhaltet die Monatsprämie nebst der obligatorischen
Krankenversicherung zusätzlich eine Unfallprämie (act. 6/4/7). Die Beschwerdeführerin
ist damit über die Krankenversicherung sowohl für Folgen aus Krankheit als auch aus
Unfall versichert (siehe Art. 1a Abs. 2 KVG). Diese Prämien im Rahmen der
obligatorischen Grundversicherung bilden Teil der materiellen Grundsicherung und
wurden unbestrittenermassen von der Sozialhilfe übernommen (siehe Praxishilfe der St.
Gallischen Konferenz der Sozialhilfe [KOS] Kapitel B.5: individuelle Prämienverbilligung
2.3.
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im Kanton St. Gallen). Bei der strittigen Einzel-Unfallversicherung handelt es sich
jedoch – wie die Vorinstanz und die Beschwerdegegnerin zutreffend erkannt haben –
um eine (Kapital-)Zusatzversicherung nach VVG, welche der Beschwerdeführerin
zusätzlich zu den gesetzlichen Leistungen nach Art. 28 KVG mit einem Kapital Schutz
gewährt.
Massgebend für die Übernahme einer Zusatzversicherung durch die Sozialhilfe ist das
Kosten-Nutzen-Verhältnis. Demnach ist zu prüfen, ob das bei einer Invalidität infolge
eines Unfalls fällige Kapital (Ermittlung des Invaliditätskapitals siehe die allgemeinen
Vertragsbedingungen der Einzel-Unfallversicherung bei der S._ Versicherungen AG,
Stand 01.2007) einen grösseren Nutzen als die zu zahlende Prämie von jährlich CHF
177.70 bringt. Bei einer Krankentaggeldversicherung, bei welcher die Prämien allenfalls
von der Sozialhilfe übernommen werden können, könnte im Versicherungsfall das
ausbezahlte Taggeld als Einkommensersatz angerechnet werden. Im Gegensatz dazu
wird bei der vorliegenden Einzel-Unfallversicherung im Versicherungsfall bei Invalidität
lediglich Kapital fällig. Dieses kann zwar ebenfalls im Rahmen der Berechnung der
Höhe der Sozialhilfeleistungen berücksichtigt werden, aber nur beim Vermögen.
Allerdings wird das ausbezahlte Kapital einerseits wohl für unfallbedingte
Mehrausgaben, wie beispielsweise für kostspielige Hilfsmittel oder Umbauten, benötigt
und anderseits steht einer bedürftigen Person ein Vermögensfreibetrag zu. Damit hätte
diese Zusatzversicherung im Versicherungsfall lediglich einen geringen Einfluss auf die
Berechnung der Höhe der Sozialhilfeleistungen. Daran vermag auch der Einwand der
Beschwerdeführerin, dass die Jahresprämie tief sei, was auf statistische Werte
zurückzuführen ist (Zusprache einer IV-Rente durch Unfall liegt bei 7%, IV-Statistik des
Jahres 2018, https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home.html unter:
Sozialversicherungen/Invalidenversicherung/Statistik), und die Versicherung bereits seit
langer Zeit und aus persönlichen Gründen wegen des Unfalltodes ihrer Mutter bestehe,
nichts zu ändern. Ebenfalls kann entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin die
Übernahme der Prämien für die Hausratversicherung nicht analog herangezogen
werden. Diese Prämien für eine den Verhältnissen angepasste Hausrat- und
Haftpflichtversicherung sowie die minimalen Selbstbehalte bei von der Versicherung
anerkannten Schadensfällen werden zwar über die situationsbedingten Leistungen
übernommen (SKOS-Richtlinien Kapitel C.1.5, Wizent, a.a.O., Rz 526 und 540). Jedoch
decken sowohl die Hausrat- als auch die Haftpflichtversicherung Schäden ab, welche
allenfalls in beträchtlicher Höhe entstehen und von keiner anderen Versicherung
übernommen werden. Im Gegensatz dazu werden der Beschwerdeführerin bei einem
Unfall die notwendigen Leistungen bereits über die obligatorische Krankenversicherung
bzw. bei Invalidität aufgrund Unfallfolgen über die obligatorische Invalidenversicherung
https://www.bsv.admin.ch/bsv/de/home.html
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/7
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3.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten der
Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von CHF
1‘000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12,
GKV).
Es sind keine ausseramtlichen Kosten zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).
Der Beschwerdegegnerin steht kein Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2019/117 vom
19. Dezember 2019 E. 5.3, VerwGE B 2017/59 vom 23. März 2018 E. 7, R. Hirt, Die
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen
2004, S. 176 ff., A. Linder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 20 zu Art. 98
VRP), und die Beschwerdeführerin ist unterlegen und hat auch keinen entsprechenden
Antrag gestellt.