# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** de072829-69e4-4100-8e14-4c68c699fb86
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Mord etc.
Berufung gegen ein Urteil und Nachtragsurteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 26. Juni 2014 und 4. Juli 2014 (DG140012)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 21. Januar
2014 (Urk. HD 24) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB
− der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
− des Fahrens in qualifiziert angetrunkenem Zustand im Sinne von
Art. 91 Abs. 1 aSVG in Verbindung mit Art. 31 Abs. 2 SVG und Art. 2
Abs. 1 VRV und in Verbindung mit Art. 55 Abs. 6 SVG und Art. 1 Abs. 2
der Verordnung der Bundesversammlung vom 21. März 2003 über
Blutalkoholgrenzwerte im Strassenverkehr (SR 741.13)
− des Vergehens im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a WG in Verbindung mit
Art. 4 Abs. 1 lit. c WG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 16 Jahren Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 697 Tage durch Haft sowie durch vorzeitigen Strafantritt erstanden
sind.
3. Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63
StGB während des Strafvollzuges angeordnet.
4. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
See/Oberland vom 4. Oktober 2010 ausgefällten Geldstrafe von 15 Tages-
sätzen zu Fr. 40.– wird widerrufen. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
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5. Der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
13. August 2012 beschlagnahmte und bei der Bezirksgerichtskasse unter
Sachkautions-Nr. ... lagernde irakische Reisepass des Beschuldigten, Nr. ...,
wird dem Beschuldigten nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides zu
den Effekten herausgegeben.
6. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte anerkannt hat, dem Grundsatze
nach aus dem Ereignis vom 15. Juli 2012 gegenüber den Privatklägern
schadenersatz- und genugtuungspflichtig zu sein.
7. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, dem Privat-
kläger B._ Schadenersatz von Fr. 3'467.– (Lohnausfall und Kleider),
zuzüglich Zins von 5 % seit 15. Juli 2012, zu bezahlen. Im Mehrbetrag wer-
den die Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger E._ Schadenersatz
von Fr. 1'405.45 (Selbstbehalt und Franchise 2013 und 2014), zuzüglich
Zins von 5 % seit 15. Juli 2012, zu bezahlen. Im Mehrbetrag werden die
Schadenersatzbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, den Privatklägern Fr. 2'630.–, zuzüglich
Zins von 5 % seit 15. Juli 2012, für ungedeckte Bestattungskosten zu bezah-
len.
10. Der Beschuldigte wird verpflichtet,
a) dem Privatkläger B._ eine Genugtuung von Fr. 60'000.–,  Zins von 5 % seit dem 15. Juli 2012,
b) dem Privatkläger C._ eine Genugtuung von Fr. 60'000.–,  Zins von 5 % seit dem 15. Juli 2012,
c) der Privatklägerin D._ eine Genugtuung von Fr. 60'000.–,  Zins von 5 % seit dem 15. Juli 2012,
d) dem Privatkläger E._ eine Genugtuung von Fr. 30'000.–,  Zins von 5 % seit dem 15. Juli 2012, sowie
e) der Privatklägerin F._ eine Genugtuung von Fr. 25'000.–,  Zins von 5 % seit dem 15. Juli 2012,
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zu bezahlen. Im Mehrbetrag werden die Genugtuungsbegehren abgewie-
sen.
11. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 8'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 3'860.– Kosten Kantonspolizei
Fr. 20'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 73'182.35 Auslagen Untersuchung
Fr. 45'337.90 amtliche Verteidigung
allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten
12. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden dem
Beschuldigten auferlegt, aber einstweilen auf die Staatskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung nach Art. 135 Abs. 4 StPO.
13. Die vom Beschuldigten an die Privatkläger zu bezahlende Prozessentschä-
digung wird mit separatem Entscheid festgesetzt.
Nachtragsurteil der Vorinstanz:
Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerschaft für das gesamte Verfah-
ren eine Parteientschädigung von Fr. 35'714.– (inkl. 8 % Mehrwertsteuer) zu be-
zahlen.
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Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 87 S. 1)
1. In Abänderung von Ziff. 2 des Dispositives des vorinstanzlichen Urteils
sei der Beschuldigte mit einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren zu bestra-
fen.
2. Im Übrigen sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 88 S. 1 f.)
1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 26. Juni 2014 respektive
Nachtragsurteil vom 4. Juli 2014 sei betreffend die Ziffer 1 Abs. 1 und
2, die Ziffern 2, 3, 4 und 10 aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei wegen vorsätzlicher Tötung und schwerer Kör-
perverletzung mit einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren zu bestrafen.
3. Die Freiheitsstrafe sei zu Gunsten einer Massnahme für junge Erwach-
sene im Sinne von Art. 61 StGB aufzuschieben.
4. Eventualiter sei eine ambulante, vollzugsbegleitende Massnahme an-
zuordnen, respektive das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 26. Ju-
ni 2014 in diesem Punkt (Ziffer 3) zu bestätigen.
5. Die mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 4. Okto-
ber 2010 bedingt ausgefällte Geldstrafe sei nicht zu widerrufen. Es sei
allenfalls die Probezeit um ein Jahr zu verlängern.
6. Die vom Bezirksgericht Zürich mit Urteil vom 26. Juni 2014 zugespro-
chene Genugtuungssumme (Ziffer 10) sei zu halbieren.
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
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c) Der Vertreterin der Privatklägerschaft:
(Urk. 89 S. 1)
1. Es seien die Dispositiv-Ziffern 10 a-e) des Urteils des Bezirksgerichts
Zürich vom 26. Juni 2014 und das Nachtragsurteil vom 4. Juli 2014
(Geschäfts-Nr. DG140012) zu bestätigen.
2. Der Beschuldigte sei zu verpflichten, der Privatklägerschaft für das
zweitinstanzliche Verfahren eine angemessene Prozessentschädigung
(inkl. 8 % Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
Mit Urteil vom 26. Juni 2014 (ergänzt durch das Nachtragsurteil vom 4. Juli
2014) sprach das Bezirksgericht Zürich, 2. Abteilung, den Beschuldigten schuldig
des Mordes, der versuchten vorsätzlichen Tötung, des Fahrens in qualifiziert an-
getrunkenem Zustand und des Vergehens gegen das Waffengesetz. Das Gericht
bestrafte den Beschuldigten mit 16 Jahren Freiheitsstrafe und ordnete seine am-
bulante Behandlung im Sinne von Art. 63 StGB während des Strafvollzuges an.
Sodann widerrief das Gericht den bedingten Vollzug einer Vorstrafe des Beschul-
digten. Er wurde überdies verpflichtet, den Opfern bzw. deren Angehörigen Ge-
nugtuungen zu bezahlen (Urk. 66 – Die Bezugnahme auf diese Urkunde erfolgt in
den nachstehenden Erwägungen lediglich unter Angabe der entsprechenden Sei-
tenzahlen).
Gegen dieses Urteil meldeten am 1. bzw. 7. Juli 2014 sowohl der Beschul-
digte wie auch die Staatsanwaltschaft und die Privatkläger 2-6 Berufung an
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(Urk. 48, 49 und 52). Letztere zogen ihre Berufung am 28. Oktober 2014 wieder
zurück (Urk. 71). Anschlussberufungen blieben aus. Unterm 17. bzw. 22. Oktober
2014 liessen der Beschuldigte sowie die Staatsanwaltschaft ihre Berufungserklä-
rungen folgen (Urk. 69 und 70). Darin liess der Beschuldigte als Änderung im
Schuldpunkt beantragen, dass er nicht wegen Mordes und versuchter vorsätzli-
cher Tötung, sondern wegen vorsätzlicher Tötung und schwerer Körperverletzung
verurteilt werde. Als Strafe wurden 10 Jahre Freiheitsstrafe beantragt; sodann
wurde anbegehrt, dass die Strafe zugunsten einer Massnahme für junge Erwach-
sene im Sinne von Art. 61 StGB aufgeschoben werde. Eventualiter wurde bean-
tragt, es sei die von der Vorinstanz angeordnete vollzugsbegleitende ambulante
Massnahme zu bestätigen. Weiter wurde verlangt, auf den Widerruf der Vorstrafe
zu verzichten und höchstens die Probezeit um 1 Jahr zu verlängern. Schliesslich
wurde beantragt, es seien die von der Vorinstanz festgelegten Genugtuungs-
summen zu halbieren.
Die Staatsanwaltschaft beschränkte ihre eigene Berufung auf den Strafpunkt
und beantragte diesbezüglich eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren.
Vom Berufungsrückzug der Privatkläger 2-6 ist vorab Vormerk zu nehmen.
Folglich sind das vorinstanzliche Urteil hinsichtlich der Dispositivziffern 1
teilweise (Schuldspruch wegen Fahrens in angetrunkenem Zustand und Verge-
hens gegen das Waffengesetz), 5 (Herausgabe), 6 (Vormerkung), 7-9 (Schaden-
ersatz) und 11-13 (Kosten- und Entschädigungsdispositiv) sowie das Nachtrags-
urteil vom 4. Juli 2014 (Parteientschädigung an Privatklägerschaft) unangefochten
geblieben und insofern bereits in Rechtskraft erwachsen, was vorab festzustellen
ist.
Beweisanträge wurden von keiner Seite gestellt. Nach der heute durchge-
führten Berufungsverhandlung erweist sich das Verfahren als spruchreif.
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II. Sachverhaltserstellung
1. Die Anklageschrift vom 21. Januar 2014 beschreibt sehr detailliert, wie
und weshalb es dazu gekommen sei, dass der Beschuldigte am 15. Juli 2012 vor
dem "H._" in Zürich seinen Kontrahenten †A._ vorsätzlich getötet und
den diesem zur Hilfe eilenden Bruder B._ schwer verletzt und dabei auch
dessen Tod in Kauf genommen habe (Urk. HD 24). Der Beschuldigte ist zwar
grundsätzlich geständig, die ihm vorgeworfenen Messerstiche gegen die beiden
Opfer ausgeführt zu haben, insbesondere zum Kerngeschehen klaffen aber die
Darstellungen der Anklage einerseits und des Beschuldigten und seiner Verteidi-
gung andererseits erheblich auseinander.
Die Anklage geht zusammengefasst davon aus, dass der Beschuldigte be-
reits auf der Rückfahrt zum "H._" seine Absicht, †A._ wegen der zuvor
erfolgten tätlichen Auseinandersetzung zu töten ("aufzuschlitzen"), angekündigt
und aus diesem Grund von I._ ein Butterfly-Messer entgegengenommen ha-
be, dass der Beschuldigte sodann, zurück beim "H._" angekommen, seinen
Wagen mitten auf der Fahrbahn angehalten habe, ausgestiegen sei und, gefolgt
von I._, mit dem geöffneten Butterfly-Messer und dem Ausruf "Das ist der mit
dem weissen Jackett!" hochaggressiv auf †A._ losgegangen sei und in Um-
setzung seines früher gefassten Tötungsentschlusses sogleich und ohne, dass
das Opfer noch etwas sagen oder tun konnte, mehrfach (mit elf Stichen) wuchtvoll
auf das Opfer eingestochen habe, sodass es noch vor Ort auf dem Trottoir ver-
storben ist.
Demgegenüber schildert die Verteidigung den Vorfall zusammengefasst wie
folgt: Der betrunkene und vorgängig von den Brüdern AB._ grundlos abge-
schlagene und davon ein blaues Auge davongetragene Beschuldigte habe bei
I._ Hilfe zur Schlichtung des Konflikts und zur Stiftung von Frieden gesucht.
Zusammen mit I._ sei er dann zum "H._" zurückgefahren in der Absicht,
den Streit mit der Gruppe AB._ beizulegen. Das Messer habe I._ dem
Beschuldigten nur "für den äussersten Notfall" übergeben. Als der Beschuldigte
beim "H._" die AB._-Brüder erblickt habe, habe er das Fahrzeug mitten
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auf der Strasse angehalten und sei ausgestiegen. I._ sei vor dem Beschul-
digten auf die AB._-Gruppe zugegangen, sei aber mit seiner Vermittlungsak-
tion von Anfang an auf verlorenem Posten gewesen. Als †A._ den Beschul-
digten gefragt habe, "Kolleg, was isch mit dir?", habe dies der Beschuldigte als
Drohung aufgefasst und aus Angst, erneut verprügelt zu werden, mit Messersti-
chen darauf reagiert. Dies sei eine Kurzschlussreaktion in einer angespannten Si-
tuation des betrunkenen, überreizten und üblicherweise Konflikten aus dem Weg
gehenden, völlig überforderten Beschuldigten gewesen. Es liege "selbstverständ-
lich" eine vorsätzliche Tötung vor, aber kein Mord. Als das Opfer zusammenge-
brochen sei, habe B._ seinem Bruder zu Hilfe kommen wollen und habe den
Beschuldigten "angegriffen", welchen Angriff der Beschuldigte, da er das Messer
noch in der Hand gehabt habe, mit zwei ungezielten Stichen abgewehrt habe.
Dabei habe der Beschuldigte höchstens in Kauf genommen, B._ lebensge-
fährlich bzw. schwer, nicht aber tödlich zu verletzen.
2.1. Die Vorinstanz hat sich mit jedem Sachverhaltsabschnitt der Anklage-
schrift ausführlich auseinandergesetzt. Sie ging zutreffend davon aus, dass be-
züglich der vom Beschuldigten bestrittenen Aspekte des Geschehens mangels
objektiver Beweismittel entscheidendes Gewicht den Aussagen der befragten
Personen und den daraus zu erschliessenden Umständen zukommt. Die Vor-
instanz hat deshalb vorgängig die Glaubwürdigkeit der Aussagenden und die
Verwertbarkeit von deren Äusserungen beurteilt (S. 14-24). Die entsprechenden
Erwägungen überzeugen durchwegs und sie können ohne Weiteres auch dem
Berufungsentscheid zugrunde gelegt werden.
2.2. Gleiches gilt, soweit von der Vorinstanz die objektiven Beweismittel zu
den eingetretenen Verletzungen der Opfer und zum Telefonverkehr der beteiligten
Personen beurteilt worden sind (S. 24-32). Darauf kann in zustimmendem Sinne
verwiesen werden.
2.3. Alsdann hat die Vorinstanz die übrige Beweislage mit Bezug auf jede
Ziffer des Anklagesachverhalts richtig dargelegt (zu Anklageziffern 1.1 - 1.5 S. 32-
43, zu Ziff. 1.6 - 1.10 S. 46-75, zu Ziff. 1.11 - 1.14 S. 84-100, zu Ziff. 1.15 - 1.17
S. 113-143 und zu Ziff. 1.21 - 1.25 S. 149-155). Es kann darauf verwiesen werden.
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In der Folge hat die Vorinstanz die Würdigung vorgenommen, inwiefern die
einzelnen in der Anklage aufgeführten Vorgänge und Umstände als rechtsgenü-
gend erstellt zu betrachten seien (zu Anklageziffern 1.1 - 1.5 S. 43-46, zu Ziff. 1.6
- 1.10 S. 75-83, zu Ziff. 1.11 - 1.14 S. 100-113, zu Ziff. 1.15 - 1.17 S. 143-149 und
zu Ziff. 1.21 - 1.25 S. 151, 153 und 155). Das Bezirksgericht ist dabei sehr sorg-
fältig und alle Eventualitäten abwägend vorgegangen. Ihre Beweiswürdigung ist in
allen Details gut nachvollziehbar und überzeugt im Einzelnen wie auch im Ge-
samten. Um Wiederholungen zu vermeiden, sei an dieser Stelle vorab auf die gut
bedachte und durchs Band überzeugende Beweiswürdigung verwiesen. Soweit
erforderlich wird im Folgenden auf die Einzelheiten eingegangen.
2.3.1. Mit Bezug auf die Anklageziffern 1.1 - 1.5 (Vorgeschichte), 1.6, 1.8 -
1.10 (erste Auseinandersetzung mit der Gruppe AB._), 1.12 (Autofahrten in
der Innenstadt), 1.16 - 1.17 (eigentlicher Tathergang) sowie 1.21 - 1.25 (Flucht)
kam die Vorinstanz aufgrund der gegebenen Beweislage zum Schluss, dass sich
die diesbezüglichen objektiven Sachverhalte gemäss der Darstellung in der Anklageschrift rechtsgenügend erstellen lassen. Dem kann angesichts der
überzeugenden Begründung im vorinstanzlichen Urteil beigepflichtet werden.
Stichhaltige Gegenargumente der Verteidigung des Beschuldigten mit Bezug auf
diese Anklagesachverhalte blieben im Berufungsverfahren aus.
2.3.2. Gewisse Einschränkungen hinsichtlich der Erstelltheit des objekti-
ven Anklagesachverhalts machte die Vorinstanz mit Bezug auf die nachstehen-
den Anklageziffern. Dazu das Folgende:
a) Bei Anklageziffer 1.7 hielt die Vorinstanz den Anklagesachverhalt mit
Ausnahme des vom Beschuldigten bestrittenen eigenen Faustschlags gegen
B._ für erstellt. Allerdings ging das Bezirksgericht, anders als der Beschuldig-
te, nicht davon aus, dass dieser, abgesehen von einem Schlag aufs Auge, wel-
ches dann anschwoll, und dem einen oder anderen Schlag oder Tritt im Verlaufe
der Rauferei mit der AB._-Gruppe geradezu "massiv" verprügelt worden war.
Auch betrachtete es die Vorinstanz für widerlegt, dass der Beschuldigte grundlos
von den AB._s zusammengeschlagen worden war. Vielmehr habe er die Ur-
sachen für die Aggressionen selber gesetzt, da er, aufgebracht wegen des Ver-
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schwindens seiner Freundin, deren Freundin J._ zum Weinen gebracht hat-
te, worauf fremde Personen darauf aufmerksam wurden und sich einmischten,
was zum aggressiven Vorgehen des Beschuldigten gegen einen der sich einmi-
schenden englischsprechenden Männer (bereits in Anklageziffer 1.6) und alsdann
gegen K._ aus der AB._-Gruppe führte (S. 75-80). Die entsprechende
Beweiswürdigung der Vorinstanz ist gut begründet und vermag zu überzeugen.
Demgegenüber vermögen die Ausführungen der Verteidigung (Urk. 88
S. 4-15), mittels derer dargetan werden soll, dass der Beschuldigte "nicht zufällig"
bzw. "unschuldig unter die Räder" (der AB._-Gruppe) gekommen sei, nicht
zu überzeugen. Im Unterschied zur Vorinstanz, welche eine stringente Gesamt-
würdigung vornahm, zieht die Verteidigung die Aussagen von L._, J._,
M._ (und anderen) nur selektiv heran und bleibt zudem in ihren Schlussfolge-
rungen bewusst vage (vgl. z.B. Urk. 88 S. 5; wonach es Bände spreche und nicht
weiter kommentiert zu werden brauche, wenn L._ und J._ ihre Anwe-
senheit in der Lounge der Gebrüder AB._ verschweigen würden). Im Übrigen
zielen diese Ausführungen auch an der Sache vorbei, ist doch etwa nicht ersicht-
lich, was aus der Beantwortung der Frage, ob sich L._ und J._ zwi-
schenzeitlich in der Lounge der AB._-Gruppe aufgehalten hatten, zu Guns-
ten des Beschuldigten abgeleitet werden könnte. Der Verteidigung kann auch
nicht darin gefolgt werden, dass J._ ihre Aussagen im Verlaufe der Einver-
nahmen dramatisiert habe und dies auf die mediale Vorverurteilung und den sozi-
alen Druck zurückzuführen sei; gab diese doch bereits anlässlich der polizeilichen
Einvernahme vom 25. Oktober 2012 deutlich zu Protokoll, dass sie aufgrund des
aggressiven Verhaltens des Beschuldigten grosse Angst gehabt und zu weinen
angefangen habe bzw. dass sie sehr grosse Angst gehabt habe, mit ihm alleine
zu sein (Urk. 8/1/6 S. 5 und 6). Im Übrigen ist festzuhalten, dass die von der Ver-
teidigung zitierten Aussagen von L._, J._ oder M._ für die Beurtei-
lung des dem Beschuldigten vorgeworfenen Verhaltens ohnehin nicht von zentra-
ler Bedeutung sind.
b) Bei Ziffer 1.11 präzisierte die Vorinstanz aufgrund der Telefonranddaten
den Anklagesachverhalt dahingehend, dass der Beschuldigte und N._ "um
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ca. 03.50 Uhr" (und nicht um 03.30 Uhr) mit dem BMW des Beschuldigten durch
die Zürcher Innenstadt gefahren sind, bevor sie I._ am Tiefenbrunnen trafen
(S. 100-110). Auch dem kann gefolgt werden.
c) Die Anklageziffern 1.13 und 1.14 beschreiben die Vorgänge während der
Fahrt des Beschuldigten zusammen mit N._ und I._ vom Tiefenbrunnen
zurück zum "H._" unmittelbar vor der Bluttat. Die Vorinstanz korrigierte be-
züglich Anklageziffer 1.13 zuerst den Zeitpunkt des Entschlusses des Beschul-
digten, mit dem Messer gegen †A._ vorzugehen. Entgegen dem Anklagetext,
der von einer Entschlussfassung des Beschuldigten, †A._ "jetzt aufzuschlit-
zen und zu töten" während der Autofahrt ausging, erachtete es die Vor-instanz
aufgrund des aufgebrachten Zustandes des Beschuldigten, der während der Fahrt
sehr vieles von sich gegeben habe, für schwierig, den genauen Zeitpunkt des
Entschlusses festzustellen. Das Bezirksgericht ging deshalb davon aus, dass der
Beschuldigte seinen Entschluss während der Fahrt zum "H._" weiterentwi-
ckelt habe und dann beim Aussteigen aus dem Fahrzeug und dem Erblicken sei-
nes Zielopfers und seinem sofortigen Zugehen auf dieses gefasst haben müsse.
Im Übrigen hielt die Vorinstanz den Sachverhalt der Anklageziffer 1.13 für rechts-
genügend erstellt (S. 101-103). Auch diesen überzeugenden Schlussfolgerungen
ist nichts beizufügen.
Was die Frage angeht, aus welchem Grund der Beschuldigte mit I._
nochmals zum "H._" gefahren ist, kam die Vorinstanz zum Schluss, dass das
Handeln des Beschuldigten zumindest zu Beginn noch darauf angelegt gewesen
sei, die angespannte Situation zwischen ihm und der AB._-Gruppe "zu klä-
ren und befrieden zu können". Er habe sich aufgrund der ersten Auseinanderset-
zung beim Zurückfahren aber bewusst sein müssen, dass es nochmals zu einer
handgreiflichen Auseinandersetzung kommen könnte (S. 103-104).
Diese Erwägungen der Vorinstanz bedürfen einer Präzisierung. Es mag
zwar zutreffen, dass der Beschuldigte mit seinem Telefonanruf an I._ und der
Aufforderung an diesen, nach Zürich zu kommen, diesen grundsätzlich zur Hilfe
rufen wollte. Es mag ebenfalls zutreffen, dass der Beschuldigte im Anschluss an
die Rauferei mit der AB._-Gruppe traurig und aufgelöst erschienen war, was
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zur erlittenen persönlichen Niederlage und zu gewissen Schmerzen, die er am
Auge und anderen Körperstellen gehabt haben dürfte, passen würde. Es dürfte
auch stimmen, dass er am Telefon mit I._ weinerlich aufgetreten war, wollte
er doch, dass dieser trotz der späten Nachtstunde unbedingt von Stäfa nach Zü-
rich komme. I._ hat denn auch den Ernst der Lage erkannt und ist dem
Wunsch seines Kollegen gefolgt, um ihm in dieser völlig aussergewöhnlichen Si-
tuation beizustehen. Was aber nicht zum ganzen Geschehen passt, ist die Aus-
sage von I._, die später sowohl von N._ wie auch vom Beschuldigten
übernommen wurde, wonach ihre Rückkehr zum "H._" das Schlichten der
angespannten Situation zum Zweck gehabt habe. Schlichten heisst, einen Streit
vermittelnd beilegen, d.h. den Frieden wieder herzustellen. Der Streit bzw. die ur-
sprünglich vom aggressiven Verhalten des Beschuldigten gegenüber der Freun-
din seiner Freundin und alsdann gegenüber einem sich einmischenden Mann aus
der englischsprechenden Gruppe sowie gegenüber K._ aus der AB._-
Gruppe verursachte Rauferei mit dieser Gruppe war aber bereits mit der persönli-
chen Niederlage des Beschuldigten zu Ende gebracht gewesen. Der Beschuldigte
und die AB._-Leute hatten sich alsdann für eine Zeitlang örtlich voneinander
getrennt. Dies erklärt die völlige Überrumpeltheit der AB._-Brüder, als der
Beschuldigte nach fast einer Stunde plötzlich wieder beim "H._" aufkreuzte.
In diesem Moment gab es aber nichts mehr zu schlichten. Es konnte dem Be-
schuldigten beim Hilferuf an I._ somit einzig um einen nachträglichen Aus-
gleich der vorangegangenen Niederlage gegangen sein. Wie die Vorinstanz rich-
tig festhielt, musste es dem Beschuldigten bei der Rückfahrt zum "H._" be-
wusst gewesen sein, dass es, sollte er dort die AB._-Gruppe wieder antref-
fen, nochmals zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung kommen würde. Ent-
gegen der Auffassung der Vorinstanz kann jedoch nicht davon ausgegangen wer-
den, dass der Beschuldigte, der vorher der AB._-Gruppe unterlegen war und
sich von ihr erniedrigt fühlte, in seinem nachweislich aufgebrachten und alkoholi-
sierten Zustand nunmehr zu einem Friedensengel mutiert wäre. Vielmehr muss es
ihm, eher von Anbeginn an, jedenfalls aber je näher er wieder zum "H._" ge-
langte, darum gegangen sein, gegen seine Widersacher und insbesondere gegen
†A._ eine Retourkutsche zu fahren. Naheliegenderweise hätte er dazu we-
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gen der Übermacht der AB._-Gruppe entweder eine personelle Verstärkung
auf seiner Seite gebraucht oder dann blieb ihm halt nur der Überraschungsangriff.
Den letzteren Weg, bewehrt mit einer geeigneten Waffe, hat der Beschuldigte
gewählt. Wenn der Beschuldigte weiterhin geltend macht, es sei ihm bei der
Rückkehr zum "H._" ums "Schlichten" gegangen, so ist dies folglich als klare
Beschönigung und damit als Schutzbehauptung zu taxieren. In dieser Hinsicht
sind die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz zu Anklageziffer 1.13 zu
korrigieren.
Den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 88 S. 18), das Verhalten des Be-
schuldigten sei klar darauf angelegt gewesen, die angespannte Situation zwi-
schen ihm und der Gruppe AB._ zu bereinigen und zu klären, kann deshalb
nicht gefolgt werden.
d) Anklageziffer 1.14 behauptet, I._ habe dem Beschuldigten während
der Rückfahrt zum "H._" das spätere Tatmesser ausgehändigt. Die Vor-
instanz hat auf neun Seiten ausführlich geprüft, ob sich diese Messerübergabe
nachweisen lasse (S. 104-113). Aufgrund einer peinlich genauen Analyse des vie-
le Widersprüchlichkeiten aufweisenden Aussageverhaltens der drei an dieser Au-
tofahrt Beteiligten und dem Abgleich mit ihrem erstellten Verhalten in der Tatnacht
erachtete es die Vorinstanz zwar für möglich, jedoch nicht für nachgewiesen, dass
der Beschuldigte bei I._ um ein Messer nachgesucht und dass dieser ihm in
der Folge ein solches übergeben habe. Auch erachtete es das Bezirksgericht für
wenig wahrscheinlich, dass der Beschuldigte das Messer den ganzen Abend be-
reits auf sich getragen hätte. Es verblieben nach Ansicht der Vorinstanz letztlich
zwei am ehesten in Betracht fallende Möglichkeiten: Entweder habe der Beschul-
digte das Messer in seinem Auto gehabt oder I._ habe es von sich aus mit-
genommen und es dann auf der Autofahrt zum "H._" dem Beschuldigten auf
dessen spontanen Wunsch hin übergeben. In dubio pro reo ist die Vorinstanz von
der für den Beschuldigten günstigeren Sachverhaltsvariante ausgegangen und
hat ihrem Urteil zugrunde gelegt, dass der Beschuldigte das spätere Tatmesser
"während der Autofahrt relativ spontan behändigt" habe, er dieses somit nicht
vorgängig im Hinblick auf die Tatausführung organisiert hätte (Fazit auf S. 113).
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Diese Beweiswürdigung der Vorinstanz überzeugt; sie kann für den Berufungs-
entscheid übernommen werden.
e) Von den Anklageziffern 1.15 - 1.17, die den zentralen Tathergang ( von †A._) beschreiben, machte die Vorinstanz einzig bei Ziffer 1.15 ei-
ne Einschränkung, wonach nämlich bei der Wiederankunft mit dem BMW beim
"H._" nicht der Beschuldigte den Wagen zuerst verlassen habe und I._
ihm gefolgt sei, sondern Letzterer, der im Fond des Wagens sass, zuerst ausge-
stiegen sei und der Beschuldigte erst nach ihm das Auto verlassen habe, worauf
N._ dann auf den freigewordenen Fahrersitz gewechselt sei. Mit dieser Kor-
rektur sah das Bezirksgericht den Sachverhalt der genannten Anklageziffer für
erwiesen an (S. 143-148). Dem ist nichts beizufügen.
f) Was die Anklageziffer 1.19 angeht, welche den Messereinsatz des Be-
schuldigten gegen B._ betrifft, sah die Vorinstanz den darin beschriebenen
Sachverhalt für grundsätzlich rechtsgenügend erstellt an, wobei sie korrigierend
bzw. präzisierend zum in der Anklageschrift erwähnten Eintritt der Lebensgefahr
bei B._ festhielt, dass dieser sich infolge der schnellen ärztlichen Behand-
lung nie in unmittelbarer Lebensgefahr befunden hätte. Dies erscheint zutreffend.
2.3.3. Was den subjektiven Sachverhalt bei den inkriminierten Messersti-
chen angeht, der in der Anklageschrift unter Ziff. 1.17 - 1.20 zum Ausdruck
kommt, so hat sich die Vorinstanz damit ebenfalls im Detail und überzeugend . Sie kam vorweg zutreffend zum Schluss, dass, wie in den Ziffern 1.17 und
1.19 erwähnt, der Beschuldigte wissentlich und willentlich auf die umschriebene
Art und mit den erwähnten Verletzungsfolgen auf †A._ und alsdann auf
B._ eingestochen habe (S. 157). Daran kann auch aus Sicht des Berufungs-
gerichts kein Zweifel bestehen.
Zum Messereinsatz gegen das erste Opfer (insbesondere in Ziffer 1.18
festgehalten) hielt die Vorinstanz weiter zu Recht fest, dass der Beschuldigte, in-
dem er zielgerichtet mit dem Messer in der Hand auf das Opfer losgegangen und
nicht weniger als 11 Mal kraftvoll auf es eingestochen habe, dessen Leben mit
grosser Konsequenz habe auslöschen wollen. Ursache für dieses brutale Vorge-
- 17 -
hen seien "Wut, eine tiefe Kränkung und ein Rachebedürfnis des Beschuldigten
wegen des Vorfalls, den er letztlich selber verursacht hatte und bei welchem er
auch nur leicht verletzt worden war, allenfalls gepaart mit einem gewissen Be-
dürfnis nach Selbstjustiz, war er doch für sein provokatives Verhalten vor allen
Anwesenden gemassregelt worden" (S. 160 f.). Weiter hielt die Vorinstanz richtig
fest, dass dem Beschuldigten "offenbar ... auf der Fahrt zum Tiefenbrunnen und
zurück das vermeintliche Ausmass seiner Demütigung ganz bewusst geworden
(war) und er ... sich selbst dermassen in Rage versetzt (habe), dass er den Mann
im weissen Jackett nun vernichten wollte, als er diesen beim Aussteigen erkann-
te" (S. 161). Es könne dem Beschuldigten – so die Vorinstanz weiter – zwar keine
eigentliche kaltblütige Planung der Bluttat nachgewiesen werden, auch wenn das
Tatvorgehen und die Flucht dann doch strukturiert und gezielt abgelaufen seien.
Weiter erblickte die Vorinstanz in der Entschlussfassung und Tatausführung die
emotional-affektiven Momente als dominierend und weniger die rational-
planenden. Dennoch wies die Vorinstanz darauf hin, dass der Beschuldigte die
Opfer mit seinem Angriff völlig überraschte und somit in gewissem Masse hinter-
hältig vorging. Von Bedeutung erachtete das Bezirksgericht auch den zeitlichen
und örtlichen Unterbruch zwischen den Messerstichen und der diesen vorausge-
gangenen Rauferei. Im Sinne dieser Erwägungen sah die Vorinstanz Anklagezif-
fer 1.18 jedoch grundsätzlich für erstellt an. Dem kann ohne Weiteres gefolgt
werden.
Der subjektive Tatbestand beim Messereinsatz des Beschuldigten gegen das zweite Opfer, B._, ist in Anklageziffer 1.20 beschrieben. Diesbezüglich
lässt die Anklage offen, ob direkter Vorsatz oder Eventualvorsatz vorgelegen ha-
be. Für die Vorinstanz war die Ausführung bei den Messerstichen gegen beide
Opfer zwar ähnlich; sie würden sich jedoch darin unterscheiden, dass der Be-
schuldigte auf das zweite Opfer nur zweimal eingestochen und es nicht tödlich ge-
troffen hat. Die Vorinstanz ging folglich davon aus, dass der Beschuldigte, wenn
er auch B._ direkt hätte umbringen wollen, wohl öfters auf ihn eingestochen
hätte, wie er es ja schon bei †A._ getan hatte; dem Beschuldigten habe ge-
genüber B._ folglich der beim ersten Opfer manifestierte bedingungslose
Vernichtungswillen gefehlt. Zwar ist – wie die Vorinstanz richtig erwog – auch
- 18 -
möglich, dass der Beschuldigte den Messerangriff gegen B._ zum Zwecke
der noch rechtzeitigen Flucht abgebrochen hat. Wenn die Vorinstanz zu seinen
Gunsten aber angenommen hat, dass der Beschuldigte den Tod des zweiten Op-
fers mit seinem Vorgehen bloss, aber jedenfalls in Kauf genommen habe, so ist
dies angesichts der gegebenen Umstände nicht zu beanstanden. Anklageziffer
1.20 ist demnach zu Recht im Sinne der Inkaufnahme der Todesfolge als erstellt
betrachtet worden (S. 162 f.).
III. Rechtliche Würdigung
1. Messerstiche gegen †A._
Während die Staatsanwaltschaft beim Tötungsdelikt zum Nachteil von
†A._ einen Schuldspruch wegen Mordes im Sinne von Art. 112 StGB ver-
langt, vertritt die Verteidigung des Beschuldigten die Auffassung, es habe sich
nicht um Mord, sondern um eine vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 StGB
gehandelt.
Die Vorinstanz hat sich zu den allgemeinen Unterscheidungsmerkmalen der
Tötungstatbestände von Art. 111-113 StGB und zu den von Literatur und Praxis
entwickelten Anforderungen an die Qualifikation einer Tötung als besonders skru-
pellos und damit als Mord zutreffend geäussert, sodass vorab darauf verwiesen
werden kann (S. 164 f.).
Bezogen auf den konkreten Fall hielt die Vorinstanz gestützt auf den erstell-
ten Sachverhalt im Wesentlichen richtig fest, dass der Beschuldigte mit dem Mes-
ser elf Mal mit grosser Kraft auf †A._ eingestochen und erst von ihm abge-
lassen hat, als dessen Bruder diesem zu Hilfe kommen wollte, woraufhin der Be-
schuldigte sein Messer sofort auch gegen die zweite Person richtete. Zutreffend
beurteilte die Vorinstanz die Messerattacke des Beschuldigten gegen †A._
als eigentlichen Überraschungsangriff. Deshalb folgerte sie, dass es dem Be-
schuldigten nicht etwa darum gegangen sei, das Opfer noch zu quälen, sondern
er wollte es schnell und definitiv vernichten. Auch eine lange Vorausplanung der
- 19 -
Tat kann dem Beschuldigten nicht nachgewiesen werden. Ihn stark belastend er-
schien der Vorinstanz jedoch zu Recht der Umstand, dass der Beschuldigte erst
in einem grösseren zeitlichen Abstand zur vorangegangenen Auseinandersetzung
und erst nach einem zwischenzeitlichen Verlassen der Örtlichkeit zur Tat geschrit-
ten ist. Trotz der Beurteilung der Tatausführung als brutal und als tendenziell hin-
terhältig vermochte die Vorinstanz mit Bezug darauf jedoch nicht schon eine so
besondere Skrupellosigkeit zu erblicken, welche die Anwendung des Mordtatbe-
stands verlangen würde.
Mit Bezug auf den Zweck der Tat und den Beweggrund dazu erachtete das
Bezirksgericht dieses Kriterium jedoch für erfüllt: Der Beschuldigte habe aus einer
Mischung aus Wut, Rache, Demütigung, tiefer Kränkung und Selbstjustiz gehan-
delt. Hervorgerufen worden sei diese seine Verfassung zum grossen Teil durch
sein eigenes Zutun. Das vom Beschuldigten geltend gemachte Angstgefühl als
Ursache der Tat sei klar bloss vorgeschoben. Er habe vielmehr einfach seine vor-
angegangene Demütigung, die er selber mitverschuldet hatte, wettmachen wol-
len. Schon die feindselige Rückkehr an den Tatort nach eigentlich abgeschlosse-
ner erster Auseinandersetzung sei nicht nachvollziehbar und verwerflich gewe-
sen. Der Beschuldigte habe es †A._ einfach heimzahlen wollen und nicht nur
das, er habe ihn förmlich auslöschen wollen, nur um sich selber besser zu fühlen.
Seine Wut sei so tief und so nachhaltig gewesen, dass er auch noch nach der Tat
mehrmals ausgeführt habe, er würde das Opfer erneut abstechen, wenn er nur
die Gelegenheit dazu hätte. Die Vorinstanz kam gestützt auf diese Umstände zum
Schluss, dass ein solcher Zweck und Beweggrund einer Tötung, wie er hier vor-
lag, nämlich einen Menschen einfach zu vernichten, nur weil man sich von ihm
gedemütigt fühlt, ja dessen Leben aus Rache und Wut förmlich auszulöschen,
obwohl man die vorangegangene Auseinandersetzung sogar selber zu vertreten
hatte, nur als besonders verwerflich und skrupellos bezeichnet werden könne.
Diese Einschätzung dränge sich – so die Vorinstanz weiter – zusätzlich auf, wenn
die zeitliche (zu ergänzen: und örtliche) Zäsur mitberücksichtigt werde, die den
Beschuldigten zur Besinnung hätte bringen können und sollen. Deshalb liege
auch keine Affekttat vor und ebenso wenig eine entschuldbare heftige Gemüts-
bewegung. Zusammengefasst führten für die Vorinstanz der Zweck und der Be-
- 20 -
weggrund der Tat im Zusammenspiel mit der brutalen Ausführung insgesamt zu
einer Qualifikation der Tat des Beschuldigten als besonders skrupellos. Sie hielt
deshalb den objektiven Tatbestand des Mordes für erfüllt. – Die Auffassung der
Vorinstanz ist gut begründet und überzeugt im Einzelnen wie auch im Ergebnis.
Folglich ist sie dem Berufungsentscheid zugrunde zu legen.
Dieser Argumentation vermag die Verteidigung (Urk. 88 S. 26) nichts Über-
zeugendes entgegen zu setzen. Insbesondere kann ihr nicht zugestimmt werden,
dass der Beschuldigte keine Zeit gehabt habe, um "grosse Überlegungen" anzu-
stellen. Vielmehr stand er unter keinerlei Zeitdruck und hätte auch einfach im Auto
warten können, wäre es ihm tatsächlich um eine Klärung und Bereinigung der Si-
tuation durch die Vermittlung I._s gegangen. Das dem nicht so war, wurde
bereits dargetan und zeigt sich gerade auch in der Ausführung der Tat. Der Be-
schuldigte überliess I._ gar keine Zeit, um den vorangegangenen Vorfall mit
der gegnerischen Gruppe zu besprechen, sondern ging gleich nach Wieder-
ankunft beim "H._" auf †A._ los.
Mit der Vorinstanz ist auch der subjektive Tatbestand des Mordes, welcher
Vorsatz verlangt, als erfüllt zu betrachten. Gemäss erstelltem Sachverhalt tötete
der Beschuldigte mit Wissen und Wollen; er handelte dabei zielgerichtet und in
konsequenter Umsetzung der kurz zuvor angekündigten Tötung des Opfers. Darin
liegt, wie die Vorinstanz richtig festhielt (S. 168), ein direkter Vorsatz, welcher
auch die zum objektiven Tatbestand abgehandelten Tatumstände miterfasste.
Wenn die Vorinstanz im Ergebnis zu einem Schuldspruch wegen Mordes im
Sinne von Art. 112 StGB gelangte, so ist dies richtig. Diese Verurteilung ist des-
halb zu bestätigen.
2. Messerstiche gegen B._
Auch bei diesem Sachverhalt geht die rechtliche Würdigung der Staatsan-
waltschaft und der Verteidigung auseinander: Erstere sieht darin eine versuchte
vorsätzliche Tötung im Sinne von Art. 111 in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
- 21 -
während Letztere auf vollendete schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122
StGB plädierte.
Die Vorinstanz erkannte auf versuchte vorsätzliche Tötung. Sie ging vom er-
stellten Sachverhalt aus, wonach der Beschuldigte dem Opfer mit dem Butterfly-
messer einen Stich oder Schnitt gegen dessen Hand und Unterarm versetzt sowie
das Messer auch in dessen Unterbauch gestochen hat. Die Vorinstanz sah Letz-
teres für jedenfalls geeignet und ausreichend an, um einem Menschen auch tödli-
che Verletzungen zuzufügen. Dem ist zuzustimmen. Der Stich in den Unterbauch
verletzte denn auch den Dünndarm des Opfers, was eine Notoperation nötig
machte. Das Bezirksgericht wies zudem auf das Gutachten zur körperlichen Un-
tersuchung des Opfers hin (Urk. HD 11/2/6 S. 4), welches festhielt, dass ein ledig-
lich wenig abweichender Stichkanal eine Schlagader getroffen hätte, was tödlich
hätte enden können.
Die Verteidigung vermochte diesen Umständen in der Berufungsverhand-
lung nichts Überzeugendes entgegen zu halten. Wenn die Vorinstanz aus den
gegebenen Tatumständen folgerte, dass der Beschuldigte somit alles zur Tötung
gemacht hätte, so trifft dies zu. Damit lag entgegen der Auffassung der Verteidi-
gung nicht nur eine vollendete schwere Körperverletzung vor, sondern es wurde
der objektive Tatbestand eines Tötungsdelikts erfüllt, wobei es mangels Erfolgs-
eintritts beim vollendeten Versuch blieb.
Bei der Frage, welcher Tötungstatbestand hier zur Anwendung gelangen
soll, entschied sich die Vorinstanz für den Grundtatbestand von Art. 111 StGB.
Das Bezirksgericht erwog, dass der Beschuldigte das Messer hier – anders als
beim ersten Opfer – eher reaktiv eingesetzt hat und relativ rasch wieder von ihm
abliess und die Flucht ergriff. Dies trifft zu. Es ist denn auch nicht anzunehmen,
dass der Beschuldigte von Anfang an die Absicht gehabt hätte, nebst seinem
Hauptkontrahenten †A._ auch noch einen seiner Brüder umzubringen. Inso-
fern hat die Vorinstanz recht, wenn sie die Tatumstände beim Verhalten des Be-
schuldigten gegenüber dem zweiten Opfer als in wesentlichen Punkten anders
ansah als bei der vorangegangenen Bluttat. Ein besonders skrupelloses Verhal-
ten ist im zweiten Fall zu Recht nicht bejaht worden. Damit hat die Vorinstanz
- 22 -
richtigerweise den qualifizierten Tatbestand des Mordes verneint wie mangels Af-
fekthandlung und Entschuldbarkeit auch die privilegierte Tatbestandsvariante des
Totschlags. Übrig bleibt die Anwendung des Grundtatbestandes der (versuchten)
vorsätzlichen Tötung.
Hinsichtlich der subjektiven Seite nahm die Vorinstanz blossen, aber immer-
hin Eventualvorsatz an. Es ist denn auch erstellt, dass der Beschuldigte durch
seinen Stich in den Unterbauch des zweiten Opfers zumindest in Kauf genommen
haben muss, dass dies zu dessen Tod führen konnte. Wer ein Butterfly-Messer
derart heftig in den Bauch eines Menschen stösst, so dass der Darm dadurch per-
foriert wird, manifestiert deutlich seine Inkaufnahme des möglichen Todes des
Opfers (selbst wenn er ihn nicht wünschen mag). Ein einzelner solch gefährlicher,
wissentlich und willentlich ausgeführter Messerstich genügt zur Bejahung des
Eventualvorsatzes, weshalb entgegen der Argumentation der Verteidigung
(Urk. 88 S. 28 f.) unerheblich ist, dass der Beschuldigte nicht noch weitere Male
auf das Opfer eingestochen hatte. Der Auffassung der Vorinstanz ist deshalb zu
folgen.
Im Ergebnis ist der Beschuldigte der versuchten vorsätzlichen Tötung im
Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zu verurteilen,
womit auch die verwirklichte schwere Körperverletzung konsumiert ist.
3. Mit Bezug auf die Rechtswidrigkeit der beiden Tötungsdelikte des Be-
schuldigten bzw. das Fehlen von Notwehrsituationen und die (volle) Schuldfähig-
keit desselben kann auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Urteil
verwiesen werden (S. 173-175). Ergänzungen erübrigen sich.
IV. Strafe
Die Vorinstanz hat die vom Gesetz und vom Bundesgericht für die Strafzu-
messung aufgestellten Regeln und Grundsätze richtig wiedergegeben (S. 175-
177). Mord als das vorliegend schwerste Delikt ist mit lebenslänglicher Freiheits-
- 23 -
strafe oder mit einer zeitigen Freiheitsstrafe von zehn bis 20 Jahren zu bestrafen
(Art. 112 und Art. 40 StGB).
Wie die Vorinstanz bei der Würdigung der objektiven Tatschwere richtig
festhielt, hat der Beschuldigte mit einem scharfen Messer in kurzer Folge elf Mal
kraftvoll auf den Oberkörper des †A._ eingestochen, was schnell zu dessen
Tod führte. Zwei Stiche wären für sich allein bereits tödlich gewesen. Der Be-
schuldigte brach die Stichkaskade nur wegen der Einmischung eines Bruders des
Opfers ab. Dass der Beschuldigte zielgerichtet und konsequent zur Tat gegen das
erste Opfer geschritten ist und ihm keine Chance zur Verteidigung gelassen hat,
ist erstellt. Ebenso nachgewiesen ist, dass der Beschuldigte seine Bluttat überra-
schend beging, nachdem er den Ort zuvor verlassen und erst nach circa einer
halben Stunde bzw. eine Stunde nach der vorangegangenen Auseinandersetzung
plötzlich wieder beim "H._" auftauchte. Dieses sein ungewöhnliches Vorge-
hen zeugt von grosser krimineller Energie. Zwar ist ihm mit der Vorinstanz zu at-
testieren, dass er die Tat nicht von langer Hand vorbereitet und sie weder gera-
dezu raffiniert, noch besonders grausam ausgeführt hat. Die sehr schnell und ef-
fektiv stattgefundene eigentliche Exekution des Opfers verlangte ihm aber eine
grosse Portion an Kaltblütigkeit ab. Wenn die Vorinstanz das objektive Verschul-
den des Beschuldigten insgesamt als mittelschwer einstufte (S. 177 f.), so kann
dem gefolgt werden, allerdings bei der Verschuldenseinschätzung entgegen der
Auffassung der Vorinstanz mit einer Tendenz bezogen auf den Mittelwert eher
nach oben als nach unten. Zudem ist der Mittelwert des Verschuldens bei Mord –
wie von der Staatsanwaltschaft zu Recht moniert worden ist (Urk. 87 S. 2 und 3
sowie Prot. II S. 45) – nicht als bei 15 Jahren liegend zu betrachten, sondern un-
ter Mitberücksichtigung der ebenfalls angedrohten lebenslänglichen Maximalstra-
fe bei etwa 17 Jahren. Damit stünde aufgrund der objektiven Tatschwere hier eine
Strafe in etwa dieser Höhe im Raum.
Bei der subjektiven Tatschwere ist klarerweise davon auszugehen, dass der
Beschuldigte direktvorsätzlich gehandelt hat. Geleitet war er von Rache und ei-
nem eigentlichen Vernichtungswillen. Gehandelt hat er aus verletztem Stolz und
aus völlig nichtigem Anlass. Weder der vorerwähnte zeitliche Abstand der Rück-
- 24 -
kehr an den Tatort von der vorangegangenen Auseinandersetzung mit der
AB._-Gruppe noch die zwischenzeitlich stattgefundene längere Autofahrt und
auch nicht die mässigende Einwirkung der Begleiter des Beschuldigten während
der Rückfahrt zum "H._" vermochten ihn von seinem Racheakt abzuhalten:
der Beschuldigte steigerte vielmehr selber seine Wut während der Rückkehr zum
"H._" und bereitete sich mental und durch die Behändigung des Butterfly-
messers auf das Kommende vor. Dabei ist davon auszugehen, dass unterstüt-
zend, wenn auch nicht tatentscheidend, seine erhebliche Alkoholisierung und
auch seine risikorelevante Persönlichkeitsproblematik zur Tatverwirklichung eben-
falls das Ihre beigetragen haben. Alles in allem vermögen die subjektiven Aspekte
das objektive Verschulden jedoch nur leicht zu relativieren (Reduktion der Strafe
um etwa ein Jahr).
Was die Täterkomponente angeht, so hat die Vorinstanz die entsprechen-
den Aspekte richtig, wenn auch gesamthaft für alle dem Beschuldigten anzulas-
tenden Delikte, aufgeführt (vgl. S. 181-184). Aus dem Vorleben des Beschuldigten
und seinen persönlichen Verhältnissen erscheint als strafmindernd relevant einzig
die mit seinem jugendlichen Alter verbundene gewisse Unreife seiner Persönlich-
keit sowie als straferhöhend von Bedeutung die Vorstrafe vom 4. Oktober 2010
wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand samt dem Umstand, dass die diesbe-
zügliche Probezeit bei Begehung der neuen Tat noch lief (die Vorinstanz hatte auf
S. 183 ihres Urteils fälschlicherweise noch von Vorstrafen im Plural geschrieben).
Der von der Verteidigung geltend gemachten Strafminderung wegen schwerer
Jugend des Beschuldigten und seiner Flucht aus dem Irak (Urk. 88 S. 30) kann
nicht gefolgt werden, nachdem der Beschuldigte gemäss seinen eigenen Anga-
ben trotz schwieriger Flucht aus dem Irak eine schöne Kindheit hatte und auch nie
direkt mit Gewalt konfrontiert war (Urk. 37 S. 2; Urk. 9/2 S. 23 ff.)
Mit Bezug auf das Nachtatverhalten des Beschuldigten ist festzuhalten, dass
er unmittelbar nach der Tat nach Norwegen floh und somit versuchte, sich der
Strafverfolgung zu entziehen. Ausgeliefert an die Schweiz zeigte er sich dann
aber bald zumindest in objektiver Hinsicht geständig wegen der Messerstiche zum
Nachteil von †A._ (und von dessen Bruder B._). Die Beweislage war
- 25 -
aber erdrückend und der Beschuldigte gab nur zu, was ihm ohnehin hätte nach-
gewiesen werden können. Dieses nur sehr rudimentäre Geständnis vermag folg-
lich nur mässig zu seinen Gunsten zu wirken. Auch Reue und echte Einsicht wa-
ren beim Beschuldigten nicht festzustellen. Einzig tadelloses Verhalten im Straf-
vollzug ist ihm zu attestieren (Urk. HD 35). Insgesamt vermag die Täterkompo-
nente die Einsatzstrafe deshalb nur leicht zu mindern, wobei insbesondere das
jugendliche Alter des Beschuldigten durchschlägt (Reduktion der Strafe maximal
um rund ein weiteres Jahr).
Im Ergebnis erscheint als Einsatzstrafe für die Mordtat des Beschuldigten
eine Freiheitsstrafe von rund 15 Jahren als angemessen.
Sodann sind die Strafen für die weiteren Delikte zu asperieren. Dabei fallen
das Fahren in qualifiziert angetrunkenem Zustand (trotz einschlägiger Vorstrafe)
und das Vergehen gegen das Waffengesetz nur sehr leicht bzw. marginal ins
Gewicht. Diesbezüglich kann auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (S. 180 f.). Die Sanktionierung dieser Vergehen vermag die gesamthaft aus-
zufällende Strafe folglich nicht merklich zu beeinflussen.
Anders verhält es sich mit der ebenfalls zu asperierenden versuchten vor-
sätzlichen Tötung zum Nachteil des B._. Die objektive Tatschwere der bei-
den Messerstiche gegen dieses zweite Opfer, wovon ein Stich in den Unterbauch
geriet und dort den Dünndarm verletzte, ist keinesfalls als leicht einzustufen. Dies
hat bereits die Vorinstanz richtig festgehalten (S. 179). Auf der subjektiven Seite
ist aber zu konstatieren, dass diese Messerstiche eher reaktiv erfolgten, als
B._ zugunsten seines bereits niedergestochenen Bruders intervenierte. Der
Beschuldigte richtete sein Messer jedoch ohne Zögern vom ersten Opfer, das er
tödlich verletzt hatte, weg und setzte es sofort gegen das zweite Opfer ein. Even-
tualvorsatz auf Tötung auch des zweiten Opfers lag unter diesen Umständen
zweifellos vor, auch wenn die zweite Bluttat spontan geschehen ist. Allerdings
sind auch für dieses Delikt die Alkoholisierung des Beschuldigten und seine prob-
lematische Persönlichkeit zu berücksichtigen. Dies reduziert das objektive Ver-
schulden aber nur leicht. Hinzu kommt eine ebenfalls lediglich leichte Strafminde-
rung aufgrund der bereits im Zusammenhang mit der Haupttat dargelegten Täter-
- 26 -
komponente. Auch hier beschränkte sich das Geständnis des Beschuldigten ru-
dimentär auf das ohnehin Nachweisbare. Selbständig beurteilt wäre diese ver-
suchte vorsätzliche Tötung bei einem Strafrahmen, der von fünf bis 20 Jahren
Freiheitsstrafe reicht, mit einer Freiheitsstrafe von sechs bis sieben Jahren zu
sanktionieren. Asperiert zur Sanktion für das schwerste Delikt ist dessen Einsatz-
strafe wenigstens um die Hälfte der als selbständige Strafe für das zweite Delikt
angemessenen Strafe, mithin um wenigstens drei Jahre anzuheben. In Überein-
stimmung mit der Anklagebehörde ist festzustellen, dass der Strafzuschlag der
Vorinstanz von lediglich knapp zwei Jahren dem zusätzlichen Tötungsversuch
(auch asperiert) nicht ausreichend gerecht würde.
Während die Verteidigung – allerdings noch von einer milderen rechtlichen
Würdigung als derjenigen der Anklagebehörde ausgehend – vor Vorinstanz 12
Jahre Freiheitsstrafe und im Berufungsverfahren eine solche von zehn Jahren
beantragte, verlangte die Staatsanwaltschaft vor beiden Instanzen auf Basis der
zutreffenden rechtlichen Würdigung eine Sanktion von 20 Jahren Freiheitsstrafe.
Aus den dargelegten Gründen hält das Berufungsgericht als gesamte Strafe für
die zu sanktionierenden Delikte 18 Jahre Freiheitsstrafe als dem Tatverschulden
des Beschuldigten und den weiter zu würdigenden Komponenten für durchaus
angemessen. Diese Strafe ist somit auszufällen.
V. Widerruf
Dazu, dass sich vorliegend ein Widerruf der bedingten Geldstrafe von 15 Ta-
gessätzen zu Fr. 40.– aufdrängt, zu der der Beschuldigte gemäss Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 4. Oktober 2010 zuzüglich einer Busse von
Fr. 300.– wegen Fahrens in fahrunfähigem Zustand verurteilt worden war, hat die
Vorinstanz das Nötige ausgeführt, weshalb darauf verwiesen werden kann (S. 189
f.). Während laufender Probezeit gemäss jener Verurteilung verstiess der Be-
schuldigte wie bereits 2011 (vgl. beigezogene Akten des Statthalteramts Hinwil,
ST.2011/2197) erneut am 15. Juli 2012 gegen das Strassenverkehrsgesetz. Vor
diesem Hintergrund hat die Vorinstanz dem Beschuldigten zu Recht eine schlech-
- 27 -
te Prognose gestellt (S. 189). Ist aber ernsthaft zu befürchten, dass der Beschul-
digte diesbezüglich wieder rückfällig werden wird, so er Gelegenheit dazu hätte,
so kann die Konsequenz gemäss Art. 46 Abs. 1 StGB nicht bloss eine Verlänge-
rung der Probezeit sein, wie es die Verteidigung beantragte. Der Widerrufsent-
scheid der Vorinstanz ist folglich zu bestätigen.
VI. Massnahme
Der Beschuldigte wiederholte im Berufungsverfahren seinen Antrag, die
auszufällende Freiheitsstrafe zugunsten einer Massnahme für junge Erwachsene
im Sinne von Art. 61 StGB aufzuschieben. Die Vorinstanz hat sich mit diesem An-
trag einlässlich auseinandergesetzt (S. 186 f.). Sie erwog zusammengefasst, dass
es beim Beschuldigten gemäss Gutachten an einer erheblichen Störung seiner
Persönlichkeitsentwicklung fehle. Zudem biete die beantragte Massnahme mit
Bezug auf die Reduktion der Gefahr der Begehung weiterer Delikte keine wesent-
lichen Vorteile. Des Weiteren würde die Anordnung einer Massnahme für junge
Erwachsene in Anbetracht der auszufällenden langjährigen Freiheitsstrafe gegen
das Untermassverbot verstossen. Für die Vorinstanz fiel deshalb die Anordnung
der beantragten Massnahme ausser Betracht. Dem ist unter Verweis auf die
überzeugende Begründung im angefochtenen Urteil, der im Berufungsverfahren
auch die Verteidigung nichts Entscheidendes entgegenzusetzen vermochte, bei-
zupflichten. Im Übrigen ist entgegen den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 88
S. 32 ff.) nicht davon auszugehen, dass die anscheinend erfolgte Versetzung des
Beschuldigten aus dem gewöhnlichen Vollzug in eine spezielle Abteilung (aus
Gründen des Schutzes des Beschuldigten vor Todesdrohungen durch albanische
Inhaftierte) ein unveränderlicher Dauerzustand sein wird, weshalb die Absolvie-
rung einer Lehre oder Anlehre im Strafvollzug weiterhin als möglich erscheint.
Demgegenüber hielt das Bezirksgericht die Voraussetzungen für die Anord-
nung einer ambulanten Behandlung im Strafvollzug beim Beschuldigten für gege-
ben (S. 187 ff.). Sie stützte sich dabei primär auf das psychiatrische Gutachten
über den Beschuldigten, welches zwar eine psychische Störung bei diesem ver-
- 28 -
neinte, bei ihm jedoch eine Persönlichkeitsproblematik feststellte, die als Hinter-
grund seiner Bluttaten verstanden werden könne und zumindest phasenweise
den Wert einer psychischen Störung in dem Grad erreichen würde, der als An-
knüpfungstatsache für die Bejahung der Bedürftigkeit nach einer ambulanten Be-
handlung gelten könne (Urk. HD 9/2 S. 101). Da die Vorinstanz eine solche ambu-
lante Massnahme im Strafvollzug, mit der vor allem die unlimitierte Kränkungsbe-
reitschaft des Beschuldigten zu therapieren wäre, insbesondere mit Blick auf die
Vermeidung künftiger Delikte für durchaus geeignet und erforderlich betrachtete
und sie überdies auch als verhältnismässig ansah, ordnete sie diese an. – Sowohl
der entsprechende Entscheid wie auch seine Begründung sind nachvollziehbar
und überzeugend. Selbst die Verteidigung schloss sich diesem Entscheid zumin-
dest eventualiter an (vgl. Urk. 69 S. 3). Die Anordnung einer ambulanten Mass-
nahme im erwähnten Sinne ist folglich zu bestätigen.
VII. Genugtuungen
Der Beschuldigte hat vor Vorinstanz anerkannt, gegenüber den Privatklä-
gern aus dem Ereignis vom 15. Juli 2012 dem Grundsatz nach genugtuungs-
pflichtig zu sein, weshalb die Vorinstanz davon im Urteil Vormerk genommen hat
(Dispositivziffer 6). Berufungshalber beantragte der Beschuldigte, die von der Vor-
instanz den Eltern und Geschwistern des Getöteten zugesprochenen Genugtuun-
gen von insgesamt Fr. 235'000.– generell zu halbieren. Eine substantiierte Be-
gründung dieses Antrags liess der Beschuldigte an der Berufungsverhandlung
vermissen. Er liess lediglich pauschal vorbringen, dass man nach dem Studium
der (in den Standardwerken zum Genugtuungsrecht aufgeführten) Präzedenzfälle
zur Ansicht komme, dass die erstinstanzlich ausgesprochenen Summen zu hoch
seien bzw. "wohl etwa" die Hälfte angebracht wäre, ohne anzugeben, auf welche
Präzedenzurteile er sich konkret beziehen will (Urk. 88 S. 37).
Das Bezirksgericht beurteilte die von den Privatklägern gestellten Genugtu-
ungsforderungen (ursprünglich insgesamt Fr. 435'000.–) in durchaus zutreffender
Weise. Es gelangte vor dem Hintergrund vergleichbarer Gerichtsfälle, in denen
- 29 -
Angehörigen von Getöteten Genugtuungen zugesprochen worden waren, nach-
vollziehbar zu angemessenen Grundansätzen für Genugtuungen an Eltern bzw.
Geschwister von Getöteten in Höhe von Fr. 60'000.– bzw. Fr. 25'000.–. Diese
Grundansätze hielt es bei den Eltern des †A._ und bei dessen Schwester
F._ für durchaus adäquat (S. 199). Bei B._, der vom Beschuldigten mit
dem Messer schwer verletzt worden war und dessen gravierende physische und
psychische Folgen sich nachweisen lassen, erhöhte die Vorinstanz den Genugtu-
ungsbetrag aufgrund der schweren Betroffenheit deutlich auf Fr. 60'000.– (S. 199-
201). Auch bei E._, einem weiteren Bruder des Getöteten, berücksichtigte
die Vorinstanz dessen nachweislich erhöhte Betroffenheit und hob die Genugtu-
ungssumme vom Grundansatz ausgehend leicht auf Fr. 30'000.– an (S. 201 f.).
Sowohl hinsichtlich der Bezugnahme auf gerichtsübliche Grundansätze von
Genugtuungen wie auch in Bezug auf die Sonderbehandlung von B._ und
E._ kann der Vorinstanz in jeder Hinsicht gefolgt werden. Die Gegenvorbrin-
gen der Verteidigung des Beschuldigten in der Berufungsverhandlung erweisen
sich als zu pauschal und als keineswegs stichhaltig. Folglich sind die Entscheide
der Vorinstanz über die Höhe der Genugtuungen (samt der hinzutretenden Ver-
zinsung) zu bestätigen. Im Mehrbetrag sind die Genugtuungsforderungen nicht
gerechtfertigt und deshalb abzuweisen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Bei diesem Ausgang des Berufungsverfahrens, in welchem der Beschuldigte
gänzlich und die Staatsanwaltschaft mit Bezug auf das Strafmass teilweise unter-
liegen, sind dem Beschuldigten die Verfahrenskosten zu 9/10 aufzuerlegen, wäh-
rend sie im Übrigen samt den Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungs-
verfahren auf die Gerichtskasse zu nehmen sind. Gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO
bleibt gegenüber dem Beschuldigten die spätere Nachforderung der Entschädi-
gung der amtlichen Verteidigung fürs Berufungsverfahren im Umfange von 9/10
vorbehalten. Das Honorar des amtlichen Verteidigers ist ausgehend von seiner
angemessen erscheinenden Honorarnote vom 27. August 2015 (Urk. 84), zuzüg-
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lich zehn Stunden (rund neun Stunden Berufungsverhandlung und eine Stunde
Nachbesprechung), auf Fr. 18'200.– (inbegriffen MwSt) festzusetzen.
Des Weiteren ist der Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerschaft für
das Berufungsverfahren eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen
(Art. 436 StPO in Verbindung mit Art. 433 Abs. 1 lit. a StPO). Die Vertreterin der
Privatklägerschaft machte mit Note vom 31. August 2015 ein Honorar von Fr.
7'054.95 (inkl. Barauslagen und MwSt) geltend. Darin berücksichtigte sie für die
Berufungsverhandlung und Urteilseröffnung, soweit diese allein den Beschuldig-
ten G._ betrifft, einen geschätzten Aufwand von rund neuneinhalb Stunden.
Tatsächlich dauerte die Berufungsverhandlung für die beiden Beschuldigten
G._ und I._ zusammen lediglich rund 9 Stunden (wobei die Behandlung
der Sache des Beschuldigten G._ mehr Zeit in Anspruch nahm, als diejenige
des Beschuldigten I._). Die Honorarnote der Privatklägervertreterin vom
31. August 2015 betreffend den Beschuldigten G._ ist deshalb um rund vier
Stunden (Stundenansatz Fr. 220.–, zuzüglich MwSt) zu kürzen. Demnach ist der
Beschuldigte zu verpflichten, der Privatklägerschaft für das Berufungsverfahren
eine Prozessentschädigung von (gerundet) Fr. 6'100.– (MwSt inbegriffen) zu be-
zahlen.