# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5b00a422-0584-50e0-b510-56db6c839503
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 17. Dezember 2014 bei der Gemeinde Roggwil
(BE) ein Baugesuch ein für das Erstellen einer neuen Mobilfunkanlage mit entsprechender
technischer Einrichtung auf Parzelle Roggwil (BE) Grundbuchblatt Nr. C._. Die
Parzelle liegt in der Arbeitszone A1. Mit Schreiben vom 10. März 2015 teilte die Gemeinde
Roggwil mit, der Gemeinderat habe eine Planungszone betreffend den Bau von
Antennenanlagen beschlossen. Mit Verfügung vom 7. Juli 2015 sistierte das zuständige
Regierungsstatthalteramt Oberaargau das Baubewilligungsverfahren für die Dauer der
Planungszone. Mit Verfügung vom 16. Juni 2017 genehmigte das Amt für Gemeinden und
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Raumordnung (AGR) eine Änderung des Baureglements der Gemeinde Roggwil betreffend
Vorschriften zu Antennenanlagen. Mit Verfügung vom 3. August 2017 nahm das
Regierungsstatthalteramt das sistierte Baubewilligungsverfahren zur Beurteilung nach
neuem Recht wieder auf. Mit Gesamtentscheid vom 27. Februar 2018 erteilte das
Regierungsstatthalteramt den Bauabschlag.
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 29. März 2018 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragt, der
Gesamtentscheid vom 27. Februar 2018 sei aufzuheben und das Regierungsstatthalteramt
sei anzuweisen, die Baubewilligung zu erteilen. Eventualiter sei der Gesamtentscheid
aufzuheben und die Sache zur Neubeurteilung an das Regierungsstatthalteramt
zurückzuweisen.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet,1 führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Das Amt für Berner Wirtschaft (beco)
stellt in seinem Schreiben vom 6. April 2018 keinen Antrag und verweist auf seinen
Amtsbericht vom 24. Februar 2015. Die Gemeinde Roggwil in ihrer Stellungnahme vom
2. Mai 2018 und das Regierungsstatthalteramt Oberaargau in seiner Vernehmlassung vom
7. Mai 2018 beantragen die Abweisung der Beschwerde. Nachdem das Rechtsamt bei der
Beschwerdeführerin weitere Auskünfte und Unterlagen verlangt hatte, erhielten die übrigen
Verfahrensbeteiligten Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen.
4. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in
den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG
i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin, deren Baugesuch abgewiesen
wurde, ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur
Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist
einzutreten.
2. Zonenkonformität, Kaskadenordnung
a) Die Vorinstanz hat den Bauabschlag im angefochtenen Entscheid mit der fehlenden
Zonenkonformität begründet. Das Bauvorhaben sei weder absolut noch relativ
standortgebunden. Bezüglich der Standortgebundenheit hat sich die Vorinstanz auf die
entsprechende Rechtsprechung zu Art. 24 RPG4 abgestützt. Die Beschwerdeführerin rügt,
die Vorinstanz habe die Kaskadenordnung, welche das Gemeindebaureglement für den
Bau von Antennenanlagen vorsehe, falsch angewendet. Für die Bewilligung einer Antenne
in einer Zone, die nicht zur ersten Priorität gehöre, könne keine absolute
Standortgebundenheit verlangt werden. Auch eine relative Standortgebundenheit im Sinne
von Art. 24 Bst. a RPG könne nicht verlangt werden. Die Beschwerdeführerin habe im
vorinstanzlichen Verfahren glaubhaft dargetan, dass ein Standort in einer Zone der ersten
2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
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Priorität aus funk- bzw. netztechnischen Gründen nicht in Betracht komme. Somit sei das
Bauvorhaben zonenkonform. Die vorinstanzliche Auslegung der Bestimmung im
Gemeindebaureglement zur Kaskadenordnung verunmögliche eine flächendeckende
Mobilfunkversorgung und sei deshalb rechtswidrig.
b) Im Beschwerdeverfahren macht die Vorinstanz geltend, sie habe die Rechtsprechung
zu Art. 24 RPG lediglich als Auslegungshilfe bei der Beurteilung der Zonenkonformität
herangezogen, da auch das Kaskadenmodell im Gemeindebaureglement eine Form der
absoluten und der relativen Standortgebundenheit von Antennenanlagen vorsehe. Der
Beschwerdeführerin sei der entsprechende Nachweis nicht gelungen.
Die Gemeinde macht im Beschwerdeverfahren geltend, die Beschwerdeführerin müsse
den Nachweis erbringen, dass ein Standort in den Zonen erster Priorität aufgrund des
Versorgungsauftrags nicht ausreichend sei. Der Versorgungsauftrag werde oft mit der
Grundversorgung gleichgesetzt. Die Grundversorgung sei im Bereich Mobilfunk jedoch
gegeben, weshalb sich die Beschwerdeführerin nicht auf den Grundversorgungsauftrag
nach Fernmeldegesetz berufen könne. Erforderlich im Sinne des Versorgungsauftrags
nach Art. 31a Abs. 6 GBR5 sei eine, verglichen mit dem aktuellen Stand der Technik,
durchschnittliche, einigermassen zufriedenstellende Mobilfunkabdeckung. Aktuell bedeute
dies, dass innerhalb des Siedlungsgebiets eine grossmehrheitlich flächendeckende 3G-
Abdeckung vorhanden sei. Nicht erforderlich sei hingegen eine flächendeckende
Versorgung mit 4G-Internet. Davon ausgehend sei gemäss der eingereichten
Abdeckungskarte das gesamte Siedlungsgebiet ausreichend versorgt. Somit sei kein
Standort in der Arbeitszone A1 erforderlich und das Bauvorhaben daher nicht
zonenkonform.
c) Das Bauvorhaben sieht den Bau einer Mobilfunkantenne in der Arbeitszone A1 vor.
Damit kommt Art. 31a Abs. 6 GBR zur Anwendung, was unbestritten ist. Ebenfalls
unbestritten ist die grundsätzliche Zulässigkeit dieser Bestimmung, die ein sogenanntes
Kaskadenmodell vorsieht.6 Gemäss Art. 31a Abs. 6 GBR sind Antennenanlagen in den
Bauzonen zu errichten. In erster Linie in den Arbeitszonen A2 und A3 sowie in der Zone für
Arbeit und Freizeit (ZAF). Ist dies nicht möglich oder aufgrund des Versorgungsauftrags
nicht ausreichend, kommen weitere Zonenarten in folgender Reihenfolge in Frage:
5 Baureglement der Einwohnergemeinde Roggwil vom 16. Oktober 2006 6 Vgl. BGE 138 II 137 E. 6
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Arbeitszone A1 und Sondernutzungszone «Kaltenherberge» (SZK); Wohn- und
Gewerbezonen WG2 und WG3; Dorfzonen D1 und D2; Wohnzonen W2 und W3. Im Fall
von Zonen mit Planungspflicht (ZPP) oder Überbauungsordnungen nach Art. 88 BauG
gelten die jeweiligen Grundnutzungen als Kriterium für die Einreihung in die Kaskade. Ist
das Errichten in der Bauzone nachgewiesenermassen nicht möglich, ist unter Vorbehalt
des Bundesrechts, die Antennenanlage ausserhalb des Baugebiets möglichst auf
bestehenden Anlagen oder Strommasten zu errichten. Die Gesuchsteller haben in ihrem
Baugesuch darzulegen, weshalb ein Standort in den in der Reihe vorangehenden Zonen
nicht möglich ist.
Demnach ist hier die Frage zu prüfen, ob der Bau einer Mobilfunkanlage in den
Arbeitszonen A2 und A3 oder in der Zone für Arbeit und Freizeit (ZAF) nicht möglich oder
aufgrund des Versorgungsauftrags nicht ausreichend ist. Die erste Tatbestandsvariante der
Unmöglichkeit steht hier nicht zur Diskussion. Auch die Beschwerdeführerin macht nicht
geltend, dass ein Standort in einer Zone erster Priorität nicht möglich sei. Aus ihrer Sicht ist
sie zur Behebung einer Versorgungslücke jedoch auf den zur Diskussion stehenden
Standort in der Zone zweiter Priorität angewiesen. Damit ist zu prüfen, ob der Bau einer
Mobilfunkanlage in einer Zone erster Priorität aufgrund des Versorgungsauftrags nicht
ausreichend ist.
d) Ein Kaskadenmodell, wie es Art. 31a Abs. 6 GBR vorsieht, ist grundsätzlich mit der
Bundesfernmeldegesetzgebung vereinbar, sofern das Verfahren zumutbar bleibt und keine
übermässig lange Verfahrensdauer für die Beurteilung eines Baugesuchs resultiert.7
Grundsätzlich ist auch nicht zu beanstanden, dass im Rahmen der Mitwirkungspflichten im
Baubewilligungsverfahren von den Mobilfunkanbieterinnen gewisse Abklärungen zum
Antennenstandort verlangt werden. Diese dürfen aber insbesondere nicht mit denjenigen
zum Nachweis der Standortgebundenheit im Sinne von Art. 24 Bst. a RPG gleichgesetzt
werden. Den Nachweis, dass ein Standort in der Zone erster Priorität aus funk- oder
netztechnischen Gründen nicht in Betracht fällt, können die Mobilfunkanbieterinnen ohne
weiteres beibringen, beispielsweise mit Abdeckungskarten. Zumutbar ist auch der
Nachweis, dass ein Standort aus umweltschutzrechtlichen Gründen nicht möglich ist, weil
der anwendbare Anlagegrenzwert überschritten wird. Generell hat die Gemeinde ihre Bau-
und Zonenordnung mit Augenmass anzuwenden und eine flächendeckende
7 BGE 138 II 173 E. 6.4 mit Hinweis auf Benjamin Wittwer, Bewilligung von Mobilfunkanlagen, 2. Aufl. 2008, S. 122
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Mobilfunkversorgung zu ermöglichen, d.h. an den Nachweis im Einzelfall keine überhöhten
Anforderungen zu stellen.8
Das Fernmeldegesetz bezweckt, dass der Bevölkerung und der Wirtschaft vielfältige,
preiswerte, qualitativ hoch stehende sowie national und international konkurrenzfähige
Fernmeldedienste angeboten werden (Art. 1 FMG9). Daraus lässt sich ableiten, dass ein
öffentliches Interesse nicht nur an einer minimalen Grundversorgung, sondern an einem
qualitativ hoch stehenden Fernmeldedienst besteht. Dementsprechend müssen die
Gemeinden bei ihrer Einflussnahme auf die Standorte von Mobilfunkanlagen mit Bau- und
Zonenvorschriften den Interessen an einer qualitativ guten Mobilfunkversorgung Rechnung
tragen.10 Soweit die Gemeinde Roggwil in ihrem Baureglement Mobilfunkantennen in
Zonen zweiter oder tieferer Priorität nur dann zulässt, wenn Standorte in der Zone erster
Priorität aufgrund des Versorgungsauftrags nicht ausreichen, ist die Voraussetzung
"aufgrund des Versorgungsauftrags" somit bundesrechtskonform auszulegen. Dies
bedeutet, dass der in ihrem Baureglement genannte Versorgungsauftrag entgegen der
Ansicht der Gemeinde Roggwil nicht nur eine, verglichen mit dem aktuellen Stand der
Technik, durchschnittliche, einigermassen zufriedenstellende Mobilfunkabdeckung
beinhaltet, sondern eine qualitativ gute Mobilfunkversorgung umfasst. Eine qualitativ gute
Mobilfunkversorgung umfasst heute innerhalb des Siedlungsgebiets auch eine
flächendeckende Abdeckung von mobilem Internet mit hoher Datenrate und ausreichend
Kapazität.
e) Aus den im vorinstanzlichen Verfahren und im Beschwerdeverfahren eingeholten
Abdeckungskarten ist ersichtlich, dass die aktuelle Abdeckung mit UMTS (3G) und LTE
(4G) im Frequenzbereich "high band" (alle Bänder ab 1'800 MHz)11 im Kernsiedlungsgebiet
von Roggwil grösstenteils bestenfalls kritisch bis gut und teilweise lediglich kritisch oder gar
ungenügend ist. Zwar weist die Gemeinde Roggwil in ihrer Stellungnahme vom
21. September 2018 zu Recht darauf hin, dass die im Beschwerdeverfahren eingereichten
Abdeckungskarten keine Legende enthalten. Die im vorinstanzlichen Verfahren
8 BGE 138 II 173 E. 6.5 und VGE 2015/87 vom 7. Januar 2016 E. 4.4 9 Fernmeldegesetz des Bundes vom 30. April 1997 (FMG; SR 784.10) 10 BGE 133 II 64 E. 5.3 11 Vgl. Cercl'Air Empfehlung Nr. 33, zu finden unter: www.cerclair.ch > Empfehlungen
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eingereichten Abdeckungskarten enthalten jedoch eine Legende, mit deren Hilfe auch die
Karten aus dem Beschwerdeverfahren lesbar sind.12
Gemäss Beschwerdeführerin muss mit diesen "high band"-Frequenzbändern eine gute
Versorgung erzielt werden, um eine hohe Datenrate mit grosser Surfgeschwindigkeit zur
Verfügung stellen zu können. Daraus lässt sich ableiten, dass die Beschwerdeführerin im
Kernsiedlungsgebiet von Roggwil lediglich eine beschränkte und damit keine qualitativ gute
Mobilfunkversorgung anbieten kann. Etwas anderes ergibt sich auch nicht aus der von der
Beschwerdeführerin auf ihrer Internetseite publizierten Netzabdeckungskarte. Diese Karte
gibt gemäss Stellungnahme der Beschwerdeführerin vom 23. August 2018 lediglich
darüber Auskunft, wo ein Minimalempfang ausserhalb von Gebäuden gewährleistet ist.
Über die Signalstärke und damit die Qualität des Empfangs sowie der vorhandenen
Kapazität lässt sich der Karte somit nichts entnehmen. Dass gemäss dieser Karte im
gesamten Kernsiedlungsgebiet von Roggwil eine Abdeckung mit 3G und 4G vorhanden ist,
steht folglich nicht in Widerspruch zum Umstand, dass diese Abdeckung nicht gut ist.
Damit hat die Beschwerdeführerin ausreichend nachgewiesen, dass sie zur Erfüllung ihres
Versorgungsauftrags im Kernsiedlungsgebiet von Roggwil auf weitere Mobilfunkanlagen
angewiesen ist. Die mangelhafte Abdeckung ist dabei gemäss Art. 31a Abs. 6 GBR
grundsätzlich mit Antennen in den Arbeitszonen A2 und A3 sowie in der Zone für Arbeit
und Freizeit (ZAF) zu beheben. Diese Zonen liegen nördlich bis nordwestlich, westlich und
südöstlich des Kernsiedlungsgebiets von Roggwil. Nördlich bis nordwestlich liegt ein
längliches Gebiet bestehend aus einer A3, A2 und ZAF. Etwas südlich dieser A3 liegt
nördlich zusätzlich eine A2. Westlich und südöstlich liegen je eine A2.
Die Beschwerdeführerin betreibt rund um Roggwil bereits verschiedene Sendeanlagen.
Gemäss Beschwerdeführerin ist eine technische Anpassung dieser bestehenden Standorte
zur Verbesserung der Versorgungsqualität in Roggwil nicht zielführend oder nicht
möglich.13 Da es im Interesse der Beschwerdeführerin liegt, ihre Anlagen optimal zu
betreiben, ist diese Aussage nachvollziehbar und glaubwürdig. Auch die übrigen
Verfahrensbeteiligten gehen nicht davon aus, dass die Versorgung von Roggwil mit den
bestehenden Anlagen auf den von der Beschwerdeführerin gewünschten guten Stand
gebracht werden kann.
12 Siehe Vorakten pag. 70 13 Seite 4 der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 28. September 2017, Vorakten pag. 55
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Von den bestehenden Anlagen der Beschwerdeführerin rund um Roggwil sind hier von
besonderem Interesse die Anlage in der nördlichen Arbeitszone A3 (Site_BE_0129A), die
Anlage in der Nähe der westlichen Arbeitszone A2 (Site_BE_1024A) und die Anlage in der
Nähe der südöstlichen Arbeitszone A2 (Site_LU_ 3021_B). Da eine neue Anlage aus
technischen Gründen nicht zu nahe bei einer bereits bestehenden Anlage gebaut werden
kann, weil dies zu Interferenzen führen kann,14 kommen damit die entsprechenden Zonen
für eine neue Anlage nicht in Frage. Dies gilt auch für die nördlich und nordwestlich
gelegenen Arbeitszonen A2, auch diese liegen nahe am nördlichen Standort
Site_BE_0129A. Im Übrigen zeigt die Abdeckungskarte auf Seite 6 der Eingabe der
Beschwerdeführerin vom 24. November 2017, dass mit einer zusätzlichen Anlage in der
nördlichen Arbeitszone A2 (Test_Site_BE_1676A_C1) die Versorgungsproblematik im
Kernsiedlungsgebiet von Roggwil ohnehin nicht behoben werden könnte.15 Dies gilt erst
recht für die nordöstliche Arbeitszone A2, da diese noch weiter vom angepeilten
Versorgungsgebiet entfernt liegt. Somit verbleibt realistischerweise lediglich die nordöstlich
gelegene Zone für Arbeit und Freizeit (ZAF) als möglicher Standort für eine neue Anlage.
In dieser Zone hat die Beschwerdeführerin bereits eine weitere Anlage bei der Kartbahn
geplant (Site_BE_9524A). Aus den im Beschwerdeverfahren eingereichten
Abdeckungskarten ist erkennbar, dass die Versorgungsproblematik im Kernsiedlungsgebiet
von Roggwil auch mit der geplanten Anlage bei der Kartbahn nicht behoben werden kann.
Damit hat die Beschwerdeführerin glaubwürdig nachgewiesen, dass die mangelhafte
Abdeckung nicht mit einer neuen Anlage in einer Zone erster Priorität möglich ist. Dies auf
technisch sinnvolle Weise auch nicht mit mehreren neuen Anlagen in Zonen erster
Priorität: Aufgrund der bereits bestehenden Anlagen ist nur ein neuer Standort bei der
Kartbahn technisch geeignet; dieser alleine vermag wie bereits erläutert die
Versorgungslücke nicht zu schliessen.
f) Unter Berücksichtigung des zellulären Aufbaus eines Mobilfunknetzes16, der
bestehenden Antennenstandorte der Beschwerdeführerin und der Standorte der
Nutzungszonen erster Priorität, ist die Beschwerdeführerin folglich zur Schliessung der
Versorgungslücke auf einen Standort ausserhalb der Zonen erster Priorität angewiesen.
14 Seite 5 der Eingabe der Beschwerdeführerin vom 24. November 2017, Vorakten pag. 71; siehe auch "Leitfaden Mobilfunk für Gemeinden und Städte", Bern 2010, Ziff. 2.2.2 (www.are.admin.ch > Medien & Publikationen > Infrastruktur) 15 Vorakten pag. 72 16 Siehe dazu "Leitfaden Mobilfunk für Gemeinden und Städte", Bern 2010, Ziff. 2.2.4, a.a.O.
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Gemäss dem Kaskadenmodell in Art. 31a Abs. 6 GBR ist damit ein Standort in einer Zone
der zweiten Priorität zulässig. Die geplante Anlage der Beschwerdeführerin an der
D._strasse, die Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist, liegt im Zentrum des
Kernsiedlungsgebiets von Roggwil und damit funktechnisch ideal im Zentrum der
Versorgungslücke. Dementsprechend ist aus den im Beschwerdeverfahren eingereichten
Abdeckungskarten erkennbar, dass sich mit diesem Standort die Versorgungslücke fast
gänzlich beheben lässt. Der Standort D._strasse liegt in einer Arbeitszone A1 und
damit in einer Zone zweiter Priorität. Das Bauvorhaben der Beschwerdeführerin erweist
sich damit entgegen den Ausführungen im angefochtenen Entscheid des
Regierungsstatthalteramts Oberaargau mit Blick auf Art. 31a Abs. 6 GBR als
zonenkonform.
An diesem Ergebnis vermag auch der von der Gemeinde Roggwil vorgebrachte Einwand
nichts zu ändern, wonach die beiden anderen grossen Mobilfunkanbieterinnen offenbar
eine einwandfreie Versorgung von Roggwil ohne Standort in einer Zone zweiter oder
tieferer Priorität sicherstellen könnten. Die Netzplanung von Mitkonkurrentinnen der
Beschwerdeführerin ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Dementsprechend ist deren
Versorgungssituation nicht bekannt. Diese ist hier auch nicht relevant: Die Netzplanungen
der verschiedenen Mobilfunkanbieterinnen sind nicht ohne weiteres vergleichbar, so
bestehen beispielswies unterschiedliche Kapazitätsbedürfnisse.
g) Die Beschwerde ist demzufolge gutzuheissen und der angefochten Bauabschlag
aufzuheben. Das Regierungsstatthalteramt Oberaargau hat sich in seinem Entscheid
lediglich zu Art. 31a Abs. 6 GBR geäussert. Ob das Bauvorhaben der Beschwerdeführerin
ansonsten bewilligungsfähig ist, hat es noch nicht geprüft. Diese erstmalige Prüfung obliegt
nicht der BVE als Beschwerdeinstanz. Die Sache geht daher gestützt auf Art. 72 Abs. 1
VRPG17 zur Fortsetzung des Verfahrens zurück an das Regierungsstatthalteramt. Sofern
das Bauvorhaben nicht aus anderen Gründen nicht bewilligungsfähig ist, wird das
Regierungsstatthalteramt in seinem neuen Entscheid die Baubewilligung zu erteilen haben.
3. Kosten
17 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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a) Die oberinstanzlichen Verfahrenskosten bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- erhoben (Art. 19 Abs. 1 i.V.m. Art. 4 Abs. 2
GebV18). In Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschale auf Fr. 1'800.--
festgelegt.
Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Die
Beschwerdeführerin, die die Aufhebung des Bauabschlags und die Rückweisung an die
Vorinstanz beantragt hat, gilt bei diesem Verfahrensausgang als obsiegende Partei.
Demgegenüber gelten das Regierungsstatthalteramt Oberaargau und die Gemeinde
Roggwil, die beide die Abweisung der Beschwerde beantragt haben, als unterliegend. Dem
Regierungsstatthalteramt können gemäss Art. 108 Abs. 2 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. a VRPG
keine Verfahrenskosten auferlegt werden. Da die Gemeinde Roggwil hier nicht in ihren
Vermögensinteressen betroffen ist, können auch ihr keine Verfahrenskosten auferlegt
werden (Art. 108 Abs. 2 VRPG). Die gesamten Verfahrenskosten von Fr. 1'800.-- trägt
daher der Kanton.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die obsiegende Beschwerdeführerin hat
somit Anspruch auf Ersatz ihrer Parteikosten. Im Unterschied zur Regelung über die
Verfahrenskosten kann hier die Vorinstanz kostenpflichtig werden.19 Das
Regierungsstatthalteramt Oberaargau hat daher die Parteikosten der Beschwerdeführerin
zu bezahlen.
Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung anfallenden
Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführerin
beläuft sich auf Fr. 5'792.80 (Honorar Fr. 5'222.--, Auslagen Fr. 156.65, Mehrwertsteuer
18 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
19 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 108 N. 14
RA Nr. 110/2018/49 11
Fr. 414.15). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV20 beträgt das Honorar in verwaltungsrechtlichen
Beschwerdeverfahren Fr. 400.-- bis Fr. 11'800.-- pro Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs
bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der Sache gebotenen Zeitaufwand sowie
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (Art. 41 Abs. 3
KAG21). Im vorliegenden Fall ist der gebotene Zeitaufwand als knapp durchschnittlich zu
werten, da die Beschwerdeführerin zusätzlich zu ihrer Beschwerde lediglich eine Eingabe
zur Beantwortung von Fragen einreichen musste. Bei Baukosten gemäss Baugesuch von
Fr. 100'000.-- und der umstrittenen Rechtsfrage sind die Bedeutung der Streitsache und
die Schwierigkeit des Prozesses insgesamt als eher unterdurchschnittlich einzustufen.
Daher erscheint ein Honorar von Fr. 4'000.-- als angemessen. Zudem ist die
Beschwerdeführerin mehrwertsteuerpflichtig22 und kann somit die von ihrem
Rechtsvertreter auf sie überwälzte Mehrwertsteuer in ihrer eigenen
Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Nach Praxis des Verwaltungsgerichts
ist deshalb die in der Kostennote des Anwalts der Beschwerdeführerin aufgeführte
Mehrwertsteuer bei der Bestimmung des Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.23
Die Parteikosten belaufen sich somit auf Fr. 4'156.65 (Honorar Fr. 4'000.--, Auslagen
Fr. 156.65).