# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c01f3a78-182f-47ed-a677-58b312be32b1
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

den Akten entnommen:
A. Bei der Wohnbaugenossenschaft A._ (Rekurrentin) handelt es sich um eine Genossenschaft nach Obligationenrecht mit Sitz in E._. Einzige Genossenschafter sind
offenbar B._, wohnhaft in E._, der über ein Drittel der Anteilscheine verfügt,
und die C._ AG mit Sitz in F._ (Kanton G._), der zwei Drittel gehören
(vgl. Darlehensverträge vom 31.7.2013, Akten Vorinstanz, pag. 93-90). B._ und
D._ sind im Handelsregister als Präsident bzw. Vizepräsident der Rekurrentin
aufgeführt.
B. Mit Verfügungen vom 20. Mai 2015 (Akten Vorinstanz, pag. 87-84) wurde die Rekurrentin von der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Abteilung für juristische Personen
(Steuerverwaltung), für das Jahr 2013 auf einen steuerbaren Gewinn von CHF Null
(satzbestimmend CHF 1'500.--) bei den kantonalen Steuern und von CHF 1'500.-- bei der
direkten Bundessteuer veranlagt. Das im Kanton Bern steuerbare Kapital wurde auf
CHF 3'000.-- (satzbestimmend CHF 463'000.--) festgesetzt. Die Veranlagung erfolgte nach
Ermessen, mit der Begründung, dass trotz Mahnung keine Steuererklärung eingereicht worden
sei (pag. 86 und 84).
C. Am 10. April 2015 ging die Steuererklärung pro 2013 inkl. Jahresrechnung bei der Steuerverwaltung ein (pag. 82-45). Diese informierte die Rekurrentin am 23. April 2015 über
den Eingang der Steuererklärung und erklärte, dass die Veranlagungsverfügungen nach
Ermessen bereits ausgelöst worden seien und am 20. Mai 2015 eröffnet würden (pag. 88).
Dementsprechend wurde die Steuererklärung als Einsprache gegen diese Verfügungen
entgegengenommen. Mit Einspracheentscheiden vom 10. Januar 2017 (pag. 154-151) wurde
die Rekurrentin auf einen steuerbaren Gewinn von CHF Null (satzbestimmend CHF 880'400.--)
bei den kantonalen Steuern und von CHF 880'400.-- bei der direkten Bundessteuer veranlagt.
Das im Kanton Bern steuerbare Kapital wurde auf CHF 549'000.-- (satzbestimmend
CHF 630'000.--) festgesetzt. Dabei nahm die Steuerverwaltung gegenüber der
Selbstdeklaration eine Reduktion von CHF 403'000.-- vor. Aus den ebenfalls mit 10. Januar
2017 datierten "Bemerkungen zur definitiven Schlussabrechnung" (pag. 150-146) geht hervor,
dass die Steuerverwaltung ein Darlehen in der Höhe von CHF 403'000.--, das die Rekurrentin
dem Genossenschafter B._ gewährt hatte, mangels ausreichender Sicherheiten als
simuliert, und damit als geldwerte Leistung, betrachtete. Offenbar wegen technischer Probleme
wurden die Einspracheentscheide am 11. April 2017 noch einmal eröffnet (pag. 158-155).
Nachdem die Rekurrentin mit Schreiben vom 22. Mai 2017 (pag. 159) erklärt hatte, dass sie
keine Unterlagen zur Steuerveranlagung 2013 erhalten habe, wurden die Einspracheentscheide
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vom 11. April 2017 mit Schreiben vom 30. Mai 2017 (pag. 160) noch einmal eröffnet (vgl.
Ziff. 2/h der Vernehmlassung der Steuerverwaltung).
D. Mit Eingabe vom 29. Juni 2017 hat die Rekurrentin gegen die Einspracheentscheide Rekurs und sinngemäss Beschwerde erhoben. Sie beantragt die Anerkennung des Darlehens
an den Genossenschafter B._ als echtes Aktivum. Das Darlehen sei in keiner Weise
simuliert worden und es lägen ausreichende Sicherheiten vor.
E. Am 21. September 2017 hat sich die Steuerverwaltung vernehmen lassen. Sie beantragt, dass die Steuerrekurskommission auf den Rekurs und die Beschwerde nicht eintritt. Die
Steuerverwaltung erachtet die Rekurrentin durch die im Einspracheverfahren erfolgte Reduktion
des steuerbaren Kapitals nicht als beschwert. Daher habe die Rekurrentin kein hinreichendes
Rechtsschutzinteresse an einer Abänderung der Einspracheentscheide.
F. Die Steuerrekurskommission hat am 22. September 2017 der Rekurrentin die Vernehmlassung der Steuerverwaltung mit eingeschriebener Post zugesandt und ihr eine Frist
bis am 20. Oktober 2017 gewährt, um dazu Stellung zu nehmen. Die Rekurrentin hat darauf
nicht reagiert.
G. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien wird, sofern für den Entscheid von Bedeutung, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Gewinn- und Kapitalveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw. Beschwerde
angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG 661.11] und
Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte Bundessteuer [DBG;
SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den Vollzug der direkten
Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist deshalb sachlich und
örtlich zuständig.
1.1 Wie unter Bst. C hiervor ausgeführt, wurde die Steuererklärung pro 2013 an sich vor der Eröffnung der nach Ermessen vorgenommenen Veranlagungsverfügungen eingereicht. Weil die
Steuerverwaltung die Veranlagungsverfügungen intern bereits ausgelöst hatte, als sie von der
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verspätet eingereichten Steuererklärung Kenntnis erhielt, behandelte sie diese als Einsprache
gegen die Veranlagungsverfügungen vom 20. Mai 2015. Dies teilte die Steuerverwaltung der
Rekurrentin mit Schreiben vom 23. April 2015 mit. Während des Einspracheverfahrens erfolgte
eine umfangreiche Korrespondenz zwischen Steuerverwaltung und Rekurrentin (pag. 109-89).
Abschliessend erhielt die Rekurrentin mit Taxationsberechnung vom 17. Oktober 2016
Gelegenheit, sich zu den beabsichtigten Einspracheentscheiden zu äussern. Das von der
Steuerverwaltung gewählte Vorgehen ist vom Verwaltungsgericht in einer ähnlichen
Konstellation als zulässig erachtet worden (VGE 100.2013.56/57U vom 28.4.2014).
Dementsprechend stellen die Einspracheentscheide vom 11. April 2017 (Eröffnungsdatum
30.5.2017) gültige Anfechtungsobjekte für einen Rekurs bzw. eine Beschwerde an die
Steuerrekurskommission dar.
1.2 Nach einhelliger Lehre und Praxis wird für einen Rekurs bzw. eine Beschwerde an die Steuerrekurskommission jedoch zusätzlich vorausgesetzt, dass die rekurrierende Person
beschwert ist. Dies bedeutet, dass sie ein steuerrechtliches bzw. schutzwürdiges Interesse an
der Aufhebung oder Änderung der angefochtenen Veranlagungsverfügungen haben muss
(Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 11 zu Art. 140
DBG und N. 12 f. zu Art. 132 DBG, mit Hinweisen). Für die kantonalen Steuern folgt die
Prozessvoraussetzung des schutzwürdigen Interesses direkt aus Art. 151 StG i.V.m. Art. 86 und
Art. 65 Abs. 1 Bst. c des Gesetzes vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG;
BSG 155.21). Ein schutzwürdiges Interesse liegt vor, wenn die rechtliche oder tatsächliche
Situation der betroffenen Person durch den Ausgang des Verfahrens beeinflusst und damit ein
materieller oder ideeller Nachteil verhindert werden kann (VGE 100.2015.126/127U vom
31.1.2017, E. 1.2.1). Im vorliegenden Verfahren geht es dabei einzig um die steuerlichen
Auswirkungen der Einspracheentscheide auf die Rekurrentin als juristische Person (und nicht
um allfällige Folgen für die Genossenschafter).
1.3 Aus der mit der Steuererklärung eingereichten Jahresrechnung 2013 (pag. 76-67) ergibt sich, dass die Rekurrentin im Jahr 2013 ihre einzige Immobilie verkauft hatte und daraus einen
Gewinn von CHF 1.178 Mio. erzielte. Nach Berücksichtigung der übrigen Ertrags- und
Aufwandpositionen (wobei hauptsächlich die Grundstückgewinnsteuer von CHF 276'197.-- ins
Gewicht fällt) resultierte ein Jahresgewinn von CHF 898'867.--. Die Bilanz per 31. Dezember
2013 präsentiert sich wie folgt (einzelne Positionen zusammengefasst):
Flüssige Mittel 126'095.84 Diverse Passiven 34'219.92
Debitoren 93.50 Abgrenzung GGSt. 276'197.80
Depot Gewinnsteuer 100'000.00 Darlehen C._ AG 287'608.25
Darlehen C._ AG 1'057'875.00 Darlehen B._ 55'984.00
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Darlehen B._ 403'000.00 Fremdkapital 654'009.97
Genossenschaftskapital 120'000.00
Bilanzgewinn 913'054.37
Eigenkapital 1'033'054.37
Aktiven 1'687'064.34 Passiven 1'687'064.34
Die auf der Aktivseite aufgeführten Darlehen an die Genossenschafter C._ AG und
B._ wurden erst im Jahr 2013 gewährt und offensichtlich aus dem Verkaufserlös der
Liegenschaft finanziert. Weil die Steuerverwaltung das dem Genossenschafter B._
gewährte Darlehen von CHF 403'000.-- als simuliert und damit als verdeckte
Gewinnausschüttung beurteilt hatte, entfernte sie dieses für die Steuerbilanz aus den Aktiven
und reduzierte auf der Passivseite das Eigenkapitel durch eine sogenannte Minusreserve in
gleicher Höhe auf CHF 630'054.--. Diese Abweichung von der Selbstdeklaration hat sich
demnach mindernd auf die von der Rekurrentin zu bezahlende Kapitalsteuer ausgewirkt. Die
Gewinnsteuer ist durch diese Anpassungen nicht tangiert worden: Der von der
Steuerverwaltung auf CHF 880'434.-- festgesetzte steuerbare Gewinn entspricht dem
ausgewiesenen Jahresergebnis von CHF 898'867.--, vermindert um den Vorjahresverlust von
CHF 18'433.-- (pag. 24). Aus diesen Ausführungen ergibt sich, dass die Rekurrentin durch die
Einspracheentscheide nicht beschwert ist, würde doch die von ihr beantragte Veranlagung
gemäss Selbstdeklaration zu einem höheren steuerbaren Kapital und damit zu einer höheren
Steuerbelastung führen. Im Normalfall fehlt in einer solchen Konstellation ein schutzwürdiges
Interesse an der Abänderung der Einspracheverfügungen.
1.4 Die Steuerverwaltung hat in der Vernehmlassung vom 21. September 2017 ihren Antrag auf Nichteintreten ausführlich (und zutreffend) begründet. Dennoch hat die Rekurrentin auf eine
Stellungnahme dazu verzichtet. Sie hat mithin keine Gründe vorgebracht, die ausnahmsweise
ein Eintreten trotz beantragter Veranlagung auf ein höheres steuerbares Kapital rechtfertigen
könnten. Solche Gründe sind auch aus den Akten nicht ersichtlich. Dementsprechend ist auf
den Rekurs und die Beschwerde nicht einzutreten.
1.5 Da auf den Rekurs und die Beschwerde nicht eingetreten werden kann, fällt der vorliegende Entscheid in die einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. a des Gesetzes
vom 11. Juni 2009 über die Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[GSOG; BSG 161.1]).
2. Weil die Steuerrekurskommission nicht auf die erhobenen Rechtsmittel eintritt, kann sie im vorliegenden Verfahren nicht prüfen, ob die von der Rekurrentin ihren Genossenschaftern
gewährten Darlehen simuliert worden sind. Diese Frage dürfte sich jedoch bei der Veranlagung
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der Genossenschafter erneut stellen. An dieser Stelle sei immerhin darauf hingewiesen, dass
es ungewöhnlich erscheint, wenn eine Wohnbaugenossenschaft ihre einzige Liegenschaft
verkauft und den dabei erzielten Erlös ihren beiden (offenbar einzigen) Genossenschaftern als
Darlehen zur Verfügung stellt. Ob es sich bei diesen Darlehen um echte oder simulierte handelt,
beurteilt sich im Übrigen nicht nur nach den gewährten Sicherheiten (vgl. dazu beispielsweise
BGE 138 II 57). Es wird Sache der zuständigen Steuerverwaltungen sein, diesen Aspekten im
Rahmen der Veranlagung der Genossenschafter Beachtung zu schenken.
3. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird die Rekurrentin kostenpflichtig. Sei hat die gesamten Verfahrenskosten zu tragen einschliesslich allfälliger Auslagen für Gutachten oder
andere externe Kosten (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1, 2,
53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die
Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]).
Da die Rekurrentin im vorliegenden Fall unterliegt, werden keine Parteikosten gesprochen
(Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG; SR 172.021]).