# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 30014bf0-6c81-4ec9-8281-97f1f6f619ef
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1982 geborene
X._
(verheiratet und Mutter von zwei Kindern, geboren 2004 und 2014) arbeitet seit Januar 2011 bei
der
Y._
als Mitarbeiterin Verkauf Food bei einem 80%-Pensum. Auf
grund einer bei ihr diagnostizierten Multiplen Sklerose meldete sich die Versi
cherte am 13. Juni 2018 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 9/2).
In der Folge tätigte die IV-Stelle medizinische und erwerbliche Ab
klärungen und zog die Akten der
SWICA Krankentaggeldversicherung bei.
Mit Schreiben vom
24. Mai 2019
teilte sie der Versicherten mit, dass zurzeit aufgrund ihres Gesund
heits
zustandes keine
Eingliederungsmassnahmen
angezeigt seien, da die medizi
nischen Behand
lungen im Vordergrund ständen und am Arbeitsplatz keine Unter
stützung nötig sei (Urk. 9/24).
Daraufhin holte die IV-Stelle beim
Z._
, Insti
tut für interdisziplinäre medizinische Begut
achtung
,
ein neurolo
gisches
Gutach
ten samt neuropsychologischer
Untersuchung ein (neuro
logisch-neuropsycholo
gisches
Gutachten vom 23. September 2019, Urk. 9/32). Nachdem sich Hinweise auf eine Anpassungsstörung mit möglicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ergeben hatten (Urk. 9/35), wurde bei
Dr.
med.
A._
, Facharzt Psychiatrie, ein ergänzendes psychiatrisches Gutachten in Auftrag gegeben (psychiatrisches Gutachten vom 5. März 2020 samt
bidisziplinärem
Konsens vom 6. März 2020, Urk. 9/38).
Gestützt auf die versicherungs
medizinische
n
Beur
teilung
en
von
PD
Dr.
med. univ.
B._
, Facharzt Neurologie, Zertifizier
ter Medizinischer Gutachter SIM und Vertrauens
arzt
SGV
, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) vom
13. und 17. März
2020
(vgl.
Feststellungsblatt für den Beschluss vom
18. März 2020, Urk. 9/39 S. 9 und S. 11
) kündigte die IV
Stelle der
V
ersicherten mit Vorbescheid vom 18. März 2020
die Abweisung
ihres Leistung
sbegehrens
an
(Urk. 9/40).
Dagegen
erhob
X._
am
4. Mai respektive 8. Juni 2020 Einwand (Urk. 9/46 und Urk. 9/52
, samt diver
ser Beilagen, Urk. 9/51 und Urk. 9/55
)
. Zudem nahm Prof.
Dr.
med.
C._
, Neurologie FMH, am 15. Mai 2020 Stellung zum abweisenden Vorbe
scheid (Urk. 9/49).
Am
16. Dezember 2020
beantwortete das begutachtende
Z._
die von der IV-Stelle gestellten Rückfragen
(Urk. 9/57 und Urk. 9/62), wozu sich die Versicherte mit Eingabe vom 9. März 2021 äusserte (unter Beilage einer Stellungnahme von Dipl. Psych.
D._
, Fach
psychologin für Psychotherapie FSP und
Eidg
. anerkannte Psychotherapeutin vom 2. März 2021, Urk. 9/65).
Mit Verfügung vom 17. März 2021 wies die IV
Stelle wie vorbeschieden das Leistungsbegehen ab (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob
X._
am 3. Mai 2021
Beschwerde und beantragte,
die Beschwerdegegnerin sei
unter Aufhebung der angefoch
tenen Ver
fügung
vom
17. März 2021 zu verpflichten, weitere medizinische und berufliche Abklärungen vorzunehmen, das Leistungsbegehren neu zu prüfen und ihr eine angemessene Invalidenrente auszurichten (Urk. 1).
Die Beschwerde
gegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
21. Juni 2021
auf
Abweisung der Beschwerde (Urk. 8
, unter
Beilage ihrer Akten, Urk. 9/1-69
), was der Beschwerde
führerin am
30. Juni 2021 mitgeteilt wurde (Urk. 10
).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSV
), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen Einspracheentscheids eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V
210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V
396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V
215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E.
4c
; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (BGE 125 V 351 E.
3a
).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Zudem muss der Arzt über die notwendigen fachlichen Qualifikationen ver
fügen. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E.
3a
; Urteil des Bundesgerichts
8C_225
/2021 vom 1
0.
Juni 2021 E. 3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) gestützt auf
ihre Abklärungen
- insbesondere das ergänzte bidisziplinäre neurologisch-neuropsychologische und psychiatrische Gutachten des
Z._
(Urk. 9/32 und Urk. 9/38) -
davon
aus, dass
keine längere und
höhergradige
Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei, weder in der bisherigen noch in einer der G
esundheit angepassten Tätigkeit
. Aufgrund der erfolgten Abklärungen sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit auf neuro
logische
m
Fachgebiet ab etwa Juni 2018 auszugehen. Die Erschöpfung, welche als Fatigue klassifiziert worden sei, werde auf Befundebene nicht dokumentiert und könne in den Untersuchungen nicht festgestellt werden.
2.2
Die Beschwerdeführerin ist demgeg
enüber der Ansicht, auf das bidisziplinäre
Gutachten könne nicht abgestellt werden, da es
unvollständig sei und ihre mittelgradige bis schwere neuropsychologische Störung mit einer deutlichen
E
in
schränkung der Verarbeitungsgeschwindigkeit, Verlangsamung der
Alertness
sowie Einschränkung der Merkfähigkeit und einer schweren sowohl motorischen als auch kognitive
n
Fatigue-Symptomatik nicht berücksichtige.
Daneben stehe sie auch wegen einer Depression in psychologischer Behandlung, wegen welcher ihr eine
100%iger
Arbeitsunfähigkeit attestiert worden sei
(Urk. 1).
3.
3.1
Dr.
med.
E._
,
Facharzt
FMH für N
eurologie, diagnostizierte in
seinem Bericht vom 29. Januar 2018 (Urk. 9/3 S. 2 f.) zuhanden des
behandelnden
Haus
arztes eine Multiple Sklerose mit wahrscheinlich schubförmigem Verlauf.
Nach der
Geburt ihres Sohnes 2014, als die Beschwerdeführerin mit dem Joggen begonnen habe, habe sie plötzlich nichts mehr sehen können. Sie ha
be angehal
ten, worauf sich das S
ehen dann allmählich normalisiert habe. Sie sei dann nicht mehr Joggen gegangen; dieselbe Sehstörung sei dann aber auch nach längerem Gehen aufgetreten, es sei ihr jeweils ganz schwarz vor Augen geworden, verbun
den mit Unwohlsein, sodass sie habe anhalten müssen. Sie habe dann mehrmals tief durchgeatmet, worauf sich der Visus normalisiert habe. Auch bei der Arbeit im
Y._
, vor allem wenn die Arbeitslast zugenommen habe, sei es erneut zu dieser Sehstörung gekommen. Aktuell fühle sie sich müde, wie nicht ganz aufge
wacht und etwas schwindelig. Die
radiologische Verdacht
sdi
agnose einer Mul
tiplen Sklerose habe sich auch im Liquor bestätigen lassen, indem
oligoklonale
Banden nachgewiesen worden seien. Das Beschwerdebild mit unter Belastung auftretenden Sehstörungen sei allerdings ungewöhnlich und eigentliche Schub
situationen seien aus der Anamnese nicht hervorgegangen. Zudem hätten sich weder im Liquor noch in der MRI-Untersuchung des Schädels Zeichen für eine Krankheitsaktivität gezeigt, sodass mit einer Interferon
behandlung zuzuwarten wäre. Als vorläufige erste Massnahme sei ein
Kortisonstoss
verabreicht worden und
Fortecortin
rezeptiert worden.
3.2
Prof.
C._
vom
F._
stellte in seinem Bericht vom 3. April 2018 (Urk. 9/3 S. 6 f.) zuhanden des
behandelnden
Hausarztes folgende Diagnose:
-
Schubförmig remittierende Multiple Sklerose (erstmals wahrscheinlich
2015, Erstdiagnose: Januar 2018) mit/bei:
-
Status nach wiederholt aufgetretenen Sehstörungen nach Geburt
des Sohnes (Oktober 2014). Seit Januar 2018 Fatigue und
Schwindel. Seit einigen Tagen sensomotorische Schwäche der
linken oberen Extrem
ität
-
MR
-tomografisch
cerebrale
, nicht kontrastmittelanreichernde Herde
(3 von 4
Barkhof
-Kriterien). Spinale
s
MRI ausstehend.
-
Liquor: positive
oligoklonale
Banden
-
SSEP
: unauffällig
-
MEP
: unauffällig
-
VEP
beidseits rechtsbetont pathologisch verändert.
In der aktuellen klinisch-neurologischen Untersuchung präsentiere sich die Beschwerdeführerin mit Zeichen einer diskreten links armbetonten sensomotori
schen Hemiparese (Absinken im Armvorhalteversuch) sowie einer distalen Schwäche und Störung. Darüber hinaus lasse sich
auch eine
Hypästhesie im linken Bein bestätigen. Hinzu komme die Fatigue-Symptomatik, insgesamt in einem
EDSS
-Wert von 2.0 resultierend. An der von
Dr.
E._
gestellten Diagn
ose
einer Multiplen Sklerose best
e
he kein Zweifel. Die Beschwerdeführer
in
stelle sich aber mit neuen Symptomen vor, weshalb eine
Kortisonbehandlung
indiziert sei. Anlässlich der Verlaufskontrolle vom 27. März 2018 habe sie über eine signifikante Besserung der visuellen Problematik, Abnahme der Kon
zentra
tions
störungen und auch Verbesserung der Gehfähigkeit berichtet. In der aktuellen Situation sei die Aufnahme einer
Immunomodulation
mit
Tecfidera
indiziert.
3.3
Prof.
C._
hielt in seiner neuropsychologischen Standortbestimmung bei Multipler Sklerose mit schubförmigem Verlauf vom 25. Oktober 2018 (Urk. 9/15 S.
7-9, unter Beilage der neuropsychologischen Untersuchungsergebnisse, S. 10 f.
) fest, dass sich bei der Beschwerdeführerin aktu
e
ll eine mittelgradige bis schwere neuropsychologische Störung mit einer deutlichen Einschränkung der V
er
arbeitungsgeschwindigkeit, Verlangsamung der
Alertness
sowie Ein
schränkungen in der Merkfähigkeit und einer schweren sowohl motorischen als auch kognitiven Fatigue-Symptomatik zeige. Sie sei
dadurch
in
ihrem
Alltag deutlich eingeschränkt, die Symptomatik wirke sich stark auf ihre Arbeits
fähig
keit aus. Aktuell sei die Beschwerdeführerin rein aus neuropsychologischer Sicht mindestens zu 80 % arbeitsunfähig.
Die Funktions
fähigkeit sei im Alltag und unter sämtlichen beruflichen Anforderungen deutlich eingeschränkt. S
ie
sei auf längere und mehr Pausen angewiesen; selbst bei einer maximalen Arbeitsbe
lastung von 2 Stunden /Tag werde sie auf eine längere
Pause
angewiesen sein. Der Arbeitsplatz und die Aufgaben sollten gut strukturiert sein.
Zur Verbesserung der Symptomatik sei ein neurokognitives Training in der Ergotherapie empfohlen.
3.4
3.4.1
Im
neurologisch
en
Gutachten
des
Z._
vom 23. September 2019 (
Urk. 9/32
) wurden folgende Diagnosen mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aufgeführt
(S. 23)
:
-
schubförmig verlaufende Multiple Sklerose (MS, ICD-10:
G35.10
,
Erst
diagnose: Januar 2018), im MRI Schädel vom 27. Dezember 2017
typische
signalhypertensive
Läsionen in der
T2
-Gewichtung im Marklager
beidseits
periventrikulär
und
juxtacortical
, in der Lumbalpunktion vom
19. Januar 2018 mit normaler Zellzahl und normalem
Zellbild
,
d
ominante
I
gG
-Synthese bei Nachweis
oligoklonaler
Banden; im Verlauf unter
immunmodulatorischer
Therapie mit
Tecfidera
schubfrei
-
Anpassungsstörung (früher: reaktive Depression, ICD-10:
F42.3
)
Die Beschwerdeführerin habe als haupts
ä
chliche Symptomatik eine allgemeine Schwäche, einen Antriebsmangel, eine leichte Erschöpfbarkeit sowie eine Traurig
keit und Schlaf
störungen
beklagt. Sensomotorische Beschwerden seien nicht vorgetragen worden. Auch eine anhaltende Sehstörung sei nicht beklagt
worden. Sie habe aber noch über eine diffuse
Schwankschwindel
-S
ymptomatik berichtet. In den Untersuchungen habe sich ein normaler Neurostatus und keine senso
motorischen Defizite gezeigt. Es habe auch keinen Anhalt für eine peripher- oder
centralvestibuläre
Störung oder eine Ataxie ergeben. Im psycho
patho
logi
schen Querschnittbefund habe sich ein mittelgradig ausgeprägtes depressives Syndrom mit gedrückter Stimmung, reduziert emotionaler Schwingungs
fähigkeit, gemindertem Antrieb
bei anamnestisch weiter bestehen
den Schlafstörungen und
Anhedonie
gezeigt
. Eine auffällige Ermüdung o
d
er Erschöpfung
habe
sich nicht beobachten lassen. Das EEG habe einen normalen Grundr
h
ythmus ohne Anzei
chen für ein hirnorganisches Psychosyndrom oder eine Enzephalopathie gezeigt. Es hätten sich auch keine pathologischen Ermüdungszeichen gezeigt. Der von
Dr.
E._
berichtete B
efund einer
«leichten unspezifischen Allgemein
ver
än
d
erung der G
rundak
tivität» habe nicht mehr
b
estätigt werden können. Au
ch
das Medianus-SEP und das
Tibilalis
-SEP seien normal gewesen, womit sich die Befunde von
Dr.
C._
bestätigt hätten. Die elektrophysiologischen Befunde hätten gegen eine wesentliche
funktionelle
Schädigung des Marklagers gesprochen. Das MRI vom 27. Dezember 2017 habe in den Originalbildern einge
sehen werden können. Wie im Befundbericht dokumentiert, beständen nur wenige typische Marklagerläsionen,
per
i
ventrikulär
und
juxtako
r
tikal
.
Infraten
toriell
zeigten sich keine Läsionen. Ein
wesentliches
Lesion
load
sei nicht erkennbar.
Die Ergebnisse der Symptomvalidierung aus der ebenfalls
durchgeführten
neuro
psychologischen Untersuchung
(vgl. S. 32 ff.)
seien unauffällig
gewesen, sodass sich kein Anhalt für eine wesentliche Aggravation oder Simulation ergeben habe. E
s
hätten sich allerdings am ehesten motivational bedingte Schwankungen im Bereich der Aufmerksamkeit und der
Mnestik
gezeigt. Das in den Selbstein
schätzungsbögen zur Fatigue angegebene Störungsausmass habe sich weder in der neuropsychologischen Untersuchung noch in der neurologischen Begut
ach
tung abbilden lassen. Gesamthaft zeige sich eine leichte neuropsychologische Störung mit leichten Einbussen im Bereich der attentionalen, exekutiven und mnestischen Funktionen. Die in der Voruntersuchung am 25. Oktober 2018 beschriebene mittelgradige bis schwere neuropsychologische Störung habe sich nicht bestätigen lassen. Inwieweit dies zumindest teilweise motivational bedingt sei, lasse sich nicht sicher abschätzen, da in der damaligen Untersuchung keine Symptomvalidierungstests
durchgeführt
worden seie
n
. In jedem Fall spreche das aktuelle Ergebnis klar gegen eine hirnorganische Genese, da eine solche Schwankung im Rahmen eines hirnorganischen Syndroms bei MS nicht gut erklärbar sei.
Ätiopathogenetisch
erkläre sich die leichte neuropsychologische
Störung am ehesten durch die begleitende Anpassungsstörung
, wie sie bei vielen erstdiagnostizierten MS-Patienten zu beobachten sei. Eine wesentliche Minde
rung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin begründe sich durch die leichte kognitive Minderleistung nicht. Die Ergebnisse der hiesigen neuropsychologischen Testung seien somit in Übereinstimmung mit den Ergebnissen der verhaltensneurologischen Untersuchung. Ein sicherer Anhalt für Aggravation oder Simulation habe sich in der Testung nicht ergeben. In der hiesigen Untersuchung habe sich teilweise eine motivational bedingte, demon
stra
tive Minderleistung gezeigt. Auch
sei
die Bewegungsgeschwindigkeit bei den Stand- und Gangprüfungen innerhalb des Untersuchungszimmers deutlich geringer
gewesen
als ausserhalb des Untersuchungszimmers. Pathologi
sche Bewegungsmuster liessen sich dabei im Gangbild allerdings nicht fest
st
ellen.
In der Schilderung des
Alltags
habe die Beschwerdeführerin keine spezifischen oder
qualitativen
Tätigkeiten berichtet, welche sie nicht mehr ausführen könne. Sie habe darauf verwiesen, dass alles, was anstrengend sei, von ihr nicht mehr geleistet werden könne. Auch bezüglich ihrer zweistündigen Tätigkeit am bishe
rigen Arbeitsplatz habe sie keine spezifischen Tätigkeiten benannt, die nicht mehr möglich seie
n
. Sensomotorische Funktionsstörungen hätten sich bei der
Beschwerdeführerin
nicht fest
st
ellen lassen. Sie seien auch für die letzten sechs
Monate
nicht beklagt worden. Wesentliche Beschwerde sei die
allgemeine
Erschöpfung im Sinne eines Antriebsmangels und die leichte Ermüdbarkeit gewesen. Darüber hinaus habe die Beschwerdeführerin eine traurige Stimmung und eine
Anhedonie
beklagt. Im psychopathologischen Querschnittsbefund zeige sich ein depressives Syndrom, das diese Beschwerden hinreichend erkläre. Differential
diagnostisch sei am ehesten eine Anpassungsstörung nach Diagnose einer schweren Erkrankung zu denken. Es ergebe sich kein sicherer Hinweis, dass die beklagte Antriebsstörung durch die MS im Sinne einer organpathologischen Genese
verursacht
sei. Es beständen keine sensomotorischen Defizite. Darüber hinaus sei der
Lesion
load
im MRI nur sehr gering ausgeprägt, sodass diesbe
züglich keine organpathologische Basis für ein Fatigue-Syndrom bestehe. Auch elektrophysiologische Untersuchungen hätten keinen Anhalt für
eine organ
pathologische Basis
eines Fatigue-Syndrom
s
ergeben. Insofern könne der Ein
schätzung von
Prof
.
C._
nicht gefolgt werden, dass bei der
Beschwerde
führerin
eine
mittelgradige
bis schwere neur
o
psychologische Störung und eine
MS-bedingte schwere Fatigue-Sym
ptomatik vor
l
ägen, welche eine dauerhafte
Arbeitsunfähigkeit
von 80 % begründeten. Derzeit sei keine sicher MS-bedingte Arbeitsunfähigkeit zu begründen. Die «Fatigue» erkläre sich als Antriebsmangel im Rahmen eines depressiven Syndroms,
welches
am ehesten reaktiv als Anpassungsstörung zu werten sei.
Zusammenfassend sei festzustellen, dass bei
der Beschwerdeführerin auf neurologischem Gebiet eine Multiple Sklerose bestehe. Sie habe bisher einen gesicherten Schub erlitten, vielleicht zuvor einen weiteren. Die Symptomatik habe sich im Verlauf vollständig zurückgebildet. Unter
Tecfidera
sei die Beschwerdeführerin schubfrei. Es bestehe ein normaler Neurostatus mit unauffälligen sensomotorischen Befunden. Die neuropsycho
logische Untersuchung habe nur leichtgradige kognitive Minderlei
stungen ergeben. Im
MRI Schädel hätten sich nur gering ausgeprägte Hirnveränderungen (geringes
Lesion
load
) gezeigt. Auch die Elektrodiagnostik (EEG, Medianus-SEP,
Tibilais
-SEP
,
MEP
)
habe
keine Befunde ergeben, welche ein organpathologisch begründetes Fatigue-Syndrom wahrscheinlich machen könnten. Entsprechen
d bestehe derzeit aus neurologischer Sicht eine volle Arbeitsfähigkeit, sowohl in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin als auch in denkbaren Verweistätig
keiten, die den Bildungsgrad der Beschwerdeführerin berücksichtigten. Eine psychiatrische Behandlung mittels antidepressiver Medikation und
supportiver
Psychotherapie zur Verbesserung der Krankheitsverarbeitung sei dringend anzu
raten. Gegebenenfalls sollte auch eine psychiatrische Begutachtung erwogen werden. Retrospektiv sei im Rahmen des akuten MS-Schubes für Januar bis Ende April 2018 eine Arbeitsunfähigkeit temporär mit überwiegender Wahrscheinlich
keit ausgewiesen, was sich auch aus dem Bericht von
Prof.
C._
vom 3. April 2018 erg
ebe
. In den Versicherungsakten seien ab Ende April 2018
für den Zeitraum ab Ende April 2018 keine weiteren neurologischen Befunde dokumentiert, sodass eine sichere retrospektive Einschätzung der Arbeitsunfähig
keit nicht möglich sei. Eine Armparese finde aber keine Erwähnung mehr, sodass eine anhaltende wesentliche Lähmung der linken Hand nicht überwiegend wahr
scheinlich sei. Es sei somit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit auf neurologischem Fachgebiet ab etwa Juni 2018 auszu
gehen. Die berichtete Erschöpfung, welche als «Fatigue» klassifiziert worden sei, sei durch
Prof.
C._
auf Befundebene nicht dokumentiert worden, sodass eine länger anhaltende Arbeitsunfähigkeit
neurologischerseits
nicht bestätigt werden könne.
Eine
dauerhaft
anhaltende Arbeitsunfähigkeit habe bei der Beschwerdeführerin weder retrospektiv noch anhaltend auf neurologischem Fachgebiet bestanden. Eine
Arbeitsunfähigkeit sei im akuten Schub für den Zeitraum von
Januar
bis Ende April 2018 für die Tätigkeit als Verkäuferin überwiegend wahrscheinlich gegeben gewesen. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit auf neurologischem Fachgebiet ab etwa Juni 2018 auszugehen. Die beklagte «Fatigue»-S
ym
ptomatik erkläre sich am ehesten im Rahmen
ei
n
er
erheblichen Anpassungsstörung. Hierbei handle es sich
nicht um eine neuro
logi
sche Erkrankung. Auch für eine angepasste Tätigkeit im Sinne einer der Ausbil
dungssituation angemessenen denkbaren Verweistätigkeit habe keine dauer
haft anhaltende Arbeitsunfähigkeit bestanden und sei auch aktuell nicht gegeben. Die weiterhin beklagte Antriebsstörung und Traurigkeit erkläre sich am ehesten durch eine Anpassungsstörung und erkläre sich nicht durch eine hirnorganische Genese wie beispielsweise die MS.
Die Beschwerdeführerin sei erfolgreich mit einer
Kortisontherapie
im Januar und
April
2018 behandelt worden.
Se
it April 2018 werde eine
immunmodulatorische
Therapie mit
Tecfidera
lege artis durchgeführt. Darunter sei es zu keinem weiteren Schub gekommen. Die sensomotorische Störung werde aktuell weder von der Beschwerdeführerin beklagt noch sei diese im neurologischen Befund nachweisbar. Insofern bestehe rein neurologisch derzeit kein therapeutischer Ansatz für eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit. Die anhaltende Antriebsstörung, gekoppelt mit Traurigkeit und Reduktion der emotionalen Schwingungsfähigkeit, erkläre sich am ehesten im Sinne einer reak
tiven Depression (Anpassungsstörung). Hier sei eine antidepressive Medikation dringend indiziert, ausserdem eine Psychotherapie zur Verbesserung der Krank
heitsverarbeitung.
3.4.2
Im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung vom 29. Juli 2019 (neuropsychologisches Gutachten vom 23. September 2019, Urk. 9/32 S. 32 ff.) habe sich die Beschwerdeführerin freundlich, gut distanziert und höflich gezeigt. Affektiv habe sie gedrückt und wenig aufhellbar gewirkt.
Basierend
auf den unauffälligen Resultaten der Symptomvalidierung hätten sich keine Hinweise auf eine Aggravation oder Simulation gefunden. Die aktuelle Überprüfung der kognitiven Leistungsfähigkeit fördere leichte Einbussen im Bereich der attentiona
len, der exekutiven wie auch der mnestischen Funktionen zu Tage. Im Bereich der attentionalen Funktionen seien die Geschwindigkeitsleistungen in den Aufgaben zur Überprüfung der selektiven Aufmerksamk
eit unterdurch
schnittlich gewese
n. Die Fehlerkontrolle sei stets gut gewesen. Im Bereich der Exekutiv-Funktionen sei die Geschwindigkeitsleistung in der Aufgabe zur Über
prüfung der visuo-verbalen Interferenzkontrolle unterdurchschnittlich und beim
Produzieren
von Wörtern mit dem Anfangsbuchstaben «s» sei die Leistung lang
sam bei einer qualitativ durchschnittlichen Leistung
gewesen. Im Bereich der Gedächtnisleistungen seien die Mer
k
spanne beim Zahlen
nach
sprechen vorwärts sowie die verbalen und
non-verbalen
Lern- und Abruf
leistungen unterdurch
schnittlich gewesen. Diese kognitiven Teilleistungs
ein
bussen entsprächen
einer
leichten neuropsychologischen Störung. Es fänden sich leichte Minderleistungen
in
f
ünf kognitiven Teilfunktionen bei einer bis zwei
St
andardabwei
c
hungen unter
dem Mittelwert. Die Funktionsfähigkeit sollte im Alltag und unter den meisten beru
fli
chen Anforderungen durch diese leichte neuropsychologische Störung nicht wesentlich eingeschränkt sein. Die Beschwerdeführerin sollte auch in ihrem
sozialen
Umfeld
nicht auffallen. Bei Aufgaben und Tätigkeiten mit sehr hohen kognitiven
Anforderungen könnte die Funktionsfähigkeit jedoch leicht einge
schränkt sein; ebensolche Tätigkeiten seien von der Beschwerdeführerin bis anhin nicht ausgeführt worden. A
us rein n
europsychologischer Sicht dürfte die Arbeits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit nicht wesentlich eingeschränkt sein. In einer anderen, dem Ausbildungsniveau der
Beschwerdeführerin
angepassten Tätigkeit dürfte die Arbeitsfähigkeit um maximal 20 % eingeschränkt sein. Ein Vergleich mit den Resultaten der neuropsychologischen Voruntersuchung von 2018 im
F._
sei aufgrund abweichender durchgeführter Test
verfahren
erschwert
. Generell seien damals deutlichere kognitive Einbussen beschrieben worden. Dort seien keine Symptomvalidierungsverfahren eingesetzt worden, weshalb keine Aussagen über die Anstrengungsb
e
reitschaft der Beschwerde
führerin habe gemacht werden können. Die Alltagsaktivitäten der Beschwerdeführerin mit unfallfreiem Autofahren seien nicht plausibel mit den damals festgehaltenen weit unterdurchschnittlichen Aufmerksamkeitsfunktionen vereinbar. Auf alle Fälle spreche diese deutliche Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit
gegen eine organische Genese. Die leichte neuropsychologi
sche Störung werde hauptsächlich im Rahmen einer Anpassungsstörung als Reaktion auf die MS-Erkrankung interpretiert. Es seien keine spezifisch zur Fahr
eignung konzipierten Testverfahren durchgeführt worden. Als richtungsweisende Einschätzung und basierend auf dem Testprofil mit nur leichten Einbussen und insbesondere einer durchschnittlichen Konzentrationsleistung sei die Fahr
eignung der Beschwerdeführerin aus rein neuropsychologischer Sicht nicht in Frage gestellt.
3.5
3.5.1
Ergänzend zum neurologisch-neuropsychologischen Gutachten des
Z._
vom 23. September 2019 (vgl. E. 3.4) erstatte
te
Dr.
A._
am 5. März 2020 sein psychiatrisches Gutachten (Urk. 9/38).
Darin stellte er keine psychiatrischen Diagnosen. In seiner versicherungsmedizinischen Beurteilung hielt er fest, dass die Beschwerdeführerin, in der Heredität hinsichtlich psychi
scher Störungen nicht vorbelastet, ohne Besonderheiten in der frühkindlichen Entwicklung und bei weiteren Entwicklungsstationen, normativ in ihrem Heimat
land Portugal sozialisiert, mit
durchschnittlichen Leistungen einen Gesamt
schulabschluss
erreicht habe
. Weiterführende Schulen habe sie nicht besucht, auch habe sie keinen Beruf erlernt. Ihre soziale und Beschäftigungsanamnese sehe bis zur
Diagnose von Enzephalitis
disseminata
vor zwei Jahren dahingehend unauffällig aus, dass die Beschwerdeführerin nach der Migration in die Schweiz mit den Arbeits- und Lebensbedingungen nicht zufrieden gewesen sei und in ihre Heimat zurückgekehrt sei. Nachdem sie festgestellt habe, dass die Verdienste dort gering ausfielen, sei sie wieder in die Schweiz migriert. Z
u
irgendwel
chen Problemen sei
es
im Verlauf für die ganze Arbeitskarriere nicht gekommen; bei ihrer letzten, nicht gekündigten Stelle bei
Y._
habe sie auf die Perspektive einer Beförderung geblickt. Nach der erfolgten Diagnose von Enzephalitis
disseminata
habe die Beschwerdeführerin eine Anpassungsstörung mit hauptsächlich depressiver Symptomatik entwickelt. Habe sich die Beschwerdeführerin bei der Untersuchung zum neurologisch-neuropsychologischen Gutachten vom 23. Sep
tember 2019 noch mit einem depressiven Syndrom reaktiver Natur präsentiert, so habe sie in der aktuellen Untersuchung keine Beschwerden geschildert, welche zu einem psychopathologischen Syndrom hätten zusammengeführt werden können, und
sei
im beobachtbaren Teil des B
ef
undes frei von Defiziten
gewesen
. Die beklagte Fatigue sei nicht beobachtet worden, ebenso die beklagten Konzentra
tions
störungen. Eine mit dem beobachtbaren Befund nicht korrelierende Müdig
keit (Fatigue) stehe auch aktuell im Vordergrund des klinischen Bildes. Der Beschwerdeführerin sei jedoch inzwischen deutlich geworden, dass die ungüns
tige
attentive
Fixierung zu einer Verstärkung von Fatigue-Erscheinungen führe. In diesem Zusammenhang erscheine das Vorliegen eines sogenannten
«abnormal
illness
behaviour
» überwiegend wahrscheinlich, was allerdings keine nach ICD
10 diagnostizierbare psychische Störung konstituiere und keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin habe. Korrespondierend dazu berichte die Beschwerdeführerin von keinen relevanten Einschränkungen in der Alltags
bewältigung. Dem Autofahren komme in diesem Kontext der Wert einer dynami
schen Prüfung der neuropsychologischen Leistungsfähigkeit zu; das Vorliegen von für die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin relevanten Ausfällen im kognitiv-mnestischen Bereich und im Bereich der Psychomotorik könne unmöglich mit dem unfallfreien Führen eines Fahrzeugs im Strassenverkehr ver
einbart werden. Die zweifache erfolgreich bewältigte Migration lasse eher auf eine überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit schliessen. Auch die ohne Fachhilfe überwundene reaktive psychische Störung, entstanden im zeitlichen und kausa
len Zusammenhang mit der MS-Diagnose, deute in die gleiche Richtung hin. Akzentuierte Persönlichkeitszüge oder gar eine Persönlichkeitsstörung lägen nicht vor. Die Persönlichkeitsstruktur der Beschwerdeführerin hindere sie nicht daran, Hilfsmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen. Die Beschwerdeführerin besitze eine zumindest durchschnittlich ausgeprägte Fähigkeit, Prioritäten aufzu
stellen und die einst gesetzten Ziele zu verfolgen
,
und bringe dafür genügend
Ausdauer und Durchsetzungskraft mit.
Bisher sei keine psychiatrische Behand
lung erfolgt und es bestehe der
zeit auch keine psychiatrische B
ehandlungsbedürf
tigkeit. Aus psychiatrischer Sicht erscheine es unwahrscheinlich, dass die
Beschwerdeführerin
erneut eine A
npassungsstörung entwickeln werde, bei deutlich regressivem Verlauf der vormals bestandenen reaktiven psychischen Pathologie. Aus psychiatrischer Sicht beständen keine gleichmässigen Ein
schränkungen des Aktivitätenniveaus in vergleichbaren Lebensbereichen. Von der Beschwerdeführ
erin sei in der Untersuchung ein
etwas überzeichnetes Bild angeboten worden (z.B. zum Befund unpassende teilweise Desorientierung, Fehlen von
konzentrativen
Defiziten trotz Klagen darüber), wohl als Folge vom abnormen Krankheitsverhalten (abnormal
illness
behaviour
»).
Weshalb im neu
ropsychologischen Bericht,
F._
, vom 25.
O
kto
ber 2018 bei deutlich beschriebener depressiver und weniger deutlich beschriebener Angst
symptomatik
zu keiner Aufnahme einer psychiatrischen oder
psychotherapeuti
schen
Behandlung geraten worden sei, sei nicht
nachvollziehbar
. Für die
aktuelle
Fragestellung sei dieser Aspekt jedoch nicht von Belang, da die zum
damaligen
Zeitpunkt
bestandenen psychischen Beeinträchtigungen einen für eine Anpassungsstörung regelhaften Verlauf gezeigt und sich auch in Abwesenheit einer Behandlung zurückgebildet hätten.
Es bestehe keine psychische Störung mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit. In der zuletzt ausgeübten Tätigkeit könne die Beschwerdeführerin 8.5 Stunden an fünf Tagen pro Woche arbeiten. Leistungs
ei
nschränkungen beständen nicht. I
n der bisherigen Tätigkeit betrage die Arbeits
fähigkeit 100%. Überwiegend wahrscheinlich erscheine eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht zwischen der Diagnosestellung von MS
im Januar 2018 und August 201
9.
Eine genaue retrospektive Bestimmung des Arbeitsunfähigkeitsgrades sei anhand der vorliegenden Dokumentation und vor allem aufgrund de
s
Fehlens von psychiatrischen Befundberichten nicht möglich. Seit August 2019 sei es sukzessive zu einer Verbesserung des Zustandsbildes gekommen, sodass spätestens ab dem Untersuchungszeitpunkt keine Arbeitsun
fähigkeit aus psychiatrischer Sicht mehr vorgelegen habe. Spätestens ab dem Zeitpunkt dieser Untersuchung wäre der Beschwerdeführerin im Pensum von 100 % auch eine angepasste Tätigkeit zumutbar gewesen.
3.5.2
Im
bidisziplinären
(neurologisch-neuropsychologischen und psychiatrischen) Konsens vom 6. März 2020 (Urk. 9/38 S. 1-6) h
ie
lten die
bei
den
Gutachter des
Z._
folgende Diagnosen fest:
-
als neurologische D
iagnose
eine
schubförmig verlaufende Multipl
e
Sklerose (MS, ICD-10:
G35.10
), im MRI Schädel vom 27. Dezember 2017
typische
signalhypertensive
Läsionen in der
T2
-Gewichtung im Marklager
beidseits
periventrikulär
und
juxtacortical
, in der Lumbalpunktion vom
19. Januar 2018 mit normaler Z
ellzahl und normalem
Zellbild
, d
ominante
IgG
-Synthese bei Nachweis
oligoklonaler
Banden; im Verlauf unter
immunmodulatorischer
Therapie mit
Tecfidera
schubfrei
,
-
als neuropsychologische Diagnose eine leichte neuropsychologische
Störung mit leichten Einbussen im Bereich der attentionalen, exekutiven
und mnestischen Funktionen und
-
keine psychiatrische Diagnose.
Bei
der Beschwerdeführerin
sei
im Januar 2018 eine
MS
diagnostiziert
worden
. Aufgrund der Zusatzdiagnostik (MRI Schädel,
Liquordiagnostik
)
sei
die Diagnose einer Multiplen Sklerose nach den internationalen McDonald-Kriterien gesichert. Differenzialdiagnostisch
ergebe
sich in der Gesamtschau derzeit kein Anhalt für eine andere neurologische Erkrankung. In der neurologischen Untersuchung am 29.
Juli 2019
habe
die
Beschwerdeführerin
als hauptsächliche Symptomatik eine allgemeine Schwäche, einen Antriebsmangel, eine leichte Erschöpfbarkeit sowie eine Traurigkeit und Schlafstörungen
beklagt
. In der Zeit bis zur psychi
atrischen Untersuchung am 13. November
2019
sei
es jedoch, entsprechend dem reaktiven Charakter der psychischen Pathologie, zu einer relevanten Verbesserung im psychischen Zustandsbild
gekommen
. Sensomotorische Beschwerden
seien
nicht vorgetragen
worden
. Auch eine anhaltende Sehstörung
sei
nicht beklagt
worden
. Sie
habe
aber noch über eine diffuse
Schwankschwindel
-Symptomatik
berichtet
. Die
Beschwerdeführerin habe
bisher einen gesicherten Schub
erlitten
, vielleicht zuvor ein
en weiteren. Die Symptomatik habe
sich im Verlauf vollständig zurück
gebildet. Unter
Tecfidera
sei
die
Beschwerdeführerin schubfrei. Es bestehe
ein normaler Neurostatus mit unauffälligen sensomotorischen Befunden. Die neuropsychologische Untersuchung
habe
nur leichtgradige kognitive Minder
leistungen
ergeben
. Im MRI Schädel
hätten
sich nur gering ausgeprägte Hirnver
änderungen (geringes
Lesion
Load)
gezeigt
. Auch die Elektrodiagnostik (EEG, Medi
anus-SEP,
Tibialis
-SEP,
MEP
) habe
keine Befunde ergeben, welche ein organpathologisch begründetes Fatigue-Syndrom wahrscheinlich machen könn
ten. Neuropsychologisch bestehe
eine „leichte neuropsychologische Störung", die in der angestammten Tätigkeit und in denkbaren Verweistätigkeiten keine wesentliche Minderung d
er Arbeitsfähigkeit begründe. Entsprechend bestehe
derzeit aus neurologischer und psychiatrischer Sicht eine volle Arbeits
fähigkeit, sowohl in der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin, als auch in denkbaren Verweistätigkeiten, die den Bildungsgrad der
Beschwerdeführerin
berücksichtig
t
en.
Eine dauerhaft anhaltende Arbeitsunfähigkeit habe bei der Beschwerdeführerin weder retrospektiv noch anhaltend auf neurologischem Fachgebiet bestanden. Eine Arbeitsunfähigkeit sei im akuten Schub
Anfang 2018 -
für den Zeitraum
von Januar bis Ende April
2018 -
überwiegend wahrscheinlich für die Tätigkeit als Verkäuferin gegeben
gewesen
. Es
sei
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit von einer vollen Arbeitsfähigkeit auf neurologischem Fachg
ebiet ab etwa Juni 2018 auszugeh
en.
Psychiatrischerseits
habe
überwiegend wahrscheinlich eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht zwischen der Diagnosestellung von Multiple Sklerose im Januar 2018 und August 2019
bestanden
. Eine genaue retrospektive Bestimmung des Arbeitsunfähigkeitsgrades
sei
anhand der vorliegenden Dokumentation und vor allem aufgrund des Fehlens von psychiatrische
n
Befundberichten nicht möglich. Seit August 2019
sei
es sukzessive zu einer Verbesserung des psychischen Zustandsbildes
gekommen
, sodass spätestens ab dem Untersuchungszeitpunkt zum vorliegenden psychiatri
schen Gutachten keine Arbeitsunfähigkeit aus psychiatrischer Sicht mehr
vorge
legen habe
. Auch für eine
angepasste Tätigkeit, das heisse
für
eine der Aus
bildungssituation angemesse
ne denkbare Verweistätigkeit
,
habe
in der Ver
gangenheit keine dauerhaft anhaltende
Arbeitsunfähigkeit bestanden. Aktuell bestehe
für eine angepasste Tätigkeit keine dauerhaft anhaltende
Arbeitsun
fähigkeit
auf neurologischem Fachgebiet. Die beklagte, jedoch den Schilderungen hinsichtlich des
Tagesablaufes
und dem beobachtbaren Befund
nicht konforme Müdigkeit erkläre
sich nicht durch eine hirnorganische Genese wie zum Beispiel die MS. Die
Beschwerdeführerin
sei
e
rfolgreich mit einer
Kortisonpul
stherapie
im Januar und April 2018 behandelt worden. Seit April 2018
werde
eine
immunmo
dulatorische
Therapie mit
Tecfidera
lege artis durchgeführt. Darunter
sei
es zu keinem weiteren Schub gekommen. Eine sensomotorische Störung
werde
aktuell weder von der
Beschwerdeführerin
beklagt noch
sei
diese im neurologischen Befu
nd nachweisbar. Insofern bestehe
rein neurologisch derzeit kein therapeuti
scher Ansatz für eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit. Psychiatrisch
seien
keine Behandlungsmassnahmen notwend
ig. Aus neurologischer Sicht habe
retrospektiv eine volle Arbeitsfähigkeit in der angestammten und in einer denk
baren Verweistätigkeit mit überwiegender Wahrscheinlichkeit seit etwa Juni 2018 bestanden.
Psychiatrischerseits
sei
die
Beschwerdeführerin
zu
einem
nicht näher zu bestimmenden Grad zwischen
Januar 2018
und
August 2019
eingeschränkt
gewesen
.
3.6
Prof.
C._
nahm mit Schreiben vom 1
5.
Mai 2020
Stellung
zum leistungs
abweisenden
Vorbescheid vom 18. März 2020 (
Urk. 9/49)
, dessen Inhalt für ihn nicht nachvollziehbar sei und die Beschwerdeführerin
psychisch
stark belaste. Sie habe im Mai/Juni 2019 im Rahmen eines Arbeitsversuches zwei Stunden am Kiosk der
Y._
ganz in der Nähe ihres Wohnortes gearbeitet. Nach diesen zwei Stunden habe die Beschwerdeführerin eine grosse Erschöpfung auf
gewiesen, auch
wenn die Kioskarbeit gegenüber ihrer ursprünglichen Tätigkeit als Kassiererin und Verkäuferin der
Y._
weniger körperliche Anstrengungen erfordert habe. Deshalb könne sich die Beschwerdeführerin überhaupt nicht vorstellen, wie sie wieder einer Tätigkeit nachgehen solle. Zudem klage sie über Schwindel, einer Verminderung der Sehfähigkeit, einer verlangsamten Wort
findung und
Vergess
lichkeit
nach einer körperlichen Aktivität. Wenn
d
er Erschöpfungszustand auf
tauche, zwinge dieser sie zu einer längeren Erholungs
zeit. Ab und zu fielen der Beschwerdeführerin Gegenstände aus der Hand, da ihre Finger sich nicht immer komplett öffneten. Zurzeit stehe die Beschwerdeführerin nicht nur in medikamen
tö
ser Behandlung wegen MS,
sondern auch wegen einer Depression.
3.7
Dipl. Psych.
D._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, führte in ihrem Bericht vom 13. Juni 2020 (Urk. 9/54) zuhanden der Beschwerde
gegnerin
beruhend auf zwei Konsultationen
aus, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der gestellten Diagnose MS ins Erstgespräch gekommen sei. Aufgrund ihrer Symptome und ihres Zustandes sei sie weder in ihrer bisherigen noch in einer
a
ngepassten Tätigkeit
fähig
zu arbeiten. Vor zwei Jahren habe sie Symp
tome wie Schwächegefühl, Zittern, Schwierigkeiten beim Gehen und Müdigkeit
aufgewiesen
. Aufgrund der begleitenden psychischen Symptome zur MS
Diagnose sei sie vom Hausarzt zur psychotherapeutischen Behandlung und Begleitung überwiesen worden. Die damals
eingesetzte
Medikation habe aufgrund von Nebenwirkungen ausgesetzt werden müssen. Neben den körperlichen Problemen und Einschränkungen sei ihr Gesundheitszustand stark von akutem psychischen Leiden geprägt.
Die psychischen Symptome
seien extreme Angst, Panikgefühle, Todesangst, Schlaflosigkeit und starke Schmerzen. Sie denke vor
wiegend in negativen Szenarien. Sie fühle sich schlecht, da sie keiner Erwerbstä
tigkeit nachgehen könne, die Aufgaben im Haushalt nicht übernehmen könne und
d
er Ehemann (fast) alles machen müsse und sie ihre Kinder wenig unter
stützen könne. Ausserdem werde die entstandene finanzielle Situation zu einem belastenden Problem. Sie könne nicht
arbeiten
, den Haushalt nur beschränkt führen und soziale
Kontakte
inklusive Unterstützung der Kinder nur einge
schränkt pflegen. Psychologische Tests seien bisher nicht durchgeführt worden.
Durch die sich im Aufbau befindende Psychotherapie werde eine Stärkung des Ichs angestrebt, um den Umgang mit ihrer gesundheitlichen, emotionalen und sozialen Situation zu verbessern.
3.8
Im Weiteren
nahmen die Gutachter
des
Z._
Stellung zur
Einwandbegründung
der Beschwerdeführerin und zu den neu
vorgelegten
medi
zinischen Unterlagen
(vgl. Urk. 9/57 und Urk. 9/62):
3.8.1
Dr.
A._
führte am 3. August 2020 (Urk. 9/62 S. 5-7) dazu
aus, dass in seinem psychiatrischen Teilgutachten vom 5. März 2020 keine psychiatrischen Diagnosen gestellt worden seien. Entsprechend sei die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit nicht widersprüchlic
h. Fachärztlich-psychiatrische B
erichte fänden sich unter den neuen Aktenstücken nicht. Auch sonst beinhalteten die neu hinzuge
kommenen medizinischen Akten keine für die psychiatrische Beurteilung rele
vanten Informationen. Dem Bericht von Dipl. Psych.
D._
fehle ein AMDP
konformer psychopathologischer Befund, auch finde sich keine den ICD
10-Kriterien entsprechende psychiatrische Diagnose. Gemäss
Bericht
soll die Beschwerdeführerin in der Therapie eine «Stärkung des Ichs» erfahren. Wesentlich sei, dass diese Formulierung zwar
wohlklingend
sei, jedoch keinem
reliablen
, dem aktuellen
S
tand
d
er Medizin entsprechend definiertem Therapieziel entspreche. Auch die anderen Formulierungen und
Begrifflichkeiten
zeigten deutlich, dass die behandelnde Psychologin
sich ausserhalb de
s
biopsychoso
zialen Störungsmodells bewege und sich eines
einseitigen
, reduktionistischen Erklärungsansatzes bediene, welcher mit den aktuellen
D
iagnostik- und Behandlungsstandards kaum
kompatibel
sei.
Die Aussage über die Arbeitsfähigkeit im Bericht, «aufgrund der Symptome und des Zustandes nicht fähig zu arbeiten» entspreche in keiner Weise den gültigen Vorgaben hinsichtlich Beurteilung der Arbeitsfähigkeit. Ordnungs
halber sei darauf hinzuweisen, dass Psychologen gemäss gültiger Rechtsprechung nicht zu den Berufsgruppen gehörten, welche Arbeitsfähigkeiten beurteilen dürf
ten
. Der Bericht der behandelnden Psychologin vom 13. Juni 2020 sei aus versi
cherungsmedizinischer Sicht als irrelevant zu beurteilen. Die Angabe einer Arbeitsfähigkeit von zwei Stunden pro Tag sei nicht nachvollziehbar. Weitere
r
medizinischer Abklärungsbedarf bestehe nicht. Zusammenfassend seien mit den neuen Akteninhalten keine relevanten medizinischen Informationen dazuge
kommen, welche die Einschätzung des klinischen Bildes und der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht anders vornehmen lassen würden als im psychiatrischen
Te
ilgutachten vom
5.
März 202
0.
3.8.2
Der neuropsychologische Gutachter
führte
am 30.
Oktober 2020
(
Urk. 9/62 S. 8
f.)
aus, im
Bericht der Psychologin vom 13. Juni 2020 fänden sich keine zusätzlichen Informationen, welche an der
neuropsychologischen
Einschätzung
etwas ändern würden. Die
dort
erwähnten neurologischen wie auch
psychopathologischen Symptome könn
t
e
n
aus neuropsychologischer Sicht nicht beurteilt werden. Inwiefern eine Fatigue vorliege, welche die Beschwerdeführerin in der Arbeitsfä
higkeit einschränke, werde aus neurologischer Gutachter-Sicht beurteilt.
Zusammenfassend könne aus rein neuropsychologischer Sicht an der validen Ein
schätzung der kognitiven Leistungsfähigkeit vom 29. Juli 2019 festgehalten werden.
3.8.3
Der neurologische Gutachter
führte in seinem Schreiben vom 1
6.
Dezember 2020
(Urk. 9/62 S. 1-3)
aus, dass
Prof.
C._
in seinem Bericht vom 1
3.
August 2019 keinen klaren Befund dokumentiere und stattdessen Beschwerden mit Befunden vermische. Die dort beschriebene Fatig
u
e-Symptomatik sei Anamnese und kein Befund. Neue und eigene Befunde, welche eine mittelgradige bis schwere neuropsychologische Störung belegen würden, lege er nicht vor. Somit seien keine neuen, medizinisch relevanten Befunde vorgelegt worden, zumindest nicht im Sinne einer AMDP-konformen psychopathologischen Befunderhebung oder in Form einer testpsychologischen Untersuchung.
Bei der Einschätzung einer Arbeitsfähigkeit von zwei Stunden pro
Tag
handelt
es sich um eine subjektive Angabe der Beschwerdeführe
r
in, die im Rahmen der Begutachtung auf der objektiven Befundebene nicht habe nachvollzogen werden können. Es seien keine neuen, relevanten Befunde vorgelegt worden, welche diese subjektiven Beschwer
den auf der objektiven Befundebene objektivierten. Weiteren medizi
nischen Abklärungsbedarf gäbe es nicht. Zusammenfassend begründeten die neu vorge
legten Unterlagen keine Änderung der Einschätzung des
bidisziplinären
Gut
achtens.
3.9
Mit Bericht vom 2. März 2021 nahm Dipl. Psych.
D._
Stellung zu den durch die Gutachter beantworteten Rückfragen (Urk. 9/65 S. 2) und führte die Diagnose einer affektiven Störung, nämlich einer mittelgradigen bis schweren depressiven Episode (ICD-10: F 32.1 oder
F 32.2
) auf. Dass
Dr.
A._
das Therapieziel «Stärkung des Ichs» nicht verstehe, habe wohl mit seiner Unkenntnis der Tiefenpsychologie zu
t
un. Dieses beinhalte Arbeit an K
ognitionen (automati
sche Gedanken negativen Attributionen, dysfunktionalen Bewertungen und Schemata), Stärkung und Aktivierung von Kompetenzen (Ressourcen, Bewälti
gungsmuster, Fertigkeiten, Selbstkontrolle), Strukturierung von Aktivitäten (ver
stärkende Erfahrungen, Ablenkung, Tagesstruktur). Die begut
achtende Neuro
psychologin sei in ihrer Beurteilung nur zu einer Ver
minderung der Arbeitsfähig
keit um 20 % gekommen. Dies sei von den geistigen Funktionen her gut nach
vollziehbar. Aufgrund des
psychopatholo
gischen Befundes und der körperlichen Beschwerden sei aber die Arbeitsfähigkeit wesentlich mehr ein
geschränkt. Die Belas
tbarkeit an der Arbeitsstelle (Kassierer
in) sei im jetzigen Zustand nicht mehr gegeben. Eine Verminderung der Arbeitszeit würde diese Situation aber auch nicht verbessern.
4.
4.1
Das neurologisch-neuropsychologische
Gutachten
vom 23. September 2019 (Urk. 9/32) - ergänzt um das psychiatrische Gutachten vom 5. März 2020 (Urk. 9/38 S. 7 ff.) - des
Z._
basiert auf einer umfassen
den
neurologisch-neuropsychologischen und psychiatrischen
Untersuchung und wurde in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den Vorakten (Anamnese) abgegeben. Die Gutachter haben detaillierte und nachvollziehbare Befunde und Diagnosen erhoben und sich mit den von der Beschwerdeführerin geklagten Beschwerden auseinandergesetzt. Zudem wurden die medizinischen Zusammen
hänge und die medizinische Situation einleuchtend dargelegt und die Schlussfol
gerung nachvollziehbar begründet. Dem polydisziplinären Gutachten kommt demnach grundsätzlich volle Beweiskraft zu (vgl. E. 1.5).
4.2
Im neurologisch-neuropsychologischen Gutachten
(vgl. E.
3.4
)
wurde gestützt auf die umfassende Untersuchung schlüssig festgehalten
, dass eine schubförmig verlaufende MS klinisch ausgewiesen sei
, wobei sich die Symptomatik unter medikamentöser Behandlung mit
Tecfidera
im Verlauf vollständig zurückgebildet habe und die Beschwerdeführerin seither auch schubfrei sei. So bestehe ein nor
maler Neurostatus mit unauffälligen sensomotorischen Befunden.
Daher über
zeugt auch die gutachterliche Feststellung, dass sich
neurologischerseits
derzeit keine MS-bedingte Arbeitsunfähigkeit begründen lasse.
Die als überwiegend wahrscheinlich erachtete Arbeitsunfähigkeit im akuten Schub für die Zeit von Januar bis Ende April 2018 für die angestammte Tätigkeit als Verkäuferin deckt sich mit der Aktenlage (so Bericht von
Prof.
Dr.
C._
vom 3. April 2018, vgl. E. 3.2), stellt aber keine dauerhaft anhaltende und entsprechend
keine
inva
lidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsunfähigkeit dar.
Die in der dazugehörenden neuropsychologischen Untersuchung festgestellte leichte neuropsychologische Störung wurde - zwar fachfremd, aber plausibel - im Rahmen einer Anpassungsstörung als Reaktion auf die MS-Erkrankung diagnostiziert (vgl. E. 3.4.1-2).
Jedenfalls führten die leichten Minderleistungen
zu keiner wesentlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit als Verkäuferin und auch sozial sollten diese nicht auffallen. Dabei ist festzuhalten, dass der Hinweis der neuropsychologischen Gutachterin, dass die Beschwerdeführerin in einer anderen dem Ausbildungsniveau angepassten Tätig
keit maximal zu 20 % arbeitsunfähig wäre (Urk. 9/32 S. 39
,
)
nicht zu hören ist
. Auch wenn gemäss anamnestischen Angaben der Beschwerdeführerin sie in ihrem Heimatland Portugal ein Studium der Kommunikationswissenschaften und Journalistik begonnen
hat
(vgl. Urk. 9/32 S. 16), hat sie doch seit ihrer Migration in die Schweiz ohne abgeschlossene Ausbildung nur als Verkäuferin bei
Y._
gearbeitet.
Entsprechend
wird im neuropsychologischen Gutachten bestätigt, dass die Beschwerdeführerin bis anhin nie Aufgaben und Tätigkeiten mit hohen kognitiven Anforderungen ausgeführt
hat
. Konkrete Hinweise auf eine anste
hende B
eförderung
bei der
Y._
, wo die Beschwerdeführerin seit 2011 arbeitet,
wie in der Zwischenanamnese im Bericht vom 25. Oktober 2018 von Prof.
C._
erwähnt (vgl. Urk. 9/23 S. 4) - sind nicht
ersichtlich
, so erwähnte insbesondere die Arbeitgeberin
Y._
im Zusammenhang mit der telefonischen Rückfrage nach dem aktuellen Einkommen
nichts dergleichen (vgl. Urk. 9/18). Deshalb ist eine solche mögliche Arbeitsunfähigkeit in einer nie ausgeübten Tätigkeit irrelevant und die seit jeher ausgeübte Tätigkeit als Verkäuferin hat als angestammte Tätigkeit zu gelten.
Nachdem sich im neurologisch-neuropsychologischen Gutachten vom 23. Sep
tember 2019 Hinweise auf eine Anpassungsstörung mit möglicherweise Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit ergaben, wurde die Beschwerdeführerin am 5. März 2020 ergänzend psychiatrisch begutachtet (vgl. Urk. 9/38 S. 7 ff.). Zum Untersu
chungszeitpunkt konnte
Dr.
A._
mangels entsprechenden psychopatholo
gischen Befunden keine psychiatrische Diagnose stellen.
Zwar ging er - ausge
hend von der (fachfremden) Feststellung im neurologisch-neuropsychologischen Gutachten - ebenfalls davon aus, dass die Beschwerdeführerin zu jenem Zeitpunkt im Sommer 2019 an einem depressiven Syndrom reaktiver Natur im Zusammen
hang mit der MS-Diagnose gelitten habe, doch sei diese mittlerweile überwunden. Dabei hob
Dr.
A._
insbesondere hervor, dass es angesichts der vorhande
nen Ressourcen der Beschwerdeführerin und ihrer Persönlichkeitsstruktur auch ohne psychiatrische Fachhilfe zu einer Regression der reaktiven psychischen Störung gekommen sei. Entsprechend sei es auch unwahrscheinlich, dass sie erneut eine Anpassungsstörung entwickeln werde.
Psychiatrischerseits
sei es aber
überwiegend wahrscheinlich, dass die Beschwerdeführerin zwischen der Diagnos
t
i
zierung
von MS im Januar 2018 und August 2019 in ihrer Arbeitsfä
higkeit eingeschränkt gewesen sei.
Dr.
A._
weist aber zu Recht darauf hin, dass eine retrospektive Bestimmung des Arbeitsunfähigkeitsgrades anhand der vorliegenden Aktenlage und vor allem aufgrund des Fehlens von psychiatrischen echtzeitlichen Befundberichten nicht möglich sei. Eine allfällige Arbeitsunfähig
keit während dieser Zeit hat daher im vorliegenden Verfahren als beweislos zu gelten.
Die Gutachter des
Z._
hielten denn auch anlässlich der Beantwortung der aufgeworfenen Rückfragen zum
bidisziplinären
Gutachten mangels neuer relevanter medizinischer Vorbringen an ihrer gesamthaften Ein
schätzung fest (vgl. E. 3.8).
Auch RAD-Arzt PD
Dr.
B._
erachtet
e
das bidiszipli
näre Gutachten
als valide (Urk. 9/39 S. 9, S. 11 und Urk. 9/66 S. 6) und stellte darauf als Entscheidungsgrundlage ab.
4.3
An dieser Einschätzung vermögen auch die Einwände der
Beschwerdeführerin (Urk. 1 S. 3
ff.) nichts zu ändern:
4.3.1
Für die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit sind in der Regel psychiatrische Fachärzte beizuziehen (BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts
8C_989
/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bun
desgerichts
8C_880
/20
15 vom 30. März 2016 E. 4.2.4).
Soweit
Dipl. Psych.
D._
als Psychologin
bei der Beschwerdeführerin dennoch
eine psychia
trisch relevante
affektive Störung
im Sinne einer
mittelgradige
n
bis schwere
n
depressive
n
Episode
als
vorliegend erachtet und eine
100%ige
Arbeitsunfähigkeit attestiert
(vgl. E. 3.9
),
liegt keine vorausgesetzte fachärztliche Beurteilung vor,
weshalb
ihre
abweichende
Einschätzung
das fachärztli
che
überzeugende
Gut
achten nicht zu erschüttern vermag.
4.3.2
Wenn die Beschwerdeführerin auf die Einschätzung ihres behandelnden Neuro
logen Prof.
C._
hinweist
, w
onach sie nach wie vor an einer
mittelgradigen bis schweren neuropsychologischen Störung mit einer deutlichen Einschränkung der Verarbeitungsgeschwindigkeit, Verlangsamung der
Alertness
sowie Ein
schränkungen in der Merkfähigkeit und einer schweren sowohl motorischen als auch kognitiven Fatigue-Symptomatik leide
und deshalb zu 80 % arbeitsunfähig sei
(vgl. Urk. 1 S. 3), ist auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass
Haus
ärztinnen und Hausärzte
und generell
behandelnde Arztpersonen
beziehungs
weise Therapiekräfte
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Ver
trauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patien
ten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E.
3b
/cc).
Ebenfalls lässt der Hinweis auf eine im August respektive Oktober 2018 (vgl. Urk. 3/4 respektive Urk. 9/15 S. 7-9) befundene neuropsychologische Störung den gesamten weiteren Verlauf bis zum Verfügungserlass
ausser
Acht. Dabei nahm der neurologische Gutachter explizit Stellung zur abweichenden Arbeitsunfähigkeitsbeurteilung und legte nachvollziehbar dar, dass Prof.
C._
die „Fatigue“
nicht im eigentlichen Sinne
befunden hatte.
4.4
Auf
weitere medizinische
Abklärungen, wie von der Beschwerdefü
hrerin
verlangt (Urk. 1 S. 2
), ist zu verzichten, da der Gesundheitszustand und die medizinisch-theoretische Arbeitsfähigkeit aufgrund der medizin
ischen Akten - insbesondere des
bidisziplinären
(
neurologisch-neuropsychologischen
und psychiatrischen)
Gutachten
s
des
Z._
(Urk. 9/32 und Urk. 9/38)
samt
bidis
ziplinärer
Konsensbeurteilung vom 6. März 2020
- hinreichend abgeklärt sind.
4.5
Z
usammenfassend ist aufgrund der überzeugenden Feststellungen im
bidiszi
pli
nären
(
neurologisch-neuropsychologischen
und psychiatrischen)
Gut
achten
des
Z._
(Urk. 9/32 und Urk. 9/38
) davon auszu
gehen, dass keine gesundheitlichen Einschränkungen, welche die Arbeits
fähigkeit ein
schrän
ken, vorliegen. Der Beschwerdeführerin ist demnach ihre zuletzt ausgeübte Tätigkeit als
Verkäuferin
zu 100 % zumutba
r.
5.
Damit besteht kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung. Der angefochtene Entscheid ist rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
6.
Die Gerichtskosten, die nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert zu bemessen sind (Art. 69 Abs.
1
bis
IVG), sind auf Fr. 600.-- anzu
setzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzuerlegen.