# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 419188a4-83bc-5245-95c9-c11356aa1cd3
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die A._ AG (Beschwerdeführerin) ist Eigentümerin der Parzellen Nrn. 0000_ und
0001_, Grundbuch X._. Bei diesen Grundstücken handelt es sich um selbständige
und dauernde Baurechte. Belastet sind das Stammgrundstück Nr. 0002_ im Eigentum
der Genossenschaft Wasserversorgung X._ (Beschwerdegegnerin) bzw. das daran
nördlich angrenzende Stammgrundstück Nr. 0003_ im Eigentum der Politischen
Gemeinde X._ (Beschwerdebeteiligte). Nach dem Zonenplan der
Beschwerdebeteiligten sind die Grundstücke Nrn. 0003_, 0000_ und 0001_ und der
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 3/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nördliche Teil des Grundstück Nr. 0002_ der Intensiverholungszone Sportanlagen
zugewiesen. Im Übrigen ist die Parzelle Nr. 0002_ hauptsächlich der Grünzone
Erholung, zu einem kleinen Teil der Landwirtschaftszone zugeteilt. Innerhalb der
Grünzone Erholung befindet sich das im Jahr 1962 erstellte Grundwasserpumpwerk
Y._ Assek.-Nr. 0004_ bzw. die Grundwasserfassung Y._ Nr. 0005_. Nach der
Gewässerschutzkarte des Kantons St. Gallen sind um diese Grundwasserfassung
Grundwasserschutzzonen für den Fassungsbereich auf Parzelle Nr. 0002_ (Zone S1)
und die Engere Schutzzone unter anderen auf den Grundstücken Nrn. 0002_, 0006_
(im Eigentum der Beschwerdebeteiligten) und 0003_ (Zone S2) ausgeschieden. Das
Baudepartement erteilte der Beschwerdegegnerin am 12. März 2008 die
Wasserrechtskonzession resp. die gewässerschutzrechtliche Bewilligung für den
Grundwasserbezug für die öffentliche Trink- und Brauchwasserversorgung bis
31. Dezember 2057 (Beilage zu act. 12/6/4, act. 5, S. 10 Ziff. VI/0, act. 14/11, S. 2,
www.geoportal.ch, www.zefix.ch, https://oereblex.sg.ch/api/attachments/14420).
B.
Am 19. Februar 2021 reichte die Beschwerdegegnerin ein Baugesuch für einen
Ersatzbau des Grundwasserpumpwerks Y._ am bestehenden Standort auf Parzelle
Nr. 0002_ ein, welches nebst dem Rückbau resp. der Stilllegung von nicht mehr
benötigten Werkleitungen, insbesondere einer Wasserleitung und eines Steuerkabels
im Bereich des Baurechtsgrundstücks Nr. 0000_, auch den Bau einer neuen
Wasserleitung sowie von neuen Abwasserleitungen auf den Grundstücken Nrn. 0002_,
0006_ und 0003_ (ausserhalb des Grundstücks Nr. 0001_) mitumfasst. Während der
öffentlichen Auflage vom 30. März 2021 bis 12. April 2021, welche gestützt auf einen
Beschluss der Bau- und Umweltkommission der Beschwerdebeteiligten (nachfolgend:
BUK) vom 19. März 2021 hin erfolgte, gingen keine Einsprachen ein. Mit
Gesamtentscheid vom 25. Juni 2021 bewilligte die BUK das Bauvorhaben unter
gleichzeitiger Eröffnung aller kantonalen und kommunalen Teilverfügungen, namentlich
der gewässerschutzrechtlichen Bewilligung des Amtes für Wasser und Energie vom
2. Juni 2021. Nach Angaben der Beschwerdegegnerin wurde mit den Bauarbeiten am
23. August 2021 begonnen (act. 12/6/1-4, 10, act. 12/7, S. 5 Rz. 12,
www.geoportal.ch).
C.
Mit Eingabe vom 3. September 2021 beantragte die Beschwerdeführerin durch ihren
Rechtsvertreter beim Bauamt der Beschwerdebeteiligten, das Auflageverfahren für die
Bauarbeiten auf Grundstück Nr. 0002_ sei unverzüglich durchzuführen bzw. allenfalls
gesetzeskonform zu wiederholen. Es sei ihr als Baurechtsnehmerin von Grundstück
Nr. 0000_ eine Bauanzeige zuzustellen und das Einspracheverfahren zu eröffnen. Es
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 4/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sei für die begonnenen Bauarbeiten unverzüglich ein Baustopp anzuordnen. Mit
Schreiben vom 6. September 2021 gab die BUK der Beschwerdeführerin (per E-Mail
auch an den stellvertretenden Geschäftsführer der Beschwerdegegnerin gesandt) das
Baugesuch der Beschwerdegegnerin vom 19. Februar 2021 im vereinfachten Verfahren
bekannt und eröffnete ihr eine Vernehmlassungsfrist bis 22. September 2021.
Gleichzeitig wies sie das Gesuch um Anordnung eines Baustopps ab. Am
10. September 2021 verlangte die Beschwerdeführerin bei der BUK wiederum die
Einstellung der Bauarbeiten auf Grundstück Nr. 0002_ und die Durchführung eines
ordentlichen Baubewilligungsverfahrens. Offenbar gestützt auf einen Beschluss der
BUK vom 17. September 2021 wurde sie mit Bauanzeige vom 20. September 2021
über das Baugesuch der Beschwerdegegnerin vom 19. Februar 2021 mit
eingeschriebenen Brief in Kenntnis gesetzt und das Gesuch vom 22. September 2021
bis 5. Oktober 2021 erneut öffentlich aufgelegt. Am 17. September 2021 stellte die
Beschwerdegegnerin die Bauarbeiten von sich aus ein. Am 1. Oktober 2021 teilte der
Leiter Fachbereich Baubewilligungen der Beschwerdebeteiligten der
Beschwerdeführerin mit, die Bauanzeige vom 20. September 2021 werde widerrufen
und es werde keine Baueinstellung verfügt. Am 4. Oktober 2021 erhob die
Beschwerdeführerin bei der BUK Einsprache. In der Folge nahm die
Beschwerdegegnerin die Bauarbeiten eigenen Angaben gemäss wieder auf (act. 6/11
und 15, act. 12/1/13, act. 10, act. 12/6/5-11, Beilage zu act. 12/6, act. 13, S. 11 f.
Rz. 31, act. 17/27, www.zefix.ch, www. ... .ch).
D.
Gegen die Verfügung des Leiters Fachbereich Baubewilligungen der
Beschwerdebeteiligten vom 1. Oktober 2021 sowie die Baubewilligung der BUK vom
25. Juni 2021 rekurrierte die Beschwerdeführerin am 5. Oktober 2021 an das Bau- und
Umweltdepartement (Vorinstanz, Verfahrensnummer 21-9043). In Bezug auf die
Verfügung vom 1. Oktober 2021 beantragte sie vorab, diese sei, soweit auf die
Verfügung eines Baustopps verzichtet worden sei, aufzuheben. Es sei vorsorglich die
Einstellung der Arbeiten sowie ein Benützungsverbot bis zur rechtskräftigen Erteilung
einer rechtmässigen Baubewilligung für die zwischenzeitlich baurechtswidrig erstellten
und bereits in Betrieb genommen Bauten und Anlageteile auf den Grundstücken
Nrn. 0002_ und 0003_ zu verfügen. Mit (Zwischen-)Entscheid vom 8. November 2021
wies die Vorinstanz den Rekurs betreffend die Verfügung vom 1. Oktober 2021 insoweit
ab, als darin auf den Erlass eines Baustopps verzichtet worden war (Dispositiv-Ziff. 1a).
Gleichzeitig wies sie das Gesuch um Erlass eines vorsorglichen Baustopps und eines
vorsorglichen Nutzungsverbots für die Dauer des Rekursverfahrens sowie implizit auch
die von der Beschwerdeführerin beantragte zusätzliche Anweisung an die
Beschwerdebeteiligte, ein Benützungsverbot bis zur rechtskräftigen Erteilung einer
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 5/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Baubewilligung zu prüfen und im Bedarfsfall anzuordnen, ab (Ziff. 2a). Am
20. Dezember 2021 sistierte sie das Rekursverfahren Nr. 21-9043 (act. 2, act. 12/1, 25).
E.
Gegen den Entscheid der Vorinstanz vom 8. November 2021 erhob die
Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter am 15. November 2021 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht (act. 1). Am 2. Dezember 2021 ergänzte sie die Beschwerde
mit einer Begründung und dem Rechtsbegehren, es sei der angefochtene Entscheid
unter Kosten- und Entschädigungsfolge aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen,
die beantragte Einstellung der Bauarbeiten auf den Grundstücken Nrn. 0002_ und
0003_ aufsichtsrechtlich zu verfügen, und die Beschwerdebeteiligte anzuweisen, ein
Benützungsverbot zu prüfen und im Bedarfsfall anzuordnen. Eventualiter sei der
angefochtene Entscheid aufzuheben und die Vorinstanz anzuweisen, die
Beschwerdebeteiligte anzuweisen, die Einstellung der Bauarbeiten auf den
Grundstücken Nrn. 0002_ und 0003_ zu verfügen sowie ein Benützungsverbot zu
prüfen und im Bedarfsfall anzuordnen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte sie,
es sei superprovisorisch ein Baustopp für die laufenden Bauarbeiten auf den
Grundstücken Nrn. 0002_ und 0003_ zu verfügen und die Nutzung der bereits
erstellten Bauten und Anlagen bis zum Abschluss des verwaltungsgerichtlichen
Verfahrens zu verbieten (act. 5). Mit Zwischenverfügung vom 7. Dezember 2021 lehnte
der zuständige Abteilungspräsident des Verwaltungsgerichts diesen Verfahrensantrag
der Beschwerdeführerin ab (act. 9). Am 20. Dezember 2021 liess sich die
Beschwerdebeteiligte vernehmen und beantragte die kostenfällige Abweisung der
Beschwerde (act. 10). Mit Vernehmlassung vom 22. Dezember 2021 schloss die
Vorinstanz auf Abweisung der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne
(act. 11). Mit Stellungnahme vom 23. Dezember 2021 beantragte die
Beschwerdegegnerin durch ihren Rechtsvertreter, es sei die Beschwerde unter Kosten-
und Entschädigungsfolge, zuzüglich Mehrwertsteuer, abzuweisen (act. 13). Mit Replik
vom 17. Januar 2022 bestätigte die Beschwerdeführerin ihre Anträge und
Ausführungen. Überdies beantragte sie, es sei für die Dauer des
verwaltungsgerichtlichen Verfahrens vorsorglich ein Baustopp und ein Nutzungsverbot
anzuordnen (act. 16). Am 8. Februar 2022 duplizierte die Beschwerdegegnerin unter
Festhalten an ihren Anträgen. Überdies beantragte sie die Abweisung des
beschwerdeführerischen Verfahrensantrags auf Anordnung vorsorglicher Massnahmen
(act. 21).
Auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids, die Ausführungen der
Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 6/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Das Verwaltungsgericht erwägt:
1.
Anfechtungsobjekt ist zum einen ein gestützt auf Art. 44 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1, VRP) ergangener departementaler
Rekursentscheid (Dispositiv-Ziff. 1a), mittels welchem die Verfügung der
Beschwerdebeteiligten vom 1. Oktober 2021 (Beilage zu act. 12/1) betreffend
Abweisung des Gesuchs der Beschwerdeführerin vom 10. September 2021
(act. 12/6/7) um Erlass einer Baueinstellungsverfügung im Sinne von Art. 159
Abs. 1 lit. a des Planungs- und Baugesetzes (sGS 731.1, PBG, vgl. zur Qualifikation als
vorsorgliche Massnahme: VerwGE B 2020/12 vom 15. Juni 2020 E. 1; VerwGE
B 2019/160 vom 23. Januar 2020 E. 2.1, bestätigt mit BGer 1C_118/2020 vom
17. März 2021, je mit Hinweisen bzw. als spezialgesetzlich statuierte vorzeitige
Vollstreckungsmassnahme: VerwGE B 2020/253 vom 23. Juni 2021 E. 1 mit Hinweis
auf VerwGE B 2020/219 vom 9. April 2021 E. 4, allerdings in Bezug auf Art. 159 Abs. 1
Ingress und lit. b PBG) bestätigt wurde, und zum anderen eine departementale
Zwischenverfügung (Dispositiv-Ziff. 1b), mittels welcher die Vorinstanz das Gesuch der
Beschwerdeführerin vom 5. Oktober 2021 um Erlass vorsorglicher Massnahmen
(Baustopp und Nutzungsverbot) im Sinne von Art. 18 Abs. 1 VRP (für die Dauer des
Rekursverfahrens) abgewiesen und implizit davon abgesehen hat, die
Beschwerdebeteiligte anzuweisen, ein Benützungsverbot im Sinne von Art. 158 in
Verbindung mit Art. 159 Abs. 1 Ingress und lit. b PBG bis zur rechtskräftigen Erteilung
einer Baubewilligung zu prüfen und im Bedarfsfall anzuordnen (vgl. dazu VerwGE
B 2020/219 vom 9. April 2021 E. 4 mit Hinweisen). Soweit es sich bei der
Baueinstellung bzw. beim Benützungsverbot um eine (spezialgesetzlich statuierte
vorzeitige) Vollstreckungsmassnahme handelt, müssen sie – in Abweichung von Art. 44
Abs. 3 VRP – einer gerichtlichen Prüfung zugänglich sein (vgl. dazu VerwGE
B 2020/253 vom 23. Juni 2021 E. 1 mit Hinweisen). Die sachliche Zuständigkeit des
Abteilungspräsidenten des Verwaltungsgerichts ist gegeben (vgl. Art. 60 Ingress und
lit. a VRP, in Verbindung mit Art. 18 Abs. 3 Ingress und lit. a des Gerichtsgesetzes;
sGS 941.1, GerG, e contrario; Art. 4 Abs. 1 und 3 Satz 1 des Reglements über die
Organisation und den Geschäftsgang des Verwaltungsgerichts; sGS 941.22,
Reglement, in Verbindung mit Art. 33 Abs. 2 VRP, Art. 64 in Verbindung mit Art. 44
Abs. 1 und 2 VRP sowie VerwGE B 2020/253 vom 23. Juni 2021 E. 1 mit Hinweisen).
Die Beschwerdeeingabe vom 15. November 2021 (act. 1) erfolgte rechtzeitig und erfüllt
zusammen mit der Ergänzung vom 2. Dezember 2021 (act. 5) formell und inhaltlich die
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 2 und Art. 48 Abs. 1
und 2 VRP). Die Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Entscheids
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 7/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und Grundeigentümerin der Parzellen Nrn. 0000_ und 0001_ zur Erhebung des
Rechtsmittels befugt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP, siehe dazu auch
BGer 2C_720/2016 vom 18. Januar 2017 E. 1.2.2 f. mit Hinweis). Auf die Beschwerde
ist somit grundsätzlich einzutreten.
Nicht einzutreten ist auf die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführerin beantragt
(act. 5 Ziff. I/1, act. 16, S. 10 f. Ziff. V/2.4), die Vorinstanz sei anzuweisen, die
Einstellung der Bauarbeiten (Art. 158 in Verbindung mit Art. 159 Abs. 1 Ingress und
lit. a PBG) aufsichtsrechtlich zu verfügen. Wie die Vorinstanz in ihrer Vernehmlassung
vom 22. Dezember 2021 (act. 11 Ziff. II/3) unter Anrufung des Entscheids VerwGE
B 2013/181 vom 19. August 2014 E. 1.2.2 mit Hinweisen zutreffend dargetan hat,
bildete ein aufsichtsrechtliches Einschreiten der Vorinstanz gegen die
Beschwerdebeteiligte (vgl. dazu Präsidialentscheid VerwGE B 2021/259 vom
27. Januar 2022 E. 6.1 mit Hinweisen) nicht Gegenstand des angefochtenen
Entscheids. Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens kann nur sein, was bereits
Gegenstand des vorinstanzlichen Verfahrens bildete (vgl. dazu auch VerwGE
B 2019/144 vom 17. Dezember 2019 im Urteil BGer 2C_136/2020; 2C_137/2020 vom
5. November 2021 nicht beanstandete E. 1 dritter Absatz mit Hinweisen). Im Übrigen
übt das Verwaltungsgericht die Aufsicht lediglich über die
Verwaltungsrekurskommission (vgl. dazu Art. 43 Ingress und lit. c des
Gerichtsgesetzes; sGS 941.1, GerG) und nicht über das Bau- und Umweltdepartement
oder die Gemeinden aus (vgl. dazu Art. 155 f. des Gemeindegesetzes; sGS 151.2, GG,
e contrario, und VerwGE B 2009/173 vom 8. Juni 2010 E. 4).
Mit dem vorliegenden Beschwerdeentscheid ist das von der Beschwerdeführerin
gestellte Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen für die Dauer des
verwaltungsgerichtlichen Verfahrens (act. 16 S. 2-4 Ziff. II/2 und IV) gegenstandslos
geworden und darum abzuschreiben (Art. 64 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1, Art. 18
und Art. 57 Abs. 1 VRP).
2.
Die Beschwerdeführerin stellt die Beweisanträge (act. 5, S. 7 f. Ziff. V, act. 16, S. 13,
15, 19 f. Ziff. V/4.1, 4.2.2), es sei ein Augenschein durchzuführen; es sei ein
Amtsbericht des Amtes für Wasser und Energie einzuholen; es sei B._, Vorsitzender
der Geschäftsleitung der E-AG, zu befragen. Im Rahmen des Entscheids über die
Anordnung vorsorglicher Massnahmen werden in der Regel keine Beweiserhebungen
getätigt, sondern es ist auf die Aktenlage im Zeitpunkt der Beschwerdeeinreichung
abzustellen. Die Beweisanforderungen sind reduziert, indem das Glaubhaftmachen von
Anliegen genügt. Aus diesem Grund kann auf die beantragten Beweisvorkehren
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 8/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
verzichtet werden (vgl. dazu Präsidialentscheid VerwGE B 2021/259 vom
27. Januar 2022 E. 2 mit Hinweisen).
3.
Im Rahmen des Verfahrensgegenstands prüft das Verwaltungsgericht von Amtes
wegen (vgl. dazu Art. 64 in Verbindung mit Art. 58 Abs. 1 und Art. 21 Abs. 1 VRP) nicht
nur die Sachurteilsvoraussetzungen im Beschwerdeverfahren, sondern auch die
Behandlung der Eintretensvoraussetzungen durch die Vorinstanzen (vgl. dazu VerwGE
B 2021/133 vom 16. November 2021 E. 2 mit Hinweisen und J. Dormann, in: Niggli/
Uebersax/Wiprächtiger/Kneubühler [Hrsg.], Basler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz,
3. Aufl. 2018, N 8 zu Art. 106 BGG, Rhinow/Koller/Kiss/Thurnherr/Brühl-Moser,
öffentliches Prozessrecht, 3. Aufl. 2014, Rz. 1038, M. Bertschi, in: A. Griffel [Hrsg.],
Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014,
N 57 zu Vorbemerkungen zu §§ 19-28a VRG ZH). Folglich kann dahingestellt bleiben,
ob auf die gleichsam als Anschlussbeschwerde formulierten Vorbringen der
Beschwerdegegnerin zur Einhaltung der Rekursfrist (act. 13, S. 8-10, 17 f. Rz. 21, 25 f.,
35, act. 21, S. 4, 11, 15 Rz. 6, 11, 16) einzutreten wäre (vgl. dazu Art. 63 VRP,
Wiederkehr/Plüss, Praxis des öffentlichen Verfahrensrechts, Bern 2020, N 1312, und
VerwGE B 2020/102 vom 10. Dezember 2020 E. 1 mit Hinweisen) und, bejahendenfalls,
ob diese verspätet erfolgt wären (vgl. dazu act. 16, S. 18 Ziff. V/4.2.1).
Nach Art. 135 PBG in Verbindung mit Art. 2 Abs. 2 des Baureglements der
Beschwerdebeteiligten (vom Baudepartement genehmigt am 9. März 2011, BauR) ist
zwar die BUK die Baupolizeibehörde. Sie ist grundsätzlich zuständig für die
baupolizeilichen Bewilligungen und Verfügungen (vgl. dazu auch Art. 2a
Abs. 1 f. BauR). Zuständig für die Anordnung und den Vollzug von
Zwangsmassnahmen im Sinne von Art. 159 Abs. 1 PBG ist indessen nach
Art. 158 PBG in Verbindung mit Art. 2a Abs. 3 BauR die Bauverwaltung der
Beschwerdebeteiligten. Demnach war der Leiter Fachbereich Baubewilligungen der
Beschwerdebeteiligten befugt, das (zweite) Gesuch der Beschwerdeführerin um
Einstellung der Bauarbeiten auf den Grundstücken Nrn. 0002_ und 0003_ vom
10. September 2021 mit Verfügung vom 1. Oktober 2021 (act. 12/6/7, 10) abzuweisen.
Diesbezüglich erfolgte die Rekurserhebung am 5. Oktober 2021 (act. 12/1) rechtzeitig
(vgl. dazu Art. 47 Abs. 2 VRP in Verbindung mit Art. 30 Abs. 1 VRP und Art. 142 Abs. 1
sowie Art. 143 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung;
SR 272, ZPO), weshalb die Vorinstanz in dieser Hinsicht auf den Rekurs der
Beschwerdeführerin zu Recht eingetreten ist (vgl. dazu auch E. 1 des angefochtenen
Entscheids, act. 2, S. 9).
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 9/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
Die Beschwerdeführerin bringt vor (act. 5, S. 12-20 Ziff. VI, VII, act. 16, S. 4-27 Ziff. V/
1-2.3, 3-4.2.9), die Baubewilligung vom 25. Juni 2021 sei nicht in formelle Rechtskraft
erwachsen bzw. diese sei nichtig, da sie unter mehrfacher Verletzung ihres Anspruchs
auf rechtliches Gehör – sie habe keine Bauanzeige erhalten und der Publikationstext
sei mangelhaft gewesen – sowie desjenigen der übrigen einspracheberechtigten
Grundeigentümer erteilt worden sei. Mangels rechtsgültiger Baubewilligung hätte die
Beschwerdebeteiligte umgehend die Einstellung dieser Arbeiten verfügen müssen.
Diese Massnahme würde sich als verhältnismässig erweisen. Aus denselben Gründen
hätte die Vorinstanz einen vorsorglichen Baustopp und ein vorsorgliches
Nutzungsverbot erlassen müssen.
Wird durch die Errichtung von Bauten und Anlagen ohne Bewilligung oder auf andere
Weise ein unrechtmässiger Zustand geschaffen, ist die kommunale Baupolizeibehörde
nach Art. 158 in Verbindung mit Art. 159 Abs. 1 Ingress und lit. a PBG bei
entsprechender Wahrnehmung von sich aus oder auf Anweisung der
Rechtsmittelinstanz verpflichtet, die Einstellung der illegalen Bautätigkeit (vorsorglich)
zu verfügen; sie geniesst dabei – abgesehen von Bagatellen – keinen
Beurteilungsspielraum und hat keine Interessenabwägung vorzunehmen (vgl. dazu
VerwGE B 2021/259 vom 27. Januar 2022 E. 2.2 mit Hinweisen). Die Vorinstanz als
Rechtsmittelinstanz ist zudem befugt, die kommunale Baupolizeibehörde auf Antrag
oder von Amtes wegen zusätzlich anzuweisen, ein Benützungsverbot im Sinne von
Art. 158 in Verbindung mit Art. 159 Abs. 1 Ingress und lit. b PBG zu prüfen und
gegebenenfalls zu verfügen (vgl. dazu Präsidialentscheid VerwGE B 2020/219 vom
29. März 2021 E. 4 mit Hinweisen). Steht bereits fest oder ist es zumindest sehr
wahrscheinlich, dass eine Nutzung materiellrechtlich unzulässig ist, ist das Interesse
der Bauherrschaft an einer (vorläufigen) Weiternutzung in der Regel nicht schutzwürdig.
In diesem Fall ist der Erlass eines Benützungsverbots grundsätzlich gerechtfertigt. Ist
dagegen die angestrebte Nutzung möglicherweise bewilligungsfähig, also im
Prüfungszeitpunkt nur formell baurechtswidrig, kann es unverhältnismässig sein, den
Betrieb sofort (oder in naher Zukunft) vorsorglich einzustellen bzw. die Nutzung definitiv
zu verbieten (vgl. dazu Präsidialentscheid VerwGE B 2020/253 vom 23. Juni 2021
E. 5.2 mit Hinweis).
Daneben kann die Vorinstanz für die Dauer des Rekursverfahrens als vorsorgliche
Massnahmen gestützt auf Art. 58 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 18 Abs. 1 VRP einen
Baustopp und/oder ein Nutzungsverbot anordnen. Der Entscheid über die Anordnung
4.1.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 10/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorsorglicher Massnahmen setzt Dringlichkeit voraus, das heisst es muss sich als
notwendig erweisen, die fraglichen Vorkehren sofort zu treffen. Erforderlich ist, dass die
Abwägung der verschiedenen Interessen den Ausschlag für den einstweiligen
Rechtsschutz gibt und dieser verhältnismässig erscheint. Vorsorgliche Massnahmen
beruhen auf einer bloss summarischen Prüfung der Sach- und Rechtslage. Ansprüche
müssen nur glaubhaft dargetan, nicht abschliessend bewiesen werden. Die
Hauptsachenprognose kann dabei berücksichtigt werden, wenn sie eindeutig ist. Zu
beachten ist weiter, dass der durch den Endentscheid zu regelnde Zustand weder
präjudiziert noch verunmöglicht werden soll (vgl. dazu Präsidialentscheid VerwGE
B 2020/219 vom 9. April 2021 E. 3 f. mit Hinweisen sowie E. 2 hiervor).
Vorab zu untersuchen ist demnach, ob die Bauarbeiten auf den Grundstücken
Nrn. 0002_, 0006_, 0000_ und 0003_ ohne formell rechtskräftige Bewilligung
ausgeführt werden.
Nicht umstritten ist, dass das Baugesuch der Beschwerdegegnerin vom
19. Februar 2021(act. 12/6/1), welches am 25. Juni 2021 bewilligt worden ist
(act. 12/6/4), dem ordentlichen Baubewilligungsverfahren zu unterziehen war und
dieses kantonalrechtliche Verfahren den verfassungsrechtlichen Minimalanforderungen
(Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft;
SR 101, BV, und Art. 4 lit. c der Verfassung des Kantons St. Gallen; sGS 111.1,
SR 131.225, KV) an den Anspruch auf rechtliches Gehör genügt. Dementsprechend
wurde es am 29. März 2021 im amtlichen Publikationsorgan der Beschwerdegegnerin
sowie auf der Publikationsplattform im Sinne von Art. 139 Abs. 1 Ingress und lit. a PBG
sowie Art. 5 GG in Verbindung mit Art. 27 und Art. 22 des Publikationsgesetzes
(sGS 140.3, PubG) bekanntgemacht (vgl. dazu act. 12/6/3) und, d.h. zumindest der
projektierte Ersatzbau auf Parzelle Nr. 0002_, am 5. März 2021 nach Art. 138 PBG
visiert (act. 12/6/1 und act. 2, S. 12 E. 4.3.1). Auch wurden am 25. März 2021
Bauanzeigen gemäss Art. 139 Abs. 1 Ingress und lit. b PBG versandt und das
Baugesuch vom 30. März 2021 bis 12. April 2021 nach Art. 139 Abs. 3 Satz 1 PBG
öffentlich aufgelegt (act. 12/6/2 f.). Demzufolge dauerte auch die Einsprachefrist vom
30. März 2021 bis 12. April 2021 (vgl. dazu Art. 139 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 153
Abs. 1 PBG). Die Beschwerdeführerin erhob ihre Einsprache am 4. Oktober 2021. Da
die Beschwerdeführerin ihrer Einsprache damit klarerweise weit nach Ablauf der
ordentlichen Einsprachefrist erhob, hat sie ihr Einspracherecht grundsätzlich verwirkt
(vgl. dazu Art. 152 PBG in Verbindung mit Art. 30 VRP; VerwGE B 2013/159 vom
21. Oktober 2014 E. 3.1, bestätigt mit BGer 1C_573/2014 vom 29. April 2015; VerwGE
4.2.
bis
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 11/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.2.1
Im Rahmen der in der Beschwerde vorgebrachten Kritik zu prüfen ist, ob die
Baubehörde das Baugesuch korrekt publiziert und angezeigt hat.
Nicht umstritten ist, dass die Beschwerdebeteiligte der Beschwerdeführerin als
Eigentümerin der Grundstücke Nrn. 0000_ und 0001_ (selbständige und dauernde
Baurechte) am 25. März 2021 (act. 12/6/3) keine Bauanzeige im Sinne Art. 139 Abs. 1
Ingress und lit. b PBG zugestellt hat. Nach der bisherigen Praxis zu Art. 82 Abs. 1 f.
des bis 30. September 2017 gültig gewesenen Gesetzes über die Raumplanung und
das öffentliche Baurecht (Baugesetz; nGS 32-47, BauG, in der Fassung vom
1. Januar 2015) war Eigentümern eines selbständigen und dauernden Baurechts keine
Bauanzeige zu erstatten (vgl. dazu Juristische Mitteilungen des Baudepartements
2001/I/6, S. 17 f., und GVP 1977 Nr. 56). Nach der Botschaft der Regierung zum
Planungs- und Baugesetz vom 11. August 2015 (ABl 2015, S. 2399 ff., S. 2515) sollte
mit der Regelung zur Bekanntmachung in Art. 139 Abs. 1 PBG (resp. Art. 140 Abs. 1
des Entwurfs der Regierung) am geltenden Verfahren der Veröffentlichung festgehalten
werden. Wie bisher sollten Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer, deren
Grundstücke nicht mehr als 30 Meter von der geplanten Baute oder Anlage entfernt
sind, eine eingeschriebene Bauanzeige erhalten (vgl. dazu auch E. 4.3.3 des
angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 12 f.). Die übrigen Materialien äussern sich nicht
dazu (www.ratsinfo.sg.ch). Das Verwaltungsgericht musste sich bisher nicht zur Frage
äussern, ob Art. 82 Abs. 1 f. BauG und Art. 139 Abs. 1 Ingress und lit. b PBG – darin
wird der Begriff "Anstösser" neu nicht mehr verwendet – auf Eigentümerinnen eines
selbständigen und dauernden Baurechts anzuwenden ist (siehe dazu VerwGE
B 2006/214 vom 9. Mai 2007 E. 2.1; VerwGE B 1999/57 vom 17. August 1999 E. 3c mit
Hinweisen, in: GVP 1999 Nr. 21). Gemäss der Meinung von C. Kägi (in: Bereuter/Frei/
Ritter [Hrsg.], Kommentar zum Planungs- und Baugesetz des Kantons St. Gallen,
Basel 2020, N 11 zu Art. 139 PBG) ist kein Grund erkennbar, den Eigentümer eines
selbständigen und dauernden Baurechts in Bezug auf die Publikation von Planerlassen
B 2011/190 und 195 vom 29. August 2012 E. 3.1 mit Hinweisen). Keine Säumnis liegt
allerdings insbesondere dann vor, wenn die betreffende Frist nicht korrekt mitgeteilt
wurde (vgl. dazu U.P. Cavelti, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], Gesetz über die
Verwaltungsrechtspflege, Praxiskommentar, Zürich/St. Gallen 2020, N 72 und 175 zu
Art. 30-30 VRP).ter
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 12/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
und Baugesuchen anders zu behandeln als den Eigentümer des baurechtsbelasteten
Grundstücks. Im Rahmen der hier gebotenen summarischen Beurteilung der Sach- und
Rechtslage kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich das Verwaltungsgericht
dieser Meinung anschliessen und eine Praxisänderung vornehmen könnte, zumal in der
vorliegenden Konstellation das Grundstück Nr. 0000_ als selbständiges und
dauerndes Baurecht das Baugrundstück Nr. 0002_ belastet (www.geoportal.ch) und
im Rahmen des fraglichen Bauprojekts eine Wasserleitung und ein Steuerkabel im
Bereich des Grundstücks Nr. 0000_ stillgelegt werden sollen (vgl. Plan Umgebungs-
und Werkleitungsarbeiten vom 19. Februar 2021, Beilage zu act. 12/6/1). Das
Grundstück Nr. 0000_ ist deshalb auch nicht mehr als 30 m vom Bauvorhaben
entfernt. Bei dieser Ausgangslage muss bei summarischer Beurteilung davon
ausgegangen werden, dass die Beschwerdebeteiligte der Beschwerdeführerin am
25. März 2021 zu Unrecht keine Bauanzeige zukommen liess.
Wie die Bauanzeige soll auch die Bekanntmachung nach Art. 139 Abs. 1 Ingress und
lit. a PBG über das Baugesuch informieren (Baugesuchsteller, Grundstück und Art der
Baute) sowie auf die Einsprachemöglichkeit hinweisen (vgl. dazu C. Kägi, in: Bereuter/
Frei/Ritter [Hrsg.], a.a.O., N 6 und 13 zu Art. 139 PBG; B. Heer, St. Gallisches Bau- und
Planungsrecht, Bern 2003, Rz. 888 und 891, siehe auch Zaugg/Ludwig, Baugesetz des
Kantons Bern, Band I, 5. Aufl. 2020, N 8 f. zu Art. 35-35c BauG BE; Fritsche/Bösch/
Wipf/Kunz, Zürcher Planungs- und Baurecht, Band 1, 6. Aufl. 2019, S. 396 f.;
A. Baumann, in: Derselbe/van den Bergh/Gossweiler/Häuptli/Häuptli-Schwaller/
Sommerhalder Forestier [Hrsg.], Kommentar zum Baugesetz des Kantons Aargau, N 31
zu § 60 BauG AG). Die amtliche Publikation eines Baugesuchs braucht nicht zuletzt im
Hinblick auf die Wahrnehmung der Rechtsmittelmöglichkeiten aussagekräftig zu sein.
Ein Dritter soll sich aus der inhaltlichen Umschreibung des Bauvorhabens in der
Publikation ein grundsätzliches Bild über mögliche Auswirkungen machen können (vgl.
dazu BGer 1C_555/2019 vom 9. September 2020 E. 4.5.5 mit Hinweisen, in: SJZ 2020,
S. 793 ff.). Wie sich dem Kurzbeschrieb im Baugesuchsformular (darin ist zwar nur das
Grundstück Nr. 0002_ erwähnt) sowie dem Plan Umgebungs- und
Werkleitungsarbeiten vom 19. Februar 2021 (act. 12/6/1) unschwer entnehmen lässt,
umfasst das Baugesuch nebst dem Abbruch und dem Ersatzbau des
Grundwasserpumpwerks Y._ Assek.-Nr. 0004_ auf Parzelle Nr. 0002_ auch den
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 13/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Rückbau resp. die Stilllegung von nicht mehr benötigten Werkleitungen auf den
Parzellen Nrn. 0002_ und 0003_, insbesondere einer Wasserleitung und eines
Steuerkabels im Bereich des Grundstücks Nr. 0000_, sowie den Bau einer neuen
Wasserleitung sowie von zwei neuen Abwasserleitungen auf den Grundstücken
Nrn. 0002_, 0006_ und 0003_. Im Publikationstext "Sanierung/Ersatzbau
Grundwasserpumpwerk Vers.-Nr. 0004_ auf dem Grundstück Nr. 0002_ im Y._"
findet sich indes kein Hinweis auf die Baugrundstücke Nrn. 0006_ und 0003_. Selbst
wenn ein solcher Text – entgegen der Meinung der Beschwerdeführerin (act. 5,
S. 13-15 Ziff. VI/1) – keine Details zum Bauvorhaben zu enthalten braucht (vgl. dazu
Fritsche/Bösch/Wipf/Kunz, a.a.O., S. 397, sowie act. 11 Ziff. II/2) und an den Text keine
überspannten Anforderungen gestellt werden dürfen (vgl. dazu BVR 2008, S. 255),
erscheint bereits aus diesem Grund – ob auch auf das Grundstück Nr. 0000_ hätte
hingewiesen werden müssen, kann offenbleiben –, summarisch betrachtet,
wahrscheinlich, dass diese Bekanntmachung unvollständig war.
Nach dem Gesagten erscheinen bei summarischer Betrachtung die Erfolgsaussichten
in der Hauptsache als eindeutig: Mangels Bauanzeige und unvollständigem
Publikationstext wurde der Beschwerdeführerin verunmöglicht, rechtzeitig vom
Baugesuch Kenntnis zu nehmen und ihre Einsprache fristgerecht zu erheben. Dies
umso mehr, als nicht ersichtlich ist und weder von der Beschwerdebeteiligten noch von
der Beschwerdegegnerin behauptet wird, dass das Bauvorhaben auf den Parzellen
Nrn. 0006_, 0003_ und 0000_ visiert worden wäre, zumal auf diesen Grundstücken
lediglich Leitungen verlegt (vgl. dazu act. 21, S. 3 Rz. 6 Abs. 2) resp. stillgelegt wurden
oder werden. Daran vermögen weder die Medienmitteilungen der Beschwerdegegnerin
vom 2. November 2020 und 8. März 2021 (act. 14/2-4) noch deren Stellungnahme vom
30. September 2019 im Rahmen eines Baubewilligungsverfahrens betreffend die
Tennishalle Assek.-Nr. 0007_ der Beschwerdeführerin auf Parzelle Nr. 0001_
(act. 14/5) oder das Schreiben der Beschwerdegegnerin an die Beschwerdeführerin
vom 27. November 2020 (act. 14/6), auf welche sich die Beschwerdegegnerin beruft
(act. 13, S. 4 f. Rz. 11-13, act. 21, S. 10 Rz. 10), etwas zu ändern. Alle diese Unterlagen
enthalten keine Hinweise auf die öffentliche Auflage des Baugesuchs vom
30. März 2021 bis 12. April 2021. Die Beschwerdebeteiligte wäre demnach gemäss
dem aus dem Grundsatz von Treu und Glauben und dem Vertrauensschutz (Art. 5
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 14/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Abs. 3 und Art. 9 BV) abgeleiteten Rechtsgrundsatz, dass einer Partei aus einer
mangelhaften Eröffnung kein Nachteil erwachsen darf (vgl. dazu BGer 1C_301/2016;
1C_303/2016 vom 4. Januar 2017 E. 3.5.2, in: URP 2017, S. 400 ff.; VerwGE
B 2018/248 vom 14. März 2019 E. 4.3 je mit Hinweisen), grundsätzlich verpflichtet
gewesen, auf die Einsprache der Beschwerdeführerin vom 4. Oktober 2021
(act. 12/6/11) – nach der, wenn auch schliesslich widerrufenen, erneuten Auflage des
Baugesuchs vom 22. September 2021 bis 5. Oktober 2021 – einzutreten. Einer
allfälligen Berufung der Beschwerdegegnerin auf den Grundsatz von Treu und Glauben
(Art. 5 Abs. 3 und Art. 9 BV) im Hauptverfahren stände in diesem Zusammenhang das
überwiegende öffentliche Interesse an der korrekten Durchführung des
Baubewilligungs- und Einspracheverfahrens entgegen. Der Rechtssicherheit und dem
Vertrauensschutz kommt bis zum Zeitpunkt der formellen Rechtskraft einer Verfügung
sodann nicht die gleiche Bedeutung zu wie nach Eintritt der Rechtskraft (vgl. dazu
VerwGE B 2020/10 vom 14. September 2020 E. 6.3 mit Hinweisen).
Entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin stellt die festgestellte unvollständige
Bekanntmachung des Baugesuchs der Beschwerdegegnerin vom 19. Februar 2021
indes keinen derart krassen oder schwerwiegenden Verfahrensfehler dar, dass die
Baubewilligung vom 25. Juni 2021 deswegen nichtig wäre (vgl. dazu BGer 1C_13/2021
vom 10. Januar 2022 E. 4.2; BGer 1C_555/2020 vom 16. August 2021 E. 7.1;
BGer 1C_5/2019 vom 12. Juni 2019 E. 4.2, in: ZBl 2020, S. 444 ff., VerwGE B 2019/74
vom 19. Dezember 2019 E. 2.1; VerwGE B 2014/49 vom 16. September 2014 E. 3.1 f.;
VerwGE B 2012/239 vom 16. April 2014 E. 3.1.3 je mit Hinweisen). Sollten Dritte
aufgrund der mangelhaften Bekanntmachung von einer Einsprache gegen das
Baugesuch abgehalten worden sein, bedeutet dies ferner keinen Rechtsnachteil für die
Beschwerdeführerin, welcher im vorliegenden Verfahren von Belang wäre (vgl. dazu
VerwGE B 2020/98 vom 8. Juli 2021 E. 3.2 mit Hinweisen, insbesondere auf
BGer 1C_5/2019 vom 12. Juni 2019, a.a.O.; BGer 1C_478/2008 vom 28. August 2009
E. 2.4 mit Hinweisen, siehe dazu auch VerwGE B 2014/48 vom 28. Juli 2015 E. 1 und
E. 4.3.6 des angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 13 f.).
4.2.2
Zu untersuchen bleibt, ob die Beschwerdeführerin nach Treu und Glauben verpflichtet
gewesen wäre, ihre Einsprache vor dem 4. Oktober 2021 (act. 12/6/11) zu erheben.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 15/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Eine mangelhafte Bekanntmachung darf die Einsprachemöglichkeit des übergangenen
Adressaten nicht beeinträchtigen. Für den Übergangenen beginnt die Einsprachefrist
deshalb vorläufig nicht zu laufen, so dass die Verfügung auch nicht in formelle
Rechtskraft erwächst (hinkende Rechtskraft). Dritte, die vom Einreichen einer
Einsprache abgehalten wurden, können aus diesem Grund die Wiederherstellung der
Einsprachefrist verlangen oder Rechtsmittel ergreifen, sobald sie vom Baugesuch bzw.
der Baubewilligung Kenntnis erhalten haben. Die Zeitspanne, welche die Betroffenen
verstreichen lassen dürfen, ohne ihres Vertrauensschutzes verlustig zu gehen, hängt
davon ab, wann sie vom missliebigen Entscheid auf andere Weise sichere Kenntnis
erhalten haben. Blosse Gerüchte oder vage Hinweise reichen dazu nicht. Erst wenn der
Rechtsuchende im Besitz aller für die erfolgreiche Wahrung seiner Rechte wesentlichen
Elemente ist, also namentlich auch die Entscheidgründe kennt, rechtfertigt es sich, von
ihm eine Anfechtung innerhalb der jeweiligen Rechtsmittelfrist zu verlangen. Der
Betroffene darf den Beginn des Fristenlaufs auch nicht beliebig hinauszögern. Wenn er
einmal von der ihn berührenden Verfügung Kenntnis erhalten hat, muss er nach Treu
und Glauben dafür besorgt sein, den genauen Inhalt der Verfügung zu erfahren. Er hat
sich insbesondere danach zu erkundigen, wenn Anzeichen für die Erteilung einer
Baubewilligung vorliegen. Unanfechtbar wird die mangelhaft eröffnete Verfügung nach
dem Vertrauensprinzip dann, wenn dem Übergangenen nach den gesamten
Umständen übermässig langes Zuwarten zur Last fällt (vgl. dazu VerwGE B 2009/71
und 72 vom 18. März 2010 E. 2.4-2.4.1 mit Hinweisen, in: GVP 2010 Nr. 42 und
Juristische Mitteilungen des Baudepartements 2010/I/4; das Bundesgericht trat auf
eine dagegen erhobene Beschwerde mit Urteil BGer 5A_384/2010 vom 19. Mai 2010
nicht ein).
Die Beschwerdegegnerin wendet vorweg ein (act. 13, S. 6 Rz. 14 f., act. 21, S. 10 f.
Rz. 10 f.), B._ als Vorsitzender der Geschäftsleitung der E-AG, welcher die
Baubewilligung vom 25. Juni 2021 (act. 12/6/4) eröffnet worden sei, da dieser ein
Auftrag für den Leitungsbau erteilt worden sei, habe auch in seiner Funktion als
Verwaltungsrat der Beschwerdeführerin von der Baubewilligung Kenntnis gehabt. Sein
Wissen sei der Beschwerdeführerin anzurechnen. Fest steht, dass der E-AG die
Baubewilligung vom 25. Juni 2021 (act. 12/6/4) von der Beschwerdebeteiligten
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 16/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zugestellt worden ist. Laut Handelsregistereintrag bezweckt die E-AG, Endverbraucher
in den Gemeinden an das Erdgasnetz anzuschliessen und mit Erd- und Biogas zu
beliefern, den Transport mit Erd- und Biogas langfristig zu gewährleisten und zu
erhalten und die Erbringung weiterer Dienstleitungen im Energie- und
Versorgungsbereich, namentlich Erstellung, Betrieb und Unterhalt aller hierfür
notwendigen Anlagen und Einrichtungen (www.zefix.ch). Bei gegebener Aktenlage ist
nicht ersichtlich und wird auch von der Beschwerdegegnerin nicht nachgewiesen, dass
sich B._ in seiner Funktion als Geschäftsführer der E-AG (www.zefix.ch) mit dem von
der Beschwerdeführerin mutmasslich in Auftrag gegebenen Bau der Werkleitungen auf
den Grundstücken Nrn. 0002_, 0006_ und 0003_ beschäftigt hätte. Folglich musste
er sich nach Treu und Glauben auch nicht bei anderen Organpersonen, etwa beim
mutmasslich dafür zuständigen Leiter Netze (vgl. dazu das Organigramm der E-AG,
Stand per 1. Januar 2022, www. ... .ch), nach dem Stand dieses Rechtsgeschäfts
erkundigen (vgl. zur Wissenszurechnung oder Wissensvertretung Art. 55 Abs. 2 des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB; BGer 2C_245/2018 vom
21. November 2018 E. 6.1; BGer 2C_1082/2013 vom 14. Januar 2015 E. 6.2 je mit
Hinweisen; und H. Honsell, in: Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], Basler Kommentar,
Zivilgesetzbuch I, 6. Aufl. 2018, N 49 zu Art. 3 ZGB; siehe auch Huguenin/Reitze, in:
Geiser/Fountoulakis [Hrsg.], a.a.O., N 19 zu Art. 54/55 ZGB). Summarisch betrachtet
kann dementsprechend nicht darauf geschlossen werden, dass ihm in seiner Funktion
als Vorsitzender der Geschäftsleitung der E-AG die Baubewilligung vom 25. Juni 2021
bekannt gewesen wäre oder hätte bekannt gewesen sein müssen. Umso weniger war
ihm diese als Mitglied des Verwaltungsrates der Beschwerdeführerin bekannt, welche
laut Handelsregistereintrag den Bau und Betrieb von Tennis- und Squashhallen – und
damit im Unterschied zur E-AG nicht etwa den Werkleitungsbau – bezweckt
(www.zefix.ch).
Weiter ist nicht erstellt, wann genau mit den Bauarbeiten auf den Grundstücken
Nrn. 0002_, 0006_ und 0003_ begonnen wurde. Eine Meldung des Baubeginns im
Sinne von Art. 150 Abs. 1 Ingress und lit. a PBG liegt nicht bei den Akten. Deshalb ist
auf die Angaben der Beschwerdegegnerin abzustellen (act. 12/7, S. 5 Rz. 12), wonach
am 23. August 2021 damit begonnen worden sei (vgl. dazu auch die gleichlautende
Angabe der Beschwerdebeteiligten in der Rekursvernehmlassung vom
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 17/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
15. Oktober 2021 [Fällung Baumbestand ab Mitte August 2021, Grabarbeiten ab
23. August 2021], act. 12/6, und deren abweichende Angaben in act. 10 und
act. 12/6/10, wonach mit den Bauarbeiten Mitte Juli 2021 begonnen worden sei). Am
3. September 2021 und somit innert 12 Tagen nach Baubeginn gelangte die
Beschwerdeführerin durch ihren Rechtsvertreter an die Beschwerdebeteiligte und
verlangte neben der Durchführung eines nachträglichen ordentlichen
Baubewilligungsverfahrens auch die Einstellung der Bauarbeiten (act. 12/6/5).
Angesichts dieser kurzen Zeitspanne kann ihr in diesem Zusammenhang kein
treuwidriges übermässig langes Zuwarten zur Last gelegt werden.
Ferner ist mit der Beschwerdegegnerin (act. 13 S. 8 f. Rz. 21, act. 21, S. 5-7 Rz. 8) zwar
davon auszugehen, dass bereits in der Zwischenverfügung der BUK vom
6. September 2021 (act. 12/6/6) Anzeichen für die Erteilung einer Baubewilligung
vorlagen (Auflageverfahren durchgeführt, Bauarbeiten weit fortgeschritten), welche für
die bereits damals anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin erkennbar gewesen sein
mussten. Allerdings setzte ihr die Beschwerdebeteilige darin auch eine (nachträgliche)
Einsprachefrist (im vereinfachten Verfahren) bis 22. September 2021 an. Deswegen
durfte die Beschwerdeführerin nach Treu und Glauben davon ausgehen, die
Baubewilligung sei noch nicht in formelle Rechtskraft erwachsen und werde ihr
koordiniert mit dem Einspracheentscheid (nachträglich) eröffnet werden. Entsprechend
erneuerte sie auch am 10. September 2021 (act. 12/6/7) ihr Begehren um Erlass einer
Baueinstellungsverfügung. Bestärkt wurde sie in ihrem Glauben zudem durch die ihr
am 20. September 2021 vom Bauamt der Beschwerdebeteiligten offenbar gestützt auf
einen Beschluss der BUK vom 17. September 2021 zugestellte Bauanzeige im Sinne
von Art. 139 Abs. 1 Ingress und lit. b PBG sowie die erneute Visierung (Art. 138 PBG)
und öffentliche Auflage des Baugesuchs vom 22. September 2021 bis 5. Oktober 2021
(Art. 139 Abs. 3 Satz 1 PBG, vgl. act. 12/1/13, act. 12/6/8), innert derer sie am
4. Oktober 2021 (act. 12/6/11) Einsprache erhob. Die Beschwerdegegnerin, in deren
fünfköpfigen Verwaltungsrat die Beschwerdebeteiligte ein Mitglied delegiert (vgl. Art. 11
der Statuten der Beschwerdegegnerin, www. ... .ch), setzte sich gegen dieses Gebaren
der Beschwerdebeteiligten – die erneute Durchführung eines vereinfachten bzw.
ordentlichen Baubewilligungsverfahren nach bereits erfolgter Durchführung eines
ordentlichen Verfahrens für dasselbe Baugesuch ist im PBG (Art. 138 ff.) nicht
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 18/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vorgesehen – nicht zur Wehr (die Zwischenverfügung vom 6. September 2021
[act. 12/6/6] wurde C._, ihrem stellvertretenden Geschäftsführer [www.zefix.ch],
allerdings lediglich per E-Mail zugestellt und damit nicht rechtsgültig eröffnet [vgl. dazu
Präsidialentscheid VerwGE B 2021/259 vom 27. Januar 2022 E. 3 mit Hinweisen]),
sondern sie stellte die Bauarbeiten am 17. September 2021 vielmehr von sich aus ein
(vgl. act. 13, S. 11 f. Rz. 31, siehe zum Verbot widersprüchlichen Verhaltens BGer
2C_706/2018 vom 13. Mai 2019 E. 3.1 mit Hinweisen). Den Widerruf der Bauanzeige
resp. den Abbruch des Auflageverfahrens durch den Leiter Fachbereich
Baubewilligungen der Beschwerdebeteiligten vom 1. Oktober 2021 (act. 12/6/9 f.) – ob
die BUK ihn dazu ermächtigt hatte, ist nicht aktenkundig – focht die
Beschwerdeführerin demgegenüber mit Rekurs vom 5. Oktober 2021 (act. 12/1) bei der
Vorinstanz an.
Unter diesen Umständen kann der Beschwerdeführerin, summarisch betrachtet, nicht
vorgehalten werden, sie hätte ihre Einsprache nach Treu und Glauben vor dem
4. Oktober 2021 (act. 12/6/11) erheben müssen.
4.3.
Nach dem Gesagten erscheint jedenfalls bei summarischer Beurteilung wahrscheinlich,
dass die Bauarbeiten auf den Grundstücken Nrn. 0002_, 0006_ und 0003_
ausgeführt werden, ohne dass die Baubewilligung vom 25. Juni 2021 (act. 12/6/4)
formell rechtskräftig geworden ist. Dass es sich dabei um blosse Bagatellen handeln
würde, ist weder erkennbar noch wird dies von der Beschwerdegegnerin, der
Beschwerdebeteiligten oder der Vorinstanz geltend gemacht. Im Rahmen der
gebotenen summarischen Prüfung ist zudem davon auszugehen, dass das öffentliche
Interesse sowie das Interesse der Nachbarn, insbesondere der Beschwerdeführerin als
Baurechtsnehmerin, an der korrekten Durchführung des Baubewilligungs- und
Einspracheverfahrens das entgegenstehende Interesse der Beschwerdegegnerin zu
überwiegen vermag. Daran ändert der von der Beschwerdegegnerin ins Feld geführte
drohende Versorgungsengpass der Beschwerdebeteiligten mit Trinkwasser (act. 13,
S. 20 f. Rz. 37) wegen des Unterbruchs der Bauarbeiten nichts. Darauf könnte bei
Bedarf mit der Anordnung entsprechender vorsorglicher Massnahmen reagiert werden.
Daraus folgt, dass die Vorinstanz verpflichtet gewesen wäre, die Beschwerdebeteiligte
verbindlich anzuweisen, die Einstellung der fraglichen Bauarbeiten zu verfügen (vgl.
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 19/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Präsidialentscheid VerwGE B 2021/259 vom 27. Januar 2022 E. 6.1 und 6.2 mit
Hinweisen). In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die Beschwerdebeteiligte in
Abänderung des angefochtenen Rekursentscheides in Dispositiv-Ziffer 1a deshalb
anzuweisen, die Einstellung der Bauarbeiten auf den Grundstücken Nrn. 0002_ und
0003_ – eine Baueinstellung auf Parzelle Nr. 0006_ wurde nicht beantragt (vgl. dazu
Art. 63 VRP und VerwGE B 2021/120 vom 16. Dezember 2021 E. 2 mit Hinweisen) – ab
sofort bis zur rechtskräftigen Erteilung der Baubewilligung zu verfügen. Dabei wird die
Beschwerdebeteiligte gemäss den Ausführungen unter Erwägung 4.1 hiervor auch von
Amtes wegen zu prüfen haben, ob auf Parzelle Nr. 0006_ Bauarbeiten ohne
Bewilligung ausgeführt wurden oder werden, und ob auch in Bezug auf dieses
Grundstück baupolizeiliche Anordnungen nötig sind.
Aufgrund der verbindlichen Anweisung an die Beschwerdebeteiligte in Dispositiv-
Ziffer 1a des angefochtenen Entscheids erübrigt sich, zusätzlich einen vorsorglichen
Baustopp auf den Grundstücken Nrn. 0002_ und 0003_ für die Dauer des
Rekursverfahrens anzuordnen. Insoweit ist die Beschwerde gegen Dispositiv-Ziff. 1b
des angefochtenen Entscheids (Verweigerung Baustopp als vorsorgliche Massnahme)
gegenstandslos. Darüber hinaus ist das Baugesuch der Beschwerdegegnerin vom
19. Februar 2021 (act. 12/6/1) insbesondere mit Blick auf die Baubewilligung vom
25. Juni 2021 und die gewässerschutzrechtliche Bewilligung des Amtes für Wasser und
Energie vom 2. Juni 2021 (act. 12/6/4), welche allerdings noch nicht formell
rechtskräftig sind, mutmasslich bewilligungsfähig. Die beschwerdeführerischen
Vorbringen führen zu keinem anderen Schluss. Soweit das in Bau befindliche neue
Grundwasserpumpwerk bereits genutzt werden kann, ist eine solche Nutzung somit
nur formell baurechtswidrig. Demgemäss erweist sich die Anordnung des von der
Beschwerdeführerin beantragten vorsorglichen Nutzungsverbots für die Dauer des
Rekursverfahrens durch die Vorinstanz sowie die von ihr beantragte zusätzliche
Anweisung an die Beschwerdebeteiligte, ein Benützungsverbot bis zur rechtskräftigen
Erteilung einer Baubewilligung zu prüfen und im Bedarfsfall anzuordnen, derzeit als
unverhältnismässig. Insoweit ist Dispositiv-Ziffer 1b des angefochtenen Entscheids zu
bestätigen.
5.
Zusammenfassend wäre die Vorinstanz – vorbehältlich eines gegenteiligen Ergebnisses
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 20/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
in der Hauptsache – verpflichtet gewesen, die Beschwerdebeteiligte verbindlich
anzuweisen, die Einstellung der Bauarbeiten auf den Grundstücken Nrn. 0002_ und
0003_ zu verfügen. Hingegen war sie nicht gehalten, das von der Beschwerdeführerin
beantragte vorsorgliche Nutzungsverbot für die Dauer des Rekursverfahrens
anzuordnen und die Beschwerdebeteiligte anzuweisen, ein Benützungsverbot bis zur
rechtskräftigen Erteilung einer Baubewilligung zu prüfen und im Bedarfsfall
anzuordnen. Die Beschwerde ist somit teilweise gutzuheissen, soweit darauf
einzutreten ist und sie nicht gegenstandslos ist, und Dispositiv-Ziffer 1a des
angefochtenen Entscheids entsprechend anzupassen.
6.
In Anwendung von Art. 95 Abs. 1 und 2 VRP sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens je zu einem Viertel der Beschwerdeführerin und der
Beschwerdegegnerin sowie zur Hälfte der Beschwerdebeteiligten aufzuerlegen. Eine
Entscheidgebühr für das Beschwerdeverfahren von CHF 2'000 ist angemessen (Art. 7
Ziff. 212 der Gerichtskostenverordnung; sGS 941.12, GKV). Auf die Erhebung des
Kostenanteils der Beschwerdebeteiligten in der Höhe von CHF 1'000 ist zu verzichten
(Art. 95 Abs. 3 VRP). Die Beschwerdegegnerin hat CHF 500 zu bezahlen. Der
Kostenanteil der Beschwerdeführerin in der Höhe von CHF 500 ist mit dem von ihr
geleisteten Kostenvorschuss in der Höhe von CHF 1'500 zu verrechnen. CHF 1'000
sind ihr zurückzuerstatten.
Der Verlegung der amtlichen Kosten entsprechend haben die Beschwerdegegnerin und
die Beschwerdebeteiligte die obsiegende Beschwerdeführerin für das
Beschwerdeverfahren ausseramtlich ermessensweise pauschal mit insgesamt
CHF 1'750 – entsprechend der Praxis des Verwaltungsgerichts nämlich die Hälfte von
CHF 3'500 (vgl. A. Linder, in: Rizvi/Schindler/Cavelti [Hrsg.], a.a.O., N 16 zu
Art. 98 VRP) – zuzüglich CHF 70 Barauslagen (vier Prozent von CHF 1'750) zu
entschädigen (vgl. dazu Art. 98 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 98 VRP; Art. 30 Ingress
und lit. b Ziff. 1 sowie Art. 31 Abs. 1 und 2 AnwG; Art. 6, Art. 19, Art. 22 Abs. 1 Ingress
und lit. c, Art. 28 der Honorarordnung, sGS 963.5, HonO). Sie schulden die
Entschädigung zu einem Drittel (Beschwerdegegnerin) bzw. zu zwei Dritteln
(Beschwerdebeteiligte) unter solidarischer Haftbarkeit (Art. 98 VRP in Verbindung mit
Art. 106 Abs. 3 ZPO). Mangels Antrag muss die Mehrwertsteuer bei der Bemessung
bis
bis
bis
ter
© Kanton St.Gallen 2022 Seite 21/21
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
der ausseramtlichen Entschädigung nicht zusätzlich berücksichtigt werden (vgl.
Art. 29 HonO).

## Considerations