# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5c4da8cb-7d08-4b92-b0f5-31c74e169411
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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A. a) A. wurde am 13. Februar 1975 in AA. geboren. Er wuchs als Einzelkind bei seinen Eltern in geordneten Verhältnissen in BB. und CC. auf. In CC. besuchte er die 1. bis 4. Klasse, wobei er ein Jahr repetieren musste. In der Folge kam er in eine Kleinklasse, welche er während zwei Jahren in AA. besuchte. Danach hielt er sich wegen schulischer Probleme während zwei Jahren in der O.-Stiftung DD./ZH auf. Anschliessend besuchter ein Werkjahr in EE.. Nach der Schulentlassung begann er bei der Garage P. in BB. eine Lehre als Automonteur. Wegen schulischer Probleme musste er diese Lehre jedoch aufgeben. Danach konnte er bei der Garage Q. in FF. eine zweijährige Anlehre als Fahrzeugwart absolvieren, welche er auch abschloss. Nach der Lehre war er während eineinhalb bis zwei Jahren beim Gipsergeschäft R. in CC. als Hilfsarbeiter in Anstellung. In der Folge war A. bis etwa im Jahre 1998 temporär an verschiedenen Stellen im Unterland mehrheitlich auf dem Bau tätig. Im Jahre 1998 zog er zusammen mit seinen Eltern nach Graubünden, wobei er dann alleine in GG. wohnte. Er arbeitete eine Sommersaison lang beim Baugeschäft S. in HH.. Anschliessend war er ungefähr während zwei Monaten temporär als Strassenbauer in II. tätig. Es folgte eine Anstellung bei der Gipserfirma T., II., wo er währen etwa einem dreiviertel Jahr arbeitete. Während ungefähr einem bis eineinhalb Jahren arbeitete er anschliessend bei der Firma JJ., KK.. Nach dieser Anstellung zog er nach LL./AG. Dort fand er für vier Monate eine Anstellung als Hilfskoch, bei welcher er jedoch den Lohn nur etappenweise erhielt. Es kam dann zu einer körperlichen Auseinandersetzung mit dem Wirt. Die in der Folge eingeleitete Strafuntersuchung wurde eingestellt. A. zog wieder nach CC., wo er eine Zeit lang vom Sozialamt unterstützt wurde. Bei U., Isolationen, CC., fand er eine Anstellung als Isoleur. Nach zwei Jahren wurde das Arbeitsverhältnis wegen Betäubungsmittelsucht aufgelöst. Danach war A. wieder arbeitslos und wurde vom Sozialamt unterstützt. Durch das Sozialamt AA. kam er in ein Beschäftigungsprogramm bei MM. in NN.. Am 9. September 2006 wurde er in AA. von Skinheads zusammengeschlagen. Dieses Strafverfahren ist immer noch im Gange. Wegen der erlittenen Verletzungen lag er etwa zwei Wochen im Universitätsspital in Zürich. Nach der Spitalentlassung zog er zu seinen Eltern nach OO./GR. Dort arbeitete er die Wintersaison 2006/2007 im Hotel PP. als Hilfskoch. Ab März 2007 war er wieder arbeitslos. Durch den Sozialdienst für Suchtfragen Graubünden bekamt er eine Stelle bei der VV. in II., wo er seit Mai 2007 arbeitet. Er hat monatlich Fr. 1'250.-- netto zur Verfügung. Krankenkasse und Wohnung werden vom Sozialamt bezahlt. Vermögen hat A. keines. Seine Schulden belaufen sich auf ungefähr Fr. 10’000.--.
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Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist A. mit drei Eintragungen verzeichnet: Am 26. Februar 2001 verurteilte ihn der Kreispräsident Chur. mittels Strafmandat wegen mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 1 BetmG und mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG zu 75 Tagen Gefängnis, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von zwei Jahren, und zu einer Busse von Fr. 200.--. Am 30. April 2004 verurteilte das Bezirksamt Bremgarten A. in contumaciam wegen Fahrens ohne Führerausweis im Sinne von Art. 95 Ziff. 1 SVG zu 30 Tagen Haft, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von einem Jahr, und Fr. 1'000.-- Busse. Und schliesslich verurteilte die Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis A. mit Strafbefehl vom 10. November 2006 wegen mehrfachem Diebstahl, mehrfachem Diebstahlsversuch, mehrfacher Sachbeschädigung, mehrfachem Hausfriedensbuch und mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von vier Jahren. Gemäss Leumundsbericht der Stadtpolizei II. geniesst A. einen rechten Leumund. Sein jetziger Arbeitgeber stellt ihm ein gutes Zeugnis aus.
b) Im Zug der durchgeführten Strafuntersuchung wurde A. durch Dr. med. V., Klinik QQ., RR., einer psychiatrischen Begutachtung unterzogen. Der Gutachter gelangt dabei in seinem Gutachten vom 6. Juni 2008 zum Schluss, dass bei A. ein Heroinabhängigkeitssyndrom mit insgesamt leicht- bis mittelgradiger Ausprägung sowie Kokainmissbrauch vorliege, was für den Tatzeitpunkt zu einer mindestens in leichtem bis allenfalls mittlerem Grade verminderten Schuldfähigkeit geführt habe. Die Anordnung einer ambulanten Behandlung gemäss Art. 63 StGB sei zweckmässig. Eine stationäre Behandlung gemäss Art. 60 StGB erscheine aus forensisch-psychiatrischer Sicht derzeit nicht notwendig, um die Gefahr weiterer Straftaten abzuwehren. Die vom Gutachter empfohlene ambulante Massnahme gemäss Art. 63 StGB könne auch strafvollzugsbegleitend oder nach vorherigem Strafvollzug durchgeführt werden, wobei ein Strafvollzug ohne begleitende ambulante Massnahme nicht empfehlenswert erscheine, wenn in der entsprechenden Strafvollzugseinrichtung keine absolute Drogenfreiheit bestehe und Heroin und Kokain prinzipiell verfügbar seien.
c) A. wurde am 21. Februar 2008 in II. festgenommen und befand sich bis am 11. April 2008 in Untersuchungshaft. Die Anstaltsleitung der Strafanstalt Z. stellte ihm am 21. Juli 2008 ebenfalls ein gutes Führungszeugnis aus.
B. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 9. Oktober 2008 wurde A. wegen Wiederhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG und mehrfacher Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG in Anklagezustand
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versetzt. Dieser Anklage liegt gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 9. Oktober 2008 folgender Sachverhalt zu Grunde:
„A. wird angeklagt
1. der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG.
1.1 Der Angeklagte erwarb zwischen Sommer 2007 und Februar 2008 vor allem im Raum SS. und teilweise in TT. mindestens 4 kg Heroin und 50 Gramm Kokain. Davon gab er insgesamt 2.8 kg Heroin an verschiedene Personen in II. weiter. Mindestens 2.455 kg Heroin verkaufte er für Fr. 280.-- je 5 Gramm. Mindestens 345 Gramm Heroin gab er unentgeltlich weiter.
Die Verbindungsaufnahme mit den Heroinabnehmern und Lieferanten erfolgte meist über das Mobiltelefon des Angeklagten mit der Rufnummer _. Teilweise wurde bei ihm aber auch über die Rufnummer _ Heroin bestellt.
Weil der Angeklagte ca. 1.2 kg Heroin und 50 Gramm Kokain selber konsumierte sowie zwischen 345 und 460 Gramm Heroin auch unentgeltlich weitergab, erzielt er durch den Weiterverkauf von letztlich 2.455 kg Heroin trotz eines Umsatzes von knapp Fr. 140'000.-- bloss einige Fr. 1'000.--.
Im einzelnen verkaufte der Angeklagte den nachfolgend aufgeführten Abnehmern mindestens 1.93 kg Heroin: a) B. verkaufte er zwischen Oktober 2007 und Februar 2008
mindestens 800 Gramm Heroin.
b) C. verkaufte er zwischen Sommer und Herbst 2007 mindestens 100 Gramm Heroin.
c) D. verkaufte er zwischen August und November 2007 mindestens 300 Gramm Heroin.
d) E. verkaufte er zwischen September 2007 und Januar 2008 mindestens 50 Gramm Heroin.
e) F. erhielt zwischen Juni und August 2007 mindestens 50 Gramm Heroin.
f) G. und deren Freund H. verkaufte er zwischen Sommer und Winter 2007 mindestens 250 Gramm Heroin.
g) I. verkaufte er zwischen Sommer 2007 und Februar 2008 mindestens 100 Gramm Heroin.
h) J. und K. verkaufte er zwischen September 2007 und Februar 2008 mindestens 200 Gramm Heroin.
i) L. verkaufte er zwischen Juli und November 2007 mindestens 35 Gramm Heroin.
k) M. verkaufte er zwischen November 2007 und Februar 2008 mindestens 30 Gramm Heroin.
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l) N. verkaufte er zwischen November und Dezember 2007 mindestens 15 Gramm.
Der Angeklagte war zu Beginn der Strafuntersuchung noch geständig, insgesamt 4.5 kg Heroin erworben und davon über 3 kg in II. weiterverkauft oder unentgeltlich weitergegeben zu haben. Im Laufe der Strafuntersuchung korrigierte er seine Angaben mehrfach, wobei er teilweise geltend machte, wesentlich weniger Heroin erworben und folglich auch weiterverkauft zu haben. Schliesslich anerkannte er, zumindest 3.5 kg Heroin erworben und 2.275 kg Heroin verkauft oder unentgeltlich weitergegeben zu haben.
1.2 Anlässlich der Festnahme von A. in seiner Wohnung an der UU.- Strasse in II. konnten insgesamt 13.2 Gramm Heroin und Fr. 3'700.-- sicher[ge]stellt werden. Er trug das Heroin teilweise auch auf sich. Das sichergestellte Heroin wurde analysiert, wobei ein Reinheitsgehalt von 40% ermittelt wurde. Geht man auch bezüglich der vom Angeklagten weitergegebenen 2.8 kg Heroin von diesem Reinheitsgehalt aus, hat er total 1.12 kg reines Heroin verkauft bzw. verschenkt und zuvor zu diesem Zwecke erworben und besessen.
2. der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
Der Angeklagte ist geständig, zwischen Sommer 2007 und Februar 2008 insgesamt 1.2 kg Heroin und 50 Gramm Kokain konsumiert zu haben.
3. Beschlagnahmen.
Die beim Angeklagten sichergestellten Mobiltelefone Nokia 6021 und LG KE 970, die 13.2 Gramm Heroin, die elektrische Waage ‚Solo’, 113 Tabletten (Methadon etc.) sowie Bargeld von Fr. 3'700.-- wurden mit Verfügung vom 11. Juni 2008 beschlagnahmt.“
C. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Plessur am 9. Januar 2009 waren A. in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin lic. iur. Carmen Vanoni, sowie der Vertreter der Anklage, Untersuchungsrichter lic. iur. David Willi, anwesend. Der Anklagevertreter stellte und begründete folgende Anträge:
„1. A. sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen. 2. Dafür sei er – unter Anrechnung der erstandenen
Untersuchungshaft – zu einer Freiheitsstrafe von 40 Monaten sowie zu einer Busse von Fr. 500.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen, zu verurteilen.
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3. Die von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis am 10. November 2006 bedingt auf 4 Jahre ausgesprochene Freiheitsstrafe von 3 Monaten sei zu widerrufen.
4. Im Sinne von Art. 63 StGB sei vollzugsbegleitend eine ambulante psychiatrische Behandlung anzuordnen.
5. Die sichergestellten und untersuchungsrichterlich beschlagnahmten 13.2 Gramm Heroin, die beiden beschlagnahmten Mobiltelefone der Marke Nokia 6021 und LG KE 970, die elektronische Waage ‚Solo’ sowie 113 Tabletten (Methadon etc.) seien gerichtlich einzuziehen. Sodann sind die ebenfalls beschlagnahmten Fr. 3'700.-- einzuziehen und an die Verfahrenskosten anzurechnen.
6. Der Angeklagte sei zur Zahlung einer Ersatzabgabe in einer vom Gericht zu bestimmenden Höhe zu verpflichten.
7. Kostenfolge sei die gesetzliche.“
Die amtliche Verteidigerin beantragte und begründete was folgt:
„1. A. sei der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 lit. a BetmG und der Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG schuldig zu sprechen.
2. A. sei mit einer Freiheitsstrafe von maximal 28 Monaten zu bestrafen.
3. Es sei eine ambulante Massnahme anzuordnen.
4. Die Freiheitsstrafe sei zu Gunsten der ambulanten Behandlung aufzuschieben.
5. Eventualiter sei die Strafe bedingt oder teilbedingt auszusprechen. In letzterem Fall sei der unbedingt zu vollziehende Teil auf 6 Monate und der aufzuschiebende Teil auf maximal 22 Monate festzusetzen. Die erstandene Polizei- und Untersuchungshaft sei an die Strafe anzurechnen.
6. A. sei zusätzlich mit einer Busse von maximal Fr. 300.-- zu bestrafen.
7. Auf den Widerruf der Vorstrafe der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis, Zweigstelle AA. vom 10. November 2006 sei zu verzichten.
8. Das beschlagnahmte Mobiltelefon LG KE 970 sei A. herauszugeben.
9. Von einer Ersatzforderung des Staates sei abzusehen.
10. Unter gesetzlicher Kostenfolge.“
D. Mit Urteil vom 9. Januar 2009, mitgeteilt am 23. Januar 2009, erkannte das Bezirksgericht Plessur wie folgt:
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„1. A. ist schuldig der Widerhandlung gegen Art. 19 Ziff. 2 BetmG sowie der mehrfachen Widerhandlung gegen Art. 19a Ziff. 1 BetmG.
2. Dafür wird A. mit einer Freiheitsstrafe von 36 Monaten bestraft.
Die erstandene Polizei- und Untersuchungshaft von 51 Tagen ist an die Freiheitsstrafe anzurechnen.
3. Dafür wird A. ausserdem mit einer Busse von CHF 500.-- bestraft.
Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 5 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit A. diese nicht bezahlt.
4. Die von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis mit Strafbefehl vom 10. November 2006 bedingt ausgesprochene Freiheitsstrafe von 3 Monaten wird widerrufen und ist zu vollziehen.
5. Es wird eine ambulante Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB angeordnet. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht zugunsten der ambulanten Behandlung aufgeschoben.
Die mit Entscheid des Haftrichters vom 11. April 2008 angeordnete Ersatzmassnahme, dass A. verpflichtet ist, dreimal monatlich beim Bezirksarzt Dr. med. W. eine Urinprobe abzugeben und die Weisung, dass er die Betreuung des Sozialdienstes für Suchtfragen des Kantons Graubünden in Anspruch zu nehmen habe, werden aufgehoben.
6. a) Die untersuchungsrichterlich beschlagnahmten 13.2 Gramm Heroin, die Mobiltelefone Nokia 6021 und LG KE 970, die 113 Tabletten (Methadon etc.) sowie die elektronische Waage „Solo“ (Kapo GR, SD 4, Lager-Nr. X.) werden gestützt auf Art. 69 Abs. 1 StGB gerichtlich eingezogen und sind zu vernichten, soweit sie nicht verwertet werden können.
b) Das beschlagnahmte Bargeld von CHF 3'700.-- (Empfangsschein Nr. Y. vom 25.02.2008) wird gestützt auf Art. 70 Abs. 1 StGB gerichtlich eingezogen.
7. Von einer Ersatzforderung des Staates wird abgesehen.
8. (Kosten).

## Considerations