# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 50dddb52-992d-442e-a428-1c443eb2d7ef
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A._ (geboren 1957) besitzt den Führerausweis seit Juni 1978. Im
Administrativmassnahme-Register ist er nicht verzeichnet. Am 23. November 2017
wurde er um 20.55 Uhr von einer Polizeipatrouille als Lenker des Personenwagens mit
dem amtlichen Kennzeichen SG 0_ auf dem V._weg in X._ kontrolliert. Der aufgrund
seines starken Atemalkoholgeruchs durchgeführte Atemlufttest ergab
Atemalkoholkonzentrationen von 0,78 und 0,81 mg/l, die Ermittlung mit einem
Messgerät eine solche von 0,90 mg/l. Die Polizei nahm ihm den Führerausweis auf der
Stelle ab. Anlässlich der Polizeikontrolle waren keine klaren Ausfallerscheinungen,
jedoch eine "verwaschene" Sprache und ein zunehmend sehr auffälliger Zustand zu
verzeichnen. A._ gab an, am fraglichen Abend zwischen 19.00 und 20.50 Uhr zur Feier
der Ankunft einer Kollegin aus Berlin fünf Gläser Weiss- und Rotwein getrunken und
sich fahrfähig gefühlt zu haben. Er trinke täglich ein bis drei Gläser Wein. Die Analyse
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der in der Folge abgenommenen Blutprobe ergab für den Zeitpunkt der Kontrolle eine
Blutalkoholkonzentration zwischen 2,05 und 2,72 (Durchschnitt 2,39) Gewichtspromille.
Das Untersuchungsamt X._ verurteile A._ mit Strafbefehl vom 18. Dezember 2017
wegen zumindest eventualvorsätzlichen Fahrens in nicht fahrfähigem Zustand
("qualifizierte Alkoholkonzentration") zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je
CHF 1'830 – bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren – und einer
Busse von CHF 10'000.
B. Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt eröffnete wegen des Vorfalls vom
23. November 2017 am 14. Dezember 2017 gegen A._ ein
Administrativmassnahmenverfahren zur Abklärung seiner Fahreignung und entzog ihm
den Führerausweis vorsorglich. Mit Zwischenverfügung vom 20. Dezember 2017
ordnete es eine verkehrsmedizinische Untersuchung an, welche am 1. Februar 2018
am Fachzentrum Forensik Ostschweiz in Z._ durchgeführt wurde und gemäss
Gutachten vom 26. Februar 2018 ergab, dass bei A._ eine Alkoholabhängigkeit im
medizinischen Sinn mit hoher Verkehrsrelevanz bestehe.
Das Strassenverkehrs- und Schifffahrtsamt entzog A._ mit Verfügung vom 6. April
2018 den Führerausweis mangels Fahreignung wegen einer Alkoholabhängigkeit auf
unbestimmte Zeit. Als Bedingung für die Aufhebung des Entzugs wurde eine mittels
Haaranalyse und Bestimmung verschiedener Laborwerte sowie einem Bericht der
Suchtfachstelle erstmals im Juli 2018 kontrollierten und betreuten Alkoholabstinenz von
mindestens zwölf Monaten sowie eine verkehrsmedizinische Kontrolluntersuchung
festgelegt. Einem allfälligen Rekurs wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
C. Die Verwaltungsrekurskommission wies den dagegen erhobenen Rekurs – nachdem
der zuständige Abteilungspräsident am 17. Mai 2018 das Gesuch um Wiedererteilung
der entzogenen aufschiebenden Wirkung abgewiesen hatte und am 9. Juli 2018 auf ein
Wiedererwägungsgesuch nicht eingetreten war – mit Entscheid vom 23. August 2018
ab. Einer allfälligen Beschwerde wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
D. A._ (Beschwerdeführer) erhob gegen den am 27. August 2018 versandten
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) durch seinen Rechtsvertreter
mit Eingabe vom 11. September 2018 Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den
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Anträgen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge und Wiederherstellung der
aufschiebenden Wirkung sei der angefochtene Entscheid – und die ihm
zugrundeliegende Verfügung – aufzuheben, anstelle des Sicherungsentzugs ein
Warnungsentzug von nicht mehr als fünf Monaten auszusprechen und der
Führerausweis ohne weitere Auflagen wieder zu erstatten.
Die Vorinstanz verzichtete am 17. September 2018 auf eine Stellungnahme zum
Gesuch um aufschiebende Wirkung und übermittelte dem Gericht die Akten. Mit
Eingabe vom 26. Oktober 2018 verzichtete sie auch auf eine Vernehmlassung zur
Hauptsache. Der Beschwerdegegner verzichtete stillschweigend auf Äusserungen.

## Considerations

Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid und die Ausführungen des
Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge sowie die Akten wird, soweit
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Der Beschwerdeführer,
der mit seinem Begehren, der Sicherungsentzug des Führerausweises sei aufzuheben,
im Rekursverfahren unterlag, ist zur Erhebung der Beschwerde befugt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerde gegen den am 27. August 2018
versandten Rekursentscheid wurde mit Eingabe vom 11. September 2018 rechtzeitig
erhoben und erfüllt in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf
die Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten. Nicht einzutreten ist auf den Antrag, die
Verfügung des Beschwerdegegners sei aufzuheben, da diese als mit dem
Rekursentscheid mitangefochten gilt ("Devolutiveffekt", BGE 134 II 142 E. 1.4; BGer
1C_166/2013 vom 27. Juni 2013 E. 1.1 und 2C_204/2015 vom 21. Juli 2015 E. 1.2).
Nicht zu beachten sind sodann die pauschalen Verweise in der Beschwerdeschrift auf
vorinstanzliche Eingaben (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St.
Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 921 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung). Mit dem
Entscheid in der Hauptsache fällt schliesslich das Begehren, es sei der Beschwerde die
aufschiebende Wirkung zu gewähren, dahin.
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2. Der Beschwerdeführer macht in verfahrensrechtlicher Hinsicht eine Verletzung der
Begründungspflicht sowohl durch den Beschwerdegegner als auch durch die
Vorinstanz geltend. Die Vorinstanz habe sich mit dem Vorwurf, der Beschwerdegegner
sei in der Verfügung überhaupt nicht auf die ausführlich begründeten Punkte in der
Stellungnahme eingegangen und habe sich an eine Standardbegründung gehalten,
nicht auseinandergesetzt.
Der Entzug des Führerausweises ist gemäss Art. 23 Abs. 1 Satz 1 des
Strassenverkehrsgesetzes (SR 741.01, SVG) zu eröffnen und zu begründen. Der durch
Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101,
BV) gewährleistete und in Art. 24 Abs. 1 VRP konkretisierte Grundsatz des rechtlichen
Gehörs garantiert den betroffenen Personen ein persönlichkeitsbezogenes
Mitwirkungsrecht im Verfahren. Die Behörde muss deshalb die Vorbringen der Parteien
tatsächlich hören, prüfen und in der Entscheidfindung berücksichtigen. Die
Begründung muss zumindest kurz die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen
sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Dagegen wird
nicht verlangt, dass sich die Begründung mit allen Parteistandpunkten einlässlich
auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt (vgl. BGE 137 II
266 E. 3.2 mit Hinweisen).
Der Beschwerdegegner hat in der Verfügung vom 6. April 2018 vorab festgehalten, er
habe die Vernehmlassung vom 3. April 2018 und die weiteren Unterlagen erhalten und
geprüft und werde zu den wesentlichen Punkten Stellung nehmen. Anschliessend hat
er sich über eine Standardbegründung hinausgehend mit der Diagnose des Gutachters
einer Alkoholabhängigkeit nach ICD-10 auseinandergesetzt und dargelegt, weshalb er
das Gutachten als schlüssig und nachvollziehbar begründet erachtete. Damit – und
zudem mit einem entsprechenden ausdrücklichen Hinweis – hat der
Beschwerdegegner zum Ausdruck gebracht, dass er die Einwände des
Beschwerdeführers als unbehelflich beurteilte. Eine Auseinandersetzung mit den
einzelnen Argumenten in der Eingabe vom 3. April 2018 war unter diesen Umständen
nicht erforderlich. Selbst wenn aber der Vorwurf der ungenügenden Begründung der
Verfügung vom 6. April 2018 trotzdem zu Recht erhoben worden wäre, wäre dieser
nicht schwerwiegende Mangel einer Heilung im kantonalen Rechtsmittelverfahren
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zugänglich (vgl. BGer 1C_3/2008 vom 18. Juli 2008 E. 3.2 mit Hinweisen insbesondere
auf BGE 133 I 201 E. 2.2 und 126 I 68 E. 2).
Die Vorinstanz hat im Rekursentscheid vom 23. August 2018 zum einen kurz, aber
ausreichend dargelegt, weshalb sie den Vorwurf der ungenügenden Begründung der
angefochtenen Verfügung als zu Unrecht erhoben beurteilte (Erwägung 2c/dd des
angefochtenen Entscheides) und zum andern anschliessend – eine allenfalls
mangelhafte Begründung der angefochtenen Verfügung heilend – ausführlich und unter
Einbezug der ihr wesentlich erscheinenden Einwendungen im Rekurs begründet,
weshalb sie den vom Beschwerdegegner angeordneten Sicherungsentzug mangels
Fahreignung wegen einer verkehrsrelevanten Alkoholabhängigkeit des
Beschwerdeführers als rechtmässig erachtete.
Die verfahrensrechtlichen Rügen des Beschwerdeführers, soweit sie sich auf die Frage
der ausreichenden Begründung der Verfügung des Beschwerdegegners vom 6. April
2018 und des angefochtenen Entscheides der Vorinstanz vom 23. August 2018
beziehen, erweisen sich deshalb als unbegründet.
3. Umstritten ist, ob die Vorinstanz den Rekurs gegen den vom Beschwerdegegner
gegenüber dem Beschwerdeführer am 6. April 2018 verfügten Sicherungsentzug des
Führerausweises wegen mangelnder Fahreignung zufolge einer verkehrsrelevanten
Alkoholabhängigkeit zu Recht abgewiesen hat.
3.1. Nach Art. 14 Abs. 1 SVG müssen Motorfahrzeugführer über Fahreignung und
Fahrkompetenz verfügen. Für die Fahreignung ist unter anderem erforderlich, dass der
Motorfahrzeugführer frei von einer Sucht ist, die das sichere Führen von
Motorfahrzeugen beeinträchtigt (Art. 14 Abs. 2 Ingress und lit. c SVG). Der
Sicherungsentzug gemäss Art. 16d Abs. 1 Ingress und lit. b SVG setzt
dementsprechend das Vorliegen einer Sucht voraus. Trunksucht wird bejaht, wenn der
Betreffende regelmässig so viel Alkohol konsumiert, dass seine Fahrfähigkeit
vermindert wird und er diese Neigung zum übermässigen Alkoholgenuss durch den
eigenen Willen nicht zu überwinden oder zu kontrollieren vermag. Er muss mithin in
einem Masse abhängig sein, dass er mehr als jede andere Person der Gefahr
ausgesetzt ist, sich in einem Zustand ans Steuer eines Fahrzeugs zu setzen, der das
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sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Nach der Rechtsprechung darf auf fehlende
Fahreignung geschlossen werden, wenn der Betroffene nicht mehr in der Lage ist,
Alkoholkonsum und Strassenverkehr ausreichend zu trennen, oder wenn die nahe
liegende Gefahr besteht, dass er im akuten Rauschzustand am motorisierten
Strassenverkehr teilnimmt. Der Suchtbegriff des Verkehrsrechts deckt sich somit nicht
mit dem medizinischen Begriff der Alkoholabhängigkeit, sondern erlaubt, auch bloss
suchtgefährdete Personen, bei denen aber jedenfalls ein Alkoholmissbrauch vorliegt,
vom Führen eines Motorfahrzeugs fern zu halten (BGer 1C_701/2017 vom 14. Mai 2018
E. 2.1 und 2.2 mit Hinweis auf BGE 129 II 82 E. 4.1). Entsprechende Anhaltspunkte
ergeben sich etwa aus den Konsumgewohnheiten der Betroffenen, ihrer Vorgeschichte,
dem bisherigen Verhalten im Strassenverkehr und ihrer Persönlichkeit (BGer
1C_384/2017 vom 7. März 2018 E. 2.1 mit Hinweisen). Bei diagnostizierter
Alkoholabhängigkeit ist ein Sicherungsentzug in aller Regel zwingend. Es besteht dann
per Definition ein Mass an Alkoholabhängigkeit, welches den Betroffenen mehr als jede
andere Person gefährdet erscheinen lässt, sich in einem Zustand ans Steuer eines
Fahrzeugs zu setzen, der das sichere Führen nicht mehr gewährleistet. Eine
Alkoholabhängigkeit erlaubt es mit anderen Worten nicht, ausreichend zwischen
Suchtmittelkonsum und Strassenverkehr zu trennen (BGer 1C_147/2017 vom 22. Juni
2017 E. 3.5). Für die Beurteilung sind die Umstände im Zeitpunkt der Verfügung
massgebend (BGer 1C_701/2017 vom 14. Mai 2018 E. 3.3).
Ist die Fahreignung nicht mehr gegeben, muss ein Sicherungsentzug zwingend
angeordnet werden. Als schwerwiegender Eingriff in den Persönlichkeitsbereich des
Betroffenen setzt er eine sorgfältige Abklärung aller wesentlichen Gesichtspunkte
voraus. Der Umfang der Nachforschungen richtet sich nach den Umständen des
Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde. Zu den
Abklärungen, die sich vor einem allfälligen Sicherungsentzug regelmässig aufdrängen,
gehören die einlässliche Prüfung der persönlichen Verhältnisse (welche in begründeten
Fällen auch die Einholung von Fremdberichten einschliessen kann), die gründliche
Aufarbeitung allfälliger Trunkenheitsfahrten, eine spezifische Alkoholanamnese
(betreffend Trinkverhalten beziehungsweise Muster und Motivationen des
Alkoholkonsums) sowie eine umfassende körperliche Untersuchung mit besonderem
Augenmerk auf mögliche alkoholbedingte Veränderungen oder gesundheitliche
Störungen (BGer 1C_147/2017 vom 22. Juni 2017 E. 3.2.3, 1C_701/2017 vom 14. Mai
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2018 E. 2.3 und 1C_150/2010 vom 25. November 2010 E. 5.5 je mit Hinweisen).
Deutlich überhöhte Ethylglucuronid (EtG)-Werte können ein wichtiges Indiz für
mangelnde Fahrtüchtigkeit darstellen. Sie vermögen jedoch eine ausreichende
verkehrsmedizinische Abklärung als Voraussetzung für den Sicherungsentzug nicht
vollständig zu ersetzen (vgl. BGer 1C_150/2010 vom 25. November 2010 E. 5.1 mit
Hinweisen).
3.2. Der Beschwerdeführer beanstandet in tatsächlicher Hinsicht die Feststellung einer
Alkoholabhängigkeit. Im Wesentlichen anerkennt er das verkehrsmedizinische
Gutachten vom 26. Februar 2018 nicht, weil es zu viele Fehler und Ungenauigkeiten
aufweise und die falschen medizinischen Schlüsse gezogen worden seien. – Der
Gutachter stützt seine Beurteilung auf die Analyse der dem Beschwerdeführer am
8. Januar 2018 und 1. Februar 2018 abgenommenen Haarproben (dazu nachfolgend
Erwägung 3.3) und auf das Ergebnis seiner weiteren Untersuchungen und Abklärungen
(dazu nachfolgend Erwägung 3.4).
3.3.
3.3.1. Die bundesgerichtliche Rechtsprechung anerkennt die Haaranalyse als
geeignetes Mittel sowohl zum Nachweis eines übermässigen Alkoholkonsums als auch
der Einhaltung einer Abstinenzverpflichtung. Biochemische Analyseresultate von
Haarproben betreffend das Trinkalkohol-Stoffwechselprodukt Ethylglucuronid (EtG)
erlauben objektive Rückschlüsse auf den Alkoholkonsum eines Probanden während
einer bestimmten Zeit. Die Haaranalyse gibt direkten Aufschluss über den
Alkoholkonsum. Nach dem Alkoholgenuss wird das Abbauprodukt EtG im Haar
eingelagert und erlaubt über ein grösseres Zeitfenster (als bei einer Blutuntersuchung)
Aussagen über den erfolgten Konsum. Die festgestellte EtG-Konzentration korreliert mit
der aufgenommenen Menge an Trinkalkohol. Aufgrund des Kopfhaar-
Längenwachstums von rund einem Zentimeter pro Monat lassen sich Aussagen über
den Alkoholkonsum während der entsprechenden Zeit vor der Haarentnahme machen.
EtG-Werte ab 7 pg/mg, aber unterhalb von 30pg/mg sprechen für einen moderaten,
darüber liegende Werte (> 30 pg/mg) für einen übermässigen Alkoholkonsum (BGer
1C_701/2017 vom 14. Mai 2018 E. 2.3.1 mit Hinweisen). Der verkehrsmedizinische
Gutachter geht deshalb vorab gestützt auf die Ergebnisse der Analysen der dem
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Beschwerdeführer am 8. Januar 2018 – 4,5 Zentimeter, 100 pg/mg für die Zeit von
ungefähr Mitte August 2017 bis anfangs Januar 2018 – und am 1. Februar 2018 –
insgesamt 3,5 Zentimeter; 2-3,5 Zentimeter ab Kopfhaut 80 pg/mg für die Zeit von
ungefähr Mitte Oktober 2017 bis Ende November 2017, 2 Zentimeter ab Kopfhaut 31
pg/mg für die Zeit von ungefähr Dezember 2017 und Januar 2018 – abgenommenen
Haarproben zu Recht von einem übermässigen Alkoholkonsum in den
vorangegangenen Monaten aus. Die gegen diese Beurteilung erhobenen Einwände des
Beschwerdeführers erweisen sich – wie darzulegen ist – als unbehelflich.
3.3.2. Ausreichende konkrete Anhaltspunkte dafür, dass die Haarprobe vom 8. Januar
2018 verwechselt wurde, liegen entgegen der in der Beschwerde vertretenen
Auffassung nicht vor. Insbesondere weicht die Umschreibung der Haare aus der Probe
vom 8. Januar 2018 – Weiss mit hellbraun, gebogen (act. 7-13/2) – nicht wesentlich von
jener der Probe vom 4. Juli 2018 – hellbraun mit Weiss, leicht gebogen (act. 7-13/21) –
ab. Der Beschwerdeführer macht auch nicht geltend, der Hinweis auf "Mèche Ende
November 2017" in der Beschreibung der Probe vom 8. Januar 2018 sei unrichtig. Im
Übrigen findet sich ein Hinweis auf eine entsprechende Besonderheit – Färbung ca.
06/2018, Aussparung am Hinterkopf – auch in der Beschreibung der am 4. Juli 2018
abgenommenen Haarprobe.
3.3.3. Die Ergebnisse der Analysen sind sodann nicht miteinander unvereinbar.
Vielmehr lassen sich die abnehmenden Konzentrationen damit erklären, dass die
Proben sich – wie dargestellt – auf unterschiedliche Zeiträume beziehen, der
Beschwerdeführer seinen Alkoholkonsum im Anschluss an das Ereignis vom
23. November 2017 – gemäss seinen Angaben in der psychiatrischen Exploration vom
1. Februar 2018 – zunächst erheblich einschränkte und später – entsprechend dem
Ergebnis der Analyse der am 4. Juli 2018 abgenommenen Haarprobe – wohl ganz
einstellte, und sich ein EtG-Gehalt nach einem längerfristigen übermässigen
Alkoholkonsum auch bei einer Totalabstinenz insbesondere in einem vor den Beginn
der Abstinenz zurückreichenden Haarsegment noch nachweisen lässt.
3.3.4. Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers ist auch nicht davon
auszugehen, dass der ermittelte EtG-Gehalt von 100 pg/mg eine linear proportionale
Aussage über die Alkoholtrinkmenge zulässt. Mit dem ermittelten EtG-Gehalt von 100
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pg/mg ist also nicht ein gegenüber einem EtG-Gehalt von 30 pg/mg dreifach so hoher
Alkoholkonsum nachgewiesen. Entscheidend – und davon ist auch der
verkehrsmedizinische Gutachter ausgegangen – ist, dass die ermittelten Werte von 100
pg/mg und 80 pg/mg einen – weit – übermässigen Alkoholkonsum in den fraglichen
Zeiträumen nachweisen.
3.4.
3.4.1. Der Gutachter hat sodann bei der Diagnose einer medizinischen
Alkoholabhängigkeit mit hoher Verkehrsrelevanz nicht allein auf das Ergebnis der
Analysen der Haarproben vom 8. Januar 2018 und vom 1. Februar 2018 abgestellt,
sondern auch die Akten, die Ergebnisse einer körperlichen Untersuchung, telefonische
Angaben und Laborbefunde des Hausarztes und die Ausführungen des
Beschwerdeführers anlässlich einer eingehenden psychiatrischen Exploration von
achtzig Minuten Dauer am 1. Februar 2018 mitberücksichtigt. Aus der mittlerweile
ausgeprägten – der Beschwerdeführer habe trotz einer Alkoholisierung von rund zwei
Promille praktisch keine Ausfälle gezeigt und damit sein eigenes Trinkmaximum bei
weitem noch nicht erreicht – Toleranz (4), ergebe sich, dass der Beschwerdeführer
immer wieder einen starken Wunsch, Alkohol zu konsumieren, verspürt (1) und im Lauf
der Zeit immer wieder die Kontrolle über Menge oder Beendigung des Konsums
verloren haben müsse (2). Sodann fänden sich körperliche Folgeschäden
(Laborwerterhöhung, Hautveränderung, Morbus Dupuytren) (6). Diese am
Diagnoseschlüssel ICD-10 ausgerichteten Schlussfolgerungen erscheinen
nachvollziehbar, schlüssig und widerspruchsfrei.
3.4.2. In der Beschwerde wird vorgebracht, dass der Beschwerdeführer immer wieder
einen starken Wunsch nach Alkoholkonsum habe, sei vom Gutachter frei erfunden. Im
Gutachten gebe es keine Hinweise für einen Kontrollverlust hinsichtlich des
Alkoholkonsums. Er habe während des Tages nie Alkohol getrunken. Der Gutachter
stütze sich nur auf unbegründete Vermutungen. Entsprechende Äusserungen gebe es
weder vom Beschwerdeführer noch aus seinem – "natürlich" nicht befragten – Umfeld.
Dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der verkehrsmedizinischen Untersuchung
oder früher immer wieder einen starken Wunsch verspürte, Alkohol zu konsumieren,
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kann sich zwar nicht auf seine Aussagen oder Aussagen aus seinem Umfeld stützen.
Da der Beschwerdeführer – jedenfalls nicht aktenkundig – die geltend gemachte
Alkoholabstinenz seit November 2017 nicht fachtherapeutisch begleiten liess, ist auch
nicht bekannt, ob und in welchem Ausmass er psychisch vom Konsum von Alkohol
abhängig war. Die Alkoholtoleranz anlässlich des Ereignisses vom 23. November 2017
spricht aber für einen regel- und übermässigen Konsum von Alkohol, dem ein –
möglicherweise unreflektierter – Zwang zu einem entsprechenden Konsum zugrunde
lag. Zumindest am Abend des Ereignisses weist die Art des Konsums auf ein sozial
nicht übliches Trinkverhalten hin. Der Beschwerdeführer hat nach seinen Angaben
offenbar allein und innerhalb von knapp zwei Stunden – zwischen 19.00 und 20.50 Uhr
aus Vorfreude über die Ankunft einer Kollegin aus Berlin, die sich aber dann offenbar
verspätete – eine Menge an Wein getrunken, die zu einer Blutalkoholkonzentration –
zurückgerechnet auf den Zeitpunkt der Kontrolle um 20.55 Uhr – von durchschnittlich
2,39 Gewichtspromille führte. Dieses Verhalten deutet auf einen sehr schnellen Konsum
und einen Kontrollverlust hin und weicht von seinen Schilderungen, nach denen er
Wein als Genussmittel und in Gesellschaft konsumiere, ab. Hinzu kommt eine Tendenz,
das Ausmass des Alkoholkonsums zu bagatellisieren. Die Angaben zum Trinkverhalten
sowohl im Besonderen – am Abend des 23. November 2018 fünf Gläser Wein zwischen
19.00 und 20.50 Uhr – als auch im Allgemeinen – zwei bis drei Mal wöchentlich abends
ein bis drei Gläser Wein – stehen im Widerspruch zu den Ergebnissen der Analyse der
Blutprobe vom 23. November 2018 – durchschnittlich 2,39 Gewichtspromille – und der
Haarproben vom 8. Januar 2018 – 100 pg/mg – und vom 1. Februar 2018 – 80 und 31
pg/mg. In der polizeilichen Befragung am 23. November 2018 gab der
Beschwerdeführer denn auch noch einen höheren Konsum – täglich ein bis drei Gläser
Wein – an. Die Einholung von Fremdberichten im Arbeits- und Familienumfeld – gegen
die in der Literatur Vorbehalte vorgebracht wurden – ist im Zusammenhang mit den
früheren weitgehend indirekten Nachweismöglichkeiten zu sehen. Mit der
Durchsetzung der neuen und direkten Methode der Haaranalyse erübrigen sich
weitgehende, teils durchaus heikle Umfeldabklärungen in der Regel, um zu einem
sicheren Befund zu gelangen (vgl. BGer 6A.8/2007 vom 1. Mai 2007 E. 2.5 mit
Hinweisen).
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3.4.3. Der Beschwerdeführer macht geltend, aus einer Analyse des Alkoholkonsums
während der Dauer von sechs Wochen könne nicht auf eine generelle,
verkehrsrelevante Alkoholabhängigkeit geschlossen werden.
Der Zeitraum, während dessen mittels Analyse der Haare ein chronisch übermässiger
Alkoholkonsum nachgewiesen ist, beträgt vorliegend rund 14 Wochen (Mitte August bis
Ende November 2017). Der Beschwerdeführer hat bei der Beschreibung seines
Trinkverhaltens in der psychiatrischen Exploration am 1. Februar 2018 nicht ausgeführt,
er habe in dieser Zeit vergleichsweise mehr Alkohol getrunken als früher. Der Schluss,
der Beschwerdeführer habe über einen längeren Zeitraum als 14 Wochen hinaus in
vergleichbarem Ausmass Alkohol konsumiert, erscheint deshalb dargetan.
3.4.4. Der Beschwerdeführer bringt vor, gegen die Alkoholtoleranz spreche, dass er
anlässlich der Trunkenheitsfahrt "nicht sich selber" gewesen, sondern – was sich aus
seiner unleserlichen Unterschrift ergebe – stark unter Alkoholeinfluss gestanden sei.
Mit der Trunkenheitsfahrt ist dargetan, dass der Beschwerdeführer eine ausgeprägte
Alkoholtoleranz entwickelt hat. Er war mit einer Blutalkoholkonzentration von
durchschnittlich 2,39 Gewichtspromille in der Lage, ein Motorfahrzeug unauffällig zu
führen. Die Polizei stellte gemäss Darstellung im Rapport keine klaren
Ausfallerscheinungen fest. Die vom Beschwerdeführer am fraglichen Abend geleisteten
Unterschriften mögen in Einzelfällen etwas weniger flüssig als üblich gelungen sein. Ein
erhebliches Indiz dafür, dass der Beschwerdeführer alkoholbedingt "nicht sich selber"
war, sind sie nicht.
3.4.5. Nach Auffassung des Beschwerdeführers ist klar falsch, dass körperliche
Folgeschäden bestünden. Weder seien die Laborwerte erhöht, noch bestehe eine
Bauchglatze noch stünden die Hautveränderungen und der Morbus Dupuytren mit der
Diagnose des Verkehrsmediziners in Zusammenhang. Die nicht wegen des Konsums
von Alkohol erkrankte Leber habe sich in den letzten zwei Jahren erholt.
Dass die übrigen Laborwerte nur vereinzelt auffällig waren, spricht nicht gegen die
tatsächliche Feststellung eines übermässigen Alkoholkonsums. Insbesondere ist nicht
von Belang, dass der mit der Probe vom 24. Juni 2016 erhobene MCV-Wert 101 fl. –
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und nicht 105 oder 106 fl. – betrug. Ob die anlässlich der körperlichen Untersuchung
durch den Verkehrsmediziner festgestellten und vom Hausarzt leicht abweichend
beschriebenen Besonderheiten – spider naevi beziehungsweise Teleangiektasien,
fehlende beziehungsweise spärliche Bauchbehaarung, Morbus Dupuytren –
alkoholbedingte Folgeveränderungen sind, ist für ihre Bedeutung bei der
Diagnosestellung insoweit nicht von Belang, als sie lediglich aber immerhin als Indiz
und ein Element der Diagnosestellung neben anderen herangezogen werden. Im
Bericht des Hausarztes vom 26. März 2018 wird im Übrigen weder in der Liste der
Diagnosen noch in der Beurteilung eine Lebererkrankung erwähnt. Die Radiologie des
Spitals Y._ stellte am 27. Mai 2016 eine ausgeprägte Fettleber (steatosis hepatis) und
am 27. März 2018 eine deutliche Verbesserung fest. Angesichts der zahlreichen
möglichen Ursachen dieser Erkrankung schliesst dieser Umstand indessen den
festgestellten übermässigen Alkoholkonsum nicht aus.
3.4.6. Angesichts der Beweiskraft der Analysen der Haarproben vom 8. Januar 2018
und vom 1. Februar 2018 erweist sich die Rüge des Beschwerdeführers, es seien nicht
in ausreichendem Mass Fremdauskünfte eingeholt und dem Bericht des Hausarztes
vom 26. März 2018 zu wenig Rechnung getragen worden, als unbehelflich. Dass der
Hausarzt angibt, eine Alkoholproblematik sei ihm nicht bekannt gewesen, vermag an
der Schlüssigkeit des Gutachtens deshalb nichts zu ändern. Im Übrigen schliesst er
letztlich das Bestehen einer Alkoholmissbrauchsproblematik nicht völlig aus, sondern
empfiehlt vielmehr eine Oberbegutachtung. Der vom Beschwerdeführer vorgebrachte
berufliche Erfolg und seine Unauffälligkeit einerseits und ein Alkoholmissbrauch
anderseits schliessen sich nicht aus (vgl. dazu BGer 1C_701/2017 vom 14. Mai 2018
E. 3.3).
3.4.7. Dass mit der Analyse der am 4. Juli 2018 abgenommenen Haarprobe von einer
Länge von bis 5,5 Zentimetern davon auszugehen ist, dass der Beschwerdeführer in
den der Entnahme vorangehenden fünfeinhalb Monaten keinen Alkohol konsumierte,
spricht nicht gegen eine im Zeitpunkt der Verfügung des Sicherungsentzuges am 6.
April 2018 bestandene Trunksucht im verkehrsrechtlichen Sinn, sondern – aber
immerhin – dafür, dass der Beschwerdeführer im Begriff ist, die festgestellte
Abhängigkeit zu überwinden. Hat einmal eine Trunksucht im Sinn von Art. 16d Abs. 1
Ingress und lit. b SVG vorgelegen, so wird eine Heilung nach der Rechtsprechung in
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/15
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St.Galler Gerichte
der Regel erst nach einer mindestens einjährigen kontrollierten Abstinenz angenommen
(vgl. dazu BGer 6A.66/2004 vom 7. Dezember 2004 E. 2.2 und 3.1).
4. Zusammenfassend stützt sich die Feststellung einer medizinischen
Alkoholabhängigkeit mit hoher Verkehrsrelevanz, allenfalls eines verkehrsrelevanten
Alkoholmissbrauchs auf ein schlüssiges, nachvollziehbares und widerspruchsfreies
verkehrsmedizinisches Gutachten, welches nicht bloss auf die EtG-Werte in den
Haarproben, sondern auf zusätzliche ergänzende Abklärungen – insbesondere die
Prüfung der persönlichen Verhältnisse, die Aufarbeitung der Trunkenheitsfahrt vom
23. November 2017, die allgemeinen vom Beschwerdeführer nicht einheitlich
geschilderten Trinkgewohnheiten sowie dessen subjektive Einstellung dazu abstellte.
Der festgestellte längerfristig übermässige Alkoholkonsum und die vom
Beschwerdeführer geltend gemachte jährlich Fahrtleistung von vierzig- bis
fünfzigtausend Kilometern lassen den Schluss zu, dass der Beschwerdeführer
jedenfalls im Zeitpunkt der Anordnung des Sicherungsentzugs durch den
Beschwerdegegner am 8. April 2018 nicht mehr in der Lage war, Alkoholkonsum und
Strassenverkehr ausreichend zu trennen.
Die Einholung eines Obergutachtens erübrigt sich unter diesen Umständen. Der
entsprechende Verfahrensantrag ist abzuweisen, und die Rüge, die Vorinstanz habe
den Anspruch des Beschwerdeführers auf rechtliches Gehör verletzt, indem sie kein
solches Gutachten einholte, erweist sich als unbegründet
5. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist
dementsprechend, soweit auf sie eingetreten werden kann, abzuweisen.
6. (...).