# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 15ce7f1c-c65f-4faa-9e8f-b442167f70dc
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1975 geborene
A._
, diplomierter Bauingenieur (vgl. Urk. 21/6), war zuletzt vom 1. Mai 2013 bis 28. Februar 2019 als Teilprojektleiter bei der Firma
Y._
AG angestellt; letzter effektiver Arbeitstag war der 31. Juli 2018 (Urk. 21/12/1). Nach einer im Mai 2018 erfolgten Anmeldung zur Früh
erfassung durch die Arbeitgeberin (Urk. 21/2 ff.) meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine Depression am 2. Oktober 2018 bei der Sozial
ver
sicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 21/7). Nach medizinisch-erwerblichen Abklärungen teilte ihm die IV-Stelle am 26. Februar 2019 mit, aus gesundheitlichen Gründen seien berufliche Einglie
derungsmassnahmen derzeit nicht möglich (Urk. 21/14). Im Hinblick auf die Rentenprüfung tätigte die IV-Stelle weitere medizinische Abklärungen und zog die Akten der Krankentaggeldversicherung bei (Urk. 21/16/1-17). Mit Schreiben vom 2. September 2019 forderte sie den Versicherten unter Hinweis auf die gesetz
liche Schadenminderungspflicht und deren Säumnisfolgen auf, zur Verbes
serung seines Gesundheitszustandes eine ambulante Psychotherapie durch
zu
führen und innert angesetzter Frist den durchführenden Arzt bekanntzugeben (Urk. 21/26). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren, im Rahmen welchem die Personalvorsorgestiftung der
X._
Einwände erhob (Urk. 21/30, Urk. 21/41), sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 6. August 2020 vom 1. bis 30. April 2019 befristet eine ganze und unbe
fristet ab dem 1. Mai 2019 eine Dreiviertelsrente zu (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Personalvorsorgestiftung der
X._
am 14.
September 2020 (Datum Poststempel) Beschwerde und beantragte, es sei die Sache in Aufhebung des angefochtenen Entscheids
zur medizinischen Abklärung und Neubeurteilung
an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort
vom
4.
Dezember 2020 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
20).
Mit Verfügung vom
1
0.
November [recte:
Dezember
]
2020 wurde der Versicherte zum Prozess beigeladen (
Urk.
22). Dieser verzichtete er auf eine Stellungnahme, was den Parteien am 1
1.
Februar 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
24).
Mit Beschluss vom 1
7
. Mai 20
21 wurde d
er
Beschwerdeführerin die vorläufige Einschätzung der Rechtslage mitgeteilt, unter dem Hinweis, dass ihr - sollte das Gericht an der vorläufigen Einschätzung fest
halten und die Sache
antragsgemäss
zur ergänzenden medizinischen Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückweisen – eine Schlechterstellung drohe. Diese bestehe darin, dass die zu tätigenden Abklärungen zu einem Resultat führen könnten, welch
e
zu
eine
m
in zeitlicher und/oder quantitativer Hinsicht über die gesprochenen Renten hinausgehenden Rentenanspruch führen könnte
. Ent
sprechend wurde der Beschwerdeführerin Frist zur Stellungnahme und zur Erklärung darüber ange
setzt, ob sie an der Beschwerde festhalte oder ob sie diese zurückziehe
(Urk. 25
).
Innert angesetzter Frist teilte die Beschwerdeführerin dem Gericht mit, dass sie an der Besc
hwerde festhalte
(
Urk.
28).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsgesetzes,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Fol
gen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1
.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheits
schadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invaliden
ver
sicherung (
IVG
)
sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines aner
kannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Entsprechend sind g
emäss BGE 143 V 418 grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unter
ziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungs
hindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensations
potentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Den RAD-Berichten, die zu den sogenannten versicherungsinternen Beurteilungen gehören, kann
Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (Urteil des Bundes
gerichts 8C_197/2014 vom 3. Oktober 2014 E. 4.2 mit Hinweisen auf BGE 139 V 225 E. 5.2; 135 V 465 E. 4.4 und E. 4.7).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, gestützt auf die medizinische Aktenlage sei der Versicherte seit Ende März 2018 in seiner Arbeits
fähigkeit beeinträchtigt. Nach Ablauf des Wartejahres habe weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und damit ab dem 1. April 2019 ein Anspruch auf eine ganze Rente bestanden. Seit dem 21. Januar 2019 sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Verweistätigkeit auszugehen. Aus dem Ein
kommensvergleich resultiere ein Invaliditätsgrad von 66 % und damit ab dem 1. Mai 2019 ein Anspruch auf eine Dreiviertelsrente (Urk. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin wandte dagegen ein, der Rentenzusprache liege kein hin
reichend abgeklärter medizinischer Sachverhalt zugrunde; es fehle an einer lege
artis
gestellten Diagnose. Zudem seien seit dem 4. März 2019 keine medizinischen Berichte mehr eingegangen, weshalb die Beschwerdegegnerin seit diesem Zeit
punkt «nicht die geringste Ahnung» habe, wie es dem Versicherten gesundheitlich gehe. Warum letzterer zunächst zu 100 % und «dann irgendwie nur noch zu 50 %» arbeitsunfähig sein soll in einer leidensangepassten Verweistätigkeit, bleibe ein Rätsel. Ein Gesundheitsschaden sei entgegen dem Regionalen Ärzt
lichen Dienst (RAD) jedenfalls nicht ausgewiesen. Vielmehr sei eine medizinische Abklärung einschliesslich eines strukturierten Beweisverfahrens vorzunehmen (Urk. 1).
3
.
Die medizinische Aktenlage präsentiert sich wie folgt:
3
.1
Vom
6.
bis 2
4.
April 2018
wurde der Versicherte
im Rahmen einer f
ürsorgerische
n Unterbringung
(FU)
stationär in der Akutpsychiatrie der Psychiatrie
C._
behandelt
. Im Bericht vom 3
0.
Mai 2018
diagnostizierte
lic
.
phil.
D._, therapeutischer Leiter, Psychiatrie C._
, (1) eine mittel
gradig
e
depressive Episode (ICD-10: F32.1), (2) sonstige Reaktion auf schwe
re Belastung (Status nach Hörstu
rz im Dezember 2017, ICD-10: F43.8) und (3) den Verdacht auf eine somatoforme autonome Funktionsstörung: sonstige Organe und Systeme (ICD-10: F45.38,
Urk.
21/16/3). Der
Versicherte
habe sich seit längerem
beruflich
überlastet gefühlt; z
udem sei er hoch verschuldet
. Seine Familie lebe in
E._
. Es bestünden starke Verme
idungs- und abhängige Tendenzen sowie
Schamgefühle vor dem Hintergrund einer feinfühligen und hilfsbereiten Persönlichkeit. Im Rahmen der medikamentösen (
Escitalopram
) und multimodalen Therapie habe eine deutliche Stabilisierung des Zustandes und Aufhellung der Stimmung erreicht werden können (
Urk.
21/16/3 f.).
3
.2
Der ambulant
nach
behandelnde
Dr.
med.
F._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
hielt im Bericht vom
4.
Januar 2019
eine de
pressive Störung mittleren Grades
sowie eine
100
%
ige A
rbeitsunfähig
keit fest
.
Im Oktober 2018 sei
der
Versicherte
zufolge Verwahrlosung
freiwillig
erneut hospitalisiert worden
;
seither
habe er
von diesem
nichts mehr gehört
. Bei
m
drohen
den sozialen Totalrückzug,
drohenden Verlust der
Arbeitsstelle
und des
Führerausweis
es sowie aufgrund
der Persönlichkeitsstörung, der somatisch
en Z
usatzbelastung durch die Zö
liakie mit Diäterfordernis
und
fehle
nden
Bezugs
person im nahen Umfeld habe er (
Dr.
F._
) zusätzlich eine Anmeldung bei der KESB und eine betreute Wohneinr
ichtung empfohlen (
Urk.
21/11/7,
vgl. auch
Urk.
21/12/21 ff.
; vgl.
ausserdem
den KESB-Entscheid vom 2
1.
Mai 2019,
womit
für den Versicherten eine Vertretungsbeistandschaft mit Einkommens- und Ver
mögensverwaltung nach
Art.
394 i V. m.
Art.
396 des Zivilgesetzbuches, ZGB, angeordnet
wurde
,
Urk.
21
/20/2 f.
,
Urk.
19
).
3
.3
Der zweite Klinikaufenthalt in der
Psychiatrie C._
erfolgte
vom
5.
Oktober 2018 bis 3.
Januar 201
9.
Im Bericht vom
4.
März 2019 hielt
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für
Psychiatrie und Ps
ychotherapie und leitender Arzt de
r
Psychiatrie C._
fest, der Versicherte sei aufgrund einer Zustandsverschlechterung freiwillig
erneut
stationär ein
getreten. Er habe sich in einem stark depressiven, verzweifelten und verwahr
losten Zustand, äusserst wortkarg, schwer zugänglich und schambehaftet
, affekt
arm, affektstarr, misstrauisch, distanziert, hoffnungs- und ratlos, innerlich un
ruhig
und mit
Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust präsentiert.
Zudem habe er Gedankenkreisen, Grübeln, Sorgen und Versagensgefühle und einen sozialen Rückzug mit Verwahrlosung
berichtet
. Dabei
sei der
Versicherte insbesondere auf die Frage eingeengt gewesen, wie es soweit habe kommen können.
In diagnostischer Hinsicht
notierte
Dr.
G._
mit Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit (1) eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10: F33.2)
sowie
(2)
eine
ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F. 60.6); «der klinische Eindruck [...] einer ängstlich vermeidenden Persönlichkeitsstörung habe testpsychologisch bestätigt» werden können. Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
hielt
Dr.
G._
eine Zöliakie
fest
(vgl.
Urk.
21/17/2 f.).
Im Verlauf des Klinikaufenthaltes habe eine leichte Verbesserung der depressiven Symptomatik festgestellt werden können. Die Stimmung habe sich gebessert und der Versicherte sei weniger grübelnd und eingeengt gewesen. Mit der Zustandsverbesserung sei bald der Wunsch aufgekommen, möglich
st
rasch in den Alltag zurückzukehren
.
Bezüglich Nachbehandlung habe man den Versicherten zu einer ambulanten Therapie und für eine psychiatrische Spitex motivieren können
. Zum Zeitpunkt des Klinikaustritts hätten
gestützt auf das Mini-ICF
noch
immer
verschiedentlich mässige bis erhebliche Einschränkungen (etwa in der Planungs-, Strukturierungs- und Umstellungs-, Entscheidungs-, Urteils-, Selbstbehauptungs-, Durchsetzungs- und Gruppenfähigkeit
, vgl.
Urk.
21/17/4
) bestanden
. Mithin
sei der Versicherte noch immer zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen; längerfristig sei bei Weiterführung einer störungs
spezifischen
,
ambulanten Therapie zumindest eine Teilarbeitsfähigkeit möglich
. Diesbezüglich habe eine Neubeurteilung durch den ambulanten
Nachbehandler
zu erfolgen
(
Urk.
21/17/2 f
f
.)
.
3
.4
Auf Vorhalt der medizinischen Akten kam
Dr.
med.
H._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, RAD,
in der
internen Stellungnahme vom 2
4.
Juni 2019 zum Schluss, beim Versicherten bestehe im Wesentlichen eine mittelgradig
e
depressive Episode (ICD-F32.1) und eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung
(
Urk.
21/28/3)
.
Zufolge beruflicher Überlastung sei es im Dezember 2017 zu einem Hörsturz und einer zunehmenden depressiven Symptomatik gekommen. Die
aktenkundige
Diagnos
tik sei inkonsistent.
So korreliere d
ie im Bericht der
Psychiatrie C._
vom
4.
März 2019 festge
haltene Schwere der depressiven
Symptomatik nicht v
ollständig mit der Befundlage; d
ie im
Psychiatrie C._
-Bericht vom 3
0.
Mai 2018 genannte mittelgradig
e
depressive Episode sei
dem
gegenüber
nachvollziehbar. Durch störungsbedingtes Vermeidungsverhalten sei die ambulante Compliance unzureichend. Als psychosoziale Belastungsfaktoren bestünden der Arbeitsplatzverlust
sowie
Schulden.
Mit der guten
Ausbildung so
wie fam
iliären
Bindung
des Versicherten
zur Mutter und Schwester
bestünden
aber
auch Ressourcen
. Die funktionellen Leistungseinschränkung
en tangierten alle Lebensbereiche. Ein dauerhafter Gesundheitsschaden sei ausgewiesen.
Die
Fähigkeit des Versicherten zur Anpassung an Regeln und Routinen sei leicht ein
geschränkt; das Einfügen in die
Organisationsabläufe falle schwer.
Seine
Fähig
keit zur Planung und Strukturierung von Aufgaben sei mittelgradig ein
geschränkt; es bestehe Hilfebedarf zufolge Unsicherheit.
Sodann seien die
Flexibilität und Umstellungsfähigkeit
des Versicherten
leicht eingeschränkt; neue Abläufe verunsicherten
ihn
.
Seine Fähigkeit
zur Anwendung fachlicher Kompetenzen sei schwer eingeschränkt und das selbständige Bewältigen anspruchsvoller Aufgaben nicht mehr möglich. Entscheidungs- und Urteils
fähigkeit
seien erheblich
eingeschränkt; es bestehe Hilfe
bedarf beim Treffen von Entscheidungen. Sodann seien
die
Durchhaltefähigkeit und Selbstpflege
des Versicherten
reduziert; die Selbstbehauptungs- und Gruppenfähigkeit seien zu
folge Selbstunsicherheit deutlich reduziert.
Damit sei der
Versicherte
in seiner angestammten Tätigkeit dauerhaft zu 100
%
arbeitsunfähig. In einer angepassten Verweistätigkeit mit konstanter, strukturierter Umgebung, ohne Verantwortung für Personen, ohne Publikumsverkehr, in einem kleinen Team oder alleine, in ruhiger und wohlwollender Atmosphäre und ohne Zeit- und Leistungsdruck bestehe seit dem 2
1.
Januar 2019 eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
; d
as Pensum sei über einen Zeitraum von 3-4 Monaten auf da
s zumutbare Pensum schrittweis
e
zu steigern
(
Urk.
21/28/3 ff.
).
4.
4.1
Aufgrund der medizinischen Akten
lassen sich der Gesundheitszustand und dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
des Versicherten
nicht ab
schliessend beurteilen
.
4.2
Der angefochtenen Verfügung vom
6.
August 2020
lag weder
mit den Berichten de
r
Psychiatrie C._
vom
3
0.
Mai 2018 und
4.
März 2019 noch mit
dem
Bericht von
Dr.
F._
vom
4.
Januar 2019
ein hinreichend abgeklärter Sachverhalt zugrunde, welcher eine abschliessende un
d rechtskonforme Beurteilung des Gesundheitszustandes und dessen Auswirkungen auf die
Arbeitsfähigkeit
des Versicherten
erlaubt hätte. Zunächst lässt der
Bericht von
lic
. phil.
D._
vom 3
0.
Mai 2018
sowohl
objektive Befunde
als auch
eine Arbeitsfähigkeits
beurteilung gänzlich vermissen
(vgl. E. 3.1)
. Davon abgesehen ist es
Aufgabe des Arztes oder der Ärztin, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4).
D
er ambulant nach
behandelnde
Dr.
F._
hielt mit Bericht vom
4.
Januar 2019
(vgl. E. 3.2)
zwar
eine depressive Störung mittleren Grades sowie
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit fest;
beides indes
gänzlich unbegründet u
nd damit nicht nachvollziehbar.
Fraglich bleibt
mithin
auch, ob und inwie
weit
Dr.
F._
im Rahmen seiner Arbeitsfäh
igkeitsbeurteilung invaliditäts
fremde Faktoren berücksichtigte.
Eine
«Persönlichkeitsstörung»
hat
Dr.
F._
zudem nur am Rande erwähnt und
nicht weiter konkretisiert
(vgl.
Urk.
21/11/7).
Im Bericht
vom 4. März 2019 diagnostizierte Dr.
G._
nebst
eine
r
rezidivierende
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig schwere Episode (ICD-10: F33.2)
,
eine ängstliche (vermeidende) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F. 60.6); «der klinische Eindruck [...] einer ängst
lich vermeidenden Persönlichkeitsstörung (ICD-10: F60.6) habe testpsycho
logisch bestätigt» werden können (vgl. Urk. 21/17/2). Die testpsychologischen Erhebungen und Ergebnisse sind indes nicht aktenkundig. Dasselbe gilt für das im selben Bericht erwähnte «Mini-ICF» (vgl. Urk. 21/17/4).
Sodann
attestierte Dr.
G._
dem Versicherten weiterhin eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und hielt in lediglich vager Formulierung fest, langfristig sei eine Teilarbeitsfähigkeit möglich; letzteres sei im weiteren Verlauf erneut zu beurteilen (Urk. 21/17/3). In der Folge verzichtete die Beschwerdegegnerin indes darauf, beim seit September 2019 erneut (vgl. Urk. 21/18/4, Urk. 21/36, vgl. auch Urk. 21/26) ambulant behandelnden Dr.
F._
einen Verlaufsbericht einzu
holen. Damit fehlt es vor
liegend einerseits an einer aktuellen Entscheidungs
grundlage. Andererseits lassen die vorhandenen Arztberichte sowohl jegliche Angaben zur qualitativen und quantitativen Arbeitsfähigkeit des Versicherten in einer angepassten Verweis
tätigkeit als auch eine einlässliche Auseinandersetzung mit den im Regelfall für sämtliche psychischen Erkrankungen zu prüfenden Indikatoren nach Massgabe von BGE 141 V 281 vermissen (vgl. auch BGE 143 V 409, 143 V 418).
Damit ver
mag
weder die Stellungnahme von
RAD-Ärztin
Dr.
H._
(Urk. 21/28/3 f.), welche ohne eigene fachärztliche Untersuchung lediglich gestützt auf die (unzu
längliche) Aktenlage erfolgte,
noch
die von einer Sachbearbeiterin der Be
schwerdegegnerin durchgeführte Ressourcenprüfung
vom 2
3.
Juli 2019 (
Urk.
21/19) den Anforderungen
an eine ausreichende medizinische Ent
scheidungsgrundlage
resp. an ein
strukturiertes Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281
zu genügen
(vgl. E. 1.2)
. Insbesondere erschliesst sich dem Gericht nicht und hat
Dr.
H._
auch nicht begründet, gestützt worauf und wesha
lb der Versicherte seit dem 20.
Januar 2019 (schrittweise) zu 50 % in einer angepassten Tätigkeit arbeitsfähig
sein soll.
Immerhin steht letzteres im Wider
spruch zum Bericht der
Psychiatrie C._
vom
4.
März 2019, wonach bei Austritt noch immer mässige bis erhebliche Einschränkungen bestanden hätten und lediglich länger
fristig eine Teilarbeitsfähigkeit möglich sei (
Urk.
21/17/3).
Im Rahmen ihrer Ressourcenprüfung hat die Sachbearbeiterin zudem explizit darauf hingewiesen
, die Persönlichkeit, das soziale Umfeld und die A
ktivitäten des Versicherten
hätten nicht genau abgeklärt werden können (
Urk.
21/1
9
/1).
4.3
In Anbetracht dieser Erwägungen ist eine umfassende psychiatrische Abklärung unter Einschluss der Frage, inwiefern sich ein allenfalls beim Beschwerdeführer vorliegender psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert auf seine Arbeitsfähigkeit
im zeitlichen Verlauf
aus
gewirkt hat und aktuell auswirkt
, ange
zeigt. Dabei wird der beurteilende Facharzt auch zu den Indikatoren
gemäss
BGE 141 V 281
Stellung zu beziehen haben
(vgl. E. 1.2)
.
Zur Mitwirkung daran ist der
Versicherte
verpflichtet. Einer allfälligen Weigerung hat die IV-Stelle mit dem Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
nach Art. 43 Abs. 3 ATSG zu begegnen.
4.4
Damit
ist die Beschwerde gutzuh
eissen und der angefochtene Ent
scheid aufzu
heben.
5
.
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht in Abweichung von Art. 61
lit
. a ATSG in der hier anwendbaren, bis am 31. Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung (Art. 83 ATSG), kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfahrensaufwand festzulegen und vorliegend auf Fr. 700.-- festzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind sie
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
Bei den vor
liegenden Vertretungsverhältnissen besteht kein Anspruch auf Prozess
entschädigung
(vgl.
BGE 129 V 116f. E.4, 110 V 134f. E.4d
).