# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f9f3a80e-00ce-5ae9-93c1-d14a7f9ccf00
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Am 3. Mai 2017 informierten die Beschwerdeführenden die Gemeinde Krauchthal per
E-Mail, dass der Beschwerdegegner 1 und die Beschwerdegegnerin 2 auf dem
Nachbargrundstück umfangreiche Gartenarbeiten durchführten. Diese hätten zur Folge,
dass kein natürlicher Übergang zum Nachbargrundstück gemäss Art. 415 GBR1 mehr
gegeben sei. Ausserdem bestehe Sorge um die Sicherheit des Hangs. Die Gemeinde teilte
ihnen nach Durchführung eines Augenscheins am 24. Mai 2017 per E-Mail mit, es handle
sich um nicht bewilligungspflichtige Arbeiten. Der natürliche Übergang zwischen den
Grundstücken bleibe bestehen. Die Beschwerdeführenden hielten mit Schreiben vom
26. Mai 2017 an ihrer Ansicht fest und verlangten den Erlass einer anfechtbaren
Verfügung. Die Gemeinde teilte der Beschwerdegegnerschaft mit Schreiben vom 30. Mai
2017 mit, dass ein Baupolizeiverfahren eröffnet worden sei. Sie forderte die
Beschwerdegegnerschaft u.a. zur Einreichung vermasster Pläne und zum Nachweis der
Hangsicherung auf. Mit Verfügung vom 10. Juli 2017 stellte die Gemeinde fest, dass die
streitigen Gartengestaltungsmassnahmen nicht baubewilligungspflichtig seien, und stellte
das Baupolizeiverfahren ein.
Die Beschwerdeführenden reichten dagegen Beschwerde beim Regierungsstatthalteramt
Emmental ein, welches diese als aufsichtsrechtliche Anzeige entgegennahm. Am
10. August 2017 führte das Regierungsstatthalteramt einen Augenschein durch. Mit
Entscheid vom 11. August 2017 (berichtigt am 15. August 2017) eröffnete es den Parteien
des Aufsichtsverfahrens das Protokoll des Augenscheins. Gemäss diesem wurde mit der
Gemeinde und dem Beschwerdegegner 1 eine Einigung gefunden, wonach für die
Gestaltungsarbeiten inklusive Abbruch des Schopfs, Umbau der Terrasse, Abbruch der
bestehenden Stützmauer und Errichtung einer neuen Stützmauer ein nachträgliches
Baugesuch einzufordern bzw. einzureichen sei. Das Aufsichtsverfahren stellte es ein.
2. Auf Aufforderung der Gemeinde Krauchthal hin reichten der Beschwerdegegner 1
und die Beschwerdegegnerin 2 am 26. September 2017 bei der Gemeinde Krauchthal ein
Baugesuch ein für folgende Gartengestaltungsmassnahmen auf Parzelle Krauchthal
Grundbuchblatt Nr. G._: "Abbruch best. Winkelplatten als Stützmauer. Abbruch
1 Baureglement der Gemeinde Krauchthal vom 30. Juni 2010, Genehmigung des AGR vom 30. Juni 2010
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bewilligungsfreies Hühnerhaus. Wiedererstellen der Winkelplatten mit zusätzlicher
Hangsicherung in Form von Steinkörben mit Verankerung im Terrain. Geringfügige
Terrainveränderung und Erstellung eines Sitzplatzes. Neubau eines Übergangs vom Haus
zum Sitzplatz". Die Parzelle liegt in der "Wohnzone 1-geschossig". Gegen das
Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache.
Mit Entscheid vom 9. Januar 2018 erteilte die Gemeinde Krauchthal die Baubewilligung.
Die Einsprache wies sie ab.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 6. Februar 2018 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Bauentscheides vom 9. Januar 2018 und die Erteilung des Bauabschlags.
Eventuell sei die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen. Die Beschwerdeführenden
legten ihrer Beschwerde u.a. ein Gutachten der H._ GmbH bei, wonach bei der
Erstellung der neuen Stützmauer Wurzeln einer auf dem Baugrundstück stehenden Lärche
gekappt worden seien und nunmehr bei stürmischer Wetterlage ein Umstürzen des Baums
befürchtet werden müsse.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Gemeinde Krauchthal beantragt
mit Stellungnahme vom 8. März 2018 die Abweisung der Beschwerde und die Bestätigung
des angefochtenen Entscheids. Auch die Beschwerdegegnerschaft schliesst mit
Beschwerdeantwort vom 12. März 2018 auf Abweisung der Beschwerde. Das Rechtsamt
gab der Beschwerdegegnerschaft Gelegenheit zur Einreichung eines Gegengutachtens zur
Auswirkung des Bauvorhabens auf die Stabilität der Lärche. Die Beschwerdegegnerschaft
reichte dieses am 4. Mai 2018 ein. Die Beschwerdeführenden reichten mit ihren
Schlussbemerkungen vom 23. Mai 2018 weitere Belege ein zu ihrem Vorbringen, dass das
Bauvorhaben die Stabilität des Hanges und der Lärche beeinträchtige. Die
Beschwerdegegnerschaft äusserte sich dazu mit Schlussbemerkungen vom 11. Juni 2018.
Beide Parteien halten an ihren Rechtsbegehren fest.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die
Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache
abgewiesen wurde, sind durch den vorinstanzlichen Bauentscheid formell und als
Nachbarn auch materiell beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Nach Ansicht der Beschwerdeführenden wurde der angefochtene Entscheid nicht
genügend begründet. Insbesondere fehle eine Stellungnahme zu den in der Einsprache
vorgebrachten Argumenten.
b) Nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG4 muss eine Verfügung eine Begründung enthalten.
Eine Begründung muss so abgefasst sein, dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht
anfechten können. Es müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von
denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt. Im
Bauentscheid muss die Behörde insbesondere auch zu den Einsprachen Stellung nehmen
(Art. 36 Abs. 2 Bst. c BewD5). Die Behörde muss dabei nicht auf jedes Argument der
Parteien eingehen. Es genügt, wenn sie sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten
auseinandergesetzt hat.6
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 5 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 6 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5
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c) Im angefochtenen Entscheid führt die Gemeinde aus, wie sie die Stabilität und
Gestaltung des Hangs mit Stützmauer sowie die allfällige Gefährdung durch Kappung von
Wurzeln an der Lärche beurteilt. Nachfolgend zu diesen Erwägungen gibt sie die
Einsprachepunkte wieder und weist auf das Protokoll der Einigungsverhandlung vom
12. Dezember 20177 hin.
Die Begründung eines Entscheids kann grundsätzlich in einem Verweis (z.B. auf eine
frühere Verfügung, ein Sitzungsprotokoll oder einen separaten Briefwechsel) bestehen.8
Dies setzt allerdings voraus, dass das Dokument, auf das verwiesen wird, den
Anforderungen an eine Entscheidbegründung gerecht wird. Das Protokoll der
Einigungsverhandlung enthält keine abschliessende Stellungnahme der Gemeinde zu den
Einsprachegründen. Der blosse Hinweis auf das Protokoll könnte daher nicht als
Entscheidbegründung genügen. Der Aufbau des Entscheids ist insofern ungünstig gewählt,
als die Erwägungen betreffend Sicherheit und Gestaltung der Wiedergabe der
Einsprachegründe vorangestellt werden. Nichtsdestotrotz lässt sich den
Entscheiderwägungen entnehmen, wie die Gemeinde die zentralen Vorbringen der
Einsprache beurteilt und von welchen Überlegungen sie sich in ihrem Entscheid hat leiten
lassen. Zur angeblichen Mangelhaftigkeit der Pläne äussert sie sich zwar nicht. Dem
Entscheid lässt sich immerhin entnehmen, dass die Gemeinde das bereits ausgeführte
Bauvorhaben vor Ort besichtigt hat und der Ansicht ist, über alle für die Beurteilung
relevanten Informationen zu verfügen. Die Begründung des Entscheids ist damit (gerade
noch) genügend; den Beschwerdeführenden war eine sachgerechte Anfechtung möglich.
Ihr Anspruch auf rechtliches Gehör wurde nicht verletzt.
3. Pläne
a) Die Beschwerdeführenden erachten die Planbeilagen zum Baugesuch als
mangelhaft. Auf dem Situationsplan sei die Nutzungszone nicht eingezeichnet; zudem
fehle die Angabe der Masse und Abstände der Brücke vom Haus zum Sitzplatz. Auf den
Projektplänen sei die Dimension der Abgrabungen nicht ersichtlich (Höhe, Breite und
Volumen). Die neue Mauer (Steinkörbe) sei auf diesen nicht genau eingezeichnet, sondern
7 Vorakten, in Register 5 8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 5
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nur mit Pfeilen gekennzeichnet. Die Pläne erlaubten keine abschliessende Überprüfung
des Bauvorhabens.
b) Das Baugesuch muss das Bauvorhaben in allen für die Beurteilung wesentlichen
Punkten beschreiben. Die Lage, Einordnung, Gestaltung und Konstruktion sind durch
Situationsplan und Projektpläne darzustellen.9 Art. 12 ff. BewD regeln im Einzelnen, welche
Pläne erforderlich sind und welche Angaben die einzelnen Pläne jeweils enthalten müssen.
Erforderlich sind demnach ein Situationsplan sowie Projektpläne mit Grundrissen und
Ansichten und den zum Verständnis des Bauvorhabens nötigen Schnitten.10 In Schnitten
und Ansichten müssen das massgebende Terrain sowie der Terrainverlauf nach
Fertigstellung eingetragen werden.11
c) Die Planbeilagen des vorliegenden Baugesuchs12 stellen Lage, Einordnung,
Gestaltung und Konstruktion des Bauvorhabens so dar, dass eine Beurteilung, ob die
relevanten Vorschriften eingehalten sind, möglich ist. Die Nutzungszone kann in der
baurechtlichen Grundordnung festgestellt werden. Die Pläne sind korrekt vermasst, so
dass Masse und Abstände gemessen werden können, soweit sie in den Plänen nicht
eingetragen sind. Die Terrainveränderungen sind aus den Plänen ablesbar. Es liegen
demnach keine Mängel vor, welche die Beurteilung des Bauvorhabens durch die Behörde
oder die Wahrung der Rechte der Beschwerdeführenden beeinträchtigen könnten.
4. Sicherheit
a) Nach Ansicht der Beschwerdeführenden gefährdet das Bauvorhaben die Sicherheit.
Sie befürchten, dass der Hang abrutschen könnte. Daher müsse ein statischer Nachweis
eingeholt werden. Zudem seien bei den Erstellung der neuen Mauer an der unmittelbar
oberhalb stehende Lärche Wurzeln gekappt worden. Es bestehe die Gefahr, dass diese
9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 4 10 Art. 14 Abs. 1 Bst. a-c und Abs. 3 BewD 11 Art. 14 Abs. 2 BewD 12 Situationsplan im Mst. 1:500, Projektplan "Schnitte" im Mst. 1:100, Projektplan "Grundriss" im Mst. 1:100, Querprofil mit Situationsplan im Mst. 1:200, alle mit Bewilligungsvermerk der Gemeinde Krauchthal vom 9. Januar 2018
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Lärche umstürzen könnte. Das Bauvorhaben erfülle daher die Sicherheitsanforderungen
gemäss Art. 21 Abs. 1 BauG nicht.
b) Bauvorhaben müssen so erstellt und unterhalten werden, dass weder Personen noch
Sachen gefährdet werden (Art. 21 BauG, Art. 57 BauV13). Das gilt auch für Stützmauern.
Die Beschwerdegegnerschaft muss demnach auch ohne entsprechende Auflagen dafür
sorgen, dass die Stützmauer dem Hangdruck standhält. Spezielle Abklärungen oder
Auflagen drängen sich nur auf, wo aufgrund der Umstände konkrete Zweifel an der
Stabilität eines Bauvorhabens bestehen.14 Dies ist bei der hier zu beurteilenden
Stützmauer nicht der Fall. Lage und Dimensionen der Mauer sind der Umgebung und dem
natürlichen Gefälle des Terrains angepasst. Weder die Umgebung (Gefälle) noch die
Positionierung oder die Dimensionen der Stützmauer weisen Besonderheiten auf, welche
konkrete Zweifel an der Sicherheit aufwerfen. Die Gemeinde hat die Konstruktionsweise
der Stützmauer im Baupolizeiverfahren geklärt.15 Demnach handelt es sich um ein
gängiges System für die Erstellung von Stützmauern.
Die Beschwerdeführenden machen in ihren Schlussbemerkungen vom 23. Mai 2018
geltend, dass sich ihr Sitzplatz seit Ausführung des Bauvorhabens vor einem Jahr um 11
cm gesenkt habe. Sie reichen Fotografien des Sitzplatzes mit Spalten in der Bepflästerung
sowie ein Privatgutachten eines Bauingenieurunternehmens zu den Akten. Letzteres hält
fest, dass auf der Südwestseite der Liegenschaft der Beschwerdeführenden Setzungen
feststellbar seien. Als Ursache seien die Geländeanpassungen auf der Parzelle der
Beschwerdegegnerschaft zu vermuten, da nur in deren Einflussbereich Setzungen
festzustellen seien. Die Beschwerdeführenden beantragen, dass zur Frage der Stabilität
des Hangs ein unabhängiges Gutachten einzuholen sei. Die Beschwerdegegnerschaft
entgegnet in ihren Schlussbemerkungen vom 11. Juni 2018, der fragliche Sitzplatz der
Beschwerdeführenden befinde sich auf aufgeschüttetem Terrain, wofür seinerzeit an der
Grenze zur Parzelle der Beschwerdegegnerschaft eine Stützmauer errichtet worden sei.
Diese Stützmauer der Beschwerdeführenden wie auch der unmittelbar daneben
verlaufende Gitterzaun der Beschwerdegegnerschaft seien intakt. Es sei abwegig, dass die
neue Stützmauer der Beschwerdegegnerschaft Senkungen auf dem Sitzplatz der
13 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 14 Vgl. Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 21 N. 6a 15 Vgl. Anhang zur Feststellungsverfügung vom 10. Juli 2017, Bilder 8 und 9, in Vorakten, Sichtmappe "Aufsichtsrechtliche Beschwerde P. + H. Sonderegger - Einwohnergemeinde Krauchthal"; vgl. auch Vorakten, roter Schnellhefter "Unterlagen"
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Beschwerdeführenden verursachen könnte, wenn die dazwischen liegende Stützmauer der
Beschwerdeführenden keine Beeinträchtigungen aufweise. Es treffe auch nicht zu, dass
auf der Parzelle der Beschwerdeführenden lediglich beim südwestlichen Sitzplatz
Geländesetzungen vorhanden seien. Diese erstreckten sich auf den gesamten
gepflästerten Bereich und gingen auf die seinerzeitigen Terrainaufschüttungen zurück.
Die Setzungen auf der Parzelle der Beschwerdeführenden weisen auf eine gewisse
Instabilität des Untergrunds hin. Dafür sind verschiedene Ursachen denkbar. Da die
Setzungen oberhalb der Stützmauer der Beschwerdeführenden festgestellt wurden,
erscheint die Vermutung naheliegend, dass die Setzungen mit deren Konstruktion und
Hinterfüllung zusammenhängen. Ein Zusammenhang mit der weiter entfernten neuen
Stützmauer auf dem Grundstück der Beschwerdegegnerschaft erscheint als Ursache
dagegen unwahrscheinlich, zumal deren Konstruktionsweise nach dem Gesagten keine
Zweifel an der Stabilität aufwirft. Es besteht daher kein Anlass für nähere Abklärungen oder
Auflagen betreffend die Stabilität der Stützmauer.
c) Hinsichtlich der Lärche ist unbestritten, dass bei Erstellung der Stützmauer einzelne
Wurzeln gekappt wurden. Gemäss der Einschätzung der H._ GmbH, welche die
Beschwerdeführenden mit ihrer Beschwerde eingereicht haben, besteht bei Sturmlage das
Risiko, dass die Lärche in Richtung der Parzelle der Beschwerdeführenden umstürzt. Die
Beschwerdegegnerschaft hat eine Beurteilung der I._ AG vom 20. April 2018
eingereicht, wonach die am Hang gewachsene Lärche vor allem nach unten und
hangwärts verwurzelt ist. Den gekappten Wurzeln sei anzusehen, dass sie nicht aus dem
Erdreich ausgegraben worden seien. Für Ernährung und Stabilität seien sie kaum relevant
gewesen. Die Beschwerdeführenden ziehen in ihren Schlussbemerkungen die fachlichen
Qualifikationen der I._ AG hinsichtlich der abgegebenen Beurteilung in Zweifel.
Diese erachten sie zudem als widersprüchlich. Sie reichen Fotografien zu den Akten, auf
denen zu erkennen sei, dass die Lärche unregelmässig austreibe und folglich kränkle.
d) Bäume altern und können instabil werden. In Hanglagen verschärft sich diese
Problematik. Es ist an den Eigentümern, ihre Bäume auf mögliche Risiken hin zu
beobachten und gegebenenfalls Massnahmen zu treffen, dass sie keine Gefahr für
Personen und Sachen darstellen. Dies ist jedoch grundsätzlich nicht Gegenstand des
Baurechts. Im vorliegenden Beschwerdeverfahren muss der Zustand der Lärche nicht
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abschliessend geprüft werden. Zu beurteilen ist einzig, ob vom Bauvorhaben eine
Gefährdung von Personen oder Sachen ausgeht.
Im Zuge der Erstellung der Stützmauer vor etwas mehr als einem Jahr wurden einzelne
Wurzeln der Lärche gekappt. Die von den Parteien eingereichten Privatgutachten zeigen
auf, dass die genauen Auswirklungen auf die Stabilität der Lärche nicht zuverlässig
vorausgesagt werden können. Es ist davon auszugehen, dass das Wurzelwerk der Lärche
der Hanglage angepasst ist. Seit der Ausführung des Bauvorhabens wurden sämtliche
Jahreszeiten einschliesslich stürmischer Wetterlagen durchlaufen, ohne dass die Lärche
umgestürzt ist. Eine allfällige künftige Gefährdung durch den Baum kann zwar nicht
ausgeschlossen werden. Dafür sind aber nebst dem Eingriff bei der Ausführung des
Bauvorhabens noch andere Kriterien entscheidend, wie etwa das Alter und das Ausmass
der natürlichen Widerstandskraft des Baumes, künftige Wetterentwicklungen u.ä. Das
Bauvorhaben selbst gibt nicht zu konkreten Sicherheitsbedenken Anlass. Auf baurechtliche
Auflagen ist daher auch hinsichtlich der Lärche zu verzichten.
Dies entbindet die Beschwerdegegnerschaft nicht von allfälligen zivilrechtlichen
Handlungspflichten zwecks Vermeidung von Haftungsansprüchen. Für die Durchsetzung
solcher Ansprüche werden die Beschwerdeführenden auf den Zivilrechtsweg verwiesen.
Ihre Einwände sind insoweit als Rechtsverwahrung vorzumerken.
5. Baurechtliche Masse
a) Die Beschwerdeführenden rügen, die Stützmauer halte die für unbewohnte An- und
Nebenbauten sowie bewilligungsfreie Bauten und Nebenanlagen geltenden
Grenzabstands- und Höhenvorschriften (Art. 212 Abs. 6 Bst. b GBR) nicht ein. Es seien
zudem mehr als die erlaubten Abgrabungen (Art. 212 Abs. 6 Bst. e GBR) vorgenommen
worden. Zudem sei die Vorschrift gemäss Art. 415 GBR, wonach Terrainveränderungen die
vorhandene Umgebung nicht beeinträchtigen dürfen und einen natürlichen Übergang zu
den Nachbargrundstücken schaffen müssen, verletzt.
b) Art. 212 Abs. 6 Bst. b GBR regelt die zulässigen Masse für Grenzabstand,
Grundfläche und mittlere Gebäudehöhe bei unbewohnten An- und Nebenbauten sowie
bewilligungsfreien Bauten und Nebenanlagen. Das GBR ist kommentiert. Bei Art. 212 Abs.
RA Nr. 110/2018/22 10
6 Bst. b GBR verweist der Kommentar auf Anhang A121 Abs. 1 GBR. Dieser hält in Abs. 1
fest: "Unbewohnte An- und Nebenbauten sind nicht für den dauernden Aufenthalt von Menschen
oder Tieren bestimmt und dürfen die nach BR geltenden Masse nicht übersteigen."
Auch diese Bestimmung ist kommentiert. Gemäss Kommentar sind unter unbewohnten An-
und Nebenbauten Garten- und Gewächshäuser zu verstehen. Die Rüge der
Beschwerdeführenden bezieht sich jedoch auf die Stützmauer. Bei Böschungen und
Stützmauern handelt es sich nicht um An- und Nebenbauten, sondern um Elemente der
Terrain- und Aussenraumgestaltung. Massgebend ist daher nicht Art. 212 Abs. 6 Bst. b
GBR, sondern die Regelung betreffend Terrain- und Aussenraumgestaltung.
c) Die Gemeinde Krauchthal hat Terrainveränderungen in Art. 415 GBR wie folgt
geregelt: "1 Terrainveränderungen sind so zu gestalten, dass sie die vorhandene Umgebung nicht
beeinträchtigen und ein natürlicher Übergang zu den Nachbargrundstücken entsteht. Sie
unterliegen der Genehmigung durch die Baupolizeibehörde. 2 Die Terraingestaltung ist in der Regel mit natürlichen Böschungen vorzunehmen.
Aufschüttungen dürfen den gewachsenen Boden um höchstens 0.80 m in der Ebene und 1.20
m in Hangsituationen überragen".
Diese Bestimmungen sind vorliegend eingehalten. Die neue Stützmauer befindet sich am
Hang, ist angemessen dimensioniert und beeinträchtigt die Umgebung nicht. Es werden
nur geringfügige Terrainaufschüttungen vorgenommen. Diese überschreiten das in
Hangsituationen erlaubte Mass von 1,20 m nicht. Der Grenzbereich zwischen den
Grundstücken der Beschwerdeführenden und der Beschwerdegegnerschaft wird geprägt
durch die vorbestehende Stützmauer auf dem höher gelegenen Grundstück der
Beschwerdeführenden. Bei diesen Vorbedingungen können an einen "natürlichen
Übergang" zwischen den Parzellen keine hohen Anforderungen gestellt werden. Entlang
der Parzellengrenze erfährt das Gefälle der Böschung mit dem Bauvorhaben nur marginale
Veränderungen. Soweit vor Ausführung des Bauvorhabens noch von einem natürlichen
Übergang zwischen den Grundstücken auszugehen war, wird er durch dieses jedenfalls
nicht beeinträchtigt.
d) Das GBR enthält keine besonderen Vorschriften für Situationen, in denen entgegen
der Regel von Art. 415 Abs. 2 GBR das Terrain nicht mit natürlichen Böschungen, sondern
mit Stützmauern gestaltet wird. Diesbezüglich kann auf die Empfehlung der Justiz-,
RA Nr. 110/2018/22 11
Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern (JGK) in BSIG16 Nr. 7/721.0/10.1,
Ziff. 4.2 zurückgegriffen werden. Danach gelten für Stützmauern die zivilrechtlichen Be-
stimmungen von Art. 79h EG ZGB17 auch als öffentlich-rechtliche Vorschriften der
Gemeinde, wenn diese selber darüber keine Vorschriften erlassen hat (Art. 3 NBRD18). Für
Auffüllungen, Abgrabungen und Böschungsneigung haben die Bestimmungen von Art. 79h
EG ZGB jedoch nur dann öffentlich-rechtliche Geltung, wenn die Gemeinde sie in ihrem
Baureglement ausdrücklich zur öffentlich-rechtlichen Vorschrift erklärt.
Die Anwendung der zivilrechtlichen Bestimmungen über Stützmauern drängt sich
vorliegend auch deshalb auf, weil im GBR die Bestimmungen von Art. 79 ff. EG ZGB als
"Beilage B1" aufgeführt sind. Ob damit auch die Regeln über Auffüllungen, Abgrabungen
und Böschungsneigung baurechtliche Geltung haben, muss nicht abschliessend geprüft
werden; jedenfalls wären diese Vorschriften eingehalten. Art. 79h EG ZGB hält fest: "1 Wer längs der Grenze Auffüllungen oder Abgrabungen ausführt, hat das
Nachbargrundstück durch Böschungen oder Stützmauern zu sichern. 2 Böschungsneigungen dürfen höchstens 45° (100%) betragen. In steilem Gelände bleibt eine
stärkere Neigung natürlich entstandener oder genügend gesicherter Böschungen vorbehalten. 3 Die Stützmauer darf an die Grenze gestellt werden. Dient sie der Auffüllung, so darf sie den
gewachsenen Boden des höher gelegenen Grundstückes höchstens um 1.20 m überragen."
Vorliegend erfolgt die Hangsicherung mit einer Kombination von Stützmauer und
Böschung. Nach dem Gesagten werden die Anforderungen an die Sicherheit von
Bauvorhaben eingehalten. Die Neigung der unbefestigten Böschung beträgt unter 45°. Die
Stützmauer steht am Hang unterhalb des Grundstücks der Beschwerdeführenden und
überragt dessen gewachsenen Boden an keiner Stelle. Die Höhe einer unterhalb
gelegenen bzw. mittels Abgrabungen erstellten Stützmauer ist nicht limitiert.19
e) Die Beschwerdeführenden rufen auch Art. 212 Abs. 6 Bst. e GBR an. In dieser
Bestimmung wird die maximal zulässige Breite von Abgrabungen geregelt. Bei
Abgrabungen von über 4 m Breite ist das Verhältnis zur Fassadenlänge entscheidend. Der
Kommentar zum GBR verweist auf Anhang A132 GBR. Dieser behandelt die Messung der
Gebäudehöhe und bestimmt in Abs. 3, dass dabei Abgrabungen für Hauseingänge und
16 Bernische Systematische Information Gemeinden 17 Gesetz vom 28. Mai 1911 betreffend die Einführung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (EG ZGB; BSG 211.1) 18 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Normalbaureglement (NBRD; BSG 723.13) 19 Vgl. BSIG Nr. 7/721.0/10.1, Anhang II
RA Nr. 110/2018/22 12
Garageneinfahrten bis zur zulässigen Breite unberücksichtigt bleiben. Aus diesem
Zusammenhang und der Bezugnahme auf die Fassadenlänge ergibt sich, dass Art. 212
Abs. 6 Best. e GBR Abgrabungen an Gebäuden regelt. Auf die hier streitige Stützmauer ist
er nicht anwendbar.
6. Ästhetik
a) Nach Ansicht der Beschwerdeführenden erscheint die Stützmauer optisch über-
dimensioniert und beeinträchtigt die Ästhetik.
b) Die Bauparzelle befindet sich in einem Gebiet ohne besondere Ästhetikvorschriften.
Es gelten somit die allgemeinen Vorschriften nach Art. 9 BauG. Bauten, Anlagen,
Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften, Orts- und Strassenbilder
nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt die „ästhetische
Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar. Eine
Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften
erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften
müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.20 Eine solche Vorschrift stellt Art. 416 GBR dar, welcher die
Aussenraumgestaltung wie folgt regelt: "1 Die Gestaltung der privaten Aussenräume – insbesondere der öffentlich erlebbaren
Einfriedungen, Vorgärten, Vorplätze und Hauszugänge – hat sich im weitgehend
unüberbauten Gebiet nach den ortsüblichen, im weitgehend bebauten Gebiet an den
vorherrschenden Merkmalen zu richten, welche das Strassen-, Quartier- und Ortsbild prägen. 2 Mit dem Baugesuch ist ein Aussenraumgestaltungsplan oder eine andere geeignete
Darstellung der Aussenräume und deren wesentlichen Gestaltungselemente einzureichen."
Der Ort, an dem das Bauvorhaben ausgeführt wurde, ist geprägt durch die Hanglage und
die oberhalb der Parzellengrenze liegende Stützmauer der Beschwerdeführenden. Die
streitigen Umgestaltungen wurden auf der strassenabgewandten Seite des Gartens
vorgenommen. Von öffentlichen Räumen her dürften sie kaum einsehbar sein. Die Akten
enthalten nebst den Baugesuchplänen, welche die Aussenraumgestaltung darstellen, auch
20 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen
RA Nr. 110/2018/22 13
verschiedene Fotografien21 des bereits umgesetzten Bauvorhabens. Diese zeigen, dass
die Böschung teils mit Pflanzen begrünt und dazwischen mit grossen Steinen abgedeckt
wurde. Die Stützmauer wurde mit leicht veränderten Dimensionen aus Steingitterkörben
neu gestaltet. Damit schafft das Bauvorhaben keinen störenden Gegensatz zum
Bestehenden. Es handelt sich um eine übliche, zeitgemässe Art der Gartengestaltung, die
von der Gemeinde gutgeheissen wird. Es werden keine Ästhetikvorschriften verletzt.
7. Rechtsverwahrung
Die Beschwerdeführenden machen zu Recht geltend, dass ihre Rechtsverwahrung im
Entscheiddispositiv hätte festgehalten werden müssen (Art. 36 Abs. 3 Bst. f BewD). Im
angefochtenen Entscheid wird zwar erwähnt, dass die Beschwerdeführenden mit ihrer
Einsprache vom 6. Oktober 2017 auch eine Rechtsverwahrung betreffend die Stabilität des
Hangs und der Lärche eingereicht haben; dies wird jedoch nicht im Dispositiv festgehalten.
Der angefochtene Entscheid ist diesbezüglich zu ergänzen.
8. Zusammenfassung und Kosten
a) Nach dem Gesagten ist der angefochtene Entscheid insoweit zu ergänzen, als die
Rechtsverwahrung der Beschwerdeführenden im Entscheiddispositiv vorgemerkt wird. Im
Übrigen ist die Beschwerde abzuweisen und der angefochtene Entscheid zu bestätigen.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie haben die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'200.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV22).
b) Die Beschwerdeführenden haben zudem dem Beschwerdegegner 1 und der
Beschwerdegegnerin 2 die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der
Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerschaft macht Parteikosten im Umfang von
Fr. 5'966.15 (Honorar Fr. 5'462.50, Auslagen Fr. 77.10, Mehrwertsteuer Fr. 426.55)
geltend. Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung
21 Insbesondere in der Beschwerdeantwort vom 12. März 2018 und in den Schlussbemerkungen der Beschwerdegegnerschaft vom 11. Juni 2018 22 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2018/22 14
anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Nach Art. 11 Abs. 1 PKV23 beträgt das
Honorar in verwaltungsrechtlichen Beschwerdeverfahren Fr. 400.– bis Fr. 11'800.– pro
Instanz. Innerhalb des Rahmentarifs bemisst sich der Parteikostenersatz nach dem in der
Sache gebotenen Zeitaufwand sowie der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit
des Prozesses (Art. 41 Abs. 3 KAG24). Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerschaft
geht von einem leicht überdurchschnittlichen Zeitaufwand aus, weil die
Beschwerdeführenden in ihren Schlussbemerkungen neue Argumente vorgebracht hätten.
Der Aufwand bewegt sich aber damit noch im Rahmen des Durchschnittlichen, da kein
aufwendiges Beweisverfahren durchgeführt werden musste. Die Bedeutung der
Streitsache und die Schwierigkeit des Prozesses sind insgesamt als eher
unterdurchschnittlich einzustufen. Daher erscheint ein Honorar von Fr. 4'500.– als
angemessen. Mit den Auslagen von Fr. 77.10 und der Mehrwertsteuer von Fr. 352.45
ergibt sich ein Betrag von Fr. 4'929.55. Diesen Betrag haben die Beschwerdeführenden
dem Beschwerdegegner 1 und der Beschwerdegegnerin 2 zu ersetzen.