# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 70f057f3-c5b0-442d-88c2-4a677ceb186d
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ S. A., geboren am 8. September 1963, ist Staatsangehöriger der Türkei. Er reiste im
Jahr 1981 im Rahmen des Familiennachzugs zum Verbleib bei seiner türkischen
Ehefrau, geboren im Jahr 1957, die ihrerseits seit dem Jahr 1977 in der Schweiz lebt, in
die Schweiz ein. Ihre gemeinsamen, mittlerweile 26- und 29-jährigen Kinder sind in der
Schweiz aufgewachsen und leben hier. Beim Umzug im Juli 1999 von A., Kanton
Thurgau, nach W. bzw. in den Kanton St. Gallen verfügten bereits alle
Familienmitglieder über die Niederlassungsbewilligung. Die Tochter ist seit dem Jahr
2006 Schweizerin.
B./ S. A. übte von einigen Phasen abgesehen, in denen er auf Stellensuche war,
verschiedene Hilfsarbeiten aus. Vom Januar 2004 bis Juni 2006 war er dauernd
arbeitslos, wobei er in verschiedenen Einsatzprogrammen des Regionalen
Arbeitsvermittlungszentrums tätig war. Im Juli 2006 machte er sich mit der Einzelfirma
B. I. A. in F. selbständig. Der erhoffte Geschäftserfolg blieb allerdings aus, weshalb er
bereits nach kurzer Zeit versuchte, das Geschäft wieder zu verkaufen.
In der Nacht des 28. Juli 2008 legte er im Kellerabstellraum des Mehrfamilienhauses,
wo sein Imbissgeschäft eingemietet war, einen Brand, was er aber bis heute bestreitet.
Sein Ziel war es, durch den Schadensfall im Erdgeschoss Versicherungsleistungen in
der Höhe von Fr. 60'000.-- bis Fr. 70'000.-- zu erwirken. Nur dank der Aufmerksamkeit
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eines noch wachen Mitbewohners konnte das Haus rechtzeitig evakuiert und der Brand
in einem frühen Stadium gelöscht werden, so dass lediglich ein Sachschaden von gut
Fr. 16'000.-- entstanden ist. Das Kreisgericht Wil erklärte S. A. deswegen mit Urteil
vom 18. August 2009 der einfachen Brandstiftung, der versuchten qualifizierten
Brandstiftung sowie des versuchten Betrugs schuldig und verurteilte ihn dafür zu einer
Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren. Vom Vorwurf des Vergehens gegen das
Waffengesetz sprach es ihn dagegen frei, weil im Zeitpunkt der Beschlagnahme der
sichergestellten Waffen der blosse Waffenbesitz noch nicht strafbar war und die
Strafverfolgungsfristen für den Erwerb und die Einfuhr in den Jahren 1996/1997
zwischenzeitlich verjährt waren. Das Kantonsgericht bestätigte den Schuldspruch am
20. August 2010, wobei es die Freiheitsstrafe um dreiviertel Jahre reduzierte. Dieses
Urteil ist in Rechtskraft erwachsen.
Der Verurteilte sitzt seine Freiheitsstrafe von drei dreiviertel Jahren abzüglich 253
Tagen Untersuchungshaft derzeit in der Justizvollzugsanstalt Sennhof in Chur ab. Das
Amt für Justizvollzug des Sicherheits- und Justizdepartements verfügte am
10. Dezember 2010 die bedingte Entlassung aus dem Strafvollzug per 28. Januar 2011,
sobald er ausgeschafft werden könne bzw. kontrolliert ausreise. Die Reststrafe hätte
dabei noch 456 Tage betragen. Diese Verfügung ist zwar unangefochten in Rechtskraft
erwachsen, der Gefangene machte davon aber keinen Gebrauch, weil er das Land
aktuell nicht freiwillig verlassen will.
C./ Mit Blick auf die erwähnte Straftat bzw. die genannte Verurteilung hat das
Ausländeramt (heute Migrationsamt) des Kantons St. Gallen am 8. Dezember 2010 die
Niederlassungsbewilligung von S. A. widerrufen. Dagegen gelangte dieser mit Rekurs
seines Rechtsvertreters vom 23. Dezember 2010 erfolglos an das kantonale
Sicherheits- und Justizdepartement. Die Rekursinstanz begründete ihren Entscheid
vom 7. März 2011 damit, dass das Fehlverhalten des Ausländers schwer wiege und ein
erhebliches öffentliches Interesse an seiner Wegweisung bestehe, selbst wenn er und
seine Familie mittlerweile seit vielen Jahren in der Schweiz lebten. Mit Blick auf die
Straftat und sein Verschulden sei der Widerruf der Niederlassungsbewilligung auch
verhältnismässig, und zwar selbst unter dem Gesichtspunkt, dass seiner gesundheitlich
angeschlagenen Ehefrau auf Grund ihrer langen Anwesenheit in der Schweiz eine
Rückkehr ins Heimatland nicht ohne weiteres zugemutet werden könne.
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D./ Gegen diesen Entscheid liess der Rekurrent am 23. März 2011 beim
Verwaltungsgericht mit dem Antrag Beschwerde erheben, der Rekursentscheid und die
Verfügung des Migrationsamtes seien kostenpflichtig aufzuheben und vom Widerruf
der Niederlassungsverfügung sei abzusehen. Der Verwaltungsgerichtspräsident
gewährte am 28. März 2011 die nachgesuchte unentgeltliche Rechtspflege und
bestimmte den Rechtsvertreter als unentgeltlichen Rechtsbeistand. Mit
Beschwerdeergänzung vom 2. Mai 2011 lässt der Beschwerdeführer anbringen, er sei
in der Schweiz bestens integriert, was die zahlreich beigebrachten
Empfehlungsschreiben bestätigen würden. Eine Rückkehr in sein Heimatland, wo
Christen Repressalien befürchten müssten, könne ihm nach 30 Jahren Aufenthalt in der
Schweiz nicht mehr zugemutet werden. Auch würden zahlreiche Verwandte in der
Schweiz, in Deutschland oder in Schweden leben.
E./ Die Vorinstanz beantragt mit Vernehmlassung vom 9. Februar 2011, die
Beschwerde kostenpflichtig abzuweisen und verzichtete ansonsten auf eine
Stellungnahme.
F./ Auf die weiteren von den Verfahrensbeteiligten vorgebrachten Ausführungen wird,

## Considerations

soweit erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. (...).
2. Nach Art. 63 Abs. 2 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer
(SR 142.20; abgekürzt AuG) in Verbindung mit Art. 62 lit. b AuG kann die
Niederlassungsbewilligung eines Ausländers widerrufen werden, wenn er zu einer
längerfristigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Eine längerfristige Freiheitsstrafe liegt
vor, wenn die Freiheitsstrafe mehr als ein Jahr beträgt (BGE 135 II 377 E. 4.2). Mit der
in zweiter Instanz rechtskräftig festgesetzten Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun
Monaten hat der Beschwerdeführer den genannten Widerrufsgrund fraglos erfüllt.
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3. Art. 63 AuG gewährt der zuständigen Behörde beim Entscheid über den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung einen Ermessensspielraum. Der Widerruf einer
Niederlassungsbewilligung ist demnach anzuordnen, wenn er bei sorgfältiger
Abwägung der Interessen verhältnismässig erscheint (Art. 5 Abs. 2 der
Bundesverfassung, SR 101, abgekürzt BV). Art. 96 Abs. 1 AuG konkretisiert, dass die
zuständige Behörde bei der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die
persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration berücksichtigt, wobei
namentlich die Schwere des Verschuldens, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz
sowie die dem Ausländer und seiner Familie drohenden Nachteile ins Gewicht fallen
(BGE 2C_295/2009 vom 25. September 2009 E. 4.3). Je länger ein Ausländer in der
Schweiz lebt, desto strengere Anforderungen sind an die Voraussetzungen einer
Wegweisung nach Art. 66 AuG zu stellen. Eine solche ist indessen selbst bei einem
Ausländer, der bereits in der Schweiz geboren wurde und hier sein ganzes bisheriges
Leben verbracht hat (sogenannte Ausländer der zweiten Generation, BGE 2C_475/2009
vom 26. Januar 2010 E. 4.2.2 mit Hinweis), insbesondere bei Gewaltdelikten bzw.
wiederholter schwerer Straffälligkeit, nicht ausgeschlossen. Ausschlaggebend ist dabei
die Verhältnismässigkeit der Massnahme im Einzelfall, die praxisgemäss gestützt auf
die gesamten wesentlichen Umstände geprüft werden muss (BGE 2C_160/2009 vom
1. Juli 2009 E. 3.1; BGE 2A.71/2007 vom 7. Mai 2007 E. 3.2, mit Hinweisen).
3.1. Ausgangspunkt und Massstab der fremdenpolizeilichen Güterabwägung ist die
Schwere des Verschuldens, das sich nach dem Wortlaut des Gesetzes in einer
längeren Freiheitsstrafe niederschlagen soll. Die Administrativbehörde hat sich dabei
mit den Erwägungen des Strafrichters auseinanderzusetzen, um zu einer eigenen
Gefahrenprognose zu gelangen (Nägeli/Schoch in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser,
Ausländerrecht, 2. Auflage, Basel 2009, Rz. 22.188).
3.2. Gemäss Urteil des Kantonsgerichts vom 20. August 2010 wiegt das Verschulden
des Beschwerdeführers schwer. Er hat gegen Mitternacht im Keller eines Holzhauses
mit Benzin einen Brand gelegt und damit Personen, die sich in den oberen
Stockwerken aufgehalten und zum Teil bereits geschlafen haben, vorsätzlich in direkte
Lebensgefahr gebracht. Dass es dabei zu keiner menschlichen Tragödie gekommen ist
und das Feuer nicht auch noch auf benachbarte Gebäude übergegriffen hat, ist einzig
dem Zufall zu verdanken, dass ein Mitbewohner das Feuer frühzeitig entdeckt hatte,
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die herbeigerufene Feuerwehr den gelegten Brand gerade noch rechtzeitig löschen
konnte und die rund einen halben Meter vom Brandherd entfernt stehende
Propangasflasche nicht explodiert ist.
3.3. Damit ist der Vorinstanz beizupflichten, dass auch im Administrativverfahren von
einem schweren Verschulden des Beschwerdeführers auszugehen ist, das sich
insbesondere bereits in der mehrjährigen Strafdauer widerspiegelt. Dazu kommt, dass
es sich bei qualifizierten gemeingefährlichen Verbrechen und Vergehen wie bei
Drogendelikten und Gewaltvergehen rechtfertigt, eine strenge Praxis zu verfolgen und
selbst ein geringes Rückfallrisiko nicht hinzunehmen, wobei auch generalpräventiven
Gesichtspunkten Rechnung getragen werden darf (BGE 2C_578/2009 vom 23. Februar
2010 E. 2.4, BGE 2C_28/2010 vom 25. März 2011 E. 2.3). Der Beschwerdeführer
beging die gemeingefährliche Straftat einzig wegen seiner angespannten finanziellen
Lage - ein Kleinkredit bei der I. F. AG kam bereits deshalb nicht zustande, weil er die
Kosten für die Kreditfähigkeitsprüfung nicht bezahlt hatte -, wobei er ohne weiteres in
Kauf genommen hat, mit dem gelegten Brand zahlreiche Personen in höchste
Lebensgefahr zu bringen. Reue oder Einsicht in sein Unrecht zeigte er selbst im
Strafvollzug keine. Während das Bestreiten vor dem Strafrichter eine zulässige
Verteidigungsstrategie darstellt und lediglich im Rahmen der Strafzumessung
berücksichtigt wird, durfte die Vorinstanz sein weitgehendes hartnäckiges Leugnen
hinsichtlich seines künftigen Wohlverhaltens in der Schweiz durchaus als ungünstig
werten. Ohne Einsicht in sein Fehlverhalten deutet nichts darauf hin, dass er künftig
Verantwortung für sein Handeln übernehmen und sich fortan wohlverhalten werde.
3.4. Gutes Benehmen im Strafvollzug darf von einem Strafgefangenen erwartet werden
und fällt im ausländerrechtlichen Verfahren nicht besonders ins Gewicht (BGE
2C_194/2008 vom 18. April 2008 E. 5.3 mit Hinweisen). Soweit es sich dabei um ein
reines Anpassungsverhalten handelt, ohne dass der Gefangene sein Fehlverhalten
reflektiert, ist es prognostisch im Gegenteil eher negativ zu werten (A. Baechtold in:
Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Strafrecht I, Basler Kommentar, 2. Auflage, Basel 2007,
Rz. 10 zu Art. 86 StGB). Die Vollzugsberichte über den Beschwerdeführer sind
gemischt. Nebstdem, dass er sich über Strecken wohlverhalten hat, musste er in
diesem Jahr diszipliniert werden, weil er gegen einen Mitinsassen Hetzschreiben
verfasst hatte. Dieser Vorfall zeigt seine leichte Kränkbarkeit und seine immer noch
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sehr beschränkten Möglichkeiten für eine korrekte Konfliktlösung. Nebst seiner ohnehin
ungünstigen Legalprognose in der Schweiz war dieser Vorfall mit ein Grund, weshalb
die Vollzugsbehörde im April 2011 sein Gesuch für einen Beziehungsurlaub ablehnen
musste.
3.5. Aus dem Gesagten folgt, dass an der Wegweisung des Beschwerdeführers ein
grosses sicherheitspolizeiliches Interesse besteht, das nur durch entsprechend
gewichtige private Interessen aufgewogen werden könnte, d.h. wenn aussergewöhnlich
schwerwiegende Umstände gegen eine Wegweisung sprechen würden.
3.5.1. Für den Beschwerdeführer spricht, dass er während dreissig Jahren mit seiner
Ehefrau ununterbrochen in der Schweiz gelebt und mehrheitlich gearbeitet hat sowie
der hiesigen Sprache mächtig ist und dass seine Kinder hier aufgewachsen sind und er
mit ihnen ein gutes Verhältnis pflegt. Dazu kommt, dass er in der aramäischen
Glaubensgemeinschaft Schweiz-Österreich eingebunden ist und auch von Schweizern
geschätzt wird, wie sich aus ihren Empfehlungsschreiben entnehmen lässt. Seine
Behauptung, hier bestens integriert zu sein, wird aber dadurch relativiert, dass er es
trotz intensiver Unterstützung der hiesigen Gesellschaft, seiner Glaubensgemeinschaft
und seiner Familie sowie ungeachtet seiner persönlichen und beruflichen Perspektiven
in der Schweiz nicht geschafft hat, sich der herrschenden Rechtsordnung anzupassen
bzw. sich nicht davon abschrecken liess, aus blosser Geldnot ein bewohntes Haus
anzuzünden und dabei skrupellos Menschen in Lebensgefahr zu bringen. Statt sich mit
seiner Tat auseinanderzusetzen und sie zu bereuen, bestreitet er das Delikt. In Freiheit
hat er selber zwar keine Fürsorgegelder bezogen, die letzten vier Jahre vor seiner
Verhaftung hat er aber ohne ersichtlichen Grund beruflich keinen Tritt mehr gefasst,
war arbeitslos oder musste trotz eigenem Geschäft von seinen Kindern unterstützt
werden. Mit seiner Straftat nahm er sodann in Kauf, seine Familie und insbesondere
seine kränkelnde Ehefrau, die seit seiner Verhaftung von der Sozialhilfe leben muss, in
finanzielle und gesellschaftliche Schwierigkeiten zu bringen. Der Beschwerdeführer
befindet sich zum ersten Mal im (mehrjährigen) Strafvollzug. Die Brandstiftung und den
versuchten Versicherungsbetrug hat er aber kurz nach der Bestrafung durch das
Untersuchungsamt Gossau begangen, das ihn wegen Alkoholverkaufs an Jugendliche
büssen musste. Eine weitere Verurteilung wegen Nichtgewährens des Vortrittsrechts
eines Fussgängers auf dem Fussgängerstreifen lag demgegenüber bereits sieben
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Jahre zurück. Als Hilfsarbeiter übte er sodann keine besonders qualifizierten
Tätigkeiten aus, die aus wirtschaftlicher oder arbeitsmarktlicher Sicht eine
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung gebieten würden.
3.5.2. Bei der vorzunehmenden Interessenabwägung fällt insbesondere ins Gewicht,
dass der mittlerweile 48-Jährige erst mit achtzehn Jahren in die Schweiz übergesiedelt
ist. Vorher hatte er - wie seine sechs Jahre ältere Ehefrau auch - seinen
Lebensmittelpunkt in seinem Heimatland, wo er aufgewachsen ist, die Schule besucht
und gearbeitet hat. Die letzten Jahre in der Schweiz hat er im Strafvollzug verbracht,
was die Bedeutung der hiesigen Aufenthaltsdauer entsprechend relativiert. Zwar leben
auch zahlreiche Verwandte in der Schweiz, in Deutschland und Schweden, wie er im
Beschwerdeverfahren geltend machen lässt. Diese konnten ihn aber genauso wenig
von seiner schweren Straftat abhalten wie seine eigene Familie und seine
Glaubensgemeinschaft. Davon abgesehen hat er aber auch in der Türkei Verwandte,
wie dem Vollzugsbericht der Justizvollzugsanstalt Sennhof vom 1. Dezember 2010 zu
entnehmen ist.
3.5.3. Es mag durchaus zutreffen, dass sein Heimatland ihm als Hilfsarbeiter nicht die
gleichen beruflichen Perspektiven bieten kann wie die Schweiz, wo ihm dank seiner
Kinder für die Zeit nach der verbüssten Freiheitsstrafe wieder eine Anstellung in
Aussicht steht. Die Wegweisung ist jedoch seinem kriminellen Verhalten zuzuschreiben
und insofern hinzunehmen. Das fast immer gegebene Interesse, die besseren
wirtschaftlichen Verhältnisse in der Schweiz bzw. die hiesigen Sozialleistungen nutzen
zu können, ist für die Abwägung der Interessen nicht entscheidend (BGE 2C_364/2010
vom 23. September 2010 E. 2.2.8, BGE 2C_28/2010 vom 25. März 2011 E. 2.4). Seine
in verschiedenen Branchen gemachten Berufserfahrungen als Angestellter, seine
Erkenntnisse als selbständig Erwerbender und allenfalls auch seine in der Schweiz
erworbenen Deutschkenntnisse wird er auch in seinem Heimatland wieder einsetzen
können.
3.5.4. Den Kontakt mit seinem Heimatland hat er nie abgebrochen. Nicht nur verfügt er
in der Türkei über Grundeigentum. Vor seiner Verhaftung war er sogar daran, dort ein
Haus zu bauen. Sein erklärtes Ziel ist es denn auch, mit seiner Familie in die Türkei
zurückzukehren (Vorakten des Migrationsamtes, act. 184), wobei er hofft, dass sich die
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Stellung der dort lebenden Christen im Rahmen der Beitrittsabsichten der Türkei in die
EU noch verbessern werden. Zwar ist es unbestritten, dass die Lage der christlichen
und anderen nichtmuslimischen Minderheiten, insbesondere der syrisch-orthodoxen
Kirche in der Türkei allgemein als schwierig beurteilt wird, wie auch der Erzbischof der
syrisch-orthodoxen Erzdiözese Schweiz-Österreich bestätigt. Die Vorinstanz hat aber
ausführlich begründet und dokumentiert, dass in der Stadt Mydiat und den
umliegenden Dörfern Tausende Christen leben und es auch heute Rückkehrer dorthin
gibt. Der Vorinstanz ist weiter beizupflichten, dass es in der Türkei für Christen
Aufenthaltsalternativen gibt. Soweit bereits im vorliegenden Verfahren zu prüfen ist, ob
Anhaltspunkte für Vollzugshindernisse bestehen, sind solche betreffend seiner
Religionszugehörigkeit zu verneinen.
3.6. Unter diesen Umständen ist der Widerruf der Niederlassung auch mit dem
Anspruch auf Achtung des Familienlebens nach Art. 13 BV und Art. 8 Ziff. 1 der
Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101, abgekürzt EMRK) vereinbar. Die
Wegweisung eines straffälligen Ausländers stellt eine Massnahme dar, die für die
nationale Sicherheit und öffentliche Ordnung bzw. zur Verhinderung von strafbaren
Handlungen, zum Schutz der Gesundheit und Moral sowie der Rechte und Freiheiten
anderer notwendig erscheint, weshalb das grundsätzlich geschützte Recht auf Familie
eingeschränkt werden kann (Art. 8 Ziff. 2 EMRK). Als zulässiges öffentliches Interesse
kommt weiter das Durchsetzen einer restriktiven Einwanderungspolitik in Betracht. Eine
solche ist im Hinblick auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen schweizerischer und
ausländischer Wohnbevölkerung, die Schaffung günstiger Rahmenbedingungen für die
Eingliederung der in der Schweiz fest ansässigen Ausländer und die Verbesserung der
Arbeitsmarktstruktur sowie eine möglichst ausgeglichene Beschäftigung im Licht von
Art. 8 Ziff. 2 EMRK zulässig (BGE 2C_364/2010 vom 23. September 2010 E. 2.2.1).
3.6.1. Der Schutzbereich des Familienlebens bezieht sich in erster Linie auf die Familie
im engeren Sinn, das heisst auf die die Kernfamilie umfassenden Beziehungen
zwischen Ehegatten und (minderjährigen) Kindern und ihren Eltern, sofern eine gelebte
und intakte Beziehung besteht (Raselli/Hausammann/Möckli/Urwyler in: Uebersax/
Rudin/Hugi Yar/Geiser, a.a.O., Rz. 16.65). Daran ändert konkret nichts, dass der
offensichtlich noch nicht verheiratete 26-jährige, aber sonst selbständige Sohn noch
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bei seinen Eltern bzw. während den letzten Jahren, als sich der Beschwerdeführer im
Strafvollzug befand, bei seiner Mutter lebte.
3.6.2. Da die Ehefrau und die erwachsenen Kinder über die Niederlassungsbewilligung
bzw. die Schweizer Nationalität und damit über ein selbständiges Anwesenheitsrecht in
der Schweiz verfügen, steht es ihnen sodann frei zu entscheiden, ob sie dem
Beschwerdeführer ins gemeinsame Heimatland folgen wollen oder nicht. Ob die
Ehefrau, die ihrerseits bis zum 20. Altersjahr in der Türkei gelebt hat und daher mit der
dortigen Sprache und den Gepflogenheiten ihrer Heimat grundsätzlich vertraut ist,
muss ihr überlassen bleiben. Zwar bestätigt ihr Hausarzt, dass sie wegen einer
chronischen Polyarthritis in Behandlung sei. Dank medikamentöser Behandlung seien
die Entzündungszeichen aber vollständig zurückgegangen. Dass die Behandlung
weitergeführt werden muss, ist unbestritten. Diese ist aber auch in der Türkei möglich.
Wegen der regelmässig notwendigen Verlaufskontrollen wird das Ehepaar einzig
berücksichtigen müssen, dass sich der gewählte Wohnort nicht zu weit abgelegen von
einem medizinischen Versorgungsort befindet. Der verfügte Widerruf der
Niederlassungsbewilligung wird somit nicht zur Trennung der Ehegatten führen. Zudem
gilt der Anspruch auf Achtung des Familienlebens nicht absolut. Aufgrund der
Straffälligkeit des Beschwerdeführers erwiese sich ein Eingriff in das durch Ziff. 1
geschützte Rechtsgut gemäss Art. 8 Ziff. 2 EMRK ohnehin als statthaft, wobei die
Konvention in diesem Zusammenhang eine mit dem schweizerischen Recht
vergleichbare Interessenabwägung verlangt (BGE 2C_676/2010 vom 15. April 2011 E.
4).
3.6.3. Die Kinder sind wie gesagt erwachsen und für sich selber verantwortlich und
dazu auch in der Lage, weshalb sie nicht mehr auf die ständige Gegenwart ihrer Eltern
im gleichen Land angewiesen sind. Aber auch für die Ehefrau ist die permanente
Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz nicht zwingend erforderlich. Der
Beschwerdeführer war schon vor seiner Verhaftung nicht mehr in der Lage, für sich und
seine Frau aufzukommen, sondern musste von seinen Kindern unterstützt werden.
Damit erweist sich die angefochtene Wegweisung auch dann als verhältnismässig,
wenn sich die Ehefrau und die erwachsenen Kinder dafür entscheiden sollten, dem
Beschwerdeführer nicht in ihr gemeinsames Heimatland zu folgen. Dass die
Betroffenen in diesem Fall in affektiver Hinsicht beeinträchtigt werden, versteht sich
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von selbst. Dieser Umstand lässt jedoch ein Absehen von der verfügten
fremdenpolizeilichen Massnahme angesichts der Schwere des begangenen Delikts des
Beschwerdeführers gleichwohl nicht als zwingend geboten erscheinen und ist einzig
seinem Fehlverhalten zuzuschreiben. Die Familie wird ihre Beziehung zumindest mit
den heutzutage für jedermann zugänglichen Kommunikationsmitteln und mittels
gegenseitigen Besuchen weiterhin aufrecht erhalten können. Persönliche Besuche
werden künftig selbst in der Schweiz möglich sein, weil mit Inkrafttreten des neuen
Ausländergesetzes per 1. Januar 2008 das Instrument der Ausweisung mit Ausnahme
der sogenannten politischen Ausweisung gemäss Art. 68 AuG abgeschafft wurde.
Anders als die altrechtliche Ausweisung stellt ein Bewilligungswiderruf keine
Fernhaltemassnahme mehr dar. Ein allfälliges Einreiseverbot müsste vielmehr
zusätzlich vom zuständigen Bundesamt verfügt werden (Art. 67 AuG). Allein durch die
hier streitige Massnahme werden Reisen in die Schweiz zu Besuchszwecken bei
Erfüllung der gesetzlichen Einreisevoraussetzungen nicht verunmöglicht (BGE
2C_650/2010 vom 10. Februar 2011 E. 4.2).
4. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Ausreise des Beschwerdeführers auf Grund
der erwähnten Umstände im öffentlichen Interesse liegt und verhältnismässig ist.
Insbesondere bedeutet sie für ihn keine unzumutbare Härte, weshalb die Vorinstanz
den Widerruf der Niederlassungsbewilligung zu Recht bestätigt hat. Dem
Beschwerdeführer ist es zumutbar, zeitweilig getrennt von seiner Familie zu leben und
seine Ehefrau und Kinder zumindest im Rahmen von Besuchen persönlich zu treffen,
falls diese sich dazu entschliessen sollten, ihm nicht in ihr Heimatland zu folgen. Die
Beschwerde hält somit vor Bundesrecht wie auch vor Art. 8 EMRK stand, weshalb sie
abzuweisen ist.
5. (...).
Demnach hat das Verwaltungsgericht