# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 69c5d417-fbe4-5868-9010-e0b7fb2f9d67
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1981, verletzte sich bei einem Arbeits
unfall vom 9. Dezember 2001 am rechten Knie (Urk. 12/10/3 Ziff. 2, 4, 6 und 9). Am 3. November 2005 meldete er sich bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 12/2).
Mit Verfügungen vom 12. April 2013 (Urk. 12/150, Urk. 12/156, Urk. 12/142) sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, dem Versi
cherten ab dem 1. Januar 2006 befristet bis 30. November 2008 eine ganze Rente zu. Ab dem 1. Dezember 2008 verneinte sie einen Rentenanspruch.
Eine vom Versicherten dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 12/164/3-13) wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 6. Januar 2014 (Verfahren-Nr. IV.2013.00471) ab (Urk. 12/167 S. 13 Dispositiv Ziff. 1).
1.2
Bei einem weiteren Unfall vom 5. September 2016 verletzte sich der Versicherte am linken Kniegelenk (
Urk.
12/178/114 Ziff. 2, 4, 6 und 9, Urk. 12/178/89). Am 6. November 2018 meldete er sich
erneut
bei der Invalidenversicherung an (Urk.
12/170). Die IV-Stelle trat auf die Neuanmeldung ein und teilte dem Versicherten am 3. April 2019 mit, dass kein Anspruch auf Eingliederungs
mass
nahmen bestehe (Urk. 12/185). Mit Verfügung vom 6. Januar 2020
(Urk. 12/223) verneinte sie einen Rentenanspruch.
Der Versicherte erhob am 7. Februar 2020 (Urk. 12/235/
3-15)
Beschwerde gegen die Verfügung vom 6. Januar 2020
betreffend Rentenanspruch
und den Vorbe
scheid der IV-Stelle vom 6. Januar 2020 (Urk. 12/222) betreffend berufliche Mass
nahmen. Mit Verfügung vom 17. Februar 2020 (Urk. 12/234) verneinte die IV-Stel
le auch einen Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen und auf eine Um
schulung. Mit Urteil vom 13. Mai 2020
(Verfahren-Nr. IV.2020.00100) wies das hiesige Gericht
die B
eschwerde ab
(Urk. 12/237 S. 18 Dispositiv Ziff. 1).
1.3
Am
8. Oktober 2020
erfolgte eine weitere Anmeldung des Versicherten bei der
Invalidenversicherung (Urk. 12/
2
39).
Die
IV-Stelle
stellte mit Vorbescheid
vom 29. Oktober 2020 (Urk. 12/243)
in Aussicht
, dass auf das neue Leistungsbegehren nicht eingetreten werde. Der Versicherte brachte dagegen Einw
ä
nde (Urk. 12/246, Urk. 12/251) vor. Am 29. Januar 2021 (Urk. 12/253)
kam die IV-Stelle auf ihren Entscheid zurück und erliess
einen neuen Vorbescheid, wogegen der Versicherte wiederum Einw
ä
nde (Urk. 12/258) erhob.
Mit Verfügung vom 16. März 2021 (Urk. 12/261 = Urk. 2) verneinte die IV-Stelle einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Der Versicherte erhob am 3. Mai 2021 Beschwerde gegen die Verfügung vom 16.
März 2021 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei ihm eine Rente nicht unter einer
Dreiviertelsrente
zuzusprechen. Eventuell sei die IV-Stelle anzuhalten, umfassende medizinische Abklärungen und Begutachtu
ngen anzu
ord
nen und hernach über die
ihm
zustehenden A
nsprüche und Leistungen
zu befinden (Urk. 1 S. 2 Ziff. 1-
2
). Prozessual sei der Entscheid bis zum Vorliegen aktueller T
estergebnisse bis Ende Juli 2021
aufzuschieben (Urk. 1 S. 2 Ziff. 3).
Verfahrensrechtlich beantragte der Versicherte die Bewilligung der unentgelt
li
chen
Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2 Ziff. 5).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 4. Juni 2021 (Urk. 11) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer am 25. Juni 2021 zur Kenntnis gebracht
(Urk. 13)
. Am 26. Oktober 2021 informierte
er
das Gericht, dass
eine
im Juli 2021
vorgesehene Evaluation der funktionellen Leistungsfähig
keit nicht
erfolgt
sei
(Urk. 15
S. 2
Ziff.
2-
3).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art.
8 Abs.
1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art.
7 Abs.
1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art.
7 Abs.
2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den An
spruch erheblich
en Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass die Vorbringen der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der ver
sicherten Person glaubhaft gemachte Ver
änderung des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art.
17 Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E.
3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E.
5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Inva
lidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (
Urteil des Bundesgerichts 9C_351/2020 vom 21.
September 2020 E.
3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E.
3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art.
17 Abs
.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Renten
an
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs-
oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE
141V
9 E.
2.3, 134
V
131
E.
3). Ferner
kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetisc
hen) Sachver
halts bestehen (BGE
144
I
28 E.
2.2, 130
V
343 E.
3.5, 117
V
198 E.
3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wes
entlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbe
achtlich (BGE
141
V
9 E.
2.3 mit Hinweisen).
Weder eine im Vergleich zu frühe
ren ärztlichen Einschätzungen ungleich attestierte Arbeitsunfähigkeit noch eine
unterschiedliche diagnostische Einordnung des geltend gemachten Leidens gen
ügt somit per se, um auf einen verbesserten oder verschlechterten Gesundheitszu
stand zu schliessen; notwendig ist in diesem Zusammenhang vielmehr eine ver
änderte Befundlage (Urteil des Bundesgerichts 9C_135/2021 vom 27.
April 2021 E.
2.1 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E.
2.3; Urteil des Bun
desgerichts 8C_144/2021 vom 27.
Mai 2021 E.
2.3, je mit Hinweisen).
1.4
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
ver
gleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE
133
V
108 E.
5.4)
.
Da
bei braucht es sich nicht u
m eine formelle Verfügung (Art.
49 ATSG) zu handeln. Ändert sich nach durchgeführter Rentenrevision als Ergebnis einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs nichts und eröffnet die IV-Stelle deswegen das Revisionsergebnis gestützt auf Art.
74
ter
lit
.
f IVV auf dem W
eg der blossen Mitteilung (Art.
51 ATSG), ist im darauf
folgenden Revisionsverfahren zeitlich zu vergleichender Ausgangssachverhalt derjenige, welcher der Mitteilung zugrunde lag (Urteil des Bun
desgerichts 9C_599/2016 vom 29.
März 2017 E.
3.1.2 unter Hinweis auf 8C_441/2012 vom 25.
Juli 201
3 E.
3.1.2).
2.
2.1
Die Beschwe
rdegegnerin
hielt in der Verfügung vom 16. März 2021 (Urk. 2) fest,
sie sei auf das neue
Leistungsg
esuch des Beschwerdeführers eingetreten und habe dieses materiell geprüft.
Nach ihrer
medizinischen Einschätzung habe sich
der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers seit dem letzten Entscheid nicht wes
entlich verändert. Knieschonende Arbeiten seien ihm weiterhin
uneingeschränkt
zumutbar (S. 1 f.).
Aus medizinischer Sicht lägen keine
wesentlichen neuen objek
tiven Befunde und Diagnosen vor, welche auf eine andere Beurteilung des Sach
verhaltes schliessen liessen. Für eine angepasste Tätigkeit werde daher weiterhin von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Auf einen neuen Einkommens
vergleich könne verzichtet werden (S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte vor,
nach einem
Arztbericht
vom 7. Dezember 2020 sei der Zustand des rechten Kniegelenks irreversibel
. Es bestehe eine schwere Schädigung des lateralen Kompartimentes. Erschwerend komme ein weiterer Unfall mit Beeinträchtigung des linken Knies hinzu
(Urk. 1 S. 6 Ziff. 16). Die Beurteilung
durch die
Fachärzte der Universitätsklinik
Y._
unterscheide sich
in erheblicher Weise
von
der Beurteilung durch
die Suva-Kreisärztin vom 22. Juli 2019
und
jener
durch den
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwer
degegnerin
. Während die Suva-Kreisärztin
körperlich leichte bis mittelschwere Arbeiten mit Gewichten bis 20 kg als möglich erachtet habe,
hätten
sich seine Belastbarkeit und die Leistungsfähigkeit gemäss dem aktuellen Arztbericht um die Hälfte reduziert. Weiter seien ihm wechselbelastende und sitzende Tätigkeiten nur noch in eingeschränktem Masse möglich. Die Suva-Kreisärztin habe sodann nicht unterschieden zwischen dem angestammten Beruf und einer angepassten Tätigkeit (S. 7 Ziff. 17-18).
In der angefochtenen Verfügung sei ferner nicht berücksichtigt worden, dass
er
seit einem Berufsunfall im Jahr 2001 aktenkundig einen schweren Schaden am rechten Knie aufweise. Dadurch habe er seither vieles mit dem linken Knie kompensieren müssen. Dies erlaube es ihm künftig
nur noch, eine mehrheitlich sitzende Tätigkeit im Büro
zu tätigen
(S. 8 Ziff. 20).
Gemäss dem Bericht
der Universitätsklinik
Y._
vom 25. März 2021 sei er auch in einer angepassten Tätigkeit nicht mehr in der Lage, voll zu arbeiten (S. 9 Ziff. 23).
Die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers sei bislang nicht sorgfältig abge
klärt worden. Es bestehe die Möglichkeit, eine Evaluation der funktionellen Leis
tungsfähigkeit vorzunehmen
, um die verbliebene Arbeitsfähigkeit feststellen zu können
(S. 11 Ziff. 28). Am 26. Oktober 2021 informierte er das Gericht, dass er die
für Juli 2021 geplante
Untersuchung nicht
absolviert habe
, da er finanziell nicht in der Lage gewesen
sei
, die Kosten von Fr. 2'305.-- zu bezahlen (Urk. 15 S. 2 Ziff. 3).
2.3
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung des Beschwerdeführers vom 8. Oktober 2020 (Urk. 12/239) eingetreten. Strittig und zu prüfen ist daher,
ob sich der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers
seit der letztmaligen Beur
teilung der Verhältnisse
verschlechtert
hat.
Dabei ist zunächst
zu entscheiden
, ob
auf die vorliegenden Akten abgestellt werden kann oder ob gegebenenfalls wei
tere medizinische Abklärungen erforderlich sind.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer verunfallte am 5. September 2016 mit dem Töff und ver
letzte sich am linken Kniegelenk (Urk. 12/178/114 Ziff. 2, 4, 6 und 9). Bei einem Unfall vom 9. Dezember 2001 hatte er sich bereits am rechten Knie verletzt (Urk.
12/10/3 Ziff. 2, 4, 6 und 9).
3.2
Die Ärzte der Klinik für Unfallchirurgie,
Universitätsspital Z._
, stellten
im Bericht vom 23. November 2016 (Urk. 12/178/89-90) folgende Diagnose (S. 1):
Distorsionstrauma Knie links vom 5. September 2016 mit:
-
komplexem Riss des Aussenmeniskus
-
Teilruptur des vorderen Kreuzbandes
3.3
Dr. med. A._
, Fachä
rztin für Chirurgie, Klinik B._
, stellte im Bericht vom 9. Januar 2019 (Urk. 12/174/1-2 = Urk. 12/178/42-43) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach Traumatisierung linkes Kniegelenk vom 5. September 2016 mit
-
erneuter Schmerzexazerbation und mässigem Kniegelenkserguss (Sta
tus nach Steroidinfiltration Knie links vom 16. Oktober 2018)
-
hochgradiger VKB-Läsion (3.-gradige Partialruptur)
-
signalalterierter und longitudinal eingerissener vorderer Wurzel und des wurzelnahen Vorderhorns des lateralen Meniskus
-
3 mm grosser subkorti
k
aler Knochenzyste im Insertionsbereich der ventralen Wurzel des lateralen Meniskus
-
residuelle
Bone
bruise
s
lat.
Femurkondylus
anterior
-
Ödem im
Hoffafettkörper
-
s
uperolateraler
und
retropatellärer
Chrondropathie
Grad I
-
Genua
vara
-
zunehmenden Knieschmerzen rechts
-
Status nach 2 x KAS rechts 2002 und 2003
-
Status nach
suprakondylärer
Femurosteotomie
zur Korrektur des
Genu
valgum rechts 2005
-
Status nach OSME rechts 2007
Dr.
A._
führte weiter aus, der Beschwerdeführer leide seit Oktober 2018 unter persistierenden Kniebeschwerden rechts, die sich mit multimodalen Therapie
mass
nahmen nicht ausreichend hätten bekämpfen lassen. Nach der Wieder
auf
nahme der Arbeit als Kanalreiniger zu 50 % sei es zu einer erneuten Schmerz
exazerbation und einem Erguss im linken Kniegelenk gekommen. Eine operative Therapie im Sinne einer
arthoskopischen
Exploration sei zunächst als
ultima
ratio
zu betrachten, nachdem der Versuch einer
Varisationsosteotomie
rechts nicht gelungen sei. Durch die Mehrbelastung des rechten Kniegelenkes seien auch rechts zunehmen
d
Beschwerden vorhanden, die den Patienten praktisch zu einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit zwingen würden (S. 1 unten).
Bis zum 14. November 2018 habe eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und vom 15. November 2018 bis 7. Januar 2019 von 50 % bestanden. Seit
dem 8. Januar 2019 bestehe erneut eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Es sei mit einer längeren Arbeitsunfähigkeit zu rechnen (S. 2).
3.4
PD Dr. med. C._
, Facharzt für Chirurgie und für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, führte im Bericht vom 21. Februar 2019
(Urk. 12/183/1-2) aus, ein MRT links vom 10. Oktober 2018 habe ein elongiertes vorderes Kreuzband ergeben bei einem Zustand nach mehreren Partialrupturen sowie einen Riss am
lateralen Meniskusvorderhorn (S. 1 Mitte).
Im Vordergrund stehe eine konservative Therapie, die den Aufbau der Muskulatur beinhalte. Längerfristig empfehle er eine Umschulung, da es für die Tätigkeit als Kanalarbeiter mit vielen knienden und sitzenden Arbeiten mit einem vorgeschä
digten Knie vermehrt zu Problemen kommen werde. Falls die konservative Thera
pie keinen Erfolg bringe, sollte über eine Arthroskopie nachgedacht werden, zwecks einer Naht oder Teilresektion der Meniskusläsion sowie zur genauen Beurteilung des vorderen Kreuzbandes. Zusätzlich könne die
Patellaführung
ver
bessert werden (S. 1 unten).
3.5
Dr.
A._
gab im Bericht vom 8. März 2019 (Urk. 12/196/7) über eine Verlaufs
kontrolle an, trotz konsequenter konservativer Therapie, Reduktion der Arbeitsbe
lastung um 100 % und Anpassung der alltäglichen Belastung persistierten die Beschwerden. Aktuell und vorab bis zum 8. Mai 2019 bestehe eine Arbeitsun
fähigkeit von 100 %.
3.6
Dr. med. D._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, attestierte im Bericht vom 18. April 2019 (Urk. 12/195/1-5) für die Tätigkeit als Kanalreiniger vom 9. Oktober bis 14. November 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % und vom 15. bis 30
. November 2018 von 50 %. Vom 1. Dezember 2018 bis zum 18.
April 2019 attestierte er erneut eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % (Ziff. 1.3). Weite
r
führte er aus, durch die Arbeit in den Kanälen komme es zu einer immer stärkeren Schwellung und Schmerzen im linken Kniegelenk (Ziff. 2.1). Aufgrund
der Schwellung des
lin
k
en
Kniegelenkes bestehe eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(Ziff. 2.7).
3.7
Dr.
A._
bestätigte im Bericht vom 14. Mai 2019 (Urk. 12/196/1-5) eine längere Arbeitsunfähigkeit für den angestammten Beruf (Ziff. 2.7).
3.
8
Am 12. Juli 2019 erfolgte die kreisärztliche U
ntersuchung durch Dr. med. E._
, Fachärztin für Chirurgie. Sie führte im Bericht vom 22. Juli 2019 (Urk.
12/200/4-9) aus, der Beschwerdeführer habe immer noch vor allem belas
tungs
abhängige Schmerzen.
Er habe mehrere Arbeitsversuche gestartet, letztmals im Januar dieses Jahres. Das Heben von Gewichten bereite ihm Schmerzen, sobald eine Bewegung hinzukomme. Dies sei deshalb kaum möglich.
Weiter komme es ab und zu
zu
einem Kraftverlust im Bein.
Physiotherapie und eine Infiltration hätten keine Besserung gebracht. Der Zustand sei über die letzten zwei bis drei Monate eigentlich unverändert.
Er nehme unregelmässig Analgetika ein.
Auf der rechten Seite sei er komplett schmerzfrei. Der Beschwerdeführer habe in Portugal mit 14 Jahren
angefangen, auf dem Bau zu arbeiten. In der Schweiz habe er zuerst als Hilfskoch gearbeitet (S. 4 oben).
Es bestehe ein ganz diskretes Schonhinken auf der linken Seite. Der Beschwer
deführer laufe aber flüssig (
S. 4 unten).
Dr.
E._
nannte als Diagnose einen Status nach Kniegelenkstraumatisierung vom 5. September 2013 (richtig: 2016) mit
drittgradiger
Partialruptur des vorde
ren Kreuzbandes, einer Läsion des Vorderhorns des lateralen Meniskus mit
Chron
dropathie
retropatellär
Grad I. Als unfallfremde Nebendiagnosen
nannte sie einen Status nach zweimaliger Kniearthroskopie rechts 2002/2003 mit
Genu
valgum-Korrektur rechts 2005 mit
suprakondylärer
Femurosteotomie
mit Metallentfer
nung 2007 (S. 5 unten).
Nach dem Unfallereignis bestünden immer noch Schmerzen. Das Gangbild sei in Ordnung und die Beweglichkeit gut. Unter Belastung mit Gewichten sei das Gehen aber schmerzhaft. Weiter komme es zu einem plötzlich auftretenden Schwäche
gefühl. Mit
weiteren ärztlichen Massnahmen lasse sich mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit keine gesundheitliche Verbesserung mehr erzielen. Der Beschwer
de
führer könne im angestammten Beruf als Kanalreiniger nicht mehr arbeiten, da er diesbezüglich nicht voll eingesetzt werden könne. Ein schonender Arbeitsplatz sie nicht möglich. Er müsse Gewichte vom Absaugrohr von über 30 kg heben können. Ausserdem seien häufige Arbeiten an Leitern und in Kniekauerstellung zu bewerkstelligen (S. 5 f.). Im Sinne eines Belastungsprofils seien für das linke Kniegelenk leichte bis mittelschwere Tätigkeiten, vereinzelt mit Zusatzbelas
tun
gen bis 20 kg, statisch erlaubt. Eine sitzende Tätigkeit sei uneingeschränkt mög
lich. Ansonsten komme eine Wechseltätigkeit in Frage. Nicht zumutbar seien Zwangshaltungen für das linke Kniegelenk, kraftvolle Zug-, Stoss- und Drehbe
wegungen und axial belastende Stabilisationen. Unzumutbar seien weiter Arbei
ten auf Steildächern, Gerüsten und auf unebenem Boden aufgrund der Schmerzen und der Schwäche. Für eine Integritätsentschädigung sei die
Erheblichkeitsgrenze
nicht erreicht (S. 6 oben).
3.9
Dr.
D._
gab im Verlaufsbericht vom 28. August 2019 (Urk. 12/202/1-3) an,
die
bisherige berufliche Tätigkeit sei
dem Beschwerdeführer nicht mehr möglich. In einer sitzenden Tätigkeit im Büro bestehe aber eine Arbeitsfähigkeit von 100
% (Ziff. 2.1 und 4.2).
3.10
Dr. med. F._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
lo
gie des Bewegungsapparates, RAD,
verwies in der Stellungnahme vom 29. Novem
ber 2019 (Urk. 12/231 S. 4 f.) auf die im Verlauf attestierte Arbeitsunfähigkeit.
Demnach habe vom 9. Oktober bis 14. November 2018 eine Arbeitsunfähigkeit von 100 % bestanden, vom 15. November 2018 bis 7. Januar 2019 von 50 % und vo
m 8. Januar bis 28. Februar 2019
erneut von 100 %.
Gemäss den Eintragungen auf dem Unfallschein sei die Arbeitsunfähigkeit von 100 % mindestens bis am 11. Juli 2019 fortgeschrieben worden.
Nach den Angaben von Dr.
D._
sei die bisherige Tätigkeit als K
analarbeiter
nicht mehr möglich. Für eine rein sitzende Tätigkeit im Büro bestehe aber eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Die Suva habe den Fall mit Verfügung vom 5. September 2019 abgeschlossen. Gemäss den Abklärungen der Suva könne der Beschwerdeführer die angestammte Tätigkeit aufgrund des Unfalles nicht mehr uneingeschränkt ausüben. Erlaubt seien jedoch leichte bis mittelschwere Tätig
keiten, vereinzelt mit statischen Zusatzbelastungen bis 20 kg. Sitzende Tätigkei
ten und eine wechselbelastende Tätigkeit seien uneingeschränkt möglich (S. 4 unten).
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers sei derzeit stabil. Die Angaben in den Akten erwiesen sich aus versicherungsmedizinische
r Sicht als plausibel. Es könne darauf abgestellt werden. Die bisherige oder eine andere, ähnlich schwere oder ständig mittelschwer belastende Arbeit sei dem Beschwerdeführer demzu
folge dauerhaft nicht mehr möglich. Für eine angepasste Tätigkeit des allgemei
nen Arbeitsmarktes bestehe jedoch eine Arbeitsfähigkeit von 100 %. Der Beurtei
lung durch die Kreisärztin könne zugestimmt werden (S. 5 oben).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer meldete sich am 8. Oktober 2020 erneut bei der Inva
lidenversicherung an (Urk. 12/239).
4.2
Dr.
A._
gab
im
neu eingereichten
Bericht vom 2. Oktober 2019 (
Urk. 3/
9 =
Urk. 12/238/
3-4
) über eine Verlaufskontrolle an,
der Patient habe über persi
stierende Schmerzen in beiden Knien berichtet. Er müsse regelmässig Schmerz
mittel einnehmen
, die jedoch kaum helfen würden. Im Alltag bestehe eine geringe Belastbarkeit. Nach 20 Minuten gehen müsse eine längere Pause erfolgen. Es liege eine starke Einschränkung der Lebensqualität vor
(S. 1 unten). Die
Alltags
be
lastung solle angepasst werden. Im angestammten Beruf bestehe weiterhin eine Arbeitsunfähigkeit von 100 %. Eine kniebelastende Tätigkeit sei nicht zumutbar. Für
eine überwiegend sitzende Tätigkeit sei leider keine Ausbildung vorhanden.
Die Invalidenversicherung sei nicht bereit, eine Umschulung zu unterstützen (S. 2).
4.3
Am 19. Mai 2020 erfolgte eine
ambulante
Untersuchung
durch
Dr. med. G._
,
Oberarzt Orthopädie,
Universitätsklinik
Y._
. Dr.
G._
stellte im Bericht vom 26. Mai 2020 (
Urk. 3/10 =
Urk. 12/238/1-2) folgende Dia
gnosen (S. 1):
-
schwere laterale Gonarthrose rechts
-
Status nach Arthroskopie Knie rechts,
Débri
dement
und
Microf
r
ac
turing
tibial
lateral, Exzision aller Narben und Revision, Schrau
ben
entfernung am 8. Oktober 2007 bei
-
Chondromalazie
Grad IV
tibial
lateral sowie femoral lateral Grad III-IV
-
Status nach partieller Metallentfernung distales Femur April 2006 bei
-
b
eginnender lateraler Gonarthrose
-
Status nach
suprakondylärer
, zuklappender
Varisationsosteotomie
Knie recht
s
am 19. Januar 2005
bei
-
beginnender
Valgusgonarthrose
-
Status nach arthroskopischer
Teilmenisketomie
, laterales Vorderhorn, Knie rechts vom 18. Dezember 2004
-
Status nach arthroskopischer Knorpelglättung bei
Chondromalazie
Grad II, femoral und
tibial
-
Status nach Hyperextensionstrauma Dezember 2001 beim Putzen
-
Knieschmerzen links mit/bei
-
Status nach Kniedistorsion im Rahmen Motoradunfall aus dem Stand 2016
-
Degeneration Aussenminiskus Vorderhorn
Dr.
G._
führte zur Anamnese aus, der Patient sei weiterhin sehr stark schmerzgeplagt. Es sei ihm unmöglich, einer geregelten Arbeitstätigkeit nachzu
gehen, obschon eine sehr hohe Motivation für eine Arbeitstätigkeit bestehe. Der Patient habe
glaubhaft
erwähnt, dass er
in
seinem jungen Alter keine Inva
lidenrente anstrebe. Um eine nicht körperlich belastende Tätigkeit ausüben zu können, sei er
eher
an einer Umschulung interessiert. Nebst den Schmerzen am rechten Knie würde
n
auch persistierende Beschwerden links beklagt (S. 1 f.).
Am 15. Mai 2020 sei ein MR
I
des rechten Knie
erfolgt
(S. 2 oben). Bei einer ausgeschöpften konservativen Therapie und
einem langen
Leidensweg
des Be
schwerdeführers
bestehe die Notwendigkeit für ein aktives chirurgisches Vor
gehen. Aufgrund des radiologischen Befundes sei der Patient für eine
n
lateralen
unikompartimen
t
ellen
Gelenksersatz qualifiziert.
Gelenkserhaltende weitere chi
rur
gische Massnahmen seien mittelfristig als
nicht
zielführend anzusehen.
Eine
Knietotalendoprothese
als Alternative werde
b
ei dem sehr jungen Patienten als unverhältnismässig erachtet und gehe mit einem hohen Risiko eines Misserfolges einher (S. 2 unten).
4.4
Dr.
G._
berichtete am
7. Dezember 2020 (
Urk. 3/12 =
Urk. 12/250) über eine S
prechstunde vom 3. Dezember 2020. Er führte zur Anamnese aus
, seit der letzten Konsultation vor rund einem halben Jahr sei es tendenziell zu einer weiteren Zunahme der Beschwerden
am rechten Knie
gekommen. Der Patient sei im Alltag hochgradig eingeschränkt. Er könne seine Tochter nicht die Treppen hochtragen.
Es bestünden tägliche Schmerzen.
Als Befund
wurde angegeben,
beim
Gangbild
liege
ein deutliches Schonhinken rechts vor. Der Patient trage eine
varisierend
e
Schiene, welche leicht lindern
d
wirke.
Im
rechten Knie
bestehe
ein diskreter Gelenkserguss. Das Gelenk sei passiv frei beweglich, allerdings mit einem deutlichen «Schnappen» über dem lateralen Kompartiment beim Durchbewegen des Gelenks, was von Schmerzen begleitet sei. Medial und
femoropatellär
bestünden keine wesentlichen Schmerzen. Im linken Knie bestehe kein Gel
enkserguss. Über dem lateralen Gelenksspalt
sei aber eine
Druckdolenz
festzustellen
. Die lateralen
Meniskus
zeichen seien schwach positiv und medial negativ. Passiv bestehe eine freie Beweglichkeit (S. 2 oben).
Gemäss den Akten sei es 2001 unfallbedingt zu einem Knorpelschaden am rechten Knie gekommen mit nachfolgender arthroskopischer Knorpelglättung und weiteren chirurgischen Eingriffen in den Jahren 2004-2006. Der jetzige Zu
stand des rech
t
en Knies sei irreversibel. Es bestehe eine schwere Schädigung des lateralen Kompartimentes, welche eine direkte Folge der Vorgeschichte sei. Eine Rückkehr zur Arbeit als Kanalreiniger sei nicht mehr möglich. Erschwerend komme ein weiterer Unfall mit Beeinträchtigung des linken Knies hinzu. Ob hier eine weitere chirurgische Verbesserung möglich sei, lasse sich im Moment nicht sagen.
Es handle sich dabei ohnehin
nicht um das
zu Beschwerden führende Knie
(S. 2 Mitte).
Für das rechte Knie bestehe der nächste Schritt in einem lateralen
unikom
partimentellen
Gelenksersatz. Der Patient möchte den
Eingriff erst durchführen, nach
dem
die
Einkommens- und Versicherungsfrage geklärt sei.
Fü
r körperlich belastende Tätigkeiten
sei er
dauerhaft zu 100 % arbeitsunfähig.
Es
werde ein Gesuch um Kostengutsprache für eine Evaluation der physischen Leistungs
fähig
keit gestellt zur Beurteilung des Einsatzes in einer angepassten Tätigkeit (S. 2 unten).
4.5
RAD-Arzt Dr.
F._
führte in der Stellungnahme vom 25. Januar 2021 (Urk. 12/252
S.
3
f.)
aus, die erneute Anmeldung
des Beschwerdeführers
bei der Invalidenver
sicherung werde mit Kniebeschwerden beidseits begründet als Folge
von
in den Jahren 2001 und 2016
erlittenen Unfällen
(S. 3 unten). Nach den neuen Berichten
bestünden als aktuelle Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine schwere laterale Gonarthrose rechts und Knieschmerzen link
s
. Gemäss dem aktu
ellen Bericht der Ärzte der Universitätsklinik
Y._
vom 7. Dezember 2020
sei der
Beschwerdeführer für körperlich belastende Tätigkeiten dauerhaft zu 100 % arbeitsunfähig. Für die Beurteilung des Einsatzes in einer angepassten Tätigkeit werde ein Gesuch um Kostengutsprache gestellt
. Der Bericht vom 2. Oktober
2019
enthalte
beinahe
identische Aussagen
(S. 3 f.).
Im Vergleich mit
der
letzten Stellungnah
m
e des RAD vom 29. November 2019 lägen
nur die schon bekannten
medizinischen Tatsachen (objektive Befunde und Diagnosen) vor. Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit gelte weiterhin, dass alle körperlich schweren und regelmässig mittel
schweren Tätigkeiten dauerhaft nicht mehr möglich seien.
Nicht möglich seien vor allem
kniebelastende T
ätigkeiten.
Für eine behinderungsangepasste, knie
scho
nende Tätigkeit bestehe keine quantitative Einschränkung.
Dr.
F._
hielt zudem fest, das Problem bestehe nicht auf medizinische
m
Gebiet, sondern
sei
in den fehlenden persönlichen Voraussetzungen des Beschwerde
füh
rers für eine Umschulung
zu sehen
(S. 4 unten).
4.6
H._
, Arztsekretärin Kniechirurgie, Universitätsklinik
Y._
, antwortete im einem E-Mail vom 18. Februar 2021 (Urk. 12/257) auf eine Anfrage des Rechtsvertreters des Beschwerdeführers
vom 12. Februar 2021
. Sie gab an, sie habe die Anfrage mit Dr.
G._
besprochen. Gemäss dessen
Angaben seien
im letzten Bericht
säm
tliche Veränderungsvorschläge
eingefü
g
t worden, die er mit Sicherheit beantworten und vertreten könne. Er sei der Meinung, dass der Patient nicht in der Lage sei, in einer angepassten Tätigkeit zu 100 % zu arbeiten. Er habe
aber
bewusst darauf verzichtet
festzulegen, zu wieviel Prozent der Patient in einer angepassten Tätigkeit einsatzfähig
sei
. Sollte eine genaue Angabe des Prozentsatzes notwendig sein, benötige es aus seiner Sicht ein unabhängiges Gutachten.
Er sehe keine Möglichkeit, seinen Bericht weiter anzupassen.
4.7
Dr.
G._
gab
im
Bericht vom 25. März 2021 (Urk. 3/14) an, er komme zur Schlussfolgerung, dass der Patient auch in einer angepassten Tätigkeit nicht voll arbeiten könne. Zum Arbeitspensum könne er sich aber nicht äussern. Er habe bereits eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit vorgeschlagen.
Alternativ sei ein unabhängiges Gutachten zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit zu veranlassen.
5.
5.1
Nach dem Bericht von
Dr.
A._
vom 2. Oktober 2019 klagte der
Beschwer
de
führer
bei der letzten Verlaufskontrolle
über
persistierende Schmerzen in beiden Kniegelenken
und
eine geringe Belastbarkeit im Alltag mit
einer eingeschränkten
Gehfähigkeit
(E. 4.2 hiervor).
Dr.
G._
nannte
im Bericht vom 26. Mai 2020
als
Diagnose
n
eine schwere laterale
Gonarathrose
des rechten
Kniegelenk
s
und Knieschmerzen links
(E. 4.3)
.
Gemäss
Dr.
G._
stehen
vor allem
Beschwerden im rechten Kniegelenk
im Vordergrund
, die auf
den
Unfall von 2001
zurückzuführen sind
(
vorstehend
E. 4
.3 und 4.4).
Dr.
E._
äusserte sich im Bericht vom 22. Juli 2019 zur kreisärztlichen Untersuchung vom 12. Juli 2019 vor allem zum Zustand des linken Kniegelenkes. Das rechte Knie bereitete dem Beschwerdeführer zu diesem Zeitpunkt offenbar weniger Probleme (E. 3.
8
).
Die zuletzt ausgeübte Tätigkeit in der Kanalreinigung ist
dem Beschwerdeführer
aufgrund der
eingeschränkten körperlichen Belastbarkeit
unbestritten nicht mehr möglich.
5.2
Dr.
G._
stellte
in den aktuellen Berichten
zwar keine neuen Diagnosen
bezüglich des rechten Kniegelenkes
.
Am 7. Dezember 2020 berichtete er aber über eine
tendenzielle
Zunahme der Beschwerden
im Sinne einer
weiteren
Verschlech
terung seit der letzten Untersuchung
(E. 4.4 hiervor)
.
Gemäss den
Berichten der behandelnden Ärzte
liegen
aktuell
vermehrt Beschwerden im rechten K
niegelenk vor.
Dr.
G._
gab am 25. März 2021 zudem an, dass auch in einer an
gepassten Tätigkeit keine volle Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers mehr bestehe, wobei er sich zum genauen Arbeitspensum nicht äussern konnte (E. 4.7).
Vor diesem Hintergrund ist nicht
auszuschliessen, dass
sich
der Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers
hinsichtlich der
Belastbarkeit beider Kniegelenke
seit der
letzten Beurteilung
der Verhältnisse wesentlich verschlechtert haben
könnte. Im Vergleich
dazu
hatte
Dr.
E._
für das linke Knie noch leichte bis mittelschwere Tätigkeiten vereinzelt mit Zusatzbelastungen bis 20 kg stati
sch als möglich erachtet. Zur
Belastbarkeit des rechten Kniegelenks
hatte sie sich nicht explizit geäussert (vorstehend E. 3.8).
Zur Beurteilung
durch
die
behandelnden Ärzte Dr.
A._
und Dr.
G._
ist zu sagen, dass sich diese
im Wesentlichen
zur
Arbeitsfähigkeit
des Beschwer
deführers
in der angestammten Tätigkeit
als Kanalreiniger äusserten. Die An
gaben von Dr.
G._
im Bericht vom 25. März 2021 lassen
aber doch auf
eine weitere Verschlechterung der Leistungsfähigkeit
verglichen mit dem Zeit
punkt der Verfügungen der Beschwerdegegnerin vom 6. Januar und 17. Februar 2020
schliessen.
Nachdem
bei der
kreisärztliche
n
Untersuchung vom Juli 2019 vor allem
die Beurteilung
des linken
Kniegelenks nach dem U
nfall von 2016 im Fokus stand
,
liegen Anhaltspunkte dafür vor
, dass an dem von Dr.
E._
auf
gestellten Belastungsprofil nicht
länger
festgehalten werden kann.
Mit den
nun
vorliegenden
Berichten
fehlt es
jedoch
an einer aktuellen
ärztlichen
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit.
Dr.
G._
erachtete
hierfür eine Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit
a
ls erforderlich (E. 4.4).
Gestützt auf die neu vorliegenden Berichte
bleibt unklar,
ob in einer behin
derungsangepassten Tätigkeit eine volle Arbeitsfähigkeit besteht
, wie von der Beschwerdegegnerin angenommen.
Der medizinische Sachverhalt erweist sich
demzufolge
als unzureichend abgeklärt. Die in der Beschwerde erwähnte Eva
luation der funktionellen Leistungsfähigkeit
wurde vom
Beschwerdeführer
auf
grund
der Höhe der zu erwartenden Kosten
bislang
nicht durchgeführt
.
5.3
Zusammenfassend
liegen mit den aktuellen Arztberichten Anhaltspunkte dafür vor,
dass sich die Belastbarkeit beider Kniegelenke
und die Leistungs- und Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers
weiter verschlechtert haben könnte
n
. Die vorliegenden Akten lassen jedoch keine abschliessende Beurteilung der Arbeits
fähigkeit in einer behinderungsangepassten Tätigkeit zu.
Für eine valide Beurteilung der Arbeitsfähigkeit und Zumutbarkeit ist in manchen Fällen neben den medizinischen Befunden und Diagnosen auch eine arbeitsorien
tierte Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit wünschbar oder sogar erforderlich.
In Situationen
, in welchen
der Schmerz das Verhalten der versicher
ten Person massgeblich zu prägen scheint, wird eine objektive Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit allenfalls schwieriger, da die Anstrengung oft durch eine Selbstlimitierung geprägt ist. Gerade in derartigen Fällen erlaubt die Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit jedoch, die Leistungen zu quan
ti
fizieren, die die versicherte Person einverstanden ist zu erbringen, ihr Verhalten den Schmerzen und den physischen Anstrengungen gegenüber zu prüfen und ihre Kooperation sowie die Kohärenz der erbrachten Leistungen zu schätzen.
Grundlage für die Bestimmung des Invalideneinkommens bildet die Beurteilung des leistungsmässig noch Machbaren. Hierfür liefert die Evaluation der funktio
nellen Leistungsfähigkeit grundsätzlich die geeigneten Voraussetzungen. Bei Beurteilungen mit möglichen Rentenfolgen wird jedoch, um zusätzlichen Aspek
ten Rechnung zu tragen, die Kombination einer Evaluation der funktionellen Leistungsfähigkeit mit einem medizinischen Gutachten befürwortet (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_547/2008 vom 16. Januar 2009 E. 4.2.1-4.2.2).
Die Sache ist daher an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen, damit
sie die erforderlichen zusätzlichen Abklärungen veranlasse und hernach erneut
über den
Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und hierbei
darüber befinde,
ob die tatsächlichen Verhältnisse seit Erlass der rentenverneinenden Verfügung vom 6.
Januar 2020 eine für den Rentenanspruch relevante Entwicklung erfahren haben.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
6.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfah
rens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des
Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG). Die Kosten sind vorliegend mit Fr. 600.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der unterliegenden Beschwerde
gegnerin aufzuerlegen.
6.2
Nach § 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) hat die
obsiegende Beschwerde führende Person Anspruch auf Ersatz der Partei
kos
ten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3
GSVGer
).
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rück
wei
sung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Partei
entschädigung als vollständiges Obsiegen (BGE
137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E.
11.1 mit Hinweis), weshalb
der
vertretene Beschwerdeführer Anspruch auf eine Prozessentschädigung hat.
Der anwaltlich vertretene Beschwerdeführer ist bei einem praxisgemässen Stun
denansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) mit F
r. 2'
80
0.--
(inklusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) zu entschädigen.
6.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens erweist sich das Gesuch um Bewilligung der
unentgeltlichen Prozessführung und der unentgeltlichen Rechtsvertretung
(Urk. 1
S. 2 Ziff. 5)
als gegenstandslos.