# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 62af93d9-e0f3-49b8-83d1-de229c78c796
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2006
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ P. H., geboren 1947, unterrichtete ab dem Schuljahr 1991/92 als Reallehrer in der
Schulgemeinde S.. Der Lehrauftrag wurde jeweils auf ein Jahr befristet. Ab dem
Schuljahr 1995/96 fiel die Befristung des Lehrauftrags weg. Ab dem Schuljahr 2004/05
unterrichtete er als gewählter Lehrer. Mit Verfügung vom 26. April 2005 kündigte die
Schulgemeinde S. das Dienstverhältnis mit P. H. per Ende Schuljahr 2004/05 (31. Juli
2005), nachdem sie ihn zuvor bereits mit Schreiben vom 1. April 2005 mit sofortiger
Wirkung freigestellt hatte. Begründet wurde die Kündigung im wesentlichen damit,
dass das Vertrauensverhältnis zwischen dem Schulrat und P. H. durch verschiedene
Vorkommnisse zerstört worden sei und deswegen ein einwandfreier Schulbetrieb sowie
ein konstruktives betriebliches Klima nicht mehr gewährleistet seien.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B./ Mit Eingabe vom 9. Mai und Ergänzung vom 27. Mai 2005 erhob P. H. durch seinen
Rechtsvertreter gegen die Verfügung der Schulgemeinde S. Rekurs beim Erziehungsrat
des Kantons St. Gallen und beantragte, diese sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben. Der Erziehungsrat wies den Rekurs mit Entscheid
vom 31. August/1. September 2005 ab, soweit er darauf eintrat. Er erwog im
wesentlichen, dass das öffentlich-rechtliche Dienstrecht hinsichtlich der Auflösung des
Dienstverhältnisses nicht lückenhaft sei, weshalb die obligationenrechtlichen
Kündigungsschutzbestimmungen, insbesondere die Bestimmung über die Sperrfrist
einer Kündigung im Krankheitsfall, nicht anzuwenden seien. Des weitern sei die
Kündigung im vorliegenden Fall sachlich begründet und verhältnismässig.
C./ Mit Eingabe vom 22. September 2005 erhob P. H. durch seinen Rechtsvertreter
Beschwerde beim Verwaltungsgericht und beantragt, der Entscheid des
Erziehungsrates vom 31. August/1. September 2005 sowie die Verfügung vom 26. April
2005 seien aufzuheben, P. H. sei weiter zu beschäftigen, eventualiter sei ihm
Schadenersatz und Genugtuung nebst Zins in noch zu bestimmender Höhe zu
bezahlen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin
für beide Instanzen. Nebst Rügen in formeller Hinsicht bringt er im wesentlichen vor,
der Kündigung fehle es an triftigen Gründen und sie erweise sich als
unverhältnismässig.
In seiner Vernehmlassung vom 31. Oktober 2005 beantragt der Erziehungsrat, die
Beschwerde sei abzuweisen. Mit Vernehmlassung vom 16. Dezember 2005 beantragt
die Schulgemeinde S. durch ihren Rechtsvertreter, die Anträge von P. H. seien
abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei; eventualiter sei der Beschwerde die
aufschiebende Wirkung zu entziehen; unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu
Lasten von P. H..
Auf die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten wird, soweit wesentlich, in den

## Considerations

nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1./ a) Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs.
2 lit. a Ziff. 4 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt
VRP). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeschrift vom 22.
September 2005 entspricht unter dem nachstehenden Vorbehalt zeitlich, formal und
inhaltlich den gesetzlichen Voraussetzungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47
Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP).
b) Der Beschwerdeführer beantragt für den Eventualfall, es seien ihm Schadenersatz
und Genugtuung nebst Zins in noch zu bestimmender Höhe zu bezahlen. Bei der
Kündigung von öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnissen besteht ein Dualismus von
Anfechtungs- und Klageverfahren. Während die Rechtmässigkeit der Kündigung
grundsätzlich im Anfechtungsverfahren zu prüfen ist, steht für die
vermögensrechtlichen Aspekte der Kündigung das Klageverfahren zur Verfügung (vgl.
Art. 79bis VRP; Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St.
Gallen 2003, Rz. 1147 ff.; GVP 1995 Nr. 3; VerwGE vom 22. März 2005 i.S. S.H. und
VerwGE vom 6. Dezember 2005 i.S. J.L.). Dabei hat der Betroffene nach
verwaltungsgerichtlicher Praxis die Wahl, entweder auf dem Anfechtungsweg die
Weiterbeschäftigung zu erstreiten oder auf dem Klageweg eine Entschädigung von
maximal sechs Monatslöhnen geltend zu machen (vgl. VerwGE vom 26. August 2003
i.S. E.Z.). Der Beschwerdeführer beantragt in der Hauptsache seine
Weiterbeschäftigung und eventualiter Schadenersatzanspruch und Genugtuung.
Aufgrund der beschriebenen Zweiteilung des Rechtsweges ist im vorliegenden
Anfechtungsverfahren ausschliesslich über das Hauptanliegen, d.h. über die
Rechtmässigkeit der Kündigung, zu entscheiden. Allfällige vermögensrechtliche
Ansprüche hat der Beschwerdeführer auf dem Klageweg geltend zu machen. Auf das
Eventualbegehren ist folglich nicht einzutreten.
c) Die Beschwerdegegnerin beantragt für den Fall, dass der Beschwerdeführer von ihr
Lohn verlangen sollte, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu entziehen.
Eine solche Forderung wurde vom Beschwerdeführer im Verfahren vor
Verwaltungsgericht nicht gestellt, weshalb sich dieser Antrag als gegenstandslos
erweist.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2./ a) Der Beschwerdeführer rügt zunächst, sein Anspruch auf rechtliches Gehör sei
verletzt worden. So sei die ihm von der Beschwerdegegnerin im Schreiben vom 11.
April 2005 angesetzte Frist, bis zum 22. April 2005 zur beabsichtigten Kündigung
Stellung zu nehmen, unangemessen kurz gewesen. Zudem habe die
Beschwerdegegnerin in ihrem Schreiben vom 11. April 2005 die Kündigungsgründe
nicht dargelegt, weshalb er in materieller Hinsicht zur beabsichtigten Kündigung gar
nicht habe Stellung nehmen können. Zudem habe er bis zu diesem Verfahren keine
Kenntnisse über die Akten in seinem Personaldossier und über die Schulratsprotokolle
gehabt und jeweils auch keine Gelegenheit erhalten, zu den gegen ihn ohne sein
Wissen erhobenen Vorwürfen Stellung zu nehmen. Ebenso sei die Freistellung ohne
Gewährung des rechtlichen Gehörs erfolgt, wobei bereits das Schreiben vom 1. April
2005 als eigentliche Kündigung zu betrachten sei, auch wenn es die formalen
Anforderungen hierzu nicht erfülle. Der Umstand, dass die Beschwerdegegnerin die
Eltern der Schulkinder sowie die Mitarbeiter der Schule über die Freistellung des
Beschwerdeführers und den Verlust des in ihn gesetzten Vertrauens informiert habe,
zeige, dass die Beschwerdegegnerin den Kündigungsbeschluss bereits gefasst habe,
bevor sie dem Beschwerdeführer am 11. April 2005 Gelegenheit zur Stellungnahme
eingeräumt habe.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachaufklärung und stellt
anderseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien dar. Sein
Umfang richtet sich nach Art. 15 VRP und subsidiär nach Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (SR 101, abgekürzt BV). Zu
den wesentlichen Inhalten gehören die vorgängige Anhörung und Orientierung des
Betroffenen vor dem Erlass einer Verfügung, das Recht auf Mitwirkung bei der
Beweiserhebung, das Recht auf Akteneinsicht sowie der Anspruch auf Prüfung und auf
begründeten Entscheid (BGE 122 I 55; Häfelin/Müller, Allgemeines Verwaltungsrecht, 4.
Aufl., Zürich 2002, Rz. 1680 ff.; R. Hotz, in: St. Galler Kommentar zur BV, Zürich 2002,
N 24 zu Art. 29). Art. 15 Abs. 2 VRP hält insbesondere fest, dass Verfügungen, die
erheblich belasten, nur zulässig sind, wenn die Betroffenen den wesentlichen
Sachverhalt kennen und Gelegenheit zur Stellungnahme hatten.
c) aa) Art. 17 VRP statuiert, dass den Beteiligten für die Wahrnehmung des rechtlichen
Gehörs angemessene Fristen anzusetzen sind. Dem Betroffenen soll genügend Zeit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eingeräumt werden, um eine fundierte Stellungnahme zur Sache - allenfalls unter
Beizug eines Rechtsvertreters - einreichen zu können; bei der schriftlichen Ausübung
des Äusserungsrechts muss die Frist so bemessen werden, dass dem Betroffenen
hinreichend Zeit verbleibt, um die Eingabe vorzubereiten und zu redigieren (M.
Albertini, Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör im
Verwaltungsverfahren des modernen Staates, Diss. Bern 2000, S. 341 f.). Die konkreten
Umstände des Einzelfalls sind zu berücksichtigen.
bb) Im vorliegenden Fall teilte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer bereits
mit den Schreiben vom 2. März und 1. April 2005 unmissverständlich mit, warum das in
ihn als Arbeitnehmer gesetzte Vertrauen verloren gegangen sei und somit die
Auflösung des Dienstverhältnisses in Erwägung gezogen werde. Die Behauptung des
Beschwerdeführers, die Begründung der Kündigung vom 26. April 2005 sei nicht
identisch mit den in den Raum gestellten Beanstandungen der Beschwerdegegnerin,
erweist sich als aktenwidrig. Das Schreiben vom 2. März 2005 führt folgende, aus der
Sicht der Beschwerdegegnerin problematischen Punkte auf: Skilager-Organisation,
Vorweisen von Arztzeugnissen, Dokumentation der Weiterbildungsverpflichtungen, Fall
M., Umteilung von M. A. in die Fördergruppe sowie den Vorschlag gegenüber dem
Schulratspräsidenten, sich während der Skilagerwoche krank schreiben zu lassen. Das
Schreiben vom 1. April 2005 nimmt hierauf Bezug und führt als weitere Beanstandung
auf, dass der Beschwerdeführer es unterlassen habe, mit den Schülern resp. deren
Eltern Beurteilungsgespräche zu führen. Sämtliche dieser Beanstandungen finden sich
in der Kündigung vom 26. April 2005 unter Ziff. 3, S. 3 ff.
cc) Mit Schreiben vom 11. April 2005 wurde der Beschwerdeführer sodann explizit zur
Stellungnahme aufgefordert, und es wurden ihm die entsprechenden Akten zur
Einsichtsnahme zugestellt. Der Beschwerdeführer wurde somit hinreichend über den
wesentlichen Sachverhalt resp. die Grundlage der voraussichtlichen Kündigung
orientiert (Art. 15 Abs. 2 VRP). Der Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet lediglich,
dass der Beschwerdeführer dergestalt über die voraussichtliche Kündigung orientiert
wird, dass er sich hierzu sachgemäss äussern kann; nicht notwendig ist eine
Orientierung über sämtliche Einzelheiten resp. eine Unterbreitung des
Verfügungsentwurfs zur Stellungnahme (Albertini, a.a.O., S. 208 mit Hinweis auf BGE
114 Ib 246). Auch wenn dem Beschwerdeführer darin zuzustimmen ist, dass die zur
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Stellungnahme eingeräumte Frist eher knapp bemessen wurde, so kann darin kein
Ermessensmissbrauch erkannt werden. Der Beschwerdeführer wurde bereits vor dem
Schreiben vom 11. April 2005 über die wesentlichen Elemente eingehend orientiert,
worauf er sich an seinen Rechtsvertreter gewandt und diesen dahingehend instruiert
hat, mit Schreiben vom 6. April 2005 eine begründete Stellungnahme zu den in den
Schreiben vom 2. März und 1. April 2005 geäusserten Vorwürfen einzureichen. Unter
Berücksichtigung dieser Umstände erweist sich damit die Rüge der Gehörsverletzung
als unbegründet.
d) Weil die Garantie des rechtlichen Gehörs die Wahrung der Subjektstellung des
Betroffenen in einem Verfahren auf Erlass eines seine Rechtsstellung berührenden
Entscheides zum Gegenstand hat, geht die Forderung des Beschwerdeführers, die
Akten und Protokolle hätten ihm jeweils im Zeitpunkt ihrer Erstellung zur Stellungnahme
unterbereitet werden müssen, mangels Verfahrenshängigkeit im fraglichen Zeitpunkt
ins Leere.
e) aa) Wie eingangs ausgeführt, wurde der Beschwerdeführer mit Schreiben vom 1.
April 2005 per sofort freigestellt. Der Beschwerdeführer bringt hierzu vor, dass ihm vor
der Freistellung das rechtliche Gehör hätte gewährt werden müssen.
bb) Das st. gallische Personalrecht kennt den Begriff der Freistellung nicht. Allgemein
wird darunter der Verzicht des Arbeitgebers auf die Arbeitsleistung nach erfolgter
Kündigung während der Kündigungsfrist verstanden. Demgegenüber bezeichnet die
Einstellung im Amt eine vorsorgliche administrative oder disziplinarische Massnahme
bei ungekündigtem Arbeitsverhältnis (vgl. Art. 18 VRP; ZBl 2003 S. 211; vgl. BGE 2A.
64/2003 vom 27. Mai 2003 und VPB 68 (2004) S. 850 ff.). Nachdem vorliegend die
"Freistellung" vor der Kündigung erfolgte, liegt keine Freistellung im engeren Sinn,
sondern eine vorsorgliche Einstellung im Amt vor. Da die Massnahme gegenüber dem
Beschwerdeführer mit der Notwendigkeit begründet wurde, den ordnungsgemässen
Schulbetrieb zu gewährleisten, handelt es sich um eine administrative und nicht um
eine disziplinarische Massnahme. Die vorsorgliche Einstellung im Amt aus
administrativen Gründen ist wie die administrative Entlassung auch ohne gesetzliche
Grundlage zulässig (ZBl 2003 S. 211 mit weiteren Hinweisen). Im übrigen spielt es auch
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
keine Rolle, dass die Anordnung vom 1. April 2005 nicht in Form einer Verfügung
erlassen wurde (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 552).
cc) Vor dem Erlass einer vorsorglichen Massnahme ist den Betroffenen das rechtliche
Gehör zu gewähren, es sei denn die Dringlichkeit erfordere den Erlass einer
superprovisorischen Massnahme (Kölz/Häner, Verwaltungsverfahren und
Verwaltungsrechtspflege des Bundes, Zürich 1998, Rz. 337; BGE 99 Ia 24). Dies
bedeutet, dass der Beschwerdeführer vorgängig der vorsorglichen Einstellung im Amt
hätte angehört werden müssen, nachdem unbestritten ist, dass die Voraussetzungen
für den Erlass einer superprovisorischen Massnahme – insbesondere Dringlichkeit
aufgrund einer drohenden Gefahr - nicht gegeben waren. Es liegt mithin eine
Verletzung des Gehörsanspruchs vor. Unter diesen Umständen sei lediglich der
Vollständigkeit halber erwähnt, dass das rechtliche Gehör grundsätzlich auch vor einer
eigentlichen Freistellung, d.h. dem Verzicht auf die Arbeitsleistung nach erfolgter
Kündigung, zu gewähren ist. Namentlich kann eine Freistellung laut Lehre eine
Persönlichkeitsverletzung darstellen, weshalb zumindest dann ein Anspruch auf
rechtliches Gehör gegeben ist, wenn aufgrund der konkreten Umstände von einer
gewissen Intensität des Eingriffs auszugehen ist (ZBl 2003 S. 212). Diese
Vorrausetzungen wären vorliegend insbesondere aufgrund der Einstellung der
Lohnfortzahlung erfüllt.
dd) Der Anspruch auf rechtliches Gehör ist formeller Natur. Dies bedeutet, dass eine
Rechtsmittelinstanz, die eine Verletzung des Anspruchs feststellt, den angefochtenen
Hoheitsakt aufheben muss ohne Rücksicht darauf, ob die Anhörung für den Ausgang
des Verfahrens relevant ist, das heisst die Behörde zu einer Änderung des Entscheids
veranlassen wird oder nicht (Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 1709 mit weiteren Hinweisen).
Trotz der formellen Natur des Gehörsanspruchs lässt das Bundesgericht zu, dass ein
Mangel in der Gehörsgewährung geheilt werden kann, wenn die unterlassene
Anhörung, Akteneinsicht etc. in einem Rechtsmittelverfahren nachgeholt wird, das eine
Prüfung im gleichen Umfang wie durch die Vorinstanz erlaubt. Zur Begründung führt
das Bundesgericht an, dass eine Rückweisung zur Gewährung des rechtlichen Gehörs
zu einem formalistischen Leerlauf und einer unnötigen Verlängerung des Verfahrens
führen würde (BGE 124 I 138, 118 Ib 269). Das Verwaltungsgericht folgt der Praxis des
Bundesgerichts und lässt eine Heilung zu, wenn die unterbliebene Anhörung
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
nachgeholt werden kann und die Rechtsmittelbehörde mit derselben Kognition
entscheidet (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 990).
ee) Dem Beschwerdeführer wurde mit Schreiben vom 11. April 2005 das rechtliche
Gehör in bezug auf die beabsichtigte Kündigung eingeräumt. Obwohl er damit nicht
explizit zur Stellungnahme hinsichtlich der "Freistellung" aufgefordert wurde, hätte er
gleichwohl seinen Anspruch auf rechtliches Gehör wahrnehmen können. Dies umso
mehr, als er mit Schreiben vom 6. April 2005 mitteilte, dass er die "Freistellung" zur
Kenntnis nehme; weder focht er die "Freistellung" an noch begehrte er diesbezüglich
um Anhörung. Die Verletzung des rechtlichen Gehörs wurde deshalb bereits mit der
Aufforderung zur Stellungnahme vom 11. April 2005 geheilt. Da die Heilung somit in
einem frühen Verfahrensstadium erfolgte und der Beschwerdeführer für die Heilung
kein Rechtsmittel ergreifen musste, zieht der Verfahrensmangel keine Kostenfolgen
nach sich (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 90 f.).
f) Unbehelflich ist schliesslich das Vorbringen des Beschwerdeführers, bereits das
Schreiben vom 1. April 2005 sei als Kündigung zu betrachten. Daran ändert auch
nichts, dass die "Freistellung" und der Vertrauensverlust den Eltern der Schulkinder
sowie den Mitarbeitern der Schule mitgeteilt wurden. Eine vorsorgliche Einstellung im
Amt zieht nicht per se eine Kündigung nach sich; sie diente im vorliegenden Fall
vielmehr dazu, den geordneten Schulbetrieb sicherzustellen, währenddem abgeklärt
wurde, welche Massnahmen im Hinblick auf die beabsichtigte, aber noch nicht
beschlossene Kündigung vorzunehmen waren. Ausserdem wurde im Schreiben vom 1.
April 2005 ausdrücklich festgehalten, dass der Schulrat "gedenkt", das
Arbeitsverhältnis aufzulösen. Dies zeigt, dass im damaligen Zeitpunkt noch kein
definitiver Entscheid gefallen war.
3./ a) Der Beschwerdeführer rügt des weitern, die Vorinstanz habe die
Dienstversäumnisse isoliert betrachtet und nicht in den Gesamtkontext gestellt. Die
aktenkundigen Feststellungen der Beschwerdegegnerin seien kritiklos übernommen
worden, obwohl diese grösstenteils blosse Parteibehauptungen darstellten, was einer
unvollständigen Sachverhaltsabklärung und Sachverhaltsbeurteilung gleichkomme. Es
falle auch auf, dass die Vorinstanz Kündigungsgründe überprüft habe, welche von der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdegegnerin in der Verfügung vom 26. April 2005 gar nicht vorgebracht
worden seien.
b) Die Unvollständigkeit der Sachverhaltsermittlung betrifft die Beweiserhebung und ist
gegeben, wenn entscheidrelevante Umstände nicht oder nicht ausreichend abgeklärt
wurden; eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung liegt vor, wenn aus den vorhandenen
Beweismaterialien unrichtige Schlüsse gezogen werden (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz.
587).
c) Es ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz den Sachverhalt unvollständig
ermittelt oder unrichtig gewürdigt haben soll. Insbesondere unterlässt es der
Beschwerdeführer, diejenigen entscheidrelevanten Tatsachen näher zu bezeichnen,
welche seiner Ansicht nach zusätzlich hätten ermittelt werden sollen. Des weitern
erweist sich seine Behauptung, die Vorinstanz habe die Ausführungen der
Beschwerdegegnerin kritiklos übernommen, als aktenwidrig. So führt die Vorinstanz
bspw. aus (vgl. act. 2 Ziff. 18 S. 18), dass die Akten in bezug auf die Unterrichtsführung
ein widersprüchliches Bild zeichnen würden; dabei berücksichtigt sie die positiven
Arbeitszeugnisse ebenso wie die aktenkundige Kritik an der Unterrichtsführung des
Beschwerdeführers. Dies zeigt, dass die Vorinstanz durchaus eine kritische Beurteilung
der ins Recht gelegten Akten vorgenommen hat. Der Vorwurf der unrichtigen
Sachverhaltsfeststellung erweist sich als unbegründet. Aktenwidrig ist auch die
Behauptung, die Vorinstanz habe andere Kündigungsgründe als die
Beschwerdegegnerin überprüft. Einerseits hat sich die Vorinstanz explizit mit den in der
Kündigung vom 26. April 2005 unter den Ziffern 3.1-3.6 aufgeführten Gründen
auseinandergesetzt (Ziff. 3.1 = Erw. 5b; Ziff. 3.2 = Erw. 7e; Ziff. 3.3 = Erw. 7f; Ziff. 3.4 =
Erw. 7g; Ziff. 3.5 = Erw. 7h; Ziff. 3.6 = Erw. 7i; Ziff. 3.7 = Erw.7j). Anderseits fällt in
Betracht, dass die Behörden den rechtserheblichen Sachverhalt von Amtes wegen
richtig und vollständig zu ermitteln und die Beweise zu erheben haben (Art. 58 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 12 VRP). Der Untersuchungsgrundsatz führt dazu, dass die
Behörden auch Sachumstände berücksichtigen dürfen, die von keinem
Verfahrensbeteiligten eingebracht wurden (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 590). Die
Vorinstanz durfte im Rahmen der Beurteilung der Rechtmässigkeit der Kündigung
somit auch Umstände würdigen, auf welche sich die Beschwerdegegnerin nicht explizit
bezogen hat.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4./ a) Der Beschwerdeführer macht geltend, das öffentliche Dienstrecht sei lückenhaft,
soweit es für Lehrkräfte an Volksschulen keinen Kündigungsschutz bei Krankheit
vorsehe. Es seien deshalb die obligationenrechtlichen
Kündigungsschutzbestimmungen sachgemäss anwendbar. Zur Begründung verweist
er im wesentlichen auf seine vorinstanzlichen Eingaben. Ergänzend führt er aus, indem
die Beschwerdegegnerin die Regeln eines fairen Verfahrens nicht eingehalten habe,
habe sie dem Beschwerdeführer die Möglichkeit entzogen, vom angeblich besseren
Kündigungsschutz im öffentlichen Recht zu profitieren. Zudem habe die Vorinstanz die
Anforderungen an einen triftigen Kündigungsgrund so weit herabgesetzt, dass nicht
mehr ersichtlich sei, inwieweit der öffentlich-rechtliche Kündigungsschutz besser sei
als der privatrechtliche.
b) In seiner Rekursschrift vom 9. Mai 2005 macht der Beschwerdeführer auf S. 18 f.
geltend, dass das Volksschulgesetz (sGS 213.1, abgekürzt VSG) keine eigenen
Kündigungsschutzbestimmungen enthalte, weshalb von einer echten Lücke
auszugehen sei. Somit seien die vom Beschwerdeführer angerufenen Bestimmungen
(Art. 336 und 336c des Schweizerischen Obligationenrechts, SR 220, abgekürzt OR),
welche zwingende Bestimmungen des Arbeitsrechts seien und eine öffentliche
Funktion erfüllten, im vorliegenden Fall anzuwenden, andernfalls die
Volksschullehrkräfte gegenüber den Staatsangestellten und den privatrechtlich
Angestellten schlechter gestellt wären. Es müssten daher triftige Gründe vorliegen, um
die Lehrkräfte von diesen Kündigungsschutzbestimmungen auszunehmen.
Die Vorinstanz hält hierzu zutreffend fest, dass Art. 6 Abs. 1 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches (SR 210) in Verbindung mit Art. 342 Abs. 1 lit. a OR die
bundesrechtliche Anwendung obligationenrechtlicher Bestimmungen im
Geltungsbereich des öffentlichen Dienstrechts der Kantone und Gemeinden
grundsätzlich ausschliesst. Das mit der Begründung des Dienstverhältnisses
entstehende Sonderstatusverhältnis zur öffentlich-rechtlichen Körperschaft bewirkt
eine im Vergleich zu privatrechtlichen Arbeitnehmern unterschiedliche Rechtsposition:
Der privatrechtliche Arbeitsvertrag kann unter Vorbehalt der Missbräuchlichkeit frei
gekündigt werden (Art. 335 OR). Das öffentliche
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dienstrecht setzt triftige Gründe zur Auflösung des Arbeitsverhältnisses voraus.
Insofern ist der öffentlich-rechtliche Kündigungsschutz besser als der privatrechtliche
(vgl. auch BGE 124 II 56). Sodann garantiert Art. 336c OR lediglich, dass dem
Arbeitnehmer der Arbeitsplatz vorerst erhalten bleibt, nicht jedoch, dass er während
der gesamten Sperrfrist auch weiterhin Lohn erhält. Der Lohn ist im ersten Dienstjahr
nur für drei Wochen und danach für eine angemessene längere Zeit geschuldet (Art.
324a Abs. 2 OR). Im öffentlichen Dienstrecht gilt hingegen eine weitreichende
Lohnfortzahlungspflicht. So sieht Art. 11bis des Gesetzes über die Besoldung der
Volksschullehrer (sGS 213.51) vor, dass der Lehrkraft bei Dienstaussetzung wegen
Krankheit oder Unfalls die Besoldung bis zur Auflösung des Dienstverhältnisses,
längstens für ein Jahr, auszurichten ist. Zudem stellt die Kündigung eines öffentlich-
rechtlichen Dienstverhältnisses einen Verwaltungsakt dar, in dessen Rahmen dem
Betroffenen vorgängig das rechtliche Gehör zu gewähren ist. Schliesslich kann die
Kündigung im Rechtsmittelverfahren auf ihre Angemessenheit überprüft werden und ist
bei Rechtswidrigkeit aufzuheben, was im Gegensatz zum privatrechtlich begründeten
Arbeitsverhältnis den Fortbestand des Dienstverhältnisses zur Folge hat. Wie die
Vorinstanz aus ihren Ausführungen zutreffend schliesst, beruht damit die
unterschiedliche Regelung der Kündigung auf sachlichen Gründen und eine analoge
Anwendung von Art. 336c OR drängt sich nicht auf. Insbesondere ist nicht von einer
echten Gesetzeslücke auszugehen. So wurde einerseits bereits beim Erlass des
Volksschulgesetzes die Kündigung aufgrund Krankheit geregelt, dabei aber auf eine
Regelung der Kündigung aus anderen Gründen während eines Krankheitsfalles
verzichtet (Art. 73 VSG). Es ist deshalb davon auszugehen, dass der Gesetzgeber die
Problematik Kündigung und Krankheit abschliessend behandelt und die einschlägige
Gesetzgebung für Kündigungen während einer Krankheit als genügend betrachtet hat.
Anderseits ist die Sperrfrist bei Krankheit mit der Revision des Arbeitsvertragsrechts im
Jahr 1971 im Obligationenrecht verankert worden (Art. 336e Abs. 1 lit. b aOR). Die
geltende Fassung des privatrechtlichen Kündigungsschutzes bei Krankheit und Unfall
(Art. 336c OR) ist seit dem 1. Januar 1989 in Kraft (AS 1988 1478; BBl 1984 II 551). Art.
67bis VSG, welcher die Kündigung auf Semesterende für Volksschullehrkräfte regelt,
stammt dagegen aus dem Jahr 1998 (III. Nachtrag vom 18. Juni 1998, nGS 33-57). Es
hätte somit im Jahr 1998 Gelegenheit bestanden, einen grundsätzlichen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kündigungsschutz während eines Krankheitsfalles in der Volksschulgesetzgebung zu
verankern, sofern dies gewollt gewesen wäre.
c) Die Tatsache, dass die Regierung in der Botschaft zum III. Nachtragsgesetz zum
Volksschulgesetz (nGS 33-57) vom 1. Juli 1997 ausgeführt hatte, dass keine Gründe
dafür ersichtlich seien, den dienstrechtlichen Status der Lehrkräfte anders als
denjenigen der grossen Mehrheit des Verwaltungspersonals zu definieren, steht einer
unterschiedlichen Behandlung von Volksschullehrkräften und Staatsangestellten im
Einzelfall - entgegen der vom Beschwerdeführer in seiner Rekursergänzung vom 27.
Mai 2005 S. 4 und Replik vom 20. Juli 2005 S. 25 f. geäusserten Ansicht - ebenfalls
nicht entgegen. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, handelt es sich hierbei um eine
Aussage grundsätzlicher Art, welche vor dem Hintergrund der damals aktuellen
Abschaffung des Beamtenstatus resp. der weitgehenden Abschaffung der Amtsdauer
zu verstehen ist (so explizit ABl 1997 1603). Hinzu kommt, dass der Gesetzgeber
hinsichtlich der Volksschullehrkräfte eigenständige Kündigungsbestimmungen erlassen
und weder auf die allgemeinen Vorschriften des Staatsverwaltungsgesetzes (sGS
140.1) noch die spezifische Bestimmung von Art. 65 der Verordnung über den
Staatsdienst (sGS 143.20) verwiesen hat, wonach das Dienstverhältnis mit öffentlich-
rechtlichen Angestellten bei Krankheit erst nach Ablauf des Besoldungsanspruchs
gekündigt werden kann.
d) Auch erweisen sich die Vorbringen des Beschwerdeführers in seiner
Beschwerdeschrift vom 22. September 2005, wonach die Besserstellung des
öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses im vorliegenden Fall nicht zum Tragen
komme, weil Verfahrensvorschriften verletzt und die Anforderungen an triftige
Kündigungsgründe herabgesetzt worden seien, als unbegründet. Wie bereits
vorstehend ausgeführt wurde, wurde der Anspruch des Beschwerdeführers auf
rechtliches Gehörs im Zusammenhang mit der Anordnung der "Freistellung" zwar
verletzt, indes wurde dieser Verfahrensfehler in einem frühen Verfahrensstadium
geheilt, weshalb auch der Kündigungsschutz des Beschwerdeführers nicht
beeinträchtigt wurde. Sodann ist nicht ersichtlich, inwiefern die Vorinstanz die
Anforderungen, welche an das Vorliegen triftiger Gründe zu stellen sind, herabgesetzt
haben soll. Die nachstehenden Erwägungen (Ziff. 5 b) zeigen, dass sich die Vorinstanz
hinsichtlich der allgemeinen Voraussetzungen, welche an das Vorliegen triftiger
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Kündigungsgründe zu stellen sind, an der einschlägigen Lehre und Rechtsprechung
orientiert hat. Ob tatsächlich ein triftiger Kündigungsgrund gegeben ist, ist Gegenstand
der materiellen Prüfung (Erw. 5).
5./ a) Gestützt auf Art. 67bis Abs. 1 VSG kann der Schulrat das Dienstverhältnis mit
einer Lehrkraft auf Semesterende kündigen. Er hat dies dem Lehrer bis Ende Oktober
oder April schriftlich mitzuteilen (Art. 67bis Abs. 2 VSG).
Die Auflösung eines öffentlich-rechtlichen Dienstverhältnisses ist nur zulässig, wenn ein
triftiger Grund vorliegt. Dabei braucht es nicht besonders qualifizierte, sondern lediglich
sachlich zutreffende Gründe, die es dem Arbeitgeber bei pflichtgemässer Ausübung
seines Ermessens erlauben, eine Entlassung auszusprechen (GVP 1995 Nr. 3). Dies ist
allgemein umschrieben dann der Fall, wenn die Weiterbeschäftigung der betreffenden
Person dem öffentlichen Interesse - insbesondere demjenigen an einer gut
funktionierenden Verwaltung - widerspricht. Ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist
stets aufgrund der gesamten Umstände zu entscheiden (M. Michel, Beamtenstatus im
Wandel, Diss. Zürich 1998, S. 229). Der staatliche Arbeitgeber ist im Unterschied zum
privatrechtlichen Arbeitgeber in jedem Fall an die rechtsstaatlichen Grundsätze
gebunden. Wenn der öffentlich-rechtliche Dienstherr für seine Kündigung keine
sachlichen Gründe nachweisen kann, verstösst er gegen das Willkürverbot gemäss Art.
9 BV; ebenso wenig darf er bei der Kündigung den Grundsatz von Treu und Glauben
oder den Grundsatz der Verhältnismässigkeit verletzen. Angesichts der inhaltlichen
Offenheit und Unbestimmtheit der Anforderungen, die an das Vorliegen eines triftigen
Grundes zu stellen sind, steht den Verwaltungsbehörden beim Entscheid über die
Kündigung ein grosser Ermessens- und Beurteilungsspielraum zu (vgl. anstelle vieler
GVP 1995 Nr. 3; Michel, a.a.O., S. 342 f.; ZBl 104/2003, S. 202; VerwGE vom 26.
August 2003 i.S. E.Z.).
b) Die Beschwerdegegnerin begründet die Kündigung des Dienstverhältnisses damit,
dass der Beschwerdeführer nicht gewillt sei, den Aufforderungen des Schulrates und
seinen Verpflichtungen als Angestellter nachzukommen und dass aufgrund
verschiedener Vorkommnisse das Vertrauen in ihn als Arbeitnehmer verloren gegangen
sei. In ihrem Schreiben vom 2. März 2005 beanstandet die Beschwerdegegnerin
folgende Punkte: Skilager-Organisation, Vorschlag gegenüber dem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schulratspräsidenten, sich während der Skilagerwoche krank schreiben zu lassen,
Vorweisen von Arztzeugnissen, Dokumentation der Weiterbildungsverpflichtungen, Fall
M. sowie Umteilung von M. A. in die Fördergruppe. Im weitern wurde der
Beschwerdeführer explizit dazu aufgefordert, bis zum 9. März 2005 Arztzeugnisse der
Kliniken beizubringen, in welchen er behandelt wurde und bis zum 24. März 2005
nachzuweisen, dass er die Weiterbildungsverpflichtungen erfüllt hat. Im Schreiben vom
1. April 2005 stellt die Beschwerdegegnerin fest, dass der Beschwerdeführer weder die
Arztzeugnisse noch den Nachweis über den Besuch der
Weiterbildungsveranstaltungen erbracht habe. Zudem habe festgestellt werden
müssen, dass der Beschwerdeführer mit den Schülerinnen und Schülern bzw. mit
deren Eltern bis dahin keine Beurteilungsgespräche geführt und somit erneut gegen
eine klare Verpflichtung verstossen habe. Aufgrund dieser Ereignisse verzichtete die
Beschwerdegegnerin per sofort auf die Arbeitsleistung des Beschwerdeführers und
teilte ihm mit, dass beabsichtigt werde, das Dienstverhältnis per 31. Juli 2005
aufzulösen. Zugleich wurde der Beschwerdeführer aufgefordert, einen der beiden
bezeichneten Vertrauensärzte aufzusuchen, um Klarheit über seinen Krankheitsstand
zu erlangen. In der Kündigungsverfügung vom 26. April 2005 wurden im wesentlichen
die bereits in den Schreiben vom 2. März und 1. April 2005 aufgelisteten
Beanstandungen als Kündigungsgründe angeführt.
c) Ein mangelndes Vertrauensverhältnis stellt einen sachlichen Grund dar, wenn die
Gründe für den geltend gemachten Vertrauensverlust auch für Dritte objektiv
nachvollziehbar sind (vgl. VerwGE vom 16. August 2005 i.S. Pol. Gmd. St.G. und
VerwGE vom 26. August 2003 i.S. E.Z.; VPB 65/2001 Nr. 14 E. 7; T. Jaag, Das
öffentlichrechtliche Dienstverhältnis im Bund und im Kanton Zürich – ausgewählte
Fragen, ZBl 95/1994 S. 464). Des weitern können auch mangelnde Zusammenarbeit
oder häufige Absenzen sachliche Kündigungsgründe darstellen (vgl. Schroff/Gerber,
Die Beendigung der Dienstverhältnisse in Bund und Kantonen, St. Gallen 1985, S. 99
ff.; Michel, a.a.O., S. 299 f.).
aa) Die Beschwerdegegnerin beruft sich in ihrer Kündigung vom 26. April 2005
zunächst auf die häufige, angeblich krankheitsbedingte Abwesenheit des
Beschwerdeführers. Dieser habe die entsprechenden ärztlichen Zeugnisse regelmässig
verspätet und erst nach mehrmaliger Aufforderung eingereicht. Sämtliche Zeugnisse
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
seien deutlich rückdatiert gewesen. In diesem Zusammenhang forderte die
Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer auf, ärztliche Zeugnisse der Kliniken
vorzulegen, in welchen er behandelt worden sei, da jene seines Hausarztes nicht mehr
genügten. Der Beschwerdeführer bringt hierzu vor, dass aufgrund seiner bekannten
Diabeteserkrankung keine ernsthaften Zweifel an der Begründetheit der
gesundheitsbedingten Absenzen aufkommen könne. Zudem widerspreche es Treu und
Glauben, wenn die Beschwerdegegnerin über Jahre hinweg nicht beanstandeten
Arztzeugnissen nun plötzlich den Beweiswert abspreche.
Das öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis ist ein besonderes Rechtsverhältnis. Der
öffentlich-rechtliche Angestellte ist nicht nur zur gewissenhaften Erfüllung seiner
dienstlichen Obliegenheiten verpflichtet; ihn trifft vielmehr regelmässig auch eine
allgemeine Treuepflicht (BGE 120 Ia 205), deren Inhalt die legitimen Interessen des
Gemeinwesens als Arbeitgeber wiedergibt (P. Hänni, Die Treuepflicht im öffentlichen
Dienstrecht, Diss. Freiburg 1982, S. 79). Insbesondere ist der öffentlich-rechtliche
Angestellte seinem Arbeitgeber zu Gehorsam verpflichtet, d.h. er hat die Weisungen
und Anordnungen des Arbeitgebers hinsichtlich der Arbeitspflicht, der Treuepflicht
sowie der Weisungen in Erfüllung der Fürsorgepflicht Folge zu leisten (Hänni, a.a.O., S.
79 ff.).
Weil die hauptsächliche Pflicht des Angestellten die eigentliche Dienstleistung, d.h.
seine Arbeitsleistung, darstellt, berechtigen Krankheiten und Unfälle nur dann ein
Fernbleiben von der Arbeit, wenn sie die Erfüllung der Dienstpflicht unzumutbar
machen. Die Beweislast für den Verhinderungsgrund trägt dabei der Angestellte. Für
den Nachweis der Arbeitsunfähigkeit genügt in der Regel ein ärztliches Zeugnis.
Indessen verbietet es das Vorliegen eines die Arbeitsunfähigkeit bescheinigenden
Arztzeugnisses nicht, aufgrund anderer Beweismittel zu einem gegenteiligen Schluss
zu kommen, wenn sich das Gericht im Rahmen der freien Beweiswürdigung nicht von
der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers überzeugen lässt (vgl.
C. Schönenberger, Das Erschleichen der Lohnfortzahlung unter Berufung auf
Krankheit, Diss. Zürich 2001, S. 83). Bestehen berechtigte Zweifel an der Begründetheit
des Arztzeugnisses und kann der Angestellte den Verhinderungsgrund nicht in anderer
Weise schlüssig belegen, darf der Arbeitgeber verlangen, dass sich der Angestellte bei
einem von ihm bezeichneten und bezahlten Vertrauensarzt untersuchen lässt (vgl.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 17/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Schönenberger, a.a.O., S. 158 ff.; vgl. Rehbinder/Portmann, in: Basler Kommentar, OR
Bd. I, 3. Aufl., Basel 2003, Art. 324a N 3).
Der Beschwerdeführer selbst bestreitet nicht, dass er mehrfach Arztzeugnisse
verspätet und erst auf Aufforderung der Beschwerdegegnerin hin einreichte. Er
verstiess somit gegen klare Anordnungen seines Arbeitgebers, welcher, um einen
geordneten Schulbetrieb gewährleisten und allenfalls entsprechende Stellvertretungen
frühzeitig organisieren zu können, über die Gründe seiner Absenzen hätte informiert
sein müssen. Die nachfolgende Zusammenstellung der den Akten beigelegten
Zeugnisse seines Hausarztes zeigt des weitern auf, dass der Arzt die Arbeitsunfähigkeit
des Beschwerdeführers mehrfach nachträglich bescheinigte, ohne seinen
Gesundheitszustand im fraglichen Zeitpunkt persönlich überprüft zu haben.
Zusammenstellung der ärztlichen Zeugnisse des Hausarztes:
Ausgestellt am: für die Periode vom/bis: Ausgestellt durch: Ursache:
11. März 1996 2. - 20. Feb. 96 Dr. K. Krankheit
25. März 1996 6. - 25. März 1996 Dr. K. Krankheit
? 22. Okt. - Ende 1996 Dr. K. Verkehrsunfall
12. Sept. 2003 12. Aug. - 15. Sept. 2003 Dr. K. Krankheit
23. Sept. 2003 12. - 27. Aug. 2003 Dr. K. Krankheit
23. Sept. 2003 28. Aug. - 15. Sept. 2003 Dr. K. Unfall
4. Feb. 2004 31. Okt. - 8. Nov. 2003
2. Feb. - 7. Jan. 2003
18. - 19. Jan. 2003 Dr. K. Unfall
18. März 2005 vom 12. März 2005 bis auf weiteres Dr. K. Krankheit
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 18/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zusammenstellung der ärztlichen Zeugnisse/Bestätigungen der Kliniken bzw.
Fachärzte:
5. Nov. 2004 31. Okt. - 5. Nov. 2004 Z.-klinikum Glaskörperblutung u.a.m.
17. Dez. 2004 Entlassung am 20. Dez. 2004 Krankenanstalt R. Augenbehandlung
11. März 2005 11. März 2005 Dr. R. Abklärung (Arbeitsfähigkeit eingeschränkt)
22. April 2005 bzgl. OP vom 16. Dez. 2004 Prof. Dr. B. Auge
9. Mai 2005 bzgl. Okt./9. und 16. 12. 2004/ 5. und 19. Jan. 2005/ 16. März 2005
28. Juli 2005 28. Juli 2005 Dr. R. Abklärung (Arbeitsfähigkeit eingeschränkt)
Aus diesen Arztzeugnissen geht zudem nicht hervor, wann die Konsultationen
stattfanden. Über den Zeitpunkt der Untersuchung herrscht keine Klarheit, wenn der
Beginn der Arbeitsunfähigkeit und das Datum des Arztzeugnisses nicht
übereinstimmen. Das Verwaltungsgericht hat deshalb einem Arztzeugnis bei einer
Rückdatierung von zwei Wochen seit Ende der behaupteten Arbeitsunfähigkeit die
Beweiskraft abgesprochen (vgl. VerwGE vom 14. September 2004 i.S. C.S., teilweise
publiziert in GVP 2004 Nr. 4). Die vorliegenden Arztzeugnisse sind zum Teil deutlich
über zwei Wochen rückdatiert. Der Beschwerdeführer bringt hierzu vor, dass die vom
Hausarzt ausgestellten Zeugnisse auf Belegen der behandelnden Klinik- und Fachärzte
beruhen würden. Diese Ausführungen sind, soweit sie in Einzelfällen nicht
entsprechend belegt wurden, unglaubwürdig. Es ist nicht einzusehen, warum der
Beschwerdeführer in einzelnen Fällen zu krankheits- oder unfallbedingten Aufenthalten
in bestimmten Anstalten weitere Belege von Kliniken und Fachärzten vorlegen konnte
und in anderen Fällen nicht. Der Beschwerdeführer führt in diesem Zusammenhang an,
dass die Belege dieser Kliniken resp. Fachärzte Angaben zu seinem
Gesundheitszustand beinhaltet hätten und er diese deshalb aufgrund der ihm
zustehenden Persönlichkeitsrechte nicht habe einreichen müssen. Auch diese
Vorbringen sind unbehelflich: Einerseits gilt die Verschwiegenheitspflicht grundsätzlich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 19/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auch für österreichische Ärzte und ihre Hilfspersonen sowie für die bei Trägern von
Krankenanstalten und in Krankenanstalten beschäftigten Personen (vgl. § 54 und 41
Abs. 4 des österreichischen Ärztegesetzes, BGBl. I Nr. 169/1998 sowie § 9 des
Krankenanstalten- und Kuranstaltengesetzes, BGBl. Nr. 1/1957); dem
Beschwerdeführer wäre es somit ohne weiteres möglich gewesen, bei den Kliniken
resp. Fachärzten Bestätigungen zu verlangen, die ohne Verletzung seiner
Persönlichkeitsrechte Auskunft über seinen Gesundheitszustand gegeben hätten.
Anderseits fällt auf, dass der Beschwerdeführer bezüglich seiner durch die
Glaskörperblutung bedingten Abwesenheit Dokumente vorlegte, die detaillierte
Angaben über seinen Gesundheitszustand enthielten, ohne dass er sich hierbei auf
seine Persönlichkeitsrechte berufen hätte.
Vor dem Hintergrund dieser Ausführungen ist es nachvollziehbar, dass die
Beschwerdegegnerin an der Beweiskraft der meistens verspätet und weit rückdatierten
Arztzeugnisse zweifelte und deshalb vom Beschwerdeführer weitere Nachweise
bezüglich seiner krankheits- und unfallbedingten Absenzen verlangte. Da der
Beschwerdeführer diesen Anordnungen erneut nicht nachkam und die Absenzen auch
anderweitig nicht schlüssig belegte, ist auch die Aufforderung zur vertrauensärztlichen
Untersuchung recht- und verhältnismässig. Denn auch wenn der Beschwerdeführer an
einer Diabeteserkrankung leidet, sind damit seine Absenzen im einzelnen noch nicht
begründet. Mit der vertrauensärztlichen Untersuchung hätte die Begründetheit der
Absenzen - ganz im Sinne des Beschwerdeführers - nachgewiesen werden können,
ohne dass die Beschwerdegegnerin im Einzelnen Aufschluss über seinen
Gesundheitszustand erhalten hätte, zumal auch die Vertrauensärzte dem ärztlichen
Schweigegebot unterliegen. Der Beschwerdeführer empfindet diese Anordnung
gemäss Schreiben seines Rechtsvertreters vom 6. April 2005 jedoch vielmehr als
Demütigung und Schikane und spricht ihr jede rechtliche Grundlage ab. Er offenbart
damit eindrücklich seinen Unwillen, der Aufforderung Folge zu leisten und verstiess
damit in Verletzung seiner Gehorsamspflicht erneut gegen eine klare Anordnung seines
Arbeitgebers. Dass die Beschwerdegegnerin in diesem Zusammenhang das Vertrauen
in den Beschwerdeführer verloren hat, ist objektiv nachvollziehbar.
bb) Eine weitere vertrauensmindernde Tatsache erblickt die Beschwerdegegnerin im
Vorschlag des Beschwerdeführers, sich im Hinblick auf das geplante Skilager krank
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 20/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
schreiben zu lassen, um die Ablehnung eines zusätzliches Skilagerleiters aus
Kostengründen zu verhindern. Der Beschwerdeführer führt hierzu aus, diese Äusserung
lediglich vor dem Hintergrund seiner medizinisch damals nach wie vor begründeten
teilweisen Arbeitsunfähigkeit gemacht zu haben.
Der Beschwerdeführer verkennt, dass nicht jede gesundheitliche Beeinträchtigung ein
Fernbleiben von der Arbeit rechtfertigt, sondern nur dann, wenn die Ausübung der
Tätigkeit aufgrund des Gesundheitszustandes unzumutbar ist. Für den fraglichen
Zeitpunkt fehlt hingegen jeder objektive Nachweis, dass es dem Beschwerdeführer
noch nicht zuzumuten gewesen wäre, seinen Dienst wieder anzutreten. Im Gegenteil
hat er durch sein vorbehaltloses Wiedererscheinen am Arbeitsplatz zu erkennen
gegeben, dass er voll arbeitsfähig ist. In diesem Zusammenhang erweist sich sein
Vorschlag als ungehörig und widerspricht einer gewissenhaften Dienstauffassung und -
verrichtung.
cc) Eine weitere Unzuverlässigkeit erblickt die Beschwerdegegnerin darin, dass sich
der Beschwerdeführer im Zusammenhang mit seiner Absenz vom 12. März 2005,
entgegen seiner Zusage, nicht bis zum 1. April 2005 über seine Einsatzfähigkeit nach
den Frühlingsferien verbindlich geäus¬sert habe. Der Beschwerdeführer bringt hierzu
vor, dass von ihm keine Prognose erwartet werden könne, wenn dazu nicht einmal die
behandelnden Ärzte in der Lage seien. Zudem habe er der Beschwerdegegnerin seinen
Kenntnisstand über die Dauer der Arbeitsunfähigkeit fortlaufend mitgeteilt.
Die Anzeigepflicht bei Krankheit ist gesetzlich nicht geregelt, indes ist der
Beschwerdeführer als öffentlich-rechtlich Angestellter aufgrund seiner allgemeinen
Treuepflicht verpflichtet, die berechtigten Interessen seines Arbeitgebers in guten
Treuen zu wahren. Dazu gehört mit Blick auf einen reibungslosen Gang der Verwaltung,
dass der Arbeitnehmer das Gemeinwesen über die voraussichtliche Dauer seiner
Arbeitsunfähigkeit möglichst umfassend und regelmässig informiert (vgl.
Schönenberger, a.a.O., S. 60; Hänni, a.a.O., S. 48 ff.).
Zur Begründung verweist der Beschwerdeführer auf die den Akten beigelegte
Zusammenstellung der Anrufe auf dem Mobilnetz. Insoweit der Beschwerdeführer
hiermit beweisen möchte, dass er seinen Arbeitgeber regelmässig über die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 21/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit informiert hat, ist die Zusammenstellung
unbehelflich. Einerseits gibt die Liste keinen Aufschluss über die Inhalte der geführten
Gespräche. Anderseits kann der Zusammenstellung entnommen werden, dass der
Beschwerdeführer am 15. März 2005 den Schulleiter anrief. Am 17. und am 22. März
2005 erfolgte je ein Anruf durch den Schulleiter. Am 1. April 2005 rief der
Beschwerdeführer wiederum den Schulleiter an. Die übrigen Anrufe zu Lehrerkollegen
sind unbeachtlich, da der Beschwerdeführer seine Anzeigepflicht dem Arbeitgeber
gegenüber zu erfüllen hat. Die beiden von ihm getätigten Anrufe liegen über zwei
Wochen auseinander. Von einer regelmässigen Informierung kann somit keine Rede
sein. Dies gilt umso mehr, als auch dem für die entsprechende Periode vorgelegten
Arztzeugnis - sofern überhaupt - nur ein geringer Beweiswert zukommt, da es um
knapp eine Woche rückdatiert ist.
dd) Des weitern bringt die Beschwerdegegnerin vor, dass der Beschwerdeführer der
Aufforderung vom 2. März 2005, bis zum 24. März den Nachweis über absolvierte
Weiterbildungen für die Periode 2001 - 2004 zu erbringen, nicht nachgekommen sei.
Gemäss Art. 79 Abs. 1 VSG ist der Lehrer zu fachlicher und pädagogischer Fortbildung
berechtigt und verpflichtet. Die Pflicht zur Weiterbildung besteht an wenigstens 12
Tagen je Amtsdauer der Gemeindebehörden und hat grundsätzlich in der
unterrichtsfreien Zeit zu erfolgen (Art. 31 f. der Verordnung über das Dienstverhältnis
der Volksschul-Lehrkräfte, sGS 213.14, abgekürzt VDL). Der Erziehungsrat erlässt
hierzu nähere Vorschriften (Art. 35 VDL).
Der Beschwerdeführer beruft sich darauf, dass die Beschwerdegegnerin bis anhin nie
grossen Wert auf den Nachweis von besuchten Weiterbildungsveranstaltungen gelegt
habe. Aufgrund dieser Praxis müsse er die Aufforderung als schikanös betrachten.
Dieser Einwand ist nicht zu hören, zumal der Nachweis von besuchten
Weiterbildungsveranstaltungen leicht zu erbringen ist. In seiner Rekursschrift vom 9.
Mai 2005 führte der Beschwerdeführer zehn Weiterbildungsveranstaltungen betreffend
den Zeitraum vom 19. Februar 2000 bis Juli 2005 auf, die insgesamt 14 Tage
beansprucht hätten. Die Vorinstanz stellte hierzu in ihrem Entscheid zutreffend fest,
dass die Überprüfungsperiode in S. den Zeitraum vom 1. August 2001 bis 31. Juli 2005
beschlägt, weshalb dem Beschwerdeführer höchstens neun Tage an die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 22/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Weiterbildungsveranstaltungen angerechnet werden können. Sie zog deshalb von den
vom Beschwerdeführer insgesamt geltend gemachten 14 Tagen richtigerweise jene
fünf Weiterbildungstage ab, die der Beschwerdeführer im Jahr 2000 absolviert hatte
(vgl. vorinst. act. 1, S. 13). Hinsichtlich der neun verbleibenden Tage ist festzuhalten,
dass der Beschwerdeführer im Zeitpunkt der Aufforderung zum Nachweis der
besuchten Veranstaltungen nur vier Tage (davon ein Tag krankheitsbedingte
Abwesenheit) absolviert hatte, und für weitere fünf Weiterbildungstage im Juli 2005
lediglich angemeldet war. Die von der Vorinstanz vorgenommene Anrechnung von
neun Tagen erweist sich somit als äusserst wohlwollend, vermag aber dennoch nichts
an der Tatsache zu ändern, dass der Beschwerdeführer seiner Verpflichtung zum
Besuch von mindestens zwölf Weiterbildungsveranstaltungen nicht nachgekommen ist.
ee) Eine weitere Pflichtverletzung liegt gemäss den Ausführungen der
Beschwerdegegnerin darin, dass der Beschwerdeführer mit Wirkung per 7. Februar
2005 eigenmächtig einen seiner Schüler in die Fördergruppe umgeteilt habe, obwohl
hierzu ausschliesslich der Schulrat zuständig sei.
Gemäss Art. 26 VSG bildet der Schulrat die Klassen und weist sie den Lehrern zu. Der
Schulrat bildet dabei nach Leistungsfähigkeit, sozialer Herkunft und Muttersprache
ausgeglichene Klassen (Art. 1 Abs. 1 der Verordnung über den Volksschulunterricht,
sGS 213.12).
Der Beschwerdeführer bringt hierzu vor, dass er bei der Klassenumteilung den Schulrat
nicht bewusst übergangen habe; er sei vielmehr der Ansicht gewesen, er handle richtig,
zumal ihm auch der Fördergruppenlehrer erklärt habe, dass für die probeweise
Umteilung keine weiteren Abklärungen notwendig seien. Dass dies jedoch einer
Genehmigung des Schulrates bedurft hätte, sehe er ein und habe dies auch nie
bestritten, nachdem er auf diesen Fehler aufmerksam gemacht worden sei.
Insoweit der Beschwerdeführer damit sinngemäss geltend zu machen versucht, dass
er in die unrichtige Auskunft des Förderschullehrers hätte vertrauen dürfen, ist er nicht
zu hören. Eine wesentliche Voraussetzung des Vertrauensschutzes ist, dass die
unrichtige Auskunft für den Betroffenen nicht erkennbar war; wer die Unrichtigkeit
hingegen kannte oder bei gehöriger Sorgfalt hätte erkennen müssen, kann sich nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 23/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf sein Vertrauen berufen (vgl. Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 657 und 682). Der
Beschwerdeführer, der über mehrjährige Berufserfahrung als Realschullehrer verfügt
und dessen Klassen ihm immer vom Schulrat zugeteilt wurden, hätte bei gehöriger
Sorgfalt erkennen müssen, dass die Umteilung des Schülers nicht in seinen
Kompetenzbereich fallen kann. Die Umteilung eines Schülers ist mit erheblichen
Konsequenzen verbunden, einerseits für den Schüler selbst, anderseits für die
involvierten Klassen. Es ist deshalb naheliegend und hätte vom Beschwerdeführer u.a.
auch aufgrund der klaren Gesetzeslage erkannt werden müssen, dass für die
Umteilung eines Schülers eine den einzelnen Lehrkräften übergeordnete Instanz
zuständig ist, in deren Kompetenzbereich die Organisation der einzelnen Klassen fällt.
Der Beschwerdeführer liess mit seinem eigenmächtigen Vorgehen die gebotene
Gewissenhaftigkeit bei der Verrichtung seiner Tätigkeit somit erneut in pflichtwidriger
Weise missen.
ff) Schliesslich sieht die Beschwerdegegnerin ein weiteres Pflichtversäumnis des
Beschwerdeführers darin, dass dieser insbesondere im Hinblick auf den Übertritt der
Schüler von der Real- in die Sekundarschule keine Elterngespräche geführt habe. Der
Beschwerdeführer bringt hierzu vor, dass er im Schuljahr 2004/05 längere Zeit
krankheitsbedingt abwesend gewesen sei, weshalb seine Beurteilungsmöglichkeiten im
ersten Halbjahr jenes Schuljahres eingeschränkt gewesen seien. Er habe deshalb die
Übertrittsgespräche möglichst spät angesetzt; dabei sei ihm bekannt gewesen, dass
die Übertrittsgespräche bis spätestens 25. März 2005 hätten erfolgen sollen. Er habe
jedoch nicht damit rechnen können, ab dem 12. März 2005 wieder arbeitsunfähig zu
sein. Indem ihm die Vorinstanz nun vorwerfe, er hätte sich frühzeitig um diese
Gespräche kümmern müssen, unterstelle sie ihm, dass er seine mögliche
Arbeitsunfähigkeit ab 12. März 2005 hätte kennen müssen. Mit der Forderung, sich
frühzeitig um die Übertrittsgespräche zu kümmern, gewichte die Vorinstanz das
Interesse am formalen Erfüllen der Übertrittsgespräche höher als eine materiell richtige
Beurteilung des Übertritts. Zudem stellt der Beschwerdeführer in Abrede, dass eine
Delegation der Durchführung dieser Gespräche während seiner gesundheitsbedingten
Abwesenheit hätte verlangt werden können; ebenso, dass das Unterlassen der
Delegation ein Dienstversäumnis darstelle.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 24/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Folgt man der Auffassung des Beschwerdeführers, so würde dies dazu führen, dass
die Elterngespräche überhaupt unterbleiben würden, wenn eine Lehrkraft die
Gespräche krankheits- oder anderweitig bedingt nicht selbst vornehmen kann, was
nicht nur in tatsächlicher Hinsicht ein unhaltbares Ergebnis für den betroffenen Schüler
und dessen Eltern bedeuten würde. Gestützt auf Art. 31 Abs. 1 VSG erliess der
Erziehungsrat das Promotions- und Übertrittsreglement (abgekürzt PrÜR). Hiernach
kann der Schulrat am Ende der ersten Realklasse den Übertritt in die erste
Sekundarklasse verfügen, wenn der Anschluss sichergestellt ist (Art. 15 Abs. 1 lit. a
PrÜR). Grundlage dieser Verfügung ist die Empfehlung der Lehrkraft, welche nach
Gesprächen mit den Eltern des betroffenen Schülers ergeht (Art. 15 Abs. 2 in
Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 lit. a Ziff. 1 PrÜR). Die Bedeutung der Elterngespräche
durch die zuständige Lehrkraft sowie die in diesem Zusammenhang vom
Beschwerdeführer begangene Pflichtverletzung sind damit offensichtlich. Das
Argument des Beschwerdeführers, dass er aufgrund seiner krankheitsbedingten
Abwesenheit im ersten Semester des Schuljahres 2004/05 die Übertrittsgespräche
möglichst spät habe ansetzen wollen, ist ebenso unbehelflich wie das Vorbringen, die
Vorinstanz habe ihm unterstellt, wissen zu müssen, dass er ab dem 12. März 2005
arbeitsunfähig sei. Als Lehrer mit jahrzehntelanger Berufserfahrung hätte ihm bewusst
sein müssen, dass die Organisation von Elterngesprächen besonderer Sorgfalt bedarf.
Dabei ist nicht nur die inhaltliche Vorbereitung von massgeblicher Bedeutung, sondern
insbesondere auch die frühzeitige Kontaktaufnahme mit den Eltern, damit sich die
involvierten Personen hinsichtlich der Terminplanung organisieren und aufeinander
abstimmen können. Die Ansetzung der Elterngespräche kurz vor dem 25. März 2005
erweist sich damit als unverantwortlich. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer
während seiner Abwesenheit telefonisch mit den betroffenen Eltern hätte Kontakt
aufnehmen können, wenn er eine Delegation der Elterngespräche schon nicht zulassen
wollte. Aufgrund der von ihm ins Recht gelegten Zusammenstellung seiner Telefonate
war es ihm offensichtlich möglich, während seiner krankheitsbedingten Absenz ab dem
12. März 2005 unzählige Telefonate, darunter auch mehrere mit Lehrerkollegen, zu
führen.
hh) Schliesslich bringt der Beschwerdeführer vor, dass er im Verlaufe seines
Dienstverhältnisses seit 1991 zahlreiche Vertrauenspositionen erworben habe, in denen
er zu schützen sei und welche die Kündigung als treuwidrig erscheinen lassen würden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 25/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Seit 1991 seien seine Lehraufträge vorbehaltlos erneuert worden. Des weitern habe die
Beschwerdegegnerin die Rücknahme seiner im Jahr 2003 ausgesprochenen
Kündigung bestätigt und sich auf eine weitere Zusammenarbeit mit ihm gefreut. Zudem
habe er seine in Österreich bis 1995/96 offen gehaltene Lehrerstelle zugunsten der
Weiterbeschäftigung bei der Beschwerdegegnerin aufgegeben.
Das in Art. 9 BV enthaltene Gebot von Treu und Glauben gilt auch im Verwaltungsrecht
und gibt dem Bürger einen Anspruch auf Schutz des berechtigten Vertrauens, das er in
behördliche Zusicherungen und sonstiges, bestimmte Erwartungen begründendes
Verhalten der Behörden setzt (Häfelin/Müller, a.a.O., Rz. 627).
Die Vorbringen des Beschwerdeführers sind unbehelflich. Insoweit er sich darauf
beruft, er habe seine in Österreich offen gehaltene Lehrerstelle zugunsten und im
Vertrauen auf seine Weiterbeschäftigung gekündigt, ist ihm entgegenzuhalten, dass er
in seinem Schreiben vom 17. Juni 1994 lediglich darum ersuchte, für die nächste
Amtsperiode gewählt zu werden, d.h. von 1994 - 1998. Des weitern änderte sich die
objektive Rechtslage mit dem III. Nachtragsgesetz zum Volksschulgesetz vom 18. Juni
1998 insofern, als damit die Amtsdauer abgeschafft und die Kündigung auf Ende
Semester ermöglicht wurde. Den Akten lässt sich nicht entnehmen, dass mit dem
Beschwerdeführer eine hiervon abweichende Regelung getroffen worden resp. ihm
eine bestimmte Dauer seines Dienstverhältnisses vorbehaltlos zugesichert worden
wäre. Dies wird auch vom Beschwerdeführer selbst nicht geltend gemacht. Letztlich ist
auch zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer bereits im Jahre 1999 seine
Stelle mit sofortiger Wirkung zur Verfügung stellte (vgl. vorinst. act. 9, A55). Im April
2003 kündigte er erneut, zog diese Kündigung dann aber wieder zurück. Dieses
Verhalten offenbart, dass der Beschwerdeführer auf den Bestand seines
Dienstverhältnisses nur bedingt angewiesen ist, was einer rechtlich bedeutsamen
Vertrauensposition ebenfalls entgegensteht.
d) Zu prüfen ist im weiteren, ob die Kündigung mit dem Verhältnismässigkeitsprinzip
vereinbar ist. Dabei fällt in Betracht, dass eine Kündigung nur zulässig ist, wenn
weniger einschneidende Massnahmen, wie etwa Verwarnung oder Versetzung, nicht
zum Ziel führen würden (Michel, a.a.O., S. 302). Ausserdem sind im Rahmen einer
umfassenden Interessenabwägung die privaten Interessen des Arbeitnehmers an
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 26/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
einem Unterbleiben der Kündigung gegen die öffentlichen Interessen des
Gemeinwesens an der Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegeneinander abzuwägen.
Die Auflösung des Dienstverhältnisses ist vorliegend geeignet, das gute Funktionieren
des Schulbetriebs zu gewährleisten. Mildere Massnahmen sind nicht ersichtlich, zumal
die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer betreffend seiner Absenzen mehrfach
und schliesslich unter Fristansetzung aufforderte, weitere ärztliche Zeugnisse
einzureichen. Der Beschwerdeführer ist diesen Aufforderungen nicht nur nicht
nachgekommen, er verweigerte auch eine vertrauensärztliche Untersuchung. Mildere
Massnahmen sind auch deshalb nicht angebracht, weil der Beschwerdeführer durch
seinen Unwillen, Anordnungen und Weisungen der Beschwerdegegnerin Folge zu
leisten, überhaupt die Bereitschaft zur konstruktiven Zusammenarbeit missen lässt.
Zudem fehlt ihm auch jede Einsicht. Bezüglich der privaten Interessen des
Beschwerdeführers fällt in Betracht, dass die Kündigung nach etlichen Dienstjahren
und in vorgerücktem Alter verhältnismässig schwer wiegt. Immerhin zeigt aber der
Umstand, dass der Beschwerdeführer selbst das Arbeitsverhältnis zunächst im Jahr
1999 und ein weiteres Mal im Jahr 2003 gekündigt hatte, dass er auf die Stelle nur
bedingt angewiesen ist. Insgesamt ist deshalb mit der Vorinstanz davon auszugehen,
dass das öffentliche Interesse an einem qualitativ genügenden Schulunterricht und an
einem einwandfreien Schulbetrieb den privaten Interessen des Beschwerdeführers
vorgeht.
e) Zusammenfassend steht somit fest, dass die Kündigung vom 26. April 2005 durch
sachliche Gründe gerechtfertigt ist und sich als verhältnismässig erweist. Auf die
angebotenen Zeugeneinvernahmen wird verzichtet. Die Beschwerde ist als
unbegründet abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
6./ Gemäss Art. 97bis Abs. 1 lit. b VRP werden im Beschwerdeverfahren betreffend das
öffentlich-rechtliche Dienstverhältnis in sachgemässer Anwendung von Art. 343 Abs. 3
OR keine amtlichen Kosten erhoben. Bei der Bemessung des Streitwerts wird nach der
Praxis des Verwaltungsgerichts bei Entscheiden betreffend die Auflösung des
Dienstverhältnisses auf Art. 73 Abs. 2 lit. a des Zivilprozessgesetzes (sGS 961.2)
abgestellt, wonach der Streitwert wiederkehrender Leistungen bei ungewisser oder
unbeschränkter Dauer das Zwanzigfache der einjährigen Leistung beträgt (Hirt, a.a.O.,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 27/28
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
S. 123 f.). Mit Blick auf diese Rechtsprechung ist vorliegend die Streitwertgrenze von
Fr. 30'000.-- ohne weiteres überschritten und das Verfahren kostenpflichtig.
Entsprechend dem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Gebühr von Fr. 3'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 des Gerichtskostentarifs, sGS
941.12). Der einbezahlte Kostenvorschuss in der Höhe von Fr. 2'000.-- ist
anzurechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP). Die Schulgemeinde hat als verfügendes Gemeinwesen
keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Hirt, a.a.O., S. 176 ff.;
Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 830).
Demnach hat das Verwaltungsgericht