# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7789524f-ba03-4984-b80e-2ccb9412370f
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend versuchte schwere Körperverletzung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom 16. Januar 2013 (DG120306)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 20. Sep-
tember 2012 (Urk. HD 38) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte C._ ist schuldig
− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil des
Privatklägers A._ (HD)
− des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB (HD)
− des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB (ND 3)
− des versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB in Verbin-
dung mit Art. 22 Abs. 1 StGB (ND 2)
− des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB (ND 1)
− der qualifizierten einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff. 2 Abs. 2 StGB (ND 1)
2. Von den Körperverletzungsvorwürfen zum Nachteil der Privatkläger
B._, D._ und E._ wird der Beschuldigte C._ freigespro-
chen.
3. Das Verfahren gegen den Beschuldigten I._ wird mit separatem Be-
schluss entschieden.
4. Der Beschuldigte C._ wird bestraft mit 5 Jahren Freiheitsstrafe, wovon
bis und mit heute 536 Tage durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft er-
standen sind.
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5. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Zürich-Sihl vom 30. März 2011 ausgefällten Geldstrafe von 180 Tages-
sätzen zu Fr. 20.– wird widerrufen. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
6. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom
14. Oktober 2010 ausgefällten Freiheitsstrafe von 8 Monaten, welche der
Beschuldigte durch 240 Tage Polizei- und Untersuchungshaft sowie vorsorg-
liche Unterbringung bereits vollständig erstanden hat, wird widerrufen.
7. Es wird eine vollzugsbegleitende ambulante Behandlung des Beschuldigten
C._ im Sinne von Art. 63 StGB (v.a. Behandlung der antisozialen Per-
sönlichkeitsstörung mit deutlichen psychopathischen Anteilen, mit schuli-
scher und beruflicher Förderung) angeordnet.
8. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 29. April 2011
beschlagnahmte und bei der Bezirksgerichtskasse unter Sachkautions-Nr. ...
lagernde Soft-Air Gun HF A02210 wird eingezogen und der Lagerbehörde
zur Vernichtung überlassen.
10. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
14. September 2011 beschlagnahmte und bei der Bezirksgerichtskasse un-
ter Sachkautions-Nr. ... lagernde Klappmesser wird eingezogen und der La-
gerbehörde zur Vernichtung überlassen.
11. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat vom 29. April 2011
beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse unter Barkautions-Nr. ...
lagernden Fr. 110.– werden zur teilweisen Deckung der Verfahrenskosten
verwendet.
12. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
14. September 2011 beschlagnahmten und bei der Bezirksgerichtskasse la-
gernden Gegenstände:
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− Herrenhose (...) − Herrenhemd (...) − Schuhe (...) − Herrenhose (...) − Herrenhemd (...) − Schuhe (...) − Herrenhose (...) − Shirt (...) − Herrenjacke (...) − Schuhe (...) − Kostümierung (...) − Schuhe (...) − Wintergilet (...) − Bauchtasche (...) − 1 Paar Turnschuhe (...) − Flasche (...) − Messer (...)
werden als Beweismittel bei den Akten belassen.
13. Der Herrengurt Louis Vuitton, eingefädelt in Herrenhose (Asservat ...), wird
dem Privatkläger B._ nach Eintritt der Rechtskraft zurückgegeben.
14. Der Beschuldigte C._ wird verpflichtet,
a) dem Privatkläger A._ Schadenersatz von Fr. 1'050.05 zuzüglich
5 % Zins ab 4. September 2011,
b) dem Privatkläger B._ Schadenersatz von Fr. 840.55 zuzüglich 5 %
Zins ab 4. September 2011,
c) dem Privatkläger E._ Schadenersatz von Fr. 2'124.55
zu bezahlen. Im Mehrbetrag werden die Schadenersatzbegehren auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
15. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte C._ gegenüber dem Privat-
kläger D._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach scha-
denersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Scha-
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denersatzanspruches wird der Privatkläger D._ auf den Weg des Zivil-
prozesses verwiesen.
16. Der Beschuldigte C._ wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet,
dem Privatkläger F._ Schadenersatz von Fr. 45.60 zu bezahlen.
17. Der Beschuldigte C._ wird verpflichtet,
a) dem Privatkläger A._ eine Genugtuung von Fr. 8'000.– zuzüglich
5 % Zins ab 4. September 2011,
b) dem Privatkläger B._ eine Genugtuung von Fr. 1'500.– zuzüglich
5 % Zins ab 4. September 2011,
c) dem Privatkläger D._ eine Genugtuung von Fr. 3'000.– und
d) dem Privatkläger E._ eine Genugtuung von Fr. 12'000.–
zu bezahlen. Im Mehrbetrag werden die Genugtuungsbegehren
abgewiesen.
18. Die Gerichtsgebühr betreffend den Beschuldigten C._ wird festgesetzt
auf:
Fr. 8'000.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 200.– Kosten Kantonspolizei
Fr. 12'000.– Gebühr Anklagebehörde
Fr. Kanzleikosten
Fr. 24'136.75 Auslagen Untersuchung
Fr. 47'298.05 amtliche Verteidigung
19. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens betreffend
den Beschuldigten C._ werden diesem auferlegt. Die Kosten der amtli-
chen Verteidigung werden dem Beschuldigten C._ auferlegt, aber
einstweilen auf die Staatskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nach-
forderung nach Art. 135 Abs. 4 StPO.
20. Der Beschuldigte C._ wird verpflichtet,
a) den Privatklägern A._ und B._ eine Prozessentschädigung
von insgesamt Fr. 11'309.75 (inklusive 8% Mehrwertsteuer) und
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b) dem Privatkläger E._ eine Prozessentschädigung von Fr. 8'395.–
zu bezahlen.
21. (Mitteilungen)
22. (Rechtsmittel)
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 134 S. 18 f.)
1. Der Beschuldigte sei von den Vorwürfen
− der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122
Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil
des Privatklägers A._ (HD) sowie
− des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB (HD)
freizusprechen.
2. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten zu be-
strafen, welche der Beschuldigte mit 600 Tagen Haft bereits vollständig
erstanden hat.
3. Die Schadenersatz- und Genugtuungsbegehren der Privatkläger
B._ und A._, E._ und D._ seien auf den Weg des
Zivilprozesses zu verweisen.
4. Dem Beschuldigten sei für die erlittene Überhaft eine Genugtuung von
mindestens CHF 21'400.– zuzusprechen.
5. Die Kosten der Untersuchung und des bezirksgerichtlichen Verfahrens
seien dem Beschuldigten zu einem Fünftel aufzuerlegen und zu vier
Fünfteln auf die Staatskasse zu nehmen.
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6. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien auf die Staatskasse zu
nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(mündlich, vgl. unten)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
_

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abtei-
lung, vom 16. Januar 2013 der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil des
Privatklägers A._ (HD), des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB
(HD), des Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB (ND 3), des versuchten
Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
(ND 2), des Angriffs im Sinne von Art. 134 StGB (ND 1) sowie der qualifizierten
einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB (ND 1)
schuldig gesprochen. Er wurde mit einer Freiheitsstrafe von 5 Jahren bestraft.
Von den Körperverletzungsvorwürfen zum Nachteil der Privatkläger B._,
D._ und E._ wurde er freigesprochen. Ausserdem wurden der bedingte
Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 30.
März 2011 ausgefällten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 20.– sowie bezüg-
lich der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 14. Oktober 2010 ausgefällten
Freiheitsstrafe von 8 Monaten widerrufen und eine vollzugsbegleitende ambulante
Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB (v.a. Behandlung der
Persönlichkeitsstörung vom antisozialen Typus mit deutlichen psychopatischen
Anteilen, mit schulischer und beruflicher Förderung) angeordnet. Nebst dem Ent-
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scheid über beschlagnahmte Gegenstände und Vermögenswerte verpflichtete die
Vorinstanz den Beschuldigten zur Bezahlung von Schadenersatz, Genugtuung
und Prozessentschädigungen an verschiedene Privatkläger (Urk. 117).
Das vorinstanzliche Urteil wurde dem Beschuldigten, der Staatsanwaltschaft
IV des Kantons Zürich (fortan: Staatsanwaltschaft) und den Privatklägern
A._, B._ sowie E._ anlässlich der Hauptverhandlung vom 16. Ja-
nuar 2013 mündlich eröffnet und den Privatklägern D._, F._, G._
sowie H._ am 18. bzw. 19. Januar 2013 schriftlich im Dispositiv zugestellt
(Prot. I S. 31, Urk. 84, Urk. 92/1-3). Mit Eingabe vom 17. Januar 2013 meldeten
die Privatkläger A._ und B._ sowie mit Schreiben vom 18. Januar 2013
der Verteidiger fristgerecht die Berufung an (Urk. 87, Urk. 89). Das begründete
Urteil wurde den Privatklägern A._ und B._ sowie dem Beschuldigten
am 27. März 2013 zugestellt (Urk. 112/2, Urk. 113/1).
Die Privatkläger A._ und B._ liessen mit Eingabe vom 2. April
2013 innerhalb der Frist zur Einreichung der Berufungserklärung die Berufung zu-
rückziehen (Urk. 118), wovon Vormerk zu nehmen ist. Mit Eingabe vom 10. April
2013 reichte die Verteidigung fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 119).
Die Staatsanwaltschaft erhob mit Schreiben vom 18. Juni 2013 Anschlussberu-
fung (Urk. 123). Beweisergänzungen wurden keine beantragt. Mit Eingabe vom
15. Oktober 2013 zog die Staatsanwaltschaft ihre Anschlussberufung zurück
(Urk. 131), wovon ebenfalls Vormerk zu nehmen ist.
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft (Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO).
Der Beschuldigte beantragte in seiner Berufungserklärung eine Abänderung
der Urteilsdispositivziffer 1, was den Schuldspruch wegen versuchter schwerer
Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers A._ (HD) und wegen Rauf-
handels (HD) betrifft, und ersuchte diesbezüglich um einen Freispruch (Urk. 119).
Auch die Dispositivziffern 4 (Strafe), 7 (Massnahme), 8 (Strafvollzug), 14 (Scha-
denersatz an die Privatkläger A._, B._ und E._), 15 (Schadener-
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satzpflicht betreffend Privatkläger D._), 17 (Genugtuung an die Privatkläger
A._, B._, D._ und E._) sowie 18 bis 20 (Kosten- und Entschä-
digungsfolgen) gelten wohl als angefochten, hängen sie doch mit dem angefoch-
tenen Schuldspruch bezüglich des Hauptdossiers zusammen und wies die Vertei-
digung in der Berufungserklärung darauf hin, dass der Beschuldigte – entspre-
chend seinen Abänderungsanträgen – im Rahmen der Berufungsverhandlung
auch zu den Nebenfolgen (Sanktionshöhe, Massnahme, Zivilansprüche, Kosten-
und Entschädigungsfolgen) Stellung nehmen werde (Urk. 119 S. 2). Die Staats-
anwaltschaft beschränkte ihre Anschlussberufung auf den Freispruch von den
Körperverletzungsvorwürfen zum Nachteil der Privatkläger B._, D._ und
E._ gemäss Urteilsdispositivziffer 2 sowie die Bemessung der Strafe gemäss
Urteilsdispositivziffer 4 (Urk. 123). Damit ist festzustellen, dass das Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich, 2. Abteilung, vom 16. Januar 2013 bezüglich der Dispositiv-
ziffern 1 teilweise (Schuldspruch wegen Raubes [ND 3], versuchten Raubes
[ND 2], Angriffs [ND 1] und qualifizierter einfacher Körperverletzung [ND 1]), 3
(Verfahren betreffend I._), 5 und 6 (Widerruf), 9 bis 13 (Entscheid über be-
schlagnahmte Gegenstände/Vermögenswerte) sowie 16 (Schadenersatz an Pri-
vatkläger F._) in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung liessen die Parteien die
eingangs erwähnten Anträge stellen (Prot. II S. 5 f.).
II. Sachverhalt
1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift betreffend HD zusam-
mengefasst vorgeworfen, sich am 4. September 2011 um 3.45 Uhr in Zürich an
einem gemeinsam mit den Mitbeschuldigten I._, J._, K._ und
L._ gegen A._, B._, D._ und E._ geführten Angriff betei-
ligt zu haben. Ausgangspunkt dazu sei gewesen, dass eine Gruppe von 11 Per-
sonen, enthaltend alle Geschädigten, in eine verbale Auseinandersetzung mit
zwei Mädchen gekommen sei, worauf 4-5 junge Männer und eine junge Frau hin-
zu gekommen seien und die Geschädigtengruppe angesprochen hätten. Als die
Geschädigtengruppe ihren Weg fortgesetzt habe, habe ein Mitbeschuldigter –
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mutmasslich L._ – eine Bierflasche in ihre Richtung geworfen und den Ge-
schädigten B._ am Hinterkopf getroffen. Die Geschädigten seien umgekehrt
und hätten die beiden Mädchen sowie die Mitglieder der hinzugekommenen
Gruppe zur Rede gestellt, worauf diese zusammen mit weiteren hinzugekomme-
nen Beteiligten die Geschädigten angegriffen hätten. In der Folge sei es zu einem
Handgemenge zwischen den beiden Gruppen gekommen. Dabei habe sich der
Beschuldigte aktiv am Angriff beteiligt, indem er ein Messer, welches er in einer
Bauchtasche mit sich getragen habe, aus dieser herausgezogen und mit diesem
gegen die Geschädigten eingestochen habe. Dadurch habe er bei den Geschä-
digten A._, B._, D._ und E._ (zum Teil lebensgefährliche)
Schnitt- und Stichverletzungen herbeigeführt (HD 38 S. 2 ff.).
2. Die kurze Vorgeschichte, d.h. die verbale Auseinandersetzung zwi-
schen der Geschädigtengruppe und zwei Kolleginnen des Beschuldigten, das
Weiterziehen der Geschädigtengruppe und der Wurf der Bierflasche durch einen
Mitbeschuldigten wurde vom Beschuldigten nicht bestritten (Prot. I S. 7). Ebenso
räumte er ein, ein Messer herausgezogen zu haben (HD 8/3 S. 2, HD 8/5 S. 8,
Urk. 81 S. 7, Prot. II S. 15 f.). Er stellte das Verhalten der Geschädigten hingegen
so dar, als hätten diese die Gruppe um den Beschuldigten angegriffen und nicht
umgekehrt (HD 8/3 S. 3, HD 8/5 S. 9, HD 8/8 S. 2, Urk. 81 S. 7 f., Prot. II S. 17 f.),
und er bezeichnete J._ als denjenigen, der den vier Geschädigten die
Schnitt- bzw. Stichverletzungen zugefügt habe (HD 8/3 S. 3 und S. 6 f., HD 8/5
S. 10 f., HD 8/6 S. 8, HD 8/8 S. 3 und S. 5, Urk. 81 S. 8, Prot. II S. 18). Er habe
niemanden verletzt oder gestochen (HD 8/3 S. 3, HD 8/5 S. 10 f., HD 8/6 S. 8,
HD 8/8 S. 3 und S. 5, Urk. 81 S. 9 f., Prot. II S. 17). So machte auch die Verteidi-
gung vor Vorinstanz geltend, fest stehe einzig, dass der Beschuldigte am 4. Sep-
tember 2011 ein Messer gezogen habe. Der Beschuldigte habe aber konsequent
bestritten, das Messer auch eingesetzt zu haben (Urk. 82 S. 16). Ein Messerein-
satz durch den Beschuldigten lasse sich nicht rechtsgenügend erstellen. Auch
anderweitig habe der Beschuldigte in das Tatgeschehen nicht eingegriffen. Der
Beschuldigte habe sich an einem allfälligen tätlichen Angriff gar nicht beteiligt
(Urk. 82 S. 19). In der Berufungsverhandlung hat der Beschuldigte bekräftigt,
niemanden absichtlich gestochen zu haben, aber eingeräumt, dass er nicht sicher
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sei, ob er beim Fuchteln jemanden verletzt habe (Prot. II S. 20). Bereits in der Un-
tersuchung hatte er zweimal geäussert, dass er nicht ausschliessen könne, mit
dem Messer jemanden getroffen zu haben (HD 8/3 S. 13; HD 8/5 S. 10 f.), vor
Vorinstanz hatte er dies dann wieder bestritten (Urk. 81 S. 9 und 11 f.; vgl. auch
unten E. 4.2.1).
3. Die Vorinstanz kam zum Schluss, dass sich der Beschuldigte aktiv an
der inkriminierten Auseinandersetzung beteiligt habe, indem er drohend ein Mes-
ser hervorgezogen, mit diesem in Richtung der Geschädigten herumgefuchtelt
und dabei dem Privatkläger A._ eine 12 cm lange Schnittverletzung im Be-
reich des Kinns und Mundwinkels zugefügt habe. Sie erachtete es jedoch als
nicht mit der für eine Verurteilung nötigen Sicherheit nachweisbar, dass der Be-
schuldigte auch für die Verletzungen der Privatkläger B._, D._ und
E._ verantwortlich sei, und sprach ihn bezüglich dieser drei Privatkläger von
den Körperverletzungsvorwürfen frei (Urk. 117 S. 69).
4. Der Beschuldigte beantragt hingegen einen vollumfänglichen Frei-
spruch betreffend HD, die Staatsanwaltschaft demgegenüber einen vollumfängli-
chen Schuldspruch. Es ist nachfolgend zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismit-
tel genügen, um den vom Beschuldigten bestrittenen Teil des Sachverhalts
rechtsgenügend zu erstellen.
Die Vorinstanz hat ausführliche und zutreffende Ausführungen zu den
Grundsätzen und Regeln der Beweiswürdigung gemacht, worauf vollumfänglich
verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 117 S. 12 ff.). Auch zur
Glaubwürdigkeit der befragten Personen sowie zur Verwertbarkeit von deren
Aussagen hat die Vorinstanz umfassende und zutreffende Ausführungen ge-
macht, auf welche vollumfänglich verwiesen werden kann (Urk. 117 S. 16 ff.).
Der eingeklagte Sachverhalt beruht nebst den Aussagen des Beschuldigten
insbesondere auf den Aussagen von I._, J._, K._, A._,
M._, N._, O._ sowie P._, welche im vorinstanzlichen Urteil
ausführlich und zutreffend wiedergegeben wurden. Um unnötige Wiederholungen
zu vermeiden, ist auf die entsprechenden Ausführungen in den vorinstanzlichen
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Erwägungen zu verweisen (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 117 S. 18 ff.). Zusammen-
fassend und teilweise ergänzend kann Folgendes festgehalten werden:
4.1. Beteiligung an der Auseinandersetzung der beiden Gruppen
4.1.1. Nachdem der Beschuldigte zu Beginn der Untersuchung noch bestrit-
ten hatte, am 4. September 2011 überhaupt am Tatort gewesen zu sein (HD 8/1
S. 6 ff., HD 8/2 S. 2 f.), räumte er in der polizeilichen Einvernahme vom
7. Oktober 2011 ein, sich am Tatabend beim ... und damit am Ort, wo die Ausei-
nandersetzung stattfand, befunden zu haben. Nach dem Wurf mit der Flasche
hätten die Geschädigten ihn mit dem Messer gesehen und seien direkt auf ihn
zugekommen. Es seien etwa 4-5 Personen gewesen. Sie hätten angefangen, auf
ihn einzuschlagen, und er habe eine Abwehrbewegung vor seinem Gesicht ge-
macht, indem er mit dem Messer in der Hand herumgefuchtelt habe. Nachdem er
zu Boden gefallen sei, habe er einfach abgewehrt (HD 8/3 S. 2 f.). Anlässlich der
Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 24. November 2011 führte der Be-
schuldigte aus, nachdem sie nach der verbalen Auseinandersetzung mit den Ge-
schädigten weggegangen seien und die Flasche geworfen worden sei, seien die
Geschädigten aggressiv geworden. Dann habe er das Messer gezückt. Die vier
Geschädigten seien direkt zu ihm gekommen, da sie gedacht hätten, er habe die
Flasche geworfen, und dann habe ihn einer von denen geschlagen. L'._
(gemeint L._) sei herumgesprungen und habe angefangen, mit den Händen
zu schlagen. Dann seien die Geschädigten mit der Stange auf ihn (den Beschul-
digten) losgegangen, und er habe dann mit dem Messer die Geschädigten ab-
wehren wollen. Er sei umgefallen und habe auch mit den Beinen weggestossen
(HD 8/5 S. 8 f.). Als die anderen mit einer Stange auf ihn losgekommen seien,
habe er alle von sich "wegschupfen" wollen und auch Kicks ausgeteilt. Er sei häs-
sig geworden, weil er nicht derjenige gewesen sei, der eine Flasche geworfen ha-
be, und er nichts gemacht habe, und dann habe er angefangen, sie alle zu kicken
(HD 8/5 S. 10). In der Schlusseinvernahme vom 6. September 2012 machte der
Beschuldigte geltend, es stimme nicht, dass sie als erste angegriffen hätten. Er
sei an der Auseinandersetzung dabei gewesen, habe aber nicht direkt eingegrif-
fen. Es stimme nicht, dass er bei der Auseinandersetzung mit den Geschädigten
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auf diese eingestochen habe. Er habe das gleiche wie L'._ gemacht, d.h.
auch "geschlägelt" wie die anderen und wie die Geschädigten (HD 8/8 S. 2 f.).
Anlässlich der Hauptverhandlung vor Vorinstanz vom 15. Januar 2013 führte er
aus, er habe das Messer herausgezogen, weil er gesehen habe, dass es ausar-
ten werde. Die Geschädigten seien nach dem Flaschenwurf zurückgekommen
und hätten ihn mit der Stange am Ellbogen geschlagen. Dann habe er noch einen
Schlag an den Finger der Hand, in welcher er das Messer gehalten habe, be-
kommen, und anschliessend hätten alle auf sie (die Mitglieder der Gruppe um den
Beschuldigten) eingeschlagen (Urk. 81 S. 7 f.). In der Berufungsverhandlung führ-
te der Beschuldigte aus, dass er mit dem hervorgenommenen Messer nur seine
Kollegen habe beschützen wollen, weil die anderen zu zehnt gewesen seien und
sie nur zu viert. Das Messer habe er einfach so in der Hand gehabt; an Details
könne er sich nicht mehr erinnern. Herumgefuchtelt habe er erst, als sie auf ihn
zugekommen seien und er zu Boden gefallen sei. Eigentlich habe er das Messer
wieder versorgen wollen, aber sie seien so schnell auf ihn losgekommen, dass er
dazu keine Zeit mehr gehabt habe. Sie hätten ihm dann die Stange – den unteren
Teil eines grossen Sonnenschirms – an den Arm bzw. auf die Finger geschlagen,
und das Messer sei ihm aus der Hand gefallen. J._ sei es gewesen, der
A._ ins Gesicht geschnitten habe: Dieser habe ihm helfen wollen und dabei
den anderen gestochen oder geschnitten. Er sei sich sicher, dass er niemanden
gestochen habe, könne aber nicht ausschliessen, dass er beim Fuchteln jeman-
den verletzt habe (Prot. II S. 17 ff.).
Da selbst der Beschuldigte einräumte, vor den Geschädigten ein Messer
gezückt und damit herumgefuchtelt sowie – wenn auch nur zur Abwehr, wie er
geltend machte – gestossen, gekickt und "geschlägelt" zu haben, kann eine Betei-
ligung des Beschuldigten an der Auseinandersetzung der beiden Gruppen bereits
aufgrund seiner eigenen Aussagen als erstellt gelten. Wie im Folgenden zu zei-
gen sein wird, weisen auch die Ausführungen weiterer beteiligter Personen darauf
hin.
4.1.2. Der Mitbeschuldigte I._ führte in der Hafteinvernahme vom 11.
Oktober 2011 zur Auseinandersetzung aus, nach dem Flaschenwurf seien die
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Geschädigten auf sie losgegangen. Sie seien zu viert auf J._ losgegangen,
dann habe es eine "Rieseneskalation" gegeben. Es seien plötzlich alle aufge-
taucht und auf sie losgegangen (HD 7/1 S. 3). In der polizeilichen Einvernahme
vom 14. Oktober 2011 führte I._ aus, nach dem Wurf mit der Flasche habe
es eine Eskalation gegeben, wobei die Geschädigtengruppe einen von ihnen an-
gegriffen habe. J._ sei dann in die Gruppe gegangen und habe begonnen,
Schläge auszuteilen. Daraufhin seien etwa vier Männer auf J._ losgegangen.
Er selber habe einen Schlag gegen das Gesicht bekommen und habe seinen
Schirm quer gehalten, um so die Leute von sich wegzustossen (HD 7/2 S. 2). Er
wisse, dass der Beschuldigte C._ einen Schlag erhalten habe. Nachher habe
er nur gehört, wie der Beschuldigte sehr wütend geworden sei. Wenn der Be-
schuldigte seine Zähne zeige, sei dies ein schlechtes Zeichen. Dann raste er aus.
Und dies sei passiert. Er sei von allen Seiten in die Gruppe gerannt und habe
ausgeteilt. Was er aber genau gemacht habe, habe er nicht gesehen (HD 7/2 S.
8). Bei der Staatsanwaltschaft führte I._ am 13. Januar 2012 aus, nachdem
die Flasche geflogen sei, seien sie (die Geschädigten) auf sie losgegangen. Sie
seien dann auf J._ losgegangen, sicher fünf Leute. Er sei dann reingegangen
und habe plötzlich auch etwas kassiert. Er habe den Schirm genommen und mit
diesem die andern von sich weggedrückt. Sie hätten dann "geschlegelt". Was den
Beschuldigten C._ betreffe, so habe er nur gesehen, dass einer auf C._
losgegangen sei. Sie hätten sich geschlagen, und dann seien sie (die Mitglieder
der Gruppe um den Beschuldigten) weggerannt. Die Frage, ob C._ wütend
geworden sei, bejahte I._ und führte aus, dieser sei einfach ausgerastet (HD
7/4 S. 2 f.).
4.1.3. J._, aus der Gruppe des Beschuldigten, führte in der polizeilichen
Einvernahme vom 15. September 2011 aus, nachdem jemand die Flasche gewor-
fen habe, habe er sich umgedreht und gesehen, wie vier Leute auf den Beschul-
digten C._ losgegangen seien. Dann sei er (J._) einfach drein gerannt
und habe irgendwem die Faust gegeben. Es seien sehr viele auf ihn losgekom-
men. Er habe ein paar Kicks kassiert, sich aber auch gewehrt und abgeblockt.
Der einzige, der richtig mit Fäusten geschlagen habe, sei er gewesen. Der Be-
schuldigte C._ habe eine "Flättere" bekommen, dann seien sie auf ihn
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(J._) losgekommen (HD 10/1/1 S. 4 f.). C._ habe anlässlich der verba-
len Auseinandersetzung das Messer in die Hand genommen, um Angst zu ma-
chen. Nachdem die Flasche kaputt gegangen sei, hätten die Geschädigten ange-
fangen, dreinzuschlagen (HD 10/1/1 S. 7). Auch in der Einvernahme bei der
Staatsanwaltschaft vom 19. September 2011 führte J._ aus, nach dem Wurf
mit der Flasche seien die anderen auf sie zugekommen, und dann seien sie am
Kassieren gewesen, und er sei durchgedreht (HD 10/1/2 S. 5). Bei der Polizei
führte J._ am 3. Oktober 2011 aus, nach dem Wurf mit der Flasche hätten al-
le Leute der Geschädigtengruppe den Beschuldigten C._ umkreist und seien
auf ihn losgegangen. Er (J._) sei dann in die Gruppe reingerannt (HD 10/1/3
S. 3). Anlässlich der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 13. Januar
2012 wiederholte J._, dass die Geschädigten nach dem Flaschenwurf zu
viert oder zu fünft auf den Beschuldigten losgegangen seien und er selbst direkt
reingerannt sei (HD 10/1/4 S. 2). Vor Vorinstanz führte er am 15. Januar 2013
aus, die Geschädigten hätten schon geschrien, wer das gewesen sei, seien aber
direkt auf sie losgegangen (Urk. 80 S. 6).
4.1.4. K._, aus der Gruppe des Beschuldigten, führte in der polizeili-
chen Einvernahme vom 19. September 2011 aus, sie habe nicht zugeschaut, als
ihre Kollegen zugeschlagen hätten, und wisse nicht, ob sie Waffen dabei gehabt
hätten. Sie wisse, dass sie zugeschlagen hätten, weil sie die Schläge gehört habe
(HD 10/3/1 S. 9). Sie habe aber gesehen, wie J._ einem der Geschädigten
zwei "Boxe" gegeben und der andere ihm dann zwei "Kicks" zurückgegeben habe
(HD 10/3/1 S. 11), was sie auch gegenüber der Jugendanwaltschaft wiederholte,
wobei sie korrigierte, dass J._ zuerst gekickt worden sei und erst dann ge-
boxt habe (HD 10/3/3 S. 4). Sie habe nicht gesehen, was der Beschuldigte
C._ und I'._ (gemeint I._) gemacht hätten (HD 10/3/3 S. 4), was sie
auch am 28. September 2011 bei der Polizei wiederholte (HD 10/3/5 S. 5).
Von den zur Gruppe des Beschuldigten gehörenden Personen, d.h. I._,
J._ und K._, ergibt sich zumindest aus den Aussagen von I._ und
J._, dass diese gesehen haben, wie sich der Beschuldigte an der Auseinan-
dersetzung beteiligte. Sie stellten die Situation zwar beide so dar, als hätten zu-
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erst (nach erfolgtem Flaschenwurf aus ihrer Gruppe) die Geschädigten angegrif-
fen, sprachen dann aber davon, wie der Beschuldigte ausgerastet und in die Ge-
schädigtengruppe gerannt sei und wie er ausgeteilt, sich geschlagen und das
Messer in die Hand genommen habe.
Von den ebenfalls zur Gruppe des Beschuldigten gehörenden Personen, de-
ren Aussagen mangels Konfrontation mit dem Beschuldigten nicht zu seinen Las-
ten verwendet werden dürfen, ergibt sich nichts Entlastendes betreffend die Aus-
einandersetzung (vgl. polizeiliche Einvernahmen von Q._, HD 10/2/1, HD
10/2/2, HD 10/2/3 = HD 3/4, HD 10/2/4 = HD 3/5, L._, HD 10/4/1, HD 10/4/1
und R._, HD 12/11). Einzig S._ führte in der polizeilichen Einvernahme
vom 19. Oktober 2011 aus, die anderen Männer seien auf J._ losgegangen.
Danach sei es losgegangen, es habe eine Schlägerei gegeben (HD 12/8 S. 5).
Dies untermauert die Version des Beschuldigten sowie von I._ und J._,
wonach die Geschädigten zuerst angegriffen hätten.
4.1.5. Der Privatkläger A._ führte in der polizeilichen Einvernahme vom
6. September 2011 zur Auseinandersetzung aus, nachdem die Flasche den Hin-
terkopf seines Bruders getroffen habe, seien sie (die Geschädigten) umgekehrt
und hätten die Gruppe um den Beschuldigten gefragt, was dies solle. Plötzlich
seien ca. 15 Leute um sie herum gewesen und hätten angefangen zu diskutieren.
Dann seien sie (die Mitglieder der Gruppe des Beschuldigten) plötzlich von links
und rechts in ihre Gruppe hineingekommen und hätten mit Messern zugestochen
(HD 11/2/1 S. 2 f.). Er beschrieb jemanden mit dem Äusseren des Beschuldigten,
der bei der Diskussion das Messer herausgenommen und ihn damit am Kinn er-
wischt habe (HD 11/2/1 S. 4). Als dieser auf ihn zugekommen sei, habe er drein-
schlagen wollen, habe aber nicht gesehen, dass er ein Messer habe. Auf Hinweis
des vernehmenden Polizeibeamten, er habe eben noch gesagt, er habe gesehen,
dass dieser Typ ein Messer gehabt habe, führte A._ korrigierend aus, dieser
habe das Messer raus genommen, sei auf die andere Seite gelaufen, und danach
habe er ihn nicht mehr beachtet. Er sei dann auf seiner linken Seite plötzlich wie-
der auf ihn zugekommen. Dies habe er nicht gesehen, sondern plötzlich den Stich
in seinem Kinn gespürt. Er sei im ganzen Gewühl der Gruppe drin gewesen und
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habe seinen Kollegen helfen wollen. Da müsse er sich ihm von der Seite genähert
und zugestochen haben (HD 11/2/1 S. 5). Er wisse nicht, was den Anlass dazu
gegeben habe, dass nach der Diskussion plötzlich zugestochen worden sei (HD
11/2/1 S. 6). Während des Vorfalls habe er eigentlich beim Helfen seiner Kollegen
dreinschlagen wollen, doch sei er gar nicht dazu gekommen, weil bereits der Ein-
satz mit dem Messer gegen ihn passiert sei (HD 11/2/1 S. 7). Anlässlich der Ein-
vernahme bei der Staatsanwaltschaft vom 16. Januar 2012 führte A._ aus,
nachdem die Flasche geflogen gekommen sei, seien sie zur Gruppe um den Be-
schuldigten zurückgekehrt und hätten ganz lieb gefragt, wer das gewesen sei.
Dann seien schon ca. 10 Personen dort gestanden. Diese seien auf sie zuge-
kommen, und es sei alles ganz schnell gegangen (HD 11/2/2 S. 3).
4.1.6. M._, aus der Gruppe der Geschädigten, führte am 4. September
2011 bei der Polizei bezüglich der Auseinandersetzung aus, nachdem die Flasche
B._ am Kopf getroffen habe, seien sie alle zurückgegangen und hätten ge-
fragt, wer die Flasche geworfen habe. Es seien noch weitere Männer dazu ge-
kommen. Sie hätten erneut gefragt, wer die Flasche in ihre Richtung geworfen
habe, worauf sie (die Mitglieder der Gruppe des Beschuldigten) plötzlich auf seine
Kollegen losgegangen seien und grundlos auf diese eingeschlagen hätten. Es sei
alles sehr schnell gegangen. Er selber sei nicht angegriffen worden. Es seien
mindestens drei Personen gewesen, die aktiv zugeschlagen und zugestochen
hätten. Er könne die drei aber nicht besser beschreiben (HD 12/4 S. 2 f.). Seine
Kollegen hätten Gegenwehr geleistet. Sie hätten keine andere Wahl gehabt (HD
12/4 S. 5). Anlässlich der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom
16. Januar 2012 wiederholte M._, dass sie die Gruppe des Beschuldigten
gefragt hätten, wer die Flasche geworfen habe. Sie hätten nur gefragt und seien
nicht sofort tätlich geworden. Dann hätten sie links von ihm angefangen, dreinzu-
schlagen. Sein Kollege rechts von ihm habe geschrien, sie sollten abhauen, sie
(die Mitglieder der Gruppe des Beschuldigten) hätten Messer (HD 12/5 S. 3).
4.1.7. N._, aus der Gruppe der Geschädigten, führte in der polizeilichen
Einvernahme vom 4. September 2011 betreffend die Auseinandersetzung aus,
nachdem die Flasche den Kopf von B._ getroffen habe, seien sie auf die Ju-
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gendlichen (die Mitglieder der Gruppe des Beschuldigten) losgegangen. Sie hät-
ten sich wehren wollen. Sie seien ohne zu überlegen auf die Jugendlichen losge-
rannt. Sie seien auf die ganze Gruppe zugerannt. Man könne sagen, dass es zu
einem heftigen Handgemenge gekommen sei. Die Jugendlichen hätten plötzlich
Verstärkung erhalten. Sie selbst seien nur etwa 6-7 Personen gewesen. Auch
B._ sei dann plötzlich bei ihnen gestanden und habe sich zur Wehr gesetzt
und ihnen geholfen (HD 12/14 S. 4). Als Zeuge führte N._ aus, nachdem
B._ am Kopf getroffen worden sei, sei einer der anderen Gruppe auf einen
von ihrer Gruppe losgegangen, und so habe es begonnen (HD 12/6 S. 3).
4.1.8. O._ kennt den Beschuldigten nicht persönlich und war an der
Auseinandersetzung vom 4. September 2011 auch nicht dabei. Die Privatkläger
E._ und B._ kennt sie ebenfalls nicht (HD 12/12 S. 1 f.).
4.1.9. P._ kennt den Beschuldigten sowie die Privatkläger E._ und
B._ ebenfalls nicht. Sie war beim Vorfall vom 4. September 2011 nicht dabei
und sagte aus, auch nicht davon gehört zu haben (HD 12/18 S. 2 f.).
4.1.10. Von den ebenfalls zur Gruppe der Privatkläger gehörenden Perso-
nen, deren Aussagen mangels Konfrontation mit dem Beschuldigten nicht zu sei-
nen Lasten verwendet werden dürfen, ergibt sich überwiegend nichts Entlasten-
des betreffend die Auseinandersetzung (vgl. polizeiliche Einvernahmen von
T._, HD 12/3, U._, HD 12/7 und E._, HD 11/5/2). V._ sagte
jedoch in der polizeilichen Einvernahme vom 4. September 2011 aus, ein paar
von ihnen, etwa vier bis fünf Leute, seien zu denen hingegangen. Es habe eine
Schlägerei gegeben, wer angefangen habe, könne er nicht sagen (HD 12/6 S. 2).
Der Privatkläger B._ führte sodann in der polizeilichen Einvernahme vom 4.
September 2011 aus, er habe auch Schläge ausgeteilt, um sich zu schützen. Er
habe getreten und um sich geschlagen (HD 11/3/1 S. 4 und S. 8). Der Privatklä-
ger D._ führte in der polizeilichen Einvernahme vom 9. September 2011 aus,
nachdem die Flasche an den Kopf von B._ geflogen sei, seien sie schon et-
was ernsthafter geworden und hätten mit Nachdruck gefragt, wer dies gemacht
habe und was dies solle. Es habe dann sicher das eine oder andere Wortgefecht
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gegeben. Sie hätten sich verteidigt und seien sicher nicht nur dagestanden, um
sich verschlagen zu lassen (HD 11/4/1 S. 5).
Die befragten Personen der Gruppe der Geschädigten machten mehrheitlich
geltend, die Gruppe des Beschuldigten hätte zuerst dreingeschlagen. Allerdings
ergibt sich aus den bei der Polizei gemachten Aussagen von N._, dass die
Frage der Geschädigten an die Gruppe des Beschuldigten, wer die Flasche ge-
worfen habe, nicht so "lieb" gestellt wurde wie vom Privatkläger A._ darge-
legt. Sprach er doch davon, wie sie (die Geschädigten) ohne zu überlegen auf die
Gruppe des Beschuldigten losgerannt seien und es dann zum Handgemenge ge-
kommen sei. Auch B._ führte aus, dass sie nach dem Wurf mit der Flasche
ernsthafter geworden seien und mit Nachdruck gefragt hätten, wer dies gemacht
habe und was dies solle. Sodann räumte V._ ein, nicht zu wissen, wer die
Schlägerei angefangen habe, nachdem ein paar ihrer Gruppe zur Gruppe des
Beschuldigten hingegangen seien. Gestützt auf diese Ausführungen ist nicht aus-
zuschliessen, dass auch das Verhalten der Geschädigten zur Schlägerei geführt
haben könnte bzw. es kann im Nachhinein nicht mehr erstellt werden, welche von
beiden Gruppen nun tatsächlich zuerst angegriffen hatte. Schliesslich räumten
auch die Geschädigten ein, dass einige ihrer Gruppe (zumindest zurück-
)geschlagen hätten. Unter diesen Umständen ist vielmehr von einer tätliche Aus-
einandersetzung auszugehen, an welcher die beiden Gruppen wechselseitig tät-
lich gegeneinander vorgingen, als nur von einem Angriff der einen Gruppe auf die
andere.
Bereits aufgrund der Ausführungen von J._ und K._ ist erstellt,
dass sich der Beschuldigte an der tätlichen Auseinandersetzung beteiligt hatte.
Auch die Aussagen des Beschuldigten selbst, aus welchen hervorgeht, dass er
das Messer gezückt und damit herumgefuchtelt sowie gestossen, gekickt und
"geschlägelt" habe, weisen auf eine Beteiligung hin. Schliesslich wird der Be-
schuldigte von den glaubhaften Aussagen von A._ belastet, welcher ihn nicht
nur mit dem Messer in der Hand, sondern auch im Handgemenge gesehen hatte.
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4.2. Einsatz des Messers
4.2.1. In der Hafteinvernahme vom 19. September 2011 bestritt der Be-
schuldigte zwar noch, am 4. September 2011 am Tatort gewesen zu sein, machte
aber geltend, er wisse bzw. habe gehört, dass J._ mit dem Messer gesto-
chen habe (HD 8/2 S. 3 f.). Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom 7. Ok-
tober 2011 räumte er ein, an der verbalen Auseinandersetzung zwischen der Ge-
schädigtengruppe und den Frauen sein Messer aufgemacht zu haben, da er da-
mit habe bewirken wollen, dass die Geschädigten weggehen. J._ habe mit
diesen gesprochen, und sie hätten sich umgedreht. Nach dem Wurf der Flasche
habe er sich erneut umgedreht und die 10 Leute "voll aggressiv" gesehen. Sie
hätten ihn mit dem kleinen billigen Messer gesehen und seien direkt auf ihn zuge-
kommen. Es seien etwa 4-5 Personen gewesen. Sie hätten angefangen, auf ihn
einzuschlagen, und er habe eine Abwehrbewegung vor seinem Gesicht gemacht,
indem er mit dem Messer in der Hand herumgefuchtelt habe. Er sei so halbwegs
zu Boden gefallen und habe einen Schlag auf die Hand von einer Stange oder so
ähnlich erhalten. Dabei sei das Messer zu Boden gefallen, und er sei nach hinten
zu Boden gefallen. Er habe dort einfach abgewehrt, und dann sei J._ ge-
kommen. Er habe nicht gewusst, dass dieser ein Messer habe, und er habe ge-
sehen, wie er die anderen gestochen habe. Er selber habe niemanden verletzt
oder gestochen (HD 8/3 S. 2 f.). Zu K._ hätten er und J._ gesagt, sie
hätten gestochen. Er habe K._ nicht sagen wollen, dass er "drunter" gekom-
men sei (HD 8/3 S. 9). Der Beschuldigte räumte schliesslich ein, er habe sicher
niemanden absichtlich verletzt. Ob er beim Herumfuchteln jemanden verletzt ha-
be, könne er nicht mit Gewissheit ausschliessen (HD 8/3 S. 13). In der Einver-
nahme bei der Staatsanwaltschaft vom 24. November 2011 führte er aus, das
Messer erst nach dem Wurf mit der Flasche, als die Geschädigten wieder auf sie
getroffen seien, gezückt zu haben. Er habe mit dem Messer die Geschädigten
abwehren wollen, als diese mit der Stange auf ihn losgegangen seien (HD 8/5 S.
8 f.). Er habe mit dem Messer nicht auf andere Leute eingestochen. Er wisse
nicht, ob er mit dem Messer andere Leute geschnitten habe, da er einfach habe
abwehren wollen. Die Verletzungen der vier Geschädigten seien nicht durch das
von ihm eingesetzte Messer zugefügt worden, da er wisse, dass er nicht gesto-
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chen habe (HD 8/5 S. 10 f.). Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 6. Septem-
ber 2012 bestritt der Beschuldigte erneut, auf die Geschädigten eingestochen zu
haben. Dies sei J._ gewesen (HD 8/8 S. 3 und S. 5). Vor Vorinstanz führte
der Beschuldigte am 15. Januar 2013 erneut aus, J._ habe den vier Geschä-
digten die Schnitt- bzw. Stichverletzungen zugefügt. Es treffe zu, dass er Bewe-
gungen mit dem Messer vor seinem (eigenen) Gesicht ausgeführt habe, indem er
damit herumgefuchtelt habe. Er habe aber niemandem mit dem Messer getroffen.
Sein heutiger Standpunkt sei, dass er niemanden verletzt habe (Urk. 81 S. 8 f.).
Zu den Aussagen des Beschuldigten betreffend das Messer in der Berufungsver-
handlung vgl. bereits oben E. 4.1.1.
4.2.2. Der Mitbeschuldigte I._ will gemäss seiner Aussage in der
Hafteinvernahme vom 11. Oktober 2011 keine Messer gesehen haben (HD 7/1 S.
3), was er am 14. Oktober 2011 auch gegenüber der Polizei wiederholte (HD 7/2
S. 7). Auch in der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft am 13. Januar 2012
verneinte er, gesehen zu haben, dass jemand ein Messer benützt habe (HD 7/4
S. 2).
4.2.3. In der polizeilichen Einvernahme vom 15. September 2011 führte
J._ aus, er habe nicht gestochen, er habe kein Messer dabei gehabt. Er wis-
se nicht, ob der Beschuldigte C._ gestochen habe (HD 10/1/1 S. 5). Auf Vor-
halt der Verletzungen räumte J._ ein, er sei das gewesen und habe das
Messer weggeworfen. Der Beschuldigte habe schon ein Messer gehabt, er aber
auch. Vor der Schlägerei habe der Beschuldigte damit angegeben und es gezeigt.
Er habe anlässlich der verbalen Auseinandersetzung das Messer in die Hand ge-
nommen, um Angst zu machen. Er sei mit dem Messer umhergelaufen, dann sei
die Flasche kaputt gegangen. Dann hätten die Geschädigten angefangen drein-
zuschlagen. Er selber sei voll ausgerastet und habe sein Messer hervorgenom-
men. C._ habe niemanden gestochen. Er selbst habe gestochen. Er sei
durchgedreht, niemand anders (HD 10/1/1 S. 7 und S. 9). Auch in der Hafteinver-
nahme vom 19. September 2011 wiederholte J._, das Messer genommen zu
haben und durchgedreht zu sein. Er habe mehrere Personen verletzt, im Gesicht,
an den Armen, am Rücken (HD 10/1/2 S. 2). Der "Kollege" habe auch ein Messer
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gehabt, aber er habe ihn nicht stechen sehen. Die Verletzungen der vier Geschä-
digten habe er verursacht (HD 10/1/2 S. 6 f.). In der polizeilichen Einvernahme
vom 3. Oktober 2011 machte J._ geltend, die Wahrheit sei, dass er nicht ge-
stochen, sondern nur mit den Fäusten geschlagen habe (HD 10/1/3 S. 2). Es sei
der Beschuldigte C._ gewesen, der mehreren Leuten Stichverletzungen zu-
gefügt habe. Die Frage, ob er dies gesehen habe, verneinte er jedoch. Er wisse
es, weil es ihm der Beschuldigte nachher erzählt habe. Der Beschuldigte habe
gesagt, dass er, als jemand auf ihn zugekommen sei, diesen von vorne her um
die Person herum in den Rücken gestochen habe. Einen habe er glaublich in den
Arm gestochen, und die Person, von der er eine Ohrfeige kassiert habe, habe er
im Gesicht geschnitten (HD 10/1/3 S. 4 f.). J._ kam in der Einvernahme bei
der Staatsanwaltschaft vom 13. Januar 2012 wieder auf seine frühere Version zu-
rück und führte aus, er habe das Messer hervorgenommen und begonnen, zuzu-
stechen. Er habe in der einen Einvernahme gesagt, er sei es nicht gewesen, weil
er gedacht habe, er könnte so aus der Haft entlassen werden. C._ habe gar
kein Messer gehabt. Er habe niemanden gestochen (HD 10/1/4 S. 3 f.). Am 4. Juli
2012 wiederholte J._ gegenüber der Staatsanwaltschaft, dass er anlässlich
der Auseinandersetzung das Messer hervorgeholt habe. Er habe zuerst damit
herumgefuchtelt und dann zugestochen. Den ersten Geschädigten habe er ins
Gesicht gestochen, an der Wange. Zwei Geschädigte habe er in den Rücken ge-
stochen. Es seien so viele Leute um ihn herum gewesen, da habe er einfach zu-
gestochen. Nachdem er jenen an der Wange verletzt habe, habe er sich etwas
umgedreht, und da sei der andere gewesen, der seitlich zu ihm versetzt gestan-
den sei, den habe er in den Rücken gestochen. Der dritte sei auf der anderen Sei-
te gestanden. Eine weitere Person habe er am Oberarm verletzt, fast bei der
Schulter (HD 10/1/5 S. 2 ff.). Er räumte sodann ein, es könne sein, dass das Mes-
ser, welches bei Q._ sichergestellt worden war und ihm vom Staatsanwalt
gezeigt wurde, dasjenige sei, welches C._ mitgeführt habe (HD 10/1/5 S. 5).
Damit kam er wieder auf seine frühere Version zurück, wonach C._ auch ein
Messer dabei gehabt habe. Anlässlich der Einvernahme vor Vorinstanz am 15.
Januar 2013 führte J._ aus, als er gesehen habe, dass sie gegen die Ge-
schädigten keine Chance hätten, habe er sein Messer hervornehmen müssen. Er
- 24 -
sei durchgedreht und habe Angst um sein Leben gehabt, als die Geschädigten
auf ihn zugekommen seien. Er habe dann zugestochen. Sonst habe niemand die
Geschädigten mit einem Messer verletzt. Er könne sich nicht erinnern, ob der Be-
schuldigte mit dem Messer vor seinem Gesicht herumgefuchtelt habe, und er-
gänzte, dass er glaube, der Beschuldigte habe niemanden verletzt. Nur er habe
gestochen (Urk. 80 S. 7 ff.).
4.2.4. K._ führte in der polizeilichen Einvernahme vom 19. September
2011 aus, J._ habe ihr nach der Schlägerei erzählt, er habe einige "Boxe"
gegeben. Der Beschuldigte C._ habe am nächsten Tag erzählt, er habe mit
dem Messer gestochen. Er habe gesagt, er habe so vier oder fünf Leute gesto-
chen. Einen davon ins Gesicht, die anderen Stiche wisse sie nicht. Sie habe das
Messer nicht gesehen und auch nicht, wie der Beschuldigte C._ dieses ein-
gesetzt habe (HD 10/3/1 S. 9 ff.). Bei der Jugendanwaltschaft wiederholte
K._ gleichentags, dass der Beschuldigte später erzählt habe, er habe vier
oder fünf Personen mit einem Messer gestochen. Zuerst habe er jemanden an
der Wange gestreift. Sie habe das Messer aber nicht gesehen und auch nicht,
was der Beschuldigte gemacht habe (HD 10/3/3 S. 3 f.). In der polizeilichen Ein-
vernahme vom 28. September 2011 führte K._ aus, der Beschuldigte habe
ihr gesagt, dass er 4-7 Menschen gestochen habe. Er habe nur gesagt, dass er
eine Person im Gesicht gestreift habe, was bei den anderen sei, wisse er nicht.
Sie wiederholte, das Messer nicht gesehen zu haben. J._ habe kein Messer
gehabt (HD 10/3/5 S. 5 f.). In der Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft vom
13. Januar 2012 (in Anwesenheit des Beschuldigten) antwortete K._, sie
wisse nicht mehr, was ihr der Beschuldigte nach der Schlägerei erzählt habe und
dass er ihr erzählt habe, er habe zugestochen. Sie bestätigte aber, gegenüber der
Polizei und der Jugendanwaltschaft die Wahrheit gesagt zu haben (HD 10/3/6 S.
4 ff.).
4.2.5. In der polizeilichen Einvernahme vom 6. September 2011 führte der
Privatkläger A._ aus, bei der Diskussion habe einer ein Messer aus seinem
Bauchtäschchen herausgenommen und gesagt: "So jetzt chönd er cho". Dieser
Typ sei vermutlich Türke, ca. 18-jährig, ca. 170 cm gross und kräftig. Er habe ei-
- 25 -
nen braunen Teint und schwarze kurze Haare und habe ein schwarzes Gilet mit
blauem Verschluss und blau/schwarze Turnschuhe getragen. Das Messer habe
er einhändig bedienen können, und er habe verschiedene Bewegungen mit seiner
rechten Hand gemacht. Er sei mit dem Messer auf ihn zugekommen und habe ihn
am Kinn erwischt (HD 11/2/1 S. 4). In der gleichen Einvernahme führte A._
jedoch korrigierend aus, er habe den Typen, nachdem dieser das Messer hervor-
genommen habe, aus den Augen verloren, und dieser habe sich dann plötzlich
von der Seite genähert, und da habe er den Stich in seinem Kinn gespürt. Danach
habe er ihn nicht mehr gesehen. Er habe vor Ort auch nicht bemerkt, dass noch
andere Personen aus seiner Gruppe ebenfalls verletzt wurden (HD 11/2/1 S. 5).
Bei der Staatsanwaltschaft wiederholte A._ am 16. Januar 2012, er habe ge-
sehen, wie eine Person mit dem Messer hantiert habe, und dass diese gesagt
habe: "So jetzt chönd er alli cho." Er habe aber nicht gesehen, wie diese Person
das Messer gegen andere Personen eingesetzt habe. Sodann bestätigte er die
bei der Polizei abgegebene Beschreibung des Täters, konnte sich aber nicht mehr
an die Schuhe erinnern und sprach von langen Hosen (HD 11/2/2 S. 4 f.; in HD
11/1 S. 2 ist gestützt auf die Aussagen von A._ von kurzen Hosen die Rede).
A._ ergänzte, er wisse nur, dass derjenige, der ihn gestochen habe, einmal
auf der anderen, auf der Wiesenseite, gewesen sei. Er habe reingehen und
D._ holen wollen. Auf dem Weg habe er zwei Schritte gemacht, und schon
sei das Messer gekommen. Er denke, diejenige Person, die ihm die Verletzung
zugefügt habe, sei dieselbe, welche er mit dem Messer gesehen habe, da er
nachher gesehen habe, wie diese Person weggegangen sei (HD 11/2/2 S. 5).
4.2.6. In der polizeilichen Einvernahme vom 4. September 2011 führte
M._ aus, anlässlich der Auseinandersetzung seien ein Messer und ein
Schlagstock im Spiel gewesen. Er habe aber nicht gesehen, wer das Messer ein-
gesetzt habe (HD 12/4 S. 4). Bei der Staatsanwaltschaft führte M._ am
16. Januar 2012 aus, er habe den Stock gesehen, aber keine anderen Waffen. Er
habe kein Messer gesehen (HD 12/5 S. 3 f.).
4.2.7. N._ führte in der polizeilichen Einvernahme vom 4. September
2011 aus, während dem Handgemenge habe er sehen können, wie einer ein
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Messer hervorgezogen habe und damit auf einige von ihnen losgegangen sei. Er
habe versucht, die anderen zu alarmieren. Leider habe er nicht sehen können,
wen er damit verletzt habe. Derjenige mit dem Messer habe eine dicke, glänzen-
de Jacke, evtl. eine Bomberjacke, oder ein Gilet getragen. Die Farbe des Gilets
sei dunkelblau gewesen. Er sei ca. 175-180 cm gross gewesen und habe dunkle
Haare gehabt. Derjenige, auf den er selbst losgegangen sei, und der weder Mes-
ser noch Schlagrute getragen habe, sei ca. 190 cm gross gewesen und habe ei-
nen weiss-schwarz gestreiften Pullover und blaue Jeans getragen (HD 12/14 S.
5). Am 8. September 2011 führte N._ gegenüber der Polizei aus, jemand ha-
be ihm gesagt, dass er auf Facebook ein Foto desjenigen, der das Messer gehal-
ten habe, gefunden habe. Als er dieses Foto gesehen habe, habe er ihn erkannt.
Der Täter nenne sich auf Facebook "W._", richtig solle er aber C._ heis-
sen. Anlässlich der polizeilichen Einvernahme erkannte N._ ausserdem den
Beschuldigten auf einem Fotobogen und auf dem weiteren Facebook-Foto, wel-
ches er auf der Facebook-Seite eines Kollegen des Beschuldigten gefunden hat-
te. Er ergänzte, der Beschuldigte auf diesem Foto trage dieselbe Jacke wie in der
Tatnacht. Er bestätigte, dass die Person (Nr. 2) vom Fotobogen ein Messer in der
Hand gehalten habe. Das Messer habe der Beschuldigte schon in der Hand ge-
halten, als er es gesehen habe. Er habe nicht gesehen, gegen wen der Beschul-
digte dieses Messer eingesetzt habe. Offenbar erzähle er rum, er habe drei Per-
sonen abgestochen (HD 12/15 S. 2 ff.). Sie seien in diese Schlägerei verwickelt
gewesen, und er habe gesehen, wie der Beschuldigte das Messer hervorgenom-
men habe. Auf einmal habe er A._ mit dem aufgeschlitzten Gesicht vor sich
gesehen. Er habe aber nicht gesehen, wie der Beschuldigte das Messer einge-
setzt habe. Andere Personen mit einem Messer habe er nicht gesehen. Er sei
sich sicher, dass die Person auf dem Bild (der Beschuldigte) diejenige mit dem
Messer sei. Aber er verneinte, sicher zu sein, dass diese Person das Messer ge-
gen die anderen Personen eingesetzt habe, gesehen habe er es nicht (HD 12/16
S. 3 ff.).
4.2.8. O._ führte bei der Polizei und bei der Staatsanwaltschaft aus, sie
habe von ihrer Kollegin Q._ gehört, dass es eine Messerstecherei gegeben
habe. Q._ habe ihr aber nicht erzählt, wer wen mit dem Messer verletzt ha-
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be. Sie habe ihr sodann ein Messer gezeigt und behauptet, dies sei die Tatwaffe,
mit welcher sie und ihre Kollegen jemanden "verschlitzt" hätten. Sie fügte aller-
dings hinzu, dass Q._ häufig gelogen habe (HD 3/3 S. 3 ff., HD 12/12 S. 3
ff.).
4.2.9. P._ führte am 5. Juli 2012 bei der Staatsanwaltschaft aus, dass
ihr Q._ im vergangenen Jahr ein Messer gezeigt, aber nicht viel dazu gesagt
habe. Sie wisse die Begründung von Q._, wieso sie das Messer mit sich füh-
re, nicht mehr. Q._ habe auch nicht gesagt, dass sie an einer Messersteche-
rei beteiligt gewesen sei. Sie habe auch die Namen C._ oder W._ nicht
erwähnt (HD 12/18 S. 3 f.).
4.2.10. Von den ebenfalls zur Gruppe des Beschuldigten gehörenden Per-
sonen, deren Aussagen mangels Konfrontation mit dem Beschuldigten nicht zu
seinen Lasten verwendet werden dürfen, sagte Q._ in der polizeilichen Ein-
vernahme vom 6. November 2011 aus, sie habe nicht gesehen, wer das Messer
schlussendlich hervorgeholt habe (HD 3/5 S. 5 = HD 10/2/4 S. 5). L._ erklär-
te in der polizeilichen Einvernahme vom 19. Oktober 2011, er habe nicht gese-
hen, dass jemand während des Vorfalls ein Messer benutzt habe (HD 10/4/2 S.
6). In der polizeilichen Einvernahme vom 19. Oktober 2011 führte S._ aus, er
habe an jenem Abend beim Beschuldigten kein Messer gesehen und auch nicht
beobachten können, dass ein Messer im Handgemenge benützt worden wäre
(HD 12/8 S. 4 f.). R._ gab in der polizeilichen Einvernahme vom 18. Oktober
2011 zu Protokoll, sie habe nie ein Messer gesehen (HD 12/11 S. 4).
4.2.11. Von den ebenfalls zur Gruppe der Privatkläger gehörenden Perso-
nen, deren Aussagen mangels Konfrontation mit dem Beschuldigten nicht zu sei-
nen Lasten verwendet werden dürfen, führte T._ in der polizeilichen Einver-
nahme vom 4. September 2011 aus, er habe kein Messer und keinen, der ein
Messer eingesetzt habe, gesehen (HD 12/3 S. 8 f.). Der Privatkläger B._ gab
in der polizeilichen Einvernahme vom 4. September 2011 zu Protokoll, er könne
nicht sagen, wie und durch wen ihm der Schnitt am rechten Arm zugefügt worden
sei. Er konnte die Person, welche das Messer eingesetzt hat, nicht beschreiben
und führte aus, das Messer habe er nicht gesehen. Es sei zu schnell gegangen
- 28 -
(HD 11/3/1 S. 5 und S. 8). Der Privatkläger D._ führte in der polizeilichen
Einvernahme vom 9. September 2011 aus, er könne überhaupt nichts darüber
sagen, wann und wie und von wem er gestochen worden sei. Ein Messer habe er
während des Vorfalls nicht gesehen (HD 11/4/1 S. 5 und S. 6). In der polizeilichen
Einvernahme vom 13. September 2011 führte der Privatkläger E._ aus, als
es losgegangen sei, hätten sie nicht bemerkt, dass die anderen Waffen, also
Messer und Schlagstöcke, hätten, also zumindest er habe es nicht bemerkt. Er
habe zu keinem Zeitpunkt eine Waffe gesehen (HD 11/5/2 S. 4 f.).
4.2.12. Es fällt auf, dass die Mehrheit der Beteiligten anlässlich der Ausei-
nandersetzung gar nie ein Messer gesehen hat. I._, K._, Q._,
L._, S._ und R._ sowie M._, T._, B._, D._ und
E._ verneinten alle, ein Messer zu Gesicht bekommen zu haben. Ihre Aus-
sagen beinhalten dementsprechend keine Hinweise aus eigener Wahrnehmung
auf die Person, welche die Schnitte und Stiche mit dem Messer verursacht haben
könnte.
J._ führte zwar einmal aus, der Beschuldigte habe kein Messer dabei
gehabt, in allen anderen Einvernahmen sprach er jedoch davon, dass der Be-
schuldigte ein Messer dabei gehabt habe. A._ und N._ bezeichneten
ebenfalls den Beschuldigten als denjenigen, der ein Messer in der Hand gehabt
habe. Dies hat der Beschuldigte ja ohnehin selbst eingestanden.
Dass es anlässlich der Auseinandersetzung zu Schnitt- und Stichverletzun-
gen der Privatkläger A._, B._, D._ und E._ gekommen ist, ist
nicht strittig – liegen dafür nebst den Aussagen der Beteiligten doch ärztliche Be-
richte, Gutachten des Instituts für Rechtsmedizin und Fotos vor, welche dies be-
weisen (vgl. HD 6/2 S. 12-14, HD 17/1/3 und HD 17/1/4 betreffend A._, HD
6/2 S. 15-18, HD 17/2/3 und HD 17/2/4 betreffend B._, HD 6/2 S. 19-21, HD
17/3/3, HD 17/3/5 und HD 17/6/6 betreffend D._ sowie HD 6/2 S. 22-26, HD
17/4/3, HD 17/4/4 und HD 17/4/5 betreffend E._). Strittig ist hingegen, ob der
Beschuldigte den Privatklägern diese Verletzungen zugefügt hat.
- 29 -
Die Privatkläger B._, D._ und E._ selber konnten keine An-
gaben dazu machen, von wem sie gestochen worden waren. Der Privatkläger
A._ führte aus, nicht gesehen zu haben, wie der Beschuldigte das Messer
gegen andere Personen eingesetzt hätte. N._ verneinte, sicher zu sein, dass
der Beschuldigte das Messer gegen andere Personen eingesetzt habe, gesehen
habe er es nicht. J._ führte zwar in einer Einvernahme aus, es sei der Be-
schuldigte gewesen, der mehreren Leuten Stichverletzungen zugefügt habe. Ab-
gesehen davon, dass er diese Aussage widerrief und in allen anderen Einver-
nahmen sich als denjenigen bezeichnete, der die Verletzungen verursacht hatte,
verneinte er selbst in der Einvernahme, in welcher er den Beschuldigten belaste-
te, dies auch gesehen zu haben. Er führte aus, dies nur zu wissen, weil es ihm
der Beschuldigte nachher erzählt habe. Auch K._, welche den Beschuldigten
als denjenigen bezeichnete, welcher mit dem Messer zugestochen habe, tat dies
nur, weil der Beschuldigte ihr davon erzählt habe, was dieser – ausser in der
Hauptverhandlung (Urk. 81 S. 10) – auch nicht bestritt, jedoch damit begründete,
dass er vor ihr nicht habe zugeben wollen, "drunter" gekommen zu sein. Selber
gesehen hatte es K._ nicht. Ausserdem vermochte sie sich in der Einver-
nahme bei der Staatsanwaltschaft nicht mehr daran zu erinnern, was ihr der Be-
schuldigte erzählt habe, auch wenn dies damit zusammenhängen mag, dass der
Beschuldigte in jener Einvernahme anwesend war. Zudem ist nicht auszuschlies-
sen, dass sie J._ selbst dann nicht als Täter bezeichnet hätte, wenn er ihr
gegenüber zugegeben hätte, die Verletzungen zugefügt zu haben, führte sie mit
diesem zum Tatzeitpunkt doch eine Beziehung. Da J._ sich – abgesehen
von einer Einvernahme – konstant als denjenigen bezeichnete, welcher den Pri-
vatklägern die Stichverletzungen zugefügt hatte, und da niemand beobachten
konnte, wie der Beschuldigte die Privatkläger B._, D._ und E._ ver-
letzte, kann aufgrund der vorliegenden Beweismittel nicht rechtsgenügend erstellt
werden, dass der Beschuldigte diese Verletzungen verursacht hat. In Überein-
stimmung mit der Vorinstanz ist der Beschuldigte deshalb von den Körperverlet-
zungsvorwürfen zum Nachteil der Privatkläger B._, D._ und E._
freizusprechen.
- 30 -
Was die Verletzung des Privatklägers A._ betrifft, so liegen hingegen
mehrere Hinweise auf eine Täterschaft des Beschuldigten vor. Die Beschreibung
von A._ von der Person, die das Messer in der Hand gehalten habe, trifft auf
den Beschuldigten zu. Da selbst der Beschuldigte einräumte, das Messer gezückt
zu haben, muss es der Beschuldigte gewesen sein, den der Privatkläger A._
mit dem Messer in der Hand gesehen hatte. Daran ändert entgegen der Auffas-
sung der Verteidigung (Urk. 134 S. 6) nichts, dass A._ aussagte, der Typ mit
dem Messer habe verschiedene Bewegungen mit seiner rechten Hand gemacht
(HD 11/2/1 S. 4). Selbst wenn der Beschuldigte tatsächlich Linkshänder ist
(HD 8/3 S. 7), ist nicht ausgeschlossen, dass er das Messer – auch nur zeitweise
– in seiner rechten Hand gehalten haben kann. Zwar geht aus den Aussagen von
A._ nicht hervor, dass er direkt gesehen hat, wie der Beschuldigte ihn am
Kinn geschnitten hat. Bevor er den Stich spürte, hatte er gemäss seinen Aussa-
gen aber wahrgenommen, dass sich ihm der Beschuldigte genähert und – nach
dem Stich – wieder entfernt hatte. Dabei wirken die Aussagen des Privatklägers
A._ durchaus glaubhaft, gab er doch zu, wenn er etwas nicht gesehen hatte,
und belastete er den Beschuldigten nicht mehr als nötig. Auch K._ führte
aus, der Beschuldigte habe ihr erzählt, dass er jemanden an der Wange gestreift
habe (wohingegen er nicht gewusst habe, was mit den anderen gewesen sei, was
er vielleicht auch deshalb nicht wusste, weil er die anderen drei nicht verletzt hat-
te), was der Verletzung des Privatklägers A._ entspricht. Der Beschuldigte
selber will zwar nicht bewusst jemanden verletzt haben, räumte aber ein, zur Ab-
wehr mit dem Messer in der Hand vor dem Gesicht herumgefuchtelt zu haben,
wobei er nicht mit Gewissheit ausschliessen könne, dabei jemanden verletzt zu
haben. Er führte aus, nicht zu wissen, ob er mit dem Messer andere Leute ge-
schnitten habe, da er einfach habe abwehren wollen. Seine Aussagen vor Vo-
rinstanz, dass er sicher sei, niemanden verletzt zu haben, da er nirgends Blut ge-
habt habe, keine Schuldgefühle verspüre, Zeit gehabt habe, darüber nachzuden-
ken, und niemand der Geschädigten gesagt habe, er sei direkt auf sie zugekom-
men, sind unglaubhaft und nach der Berufungsverhandlung ohnehin überholt (vgl.
oben E. 2. und 4.1.1.). Seine plötzliche Sicherheit, niemanden verletzt zu haben,
rührte wohl daher, dass er inzwischen Kenntnis von den Untersuchungsergebnis-
- 31 -
sen erlangt hatte und gestützt darauf davon ausging, eine Verletzung könne ihm
nicht nachgewiesen werden.
Aus den Aussagen des Privatklägers A._ und des Beschuldigten kann
hingegen kein anderer Schluss gezogen werden, als dass der Beschuldigte mit
dem Messer die Schnittverletzung des Privatklägers herbeigeführt hat. Selbst
wenn er mit dem Messer nur herumgefuchtelt hat, nahm er damit angesichts des
dynamischen Geschehensablaufes und der Unberechenbarkeit der Bewegungen
seiner Widersacher die Verletzung des Privatklägers zumindest in Kauf.
4.3. Zusammenfassend ist erstellt, dass sich der Beschuldigte am Hand-
gemenge zwischen den beiden Gruppen, d.h. an der Auseinandersetzung, an
welcher die beiden Gruppen wechselseitig tätlich gegeneinander vorgingen, betei-
ligte, indem er ein Messer, welches er mit sich trug, hervorzog, damit herumfuch-
telte und dieses gegen den Privatkläger A._ einsetzte, wodurch dieser eine
Schnittverletzung im Bereich des Kinns und Mundwinkels auf der linken Seite un-
terhalb des Unterkiefers erlitt.
III. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz würdigte den erstellten Sachverhalt betreffend HD als
versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil des Privatklägers A._ und
Raufhandel im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB.
2. Die Staatsanwaltschaft schloss sich der rechtlichen Würdigung der
Vorinstanz an (Prot. II S. 21). Der Verteidiger führte vor Vorinstanz aus, wenn von
der Beteiligung des Beschuldigten an der Auseinandersetzung ausgegangen
werde, liege nicht Angriff, sondern Raufhandel vor (Urk. 82 S. 19). In einem weite-
ren Eventualstandpunkt führte er aus, dass eine versuchte schwere Körperverlet-
zung betreffend A._ sicher die zutreffende rechtliche Würdigung wäre (Prot. I
S. 18). Daran hat er im Berufungsverfahren festgehalten, wobei aber in beiden
Fällen eine Notwehrlage vorgelegen hätte (Urk. 134 S. 10 f.).
- 32 -
3. Die vorinstanzlichen Erwägungen zur rechtlichen Würdigung sind so-
wohl von den theoretischen Ausführungen als auch von der Subsumtion her um-
fassend und zutreffend, weshalb vorab auf die entsprechenden Stellen im vor-
instanzlichen Entscheid verwiesen werden kann (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 117
S. 73 ff.).
3.1. Der Beschuldigte fügte dem Privatkläger A._ mit dem Messer eine
12 cm lange Schnittverletzung im Bereich des Kinns und Mundwinkels auf der lin-
ken Seite unterhalb des Unterkiefers, beginnend etwa 2 cm unterhalb des linken
Mundwinkels in Richtung Hals verlaufend, im zentralen Teil bis auf den Unterkie-
ferknochen reichend, zu (vgl. HD 6/2 S. 13 und 14, HD 17/1/3). Da die Körperver-
letzung jedoch nicht lebensgefährlich war (vgl. HD 17/1/3), wurde Art. 122 Abs. 1
StGB nicht als vollendetes Delikt erfüllt.
Durch das Herumfuchteln mit dem Messer auf Gesichtshöhe nahm der Be-
schuldigte jedoch in Kauf, dem Privatkläger eine lebensgefährliche Verletzung
beizubringen. Denn auch wenn durch die zugefügte Verletzung keine unmittelbare
Lebensgefahr bestand, wäre durch einen nur wenig abweichenden Schnittverlauf
aufgrund der in unmittelbaren Nähe der Schnittverletzung liegenden lebenswichti-
gen Strukturen (Vena jugularis / Arteria carotis externa) eine Verletzung dieser
Strukturen erfolgt und Lebensgefahr oder eine bleibende Schädigung eingetreten
(vgl. HD 17/1/3). Es ist naheliegend, dass durch unkontrolliertes Herumfuchteln
mit dem Messer auf Kopfhöhe das Gegenüber lebensgefährlich getroffen werden
kann. Das musste auch dem Beschuldigten bewusst sein, weshalb er es mit sei-
nem Handeln in Kauf nahm. Der Beschuldigte tat alles, was für die Erfüllung des
Tatbestandes von Art. 122 Abs. 1 StGB nötig war, und es war nur dem Zufall zu
verdanken, dass der Erfolg, d.h. die Lebensgefahr, nicht eintrat. Rechtfertigungs-
gründe liegen nicht vor, insbesondere – entgegen der Verteidigung (Urk. 134
S. 10 f) – nicht ein Handeln in Notwehr: Der Beschuldigte befand sich nach dem
Flaschenwurf selber auf der ursprünglichen Angreiferseite, hatte die Auseinan-
dersetzung somit mitprovoziert. Auch subjektiv wähnte sich der Beschuldigte
kaum in einer Notwehrlage, was seine Aussage "So jetzt chönd er alli cho"
(HD 11/2/2 S. 3) unterstreicht. Der Beschuldigte hat sich damit der versuchten
- 33 -
(vorsätzlichen) schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
3.2. Raufhandel im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB ist bei einer tätlichen
wechselseitigen Auseinandersetzung zwischen mindestens drei Personen gege-
ben. Verhalten sich eine oder mehrere Personen, die von einer anderen Streitpar-
tei angegriffen werden, völlig passiv, ohne selbst Schläge auszuteilen, liegt kein
Raufhandel, sondern ein Angriff im Sinne von Art. 134 StGB vor. Jede Seite muss
deshalb aktiv am Streit beteiligt sein, wobei einzelne Schläge, Stösse usw. – auch
zur blossen Abwehr – genügen. Jegliche aktive Teilnahme – und sei es nur ein
einziger Schlag zur Abwehr oder Streitschlichtung – gilt als Beteiligung. Der Rauf-
handel wird nur bestraft, wenn er den Tod oder die Körperverletzung eines Men-
schen zur Folge hat (objektive Strafbarkeitsbedingung). Eventualvorsatz genügt,
wobei sich der Vorsatz auf die Teilnahme an einem Raufhandel, nicht aber auf die
Todes- oder Körperverletzungsfolge beziehen muss (BSK StGB II-Maeder, 3. Auf-
lage 2013, Art. 133 N 10 ff.).
Wie unter Ziff. II.4.1. vorstehend erstellt, haben sich sowohl der Beschuldigte
und seine Kollegen als auch die Gruppe der Geschädigten mit Schlägen und
Stössen an der Auseinandersetzung beteiligt. Einzelne der Geschädigten sind
keineswegs nur passiv geblieben. Es handelte sich vielmehr um eine wechselsei-
tige tätliche Auseinandersetzung und damit um einen Raufhandel. Dass daraus
Körperverletzungen resultierten, ist ebenfalls erstellt. Durch sein Handeln, na-
mentlich das Hervorziehen des Messers, das Herumfuchteln damit und den Mes-
serschnitt gegen den Privatkläger A._, beteiligte sich der Beschuldigte am
Raufhandel, was er wusste und auch wollte. Im Übrigen hatte auch er Schläge
und Stösse ausgeteilt, diese Art von Beteiligung wurde hingegen in der Anklage
nicht erwähnt. Zur von der Verteidigung auch hier geltend gemachten Notwehrla-
ge gilt das Obgesagte. Der Beschuldigte hat sich somit des Raufhandels im Sinne
von Art. 133 Abs. 1 StGB strafbar gemacht.
3.3. Zusammenfassend ist der Beschuldigte betreffend HD der versuchten
schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit
- 34 -
Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil des Privatklägers A._ und des Raufhan-
dels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Die Berufung des Beschuldigten richtet sich auch gegen die Bemes-
sung der Strafe (Urk. 119).
2. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen korrekt abgesteckt und die gesetz-
lichen Zumessungsregeln wie auch die hier massgeblichen belastenden und ent-
lastenden Faktoren zutreffend dargelegt. Um unnötige Wiederholungen zu ver-
meiden, kann vorab auf diese Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwie-
sen werden (Urk. 117 S. 86 ff.).
3. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzun-
gen für mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der
Strafe der schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das
Höchstmass der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen. Dabei
ist es an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1
StGB). Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist bei der Bildung einer Ge-
samtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB vorab der Strafrahmen für die schwerste
Straftat zu bestimmen und alsdann die Einsatzstrafe für die schwerste Tat inner-
halb dieses Strafrahmens festzusetzen. Schliesslich ist die Einsatzstrafe unter
Einbezug der anderen Straftaten in Anwendung des Asperationsprinzips ange-
messen zu erhöhen. Das Gericht hat mithin in einem ersten Schritt gedanklich die
Einsatzstrafe des schwersten Delikts festzulegen, indem es alle diesbezüglichen
straferhöhenden und strafmindernden Umstände einbezieht. In einem zweiten
Schritt hat es die Strafe zu erhöhen, um die weiteren Delikte zu sanktionieren.
Auch dort muss es den jeweiligen Umständen Rechnung tragen (BGE
6B_865/2009 vom 25. März 2010 E. 1.2.2). Als schwerste Tat gilt jene, die ge-
mäss abstrakter Strafdrohung des Gesetzes mit der höchsten Strafe bedroht ist
(BGE 6B_885/2010 vom 7. März 2011 E. 4.4.1).
- 35 -
Die psychiatrische Gutachterin, Dr. med. BA._, gelangte im Gutachten
vom 3. August 2012 zum Schluss, dass sich bei allen dem Beschuldigten zur Last
gelegten Delikten keine Hinweise auf eine Einschränkung der Einsichtsfähigkeit
zum Tatzeitpunkt ergeben würden. Hingegen könnten aufgrund der festgestellten
antisozialen Persönlichkeitsstruktur mit erhöhter Impulsivität sowie auch erhöhter
affektiver Reaktionsbereitschaft für sämtliche Delikte (höchstens) leichtgradige
Einschränkungen in der Steuerungsfähigkeit festgehalten werden. Die Fähigkeit
des Beschuldigten zur Einsicht in das Unrecht der Tat sei zu sämtlichen Tatzeit-
punkten vollständig erhalten gewesen. Die Fähigkeit, gemäss dieser Einsicht zu
handeln, sei derweil in höchstens leichtem Grade eingeschränkt gewesen (HD
19/13 S. 74 f. und 78). Diese gutachterlichen Schlussfolgerungen, die auf einer
eingehenden und fundierten Beurteilung beruhen, sind ohne Weiteres nachvoll-
ziehbar und plausibel. Ausgehend von der objektiven Tatschwere hat das Gericht
das subjektive Tatverschulden zu bewerten. Dabei hat es (auch) die verminderte
Schuldfähigkeit zu berücksichtigen (BGE 136 IV 55 E. 5.5 und 5.6). Liegt eine
Verminderung der Schuldfähigkeit vor, hat das Gericht im Sinne einer nachvoll-
ziehbaren Strafzumessung in einem ersten Schritt aufgrund der tatsächlichen
Feststellungen des Gutachters zu entscheiden, in welchem Umfange die Schuld-
fähigkeit des Täters in rechtlicher Hinsicht eingeschränkt ist und wie sich dies ins-
gesamt auf die Einschätzung des Tatverschuldens auswirkt. Das Gesamtver-
schulden ist zu qualifizieren und mit Blick auf Art. 50 StGB im Urteil ausdrücklich
zu benennen, wobei von einer Skala denkbarer Abstufungen nach Schweregra-
den auszugehen ist. Hierauf ist in einem zweiten Schritt innerhalb des zur Verfü-
gung stehenden Strafrahmens die (hypothetische) Strafe zu bestimmen, die die-
sem Verschulden entspricht. Die so ermittelte Strafe kann dann gegebenenfalls in
einem dritten Schritt aufgrund wesentlicher Täterkomponenten (sowie wegen ei-
nes allfälligen blossen Versuchs im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB) verändert
werden (BGE 136 IV 55 E. 5.7).
4. a) Vorliegend ist die versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von
Art. 122 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB das schwerste vom
Beschuldigten begangene Delikt. Das Gesetz sieht eine abstrakte Strafdrohung
einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe nicht
- 36 -
unter 180 Tagessätzen vor (Art. 122 Abs. 4 StGB). Die versuchte schwere Kör-
perverletzung fand ihm Rahmen des Raufhandels statt. Da beide Delikte inner-
halb derselben Handlung begangen wurden, rechtfertigt es sich in Übereinstim-
mung mit der Vorinstanz (vgl. Urk. 117 S. 89), diese in einem Tatkomplex zu be-
urteilen.
b) Innerhalb des festgelegten Strafrahmens misst das Gericht die Strafe
nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben (Art. 47
Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den
Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter
nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder
Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt bei der Strafzu-
messung ist die objektive Tatschwere, d.h. die Schwere der Verletzung oder Ge-
fährdung des betroffenen Rechtsguts bzw. der schuldhaft verursachte Erfolg.
Ebenso massgeblich ist die subjektive Tatschwere, die sich aus der Intensität des
deliktischen Willens sowie den Beweggründen für die Tat ergibt. Mitzuberücksich-
tigen sind schliesslich das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters.
Betreffend die objektive Tatschwere ist hervorzuheben, dass die dem Privat-
kläger A._ zugefügte Verletzung zwar nicht lebensgefährlich war, jedoch
durch einen nur wenig abweichenden Schnittverlauf Lebensgefahr oder eine blei-
bende Schädigung hätten eintreten können. Ausserdem hatte die erfolgte Schnitt-
verletzung eine Operation und eine bleibende Narbe zur Folge (vgl. HD 17/1/3 S.
2), und der Privatkläger war während zwei Tagen im Spital und danach während
rund zwei Wochen arbeitsunfähig (vgl. HD 73 S. 7). Durch den Einsatz des Mes-
sers legte der Beschuldigte ein skrupelloses und brutales Verhalten an den Tag,
welches von einer erheblichen kriminellen Energie zeugt. Die Initiative zu dieser
Auseinandersetzung ging zwar nicht von ihm aus, dadurch, dass er ein Messer
einsetzte – und das gegen eine unbewaffnete Gruppe – war sein Tatbeitrag aber
nicht unerheblich. Sein Verschulden wiegt in objektiver Hinsicht erheblich.
- 37 -
Was die subjektive Tatschwere betrifft, so ist bei der versuchten schweren
Körperverletzung zugunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen, dass er mit
Eventualvorsatz handelte. Was den Raufhandel betrifft, ist von direktem Vorsatz
auszugehen. Für den Beschuldigten hätte durchaus die Möglichkeit bestanden,
sich nicht in die Auseinandersetzung hineinziehen zu lassen. Insbesondere der
Einsatz des Messers zeugt von einem beachtlichen deliktischen Willen. Zu Guns-
ten des Beschuldigten ist allerdings zu berücksichtigen, dass auch er Schläge und
Stösse einstecken musste. Das dem Beschuldigten vorwerfbare subjektive Ver-
schulden relativiert damit das objektive Verschulden nur leicht.
Wie bereits erwähnt, ist von einer leicht verminderten Schuldfähigkeit des
Beschuldigten auszugehen. Durch diese wird das subjektive Verschulden leicht
relativiert. Damit ist das Verschulden insgesamt als keineswegs leicht zu qualifi-
zieren.
Insgesamt erweist sich eine hypothetische Einsatzstrafe von 3 1⁄2 Jahre Frei-
heitsstrafe als dem Verschulden angemessen.
Beim Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB in der Ausformung des
vormals als vollendeter Versuch bezeichneten Tathandlung, bei welcher der zur
Vollendung der Tat gehörende Erfolg nicht eintritt, handelt es sich um eine Tat-
komponente, die verschuldensunabhängig ist. Deshalb ist sie bei der Gesamtein-
schätzung des Verschuldens nicht einzubeziehen. Sie hat sich indessen im Sinne
einer Reduzierung der (hypothetischen) verschuldensangemessenen Strafe aus-
zuwirken. Das Mass dieser Minderung hängt u.a. von der Nähe des tatbestand-
mässigen Erfolges und von den tatsächlichen Folgen der Tat ab. Die Reduktion
der Strafe wird umso geringer sein, je näher der tatbestandsmässige Erfolg und je
schwerwiegender die tatsächlichen Folgen der Tat waren (BGE 127 IV 92 und
BGE 136 IV 55; BSK StGB I-Wiprächtiger/Keller, 3. Auflage 2013, Art. 48a N 24;
Mathys, SJZ 2004, 173 f.).
Die hypothetische Einsatzstrafe ist wegen der versuchten Tatbegehung zu
mindern. Vorliegend ist bezüglich der schweren Körperverletzung von einem voll-
endeten Versuch auszugehen. Wie bereits ausgeführt, bestand für den betroffe-
- 38 -
nen Privatkläger A._ zu keinem Zeitpunkt eine unmittelbare Lebensgefahr.
Wäre der Schnittverlauf aber nur wenig abgewichen, wäre aufgrund der in unmit-
telbarer Nähe der Schnittverletzung liegenden lebenswichtigen Strukturen mit le-
bensgefährlichen Verletzungen zu rechnen gewesen. Dass es nicht dazu kam, ist
aber nicht dem Zutun des Beschuldigten, sondern allein dem Zufall zu verdanken.
Angesichts des als recht hoch einzustufenden Risikos der Tatbestandsverwirkli-
chung ist die Einsatzstrafe aufgrund der versuchten Tatbegehung lediglich um 3⁄4
Jahre zu reduzieren.
c) Straferhöhend wirken sich die weiteren Delikte aus, d.h. der Raub und
der versuchte Raub betreffend ND 2 und ND 3 sowie der Angriff und die qualifi-
zierte einfache Körperverletzung bezüglich ND 1.
Was den Raub und den versuchten Raub betrifft, so waren die Deliktsbeträ-
ge zwar klein, es ist aber davon auszugehen, dass die Geschädigten in Angst
versetzt wurden und allenfalls auch psychische Folgen davontrugen. Der Be-
schuldigte selber wandte zwar keine Gewalt an, unterstützte mit seinem Verhalten
aber die Gewaltanwendung durch andere und forderte betreffend ND 3 L._
gar auf, die Soft-Air-Gun hervorzunehmen und drohte den Geschädigten, sie ab-
zuknallen. Sein Verhalten war sodann verwerflich, denn er hatte kein nachvoll-
ziehbares Motiv für den Raub und den Versuch dazu. So schien es zum Wochen-
endprogramm des Beschuldigten zu gehören, mit Kollegen herumzuziehen und
andere Leute auszurauben. Das subjektive Verschulden wird durch die leichte
Verminderung der Schuldfähigkeit nur leicht relativiert. Zusammenfassend ist für
den Raub und den Raubversuch von einem nicht mehr leichten Tatverschulden
auszugehen. Dass es beim einen Raub beim Versuch blieb, ist nur der Flucht der
Geschädigten zuzuschreiben, weshalb sich die versuchte Tatbegehung nur sehr
leicht strafmindernd auswirkt.
Bezüglich des Angriffs und der qualifizierten einfachen Körperverletzung,
welche eine Handlungseinheit bilden, ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldig-
te skrupellos und brutal vorging. So versetzte er dem Geschädigten H._ nicht
nur einen Fusstritt, sondern warf auch noch eine Flasche nach ihm und versetzte
ihm mit einer weiteren Flasche zwei Schläge gegen den Kopf. Der Angriff führte
- 39 -
sowohl zu Verletzungen des Geschädigten H._ als auch des Geschädigten
F._. Das objektive Tatverschulden ist damit als mittelschwer zu qualifizieren.
In subjektiver Hinsicht ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte direktvorsätz-
lich und aus einem nicht nachvollziehbaren Motiv handelte. Eine Relativierung
des subjektiven Verschuldens erfolgt hingegen aufgrund der leicht verminderten
Schuldfähigkeit, so dass das Verschulden bezüglich des Angriffs und der qualifi-
zierten einfachen Körperverletzung insgesamt als keineswegs mehr leicht zu be-
zeichnen ist.
Zusammenfassend rechtfertigt es sich, die Strafe von 2 3⁄4 Jahren für den
Raufhandel und die versuchte schwere Körperverletzung unter Berücksichtigung
des Asperationsprinzips um 1 3⁄4 Jahre, mithin auf 4 1⁄2 Jahre, zu erhöhen.
d) Zum Vorleben und zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldig-
ten kann auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil (Urk. 117 S. 94 ff.) sowie
im psychiatrischen Gutachten vom 3. August 2012 (HD 19/13 S. 26 ff.) verwiesen
werden. Anlässlich der Berufungsverhandlung wurde u.a. ein Führungsbericht der
Justizvollzugsanstalt BB._ vom 18. Oktober 2013 eingereicht, in welche der
Beschuldigte am 14. Juni 2013 eingetreten war (Urk. 135/2). Daraus geht hervor,
dass er fünf Tage vor der Berufungsverhandlung in den Normalvollzug versetzt
wurde. Sein Verhalten im Eintrittspavillon sei geprägt gewesen von seiner Hyper-
aktivität (ADHS). Der Beschuldigte habe sich selbstbewusst, teilweise fordernd,
dominierend und jugendhaft-unreif gezeigt. Er habe stets versucht, die Grenzen
auszuloten. Das Einhalten von Regeln und Abläufen sei ihm nicht immer gelun-
gen. Seine Freizeit habe er mit Tischtennisspielen oder dem Schreiben von Rap-
Texten verbracht, welche er dann zusammen mit einem Mitgefangenen, zum Teil
lauthals, wiedergegeben habe. In disziplinarischer Hinsicht habe man sich bereits
dreimal mit dem Beschuldigten befassen müssen (vgl. Urk. 135/2 S. 5-7). Die Be-
zugspersonen des Beschuldigten seien seine Familienangehörigen und seine
Freundin, mit welchen er regelmässigen telefonischen Kontakt pflege. Er werde
auch regelmässig von seiner Freundin und der Mutter besucht (Urk. 135/2 S. 1 f.).
Der Beschuldigte selber gab zu Protokoll, dass er vielleicht ab und zu aus dem
Fenster gesprochen und mit einer Schur anderen Zigaretten geschickt habe ("lif-
- 40 -
teln"). Er arbeite im Normalvollzug nun als Schreiner, allerdings nicht im Sinne ei-
ner Ausbildung. Etwas Neues auszuprobieren sei gut, er sei allerdings eher der
Bürotyp. An der Arbeit im Büro gefalle ihm, dass man gut angezogen sei und die
Familie stolz machen könne. Im Gefängnis unterziehe er sich einmal pro Woche
einer Einzeltherapie mit seinem Therapeuten. Diese sei gut, aber die Gruppenthe-
rapie mache ihm Mühe. Sie sprächen einfach über die Delikte, wie es dazu ge-
kommen sei und was er an sich verbessern könne. Wenn es ihm weiterhelfe und
ihn weiterbringe, sei er schon motiviert, weiterzumachen (Prot. II S. 14 f.). – Die
ziemlich schwierige Kindheit und Jugend des Beschuldigten wirkt sich leicht
strafmindernd aus.
Deutlich straferhöhend wirken sich dagegen die teilweise einschlägigen Vor-
strafen des Beschuldigten aus. So wurde er am 14. Oktober 2010 vom Bezirksge-
richt Zürich wegen Raubes, Raubversuchs, sexueller Nötigung und Diebstahls zu
einer bedingten Freiheitsstrafe von 8 Monaten bei einer Probezeit von 2 Jahren
verurteilt und am 30. März 2011 von der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl wegen
Raubes zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 20.– bei einer
Probezeit von 2 Jahren und Fr. 500.– Busse (Urk. 129). Ebenfalls deutlich strafer-
höhend ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte während den laufenden
Probezeiten sowie nur kurz nach der zweiten Verurteilung und während laufender
Strafuntersuchung delinquierte.
Strafmindernd ist wiederum das Teilgeständnis des Beschuldigten zu be-
rücksichtigen, zeigte er sich doch betreffend der ihm in den Nebendossiers vor-
geworfenen Delikte geständig.
Sonstige Straferhöhungs- oder -minderungsgründe sind nicht ersichtlich.
Im Ergebnis überwiegen die straferhöhenden die strafmindernden Umstän-
den, weshalb die Strafe um 1⁄2 Jahr zu erhöhen ist.
5. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist
sich eine Freiheitsstrafe von 5 Jahren als angemessen. Der Beschuldigte befand
sich vom 15. April 2011 bis am 10. Mai 2011 (ND 3/11/2, ND 3/11/10) sowie vom
- 41 -
20. Juni 2011 bis am 13. Juli 2011 (ND 1/16/1, ND 3/11/9) in Untersuchungshaft
und wurde am 19. September 2011 erneut verhaftet (HD 22/2). Heute befindet er
sich im vorzeitigen Strafvollzug (Urk. 101). An die Freiheitsstrafe sind somit 815
Tage erstandene Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitiger Strafvoll-
zug bis und mit heute anzurechnen (Art. 51 StGB).
V. Massnahme
1. Eine Massnahme ist anzuordnen, wenn eine Strafe allein nicht geeig-
net ist, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen, ein Behandlungs-
bedürfnis des Täters besteht oder die öffentliche Sicherheit dies erfordert und die
Voraussetzungen der Artikel 59-61, 63 oder 64 erfüllt sind (Art. 56 Abs. 1 StGB).
Die Anordnung einer Massnahme setzt voraus, dass der mit ihr verbundene Ein-
griff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlichkeit
und Schwere weiterer Straftaten nicht unverhältnismässig ist (Art. 56 Abs. 2
StGB). War der Täter zur Zeit der Tat noch nicht 25 Jahre alt und ist er in seiner
Persönlichkeitsentwicklung erheblich gestört, so kann ihn das Gericht in eine Ein-
richtung für junge Erwachsene einweisen, wenn der Täter ein Verbrechen oder
Vergehen begangen hat, das mit der Störung seiner Persönlichkeit in Zusam-
menhang steht und zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit
der Störung seiner Persönlichkeitsentwicklung in Zusammenhang stehender Ta-
ten begegnen (Art. 61 Abs. 1 StGB). Ist der Täter psychisch schwer gestört, ist er
von Suchtstoffen oder in anderer Weise abhängig, so kann das Gericht anordnen,
dass er nicht stationär, sondern ambulant behandelt wird, wenn der Täter eine mit
Strafe bedrohte Tat verübt, die mit seinem Zustand im Zusammenhang steht und
zu erwarten ist, dadurch lasse sich der Gefahr weiterer mit dem Zustand des Tä-
ters im Zusammenhang stehender Taten begegnen (Art. 63 Abs. 1 StGB).
2. Die Gutachterin kam im psychiatrischen Gutachten vom 3. August
2012 zum Schluss, dass der Beschuldigte an einer Persönlichkeitsstörung vom
antisozialen Typus mit deutlichen psychopathischen Anteilen leide, wobei es sich
bei der Persönlichkeitsstörung um eine schwerwiegende Störung handle. Die di-
agnostizierte Persönlichkeitsstörung bestehe nach wie vor und stehe mit den dem
- 42 -
Beschuldigten vorgeworfenen Taten in direktem Zusammenhang. Es bestehe ein
deutliches strukturelles Rückfallrisiko für weitere Gewaltdelikte im bisherigen
Spektrum. Eine langfristige Rückfallfreiheit sei ohne Therapie oder andere risiko-
senkende Massnahme eher unwahrscheinlich. Sie empfehle deshalb eine thera-
peutische Massnahme, wobei sie aufgrund des jungen Alters des Beschuldigten
in erster Linie eine Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB
empfehle, dies kombiniert mit einer stationären Massnahme gemäss Art. 59
StGB. Auch wenn sich der Beschuldigte nicht motiviert zeige, könne die empfoh-
lene Massnahme durchgeführt werden (HD 19/13 S. 78 ff.).
Die Staatsanwaltschaft beantragte vor Vorinstanz die Anordnung einer voll-
zugsbegleitenden ambulanten Massnahme im Sinne von Art. 63 StGB (Urk. 83
S. 1 und S. 19 f.). Der Beschuldigte führte anlässlich der Hauptverhandlung aus,
lieber ins Gefängnis gehen zu wollen, als eine Massnahme für junge Erwachsene
anzutreten, denn eine solche Massnahme würde er nicht durchhalten (Urk. 81
S. 14). Er erklärte sich jedoch mit einer ambulanten Massnahme, die während des
Strafvollzugs beginne und danach weitergeführt werden, grundsätzlich einver-
standen (Prot. I S. 23). Der Verteidiger sprach sich vor Vorinstanz gegen eine
Massnahme für junge Erwachsene aus (Urk. 82 S. 24 ff.), führte aber aus, man
könne beim Beschuldigten eine grundsätzliche Bereitschaft für eine ambulante
Massnahme erkennen. Er sehe eine Massnahmeindikation, und wenn sich der
Beschuldigte zu einer ambulanten Massnahme bereit erkläre, dann wäre diese si-
cher auch angezeigt (Prot. I S. 23).
3. Die Vorinstanz hat sich ausführlich mit den Voraussetzungen für die
Anordnung einer Massnahme für junge Erwachsene im Sinne von Art. 61 StGB
und mit denjenigen für die Anordnung einer ambulanten Massnahme nach Art. 63
StGB auseinandergesetzt. Um Wiederholungen zu vermeiden, kann vorab auf die
zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Urk. 122 S. 102
ff.).
Auch wenn die Einwilligung des Betroffenen zu Beginn nicht unverzichtbar
ist, so ist sie wichtig und muss die Massnahme Erfolg versprechen (Trech-
sel/Borer, in Trechsel/Pieth [Hrsg.], StGB PK, 2. Auflage, Zürich/St. Gallen 2013,
- 43 -
Art. 61 N f.). Der Beschuldigte zeigte sich jedoch derart unwillig, eine Massnahme
für junge Erwachsene anzutreten, und vermochte nicht ein Mindestmass an Moti-
vation aufzubringen, dass die Vorinstanz zu Recht zum Schluss kam, eine solche
Massnahme eigne sich nicht für den Beschuldigten. Hingegen erklärte sich der
Beschuldigte mit der Anordnung einer ambulanten Massnahme grundsätzlich ein-
verstanden. Da auch die weiteren Voraussetzungen von Art. 56 Abs. 1 StGB und
Art. 63 StGB gegeben sind (Anlasstaten, die im Zusammenhang mit der schweren
psychischen Störung des Beschuldigten stehen; Massnahmebedürftigkeit; Erfor-
derlichkeit der Massnahme; Eignung der Massnahme, Verhältnismässigkeit), ist
eine ambulante Behandlung anzuordnen.
Zusammenfassend ist eine vollzugsbegleitende ambulante Behandlung im
Sinne von Art. 63 StGB anzuordnen, wobei vor allem die Behandlung der Persön-
lichkeitsstörung vom antisozialen Typus mit deutlichen psychopathischen Anteilen
im Vordergrund steht, der Beschuldigte aber auch schulisch und beruflich geför-
dert werden soll.
VI. Zivilansprüche
1. Die geschädigte Person kann zivilrechtliche Ansprüche aus der Straftat
als Privatklägerschaft adhäsionsweise im Strafverfahren geltend machen (Art. 122
Abs. 1 StPO). Das Gericht entscheidet über die anhängige Zivilklage, wenn es die
beschuldigte Person schuldig spricht (Art. 126 Abs. 1 lit. a StPO). Die Zivilklage
wird auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft ihre Klage nicht hin-
reichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 lit. b StPO). Wäre die voll-
ständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig aufwendig, so kann
das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach entscheiden und sie im Übri-
gen auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO).
Wer einem andern widerrechtlich Schaden zufügt, sei es mit Absicht, sei es
aus Fahrlässigkeit, wird ihm zum Ersatz verpflichtet (Art. 41 Abs. 1 OR). Voraus-
setzungen einer Ersatzpflicht sind: Schaden, Widerrechtlichkeit, Kausalzusam-
menhang und Verschulden. Körperverletzung im Besonderen gibt dem Verletzten
- 44 -
Anspruch auf Ersatz der Kosten sowie auf Entschädigung für die Nachteile gänz-
licher oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit, unter Berücksichtigung der Erschwerung
des wirtschaftlichen Fortkommens (Art. 46 Abs. 1 OR).
Haben mehrere den Schaden gemeinsam verschuldet, sei es als Anstifter,
Urheber oder Gehilfen, so haften sie dem Geschädigten solidarisch (Art. 50
Abs. 1 OR). Unter Hinweis auf die diesbezüglichen Ausführungen der Vorinstanz
(Urk. 117 S. 110 ff.) ist diese zu Recht davon ausgegangen, dass beim Raufhan-
del eine gemeinsame Verursachung des Schadens und ein gemeinsames Ver-
schulden des Beschuldigten und seiner Komplizen vorlag. So wirkte der Beschul-
digte mit seinen Mittätern bei der tätlichen Auseinandersetzung zusammen, wobei
jeder vom pflichtwidrigen Verhalten des anderen wusste und mit der Möglichkeit
rechnen musste, dass daraus Körperverletzungen resultieren könnten – und dies
somit in Kauf nahm. Dementsprechend haften alle Beteiligten des Raufhandels,
unabhängig davon, wer nun die Verletzungen tatsächlich verursacht hat. Damit
können sich die Privatkläger ohne Weiteres an den Beschuldigten halten, auch
wenn ihm nur bezüglich einer Verletzung nachgewiesen werden kann, dass diese
von ihm direkt verursacht wurde.
2. Die Privatkläger A._, B._, E._ und D._ stellten
Schadenersatzbegehren. Soweit deren Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg
verwiesen wurden, ist darüber – unter Beachtung des Verbotes der reformatio in
peius – nicht erneut zu befinden, da dies von keiner Partei angefochten wurde.
2.1. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger
A._ Schadenersatz in der Höhe von Fr. 1'050.05 zuzüglich 5 % Zins ab dem
4. September 2011 zu bezahlen (Urk. 117 S. 114 und S. 125). Dieser Betrag setzt
sich zusammen aus Lohnausfall in der Höhe von Fr. 450.05, einer Pauschale für
Sachschaden an Kleidern von Fr. 400.– und einer Spesenpauschale von
Fr. 200.– (Urk. 117 S. 113 f.).
Dass der Privatkläger infolge der Verletzung vom 5. September bis
21. September 2011 arbeitsunfähig war, was zu einer Lohneinbusse von
Fr. 496.35 bzw. – abzüglich Lohnabzüge von 9.33 % – Fr. 450.05 führte, ist belegt
- 45 -
(vgl. Urk. 73 S. 8 f., Urk. 75/2-5). Die geltend gemachte Pauschale von Fr. 400.–
für die vom Privatkläger A._ am Tatabend getragenen Kleider, welche von
der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurden (HD 31/3) und an denen Blut an-
haftet, weshalb sie nicht mehr zu gebrauchen sind (HD 13/5 S. 3), erscheint an-
gemessen. Die zugesprochene Spesenpauschale von Fr. 300.– für Wegentschä-
digung, Telefonate etc. (Urk. 73 S. 11) erscheint unter Berücksichtigung des auf-
wändigen Verfahrens ebenfalls als angemessen.
Die genannten Schäden entstanden infolge des Raufhandels, an welchem
sich der Beschuldigte beteiligte, und der Körperverletzung, welche dem Privatklä-
ger A._ vom Beschuldigten zugefügt wurde. Die Widerrechtlichkeit liegt vor,
da sich der Beschuldigte des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB und
der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig machte. Der natürliche Kausalzu-
sammenhang ist gegeben, da das schädigende Ereignis nicht weggedacht wer-
den kann, ohne dass der Erfolg – der Schaden – entfiele. Der Kausalzusammen-
hang ist ausserdem adäquat, da die Beteiligung am Raufhandel, an welchem
mindestens ein Messer eingesetzt wurde, unter den gegebenen Umständen nach
dem natürlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens als geeignet
erscheint, derartige Schäden wie die eingetretenen hervorzurufen. Der Beschul-
digte handelte im strafrechtlichen Sinne vorsätzlich. Er handelte bewusst und
nahm den Erfolg – den Schaden – zumindest in Kauf. Damit handelte er auch im
zivilrechtlichen Sinne mit Vorsatz. Das Verschulden liegt vor. Zusammenfassend
ist festzuhalten, dass die Voraussetzungen der Schadenersatzpflicht erfüllt sind.
Der Beschuldigte ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger A._ Schadener-
satz in der Höhe von Fr. 1'050.05 zuzüglich 5 % Zins ab dem 4. September 2011
zu bezahlen.
2.2. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger
B._ Schadenersatz in der Höhe von Fr. 840.55 zuzüglich 5 % Zins ab dem 4.
September 2011 zu bezahlen (Urk. 117 S. 116 und S. 125). Dieser Betrag setzt
sich zusammen aus Fr. 163.55 für die Kosten einer Blut- und Urinuntersuchung,
- 46 -
einer Pauschale für Sachschaden an Kleidern von Fr. 477.– sowie einer Spesen-
pauschale von Fr. 200.– (Urk. 117 S. 115 f.).
Die Kosten von Fr. 163.55 für die Blut- und Urinuntersuchung, welche von
der Stadtpolizei angeordnet und vom Privatkläger selber bezahlt wurde, sind be-
legt (Urk. 73 S. 12, Urk. 75/9-11). Die zugesprochene Pauschale von Fr. 477.– für
die vom Privatkläger B._ am Tatabend getragenen Kleider, welche von der
Staatsanwaltschaft beschlagnahmt wurden (HD 31/3) und an denen Blut anhaftet,
weshalb sie nicht mehr zu gebrauchen sind (HD 13/5 S. 4 f.), erscheint angemes-
sen. Die zugesprochene Spesenpauschale von Fr. 200.– für Wegentschädigung,
Telefonate etc. (Urk. 73 S. 15) ist unter Berücksichtigung des aufwändigen Ver-
fahrens ebenfalls als angemessen zu erachten.
Die genannten Schäden entstanden infolge des Raufhandels, an welchem
sich der Beschuldigte beteiligte. Die Widerrechtlichkeit liegt vor, da sich der Be-
schuldigte des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig machte.
Der natürliche und der adäquate Kausalzusammenhang sowie das Verschulden
liegen auch hier vor (vgl. Ziff. VI.2.1 vorstehend). Zusammenfassend ist festzuhal-
ten, dass die Voraussetzungen der Schadenersatzpflicht erfüllt sind. Der Be-
schuldigte ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger B._ Schadenersatz in
der Höhe von Fr. 840.55 zuzüglich 5 % Zins ab dem 4. September 2011 zu be-
zahlen.
2.3. Die Vorinstanz verpflichtete den Beschuldigten, dem Privatkläger
E._ Schadenersatz in der Höhe von Fr. 2'124.55 zu bezahlen (Urk. 117 S.
118 und S. 125). Dieser Betrag setzt sich zusammen aus einer Pauschale für
Sachschaden an Kleidern von Fr. 458.60, Heilungskosten von Fr. 123.30, Ferien-
annullationskosten von Fr. 1'342.65 und einer Spesenpauschale von Fr. 200.–
(Urk. 117 S. 117 f.).
Die geltend gemachte Pauschale von Fr. 458.60 für die vom Privatkläger am
Tatabend getragenen Kleider, welche von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt
wurden (HD 31/3) und an denen Blut anhaftet, weshalb sie nicht mehr zu gebrau-
chen sind (HD 13/5 S. 5 ff.), erscheint angemessen und ist zum Teil ausgewiesen
- 47 -
(Urk. 78/2-3). Die geltend gemachten Heilungskosten in der Höhe von Fr. 123.30
(Säfte für Entgiftungskur nach Operation und Selbstbehalt Physiotherapie) sind
belegt (Urk. 78/6-7), ebenso die Kosten in der Höhe von Fr. 1'342.65, welche auf-
grund der Annullierung der Ferien entstanden (Urk. 78/4-5). Die zugesprochene
Spesenpauschale von Fr. 200.– für Wegentschädigung, Porti, Telefonate etc.
(Urk. 76 S. 5) erscheint unter Berücksichtigung des aufwändigen Verfahrens
ebenfalls als angemessen.
Die genannten Schäden waren Folgen des Raufhandels, an welchem sich
der Beschuldigte beteiligte. Die Widerrechtlichkeit liegt vor, da sich der Beschul-
digte des Raufhandels im Sinne von Art. 133 Abs. 1 StGB schuldig machte. Der
natürliche und der adäquate Kausalzusammenhang sowie das Verschulden lie-
gen hier ebenfalls vor (vgl. Ziff. VI.2.1 vorstehend). Zusammenfassend ist festzu-
halten, dass die Voraussetzungen der Schadenersatzpflicht erfüllt sind. Der Be-
schuldigte ist daher zu verpflichten, dem Privatkläger E._ Schadenersatz in
der Höhe von Fr. 2'124.55 zu bezahlen.
2.4. Auch wenn der Privatkläger D._ vor Vorinstanz zwar Schadener-
satz geltend machte, diesen aber nicht beziffern konnte (Prot. I S. 15), ist die Vo-
rinstanz zu Recht davon ausgegangen, dass der Beschuldigte dem Privatkläger
gegenüber aus dem eingeklagten Ereignis, d.h. dem Raufhandel, schadenersatz-
pflichtig ist. Auch hier sind die Voraussetzungen der Schadenersatzpflicht ohne
Weiteres gegeben. Damit ist festzustellen, dass der Beschuldigte gegenüber dem
Privatkläger D._ aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach scha-
denersatzpflichtig ist, wobei der Privatkläger zur genauen Feststellung des Um-
fanges des Schadenersatzanspruchs auf den Weg des Zivilprozesses zu verwei-
sen ist.
3. Bei Tötung eines Menschen oder Körperverletzung kann das Gericht
unter Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten oder den Angehöri-
gen des Getöteten eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen
(Art. 47 OR). Die Körperverletzung muss beim Verletzten zu einer immateriellen
Unbill (zu einem Schmerz) geführt haben. Darüber hinaus muss der erlittene kör-
perliche bzw. seelische Schmerz von einer gewissen Schwere sein (BGE 110 II
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166 = Pra 1984, 486). Zu den besonderen Umständen eines Falles kann sodann
das Verschulden des Haftpflichtigen eine bedeutende Rolle spielen (BGE 104 II
264 = Pra 1979, 192). Zu den Umständen, die das Gericht zu berücksichtigen hat,
gehört auch ein Mitverschulden des Verletzten. Ausgeschlossen wird ein Genug-
tuungsanspruch aber höchstens bei Vorliegen eines überwiegenden, groben
Selbstverschuldens. In seiner neueren Rechtsprechung hat das Bundesgericht
generell Zurückhaltung signalisiert, was die Mitberücksichtigung des Selbstver-
schuldens betrifft (BGE 117 II 50 ff., 60 ff.). Auch das konkrete Verhältnis zwi-
schen Verletztem und Schädiger ist zu berücksichtigen. Bei der Bezifferung der
Genugtuung kommt dem Gericht erheblicher Ermessensspielraum zu. Es kommt
vor allem auf die Art und Schwere der Verletzung, die Intensität und die Dauer der
Auswirkungen auf die Persönlichkeit des Betroffenen sowie auf den Grad des
Verschuldens an (vgl. BSK OR I-Heierli/Schnyder, 5. Auflage 2011, Art. 47 N 20
f.).
4. Die Vorinstanz sprach dem Privatkläger A._ eine Genugtuung von
Fr. 8'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 4. September 2011, dem Privatkläger B._
eine solche von Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 4. September 2011, dem Pri-
vatkläger D._ eine solche von Fr. 3'000.– und dem Privatkläger E._ eine
solche von Fr. 12'000.– zu. Im Mehrbetrag wurden die Genugtuungsbegehren
abgewiesen (Urk. 117 S. 125). Soweit die Genugtuungsbegehren abgewiesen
wurden, ist darüber – in Beachtung des Verbotes der reformatio in peius – nicht
erneut zu befinden, da dies von keiner Partei angefochten wurde.
Der Raufhandel, an welchem sich der Beschuldigte beteiligte, führte bei al-
len Privatklägern zu erheblichen Verletzungen. Zum diesbezüglichen Verschulden
des Beschuldigten wurden bereits Ausführungen gemacht (vgl. Ziff. IV.4.b vorste-
hend). Die Privatkläger mussten alle medizinisch versorgt werden. A._,
E._ und D._ wurden sogar operiert. Zumindest bei A._, B._
und E._ führten die Verletzungen auch zu Arbeitsunfähigkeit. Es entspricht
der Lebenserfahrung, dass solche Verletzungen mit grossen Schmerzen verbun-
den sind und bleibende Narben hinterlassen. Es ist auch einfühlbar, dass die Pri-
vatkläger durch den Vorfall eine erhebliche seelische Beeinträchtigung erlitten.
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Mitzuberücksichtigen ist jedoch auch, dass es sich beim Vorfall vom 4. September
2011 um eine wechselseitige Auseinandersetzung zwischen der Gruppe um den
Beschuldigten und der Gruppe um die Privatkläger handelte. Um Wiederholungen
zu vermeiden, kann für weitere Einzelheiten auf die zutreffenden Ausführungen
der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 117 S. 114 ff.). Unter Berücksichtigung
der Umstände jedes einzelnen Privatklägers und im Vergleich zu ähnlich gelager-
ten Fällen erscheinen die von der Vorinstanz zugesprochenen Genugtuungen an-
gemessen.
Der Beschuldigte ist somit zu verpflichten, dem Privatkläger A._ eine
Genugtuung von Fr. 8'000.– zuzüglich 5 % Zins ab 4. September 2011, dem Pri-
vatkläger B._ eine Genugtuung von Fr. 1'500.– zuzüglich 5 % Zins ab 4.
September 2011, dem Privatkläger D._ eine Genugtuung von Fr. 3'000.– und
dem Privatkläger E._ eine Genugtuung von Fr. 12'000.– zu bezahlen.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss ist das erstinstanzliche Kosten- und Entschädi-
gungsdispositiv (Ziff. 18 bis 20) zu bestätigen.
2. In Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte un-
terliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich. Der Rückzug der Berufung der Privat-
kläger A._ und B._ ging innerhalb der gesetzlichen Frist zur Einreichung
der schriftlichen Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3 StPO ein, wes-
halb ihnen keine Kosten aufzuerlegen sind (ZR 110 [2011] Nr. 37). Der Rückzug
der Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft ging zwar erst eine Woche vor der
Berufungsverhandlung ein. Da der damit zusammenhängende Aufwand aber nur
sehr gering war, ist auch hier von einer Kostenauflage abzusehen. Ausgangsge-
mäss sind dem Beschuldigten die gesamten Kosten des Berufungsverfahrens
aufzuerlegen.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind gestützt auf Art. 426 Abs. 1
StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen; entsprechend ist der amtliche Verteidi-
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ger, Rechtsanwalt lic. iur. Y._, mit Fr. 9'400.– (inkl. 8 % MwSt.) aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen. Der Beschuldigte ist zu verpflichten, diese Entschä-
digung an den Staat zurückzuzahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnis-
se erlauben (vgl. Art. 135 Abs. 4 StPO).
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