# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1f426144-15d1-4aa1-b2f2-2f6d9f59841f
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2008
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Die Eidgenössische Tagsatzung beschloss am 28. Juli 1804 den Bau des
Linthwerks. Dieses umfasst im wesentlichen den Escherkanal und den Linthkanal
sowie Nebengewässer. Mit dem Escherkanal wurde die Glarner Linth, welche einst
direkt durch die Linthebene Richtung Oberer Zürichsee floss, in den Walensee
umgeleitet. Dieser dient als Retentionsbecken und Geschiebesammler. Der Linthkanal
entwässert den Walensee in den Zürichsee. Mit diesen Massnahmen wurden die
Linthebene und das Walenseegebiet gegen Hochwasser geschützt und entsumpft. Der
Walenseespiegel wurde ausserdem erheblich abgesenkt, wodurch die Entwicklung der
Region ermöglicht wurde.
B./ Bis Ende 2003 war das Linthwerk ein eidgenössisches Unternehmen mit dem
Zweck, den Hochwasserschutz in der Linthebene sicherzustellen. Die Eidgenössische
Linthkommission beschloss im Jahr 1998, das Linthwerk bezüglich Hochwasserschutz
und konstruktiver Sicherheit zu überprüfen. Dabei stellte sich heraus, dass es in seinem
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
aktuellen Zustand den Belastungen durch ein hundertjährliches Hochwasser nicht mehr
zu genügen vermag. Untersuchungen zeigten mehrere Schwachstellen und eine
potentielle Schadensumme von rund 280 Mio. Franken bei einem Schadenereignis
(Dammbruch) mit einer Eintretenswahrscheinlichkeit von dreissig bis hundert Jahren.
Im Mai 1999 und im August 2005 fanden Hochwasserereignisse statt, welche den
Handlungsbedarf bestätigten.
Das Linthwerk erarbeitete das Projekt Hochwasserschutz Linth 2000 mit den
Teilprojekten Escherkanal und Linthkanal. Das Projekt sieht vor, dass ein Teil der
bestehenden wasserbaulichen Anlagen aufgrund der festgestellten Sicherheitsmängel
umfassend saniert wird, damit ein hundertjährliches Hochwasser schadlos abgeleitet
werden kann. Als Schutzziel wurde für den Linthkanal im Bereich zwischen
Ziegelbrücke und Zürichsee ein gefahrloser Abfluss von 360 m /sec festgelegt, was
einem hundertjährlichen Hochwasser entspricht (techn. Bericht S. 25). Weiter wird
beabsichtigt, dass auch extremere Hochwasserereignisse ohne grossräumige Schäden
bewältigt werden können. Dies bedingt eine geotechnische Sanierung der Dämme über
weite Strecken sowie eine Verbesserung der Zugänglichkeit für Unterhalt und
Intervention. Schliesslich wurde für extreme, mehr als hundertjährliche Hochwasser
eine Notentlastung im Bereich Hänggelgiessen in der Gemeinde Schänis vorgesehen.
Weiter sind auch ökologische Aufwertungen beabsichtigt. Damit soll das Projekt die
wirtschaftliche Nutzbarkeit der Linthebene als Siedlungs- und Verkehrsraum,
Landwirtschaftsgebiet und Ferienregion gewährleisten.
C./ Die Kantone St. Gallen, Glarus, Schwyz und Zürich gaben sich mit der
Interkantonalen Vereinbarung über das Linthwerk vom 23. November 2000
(sGS 734.331, abgekürzt: Linthkonkordat) die Rechtsgrundlagen für die gemeinsame
Aufgabenerfüllung im Bereich des Linthwerks. Die neue Trägerschaft ist eine öffentlich-
rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit. Sie übernahm Rechte und Pflichten
der Eidgenössischen Linthunternehmung und hat ihren Sitz in Uznach (Art. 1 des
Linthkonkordats). Nach Art. 2 des Linthkonkordats stellt das Linthwerk den
Hochwasserschutz in der Linthebene sicher, wobei auf die Bedürfnisse der Bewohner
und der Umwelt im Sinne der Bundesgesetzgebung Rücksicht genommen wird. Der
Bund löste auf den 1. Januar 2004 die Eidgenössische Linthunternehmung auf.
3
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Linthkommission verabschiedete am 29. September 2005 die Teilprojekte
Escherkanal und Linthkanal des Projekts Hochwasserschutz Linth 2000 und gab diese
zur öffentlichen Auflage frei. Das Auflageprojekt Hochwasserschutz Linth 2000,
Linthkanal, lag vom 25. Oktober bis 23. November 2005 samt
Umweltverträglichkeitsbericht und Rodungsgesuch in den beteiligten Gemeinden der
Kantone St. Gallen, Glarus und Schwyz öffentlich auf. Die betroffenen Grund- und
Werkeigentümer wurden am 19. Oktober 2005 von der öffentlichen Auflage nach
Art. 16 Abs. 2 des Linthkonkordats in Kenntnis gesetzt. Dabei wurde darauf
hingewiesen, dass innert der Auflagefrist bei der Linthkommission zuhanden der
Regierung des Kantons St. Gallen gegen das Ausbauvorhaben und gegen die
Zulässigkeit der Enteignung privater Rechte Einsprache erhoben werden könne. Das
Linthwerk benachrichtigte am 20. Oktober 2005 die Pächter von Vorland oder
Böschungen an der Linth über die öffentliche Auflage.
Innerhalb der Auflagefrist wurden gegen das Ausführungsprojekt Linthkanal 95
Einsprachen erhoben. Die Linthkommission übermittelte diese am 21. Dezember 2005
der Regierung des Kantons St. Gallen zur Bearbeitung und zum Entscheid sowie zur
Erteilung der erforderlichen Bewilligungen.
Aufgrund der Einsprachen überprüfte das Linthwerk das Projekt in verschiedenen
Teilbereichen und nahm einzelne Anpassungen vor, namentlich bezüglich der
Hochwasserentlastung und Drosselung des "Sumpf-Uslaufs". Anstelle der im
Auflageprojekt vorgesehenen abgesenkten Ueberlaufkante im Bereich der
Hochwasserentlastung Hänggelgiessen soll ein gesteuertes Wehr erstellt werden, das
bei einem Extremereignis geöffnet und anschliessend wieder geschlossen werden
kann. Damit soll der Ueberlastfall besser und situativer gesteuert werden können.
Aufgrund der Ueberprüfung der Kapazitäten des "Sumpf-Uslaufs" wurde auf den
Einbau einer Drosselung oberhalb des Entlastungsbauwerks verzichtet. Allerdings
behielt sich das Linthwerk ausdrücklich vor, zu einem späteren Zeitpunkt ein
Drosselbauwerk zu erstellen, wenn infolge erheblich grösserer Zuflüsse aus den
Schännerbächen die Kapazität nicht mehr ausreichen sollte.
Zwischen Mai 2006 und April 2007 wurden mit den Einsprechern Verhandlungen
geführt. In der Folge konnten 47 Einsprachen auf dem Verhandlungsweg erledigt
werden.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Regierung des Kantons St. Gallen behandelte an ihrer Sitzung vom 12. Juni 2007
das Projekt und die Einsprachen. Sie entschied, das Projekt Linthkanal im Rahmen des
Kostenvoranschlags von Fr. 104'500'000.-- für das Gesamtprojekt Linth 2000 (Anteil
Linthkanal rund 75 %, inkl. MWSt, Preisbasis September 2005) mit dem generellen
Schutzziel von 360 m /sec., entsprechend einem hundertjährlichen
Hochwasserereignis (HQ ), unter verschiedenen Bedingungen und Auflagen als
umweltverträglich zu genehmigen. Ausserdem nahm die Regierung Kenntnis von den
Ergebnissen der Einspracheverhandlungen und insbesondere auch von den im
Rahmen von Einspracherückzügen abgeschlossenen Vergleichsvereinbarungen
zwischen dem Linthwerk und den Einsprechern. Die Auflagen und Bedingungen
wurden im Regierungsbeschluss einzeln und detailliert aufgeführt (Entscheid Nr. 466,
Ziff. 1 - 17). Im übrigen wies die Regierung die Einsprachen ab, soweit sie darauf eintrat
und soweit die Einsprachen nicht gegenstandslos geworden waren (Ziff. 1). Die
Zusicherungen des Linthwerks zur Projektänderung des Notentlastungsbauwerks mit
gesteuertem Wehr statt einer abgesenkten Ueberlaufkante, zum Verzicht auf ein
Drosselbauwerk im "Sumpf-Uslauf" sowie über die Verpflichtung, für Schäden aus
Extremereignissen an Grundstücken, die nachgewiesen als Folge einer gezielten
Entlastung aus dem Gewässersystem Linthkanal entstehen sollten, anteilmässig nach
der Verursachung Entschädigung zu leisten bzw. den Schaden zu ersetzen, wurden als
verbindlich erklärt (Ziff. 2). Auf die Erhebung einer Entscheidgebühr wurde verzichtet
(Ziff. 3). Die Regierung hielt fest, das Linthwerk stelle den Hochwasserschutz in der
Linthebene sicher. Auf die Bedürfnisse der Bewohner sowie der Umwelt sei im Sinn der
Bundesgesetzgebung Rücksicht zu nehmen. Ein Gewässer dürfe bzw. müsse verbaut
oder korrigiert werden, wenn dies dem Schutz von Menschen und erheblichen
Sachwerten diene. Die Kantone bzw. das Linthwerk hätten den Hochwasserschutz in
erster Linie durch den Unterhalt der Gewässer und durch raumplanerische
Massnahmen zu gewährleisten. Reiche dies nicht aus, müssten bauliche Massnahmen
wie Verbauungen, Eindämmungen, Korrektionen, Hochwasserrückhalteanlagen usw.
getroffen werden. Gewässer, Ufer und Werke des Hochwasserschutzes müssten so
unterhalten werden, dass der vorhandene Hochwasserschutz, insbesondere die
Abflusskapazität, erhalten bleibe. Diese bundesrechtlichen Gesetzesgrundlagen
würden im st. gallischen Wasserbaugesetz weiter konkretisiert. Gewässer seien so zu
unterhalten und auszubauen, dass das Wasser ungehindert abfliessen und eine
3
100
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gefährdung von Bauwerken und genutztem Boden vermieden werden könne. Der
Ausbau der Gewässer solle einen hinreichenden Abfluss gewährleisten. Bei Eingriffen in
ein Gewässer müsse dessen natürlicher Verlauf aber möglichst beibehalten oder
wiederhergestellt werden. Ausserdem müssten die Gewässer und Ufer so gestaltet
werden, dass sie einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum dienen
könnten, die Wechselwirkung zwischen ober- und unterirdischen Gewässern
weitgehend erhalten bleibe und eine standortgerechte Ufervegetation gedeihen könne.
Sofern zur Sicherstellung des Hochwasserschutzes bauliche Massnahmen erforderlich
seien, erfolge die Dimensionierung der Schutzbauten nach den anerkannten und
schweizweit angewendeten Grundsätzen für ein grosses und dementsprechend
seltenes Ereignis. Der Grad des Schutzes richte sich dabei nach dem Wert der zu
schützenden Objekte. Regelmässig gelte dabei für Siedlungsgebiete als Schutzziel ein
hundertjährliches Hochwasser und für Landwirtschaftsgebiete ein zwanzigjährliches
Hochwasser. Obwohl die Schutzziele somit grundsätzlich differenziert festzulegen
seien, werde beim Linthkanal aufgrund der Topographie und des Gewässerverlaufs
sowie der räumlichen Verzahnung der verschiedenen Nutzungen auf eine
Unterscheidung der Schutz-ziele für Siedlungs- und Landwirtschaftsgebiete verzichtet.
Mit dem festgelegten einheitlichen Schutzziel sollten im Bereich des Projekts
Linthkanal mit den geplanten Massnahmen sowohl die Siedlungsgebiete als auch die
Landwirtschaftsgebiete im gleichen Mass geschützt werden. Mit dem Projekt
Linthkanal werde den in der Schweiz üblichen und vom Bund auch verlangten
Sicherheitsstandards somit vollumfänglich entsprochen.
D./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 4. Juli 2007 erhoben A., B. und C.
sowie . . .(27 Grundeigentümer und Bewirtschafter) Beschwerde beim
Verwaltungsgericht und stellten folgende Rechtsbegehren:
"A. In materieller Hinsicht:
Die Entscheide der Regierung des Kantons St. Gallen vom 12. Juni 2007, Nummern
419-425, 427-429, 431, 434, 436-437, 439-440, 442, 444-446, 449-451, 459-460, 462
sowie 466, in der Sache Projekt Hochwasserschutz Linth 2000, Teilprojekt Linthkanal,
seien aufzuheben und die Sache zu neuer Beurteilung an die Regierung
zurückzuweisen mit den folgenden Auflagen:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
○ Die Regierung habe in ihrem neuen Entscheid die vom Bundesamt für
Landwirtschaft gestellten Anträge 3 und 4 (enthalten im Bericht des BAFU vom 19.
Februar 2007, Seite 6, Beschwerdebeilage 8) zu behandeln und förmlich darüber zu
entscheiden;
○ Das Projekt Hochwasserschutz Linth 2000, Teilprojekt Linthkanal, sei mit den
folgenden Aenderungen zu versehen und nur mit diesen Aenderungen zu genehmigen:
a. Die Sanierung des Linthkanals ist in der Weise auszuführen, dass das Bauwerk auf
seiner vollen Länge, namentlich auch im Streckenabschnitt von oberhalb
Hänggelgiessen bis zur Einmündung in den Zürichsee, jederzeit mindestens
500 m Wasser pro Sekunde sicher abführen kann;
b. Die im Gebiet der Schänner Ebene vorgesehenen Vorkehrungen für den
Ueberlastfall müssen baulich, technisch und betrieblich so ausgestaltet sein, dass eine
Ausleitung von Wasser aus dem Linthkanal in das Ufergebiet erst ab einer
Wasserführung im Linthkanal von mehr als 500 m /s erfolgt;
c. Auf die Kanalaufweitung und Renaturierung im Gebiet Hänggelgiessen wird
verzichtet."
Als Eventualantrag stellten die Beschwerdeführer das Rechtsbegehren, die im
Hauptantrag verlangten Aenderungen des Projekts seien im Beschwerdeentscheid
festzulegen. In verfahrensmässiger Hinsicht beantragten sie, es sei ihnen Einsicht in die
zwischen dem Linthwerk und den Umweltorganisationen abgeschlossene Vereinbarung
zu gewähren und es sei ihnen Gelegenheit zu geben, anschliessend die Beschwerde zu
ergänzen, ausserdem sei eine öffentliche Verhandlung durchzuführen, alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Die Beschwerdeführer rügen im wesentlichen, dass
das angefochtene Projekt einen ungenügenden Hochwasserschutz biete bzw. den
Hochwasserschutz gegenüber dem bestehenden Schutzkonzept verschlechtere. Das
Linthwerk sei tauglich; erforderlich sei einzig dessen Erneuerung wegen der
Altersabnutzung und wegen des in den letzten Jahrzehnten vernachlässigten
Unterhalts. Zudem sei die bestehende Abflusskapazität bundesrechtlich gewährleistet.
Weiter machen die Beschwerdeführer geltend, dass sie als Eigentümer oder Pächter
3
3
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
von Grundstücken in der Schänner-Ebene durch die vorgesehene Notentlastung
unverhältnismässig belastet würden. Sodann rügen sie eine übermässige
Beanspruchung von landwirtschaftlichem Boden und machen geltend, die Aufweitung
Hänggelgiessen stelle ein falsches Zugeständnis an die Forderungen nach Oekologie
und Renaturierung dar. Auf die einzelnen Vorbringen in der Beschwerde wird, soweit

## Considerations

erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen näher eingegangen.
Am 9. Juli 2007 stellte das Verwaltungsgericht dem Rechtsvertreter der
Beschwerdeführer den Vergleich zwischen dem Linthwerk und den
Umweltschutzorganisationen zu und setzte Frist zur allfälligen Ergänzung der
Beschwerde an. In ihrer Eingabe vom 24. August 2007 halten die Beschwerdeführer
fest, der Vergleich vom Mai 2007 sei ihres Erachtens für die Beschwerde unbeachtlich.
In ihrer Vernehmlassung vom 24. September 2007 beantragte die Regierung, die
Beschwerde sowohl bezüglich der Hauptanträge als auch bezüglich der
Eventualbegehren vollumfänglich abzuweisen, unter Kostenfolge zulasten der
Beschwerdeführer. Die Regierung hält fest, das Schutzziel des Projekts Linth 2000
entspreche den Vorgaben des Bundes und den anerkannten Grundsätzen eines
modernen Hochwasserschutzes vollumfänglich und bringe namentlich für die
Landwirtschaftsgebiete in der Linthebene eine erhebliche Verbesserung. Die
bestehende Abflusskapazität werde nicht nur gewährleistet, sondern verbessert. Daher
erweise sich die Erhöhung des Schutzziels, wie sie die Beschwerdeführer verlangten,
auch in Anbetracht der damit verbundenen Mehrkosten bzw. der erforderlichen
Mehrbeanspruchung an Bodenflächen als unverhältnismässig. Im weiteren sei die
Beherrschung des Ueberlastfalls Projektbestandteil eines jeden modernen
Hochwasserschutzprojekts. Mit einer regulierten Hochwasserentlastung könne eine
allfällige, allerdings bisher noch nie vorgekommene Mehrwassermenge gezielt
ausgeleitet werden, um weitaus grössere Schäden infolge eines Dammbruchs an einer
unvorhersehbaren Stelle zu verhindern. Die Notentlastung springe nicht bereits bei
einem hundertjährlichen Hochwasser an, sondern erst bei einem wesentlich grösseren
Hochwasserereignis. Unbestritten sei, dass ein Teil der Grundstücke der
Beschwerdeführer im Bereich der potentiellen Ueberflutungsfläche bei Eintritt eines
Ueberlastfalls als Folge eines Extremereignisses liege. Dies ergebe sich auch aus den
im Rahmen der Einspracheverhandlungen vom Linthwerk vorgelegten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ueberflutungsberechnungen für Extremereignisse. Daher habe sich das Linthwerk
gegenüber den Beschwerdeführern im Rahmen des Einspracheverfahrens auch
verpflichtet, einen aus einem solchen Vorfall entstandenen Schaden zu ersetzen. Im
weiteren bilde auch die Aufweitung Hänggelgiessen einen Projektbestandteil und diene
der Hochwassersicherheit. Es handle sich nicht um ein ökologisches Feigenblatt und
auch nicht um ein falsches Zugeständnis an die Forderungen der Oekologie und
Renaturierung. Schliesslich habe sich die Regierung mit dem geltend gemachten
Verlust landwirtschaftlichen Bodens auseinandergesetzt. Sämtlicher Boden, der für das
Projekt benötigt werde, stehe zwischenzeitlich im Eigentum des Linthwerks. Alle
Landerwerbe hätten freiwillig und ohne Enteignungsverfahren abgeschlossen werden
können.
Auch das Linthwerk beantragt in seiner Vernehmlassung vom 24. September 2007, die
Anträge der Beschwerdeführer seien vollumfänglich abzuweisen, soweit sie nicht mit
dem Auflageprojekt im Einklang stünden bzw. nicht bereits im Rahmen der
Einspracheverhandlungen geklärt worden seien, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge. Das Linthwerk hält fest, im derzeitigen Zustand sei über weite
Strecken rechnerisch die Abflusskapazität für ein hundertjährliches Hochwasser nicht
vorhanden. Im Projekt sei die Kapazität auf ein hundertjährliches Hochwasser von
360 m /s festgelegt. Die projektierten Dammkronen bzw. Uferhöhen müssten
mindestens um das Freibord höher als der Wasserspiegel der Ausbauwassermenge
sein. Entgegen den Darlegungen der Beschwerdeführer werde die Dammkrone nicht
systematisch auf eine einheitliche tiefere Linie herabgenommen. Das Projekt sehe
lediglich eine partielle Absenkung der Dammkrone vor. Diese Absenkung erfolge in
Abschnitten, wo der Damm nach einem bautechnisch bedingten Abtrag nicht wieder
auf die ursprüngliche Höhe angehoben werde. Eine örtliche Erhöhung der Dämme
führe nicht zu einer Erhöhung der Sicherheit des Linthkanals.
Die Beschwerdeführer erhielten Gelegenheit, zu den Vernehmlassungen der Regierung
und des Linthwerks Stellung zu nehmen. In ihrer Eingabe vom 14. November 2007
halten sie an ihrem Rechtsbegehren grundsätzlich fest. Einzig den Antrag, die
Regierung habe in ihrem neuen Entscheid die vom Bundesamt für Landwirtschaft
gestellten Anträge zu behandeln und förmlich darüber zu entscheiden, liessen sie
fallen. An den Anträgen, wonach die Sanierung des Linthkanals in der Weise
3
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auszuführen sei, dass auf der vollen Länge jederzeit mindestens 500 m /s Wasser
sicher abgeführt werden könnten und die Notentlastung erst bei einer höheren
Wasserführung ausgelöst werde, und dass auf eine Kanalaufweitung und
Renaturierung im Gebiet Hänggelgiessen zu verzichten sei, halten die
Beschwerdeführer fest.
Die Regierung liess sich zur Stellungnahme der Beschwerdeführer nicht mehr
vernehmen. Das Linthwerk reichte eine Vernehmlassung ein. Die Beschwerdeführer
erhielten Gelegenheit, sich dazu zu äussern.
Die weiteren Vorbringen der Verfahrensbeteiligten werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Am 23. Januar 2008 zogen die Beschwerdeführer ihr Begehren um Durchführung einer
öffentlichen Verhandlung zurück.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Nach Art. 18 Abs. 2 des Linthkonkordats unterliegen Entscheide der jeweiligen
Regierung über die Bewilligung einer umfassenden Erneuerung der Werkanlagen der
Beschwerde an das Verwaltungsgericht des betreffenden Kantons. Angefochten sind
Entscheide der Regierung des Kantons St. Gallen, womit die Zuständigkeit des
Verwaltungsgerichts des Kantons St. Gallen gegeben ist.
1.1. Nach Art. 4 Abs. 1 des Linthkonkordats ist das Recht des Kantons St. Gallen
anwendbar, soweit das Linth-konkordat nichts anderes bestimmt. Da die Vereinbarung
keine spezifischen Vorschriften über die anwendbaren Verfahrensnormen enthält, ist
das Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons St. Gallen (sGS 951.1,
abgekürzt VRP) anwendbar. Dieses findet gemäss Art. 1 Abs. 1 lit. b Anwendung auf
den Rechtsschutz in Verwaltungsstreitsachen, wenn nicht eidgenössische Erlasse und
kantonale Gesetze abweichende Vorschriften enthalten (Art. 2 Abs. 1 VRP). Dies ist
vorliegend nicht der Fall.
1.2. Die Beschwerde wurde rechtzeitig innerhalb der Frist von vierzehn Tagen (Art. 64
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP) eingereicht. Sie enthält einen Antrag, eine
3
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Darstellung des Sachverhalts und eine Begründung (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 48 Abs. 1 VRP). Insoweit sind die Sachurteilsvoraussetzungen erfüllt.
1.3. Nach Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP ist zur Beschwerde
legitimiert, wer an der Aenderung oder Aufhebung der Verfügung oder des Entscheids
ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartut.
1.3.1. In der Beschwerde wird festgehalten, alle Beschwerdeführer seien Eigentümer
oder Pächter von Land in der Schänner Ebene. Die Details ergäben sich aus dem
jeweiligen Bst. G der angefochtenen Entscheide. Die entsprechenden Parzellen lägen
im direkten Einflussbereich des angefochtenen Projekts. Sie seien im Fall eines
Hochwassers - namentlich bei Auslösung des Ueberlastfalls - von Ueber-
schwemmungen bedroht. Die Beschwerdeführer hätten somit ein eigenes, besonderes
und schützenswertes Interesse an der Anfechtung der regierungsrätlichen Entscheide.
Ihnen allen sei in den angefochtenen Entscheiden die Einspracheberechtigung
zugesprochen worden.
Die Regierung hält in ihrer Vernehmlassung fest, aufgrund der räumlichen Lage der im
Eigentum bzw. in Pacht der Beschwerdeführer stehenden Grundstücke werde die
Beschwerdelegitimation nicht bestritten. Von sämtlichen Beschwerdeführern liege
mindestens ein Teil der Grundstücke im möglichen Einflussbereich des Linthkanals,
sofern bei Extremereignissen der Ueberlastfall eintreten sollte. Mit Ausnahme der
Beschwerdeführer X. und Y. hätten alle Beschwerdeführer bereits im vorinstanzlichen
Verfahren Einsprache gegen das Projekt und gegen die Zulässigkeit der Enteignung
erhoben.
1.3.2. Entgegen der Darstellung der Vorinstanz haben auch die Beschwerdeführer X.
und Y. gegen das öffentlich aufgelegte Projekt Einsprache erhoben (Einspracheakten
act. 3 und 8). Auch bei ihnen ist daher die formelle Beschwer gegeben.
1.3.3. Die Legitimation zur Beschwerde ist von Amtes wegen zu prüfen. Fest steht,
dass die Beschwerdeführer Eigentümer und/oder Pächter von Grundstücken sind, die
im Bereich der Schänner Ebene liegen, und zwar teilweise in jenem Bereich, der in
einem Ueberlastfall überflutet werden kann. Die Regierung hat den Beschwerdeführern
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/27
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ohne weiteres die Legitimation zur Einsprache zuerkannt. Es ist indessen mit Bezug auf
die einzelnen Beschwerdeführer und die von ihnen erhobenen Rügen von Amtes wegen
zu prüfen, inwieweit die Legitimation bejaht werden kann. Die Beschwerdelegitimation
wird nicht dadurch begründet, dass jemandem eine Verfügung mit einer