# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 01bd1f35-1ccc-42ca-9321-2c18360640d5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1957 geborene
X._
bezog seit
dem
1.
Februar 2008
eine ganze
Invalidenrente
basierend a
uf einem Invaliditätsgrad von 72
%
,
zuzüglich einer
akzessorische
n
Kinderrente
für
den
1996 geborenen
Sohn
A._
(
Urk.
10
/48
,
Urk.
10/59 ff.
, vgl. auch
Urk.
10/74,
Urk.
10/80,
Urk.
10/84,
Urk.
10/102
).
Anfangs
20
14
teilte die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich,
Ausgleichskasse
, der Versicherten
mit, der
Anspruch auf eine Kinderrente erlösche bei E
rreichen der Volljährigkeit, soweit kein Ausbildungsnachweis ein
gereicht werde
(
Urk.
10/120).
Nachdem
die Versicherte
eine Bescheinigung
über die Ausbildung bzw. die aktuel
le berufliche Sit
uation von
A._
eingereicht hatte (Urk.
10/122
,
Urk.
10/132
), richtete die Ausgleichskasse die Kinderrente weiterhin aus
(vgl.
Urk.
10/142).
Im Juni
2015
und
2016
stellte
die Ausgleichskasse der Versicherten
die Einstellung der Zahlung der K
inderrente
in Aussicht, da
A._
die Ausbildung im Juli 2015
resp. Juli 2016
beende (Urk.
10/151
,
Urk.
10/158
).
Die Versicherte
erbrachte jeweils
aktuelle
Aus
bildung
snachweise
(Urk. 10/152
,
Urk.
10/159
)
, woraufhin
die Ausgleichs
kasse
die Kinderrente
weiterhin ausrichtete
(vgl.
Urk.
10/156
,
Urk.
10/163
).
Im Juli 2017 teilte die Ausgleichskasse der Versicherten abermals mit, die Kinderrente werde eingestellt, da
A._
seine Ausbildung im Juli 2017 beende
. Die Kinderrente werde
deshalb
im Juli 2017 letztmals ausbezahlt
(
Urk.
10/165). Mit Schreiben vom 3
0.
August 2017 teilte die Versicherte
der IV-Stelle
mit,
A._
habe die praktische Lehrabschlussprüfung 2017 nicht be
standen. Derzeit absolviere er ein Pra
kti
kum in einem Architekturbüro. Mithin
sei
er
noch immer in Erstausbildung
(
Urk.
10/168 f.).
Am
2
1.
September 2017
stellte sich
die IV-Stell
e auf den Standpunkt
, beim vorliegenden
Praktikum
handle es sich nicht um
eine
anerkannte Ausbildung, weshalb die Voraus
set
zung
en für eine Kinderrente nicht mehr erfüllt seien
(
vgl.
Urk.
10/170)
.
Ent
spre
chend
verneinte
sie n
ach durch
geführtem
Vorbescheidver
fahren
(
Urk.
10/174,
Urk.
10/177
)
mit Verfügung vom 2
2.
Dezember 2017
einen Anspruch auf eine Kinderrente
(über den 3
1.
Juli 2017 hinaus,
Urk.
2)
.
2.
Dagegen erhob
X._
am 9. Januar 2017
(recte:
9.
Januar 2018, eigenhändig gezeichnet mit Eingabe vom 1
9.
Januar 2018,
Urk.
6, vgl. Verfü
gung vom 1
5.
Januar 2018,
Urk.
4)
Beschwerde mit dem
(sinngemässen)
Antrag, es sei ihr
(über den 3
1.
Juli 2017 hinaus)
weiterhin eine Kinderrente für die Dauer der Ausbildung
von
A._
auszurichten (Urk.
1). Mit Beschwerde
antwort vom 1
2.
Februar 2018 schloss
die
Beschwer
degegnerin auf
Abweisung der Beschwerde (Urk.
9
),
was der Beschwerdeführerin am 1
3.
Februar
20
18
mit
geteilt wurde (Urk.
11).
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
2.1
Männer und Frauen, denen eine Invalidenrente zusteht, haben in Anwendung von
Art.
35
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) für jedes Kind, das im Falle ihres Todes eine Waisenrente der Alters- und
Hinter
lassenenversicherung
beanspruchen könnte, Anspruch auf eine Kinderrente.
Zweck der Kinderente ist die Förderung der beruflichen Ausbildung, indem das volljährige Kind eines invaliden Elternteils durch die Invalidität eines Elternteils in seinem beruflichen Weiterkommen nicht behindert sein soll (BGE 139 V 122 E. 4.3).
Indem
Art.
35
Abs.
1 IV
G den Kinderrentena
nspruch davon abhängig macht, ob das Kind im Falle des
Hinterlassenseins
eine AHV-Waisenrente geltend machen könnte, erweist sich die Waisenrentenberechtigung nach
Art.
25 des
Bundesge
setz
es
über die Alters- und
Hinterlassenenversicherung
(AHVG) IV-rechtlich als massgeblich, insbesondere betreffend die Entstehungs- und Erlöschungsgründe (Meyer/
Reichmuth
, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum IVG,
Art.
35 N 2).
Für Kinder, die noch in Ausbildung sind, daue
rt der Rentenanspruch nach Art. 25
Abs.
5 AHVG bis zu deren Abschluss, längstens aber bis zum vollendeten 2
5.
Altersjahr.
2.2
Der Bundesrat hat von der ihm im zweiten Satz von
Art.
25
Abs.
5 AHVG eingeräumten Kompetenz zur Definition der Ausbildung
mit
dem
2011 in Kraft getretenen
Art.
49
bis
der
Verordnung über die Alters- und
Hinterlassen
en
ver
sicherung
(AHVV)
Gebrauch gemacht.
Gemäss
Art.
49
bis
AHVV
ist ein Kind in Ausbildung, wenn es sich auf der Grund
lage eines ordnungsgemässen, rechtlich oder zumindest faktisch aner
kannten
Bildungsganges systematisch und zeitlich überwiegend entweder auf einen Be
rufs
ab
schluss vorbereitet oder eine Allgemeinausbildung erwirbt, die Grundlage bildet für den Erwerb verschiedener Berufe (Abs. 1). Als in Ausbildung gilt ein Kind auch, wenn es Brückenangebote wahrnimmt wie Motivationssemester und Vorlehren sowie Au-pair- und Sprachaufenthalte, sofern sie einen Anteil Schul
unterricht enthalte
n (Abs. 2). Nicht als in Ausbil
dung gilt ein Kind, wenn es ein durchschni
ttliches monatliches Erwerbsein
kommen erzielt, das höher ist als die maximale volle Altersrente der AHV (Abs. 3).
Die Bestimmung des
Art.
49
bis
Abs.
1 AHVV besitzt keinen abschliessenden Charakter
;
der Ausbildungsbegriff
ist
weit zu verstehen (BGE
140 V 314 E. 4.3.1
).
2.3
Die systematische Vorbereitung auf ein Ausbildungsziel im Sinne von Art. 49
bis
AHVV erfordert gemäss der Wegleitung des BSV über die Renten in der
Eidge-nössischen
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (RWL), dass das Kind die Ausbildung mit dem objektiv zumutbaren Einsatz betreibt, um sie innert nützlicher Frist abschliessen zu können. Während der Ausbildung muss sich das Kind zeitlich überwiegend dem Ausbildungsziel widmen
(
Rz
.
3359).
2.4
Ein Praktikum wird als Ausbildung anerkannt, wenn es gesetzlich oder regle
mentarisch für die Zulassung zu einem Bildungsgang oder zu einer Prüfung vorausgesetzt ist, oder zum Erwerb eines Diploms oder eines Berufsabschlusses verlangt wird (RWL
,
Rz
.
3361). Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, so wird ein Praktikum trotzdem als Ausbildung anerkannt, wenn es für eine bestimmte Ausbildung faktisch geboten ist und mit dem Antritt des Praktikums tatsächlich die Absicht besteht, die angestrebte Ausbildung zu realisieren (BGE 139 V 209) und das Praktikum im betreffenden Betrieb höchstens ein Jahr dauert (BGE 140 V 299).
Nicht
verlangt
wird indes
, dass das Kind während eines Praktikums schulischen Unterricht
besucht (RWL,
Rz
.
3362).
2.5
Verwaltungsweisungen richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Ent
schei
dung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen.
Mit
hin weicht das
Gericht nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungs
weisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben dar
stellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche
Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 140 V 314 E. 3.3, 139 V 122 E. 3.3.4, je mit Hinweisen).
3
.
3
.1
Die
Beschwerdegegnerin
stellte sich auf den Standpunkt
,
A._
habe seine Ausbildung mit dem Ende der üblichen Lehrze
it im Juli 2017 abge
schlossen. Beim
fragliche
n
Praktikum
handle es sich nicht um eine
Ausbildung, zumal
A._
dabei
keinen Schulunterricht besuche. Mithin sei der erforderliche
überwiegende Ausbildungscharakter
nicht ausgewiesen. D
as Prakti
kum
sei
für die Ausbildung zum Zeichner EFZ Fachrichtung Architektur auch nicht faktisch geboten.
Zudem absolviere
A._
das Praktikum nicht in
seinem Lehrbetrieb (
Urk.
2,
Urk.
9).
3
.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein,
A._
werde die
nicht bestandene
praktische Lehrabschlussprüfung im Sommer 2018 wiederholen. Das Praktikum bei der
B._
AG sei
auf die Prüfungs
wieder
holung ausgerichtet und
im Hinblick auf das Ausbildungsziel
unerlässlic
h
. Mithin
befinde sich
A._
noch in Ausbildung (
Urk.
1
, vgl. auch
Urk.
10/
171
).
4.
Unbestritten ist, dass
A._
von
Mai 2013
bis und mit 3
1.
Juli 2017 eine
n Lehrgang
zum Architekturzeichner EFZ
bei der
C._
AG
absolviert
e
(
Urk.
10/122, vgl. auch
Urk.
10/132,
Urk.
10/152
,
Urk.
10/165
)
,
die praktische Lehrabschlu
ssprüfung 2017
indes
nicht bestand
und daraufhin
ein Praktikum bei der
B._
aufnahm
.
Strittig und zu prüfen bleibt der Anspruch auf eine Kinderrente
über den 3
1.
Juli 2017 hinaus
und damit im Zusammenhang die Frage, ob das Praktikum bei der
B._
AG als Ausbildung im Sinne von
Art.
49bis AHVV
zu qualifi
zieren ist
(vgl. E. 2.2
ff.
).
5
.
5
.1
Der
aktenkundige
Praktikums
vertrag
zwischen
A._
und
der
B._
AG
datierend vom 2
8.
August 2017
wurde
befristet bis
zum
31.
Dezember 2017
, mit der Option zur Verlängerung
bis Ende
Juli 201
8.
Bei
einem Arbeitspensum von 100
%
betrug
der
Monatslohn
Fr.
1'200.
--
(
Urk.
10/169).
5
.2
In BGE 140 V 314 ging es um einen angehenden Hochbauzeichner, welcher die Lehrabschlussprüfung nicht bestanden hatte
.
Bis
zur Wi
e
derholung der Lehrab
schlussprüfung
trat er
in der gleichen Branche eine Praktikumsstelle an. Gleich
zeitig
besuchte er als Repetent die Berufsfachschule.
Das Bundesgericht hielt dazu fest,
ein Lehrverhältnis
sei zwar
mit Ablauf der im Lehrvertrag vereinbarten
Dauer
grundsätzlich beendet, weshalb die Vertragsparteien nicht verpflichtet sind, dieses
bei nicht bestandener Lehrabschlussprüfung zu verlängern. Es k
ö
nn
e
jedoch im Hinblick auf spätere Berufs- und Weiterbildungsmöglichkeiten nicht ernsthaft in Abrede gestellt werden, dass es als konsequentes u
nd sinnvolles Ziel anzusehen sei
, die durchlaufene Ausbildung erfolgreich mit dem Erhalt des Fähigkeits
aus
weises abzuschliessen, was e
ine Prüfungswiederholung bedinge. Diese sei
frühes
ten
s in einem Jahr nach dem Nichtb
estehen möglich. Zu einer sorgfältigen Vorbereitung mit guter Aussicht auf eine erf
olgreiche Prüfungsrepetition sei
bei nicht ausreichenden Ergebnissen im praktischen Bereich oder bei ungenügenden Noten im Schulunterricht des Berufsfachs zweifellos die vertiefte praktische Be
schäftigung in einem Betrieb der Branche mit erneutem Schulunterricht zur Ziel
erreichung nicht nu
r angebracht, sondern
faktisch geboten.
Damit habe
es sich
beim fraglichen Praktikum
um eine systematische Vorbereitung auf den zu wiederholenden Berufsbildungsabschluss im Sinne der Absolvierung eines weite
ren Lehrjahres
gehandelt.
Ob diese vertiefte Tätigkeit im Betrieb mit
berufskund
lichem
Schulunterricht nach nichtbestandener Lehrabschlussprüfung im Kleid eines (verlängerten oder neuen) Lehrverhältnisses oder eines als Praktikum be
zeichneten
Arbeitsverhältnisses stattfinde
,
sei
letztlich
unerheblich, da der Aus
bildungscharakter
vorliegend
so oder anders zu bejahen sei (E. 4.3.2 f.).
5
.3
Soweit das Bundesgericht i
n BGE 140 V 314
erwog, ein im Anschluss an das Nichtbestehen der Lehrabschlussprüfung in der gleichen Branche
aufge
nomme
nes
Praktik
um
könne
unter den gegebenen Umständen
als Ausbildung im Sinne von
Art.
49
bis
AHVV qualifiziert werden, so
muss
dies auch
vorliegend gelten
.
Zunächst dient
d
as Praktikum
bei der
B._
AG
der
Vorbereitung auf die
zu wiederholende praktische
Lehrabschlussprüfung
und damit dem Aus
bildungsziel
.
Sodann
ist
es
hinsichtlich des angestrebten Ausbildungserfolges faktisch notwendig und
unabdingbar. Insbesondere setz
e
n
die im Hinblick auf die Prüfungsrepetition
zu verbessernden praktischen
Fähigkeiten
den
Zugang
zur
branchenspezifischen CAD-Software
voraus
.
Dass
mit dem Antritt des Praktikums
tatsächlich die Absicht bestand
, die angestrebte Ausbildung erfolgreich abzu
schliessen, i
st unbestritten und ergibt sich
zwangslos aus dem
maximal
bis zum nächsten Prüfungstermin
befristeten Anstellungsverhältnis
(vgl.
Urk.
10/169
)
.
D
a
mit ist auch gesagt
, dass
das Praktikum im betreffenden Betrieb höchstens
ein Jahr dauert
(vgl.
E. 2
.4)
.
Schliesslich
weist
auch
der deutlich reduzierte Prakti
kumslohn auf den im Vordergrund stehenden Ausbildungscharakter hin.
Daran
ändert
auch nichts, dass
A
._
während des Praktikums bei der
B._
AG
keinen Schulunterricht besucht
.
Hat
er doch sowohl die Berufsmittelschule als auch die theoretische Lehrabschlussprüfung erfolgreich bestanden und
ist
nach dem Gesagten
jedenfalls
nicht
einsichtig
,
inwiefern ein
em
im Anschluss an
d
as alleinige Nichtbestehen der praktischen
Lehrab
schluss
prü
fung
aufgenommenen
Praktikum
–
im Unterschied
zum
Sachverhalt, der dem
unter E. 4.2 zitierten Bundesgericht
s
entscheid (BGE 140 V 314)
zugrunde lag
–
der
Ausbildungscharakter
a
bgesprochen werden sollte
.
6
.
In Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügu
ng der Beschwerde
gegnerin vom 2
2.
Dezember 2017
(
Urk.
2) demnach
aufzuheben, und es ist festzustellen, dass die Beschwerdeführerin ab
dem
1.
August 2017
bis zum
3
1.
Dezem
ber
2017
resp.
bei nachgewiesener Verlängerung des Praktikums
ver
trages bis zum
3
0.
Juli 2018
Anspruch auf eine Kinderrente der Inval
iden
ver
siche
rung hat
.
7
.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Verfahren für die unterliegende Partei kostenpflichtig. Die Kosten sind unabhängig vom Streitwert nach dem Verfah
rens
aufwand festzulegen, vorliegend auf
Fr.
600.-- anzusetzen und der unter
liegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.