# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4f10e04e-19e6-4632-998f-2e8f1984ffd7
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _ 1946 geboren und ist in L.1_ aufgewachsen. Seit 1988 wohnt er in der Schweiz und besitzt einen Ausweis C (Niederlassungsbewilligung). Er ist gelernter Grafiker und heute im Ruhestand. Er bezieht eine Rente von monatlich CHF 3'700.00 und hat weder Schulden noch Unterhaltspflichten.
Im Schweizerischen Zentralstrafregister und im SVG-Massnahmenregister ist X._ nicht verzeichnet.
B. Nachdem es am _ 2015 auf der _strasse in O.1_ zu einer Kollision zwischen dem Personenwagen von X._ und demjenigen von A._ gekommen war, wurde X._ mit Strafbefehl vom 11. November 2015 der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG für schuldig erkannt. Dafür wurde er mit einer Busse von CHF 300.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von drei Tagen, bestraft.
C. Gegen diesen Strafbefehl liess X._ am 20. November 2015 Einsprache erheben. Nach Durchführung von weiteren Einvernahmen der am Vorfall beteiligten Personen teilte die Staatsanwaltschaft Graubünden X._ am 27. Januar 2016 mit, dass die Strafuntersuchung abgeschlossen sei und aufgrund der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse die Anklageerhebung beim Gericht gemäss Art. 324 ff. StPO wegen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 2 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG in Aussicht gestellt werde. Zudem wurde eine Frist von 10 Tagen zur Stellung allfälliger Beweisanträge angesetzt.
D. Mit Schreiben vom 1. Februar 2016 liess X._ die folgenden Beweisanträge stellen:
1. Es sei eine massstabgetreue Skizze der Unfallsituation (Breite der Strassen) und der Unfallendlage der Fahrzeuge erstellen zu lassen.
2. Es sei ein verkehrstechnisches Gutachten erstellen zu lassen, aus dem sich die von Herrn A._ gefahrene Geschwindigkeit und der zurückgelegte Fahrweg ergeben.
E. Mit Schreiben vom 28. April 2016 lehnte die Staatsanwaltschaft Graubünden den Beweisantrag betreffend Einholung eines verkehrstechnischen Gutachtens ab, entsprach jedoch dem Antrag auf Erstellung einer
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massstabgetreuen Skizze der Unfallsituation. Diese ging am 16. August 2016 bei der Staatsanwaltschaft ein.
F. Die Anklageschrift und der Schlussbericht der Staatsanwaltschaft Graubünden zuhanden des damaligen Bezirksgerichts Plessur (heute: Regionalgericht Plessur) datieren vom 17. Oktober 2016. Der Anklageschrift lag der folgende Sachverhalt zugrunde:
Am _ 2015, um ca. 11:00 Uhr, fuhr X._ als Lenker des Personenwagens BMW 320d Touring, Kontrollschild GR _, in O.1_ über die _strasse in Richtung _strasse. Bei der Einmündung der _strasse in die _strasse unterliess er es pflichtwidrig, vor Beginn der Verzweigung anzuhalten, womit er das Vortrittsrecht des auf der _strasse stadteinwärts fahrenden, von A._ gelenkten Personenwagens Mazda CX-5, Kontrollschild GR _, missachtete. Stattdessen fuhr der Beschuldigte weiter und stiess mit der Front seines Fahrzeuges gegen die rechte Seite des Personenwagens von A._, wobei beide Fahrzeuge beschädigt wurden.
Die Staatsanwaltschaft Graubünden stellte in der Anklageschrift die folgenden Anträge:
3.1. X._ sei der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 2 Satz 2 SVG und Art. 14 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig zu sprechen.
3.2. Der Beschuldigte sei mit einer Busse von CHF 300.00 zu bestrafen, bei schuldhafter Nichtbezahlung mit einer Freiheitsstrafe von 3 Tagen.
3.3 Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten zu überbinden.
G. Mit Schreiben vom 26. Oktober 2016 liess X._ die Erstellung eines verkehrstechnischen Gutachtens sowie die Durchführung eines gerichtlichen Augenscheins anlässlich der Hauptverhandlung beantragen. Mit Verfügung vom 7. Dezember 2016 lehnte der Vorsitzende der Vorinstanz beide Beweisanträge ab.
H. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Plessur fand am 26. Januar 2017 statt. An dieser nahm X._ in Begleitung seines privaten Verteidigers teil. Die Staatsanwaltschaft verzichtete auf eine Teilnahme. Die Schlussanträge von X._ lauteten wie folgt:
1. X._ sei vom Vorwurf der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 2 Satz 2 SVG und Art. 14 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG frei zu sprechen.
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2. Die Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen.
3. X._ sei gemäss Art. 429 StPO für die Kosten der Verteidigung gemäss der eingereichten Honorarnote zu entschädigen.
I. Mit Urteil vom 26. Januar 2017, gleichentags mündlich eröffnet, erkannte das Regionalgericht Plessur wie folgt:
1. X._ ist der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 36 Abs. 2 Satz 2 SVG und Art. 14 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG schuldig.
2.a) Dafür wird X._ mit einer Busse von CHF 300.00 bestraft.
b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 3 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3.a) Die Verfahrenskosten von CHF 4'931.00 gehen zu Lasten von X._.
b) X._ schuldet dem Kanton Graubünden folglich:
Busse CHF 300.00
Verfahrenskosten CHF 4'931.00
Total CHF 5'231.00

## Considerations