# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 23d66e6a-690d-426c-a0b6-b45c3ed72ff3
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache versuchte Nötigung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Pfäffikon, Einzelgericht Strafsachen, vom 20. Juli 2018 (GG170026)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 21. Dezember 2017
(Urk. 35) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 94)
1. Die Beschuldigte ist schuldig
− der mehrfachen üblen Nachrede im Sinne von Art. 173 StGB
− der mehrfachen versuchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB.
2. Die Beschuldigte wird vom Vorwurf der mehrfachen Verletzung des Geheim-
und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater StGB
freigesprochen.
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu
Fr. 70.–.
4. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
5. Nach Eintritt der Rechtskraft dieses Entscheides werden die folgenden, mit
Verfügung der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 5. Juli 2013 beschlag-
nahmten Gegenstände der Beschuldigten auf erstes Verlangen herauszu-
geben:
- Wild-Überwachungskamera "Maginon WK1" (Dossier 4)
- SDHC-Speicherkarte "Transcend" 32 GB (Dossier 4, act. 9).
Werden die Gegenstände nicht innert 90 Tagen ab Rechtskraft dieses Ent-
scheides abgeholt, wird Verzicht angenommen und die Gegenstände wer-
den vernichtet.
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6. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Fr. 100.– als Genugtu-
ung zu bezahlen.
7. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf
Fr. 1'200.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.– Gebühr für das Vorverfahren.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten zu 9/10 auferlegt und zu 1/10 auf die Gerichtskasse genom-
men.
9. Der Beschuldigten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 500.– für anwalt-
liche Verteidigung aus der Gerichtskasse zugesprochen.
10. Die Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin für das gesamte Ver-
fahren eine reduzierte Prozessentschädigung von Fr. 2'000.– zu bezahlen.
Berufungsanträge
a) Der Verteidigung:
(schriftlich; Urk. 96; Prot. II S. 4)
"1. Dispositiv-Ziffer 1 des Urteils des Bezirksgerichts Pfäffikon ZH vom 20. Juli
2018 (Geschäfts-Nr. GG170026-H/U) sei aufzuheben hinsichtlich des Tat-
bestands mehrfach versuchte Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB i.V.m.
Art. 22 Abs. 1 StGB und es sei die Berufungsklägerin von diesem Tatbe-
stand vollumfänglich freizusprechen.
2. Dispositiv-Ziffer 3 des Urteils des Bezirksgerichts Pfäffikon ZH vom 20. Juli
2018 (Geschäfts-Nr. GG170026-H/U) sei aufzuheben und die Geldstrafe für
die vorliegend nicht angefochtene mehrfache üble Nachrede im Sinne von
Art. 173 StGB nach Ermessen des Gerichts neu festzusetzen.
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3. Dispositiv-Ziffern 7, 8, 9 und 10 des Urteils des Bezirksgerichts Pfäffikon ZH
vom 20. Juli 2018 (Geschäfts-Nr. GG170026-H/U) seien aufzuheben und die
Kostenfolgen neu zu regeln.
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates."
b) Der Privatklägerin:
(schriftlich; Urk. 102; sinngemäss)
Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils.
c) Der Staatsanwaltschaft See/Oberland des Kantons Zürich:
(schriftlich; Urk. 101; sinngemäss)
Verzicht auf Anschlussberufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Ur-
teils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Das Bezirksgericht Pfäffikon, Einzelgericht Strafsachen, entschied mit Urteil
vom 20. Juli 2018 im Verfahren GG170026 über die vorliegende Anklage. Gegen
dieses Urteil liess der erbetene Verteidiger der Beschuldigten mit Eingabe vom
25. Juli 2018 (Urk. 80/1-2 bzw. 98/1) innert Frist Berufung anmelden. Das voll-
ständig begründete Urteil (Urk. 90) wurde von der Staatsanwaltschaft
See/Oberland des Kantons Zürich (hernach Anklagebehörde oder Staatsanwalt-
schaft) und der Privatklägerin jeweils am 21. November 2018 (Urk. 92/2 bzw.
92/3) und von der Verteidigung am 26. November 2018 (Urk. 92/1) entgegenge-
nommen. Mit Eingabe vom 11. Dezember 2018 ging die Berufungserklärung der
Beschuldigten am 13. Dezember 2018 hierorts ein (Urk. 96). Mit Präsidialverfü-
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gung vom 3. Januar 2019 (Urk. 99) wurde der Staatsanwaltschaft sowie der Pri-
vatklägerin unter Hinweis auf die Berufungserklärung der Beschuldigten Frist zur
Erhebung einer Anschlussberufung bzw. zum Antrag auf Nichteintreten auf die
Berufung angesetzt. Mit Eingabe vom 7. Januar 2019 (Urk. 101) wurde seitens
der Staatsanwaltschaft wie mit Eingabe vom 24. Januar 2019 (Urk. 102) seitens
des Rechtsvertreters der Privatklägerin jeweils mitgeteilt, dass keine Anschluss-
berufung erhoben werde und die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils bean-
tragt werde.
2. Die Vorladungen an die Staatsanwaltschaft, die Privatklägerin und die Be-
schuldigte zur heutigen Berufungsverhandlung ergingen am 25. Juni 2019
(Urk. 105).
3. Die Berufungsverhandlung, an welcher die Verfahren gegen die Beschuldig-
te und den Mitbeschuldigten B._ (separates Verfahren SB180513) gemein-
sam verhandelt wurden, fand am 19. November 2019 statt. Erschienen sind die
Beschuldigte und B._ mit ihrem gemeinsamen Verteidiger sowie ein aus-
schliesslich am Verfahren gegen B._ beteiligter Privatkläger mit seinem
Rechtsvertreter (Prot. II S. 3).
II. Prozessuales
A. Mehrfachverteidigung
1.1. Die beschuldigte Person kann im Strafverfahren zur Wahrung ihrer Interes-
sen grundsätzlich einen Rechtsbeistand ihrer Wahl bestellen (Art. 127 Abs. 1 und
129 Abs. 1 StPO, Art. 32 Abs. 2 BV, Art. 6 Ziff. 3 lit. c EMRK sowie Art. 14 Abs. 3
UNO-Pakt II). Das Recht auf freie Verteidigerwahl ist aber nicht unbeschränkt.
Vorbehalten bleiben die strafprozessualen und berufsrechtlichen Vorschriften und
Zulassungsvoraussetzungen. Die Verteidigungsrechte der beschuldigten Person
finden eine Schranke überdies an den Parteirechten der übrigen Verfahrensbetei-
ligten (Urteil 1B_7/2009 vom 16. März 2009 E. 5, nicht publ. in: BGE 135 I 261).
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1.2. Nach Art. 127 Abs. 3 StPO kann ein Rechtsbeistand in den Schranken von
Gesetz und Standesregeln im gleichen Verfahren die Interessen mehrerer Verfah-
rensbeteiligter wahren. In diesem Zusammenhang zu beachten ist insbesondere
Art. 12 lit. c des Anwaltsgesetzes (BGFA; SR 935.61), wonach Anwältinnen und
Anwälte jeden Konflikt zwischen den Interessen ihrer Klientschaft und den Perso-
nen, mit denen sie geschäftlich oder privat in Beziehung stehen, zu meiden ha-
ben. Bedingung dafür, dass Anwältinnen und Anwälte im gleichen Strafverfahren
die Interessen mehrerer Verfahrensbeteiligter wahren dürfen, ist demnach, dass
in Bezug auf die einzelnen Verfahrensbeteiligten keine Interessenkollision oder
auch nur der Anschein einer solchen Kollision bestehen darf (vgl. Botschaft zur
Vereinheitlichung des Strafprozessrechts, BBl 2006 1085, S. 1176).
1.3. Bei Mehrfach-Verteidigungsmandaten desselben Rechtsvertreters für ver-
schiedene Mitbeschuldigte besteht nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts
grundsätzlich ein Interessenkonflikt, der gestützt auf das Anwaltsberufs- und
Strafprozessrecht einen Verfahrensausschluss eines erbetenen privaten Verteidi-
gers durch die Verfahrensleitung rechtfertigen kann. Von besonderen Ausnahme-
fällen abgesehen dürfen Anwältinnen und Anwälte keine Mehrfachverteidigungen
von Mitbeschuldigten ausüben. Dies selbst dann nicht, wenn die Mandanten der
Doppelvertretung zustimmen, oder wenn der Verteidiger beabsichtigt, für alle Be-
schuldigten auf Freispruch zu plädieren. Bei ihrem Entscheid über die Nichtzulas-
sung bzw. Abberufung von Anwälten hat die Verfahrensleitung entsprechenden
Interessenkonflikten in jedem Verfahrensstadium vorausschauend Rechnung zu
tragen. Eine Mehrfachverteidigung von verschiedenen Mitbeschuldigten könnte
allenfalls (im Interesse der Verfahrenseffizienz) ausnahmsweise erlaubt sein, so-
fern die Mitbeschuldigten durchwegs identische und widerspruchsfreie Sachver-
haltsdarstellungen geben und ihre Prozessinteressen nach den konkreten Um-
ständen nicht divergieren (Urteil 1B_613/2012 vom 29. Januar 2013 E. 2.; Urteil
6B_1073/2010 vom 21. Juni 2011 E. 1.2.2; Urteil 1B_7/2009 vom 16. März 2009
E. 5.5 und E. 5.8 mit Hinweisen, nicht publ. in: BGE 135 I 261).
2. Um einen Freispruch oder ein möglichst mildes Urteil zu erreichen, kann je-
de von mehreren beschuldigten Personen versucht sein, mitbeschuldigte Perso-
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nen zu belasten, womit eine wirksame Verteidigung durch den gleichen Rechts-
anwalt nicht mehr gewährleistet wäre (LIEBER, IN: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER
[HRSG.], Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. A., Zürich
2014, Art. 127 StPO N 12 m.w.H.). Dies erscheint im vorliegenden Strafverfahren
ausgeschlossen. So werden die beiden Beschuldigten – die Beschuldigte in vor-
liegendem Verfahren und der Beschuldigte im Verfahren SB180513 – vor Beru-
fungsinstanz lediglich hinsichtlich des Vorwurfs des Nötigungsversuchs nament-
lich vom 10. Juni 2017 der gleichen Tat angeklagt. Dabei sollen sie die versuchte
Nötigung durch gleichmassgebliches, arbeitsteiliges Zusammenwirken bei der
Ausführung begangen haben, wobei jeder, soweit er nicht selber gehandelt habe,
mit den Tathandlungen des anderen einverstanden gewesen sei (vgl. Urk. 35
S. 8). Diesbezüglich ist massgebend, dass beide Beschuldigten den in Frage ste-
henden Anklagesachverhalt in objektiver Hinsicht anerkannten und ihn lediglich in
subjektiver Hinsicht bestritten, ohne sich dabei gegenseitig wesentlich zu belas-
ten. Unter diesen Umständen steht die Mehrfachvertretung durch den jeweils er-
betenen Rechtsvertreter Rechtsanwalt lic. iur. et lic. oec. publ. X._ einer je-
weils wirksamen Verteidigung nicht entgegen, weil divergierende Prozessinteres-
sen der mitbeschuldigten Personen in rechtsgenügendem Mass ausgeschlossen
werden können. Abgesehen davon resultiert hinsichtlich des in Frage stehenden
Nötigungsversuchs auch ein Freispruch für beide Beschuldigten (s. nachstehend
E. III.4. bzw. Verfahren SB180513). Die Mehrfachvertretung erweist sich demnach
vorliegend so oder anders als zulässig.
B. Verwertbarkeit / Konfrontationsrecht
1. Nach Art. 147 Abs. 1 Satz 1 StPO haben die Parteien das Recht, bei Be-
weiserhebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein
und einvernommenen Personen Fragen zu stellen. Der Anspruch auf Teilnahme
an den Beweiserhebungen im Untersuchungs- und Hauptverfahren gilt grundsätz-
lich auch für die Einvernahme von Mitbeschuldigten (BGE 140 IV 172 E. 1.2.2;
139 IV 25 E. 5.1-5.3; je mit Hinweisen). Beweise, die in Verletzung dieser Be-
stimmung erhoben worden sind, dürfen nach Art. 147 Abs. 4 StPO nicht zulasten
der Partei verwendet werden, die nicht anwesend war. Das Recht, bei Beweiser-
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hebungen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend zu sein und
einvernommenen Personen Fragen zu stellen, setzt Parteistellung voraus. Partei-
en sind die beschuldigte Person, die Privatklägerschaft sowie im Haupt- und im
Rechtsmittelverfahren die Staatsanwaltschaft (Art. 104 Abs. 1 StPO). Der in Art. 6
Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Anspruch der beschuldigten Person, den Belas-
tungszeugen Fragen zu stellen, ist ein besonderer Aspekt des Rechts auf ein fai-
res Verfahren. Dieser Anspruch wird als Konkretisierung des rechtlichen Gehörs
(Art. 29 Abs. 2 BV) auch durch Art. 32 Abs. 2 BV gewährleistet (BGE 131 I 476
E. 2.2; 129 I 151 E. 3.1 mit Hinweisen). Der Begriff des Zeugen im Sinne von
Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK ist autonom und ohne formelle Bindung an das nationale
Recht auszulegen. Als Aussagen von Zeugen gelten all jene, die formell zugelas-
sen sind, dem Gericht zur Kenntnis kommen und von ihm verwendet werden kön-
nen (BGE 131 I 476 E. 2.2; 125 I 127 E. 6a mit Hinweisen). Damit der von Art. 6
Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte Anspruch gewahrt ist, muss die beschuldigte Person
namentlich in der Lage sein, die Glaubhaftigkeit einer Aussage prüfen und den
Beweiswert in kontradiktorischer Weise auf die Probe und infrage stellen zu kön-
nen (BGE 133 I 33 E. 2.2; 131 I 476 E. 2.2; 129 I 151 E. 4.2; je mit Hinweisen).
Das kann entweder zum Zeitpunkt erfolgen, zu dem der Belastungszeuge seine
Aussage macht, oder auch in einem späteren Verfahrensstadium (BGE 131 I 476
E. 2.2; 125 I 127 E. 6b mit Hinweisen; Urteil 6B_611/2015 vom 17. Dezember
2015 E. 1.3.2). Der Beschuldigte verwirkt sein Recht auf die Stellung von Ergän-
zungsfragen nicht dadurch, dass er es erst im Rahmen der Berufung geltend
macht (Urteile 6B_529/2014 vom 10. Dezember 2014 E. 5.2, nicht publ. in: BGE
140 IV 196; 6B_98/2014 vom 30. September 2014 E. 3.4 und 6B_510/2013 vom
3. März 2014 E. 1.3.2 mit Hinweisen).
2. Vorliegend wurde B._ am 25. Februar 2016 (Urk. D1/21) von der Polizei
in Abwesenheit der Beschuldigten und ihrer Verteidigung einvernommen. Deshalb
ist diese Einvernahme infolge unterbliebener Konfrontation und der nicht beste-
henden Möglichkeit für die Beschuldigte, Ergänzungsfragen zu stellen, nicht zu
Ungunsten der Beschuldigten verwertbar, zumal sie – soweit ersichtlich – auch
nicht auf ihre entsprechenden Rechte verzichtet hat.
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C. Teilrechtskraft
1. Gemäss Art. 402 StPO hat die Berufung im Umfang der Anfechtung auf-
schiebende Wirkung und wird die Rechtskraft des angefochtenen Urteils dement-
sprechend gehemmt. Das Berufungsgericht überprüft somit das erstinstanzliche
Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404 Abs. 1 StPO). Dabei ist es na-
heliegend, dass weitere nicht angefochtene Punkte in die Überprüfung des Urteils
einzubeziehen sind, wenn eine enge Konnexität mit den angefochtenen Punkten
besteht. Entsprechend ist im Zusammenhang mit einer Überprüfung des Straf-
masses regelmässig auch über den bedingten oder unbedingten Vollzug bzw. die
Dauer der Probezeit zu entscheiden (vgl. dazu HUG/SCHEIDEGGER, IN: DO-
NATSCH/HANSJAKOB/LIEBER [HRSG.], a.a.O., Art. 399 StPO N 20 m.w.H.; NIKLAUS
SCHMID/DANIEL JOSITSCH, SCHWEIZERISCHE STRAFPROZESSORDNUNG, PRAXISKOM-
MENTAR [KURZ: PRAXISKOMMENTAR STPO], 3. A., Zürich/St. Gallen 2018, Art. 399
StPO N 18; BSK StPO II-SPRENGER, Art. 437 StPO N 31 f.). Auch wenn das Beru-
fungsgericht nur die angefochtenen Punkte neu beurteilt, fällt es am Ende ein ins-
gesamt neues Urteil (Art. 408 StPO), worin es jedoch anzugeben hat, welche
Punkte bereits früher in Rechtskraft erwachsen sind (Urteile des Bundesgerichtes
vom 3. April 2013 6B_482/2012 E. 5.3. und vom 14. November 2012 6B_99/2012
E. 5.3.).
2. Vorab ist festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Pfäffikon, Einzel-
gericht Strafsachen, vom 20. Juli 2018 (Urk. 94) hinsichtlich Dispositiv-Ziffern 1
teilweise (Schuldspruch mehrfache üble Nachrede), 2 (Freispruch vom Vorwurf
der mehrfachen Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmege-
räte), 5 (Beschlagnahme und Herausgabe an die Beschuldigte) sowie 6 (Genug-
tuung Privatklägerin) in Rechtskraft erwachsen ist, was mittels Beschlusses fest-
zuhalten ist.
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III. Materielles
A. Anklagevorwurf
Seitens der Vorinstanz wurde der der Beschuldigten zur Last gelegte Anklage-
vorwurf umfassend und zutreffend wiedergegeben (Urk. 94 E. II.1.3.), weshalb
vollumfänglich darauf verwiesen werden kann. Nicht zu beurteilen verbleibt vor
Berufungsinstanz die Prüfung der Vorwürfe der mehrfachen üblen Nachrede so-
wie der mehrfachen Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnah-
megeräte, bezüglich welchen einerseits (üble Nachrede) der Schuldspruch unan-
gefochten blieb und andererseits (Verletzung des Geheim- und Privatbereichs
durch Aufnahmegeräte) ein (rechtskräftiger) Freispruch ergangen ist.
B. Standpunkt der Beschuldigten
1. Die Beschuldigte bzw. ihre Verteidigung bestreiten den ihr vorgeworfenen
Anklagesachverhalt.
2. Die Beschuldigte anerkennt sinngemäss, mehrmals Tierkot gesammelt und
an der in der Anklage umschriebenen Stelle auf dem eigenen Grundstück depo-
niert zu haben. Ebenso anerkannte sie, sich des Problems der Geruchsemmissi-
onen, auch betreffend die benachbarte Privatklägerin und deren Sitzplatz, be-
wusst gewesen zu sein. Allerdings bestreitet sie sinngemäss, dass sie dadurch
die Privatklägerin und ihre Familienangehörigen aufgrund des dadurch herbeige-
führten auf diese Stelle konzentrierten, penetranten Gestankes namentlich am
10. Juni 2017 dazu zwingen wollte, auf den Aufenthalt auf ihrem Vorplatz und der
dort eingerichteten Lounge zu verzichten (Urk. D1/20 S. 21 ff.; Prot. I S. 11 ff.;
Prot. II S. 25).
C. Beweismittel
Als Beweismittel dienen die Aussagen der Beschuldigten (Urk. D1/19; Urk. D1/22;
Prot. I S. 8 ff.; Prot. II S. 12 ff., 24 f.), diejenigen der Privatklägerin, C._,
(Urk. D1/17 S. 17 ff.) sowie diejenigen des Beschuldigten im Verfahren
SB180513, B._ (Urk. D1/22 S. 44 ff.; Prot. I S. 31 ff.; Prot. II S. 23 f.).
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Ferner liegen diverse Farbkopien von Fotografien betr. Lagerung von Tierkot am
Grenzbereich zwischen den Grundstücken der Beschuldigten und der Privatkläge-
rin als Beweismittel bei den Akten (Urk. D7/3; D7/5).
D. Grundsätze der Beweiswürdigung
1. Bestreitet eine beschuldigte Person die ihr vorgeworfenen Taten, ist der
Sachverhalt aufgrund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten
Argumente nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der
aus Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime
"in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis ihrer Schuld zu vermuten,
dass die einer strafbaren Handlung beschuldigte Person unschuldig ist (BGE 137
IV 219 E. 7.3. mit Hinweisen; BGE 127 I 38 E. 2a). Das heisst der verfolgende
Staat hat der beschuldigten Person alle objektiven und subjektiven Tatbestandse-
lemente nachzuweisen (NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, Handbuch des
schweizerischen Strafprozessrechts, 3. A. Zürich/St. Gallen 2017 [Handbuch],
Rz 216 f.) und nicht die beschuldigte Person ihre Unschuld (BGE 127 I 38 E. 2a;
Urteil des Bundesgerichts 6B_605/2016 vom 15. September 2016 E. 2.2). Als
Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich der Strafrichter nicht von
der Existenz eines für die beschuldigte Person ungünstigen Sachverhaltes über-
zeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung erhebliche und nicht zu un-
terdrückende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (BGE
138 V 74 E. 7; BGE 128 I 81 E. 2 mit Hinweisen).
2. Stützt sich die Beweisführung auf die Aussagen von Beteiligten, so sind die-
se frei zu würdigen (Art. 10 Abs. 2 StPO). Es ist anhand sämtlicher Umstände, die
sich aus den Akten und den Verhandlungen ergeben, zu untersuchen, welche
Sachdarstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt
der Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben er-
folgten. Nach neueren Erkenntnissen kommt der allgemeinen Glaubwürdigkeit der
befragten Person im Sinne einer dauerhaften personalen Eigenschaft kaum mehr
Bedeutung zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine
Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussagen, welche durch ei-
ne methodische Analyse ihres Inhaltes darauf zu überprüfen sind, ob die auf ein
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bestimmtes Geschehen bezogenen Angaben einem tatsächlichen Erleben des
Befragten entspringen. Damit eine Aussage als zuverlässig gewürdigt werden
kann, ist sie insbesondere auf das Vorhandensein von Realitätskriterien und um-
gekehrt auf das Fehlen von Phantasiesignalen zu überprüfen. Dabei wird zu-
nächst davon ausgegangen, dass die Aussage gerade nicht realitätsbegründet ist,
und erst wenn sich diese Annahme aufgrund der festgestellten Realitätskriterien
nicht mehr halten lässt, wird geschlossen, dass die Aussage einem wirklich Erleb-
ten entspricht und wahr ist (BGE 133 I 33, E. 4.3. mit Hinweisen und Urteil des
Bundesgerichts 6B_95/2015, 6B_112/2015, 6B_113/2015 vom 25. Januar 2016
E. 6.3 mit Hinweisen; RUCKSTUHL/DITTMANN/ARNOLD, Strafprozessrecht, Zürich -
Basel - Genf 2011, § 9 N 505).
3. Der Grundsatz "in dubio pro reo" findet als Beweislastregel keine Anwen-
dung, wenn die beschuldigte Person eine sie entlastende Behauptung aufstellt,
ohne dass sie diese in einem Mindestmass glaubhaft machen kann. Es tritt näm-
lich insoweit eine Beweislastumkehr ein, als nicht jede aus der Luft gegriffene
Schutzbehauptung von der Anklagebehörde durch hieb- und stichfesten Beweis
widerlegt werden muss (NIKLAUS SCHMID / DANIEL JOSITSCH, Praxiskommentar,
a.a.O., Art. 10 StPO N 2a; BSK StPOI-TOPHINKE, Art. 10 StPO N 21).
4. Liegen keine direkten Beweise vor, ist nach der Rechtsprechung auch ein
indirekter Beweis zulässig. Beim Indizienbeweis wird aus bestimmten Tatsachen,
die nicht unmittelbar rechtserheblich, aber bewiesen sind (Indizien), auf die zu
beweisende, unmittelbar rechtserhebliche Tatsache geschlossen. Eine Mehrzahl
von Indizien, welche für sich alleine nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf
die Täterschaft oder die Tat hinweisen und einzeln betrachtet die Möglichkeit des
Andersseins offen lassen, können einen Anfangsverdacht verstärken und in ihrer
Gesamtheit ein Bild erzeugen, das bei objektiver Betrachtung keine Zweifel be-
stehen lässt, dass sich der Sachverhalt so verwirklicht hat. Das ist mithin auch der
Fall, wenn sich die als belastend gewerteten Indizien zu einer Gewissheit verdich-
ten, welche die ausser Acht gelassenen entlastenden Umstände als unerheblich
erscheinen lassen (Urteil des Bundesgerichts 6B_678/2013 vom 3. Februar 2014
E. 3.3. mit Hinweisen).
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5. Auf die Argumente der beschuldigten Person oder ihrer Verteidigung ist im
Rahmen der nachstehenden Erwägungen einzugehen. Dabei muss sich das Ge-
richt nicht ausdrücklich mit jeder tatsächlichen Behauptung und jedem rechtlichen
Einwand auseinandersetzen; vielmehr kann es sich auf die für die Entscheidfin-
dung wesentlichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 138 I 232, E. 5.1. mit Hin-
weisen; Urteil des Bundesgerichts 6B_484/2013, E. 3.2. vom 3. März 2014).
E. Allgemeine Glaubwürdigkeit der Beteiligten
1. Die Glaubwürdigkeit einer Person ergibt sich aus deren prozessualen Stel-
lung, ihren wirtschaftlichen Interessen am Ausgang des Verfahrens sowie vor al-
lem anhand ihrer persönlichen Beziehungen und Bindungen zu den übrigen Pro-
zessbeteiligten.
2. Die Beschuldigte ist als vom Strafverfahren Betroffene offensichtlich daran
interessiert, ihr Verhalten in einem möglichst positiven Licht darzustellen. Aller-
dings ist hervorzuheben, dass für den Beweiswert sämtlicher Aussagen der Be-
schuldigten deren Glaubhaftigkeit das massgebende Kriterium bleibt, worauf in
Bezug auf die einzelnen, der Beschuldigten vorgeworfenen Anklagepunkte einzu-
gehen sein wird.
3. Die Privatklägerin, C._, wurde im Sinne von Art. 178 lit. a StPO als
Auskunftsperson einvernommen und stand in dieser Eigenschaft nicht unter der
mit der Strafandrohung von Art. 307 StGB verbundenen Wahrheitspflicht. Aller-
dings war sie gestützt auf Art. 180 Abs. 2 und Art. 181 Abs. 1 StPO zur Aussage
verpflichtet und wurde gemäss Art. 181 Abs. 2 StPO auf die Folgen einer falschen
Anschuldigung, einer Irreführung der Rechtspflege und einer Begünstigung ge-
mäss Art. 303-305 StGB hingewiesen, was ihre Glaubwürdigkeit tendenziell
stärkt. Nicht ausser Acht zu lassen ist des Weiteren, dass das Verhältnis zwi-
schen der Privatklägerin und der Beschuldigten aufgrund nachbarlicher Streitig-
keiten bereits seit Jahren sehr belastet erscheint, was auch die Beschuldigte be-
stätigt (Prot. I S. 13). So wurde der Ehemann der Beschuldigten im Jahre 2009
wegen der Blockierung des Zugangs der Privatklägerin und deren Ehemannes
zum Heizungsraum sowie der Unterbrechung der Warmwasserzufuhr zu deren
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Liegenschaft wegen mehrfacher Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB verurteilt
(vgl. Urk. D1/27/5). Des Weiteren ist zu beachten, dass die Privatklägerin in vor-
liegendem Prozess (auch) wirtschaftliche Interessen verfolgt (Urk. HD 51). Des-
halb sind die Aussagen der Privatklägerin mit einer gewissen Zurückhaltung zu
würdigen. Vorrangige Bedeutung kommt aber letztlich der Beurteilung der Glaub-
haftigkeit ihrer Aussagen zu.
4. Hinsichtlich der Aussagen von B._ ist zu bemerken, dass er in einem
separaten Verfahren als beschuldigte Person einvernommen wurde und somit
nicht unter der Strafandrohung von Art. 307 StGB zu wahrheitsgemässen Aussa-
gen verpflichtet war, was bei der Beurteilung der Glaubhaftigkeit seiner Aussagen
zu berücksichtigen ist, zumal er als Objekt der Strafverfolgung ein erhebliches In-
teresse daran haben dürfte, die Geschehnisse in einem für ihn möglichst günsti-
gen Licht darzustellen. Der Umstand, dass es sich bei ihm um den Ehemann der
Beschuldigten handelt, schränkt seine Unabhängigkeit und damit Glaubwürdigkeit
nicht unbeträchtlich ein. Seine Aussagen sind deshalb mit einer gewissen Zu-
rückhaltung zu würdigen, auch wenn die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen, auf
welche im Rahmen der Würdigung des massgebenden Anklagepunktes einzuge-
hen sein wird, klar im Vordergrund steht.
F. Würdigung
1. Bestrittener Anklagesachverhalt
Auf den bestrittenen Anklagesachverhalt (s. vorstehend unter Ziff. III.B.2.) wird
nachstehend im Rahmen der rechtlichen Würdigung eingegangen.
2. Tatbestand der versuchten Nötigung gemäss Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB
2.1. Anklagebehörde und Vorinstanz qualifizieren den angeklagten Sachverhalt
als mehrfache Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB.
2.2. Gemäss Art. 181 StGB macht sich strafbar, wer jemanden durch Gewalt
oder Androhung ernstlicher Nachteile oder durch andere Beschränkung seiner
- 15 -
Handlungsfreiheit nötigt, etwas zu tun, zu unterlassen oder zu dulden. Schutzob-
jekt von Art. 181 StGB ist die Freiheit der Willensbildung und Willensbetätigung
des Einzelnen (BGE 134 IV 216 E. 4.4.3; BGE 129 IV 6 E. 2.1, BGE 129 IV 262
E. 2.1). Diese ist strafrechtlich unabhängig von der Art der (legalen) Tätigkeit ge-
schützt, welche der Betroffene nach seinem frei gebildeten Willen verrichten will
(BGE 134 IV 216 E. 4.4.3). Der Tatbestand ist ein Erfolgsdelikt; die Anwendung
des Nötigungsmittels muss den Betroffenen in seiner Handlungsfreiheit beein-
trächtigen (Urteil 6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 5.1; BGE 147 IV 437
E. 3.2.1.). Ein Versuch liegt gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB vor, wenn der Täter die
strafbare Tätigkeit nicht zu Ende führt oder der zur Vollendung der Tat gehörende
Erfolg nicht eintritt bzw. nicht eintreten kann, was zu einer fakultativen Strafmilde-
rung durch das Gericht führt.
2.3. Um dem gesetzlichen und verfassungsmässigen Bestimmtheitsgebot ("nul-
lum crimen sine lege") gerecht zu werden, ist die Tatbestandsvariante der "ande-
ren Beschränkung der Handlungsfreiheit" in Art. 181 StGB restriktiv auszulegen.
Das Zwangsmittel der "anderen Beschränkung der Handlungsfreiheit" muss, um
tatbestandsmässig zu sein, das üblicherweise geduldete Mass an Beeinflussung
in ähnlicher Weise eindeutig überschreiten, wie es für die im Gesetz ausdrücklich
genannten Zwangsmittel der Gewalt und der Androhung ernstlicher Nachteile gilt.
Es muss ihnen mithin eine den gesetzlich genannten Mitteln vergleichbare
Zwangswirkung zukommen (vgl. BGE 137 IV 326 E. 3.3.1; BGE 134 IV 216 E. 4.1
mit Hinweisen). Es führt somit nicht jeder noch so geringfügige Druck auf die Ent-
scheidungsfreiheit eines andern zu einer Bestrafung nach Art. 181 StGB (zum
Ganzen: BGE 147 IV 347 E. 3.2.1.; BGE 129 IV 262 E. 2.1; BGE 119 IV 301
E. 2a; je mit Hinweisen).
2.4. Die Rechtsprechung (vgl. hierzu Urteil 6B_819/2010 vom 3. Mai 2011 E. 5.3,
insb. E. 5.4) hat unter die Generalklausel der "anderen Beschränkung der Hand-
lungsfreiheit" in erster Linie Narkose, Betäubung, schwerer Rausch, Hypnose und
ähnliche Zustände, aber auch die Blendung mit Licht sowie die Ausnützung von
Verblüffung und Erschrecken gefasst (BGE 101 IV 167 E. 2). Im Einzelnen hat sie
ein dem Merkmal der Gewalt gleichkommendes Zwangsmittel angenommen bei
- 16 -
der massiven akustischen Verhinderung eines öffentlichen Vortrags durch organi-
siertes und mit Megaphon unterstütztes "Niederschreien", wobei das Bundesge-
richt darauf hinwies, dass bloss lästige Störungen durch Pfiffe und Zwischenrufe
noch nicht genügen (BGE 101 IV 167 E. 2a), bei der Bildung eines Menschentep-
pichs durch 24 Demonstranten vor dem Zugang einer Ausstellung, wodurch die
Wegfahrt eines Motorfahrzeugs verhindert und der Zugang zur Ausstellung für
Fussgänger behindert wurde (BGE 108 IV 165 E. 3b), bei der Sabotage eines
Bahnschranken-Mechanismus, welche für kurze Zeit den Strassenverkehr unter-
band (BGE 119 IV 301 E. 3), bei der totalen Blockierung des Haupteingangs zu
einem Verwaltungsgebäude (Urteil des Kassationshofs 6S.671/1998 vom 11. De-
zember 1998, zitiert in BGE 129 IV 6 E. 2.3), bei Blockaden der Zufahrten bzw.
Werksgeleise zu den Atomkraftwerken Beznau, Gösgen und Leibstadt (BGE 129
IV 6 E. 2.5), bei einer Blockade des Verkehrs auf einer Autobahn während an-
derthalb Stunden im Rahmen eines Streiks für die Einführung des flexiblen Alters-
rücktritts (BGE 134 IV 216) und beim vielfachen, teils durch Drohungen begleite-
ten und über längere Dauer anhaltenden Verfolgen zweier Vertreter des ehemali-
gen Arbeitgebers durch einen entlassenen Angestellten mit dem Ziel, die Wieder-
anstellung zu erreichen (BGE 129 IV 262 E. 2.5). Verneint hat das Bundesgericht
eine "andere Beschränkung der Handlungsfreiheit" im Sinne des Tatbestands der
Nötigung bei einem relativ kurzfristigen, weder mit einer bestimmten Forderung
noch mit irgendwelchen Drohungen verbundenen Verweilen einer Gruppe von
Studenten in einer Fakultätssitzung (BGE 107 IV 113 E. 3b), und bei wiederhol-
tem Herstellen einer Verbindung zum Telefonanschluss der Nachbarin (379 Mal
innerhalb eines Monats), um auf störende Rauchimmissionen durch deren Holz-
feuerungsanlage hinzuweisen (vgl. Urteil 6B_320/2007 vom 16. November 2007).
2.5. Eine Nötigung ist unrechtmässig, wenn das Mittel oder der Zweck unerlaubt
ist oder wenn das Mittel zum angestrebten Zweck nicht im richtigen Verhältnis
steht oder wenn die Verknüpfung zwischen einem an sich zulässigen Mittel und
einem erlaubten Zweck rechtsmissbräuchlich oder sittenwidrig ist (BGE 137 IV
326 E. 3.3.1; BGE 134 IV 216 E. 4.1; BGE 129 IV 6 E. 3.4, BGE 129 IV 262
E. 2.1; BGE 119 IV 301 E. 2b; je mit Hinweisen).
- 17 -
2.6. In subjektiver Hinsicht bedarf es des Vorsatzes, der sich auf die Einfluss-
nahme (Nötigungsmittel) und das abgenötigte Verhalten (Nötigungserfolg) bezie-
hen muss. Der Täter muss wissentlich und willentlich den Willen des Opfers beu-
gen und es dadurch in seiner rechtlich geschützten Freiheit beschränken (BSK
STGB II-VELNON/RÜDY, Art. 181 StGB N 55). Während ein Teil der Lehre bezüg-
lich des Nötigungserfolgs direkten Vorsatz verlangt (SCHUBARTH, KOMMENTAR
STRAFRECHT, BESONDERER TEIL, 3. Bd., Bern 1984, Art. 181 StGB N 67 m.H.; zur
Finalstruktur der Nötigung IMPERATORI, DAS UNRECHT DER NÖTIGUNG, Diss. Zürich
1987, S. 118 ff.), genügt nach herrschender Lehre an sich Eventualvorsatz (STRA-
TENWERTH/JENNY/BOMMER, SCHWEIZERISCHES STRAFRECHT, BESONDERER TEIL I, 7.
A. Bern 2010, § 5 Rz. 14 m.H.; BSK STGB II-DELNON/RÜDY, Art. 181 StGB N 55).
Gleichzeitig werden allerdings von der Beschuldigten nicht direkt angestrebte,
sondern bloss hingenommene Beschränkungen der Handlungsfreiheit nicht als
Nötigung erfasst bzw. "ausgeschieden" (STRATENWERTH/JENNY/ BOMMER, a.a.O.,
§ 5 Rz. 14).
3. Beschränkung der Handlungsfreiheit
3.1. Die in Frage stehende Tatbestandsvariante einer "anderen Beschränkung
der Handlungsfreiheit" der Nachbarn soll vorliegend durch den mit einer Schaufel
gesammelten und von der Beschuldigten anerkanntermassen an der Grund-
stücksgrenze deponierten frischen Tierkot und der damit im Zusammenhang ste-
henden Geruchsemmission erfüllt worden sein. Über die Intensität des Gestanks
liegen keine Berichte bei den Akten. Aus den darin befindlichen Farbkopien von
Fotografien geht hervor, dass es sich hierbei um Tierkot im Umfang von einem
kleinen Häufchen und einer kleinen Wurst von wenigen Zentimetern Durchmesser
bzw. Länge handelt (vgl. Urk. D7/4 u. D7/5 insb. S. 3). Dass davon eine Geruchs-
belästigung ausgeht, ist klar. Dies bedeutet aber noch nicht, dass daraus auch ei-
ne strafrechtlich unzulässige Beschränkung der Handlungsfreiheit resultiert. So
stellt auch eine eventuell zivilrechtlich als übermässig erklärte Einwirkung noch
keine Nötigung dar.
3.2. Seitens der Privatklägerin wurde hinsichtlich der Intensität der Ge-
ruchsimmission vor Staatsanwaltschaft zu Protokoll gegeben, dass es sich dabei
- 18 -
um einen penetranten, leicht süsslichen Gestank gehandelt hätte. Es sei dadurch
nicht mehr möglich gewesen, sich in ihrer Lounge aufzuhalten. Der Kot habe sich
nur wenige Zentimeter hinter der Lounge befunden. Der Geruch sei auch von ih-
ren Gästen bemerkt worden, als sie sich anlässlich eines Geburtstagsfestes am
10. Juni 2017 draussen aufgehalten hätten. Sie seien dann nach einer gewissen
Zeit wieder hineingegangen und hätten den Sitzplatz nicht benutzen können
(Urk. D1/17 S. 18).
3.3. Angesichts der strengen Anforderungen an diese Tatbestandsvariante ist
unter den gegebenen Umständen eine Beschränkung der Handlungsfreiheit im
Sinne des Tatbestandes zu verneinen. Die vom deponierten Tierkot ausgehenden
Immissionen sind sicher als unangenehm einzustufen. Eine eigentliche "Geruchs-
blockade", welche es der Privatklägerin, ihrer Familie und ihren Gästen nicht mehr
erlaubt hätte, sich über längere Zeit – auch andernorts – im Garten aufzuhalten,
liegt allerdings nicht vor. Dies wäre für die Annahme einer strafrechtlich relevan-
ten Beschränkung der Handlungsfreiheit aber erforderlich. Die Tathandlung der
Beschuldigten war nicht geeignet, eine derart massive und strafrechtlich relevante
Drucksituation zu schaffen, wie dies bei der Anwendung von Gewalt oder Andro-
hung von Nachteilen der Fall sein kann. Aus diesen Gründen ist auch auf die Vor-
nahme eines Augenscheines hinsichtlich Evaluation der Intensität der Ge-
ruchsimmissionen zu verzichten.
3.4. Der objektive Tatbestand der Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB ist dem-
zufolge – entgegen der Auffassung der Vorinstanz (Urk. 94 E. II.2.4.6.) – vorlie-
gend nicht erfüllt.
4. Zwischenergebnis
Die Beschuldigte ist folglich zweitinstanzlich vom Vorwurf der mehrfachen ver-
suchten Nötigung im Sinne von Art. 181 StGB i.V.m. Art. 22 Abs. 1 StGB freizu-
sprechen.
- 19 -
IV. Strafzumessung
A. Anwendbares Sanktionsrecht
1. Seit dem 1. Januar 2018 ist das revidierte Sanktionenrecht in Kraft (AS 2016
1249; BBI 2012 4721). Die Beschuldigte beging alle in Frage stehenden Delikte
indes vor dem Inkrafttreten des neuen Rechts. Gemäss Art. 2 Abs. 1 StGB wird
derjenige nach dem neuen Recht beurteilt, wer nach dessen Inkrafttreten ein Ver-
brechen oder Vergehen begeht. Wurde das Verbrechen oder Vergehen bereits
vor Inkrafttreten des neuen Rechts begangen, so ist dieses nur anwendbar, wenn
es für die Beschuldigte das mildere ist (Art. 2 Abs. 2 StGB). Während nach altem
Recht die Ausfällung einer Geldstrafe von einem bis zu 360 Tagessätzen möglich
ist, ist nach neuem Recht nur noch eine Geldstrafe von drei bis 180 Tagessätzen
zulässig (alt bzw. neu Art. 34 Abs. 1 StGB). Nach altem Recht ist überdies eine
Freiheitsstrafe unter 6 Monaten nur ausnahmsweise zulässig, wenn der bedingte
Strafvollzug ausser Betracht fällt und eine Geldstrafe aller Voraussicht nach nicht
vollzogen werden könnte (Art. 41 Abs. 1 aStGB; BGE 134 IV 60 E. 3.1). Mit der
Revision beabsichtigte der Gesetzgeber eine Verschärfung des Sanktionenrechts,
indem der Vorrang der Geldstrafe gegenüber der Freiheitsstrafe rückgängig ge-
macht und die Möglichkeit von kurzen Freiheitsstrafen wieder eingeführt wurde
(BBI 2012 4721 ff.).
2. Wie nachstehend zu zeigen sein wird, ist die Beschuldigte vorliegend mit ei-
ner bedingten Geldstrafe zu bestrafen, deren Vollzug im Sinne von Art. 42 Abs. 1
StGB aufzuschieben ist (s. hierzu nachstehend unter Ziff. IV.D.5 und Ziff. V.). Vor
diesem Hintergrund ist die Beschuldigte nach neuem Recht nicht milder zu beur-
teilen, weshalb Art. 2 Abs. 2 StGB nicht einschlägig und das alte Recht anzuwen-
den ist.
B. Strafrahmen
1. Hat der Täter durch eine oder mehrere Handlungen die Voraussetzungen für
mehrere gleichartige Strafen erfüllt, so verurteilt ihn das Gericht zu der Strafe der
schwersten Straftat und erhöht sie angemessen. Es darf jedoch das Höchstmass
- 20 -
der angedrohten Strafe nicht um mehr als die Hälfte erhöhen und ist an das ge-
setzliche Höchstmass der Strafart gebunden (Art. 49 Abs. 1 StGB). Bei der Bil-
dung der Gesamtstrafe nach Art. 49 Abs. 1 StGB hat der Richter in einem ersten
Schritt den Strafrahmen für die schwerste Straftat zu bestimmen und alsdann die
Einsatzstrafe für diese Tat in Nachachtung der ständigen Rechtsprechung des
Bundesgerichts (Urteil 6B_466/2013 vom 25. Juli 2013, E. 2.1 und 2.3.2; mit Hin-
weisen, bestätigt in Urteilen 6B_375/2014 vom 28. August 2014, E. 2.6. und
6B_1246/2015 vom 9. März 2016 E. 1.1) unter Beachtung aller objektiven und
subjektiven verschuldensrelevanten Umstände festzusetzen. Sodann hat er in ei-
nem weiteren Schritt die übrigen Delikte zu beurteilen und die Einsatzstrafe in
Anwendung des Asperationsprinzips zu erhöhen, ehe nach Festlegung dieser
(hypothetischen) Gesamtstrafe für sämtliche Delikte die allgemeinen Täterkom-
ponenten zu berücksichtigen sind. Die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von
Art. 49 Abs. 1 StGB ist indes nur bei gleichartigen Strafen möglich. Ungleichartige
Strafen sind kumulativ zu verhängen, da das Asperationsprinzip nur greift, wenn
mehrere gleichartige Strafen ausgesprochen werden (BGE 137 IV 57 E. 4.3.1).
Geld- und Freiheitsstrafe sind keine gleichartigen Strafen im Sinne von Art. 49
Abs. 1 StGB (BGE 137 IV 57 E. 4.3.1). Das Gericht kann somit auf eine Gesamt-
freiheitsstrafe nur erkennen, wenn es im konkreten Fall für jeden einzelnen Norm-
verstoss eine Geldstrafe ausfällen würde (konkrete Methode; BGE 138 IV 120
E. 5.1; 137 IV 249 E. 3.4.2).
2. Vorliegend hat die Beschuldigte denselben Straftatbestand mehrfach erfüllt.
Der massgebende ordentliche Strafrahmen für eine üble Nachrede nach Art. 173
Ziff. 1 StGB reicht von einem Tagessatz bis 180 Tagessätzen Geldstrafe.
3. Die tat- und täterangemessene Strafe ist grundsätzlich innerhalb des or-
dentlichen Strafrahmens der anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen.
Dieser Rahmen ist vom Gesetzgeber in aller Regel sehr weit gefasst worden, um
sämtlichen konkreten Umständen Rechnung zu tragen. Vorliegend drängt sich
keine Erweiterung des ordentlichen Strafrahmens auf.
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- 21 -
4. Vorliegend ist für jeden einzelnen Normverstoss der Beschuldigten eine
Geldstrafe auszufällen (s. hierzu nachstehend unter Ziff. D.5), weshalb die Vo-
raussetzungen für die Bildung einer Gesamtstrafe gegeben sind.
C. Strafzumessungsfaktoren
Seitens der Vorinstanz wurden die zu den Kriterien der Strafzumessung nötigen
theoretischen Ausführungen gemacht. Darauf und auf die aktuelle Rechtspre-
chung des Bundesgerichts zum Thema (BGE 136 IV 55 E. 5.4. ff.; 135 IV 130
E. 5.3.1; 132 IV 102 E. 8.1; je mit Hinweisen) kann vorab verwiesen werden. Zu-
treffend wurde auch festgehalten, dass zwischen der Tat- und Täterkomponente
sowie der objektiven und subjektiven Tatschwere zu unterscheiden ist (s. Urk. 94
E. III.2.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
D. Konkrete Strafzumessung
1. Üble Nachrede (Schreiben vom 10. Juli 2016; Dossier 6)
1.1. Objektive Tatschwere
Hinsichtlich der objektiven Tatschwere der üblen Nachrede vom 10. Juli 2016
(Schreiben an den ... [Funktion] der Gemeinde D._) fällt beträchtlich ver-
schuldenserschwerend ins Gewicht, dass die Beschuldigte die Privatklägerin mit
der Redaktion und dem Versand des inkriminierten Schreibens letztlich ohne be-
gründeten Anlass bei mehreren Personen aus deren beruflichem Umfeld bis in
höchste Chargen (so u.a. an den ... [Funktion] und zwei Regierungsrätinnen) dis-
kreditierte und damit ein besonders sensibler, existenzieller Lebensbereich der
Beschuldigten tangiert war. Insgesamt war der Adressatenkreis allerdings noch
überschaubar, was sich verschuldensmässig zu Gunsten der Beschuldigten aus-
wirkt. Inhaltlich war das Schreiben geprägt von der Bezichtigung der Geschädig-
ten mit kriminellen Machenschaften wie des Diebstahls und der Unterschriftenfäl-
schung. Auch enthielt das in Frage stehende Schreiben weitere erhebliche De-
nunziationen (Mobbing und Schikaniererei), was sich ebenfalls zu Ungunsten der
Beschuldigten auswirkt. Ihr Verschulden erweist sich insgesamt vor dem Hinter-
grund aller denkbaren Fälle als gerade noch leicht. Hinsichtlich der in Frage ste-
- 22 -
henden üblen Nachrede ist eine Einsatzstrafe von 40 Tagessätzen Geldstrafe an-
gemessen.
1.2. Subjektive Tatschwere
Hinsichtlich der subjektiven Tatkomponente ist festzustellen, dass die Beschuldig-
te das inkriminierte Schreiben vorsätzlich verfasste und durch dessen Versand an
verschiedene Personen bewirken wollte, dass bei den Adressaten der Eindruck
entstehen könnte, dass sich die Privatklägerin nicht so benimmt, wie nach allge-
meiner Anschauung charakterlich anständige Menschen sich zu verhalten pfle-
gen, und dass dadurch ihr Ruf geschädigt würde. Die Emotionalität des Handelns
und ihre Überzeugung, wenigstens moralisch im Recht zu sein, wirkt sich gering-
fügig verschuldensmindernd aus. Ihr Verschulden erweist sich nach Würdigung
der subjektiven Tatschwere immer noch als gerade noch leicht. Eine Reduktion
der Einsatzstrafe auf 30 Tagessätze Geldstrafe erweist sich aufgrund der ge-
machten Erwägungen hinsichtlich der subjektiven Tatschwere vorliegend als an-
gemessen.
2. Asperation
Die Beschuldigte hat – zusammen mit ihrem Ehemann – fünf weitere Schreiben
mit vergleichbarem ehrenrührigem Inhalt verfasst: Dasjenige vom 22. November
2016 ging an den Gemeindepräsidenten der Wohnortgemeinde der Beschuldigten
und der Privatklägerin, wobei zu Gunsten der Beschuldigten anzunehmen ist,
dass das Schreiben letztlich nicht an die weiteren im Verteiler angegebenen Per-
sonen und Institutionen ging (s. dazu die Aussagen der Beschuldigten und ihres
Ehemannes: Urk. D1/20 S. 19 f. bzw. Urk. D1/22 S. 42). Inhaltlich wird die Privat-
klägerin darin – wie in den weiteren Schreiben vom 5. Oktober 2016 an E._
und F._, an G._, an H._ und dasjenige vom 28. Oktober 2016, das
an der Windschutzscheibe des Personenwagens der Privatklägerin gut sichtbar
für alle Benutzer derselben Tiefgarage befestigt wurde, wiederum strafrechtlich
relevanter Machenschaften (Diebstahl; Urkundenfälschung) bezichtigt, was sich
zu Ungunsten der Beschuldigten auswirkt. Verschuldenserschwerend ist ebenfalls
zu berücksichtigen, dass die Mehrzahl dieser Schreiben an die Nachbarschaft der
- 23 -
Privatklägerin gerichtet war und damit das private Umfeld der Privatklägerin be-
trifft, was auch einen sensiblen und besonders schützenwerten Bereich darstellt,
zumal nicht ausgeschlossen werden kann, dass von den Beschuldigungen etwas
hängen bleibt. Verschuldensmindernd wirkt sich wiederum aus, dass der Adressa-
tenkreis der erwähnten Schreiben überschaubar blieb. Die objektive Tatschwere
dieser weiteren fünf Schreiben erweist sich – jeweils isoliert betrachtet – als leicht,
in ihrer Gesamtheit betrachtet indes als nicht mehr leicht. Hinsichtlich der subjek-
tiven Tatkomponente ist wiederum festzustellen, dass die Beschuldigte die inkri-
minierten Schreiben jeweils vorsätzlich verfasste und durch deren Versand an
verschiedene Personen bewirken wollte, dass bei den Adressaten der Eindruck
entstehen könnte, dass sich die Privatklägerin nicht so benimmt, wie nach allge-
meiner Anschauung charakterlich anständige Menschen sich zu verhalten pfle-
gen, und dass dadurch ihr Ruf geschädigt würde. Auch hinsichtlich der weiteren
fünf Schreiben wirkt sich die Emotionalität des Handelns der Beschuldigten und
ihre Überzeugung, wenigstens moralisch im Recht zu sein, geringfügig verschul-
densmindernd aus. Ihr Verschulden für die in Frage stehenden weiteren fünf
Schreiben erweist sich nach Würdigung der subjektiven Tatschwere jeweils iso-
liert betrachtet weiterhin als leicht, in ihrer Gesamtheit betrachtet demgegenüber
als nicht mehr leicht, womit sich hierfür eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen
Geldstrafe als angemessen erweisen würde. Asperiert mit der für das Schreiben
vom 10. Juli 2016 vorgesehenen Einsatzstrafe von 30 Tagessätzen Geldstrafe
erweist sich eine Erhöhung um weitere 30 Tagessätze Geldstrafe auf 60 Tagess-
ätze Geldstrafe als dem keineswegs leichten Verschulden der Beschuldigten hin-
sichtlich sämtlicher Schreiben als angemessen. Diese Einsatzstrafe erweist sich
auch in Gegenüberstellung mit dem mit gleichen Tatbeiträgen in Erscheinung tre-
tenden Mittäter, dem Ehemann der Beschuldigten, als verhältnismässig, welcher
hinsichtlich der mehrfachen üblen Nachrede eine leicht höhere Einsatzstrafe zu
vergegenwärtigen hat, da er noch weitere ehrenrührige Schreiben verfasst hatte
(s. Anklage Urk. 34 Dossiers 2, 3 u. 8; vgl. Verfahren SB180513 E. IV.D.2.1.-2.2.).
- 24 -
3. Täterkomponente
3.1. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten kann
vorab auf die entsprechenden und zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz
(Urk. 94 E. III.5.1.) verwiesen werden. Seit dem vorinstanzlichen Urteil haben sich
ihre persönlichen Verhältnisse nicht wesentlich verändert (Prot. II S. 12 ff.). Die
Beschuldigte verfügt über keine Vorstrafen. Einhergehend mit der Auffassung der
Vorinstanz (Urk. 94 E. III.5.1.) erweisen sich das Vorleben und die persönlichen
Verhältnisse der Beschuldigten als strafzumessungsneutral.
3.2. Beim Nachtatverhalten ist dem Verhalten des Täters nach der Tat und im
Strafverfahren Rechnung zu tragen. Ein Geständnis, das kooperative Verhalten
eines Täters bei der Aufklärung von Straftaten sowie die Einsicht und Reue wir-
ken strafmindernd. Dabei können umfangreiche und prozessentscheidende Ge-
ständnisse eine Strafreduktion von bis zu einem Drittel bewirken (BGE 121 IV 202
E. 2d/cc). Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein Geständnis
bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung zuguns-
ten des Täters berücksichtigt werden, wenn es Ausdruck von Einsicht und Reue
ist. Ein Verzicht auf Strafminderung kann sich demgegenüber aufdrängen, wenn
das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, namentlich weil der Täter
nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder erst nach Ausfällung des erst-
instanzlichen Urteils gestand (Urteile des Bundesgerichts 6B_426/2010 vom
22. Juli 2010 E. 1.5; 6B_558/2011 vom 21. November 2011 E. 2.3; 6B_853/2013
vom 20. November 2014 E. 2.4.7).
Vorliegend wurde die vorinstanzliche Verurteilung wegen mehrfacher übler Nach-
rede zwar nicht mehr angefochten, doch beruht sie auf einer erdrückenden Be-
weislage. Auch liess die Beschuldigte Reue oder Einsicht – ebenfalls anlässlich
der Berufungsverhandlung – vermissen. Eine Strafreduktion aufgrund des
Nachtatverhaltens der Beschuldigten rechtfertigt sich deshalb nicht.
- 25 -
4. Strafart und Tagessatzhöhe
4.1. Da der Tatbestand der üblen Nachrede lediglich Geldstrafe vorsieht, kommt
keine andere Sanktionsart in Frage.
4.2. Hinsichtlich Festsetzung der Tagessatzhöhe wurden vorliegend von der Vor-
instanz die erforderlichen und zutreffenden theoretischen Ausführungen gemacht,
worauf verwiesen werden kann (Urk. 94 E. III.6.). Die Beschuldigte verfügt über
ein monatliches Netto-Einkommen von Fr. 2'776.–. Gestützt darauf sowie unter
Einbezug der zu berücksichtigenden Lebenshaltungskosten (Krankenkasse,
Steuern, vgl. Prot. II S. 14 sowie Urk. 104/1) erweist sich ein Tagessatz von
Fr. 70.– nach wie vor als angemessen.
5. Ergebnis
Unter Berücksichtigung aller massgebenden Strafzumessungsgründe erweist sich
vorliegend eine Gesamtstrafe von 60 Tagessätzen Geldstrafe zu Fr. 70.– als an-
gemessen.
V. Vollzug
A. Rechtliche Grundlagen
Zur Frage des Vollzugs der Freiheitsstrafe hat die Vorinstanz zutreffende allge-
meine und konkrete Ausführungen gemacht. Auf die entsprechenden Erwägun-
gen kann vorab vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 94 E. III.9.).
B. Weitere Beurteilung
1. Insbesondere ist es auch zutreffend, dass die Beschuldigte in objektiver
Hinsicht die Voraussetzungen zur Gewährung des bedingten Strafvollzuges er-
füllt, da sie vorliegend zu einer Geldstrafe verurteilt wird, die sich innerhalb des
gesetzlich zulässigen Rahmens befindet. Auch hat sie noch nie eine Freiheitsstra-
fe oder eine Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verbüsst.
- 26 -
2. In subjektiver Hinsicht ist massgebend, dass die Beschuldigte über keine
Vorstrafen verfügt. Auch kann davon ausgegangen werden, dass sie das vorlie-
gende Strafverfahren und die Verurteilung genügend beeindrucken, um sie vor
weiterer Delinquenz abzuhalten. Ihr kann deshalb der bedingte Vollzug gewährt
werden.
3. Praxisgemäss ist der als Ersttäterin in Erscheinung getretenen Beschuldig-
ten eine Probezeit von zwei Jahren anzusetzen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
A. Vorinstanz
1.1. Gestützt auf Art. 428 Abs. 3 StPO hat die Rechtsmittelinstanz von Amtes
wegen auch über die von der Vorinstanz getroffene Kostenregelung zu befinden,
wenn sie selber ein neues Urteil fällt und nicht kassatorisch entscheidet. Gemäss
Art. 426 Abs. 1 StPO trägt die beschuldigte Person die Verfahrenskosten, wenn
sie verurteilt wird. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist die Entschä-
digungsfrage nach der Kostenfrage zu beantworten, der Kostenentscheid präjudi-
ziert mithin die Entschädigungsfrage. Es gilt der Grundsatz, dass bei Auferlegung
der Kosten keine Entschädigung auszurichten ist (BGE 137 IV 352, S. 357,
E. 2.4.2).
1.2. Vorliegend wird die Beschuldigte teilweise schuldig gesprochen. Ihr sind
demgemäss die Kosten der Untersuchung und des vorinstanzlichen Verfahrens –
deren Höhe sich als angemessen erweist – lediglich teilweise aufzuerlegen. An-
gesichts der vorliegenden Umstände rechtfertigt sich eine Kostenauflage im Um-
fang von drei Fünfteln, im übrigen Umfang sind die Kosten auf die Gerichtskasse
zu nehmen. Entsprechend ist ihr für das vorinstanzliche Verfahren eine Entschä-
digung im Betrag von Fr. 1'000.– (inkl. MwSt.) zuzusprechen.
2.1. Die Privatklägerschaft hat gegenüber der beschuldigten Person Anspruch
auf angemessene Entschädigung für notwendige Aufwendungen im Verfahren,
- 27 -
wenn sie obsiegt oder wenn die beschuldigte Person nach Art. 426 Abs. 2 StPO
kostenpflichtig wird (Art. 433 Abs. 1 StPO). Es ist zwischen dem Obsiegen der
Privatklägerschaft im Strafpunkt und im Zivilpunkt zu unterscheiden. Verlangt die
geschädigte Person eine Verurteilung des Beschuldigten und tritt sie demnach als
Strafklägerin auf, ist sie im Falle eines Schuldspruches als obsiegende Partei für
die ihr im Zusammenhang mit der Strafklage erwachsenen Anwaltskosten im
Strafverfahren zu entschädigen. Soweit sie als Zivilklägerin auftritt, setzt eine Ent-
schädigung voraus, dass die Zivilklage zumindest teilweise gutgeheissen wird.
Die Entschädigung beschränkt sich auf die unmittelbar aus der Interessenwah-
rung im Strafverfahren entstandenen Kosten, wobei deren Bemessung im richter-
lichen Ermessen liegt (BSK STPO II-WEHRENBERG/FRANK, Art. 433 StPO N 18).
2.2. Gemäss Verordnung über die Anwaltsgebühren (AnwGebV) bemisst sich die
Gebühr im Vorverfahren nach dem notwendigen Zeitaufwand der Vertretung (§ 16
Abs. 1 AnwGebV). Für die Führung eines Strafprozesses einschliesslich Vorberei-
tung des Parteivortrags und Teilnahme an der Hauptverhandlung beträgt die
Grundgebühr vor dem Einzelgericht in der Regel Fr. 600.– bis Fr. 8'000.– (§ 17
Abs. 1 lit. a AnwGebV). Richtet sich die Gebühr nach dem Zeitaufwand, beträgt
sie in der Regel Fr. 150.– bis Fr. 350.– pro Stunde (§ 3 AnwGebV).
2.3. Die Privatklägerin unterliegt hinsichtlich der versuchten Nötigung, obsiegt
demgegenüber in Bezug auf die unangefochten gebliebene mehrfache üble Nach-
rede durch die Beschuldigte. Angesichts dieser Umstände rechtfertigt es sich, ihr
bezüglich Untersuchung und vorinstanzlichem Verfahren eine durch die Beschul-
digte zu bezahlende reduzierte Prozessentschädigung im Betrag von Fr. 1'600.–
(inkl. MwSt.) zuzusprechen.
2.4. Das vorinstanzliche Entschädigungsdispositiv ist im Sinne dieser Erwägun-
gen anzupassen.
B. Berufungsinstanz
1.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Ob bzw. inwieweit eine
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Partei im Sinne dieser Bestimmung obsiegt oder unterliegt, hängt davon ab, in
welchem Ausmass ihre vor der zweiten Instanz gestellten Anträge gutgeheissen
werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_1025/2014 vom 9. Februar 2015 E. 2.4.1.
mit Hinweisen; bestätigt in 6B_10/2015 vom 24. März 2015 E. 4.2.1). Die Ent-
schädigungsfrage folgt den gleichen Regeln wie der Kostenentscheid. Es gilt der
Grundsatz, dass bei Auferlegung der Kosten keine Entschädigung oder Genugtu-
ung auszurichten ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_802/2015 vom 9. Dezember
2015 E. 5.3; BGE 137 IV 352 E. 2.4.2).
1.2. Die Beschuldigte obsiegt im Berufungsverfahren: In Bezug auf die ihr vor-
geworfene versuchte Nötigung erwirkt sie einen Freispruch und erreicht ferner ei-
ne Reduktion des angefochtenen Strafmasses. Entsprechend sind die Kosten des
Berufungsverfahrens auf die Gerichtskasse zu nehmen. Ausgangsgemäss ist ihr
eine Entschädigung im Betrag von Fr. 1'350.– (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse
zuzusprechen.
1.3. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahrens ist in Anwendung von
Art. 424 Abs. 1 StPO i. V. m. §§ 16, 2 Abs. 1 lit. b, c und d sowie 14 GebV OG un-
ter Berücksichtigung der Bedeutung und Schwierigkeit des Falles sowie des Zeit-
aufwands des Gerichts für dieses Verfahrens – unter Mitberücksichtigung des Pa-
rallelverfahrens SB180513 – auf Fr. 2'000.– festzusetzen.