# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dd1cf425-be58-5d42-8027-ae061c9abeea
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 27. November 2017 bei der Gemeinde
Brenzikofen ein Baugesuch ein für den Abbruch eines Bauernhauses mit Nebenbau, den
Neubau von zwei Mehrfamilienhäusern und einer Gewerbehalle sowie der Montage einer
Solaranlage auf Parzelle Brenzikofen Grundbuchblatt Nr. E._. Die Parzelle liegt in
der zweigeschossigen Wohngewerbezone (WG2, WG2a) und der Gewerbezone (Gb). Die
Gemeinde leitete das Bauvorhaben am 17. Januar 2018 an das Regierungsstatthalteramt
weiter, nachdem es weitere Unterlagen beim Beschwerdegegner verlangt hatte. Auf
Ersuchen des Regierungsstatthalteramts verbesserte der Beschwerdegegner sein Gesuch
und die Pläne. Gegen das Bauvorhaben erhob die Beschwerdeführerin Einsprache.
Nachdem das Regierungsstatthalteramt den Parteien Amtsberichte und Stellungnahmen
zugestellt hatte, passte der Beschwerdegegner sein Projekt an und reichte neue
Unterlagen ein.1
Mit Gesamtentscheid vom 11. Oktober 2018 erteilte das Regierungsstatthalteramt Bern-
Mittelland die Baubewilligung.
2. Dagegen reichte die Beschwerdeführerin am 8. November 2018 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie stellt folgende
Rechtsbegehren:
1. Der Gesamtbauentscheid vom 11. Oktober 2018 sei teilweise aufzuheben und
wie folgt abzuändern:
1.1 Das Bauprojekt sei so weit zu redimensionieren, dass eine akzeptierbare
Einordnung in das Ortsbild und die Landschaft resultiert. Dazu sei
insbesondere die Gewerbehalle zu redimensionieren, so dass diese eine
angemessene Gebäudelänge aufweist (bei gleicher Breite und Höhe).
Eventualiter sei das Baugesuch abzuweisen.
1.2 Der Gesamtbauentscheid sei mit einer Auflage zu ergänzen, dass die
getrennte Verkehrserschliessung der Gewerbezone (Zufahrt von der
I._strasse zwischen der Gewerbehalle und dem Haus 2 hindurch
bis zu den Parkplätzen; Sackgasse) und der Wohnzone (Zufahrt von der
1 Pag. 181 ff. sowie 205 f. Vorakten
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I._strasse entlang dem Haus 1 bis zur Zufahrt Einstellhalle;
Sackgasse) faktisch durch zwei Sackgassen, welche durch einen
Grünstreifen getrennt werden, sicherzustellen ist.
1.3 Es sei festzustellen, dass der unter dem Bauvorhaben durchführende
eingedolte F._graben ein Gewässer darstellt. Die
entsprechenden Massnahmen zur Sicherstellung eines ausreichenden
Gewässer- und Uferschutzes seien von Amtes wegen anzuordnen.
1.4 Das Entwässerungskonzept "Meteorwasser" ist so anzupassen, dass
keine Rückstaugefahr und dadurch Überlaufgefahr der Retentionsgrube
besteht.
2. Eventualiter: Der Gesamtbauentscheid vom 11. Oktober 2018 sei aufzuheben
und die Sache zur Neubeurteilung gemäss den Rechtsbegehren 1.1 bis 1.4 an
die Vorinstanz zurückzuweisen.
– Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen –
Dabei macht die Beschwerdeführerin insbesondere geltend, das Vorhaben ordne sich nicht
gut in die Umgebung ein und die Vorinstanz hätte einen Bericht bei der OLK einholen
sollen. Zudem bringt sie vor, die getrennte Verkehrserschliessung der Wohn- und
Gewerbezone durch die Anordnung von zwei Sackgassen und die Entwässerung seien
sicherzustellen. Zudem werde die Gewässerschutzgesetzgebung verletzt.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Danach holte es bezüglich der Frage
der Entwässerung weitere Informationen ein. Aufgrund einer summarischen Einschätzung
des Rechtsamtes reichte der Beschwerdegegner am 12. April 2019 neue Unterlagen und
Pläne bezüglich eines Notüberlaufs auf Parzelle Nr. H._ der bereits geplanten
Retentionsmulde ein. Die Parteien erhielten Gelegenheit, Schlussbemerkungen
einzureichen. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen,
die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführerin,
deren Einsprache abgewiesen wurde, ist durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht
eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
b) In ihren Bemerkungen vom 11. April 2019 zur vorläufigen Einschätzung des
Rechtsamtes gemäss Verfügung vom 28. Februar 2019 als auch in ihren
Schlussbemerkungen vom 16. Mai 2019 bringt die Beschwerdeführerin neu vor, das
Bauvorhaben liege im Perimeter (Gefahrenperimeter A) des Schutzzonenplans der
Gemeinde Brenzikofen. Zudem bestehe betreffend Parzelle Nr. H._ (auch ohne
das vorgesehene Bauvorhaben) teilweise eine Wassergefährdung (vgl. Schutzzonenplan
Brenzikofen sowie Art. 6 Abs. 3 Baureglement). Es sei umfassend darzulegen, wie mit
dieser vorbestehenden Gefährdung umgegangen werde. Eine Gefährdung der
bestehenden Häuser im Gebiet des Bahnhofs durch das geplante Bauvorhaben sei
ebenfalls zu überprüfen und auszuschliessen. Weiter bringt sie neu vor, es seien auch die
Schmutzwasserleitungen zu überprüfen.
Anfechtungsobjekt ist die Verfügung der Vorinstanz. Der Streitgegenstand braucht sich
nicht mit dem Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses
hinausgehen. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen die Parteien den Streitgegenstand.
Sowohl für das Einleiten eines Beschwerdeverfahrens als auch für dessen Umfang und
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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eine allfällige vorzeitige Beendigung gelten somit die Verfügungs- oder Dispositionsmaxime
sowie das Rügeprinzip. Mit ihren Rügen legt die beschwerdeführende Partei fest, in
welcher Richtung und inwieweit sie das streitige Rechtsverhältnis überprüfen lassen will.
Das muss sie innerhalb der Beschwerdefrist tun. Später erhobene Rügen sind unzulässig,
auf sie ist – abgesehen von gewissen vorliegend nicht gegebenen Ausnahmen – nicht
einzutreten.5 Die einleitend erwähnten Vorbringen der Beschwerdeführerin stellen solche
später erhobenen Rügen dar. Auf diese wird nicht eingetreten.
2. Verletzung des Gestaltungsgrundsatzes
a) Die Beschwerdeführerin rügt eine Verletzung des Gestaltungsgrundsatzes. Die
geplanten Mehrfamilienhäuser und insbesondere Gewerbehalle seien um ein Vielfaches
Grösser als die umliegenden Gebäude. Der Durchgang zwischen Haus 2 und
Gewerbehalle betrage nur 10 m, es ergebe sich ein übermässig dichtes und überladenes
Gesamtbild. Sie schlägt eine Reduktion der Hallenlänge, beispielsweise um 7 m auf 28 m
vor. Sie bemängelt zudem den Verzicht auf die Einholung eines Fachberichts der OLK.
b) Bauten, Anlagen, Reklamen, Anschriften und Bemalungen dürfen Landschaften,
Orts- und Strassenbilder nicht beeinträchtigen (Art. 9 Abs. 1 BauG). Diese Vorschrift stellt
die „ästhetische Generalklausel“ im Sinne eines allgemeinen Beeinträchtigungsverbots dar.
Eine Beeinträchtigung liegt vor, wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden
Überbauung schafft, der erheblich stört. Die Gemeinden dürfen eigene Ästhetikvorschriften
erlassen, die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen können. Derartige Vorschriften
müssen, um selbständige Bedeutung zu erlangen, konkreter gefasst sein als die
Anordnungen des kantonalen Rechts, sie dürfen Letztere nicht bloss allgemein anders
formulieren.6
Gemäss Art. 14 Abs. 1 Gemeindebaureglement (GBR) sind Bauten und Anlagen so zu
gestalten, dass zusammen mit ihrer Umgebung eine gute Gesamtwirkung entsteht.
Gemäss Art. 14 Abs. 2 GBR ist für die Beurteilung je nach Art und Grösse des Objektes
auf die folgenden Elemente einzugehen: Standort, Stellung, Form, Proportionen und
5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 bis 8 6 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4 und 13; BVR 2009 S. 328 E. 5.2 mit Hinweisen
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Dimensionen eines Gebäudes, Gestaltung inkl. Farbgebung und Materialwahl von
Fassaden, Fenstern und Dach, Eingänge, Ein- und Ausfahrten, Aussenräume,
insbesondere das Vorland, die Begrenzung gegen den öffentlichen Raum und die
Bepflanzung, Abstellplätze für Motorfahrzeuge sowie
Terrainveränderungen/Umgebungsgestaltung/Bepflanzung. Diese Bestimmungen gehen
weiter als Art. 9 Abs. 1 BauG; ihnen kommt daher selbständige Bedeutung zu. Der Begriff
„gute Gesamtwirkung“ stellt einen unbestimmten kommunalen Gesetzesbegriff dar, bei
dessen Auslegung die kommunalen Behörden einen gewissen Beurteilungsspielraum
haben. Jedoch dürfen auch an das Erfordernis der guten Gesamtwirkung nicht
unverhältnismässig hohe Ansprüche gestellt werden. Die gute Gesamtwirkung ist weder an
geringen noch an besonders hohen architektonischen Qualitäten zu messen. Das bedeutet
bei durchschnittlichen örtlichen Gegebenheiten, dass das Mittelmass der Umgebung nicht
gestört werden darf und sich eine neue Baute oder Anlage an den qualitativ
hochwertigeren Bauten und Anlagen der Umgebung zu orientieren hat.7 Gestützt auf
Vorschriften des allgemeinen Ortsbild- und Landschaftsschutzes dürfen in der Regel Art
oder Mass der nach der Zonenordnung zulässigen Nutzung nicht eingeschränkt werden.8
c) Die Bauparzelle befindet sich weder in einem Ortsbildschutzgebiet noch hat es in
unmittelbarer Nähe schützens- oder erhaltenswerte Baudenkmäler. Die Vorinstanz hat die
Gestaltung des Bauvorhabens im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens geprüft und ist
in Übereinstimmung mit der Gemeinde zum Ergebnis gelangt, dass es eine gute
Gesamtwirkung erreicht.9 Die BVE hat keinen Anlass, von der Beurteilung der Vorinstanz
bzw. der Gemeinde abzuweichen, zumal Letztere die örtlichen Verhältnisse gut kennt und
ihr bei der Beurteilung der guten Gesamtwirkung ein gewisser Spielraum zukommt. Die
Beschwerdeführerin begründet nicht substanziiert, weshalb die Beurteilung der Vorinstanz
nicht zutreffen sollte. Die vorgeschriebenen Gebäudeproportionen und Gebäudeabstände
sind unbestritten eingehalten. Die Beschwerdeführerin bemängelt einzig die Grösse der
Gebäude und den kleinen Abstand zwischen Haus 2 und Gewerbehalle und strebt eine
Verkleinerung der Gewerbehalle an. Im vorliegenden Fall sind jedoch keine Gründe
ersichtlich, die es rechtfertigen würden, Art oder Mass der nach der Zonenordnung
zulässigen Nutzung gestützt auf Gestaltungsvorschriften einzuschränken. Die Einwände
7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 4a; BVR 2009 S. 329 E. 5.3, BVR 2006 S. 491 E. 6.3.1 8 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 9/10 N. 15 mit Hinweisen 9 Vgl. pag. 185 Vorakten
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der Beschwerdeführerin betreffend die Gestaltung des Bauvorhabens und seine
Einordnung ins Ortsbild sind damit offensichtlich unbegründet. Die Vorinstanz hatte daher
keinen Anlass, die zuständige kantonale Fachstelle zu konsultieren (vgl. Art. 22 Abs. 1 Bst.
a und Abs. 2 BewD). Auch die BVE ist nicht gehalten, einen Bericht der OLK einzuholen.
Der entsprechende Beweisantrag der Beschwerdeführerin wird abgewiesen.
3. Erschliessung
a) Die Beschwerdeführerin verlangt, dass der Gesamtbauentscheid mit einer Auflage
ergänzt werde, wonach die in den Plänen vorgesehene getrennte Verkehrserschliessung
für die Gewerbehalle einerseits und die Mehrfamilienhäuser andererseits rechtlich mit zwei
Sackgassen mit Wendemöglichkeit sichergestellt werde.
b) Die Parzelle Nr. E._ liegt in der zweigeschossigen Wohngewerbezone
(WG2, WG2a) und der Gewerbezone (Gb). Den Bau der Gewerbehalle, die einer
Bauunternehmung als Werkhof dienen soll,10 plant der Beschwerdeführer auf dem Teil des
Grundstückes, welcher der Gewerbezone zugeordnet ist.11 Gemäss den eingereichten
Plänen soll die Zufahrt zum Werkhof direkt von der I._strasse her erfolgen und
nicht an den beiden projektierten Mehrfamilienhäusern und der Liegenschaft der
Beschwerdeführerin vorbeiführen. Letztere sollen über die Strassenparzelle Nr.
J._, welche sich im Eigentum der Gemeinde befindet, erfolgen. Da die Zufahrt
zum Gewerbe in die "Zufahrt Wohnen" einmündet, könnten Fahrzeuge, welche den
Werkhof verlassen, statt zu wenden über die Zufahrt Wohnen und die Strassenparzelle Nr.
J._ auf die I._strasse gelangen.
c) Die Zufahrt für das Gewerbe wird vorliegend einzig über den neuen
Strassenanschluss an die I._strasse bewilligt. Diese Zufahrt liegt näher an der
Gewerbehalle und ist damit naheliegend. Die Zufahrt fürs Wohnen darf nicht ohne Prüfung
und Bewilligung der Änderung des Strassenanschlusses für das Gewerbe benützt
werden.12 Sollten in Zukunft Fahrzeuge für das Gewerbe die "Zufahrt Wohnen" benützen,
könnte die Beschwerdeführerin daher ein Baupolizeiverfahren einleiten. Die Baupolizei ist
10 Vgl. Bericht beco, pag. 143 Vorakten 11 Vgl. bezüglich der Zonengrenze insb. Umgebungsplan, pag. 5 Vorakten 12 Vgl. Art. 85 Abs. 1 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11)
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befugt, zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes die notwenigen Massnahmen
zu ergreifen (Art. 45 f BauG). Zum jetzigen Zeitpunkt besteht hingegen keine
Veranlassung, den Bau zweier Sackgassen zu verlangen. Die Beschwerde wird
diesbezüglich abgewiesen.
4. Gewässerschutz und Wasserbau
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, unter dem Grundstück fliesse der
F._graben, ein eingedoltes Fliessgewässer durch, welches den Ursprung in den
Entwässerungsgräben entlang der ackerbaulich genutzten Flächen habe. Gemäss
Amtsbericht Wasserbaupolizei handle es sich um kein Gewässer, sondern um eine
Entwässerungs- resp. Entlastungslinie. Trotzdem werde für deren Verlegung die Erteilung
einer Ausnahmebewilligung für das Überdecken eines Gewässers und eine
wasserbaupolizeiliche Ausnahmebewilligung beantragt. Dieser Widerspruch sei zu klären.
Der F._graben sei im Gewässernetz sowie im Schutzzonenplan enthalten. Es
handle es sich daher um ein Gewässer, für welches ein Gewässerraum auszuscheiden sei.
Die entsprechenden Massnahmen zur Sicherstellung unzulässiger Eingriffe in den
Gewässerraum seien von Amtes wegen anzuordnen.
b) Der Beschwerdegegner plant, die quer unter seinem Grundstück verlaufenden
Sauberwasserleitungen zu verlegen und neu am Rand des Grundstückes durchzuführen.13
c) Als Gewässer im Sinne des kantonalen Wasserbaugesetzes gelten alle stehenden
und fliessenden Oberflächengewässer mit Einschluss der in den Boden verlegten
Abschnitte; ausgenommen sind einzig Wasserläufe, die kein Bett gebildet haben (Art. 3
Abs. 1 WBG14). Gemäss Art. 48 Abs. 1 WBG benötigen Bauten und Anlagen aber auch
Vorkehren im Gewässerbereich, die insbesondere auf den Abfluss eines Gewässers
Einfluss haben, eine Wasserbaupolizeibewilligung. Gemäss Absatz 3 dieser Bestimmung
erteilt die zuständige Stelle der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion die Bewilligung, wenn
das Vorhaben das Gewässer, den Gewässerunterhalt und den Wasserbau nicht
beeinträchtigt. Was unter einer solchen Beeinträchtigung zu verstehen ist, wird in Art. 39a
13 Vgl. dazu insb. Beschwerdebeilage 19 sowie Plan Erschliessung pag. 157 Vorakten 14 Gesetz vom 14. Februar 1989 über Gewässerunterhalt und Wasserbau (Wasserbaugesetz, WBG; BSG 751.11)
RA Nr. 110/2018/147 9
WBV15 näher umschrieben. Demnach sind das Gewässer, der Gewässerunterhalt und der
Wasserbau unter anderem beeinträchtigt, wenn das Gewässer eingedolt oder überdeckt
wird (Art. 39a Abs. 1 Bst. f WBV). Liegt eine Beeinträchtigung vor, so ist eine Ausnahme
nur möglich, wenn ein wichtiger Grund vorliegt und keine überwiegenden Interessen
entgegenstehen (Art. 48 Abs. 4 WBG). Die Eidgenössische Gewässerschutzgesetzgebung,
welche für jedes oberirdische Gewässer die Festlegung eines Gewässerraums verlangt,
definiert dieses als Wasserbett mit Sohle und Böschung sowie die tierische und pflanzliche
Besiedlung (Art. 4 und 36a Abs. 1 GSchG16). Unter das GSchG fallen sowohl eingedolte
als auch künstlich angelegte Gewässer.17 Gemäss Art. 38 Abs. 1 GSchG dürfen
Fliessgewässer nicht überdeckt oder eingedolt werden. Ausnahmen können insbesondere
für Hochwasserentlastungs- und Bewässerungskanäle bewilligt werden (Art. 38 Abs. 2
Bst. a GSchG). Von Hochwasserkanälen kann gesprochen werden, wenn diese der
Entlastung von bestehenden offenen Bächen dienen, die nur den Normalabfluss abzuleiten
vermögen; sie werden also nur in Hochwassersituationen benötigt.18
d) Das TBA OIK II hat gemäss Stellungnahme vom 12. Dezember 2018 anlässlich eines
Augenscheins vom Januar 2018 festgestellt, dass der F._graben oberhalb des
Weilers G._ in einen Sickerschacht verläuft. Von dort führe eine
Entlastungsleitung in die Entwässerung der Hoferschliessung zum Weiler G._. Die
historischen Karten würden zeigen, dass der F._graben seit jeher ob dem Weiler
G._ versickere. Mit der Gesamtmelioration von 1996 - 2003 in Brenzikofen seien,
nebst der Erstellung von neuen Erschliessungsanlagen, ebenfalls vernässte Felder
entwässert worden. Mit der Entlastung des Sickerschachtes habe sich die
Hochwassersicherheit für den Weiler G._ verbessert und einer dauernden
Vernässung des Kulturlandes vorgebeugt werden können. Die Leitung münde in die
Strassenentwässerung, deshalb würden sie sie als Entlastungsleitung beurteilen. Eine
Entlastungsleitung gelte nicht als Gewässer im Sinne von Art. 3 Abs. 2 WBG. Die
Wasserbaupolizeibewilligung gründe auf Art. 48 Abs. 1 WBG, denn es handle sich um eine
Anlage im Gewässerbereich, die auf den Abfluss des Gewässers einen Einfluss habe. Die
Ausnahmebewilligung gemäss Art. 38 Abs. 2 Bst. a GSchG gründe auf der Feststellung,
15 Wasserbauverordnung vom 15. November 1989 (WBV; BSG 751.111.1) 16 Bundesgesetz vom 24. Januar 1991 über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG; SR 814.20) 17 Fritsche, in Hettich/Jansen/Norer [Hrsg.], Kommentar GSchG/WBG, 2016, Art. 36a GSchG N. 8 und 12; BGer 1C_821/2013 vom 30.03.2015, E. 6.4.4 18 Fritsche, in Hettich/Jansen/Norer [Hrsg.], Kommentar GSchG/WBG, 2016, Art. 38 N. 14
RA Nr. 110/2018/147 10
dass es sich um eine Entlastungsleitung handle. Art. 4 der kantonalen
Gewässerschutzverordnung19 bezeichne das Tiefbauamt als zuständige Stelle für die
Beurteilung einer Überdeckung. Das TBA OIK II legt seinem Bericht ein Protokoll der von
ihm erwähnten Begehung bei. Darin wird ausgeführt, die bestehende Sauberwasserleitung
müsse verlegt werden. Im Rahmen der Güterzusammenlegung sei seinerzeit die
wintersichere Hofzufahrt zu der Liegenschaft Mattlisbühl erstellt worden. In diesem
Zusammenhang sei zur Strassenentwässerung eine neue Leitung (Durchmesser 25 cm)
mit mehreren Einlaufschächten erstellt worden. Gleichzeitig sei die Entlastungsleitung, vom
Überlauf des Sickerschachtes beim F._graben, an die neue
Strassenentwässerung angeschlossen worden. Diese Sauberwasserleitung (Durchmesser
35 cm) führe ab der I._strasse diagonal durch die Bauparzelle Nr. E._.
e) Aus der Stellungnahme des TBA OIK II ergibt sich, dass der F._graben in
einen Sickerschacht oberhalb des Weilers Mattlisbüel verläuft und dort versickert. Dieser
Sickerschacht enthält eine Überlaufleitung, welche in die Strassenentwässerung eingeleitet
wird. Nur wenn sich zu viel Wasser im Sickerschacht befindet, läuft der Überlauf in diese
Leitung. Die der Stellungnahme beigelegten historischen Gewässerkarten zeigen, dass der
F._graben seit jeher versickert ist (vgl. insb. Karte von 1998 und 1993). Auf einer
neueren Karte von 2010 ist erkennbar, dass der Wasserlauf weiter oben, beim heutigen
Sickerschacht, aufhört.20 Die Angaben des TBA OIK II sind damit nachvollziehbar. Es
besteht mithin kein Anlass an den Ausführungen der Fachbehörde zu zweifeln.
Da der F._graben über den Sickerschacht versickert und nur der Überlauf in die
Strassenentwässerung fliesst, handelt es sich bei der Leitung nicht um ein eingedoltes
Gewässer im Sinne des GSchG und WBG, sondern um eine Entlastungsleitung. Diese hat
im Sinne von Art. 48 Abs. 1 WBG Einfluss auf den Abfluss, da sie den Überfluss aus dem
Sickerschacht, in welchen der F._graben versickert, aufnimmt. Deshalb hat das
TBA OIK II die Erteilung einer (Ausnahme-)Bewilligung nach Art. 48 WBG beantragt. Dass
das TBA OIK II gleichzeitig die Gewässerqualität verneint, stellt damit keinen Widerspruch
dar. Nachvollziehbar erscheint auch, dass es die Verlegung der bestehenden
Entlastungsleitung für unbedenklich hält. Die Beschwerdeführerin bringt dagegen auch
nichts Konkretes vor. Ob das Vorhaben tatsächlich die von der Vorinstanz erteilten
Ausnahmebewilligungen nach Art. 48 Abs. 3 WBG und Art. 38 Abs. 2 Bst. a GSchG
19 Kantonale Gewässerschutzverordnung vom 24. März 1999 (KGV; BSG 821.1) 20 Vgl. dazu die Planskizze der Aktennotiz, Beilage zur Stellungnahme des TBA OIK II
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erfordern, ist fraglich, da es sich einzig um eine Verlegung einer Leitung handelt und kein
Gewässer neu eingedolt oder überdeckt wird. Klar ist, dass – entgegen den Vorbringen der
Beschwerdeführerin – kein Gewässerraum ausgeschieden werden muss und auch sonst
keine zusätzliche Massnahmen notwendig sind. Die Beschwerde wird diesbezüglich
abgewiesen.
5. Entwässerung
a) Die Beschwerdeführerin macht geltend, das Bauvorhaben sehe aufgrund der
fehlenden Sickerfähigkeit des Bodens eine Retentionsmulde mit gedrosseltem Ablauf vor.
Deren Ablauf sei jedoch nicht hinreichend dimensioniert: Das Meteorwasser würde über
den F._Graben Richtung I._strasse ablaufen und anschliessend in einen
Kanal eingeleitet werden (Entwässerungs- resp. Entlastungslinie F._graben). Der
letzte Abschnitt dieser Leitung sei bereits mit den aktuell vorliegenden Berechnungen
äusserst ausgelastet und vermöge kaum mehr Wasser zu fassen. Dabei seien diese
wesentlich tiefer als die Realität. Sie seien im Rahmen des Generellen
Entwässerungsplans (GEP) Brenzikofen, Zustandsplan Einzugsgebiete, Prognosezustand
im Jahr 2014, erarbeitet worden. Damals sei das Gebiet noch nicht eingezont gewesen und
sei als Nichtbaugebiet miteinbezogen worden, durch welches typischerweise viel weniger
Meteorwasser generiert werde als durch ein Baugebiet. Der letzte Teil der Leitung, der
bereits bei den aktuell vorliegenden Berechnungen äusserst ausgelastet sei, werde
aufgrund des Meteorwassers durch das Bauvorhaben überlastet sein. Folge davon seien
Rückstauungen, das Wasser aus der Retentionsmulde werde nicht mehr abfliessen,
sondern sich da stauen. Dies wiederum habe zur Folge, dass die Grasnarbe kaputt gehe
und ein "Sumpf" resultiere, sowie dass es regelmässig zu einem Überlaufen der
Retentionsmulde kommen werde. Dies sei für die Beschwerdeführerin als Eigentümerin der
Parzelle direkt neben der Retentionsmulde nicht hinnehmbar. Insbesondere bestehe die
direkte Gefahr von Gebäudeschäden infolge Überlaufens der Retentionsmulde. In den
Schlussbemerkungen führt die Beschwerdeführerin aus, die Änderungen bezüglich des
Notüberlaufs seien zu begrüssen, genügten jedoch nicht, um eine ausreichende
Entwässerung des Bauvorhabens sicherzustellen. In den letzten rund 10 Jahren sei etwa
10- bis 11-mal Wasser im Keller der Beschwerdeführerin gestanden. Werde mittels
Notüberlauf Wasser auf das Grundstück Nr. H._, für welches bereits heute eine
RA Nr. 110/2018/147 12
teilweise Wassergefährdung bestehe, geleitet, erhöhe sich die Gefahr einer
"Sumpflandschaft", welche sich bis zur Liegenschaft der Beschwerdeführerin erstrecke.
b) Die Versickerungsabklärungen der Firma Geotest haben gezeigt, dass der Baugrund
praktisch nicht sickerfähig ist. Die Firma Geotest berechnete das notwendige
Retentionsvolumen (86 m3) anhand der Angabe der Gemeinde, wonach maximal 8.3 l/s in
die Sauberwasserleitung eingeleitet werden darf.21 Der Beschwerdegegner sieht in seinem
Erschliessungsplan eine entsprechende Retentionsmulde vor, welche sich nahe der
Liegenschaft der Beschwerdeführerin befindet.22 Der Überlauf in die Meteorwasserleitung
erfolgt in die bestehende, umgelegte Leitung (vgl. dazu Ziffer 3), welche Teil des (GEP) der
Gemeinde ist. Im Verlaufe des Beschwerdeverfahrens ergänzte der Beschwerdegegner
diesen Plan mit einem Notüberlauf des Retentionsbeckens auf die offene Wiese. Weiter
reichte er einen Dienstbarkeitsvertrag mit dem Grundeigentümer der Parzelle Nr.
H._ ein, wonach dessen Wiesland als Notüberlauf benutzt werden darf.23
c) Nicht verschmutztes Abwasser ist in der Regel versickern zu lassen. Erlauben die
örtlichen Verhältnisse dies nicht, so kann es in ein oberirdisches Gewässer eingeleitet
werden; dabei sind nach Möglichkeiten Rückhaltemassnamen zu treffen, damit das Wasser
bei grossem Anfall gleichmässig abfliessen kann (vgl. Art. 7 Abs. 2 GSchG). Die Einleitung
in ein oberirdisches Gewässer kann direkt oder indirekt über eine Kanalisation im
Trennsystem erfolgen. Rückhaltemassnahmen bei der Einleitung sind nicht zwingend. Die
Notwendigkeit und Art der Rückhaltemassnahmen sind aufgrund der zu erwartenden
nachteiligen Einwirkungen auf das aufzunehmende Gewässer zu beurteilen.24
d) Aufgrund der fehlenden Sickerfähigkeit ist klar und unbestritten, dass der
Beschwerdegegner das anfallende Regenwasser nicht versickern lassen kann. Der
Beschwerdeführer plant daher die Einleitung des Regenwassers in die
Meteorwasserleitung. Gleichzeitig sieht er als Rückhaltemassnahmen eine
Retentionsmulde mit Notüberlauf auf die benachbarte Wiese vor. Die Berechnung des
Retentionsvolumens erfolgte durch die Firma Geotest gemäss der Schweizer Norm SN 640
350 "Oberflächenentwässerung von Strassen, Regenintensitäten" aus dem Jahr 2001. Bei
21 Bericht Geotest vom 31. Mai 2018, pag. 179 ff., insb. pag. 163 f. Vorakten 22 Pag. 157 Vorakten 23 Beilagen 5 f. zum Schreiben vom 12 April 2019 24 Hettich/Tschumi, in Hettich/Jansen/Norer [Hrsg.], Kommentar GSchG/WBG, 2016, Art. 7 N. 55 f.
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der Berechnung der erwarteten Regenintensitäten bei Starkregen gemäss der Norm SN
640 350 wird gemäss der Formel von Talbot i=aT/(t+bT) ermittelt, wobei der Koeffizient aT
und der Koeffizient bT der Tabelle 1 entnommen werden. Bei einer Regendauer t von
50 Minuten bzw. 0.833 Stunden, der Wiederkehrperiode von 10 Jahren und der
Niederschlagsregion Mittelland ergibt sich daraus eine Niederschlagsmenge von 42.28
mm/h (45.66/[0.833 + 0.247]). Zur Umrechnung von mm/h in l/s*ha sind die 42.28 mit 2.78
zu multiplizieren (vgl. Ziff. 6 von SN 640 350). Daraus ergibt sich eine Regenintensität von
117.5 l/s*ha. Bei einer Fläche von 0.315 ha bedeutet dies eine Niederschlagsmenge von
37 l/s (117.5x0.315) bzw. von 2'220 l/min (37x60). Bei der massgebenden Zeiteinheit von
50 Minuten ergibt sich daraus eine Niederschlagsmenge von rund 111'000 l bzw. 111 m3,
da 1 l 0.001 m3 entspricht. Davon abzuziehen sind die 8.3 l/s bzw. rund 500 l/min (8.3x60),
welche durch die Meteorleitung abfliessen. Bei der massgebenden Zeiteinheit von 50
Minuten fliessen rund 25'000 l (500x50) bzw. 25 m3 (25'000x0.001) ab. Daraus ergibt sich,
dass durchschnittlich alle zehn Jahre eine Regenmenge von 86 m3 (111 m3 abzüglich der
abfliessenden 25 m3) nicht abfliessen kann, weshalb ein Retentionsvolumen von 86 m3
vorzusehen ist.25
Das von Geotest berechnete Retentionsvolumen lässt sich damit nachvollziehen und
stimmt mit der Berechnung gemäss VSA Richtlinie „Regenwasserentsorgung, Richtlinie zur
Versickerung, Retention und Ableitung von Niederschlagswasser in Siedlungsgebieten
(VSA, 2002 und Update 2008)“ überein.26 Bei der Berechnung des Retentionsvolumens
gemäss dieser VSA Richtlinie wird die durch die Meteorleitung abfliessende Wassermenge
Qab (hier: 8.3 l/s) durch die zu entwässernde Fläche Ared (hier: 0.315 ha) geteilt. Gestützt
auf den so berechnete qab (hier: 26.3 l/s* hared) kann im Diagramm 8.7d der VSA Richtlinie
das ir von hier 274 m3/hared abgelesen werden. Dieses ist mit der Fläche Ared (hier: 0.315
ha) zu multiplizieren. Daraus ergibt sich die Grösse des notwendigen Retentionsvolumens,
hier 86 m3.
e) Die Berechnung von Geotest beruht auf den Niederschlagsdaten für die Zone
Mittelland. Brenzikofen liegt zwischen den Zonen Mittelland und Voralpen, welche mehr
Niederschläge verzeichnet. Da sich das Bauvorhaben auf der Grenze der
25 Vgl. pag. 161 Vorakten sowie Schreiben Geotest vom 27. März 2019 (Beilage zum Schreiben des Beschwerdegegners vom 12. April 2019). 26 Die "Überprüfung der Retentionsberechnung" durch die Firma Holinger gemäss Memo vom 31.01.2019 (Beilage zum Schreiben vom 4. Februar 2019) richtet sich nach dieser VSA-Richtlinie, geht bei der Berechnung jedoch einzig von einer angeschlossenen Fläche von 0.211 ha aus.
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Niederschlagsregionen befindet, erscheint es vertretbar, auf die Niederschlagsdaten der
Zone Mittelland abzustellen.27
f) Die Gemeinde reichte zur Frage der Kapazität der bestehenden Leitungen ein Memo
der Firma Holinger ein, welche eine Abbildung des Auslastungsplans gemäss GEP enthält.
Demnach hat die Leitung, in welche die 8.3 l/s abfliessen sollen, mit 210 l/s genügend
Kapazität. Diese Leitung fliesst zusammen mit der Eindolung des Gewässers Nr. 56929
(Qvoll ca. 900 l/s) in eine Leitung mit einer Kapazität von 850 l/s. Sowohl die Eindolung des
Gewässers Nr. 56929 als auch die weiterführende Leitung sind überlastet mit Rückstau
über Terrain im Bereich K._ Süd. Die Kapazität des offenen Grabens, in welchen
die Leitung mit einer Kapazität von 850 l/s führt, ist unbekannt. Die Firma Holinger führt
aus, im Hochwasserfall dürfte die letzte Leitung vor dem offenen Graben und der offene
Graben selbst limitierend für den Abfluss wirken. Die vorhandenen Kapazitätsengpässe der
Gewässereindolung Nr. 56929 seien erkannt. Da die Eindolungen kaum ersetzt werden
könnten, müssten langfristig alternative Massnahmen wie die Revitalisierung der
eingedolten Gewässerabschnitte geplant werden. Die Drosselabflussmenge der
Retentionsmulde von 8.3 l/s entspreche ca. der gleichen Menge, welche heute von der
Liegenschaft I._strasse 19 anfalle. Es werde daher weder die Auslastung der
ersten Leitung noch die Hochwassersituation verschärft. Aus Sicht des GEP könne einer
Einleitung von 8.3 l/s zugestimmt werden. Beim Bau sei auf eine korrekte Ausführung der
geplanten Retentionsmulde inkl. Drosselorgan und oberflächlichem Notüberlauf zu
achten.28
Gestützt auf dieses Memo des für den GEP zuständigen Ingenieurbüros ist davon
auszugehen, dass die Gewässereindolung Nr. 56929 zwar Kapazitätsengpässe aufweist,
die vorgesehene Einleitung von 8.3 l/s die Hochwassersituation jedoch nicht verschärft.
Angesichts der bestehenden Kapazitäten der Gewässereindolung Nr. 56929 von 900 l/s
bzw. 850 l/s würde eine Verweigerung der Einleitung von 8.3 l/s zudem unverhältnismässig
erscheinen. Mit dem Retentionsbecken von 86 m3 und dem neu geplanten Notüberlauf auf
die Nachbarparzelle Nr. H._ erscheint die Entwässerung daher als genügend. Die
Beschwerdeführerin bringt vor, mit dem Notüberlauf auf das Grundstück Nr. H._ –
für welches bereits heute eine teilweise Wassergefährdung bestehe – erhöhe sich die
Gefahr einer "Sumpflandschaft", welche sich bis zur Liegenschaft der Beschwerdeführerin
27 Vgl. dazu auch die "Überprüfung der Retentionsberechnung" durch die Firma Holinger gemäss Memo vom 31.01.2019 (Beilage zum Schreiben vom 4. Februar 2019). 28 Memo vom 31.01.2019 (Beilage zum Schreiben vom 4. Februar 2019)
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erstrecke. Die Liegenschaft der Beschwerdeführerin befindet sich weder im noch direkt
neben dem Gefahrengebiet, daher erscheint eine zusätzliche Gefährdung derselben nicht
als wahrscheinlich. Die Beschwerdeführerin beruft sich zudem auf Art. 6 Abs. 3 des GBR29,
ohne konkret etwas daraus abzuleiten. Es ist auch nicht erkennbar, inwiefern diese Norm
ihren Standpunkt stärken könnte. Die Detailprojektierung des Notüberlaufs wurde
vorliegend nicht geprüft und hat gemäss der Schweizer Norm SN 592000 "Anlagen für die
Liegenschaftsentwässerung - Planung und Ausführung" (VSA/suissetec 2012) zu erfolgen.
Da nur die Einleitung von 8.3 l/s baubewilligt ist, darf – entgegen dem am 21. März 2019
eingereichten Plan "Detail Versickerungsmulde" – kein Notüberlauf in die Meteorleitung
erfolgen und es muss gewährleistet sein, dass der Notüberlauf einzig auf die Parzelle
Nr. H._ erfolgt.
g) Zusammengefasst ist festzuhalten, dass die Einleitung von 8.3 l/s trotz bestehenden
Kapazitätsengpässen vertretbar erscheint und der Beschwerdegegner mit dem
Retentionsbecken von 86 m3 und dem neu geplanten Notüberlauf auf die Nachbarparzelle
Nr. H._ genügend Rückhaltemassnahmen vorsieht. Der Sachverhalt scheint
hinreichend geklärt, weshalb kein zusätzliches Gutachten mehr einzuholen ist. Der
entsprechende Beweisantrag wird daher abgewiesen. Die Beschwerde wird damit insoweit
gutgeheissen, als bezüglich der Retentionsmulde zusätzlich ein Notüberlauf auf die
benachbarte Wiese errichtet wird. Soweit weitergehend, wird die Beschwerde auch in
diesem Punkt abgewiesen.
6. Verfahrenskosten
a) Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'800.--
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV30).
b) Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
29 "Für Parz. Nr. H._ gilt eine Schutzkote von 574.50 Meter, es dürfen keine hochwassersensiblen Bauteile wie Einfahrten oder Gebäudeöffnungen unterhalb dieser Kote liegen. Im Baubewilligungsverfahren muss nachgewiesen werden, dass die Entwässerung der nördlich angrenzenden Parzellen gewährleistet bleibt." 30 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Im vorliegenden Verfahren hat der Beschwerdegegner der grundsätzlichen Kritik
der Beschwerdeführerin bezüglich der Entwässerung Rechnung getragen und zusätzlich
einen Notüberlauf auf die Nachbarparzelle geplant. Insoweit gilt er teilweise als
unterliegend. Die Beschwerdeführerin erachtet die Entwässerung jedoch auch weiterhin als
ungenügend31. Deshalb erscheint es gerechtfertigt, der Beschwerdeführerin Fr. 1'200.--
und dem Beschwerdegegner Fr. 600.-- Verfahrenskosten aufzuerlegen.
c) Die Kostennoten der Anwälte geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Von den
Parteikosten der Beschwerdeführerin von total Fr. 5'767.35 hat der Beschwerdegegner
einen Drittel, also Fr. 1'922.45, zu tragen. Die Beschwerdeführerin hat dem
Beschwerdegegner zwei Drittel seiner Parteikosten von total Fr. 2'936.20, mithin Fr.
1'957.50, zu bezahlen.