# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a6200baa-3f8c-4ff3-af1d-4a15158c4f69
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, meldete sich am 15. November 2004 unter Hinweis auf psychische Beschwerden bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 10/3).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, sprach ihr mit Verfügung vom 13. Oktober 2005 bei einem Invaliditätsgrad von 50 % eine halbe Rente ab 1. November 2003 zu (Urk. 10/23).
Mit
Mitteilungen vom 17. Januar 2007 (Urk. 10/36) und 21. Juli 2011 (Urk. 10/48)
teilte die IV-Stelle der Versicherten mit, der Rentenansp
ruch sei un
verändert.
Eine Anmeldung zum Bezug von
Hilflosenentschädigung
wurde mit Verfügung vom 9. November 2011 abgewiesen (Urk. 10/53).
1.2
Nach Eingang eines am
23. August 2016
ausgefüllten Revisionsfragebogens (Urk.
10/55
) holte die IV-Stelle unter anderem bei
Dr. med.
A._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ein Gutachten
ein, das am
10. Mai 2017
erstattet wurde (Urk.
10/69
). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 10/71; Urk. 10/78
)
hob die IV-Stelle mit Verfügung vom
25. September 2017
die bisher ausgerichtete Rente auf (Urk.
10/81
= Urk. 2).
2.
2.1
Die Versicherte erhob am
25. Oktober 2017
Beschwerde gegen die Verfügung vom
25. September 2017
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei
ihr weiterhin die bisherige Rente auszurichten. Eventuell sei ein psychiatrisches Gut
achten einzuholen oder die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk.
1 S.
2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
21. Dezember 2017
(Urk.
9
) die Abweisung der Beschwerde.
2.2
Mit Gerichtsverfügung vom
12. April 2018
wurden antragsgemäss (vgl. Urk.
1
S. 2
) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt
sowie
ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (Urk. 12).
Mit Replik vom 9. Mai 2018 (Urk. 13) hielt die Beschwerdeführerin an ihren An
trägen fest. Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung einer Duplik (Urk. 15).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vor
liegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheit
lichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_12
5/2015 vom 1
8.
November 2015 E.
5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1
IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnos
e voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396 E.
5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist je
doch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7,
139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E.
4c, je
mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs.
2 ATSG).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision
gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zuspre
chung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenan
spruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Ände
rung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Fer
ner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Ände
rung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kon
text unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurte
ilungen besteht (BGE 141 V 9 E.
2.3 mit Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Aufhebung der bisher ausgerichteten halben Rente in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2) damit, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin gestützt auf das eingeholte psychiatri
sche Gutachten verbessert habe und
der Beschwerdeführerin seit April 2017 eine Tätigkeit im Umfang von 70 % zumutbar sei (S. 1 f.).
In der Beschwerdeantwort (Urk. 9) begründete sie – näher dargelegt – den Revi
sionsgrund und den Zeitpunkt
.
Sie machte geltend, f
ür den Fall des Fehlens eines Revisionsgrundes wäre eine Wiedererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG zu prü
fen (S. 1 ff.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1), auf das
Gutachten könne aus näher dargelegten Gründen (S. 8 ff.) nicht
abgestellt werden, da sich ihr Gesundheitszustand nicht verbessert habe. Damit bestehe ein weiterhin unveränderter Gesundheitszustand, weshalb mit der Rentenkürzung
Art. 17 ATSG verletzt werde (S. 12). Schliesslich sei sie nie zu einem Gespräch betreffend Eingliederungsmassnahmen eingeladen worden, welche notwendig seien, da sie fast 15 Jahre lang eine IV-Rente bezogen habe und aus alleiniger Kraft eine Selbsteingliederung unmöglich sei (S. 12 am Schluss).
Replicando
(Urk. 13) führte sie nochmals aus, dass
sich
s
eit der letzten Rentenre
vision
k
eine gesundheitliche Verbesserung eingestellt habe
(S
.
3 Ziff. 5)
und
dass sie
das Vorliegen der Voraussetzungen der Wiedererwägung
bestreite
(S.
3
f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht von einem ver
besserten Gesundheitszustand ausging und die bisherige
halbe
Rente einstellte.
3.
3.1
Die ursprüngliche
Rentenzusprache
stützte sich im Wesentlichen auf den Arztbe
richt von Dr. med.
B._
, Fachärztin
für Psychiatrie und Psy
chotherapie, vom 18. Januar 2005 (Urk. 10/13). Diese diagnostizierte
bei
der Beschwerdeführerin
die
Entwicklung einer Anpassungsstörung (ICD-10 F43.21) nach dem Unfalltod ihres 17-jährigen Sohnes am 27. Oktober 20
0
1 (pathologi
sche Trauerreaktion) und erachtete
sie
seit dem Todesdatum für vollständig arbeitsunfähig (S. 1).
In einer behinderungsangepassten Tätigkeit bestehe ab 19. Juni 2003 eine halbtägige Arbeitsfähigkeit (S. 5).
Sie
führte aus, seit dem Unfalltod des Sohnes habe sich das Leben der Beschwer
deführerin vollständig verändert. Im Vordergrund der psychiatrischen Sympto
matik stehe ein Vermeiden von Aktivitäten, die Erinnerungen an den Verlust wachrufen (z.B. Zugfahren, Gehen zum Bahnhof Oerlikon, Aufenthalt an Orten, an denen sie Freunde ihres Sohnes begegnen könnte). Zusätzlich bestünden Einschlaf- und Durchschlafstörungen sowie Konzentrationsstörungen und eine ver
mehrte Vergesslichkeit, die sie vor dem Unfalltod ihres Sohnes nicht gekannt habe (S. 2).
3.2
3.2
.1
Den
Verlauf nach der
Rentenzusprache
betreffend liegen die folgenden medizini
schen Berichte vor:
Im Rahmen der im September 2006 eingeleiteten Rentenrevision (vgl. Urk. 10/3
3
)
berichtete Dr. med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychothera
pie, am 27. November 2016 der Beschwerdegegnerin (Urk. 10/34/3-5). Er nannte als Diagnosen eine posttraumatische Belastungsstörung (ICD-1
0 F43.1) sowie eine Adipositas, welche zwar eine mässige Einschränkung der körperlichen Leistungs
fähigkeit bedinge, jedoch für die grundsätzliche Beurteilung nicht ausschlagge
bend sei (S. 1 oben). Seit November 2005 bis heute seien zirka 2-3 wöchentliche Gesprächstermine durchgeführt worden. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin im Denken und Fühlen weitgehend auf den jetzt fünf Jahre zurückliegenden Unfall
tod ihres damals 17-jährigen Sohnes eingeschränkt. Die Schwere und Länge der Symptomatik rechtfertige die Diagnose einer schweren posttraumatischen Belas
tungsstörung (S. 1 Mitte). Der Unfalltod des Sohnes, welcher von einem Zug er
fasst worden sei, habe die Beschwerdeführerin plötzlich und vor allem anhaltend in einen Zustand der Trauer, Lähmung und Ängstlichkeit versetzt. Ihre psychische Belastbarkeit zeige sich massiv reduziert (S. 1 unten).
Die Beschwerdeführerin sei durch ihre posttraumatische Belastungsstörung hoch
gradig behindert. Inwieweit zusätzlich
aggravierende
Momente vorhanden seien, sei bei der Komplexität des Falles nur schwer zu beurteilen. Die bisherigen thera
peutischen Bemühungen hätten leider keinen signifikanten Rückgang der Symp
tome bewirken können. Aus derzeitiger Sicht liege keine verwertbare Arbeitsfä
higkeit vor
, mithin
bestehe eine vollständige Arbeitsunfähigkeit. Um doch noch eine verwertbare Arbeitsfähigkeit zu erzielen, sei die weitere Beurteilung durch einen auf Psychotrauma spezialisierten Psychiater empfohlen (S. 3).
3.2.2
Dr. med.
D._
vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD) der Beschwerde
gegnerin entnahm dem Bericht des behandelnden Dr.
C._
im Wesentlichen unveränderte Befunde, weshalb er in seiner Stellungnahme vom 12. Januar 2007 die Restarbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in der angestammten und lei
densangepassten Tätigkeit als Putzfrau weiterhin im Umfang von 50 % festsetzte (Urk. 10/35 S. 2).
3.2.3
Auf Zuweisung von Dr.
C._
erfolgte am 22. Oktober 2010 durch die Ärzte des Universitätsspitals
E._
, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, eine psychiatrische Beurteilung. Mit Bericht vom 27. Oktober 2010 (Urk. 10/44/11-14) diagnostizierten die Ärzte eine komplizierte Trauerstörung (ICD-10 F43.9) sowie eine rezidivierende Depression, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1). Sie führten aus, im Vordergrund der aktuellen Beschwer
den stehe
die ständig
e Trauer um den vor
5
(richtig: 9)
Jahren
verunglückten Sohn. Die Beschwerdeführerin
denke jeden Tag an ihn, könne nicht akzeptieren, dass ihr damals 17-jähriger, ältester Sohn plötzlich aus dem Leben gegangen
sei
.
Sie mache sich für seinen Tod verantwortlich. Ihr Mann habe sie verlassen, ihre Tochter sei aus dem Haus ausgezogen. Aufgrund der anhaltenden Trauerreaktion und der damit verbundenen Stimmungsschwankungen und Müdigkeit, bleibe die Beschwerdeführerin zu Hause und kümmere sich lediglich um ihre 10-jährigen Zwillinge (S. 1).
Im Kontakt sei die Beschwerdeführerin freundlich zugewandt.
Aufmerksamkeit, Auffassung und mnestische Funktionen seien unauffällig, die Konzentrationsfähigkeit subjektiv eingeschränkt. Es bestünden keine Hinweise auf Wahn, keine Halluzinationen oder Ich-Störungen. Die Beschwerdeführerin schildere häufiges Weinen und starke Stimmungsschwankungen. Der Antrieb
sei
vermindert, die Psychomotorik leicht verlangsamt. Es bestünden Schlafstörungen mit Ein- und Durchschlafstörungen ohne Al
b
träume (S. 1 am Schluss), hingegen keine Anhaltspunkte für eine posttraumatische Belastungsstörung (S. 4).
3.2.4
Im Rahmen der im Februar 2011 eingeleiteten Rentenrevision erachtete Dr.
C._
den Gesundheitszustand der Beschwerdeführ
erin
als unverändert (Urk. 10/40 Ziff. 1.1). Mit Bericht vom 9. April 2011 (Urk. 10/44
/5-10
) führte er aus, die Beschwerdeführerin leide an einer komplizierten Trauerstörung (ICD-10 F43.9) sowie an einer rezidivierenden depressiven Störung (ICD-10 F33). Sie
sei
von 2005 bis April 2008 in seiner Behandlung gewesen und habe ihn im Septem
ber 2010 in mittelgradig depressivem Zustand mit Suizidgedanken
wieder aufge
sucht
. Aufgrund des Arztberichtes des
E._
vom 27. Oktober 2010 (vgl. vorstehend E. 3.2.3) müsse neben der Trauerreaktion von einer rezidivierend de
pressi
ven Störung ausgegangen werden, die zumindest im Herbst 2010 mittelgra
dige Ausprägung gezeigt habe
(Ziff. 1.4).
Als Reinigungsmitarbeiterin bestehe eine 50%ige Arbeitsfähigkeit (Ziff. 1.6), wobei die aktuelle Arbeitsfähigkeit nicht ein
schätzbar sei. Aufgrund der langen Arbeitsabs
tinenz
werde die Arbeitsfähig
keit wohl nur über einen Arbeitsversuch/Belastungsversuch gena
uer bestimmbar sein (Ziff. 1.7), was auch für die
Arbeitsfähigkeit in einer behinderungsangepass
ten Tätigkeit
gelte, da d
ie vormalige Tätigkeit behinderungsangepasst
sei
(Ziff. 1.7). Mit gezielter Weiterführung der Therapie könnte die Arbeitsfähigkeit verbessert werden (Ziff. 1.8).
3.2.5
Die Ärzte der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am
E._
beantworteten den Fragebogen der Beschwerdegegnerin zur Rentenrevision am 4. Juli 2011 (Urk. 10/46).
Als Diagnose nannten sie rezidivierende Depressionen, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), bestehend seit 2005
sowie einen Zustand nach einer komplizierten Trauerstörung bei plötzlichem Tod des ältesten Sohnes im Jahr 2005
(richtig: 2001;
ICD-10 F43.9; Ziff. 1.1).
Sie hätten im Oktober 2010 mit der dolmetscherunterstützten Behandlung der komplizierten Trauer bei kognitiv-
behavioralen
Ansatz begonnen. Am 14. Juni 2011 habe diese Therapie er
folgreic
h abgeschlossen werden können. Eine
weitere ambulante psychiatrische Behandlung mit dem Schwerpunkt auf die Depression und auf die interpersonel
len Probleme erscheine angezeigt. Erneut sollten unterstützende medikamentöse Massnahmen evaluiert werden (Ziff. 1.5).
Während der Behandlung am
E._
sei von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit a
usz
ugehen (Ziff. 1.6).
Bei der Beschwerdeführerin liege eine mittelgradige Depression mit somatischen Symptomen vor. Als Einschränkung
en
resultierten daraus insbesondere erhöhte Ermüdbarkeit, eine deutlich reduzierte körperliche und psychische Belastbarkeit, Konzentrationsstörungen, Ein- und Durchschlafstörungen, Ängste und sozialer Rückzug. Bereits bei leichter Tätigkeit komme es rasch zu einer starken Zunahme der Beschwerden. Durch die Konzentrationsstörungen und erhöhte Ermüdbarkeit könne es zu Fehlern beim Ausführen von Aufgaben kommen. Aus psychiatrischer Sicht sei zu erwarten, dass die Etablierung eines 50%igen Pensums gelingen könnte, wobei dringend empfohlen sei, das Arbeitspensum kleinschrittig aufzu
bauen
. Eine Steigerung der Leistungsfähigkeit über das 50%ige Arbeitspensum hinaus erscheine realistisch
(Ziff. 1.7
und Ziff. 1.8
).
4.
4.1
Im vorliegenden Revisionsverfahren sind die folgenden
relevanten
medizinischen Berichte aktenkundig:
4.2
Am 28. November 2016 (Urk. 10/60) berichtete Dr.
C._
der Beschwerde
gegnerin (Urk. 10/60). Er stellte die unveränderte Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung und einer komplizierten Trauerstörung (
Ziff.
1.1). Die Beschwerdeführerin stehe seit Februar 2008 in seiner fachärztlichen Behandlung. Nach der
Traumabehandlung
im
E._
im Jahr 2010/2011 sei die ambulante Be
handlung zuerst höher- dann niederfrequent weitergeführt worden. Im Jahr 2012 hätten drei, im Jahr 2013 zwei, im Jahr 2014 zwei, im Jahr 2015 eine und im Jahr 2016 bisher eine Konsultation stattgefunden (
Ziff.
3
).
Die
Symptomatik umfasse einerseits ein depressives Residuum mit reduzierter Grundstimmung, hoher Affektlabilität mit überschiessender Affektäusserung (von
dysphorisch
bis verzweifelt-weinerlich), ausgeprägte Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörung (
alltagsbehindernder Ausprägung), a
ndererseits als Resi
dualzustand der komplizierten Trauerreaktion eine hochgradige
Fixiertheit
auf die Sicherheit der 15-jährigen Zwillinge. Dies äussere sich in anhaltende Sorge um deren Wohlergehen, lückenloses, fas
t
ihre gesamte Energie absorbierendes Beaufsichtigungsverhalten sowie sehr enge Vorgaben, wie die Zwillinge sich im Alltag zu verhalten hätten. Die Beschwerdeführerin sei dadurch im Lebensvollzug deutlich eingeschränkt, da sowohl mentale, wie auch emotionale
Funktionen nachhaltig gestört seien und ihr Alltags
verhalten nachhaltig triggerten
.
Es be
stehe eine ausgeprägte Restsymptomatik, die auch die Arbeitsfähigkeit deutlich beeinträchtige. Es sei davon auszugehen, dass die aktuelle Arbeitsfähigkeit von 50 % nicht verbessert werden könne (
Ziff.
3).
4.3
Dr.
A._
erstattete ein psychiatrisches Gutachten am 10. Mai 2017 gestützt auf die Akten sowie die Untersuchungen der Beschwerdeführerin vom 21. April 2017 (Urk. 10/69). Er nannte als Diagnose eine rezidivierende depressive Erkran
kung, gegenwärtig mittelgradig (ICD-10 F33.10), ohne somatisches
Syndrom (S. 18). Er schloss – näher ausgeführt – eine posttraumatische Belastungsstörung mangels Vorliegens des Katastrophenkriteriums und von Flashbacks aus (S. 18 am Schluss). Ebenso sei die nicht näher bezeichnete Trauerreaktion als Sammel
becken ungewöhnlicher Reaktionen zu sehen.
Eine konkrete Diagnose sei damit nicht verbunden. Bei ICD-10 finde sich dies ohne nähere Bezeichnung und ohne diagnostische Kriterien. Eine solche ICD-10-Diagnose sei daher aufgrund fehlen
der Spezifikationen weder widerlegbar noch diagnostizierbar. Sie sei frei wählbar und durchaus als Möglichkeit diese
r
Symptomatik zu sehen (S. 19 oben).
Zum psychischen Befund führte der Gutachter aus, die
Beschwerdeführerin gebe selber Antriebsstörungen, Traurigkeit und Überforderung an. Sie selber nehme an sich verminderte Konzentrations- und Aufmerksamkeitsfähigkeit wahr. Innerhalb der neuropsychologischen Untersuchung finde sich eine dem Niveau der Schul
bil
dung angepasste neuropsychologische Funktionsfähigkeit. Es fänden sich phobisch anmutende Ängste bezüglich der potenziellen Verletzung der Kinder. Es komme auch zu einer teilweise kognitiven Verzerrung bezüglich der eigenen Schuldgefühle und Gefühlen von Wertlosigkeit. In
s
gesamt fände
n
sich Hinweise für eine rezidivierende depressive Erkrankung, die jedoch kein
somatisches Syn
drom aufzeige
. Bei der mittelgradigen depressiven Episode fänden sich die typi
schen depressiven Symptome in einer mittelgradigen Ausprägung (S. 19 Mitte).
Des Weiteren sei eine spezifische isolierte Phobie nicht ableitbar, ebenso fänden sich weder eine Angststörung noch eine Panikstörung mit schweren Angst
at
tacken ohne spezifische Situation. Die Beschwerdeführerin bekomme Angst, wenn sie – wenn die Kinder nicht im Hause seien – die Sirenen eines Sanitäts
wagens höre. Dies sei eine so seltene Begebenheit, dass dies nicht als isolierte Phobie diagnostizierbar
sei
(S. 19 am Schluss).
Zum sozialen Kontext wies der Gutachter unter anderem darauf hin, dass die Beschwerdeführerin weder lesen noch schreiben könne. Aktuell lerne sie Hoch
arabisch. Es sei zu einer schweren psychosozialen Belastungssituation mit dem Tod des Sohnes gekommen. Eindeutig sei nunmehr eine pathologische Reaktion darauf, die weit über eine normale psychosoziale Belastungssituation hinausgehe. Die Beschwerdeführerin habe sich selber als Ressourcen ihre Kinder strukturiert. Zusätzlich gebe sie an, ihr Psychiater sei für sie eine Hoffnung und Stütze.
Es bestehe ein freundschaftlicher Kontakt mit ihrem ehemaligen Ehemann. Die Ver
kehrsfähigkeit sei nicht eingeschränkt, für Einkäufe in den Coop und Migros so
wie auch für Spaziergänge verlasse sie das Haus.
Nachmittags würde sie meistens
Hocharabisch lernen.
Einschränkungen im Waschen, Kochen, Einkaufen und Putzarbeiten lägen keine vor.
Es komme jedoch zu erheblicher fehlender Compliance bezüglich Einnahme der Medikation. Es fehle jegliche Motivation zur Reintegration. Sie selber gehe davon aus, dass sie eine ganze
IV-Rente benötigen würde (S. 15
f
f
.).
Zur Frage der Konsistenz führte der Gutachter aus, grundsätzlich
finde
sich
eine
ähnliche Symptomatik
basierend auf der Aktenlage. Die Wertung, dies als
Traumafolgestörungen
zu sehen, sei aktuell nicht mehr rechtfertigbar. Der Grad der Symptomatik werde jedoch auch im letzten Befundbericht als deutlich gebes
sert angesehen. Die eigene Ansicht breche erheblich mit den möglichen Alltags
aktivitäten. Die Beschwerdeführerin fordere für sich eine vollständige Arbeitsun
fähigkeit ein. Im Gegensatz hierzu zeig
ten
sich in den Alltagsaktivitäten keinerlei Einschränkungen (S. 24).
Im Vergleich zum Zustandsbild
von
2011 finde sich eine deutliche Besserung. Es sei daher von einem gebesserten Gesundheitszustand auszugehen. Auch die Aus
wirkungen auf die Arbeitsfähigkeit würden daher anders beurteilt. Es
sei
nicht von einer anderen Beurteilung des gleichen Sachverhaltes auszugehen. Aktuell bestehe bei der Beschwerdeführerin eine 70%ige Arbeitsfähigkeit
im angestamm
ten Beruf als Reinigungskraft. Eine angepasste Tätigkeit ergebe keine höhere Arbeitsfähigkeit, da die Tätigkeit als Reinigungskraft wegen
geringgradiger
An
forderung bezüglich kognitiver und interaktioneller Fähigkeite
n als ideal ange
passt gelte. Der behandelnde Psychiater gebe ein Befundbild nachweisbar ab November 2016 zu einer deutlich erhöhten Arbeitsfähigkeit an, jedoch gehe dieser von einer aktuellen Arbeitsfähigkeit von 50 % und von keiner therapeutischen Besserungsfähigkeit aus.
Hingegen finde sich im Untersuchungszeitpunkt des
E._
im Jahr 2011 gemäss psychiatrischer und psychotherapeutischer Ansicht eine 50%ige Arbeitsfähigkeit mit deutlicher Verbesserungsmöglichkeit.
Zudem fehle es an einer adäquaten Psychopharmaka
-
therapeutischen Betreuung, da nur ein einziges antidepressiv wirksames Medikament verordnet worden sei.
Nur sehr begrenzt aussagekräftig seien die anamnestischen Angaben der Beschwerdefüh
rerin. Sie selber gehe davon aus, vollständig arbeitsunfähig zu sein (S. 29 f. mit Verweis auf S. 28).
4.4
RAD-Ärztin Dr. med.
F._
erachtete in ihrer Stellungnahme vom 7. Juni 2017 (Urk. 10/70 S. 3 f.) das eingeholte Gutachten von Dr.
A._
aus versi
cherungsmedizinischer Sicht als nachvollziehbar
;
es sei darauf abzustellen.
4.5
Dr. med.
G._
, Facharzt für Allgemeine
Innere
Medizin, erachtete in seiner Beurteilung vom 9. Juli 2017 den Rentenrevisionsentscheid der Beschwer
degegnerin für unangebracht. Seit dem Tod ihres Sohnes stehe die Beschwerde
führerin mit Unterbrüchen unter einer medikamentösen Therapie mit Citalopram 20 mg und seit März 2015 mit
Remeron
30 mg. In den gesamten 15 Jahren sei sie von keinem behandelnden Arzt zu mehr als 50 % arbeitsfähig erachtet wor
den. Die Beurteilung einer 70%igen Arbeitsfähigkeit durch Dr.
A._
nach einer einmaligen Exploration sei für ihn in keiner Weise nachvollziehbar und basiere nach seinem Dafürhalten nicht auf einer gewissenhaften Beurteilung der Anamnese und Gewichtung der Behandlung durch die ärztlichen Kollegen (Urk. 10/77/4).
4.6
Dr.
C._
verfasste am 30. Juni 2017 einen ärztlichen Bericht (Urk. 10/77). Darin wies er auf eine ausgeprägte Restsymptomatik hin, welche auch die Arbeitsfähigkeit beeinträchtige und
deren Erhöhung
über die attestierten 50 % nicht möglich sei (S. 1). Falsch sei das psychiatrische Gutachten hinsichtlich der durchgeführten
Psychopharmakatherapie
. Eine solche sei – näher ausgeführt – durchaus durchgeführt worden und eine erneute
Pharmakabehandlung
dürfte
das Ergebnis nicht verbessern, da die Beschwerdeführerin doch über mehrere Jahre antidepressiv
mediziert
gewesen sei
, ohne dass dadurch die Symptomatik nam
haft
habe
beeinflusst werden können (S. 2 f.). Es sei für ihn nicht nachvollziehbar, dass neu eine Arbeitsfähigkeit von 70 % vorliegen soll (S. 3). Schliesslich sei auch die postulierte Ablehnung jeglicher Eingliederungsmassnahmen durch die Beschwerdeführerin zu hinterfragen.
In einem vertrauensvollen und motivations
fördernden Gespräch mit einem Eingliederungsberater der IV hätte sich ein an
deres Ergebnis gezeigt (S. 3 am Schluss).
5.
5.1
Im Folgenden ist zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin
der Beschwerdeführerin die
halbe
Invalidenrente zu Recht
aufgehoben
hat
.
5.2
Als Vergleichsbasis für die Beurteilung der Frage, ob bis zum Abschluss eines Rentenrevisionsverfahrens eine anspruchsrelevante Änderung des Invaliditäts
grades eingetreten ist, dient die letzte rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruches mit rechtskonformer Sachverhaltsab
klärung, Beweiswürdigung und – bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswirkungen eines Gesundheitsschadens – Durchführung eines Einkommensvergleichs beruht (BGE 133 V 108 E. 5.4). Eine Revisionsverfügung gilt dann als Vergleichsbasis, wenn sie die ursprüngliche Rentenverfügung nicht bestätigt, sondern die laufende Rente aufgrund eines neu festgesetzten Invalidi
tätsgrades geändert hat. Dabei kommt einer Verfügung, welche die ursprüngliche
Rentenverfügung
bloss
bestätigt, bei der Bestimmung der zeitlichen Vergleichs
basis keine Rechtserheblichkeit zu (vgl. BGE 109 V 262 E. 4a; 130 V 71 E. 3.2.3).
Dies gilt im vorliegenden Fall mit B
lick auf die Mitteilungen vom 17. Januar 2007 (Urk. 10/36)
und
21. Juli 2011 (Urk. 10/48)
, mit denen die
halbe
Invalidenrente jeweils bestätigt wurde.
Vor allem auch und entgegen der Ansicht der Beschwer
deführerin (vgl. Urk. 13 S. 2) aus dem Grund, dass hinsichtlich der Rentenrevision im Jahr 2011 nicht einmal
der
RAD der Beschwerdegegnerin zur medizinischen Sachlage Stellung genommen hat.
Als Vergleichsbasis kommt damit die Verfü
gung vom
13. Oktober 2005
in Betracht, mit
welcher
der Beschwerdeführerin mit Wirkung ab
1. November 2003
eine
halbe
Invalidenr
ente zugesprochen wurde (Urk. 10/23
).
5.3
5.3.1
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE
140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlau
ben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V
281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist dabei als Indiz in die ge
samthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung miteinzubeziehen (BGE
143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüs
sig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
5.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.4
Der Gutachter hat die heute
massgebenden
Standardindikatoren (
vgl. vorstehend E. 5
.
3.2
) in seine Beurteilung weitestgehend einbezogen. So hat er sich einlässlich mit den diagnoserelevanten Befunden und deren Ausprägung auseinandergesetzt, ebenso mit dem Behandlungserfolg, der - wenn auch (noch) nicht im an sich möglichen Umfang
–
aufgrund fehlender stattfindender adäquater Psychophar
makotherapie eingetreten ist.
Zum Aspekt der Persönlichkeit und der persönli
chen Ressourcen wies er insbesondere
bei gebessertem Befund
auf die fehlende Motivation zur Eingliederung hin,
und den sozialen Kontext betreffend wies er nam
entlich darauf hin, dass die Beschwerdeführerin über keinerlei Schulbildung verfügt, nun aber Hocharabisch lernt
,
freundschaftliche
n
Kontakt zu ihrem Ehe
mann pflegt
und für Spaziergänge sowie für Einkäufe in die Migros und Coop
ausser
Haus geht
und die öffentlichen Verkehrsmittel ohne Einschränkung nutzen kann.
Schliesslich
äusserte
er sich auch zur Konsistenz, und zwar unter Hinweis auf festgestellte Diskrepanzen
.
Zu nennen ist hier
vor allem seine
Feststellung, dass
in den Alltagsaktivitäten keinerlei Einschränkungen bestehen
.
Schliesslich
ist auch die Bestimmung der Arbeitsunfähigkeit so erfolgt, dass sie sich gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) ergibt.
5.5
Nachdem sich der Gutachter in seiner Beurteilung (auch) an den Standardindika
toren orientiert hat, ist die von der Rechtsanwendung zu prüfende Frage, ob er sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten und das Leistungsvermögen in Berücksichtigung der einschlägigen Indikatoren einge
schätzt hat (BGE 141 V 281 E. 5.2.2), klar zu bejahen. Die funktionellen Auswir
kungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage las
sen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit nachweisen. Somit ist betreffend die Diagno
sen wie auch hinsichtlich der Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten abzustellen
, welches auch sonst die Anforderungen an ein beweistaugliches Gutachten erfüllt (vgl. vorstehend E. 1.4).
Die Richtigkeit des Gutachtens zeigt sich auch im Umstand, dass bereits die Ärzte des
E._
im Juli 2011 eine Steigerung der Leistungsfähigkeit über das 50%ige Arbeitspensum hinaus
als
realistisch erachteten (vgl. vorstehend E. 3.2.5) sowie in der Feststellung, dass im Jahr 2015 und 2016 jeweils nur eine Konsultation beim Behandler stattgefunden hat (vgl. vorstehend E. 4.2), wa
s
auf einen wenig ausgeprägten Leidensdruck hinweist.
5.6
Dem stehen die in der Beschwerde (Urk. 1
S. 9 ff.
) genannten Kritikpunkte nicht entgegen. Namentlich den Ausführungen betreffend Befunde und psychische Ein
schrän
kungen kann nicht gefolgt werden.
So legte der Gutachter
(vgl. vorstehend E. 4.3)
nachvollziehbar und schlüssig dar, weshalb eine gesundheitliche
Verbes
serung stattgefunden hat
und keine andere B
eurteilung eines im Wesentlichen gleichgebliebenen Sachverhaltes vorliegt.
Auch
führen
die Einwände der behandelnden Ärzte
zu keinen abweichenden Schlussfolgerungen
, zumal es sich bei Dr.
G._
um keinen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
handelt (vgl. vorstehend E. 4.5
) und die Berichte von Dr.
C._
(vgl. vorstehend E. 3.2.1, E. 3.2.4, E. 4.2 und E. 4.6)
aufgrund seiner auftragsrechtlichen Vertrauensstellung zur Beschwerdeführerin zurückhal
tend zu gewichten sind (BGE 125 V 351 E. 3b/cc; Urteil des Bundesgerichts 8C_787/2013 vom 14. Februar 2014 E. 3.3.2 mit weiteren Hinweisen
; vgl. auch BGE 135 V 465 E. 4.
5
), was sich exemplarisch auch darin zeigt, dass er der Be
schwerdeführerin die Wohnung besorgte, mit den Kindern und den Sozialbehör
den redet, ja sogar bei Schwierigkeiten oder Problemen sofort benachrichtigt wird (Urk. 10/69 S. 12 Mitte).
5.7
Somit steht der medizinische Sachverhalt dahingehend fest, dass die
Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin krankheitsbedingt in dem gutachterlich attestier
ten Umfang (vgl. vorstehend
E
. 4.3
) eingeschränkt ist, mithin in der angestamm
ten Tätigkeit und anderen Hilfstätigkeiten des freien Arbeitsmarktes um
3
0 %.
Im Vergleich zum Sachverhalt im Zeitpunkt der ursprünglichen
Rentenzusprache
(
vgl. vorstehend E.
3.1)
wie auch im Zeitpunkte der letzten Rentenrevision (vgl. vorstehend E. 3.2.3 ff.)
ist nunmehr eine deutlich höhere Arbeitsfähigkeit ausge
wiesen. Dies ist eine Veränderung, welche einen Rev
isionsgrund (vgl. vorstehend E.
1.3
) darstellt.
Bei diesem Ergebnis erübri
gen sich Weiterungen zu einer
wie von der Beschwer
degegnerin mit Beschwerdeantwort vom 21. Dezember 2017 vorgebrachten Wie
dererwägung nach Art. 53 Abs. 2 ATSG
respektive zweifellosen Unrichtigkeit der
Rentenzusprache
(Urk. 9 S. 2).
6.
6.1
Zu prüfen bleibt, wie sich das Leistungsvermögen der Beschwerdefüh
r
erin in wirt
schaftlicher Hinsicht auswirkt.
6.2
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des E
inkom
mensvergleichs gemäss Art. 28a Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hy
pothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese
Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts 8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
6.3
Da der Beschwerdeführerin die angestammte Tätigkeit
gemäss
Gutachten noch zu 70 % zumutbar ist, kann rechnerisch ein Prozentvergleich vorgenommen werden. Eine möglichst genaue Bezifferung und Gegenüberstellung der beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen, um aus der Einkommensdifferenz den Invaliditäts
grad bestimmen zu können, erübrigt sich somit. Der Invaliditätsgrad entspricht mithin der attestierten Arbeitsunfähigkeit von 30 %.
6.4
Im Regelfall ist eine medizinisch attestierte Verbesserung der Arbeitsfähigkeit auf dem Weg der Selbsteingliederung zu verwerten. Nach langjährigem Rentenbezug können ausnahmsweise Erfordernisse des Arbeitsmarktes der Anrechnung einer medizinisch vorhandenen Leistungsfähigkeit und medizinisch möglichen Leis
tungsentfaltung entgegenstehen, wenn aus den Akten einwandfrei hervorgeht, dass die Verwertung eines bestimmten Leistungspotenzials ohne vorgängige Durchführung befähigender Massnahmen allein vermittels Eigenanstrengung der versicherten Person nicht möglich ist. Diese Rechtsprechung ist grundsätzlich auf Fälle zu beschränken, in denen die (revisions- oder wiedererwägungsweise) Her
absetzung oder Aufhebung der Invalidenrente eine versicherte Person betrifft, welche das 55. Altersjahr zurückgelegt oder die Rente seit mehr als 15 Jahren bezogen hat. Die Übernahme der beiden Abgrenzungskriterien (vgl.
lit
. a
Abs.
4 der Schlussbestimmungen der Änderung vom 1
8.
März 2011 [
6.
IV-Revision, ers
tes Massnahmenpaket]) bedeutet nicht, dass die darunter fallenden Rentnerinnen und Rentner im jeweiligen revisions- (Art. 17 Abs. 1 ATSG) beziehungsweise ge
gebenenfalls wiedererwägungsrechtlichen (Art. 53 Abs. 2 ATSG) Kontext einen Besitzstandsanspruch geltend machen könnten; es wird ihnen lediglich zugestan
den, dass – von Ausnahmen abgesehen – aufgrund des fortgeschrittenen Alters oder einer langen Rentendauer die Selbsteingliederung nicht mehr zumutbar ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_39/2012 vom 24. April 2012 E. 5.1 mit Hinweisen; vgl. auch Urteile Bundesgerichts 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.4 und 9C_412/2014 vom 20. Oktober 2014 E. 3.1).
Die 1964
geborene Beschwerdeführerin bezog seit 200
3
eine
halbe
Rente und war im Zeitpunkt der Rent
enaufhebung
53
Jahre alt, weshalb sie
nicht
unter den vom Bundesgericht besonders geschützten
Bezügerkreis
fällt. Sie fühlt sich
zudem
nich
t in der Lage zu arbeiten (vgl. vorstehend E. 4.3)
, weshalb die Beschwerde
gegnerin nicht gehalten war,
Eingliederungsmassnahmen
zu veranlassen: Fehlt
es am Eingliederungswillen bzw. an der subjektiven Eingliederungsfähigkeit, so entfällt der Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen
, ohne dass zunächst ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchgeführt werden müsste (Urteil des Bundes
gerichts 8C_569/2015 vom 17. Februar 2016 E. 5.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_19/2016 vom 4. April 2016 E. 5.2.3).
D
er Beschwerdeführerin steht es indes
frei, sich bei der Beschwerdegegnerin für Unterstützungshilfe hinsi
chtlich Eingliederung zu melden, was auch aus medizi
nischer Sicht befürwortet wird (vgl. vorstehend E. 4.6).
6.5
Die Beschwerdegegnerin hat somit zu Recht eine revisionsrelevante Sachverhalt
sänderung angenommen und eine Renteneinstellung verfügt.
Die Beschwerde
gegnerin hat in Übereinstimmung mit Art. 88
bis
Abs. 2
lit
. a der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) die Rentenaufhebung auf den ersten Tag des zweiten der Zustellung der angefochtenen Verfügung vom
25. September 2017
Monats verfügt.
Die angefochtene Verfügung vom 25. September 2017 (Urk. 2) erweist sich des
halb als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV
-
Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Ver
fahrens sind sie der unterliegenden Besc
hwerdeführerin aufzuerlegen, dies unter Hinweis auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
).
7.2
D
er unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin
respektive seine fall
führende Substitutin
MLaw
Z._
wies in der eingereichten Kostennote vom 4. Juni 2018 (Urk. 17/2)
für das vorliegende Verfahren einen Aufwand von 9 Stunden und 40 Minuten à Fr. 220.
--
sowie Barauslagen von Fr. 56.50 aus.
Es entspricht durchaus der Realität, dass Rechtsanwälte von ihren Substituten unterstützt werden.
Da es sich bei der Substitutin
unbestritten
ermassen
um keine Rechtsanwältin handelt, ist deren Bestellung als unentgeltliche Rechtsvertretung nicht erlaubt (vgl. Urteile des Bundesgerichts 2C_323/2011 vom 29. August 2011 E. 2 un
d 8C_888/2011 vom 7. Mai 2012),
eine Tatsache, der
das Gericht
mit der Bestellung von Rechtsanwalt Marc
Spescha
als unentgeltlicher Rechtsvertreter Rechnung trug
(vgl. Urk. 12).
Nach Einsicht in die angepasste beziehungsweise um den Faktor «Subs
t
itution» bereinigte (vgl. Urk. 17/1) Honorarnote vom 4. Juni 2018 (Urk. 17/2) ist dem un
entgeltlichen Rechtsvertreter de
r
Beschwerdeführer
in
, Rechtsanwalt Marc
Spescha
, beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (exkl.
MWSt
) eine Entschädigung für se
inen Aufwand in Höhe von Fr. 2'3
56.70 (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zuzusprechen.