# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8ed917c1-3220-41b3-9da3-fd8f4495ffc5
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

27. Mit Schreiben vom 26. Januar 2015 ergänzt das DJSG den Sachverhalt
dahingehend, dass der Beschwerdeführer bei der Firma F._ GmbH
nur vom 1. Juli bis zum 17. Juli 2014 arbeitstätig gewesen sei, bevor er
als Gesellschafter ausgeschieden und fristlos entlassen worden sei. Per
1. Oktober 2014 habe sich der Beschwerdeführer wieder bei der
Arbeitslosenversicherung als arbeitslos zur Arbeitsvermittlung
angemeldet.
28. Der Instruktionsrichter forderte am 28. Januar 2015 beim zuständigen
Amt einen aktuellen Betreibungsregisterauszug des Beschwerdeführers
an. Diesem ist zu entnehmen, dass im Jahr 2014 gegen den
Beschwerdeführer 23 Betreibungen im Gesamtbetrag von Fr. 108'383.70
eingeleitet, 20 Pfändungen im Gesamtbetrag von Fr. 93'019.75 vollzogen
sowie 14 Verlustscheine im Gesamtbetrag von Fr. 23'325.65 ausgestellt
wurden. Zudem wurden im Betreibungsregister für den Zeitraum 2010 bis
2013 insgesamt 52 Betreibungen im Gesamtbetrag von Fr. 232'655.95,
39 Pfändungen im Gesamtbetrag von Fr. 203'971.60 sowie 27
Verlustscheine im Gesamtbetrag von Fr. 190'596.05 verzeichnet. Das
Dokument wurde den Parteien zur allfälligen Stellungnahme zugestellt.
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29. Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und in
der Verfügung sowie die im Recht liegenden Beweismittel wird, soweit
rechtserheblich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. a) Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens bildet die
Verfügung 17. November 2014, womit das DJSG eine Verlängerung der
Daueraufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und dessen
Wegweisung bis zum 31. Dezember 2014 mit der Androhung der
polizeilichen Ausschaffung bei Nichtbeachtung verfügte.
b) Beschwerdegegenstand bildet zunächst die Frage, ob das DJSG zu
Recht von einer hinreichenden Wahrscheinlichkeit ausgegangen ist, dass
der Beschwerdeführer künftig die öffentliche Sicherheit und Ordnung der
Schweiz stören wird und gestützt darauf die Verweigerung der
Verlängerung der Daueraufenthaltsbewilligung EU/EFTA geschützt hat.
Wird die hinreichende Gefährdung bejaht, ist in einem nächsten Schritt
die Verhältnismässigkeit der Wegweisung des Beschwerdeführers zu
prüfen.
2. a) Zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) gilt das
Abkommen zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits
und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten
andererseits über die Freizügigkeit (FZA; SR 0.142.112.681), worauf sich
der aus Deutschland stammende Beschwerdeführer berufen kann. Nach
Art. 2 Abs. 1 Anhang I FZA hat er das Recht, sich nach Massgabe der
Kapitel II bis IV dieses Anhangs in der Schweiz aufzuhalten und hier eine
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Erwerbstätigkeit auszuüben. Gemäss Art. 5 Anhang I FZA darf dieses
Recht nur durch Massnahmen, die aus Gründen der öffentlichen
Ordnung, Sicherheit und Gesundheit gerechtfertigt sind, eingeschränkt
werden. Sofern die Voraussetzungen der Richtlinien 64/221 EWG, 72/194
EWG sowie 75/35 EWG und der zu berücksichtigenden Rechtsprechung
des Europäischen Gerichtshofes (vgl. Art. 16 Abs. 2 FZA) erfüllt sind,
können Entfernungs- und Fernhaltemassnahmen gemäss dem
Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer (AuG; SR 142.20)
auch gegenüber EU-/EFTA-Angehörigen ergriffen werden.
b) Nach Art. 3 Abs. 1 der Richtlinie 62/221 EWG darf bei Massnahmen der
öffentlichen Ordnung oder Sicherheit ausschliesslich das persönliche
Verhalten der betreffenden Person ausschlaggebend sein, wobei
strafrechtliche Verurteilungen allein diese Massnahmen nicht ohne
weiteres begründen können. Eine strafrechtliche Verurteilung darf nur
insoweit als Anlass für eine Ausweisung herangezogen werden, als die ihr
zugrunde liegenden Umstände ein persönliches Verhalten erkennen
lassen, das eine gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung
darstellt. Art. 5 Anhang I FZA steht somit Massnahmen entgegen, die
allein aus generalpräventiven Gründen verfügt werden. Mit dem
Erfordernis der fortbestehenden Gefährdung der öffentlichen Ordnung
kann nicht gemeint sein, dass weitere Straftaten fast mit Gewissheit zu
erwarten sind. Es ist aber auch nicht nur dann vom Fehlen einer
Gefährdung auszugehen, wenn die Möglichkeit der Wiederholung mit
Sicherheit ausgeschlossen ist. Dabei kommt es wesentlich auf das
Rückfallrisiko an. Es ist eine nach Art und Ausmass der möglichen
Rechtsgüterverletzung zu differenzierende hinreichende
Wahrscheinlichkeit zu verlangen, dass der Ausländer künftig die
öffentliche Sicherheit und Ordnung stören wird. Je schwerer die
möglichen Rechtsgüterverletzungen sind, desto niedriger sind die
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Anforderungen an die in Kauf zu nehmende Rückfallgefahr. Auf der einen
Seite soll(en) die begangene(n) Straftat(en) hinsichtlich Art, Schwere und
Anzahl der Rechtsverletzungen sowie auf der anderen Seite die
Wiederholungsgefahr in Bezug auf Art, Schwere und Wahrscheinlichkeit
Berücksichtigung finden (vgl. BGE 139 II 121 E.5.3, 136 II 5 E.4, 130 II
176 E.3 f.; Urteile des Bundesgerichts 2C_636/2010 vom 3. August 2011
E.2 f., 2C_903/2010 vom 6. Juni 2011 E.4.1 ff.; ZÜND/HILL, in:
ÜEBERSAX/RUDIN/YAR/GEISER [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel
2009, § 8.38 ff.; NÄGELI/SCHOCH, in: ÜEBERSAX/RUDIN/YAR/GEISER [Hrsg.],
Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, § 22.202 ff.). Die Art der
begangenen Delikte kann ausländerrechtlich insofern eine Rolle spielen,
als Gewalt-, Sexual- und schwere Betäubungsmitteldelikte in der Regel
auf ein erhöhtes öffentliches Interesse an der Entfernung des betroffenen
Ausländers von der Schweiz schliessen lassen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 2C_676/2010 vom 15. April 2011 E.3.3). Dass ein
Ausländer "bloss" wegen Vermögensdelikten verurteilt worden ist, steht
Entfernungsmassnahmen im Rahmen des FZA jedoch nicht entgegen,
sofern die Vermögensdelikte schwer wiegen sowie mehrfach und
wiederholt begangen wurden, so dass mit einer hinreichenden weiterhin
bestehenden Gefährdung der öffentlichen Ordnung gerechnet werden
muss (vgl. BGE 134 II 25 E.4.3; Urteil des Bundesgerichtes 2C_680/2010
vom 18. Januar 2011 E.2.2).
3. a) Im vorliegenden Fall wurde der Beschwerdeführer bereits in Deutschland
und noch vor seiner Einreise in die Schweiz rechtskräftig verurteilt. Der
Strafregisterauszug aus Deutschland (vgl. beschwerdegegnerische
Beilage [Bg.-act.] I Nr. 31) verzeichnet zwei Verurteilungen. Der
Beschwerdeführer wurde am 15. Dezember 2003 zu 18 Monaten
Freiheitsstrafe wegen versuchten Betrugs in zwei Fällen – in einem Fall
mit Urkundenfälschung und im anderen Fall gemeinschaftlich begangen –
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sowie wegen Betrugs in neun Fällen – davon sieben mit
Urkundenfälschung – bei einer Probezeit von zwei Jahren und sechs
Monaten verurteilt. Der zweite Fall betrifft eine Verurteilung vom
25. September 2006 zu einem Jahr und zehn Monaten Freiheitsstrafe
wegen Steuerhinterziehung in Tateinheit mit Urkundenfälschung in sechs
Fällen, wobei die Bewährungsfrist auf drei Jahre und sechs Monate
angesetzt wurde.
In der Schweiz wurde der Beschwerdeführer mit Strafbefehl vom 26. April
2011 (vgl. Bg.-act. I Nr. 25) wegen mehrfachen Betrugs, versuchten
Betrugs und mehrfacher Urkundenfälschung – alle Delikte begangen im
Zeitraum Januar 2008 bis Dezember 2009 – zu einer bedingten
Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu je Fr. 80.-- bei einer Probezeit von
zwei Jahren und zu einer Busse von Fr. 2'900.-- verurteilt.
Ausserdem erging am 4. August 2014 erneut ein Strafbefehl gegen den
Beschwerdeführer, mit welchem er des mehrfachen Betrugs, der
mehrfachen Urkundenfälschung sowie der Fälschung von Ausweisen
schuldig gesprochen wurde. Mit dem Strafbefehl wurde teilweise eine
Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 26. April 2011 verhängt, wobei
insgesamt eine Geldstrafe von 100 Tagessätzen zu je Fr. 80.00 unter
Gewährung des bedingten Vollzugs bei einer Probezeit von 2 Jahren
ausgesprochen wurde. Die Geldstrafe wurde mit einer Busse in der Höhe
von Fr. 1'600 kombiniert, an deren Stelle bei schuldhafter Nichtbezahlung
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 20 Tagen treten soll.
b) Bei der Urteilsfällung des vorangegangenen Urteils des
Verwaltungsgerichts U 13 44 wurden (bloss) die Verurteilungen in
Deutschland sowie diejenigen in der Schweiz – die mit Strafbefehl vom
26. April 2011 ausgesprochen wurden – berücksichtigt. Zusätzlich wurde
auf das am 28. März 2013 eingeleitete, im Zeitpunkt der Urteilsfällung
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noch laufende Strafverfahren Rücksicht genommen. Dabei erachtete das
Verwaltungsgericht die Rechtsgüterverletzungen und folglich die
Rückfallgefahr des Beschwerdeführers als gering. Deshalb sowie
aufgrund der wohlwollenden und geständigen Haltung des
Beschwerdeführers schätzte das Gericht die Wiederholungsgefahr (noch)
als unerheblich ein, so dass keine hinreichende schwere und
gegenwärtige Gefährdung der öffentlichen Ordnung bejaht werden
konnte. Ergänzend wies das Verwaltungsgericht in seinem Urteil aber
darauf hin, dass falls es zu einer erneuten Verurteilung ausserhalb des
Bagatellbereichs käme und der Beschwerdeführer damit einen
Rückfalltatbestand setzte, dies das Bild wesentlich zu Ungunsten des
Beschwerdeführers verändern würde. Konkret hielt das Gericht fest, dass
falls die (zu jener Zeitpunkt bloss) angezeigte Fälschung des
Ausländerausweises zu einer Verurteilung geführt hätte, dies unweigerlich
den Entzug der Daueraufenthaltsbewilligung EU/EFTA und die
Wegweisung zur Folge hätte haben müssen (Urteil des
Verwaltungsgerichts U 13 44 vom 1. Juli 2014 E.2c).
c) Der Beschwerdeführer stellt sich nun auf den Standpunkt, dass die
während alten noch hängigen Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht
begangene Straftat im Bagatellbereich liege, da die zur Diskussion
stehende Ausweisfälschung zusammen mit der Zusatzstrafe im
Strafbefehl vom 4. August 2014 erfasst worden sei und gemäss Angaben
der Staatsanwaltschaft nicht zu einer Erhöhung der Strafe geführt habe.
Zu beachten sei auch, dass der Beschwerdeführer mit einer bedingten
Geldstrafe – und nicht mit einer Freiheitsstrafe – belegt worden und es
gar nicht zu einer erneuten Verurteilung gekommen sei.
d) Mit dem erneuten gegen den Beschwerdeführer am 4. August 2014
ausgestellten Strafbefehl sprach die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe
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aus, wovon die Zusatzstrafe zum Strafbefehl vom 26. April 2011 und
zudem die (neue) Strafe wegen Fälschung von Ausweisen gemäss Art.
252 StGB miterfasst wurden. Dass die Staatsanwaltschaft bei der
Bestrafung nicht zwischen zusätzlicher und neuer Straftat unterschied,
sondern sich damit begnügte, eine einzige (Gesamt-)Geldstrafe zu
verhängen, und ausserdem die Gewährung des bedingten Strafvollzugs
bzw. den Widerruf gemäss Art. 46 Schweizerisches Strafgesetzbuch
(StGB; 311.0) infolge Nichtbewährung nicht überprüfte, vermag nicht zu
überzeugen. Die Frage, ob das Vorgehen der Staatsanwaltschaft korrekt
gewesen sei, kann jedoch insoweit offen gelassen werden, als das
Verwaltungsgericht bei der Prüfung der Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung nicht an die Entscheidung der Strafbehörden
gebunden ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 2C_793/2008 vom 27. März
2009 E.3.1; altrechtlich BGE 122 II 433 E.2b). Obwohl die Bestrafung
wegen mehrfachen Betrugs (Art. 146 Abs. 1 StGB) und mehrfachen
Urkundefälschung (Art. 251 Ziff. 1 StGB) an sich keine neue Straffälligkeit
begründete, da diese Delikte von der Staatsanwaltschaft in Tateinheit
betrachtet wurden, kann die am 23. Mai 2014 begangene Fälschung des
Ausweises hingegen nicht mehr als Teil der vorangegangen andauernden
Straftaten beurteilt werden. Insofern geht die Behauptung des
Beschwerdeführers, er sei nicht erneut straffällig geworden, da sich die
Strafe dadurch nicht erhöht habe, fehl. Vielmehr muss hier festgehalten
werden, dass der Beschwerdeführer während laufenden Verfahrens
nochmals im Bereich der Urkundenfälschung – diesmal in der Form der
Fälschung eines Ausweises – straffällig wurde, wobei diese Handlung in
Realkonkurrenz zu den vorangegangenen steht. Aufgrund des Vorliegens
eines Vergehens (Art. 252 i.V.m. Art. 10 Abs. 3 StGB) kann – ungeachtet
dessen implementierter Bestrafung – von einem Bagatelldelikt demnach
nicht mehr die Rede sein.
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e) Angesichts der Vorgeschichte des Beschwerdeführers bestätigt die
erneute Verurteilung, dass er nicht im Stande ist, ein straffreies Leben zu
führen, weshalb ein Rückfallrisiko im heutigen Zeitpunkt zweifellos
gegeben und mithin eine gegenwärtige und hinreichend schwere
Gefährdung der öffentlichen Ordnung zu bejahen ist, was unausweichlich
zum – bereits mit Urteil 13 44 rechtskräftig angedrohten – Entzug der
Daueraufenthaltsbewilligung EU/EFTA resp. deren Nichtverlängerung
führt.
4. a) Die Nichtverlängerung der Daueraufenthaltsbewilligung EU/EFTA und die
damit verbundene Ausweisung dürfen nur verfügt werden, wenn diese
verhältnismässig im Sinne von Art. 96 AuG sind (vgl. BGE 135 II 377
E.4.3). Dabei sind die öffentlichen und die privaten Interessen sorgfältig
gegeneinander abzuwägen (ZÜND/HILL, a.a.O., § 8.31). Im vorliegenden
Fall interessiert das öffentliche Interesse des Schutzes der Schweiz vor
der Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit sowie der
Verhinderung von strafbaren Handlungen durch den Beschwerdeführer.
Bei den persönlichen Interessen des Beschwerdeführers ist von der
Schwere des Verschuldens und der Dauer des bisherigen Aufenthalts in
der Schweiz auszugehen. Sodann sind die (fehlende) Integration, das
familiäre und soziale Netz, die Arbeits- und Ausbildungssituation sowie
der Lebenswandel vor und nach der Tat zu berücksichtigen. Es ist die
Frage zu prüfen, welche Härte eine Rückkehr in das Herkunftsland für die
betroffene Person und seine Familie bedeuten würde, wobei der Grad der
Entfremdung von der Kultur, der Sprache sowie allfälligen Angehörigen
und die Schwierigkeiten der dortigen Reintegration, u.a. in das
Erwerbsleben, zu beachten sind (vgl. BGE 135 II 377 E.4.3;
NÄGELI/SCHOCH, a.a.O. § 22.193).
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b) Regelmässig stellt eine Ausweisung auch einen Eingriff in den Anspruch
auf Achtung des Familienlebens oder des Privatlebens nach Art. 8 der
Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(EMRK; SR 0.101) dar, weshalb auch eine Interessenabwägung im Lichte
von Art. 8 Ziff. 2 EMRK zu erfolgen hat (vgl. BGE 135 II 377 E.4.3;
ZÜND/HILL, a.a.O., § 8.40). Art. 13 BV schützt das Privat- und
Familienleben. Dieses Art. 8 EMRK nachgebildete Verfassungsrecht
entfaltet in fremdenrechtlicher Hinsicht dieselbe Schutzwirkung wie die
betreffende Bestimmung der Menschenrechtskonvention (vgl. BGE 126 II
377 E.7). Die EMRK verleiht ausländischen Staatsangehörigen unter
gewissen Umständen einen eingeschränkten Bewilligungsanspruch, wenn
zwischen diesen und einem Familienangehörigen mit gefestigtem
Anwesenheitsrecht (jeder Aufenthalt, auf den ein Anspruch besteht, z.B.
Daueraufenthaltsbewilligung EU/EFTA gemäss FZA) eine enge und
effektiv gelebte Beziehung besteht. Die EMRK garantiert jedoch nicht
grundsätzlich einen Anspruch auf Aufenthalt in einem Konventionsstaat;
es ergibt sich daraus weder ein Recht auf Einreise noch auf Wahl des für
das Familienleben am geeignetsten erscheinenden Ortes. Das in Art. 8
EMRK geschützte Recht auf Achtung des Familienlebens kann nur
angerufen werden, wenn eine staatliche Entfernungs- oder
Fernhaltemassnahme zur Trennung von Familienmitgliedern führt. Ein
staatlicher Eingriff liegt deshalb regelmässig nicht vor, wenn den
Familienangehörigen zugemutet werden kann, ihr gemeinsames Leben
im Ausland zu führen. Muss ein Ausländer, dem eine fremdenpolizeiliche
Bewilligung verweigert worden ist, das Land verlassen, haben dies seine
Angehörigen – besondere Umstände vorbehalten – hinzunehmen, wenn
es ihnen „ohne Schwierigkeiten“ möglich und zumutbar ist, mit ihm
auszureisen. Eine Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK erübrigt
sich unter diesen Umständen. Anders verhält es sich, falls die Ausreise
für die Familienangehörigen „nicht von vornherein ohne weiteres
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zumutbar“ erscheint. In einem solchen Fall ist immer eine
Interessenabwägung nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK geboten, welche
sämtlichen Umständen des Einzelfalls umfassend Rechnung trägt (vgl.
BGE 139 I 330 E.2.1, 135 I 153 E.2.1). Ein Eingriff in das durch Art. 8
Ziff. 1 EMRK geschützte Rechtsgut ist statthaft, soweit er eine
Massnahme darstellt, die in einer demokratischen Gesellschaft für die
nationale Sicherheit, die öffentliche Ruhe und Ordnung und zur
Verhinderung von strafbaren Handlungen, zum Schutz der Gesellschaft
und Moral sowie der Rechte und Pflichten anderer notwendig erscheint.
Die EMRK verlangt diesbezüglich eine Abwägung der sich
gegenüberstehenden individuellen Interessen an der Erteilung der
Aufenthaltsbewilligung einerseits und der öffentlichen Interessen an deren
Verweigerung andererseits; letztere müssen die individuellen Interessen
in dem Masse überwiegen, dass sich der Eingriff in das Privat- und
Familienleben als notwendig erweist (vgl. Art. 8 Ziff. 2 EMRK; BGE 137 I
247 E.4.1.1, 135 II 377 E.4.3, 135 I 153 E.2.2.1). Dabei sind zu
berücksichtigen: die Schwere und die Natur allfällig begangener
Straftaten, die Dauer des Aufenthaltes im ausweisenden Staat, die Zeit,
die seit der Straftat vergangen ist sowie das Verhalten der betroffenen
Person zu dieser Zeit, die Staatsangehörigkeit aller von der Massnahme
betroffenen Personen, ihre familiäre Situation im Aufenthaltsstaat, die
Schwierigkeiten eines Familienlebens im Zielstaat, die Intensität der
gesellschaftlichen, kulturellen und familiären Beziehungen sowohl im
Aufenthalts- als auch im Zielstaat sowie das Kindeswohl, insbesondere
die Schwierigkeiten, denen Kinder im Falle einer Ausreise im Zielstaat
begegnen würden (vgl. BGE 135 II 377 E.4.3; Urteil des Bundesgerichts
2C_141/2012 vom 30. Juli 2012 E.4.2; ACHERMANN/CARONI, in:
ÜEBERSAX/RUDIN/YAR/GEISER [Hrsg.], Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel
2009, § 6.20). Im Anwendungsbereich des FZA sind die Anforderungen
an eine Entfernungsmassnahme gemäss Art. 5 Abs. 1 Anhang I FZA sehr
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hoch, weshalb die Voraussetzungen nach Art. 8 Ziff. 2 EMRK regelmässig
erfüllt sein dürften (vgl. BGE 129 II 249 ff.; NÄGELI/SCHOCH, a.a.O.
§ 22.207).
c) Zur Beurteilung der Verhältnismässigkeit ist in einem ersten Schritt zu
prüfen, ob es dem Beschwerdeführer und seinen Familienangehörigen
zugemutet werden kann, ihr gemeinsames Leben im Ausland zu führen.
Konkret ist die Frage zu beantworten, ob es der Ehefrau und Mutter sowie
dem Kind "ohne Schwierigkeiten" möglich und zumutbar ist, mit dem
Beschwerdeführer nach Deutschland auszureisen. Der Beschwerdeführer
reiste im Jahr 2006 in die Schweiz ein, sein Sohn (Jahrgang 1998) im
Jahr 2007 und die Ehefrau im Jahr 2008. Der Sohn besuchte in der
Schweiz die Schule und befindet sich – seinem Alter nach zu schätzen –
momentan in der Ausbildung (Berufslehre oder Maturität). Seine Ehefrau
arbeitet Teilzeit als Coiffeuse. Alle Familienmitglieder haben die deutsche
Staatsbürgerschaft, weshalb mit keinen sprachlichen und kulturellen
Integrationsschwierigkeiten in Deutschland zu rechnen ist. Die Ehefrau
hat sich eine bescheidene Tätigkeit als selbständige Coiffeuse aufgebaut.
Ein Umzug nach Deutschland würde für sie auf jeden Fall einen
ungewissen Neubeginn bedeuten. Auch für den Sohn wäre es mit
gewissen Schwierigkeiten verbunden, seine Berufslehre oder sein
Studium am Gymnasium in der Schweiz abbrechen zu müssen und sich
in Deutschland eine neue Lehrstelle zu suchen oder sich im dortigen
Schulbetrieb zu integrieren. Die Ausreise nach Deutschland ist deshalb
für die Familienangehörigen als "nicht von vornherein ohne weiteres
zumutbar“ zu beurteilen.
d) Sodann ist in einem zweiten Schritt eine Interessenabwägung gemäss
Art. 8 Ziff. 2 EMRK und Art. 96 Abs. 1 AuG vorzunehmen. Es sind also die
individuellen Interessen des Beschwerdeführers an einem Verbleib in der
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Schweiz einerseits und die öffentlichen Interessen an seiner Wegweisung
andererseits gegeneinander abzuwägen.
Bei der Abwägung der sich gegenüberstehenden Interessen sprechen die
folgenden Punkte gegen die Verhältnismässigkeit einer Wegweisung des
Beschwerdeführers:
- Die Familie des Beschwerdeführers, die nunmehr seit acht Jahren
gemeinsam in der Schweiz lebt, würde getrennt werden, sollten sich
die Ehefrau und der Sohn entschliessen, nicht mit dem
Beschwerdeführer gemeinsam zurück nach Deutschland auszureisen.
In diesem Fall wäre es ihnen jedoch ohne Weiteres möglich, den
Kontakt zu halten, zumal die Distanz zwischen der Schweiz und
Deutschland gering ist. Regelmässige Besuche wären somit auf jeden
Fall durchführbar.
- Die Ehefrau und der Sohn scheinen in der Schweiz gut integriert zu
sein. Sie geht einer Erwerbstätigkeit nach und der Sohn befindet sich
in Ausbildung. Wie vorstehend unter Erwägung 4.c erläutert, wäre eine
Rückreise nach Deutschland vermutungsweise mit Schwierigkeiten
verbunden, obwohl diese für die beiden deutschen Staatsbürger nicht
unüberwindbar und nicht unzumutbar wäre.
Für die Verhältnismässigkeit der Wegweisung fallen die nachfolgenden
Argumente ins Gewicht:
- Der Beschwerdeführer hat wiederholt und aktuell ein Delikt im Bereich
der Urkundenfälschung begangen und somit erneut das Rechtsgut der
Sicherheit und Zuverlässigkeit des Rechtsverkehrs mit Urkunden und
damit ein Rechtsgut der Allgemeinheit verletzt. Es handelt sich dabei
zwar nicht um ein Delikt gegen Leib und Leben oder um ein
schwerwiegendes Betäubungsmitteldelikt, aber durch die wiederholte
und unbelehrbare Delinquenz des Beschwerdeführers wäre die
öffentliche Sicherheit als gefährdet zu betrachten. Erschwerend kommt
hinzu, dass der Beschwerdeführer im Bereich der
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Versicherungsvermittlung tätig ist, in dem die Vertrauensstellung
wichtig ist, was die wiederholte Delinquenz im beschriebenen Bereich
als besonders heikel erscheinen lässt.
- Der Beschwerdeführer verbrachte rund 50 Jahre seines Lebens in
seinem Heimatland Deutschland.
- Die finanzielle Situation des Beschwerdeführers präsentiert sich in
einem desolaten Zustand (vgl. Betreibungsregisterauszug vom 28.
Januar 2015). Aufgrund seiner Delinquenz und trotz einer
regelmässigen Anstellung vermochte sich der Beschwerdeführer in der
Schweiz keine schuldenfreie Existenz aufbauen.
- Es ist davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer in
Deutschland persönlich und beruflich (wieder) integrieren könnte.
Nach nur acht Jahren Aufenthalt in der Schweiz ist der gut
ausgebildete deutsche Staatsangehörige weder von der Kultur noch
von der Sprache entfremdet. Gemäss seinen eigenen Aussagen hält
er nach wie vor engen Kontakt zu seiner Tochter und seiner
Schwiegermutter in Deutschland. Zu Gunsten einer (Re)-Integration in
Deutschland hat sich der Beschwerdeführer auch entgegenhalten zu
lassen, dass er im Fragebogen vom 20. April 2012 zu Handen des
AMZ (Bg.-act. I Nr. 38) ausgeführt hat, er habe Grundeigentum in
Deutschland, auch wenn er dies später bestritten hat. Schliesslich hat
sich der Beschwerdeführer in Deutschland nicht abgemeldet und
gedenkt nach der Pensionierung in die Heimat zurückzukehren. Aus
diesen Ausführungen ergibt sich, dass der Beschwerdeführer nach wie
vor persönlich und emotional mit Deutschland verbunden ist.
- Der Beschwerdeführer ist arbeitslos. Er war von Mai bis Juli 2014
arbeitslos, dann hat er vom 1. bis zum 17. Juli 2014 gearbeitet, bevor
er fristlos entlassen wurde (vgl. Bg-act. I Nr. 67 VI). Anschliessend
meldete er sich am 1. Oktober 2014 wieder bei der
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Arbeitslosenversicherung an. Daraus kann zwangslos eine schlechte
Integration am Arbeitsmarkt abgeleitet werden.
Eine Abwägung sämtlicher sich gegenüberstehenden Interessen führt
zum Schluss, dass die öffentlichen Interessen an der öffentlichen
Ordnung und Sicherheit sowie an der Verhinderung von strafbaren
Handlungen gegenüber den privaten Interessen des Beschwerdeführers
an einem Verbleib in der Schweiz überwiegen. Eine Wegweisung des
Beschwerdeführers erweist sich im vorliegenden Fall somit als
verhältnismässig.
5. a) Gemäss dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet,
was zu deren Abweisung und zur Bestätigung der Verfügung des DJSG
vom 17. November 2014 führt. Dem Beschwerdeführer wird eine
Ausreisefrist von 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Entscheides angesetzt.
b) Bei diesem Ausgang gehen die Verfahrenskosten zulasten des
Beschwerdeführers (Art. 73 Abs. 1 VRG). Dem obsiegenden
Beschwerdegegner steht keine Parteientschädigung zu (Art. 78 Abs. 2
VRG).