# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6d4428bf-4eec-4def-825a-2e4783caa50e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren
1989
,
stürzte am 30. Dezember 2019 beim Skifahren und zog sich dabei Verletzungen der linken Schulter zu. Die
zuständige Unfallversi
cherung, die
Allianz Suisse Versicherungs-Gesellschaft AG (Allianz)
,
erbrachte in der Folge
die gesetzlichen Leistungen
(Heilkosten und Taggelder; vgl. Urk. 1 S. 3, Urk. 2 S. 1)
.
Gestützt auf ein orthopädisches Aktengutachten
von Dr. med.
Y._
, Facharzt
FMH
für Orthopädie und Traumatologie, von
der
Gutachtenstelle Z._
vom 28. Juli 2020 (Urk. 7/7) stellte die Allianz
mit Verfügung vom 3. September 2020 (Urk. 7/6) ihre Leistungen per 31. März 2020 ein.
Das
Aktengutachten
wurde dem Versicherten zusammen mit der Verfügung zugeste
llt (vgl. Urk. 7/6 S. 2 unten).
Am 1. Oktober 2020 (Urk. 7/5) erhob der Versicherte Einsprache gegen die Ver
fügung vom 3. September 202
0.
Er machte
unter anderem
geltend,
das
Gutachten
sei
unter Verletzung seiner Mitwirkungsrechte
eingeholt worden
(S. 3 f.). In der Folge ergänzte die Allianz ihre Abklärungen zum Gesundheitszustand und holte weitere
Unterlagen
der Behandler ein
(vgl. Urk. 7/4 S. 1 Mitte).
D
araufhin
stellte die Allianz
dem Versicherten mit Schreiben vom 1
5.
März 2022
einen Fragenka
talog
für
eine Ergänzung des
Aktengutachten
s
von Dr.
Y._
zu
mit der Bitte, all
fällige Zusatzfragen bis 1
5.
April 2022 zuzustellen (
Urk.
7/4)
.
Mit Stellungnahme vom 17. März 2022 (Urk. 7/3)
machte der Versicherte geltend, der verfahrens
rechtliche
Mangel
, unter welchem das Gutachten zustande gekommen sei,
könne durch Ergänzungsfragen nicht behoben werden. Aufgrund der Vorbefassung komme Dr.
Y._
für ein
notwendiges
externes Gutachten nicht in Frage (S. 1 f.).
Mit Schreiben vom 23. März 2022 (Urk. 7/2)
hielt die Allianz an der Ergänzung des Gutachtens durch
Dr.
Y._
fest und
wies den Versicherten erneut auf die Möglichkeit hin, Ergänzungsfragen zu stellen.
Am
5. April 2022 (Urk. 7/1) ersuchte
dieser
um Anordnung eines
nicht von
Dr.
Y._
zu erstellenden
externen Gutachtens unter Wahrung seiner Mitwirkungsrechte.
Mit
Zwischenverfügung
vom
13
.
April
202
2
(Urk.
2
) ordnete die
Allianz
die Erstellung eines Ergänzungs
gutachten
s
bei Dr.
Y._
von der
Gutachtenstelle Z._
an.
2.
Dagegen erhob
der
Versicherte am
17
.
Mai
202
2
(Urk. 1) Beschwerde und bean
tragte,
in Aufhebung der angefochtenen Zwischenverfügung sei der Gutach
tensauftrag an eine(n) fachlich
ausgewiese
(n)
neutrale(n)
Gutachterin bezie
hungsweise Gutachter zu erteilen
(S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 30.
Mai
202
2
(Urk.
6) schloss die Beschwerdegeg
nerin auf Abweisung der Beschwerde
, was de
m
Beschwerdeführer mit Verfügung vom 3
1.
Mai 20
22
(Urk. 8) zur Kennt
nis gebracht wurde
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Begriff der Verfügung bestimmt sich mangels näherer Konkretisierung in Art. 49 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts (ATSG)
nach Massgabe von Art. 5 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
;
vgl.
Art.
55 Abs. 1 ATSG; BGE 1
33 V 50 E.
4.1.2, 132 V 93 E. 3.2). Danach gelten als Verfügungen Anordnungen der Behörden im Einzelfall, die sich auf öffentliches Recht des Bundes stützen (und im Übrigen noch weitere, nach dem Verfügungsgegenstand näher umschriebene Voraussetzungen erfüllen). Laut Art. 5 Abs. 2
VwVG
gelten als Verfügungen auch Zwischenverfügungen (Art. 45 und 46
VwVG
). Gegen diese ist eine Beschwerde unter anderem dann zulässig, wenn sie einen nicht wiedergutzumachenden Nach
teil bewirken können (
Art.
55
Abs.
1 ATSG in Verbindung mit Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
).
Rechtsprechungsgemäss muss ein nicht wiedergutzumachender Nachteil rechtlicher Natur sein, was voraussetzt, dass er sich auch mit einem späteren günstigen Endentscheid nicht oder nicht gänzlich beseitigen lässt.
Dagegen
rei
-
chen
rein tatsächliche Nachteile wie die Verfahrensverlängerung oder
–
verteu
e
rung
nicht aus (BGE 137 III 380 E. 1.2.1 mit Hinweisen; relativierend BGE 135 II 30 E. 1.3.4).
Bejaht wird ein solcher Nachteil etwa, wenn die Frage der Befangenheit der sach
verständigen Person (BGE 141 V 330 E. 3.1, 137 V 210 E. 3.4.1.2 mit Hinweisen)
oder im invaliden- respektive unfallversicherungsrechtlichen Abklärungsverfah
ren die Notwendigkeit einer medizinischen Begutachtung strittig ist
(BGE 139 V 339 E. 4.3-4, 138 V 271 E. 1.2.1-3, 137 V 210 E. 3.4.2.7; Urteil des Bundesgerichts 8C_177/2014 vom 14. Mai 2014 E. 1.2).
1.2
1.
2
.1
Gemäss Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (BV) haben die Parteien Anspruch auf rechtliches Gehör. Das rechtliche Gehör dient einerseits der Sachaufklärung, andererseits stellt es ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht beim Erlass eines Entscheids dar, welcher in die Rechtsstellung einer einzelnen Person ein
greift. Dazu gehört insbesondere deren Recht, sich vor Erlass eines solchen Ent
scheids zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu äussern, wenn dieses geeignet ist, den Entscheid zu beeinflus
sen. Der Anspruch auf rechtliches Gehör umfasst als Mitwirkungsrecht somit alle Befugnisse, die einer Partei einzuräumen sind, damit sie in einem Verfahren ihren Standpunkt wirksam zur Geltung bringen kann (BGE 144 I 11 E. 5.3, 143 V 71 E. 4.1, je mit Hinweisen).
1.2.2
Im Zusammenhang mit Expertengutachten beinhaltet das rechtliche Gehör ins
besondere das Recht, Kenntnis vom Inhalt des Gutachtens zu nehmen und dem Experten ergänzende Fragen zu stellen, wobei Verwaltung oder Gericht von der Beantwortung der Ergänzungsfragen durch den Experten absehen können, wenn davon keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 130 II 425 E. 2.1
,
125 I 127 E. 6c/cc, 417 E. 7b
,
124 V 94 E. 4b
,
122 II 464 E. 4a
,
122 III 219 E. 3c; SVR 2014 UV Nr. 32).
Gemäss
Art.
42 Satz 2 ATSG brauchen die Parteien nicht angehört zu werden vor Verfügungen, welche durch Einsprache anfechtbar sind. Spätestens im
Ein
spracheverfahren
hat die Verwaltung jedoch die allgemeinen Grundsätze des rechtlichen Gehörs zu wahren und folglich der versicherten Person oder ihrem Vertreter Einsicht in die Akten zu gewähren, auf deren Grundlage sie den
Ein
spracheentscheid
abstützt (
BGE 132 V 387 E. 4.1).
1.3
1.3.1
Gemäss de
r
bis am 31. Dezember 2021 in Kraft gewesenen
Fassung von
Art.
44 ATSG
hatte
der Versicherungsträger
, wenn er
zur Abklärung des Sachverhalts ein Gutachten einer oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen
musste
, der Partei deren oder dessen Namen bekannt zu geben. Diese konnte den Gutachter aus triftigen Gründen ablehnen.
Art.
44 ATSG kommt als Ergänzung von
Art.
43
Abs.
1 ATSG zum Tragen. Ein Gutachten ist einzuholen, wenn der nach
Art.
43
Abs.
2 ATSG zu erhebende Sachverhalt durch den Sozialversicherungsträger als nicht genügend beurteilt wird, er mithin weitere ärztliche oder fachliche Unter
suchungen für notwendig erachtet (
Schiavi
, in: Basler Kommentar
, Allgemeiner Teil des Sozialversicherungsrechts, 2020, N 3 zu
Art.
44).
Mit BGE 137 V 210 vom 28. Juni 2011
hielt
das Bundesgericht
zudem
fest, dass
der versicherten Person mit der verfügungsmässigen Anordnung der Begutach
tung der Katalog mit den an den Gutachter gerichteten Fragen zur Stellungnahme zu unterbereiten ist (E. 3.4.2.9; vgl. dazu auch
Kieser
, ATSG-Kommentar,
4.
Aufl., Zürich 2020,
Rz
. 42 zu
Art.
44).
Diese zur Invalidenversicherung ergangene Rechtsprechung findet auch im Bereich der Unfallversicherung Anwendung (BGE 138 V 318
vom 1
3.
August 2012
E. 6).
1.
3
.2
Nach dem seit 1. Januar 2022 in Kraft stehenden Art.
44 ATSG
gilt, falls
der Ver
sicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein Gutachten bei einem oder mehreren unabhängigen Sachverständigen einholen
muss
,
dass
er der Partei deren Namen bekannt zu geben
hat
(Abs. 2). Die Partei kann innert zehn Tagen eine
n
Sachverständige
n
ablehnen und Gegenvorschläge machen,
wenn
der
S
ach
verstän
d
i
ge
in der Sache ein persönliches Interesse
hat
oder aus anderen Gründen in der Sache befangen sein könnte
(
Abs.
3 in Verbindung mit
Art.
36
Abs.
1 ATSG).
Mit der Bekanntgabe der Namen hat der Versicherungsträger der Partei auch die Fragen an den oder die Sachverständigen zuzustellen und sie auf die Möglichkeit
hinzuweisen
, innert der gleichen Frist Zusatzfragen in schriftlicher Form einzu
reichen. Der Versicherungsträger entscheidet abschliessend über die Fragen an den oder die Sachverständigen
(Art. 44 Abs.
3 ATSG)
.
Hält der Versicherungsträ
ger trotz Ablehnungsantrag an den vorgesehenen Sachverständigen fest, so teilt er dies der Partei durch Zwischenverfügung mit
(Abs.
4)
.
1.
3
.3
Nach der Rechtsprechung gelten für medizinische Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangen
heit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewie
sen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt viel
mehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreingenommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hin
blick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversiche
rungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger
Mass
-
stab
anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1;
Urteil des Bundesgerichts 8C_62/2019 vom 9. August 2019 E. 5.2; vgl. auch BGE 137 V 210 E. 2.1.3
).
1.
4
Nach der Rechtsprechung kann eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs ausnahmsweise als geheilt gelten, wenn die betroffene Person die Möglichkeit erhält, sich vor einer Beschwerdeinstanz
zu äussern, die sowohl den Sachverhalt wie die Rechtslage frei überprüfen kann. Unter dieser Voraussetzung ist darüber hinaus – im Sinne einer Heilung des Mangels – selbst bei einer schwerwiegenden Verletzung des Gehörs von einer Rückweisung der Sache an die Verwaltung abzusehen, wenn und soweit die Rückweisung zu einem formalistischen Leerlauf und damit zu unnötigen Verzögerungen führen würde, die mit dem (der Anhörung gleichgestellten) Interesse der betroffenen Partei an einer
beförderlichen
Beurteilung der Sache nicht zu vereinbaren wären (BGE 142 II 218 E. 2.8.1, 137 I 195 E. 2.3.2, je mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt in der angefochtenen
Zwischenverfügung
vom
13
.
April
202
2 (Urk. 2)
fest,
der
Beschwerdeführer habe
vorgebracht, der Gutach
ter sei aufgrund seiner Vorbefassung befangen. Allein aus einer früheren Mitwir
kung in einer Angelegenheit lasse
sich
indes
nicht auf eine Befangenheit schlies
sen. Entscheidend sei vielmehr, ob bei objektiver Betrachtungsweise der Ausgang der Angelegenheit als noch offen erscheine. Der Beschwerdeführer begründe sei
nen Vorwurf der Befangenheit nicht weiter, sondern leite diesen lediglich aus der Vorbefassung mit dem Fall ab. Objektive Anhaltspunkte, die auf einen Anschein der Befangenheit oder die Gefahr der Voreingenommenheit
deuten
liessen
,
seien
nicht ersichtlich. Der
Ausgang der Beurteilung
sei
nach wie vor
offen, erst recht aufgrund der Tatsache, dass dem Gutachter zusammen mit den Ergänzungsfragen
weitere medizinische Unterlagen eingereicht
würden
.
In ihrer Beschwerdeantwort
vom 30. Mai 2022
(Urk.
6
)
ergänzte
die Beschwerde
gegnerin,
der Beschwerdeführer habe festgehalten, dass eine Unparteilichkeit eines Gutachters nur gegeben sei, wenn er andere Fragen zu beantworten habe oder sein erstes Gutachten zu erläutern oder zu ergänzen habe.
Genau dies sei der Fall. D
em Gutachter
würden
Fragen im Zusammenhang mit den neuen bildge
benden Dateien gestellt
und folglich nicht dieselben Fragen unterbreitet wie beim ersten Gutachten. Das Ergänzungsgutachten ziele darauf ab herauszufinden, ob die bildgebenden Dateien etwas an der bisherigen Beurteilung änderten. Mit die
ser Fragestellung gehe zwangsläufig einher, dass die Beurteilung im Ergänzungs
gutachten nach wie vor offen sei und vom ersten Gutachten abweichen könne. Der Schlussfolgerung des Beschwerdeführers, ein Gutachter, der bereits eine Mei
nung zu einem Thema abgegeben habe sei nicht mehr unparteiisch, könne nicht gefolgt werden. Gemäss dieser unzutreffenden Behauptung wäre eine Ergänzung oder Erläuterung eines Gutachtens niemals möglich. In
Bezug auf die V
erletzung der Mitwirkungsrechte bei der Veranlassung de
s ursprünglichen Aktengutachtens
sei ein nicht wiedergutzumachender Nachteil in keiner Weise erkennbar, zumal sie dem Beschwerdeführer die Möglichkeit eingeräumt habe, dem Gutachter unbeschränkt Ergänzungsfragen zu unterbreiten. Ein schwerer Verfahrensfehler sei vorliegend nicht erkennbar. Durch die Möglichkeit
,
sich vor einer Rechts
mittelinstanz, die sowohl Sachverhalt als auch Rechtslage frei überprüfen könne - wie es bei der Beschwerdegegnerin im
Einspracheverfahren
der Fall sei -
, zu äussern,
werde eine nicht besonders schwerwiegende Verletzung des rechtlichen Gehörs
sodann
geheilt (S. 3 f.).
2.2
Demgegenüber stellte sich
der
Beschwerdeführer
in seiner Beschwerde vom 17. Mai 2022 (Urk. 1)
auf den Standpunkt
,
er wehre sich nicht gegen die Anord
nung eines Gutachtens als solches, sondern gegen die erneute Beauftragung von Dr.
Y._
wegen des Anscheins der Befangenheit. D
ie Beschwerdegegnerin
wolle dem Sachverständigen im Wesentlichen dieselben Fragen im Rahmen eines Ergän
zungsgutachtens nochmals stellen.
Das Ergebnis der Begutachtung sei somit jeden
falls hinsichtlich der für den weiteren Leistungsanspruch zentralen strittigen Frage der Kausalität nicht offen, sondern diesbezüglich sei die Meinung des Sachverstän
digen bekannt. Deshalb sei er vorbefasst und komme als Gutachter für ein externes Gutachten nicht in Frage
. Sodann gelte es zu beachten, dass das Aktengutachten vom 2
8.
Juli 2020 in krasser Verletzung seiner Mitwirkungsrechte eingeholt wor
den sei und die Beschwerdegegnerin mit der Stellung von Ergänzungsfragen nun
mehr versuche, die Gehörsverletzung zu heilen
(S. 4-7).
3.
3.1
Den Akten ist zu entnehmen, dass
die
Beschwerdegegnerin
den Beschwerde
füh
rer
am
15
.
März 2022
(Urk.
7
/
4
) über
das
geplante
ergänzende Aktengutachten
bei der
Gutachtenstelle Z._
informierte
und ihm
den Fragenkatalog zustellte
sowie
di
e Möglichkeit einräumte, Zusatz
fragen zu stellen.
Der Beschwerdeführer
beantragte mit Schreiben vom
17
.
März
2022
(Urk.
7
/
3), eine externe Begutachtung bei einem anderen Gut
achter als Dr.
Y._
durchführen zu lassen.
Die Beschwerdegegnerin hielt hierauf mit Schreiben vom
23
.
März
2022
(Urk.
7
/
2
) an der
Gutachtenstelle Z._
als Begutachtungsstelle und Dr.
Y._
als Gutachter
fest.
Der Beschwerde
führer erklärte sich am
5
.
April
2022
(Urk.
7
/
1
)
damit
nicht einverstanden,
worauf die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom
13
.
April
202
2
(Urk. 2) die
ergänzende Akten
begutachtung
durch Dr.
Y._
von der
Gutachtenstelle Z._
anordnete (vgl. zum Ganzen auch Sachverhalt Ziff. 1).
Nach
dem
Gesagte
n
hat die Beschwerdegegnerin das Verfahren betreffend die Ein
ho
lung des
ergänzenden Aktengutachtens
formal
vollständig und korrekt durch
geführt.
Die Beschwerdegegnerin gewährte de
m
Beschwerdeführer vor Erlass der angefochtenen Zwischenverfügung über die Anordnung
des Ergänzungsgutach
tens
die Gehörs- und Partizipationsrechte gemäss
dem seit 1.
Januar 2022 in Kraft stehenden
Art.
44 ATSG (vgl. E. 1.
3
.2 vorstehend)
.
3.2
3.2.1
Der Beschwerdeführer
rügte, dass
Dr.
Y._
von der
Gutachtenstelle Z._
nicht mit
einem ergän
zenden Aktengutachten
hätte beauftragt werden dürfen,
da er aufgrund seiner Vorbefassung als befangen zu
erachten sei
(
E. 2.2
).
3.2.2
In diesem Einwand ist kein
Ausstandsgrund
zu erblicken. Der Umstand, dass sich ein Sachverständiger schon einmal mit einer Person befasst hat, schliesst dessen
späteren
Beizug
als Gutachter nicht zum Vornherein aus. Eine unzulässige Vor
befassung liegt auch dann nicht vor, wenn er zu (für eine Partei) ungünstigen Schlussfolgerungen gelangt
(BGE 147 V 79 E. 7.4.4)
. Anderes gilt, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Vor
eingenommenheit objektiv zu begründen vermögen,
etwa
wenn der Sachverstän
dige seinen Bericht nicht neutral und sachlich abfasste
(BGE 132 V 93 E. 7.2.2
; vgl. E. 1.2.3 vorstehend
).
Solches ist jedoch nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht
(vgl. Urk. 1).
3.2.3
Zu fragen ist
im Falle einer Vorbefassung des Experten
danach, ob das Ergebnis der Begutachtung nach wie vor als offen und nicht vorherbestimmt erscheint. Kann die Offenheit bejaht werden, ist die Besorgnis der Voreingenommenheit trotz Vorbefassung unbegründet. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn der Experte andere Fragen zu beantworten oder sein erstes Gutachten lediglich zu erklären, zu erläutern oder zu ergänzen hat, nicht aber, wenn er die Schlüssigkeit seiner früheren Expertise zu überprüfen oder objektiv zu kontrollieren hat (Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_212/2015 vom 1
0.
Juli 2015 E. 3.3.2,
4A_118/2013 vom 2
9.
April 2013 E. 2.1
Abs.
3 mit Hinweisen).
Entgegen der in der Beschwerdeschrift vertretenen Auffassung hat Dr.
Y._
nic
ht die Schlüssigkeit
seines
früheren
Aktengutachtens
zu überprüfen (Urk. 1 S.
6
)
. Vielmehr hat er aufgrund
der nach der Einsprache des Beschwerdeführers vom
1. Oktober 2020 (Urk. 7/5) von der Beschwerdegegnerin
ergänzend eingeholten Unterlagen (Bilder vom 8. Februar und 21. Juni 2008, vom 31. Oktober 2010, vom 1
3.
und 2
4.
Juli 2017; vgl. Urk. 7/4) und gestützt auf die dazu formulierten spezifischen Fragen (vgl. Urk. 7/4 S. 1 unten und S. 2 oben; Urk. 7/2 S. 2) sein ursprüngliches Aktengutachten vom 28. Juli 2020 (Urk. 7/7)
lediglich
zu ergän
zen
.
So kann denn
auch
einem Sachverständigen aufgegeben werden, sein erstes Gutachten zu vervollständigen und sich mit weiteren Arztberichten vertiefter aus
einanderzusetzen
, um dieses zu ergänzen
. Befangenheit entsteht in einem solchen Fall erst, wenn weitere Umstände hinzutreten, beispielsweise das Gutachten nicht neutral und sachlich gehalten
ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_35/201
4
vom 16. Juni 2014 E. 2.3)
,
was wie zuvor ausgefü
hrt gerade nicht der Fall ist (vgl. E. 3.2.2 vorstehend).
Bei Eingang zusätzlicher medizinischer Akten nach Eingang eines Gutachtens erweist sich eine Ergänzung desselben häufig
nachgerade als angezeigt, andernfalls die Verwaltung ihrer Abklärungspflicht nur ungenügend nachkäme.
3.2.4
Aus dem vom Beschwerdeführer ins Feld geführten Urteil des Bundesgerichts 8C_276/2016 vom 23. Juni 2016
vermag er
sodann
nichts zu seinen Gunsten ab
zu
leiten.
Der Sachverhalt der beiden Fälle ist in keiner Weise vergleichbar.
Im
Fall des Bundesgerichts 8C_276/2016
ging es
um eine vorgängige Kontakt
-
aufnahme zwecks Privatgutachten
der Versicherung, ohne
dass
ein solches
schliess
lich
in Auftrag geben worden war, und der Frage im anschliessenden Beschwer
deverfahren vor dem Sozialversicherungsgericht über die Vergabe eines Gerichts
gutachtens bei den
selben
Gutachtern, welche im Vorverfahren als allfäl
lige Gutachter für das Privatgutachten angefragt worden waren und mit der
Ver
sicherten
in intensivem Austausch gestanden hatte
n
(vgl. E. 4 und E. 5).
V
orlie
gend ist
dagegen
die Frage zu beantworten, ob ein im Verwaltungsverfahren für
ein
e
e
Ergänzung des Aktengutachtens
einzusetzender Sachverständiger deshalb als befangen zu betrachten ist, weil er sich
bereits
als
Gutachter des
ursprüngli
chen
, von der Verwaltung nach dem Eingang zusätzlicher medizinischer Unter
lagen
nachvollziehbar
als ergänzungsbedürftig erachteten
Aktengutachten
s
zur Sache geäussert hat.
Dies
ist wie oben gezeigt jedoch gerade nicht der Fall (vgl. E. 3.2.2-3 vorstehend).
3.2.5
Schliesslich brachte der Beschwerdeführer vor, es sei zu beachten, dass seine Mit
wirkungsrechte bei der Vergabe des ursprünglichen Aktengutachtens von Dr.
Y._
vom 28. Juli 2020 (Urk. 7/7) nicht beachtet worden
seien
, womit eine Verletzung seines rechtlichen G
ehörs vorliege. Dies versuche
die Beschwerde
geg
nerin
nun durch das Stellen von Zusatzfragen zu heilen. Ein solches «Gebaren» dürfe nicht geschützt werden (Urk. 1 S. 6 unten und S. 7 oben).
S
oweit
Art.
44 ATSG
(in der bis 3
1.
Dezember 2021
,
bei Erstellung des Gutachten
s
in Kraft gewesenen Fassung
) sowie BGE 137 V 210 uneingeschränkt
auf Akten
gutachte
n und nicht nur auf
Begutachtungen mit Untersuchungen im Sinne von
Art.
44 in Verbindung mit
Art.
43
Abs.
2 ATSG Anwendung f
inden
(vgl. E. 1.2.2 und E. 1.3.1)
, ist dem Beschwerdeführer darin zuzustimmen, dass das Gutachten vom 2
8.
Juli 2020 (
Urk.
7/7)
unter Verletzung seiner Mitwirkungsrechte zustande gekommen ist
, erlangte er doch erst mit
Zustellung
der Verfügung vom
3.
Sep
tember 2020 (
Urk.
7/6) davon Kenntnis. Nachdem er im Zusammenhang mit der Erstellung des ursprünglichen Aktengutachtens durch
Dr.
Y._
jedoch keine
Aus
standsgründe
ge
gen
denselben
g
eltend macht
e
und ihm
die Beschwerdegegnerin
im Zuge des
Einspracheverfahrens
und somit noch im laufenden Verwaltungs
verfahren
wiederholt die Möglichkeit einräumte, Ergänzungsfragen
zu stellen (vgl. Urk. 7/2 S. 2, Urk. 7/4 S. 1)
, wäre eine allfällige Verletzung des rechtlichen Gehörs
jedenfalls
geheilt (E. 1.4).
Hieraus eine Befangenheit von
Dr.
Y._
zufolge Vorbefassung ableiten zu wollen, ginge deutlich über den Schutzgedanken von
Art.
44 ATSG und die darin postulierten Mitwirkungsrechte hinaus. Es ist denn auch nicht ersichtlich, inwiefern die Aktenbeurteilung als Ganze
s
durch das ver
spätete Zustellen von Fragen des Beschwerdeführers zu Ungunsten desselben beeinflusst würde. Erweisen sich solche Zusatzfragen als zur Klärung des
ent
scheidwesentlichen
Sachverhaltes als notwendig, gibt es keinen Grund
,
sie nicht auch nachträglich noch zu stellen. Vom Gutachter ist denn auch zu erwarten, dass er die betreffenden Fragen mit der gleichen Sorgfalt und Unvoreingenom
menheit prüft, wie er dies bereits bei der erstmaligen Begutachtung getan hat. Er wird allenfalls von seinen ursprünglichen Erkenntnissen abrücken, wenn wesent
liche zusätzliche Aspekte zu berücksichtigen sind (BGE 141 V 330 E. 8.1).
Damit bleib
t
dem Beschwerdeführer die Möglichkeit
,
sich
sowohl
vor Erlass des
(materiellen)
Einspracheentscheides
bei der Verwaltung als auch in
einem
allfäl
ligen Beschwerdeverfahren zum
Beweiswert des
(
ergänzten
)
Aktengutachtens
zu
äussern
.
3.
3
Nach dem Gesagten erscheint das
Ergebnis des Ergänzungsgutachtens
als offen und nicht vorbestimmt, so dass gegen die Bestellung von Dr.
Y._
für
die Ergän
zung des
Aktengutachten
s
nichts einzuwenden ist.
Es
ist
demnach
nicht zu bean
standen, dass die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Verfügung vom
13
.
April
202
2
Dr.
Y._
von der
Gutachtenstelle Z._
mit der Erstattung
eines
ergänzenden Aktengutachtens
beauftragte, weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzu
weisen ist.