# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ab3b4045-bf48-4b6d-bbde-db30f5734842
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 17. Januar 2017 (GG160175)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 12. September 2016
(Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Gewalt und Drohung gegen Behörden und
Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 7 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
106 Tage durch Haft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird nicht aufgeschoben.
4. Auf die Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 60
Abs. 1 StGB (Suchtbehandlung) wird verzichtet.
5. Der amtliche Verteidiger des Beschuldigten wird mit Fr. 15'887.25
(inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr für das Vorverfahren
Fr. 9'978.– Auslagen Untersuchung (Gutachten)
Fr. 15'887.25 amtliche Verteidigung.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt, aber abgeschrieben. Die Kosten der amtlichen Ver-
teidigung werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
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Berufungsanträge:
a) Der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl:
(Urk. 54 S. 1)
"1. Abweisung der Berufung des Beschuldigten 2. Schuldigsprechung des Beschuldigten im Sinne der Anklage-
schrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 12. September 2016
3. Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von 10 Monaten unter  der erstanden Untersuchungshaft
4. Vollzug der Freiheitsstrafe
5. Anordnung einer stationären Massnahme im Sinne von Art. 60 Abs. 1 StGB (Suchtbehandlung)
6. Kostenauflage zu Lasten des Beschuldigten"
b) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 55 S. 2)
"1. Das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - , vom 17.01.2017 (Geschäfts-Nr. GG160175) sei aufzuheben;
2. der Beschuldigte sei von jeglicher Schuld und Strafe ;
3. von der Anordnung einer stationären Massnahme sei in jedem Fall abzusehen;
4. der Beschuldigte sei für die gegen ihn zu Unrecht geführte  sowie die von ihm erstandenen Untersuchungshaft mit mindestens CHF 21'200.00 zu entschädigen;
5. die Kosten der Strafuntersuchung sowie der amtlichen  seien auf die Staatskasse zu nehmen;
alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl. 8% MWSt. zu  des Staates."
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## Considerations

Erwägungen:
I.
a) Die Anklagebehörde legt dem Beschuldigten als Gewalt und Drohung ge-
gen Beamte (Art. 285 Ziff. 1 StGB), eventualiter als Drohung (Art. 180 Abs. 1
StGB) zur Last, dass er am 1. Dezember 2015 um ca. 08.30 Uhr dem für sein
Dossier zuständigen Mitarbeiter des Sozialamtes der Stadt Zürich, B._, am
Telefon gesagt habe, er mache ihn für seine Situation verantwortlich. B._ sol-
le sich besser verstecken. Er sei dran, sobald er, der Beschuldigte, zu den ent-
sprechenden Mitteln komme. B._ gehöre auf seine Hitliste, und er werde dies
umsetzen, dort wo nicht mehr die Gesetze gälten, sondern der Terror. Er stehe
kurz davor, es zu tun, denn B._ sei die Ursache und deshalb sein Feindbild,
und ihm sei es nach Rache. Mit diesen drohenden Worten habe der Beschuldigte
den Geschädigten dazu bringen wollen, dass dieser sein Dossier einem anderen
Sozialarbeiter übergebe, was aber nicht geschehen sei. B._ sei jedoch in
seinem Sicherheitsgefühl stark beeinträchtigt worden, was der Beschuldigte zu-
mindest in Kauf genommen habe (Urk. 19 S. 3).
b) In der Anklage steht ausserdem, dass der Beschuldigte dem Geschädig-
ten und nachmaligen Privatkläger schon in einer Mailnachricht vom 9. November
2015 geschrieben habe, dieser sei persönlich zu seiner Zielperson geworden. Am
30. November 2015 habe er B._ geschrieben, dass er versuche, dessen
Person zu demontieren, und gleichentags am Telefon den bekannten Zuger At-
tentäter Leibacher erwähnt. Er habe zudem gesagt, dass er im Begriffe sei, Waf-
fen zu beschaffen, und dass es sinnlos sei, wenn B._ eine Schutzweste tra-
ge, da er auf den Kopf zielen würde. Letzteres habe er dem Sozialarbeiter am
frühen Morgen des 1. Dezember 2015 auch per E-Mail geschrieben (a.a.O.,
S. 2/3).
c) Mit Urteil vom 17. Januar 2017 sprach das Bezirksgericht Zürich, 10. Ab-
teilung (Einzelgericht), A._ der Gewalt und Drohung gegen Beamte (Art. 285
Ziff. 1 StGB) schuldig und erkannte auf 7 Monate Freiheitsstrafe ohne Vollzugs-
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aufschub. Auf die von der Staatsanwaltschaft beantragte Anordnung einer statio-
nären Suchtbehandlung wurde verzichtet. Die Verfahrenskosten wurden dem Be-
schuldigten auferlegt, aber abgeschrieben (Urk. 43 S. 29/30).
d) Gegen dieses Urteil meldeten sowohl die Staatsanwaltschaft (Urk. 37) als
auch der amtliche Verteidiger des Beschuldigten (Urk. 39) rechtzeitig die Beru-
fung an. Sie reichten sodann auch fristgerecht die Berufungserklärungen ein
(Urk. 44, vgl. Urk. 42/1; Urk. 45/1, vgl. Urk. 42/2). Die Anklagebehörde verlangt
die Erhöhung der Freiheitsstrafe auf 10 Monate und eventualiter die Anordnung
einer stationären Massnahme gemäss Art. 60 StGB unter Aufschub des Strafvoll-
zugs. Der Beschuldigte strebt mit seiner Appellation einen vollumfänglichen Frei-
spruch sowie die Zusprechung von Entschädigung und Genugtuung für die er-
standene Haft an. Nach entsprechender Fristansetzung erklärten sowohl der Be-
schuldigte als auch die Staatsanwaltschaft, Anschlussberufung zu erheben, stell-
ten aber keine weitergehenden Anträge (Urk. 48 und 49). Im Berufungsverfahren
wurden keine Beweisanträge gestellt. Nach der heutigen Berufungsverhandlung
erweist sich der Prozess als spruchreif.
II.
Hinsichtlich der Festsetzung des Verteidigerhonorars (Ziff. 5) und der Kos-
tenaufstellung (Ziff. 6) blieb das vorinstanzliche Urteil unangefochten. Es ist inso-
weit in Rechtskraft erwachsen (Art. 402 StPO), was vorab in einem Beschluss
festzustellen ist.
III.
a) Die Vorinstanz ging ohne weiteres davon aus, dass auch die E-Mails vom
9. und 30. November 2015 und die telefonischen Äusserungen des Beschuldigten
am letztgenannten Datum sowie die Mailnachricht vom 1. Dezember 2015 als
Tathandlungen eingeklagt seien (Urk. 43 S. 5). Sie befragte ihn denn auch dazu,
und der Beschuldigte bestritt diese Sachverhalte nicht (Prot. I S. 5/6).
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b) In der Anklageschrift werden diese Ereignisse zwar in einem sich über 23
Zeilen hinziehenden "Schlangensatz" zusammen mit dem Telefonat vom 1. De-
zember 2015 unter dem Marginale "Tatvorgehen" geschildert, was dafür spricht,
dass sie Bestandteile des Anklagevorwurfs sein sollen. Der überlange Satz be-
ginnt indessen mit den Worten: "Nachdem der Beschuldigte B._, dem für ihn
zuständigen Sozialarbeiter der Stadt Zürich, bereits mit E-Mail vom 9. November
2015 mitgeteilt hatte ...". Dieser Nebensatz endet erst auf Zeile 14 der Sachver-
haltsbeschreibung, wo diese mit den Worten "..., sagte er zu vorgenannter Zeit
zum Geschädigten ..." in einen Hauptsatz übergeht, in welchem verschiedene
Äusserungen des Beschuldigten anlässlich des Telefonats vom 1. Dezember
2015 aufgeführt werden. Der Begriff "vorgenannte Zeit" bezieht sich offensichtlich
auf die unter dem Marginale "Datum und Zeit" enthaltene Angabe: "01.12.2015,
ca. 08.30 Uhr". Diese Bezeichnung der Tatzeit und die Tatsache, dass keine
mehrfache Tatbegehung eingeklagt wurde, legen den Schluss nahe, dass die
Staatsanwaltschaft einzig das Telefongespräch vom 1. Dezember 2015 zum Ge-
genstand der Anklage machen wollte. Die vorangegangenen Ereignisse wären
demnach lediglich als Vorgeschichte der eigentlichen Tathandlung zu verstehen.
c) Die Anklage erweist sich diesbezüglich jedenfalls als unklar und genügt
insofern den Anforderungen von Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO nicht. Der Beschuldigte
kann nicht sicher erkennen, was ihm nun konkret als Straftat angelastet wird und
was nicht. Eine Rückweisung an die Staatsanwaltschaft zur Präzisierung der An-
klage wäre zwar möglich (Art. 329 Abs. 2 StPO). Die Äusserungen des Beschul-
digten vor dem Telefonat vom 1. Dezember 2015 könnten indessen auch hernach
zumindest zu einem grossen Teil kaum als Drohungen geahndet werden. Die Er-
klärung, dass der Privatkläger "persönlich zur Zielperson" des Beschuldigten ge-
worden sei, und die Ankündigung, die Person des Privatklägers zu "demontieren",
konnten sich ohne weiteres auch auf ein Vorgehen mit legalen Mitteln beziehen.
Selbst die Erwähnung des Attentäters Leibacher bildet für sich allein noch keine
Drohung. Erst die Mitteilung des Beschuldigten, dass er dabei sei, sich Waffen zu
besorgen, und dass eine Schutzweste dem Privatkläger nicht helfe, weil der Be-
schuldigte auf dessen Kopf zielen werde, ist unzweifelhaft als Todesdrohung zu
verstehen. Diese wiederholte der Beschuldigte tags darauf, wenige Minuten vor
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dem Telefongespräch vom 1. Dezember 2015, 08.30 Uhr (Urk. 6/5 S. 2), per E-
Mail. Sie wäre insoweit ohnehin zusammen mit seinen nachfolgend am Telefon
getätigten Äusserungen, der Privatkläger "sei dran", sobald der Beschuldigte zu
den entsprechenden Mitteln (i.e. Waffen) komme, und der Beschuldigte werde
"dies umsetzen, wo ... der Terror gelte", als einheitliches Tatgeschehen zu beur-
teilen. Eine Rückweisung der Anklage zur Präzisierung führte somit aller Voraus-
sicht nach zu keinem wesentlich anderen Ausgang des Prozesses, sondern hätte
im Wesentlichen nur eine Verzögerung des Verfahrens zur Folge. Sie muss des-
halb aus Gründen der Prozessökonomie unterbleiben.
d) Lediglich ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass sich der Privatkläger bis
zu den Vorfällen vom 1. Dezember 2015 erklärtermassen auch nicht bedroht fühl-
te. In einer Mailnachricht vom 30. November 2015 an den Polizeibeamten
C._ schrieb er, das gleichentags mit dem Beschuldigten geführte Telefonge-
spräch sei – trotz dessen Ankündigung, sich wieder eine Waffe zu besorgen, und
ungeachtet der Erwähnung von Leibacher – freundlich verlaufen, ohne dass der
Beschuldigte eine Drohung ausgesprochen hätte. Wie abgemacht schicke er,
B._, der Polizei die Mails des Beschuldigten. Aus seiner Sicht bestehe aber
keine wirkliche Bedrohung (Urk. 6/2/7). Dementsprechend sagte der Privatkläger
vor der Staatsanwältin aus, dass er nach dem besagten Gespräch ein gutes Ge-
fühl gehabt habe. Erst die Mailnachricht vom folgenden Tag, worin gestanden sei,
eine Schutzweste reiche nicht, weil der Beschuldigte auf den Kopf zielen würde,
habe ihn dazu veranlasst, Anzeige zu erstatten (Urk. 6/4 S. 4). Beizufügen ist,
dass es auch nicht der Privatkläger gewesen war, der die Gewaltschutzstelle der
Kantonspolizei eingeschaltet hatte. Dies hatte vielmehr das Obergericht getan
(Urk. 7/2 S. 2).
IV.
1. a) Die Mailnachricht vom 1. Dezember 2015, 08.28 Uhr liegt bei den Ak-
ten. Sie lautete: "Metapher: Schutzweste nützt bedingt – ich ziele auf den Kopf!"
(Urk. 6/5 S. 2). Der Beschuldigte anerkannte in der Untersuchung, dem Privatklä-
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ger diese Nachricht geschickt zu haben (Urk. 5/1 S. 2, Frage 7; Urk. 5/3 S. 2).
Damit ist der eingeklagte Sachverhalt in diesem Punkt erstellt.
b) Bezüglich des Wortlauts der Äusserungen, welche seitens des Beschul-
digten beim anschliessenden Telefongespräch gefallen sein sollen, beruht die
Anklage auf Notizen des Privatklägers (Urk. 6/2/8). Anlässlich der polizeilichen
Befragung (Urk. 6/1) wurde der Privatkläger dazu nicht im Detail befragt. In der
staatsanwaltlichen Einvernahme gab er zunächst an, dass er nach der vorstehend
zitierten Mailnachricht nicht mehr mit dem Beschuldigten telefoniert habe (Urk. 6/4
S. 13, Frage 75). Auf Vorhalt seiner bei den Akten liegenden Gesprächsnotizen
korrigierte er sich und erklärte, dann müsse es so gewesen sein, dass er noch-
mals telefoniert habe. Er erinnerte sich aber nur noch teilweise an den nun einge-
klagten Gesprächsinhalt und verwies im übrigen auf seine Notizen (a.a.O.,
S. 14/15, Fragen 81 ff., insbes. 82). Der Beschuldigte sagte ebenfalls aus, dass
der Privatkläger ihn nach der E-Mail vom 1. Dezember 2015 angerufen habe.
Dass dieses Gespräch stattfand, ist somit nicht zu bezweifeln.
c) Nachdem sich die Präventionsstelle Gewaltschutz bei ihm nach dem Be-
schuldigten erkundigt hatte, führte der Privatkläger über die Kontakte mit diesem
ab dem 16. Oktober 2015 ein Journal (Urk. 6/2/8). Unter dem Datum des 1. De-
zembers 2015 listete er "Aussagen (des Beschuldigten) am heutigen Telefonge-
spräch" auf. Dies muss aus ganz frischer Erinnerung geschehen sein, da aus den
Aufzeichnungen des Privatklägers auch hervorgeht, dass er noch gleichentags
den Polizeibeamten C._ informierte, der "nach den sehr deutlichen Worten"
des Beschuldigten zur Strafanzeige riet. Beim Privatkläger zeigte sich in der Un-
tersuchung keinerlei Neigung, den Beschuldigten möglichst stark zu belasten. Er
betonte im Gegenteil, sich bis zu diesem 1. Dezember 2015 nicht bedroht gefühlt
zu haben, und hob hervor, dass er tags zuvor mit dem Beschuldigten ein gutes
Gespräch gehabt hatte (Urk. 6/4 S. 4). Er führte gar aus, dass er den Beschuldig-
ten als sehr guten Menschen schätze und wisse, dass dieser sich in einer völligen
"Scheisssituation" befinde (a.a.O., S. 19; vgl. dazu auch Urk. 6/1 S. 3, Frage 12).
Es ist deshalb nicht davon auszugehen, dass die Notizen des Privatklägers fal-
sche Anschuldigungen enthalten. Sie sind viel mehr als glaubhaft einzustufen.
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Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Privatkläger anlässlich der
staatsanwaltlichen Einvernahme die einzelnen Äusserungen des Beschuldigten
nicht mehr aus freier Erinnerung wiedergeben konnte, sondern weitgehend auf
seine Notizen verweisen musste.
d) Dies gilt umso mehr, als der Beschuldigte mehrere der vom Privatkläger
referierten Äusserungen zugab. So räumte er ein, dem Privatkläger gesagt zu ha-
ben, er mache ihn für seine Situation verantwortlich (Urk. 5/2 S. 3, Urk. 5/3 S. 2).
Bei der Polizei bestätigte der Beschuldigte ferner die Aussage gegenüber dem
Privatkläger, dieser gehöre auf seine "Hitliste", und er werde "es umsetzen", als
zutreffend (Urk. 5/1 S. 3). Er gab zwar auch an, der Ausdruck "Hitliste" beziehe
sich auf Musik (a.a.O.). Dass dies nur eine Ausflucht war, erhellt aber ohne weite-
res aus den späteren Aussagen des Beschuldigten, auf der "Hitliste" stünden alle,
die ihn betrogen hätten. Im Moment habe er nicht die Mittel, um gegen diese Per-
sonen etwas zu unternehmen. Er müsse erst Geld zur Seite legen, damit er sich
wieder eine Waffe kaufen könne (Urk. 5/2 S. 8, Fragen 48 und 49). Der Beschul-
digte sagte sodann auch aus, es stimme, dass er zum Privatkläger gesagt habe,
wo die Gesetze nicht mehr gälten, gelte der Terror (Urk. 5/1 S. 3, Urk. 5/2 S. 4).
Er sei wütend, und ihm sei nach Rache zumute (Urk. 5/1 S. 3). Zutreffend sei
auch, dass er zum Privatkläger gesagt habe, dieser sei Ursache und deshalb sein
Feinbild bzw. seine "Zielperson" (a.a.O.). Einzelne in den Notizen des Privatklä-
gers vermerkte Äusserungen ("Besser Sie verstecken sich", "sobald ich zu den
entsprechenden Mitteln komme, sind Sie dran", "Ich provoziere, bin Querulant
...") bestritt der Beschuldigte zwar. In Anbetracht der weitgehenden Übereinstim-
mung seiner Zugaben mit den Aufzeichnungen des Privatklägers kann aber mit
Fug ausgeschlossen werden, dass es sich bei den vom Beschuldigten bestritte-
nen Teilsachverhalten um Erfindungen des Privatklägers handelt. Auf die Notizen
und Aussagen des Privatklägers kann auch diesbezüglich abgestellt werden.
2. a) Der solchermassen erstellte Sachverhalt umfasst einzelne Äusserun-
gen, die isoliert betrachtet nicht als Drohungen zu werten wären, so etwa die Er-
klärung des Beschuldigten, er mache den Privatkläger für seine Situation verant-
wortlich. Was der Beschuldigte am 1. Dezember 2015 innert ca. 20 Minuten
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(Urk. 6/4 S. 19) geschrieben und gesagt hat, muss indessen als Ganzes rechtlich
gewürdigt werden. Am Anfang stand die E-Mail mit der Mitteilung des Beschuldig-
ten an den Privatkläger, dass eine Schutzweste nur bedingt nütze, weil er auf den
Kopf ziele (Urk. 6/5 S. 2). Die Einleitung der Nachricht mit dem Wort "Metapher"
ergibt keinen Sinn und ändert nichts daran, dass diese E-Mail eine unmissver-
ständliche Todesdrohung enthält.
b) Vor diesem Hintergrund wirken auch die nachfolgenden Ausführungen
des Beschuldigten bedrohlich. Dies gilt insbesondere für die Ankündigungen, der
Privatkläger "sei dran", sobald der Beschuldigte über die entsprechenden Mittel
verfüge, und der Beschuldigte werde "es umsetzen" bzw. "stehe kurz davor, es zu
tun". Ihm sei nach Rache zumute (Urk. 6/2/8). Das Verhalten des Beschuldigten
gegenüber dem Privatkläger am 1. Dezember 2015 erscheint insgesamt als Dro-
hung, diesen umzubringen, insbesondere zu erschiessen, oder jedenfalls, ihm ein
schwerwiegendes Übel zuzufügen.
c) Den Tatbestand der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
erfüllt u.a., wer einen Beamten bedroht, um ihn zu einer Amtshandlung zu nötigen
(Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Vorliegend war der Privatkläger als Mitarbeiter des
Sozialamtes der Stadt Zürich und somit in seiner Eigenschaft als Beamter
(Art. 110 Abs. 3 StGB) betroffen. Der Beschuldigte bezweckte mit seinem dro-
henden Vorgehen zugegebenermassen, den Privatkläger loszuwerden (Urk. 5/2
S. 8), d.h. ihn dazu zu nötigen, nicht länger als sein Betreuer tätig zu sein.
d) Zu prüfen ist jedoch, inwiefern eine Amtshandlung tatsächlich beeinträch-
tigt wurde. Der Privatkläger schaltete den Gewaltschutzbeauftragten nicht selber
ein und zeigte den Beschuldigten auf dessen Anraten an. Die Drohung an sich
mag zwar massiv sein, aber der Privatkläger schätzte die Gefahr konkret nicht als
derart einschneidend ein. Aufgrund seiner Tätigkeit als Sozialarbeiter sei er "ein
Stück abgebrüht mit solchen Sachen" (Urk. 6/4 S. 10 Frage 53). So erklärte er,
dass er keine Angst habe (Urk. 6/1 S. 3 Frage 18). Ein gewisses Unbehagen
brachte der Privatkläger zwar zum Ausdruck, jedoch verneinte er die Fragen da-
nach, ob seine Tätigkeit durch die Drohung beeinträchtigt wurde, mehrmals sehr
klar (Urk. 6/4 S. 10 Frage 49 und S. 17 f. Frage 107). Dass er in der Ausübung
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seiner Tätigkeit beeinträchtigt worden sei, ist im übrigen in der Anklageschrift
nicht substantiiert dargetan. Weiter sah sich der Privatkläger auch nicht veran-
lasst, das Mandat abzugeben. Er war willens, es weiter zu betreuen, was er dann
auch tat (Urk. 6/4 S. 18 Fragen 113 f.). Somit muss davon ausgegangen werden,
dass der tatbestandsmässige Erfolg nicht eingetreten ist, mithin keine Amtshand-
lung beeinträchtigt wurde, weshalb in objektiver Hinsicht lediglich von einem Ver-
such auszugehen ist. Ein Versuch im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB liegt vor,
wenn der Täter sämtliche subjektiven Tatbestandsmerkmale (insbesondere Vor-
satz) erfüllt und seine Tatentschlossenheit manifestiert hat, ohne dass alle objek-
tiven Tatbestandsmerkmale verwirklicht sind (BGE 137 IV 113 E. 1.4.2 mit Ver-
weisen). Indem der Beschuldigte besagte Drohungen gegenüber B._ aus-
sprach, nahm er zumindest in Kauf, dass Amtshandlungen im Rahmen seiner Be-
treuung durch das Sozialamt behindert würden. Hätte die Drohung gewirkt, wäre
beim Sozialamt entweder durch die allfällige Arbeitsunfähigkeit B._s oder die
Übergabe des Mandats an eine andere Betreuungsperson ein administrativer
Mehraufwand entstanden. Somit ist der subjektive Tatbestand der versuchten
Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte erfüllt.
e) Zusammenfassend hat sich der Beschuldigte wegen versuchter Gewalt
und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Abs. 1 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
V.
1. a) Für diese Tat sieht das Gesetz als Sanktion eine Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder eine Geldstrafe von einem bis zu 360 Tagessätzen vor (Art. 285
Ziff. 1 Abs. 1 StGB, Art. 34 Abs. 1 StGB). Eine Freiheitsstrafe unter sechs Mona-
ten ist nur ganz ausnahmsweise zulässig, wenn der bedingte Strafvollzug ausser
Betracht fällt und eine Geldstrafe aller Voraussicht nach nicht vollzogen werden
könnte (Art. 41 Abs. 1 StGB; BGE 134 IV 63). Nach dem Willen des Gesetzge-
bers soll die Geldstrafe auch für Täter mit einem sehr geringen oder gar unter
dem Existenzminimum liegenden Einkommen ausgefällt werden können (BGE
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134 IV 105). Im Bereich von sechs Monaten bis zu einem Jahr sind sowohl Frei-
heits- als auch Geldstrafen möglich. Im Vordergrund steht dabei die Geldstrafe als
weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreifende Sanktion.
Im übrigen sind die Zweckmässigkeit der Sanktionsarten, ihre Auswirkungen auf
den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksich-
tigen. Die Wahl der Sanktionsart ist vom Gericht zu begründen (BGE 134 IV 85
und 6B_721/2009 Erw. 4.2). Letzteres hat die Vorinstanz vorliegend nicht getan
und wäre, falls die Strafe im sich überschneidenden Anwendungsbereich der bei-
den Sanktionsarten festzusetzen ist, nachzuholen.
b) Die bloss versuchte Tatbegehung ist zu berücksichtigen, weshalb der
Strafrahmen nach unten offen ist (Art. 22 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 48a
StGB). Der ordentliche Rahmen ist allerdings nur zu verlassen, wenn ausserge-
wöhnliche Umstände vorliegen und die für die betreffende Tat angedrohte Strafe
im konkreten Fall zu hart bzw. zu milde erscheint (BGE 136 IV 55 E. 5.8 mit Hin-
weisen). Innerhalb des gegebenen Rahmens misst das Gericht die Strafe nach
dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt dabei dessen Vorleben und
persönliche Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf sein Leben. Das Ver-
schulden wird nach der Schwere der Rechtsgutverletzung, der Verwerflichkeit des
Handelns und den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt,
wie weit er nach den gesamten Umständen in der Lage war, rechtskonform zu
handeln (Art. 47 Abs. 1 und 2 StGB).
2. a) Todesdrohungen richten sich gegen das höchste Rechtsgut und wie-
gen damit grundsätzlich von vornherein eher schwer. Vorliegend war für den Pri-
vatkläger allerdings offensichtlich, dass keine unmittelbare Gefahr bestand, zumal
der Beschuldigte erklärtermassen gar keine Waffe besass und ihm auch das Geld
fehlte, um kurzfristig eine solche zu beschaffen (Urk. 6/4 S. 12). Deshalb empfand
der Privatkläger zwar verständlicherweise ein extrem unangenehmes Gefühl und
in jenem Moment auch eine Beeinträchtigung seines Sicherheitsgefühls. Seine
unmittelbar auftretende Angst hielt sich indessen in Grenzen. Er befürchtete aller-
dings zumindest auf längere Sicht eine weitere, allenfalls auch gewalttätige Eska-
lation und schaltete deshalb die Polizei ein, um u.a. sicherzustellen, dass der Be-
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schuldigte bei einem künftigen Termin im Sozialzentrum auf Waffen durchsucht
würde. Insgesamt ist der vorinstanzlichen Annahme einer objektiv nicht mehr
leichten Tat zu folgen. Auf dieser Grundlage ist von einer Einsatzstrafe von etwa
acht Monaten auszugehen.
b) In subjektiver Hinsicht fällt ins Gewicht, dass beim Beschuldigten gemäss
dem psychiatrischen Gutachten von Dr. med. D._ nebst einer narzisstischen
Persönlichkeitsstörung eine schwer ausgeprägte Alkoholabhängigkeit besteht.
Aufgrund dieses Krankheitsbildes geht der Gutachter von einer leichten bis – je
nach dem Ausmass der akuten Alkoholisierung des Beschuldigten im Tatzeitpunkt
– allenfalls mittelgradigen Verminderung der Steuerungs- und damit der Schuld-
fähigkeit aus (Urk. 8/10 S. 43/44). Wieviel Alkohol der Beschuldigte vor der Tat
getrunken hatte, ist nicht mehr eruierbar. Fest steht aber, dass der Staatsanwältin
anlässlich der Hafteinvernahme ein starkes Zittern des Beschuldigten auffiel, wo-
rauf er angab, er erhalte im Gefängnis zu wenig Bier, nur drei Spezli, sei sich aber
an drei Liter pro Tag gewöhnt (Urk. 5/2 S. 1). Das letzte Schädel-CT habe ge-
zeigt, dass die Hirnmasse geschrumpft sei. Sein Gedächtnis sei nicht mehr gut,
und er finde oft nicht die richtigen Ausdrücke, wenn er etwas sagen wolle (a.a.O.,
S. 11). In den späteren Einvernahmen führte der Beschuldigte aus, dass es ihm
mit einem Pegel von 2 Promillen am besten gehe (Urk. 5/3 S. 5). Sein Alkohol-
konsum sei "konstant", d.h. er halte einen Pegel von über einem Promille. Sonst
könne er das Leben nicht ertragen (Urk. 5/4 S. 6). Vor Bezirksgericht erwähnte
der Beschuldigte, dass er auch in der Nacht trinke (Urk. 30 S. 4). Auch anlässlich
der Berufungsverhandlung erklärte der Beschuldigte, dass er ein Promille plus in-
tus habe, damit er nicht zittere (Prot. II S. 11). Offensichtlich wurde auch seine
teilweise verzögerte Reaktion. Seine diesbezüglichen Aussagen erscheinen vor
dem Hintergrund der im Gutachten geschilderten suchtmedizinischen Vorge-
schichte des Beschuldigten (Urk. 8/10 S. 22 ff.) ohne weiteres als glaubhaft. Zu
dessen Gunsten ist deshalb davon auszugehen, dass er auch am Morgen des
1. Dezember 2015 stark alkoholisiert und seine Schuldfähigkeit demzufolge in
mittlerem Grade vermindert war. Dies und die generell prekäre, von Hoffnungslo-
sigkeit und Verzweiflung geprägte Lebenssituation des Beschuldigten relativieren
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sein Verschulden in erheblichem Masse, so dass es letztlich doch als noch leicht
zu bezeichnen ist. Die Einsatzstrafe reduziert sich damit auf 5 Monate.
c) Als verschuldensunabhängige Komponente der Tat bleibt strafreduzie-
rend zu berücksichtigen, dass das Delikt im Versuchsstadium stecken geblieben
ist (Art. 22 Abs. 1 StGB). Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe hängt
insbesondere von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolges und den tatsächli-
chen Folgen der Tat ab (BGE 121 IV 49 E. 1). Wie bereits dargelegt, war der Pri-
vatkläger weder in seiner Arbeitstätigkeit eingeschränkt noch legte er das Mandat
nieder. Dass es beim Versuch blieb, ist allerdings nicht dem Beschuldigten zuzu-
rechnen, da er alles in seiner Macht stehende tat, um den objektiven Tatbestand
zu erfüllen. Angesichts dieser Tatsache ist der Versuch nur leicht strafreduzierend
zu berücksichtigen, weshalb sich die Einsatzstrafe damit insgesamt auf 4 Monate
reduziert.
3. a) A._ wurde 1956 in Zürich geboren und wuchs dort auch zusam-
men mit zwei älteren Brüdern bei den Eltern auf. Er besuchte die Primar- und die
Sekundarschule und gibt an, insgesamt eine schöne Kindheit verbracht zu haben.
Allerdings sei der Vater religiös gewesen und habe die Kinder gezwungen, neun
Stunden pro Woche in der ... Kirche zu verbringen. Nach dem Schulabgang ab-
solvierte der Beschuldigte beim Notariat E._ eine kaufmännische Lehre. An-
schliessend arbeitete er vier Jahre als Hypothekenspezialist bei der F._. In
dieser Zeit leistete er auch Militärdienst einschliesslich einer Weiterausbildung
zum Unteroffizier. Noch während seiner Zeit bei der Bank heiratete der Beschul-
digte. Er hat aus dieser Ehe einen Sohn (geb. 1989) und eine Tochter (geb.
1992). 2000 kam es zur Ehetrennung und später zur Scheidung. Der Beschuldigte
lebt nun alleine. Nach internen Weiterbildungen wurde er befördert und hatte bei
der F._ Zürich-... die Stelle eines Kreditchef-Stellvertreters inne. Ca. 1992
kündigte er diese aber, nachdem er bemerkt hatte, dass ein neu angestellter, jün-
gerer und weniger gut qualifizierter Mitarbeiter mehr Lohn bekam als er, und man
ihm eine Lohnerhöhung verweigerte. Danach war er einige Monate arbeitslos, bis
er eine Stelle als Geschäftsführer einer Baugenossenschaft antreten konnte. Er
absolvierte einen Sprachaufenthalt in den USA und berufsbegleitend eine zwei-
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jährige Ausbildung als Immobilientreuhänder sowie eine Zusatzausbildung als
Bankfachmann. 2005 wurde im Zusammenhang mit einer Erbschaftssache eine
Strafuntersuchung gegen den Beschuldigten eingeleitet. Die Baugenossenschaft
kündigte ihm daraufhin die Anstellung fristlos. In der Folge blieb der Beschuldigte
ohne Arbeit. Seit er bei der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert wurde, muss
er Sozialhilfe beziehen, wobei ihm (wohl aufgrund offener Rückforderungen) der
Grundbedarf um 10 % gekürzt wurde. Er hat kein Vermögen, aber ca.
Fr. 400'000.– Schulden, die hauptsächlich auf einen Privatkonkurs zurückgehen
(Urk. 5/4 S. 3/4, Urk. 8/10 S. 10 ff., Urk. 16/3, Urk. 30 S. 2/3, Prot. II S. 10).
b) Der Beschuldigte ist im Strafregister mit einer Verurteilung verzeichnet.
Am 22. Januar 2013 fällte die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs eine Freiheits-
strafe von 150 Tagen aus, welche der Beschuldigte in der Folge auch verbüsste
(Urk. 28).
4. a) Die noch nicht lange zurückliegende, aber auch weder einschlägige
noch besonders gravierende Vorstrafe wirkt sich mässig straferhöhend aus.
b) Der Beschuldigte besteht zwar darauf, dem Privatkläger nicht (Urk. 30
S. 8) oder jedenfalls "nicht direkt" (Urk. 5/1 S. 2), sondern nur "zwischen den Zei-
len" (a.a.O., S. 4) gedroht zu haben. Er zeigte auch kaum Einsicht oder gar Reue.
Den zur heutigen Verurteilung führenden Sachverhalt anerkannte er aber zu ei-
nem grossen Teil. Dieses Teilgeständnis kann leicht strafmindernd berücksichtigt
werden.
5. a) Die Straferhöhung überwiegt die Strafminderung leicht, so dass sich
bei einer gesamthaften Würdigung aller für die Strafzumessung relevanten Um-
stände eine Bestrafung des Beschuldigten mit 5 Monaten Freiheitsstrafe oder 150
Tagessätzen Geldstrafe als angemessen erweist.
b) Der Beschuldigte lebt zwar von Sozialhilfe und verfügt damit nur über ein
sehr bescheidenes Einkommen. Es lässt sich aber nicht sagen, dass der Vollzug
einer Geldstrafe von vornherein unmöglich wäre. Es ist daher eine solche auszu-
fällen, wobei der Tagessatz der wirtschaftlichen Situation des seit langem und
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wohl auch in Zukunft auf Sozialhilfe angewiesenen Beschuldigten entsprechend
auf Fr. 10.– anzusetzen ist.
c) Der Beschuldigte hat 106 Tage Haft erstanden (Urk. 11/1-41), die ihm auf
die Geldstrafe anzurechnen sind (Art. 51 StGB). Damit entfällt ein Anspruch des
Beschuldigten auf Entschädigung und/oder Genugtuung für die erlittene Haft.
VI.
a) Der Beschuldigte wurde innerhalb der letzten fünf Jahre vor der Tat zu
keiner Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und auch nicht zu einer
Geldstrafe von 180 oder mehr Tagessätzen verurteilt. Die Gewährung des be-
dingten Strafvollzugs ist somit grundsätzlich möglich, ohne dass besonders güns-
tige Umstände vorliegen müssen (Art. 42 Abs. 1 und 2 StGB). Voraussetzung für
den Strafaufschub wäre indessen, dass eine unbedingte Strafe nicht als notwen-
dig erscheint, um den Beschuldigten von weiteren Straftaten abzuhalten (Art. 42
Abs. 1 StGB). Dies ist der Fall, wenn ihm diesbezüglich nach den gesamten Um-
ständen nicht eine eindeutig ungünstige Prognose gestellt werden muss (BGE
134 IV 5, 134 IV 117).
b) Der Beschuldigte ist beruflich nicht und sozial kaum integriert, im Strafre-
gister indessen lediglich mit einer Vorstrafe wegen eines Vermögensdelikts ver-
merkt. Diese Umstände vermöchten noch keine eigentliche Schlechtprognose zu
begründen. Nach der Einschätzung des psychiatrischen Gutachters besteht in-
dessen beim Beschuldigten wegen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung und
schwer ausgeprägten Alkoholsucht eine deutliche Rückfallgefahr mit Bezug auf
drohendes Verhalten (Urk. 8/10 S. 43/44). Die Gefahr von Gewalthandlungen im
Rahmen auch künftig zu erwartender Konflikte mit dem Sozialamt erscheine als
mittelgradig. Zur Verbesserung der diesbezüglichen Prognose wäre in erster Linie
eine ärztlich kontrollierte Alkoholabstinenz sinnvoll. Die Vergangenheit habe aber
gezeigt, dass der Beschuldigte eine solche kaum einzuhalten vermöge. Eine me-
dikamentöse Behandlung mit Antabus sei wegen der bereits bestehenden Leber-
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schädigung kaum möglich. Vorderhand sei daher eine stationäre Alkoholentwöh-
nungstherapie angezeigt (a.a.O., S. 46/47). Dafür kämen beispielsweise die Fo-
rel-Klinik in Ellikon an der Thur/ZH oder die Klinik Hasel in Gontenschwil/AG in
Betracht. Diese stünden aber wohl nur zur Verfügung, wenn der Beschuldigte be-
reit wäre, sich einer solchen stationären Behandlung zu unterziehen. Wenn eine
solche Massnahme gegen den Willen des Beschuldigten durchgeführt werden
müsse, sei die Auswahl therapeutischer Institutionen begrenzt. In diesem Falle
stelle sich die Frage, ob die stationäre Behandlung nicht eher unter dem Dach
von Art. 59 StGB erfolgen müsste, zumal beim Beschuldigten auch eine narzissti-
sche Persönlichkeitsstörung vorliege, die nicht gänzlich vernachlässigt werden
dürfe (a.a.O., S. 45/46). Vor Bezirksgericht (Urk. 30 S. 4/5) und auch in der heuti-
ge Berufungsverhandlung brachte der Beschuldigte mit aller Deutlichkeit zum
Ausdruck, dass er eine stationäre Suchttherapie ablehnt (Prot. II S. 10 und 15 f.).
Nach 16 Therapieversuchen sei das "völlig blödsinnig". Er sei für einen Alkohol-
entzug nicht motiviert. Da mache er nicht mit, damit habe er schon zu viel Erfah-
rung. Er habe immer einen Grund zum Trinken und mache das auch. Dass sich
seine geistigen Fähigkeiten dadurch weiter verringern würden, sei beabsichtigt.
Aufgrund der dargelegten gutachterlichen Feststellungen und Aussagen des Be-
schuldigten kann realistischerweise nicht mit der erfolgreichen Durchführung einer
Therapie gerechnet werden. Im Übrigen hat nur schon die Tatsache, dass der
Beschuldigte dringend einer Therapie bedürfte, zur Folge, dass ihm zumindest
derzeit eine ungünstige Legalprognose gestellt werden muss. Damit fällt die Ge-
währung des bedingten Strafvollzugs ausser Betracht.
VII.
a) Der psychiatrische Gutachter diagnostizierte beim Beschuldigten einer-
seits eine narzisstische Persönlichkeitsstörung und anderseits eine schwere Al-
koholabhängigkeit (Urk. 8/10 S. 26 ff. und S. 43). Den gutachterlichen Erörterun-
gen zur Frage der Ausführungsgefahr lässt sich sodann entnehmen, dass beim
Beschuldigten vor allem der Alkoholmissbrauch die Begehung von Straftaten be-
günstigt. Um der Gefahr weiterer Delikte zu begegnen, bedürfe es einer stationä-
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ren Therapie, weil nicht zu erwarten sei, dass der Beschuldigte in ein ambulantes
Behandlungssetting eingebunden werden könne. Als geeignete Therapieeinrich-
tungen empfahl der Gutachter zwei typische Suchtkliniken (Forel-Klinik, Klinik Ha-
sel), woraus sich ableiten lässt, dass er primär eine stationäre Suchtbehandlung
gemäss Art. 60 StGB für zweckmässig hält. Er wies allerdings auch darauf hin,
dass eine solche Behandlung gegen den Willen des Beschuldigten im Rahmen
einer Suchtklinik kaum möglich sei. In diesem Falle wäre eine stationäre Mass-
nahme zur Behandlung psychischer Störungen (Art. 59 StGB) in Betracht zu zie-
hen, weil dabei eher Möglichkeiten für einen geschlosseneren therapeutischen
Rahmen bestünden und zudem auch die beim Beschuldigten bestehende narziss-
tische Persönlichkeitsstörung angegangen werden sollte (a.a.O., S. 45-47).
b) Ist der Täter von Suchtstoffen abhängig, so kann das Gericht eine statio-
näre Behandlung anordnen, wenn der Täter ein Verbrechen oder Vergehen be-
gangen hat, das mit seiner Abhängigkeit zusammenhängt, und wenn zu erwarten
ist, mit der Behandlung lasse sich der Gefahr weiterer solcher Straftaten begeg-
nen (Art. 60 Abs. 1 StGB). Ist der Täter psychisch schwer gestört, so kann das
Gericht eine stationäre Behandlung anordnen, wenn der Täter ein Verbrechen
oder Vergehen begangen hat, das mit seiner psychischen Störung zusammen-
hängt, und wenn zu erwarten ist, mit der Behandlung lasse sich der Gefahr weite-
rer solcher Straftaten begegnen (Art. 59 Abs. 1 StGB). Aufgrund des psychiatri-
schen Gutachtens kann davon ausgegangen werden, dass diese Eingangsvor-
aussetzungen sowohl für eine Massnahme nach Art. 59 StGB als auch für eine
solche nach Art. 60 StGB gegeben sind, wobei letztere im Vordergrund steht. Zu
beachten ist indessen, dass der mit der vorgesehenen Massnahme verbundene
Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Täters im Hinblick auf die Wahrscheinlich-
keit und Schwere künftiger Straftaten nicht unverhältnismässig sein darf (Art. 56
Abs. 2 StGB).
c) Bei der Prüfung, ob eine stationäre Massnahme für Suchtkranke anzu-
ordnen sei, trägt das Gericht der Behandlungsbereitschaft des Täters (bzw. deren
Fehlen) Rechnung (Art. 60 Abs. 2 StGB). Wie bereits erörtert wurde (Erw. VI/b),
widersetzt sich der Beschuldigte, der schon zahlreiche Therapieversuche hinter
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sich hat, einer stationären Suchtbehandlung kategorisch (Urk. 30 S. 4/5, Prot. II
S. 10 und 15 f.). Dies bedeutet nicht, dass eine solche nicht auch gegen den Wil-
len des Täters angeordnet werden kann. Häufig ist die ablehnende Haltung des
Betroffenen gerade krankheitsbedingt und gehört es als erster notwendiger Schritt
zur Behandlung, die Therapiebereitschaft des Patienten zu bewirken. In den letz-
ten Jahren kam es in der forensischen Psychiatrie zu einer Trendwende, indem
das Konzept der Freiwilligkeit als Bedingung für eine Therapie aufgegeben wurde.
Zwangsweise Behandlungen sollen gar nahezu die gleichen Erfolgschancen ha-
ben wie freiwillig angetretene Therapien (Basler Kommentar zum StGB, 3.A.,
N 44 zu Art. 60 StGB). In der Praxis nehmen aber die auf Suchttherapien spezia-
lisierten Einrichtungen therapieunwillige Personen nicht auf (vgl. Urk. 30 S. 5:
"Aber die wollen mich nicht, vergessen Sie es"). Darauf wies auch der Gutachter
hin (Urk. 8/10 S. 46). Hinzu kommt, dass der Beschuldigte nach eigenem Bekun-
den 16 erfolglose Versuche zur Behandlung seiner Alkoholabhängigkeit hinter
sich hat (Urk. 30 S. 4), wobei er auch mindestens sechsmal hospitalisiert wurde
(Urk. 8/10 S. 23-26). An der Einsicht in seine Krankheit in Bezug auf die Alkohol-
abhängigkeit mangelt es nicht. Unter diesen Umständen erscheint die zwangs-
weise Anordnung einer Massnahme nach Art. 60 StGB als sinnlos.
d) Zu prüfen bleibt, ob der Beschuldigte in eine stationäre Behandlung psy-
chischer Störungen (Art. 59 StGB) einzuweisen ist. Solche Massnahmen werden
öfters zwangsweise angeordnet. Die entsprechenden Kliniken verfügen über die
nötigen geschlossenen Abteilungen und nehmen therapieunwillige Patienten auf.
Der mit der Massnahme verbundene Eingriff in die Persönlichkeitsrechte des Ein-
gewiesenen wiegt indessen schwer, zumal diese Art von Massnahmen regelmäs-
sig auch auf eine längere Dauer (von bis zu fünf Jahren) ausgelegt ist (Art. 59
Abs. 4 StGB). Zwar wäre beim Beschuldigten die dafür nötige Voraussetzung ei-
ner schweren psychischen Störung gegeben, denn er ist nicht nur sehr stark al-
koholabhängig, sondern leidet ausserdem an einer Persönlichkeitsstörung, die
vom Gutachter als mittelschwer ausgeprägt eingestuft wurde (Urk. 8/10 S. 43).
Beim Beschuldigten besteht indessen eine deutliche Rückfallgefahr vor allem be-
züglich Drohungen (Urk. 8/10 S. 44). Hinsichtlich der Ausführung von Gewalt-
handlungen hingegen erscheint sie als eher moderat und wäre vor allem in Situa-
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tionen gegeben, deren Eintritt auch mit anderen, milderen Vorkehrungen (z.B. mit
polizeilichen Kontrollen anlässlich von Behördenterminen) vermieden werden
kann (a.a.O., S. 47). Bei dieser Sachlage ist die Anordnung einer stationären
Massnahme nach Art. 59 StGB unverhältnismässig, weshalb davon abzusehen
ist.
VIII.
Der Beschuldigte erreicht im Berufungsverfahren, dass das Strafmass von
sieben Monaten Freiheitsstrafe auf 150 Tagessätze Geldstrafe reduziert wird. Im
übrigen unterliegt er mit seinen Berufungsanträgen. Die Berufung der Staatsan-
waltschaft bleibt erfolglos. Bei diesem Prozessausgang ist die erstinstanzliche
Kostenauflage (und -abschreibung) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die
Kosten des Berufungsverfahrens gehen zu einem Drittel zu Lasten des Beschul-
digten und zu zwei Dritteln zu Lasten des Staates (Art. 428 Abs. 1 StGB). Der
Kostenanteil des Beschuldigten ist, da dieser mittellos sowie hoch verschuldet ist
und dies voraussichtlich bleiben wird, sofort abzuschreiben. Ebenso sind die Kos-
ten der amtlichen Verteidigung und die Kosten aus dem Beschwerdeverfahren be-
treffend Haftentlassung (Geschäftsnummer UB150167, Beschluss vom 15. Janu-
ar 2016) definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 425 StPO).