# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0537a7dd-1a05-40a9-84f5-5c5d16e273ba
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. A._ und B._ heirateten 1996 und haben zwei mittlerweile erwachsene Kinder.
B. Nach Darstellung im angefochtenen Entscheid des Regionalgerichts Imboden ist im Jahr 2014 die Scheidungsklage erhoben und dann im Jahr 2015 ein Eheschutzverfahren eingeleitet worden. Das wäre ungewöhnlich, weil Eheschutzmassnahmen nur vor dem Scheidungsprozess getroffen werden und während der Dauer des Letzteren erforderlichenfalls vorsorgliche Massnahmen zur Verfügung stehen (Art. 271 lit. a und 276 ZPO). Tatsächlich wurde das Eheschutzbegehren am 2. Juni 2015 gestellt, die Scheidungsklage datiert vom 3. April 2017 (RG act. I.1 im RG-Dossier 135-2015-226 und RG act. I.1 im  115-2017-13). Im Folgenden wird aus dem Dossier des Regionalgerichts zur Scheidung mit "RG act. ..." zitiert, aus den Dossiers der beiden Berufungen mit "act. ... [159]" resp. "act. ... [160]".
Der angefochtene Entscheid soll nach der Angabe auf dem Deckblatt am 4. April 2019 gefällt worden sein. Im Aktenverzeichnis heisst es "I.9. Entscheid [...] vom 4. April (recte 9. April)". Das erste Datum ist unwahrscheinlich, weil am 9. April 2019 noch die mündliche Hauptverhandlung stattgefunden haben soll. Wann die sechs laut Deckblatt Mitwirkenden das Urteil tatsächlich gefällt resp. protokolliert haben, geht aus den Akten nicht hervor; das Protokoll der Hauptverhandlung (RG act. I.8) gibt keinen Hinweis darauf, dass unmittelbar anschliessend beraten worden wäre, und die Unterschriften auf Seite 31 in Verbindung mit dem auf Seite 1 vermerkten Datum des erst Monate später versandten Entscheids (RG act. I.9) sind dafür kaum beweiskräftig. Keine Partei widerspricht dem indessen. Es ist daher hier davon auszugehen, dass ein Entscheid des Regionalgerichts Imboden vom 9. April 2019 angefochten und zu überprüfen ist.
C. Das Rechtsbegehren der Scheidungsklage (RG act. I.1) lautete wie folgt:
1. Die Ehe der Parteien sei gestützt auf Art. 114 ZGB zufolge Trennung seit dem 1. April 2015 zu scheiden.
2.a) Der Sohn P._, geb. am _ 1999, sei unter der gemeinsamen elterlichen Sorge der Eltern zu belassen und unter die elterliche Obhut der Mutter zu stellen.
b) Die AHV-Erziehungsgutschriften seien der obhutsberechtigten Mutter gutzuschreiben.
c) Auf die Regelung eines Besuchs- und Ferienrechts sei aufgrund des Alters des Sohnes zu verzichten.
d) Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten an die Kosten des Unterhalts und der Erziehung für den Sohn P._ monatlich und im
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Voraus zahlbare Unterhaltsbeiträge von CHF 750.00 zuzüglich allfällige Ausbildungszulagen zu entrichten, zahlbar jeweils auf den Ersten eines jeden Monats. Dieser Betrag sei ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zur Mündigkeit des Sohnes zu leisten, solange der Sohn im Haushalt der Mutter lebt. Nach Erreichen der Mündigkeit des Sohnes P._ sei festzuhalten, dass sich der Kläger bereit erklärt, seinem Sohn P._ bis zum Abschluss einer angemessenen ersten Ausbildung einen Mündigenunterhalt in Höhe von monatlich CHF 300.00 zuzüglich allfällige Ausbildungszulagen zu bezahlen.
3. Es sei der Beklagten kein nachehelicher Unterhalt zuzusprechen.
4.a) Die güterrechtliche Auseinandersetzung sei gemäss Gesetz vorzunehmen.
b) Das im hälftigen Miteigentum der Ehegatten stehende Reiheneinfamilienhaus C._strasse in O.1._, Plan-Parzelle _, Geb.-Nummer _, sei dem Kläger zu Alleineigentum zuzuweisen.
c) Die im hälftigen Miteigentum der Ehegatten stehenden Autoeinstellplätze Nr. 4 und Nr. 5, D._strasse in O.1._,  _, Miteigentumsblatt _ und _, seien dem Kläger zu Alleineigentum zuzuweisen.
d) Die Beklagte sei aus der hypothekarischen Solidarschuld bei der Hypothekarbank K._ zu entlassen.
e) Der Kläger sei zu verpflichten, der Beklagten unter dem Titel "güterrechtliche Auseinandersetzung" einen noch festzusetzenden Betrag zu bezahlen.
5. Es sei ein vollständiger Ausgleich der von den Parteien während der Ehe erworbenen BVG-Guthaben vorzunehmen.
6. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten.
In der Folge konnten sich die Eheleute am 29. Oktober / 6. November 2017 über die Scheidungsfolgen weitgehend einigen; das betraf auch die Belange des Sohnes P._, welcher am _ 2017 volljährig wurde (der angefochtene Entscheid nennt die Fundstelle nicht, der Text findet sich in RG act. II.2).
Am 27. November 2017 reichte A._ die Klagebegründung im Sinne von Art. 291 ZPO ein, mit den Anträgen (RG act. I.3):
1. Die Ehe der Parteien sei gestützt auf Art. 114 ZGB zufolge Trennung seit dem 1. April 2015 zu scheiden.
2. Die Teil-Scheidungskonvention vom 29.10.2017/06.11.2017 sei gerichtlich zu genehmigen.
3. Der Beklagten sei kein nachehelicher Unterhalt zuzusprechen.
4. Es seien die Kosten mit Bezug auf die strittig gebliebenen Scheidungsfolgen vollumfänglich der Beklagten aufzuerlegen, welche zu verpflichten ist, dem Kläger für das strittige Verfahren eine volle Parteientschädigung in der Höhe der Honorarnote, welche an der Hauptverhandlung eingereicht wird, zu bezahlen.
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B._ liess die Klage am 29. Januar 2018 beantworten (RG act. I.4), mit den Anträgen:
1. Die Ehe der Parteien sei zu scheiden.
2. Die Teil-Konvention vom 29.10./06.11.2017 sei gerichtlich zu genehmigen.
3. Der Kläger sei zu verpflichten, an den Unterhalt der Beklagten einen monatlichen Unterhaltsbeitrag in Höhe von CHF 2'000.00, allenfalls einen Betrag nach richterlichem Ermessen zu bezahlen.
4. Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Klägers.
Die Anträge blieben in Replik und Duplik unverändert (RG act. I.5-6).
D. Das Regionalgericht erliess am 12. September 2018 eine Beweisverfügung, führte am 9. April 2017 die Hauptverhandlung durch und fällte zu einem nicht feststellbaren Zeitpunkt seinen Entscheid (RG act. I.7-9).
Das Dispositiv des Urteils lautet wie folgt:
1. Die am 15. Mai 1996 vor Zivilstandsamt L._ geschlossene Ehe von B._ und von A._ wird gestützt auf Art. 112 geschieden.
2. A._ wird verpflichtet, B._ mit Wirkung ab Rechtskraft des Scheidungsurteils bis zum Eintritt der Unterhaltsberechtigten in das ordentliche AHV-Alter einen monatlich zum Voraus zahlbaren Unterhaltsbeitrag in Höhe von CHF 870.00 zu entrichten.
3. Die Pensionskasse der M._-Gesellschaften in der Schweiz, E._strasse, Postfach, O.2._, wird angewiesen, vom Pensionskassenguthaben des A._ (Personal-Nr. _, Versicherten-Nr. _, AHV-Nr. _) den Betrag von CHF 64'783.50 auf das Konto von B._ bei der Pensionskasse P._, F._strasse, O.3._ (Versichertennummer _, Personal-Nr. _, AHV-Nr. ) zu überweisen.
4. Die Pensionskasse der M._-Gesellschaften in der Schweiz, E._strasse, Postfach, O.2._, wird angewiesen, vom Pensionskassenguthaben des A._ (Personal-Nr. _, Versicherten-Nr. _, AHV-Nr. _) den Betrag von CHF 49'642.95 mit dem Vermerk "Rückzahlung WEF-Vorbezug" auf das Konto von B._ bei der Q._ Freizügigkeitsstiftung, Postfach, O.6._ (IBAN: _; Konto Nr. G._ Pensionskasse P._, F._strasse, O.3._ (Versichertennummer _, Personal-Nr. _, AHV-Nr. / _) zu überweisen.
Die Q._ Freizügigkeitsstiftung wird angewiesen, nach Erhalt der vorstehend erwähnten Rückzahlung WEF-Vorbezug beim Grundbuch R._ die Löschung der auf dem hälftigen Miteigentumsanteil von B._ an der Liegenschaft Nr. _ Plan Nr. 4 (Reiheneinfamilienhaus Vers. Nr. _ mit 218 m2 Gebäudegrundfläche und Umschwung, C._, O.1._) vorgemerkten Veräusserungsbeschränkung zu veranlassen.
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5. Das Grundbuchamt R._ wird angewiesen, A._ (unter Übertragung des hälftigen Miteigentums von B._) als Alleineigentümer der Liegenschaft Nr. _ Plan Nr. 4 (Reiheneinfamilienhaus Vers. Nr. _ mit 218 m2 Gebäudegrundfläche und Umschwung, C._, O.1._) im Grundbuch einzutragen.
Das Grundbuchamt O.1._ wird des Weiteren angewiesen, A._ (unter Übertragung des hälftigen Miteigentums von B._) als Alleineigentümer der Grundstücke Nr. _ / - / _ - (Autoeinstellplatz Nr. 4) sowie _ / - / _ / - (Autoeinstellplatz Nr. 5) im Grundbuch einzutragen.
Gleichzeitig wird A._ Alleinschuldner der auf den Grundstücken Nr. _, _ und _ lastenden Grundpfandforderung, sichergestellt durch den Inhaberschuldbrief Nr. _ über CHF 550'000.00 im 1. Rang z.G. der Hypothekarbank K._, K._ 1. Vorbehalten bleibt Art. 832 ZGB betreffend Schuldübernahme. Die Grundbuchgebühren gehen je zur Hälfte zu Lasten der Parteien.
6. A._ wird verpflichtet, B._ eine güterrechtliche Ausgleichszahlung in Höhe von CHF 80'000.00 zu entrichten, zahlbar in drei Raten wie folgt:
a) CHF 20'000.00 innert 30 Tagen seit Rechtskraft des Scheidungs- urteils; b) CHF 30'000.00 innert zwei Monaten nach der ersten Transaktion; c) CHF 30'000.00 innert zwei Monaten nach der zweiten Transaktion.
7. Im Übrigen wird die am 29. Oktober/6. November 2017 abgeschlossene Teil-Ehescheidungskonvention im Sinne von Art. 279 ZPO genehmigt.
8. Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 6'000.00 werden den Parteien je zur Hälfte auferlegt. Der auf B._ anfallende Anteil geht infolge der ihr gewährten unentgeltlichen Rechtspflege zu Lasten des Kantons Graubünden und wird auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt der Rückforderungsanspruch des Gemeinwesens (Art. 123 ZPO).
Die ausseramtlichen Kosten werden wettgeschlagen, Rechtsanwalt lic. iur. et oec. Pius Fryberg ist nach Massgabe von Art. 122 Abs. 1 lit. a ZPO zu Lasten des Kantons Graubünden mit CHF 8'430.75 (inkl. Mehrwertsteuer) zu entschädigen. Die Entschädigung wird aus der Gerichtskasse bezahlt. Vorbehalten bleibt der Rückforderungsanspruch des Gemeinwesens.

## Considerations