# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6c7b6976-d4e1-4d6d-b0a8-32ed879cc83b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die
X._
AG
bezweckt die
Erbringung von Dienstleistungen in den Bereichen Marken, Marketing und Kommunikation (
Urk.
7/52).
Am 2
4.
März 2020 (Eingangsdatum) reichte die G
esellschaft unter Hinweis darauf, dass ihre Kunden aufgrund der Corona-Pandemie die Werbekampagnen für die Monate März
(
2.
Hälfte)
, April und Mai 2020 annulliert hätten, eine Voranmeldung von Kurzarbeit ein (
Urk.
7/51). Dagegen erhob das
Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (AWA)
teilweise Einspruch. In seiner V
erfügung
vom
1.
April 2020 hielt es fest, dass die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
- sofern die übrigen An
spruchsvoraussetzungen erfüllt seien - der Gesellschaft
in der Zeit vom 2
4.
März bis 2
3.
September 2020 Kurzarbeits
entschädigungen ausrichten könne (
Urk.
7/50). Nach weiteren
Voranmeldung
en von Kurzarbeit, welche wie
derum mit fehlenden Aufträgen wegen der Corona-Pandemie begründet wurden (
Urk.
7/41,
Urk.
7/45,
Urk.
7/47), wurde die Ausrichtung von Kurzarbeits
entschä
digung
vom AWA
für die Zeit
perioden vom
1.
September bis 3
0.
Novem
ber 2020 (
Verfügung vom 2
4.
August 2020,
Urk.
7/46), vom
1.
Dezember 2020 bis
2
8.
Feb
ruar 2021 (
Verfügung vom 1
3.
November 2020,
Urk.
7/43) und
1.
März bis 3
1.
Mai 2021 (
Verfügung vom 1
0.
Februar 2021,
Urk.
7/4
0
)
ganz oder teilweise
bewilligt.
1.2
Am 10
. Mai 2021 reichte
die
X._
AG beim
AWA
für die Zeit ab dem
1
.
Juni
2021 für
14
Arbeitnehmende
eine Voran
meldung von Kurzarbeit
bei einem voraussichtlichen Arbeitsausfall von 30 %
ein
. Zur Begründung führte sie
erneut
aus,
dass ihre b
estehen
den Kunden aufgrund der
Covid-19
-Pandemie
keine Werbeaufträge er
teilen
würden
(Urk.
7
/1).
Mit E-Mail vom gleichen Tag liess sie um Korrektur des voraussichtlichen Arbeitsausfalls auf 70 %
und am 22. Mai 2021 um erneute Korrektur auf die Angaben gemäss Voranmeldung
er
suchen (Urk. 7/3
, Urk. 7/25
).
Auf Aufforderung des AWA hin
reichte die Gesell
schaft
in der Folge am 3
1.
Mai 2021 ihre
monatlichen
Umsatzzahlen
der
Jahre
2019 und 2020 sowie der Monate Januar bis April 2021 und
Angaben zur vor
aussicht
lichen Entwicklung des Geschäfts
ganges der Monate
Juni bis September 2021 ein
(
Urk.
7/2
3 - Urk. 7/25
).
Nach weiteren Rückfragen (vgl. Urk. 7/29, Urk. 7/31
) und Hinweis auf
die Auskunftspflicht (Urk. 7/32
)
liess si
e
de
m AWA mit E-Mail-Nachricht vom 2
4.
Juni 2021 (
Urk.
7/33) eine Liste mit
den in der Zeit
perio
de vom
1.
Mai 2020 bis 3
1.
Mai 2021
abgesagten oder verschobenen Projekten
(
Urk.
7/34)
zukommen
.
Gestützt auf diese Angaben
entschied das AWA m
it Verfügung vom
9. Juli
2021, dass die Bewilligung für die Auszahlung von Kurzarbeitsentschädigung nicht erteilt werde (Urk.
7
/
4
). Die dagegen von der
X._
AG am 2. August 2021 erhobene Einsprache (Urk.
7
/
5
) wies das AWA mit
Einsprache
entscheid
vom 21. Dezember 2021 ab (Urk. 2).
2.
2.1
Dagegen erhob
die
X._
AG am 27. Januar
2022 Beschwerde (Urk. 1). Sie beantragte (
Urk.
1 S. 2):
«
1.
Es seien der
Einspracheentscheid
des Beschwerdegegners vom 21.12.2021 Nr.
342078915 sowie die Verf
ügung des Beschwerdegegners vom 9.7.2021 Nr. 341669448 aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei ab 1.6.2021 bis 31.10.2021 die Kurzarbeit zu bewilligen
.
2.
Eventualiter seien der
Einspracheentscheid
des Beschwerdegegners vom 21.12.2021 Nr. 342078915 sowie die Verfügung des Beschwerdegegners vom 9.7.2021 Nr. 341669448 aufzuheben und der Beschwerdeführerin sei ab 1.6.2021 bis 31.10.2021 die Kurzarbeit teilweise, eingeschränkt nach Dauer, zu bewilligen (
Urk.
1 S. 2
).
»
In prozessualer Hinsicht beantragte
d
ie
Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S. 3):
«
Bei Bedarf sei das Verfahren bis zum Vorliegen des Berichtes der Revisionsstelle zur Jahresrechnung 2021 inkl. Bilanz und Erfolgsrechnung der Beschwerde
füh
rerin zu sistieren und der Beschwerdeführerin sei Frist anzusetzen, diese Unter
lagen innert 10 Arbeitstagen nach Vorliegen dem Gericht
einzureichen
.
»
2.2
Der Beschwerdegegner beantragte m
it Beschwerdeantwort vom
1.
März
2022
Ab
wei
sung der Beschwerde (Urk.
6
, unter Beilage seiner Akten, Urk.
7
/1-
61).
2.3
Mit Gerichtsverfügung vom
3.
März
2022
wurde der Beschwerdeführerin eine
Kopie der
Beschwer
deantwort
des Beschwerdegegners vom 1. März 2022
zur Kenntnisnahme zugestellt
.
Die
Parte
ien
wurde
n
zud
em darauf hin
gewiesen, dass über
vom Gericht
allenfalls als
nötig erachtete weitere Ver
fahrens
schritte - ins
beson
dere den von der Beschwerdeführerin beantragten
Beizug
des Berichts der Revisions
stelle zur Jahresrechnung 2021 -
zu
einem späteren Zeitpunkt ent
schie
den
werde
.
Falls
das Gericht keine weiteren Verfahrens
schritte an
ordne
,
werde
der Endentscheid den Verfah
rensbeteiligten zu gegebener Zeit schriftlich mitge
teilt
(
Urk.
8)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung besteht, wenn der Arbeitsausfall anre
chenbar sowie voraussichtlich vorübergehend ist und erwartet werden darf, dass durch Kurzarbeit die Arbeitsplätze erhalten werden können (Art.
31 Abs. 1
lit
. b und d
des Bundesgesetzes über die obligatorische Arbeitslosenversicherung
und die Insolvenzentschädigung, AVIG). Voraussetzung für die Anrechenbarkeit des Arbeitsausfalles ist, dass er auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführen und un
vermeidbar ist (Art.
32 Abs.
1
lit
. a AVIG). Die Rechtsprechung legt den Begriff der wirtschaftlichen Gründe - in Berücksichtigung des präventiven Charakters der Kurzarbeits
entschädigung - sehr weit aus und versteht darunter sowohl struktu
relle als auch konjunkturelle Gründe insgesamt und nicht nur den Rückgang der Nachfrage nach den normalerweise von einem Betrieb angebotenen Gütern und Dienstleistungen (BGE 128 V 305 E. 3a; Urteile des Bundesgerichts
8C_549/2017 vom 20. Dezember 2017 E. 3.2 und
C 279/05 vom 2. November 2006 E. 1, je mit Hinweisen).
Ein auf wirtschaftliche Gründe zurückzuführender und an sich grundsätzlich an
rechenbarer Arbeitsausfall gilt jedoch dann nicht als anrechenbar, wenn er
bran
chen
,
berufs
oder betriebsüblich ist oder durch saisonale Beschäftigungs
schwankungen verursacht wird (Art.
33 Abs.
1
lit
. b AVIG). Damit will das G
e
setz vor allem regelmässig wiederkehrende Arbeitsausfälle von der Kurzarbeits
ent
schädigung ausschliessen (BGE 121 V 371 E. 2a, 119 V 357 E. 1a, je mit Hin
wei
sen). Ebenfalls nicht anrechenbar ist ein Arbeitsausfall, wenn er durch betriebs
organisatorische Massnahmen, andere übliche Betriebsunterbrechungen oder durch Umstände bedingt ist, die zum normalen Betriebsrisiko des Arbeitgebers gehören (Art. 33 Abs. 1
lit
. a 2. Satzteil AVIG; ARV 2004 Nr. 5 S. 58 E. 2.1).
1.2
1.2.1
Laut
Art.
32
Abs.
1 AVIG ist ein Arbeitsausfall anrechenbar, wenn er auf wirt
schaftliche Gründe zurückzuführen und unvermeidbar ist (
lit
. a) und je Abrech
nungsperiode mindestens 10 Prozent der Arbeitsstunden ausmacht, die von den Arbeitnehmern des Betriebes normalerweise insgesamt geleistet werden (
lit
. b).
Gemäss Art. 32 Abs. 3 AVIG regelt der Bundesrat für Härtefälle die Anrechenbar
keit von Arbeitsausfällen, die auf behördliche Massnahmen, auf wetterbedingte Kundenausfälle oder auf andere vom Arbeitgeber nicht zu vertretende Umstände zurückzuführen sind. Er kann für die Fälle von Absatz 2 abweichende längere Karenzfristen vorsehen und bestimmen, dass der Arbeitsausfall nur bei vollstän
diger Einstellung oder erheblicher Einschränkung des Betriebes anrechenbar ist.
1.2.2
Arbeitsausfälle, die auf behördliche Massnahmen oder andere nicht vom Arbeit
geber zu vertretende Umstände zurückzuführen sind, sind anrechenbar, wenn der Arbeitgeber sie nicht durch geeignete, wirtschaftlich tragbare Massnahmen ver
meiden oder keinen Dritten für den Schaden haftbar machen kann (Art. 51 Abs. 1
der Verordnung über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und d
ie Insol
venzentschädigung, AVIV). Der Arbeitsausfall ist gemäss Art. 51 Abs. 2 AVIV insbe
sondere anrechenbar, wenn er verursacht wird durch:
a.
Ein- oder Ausfuhrverbote für Rohstoffe oder Waren;
b.
Kontingentierung von Roh- oder Betriebsstoffen einschliesslich Brenn
stoffen;
c.
Transportbeschränkungen oder Sperrung von Zufahrtswegen;
d.
längerdauernde Unterbrüche oder erhebliche Einschränkungen der Ener
gieversorgung;
e.
Elementarschadenereignisse.
Der Arbeitsausfall ist nicht anrechenbar, wenn die behördliche Massnahme durch Umstände veranlasst wurde, die der Arbeitgeber zu vertreten hat (Art. 51 Abs. 3 AVIV).
1.
3
1.
3
.1
Art.
17a und
Art.
17b des Bundesgesetzes über die gesetzlichen Grundlagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-Epidemie (Covid-19-Gesetz)
sehen für die Kurzarbeitsentschädigung gewisse Abweichungen vom AVIG vor; zudem wird der Bundesrat in Art. 17 Covid-19-Gesetz ermächtigt, wei
tere - näher bestimmte - abweichende Bestimmungen zu erlassen. Von dieser Befugnis hat er mit dem Erlass der Verordnung über die Massnahmen im Bereich der Arbeitslosen
ver
sicherung im Zusammenhang mit dem
Coronavirus
(Covid-19; Covid-19-Verord
nung Arbeitslosenversicherung) Gebrauch gemacht.
1.
3
.
2
Im Übrigen hat das
Staatssekretariat für Wirtschaft
SECO diesbezüglich weiter
gehende Vorgaben für die Verwaltung publiziert
.
Laut Ziffer 2.2 der
Weisungen 2021/13 und 2021/16
Aktualisierung «Sonder
regelungen aufgrund der Pandemie» des SECO
vom 30. Juni 2021 und vom 1. Oktober
2021 kann eine Pandemie aufgrund des jähen Auftretens, des Aus
masses und der Schwere nicht als normales, vom Arbeitgeber zu tragendes Betriebsrisiko im Sinne von
Art.
33
Abs.
1
lit
. a AVIG betrachtet werden, selbst wenn unter Umständen jeder Arbeitgeber davon betroffen sein kann. Demnach
sind Arbeits
ausfälle aufgrund rückläufiger Nachfrage nach Gütern und Dienst
leistungen, die auf die Pandemie zurückzuführen sind, in Anwendung von
Art.
32
Abs.
1
lit
. a AVIG anrechenbar. Der Arbeitgeber muss jedoch glaubha
ft darlegen können, dass die in seinem Betrieb zu erwartenden Arbeitsausfälle auf das Auftreten der Pan
demie zurückzuführen sind. Der einfache Hinweis auf die Pan
demie genügt nicht als Begründung.
1.3.
3
Verwaltungsweisungen, wie etwa Wegleitungen oder Kreisschreiben, richten sich an die Durchführungsstellen und sind für das Sozialversicherungsgericht nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwend
baren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestre
ben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsgleiche Gesetzesanwen
dung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 146 V 224 E. 4.4.2, 141 V 365 E. 2.4 mit Hinweisen).
1.4
Beabsichtigt ein Arbeitgeber, für seine Arbeitnehmer Kurzarbeitsentschädigung geltend zu machen, so muss er dies der kantonalen Amtsstelle mindestens zehn Tage vor Beginn der Kurzarbeit schriftlich voranmelden. Der Bundesrat kann für Ausnahmefälle kürzere Voranmeldefristen vorsehen. Die Voranmeldung ist zu erneuern, wenn die Kurzarbeit länger als drei Monate dauert (Art. 36 Abs. 1
AVIG).
In der Voranmeldung muss der Arbeitgeber unter anderem Ausmass und voraussichtliche Dauer der Kurzarbeit angeben (Art. 36 Abs. 2
lit
. b AVIG) sowie die Notwendigkeit der Kurzarbeit begründen und anhand der durch den Bundes
rat bestimmten Unterlagen glaubhaft machen, dass die Anspruchsvorausset
zun
gen nach den Artikeln 31 Abs. 1 und 32 Absatz 1 Buchstabe a erfüllt sind. Die kantonale Amtsstelle kann weitere zur Prüfung nötige Unterlagen
einverlan
gen
(Art. 36 Abs. 3 AVIG). Die kantonale Amtsstelle prüft, ob die Anspruchs
voraus
setzungen glaubhaft gemacht worden sind und die Notwendigkeit der Kurzarbeit begründet ist. Hält sie eine oder mehrere Anspruchsvoraussetzungen für nicht erfüllt, erhebt sie durch Verfügung Einspruch gegen die Auszahlung der Entschä
digung (Art. 36 Abs. 4 Satz 1 AVIG).
In Abweichung von Art. 36 Abs. 1 AVIG ist gemäss Art. 17b
Covid-19-Gesetz
keine Voranmeldefrist für die Kurzarbeit einzuhalten (Satz 1). Die Voranmeldung ist zu erneuern, wenn die Kurzarbeit länger als sechs Monate dauert (Satz 2).
1.5
Im Sozialversicherungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 1
bis
sowie Art. 61
lit
. c in Verbindung mit Art. 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Der Untersuchungs
grundsatz wird durch die Mitwirkungspflicht der Versicherten respektive der Par
teien beschränkt (Art. 28 und Art. 43 Abs. 2 ATSG), vor allem in Bezug auf Tat
sachen, die sie besser kennen als die (Verwaltungs- oder Gerichts-) Behörde und welche diese sonst gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben könnte (BGE 122 V 157 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts 9C_341/2020 vom 4. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 138 V 86 E. 5.2.3 und 125 V 193 E. 2; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2).
Der Untersuchungsgrundsatz schliesst die Beweislast im Sinne einer Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen geblie
benen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift allerdings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersuchungsgrund
satzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zu
mindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständig
keit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen Abklärungsmassnahmen noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_257/2018 vom 24. August 2018 E. 3.3.2 mit Hinweis).
2.
2.1
Unter Hinweis auf die eingangs wiedergegebene Beurteilung des
SECO
(E. 1.3.
2
)
führte
der
Beschwerdegegner
im angefochtenen
Einspracheentscheid
vom 2
1.
Dezem
ber 2021
im Wesentlichen
aus, dass Arbeitsausfälle die aufgrund rück
läu
figer Nach
frage nach Gütern und Dienstleistungen, die auf die (Covid-19
)Pandemie
zurückzuführen seien, in Anwendung von
Art.
32
Abs.
1
lit
. a AVIG anrechenbar seien. Nicht anrechenbar sei ein Arbeitsausfall
hingegen dann
, wenn er durch betriebs
organisa
torische Massnahmen wie Reinigungs-, Repa
ratur- oder Unter
haltsarbeiten sowie andere übliche und wiederkehrende Be
triebs
unterbrechungen oder durch Um
stände verursacht werde, die zum normalen Betriebsrisiko gehören würden. Aus der Erfolgsrechnung der Beschwerdeführerin gehe hervor, dass der Umsatz (Dienst
leistungsertrag)
der Monate J
anuar
bis Juni
2021 sehr hoch gewe
sen sei. Die
se
Umsatzzahlen seien sogar deutlich höher als
die
in den Monaten J
anuar
bis Juni 2019
erzielten Umsätze. S
omit
seien die Zahlen
deutlich höher als im Zeitraum vor der Pandemie. Bei einem derart hohen Umsatz sei davon auszugehen, dass
auch
eine entsprechende Arbeitsleistung erfolg
t sei
. D
ie im Ver
gleich zum selben Zeitraum des Jahres 2019
höheren Umsätze und die
höhere Arbeitsleistung
würden
- im Um
kehr
schluss -
gegen einen ausserordent
lichen Ar
beitsausfall in den
Monaten Januar bis Juni 2021
sprechen.
Daraus leite sich wiederum ab, dass der von der Beschwerdeführerin mit ihrer Voranmeldung von Kurzarbeit vom 10. Mai 2021 geltend gemachte Arbeitsausfall nicht beziehungs
weise nicht mehr als ausserordentlich oder aussergewöhnlich zu bewerten, son
dern dem normalen Betriebsrisiko zuzuordnen sei. Es sei daher als nicht anre
chenbar zu werten (Urk. 2 S. 3). Aus diesem Grund sei der Einspruch gegen die Auszahlung von Kurzarbeit
sentschädigung
mit der Verfügung vom
9.
Juli 2021 zu Recht erfolgt.
2.2
Dem hält die Beschwerdeführerin entgegen, dass bereits
ihre Treuhänderin mit E
Mail-Nachricht vom 3
1.
Mai 2021 darauf hingewiesen habe, dass in den Um
satz
zahlen ab September 2020 neu und im Unterschied zu früher hohe Dritt
kosten für Medienkanäle enthalten
seien
, welche von der Beschwerdeführerin vor
ge
schossen und danach den Kunden in Rechnung gestellt würden. Diese Beiträge seien jedoch kein Umsatz für ihre Arbeiten. So habe ihr namentlich ein Kunde im ersten Halbjahr 2021
Fr.
1'386'736.55 bezahlt
. Darin enthalten seien Fremdkosten für die Medienkanäle, welche rund 90
%
des Rechnungsbetrages ausmachen wür
den. Das Zahlungsprozedere sei so, dass der Kunde zunächst das Geld an sie über
weise. In der Folge entschädige sie die Medienkanäle. Im angeführte Beispiel habe sie zwar im ersten Halbjahr 2021 den erwähnten
Betrag erhalten,
im zweiten Halbjahr 2021 habe
sie
dann
aber
für diesen Kunden
Fr.
785’0002.85 an die Medienkanäle
bezahlen müssen. Dies zeige, dass der Bruttogewinn des 1. Halb
jahres verfälscht sei (
Urk.
1 S. 11). Nebst den Entschädigung
en
für die Medien
kanäle seien
für einen Vergleich des Geschäftsergebnisses
sodann
Erlös
min
de
rungen, dienstleistungsorientierte Aufwände, Material-/Warenaufwand und Kos
ten für Fremdarbeiten, wenn mithin Dritte Leistungen erbracht hätten
, abzu
ziehen
. Auch dies stelle keinen Ersatz für eine Leistung ihrerseits dar, weil sie nur als «Interface» für die
Rechnungsstellung agiere (
Urk.
1 S. 12). Massgebend sei
daher
der Brut
togewinn. Werde der Bruttogewinn 2019 auf ein halbes Jahr um
gerechnet
,
so ergebe sich im Ver
gleich zum ersten Halbjahr 2021 eine Dif
ferenz von
83
%
(Urk. 1 S. 12). Dies zeige, dass auch im ersten Halbjahr
2021 eine deutliche Um
satzeinbusse vorliege, welche nicht dem normalen Betriebsrisiko zugeordnet wer
den könne. Falls wider Erwarten die aktuell vor
handenen Belege nicht genügen sollten, werde nach Vorliegen der Revisions
bericht plus Bilanz und Erfolgsrech
nung 2021 off
eriert (
Urk.
1 S. 13).
3.
3.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdeführerin in der Zeitperiode vom
1.
Juni 2021 bis 3
1.
Oktober 2021
grundsätzlich
Anspruch auf Kurzarbeitsent
schädigung hat (
Urk.
1 S.
2).
Von entscheidender Bedeutung ist dabei, ob es glaubhaft ist, dass die von der Beschwerdeführerin für diesen Zeitraum geltend gemachten Arbeits
ausfälle auf die Covid-19-Pandemie zurückzuführen sind.
3.2
Während sich die Beschwerdeführerin im vorliegenden Verfahren für diese Glaubhaftmachung einer Auflistung von abgesagten Grossveranstaltungen im Sommer 2021 und allgemeinen statischen Angaben bedient (
Urk.
1 S. 6
-10
),
was
aber
beides - mangels anderslautenden Ausführungen der Beschwerdeführerin - nicht in einem direkten Zusammenhang mit ihrem
Geschäftsbetrieb im Zeitraum
vom
1. Juni
bis 31. Oktober 2021
stand
, erhob der Beschwerdegegner im Verwal
tungsverfahren die Umsatzzahlen vor und nach Auftreten der Pandemie, wobei als zeitliche Grenze hier Mitte März 2020 gilt (vgl. Urk. 7/51)
.
Anders als der Beschwerdegegner (E. 2.1) hält d
ie Beschwerde
führerin die
se
Umsatzzahlen
jedoch
nicht
für einen
aussagekräftig
en Indikator zur Beschäftigung in ihrem Betrieb.
Sie
möchte
lieber
auf den Brutto
gewinn abstellen (E. 2.2)
. Der Beschwer
de
führerin ist es aber nicht gelungen aufzuzeigen, dass
die
von ihr
angeführten Zahlen (E. 2.2) eine höhere Aussagekraft haben
.
Sie legte sodann weder im
Ver
waltungs
- noch im Gerichtsverfahren nachvollziehbar dar, weshalb
- wie von ihr behauptet (E. 2.2)
-
ihre Umsatzzahlen vor und nach dem Septemb
er 2020 nicht miteinander verglichen werden können
.
Die vom Beschwerdegegner wiederholt gestellte Frage, um wieviel die endgültigen Umsatzzahlen ab September 2020 bis Juni 2021 normalerweise nach unten korrigiert würden, blieb unbeantwortet (vgl. Urk. 7/33).
Die Beschwerdeführerin
will
nunmehr
glauben machen, dass sie nur
als
«Interface» für die Rechnungsstellung agiere (Urk. 1 S. 12), das heisst einzig als Schnittstelle zwischen Kund
en und den Leistungs
erbringern
fungiere. Damit widerspricht
sie
aber
ihren eigenen Aus
führungen im vorliegenden Verfahren, wonach sie Werbung und Kommuni
kationslösungen für Kunden, welche gegen
aussen
sichtbar sein müssen, produ
ziere (Urk. 1 S. 4).
Zwar ist es nachvollziehbar, dass die Beschwerdeführerin als
Betreiberin einer
Werbeagentur für die Umset
zung eines
A
uftrages Dienst
leistungen und Produkte von Dritten hinzukaufen
muss
(vgl. dazu
die
bei den Akten liegenden Aufstellung der Beschwerdeführerin bezüglich Grobkosten für einen Werbe
auftrag, Urk. 7/30).
Sie
hat als Beispiel für die Kosten von
Radio- und TV-Wer
bung
im vor
liegenden Verfahren total 25
Rechnungen aus dem Zeitraum 30. November 2020 bis 3. August 2021
einge
reicht
(Urk. 3/11b)
.
Nicht nachvoll
ziehbar ist aber
,
dass
die
Inan
spruchnahme sol
che
r
Dritt
leistungen
die
von ihren
eigenen
Arbeitnehmerin
nen und Arbeitnehmer
für einen Werbe
auftrag ge
leisteten
Arbeitsstunden
verringern soll
.
Laut Handels
register bezweckt die Beschwerdeführerin
insbesondere
die Kreation und Realisa
tion von Marketing
konzepten, Kommunikationskampagnen und Kommunika
tionsmitteln (Urk.
7/52).
Hinsichtlich
des von der
Beschwerde
führer
in
ange
führten
Beispiel
s
für einen Kundenauftrag
mit Radio- und TV-Werbung
ergibt sich aus
ihrer
eigenen Aufstellung,
dass die Leistungen
der
Werbe
agentur
-
nebst den als Pauschalen verrechneten Kosten für ein Media Fee und die Werknutzung - die Kreation von sieben Radiospots auf Deutsch und auf Französisch, die Kreation der Grundkonzeption und die Reali
sa
tion eines TV-Spots auf Deutsch und auf Französisch, das Projekt Manage
ment, die Beratung, den Projektlead und die Auf
nahmen sowie die Illustration von Drehbüchern
umfasste
(Urk. 7/30). Wird ferner berücksichtigt, dass die Beschwerde
führerin unter andere
m
Personen mit den Tätigkeits
beschrieben «Creative
Director
», «Texter und
Konzepter
», «Multi
media-De
signer»
und «
Art
Director
» beschäftigt
, so er
gibt sich zweifelsfrei, dass sie
die genannten
Di
enst
leis
tungen selber erbringt.
«Mehr Umsatz»
spricht
somit auch im vor
liegen
den Fall
für
«mehr
L
eistung
der im Unternehmen Beschäftigten
». Die Aus
füh
rungen des Beschwerdegegners, wonach sich eine Umsatz
steigerung ab Beginn des Jahres 2021 nicht mit einem Arbeitsausfall aus wirtschaft
liche Gründen wegen der Co
vid-19
-Pandemie verein
baren lasse (E. 2.1), sind
des
halb
nicht zu beanstanden. Für den umgekehrten Fall hat die Recht
sprechung bereits aufgrund eines mit be
hördlichen Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus
im Zusam
menhang gebrachten Umsatz
einbruches auf einen anrechenbaren Arbeitsausfall im Sinne von
Art.
31
Abs.
1
lit
. b AVIG geschlossen (vgl. Urteil des Bundesgerichts
8C_555/2021 vom 2
4.
November 2021 E. 4.2 f.). Und das hiesige Gericht hat mit seinen Urteilen AL.2021.00308
vom 23. Dezem
ber
2021 E. 3 und AL.2021.00351
vom
6.
April 2022 E. 3.3.3 durch einen Ver
gleich von Umsatzzahlen aus den Jah
ren 2019, 2020 und 2021 die Nachvoll
zieh
barkeit von geltend gemachten Ar
beitsausfälle aufgrund der Covid-19-Pandemie verneint.
Damit sind die Umsatzzahlen
der Beschwerdeführerin
in den Jahren 2019 bis
2021
genauer zu betrachten.
3.3
3.3.1
Das Bundesgericht
entschied in
einem Fall, in welchem ein ausser
ge
wöhn
licher Arbeitsausfall wegen
Pandemie-bedingtem Auftrags
rückgang gel
tend ge
macht wurde
,
dass sich
der gerichtliche Überprüfungs
zeit
raum grund
sätzlich auf den Sachverhalt, wie er sich bis zum Erlass d
er ange
foch
tenen Ver
fügung
beziehungs
weise
des
Einsp
racheentscheids
verwirklicht habe, besch
ränke. Das
kantonale Versicherungsgericht habe
aber spätere Berichte und Doku
mente in die Be
ur
tei
lung miteinzubeziehen, soweit sie Rückschlüsse auf die im Zeitpunkt des Ab
schlusses des Verwaltungsverfahr
ens gegebene Situation er
lauben
(Urteil des Bundesgerichts
8C_503/2021 vom
18. November 2021 E.
4.1
mit weiteren Hin
weisen
).
Der angefochtene
Einspracheentscheid
datiert vom 21.
Dezember
2021
und betrifft den Zeitraum vom
1.
Juni bis 3
1.
Oktober 2021 (
Urk.
2 S. 1).
Der Mitberücksichtigung der von der Beschwerde
füh
rerin ihrer Vor
anmeldung von Kurzarbeit vom
9.
Dezember 2021 (Eingangs
datum,
Urk.
7/37) beigelegten mo
natlichen Umsatzzahlen für den Zeitraum von November 2020 bis Oktober 2021
(Urk. 7/38)
steht mithin nichts im Wege.
3.3.2
In
den
von der Beschwerdeführerin am 3
1.
Mai 2021 (
Urk.
7/24) eingereichten Aufstellungen
wurde
bezüglich
Umsatz
zahlen
2019 und 20
20
F
olgendes
festge
halten
(
Urk.
7/26-27, vgl. auch die Zusammenstellung in
Urk.
7/23)
:
Umsatz
Januar bis Dezember
2019
:
Fr.
2'151'247.20
Umsatz
Januar bis Dezember
2020
:
Fr.
1'947'146.
--
Dazu ist anzufügen, dass die Beschwerdeführerin gemäss ihren Erfolgsrechnun
gen im Jahr 2019 einen Verlust von
Fr.
137'547.-- und im Jahr
2020 einen Verlust von
Fr.
17'812.-- erlitten hat (
Urk.
3/12). Demnach konnte die Beschwer
de
führerin trotz der von ihr geltend gemachten fehlenden Aufträge ab Mitte März
2020 aufgrund der
Covid-19
-Pandemie (Urk. 7/41, Urk. 7/45, Urk. 7/47
,
Urk. 7/51
) im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr ein deutlich besseres Jahres
ergebnis erzielen.
3.
3
.
3
Werden die monatlichen Umsätze von Januar bis Oktober 2021 (Januar 2021: Fr. 121'861.45, Februar 2021: Fr. 410'135.65, März 2021: Fr. 680'756.83, April 2021: Fr. 435'217.19, Mai 20
21
: 346'504.68, Juni 2021: Fr. 166'304.47, Juli 2021: Fr. 105'816.38, August 2021: Fr. 108'123.03,
September 2021:
Fr. 251'626.49, Oktober 2021:
Fr.
146'552.32) addiert
er
gibt sich
F
olgendes (Urk. 7/38):
Umsatz Januar bis Oktober 2021:
Fr.
2'772'898.49
Zwar
lässt
sich
der obigen Auflistung
der monatlichen Umsätze
von Januar bis Oktober 2021
entnehmen
, dass die Beschwerdeführerin in den Monaten Juni
bis August
2021
einen deut
lichen Um
satzrückgang hinnehmen musste.
Weil die Be
schwerdeführerin
j
e
doch
auch in den beiden voran
gegangen Jahren jeweils im 1. und
4.
Quartal einen deutlich höheren Umsatz als im
2.
und
3.
Quartal erzielte, lässt sich aufgrund der vorliegenden Zahlen kein Zusammenhang mit den Aus
wirkungen der Covid-19-Pandemie herstellen
(Urk. 7/26-27, vgl. auch die Zu
sammenstellung in Urk. 7/23)
.
Fest
steht
jedenfalls, dass
sich
die
Umsatzzahlen
nach einem Rückgang
im Jahr 2020
spätestens ab Beginn des Jahres 2021
wieder deutlich erholten und
in der Zeitperiode
von Januar bis Oktober 2021
sogar die Zahlen für das ganze Jahr 2019
übertrafen
.
3.4
Wenn aber die Umsatzzahlen
der Beschwerdeführerin im zweiten Jahr
der Covid-19-Pandemie
besser waren als vor der Pandemie, so
ist nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner
einen
von dieser Pandemie verursachte
n
Arbeitsaus
f
a
ll
als nicht
glaub
haft
gemacht erachtet hat
.
Zudem wird im angefochtenen Ent
scheid auch darauf hingewiesen, dass in der Werbebranche seit längerer Zeit - mithin bereits vor der Pandemie - durch die Digitalisierung ein Strukturwandel eingesetzt hat, der durch die
Covid
-Pandemie lediglich beschleunigt wurde (Urk. 2 S. 4).
Auch dieser Umstand spricht gegen
einen weiterhin
pandemie-be
dingte
n
vorübergehende
n
(Art. 31 Abs. 1
lit
. d AVIG)
A
rbeitsausfall
,
der
nicht zum normalen Betriebsrisiko des A
rbeitsgebers gehört
(vgl. Urteil des Bundesge
richts 8C_986/2012 vom 19. Juni 2013 E. 4.3 f.).
Von weiteren Abklärungen sind keine weiteren
entscheidrelevanten
Er
kenntnisse zu erwarten.
Aus diesem Grund ist auch der
Antrag der Beschwerde
führerin vom 2
7.
Januar 2020 auf Sistierung des Verfahrens bis zum Vorliegen des Berichts
ihrer
Revisions
stelle
zur
Jahres
rechnung 2021 (
Urk.
1
S. 3
) ab
zu
we
i
sen
.
D
er angefochtene
Einspracheentscheid
vom 2
1.
Dezember 2021
(
Urk.
2)
erweist sich
als
rechtens.
4.
Diese Erwägungen führen zur Abweisung der Beschwerde.