# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2dcc5381-205b-46ea-8ed3-b337c7be727e
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X., geboren am _, und Y., geboren am _, heirateten am 2. März 2001. Aus der Ehe gingen die Kinder Z., geboren am _, und V., geboren am _, hervor. Die Familie XY. war gemeinsam in A. wohnhaft. Der Ehemann war arbeitstätig. Die Ehefrau betreute vorwiegend die beiden Kinder und ging daneben einer Teilzeitbeschäftigung nach.
B. Ende des Jahres 2008 trennten sich die Ehegatten. Mit Eheschutzverfügung des Bezirksgerichtspräsidiums B. vom 18. November 2008, mitgeteilt am 21. November 2008, wurden die beiden Kinder unter die Obhut der Mutter gestellt, welche in der ehelichen Wohnung verblieb, während der Ehemann in der Nähe ein Studio bezog. Dem Vater bzw. den Kindern wurde ein Besuchsrecht an jedem zweiten Wochenende sowie drei Wochen Ferien pro Jahr eingeräumt. Dieses Besuchsrecht wurde insbesondere während der zeitweisen Arbeitslosigkeit des Ehemannes im gegenseitigen Einvernehmen auch grosszügiger gehandhabt.
Im Frühling 2011 zog die Ehefrau aus beruflichen Gründen gemeinsam mit ihren beiden Töchtern nach C. zu ihren Eltern. Sie trat in der Folge per 1. Juni 2011 eine 50% - Stelle als Konditor-Confiseurin in der Stadt D. an.
C. Am 10. Mai 2011 reichte der Ehemann die Scheidungsklage beim Bezirksgericht B. ein und stellte das Begehren, es sei ihm die elterliche Sorge und Obhut über die beiden Kinder Z. und V. zuzuteilen. Er begründete seinen Antrag insbesondere damit, dass die Ehefrau der Erziehungsverantwortung nicht gewachsen sei und es ihm nach deren Wegzug nach C. nicht mehr wie bis anhin möglich sei, die Defizite der Mutter auszugleichen. Er fühle sich in der Lage, die Verantwortung für die Kinder zu übernehmen, diese seien für eine gedeihliche Entwicklung auf die Nähe zu ihm unbedingt angewiesen.
D. Am 14. Juni 2011 fand eine Einigungsverhandlung zwischen den anwaltlich vertretenen Ehegatten vor Bezirksgericht B. statt. Anlässlich dieser Verhandlung reichte der Ehemann den Abklärungsbericht der Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (KJP) zuhanden der Vormundschaftsbehörde des Kreises E. vom 24. März 2011 bezüglich der Tochter V. zu den Akten. Der Ehemann legte zudem die Möglichkeit dar, gemeinsam mit seinen Töchtern in seine Heimat nach F. zu ziehen, wo sie im Haus seiner Eltern wohnen könnten und damit eine zur Mutter vergleichbare Betreuungssituation geschaffen würde.
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E. Am 12. Juli 2011 beauftragte der Präsident des Bezirksgerichtes B. die KJP Graubünden mit dem Verfassen eines Gutachtens. Es sei die heutige und zukünftige Situation der Eltern und Kinder abzuklären und dem Gericht bezüglich der Kinderzuteilung unter Einbezug von deren Wünschen eine Empfehlung abzugeben.
Mit Gutachten der Dres. med. K., und R., KJP Graubünden, vom 16. Dezember 2011 wurde die Zuteilung von Obhut und Sorge beider Mädchen an die Mutter empfohlen. Massgeblich für diese Empfehlung erscheine nicht deren besondere erzieherische Eignung, sondern die Tatsache, dass damit die Kontinuität der Lebensbedingungen der beiden Mädchen eher gewahrt werden könne. Da sowohl die Mutter als auch der Vater in ihrer Erziehungsfähigkeit eingeschränkt erschienen, seien zusätzliche flankierende Massnahmen dringend erforderlich, um das Kindeswohl sicher zu stellen. Es werde die Errichtung einer Beistandschaft empfohlen. Die Befugnisse des Beistandes sollten neben der Überwachung der Erziehung der Mädchen und der Einhaltung des Besuchsrechts des Vaters auch erweiterte Befugnisse im Bereich der gesundheitlichen Situation der Mädchen umfassen. Der Beistand solle bezüglich V. dafür verantwortlich sein, dass diese die für sie erforderliche Förderung und Betreuung erhalte. Zur Verbesserung der Erziehungsfähigkeit insbesondere der Mutter sei im Weiteren eine sozialpädagogische Familienbegleitung unverzichtbar. An der bisherigen Gestaltung des Besuchsrechts, welches einen Besuch der Mädchen bei ihrem Vater an jedem zweiten Wochenende vorsehe, könne festgehalten werden. Sinnvoll erscheine zudem, dass die Töchter die Hälfte der Schulferien bei ihrem Vater verbringen könnten.
F. a) Mit Schreiben vom 20. Januar 2012 nahm die Ehefrau zum Gutachten Stellung. Sie erklärte sich mit den gutachterlichen Empfehlungen – insbesondere der Zuteilung von Sorge und Obhut – einverstanden. Aus dem Gutachten gehe klar hervor, dass die Kinder nicht nach G. wollten. Es werde bestritten, dass die Ehefrau die Bedürfnisse und Probleme von V. nur begrenzt erkennen könne. Der Gutachter könne aus den erfolgten kurzen Kontakten nur begrenzte Schlussfolgerungen für den Lebensalltag ziehen. Mit der Anordnung einer Beistandschaft sei die Ehefrau einverstanden, gemeinsam mit diesem könne dann auch eruiert werden, ob darüber hinaus eine sozialpädagogische Begleitung notwendig sei. Das empfohlene und heute gelebte Besuchs- und Ferienrecht sei weiterhin zu gewähren. Lediglich das empfohlene ausgedehnte Ferienrecht sei wenig realistisch, da der Ehemann selbst nicht sieben Wochen Ferien pro Jahr beziehen könne.
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b) Ebenfalls am 20. Januar 2012 nahm sodann der Ehemann zum Gutachten Stellung. Dieses stelle keine brauchbare Grundlage für die richterliche Zuteilung der elterlichen Sorge an die Mutter dar. Die lange Dauer der Gutachtenserstellung und die während dieser Zeitspanne gelebte Situation dürften sich nicht zum Nachteil des Ehemannes auswirken. Der Gutachter habe zudem wesentliche Abklärungen unterlassen. So sei die Anhörung der Kinder nur am Rande erfolgt und die vom Ehemann gemachten Hinweise auf den nicht kindgerechten Umgang der Grosseltern mütterlicherseits mit deren Enkelinnen seien nicht miteinbezogen worden. Ein weiteres Gutachten erscheine als nicht sinnvoll. Beantragt werde folgendes Vorgehen: 1. Es seien die Verhältnisse am Wohnort der Eltern des Kindsvaters durch einen richterlichen Auftrag an den Internationalen Sozialdienst abzuklären (schulische und ärztliche Möglichkeiten, persönliche Situation der Grosseltern väterlicherseits). 2. Es habe im Weiteren eine Anhörung der Kinder durch den Gerichtspräsidenten zu erfolgen, da eine gehörige Anhörung durch den Gutachter nicht stattgefunden habe. Bei den sehr kurzen Gesprächen mit den Kindern sei stets ein Elternteil anwesend gewesen bzw. die Telefonate würden von den Grosseltern mütterlicherseits mitgehört. Die Kinder hätten gegenüber ihrem Vater immer wieder den Wunsch geäussert, bei ihm wohnen zu können. 3. Die Kinder entwickelten sich unter der Obhut der Mutter schlecht und seien gesundheitlich angeschlagen. Die Ursache hierfür sei zu klären, dies unter Einbezug von Personen, welche bezüglich Umgang mit den Kindern bzw. Haushaltsführung der Ehefrau während der Trennungszeit in A. Beobachtungen schildern könnten.
G. Am 28. Februar 2012 fand eine gemeinsame Anhörung der anwaltlich vertretenen Ehegatten vor dem Bezirksgerichtspräsidenten B. statt. Am 5. März 2012 erging sodann der Entscheid des Bezirksgerichtspräsidenten B. als Einzelrichter, in welchem folgendes erkannt wurde:
„1. Für Z., geb. _, und V., geb. _, wird eine Erziehungsbeistandschaft angeordnet.
2. Die Vormundschaftsbehörde der Gemeinde C. wird beauftragt, einen geeigneten Beistand einzusetzen. Die Aufgaben des Beistandes richten sich nach dem Gutachten der KJP Graubünden und den Erwägungen des vorliegenden Entscheides.
3. (Kosten).

## Considerations