# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7edf262f-f4d6-4f9b-8539-4fc9d8732c39
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 26. Juni 2013 (DG130017)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 11. Februar
2013 (Urk. 19) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG.
2. Die Beschuldigte wird bestraft mit 36 Monaten Freiheitsstrafe, wovon
241 Tage durch Polizeiverhaft, Untersuchungshaft und vorzeitigen
Strafantritt bis und mit heute erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 24 Monaten
aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen
(12 Monate, abzüglich 241 Tage, die durch Poilzeiverhaft,
Untersuchungshaft und vorzeitigen Strafantritt bis und mit heute erstanden
sind) wird die Freiheitsstrafe vollzogen.
4. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom
17. Januar 2013 beschlagnahmten und bei der Kantonspolizei Zürich unter
der Lagernummer ... aufbewahrten Betäubungsmittel (3'487 Gramm
Kokaingemisch bzw. 2'950 Gramm Reinsubstanz) und
Betäubungsmittelbehältnisse (Computertasche der Marke "TARKE" und
Rucksack der Marke "OUVERROUTE") werden eingezogen und sind nach
Eintritt der Rechtskraft dieses Urteils durch die Kantonspolizei Zürich zu
vernichten.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Zweigstelle
Flughafen, vom 8. Februar 2013 beschlagnahmten Gegenstände
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(Reiseunterlagen und Notizen) werden eingezogen und bei den
Untersuchungsakten belassen.
6. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland, Zweigstelle
Flughafen, vom 8. Februar 2013 beschlagnahmten Gegenstände
(Mobiltelefon Zest, silber / schwarz T-Mobile, inkl. SIM; Mobiltelefon Vairy
Touch II, schwarz, inkl. SIM) werden zur Deckung der Verfahrenskosten
eingezogen.
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'000.– Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 600.– Auslagen Vorverfahren
Fr. 900.– Kosten der Kantonspolizei
Fr. 15'088.35 amtl. Verteidigungskosten
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der
amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung der Beschuldigten:
(Urk. 62 S. 2)
1. Dispositiv-Ziffern 1, 2 und 3 des Urteils des Bezirksgerichts Bülach, I.
Abteilung, vom 26. Juni 2013 seien aufzuheben und die Beschuldigte
sei vom Vorwurf der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG freizusprechen.
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2. Dispositiv-Ziffern 5 und 6 des Urteils seien aufzuheben und die mit
Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 8. Februar 2013
beschlagnahmten Gegenstände (Mobiltelefone, inkl. SIM-Karten,
Reiseunterlagen und Notizen) seien der Beschuldigten auf erstes
Verlangen herauszugeben.
3. Der Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung der
wirtschaftlichen Einbussen sowie eine Genugtuung im Sinne von Art.
429 ff. StPO aus der Staatskasse zuzusprechen.
4. Dispositiv-Ziffer 8 des Urteils sei aufzuheben und die Kosten der
Untersuchung sowie des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens,
einschliesslich derjenigen der amtlichen Verteidigung, seien auf die
Staatskasse zu nehmen.
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens, einschliesslich derjenigen der
amtlichen Verteidigung, seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 44)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Die Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Bülach, I.
Abteilung, vom 26. Juni 2013 der qualifizierten Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit. b BetmG in Verbindung
mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig gesprochen. Sie wurde mit einer
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Freiheitsstrafe von 36 Monaten bestraft, wovon der Vollzug im Umfang von 24
Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt wurde. Im
Übrigen (12 Monate abzüglich 241 Tage Haft und vorzeitiger Strafvollzug) wurde
die Freiheitsstrafe nicht aufgeschoben. Ausserdem wurden die beschlagnahmten
Betäubungsmittel und Betäubungsmittelbehältnisse, Reiseunterlagen und Notizen
sowie Mobiltelefone inkl. SIM eingezogen (Urk. 38).
Das vorinstanzliche Urteil wurde der Beschuldigten und der
Staatsanwaltschaft anlässlich der Hauptverhandlung vom 26. Juni 2013 mündlich
eröffnet (Urk. 33, Prot. I S. 19). Mit Eingabe vom 2. Juli 2013 meldete der
Verteidiger fristgerecht die Berufung an (Urk. 34). Das begründete Urteil wurde
der Beschuldigten am 2. September 2013 zugestellt (Urk. 37).
Mit Eingabe vom 13. September 2013 reichte die Verteidigung fristgerecht
die Berufungserklärung ein (Urk. 40). Die Staatsanwaltschaft beantragte mit
Schreiben vom 4. Oktober 2013 die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
(Urk. 44). Anschlussberufung wurde nicht erhoben.
Mit Präsidialverfügung vom 16. Oktober 2013 wurde die Beschuldigte aus
dem vorzeitigen Strafvollzug entlassen (Urk. 51). Nachdem die Beschuldigte nach
Nordirland zurückgekehrt war, stellte die Verteidigung einen Antrag auf
Durchführung eines schriftlichen Verfahrens (Urk. 55/1). Mit Präsidialverfügung
vom 14. November 2013 wurde mit Einverständnis der Parteien (Urk. 56) das
schriftliche Verfahren angeordnet und der Beschuldigten Frist zur
Berufungsbegründung eingeräumt (Urk. 57). Die Berufungsbegründung erfolgte
innert erstreckter Frist mit Eingabe vom 20. Januar 2014 (Urk. 62). Mit
Präsidialverfügung vom 24. Januar 2014 wurde der Staatsanwaltschaft Frist zur
Berufungsantwort angesetzt und der Vorinstanz die Gelegenheit zur freigestellten
Vernehmlassung eingeräumt (Urk. 64). Die Vorinstanz verzichtete mit Eingabe
vom 27. Januar 2014 auf Vernehmlassung (Urk. 66). Die Staatsanwaltschaft
nahm mit Eingabe vom 14. Februar 2014 zur Berufungsbegründung Stellung (Urk.
67). Mit Präsidialverfügung vom 19. Februar 2014 wurde die Berufungsantwort
der Staatsanwaltschaft der Beschuldigten zur freigestellten Vernehmlassung
zugestellt (Urk. 68), welche mit Eingabe vom 26. Februar 2014 erfolgte (Urk. 70b).
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Diese Stellungnahme wurde der Staatsanwaltschaft mit Präsidialverfügung vom
27. Februar 2014 zur freigestellten Vernehmlassung zugestellt (Urk. 72). Innert
Frist erfolgte keine Stellungnahme (vgl. Urk. 73/1).
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in
Rechtskraft (Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO).
Die Beschuldigte beantragte in ihrer Berufungserklärung und in ihrer
Berufungsbegründung eine Abänderung der Urteilsdispositivziffern 1, 2, 3, 5, 6
und 8 (Urk. 40 S. 2 f., Urk. 62 S. 2). Die Dispositivziffern 4 (Einziehung und
Vernichtung Betäubungsmittel und Betäubungsmittelbehältnisse) und 7
(Kostenfestsetzung) wurden hingegen nicht angefochten (Urk. 40 S. 3). Damit ist
festzustellen, dass das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, I. Abteilung, vom 26.
Juni 2013 bezüglich Dispositivziffern 4 und 7 in Rechtskraft erwachsen ist.
3. Die Verteidigung beantragte mit ihren Beweisanträgen vom 13.
September 2013, es seien eine Auswertung des kompletten SMS-Verkehrs
zwischen der Beschuldigten und B._ für den Zeitraum vom April 2012 bis am
29. Oktober 2012 (vor, während und nach der Reise der Beschuldigten nach Sao
Paolo), eine Auswertung des E-Mail Accounts der Beschuldigten für den Zeitraum
vom April 2012 bis zum 24. Oktober 2012 (Tag der Abreise nach Sao Paolo) und
eine Auswertung der Überwachungskameras im Hotel "C._", Sao Paolo, für
den Zeitraum vom 26. bis 28. Oktober 2012 vorzunehmen bzw. anzuordnen
(Urk. 40 S. 5 f.). Diese Beweisanträge wurden mit Präsidialverfügung vom
14. November 2013 einstweilen abgewiesen (Urk. 57). In seiner
Berufungsbegründung wies der Verteidiger darauf hin, dass an den
Beweisanträgen festgehalten werde (Urk. 62 S. 3). Wie noch zu zeigen sein wird,
erübrigen sich die beantragten Auswertungen, da das Verfahren spruchreif ist und
nicht zu erwarten wäre, dass sie zu einem anderen Beweisergebnis führen
würden.
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II. Sachverhalt
1. Die Beschuldigte anerkannte den objektiven bzw. äusseren
Sachverhalt, d.h. ihre Reise vom 29. Oktober 2012 von Sao Paolo nach Zürich mit
geplantem Weiterflug via London nach Belfast, wobei sie einen Rucksack und
einen Laptop-Rollkoffer mit sich führte, in deren Seitenwänden Beutel mit
insgesamt 3'487 Gramm Kokaingemisch bzw. 2'950 Gramm reines
Kokainhydrochlorid (Reinheitsgrad von 85 %) eingenäht waren, weitgehend (Urk.
6 S. 6, Urk. 8 S. 13, Urk. 32 N 10). Dies entspricht auch dem
Untersuchungsergebnis (Urk. 2 S. 2 f., Urk. 12/1-6, Urk. 12/13, Urk. 12/15). Vor
Vorinstanz bestritt sie einzig, dass es sich bei B._ um eine flüchtige
Bekanntschaft handle und dass dieser ihr das Flugticket nach Sao Paolo bezahlt
habe (Urk. 32 N 11 ff.). Die Vorinstanz kam bezüglich der Bezahlung der Reise
zum Schluss, dass diese zumindest von der Drogenhandelsorganisation, welcher
B._ angehört habe, - wenn nicht von B._ selbst - finanziert worden sei,
womit der objektive Sachverhalt auch in diesem Punkt erstellt sei (Urk. 38 S. 7),
was von der Beschuldigten in ihrer Berufungserklärung nicht gerügt wurde (vgl.
Urk. 40) und mit der Ansicht der Verteidigung übereinstimmt (Urk. 62 S. 4). Was
die Bekanntschaft der Beschuldigten zu B._ betrifft, so rügt die Verteidigung
hingegen, dass die Vorinstanz ohne Begründung davon ausgegangen sei, dass
das Verhältnis zwischen B._ und der Beschuldigten keinen direkten Einfluss
auf die Frage habe, ob die Beschuldigte bezüglich des
Betäubungsmitteltransports vorsätzlich gehandelt habe. Dass eine Frau zu einem
Mann nach Brasilien reise, den sie nur flüchtig - sprich seit einigen Tagen und nur
beiläufig - kenne, erscheine wenig nachvollziehbar. Es erscheine hingegen
plausibel, wenn auch nicht alltäglich, dass eine Frau dies jedoch tue, um den
Mann zu besuchen, mit dem sie seit Monaten korrespondiere und der ihr
Liebesbekundungen zukommen lasse und von einer gemeinsamen Zukunft
schwärme. Aufgrund des regen Austausches zwischen den beiden sei ein
Vertrauensverhältnis entstanden und die Beschuldigte habe begonnen, sich in
B._ zu verlieben. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz sei die Beziehung
zwischen B._ und der Beschuldigten für den vorliegenden Fall von
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essentieller Bedeutung, zumal die Beschuldigte nur aufgrund falscher - von
B._ geschürten - Hoffnungen auf eine "echte" Beziehung nach Sao Paolo
gereist und unwissentlich zur Drogenkurierin geworden sei (Urk. 40 S. 3 f., Urk.
62 S. 5, Urk. 70b S. 2).
Selbst wenn es zutreffen würde, dass die Beschuldigte aufgrund ihrer
Hoffnung auf eine Beziehung mit B._ nach Sao Paolo gereist ist, so sagt dies
nichts darüber aus, ob sie auf ihrer Rückreise von den Betäubungsmitteln in ihrem
Gepäck wusste oder nicht. In Übereinstimmung mit der Vorinstanz kann deshalb
offen bleiben, ob die Beziehung zwischen der Beschuldigten und B._ nur
eine flüchtige war oder darüber hinausging. Fest steht zumindest, dass die
Beschuldigte B._ in Brasilien das erste Mal begegnete.
Der äussere Sachverhalt gemäss Anklageschrift ist damit erstellt.
2. Bezüglich des subjektiven bzw. inneren Sachverhalts ist die
Beschuldigte nicht geständig. Vielmehr bestritt sie, von den in ihrem Handgepäck
eingebauten Betäubungsmitteln gewusst zu haben (Urk. 5 S. 2 f., Urk. 6 S. 2, Urk.
7 S. 2 f., Urk. 8 S. 3 und 12, Urk. 13/11 S. 3, Prot. I S. 13, Urk. 32 N 15, Urk. 62
S. 6). Nachfolgend ist zu prüfen, ob die vorliegenden Beweismittel genügen, um
den inneren Sachverhalt rechtsgenügend zu erstellen.
2.1. Die Vorinstanz gelangte zum Schluss, dass der eingeklagte
Sachverhalt auch in subjektiver Hinsicht erstellt sei. Zur Vermeidung unnötiger
Wiederholungen kann vorab auf diese zutreffenden Erwägungen im
angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO; Urk. 38 S. 8
ff.). Die nachfolgenden Ausführungen stellen in erster Linie Hervorhebungen und
Ergänzungen dar.
2.2. In den Aussagen der Beschuldigten fand die Vorinstanz diverse
Ungereimtheiten und Widersprüche. Zu den von der Vorinstanz als nicht
konsistent bezeichneten Aussagen macht die Verteidigung geltend, dass die
Beschuldigte in den Einvernahmen aufgrund ihres ausgeprägten irischen Akzents
von den Dolmetschern wiederholt ungenau bzw. unrichtig wiedergegeben worden
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sei, was aber an den jeweiligen Dolmetschern gelegen habe, welche die
Beschuldigte sehr schwer verstanden und daher die von ihr gebrauchten
Bezeichnungen und Namen teilweise unterschiedlich übersetzt hätten (Urk. 40 S.
3, Urk. 62 S. 7). Es trifft zu, dass sich aus dem Protokoll der Haftanhörung vom
31. Oktober 2012 ergibt, dass zwei von der Beschuldigten genannte Namen nicht
gut verstanden wurden (Urk. 13/11 S. 3), in den übrigen Einvernahmeprotokollen
finden sich jedoch kaum Hinweise auf Verständigungs- bzw.
Übersetzungsprobleme. Der Beschuldigten wurden ihre Aussagen sodann jeweils
rückübersetzt und ihr die Gelegenheit eingeräumt, Korrekturen anzubringen. Mit
ihrer Unterschrift bestätigte sie ausserdem jeweils die Richtigkeit der Protokolle.
Weiter bemängelt die Verteidigung die Auffassung der Vorinstanz, dass die
Aussagen der Beschuldigten - unter anderem in Bezug auf die Fragen rund um
den Koffertausch bzw. das Packen der Koffer und die darin befindlichen
Unterlagen - diverse Ungereimtheiten, Widersprüchlichkeiten und offensichtliche
Unwahrheiten aufweisen und als Schutzbehauptungen abgetan werden müssten.
Die Beschuldigte habe hinsichtlich der zentralen Kernerlebnisse wie die
Beschädigung ihres Koffers, das Beschaffen und Bringen der neuen
Gepäckstücke, das Packen derselben sowie die Bedeutung der Unterlagen in
ihren Gepäckstücken in sämtlichen Einvernahmen übereinstimmend ausgesagt
(Urk. 40 S. 4, Urk. 62 S. 9 f. und S. 13). Würdigt man die folgenden Aussagen der
Beschuldigten, kann der Verteidigung diesbezüglich nicht gefolgt werden.
In der Polizeieinvernahme vom 29. Oktober 2012 machte die Beschuldigte
geltend, B._ habe ihre Taschen gepackt. Sie sei krank gewesen und habe
das Gepäck nicht selber packen können. Sie sei die ganze Zeit im Bett im
Hotelzimmer gewesen. Bei der Hinreise habe sie einen grossen Koffer dabei
gehabt, welcher kaputt gegangen sei. Dies habe sie nach ihrer Ankunft im Hotel in
Sao Paolo bemerkt. Der Boden des Koffers sei beschädigt gewesen, also auf der
Unterseite des Koffers. Auf die Frage, wieso es in den beiden Gepäckstücken
praktisch keine persönlichen Effekten von ihr, auch kein Necessaire oder
Hygieneartikel etc. befänden, antwortete sie, die Effekten, welche sich im
defekten Koffer befunden hätten, schicke ihr B._ nach Hause nach. B._
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habe die beiden Gepäckstücke einfach gekauft. Sie hätten nie über den Kauf
eines neuen Hartschalenkoffers geredet (Urk. 5 S. 2 f.).
Anlässlich der Hafteinvernahme vom 30. Oktober 2012 führte die
Beschuldigte aus, auf ihrer Rückreise habe sie zwei Koffer bei sich gehabt, die
B._ gekauft habe. Ihr Koffer sei auf der Reise beschädigt worden. Sie sei
nicht dabei gewesen, als diese Gepäckstücke gekauft worden seien. Jemand
habe ihr die Koffer vorbeigebracht, als sie zusammen am Samstag Abend im
Ausgang gewesen seien. B._ habe gesagt, er kaufe die Koffer, das liege bei
ihm auf dem Weg zur Arbeit. Auf die Frage, ob sie nicht gerade gesagt habe,
jemand habe diese Gepäckstücke vorbeigebracht, als sie ihm Ausgang gewesen
seien, führte sie aus, B._ und D._ seien am Samstag mit den beiden
Gepäckstücken vorbei gekommen. Im Rollkoffer seien Kleider und andere
Effekten gewesen: Weisse Schuhe, ein weisses Kleid, ein weisser Schal, ein
rotes Kleid, ein Paar schwarze Hosen, ein schwarzes T-Shirt und weisse Shorts,
drei grosse Fotokameras, eine kleine Fotokamera, zwei Sprays, Parfüms, ein
Kamm, Batterien, eine Ladegerät und eine "Hundesgestelltli". Alle diese Sachen
würden ihr gehören. Sie habe einen Teil ihrer Kleider in Brasilien gelassen, auch
einen Teil ihrer Fotos. Er habe gesagt, er bringe das im Januar mit. Sie habe
einen Teil ihres Gepäcks zurückgelassen, da nicht alles im Gepäck Platz gehabt
habe. B._ habe den Rollkoffer gepackt und ihn zum Flughafen gebracht. Sie
habe den Koffer nicht selber gepackt, weil es ihr nicht gut gegangen sei und sie
Migräne gehabt habe. Die Kameras habe sie zuerst im Koffer gehabt und dann in
den Rucksack getan. Im Rucksack seien noch das "Hundesgestelltli",
Erfrischungstücher und eine Brille drin gewesen, sonst wisse sie nicht mehr
genau, was noch drin gewesen sei. Sie habe auch noch T-Shirts und Unterhosen
von ihm mitgenommen. Ausserdem noch Dokumente von B._. Sie habe nicht
genau geschaut, was es für Papiere seien, er habe gesagt, es seien Dokumente
der Bundesregierung. B._ habe vorgeschlagen, Sachen von ihm
einzupacken und eigene Gegenstände in Brasilien zurückzulassen, da er ja
später nach komme und ihr die Sachen bringen könne. Der Rucksack sei auch
von B._ gepackt worden. Sie habe den Rollkoffer und den Rucksack im Hotel
übernommen (Urk. 6 S. 5 ff.).
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In der Haftanhörung vom 31. Oktober 2012 wiederholte die Beschuldigte,
dass B._ das Gepäck für sie gepackt habe, weil ihres beschädigt gewesen
sei. Sie sei im Bett gelegen und er habe das Gepäck auf dem Tisch, welcher
nebenan gestanden sei, gepackt (Urk. 13/11 S. 3 f.).
Bei der Polizei führte die Beschuldigte am 29. November 2012 aus, B._
habe ihr einmal gesagt, dass sie Papiere, also amerikanische, behördliche
Papiere nach London bringen solle. Sie sollte dort diese Papiere seinem Anwalt,
welcher sie am Flughafen erwarte, überreichen. Er habe ihr gesagt, dass diese
Papiere für das Erlangen seines Visums in Nordirland bestimmt seien. Sie sei zu
dieser Zeit krank gewesen und habe Migräne gehabt. Er habe die Papiere in den
Koffer gepackt, zusammen mit T-Shirts und Unterwäsche. Dies habe er getan,
damit er bei seiner Ankunft frische Wäsche habe. Dazu habe er auch ihre Sachen
eingepackt. Am gleichen Tag seien sie abends zusammen ausgegangen. Sie
habe die Koffer gar nie geöffnet, sie habe nur ihre Sachen auf der Vorderseite
eingepackt. B._ habe ihr versprochen, ihre Sachen per DHL nachzusenden.
Sie habe gedacht, dass das Gepäck nur Sachen, die er ihr genannt habe,
enthalte. Von B._s Anwalt wisse sie, weil B._ ihr gesagt habe, dass
dieser sie im Hotel in London aufsuchen werde, um die Papiere für sie abzuholen.
Das Hotel sei für die Übernachtung in London gebucht gewesen. B._ habe
nur gesagt, dass sie die Papiere dem Anwalt geben müsse. Er habe nichts von
den Gepäckstücken gesagt. Sie hätte die Gepäckstücke bis Januar bei ihr
behalten, bis zur Anreise von B._. Der Koffer, mit welchem sie nach Sao
Paolo gereist sei, sei im Transit beschädigt worden und B._ habe ihr
angeboten, zwei neue Gepäckstücke zu kaufen. Sie habe den Schaden erst nach
der Ankunft im Hotel bemerkt. B._ habe den beschädigten Koffer nach
Hause genommen, nachdem er die neuen Koffer gekauft habe. B._ habe
ihren Koffer mitgenommen und D._ habe die neuen Koffer gebracht. B._
sei ein paar Minuten später nach gekommen. Sie habe B._ packen gesehen.
Während dieser Zeit habe sie sich im Badezimmer aufgehalten, habe sich jedoch
immer wieder zu ihm gedreht. Er habe die Papiere in den Rollkoffer gepackt und
gesagt, er würde noch mehr Papiere in den Rucksack einpacken (Urk. 7 S. 2 ff.).
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In der Schlusseinvernahme vom 17. Januar 2013 wiederholte die
Beschuldigte, dass sie die Gepäckstücke nicht gepackt habe, sehr krank gewesen
sei und ihr die Taschen gebracht worden seien. Sie habe die Gepäckstücke nie
geöffnet. B._ habe ihr Papiere oder Dokumente geben wollen, welche sie in
London einem Anwalt hätte gebe sollen. Die Papiere habe sie nie gesehen, sie
seien in der Tasche gewesen. Es sei ihr ganz schlecht gegangen, sie habe
Migräne gehabt. Sein Freund und er hätten die Koffer gepackt. Der Boden ihres
alten Koffers habe sich gelöst. Als sie den Koffer erhalten und auf das Taxi
gewartet habe, um ins Hotel zu fahren, habe sie gemerkt, dass der Koffer kaputt
gewesen sei. Sie habe dann B._ angerufen und ihm gesagt, dass ihr Koffer
stark beschädigt sei. Er habe ihr neue Koffer gekauft und für sie gepackt. B._
habe die neuen Koffer um ca. 14/15 Uhr am Samstagnachmittag ins Hotelzimmer
gebracht. Er sei mit seinem Freund gekommen, der ihm beim Packen geholfen
habe. Es sei ihr schlecht gewesen und sie sei in der Toilette gewesen. Sie habe
nur schnell geschaut und gesehen, dass sie packten. Sie habe gesehen, wie sie
einige Papiere und Kleider hineingelegt hätten. Die Koffer habe sie nicht geöffnet,
als sie gegangen seien. In den Rucksack habe man Telefon, Pass, ein MP3-
Player, Akkus und eine Kamera reinpacken können. Sie habe drei oder vier
Kameras dabei gehabt, die sie dort eingepackt habe. Genau kontrolliert, was in
den Koffern gewesen sei, habe sie nicht. B._ habe nur gesagt, er habe die
Papiere, T-Shirts und Unterhosen, für den Fall, dass er rüber komme, eingepackt.
Er habe viele Koffer mit vielen Kleidern rüberbringen wollen und deshalb kein
Platz gehabt. Ihre Kleider und Gegenstände habe er ihr mit DHL schicken wollen.
Als sie in Brasilien angekommen sei, habe sie im Hotel gemerkt, dass ihr Koffer
beschädigt sei. Auf Hinweis auf den Widerspruch zu ihrer vorherigen Aussage
führte die Beschuldigte aus, beim Warten auf das Taxi habe sie gesehen, dass er
leicht beschädigt gewesen sei. Er sei vorne und hinten beschädigt gewesen. Beim
Taxi habe sie nur den Schaden hinten gesehen. Die Papiere im neuen Koffer
habe sie nie gesehen. B._ habe gesagt, er lege Papiere hinein, damit er für
Nordirland ein Visum erhalten (Urk. 8 S. 3 ff.).
Vor Vorinstanz führte sie schliesslich aus, weil sie mit einem grossen
Gepäckstück angereist sei, hätten nicht alle ihre persönlichen Sachen in den zwei
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kleinen Gepäckstücken Platz gehabt. Auf die Frage, wieso B._ seine eigenen
Sachen nicht selber mitgenommen habe, da er ihr ja später nachgereist wäre,
antwortete die Beschuldigte, es sei ihr übel gewesen und B._ habe für sie
gepackt (Prot. I S. 11).
Die - entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 62 S. 10 N 22) -
durchaus widersprüchlichen Aussagen beginnen bereits bei den Ausführungen
der Beschuldigten über die Beschädigung ihres Koffers, mit welchem sie nach
Brasilien gereist war. Zuerst führte sie aus, die Beschädigung erst im Hotel in Sao
Paolo bemerkt zu haben, was sie einmal auch so wiederholte. Später stellte sie
sich jedoch auf den Standpunkt, sie habe den Schaden bemerkt, als sie auf das
Taxi gewartet habe, um ins Hotel zu fahren und deshalb sogar B._
angerufen. Auf diesen Widerspruch hingewiesen, führte sie aus, beim Warten
gesehen zu haben, dass der Koffer leicht beschädigt gewesen sei. Sie habe nur
den Schaden hinten gesehen und später den Schaden vorne am Koffer. Diese
Aussage steht wiederum im Widerspruch zu einer früheren Aussagen, in welcher
sie den Schaden auf der Unterseite des Koffers ortete. Ausserdem hätte sie nur
wegen einer leichten Schädigung wohl kaum B._ bereits vom Taxistand aus
angerufen. Sodann sagt sie zwar konstant aus, dass B._ die neuen
Gepäckstücke gekauft habe, spricht aber einmal davon, dass jemand die Koffer
vorbeigebracht habe, als sie mit B._ am Samstag Abend im Ausgang
gewesen sei, ein anderes Mal führte sie aus, B._ und D._ hätten die
Koffer vorbei gebracht, wobei sie einmal erwähnte, dass dies am Samstag
Nachmittag um 14/15 Uhr gewesen sei und ein weiteres Mal machte sie geltend,
D._ allein habe die Gepäckstücke gebracht und B._ sei erst kurz später
dazu gekommen. Diese Aussagen sind folglich alles andere als übereinstimmend.
Weiter sagte sie zwar konstant aus, dass nicht sie die Gepäckstücke für die
Rückreise gepackt habe, da sie krank gewesen sei bzw. Migräne gehabt habe,
spricht aber teilweise davon, dass sie von B._ gepackt worden seien,
teilweise sollen es sowohl B._ wie auch D._ gewesen sein. Weiter will
sie sich einmal während des Packens im Bett befunden haben, ein anderes mal
im Badezimmer, einmal will sie B._ dabei immer wieder zugeschaut haben,
ein anderes mal will sie nur kurz hingeschaut haben. Der Auffassung der
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Verteidigung, wonach ihre Aussagen deswegen nicht als unglaubhaft zu erachten
seien (Urk. 62 S. 11 f. N 24), kann nicht gefolgt werden. Ausserdem fällt auf, dass
die Beschuldigte genau aufzählen konnte, welche ihrer Kleider und Gegenstände
sich im Rollkoffer und im Rucksack befanden. Dies stimmt nicht mit der
Darstellung überein, dass sie die Gepäckstücke nie geöffnet habe und auch nicht
mit derjenigen, dass sie beim Packen kaum zugeschaut habe. Die Aussage, dass
sie die Gepäckstücke nie geöffnet habe, widerspricht sodann den Ausführungen,
wonach sie die Kameras zuerst im Koffer gehabt und dann in den Rucksack getan
habe. Zusammenfassend ergibt sich aus den Ausführungen der Beschuldigten
bezüglich der Beschädigung ihres Koffers, des Erhalts der neuen Gepäckstücke
und des Packens kein stimmiges Ganzes. Vielmehr erscheinen diese aufgrund
der Widersprüche unglaubhaft und als Schutzbehauptungen. Die Beschuldigte
legt verschiedene Gründe dar, welche darlegen sollen, dass sie nicht für den Kauf
der Gepäckstücke und das Packen derselben verantwortlich war und deshalb
nichts von den darin befindlichen Betäubungsmitteln wissen konnte. Diese
vermögen aufgrund der dargelegten Widersprüche und Ungereimtheiten aber
nicht zu überzeugen. Vielmehr ist es bereits merkwürdig, dass sie sich nicht
selber einen neuen Koffer beschaffte oder zumindest darauf bestand, wieder
einen Koffer in der selben Grösse zu erhalten. Kommt hinzu, dass es - selbst bei
Migräne und beim geltend gemachten Vertrauen gegenüber B._ (vgl. Urk. 62
S. 11 N 26) - unwahrscheinlich ist, dass sie sich ihre Gepäckstücke vollständig
von B._ packen liess, der sich auch noch von einer für die Beschuldigte
fremden Person helfen liess. Immerhin ging es um persönliche Kleider und
Gegenstände der Beschuldigten. Sodann ist - entgegen der Auffassung der
Verteidigung (Urk. 62 S. 12 N 27) - nicht nachvollziehbar, wieso sie Kleider und
Gegenstände von sich zurückliess und dafür T-Shirts und Unterhosen von
B._ einpacken liess. B._ hätte seine Kleider ohne Weiteres selbst nach
Irland mitnehmen können, wäre er denn nach Irland gekommen. Einen
überzeugenden Grund konnte die Beschuldigte nicht liefern.
Selbst wenn der Beschuldigten die neuen Gepäckstücke gebracht wurden
und sie nicht selber gepackt hat, lässt sich daraus nicht schliessen, dass sie nicht
wusste oder zumindest in Kauf nahm, dass eben auch Betäubungsmittel
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eingepackt worden sind. Damit erübrigt sich die Auswertung der
Überwachungskameras im Hotel "C._" in Sao Paolo, welche allenfalls belegt
hätte, dass B._ und D._ der Beschuldigten die neuen Gepäckstücke am
Samstag vor ihrer Abreise ins Hotelzimmer brachten (vgl. Urk. 40 S. 7).
2.3. Betreffend die Beziehung zwischen B._ und der Beschuldigten
brachte die Verteidigung vor, dass die Beschuldigte nur aufgrund der von B._
geschürten Hoffnungen auf eine "echte" Beziehung nach Sao Paolo gereist sei.
Die Vorinstanz habe die Persönlichkeit der Beschuldigten und dabei insbesondere
ihre aussergewöhnliche Leichtgläubigkeit und Naivität als nicht relevant erachtet,
obwohl diese offensichtlich dazu geführt habe, dass die Beschuldigte B._
blind vertraut und keine Ahnung vom eigentlichen Zweck ihrer Reise gehabt habe
(Urk. 40 S. 3 f., Urk. 62 S. 5).
Es mag sein, dass sich die Beschuldigte Hoffnung auf eine Beziehung mit
B._ gemacht hat. Dass die Beschuldigte nur aus diesem Grund nach
Brasilien reiste, ist aber unglaubhaft. So sind ihre Aussagen bezüglich B._
sehr widersprüchlich. In der ersten Einvernahme führte sie aus, der Name von
B._ sei "E._" oder so, sie wisse es nicht genau (Urk. 5 S. 1) und in der
gleiche Einvernahme nannte sie ihn "B._ F._" (Urk. 5 S. 3). Sie fügte
hinzu, dass er nach Irland reisen und sie heiraten wolle. In Sao Paolo habe sie
sich in ihn verliebt und ihn vorher schon gemocht (Urk. 5 S. 3 f.). In der
Hafteinvernahme vom 30. Oktober 2012 führte sie bezüglich seines Namens
hingegen aus, er heisse "B._ G._". Die Beschuldigte wiederholte, dass
er nach Irland kommen wolle, um mit ihr zu leben. Sie seien so gut wie verlobt.
Sie hätten sich vor etwa 4 Monaten auf Facebook kennengelernt. Er habe sie
eingeladen, ihn zu besuchen. Auf die Frage, ob sie nach drei Tagen bereits wisse,
dass B._ zur ihr nach Irland ziehen wolle, meinte sie, das sei ihre Bedingung
gewesen, dass sie ihn erst habe kennenlernen wollen, und er habe ja alles
bezahlt. Sex hätten sie nicht gehabt, nur geschmust. Er habe gefunden, es sei
besser, wenn sie im Hotel und nicht bei B._ wohne. Sie sei nie in seiner
Wohnung gewesen. Er habe gesagt, er arbeite für die Regierung. Seinen
Geburtstag kenne sie nicht und über seine Ausbildung wisse sie nichts (Urk. 6
- 16 -
S. 2 ff.). Anlässlich der Haftanhörung führte sie aus, der Zweck der Reise sei
gewesen, dass sie B._ habe treffen wollen. Er habe vorgehabt, in ihr Land zu
ziehen. Auf die Frage, was sie in Sao Paolo zusammen unternommen hätten,
führte die Beschuldigte aus, dass sie einmal am Samstag ausgegangen seien, um
etwas zu trinken und zu essen. Sie hätten nicht gemeinsam übernachtet (Urk.
13/11 S. 3 f.). Bei der Polizei nannte die Beschuldigten B._ erneut
"G._". Er habe ihr angegeben, für die USA-Behörden zu arbeiten, dass seine
Eltern noch leben würden und er eine Schwester habe. Mehr könne sie über
B._ nicht sagen. Sie hätten vor vier Monaten erstmals Kontakt über
Facebook gehabt (Urk. 7 S. 4 und S. 7). In der Schlusseinvernahme führte die
Beschuldigte aus, ein paar Tage bevor sie nach Brasilien geflogen sei, habe
B._ gesagt, er wolle im Januar nach Nordirland kommen und mit ihr eine
richtige Beziehung anfangen. Er habe zuerst zu ihr rüber kommen wollen, aber
sie habe ihn lieber zuerst woanders treffen wollen. Sie wisse über ihn, dass er
Eltern und eine Schwester habe und für die amerikanische Regierung arbeite. Er
heisse B._ G._ (Urk. 8 S. 4 f.). Weiter ergänzte sie, dass die
Freundschaftsanfrage auf Facebook ca. im April / Mai 2012 erfolgt sei und er ihr
im September den Vorschlag gemacht habe, nach Brasilien zu gehen. Der
Kontakt mit ihm zwischen April und September sei per E-Mail und SMS verlaufen.
Sie habe schon das Gefühl gehabt, dass es eine richtige Beziehung geben werde
(Urk. 8 S. 10). Vor Vorinstanz gab sie an, B._ habe ein Foto von ihr von
Facebook gehabt, aber sie habe kein Foto von ihm gehabt. Auf die Frage, wieso
B._ nicht zu ihr gereist sei, sondern sie zu ihm, obwohl er sie heiraten und
gemeinsam in Irland ein Haus habe kaufen wollen, führte sie aus, er sei zu
beschäftigt gewesen, um nach Nordirland zu kommen (Prot. I S. 8). Sie wisse
über ihn, dass seine Eltern noch leben und er eine Schwester habe. Er habe ihr
zudem gesagt, dass er für die United States Federation Company arbeite (Prot. I
S. 9 f.). In Brasilien habe sie ihn nur zur Abendessenszeit im Hotel gesehen, die
Nächte habe er nicht bei ihr verbracht (Prot. I S. 10). Die Beschuldigte kennt die
Adresse von B._ sodann nicht (Urk. 6 S. 3, Urk. 7 S. 4, Urk. 8 S. 5).
Entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 62 S. 14 ff., Urk. 70b S. 2)
und in Übereinstimmung mit der Staatsanwaltschaft (Urk. 67 S. 2) fällt auf, dass
- 17 -
die Beschuldigte sehr wenig über B._ weiss, insbesondere vor dem
Hintergrund, dass sie mit ihm zusammenziehen wollte. In Brasilien sah sie ihn nur
abends, nie während der Nacht und zusammen aus gingen sie nur einmal. Vor
dem Hintergrund, dass die Reise ein gemeinsames Kennenlernen bzw. gar eine
ernsthafte Beziehung hätte bezwecken sollen, erscheint dies merkwürdig, selbst
wenn B._ tagsüber tatsächlich hätte arbeiten müssen, wie die Verteidigung
geltend macht (Urk. 62 S. 8 N 17). Als Grund, wieso sie zu ihm und nicht er zu ihr
gereist ist, gab die Beschuldigte sodann Widersprüchliches an. Einerseits gab sie
an, er habe zwar zu ihr kommen wollen, aber sie habe ihn lieber zuerst woanders
treffen wollen, andererseits machte sie geltend, er sei zu beschäftigt gewesen, um
nach Nordirland zu kommen. Es ist folglich unklar, ob sie der Grund war, dass sie
zuerst zu ihm reiste, oder ob er der Grund war, dass sie zu ihm reisen musste,
damit sie sich sehen konnten. Die verschiedenen Begründungen der
Beschuldigten bezüglich des Grundes ihrer Reise lassen ihre Aussagen
unglaubhaft erscheinen. Dass sie, die seit 31 Jahren (Urk. 5 S. 3) nicht mehr
geflogen war, nach Brasilien reiste, um dann täglich nur ein paar Stunden mit
einem Mann zu verbringen, von dem sie das Äussere nicht kannte und auch sonst
kaum etwas wusste, ist selbst dann kaum nachvollziehbar, wenn man von einer
aussergewöhnlichen Leichtgläubigkeit und Naivität der Beschuldigten ausgeht.
Kommt hinzu, dass die Verteidigung vor Vorinstanz ausführte, dass die
Beschuldigte im Oktober 2012 zwei E-Mails von einer "H._" erhalten habe,
welche ihr weisgemacht habe, dass sie in Brasilien $ 10.5 Millionen abholen
könne, worauf hin ihr ein Anwalt namens "I._" die Reise nach Brasilien
organisiert und die Kosten für die Hinreise bezahlt habe (Urk. 32 S. 7, Urk. 30/8-
9). Bereits damit liegt ein weiterer möglicher Grund für die Reise der
Beschuldigten nach Brasilien vor, welchen sie jedoch nicht erwähnt hatte.
Sie selber sagte bezüglich der Bezahlung der Flüge nicht konstant aus. In
der ersten Einvernahme führte sie aus, B._ habe ihr Flugticket bezahlt und
ihr dann per E-Mail zugestellt. Er habe alles organisiert (Urk. 5 S. 3). In der selben
Einvernahme ergänzte sie, dass ihr D._ den Rückflug von London nach
Belfast gebucht und bezahlt habe. Auf die Frage, ob sie für die Reise, nach
Ankunft in Belfast, Geld erhalten sollte, führte sie aus, "sie" hätten ihr gesagt,
- 18 -
dass sie alles bezahlen würden bis zu ihrer Ankunft in Belfast (Urk. 5 S. 4). In der
Hafteinvernahme führte sie zuerst aus, B._ habe die Reise bezahlt. Dann
sagte sie aus, D._ habe das Flugticket und das Visum für Brasilien bezahlt
(Urk. 6 S. 5). Bei der Polizei führte sie aus, B._ habe ihr alles bezahlt, die
Reise und das Hotel (Urk. 7 S. 2). Auch in der Schlusseinvernahme sagte sie aus,
B._ habe gesagt, er werde alles bezahlen, wenn sie komme und das habe er
auch gemacht (Urk. 8 S. 4). Vor Vorinstanz führte sie aus, B._ habe ihr
gesagt, dass er alles bezahlen werde und erst als sie die Dokumente erhalten
habe, habe sie gesehen, dass D._ die Reise bezahlt habe. Sie könne sich
nicht mehr erinnern, ob D._ auch den Flug nach London bezahlt habe. Die
Buchung für den Flug von London nach Belfast habe glaublich I._
vorgenommen (Prot. I S. 12).
B._ hätte allenfalls einen Grund gehabt, der Beschuldigten den Flug zu
bezahlen, folgt man der Darstellung der Beschuldigten, wonach er und sie sich
hätten kennenlernen und eine Beziehung führen wollen. Nicht aber D._ oder
I._. Der einzig naheliegende Grund für die Bezahlung der Reise durch
D._ oder I._ wäre derjenige, dass diese von der Beschuldigten eine
Gegenleistung, wie eben den Transport von Betäubungsmitteln, erwarteten. Dies
musste - entgegen der Auffassung der Verteidigung (Urk. 62 S. 14 f. N 32) - auch
der Beschuldigten klar sein.
Es ist davon auszugehen, dass die Beschuldigte bereits vor ihrer Hinreise in
Kauf nahm, dass der Zweck ihrer Reise nicht nur das Kennenlernen von B._
war, sondern auch eine Gegenleistung von ihr erwartet würde. Spätestens jedoch
in Brasilien, wo ihr nicht nur neue Gepäckstücke gebracht, sondern diese -
angeblich - von B._ und einem Fremden gepackt wurden, wo ihr aufgetragen
wurde, Dokumente einem Anwalt in London zu übergeben und wo ihr spätestens
klar wurde, dass ihre Reisekosten eben nicht nur von B._ übernommen
worden waren, musste sie damit rechnen, dass sich in ihrem Gepäck
Betäubungsmittel befinden. Diese Hinweise genügen - entgegen der Auffassung
der Verteidigung (Urk. 40 S. 5, Urk. 62 S. 9 N 20 und S. 17 f. N 40 und N 41) -
durchaus, um mindestens auf einen Eventualvorsatz zu schliessen. Selbst wenn
- 19 -
sie davon nicht direkt wusste, so nahm sie dadurch, dass sie die entsprechenden
Gepäckstücke, ohne diese zu kontrollieren, auf die Rückreise mitnahm, in Kauf,
dass sie Betäubungsmittel transportieren würde.
2.4. Die Rüge der Verteidigung, wonach die Vorinstanz zu Unrecht weder
den SMS - mit Ausnahme der SMS-Korrespondenz vom Tag der Abreise der
Beschuldigten - noch den E-Mail- oder Facebook-Verkehr zwischen B._ und
der Beschuldigten auswerten lassen habe (Urk. 40 S. 4, Urk. 62 S. 9 N 20), ist
unbehelflich. Selbst wenn sich aus der Korrespondenz zwischen der
Beschuldigten und B._ ergeben würde, dass die Betäubungsmittel kein
Thema waren bzw. die Beschuldigte auf diesem Weg nicht von B._ bezüglich
des Drogentransports instruiert worden war (vgl. Urk. 40 S. 6, Urk. 63 S. 15 f. N
34), bedeutet dies nicht, dass die Beschuldigte nicht mündlich (per Telefon oder in
Brasilien bei der Begegnung mit B._) darüber instruiert worden sein könnte.
Insbesondere wäre daraus nicht zu schliessen, dass bei der Beschuldigten kein
Eventualvorsatz vorlag. Denn selbst wenn sich B._ mit der Beschuldigten
nicht über den Drogentransport ausgetauscht hätte, musste sie es unter den
genannten Umständen für möglich halten, dass sie im Gepäck Betäubungsmittel
mit sich führt, was sie sodann in Kauf nahm.
Auch wenn der SMS- und E-Mailverkehr zwischen der Beschuldigten und
B._ zeigen würden, dass die Beschuldigte aufgrund ihrer Hoffnung auf eine
richtige Beziehung mit B._ nach Sao Paolo reiste und dass sie leichtgläubig
und naiv ist, wie die Verteidigung geltend macht (Urk. 40 S. 6, Urk. 62 S. 3 ff.),
schliesst dies nicht aus, dass dies eben nicht der einzige Grund ihrer Reise war
und dass auch ein naiver Mensch sich auf einen Drogentransport einlassen bzw.
einen solchen in Kauf nehmen kann. Deshalb erübrigen sich auch die
Beweisanträge der Beschuldigten, eine Auswertung des kompletten SMS-
Verkehrs zwischen der Beschuldigten und B._ für den Zeitraum vom April
2012 bis am 29. Oktober 2012 und eine Auswertung des E-Mail Accounts der
Beschuldigten für den Zeitraum vom April 2012 bis zum 24. Oktober 2012
vorzunehmen bzw. anzuordnen.
- 20 -
Was den SMS-Verkehr zwischen der Beschuldigten und B._ am Tag
ihrer Abreise betrifft, welcher ausgewertet wurde (vgl. Urk. 12/17), so rügte die
Verteidigung, dass die Vorinstanz daraus eine Instruktion der Beschuldigten
hinsichtlich des Betäubungsmitteltransports herleite, obwohl selbst die Polizei in
ihrem Rapport vom 1. November 2012 festgehalten habe, dass dieser
Korrespondenz weder direkte noch versteckte Hinweise auf Drogen zu nehmen
seien (Urk. 40 S. 5, Urk. 62 S. 16 N 35).
Das Gericht kann Beweismittel selbstverständlich anders würdigen als die
Polizei. Die Nachricht der Beschuldigten an B._ "I am though customs just
waiting in lounge to baord the plane.had no problems at all.so all good news"
(Urk. 12/17) kann zwar bedeuten, dass die Beschuldigte B._ mitteilen wollte,
dass es ihr besser gehe, wie sie geltend macht (Prot. I S. 17, Urk. 62 S. 16 N 36).
Es liegt aber durchaus die Vermutung nahe, dass sie ihm mitteilen wollte, dass
sie ohne Probleme - nicht nur was ihre Gesundheit, sondern auch die
Gepäckstücke betrifft - durch den Zoll gekommen ist. Was die Nachricht der
Beschuldigten betrifft, in welcher sie B._ mitteilte "I an on plane bags locked
us now over top me my head" (Urk. 12/17), so geht es hier definitiv um die
Gepäckstücke. Aus dem SMS-Verkehr geht nicht hervor, dass sie von B._
nach den Gepäckstücken gefragt worden war, vielmehr teilte sie ihm von sich aus
mit, dass sich diese über ihr im Gepäckablagefach eingeschlossen befinden. Der
Auffassung der Verteidigung, wonach die Beschuldigte B._ im Rahmen eines
SMS-Chats einfach nur auf dem Laufenden halten wollte (Urk. 62 S. 16 f. N 37)
kann nicht gefolgt werden. Vielmehr lässt sich daraus - entsprechend der
Auffassung der Staatsanwaltschaft (Urk. 67 S. 3) - schliessen, dass der
Beschuldigten bewusst war, dass sich im Gepäck etwas befindet, auf das sie
aufpassen muss und dass es B._ wichtig war, dass das Gepäck bzw. dessen
Inhalt in London ankommt. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die
Beschuldigte wusste oder es zumindest für möglich hielt, dass sich
Betäubungsmittel im Gepäck befinden.
2.5. Zusammenfassend ist allgemein bekannt und musste auch der
Beschuldigten bekannt sein, dass Kokain meistens aus Lateinamerika in andere
- 21 -
Länder importiert wird und man sich die Gepäckstücke nicht von anderen
Personen und schon gar nicht von solchen, die man gar nicht oder kaum kennt,
packen lässt. Aufgrund der gesamten Umstände, d.h. insbesondere der
Bezahlung der Reise der Beschuldigten durch Fremde, des Kaufes neuer
Gepäckstücke nicht durch die Beschuldigte selbst, das Packen der Gepäckstücke
durch B._ und einen Fremden und dem geplanten Treffen mit einem
Fremden in London, welchem angeblich Dokumente übergeben werden sollten,
war es so wahrscheinlich, dass sich in den Gepäckstücken Betäubungsmittel
befinden, dass die Bereitschaft der Beschuldigten, die Gepäckstücke mit nach
Europa zu nehmen, nur als Inkaufnahme des Transports von Betäubungsmitteln
ausgelegt werden kann. Die Aussagen der Beschuldigten sind widersprüchlich
und damit unglaubhaft, weshalb sie nicht vom Gegenteil zu überzeugen
vermögen. Vielmehr ist erstellt, dass die Beschuldigte zumindest in Kauf nahm,
Betäubungsmittel von Sao Paolo nach Zürich und weiter nach London zu
transportieren.
Was die Art und die Gefährlichkeit der Betäubungsmittel betrifft, so hatte die
Beschuldigte bereits von Kokain gehört und hatte selbst Erfahrung mit Morphium
zur Schmerzbekämpfung gemacht (Urk. 6 S. 4). Ihr musste damit die Wirkung von
Kokain bekannt sein. Ebenso war ihr dessen Gefährlichkeit und Illegalität
bewusst, sprach sie doch davon, dass man in Nordirland wegen Konsums und
Verkaufs von Drogen von der paramilitärischen Einheit zusammengeschlagen
oder umgebracht werde (Urk. 6 S. 4, Urk. 7 S. 3). Selbst wenn die Beschuldigte
nicht wusste, dass es sich bei den Betäubungsmittel um Kokain handelte, so
nahm sie dies in Kauf, da sie damit rechnen musste und sich damit abfand.
Da es sich um zwei Gepäckstücke handelte und aufgrund des Gewichts der
Gepäckstücke, musste die Beschuldigte mit einer Betäubungsmittelmenge im
Kilogrammbereich rechnen. Mit ihrem zusätzlichen Wissen um die Gefährlichkeit
von Betäubungsmitteln nahm sie damit in Kauf, dass es sich um eine Menge
handelte, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann.
Der innere Sachverhalt ist damit ebenfalls erstellt.
- 22 -
III. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz würdigte des Verhalten der Beschuldigten als
qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art.
19 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG. Es kann vorab auf die
zutreffenden vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4
StGB; Urk. 38 S. 22 ff.).
1.1. Die Erfüllung des objektiven Tatbestandes von Art. 19 Abs. 1 lit. b
BetmG sowie die Qualifikation gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG wurde von der
Verteidigung nicht explizit beanstandet. Durch den Transport von total 2'950
Gramm reinem Kokainhydrochlorid erfüllt die Beschuldigte ohne Weiteres den
objektiven Tatbestand von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG. Da die Menge der
Betäubungsmittel 18 Gramm überstieg, ist gemäss bundesgerichtlicher
Rechtsprechung von einem schweren Fall gemäss Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG
auszugehen.
1.2. Da die Beschuldigte bestreitet, von den Betäubungsmitteln gewusst zu
haben, ist die Erfüllung des subjektiven Tatbestands von Art. 19 Abs. 1 lit. b i.V.m.
Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG bestritten. Wie bereits unter Ziff. II.2 vorstehend
ausgeführt, nahm die Beschuldigte mindestens in Kauf, mit den zwei
Gepäckstücken Betäubungsmittel nach Zürich zu transportieren und wusste, dass
sie dazu nicht befugt war. Dabei nahm sie in Kauf, dass es sich um Kokain
handelt und es sich um eine Menge handelt, welche mittelbar oder unmittelbar die
Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann. Sie handelte demnach
mindestens eventualvorsätzlich und erfüllt damit den Tatbestand von Art. 19 Abs.
1 lit. b i.V.m. Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG auch in subjektiver Hinsicht.
2. Zusammenfassend ist die Beschuldigte der qualifizierten
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Abs. 1 lit.
b BetmG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG schuldig zu sprechen.
- 23 -
IV. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat den Strafrahmen korrekt abgesteckt und die
gesetzlichen Zumessungsregeln wie auch die hier massgeblichen belastenden
und entlastenden Faktoren zutreffend dargelegt. Um unnötige Wiederholungen zu
vermeiden, kann vorab auf diese Erwägungen im angefochtenen Entscheid
verwiesen werden (Urk. 38 S. 26 ff.). Der Strafrahmen reicht von einem Jahr bis
zu zwanzig Jahren Freiheitsstrafe; damit kann eine Geldstrafe verbunden werden
(Art. 19 Abs. 2 BetmG; Art. 40 StGB)
2. Innerhalb des festgelegten Strafrahmens misst das Gericht die Strafe
nach dem Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die
persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben (Art. 47
Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder
Gefährdung des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns,
den Beweggründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der
Täter nach den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die
Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt
bei der Strafzumessung ist die objektive Tatschwere, d.h. die Schwere der
Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts bzw. der schuldhaft
verursachte Erfolg. Ebenso massgeblich ist die subjektive Tatschwere, die sich
aus der Intensität des deliktischen Willens sowie den Beweggründen für die Tat
ergibt. Mit zu berücksichtigen sind schliesslich das Vorleben und die persönlichen
Verhältnisse des Täters.
Der Drogenmenge und der daraus resultierenden Gefährdung darf bei der
Bemessung der Strafe keine vorrangige Bedeutung zukommen (vgl. etwa BGE
118 IV 342; 121 IV 206). Es wäre verfehlt, im Sinne eines "Tarifs" überwiegend
oder gar allein auf dieses Kriterium abzustellen. Falsch wäre aber auch die
Annahme, diesem Strafzumessungselement komme eine völlig untergeordnete
oder gar keine Bedeutung zu. Es ist nicht nebensächlich, ob jemand mit zwanzig
oder zweihundert Gramm einer gefährlichen Droge handelt.
- 24 -
2.1. Das Tatverschulden der Beschuldigten wiegt in objektiver Hinsicht im
Rahmen des schweren Falls im Sinne von Art. 19 Abs. 2 lit. a BetmG nicht leicht.
Sie transportierte 3'487 Gramm Kokaingemisch mit dem sehr hohen
Reinheitsgehalt von 85 %, damit 2'950 Gramm reines Kokainhydrochlorid. Mit
dieser Betäubungsmittelmenge, welche bei weitem über dem kritischen
Grenzwert für die Begründung des schweren Falls liegt - bei Kokain sind es 18
Gramm (BGE 109 IV 143) - schuf die Beschuldigte ein erhebliches
Gefährdungspotential für die Gesundheit vieler Menschen. Der von der
Beschuldigten vorgenommenen Tathandlung selbst kommt innerhalb einer
Drogenorganisation zwar nicht eine besonders herausragende Bedeutung zu,
anderseits ist ein Drogentransport als notwendige Aufgabe innerhalb einer
Drogenorganisation auch keineswegs zu bagatellisieren. Es ist aber davon
auszugehen, dass sie sich nicht von sich aus darum bemühte, als Drogenkurierin
eingesetzt zu werden, sondern von anderen dazu animiert wurde.
Was das subjektive Tatverschulden anbelangt, ist davon auszugehen, dass
die Beschuldigte zumindest mit Eventualvorsatz gehandelt hat, auch was die
Einfuhrmenge betrifft. Im Übrigen ist trotz fehlendem Geständnis davon
auszugehen, dass sie diesen Drogentransport aus finanziellen Gründen
durchführte. Die Beschuldigte lebte zwar in bescheidenen finanziellen
Verhältnissen, befand sich aber keineswegs in einer Notlage. Allenfalls kam als
Motiv für den Drogentransport ihre angebliche Liebe zu B._ hinzu. Dies lässt
sich nicht als rechtfertigender Beweggrund berücksichtigen. Ihr subjektives
Verschulden erscheint deshalb als noch eher leicht.
Zusammenfassend erscheint eine Einsatzstrafe von 40 bis 44 Monaten dem
insgesamt nicht leichten Verschulden der Beschuldigten angemessen.
2.2. Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten
kann auf die Ausführungen im vorinstanzlichen Urteil verwiesen werden (Urk. 38
S. 32 f.). Zusammengefasst lernte die Beschuldigte den Beruf der Schneiderin
und Köchin, später machte sie eine Ausbildung als Pferdetrainerin. Seit 2010 ist
sie jedoch erwerbslos und lebt von der Sozialhilfe. Die Beschuldigte ist zweimal
geschieden und hat vier Kinder. Sie hat nur noch mit einer Tochter Kontakt. Seit
- 25 -
ihrem zwölften Lebensjahr erlebte die Beschuldigte durch ihre beiden Stiefväter,
ihren Halbbruder und ihren zweiten Ex-Mann erhebliche sexuelle Gewalt. Sodann
hat sie mehrere Selbstmordversuche unternommen.
Die tragische Kindheit und Jugend der Beschuldigten und die sexuelle
Gewalt, die sie auch als Erwachsene noch erleben musste, sind deutlich
strafmindernd zu berücksichtigen.
Die Beschuldigte blieb bezüglich ihrer Schuld ungeständig, was jedoch
neutral zu werten ist.
Sodann ist zwar davon auszugehen, dass die Beschuldigte nicht vorbestraft
ist (Urk. 15/1, Urk. 4/1 S. 3, vgl. dazu Urk. 38 S. 33 f.), was aber keine
Strafminderung rechtfertigt (BGE 136 IV 1).
Sonstige Straferhöhungs- oder -minderungsgründe sind nicht ersichtlich.
2.3. In Würdigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erweist
sich eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten als angemessen. Daran anzurechnen
sind 12 Monate Freiheitsstrafe, welche die Beschuldigte durch Haft und
vorzeitigen Strafvollzug erstanden hat (Art. 51 StGB).
V. Vollzug
Die Vorinstanz hat der Beschuldigten mit zutreffender Begründung den
teilbedingten Strafvollzug im Sinne von Art. 43 Abs. 1 StGB gewährt. Der Vollzug
wurde im Umfang von 24 Monaten aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt. Im Übrigen (12 Monate) wurde der Vollzug der Strafe angeordnet.
Bei der Bemessung des vollziehbaren Teils - der hier zwischen 6 und 18
Monaten liegt (Art. 43 Abs. 2 und 3 StGB) - ist dem Verschulden sowie der
Legalprognose Rechnung zu tragen. Das Verhältnis der Strafteile ist so
festzusetzen, dass darin die Wahrscheinlichkeit der Legalbewährung des Täters
einerseits und dessen Einzeltatschuld andererseits hinreichend zum Ausdruck
kommen (BGE 134 IV 15). Die Beschuldigte ist Ersttäterin, weshalb trotz
- 26 -
fehlenden Geständnisses davon auszugehen ist, dass das vorliegende
Strafverfahren eine entsprechende Warnwirkung auf sie hat. Es kann ihr deshalb
eine günstige Legalprognose gestellt werden. Andererseits ist, wie ausgeführt,
von einem nicht leichten Tatverschulden auszugehen. Es rechtfertigt sich
deshalb, den vollziehbaren Strafanteil auf 12 Monate festzusetzen. Im Umfang
von 24 Monaten ist die Strafe aufzuschieben und die Probezeit auf 2 Jahre
festzusetzen.
VI. Einziehung
Der Entscheid der Vorinstanz, mit welcher die Einziehung der mit
Verfügung der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 8. Februar 2013
(Urk. 12/10) beschlagnahmten Reiseunterlagen und Notizen und deren Belassung
als Beweismittel in den Untersuchungsakten angeordnet wurde, ist zu bestätigen.
Ebenfalls zu bestätigten ist die Einziehung der mit gleicher Verfügung
beschlagnahmten beiden Mobiltelefone (inkl. SIM) sowie deren Verwertung und
das Heranziehung des Erlöses zur Deckung der Verfahrenskosten. Zur
Begründung kann auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid
verwiesen werden (Urk. 38 S. 38).
VII. Kostenfolgen
1. Ausgangsgemäss ist die erstinstanzliche Kostenauflage (Ziff. 8) zu
bestätigen.
2. In Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Die Beschuldigte
unterliegt mit ihrer Berufung vollständig. Es sind ihr daher die Kosten des
Berufungsverfahrens aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung,
welche auf Fr. 7'530.– (inkl. 8% MWST) festzusetzen sind (vgl. Urk. 63), sind -
unter Vorbehalt der Rückzahlungspflicht gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO - auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
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