# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0a5cd327-8153-47d1-b664-dbf2371ec70f
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache qualifizierte Veruntreuung etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 23. August 2017 (DG160301)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 26.
September 2016 (Urk. 00000073 ff., Ordner 0) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte A._ ist schuldig
- der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
- der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB,
- der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung im Sinne von Art. 138
Ziff. 1 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 138 Ziff. 2 StGB.
2. Die Beschuldigte A._ wird vom Vorwurf der mehrfachen ungetreuen
Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Bezug auf
die Anklageziffer 1.2.B.1. freigesprochen.
3. Die Beschuldigte wird bestraft mit 30 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und
mit heute 1 Tag durch Haft erstanden ist.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird im Umfang von 20 Monaten
aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Im Übrigen (10
Monate, abzüglich 1 Tag, der durch Untersuchungshaft erstanden ist) wird
die Freiheitsstrafe vollzogen.
5. Das Schadenersatzbegehren der Privatklägerin 1 (Kunde Nr. 1) wird
abgewiesen.
6. Die Beschuldigte wird gemäss ihrer Anerkennung verpflichtet, den folgenden
Privatklägern Schadenersatz in nachfolgender Höhe zu bezahlen:
− Privatklägerin 2 (Kunde Nr. 3), TRY 10'574'200; − Privatkläger 9 und 10 (Kunde Nr. 14), TRY 198'900 und CAD 8'900;
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− Privatklägerin 11 (Kunde Nr. 15), TRY 709'001.78; − Privatklägerin 12 (Kunde Nr. 18), TRY 1'448'300; − Privatkläger 15 (Kunde Nr. 21), TRY 5'521'500; − Privatkläger 18 (Kunde Nr. 24),TRY 5'841'775.79 und
USD 1'495'601.70; − Privatkläger 19 (Kunde Nr. 25), TRY 4'099'650; − Privatkläger 20 (Kunde Nr. 28), TRY 616'550.
Im allfälligen Mehrbetrag werden die Schadenersatzbegehren auf den
Zivilweg verwiesen.
7. Es wird festgestellt, dass die Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 13
(Kunde Nr. 19) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach
schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfangs der
Schadenersatzansprüche wird die Privatklägerin 13 (Kunde Nr. 19) auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen.
8. Das Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 14 (Kunde Nr. 20) wird
abgewiesen.
9. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich vom 6. Juli
2015 angeordnete Sperre der Freizügigkeitskonten Nr. 1 und Nr. 2 bei der
B._ AG, lautend auf die Beschuldigte, wird nach Eintritt der Rechtskraft
aufgehoben.
10. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 20'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
CHF 120'000.– Gebühr Anklagebehörde
CHF 1'043.75 Auslagen Untersuchung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
11. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten auferlegt.
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12. Auf die Anträge der folgenden Privatkläger betreffend
Prozessentschädigung wird nicht eingetreten:
− Privatkläger 4 (Kunde Nr. 6); − Privatklägerin 5 (Kunde Nr. 7); − Privatkläger 6 (Kunde Nr. 8); − Privatklägerin 12 (Kunde Nr. 18); − Privatkläger 15 (Kunde Nr. 21).
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung:
(Urk. 254 S. 3 f.; Urk. 262 S. 29, sinngemäss)
Unter vollständiger Ersetzung der Ziff. 1, 3, 4, 6, 7 und 11 des Erkenntnisses
im Dispositiv des Urteils des Bezirksgerichtes Zürich vom 23. August 2017
und der zugehörigen Erwägungen sei
1. auf die Straf- und Zivilklagen der Privatklägerin Nr. 2 (Kunde Nr. 3,
C._ Ltd.) und der Privatklägerin Nr. 12 (D._ Ltd., Kunde Nr.
18) sowie auf die Strafklage der Privatklägerin 14 (E._ Ltd., Kunde
Nr. 20) nicht einzutreten und diese seien aus dem Verfahren zu
weisen.
2. Auf die Anklage sei in den Anklagepunkten 1.2 und 1.3 nicht
einzutreten.
3. Die Beschuldigte sei vom Vorwurf der mehrfachen qualifizierten
Veruntreuung von Vermögenswerten im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 2, Ziff. 2 StGB in Anklagepunkt 1.4 freizusprechen.
eventualiter
Die Beschuldigte sei überdies auch vom Vorwurf der mehrfachen
ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 StGB im
Anklagepunkt 1.2 und vom Vorwurf der mehrfachen
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Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 2 StGB im
Anklagepunkt 1.3 freizusprechen.
4. Die Zivilklagen der Privatkläger 2, 9 - 11, 12, 13, 15, 18, 19 und 20
seien abzuweisen.
5. Die Kosten des gesamten Strafverfahrens, einschliesslich des
Berufungsverfahrens, seien auf die Staatskasse zu nehmen, soweit
diese nicht den Privatklägern aufzuerlegen sind.
6. Es sei der Beschuldigten eine Entschädigung für die Wahrnehmung
ihrer Verteidigungsrechte auf Grundlage der heute eingereichten
Honorarnoten zzgl. des Zeitaufwands für den Tag der
Berufungsverhandlung sowie ihrer Auslagen gemäss den heute
eingereichten Belegen zuzusprechen.
7. Die für die Beschuldigte eingezahlte Sicherheitsleistung von
Fr. 70'000.– sei freizugeben.
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich:
(Urk. 253 S. 1)
1. Die Anschlussberufung der Anklägerin und Berufungsbeklagten vom
28. November 2017 sei gutzuheissen und die Beschuldigte sei in
Abänderung der Dispositivziffern 3 und 4 des Urteils des
Bezirksgerichtes Zürich vom 23. August 2017 mit einer Freiheitsstrafe
von 42 Monaten zu bestrafen, welche zu vollziehen sei.
2. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen und die
Berufung der Beschuldigten abzuweisen.
c) Des Vertreters der Privatkläger 4, 5, 6, 15:
(Prot. II S. 28, sinngemäss)
Abweisung der Berufung der Beschuldigten.
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_

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 23. August 2017 wurde
die Beschuldigte der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von
Art. 251 Ziff. 1 StGB und der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung im Sinne
von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 138 Ziff. 2 StGB schuldig
gesprochen. Vom Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von
Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB in Bezug auf die Anklageziffer 1.2.B.1. wurde sie
freigesprochen. Sie wurde bestraft mit einer Freiheitstrafe von 30 Monaten. Der
Vollzug der Freiheitsstrafe wurde im Umfang von 20 Monaten aufgeschoben und
die Probezeit auf 2 Jahre festgesetzt, im Übrigen wurde die Freiheitsstrafe
vollzogen. Es wurde über die Zivilansprüche der Privatklägerschaft entschieden
und die Kontosperren der auf die Beschuldigte lautenden Freizügigkeitskonten
wurden aufgehoben.
Gegen das Urteil haben die Beschuldigte mit Eingabe vom 24. August 2017
(Urk. 210) und der Privatkläger 1 mit Eingabe vom 28. August 2017 (Urk. 211)
fristgerecht Berufung angemeldet. Die entsprechenden Berufungserklärungen
wurden ebenfalls innert Frist erstattet. Der Privatkläger 1 beantragte, Dispositiv
Ziffer 2 des vorinstanzlichen Urteils sei aufzuheben und die Beschuldigte der
mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig zu sprechen (Urk. 219).
Die Beschuldigte beantragte vollumfänglichen Freispruch und Verweisung der
Privatkläger auf den Zivilweg (Urk. 221).
Innert der mit Präsidialverfügung vom 17. November 2017 (Urk. 223) angesetzten
Frist hat die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung erhoben (Urk. 226). Sie
beantragte die Bestrafung der Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 42
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Monaten. Seitens der Privatklägerschaft wurde keine Anschlussberufung
erhoben.
Mit Eingabe vom 24. August 2018 hat der Privatkläger 1 seine Berufung
zurückgezogen (Urk. 232). Vom Rückzug der Berufung des Privatklägers 1 ist
Vormerk zu nehmen. Infolge dieses Berufungsrückzuges ist der Freispruch der
Beschuldigten in Bezug auf Anklageziffer 1.2.B.1. sowie die Abweisung des
Schadenersatzbegehrens in Rechtskraft erwachsen. Der vom Privatkläger 1 mit
der Berufungserklärung gestellte Beweisantrag auf Einvernahme von F._ als
Zeuge/Auskunftsperson ist aufgrund des Berufungsrückzuges gegenstandslos
geworden.
Demzufolge ist vorweg festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil betreffend
Dispositiv-Ziffern 2 (Freispruch betreffend Anklageziffer 1.2.B.1), 5
(Schadenersatzbegehren Privatklägerin 1), 8 (Genugtuungsbegehren
Privatklägerin 14),
9 (Aufhebung Kontosperren), 10 (Kostenfestsetzung) und 12 (Nichteintreten auf
Anträge betr. Prozessentschädigung Privatkläger 4,5,6,12 und 15) in Rechtskraft
erwachsen ist.
2. Berufungsverhandlung und Urteilsberatung
Die Beschuldigte liess für die Berufungsverhandlung einen Antrag auf freies
Geleit stellen (Urk. 221 S. 3). Diesem Antrag wurde mit Präsidialverfügung vom
17. September 2018 stattgegeben (Urk. 237). Zur Berufungsverhandlung vom
5. April 2019 erschienen die Beschuldigte persönlich in Begleitung ihrer beiden
Verteidiger, zwei Vertreter der Staatsanwaltschaft, der Revisor G._ sowie der
Rechtsvertreter der Privatkläger 4, 5, 6 und 15. Nach Durchführung der
Berufungsverhandlung haben die Parteien auf mündliche Urteilseröffnung
verzichtet (Prot. II S. 58). Ein erster Teil der Urteilsberatung erfolgte am 9. April
2019, die abschliessende Beratung und Urteilsfällung unter heutigem Datum
(Prot. II S. 59 f.).
3. Beweisanträge
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Mit Eingabe vom 27. März 2019 liess die Beschuldigte die Beweisanträge stellen,
es seien die Urteile und die Akten inklusive der Parteieingaben der Verfahren am
Handelsgericht des Kantons Zürich beizuziehen und zu den Akten des
Strafverfahrens zu nehmen (Urk. 248), welche von den Privatklägern 9/10, 11, 14
und 15 gegen die H._ SA geführt worden seien (Urk. 248). Zur Begründung
dieser Beweisanträge liess die Beschuldigte geltend machen, es sei keinem
Kunden gelungen, einen Anspruch gegen die H._ SA rechtskräftig
zugesprochen zu bekommen. Für die Abklärung der materiellen Wahrheit sei es
relevant, mit welchen Beweismitteln und in welchem Umfang die Kunden und die
Bank angebliche Schäden geltend gemacht, bzw. abgewehrt hätten (Urk 248 S.
4). Die Beweisanträge wurden im Rahmen der Berufungsverhandlung durch die
Verteidigung nicht weiter begründet.
Im vorliegenden Strafverfahren ist einzig zu beurteilen, ob sich die gegenüber der
Beschuldigten erhobenen Anklagevorwürfe erstellen lassen. Es ist nicht
erkennbar, inwiefern die Frage, ob die Geschädigten Schadenersatzansprüche im
Zivilverfahren gegen die H._ durchsetzen konnten, für die
Sachverhaltserstellung im vorliegenden Strafverfahren wegleitend sein soll. Die
Beweisanträge der Beschuldigten sind abzuweisen.
4. Nichteintretensantrag betreffend Anklagepunkte 1.2. und 1.3.
Die Beschuldigte liess in der Berufungsverhandlung beantragen, auf die Anklage
sei in den Anklagepunkten 1.2. und 1.3. nicht einzutreten (Urk. 254 S. 3). Zur
Begründung ihres Nichteintretensantrages machte sie geltend, das
Anklageprinzip sei bezüglich dieser Anklagepunkte verletzt.
Betreffend die Vornahme von Fremdwährungsoptionsgeschäften liess sie geltend
machen, der Vorwurf, sie habe ohne Zustimmung des Kunden Geschäfte
ausgeführt, sei noch klar nachvollziehbar, dagegen nicht die Alternativvorwürfe,
wonach sie die Geschäfte unter falschen und/oder unvollständigen und/oder
irreführenden Angaben vorgenommen habe (Urk. 254 S. 10). Dem Einwand der
Verteidigung ist nicht zu folgen. Vorweg ist darauf hinzuweisen, dass in 1.2.A 2.
der Anklageschrift festgehalten wird, die Beschuldigte habe zumindest gegenüber
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einem Teil der betroffenen Kunden die vorhandenen Verlustrisiken untertrieben,
indem sie vorgegeben habe, Fremdwährungsoptionsgeschäfte seien überhaupt
nicht mit Risiken behaftet oder sie hätte diese stets unter Kontrolle und der Kunde
müsse sich keine Sorgen machen oder indem sie die Risiken ganz verschwiegen
habe. Damit ist der Alternativvorwurf hinreichend umschrieben. Die fundierten und
detaillierten Ausführungen der Verteidigung zeigen denn auch in optima forma,
dass für die Beschuldigte klar erkennbar war, was ihr vorgeworfen wurde und sie
sich ohne weiteres gegen die Vorwürfe verteidigen konnte. Betreffend
Anklagepunkt 1.3. liess die Beschuldigte ebenfalls geltend machen, in der
Anklage werde nicht genau beschrieben, was an den Konto- und
Depotaufstellungen genau falsch gewesen sein soll. Es sei nicht Aufgabe der
Verteidigung darüber zu mutmassen, welche Angaben auf welchen Papieren
unzutreffend seien, vielmehr sei es Aufgabe der Staatsanwaltschaft, in der
Anklage darzulegen, welche Zahl, bzw. welcher Eintrag auf welchem Aktenstück
falsch sei (Urk. 254 S. 49 f.). Auch diesem Einwand der Verteidigung ist nicht zu
folgen. In der Einleitung wird in der Anklageschrift festgehalten, die Beschuldigte
habe einem Teil der betroffenen Kunden wiederholt gefälschte Konto- bzw.
Depotaufstellungen überlassen, auf denen namentlich die unautorisierten
Transaktionen nicht wiedergegeben gewesen seien (Anklageschrift S. 3 Absatz
3). In Anklageziffer 1.3. wird erneut ausgeführt, auf den von der Beschuldigten
erstellten Konto- und Depotaufstellungen seien nicht alle von ihr getätigten
Transaktionen respektive Positionen (insbesondere
Fremdwährungsoptionsgeschäfte) wiedergegeben worden. Zudem werden die
entsprechenden Vermögensausweise je Kunde in der Anklage aufgeführt mit
entsprechender Fundstelle in den Akten (Anklage S. 9 f.). Was am Anklagevorhalt
Ziffer 1.3. unklar sein soll, ist nicht nachvollziehbar. Entsprechend konnte die
Beschuldigte sich denn auch in diesem Anklagepunkt fundiert und ausführlich
verteidigen lassen.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das Anklageprinzip betreffend alle
Anklagepunkte gewahrt ist und der entsprechende Nichteintretensantrag der
Verteidigung abzuweisen ist.
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5. Antrag auf Nichteintreten auf die Straf- und Zivilklagen der Kunden Nr. 3
(C._ Ltd), Nr. 18 (D._ Ltd.) und Nr. 20 (E._)
Die Verteidigung machte geltend, die Kunden Nr. 3, 18 und 20 seien von der
Staatsanwaltschaft fälschlicherweise als Privatkläger aufgeführt worden, denn es
fehle an einer gültigen Konstituierung als Privatklägerschaft (Urk. S. 7 f.). Zur
Begründung führte sie aus, betreffend diese Gesellschaften sei die
Konstituierungserklärung von den wirtschaftlich Berechtigten unterzeichnet
worden, nicht von den für die Gesellschaft vertretungsberechtigten Personen.
Da ausschliesslich Offizialdelikte angeklagt wurden, ist die Frage einer gültigen
Konstituierung als Privatklägerschaft für die Beurteilung des strafrechtlichen
Aspektes ohne Belang, weshalb der Antrag der Beschuldigen auf Nichteintreten
auf die Strafklage der Kunden Nr. 3, 18 und 20 ins Leere stösst.
Der Nichteintretensantrag betreffend die Zivilklage ist betreffend die Kunden Nr. 3
und Nr. 18 im Zusammenhang mit der adhäsionsweisen Geltendmachung von
Zivilansprüchen zu prüfen. Betreffend den Kunden Nr. 20 wurde der geltend
gemachte Zivilanspruch (Genugtuungsbegehren) von der Vorinstanz rechtskräftig
abgewiesen (Dispositiv-Ziffer 8), weshalb sich weitere Ausführungen zur Frage
der Konstituierung als Privatklägerschaft zum vornherein erübrigen.
Es ist ferner darauf hinzuweisen, dass die Frage, ob auf die Zivilforderung
einzutreten ist, namentlich davon abhängt, ob die Vertretungsmacht der
antragstellenden Person gegeben ist und die Aktivlegitimation zu bejahen ist.
Diese Fragen sind unabhängig davon zu prüfen, ob die erwähnten Kunden im
bisherigen Verfahren als Privatkläger zugelassen wurden. An dieser Stelle ist
denn auch festzuhalten, dass den Kunden Nr. 3, 18 und 20 während der ganzen
Dauer des bisherigen Verfahrens vom Vorverfahren bis und mit
Berufungsverhandlung die Stellung als Privatklägerschaft eingeräumt war, sie
entsprechend Parteirechte ausüben konnten und auch ausübten. Daran würde
auch eine nachträgliche Feststellung im Berufungsverfahren, wonach die
betreffenden Personen nicht als Privatkläger hätten zugelassen werden dürfen,
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nichts ändern. Den Vorbringen der Verteidigung ist jedoch betreffend die Kunden
Nr. 3 und Nr. 18 aus anderen Gründen nicht zu folgen:
Betreffend den Kunden Nr. 18 hatten I._, J._ und K._ je
Alleinzeichnungsberechtigung mit Bezug auf die Geschäftsverbindung mit der
H._ (Ordner 1 01300013). Alle drei Personen unterzeichneten im
vorliegenden Verfahren je eine Vollmacht an Rechtsanwalt Z._ (Ordner 1
01300005-7). Rechtsanwalt Z._ leitete denn auch das von J._ und
I._ unterzeichnete Formular betreffend Konstituierung als Privatklägerschaft
an die Staatsanwaltschaft weiter und bestätigte, dass Frau und Herr I._,
J._ sich durch ihn am Verfahren beteiligen und Rechte als Privatklägerschaft
ausüben wollen (Ordner 130 10300011-15). Diese Erklärung von Rechtsanwalt
Z._ zeigt, dass der Rechtsvertreter betreffend die Konstituierungserklärung
zwischen den wirtschaftlich berechtigten natürlichen Personen und der
Gesellschaft nicht unterschied. Zudem war er auch von K._, der Direktorin
der D._ Ltd (Ordner 1 01300011), mandatiert. Vor diesem Hintergrund ist
nicht zu beanstanden, dass die Staatsanwaltschaft die D._ Ltd. als
Privatklägerin führte. Dem Vorbringen der Verteidigung bezüglich fehlender
Konstituierung des Kunden Nr. 18 als Privatkläger ist daher nicht zu folgen.
Der Kunde Nr. 3 (C._ Ltd.) wurde vor Vorinstanz vertreten durch
Rechtsanwalt X3._, welcher sich mit einer Vollmacht für die C._ Ltd.
auswies (Urk. 195). Mit Schreiben vom 16. Juli 2015 an die C._ Ltd. c/o
Rechtsanwalt X3._ hatte die Staatsanwaltschaft L._ zu einem
schriftlichen Bericht betreffend die Delikte eingeladen und ihm verschiedene
Fragen unterbreitet. Sie schrieb darin "Gemäss unseren bisherigen Erkenntnissen
liessen Sie (gemeint ist jeweils auch die durch Sie vertretene juristische Person)
in der genannten Zeit Vermögenswerte bei den genannten Banken durch A._
betreuen. Wenn Sie durch eine Straftat im Zusammenhang mit dieser
Vermögensbetreuung geschädigt wurden, haben sie das Recht, dies bei der
Staatsanwaltschaft anzuzeigen und als Privatkläger am Verfahren teilzunehmen."
(Ordner 126 09900001). Dem Schreiben wurde ein Formular "Geltendmachung
von Rechten als Privatklägerschaft" beigelegt. Die Erklärung betreffend
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Konstituierung als Privatkläger wurde von Rechtsanwalt X3._ unterzeichnet
und bezog sich auf die C._ Ltd. (Ordner 126 0900015). Diese Erklärung
wurde vom Rechtsvertreter mit Schreiben vom 28. August 2015 eingereicht, in
welchem auch die von der Staatsanwaltschaft an L'._ Ince gerichteten
Fragen zu den Delikten beantwortet wurden (Ordner 126 09900011 ff.). Dieser
Ablauf zeigt deutlich, dass weder seitens der Staatsanwaltschaft noch seitens des
Rechtsvertreters zwischen der juristischen Person und dem wirtschaftlich
Berechtigten klar unterschieden wurde. Vor diesem Hintergrund ist nicht zu
beanstanden, dass die C._ Ltd. von der Staatsanwaltschaft als
Privatklägerschaft aufgenommen wurde und Parteirechte ausüben konnte.
6. Verwertbarkeit der Einvernahmen der wirtschaftlich Berechtigten als
Auskunftsperson
Ob eine gültige Konstituierung als Privatklägerschaft vorliegt, kann eine Rolle
spielen bezüglich der Form, in welcher die wirtschaftlich berechtigte Person in der
Untersuchung einzuvernehmen war. Während die Privatklägerschaft als
Auskunftsperson einzuvernehmen ist (Art. 178 Abs. 1 lit a StPO), ist der
Geschädigte, der sich nicht als Privatkläger konstituiert hat, als Zeuge
einzuvernehmen (Art. 162 StPO).
Betreffend die Kunden Nr. 3 und Nr. 20 erfolgte keine Einvernahme der
wirtschaftlich berechtigten Person. Dagegen wurde betreffend die Kunden Nr. 18
(D._ Ltd.) und Nr. 19 (L._ Ltd) die wirtschaftlich berechtigte Person
einvernommen (Kunde Nr. 18 I._ und Kunde Nr. 19 M._). Die
Verteidigung moniert, diese Personen hätten als Zeugen einvernommen werden
müssen, ihre Aussagen als Auskunftsperson seien gestützt auf Art. 141 Abs. 2
StPO nicht verwertbar (Urk. 254 S. 28 und S. 31).
Gemäss Art. 118 Abs. 1 StPO gilt als Privatklägerschaft die geschädigte Person,
die ausdrücklich erklärt, sich am Strafverfahren als Straf- oder Zivilkläger zu
beteiligen. Als geschädigte Person gilt die Person, die durch die Straftat in ihren
Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Bloss mittelbar
verletzt sind die Gesellschafter oder der wirtschaftlich Berechtigte, der unmittelbar
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verletzten juristischen Person (BSK StPO-Mazzucchelli/Postizzi, Art. 115 , N 28).
Als geschädigte Person gilt, wer Träger des Rechtsguts ist, das durch die
fragliche Strafbestimmung vor Verletzung oder Gefährdung unmittelbar geschützt
werden soll (BGE 138 IV 258 E. 2.2.-2.4). Veruntreuung im Sinne von Art. 138
StGB und ungetreue Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 StGB stellen
Vermögensdelikte dar, Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 StGB ein
Urkundendelikt. Bei den Vermögensdelikten ist das geschützte Rechtsgut das
Vermögen. Demzufolge kommt derjenigen Person Geschädigtenstellung zu,
welche Trägerin des Vermögens ist. Dies ist sowohl im Falle des Kunden Nr. 3
(C._ Ltd.) wie auch des Kunden Nr. 18 (D._ Ltd) die juristische Person.
Als Privatklägerschaft konstituieren kann sich betreffend die Vermögensdelikte
somit nur die juristische Person. Bei Urkundendelikten ist das geschützte
Rechtsgut der Schutz der Sicherheit und Zuverlässigkeit des Rechtsverkehrs mit
Urkunden als Beweismittel und das öffentliche Vertrauen in den Urkundenbeweis
(BSK StPO-Boog, Vor Art. 251 StGB). Damit wird sowohl die Allgemeinheit als
auch direkt der Einzelne geschützt. Die wirtschaftlich Berechtigten als natürliche
Personen, denen die fraglichen Urkunden geschickt oder vorgelegt wurden, sind
somit betreffend das Urkundendelikt Geschädigte im Sinne von Art. 115 StPO und
konnten sich diesbezüglich als Privatklägerschaft konstituieren. Betreffend den
Kunden Nr. 20 käme der wirtschaftlich berechtigten Person somit die Stellung als
Privatklägerschaft betreffend das Urkundendelikt zu, nicht jedoch betreffend das
Vermögensdelikt. Angesichts des engen Zusammenhangs zwischen den
angeklagten Vermögensdelikten und dem Urkundendelikt rechtfertigt sich keine
solche Gabelung betreffend die Stellung als Privatklägerschaft und eine
unterschiedliche Einvernahmeform betreffend die verschiedenen
Deliktskategorien. Auch betreffend diejenigen Kunden, bezüglich welcher kein
Urkundendelikt angeklagt wurde, entspricht das von der Staatsanwaltschaft
gewählte Vorgehen der Einvernahme der wirtschaftlich berechtigten Person als
Auskunftsperson der Interessenlage und der unmittelbaren Betroffenheit der
natürlichen Person, auch wenn diese nicht formell Träger des Vermögens sind.
Von zentraler Bedeutung ist sodann, dass der Beschuldigten kein Nachteil daraus
erwächst, dass die wirtschaftlich Berechtigten als Auskunftspersonen
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einvernommen wurden, vielmehr kommt der belastenden Aussage einer
Auskunftsperson geringeres Gewicht zu als derjenigen eines Zeugen, welcher
unter der strengen Strafandrohung von Art. 307 StGB aussagt. Entsprechend
erfolgte bis zur Berufungsverhandlung zu Recht auch keine Beanstandung der
entsprechenden Befragungsformen seitens der anwaltlich vertretenen
Beschuldigten.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Aussagen von I._ und M._
als Auskunftspersonen verwertbar sind.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
In der Anklageschrift vom 26. September 2016 wird vorweg festgehalten, die
Beschuldigte sei ab 1. September 2009 bis 31. Dezember 2011 bei der N'._
Switzerland AG [Bank] (nachfolgend N._) als Director und nach deren
Integration in die H'._ (nachfolgend H._) ab 1. Januar 2012 als Senior
Privat Banker im Rang eines Executive Directors tätig gewesen und habe
Geschäftsführerstellung gehabt. Sie habe ca. 70 bis 90 vornehmlich in der Türkei
oder sonst wo im Ausland wohnhafte Kunden mit unterschiedlich grossen
Portfolios betreut.
Es wird der Beschuldigten vorgeworfen, sie habe in der Zeit vom 27. Januar 2010
bis 21. Januar 2014 für 14 Kunden (Kunden Nr. 1, 3, 6, 10, 12, 14, 15, 18, 19-21,
24, 25 und 28) ohne deren Wissen und Zustimmung oder unter falschen und/oder
unvollständigen Angaben die im Anhang zur Anklageschrift aufgelisteten
Fremdwährungsoptionsgeschäfte getätigt und den Kunden einen
Vermögensschaden von insgesamt rund USD 2,5 Mio., rund TRY 76,1 Mio. und
CAD 4'900.– verursacht.
Zwecks Verschleierung der unautorisierten Transaktionen und der daraus
resultierenden Verluste habe sie in der Zeit vom 12. April 2010 bis 21. Januar
2014 gegenüber fünf Kunden (Nr. 6, 12, 20, 24 und 25) selbst kreierte
Bankauszüge erstellt, auf welchen die Fremdwährungsoptionen nicht enthalten
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gewesen seien, weshalb nicht der wirkliche Vermögensstand, sondern ein davon
abweichendes besseres Bild daraus hervorgegangen sei. Diese von ihr erstellten
Konto- und Depotaufstellungen habe sie teils per E-Mail, per Fax oder per Post
den betreffenden Kunden versandt.
Zudem habe die Beschuldigte in der Zeit vom 24. Juni 2013 bis 21. Januar 2014
insgesamt 23 unbewilligte Vermögenstransfers zwischen Kundenkonten
vorgenommen und insgesamt TRY 1'360'150.– und EUR 224'988.–
unrechtmässig verschoben, um die durch die unautorisierten Transaktionen
entstandenen Verluste zu verschleiern oder Margin-Anforderungen zu erfüllen.
2. Standpunkt der Beschuldigten
2.1. Vorbemerkung
Die Beschuldigte hat die Anklagevorwürfe in der Untersuchung und vor
Vorinstanz dem Grundsatze nach anerkannt. Es kann auf die zusammenfassende
Darstellung ihrer Aussagen unter 2.2. nachfolgend verwiesen werden.
Verschiedene Vorwürfe hat sie vollumfänglich bestritten, so insbesondere den
Anklagevorwurf 1.2. B 1. zum Nachteil des Kunden 1, in welchem Anklagepunkt
sie durch die Vorinstanz freigesprochen wurde, sowie die Anklagevorwürfe 1.2. B
4., 1.2. B 6., 1.2. B 8.+9. sowie 1.2. B 11. (vgl. Zusammenfassung 2.2.8. und
2.2.9. nachfolgend). Andere Sachverhalte (Anklageziffern 1.3.1. und 1.3.2.)
wurden von ihr teilweise bestritten (vgl. 2.2.8.nachfolgend). Bestritten wurde von
ihr auch die Berechnung des Schadens bzw. des Verlustes, indem sie geltend
machte, dieser sei teilweise erst nach ihrem Weggang bei der H._ realisiert
worden. Ferner machte sie geltend, gewisse der unautorisierten
Vermögenstransfers zwischen Kunden seien mehrfach gezählt worden.
Angesichts des Umstandes, dass die Beschuldigte sich nur teilweise geständig
erklärte, und im Berufungsverfahren einen vollumfänglichen Freispruch
beantragen liess, ist für alle Anklagepunkte (ausser Anklageziffer 1.2.B.1.) zu
prüfen, ob sich der Sachverhalt erstellen lässt. Nachfolgend sind vorweg die
allgemeinen Aussagen der Beschuldigten zusammengefasst darzustellen. Auf
- 17 -
ihre Ausführungen zu den einzelnen Anklagepunkten ist dann bei Prüfung der
Sachverhaltsdarstellung in jedem Anklagepunkt einzeln einzugehen.
2.2. Allgemeine Aussagen der Beschuldigten
2.2.1. Hafteinvernahme vom 3. September 2014 (Ordner 113 Urk. 0610003
ff.)
In der Hafteinvernahme bestätigte die Beschuldigte, es treffe zu, dass sie Kunden
wiederholt gefälschte Konto- und Depotaufstellungen zugesandt habe, auf denen
namentlich unautorisierte Währungsgeschäfte nicht wiedergegeben gewesen
seien. Sie habe die Namen der betroffenen Kunden der Bank am 24. Januar 2014
anlässlich eines Treffens genannt. Sie habe einigen Kunden gefälschte Auszüge
zugesandt (Ordner 113, Urk. 0610003).
2.2.2. Einvernahme vom 31. März 2015 (Ordner 113, Urk. 06100009 ff.):
Die Beschuldigte anerkannte grundsätzlich, gefälschte Konto-bzw. Depotauszüge
angefertigt zu haben (Ordner 113; 06100010). Auf den entsprechenden
Dokumenten seien die Foreign-Exchange-Options bzw. die entsprechenden
Verluste nicht ersichtlich gewesen, sie habe diese aus den Konto- bzw.
Depotauszügen herausgenommen (Ordner 113, Urk. 06100013) und die Auszüge
dem Kunden per Mail geschickt. Das habe sie getan, weil die Kunden keine
Kenntnisse über die Foreign-Exchange-Options gehabt hätten. Sie habe diese
unwahren Konto- und Depotauszüge für sich persönlich erstellt. Es habe
Transaktionen gegeben, von denen der Kunde keine Ahnung gehabt habe. Sie
habe festhalten wollen, was sie dem Kunden gegenüber gesagt habe (Ordner
113, Urk. 06100017).
2.2.3. Einvernahme vom 5. Juni 2015 (Ordner 113, Urk. 06100041 ff.):
- 18 -
Sie erklärte, es habe Risikoprofile gegeben, die sie allein ausgefüllt hätten,
O._ habe ihr gesagt, sie solle bei allen Kunden einfach das Profil "balanced"
ankreuzen. Sie glaube, dass die Kunden in der Regel nichts von den
Risikoprofilen wussten (Ordner 113, Urk 06100053).
Zur Motivation für ihr Handeln sagte die Beschuldigte aus, nachdem O._ die
Bank verlassen habe, habe sie Panik gehabt, weil sie seine Kunden nicht habe
verlieren wollen. Im gleichen Zeitraum sei die Bank an die H._ verkauft
worden, sie habe Angst gehabt, Klienten und ihren Job zu verlieren (Ordner 113,
Urk. 06100058). Sie habe die Klienten reich und glücklich machen wollen und die
Bank glücklich machen wollen. Ihr eigener Nutzen sei gewesen, ihren Job nicht zu
verlieren und erfolgreich zu sein (Ordner 113, Urk. 06100059). Sie habe sich nicht
selber bereichern wollen, dies sei technisch gar nicht möglich gewesen.
Die Beschuldigte räumte grundsätzlich ein, dass sie ohne das Wissen und die
Anweisung bzw. Erlaubnis von Kunden Geld von deren Konto auf ein anderes
Kundenkonto überwiesen habe. Dies habe sie ab 2013 getan, um den Verlust zu
decken oder die nötigen Kundenguthaben für Transaktionen (Margin
Requirements) zu erfüllen (Ordner 113, Urk. 06100060).
Es treffe zu, dass sie den Kunden mündlich oder schriftlich unwahre Angaben
über den Umfang und die Art der Verwendung von deren Vermögen gemacht
habe (Ordner 113, Urk. 06100060) und Kontoauszüge mit falschen Angaben
geschickt habe. In manchen Fällen habe sie dies getan, ohne es den Kunden zu
schicken, um zu wissen, was sie den Kunden am Telefon sagen wolle (Ordner
113, Urk. 06100061). Diese unwahren Kontoauszüge habe sie erstellt, weil sie
Transaktionen ohne Anweisung der Kunden vorgenommen habe (Ordner 113,
Urk. 06100061). Manche der unwahren Dokumente habe sie nicht einmal
ausgedruckt, sondern per E-Mail an den Kunden geschickt. Einen Kontoauszug
habe sie einmal per Kurier an die Kunden geschickt. Soweit sie sich erinnern
könne, habe sie unwahre Kontoauszüge nie persönlich an die Kunden bei Treffen
übergeben (Ordner 113, Urk. 06100062).
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Sie habe gedacht, sie hätte alles unter Kontrolle, den ganzen weltweiten Markt
und der Kunde würde kein Geld verlieren (Ordner 113, Urk 06100061).
2.2.4. Einvernahme vom 16. Juni 2015 (Ordner 113, Urk. 0610077 ff.)
Die Beschuldigte führte aus, das Investment Questionnaire Dokument sei speziell
für türkische Kunden nicht relevant, denn es sei entweder vom Assistenten oder
vom Kundenberater ausgefüllt worden, sehe in 99 % der Fälle gleich aus und
laute auf "risk profile balanced".
2.2.5. Einvernahme vom 22. Juni 2015 (Ordner 113, Urk 061100103 ff.)
Die Beschuldigte anerkannte, unbewilligte Vermögensverschiebungen
vorgenommen zu haben, um Margin Requirements zu erfüllen (Ordner 113,
Urk. 06100118).
2.2.6. Einvernahme vom 29. Juni 2015 (Ordner 113, Urk. 06100158 ff.)
Die Beschuldigte erklärte sich bezüglich der Vorwürfe geständig, führte jedoch
aus, sie sei sich bezüglich der Einzelheiten unsicher, d.h. bezüglich der Anzahl
Kunden sowie der Daten. Sie betonte ferner, der Vorwurf der Selbstbereicherung
sei völlig unzutreffend und technisch und praktisch unmöglich (Ordner 113,
Urk. 06100160).
2.2.7. Einvernahme vom 4. August 2016 (Ordner 113, Urk. 06100174 ff.)
In dieser Einvernahme führte die Beschuldigte aus, sie wisse nicht mehr, für wie
viele Kunden sie als Relationship Managerin insgesamt zuständig gewesen sei.
Auf entsprechenden Vorhalt antwortete sie, es sei möglich, dass es ca. 70 bis 90
gewesen seien (Ordner 113, Urk. 06100182). Sie räumte ein, viele Transaktionen
getätigt zu haben, die nicht von Kunden in Auftrag gegeben worden seien.
Sie habe die Fremdwährungsoptionsgeschäfte als Wunderprodukt angeschaut,
ihr Super-Ego sei so hoch gestiegen, dass sie davon ausgegangen sei, dass sie
auch die türkischen Märkte beherrschen könne, sie habe gedacht, dass man
wegen dieser Strategie nie Geld verlieren werde (Ordner 113, Urk. 06100195).
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Der Beschuldigten wurde die durch den Revisor G._ erstellte Liste der mit
den Fremdwährungsoptionsgeschäften entstandenen Verluste je Kunde
vorgehalten (Ordner 113, Urk. 06100196 ff.). Sie erklärte dazu, dass auf diesen
Listen nicht nur Transaktionen ersichtlich seien, die sie getätigt habe, es falle ihr
auf, dass bestimmte Positionen erst abgeschlossen worden seien, nachdem sie
die Bank verlassen habe.
2.2.8. Schlusseinvernahme vom 5. August 2016 (Ordner 113, Urk. 06100355
ff.)
Auf Vorhalt der Anklagevorwürfe 1.2. B 1-14 erklärte sie, die für die Kunden Nr. 1,
10, 14, 18, 19 und 21 getätigten Fremdwährungsoptionsgeschäfte seien mit deren
Wissen und Zustimmung erfolgt. Betreffend den Kunden Nr. 15 seien die
Transaktionen vor Juni oder Juli 2013 ohne sein Wissen getätigt worden, wobei er
in dieser Zeit keine Verluste erlitten habe, ab der zweiten Hälfte 2013 seien die
Transaktionen mit Wissen und Zustimmung des Kunden erfolgt. Der Vorwurf
betreffend Kunde Nr. 20 treffe zu. Betreffend Kunden Nr. 24, 25 und 28 verweise
sie auf ihre früheren Aussagen (Ordner 113, Urk. 06100367). Betreffend die
Kunden Nr. 3, 10 und 12 sei wohl der grösste Teil des Verlustes erst realisiert
worden als sie die Bank verlassen habe (Ordner 113, Urk. 06100365). Es sei
betreffend alle Kunden zu prüfen, welche Verluste durch sie und welche nach
ihrem Weggang realisiert worden seien.
Betreffend den Anklagevorwurf 1.3. (Falsche Berichterstattung über
Vermögensentwicklung durch Gebrauch gefälschter/verfälschter Kontounterlagen)
hielt die Beschuldigte fest, dem Kunden Nr. 6 seien die Dokumente nicht
übergeben worden, da er ein wenig paranoid gewesen sei bezüglich des Erhalts
von Dokumenten. Betreffend die Kunden 6 und 12 habe sie die Dokumente
erstellt, um sich für das Treffen mit dem Kunden vorzubereiten, sie habe die
Unterlagen jedoch den Kunden nicht übergeben oder geschickt. Bezüglich der
Kunden Nr. 24 und 25 verwies sie auf ihre früheren Aussagen (Ordner 113, Urk.
06100369).
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Bezüglich Anklagevorwurf 1.4. (unautorisierte Vermögenstransfers zwischen
Kundenkonten) sagte sie aus, sie habe nicht die Absicht gehabt, die
Vermögenswerte der Kunden zu reduzieren, sondern sie habe die Verluste
wettmachen wollen, die sie verursacht habe (Ordner 113, Urk. 06100370).
2.2.9. Befragung vor Vorinstanz
In der Hauptverhandlung vor Vorinstanz sagte die Beschuldigte auf Vorhalt des
Vorwurfs unautorisierter Fremdwährungsoptionsgeschäfte aus, sie habe ein
schlechtes Gewissen gehabt, denn sie habe gewusst, dass sie etwas ohne die
Kenntnis vieler Kunden getan habe (Prot. I S. 10). Sie habe dies getan, weil sie
gewollt habe, dass die Kunden glücklich und zufrieden mit ihr seien. Sie habe
aufrichtig geglaubt, dass diese Produkte den Kunden dienen würden (Prot. I S. 8
f.), habe sich eingeredet, dass die Risiken der Devisentransaktionen sich
vermeiden liessen, wenn man sich richtig verhalte (Prot. I S. 9). In den ersten
zwei Jahren habe sie viel Geld für die Kunden gemacht, was ihr mehr
Selbstvertrauen gegeben habe. Einige Kunden, z.B. Nr. 1, 10, 12, 14, 15, 18, 19
und 21, hätten gewusst, dass sie mit Optionen handle, aber auch diese habe sie
nicht gefragt, ob sie ihr Vermögensverwaltungsmandate unterschreiben würden,
da es bei türkischen Leuten so sei, dass es beinahe als Beschimpfung und
Misstrauensvotum verstanden werde, wenn man sie bitte, etwas zu
unterschreiben (Prot. I S. 15). Auf Vorhalt des Gebrauchs von gefälschten bzw.
verfälschten Kontounterlagen und falscher Information der Kunden über die
Vermögensentwicklung erklärte sie, sich nicht mehr daran zu erinnern und die
Stellungnahme ihrem Verteidiger zu überlassen (Prot. I S. 11). Hinsichtlich des
Vorwurfs von 23 unbewilligten Vermögenstransfers zwischen Kundenkonten
erklärte sie, es gebe in diesen 23 Transaktionen einige Doppelzählungen, die
Details überlasse sie ihrem Verteidiger (Prot. I S. 11). Abschliessend hielt sie fest,
sie fühle sich schrecklich schuldig, sie habe etwas Fehlerhaftes gemacht, jedoch
nicht aus böser Absicht gehandelt und sich selber nicht bereichert. Sie habe alle
diese Leute unglücklich gemacht, aber auch ihr eigenes Leben ruiniert (Prot. I S.
12).
2.2.10. Einvernahme in der Berufungsverhandlung
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In der Berufungsverhandlung vom 5. April 2019 erklärte die Beschuldigte, sich
nicht mehr zur Sache äussern zu wollen und verwies auf die Plädoyers ihrer
Verteidiger (Prot. II S. 20 f.).
3. Beweismittel
3.1. Übersicht
Zur Erstellung des Sachverhaltes stehen als persönliche Beweismittel neben den
Aussagen der Beschuldigten (Ordner 113, Urk. 6100001 ff.), die Einvernahmen
verschiedener Geschädigter als Auskunftspersonen (Ordner 114, Urk. 06200001
ff.) und die beiden Zeugeneinvernahmen von P._ (Ordner 115,
Urk. 06300001 ff.) zur Verfügung.
Die Anklage stützt sich ferner auf verschiedene Urkunden:
- E-Mails zwischen der Beschuldigten und Kunden (Ordner 8 Urk. 05300658 ff.)
- Telefonabschriften je Kunde (Ordner 20-27 Urk. 05304031 ff.) - Contact Reports je Kunde (Ordner 29-30 Urk. 05307223) - Risikoprofile je Kunde (Ordner 28 Urk. 05307130 ff.) - Kontoauszüge/Depotauszüge je Kunde (Ordner 81-100 Urk. 05309392 ff.) - Detailbelege Fremdwährungsoptionsgeschäfte je Kunde (Ordner 35-80
Urk. 053309373 ff.) - Vermögensverzeichnisse und Kontoauszüge, hinsichtlich welcher Fälschung
vorgeworfen wird (Ordner 6 Urk. 05300084ff.) - Aufstellung der internen Transfers zwischen Kundenkonten (Ordner 34
Urk. 05309094ff., 05309295 ff.) - Rapport der Q._ samt Arbeitsunterlagen (Ordner 34 Urk. 5309171ff.)
Die Schadensberechnung gemäss Anklageschrift basiert auf Berechnungen des
von der Staatsanwaltschaft beigezogenen Revisors (Ordner 0 Urk. 00000098 ff.)
sowie derjenigen der Q._ (Ordner 34 Urk. 05309171 ff.).
3.2. Allgemeine Bemerkungen zu den Zeugenaussagen von P._
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P._ wurde als Zeuge einvernommen und machte Aussagen zu allen drei
Deliktskomplexen (unautorisierte Fremdwährungsoptionsgeschäfte, Gebrauch
gefälschter/verfälschter Kontounterlagen und unautorisierte Vermögenstransfers
zwischen Kundenkonten). Während des deliktsrelevanten Zeitraums war die
Beschuldigte seine Vorgesetzte, er war ihr Assistent. Er sagte aus, die
Beschuldigte sei die erste Kontaktperson zu den Kunden gewesen, er sei
mehrheitlich für das Backoffice zuständig gewesen (Ordner 115, Urk. 06300021).
Er habe die Beschuldigte nur zu Besprechungen in der Schweiz begleitet, in die
Türkei habe er als Assistent nicht mitfliegen dürfen (Ordner 115, Urk. 06300022).
Der Zeuge wurde vor der Einvernahme vom 21. Dezember 2015 seitens der
H._ kontaktiert. Letztere wollte sich mit ihm über die Einvernahme
unterhalten und ein Treffen unter Beizug eines Anwaltes abhalten, um zu
besprechen, wie der Zeuge sich in der Einvernahme verhalten solle. Der Zeuge
stand im Zeitpunkt seiner Einvernahmen in einem Arbeitsverhältnis zur H._
und Z1._ gegenüber der Staatsanwaltschaft, er stehe unter Druck seitens
der H._ und habe Angst um seinen Job (Ordner 115, Urk. 06300001 f.).
Nachdem der Zeuge dies der Staatsanwaltschaft mitgeteilt hatte, erliess diese am
15. Dezember 2015 eine Verfügung, in welcher der Zeuge verpflichtet wurde,
über den Gegenstand des Verfahrens und die von diesem betroffenen Personen
Stillschweigen zu bewahren. Die Verfügung wurde auch der H._ eröffnet
(Ordner 115, Urk. 06300003 f.). Der Zeuge stand somit im Zeitpunkt seiner
Einvernahmen in einem Arbeitsverhältnis zur H._. Diese hatte (und hat
weiterhin) ein eminentes Interesse am Ausgang des Verfahrens und hat dem
Zeugen ein Merkblatt mit Anweisungen für das Verhalten als Zeuge abgegeben
(Ordner 115, Urk. 06300013 und Urk. 06300043). P._ war diese
Interessenlage genauestens bekannt, und er fühlte sich unter Druck. Ausserdem
war er von der Bank beauftragt worden, Kunden in der Türkei zu besuchen und
die von der Beschuldigten verursachten Probleme anzusprechen (Ordner 115,
Urk. 06300036 f.). Er sagte aus, er habe den Kunden die Situation erklären
müssen und es habe die Gefahr bestanden, dass diese die Bank verklagen
(Ordner 115, Urk. 06300037). Alle Kunden hätten ihren Einwand erklärt und
gesagt, dass sie keine Optionsgeschäfte genehmigt hätten (Ordner 115, Urk.
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06300073). Der Umstand, dass der Zeuge genaue Kenntnisse über die
Interessenlage seiner Arbeitgeberin hatte, von dieser über die der Beschuldigten
vorgeworfene Delinquenz orientiert worden war und den Auftrag erhielt, die
Kunden auf die Probleme anzusprechen, ist grundsätzlich geeignet, Zweifel an
der unbeeinflussten Aussage als Zeuge aufkommen zu lassen. Es ist aber auch
festzuhalten, dass P._ die Problematik von Anfang an offenlegte und die
Staatsanwaltschaft von sich aus vor der Einvernahme kontaktiert hat. In seiner
ersten Zeugenbefragung erklärte er im Detail, was ihm seitens der H._
gesagt wurde und weshalb ihm die Bank einen Anwalt für die Einvernahme stellen
wollte. Diese offenen Darlegungen des Zeugen wiederum sprechen dafür, dass er
sich seiner Wahrheitspflicht bewusst war. Insgesamt bestehen keine
Anhaltspunkte, welche an der Glaubwürdigkeit des Zeugen zweifeln liessen.
Seine Position als Arbeitnehmer der Anzeigeerstatterin H._ und das Wissen
um deren Interesse am Ausgang des Verfahrens sind jedoch bei der Prüfung der
Glaubhaftigkeit seiner Aussagen zu berücksichtigen. Festzuhalten ist auch, dass
die Bank ein Interesse daran hat, dass möglichst viele Geschäfte als von den
Kunden autorisiert gelten, da dies ihre Haftung gegenüber den Kunden
einschränken oder gar ausschliessen würde. Ein Aussageverhalten von P._
in diese Richtung ist aber gerade nicht zu erkennen. Wie sogleich darzulegen sein
wird, sagte P._ betreffend die Mehrheit der Kunden aus, er gehe davon aus,
dass diese keine Kenntnisse von dem Fremdwährungsoptionsgeschäften hatten.
Es zeigt sich somit keine Tendenz des Zeugen, sich durch die Interessen seiner
Arbeitgeberin in seinem Aussageverhalten beeinflussen zu lassen.
Der Zeuge wurde zudem von der Bank mit der Abhörung von aufgezeichneten
Telefongesprächen zwischen der Beschuldigten und manchen Kunden beauftragt
(Ordner 115 Urk. 06300019). Er hat auch einen Teil des Protokolls des internen
Audit Reports von der Bank vorgelegt bekommen und wurde von der Bank
gefragt, was er zu zwei Kunden sagen könne (Ordner 115, Urk. 06300029). Er
sagte aus, er sei nur bei Kleinigkeiten gefragt worden und sei insgesamt eine
Stunde beim internen Audit gewesen (Ordner 115, Urk. 06300028). Die H._
hat gemäss den Aussagen des Zeugen Audiofiles im Umfang von 50 Ordnern
extern übersetzen lassen, und ihn bei einigen problematischen Stellen bei der
- 25 -
Übersetzung um Hilfe gebeten (Ordner 115, Urk. 06300031). Der Zeuge sagte
aus, er könne nicht sagen, ob die Kunden die Fremdwährungsoptionsgeschäfte
wollten oder nicht. Er habe jedoch einige Telefongespräche zwischen der
Beschuldigten und Kunden gehört, aus welchen sich entnehmen lasse, dass
diese nichts über die Optionsgeschäfte wussten, es handle sich um die Kunden
Nr. 3, 18, 19 und 28 (Ordner 115, Urk. 06300022). Er habe beim Kunden Nr. 18
bei einem mitgehörten Telefonat das Gefühl gehabt, die Beschuldigte informiere
den Kunden nicht direkt, sie habe die Optionen gegenüber dem Kunden nicht
erwähnt. Auf entsprechenden Vorhalt bestätigte er auch, das Gefühl gehabt zu
haben, dass sie nicht den wahren Kontostand mitgeteilt habe (Ordner 115, Urk.
06300026). Es habe sich bei den Kunden um "execution only" Vereinbarungen
gehandelt, bei welchen sie die Kunden nicht anrufen dürften und keine
Empfehlungen abgeben dürften (Ordner 115 Urk. 06300023; 06300058). Alle
Risikoprofile der Kunden der Beschuldigten seien vom Relationship-Manager
erstellt worden, dieser habe das Profil gewählt, die Kunden hätten nicht
unterschrieben, daher seien die Risikoprofile nur pro forma erstellt worden
(Ordner 115 Urk. 06300024). Zur fraglichen Zeit sei es die Regel gewesen, dass
nur der Relationship Manager unterschrieb. Seine Aussagen betreffend die
Erstellung der Risikoprofile stimmen mit den Aussagen der Beschuldigten überein
und machen deutlich, dass diesen praktisch bei allen Kunden gleich lauteten und
ihnen kein objektiver Beweiswert zukommt.
Angesichts der Tatsache, dass P._ von der H._ für die Übersetzung von
Gesprächsaufzeichnungen herangezogen wurde, besteht die Gefahr, dass er bei
der Übersetzungstätigkeit Wahrgenommenes mit den eigenen direkten
Wahrnehmungen vermischen und nicht mehr unbeeinflusst aussagen könnte.
Dies wird im Rahmen der Würdigung seiner Aussagen zu den einzelnen
Anklagepunkten zu berücksichtigen sein.
3.3. Allgemeine Bemerkungen zur Schadensberechnung
Die Vorinstanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass sich die Berechnung des
durch unautorisierte Fremdwährungsoptionsgeschäfte verursachten Schadens
aufgrund der durch die Beschuldigte verwendeten Finanzinstrumente als sehr
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komplex erweist und hat dies einlässlich begründet (Urk. 218 S. 58 ff.). Es kann
vorab auf ihre zutreffenden Erwägungen verwiesen werden. Mit der Vorinstanz ist
sodann festzuhalten, dass die Berechnungstabellen der Q._ (Ordner 34
Urk. 05309171 ff.) und diejenigen, welche die Staatsanwaltschaft unter Beizug
eines Revisors (G._) erstellte, nicht deckungsgleich sind. Die Vorinstanz hat
die beiden Berechnungen bezüglich jeder Kundennummer betreffend
Anklageziffern 1.2. B 1-14 einander gegenübergestellt (Urk. 218 S. 63, S. 65, S.
74, S. 81 f., S. 93 f., S. 107, S. 117, S. 119, S. 131, S. 133, S. 135 und S. 145).
Aus dieser Gegenüberstellung geht hervor, dass aus den beiden Berechnungen
ein Gesamtverlust in einer vergleichbaren Grössenordnung resultiert. Gemäss
den Berechnungen der Q._ beläuft sich dieser auf rund TRY 80 Mio. (TRY
79'983'053.–) und gemäss Berechnung der Staatsanwaltschaft auf rund TRY 77
Mio. (TRY 77'298'876.–) (Urk. 218 S. 61 f.). Die Differenz zwischen den beiden
Berechnungen ist zwar nominal bedeutend, beträgt jedoch angesichts des
insgesamt hohen Verlustbetrages nur 3,75 Prozent. Die Einholung einer
gutachterlichen Bemessung der eingetretenen Verluste erscheint vor diesem
Hintergrund nicht angezeigt. Wie sogleich darzulegen ist, ist der bei den Kunden
eingetretene Vermögensschaden nicht mit den Verlusten gleichzusetzen. Deshalb
erscheint auch für den Fall eines Schuldspruches eine exakte gutachterliche
Beurteilung der Verlustsumme im Hinblick auf die Bewertung der Tatschwere als
nicht erforderlich. Sofern für die Beurteilung der Zivilansprüche erforderlich,
erschiene die Einholung einer Expertise als unverhältnismässig aufwändig.
Entsprechend wären die Zivilansprüche gestützt auf Art. 126 Abs. 3 StPO auf den
Zivilweg zu verweisen. Aus allen diesen Gründen ist auf die Einholung einer
Expertise betreffend die durch unautorisierte Fremdwährungsoptionsgeschäfte
entstandenen Verluste zu verzichten.
Betreffend die Schadensberechnung liess die Beschuldigte im
Berufungsverfahren geltend machen, die H._ habe alle fraglichen
Fremdwährungsoptionen ohne Anweisung der Kunden am 23./24. Januar 2014
liquidiert, indem sie diese zurückgekauft habe. Diese Notverkäufe hätten den
Schaden exorbitant vergrösert, der Schaden wäre deutlich geringer ausgefallen,
wenn die betreffenden Optionen bis zum Verfall gehalten worden wären (Urk. 254
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S. 14 f.). Ferner sei unberücksichtigt geblieben, wie sich die Alternativanlagen
entwickelt hätten, was ein wichtiger Aspekt bei der Schadensberechnung sei (Urk.
254 S. 16). Diesen Vorbringen der Verteidigung ist dahingehend zu folgen, dass
für eine detaillierte Schadensberechnung neben den eingetretenen Verlusten
auch der hypothetische Vermögensstand bei vertragsgemässer
Vermögensverwaltung, d.h. ohne die Fremdwährungsoptionsgeschäfte, zu
ermitteln wäre. Bis zur Höhe des hypothetischen Vermögensstandes besteht ein
vertraglicher Anspruch der betroffenen Kunden gegenüber der Bank. Da
vorliegend Zahlungsfähigkeit der Bank vorausgesetzt werden kann, bleibt für die
Kunden ohne Belang, ob die aus Fremdwährungsoptionsgeschäften
resultierenden Verluste sich durch Rückkäufe seitens der Bank per 23./24. Januar
2014 vergrösserten. Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass die Bank keinerlei
Interesse daran hatte, die Verluste leichtfertig zu vergrössern, da dies die Gefahr
einer Erhöhung von Schadenersatzforderungen der Kunden gegen die Bank mit
sich gebracht hätte. Es geht denn auch nicht an, die Entscheidung der Bank zur
Liquidation aufgrund einer ex post Betrachtung als den Verlust erhöhend zu
taxieren. Insoweit ist dem Einwand der Verteidigung, es dürfe nicht auf die durch
die Untersuchungsbehörde ermittelten Verluste abgestellt werden, da sie auf
Liquidation der Positionen beruhten und sich die Kurse im weiteren Verlauf wieder
erholt hätten, nicht zu folgen. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass unter dem
vorliegend relevanten strafrechtlichen Aspekt der Schaden bzw. der Deliktsbetrag
nicht mit den durch die Q._ und den von der Staatsanwaltschaft errechneten
Verlust per 23./24. Januar 2014 gleichzusetzen ist. Massgebender Faktor ist der
hypothetische Vermögensstand ohne die Fremdwährungsoptionsgeschäfte,
welcher dem Vermögensstand mit den Fremdwährungsoptionsgeschäften bzw.
den eingetretenen Verlusten gegenüberzustellen ist. Der hypothetische
Vermögensstand wurde durch die Untersuchungsbehörde nicht ermittelt. Davon
kann jedoch abgesehen werden, da in strafrechtlicher Hinsicht für die Bejahung
eines Schadens genügt, dass eine Vermögensgefährdung eingetreten ist. Dass
eine massive Gefährdung des Vermögens der betroffenen Kunden durch
unautorisierte Fremdwährungsoptionsgeschäfte eingetreten ist, ergibt sich aus
dem Umstand, dass ihre Forderungen gegenüber der Bank in höchstem Masse
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illiquid wurden, da die Kunden nach zivilrechtlichen bzw. zivilprozessrechtlichen
Grundsätzen für eine erfolgreiche Durchsetzung von Schadenersatzforderungen
nebst dem Nachweis der fehlenden Autorisierung der Geschäfte und der
eingetretenen Verluste den Nachweis für den Vermögensstand ohne die
unautorisierten Transaktionen zu erbringen hätten. Nur soweit sie diesen Beweis
erbringen könnten, würde es ihnen gelingen, ihre Forderung gegenüber der Bank
durchzusetzen. Gemäss Bundesgericht gefährdet die Forderung des Treugebers,
wer einen Vermögenswert unrechtmässig verwendet, denn eine illiquide
Forderung hat im Vergleich zu einer liquiden Forderung weniger Wert. Die
Gefährdung der Verwirklichung des obligatorischen Anspruchs des Treugebers
stellt für diesen einen Vermögensschaden dar (BGer 6B_199/2011 E.5.3.5.1. und
5.3.5.2.). Dass durch unautorisierte Währungsoptionsgeschäfte ein Schaden
eingetreten ist, wird denn auch zu Recht von der Verteidigung nicht in Abrede
gestellt. Die durch den Revisor und die Q._ ermittelten Verluste zeigen auf,
dass es sich umgerechnet in Schweizerfranken um Verluste im zweistelligen
Millionenbereich handelte. Die Fremdwährungsoptionsgeschäfte waren aufgrund
des ihnen immanenten hohen Risikos zweifellos geeignet, hohe Verluste zu
verursachen. Aus den von der Verteidigung eingereichten Entscheiden in den
Zivilverfahren (Urk. 249/1-7) geht denn auch hervor, dass es den Kunden in den
gegen die Bank angestrengten Zivilprozessen nicht gelungen ist, den Schaden
hinreichend zu substantiieren, weshalb ihre Klagen abgewiesen wurden.
Unter Berücksichtigung der Einwände der Verteidigung ist festzuhalten, dass sich
entgegen der Anklage nicht erstellen lässt, dass ein Gesamtschaden von genau
TRY 76'113'577.57, USD 2'541'770.81 und CAD 4'900.– resultierte. Erstellt ist
jedoch, dass ab Frühling 2013 aufgrund der Währungsoptionsgeschäfte Verluste
in Millionenhöhe entstanden sind (Anklage 1.2. A 4.) und dass die unautorisierten
Fremdwährungsoptionsgeschäfte das Vermögen der Kunden massiv gefährdeten.
4. Die einzelnen Anklagepunkte
4.1. Vorwurf unautorisierter Fremdwährungsoptionsgeschäfte
4.1.1. Kunde Nr. 3 (C._ Ltd.)
- 29 -
4.1.1.1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie habe für diesen Kunden ohne dessen
Wissen und Zustimmung in der Zeit vom 21.02.2012 bis 20.01.2014 die in der
Tabelle im Anhang zur Anklageschrift aufgeführten
Fremdwährungsoptionsgeschäfte getätigt und dem Kunden einen Verlust von
TRY 10'574'200.– verursacht.
4.1.1.2. Beweismittel
a) Aussagen der Beschuldigten
Betreffend den Kunden Nr. 3 sagte die Beschuldigte aus, er habe gewollt, dass
sie ihm Vorschläge mache und aktiver werde in den Devisenmärkten. Er habe
einen grossen Gewinn erwartet, aber kein grosses Risiko eingehen wollen
(Ordner 113, Urk. 06100097 und 06100207). Auf Vorhalt der entsprechenden
Aussage von P._ bestätigte sie ausdrücklich, dass der Kunde Nr. 3 nichts
davon wusste, dass sie Optionen für ihn tätigte (Ordner 113, Urk. 06100199). Sie
machte geltend, dass wohl der grösste Teil des Verlustes erst realisiert worden
sei, als sie die Bank verlassen habe, sie beantrage, dass nachkontrolliert werde,
was sie verursacht habe und was nach ihrem Weggang entstanden sei (Ordner
113, Urk. 06100365).
b) Aussagen P._
In der Zeugeneinvernahme vom 21. Dezember 2015 sagte P._ aus, er habe
einige Telefongespräche zwischen der Beschuldigten und Kunden gehört, aus
welchen sich entnehmen lasse, dass die Kunden nichts über die
Optionsgeschäfte wussten, darunter auch der Kunde Nr. 3 (Ordner 115, Urk.
06300022). Als er den Kunden nach dem 23. Januar 2014 angerufen und ihm
gesagt habe, dass es Optionspositionen gebe, sei der Kunde schockiert gewesen.
Von oben sei die Order gekommen, die Position müsse geschlossen werden, sie
hätten daher zurückkaufen müssen. Der Betrag habe sich auf über 10 Mio.
türkische Lira belaufen (Ordner 115, Urk. 06300037).
- 30 -
4.1.1.3. Würdigung
Gestützt auf das mit den Aussagen von P._ übereinstimmende Geständnis
der Beschuldigten, welches auch im Berufungsverfahren nicht widerrufen wurde
(Urk. 254 S. 12), ist der Sachverhalt gemäss Anklage erstellt.
Bezüglich des Einwandes der Beschuldigten wonach der grösste Teil des
Verlustes erst nach ihrem Weggang von der Bank realisiert worden sei, ist auf die
vorstehenden Erwägungen zur Schadensberechnung zu verweisen und ist
festzuhalten, dass sich der Verlust per Ende Januar 2014 in zweistelliger
Millionenhöhe bewegte und eine Gefährdung des Vermögens zu bejahen ist.
Der Anklagesachverhalt ist daher erstellt. Einschränkend ist festzuhalten, dass
der erlittene Schaden in einer massiven Vermögensgefährdung bestand und nicht
mit dem errechneten Verlust gleichzusetzen ist.
4.1.2. Kunde Nr. 6 (R._)
4.1.2.1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie habe für den Kunden Nr. 6 in der Zeit
vom 31.08.2011 bis 10.01.2014 ohne dessen Wissen und Zustimmung
Fremdwährungsoptionsgeschäfte getätigt, wodurch der Kunde einen Verlust von
TRY 5'177'700.– erlitten habe.
4.1.2.2. Beweismittel
a) Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigte räumte ein, auf dem Konto von R._ unbewilligte
Transaktionen vorgenommen zu haben, wobei dieser nichts von den
Fremdwährungsoptionsgeschäften gewusst habe (Ordner 113, Urk. 06100071 f.).
Auch bezüglich dieses Kunden machte sie geltend, es sei zu kontrollieren, ob
Verluste nach ihrem Weggang von der Bank realisiert wurden (Ordner 113,
Urk. 06100365).
- 31 -
b) Aussagen von P._
P._ bestätigte in der Zeugeneinvernahme vom 1. März 2016, es entspreche
seinem Wissen, dass der Kunde Nr. 6 keine Kenntnis von den
Fremdwährungsoptionsgeschäften gehabt habe (Ordner 115, Urk. 06300084).
4.1.2.3. Würdigung
Auch in diesem Anklagepunkt wird das Geständnis der Beschuldigten, welches
auch im Berufungsverfahren nicht widerrufen wurde (Urk. 254 S. 18), durch die
Zeugenaussage von P._ gestützt und ist der Sachverhalt erstellt. Hinsichtlich
der Schadensberechnung kann vollumfänglich auf die vorstehenden Erwägungen
unter II. 3.3. verwiesen werden. Der Sachverhalt ist in diesem Anklagepunkt mit
Einschränkung bezüglich der Schadenhöhe erstellt.
4.1.3. Kunde Nr. 10 (S._)
4.1.3.1. Anklagevorwurf
Gegenstand des Anklagevorwurfes bilden unautorisierte
Fremdwährungsoptionsgeschäfte in der Zeit vom 31.08.2012 bis 06.01.2014 und
Verursachung eines Verlustes von TRY 19'514'000.–.
4.1.3.2. Beweismittel
a) Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigte bestritt, mit dem Vermögen des Kunden Nr. 10 unbewilligte
Transaktionen vorgenommen zu haben. Dieser Kunde habe ihr mündlich die
grundlegende Anweisung gegeben, sein Vermögen zu verwalten. Er habe gesagt,
sie brauche keine Genehmigung für einzelne Transaktionen. Es habe keine
Grenzen für die Art der Investitionen gegeben. S._ sei ein kluger Mann und
habe gewusst, dass sie riskante Produkte habe kaufen müssen, um 10 % Gewinn
- 32 -
im Jahr zu erreichen und er sei zu ihr gekommen, da er sich bei ihr einen Gewinn
von 10% erhofft habe. Sie habe ihn nicht über die Risiken der Optionen
aufgeklärt. Er habe immer gesagt, er wolle keine Details dazu hören. Im ersten
Jahr habe sie glaublich sogar 15 % Gewinn erwirtschaftet (Ordner 113,
Urk. 06100069). Er sei so glücklich mit dem Resultat nach dem ersten Jahr
gewesen, dass er ihnen sein Geld von der T._ [Bank] überwiesen habe. Als
seine Geschäfte gegen Ende 2013 schlechter liefen, habe er sie mehrmals
gefragt, ob etwas nicht in Ordnung sei. Seine Optionen hätten schlecht
ausgesehen, sie habe es ihm aber nicht sagen können (Ordner 113, Urk.
06100204). Sie habe sämtliche Transaktionen mit Wissen und Autorisierung des
Kunden Nr. 10 getätigt. Er habe gewusst, dass sie sein Portfolio gemanagt habe
(Ordner 113, Urk. 06100365).
b) Aussagen von P._
Im Gegensatz zur Beschuldigten sagte P._ aus, der Kunde Nr. 10 sei ein
execution only Kunde gewesen, es habe keinen Vertrag gegeben (Order 115,
Urk. 06300058). Der Kunde sei nach seiner Erinnerung ein einziges Mal in die
Schweiz gekommen, vermutlich im Jahre 2012. Er sei dabei gewesen. Die
Beschuldigte habe die Kunden in der Türkei besucht. Zwischendurch habe der
Kunde mit der Beschuldigten gesprochen. Er wisse nicht, wie oft dies der Fall
gewesen sei, welche Ziele der Kunde mit seinem Vermögen verfolgte, welche Art
von Geschäften er wollte und wie hoch dessen Risikobereitschaft war. Namentlich
wisse er nicht, ob die Beschuldigte mit dem Kunden über
Fremdwährungsoptionen gesprochen habe (Ordner 115, Urk. 06300063 f.).
c) Aussagen S._
S._ sagte aus, die Beschuldigte habe versucht, ihn zwischen 2009 und 2012
als Kunden zu gewinnen. Bevor sie mit der Arbeit begonnen hätten sei die
Beschuldigte zu ihm ins Büro gekommen. Sie habe gesagt, sie sei besser als alle
anderen. Aus Spass hätten sie eine Zahl von 10 % genannt, und er habe sie
gefragt, ob sie das machen könne ohne Risiko. Sie habe geantwortet, ja warum
nicht. Sie habe ihm gesagt, sie könne ihm helfen, etwas Besseres zu bekommen,
- 33 -
also habe er von U._ [Bank] zu H._ gewechselt. Am Anfang hätten sie
einmal über diese 10 % gesprochen, das sei nicht wirklich ernst gemeint
gewesen. Zudem hätten sie am Anfang auch darüber gesprochen, dass sie keine
Risiken eingehen (Ordner 114, Urk. 06200359). Er habe telefonischen Kontakt zur
Beschuldigten gehabt und sie habe ihn 8-10 Mal pro Jahr in Istanbul besucht.
Einmal in der Woche hätten sie telefoniert und sie habe ihm die Bankauszüge des
Portfolios regelmässig mündlich gegeben. Er habe von ihr nur einmal einen
Bankauszug zu sehen bekommen. Sie habe ihm diesen bei einem Besuch in
Zürich gezeigt. Als er diesen habe behalten wollen, habe sie gesagt, das sei nicht
schlau, da er ja ins Ausland müsse und durch den Zoll. Er habe den Auszug nicht
erhalten (Ordner 114, Urk. 06200354 ff.). Die Beschuldigte habe ihn regelmässig
angerufen. Dabei sei es um den Kontostand, die Vermögenssituation gegangen,
sie habe ihn beraten wegen den Bonds etc., habe ihn gefragt, ob er interessiert
sei, es gebe da etwas Neues bei den Bonds. Sie habe Vorschläge gemacht, was
man kaufen könnte. Er habe angerufen, wenn er z.B. Gold oder Metall habe
kaufen wollen. Am Anfang habe sie das verweigert, dann hätten sie das aber
gemacht. Er habe ihr gesagt, was sie kaufen und verkaufen solle (Ordner 114,
Urk. 06200356). Er habe nie etwas über die Optionen gewusst, er wisse nicht,
warum sie Optionsgeschäfte getätigt habe, wahrscheinlich habe sie Profit machen
wollen, aber Optionen seien ja bekanntlich sehr risikoreich. Bei einem
Mittagessen in Zürich habe er ihr gesagt, er wolle Gold kaufen, was sie abgelehnt
habe und gesagt habe, sie möge Optionsgeschäfte. Er habe erwidert, er möge
diese nicht, denn er wisse nichts darüber. Das sei das einzige Mal gewesen, dass
sie ihn überhaupt darauf angesprochen habe, nachher hätten sie nie mehr
darüber gesprochen. Es treffe nicht zu, dass er eine Pauschalgenehmigung für
die Verwaltung seiner Konten erteilt habe und gesagt habe, sie brauche nicht für
jede einzelne Transaktion eine Genehmigung von ihm (Urk. 06200358). Auf
Vorhalt eines contact reports vom 18.1.12 sagte er aus, was hier stehe mit den
FX-Optionen und dem EM issues stimme überhaupt nicht, er wisse erst jetzt, was
FX-Optionen seien, was EM sei, wisse er jetzt noch nicht. Es stimme nicht, dass
er einen Vertrag unterschrieben habe. Die Beschuldigte habe ihm ein Bündel mit
- 34 -
Dokumenten gegeben, aber er glaube nicht, dass er das unterzeichnet habe
(Ordner 114, Urk. 06200359).
d) Unterlagen
Aus der E-Mail der Beschuldigten an S._ vom 20. November 2012 ist zu
entnehmen, dass sie ihm ein "Investment Advisory Mandate" schickte (Ordner
114, Urk. 06200364 = Ordner 9, Urk. 05301081). Ein entsprechender
unterzeichneter Vertrag liegt jedoch nicht vor. Die Beschuldigte macht denn auch
geltend, der Kunde Nr. 10 habe sie mündlich beauftragt, ihr Vermögen zu
verwalten und habe gesagt, sie brauche keine Genehmigung für die
Transaktionen. Der weiteren bei den Akten liegenden Email-Korrespondenz
zwischen der Beschuldigten und dem Kunden Nr. 10 sind keine für die
Sachverhaltserstellung relevanten Informationen zu entnehmen.
Der Kunde Nr. 10 liess Kopien seines Notizbuches einreichen, in welchem er
Buch führte über die telefonischen Informationen, die ihm die Beschuldigte über
die Entwicklung und den Stand seiner Konten gegeben hat (Ordner 121,
Urk. 09400022 ff.). Diesen vom Kunden Nr. 10 verfassten Notizen, auf welche er
in seiner Befragung als Auskunftsperson Bezug genommen hat (Ordner 114,
Urk. 06200355 f.), kommt kein erhöhter Beweiswert zu, sie bilden aber
Bestandteil seiner Aussagen.
Die Vorinstanz stellt ferner auf Transkriptionen von Telefongesprächen zwischen
der Beschuldigten und S._ ab und hält fest, dass gemäss diesen
Gesprächsprotokollen nicht über Optionen gesprochen wurde, die Beschuldigte
den Geschädigten darin über sein Portfolio orientierte, wobei sie einzig Bonds und
Aktien erwähne (Urk. 218 S. 72 ff.). Bezüglich der Transkriptionen und deren
Übersetzung ist festzuhalten, dass es sich nicht um Aufzeichnungen handelt,
welche im Auftrag der Staatsanwaltschaft protokolliert und übersetzt wurden,
vielmehr handelt es sich um von der H._ erstellte und der Staatsanwaltschaft
edierte Unterlagen. Es ist nicht ersichtlich, wer für die jeweilige Übersetzung
verantwortlich zeichnet, insbesondere erfolgte keine Ermahnung des
Übersetzers/der Übersetzerin nach Art. 307 StGB. Auch die Vollständigkeit der
- 35 -
dokumentierten Aufzeichnungen kann nicht überprüft werden. Betreffend den
anklagerelevanten Zeitraum (20.03.2012 bis 08.01.2014) liegt zudem nur ein
Gespräch vom 9. Dezember 2013 über 30 Minuten vor, in welchem einlässlich
über das Portfolio des Kunden gesprochen wird (Ordner 20, Urk. 05304577 ff.)
und eines vom 8. Januar 2014 (Ordner 20, Urk. 05304601 f.), welches über weite
Strecken schwer verständlich übersetzt wurde, die einleitende Bemerkung des
Übersetzers lautet denn auch "Sinnliche und grammatikalische Ungereimtheiten
im Text entsprechen den originalem Sprachverlauf überein und sind keine
Übersetzungsfehler". Angesichts der geringen Anzahl der transkribierten
Telefongespräche in der relevanten Zeit ergibt sich aus dem Umstand, dass darin
keine Optionen erwähnt werden, kein gewichtiges Indiz für unautorisierte
Fremdwährungsoptionsgeschäfte.
4.1.3.3. Würdigung
Betreffend die Vorwürfe zum Nachteil des Kunden Nr. 10 stehen im Wesentlichen
die Aussagen der Beschuldigten und diejenigen des Kunden einander gegenüber.
Der Zeuge P._ konnte keine sachdienlichen Aussagen betreffend die Frage
der Autorisierung der Fremdwährungsoptionsgeschäfte machen. Sowohl die
Beschuldigte wie auch der Kunde haben ein Interesse am Ausgang des
Verfahrens. Wie die Vorinstanz zutreffend ausführt, handelt es sich beim Kunden
um ein mittelbares finanzielles Interesse, da er in Aussicht stellte, seine
finanziellen Ansprüche im Zivilverfahren geltend zu machen (Urk. 218 S. 71).
Weder die Aussagen der Beschuldigten noch diejenigen des Geschädigten wirken
unglaubhaft. Das auffällige Vorbringen des Geschädigten, wonach aus Spass ein
Gewinn von 10 % erwähnt worden sei, kann nicht a priori als Schutzbehauptung
abgetan werden, denn wie bereits die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat, hat
sich die Beschuldigte gemäss den Gesprächsprotokollen der Bank betreffend die
Gespräche vom 24. und 27. Januar 2014 ebenfalls in diesem Sinne. Sie erklärte,
alles habe mit einem Witz angefangen, R._ habe gesagt, wenn sie für ihn
10 % erwirtschaften könne, werde er sein Vermögen zu ihr transferieren (Ordner
5, Urk. 05300020). Feststeht, dass ein Gewinn von 10 % erwähnt wurde und der
Kunde sein Vermögen von der T._ auf die H._ transferierte, nachdem
- 36 -
dieses Gespräch stattgefunden hatte, in welchem ein Gewinn von 10 % zwischen
ihm und der Beschuldigten erwähnt wurde. Aus dem von der Beschuldigten
erstellten Contact report vom 18. Oktober 2012 (Ordner 29, Urk. 05307247) geht
hervor, dass der Kunde plane, sein Portfolio von der T._ zur H._ zu
transferieren. Ferner wird darin festgehalten: "He said he will be happy to receive
advises about new EM issues an FX options, therefore sign de inv. advisory
mandate." Wie vorstehend erwähnt, schickte die Beschuldigte dem Kunden am
20. November 2012 per E-Mail ein "Investment Advisory Mandate" (Ordner 114
Urk. 06200364 = Ordner 9, Urk. 05301081). Dass das erwähnte Treffen stattfand,
wird von S._ nicht bestritten, jedoch macht er geltend, es stimme nicht, was
bezüglich der EM Issues und FX-Options stehe (Ordner 114, Urk. 06200359).
Diese Umstände deuten zusammen mit der Erwähnung eines Gewinnes von
10 % darauf hin, dass über Fremdwährungsoptionen gesprochen wurde. Diesem
Contact report ist jedoch nicht zu entnehmen, dass die Beschuldigte ohne beim
Kunden nachzufragen Fremdwährungsoptionsgeschäfte tätigen konnte, vielmehr
hielt die Beschuldigte selber fest, dass der Kunde glücklich wäre, Empfehlungen
betreffend FX-Optionen zu erhalten. Der Geschädigte hat zudem glaubhaft
dargetan, dass er sich regelmässig telefonisch nach dem Stand seines Portfolios
erkundigt hat und entsprechende Einträge in sein Notizbuch gemacht hat. Dieses
Verhalten deutet darauf hin, dass er genau und in allen Einzelheiten über sein
Portfolio informiert sein wollte und spricht gegen die Darstellung der
Beschuldigten, wonach er sie zu Fremdwährungsoptionsgeschäften ermächtigt
habe, ohne dass sie vorgängig seine Einwilligung hätte einholen müssen.
Im Berufungsverfahren wies die Verteidigung darauf hin, dass der Kunde Nr. 10
das Formular "Conditions for Trading in Derivatives and Forward Contracts"
unterschrieben habe (Urk. 254 S. 19). Es trifft zwar zu, dass der Kunde Nr. 10 am
2. März 2012 ein entsprechendes Formular unterzeichnet hat (Ordner 131
05308027 f.). Die blosse Unterzeichnung dieses Formulars indiziert jedoch noch
keine Einwilligung zu Fremdwährungsoptionsgeschäften. Wie die Verteidigung
zutreffend festhielt, hat sich der Kunde Nr. 10 im Oktober 2012 zudem bei der
Bank eine Kreditlimite über USD 2,3 Millionen erteilen lassen. Der entsprechende
Vertrag wurde am 18. Oktober 2012 vom Kunden Nr. 10 unterzeichnet (Ordner
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131 054308032 ff.). Damit ist aber ebenfalls für sich allein betrachtet nicht erstellt,
dass der Kunde diese Kreditlinie für Fremdwährungsoptionen verwenden wollte,
denn in Ziffer 4 des Kreditvertrages wird festgehalten, zu welchen Zwecken die
Kreditlinie verwendet werden kann. Neben anderen Verwendungszwecken finden
sich darunter auch Fremdwährungstransaktionen (Ordner 131 05308032).
Insgesamt lassen die Umstände, dass der Kunde mit der Beschuldigten über
einen Gewinn von 10 % sprach, Fremdwährungsoptionsgeschäfte erwähnt
wurden und der Kunde bei der H._ einen Kredit im Betrage von USD 2,3 Mio.
aufgenommen hat, welcher auch für Fremdwährungsoptionsgeschäfte verwendet
werden konnte, rechtserhebliche Zweifel daran aufkommen, dass die angeklagten
Fremdwährungsoptionsgeschäfte ohne Wissen und Zustimmung des Kunden
Nr. 10 getätigt wurden. Betreffend diesen Anklagepunkt ist die Beschuldigte dem
Grundsatz in dubio pro reo folgend vom Vorwurf der ungetreuen
Geschäftsbesorgung freizusprechen.
4.1.4. Kunde Nr. 12 (V._)
4.1.4.1 Anlagevorwurf
Gegenstand der Anklage bilden unautorisierte Fremdwährungsoptionsgeschäfte
in der Zeit vom 15.11.2011 bis 20.01.2014, durch welche der Kunde Nr. 12
Verluste von TRY 13'440'160.– erlitten habe.
4.1.4.2. Beweismittel
a) Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigte hat sich in der Untersuchung geständig erklärt, mit dem
Vermögen des Kunden Nr. 12 ungenehmigte Transaktionen vorgenommen zu
haben (Ordner 113, Urk. 06100069 ff, 06100205). Sie sagte aus, dieser Kunde
habe nachdem er die Performance des Kontos seines Bruders (S._)
gesehen habe im Februar, März oder April 2013 gesagt, sie solle sein Vermögen
verwalten mit einem Gewinnziel von 10 %. Sie habe in jenem Zeitpunkt schon
unbewilligte Transaktionen für ihn getätigt. Alle Optionsgeschäfte vor der
- 38 -
Anweisung im Frühling 2013 seien nicht bewilligt gewesen (Ordner 113 Urk.
06100070). Die Beschuldigte hat ihr Geständnis betreffend den Kunden Nr. 12 in
der Befragung vor Vorinstanz nicht erneuert, vielmehr erklärte sie, einige Kunden,
darunter der Kunde Nr. 12, hätten gewusst, dass sie mit Optionen handle (Prot. I
S. 15).
b) Weitere Aussagen
P._ wurde als Zeuge befragt und konnte keine Angaben zu diesem Kunden
machen. Er erklärte, er habe keinen Kontakt mit ihm gehabt und sei nie an einem
Treffen mit ihm dabei gewesen (Ordner 115; Urk. 06300065).
Der Geschädigte V._ wurde nicht einvernommen.
c) Unterlagen
In den Akten findet sich ein Vermögensausweis vom 22. November 2012
betreffend diesen Kunden (Ordner 6, Urk. 05300097 ff.). Auf diesem Ausweis sind
keine Fremdwährungsoptionen aufgeführt. Die Beschuldigte anerkannte, diesen
Auszug erstellt zu haben und dass dieser nicht den wahren Gegebenheiten
entspricht (Ordner 113, Urk. 06100016).
4.1.4.3. Würdigung
Das in der Untersuchung von der Beschuldigten abgelegte Geständnis erscheint
glaubhaft, es erfolgte nicht pauschal, die Beschuldigte räumte auch ein, sie habe
diesem Kunden gegenüber am Telefon oder bei persönlichen Treffen falsche
Angaben über sein Portfolio gemacht (Ordner 113, Urk. 0610007). Ihr Geständnis,
welches sich jedoch lediglich auf den Zeitraum bis längstens April 2013 bezog,
wird gestützt durch den Umstand, dass sie bezüglich dieses Kunden einen
falschen Vermögensausweis vom 22. November 2012 erstellte. Unter diesen
Umständen ist auf das Geständnis abzustellen. Lediglich am Rande sei hier
bemerkt, dass die Verteidigung gemäss ihren Ausführungen vor Vorinstanz von
einem Geständnis der Beschuldigten ausging (Urk. 202 S. 17) und die
Beschuldigte bei ihrer Befragung vor Vorinstanz auf das Plädoyer ihrer
- 39 -
Verteidigung verwies (Urk. 198 S. 8). Es liegt jedoch kein klares Geständnis für
den gesamten Zeitraum gemäss Anklage vor.
Die Vorinstanz hat auf die vom Geschädigten eingereichten handschriftlichen
Notizen abgestellt und ausgeführt, aus diesen liessen sich keine Hinweise auf
durch die Beschuldigte getätigte Devisenoptionsgeschäfte bzw. eingetretene
Verluste entnehmen (Urk. 218 S. 80). Dazu ist festzuhalten, dass es sich bei den
erwähnten Notizen um blosse Behauptungen handelt, welche nicht in einer
Befragung des Geschädigten bestätigt worden wären. Hinzukommt, dass der
Geschädigte selber geltend machte, für die Zeit ab Mai 2013 würden keine
Notizen mehr vorliegen, da er selber keine Anlagen mehr getätigt habe und davon
ausgegangen sei, dass der Kontostand mit Ausnahme von Zinsgewinnen im
Wesentlichen konstant geblieben sei (Ordner 122, Urk. 09500022). Da keine
Notizen des Kunden Nr. 12 betreffend die fragliche Zeit nach April 2013 vorliegen,
lassen sich daraus keine belastenden Momente entnehmen, denn das Fehlen von
Notizen kann auch für die Darstellung der Beschuldigten sprechen.
Die Vorinstanz hat festgehalten, dass betreffend den deliktsrelevanten Zeitraum
nur wenige Aufzeichnungen von Telefongesprächen zwischen der Beschuldigten
und dem Kunden Nr. 12 vorhanden sind (Urk. 218 S. 80). In der Tat ist nur ein
Gespräch über geschäftliche Angelegenheiten bei den Akten (Ordner 20,
Urk. 05304575). Abgesehen von den Vorbehalten, welche auch betreffend die
Übersetzung dieses Gespräches gelten, kann aus dem Umstand, dass darin nicht
über Fremdwährungsoptionen gesprochen wurde, nicht geschlossen werden,
dass solche unautorisiert getätigt wurden.
Der Sachverhalt ist daher lediglich im Umfang ihres Geständnisses, d.h. für den
Zeitraum bis längstens April 2013 erstellt. In dieser Zeit resultierte gemäss Liste
der Staatsanwaltschaft aus den unautorisierten
Fremdwährungsoptionsgeschäften jedoch noch kein Verlust, vielmehr ein
Überschuss von TRY 20'000.– (Ordner 0, Urk. 00000135 ff.). Da kein Schaden
eingetreten ist, und da der Sachverhalt sich bezüglich des über April 2013
hinausgehenden Zeitraums nicht erstellen lässt, ist die Beschuldigte in diesem
Anklagepunkt vom Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung freizusprechen.
- 40 -
4.1.5. Kunden Nr. 14 (W1._/W2._) und Nr. 15 (AA._ A.S.)
4.1.5.1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, ohne Wissen und Zustimmung der Kunden
oder unter falschen, unvollständigen oder irreführenden Angaben gegenüber dem
Kunden in der Zeit vom 11.09.2013 (Kunde Nr. 14) bzw. 28.10.2011 (Kunde Nr.
15) bis 20.12.2013 Fremdwährungsoptionsgeschäfte getätigt und einen Verlust
von TRY 198'900.– und CAD 8'900.– (Kunde Nr. 14) bzw. TRY 709'001.78
(Kunde Nr. 15) verursacht zu haben.
- 41 -
4.1.5.2. Beweismittel
a) Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigte sagte bezüglich der Kunden Nr. 14 und 15 in der Befragung vom
16. Juni 2015 aus, es habe auf den Konten Devisenoptionen gegeben, diese
seien aber bewilligt worden. Diese Kunden seien ähnlich wie der Kunde Nr. 1 von
Verlusten durch U._-Produkte betroffen gewesen und hätten die Bank
einklagen wollen. Im Mai 2013 nach ihrer Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub
habe ein Treffen in Istanbul stattgefunden, an welchem auch P._
teilgenommen habe. Sie habe den Kunden Devisenoptionen vorgeschlagen,
wobei sie die Positionen eigenständig verwalten würde. Bei diesem Treffen hätten
die Kunden gesagt, sie würden sich das überlegen, später habe ihr W1._die
Zustimmung für dieses Vorgehen am Telefon oder per E-Mail gegeben. Es sei
nichts Schriftliches festgehalten worden, es habe aber später Email-Verkehr über
Optionen gegeben (Ordner 113; Urk. 06100089 f.). Später habe sie solche
Devisenoptionen gehandelt, vielleicht habe sie auch schon vorher ein paar
wenige Optionsgeschäfte gemacht, welche aber profitabel gewesen seien. Nach
dem Meeting Mitte 2013 habe sie nach jeder Options-Transaktion eine
entsprechende Benachrichtigung per E-Mail an W1._geschickt und falls es
das AA._-Konto betroffen habe, auch an ... als Empfänger im CC. Die
Kunden hätten vierteljährlich Kontoauszüge und Portfoliostatements per E-Mail
erhalten, welche der Wahrheit entsprachen. Bezüglich dieser Konten habe sie
weder unwahre Angaben gemacht, noch unwahre Dokumente erstellt (Ordner
113, Urk. 06100090).
Auf Vorhalt der Zeugenaussagen von P._, wonach die Kunden keine
Kenntnis von den Fremdwährungsoptionsgeschäften hatten, sagte sie in der
Einvernahme vom 4. August 2016 aus, P._ habe grosse Angst, in das ganze
Verfahren hineingezogen zu werden. Sie hielt daran fest, sie haben den Kunden
Nr. 14 und 15 den gleichen Vorschlag wie dem Kunden Nr. 1 unterbreitet, da
diese Kunden unter O._ grosse Verluste erlitten hatten und die Bank
verklagen wollten. P._ habe sehr viel geholfen, um den Kunden von den
- 42 -
Optionsgeschäften zu überzeugen, er trage jedoch nicht die Verantwortung, die
Idee sei von ihr gekommen (Urk. 06100200 f.).
In der Schlusseinvernahme bestätigte die Beschuldigte erneut, beim Kunden
Nr. 14 seien sämtliche Transaktionen mit dessen Wissen und Zustimmung
getätigt worden, beim Kunden Nr. 15 seien vor Juni oder Juli 2013 Transaktionen
ohne dessen Wissen getätigt worden, um ihm Gewinne zu bescheren, er habe in
dieser Zeit keine Verluste erlitten, ab der zweiten Hälfte 2013 seien alle getätigten
Transaktionen mit Wissen und Zustimmung des Kunden erfolgt (Ordner 113,
Urk. 06100366).
b) Aussagen P._
P._ sagte in der Zeugeneinvernahme vom 1. März 2016 aus, es treffe zu,
dass er bei einem Treffen mit den Kunden Nr. 14 und 15 im Mai 2013 in Istanbul
teilgenommen habe. Bei diesem Treffen habe die Beschuldigte mit den Kunden,
welche mit den Produkten der U._ einen Verlust von ca. 2 Mio. zu
verzeichnen hatten, über diesen Verlust gesprochen und wie er wieder
kompensiert werden könnte. Bei diesem Treffen sei auch über Investitionen in
Fremdwährungsoptionsgeschäfte gesprochen worden. Die Beschuldigte habe
anlässlich dieses Treffens vorgeschlagen, mit Optionen zu handeln, es sei aber
nichts abgemacht worden. Es sei nur darum gegangen, wie zu verhindern sei,
dass der Kunde wegen des Verlustes von 2 Mio. Strafanzeige einreiche. Was die
Beschuldigte mit den Kunden nach diesem Treffen abgemacht habe, wisse er
nicht, jedenfalls sei beim erwähnten Treffen kein Einverständnis abgegeben
worden (Ordner 115, Urk. 06300092 f.).
c) Aussagen W1._
Am 27. Mai 2016 erfolgte die delegierte Einvernahme als Auskunftsperson von
W1._ ohne Wahrung des Teilnahmerechts der Beschuldigten, weshalb diese
Aussagen nur zugunsten der Beschuldigten verwertbar sind (Art. 147 Abs. 1 und
Abs. 4 StPO).
- 43 -
W1._ hatte für beide Konten (Kunden Nr. 14 und 15)
Einzelunterschriftenberechtigung. Er sagte aus, er habe vor dem Treffen in
Istanbul die H._ gefragt, ob sie die Verluste aus den U._-Produkten
übernehmen wolle oder nicht. Als er lange keine Antwort bekommen habe, habe
er der Bank einen Brief geschrieben und darauf hingewiesen, dass er die Bank
einklagen werde, falls man ihm keine Antwort gebe. Die Beschuldigte habe mit
ihm Kontakt aufgenommen und gesagt, man wolle ihn treffen und sei bereit, einen
Teil des Verlustes zu übernehmen. Er bestätigte, dass die Beschuldigte ihm
wegen der früheren Verluste einen Rettungsplan empfohlen habe, der eine
Monatsrendite aus Optionsgeschäften beinhaltet habe. Er habe Zweifel an den
von ihr prognostizierten Renditen gehabt und habe ihr erklärt, er würde sich mit
der Hälfte der versprochenen Rendite zufrieden geben, falls die Bank ihm
bestätige, dass sie die volle Verantwortung für die Transaktionen übernehme. Die
Beschuldigte habe ihm per Mail mitgeteilt, dass die Bank bereit sei, die gesamte
Verantwortung zu übernehmen und habe bestätigt, dass diese Geschäfte keine
Risiken beinhalten würden (Urk. 06200158). Er habe lediglich dem unterbreiteten
Rettungsplan allgemein seine Zustimmung erteilt, nicht jedoch für die einzelnen
Optionsgeschäfte. Nach dem Treffen seien sie übereingekommen, dass die Bank
das gesamte Risiko und die Haftung für die zu tätigenden Geschäfte übernehme
und dass die Beschuldigte diese Positionen verwalte (Ordner 114, Urk. 06200158
ff.). Die ersten zwei drei Monate sei er mit den Geschäften zufrieden gewesen,
weil die vorausgesagten Gewinne erzielt worden seien (Ordner 114, Urk.
06200159).
4.1.5.3. Würdigung
Gemäss übereinstimmender Darstellung von W1._, P._ und der
Beschuldigten hatten die Kunden Nr. 14 und Nr. 15 im Sommer 2013 aufgrund
von U._-Geschäften erhebliche Verluste erlitten und zogen in Betracht, die
H._ zu verklagen. Vor diesem Hintergrund fand im Juni 2013 ein Treffen mit
den beiden Kunden in Istanbul statt, an welchem W1._ für die beiden
Kunden, die Beschuldigte und P._ teilnahmen und bei welchem es seitens
der Bank darum ging, eine Klage der Kunden wegen der bereits erlittenen
- 44 -
Verluste abzuwenden. Bei diesem Treffen schlug die Beschuldigte gemäss
übereinstimmender Darstellung aller Beteiligten Fremdwährungsoptionsgeschäfte
vor. Betreffend die in der Zeit nach dem Treffen in Istanbul im Juni 2013
getätigten Fremdwährungsoptionsgeschäfte ist aufgrund der Aussagen von
W1._ davon auszugehen, dass er seine Einwilligung zu Optionsgeschäften
im Rahmen eines Rettungsplanes erteilt hatte, wobei er sich auf den Standpunkt
stellte, die Bank habe sich bereit erklärt, das Verlustrisiko zu tragen. Auch nach
der Darstellung von W1._ ist daher nicht erstellt, dass die Beschuldigte in der
Zeit nach dem Treffen unautorisierte Fremdwährungsoptionsgeschäfte tätigte.
Anerkannt ist seitens der Kunden auch, dass sie Kenntnis davon hatten, dass die
Beschuldigte solche Geschäfte mit ihrem Portfolio tätigte und dass in der ersten
Zeit Gewinne erzielt wurden. Umstritten ist dagegen, wer das Verlustrisiko dieser
Geschäfte zu tragen hatte. Die Kunden stellen sich auf den Standpunkt, es sei
Bestandteil des Rettungsplanes gewesen, dass die Bank das Verlustrisiko trage.
Wie es sich damit verhält, dürfte Gegenstand zivilrechtlicher Verfahren bilden, ist
jedoch nicht im vorliegenden Strafverfahren zu prüfen, denn der Beschuldigten
wird nicht vorgeworfen, sie habe die Zustimmung der Kunden zu
Fremdwährungsoptionsgeschäften unter Vorspiegelung der Verlusttragung durch
die Bank erlangt. Ein solcher Vorwurf ist nicht vom pauschalen Vorhalt gedeckt,
sie habe unter irreführenden Angaben gegenüber den Kunden
Fremdwährungsoptionsgeschäfte getätigt, und ist nicht mehr mit dem
Anklageprinzip zu vereinbaren. Der Vorwurf der Täuschung des Kunden durch
Vorspieglung der Verlusttragung durch die Bank ist ein anderer als derjenige,
dass sie unvollständige oder irreführende Angaben über die Optionsgeschäfte
und deren Risiken als solche gemacht habe. Ausserdem sind die Aussagen von
W1._ nicht verwertbar, soweit sie die Beschuldigte belasten, also auch nicht
bezüglich der Vorspiegelung der Verlusttragung durch die Bank. Betreffend den
Zeitraum nach dem 21. Juni 2013 (Treffen in Istanbul) ist der Anklagesachverhalt
nicht erstellt.
Mit Bezug auf die Zeit vor Juni/Juli 2013 sagte die Beschuldigte aus, betreffend
den Kunden Nr. 15 seien Transaktionen ohne dessen Wissen getätigt worden, um
ihm Gewinne zu bescheren. In dieser Zeitperiode habe er keine Verluste erlitten
- 45 -
(Ordner 113, Urk. 06100366). Dieses Vorbringen der Beschuldigten lässt sich
nicht widerlegen, weshalb bezüglich Anklageziffer 1.2. B 6. und 7. ein Freispruch
zu ergehen hat.
4.1.6. Kunde Nr. 18 (D._ Ltd.)
4.1.6.1. Anklagevorwurf
Gegenstand der Anklage bildet der Vorwurf, die Beschuldigte habe in der Zeit
vom 10.01.2012 bis 07.01.2014 ohne Wissen und Zustimmung des Kunden oder
unter falschen und/oder unvollständigen und/oder irreführenden Angaben
gegenüber dem Kunden Fremdwährungsoptionsgeschäfte getätigt, wodurch der
Kunde einen Verlust von TRY 1'448'300.– erlitten habe.
4.1.6.2 Beweismittel
a) Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigte sagte aus, es habe keine unbewilligten Geschäfte auf diesem
Konto gegeben. Sie habe J._ bei einem Telefonat vorgeschlagen, FX-
Optionsgeschäfte für ihn zu tätigen. Sie habe sich schon in den Räumen der
H._ befunden, weshalb dies frühestens im Juni 2012 gewesen sei. Er habe
gesagt, er verstehe nicht vollständig, wie diese FX-Optionen funktionieren. Sie
habe ihm gesagt, er brauche sich nicht zu sorgen, sie würde eine kleine Position
für ihn betreuen, und die Kosten seines Darlehens würden teilweise von den FX-
Optionen gedeckt werden. Bevor sie die Bank verlassen habe, sei noch kein
Verlust realisiert worden. Sie habe gegenüber dem Kunden die Existenz von nicht
realisierten Verlusten auf den FX-Optionen nicht erwähnt. Er habe sie gefragt, ob
etwas mit den FX-Optionen schief gehe, sie habe geantwortet, nichts gehe schief,
die Optionsposition sei im Vergleich zu seinem Portfolio ohnehin nicht gross, er
müsse sich keine Sorgen machen (Ordner 113, Urk. 06100109 f.; Urk. 06100121).
Es treffe nicht zu, dass der Kunde erst nach ihrem Weggang von der H._ von
den Optionsgeschäften erfahren habe (Ordner 113, Urk. 06100122). Es treffe zu,
dass sie den Kunden nicht über unrealisierte Optionsverluste informiert habe. Sie
habe ihm bei einem der letzten Gespräche gesagt, er habe 1,4 oder 2,4 Mio.,
- 46 -
ohne die unrealisierten Optionsverluste zu erwähnen (Urk. 06100122). Der Kunde
habe am Anfang gewusst, dass sie Optionsgeschäfte mache. Sie erinnere sich an
diverse Telefongespräche, in denen sie gesagt habe, die Zinsen des Kredits
sollten ihn nicht gross schmerzen, wegen der Optionsgeschäfte, die sie für ihn
tätige. In den letzten Monaten als die Märkte einbrachen und er sich immer mehr
Sorgen gemacht habe, da habe sie wahrscheinlich aufgehört, über die Optionen
zu sprechen. Es sei aber nie vorgekommen, dass er sie aufgefordert habe, mit
den Optionsgeschäften aufzuhören (Ordner 113, Urk. 06100125). Der Kunde
habe die Details ihrer Transkationen nicht gekannt, habe aber gewusst, dass sie
Optionen getätigt habe (Ordner 113,Urk. 06100199).
Auch in der Schlusseinvernahme hielt sie daran fest, dass sie seit dem ersten Tag
als sie mit den Optionen begonnen habe durch den Kunden autorisiert gewesen
sei, möglicherweise habe er dies vergessen. Sie habe dies getan, um die Zinsen
der Kredite abzudecken. Es könne sein, dass sie als die Märkte sich
verschlechterten ihm gegenüber nicht erwähnte, dass sie immer noch
Fremdwährungsoptionsgeschäfte für ihn tätigte. Bei der letzten Unterredung
hätten sie über alle Positionen in seinem Portfolio gesprochen, ausser seinen
Fremdwährungsoptionsgeschäften. Wenn sie sich nicht irre, sei der grösste Teil
des Verlustes nach ihrem Weggang von der Bank realisiert worden (Ordner 113,
Urk. 06100366).
In der Befragung vor Vorinstanz erklärte sie erneut, der Kunde Nr. 18 habe
gewusst, dass sie mit Optionen handle (Urk. 198 S. 15).
b) Aussagen P._
P._ sagte in der Zeugeneinvernahme vom 21. Dezember 2015 aus, er habe
einige Telefongespräche zwischen der Beschuldigten und Kunden, darunter auch
der Kunde Nr. 18, gehört, aus denen sich entnehmen lasse, dass die Kunden
nichts über Optionsgeschäfte wussten (Ordner 115, Urk. 06300022). Bei einem
Telefongespräch mit dem Kunden Nr. 18, welches Ende 2013 oder anfangs 2014
stattgefunden habe, habe die Beschuldigte die Optionen nicht erwähnt (Ordner
115, Urk. 06300026). Anlässlich eines Telefongesprächs vom 15.01.2014 habe
- 47 -
die Beschuldigte dem Kunden nichts von Optionsgeschäften gesagt (Ordner 115,
Urk. 06300096).
c) Aussagen von I._
Bei I._ und ihrem Ehemann J._ handelt es sich um die wirtschaftlich
Berechtigten des auf den Namen der D._ Ltd. lautenden Kontos (Ordner 1,
Urk. 01300012). Wie vorstehend dargelegt wurde (Erwägung I. 6.), sind die
Aussagen von I._ als Auskunftsperson entgegen der von der Verteidigung
vertretenen Auffassung verwertbar. I._ sagte in ihrer Befragung als
Auskunftsperson vom 10. Juni 2016 aus, die Gelder auf dem Konto habe sie für
das Rentenalter auf die Seite legen wollen und ihre Risikobereitschaft sei
konservativ gewesen (Ordner 114, Urk. 06200250). Sie führte ferner aus, dass die
Beschuldigte ihr von Zeit zu Zeit Vorschläge für Investitionen unterbreitet habe.
Die Beschuldigte habe Optionsgeschäfte vorgeschlagen, sie könne sich nicht
erinnern, ob Fremdwährungsoptionsgeschäfte je ein Thema gewesen seien,
möglicherweise habe die Beschuldigte mit ihrem Ehemann darüber gesprochen.
Es treffe nicht zu, dass Personen von der D._ wussten, dass die
Beschuldigte mit Optionen handelte. Sie hätten nie von sich aus Optionsgeschäfte
in Auftrag gegeben (Ordner 114, Urk. 06200251 f.). Ihr Ehemann habe mit der
Beschuldigten 2 bis 4 Mal pro Jahr telefoniert, wobei sie in der Regel neben ihm
gesessen habe, aber auch nicht immer (Ordner 114, Urk. 06200252). Sie halte es
angesichts ihrer konservativen Haltung hinsichtlich Risikobereitschaft für
unwahrscheinlich, dass ihr Ehemann eine Bewilligung für Optionsgeschäfte erteilt
habe. Solche Geschäfte würden ihrer Grundeinstellung widersprechen (Ordner
114, Urk. 06200253).
4.1.6.3 Würdigung
Die Aussagen von P._ sind betreffend diesen Kunden sehr pauschal
ausgefallen und beschränken sich darauf, dass bei Telefongesprächen zwischen
der Beschuldigten und dem Kunden Ende 2013/Anfang 2014 nicht von
Optionsgeschäften gesprochen worden sei und die Beschuldigte beim Gespräch
vom 15. Januar 2014 nichts von Optionsgeschäften erwähnt habe. Diese
- 48 -
Aussagen von P._ stimmen mit der Darstellung der Beschuldigten
dahingehend überein als sie einräumte, sie habe gegenüber dem Kunden als sich
die Märkte verschlechterten die nicht realisierten Verluste aus Optionsgeschäften
nicht erwähnt und sie habe bei der letzten Besprechung mit dem Kunden über alle
Positionen in seinem Portfolio ausser den Fremdwährungsoptionsgeschäften
gesprochen. Dieses Eingeständnis der Beschuldigten deckt sich mit der
Transkription der Telefongespräche vom 21. November 2013 (Ordner 21, Urk.
05304789) und vom 16. Januar 2014 zwischen der Beschuldigten und J._
(Ordner 34, Urk. 05309143 ff.).
Der Umstand, dass die Beschuldigte die Fremdwährungsoptionsgeschäfte dem
Kunden gegenüber in der letzten Unterredung nicht erwähnte und auch bei
vorangehenden Telefongesprächen die noch nicht realisierten Verluste auf diesen
Optionen nicht ansprach, stellt ein starkes Indiz dafür dar, dass die
Optionsgeschäfte vom Kunden nicht autorisiert waren. Dies wird auch durch die
Aussagen von I._ gestützt, welche glaubhaft erklärte, bei den Geldern habe
es sich um Vermögen für das Rentenalter gehandelt, welches konservativ
angelegt sein sollte. Sie hat aber auch eingeräumt, dass die Beschuldigte ihnen
Optionsgeschäfte vorgeschlagen habe. Ferner sagte sie aus, dass ihr Ehemann
mit der Beschuldigten telefonischen Kontakt gehabt habe und sie das Gespräch in
der Regel mitgehört habe. Sie könne nicht ausschliessen, dass ihr Mann, ohne
dass sie es mitgehört hätte, mit der Beschuldigten über
Fremdwährungsoptionsgeschäfte gesprochen habe. Jedenfalls hätte er ihr
gesagt, wenn er die Einwilligung zu solchen Geschäften gegeben hätte. Die
Darstellung von I._ wirkt lebensnah und zeigt keine Tendenz zu
Übertreibungen, vielmehr sagte sie zurückhaltend aus. Zugunsten der
Beschuldigten räumte sie ein, dass diese Optionsgeschäfte vorgeschlagen habe.
Die Aussagen von I._ werden auch durch die Transkription des
Telefongesprächs zwischen der Beschuldigten und J._ vom 21. November
2013 (Ordner 21, Urk. 0534789 ff.) gestützt, in welchem er seine Besorgnis über
die eingetretenen Verluste zum Ausdruck bringt und dass er auf das Geld für
seinen Lebensunterhalt angewiesen ist. Das entsprechende Gespräch wurde der
Beschuldigten vorgehalten und sie bestätigte, dass er sich Sorgen machte,
- 49 -
weshalb sie ihn vermutlich nicht noch mehr habe belasten wollen und nicht über
die Optionen habe sprechen wollen. Ferner räumte sie ein, dass in diesem
Gespräch nicht besprochen worden sei, dass J._ wünsche, dass am
nächsten Tag ein Optionsgeschäft getätigt werde, um das Geld für
Darlehenszinsen zu verwenden (Ordner 113, Urk. 06100124 f.). Dies wiederum ist
nicht vereinbar mit dem von ihr erstellten Journaleintrag vom 21. November 2013,
gemäss welchem der Kunde gefragt habe, ob morgen eine Option gemacht
werden könne, um teilweise seine Ausgaben für Kreditzinsen zu decken (Ordner
29, Urk. 05307474). Dass die Beschuldigte im internen Journal etwas einträgt,
was nicht besprochen wurde, lässt aufhorchen und stellt ein weiteres Indiz dafür
dar, dass die Beschuldigte vertuschen wollte, dass die Optionsgeschäfte nicht
vom Kunden autorisiert waren. An dieser Einschätzung ändert auch der Hinweis
der Verteidigung nichts, wonach bei Einrichtung der Bankverbindung im Jahre
2009 die "Conditions for trading in Derivatives and Forward Contracts" seitens der
Privatklägerschaft unterzeichnet wurden (Urk. 254 S. 28). Aus der
Unterzeichnung des erwähnten Formulars am 9. Oktober 2009 (Ordner 132
05308581) lässt sich keine Einwilligung zu Fremdwährungsoptionsgeschäften
herleiten, welche 3 bis 4 Jahre später getätigt wurden. Auch der Umstand, dass
der D._ Ltd. seitens der H._ am 7. Februar 2012 eine Kreditlimite von
EUR 5'100'000.– gewährt wurde, welche alle vorherige Kreditlimiten ersetzte, und
neben anderen Formen der Benützung (Sollsaldo auf Kontokorrentkonten, Fester
Vorschuss, Ausstellung von Garantien) auch für Deckung von
Margenerfordernissen für Optionen verwendet werden konnte (Ordner 132
05308589), spricht nicht für eine Zustimmung zu
Fremdwährungsoptionsgeschäften.
Es bestehen zusammenfassend keine Zweifel an der Glaubhaftigkeit der
Aussagen von I._. Gestützt auf ihre Aussagen, diejenigen von P._, die
Zugaben der Beschuldigten und die Transkription des Telefongespräches
zwischen der Beschuldigten und J._ vom 21. November 2013, welche ein
stimmiges Ganzes ergeben, ist erstellt, dass I._ und ihr Ehemann keine
Kenntnis von den mit ihrem Portfolio getätigten Fremdwährungsoptionsgeschäften
hatten und diese nicht autorisiert waren.
- 50 -
Der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.2. B 8. ist erstellt. Bezüglich des
eingetretenen Schadens kann auf die allgemeinen Ausführungen zur
Schadensberechnung verwiesen werden (Erwägung II. 3.3.).
- 51 -
4.1.7. Kunde Nr. 19 (L._ Ltd.)
4.1.7.1 Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie habe in der Zeit vom 27.01.2010 bis
17.01.2014 ohne Wissen und Zustimmung des Kunden oder unter falschen
und/oder unvollständigen und/oder irreführenden Angaben gegenüber dem
Kunden Fremdwährungsoptionsgeschäfte getätigt, wodurch der Kunde einen
Verlust von TRY 8'245'440.– erlitten habe.
4.1.7.2. Beweismittel
a) Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigte sagte aus, M._ habe einige Gold-Options-Trades bei der
N._ gemacht. Dabei habe sie ihn nicht beraten, vielmehr habe er sie einfach
mit der Ausführung beauftragt. Dann habe er sein ganzes Geld bei einer anderen
Bank verloren und auch einen grossen Verlust bei der N._ realisiert. Er habe
die Goldoptionsgeschäfte beendet und habe sie instruiert, für ihn ein FX-
Optionen-Portfolio zu verwalten. Er habe gesagt, er sei bereits gestresst über das,
was mit dem Gold passiert sei, deswegen wolle er nichts über die Details der
Optionen wissen, vor allem habe er einen jährlichen Gewinn von 12 % gewollt. Er
habe nicht alle Transaktionen einzeln bewilligt. Die Bewilligung habe er bei einem
Besuch in Istanbul in seinem Haus erteilt. Er habe den nominalen Betrag der
ausstehenden FX-Optionen immer gekannt, soweit sie sich erinnere, aber er habe
keine Details über die Strikes kennen wollen, habe nicht gestresst sein wollen
(Ordner 113, Urk. 06100112). Der Kunde habe auf jeden Fall gewusst, dass sie
Optionen getätigt habe (Ordner 113, Urk. 06100200). Nachdem der Kunde in
Goldgeschäften sein Geld verloren habe, habe er gesagt, er lasse
Optionsgeschäfte konservativer Art tätigen. Er habe ihr gesagt, wenn sie ihm
einen Gewinn von 10-15 % erwirtschafte, mache er mit und habe die Bedingung
geäussert, dass er sich gar nicht mit diesen Geschäften auseinandersetzen
möchte. Er habe nicht gewollt, dass sie Optionen tätige, die mehr als einen Monat
oder eineinhalb dauern (Ordner 113, Urk. 06100201). Die
- 52 -
Fremdwährungsoptionen seien mit seiner Zustimmung und seinem Wissen erfolgt
(Ordner 113, Urk. 06100366). Er habe gewusst, dass sie mit Optionen handle
(Urk. 198 S. 15).
b) Aussagen P._
P._ sagte aus, er habe einige Telefongespräche zwischen der Beschuldigten
und Kunden gehört, aus denen sich entnehmen lasse, dass verschiedene
Kunden, darunter der Kunde Nr. 19, nichts von Optionsgeschäften wussten
(Ordner 115 , Urk. 06300022). Beim Kunden Nr. 19 handle es sich um einen
execution only Kunden. Es habe mit keinem Kunden unterzeichnete Verträge
betreffend "investment advisory mandate" gegeben. Er habe den Kunden einmal
in Istanbul getroffen, sonst habe er keinen Kontakt mit dem Kunden gehabt. Der
Kunde habe mindestens 1 Mal pro Monat mit der Beschuldigten telefoniert. Er
wisse nicht, welche Art von Transaktionen/Geschäften der Kunde wollte. Auf
Vorhalt der contact reports vom 07.3.2011 (Urk. 05307693), gemäss welchem der
Kunde erklärt habe, Interesse am Handel mit Optionsgeschäften zu haben und
vom 01.02.2012 (Urk. 05300089), gemäss welchem der Kunde die H._
angewiesen habe, kontinuierlich Optionsgeschäfte im Umfang von USD 10 Mio.
zu tätigen, sagte P._ aus, er sei nicht dabei gewesen und es dürfte die
Beschuldigte gewesen sein, welche diese reports erstellt habe (Urk. 06300089).
Auf Vorhalt eines contact reports vom 05.11.2012 (Urk. 05307683) betreffend ein
Treffen mit dem Kunden in Istanbul, bei welchem der Kunde sich interessiert habe
für "short term option ideas about fx" bestätigte P._, dass er diesen Report
erstellt habe. Er erklärte zuerst, der Kunde habe zu Zeiten von O._
Optionsgeschäfte vorgenommen und habe grosse Verluste zu verzeichnen
gehabt, weshalb er solche Geschäfte dann auch vermieden habe und erklärt
habe, er werde solche Geschäfte künftig nicht mehr durchführen (Urk. 06300090).
Auf Vorhalt, dass der Eintrag im Report nicht mit der Aussage von P._
vereinbar sei, wonach der Kunde keine Optionsgeschäfte mehr machen wolle,
wich P._ zuerst aus, sagte, er wisse nicht mehr, was bei diesem Treffen mit
dem Kunden gesprochen worden sei, um schliesslich zu bestätigen, was im
Report stehe, treffe zu (Ordner 115, Urk. 06300090 f.).
- 53 -
c) Aussagen M._
Betreffend die Verwertbarkeit der Einvernahme des wirtschaftlich Berechtigten als
Auskunftsperson kann auf die vorstehenden Erwägungen unter I.6. verwiesen
werden. In der Befragung als Auskunftsperson erklärte M._, das Konto
lautend auf L._ Ltd. gehöre ihm. Er habe damit keine geschäftlichen Ziele
verfolgt, es sei darum gegangen, einen Teil des Vermögens zu sparen. Er habe
einfach sein Geld sicher deponieren und von den Zinsen profitieren wollen,
irgendwelche Gewinne habe er nicht anvisiert (Ordner 114, Urk. 06200118). Es
treffe nicht zu, dass er der Beschuldigten Instruktion erteilt habe, ein FX-
Optionskonto für ihn zu verwalten (Urk. 06200118). Er habe keine Kontoauszüge
erhalten, denn er habe in der Türkei keine Unterlagen über dieses Konto haben
wollen. Er habe mit der Beschuldigten telefoniert oder sie in Istanbul getroffen. Sie
habe ihm jeweils gesagt, die Lage sei gut, er müsse sich keine Sorgen machen,
sein Geld sei sicher. Von Zeit zu Zeit habe er sie gefragt, was sie denn mache,
worauf sie geantwortet habe, dass er sich keine Sorgen machen müsse. Bei den
Gesprächen sei nie über konkrete Anlagen oder Anlagestrategie gesprochen
worden (Urk. 06200120). Es treffe zu, dass er im Jahr 2011 über die Bank
AB._ Gold-Optionsgeschäfte getätigt habe. Er habe der Beschuldigten
diesbezüglich ganz konkrete Anweisungen gegeben. Es sei nicht so gewesen,
dass sie ihm die Geschäfte mit Gold vorgeschlagen habe, vielmehr habe er ihr
den Optionshandel mit Gold beigebracht. Nachdem er Verluste mit dem
Goldgeschäft eingefahren habe, habe er sich geschworen, nie wieder solche
Geschäfte zu machen (Urk. 06200120). Er habe ausschliesslich im Jahre 2011
mit Optionen gehandelt, und zwar mit Gold. Er habe keine Anweisung gemäss
Report vom 01.02.2012 (Ordner 30, Urk. 05307685) erteilt (Urk. 06200121). Auf
Vorhalt des von P._ verfassten Contact Reports vom 05.11.2012 (Ordner 30
Urk. 05307683), wonach der Klient "wants to have short term option ideas about
fx" und nach einem Vermögensberatungsmandat fragt, erklärt M._ er könne
nicht ausschliessen, dass er P._ so etwas gefragt habe, auch wenn er sich
jetzt nicht daran erinnern könne. Er habe nicht von sich aus über "short term
options ideas" gesprochen, es sei möglich, dass P._ davon gesprochen
- 54 -
habe. Er habe im Anschluss an das Treffen kein "investment advisory mandate"
geschickt bekommen und auch keines unterschrieben (Urk. 06200122). Die ihm
vorgehaltenen Contact Reports, gemäss welchen er mit der Beschuldigten über
Optionen gesprochen habe, bezeichnete er als reine Erfindung.
4.1.7.3. Würdigung
Die Beschuldigte hat den Vorwurf konstant bestritten und macht geltend, der
Kunde habe sie allgemein beauftragt, für ihn ein Fremdwährungsoptionskonto zu
verwalten, habe einen Gewinn von 12 % erzielen wollen und habe die Bedingung
geäussert, dass er sich gar nicht mit diesen Geschäften auseinandersetzen
möchte. Er habe nicht gewollt, dass sie Optionen tätige, die mehr als einen Monat
oder eineinhalb dauern. Den nominalen Betrag der ausstehenden FX-Optionen
habe er immer gekannt, habe aber keine Details über die Strikes kennen wollen,
da er nicht habe gestresst sein wollen.
Der Darstellung der Beschuldigten steht diejenige des Zeugen P._
gegenüber. Er sagte aus, der Kunde habe aufgrund der erlittenen Verluste mit
Goldoptionen erklärt, er werde solche Geschäfte künftig nicht mehr durchführen.
Zweifel an der Aussage von P._ erweckt der contact report vom 05.11.2012
(Ordner 30, Urk. 05307683), welcher von P._ erstellt wurde. Diesem ist zu
entnehmen, dass P._ den Kunden Nr. 19 in Istanbul getroffen hat, der Kunde
Ideen für short term Fremdwährungsoptionen haben wollte und fragte, ob er ein
Vermögensberatungsmandat haben und unterzeichnen könne. Dieser contact
report widerspricht jedoch auch der Aussage der Beschuldigten, da er überhaupt
nicht zu vereinbaren ist mit dem von ihr verfassten contact report vom
01.02.2012, in welchem festgehalten wird, sie habe das Ehepaar M._ in der
Türkei besucht. Das letzte Jahr sei ein schlechtes Jahr für das Paar gewesen, sie
hätten mit Goldgeschäften, hauptsächlich bei AB._, einen Haufen Geld
verloren. Für das laufende Jahr sei Herr M._ optimistisch betreffend
türkische Lira und wolle Optionen in USD/TRY handeln im Umfang von einem
kontinuierlich aufzubauenden Maximalbetrag von 10 Mio. USD mit einer
maximalen Dauer von einem Monat (Ordner 30, Urk. 05307685). Hätte der Kunde
am 01.02.2012 tatsächlich diese Anweisung an die Beschuldigte gegeben, wäre
- 55 -
nicht einzusehen, weshalb er P._ rund 9 Monate später nach Ideen für short
term Fremdwährungsoptionen fragen und Interesse an einem
Vermögensberatungsvertrag bekunden sollte. Ferner fällt zulasten der
Beschuldigten ins Gewicht, dass sie für den Kunden Nr. 19 bereits anfangs 2010
Devisenoptionsgeschäfte tätigte (Urk. 00000157), somit bereits über zwei Jahre
vor dem am 1. Februar 2012 verfassten contact report.
Die Aussagen von M._ sind grundsätzlich plausibel, wirken nicht übertrieben
und zeigen insbesondere keine Tendenz zu übermässiger Belastung der
Beschuldigten. In einem zentralen Punkt erweist sich seine Darstellung dagegen
als nicht stimmig. Seine Aussage, wonach er mit dem Geld bei der H._ (bzw.
N._) keinen Gewinn avisiert habe, die Gelder vielmehr sicher habe
deponieren und von den Zinsen habe profitieren wollen, ist nicht vereinbar mit der
Tatsache, dass er unbestrittenermassen Optionsgeschäfte mit Gold getätigt hatte
und am 5. November 2012 einen Vertrag mit der H._ betreffend Gewährung
einer Kreditlinie im Betrage von USD 1'100'000.– unterzeichnete, welche unter
anderem auch als Marge für Fremdwährungsoptionsgeschäfte genutzt werden
konnte (Ordner 33 05308849). Dass er nach den erlittenen Verlusten mit den
Goldgeschäften nie wieder solche Geschäfte habe tätigen wollen, ist mit dem
Kreditvertrag und seiner Anfrage vom 5. November 2012 gegenüber P._
betreffend Ideen für Fremdwährungsoptionsgeschäfte nicht vereinbar. Der contact
report von P._ vom 5. November 2012, welcher der Darstellung der
Beschuldigen klar widerspricht, die Aussage von P._ wonach
Fremdwährungsoptionen bei den von ihm mitgehörten Telefongesprächen
zwischen der Beschuldigten und dem Kunden Nr. 19 nicht erwähnt worden seien,
und die Aussage von M._, wonach er keine Kenntnis von den
Fremdwährungsoptionsgeschäften hatte, bilden Indizien zulasten der
Beschuldigten. Auf der anderen Seite erweisen sich die Aussagen der
Auskunftsperson in einem zentralen Punkt als nicht glaubhaft. P._ hat sich in
seiner Zeugeneinvernahme ebenfalls widersprochen. Zuerst sagte er aus, der
Kunde habe nachdem er mit Goldoptionen Verluste erlitten habe, keine
Optionsgeschäfte mehr tätigen wollen, dann räumte er auf Vorhalt des contact
reports vom 5. November 2012 ein, dieser treffe zu. Diese Umstände sind
- 56 -
geeignet, rechtserhebliche Zweifel an der Verwirklichung des
Anklagesachverhaltes aufkommen zu lassen und führen im Zweifel zugunsten der
Beschuldigten zu einem Freispruch in diesem Anklagepunkt.
4.1.8. Kunde Nr. 20 (E._)
4.1.8.1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, mit unautorisierten
Fremdwährungsoptionsgeschäften in der Zeit vom 01.09.2011 bis 20.01.2014
betreffend den Kunden Nr. 20 einen Verlust von TRY 1'911'700.– verursacht zu
haben.
4.1.8.2. Beweismittel
a) Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigte erklärte sich geständig, ohne das Wissen und ohne Anweisung
der wirtschaftlich Berechtigten betreffend das Konto der E._ in
Devisenoptionen gehandelt zu haben und der Berechtigten gegenüber falsche
Angaben gemacht zu haben, Übersichtsdokumente zu deren Handen ohne die
Optionen erstellt und ihr geschickt zu haben (Ordner 113, Urk. 06100068,
Urk. 06100205, Urk. 06100366, Urk. 06100368). Das Geständnis wurde auch in
der Berufungsverhandlung nicht widerrufen (Urk. 254 S. 32).
b) Aussagen P._
P._ konnte keine Angaben zum Kunden Nr. 20 machen, er bestätigte jedoch,
dass das Portfolio, welches dem Kunden geschickt worden sei, sich von
demjenigen unterschied, welches der Bank vorlag. Die Optionsgeschäfte seien
aus dem Dokument entfernt worden, welches dem Kunden geschickt worden sei,
so dass für den Kunden nicht erkennbar gewesen sei, dass Optionsgeschäfte
getätigt wurden (Ordner 115, Urk. 06300073).
- 57 -
4.1.8.3 Würdigung
Mit der Vorinstanz ist festzuhalten, dass keine Anhaltspunkte bestehen, welche
am Geständnis der Beschuldigten zweifeln liessen. Das Geständnis wird denn
auch durch das Erstellen gefälschter Depotaufstellungen gestützt.
Der Anklagesachverhalt ist vollumfänglich erstellt. Hinsichtlich des Schadens ist
auf die vorstehenden Erwägungen zu verweisen (Erwägung II. 3.3.).
4.1.9. Kunde Nr. 21 (AC._)
4.1.9.1. Anklagevorwurf
Gegenstand der Anklage bilden Fremdwährungsoptionsgeschäfte, welche in der
Zeit vom 12.07.2012 bis 21.01.2014 ohne Wissen und Zustimmung des Kunden
oder unter falschen und/oder unvollständigen und/oder irreführenden Angaben
zum Nachteil des Kunden von der Beschuldigten getätigt worden seien unter
Verursachung eines Verlustes von TRY 5'521'500.–.
4.1.9.2. Beweismittel
a) Aussagen der Beschuldigten
Die Beschuldigte sagte aus, es habe auf dem Cube-Konto
Devisenoptionsgeschäfte gegeben, AC._ habe dies gewusst. Er habe E-
Banking gehabt und habe sein Konto auf diese Weise geprüft. Bevor sie zum
ersten Mal mit Optionen gehandelt habe, habe sie ein Treffen mit den Herren
AC._ und AD._ in deren Büro in Istanbul gehabt. Sie habe
vorgeschlagen, mit Devisenoptionen zu handeln und dass sie die Positionen
verwalten solle. Sie wisse nicht mehr, ob AC._ in diesem Meeting oder erst
später seine Zustimmung zu diesem Vorgehen gegeben habe, es sei nichts
schriftlich festgehalten und unterschrieben worden. Er habe ihr eine Limite von 15
oder 20 Mio. USD oder EUR gegeben. Sie habe ihn nicht über die einzelnen
Geschäfte informiert, er habe nicht informiert werden wollen und sie habe ihn
auch nicht gut erreichen können (Ordner 113 Urk. 06100090 f.). Der Kunde sei
- 58 -
nicht explizit zu ihr gekommen und habe dieses Produkt in Anspruch nehmen
wollen, sie habe ihm dieses vorgeschlagen. Er habe gesagt, dass er von diesen
Geschäften nichts verstehe und diese Positionen nicht verfolgen könne. Sie habe
für ihn eine Abrechnung gemacht wonach er, wenn ein Optionenportfolio im Wert
von USD 15 Mio. zusammengestellt werde, auch wenn die Geschäfte schlecht
laufen, keinerlei Verluste erleiden müsse (Ordner 113, Urk. 06100202). Sie habe
mit dem Kunden über die Beträge der FX-Optionen gesprochen, wenn sie sich
nicht täusche, habe es sich um eine Summe von USD oder EUR 15 Mio.
gehandelt (Ordner 113, Urk. 06100202). Wie den Telefonprotokollen und den E-
Mails entnommen werden könne, seien alle Transaktionen mit dem Wissen und
der Zustimmung des Kunden erfolgt (Ordner 113, Urk. 06100366 f., Urk. 198 S.
15).
b) Aussagen P._
P._ sagte aus, er habe erstmals am 23. Januar 2014 Kontakt mit dem
Kunden Nr. 21 gehabt. Er wusste nichts darüber, ob die Beschuldigte
Fremdwährungsoptionsgeschäfte tätigte, die nicht vom Kunden autorisiert waren.
P._ bestätigte ein Telefongespräch zwischen der Beschuldigten und dem
Kunden Nr. 21 mitgehört zu haben, in welchem es darum gegangen sei, ob der
Kunde sich bei den türkischen Steuerbehörden melden solle, um von einer
Steueramnestie zu profitieren. Er erklärte, die Beschuldigte habe dem Kunden
nicht direkt gesagt, er solle es nicht machen (Urk. 06300077).
c) Aussagen AC._
AC._ sagte aus, die Beschuldigte sei seine Bankberaterin gewesen, sie habe
ihm konkrete Vorschläge für Investitionen unterbreitet (Ordner 114,
Urk. 06200084). Sie sei mit ihm durchschnittlich einmal im Jahr sein Konto
durchgegangen und habe gesagt, was er kaufen oder verkaufen sollte. Er habe
die Kontenbewegungen per E-Banking verfolgen können, habe dies aber nur sehr
selten getan, vielleicht ein Mal im Jahr. Er habe der Beschuldigten gesagt, dass er
an der Performance eines abgelaufenen Jahrs interessiert sei und diesen Punkt
gerne mit ihr besprechen wolle. Bankauszüge habe er keine zugestellt bekommen
- 59 -
(Ordner 114, Urk. 06200086). Ab Mai 2013 habe sie ihm teils per Mail, teils per
Telefon mitgeteilt, welche Investitionsmöglichkeiten bestünden. Sie habe von
Gelegenheiten gesprochen, die nicht verpasst werden sollten. Er habe damals gar
nicht die Zeit gehabt, sich damit gross auseinanderzusetzen. Auf Vorhalt
entsprechender E-Mails von Mai und Juni 2013, in welchen die Beschuldigte ihm
eine Strategie mit Fremdwährungsoptionsgeschäften vorschlug, erklärt er, er
habe die E-Mails der Beschuldigten meistens nicht beantwortet. Er habe damals
keine Zeit gehabt, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und habe auch
nicht viel verstanden. Er habe ihr auch am Telefon weder ja noch nein gesagt
oder dass er es sich mal anschauen werde (Ordner 114, Urk. 0620087). Es treffe
nicht zu, dass ein Treffen in Istanbul stattgefunden habe, bei welchem auch Herr
AD._ teilgenommen habe bevor die Beschuldigte mit
Fremdwährungsoptionsgeschäften angefangen habe. Die Beschuldigte habe bei
diesem Treffen vom 30. Juli 2013 einige Sachen über die Lage der Wirtschaft
gesagt, über Optionsgeschäfte sei nicht gesprochen worden (Ordner 114, Urk.
06200088). Es sei möglich, dass er bei einem Telefongespräch ganz allgemein
gesagt habe, wenn es so sicher sei, weshalb nicht. Dies habe er aber nicht als
konkrete Zustimmung verstanden (Ordner 114, Urk. 06200089). Auch von den
Fremdwährungsoptionsgeschäften vor Juni 2013 habe er keine Kenntnis gehabt,
diese seien nicht autorisiert gewesen (Ordner 114, Urk. 06200090). Es habe ein
Telefongespräch mit der Beschuldigten stattgefunden im Zusammenhang mit
Steueramnestie in der Türkei. Die Beschuldigte sei völlig dagegen gewesen und
habe alles unternommen, damit er es nicht mache. Sie habe gesagt, die
türkischen Steuerbehörden würden ihn ansonsten nicht mehr in Ruhe lassen und
es sei eine sehr lange Prozedur, für die er gar nicht die Zeit aufbringen könne
(Ordner 114, Urk. 06200093).
4.1.9.3. Würdigung
Der Zeuge P._ konnte aus eigener Wahrnehmung nur über ein
Telefongespräch zwischen der Beschuldigten und dem Kunden Nr. 21 berichten,
bei welchem die Beschuldigte dem Kunden davon abriet, von der Steueramnestie
Gebrauch zu machen. Über die Beweggründe für diesen Rat stellte der Zeuge
- 60 -
Mutmassungen an, indem er betonte, es wäre ausgekommen, dass der Kunde
massive Verluste erlitten habe, von denen er noch keine Kenntnis hatte. Die
Erklärung des Zeugen ist zwar nachvollziehbar, beruht aber nicht auf konkreten
Wahrnehmungen und stellt nur eine wahrscheinliche Hypothese dar. Fakt ist,
dass die Beschuldigte dem Kunden Nr. 21 davon abriet, sein Vermögen in der
Schweiz im Rahmen einer Steueramnestie den türkischen Steuerbehörden
anzugeben. Alles Weitere ist Interpretation seitens des Zeugen.
Die Beschuldigte hat konstant ausgesagt, dass der Kunde Nr. 21 Kenntnis von
den Optionsgeschäften gehabt habe. Aus dem E-Mail vom 22. Mai 2013 (Ordner
8, Urk. 05300762) geht hervor, dass die Beschuldigte dem Kunden Nr. 21
empfahl "Bargeld nicht anzutasten und die von mir am Telefon erwähnte
konservative Options-Portfolio zu erstellen und mit den Prämien eine schöne
Bareinnahme sicherzustellen" und "das von mir erwähnte Options-Portfolio hat
eine Zieleinnahme von 10-12 %, auch wenn sich der Markt von der heutigen
Situation sehr viel entfernt (beispielsweise wie die Krise 2008-2009 oder noch
schlimmer) erreicht, würde solch ein Portfolio uns nicht traurig machen." Ferner
umschrieb die Beschuldigte die Modalitäten für die Optionen (maximale Laufzeit,
15 Mio. Gesamtwert etc.). Da der Kunde scheinbar auf diese E-Mail nicht
antwortete, was denn auch den Aussagen von AC._ entspricht, schrieb die
Beschuldigte dem Kunden am 6. Juni 2013 eine neue Mitteilung und fragte ihn, ob
er sich habe entscheiden können, ob sie so langsam anfangen könne (Ordner 8,
Urk. 05300762). Aus diesen Mitteilungen geht hervor, dass der Kunde Nr. 21
keine Kenntnis von den bereits seit Juli 2012 getätigten
Fremdwährungsoptionsgeschäften hatte. Betreffend diese Phase vor dem 6. Juni
2013 ist erstellt, dass diese Geschäfte nicht vom Kunden autorisiert waren.
Betreffend die Zeit danach räumte AC._ ein, es sei möglich, dass er einmal
bei einem Telefongespräch ganz allgemein gesagt habe, wenn es so sicher sei,
weshalb nicht. Dies habe er aber nicht als konkrete Zustimmung verstanden
(Ordner 114, Urk. 06200089). Da seine genaue Äusserung nicht erstellt werden
kann, ist zugunsten der Beschuldigten davon auszugehen, dass sie seine
allgemeine Erklärung als Autorisierung der von ihr mit Mail vom 22. Mai 2013
umschriebenen Optionsgeschäfte verstehen durfte. Dies ändert aber nichts daran,
- 61 -
dass sie die Risiken der Geschäfte verharmloste und dem Privatkläger falsche
und irreführende Angaben machte, indem sie von einem konservativen Options-
Portfolio sprach und ausführte, die von ihr vorgeschlagene Strategie würde auch
im Falle einer Krise wie 2008-2009 nicht dazu führen, dass der Kunde durch
dieses Portfolio gezwungen wäre, einen Verlust zu realisieren und so ein Portfolio
würde "nicht traurig machen".
Demzufolge ist erstellt, dass die vor dem 6. Juni 2013 getätigten
Fremdwährungsoptionsgeschäfte vom Kunden nicht autorisiert waren. Betreffend
die Geschäfte nach diesem Datum ist zugunsten der Beschuldigten davon
auszugehen, dass sie mit Wissen und Zustimmung des Kunden erfolgten, welche
jedoch auf falschen bzw. irreführenden Angaben der Beschuldigten beruhten.
Bezüglich des Schadens kann auf die vorstehenden Ausführungen (Erwägung II.
3.3.) verwiesen werden.
4.1.10. Kunden Nr. 24 (AE._) und Nr. 25 (AF._)
4.1.10.1. Anklagevorwurf
Betreffend die Kunden Nr. 24 und Nr. 25 wird der Beschuldigten vorgeworfen, sie
habe ohne Wissen und Kenntnis der Kunden Fremdwährungsoptionsgeschäfte
getätigt, betreffend den Kunden Nr. 24 in der Zeit vom 27.10.2011 bis 10.01.2014
und betreffend den Kunden Nr. 25 in der Zeit vom 11.10.2011 bis 20.01.2014 und
habe einen Verlust von TRY 5'841'775.79 und USD 1'495'601.70 (Kunde Nr. 24)
bzw. TRY 4'099'650.– (Kunde Nr. 25) verursacht.
4.1.10.2. Beweismittel / Beweiswürdigung
Die Beschuldigte hat den Anklagevorwurf betreffend beide Kunden in der
Untersuchung und vor Vorinstanz anerkannt (Ordner 113, Urk. 06100071,
06100086 f., Urk. 06100205, Urk. 06100208, Urk. 06100367 und Urk. 06100367;
Urk. 198 S. 15). Das Geständnis hat sie auch im Berufungsverfahren nicht
widerrufen (Urk. 254 S. 36 und S. 38). Es wird gestützt durch die Aussagen von
P._ (Ordner 115, Urk. 06300086 f. und Urk. 06300104) sowie die Erstellung
- 62 -
und den Versand von Konto- bzw. Depotaufstellungen ohne die getätigten
Fremdwährungsoptionen.
Der Sachverhalt gemäss Anklage ist somit erstellt, wobei auch in diesen
Anklagepunkten Einschränkungen hinsichtlich des Schadens anzubringen sind
(Erwägung II. 3.3.).
4.1.11. Kunde Nr. 28 (AG._)
4.1.11.1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie habe betreffend diesen Kunden in der
Zeit vom 31.10.2011 bis 05.07.2013 ohne dessen Wissen und Zustimmung oder
unter falschen und/oder unvollständigen und/oder irreführenden Angaben
Fremdwährungsoptionsgeschäfte getätigt, wodurch der Kunde einen Verlust von
TRY 616'550.– erlitten habe.
4.1.11.2. Beweismittel
a) Aussagen Beschuldigte
In der Einvernahme vom 16. Juni 2015 sagte die Beschuldigte aus, es habe auf
dem Konto von AG._ unbewilligte Devisenoptionsgeschäfte gegeben.
AG._ habe gesagt, man müsse etwas tun, um seine Verluste wettzumachen.
Der Kunde habe sie und P._ bedrängt, es sei ihm gleichgültig gewesen, wie
sie dies erreichte, aber es habe nicht auf sein Risiko geschehen dürfen. Als die
Märkte zusammengebrochen seien und Verluste anfielen, habe der Kunde
nachgefragt. Sie habe sich vor AG._ gefürchtet, er habe sie und P._
terrorisiert, habe gesagt, er habe die Türkei verlassen müssen, um nicht seine
Frau zu töten. Nachdem er mit zwei Anleihen Geld verloren habe, habe er
begonnen, sie zu beschuldigen und sie und ihre Familie zu bedrohen. Er habe
gesagt, er habe in seinem Leben nichts mehr zu verlieren, liebe sein Geld mehr
als seinen Sohn und könne ihr alles Erdenkliche antun wegen des Geldes. Sie
habe ihm erklärt, dass das Risiko dieser Devisenoptionen bei der Bank liege. Sie
habe AG._ gegenüber falsche Angaben gemacht indem sie ihm gesagt
- 63 -
habe, er habe mit den Devisenoptionen kein Risiko, da dieses bei der Bank liege.
Der Kunde habe gesagt, sie müsse aufhören. Unter Druck habe sie von weiteren
Roll-Overs abgesehen, die Position geschlossen und den Verlust realisiert
(Ordner 113, Urk. 06100092 f.).
In der Einvernahme vom 4. August 2016 bestätigte sie, dass der Kunde keine
Kenntnis gehabt habe, das sie Optionsgeschäfte getätigt habe. Er habe gewusst,
dass sie manchmal seinem Konto gewisse Beträge gutgeschrieben habe, er habe
aber nicht gewusst, dass es sich dabei um FX-Optionsgeschäfte gehandelt habe.
Der Kunde habe nicht verlangt, dass sie Optionsgeschäfte mache, er habe
lediglich gewollt, dass sie einen Verlust, welchen er bei der Bank AH._
erlitten habe, kompensieren solle. Da sie ihm diese Bank empfohlen habe, habe
er sie für den Verlust verantwortlich gemacht. Sie habe ihm erklärt, dass er
keinerlei Verluste erleiden werde und keine Risiken eingehe, wenn sie Geschäfte
im Bereich von 1'000.– - 2'000.– USD tätige. Der Kunde habe keine Kenntnis
davon gehabt, welche spezifischen Transaktionen sie getätigt habe, sie habe ihm
zugesichert, dass er keine Risiken eingehe (Ordner 113, Urk. 06100193 f.). Er
habe sie unter Druck gesetzt, habe ständig angerufen nachdem er mit der Bank
AH._ Geld verloren habe und habe von ihr verlangt, dass sie den Verlust
zurückerwirtschafte. Nachdem er ins Ausland gegangen sei und seinen Sohn
nicht mehr habe sehen können, hätte er nichts mehr zu verlieren gehabt. Er habe
ihr gesagt, er werde ihr nicht erlauben, mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern
ein ruhiges Leben zu führen. Sie sei in jener Zeit sehr verängstigt gewesen
(Ordner 113 Urk. 00206 f.).
b) Aussagen P._
P._ sagte aus, er habe Telefongespräche zwischen der Beschuldigten und
Kunden gehört, aus denen sich entnehmen lasse, dass die Kunden nichts über
die Optionsgeschäfte wussten, darunter auch der Kunde Nr. 28 (Ordner 115,
Urk. 06300022). Im Portfolio dieses Kunden hätten sich nur einige Produkte bzw.
Bonds befunden. Mit dem Kunden sei täglich oder alle zwei Tage über die
Entwicklung des Marktes gesprochen worden, über das Portfolio selber 1 Mal pro
Woche oder alle 2 Wochen (Ordner 113, Urk. 06300067). Es habe einen faulen
- 64 -
Bond im Portfolio des Kunden gegeben. Der Kunde habe AAA Credit Bonds in
seinem Portfolio gehabt. Die Risikobereitschaft des Kunden sei seiner Meinung
nach sehr niedrig gewesen. Er selber habe mit dem Kunden über keine anderen
Geschäfte als Bonds gesprochen (Ordner 113, Urk. 06300068 ff.).
c) Aussagen AG._
In seiner Befragung als Auskunftsperson vom 16. Juni 2016 sagte AG._ aus,
er sei sehr risikoscheu, habe sein Vermögen schützen und Zinsgewinn erzielen
wollen. Da er nicht auf flüssiges Geld angewiesen gewesen sei, habe er eine
längerfristige Anlagestrategie anpeilen können. Bei der Kontoeröffnung habe er
zur Beschuldigten ausdrücklich und unmissverständlich gesagt, dass er Risiko
überhaupt nicht möge und habe sie darauf hingewiesen, dass er AA ... Bonds
habe, falls sie ähnlich risikoarme Investitionen vorschlagen könne, solle sie dies
tun. Er habe sie immer darauf hingewiesen, dass sein Hauptziel darin bestehe,
das Vermögen zu bewahren und womöglich aus Zinserträgen Gewinne zu
erwirtschaften. Die Beschuldigte habe bei allen getätigten Geschäften gesagt,
dass diese risikolos seien (Ordner 114, Urk. 06200319). Er habe mit der
Beschuldigten nie über Fremdwährungsoptionsgeschäfte gesprochen (Ordner
114, Urk. 06200322). Abgesehen von Bondsgeschäften habe er über
anderweitige Transaktionen keinerlei Kenntnisse gehabt (Ordner 114, Urk.
06200323, Urk. 06200324). Die Beschuldigte habe ihm entweder telefonisch oder
anlässlich ihrer Besuche in der Türkei gesagt, es sei alles in Ordnung, er brauche
sich keine Sorgen zu machen. Die Beschuldigte habe ihn einmal angerufen und
gesagt, dass die Bonds der Bank AH._ im Minus liegen würden, wenn man
das Verfalldatum abwarte, entstehe kein Verlust, bei einem Verkauf müsse ein
Verlust einberechnet werden. Er habe gesagt, es sei nicht zu verkaufen, da er das
Geld nicht sofort benötige (Ordner 114, Urk. 06200321). Bezüglich Zustellung von
Bankauszügen sagte er aus, die Beschuldigte habe ihm erklärt, es sei
besser/sicherer für sein geheimes Konto, wenn er keine Auszüge verlange.
Während des Mutterschaftsurlaubes der Beschuldigten habe P._ ihm einen
E-banking Zugang eröffnet. Damit habe er am 20.08.2013 sein Konto kontrolliert
und habe darauf einen Minusbetrag von USD 140'959.– festgestellt. Er habe die
- 65 -
Beschuldigte angerufen, sie habe ihm erklärt, es handle sich um einen
technischen Fehler und dass dieser am 07.10 2013 berichtigt werde. An diesem
Tag habe er per E-Banking sein Konto wieder kontrolliert und der Fehler sei
behoben gewesen (Ordner 114, Urk. 06200323).
4.1.11.3. Würdigung
Die Aussagen von P._ und diejenigen von AG._ stimmen dahingehend
überein, dass der Kunde eine sichere Anlagestrategie verfolgte und in Bonds mit
hohem Rating investierte. Übereinstimmung herrscht zwischen ihren Aussagen
auch dahingehend, dass sie nie über Fremdwährungsoptionen sprachen. Da kein
Motiv seitens P._ ersichtlich ist, in diesem Punkt wahrheitswidrig
auszusagen, zumal sich seine Aussage zulasten seiner Arbeitgeberin auswirkt,
kann auf die übereinstimmenden Aussagen des Zeugen und des Geschädigten
abgestellt werden. Es bestehen somit keine Zweifel, dass
Fremdwährungsoptionen aufgrund des ihnen inhärenten Risikos nicht zur
Anlagestrategie des Kunden passten und nicht ohne Weiteres von einer
Zustimmung zu Devisenoptionsgeschäften ausgegangen werden konnte. Dies
wird auch von der Beschuldigten nicht in Abrede gestellt. Sie räumte anfänglich
auch ein, dass es auf dem Konto unbewilligte Devisenoptionsgeschäfte gab. Im
Widerspruch dazu sagte sie später in derselben Einvernahme aus, sie habe ihm
erklärt, dass das Risiko dieser Devisenoptionen bei der Bank liege. Sie habe
AG._ gegenüber falsche Angaben gemacht indem sie ihm gesagt habe, er
habe mit den Devisenoptionen kein Risiko, da dieses bei der Bank liege. Mit
dieser Aussage bringt sie zum Ausdruck, dass der Kunde wusste, dass sie mit
seinem Geld Devisenoptionsgeschäfte tätigte. In die gleiche Richtung geht auch
ihre Erklärung, der Kunde habe gesagt, sie müsse aufhören. Unter Druck habe
sie von weiteren Roll-Overs abgesehen, die Position geschlossen und den Verlust
realisiert. Dies wiederum ist nicht vereinbar mit ihrer Behauptung, sie habe dem
Kunden zugesichert, dass die Bank das Risiko trage. Würde dies zutreffen, wäre
wiederum nicht einzusehen, weshalb der Kunde Druck machen sollte, von
weiteren Roll-Overs abzusehen und die Position zu schliessen, zumal ja die Bank
das Risiko für diese Geschäfte tragen würde. Gegen die Glaubhaftigkeit ihrer
- 66 -
Darstellung spricht auch der Umstand, dass sie einräumen musste, der Contact
Report vom 4. Februar 2012, gemäss welchem der Kunde
Fremdwährungsoptionsgeschäfte bis max. 5 Mio. USD gewollt habe, sei falsch
(Ordner 113, Urk. 06100193 i.V. mit Ordner 29, Urk. 05307546).
Insgesamt erscheinen die widersprüchlichen Aussagen der Beschuldigten als
nicht glaubhaft, wogegen die Aussagen von AG._ ein stimmiges Bild
ergeben und über weite Teile durch die Aussagen von P._ gestützt werden.
Der Anklagesachverhalt ist vollumfänglich erstellt.
Bezüglich der Berechnung des Verlustes kann wiederum auf die vorstehenden
Erwägungen verwiesen werden.
4.2. Falsche Berichterstattung über Vermögensentwicklung durch Gebrauch
gefälschter/verfälschter Kontounterlagen
4.2.1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie habe auf ihrem Computer selbstkreierte
Bankauszüge erstellt, welche sie zwecks Verschleierung der getätigten
unautorisierten Transaktionen und der daraus entstandenen Verluste den Kunden
vorgelegt oder geschickt habe. Dem Kunden Nr. 6 (R._) habe sie anlässlich
von Treffen zwei Vermögensausweise vom 17. Oktober 2011 und vom 26. April
2012 vorgelegt. V._ (Kunde Nr. 12) habe sie einen Vermögensausweis mit
Datum vom 22. November 2012 anlässlich eines Treffens vorgelegt. Für den
Kunden Nr. 20 (E._ Ltd.) habe sie in der Zeit vom 10. Dezember 2012 bis 10.
Dezember 2013 vier Konto- bzw. Depotaufstellungen angefertigt und diese dem
Kunden geschickt, für die Kunden Nr. 24 (AE._) und Nr. 25 (AF._) habe
sie in der Zeit vom 12. April 2010 bis 21. Januar 2014, bzw. vom 16. Dezember
2011 bis 31. Dezember 2013, Konto- bzw. Depotaufstellungen angefertigt und an
die Kunden verschickt.
4.2.2. Standpunkt der Beschuldigten
- 67 -
Die Beschuldigte hat den Vorwurf des Gebrauchs gefälschter/verfälschter
Kontounterlagen bezüglich aller fünf Kunden anerkannt (Ordner 113, Urk.
06100017 ff., Urk. 06100023, Urk. 06100024 f., Urk. 06100070 f., Urk. 06100087
und Urk. 06100368). Das Geständnis betreffend die Erstellung gefälschter
Kontounterlagen korreliert denn auch mit dem Vorwurf unautorisierter
Fremdwährungsoptionsgeschäfte, welcher betreffend diese Kunden von der
Beschuldigten anerkannt wurde und (bezüglich Kunde Nr. 12 nur teilweise) erstellt
werden konnte (vgl. vorstehend 4.1.2., 4.1.4., 4.1.8. und 4.1.10.). In der
Befragung vor Vorinstanz sagte die Beschuldigte betreffend den Vorwurf des
Gebrauchs von gefälschten bzw. verfälschten Kontounterlagen aus, sie könne
sich nicht mehr daran erinnern (Urk. 198 S. 11).
Bezüglich der Kunden Nr. 6 und 12 machte sie geltend, sie habe die gefälschten
Unterlagen zur Vorbereitung von Treffen bzw. Gesprächen mit den Kunden
erstellt, hauptsächlich für den eigenen Gebrauch. Die Unterlagen seien nicht den
Kunden geschickt worden (Ordner 113, Urk. 06100368). Bezüglich dieser beiden
Kunden wird in der Anklage denn auch nicht der Versand an die Kunden
vorgeworfen, sondern das Vorlegen der gefälschten Vermögensausweise.
4.2.3. Beweismittel/Beweiswürdigung
Das in der Untersuchung abgelegte Geständnis der Beschuldigten betreffend die
Erstellung gefälschter Vermögensausweise wird gestützt durch die
entsprechenden bei den Akten liegenden Ausweise (Ordner 6, Urk. 05300344-
05300349, Urk. 05300097-0500099, Urk. 05300084-05300096, Urk. 05300100-
05300266 und Urk. 05300350-05300383).
Bezüglich der Kunden Nr. 6 und 12 hat sich die Vorinstanz zutreffend mit dem
Einwand der Beschuldigten befasst, wonach sie die verfälschten Aufstellungen
hauptsächlich für den eigenen Gebrauch als Vorbereitung für Treffen und
Gespräche mit Kunden erstellt habe. Es kann auf ihre Erwägungen verwiesen
werden (Urk. 218 S. 149 f. und S. 151 f.). Mit der Vorinstanz ist davon
auszugehen, dass die Beschuldigte, die zur Vorbereitung der Treffen mit Kunden
erstellten Dokumente auch zu diesen Treffen mitnahm, da es gerade darum ging,
- 68 -
die im Depot des Kunden befindlichen Positionen durchzugehen, und es
lebensfremd erscheint, dass dem Kunden dabei kein Einblick in die Übersicht
gewährt worden sein soll (Urk. 218 S. 149 f. und S. 151 f.). Somit ist der
Anklagesachverhalt 1.3.1. und 1.3.2. vollumfänglich erstellt und ist nicht weiter auf
den Einwand der Verteidigung einzugehen, wonach die bei den Akten liegenden
Auszüge nicht die Unterschriften der Kunden enthalten würden, bzw. diese
Unterschriften nachträglich erfolgt seien (Urk. 254 S. 52 f. Rz 275 ff.)
Bezüglich der Kunden Nr. 20, 24 und 25 geht der Anklagevorwurf dahin, dass die
Beschuldigte die gefälschten Konto- bzw. Depotaufstellungen den Kunden
geschickt habe.
Die Beschuldigte anerkannte, dem Kunden Nr. 20 Übersichtsdokumente ohne die
Optionen geschickt zu haben (Ordner 113, Urk. 06100068). Ihr Geständnis bezog
sich auf den Versand von zwei Dokumenten (Ordner 113, Urk. 06100368 f.),
Gegenstand der Anklage bilden jedoch vier Konto- bzw. Depotaufstellungen. Mit
der Vorinstanz (Urk. 218 S. 153) ist davon auszugehen, dass die beiden weiteren
Dokumente ebenfalls versandt wurden, zumal sie in den Zeitraum fallen, in
welchem betreffend diesen Kunden unautorisierte Devisenoptionsgeschäfte von
der Beschuldigten getätigt wurden.
Betreffend den Kunden Nr. 24 wird der Beschuldigten der Versand von 93 Konto-
bzw. Depotaufstellungen in der Zeit vom 12. April 2010 bis 21. Januar 2014
vorgeworfen. Sie hat die Erstellung verfälschter Auszüge gestanden, ebenso,
dass sie diese dem Kunden per Fax zugestellt hat (Ordner 113, Urk. 06100020).
Die Vorinstanz hat ausgeführt, dass die Beschuldigte die Kontoauszüge nur
monatlich dem Kunden zugestellt habe (Urk. 218 S. 154). Sie nimmt damit Bezug
auf die Aussage der Beschuldigten, wonach der Kunde von Monat zu Monat
Auszüge generell gewünscht habe (Ordner 113, Urk. 06100020) und errechnet
auf den Zeitraum, in welchem unautorisierte Fremdwährungsoptionsgeschäfte
getätigt wurden (27.10.2011 bis 21.01.2014), 28 monatliche Depotauszüge.
Dieser Argumentation der Vorinstanz kann ohne weiteres gefolgt werden,
weshalb der Anklagesachverhalt nur bezüglich 28 der angeklagten 93 Auszüge
erstellt ist. Ausserdem ist der Vorinstanz darin zuzustimmen, dass die Reduktion
- 69 -
der erstellten Anzahl der versandten Dokumente keinen formellen Teilfreispruch
rechtfertigt.
Die Beschuldigte erklärte sich geständig, dem Kunden Nr. 25 die angefertigten
Konto- bzw. Depotauszüge in der Regel per E-Mail zugestellt zu haben, wenn sie
sich nicht irre, habe der Kunde auch ein oder zwei Mal eine Zustellung per Post
gewünscht, es sei daher möglich, dass sie ihm die Auszüge jeweils per Post
zugestellt habe (Ordner 113, Urk. 06100024). Der Sachverhalt ist gestützt auf das
Geständnis der Beschuldigten betreffend Anklageziffer 1.3.5. vollumfänglich
erstellt.
4.2.3. Fazit
Der Sachverhalt gemäss Anklageziffer 1.3. ist erstellt mit Ausnahme der Anzahl
versandter Konto- bzw. Depotaufstellungen gemäss Anklageziffer 1.3.4. (28 statt
93). Das Vorbringen der Verteidigung, wonach die produzierten Dokumente kein
Logo der Bank aufgewiesen hätten, nicht unterzeichnet gewesen seien und
keinen Hinweis enthalten hätten, dass sie alle Assets der Kunden enthalten und
der Kunde sie zu prüfen habe, andernfalls sie als genehmigt gelten würden (Urk.
254 S. 50 ff.), erweist sich als nicht stichhaltig. Die Kunden wussten, dass die
Dokumente ihnen von der Beschuldigten als ihrer Kontakt- und Vertrauensperson
gesandt bzw. von ihr vorgelegt wurden. An der Herkunft der Unterlagen bestand
auch ohne Logo der Bank und ohne Unterzeichnung der Dokumente kein Zweifel.
4.3. Unautorisierte Vermögenstransfers zwischen Kundenkonten
4.3.1. Anklagevorwurf
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie habe in der Zeit vom 24. Juni 2013 bis
21. Januar 2014 ohne Wissen der betroffenen Kunden 23 in der Anklage
aufgelistete unbewilligte Vermögenstransfers zwischen Kundenkonten
vorgenommen und dadurch insgesamt Vermögenswerte im Umfang von USD
593'399.–, TRY 1'360'150.– und EUR 224'988.– unrechtmässig verschoben. Sie
habe dies getan, um die durch die unautorisierten Transaktionen entstandenen
Verluste zu verschleiern oder um Margin-Anforderungen zu erfüllen. Sie habe
- 70 -
nicht dafür garantieren können, dass die verschobenen Vermögenswerte den
geschädigten Kunden zeitgerecht wieder gutgeschrieben werden konnten.
Die Liste der unautorisierten Vermögenstransfers gemäss Anklageziffer 1.4.
entspricht der von der H._ erstellten und eingereichten Liste (Ordner 0,
Urk. 05300064).
4.3.2. Standpunkt der Beschuldigten
In der Einvernahme vom 5. Juni 2015 räumte die Beschuldigte allgemein ein,
dass sie ohne Wissen und Anweisung bzw. Erlaubnis der Kunden Geld von deren
Konto auf ein anderes Kundenkonto überwiesen habe. Dies habe sie vor allem
getan, um den Verlust zu decken und die nötigen Kundenguthaben für
Transaktionen (Margin Requirements) zu erfüllen (Ordner 113, Urk. 06100060).
Auf Vorhalt der von der H._ erstellten Liste der unbewilligten
Vermögensverschiebungen (Ordner 5, Urk. 05300064) erklärte die Beschuldige in
der Einvernahme vom 22. Juni 2015, sie sehe diese Liste zum ersten Mal und
könne sich nur zu den Überweisungen äussern, an die sie sich erinnern könne.
Sie wisse nicht, ob etwas auf der Liste nicht stimme, denn es sei jetzt eineinhalb
Jahre her, jedoch habe sie gegenüber der Bank betreffend die Überweisungen die
Wahrheit gesagt. Sie anerkannte ausdrücklich die Transaktionen gemäss Liste
vom 04.09.2013, 10.09.2013, 11.09.2013 und 21.01.2014 (Ordner 113, Urk.
06100087 und Urk. 06100117 f.).
Die Beschuldigte sagte in der Schlusseinvernahme aus, sie denke, sie habe sich
in jenem Moment sehr schlecht gefühlt und habe so gehandelt, weil sie keinen
anderen Ausweg gesehen habe. Es sei nicht ihre Absicht gewesen, die
Vermögenswerte ihrer Kunden zu reduzieren, sondern die Verluste wieder
wettzumachen (Ordner 113, Urk. 06100370).
In der Befragung vor Vorinstanz hat die Beschuldigte den Vorwurf unbewilligter
Vermögenstransfers nicht grundsätzlich bestritten, sie machte jedoch geltend, es
gebe einige Doppelzählungen in den 23 Transaktionen gemäss der in der
Anklageschrift enthaltenen Liste (Urk. 198 S. 11).
- 71 -
Im Berufungsverfahren wurde am Geständnis festgehalten (Urk. 254 S. 58).
Neben der grundsätzlichen Anerkennung unbewilligter Vermögenstransfers
brachte die Beschuldigte betreffend einzelne Konten Einschränkungen an. Darauf
ist nachfolgend einzugehen.
4.3.3. Beweismittel/Beweiswürdigung
4.3.3.1. Überweisungen zum Nachteil des Kunden Nr. 2
Der Beschuldigten wird vorgeworfen, sie habe zu Lasten des Kunden Nr. 2 am
7. Januar 2014 USD 38'000.– auf das Konto des Kunden Nr. 4 transferiert. Die
Beschuldigte hat eine unbewilligte Überweisung zu Lasten des Kunden Nr. 2
anerkannt (Ordner 113, Urk 06100087). Die entsprechende Überweisung im
Betrage von USD 38'000.– ist zudem dokumentiert (Ordner 113, Urk. 05309303).
Der Sachverhalt ist somit erstellt.
4.3.3.2. Überweisungen zum Nachteil der Kunden Nr. 4 und Nr. 5
Die Beschuldigte sagte aus, sie habe das Konto des Kunden Nr. 4 vielleicht als
Durchgangskonto bei unbewilligten Überweisungen benützt (Ordner 113,
Urk. 06100088). Wie die Vorinstanz zutreffend darlegte, wurden am 30.
Dezember 2013 vom Konto des Kunden Nr. 5 EUR 50'000.– und USD 50'000.–
auf das Konto des Kunden Nr. 4 überwiesen, wobei diese Beträge gleichentags
vom Konto des Kunden Nr. 4 auf das Konto des Kunden Nr. 19 transferiert
wurden. Insofern hatte das Konto des Kunden Nr. 4 die Funktion eines
Durchgangskontos und erlitt der Kunde Nr. 4 keinen Schaden. Dagegen wurde
am 7. Januar 2014 vom Konto des Kunden Nr. 5 der Betrag von USD 100'000.–
und vom Kunden Nr. 2 USD 38'000.– auf das Konto des Kunden Nr. 4 transferiert,
von letzterem wurden am gleichen Tag USD 150'000.– auf das Konto des Kunden
Nr. 19 weitergeleitet, wodurch der Kunde Nr. 4 einen Schaden von USD 12'000.–
erlitt. Auch der Transfer vom 23. Dezember 2013 von EUR 23'000.– vom Konto
des Kunden Nr. 4 auf dasjenige des Kunden Nr. 25 erfolgte ohne vorgängige
Überweisung eines entsprechenden Betrages auf das Konto des Kunden Nr. 4.
- 72 -
Betreffend den Kunden Nr. 5 hat die Beschuldigte ausgesagt, sie glaube, es habe
ein oder zwei unbewilligte Überweisungen gegeben (Ordner 113, Urk. 06100088).
Entgegen ihrer Zugabe sind jedoch drei Überweisungen (zwei vom 30.12.2013
und eine vom 07.01.2014) belegt (Ordner 34, Urk. 05309301 f. und
Urk. 05309304).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass alle Überweisungen zu Lasten der
Kunden Nr. 4 und Nr. 5 gemäss Liste in der Anklageschrift dokumentiert sind
(Ordner 34, Urk. 05309301 f., Urk. 053093304, Urk. 05309317-05309324). Die
Transaktionen zu Lasten des Kunden Nr. 4 erfolgten im Umfang von insgesamt
EUR 23'000.– und USD 12'000.– und zu Lasten des Kunden Nr. 5 im Betrage von
total EUR 50'000.– und USD 150'000.–. Der Anklagesachverhalt ist erstellt.
4.3.3.3. Überweisungen zum Nachteil der Kunden Nr. 6 und Nr. 7
Die Beschuldigte sagte aus, es habe glaublich unbewilligte Überweisungen vom
Konto des Kunden Nr. 6 gegeben und es habe eine unbewilIigte Überweisung
vom Konto des Kunden Nr. 7 im Umfang von USD 5'000.– gegeben (Ordner 113,
Urk. 06100072 und Urk. 06100117).
Bezüglich des Kunden Nr. 6 werden der Beschuldigten zwei Überweisungen vom
24. Juni 2013 und vom 11. Juli 2013 zugunsten des Kontos des Kunden Nr. 19
vorgeworfen. Als Beweismittel liegt die Erklärung der Beschuldigten vor, wonach
es glaublich unbewilligte Überweisungen vom Konto des Kunden Nr. 6 gegeben
habe. Für diese Überweisungen liegen keine direkten Beweismittel vor, jedoch
Belege für die Rückabwicklung, auf denen das Datum der ursprünglichen
Belastungen, der jeweilige Betrag sowie die beteiligten Konten erkennbar sind
(Ordner 34, Urk. 05309327 f. und Urk. 05309350 f.). Der Anklagesachverhalt ist
aufgrund der Zugabe der Beschuldigten betreffend unbewilligte Überweisungen
vom Konto des Kunden Nr. 6 erstellt.
Das Geständnis der Beschuldigten bezüglich des Kunden Nr. 7 deckt sich mit der
Aktenlage (Ordner 34, Urk. 05309305). Bezüglich dieses Kunden ist der
Anklagesachverhalt erstellt.
- 73 -
4.3.3.4. Überweisungen zum Nachteil der Kunden Nr. 8 und Nr. 11
Die Beschuldigte erklärte, die unbewilligten Überweisungen vom Konto des
Kunden Nr. 8 seien erfolgt, um die Verluste des Kunden Nr. 28 zu decken, wobei
die Überweisungen nicht direkt auf das Konto des Kunden Nr. 28 erfolgt seien,
damit dieser den Namen des Kunden Nr. 8 nicht sehe (Ordner 113, Urk.
06100086). Sie anerkannte ausdrücklich die Überweisungen vom 10. September
2013 und vom 11. September 2013 (Ordner 113, Urk. 06100117), welche durch
die Überweisungsbelege dokumentiert sind (Ordner 34 Urk. 05309307 f.).
Gemäss Liste können weitere Überweisungen vom Konto des Kunden Nr. 8 über
das Konto des Kunden Nr. 11 auf das Konto des Kunden Nr. 28 verfolgt werden
(Überweisungen vom 13.09.2013 und 19.09.2013, vom 30.09.2013 und
01.10.2013 sowie vom 02.10.2013 und 04.10.2013). Die Darstellung der
Beschuldigten stimmt insoweit mit der Liste gemäss Anklage überein und die
entsprechenden Transfers sind dokumentiert (Ordner 34, Urk. 05309309, Urk.
053093010, Urk. 05309312-05309315).
Weiter wird der Beschuldigten ein unautorisierter Transfer vom Konto des Kunden
Nr. 8 auf das Konto des Kunden Nr. 19 vom 13. September 2013 im Betrage von
TRY 130'000.– vorgeworfen. Der Transfer als solcher ist belegt (Ordner 34,
Urk. 05309311). Der Transfer steht zudem in engem zeitlichen Zusammenhang
mit den vorstehend erstellten unautorisierten Transaktionen vom Konto des
Kunden Nr. 8. Deshalb kann als erstellt betrachtet werden, dass auch die
Überweisung vom 13. September 2013 zur Verschleierung von Verlusten aus
unautorisierten Fremdwährungsoptionsgeschäften diente, oder um Margin-
Anforderungen zu erfüllen. Der Anklagesachverhalt ist auch bezüglich dieser
Überweisung erstellt.
Betreffend den Kunden Nr. 11 hat die Beschuldigte die Überweisung vom 4.
September 2013 anerkannt (Ordner 113, Urk. 0610017). Sie ist ebenfalls belegt
(Ordner 34, Urk. 05309306).
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Hinzukommt gemäss Liste eine weitere Überweisung am 12. November 2013
vom Konto des Kunden Nr. 11 auf dasjenige des Kunden Nr. 13 im Betrage von
EUR 1'988.48. Zu diesem Transfer hat sich die Beschuldigte nicht geäussert. Da
weder der Kunde Nr. 11 noch der Kunde Nr. 13 von unautorisierten
Fremdwährungsoptionsgeschäften betroffen waren, keine Weiterüberweisung des
Betrages vom Konto des Kunden Nr. 13 auf ein Konto eines von unautorisierten
Geschäften betroffenen Kunden erkennbar ist und der überwiesene Betrag
deutlich geringer ist als bei den anderen Transfers gemäss Liste, ist zugunsten
der Beschuldigten davon auszugehen, dass es sich um einen autorisierten
Vermögenstransfer handelte. Dieser Teilsachverhalt ist nicht erstellt, ein
diesbezüglicher formeller Freispruch erscheint jedoch als nicht angezeigt.
4.3.3.5. Überweisung zum Nachteil des Kunden Nr. 29
In der Liste gemäss Anklage findet sich eine Überweisung vom Konto des Kunden
Nr. 29 auf dasjenige des Kunden Nr. 17 vom 21. Januar 2014 im Betrage von
EUR 100'000.–. Die Beschuldigte hat diesen Vorwurf anerkannt (Ordner 113,
Urk. 06100117) und die Überweisung ist dokumentiert (Order 34, Urk. 05309326).
Der Sachverhalt ist erstellt.
4.3.4. Fazit
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass mit Ausnahme der Überweisung vom
12. November 2013 sämtliche Vermögenstransfers gemäss der Liste in
Anklageziffer 1.4. unautorisiert erfolgten. Abschliessend ist zum Einwand der
Beschuldigten Stellung zu nehmen, wonach die Überweisungen teilweise doppelt
gezählt worden seien. Dieser Einwand ist insoweit berechtigt als
Vermögenstransfers über Durchgangskonten erfolgten. Dies trifft zu für die vier
Überweisungen vom 30.12.2013. Die drei Überweisungen vom 07.01.2014 sind
zugunsten der Beschuldigten auch als Einheit zu betrachten, indem von den
Konten der Kunden 2 und 5 über das Konto des Kunden Nr. 4 USD 150'000.– auf
das Konto des Kunden Nr. 19 überwiesen wurden und davon auszugehen ist,
dass USD 138'000.– von den Kunden Nr. 2 und 5 und USD 12'000.– vom Konto
des Kunden Nr. 4 stammen. Solche "Durchgangsüberweisungen" stellen auch die
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Transfers vom 30.09./01.10.2013, vom 02./04.10.2013, sowie vom 10./11.09.2013
sowie vom 13./19.09.2013 dar. Unter Berücksichtigung dieser Doppelzählungen
in der Anklageschrift ist die Gesamtsumme der unrechtmässig verschobenen
Vermögenswerte wie folgt zu berichtigen:
24.06.2013 USD 22'399.00 11.07.2013 USD 178'000.00 04.09.2013 TRY 33'000.00 10./11.09.2013 TRY 57'000.00 13./19.09.2013 TRY 90'000.00 13.09.2013 TRY 130'000.00 30.09./01.10.2013 TRY 247'500.00 02./04.10.2013 TRY 215'000.00 23.12.2013 EUR 23'000.00 30.12.2013 EUR 50'000.00 30.12.2013 USD 50'000.00 07.01.2014 USD 150'000.00 21.01.2014 USD 5'000.00 21.01.2014 EUR 100'000.00
Entsprechend dieser Aufstellung wurden insgesamt USD 405'399.–, TRY
772'500.– und EUR 173'000.– unautorisiert verschoben.
III. Rechtliche Würdigung
1. Vorbemerkungen
Die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz qualifizierten das Verhalten der
Beschuldigten als mehrfache qualifizierte Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff.
1 Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 138 Ziff. 2 StGB, mehrfache ungetreue
Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und mehrfache
Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB. Die Verteidigung hatte die
rechtliche Würdigung vor Vorinstanz dem Gericht überlassen (Urk. 202 S. 3 f.),
sie warf lediglich die Frage auf, ob das Vermögen der Bank oder das Vermögen
der Kunden von der deliktischen Tätigkeit der Beschuldigten betroffen sei, erklärte
jedoch, die Beschuldigte wolle das Verfahren nicht mit solchen dogmatischen
Auseinandersetzungen belasten (Prot. I S. 14, Urk. 202 S. 4). Ferner liess die
Beschuldigte vor Vorinstanz geltend machen, Eventualvorsatz in Bezug auf
Optionstransaktionen sei nur zurückhaltend anzunehmen, denn die
Rechtsprechung stelle beim Tatbestand von Art. 158 StGB strenge
- 76 -
Anforderungen an den Nachweis von Eventualvorsatz. Ein solcher dürfe nur
angenommen werden, wenn der Täter ernsthaft mit der Möglichkeit einer
Vermögensschädigung rechne bzw. sich ihm diese als wahrscheinlich aufdränge
und er sich damit auch abfinde (BGer 6B_446/2010 E. 8.5.1; BGE 133 IV 9 E.
4.1). Im Zweifelsfall sei gemäss Bundesgericht nur von bewusster Fahrlässigkeit
auszugehen (BGer 4A_594/2009
E. 3.5.). Die Beschuldigte sei davon ausgegangen, dass man kein Geld verliere,
wenn man den Optionshandel praktisch gut beherrsche. In den Jahren 2011 und
2012 hätten denn auch zum überwiegenden Teil effektiv Gewinne für die Kunden
resultiert, die grossen Verluste hätten denn erst ab Mai 2013 resultiert und hätten
massgeblich mit den politischen Veränderungen in der Türkei und den
entsprechenden Auswirkungen auf die türkische Lira zusammengehängt. Sie
habe die Entwicklungen falsch eingeschätzt und dadurch die Risiken der
Optionen verkannt. Es sei höchstens von einem Eventualvorsatz am unteren
Rand, im Grenzbereich zur bewussten Fahrlässigkeit, auszugehen (Urk. 202 S.
27 ff.).
Im Berufungsverfahren machte die Verteidigung bezüglich aller angeklagten
Tatbestände Einwendungen geltend, auf welche nachfolgend für jeden
Tatbestand im Einzelnen einzugehen ist.
Die Staatsanwaltschaft äussert sich vor Vorinstanz nur am Rande zur rechtlichen
Würdigung. Ihre Ausführungen befassen sich im Wesentlichen mit der von der
Verteidigung im Vorfeld der Hauptverhandlung aufgeworfenen Frage der
Genehmigung der Geschäfte durch die Kunden, welche über einen e-banking-
Zugriff von den Fremdwährungsoptionsgeschäften Kenntnis nehmen konnten
(Urk. 199 S. 10 ff.). Im Berufungsverfahren machte die Staatsanwaltschaft
geltend, entgegen der Auffassung der Verteidigung seien die
Währungsoptionsgeschäfte der Beschuldigten auch durch eine nachträgliche
Kenntnisnahme der Geschädigten nicht genehmigt worden, weshalb kein
Rechtfertigungsgrund vorliege (Urk. 253 S. 3).
- 77 -
2.1. Unautorisierte Fremdwährungsoptionsgeschäfte
2.1.1. Allgemeines
Gemäss Art. 158 Ziff.1 Abs. 1 StGB wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren
oder Geldstrafe bestraft, wer aufgrund des Gesetzes, eines behördlichen
Auftrages oder eines Rechtsgeschäfts damit betraut ist, Vermögen eines andern
zu verwalten oder eine solche Vermögensverwaltung zu beaufsichtigen, und
dabei unter Verletzung seiner Pflichten bewirkt, oder zulässt, dass der andere am
Vermögen geschädigt wird.
Betreffend die allgemeinen Ausführungen zu diesem Tatbestand kann auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 218 S. 163 ff.).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass folgende vier Voraussetzungen für den
Tatbestand gemäss Art. 158 Ziff.1 Abs. 1 StGB erfüllt sein müssen: Die
Tätereigenschaft als Geschäftsführerin, Verletzung einer mit der
Geschäftsführerstellung zusammenhängenden Pflicht, Verursachung eines
Vermögensschadens und Vorsatz bezogen auf alle Elemente (BGE 120 IV 190 E.
2 b) ). Wie sogleich darzulegen ist, sind alle vier Elemente erfüllt.
2.1.2. Stellung als Geschäftsführerin
Unbestritten ist, dass die Beschuldigte im deliktsrelevanten Zeitraum sowohl bei
der N._ wie bei der H._ als Relationship Managerin im Range eines
Directors bzw. Executive Directors tätig war und bei beiden Banken
Kollektivunterschrift zu zweien hatte (Ordner 4, Urk. 01700046 und Urk.
01700052). Ihr kam die Verantwortung betreffend die Handhabung der
Kundenkonti zu. Ihre selbständige Position manifestierte sich unter anderem
darin, dass sie die Fremdwährungsoptionsgeschäfte selbständig tätigen und die
Vermögensverschiebungen zwischen den Kundenkonten veranlassen konnte.
Aufgrund dieser selbständigen Verfügungsmacht und ihrer Funktion in der Bank
kam ihr die Stellung einer Geschäftsführerin zu. Ausserdem hatte sie für namhafte
Vermögenskomplexe in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe zu sorgen. Dass das
- 78 -
von ihr verwaltete Vermögen die für die Erfüllung des Tatbestandes notwendige
Erheblichkeit aufwies, steht ausser Frage.
2.1.3. Pflichtverletzung
Festzuhalten ist ferner, dass die auf Bankkonten deponierten Guthaben und die
hinterlegten Wertschriften den Banken anvertraut sind (BGer 6B_199/2011
E. 5.3.3.) und dass die Bank und damit auch die Beschuldigte als leitende
Angestellte, eine vertragliche Pflicht traf, das Vermögen im Interessen der Kunden
zu verwahren und zu verwalten.
Die Verteidigung macht geltend, eine Pflichtwidrigkeit seitens der Beschuldigten
sei nur dann gegeben, wenn sie Risiken eingegangen sei, welche den
ausdrücklichen oder konkludent getroffenen Vereinbarungen und Weisungen des
Auftraggebers zuwidergelaufen seien (Urk. 254 S. 42). Bei den Kunden Nr. 10.
12, 14,15, 18, 19 und 21, mit welchen die Beschuldigte über eine "konservative
Optionsstrategie" oder dergleichen gesprochen habe und welche das Formular
"Conditions for Trading in Derivatives and Forward Contracts" unterzeichnet und
damit bestätigt hätten, über die Kenntnisse zu verfügen, um die Risiken von
Optionstransaktionen einzuschätzen und zudem über eine Kreditlinie für
entsprechende Geschäfte verfügt hätten, sei die Beschuldigte kein Risiko
eingegangen, welches den Vereinbarungen oder Weisungen des Auftraggebers
zuwiderlaufe. Daher liege bezüglich dieser Kunden keine Pflichtverletzung vor
(Urk. 254 S. 45). Da vorliegend bezüglich der Kunden Nr. 10, 12, 14, 15 und 19
bereits mangels Sachverhaltserstellung ein Freispruch ergeht, ist auf das
Vorbringen der Verteidigung nur im Zusammenhang mit den Kunden Nr. 18 und
21 einzugehen.
Bezüglich des Kunden Nr. 18 wurde bei der Sachverhaltserstellung dargelegt,
dass die Geschäfte vom Kunden nicht autorisiert waren, wobei abgestellt wurde
auf die Aussagen von I._, welche glaubhaft erklärte, bei den Geldern habe
es sich um Vermögen für das Rentenalter gehandelt, welches konservativ
angelegt sein sollte. I._ hat zwar eingeräumt, dass die Beschuldigte ihnen
Optionsgeschäfte vorgeschlagen habe, jedoch konnte sie ausschliessen, dass ihr
- 79 -
Ehemann der Beschuldigten die Einwilligung zu solchen Geschäften gegeben
habe. Vor dem Hintergrund des erstellten Sachverhalts, gemäss welchem der
Kunde eine konservative Anlagestrategie verfolgen wollte und trotz
entsprechendem Vorschlag der Beschuldigten keine Einwilligung zu
Optionsgeschäften erteilte, bedarf es keiner weiteren Erklärungen dazu, dass das
Handeln der Beschuldigten gegen den Willen des Kunden pflichtwidrig war.
Betreffend den Kunden Nr. 21 wurde bereits bei der Sachverhaltserstellung
erwähnt, dass die Beschuldigte selber aussagte, der Kunde sei nicht explizit zu ihr
gekommen und habe dieses Produkt in Anspruch nehmen wollen, sie habe ihm
dieses vorgeschlagen. Er habe gesagt, dass er von diesen Geschäften nichts
verstehe und diese Positionen nicht verfolgen könne. Sie habe für ihn eine
Abrechnung gemacht wonach er, wenn ein Optionenportfolio im Wert von USD 15
Mio. zusammengestellt werde, auch wenn die Geschäfte schlecht laufen, keinerlei
Verluste erleiden müsse (Ordner 113, Urk. 06100202). Betreffend die Phase vor
dem 6. Juni 2013 wurde erstellt, dass diese Geschäfte nicht vom Kunden
autorisiert waren. Betreffend die Zeit danach wurde zugunsten der Beschuldigten
davon ausgegangen, dass sie die Erklärung des Kunden als Einwilligung zu den
vorgeschlagenen Optionsgeschäften verstehen durfte. Angesichts der Tatsache,
dass er gemäss ihrer eigenen Aussage erklärt hatte, er verstehe nichts von
diesen Geschäften und könne die Positionen nicht verfolgen, handelte es sich um
falsche und irreführende Angaben, wenn sie von einem konservativen Options-
Portfolio sprach und ausführte, die von ihr vorgeschlagene Strategie würde auch
im Falle einer Krise wie 2008-2009 nicht dazu führen, dass der Kunde gezwungen
wäre, einen Verlust zu realisieren und so ein Portfolio würde "nicht traurig
machen". Indem sie den Kunden, welcher ihr mitgeteilt hatte, er kenne sich bei
diesen Geschäften nicht aus, nicht wahrheitsgemäss über die mit
Fremdwährungsoptionen verbundenen Risiken aufklärte, diese vielmehr
verharmloste, hat sie zweifellos ihre Pflichten in grober Weise verletzt.
Bezüglich der Kunden Nr. 3, 6, 20, 24, 25 und 28 macht die Verteidigung geltend,
auch diese Kunden hätten das Formular "Conditions for Trading in Derivates and
Forward Contract" unterzeichnet und eine Kreditlinie für solche Geschäfte gehabt.
- 80 -
Das Risiko sei auch bei diesen Kunden nicht unvertretbar gewesen, da sie
konkludent kundgetan hätten, mit solchen Geschäften einverstanden zu sein.
Gemäss den Allgemeinen Geschäftsbedingen der N._ und der H._
hätten die Geschäfte bei banklagernden Dokumenten einen Monat nach der
Empfangsmöglichkeit der Dokumente als bewilligt gegolten (Urk. 254 S. 45).
Wenn das Zivilrecht bestimme, dass Handlungen genehmigt und damit
rechtmässig seien, könne das Strafrecht sie bei gleicher Tatsachengrundlage
nicht trotzdem zu Unrecht machen (Urk. 254 S. 46). Da alle Transaktionen nach
den Geschäftsbedingungen der Bank bewilligt gewesen seien, habe die
Beschuldigte auch gegenüber diesen Kunden nicht pflichtwidrig gehandelt. Dieser
Argumentation der Verteidigung kann nicht gefolgt werden. In erster Linie ist
darauf hinzuweisen, dass die Beschuldigte betreffend die Kunden Nr. 6, 12, 20,
24 und 25 Unterlagen erstellte, auf welchen die Fremdwährungsoptionsgeschäfte
nicht aufgeführt waren und diese den Kunden entweder bei Besprechungen
vorlegte oder ihnen zustellte. Dass sie solche Unterlagen erstellte, auf welchen
die unautorisiert getätigten Geschäfte nicht enthalten waren, zeigt in optima
forma, dass die Beschuldigte nicht von einer Einwilligung der entsprechenden
Kunden ausging und auch aufgrund von Erklärungen betreffend banklagernde
Post nicht ausgehen durfte. Die Argumentation der Verteidigung verkennt, dass
die Genehmigungsfiktion nur Geschäfte beschlagen kann, mit denen der Kunde
rechnen musste. Dagegen stellt eine solche Banklagernd-Erklärung keinen
Freipass für pflichtwidriges Handeln der Geschäftsführerin dar. Diese Erklärung
kann sich nach Treu und Glauben nur auf pflichtgemässes Handeln beziehen.
Überspitzt formuliert würde die Argumentation der Verteidigung dazu führen, dass
auch eine Abdisposition von Vermögen zwecks ungerechtfertigter Bereicherung
der Beschuldigten oder eines Dritten von der Genehmigungsfiktion erfasst wäre.
Zusammenfassend stellt der Umstand, dass die Beschuldigte als
Portfoliomanagerin ohne Kenntnis der Kunden oder unter falschen Angaben
hochspekulative Fremdwährungsoptionsgeschäfte tätigte, einen Treuebruch und
eine Verletzung der grundlegenden Pflicht dar, die Interessen der Kunden zu
wahren und deren Anweisungen umzusetzen.
- 81 -
2.1.4. Schaden
Bezüglich des Schadens kann vollumfänglich auf die Erwägungen unter II. 3.3.
verwiesen werden. Die Voraussetzung des Schadenseintrittes ist daher erfüllt.
2.1.5. Vorsatz
Schliesslich handelte die Beschuldigte auch vorsätzlich, wobei hinsichtlich des
Eintrittes eines Verlustes bzw. der Verursachung eines Schadens von
Eventualvorsatz auszugehen ist. Die Beschuldigte musste aufgrund ihrer
beruflichen Ausbildung und Stellung in Betracht ziehen, dass die von ihr
getätigten hochspekulativen Geschäfte zu namhaften Verlusten führen können.
Wenn sie geltend macht, sie habe sich vorgestellt, dass keine Verluste eintreten
können, sie den Markt beherrschen könne, ist dies als naives Wunschdenken
ohne Realitätsbezug zu bezeichnen, welches nicht ihren beruflichen Kenntnissen
und Erfahrungen entsprach, und ist nicht geeignet, den Eventualvorsatz der
Beschuldigten in Frage zu stellen. Das Argument der Verteidigung, wonach die
Rechtsprechung beim Tatbestand von Art. 158 StGB strenge Anforderungen an
den Nachweis von Eventualvorsatz stelle, ein solcher nur angenommen werden
dürfe, wenn der Täter ernsthaft mit der Möglichkeit einer Vermögenschädigung
rechne bzw. sich ihm diese als wahrscheinlich aufdrängt und er sich damit auch
abfindet, führt vorliegend nicht zur Verneinung von Eventualvorsatz, da die
Beschuldigte als Bankfachfrau über besondere Kenntnisse betreffend die dem
Instrument der Optionsgeschäfte immanenten Risiken verfügte. Dass die Höhe
der eingetretenen Verluste zusätzlich in Zusammenhang stehen mit der
politischen Entwicklung in der Türkei und im Jahre 2013 und deren Auswirkungen
auf den Kurs der türkischen Lira, spricht nicht gegen die Bejahung von
Eventualvorsatz.
2.2. Gebrauch gefälschter/verfälschter Unterlagen
Der Falschbeurkundung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 Abs. 1 und Abs. 2 StGB
macht sich schuldig, wer in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern
Rechten zu schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen
- 82 -
Vorteil zu verschaffen, eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet
oder beurkunden lässt.
Die Beschuldigte hat Bankauszüge erstellt, auf denen die unautorisierten
Fremdwährungsoptionsgeschäfte nicht enthalten waren und hat diese den
Kunden Nr. 6, 20, 24 und 25 entweder bei Besprechungen gezeigt oder ihnen
diese Konto- bzw. Depotauszüge per Mail, per Fax oder per Post zugestellt. Da
diese Auszüge nicht alle effektiv getätigten Transaktionen enthielten, wurde den
Kunden vorgespiegelt, über grössere Vermögenswerte zu verfügen als tatsächlich
auf ihren Konti noch vorhanden waren. Damit stimmte der Inhalt des
Bankauszuges nicht mit den tatsächlichen Gegebenheiten überein und wurde
eine rechtlich erhebliche Tatsache durch die Beschuldigte unrichtig beurkundet.
Wie die Vorinstanz zutreffend darlegte (Urk. 218 S. 171), ist zu prüfen, ob eine
straflose schriftliche Lüge vorliegt oder eine strafbare Falschbeurkundung.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung erfordert der Tatbestand der
Falschbeurkundung eine qualifizierte schriftliche Lüge. Eine solche liegt nur vor,
wenn der Urkunde eine erhöhte Glaubwürdigkeit zukommt, was dann zutrifft,
wenn allgemeingültige objektive Garantien die Wahrheit der Erklärung gegenüber
Dritten gewährleisten (BGer 6B_199/2011 E. 9.3.). Das Bundesgericht kam in
BGE 120 IV 361 E. 2 c) zum Schluss, einem leitenden Angestellten einer Bank
komme gegenüber den Kunden eine Garantenstellung zu, welche gerechtfertigt
sei durch das besondere Vertrauen, welches den Banken und ihren
geschäftlichen Aktivitäten entgegengebracht werde. Deshalb begehe eine
Falschbeurkundung, wer als leitender Angestellter einer Bank die
garantenähnliche Stellung eines Vermögensverwalters habe und in dieser
Eigenschaft einem Bankkunden brieflich falsche Angaben über den Stand seines
Kontos mache (BGE 120 IV 361). Übertragen auf den vorliegenden Fall bedeutet
dies, dass die Beschuldigte als kollektivzeichnungsberechtigte Angestellte der
Bank und Portfoliomanagerin eine garantenähnliche Stellung innehatte und durch
die Erstellung und Verwendung falscher Bankbelege den objektiven Tatbestand
der Falschbeurkundung erfüllt hat. Wie bereits erwähnt, ändert daran entgegen
der Auffassung der Verteidigung (Urk. 254 S. 50 ff. und S. 57) auch nichts, dass
die den Kunden vorgelegten oder zugestellten Belege keine Unterschrift trugen
- 83 -
oder kein Logo der Bank aufwiesen. Für die Kunden war entscheidend, dass sie
die Unterlagen von ihrer Vertrauensperson vorgelegt bzw. zugestellt erhielten, für
sie bestand kein Zweifel, dass der Aussteller die Bank bzw. die Beschuldigte als
deren leitende Angestellte war.
Die Beschuldigte hat die Fremdwährungsoptionsgeschäfte wissentlich und
willentlich nicht auf den Bankauszügen aufgeführt. Diesbezüglich liegt Vorsatz
vor. In subjektiver Hinsicht erfordert der Tatbestand von Art. 251 StGB zudem
Handeln in Vorteilsabsicht (Schädigungsabsicht scheidet vorliegend aus), wobei
jede angestrebte Besserstellung ausreicht und der Vorteil nicht
vermögensrechtlicher Natur sein muss. Ferner ist erforderlich, dass die
Besserstellung unrechtmässig ist. Die Beschuldigte bezweckte mit ihrem Handeln,
die unautorisierten Fremdwährungsoptionsgeschäfte und die daraus
entstandenen Verluste zu vertuschen, da sie bei deren Offenlegung mit
Sanktionen seitens ihrer Arbeitgeberin, Klagen seitens der geschädigten Kunden
oder Strafanzeigen rechnen musste. Dass die Beschuldigte damit eine
Besserstellung erreichen wollte, auf die sie keinen Anspruch hatte, ist somit
erstellt. Der subjektive Tatbestand ist ebenfalls erfüllt.
2.3. Unautorisierte Vermögenstransfers zwischen Kundenkonten
Die Staatsanwaltschaft und die Vorinstanz haben die unautorisierten
Vermögenstransfers zwischen Kundenkonten gemäss Anklageziffer 1.3. als
mehrfache qualifizierte Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB in
Verbindung mit Art. 138 Ziff. 2 StGB qualifiziert.
Gemäss Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 StGB macht sich der Veruntreuung strafbar, wer
ihm anvertraute Vermögenswerte unrechtmässig in seinem oder eines anderen
Nutzen verwendet.
Die Beschuldigte hat ohne Wissen und Zustimmung der Kunden unbewilligte
Vermögenstransfers zwischen Kundenkonten vorgenommen. Die Vorinstanz hat
zutreffend dargelegt, dass die Vermögenswerte der Kunden der H._ zwecks
Vermögensverwaltung bzw. Vermögensanlage anvertraut wurden. Die Pflicht zur
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vereinbarungsgemässen Verwendung der anvertrauten Mittel, welche die Bank
direkt trifft, ist gestützt auf Art. 29 StGB der Beschuldigten als Mitarbeiterin der
Bank mit selbständigen Entscheidungsbefugnissen in ihrem Tätigkeitsbereich
zuzurechnen (Urk. 218 S. 178). Die Vermögenswerte waren der Beschuldigten
mittelbar anvertraut. Sie hat abredewidrig ohne das Wissen der Kunden und damit
unrechtmässig über die ihr anvertrauten Vermögenswerte verfügt.
Die Verteidigung bestreitet, dass die Gelder unrechtmässig verwendet wurden.
Sie macht geltend, die Beschuldigte habe lediglich Kontokorrente verändert und
habe über das Vermögen der Bank verfügt. Deshalb liege keine unrechtmässige
Verwendung von Kundengeldern vor (Urk. 254 S. 60 f.). Diese Argumentation
berücksichtigt nicht, dass das Vermögen der Kunden durch die Transfers
zwischen den Konten sehr wohl gefährdet wurde. Zwar blieb die Forderung der
betroffenen Kunden gegenüber der Bank dem Grundsatze nach bestehen, sie
wurde jedoch illiquid. Dies folgt aus dem Umstand, dass die Kunden nach
zivilrechtlichen bzw. zivilprozessrechtlichen Grundsätzen den Nachweis zu
erbringen haben, dass die entsprechenden Transaktionen ohne ihr Wissen und
ohne ihren Willen erfolgten und zudem den Nachweis für den Vermögensstand
ohne die unautorisierten Transaktionen zu erbringen haben. Nur soweit dieser
Beweis gelingt, können sie ihre Forderung gegenüber der Bank durchsetzen.
Gemäss Bundesgericht gefährdet die Forderung des Treugebers, wer einen
Vermögenswert unrechtmässig verwendet, denn eine illiquide Forderung hat im
Vergleich zu einer liquiden Forderung weniger Wert. Die Gefährdung der
Verwirklichung des obligatorischen Anspruchs des Treugebers stellt für diesen
einen Vermögensschaden dar (BGer 6B_199/2011 E.5.3.5.1. und 5.3.5.2.). Dass
ein Schaden eingetreten ist, steht somit ausser Frage.
In subjektiver Hinsicht handelte die Beschuldigte vorsätzlich, indem sie die
Vermögensverschiebungen zwischen den Kundenkonten mit Wissen und Willen
sowohl bezüglich der Fremdheit der Vermögenswerte als auch der
Unrechtmässigkeit der Verschiebungen vorgenommen hat. Neben Vorsatz
erfordert der subjektive Tatbestand der Veruntreuung das Handeln mit der Absicht
ungerechtfertigter Bereicherung. Wie die Vorinstanz zutreffend dargelegt hat (Urk.
- 85 -
218 S. 177), ist ungerechtfertigte Bereicherung beim Tatbestand der
Veruntreuung zu bejahen, wenn die Täterin die Vermögenswerte, die sie den
Berechtigten jederzeit zur Verfügung zu halten hat, in ihrem oder eines anderen
Nutzen verwendet, ohne fähig oder gewillt zu sein, sie jederzeit sofort zu ersetzen
(BGE 133 IV 27). Dass die Beschuldigte nicht jederzeit ersatzfähig war, ergibt
sich daraus, dass sie die Vermögensverschiebungen vornahm, um die durch
unautorisierte Transaktionen entstandenen Verluste zu verschleiern oder Margin-
Anforderungen zu erfüllen, wozu sie mit legalen Transaktionen nicht in der Lage
war. Daran ändert auch der Einwand der Verteidigung nichts, wonach die Bank
jederzeit in der Lage gewesen wäre, Korrekturen vorzunehmen, somit
Ersatzbereitschaft vorgelegen habe (Urk. 254 S. 63). Diese Argumentation
blendet aus, dass Ersatzbereitschaft voraussetzt, dass die Bank überhaupt
Kenntnis von den erfolgten unautorisierten Transaktionen erlangt hat, was gerade
nicht der Fall war, da die Beschuldigte handelte, um die Marginanforderungen auf
verschiedenen Kundenkonten zu erfüllen und die eingetretenen Verluste zu
verschleiern.
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist der Angestellte einer Bank, der
für die Verwaltung von Kundengeldern mitverantwortlich ist, ein berufsmässiger
Vermögensverwalter im Sinne von Art. 138 Ziff. 2 StGB (BGE 120 IV 182). Somit
steht ausser Frage, dass die Beschuldigte die ihr zur Last gelegten
Vermögensverschiebungen als berufsmässige Vermögensverwalterin
vorgenommen hat und die Voraussetzungen des qualifizierten Tatbestandes von
Art. 138 Ziff. 2 StGB erfüllt sind.
3. Fazit
Die rechtliche Würdigung durch die Vorinstanz ist in allen Punkten zutreffend. In
Bestätigung des vorinstanzlichen Schuldspruchs ist die Beschuldigte schuldig zu
sprechen:
- der mehrfachen ungetreuen Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158
Ziff. 1 Abs. 1 StGB,
- 86 -
- der mehrfachen Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB,
- der mehrfachen qualifizierten Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 2 StGB in Verbindung mit Art. 138 Ziff. 2 StGB.
IV. Strafzumessung
1. Vorbemerkungen
Bezüglich der Grundlagen für die Strafzumessung kann vollumfänglich auf die
zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 218 S. 182 ff.).
Die Beschuldigte wurde mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom
16. März 2015 wegen Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne
Bewilligung mit einer bedingten Geldstrafe bestraft. Da die heute zu beurteilenden
Delikte alle vor dem erwähnten Strafbefehl begangen wurden, liegt retrospektive
Konkurrenz vor. Wie nachfolgend darzulegen ist, ist für die heute zu beurteilenden
Delikte eine Freiheitsstrafe auszufällen, weshalb mangels Gleichartigkeit der
Sanktionsart mit derjenigen gemäss Strafbefehl keine Gesamtstrafenbildung im
Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB zu erfolgen hat.
Die Beschuldigte ist der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Urkundenfälschung
und der qualifizierten Veruntreuung schuldig zu sprechen. Es liegt Konkurrenz
betreffend dieser Delikte vor. Mit der Vorinstanz (Urk. 218 S. 190) liegt ein enger
zeitlicher und sachlicher Zusammenhang zwischen den einzelnen
Deliktskategorien vor, so dass davon auszugehen ist, dass für die Delikte eine
einheitliche Sanktionsart auszufällen ist. In Anwendung des Asperationsprinzips
ist das Zusammentreffen der mehreren strafbaren Handlungen im Sinne von Art.
49 Abs. 1 StGB straferhöhend zu berücksichtigen. Auszugehen ist bei der
Strafzumessung vom Strafrahmen für das schwerste Delikt (vorliegend
qualifizierte Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2 i.V.m. Ziff. 2 StGB).
Für dieses ist die Einsatzstrafe zu bilden, welche für die weiteren Straftaten durch
Asperation angemessen zu erhöhen ist.
- 87 -
2. Strafzumessung in concreto
2.1. Tatkomponente
2.1.1. Qualifizierte Veruntreuung
2.1.1.1. Strafrahmen
Der Strafrahmen für qualifizierte Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1 Abs. 2
i.V.m. Ziff. 2 StGB erstreckt sich von Geldstrafe bis zehn Jahre Freiheitsstrafe. Es
liegen keine besonderen Umstände vor, welche eine Über- oder Unterschreitung
des Strafrahmens angezeigt erscheinen liessen. Die mehrfache Tatbegehung ist
innerhalb des Strafrahmens straferhöhend zu berücksichtigen,
Strafmilderungsgründe liegen keine vor.
2.1.1.2. Tatschwere
a) objektive Tatschwere
Die Beschuldigte hat in der Zeit von Ende Juni 2013 bis Ende Januar 2014
insgesamt USD 405'399.–, TRY 772'500.– und EUR 173'000.– unautorisiert
zwischen Kundenkonten verschoben. Die Delinquenz erfolgte somit während
eines Zeitraums von über einem halben Jahr und betraf einen erheblichen Betrag.
Durch dieses deliktische Handeln büssten die obligatorischen Ansprüche der
durch die Vermögensverschiebungen belasteten Kunden gegenüber der Bank an
Wert ein, da sie illiquid wurden. Deutlich relativierend ist bezüglich des
Deliktsbetrages festzuhalten, dass der aus den unautorisierten Optionsgeschäften
entstandene und letztlich von der Bank zu tragende Gesamtschaden durch die
Vermögensverschiebungen nicht vergrössert wurde. Dies geschah nur mittelbar
indem durch die Verschiebungen die Margin-Anforderungen für neue
unautorisierte Geschäfte erfüllt wurden, aus welchen in dieser Phase neue
Verluste resultierten. Letztere führen zu einer Erhöhung des Schadens im Sinne
einer Vermögensgefährdung im Rahmen der ungetreuen Geschäftsbesorgung
- 88 -
und dürfen bei der Bewertung der objektiven Tatschwere nicht zweimal
berücksichtigt werden.
b) subjektive Tatschwere
Die Beschuldigte handelte vorsätzlich. Ihr Motiv bestand in der Verschleierung der
unautorisierten Fremdwährungsoptionsgeschäfte und der daraus entstandenen
Verluste und um Margin-Anforderungen für neue ungetreue Geschäfte zu erfüllen,
mit denen sie hoffte, die eingetretenen Verluste wettzumachen. Der Nutzen, den
die Beschuldigte aus den Vermögenstransfers zog, bestand einzig darin, ihr
illegales Verhalten zu vertuschen, was in untechnischem Sinn eine Art
Selbstbegünstigung darstellt und nicht von besonders hoher krimineller Energie
getragen war.
2.1.1.3. Einsatzstrafe
Insgesamt wiegt das Tatverschulden noch leicht und lässt innerhalb des weiten
Strafrahmens eine Einsatzstrafe von 15 Monaten als angemessen erscheinen.
2.1.2. Urkundenfälschung
2.1.2.1. Strafrahmen
Der Strafrahmen für Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff.1 StGB beträgt
Freiheitstrafe bis fünf Jahre oder Geldstrafe. Auch bezüglich dieses Deliktes
liegen keine ausserordentlichen Umstände vor, welche ausnahmsweise zu einer
Erweiterung des Strafrahmens führen würden.
2.1.2.2. Tatschwere
a) objektive Tatschwere
Die Beschuldigte hat in der Zeit vom 12. April 2010 bis 21. Januar 2014 über 50
gefälschte Konto- bzw. Depotaufstellungen erstellt und diese 5 Kunden zugestellt
oder bei Besprechungen gezeigt. Die Fälschung bestand darin, dass die
- 89 -
Beschuldigte die unautorisiert getätigten Fremdwährungsoptionsgeschäfte aus
den Konto- bzw. Depotaufstellungen entfernte. Die Vorgehensweise war simpel
und zeugt nicht von besonderer Raffinesse. Die Beschuldigte hat im Computer
mittels Excel oder Word selber Bankauszüge kreiert, auf denen die
unautorisierten Transaktionen nicht ersichtlich waren. Die mehrfache
Tatbegehung gegenüber verschiedenen Kunden wirkt sich straferhöhend aus.
b) subjektive Tatschwere
In subjektiver Hinsicht handelte die Beschuldigte vorsätzlich. Es ging ihr darum,
die ohne Kenntnis der betreffenden Kunden getätigten
Fremdwährungsoptionsgeschäfte und die eingetretenen Verluste zu vertuschen.
Wie bereits betreffend die Vermögensverschiebungen erwähnt, ging es ihr auch
bei der Falschbeurkundung darum, ihre Delinquenz im Rahmen der ungetreuen
Geschäftsbesorgung verdeckt zu halten und den Eintritt schwerwiegender
beruflicher, prestigemässiger und finanzieller Konsequenzen abzuwenden.
2.1.2.3 Einsatzstrafe/Asperation
Mit der Vorinstanz wiegt das Verschulden betreffend die Falschbeurkundung
leicht (Urk. 218 S. 199 f.).
Die Einsatzstrafe für die qualifizierte Veruntreuung ist durch Asperation für die
Falschbeurkundungen um 4 Monate zu erhöhen.
2.1.3. Ungetreue Geschäftsbesorgung
2.1.3.1. Strafrahmen
Für ungetreue Geschäftsbesorgung im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB
beträgt der Strafrahmen Freiheitsstrafe bis drei Jahre oder Geldstrafe. Es liegen
auch betreffend diese Deliktskategorie keine besonderen Umstände vor, welche
dazu führen würden, dass der ordentliche Strafrahmen verlassen werden müsste.
2.1.3.2. Tatschwere
- 90 -
a) objektive Tatschwere
Die Beschuldigte hat während rund 2,5 Jahren von Ende August 2011 bis Ende
Januar 2014 unautorisierte Fremdwährungsoptionsgeschäfte getätigt, von denen
8 Kunden betroffen waren. Aus den Geschäften resultierten Verluste in
zweistelliger Millionenhöhe. Die Höhe des eingetretenen Gesamtverlustes ist zu
einem Teil auch auf die Veränderungen der politischen Lage in der Türkei (Gezi-
Park-Proteste) im Jahre 2013 und den damit einhergehen Wertverlust der
türkischen Lira zurückzuführen, die grossen Verluste traten denn auch erst ab
Mitte 2013 ein (vgl. Liste betreffend die Verluste pro Kunde im Anhang zur
Anklage). Auch wenn die Beschuldigte mit einem hohen Risiko behaftete
Geschäfte tätigte, ist zu ihren Gunsten zu berücksichtigen, dass die politische
Entwicklung in der Türkei im Jahre 2013 und deren Einfluss auf die Devisenkurse
in diesem Ausmass nicht voraussehbar waren, was die Höhe der eingetretenen
Verluste als Faktor für die Bewertung der Tatschwere etwas relativiert.
Ausserdem ist an dieser Stelle erneut darauf hinzuweisen, dass die per Ende
Januar 2014 ermittelten Verluste nicht mit dem eingetretenen Schaden
gleichzusetzen sind. Dies ändert jedoch nichts daran, dass das Tätigen von
Fremdwährungsoptionsgeschäften ohne Kenntnis der Kunden angesichts des
diesen Geschäften immanenten hohen Verlustrisikos eine schwere
Pflichtverletzung der Beschuldigten darstellt.
b) subjektive Tatschwere
In subjektiver Hinsicht liegt eventualvorsätzliche Tatbegehung vor. Wenn die
Beschuldigte geltend macht, sie habe die Vorstellung gehabt, sie habe den
weltweiten Markt unter Kontrolle und die Kunden würden kein Geld verlieren (Urk.
202 S. 28), so steht diese naive Vorstellung in klarem Widerspruch zu ihren
Erfahrungen und Kenntnissen als Bankfachfrau, und vermag das Verschulden in
keiner Weise zu relativieren. Das Tatmotiv der Beschuldigten bestand in ihrem
Geltungsdrang und dem Bedürfnis, gegenüber den Kunden und der Bank als
erfolgreiche Relationship-Managerin dazustehen. Zu ihren Gunsten ist auf der
anderen Seite auch zu berücksichtigen, dass mehrere Kunden, welche sich von
ihrem Vorgänger O._ übernommen hatte, mit den von diesem getätigten
- 91 -
Geschäften Verluste erlitten hatten und in Aussicht stellten, gegen die Bank
vorzugehen. Wie auch P._ bestätigte (Ordner 115 Urk. 06300035), erwartete
die Bank von der Beschuldigten, die Kunden zu halten und Klagen abzuwenden,
was die Tatschwere etwas relativiert. Der Vorinstanz ist darin zu folgen, dass
auch ein finanzieller Anreiz für die Beschuldigte nicht von der Hand zu weisen ist,
zumal sie leistungsabhängige Bonuszahlungen von der Bank ausbezahlt erhielt
(Urk. 218 S. 197; Ordner 101, Urk. 05333311 ff.). Wenn die Beschuldigte geltend
machen liess, aufgrund der hohen Renditeerwartungen der Kunden habe ein
grosser Druck auf ihr gelastet (Urk. 202 S. 29), muss sie sich entgegenhalten
lassen, dass es gerade zu ihrem Verantwortungsbereich als Relationship-
Managerin gehört hätte, die Kunden dahingehend zu unterrichten, dass solche
Renditen nur mit entsprechend risikoreichen Instrumenten zu erzielen sind. Aus
den Renditeerwartungen der Kunden kann sie hinsichtlich der Tatschwere nichts
zu ihren Gunsten ableiten.
2.1.3.3. Einsatzstrafe/Asperation
Das Tatverschulden wiegt bezüglich der ungetreuen Geschäftsbesorgung
erheblich und führt zu einer Strafe im mittleren Drittel des Strafrahmens. Die
Einsatzstrafe für die qualifizierte Veruntreuung ist unter Berücksichtigung des
Asperationsprinzips um 20 Monate zu erhöhen.
2.1.4. Fazit Tatkomponente
Ausgehend von der Einsatzstrafe für die qualifizierte Veruntreuung von 15
Monaten ist die Strafe um 4 Monate für die Urkundenfälschung und um 20
Monate für die ungetreue Geschäftsbesorgung zu asperieren. Der Tatschwere
angemessen erscheint eine Sanktion von 39 Monaten Freiheitsstrafe.
2.2. Täterkomponente
2.2.1. Vorleben
Die Beschuldigte hat keine Vorstrafen, was sich strafzumessungsneutral auswirkt.
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft See/Oberland, Uster vom 16. März 2015
- 92 -
betreffend Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewilligung
(Urk. 186) erging nach den heute zu beurteilenden Delikten und stellt keine
Vorstrafe dar. Entgegen der Argumentation der Vorinstanz ist die Delinquenz
gemäss Strafbefehl, welche teilweise während hängiger Untersuchung betreffend
die vorliegend zu beurteilenden Delikte begangen wurde, nicht straferhöhend zu
berücksichtigen (Urk. 218 S. 202). Eine Straferhöhung könnte sich nur auf die
Strafe gemäss Strafbefehl beziehen.
2.2.2. Persönliche Verhältnisse
Den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten sind keine
strafzumessungsrelevanten Faktoren zu entnehmen. Insbesondere lebte sie im
Deliktszeitraum und auch heute noch in geordneten familiären und finanziellen
Verhältnissen. Sie ist in Istanbul geboren und aufgewachsen und absolvierte dort
ein Studium der Business Adminstration. Nach dem Studium arbeitete sie auf
Banken in der Türkei, den Niederlanden und in England bis sie schliesslich Ende
2007 in die Schweiz kam und hier ebenfalls als Bankangestellte tätig war. Seit
2015 lebt die Beschuldigte mit ihrem Ehemann und den beiden gemeinsamen 7
und 11 Jahre alten Kindern in Dubai. Ihr Ehemann ist als Broker tätig und erzielt
ein monatliches Nettoeinkommen von Fr. 12'000.– bis Fr. 13'000.– zuzüglich vom
Arbeitgeber bezahlter Krankenkasse für die ganze Familie (Prot. I S. 4). Die
Beschuldigte ist nicht erwerbstätig. Sie sagte aus, sie sei in psychologischer
Behandlung und nehme Psychopharmaka ein (Prot. II S. 16). Sie sei zur Zeit nicht
in der Lage, einer Arbeit nachzugehen. Die Beschuldigte besitzt kein Vermögen
und hat keine Schulden (Prot. II S. 18).
Entgegen dem Vorbringen der Verteidigung liegt keine erhöhte
Strafempfindlichkeit der Beschuldigten als Mutter zweier Kinder vor. Wie die
Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat, kommt eine Strafminderung infolge erhöhter
Strafempfindlichkeit nur bei ausserordentlichen Umständen in Betracht. Solche
liegen bei der Beschuldigten nicht vor. Es kann vollumfänglich auf die
Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 218 S. 204). Insbesondere
wird die Beschuldigte keine langjährige Freiheitsstrafe verbüssen müssen, da ihr -
- 93 -
wie nachfolgend darzulegen ist - der teilbedingte Strafvollzug gewährt werden
kann.
2.2.3. Geständnis und Kooperation
Die Beschuldigte hat die Anklagevorwürfe dem Grundsatze nach anerkannt. Sie
hat sich bereits in den Gesprächen mit der H._ nach Aufdeckung der Delikte
kooperativ gezeigt und mitgewirkt bei der Eruierung der von der Delinquenz
betroffenen Kunden. Einschränkend gilt es jedoch auch festzuhalten, dass sich
die Beschuldigte in 3 der 8 Anklagepunkte betreffend unautorisierte
Fremdwährungsoptionsgeschäfte, in welchen ein Schuldspruch erfolgt, nicht
geständig erklärte und geltend machte, die betreffenden Kunden hätten von den
Fremdwährungsoptionen gewusst (Kunden Nr. 18, 21 und 28). Entsprechend ist
von einem Teilgeständnis auszugehen. Auch betreffend den Vorwurf der
Urkundenfälschung liess sich der Sachverhalt in einem weiteren Umfang erstellen
als die Beschuldigte anerkannte. Das Teilgeständnis der Beschuldigten
rechtfertigt eine Reduktion der Einsatzstrafe von 39 Monaten auf 33 Monate.
3. Sanktion
Die Beschuldigte ist mit einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten zu bestrafen unter
Anrechnung eines Tages erstandener Haft (Urk. 218 S. 206).
V. Vollzug
Da die auszufällende Freiheitsstrafe zwei Jahre übersteigt, fällt die Gewährung
des bedingten Strafvollzuges ausser Betracht (Art. 42 Abs. 1 StGB). Hinsichtlich
der allgemeinen Voraussetzungen für die Gewährung des teilbedingten
Strafvollzuges kann auf die zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 218 S. 206 f.).
Die Beschuldigte war im Zeitpunkt der Delikte nicht vorbestraft. Mit Strafbefehl der
Staatsanwaltschaft See/Oberland, Uster vom 16. März 2015 wurde sie wegen
Beschäftigung von Ausländerinnen und Ausländern ohne Bewilligung mit einer
- 94 -
bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 80.– und einer Busse von
Fr. 900.– bestraft. Diese nicht einschlägige Vorstrafe, welche keinerlei
Zusammenhang mit der heute zu beurteilenden Delinquenz hat, belastet die
Prognosestellung nicht massgeblich. Es ist von einer günstigen Prognose
auszugehen, welche die Gewährung des teilbedingten Strafvollzuges erlaubt. Bei
der Bemessung des vollziehbaren und des aufzuschiebenden Teils der Strafe
innerhalb des gesetzlichen Rahmens gemäss Art. 43 StGB ist dem Verschulden
und der Legalprognose Rechnung zu tragen. Je günstiger die Prognose und je
kleiner die Vorwerfbarkeit der Tat, desto grösser muss der auf Bewährung
ausgesetzte Strafteil sein (BGE 134 IV 15 E. 5.6).
Vorliegend beträgt der maximal aufschiebbare Teil der Strafe 27 Monate, da der
vollziehbare Teil nach den gesetzlichen Vorgaben mindestens 6 Monate betragen
muss (Art. 43 Abs. 3 StGB), und der vollziehbare Teil darf maximal 16,5 Monate
betragen (Art. 43 Abs.2 StGB). Die Beschuldigte lebt in stabilen familiären und
finanziellen Verhältnissen und es kann davon ausgegangen werden, dass sie das
vorliegende Strafverfahren nachhaltig beeindruckt hat. Die Prognose erscheint
günstig. Das Verschulden betreffend die ungetreue Geschäftsbesorgung liegt im
mittleren Bereich, betreffend die qualifizierte Veruntreuung und die
Falschbeurkundung wiegt es leicht. Angesichts der günstigen Prognose und des
leichten bis mittelschweren Verschuldens erscheint ein Aufschub der
Freiheitsstrafe im Umfang von 22 Monaten und ein Vollzug im Umfang von 11
Monaten als angemessen.
VI. Zivilansprüche
1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte gemäss ihrer Anerkennung verpflichtet, den
Privatklägern 2 (Kunde Nr. 3), 9 und 10 (Kunde Nr. 14), 11 (Kunde Nr. 15), 12
(Kunde Nr. 18), 15 (Kunde Nr. 21), 18 (Kunde Nr. 24), 19 (Kunde Nr. 25) und 20
(Kunde Nr. 28) Schadenersatz zu bezahlen, wobei die Schadenersatzbegehren
im allfälligen Mehrbetrag auf den Zivilweg verwiesen wurden (Dispositiv-Ziffer 6).
Es wurde festgestellt, dass die Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin 13
- 95 -
(Kunde Nr. 19) aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach
schadenersatzpflichtig ist, zur genauen Feststellung des Umfangs der
Schadenersatzansprüche wurde die Privatklägerin 13 auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen (Dispositiv-Ziffer 7).
Bezüglich der Kunden Nr. 14, 15, 19 erfolgt im Berufungsverfahren ein
Freispruch, betreffend die Privatkläger 2 (Kunde Nr. 3), 12 (Kunde Nr. 18), 15
(Kunde Nr. 21), 18 (Kunde Nr. 24), 19 (Kunde Nr. 25) und 20 (Kunde Nr. 28) ein
Schuldspruch.
Bezüglich der Kunden Nr. 3 (C._ Ltd.) und Nr. 18 (D._ Ltd.) beantragte
die Beschuldigte im Berufungsverfahren, es sei auf deren Zivilklage nicht
einzutreten, da keine gültige Konstituierung als Privatkläger vorliege. Ferner liess
sie bezüglich Kunden Nr. 3, 14, 15, 18, 19, 21, 24, 25 und 28 Abweisung der
Schadenersatzbegehren beantragen (Urk. 262 S. 29).
2. Nichteintretensantrag betreffend Zivilklage der Kunden Nr. 3 (C._ Ltd.)
und 18 (D._ Ltd)
2.1. Standpunkt der Beschuldigten
Die Beschuldigte machte geltend, die Adhäsionsklage sei von den wirtschaftlich
Berechtigten, nicht von der Kontoinhaberin erhoben worden (Urk. 262 S. 4). Die
wirtschaftlich Berechtigten seien nicht Geschädigte im Sinne von Art. 122 Abs. 1
StPO, da sie nicht unmittelbar in ihren Rechten verletzt worden seien.
2.2. Kunde Nr. 3 (C._ Ltd.)
Betreffend den Kunden Nr. 3 wurde bereits vorstehend (Erwägung I. 5.)
festgehalten, dass Rechtsanwalt X3._, welcher sich mit einer Vollmacht für
die C._ Ltd. auswies (Urk. 195), die Erklärung betreffend Konstituierung als
Privatkläger unterzeichnete, welche sich auf die C._ Ltd. bezog und die
Geltendmachung einer Schadenersatzforderung im Betrage von CAD 5,0 Mio.
beinhaltete (Ordner 126 0900015). Auf die adhäsionsweise geltend gemachte
Schadenersatzklage ist daher einzutreten.
- 96 -
2.3. Kunde Nr. 18 (D._ Ltd.)
Betreffend den Kunden Nr. 18 ist auf die Erwägungen unter I. 5. zu verweisen,
aus denen sich ergibt, dass eine gültige Konstituierung als Privatklägerschaft
vorliegt. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass I._, J._ und K._
je Alleinzeichnungsberechtigung mit Bezug auf die Geschäftsverbindung mit der
H._ hatten (Ordner 1 01300013). Alle drei Personen unterzeichneten im
vorliegenden Verfahren je eine Vollmacht an Rechtsanwalt Z._ (Ordner 1
01300005-7). Rechtsanwalt Z._ leitete denn auch das von J._ und
I._ unterzeichnete Formular betreffend Konstituierung als Privatklägerschaft
an die Staatsanwaltschaft weiter und bestätigte, dass Frau und Herr I._,
J._ sich durch ihn am Verfahren beteiligen und Rechte als Privatklägerschaft
ausüben wollen (Ordner 130 10300011-15). Diese Erklärung von Rechtsanwalt
Z._ zeigt, dass der Rechtsvertreter nicht unterschied zwischen den
wirtschaftlich Berechtigten natürlichen Personen und der Gesellschaft. Zudem war
er auch von K._, der Direktorin der D._ Ltd (Ordner 1 01300011),
mandatiert. In der Hauptverhandlung vor Vorinstanz beantragte Rechtsanwalt
Z._ die Beschuldigte sei zu verpflichten, den Privatklägern 12 (Kunde Nr. 18)
TRY 1'448'300.– zu bezahlen und es sei festzustellen, dass die Beschuldigte
gegenüber den Privatklägern (Kunde Nr. 18) grundsätzlich schadenersatzpflichtig
ist und es sei vorzumerken, dass die spätere Geltendmachung weiterer
Schadenersatzforderungen vorbehalten bleibt. Entgegen der Auffassung der
Verteidigung (Urk. 262 S. 16) ist aus dem Umstand, dass der Rechtsvertreter von
den Privatklägern 12 in der Mehrzahl sprach, nicht abzuleiten, dass die Klage
nicht für die D._ Ltd. geführt wurde. Entsprechend ist davon auszugehen,
dass gültig für die D._ Ltd. ein Schadenersatzbegehren im Betrage von
TRY 1'448'300.– adhäsionsweise geltend gemacht wurde (Ordner 130
10300011), auf welches einzutreten ist.
- 97 -
3. Kunden Nr. 14 (W1._/W2._), 15 (AA._ A.S.) und Nr. 19
(L._ Ltd.)
3.1. Kunden Nr. 14 und 15
Entgegen dem vorinstanzlichen Schuldspruch ergeht im Berufungsverfahren
bezüglich der Kunden Nr. 14 und 15 ein Freispruch. Die Zivilforderungen dieser
Kunden wurden vor Vorinstanz bis zum Betrag der Verluste gemäss
Anklagesachverhalt anerkannt. Da der Sachverhalt im Umfang der
Anerkennungserklärung spruchreif ist, ist über die Zivilforderungen zu
entscheiden (Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO).
3.2. Kunde Nr. 19
Der Kunde Nr. 19 hat eine Schadenersatzforderung im Betrage von
USD 2'628'032.– geltend gemacht (Ordner 138 11100012). Die Vorinstanz hat die
Beschuldigte bezüglich Kunde Nr. 19 (L._) schuldig gesprochen und
festgestellt, dass die Beschuldigte gegenüber diesem Kunden aus den
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist, zur
genauen Feststellung des Umfangs der Schadenersatzansprüche wurde der
Kunde Nr. 19 auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
Die Beschuldigte liess geltend machen, die Adhäsionsklage sei abzuweisen, da in
der falschen Währung geklagt worden sei (Urk. 262 S. 10).
Betreffend den Kunden Nr. 19 ergeht im Berufungsverfahren ein Freispruch.
Dieser erfolgt, da der Sachverhalt dem Grundsatz in dubio pro reo folgend nicht
erstellt werden kann. Der Sachverhalt erweist sich unter zivilrechtlichem Aspekt
als nicht spruchreif, weshalb die Zivilklage gestützt auf Art. 126 Abs. 1 lit. d StPO
auf den Zivilweg zu verweisen ist.
4. Kunden Nr. 3 (C._ Ltd.), 14 (W1._/W2._), 15 AA._ A.S,),
18 (D._ Ltd.), 19 (L._ Ltd.), 21 (17233 Cube), 24 (AE._), 25
(AF._) und 28 (AG._)
- 98 -
4.1. Vorbemerkung Kunde Nr. 28
Die Beschuldigte liess geltend machen, der Kunde Nr. 28 habe Klage gegen die
Bank erhoben, weshalb die Adhäsionsklage mangels Passivlegitimation
abzuweisen sei (Urk. 262 S. 4 und S. 13 f.). Diesem Einwand der Verteidigung
kann nicht gefolgt werden. AG._ war am 26. Mai 2015 persönlich bei der
Staatsanwaltschaft erschienen, um Strafanzeige gegen die Beschuldigte und die
H._ zu erstatten und hat gleichentags in Sachen gegen A._ das
Formular betreffend Geltendmachung von Rechten als Privatklägerschaft
unterzeichnet, worin er Schadenersatz in der Höhe von TRY 630'150.– geltend
machte (Ordner 1 01400001). Der angebrachte Vermerk "Korrektur der TRY
durch die Bank" ist nicht als Klage gegen die Bank zu verstehen, zumal das
Formular betreffend Geltendmachung von Rechten als Privatklägerschaft sich
eindeutig auf die Beschuldigte bezieht.
4.2. Anerkennungserklärung
4.2.1. Allgemeines
Die Verteidigung der Beschuldigten hat vor Vorinstanz betreffend die
Schadenersatzforderungen ausgeführt, die Beschuldigte anerkenne in jenen
Fällen, in denen sie geständig sei, die Zivilforderungen der Kunden in der Höhe
der von Revisor G._ berechneten Verluste. Dies seien alle Fälle ausser die
drei eingangs erwähnten Fälle. Soweit die Kunden höhere Forderungen geltend
machen, würden diese in entsprechendem Mehrbetrag bestritten (Urk. 202 S. 34).
Betreffend welche Kunden von einer Anerkennung des Sachverhalts auszugehen
ist, ergibt sich aus den Plädoyernotizen klar (vgl. Zusammenstellung der drei
Kunden bezüglich welcher ein Freispruch beantragt wird und jener Fälle, in denen
der Sachverhalt anerkannt wird in Urk. 202 S. 2). Mit dieser Erklärung der
Verteidigung wurden unmissverständlich die Schadenersatzforderungen der
Kunden Nr. 3, 6, 12, 14, 15, 18, 20, 21, 24, 25 und 28 bis zum Betrage der vom
Revisor G._ ermittelten Verluste anerkannt. Es handelt sich um eine durch
den Verteidiger namens und mit Vollmacht der Beschuldigten abgegebene
Anerkennungserklärung, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lässt.
- 99 -
Entgegen der Auffassung der Verteidigung im Berufungsverfahren wurde nicht die
Klage der betreffenden Kunden anerkannt, vielmehr die
Schadenersatzforderungen (soweit solche geltend gemacht wurden) und auch
das nur bis zum Maximalbetrag der in der Anklage aufgeführten Beträge.
Entsprechend wurden die betreffenden Privatkläger im allfälligen Mehrbetrag mit
ihrem Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg verwiesen und konnte keine
Abschreibung durch einen Erledigungsbeschluss erfolgen wie die Verteidigung im
Berufungsverfahren vorbringt (Urk. 262 S. 22). Angesichts der Klarheit der
Anerkennungserklärung des Verteidigers vor Vorinstanz bleibt kein Raum für eine
Auslegung der Willenserklärung, wie sie von der Verteidigung im
Berufungsverfahren vorgebracht wird (Urk. 262 S. 20 ff.).
Ferner liess die Beschuldigte im Berufungsverfahren geltend machen, der
Verteidiger im erstinstanzlichen Verfahren habe sich bei Abgabe der
Anerkennungserklärung in einem Erklärungs- und Sachverhaltsirrtum befunden
(Urk. 262 S. 25). Er habe vor Vorinstanz betreffend den Kunden Nr. 18 eine nicht
bestehende Forderung gegenüber dem Gericht anerkannt, weil er sich im Irrtum
befunden habe, die Beschuldigte würde dem Kunden Nr. 18 den anerkannten
Betrag schulden (Urk. 262 S. 26). Ausserdem habe er sich in einem
Erklärungsirrtum befunden, denn er habe der Klientin durch seine Erklärung
keinen Schaden zufügen wollen. Der Irrtum wird damit begründet, dass in
diversen nach dem vorinstanzlichen Urteil ergangenen Zivilurteilen die Klagen von
Kunden gegen die H._ durch das Handelsgericht und das Bundesgericht mit
der Begründung abgewiesen worden seien, mit dem Verlust sei noch kein
Schaden dieser Kunden bewiesen. Ferner sei die Bank mit der Einrede
durchgedrungen, alle strittigen Transaktionen seien von den Kunden genehmigt
worden (Urk. 262 S. 27). Die Argumentation der Verteidigung vermag nicht zu
überzeugen. Zwar ist ohne weiteres davon auszugehen, dass der Verteidiger im
erstinstanzlichen Verfahren der Beschuldigten nicht schaden wollte. Indessen lag
auch die von ihm gewählte Strategie, das Geständnis der Beschuldigen, ihre
Kooperation und Reue zu betonen und diese durch Anerkennung der
Schadenersatzforderungen in Höhe der in der Anklage aufgeführten Verluste zu
unterstreichen, durchaus im Interesse der Beschuldigten und wirkte sich bei der
- 100 -
Strafzumessung erheblich zu ihren Gunsten aus. Dass in den später ergangenen
Urteilen in den Zivilverfahren gegen die Bank Klageabweisungen infolge
mangelnder Substanzierung des Schadens erfolgten, vermag keinen
Willensmangel bezüglich der Anerkennungserklärung zu begründen. Die
Beschuldigte war anwaltlich vertreten, ihrem rechtskundigen Vertreter musste die
Problematik der Schadensberechnung bei den Gegenstand der Anklage
bildenden Geschäften bekannt sein. Die Anerkennungserklärung ist als Teil seiner
Verteidigungsstrategie zu sehen.
Da eine gültige Anerkennungserklärung vorliegt, bedarf es keiner weiteren
Prüfung, ob und inwieweit die geltend gemachten Schadenersatzforderungen von
den Kunden hinreichend begründet wurden. Entgegen der von der Verteidigung
im Berufungsverfahren vertretenen Auffassung ist auch nicht mehr zu prüfen, ob
die Kunden ihre Schadenersatzforderungen in der richtigen Währung
adhäsionsweise geltend machten. Anerkannt wurden seitens der Beschuldigten
jene Beträge in jenen Währungen, welche in der Anklageschrift aufgeführt
wurden. Genau diese Beträge und Währungen hat die Vorinstanz den einzelnen
Kunden gestützt auf die Anerkennung zugesprochen. Vollkommen korrekt hat sie
jenen Kunden, welche keine Schadenersatzforderungen geltend machten
(Kunden Nr. 6 und 12), auch nichts zugesprochen.
Zu prüfen bleibt nachfolgend, ob die Vorinstanz den einzelnen Kunden mehr
zugesprochen hat, als diese gefordert haben. Ferner ist auf das Vorbringen der
Verteidigung einzugehen, wonach einzelne Kunden gar kein gültiges
Schadenersatzbegehren gestellt hätten.
4.2.2. Einzelne Adhäsionsklagen
4.2.2.1. Kunde Nr. 3
Bezüglich dieses Kunden macht die Verteidigung geltend, Rechtsanwalt
X3._ habe das Formular Geltendmachung von Rechten als Privatkläger
ausdrücklich für L'._ Ince unterzeichnet, welcher nicht Inhaber des fraglichen
Kontos gewesen sei und somit nicht aktivlegitimiert (Urk. 262 S. 6 f.). Damit beruft
- 101 -
sich die Beschuldigte darauf, es sei gar nicht gültig eine Schadenersatzforderung
geltend gemacht worden, welche Gegenstand einer Anerkennung sein könnte.
Der Argumentation der Verteidigung ist nicht zu folgen. Es kann zur Begründung
im Wesentlichen auf die Ausführungen betreffend Konstituierung als
Privatklägerschaft verwiesen werden. Festzuhalten ist nochmals
zusammengefasst, dass Rechtsanwalt X3._ über eine Vollmacht der
C._ Ltd. verfügte (Urk. 195). Das Formular betreffend die Geltendmachung
von Rechten als Privatkläger betrifft die Sache C._ Ltd. gegen die
Beschuldigte (Ordner 126 09900011) und wurde von Rechtsanwalt X3._
unterschrieben. Auch wenn neben der Unterschrift des Rechtsvertreters der
Hinweis steht für " L'._ Ince", bei welchem es sich um den wirtschaftlich
Berechtigten betreffend das fragliche Konto handelt, ändert dies nichts daran,
dass Rechtsanwalt X3._ über eine gültige Vollmacht des Kunden Nr. 3
(C._ Ltd.) verfügte, die gesamte Korrespondenz zwischen der
Staatsanwaltschaft und dem Rechtsvertreter sich auf die Gesellschaft bezog und
der Rechtsvertreter, wusste, dass es sich bei L'._ Ince um die wirtschaftlich
berechtigte Person handelte. Da somit rechtsgültig eine Schadenersatzforderung
für die C._ Ltd. geltend gemacht wurde, beruft sich die Verteidigung zu
Unrecht auf fehlende Aktivlegitimation (Urk. 262 S. 7).
Der Kunde Nr. 3 verlangte die Zusprechung von CAD 5 Mio. (Ordner 126
Urk. 09900014), die Vorinstanz hat ihm TRY 10'574'200.– zugesprochen, was
weit weniger entspricht als die verlangten CAD 5 Mio. (bei einem
Umrechnungskurs von 1 TRY = 0,23 CAD entspricht dies 2'432'066.– CAD).
Bezüglich dieses Kunden hat die Vorinstanz die Dispositionsmaxime nicht
verletzt.
4.2.2.2. Kunden Nr. 14 und 15
Entgegen dem vorinstanzlichen Schuldspruch ergeht im Berufungsverfahren
bezüglich der Kunden Nr. 14 und 15 ein Freispruch. Die Zivilforderungen dieser
Kunden wurden vor Vorinstanz bis zum Betrag der Verluste gemäss
Anklagesachverhalt anerkannt. Da der Sachverhalt im Umfang der
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Anerkennungserklärung spruchreif ist, ist über die Zivilforderungen zu
entscheiden (Art. 126 Abs. 1 lit. b StPO).
Die Kunden Nr. 14 und 15 haben ein Schadenersatzbegehren im Betrage von
USD 389'614.– gestellt (Ordner 139 11200012). Die Vorinstanz hat dem Kunden
Nr. 14 TRY 198'900.– und CAD 8'900.– zugesprochen, was (bei einem
Umrechnungskurs von 1 TRY = 0,17 USD und 1 CAD = 4,30 TRY) insgesamt
rund USD 40'380.– entspricht und dem Kunden Nr. 15 TRY 709'001.78, was
USD 120'530.– entspricht. Damit hat die Vorinstanz auch bezüglich dieser
Kunden klar die Dispositionsmaxime beachtet.
4.2.2.3. Kunde Nr. 18
Dem Kunden Nr. 18 hat die Vorinstanz TRY 1'448'300.– zugesprochen. Dieser
Kunde hat Schadenersatz im Betrage von TRY 1'448'300.– verlangt, was auch
dem errechneten Verlust gemäss Anklage entspricht (Urk. 200). Auch in diesem
Punkt wurde die Dispositionsmaxime nicht verletzt.
4.2.2.4. Kunde Nr. 21
Der Kunde Nr. 21 beantragte die Zusprechung von Schadenersatz in der Höhe
von USD 2'365'324.– (Ordner 1 01600004). Zugesprochen wurden ihm
TRY 5'521'500.–, was USD 938'655.– entspricht. Es ist keine Verletzung der
Dispositionsmaxime erkennbar.
4.2.2.5. Kunde Nr. 24
Der Kunde Nr. 24 hat Schadenersatz im Betrage von ca. CHF 7 Mio. verlangt
(Ordner 125 09800014). Zugesprochen wurden ihm von der Vorinstanz
TRY 5'841'775.79 und USD 1'495'601.70, was den errechneten Verlusten
gemäss Anklage entspricht und den geforderten Betrag von CHF 7 Mio. nicht
übersteigt.
4.2.2.6. Kunde Nr. 25
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Kunde Nr. 25 verlangte die Zusprechung von Schadenersatz im Betrage von
CHF 2,6 Mio. (Ordner 136 10900015), zugesprochen wurden ihm
TRY 4'099'650.– - entsprechend dem Anklagevorhalt, was bei Weitem den
eingeklagten Betrag in CHF nicht erreicht.
4.2.2.7. Kunde Nr. 28
Schliesslich wurde dem Kunden Nr. 28 der Betrag von TRY 616'550.–
zugesprochen, verlangt hatte er TRY 630'150.– (Ordner 1 01400007). Auch in
diesem Punkt ist keine Verletzung der Dispositionsmaxime auszumachen.
4.3. Die Anerkennung übersteigender Mehrbetrag der Zivilforderungen
Soweit die Kunden Nr. 3, 14, 15, 18, 21, 24, 25 und 28 über den von der
Beschuldigten anerkannten Betrag hinaus Schadenersatzforderungen geltend
machten, sind sie auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen, da die
vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs aufgrund der mehrfach erwähnten
Problematik der Schadensermittlung unverhältnismässig aufwändig wäre (Art. 126
Abs. 3 StPO).
5. Fazit
Die Schadenersatzforderung der Privatklägerin 13 (Kunde Nr. 19) ist auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen. In Bestätigung von Dispositiv-Ziffer 6 des vorin-
stanzlichen Urteils ist die Beschuldigte zu verpflichten, den folgenden
Privatklägern Schadenersatz in nachfolgender Höhe zu bezahlen:
- Privatkläger 2 (Kunde 3), TRY 10'574'200.–;
- Privatkläger 9 und 10 (Kunde Nr. 14), TRY 198'900.– und CAD 8'900.–;
- Privatkläger 11 (Kunde Nr. 15), TRY 709'001.78;
- Privatkläger 12 (Kunde Nr. 18), TRY 1'448'300.–;
- Privatkläger 15 (Kunde Nr. 21), TRY5'521'500.–;
- Privatkläger 18 (Kunde Nr. 24), TRY 5'841'775.79 und USD 1'495'601.70;
- Privatkläger 19 (Kunde Nr. 25), TRY 4'099'650.–;
- Privatkläger 20 (Kunde Nr. 28), TRY 616'550.–.
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Im allfälligen Mehrbetrag sind die Schadenersatzbegehren auf den Zivilweg zu
verweisen.
VII. Sicherheitsleistung
Die Beschuldigte wurde mit Verfügung des Zwangsmassnahmengerichts am
Bezirksgericht Zürich vom 8. Juli 2015 verpflichtet, eine Sicherheit in der Höhe
von Fr. 70'000.– als Ersatzmassnahme für Haft zu leisten, und es wurde davon
Vormerk genommen, dass der Ehemann der Beschuldigten diese Sicherheit
bereits überwiesen hat (Ordner 116, Urk. 07000047).
Gemäss Beschluss der Vorinstanz vom 23. August 2017 bleibt die vom Ehemann
der Beschuldigten geleistete Sicherheit in der Höhe von Fr. 70'000.– bis zum
Vollzug des unbedingt ausgefällten Teils der Freiheitsstrafe bei der Kasse des
AI._ unter Beschlag und verfällt diese Sicherheitsleistung dem Kanton
Zürich, sofern sich die Beschuldigte dem Vollzug der Freiheitstrafe entzieht
(Urk. 207).
Gemäss Art. 239 Abs. 3 StPO und Art. 240 Abs. 3 StPO entscheidet über die
Freigabe oder den Verfall der Sicherheitsleistung die Behörde, bei der die Sache
hängig ist oder zuletzt hängig war. Demzufolge ist im vorliegenden
Berufungsverfahren über die Sicherheitsleistung im Betrag von Fr. 70'000.– zu
befinden. Da sie vorliegend dazu dient, den Antritt des Vollzuges sicherzustellen,
ist sie gestützt auf Art. 239 Abs. 1 lit. c StPO freizugeben, wenn die Beschuldigte
den vollziehbaren Teil der Freiheitsstrafe angetreten hat. Dagegen verfällt sie
dem Kanton Zürich, wenn sich die Beschuldigte dem Vollzug der Freiheitsstrafe
entzieht (Art. 240 Abs. 1 StPO).
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kostenfolgen
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1.1. Berufungsverfahren
Die Beschuldigte dringt im Berufungsverfahren mit ihrem Antrag auf Freispruch
bezüglich der Anklagepunkte 1.2.B.1., 1.2.B.4., 1.2.B.5., 1.2.B.6., 1.2.B.7. und
1.2.B.9. durch. In allen übrigen Punkten unterliegt sie. Bereits vor Vorinstanz
wurde sie betreffend den Anklagepunkt 1.2.B.1. freigesprochen. Auf diesen
Anklagepunkt bezog sich die Berufung des Kunden Nr. 1, welcher einen
Schuldspruch beantragen und die Berufung noch vor erfolgter Vorladung zur
Berufungsverhandlung zurückziehen liess. Die Staatsanwaltschaft beantragte im
Berufungsverfahren eine Erhöhung der Strafe auf 42 Monate und unterliegt mit
ihrem Antrag.
Ausgangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens der Beschuldigten zu
zwei Dritteln aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).
Der Kunde Nr. 1 hat seine Berufung erst zurückgezogen, nachdem das
Berufungsverfahren schon über 10 Monate pendent war und sich das
Berufungsgericht bereits mit der Bearbeitung des Falles befasst hat. Die Prüfung
der Erstellung des Anklagesachverhaltes betreffend den Kunden Nr. 1 stellte sich
aufwändig dar, was sich bereits aus der vorinstanzlichen Urteilsbegründung
ergibt, welche sich über 20 Seiten allein mit diesem Anklagesachverhalt befasst
(Urk. 218 S. 35-56). Angesichts des im Vergleich zum gesamten Aufwand für das
Berufungsverfahren infolge Berufungsrückzuges vor der Berufungsverhandlung
relativ geringfügigen auf den Kunden Nr. 1 entfallenden Anteils, erscheint es
gerechtfertigt, von einer teilweisen Kostenauflage an den Privatkläger 1 (Kunden
Nr. 1) abzusehen.
Der über die Kostenauflage an die Beschuldigte verbleibende Drittel der Kosten
des Berufungsverfahrens ist auf die Gerichtskasse zu nehmen.
Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 15'000.– festzulegen
(§ 16 Abs. 1 GebVO i.V.m. §§ 2 Abs. 1 und 14 Abs. 1 lit. b GebVO).
1.2. Vorverfahren und erstinstanzliches Gerichtsverfahren
- 106 -
Die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens sind
der Beschuldigten ausgangsgemäss zu zwei Dritteln aufzuerlegen und zu einem
Drittel auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 Abs. 1 StPO).
2. Entschädigungsfolgen
2.1. Vorverfahren und erstinstanzliches Gerichtsverfahren
Für die Kosten der anwaltlichen Vertretung im Vorverfahren und im
erstinstanzlichen Gerichtsverfahren ist der Beschuldigten eine reduzierte
Prozessentschädigung aus der Gerichtskasse zuzusprechen (Art. 429 Abs. 1 lit. a
StPO). Die Beschuldigte hat vor Vorinstanz keinen entsprechenden Antrag
gestellt und keine Honorarnote eingereicht, im Berufungsverfahren reichte sie
Honorarnoten von Rechtsanwalt Z._ für die Vertretung im Vorverfahren und
im erstinstanzlichen Verfahren im Gesamtbetrag von Fr. 119'687.80 ein (Urk.
257). Bis auf die letzte Rechnung vom 2. Oktober 2017 (Urk. 257/1), in welcher
der Zeitaufwand aufgeführt ist, enthalten die weiteren eingereichten Rechnungen
keine Aufstellung des Zeitaufwandes, es wird darin lediglich die Art der erbrachten
Leistung spezifiziert.
Die Rechnungen für die Zeit des Vorverfahrens (Urk. 257/6-16) belaufen sich auf
einen Gesamtbetrag von Fr. 69'212.50. Für das Vorverfahren bemisst sich die
Entschädigung für die anwaltlichen Bemühungen gemäss § 16 Abs. 1 AnwGebVO
nach dem notwendigen Stundenaufwand, und es geltend die Ansätze gemäss § 3
AnwGebVO. Ausgehend vom höchsten Stundenansatz von Fr. 350.– gemäss § 3
Abs. 1 AnwGebVO würde der in Rechnung gestellte Betrag von Fr. 69'212.50
einem Zeitaufwand von rund 197 Stunden entsprechen. Ein solcher Zeitaufwand
erscheint der langen Dauer der Untersuchung, der Komplexität der Materie und
der Bedeutung des Falles für das Leben der Beschuldigten durchaus
angemessen. Es ist für Bemessung der Entschädigung daher auf den in
Rechnung gestellten Betrag abzustellen.
- 107 -
Für die Vertretung im erstinstanzlichen Hauptverfahren stellte Rechtsanwalt
Z._ der Beschuldigten einen Aufwand von Fr. 50'475.– in Rechnung
(Urk. 257/1-5). Gemäss § 17 AnwGebVO beträgt die Grundgebühr für die
Führung eines Strafprozesses einschliesslich Vorbereitung des Parteivortrags und
Teilnahme an der Hauptverhandlung vor Kollegialgericht in der Regel Fr. 1'000.–
bis Fr. 28'000.–. Zu dieser Grundgebühr werden für zusätzliche Verhandlungen
und notwendige weitere Rechtsschriften Zuschläge berechnet (§ 17 Abs. 2
AnwGebVO). Bei offensichtlichem Missverhältnis zwischen dem notwendigen
Zeitaufwand der Vertretung und der aufgrund der Verordnung berechneten
Gebühr wird diese entsprechend erhöht oder herabgesetzt (§ 2 Abs. 2 und 3
AnwGebVO). Vorliegend trägt selbst die höchste Grundgebühr für einen
Kollegialstraffall von Fr. 28'000.– der Komplexität des Falles, dem
ausserordentlichen Umfang und dem entsprechend hohen zeitlichen Aufwand
nicht angemessen Rechnung. Der von Rechtsanwalt Z._ in Rechnung
gestellte Betrag von Fr. 50'475.– berücksichtigt diese Elemente in angemessener
Weise.
Für die Vertretung im Vorverfahren und im erstinstanzlichen Gerichtsverfahren
beträgt die volle Entschädigung somit Fr. 119'687.80. Entsprechend ist der
Beschuldigten für die Kosten der Verteidigung im Vorverfahren und im
erstinstanzlichen Gerichtsverfahren eine auf einen Drittel reduzierte
Entschädigung von (gerundet) Fr. 40'000.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
2.2. Berufungsverfahren
Im Berufungsverfahren mandatierte die Beschuldigte eine neue Rechtsvertretung.
Sie liess sich durch zwei Rechtsanwälte vertreten. Rechtsanwalt X1._ stellte
für seine Bemühungen im Zusammenhang mit den strafrechtliche Aspekten des
Berufungsverfahrens Fr. 56'424.70 in Rechnung (Urk. 258), Rechtsanwalt
X2._ für seine Bemühungen betreffend die zivilrechtlichen Aspekte
Fr. 85'037.30 (inkl. Fr. 12'937.30 betreffend Übersetzungskosten für das Plädoyer
im Berufungsverfahren).
- 108 -
Vorweg ist festzuhalten, dass es der Beschuldigten selbstverständlich freisteht,
für das Berufungsverfahren einen Verteidigerwechsel vorzunehmen. Der durch
die Einarbeitung des neuen Rechtsvertreters in die umfangreichen Akten
entstehende Mehraufwand, kann jedoch im Rahmen der Bemessung der aus der
Staatskasse zu leistenden Entschädigung nicht berücksichtigt werden, zumal
auch nicht dargetan wurde, dass ein Verteidigerwechsel unter dem Aspekt einer
angemessenen Ausübung der Verfahrensrechte notwendig war (Art. 429 Abs. 1
lit. a StPO). Unter diesem Aspekt ebenfalls nicht notwendig war die Übersetzung
der Plädoyernotizen der Verteidigung im Berufungsverfahren im Betrage von
Fr. 12'937.30, welche von der Beschuldigten zu tragen sind. Ferner ist darauf
hinzuweisen, dass sich die Gebühr im Berufungsverfahren gemäss § 18 Abs. 1
AnwGebVO grundsätzlich nach den für die Vorinstanz geltenden Regeln bemisst,
wobei zu berücksichtigen ist, ob das Urteil vollumfänglich oder nur teilweise
angefochten wurde.
Eine Gegenüberstellung der für das erstinstanzliche Verfahren in Rechnung
gestellten Fr. 50'475.– mit den (unter Ausklammerung der Übersetzungskosten im
Betrage von Fr. 12'937.30) für das Berufungsverfahren in Rechnung gestellten
Fr. 128'524.70 zeigt ein Missverhältnis selbst unter Berücksichtigung des
Umstandes, dass das vorinstanzliche Urteil praktisch vollständig angefochten
wurde. Dieses lässt sich teilweise durch den Mehraufwand für die Einarbeitung
des neuen Rechtsvertreters in die Akten erklären. Wie bereits erwähnt, ist dieser
Mehraufwand jedoch nicht aus der Staatskasse zu entschädigen. Zu einem
weiteren Teil dürfte Mehraufwand durch den Beizug von zwei Rechtsvertretern für
das Berufungsverfahren entstanden sein. Es liegt auf der Hand, dass auch
Rechtsanwalt X2._ welcher sich im Berufungsverfahren mit den
Zivilansprüchen befasste, sich in die Akten bezüglich des strafrechtlichen
Aspektes einlesen musste. Auch der durch eine Doppelvertretung bedingte
Mehraufwand ist nicht durch den Staat zu vergüten. Insgesamt erscheint es
angemessen, für das Berufungsverfahren eine Gebühr von Fr. 50'000.–
festzulegen, was der gleichen Grössenordnung wie im erstinstanzlichen
Verfahren entspricht und dem Umstand Rechnung trägt, dass eine neue
Verteidigungsstrategie eingeschlagen wurde. Der Beschuldigten ist somit für die
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Kosten der Verteidigung im Berufungsverfahren eine reduzierte Entschädigung
von (gerundet) Fr. 17'000.– aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
4. Reisekosten und Aufwendungen für Teilnahme an Gerichtsverhandlungen
und Instruktionsgesprächen mit der Verteidigung
Die Beschuldigte liess die Zusprechung einer Entschädigung für Reiskosten,
Aufwendungen für Teilnahme an Gerichtsverhandlungen und
Instruktionsgespräche mit der Verteidigung beantragen (Urk. 254 S. 73).
Angesichts der Tatsache, dass nur ein Teilfreispruch erfolgt, sind die
entsprechenden Aufwendungen nicht zu entschädigen, da sie ohnehin angefallen
wären.