# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bcb117af-0246-48de-b5a1-ca80fe4b6d08
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. Das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen hat für einen Verbund von 13
Nutzerkantonen gestützt auf einen Beschluss der Regierung des Kantons St. Gallen
vom 6. Juni 2017 den Zuschlag für die Beschaffung von IT-Dienstleistungen sowie
einer "Software as a Service"-Lösung für die elektronische Prüfung und Abwicklung
von Kostengutsprachen und von Spitalrechnungen (ELPAS) mit Verfügung vom 6. Juli
2017 an die Stammgemeinschaften Schweiz AG erteilt. Das Verwaltungsgericht hat am
26. Oktober 2017 die gegen diesen Zuschlag von der Glaux Soft AG, deren Angebot
nicht berücksichtigt worden war, erhobene Beschwerde gutgeheissen und ihr den
Zuschlag erteilt. Der Entscheid wurde unangefochten rechtskräftig (B 2017/154,
www.gerichte.sg.ch).
B. Die Verhandlungsdelegation ELPAS stellte am 27. Juni 2018 das Scheitern der im
März 2018 im Hinblick auf den Abschluss des Vertrags mit der Glaux Soft AG
aufgenommenen Verhandlungen fest. Die Glaux Soft AG vertrat in der Folge gegenüber
der Vergabestelle die Auffassung, unter diesen Umständen sei der Zuschlag zu
widerrufen und/oder das Vergabeverfahren abzubrechen. Der Rechtsdienst des
Gesundheitsdepartements des Kantons St. Gallen teilte ihr am 5. Dezember 2018 mit,
die Vergabebehörde könne stets auf die Beschaffung verzichten und der
Zuschlagsempfänger erhalte mit dem Zuschlag keinen Anspruch auf den Abschluss
eines Vertrags. Mit dem vollständigen Verzicht auf die Beschaffung werde der
Zuschlagsempfänger in seiner vergaberechtlichen Rechtsstellung nicht betroffen.
Mangels Betroffenheit im Rechtssinne habe die Glaux Soft AG keinen Anspruch auf
Erlass einer Widerrufsverfügung. Ein Abbruch des mit dem rechtskräftigen Zuschlag
abgeschlossenen Vergabeverfahrens sei nicht möglich.
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C. Die Glaux Soft AG (Beschwerdeführerin) erhob mit Eingabe ihrer Rechtsvertreterin
vom 17. Januar 2019 Rechtsverweigerungsbeschwerde beim Verwaltungsgericht mit
dem Rechtsbegehren, das Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen
(Beschwerdegegner) sei unter Kosten- und Entschädigungsfolge anzuweisen, eine
Verfügung betreffend Widerruf des ihr mit Entscheid des Verwaltungsgerichts vom
26. Oktober 2017 erteilten Zuschlags sowie betreffend Abbruch des Vergabeverfahrens
ELPAS zu erlassen.
Die Beschwerdegegner beantragte mit Vernehmlassung vom 13. März 2019, die
Beschwerde sei abzuweisen, eventualiter darauf infolge Versäumnis der
Rechtsmittelfrist nicht einzutreten. Die Beschwerdeführerin nahm dazu am 5. April 2019
Stellung. Die Beschwerdegegner äusserte sich am 30. April 2019 dazu. Die
Beschwerdeführerin antwortete mit Eingabe vom 8. Mai 2019.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Die Beschwerdeführerin erhebt eine Rechtsverweigerungsbeschwerde gegen das
Gesundheitsdepartement des Kantons St. Gallen. Das Verwaltungsgericht, das gemäss
Art. 89 Abs. 1 Ingress und lit. c des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS
951.1, VRP) über Rechtsverweigerungsbeschwerden gegen Departemente entscheidet,
ist zur Behandlung der Angelegenheit zuständig. Die Beschwerdeführerin, deren
Begehren um Widerruf des ihr vom Verwaltungsgericht am 26. Oktober 2017 erteilten
Zuschlags und/oder um Abbruch des dem Zuschlag zugrundeliegenden
Vergabeverfahrens betreffend Beschaffung von IT-Dienstleistungen sowie einer
"Software as a Service"-Lösung für die elektronische Prüfung und Abwicklung von
Kostengutsprachen und von Spitalrechnungen (ELPAS) die Beschwerdegegner am
5. Dezember 2018 nicht entsprochen hat, ist zur Erhebung der Beschwerde befugt
(Art. 92 in Verbindung mit Art. 64 und Art. 45 Abs. 1 VRP).
Mit Schreiben vom 5. Dezember 2018 teilte die Beschwerdegegner der
Beschwerdeführerin mit, sie werde weder den Widerruf des Zuschlags noch den
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Abbruch des Vergabeverfahrens verfügen. Die Beschwerdeführerin nahm das
Schreiben am 6. Dezember 2018 entgegen. Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom
17. Januar 2019 unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes über Weihnachten und
Neujahr vom 18. Dezember 2018 bis 2. Januar 2019 innerhalb der Frist von dreissig
Tagen, nachdem die Beschwerdeführerin vom Beschwerdegrund Kenntnis erhalten
hatte, erhoben (Art. 90 Abs. 1 und Art. 30 Abs. 1 VRP in Verbindung mit Art. 145 Abs. 1
Ingress und lit. c der Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zivilprozessordnung, SR
272, ZPO). Die Beschwerdegegnerin ist der Auffassung, die Frist sei über Weihnachten
und Neujahr nicht stillgestanden. Sie stützt sich auf Art. 15 Abs. 4 der Interkantonalen
Vereinbarung über das öffentliche Beschaffungswesen (sGS 841.32, IVöB), wonach bei
Beschwerden gegen Verfügungen der Auftraggeberin keine Gerichtsferien gelten. Ob
diese Regelung auch in Verfahren gilt, in denen – wie vorliegend – nicht die zehntägige
Beschwerdefrist gemäss Art. 15 Abs. 3 IVöB – auf die sich die Beschwerdegegnerin im
Übrigen nicht beruft – anwendbar ist, kann offenbleiben. Das st. gallische
Verwaltungsverfahrensrecht verlangt in Art. 30 Abs. 3 VRP, dass die Beteiligten auf die
in Art. 30 Abs. 2 Ingress und lit. c VRP genannte Ausnahme der Beschwerdeverfahren
nach dem Einführungsgesetz zur Gesetzgebung über das öffentliche
Beschaffungswesen, in denen die Gerichtsferien nicht gelten, hingewiesen werden
müssen, andernfalls die Regeln über den Fristenstillstand anzuwenden sind (vgl.
VerwGE B 2018/93 vom 21. Juni 2018 E. 1, www.gerichte.sg.ch; zur Ausnahme im
Verfahren vor den Verwaltungsbehörden gemäss Art. 30 Abs. 2 Ingress und lit. a VRP
vgl. GVP 2013 Nr. 49). Einen Hinweis darauf, dass bei der Erhebung einer allfälligen
Rechtsverweigerungsbeschwerde gegen die Ablehnung des Begehrens der
Beschwerdeführerin um Erlass einer Widerrufs- und/oder Abbruchsverfügung die
Gerichtsferien nicht zu berücksichtigen seien, hat die Beschwerdegegnerin in ihrem
Schreiben vom 5. Dezember 2018 indessen nicht angebracht. Unter diesen Umständen
ist zur Beurteilung der Rechtzeitigkeit der Eingabe der Beschwerdeführerin vom
17. Januar 2019 der Stillstand der Frist über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage zu
berücksichtigen.
Die Eingabe vom 17. Januar 2019 erfüllt schliesslich in formeller und inhaltlicher
Hinsicht die gesetzlichen Voraussetzungen (Art. 92 in Verbindung mit Art. 64 und
Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Rechtsverweigerungsbeschwerde ist dementsprechend
einzutreten.
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2. Mit der Rechtsverweigerungsbeschwerde kann gemäss Art. 88 Abs. 2 Ingress und
lit. a VRP geltend gemacht werden, eine Behörde weigere sich, eine vorgeschriebene
Amtshandlung vorzunehmen. Voraussetzung für eine formelle Rechtsverweigerung ist
ein Anspruch des Betroffenen auf Erlass einer Verfügung (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 1208). Die
Beschwerdeführerin macht einen Anspruch auf Erlass einer Widerrufsverfügung zum
Zuschlagsentscheid des Verwaltungsgerichts vom 28. Oktober 2017 und/oder einer
Abbruchsverfügung im Vergabeverfahren betreffend die Beschaffung von IT-
Dienstleistungen sowie einer "Software as a Service"-Lösung für die elektronische
Prüfung und Abwicklung von Kostengutsprachen und von Spitalrechnungen (ELPAS)
durch den Beschwerdegegner geltend. Zu prüfen ist einerseits, ob der
Beschwerdegegner als Vergabestelle zum Widerruf des gerichtlichen Zuschlags
zuständig ist (dazu nachfolgend Erwägung 3) und anderseits, ob er gegebenenfalls
verpflichtet wäre, den Zuschlag zu widerrufen und/oder das Vergabeverfahren formell
abzubrechen (dazu nachfolgend Erwägung 4).
3. Die Beschwerdeführerin hält dem Beschwerdegegner hinsichtlich seiner Weigerung,
den Zuschlag zu widerrufen, eine Rechtsverweigerung vor, obwohl der das
Vergabeverfahren abschliessende rechtskräftige Zuschlagsentscheid vom 26. Oktober
2017 vom Verwaltungsgericht ausging.
Die Verwaltung darf nach Abschluss eines Beschwerdeverfahrens eine Verfügung nur
in Ausnahmefällen, insbesondere wenn ein gerichtliches Urteil einen Dauerzustand
schafft, in Wiedererwägung ziehen oder widerrufen, ansonsten sie die Rechtsprechung
unterlaufen könnte; Gerichtsentscheide ihrerseits können nicht widerrufen oder in
Wiedererwägung gezogen, sondern im Verfahren der Wiederaufnahme revidiert werden
(vgl. Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 935 und Rz. 1178 ff.; Wiederkehr/Richli, Praxis des
allgemeinen Verwaltungsrechts, Band I, Bern 2012, Rz. 2714).
Eine Revision des rechtskräftigen Entscheides des Verwaltungsgerichts vom
26. Oktober 2017 beantragt die Beschwerdeführerin nicht. Mit dem rechtskräftigen
Beschwerdeentscheid wurde die Zuschlagsverfügung des Beschwerdegegners vom
6. Juli 2017, mit welcher das Angebot einer Mitbewerberin der Beschwerdeführerin
berücksichtigt worden war, bereits aufgehoben. Es liegt damit – anders als in den
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Fällen, in denen ein Rechtsmittel gegen eine Verfügung abgewiesen wird – keine
erstinstanzliche Zuschlagsverfügung mehr vor, welche der Beschwerdegegner im
Hinblick auf einen Abbruch des Vergabeverfahrens nach gescheiterten
Vertragsverhandlungen widerrufen könnte. Anders als beispielsweise die Bewilligung
zum Aufstellen und Betreiben eines Geldspielautomaten (BGE 97 I 748), die
Verpflichtung zur Wiederherstellung des (bau-)rechtmässigen Zustandes (BGer
1C_673/2013 vom 7. März 2014 E. 5.2, 1C_784/2013 vom 23. Juni 2014 E. 7.2) oder
eine sozialversicherungsrechtliche Rentenverfügung (BGer 8C_842/2016 vom 18. Mai
2017 E. 5.1.1; vgl. BGer 1C_8/2019 vom 20. Mai 2019 E. 5.2 für weitere Beispiele)
schafft der Zuschlag keinen Dauerzustand. Ist ein Widerruf des sich auf einen zeitlich
abgeschlossenen Sachverhalt beziehenden Zuschlags durch den Beschwerdegegner
nicht möglich, steht grundsätzlich auch kein Abbruch des mit dem rechtskräftigen
Zuschlagsentscheid des Verwaltungsgerichts vom 26. Oktober 2017 abgeschlossenen
Vergabeverfahrens durch den Beschwerdegegner in Frage. Ein Abbruch des
Vergabeverfahrens setzt grundsätzlich voraus, dass es nicht bereits mit einer
Zuschlagsverfügung abgeschlossen wurde (vgl. St. Scherler, Abbruch und
Wiederholung von Vergabeverfahren – Motive, Voraussetzungen und die Folgen, in:
Stöckli/Zufferey [Hrsg.], Aktuelles Vergaberecht 2008, S. 285 ff., S. 287; M. Beyeler,
Überlegungen zum Abbruch von Vergabeverfahren, in: AJP 2005 S. 784 ff., Rz. 6).
Die Beschwerde gegen die Weigerung des Beschwerdegegners, den Zuschlag zu
widerrufen und – in der Folge – das Vergabeverfahren abzubrechen, ist
dementsprechend abzuweisen.
4. Im Übrigen käme der Beschwerdeführerin – unbeachtet des Zuschlagsentscheides
des Verwaltungsgerichts vom 26. Oktober 2017 – wohl auch kein Anspruch auf
Widerruf eines ihr erteilten Zuschlags zu (dazu nachfolgend Erwägung 4.1). Ebenso
wenig hätte sie – gegebenenfalls auch ohne Widerruf des Zuschlagsentscheides –
Anspruch auf einen Abbruch des Vergabeverfahrens durch den Beschwerdegegner
(dazu nachfolgend Erwägung 4.2).
4.1. Hinsichtlich des von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Anspruchs der
Zuschlagsempfängerin auf Widerruf des Zuschlags sind ausgehend von den
einschlägigen Rechtsgrundlagen (dazu nachfolgend Erwägung 4.1.1) die privaten
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Interessen der Zuschlagsempfängerin (dazu nachfolgend Erwägung 4.1.2) und die
vergaberechtlich geschützten öffentlichen Interessen (dazu nachfolgend Erwägung
4.1.3) an einem solchen Widerruf zu klären.
4.1.1. Nach Art. 12 Abs. 1 VöB kann der Auftraggeber den Zuschlag widerrufen, wenn
er den Anbieter vom Vergabeverfahren hätte ausschliessen können. Sämtliche in lit. a-i
nicht abschliessend aufgezählten Voraussetzungen für den Ausschluss und damit auch
für den Widerruf beziehen sich deshalb auf Eigenschaften des Anbieters. Der Wortlaut
der Regelung lässt offen, ob der Widerruf auch aus Gründen, die sich nicht auf den
Anbieter beziehen, zulässig ist, und ob und unter welchen Voraussetzungen der
Auftraggeber einen Zuschlag widerrufen muss. Nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung kann die Vergabestelle ein bundesrechtliches Vergabeverfahren
definitiv oder zwecks Neuauflage eines geänderten Projektes abbrechen und einen
allfällig bereits erfolgten Zuschlag widerrufen, wenn sachliche Gründe dieses Vorgehen
rechtfertigen und damit nicht die gezielte Diskriminierung von Bewerbern beabsichtigt
ist (vgl. BGE 134 II 192 E. 2.3; Art. 30 der Verordnung über das öffentliche
Beschaffungswesen, SR 172.056.11). Nach der allgemeinen Regel zum Widerruf von
Verfügungen gemäss Art. 28 Abs. 1 VRP können Verfügungen durch die erlassende
Behörde geändert oder aufgehoben werden, wenn der Widerruf die Betroffenen nicht
belastet oder wenn er aus wichtigen öffentlichen Interessen geboten ist.
Auszugehen ist davon, dass Verfügungen nach unbenutztem Ablauf der
Rechtsmittelfrist oder nach Abschluss des Rechtsmittelverfahrens formell rechtskräftig
und damit grundsätzlich unabänderlich werden. Nach Lehre und Rechtsprechung kann
auf eine als materiell fehlerhaft erkannte Verfügung dennoch insbesondere wegen
unrichtiger Sachverhaltsfeststellung, fehlerhafter Rechtsanwendung oder
nachträglicher Änderung der Sach- oder Rechtslage zurückgekommen werden, sofern
wichtige öffentliche Interessen berührt sind. Fehlen positivrechtliche Bestimmungen
über die Möglichkeit einer Änderung einer Verfügung, so ist darüber anhand einer
Interessenabwägung zu befinden, bei welcher das Interesse an der richtigen
Anwendung des objektiven Rechts dem Interesse am Vertrauensschutz
gegenüberzustellen ist (vgl. BGer 6B_840/2014 vom 6. Februar 2015 E. 3.4.1).
Widerrufen werden können nur fehlerhafte Verfügungen, wobei die Fehlerhaftigkeit
ursprünglicher oder nachträglicher Natur sein kann (vgl. St. Scherler, Die Verfügungen
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im Vergaberecht, in: Zufferey/Stöckli [Hrsg.], Aktuelles Vergaberecht 2012, Zürich/
Basel/Genf 2012, S. 347 ff., Rz. 51 mit Hinweis auf Y. Hangartner, Widerruf und
Änderung von Verwaltungsakten aus nachträglich eingetretenen Gründen, St. Gallen
1959, S. 25). Im Übrigen ist die Vergabebehörde Herrin des – noch nicht rechtskräftig
abgeschlossenen – Vergabeverfahrens. Sie kann von den Anbieterinnen grundsätzlich
auch dann nicht zum Abbruch des Verfahrens gezwungen werden, wenn ein solcher
weitaus empfehlenswerter als die Fortsetzung erscheint. Diese Beurteilung obliegt mit
allen damit verbundenen Risiken der Vergabebehörde allein (vgl. M. Beyeler,
Überlegungen zum Abbruch von Vergabeverfahren, in: AJP 2005, S. 784 ff., Rz. 21).
4.1.2. Während im Beschwerdeverfahren gegen den Widerruf des Zuschlags – und
den Abbruch des Verfahrens – das Interesse der Zuschlagsempfängerin an einer
Beschwerde darin begründet liegt, dass mit dem Widerruf des Zuschlags und dem
Abbruch des Verfahrens ihre Chance, ihre Offerte effektiv zu verwirklichen, geschmälert
wird und sie erneut und unter Konkurrenz an einem Vergabeverfahren teilnehmen muss
(vgl. BVGer B-6136/2007 Zwischenverfügung vom 30. Januar 2008 E. 6.3), liegen die
Prozessabsichten einer Zuschlagsempfängerin, die sich für den Widerruf des ihr
erteilten Zuschlags – und den Abbruch des Verfahrens – einsetzt, nicht auf der Hand.
Auszugehen ist davon, dass die Zuschlagsempfängerin so oder anders keinen
Anspruch auf den Abschluss des Vertrags hat.
Strebt die Beschwerdeführerin den Widerruf der Zuschlagsverfügung an, um gleich
anschliessend beschwerdeweise feststellen zu lassen, dass ein solcher unter den
gegebenen Umständen rechtswidrig ist, will sie an ihrer Position als
Zuschlagsempfängerin nichts ändern. Besteht der Zuschlag weiter, ist die
Rechtsstellung der Zuschlagsempfängerin vergaberechtlich insoweit günstiger, als die
Vergabebehörde vergaberechtlich nicht befugt ist, einen Vertrag über den fraglichen
Beschaffungsgegenstand mit einer anderen Anbieterin abzuschliessen. Auch
privatrechtlich erscheint die Stellung als Zuschlagsempfängerin besser, da der
Zuschlag zwar nicht einen Anspruch auf den Abschluss des Vertrags vermittelt, jedoch
Schadenersatz aus culpa in contrahendo möglich ist (vgl. St. Scherler, Abbruch und
Wiederholung von Vergabeverfahren – Motive, Voraussetzungen und die Folgen, in:
Stöckli/Zufferey [Hrsg.], Aktuelles Vergaberecht 2008, Zürich/Basel/Genf 2008, S. 285
ff., Rz. 38/39).
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Würde der Widerruf des Zuschlags rechtskräftig, wäre das Vergabeverfahren wieder ins
Evaluationsstadium versetzt. Das Verbot, denselben Beschaffungsbedarf erneut zu
vergeben, würde dahinfallen (vgl. BVGer B-6136/2007 Zwischenverfügung vom
30. Januar 2008 E. 2.3 mit Hinweis auf M. Beyeler, Öffentliche Beschaffung,
Vergaberecht und Schadenersatz, Zürich 2004, Rz. 362). Hinsichtlich des
ausgeschriebenen Beschaffungsgegenstandes stünde die Zuschlagsempfängerin
wieder in Konkurrenz mit den weiteren Anbieterinnen. Allerdings könnte wohl auf die –
üblicherweise befristeten – Angebote nicht mehr abgestellt werden, weshalb entweder
von den Anbieterinnen eine Erklärung zur weiteren Gültigkeit ihrer Offerten oder –
gegebenenfalls unter Umsetzung der Erkenntnisse aus den gescheiterten
Vertragsverhandlungen – neue Offerten eingeholt werden müssten.
4.1.3. Hinsichtlich der vom Vergaberecht geschützten öffentlichen Interessen
insbesondere an der Sicherstellung der Transparenz der Vergabeverfahren (vgl. Art. 1
Abs. 3 Ingress und lit. c IVöB) darf der Abbruch der Verhandlungen zum Abschluss
eines Vertrags über den Beschaffungsgegenstand nicht dazu führen, dass die
Vergabestelle vergaberechtlich frei ist. Ohne den Widerruf des Zuschlags bleibt die
Vergabestelle hinsichtlich des ausgeschriebenen und vergebenen
Beschaffungsgegenstandes vergaberechtlich gegenüber der Zuschlagsempfängerin
gebunden. Insbesondere ist ihr vergaberechtlich untersagt, mit einer anderen
Anbieterin einen Vertrag über diesen Beschaffungsgegenstand zu schliessen. Mit dem
von der Beschwerdeführerin angestrebten Widerruf des Zuschlags und insbesondere
mit dem Abbruch des Verfahrens hingegen würde ihr vergaberechtlicher Spielraum
grösser. Insbesondere wäre ein Abschluss über denselben Beschaffungsgegenstand
mit einer anderen Anbieterin oder eine neue Ausschreibung ein und desselben
Gegenstandes grundsätzlich wieder zulässig.
4.2. Nach Art. 13 Ingress und lit. i IVöB gewährleisten die kantonalen
Ausführungsbestimmungen die Beschränkung von Abbruch und Wiederholung des
Vergabeverfahrens auf wichtige Gründe. Art. 38 Abs. 1 VöB sieht dementsprechend
vor, dass der Auftraggeber das Verfahren aus wichtigen Gründen abbrechen und
wiederholen kann. Der Abbruch des Vergabeverfahrens ist nur bei entsprechendem
öffentlichen Interesse zulässig, wobei der Vergabebehörde ein nach pflichtgemässem
Ermessen auszuübender Ermessensspielraum zusteht (St. Scherler, Die Verfügungen
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im Vergaberecht, in: Zufferey/Stöckli [Hrsg.], Aktuelles Vergaberecht 2012, S. 347 ff.,
Rz. 27). Daraus, dass es nach einem mit einem Zuschlagsentscheid abgeschlossenen
Vergabeverfahren nicht zu einem Vertragsabschluss kommt, kann noch nicht auf eine
Verpflichtung der Vergabebehörde geschlossen werden, das Vergabeverfahren
abzubrechen. Der Abbruch des Verfahrens stellt – entgegen der Auffassung der
Beschwerdeführerin – nicht das Pendant zum Vertragsabschluss dar. Vielmehr kann
das einmal eingeleitete Vergabeverfahren nur durch Zuschlagserteilung oder Abbruch
beendet werden (vgl. Beyeler, Abbruch, a.a.O., Rz. 4; vgl. abweichendes Verständnis
der Auffassung von Beyeler bei S. Suter, Der Abbruch des Vergabeverfahrens, Basel
2010, Rz. 18). Ein Abbruch des Verfahrens setzt deshalb einen Widerruf des Zuschlags
voraus, der sich auf die gleichen Gründe wie der Abbruch stützen lässt (vgl. Beyeler,
Abbruch, a.a.O., Rz. 11). Soweit der berücksichtigte Bewerber keinen Anspruch auf
Widerruf des Zuschlags hat (vgl. dazu oben Erwägung 4.1), kann die Vergabestelle
deshalb auch nicht zum Abbruch des Verfahrens verpflichtet sein.
Mündet der Widerruf der Zuschlagsverfügung – was die Beschwerdeführerin offenbar
anstrebt – im Abbruch des Verfahrens, ist es denkbar, dass sie sich gegen diesen
Abbruch wenden möchte. Wäre sie erfolgreich, bliebe das Vergabefahren im
Evaluationsstadium. Würde der Abbruch rechtskräftig, wäre für die Beschwerdeführerin
einzig klar, dass sie sich nicht weiter um einen Vertragsabschluss bemühen müsste.
Die Vergabebehörde wäre ihrerseits frei, die Situation neu zu analysieren, den
Beschaffungsgegenstand neu zu fassen und auszuschreiben. Ändert der
Beschwerdegegner den Beschaffungsgegenstand, indem er beispielsweise die
bisherige Lösung weiterentwickelt oder eine andere neue Lösung auf neuer Grundlage
ins Auge fasst, ist er – unabhängig davon, ob das vorliegende Vergabeverfahren formell
auch noch abgebrochen wird – verpflichtet, sich an die vergaberechtlichen Vorgaben
vorab bei der Wahl des Verfahrens und einer allfälligen neuen Ausschreibung zu halten.
Das Vergaberecht verbietet ihm, ohne ein neues, den vergaberechtlichen
Anforderungen genügendes Verfahren mit einer anderen Anbieterin als der
Beschwerdeführerin einen Vertrag über den Beschaffungsgegenstand, wie er dem
Zuschlagentscheid vom 26. Oktober 2017 zugrunde lag, abzuschliessen.
5. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführerin der Zuschlag
gerichtlich mit Entscheid vom 26. Oktober 2017 erteilt wurde und sie deshalb
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gegenüber dem Beschwerdegegner keinen Anspruch auf Widerruf des Zuschlags hat.
Darüber hinaus ist nicht ersichtlich, inwieweit der Widerruf des Zuschlags und der
Abbruch des Verfahrens ihre vergabe- und vertragsrechtliche Stellung gegenüber der
Vergabebehörde verbessern würde. Vielmehr bleibt die Vergabebehörde ohne Widerruf
und Abbruch gegenüber der Beschwerdeführerin als Zuschlagsempfängerin vergabe-
und vertragsrechtlich gebunden, indem sie einen Vertrag über den zugeschlagenen
Beschaffungsgegenstand einzig mit der Beschwerdeführerin aushandeln und
abschliessen darf. Fasst die Vergabebehörde ein neues Vorgehen hinsichtlich der
Beschaffung von Dienstleistungen im Bereich des Beschaffungsgegenstandes ins
Auge, hat sie sich in jedem Fall, insbesondere unabhängig des Widerrufs des
Zuschlags und des Abbruchs des Verfahrens, an das Vergaberecht zu halten. Der
Beschwerdegegner hat deshalb mit der Weigerung, den Zuschlag zu widerrufen und
das Vergabeverfahren abzubrechen, gegenüber der Beschwerdeführerin keine
Rechtsverweigerung begangen. Die Beschwerde ist deshalb abzuweisen.
6. Bei diesem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten des Verfahrens von der
Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von
CHF 1'500 erscheint angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS
941.12). Sie ist mit dem von der Beschwerdeführerin in der gleichen Höhe geleisteten
Kostenvorschuss zu verrechnen. Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen
(Art. 98 Abs. 1 und Art. 98 VRP).