# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7b4311df-3251-5a31-a2b2-762e25723c24
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin gelangte mit E-Mail vom 25. August 2014 und erneut mit
Schreiben vom 14. Oktober 2014 an die Gemeinde Ittigen mit dem Ersuchen, drei
Strassenleuchten im Umfeld ihrer Liegenschaft (Parzelle Grundbuch Ittigen,
Grundbuchblatt Nr. B._) mit Blenden auszustatten, um die Lichtimmissionen auf
ihre Liegenschaft zu mindern. Nach Durchführung eines Augenscheins teilte die Gemeinde
der Beschwerdeführerin am 31. März 2015 mit, dass die fragliche Beleuchtung zeitgemäss
sei und die Liegenschaft der Beschwerdeführerin nicht übermässig beeinträchtigt werde.
Mittelfristig sollten die Strassenbeleuchtungen der Gemeinde auf Licht emittierende Dioden
(LED) umgerüstet werden. Die Beschwerdeführerin hielt an ihrem Begehren fest bzw.
verlangte, dass die fraglichen Lampen durch von ihr selbst ausgewählte Leuchten ersetzt
würden. Die Gemeinde erklärte mit Schreiben vom 29. Juni 2015 erneut, dass sie auf den
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Wunsch der Beschwerdeführerin nicht eintreten werde. Sie betrachte die Angelegenheit
nun als abgeschlossen. Am 20. August 2015 bekräftigte die Gemeinde diese Haltung in
einem Schreiben des Gemeindepräsidenten an die Beschwerdeführerin. Nachdem die
Beschwerdeführerin mit einem ärztlichen Zeugnis dargelegt hatte, dass die
Lichtimmissionen bei ihr zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führten, befasste sich die
Gemeinde erneut mit dem Anliegen. Sie hielt mit Schreiben vom 25. November 2015 an
ihrer Haltung fest. Auf Begehren der Beschwerdeführerin erliess die Gemeinde am 3.
Februar 2016 eine begründete Verfügung, wonach die Forderungen der
Beschwerdeführerin bezüglich Lichtschutzmassnahmen an drei bzw. vier Leuchten der
öffentlichen Beleuchtung an der C._strasse und am D._rain abgelehnt
würden. Die Verfügung war mit einer Rechtsmittelbelehrung versehen, wonach die
Verfügung innert 30 Tagen beim Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland angefochten
werden könne.
2. Gegen diese Verfügung reichte die Beschwerdeführerin am 3. März 2016
Beschwerde beim Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland ein. Sie beantragt sinngemäss,
dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Installation von Blendschutz-
Elementen (Lamellen sowie frontale bzw. rückseitige Schutzbleche) an vier sowie eventuell
an einer fünften Lampe der öffentlichen Beleuchtung angeordnet wird. Darüber hinaus stellt
sie folgende Anträge: Der Gemeinde Ittigen sei die Autorität über Blendschutz-Anfragen zu
entziehen und an die BKW AG zu delegieren; die Gemeinde Ittigen sei zur Bezahlung einer
Entschädigung für den Aufwand der Beschwerdeführerin sowie von Schmerzensgeld für
den erlittenen Schlafentzug zu verpflichten; die Lichtplanung der Gemeinde Ittigen sei der
Autorität des Leiters Bau der Gemeinde zu unterstellen; es seien der Gemeinde bestimmte
Auflagen bezüglich Lichtstärke der zu installierenden LED-Leuchten und bezüglich der
Höhe und Ausrichtung der Lampen zu machen; schliesslich sei der Gemeinde Ittigen eine
formelle Rüge zu erteilen.
3. Im Rahmen eines Meinungsaustauschs nach Art. 4 Abs. 2 VRPG1 erklärte sich die
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) für die Behandlung der
Beschwerde zuständig. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE
1 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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leitet2, holte die Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Es holte einen
Fachbericht des Amtes für Berner Wirtschaft (beco), Abteilung Immissionsschutz ein zur
Frage der technischen Möglichkeiten zur Reduktion von Lichtimmissionen und den
entsprechenden Kosten. Das beco erstattete den Bericht am 26. Juli 2016. Die Gemeinde
erklärte mit Stellungnahme vom 8. August 2016, dass ihr die vom beco dargelegten
technischen Möglichkeiten bestens bekannt seien. Es gelte jedoch, ein Präjudiz zu
vermeiden. Die Gemeinde befürchtet zudem eine Verminderung der Verkehrs- und
Fussgängersicherheit. Die Lampen befänden sich in einer so grossen Distanz zum
Grundstück und zum Wohnhaus der Beschwerdeführerin, dass Massnahmen
unverhältnismässig seien. Die Beschwerdeführerin hielt mit Stellungnahme vom 24. August
2016 an ihren Anträgen fest. Sie erachtet die Ausführungen des beco als zu allgemein
gehalten, insbesondere weil die Umrüstungskosten für die streitigen Leuchten mit einer
ihres Erachtens zu breiten Preisspanne beziffert werden. Die Beschwerdeführerin
beantragt zudem, dass die Leuchtstärke bei Vergleichsobjekten gemessen werden solle.
Für den Fall, dass die Gemeinde bei den streitigen Leuchten die ohnehin geplante
Umstellung auf LED vorgezogen vornimmt, seien bestimmte Massnahmen zur
Immissionsbegrenzung einzuhalten.
4. Das Rechtsamt holte in der Folge einen Fachbericht des Tiefbauamtes des Kantons
Bern (TBA), Fachgruppe Beleuchtung ein. Gegenstand des Fachberichts war die Frage, in
welchem Mass die beantragten Massnahmen die Lichtimmissionen bei der
Beschwerdeführerin reduzieren würden, wie sich diese auf die Verkehrssicherheit
auswirkten und wie hoch die diesbezüglichen Kosten wären. Das TBA erstattete den
Fachbericht am 15. Dezember 2016. Danach sind bei der Liegenschaft der
Beschwerdeführerin keine Lichtimmissionen von den beanstandeten Strassenleuchten
messbar. Mit den beantragten Massnahmen (Blendschutzbleche, veränderte Ausrichtung
der Leuchten) könne jedoch die Blendung beim direkten Blick ins Leuchtmittel reduziert
werden. Die Lichteinwirkung auf der Strasse würde dadurch nicht reduziert. Auch bei der
Verwendung von Lamellen sei die Verkehrssicherheit noch gewährleistet. Die Kosten für
das Anbringen von Blendschutzblechen oder Lamellen würden mit Fr. 1'000.– pro Leuchte
geschätzt. Das Verändern der Leuchtenausrichtung sei günstiger, jedoch nicht
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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empfehlenswert. Dabei werde in gewissem Mass nebst der Strasse auch das angrenzende
Land ausgeleuchtet.
Im Fachbericht führte das TBA weiter aus, die Gemeinde habe in Aussicht gestellt, die drei
ursprünglich beanstandeten Leuchten stirnseitig abzudunkeln (Leuchten Nr. D 306,
C._strasse 16, sowie Nr. D 308, C._strasse 22/24) bzw. mit einer LED-
Leuchte umzurüsten und die Lichtpunkthöhe um 1 Meter auf 5 Meter zu reduzieren
(Leuchte Nr. D 307, C._strasse 20). Die Lichtquellen seien damit für die
Beschwerdeführerin nicht mehr direkt einsehbar. Diese Massnahmen seien sinnvoll und
zweckmässig. Die Gemeinde erklärte mit Stellungnahme vom 27. Dezember 2016, dass
diese Massnahmen am 9. Dezember 2016 umgesetzt worden seien. Im Verlauf des Jahres
2017 werde die gesamte C._strasse auf LED-Strassenbeleuchtung umgerüstet.
Die Beschwerdeführerin führte mit Stellungnahme vom 14. Januar 2017 aus, die
Abdunkelung an den Leuchten Nrn. D 306 und D 308 entschärfe das Problem bereits. Sie
beantragt, die Leuchte an der D._strasse 16/18 sowie die Leuchte Nr. D 305
zugunsten ihrer Nachbarn wie auch ihr selbst mit der gleichen Abdunkelung zu versehen.
Die Gemeinde sei zudem zu verpflichten, die Abdunkelung bei Bedarf und insbesondere
auf Ersuchen der Beschwerdeführerin zu erneuern. Bezüglich der Leuchte Nr. D 307 führt
die Beschwerdeführerin aus, dass die Höhenreduktion auf 5 Meter einige Verbesserungen
mit sich bringe. Allerdings sei eine Reduktion um einen weiteren Meter auf 4 Meter
angezeigt. An anderen Standorten an der C._strasse seien Leuchten auf dieser
Höhe angebracht. Damit sowie mit einer Reduktion der Leuchtstärke könne die Streuung
des Lichts über die Strassenränder hinaus vermindert werden.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bei der angefochtenen Verfügung handelt es sich inhaltlich um eine baupolizeiliche
Verfügung nach Art. 45 ff. BauG3. Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG können baupolizeiliche
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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Verfügungen nach Art. 45 bis 48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die Beschwerdeführerin ist als Anzeigerin und Adressatin
der angefochtenen Verfügung durch diese beschwert und daher zur Beschwerde
legitimiert. Auf ihre fristgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
Dass die Beschwerdeführerin die Beschwerde gestützt auf die Rechtsmittelbelehrung in
der angefochtenen Verfügung beim Regierungsstatthalteramt eingereicht hat, gereicht ihr
nicht zum Nachteil.4
b) Die Beschwerdelegitimation besteht insoweit, als die Beschwerdeführerin in eigenen
schutzwürdigen Interessen betroffen ist. Dies trifft namentlich nicht zu auf den Antrag, der
Gemeinde seien auch unabhängig von den von der Beschwerdeführerin geltend
gemachten Beeinträchtigungen Auflagen für die Planung und Umsetzung ihres
Beleuchtungskonzepts zu machen. Auf diesen Antrag kann daher nicht eingetreten
werden; ebenso wenig auf das Begehren um Anordnung von Blendschutzelementen an
einer fünften Lampe, die gemäss den eigenen Angaben der Beschwerdeführerin ihr
gegenüber keine Störwirkung entfaltet, sondern gegenüber Drittpersonen, die am
vorliegenden Verfahren nicht beteiligt sind. Auch auf den Antrag um Reduktion der
Leuchtstärke der Leuchte Nr. D 307 auf 8 LED ist nicht einzutreten, da die
Beschwerdeführerin diesen mit den Interessen von anderen Personen und Lebewesen
begründet, jedoch nicht darlegt, dass sie in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen
ist.
c) Auf die Beschwerde ist ferner nur einzutreten, soweit sich die Begründung
wenigstens in minimaler Form mit dem angefochtenen Entscheid auseinandersetzt und
sinngemäss darauf schliessen lässt, welche Rechtsnormen oder Grundsätze der
Ermessensausübung verletzt oder inwiefern Sachverhaltselemente unrichtig oder
unvollständig festgestellt sein sollen.5 Diesen Anforderungen genügt die Beschwerde nicht
in allen Teilen. Insbesondere ist sie ungenügend substantiiert, soweit die
Beschwerdeführerin eine Verletzung des Grundsatzes der Gleichbehandlung der
Geschlechter rügt.
d) Auf die Beschwerde ist schliesslich nur einzutreten, soweit die Beschwerdeführerin
Anliegen vertritt, für deren Behandlung die BVE zuständig ist. Dies trifft nicht zu, soweit
4 Art. 44 Abs. 6 VRPG 5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15
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sich die Rügen gegen Aussagen und Lösungsvorschläge der Gemeindevertreter im Verlauf
des erstinstanzlichen Verfahrens richten. Für die beantragte Erteilung einer Rüge an die
Gemeinde ist die BVE nicht zuständig. Ebenso wenig kann sie die Kompetenz zur
Lichtplanung der Gemeinde einer bestimmten Person zuweisen oder die Kompetenz zur
Behandlung von Blendschutzfragen an die BKW AG übertragen. Schliesslich ist mangels
Zuständigkeit nicht einzutreten auf die Begehren der Beschwerdeführerin im
Zusammenhang mit den von ihr gewünschten Anpassungen beim Beleuchtungskonzept
der Gemeinde, die nicht im Zusammenhang mit Einwirkungen auf ihre Liegenschaft
stehen.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführerin rügt sinngemäss eine Verletzung des rechtlichen Gehörs.
Die Gemeinde sei nicht bzw. nicht genügend auf die von ihr angeführte Nichtbeachtung
verschiedener Gesetze, Normen, Richtlinien und verfassungsmässiger Grundsätze
eingegangen.6
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 21 ff. VRPG gibt den Parteien das
Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen, Einsicht in die Akten
zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an der Erhebung
wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum Beweisergebnis zu
äussern.
Nach Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG muss die Begründung einer Verfügung so abgefasst sein,
dass die Betroffenen die Verfügung sachgerecht anfechten können. Es müssen wenigstens
kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und
auf die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde muss jedoch nicht auf jedes Argument der
Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten
auseinandergesetzt hat.7
c) Die Gemeinde ist ihren Pflichten im Zusammenhang mit dem Gehörsanspruch der
Beschwerdeführerin nachgekommen. Sie hat in der angefochtenen Verfügung die Gründe
6 Beschwerde, S. 11 7 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 5
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für ihren Entscheid dargelegt und dabei die wesentlichen Aspekte einbezogen. Nach dem
Gesagten war sie nicht gehalten, auf jedes der Argumente der Beschwerdeführerin einzeln
einzugehen, sondern durfte diese zusammenfassen und auf diejenigen Gesichtspunkte
reduzieren, die im Verfahren relevant waren. Insbesondere bildete das allgemeine
Beleuchtungskonzept der Gemeinde nicht Gegenstand dieses Verfahrens; die Gemeinde
musste daher nicht auf die darauf bezogenen Vorbringen der Beschwerdeführerin
eingehen.
3. Immissionsschutz
a) Die Beschwerdeführerin rügt sinngemäss eine unzulässige Störung durch
Lichtimmissionen von vier Strassenleuchten (Standorte C._strasse 16/18,
C._strasse 20, C._strasse 22/24 sowie D._rain 16/18).
b) Nach Art. 45 Abs. 1 und Abs. 2 Bst. 2 BauG obliegt es der Baupolizeibehörde, gegen
Störungen der öffentlichen Ordnung vorzugehen, die von ordnungswidrigen Bauten und
Anlagen ausgehen. Einrichtungen zur öffentlichen Beleuchtung von Strassen stellen
Anlagen im Sinne dieser Bestimmung dar.8 Bauten und Anlagen sind insbesondere
ordnungswidrig, wenn die anwendbaren bau- und umweltschutzrechtlichen Vorschriften
nicht eingehalten werden.
c) Die Einrichtungen der Strassenbeleuchtung erzeugen künstliches Licht in Form von
elektromagnetischen Strahlen. Bei diesen handelt es sich um Einwirkungen i.S.v. Art. 7
Abs. 1 USG9, die beim Austritt aus Anlagen als Emissionen, am Ort ihres Einwirkens als
Immissionen bezeichnet werden.10 Im Sinne der Vorsorge sind Einwirkungen, die schädlich
oder lästig werden könnten, durch Massnahmen bei der Quelle zu begrenzen, soweit dies
technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist.11 Nach diesem
sogenannten Vorsorgeprinzip sind Emissionsbegrenzungen nicht nur zum Schutz gegen
schädliche oder lästige Emissionen geboten, sondern auch zur Vermeidung unnötiger
8 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 1a N. 10 9 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01) 10 Art. 7 Abs. 2 UGS; BGE 140 II 33 E. 4 S. 36 11 Art. 11 Abs. 1 und 2 USG
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Emissionen.12 Wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter
Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig werden, sind die
Emissionsbegrenzungen zu verschärfen.13 Die Begrenzungen werden auf
Verordnungsebene geregelt; soweit dies nicht der Fall ist, können sie unmittelbar gestützt
auf das Umweltschutzgesetz vorgeschrieben werden.14 Für sichtbares Licht hat der
Verordnungsgeber keine Immissionsgrenzwerte festgelegt. Die Beurteilung erfolgt daher im
Einzelfall unmittelbar gestützt auf Art. 11-14 USG sowie 16-18 USG. Dabei muss analog
Art. 14 Bst. a und b USG sichergestellt werden, dass die Immissionen nach dem Stand der
Wissenschaft oder der Erfahrung Menschen, Tiere und Pflanzen, ihre
Lebensgemeinschaften und Lebensräume nicht gefährden und die Bevölkerung in ihrem
Wohlbefinden nicht erheblich stören.15
d) Der Experte des TBA hält in seinem Fachbericht vom 15. Dezember 2016 fest, dass
bei der Liegenschaft der Beschwerdeführerin keine Lichtimmissionen messbar sind.
Mangels feststellbarer Einwirkung am Immissionsort kann diese auch kein schädliches
oder lästiges Ausmass im Sinne von Art. 11 Abs. 3 USG erreichen. In Frage steht jedoch,
inwieweit die Lichtemissionen aufgrund des Vorsorgeprinzips an der Quelle begrenzt
werden müssen. Zu vermeiden sind nach dem Gesagten unnötige Emissionen –
unabhängig davon, ob sie zu objektiven Beeinträchtigungen führen – soweit sich die
Begrenzung im Rahmen der Verhältnismässigkeit (Art. 11 Abs. 2 USG) bewegt.
Ausgenommen ist der Bagatellbereich.16
Emissionen sind unnötig, soweit sie über das Mass hinausgehen, das zur Erfüllung ihres
Zwecks notwendig ist. Zu beleuchten ist nur, was beleuchtet werden muss, wobei die
notwendigen Bedürfnisse mit der geringstmöglichen Gesamtlichtmenge abzudecken sind.17
Auch die kantonale Energiegesetzgebung (Art. 51 Abs. 1 KEnG18) schreibt vor, dass
Beleuchtungen energieeffizient und umweltschonend zu betreiben sind und dass die
Lichtstärke und die Dauer der Beleuchtung auf das Mass zu beschränken sind, das aus
12 BGE 140 II 33 E. 4.1 S. 36 13 Art. 11 Abs. 3 USG 14 Art. 12 Abs. 2 USG 15 BGE 140 II 33 E. 4.2 S. 36 f. 16 VGE 208/2010 vom 24. Januar 2011, E. 2.2 17 Urteil des Bundesgerichts 1C_602/2012 vom 2. April 2014, E. 4.1 18 Kantonales Energiegesetz vom 15. Mai 2011 (KEnG; BSG 741.1)
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Sicherheitsgründen erforderlich und für den Verwendungszweck geboten ist.
Beleuchtungen, die himmelwärts strahlen oder die Landschaft beleuchten, sind
grundsätzlich verboten.19
e) Die öffentliche Beleuchtung von Strassen dient der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung und gewährleistet die Strassenverkehrssicherheit. Insbesondere dient sie dazu:
- Allen Verkehrsteilnehmern die Wahrnehmung der Verkehrs- und Aufenthaltsflächen
zu erleichtern
- Alle Verkehrsteilnehmer auch bei Dunkelheit und nasser Fahrbahn erkennbar zu
machen
- Menschen mit Sehbehinderung und älteren Menschen mit erhöhtem Lichtbedarf die
Orientierung zu erleichtern und eine sichere Fortbewegung zu gewährleisten
- Auf besondere Stellen des Strassenraums hinzuweisen
- Bei Dunkelheit zur Sicherheit von Fussgängern und Radfahrern beizutragen
- Die optische Führung zu unterstützen
- Die Gliederung und die Gestaltungsqualität des Strassenraums bei Tag und Nacht zu
verbessern
- Das Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden zu verstärken.20
Die lichttechnischen Anforderungen an die Beleuchtung des Strassenraumes hängen u.a.
vom Typ und von der Funktion der Strasse, von der Menge des motorisierten Verkehrs bei
Nacht, von der Häufigkeit der Querbewegungen von Fussgängern und leichten Zweirädern
bei Nacht und von den angrenzenden Nutzungen ab.21
Die vorliegend beanstandeten Leuchten befinden sich an Gemeindestrassen in der
Wohnzone W2, welche der Wohnnutzung und dem stillen Gewerbe vorbehalten ist.22 Die
Strassenzüge sind geprägt von freistehenden Einfamilienhäusern mit Gärten. Es ist von
einer eher geringen Frequenz von Verkehrsbewegungen bei Dunkelheit auszugehen.
Aufgrund der Wohnnutzung besteht ein grosses Interesse daran, dass ein Ausleuchten der
Umgebung vermieden wird. Bezüglich der guten Sichtverhältnisse auf der Strasse selbst
19 Art. 51 Abs. 3 KEnG 20 VSS-Norm SN 640 212 "Entwurf des Strassenraums – Gestaltungselemente", 2013, Ziff. 19.1. Bezüglich Sicherheit von Fussgängern vgl. auch VSS-Norm 640 075 "Fussgängerverkehr – Hindernisfreier Verkehrsraum", Ziff. 25 21 VSS-Norm SN 640 212 "Entwurf des Strassenraums – Gestaltungselemente", 2013, Ziff. 19.4 22 Art. 211 Baureglement der Gemeinde Ittigen vom 18. November 2008
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dürfen jedoch keine Abstriche gemacht werden. Strassen in Wohnquartieren werden
erfahrungsgemäss von zahlreichen Fussgängern und leichten Zweirädern benutzt. Deren
Sicherheitsgefühl und Wohlbefinden hängen gerade auch bei spärlichem Verkehr in der
Dunkelheit stark von guten Sichtverhältnissen ab. Gute Sichtverhältnisse auf der Strasse
sind daher für die Erfüllung des Zwecks der Strassenbeleuchtung unabdingbar.
f) Zur Beurteilung von Lichtemissionen können Richtlinien und Empfehlungen von
Fachstellen herangezogen werden. Dies gilt insbesondere für die "Empfehlungen zur
Vermeidung von Lichtemissionen" des BUWAL23, die Empfehlungen "Lichtverschmutzung
vermeiden" des Amtes für Berner Wirtschaft (beco)24 sowie die SIA-Norm 49125 zur
"Vermeidung unnötiger Lichtemissionen im Aussenraum". Nach diesen sollen Lichtquellen
so platziert und ausgerichtet sein, dass ihr Licht möglichst viel nützt und wenig stört. Zu
vermeiden sind ineffiziente Beleuchtungen, deren Licht zu einem guten Teil ungenutzt in
den Himmel strahlt. Störendes, auf die Seite strahlendes Licht soll mit einem Raster oder
einer Blende abgeschirmt werden. Alternativ sind Leuchten zu verwenden, die eine präzise
Lichtlenkung aufweisen. Wenn möglich soll die Beleuchtung zeitlich begrenzt werden; dies
gilt besonders für Beleuchtungen, die nicht der Sicherheit dienen (gestalterische
Beleuchtungen und Werbung).26 Bei der Beleuchtungsstärke ist auch der Reflexion des
Lichts von der angeleuchteten Fahrbahn Rechnung zu tragen.27
g) Gemäss Fachbericht des TBA sind bei der Liegenschaft der Beschwerdeführerin
keine Lichtimmissionen von den beanstandeten Strassenleuchten messbar. Beim direkten
Blick in die Leuchte habe – vor Ergreifen von Blendschutzmassnahmen durch die
Gemeinde – eine Blendwirkung bestanden. Unterdessen hat die Gemeinde bei zwei der
beanstandeten Leuchten stirnseitig eine Verdunkelung zur Vermeidung seitlicher
Abstrahlung angebracht. Ein weiteres Leuchtmittel hat sie durch eine LED-Leuchte ersetzt,
die zudem einen Meter tiefer angebracht wurde als die bisherige Leuchte. Laut dem
Fachbericht des TBA ist mit den von der Gemeinde ergriffenen Massnahmen kein direkter
23 Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft, heute BAFU; 2005 24 <http://www.vol.be.ch/vol/de/index/direktion/organisation/beco/downloads_publikationen/luft_immissionen. assetref/dam/documents/VOL/BECO/de/Luft/Licht_Elektrosmog/beco-luft-licht-verschmutzung_DE.pdf> 25 SN 586 491 26 BUWAL-Empfehlungen, S. 8, S. 29 ff.; Empfehlungen beco, S. 1-4; SIA-Norm 491 Ziff. 2.6.1, Ziff. 2.7, Ziff. 3.1.4.2 27 SIA-Norm 491, Ziff. 3.3.2, Ziff. 3.3.4.2
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Blick in die fraglichen drei Leuchtmittel mehr möglich. Dies ist auch aus dem von der
Beschwerdeführerin eingereichten Bildmaterial ersichtlich.28
Nach den Ausführungen der Beschwerdeführerin haben die ergriffenen Massnahmen das
Problem deutlich entschärft. Gleichwohl erachtet sie zusätzliche Massnahmen
(Abdunkelung der Leuchte an der D._strasse 16/18, weitere Höhenreduktion
sowie Verringerung der Lichtstärke bei der Leuchte Nr. D 307, C._strasse 20) als
angezeigt. Die Beschwerdeführerin hat in verschiedenen Eingaben eindringlich dargelegt,
dass sie sich von den Lichtimmissionen, wie sie vor den von der Gemeinde ergriffenen
Massnahmen bestanden, subjektiv stark gestört fühlte und diese bei ihr gesundheitliche
Störungen hervorriefen. Die Intensität des Lichteinfalls bei ihrer Liegenschaft bewegte sich
bereits damals unterhalb des messbaren Bereichs. Mit ihren Massnahmen hat die
Gemeinde die Einwirkungen zusätzlich gemindert. Damit hat sich das subjektive
Empfinden der Beschwerdeführerin nach deren Ausführungen wesentlich verbessert. Mit
der Beseitigung der seitlichen Strahlung der drei Leuchten an der C._strasse zur
Liegenschaft der Beschwerdeführerin hin wurde die Lichtemission auf das für den
Verwendungszweck (Verkehrssicherheit einschliesslich Sicherheitsempfinden der
verschiedenen Verkehrsteilnehmer) notwendige Mass reduziert. Zwar ist es nicht
auszuschliessen, dass für Lichteinwirkungen besonders empfindliche Personen auch die
noch vorhandene Beleuchtung als Störung wahrnehmen könnten; die Ausführungen der
Beschwerdeführerin in ihrer Stellungnahme vom 14. Januar 2017 lassen darauf schliessen.
Auf der anderen Seite muss jedoch berücksichtigt werden, dass der Verwendungszweck
der Strassenbeleuchtung die Rücksichtnahme auf Personen mit besonderer Verletzlichkeit
einschliesst. Zu denken ist etwa an Personen mit Sehbehinderung, ältere Menschen,
Kinder, Fahrradfahrer etc. Einzubeziehen ist ferner, dass die Beleuchtung auch
ausreichend sein muss, um zur Vermeidung von Delikten bzw. zur Steigerung des
Sicherheitsempfindens und Wohlbefindens der Verkehrsteilnehmer beizutragen.29 Bei
Einbezug dieser Aspekte können die noch vorhandenen Lichtemissionen der streitigen
Strassenleuchten nicht als unnötig qualifiziert werden. Entsprechend besteht im Rahmen
des Vorsorgeprinzips keine weitergehende Pflicht zur Reduktion von Lichtemissionen.
4. Zusammenfassung und Kosten
28 Anhang zur Stellungnahme vom 14. Januar 2017 29 Vgl. Urteil des Bundesgerichts 1C_602/2012, E. 6.4
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a) Zusammenfassend ergibt sich, dass die Gemeinde Massnahmen zur Beseitigung
unnötiger Lichtstrahlung aus der öffentlichen Beleuchtung ergriffen hat. Die verbleibenden
Emissionen werden vom Verwendungszweck der öffentlichen Beleuchtung umfasst und
sind nicht verzichtbar. Es sind daher keine weiter gehenden Massnahmen zur Reduktion
von Lichtemissionen anzuordnen. Soweit die Anträge der Beschwerdeführerin über die
Massnahmen hinausgehen, welche die Gemeinde zwischenzeitlich ergriffen hat, ist die
Beschwerde daher abzuweisen, soweit überhaupt darauf einzutreten ist. Auf den
beantragten Augenschein kann verzichtet werden, da der Sachverhalt anhand der
Vorakten, der Eingaben der Beteiligten und des Fachberichts des TBA beurteilt werden
kann.
b) Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Die Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.–
(Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV30). Bei der Kostenverlegung
ist zu berücksichtigen, dass die Gemeinde im Verlauf des Beschwerdeverfahrens die
Anliegen der Beschwerdeführerin zu einem wesentlichen Teil umgesetzt hat. Die
Beschwerdeführerin hat daher die Pauschalgebühr nur zur Hälfte, d.h. im Umfang von
Fr. 500.–, zu tragen. Da der Gemeinde keine Verfahrenskosten auferlegt werden (Art. 108
Abs. 2 VRPG), trägt der Kanton die übrigen Verfahrenskosten.
c) Es sind keine ersatzfähigen Parteikosten angefallen. Als solche gelten nur die durch
die berufsmässige Parteivertretung angefallenen Kosten (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die
persönlichen Aufwendungen der Beschwerdeführerin sind nicht ersatzfähig, so dass über
deren Verlegung nicht zu befinden ist. Soweit die Beschwerdeführerin Forderungen nach
Schmerzensgeld erhebt, ist sie auf den zivilrechtlichen Weg zu verweisen.