# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ef8c81d2-2a57-5df6-8896-dbfa8038fc8a
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 26. August 2015 bei der Gemeinde
Grosshöchstetten ein Baugesuch ein für den Neubau eines Autounterstandes auf Parzelle
Grosshöchstetten Grundbuchblatt Nr. C._ sowie ein Ausnahmegesuch für das
Unterschreiten des Strassenabstandes. Die Parzelle liegt in der Wohnzone W2. Gegen das
Bauvorhaben erhob der Beschwerdeführer Einsprache. Mit Entscheid vom 2. November
2015 erteilte die Gemeinde Grosshöchstetten die Baubewilligung.
RA Nr. 110/2015/159 2
2. Dagegen reichte der Beschwerdeführer am 19. November 2015 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er beantragt die
Aufhebung der Baubewilligung vom 2. November 2015. Er macht insbesondere geltend,
das Bauvorhaben entspreche nicht dem gültigen Baureglement, das Erteilen einer
Ausnahmebewilligung für das Unterschreiten des Strassenabstandes sei nicht
gerechtfertigt und das Bauvorhaben beeinträchtige die Verkehrssicherheit.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Der Beschwerdegegner verweist mit
Schreiben vom 20. Dezember 2015 auf seine Stellungnahme zur Einsprache, womit er in
der Sache die Abweisung der Beschwerde beantragt. Die Gemeinde beantragt ebenfalls
die Abweisung der Beschwerde.
4. Mit Verfügung vom 26. Januar 2016 holte das Rechtsamt beim Tiefbauamt des
Kantons Bern, Oberingenieurkreis II (TBA OIK II) einen Fachbericht zur Verkehrssicherheit
sowie zu den Dimensionen des Autounterstandes ein. Zudem bat es den
Beschwerdegegner darzulegen, weshalb der Autounterstand nicht an einem anderen
Standort errichtet werden könne, und es holte bei der Gemeinde die vollständigen
Baubewilligungsakten für das Baugrundstück ein. Die Verfahrensbeteiligten erhielten
Gelegenheit zur Stellungnahme und zur Einreichung von Schlussbemerkungen.
5. Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht des OIK II wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der fristgerecht eingereichten Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Zur
Einsprache befugt sind Personen, die durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen
schutzwürdigen Interessen betroffen sind (Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Der
Beschwerdeführer wohnt am D._ Weg, Parzelle Grosshöchstetten Grundbuchblatt
Nr. E._. Die Distanz zwischen den Parzellen des Beschwerdeführers und des
Beschwerdegegners beträgt etwa 50 m und es befindet sich einzig der D._ Weg
dazwischen. Der Beschwerdeführer hat zudem Sicht auf die Bauparzelle. Der
Beschwerdeführer ist als Nachbar besonders betroffen. Er ist zudem mit seiner Einsprache
gegen das geplante Bauvorhaben im Baubewilligungsverfahren unterlegen und somit
durch den vorinstanzlichen Bauentscheid beschwert. Der Beschwerdeführer ist zur
Beschwerde legitimiert. Auf die formgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Voranfrage
a) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Baubehörde habe die Bauvoranfrage
positiv beurteilt. Seine Einsprache habe daher zwangsläufig abgeschmettert werden
müssen; andernfalls wäre die Gemeinde dem Beschwerdegegner in den Rücken gefallen.
b) Die Voranfrage ist im Kanton Bern in der Praxis verbreitet, jedoch nicht gesetzlich
geregelt. Die Baubehörden werden mit Voranfragen vor der Eröffnung eines
Baubewilligungsverfahrens um Rechtsauskunft über die voraussichtliche
Bewilligungsfähigkeit eines Bauvorhabens ersucht. Die erteilte Rechtsauskunft hat im
Baubewilligungsverfahren keine bindende Wirkung. Die Antwort auf die Voranfrage schafft
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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auch keine Vertrauenspositionen.3 Die Antwort auf eine Voranfrage darf jedoch nicht den
Anschein erwecken, die Baubehörde habe sich bereits eine abschliessende Meinung zum
Bauprojekt gebildet und werde sich im Baubewilligungsverfahren ungeachtet der
Argumente der Einsprecher nicht mehr umstimmen lassen. Die erteilte Rechtsauskunft hat
unter dem Vorbehalt eines abweichenden Entscheids im Baubewilligungsverfahren zu
erfolgen.
c) Der Beschwerdegegner ersuchte die Gemeinde am 30. Mai 2014 um Rechtsauskunft
über die Bewilligungsfähigkeit des Autounterstandes und die Aussicht auf Erteilung einer
Ausnahmebewilligung zur Unterschreitung des Strassenabstandes.4 Die Gemeinde stellte
dem Beschwerdegegner die Ausnahmebewilligung für die Unterschreitung des
Strassenabstandes am 3. Juli 2014 in Aussicht.5 Sie hielt aber auch fest, "sämtliche
Ausführungen in diesem Schreiben verstehen sich vorbehältlich Einsprachen sowie
zivilrechtlicher Angelegenheiten im Rahmen des Baubewilligungsverfahrens." Die
Gemeinde hat die Ausnahmebewilligung damit nicht vorbehaltlos zugesichert, sondern klar
gemacht, dass sie eine abschliessende Meinung zum Bauvorhaben noch nicht gebildet
hat. Die Gemeinde wurde durch die erteilte Auskunft nicht gebunden. Sie hat sich zudem
im Bauentscheid mit der Einsprache des Beschwerdeführers auseinandergesetzt und diese
bei der Entscheidfindung berücksichtigt. Der Vorwurf, die Gemeinde habe nach der Antwort
auf die Voranfrage die Baubewilligung nicht mehr verweigern können bzw. die Einsprache
sei von vornherein aussichtslos gewesen, ist damit unbegründet.
3. Parkplatzbedarf
Geplant ist ein Autounterstand für ein Motorfahrzeug. Im Gebäude auf dem Baugrundstück
befinden sich drei Wohnungen.6 Der Parkplatzbedarf für drei Wohnungen beträgt nach
Art. 51 Abs. 1 Bst. c BauV7 zwischen zwei und sieben Parkplätze. Es sind zwei
Abstellplätze in Garagen vorhanden. Zudem werden einzelne Fahrzeuge auf dem Vorplatz
3 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Vorbemerkungen zu den Art. 32–44 N. 5 4 Vorakten, pag. 1 5 Vorakten, pag. 2 f. 6 Vorakten der Gemeinde, Mäppchen BG Nr. 859 7 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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auf der Nordseite abgestellt. Es ist jedoch nicht zu erwarten und wird auch nicht geltend
gemacht, dass mit dem zusätzlichen Abstellplatz im Autounterstand die zulässige Anzahl
an Abstellplätzen überschritten wird.
4. Strassenabstand und Ausnahmebewilligung
a) Der Autounterstand hält zum D._ Weg einen Abstand von 0,53 m ein. Der
D._ Weg ist eine Gemeindestrasse. Für den Autounterstand gilt ein
Strassenabstand von 3,60 m ab Fahrbahnrand (Art. 80 Abs. 1 Bst. b SG8; Art. 18 Abs. 1
und 3 GBR9). Es ist unbestritten, dass der Strassenabstand nicht eingehalten wird. Der
Beschwerdegegner hat für die Unterschreitung ein Ausnahmegesuch gestellt.10
b) Der Beschwerdeführer macht geltend, die Ausnahmebewilligung sei zu Unrecht erteilt
worden. Das Bauvorhaben könne reglementskonform umgesetzt werden, wenn es
redimensioniert oder anderweitig auf dem Grundstück platziert werde. In seinen
Schlussbemerkungen bringt der Beschwerdeführer zudem vor, auf der Nordseite entlang
des Gebäudes könnte eine Konstruktion mit Stahlprofilen und einem Glasdach realisiert
werden. Durch das Glasdach werde der Lichteinfall zu den nordseitigen Fenstern nur
wenig beeinträchtigt und es könnte sogar ein Unterstand für zwei Motorfahrzeuge
geschaffen werden. Damit bestehe eine Alternative zum geplanten Projekt.
Der Beschwerdeführer erklärt, der vorgesehene Standort sei der einzige, an dem der
Lichteinlass von Fenstern nicht beeinträchtigt werde. Einen Alternativstandort gebe es
nicht.
Die Gemeinde Grosshöchstetten bringt vor, nach ihrer Praxis könne der Strassenabstand
auf Gemeindestrassen für An- und Nebenbauten bei begründeten Gesuchen unterschritten
werden, wenn die Verkehrssicherheit und die Arbeiten der Wegmeister nicht beeinträchtigt
würden. Das sei vorliegend erfüllt.
8 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 9 Gemeindebaureglement der Einwohnergemeinde Grosshöchstetten vom 5. Juni 2005 10 Vorakten, pag. 8
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c) Nach Art. 81 Abs. 1 SG kann das zuständige Gemeinwesen Ausnahmen von den
gesetzlichen Strassenabständen bewilligen, wenn besondere Verhältnisse, insbesondere
des Ortsbildes, es rechtfertigen und wenn dadurch weder öffentliche Interessen noch
wesentliche nachbarliche Interessen beeinträchtigt werden. Für Kleinbauten verweist Art.
81 Abs. 2 SG auf Art. 28 BauG. Demnach kann die Baubewilligungsbehörde die Erstellung
kleiner und leicht entfernbarer Bauten und Anlagen in Abweichung von Bauvorschriften auf
Zusehen hin bewilligen, wenn der Bauherr ein genügendes Interesse nachweist und weder
öffentliche noch nachbarliche Interessen beeinträchtigt werden (Art. 28 Abs. 1 Bst. a und b
BauG).
d) Als kleine und leicht entfernbare Bauten im Sinn von Art. 28 BauG gelten Bauten,
deren Entfernung ohne grösseren Aufwand und ohne erhebliche Nachteile möglich ist und
welche die Dimensionen gemäss Art. 12 Abs. 3 NBRD11 nicht wesentlich überschreiten,
d.h. eine mittlere Gebäudehöhe von bis zu 4 m und eine Grundfläche von bis zu 60 m2
einhalten. Mit einer Grundfläche von 13,50 m2 und einer Höhe von etwa 2,50 m weist der
Autounterstand deutlich geringere Dimensionen auf als sie in Art. 12 Abs. 3 NBRD
vorgesehen sind. Zudem ist der Autounterstand mit einer Einzelgarage vergleichbar, die
ausdrücklich als Beispiel einer Kleinbaute im Sinne von Art. 28 BauG verstanden wird.12
Der Autounterstand lässt sich zudem ohne grossen Aufwand und Nachteile wieder
entfernen. Es sind auf der Längsseite drei Fundamente zur Verankerung der Baute
vorgesehen. Diese können nötigenfalls ohne Schwierigkeiten entfernt werden oder ohne
Nachteile im Boden belassen werden. Auf der Gegenseite sind keine Fundamente nötig,
da der Autounterstand an der Hauswand befestigt wird. Der Autounterstand stellt eine
Kleinbaute im Sinn von Art. 28 BauG dar.
e) Während die Erteilung einer Ausnahmebewilligung nach Art. 81 Abs. 1 SG an das
Vorliegen besonderer Verhältnisse geknüpft wird, kann eine Ausnahme auf Zusehen hin
bereits erteilt werden, wenn ein genügendes Interesse des Bauherrn vorliegt (Art. 28
Abs. 1 Bst. a BauG). Ein genügendes Interesse liegt vor, wenn die Einhaltung der
Vorschrift zu einer unzweckmässigen Lösung für die Bauherrschaft führen würde und damit
als übertriebene Strenge erschiene. Kein genügendes Interesse besteht hingegen, wenn
11 Dekret vom 10. Februar 1970 über das Normalbaureglement (NBRD; BSG 723.13) 12 vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 28 N. 2 f.
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die Bauherrschaft ebenso gut, d.h. ohne wesentlichen Nachteil, vorschriftsgemäss bauen
kann.13
Der Autounterstand ist auf der Westseite des Grundstücks geplant, angebaut an die
Fassade des Hauptgebäudes. Er weist gemäss Situationsplan an der Nordwestecke einen
minimalen Strassenabstand von 0,53 m auf. Die Breite des Autounterstandes beträgt
2,70 m. Wie der OIK II im Fachbericht nachvollziehbar ausführt, ist der Autounterstand
knapp bemessen. Eine Redimensionierung des Unterstandes ist nicht möglich.
Auch ein anderer Standort kommt nicht in Frage: Die Südseite der Parzelle dient als
Garten und Sitzplatz.14 Einen Autounterstand auf diesem Teil der Parzelle zu realisieren, ist
daher nicht zweckmässig. Zudem gilt auch hier der Strassenabstand, so dass der
Autounterstand nur mit einer Ausnahme vom Strassenabstand sinnvoll platziert werden
kann. Die Südseite ist damit nicht besser geeignet als der vorgesehene Standort. Auf der
Nordseite ist in der östlichen Ecke des Grundstücks bereits ein Unterstand für Velos und
Motos vorhanden, so dass hier nicht ausreichend Platz für einen Autounterstand besteht.
Im Erdgeschoss befindet sich sodann eine Einzimmerwohnung, deren Fenster
hauptsächlich nach Norden führen.15 Würde der Autounterstand wie vom
Beschwerdeführer vorgeschlagen entlang der Nordfassade errichtet, so stünde er direkt
vor den Fenstern der Einzimmerwohnung, sei es vor den Zimmern, oder vor Küche, WC
und Treppenhaus. Auch mit der vom Beschwerdeführer vorgeschlagenen Konstruktion mit
einem Glasdach wird der Lichteinfall gemindert. Zudem würde auch die Lüftung der
Wohnung beeinträchtigt. Der Standort auf der Nordseite erweist sich damit ebenfalls als
nicht zweckmässig. Ein alternativer Standort kommt damit nicht in Betracht.
Der Beschwerdegegner weist demgegenüber ein ausreichendes Interesse am
Autounterstand auf. Es entspricht einem allgemeinen Bedürfnis, ein Fahrzeug an einem vor
der Witterung geschützten Ort parkieren zu können. Angesichts der Geringfügigkeit des
Vorhabens würde hier die strikte Einhaltung der Strassenabstandsvorschrift für den
Beschwerdegegner als eine übertriebene Strenge erscheinen.
13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 28 N. 4 14 vgl. Foto in den Vorakten, pag. 4 15 vgl. Pläne in den Vorakten der Gemeinde, Mäppchen BG Nr. 859
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f) Die Erteilung einer Ausnahmebewilligung darf sodann weder öffentliche noch
nachbarliche Interessen beeinträchtigen (Art. 28 Abs. 1 Bst. b BauG). Es ist nicht
ersichtlich, inwiefern Nachbarn aus der Erteilung der Ausnahmebewilligung
Unzukömmlichkeiten entstehen könnten. Auch beeinträchtigt die Erstellung des
Autounterstandes das Orts- und Landschaftsbild nicht. Dies macht der Beschwerdeführer
auch nicht geltend.
Für die Beurteilung der Verkehrssicherheit hat das Rechtsamt einen Fachbericht beim
OIK II eingeholt. Darin führt der OIK II aus, der D._ Weg sei überschaubar und
wenig besiedelt. Die Knotensichtweite von 50 m sei eingehalten, wenn vom D._
Weg 1 Richtung D._ Weg 2 abgebogen werde. Auch in die Gegenrichtung sei die
Knotensichtweite von 35 m eingehalten, was einer Geschwindigkeit von 40 km/h
entspräche. Es könne angenommen werden, dass diese Geschwindigkeit nicht
überschritten werde. Der OIK II kommt zum Ergebnis, dass das Bauvorhaben im Vergleich
zur bestehenden Situation keinen erheblichen Einfluss auf die Verkehrssicherheit hat.
Die Ausführungen des OIK II sind nachvollziehbar und überzeugen. Beim D._
Weg handelt es sich um eine Sackgasse. Einzig die Anwohner und Besucher der
Liegenschaften am D._ Weg benutzen diesen. Es ist auch nicht von einer grossen
Fahrgeschwindigkeit auszugehen und aufgrund der Fotos in den Akten ist nachvollziehbar,
dass die Situation übersichtlich ist. Nach den Feststellungen des OIK II sind zudem die
Knotensichtweiten eingehalten. Die Verkehrssicherheit wird durch den geplanten
Autounterstand damit nicht beeinträchtigt. Gegen die Erteilung einer Ausnahmebewilligung
sprechen weder öffentliche noch nachbarliche Interessen.
g) Zusammenfassend kann für den geplanten Autounterstand eine
Ausnahmebewilligung gestützt auf Art. 81 Abs. 2 SG in Verbindung mit Art. 28 BauG erteilt
werden. Die Gemeinde hat damit die Baubewilligung zu Recht erteilt. Allerdings fehlt im
Bauentscheid die Ausnahmebewilligung für das Unterschreiten des Strassenabstandes
(vgl. Art. 38 Abs. 2 BauG; Art. 36 Abs. 3 Bst. a BewD16). Dieser Mangel wird von Amtes
wegen korrigiert und das Dispositiv des Bauentscheides ergänzt. Die
Ausnahmebewilligung wird auf Zusehen hin erteilt und kann jederzeit entschädigungslos
widerrufen werden.
16 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
RA Nr. 110/2015/159 9
5. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG17). Die Ergänzung des Bauentscheides
von Amtes wegen durch die BVE hat auf die Kostenverteilung keinen Einfluss. Die
Verfahrenskosten werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 600.00 (Art. 103
Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV18). Parteikosten werden keine
gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).