# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7c8e7e2f-7291-4317-96da-ef59460d1c32
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend arbeitsrechtliche Forderung
Berufung gegen ein Urteil des Arbeitsgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 19. Juni 2019 (AN170064-L)
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Rechtsbegehren: (Urk. 1)
"1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger CHF 346'200 (brutto) zzgl. 5 % Zins seit 1. Februar 2017 zu bezahlen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der  (zuzüglich 8 % MWST).
3. Weitere Forderungen, namentlich Bonus für Januar 2017, sind vorbehalten."
Urteil des Arbeitsgerichtes Zürich, 3. Abteilung, vom 19. Juni 2019: (Urk. 43 = Urk. 46)
1. Die Klage wird abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird auf Fr. 25'200.– festgesetzt.
3. Die Gerichtskosten werden dem Kläger auferlegt.
Die Gerichtskosten werden vorab aus dem vom Kläger geleisteten Vor-
schuss in Höhe von Fr. 18'000.– bezogen, womit der Kläger der Gerichts-
kasse die noch verbleibenden Fr. 7'200.– zu bezahlen hat.
4. Der Kläger wird verpflichtet, der Beklagten eine Parteientschädigung von
Fr. 31'188.– (Fr. 28'958.– zuzüglich Fr. 2'230.– MwSt) zu bezahlen.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien, an die Beklagte unter Beilage von
act. 41 (Doppel) und act. 42 (Kopie).
6. Eine Berufung gegen diesen Entscheid kann innert 30 Tagen von der Zustel-
lung an im Doppel und unter Beilage dieses Entscheids beim Obergericht
des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, Postfach, 8021 Zürich, erklärt werden. In
der Berufungsschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige
Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen.
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Berufungsanträge:
des Klägers und Berufungsklägers (Urk. 45 S. 2):
"1. Es sei das Urteil des Arbeitsgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom 19. Juni 2019
(Geschäfts-Nr. AN170064) aufzuheben.
2. Es sei die Beklagte / Berufungsbeklagte zu verpflichten, dem Kläger / Beru-
fungskläger CHF 346'200 (brutto) zuzügl. 5% Zins seit 1. Februar 2017 zu bezahlen.
3. Eventualiter sei das Verfahren an die Vorinstanz zur Ergänzung des Sach-
verhaltes und Neuentscheidung zurückzuweisen.
4. Unter Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beklagten / Berufungsbeklagten
(zuzüglich 7,7% MWST)."
der Beklagten und Berufungsbeklagten (Urk. 51 S. 2):
"1. In Abweisung der Berufung sei das Urteil des Arbeitsgerichts Zürich, 3. Ab-
teilung, vom 19. Juni 2019 (Geschäfts-Nr. AN170064-L) zu bestätigen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Klägers / Berufungs-
klägers."

## Considerations

Erwägungen:
I.
1. Mit Arbeitsvertrag vom 8./18. August 2009 wurde der Kläger von der Be-
klagten als Senior Relationship Manager im Range eines Executive Directors an-
gestellt. Per 1. Februar 2011 wurde er zum Managing Director Senior Adviser be-
fördert (Urk. 4/4, Urk. 4/7; Urk. 1 Rz 7, Urk. 15 Rz 12). Mit Schreiben vom 30. Juni
2016 kündigte der Kläger den Arbeitsvertrag (Urk. 4/8). Die Parteien sind sich ei-
nig, dass aufgrund der sechsmonatigen Kündigungsfrist das Arbeitsverhältnis per
31. Dezember 2016 aufgelöst wurde (Urk. 1 Rz 10, Urk. 15 Rz 13). Der damalige
Leiter der Region Schweiz, C._, versuchte, den Kläger zu überzeugen, bei
der Beklagten zu bleiben. Ein zu diesem Zweck auf den 15. Juli 2017 anberaum-
tes Treffen fand indes nicht statt (Urk. 1 Rz 10, Urk. 15 Rz 15; Urk. 46 S. 3, Urk.
45 Rz 5).
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2. Am 20. Dezember 2016 fand zwischen dem Kläger, D._ (Nachfolger
von C._ als Region Head Switzerland) und E._ (HR Business Partner)
ein Gespräch statt, in dessen Verlauf dem Kläger ein von der Beklagten bzw. von
D._ und E._ unterzeichneter "Target Variable Compensation Letter"
vom 7. Dezember 2016 (fortan TVCL) ausgehändigt wurde (Urk. 15 Rz 27, Urk.
20 S. 4; Urk. 4/9, Urk. 17/3). In dem mehrseitigen Schreiben offeriert die Beklagte
dem Kläger "an exceptional one-off target variable compensation for the Calcula-
tion Period 2016 and 2017" (Urk. 4/9 S. 1).
3. Anlässlich eines am 23. Dezember 2016 zwischen denselben Personen
geführten Gesprächs übergab der Kläger den Vertretern der Beklagten ein von
ihm unterzeichnetes, an D._ adressiertes Schreiben vom 22. Dezember
2016. Darin bedankte er sich für das ausführliche Gespräch vom 20. Dezember
2016, anerkannte die Bemühungen, ihn als Private Banker bei der Bank zu hal-
ten, und bat um Verständnis, dass er an seinem Entschluss, die Beklagte per
31. Dezember 2016 zu verlassen, festhalte. Der im Schreiben bekundeten Bereit-
schaft des Klägers, die Kündigungsfrist um einen Monat bis Ende Januar 2017 zu
verlängern, stimmten D._ und E._ am 23. Dezember 2016 unterschrift-
lich zu (Urk. 17/2; Urk. 15 Rz 35, Urk. 20 S. 9, Urk. 46 S. 3, Urk. 45 Rz 5).
4. Am 24. Dezember 2016 unterzeichnete der Kläger den TVCL und stellte
ihn in der Folge mit der folgenden Erklärung der Beklagten zu (Urk. 4/9 S. 4;
Urk. 1 Rz 12, Urk. 15 Rz 39, Urk. 46 S. 3 f., Urk. 45 Rz 5):
«Gemäss Erklärung der Bank vom 23.12.2016 gilt diese Vereinbarung für die Zeit vom 1.1.2016 bis zum 31.1.2017, also jenem Tag, an dem das  endet (s. dazu auch "termination of the employment contract" gem. Abs. 3 auf dieser Seite).»
Absatz 3 "auf dieser Seite" lautet wie folgt:
«We inform you that this financial agreement is only valid for the Calculation Period 2016 and 2017 in conjunction with a valid employment contract and ends immediately upon termination of the employment contract. The variable compensation will be paid according the Groups processes. Depending on your performance in year the Bank may decide at its sole discretion to extend the terms of this agreement to the Calculation Period 2018.»
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5. Mit Schreiben vom 5. Januar 2017 bestätigte die Beklagte dem Kläger die
Kündigung per 31. Januar 2017. Zugleich wies sie ihn darauf hin, dass allfällige
Gratifikations- und/oder Bonuszahlungen für die Geschäftsjahre 2016 und 2017
mit dem Ausscheiden am 31. Januar 2017 entfallen würden (Urk. 4/10). Am
12. Januar 2017 wurde der Kläger freigestellt. Mit Schreiben vom 18. Januar 2017
widersprach der Kläger der Auffassung, dass durch sein Ausscheiden per 31. Ja-
nuar 2017 sämtliche Gratifikations- und/oder Bonuszahlungen für die Geschäfts-
jahre 2016 und 2017 entfallen würden (Urk. 4/11). Die Beklagte berief sich in ih-
rem Schreiben vom 27. Januar 2017 auf Art. 50 des Personalreglements, wonach
Boni freiwillige Leistungen darstellten und nur an Mitarbeitende in einem unge-
kündigten Arbeitsverhältnis ausbezahlt würden (Urk. 4/12).
6. Mit Klageschrift vom 1. November 2017 machte der Kläger die Klage mit
obgenanntem Rechtsbegehren bei der Vorinstanz rechtshängig (Urk. 1). Mit der
Klage macht der Kläger gestützt auf den TVCL für das Jahr 2016 einen Bonusan-
spruch von Fr. 364'200.– geltend (Urk. 1 S. 8). In der Klageantwort vom 21. Feb-
ruar 2018 beantragte die Beklagte die vollständige Abweisung der Klage
(Urk. 15). An der Hauptverhandlung vom 21. Juni 2018 hielten die Parteien die
weiteren Vorträge (Prot. I S. 6 ff.). Am 14. September 2018 erging der Beweisbe-
schluss (Urk. 22). An der Beweisverhandlung vom 4. März 2019 wurden E._,
F._, C._, G._ und H._ als Zeugen einvernommen sowie
D._ und der Kläger als Parteien persönlich befragt (Prot. I S. 28 ff., Urk. 32
bis Urk. 38). Am 5. März 2019 fand die Schlussverhandlung statt (Prot. I S. 31 ff.).
Am 11. März 2019 reichte der Kläger das Original des bei ihm verbliebenen
Exemplars des TVCL zu den Akten (Urk. 41 und Urk. 42). Am 19. Juni 2019 fällte
die Vorinstanz das eingangs im Dispositiv wiedergegebene Urteil (Urk. 43).
7. Gegen das ihm am 21. Juni 2019 zugestellte Urteil erhob der Kläger mit
Eingabe vom 22. August 2019, gleichentags zur Post gegeben und hierorts ein-
gegangen am 23. August 2019, Berufung mit den eingangs gestellten Anträgen
(Urk. 44/1, Urk. 45). Der Kostenvorschuss von Fr. 18'000.– wurde rechtzeitig ge-
leistet (Urk. 48, Urk. 49). Die Berufungsantwort datiert vom 4. November 2019
(Urk. 51). Die Parteien reichten weitere Stellungnahmen ein (Urk. 55, Urk. 57,
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Urk. 59 und Urk. 61). Die letzte Eingabe der Beklagten vom 28. Januar 2020 wur-
de dem Kläger am 31. Januar 2020 zugestellt (Urk. 62).
II.
1. Die Vorinstanz gab die Parteistandpunkte im Wesentlichen wie folgt wie-
der (Urk. 46 S. 4 ff.):
1.1 Der Kläger mache geltend, dass im Frühjahr 2015 zwischen ihm und
dem damaligen Leiter der Region Schweiz, I._, Gespräche stattgefunden
hätten und dem Kläger von I._ aufgrund der langjährigen Arbeit und positiv
beurteilter Leistungen ein "Milestone-Vertrag" versprochen worden sei. Beim "Mi-
lestone-Vertrag" handle es sich um einen Vertrag, der dem Kläger einen An-
spruch auf einen Leistungsbonus gegeben hätte. I._ habe diese Pendenz
aufgrund seines Wechsels in die Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe der
Beklagten im Spätsommer 2015 seinem Nachfolger C._ übergeben, der dem
Kläger in mehreren Gesprächen im ersten Halbjahr 2016 den Erhalt eines "Miles-
tone-Vertrags" bestätigt habe. Aufgrund seines Ausscheidens sei auch unter ihm
diese Pendenz nicht erledigt worden (Urk. 46 S. 4 f.).
1.2 Nach der schriftlichen Kündigung vom 30. Juni 2016 per 31. Dezember
2016 habe die Beklagte dem Kläger mit der Übermittlung des auf den 7. Dezem-
ber 2016 datierten, unterzeichneten TVCL ein seit mehr als eineinhalb Jahren
pendentes Versprechen erfüllt. Auch hätten D._ und E._ anlässlich des
Jahresendgesprächs vom 23. Dezember 2016 dem Kläger bestätigt, dass der
TVCL für die Zeit vom 1. Januar 2016 bis 31. Januar 2017 gelte, weshalb der
Kläger dies am 24. Dezember 2016 so festgehalten, den TVCL unterzeichnet und
der Beklagten zugestellt habe (Urk. 46 S. 5).
1.3 Die vom Kläger geltend gemachte Bonuszahlung beziehe sich auf den
TVCL, der zwischen den Parteien rechtsgültig zustande gekommen sei. Der
TVCL sei speziell auf den Kläger zugeschnitten gewesen und dem Vertrag selber
sei nicht zu entnehmen, dass er nur unter der Bedingung des unbefristeten Ver-
bleibs des Klägers bei der Beklagten zustande komme. Zudem finde Art. 50 des
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Personalreglements keine Anwendung auf den TVCL, der weder auf das Regle-
ment verweise noch einen diskretionären Bonus vorsehe. Vielmehr sehe der
TVCL auf Seite vier im dritten Absatz vor, dass die Vereinbarung auf die Berech-
nungsperiode 2016 und 2017 in Verbindung mit einem gültigen Arbeitsvertrag
Anwendung finde. Der Kläger sei bis zum 31. Januar 2017 bei der Beklagten an-
gestellt gewesen, womit er die Voraussetzungen – ein gültiger Arbeitsvertrag – er-
füllt habe (Urk. 46 S. 5).
1.4 Mitte Dezember, aber jedenfalls vor dem Gespräch vom 20. Dezember
2016, habe der Kläger einen Dialog mit H._, CEO Europa, geführt, wobei es
insbesondere um einen geordneten Austritt des Klägers aus der Bank gegangen
sei. Zur Regelung der Austrittsmodalitäten habe H._ das Gespräch zwischen
dem Kläger sowie D._ und E._ vom 20. Dezember 2016 organisiert. Ei-
ne Rücknahme der Kündigung sei nie ein Thema gewesen. Der Kläger habe nie
zugesichert, dass er bei der Beklagten bleiben wolle, und er habe keinen Anlass
gegeben, an seinem Kündigungsentschluss zu zweifeln. Auch der Umstand, dass
der Kläger nach der Kündigung weiter motiviert gearbeitet habe und seitens der
Beklagten nicht freigestellt worden sei, vermöge nicht zu indizieren, dass der Klä-
ger beabsichtigt habe, trotz Kündigung bei der Beklagten zu bleiben (Urk. 46 S. 5
f.).
1.5 Anlässlich des Gesprächs vom 20. Dezember 2016 sei dem Kläger der
TVCL von D._ mit den Worten "Dies ist für dich" übergeben worden. D._
habe im weiteren Verlauf des Gesprächs versucht, den Kläger zum Verbleib zu
überreden, und in diesem Zusammenhang unter anderem einen "Unternehmer-
vertrag" (mit fixer Beteiligung an den generierten Profits [Urk. 20 S. 4]) erwähnt.
Der Kläger habe nicht davon ausgehen müssen, dass der TVCL nur unter der
Bedingung seines unbefristeten Verbleibs zustande komme. Der Kläger sei an-
lässlich des Gesprächs vom 23. Dezember 2016 weder aufgefordert worden, den
TVCL zurückzugeben, noch sei von einer Vernichtung des TVCL die Rede gewe-
sen; dies, obwohl er den TVCL entgegen der Darstellung der Beklagten dabeige-
habt habe, was für die Beteiligten auch ersichtlich gewesen sei (Urk. 46 S. 6).
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1.6 Die Beklagte habe überdies auch nach der Zustellung des TVCL durch
den Kläger am 24. Dezember 2016 nicht reagiert; sie habe diesen weder zurück-
gefordert noch eine Ungültigkeit festgehalten. Die im Standardschreiben der Be-
klagten vom 5. Januar 2017 unter dem Titel "Bonus" enthaltene Klausel beschla-
ge den TVCL nicht, da er darin nicht explizit erwähnt worden sei (Urk. 46 S. 6).
2.1 Die Beklagte bestreite, dass dem Kläger jemals ein "Milestone-Vertrag"
durch I._ oder C._ versprochen worden sei. Auch wenn die Behauptun-
gen des Klägers diesbezüglich zutreffen würden, hätte dies nichts mit dem TVCL
zu tun (Urk. 46 S. 6 f.).
2.2 Am Gespräch vom 20. Dezember 2016, das zwischen dem Kläger und
D._ sowie E._ geführt worden sei, sei dem Kläger der von der Beklag-
ten unterschriebene TVCL überreicht worden, um den Kläger zum Verbleib bei
der Beklagten zu motivieren. Für alle Parteien sei stets klar gewesen, dass der
TVCL von der unbefristeten Weiterführung des Arbeitsverhältnisses abhängig sei,
und das Dokument sei dem Kläger unter dieser Bedingung übergeben worden
(Urk. 46 S. 7).
2.3 Entgegen den Ausführungen des Klägers habe es sich beim Gespräch
vom 23. Dezember 2016, das wiederum zwischen dem Kläger und D._ und
E._ geführt worden sei, um ein Verhandlungs- und nicht um ein Jahresend-
gespräch gehandelt. Bei diesem Gespräch habe der Kläger der Beklagten ein auf
den 22. Dezember 2016 datiertes Schreiben übergeben, wonach er an seiner
Kündigung festhalte, weshalb das von der Beklagten vorbereitete und dem Kläger
übergebene Schreiben vom 23. Dezember 2016 mit dem Titel "Ungültigkeitserklä-
rung der mitarbeiterseitigen Kündigung sowie Absichtserklärung zur weiteren zu-
künftigen Zusammenarbeit" (Urk. 17/1) nicht unterzeichnet worden sei. Dieses
Schreiben bestätige zudem, dass der TVCL an ein fortgesetztes und ungekündig-
tes Arbeitsverhältnis anknüpfe (Urk. 46 S. 7).
2.4 Das Schreiben des Klägers vom 22. Dezember 2016, wonach er an sei-
ner Kündigung festhalte, verdeutliche, dass die Beklagte bis zum 23. Dezember
2016 davon habe ausgehen müssen, der Kläger wolle bei der Beklagten bleiben,
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ansonsten es keinen Sinn gemacht hätte, am 23. Dezember 2016 ein Gespräch
zu führen. Die Beklagte habe den TVCL anlässlich dieses Gesprächs zurückge-
fordert. Der Kläger habe jedoch angegeben, den TVCL nicht dabei zu haben.
Während des Gesprächs hätten sich die Parteien darauf geeinigt, dass die Kündi-
gungsfrist des Klägers bis am 31. Januar 2017 verlängert werde. Jedoch habe
man sich in Bezug auf die Wirksamkeit des TVCL keineswegs geeinigt. Zusam-
menfassend gehe aus dem Schreiben des Klägers vom 22. Dezember 2016 her-
vor, dass er der Beklagten erst am 23. Dezember 2016 mitgeteilt habe, dass er
nicht mehr bei der Beklagten bleiben werde (Urk. 46 S. 7 f.).
2.5 Die vom Kläger mit Schreibmaschinentext angebrachte Erklärung, wo-
nach durch D._ und E._ bestätigt worden sei, dass der TVCL vom 1.
Januar 2016 bis 31. Januar 2017 gelte [vgl. Urk. 42 S. 4], entspreche in keiner
Weise der von der Beklagten abgegebenen Erklärung. Es sei weiter nicht nach-
vollziehbar, dass der Kläger den TVCL am Gespräch vom 23. Dezember 2016
dabei gehabt habe, hätte er in diesem Fall die angebrachte Erklärung doch gleich
von D._ und E._ unterzeichnen lassen können. Die mit Schreibmaschi-
ne auf den TVCL angebrachte Bestätigung zeige, dass der Kläger selber von der
Ungültigkeit des TVCL ausgegangen sei: Wenn dem Kläger der TVCL trotz ge-
kündigtem Arbeitsverhältnis bedingungslos ausgehändigt worden wäre, so wäre
die Bestätigung gar nicht notwendig gewesen (Urk. 46 S. 8).
2.6 Der TVCL habe nicht rechtsgültig zustande kommen können, da zum
Zeitpunkt der Unterzeichnung durch den Kläger das Angebot seitens der Beklag-
ten nicht mehr bestanden habe. Der TVCL sei dem Kläger angeboten worden,
weil dieser gegenüber verschiedenen Personen geäussert habe, dass er bei der
Beklagten verbleiben wolle. Dass dies so gewesen sei, zeige auch der Umstand,
dass der Kläger nicht umgehend freigestellt worden sei, was bei der Beklagten bei
Kundenberatern im gekündigten Arbeitsverhältnis zum Standardprozess gehöre
(Urk. 46 S. 8).
2.7 Der TVCL beziehe sich auf die Geschäftsjahre 2016, 2017 und allenfalls
2018. Es mache keinen Sinn, dem Kläger einen TVCL für das Jahr 2017 mit einer
Verlängerungsmöglichkeit für das Jahr 2018 auszustellen, wenn klar gewesen
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wäre, dass das Arbeitsverhältnis per 31. Dezember 2016 ende. Hätte die Beklag-
te den Kläger für seine bisherige Arbeitsleistung honorieren wollen, so hätte sie
einen fixen Bonusbetrag festgelegt und diesen per Ende des Arbeitsverhältnisses
ausbezahlt (Urk. 46 S. 8).
2.8 Beim TVCL handle es sich um einen diskretionären Bonus, auf den
Art. 50 des Personalreglementes Anwendung finde (Urk. 46 S. 9).
3. Den klägerischen Vorbringen (vorstehend E. II/1.1-1.6) ist nur noch beizu-
fügen, dass der Kläger in Abrede stellte, das von der Beklagten erwähnte Schrei-
ben vom 23. Dezember 2016 (Urk. 17/1) erhalten zu haben. Er will dieses Doku-
ment erstmals mit der Klageantwort zu Gesicht bekommen haben (Urk. 20 S. 5
und S. 8).
4.1 Die Vorinstanz erwog, es sei strittig, ob der von den Parteien unterzeich-
nete TVCL unter der Bedingung des fortgesetzten und ungekündigten Arbeitsver-
hältnisses abgeschlossen worden sei. Zum Abschluss eines Vertrages sei die
übereinstimmende gegenseitige Willensäusserung der Parteien erforderlich, die
ausdrücklich oder stillschweigend sein könne. Bedingungen könnten sowohl aus-
drücklich vereinbart als auch stillschweigend von beiden Parteien gewollt sein.
Decke sich der wirkliche Wille des Erklärenden nicht mit dem Verständnis des Er-
klärungsempfängers, gelte es herauszufinden, ob der Empfänger in seinem Ver-
ständnis zu schützen sei. Dabei sei die Willensäusserung der Parteien nach dem
Vertrauensprinzip auszulegen. Das Erklärungsverhalten des Erklärenden sei so
auszulegen, wie es der Erklärungsempfänger in guten Treuen habe verstehen
dürfen und müssen. Die Frage, ob der TVCL zwischen den Parteien gültig zu-
stande gekommen sei, richte sich in erster Linie nach dem überstimmenden wirk-
lichen Willen der Parteien. Es sei durch Auslegung nach objektiven Kriterien
(Wortlaut, Verkehrssitte oder Handelsbrauch) unter Berücksichtigung des Ver-
tragszwecks und des Verhaltens der Parteien ohne Berücksichtigung von deren
subjektiven Willen zu ermitteln, ob der TVCL gültig zustande gekommen sei. Folg-
lich sei darüber ein Beweisverfahren durchzuführen gewesen (Urk. 46 S. 9 ff.).
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4.2 Mit Beweisverfügung ("Beschluss") vom 14. September 2018 (Urk. 22)
auferlegte die Vorinstanz der Beklagten den Hauptbeweis dafür,
− dass der TVCL an die Bedingung des fortgesetzten und ungekündigten
Arbeitsverhältnisses geknüpft wurde (Beweissatz 1.1);
− dass der Kläger der Beklagten erst anlässlich des Gesprächs vom
23. Dezember 2016 – entgegen monatelanger Beteuerung – mitteilte,
dass er nicht bei der Beklagten bleibe (Beweissatz 1.2);
− dass der Kläger der Beklagten am 23. Dezember 2016 mitteilte, dass
er den von der Beklagten unterzeichneten TVCL retournieren werde
(Beweissatz 1.3).
Aufgrund der Aussagen der einvernommenen Zeugen und Parteien
(D._, E._, F._, C._, G._, H._ und der Kläger), die sie
in ihren Erwägungen zusammenfasste (Urk. 46 S. 11 bis S. 15), ergab sich für die
Vorinstanz kein klares Bild darüber, was dem Kläger anlässlich der Gespräche
vom 20. und 23. Dezember 2016 mit Bezug auf den TVCL bzw. die behauptete
Bedingung ausdrücklich gesagt wurde. Auch wenn – so die Vorinstanz – D._
und E._ übereinstimmend ausgesagt hätten, dass ein formalisierter Vertrag
wie der TVCL grundsätzlich an ein fortgesetztes Arbeitsverhältnis geknüpft sei,
stehe zwischen den Parteien mit Bezug auf die Äusserungen zur Bedingung Aus-
sage gegen Aussage.
4.3 Die Vorinstanz erwog weiter, dass sich die von der Beklagten behaupte-
te Bedingung des fortgesetzten, ungekündigten Arbeitsverhältnisses unbestritte-
nermassen nicht ausdrücklich im TVCL niedergeschlagen habe. Unter dem Titel
"Step 3: PAY OUT" (Urk. 4/9 S. 4 Abs. 3) werde aber festgehalten, dass der
TVCL für die Berechnungsperiode 2016 und 2017, mit der Möglichkeit einer Ver-
längerung bis zum Jahr 2018, Geltung beanspruche. Dieser zeitliche Geltungsbe-
reich impliziere, dass die Beklagte bei Vertragsaufsetzung von einer Weiterbe-
schäftigung des Klägers ausgegangen sei. Eine Ausdehnung der Berechnungspe-
riode auf das Jahr 2017 in Verbindung mit expliziter Erwähnung der Möglichkeit
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einer Verlängerung bis 2018 hätte – so die Vorinstanz weiter – wenig Sinn ge-
macht, wenn die Beklagte dem Kläger für die Vergangenheit einen Bonus hätte
zusprechen wollen und ihr klar gewesen wäre, dass der Kläger an seiner Kündi-
gung weiterhin festhalte. Auch die im TVCL erwähnte Voraussetzung des gültigen
Arbeitsvertrages deute darauf hin, dass dessen Geltung an ein unbefristetes Ar-
beitsverhältnis geknüpft sei (Urk. 46 S. 18).
4.4 Die Vorinstanz verwies sodann auf andere Gestaltungsmöglichkeiten,
die zur Verfügung gestanden wären, wenn die Beklagte den Kläger – wie von die-
sem behauptet – für vergangene Leistungen hätte belohnen wollen. In diese Rich-
tung würden Aussagen von D._, G._ und C._ weisen. Ein formel-
basierter Bonusvertrag, bei welchem im Zeitpunkt der Offerte nicht einmal die re-
levanten Zahlen für das laufende Geschäftsjahr bekannt gewesen seien, erschei-
ne für den vom Kläger dargestellten Zweck impraktikabel. Der Kläger führe selber
aus, dass es sich beim TVCL um ein komplexes Vertragswerk handle, das nebst
der Leistungsabhängigkeit auch quantitative und qualitative Kriterien enthalte.
Das vom Kläger dargestellte Vorgehen der Bank, die Erfüllung eines Bonus-
Versprechens mittels zeitlich offen gestaltetem, formelbasiertem Bonusvertrag zu
erbringen, scheine unüblich (Urk. 46 S. 19).
4.5 Die Vorinstanz leitete aus dem oben wiedergegebenen Passus (Urk. 4/9
S. 4 Abs. 3: "We inform you [...]") ab, dass es sich beim TVCL im Zeitpunkt der
Übergabe um einen teilweise auf die Vergangenheit (12 Monate) und teilweise auf
die Zukunft (12 bis 24 Monate) "ausgerichteten" Vertrag gehandelt habe. Es sei
daher nicht glaubhaft, dass mit dem TVCL ein dem Kläger bereits im Jahre 2015
gemachtes Versprechen erfüllt worden sei. Wäre der Beklagten klar gewesen,
dass der Kläger sie verlassen werde, hätte sie kaum einen (teilweise) in die Zu-
kunft gerichteten Vertrag aufgesetzt (Urk. 46 S. 19).
4.6 Auch der Kläger habe – so die Vorinstanz weiter – in der Parteibefra-
gung ausgeführt, dass der TVCL insgesamt einen Zeitraum von 24 Monaten reg-
le. Dabei sei der Kläger wohl von den voll zu leistenden Jahren 2016 und 2017
ausgegangen. Unter Berücksichtigung des Jahres 2018 wären es gar 36 Monate.
Daran ändere auch die vom Kläger auf Seite 4 des TVCL hinzugefügte maschi-
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nengeschriebene Erklärung nichts. Dass der Kläger damit habe Klarheit schaffen
wollen, sei als Schutzbehauptung zu werten. Wäre allen Parteien klar gewesen,
dass es sich beim TVCL um die Einlösung eines langjährigen Versprechens
handle, wäre der TVCL nicht auf die Zukunft ausgerichtet gewesen. Hätte der
Kläger mit dem TVCL unabhängig von einem Verbleib bei der Beklagten in erster
Linie für vergangene Leistungen vergütet werden sollen, wäre eine solche Erklä-
rung nicht notwendig gewesen. Das Vorgehen, mittels maschinengeschriebenem
Text eine derartige Ergänzung festzuhalten, ohne an anderer Stelle darauf Bezug
zu nehmen, mute auch ungewöhnlich an. In diesem Zusammenhang sei auch
nicht nachvollziehbar, weshalb der Kläger – um Klarheit zu schaffen – die hinzu-
gefügte Erklärung nicht beim Gespräch am 23. Dezember 2016 von D._ und
E._ habe unterzeichnen lassen, zumal er den TVCL nach seiner Darstellung
beim Gespräch dabeigehabt habe (Urk. 46 S. 19 f.).
4.7 Die Vorinstanz ging sodann auf die Aussage des Klägers in der Partei-
befragung ein, wonach seine erste Reaktion auf die Aushändigung des TVCL
"Endlich!" gewesen sei. Bei einem kurzen Schreiben, der die Erfassung des In-
halts in kurzer Zeit erlaube, möge dies glaubhaft erscheinen. Beim TVCL handle
es sich jedoch um einen mehrseitigen Vertrag, der eine solche Reaktion nur nach
eingehendem Studium zulasse. Dies habe auch der Kläger sinngemäss angege-
ben, als er ausgeführt habe, dass er den TVCL aufgrund des Umfangs und der
Komplexität nicht ohne eingehendes Studium habe unterzeichnen können. Sei
dem Kläger der Inhalt des TVCL am 20. Dezember 2016 nicht bekannt gewesen,
erweise sich die behauptete Reaktion als unglaubhaft. Überdies erscheine in die-
sem Zusammenhang die Darstellung des Klägers, dass er sich vor dem Studium
des TVCL um die geordnete Kundenübergabe habe kümmern wollen, inkohärent.
Das Arbeitsverhältnis sei zum Zweck der geordneten Kundenübergabe um einen
Monat verlängert worden. Den TVCL habe der Kläger jedoch vier Tage später mit
dem besagtem Zusatz, der von einem genauen Studium des TVCL zeuge, retour-
niert (Urk. 46 S. 20).
4.8 Die Darstellung des Klägers erachtete die Vorinstanz als nicht frei von
Widersprüchen. In seinem Schreiben vom 22. Dezember 2016 habe sich der Klä-
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ger für das ausführliche Gespräch vom 20. Dezember 2016 und die Bemühungen,
ihn zum Verbleib bei der Bank zu bewegen, bedankt. In der Replik habe er dem-
gegenüber angegeben, dass dieses Gespräch "aus terminlichen Gründen" nur
kurz gewesen sei, was er jedoch nicht weiter begründet habe. Die Fortsetzung
des Gesprächs am 23. Dezember 2016 und das Schreiben des Klägers vom
22. Dezember 2016 passten besser ins Bild der Beklagten, wonach dem Kläger
mindestens bewusst gewesen sei, dass ihm der TVCL als Anreiz zum Verbleib
ausgehändigt worden sei, zumal der Kläger selber geschrieben habe, er schätze
die Bemühungen, ihn als Private Banker in der Bank zu halten, sehr. Diese Be-
mühungen der Beklagten wären unnötig gewesen, wenn es nicht darum gegan-
gen wäre, den weiteren Verbleib des Klägers bei der Beklagten – über die geord-
nete Kundenübergabe hinaus – zu regeln. Dass der TVCL für die Beklagte eine
Anreizkomponente gehabt habe, räume der Kläger denn auch ein. Es liege somit
nahe, dass dem Kläger der Zusammenhang zwischen dem TVCL und dem unbe-
fristeten Arbeitsverhältnis auf Seiten der Beklagten bewusst gewesen sei. Über-
dies habe der Kläger in der Parteibefragung angegeben, dass er für seine Zeit
nach der Beklagten Dispositionen getroffen habe und von dieser nichts mehr er-
wartet habe. Wenn der Kläger für die Zeit bis zur Beendigung des Arbeitsverhält-
nisses seitens der Beklagten mit nichts mehr gerechnet habe, erscheine gar nicht
naheliegend, dass der Kläger den TVCL ohne zukünftige Gegenleistung (wie bei-
spielsweise die Weiterarbeit bei der Beklagten) erhalten habe (Urk. 46 S. 21).
4.9 Die Vorinstanz hielt auch die klägerische Darstellung, wonach es sich
beim Gespräch vom 23. Dezember 2016 um ein Jahresendgespräch gehandelt
habe, für nicht überzeugend. Es würde – so die Vorinstanz – wenig Sinn machen,
mit einem bald austretenden Mitarbeitenden ein Jahresendgespräch zu führen. Es
erscheine vielmehr nachvollziehbar, dass es primär um die Regelung des Austritts
gegangen sei, nachdem für alle Beteiligten klar gewesen sei, dass der Kläger
nicht länger für die Beklagte tätig sein werde (Urk. 46 S. 21).
4.10 Aufgrund der Umstände wies die Vorinstanz auch die Berufung des
Klägers auf eine (unbeachtliche) Mentalreservation der Beklagten zurück. Auch
auf rechtlich unbeachtliche, einseitige Zweckvorstellungen der Beklagten könne
- 15 -
nach dem Gesagten nicht geschlossen werden. Vielmehr sei davon auszugehen,
dass dem Kläger klar gewesen sei, dass ihm der TVCL von der Beklagten unter
der Bedingung des fortgesetzten, ungekündigten Arbeitsverhältnisses ausgehän-
digt worden sei. Somit könne offengelassen werden, ob der Kläger das von der
Beklagten für das Gespräch vom 23. Dezember 2016 vorbereitete Dokument
(Urk. 17/1) vor dem Prozess gesehen habe oder nicht (Urk. 46 S. 21 f.).
4.11 Als Fazit hielt die Vorinstanz fest, dem Kläger habe aufgrund der ge-
samten Umstände klar sein müssen, dass der TVCL an die Bedingung des fort-
gesetzten, ungekündigten Arbeitsverhältnisses geknüpft gewesen sei. Der Be-
klagten sei der Beweis gemäss Beweissatz 1.1 somit gelungen. Folglich sei da-
von auszugehen, dass der TVCL suspensiv bedingt gewesen sei. Unbestrittener-
massen sei die Bedingung in der Folge nicht erfüllt worden, weshalb der TVCL
nicht zustande gekommen sei. Damit würden sich Ausführungen zu den Beweis-
sätzen 1.2 und 1.3, zur Bonus-Qualifikation und zur Anwendbarkeit des Personal-
reglements erübrigen. Die Klage sei abzuweisen (Urk. 46 S. 22).
III.
1.1 Die Berufung wurde form- und fristgerecht erhoben. Sie richtet sich ge-
gen einen erstinstanzlichen Endentscheid. Da die Streitwertgrenze erreicht wird,
ist auf die Berufung – unter Vorbehalt hinreichender Begründung – einzutreten
(Art. 308 und Art. 311 ZPO).
1.2 Mit der Berufung kann eine unrichtige Rechtsanwendung und eine un-
richtige Feststellung des Sachverhalts geltend gemacht werden (Art. 310 ZPO).
Die Berufung ist zu begründen (Art. 311 Abs. 1 ZPO). Es ist hinreichend genau
aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche Entscheid in den angefochtenen Punk-
ten als fehlerhaft zu betrachten ist. Dies setzt voraus, dass der Berufungskläger
im Einzelnen die vorinstanzlichen Erwägungen bezeichnet, die er anficht, und die
Aktenstücke nennt, auf denen seine Kritik beruht. Es genügt nicht, lediglich auf
die vor erster Instanz vorgetragenen Vorbringen zu verweisen, auf frühere Pro-
zesshandlungen hinzuweisen oder den angefochtenen Entscheid in allgemeiner
- 16 -
Weise zu kritisieren (BGE 138 III 374 E. 4.3.1 S. 375). Auf Rügen, die eine sach-
bezogene Auseinandersetzung mit den Erwägungen des angefochtenen Urteils
vermissen lassen, ist nicht einzutreten. Soweit in der Berufungsbegründung Tat-
sachen vorgebracht oder Sachverhaltsrügen erhoben werden, ist mittels klarer
und sauberer Verweisungen auf die Ausführungen vor Vorinstanz zu zeigen, wo
die entsprechenden Behauptungen oder Bestreitungen vorgetragen wurden
(ZPO-Rechtsmittel-Kunz, Art. 311 N 95 und N 97; Hungerbühler/Bucher, in: Brun-
ner/Gasser/Schwander [Hrsg.], Schweizerische Zivilprozessordnung, 2. Aufl.
2016, Art. 311 N 37). Auch sind die Parteien grundsätzlich gehalten, erstinstanz-
lich gestellte Beweisanträge, denen nicht entsprochen wurde, vor der zweiten In-
stanz zu wiederholen (BGE 144 III 394 E. 4.2 S. 398). Diese Begründungsanfor-
derungen gelten sinngemäss auch für den Inhalt der Berufungsantwort (BGer
5A_660/2014 vom 17. Juni 2015, E. 4.2 m.w.Hinw.; 4A_258/2015 vom 21. Okto-
ber 2015, E. 2.4.2).
1.3 Abgesehen von offensichtlichen Mängeln hat sich das Berufungsgericht
grundsätzlich auf die Beurteilung der in der Berufung und Berufungsantwort ge-
gen das erstinstanzliche Urteil erhobenen Beanstandungen zu beschränken. Die
Rügen der Parteien geben mithin das Prüfungsprogramm der Berufungsinstanz
vor; der angefochtene Entscheid ist grundsätzlich nur auf die gerügten Punkte hin
zu überprüfen. In rechtlicher Hinsicht ist das Berufungsgericht, in Anwendung des
Grundsatzes iura novit curia, bei dieser Prüfung jedoch weder an die Erwägungen
der ersten Instanz noch an die mit den Rügen vorgetragenen Argumente der Par-
teien gebunden. In tatsächlicher Hinsicht ist es nicht an die Feststellungen des
erstinstanzlichen Gerichts gebunden, auch wenn mangels entsprechender Sach-
verhaltsrügen der Parteien im Berufungsverfahren der erstinstanzliche Entscheid
nach dem Gesagten in der Regel als Grundlage des Rechtsmittelverfahrens dient
(BGE 144 III 394 E. 4.1.4 S. 397 f. mit Hinweis auf BGE 142 III 413 E. 2.2.4 und
weitere Entscheide). Das Berufungsgericht kann die Rügen der Parteien folglich
auch mit abweichenden Erwägungen gutheissen oder abweisen (sog. Motivsub-
stitution; BGer 2C_124/2013 vom 25. November 2013, E. 2.2.2; Reetz/Hilber, in:
Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger, ZPO-Komm., Art. 318 N 21; Seiler, Die
Berufung nach ZPO, Zürich 2013, N 1507; für das Verfahren vor Bundesgericht:
- 17 -
BGE 138 III 537 E. 2.2 S. 540; 137 III 385 E. 3 S. 386; BSK BGG-Meyer/Dor-
mann, Art. 106 N 11 f.).
1.4 Neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) können im Berufungsverfah-
ren nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO berücksichtigt wer-
den, d.h. wenn sie – kumulativ – ohne Verzug vorgebracht wurden (lit. a) und trotz
zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten
(lit. b). Wer sich auf (unechte) Noven beruft, hat deren Zulässigkeit darzutun und
ihre Voraussetzungen notwendigenfalls zu beweisen (BGE 143 III 42 E. 4.1 S. 43;
BGer 5A_86/2016 vom 5. September 2016, E. 2.1, je m.w.Hinw.). Neue rechtliche
Argumente (Vorbringen zum Recht) stellen keine Noven im Sinne von Art. 317
Abs. 1 ZPO dar und können in der Berufung uneingeschränkt vorgetragen werden
(BGer 4A_519/2011 vom 28. November 2011, E. 2.1; 5A_351/2015 vom 1. De-
zember 2015, E. 4.3). Sie dürfen sich allerdings nicht auf unzulässige neue Tat-
sachen stützen.
1.5 Die Beanstandungen am angefochtenen Entscheid haben die Parteien in
der Berufung bzw. Berufungsantwort vollständig vorzutragen; ein allfälliger zweiter
Schriftenwechsel oder die Ausübung des Replikrechts dienen nicht dazu, die bis-
herige Kritik zu vervollständigen oder gar neue vorzutragen (BGE 142 III 413
E. 2.2.4 S. 417 mit weiteren Verweisen). Zulässig sind nur Vorbringen, zu denen
erst die Ausführungen in der Berufungsantwort Anlass gaben oder die echte No-
ven darstellen. Die unaufgefordert eingereichten Eingaben der Parteien (Urk. 55,
Urk. 57 und Urk. 59) sind unter diesem Blickwinkel zu betrachten.
2.1 Gemäss Art. 1 Abs. 1 OR ist zum Abschluss eines Vertrags die überein-
stimmende Willensäusserung der Parteien erforderlich. Im angefochtenen Urteil
wird nicht klar zwischen dem aufgrund subjektiver Vertragsauslegung gewonne-
nen tatsächlichen (natürlichen) Konsens und dem auf dem Wege der objektivier-
ten Vertragsauslegung ermittelten rechtlichen (normativen) Konsens unterschie-
den (vgl. insbesondere Urk. 46 S. 11 E. III/1.7). Auch gelangt die Vorinstanz auf
dem Wege der Beweiswürdigung zunächst zum Ergebnis, dass dem Kläger "klar
war", dass ihm der TVCL unter der Bedingung des fortgesetzten, ungekündigten
Arbeitsverhältnis ausgehändigt worden sei (Urk. 46 S. 22). Im Sinne eines Fazits
- 18 -
hält sie dann aber fest, dass dem Kläger aufgrund der gesamten Umstände "klar
gewesen sein muss", dass der TVCL an die Bedingung des fortgesetzten, unge-
kündigten Arbeitsverhältnisses geknüpft gewesen sei und nicht von einer Mental-
reservation ausgegangen werden könne.
2.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung wird der Inhalt bzw. das
Zustandekommen eines Vertrags in erster Linie durch subjektive Auslegung, das
heisst nach dem übereinstimmenden wirklichen Parteiwillen (Art. 18 Abs. 1 OR)
bestimmt. Erst wenn eine tatsächliche Willensübereinstimmung unbewiesen
bleibt, sind zur Ermittlung des mutmasslichen Parteiwillens die Erklärungen der
Parteien aufgrund des Vertrauensprinzips so auszulegen, wie sie nach ihrem
Wortlaut und Zusammenhang sowie den gesamten Umständen verstanden wer-
den durften und mussten. Dabei ist vom Wortlaut der Erklärungen auszugehen,
die jedoch nicht isoliert, sondern aus ihrem konkreten Sinngefüge heraus zu beur-
teilen sind. Demnach ist der vom Erklärenden verfolgte Regelungszweck, wie ihn
der Erklärungsempfänger in guten Treuen verstehen durfte und musste, massge-
bend. Die subjektive Vertragsauslegung beruht auf Beweiswürdigung, die vorbe-
hältlich der Ausnahmen von Art. 97 und 105 BGG der bundesgerichtlichen Über-
prüfung entzogen ist. Die objektive Vertragsauslegung von Willenserklärungen
überprüft das Bundesgericht als Rechtsfrage, wobei es an die Feststellungen des
kantonalen Gerichts über die äusseren Umstände sowie das Wissen und Wollen
der Beteiligten grundsätzlich gebunden ist (BGE 142 III 671 E. 3.3 S. 675, 138 III
659 E. 4.2.1 S. 666 f.; BGer 4A_134/2017 vom 24. Juli 2017 E. 2.1).
Für die Auslegung nach dem Vertrauensprinzip ist der Zeitpunkt des Ver-
tragsabschlusses massgeblich. Nachträgliches Parteiverhalten ist dafür nicht von
Bedeutung; es kann allenfalls – im Rahmen der Beweiswürdigung – auf einen tat-
sächlichen Willen der Parteien schliessen lassen (BGE 133 III 61 E. 2.2.2.2 S. 69;
132 III 626 E. 3.1 S. 632; BGer 4A_134/2017 vom 24. Juli 2017 E. 2.1). Die Be-
hauptungs- und Beweislast für Bestand und Inhalt eines vom normativen Ausle-
gungsergebnis abweichenden subjektiven Vertragswillens trägt jene Partei, die
aus diesem Willen zu ihren Gunsten eine Rechtsfolge ableitet (BGE 121 III 118
E. 4b/aa S. 123; BGer 4C.158/2004 vom 10. August 2004, E. 4.3; Gauch/Schluep/
- 19 -
Schmid/Emmenegger, OR/AT, 10. Aufl. 2014, N 1201a, mit weiteren Verweisen).
Für die richtige Verteilung der Beweislast im Rahmen der subjektiven Vertrags-
auslegung muss demzufolge zunächst eine normative Auslegung vorgenommen
werden. Denn nur so lässt sich feststellen, ob eine Partei eine vom normativen
Auslegungsergebnis abweichenden subjektiven Vertragswillen behauptet.
3. Der Kläger wirft der Vorinstanz eine unzutreffende Beweiswürdigung, will-
kürliche tatsächliche Annahmen, eine Verletzung des Rechts auf Beweis (Art. 8
und Art. 152 ZPO) und eine bundesrechtswidrige Auslegung des TVCL (Art. 1 und
151 OR) vor (Urk. 45 Rz 6 und Rz 33). Zusammengefasst erhebt er folgende Rü-
gen:
− Entgegen der Vorinstanz könne die im TVCL statuierte Voraussetzung eines gülti-
gen Arbeitsvertrags nicht im Sinne eines ungekündigten Arbeitsvertrags verstanden
werden. Die Vorinstanz habe nicht berücksichtigt, dass die Beendigung des Ar-
beitsverhältnisses von der Beklagten (einer professionell aufgestellten, börsenko-
tierten Bank) bei der Redaktion bedacht und im TVCL explizit geregelt worden sei,
die Bedingung eines ungekündigten Arbeitsverhältnisses darin aber nicht den ge-
ringsten Niederschlag gefunden habe. Insbesondere habe die Vorinstanz der Be-
klagten den Beweis nicht dafür auferlegt, dass sie und der Kläger übereingekom-
men seien, hinsichtlich der Bedingung des angeblich ungekündigten Arbeitsverhält-
nisses auf die Schriftform zu verzichten (Urk. 45 Rz 8 ff.).
− Im angefochtenen Urteil sei auch dem Umstand keine Beachtung geschenkt wor-
den, dass die Beklagte weder substantiiert behauptet noch bewiesen habe, dass
die Bedingung des ungekündigten Arbeitsverhältnisses dem Kläger mündlich kom-
muniziert worden sei, was ebenfalls als klares Indiz dafür gewertet werden müsse,
dass es diese Bedingung nach dem damaligen Willen der Beklagten nicht gegeben
habe (Urk. 45 Rz 16 ff.).
− Die gesamten Umstände, aufgrund derer der Kläger laut Vorinstanz auf eine Be-
dingung habe schliessen müssen, seien weitgehend diffus geblieben. Der Kläger
habe nicht damit rechnen müssen, dass der TVCL nur im Falle eines Rückzugs der
Kündigung gelten würde, nachdem dies weder im TVCL stehe noch mündlich
kommuniziert worden sei, zumal nach seinem Verständnis die Beklagte mit der
Übergabe des TVCL am 20. Dezember 2016 das rund eineinhalb Jahre alte pen-
- 20 -
dente Versprechen, er werde einen formelbasierten Bonusvertrag erhalten, einge-
löst habe. Die Vorinstanz habe diesen Sachverhalt nicht zum Beweis verstellt und
die von ihm dazu offerierten Beweise nicht abgenommen (Urk. 45 Rz 20 bis Rz 23).
− Die Vorinstanz habe übersehen, dass mit der Zeugenaussage von E._ erstellt
sei, dass die Beklagte mit dem TVCL das lang pendente Versprechen ihm gegen-
über eingelöst habe, was durch seine Spontanreaktion "Endlich" entgegen der Vo-
rinstanz glaubhaft bestätigt werde. Die Vorinstanz habe auch unberücksichtigt ge-
lassen, dass der Kläger mit H._ am 19. Dezember 2016 ein Gespräch geführt
habe, bei dem die Rücknahme der Kündigung kein Thema gewesen sei und dieser
ihn gebeten habe, einen Monat länger bei der Beklagten zu bleiben. Auch vor dem
Hintergrund dieses Gesprächs (und im Hinblick einer andiskutierten möglichen wei-
teren Zusammenarbeit auf selbstständiger Basis) habe der Kläger den offerierten
TVCL als Einlösung eines pendenten Versprechens verstehen dürfen (Urk. 45 Rz
24 bis Rz 27).
− Die Vorinstanz gebe seine Aussage verkürzt und verzerrt wieder, wenn sie feststel-
le, er sei selber davon ausgegangen, dass er unter dem TVCL die Jahre 2016 und
2017 voll leisten müsse. Überhaupt falle auf, dass sich die vorinstanzliche Beweis-
würdigung völlig einseitig auf den Kläger beziehe und krampfhaft versucht werde,
dem Kläger Widersprüche in seiner Darstellung oder seinem Verhalten vorzuwer-
fen. Dabei gebe es auf Seiten der Beklagten zahlreichere und wesentlichere Wider-
sprüche, die das gesamte Verhalten der Beklagten als ausgesprochen ungewöhn-
lich erscheinen lassen würden und starke Indizien darstellten, dass die Beklagte
gar nicht den Willen gehabt habe, den TVCL an die Bedingung des ungekündigten
Arbeitsverhältnisses zu knüpfen. Die Vorinstanz habe es schlicht unterlassen, zu
prüfen und festzustellen, ob die Beklagte überhaupt den Willen gehabt habe, den
TVCL an die Bedingung des ungekündigten Arbeitsverhältnisses zu knüpfen
(Urk. 45 Rz 29 bis Rz 31).
− Im angefochtenen Urteil werde auch nicht hinreichend gewürdigt, dass die Beklagte
dem von ihm gegengezeichneten und mit einer Erklärung versehenen TVCL nicht
umgehend widersprochen habe. Aufgrund der gesamten Umstände – langjährige,
wiederholte Zusicherungen seiner Vorgesetzten, er werde einen formelbasierten
Bonusvertrag erhalten; Gespräch mit H._ vom 19. Dezember 2016; keine
Kommunikation, der TVCL gelte nur im Falle des Rückzugs seiner Kündigung – ha-
- 21 -
be der Kläger den TVCL so verstehen dürfen, wie er formuliert worden sei, nämlich
ohne Bedingung eines ungekündigten Arbeitsverhältnisses. Im Vertrauen darauf
habe er sich am 23. Dezember 2016 bereit erklärt, bis am 31. Januar 2017 bei der
Beklagten zu verbleiben, wie es von H._ gewünscht worden sei (Urk. 45 Rz
32).
Soweit die Vorinstanz zum Schluss kam, es ergebe sich aufgrund der Aus-
sagen der einvernommenen Personen kein klares Bild und mit Bezug auf die
"Äusserungen zur Bedingung" stehe zwischen den Parteien Aussage gegen Aus-
sage, wird die Beweiswürdigung vom Kläger hingegen ausdrücklich als korrekt ta-
xiert (Urk. 45 Rz 5).
4. Auch die Beklagte geht davon aus, die streitgegenständliche Bedingung
der unbefristeten Weiterführung des Arbeitsverhältnisses sei im TVCL nicht
schriftlich festgehalten worden (Urk. 51 Rz 18). Sie ist aber der Auffassung, diese
Bedingung ergebe sich durch Auslegung bzw. Ausgestaltung des TVCL selbst,
insbesondere aufgrund des darin umschriebenen zeitlichen Geltungsbereichs, in
Verbindung mit dem Schreiben des Klägers vom 22. Dezember 2016 und der im
Urteil der Vorinstanz erwähnten sowie zahlreicher weiterer Umstände (Urk. 51 Rz
18 ff., Rz 79).
5.1 Bei der Auslegung des TVCL sind die Erklärungen nach ihrem Wortlaut,
nach ihrem Zusammenhang und Regelungszweck sowie nach den gesamten
Umständen auszulegen (E. III/2.2). Dabei fällt in Betracht:
5.2 Der Kläger kündigte das Arbeitsverhältnis mit Schreiben vom 30. Juni
2016 (Urk. 4/8). Er selbst führte aus, dass ihn C._ in der Folge zu überzeu-
gen versucht habe, bei der Beklagten zu bleiben (Urk. 1 Rz 10). C._ sagte
als Zeuge aus, der Kläger sei ein wichtiger Mitarbeiter gewesen und er habe sich
aktiv darum bemüht, dass er (der Kläger) bleiben könne. Dabei war auch die
"Compensation" des Klägers ein Thema (Urk 35 S. 3 f., S. 5). In der Parteibefra-
gung bestätigte der Kläger, C._ habe versucht, ihn als wichtigen Kundenbe-
rater zu halten (Urk. 38 S. 4). Ein auf den 15. Juli 2016 anberaumtes Gespräch
kam allerdings nicht zustande (Urk. 1 Rz 10, Urk. 15 Rz 15). C._ schied im
- 22 -
Juli/August 2016 aus der Beklagten aus. Gemäss Aussage des Klägers versandte
C._ am 19. Juli 2016 eine E-Mail, worin er dem CEO der Beklagten, J._,
mitteilte, die Sache mit dem Kläger sei noch nicht in trockenen Tüchern und die
Bank möge sich um den Kläger kümmern (Urk. 38 S. 5, Urk. 39 S. 5).
5.3 Erst im Rahmen der Parteibefragung berichtete der Kläger von einem
Gespräch mit G._, einem leitenden Mitarbeiter der HR-Abteilung der Beklag-
ten (Urk. 46 S. 14), das gemäss Aussage von G._ im September und ge-
mäss Kläger im Oktober 2016 stattfand (Urk. 38 S. 5, Urk. 36 S. 4 f.). Dass der
Kläger – wie er in der Parteibefragung ausführte – bei diesem Gespräch erklärte,
dass er nicht bei der Beklagten bleiben wolle und der "Market Head K._" für
ihn ein "No-Go" sei (Urk. 38 S. 4 f.), konnte der Zeuge G._ allerdings nicht
bestätigen (Urk. 36 S. 5). Der Zeuge G._ sagte aus, der Kläger habe ihm
persönlich nicht gesagt, dass er weiter bei der Beklagten arbeiten wolle, auch
wenn sie von ihrer Seite her im Glauben "daran" gewesen seien; der Kläger habe
vollen Access zu den Kunden und zu den Daten gehabt. Er berichtete von einer
grossen Unzufriedenheit des Klägers mit dem früheren Management und einer
grossen Frustration bezüglich Vorgesetzten, Prozessen und KYC-Upgrade. Er
habe – so der Zeuge – den Kläger, dem er sich nahe gefühlt habe, abholen und
überzeugen wollen, dass die Beklagte weiterhin ein guter Arbeitgeber sei. Er habe
ihm (dem Kläger) gesagt, es komme ein neues Management (D._), er solle
nicht übereilig Schlüsse ziehen und zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, ob
er wirklich gehen wolle. Ihm gegenüber habe der Kläger nicht direkt mitgeteilt,
dass er nicht bei der Beklagten bleiben wolle, aber er wisse, dass es irgendwann
vor Weihnachten zum finalen Entschluss gekommen sei (Urk. 36 S. 4 f.).
In der Stellungnahme zum Beweisergebnis hielt der Kläger daran fest, dass
er G._ gesagt habe, K._ sei für ihn als neuer Vorgesetzter ein "No-Go"
(Urk. 39 S. 5). Im Übrigen zog er dessen Aussagen aber nicht in Zweifel. Auch in
der Berufung erfolgte an der zusammenfassenden Wiedergabe der Zeugenaus-
sage keine Kritik. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass sich die Be-
klagte auch noch im Herbst 2016 darum bemühte, den Kläger weiter zu beschäf-
tigen, und dies dem Kläger auch bewusst war.
- 23 -
5.4 In der Replik brachte der Kläger vor, Mitte Dezember 2016 habe ein Ge-
spräch mit seinem "Vorvorvorgesetzten" H._ stattgefunden. H._ habe
ihm dieses Gespräch angeboten, um ihn im Rahmen eines geordneten Austritts
bei der Bank zu unterstützen; in diesem Zusammenhang habe H._ den Klä-
ger gebeten, noch einen Monat länger bei der Beklagten zu verbleiben, um der
Bank mehr Zeit zu geben, seinen Austritt vorzubereiten. Für die Regelung der
Einzelheiten der Austrittsmodalitäten und die Übergabe der Kunden habe
H._ dann das Gespräch vom 20. Dezember 2016 zwischen dem Kläger und
D._ als dem für den Kläger zuständigen Geschäftsleitungsmitglied organi-
siert (Urk. 20 S. 4). Die Beklagte bestritt die Ausführungen des Klägers zum Ge-
spräch mit H._ (Prot. I S. 11).
Im Rahmen der Parteibefragung führte der Kläger aus, das Gespräch mit
H._ habe am 19. Dezember 2016 stattgefunden (Urk. 38 S. 4). Der Zeuge
H._, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Europa der Beklagten, gab zu
Protokoll, er wisse nicht, ob der Kläger trotz Kündigung bei der Beklagten habe
weiterarbeiten wollen. Soweit er sich an das Gespräch im November oder De-
zember 2016 erinnere, sei es um die Frage gegangen, was er (der Kläger) tun
solle; er habe gekündigt, wie er gesagt habe. Einiges sei unklar gewesen. Es sei
um eine mögliche Weiterarbeit als unabhängiger Vermögensverwalter gegangen.
Sie hätten über seine Situation und insbesondere über die Probleme mit dem
Vorgänger von Herrn D._ gesprochen. Er (der Kläger) habe ihm gesagt, was
die Schwierigkeiten seien und weshalb er gekündigt habe. Er (der Zeuge) habe
angeboten, bei der Frage der Zusammenarbeit als unabhängiger Vermögensver-
walter als Vermittler/Berater zu helfen. Er könne sich nicht daran erinnern, dass er
die Idee gehabt habe, dass der Kläger noch einen Monat länger, also bis Ende
Januar 2017, bei der Beklagten bleiben solle (Urk. 37 S. 3 f.).
5.5 Am 20. Dezember 2016 fand das Gespräch zwischen dem Kläger,
D._ und E._ statt. Der Kläger räumt ein, dass D._ versuchte, ihn zu
einem weiteren Verbleib bei der Bank zu überreden, nachdem D._ ihm mit
den Worten "Dies ist für dich." den TVCL übergeben hatte (Urk. 20 S. 4). Der Klä-
ger hält es auch für möglich, dass die Beklagte ihm damit "einen Anreiz für einen
- 24 -
längeren Verbleib bei ihr" bieten wollte. Allerdings will er dies nicht im Sinne einer
Bedingung verstanden wissen, da die Beklagte damit ein eineinhalb Jahre pen-
dentes Versprechen erfüllt habe (Urk. 20 S. 5, S.10).
5.6 In seinem Schreiben vom 22. Dezember 2016 bedankte sich der Kläger
bei D._ für das ausführliche Gespräch vom 20. Dezember 2016 und brachte
seine Wertschätzung über dessen Bemühungen zum Ausdruck, ihn als Private
Banker bei der Bank zu halten. Sodann warb er um Verständnis dafür, dass er an
seinem Entschluss vom 30. Juni 2016, die Bank per Ende Jahr zu verlassen,
festhalte. Mit Blick auf eine abgestimmte Kommunikation erklärte der Kläger, das
Vermittlungsangebot von H._ zu nutzen, und schlug vor, abgesehen vom be-
reits informierten Personenkreis keine weiteren Personen zu involvieren (Urk.
17/2). Das Schreiben vom 22. Dezember 2016 übergab der Kläger anlässlich des
Gesprächs vom 23. Dezember 2016 D._ (Urk. 15 Rz 35, Urk. 20 S. 5), wo-
rauf sich D._ und E._ auf dem nämlichen Schreiben mit der Verlänge-
rung der Kündigungsfrist bis Ende Januar 2017 einverstanden erklärten (Urk.
17/2).
5.7 Der TVCL datiert vom 7. Dezember 2016, ist in Briefform verfasst und
wurde seitens der Beklagten von D._ und E._ unterzeichnet. Im ersten
Satz wird dem Kläger "an exceptional one-off target variable compensation for the
Calculation Period 2016 und 2017" angeboten (Urk. 4/9 S. 1). Am Schluss wird
der Kläger darüber informiert, dass "this financial agreement is only valid for the
Calculation Period 2016 and 2017 in conjunction with a valid employment contract
and ends immediately upon termination of the employment contract. The variable
compensation will be paid according the Groups processes. Depending on your
performance in year the Bank may decide at its sole discretion to extend the
terms of this agreement to the Calculation Period 2018." (Urk. 4/9 S. 4). Im TVCL
wird somit klar zum Ausdruck gebracht, dass die einmalige besondere Vergütung
im Verbund mit einem gültigen Arbeitsvertrag für den Berechnungszeitraum 2016
und 2017 gilt und dass sich die Beklagte nach alleinigem Ermessen den Ent-
scheid darüber vorbehält, die Bedingungen des TVCL (terms of this agreement)
- 25 -
auch auf den Berechnungszeitraum 2018 auszudehnen. Er ist somit auf eine min-
destens zweijährige Dauer ausgelegt.
5.8 Einzuräumen ist, dass der Ausdruck "valid employment contract" nicht
ohne weiteres mit einem ungekündigten Arbeitsvertrag gleichgesetzt werden kann
(vgl. Prot. I S. 16). Es trifft entgegen der Auffassung des Klägers in der Beru-
fungsschrift (Urk. 45 Rz 12) aber nicht zu, dass die Bedingung des ungekündigten
Arbeitsverhältnisses im TVCL nicht den geringsten Niederschlag gefunden hat.
Wenn der Kläger es für möglich hält, dass die Beklagte ihn für einen weiteren
Verbleib motivieren wollte und sie hierfür vorsah, dass der TVCL auch für das
Jahr 2017 gelten soll und auf die Kalkulationsperiode 2018 erstreckt werden kann
(Urk. 20 S. 10), räumt er im Prinzip ein, dass der TVCL stillschweigend ein unge-
kündigtes Arbeitsverhältnis voraussetzt. Der Kläger kann auch nichts zu seinen
Gunsten daraus ableiten, dass der TVCL gemäss seinem Wortlaut unmittelbar
nach Beendigung des Arbeitsvertrags endet ("and ends immediately upon termi-
nation of the employment contract"; Urk. 4/9 S. 4) und damit die Folgen einer Be-
endigung des Arbeitsverhältnisses auf Ansprüche unter dem TVCL regelt. Der
Kläger hält diese Regelung für sinnlos, "wenn der TVCL bereits bei der Kündi-
gung enden bzw. nicht in Kraft treten würde" (Urk. 45 Rz 12). Das Zustandekom-
men (Inkrafttreten) der im TVCL enthaltenen Kompensationsvereinbarung und de-
ren Beendigung müssen indes getrennt voneinander betrachtet werden. Die Klau-
sel regelt den Fall, in dem das Arbeitsverhältnis vor Ablauf der "Calculation Peri-
od" endet. In diesem Fall wird die Geltung des TVCL auf die Dauer des Arbeits-
verhältnisses beschränkt. Sie bedeutet aber nicht, dass die Vereinbarung selbst
noch im gekündigten Arbeitsverhältnis verbindlich bzw. rechtswirksam werden
kann.
5.9 Im Übrigen anerkannte der Kläger, dass es sich beim TVCL um einen
persönlich auf ihn ausgestellten, juristisch komplexen und professionell ausgefer-
tigten Vertrag mit erheblichem wirtschaftlichen Wert handelt (Urk. 20 S. 2, Prot. I
S. 8; vgl. auch Urk. 39 S. 4). In der Parteibefragung führte er aus, der TVCL sei
ein komplexes Vertragswerk, das man nicht einfach so unterzeichne, ohne es zu
verstehen; es habe ein Glossar ("Definition of Terms"), das man zuerst aufmerk-
- 26 -
sam durchlesen müsse (Urk. 38 S. 8). Der Kläger unterzeichnete den TVCL denn
auch erst am 24. Dezember 2016. Nachdem sich D._ und E._ noch am
20. Dezember 2016 darum bemühten, den Kläger zum Verbleib zu bewegen, und
der Kläger D._ erst am 23. Dezember 2016 sein Schreiben vom 22. Dezem-
ber 2016 übergab (so dass es nach Darstellung des Klägers darum ging, "den
geordneten Austritt des Klägers zu organisieren"; Urk. 20 S. 5), durfte der Kläger
das ihm am 20. Dezember 2016 gemachte Angebot eines für die "Calculation Pe-
riod" 2016 und 2017 gültigen Bonusvertrags nur unter dem Vorbehalt einer Fort-
setzung des Arbeitsverhältnisses verstehen. Insbesondere konnte der Kläger in
guten Treuen die Übergabe des auf den 7. Dezember 2016 datierten TVCL nicht
in dem Sinne verstehen, als biete ihm die Beklagte zehn Tage bzw. einen guten
Monat vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses ohne (einverständliche) "Rück-
nahme" der Kündigung einen formelbasierten Bonusvertrag an, der im Jahre 2016
mit mehreren hunderttausend Franken zu Buche schlägt. Von einer gewissen Un-
klarheit ging auch der Kläger aus. Auf die Frage, weshalb er auf der vierten Seite
des TVCL die maschinengeschriebene Erklärung hinzufügte, gab er zu Protokoll:
"Um noch diese Klarheit zu schaffen. Dieser Vertrag regelt 24 Monate und mit
diesem Zusatzmonat, den ich bereit war, anzuhängen, betraf der Vertrag ja nur 13
Monate." (Urk. 38 S. 3). Dem Kläger entging somit keineswegs, dass die "Calcula-
tion Period" zwei Jahre betrug. Dabei muss ihm aber auch aufgefallen sein, dass
die Beklagte eine Verlängerung um ein weiteres Jahr von ihrem Ermessen ab-
hängig machte. Der Kläger hätte allen Anlass gehabt, sich zu fragen, weshalb die
Beklagte die "Calculation Period" nicht von allem Anfang an auf das Jahr 2016
bzw. auf die Dauer des seit 30. Juni 2016 gekündigten Arbeitsverhältnisses be-
schränkte, falls sie den TVCL nicht von einem ungekündigten Arbeitsverhältnis
hätte abhängig machen wollen, zumal er von der Beklagten – wie er selbst aus-
führte – während der letzten fünfeinhalb Monaten nichts mehr erwartete (Urk. 38
S. 7).
5.10 Bereits in der Klageschrift behauptete der Kläger, D._ und
E._ hätten ihm anlässlich des Gesprächs vom 23. Dezember 2016 bestätigt,
dass der "Milestone-Vertrag" demzufolge für die Zeit vom 1. Januar 2016 bis 31.
Januar 2017 gelte, weshalb er diese Erklärung am Schluss des TVCL (Urk. 4/9 S.
- 27 -
4) schriftlich festgehalten habe (Urk. 1 Rz 11, Rz 18, vgl. auch Urk. 20 S. 5). Die-
se bestrittene Behauptung (Urk. 15 Rz 42, Rz 46) kann nicht als erstellt betrachtet
werden. Der Kläger anerkennt, dass diesbezüglich seine Aussage gegen die Aus-
sage von E._ steht und sich D._ nicht einmal mehr daran erinnern konn-
te, ob er beim Gespräch dabei gewesen war (Urk. 45 S. 11; vgl. Urk. 33 S. 5 und
Urk. 32 S. 5). Eine Bekräftigung der eigenen Sachdarstellung lässt sich im Übri-
gen nicht einmal der Parteibefragung des Klägers entnehmen (Urk. 38 S. 3, S. 5,
S. 8). So erklärte der Kläger auf die Frage, weshalb er die maschinengeschriebe-
ne Erklärung hingeschrieben habe, er habe noch diese Klarheit schaffen wollen;
dieser Vertrag regle 24 Monate und mit diesem Zusatzmonat, den er bereit gewe-
sen sei anzuhängen, habe der Vertrag ja nur 13 Monate betroffen (Urk. 38 S. 3).
Von der schriftlichen Bestätigung einer zuvor abgegebenen mündlichen Erklärung
seiner Gesprächspartner sprach der Kläger nicht. Und auf die Frage, weshalb er
die behauptete Erklärung der Bankenvertreter am 23. Dezember 2016 nicht habe
bestätigen lassen, gab er zu Protokoll, sie sei bestätigt worden, wobei er auf die
von D._ und E._ unterzeichnete Regelung vom 22. Dezember 2016 be-
treffend Verlängerung der Kündigungsfrist verwies und auch auf Nachfrage ledig-
lich ausführte, er habe zunächst Klarheit schaffen müssen, um seine Aufgaben
abschliessen zu können, weil Kundenübergabe und Vertragswerke nicht zeit-
gleich hätten erfolgen können (Urk. 38 S. 9, Urk. 17/2). Der Vorwurf, die Vo-
rinstanz habe den Umstand nicht hinreichend gewürdigt, dass die Beklagte dem
von ihm gegengezeichneten und mit einer Erklärung versehenen TVCL nicht um-
gehend widersprochen habe (Urk. 45 Rz 32), geht fehl. Einerseits ist für die Aus-
legung nach dem Vertrauensprinzip der Zeitpunkt des Vertragsabschlusses mas-
sgeblich. Nachträgliches Parteiverhalten ist dafür nicht von Bedeutung (vgl. E.
III/2.2). Andererseits weist die Beklagte zutreffend darauf hin, dass sie dem Klä-
ger mit Schreiben vom 5. Januar 2017 mitteilte, allfällige Gratifikations- oder Bo-
nusansprüche würden für die Geschäftsjahre 2016 und 2017 nicht bestehen (Urk.
51 Rz 86, Urk. 15 Rz 47 mit Verweis auf Urk. 4/10). Damit hat die Beklagte um-
gehend und hinreichend klar kommuniziert, dass sie Ansprüche des Klägers aus
dem TVCL ablehnt. Dies war auch dem Kläger bewusst, ansonsten er in seinem
Schreiben vom 18. Januar 2017 dem von der Beklagten unter "Bonus" Ausgeführ-
- 28 -
tem nicht widersprochen hätte (Urk. 1 Rz 14, Urk. 4/11). Auch nach Ansicht des
Klägers in der Klageschrift handelt es sich bei der aufgrund des TVCL geschulde-
ten Vergütung um einen Bonusanspruch (Urk. 1 Rz 20 f.). Angesichts der Reakti-
on der Beklagten kann auch nicht auf einen tatsächlichen Willen, mit dem Kläger
im gekündigten Arbeitsverhältnis einen TVCL abzuschliessen, geschlossen wer-
den (vgl. unten E. III/6.3.4.4).
5.11.1 Der Kläger ist der Auffassung, er habe den offerierten TVCL als Ein-
lösung eines seit eineinhalb Jahren pendenten Versprechens, er werde einen
formelbasierten Bonusvertrag erhalten, verstehen dürfen. Er habe diese Zusiche-
rung im Jahre 2015 mehrmals von seinem damaligen Vorgesetzten I._ und
dann im ersten Halbjahr 2016 von dessen Nachfolger C._ (der Mitte Juli
2016 von seinen Funktionen enthoben worden sei) erhalten. Der Kläger wirft der
Vorinstanz vor, diesen Sachverhalt nicht zum Beweis verstellt und die von ihm
dazu offerierten Beweise nicht abgenommen zu haben (Urk. 45 Rz 22 f. mit Ver-
weis auf Urk. 1 Rz 11, Urk. 20 S. 3 f., S. 6 und Urk. 38 S. 7).
5.11.2 Die Vorinstanz erwog dazu, aufgrund des Wortlauts des TVCL sei
klar, dass er im Zeitpunkt der Übergabe teilweise in die Vergangenheit und teil-
weise in die Zukunft ausgerichtet gewesen sei. Es sei deshalb nicht glaubhaft,
dass mit dem TVCL ein bereits im Jahre 2015 gemachtes Versprechen erfüllt
worden sei. Wäre der Beklagten klar gewesen, dass der Kläger sie verlassen
werde, hätte sie kaum einen (teilweise) in die Zukunft gerichteten Vertrag aufge-
setzt (Urk. 46 S. 19).
5.11.3 Es trifft zu, dass der vom Kläger bereits vor Vorinstanz behauptete
Sachverhalt (Urk. 1 Rz 8 ff., 20 S. 3 f.) nicht Gegenstand der Beweisverfügung
war (Urk. 22). Allerdings sagt der Kläger in der Berufungsschrift nicht, welche Be-
weismittel die Vorinstanz nicht abgenommen hat. Die Parteien sind grundsätzlich
gehalten, erstinstanzlich gestellte Beweisanträge, denen nicht entsprochen wur-
de, zu wiederholen. Es nicht Sache der Berufungsinstanz, erstinstanzlich erhobe-
ne, aber zweitinstanzlich nicht erneuerte Beweisanträge in den erstinstanzlichen
Akten zusammenzusuchen (BGE 144 III 394 E. 4.2 S. 398). Die in der Berufungs-
replik und -triplik vorgetragenen Ergänzungen (Urk. 55 Rz 28 f., Urk. 59 Rz 4)
- 29 -
können nicht mehr berücksichtigt werden (E. III/1.5). Damit geht der Vorwurf der
Verletzung des Rechts auf Beweis (Art. 152 ZPO) fehl.
5.11.4 Aber selbst wenn der vom Kläger behauptete Sachverhalt als wahr
unterstellt würde, könnte er nicht zu den von ihm gewünschten Ergebnis führen.
Der Kläger kündigte das Arbeitsverhältnis am 30. Juni 2016 (Urk. 4/8). Nach sei-
ner Darstellung wurde ihm ein formelbasierter Bonusvertrag im Jahr 2015 und im
ersten Halbjahr 2016, d.h. im ungekündigten Arbeitsverhältnis, versprochen
(Urk. 45 Rz 22). Der Kläger durfte daher nicht davon ausgehen, er komme auch
im gekündigten Arbeitsverhältnis kurz vor Ende des Arbeitsverhältnisses in den
Genuss des von ihm lange erwarteten Bonusvertrags. Der Kläger führte in der
Parteibefragung zwar aus, dass für ihn der Erhalt des TVCL am 20. Dezember
2016 die Einlösung eines schon Jahre zuvor angekündigten Versprechens gewe-
sen sei (Urk. 38 S. 7), das er mit der Spontanreaktion "Endlich" quittiert habe
(Urk. 38 S. 7). Dies steht jedoch im augenfälligen Widerspruch zur unmittelbar
danach gemachten Aussage, dass er in den fünfeinhalb Monaten (der Kündi-
gungsfrist) seine Dispositionen getroffen und von der Beklagten nichts mehr er-
wartet habe (Urk. 38 S. 7).
Der Kläger wirft der Vorinstanz in diesem Zusammenhang vor, sie habe die
Aussage des Zeugen E._, der ausdrücklich bestätigt habe, dass der TVCL
dem Kläger auf Initiative von C._ offeriert worden sei, schlicht übersehen. Da
C._ Mitte Juli 2016 von seinen Funktionen enthoben worden sei, habe dies
also vorher veranlasst worden sein müssen. Mit der Aussage von E._ sei er-
stellt, dass die Beklagte mit dem TVCL tatsächlich das lang pendente Verspre-
chen gegenüber dem Kläger eingelöst habe (Urk. 45 Rz 24). Dieser Argumentati-
on kann nicht gefolgt werden. Die Vorinstanz hat die Aussage des Zeugen
E._ nicht übersehen (Urk. 46 S. 12 f.). Der Zeuge E._ sagte aus, er ha-
be den TVCL dem Kläger im Sommer nach dessen Kündigung (irgendwann im
Juli) das erste Mal offerieren wollen. Es sei nicht seine, sondern die Initiative von
C._ gewesen, dem Kläger den TVCL zu offerieren (Urk. 33 S. 9). Von der Er-
füllung eines vor der Kündigung abgegebenen Versprechens sprach der Zeuge
nicht. Vielmehr brachte er die Initiative C._s, der den Kläger behalten wollte
- 30 -
(Urk. 35 S. 5), mit der Kündigung in Zusammenhang. Dass die Beklagte versuch-
te, den Kläger mit dem TVCL als Arbeitnehmer zu halten, ist aber unbestritten.
Wie bereits erwähnt, könnte eine im ungekündigten Arbeitsverhältnis gemachte
mündliche Zusage, dem Kläger ein hochdotiertes Bonusmodell anzubieten, nicht
dahingehend verstanden werden, sie gelte auch nach der Kündigung des Klägers
und kurz vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses noch. Vielmehr ist ein solches
Versprechen unter dem stillschweigenden Vorbehalt des ungekündigten Arbeits-
verhältnisses zu sehen. Der Kläger übersieht, dass mit seiner Kündigung eine völ-
lig veränderte Situation eingetreten ist. Nachdem der Kläger von einem "jahrelang
pendenten Versprechen" ausgeht, konnte er nicht erwarten, die Beklagte würde
ihm einen formelbasierten, teilweise in die Zukunft gerichteten Bonusvertrag aus-
gerechnet kurz vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses offerieren, zumal der
Kläger der Auffassung ist, dass ein derart "komplexes Vertragswerk" eingehend
studiert werden muss, bevor es unterzeichnet werden kann (Urk. 38 S. 8 f.).
5.11.5 Nach Auffassung des Klägers hat die Vorinstanz auch das von ihm
mit H._ am 19. Dezember 2016 geführte Gespräch unberücksichtigt gelas-
sen. Bei diesem Gespräch sei die Rücknahme der Kündigung kein Thema gewe-
sen. Er sei von H._ gebeten worden, im Sinne eines geordneten Austritts bis
am 31. Januar 2017 bei der Bank zu bleiben. Zudem sei eine mögliche Weiterar-
beit als unabhängiger Vermögensverwalter diskutiert worden. Nachdem am 19.
Dezember 2016 die Rücknahme der Kündigung kein Thema gewesen sei, habe
er tags darauf am 20. Dezember 2016 nicht annehmen müssen, die Bedingung
(des ungekündigten Arbeitsverhältnisses) gelte unausgesprochen. Vielmehr habe
er den offerierten TVCL vor dem Hintergrund dieses Gesprächs als Einlösung des
pendenten Versprechens verstehen dürfen. Es sei nämlich nur natürlich und na-
heliegend gewesen, dass sich die Beklagte mit Blick auf die mögliche weitere Zu-
sammenarbeit als worthaltend habe präsentieren und ihm mit Blick auf die geord-
nete Kundenübergabe und die Verlängerung des Arbeitsverhältnisses um einen
Monat einen finanziellen Anreiz habe bieten wollen (Urk. 45 Rz 26 f., Urk. 38 S.
4).
- 31 -
Auch diese Argumentation vermag nicht zu überzeugen. Zunächst hat der
Kläger selbst darauf hingewiesen, dass die Beklagte den TVCL bereits anfangs
Dezember 2016 vorbereitet und am 7. Dezember 2016 unterzeichnet hat (Urk. 1
Rz 11, Urk. 4/9 S. 1). Die Unterzeichnung namens der Beklagten erfolgte durch
D._ und E._ (Urk. 4/9 S. 4), wobei D._ und nicht H._ das für
den Kläger zuständige Geschäftsleitungsmitglied war (Urk. 20 S. 4). Wenn der
TVCL somit keine Reaktion auf das Gespräch vom 20. Dezember 2016 sein
konnte, wie der Kläger geltend macht (Urk. 55 Rz 10), konnte er auch keine Reak-
tion auf das Gespräch mit H._ vom 19. Dezember 2016 sein. Aus dessen
Aussagen kann im Übrigen nicht geschlossen werden, der TVCL sei dem Kläger
in Erfüllung eines früheren Versprechens oder für die Verschiebung des Austritts-
datums auf Ende Januar 2017 angeboten worden. Daran ändert nichts, dass er
aussagte, beim Gespräch mit dem Kläger sei es um dessen mögliche Weiterar-
beit als unabhängiger Vermögensverwalter gegangen und er (H._) habe an-
geboten, bei dieser Frage als Vermittler/Berater zu helfen (Urk. 37 S. 3 f.). Der
Zeuge erwähnte den TVCL nicht und konnte sich auch nicht daran erinnern, dass
er die Idee gehabt habe, dass der Kläger noch einen Monat länger bleiben solle
(Urk. 37 S. 5). Demgegenüber bedankte sich der Kläger in seinem Schreiben vom
22. Dezember 2016 bei D._ und E._ (die den TVCL vom 7. Dezember
2016 auch unterzeichnet hatten) ausdrücklich für das ausführliche Gespräch vom
20. Dezember 2016 und für deren Bemühen, ihn "als Private Banker in der Bank
zu halten" (Urk. 17/2). Selbst wenn am 19. Dezember 2016 die Rücknahme der
Kündigung kein Thema zwischen dem Kläger und H._ war, durfte der Kläger
am 20. Dezember 2016 vor dem Hintergrund dieser Bemühungen die Aushändi-
gung des TVCL nicht in dem Sinne verstehen, dieser werde ihm unabhängig von
einem Verbleib bei der Beklagten angeboten. Daran ändert auch die Verschie-
bung des Austrittsdatums zwecks geordneter Kundenübergabe nichts. Der Kläger
sprach anlässlich seiner Befragung selber davon, dass der Abschluss seiner Ar-
beiten bzw. die Kundenübergabe einerseits und die Unterzeichnung des TVCL
andererseits nicht zeitgleich hätten erfolgen können (Urk. 38 S. 8 f.), und brachte
deutlich zum Ausdruck, dass der von ihm behauptete Zusammenhang zwischen
Austritt bzw. ordnungsgemässer Kundenübergabe und Abschluss des TVCL ge-
- 32 -
rade nicht bestand (Urk. 38 S. 9). Gemäss der Ergänzungsfrage seines Rechts-
vertreters erfolgte die Verschiebung des Austritts denn auch lediglich aufgrund ei-
ner "Empfehlung" von H._ (Urk. 37 S. 5). Von einem Wunsch oder einer Bit-
te, noch einen Monat länger bei der Beklagten zu bleiben (vgl. Urk. 20 S. 4, Urk.
45 Rz 26 f.), kann daher nicht gesprochen werden. Für E._ kam die Idee,
"diesen Januar 2017 anzuhängen", denn auch vom Kläger (Urk. 33 S. 6). In guten
Treuen durfte der Kläger keinesfalls annehmen, die Beklagte honoriere die Ver-
längerung des Arbeitsverhältnisses um lediglich einen Monat mit einem TVCL, der
allein im Jahre 2016 mit Fr. 346'200.– zu Buche geschlagen hätte. Ein solches
Angebot wäre weder "natürlich" noch "naheliegend", sondern ganz und gar unge-
wöhnlich gewesen (vgl. Urk. 45 Rz 27).
5.12 Die normative Vertragsauslegung führt vorliegend zum Ergebnis, dass
der TVCL vom Bestand eines ungekündigten Arbeitsverhältnisses abhängig war.
Da sich dieses Auslegungsergebnis aufgrund des schriftlich abgefassten TVCL,
des sich daraus ergebenden Regelungszwecks und der weiteren Umstände
ergibt, stösst die Rüge des Klägers, die Vorinstanz hätte der Beklagten den Be-
weis dafür auferlegen müssen, dass die Parteien übereingekommen seien, hin-
sichtlich dieser Bedingung auf die Schriftform zu verzichten (Urk. 45 Rz 14), ins
Leere. Eines expliziten mündlichen Hinweises bedurfte es nach dem Gesagten
ebenfalls nicht. Daher kann auch dem Einwand, die Beklagte habe weder sub-
stantiiert behauptet noch bewiesen, dass dem Kläger die Bedingung des unge-
kündigten Arbeitsverhältnisses mündlich kommuniziert worden sei (Urk. 45 Rz 16
ff.), keine Bedeutung zukommen.
6.1 Ein vom objektiven Auslegungsergebnis abweichender tatsächlicher
übereinstimmender Parteiwille hätte der Kläger zu behaupten und zu beweisen
gehabt (E. III/2.2). Mit der Berufung wirft der Kläger der Vorinstanz vor, sie habe
es schlicht unterlassen, zu prüfen und beweismässig festzustellen, ob die Beklag-
te überhaupt den Willen gehabt habe, den TVCL an die Bedingung des ungekün-
digten Arbeitsverhältnisses zu knüpfen. Er zählt beispielhaft verschiedene "Wider-
sprüche und Unerklärbarkeiten" (in Frageform) auf, die "sehr starke Indizien" da-
für seien, dass die Beklagte gar nicht den Willen gehabt habe, den TVCL an die
- 33 -
Bedingung des ungekündigten Arbeitsverhältnisses zu knüpfen. Im angefochte-
nen Urteil würden diese Widersprüche und Unerklärbarkeiten auf Seiten der Be-
klagten, die vom Kläger in Klage, Replik und Stellungnahme zum Beweisergebnis
einlässlich thematisiert worden seien und auch "von den Zeugen der Beklagten"
nicht plausibel und glaubhaft hätten erklärt werden können, völlig ausgeblendet
(Urk. 45 Rz 30 und 31).
6.2 Der Kläger legt nicht dar, wo er vor Vorinstanz Behauptungen zum tat-
sächlichen Parteiwillen aufgestellt und seine Behauptungen mit Beweisanträgen
versehen hat. Ein pauschaler Verweis auf Klage, Replik und Stellungnahme zum
Beweisergebnis genügt nicht. In der Stellungnahme zum Beweisergebnis (zu Be-
weissatz 1: "Dass der Target Variable Compensation Letter an die Bedingung des
fortgesetzten, ungekündigten Arbeitsverhältnisses geknüpft wurde") wies der Klä-
ger vielmehr darauf hin, es komme nicht darauf an, was der tatsächliche Wille der
Beklagten gewesen sei. Massgebend sei der geäusserte Wille, wie er vom Kläger
nach Treu und Glauben habe verstanden werden dürfen und müssen (Urk. 39
S. 3 mit Verweis auf Art. 1 Abs. 1 und Art. 18 Abs. 1 OR; vgl. zuletzt auch Urk. 59
Rz 9). Seitens des Klägers wird auch nicht vorgebracht, die Vorinstanz habe in
diesem Zusammenhang prozesskonform angebotene Beweismittel nicht abge-
nommen. Auf die Rüge, die Vorinstanz habe den wirklichen Willen der Beklagten
nicht festgestellt (wobei offengelassen wird, wessen Wille [natürliche Person]
festzustellen gewesen wäre), ist somit bereits mangels genügender Begründung
nicht einzutreten.
6.3 Ergänzend sei zu einem tatsächlichen übereinstimmenden Parteiwillen
Folgendes festgehalten:
6.3.1 Der Kläger hält berufungsweise an seiner Darstellung fest, wonach ihm
von D._ und E._ im Gespräch vom 23. Dezember 2016 bestätigt wor-
den sei, dass der TVCL demzufolge bis zum 31. Januar 2017 gilt (Urk. 45 Rz 32).
Ob damit ein tatsächlicher Parteiwille der Beklagten behauptet wurde, kann offen-
gelassen werden. Es trifft zwar zu, dass der Kläger bereits vor Vorinstanz vortrug,
E._ und D._ hätten ihm "[a]nlässlich des Jahresendgesprächs" bestä-
tigt, dass der "Milestone-Vertrag" für die Zeit vom 1. Januar 2016 bis 31. Januar
- 34 -
2017 gelte. Als Beweismittel hatte er sich auf E._ und D._ als Zeugen
und auf seine Parteibefragung berufen (Urk. 1 Rz 11, Urk. 20 S. 5 f.). Der Kläger
anerkennt in der Berufungsschrift, dass diesbezüglich seine Aussage gegen die
Aussage von E._ steht und sich aus der Aussage von D._ auch keine
Bestätigung seines Standpunktes ergibt (Urk. 45 Rz 32: "Herr D._ ist einer
Aussage ausgewichen"). Die vorinstanzliche Erwägung, wonach "[i]n Bezug auf
die Äusserungen zur Bedingung" zwischen den Parteien Aussage gegen Aussage
stehe (Urk. 46 S. 18), bezeichnete der Kläger sodann ausdrücklich als korrekt und
nicht zu beanstanden (Urk. 45 Rz 5). Im Übrigen stützt nicht einmal die Befragung
des Klägers die Behauptung, E._ und D._ hätten ihm den TVCL ohne
"Rücknahme" der Kündigung und lediglich für die Zeit bis zum 31. Januar 2017
gewähren wollen. Auf die Frage, weshalb er auf der vierten Seite des TVCL die
maschinengeschriebene Erklärung hingeschrieben habe, antwortete der Kläger:
"Um noch diese Klarheit zu schaffen. Dieser Vertrag regelt 24 Monate und mit
diesem Zusatzmonat, den ich bereit war anzuhängen, betraf der Vertrag ja nur 13
Monate." (Urk. 38 S. 3). Von einer vorgängigen "Erklärung der Bank" bzw. ihrer
Vertreter sprach der Kläger an dieser Stelle und überhaupt in seiner Befragung
nicht. Dass der von ihm nachträglich hinzugefügte Text (Urk. 4/9 S. 4) für sich al-
lein beweisbildend sei, behauptet selbst der Kläger nicht.
6.3.2 Der vom Kläger vor Vorinstanz geäusserte Einwand, bei der von der
Beklagten geltend gemachten Bedingung könnte es sich – wenn sie tatsächlich
gewollt gewesen sei – höchstens um einen unbeachtlichen Vorbehalt (Mentalre-
servation) handeln (Urk. 20 S. 5, S. 10), kann offensichtlich nicht dahingehend
verstanden werden, bei den Vertretern der Beklagten habe die tatsächliche Ab-
sicht bestanden, dem Kläger (in Abweichung vom objektiven Auslegungsergeb-
nis) den TVCL auch in gekündigter Stellung anzubieten. Zumal der Kläger beifüg-
te, es spiele keine Rolle, welche Überlegungen sich die Beklagte dabei angestellt
habe, als sie im Dezember 2016 entschieden habe, dem Kläger den TVCL zu of-
ferieren (Urk. 20 S. 10). Mit der Berufung auf eine Mentalreservation machte der
Kläger vielmehr geltend, ein von seinem eigenen Verständnis allenfalls abwei-
chender innerer Wille der Beklagten hätte wegen Mentalreservation unbeachtlich
zu bleiben.
- 35 -
6.3.3 In der Replik äusserte sich der Kläger dahingehend, für ihn habe es
keinen Anlass gegeben, den TVCL in seinem Schreiben vom 22. Dezember 2016
zu erwähnen, weil dieser Vertrag in keinem Zusammenhang mit der Beendigung
des Arbeitsverhältnisses und den hierzu geführten Gesprächen stehe. Durch die
Nichterwähnung des TVCL in seinem Schreiben vom 22. Dezember 2016
(Urk. 17/2) habe er sein Verständnis deutlich zum Ausdruck gebracht. Wenn das
Verständnis der Beklagten ein anderes gewesen sei (was bestritten werde), hätte
die Beklagte dies gegenüber dem Kläger hinreichend zum Ausdruck bringen
müssen (Urk. 20 S. 9 "Zu Rz. 43-45"). Mit dieser Bestreitung ist kein vom objekti-
ven Auslegungsergebnis abweichender Parteiwille dargetan. Der Kläger liess of-
fen, wessen innerer Wille mit dem seinigen übereinstimmte. Sodann unterlegte
der Kläger seine (in Form einer Bestreitung aufgestellte) "Behauptung" mit keiner-
lei Beweismitteln. Und schliesslich würde dem Kläger der ihm obliegende Nach-
weis eines natürlichen Konsenses auch dann nicht gelingen, wenn auf die bereits
abgehandelten Beweismittel zurückgegriffen würde (vgl. E. III/6.3.1).
6.3.4 Schliesslich vermag der Kläger auch mit seinen als Fragen formulier-
ten "Widersprüchen und Unerklärbarkeiten" (Urk. 45 Rz 30) keinen tatsächlichen
übereinstimmenden Parteiwillen darzutun bzw. nachzuweisen:
6.3.4.1 Für die Beantwortung der Frage, wie die Beklagte gegenüber dem
Kläger den Willen, den TVCL an die Bedingung des ungekündigten Arbeitsver-
hältnisses zu knüpfen, zum Ausdruck brachte (Urk. 45 S. 9, 1. Spiegelstrich),
kann auf die Ausführungen zur objektivierten Vertragsauslegung verwiesen wer-
den (E. III/5).
6.3.4.2 Der Kläger macht geltend, das Verhalten der Beklagten, die angebli-
che Bedingung des ungekündigten Vertragsverhältnisses nicht in den TVCL zu in-
tegrieren, sei für eine börsenkotierte Bank mit professionellen Personal-, Rechts-,
und Compliance-Abteilungen ausgesprochen ungewöhnlich (Urk. 45 S. 9 f., 2.
Spiegelstrich).
Es trifft zu, dass eine explizite Regelung den vorliegenden Auslegungsstreit
allenfalls verhindert hätte. Nachdem sich die Beklagte aber mit Erfolg darauf beru-
- 36 -
fen kann, dass der Kläger die Abhängigkeit des TVCL von der Weiterführung des
Arbeitsverhältnisses hätte erkennen müssen (zumal sich die Beklagte am Tag der
Aushändigung des TVCL darum bemühte, den Kläger als Private Banker in der
Bank zu halten, und der Kläger ihr erst am 23. Dezember 2016 seine Antwort
übermittelte), kann der Kläger aus dem Umstand, dass die Bank über eine Perso-
nal-, Rechts- und Compliance-Abteilung verfügt, nichts Entscheidendes zu seinen
Gunsten ableiten. Der objektive Sinn des Erklärten deckt sich mit dem Standpunkt
der Beklagten.
6.3.4.3 Dem Kläger scheint unerklärbar, dass die Beklagte ihn nicht zumin-
dest mündlich auf die Bedingung hinwies, obwohl sie sich mit dem TVCL für die
Schriftform entschied, und sie sich nun für eine "conditio sine qua non" auf die
Umstände berufen muss (Urk. 45 S. 9 f., 3. und 5. Spiegelstrich).
Die Beklagte machte vor Vorinstanz einerseits geltend, dem Kläger sei sehr
wohl kommuniziert worden, dass der TVCL von der Weiterführung des Arbeits-
verhältnisses abhänge (Prot. I S. 10 f.). Andererseits berief sie sich darauf, dass
allen Beteiligten stets klar gewesen sei, dass der TVCL von der Weiterführung
des Arbeitsverhältnisses abhänge (Urk. 15 Rz 27, Rz 38 f.). Schliesslich will sie
dem Kläger am 23. Dezember 2016 ihr Schreiben vom gleichen Tag (worin der
TVCL von der Gegenstandslosigkeit der Kündigung abhängig gemacht wurde;
Urk. 17/1) übergeben haben (Urk. 15 Rz 32). Der Kläger stellte dies zwar alles in
Abrede (Urk. 20 S. 3 ff.). Abgesehen davon, dass nicht einfach von seiner Version
ausgegangen werden kann, übersieht der Kläger, dass er das Angebot des TVCL
auch ohne expliziten mündlichen oder schriftlichen Hinweis dahingehend verste-
hen musste, als sei es von der Beklagten nur für den Fall der Weiterführung des
Arbeitsverhältnisses gewollt. Unerheblich ist, ob dem Kläger "die angebliche Be-
dingung bekannt war" (vgl. Urk. 45 S. 9 f., 4. Spiegelstrich), weil er im Rahmen
der objektivierten Auslegung von dieser Bedingung ausgehen musste.
6.3.4.4 Einen weiteren Widerspruch sieht der Kläger darin, dass die Beklag-
te von ihm nicht umgehend schriftlich oder per E-Mail die Rückgabe des TVCL
verlangte oder dessen Ungültigkeit erklärte, nachdem sie am 23. Dezember 2016
das Schreiben des Klägers vom 22. Dezember 2016 erhalten hatte. Zudem stellt
- 37 -
er die Frage, weshalb die Beklagte nicht reagiert habe, als sie vom Kläger den
gegengezeichneten TVCL erhalten habe (Urk. 45 S. 9 f., 6. und 7. Spiegelstrich).
Die Beklagte machte geltend, dass sie den Kläger am 23. Dezember 2016
aufgefordert habe, den TVCL zurückzugeben, worauf ihr der Kläger entgegnet
habe, der TVCL befinde sich bei ihm zuhause, weshalb er ihn nicht an Ort und
Stelle zurückgeben könne (Urk. 15 Rz 37). Diese Schilderung wurde von E._
im Wesentlichen bestätigt (Urk. 33 S. 4 f.), während der Kläger ihr widersprach
(Urk. 33 S. 5). Wie es sich damit verhält, kann offenbleiben. Bereits am 24. De-
zember 2016 unterzeichnete der Kläger den TVCL und übersandte ihn mit dem
maschinengeschriebenen Zusatz der Beklagten, worauf diese mit den Schreiben
vom 5. und 27. Januar 2017 jegliche Bonusansprüche des Klägers zurückwies
(Urk. 4/10 und Urk. 4/12). Die Beklagte hat dem klägerischen Zusatz daher klar
und zeitnah widersprochen. Dass die Beklagte keine Rückgabe des TVCL auf
schriftlichem oder elektronischen Weg forderte, reicht für die Annahme, sie habe
den TVCL bedingungslos abschliessen wollen, nicht aus, zumal der TVCL im Sin-
ne der Beklagten dahingehend auszulegen ist, er gelte nur im ungekündigten Ar-
beitsverhältnis.
6.3.4.5 Der Kläger erachtet es als möglich, dass die Beklagte ihn mit dem
TVCL habe ködern wollen, um ihn zur geordneten Kundenübergabe zu motivieren
(was ihr tatsächlich gelungen sei), und die Bedingung des ungekündigten Arbeits-
verhältnisses erst im Nachhinein erfunden habe, um sich ihrer Zahlungspflicht zu
entziehen (Urk. 45 S. 10, 8. Spiegelstrich).
Diesbezüglich verliert sich der Kläger in reiner Spekulation. Zudem verträgt
sich diese "Möglichkeit" nicht mit seiner Darstellung in der Replik, für ihn habe es
keinen Anlass gegeben, den TVCL in seinem Schreiben vom 22. Dezember 2016
zu erwähnen, weil dieser Vertrag in keinem Zusammenhang mit der Beendigung
des Arbeitsverhältnisses und den hierzu geführten Gesprächen stehe (Urk. 20
S. 9). Auch in der Parteibefragung äusserte sich der Kläger dahingehend, die
Kundenübergabe und der Abschluss der TVCL müssten getrennt voneinander be-
trachtet werden (Urk. 38 S. 9). Wie bereits die Vorinstanz konstatierte, bleibt viel-
mehr fraglich, weshalb sich der Kläger den Abschluss des TVCL nicht gleichzeitig
- 38 -
mit der Verlängerung der Kündigungsfrist auf seinem Schreiben vom 22. Dezem-
ber 2016 bestätigen liess, wenn er der Auffassung war, der TVCL werde ihm
(auch) für die geordnete Kundenübergabe gewährt.
6.4 Demgemäss ist weder erstellt, dass Vertreter der Beklagten die vom
Kläger schriftlich festgehaltene "Erklärung der Bank" (Urk. 4/9 S. 4) tatsächlich
abgegeben haben, noch dargetan, dass eine vom objektiven Auslegungsergebnis
abweichende tatsächliche Willensübereinstimmung zwischen den Parteien be-
stand.
7.1 In der Berufungsantwort führte die Beklagte aus (Urk. 51 Rz 17):
"Der TVCL selbst wurde von der Beklagten professionell aufgesetzt – er  den gesamten Vertragsgegenstand, gab den Willen der Beklagten  und umfassend wieder und bediente sich des allgemeinen  [...]. Es entsprach dem Willen, dem Kläger im Zusammenhang mit einem gültigen Arbeitsvertrag einen dem TVCL entsprechenden  Bonus für die Berechnungsperiode 2016 und 2017 (allenfalls mit  bis 2018) oder im Falle einer früheren Vertragsbeendigung bis zur Beendigung des Arbeitsvertrages zu gewähren."
Der Kläger will in der Berufungsreplik die Beklagte auf diesen Aussagen be-
haften. Sie seien zu 100% deckungsgleich mit seinem Standpunkt und würden
auch genau dem Wortlaut des TVCL entsprechen (Urk. 55 Rz 12). Die Beklagte
ist der Auffassung, der Kläger wolle sie auf "unvollständig zitierten Aussagen" be-
haften (Urk. 57 Rz 17).
7.2 Nach dem oben wiedergegebenen Zitat fuhr die Beklagte folgendermas-
sen fort: "Dieser Wille der Beklagten bzw. die Wirksamkeit des TVCL war jedoch
abhängig vom Eintreten der Bedingung, dass der Kläger seine ausgesprochene
Kündigung zurückzieht und weiterhin unbefristet bei der Beklagten verbleibt."
(Urk. 51 Rz 17). Dabei erfolgten die Ausführungen der Beklagten im Zusammen-
hang mit den Vorbringen des Klägers, die Bedingung des ungekündigten Arbeits-
verhältnisses habe im Vertragstext keinen Niederschlag gefunden und die Partei-
en hätten auch nicht auf das Schriftformerfordernis verzichtet (Urk. 45 Rz 8 bis
14). Die Beklagte räumte in der Berufungsantwort ein, dass die Bedingung der
unbefristeten Weiterführung des Arbeitsverhältnisses nicht schriftlich festgehalten
worden sei; sie vertrat aber die Auffassung, dass Schriftlichkeit dafür nicht ver-
- 39 -
langt werde und im Zweifel mittels Auslegung zu entscheiden sei, wobei insbe-
sondere auf den mit dem Rechtsgeschäft verfolgten Zweck abzustellen sei. Sie
machte geltend, dass aufgrund des zeitlichen Geltungsbereichs des TVCL und
aufgrund des klägerischen Schreibens vom 22. Dezember 2016 definitiv festste-
he, dass der dem Kläger am 20. Dezember 2016 übergebene TVCL nie Rechts-
wirksamkeit erlangt habe. Die Vorlage eines (teils in die Zukunft gerichteten) Ver-
trages für das Jahr 2017 und allenfalls 2018 mache nur im unbefristeten Arbeits-
verhältnis einen Sinn (Urk. 51 Rz 14 ff., Rz 84; vgl. bereits Prot. I S. 11, S. 16).
Aufgrund der weiteren Ausführungen der Beklagten kann der vom Kläger zi-
tierte Passus aus der Berufungsantwort nicht mit dessen Standpunkt gleichge-
setzt und als Anerkenntnis von dessen Vorbringen gewertet werden, zumal das
objektive Auslegungsergebnis den von der Beklagten vertretenen Standpunkt
stützt.
7.3 Soweit die Berufungsreplik und -triplik (Urk. 55, Urk. 59) nicht ohnehin
Wiederholungen enthalten, tut der Kläger nicht dar, welche weiteren Argumente
(Kritikpunkte) in diesen beiden Rechtschriften erst durch die Berufungsantwort
bzw. -duplik (Urk. 51, Urk. 57) veranlasst wurden oder echte Noven darstellen, die
nicht bereits mit der Berufungsbegründung hätten vorgetragen werden können.
Damit muss auf diese Eingaben nicht weiter eingegangen werden (vgl. E. III/1.5).
8. Eine unrichtige Sachverhaltsfeststellung oder Rechtsanwendung der Vor-
instanz liegt im Ergebnis nicht vor. Die Berufung erweist sich als unbegründet und
ist abzuweisen.
IV.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der unterliegende Kläger für das
erst- und zweitinstanzliche Verfahren kosten- und entschädigungspflichtig
(Art. 106 Abs. 1 ZPO). Demzufolge ist auch das erstinstanzliche Kosten- und Ent-
schädigungsdispositiv (Dispositiv-Ziffern 2 bis 4) zu bestätigen. Der Streitwert be-
trägt auch im zweitinstanzlichen Verfahren Fr. 364'200.–. Die zweitinstanzliche
Entscheidgebühr ist auf Fr. 18'000.– (§ 4 Abs. 1 in Verbindung mit § 12 Abs. 1
- 40 -
und 2 GebV OG) und die zweitinstanzliche Parteientschädigung auf Fr. 10'000.–
(§ 4 Abs. 1 in Verbindung mit § 13 Abs. 1 und 2 AnwGebV) festzusetzen. Für die
unaufgefordert eingereichten Eingaben (Urk. 57 und 61) sind keine Zuschläge im
Sinne von § 11 Abs. 2 AnwGebV zu erheben.