# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** eb92f375-2bdf-55d5-88e4-1d3795a927ff
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1995
,
hielt sich
am
13. Mai 2013 im Schulhaus der von ihm besuchten Berufsschule auf, als
ihn ein anderer
Schüler
um Aussprache zu seiner Beziehung zu einer gemeinsamen Bekannten ersuchte und ihn bat, ihm
zu einem in der
N
ähe des Schulhauses
gelegenen Hinterhof zu folgen, wo
rauf der Geschädigte diesem Ersuchen nachkam
.
In der Folge kam es vorerst zu
einer verbalen Auseinandersetzung
zwischen dem Geschädigten und dem Täter. Anschliessend schubsten sich der Täter
und der Geschädigte gegenseitig
, worauf
der Täter die Hände des Geschädigten
ergriff
und versuchte,
diesen
i
n den „Schwitzkasten“ zu nehmen. Anschliessend kamen der Geschädigte und der Tä
ter zu Fall, worauf
am Boden
eine
Rangelei
zwischen diesen stattfand, während welcher der Täter dem
Geschädigte
n
Faustschläge gegen sein rechtes Auge
ver
setzte
(
Urk.
6/1/5 S. 3, Urk.
6/1/4 S.
3)
.
Dabei zog sich der Geschädigte im Be
reich seines rechten Auges eine
Orbitabodenfraktur
im Sinne einer Blow-out Fraktur
mit Hypästhesie, Motilitätseinschränkung, Diplopie
und
Netzhautdege
nerations
arealen
sowie eine
Contusio
bulbi
(
Urk.
14/11 S. 2-3;
Urk.
6/1/11/3-4) zu.
1.2
Mit
Strafbefehl der Staatsanwaltschaft
Y._
vom 25. März 2014
(Urk.
6/1/17
)
wurde
der Täter der
einfachen
Körperverletzung
im Sinne von Art.
123
Ziff.
1
Abs. 1 des Strafgesetzbuches (StGB)
sowie
der
Drohung
im Sinne von Art.
180
StGB
, begangen zum Nach
teil des Geschädigten, schuldig gespro
chen und zu einer
Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 30.--, entsprechend Fr. 900.-- verurteilt, wobei der Vollzug der Geldstrafe unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren aufgeschoben wurde.
1.3
Am 9. April 2014
stellte der Geschädigte bei der Direk
tion der Justiz und des
Innern des Kan
tons Zürich ein Gesuch um Zusprechung einer
Ge
nugtuung im Betrag von Fr.
1
0‘000.-- für die Folgen der Straftat vom
13. Mai 2013
(Urk. 6/1).
Mit (
un
begründeter) Verfügung vom
16. Mai 2014
(Urk.
6
/8
) sprach die Kan
to
nale Opferhilfestelle dem Geschädigten für die Straftat vom
13. Mai 2013
eine Genugtuung im Betrag von Fr.
2‘000.-- zu (Dispositiv Ziffer I
). Am
20. Mai 2014
verlangte der Geschädigte eine Begründung der Verfügung (Urk.
6/10
), worauf die Kantonale Opferhilfestelle eine begründete Verfügung (Urk.
6/12
= Urk. 2) erliess.
2.
Gegen die
(begründete)
Verfügung vom
16. Mai 2014
(Urk. 2) erhob
der
Geschä
digte am
29. Juni 2014
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte,
es seien
deren Dis
positiv
-
Ziffern I und II
auf
zuheben und es sei ihm
eine Genugtuung
im Betrag
von Fr.
1
0
‘000.--
zuzusprechen.
Mit Eingabe vom
9. Juli 2014
(Urk.
5
) beantragte die Kantonale
Opfer
hilfe
stelle
die Abweisung der Beschwerde. Mit Verfügung vom
5. August 2014
(Urk.
8) wur
den die Akten
der
Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA)
betreffend den Unfall des Beschwerdeführers vom 13. Mai 2013
beigezogen (Urk. 11/1-26 und
Urk.
14/1-37).
A
m 2
2.
Januar 2015
verzichtete der Beschwerdeführer
(
Urk.
16) und
am 27. Januar 2015
der Beschwerdegegner
(Urk. 18) auf eine Stel
lungnahme dazu.
Dies wurde den Parteien am 25. Februar 2015 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
19).
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Da vorliegend Ansprü
che für eine am 13. Mai 2013 verübte Straftat im
Streite stehen
, gelangen vorliegend die mate
riellen Vorschriften des am 1. Janu
ar
2009 in Kraft getretenen
totalre
vi
dierten
Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG) zur Anwendung (vgl.
Art. 48 OHG
)
.
1.3
Hilfe nach dem OHG er
hält jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperli
chen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist
(Opfer), und zwar unabhängig davon, ob der Täter oder die Täterin ermittelt wor
den ist, ob sie vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt oder ob sie sich schuld
haft ver
halten haben (Art. 1 Abs. 1 und 3 OHG). Dem Opfer werden gemäss Art. 1 Abs. 2
OHG dessen Ehegatte oder Ehegattin, dessen Kinder und Eltern so
wie an
de
re Personen, die ihm in ähnlicher Weise nahe stehen (Angehörige), gleich
ge
stellt.
1.4
Gemäss Art. 22 Abs. 1 OHG haben das Opfer und seine Angehörigen Anspruch auf eine Genugtuung, wenn die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt, wo
bei Art. 47 und Art. 49 des Obligationenrechts (OR) sinngemäss anwendbar sind.
Bei der Bemessung der Genugtuung
ist daher
in erster Linie die Schwere der Be
einträchtigung zu gewichten. Unter Beeinträchtigung ist dabei, wie im Zi
vil
recht,
die Verletzung der persönlichen Verhältnisse, beziehungsweise das kon
krete Aus
mass des Eingriffes in die Persönlichkeitsrechte zu verstehen (Peter
Gomm
,
Opfer
hilfegesetz
, 3. Aufl., Bern 2009, Art. 23 OHG N 5). Bei der Bestim
mung des
Ge
nugtuungsbetrages
sind die subjektive Empfind
lich
keit der geschä
digten Person sowie der Umstand zu berücksichtigen, auf welche Weise und wie
schwer
wie
gend sie in ihrer besonderen Situation von der objek
tiven Schädigung getroffen und in ihrer konkreten Lebensführung beeinträch
tigt wird. Die Höhe der Genug
tuung hängt entscheidend von der Art und Schwere der Schädigung bezie
h
ungsweise von der Schwere der Beeinträch
ti
gung als Folge dieser Schädi
gung sowie von der Aussicht ab, durch die Zahlung eines
Geld
betrages
den kör
per
li
chen oder seelischen Schmerz spürbar zu lindern ab (BGE 118 II 410 E. 2a). Wei
tere Bemessungskriterien für die Höhe der Genug
tuung sind die In
tensität und Dauer der Auswirkungen auf die Persönlichkeit der be
troffe
nen Person.
1.5
Eine Genugtuung setzt kumulativ eine schwere Betroffenheit und besondere Um
s
tände voraus. Nicht jede physische oder p
sychische Verletzung oder Be
ein
träch
tigung führt zu einer Genugtuung (BGE 125 III 70 E. 3c; 110 II 163 E. 2c; Ro
land Brehm, Berner Kommentar zum OR, Bern 1998, N. 28 und N 161
zu Art. 47 OR). Verlangt wird eine gewisse Schwere der Beeinträchtigung, wie bei
spielsweise Invalidität oder dauernde Beeinträchtigung eines wichtigen Or
gans
(BGE 121 II 369 E. 3c/
bb
; Brehm, a.a.O., N. 165 zu Art. 47). Ist die Schädigung nicht dau
ernd, wird ein Genugtuungsanspruch nur angenom
men, wenn beson
de
re Um
stände vorliegen, wie etwa ein mehrmonatiger
Spital
auf
enthalt
mit zahl
reichen Operationen oder eine lange Leidenszeit und Arbeits
unfähigkeit (Brehm, a.a.O., N. 163, N 166 f. zu Art. 47). Kann eine Verletzung ohne grosse Komplikationen und ohne dauernde Beeinträchtigung geheilt wer
den, ist in der
Regel keine Ge
nugtuung geschuldet. Bei einer Arbeitsunfähigkeit von bloss eini
gen Wochen wird im All
ge
meinen ein
Ge
nugtuungsanspruch
ver
neint (Brehm, a.a.O., N. 29 zu Art. 47). Beträchtli
che psychische Beeinträchti
gungen müssen bei der Be
messung der Genugtuung be
rücksichtigt werden, so posttraumatische
Stress
zu
stän
de
, die zu dauerhaften Veränderungen der Per
sönlichkeit führen. Es muss jedoch
eine
er
hebliche
Stö
rung
des
psychischen
Gleichgewichts
vorliegen
(Brehm, a.a.O., N. 171 ff. zu Art. 47; Urteil des Bun
desgerichts 1A.235/2000 vom
21. Februar 2001 E. 5b/
aa
).
1.6
Die Leistungen gemäss Art. 22 OHG unterscheiden sich zwar in ihrer
Rechtsna
tur
von den zivilrechtlichen Ansprüchen. Die von den Zi
vilgerichten entwickel
ten Grundsätze bei der Beurteilung der Voraussetzungen für den Anspruch auf
Genugtuung sind gemäss Art. 22 Abs. 1 OHG, 2. Halbsatz, sowie gemäss der
Recht
sprechung (BGE 125 II 169 E. 2b; 123 II 216 E. 3b/
dd
; 121 II 369 E. 3c/
aa
) im Bereich der Opferhilfe sinngemäss heranzuziehen. Insbesondere wird die Ge
nug
tuung
im Opferhilferecht
, gleich wie im Zivilrecht, nach der Schwere der Be
einträchtigung bemessen (
Art.
23
Abs.
1 OHG). Die Einnahmen des Opfers spie
len dabei keine Rolle (
Art.
6
Abs.
3 OHG), da die Genugtuung im
Opferhil
ferecht
den gleichen Zweck wie im Zivilrecht,
das heisst
den Ausgleich von physischem oder seelischem Schmerz verfolgt
(Charlotte
Schoder
,
Opferhilfe
leistungen
im
Lichte des revidierten Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten vom
23. März 2007, AJP 2008 S. 1483-1497, S. 1494). Insbesondere gewährt die
Opfer
hilfe
nicht
weitergehende Ansprüche, als das Opfer zivilrecht
lich gegen den Täter geltend machen könnte (BGE 121 II 369 E.
5a).
Die Bewertung der immateriellen Beeinträchtigung kann in zwei Phasen erfolgen: in einer objek
ti
ven Berechnungsphase mit einem Basisbetrag als
Orientierungs
punkt
und einer
nachfolgenden Phase, in der die Besonderheiten des Einzelfal
les (
Haftungs
grund
lage
, individuelle Lebenssituation des oder der Geschädigten, Selbstverschulden) erhöhend oder reduzierend berücksichtigt werden.
Dabei ist aller
dings zu beach
ten, dass es sich bei der opferrechtlichen Genugtuung um eine staatliche Hilfe
leis
tung handelt (BGE 125 II 173 E. 2b, 556 E. 2a), weshalb im
Unterschied zum Haftpflichtrecht die subjektiven, täterbezogenen Merkmale nicht berücksichtigt
werden. Bei der Bemessung der opferhilferechtlichen Ge
nugtuung gemäss Art. 23
OHG
darf daher
weder die Art der Straftat noch das Verschulden des Täters oder der Täterin eine Rolle spielen
(
BBl
2005 7224).
1.7
Gemäss Art. 23 Abs. 2 OHG beträgt die Genugtuung für das Opfer höchstens
Fr. 70‘000.-- (
lit
. a) und für Angehörige höchstens Fr. 35‘000.-- (
lit
. b). In Art. 23
Abs. 3 OHG wird bestimmt, dass
Genugtuungs
leistungen
Dritter
abgezo
gen wer
den. Der für das Opfer in Art. 23 Abs. 2 gesetzlich festgesetzte Höchst
betrag von Fr. 70'000.-- entspricht rund 60 % der im Haftpflichtrecht zugespro
chenen
Höch
st
summen
. Bis zum Inkrafttreten des OHG wurde bei der Bewer
tung der ob
jektiven Schwere der Beeinträchtigung auf die
Integritätsentschädi
gung
im
Sinne
eines Richtwerts (Basiswert) zurückgegriffen (BGE 132 II 117
E. 2.2.3).
Bei dieser handelt es sich nach der in Anhang 3 der Verordnung über die Unfallversicherung (UVV) enthaltenen Skala über die Integritätseinbusse um den darin angegebenen Prozentsatz des Höchstbetrags des versicherten Ver
diens
tes (seit 1. Januar 2008: Fr. 126'000.-- im Jahr; vgl. Art. 22 Abs. 1 UVV und Ziff.
I der V vom 2
7.
Juni 2007
). Dieser Skala, welche für die schwersten
Integritätseinbussen die Höchstsumme von Fr. 126'000.-- (100
%
des versicher
ten
Ver
dienstes) als Integritätsentschädigung der Unfallversicherung vorsieht, kommt
auch nach Inkrafttreten des OHG bei der Bemessung der objektive Schwere ein
zelner Verletzungen eine Bedeutung zu. Betragsmässig muss bei der
Genug
tu
ungs
bemessung
aber, statt vom Höchstbetrag des unfallversicherten Verdiens
tes,
vom Höchstbetrag für die Opferhilfe-Genugtuung von Fr. 70'000.-- ausge
gang
en werden (Charlotte
Schoder
, a.a.O. S. 1495).
1.8
Kriterien, die den Genugtuungsanspruch erhöhen, aber auch reduzieren, ist eben
falls angemessen Rechnung tragen. Zu gewichten sind als wichtigste Krite
rien ins
besondere die Leidenszeit, Dauerschmerzen, Komplikationen im
Heil
verlauf
,
besondere Auswirkungen auf Beruf, Freizeit und Familienleben, ästhe
tische Schä
den, Pflegebedürftigkeit und Drittabhängigkeit bei besonders schwerer Invali
di
tät und bei Angehörigen der Grad der Verwandtschaft und di
e Nähe der Bezieh
ung zum Opfer
.
Sodann
können das Alter des Opfers, die Dauer des
Spi
tal
auf
ent
haltes
, die Schmerzhaftigkeit einer Operation, bleibende und ent
stel
len
de
Narben, die Auswirkungen auf das berufliche und private Leben, die Intensität und
die Dauer der psychischen Folgen, die Abhängigkeit von Dritten, A
uswir
kungen der Tatwiederholung und
die fehlende Ermittlung oder Verurteilung
der Täterschaft eine Rolle spielen. Des Weiteren
können
unter an
derem auch
län
gerdauernde Angsterlebnisse, wie sie beispielsweise bei Frei
heitsberau
bung
en,
Ent
führungen und Straftaten gegen die se
xuelle Integrität vorkommen können,
genugtuungserhöhend
berücksichtigt werden
(
Peter
Gomm
,
a.a.O., Art. 23 OHG N 6
).
1.9
Gemäss der Botschaft des Bundesrates (
BBl
2005 7165
) ist bei der Bemessung
der Genugtuung den Höchstbeträgen von Art. 23 Abs. 2 OHG insofern Rech
nung
zu tragen, als dass die Höchstbeträge für die schwersten Verletzunge
n vorbe
hal
ten sind. Angesichts der Höchstbeträge ist der Spielraum bei der Be
messung der Genugtuung im Opferhilferecht deutlich geringer als im Privatrecht (
BBl
2005 7226). Um
Opfer mit ausserordentlich schweren Beeinträchtigungen
nicht zu benachteiligen sowie in Nachachtung der Grundsätze der
Rechtsgleich
heit
und der
Rechtssicherheit muss die Plafonierung daher zwangsläufig zu ei
ner allge
mei
nen
Senkung sämtlicher
Genugtuungs
beträge
im Vergleich zum Haftpflichtrecht füh
ren (Bundesamt für Justiz, Leitfaden zur Bemessung der Ge
nugtuung nach
Opfer
hilfegesetz
, Bern 2008, S. 5; www.bj.admin.ch).
Dies hat zur Folge, dass die Genugtuung
nach
einer degressiven Skala festzu
setzen ist, die von den im Pri
vat
recht gewährten Beträgen una
bhängig ist. Die im Privat
recht üblicher
weise ge
währten Beträge können jedoch einen Hinweis darauf ge
ben, welche Beein
träch
tigungen höhere
Genugtuungen
rechtfertigen. Insgesamt sollten die zuge
sprochenen Genugtuungssummen im Opferhilferecht klar tiefer ausfallen als die gestützt auf das Zivilrecht zugesprochenen Beträge. In Anbe
tracht eines
Medi
ans
der zugesprochenen zivilrechtlichen
Genugtuungen
im Jahre 2004 von Fr. 5‘000.-- sollte der Median der opferhilferechtlichen
Genugtuun
gen
gemäss der Botschaft des Bundesrates bei ungefähr Fr. 3‘000.-- zu liegen kommen (
BBl
2005 7226).
1.10
Die Beträge an der Obergrenze der Höchstbeträge sind gemäss der Botschaft des
Bundesrates den am schwersten betroffenen Personen vorbehalten, was in der Regel
auf zu 100 % Invalide zutreffe. Ausgehend von diesen Überle
gungen ging der Bundesrat davon aus, dass sich die Genugtuungssummen für Opfer, die in ihrer körperlichen Integrität verletzt wurden, in folgenden Band
breiten zu be
we
gen haben (
BBl
2005 7227):
Fr. 55‘000.-- bis Fr. 70‘000.-- für sehr starke Beeinträchtigungen der
Be-we
gungsfähigkeit
oder der intellektuellen sowie sozialen Fähigkeiten (beispielsweise
Tetraplegie
)
Fr. 40‘000.-- bis Fr. 55‘000.-- für starke Beeinträchtigungen der Bewe
gungsfähigkeit oder der intellektuellen sowie sozialen Fähigkeiten (bei
spielsweise Paraplegie, vollständige Erblindung, Verlust des Gehörs)
Fr. 20‘000.-- bis Fr. 40‘000.-- für Beeinträchtigungen der Bewegungs-
fähig
keit
, Verlust einer wichtigen Funktion oder eines wich
tigen Organs (beispielsweise Hemiplegie, Verlust eines Armes oder eines Beines, sehr starke und schmerzhafte Verletzung der Wirbelsäule, Verlust der Genita
lien oder der Fortpflanzungsfähigkeit, schwere Entstellung)
bis zu Fr. 20‘000.-- für weniger schwer wiegende Beeinträchtigungen (bei
spielsweise Verlust der Nase, eines Fingers, des Geruchs- oder des Geschmackssinns)
1.11
Aus
Präjudizien
lassen sich durch Vergleich Anhaltspunkte für die
Beur
teilung der angemessenen
Genugtuungs
summe
gewinnen (BGE 112 II 131 E. 2; Brehm, a.a.O., N 63 zu Art. 47 OR; Urteil des Bundesgerichts
6S.232/2003
vom 17.
Mai 2004 E. 2.1 f.),
wobei
die
Höchstgrenzen
nach
Art.
23
Abs
.
2 OHG und
der
Be
messungsrahmen
des
Bundesrates
für
die
einzelnen
Bereiche
zu
berücksichtigen
sind
(
Peter
Gomm
,
a.a.O
., Art. 23 OHG N 7).
1.12
Im
Gegensatz
zur
Rechtslage
bei
Geltung
des
bis 31.
Dezember
2008 in Kraft
gestandenen
Opferhilfegesetzes
vom
4.
Oktober
1991 (
aOHG
)
bestimmt
Art. 28 OHG,
dass
für
die
Entschädigung
und die
Genugtuung
keine
Zinsen
geschuldet
werden
.
2.
2.1
Im Folgenden sind vorerst die für den Anspruch auf eine Genugtuung massge
benden Akten zum Gesundheitszustand des Beschwerdeführers zu prüfen.
2.2
Die Ärzte der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des
Z._
diagnostizierten mit Operationsbericht vom 15. Mai 2013 (
Urk.
14/15 S. 4) eine dislozierte
Orbitabodenfraktur
rechts und er
wähnten, dass bei einer deutlichen Dislokation des
Orbitainhalts
nach kaudal die Indikation zur offenen Reposition und Osteosynthese gegeben gewesen sei, weshalb beim Beschwerdeführer gleichentags eine
Orbitabodenrevision
rechts mit Einlage von
Titanmesh
durchgeführt worden sei.
Im Operationsbericht vom 17. Mai 2013 (
Urk.
14/15 S. 2) führten die Ärzte der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des
Z._
aus, dass gleichentags im Rahmen einer
Orbitarevision
rechts eine falsch liegende
Titanmesh
entfernt worden sei, und dass eine erneute Schienung mittels einer PDS-Folie durchge
führt worden sei.
Im Austrittsbericht vom 21. Mai 2013 (
Urk.
14/11 S. 2-3) erwähnten die Ärzte der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des
Z._
, dass der Be
schwerdeführer vom 14. bis 21. Mai 2013 hospitalisiert gewesen und in gutem Allgemeinzustand nach Hause entlassen worden sei. Es sei eine ambulante Durchführung einer Sehschule angezeigt.
2.3
Die
Ärzte der Augenklinik des
Z._
stellten in ihrem Bericht vom
17. Jul
i 2013 (
Urk.
6/1/11/3)
in Bezug auf das rechte Auge des Beschwerdeführers
die folgen
den Diagnosen:
Status nach Blow-out Fraktur am 13. Mai 2013 mit Doppelbilder
n
und Hypästhesie
Status nach
Orbitabodenexploration
und Schienung mit
Titanmesh
am 15. Mai 2013
Status nach Revisionsentfernung der
Titanmesh
und Schienung mittels PDS-Folie am 17. Mai 2013
Zustand nach persistierenden Doppelbildern und
Motilitätseinschrän
kung
Status nach
Contusio
bulbi
traumatisches N
etzhaut (NH)
-
Foramen
(Netzhautloch)
Netzhautdegenerationsareale
Die Ärzte erwähnten, dass in Bezug auf den kleinen, traumatisch bedingten
Netz
hauriss
eine Laserbehandlung gegenwärtig nicht indiziert sei. Da sich die Diplopie zurückgebildet und eine
regrediente
S
enk
ungseinschränkung festge
stellt worden sei, sei auf eine erneute Revision verzichtet worden.
Im
Bericht vom 14. August 2013 (
Urk.
6/1/11/4)
führten
die Ärzte der Augenkli
nik des
Z._
aus, dass der Beschwerdeführer Doppelbilder nur noch bei extre
mem
Abblick
sowie beim Blick nach rechts unten angegeben habe. Sodann sei ein deutlicher Rückgang der Motilitätseinschränkung des rechten Auges festge
stellt worden, weshalb die Behandlung abgeschlossen worden sei.
Mit Bericht vom 26. Dezember 2013 (
Urk.
14/23 S. 1-2) erwähnten die Ärzte der Augenklinik des
Z._
, dass anlässlich der Abschlussuntersuchung vom 14. Au
gust 2013 eine deutliche
Regredienz
der ursprünglichen
Motilitätseinschrän
kung
festgestellt worden sei, und dass Doppelbilder nur noch bei extremem
Ab
blick
sowie beim Blick nach unten angegeben worden seien. Zusätzlich hätten die initialen Untersuchungen einen kleinen, wahrscheinlich traumatisch be
dingten Netz
hautriss ergeben, welcher regel
mässig in der
Netzhautsprech
stunde
nachkontrolliert worden sei. Es habe sich ein komplikationsloses Ver
narben des Befundes ohne Hinweise auf eine Netzhautablösung gezeigt, wes
halb auf eine Laserbehandlung verzichtet worden sei.
In sechs Monaten sei eine Verlaufskontrolle des Netzhautbefundes geplant.
I
m Bericht der Netzhaut-Sprechstunde vom
2.
Juni 2014 (
Urk.
14/31 S. 1
2) stellten die Ärzte der Augenklinik des
Z._
ein stabiles und asymptomatisches peripheres Netzhaut-
Foramen
fest.
2.4
Dr.
med.
A._
, Fachärztin für Ophthalmologie und
Ophthal
mochirurgie
, erwähnte in ihrer auf Grund der Akten verfassten Stellungnahme vom 4. Dezember 2014 (
Urk.
14/36), dass der Gesundheitszustand
des Be
schwerdeführers
im Bereich
seines
rechten Auges gegenwärtig stabil sei, dass jedoch jederzeit Rezidive auftreten könnten. Bei einem guten
Visus
von 1.0 und fehlenden Doppelbildern im Gebrauchsgesichtsfeld beziehungsweise nur bei Extremstellung sei von der Unfallversicherung kein Integritätsschaden geschul
det.
3.
Den obenerwähnten Akten ist zu entnehmen, dass
sich
der Beschwerdeführer
anlässlich
der Straftat
vom 13. Mai 2013
eine disloz
ierte
Orbitabodenfraktur
rechts beziehungsweise eine Blow-Out Fraktur rechts mit konsekutiven Doppel
bildern u
nd Motilitätseinschränkung sowie
Hypästhesie, eine
Contusio
bulbi
und ein trau
matisches
Net
z
hautforamen
zuzog
, und dass die
Orbitabodenfraktur
am 15. und 17. Mai 2013 chirurgisch behandelt wurde (vorstehend E. 2.2). In
folgedessen war der Beschwerdeführer gemäss dem Unfallschein (
Urk.
14/17) vom 13. bis
13. August
2013 im Umfang von 100
%
arbeitsunfähig.
Am
14. August 2013
wurde die unfallbedingte Behandlung an der Augenklinik des
Z._
abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt
litt der Beschwerdeführer
nur noch
bei extremem
Abblick
sowie beim Blick nach rechts unten
unter Doppelbildern
und es wurde
ein deutlicher Rückgang der Motilitätseinschränkung
des rechten Au
ges festgestellt (vorstehend E. 2.3).
Dr.
A._
ging deshalb davon aus, dass keine Integritätseinbusse resultiere (vorstehend E. 2.4).
Infolgedessen hat die
SUVA dem Beschwerdeführer
denn auch
keine Integritätsentschädigung ausgerichtet (Urk.
14/26). Des Weiteren leidet der Beschwerdeführer gemäss sei
nen Angaben infolge der Straftat weiterhin unter gewissen psychi
schen Be
schwerden (
Urk.
1 S. 4). E
ine psychiatrische Behandlung
war indes
nicht erfor
derlich.
4.
4.1
Der Beschwerdegegner ging in der angefochtenen Verfügung vom 16. Mai 2014 (Urk. 2) davon aus, dass
sich
der Beschwerdeführer aktiv an einer wechselseiti
gen verbalen und tätlichen Auseinandersetzung mit dem Täter beteiligt
habe
.
Obwohl die
verbale Auseinandersetzung vom Täter provoziert worden
sei
, hät
ten sich der Täter und der Beschwerdeführer anschliessend gegenseitig ge
schubst und
sie hätten gegenseitig
mit den Fäusten aufeinander eingeschlagen. Aus diesem Grunde sei von einem aktiven Mitwirken des Beschwerdeführers an der zur Straftat führenden Auseinandersetzung mit dem Täter und damit von einem leichten bis mittelschweren Selbstverschulden des
Beschwerdeführers auszugehen. Der
Genugtuungsanspruch
des Beschwerde
führers sei daher
wegen Mitverschuldens um 20
%
zu reduzieren (S.
6).
4.2
Der Beschwerdeführer bringt
hiegegen
vor, dass sein Verhalten anlässlich der Straftat vom
13. Mai 2013
eine Herabsetzung der Genugtuung wegen Mitver
schuldens nicht rechtfertige. Denn
er
habe die Aggression des Täters weder pro
voziert noch sonst in einer ihm vorwerfbaren Art verschuldet. Vielmehr sei er
stellt, dass der Täter ihn gezielt in der Schule aufgesucht und ihn unter einem Vorwand in einen Hinterhof
gelockt habe mit dem Ziel
, ihn tätlich anzugreifen.
Zudem sei eine Reduktion der Genugtuung wegen Mitverschuldens selbst dann nicht angebracht
,
wenn
ihm - wider Erwarten -
eine geringe Mitschuld an der Auseinandersetzung mit dem Täter
zuzubilligen wäre
(
Urk.
1 S. 5).
5.
5.1
Im Folgenden
ist
zu prüfen, ob der Beschwerdeführer durch sein Ver
halten
zur Entstehung oder Verschlimmerung der Folgen der Straf
tat vom
13. Mai 2013
beigetragen hat.
5.2
Die Entschädigung und die Genugtuung des Opfers können herabgesetzt oder aus
geschlossen werden, wenn das Opfer zur Entstehung oder zur Verschlimme
rung der Beeinträchtigung beigetragen hat (Art. 27 Abs. 1 OHG). Dasselbe gilt für die Entschädigung und die Genugtuung der Angehörigen, wenn diese oder das Opfer zur Entstehung oder zur Verschlimmerung der Beeinträchtigung bei
getragen haben (Art. 27 Abs. 2 OHG).
5.3
Gemäss dem Wortlaut von Art. 27 OHG kann jedes, somit selbst leichtes Mitver
schulden des Opfers einen Herabsetzungsgrund bilden. Diese Regelung ent
spricht
grundsätzlich derjenigen des Haftpflichtrechts (vgl. Art. 44 OR; Charlotte
Schoder
,
Opferhilfeleistungen im Lichte des revidierten Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten vom 23. März 2007, in: AJP 2008 S. 1483-1497, S. 1495),
weshalb bei der Prüfung der Massgeblichkeit des Verhaltens des Opfers im Sinne
von Art. 27 Abs. 1 OHG die Rechtsprechung zum Selbstverschulden im zivilen Haftpflichtrecht zu berücksichtigen ist (Peter
Gomm
, in: Peter
Gomm
/Dominik
Zehntner
, Hrsg., Opferhilfegesetz, 3. Aufl., Bern 2009, Art. 27 OHG N 4).
5.4
Das Bundesgericht hat in Bezug auf die Rechtslage bei Geltung des
Bun
-
desgeset
zes
über die Hilfe an Opfer von Straftaten vom 4. Oktober 1999 (
aOHG
)
die Frage, ob ein schweres Mitverschulden des Opfers, das den adäqua
ten Kausal
zusammenhang zwischen der Straftat und dem erlittenen Schaden nicht unter
brochen hat, zum Wegfall des opferhilferechtlichen
Genugtuungs
anspruches
oder bloss zu seiner Reduktion führen kann, offen gelassen (BGE 128 II 49 E. 4.3).
Gemäss dem Bundesrat (Botschaft zur Totalrevision des OHG vom 9. November 2005;
BBl
2005 7223) stellt Art. 27 OHG nicht das Verschulden des Opfers oder
der Angehörigen in den Vordergrund, sondern ihr Verhalten, das zur Entsteh
ung
der Beeinträchtigung oder zur Verschlimmerung der Folgen bei
getragen
habe, wobei die Opferhilfebehörde strenger sein dürfe als ein Zivil
ge
richt. Als
Her
ab
set
zungs
- oder Ausschlussgrund könne etwa der Umstand in Er
wägung gezogen werden, dass sich das Opfer einer konkreten, über das übli
che Mass hinaus
geh
enden Gefahr ausgesetzt habe, beispielsweise indem es ei
nen besonders gefähr
lichen Sport ausübte oder dass es nicht alle angesichts der Umstände erforder
li
chen Massnahmen getroffen hat, um den Schaden rasch zu verringern (
BBl
2005
7231 f.).
5.5
Bereits ein leichtes beziehungsweise untergeordnetes Mit
verschulden kann zu einer Reduktion des
Genug
tuungsanspruchs
führen (vgl. BGE 124 II 8 E. 5c). Dabei muss dem Opfer jedoch immerhin vorgehalten werden können, dass es die in seinem eigenen Interesse aufzuwendende Sorgfalt nicht beachtet, und dass es nicht ge
nügend Sorgfalt und Umsicht zu seinem eigenen Schutz aufge
wendet hat. Vor
werfbar ist dieses Verhalten nur, wenn das Opfer die Mög
lich
keit ei
ner Schädigung voraussehen kann oder könnte und sein Verhalten dieser Vor
aus
sicht nicht anpasst (Urteil des Bundesgerichts 4A_520/2007 vom 31. März 2008
E. 5.3 und 4C.225/2003 vom 24. Februar 2004, E. 5.1 mit Hin
wei
sen). Das Selbs
t
verschulden ist nach einem objektiven Massstab zu beurteilen (BGE 102 II 226 E. 3a). Das tatsächliche Ver
halten des Geschädigten wird ver
glichen mit dem hy
pothetischen Verhalten eines durch
schnittlich sorgfältigen Menschen in der Lage des Geschädigten. In BGE 123 II 210 E. 3bb/ff wurde bei der Bemes
sung der Genugtuung berück
sichtigt, dass das Opfer an einer rechts
widrigen Demon
stration teilgenommen hatte und deshalb wegen Landfriedens
bruchs und Sach
be
schädigung verurteilt wurde, und dass diese Teilnahme kau
sal für die er
littenen Verletzungen war. In BGE 121 II 369 E. 4c wurde berück
sichtigt, dass sich das Opfer regelmässig in der offenen Drogenszene aufhielt,
und dass dieses Ver
halten zwar nicht die hauptsächliche Ursache der Ver
letzun
gen darstellte, aber massgeblich zum Schadenseintritt beigetragen hat.
6.
6.1
Die Staatsanwaltschaft
Y._
hat im Strafbefehl vom 25. März 2014 erwogen, dass
sich der Täter der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123
Ziff.
1
Abs.
1 StGB schuldig gemacht habe, indem er am 13. Mai 2013 im Rahmen einer wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung mit dem Beschwer
deführer
diesen
mehrfach mit der Faust ins Gesicht
geschlagen habe. Damit hab er
die Verletzungen, welche sich der Beschwerdeführer im Bereich se
ines rech
ten Auges zugezogen habe
, zumindest in Kauf
genommen
(Urk.
6/1/17 S. 2).
Den polizeilichen Einvernahmen des Täters (
Urk.
6/1/4) und des Beschwerdefüh
rers (
Urk.
6/1/5) ist zu entnehmen, dass der Täter den Beschwerdeführer in dem von ihnen gemeinsam besuchten Schulhaus
angesprochen und um Aussprache in einem ausserhalb des Schulhauseses gelegenen Hinterhof ersucht hat
. In der Folge
begannen der Täter und der Beschwerdeführer nach einer vorerst verbal geführten Auseinandersetzung sich gegenseitig
zu schubsen.
Während der nachfolgenden
tätliche
n
Auseinander
setzung versuchten
der Täter und der Be
schwerdeführer
, den jeweils Anderen in den „Schwitzkasten“ zu nehmen und auf den Boden zu
werfen
. Es steht auf Grund der Akten sodann fest, dass
sich sowohl der Täter als auch der Beschwerdeführer gegenseitig Faustschläge
ver
setzten
.
6.2
Eine Würdigung der gesamten Umstände des Tatgeschehens führt daher zum Ergebnis, dass es der Täter war, der mit dem Beschwerdeführer in Kontakt trat und diesen um eine Aussprache ersuchte, und dass der Beschwerdeführer den Täter nicht
zur Straftat
provozierte
. Der Tatbeitrag des Beschwerdeführers ging indes im Rahmen der tätl
ichen Auseinandersetzung mit dem Täter eindeutig über eine blosse Verteidigung hinaus
. Vielmehr ist
davon auszugehen, dass sich der Beschwerdeführer im Rahmen der tätlichen Auseinandersetzung nicht ledig
lich zu verteidigen suchte, sondern aktiv den Täter zu bezwing
en beziehungs
weise zu überwältigen
versuchte
. Ein durchschnittlich sorgfältiger Mensch in der Lage des Beschwerdeführers hätte sich indes anders verhalten und sich nicht in eine tätliche Auseinandersetzung mit dem
Täter
eingelassen
. Insbesondere hätte er
ein Schubsen beziehungsweise ein Zurückschubsen des Täters unter
lassen und hätte bei den ersten Anzeichen, dass eine tätliche Auseinander
setzung
drohte
, die Flucht
ergriffen
. Unter diesen Umständen ist daher nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner
davon ausging, dass der Beschwerde
führer im Rahmen eines leichten bis mittelschweren S
elbstverschuldens zur
Entstehung
der Beeinträchtigung beigetragen hat
te,
und
den
Genugtuungsan
spruch
wegen Mitverschuldens um 20
%
reduzierte (
Urk.
2 S. 6).
7.
7.1
Des Weiteren gilt es anhand von
Präjudizien
Anhaltspunkte für die
Beur
teilung der
Genugtuungs
summe
zu gewinnen.
7.2
In einem Fall aus dem Jahre 2011 haben zwei jugendliche Schläger zwei 18-jährige Gymnasiasten spi
talreif geprügelt. Dabei erlitt
eines der Opfer einen Bruch der Augenhöhle und es bestand die Gefahr der Erblindung bei Ab
lösung der Netzhaut. Das Bezirksgericht Zürich hat dem Opfer eine Genugtuung von Fr. 8‘000.-- zugesprochen
(
Hardy
Lando
lt
, Genugtuung bei Körperverlet
zung, in: Klaus Hütte/Hardy
Landolt
, Genugtuungsrecht,
Band 2, St. Gallen 2013, S. 288 Nr. 694).
7.3
In einem weiteren Fall aus dem Jahre 2012 prügelten zwei Täter auf einen Auto
fahrer ein und fügten ihm wuchtige Schläge und Fusstritte zu. Dabei erlitt das Opfer ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, diverse Frakturen im Bereich des rechten Auges mit der Folge persistierender Doppelbilder und einen Rippen
bruch. Das Obergericht des Kantons Zürich sprach dem Opfer eine Genugtuung von Fr. 5‘000.-- zu (
H
ütte/
Landolt
,
a.a.O.
, S. 276 Nr. 725).
7.4
In einem Fall aus dem Jahr 2011 wurde dem Opfer, welchem mehrerer gezielte Faustschläge ins Gesicht zugefügt wurde, und welches dabei multiple Verlet
zungen erlitt, eine Genugtuung von Fr. 1‘000.-- zugesprochen (
H
ütte/
Landolt
,
a.a.O.
, S. 281 Nr. 76).
7.5
Das Bezirksgericht Bülach hat in einem Entscheid aus dem Jahre 2011 dem Op
fer, welches von ihre
m
ehemaligen Freund spitalreif geschlagen
, mit der Faust
ins Gesicht
geschlagen
und an den Haaren gerissen wurde, eine Genugtuung von Fr. 800.-- zugesprochen (
H
ütte/
Landolt
,
a.a.O.
, S. 285 Nr. 676).
7.6
In einem Entscheid aus dem Jahre 2010 wurde
dem Opfer mit einem Rollbrett
mit voller Wucht
an den Kopf geschlagen. Dem Opfer, welches sich dabei eine schwere Schädel-Hirnverletzung mit Rissquetschwunde,
mit
Gehirner
schütte
rung,
mit
Fraktur der Schädelbasis,
mit
Fraktur der
Stirnhöhlen
hinterwand
rechts,
mit
Orbitadachfraktur
links und
mit
dislozierte
r
Fraktur des seitlichen
Orbitarahmens
links zugezogen hatte, wurde eine Genugtuung von Fr.
8‘000.-- zugesprochen (Urteil des Bundesgerichts 6B_695/2011 E. A;
Hardy
Landolt
,
a.a.O.
, S. 291 Nr. 529).
8.
8.1
Bei der Bemessung der Genugtuung gilt es vorliegend einerseits zu berücksichti
gen, dass der Täter für die zum Nachteil des Beschwerdeführers begangene Straftat von der Staatsanwaltschaft
Y._
mit Strafbefehl vom
25. März 2014 (Urk. 6/1/17)
der einfachen Körperverletzung
im Sinne von Art.
123
Ziff.
1
Abs. 1 StGB
und nicht der schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 122
Abs.
1 StGB
schuldig gesprochen
wurde, und
dass die Unfallversicherung dem Beschwerdeführer keine Integritätsentschädigung für di
e Folgen der Straf
tat vom 1
3.
M
a
i
2013 ausrichtete.
Andererseits gilt es zu berücksichtigen, dass der Beschwerdeführer auf Grund der Straftat zweimal am Gesichtsschädel im Bereich seines rechten Auges hat
te
operiert
werden müssen
,
und dass er infolge der Straftat
in der Zeit
vom 1
3.
Mai bis 1
3.
August 2013 vollständig arbeitsunfähig
gewesen
war (vorste
hend E.
3
).
Auf Grund der übereinstimmenden Beurteilungen durch die Ärzte der Augenklinik des
Z._
vom
1
4.
August und
vom
2
6.
Dezember 2013 (vorste
hend E.
2.3
) und durch
Dr.
A._
vom
4.
Dezember 2014 ist
(vor
stehend E. 2.4)
sodann davon auszugehen, dass der
Beschwerdeführer
am 1
4.
August 2013
über einen guten
Visus
von 1.0 verfügte,
dass er
nur noch bei Extremstellung
unter Doppelbildern
litt,
beziehungsweise
dass diese nur
bei extremem
Abblick
und
beim Blick nach rechts unten
noch
auftraten
,
dass
er in seinem
Gebrauchs
gesichtsfeld
durch
Doppelbilder
nicht mehr
beeinträchtigt wurde
,
dass
sich
die initial nach der Straftat bestehende
Motilitätseinschrän
kung
des rechten Auges
sich
deutlich
zurückgebildet hatte
, und das
s das
durch die Straftat verursachte
Netzhautforamen
komplikationslos ve
rnarbt war
.
In Anbetracht dieser Umstände erscheint vor dem Hintergrund der obenerwähn
ten, vergleichbaren zivilrechtlichen
Präjudizien
ein Basisbetrag für eine
Ge
nugtuungssumme
im zivi
lrechtlichen Sinne von rund Fr.
4‘000.-- als angemes
sen.
8.2
Bei der Bemessung der opferhilferechtlichen Genugtuung gilt es, wie bereits erwähnt (vorstehend E.
1.7
), indes
die Höchstgrenzen nac
h Art. 23 Abs. 2 OHG und den Be
messungsrahmen des Bun
desrates für die einzelnen Bereiche zu be
rücksichtigen
. Da der gesetzlich festgelegte Höchstbetrag von Fr. 70‘000.-- rund 60 % der im Haftpflichtrecht zugespro
chenen
Höch
stsummen
der Genugtuung entspricht, erscheint eine Herabsetzung des Basisbetrages von Fr.
4
‘000.-- um 40 % als gerechtfertigt. Zudem ist der
Genugtuungsanspruch des Beschwerde
führers zusätzlich wegen Mitverschuldens um 20
%
zu reduzieren (vorstehend E. 6.2).
So bemessen resultierte
eine Genugtuung im Betrag
von Fr. 1‘920.-- (Fr. 4‘000.-- x 0.6 x 0.8).
8.3
Unter diesen Umständen ist daher nicht zu beanstanden, dass der
Be
-
schwerdegeg
ner
in der angefochtenen Verfügung vom 1
6.
Mai 2014 (
Urk.
2) die
opferhilferechtliche Genugtuung
des
Beschwerdeführes
für die Folgen der Straftat vom 1
3.
Mai 2013 mit
Fr.
2‘000.-- bemass.
Demzufolge
ist die Beschwerde
abzuweisen
.