# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 565268df-ecde-4301-9a7d-600cc96c64d9
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 14
I. Sachverhalt
A. 1. X._ und Y._ sind die verheirateten, aber getrennt lebenden Eltern des gemeinsamen Sohnes A._, geboren am _2012. Am 18. August 2015 teilte X._ der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (nachfolgend: KESB) Nordbünden telefonisch mit, dass sie alleinerziehend und in Ausbildung zur Ärzte- und Spitalsekretärin sei. Sie arbeite am Mittwoch und Freitag. Während dieser Zeit betreue Y._ den Sohn bei ihr zuhause. Sie habe Angst, dass der Vater A._ nicht richtig betreue. Sie sei für zwei Wochen freiwillig auf der Mutter-Kind-Station in der Klinik B._ gewesen, da die gesamte Belastung zu gross gewesen sei. Sie habe finanzielle Schwierigkeiten, da sie nur Fr. 1'500.00 pro Monat verdiene. Der Vater zahle regelmässig Fr. 900.00 pro Monat an Unterhalt. Sie sei mit der ganzen Situation überfordert.
Die Psychiatrischen Dienste Graubünden stellten bezüglich der stationären Behandlung von X._ vom 3. bis 14. November 2014 in der Zusammenfassung der Krankengeschichte vom 1. Dezember 2014 eine Anpassungsstörung fest. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (nachfolgend: kjp) stellte in ihrem Abschlussbericht vom 10. März 2015 für A._ unter anderem die Diagnose einer Anpassungsstörung mit gemischter Störung von Emotionen und des Verhaltens.
2. Aufgrund des Gespräches vom 18. August 2015 eröffnete die KESB Nordbünden am 21. August 2015 ein Abklärungsverfahren gemäss Art. 57 EGzZGB.
3. Anlässlich ihres Erstgespräches bei der KESB Nordbünden am 24. August 2015 führte X._ aus, dass sie während und auch nach der Geburt mit A._ immer auf sich alleine gestellt gewesen sei. Ihr Mann habe sie in der Säuglingspflege nie unterstützt. Er zeige keine Geduld und kein Verständnis für das Verhalten eines Kleinkindes. Sie selber sei nervlich am Ende, da alles an ihr hänge. Sie habe niemanden, der sie in der Kinderbetreuung unterstützen könne. Der zweiwöchige Klinikaufenthalt habe ihr nichts gebracht. A._ gehe zwei Mal die Woche in die Kindertagesstätte in O.1_. Er könne trotz seiner drei Jahre noch nicht sprechen. Beim ersten Termin bei einer Logopädin sei festgestellt worden, dass er alles verstehe, sich jedoch nicht artikulieren könne. Sie lebe von ihrem Einkommen von Fr. 1'900.00 und den Kinderalimenten von Fr. 900.00. Ihr Mann Y._ zahle regelmässig und übernehme auch die Wohnungsmiete von Fr. 1'200.00.
Seite 3 — 14
4. Aus dem Bericht der Kinderärztin Dr. med. C._ vom 26. August 2015 geht hervor, dass A._ bis auf eine Spracherwerbsstörung gesund sei. Sie habe A._ und dessen Mutter im März 2015 dem Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst wegen einer sich zuspitzenden psychosozialen Belastungssituation und einer erzieherischen Überforderung zugewiesen. Die Zusammenarbeit mit X._ sei in der Regel gut, obwohl sie auch gerne selbst das Szepter in die Hand nehme. Sie sei der Meinung, dass X._ ganz klar Unterstützung zur Betreuung ihres Kindes brauche.
5. Die Gruppenleiterin der Kindertagesstätte O.1_ führte am 28. August 2015 aus, dass A._ ein vifer Junge mit einer Sprechverzögerung sei. Er könne gut mit anderen Kindern spielen und sei fähig, eine Beziehung zu den Betreuerinnen aufzubauen. X._ erlebe sie teilweise als überfordert. Es falle auf, dass sie Mühe habe, A._ Grenzen zu setzen und sich durchzusetzen. A._ freue sich, wenn er von seinem Vater abgeholt werde.
6. Anlässlich des Hausbesuches von D._ bei X._ vom 10. September 2015 erklärte sich X._ nach vorgängiger Information mit der Errichtung einer kombinierten Erziehungsbeistandschaft einverstanden.
7. Y._ führte in seinem Erstgespräch bei der KESB Nordbünden am 1. Oktober 2015 aus, dass er jederzeit bereit sei, A._ häufiger zu besuchen, damit X._ einmal ausgehen könne. Er beaufsichtige A._ am Mittwoch- und am Freitagabend und geniesse die Zeit mit ihm. X._ gehe samstags zur Schule. Er übernehme dann die Betreuung. Mit der Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft erkläre er sich einverstanden.
8. Am 1. Oktober 2015 unterzeichnete Y._ die Erklärung nach Kindesschutzrecht, wonach er mit der Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft mit besonderen Befugnissen und/oder mit einer sozialpädagogischen Familienbegleitung einverstanden ist.
9. Anlässlich des Elterngesprächs vom 7. Dezember 2015 bestätigte X._, dass sie nach wie vor überfordert sei. Dies hänge unter anderem auch mit der fehlenden Unterstützung durch ihren Mann zusammen.
10. Mit Schreiben vom 8. Januar 2016 teilte die KESB Nordbünden X._ und Y._ mit, dass die Behörde eine Erziehungsbeistandschaft und eine Beistandschaft mit besonderen Befugnissen zur Regelung im Bereich persönlicher Verkehr errichten werde.
Seite 4 — 14
11. Mit Email vom 8. Februar 2016 teilte X._ mit, dass sie die Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft ablehne. Sie sei im Falle einer Errichtung nicht bereit, die Kosten für die Beistandschaft zu übernehmen. Diese Ausführungen bestätigte sie anlässlich des Telefongesprächs mit der KESB Nordbünden vom 16. Februar 2016.
12. Am 25. Februar 2016 teilte Y._ der KESB Nordbünden telefonisch mit, dass er mit der Errichtung einer Erziehungsbeistandschaft mit besonderen Befugnissen im Bereich persönlicher Verkehr nicht mehr einverstanden sei.
B. Mit Entscheid der Kollegialbehörde vom 25. Februar 2016, mitgeteilt am 1. März 2016, erkannte die KESB Nordbünden wie folgt:
"1. Für A._ wird eine Beistandschaft nach Kindesschutzrecht (Art. 308 ZGB) errichtet.
2. Die Beistandsperson erhält folgende Aufgaben und Kompetenzen:
a. die Eltern von A._ im Rahmen der Erziehungsbeistandschaft (Art. 308 Abs. 1 ZGB) angemessen zu beraten und zu unterstützen, insbesondere in folgenden Bereichen:
1. Erziehung / Betreuung bzw. bei Bedarf Betreuungsangebote / Freizeit;
2. Schule / bei Bedarf schulische Unterstützungsangebote;
3. sämtlichen an der Betreuung und Förderung von A._ Beteiligten als Ansprechperson zur Verfügung zu stehen.
b. die Eltern von A._ im Rahmen der Beistandschaft mit besonderen Befugnissen (Art. 308 Abs. 2 ZGB) bei der Ausübung des persönlichen Verkehrs zwischen A._ und seinem Vater angemessen zu beraten und zu unterstützen (inkl. regelmässige Auswertung).
3. Die Beistandsperson wird aufgefordert, unverzüglich nach Erhalt der Ernennungsurkunde sich die zur Erfüllung der Aufgaben nötigen Kenntnisse zu verschaffen und mit den Eltern und A._ persönlich Kontakt aufzunehmen.
4. Die Beistandsperson ist gehalten:
a. der KESB alle zwei Jahre (erstmals per 28. Februar 2018) einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Lage von A._ und die Ausübung der Beistandschaft) einzureichen;
b. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von A._ während der Rechenschaftsperiode die KESB mit einem Bericht zu informieren und allenfalls eine geeignete Anpassung oder die Aufhebung der Massnahme vorzuschlagen.
Seite 5 — 14
c. Die KESB zu informieren, sobald sich abzeichnet, dass der Kontakt zwischen Vater und A._ regelmässig stattfindet und durch die KESB verbindlich festgelegt werden kann.
5. E._ (Berufsbeistandschaft Imboden) wird zur Beiständin von A._ ernannt.
6. Betreffend Verfahrenskosten wird verfügt:
a. Die Kosten im Verfahren Errichtung einer Beistandschaft werden auf Fr. 700.-- festgesetzt.
b. Diese Kosten im Totalbetrag von Fr. 700.-- werden den Eltern gemeinsam auferlegt.
c. Auf die Erhebung der Verfahrenskosten wird aufgrund der besonderen Umstände verzichtet.

## Considerations