# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** a3bd857c-e4c4-4d1d-b098-068592a2b11b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1986 geborene
X._
arbeitete
ab August 2004
als Fachangestellte Gesundheit
bei der
Y._
AG und war
bei der
Z._ Versicherung
AG
obligatorisch gegen die Folgen von Unfälle
n versichert, als s
ie am 24. Mai 2009 Opfer eine
s
sexuellen Übergriffs
wurde (Urk. 20/1)
,
der
als Unfallereignis eine Leistungspflicht der
Z._ Versicherung AG
zur Folge hatte
(Urk. 20/56)
; die
Schadenabwicklung
erfolgte durch die Suva
(vgl. Urk.
20/70
)
.
1.2
Ab März 2010
war
die Versicherte
zunächst
als Fachangestellte Gesundheit und später als Sozialpädagogin
bei der Psychiatrischen
Klinik A._
in der Abteilung
Kinder- und Jugendpsychiatrische
r
Dienst
(Urk. 12/A15, B1
; Urk. 12/A65/1
)
tätig
und
bei
der Axa Versicherungen AG (nachfolgend
Axa
) ob
ligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert. Mit Unfallmeldung vom 14. August
2015
teilte die Arbeitgeberin der
Axa
mit, dass die Versicherte am 21. Juli 2015 in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen sei und sich dabei eine dislozierte intraartikuläre
Distalradiusfraktur
links zugezogen habe (Urk. 12/A1
, 12/M2
).
Die Axa erbrachte die gesetzlichen Leistungen
für die Folgen des Ver
kehrsunfalls
vom 21. Juli 2015 (Taggeld
er
und Heilbehandlungskosten).
Die In
validenversicherung
, bei welcher sich
X._
ebenfalls zum Leistungs
bezug angemeldet hatte,
lehnte
es ab, die Kosten
einer
Umschulung
zu überneh
men
und verneinte einen
entsprechenden
Anspruch
mit Verfügung vom 28. April 2017
; zwar
seien
ihr die
a
n der bisherigen Arbeitsstelle
im Akutbereich ei
ner jugendpsychiatrischen Einrichtung
zu verrichtenden Tätigkeiten aufgrund der verbliebenen unfallbedingten Einschränkungen nicht mehr möglich
, indes seien genügend Arbeitsstellen für Sozialpädagogen ohne Tätigkeiten mit besonderen Belastungen für das linke
adominante
Handgelenk verfügbar, weshalb die Versi
cherte ihrer angestammten beruflichen Tätigkeit weiterhin nachgehen könne
(Urk. 12/A126;
bestätigt mit Urteil
des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich
IV
.2017.00637
vom 23. Oktober 2017
, Urk. 12/A163
)
. Ein
Anspruch auf eine Invalidenrente
wurde
mit Verfügung vom 19. Juni 2017
ebenfalls verneint
(Urk. 12/
A
137).
Da
X._
keine das linke Handgelenk belastenden Tätig
keiten mehr ausüben kann, wurde d
as bisherige
Arbeitsve
rhältnis
in der Folge
invaliditätshalber
per 31. August 2017 aufgelöst (Urk. 12/
A
147/1).
Mit
Schreiben
vom 27. April 2018
teilte
die Axa
der Versicherten mit, dass sie die im Rahmen des Case Managements ohne Präjudiz übernommenen Kosten der
psychothera
peutische
n
Behandlung
(vgl. Urk. 12/A160)
noch bis 26. März 2018
übernehmen werde
(Urk. 12/A174)
.
Mit Eingabe vom 24. Juli 2018 erklärte die Versicherte, sie sei
nicht einverstanden, dass die
Kosten für die psychotherapeutische Behandlung
nicht mehr übernommen würden
, denn
die Psychotherapie
sei aufgrund der Folgen des Ereignisses vom 21. Juli 2015
notwendig
(Urk. 12/A198)
.
Am 18. Sep
tember 2018 teilte die Suva
auf Anfrage der Axa
telefonisch mit, dass sie die Kosten der psychiatrischen Behandlung
im Rahmen von Vorleistungen
überneh
men werde
;
der Fall
(sc. Unfallereignis vom 24. Mai 2009)
sei bei ihr ausserdem
nie abgeschlossen worden
(Urk. 12/A203)
.
Mit Verfügung vom 7. November 2018 (Urk. 12/A218) hielt die
Axa
fest, die psychischen Beschwerden der Versicherten stünden nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem bei ihr versicherten Ereignis vom 21. Juli 2015 (Rollerunfall)
; entsprechend bestehe für die psychischen Beschwerden kein Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung. Auf die Rück
erstattung der im Rahmen des Case Managements ohne Präjudiz übernommenen Behandlungskosten werde verzichtet (Urk. 12/A218 S. 3)
. Die dagegen erhobene Einsprache der Versicherten vom 17. Dezember 2018 (Urk. 12/A222) wies die
Axa
mit Entscheid vom 21. Juni 2019 ab (Urk. 2 [= Urk. 12/A283]).
2.
Dagegen liess die Versicherte am 26. August 2019 Beschwerde erheben und beantragen,
Ziffer 3 des
Einspracheentscheid
s
vom 21. Juni 2019
sei
aufzuheben und die Beschwerdegegnerin
sei
anzuweisen, weiter Taggeldleistungen zu erbringen; eventualiter sei festzustellen, dass die psychischen Beeinträchtigungen dem Un
fall vom 21. Juli 2015 zuzuordnen seien;
subeventualiter
sei die Angelegenheit zur Vornahme weiterer Abklärungen
an die Beschwerdegegnerin
zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht
beantragte
die Beschwerdeführerin
unter anderem
,
es sei
die
Z._ Versicherung AG
zum Verfahren beizuladen
(Urk. 1 S. 2).
Mit Eingabe vom 18. November 2019 (Urk. 9)
legte
die Beschwerdeführerin einen
Bericht des
Spitals B._
, Institut für komplementäre und integrative Medizin, vom 15. Juni 2019
(Urk. 10)
auf
.
Mit Beschwerdeantwort vom 5. Dezember 2019 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerd
e,
soweit auf
sie
einzutreten sei
(Urk. 11 S. 2).
In prozessualer Hinsicht stellte die Beschwerdegegnerin den Antrag, es seien die Akten der IV-Stelle Zürich, AHV-Nr.
«...»
(Urk. 11 S. 4) sowie
die Akten der
Suva St. Gallen (
Z. AG
)
,
Ref
. Nr.
«...»
(Urk. 11 S. 5)
beizuziehen.
Mit Verfügung vom 1
3.
Dezember 2019 wurde diesen Anträgen stattgegeben (Urk. 13)
und die
Akten
der IV-Stelle und der Suva
beige
zogen (Urk. 18/1-88, 20/1-91); von einer Beiladung der
Z._ Versicherung AG
wurde abgesehen (Urk. 13 E. 3)
.
Mit Eingabe vom 1
6.
Dezember 2019 (Urk. 14) legte die Beschwerdeführerin einen Bericht der
Klinik C._
vom 5. Dezem
ber 2019 (Urk. 15) auf.
Mit Verfügung vom
9.
Januar 2020 wurde ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (U
rk. 21). In dessen Rahmen hielt
die Beschwerde
führerin
mit Replik vom 13. Januar 2020
an ihren Anträgen fest und beantragte ergänzend,
«
es sei die Frage der Kausalität der psychischen Unfallfolgen einer
anerkannten Fachperson der Psychiatrie zur
gerichtlichen Begutachtung zuzu
führen
»
(Urk. 22 S. 2). Die Beschwerdegegnerin hielt mit Duplik vom 12. Mai 2020 (Urk. 30)
ebenfalls
an ihren Anträgen fest, worüber die Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 15. Mai 2020 (Urk. 31) in Kenntnis gesetzt wurde. Mit Eingabe vom 3. Juli 2020 liess sich die Beschwerdeführerin
nochmals
vernehmen (Urk. 35).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfallversiche
rung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dem
entsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. Septem
ber 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeit
punkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am 21. Juli 2015 ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2.
1
Im verwaltungsgerichtlichen Beschwerdeverfahren sind grundsätzlich nur Rechtsverhältnisse zu überprüfen beziehungsweise zu beurteilen, zu denen die zuständige Verwaltungsbehörde vorgängig verbindlich – in Form einer Verfü
gung beziehungsweise eines Einspracheentscheids – Stellung genommen hat. Insoweit bestimmt die Verfügung beziehungsweise der Einspracheentscheid den be
schwerdeweise weiterziehbaren Anfechtungsgegenstand. Umgekehrt fehlt es an einem Anfechtungsgegenstand und somit an einer Sachurteilsvoraussetzung, wenn und insoweit keine Verfügung beziehungsweise kein Einspracheentscheid ergangen ist (BGE 131 V 164 E. 2.1; 125 V 413 E. 1a).
2.
2
Soweit die Beschwerdeführerin
vorbringt
, der Fall könne noch nicht berentet wer
den und ein Absc
hluss erweise sich als verfrüht,
weshalb die Beschwerdegegnerin anzuweisen sei, weiter Taggeldleistungen zu erbringen, ist
übereinstimmend mit der Beschwerdegegnerin (Urk. 11 S. 2 f.)
darauf hinzuweisen, dass der
Fall be
tref
fend das Unfallereignis vom 21. Juli 2015 noch nicht abgeschlossen
ist
und ein Entscheid betreffend Rente und Integritätsentschädigung
aussteht
(vgl.
Urk.
12/A225)
. Die Verwaltung hat demnach noch nicht verbindlich darüber entschie
den.
Im Übrigen ist darauf hinzuweise
n
, dass die Beschwerdegegnerin bis Mai 2019 Taggeldleistungen erbrachte, mithin bis zum Erlass des angefochtenen Ein
spracheentscheides
keine Taggeldleistungen ausstehend waren
(vgl. Urk. 12/A281).
A
uf
die
Vorbringen
zu den
somatischen Beschwerden und
zu allfällig daraus ableitbaren
Leistungsansprüchen
kann
ebensowenig
eingetreten werden (Urk. 1 S. 2 und S. 9), da de
r angefochtene Einsprache
entscheid einzig die natürliche Kausalität
zwischen den
psychischen Beschwerden und dem Unfall
ereignis vom 21. Juli 2015
betrifft
.
W
eitere
Leistungsansprüche
in Bezug auf den Unfall vom 21. Juli 2015 wurde
n
von der Verwaltung noch nicht
geprüft
(vgl. Urk. 12/A225, 12/A257, 12/A281)
und
k
önnen
daher
ebenso wenig
Streitgegen
stand des vorliegenden Verfahrens bilden.
3
.
3
.1
Zur Beschwerde ist berechtigt, wer durch den angefochtenen Entscheid berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an dessen Aufhebung oder Änderung hat. Die Rechtsprechung betrachtet als schutzwürdiges Interesse im Sinne von
Art.
89
Abs.
1 lit. c BGG jedes praktische oder rechtliche Interesse, welches eine von einem Entscheid betroffene Person an dessen Änderung oder Aufhebung geltend machen kann. Das schutzwürdige Interesse besteht somit im praktischen Nutzen, den die Gutheissung der Beschwerde dem
Entscheidadressaten
verschaffen würde,
oder – anders ausgedrückt – im Umstand, einen Nachteil wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder anderweitiger Natur zu vermeiden, welchen der angefochtene Entscheid mit sich bringen würde. Das rechtliche oder auch bloss tatsächliche Interesse braucht somit mit dem Interesse, das durch die von der
beschwerdefüh
renden
Person als verletzt bezeichnete Norm geschützt wird, nicht übereinzustim
men. Immerhin wird verlangt, dass die Person durch den angefochtenen Entscheid stärker als jedermann betroffen sei und in einer besonderen, beachtens
werten, nahen Beziehung zur Streitsache stehe (BGE 133 V 188 E. 4.3.1, 239 E.
6.2; 131 II 361 E. 1.2; 131 V 298 E. 3; 130 V 560 E. 3.3).
3
.2
Mit Beschwerdeantwort vom 5. Dezember 2019 stellte die Beschwerdegegnerin das Rechtsschutzinteresse der Beschwerdeführerin an der Klärung der Frage, ob sie für di
e psychologischen Behandlungen l
eistungspflichtig ist, in Frage, mit der Begründung, die Suva
respektive die
Z._ Versicherung AG
komme vollumfänglich für diese Kosten auf.
W
enn aufgrund der somatischen Einschränkungen dereinst eine Rente zuge
sprochen werden
müsste
, wären allfällige psychische Beeinträchtigungen aus dem Vorzustand im Aussenverhältnis (gegenüber der Beschwerdeführerin)
sodann
zu berücksichtigen und gegebenenfalls im Innenverhältnis (durch den Vorversiche
rer) auszugleichen (Urk. 11 S. 4 f.).
3
.3
Art. 77 Abs. 3 UVG überträgt dem Bundesrat
die Kompetenz
, die Leistungspflicht und das Zusammenwirken der Versicherer unter anderem dort zu regeln, wo sich ein erneuter Unfall ereignet (lit. b).
Auf dieser Kompetenznorm basiert die Regelung in Art. 100 UVV (in der bis Ende 2016 gültig gewesenen Fassung). Wenn die versicherte Person erneut verunfallt, während sie wegen eines versicherten Unfalls noch behandlungsbedürftig, arbeitsunfähig und versichert ist, so muss nach Art. 100 Abs. 1 UVV der bisher leistungspflichtige Versicherer auch die Leistungen für den neuen Unfall erbrin
gen. Verunfallt die versicherte Person während der Heilungsdauer eines oder mehrerer Unfälle, aber nach der Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit, erneut und löst der neue Unfall Anspruch auf Taggeld aus, so muss demgegenüber nach Art. 100 Abs. 2 UVV der für den neuen Unfall leistungspflichtige Versiche
rer auch die Leistungen für die früheren Unfälle erbringen, und die beteiligten Versicherer vergüten ihm diese Leistungen, ohne Teuerungszuschlag, nach Massgabe der Verursachung, womit ihre Leistungspflicht abgegolten ist. Die beteiligten Versicherer können untereinander von dieser Regelung abweichende Vereinbarungen treffen, namentlich wenn der neue Unfall wesentlich geringere Folgen hat als der frühere. Erleidet schliesslich eine aus einem früheren Unfall
rentenberechtigte
Person einen neuen Unfall und führt dieser zu einer Änderung
des Invaliditätsgrades, so muss nach Art. 100 Abs. 3 UVV der für den zweiten Unfall leistungspflichtige Versicherer sämtliche Leistungen ausrichten, und der für den ersten Unfall leistungspflichtige Versicherer vergütet dem anderen Versi
cherer den Betrag, der dem Barwert des Rentenanteils, ohne Teuerungs
zulagen, aus dem ersten Unfall entspricht, womit seine Leistungspflicht abge
golten ist.
3
.4
Die Koordinationsregelung nach Art. 77 Abs. 3 UVG in Verbindung mit Art. 100 UVV dient dazu, die Leistungsansprüche und das Zusammenwirken der Versiche
rungsträger bei Tatbeständen zu bestimmen, die zu einer Kumulation oder zum Verlust von Leistungsansprüchen führen könnten (BGE 135 V 333 E. 4.6). Die Koordination der Leistungen hängt daher mit den Versicherungsleistungen auch in zeitlicher Hinsicht untrennbar zusammen und ist zu diesen kongruent. Die Koordination bezieht sich in zeitlicher Hinsicht mithin stets auf die Verhältnisse im Zeitraum der zu koordinierenden Versicherungsleistungen. Wie auf die übri
gen Bestimmungen zu den Versicherungsleistungen sind daher auch auf die Koordinationsregeln nach Art. 100 UVV die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG anwendbar.
3
.5
Ohne Weiteres auszuschliessen ist die Anwendung von Art. 100 Abs. 1 und Abs. 3 UVV. Denn nach Art. 100 Abs. 1 UVV wäre der bisherige Versicherer auch für die Folgen des aktuellen Unfalls (hier: 21. Juli 2015) leistungspflichtig, sofern die versicherte Person während bestehender Behandlungsbedürftigkeit, Arbeits
unfähigkeit und andauernder Versicherung (vor der Aufnahme einer neuen versicherten Tätigkeit; BGE 135 V 333 E. 4.4) erneut verunfallt wäre. Dies ist vorlie
gend nicht der Fall. Abs. 3 von Art. 100 UVV betrifft den Fall eines neuen Unfalls während laufender UVG-Rente, der den Invaliditätsgrad zu beeinflussen vermag. Auch dies fällt hier mangels Rentenanspruchs nicht in Betracht.
Mit Art. 100 Abs. 2 UVV wird vorausgesetzt, dass die versicherte Person während der Heilungsdauer eines oder mehrerer Unfälle, aber nach Wiederaufnahme einer versicherten Tätigkeit, erneut verunfallt, wobei der neue Unfall Anspruch auf Taggeld auslöst. Im vorliegenden Fall war die Beschwerdeführerin im Zeitpunkt des Unfalls vom 21. Juli 2015 weiterhin in Behandlung wegen der posttraumati
schen
Belastungsstörung in Folge des sexuellen Übergriffs
vom 24. Mai 2009 (
Urk. 12/M47
). Sie bezog
bis Ende April 2016 Leistungen
der
Suva
respektive
Z._ Versicherung AG
(vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_236/2013 vom 19. September 2013 E. 3) im Zusammenhang mit dem Ereignis vom 24. Mai
2009 (vgl. Urk.
20/61)
.
Als sich der Unfall vom 21. Juli 2015 ereignete, bestand somit ein
Anspruch auf die Ver
gütung von Heilbehandlung.
Sodann führte das Unfallereignis vom 21. Juli 2015 zu einem Taggeldanspruch der
Beschwerdeführerin (Urk. 12/A16).
Die Voraus
-
set
zungen von Art. 100 Abs. 2 UVV (in der bis 2016 gültig gewesenen Fassung) sind daher erfüllt.
Es ist somit festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin als leistungspflichtiger Versicherer des Unfalls vom 21. Juli 2015 aufgrund von Art. 100 UVV
auch
eine Leistungspflicht für die Folgen des Ereignisses vom 24. Mai 2009 trifft. Demnach
sind bei der Prüfung der
Leistungspflicht der Axa
gemäss
Art. 100 Abs. 2 UVV
grundsätzlich die Folgen beider Unfälle zu berücksichtigen
(Urteil des Bundes
gerichts 8C_236/2013 vom 19. September 2013 E. 5.2).
3
.
6
Die Suva, welche für die
Z._
Versicherung
die Schadens
abwicklung
vornimmt,
anerkannt
e
die
Leistungspflicht in Bezug auf die psychisc
hen Beschwerden, welche
auf den se
xuellen Übergriff
im Jahr 2009 zurückzuführen
sind
(Urk. 20/78
sowie Urk. 12/A203
). Bis die Beschwerdegegnerin den Einspracheentscheid erlassen hatte, schloss die Suva den Fall infolge
des
Ereignisses vom 24. Mai 2009 nicht ab (Urk. 20/90), mithin ist sie weiterhin leistungspflichtig
(vgl. Urk. 20/68 wo
nach sie aufgrund der Rückfallmeldung wiederum die Kosten für die psycho
therapeutische Behandlung übernehme)
.
Die Verfügung
der Beschwerdegegnerin vom
7. November 2018
wurde sowohl der
Suva
als auch der
Haftpflichtversiche
rung, welche Leistungen bezüglich des Unfalls vom 21. Juli 2015 aus
richtete
, eröffnet
(Urk. 12/A218 S. 4; vgl. auch Urk. 12/A160).
A
m 10. Januar 2019
wurde
der Krankenversicherung der Beschwerdeführerin
ebenfalls eine Kopie der Verfü
gung
zugestellt (Urk. 12/A229).
Wie
die Beschwerdegegnerin zu
R
echt vorbrachte
(Urk. 11 S. 5)
,
ist fraglich, ob die Beschwerdeführerin vorliegend
ein Rechtsschutzinteresse
hat
, da die Suva
respek
tive
Z._
Versicherung AG
vollumfänglich für die Kosten der psychiatrischen Behandlung auf
kommt. Die Beschwerdeführerin machte diesbezüglich geltend, sie habe einen Anspruch auf Leistungen der Beschwerdegegnerin, welche zu Unrecht reduziert worden seien, weshalb von
einer
materiellen Beschwer und damit von einem rechtlichen Interesse auszugehen sei (Urk. 22 S.
13).
Vor dem Hintergrund, dass
die Suva
/
Z._ Versicherung AG
vollumfänglich für die Leistungen der psychiatrischen Behandlung aufkomm
t
(Urk. 20/78) und die Beschwerdegegnerin bei einer allfälligen
Renten
zusprache
die psychischen Beeinträchtigungen aus dem
Vorunfall
im Aussenver
hältnis zu berücksichtigen
hat
(Urk. 11 S. 4 f.)
, kann dieser Auffassung nicht ge
folgt werden
.
Da kein
Nachteil
wirtschaftlicher, ideeller, materieller oder ander
weitiger Natur
durch den Entscheid der Beschwerdegegnerin
ersichtlich ist
,
kann
kein
Rechtsschutzinteresse
bestehen
.
Angesichts der auf den vorliegenden Fall
anwendbaren
Regel von Art. 100 Abs. 2 UVV geht auch die auf Art. 36 UVG gestützte Argum
entation der Beschwerdeführerin fehl. Entsprechend
durfte
die
Beschwerdegegnerin den natürlichen Kausalzusammenhang der psychischen Be
schwerden zum Unfallereignis
vom
21. Juli 2015
mit Blick auf eine allfällige Lei
stungspflicht des
Versicherer
s
des früheren Unfallereignisses
prüfen
.
4
.
4
.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt voraus, dass zwi
schen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Inva
lidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der glei
chen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Ent
sprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausal
zusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weg
gedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm ob
liegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Mög
lichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
anspruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
4.
2
4.
2
.1
Aktenkundig ist, dass die Beschwerdeführe
rin am 24. Mai 2009 Opfer eines sexuellen Übergriffs wurde
(vgl. Urk. 20/1) und die Suva
/
Z._ Versicherung AG
für die Folgen dieses Ereignisses Leistungen erbrachte (Urk. 20/56).
Gemäss Bericht vom 12. Januar 2010
litt
die Beschwerdeführerin in Folge des Ereignisses vom 24. Mai 2009 an einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) mit Depression (ICD-10 F32) sowie an einer Schlafstörung.
Lic.
phil. I
D._
, behandelnde Psychotherapeutin, führte aus, die Beschwerdeführerin wirke sehr verschlossen und depressiv. Sie habe an nichts
mehr Freude und habe oft Angst, insbesondere in der Nähe von Männern. Auch sonst sei sie erhöht schreckhaft. Sie habe Ein- und Durchschlaf
schwierigkeiten sowie einen oberflächlichen Schlaf, weshalb sie sich kaum erholt fühle. Oft sei sie gereizt, könne dies jedoch gut kontrollieren. Die Konzentration sei in Ordnung, wenn sie mit Patienten arbeite. Schreibarbeiten würden jedoch nur schlecht gehen.
Therapiebeginn sei am 27. Oktober 2009 gewesen. Zu Beginn habe ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden müssen. Sehr langsam und sachte sei nun an das traumatische Ereigni
s vom 24. Mai 2009 heranzugehen
(Urk. 20/21).
4.
2
.2
Gemäss Bericht des Psychologischen Instituts
der Universität
E._
befand sich die Beschwerdeführerin seit dem 1
7.
November 2009 in psychotherapeutischer und psychiatrischer Behandlung. In Folge der Vergewaltigung leide die Beschwerdeführerin an einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung. Sie habe zudem am 23. November 2008 einen Autounfall erlitten, an dessen Folgen sie weiterhin leide. Als weitere Diagnosen hielten die Ärzte eine mittelgradige depressive Epi
sode (ICD-10 F32.1) sowie eine somatoforme Schmerzstörung nach Schleuder
trauma (ICD-10 F45.4) fest. Der Behandlungsschwerpunkt
habe
anfänglich haupt
sächlich im Erarbeiten von Coping-Strategien
gelegen
. In der weiteren Behand
lungsphase
sei
der Schwerpunkt auf Konfrontation mit den belastenden Ereignis
sen gesetzt
worden
. Davon habe die Beschwerdeführerin profitiert und es
sei
zu einer Reduktion der Symptome ge
kommen
(Urk. 20/34).
Mittels Verlaufsbericht vom 2
9.
Oktober 2011 ergänzten die behandelnden Ärzte, die Beschwerdeführe
rin habe trotz der weiterhin beobachtbaren Symptomatik keine akuten suizidalen Krisen mehr erlitten und sie funktioniere im Arbeitsalltag bemerkenswert gut (Urk. 20/36 S. 3-4).
4
.
2
.3
Seit dem 23. Oktober 2013
befand
sich die Beschwerdeführer
in
in psychotherapeu
tischer Behandlung bei
F._
.
Diese
hielt im Bericht vom 31. Januar 2015 als Diagnosen eine chronische
p
osttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) sowie eine rezidivierende depressive Störung (ICD-10 F32.1) fest. Die Schwerpunkte der Behandlung
würden
auf der Bearbeitung der posttraumati
schen Symptome und des Traumas selbst sowie der depressiven Symptomatik liegen. Nachdem die Beschwerdeführerin ihre Wohnung
gewechselt
und si
ch von der Kollegin distanziert habe
, die eine wichtige Rolle bei der Tat gespielt habe, sei eine Besserung in Bezug auf die täglich wiederkehrenden Flashbacks einge
treten. Obwohl die Vergewaltigung zu diesem Zeitpunkt bereits fünfeinhalb Jahre
zurückläge
, leide die Beschwerdeführerin nachhaltig an Flashbacks, Wieder
erleben der Tat, Ohnmacht, Verzweiflung und dem starken Erleben, kontaminiert zu sein. Die Tatsache, dass der Täter nach der Entlassung aus der Untersuchungs
haft Suizid begangen habe wie auch der Umstand, dass aufgrund der ihr verab
reichten Substanzen die Vergewaltigung nur bruchstückhaft dem Bewusstsein zugänglich sei, erschwere die Verarbeitung des Traumas erheblich (Urk. 20/48).
Im
Verlaufsbericht vom 26. Oktober 2015
wurde ausgeführt,
die Symptome der post
traumatischen Belastungsstörung wie auch der depressiven Störung
würden
in den letzten Monaten abgemildert, jedoch weiterhin regelmässig auf
treten
. Der Umgang mit den
Traumafolgestörungen
sei weiterhin im Vordergrund gestanden. Der Unfall im August 2015 (richtig wohl Juli 2015) und das Lernen auf die Abschlussprüfungen hätten die Beschwerdeführerin an ihre Belastungsgrenze gebracht. Eine regelmässige psychotherapeutische Behandlung sei bis auf Weiteres indiziert. Ziel der Behandlung bleibe die weitere Verarbeitung der Vergewaltigung und das Finden eines Umganges mit den Folgestörungen (Urk. 20/53). Im weite
ren Behandlungsverlauf habe sich gezeigt, dass vor allem Flashbacks und Alp
träume weiter zurückgegangen seien. Die Depressions
symptome würden jedoch
weiterhin
bestehen. Es lasse sich schlecht auseinan
derhalten, woher diese rühren würden, ob diese noch im Zusammenhang mit der Vergewaltigung
stehen
oder eher mit dem Verkehrsunfall
zusammenhängen würden
.
Seit Mitte Mai 2016 wür
den die Schmerzen im Handgelenk
wieder zunehmen und damit sei
en
der Unfall vom 21.
Juli
2015 sowie die Folgen des schlecht heilenden Handgelenkes in den Vordergrund getreten. Es sei davon auszugehen, dass die Folgen der Vergewalti
gung einerseits weiter abgenommen hätten, anderseits seien diese wegen der Komplikationen mit dem Handgelenk in den Hintergrund gerückt (Urk. 20/55).
4.
2
.4
Gemäss kreisärztlicher
Beurteilung vom 20. April 2015
stand
en
die psychiatrisch-
psychotherapeutischen Behandlungen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit noch in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 24. Mai 2009 (Urk. 20/50 S. 6).
Mit Bericht vom 18. August 2016 führte Kreisarzt
Dr.
med.
G._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie, aus, die Beschwerdefüh
rerin leide an sich zurückbildenden Flashbacks und Albträumen. Zudem würden depressive Symptome
und Ohnmachtsanfälle in Verbindung mit dem Gefühl des Ausgeliefertseins bestehen. Es sei kaum möglich, diese Symptomatik eindeutig und sicher den einzelnen möglichen
Ursachenkomplexen
zuzuordnen. Die Konstellation aus biografischen Belastungsfaktoren, dem Verkehrsunfall und der Ver
gewaltigung würden sich gegenseitig beeinflussen, überlappen und zum Teil auch unterhalten. Es könne aber mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit davon ausge
gangen werden, dass die bestehenden Flashbacks und die Albträume einen über
wiegenden Bezug zur Vergewaltigung hätten und somit mit grosser Wahr
schein
lichkeit in einem natürlichen Teilkausalzusammenhang damit zu sehen
seien. Bei der depressiven Symptomatik sei davon auszugehen, dass es sich um ein Symptom handle, das allen drei Entstehungsfaktoren zuzuschreiben sei. Ebenso sei auch das Gefühl des Ausgeliefertseins zu interpretieren, auch wenn dies aktuell und vorübergehend durch die erlebten Unfallfolgen, die Schmerzen und die Krankschreibungen reaktiviert und angestossen worden sei. Fokussiert auf die Frage, inwieweit die genaue Symptomatik im natürlichen Kausalzusam
menhang mit dem Ereignis der Vergewaltigung stehe, sei aufgrund des Verlaufs und der Literatur davon auszugehen, dass zwar mit unterschiedlicher Intensität die Folgen der Vergewaltigung noch immer massgeblich vorhanden seien und die Symptomatik erheblich mitbestimm
t
e
n
(Urk. 20/60 S. 7)
.
4.
2
.5
Mit Bericht vom 16. März 2018
(Urk. 12/M143 [= Urk. 20/64])
nahm Dr. med.
H._
, Facharzt Psychiatrie und Psychotherapie sowie beratender Arzt der Beschwerdegegnerin, Stellung. Er hielt fest, dass die Behandlung bei Frau
F._
im Februar 2017 abgeschlossen worden sei. Am 25. Oktober 2015 habe die Beschwerdeführerin eine psychiatrische Behandlung aufgenommen.
Er erachte
eine Diskussion über die Entwicklung von psychopathologisch sympto
matischen, psychiatrischen Erkrankungszuständen nach Verkehrsunfällen
als
notwendig, da die Häufigkeit von posttraumatischen Belastungsstörungen nach Verkehrsunfällen in einer Streubreite zwischen 4 % und 33 % (1 Monat nach Verkehrsunfall)
sei
. Auch
komorbide
Störungen (wie beispielsweise die Entwick
lung von depressiven Symptomen) würden nach Verkehrsunfällen in ähnlicher Häufigkeit auftreten wie nach anderen Traumen. Diese epidemiologischen Zahlen würden belegen, dass es aufgrund eines Verkehrsunfalles nicht automatisch zur Entwicklung einer relevanten psychiatrischen Erkrankung oder psychopathologi
schen Symptomatik mit Krankheitswert kommen müsse, sondern, dass der Ver
lauf nach einem Unfallereignis mehrheitlich ohne Entwicklung einer posttrauma
tischen Störung verlaufe
. Seitens der Kriterien des ICD-10 werde gefordert, dass es
sich
um eine verzögerte oder protrahierte Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation von aussergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmass handelt, die bei fast jedem Betroffenen eine tiefe Verstörung hervorru
fen würde. Schon dieses Ausgangskriterium, welches für die Diagnosestellung unabdingbar vorhanden sein müsse, sei im vorliegenden Fall nicht erfüllt
(Urk. 12/M143 S. 6
f.
).
Ebenso gehe aus den Akten hervor, dass der Verkehrsun
fall vom 21. Juli 2015 weder aufgrund des Ablaufes, noch des Schweregrades eine eigentliche pathologische Retraumatisierung der vorbestehenden PTBS zur Folge gehabt habe. Zwar
könnten anhaltende Schmerzen
zu reaktiven psycho
pathologischen Beschwerden und Symptomen führen
,
d
iese seien aber im Rah
men der ICD-10 Klassifikation nach einem üblichen, nicht katastrophalen Ereig
nis,
wie
beim
Verkehrsunfall vom 21. Juli 2015,
im Rahmen einer Anpassungs
störung einzuordnen (Urk. 12/M143 S. 8
)
.
Bei der Diagnose einer posttraumati
schen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) handle es sich um eine gesicherte Dia
g
nose, die aber auf die vorbestehende, seit 2009 sich entwickelnde und anhal
tende
,
chronische Erkrankung zurückzuführen sei. Durch den Verkehrsunfall vom 21. Juli 2015 sei es nicht zur Entwicklung der posttraumatischen Belastungs
störung gekommen (Urk. 12/M143 S. 9).
4.
2
.6
Mit kreisärztlicher Beurteilung vom 22. Juni 2018 hielt
Dr.
G._
in Kenntnis der Stellungnahme von
Dr.
H._
fest, dass die Beschwerden aus den beiden Ereig
nissen vom 24. Mai 2009 sowie vom 21. Juli 2015 und der resultierenden Symp
tomatik nicht immer ganz einfach auseinanderzuhalten seien und nicht immer eindeutig den jeweiligen Ursachen zugeordnet werden könnten. In Übereinstim
mung mit der Einschätzung von
Dr.
H._
sei davon auszugehen, dass aus dem Verkehrsunfall keine posttraumatische Belastungsstörung resul
tierte, sondern dass die Symptome in einem ursächlichen Zusammenhang mit dem sexuellen Übergriff vom 24. Mai 2009 einzuordnen seien.
Die noch bestehenden psychi
schen Beschwerden seien mit überwiegender Wahrscheinlich
keit auf das Ereignis vom 24. Mai 2009 und damit auf den
chronifizierten
Verlauf nach einem schwe
ren sexuellen Übergriff mit posttraumatischer Belastungs
störung zurückzuführen. Der natürliche Kausalzusammenhang zu diesem Ereignis und den aktuellen psy
chischen Symptomen sei zu bestätigen (Urk. 20/71 S. 3).
4.
2
.7
Die behandelnde Psychologin Prof.
Dr.
phil
.
I._
hielt mit Bericht vom
28. Juni 2018 zuhanden der Rechtsvertretung der Beschwerdeführerin fest, die Beschwerdeführerin berichte nach wie vor von Schmerzen im Handgelenk sowie von Wiedererlebenssymptomen, welche durch die Schmerzen im Handgelenk und die damit einhergehenden Einschränkungen im Alltag verstärkt würden. Die wiederkehrenden Erinnerungen würden in Alltagssituationen wie etwa beim Über
queren einer Strasse auftreten. Wiedererlebenssymptome würden auch in Verbin
dung mit der Vergewaltigung vom 24. Mai 2009 auftreten, im Wechsel mit aus
geprägten Depersonalisations- und
Derealisationssymptomen
,
Numbing
- und Vermeidungssymptomen (Urk. 12/M156). Am
23. Oktober 2018
hielt sie im Bericht
die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F.43.1) fest. Die Beschwerdeführerin berichte von
Wiedererlebenssymptomen
in Bezug auf die Vergewaltigung vom 24. Mai 2009 sowie von Phasen ausgeprägter
Derealisations
- und Depersonalisationssymptomatik, einer einschränkenden Band
breite des Affektes und der emotionalen Abschottung («
Numbing
») sowie aktiven Bemühungen, nicht an die Vergewaltigung erinnert zu werden. Des
Weiteren leide die Beschwerdeführerin unter anhaltenden Symptomen der Über
er
regung und habe von ausgeprägten Ein- und Durchschlafschwierigkeiten berichtet
(Urk. 20/75)
.
4.
3
Von den Parteien nicht bestritten wird
, dass die Beschwerdeführerin an einer (chronischen) posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) leidet. Sie befand sich seit November 2009 in psychologisch-psychotherapeutische
r
Behand
lung (E. 3.4.2
), wobei ab Mai 2016 der Unfall vom 21. Juli 2015 und dessen Fol
gen mit Schmerzen im Handgelenk in der Behandlung in den Vordergrund rück
ten (E. 3.4.3). Wie Kreisarzt Dr.
G._
sowie auch der beratende Arzt der Be
schwerdegegnerin, Dr.
H._
,
nachvollziehbar ausführten, ist davon auszuge
hen, dass die anhaltenden Schmerzen
zwischenzeitlich zu
reaktive
n
psycho
pathologischen
Beschwerden und Symptomen führ
t
en
, diese jedoch nicht
eine
pathologische Retraumatisierung der vorbestehenden PTBS zur Folge hatte
n
(E.
4.3.5-4.3.6
).
Die dannzumal behandelnde Psychologin, Frau
F._
, er
klärte denn auch im Oktober 2015 noch, dass weiterhin die
Traumafolgestörun
gen
im Zusammenhang mit dem Vorfall vom 24. Mai 2009 im Vordergrund st
ü
n
den (E. 4.3.3).
Sodann
erachtete
Dr.
H._
den Verkehrsunfall nicht als geeignet
, eine posttraumatische Belastungsstörung
im Sinne einer
verzögerte
n
oder protra
hierte
n
Reaktion auf ein belastendes Ereignis oder eine Situation aussergewöhn
licher Bedrohung oder
katastrophenartigen
Ausmasses, die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde,
herbeizuführen
(
E. 4.3.5;
vgl.
auch
Horst
Dilling
/Werner
Mombour
/Martin H. Schmidt [Hrsg.],
Internationale
Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10, Kapitel V (F), 10. Aufl. 2015, F43.1 S.
207). Der Verkehrsunfall vom 21. Juli 2015 hatte sicherlich
gravierende
Folgen für die Beschwerdeführerin, jedoch ist aufgrund des Geschehensablaufes nicht
ersichtlich
, dass es dabei zu einer aussergewöhnlichen Bedrohung für die Beschwerdeführerin kam oder der Unfall ein katastrophenartiges Ausmass angenommen hätte.
4.
4
Gestützt auf die
überzeugenden
Einschätzungen
der
Dres
.
H._
und
G._
ist
daher
mit dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
zwischen der
posttraumatische
n
Belastungsstörung
und dem
Verkehrsunfall vom 21. Juli 2015
kein natürlicher Kausalzusammenhang
besteht
.
4.
5
Die Beschwerdegegnerin stellt sich damit zu Recht auf den Standpunkt
(Urk. 30 S. 5 f.)
, dass gemäss Art. 100 Abs. 2 UVV die Unfallversicherer untereinander abweichende Regelungen betreffend die Leistungspflicht treffen dürfen, zumal der Unfall vom 21. Juli 2015 in Bezug auf die psychischen Beschwerden
wesentlich geringere Folgen
hatte
und das Interesse der Beschwerdeführerin darin besteht, dass die Leistungen an sich erbracht werden
.
Sämtliche weiteren Vorbringen der Beschwerdeführerin führen zu
keinen
anderen
Schlüssen
.
Von weiteren Abklärungen und
Beweismassnahmen
sind keine
weite
ren
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten, weshalb in antizipierter Beweiswürdigung davon abzusehen ist
(BGE 134 I 140 E. 5.3).
5.
Abschliessen
d
ist festz
uhalten, dass die Akten der Suva, welche die Schadens
abwicklung
für die
Z._
Versicherung
AG vornimmt,
be
i
gezogen wurden (Urk. 20/1-91) und die Suva nach Zustellung der Verfügung vom 7. November 2018 (vgl.
Urk. 12/A218 S. 4) auf die Erhebung einer Einsprache verzichtete
(Urk. 20/78)
,
mithin
entgegen der Einwendung
en
der Beschwerdeführerin (Urk. 22 S.
3 f.)
keine Notwendigkeit
besteht
, die
Z._
Versicherung
zum
vor
liegenden Verfahren beizu
laden.
Der angefochtene Einspracheentscheid vom 9. November 2016 (Urk. 2)
ist damit im Ergebnis nicht zu beanstanden
und die Beschwerde ist abzuweisen
, soweit auf sie einzutreten ist
.