# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 18576cc3-1762-4ce1-b411-da193f9deffc
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1
951
, war
als
Mitarbeiter
in
in der Fischabteilung des
Y._
bei der
Z._
Genossenschaft angestellt und als solche
bei der
AXA Versicherungen
AG
(nachfolgend:
AXA
) gegen die Folgen von Unfällen ver
sichert, als
sie
gemäss der Unfallmeldung
vom 2
1
.
Mai
201
5
am
1. April 2015 durch eine Fischg
räte
eine Entzündung an einem Finger der rechten Hand
er
litt
(Urk.
10/A1 S. 1
f.
).
Nach
der Erstbehandlung durch ihren Haus
arzt
Dr. med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin,
am 24.
April 2015
(Urk. 10/M4) wurde die Versicherte
gleichentags
im Spital
B._
be
handelt
, wo die Diagnose eines Panaritium
Dig
.
I (
distales
Inter
phalangeal
gelenk
am Dau
men)
Hand rechts gestellt und eine 100%ige Arbeitsun
fähigkeit voraus
sicht
lich bis am 1
5.
Mai 2015
attestiert
wurde (
Bericht vom 28. Mai 2015,
Urk.
10/M1 S. 2).
Die weitere medizinische
Abklärung
auf der Abteilung
Infektiologie
/Spitalhygiene/Arbeitsmedizin
des Stadtspital
s
C._
ergab
ge
mäss dem Bericht vom 2
9.
Juli 2015 eine In
fektion des rechten Daumens mit dem Mykobakterium
marinum
(Urk. 10/M3).
1.2
Am
22. Mai 2015
hatte
die AX
A
bei der
Versicherte
n
ergänzende Angaben
zum Her
gang des
geltend gemachten Unfalle
reignisses
ein
geholt
(Urk.
10/A2
).
Mit undatiertem Schreiben ergänzte die Versicherte ihre An
ga
ben (Urk. 10/A6
).
Mit Verfügung vom
14. August 2015
verneinte die
AXA
mangels
Unfall
be
griffes
e
inen
Leistungs
anspruch
aus dem
gemeldeten
E
r
eignis (Urk.
10/A7
).
Dagegen erhob
die Ver
sicherte
mit Schreiben vom
2. September
2015 (
Urk.
10/
A9), ergänzt mit Schreiben vom
6.
Oktober
2015
(Urk.
10/A15), Einsprache,
welche die
AXA
mit
Ein
sprache
entscheid
vom
5. November 2015
abwies (Urk. 2).
2.
Hiergegen erhob d
i
e Versicherte
a
m
3
.
Dezember
2015 Be
schwerde und
be
antragte, der
Einspracheentscheid
vom
5. November
2015
sei
vollum
fäng
lich
auf
zuhe
ben
und die
Beschwerdegegnerin
sei zu verpflichten,
ihr
die ge
setz
lichen Leistungen
aus UVG
zu erbringen
(Urk. 1
S. 2
). Die
Be
schwerde
geg
nerin
schloss in der Beschwerdeantwort vom
6. April 2016
unter Beilage der Verfahrensakten (Urk. 10/1, A1-16, M1-6) und der neu eingehol
ten Stellung
nahme ihres beratenden Arztes Dr. med.
D._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin, vom
31. März/
2. April 2016 (Urk. 10/M7)
auf
Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 9
S. 2).
Im weiteren Schriftenwechsel hielten die Parteien
an ihren Anträgen fest (Replik vom 8. Juni
2016, Urk. 14 S. 2; Duplik vom
13. Oktober
2016, Urk. 19 S. 2
)
Auf die Ausführungen der Parteien und die weiteren eingereichten Unterla
gen wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
Am 1. Januar 2017 sind die am 25. September 2015 beziehungsweise am 9. November 2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
gesetzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten. Gemäss den allgemeinen
über
gangsrechtlichen
Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen
die Übergangs
be
stimmungen zur Änderung vom 25. September
2015 des UVG
vor, dass Versicherungs
leistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt aus
gebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangs
bestimmungen).
D
as
hier zu beurteilende
Ereignis
hat sich
im Jahr 2015
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
2.
2
.1
Gemäss
Art. 6
UVG
werden
so
weit das Gesetz nichts anderes bestimmt - die Ver
siche
rungsleistungen
bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und Berufs
krankheiten gewährt (Abs. 1). Für die Leistungspflicht eines
Unfallver
siche
rers
setzt das UVG das Vor
liegen eines Unfalls (Art. 4 des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungs
rechts, ATSG) oder einer unfallähn
lichen Körperschädigung (Art. 6 UVG in Verbindung mit Art. 9 Abs. 2 der Ver
ordnung über die Unfall
ver
siche
rung, UVV) voraus. Ausserdem muss zwischen dem Unfallereignis und dem ein
ge
tretenen Schaden (Krank
heit, Inva
lidität, Tod) ein natür
licher und ein adä
quater Kausal
zusam
men
hang be
stehen
(vgl. BGE 129 V 177 E. 3.1-2)
.
2
.2
Ein Unfall ist gemäss Art. 4
ATSG
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gend
e
Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Kör
per,
die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psy
chi
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat (BGE 129 V 402 E. 2.1).
Nach der Rechtsprechung bezieht sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhn
lich
keit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber.
Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist so
mit, dass der äussere Fak
tor allenfalls schwer wiegende, unerwartete Folgen nach sich zog. Der äusse
re Faktor ist ungewöhnlich, wenn er den Rahmen des im jewei
ligen Le
bensbereich Alltäg
lichen oder Üblichen überschreitet. Aus
schlag
gebend ist also, dass sich der äussere Faktor vom Normalmass an
Um
welteinwirkungen
auf den menschli
chen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein begrün
den keine Un
gewöhnlichkeit (BGE 134 V 72 E.
4.3.1 mit Hinweis).
Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen
äusse
ren
Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen. Bei
Körper
bewegungen
gilt dabei der Grundsatz, dass das Erfordernis der
äusseren
Ein
wirkung le
diglich dann erfüllt ist, wenn ein in der
Aussenwelt
begründeter Um
stand den natür
li
chen Ablauf einer Kör
perbewegung gleichsam "
pro
gramm
widrig
" beein
flusst hat. Bei einer solchen unkoordinierten Bewegung ist der ungewöhnliche
äussere
Faktor zu bejahen; denn der
äussere
Faktor - Ver
änderung zwischen Kör
per und
Aussenwelt
- ist wegen der erwähnten Programmwidrigkeit zugleich ein unge
wöhnlicher Faktor (
BGE
130 V
117 E. 2.1,
134 V 72 E. 4.3.2.1
a.E
.,
je mit Hin
weisen
).
2
.
3
2.3
.1
Nach der allgemeinen Beweislastregel sind die Folgen einer allfälligen Beweislosigkeit in Bezug auf das Unfallereignis als solchem
(RKUV 2002 Nr. U 469 E. 3a
S. 528, 1996 Nr. U 247 S. 171 E. 2a und 1988 Nr. U 55 S. 362 E. 1b)
wie auch hin
sichtlich der Unfallkausalität des Gesundheitsschadens
(RKUV 1994 Nr. U 206
S. 328 E. 3b) in dem Sinne vom Leistungsansprecher zu tragen, als der Ent
scheid
diesfalls
zu seinen Ungunsten auszufallen hat.
Die Verwaltung als verfügende Instanz und - im Beschwerdefall - das Gericht
dürfen
eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht gilt, soweit das Gesetz nicht etwas Abweichendes vorsieht, der Beweisgrad der überwiegenden Wahr
schein
lichkeit (
BGE 126 V 353
E. 5b).
2.3
.2
Bei sich widersprechenden Angaben der versi
cherten Person über den Unfall
hergang
gilt
die Beweismaxime, wonach die sogenannten spontanen "Aussa
gen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind als spätere Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nach
träglichen Über
legungen versicherungsrechtlicher oder an
derer Art beein
flusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstel
lung im Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall gemacht hat, meistens
grösseres
Gewicht zu als jenen nach Kenntnis einer
Ablehnungs
verfügung
des Versicherers (
BGE 121 V 45
E.
2a
mit Hinwei
sen). Der
Grund
satz, wonach die ersten Aussagen nach einem schädi
genden Er
eignis in der
Regel unbe
fangener und zuverlässiger sind als spätere Dar
stellun
gen, stellt eine
im Rahmen der freien Beweiswürdigung
zu berück
sichtigende
Entschei
dung
s
hilfe
dar. Sie kann nur zur Anwendung gelan
gen, wenn von zusätzli
chen Abklä
rungen keine neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil
des Bundesge
richt
8C_696/2013 vom 1
4.
November 2013
E. 2 mit Hinweisen).
3
.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich im angefochtenen
Einspracheentscheid
auf den Stand
punkt,
der Unfallbegriff nach
Art.
4 ATSG sei mangels eines ungewöhnlichen Faktors nicht erfüllt
. Dabei
sei
die Leistungsbeurteilung auf die Sachverhaltsschilderungen der (sogenannten) ersten Stunde gemäss der Unfallmeldung und der nachträglichen Schilderung der Beschwerde
führerin abzustellen,
wonach zunächst ohne weitere Angaben und Kenntnisse des Unfallherganges
mit der Bemerkung, es komme oft vor, dass in ihrem Beruf Fischstachel zu Verletzungen führten, das
Unfalldatum vom
1.
April 2015
genannt
worden sei.
Erst in der Stellung
nahme zum Ablehnungsschreiben sei ein Unfallereignis vom 2
1.
April
2015 als erinnerlich beschrieben worden. Aber auch wenn auf diese nachträgliche Unfallschilderung abgestellt würde, könnte der ungewöhnliche äussere Faktor respektive der Unfallbegriff nicht bejaht werden. Denn beim genannten Stich an einer Fischflosse handle es sich im Beruf als
Traiteur
-Verkäuferin um eine alltägliche, gewohnte Tätig
keit, die das im Lebensbereich Alltägliche oder Übliche nicht über
schreite. Auch sei nicht erwiesen, dass eine unfallmässig entstandene und konkrete Wunde als Eintrittspforte für das Eindringen der Infektionserregern gedient habe. Möglicherweise sei die Infektion durch anderweitig bestehende
Haut
öffnungen
oder Hautreizungen ermöglicht worden.
Das Vorliegen einer Stich
verletzung sei anlässlich der Erstbehandlung vom 2
4.
April 2015 nicht
dokumentiert worden.
Ausserdem lass
e
sich die Verletzung auch keiner in
Art.
9
Abs.
2 UVV abschliessend aufgezählten Körperschädigungen zuord
ne
n.
Auch der
Nachweis, dass die Schädigung durch das Vorliegen einer er
höhten Gefahrenlage oder durch eine unkontrollierte alltägliche
Lebensver
richtung
entstanden sei, sei nicht erbracht
(Urk. 2 S.
3
ff.).
In der Beschwerdeantwort führt die Beschwerdegegnerin ergänzend aus,
eine Wundinfektion aufgrund einer Stichverletzung sei nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausgewiesen. A
ufgrund der medizinischen Ausführungen
von
Dr.
D._
sei es als absolut möglich und wahrscheinlich anzu
se
he
n, dass die Infektion durch eine
bagatelläre
Mikroverletzung wie zum Beispiel einen Kratzer entstanden sei. Die gelte umso mehr, als die Be
schwer
de
füh
rerin anfänglich kein genaues Schadensdatum und keinen exakten
Schaden
hergang
habe
schildern
können
.
Solche Mikroverletzungen könnten indes nicht als ungewöhnlichen äusseren Faktor betrachtet werden und wür
den nicht ausreichen, um daraus eine eigentliche Verletzung und somit eine unfallmässige Wundinfektion abzu
leiten. Da die Zeitspanne zwischen einer Mykoba
k
terium
-
marinum
-Infektion bis zum Auftreten der ersten klassischen Symptome zwei bis sechs Wochen dauere, sei zudem darauf zu schliessen, dass es jedenfalls bereits vor dem 2
1.
April 2015 zu einer Infektion gekom
men sei
(
Urk.
9 S. 5 ff.
).
3
.2
Die Beschwerdeführerin
bringt dagegen vor,
sie habe bereits von Anfang
an
, nämlich im Beiblatt
(Urk. 10/A2)
zur Unfallmeldung,
geltend gemacht, dass der Unfall
am 2
1.
April 2015 passiert sei. Auch habe sie darin den konkreten Unfallmechanismus beschrieben.
Aus der Krankengeschichte von
Dr.
A._
, den die Beschwerde
führerin am 2
4.
April 2015 aufgesucht habe,
gehe ebenfalls hervor, dass der Daumen seit einer Verletzung vom 21. April (2015) schmerze
. D
er Unfallmechanismus sei entsprechend mit
„
Flossen-Stachel in die Daumenkuppe
“
beschrieben.
Bezüglich des Berichts des Spitals
B._
zuhanden der Beschwerdegegnerin vom 2
8.
Mai 2015, mithin über einen Monat nach der Untersuchung vom 2
4.
April 2015, sei gänzlich unklar, wo
rauf sich dieser stütze. Denn es existierten keine weiteren Aufzeichnungen und nicht die Verfasserin dieses Berichtes habe sie damals untersucht, son
dern der Handchirurg des Spitals,
Dr.
med.
E._
. Daher komme diesem Bericht entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin untergeordnete Bedeutung zu und es sei auf die ereignisnäheren Angaben in Urk. 10/A2 abzustellen, welche sich mit ihren späteren Angaben und den Angaben des Hausarztes decken würden.
Sie sei jedenfalls nicht verantwortlich für die unzulängliche Dokumentationsführung im Spital
B._
.
Die Stichverletzung
in den Daumen
vom 21. April 2015
habe
als Eintrittswunde des festgestellten Mykobakteriums
marinum
gedient und
innert
Tagen
zur schweren Infektion geführt. Als Überträger
dieses Bakteriums
kämen ausschliesslich infizierte Fische in Frage. Es habe gerade keine gewöhn
liche Hautinfektion vorgelegen, sondern es müsse von einer klassischen Wundinfektion ausgegangen werden. Denn der seltene Erreger sei notwendigerweise über eine Eintrittspforte in den Daumen gelangt.
Es sei zudem absurd zu behaupten, dass sämtliche Stich- und Schnittverletzungen bei ihrer Tätigkeit a priori gewöhnlich seien. Wenn s
ie sich bei der Arbeit verletzt habe
, geschehe dies stets aufg
rund einer Un
achtsamkeit, eines
falschen Handgriff
s
usw. Die erforderliche
Programm
widrigkeit
im Bewegungsablauf ergebe sich aus der Verletzung selbst. Jede Verletzung sei nicht kontrollierbar und überschreite daher das im Rahmen der Fischzubereitung Alltägliche und Übliche. Der Flossenstachel sei zudem
mit einem überaus seltenen Mykobakterium infiziert gewesen. Das Ereignis sei
auch deshalb als ungewöhnlich zu qualifizieren. Sodann sei dem Ver
trau
ens
arzt zuzustimmen, soweit er eine durch Stichverletzung verursachte bak
te
rielle Infektion als Unfall werte.
Es sei abwegig, wenn die
Beschwerde
geg
ne
rin
verlange, dass anlässlich der Erstkonsultation vom 24. April 2015 noch eine klaffende Fleischwunde aufgrund des Stiches am 2
1.
April 2015 hätte erkennbar sein müssen
(Urk. 1 S.
3
ff.
, Urk. 14 S. 2 ff.
).
3
.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
dem
am 2
4.
April
2015 diagnostizierte
n
Panaritium (
Urk.
10/M1 S. 2) und dem hernach als Mykobakterium
-
marinum
-Infek
tion
behandelte
n
Leiden am rechten Daumen (Urk. 10/M3) überwiegend wahrscheinlich ein
leistungsbegründende
r
Unfall im Sinne
von Art. 4 ATSG
zugrunde lag.
4.
4.1
4.1.1
In der
Unfallmeldung
vom 21. Mai 2015 wurde als Schadendatum der 1.
April 2015 um 16:
30 Uhr, als Unfallort das
Y._
, als be
teiligte
r
Gegenst
a
nd ein Fischgrat
und als Verletzung eine Entzündung am rechten Finger
angegeben.
Ergänzend wurde
das Folgende
ausgeführt
: „
Un
falldatum
unbekannt - wir nehmen den 01.04.15
.
Es kommt i
mmer wieder vor, dass Fischgerä
te zu Verletzungen führen. Dieses Mal resultierte einer ein
e
Entzünd
ung.,
Fischabteilung“ (Urk. 10/A1).
Im
undatierten
Fragebogen
, welche die Beschwerdegegnerin der Be
schwerde
führerin mit Schreiben vom 22. Mai 2015 zugesandt hatte
(Urk.
10/A2 S. 4
)
,
schrieb
letztere
auf die Frage, „
Ort, Datum und Zeit des Ereignisses
“ das Folgende: „
Y._
G107 Fischabteilung, nicht bekannt
“
.
Zur Auf
forde
rung „Beschreiben Sie bitte detailliert den Schadenhergang - und legen Sie wenn möglich eine Skizze bei“ führte die Beschwerdeführerin aus, „nicht be
kannt
,
es kommt oft vor das
s
in meinem Beruf Fischstachel zu Verletzungen führen. Dieses
M
al hat sich eine Ent
zündung entwickelt. Deswegen bin ich in ärztlicher Behandlung.“
(Urk. 10A2 S. 2)
.
Zur Frage, wie die äusseren Bedin
gungen bei der Ausübung der Tätigkeit gewesen seien, erklärte sie, „wie immer, schon öfters vorgekommen aber noch nie solche Folgen“ und zur Frage, „Geschah etwas Besonderes (Ausgleiten, Sturz usw.)?“ führte sie aus
:
„Stich von Fischstachel“. Ausserdem gab die Beschwerde
führerin zur Frage, wann sich die Beschwerden erstmals bemerkbar gemacht hätten, den Diens
tag, 2
1.
April 2015
,
an (
Urk.
10/A2 S. 2).
Dem Bericht vom 2
8.
Mai 2015 des Spitals
B._
war unter dem Titel „Anga
ben der verunfallten Person a) Unfallhergang und Beschwerden:“ fest
gehalten worden, „kein Unfall erinnerlich“ (Urk. 10/M1 S. 2).
4.1.2
Gemäss einer Telefonnotiz der Beschwerdegegnerin
über ein Telefongespräch
vom 1.
Juli
2015 erklärte diese dem behandelnden Arzt
Dr.
med. M.
E._
,
Leitender Arzt
der
Handchirurgie des Spitals
B._
, im Beisein der Be
sch
wer
deführerin die Gründe für die Ablehnung
einer
Leistungspflicht
bezüg
lich der Infektion am rechten Daumen (Urk. 10/A5).
N
ach
diesem
Tele
fongespräch führte
die Beschwerdeführerin in einem unda
tierten Schreiben
erstmals
aus,
sie erinnere sich, dass sie sich am Dienstag, 21. April 2015 an ihrem Arbeitsplatz in der Fischabteilung des
Y._
an der Fischflosse eines Meeresfisches gestochen habe (Urk. 10/A6).
In der Einsprache vom
6.
Oktober 2015 wurde
zum Unfallhergang nunmehr
ausgeführt, sie habe sich am
1.
April 2015 während der Ausübung ihrer Tä
tig
keit als Fischverkäuferin am rechten Finger verletzt, nachdem sie sich bei der Zubereitung eines Fisches an ein
em Stachel gestochen habe (Urk.
10/A13 S. 2). Sie habe gerade einen Fisch (eine Dorade) für den Verkauf an einen wartenden Kunden vorbereitet, weshalb sie bei der Zubereitung des Fisches schneller als üblich habe vorgehen müssen.
Dadurch habe sie sich dann an einem Stachel gestochen (Urk. 10/A13 S. 3).
4
.2
4.2.1
Damit hat die Beschwerdeführerin nicht
von Anfang an und in einem Zeit
punkt, als die Schwere der Gesundheitsschädigung noch nicht absehbar war, detaillierte und widerspruchsfreie Angaben zum fraglichen Ereignis ge
macht.
Vielmehr
ist sowohl der Unfallmeldung
(
Urk.
10/A1)
als auch den Antworten ihrer ersten Befragung
(Urk. 10/A2)
zu entnehmen, dass ihr ein bestimmter Unfallhergang und Unfalltag nicht bekannt war
und lediglich die Vermutung bestand, dass die am 2
1.
April 2015 festgestellte Entzündu
ng am rechten Daumen Folge eines
möglicherweise zuvor einmal erlittenen
Stich
s
durch eine Fischgräte sei.
4.2.2
Entgegen der in der Beschwerde vertretenen Ansicht der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 3) handelt es sich bei dem von ihr ausgefüllte
n
Fragebogen nicht um ein Beiblatt zur Unfallmeldung, sondern der Fragebogen wurde nach Eingang der Unfallmeldung an die Beschwerdeführerin zur Beantwortung auf expli
zite Nachfrage der Beschwerdegegnerin
hin
mit Schreiben vom 2
2.
Mai 2015
eingeholt (Urk. 10/A2 S. 2)
.
Auch ist nicht zutreffend, dass die Be
schwerde
führerin darin einen konkreten Unfallmechanismus beschrieben ha
t
(
Urk.
1 S. 3). Denn auf die Frage zum Schadenhergang antwortete sie aus
drücklich, dass dieser nicht bekannt sei, es aber oft vorkomme, dass in ihrem Beruf Fischstachel zu Verletzungen führen würden (Urk. 10/A2 S. 2).
Die Ant
wort in Ziffer
6
(
„Stich von Fischstachel
“) zur Frage, ob etwas Beson
deres ge
schehen sei
, kann nicht unabhängig von der Antwort zum
Schaden
her
gang
betrachtet werden. Wie schon die Ausführungen in der
Unfallmel
dung
(Urk.
10/A1) deutlich zum Ausdruck bringen, lassen auch die Antwor
ten der Beschwerdeführerin im Fragebogen (Urk. 10/A2)
einzig den Schluss zu, dass ein konkreter Stich mit einer Fischgräte an einem bestimmten Tag
und damit auch eine bestimmte Verletzung der Haut aufgrund einer be
stimmten Hand
lung oder eines bestimmten Ereignisablaufes
nicht benannt werden konnte.
Auch ist nicht zutreffend, dass die Beschwerdeführerin bereits im Fragebogen erklärt ha
t
,
der Stich in den Daumen
habe sich am 2
1.
April 2015 er
eignet
(
Urk.
1 S. 3).
Vielmehr bemerkte die Beschwerdeführerin
demgemäss
an diesem
Tag erstmals ihre Beschwerden am rechten Daumen, welche sie drei Tage später von ihrem Hausarzt (Urk.
10/M4
) und den Ärzten
des Spitals
B._
(
Urk.
10/M1)
untersuchen liess.
Erst im weiteren Verlauf, als es bereits um die Frage der Versicherungs
leistun
gen ging, legte sich die Beschwerdeführerin auf den 2
1.
April 2015 als Unfalltag fest und machte
(in der Einsprache)
detaillierte Angaben zum Un
fallhergang.
4.2.3
Nichts zu ihren Gunsten kann die Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S. 4)
sodann
aus dem Be
richt vom
18. November 2016 (Urk. 10/M4)
und den Notizen zur Kranken
ge
schichte von
Dr.
A._
(
Urk.
10/M6
) ableiten.
Dr.
A._
führte
in seinem Bericht aus,
die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Konsultation vom 2
4.
April 2015 über einen schmerzhaft ge
schwollenen Daumen seit einer Ve
rletzung am 21.
April während ihrer Berufsausübung als Fisch-Verkäuferin geklagt, sie habe sich an einem Flossen-Stachel in die Daumenkuppe gestochen
, einige Tage später hätten die Schmer
zen begonnen sowie
die Daumenbeere sei grotesk dick geworden. Das bakteriologische Resultat habe die Infektion mit dem Erreger
Mycobacterium
marinum
ergeben
. Dieses seltene
Bacterium
komme in unserer Umwelt nicht vor, sondern werde nur durch Meerestiere übertragen, in diesem Fall eben durch den Stich mit der Fischflosse
(
Urk.
10/M4).
Damit hat
Dr.
A._
den Hergang (Stechen mit einem Flossenstachel in die Daumenkuppe) und das Datum (21. April 2015) sowie den Zusammen
hang mit den Beschwerden am rechen Daumen so notiert, wie die Beschwer
deführerin dies in ihren späteren Schilderungen ausgeführt hat. Jedoch bleibt
massgeblich, wie die Beschwerdeführerin die Vorkommnisse anfänglich selbst
gegenüber der Beschwerdegegnerin geschildert hat, namentlich
,
dass kein konkretes Geschehen an einem bestimmten Tag mit einer konkrete Stich
ver
letzung oder Wunde genannt werden
konnte
.
Den handschriftlichen Notizen von
Dr.
A._
zur Krankengeschichte der Beschwerdeführerin
ist
denn auch zu entnehmen, dass zuerst am 2
4.
April 2015 eingetragen wurde, es sei kein Trauma bekannt. Dies wurde sodann durchgestrichen und angefügt, „Fischstachel in Daumen 21.4.“ (
Urk.
10/M6). Vor dem Hintergrund der insgesamt widersprüchlichen späteren Angaben ist nicht zweifelhaft, dass der Eintrag nachträglich geändert wurde.
4.2.4
Hinzu kommt, dass eine Inkubationszeit von lediglich drei Tagen bis zu einer derart fortgeschrittenen Entzündung, für welche der behandelnde Hausarzt die notfallmässige Überweisung und Versorgung auf der Chirurgischen
Not
fallstation
des Spitals
B._
indiziert sah, unwahrscheinlich ist, wie die Beschwerdegegnerin mit Hinweis auf den medizinischen Artikel „Kutane Infek
tionen durch
Mycobacterium
marinum
“
von Prof.
F._
et. al. (Urk.
10/1) zu Recht vorbringt (
Urk.
9 S. 8
). Denn in diesem Artikel wird die Zeitspanne zwischen Infektion und Auftreten der ersten klinischen Symp
tome mit zwei bis drei Wochen, unter Umständen
aber auch mehreren Monaten, bezeichnet (
Urk.
10/1 S. 2).
4.2.5
Auch die Vorbringen der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1 S. 4)
zum Bericht des Spitals
B._
vom 28. Mai 2015
sind nicht stichhaltig. Denn in diesem Be
richt wird mit der Bemerkung „kein Unfall erinnerlich“ lediglich
nochmals
bestätigt, was bereits mit der Unfallmeldung (
Urk.
10/A1) und den Antworten der Beschwerdeführerin im Fragebogen (Urk. 10/A2) klar zum Ausdruck ge
kom
men war.
Es ist auch nicht wahrscheinlich, dass die Angaben in diesem
Bericht des Spitals
B._
nicht das Ergebnis der Untersuchung vom 2
4.
April
2015 wiedergeben, da auch sämtliche übrige Angaben zum
Be
schwerdebild
und zur Behandlung passen. Auch wenn im Schreiben des Spi
tals
B._
30. November 2015 zuhanden des Rechtsvertreters der Beschwer
deführerin erklärt wurde, dass keine weiteren
Untersuchungs
proto
kolle
und handschrift
lichen Aufzeichnungen gemacht worden seien, ausser jenem, wel
ches er
bereits erhalten habe (Urk. 10/M5), ändert dies nichts an der Kohä
renz der Angaben mit den anfänglichen und damit massgeblichen Angaben der Be
schwerdeführerin selbst.
4.2.6
Ob der Unfallbegriff erfüllt ist, ist
im Übrigen
eine Rechtsfrage
.
Ent
scheid
wesentlich
ist
da
her nur die Beurteilung, ob das
betreffende Ereignis als Unfall im
Rechts
sinne
zu quali
fizie
ren ist.
Diese Frage
ist
insbesondere nicht
durch ärztliche
Stellung
nah
men zu be
ant
worten (Urteil des Bundesgerichts 8C_246/2011 vom 25. Au
gust 2011 E. 4.5).
Es ist
daher für den Unfallbegriff nicht massgeblich
,
wenn
Dr.
A._
die im Juni 2015 nachweislich festgestellte Infektion mit dem
Mycobacterium
marinum
am rechten Daumen (Urk. 10/M3) als durch einen Stich mit einer Fischflosse übertragen bezeichnet hat (Urk. 10/M4) und im Bericht des
Stadt
spitals
C._
vom 29. Juli 2015 die Stichverletzung als ein relevantes Mykobakterien-
Inoculum
in den Daumen beurteilt wurde, welches nach
fol
gend die Infektion ausgelöst habe (Urk. 10/10/M3). D
asselbe gilt bezüglich der
Ausführungen des Ver
trauensarztes
Dr.
D._
in der Stellungnahme vom 2. April 2016, dass die Infektion mit dem Mykobakterium
marinum
für das therapieresistente Panaritium verantwortlich gewesen sei und eine Akquisition der vorliegenden Mykobakterium
-
marinum
-Infektion durch eine Verletzung mit einem Flossenstac
h
e
l
generell möglich sei (
Urk.
10/M7). Denn dies
betrifft den natür
lichen Kausal
zu
sam
men
hang zwischen dem
strittigen
Vorfall und der gesund
heitlichen Beein
träch
ti
gung
(vgl.
BGE 129 V 177 E. 3.1
) und ist über
haupt erst von Bedeutung und zu prü
fen, wenn ein
Unfall
ereignis
oder eine unfallähnliche Körperschädigung im Rechtssinne vor
liegt.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin ist der Stellungnahme von Dr.
D._
(Urk. 10/M7) sodann nicht zu entnehmen, dass er eine durch Stichverletzung verursachte bakterielle Infektion als Unfall werte.
4.
3
4.3.1
Die Beschwerdegegnerin
stellt
bei gegebener Sach- und Rechtslage
zu Recht
auf
die soge
nannten „Aussagen der ersten Stunde“
gemäss den
ereignisnahen Schil
derungen (vgl. E. 4.1.1)
ab
, denen rechtsprechungsgemäss grösseres Gewicht zukommt, als den Ausführungen nach Kenntnis
der
Leistungs
ab
lehnung
(
vgl. BGE 121 V 45 E. 2 a
).
Damit ist
festzuhalten, dass
weder ein konkretes Schadensdatum, noch ein
Schadenshergang
für die ab dem 2
1.
April 2015 aufgetretenen
und am 24.
April
2015 erstmals behandelten Be
schwerden am rechten Daumen
aus
gewiesen ist. Insbesondere ist
es lediglich möglich,
nicht
aber
mit über
wie
gender Wahrscheinlichkeit
er
wiesen
, dass eine von einer Fischflosse her
rüh
rende Stichverletzung
am 21.
April 2015
stattfand
, welche für die Infek
tion
mit dem Myko
bakteriums
marinum
in Frage kommt.
4.3.2
Wie
Dr.
D._
in der Stellungnahme vom
2.
April 2016 über
zeugend ausführte, ist die Akquisition der festgestellten Mykobakterium
marinum
-Infektion durch eine Verletzung mit einem Flossenstachel zwar generell mög
lich. Jedoch
genügt für das Eindringen des Mykobakteriums
marinum
bereits eine kaum bemerkte Mikroverletzung,
etwa im Bereich des
Nagel
falzes
. Dies ist a
uch dem erwähnten medizinischen Fachartikel
von Prof. Dr.
F._
et. al. zu
entnehmen
(
„Voraussetzung für eine Infektion mit
M.
marinum
ist der Kontakt einer Hautwunde (auch von Mikrotraumen)“;
Urk. 10/1
S. 1
).
Damit hat die Beschwerdegegnerin die Infektion der Beschwerd
eführerin mit dem Mykobakterium
marinum
zu Recht nicht unter den Unfallbegriff sub
su
miert.
Denn dazu genügt es nicht, wie sie zutreffend ausführte, dass die Keime lediglich durch Mikroverletzungen
,
wie sie täglich vorkommen, in den Körper eindringen, sondern es sind eigentliche
nachgewiesene
Verletzungen erforderlich
(BGE 122 V 230 E. 3a; vgl.
Rumo-Jungo
/Holzer, Rechtsprechung des Bundes
gerichts zum Sozialversicherungsrecht, 4. Auflage 2012, Art. 6, S. 35 f.). Eine solche ist hier jedoch gerade nicht ausgewiesen.
Der Nachweis einer solchen Verletzung ist auch nicht aufgrund des Um
standes entbehrlich, dass es sich bei dem Mykobakteriums
marinum
um ein Bak
terium handelt, das im Salz- und Süsswasser zu finden ist, welches zu Infek
tionen bei Fischen und Amphibien führen kann (
Urk.
10/1 S. 2), so dass
die Annahme nahe liegt
, dass die Beschwerdeführerin mit diesem Bakterium bei ihrer Arbeit als Fischverkäuferin in Kontakt kam.
Der
Nachweis eines durch Kratzer entstandenen Hautdefektes
sodann
genügt für die Annahme einer Wundinfektion
und damit des Unfallbegriffes
eben
falls
nicht, da derartigen alltäglichen Vorkom
mnissen das Merkmal des
Un
fall
mässigen
nicht zu
kommt (
Rumo-Jungo
/Holzer, a.a.O., S. 36).
4.
4
4.4.1
Da bei der Beschwerde
führerin unstrittig auch keine Körperschädigung aus der abschliessenden Liste von Art. 9 Abs. 2
lit
. c UVV vorliegt, ist nach dem Gesagten nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin das Vorliegen eines Unfalles im Sinne von
Art.
4 ATSG verneinte.
Der leistungsab
weisende
Ein
spracheentscheid
vom 5. November 2015 ist folglich zu Recht erfolgt.
Was die Beschwerdeführerin des Weiteren vorbringt, führt zu keiner anderen Betrachtungsweise.
Von zu
sätzlichen Abklärungen sind keine neuen Ergeb
nisse zu erwarten, weshalb da
vo
n abzusehen ist
(antizipierte
Beweis
würdi
gung
;
BGE 136 I 229
E.
5.3; Urteil
des Bundesgerichts
8C_607
/2011 vom 16. März 2012 E. 7.2)
.
4.4.2
Die Be
schwerde ist
somit
abzuweisen.