# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4b095a3d-00c6-4338-92f2-ed5dd66fec1a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1988, ist Mutter eines 2009 geborenen Kindes und war zuletzt als Spitex-Pflegehelferin tätig (
Urk.
8/16/5). Am 29.
Januar 2014 meldete sie sich wegen Rückenbeschwerden bei der Invaliden
versicherung an (
Urk.
8/7). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizinische Abklärungen und gewährte der Versicherten Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Ausbildungskurses zur medizinischen Sekretärin (
Urk.
8/17). Am
3.
November 2014 teilte sie der Versi
cherten mit, es sei aufgrund ihres Gesundheitszustandes zur Zeit keine Arbeits
vermittlung möglich (
Urk.
8/23).
Am
2
8.
Februar beziehungsweise
14.
März 2017 wurde der Versicherten operativ ein Hoch
frequenz-Neuro
stimulator implantiert (
Urk.
8/72). Die IV-Stelle veranlasste eine polydisziplinäre Begutachtung der Ver
sicherten am Zentrum
Y._
, dessen Gutachten am 2
0.
September 2017 erstattet wurde (
Urk.
8/83). Am 3
1.
Januar 2018 fand eine Haushaltabklärung statt (Bericht vom
1.
März 2018;
Urk.
8/87).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren (
Urk. 8/90; Urk. 8/94; Urk. 8/98
-99;
Urk.
8/111;
Urk.
8/
126
;
Urk.
8/132
)
sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Ver
fügung vom 1
4.
August 2019 eine von Mai bis Dezember 2018 befristete halbe Rente zu (
Urk.
8/
149 in Verbindung mit
Urk.
8/144 =
Urk.
2).
2.
Am
4.
September 2019 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom 1
4.
August 2019 (
Urk.
2) und beantragte deren Aufhebung sowie die Aus
richtung mindestens einer Viertelsrente (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
8.
Oktober 2019 (
Urk.
7) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 1
8.
Oktober 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
12).
Mit Beschluss vom 2
7.
April 2020 (
Urk.
13) setzte das Gericht die Beschwerde
führerin über eine mögliche reformatio in peius infolge Rückweisung der Sache in Kenntnis und gewährte ihr Gelegenheit, die Beschwerde zurückzuziehen. Mit Eingabe vom 1
4.
Mai 2020 (
Urk.
15) hielt die Beschwerdeführerin an der Beschwerde fest, wovon die Beschwerdegegnerin am
1
8.
Mai 2020 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
16).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts,
ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind oder die unentgeltlich im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin mitarbeiten, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufgaben
bereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit oder der unentgelt
lichen Mitarbeit im Betrieb des Ehegatten oder der Ehegattin und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditätsgrad entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG); dies ist die gemischte Methode der Invaliditätsbemessung (vgl. BGE 141 V 15 E. 3.2 mit Hinweisen).
Nach der bis 3
1.
Dezember 2017 gültigen Gerichts- und Verwaltungspraxis zur Invaliditätsbemessung nach der gemischten Methode (grundlegend BGE 125 V 146; vgl.
Art.
27 und 27
bis
der Verordnung übe die Invalidenversicherung,
IVV
,
in der seit dem
1.
Januar 2018 geltenden Fassung und Übergangsbestimmung zur Änderung der IVV, in Kraft seit
1.
Januar 2018) wird zunächst der Anteil der Erwerbs
tätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (vgl. Art. 27 IVV) ermittelt. Die Invalidität bestimmt sich in der Folge dadurch, dass im Erwerbsbereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betäti
gungsvergleich vorgenommen wird, wobei im Erwerbsbereich praxisgemäss berücksichtigt wird, was die versicherte Person im Gesundheitsfall aus ihrer Teilerwerbstätigkeit erzielen würde. Die Gesamtinvalidität ergibt sich aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten Teilinvaliditäten (BGE 131 V 51 E. 5.5.1, 130 V 393 E
. 3.3, 125 V 146 E. 2b und 5c).
1.4
Am 1. Januar 2018 sind die geänderten Bestimmungen der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) vom 1. Dezember 2017 in Kraft getreten. Mit dieser Änderung wurde für die Festlegung des Invaliditätsgrades von teilerwerbstätigen Versicherten nach der gemischten Methode (Art
. 28a Abs. 3 IVG
) in Art. 27
bis
Absatz 2–4 IVV ein neues Berechnungsmodell eingeführt.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen, die galten, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.1, 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen).
Die angefochtene Verfügung ist am
1
4.
August 2019
und somit nach Inkrafttreten der Verordnungsänderung ergangen, wobei ein Sachverhalt zu beurteilen ist, der vor dem Inkrafttreten der revidierten Verordnungsbestimmungen am 1. Januar 2018 begonnen hat. Daher und aufgrund dessen, dass der Rechtsstreit eine Dauerleistung betrifft, über welche noch nicht rechtskräftig verfügt wurde, ist entsprechend den allgemeinen intertemporalrechtlichen Regeln für die Zeit bis 31. Dezember 2017 auf die damals geltenden Bestimmungen und ab diesem Zeit
punkt auf die revidierten Verordnungsbestimmungen abzustellen (vgl. BGE 130 V 445 E. 1.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts I
428/04 vom 7. Juni 2006 E. 1).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete den angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) wie folgt: Die Beschwerdeführerin habe sich per 1
8.
Februar 2014 bei der Invaliden
versicherung angemeldet. Sie habe die Ausbildung zur medizinischen Sekretärin erfolgreich absolvieren können. Eine Arbeitsvermittlung sei ihr allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich gewesen. Im Vorbescheid vom 2
7.
März 2018 sei
die IV-Stelle
von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit ausgegangen, bei einem Anstellungspensum von 50
%
. Damit habe sich ein Teil-Invaliditätsgrad von 10
%
ergeben. Im Haushaltbereich habe keine Ein
schränkung
bestanden, womit ein Gesamt-Invaliditätsg
rad von 5
%
resultiert habe. Neue Abklärungen hätten ergeben, dass für die Zeit bis zur Operation vom
9.
Februar 2018 die Angaben aus dem Vorbescheid vom 2
7.
März 2018 weiterhin Gültigkeit hätten. So sei es der Beschwerdeführerin zumutbar
gewesen, in einer angepassten Tätigkeit, beispielsweise als Sekretärin, ohne Beeinträchtigung zu arbeiten. Es entstehe in dieser Zeit kein Anspruch auf eine Rente. Ab der ersten Operation im Februar 2018 sei jedoch keine Arbeitsfähigkeit gegeben. Erst per September 2018 sei aus medizinischer Sicht erneut von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in angepassten Tätigkeiten auszugehen. Ab diesem Zeitpunkt liege der berechnete Invaliditätsgrad unter 40
%
. Auf das polydisziplinäre Gutachten sei abzustellen. Das psychische Leiden habe sich zwischenzeitlich verbessert. Aus körperlicher Sicht seien gemäss aktuellsten Berichten weniger anstrengende Tätigkeiten bis 60
%
denkbar. Die Qualifikation von 50
%
Erwerbs-
und 50
%
Haushalttätigkeit sei ebenfalls weiterhin gültig. Aufgrund der neuen Berech
nungsmethode ergebe sich ein Invaliditätsgrad von 28
%
(S. 3-4).
2.2
Die Beschwerdeführerin machte geltend (
Urk.
1), die Haushaltabklärung sei ver
altet und sei nach der eingetretenen Verschlechterung der Arbeitsfähigkeit auf 50
%
nicht nachvollziehbar, ebenso sei die Pensumsaufteilung nicht zutreffend. Die Haushaltabklärung habe kurz nach Eingang des Gutachtens stattgefunden, worin noch von einer vollen Arbeitsfähigkeit ausgegangen worden sei (S. 5). Es sei danach noch zu mehreren Eingriffen gekommen, was den RAD bewogen habe, auch für behinderungsangepasste Tätigkeiten eine Arbeitsfähigkeit von 50
%
anzunehmen
.
Angesichts des Belastungsprofils sei nicht nachvollziehbar, dass im Haushalt keine Einschränkung bestehen solle. Aus näher dargelegten Gründen sei der Abklärungsbericht zudem nicht plausibel (S. 6 ff.).
Weiter würde sie im Gesundheitsfall einem Pensum von 80
%
nachgehen, was sie anlässlich der Haus
haltabklärung mitgeteilt habe, zudem sei die Frage nach dem Pensum nicht korrekt gestellt worden (S. 8). So habe sie dargelegt, dass sie ihr Pensum mit
zunehmendem Alter ihres Kindes habe steigern wollen (S. 9). Auch sei ein leidensbedingter Abzug von mindestens 10
%
angemessen (S. 12). Somit bestehe Anspruch auf mindestens eine Viertelsrente (S. 12).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Die Ärzte des Spitals
Z._
stellten mit Bericht vom 1
9.
Dezember 2013 (Urk.
8/14/3-4) folgende Diagnosen (S. 1):
-
nicht dermatombezogene Hypästhesie Bein links
-
Diskushernie paramedian linksbetont L5/S1, keine Kompression der Nervenwurzel
-
Adipositas
-
Status nach HWS-Kontusionstrauma mit Rippenkontusion links
-
Asthma bronchiale
Unter Physiotherapie und Ausbau der Analgesie habe sich die Schmerzsympto
matik schnell regredient gezeigt. Die Arbeitsunfähigkeit betrage 100
%
vom 1
5.
bis 2
2.
Dezember 2013 (S. 1).
3.2
Med. pract.
A._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, diagno
sti
zierte mit Bericht vom
7.
März 201
4
(
Urk.
8/14/1-2) ein lumbora
dikuläres Schmerzsyndrom links im S1 Dermatom bei kleiner Diskus
hernie LWK5/SWK1 paramedian links mit Irritation in Beinen beidseits (
Ziff.
3). Die Schmerzsympto
matik bestehe mehr oder weniger bereits seit vier Jahren. Im November 2013 hätten die Schmerzen deutlich zugenommen (Ziff.
4.2). Aufgrund der Rücken
problematik bestehe zur Zeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit im angestammten Beruf
(
Ziff.
1.4-1.5). Das Tragen von schweren Lasten und das sich Biegen sei bei der Spitex-Arbeit nicht zumutbar (
Ziff.
1.6).
3.3
Mit Bericht vom 1
9.
November 2014 (
Urk.
8/24/6-7)
diagnostizierte
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Neurochirurgie, Spital
Z._
, lumboradi
kuläre Schmerzen links im S1-Dermatom bei Diskushernie LWK5/SWK1 (
Ziff.
1.1). Nach erfolgter mikrochirurgischer Diskektomie am
1.
Juli 2014 (vgl.
Urk.
8/26/7-8) hätten sich die radikulären Beschwerden bei noch bestehenden Restbeschwerden im lumbalen Bereich rückläufig gezeigt. Der Verlauf sei intra- und postoperativ komplikationslos gewesen (
Ziff.
1.4). Es sei eine arbeitsmedizi
nische Abklärung empfohlen (
Ziff.
1.7).
3.4
Med. pract.
A._
stellte mit einem Verlaufsbericht
vom 2
3.
Januar 2015
(Urk.
8/26/1-6
; vgl.
Urk.
8/32
) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1):
-
chronisches therapieresistentes lumbovertebrales Syndrom mit Radikulo
pathie des linken und teilweise auch rechten Beines bei medianer bis paramedianer fokaler Diskushernie LWK5/SWK1 ohne Nervenwurzel-Kompression in der LWS
-
Segmentdegeneration L5/S1
-
Status nach mikrochirurgischer Diskektomie Juli 2014
-
Spondylitis, Verdacht auf Sakroilitis
-
leichte depressive Episode mit somatischem Syndrom, Erstdiagnose (ED) September 2014
Seit Dezember 2013 könne die Beschwerdeführerin die bisherige Tätigkeit auf
grund der Rückenproblematik nicht ausüben. Zur Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit könne sich med. pract.
A._
nicht äussern (S. 3). Wechsel
be
lastende Tätigkeiten seien
für
zwei Stunden täglich zumutbar (S. 5).
3.5
Am 1
8.
Mai 2015 unterzog sich die Beschwerdeführerin einer laparoskopischen Magenbypass-Operation (
Urk.
8/51/10).
3.6
Dipl. psych.
C._
diagnostizierte mit Bericht vom 12.
Dezember 2015 (
Urk.
8/42/1-5) eine seit Oktober 2014 bestehende mittelgra
dige depressive Episode (ICD-10 F32.1) mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
1.1).
Die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr zumutbar (Ziff.
1.7).
3.7
Med. pract.
A._
änderte mit Verlaufsbericht vom 1
5.
April 2016 (Urk.
8/51/1
4) die bisher (vgl. vorstehend E. 3.4) genannten Diagnosen dahinge
hend, dass nun nebst den bisherigen Diagnosen eine ausgeprägte Sakrolitis sowie eine mittelgradige depressive Episode mit somatischem Syndrom vorliege (
Ziff.
1). Im Mai 2015 habe eine bariatrische Operation mit dem Ziel der Gewichts
reduktion stattgefunden, wodurch die Beschwerdeführerin bis dato 40
kg abge
nommen habe. Auf die Schmerzen habe dies leider kaum einen Einfluss gehabt (
Ziff.
1). Aus somatischer Sicht sei die Patientin aktuell in der Lage, eine leichte bis mittelschwere Arbeit von zwei bis drei Stunden pro Tag zu erledigen. Schritt
weise wäre die Erhöhung auf 5 Stunden täglich denkbar und sei auch Ziel der Patientin. Eine Verbesserung des Zustandsbildes sei durch die psychotherapeuti
sche Unters
tützung zu erwarten (
Ziff.
3).
3.8
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, hielt am
4.
Mai 2016 (
Urk.
8/89/8) fest, dass eine zuverlässige Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit angesichts des weiterhin instabilen Gesundheitszustandes bei diversen therapeutischen Massnahmen derzeit nicht möglich
sei. Auf die
Angaben von
med. pract.
A._
von einer möglichen Arbeitsfähigkeit von zwei bis drei Stunden täglich könne angesichts der ausstehenden Massnahmen nicht abgestellt werden.
3.9
Mit einem weiteren Bericht vom 2
7.
Juli 2016 (
Urk.
8/53/1-4) führte med. pract.
A._
aus, bei der Patientin bestehe dank der ambulanten Behandlung im Sanatorium
E._
ein gebesserter psychischer Zustand und davon gebesserter Umgang mit den Rückenschmerzen. Die Rückenproblematik scheine auch teil
weise besser zu werden, mindestens intermittierend komme es zu einer Reduktion der Schmerzen. Rezidive und invalidisierende Exazerbationen bestünden weiter
hin. Neu sei bildgebend eine deutliche degenerative Veränderung der Bandscheibe L5/S1 festgestellt worden (
Ziff.
1).
Aus somatischer Sicht sei eine leichte bis mit
telschwere Arbeit von zwei bis drei Stunden pro Tag zumutbar und eine schritt
weise Erhöhung auf fünf Stunden täglich denkbar (
Ziff.
3).
3.10
Am 2
8.
Februar 2017 (
Urk.
8/72/1) erfolgte eine testweise und am 1
4.
März 2017 (
Urk.
8/72/3) die definitive Implantierung eines Hochfrequenz-Neurostimulators.
3.11
Die Gutachter des
Y._
stellten in ihrem am 2
0.
September 2017 unter Berück
sichtigung der Akten, Erhebung der Anamnese und Durchführung einer allgemeininternistischen, orthopädischen und psychiatrischen Untersuchung
erstatte
ten Gutachten (
Urk.
8/83)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit (S. 31
Ziff.
7.1):
-
chronisches, belastungsabhängiges lumbosakrales Syndrom mit belastungs
abhängig aktivierten Facettenarthrosen lumbosakral und ISG
Fu
nktionsstörung bei
-
Status nach mikrochirurgischer Diskektomie über interlaminäre Fensterung L5/S1 links bei kleiner Diskushernie L5/S1 paramedian links und S1 Schmerzsymptomatik
-
Status nach Implantation eines Hochfrequenzneurostimulators gluteal rechts am 1
4.
März 2017 mit gutem Erfolg
-
konstitutioneller Laxität (Score nach Beighton zirka 10)
-
hochgradiger Dekonditionierung und muskulärer Insuffizienz
Die folgenden Diagnosen hätten keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 31
Ziff.
7.2):
-
Status nach zweimaliger Handgelenksoperation wegen Ganglions 2013 und 2004, symptomfrei
-
Status nach laparoskopischem proximalem Y-Roux-Magenbypass am 19.
Mai 2015 bei
-
Status nach morbider Adipositas, präoperativ BMI 36.6, aktuell 20.6
-
Status nach nicht-erosiver Gastritis
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert, ICD-10 F33.4
-
Akzentuierung
emotional-instabile
r
Persönlichkeitszüge, ICD-10 Z73.1
Von somatischer Seite sei der Verlauf nach der bariatrischen Operation sehr zufriedenstellend gewesen. Die internistischen Diagnosen hätten insgesamt keinen Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 32 oben).
Von orthopädischer Seite sei das chronische, belastungsabhängige lumbosakrale Syndrom zu nennen. Es sei im Dezember 2013 zu einer Exazerbation gekommen, anschliessend zur mikrochirurgischen Diskektomie L5/S1 und im März 2017 zur definitiven Implantation eines Hochfrequenzstimulators. Aktuell klage die Beschwerdeführerin lediglich
über
Restbeschwerden bei längeren sitzenden Tätigkeiten. Die vor der Implantation der Testelektroden bestehenden lumbalen Beschwerden seien gemäss Explorandin weitgehend behoben. Klinisch sei die LWS frei beweglich, schmerzhaft werde die Belastung der lumbosakralen Bogen
strukturen genannt. Hinweise auf radikuläre Irritationen oder Defizite fänden sich nicht. Es bestehe eine Funktionsstörung des rechtsseitigen Iliosakralgelenks. Weiter sei eine
konstitutionelle Laxität zu erwähnen mit Hypermobilität der HWS
und Überstreckbarkeit der Extremitätengelenke, und es bestehe eine ausgeprägte muskuläre Rumpfinsuffizienz und muskuläre Schwäche der Extremitäten. Die Wirbelsäule sei vermindert belastbar. Körperlich anstrengende Tätigkeiten mit repetitiven Einnahmen von körperlichen Zwangshaltungen oder Heben und Tra
gen schwerer Lasten über 10 bis 15 kg seien (richtig wohl: nicht) sinnvoll. Alle anderen adaptierten, rückenschonenden Tätigkeiten seien aber aus orthopädi
scher Sicht vollschichtig ausführbar (S. 32 Mitte).
Aus psychiatrischer Sicht könne aktuell festgestellt werden, dass die Versicherte während ihrer Kindheit und Jugend unter Beeinträchtigungen im Sinne einer Borderline-Persönlichkeitsstörung / -akzentuierung gelitten habe, welche aktuell in ihrem Ausmass, nicht zuletzt aufgrund der langjährigen psycho
thera
peuti
schen Behandlung, auf ein subklinisches Mass reduziert erscheine und somit nicht im engeren Sinn beweiswertig sei. Anamnestisch verdichteten sich Hinweise auf eine im Jahr 2016 durchgemachte mittelgradige bis schwere depressive Episode im Rahmen des zu dem Zeitpunkt bereits chronifizierten, schweren Schmerzsyn
droms, welche aber ebenfalls anamnestisch infolge der besseren Schmerzbe
handlung aktuell aus psychiatrischer Sicht als remittiert angeschaut werden müsse
. Derzeit lägen keine psychischen Beeinträchtigungen von Krankheitswert vor. Somit entfalle die Beurteilung des Schweregrades. Retro
spektiv könne für 2016 eine mittelschwere bis schwere psychische Beein
trächtigung infolge der depressiven Episoden angenommen werden
(S. 32 unten
f.
).
In der früheren Tätigkeit als Pflegehelferin sei die Beschwerdeführerin aufgrund der Wirbelsäulenproblematik seit Dezember 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 33
unten). In adaptierten, wechselbelastenden, vorwiegend sitzenden Tätigkeiten sei eine vollschichtige Arbeitsfähigkeit möglich, dies ab Datum der Implantation des Neurostimulators am 1
4.
März 201
7.
Seit diesem Zeitpunkt sei die Beschwerde
führerin seitens des Rückens weitgehend beschwerdefrei. Retrospektiv habe aus psychiatrischer Sicht von Dezember 2015 bis März 2017 aufgrund der depressi
ven Episode eine 50%ige Arbeits
un
fähigkeit für sämt
liche Tätigkeiten bestanden (S.
34).
In der angestrebten Tätigkeit als medizinische Sekretärin sei die Beschwerde
führerin als arbeitsfähig zu beurteilen (S. 35).
3.12
Zum Gutachten hielt
Dr.
D._
am 2
7.
September 2017 (
Urk.
8/89/11) fest, die angestammte Tätigkeit sei seit Dezember 2013 durchgehend und auf Dauer nicht mehr zumutbar. In einer angepassten Tätigkeit sei die Beschwerdeführerin seit Dezember 2013 zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen, danach unter Berück
sichti
gung der aktenkundigen und gutachterlichen Angaben zu 50
%
ab spätestens drei Monaten postoperativ, somit ab Oktober 201
4.
Ab April 2017 bestehe eine Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten von 100
%
.
3.13
Im Abklärungsbericht vom
1.
März 2018 (
Urk.
8/87) wurden die die Arbeitsfähig
keit beeinflussenden Diagnosen gemäss Gutachten genannt (S. 1). Die Beschwer
deführerin habe berichtet, dass es ihr seit der Implantation des Neurostimulators deutlich besser als zuvor gehe. Sie sei zwar von ihren Beschwerden nicht geheilt, könne aber damit leben. Davor habe sie ganz extreme Schmerzen und Schlafstö
rungen gehabt. Sie müsse jedoch auch jetzt noch sehr darauf achten, sich nicht zu übernehmen, ansonsten die Beschwerdesituation rasch zunehme. Beispiels
weise verspüre sie eine Schmerzzunahme im Kreuz, wenn sie eine Stunde am Laptop sitze. Sie habe aktuell kaum Kraft mangels Muskulatur und sollte sich unbedingt in Therapie begeben, könne sich dies aber aus finanziellen Gründen nicht leisten (S. 2).
Sie sei seit dem Abschluss der Ausbildung zur medizinischen Sekretärin auf Stellensuche und beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum für ein 50
%
Pen
sum angemeldet (S. 2 unten). Aktuell entspreche dies ihrem Wunschpensum, es würde ihr ermöglichen, sich vom Sozialamt abzulösen, auch wenn sie dann finanziell sehr eng «durchmüsste». Ein 50%-Pensum wäre aktuell das Höchstmög
liche, was sie bei der aktuellen Beschwerdesituation wohl zu bewältigen ver
möchte, mit dem Pensum auf mehrere Wochentage verteilt (S. 3 oben). Sie sei seit dem
2.
Mai 2011 geschieden. Die Alimente würden aktuell
Fr.
750.-- monatlich für das Kind betragen, für sich selbst habe sie auf Unterhaltszahlungen verzichtet.
Vom
1
5.
Dezember 2013 bis Dezember 2015 habe sie Zahlungen der Taggeldver
sicherung erhalten.
Seither bestünden ihre Einkünfte aus den Alimenten und den Zahlungen des Sozialamtes (S. 3 oben).
Zur Frage, wie die berufliche Situation ohne Gesundheitsschaden wäre, habe die Beschwerdeführerin erklärt, sie habe, als ihr Sohn zweijährig gewesen sei, eine Erwerbsaufnahme angestrebt. Ihr Ziel sei es gewesen, ihren Lebensunterhalt eigenständig zu bestreiten, aber gleichzeitig auch möglichst viel für ihren Sohn da zu sein. Die Stelle bei der Spitex habe daher gut gepasst, dank eines über
durchschnittlichen Lohns habe sie mit dem 40%-Pensum genügend verdient, um ohne Sozialhilfeleistungen auszukommen. Auch heute noch sei ihr die Betreuung ihres Sohnes sehr prioritär, aber es sei ihr auch wichtig, nicht weiter vom Sozial
amt abhängig zu sein, weshalb sie alles daran setze, schnellstmöglich eine Arbeitsstelle zu finden. Eine Pensumssteigerung auf 50
%
hätte sie bei guter Gesundheit mindestens ab Kindergarteneintritt des Sohnes im August 2014 umgesetzt. Danach hätte sie eine weitere Steigerung ins Auge gefasst, eventuell ein 80%-Pensum bei Übertritt des Sohnes in die erste Klasse im August 201
6.
Er sei bereits aktuell einmal pro Woche im Mittagstisch der Schule betreut, damit er bereits daran gewöhnt und ein Platz gesichert sei im Falle einer Erwerbstätigkeit ihrerseits. Während den Schulwochen sei die Betreuung gut geregelt
, die Ferien
betreuung hingegen schwierig. Daher wäre wohl auch bei guter Gesundheit vor
läufig eher ein 50%-Pensum realistisch. In diesem Pensum würde sie ihren Sohn auch ohne Betreuung alleine zu Hause lassen; bei einem höheren Pensum würde sie dies nicht verantworten wollen. Bei zunehmendem Alter des Sohnes strebe sie jedoch ganz klar ein höheres Erwerbspensum an
(S. 3)
.
Aufgrund dieser Angaben qualifizierte die Abklärungsperson die Beschwerde
führerin als zu 50
%
im Erwerb und zu 50
%
im Haushalt tätig ein
und hielt fest, diese
schildere glaubhaft, dass sie im Gesundheitsfall ab dem Kindergarteneintritt ihres Sohnes im August 2014 eine Pensumerhöhung auf 50
%
vorgenommen und dies bis heute in mindestens diesem Ausmass fortgeführt hätte. Ihre erste Aus
sage, dass sie bei guter Gesundheit ihr Pensum ab Übertritt ihres Sohnes in die erste Klasse auf 80
%
erhöht hätte, habe sie im Laufe des Gespräches revidiert und erklärt, dass doch ein Pensum von 50
%
am realistischsten sei. Unter Berück
sichtigung der gesamten persönlichen, familiären, beruflichen und finanziellen Situation der Beschwerdeführerin scheine aktuell ein 50%-Pensum am realistischsten. Dies entspreche auch dem Arbeitspensum, zu dem sie sich beim RAV gemeldet habe
(S. 3
unten f.
).
Die Beschwerdeführerin habe begonnen, eine selbständige Erwerbstätigkeit im Bereich der Mobbing- und Suizidprävention an Schulen aufzubauen, wobei es sich nach Ansicht der Abklärungsperson eher um
eine Beschäftigung handle, um die Zeit bis zu einer Anstellung zu überbrücken (S. 4).
Seit der Implantation des Neurostimulators habe sich die Situation im Haushalt wesentlich verbessert, sie vermöge die Haushaltarbeiten wieder besser zu verrich
ten. Im Bereich Ernährung resultiere keine Einschränkung, da kein anhaltender Dritthilfebedarf bestehe (S. 6
Ziff.
6.1).
Zum Bereich Wohnungs- und Hauspflege und Haustierhaltung habe die Beschwerdeführerin angegeben, sie erledige alle Reinigungsarbeiten selbst, dies verteilt auf mehrere Tage. Staubsaugen tue sie täglich. Die feuchte Bodenpflege könne sie nicht mehr mit dem Schrubber vornehmen, sondern mache dies direkt von Hand auf dem Boden kniend, da dies anders nicht möglich sei. Die Haltung mit dem Schrubber sei wie Schnee schaufeln nicht mehr möglich. Das Bettenma
chen könnten sie und ihr Sohn selbst erledigen. Sie habe einen Hund und könne diesen selbst betreuen und ausführen, dabei helfe ihr Sohn. Dazu hielt die Abklä
rungsperson fest, die Beschwerdeführerin vermöge die nötigen Aufgaben in diesem Bereich dank angepasster Arbeitsweisen und Benutzung geeigneter Hilfs
mittel selbst zu erledigen, was im Rahmen der Schadenminderungspflicht erwar
tet werden dürfe. Es resultiere keine Einschränkung (S. 7
Ziff.
6.2).
Zum Bereich Einkauf sowie weitere Besorgungen gab die Beschwerdeführerin an, die Einkäufe selbst zu tätigen und mehrmals pro Woche mit dem Auto einkaufen zu gehen. Selten mache sie einen Grosseinkauf, sei danach jedoch «fix und fertig». Administratives erledige sie ebenfalls selbst
. Eine Einschränkung resultiere gemäss Abklärungsperson nicht (S. 7
Ziff.
6.3).
Die Wäsche und Kleiderpflege sei eine der belastendsten Arbeiten im Haushalt, sie erledige jedoch auch dies eigenständig und trage an ihrem Waschtag alle zwei Wochen die Wäsche hinunter und tätige dort die weiteren Vorgänge. Die gesamte Wäsche werde getumblert und direkt danach gefaltet. Die Abklärungsperson attestierte auch in diesem Bereich keine Einschränkung (S. 7
Ziff.
6.4).
Die Kinderbetreuung vermöge sie selbst wahrzunehmen. Eine Einschränkung resultiere nicht (S. 8
Ziff.
6.5). Im Haushaltbereich bestehe keine Einschränkung (S. 8
Ziff.
7).
3.14
Am
8.
Februar 2018 fand ein laparoskopischer Bruchlückenverschluss bei innerer Herniation nach Magenbypass statt (
Urk.
8/98/4).
Aufgrund eines Rezidivs fand am 1
9.
März 2018 ein erneuter laparoskopischer Bruchlückenverschluss nach Reposition des inkarzerierten Dünndarms statt (
Urk.
8/98/9-10). Ein weiteres Rezidiv wurde am 2
6.
April 2018 operativ behandelt (diagnostische Laparoskopie,
Laparotomie, Reposition, Neu-Anlage der Gastrojejunostomie bei Traktions
rotation, erneuter Verschluss sämtlicher Bruchlücken;
Urk.
8/98/13-14).
Mit Bericht vom 3
0.
April 2018 (
Urk.
8/98/15) stellte eine leitende Ärztin des Stadtspitals
F._
, Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefässchirurgie, folgende Diagnosen:
-
Viertes Rezidiv einer Petersen-Hernie bei Traktionsrotation der Gastro
jejunostomie bei
-
Status nach laparoskopischem Roux-Y-Magenbypass bei morbider Adipositas Grad II Mai 2015
-
Status nach laparoskopischem Brolin-Hernien-Verschluss April 2017
-
Status nach laparoskopischem Petersen-Hernien-Verschluss Februar und März 2018
-
aktuell: Laparotomie und Neuanlage der Gastrojejunostomie April 2018
3.15
Dr.
med. G._, Oberarzt, und H._
, Psychologin, Sanatorium
E._
, stellten mit Bericht vom 2
8.
Juni 2018 (
Urk.
8/101) als Hauptdiagnose diejenige einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), und als Nebendiagnose diejenige einer emotional instabilen Per
sönlichkeitsstörung: Borderline-Typ (S. 1). Die Beschwerdeführerin befinde sich seit dem 1
3.
April 2016 in der ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutische
n Behandlung. Aktuell nehme sie
keine Psychopharmaka, sie habe sie aufgrund von spontan aufgekommenen Operationen und deren blutverdünnenden Wirkung abgesetzt.
Bis zum heutigen Zeitpunkt sehe man die Beschwerdeführerin weder in der angestammten noch in einer angepassten Tätigkeit als arbeitsfähig. Je mehr Operationen notwendig geworden seien, desto schlechter sei es ihr im Verlauf gegangen (S. 2).
3.16
Dr.
D._
führte am 1
2.
Juli 2018 (
Urk.
8/124/3-4) aus
, die Begutachtung habe vor mehr als einem Jahr stattgefunden. Die seither ergangene psychiatrische Beurtei
lung entspreche überwiegend wahrscheinlich einer anderen Beurteilun
g des unveränderten Sachverhalt
s
, da keine wesentliche Verschlechterung des psycho
pathologischen Befundes seit Juni 2017 bekannt sei. Anderes sehe es bei den Bauchoperationen aus, es sei zumindest zeitweise eine erhebliche Verschlechte
rung des Gesundheitszustandes im Zeitraum Ende Januar bis Anfang Mai 2018 ausgewiesen. Inwieweit sich der Zustand seither stabilisiert habe, sei nicht bekannt, so dass momentan keine abschliessende Beurteilung möglich sei
. Im Zweifelsfall werde wohl eine Verlaufsbegutachtung unausweichlich.
3.17
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Neurochirurgie, stellte mit Bericht vom 2
3.
August 2018 (
Urk.
8/110) folgende Diagnosen (S. 1):
-
Status nach Implantation epiduraler thorakaler Testelektroden bei chroni
schem lumbospondylogenem Schmerzsyndrom am 2
8.
Februar 2017
-
persistierende tieflumbale Schmerzen bei Status nach Mikrodiskektomie L5/S1 linksseitig am
1.
Juli 2014
-
Bildgebung vom 1
3.
Dezember 2016: leichte Osteochondrose und Spon
dylose
sowie dorsale Diskusprotrusion L5/S
1.
Szintigraphisch kein Hin
weis für eine aktivierte degenerative Veränderung lumbal
-
Status nach Neuimplantation epiduralliegender Elektrode Th7 links am 1
4.
August 2018 im
Spital
Z._
bei vollständiger Dislokation der linken epiduralen Elektrode nach subkutan bei liegendem Hochfrequenz
stimulator
Aufgrund der klinischen Verschlechterung seien bei der Patientin am 1
4.
August 2018 die Elektroden revidiert und neu platziert worden. Davor habe sie einen Arbeitsversuch unternommen in einem Teilzeitpensum von 15 Arbeitsstunden pro Woche. Aufgrund der zunehmenden Beschwerden habe dieser aber abgebro
chen werden müssen. Es habe sich um eine wechselbelastende Tätigkeit in einem Tankstellenshop gehandelt.
3.18
Dr.
med.
J._
, Oberärztin Sanatorium
E._
,
stellte mit Bericht vom 2
6.
November 2018 (
Urk.
8/122) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (
Ziff.
2.4):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Borderline-Typ (ICD-10 F60.31)
-
chronisches lumbovertebrales Schmerzsyndrom mit rezidivierenden Radi
kulopathien linkes Bein
-
Spondylitis
-
Status nach Autounfall mit HS Trauma 2013 mit Rippenkontusion
-
Status nach Adipositas und Roux-Y-Magenbypass und Gewichtsverlust von insgesamt 50 kg
-
axiale Hiatusgleithernie
-
weitere Operationen aufgrund von Magenrissen und Rückenproblemen
Von Mai 2016 bis Juni 2018 hätten regelmässig praktisch wöchentliche Termine stattgefunden. Aktuell sei die Therapie pausiert. Die Beschwerdeführerin plane die Wiederaufnahme bei Rückkehr ihrer Therapeutin im Februar 2019 (
Ziff.
1.2).
W
ährend der ganzen Behandlungszeit
sei die Beschwerdeführerin
aus somati
schen Gründen zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen. Die Arbeitsunfähigkeit sei für die Tätigkeit als Spitexfachfrau und seit Sommer 2017 auch für die Arbeit als medizinische Sekretärin attestiert worden (
Ziff.
1.3).
Sie habe entgegen der Empfehlungen aktuell eine Anstellung bei der Spitex im Umfang von 60
%
angenommen
, da sie sich stark langweile und keinen Sinn in ihrem Leben sehe
.
Das Ziel sei jedoch, baldmöglichst diese Arbeit, die sehr gefährlich für ihren Rücken sei, wieder aufzugeben und eine Stelle im KV-Bereich anzutreten (Ziff.
2.2).
Sie habe bereits seit zwei Jahren sämtliche somatische wie auch psychiatrische Medikation abgesetzt, da dies nie etwas gebracht habe (
Ziff.
2.
3
). In einer beruf
lichen Tätigkeit mit körperlichem Einsatz sei die Wahrscheinlichkeit für eine erneute Exazerbation der Rückenproblematik sehr hoch. In diesem Bereich werde die Prognose der Arbeitsfähigkeit als sehr schlecht erachtet. In einer weniger anstrengenden Tätigkeit, wo die Patientin sitzen könne oder die Möglichkeit habe, ihre Position zu verändern und Pausen einzulegen, sei eine Arbeitsfähigkeit von bis zu 60
%
längerfristig denkbar (
Ziff.
2.7). Aufgrund der chronischen Schmer
zen bestehe eine verminderte körperliche Belastbarkeit. Bezüglich der psychi
schen Symptomatik leide die Patientin vor allem unter Konzentrationsstörungen und einer gewissen Antriebshemmung. Die Konzentrationsstörungen könnte sie jedoch bei einer leichten Arbeitstätigkeit wie beispielsweise am Empfang in einem Altersheim bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Die Antriebshemmung
habe insbesondere auch mit der Depression einen Zusammenhang, welche durch die Untätigkeit zu Hause eher noch verstärkt würde (
Ziff.
3.4). Im Moment sei sie in der Lage, ihren Haushalt selbständig zu führen (
Ziff.
4.5).
3.19
Dr.
I._
wiederholte
mit Bericht vom 1
0.
Januar 2019 (
Urk.
8/123/3-6)
im Wesentlichen die bereits am 2
3.
August 2018 gestellten
Diagnosen
(vgl.
vorste
hend E. 3.16) und führte aus, die Beschwerdeführerin könne keine schweren Lasten heben, nicht länger tragen,
ertrage
keine einseitigen Belastungen
und
kein längeres Sitzen. Die Leistungsfähigkeit sei um etwa 50
%
vermindert (
Ziff.
2.2). Sie habe von der Implantation des Neurostimulators durchaus profitiert, Angaben zur Prognose seien dennoch nicht schlüssig zu machen (Ziff.
3.3).
3.20
Dr.
D._
führte am 3
0.
Januar 2019 (
Urk.
8/124/6-7) aus, es seien nun folgende Gesundheitsstörungen ausgewiesen:
-
chronisches belastungsabhängiges lumbospondylogenes Schmerz
syn
drom bei
-
Zustand nach mikrochirurgischer Diskektomie L5/S1 links am
1.
Juli 2014 bei kleiner Diskushernie
L5/S1 paramedian links
-
Zustand nach Implantation epiduraler Testelektroden am 2
8.
Februar 2017
-
Zustand nach Neuimplantation der epidural liegenden Elektrode am 14.
August 2018 bei vollständiger Dislokation
-
Zustand nach Laparotomie und Neuanlage der Gastrojejunostomie am 2
6.
April 2018 bei
4.
Rezidiv einer Petersen-Hernie und drei laparosko
pischen Folgeoperationen
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1)
-
emotional instabile Persönlichkeitsstörung: Borderline-Typ (ICD-10 F60.31).
Diese Gesundheitsstörungen seien derzeit offensichtlich stabil. Zur Beurteilung der sich daraus ergebenden Arbeitsunfähigkeit sei eine polydisziplinäre Begut
achtung erfolgt, auf deren nachvollziehbares Ergebnis die RAD
Stellung
nahme vom 2
7.
September 2017 abgestellt habe. Daran habe sich bis heute nichts geän
dert, die Beurteilung
gelte jedoch nur bis zum
8.
Februar 201
8.
Ab dem 9.
Februar 2018 müsse dann medizintheoretisch wieder von einer vollen Arbeitsunfähigkeit für jede Tätigkeit ausgegangen werden, zunächst wegen der insgesamt drei Bauchoperationen und danach ab August 2018 wegen der erneut notwendig gewordenen Rückenoperation. Auch für die danach folgenden zwei bis drei Wochen habe selbst in angepasster Tätigkeit noch keine relevante Arbeitsfähig
keit bestanden. Die Angaben von
Dr.
I._
bezüglich einer etwa 50%igen Arbeitsfähigkeit für eine optimal angepasste Tätigkeit basierten auf den anläss
lich der letzten Kontrolle am 3
0.
August 2018 erhobenen Befunde
n
, seien aus orthopädischer Sicht
nachvollziehbar und deckten sich in etwa mit den Angaben im aktuellen Bericht des Sanatoriums
E._
. Es sei deshalb ab Oktober 2018 und bis auf weiteres von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
in einer optimal behin
derungsangepassten Tätigkeit mit folgendem Belastungsprofil
auszugehen: K
ein Heben und Tragen von schweren und mittelschweren Lasten, keine einseitigen Belastungen, kein längeres Sitzen, kein häufiges Bücken oder längeres, nach vorn gebeugtes Stehen. Derzeit sei eine Verlaufsbegutachtung nicht erforderlich.
4.
4.1
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Rentenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invalidi
tätsbemessung (
Art.
28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungs
vergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Ent
scheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im
Besonderen sind die
persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhält
nisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen
zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung entwickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausge
übten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen wer
den (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4).
4.2
Während die Beschwerdegegnerin von einer Qualifikation von 50/50 ausgeht, macht die Beschwerdeführerin geltend, sie sei im Gesundheitsfall
zu 80
%
erwerbstätig und zu 20
%
im Haushalt tätig (vgl. vorstehend E. 2.1-2).
Zur Beurteilung der S
t
atusfrage
sind die
persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsauf
gaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbil
dung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen
zu berücksichtigen (vgl. vorstehend E. 4.1).
4.3
Die Beschwerdeführerin ist 1988 geboren und Mutter eines am 1
9.
Oktober 2009 geborenen Kindes, welches somit im Zeitpunkt der
Haushaltabklärung vom Januar 2018 etwas über acht und im Zeitpunkt der
angefochtenen Verfügung vom 1
4.
August 2019 fast zehn Jahre alt war. Die Beschwerdeführerin verfügt über keine Berufsausbildung, hat jedoch vor Eintritt des Gesundheitsschadens
(Dezember 2013)
einen halbjährigen Lehrgang zur Pflegehelferin beim Roten Kreuz absolviert (vgl.
Urk.
8/7
Ziff.
5.3;
Urk.
8/8/9)
und war ab
1.
November 2011 bei der Spitex als Pflegehelferin in einem Pensum von 40
%
angestellt (Urk.
8/8/10).
Dem
Auszug aus dem i
ndividuellen Konto (
IK-Auszug;
Urk.
8/13) ist zu entnehmen, dass sie
zuvor
von
2006 bis 2008 bei verschiedenen Arbeitge
bern
im Verkauf, als Nanny und als selbständige Kosmetikerin (vgl.
Urk.
8/16/1
2)
tätig war
, wobei in Anbetracht der abgerechneten Verdienste
von jeweils kleinen Pensen auszugehen ist. Eine volle Erwerbstätigkeit wurde vor der Geburt des Kindes nie aufgenommen.
Nach der Geburt des Kindes 2009 war sie nicht erwerbstätig und hat
erst
ab 2011 wieder in kleinen Pensen gearbeitet. Die Schei
dung wurde 2011 vollzogen, wobei die Beschwerdeführerin gemäss
Scheidungs
urteil auf Unterhalt für sich verzichtete und für das Kind, dessen elterliche Sorge sie innehat,
Fr.
650.-- beziehungsweise ab 2016
Fr.
750.--, ab 2021
Fr.
850.-- und ab 2025 bis zum ordentlichen Abschluss der Ausbildung des Kindes
Fr.
950.
- monatlich erhält (
Urk.
8/6).
Trotz dieser bescheidenen finanziellen Unter
stützung nahm sie ab November 2011 eine Tätigkeit im Umfang von lediglich 40
%
bei der Spitex auf, wobei sie gemäss IK-Auszug im Jahr 2012
Fr.
28'314.
-- erzielte (
Urk.
8/13).
Anlässlich der Haushaltabklärung (vgl. vorstehend E. 3.13)
teilte die Beschwer
deführerin zunächst mit, sie habe eine Erwerbsaufnahme angestrebt, nachdem ihr Sohn zwei Jahre alt gewesen sei. Sie habe ihren Lebensunterhalt eigenständig bestreiten, aber auch möglichst viel für ihren Sohn da sein wollen. Auch heute noch sei die Betreuung ihres Sohnes prioritär, aber sie wolle auch ohne das Sozialamt auskommen. Sie habe ihr Pensum ab Kindergarteneintritt
des Sohnes
auf 50
%
setzen und danach weiter steigern wollen, eventuell auf 80
%
ab Eintritt in die erste Klasse. Gleichzeitig teilte sie jedoch mit, dass auch bei guter Gesund
heit aus Betreuungsgründen vorläufig eher ein Pensum von 50
%
realistisch sei. In diesem Pensum würde sie ihr Kind
- nebst Schule und Hort -
auch
alleine zu Hause
lassen, was sie bei einem höheren Pensum nicht verantworten wolle. Sie strebe jedoch bei zunehmendem Alter des Kindes klar ein höheres Pensum an.
4.
4
Angesichts des Umstan
ds, dass die Beschwerdeführerin, auch wenn sie mit Jahr
gang 1988 erst eine kurze Erwerbsbiographie aufweisen kann,
weder vor noch nach der Geburt ihres Kindes je ein substantielles Erwerbspensum aufgenommen
und
innegehabt
hat, erscheint es trotz der bescheidenen finanziellen Verhältnisse - mindestens im massgeblichen Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung - ledig
lich als möglich, jedoch nicht als überwiegend wahrscheinlich, dass sie im Gesundheitsfall ihre Erwerbstätigkeit
bereits bei Eintritt des Kindes in die Primar
schule bis auf 80
%
gesteigert hätte. Sie hat denn ihre diesbezügliche Annahme bereits anlässlich des Abklärungsgesprächs relativiert und ging selbst von einem Pensum von 50
%
im Gesundheitsfall aus, da sie in
diesem Umfang ein Allein
lassen
des Kindes noch verantworten könnte. Zu gewichten ist auch ihre
glaub
hafte
Aussage, wonach die Betreuung des Kindes
Priorität hat
.
Praxisgemäss stellen die Gerichte im Bereich des Sozialver
sicheru
ngsrechts in der Regel auf die «
Aussagen der ersten Stunde
»
ab, denen in beweismässiger Hinsicht grösseres Gewicht zukommt als späteren Darstellungen, die bewusst oder unbewusst von nachträglichen Überlegungen versicherungs
rechtlicher oder anderer Art beein
flusst sein können (BGE 121 V 45 E. 2a, 115 V 133 E. 8c mit Hinweis).
So verhält es sich auch vorliegend.
Dementsprechend ist in Würdigung aller Umstände und
ausgehend von den Angaben der Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltab
klärung die Qualifikation der Beschwerdeführerin als zu 50
%
im Erwerbsleben und zu 50
%
im Haushalt tätig nicht zu beanstanden.
5.
5.1
Anlass zu Beanstandungen gibt jedoch die Abklärung der medizinischen Situa
tion.
Die Beschwerdeführerin meldete sich am 2
9.
Januar 2014 bei der Invalidenversi
cherung an, womit frühestens ab Juli 2014 ein Rentenanspruch hätte entstehen können. Das Wartejahr begann im Dezember 2013 zu laufen und endete im November 2014, womit ein Rentenanspruch ab Dezember 2014 zu prüfen wäre. Nachfolgend ist der Verlauf der Arbeitsunfähigkeit ab diesem Zeitpunkt näher zu betrachten. Unbestritten ist, dass die angestammte Tätigkeit als Spitex-Pflegehel
ferin nicht mehr zumutbar ist.
5.2
In somatischer Hinsicht liegen folgende Beurteilungen vor.
Dr.
B._
äusserte sich in seinem Bericht vom 1
9.
November 2014 (vorste
hend E. 3.3) nicht zur Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin, hielt jedoch fest, dass sich die radikulären Beschwerden nach der Diskektomie vom 1.
Juli 2014 bei noch bestehenden Restbeschwerden rückläufig zeigten.
5.3
Med. pract.
A._
äusserte sich in ihrem Bericht vom 2
3.
Januar 2015 (vorste
hend E. 3.4) nicht zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, hielt aber fest, wechselbelastende Tätigkeiten seien während zwei Stunden täglich zumut
bar. Im April 2016 und Juli 2016 ging sie von einer Arbeitsfähigkeit von zwei bis drei Stunden, allenfalls auf fünf Stunden steigerbar, in leichten bis mittelschwe
ren Tätigkeiten aus (vorstehend E. 3.7 und E. 3.9). Diese Berichte sind zu wenig genau begründet, als dass darauf abgestellt werden könnte, zumal med. pract.
A._
als Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin keine
abschliessende
orthopädische Beurteilung abzugeben vermag. Es kann daraus aber auch nicht auf eine volle Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten geschlossen werden.
RAD-Facharzt
Dr.
D._
ging im Mai 2016 von einem weiterhin instabilen Gesundheitszustand aus, weshalb eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit in ange
passter Tätigkeit nicht möglich sei (vorstehend E. 3.8). Diese Einschätzung gab er zu einem Zeitpunkt ab, zu dem das Wartejahr
bereits
seit fast eineinhalb Jahren abgelaufen war.
5.4
Im März 2017 wurde der Beschwerdeführerin mit vorerst sehr gutem Erfolg ein Hochfrequenz-Neurostimulator implantiert (vgl. vorstehend E. 3.10). Dieser Erfolg spiegelte sich in der Beurteilung durch die
Y._
-Gutachter, die die ange
stammte Tätigkeit als weiterhin nicht zumutbar, eine adaptierte, rückenschonende Tätigkeit aber
ab März 2017
als vollschichtig möglich erachteten.
Seit diesem Zeitpunkt sei die Beschwerdeführerin weitgehend beschwerdefrei
, was sie selbst anlässlich der Begutachtung bestätigen konnte
. Ob die Beschwerdeführerin
aber
zuvor, nämlich seit Dezember 2014, in angepassten Tätigkeiten arbeitsfähig gewesen ist, wurde aus somatischer Sicht nicht beurteilt
und erscheint doch als fraglich
. Ebenfalls wurde nicht beurteilt, in welchem Umfang die Beschwerde
führerin in der angestrebten Tätigkeit als medizinische Sekretärin arbeitsfähig ist, sondern
es wurde
lediglich
festgehalten
, dass sie
in dieser Tätigkeit
arbeitsfähig sei (vgl. vorstehend E. 3.11 sowie S. 34 f. des Gutachtens). Das Gutachten ver
mochte damit einzig eine Momentaufnahme zu zeigen. Der Verlauf de
r Arbeits
fähigkeit in angepassten Tätigkeiten bis zum Begutachtungszeitpunkt lässt sich aus diesem Gutachten nicht ablesen
.
Dementsprechend ist auch die Annahme von
Dr.
D._
, wonach die Beschwerdeführerin seit Dezember 2013 in angepassten Tätigkeiten zu 100
%
und ab Oktober 2014 zu 50
%
arbeitsunfähig gewesen sei, bevor ab April 2017 von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
für angepasste Tätig
keiten auszugehen sei (vgl. vorstehend E. 3.12), zu wenig schlüssig begründet. Immerhin ging aber die Beschwerdegegnerin im November 2014 davon aus, dass eine Arbeitsvermittlung aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sei (
Urk.
8/23).
5.5
Auch
die Frage der Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin aus psychischen Gründen
wurde zu wenig abgeklärt
.
Der psychiatrische Gutach
ter ging davon aus, es habe im Jahr 2016 eine mittelschwere bis schwere psychi
sche Beeinträchtigung infolge der depressiven Episoden bestanden, weshalb die Beschwerdeführerin von Dezember 2015 bis März 2017 für sämtliche Tätigkeiten zu 50
%
arbeitsfähig gewesen sei (vorstehend E. 3.11). Angaben zu den bei psychischen Erkrankungen im
Regelfall beachtlichen Standardindi
katoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) finden sich zwar im Gutachten (vgl.
S.
26 ff., S. 33), jedoch fehlt eine konkrete Auseinandersetzung mit den Auswir
kungen der Befunde auf die Arbeitsfähigkeit.
Wie in BGE 145 V 361 dargelegt, ist in allen Fällen durch die Verwaltung beziehungsweise das Gericht zu prüfen, ob und inwieweit die ärztlichen Experten ihre Arbeitsun
fähigkeits
schätzung unter Beachtung der massgebenden Indikatoren (Beweis
themen) hinreichend und nach
vollziehbar begründet haben. Dazu ist erforderlich, dass die Sachverständigen den Bogen schlagen zum vorausgehenden medizinisch-psychiatrischen Gutachten
steil (mit Aktenauszug, Anamnese, Befunden,
Diagnosen usw.), das heisst sie haben im Einzelnen Bezug zu nehmen auf die in ihre Kompetenz fallenden erho
benen medizinisch-psychiatrischen Ergebnisse fachgerechter klinischer Prüfung und Exploration. Ärztlicherseits ist also substanziiert darzulegen, aus welchen medizinisch-psychiatrischen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsvermögen und die psychischen Ressourcen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht zu schmälern vermögen. Der psychiatrische Sachverstän
dige hat darzutun, dass, inwiefern und inwieweit wegen der von ihm erhobenen Befunde die beruflich-erwerbliche Arbeitsfähigkeit eingeschränkt ist, und zwar - zu Vergleichs-, Plausibilisierungs- und Kontrollzwecken - unter Miteinbezug der sonstigen persönlichen, familiären und sozialen Aktivitäten der rentenanspre
chenden Person (E. 4.3
).
Die Annahme einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit «aufgrund der depressiven Epi
sode» (vgl. S. 32 unten f. und S. 34 des Gutachtens) genügt diesen Anforderungen nicht.
5.6
Wie sich
im
Zeitraum nach der Begutachtung zeigte, kann
zudem auch
weiterhin nicht von einem stabilen Gesundheitsschaden ausgegangen werden.
Wenige Monate nach der Begutachtung musste sich die Beschwerdeführerin mehreren Eingriffen im Bauchraum unterziehen (vgl. vorstehend E. 3.14)
und ist gemäss den Berichten der Fachleute des Sanatoriums
E._
(vgl. vorstehend E. 3.15 und E. 3.18) von einem Rezidiv der zum Zeitpunkt der Begutachtung am
Y._
als remittiert betrachteten depressiven Störung auszugehen, dessen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit ebenfalls unklar sind.
Insbesondere fehlt es
Dr.
D._
an der fachlichen Qualifikation, um diese Auswirkungen verlässlich zu beurteilen, weshalb auf seine Annahme einer behinderungsangepassten Arbeitsfähigkeit von 50
%
(vgl. vorstehend E. 3.20), soweit sie auf psychische Gründe zurückgeführt wird, nicht abgestellt werden kann. Auch seitens des Rückens ist eine fachärztli
che neutrale Beurteilung des Verlaufs notwendig, insbesondere da offenbar bereits ein Teilzeitpensum von 15 Stunden in einer wechs
elbelastenden Tätigkeit in einem Tankstellenshop
zu einer Exazerbation geführt hat (vgl. vorstehend E.
3.17).
Dr.
I._
schätzte die Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin als etwa zu 50
%
vermindert ein (vgl. vorstehend E. 3.19). Dieser sehr knapp gehal
tene Formularbericht reicht jedoch als Grundlage für die Beurteilung der Arbeits
fähigkeit nicht aus und vermag eine gründliche Abklärung nicht zu ersetzen.
5.7
Die
wenige Monate nach der Begutachtung am
Y._
erfolgte Abklärung im Haus
halt zeigt für
einzig
diesen Zeitpunkt ein schlüssiges Bild im Sinne einer Momentaufnahme, wie sie auch das
Y._
-Gutachten darstellt. Eine verlässliche Beurteilungsgrundlage f
ür den gesamten Zeitraum vor und nach der
Begutach
tung
bildet sie jedoch nach dem Gesagten nicht.
Mit anderen Worten ist nicht
beurteilbar, ob und in welchem Umfang die Beschwerdeführerin seit Dezembe
r 2014 und ab 2018 im Haushalt beeinträchtigt war.
Damit fehlt es an der Grundlage für einen Entscheid.
6.
6.1
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen, besonders wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht, GSVGer). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechtsmittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abgelehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der ent
scheidrele
vante Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
6.2
Vorliegend wurde der Sachverhalt ungenügend abgeklärt. Es ist nicht beurteilbar, ob und in welchem Umfang die Beschwerdeführerin ab Dezember 2014 in ange
passten Tätigkeiten arbeitsfähig war. Ebenso ist nicht auszuschliessen, dass im Zeitraum von
April 2017 bis Februar 2018 lediglich eine vorübergehende Ver
besserung eingetreten ist. Es ist deshalb angezeigt, die Sache an die Beschwerde
gegnerin zurückzuweisen, damit sie den Sachverhalt im gesamten Zeitraum ab Dezember 2014 polydisziplinär erneut abkläre und hernach gestützt auf eine Qua
lifikation von je 50
%
Erwerbs- und Haushalttätigkeit erneut über den Rentenan
spruch der Beschwerdeführerin verfüge. Das polydisziplinäre Gutachten wird sich auch zur Arbeitsfähigkeit im Haushalt im gesamten Zeitraum zu äussern haben. Allenfalls wird eine weitere Haushaltabklärung durchzuführen sein.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
7.
7.1
Die Gerichtskosten nach Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr.
9
00.-- anzusetzen und ausgangsgemäss der unterliegenden Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
7.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Ver
wal
tung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57 E. 2.2), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf
eine Prozessentschädigung hat.
Diese
wird gemäss
§ 34 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (GSVGer) ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens be
messen (§ 34 Abs. 3 GSVGer) und
ist
beim praxisgemässen Stun
denansatz von Fr. 220.-- (ohne MWSt)
ermessensweise
auf Fr. 2‘200.-- (inkl
.
MWSt und Auslagenersatz) fest
zusetzen.
7.3
Bei diesem Verfahrensausgang ist das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (
Urk.
1 S. 2) gegenstandslos.