# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 495961ed-51ff-41dc-9c78-97f0c5608ef3
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ J.T. geht zur Zeit keiner Erwerbstätigkeit nach. In der Steuererklärung für die
Hauptveranlagung 2006 deklarierte sie eine Darlehensschuld von Fr. 320'000.-- und
entsprechende Zinsen von Fr. 32'000.--. Gesamthaft betrug das angegebene
Einkommen Fr. 120'516.--. Das Kantonale Steueramt nahm einige Korrekturen vor,
insbesondere wurden die angegebenen Schuldzinsen von Fr. 32'000.-- nicht zum
Abzug zugelassen. Die Darlehensschuld wurde jedoch anerkannt. In der Folge wurde
J.T. für die Staats- und Gemeindesteuern 2006 mit einem steuerbaren Einkommen von
Fr. 160'500.-- und ohne steuerbares Vermögen veranlagt. Gegen diese Veranlagung
erhob J.T. mit Eingabe ihrer Vertreter vom 3. November 2008 Einsprache mit dem
Antrag, die deklarierten Schuldzinsen seien zum Abzug zuzulassen und das steuerbare
Einkommen auf Fr. 128'400.-- festzulegen. Die Einsprache wurde vom Kantonalen
Steueramt mit Entscheid vom 24. November 2008 abgewiesen.
B./ Gegen den Einspracheentscheid des Kantonalen Steueramts erhob J.T. mit
Eingabe ihrer Rechtsvertreter vom 24. Dezember 2008 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission. Sie stellte den Antrag, der Einspracheentscheid vom
24. November 2008 sei aufzuheben, die in der Steuererklärung deklarierten
Schuldzinsen von Fr. 32'000.-- seien zum Abzug zuzulassen und das steuerbare
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Einkommen für die Staats- und Gemeindesteuern 2006 sei auf Fr. 128'400.--
festzulegen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Mit Entscheid vom 22. Oktober 2009 wies die Verwaltungsrekurskommission den
Rekurs ab. Sie hob den Einspracheentscheid vom 24. November 2008 auf und
veranlagte J.T. für die Staats- und Gemeindesteuern 2006 mit einem steuerbaren
Einkommen von Fr. 160'400.-- und einem steuerbaren Vermögen von Fr. 20'000.--. Zur
Begründung wurde im Wesentlichen angeführt, für die Schuldzinsen sei die Beweislast
der Steuerpflichtigen aufzuerlegen, wobei im Falle von Zahlungen ins Ausland genauere
und vollständige Auskünfte erforderlich seien. Dabei sei festzustellen, dass eine
Quittung über die Auszahlung des relevanten Darlehens von Fr. 220'000.--, das bar an
die Mutter von J.T.-, T.E., ausbezahlt worden sei, nicht bestehe. Weiter liege auch
keine schriftliche Bestätigung von T.E. oder der angeblichen Darlehensgeberin, C.H.,
vor, dass die Darlehenssumme ausbezahlt wurde. Genauere Angaben über den Ort
und den Zeitpunkt der Zahlung oder die Verwendung der Darlehenssumme durch die
Mutter von J.T. bzw. betreffend die Einzahlung auf ein Bankkonto seien ebenfalls nicht
gemacht worden. Hinzu komme, dass T.E. im Jahr 2005 J.T. ein Darlehen von
Fr. 234'000.-- erlassen habe, im Folgejahr aber kurzfristig Geld gebraucht habe,
weshalb J.T. ihr die weitere Darlehensschuld von Fr. 220'000.-- (unter Aufnahme des
vorliegend relevanten Darlehens) habe zurückzahlen müssen. Dies sei widersprüchlich.
Des Weiteren habe J.T. trotz jährlicher Einkünfte aus Alimenten von Fr. 160'000.-- das
Darlehen um Fr. 100'000.-- erhöht. Nach Auszahlung dieser zusätzlichen
Darlehenstranche im Jahr 2007 in bar habe sie diese jedoch direkt der Mutter
übergeben, obwohl sie schon seit 2006 auch auf diesem Zusatzbetrag einen Zins von
10 Prozent bezahlt habe. Letztlich seien die umstrittenen Zinszahlungen im Jahre 2006
ebenfalls bar bezahlt und nur mittels rudimentären Quittungen belegt worden, wobei
ein lückenloser Nachweis mittels Bankauszügen über die entsprechenden Beträge
nicht existiere. Somit seien die Darlehensschuld von Fr. 320'000.-- bzw. die
Schuldzinsen von Fr. 32'000.-- nicht rechtsgenüglich bewiesen worden. Dass in den
früheren Jahren ein Darlehen zwischen J.T. und ihrer Mutter über Fr. 220'000.--
anerkannt worden sei, ändere daran nichts. Beim vorliegend relevanten Darlehen
handle es sich nicht um die gleiche mittels Forderungsabtretung übergegangene
Schuld, sondern um ein neues Darlehen. Letztlich sei ungeachtet der Beweislage zu
berücksichtigen, dass Fr. 100'000.-- des relevanten Darlehens erst per 2007 fällig
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
waren. Demzufolge seien die Zinsen auf dieser Darlehenstranche im Jahr 2006 nicht
zum Voraus als Schuldzinsen im Sinne von Art. 45 Abs. 1 lit. a des Steuergesetzes
(sGS 811.1, abgekürzt StG) zu qualifizieren.
C./ Mit Eingabe ihrer Rechtsvertreter vom 20. November 2009 erhob J.T. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, der Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission vom 22. Oktober 2009 sei aufzuheben, es seien das
Darlehen in der Höhe von Fr. 220'000.-- sowie Schuldzinsen im Umfang von
Fr. 32'000.-- zum Abzug zuzulassen und das steuerbare Einkommen sei auf
Fr. 128'400.-- und das steuerbare Vermögen auf null Franken festzulegen, alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird angeführt, bis im Jahre 2004
habe ein Darlehensvertrag zwischen der E. AG und J.T. in der Höhe von Fr. 216'000.--
bestanden. Dieser sei im Jahre 2005 von der Mutter von J.T. übernommen und auf
Fr. 220'000.-- aufgestockt worden. Diese Darlehen und die entsprechenden Zinsen
seien jeweils steuerrechtlich deklariert und von der Steuerbehörde vorbehaltlos
anerkannt worden. Im Jahre 2006 habe J.T. ihrer Mutter das Darlehen zurückbezahlt
unter gleichzeitiger Aufnahme eines neuen Darlehens in gleicher Höhe (bzw. mit einer
Erhöhung von Fr. 100'000.-- für das Jahr 2007) bei der in Österreich wohnhaften C.H.
Das ursprüngliche Darlehensverhältnis sei konsequenterweise in der Steuererklärung
von der Mutter von J.T. und J.T. selber nicht mehr aufgeführt worden. Würde nun das
neue Darlehen mit C.H. nicht anerkannt, sei es nicht nachvollziehbar, wie die
ursprüngliche Darlehensschuld zwischen J.T. und ihrer Mutter aufgelöst worden sei,
betrage das Einkommen von J.T. für das Jahr 2006 doch nur Fr. 132'466.--. In diesem
Zusammenhang sei nicht nachvollziehbar, weshalb es nicht entscheidend sein solle,
dass das getilgte Darlehen zwischen J.T. und ihrer Mutter in den vergangenen Jahren
steuerrechtlich anerkannt worden sei. Zwar handle es sich beim streitigen Darlehen
zwischen J.T. und C.H. um ein neues Darlehen, doch bestehe wirtschaftlich eine
Identität mit dem ursprünglichen Darlehen zwischen J.T. und ihrer Mutter. Zum Beweis
dieser Angaben sei dann nachträglich die schriftliche Bestätigung der Mutter von J.T.
eingeholt worden, dass sie die Darlehenssumme von Fr. 220'000.-- von C.H. (als
Tilgung der Darlehensforderung gegenüber J.T.) erhalten habe. Des Weiteren werde
auch die Bestätigung von C.H. nachgereicht, dass sie die Darlehenssumme von Fr.
220'000.-- bar der Mutter von J.T. übergeben habe. Die entsprechenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zinszahlungen seien hingegen durch die der Vorinstanz eingereichten Quittungen
bewiesen und mittels der neu aufgezeigten Bankbezüge von J.T. auch nachvollziehbar.
Die Vorinstanz liess sich mit Eingabe vom 10. Dezember 2009 zur Beschwerde

## Considerations

vernehmen und beantragte deren Abweisung mit Verweis auf die Erwägungen des
angefochtenen Entscheids.
Am 14. Dezember 2009 reichte die Beschwerdeführerin die Bestätigung von C.H. nach,
wonach diese anfangs 2006 der Mutter der Beschwerdeführerin Fr. 220'000.-- bar
übergeben habe. Dabei sei es um die Ablösung des Darlehensverhältnisses zwischen
der Beschwerdeführerin und deren Mutter gegangen.
Das Kantonale Steueramt verzichtete mit Schreiben vom 6. Januar 2009 auf eine
Vernehmlassung und verwies auf den angefochtenen Entscheid.
Auf die weiteren Vorbringen der Beteiligten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 196 Abs. 1
StG; Art. 59 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt VRP). Die Beschwerdeführerin ist zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert, und die Eingabe vom 20. November 2009 entspricht zeitlich, formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 196 Abs. 1 und Art. 161 StG in
Verbindung mit Art. 64 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Damit ist auf die Beschwerde
einzutreten.
2. Gemäss Art. 45 Abs. 1 lit. a StG können private Schuldzinsen, soweit sie nicht als
Anlagekosten gelten, im Umfang der nach Art. 33, 33bis und 34 StG steuerbaren
Vermögenserträge zuzüglich Fr. 50'000.–- von den Einkünften abgezogen werden. Vom
steuerbaren Vermögen können nachgewiesene Schulden, für die der Steuerpflichtige
allein haftet, voll abgezogen werden; andere Schulden, wie Solidar- und
Bürgschaftsschulden, nur insoweit, als sie der Steuerpflichtige tragen muss (Art. 62
StG).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.1. Schuldzinsen im Sinne von Art. 45 Abs. 1 lit. a StG sind alle Vergütungen, welche
die steuerpflichtige Person einer Drittperson für die Gewährung einer Geldsumme zu
leisten hat. Die Vergütung muss nach Zeit und als Quote der Geldsumme in Prozenten
berechnet werden und darf somit keine Tilgung der Kapitalschuld darstellen; das
Bestehen einer Kapitalschuld bzw. Kapitalbezogenheit ist demzufolge grundsätzlich
unabdingbare Voraussetzung für einen Schuldzins (M. Reich, in: Zweifel/Athanas
(Hrsg.), Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl., Basel 2002, N
32 f. zu Art. 9 des Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der
Kantone und Gemeinden, SR 642.14, abgekürzt StHG, mit weiteren Hinweisen).
Schuldzinsen sind abzugsfähig in dem Zeitpunkt, in dem sie fällig werden, eine
Bezahlung ist im Regelfall nicht vorausgesetzt. Werden Schuldzinsen vor Fälligkeit
bezahlt, sind sie bereits bei der Zahlung abzugsfähig (Zigerlig/Jud, in: Zweifel/Athanas
(Hrsg.), Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. Aufl., Basel 2008,
N 12c zu Art. 33 DBG).
2.2. Die Sachverhaltsermittlung im Veranlagungsverfahren wird vom
Untersuchungsgrundsatz beherrscht (Art. 176 StG). Im Rahmen der
Sachverhaltsfeststellung hat die Veranlagungsbehörde zu beurteilen, ob sich die
feststellungsbedürftigen Tatsachen verwirklicht haben oder nicht. Dabei hat sie sich
vom Grundsatz der freien Beweiswürdigung leiten zu lassen (M. Zweifel, in: Zweifel/
Athanas (Hrsg.), a.a.O., N 22 zu Art. 46 StHG; BGer 2A.500/2002 neues Fenster vom
24. März 2003, E. 3.5). Damit die Veranlagungsbehörde ihrer Untersuchungspflicht
nachkommen kann, ist die steuerpflichtige Person verpflichtet, an der Untersuchung
mitzuwirken (Art. 170 StG; Weidmann/Grossmann/Zigerlig, Wegweiser durch das st.
gallische Steuerrecht, 6. Aufl., Muri-Bern 1999, S. 380 f.).
2.3. Von der Beweisführungslast (sog. subjektive Beweislast) ist die objektive
Beweislast zu unterscheiden. Dabei geht es um die Frage, zu wessen Nachteil es sich
auswirkt, wenn ein behaupteter Sachverhalt unbewiesen bleibt. Die Frage der
objektiven Beweislast stellt sich unabhängig davon, ob ein Verfahren von der
Untersuchungs- oder Verhandlungsmaxime beherrscht wird. Die Steuerbehörde trägt
die Beweislast für Tatsachen, welche die Steuerschuld begründen oder mehren, der
Steuerpflichtige für Tatsachen, welche die Steuerschuld aufheben oder mindern
(Weidmann/ Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 379 f.).
https://www.swisslex.ch/slwl/search/Document.asp?DocService=DocLink&D=AZAx2Ax500x2002&AnchorTarget=
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.4. Immerhin kann sich die objektive Beweislast praktisch in Verbindung mit der
besagten Mitwirkungspflicht als Ausnahme von der Untersuchungsmaxime auswirken.
Das kommt besonders zum Ausdruck in den Schranken der behördlichen
Untersuchungspflicht. So führt etwa die Verweigerung der Kooperation bei der
Abklärung eines Sachverhalts, der nach Darstellung des Steuerpflichtigen einem von
ihm geltend gemachten Abzug zugrunde liegt, zur Nichtberücksichtigung des Abzugs
(Weidmann/Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 380 f.)
Auch im Rechtsmittelverfahren gilt grundsätzlich der Untersuchungsgrundsatz. In der
Vornahme eigener Untersuchungshandlungen übt das Verwaltungsgericht jedoch
grosse Zurückhaltung, wobei wiederum die Grenzen der Mitwirkungspflicht zu
beachten sind (U. Cavelti, in: Zweifel/Athanas (Hrsg.), Kommentar zum
Schweizerischen Steuerrecht, Band I/1, 2. Aufl., Basel 2002, N 17 zu Art. 50 StHG;
Weidmann/ Grossmann/Zigerlig, a.a.O., S. 394 f.; vgl. dazu auch Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 610 ff.).
2.5. Zum Beweismass ist festzuhalten, dass im internationalen Verhältnis an den
Nachweis der von den Steuerpflichtigen geltend gemachten Zinszahlungen besonders
strenge Anforderungen gestellt werden können, da diese nicht einfach nachzuprüfen
sind (nicht publizierter VerwGE B 20/1994 vom 22. August 1994, E. 4b; P. Locher,
Kommentar zum DBG, I. Teil, Therwil/Basel 2001, N 15 zu Art. 33 DBG, mit weiteren
Hinweisen). Im Falle von Provisionszahlungen ins Ausland sind gemäss Bundesgericht
beispielsweise nicht nur der Zahlungsempfänger zu nennen, sondern es sind die
gesamten Umstände darzulegen, die im konkreten Fall zu deren Ausrichtung geführt
haben; insbesondere sind die Verträge der jeweiligen Grundgeschäfte sowie allfällige
schriftliche Provisionsvereinbarungen mit den Zahlungsempfängern, ferner die
lückenlos dokumentierte Korrespondenz mit den Zahlungsempfängern und den
allenfalls involvierten Banken vorzuweisen (BGer 2C_377/2009 vom 9. September
2009, E 2.3 mit weiteren Hinweisen). Bei Unterstützungsleistungen ins Ausland hat das
Bundesgericht festgehalten, dass bei fehlenden Post- oder Bankbelegen es dem
Steuerpflichtigen zuzumuten sei, zumindest eine schriftliche Bestätigung (Quittung) des
Empfängers beizubringen und in geeigneter Form (beispielsweise über behördliche
Bestätigungen) nachzuweisen, dass der Empfänger den Unterstützungsbetrag aus der
Schweiz erhalten hat (BGer 2A.609/2003 vom 27. Oktober 2004, E. 2.3 mit Hinweis auf
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Weisung vom 20. September 2000 der Finanzdirektion des Kantons Zürich über
Sozialabzüge und Steuertarife, in: nZStB I Nr. 20/2001, die festhält, dass bei
Geldzahlungen ins Ausland grundsätzlich die Post- oder Bankbelege zu verlangen sind
und Quittungen über Barzahlungen an Empfänger mit Wohnsitz im Ausland
grundsätzlich nicht als Beweismittel für Unterstützungsleistungen angenommen
werden).
2.6. Die in einer früheren Steuerperiode getroffenen Verfügungen entfalten
grundsätzlich keine Rechtskraft für spätere Veranlagungen. Vielmehr kann die
Steuerbehörde im Rahmen jeder Neuveranlagung eines Steuerpflichtigen sowohl die
tatsächliche als auch die rechtliche Ausgangslage vollumfänglich überprüfen und,
soweit erforderlich, abweichend würdigen. In Rechtskraft erwächst jeweils nur die
einzelne Veranlagung, die als befristeter Verwaltungsakt ausschliesslich für die
betreffende Steuerperiode Rechtswirkungen entfaltet. Die späteren Veranlagungen sind
daher jederzeit einer erneuten umfassenden Überprüfung zugänglich (BGer 2P.
153/2002 vom 29. November 2002, E. 4.2; Entscheid des Bundesgerichts vom 17. Juli
1996, in: StE 1997, B 93.4 Nr. 4 mit Hinweisen auf die Lehre). Es liegt im Wesen der
periodischen Veranlagung, dass die Steuerbehörde die Möglichkeit erhält, jeweils eine
neue Beurteilung vorzunehmen und auch allfällige frühere Fehlleistungen zu korrigieren
bzw. nicht mehr zu wiederholen; darin liegt kein widersprüchliches Verhalten, sondern
es ist Ausprägung der Gesetzmässigkeit im Steuerrecht (Richner/Frei/Kaufmann/
Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl., Zürich 2009, N 80 VB zu Art. 109-121
DBG). Der Grundsatz von Treu und Glauben findet zwar im öffentlichen Recht und
insbesondere auch im Steuerrecht Anwendung. Allerdings ist seine Tragweite im
Steuerrecht, das vom Grundsatz der Gesetzmässigkeit der Besteuerung beherrscht ist,
geringer als in anderen Rechtsgebieten (Entscheid des Bundesgerichts vom 3. Mai
1999, in: StE 2000 A 21.14, Nr. 13, E. 2b; Blumenstein/Locher, System des
schweizerischen Steuerrechts, 6. Aufl., Zürich 2002, S. 28 mit Hinweisen auf die
Rechtsprechung).
2.7. Vor Verwaltungsgericht besteht grundsätzlich ein beschränktes Novenrecht bzw.
ein Verbot neuer Begehren (Art. 61 Abs. 3 VRP; Beschränkung auf unechte Noven, vgl.
dazu Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 642 ff.). Bei den Staats- und Gemeindesteuern gelten
diese Beschränkungen gemäss Art. 196 Abs. 2 StG nicht.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.8. Das Verwaltungsgericht überprüft im Rahmen der Beschwerde von Art. 196 StG
die Feststellungen des Sachverhalts grundsätzlich frei und ist somit nicht an die
Beweiswürdigung der Vorinstanz gebunden (Art. 61 Abs. 2 VRP; Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 631).
3. Streitig ist im Beschwerdeverfahren die Frage, ob das geltend gemachte Darlehen
zwischen der Beschwerdeführerin und C.H. tatsächlich besteht bzw. ob die
entsprechenden Zinsen von Fr. 32'000.-- im Jahr 2006 bezahlt worden sind.
3.1. Fest steht einerseits, dass in den Jahren vor 2006 ein Darlehensverhältnis
zwischen der Beschwerdeführerin und ihrer Mutter bzw. der E. GmbH von der
Steuerbehörde jeweils steuerrechtlich anerkannt wurde. Gemäss den obigen
Ausführungen (E. 2.6) ist die Steuerbehörde an frühere Veranlagungen nicht gebunden.
Daran ändert auch die teilweise in der Lehre und kantonalen Praxis vertretene Meinung
nichts, dass Veranlagungen in Vorperioden eine gewisse Auswirkung auf die hängige
Periode haben können, insbesondere, dass bei gleichbleibenden Verhältnissen nicht
mit wesentlich anderen und schärferen Beweisanforderungen gerechnet werden muss,
ohne vorherige Bekanntgabe bzw. Übergangsfrist (Känzig/Behnisch, Die direkte
Bundessteuer, 2. Aufl., III. Teil, Basel 1992, N 21 zu Art. 88 DBG; StE 1985 B 93.3 Nr.
2). Tatsächlich besteht vorliegend im Vergleich zu den Vorperioden ein neues Darlehen
mit einem internationalen Bezug. Auch unter der Annahme, dass eine gewisse
wirtschaftliche Konnexität zwischen dem alten (vor 2006 anerkannten) und dem neuen
Darlehensverhältnis besteht, kann nicht von einer Nachwirkung der Veranlagungspraxis
in den Vorperioden im Sinne des Vertrauensprinzips ausgegangen werden. Es liegen
auch insofern veränderte Verhältnisse vor, als das neue Darlehen um Fr. 100'000.--
erhöht wurde. Dass ein Darlehen mit einer Partei in einer Vorperiode bestand, sagt
denn auch nichts darüber aus, ob und insbesondere in welchen Umfang in der Folge
Zinsen auf ein grundsätzlich wirtschaftlich zusammenhängendes Darlehen mit einer
anderen Partei bezahlt werden. Die Zinsen müssen jedes Jahr nachgewiesen werden,
wobei bei veränderten Verhältnissen wie Zahlungen ins Ausland erhöhte
Beweisanforderungen gestellt werden können. Insofern kann entgegen den Vorbringen
der Beschwerdeführerin aufgrund der Veranlagungen in den Vorperioden nicht auf den
Bestand der vorliegend geltend gemachten Zinszahlungen geschlossen werden bzw.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Feststellung, die Zinszahlungen seien nicht rechtsgenüglich nachgewiesen,
verstösst unter den gegebenen Umständen nicht gegen Treu und Glauben.
3.2. In tatsächlicher Hinsicht ist ein schriftlicher und eigenhändig unterschriebener
Darlehensvertrag zwischen der Beschwerdeführerin und C.H. aktenkundig. Im
besagten Vertrag, mit Datum vom 10. Dezember 2005, wird ein Darlehen in der Höhe
von Fr. 320'000.-- mit Zinssatz von 10 Prozent ab dem 1. Januar 2006 (auf den ganzen
Betrag) vereinbart. Dabei soll eine Zahlung in der Höhe von Fr. 220'000.-- direkt an T.E.
erfolgen; die restlichen Fr. 100'000.-- (im Vertrag ist eine Summe von Fr. 1'000'000.--
aufgeführt, wobei es sich um einen Schreibfehler handelt) sollen hingegen per
1. Januar 2007 an die Beschwerdeführerin ausbezahlt werden. Ab 1. Januar 2013 soll
eine jährliche Amortisation in der Höhe von Fr. 20'000.-- erfolgen. Des Weiteren reichte
die Beschwerdeführerin vor Verwaltungsgericht mit der Beschwerde neu eine
schriftliche Auskunft von T.E. vom 19. November 2009 ein. Diese bestätigt, anfangs
2006 von C.H. den Betrag von Fr. 220'000.-- in bar erhalten zu haben, wobei es sich
um die Ablösung eines Darlehens zugunsten der Beschwerdeführerin gehandelt habe.
Gemäss dieser Bestätigung wurde auf eine Quittung verzichtet, da C.H. eine Bekannte
der Familie sei. Gemäss diesem Schreiben kann sich die Ausstellerin an den genauen
Zeitpunkt der Übergabe nicht mehr erinnern. Sodann wurde dem Gericht eine
schriftliche Bestätigung von C.H. vom 12. Dezember 2009 eingereicht, welche festhält,
dass sie T.E. anfangs 2006 den Betrag von Fr. 220'000.-- bar übergeben habe; es sei
auf eine Quittung verzichtet worden und deswegen könne sie sich nicht mehr an den
genauen Zeitpunkt der Übergabe erinnern. Hinsichtlich der einzelnen Zinszahlungen
liegen jeweils handschriftliche Quittungen vor. Dazu wurde dem Verwaltungsgericht
neu auch eine Bezugsliste vom Konto der Beschwerdeführerin eingereicht.
In Würdigung dieser tatsächlichen Feststellungen lässt sich erstens festhalten, dass
gemäss den obigen Ausführungen die neuen Eingaben vor Verwaltungsgericht zu
berücksichtigen sind. Konkret ist festzustellen, dass die gemäss Quittungen und
Bankauszügen behaupteten Zinszahlungen nicht in regelmässigen Zeitabschnitten
erfolgten und auch umfangmässig nicht einheitlich waren. Die nachgewiesenen Bezüge
entsprechen somit eher dem Muster von alltäglichen Barbezügen als der Zahlung eines
Darlehenszinses. Des Weiteren ist festzustellen, dass der Bezug für die erste
angebliche Zinszahlung über Fr. 22'000.-- bereits am 27. August 2005 erfolgte,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
während die Zahlung erst am 17. Januar 2006 quittiert wurde. Auch unter der
Annahme, der Bezug sei entsprechend den Angaben der Beschwerdeführerin zuerst zu
einem anderen Zweck als für die Zinszahlung vorgenommen worden, ist es nicht
nachvollziehbar, dass die relativ hohe Geldsumme auch nach dem Wegfall des
ursprünglichen Verwendungszwecks bis zur Darlehensgewährung bar aufbewahrt
wurde. Sodann ist es wirtschaftlich schwer nachvollziehbar, dass praktisch gleichzeitig
mit der Auszahlung des Darlehens in der Höhe von Fr. 220'000.-- eine erste
Zinszahlung in der Höhe von Fr. 22'000.-- erfolgt sein soll. Nach der allgemeinen
Lebenserfahrung ist es zudem unüblich, dass die Auszahlung der Darlehenssumme von
Fr. 220'000.-- ohne eine Quittung bzw. einen schriftlichen Nachweis erfolgte. Dies gilt
auch unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die Beteiligten miteinander bekannt
sind. Der Verzicht auf die Quittierung der Auszahlung der Darlehenssumme ist auch
insofern widersprüchlich, als er wie erwähnt damit begründet wird, die Parteien seien
miteinander bekannt, während die Konditionen des Darlehens, die Höhe des Zinses,
vergleichsweise sehr hoch angesetzt wurde. Wirtschaftlich wenig sinnvoll ist auch der
Umstand, dass der Darlehensvertrag über die Fr. 220'000.-- zusätzliche Fr. 100'000.--
zahlbar per 2007 vorsah, diese jedoch trotz Verzinsung zu 10 Prozent ab 2006 (also
noch vor der tatsächlichen Auszahlung) zuerst T.E. weiter verliehen wurden und später
auf ein Festgeldkonto – das wohl einen erheblich geringeren Zins als 10 Prozent
vorsieht - einbezahlt wurden. Diese Besonderheiten erwecken erhebliche Zweifel, dass
der Darlehensvertrag einer üblichen geschäftlichen bzw. wirtschaftlichen Beziehung
zwischen zwei Privatpersonen entspricht. Namentlich sind die unvorteilhaften
Konditionen für die Beschwerdeführerin nicht plausibel begründet. Auch für Personen
mit wenig Kenntnissen in Buchhaltung und Steuern sind Darlehenszinsen von 10
Prozent aussergewöhnlich. Solche Zinsen sind bei Kleinkrediten üblich. Die
Beschwerdeführerin befand sich indessen nicht in einer Zwangslage, in der ihr nichts
anderes übrig blieb, als derart unvorteilhafte Konditionen einzugehen. Namentlich das
Argument der Beschwerdeführerin, sie habe sich den Rücken frei von finanziellen
Sorgen halten wollen, steht im Widerspruch zu ihrem tatsächlichen Handeln.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Gesamtumstände der vorliegenden
Transaktion, insbesondere die Barabwicklung der Geschäfte sowie ihre wirtschaftliche
Rechtfertigung, nach allgemeiner Lebenserfahrung unüblich und nicht nachvollziehbar
sind. Auch unter Berücksichtigung der neu eingereichten Bestätigungen der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Darlehensgeberin sowie der faktischen Empfängerin der Darlehenssumme und der
Bankbezüge der Beschwerdeführerin erachtet das Gericht den Beweis des
Darlehensverhältnisses bzw. der Zinszahlungen in der Höhe von Fr. 32'000.-- nicht als
erbracht. Unter den erwähnten besonderen Umständen der Transaktion rechtfertigt
sich insbesondere bei einem internationalen Bezug ein strenges Beweismass.
Erforderlich wären einerseits nachvollziehbare Angaben über den wirtschaftlichen
Hintergrund des Geschäftes bzw. über die genannten unüblichen Umstände von
dessen Vollzug und Ausgestaltung. Anderseits ist eine Bestätigung der Tatsachen
seitens der Darlehensgeberin in geeigneter Form, beispielsweise durch deren
Steuererklärung bzw. durch Bankauszüge erforderlich, dass die Schuldzinsen
vereinnahmt wurden bzw. die Darlehenssumme bezahlt wurde. Dabei ist nicht eine
lückenlose Steuerdeklaration erforderlich, es würde ein teilweiser Auszug genügen, aus
dem der Sachverhalt hinreichend hervorgeht. Im übrigen ist auf Zeugeneinvernahmen
zu verzichten, da solche Einvernahmen aufgrund der gegenwärtigen Aktenlage wohl
nur die schriftlichen Angaben bestätigen würden. Erforderlich sind aber Sachbeweise,
welche die behaupteten Tatumstände glaubhaft erscheinen lassen.
3.3. Abschliessend ist somit festzuhalten, dass die für das Jahr 2006 die von der
Beschwerdeführerin geltend gemachten Zinszahlungen in der Höhe von Fr. 32'000.--
und die geltend gemachte Darlehensschuld von Fr. 220'000.-- zu Recht nicht steuerlich
zum Abzug zugelassen bzw. als Schuld anerkannt wurden. Demzufolge ist die
Beschwerde abzuweisen.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen. Die Beschwerdeführerin ist
unterlegen (Art. 98bis VRP), und der Beschwerdegegner hat keinen Anspruch auf
Kostenersatz (vgl. R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 176).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Demnach hat das Verwaltungsgericht