# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7ce768b4-2a69-48f6-b78b-a5c4c0964f35
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1951, wohnhaft in B._, war (insoweit anerkannt)
bei der Schweizerischen Mobiliar Versicherungsgesellschaft AG
(nachfolgend Mobiliar) über seine Arbeitgeberin, die
Stockwerkeigentümergemeinschaft C._ in B._, obligatorisch
unfallversichert, als er am 27. Juli 2020 beim Rasenmähen als Hauswart
bei einem Fehltritt mit dem linken Knie umknickte, sofort Schmerzen
verspürte und in der Bewegung eingeschränkt war. Die Erstbehandlung
erfolgte am 28. Juli 2020 im Spital D._, (nachfolgend D._) wo am
linken Knie eine Meniskusläsion medialis nach Kniedistorsion
diagnostiziert (Diagnosecode M23.33) wurde. Im MRI-Bericht des
D._ vom 30. Juli 2020 wurde die Diagnose einer Meniskusläsion
bestätigt und ein radiärer Riss am freien Rand des Innenmeniskus mit
umgeschlagenem Lappenfragment im medialen Gelenkrecessus sowie
eine zweitgradige Ruptur des medialen Kollateralbandes beurteilt. Nach
der Konsultation im D._ vom 5. August 2020, bei der eine
symptomatische mediale Meniskusläsion mit nach medial
eingeschlagenem Meniskuslappen beurteilt wurde, erfolgte im D._
am 10. August 2020 eine Kniegelenksarthroskopie mit medialer
Teilmeniskektomie.
2. Nach Vorlage der Akten an den beratenden Arzt, Dr. med. E._,
Facharzt für Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, lehnte die Mobiliar
mit Verfügung vom 30. September 2020 ihre Leistungspflicht ab und
verneinte das Vorliegen eines Unfalls sowie eine Leistungspflicht aufgrund
der vorliegenden unfallähnlichen Körperschädigung (Meniskusriss), da
diese vorwiegend (zu mehr als 50 %) auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen sei.
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3. Dagegen erhob A._ mit Schreiben vom 19. Oktober 2020 Einsprache,
die mit Einspracheentscheid vom 1. Dezember 2020 abgewiesen wurde.
Begründend führte die Mobiliar im Wesentlichen an, dass es am
ungewöhnlichen äusseren Faktor fehle und deshalb kein Unfall im Sinne
von Art. 4 ATSG vorliege. Mit dem Meniskusschaden liege zwar eine
unfallähnliche Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2 lit. c UVG vor, da
diese aber mit überwiegender Wahrscheinlichkeit als Folge
krankheitsbedingter und chronisch degenerativer Veränderungen zu
erachten sei, bestehe kein Leistungsanspruch.
4. Mit dagegen erhobener Beschwerde vom 14. Januar 2021 an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden beantragte A._
(nachfolgend Beschwerdeführer), der Einspracheentscheid vom
1. Dezember 2020 sei aufzuheben und dem Beschwerdeführer die
beantragte Leistung wegen Unfalls auszurichten; eventualiter sei der
medizinische Sachverhalt weiter fachärztlich abzuklären; alles unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Beschwerdegegnerin.
Der Beschwerdeführer machte im Wesentlichen geltend, dass er am
27. Juli 2020 durch einen Fehltritt beim Rasenmähen, durch den er sich
das linke Knie verdrehte, einen Meniskusriss erlitten und sofort starke
Schmerzen verspürt habe. Die Beschwerdegegnerin anerkenne, dass es
sich bei der Art der erlittenen Verletzung um eine unfallähnliche
Körperschädigung im Sinne von Art. 6 Abs. 2 lit. c UVG handle. Ebenso
zutreffend zitiere die Beschwerdegegnerin das medizinisch dokumentierte
Trauma. Die Stellungnahme des Versicherungsmediziners vom
27. August 2020 bestehe aus vier Sätzen. Die zwei sich inhaltlich mit der
Frage degenerativ oder unfallkausal auseinandersetzenden Sätze gäben
wieder, dass "im OP-Bericht degenerative Veränderungen im linken
Kniegelenk beschrieben werden, insbesondere medial. In diesem Kontext
sei der grosse Lappenriss des Meniskus als chronisch und nicht
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unfallkausal zu werten." Die Stellungnahme gehe in keiner Weise auf die
Art der degenerativen Schäden ein, verliere kein Wort über den Anteil
dieser Schäden und erkläre auch nicht die Auswirkungen solcher Schäden
auf die vorliegende Verletzung. Damit genüge die Stellungnahme den an
einen ärztlichen Bericht oder Gutachten zu stellenden Anforderungen
nicht. Die zwei sich inhaltlich mit der Verletzung befassenden Sätze des
Gutachters seien zwar eventuell in Kenntnis der Vorakten ergangen, diese
seien jedoch in der Beschreibung der medizinischen Situation und den
Zusammenhängen keineswegs einleuchtend, ebenso wenig sei eine
Schlussfolgerung mit Diagnose und Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit
korrekt begründet worden. Die offensichtlich und objektiv bestehenden
Zweifel an der Schlüssigkeit der versicherungsmedizinischen
Stellungnahme machten weitere, ergänzende Abklärungen erforderlich
(BGE 122 V 157 E.1d mit weiteren Nachweisen). Damit gelinge der
Beschwerdegegnerin der Gegenbeweis, dass die erlittene Verletzung
vorwiegend auf Abnützung beruhe (vgl. 8C_22/2019 vom 24. September
2019), nicht.
5. In der Beschwerdeantwort vom 3. März 2021 schloss die Mobiliar
(nachfolgend Beschwerdegegnerin) unter Verweis auf den
Einspracheentscheid auf Abweisung der Beschwerde. Sie machte im
Wesentlichen geltend, dass gemäss der Police G-0157-6711 vom 12.
Oktober 2018 für die Jahre 2019 bis 2021 wie auch dem Antrag und den
definitiven Abrechnungen lediglich eine Frau mit einem Lohn von
CHF 8'000.-- und reiner Deckung für Berufsunfälle (BU) ohne
Nichtberufsunfälle (NBU), jedoch kein Mann (vgl. Lohnsumme CHF 0.--)
angestellt gewesen sei. Aufgrund des IK-Auszuges vom 11. November
2020, woraus ein Jahreslohn von CHF 7'678.-- hervorgehe, werde jedoch
nicht in Frage gestellt, dass der Beschwerdeführer nebst oder anstelle
seiner Ehefrau als Hauswart angestellt gewesen sei oder die Arbeit
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gemeinsam mit ihr verrichtet habe. Streitig sei, ob der Meniskusriss frisch
und plötzlich entstanden sei, klinge doch die Äusserung des
Beschwerdeführers vom 10. August 2020, wonach er sich "vielleicht das
Bein verdreht" habe, eher nach einer Mutmassung (Hypothese) resp.
Rückfolgerung aufgrund des Stichs und der anschliessenden
eingeschränkten Beweglichkeit sowie des bildgebenden Befunds. Der
Beschwerdeführer habe bei der ergänzenden Befragung nach dem
Hergang, ob sich etwas Ungewöhnliches zugetragen hätte, wie z.B. ein
Stolpern
oder Ausgleiten, nichts Entsprechendes behauptet. Bei der späteren
Behauptung vom 20. Oktober 2020, wonach er aufgrund einer
"Bodenunebenheit" für einen Moment das "Gleichgewicht verloren" und
sich durch eine ungünstige reaktive Beinbewegung vor einem Sturz
gerettet habe, handle es sich offensichtlich um eine hinterhergeschobene,
nicht plausible Schutzbehauptung. Nicht bestritten werde indes die
Druckdolenz über dem medialen Gelenkspalt, was bei Manifestation einer
Blockade infolge eines medialen Meniskusschadens üblich sei. Zutreffend
sei auch, was die Aussenrotation betreffe, dass das Kniegelenk nicht stabil
bzw. das Innenband insuffizient gewesen sei. Jedoch sei dem Bericht von
Dr. med. F._ und Dr. med. G._ vom D._ zu entnehmen,
dass "keine Rötung oder Überwärmung" vorgelegen habe, wie dies bei
einer frischen Bandläsion zu erwarten wäre, und "nur ein geringer Erguss"
bestanden habe, wie er auch bei chronischer Reizung auftreten könne.
Zutreffend sei auch, dass bildgebend gemäss MRI-Bericht von Dr. med.
H._ und Dr. med. I._ vom 30. Juli 2020 ein Innenmeniskusriss
am Übergang des Hinterhorns zur Pars intermedia mit einem
umgeschlagenen Lappen festzustellen gewesen sei, wobei der
Gelenkerguss aber gering gewesen sei. Zudem sei auch eine
"zweitgradige Ruptur des Innenbandes" ausgewiesen, wobei es sich eben
kaum um einen frisch und plötzlich entstandenen Zustand gehandelt habe,
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wäre dann – abgesehen von der abweichenden Bildgebung – ein
deutlicher Bluterguss (seriöser Erguss) zu erwarten gewesen. Ebenso
werde nicht bestritten, dass Dr. med. J._ am 10. August 2020 wegen
einer "symptomatisch gewordenen" Meniskusläsion nach anamnestischer
Distorsion vom 27. Juli 2020 eine Kniearthroskopie mit medialer
Teilmeniskektomie durchgeführt habe. Der beratende Arzt, Dr. med.
E._, habe sich bei seinem Bericht auf die Akten gestützt. Bestritten
werde, dass die Beschwerdegegnerin eine "unfallähnliche
Körperschädigung" anerkannt habe, sie habe weder einen Unfall im
Rechtssinne noch einen Kausalzusammenhang mit einem aktuellen
Trauma anerkannt. Anerkannt worden sei lediglich, dass Befunde im
Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG zur Debatte stünden, was den Meniskus und
den Bandapparat anbelangten. Bestritten werde aber, dass der erhobene
Zustand frisch und plötzlich entstanden sei; es sei überwiegend
wahrscheinlich von krankheitsbedingten und degenerativen
Veränderungen auszugehen.
Die Stellungnahme des beratenden Arztes möge zwar kurz ausgefallen
sein, sei jedoch prägnant, überzeugend und nachvollziehbar. Einerseits
sei der anzunehmende Hergang kaum geeignet und damit
unwahrscheinlich, den erhobenen Zustand inkl. Meniskusläsion, zu
verursachen, sei doch der Bandapparat nicht in Mitleidenschaft gezogen
worden, wie es bei einer erheblichen Verdrehung/Rotation zu erwarten
gewesen wäre. Die Partialruptur des LCM sei eindeutig älteren Ursprungs
und die Elongation des VKB unfallfremd. Darüber hinaus bestünden
Indizien für ein längeres chronisches Geschehen. Soweit der operierende
Chirurg chronische degenerative Veränderungen in Abrede stelle,
widerspreche dies dem MRI-Befund der Radiologen. Der beratende Arzt
habe nach dem Ersuchen um ergänzende Ausführungen seine
Begründung nochmals ausführlich am 25. Februar 2021 dargelegt. Daher
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gehe die beschwerdeführerische Rüge, dass in keiner Weise auf den
Anteil dieser Schäden und deren Auswirkung oder eben Kontext mit den
Veränderungen des Meniskus eingegangen worden sei, fehl. Die
erhobenen Einwendungen seien nicht geeignet, an der Würdigung des
beratenden Arztes vernünftige Zweifel zu wecken, so dass sich weitere
Abklärungen erübrigten.
Auf die weiteren Ausführungen in den Rechtsschriften, den angefochtenen
Entscheid sowie die übrigen Akten wird, soweit erforderlich, in den
nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen den Einspracheentscheid
der Beschwerdegegnerin vom 1. Dezember 2020 (vgl. Akten des
Beschwerdeführers [Bf-act.] 11; Akten der Beschwerdegegnerin [Bg-act.]
63 ff.). Gemäss Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die
Unfallversicherung (UVG; SR 832.20) i.V.m. Art. 56 Abs. 1 und Art. 58
Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen einen
Einspracheentscheid innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung Beschwerde
an das Versicherungsgericht desjenigen Kantons erhoben werden, in
welchem die versicherte Person im Zeitpunkt der Beschwerdeerhebung
ihren Wohnsitz hat. Der Beschwerdeführer wohnt im Kanton Graubünden,
womit die örtliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden für die Beurteilung der vorliegenden Beschwerde gegeben
ist. Dessen sachliche Zuständigkeit ergibt sich aus Art. 57 ATSG i.V.m.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als formeller und materieller
Adressat des angefochtenen Einspracheentscheids ist der
Beschwerdeführer davon überdies berührt und weist ein schutzwürdiges
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Interesse an dessen Überprüfung auf (vgl. Art. 59 ATSG). Auf die im
Übrigen frist- und formgerecht eingereichte Beschwerde ist damit
einzutreten (vgl. Art. 60 i.V.m. Art. 38 Abs. 4 lit. c ATSG).
2. Streitig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin die Leistungspflicht
für das Ereignis vom 27. Juli 2020 zu Recht verneint hat. Streitig ist im
Wesentlichen, ob Leistungen aufgrund einer Körperschädigung im Sinne
von Art. 6 Abs. 2 UVG (Listenverletzung) geschuldet sind, ist die
Beschwerdegegnerin doch der Auffassung, dass die Listenverletzung
nicht kausal auf ein aktuelles Trauma zurückgeht und vorwiegend
abnützungsbedingt sei, weshalb sie keine Leistungspflicht treffe.
3.1. Nach Art. 10 Abs. 1 UVG hat die versicherte Person Anspruch auf die
zweckmässige Behandlung der Unfallfolgen (Heilbehandlung). Gemäss
Art. 6 Abs. 1 UVG ist der Unfallversicherer, soweit das Gesetz nichts
anderes bestimmt, bei Berufsunfällen, Nichtberufsunfällen und
Berufskrankheiten leistungspflichtig. Als Unfall gilt gemäss Art. 4 ATSG
die plötzliche, nicht beabsichtigte schädigende Einwirkung eines
ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschlichen Körper, die eine
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen
Gesundheit oder den Tod zur Folge hat. Der äussere Faktor ist zentrales
Begriffscharakteristikum eines jeden Unfallereignisses; er ist das
Gegenstück zur – den Krankheitsbegriff konstituierenden – inneren
Ursache (BGE 134 V 72 E.4.1; Urteil des Bundesgerichts 8C_268/2019
vom 2. Juli 2019 E.3). Der äussere Faktor ist ungewöhnlich, wenn er –
nach einem objektiven Massstab – nicht mehr im Rahmen dessen liegt,
was für den jeweiligen Lebensbereich alltäglich und üblich ist (BGE 134 V
72 E.4.1 m.w.H.). Definitionsgemäss bezieht sich das Begriffsmerkmal der
Ungewöhnlichkeit nicht auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern
nur auf diesen selbst (Urteil des Bundesgerichts 8C_268/2019 vom 2. Juli
2019 E.3). Ohne Belang für die Prüfung der Ungewöhnlichkeit ist insoweit,
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dass der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, unerwartete Folgen
nach sich gezogen hat (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_368/2020 vom
17. September 2020 E.4.2, 8C_545/2019 vom 14. November 2019 E.9.1,
8C_842/2018 vom 6. Mai 2019 E.3.3.1). Ausschlaggebend ist also, dass
sich der äussere Faktor vom Normalmass an Umwelteinwirkungen auf den
menschlichen Körper abhebt. Ungewöhnliche Auswirkungen allein
begründen keine Ungewöhnlichkeit (BGE 142 V 219 E.4.3.1, 134 V 72
E.4.3.1 m.w.H.; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 8C_395/2020 vom
28. September 2020 E.2.2, 8C_671/2019 vom 11. März 2020 E.2.3,
8C_282/2017 vom 22. August 2017 E.3.1.1).
3.2. Nach Lehre und Rechtsprechung kann das Merkmal des ungewöhnlichen
äusseren Faktors in einer unkoordinierten Bewegung bestehen (vgl.
HOFER, in: FRÉSARD-FELLAY/LEUZINGER/PÄRLI [Hrsg.], Basler Kommentar
zum UVG, Basel 2019, Art. 6 Rz. 37). Bei Körperbewegungen gilt dabei
der Grundsatz, dass das Erfordernis der äusseren Einwirkung lediglich
dann erfüllt ist, wenn ein in der Aussenwelt begründeter Umstand den
natürlichen Ablauf einer Körperbewegung gleichsam "programmwidrig"
beeinflusst hat. Dies trifft beispielsweise dann zu, wenn die versicherte
Person stolpert, ausgleitet oder an einem Gegenstand anstösst, oder
wenn sie, um ein Ausgleiten zu verhindern, eine reflexartige
Abwehrhaltung ausführt oder auszuführen versucht (Urteile des
Bundesgerichts 8C_395/2020 vom 28. September 2020 E.4.2 m.w.H.,
8C_783/2013 vom 10. April 2014 E.4.2 m.w.H.; NABOLD, in:
HÜRZELER/KIESER [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, UVG, Bern 2018, Art. 6 Rz. 32).
3.3. Nach Art. 6 Abs. 2 UVG ist der Unfallversicherer auch bei bestimmten
Körperschädigungen (Listenverletzung gemäss lit. a-h) leistungspflichtig,
sofern sie nicht vorwiegend auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen sind. Der Zweck des Instituts der unfallähnlichen
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Körperverletzung besteht darin, die oft schwierige Abgrenzung zwischen
Unfall und Krankheit zugunsten des Versicherten zu vermeiden (vgl. BGE
146 V 51 E.8.4, 139 V 327 E.3.1, 123 V 43 E.2b), spielen doch bei Eintritt
eines solchen Gesundheitsschadens praktisch immer krankheits-
und/oder degenerative (Teil-)Ursachen mit (vgl. BGE 146 V 51 E.8.4, 129
V 466 E.2.1 m.H.).
Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Neuregelung der
unfallähnlichen Körperschädigung in der am 1. Januar 2017 in Kraft
getretenen – und damit auf das vorliegende Ereignis vom 27. Juli 2020
anzuwendenden (vgl. Abs. 1 der Übergangsbestimmungen zur Änderung
des UVG vom 25. September 2015) – Bestimmung von Art. 6 Abs. 2 UVG
gilt es dabei Folgendes zu beachten: Für die Anwendung von Art. 6 Abs. 2
UVG ist kein äusserer Faktor und damit kein unfallähnliches sinnfälliges
Ereignis oder eine allgemein gesteigerte Gefahrenlage im Sinne der
Rechtsprechung zu aArt. 9 Abs. 2 der Verordnung über die
Unfallversicherung (UVV; SR 832.202) mehr vorausgesetzt. Insoweit führt
grundsätzlich bereits die Tatsache, dass eine in Art. 6 Abs. 2 lit. a-h UVG
genannte Körperschädigung vorliegt, nunmehr zur Vermutung, es handle
sich hierbei um eine unfallähnliche Körperschädigung, die vom
Unfallversicherer übernommen werden muss. Indessen ergibt sich aus der
in Art. 6 Abs. 2 UVG vorgesehenen Möglichkeit des Gegenbeweises
weiterhin die Notwendigkeit der Abgrenzung der vom Unfallversicherer zu
übernehmenden unfallähnlichen Körperschädigung von der abnützungs-
und erkrankungsbedingten Ursache einer Listenverletzung und damit
letztlich zur Leistungspflicht des Krankenversicherers. Insoweit ist die
Frage nach einem initialen erinnerlichen und benennbaren Ereignis auch
nach der UVG-Revision relevant. Zu betonen ist aber, dass der
Unfallversicherer bei Vorliegen einer Listenverletzung grundsätzlich in der
Pflicht steht, Leistungen zu erbringen, solange er nicht den Nachweis für
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eine vorwiegende Bedingtheit durch Abnützung oder Erkrankung erbringt.
Dies setzt voraus, dass er im Rahmen seiner Abklärungspflicht (vgl.
Art. 43 Abs. 1 ATSG) nach Eingang der Meldung einer Listenverletzung
die Begleitumstände der Verletzung genau abklärt. Lässt sich dabei kein
initiales Ereignis erheben oder lediglich ein solches ganz untergeordneter
resp. harmloser Art, so vereinfacht dies zwangsläufig in aller Regel den
Entlastungsbeweis des Unfallversicherers. Denn bei der in erster Linie von
medizinischen Fachpersonen zu beurteilenden Abgrenzungsfrage ist das
gesamte Ursachenspektrum der in Frage stehenden Körperschädigung zu
berücksichtigen. Nebst dem Vorzustand sind somit auch die Umstände
des erstmaligen Auftretens der Beschwerden näher zu beleuchten. Die
verschiedenen Indizien, die für
oder gegen Abnützung oder Erkrankung sprechen, müssen aus
medizinischer Sicht gewichtet werden. Damit der Entlastungsbeweis
gelingt, hat der Unfallversicherer gestützt auf beweiskräftige ärztliche
Einschätzungen – mit dem Beweisgrad der überwiegenden
Wahrscheinlichkeit – nachzuweisen, dass die fragliche Listenverletzung
vorwiegend, d.h. im gesamten Ursachenspektrum zu mehr als 50 %, auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist. Der Begriff "vorwiegend"
wird nicht näher definiert. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung
zum Nachweis von Berufskrankheiten gemäss Art. 9 Abs. 1 UVG, die auch
im Anwendungsbereich von Art. 6 Abs. 2 UVG Geltung hat, ist eine
"vorwiegende" Verursachung von Krankheiten durch schädigende Stoffe
oder bestimmte Arbeiten nur dann gegeben, wenn diese mehr wiegen als
alle andern mitbeteiligten Ursachen, mithin im gesamten
Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen (vgl. BGE 146 V 51
E.8.2.2.1; BGE 119 V 200 E.2a mit Hinweis; HOFER, a.a.O., Art. 6 Rz. 58).
Demnach ist der Gegenbeweis des Unfallversicherers erbracht, wenn die
Listendiagnose zu mehr als 50 % auf "Abnützung oder Erkrankung" beruht
(vgl. BGE 146 V 51 E.8.2.2.1; GEHRING, in: KIESER/GEHRING/BOLLINGER
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[Hrsg.], Kommentar KVG UVG, Zürich 2018, Art. 6 UVG Rz. 8 und 11;
NABOLD, in: HÜRZELER/KIESER [Hrsg.], Kommentar zum schweizerischen
Sozialversicherungsrecht, UVG – Bundesgesetz über die
Unfallversicherung, Bern 2018, Art. 6 Rz. 44; HÜSLER, Erste UVG-
Revision, in: SZS 2017 S. 34). Besteht das Ursachenspektrum einzig aus
Elementen, die für Abnützung oder Erkrankung sprechen, so folgt daraus
unweigerlich, dass der Entlastungsbeweis des Unfallversicherers erbracht
ist und sich weitere Abklärungen erübrigen (zum Ganzen BGE 146 V 51
E.8.6; vgl. auch Urteile des Bundesgerichts 8C_630/2020 vom 28. Januar
2021 E.3.2, 8C_267/2019 vom 30. Oktober 2019 E.6 m.w.H.). Nach
GEHRING ist der Begriff der "Abnützung" mit Abrieb, Verschleiss und in
fachlich-medizinischer Terminologie "Usur" gleichzusetzen (vgl. GEHRING,
a.a.O., Art. 6 UVG Rz. 9 f.). Dies führt zum Ausschluss derjenigen
Sachverhalte, bei denen Körperschädigungen durch wiederkehrende,
immer gleiche Belastungen entstehen. Folgen solcher Vorgänge sollen
nach der Wertung des Gesetzgebers nicht von der Unfallversicherung
übernommen werden. Der Begriff der "Erkrankung" richtet sich nach Art. 3
ATSG, wonach Krankheit jede Beeinträchtigung der körperlichen,
geistigen oder psychischen Gesundheit ist, die nicht Folge eines Unfalles
ist.
3.4. Unfall (Art. 6 Abs. 1 UVG) und Listenverletzung (Art. 6 Abs. 2 UVG) sind
unabhängig voneinander und grundsätzlich ist jeder Tatbestand einzeln
zu prüfen (BGE 146 V 51 E.8.5). Dass strenge Anforderungen an den
Gegenbeweis zu stellen sind, ist auch aus dem Umstand abzuleiten, dass
es sich dabei um eine rein medizinische Beurteilung handelt. Anders als
die Versicherten, verfügen die Unfallversicherer über weitreichende
Möglichkeiten und Ressourcen für medizinische Abklärungen. Die
Versicherten ihrerseits sind auf die Beurteilungen der behandelnden Ärzte
oder der beigezogenen Spezialisten angewiesen. Ihre Ressourcen für
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medizinische Abklärungen sind in tatsächlicher und finanzieller Hinsicht
weitaus beschränkter, als diejenigen der Unfallversicherer. Hinzu kommt,
dass Berichten von behandelnden Ärzten oftmals geringere Beweiskraft
beigemessen wird, als den von den Unfallversicherern in Auftrag
gegebenen Beurteilungen (BGE 135 V 465 E.4.5 f.). Der vom Gesetzgeber
mit der Revision verfolgte Zweck kann nur erfüllt werden, wenn bezogen
auf den Einzelfall eindeutige Beweise von neutralen Stellen vorliegen.
Schematische, auf allgemeinen Erfahrungstatsachen beruhende
Prüfungsschemata genügen für den Gegenbeweis nicht. Es sind in
formeller Hinsicht Beurteilungen von von den Unfallversicherungen
unabhängigen Experten notwendig, die in materieller Hinsicht
nachvollziehbar und schlüssig sind, also den von der Praxis entwickelten
Anforderungen an Gutachten (BGE 125 V 351) genügen. Solche
Beurteilungen sind nur bei von den Unfallversicherern unabhängigen
externen Gutachtern zu erhalten, deren Auswahl unter strenger Wahrung
der Parteirechte der Versicherten getroffen wurde. Würden Beurteilungen
versicherungsinterner Ärzte für den Nachweis des Gegenbeweises als
ausreichend erachtet werden, würde die vom Gesetzgeber beabsichtigte
"Schaffung von Klarheit" untergraben, indem sich die Diskussionen und
Unsicherheiten, die früher bezüglich des sinnfälligen Ereignisses geführt
wurden, auf die Frage des Gegenbeweises verlagern würden. Dies war
nicht die Absicht der Revision per 1. Januar 2017 (GEHRING, a.a.O., Art. 6
UVG Rz. 12).
4.1. Der Sozialversicherungsprozess ist vom Untersuchungsgrundsatz (Art. 61
lit. c ATSG) beherrscht. Danach hat das Gericht von Amtes wegen für die
richtige und vollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts
zu sorgen. Die Verwaltung als verfügende Instanz und im Beschwerdefall
das Gericht dürfen eine Tatsache nur dann als bewiesen annehmen, wenn
sie von ihrem Bestehen überzeugt sind. Im Sozialversicherungsrecht hat
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das Gericht seinen Entscheid, sofern das Gesetz nichts Abweichendes
vorsieht, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu
fällen. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den
Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener
Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen
Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste erachtet (BGE 144 V 427
E.3.2, 138 V 218 E.6; Urteile des Bundesgerichts 8C_745/2020 vom 29.
März 2021 E.1.3, 9C_439/2020 vom 18. August 2020 E.1.3). Darüber
hinaus gilt es festzuhalten, dass praxisgemäss die versicherte Person die
einzelnen Umstände des Unfallgeschehens glaubhaft zu machen hat. D.h.
sie muss über das konkrete Geschehen wahre, genaue und wenn möglich
ins Einzelne gehende Daten namhaft machen, aufgrund derer der
Versicherer in die Lage versetzt wird, sich über die Tatumstände ein Bild
zu machen und diese in objektiver Weise abzuklären (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_338/2018 vom 17. Dezember 2018 E.4.2). Kommt die
versicherte Person dieser Forderung nicht nach, indem sie unvollständige,
ungenaue
oder widersprüchliche Angaben macht, die das Bestehen eines
unfallmässigen Schadens als unglaubwürdig erscheinen lassen, besteht
keine Leistungspflicht des Unfallversicherers (BGE 114 V 298 E.5b; vgl.
auch Urteile des Bundesgerichts 8C_268/2019 vom 2. Juli 2019 E.3,
8C_358/2016 vom 28. September 2016 E.3.4).
4.2.1. Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle
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Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen
eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial
zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht
auf die andere medizinische These abstellt (siehe BGE 143 V 124 E.2.2.2
und 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts 8C_879/2014 vom
26. März 2015 E.5.2 und 8C_419/2014 vom 23. September 2014 E.6.2).
Hinsichtlich des Beweiswerts eines Arztberichts ist demnach
entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die
Schlussfolgerungen des Experten begründet sind (vgl. BGE 134 V 231
E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts 8C_380/2021 vom
21. Dezember 2021 E.3.2, 8C_173/2021 vom 25. Oktober 2021 E.4.1,
8C_448/2020 vom 3. März 2021 E.2.5, 8C_662/2020 vom 13. Januar
2021 E.3.2 und 8C_51/2019 vom 11. Juni 2019 E.3.2). Ausschlaggebend
für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines
Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 125 V 351
E.3a und 122 V 157 E.1c). Dennoch erachtet es die bundesgerichtliche
Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung als
vereinbar, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer Berichte und
Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen (vgl. die
ausführliche Zusammenstellung dieser Richtlinien in BGE 125 V 351 E.3b
mit zahlreichen Hinweisen).
- 16 -
4.2.2. Den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte kommt
Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen, nachvollziehbar
begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen
ihre Zuverlässigkeit sprechen (siehe BGE 125 V 351E.3b/ee; Urteile des
Bundesgerichts 8C_382/2021 vom 19. Oktober 2021 E.3.2 und
8C_131/2021 vom 2. August 2021 E.3.2). Die Tatsache allein, dass der
befragte Arzt in einem Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger
steht, lässt nicht schon auf mangelnde Objektivität und auf Befangenheit
schliessen. Es bedarf vielmehr besonderer Umstände, welche das
Misstrauen in die Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet
erscheinen lassen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den
Arztberichten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die
Unparteilichkeit des Gutachters allerdings ein strenger Massstab
anzulegen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.4, 125 V 351 E.3b/ee, 122 V 157
E.1c). Beratende Ärztinnen und Ärzte eines Versicherungsträgers sind
hinsichtlich der Beweiseignung ihrer ärztlichen Beurteilungen mit
derjenigen von versicherungsinternen Ärzten gleichzusetzen (siehe Urteil
des Bundesgerichts 8C_143/2021 vom 7. Juni 2021 E.2.4). Trotz dieser
grundsätzlichen Beweiseignung kommt den Berichten
versicherungsinterner medizinischer Fachpersonen praxisgemäss nicht
dieselbe Beweiskraft zu wie einem gerichtlichen oder im Verfahren nach
Art. 44 ATSG vom Versicherungsträger veranlassten Gutachten
unabhängiger Sachverständiger. Soll ein Versicherungsfall ohne
Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die
Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur
geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der
versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, so sind ergänzende
Abklärungen vorzunehmen (vgl. BGE 139 V 225 E.5.2, 135 V 465 E.4.5;
Urteile des Bundesgerichts 8C_672/2020 vom 15. April 2021 E.2.3,
8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3). In Bezug auf Berichte von
- 17 -
behandelnden Ärzten darf und soll der Richter der Erfahrungstatsache
Rechnung tragen, dass behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre
auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten
ihrer Patienten aussagen (vgl. BGE 135 V 465 E.4.5, 125 V 351 E.3b/cc;
Urteil des Bundesgerichts 8C_756/2019 vom 11. Februar 2020 E.4.4).
Weiter ist gemäss Rechtsprechung auch eine reine medizinische
Aktenbeurteilung beweiskräftig, wenn die Akten ein vollständiges Bild über
Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergeben und diese Daten
unbestritten sind, sodass ein lückenloser Befund vorliegt und es im
Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich
feststehenden medizinischen Sachverhaltes geht, mithin die direkte
ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_527/2020 vom 2. November 2020
E.3.2, 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3, 8C_788/2019 vom 30. Juni
2020 E.3 und 8C_397/2019 vom 6. August 2019 E.4.3).
4.3. Zum Ereignis vom 27. Juli 2020 und dem Beschwerde-
/Behandlungsverlauf ist den Akten Folgendes zu entnehmen:
4.3.1. Gemäss Schadenmeldung UVG vom 3. August 2020 ist der
Beschwerdeführer, während er den Rasen mähte, mit dem Knie
umgeknickt und hat sich dabei den Meniskus verletzt (vgl. Bg-act.
Unfallmeldung). Die Erstbehandlung erfolgte am 28. Juli 2020 am
D._. Die untersuchenden Ärzte der zentralen Notfallstation, Dr. med.
F._, Oberarzt i.V., und Dipl. med. G._ gingen gestützt auf die
Röntgenaufnahmen am ehesten von einer Läsion des medialen Meniskus
am linken Knie nach Kniedistorsion (Diagnosecode M23.33) am Vortag
aus. Sie stellten einen Gelenkserguss sowie eine Druckdolenz über dem
medialen ventralen Gelenkspalt fest, der Apley-Grinding-Test zeigte sich
positiv betreffend die Aussenrotation. Dem Beschwerdeführer wurde vom
- 18 -
28. Juli 2020 bis zum 4. August 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit
bescheinigt (vgl. Bg-act. Medizinische Unterlagen [M]1; Bg-act. AUF-Z1).
4.3.2. Dr. med. H._, Leitender Arzt Radiologie im D._, und Dipl. med.
I._ befanden am 30. Juli 2020 gestützt auf das MRI vom 29. Juli 2020
weder im medialen, noch im lateralen oder im retropatellären
Gelenkkompartiment einen Knorpelschaden. Es fand sich eine muskuläre
Einblutung des proximalen Musculus gastrocnemius caput mediale. Sie
beurteilten einen radiären Riss am freien Rand des Innenmeniskus am
Übergang des Hinterhornes zur Pars intermedia mit umgeschlagenem
Lappenfragment im medialen Gelenkrecessus und eine zweitgradige
Ruptur des medialen Kollateralbandes, insbesondere der tiefen Anteile,
sowie einen Gelenkerguss; jedoch keine weitere Kniebinnenläsion (vgl.
Bg-act. M2).
4.3.3. Am 5. August 2020 erfolgte die Besprechung des MRI durch Dr. med.
L._, Leitender Arzt Chirurgie am D._, und Dr. med. J._,
Oberarzt Chirurgie am D._. Sie diagnostizierten und beurteilten eine
symptomatische mediale Meniskusläsion links nach Distorsion am 27. Juli
2020 mit nach medial eingeschlagenem Meniskuslappen. Aufgrund der
schlechten Zugänglichkeit solcher Risse für eine konservative Therapie
empfahlen sie eine minimal invasive Kniegelenksarthroskopie mit
Resektion der instabil und eingeschlagenen Meniskusteile; als Hauswart
bestand weiterhin eine 100 %-ige Arbeitsunfähigkeit (vgl. Bg-act. M3; Bg-
act. AUF-Z2; verlängert bis 24. August 2020 [Bg-act. AUF-Z3]).
4.3.4. Am 10. August 2020 erfolgte durch Dr. med. J._ eine
Kniegelenksarthroskopie links, mit medialer Teilmeniskektomie. Im
Operationsbericht hielt er unter 'Diagnostische Arthroskopie' folgendes
fest: "Recessus suprapatellaris: kein freier Gelenkskörper, allenfalls
minime Synovialitis. Femoropatellar diskrete Schleifspuren, leichte
- 19 -
Ausfransungen im Bereich des Patellaunterpols, ansonsten keine tieferen
Knorpelläsionen. Recessus lateralis: unauffällig. Unauffällige Aufhängung
des lateralen Meniskus, kein freier Gelenkkörper, keine Synovialitis.
Unauffälliger Hiatus. Recessus medialis: Leicht extrudierter medialer
Meniskus, kein freier Gelenkkörper, deutliche Synovialitis. Intercondylär:
Feine Plica infrapatellaris, vorderes Kreuzband leicht elongiert, jedoch
satte Anspannung im Lachmann-Test, intakter synovialer Überzug. Soweit
abgebildet unauffällige Darstellung des Ursprungs des hinteren
Kreuzbandes. Mediales Kompartiment: Ubiquitär deutliche
Knorpelaufweichung und Ausfransung im Sinne einer Chondropathie Grad
II femoral und tibial. Grosser, nach recessal eingeschlagener Lappenriss,
ausgehend vom Hinterhorn, über Pars intermedia bis zum Übergang zum
Vorderhorn. Laterales Kompartiment: Unauffällig, Chondropathie Grad I
tibial und femoral. Unauffälliger Meniskus." (vgl. Bg-act. M4 = Bg-act. 34
f.).
4.3.5. Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin nach dem Hergang des
Ereignisses vom 27. Juli 2020 führte der Beschwerdeführer am 11. August
2020 folgendes aus: "B._ 27.7.20 beim normalen Rasenmähen auf
Westwiese Casa K._ hat sich beim zurückziehen des RM (Anm. des
Gerichts: Rasenmäher) vielleicht das Bein verdreht. Da ist mir wie ein Stich
durchs li Knie mit anschliessend starken Schmerzen. Konnte kaum mehr
gehen". Der Beschwerdeführer verneinte, dass sich dabei etwas
Aussergewöhnliches, wie ein Sturz, Ausgleiten, Stolpern, Ausrutschen
oder dergleichen, zugetragen habe (vgl. Bg-act. 9 S. 1).
4.3.6. Nach Vorlage der Akten hielt der beratende Arzt, Dr. med. E._,
Facharzt Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie, am 27. August 2020
fest, dass eine Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2 lit. c UVG vorliege,
diese jedoch vorwiegend (mehr als 50 %) auf Abnützung oder Erkrankung
zurückzuführen sei; eine unfallkausale Arbeitsunfähigkeit lasse sich nicht
- 20 -
begründen. Begründend führte er an, der Ereignishergang vom 27. Juli
2020 werde als leichte Distorsion des linken Kniegelenkes beschrieben.
Der Versicherte gebe an, "vielleicht mit dem linken Kniegelenk umgeknickt
zu sein". Hierdurch könne eine isolierte Meniskusläsion eines nicht
vorgeschädigten Meniskus nicht verursacht worden sein. Im
Operationsbericht würden degenerative Veränderungen des linken
Kniegelenkes, insbesondere medial beschrieben. In diesem Kontext sei
der grosse Lappenriss des Meniskus als chronisch und nicht unfallkausal
zu werten (vgl. Bg-act. M5 = Bg-act. 36).
4.3.7. Mit Schreiben vom 27. August 2020 teilte die Beschwerdegegnerin dem
Beschwerdeführer mit, dass keine Leistungen erbracht würden, da
bezüglich des Ereignisses vom 27. Juli 2020 kein Unfall, aber eine
unfallähnliche Körperschädigung vorliege, die jedoch vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen sei (vgl. Bg-act. 12 f.). Auf die
Einwendungen des Beschwerdeführers vom 28. August 2020 hin, hielt die
Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 17. September 2020 an ihren
bisherigen Ausführungen fest (vgl. Bg-act. 16 f.). Mit Verfügung vom 30.
September 2020 verneinte die Beschwerdegegnerin mit der Begründung,
die festgestellte unfallähnliche Körperverletzung sei vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen, einen Anspruch auf
Versicherungsleistungen aus der obligatorischen Unfallversicherung (vgl.
Bg-act. 20 f.).
4.3.8. In seinem Schreiben vom 10. Oktober 2020 an die Beschwerdegegnerin
brachte der Beschwerdeführer vor, dass ein Unfall im Sinne von Art. 4
ATSG vorliege. Er habe durch eine Unebenheit am Boden einen Moment
das Gleichgewicht verloren und sich deshalb durch eine retourgerichtete,
ungünstige Beinbewegung vor dem Sturz retten können (vgl. Bg-act. 32).
- 21 -
4.3.9. Mit Einsprache vom 19. Oktober 2020 hielt der Beschwerdeführer fest,
dass es sich bei der erlittenen Verletzung unbestrittenermassen um eine
unfallähnliche Körperverletzung handle. In Anwendung der Klassifizierung
nach ICRS (International Cartilage Society) ergebe sich aus dem
Operationsbericht eine Schwere der Vorschädigung, die sich zwischen
einer oberflächlichen Beeinträchtigung des Knorpels (Grad 1) und einer
Tiefe des Knorpelschadens von weniger als 50 % (Grad 2) bewege, so
dass die vom Gesetzgeber geforderte überwiegende Vorschädigung,
welche nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung mehr als 50 % betragen
müsse, beim Beschwerdeführer nicht vorliege (vgl. Bg-act. 37 ff.). Die
Beschwerdegegnerin habe dem Beschwerdeführer die beantragten
Leistungen zu gewähren.
4.3.10. Mit Einspracheentscheid vom 1. Dezember 2020 wies die
Beschwerdegegnerin die Einsprache vom 19. Oktober 2020 ab (vgl. Bg-
act. 63 ff.). Begründend führte sie aus, ausgehend davon, dass der
Einsprecher effektiv als Hauswart für die
Stockwerkeigentümergemeinschaft C._ in B._ tätig gewesen
sei, sei vorliegend von einem während der Berufsausübung erlittenen
Unfall/Trauma auszugehen. Die Leistungspflicht des Unfallversicherers
setze einen natürlichen Kausalzusammenhang zwischen dem
Unfallereignis und dem erhobenen Schaden voraus. Unbestritten sei, dass
im Notfall des D._ am 28. Juli 2020 eine leichte Schwellung
bestanden habe und sich bildgebend ein Riss des Innenmeniskus mit
einem umgeschlagenen Lappen sowie eine Läsion des Innenbandes, ein
leichter Gelenkserguss und ein Erguss im Bereich des Musculus
gastrocnemius gezeigt hätten. Unbestritten zu sein scheine auch, dass
aufgrund der Erstangaben (Anm. des Gerichts: des Versicherten) mangels
eines ungewöhnlichen äusseren Faktors kein Unfall im Rechtssinne erfüllt
sei. Streitig sei hingegen, ob in Bezug auf den medialen Meniskusschaden
- 22 -
mit Lappenriss und den Zustand des medialen Kollateralbandes mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von frisch und plötzlich eingetretenen
unfallähnlichen Körperschädigungen oder Folgen von Krankheit und
Abnutzung auszugehen sei. Die Beschwerdegegnerin führt dazu im
angefochtenen Einspracheentscheid aus, mit der Meniskusläsion
einerseits und der Bandläsion des inneren Seiten-/Kollateralbandes (LCM)
andererseits stünden unbestrittenermassen Befunde im Sinne von Art. 6
Abs. 2 UVG zur Debatte, womit – unter Vorbehalt des Gegenbeweises –
eine auf ein Einzeltrauma zurückgehende Genese zu vermuten sei. Als
Indizien für krankheitsbedingte und degenerative Veränderungen
betrachtete die Beschwerdegegnerin die gemäss Operationsbericht
bestehende fortgeschrittene Chondromalizie II. Grades nach Outerbridge-
Klassifikation im medialen Bereich des Femurkondylus sowie auch des
Tibiaplateaus mit fokalen Schleifspuren und Ausfransungen. Auch wenn
es sich bei einem solchen Zustand noch um keine breitflächige
Ausdünnung von mehr als der Hälfte (50 %) der Knorpeldicke in der
gesamten gewichtstragenden Zone handle und auch noch keine
Knorpelglatzen bestünden, lasse sich deswegen aber nicht behaupten,
dass die Degeneration irrelevant sei, da weniger als 50 % abgenutzt
gewesen seien. Nur weil noch mehr als 51 % der Knorpeldicke erhalten
sei, lasse sich nicht auf eine traumatische Genese des Meniskusschadens
folgern bzw. eine unfallfremde Genese ausschliessen. Der Umstand, dass
der Knorpelbelag bei sonst weitgehend erhaltener Dicke im medialen
Bereich des Tibiaplateaus wie auch des gegenüber zu lokalisierenden
Femurkondylus deutliche "Schleifspuren" aufweise, spreche deutlich für
ein längeres chronisches Geschehen. Zusammen mit der Läsion des
medialen Kollateralbandes bilde es ein Indiz dafür, dass bereits seit
geraumer Zeit eine Insuffizienz des Bandapparates vorgelegen habe und
bei Scherkräften "dauernd etwas Spiel" bestanden haben müsse. Bei einer
frischen fokalen Knorpelläsion wären denn auch freie Knorpelfragmente
- 23 -
und ein deutlicherer intraartikulärer Erguss zu erwarten gewesen. Dies
gelte auch für eine frische Bandläsion, wären doch dort notgedrungen
entsprechende Begleitschäden zu erwarten. Eine muskuläre Einblutung
sei nur im Bereich des Musculus gastrocnemius festzustellen gewesen.
Aufgrund des bereits zuvor insuffizienten Bandapparates und der nicht
hinreichenden Stabilität des Kniegelenks in femorotibialer Hinsicht dürfte
auch der Meniskus bei chronischem Geschehen – bei Scherkräften
dauernd Rotationen mit entsprechenden Schleifspuren im medialen
Bereich des Knorpelbelags des Femurkondylus und Tibiaplateaus –
unweigerlich in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Wie der beratene
Arzt festgestellt habe, komme dies auch aus der Form des Meniskusrisses
und dem Umstand zum Ausdruck, dass der angrenzende Knorpel bereits
ubiquitär "aufgeweicht" gewesen sei und deutliche "Ausfransungen"
aufgewiesen habe, wie sie eben nicht aufgrund eines plötzlichen
Einzeltraumas, sondern infolge repetitiver Schermechanismen und
chronischen Verschleisses zu entstehen pflegten. Die auf den Akten
basierende Beurteilung des bestens qualifizierten beratenden Arztes
erfülle die von der Rechtsprechung an den Beweiswert ärztlicher Berichte
und Gutachten gestellten Anforderungen; die Beurteilung sei in der
Darlegung der medizinischen Situation einleuchtend und die
Schlussfolgerungen nachvollziehbar begründet. Unter Berücksichtigung
der festgestellten Faktoren sei der Meniskusschaden mit überwiegender
Wahrscheinlichkeit nicht als frisch und plötzlich entstandener Defekt,
sondern als Folge krankheitsbedingter und chronisch degenerativer
Veränderungen zu erachten.
4.3.11. Am 17. Dezember 2020 beurteilte Dr. med. J._ gestützt auf die am
Vortag stattgefundene Konsultation einen erfreulichen Verlauf nach
Teilmeniskektomie mit beschwerdefreiem Patienten. Ergänzend führte er
an, dass sich seiner Ansicht nach in der Arthroskopie nebst der
- 24 -
Meniskusläsion keine über das altersdurchschnittliche Mass
hinausgehenden degenerativen Veränderungen gezeigt hätten, so dass
ein traumatischer Meniskusriss vorliege. Auf Wunsch des
Beschwerdeführers hielt er zudem fest, dass vor dem akuten
Distorsionsereignis im Juni (recte wohl Juli) keinerlei Kniebeschwerden in
der Vergangenheit vorgelegen hätten (vgl. Bf-act. 12; Bg-act. M6 = Bg-act.
74 f.).
4.3.12. Mit undatierter und (ebenfalls) nicht unterzeichneter ausführlicher
Stellungnahme ergänzte Dr. med. E._ seine beratungsärztliche
Stellungnahme vom 27. August 2020 und wies im Wesentlichen darauf
hin, dass eine isolierte Meniskusverletzung aufgrund der Elastizität und
Mobilität des Meniskus nach heutigen biomechanischen Erkenntnissen
kaum vorstellbar sei. Vorstellbar sei dies lediglich in Folge des sog.
wuchtigen Drehsturzes, wozu es eines unüberwindlichen äusseren
Bewegungshemmnisses mit brüsker und wuchtig ablaufender,
erzwungener Kniestreckung bedürfe (vgl. Bg-act. M7 S. 1). Ein solcher
Vorfall sei verbunden mit unmittelbar einsetzenden, stärksten Schmerzen
und Funktionseinschränkung/-verlust des Kniegelenks und führe zu einer
sofortigen ärztlichen Behandlung (Hinweis auf Literatur von Schönberger,
Mehrtens, Valentin: Arbeitsunfall und Berufskrankheit, S. 657 f.). Damit sei
die vom Versicherten später angegebene ungünstige reaktive
Beinbewegung, welche ihn vor einem Sturz gerettet habe, sicher nicht
geeignet, die später festgestellten Veränderungen zu verursachen. Die
Tatsache, dass in der Vergangenheit keine Kniebeschwerden aufgetreten
seien, spreche nicht gegen eine Diskontinuität des Meniskus, da dieser –
ebenso wie die festgestellte degenerative Veränderung – schleichend
verlaufe und häufig anlässlich eines austauschbaren Ereignisses
symptomatisch werde. Im Weiteren widerspreche Dr. med. J._ mit
seinem Schreiben vom 17. Dezember 2020 dem Operationsbericht,
- 25 -
würden doch dort sehr wohl deutliche degenerative Veränderungen in
typischer Weise im medialen Kompartiment beschrieben. Diese "post hoc
ergo propter hoc"-Argumentation sei versicherungsmedizinisch nicht
statthaft und auch nicht geeignet, einen Meniskusriss als traumatisch zu
werten. Unter Berücksichtigung sämtlicher konkreter Umstände sei mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von degenerativen und
krankheitsbedingten Veränderungen auszugehen (vgl. Bg-act. M7 S. 3).
5.1. Vorab gilt es festzuhalten, dass die vorliegenden spitalärztlichen
Beurteilungen (Notfallbericht vom 28. Juli 2020 [Bg-act. M1], Bericht der
Radiologie vom 30. Juli 2020 [Bg-act. M2], Bericht der Chirurgie vom 5.
August 2020 [vgl. Bg-act. M3] und Operationsbericht vom 10. August 2020
[Bg-act. M4]) bezüglich der festgestellten Schädigungen nicht in allen
Teilen übereinstimmen. Gerade auch was die Knorpelschäden anbelangt,
weichen die Ausführungen im Operationsbericht ("symptomatische
mediale Meniskusläsion links nach Distorsion am 27.07.2020 – grosser,
nach recessal eingeschlagener Lappenriss, ausgehend vom Hinterhorn
über Pars intermedia bis zum Übergang zum Vorderhorn"; vgl. Bg-act. M4)
vom Bericht der Chirurgie vom 5. August 2020 ("symptomatische mediale
Meniskusläsion mit nach medial eingeschlagenem Meniskuslappen"; vgl.
Bg-act. M3) und insbesondere vom Bericht der Radiologie ("radiärer Riss
am freien Rand des Innenmeniskus mit umgeschlagenem
Lappenfragment im medialen Gelenkrecessus"; vgl. Bg-act. M2) ab.
Weiter befand die Radiologie eine muskuläre Einblutung des proximalen
Musculus gastrocnemius caput mediale (vgl. Bg-act. M2) und beurteilte
nebst einem Gelenkserguss eine zweitgradige Ruptur des medialen
Kollateralbandes (Anmerk. des Gerichts: Teilriss/Anriss des
Innenbandes), was gerade für die Prüfung der Verletzung nach Art. 6 Abs.
2 UVG relevant ist, obschon sie am 10. August 2020 nicht operativ
behandelt wurde.
- 26 -
5.2.1. Bei sich widersprechenden Angaben der versicherten Person über den
Unfallhergang wird in der Praxis auf die Beweismaxime der sog.
spontanen "Aussagen der ersten Stunde" abgestellt, nach der Aussagen
kurz nach dem Ereignis in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind
als spätere Darstellungen, die – bewusst oder unbewusst – von
nachträglichen Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art
beeinflusst sein können. Wenn die versicherte Person ihre Darstellung im
Laufe der Zeit wechselt, kommt den Angaben, die sie kurz nach dem Unfall
gemacht hat, meistens grösseres Gewicht zu als jenen nach Kenntnis
einer Ablehnungsverfügung des Versicherers (BGE 143 V 168 E.5.2.2,
121 V 45 E.2a). Der Grundsatz, wonach die ersten Aussagen nach einem
schädigenden Ereignis in der Regel unbefangener und zuverlässiger sind
als spätere Darstellungen, stellt eine im Rahmen der freien
Beweiswürdigung zu berücksichtigende Entscheidungshilfe dar. Sie kann
nur zur Anwendung gelangen, wenn von zusätzlichen Abklärungen keine
neuen Erkenntnisse zu erwarten sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_723/2019 vom 10. März 2020 E.5.1, 8C_325/2017 vom 26. Oktober
2017 E.4.2.1).
5.2.2. Aufgrund der Erstangaben des Beschwerdeführers in der Notfallstation
des D._ am 28. Juli 2020, auf die es demnach abzustellen gilt, hat
der Beschwerdeführer beim Rasenmähen einen Fehltritt gemacht und
sofort Schmerzen im linken Knie sowie eine Bewegungseinschränkung
verspürt (vgl. Notfallbericht vom 28. Juli 2020, Bg-act. M1). In Würdigung
der Sachlage ist der Unfallbegriff gemäss Art. 4 ATSG im konkreten Fall
nicht erfüllt, da kein äusserer Faktor, d.h. keine Programmwidrigkeit (kein
Stolpern, Ausgleiten, Anstossen, reflexartiges Abwehren zur
Verhinderung des Ausgleitens) vorliegt. Zudem ist auch kein
ungewöhnlicher äusserer Faktor gegeben, da – gestützt auf die Aussage
des Beschwerdeführers über das "normale Rasenmähen" (Bg-act. 9) –
- 27 -
davon ausgegangen werden kann, dass das Mähen des Rasens für den
Beschwerdeführer in seiner beruflichen Tätigkeit alltäglich und üblich war
(vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts 8C_671/2019 vom 11. März 2020
E.2.3 und E.4.3). Ein sinnfälliges Zusatzereignis, das die
Ungewöhnlichkeit des Geschehens begründen würde, bringt der
Beschwerdeführer nicht vor. Die weiteren Angaben zum Hergang des
Ereignisses wurden durch den Beschwerdeführer erst im Nachgang
hinterhergeschoben (vgl. Bg-act. 9, 32). Damit ist das Vorliegen eines
Unfalls im Sinne von Art. 4 ATSG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 UVG – wie dies
bereits die Beschwerdegegnerin im angefochtenen Einspracheentscheid
festgehalten hat – betreffend den Vorfall vom 27. Juli 2020 zu verneinen.
Dies wird denn auch durch den Beschwerdeführer grundsätzlich nicht
bestritten, verweist er doch darauf, dass die Beschwerdegegnerin das
Vorliegen einer Verletzung im Sinne einer unfallähnlichen
Körperschädigung gemäss Art. 6 Abs. 2 lit. c UVG anerkenne (vgl.
Beschwerde vom 14. Januar 2021, S. 4, B. Rechtliches), so dass sich
weitere Ausführungen zum zu Recht verneinten Unfall im Sinne von Art. 4
ATSG i.V.m. Art. 6 Abs. 1 UVG erübrigen.
6. Damit gilt es zu prüfen, ob eine Körperschädigung gemäss Art. 6 Abs. 2
UVG vorliegt, und ob der Beschwerdegegnerin der Entlastungsbeweis
gelingt.
6.1. Bei der Prüfung der Listenverletzung gemäss Art. 6 Abs. 2 UVG ist
zunächst festzuhalten, dass selbst die Beschwerdegegnerin in ihrem
Einspracheentscheid anerkennt, dass mit der ausgewiesenen
Meniskusläsion und der diagnostizierten Bandläsion des inneren Seiten-
/Kollateralbandes Befunde im Sinne von Art. 6 Abs. 2 UVG zur Debatte
stehen (vgl. Bg-act. 66, E.4.1 a; Bg-act. M5 = Bg-act. 36; Bg-act. M2),
wobei sich die Beschwerdegegnerin auf den Standpunkt stellt, der
Meniskusschaden sei nicht als frisch und plötzlich entstandener Defekt,
- 28 -
sondern als Folge krankheitsbedingter und chronisch degenerativer
Veränderungen zu erachten (vgl. Bg-act. 64, E.4.2 c), d.h. vorwiegend auf
Abnützung zurückzuführen. Gestützt auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung ist vorliegend erstellt, dass mit der am 27. Juli 2020
erlittenen Läsion des Meniskus (Meniskusriss) am linken Knie sowie der
im MRI festgestellten zweitgradigen Ruptur des medialen
Kollateralbandes (vgl. Bg-act. M2) Listenverletzungen im Sinne von Art. 6
Abs. 2 lit. c und lit. g UVG (ICD-10: M23.33 [Binnenschädigung des
Kniegelenkes/Sonstiger und nicht näher bezeichneter Teil des
Innenmeniskus]; vgl. https://www.icd-code.de/suche/icd/code/M23.-
.html?sp=SM23.33; letztmals besucht am 12. Juli 2022) vorliegen und
damit die Beschwerdegegnerin grundsätzlich leistungspflichtig ist, soweit
sie den Entlastungsbeweis, dass die Körperschädigung vorwiegend auf
Abnützung oder Erkrankung zurückzuführen ist, nicht zu erbringen
vermag.
6.2. Der Beschwerdeführer führt dazu an, dass der Beschwerdegegnerin der
Gegenbeweis, dass die erlittene Verletzung überwiegend auf
degenerativen Veränderungen beruhe (vgl. BGE 146 V 51), nicht gelinge.
Die behandelnden Ärzte hätten den eindeutigen Schluss gezogen, dass
es sich bei dem Meniskusriss um eine traumatische Verletzung handle.
Die ebenso festgestellten Abnützungserscheinungen seien
selbstverständlich; die einfache Erwähnung von bestehenden
Abnützungserscheinungen könne nicht zum Ausschluss des Vorliegens
einer unfallähnlichen Körperschädigung führen. Nach Art. 6 UVG werde
zur Entkräftung der Vermutung (der unfallversicherungsrechtlichen
Leistungspflicht) vielmehr der Nachweis verlangt, dass die Schäden zu
mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung beruhten. Die
Stellungnahme des Versicherungsmediziners vom 27. August 2020
genüge den an einen ärztlichen Bericht oder Gutachten zu stellenden
- 29 -
Anforderungen nicht. Die offensichtlich und objektiv bestehenden Zweifel
an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsmedizinischen
Feststellungen machten weitere, ergänzende Abklärungen erforderlich
(vgl. BGE 139 V 225 E.5.2 und 135 V 465 E.4.3.2 und 4.4, 122 V 157 E.1
1d mit weiteren Nachweisen).
6.3. Die vorgenannten Arztberichte des D._ erwähnen neben einer
symptomatischen medialen Meniskusläsion links degenerative Schäden
maximal im Grad einer Chondropathie Grad I und II (vgl. dazu
Operationsbericht Dr. med. J._ vom 10. August 2020, Bg-act. M4).
Gemäss Bericht der Chirurgie vom 5. August 2020 ergab sich im MRI kein
Nachweis einer tieferen Knorpelläsion sowie eine Alteration des tiefen
Anteils des Innenbands, DD Grad II Läsion (vgl. Bg-act. M3) und es
wurden mit MRI vom 29. Juli 2020 keine Knorpelschäden medial, lateral
oder retropatellär befundet (vgl. Bg-act. M2). Die Beschwerdegegnerin
stützt sich bei ihrem Entscheid auf die Stellungnahme ihres beratenden
Arztes Dr. med. E._ vom 27. August 2020. Dieser hält dort bezogen
auf die Diagnose einer medialen Meniskusläsion des linken Kniegelenkes
nach einer Kniedistorsion fest, dass eine Körperschädigung nach Art. 6
Abs. 2 lit. c UVG (Meniskusrisse, inkl. Meniskusläsion) vorliege und im
Operationsbericht degenerative Veränderungen des linken Kniegelenkes,
insbesondere medial, beschrieben würden. In diesem Kontext sei der
grosse Lappenriss des Meniskus als chronisch und nicht unfallkausal zu
werten. Begründend führt Dr. med. E._ an, der Ereignishergang vom
27. Juli 2020 werde beschrieben als leichte Distorsion des linken
Kniegelenkes, der Versicherte gebe an, "vielleicht mit dem linken
Kniegelenk umgeknickt zu sein". Hierdurch könne eine isolierte
Meniskusläsion eines nicht vorgeschädigten Meniskus nicht verursacht
sein.
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6.4.1. Der beratende Arzt, Dr. med. E._, begründet in der
versicherungsmedizinischen Stellungnahme vom 27. August 2020 seine
Beurteilung der festgestellten Körperschädigung nach Art. 6 Abs. 2 lit. c
UVG (Meniskusrisse [inkl. Meniskusläsion]) als vorwiegend, also zu mehr
als 50 % degenerativ begründet, einzig mit dem nicht geeigneten
Ereignishergang, eine isolierte Meniskusläsion eines nicht
vorgeschädigten Meniskus zu verursachen sowie mit den operativ
festgestellten degenerativen Veränderungen des linken Kniegelenkes,
insbesondere medial. In diesem Kontext sei der grosse Lappenriss des
Meniskus als chronisch und nicht unfallkausal zu werten. Beim
vorliegenden Bericht von Dr. med. E._ handelt es sich um eine reine
Aktenbeurteilung, wobei nicht erkennbar ist, welche Akten ihm vorgelegt
worden sind (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_397/2019 vom 6. August
2019 E.4.3 m.H., 8C_322/2020 vom 9. Juli 2020 E.3, 8C_780/2016 vom
24. März 2017 E.6.1, je m.H.). Das angebliche Zitat gemäss Dr. med.
E._, wonach der Versicherte angegeben haben soll, "vielleicht mit
dem linken Kniegelenk umgeknickt zu sein" findet sich jedenfalls nicht in
den Akten.
6.4.2. Wie der Beschwerdeführer überdies zu Recht moniert, geht der beratende
Arzt dabei weder auf die Art der degenerativen Schädigungen noch auf
den Anteil dieser Schäden noch auf Auswirkungen auf den
Gesundheitszustand des Beschwerdeführers ein. Wenn der beratende
Arzt Dr. med. E._ auch in seiner undatierten (gemäss
Beschwerdegegnerin angeblich am 25. Februar 2021 erstellten) und
(ebenfalls) nicht unterzeichneten Stellungnahme erklärt, dass mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit von degenerativen und
krankheitsbedingten Veränderungen auszugehen sei, geht dies am
Thema vorbei, legt er doch nicht dar, weshalb sie "vorwiegend" auf
Abnützung oder Krankheit zurückzuführen seien. Der Entlastungsbeweis
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des Unfallversicherers ist aber erst dann erbracht, wenn die festgestellte
– und auch hier anerkannte – Listendiagnose zu mehr als 50 % auf
"Abnützung oder Erkrankung" beruht (BGE 146 V 51 E.8.2.2.1). Nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung muss eine "vorwiegende"
Verursachung durch Erkrankung und Abnützung im gesamten
Ursachenspektrum mehr als 50 % ausmachen, d.h. mehr wiegen, als alle
anderen mitbeteiligten Ursachen. Daran ändert auch nichts, wenn der
beratende Arzt auf seine beratungsärztliche Stellungnahme vom 27.
August 2020 verweist und insbesondere auf die Verneinung eines Unfalls
im Sinne von Art. 4 ATSG fokussiert, indem er ausführt, dass ein
geeignetes Ereignis, welches eine isolierte Meniskusschädigung hätte
verursachen können, zu keinem Zeitpunkt, weder initial noch im weiteren
Verlauf noch aktuell angegeben, habe wahrscheinlich gemacht werden
können. Es hätten sich zu keinem Zeitpunkt für eine traumatische
Meniskusläsion zu fordernde Begleitverletzungen des linken Kniegelenks
gefunden und es hätten sicher deutliche degenerative Veränderungen
bestanden, die eindeutig durch die arthroskopische Operation am
10. August 2020 festgestellt worden seien (vgl. Bg-act. M7, S. 3). Die
Beschreibung der medizinischen Situation und die Beurteilung der
medizinischen Zusammenhänge durch Dr. med. E._ bleiben sehr
vage und leuchten nicht ein, auch begründet der beratende Arzt seine
Schlussfolgerungen nicht schlüssig. Gerade was die angeblich fehlenden
Begleitverletzungen einer traumatischen Knieverletzung anbelangt, ergibt
sich – entgegen den Vorbringen des beratenden Arztes – aus den
echtzeitlichen spitalärztlichen Unterlagen aber, dass ein Gelenkserguss
und eine muskuläre Einblutung des proximalen Musculus gastrocnemius
Caput mediale befundet wurden (vgl. Bericht der Radiologie, Bg-act. M2
und Bericht der Chirurgie, Bg-act. M3). Das streitberufene Gericht kann
sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Alter des Beschwerdeführers
von 69 Jahren mit zum Anlass genommen wurde, die Knieverletzung als
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degenerativ zu werten. So bestehen zumindest geringe Zweifel an der
Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der Feststellungen des beratenden
Arztes.
Die Beurteilungen des beratenden Arztes widersprechen zudem auch der
Beurteilung des operierenden Arztes, Dr. med. J._, vom 17.
Dezember 2020 (ebenfalls nach dem angefochtenen Einspracheentscheid
vom 1. Dezember 2020 ergangen), der festhält, dass sich in der
Arthroskopie, nebst der Meniskusläsion, keine über das
altersdurchschnittliche Mass hinausgehenden degenerativen
Veränderungen gezeigt hätten, so dass ein traumatischer Meniskusriss
vorliege (vgl. Bg-act. M6). Diese Einschätzung deckt sich mit den
vorgenannten Arztberichten des D._, welche neben einer
symptomatischen medialen Meniskusläsion links degenerative Schäden
maximal im Grad einer Chondropathie Grad I und II (vgl. dazu
Operationsbericht Dr. med. J._ vom 10. August 2020, Bg-act. M4)
beschreiben bzw. sich gemäss Bericht der Chirurgie vom 5. August 2020
gestützt auf das MRI vom 29. Juli 2020 kein Nachweis einer tieferen
Knorpelläsion sowie eine Alteration des tiefen Anteils des Innenbands, DD
Grad II Läsion ergab (vgl. Bg-act. M3) und überdies gestützt auf das MRI
vom 29. Juli 2020 keine Knorpelschäden medial, lateral oder retropatellär
befundet wurden (vgl. Bg-act. M2). Aus dem Operationsbericht (vgl. Bg-
act. M4) und dem Radiologiebericht (vgl. Bg-act. M2) ist gemäss ICRS-
Klassifizierung auf eine Schwere der Vorschädigung von einer intakten
Oberfläche Fibrillationen und/oder leichte Erweichung respektive
zusätzliche oberflächliche Risse/Fissuren (Grad 1) und eine Tiefe des
Knorpelschadens von weniger als 50 % der Knorpeldicke (Grad 2) (vgl.
Bg-act. 38, vgl. dazu auch https://www.qkg-ev.de/fachinformationen/fuer-
aerzte/klassifikationen: letztmals besucht am 12. Juli 2022) zu schliessen.
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Auch diese Klassifizierung steht dem von der Beschwerdegegnerin zu
erbringenden Entlastungsbeweis entgegen.
Gegen die behauptete chronifizierte Gesundheitsschädigung spricht
zudem auch, dass sich die diversen Ausführungen im angefochtenen
Einspracheentscheid vom 1. Dezember 2020 und der Beschwerdeantwort
vom 3. März 2021 bezüglich des Bandapparates "dauernd etwas Spiel",
"deutliche" Schleifspuren", "zweitgradige Ruptur des LCM älteren
Ursprungs" und "Insuffizienz des Bandapparates" etc. (vgl. angefochtener
Einspracheentscheid, Bg-act. 65 Ziff. 4.1 d); Beschwerdeantwort, A2 B.
Rechtliches Ad 2 ff.), so weder den medizinischen Unterlagen M1-4 noch
den Stellungnahmen von Dr. med. E._ entnehmen lassen und damit
der notwendigen medizinischen Herleitung entbehren.
6.4.3. Aufgrund des Gesagten genügen die zwei versicherungsmedizinischen
Stellungnahmen von Dr. med. E._ den beweisrechtlichen
Anforderungen an einen ärztlichen Bericht oder ein Gutachten nicht. Die
Beschwerdegegnerin erbringt damit den Entlastungsbeweis gemäss Art. 6
Abs. 2 UVG, dass die Listenverletzungen (Meniskusriss und Bandläsion)
vorwiegend, d.h. zu mehr als 50 % auf Abnützung oder Erkrankung
beruhen, nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
nicht und es bestehen zumindest geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit
und Schlüssigkeit der beratungsärztlichen Feststellungen. Da infolge
Zeitablaufs aktuelle bildgebende oder klinische Untersuchungen keinen
Aufschluss über den damaligen (allfälligen) Degenerationsgrad des linken
Kniegelenks mehr ergäben, könnten auch von einem verwaltungsexternen
Gutachten keine entscheidrelevanten Erkenntnisse gewonnen werden.
Gegenteiliges tut auch die Beschwerdegegnerin nicht dar (vgl. dazu Urteil
des Bundesgerichts 8C_593/2021 vom 6. Januar 2022 E.5.3). Es hat
damit bei der Feststellung des nicht erbrachten Entlastungsbeweises der
Beschwerdegegnerin sein Bewenden.
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6.5. Im Ergebnis erweist sich die Beschwerde somit als begründet, da die
Beschwerdegegnerin ihre Leistungspflicht im Zusammenhang mit den
anlässlich des Ereignisses vom 27. Juli 2020 erlittenen
Körperschädigungen i.S.v. Art. 6 Abs. 2 UVG zu Unrecht verneint hat.
Deshalb ist die Beschwerde gutzuheissen, der angefochtene
Einspracheentscheid aufzuheben und die Beschwerdegegnerin ist zu
verpflichten, die gesetzlichen Leistungen im Zusammenhang mit dem
Ereignis vom 27. Juli 2020 zu erbringen.
7.1. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG sind Verfahren vor dem kantonalen
Versicherungsgericht bei Streitigkeiten über Leistungen kostenpflichtig,
wenn dies im jeweiligen Einzelgesetz vorgesehen ist. Art. 105 ff. UVG
sehen keine generelle Kostenpflicht vor. Damit sind
unfallversicherungsrechtliche Beschwerdeverfahren über Leistungen in
der Regel kostenlos. Vorbehalten bleibt die Kostenauflage infolge
mutwilligen oder leichtsinnigen Verhaltens (Art. 1 Abs. 1 UVG i.V.m.
Art. 61 lit. fbis in fine ATSG). Für das vorliegende Verfahren sind daher
keine Kosten zu erheben.
7.2. Der Art. 61 lit. g ATSG sieht vor, dass der obsiegende Beschwerdeführer
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten hat; diese werden vom
Versicherungsgericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert
nach der Bedeutung der Streitsache und nach der Schwierigkeit des
Prozesses bemessen. Ist eine versicherte Person durch einen Anwalt
einer Rechtsschutzversicherung vertreten, hat sie im Falle des Obsiegens
sowohl für das Verfahren vor Bundesgericht als auch für das kantonale
Verfahren Anspruch auf eine Parteientschädigung (BGE 135 V 473 E.2
und 3 [Pra 99 {2010} Nr. 67]). Allerdings ist aufgrund der Praxis des
Verwaltungsgerichts, Rechtsvertretern, welche als angestellte
Rechtsanwälte für eine Rechtsschutzversicherung auftreten, ein
Stundenansatz von CHF 160.--zuzubilligen (vgl. PVG 2010 Nr. 31; Urteil
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des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] S 17 33, VGU
S 14 4). Die Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat trotz
Aufforderung vom 9. März 2021 keine Honorarnote eingereicht. In
Anbetracht dessen rechtfertigt es sich nach Auffassung des Gerichts, dem
Beschwerdeführer eine pauschale aussergerichtliche Entschädigung von
CHF 1'000.-- (inkl. Spesen und MWST) zuzusprechen. In diesem Umfang
hat die Beschwerdegegnerin den Beschwerdeführer zu entschädigen.