# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 970d8239-ffe3-4751-a9ca-2aca11c8deb1
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
mehrfacher Raub etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 9. Abteilung, vom 29. November 2017 (DG170206)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 3. August 2017 ist
diesem Urteil beigeheftet (Urk. 29).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 90 S. 121 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig
− des mehrfachen, teilweise versuchten Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 Abs. 1
StGB, teilweise in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB,
− der mehrfachen sexuellen Nötigung im Sinne von Art. 189 Abs. 1 StGB,
− des mehrfachen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 StGB,
− der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB,
− des mehrfachen Hausfriedensbruchs im Sinne von Art. 186 StGB,
− des mehrfachen Exhibitionismus im Sinne von Art. 194 Abs. 1 StGB,
− der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB,
− der mehrfachen sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB.
2. Vom Vorwurf der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB wird der Beschuldigte freige-
sprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 4 2⁄3 Jahren Freiheitsstrafe als teilweise Zusatzstrafe zu
der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013 ausgefällten Strafe sowie
mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu CHF 20 und einer Busse von CHF 1'000.
4. Die Freiheitsstrafe und die Geldstrafe werden vollzogen. Die Busse ist zu bezahlen.
5. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle eine Ersatz-
freiheitsstrafe von 10 Tagen.
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6. Der bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 26. Juli
2013 ausgefällten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 30 wird widerrufen.
7. Es wird die Verwahrung des Beschuldigten im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB angeordnet.
8. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, der Opferhilfe beider Basel,
... [Adresse], Schadenersatz von CHF 494.35 zu bezahlen.
9. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, der Privatklägerin 3
B._ CHF 5'000 zuzüglich 5 % Zins ab 30. August 2013 als Genugtuung zu bezahlen.
10. Der Beschuldigte wird gemäss seiner Anerkennung verpflichtet, der Privatklägerin 4
C._ CHF 6'000 zuzüglich 5 % Zins ab 1. September 2013 als Genugtuung zu bezah-
len.
11. Die Privatklägerin 5 D._ wird mit ihrem Genugtuungsbegehren auf den Weg des Zivil-
prozesses verwiesen.
12. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber dem Privatkläger 1 E._ aus dem
eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Fest-
stellung des Umfanges des Schadenersatzanspruches wird der Privatkläger 1 E._ auf
den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
13. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger 1 E._ CHF 6'000 zuzüglich 5 %
Zins ab 21. Juli 2016 als Genugtuung zu bezahlen.
14. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 8'000.00 ; die weiteren Auslagen betragen:
CHF 7'500.00 Gebühr Anklagebehörde
CHF 23'050.45 Auslagen (Gutachten)
CHF 600.00 Gebühr Beschwerdeverfahren (G. Nr. UB160170)
CHF 18'645.35 amtliche Verteidigung (Rechtsanwalt Y._)
CHF 13'409.10 amtliche Verteidigung (Rechtsanwalt X._)
CHF 6'816.20 unentgeltliche Geschädigtenvertretung (Rechtsanwalt F._)
CHF 3'213.60 unentgeltliche Geschädigtenvertretung (Rechtsanwältin G._)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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15. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens (inkl. der Kosten des Be-
schwerdeverfahrens [Geschäfts-Nr. UB160170]), ausgenommen diejenigen der amtlichen
Verteidigungen und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft, werden dem Be-
schuldigten auferlegt.
16. Die Kosten der amtlichen Verteidigungen und der unentgeltlichen Vertretung der Privatklä-
gerschaft werden auf die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung
gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO in Bezug auf die Kosten der amtlichen Verteidigungen.
17. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher Verteidiger des
Beschuldigten mit CHF 13'409.10 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
18. Rechtsanwalt lic. iur. F._ wird für seine Aufwendungen als unentgeltlicher Vertreter des
Privatklägers 1 E._ mit CHF 6'816.20 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse entschädigt.
19. Rechtsanwältin lic. iur. G._ wird für ihre Aufwendungen als unentgeltliche Vertreterin
der Privatklägerin 4 C._ mit CHF 3'213.60 (inkl. MwSt.) aus der Gerichtskasse ent-
schädigt.
20. (Mitteilungen)
21. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 7 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 126 S. 2 f.; Prot. II S. 10)
1. Es sei festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil des Bezirksgerichts
Zürich vom 29. November 2017 hinsichtlich Dispositivziffer 1 (mit Ausnahme
der Verurteilungen wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung, mehr-
facher Tätlichkeiten bzw. mehrfacher sexuellen Belästigung zum Nachteil
von E._), Dispositivziffer 2 (Freispruch vom Vorwurf der Drohung), Dis-
positivziffer 6 (Widerruf), Dispositivziffern 8 bis 11 (Verpflichtung zur Leis-
tung von Schadenersatz bzw. Genugtuung) sowie Dispositivziffern Ziff. 14
(Kostenauflage) und 16 bis 19 (Festlegung der Kosten der amtlichen Vertei-
digung bzw. unentgeltlichen Rechtsvertretung) akzeptiert wurde und somit in
Rechtskraft erwachsen ist.
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2. Mit Bezug auf Dossier 8 (ND 7) (Vorwurf der mehrfachen einfachen Körper-
verletzung, mehrfachen Tätlichkeiten sowie mehrfachen sexuellen Be-
lästigungen zum Nachteil von E._) sei der Beschuldigte freizusprechen.
Auf die Schadenersatz-/Genugtuungsbegehren des Privatklägers E._
sowie Begehren um Auferlegung von Prozesskosten sei nicht einzutreten.
3. Im Sinne einer teilweisen Zusatzstrafe zum Urteil des Bezirksgerichts Zürich,
3. Abteilung, vom 3. Dezember 2013, sei der Beschuldigte nebst einer voll-
ziehbaren Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu Fr. 20.-- mit einer ebenfalls
vollziehbaren Freiheitsstrafe von 18 Monaten zu belegen.
4. Von der Anordnung einer Verwahrung im Sinne von Art. 64 Abs. 1 StGB sei
abzusehen.
5. Die Gerichts- und Untersuchungskosten seien dem Beschuldigten zur Hälfte
aufzuerlegen. Die andere Hälfte sei auf die Staatskasse zu nehmen. Die
Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 99; Prot. II S. 10 sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
c) Des Vertreters des Privatklägers 1:
(Urk. 116 S. 2)
1. Unter Abweisung der Berufung sei das vorinstanzliche Urteil zu bestätigen.
2. Der Verteidiger RA lic. iur. F._ sei zu Lasten des Berufungsklägers,
eventualiter zu Lasten des Staates zu entschädigen.
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d) Der Vertreterin der Privatklägerin 4:
(sinngemäss Urk. 118 und 120)
Es sei die Vertreterin der Privatklägerin 4 für ihre Aufwendungen und Aus-
lagen im Berufungsverfahren angemessen aus der Gerichtskasse zu ent-
schädigen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung unnötiger Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der Vor-
instanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 90 S. 7 ff.; Art. 82
Abs. 4 StPO).
2. Der Beschuldigte wurde mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom
29. November 2017 im Sinne des eingangs wiedergegebenem Dispositivs schul-
dig gesprochen und bestraft (Urk. 90 S. 121 ff.). Das Urteil wurde dem Beschul-
digten schriftlich im Dispositiv eröffnet (Prot. I S. 17). Der Beschuldigte hat am
30. November 2017 fristgerecht Berufung angemeldet (Urk. 77; Art. 399 Abs. 1
StPO). Das begründete Urteil (Urk. 80 bzw. Urk. 90) wurde dem Verteidiger des
Beschuldigten am 12. Januar 2018 zugestellt (Urk. 86/2), woraufhin dieser mit
Eingabe vom 18. Januar 2018 innert Frist die Berufungserklärungen beim hiesi-
gen Gericht einreichte (Urk. 93; Art. 399 Abs. 3 StPO).
3. Mit Präsidialverfügung vom 28. Februar 2018 wurde das Gesuch des Be-
schuldigten um Entlassung seines jetzigen amtlichen Verteidigers abgewiesen
(Urk. 95). Auf die daraufhin erhobene Beschwerde trat das Bundesgericht mit Ur-
teil vom 31. Mai 2018 nicht ein (Urk. 103).
4. Innert der angesetzten Frist gemäss Art. 400 Abs. 3 lit. b StPO (Urk. 97)
beantragte die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat (fortan Staatsanwaltschaft) am
8. März 2018 die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und verzichtete auf
Beweisanträge (Urk. 99).
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5. Mit Eingabe vom 27. November 2018 erstattete der Privatkläger 1 eine
schriftliche Berufungsantwort und beantragte die Bestätigung des vorinstanzlichen
Urteils (Urk. 116).
6. Am 10. Dezember 2018 fand die Berufungsverhandlung in Anwesenheit
des Beschuldigten und dessen Verteidigers sowie des Staatsanwaltes statt
(Prot. II S. 7). Vorfragen waren keine zu entscheiden und – abgesehen von der
Einvernahme der Beschuldigten (Urk. 125) – auch keine Beweise abzunehmen
(Prot. II S. 10). Das Urteil erging im Anschluss an die Berufungsverhandlung, wo-
bei die Parteien auf eine mündliche Eröffnung verzichtet haben (Prot. II S. 11 ff.).
II. Prozessuales
1. Umfang der Berufung
In der Berufungsschrift ist anzugeben, welche Abänderungen des erstinstanz-
lichen Urteils verlangt werden (Art. 399 Abs. 3 lit. b StPO). Der Beschuldigte ficht
die Ziffer 1 (soweit sie den Vorwurf der mehrfachen einfachen Körperverletzung,
der mehrfachen Tätlichkeiten sowie der mehrfachen sexuellen Belästigung zum
Nachteil von E._(ND 7) betrifft, die Ziffern 3-5 (Strafzumessung und Vollzug),
die Ziffer 7 (Verwahrung), die Ziffern 12 und 13 (Zivilansprüche E._) sowie
Ziffer 15 (Auferlegung der kompletten Kosten der Untersuchung sowie des ge-
richtlichen Verfahrens) an. Nicht angefochten sind somit die Ziffern 1 betreffend
des mehrfachen, teilweise versuchten Raubes, der mehrfachen sexuellen Nöti-
gung, des mehrfachen Diebstahls, des mehrfachen Hausfriedensbruchs sowie
des mehrfachen Exhibitionismus, die Ziffer 2, die Ziffer 6, die Ziffern 8-11 sowie
die Ziffern 14 und 16-19. Entsprechend ist vorab mittels Beschluss festzustellen,
dass das bezirksgerichtliche Urteil diesbezüglich in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Strafantrag
Bei den dem Beschuldigten gemäss ND 7 vorgeworfenen und vorliegend im Beru-
fungsverfahren zu beurteilenden Tatbeständen der einfachen Körperverletzung im
Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB sowie der Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126
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Abs. 1 StGB handelt es sich um Antragsdelikte, bei welchen das Vorliegen eines
gültigen Strafantrages eine Prozessvoraussetzung ist. Die entsprechenden Straf-
anträge des Privatklägers 1 liegen vor (vgl. ND 7 Urk. 2/1 [Ordner 6]).
3. Formelles
Es ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende Instanz nicht
mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelnes
Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.2; Urteil
6B_1130/2014 vom 8. Juni 2015 E. 4). Die Berufungsinstanz kann sich somit auf
die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte beschränken.
III. Sachverhalt
1. Vorbemerkung
Mit den Grundsätzen der Beweiswürdigung und Würdigung von Aussagen sowie
der Glaubwürdigkeit der einvernommenen Personen und der Glaubhaftigkeit ihrer
Aussagen hat sich die Vorinstanz ausführlich und korrekt befasst, so dass darauf
zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen vollumfänglich verwiesen werden
kann (Urk. 90 S. 30 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Auch die Beweismittel sind vollstän-
dig genannt. Diese wurden korrekt abgenommen und sind damit verwertbar
(vgl. Urk. 90 S. 33). Weiter wurden die Aussagen des Beschuldigten sowie des
Privatklägers 1 in den polizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen
sowie anlässlich der gerichtlichen Befragung bei der Vorinstanz in Bezug auf die
sachlich relevanten Inhalte umfassend und ausführlich wiedergegeben, genauso
wie die durch die Staatsanwaltschaft angeforderten ärztlichen Befunde sowie die
weiteren ärztlichen Dokumente (Urk. 90 S. 33 ff. und S. 47 f.). Auf die konkreten
Aussagen der verschiedenen Personen sowie den Inhalt der genannten Doku-
mente ist nachfolgend daher nur noch ergänzend bzw. konkretisierend einzu-
gehen.
Zur Beweiswürdigung ist anzumerken, dass auch unter dem Gesichtspunkt des
Grundsatzes "in dubio pro reo" eine absolute Gewissheit nicht verlangt werden
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kann. Vielmehr müssen erhebliche und nicht zu unterdrückende Zweifel an der
Schuld des Beschuldigten bestehen, die sich nach der objektiven Sachlage auf-
drängen. Dabei ist es Aufgabe des Richters, seinem Gewissen verpflichtet in ob-
jektiver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem
bestimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen
Richtigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 StPO; BGE 124 IV 86 E. 2a). Es liegt
in der Natur der Sache, dass mit menschlichen Erkenntnismitteln keine absolute
Sicherheit in der Beweisführung erreicht werden kann; daher muss es genügen,
dass das Beweisergebnis über jeden vernünftigen Zweifel erhaben ist. Lässt sich
ein Sachverhalt nicht mit letzter Gewissheit feststellen, was schon im Wesen
menschlichen Erkenntnisvermögens liegt, so hindert dies den Richter nicht, will-
kürfrei subjektiv mit Gewissheit davon überzeugt zu sein (vgl. Entscheid des Bun-
desgerichtes 6B_172/2009 vom 29. Oktober 2009 E. 1.6. am Ende unter Hinweis
auf BGE 127 I 54 E. 2b).
2. Würdigung
2.1. Der Beschuldigte bestreitet, dem Privatkläger 1 in der Zeit von ca. 16. Juli
2016 bis längstens am 22. Juli 2016, in der Zelle und an anderen nicht genau be-
kannten Örtlichkeiten im Gefängnis, mindestens vier Ohrfeigen verpasst und ihn
mindestens einmal geschubst zu haben. Weiter stellt er in Abrede, am 20. Juli
2016, abends in der Zelle, zu masturbieren begonnen und den Privatkläger 1 da-
zu aufgefordert zu haben, zuzusehen sowie vor diesen getreten zu sein und die-
sem gesagt zu haben, er könne seinen Penis auch berühren, was der Privat-
kläger 1 beides nicht gewollt habe. Es stimme auch nicht, dass er dem Privat-
kläger 1 sodann auf sein Kajütenbett gefolgt sei, dort masturbiert und den Privat-
kläger 1 sodann dazu aufgefordert habe, ihm "einen runter zu holen", was letzte-
rer verweigert habe, worauf er dem Privatkläger 1 einen Schlag versetzt habe.
Ebenso stimme es nicht, dass er sich am 21. Juli 2016, abends in der Zelle, sich
mit seinem sein Glied in der Hand zum - ebenfalls nackten - Privatkläger 1 bege-
ben und diesen mit beiden Händen gegen den Rücken gestossen habe, sodass
dieser mit dem Kopf gegen die Wand geprallt sei. Er habe den Privatkläger 1 nicht
von hinten an den Oberarmen festgehalten und seinen Körper nicht von hinten an
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jenen des Privatklägers 1 gepresst, so dass sein nacktes Glied dessen nacktes
Gesäss berührt habe. Ebenso wenig habe er, nachdem sich der Privatkläger 1
habe befreien können, mehrfach auf diesen eingeschlagen, wobei er ihn mindes-
tens zwei Mal mit der Faust und mindestens zwei Mal mit der offenen Hand ge-
schlagen habe, wobei die Schläge auf die Ohren, ins Gesicht, gegen die Brust
und gegen den Rücken erfolgt seien. Der Beschuldigte bestreitet weiter, dass
der Privatkläger 1 dann zu Boden gefallen sei und er ihm mit dem Fuss gegen die
linke Brustseite (Rippengegend) getreten und ihm seinen Fuss auf das Gesicht
(Kiefer/Halsgegend) gestellt habe und dass der Privatkläger 1 durch dieses ge-
waltsame Vorgehen ein Loch im Trommelfell des linken Ohrs (mit Hörminderung),
eine geschwollene linke Ohrmuschel, ein blutiges Trommelfell rechts, eine Beule
an der Stirn, Blutergüsse, Striemen sowie einen Druckschmerz an einer Rippe er-
litten habe (vgl. HD Urk. 18/4 S. 12; Ordner 2; ND 7 Urk. 4/1 und Urk. 4/3; je Ord-
ner 6).
An der Berufungsverhandlung hielt der Beschuldigte an seinen bisherigen Aus-
sagen fest und stellte entschieden in Abrede, gegenüber dem Privatkläger 1
tätlich geworden zu sein, ihm die inkriminierten Verletzungen zugefügt und ihn
sexuell belästigt zu haben (Urk. 125 S. 5 ff.). Die Aussagen des Privatklägers 1
seien widersprüchlich. Der Privatkläger 1 habe sich jeweils selbst geschlagen und
lüge in allen Dingen. Er [der Beschuldigte] habe sehr viel über den Privatkläger 1
erfahren, indem der Privatkläger 1 viel Schlechtes über seine Frau gesprochen
habe und ihm [dem Beschuldigten] gesagt habe, er würde das Gesicht seiner
Frau mit einer Fackel verbrennen. Nun wolle der Privatkläger 1 auch ihn vernich-
ten (Urk. 125 S. 7 f.). Er [der Beschuldigte] habe noch nie das Begehren nach
homosexuellen Handlungen verspürt und auch nichts Derartiges, wie in der An-
klageschrift umschrieben sei, gemacht (Urk. 125 S. 8 und S. 10).
2.2. Die Verteidigung des Beschuldigten stellte sich zusammengefasst auf den
Standpunkt, es könne entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen nicht auf die
Aussagen des Privatklägers 1 abgestellt werden, zumal diese reichlich über-
trieben, realitätsfern und widersprüchlich seien (Urk. 126 Rz. 5). Vielmehr sie
diesbezüglich auf die Aussagen des Beschuldigten abzustellen, dem nichts ande-
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res übrig bleibe, als die Vorwürfe pauschal zu bestreiten. Auffallend sei im Weite-
ren, dass keinerlei Intervention des Gefängnispersonales dokumentiert sei, zumal
die behaupteten Gewalteskalationen des Beschuldigten dem Personal oder Mit-
gefangenen hätten auffallen müssen. Der Privatkläger 1 habe selbst ausgeführt,
geschrien zu haben. Der Privatkläger 1 habe auch nicht versucht, auf seine miss-
liche Lage aufmerksam zu machen, wobei die Argumentation der Vorinstanz, der
Privatkläger 1 sei eingeschüchtert gewesen, nicht überzeuge (Urk. 126 Rz. 11 ff.).
Bezüglich der beim Privatkläger 1 festgestellten Verletzungen wies die Verteidi-
gung darauf hin, dass der Beschuldigte angab, der Privatkläger 1 habe von einem
Loch im Trommelfell gesprochen und ihm bei Gesprächen stets sein rechtes, nie
sein linkes Ohr, hingehalten. Als weiteres Motiv für die Falschbeschuldigung sei
daher auch die Abwälzung der Behandlungskosten dieses vorbestandenen Kör-
perschadens wie auch der ihm aus Verzweiflung selbst beigebrachten Verletzun-
gen auf den Beschuldigten in Betracht zu ziehen (Urk. 126 Rz. 18 f.). Hinweise
auf eine homosexuelle Neigung des Beschuldigten fänden sich in den Akten zu-
dem keine.
Die Verteidigung plädierte daher im Sinne des Grundsatzes "in dubio pro reo" für
einen Freispruch des Beschuldigten (Urk. 126 Rz. 21).
2.3.1. Zunächst ist auf die spezielle Situation einzugehen, in welcher sich der
Beschuldigte sowie der Privatkläger 1 befanden. Beide waren Mithäftlinge im Ge-
fängnis H._ und teilten sich eine Zelle. Der Beschuldigte wirft dem Privat-
kläger 1 vor, falsche Anschuldigungen zu machen und zu lügen. Sämtliche Vor-
würfe seien falsch und erfunden (ND 7, Urk. 4/1, Ordner 6, S. 4 f.; Urk. 125
S. 5 ff.; Urk. 126 Rz. 3 ff.). Warum der Privatkläger 1 ihn zu Unrecht beschuldigten
sollte, erklärte der Beschuldigte im Rahmen der Strafuntersuchung nicht. Im Ge-
genteil sagte er bei der Polizei aus, dass er nie eine Auseinandersetzung mit dem
Privatkläger 1 gehabt habe und nennt von sich aus, dass er dafür Zeugen habe
(ND 7, Urk. 4/1, Ordner 6, S. 3). Zudem will er dem Privatkläger 1 ja - gemäss
seinen eigenen Aussagen - während der Haftzeit in vielfältiger Weise geholfen
haben (ND 7, Urk. 4/1, Ordner 6, S. 4; ND 7, Urk. 4/3, Ordner 6, S. 2 f.), was ein
Rachemotiv des Privatklägers 1 von Vornherein ausschliesst. Erst vor dem Be-
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zirksgericht machte der Beschuldigte geltend, dass er viel über den Privatkläger 1
wisse, da er ihm "Sachen über seine Frau erzählt" habe, was sonst niemand wis-
se. Nun wolle sich der Privatkläger 1 an ihm rächen (Urk. 61 S. 5). Auf Nachfrage
des Referenten steigerte er diese Aussage noch, indem er ausführte, dass der
Privatkläger 1 ihm gesagt habe, dass er seine Frau mit Säure bewerfen werde,
wenn er aus dem Gefängnis entlassen sei. Er wisse so viel über ihn, den Be-
schuldigten, dass er ihn loswerden und "sich dann um seine Frau kümmern" wolle
(Urk. 61 S. 8). Dieser Vorwurf des Beschuldigten ist unlogisch und zudem völlig
haltlos, da sich der Beschuldigte ja diverser Straftaten schuldig gemacht hat und
schon ihn Deutschland eine Freiheitsstrafe absitzt. Somit besteht für den Privat-
kläger 1 überhaupt keine Veranlassung, dem Beschuldigten weitere Straftaten
vorzuwerfen, um ihn mittels einer zusätzlichen Freiheitsstrafe "loszuwerden". In
der Berufungsverhandlung gab der Beschuldigte an, der Privatkläger 1 wolle ihn
"vernichten" und habe ihm [dem Beschuldigten] im Gefängnis gesagt, er würde
das Gesicht seiner Frau noch mit einer Fackel verbrennen (Urk. 125 S. 8).
Auf Nachfrage des Präsidenten, weshalb der Privatkläger 1 ihn sollte vernichten
wollen, entgegnete der Beschuldigte nichtssagend, wonach "man im Gefängnis
anfänglich Depressionen habe" und er und der Privatkläger täglich 20 Stunden im
selben Zimmer gewesen seien (Urk. 125 S. 8). Weshalb dies eine Vernichtungs-
absicht zur Folge haben soll, bleibt mithin unerfindlich.
Die Vorinstanz hat daher zu Recht darauf hingewiesen, dass auf Grund des
Untersuchungsergebnisses kein konkretes Motiv für eine falsche Anschuldigung
ersichtlich ist und die Aussagen des Beschuldigen kaum einen Sinn ergeben wür-
den (Urk. 90 S. 49). Auch monetäre Absichten können für den Privatkläger 1 kein
Anreiz für eine Falschaussage gewesen sein, verfügt der Beschuldigte doch nur
über äusserst beschränkte finanzielle Mittel (vgl. HD Urk. 20/7). Die von der Ver-
teidigung an der Berufungsverhandlung vorgebrachte Behauptung, wonach der
Privatkläger 1 womöglich die Behandlungskosten des vorbestandenen Körper-
schadens und auch der selbst beigebrachten Verletzungen auf den Beschuldigten
abwälzen wolle, vermag auch deshalb nicht zu überzeugen, als der Privatkläger 1
gar keine Schadenersatzforderungen stellt, sondern lediglich beantragt, es sei
dem Grundsatz nach zu entscheiden, dass der Beschuldigte aus dem eingeklag-
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ten Ereignis Schadenersatz leisten müsse. Der Vertreter des Privatklägers 1 hält
in seinem Berufungsantwort ausdrücklich fest, dass dem Privatkläger 1 bis dato
keine Kosten erwachsen seien, da er durch das Sozialamt unterstützt werde. Ins-
besondere könne jetzt noch nicht abgeschätzt werden, ob zukünftige Arzt- oder
Therapiekosten entstehen würden oder er dem Sozialamt rückzahlungspflichtig
werde (Urk. 116 Rz. 14 f.). Und selbst wenn man dem Privatkläger 1 solche Ab-
sichten dennoch unterstellen wollte, so hätte die Schilderung eines einzigen Vor-
falls, nämlich demjenigen betreffend das Schlagen auf die Ohren, das Treten etc.
genügt, um die ärztlich festgestellten Verletzungen (ND 7 Urk. 5/3; ND 7 Urk. 5/6;
ND 7 Urk. 5/8, alles Ordner 6) dem Beschuldigten "in die Schuhe zu schieben".
Weshalb der Privatkläger 1 aus rein monetären Motiven noch Vorwürfe der sexu-
ellen Belästigung erfinden sollte, vermag nach dem Gesagten von Vornherein
nicht zu überzeugen.
2.3.2. Konfrontiert mit der Aussage des Privatklägers 1, dass die Probleme da-
mit begonnen hätten, dass der Beschuldigte seine Akten/Papiere gelesen habe
und gewusst habe, dass ihm eine Vergewaltigung vorgeworfen wird (vgl. u.a.
ND 7 Urk. 3/2, Ordner 6, S. 6), machte der Beschuldigte geltend, dass er kein
Deutsch lesen könne (ND 7, Urk. 4/1, Ordner 6, S. 3) bzw. dass er nicht einmal
seine "eigenen Unterlagen lesen" könne (ND 7, Urk. 4/3, Ordner 6, S. 3). Indes
konnte er sich mit einer Sozialarbeiterin nicht nur auf Deutsch, sondern sogar auf
Schweizerdeutsch verständigen (ND 7, Urk. 4/3, Ordner 6, S. 3), weshalb mit der
Vorinstanz (Urk. 90 S. 37 f.) festzuhalten ist, dass es dem Beschuldigten somit
ohne Weiteres möglich war herauszufinden, was dem Privatkläger 1 vorgeworfen
wird. Die Behauptung, kein Deutsch lesen zu können, erweist sich hier klar als
Schutzbehauptung. Nachvollziehbar ist auch, dass der Beschuldigte - nachdem er
vom Vorwurf der Vergewaltigung gegen den Privatkläger 1 erfahren hat - diesen
einerseits sexuell bedrängt hat und andererseits auch in sonstiger Weise herab-
setzte, wohl weil er den Respekt vor ihm verloren hat. Interessant ist in diesem
Zusammenhang, dass der Beschuldigte selber seine Beziehung zum Privat-
kläger 1 widersprüchlich darstellt, wenn er - wie bereits erwähnt - einerseits dem
neuen Zellengenossen in vielerlei Hinsicht behilflich gewesen sein soll und ihn un-
terstützt haben will (ND 7, Urk. 4/1, Ordner 6, S. 4; ND 7, Urk. 4/3, Ordner 6,
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S. 2 f.; Urk. 125 S. 6), was eine grundsätzlich positive innere Einstellung zum
menschlichen Gegenüber voraussetzt; er indes diesen Mitmenschen aufgrund
seiner "Menschenkenntnisse" als "Lügner und Schauspieler", welcher "immer an-
dere Geschichten" erzählt und "nicht die Wahrheit" sagt, bezeichnet. Er beurteilt
den Privatkläger weiter als einen Menschen mit "verschiedenen Gesichtern", wel-
cher "unehrlich" sei und sich "immer wieder anders" verhalte (ND 7, Urk. 4/1,
Ordner 6, S. 6). Weiter versucht er, den Privatkläger 1 - ohne entsprechende Ver-
anlassung von Seiten der befragenden Person - schlecht zu machen, indem er
sowohl bei der Einvernahme durch die Polizei als auch bei der Einvernahme
durch die Staatsanwaltschaft erwähnt, dass er "schockiert" gewesen sei, als er er-
fahren habe, dass "E._ ein CH-Bürger ist und kein Deutsch spricht" bzw.
dass er es seltsam fand, dass "er einen Schweizer Pass hat und nicht einmal
Deutsch schreiben kann. Er kann auch Deutsch nicht lesen. Diejenige Person, die
ihm den Pass ausgehändigt hat, hat zu diesem Zeitpunkt geschlafen" (ND 7,
Urk. 4/3, Ordner 6, S. 3). Der Beschuldigte versucht somit, den Privatkläger 1 zu
diskreditieren. Dass er eine sehr schlechte Meinung von diesem hat, zeigt weiter
seine Äusserung, wonach [die Aussagen des Privatklägers 1] "keine Handlung ei-
nes Mannes" seien. "Entweder ist man ein richtiger Mann oder man muss aus
dem Weg gehen" (ND 7, Urk. 4/3, Ordner 6, S. 2). Auch seine Aussage "Ich habe
nicht erwartet, dass er sich so verhält wie eine Frau. Sogar Frauen können sich
besser verhalten. Entweder soll er die Wahrheit sagen oder er soll weggehen"
zeugt von dieser Einstellung. Weiter will der Beschuldigte den Privatkläger 1 ge-
mäss seiner Aussage bei der Einvernahme durch die Kantonspolizei aufgrund
seines Alters respektiert und die Zelle alleine aufgeräumt haben, da der Privatklä-
ger 1 gesundheitlich angeschlagen sei (ND 7, Urk. 4/1, Ordner 6, S. 4). Bei der
Befragung durch die Staatsanwaltschaft gab er indes an, dass der Privatkläger 1
nie geputzt habe, obwohl er, der Beschuldigte, ihn darum gebeten habe (ND 7,
Urk. 4/3, Ordner 6, S. 7). Auf diese Ungereimtheit hat auch schon die Vorinstanz
hingewiesen (Urk. 90 S. 46). Ebenso hat die Vorinstanz zu Recht festgestellt,
dass die Bestreitungen des Beschuldigten, nämlich das er "als Mann [nicht] mas-
turbiere. Das sei einfach unmöglich und unvorstellbar" (ND 7, Urk. 4/1, Ordner 6,
S. 5), nicht nachvollziehbar seien, da ja der Beschuldigte die ihm im Übrigen vor-
- 15 -
geworfenen öffentlichen Masturbationen sowie das Greifen in seine Hose sowie
Reiben seines Penis ohne Weiteres zugegeben hat (Urk. 90 S. 45). Dem ist wenig
beizufügen, nur schon die Behauptung, als Mann nicht zu masturbieren, ist le-
bensfremd. Eine Erklärung für das Abstreiten der Vorwürfe des Privatklägers 1
könnte darin liegen, dass es hier um homosexuelle Handlungen geht, für welche
der Beschuldigte sich schämt, zumal diese in seiner Religion nicht toleriert wer-
den und er sich daher nicht als geständig erklären kann. Dies zeigen auch seine
Aussagen anlässlich der polizeilichen Einvernahme ("Ich bin kein Homosexueller,
ich bin kein Perverser. Ich dusche auch immer alleine. Bestimmt nicht mit andern
Männern."; "Als gläubiger Moslem halte ich mich an meinen Glauben. So etwas
würde ich nie tun"; ND 7, Urk. 4/1, Ordner 6, S. 5) sowie im Schlusswort anläss-
lich der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz: "Ich bin nicht schwul" (Prot. I S. 9).
Hierzu ist anzumerken, dass Homosexualität im Islam als Unzucht gilt und homo-
sexuelle Praktiken in Marokko illegal sind. Dieser religiöse und persönliche Hin-
tergrund könnte eine Erklärung dafür sein, dass der Beschuldigte alle im vorge-
worfenen Taten eingestand mit Ausnahme des ND 7, da ihm nur hier homosexu-
elle Praktiken vorgeworfen werden. An der Berufungsverhandlung kam aus den
Aussagen des Beschuldigten ebenso zum Ausdruck, dass es ihm sehr wichtig er-
schien, zu verdeutlichen, dass er keinen sexuellen Kontakt zu Männern suche
(Urk. 125 S. 6, S. 8 f.).
2.3.3. Auch zu den beim Privatkläger 1 festgestellten Verletzungen macht der
Beschuldigte widersprüchliche Aussagen, worauf schon die Vorinstanz zu Recht
hingewiesen hat und worauf zu verweisen ist (Urk. 90 S. 50 f.). Insbesondere be-
hauptete er bei der Staatsanwaltschaft, dass sich der Privatkläger 1 diese Ver-
letzungen selber zugezogen habe, da er immer geweint, sich gekratzt und selber
mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen habe. Dies habe er selber gesehen
(ND 7, Urk. 4/3, Ordner 6, S. 7). Anlässlich der Hauptverhandlung vor der Vor-
instanz führte er demgegenüber aus, dass ihm der Privatkläger 1 erzählt habe,
dass er sich beim vom Bett runtergehen verletzt habe (Urk. 61 S. 5). Auf diesen
Widerspruch angesprochen, führte der Beschuldigte aus, dass der Privatkläger 1
zunächst gesagt habe, dass er sich den Kopf angeschlagen habe, als er vom Bett
herunter gestiegen sei und ihn, den Beschuldigten, später weinend geweckt und
- 16 -
gesagt habe, dass er sich den Kopf an die Wand geschlagen habe (Urk. 61 S. 7).
Nicht nur bestehen mithin Widersprüche in der Art und Weise, wie der Privat-
kläger 1 sich die Verletzungen zugezogen haben soll, sondern auch die Art und
Weise, wie der Beschuldigte von diesen Kenntnis erhalten haben soll, wird unter-
schiedlich geschildert. Weiter ist völlig unglaubhaft, dass der Beschuldigte in der
Nacht nicht gemerkt bzw. gehört haben soll, dass der Privatkläger 1 mit seinem
Kopf an die Wand schlägt. Zudem können sämtliche Darstellungen des Beschul-
digten die Gesamtheit der Verletzungen (Loch im Trommelfell des linken Ohrs
(mit Hörminderung), eine geschwollene linke Ohrmuschel, ein blutiges Trommel-
fell rechts, eine Beule an der Stirn, Blutergüsse, Striemen sowie einen Druck-
schmerz an einer Rippe) des Privatklägers 1 nicht erklären. Auf den Umstand,
dass der Beschuldigte sich zudem mit Bezug auf die Behauptung widerspricht,
dass der Privatkläger 1 ihm einerseits gesagt haben will, dass er ein Loch im
Trommelfell habe (ND 7, Urk. 4/3, Ordner 6, S. 7) und er andererseits niemandem
etwas davon mitgeteilt habe (ND 7, Urk. 4/3, Ordner 6, S. 8), hat die Vorinstanz
schon hingewiesen (Urk. 90 S. 50). Seine Ausführungen zeigen sich daher in der
Gesamtheit als äusserst unglaubhaft. Zu den Verletzungen des Privatklägers 1
hat sich die Vorinstanz ausführlich und umfassend geäussert, weshalb darauf zu
verweisen ist (Urk. 90 S. 50 f.). Zusammenfassend ist auf die klare Aussage von
Dr. med. I._ hinzuweisen, welcher festhielt, dass die festgestellten Verlet-
zungen nur durch "Fremdeinwirkung" entstanden sein können (ND 7 Urk. 5/3 S. 1,
Ordner 6). Auch Dr. med. J._ hielt fest, dass die Verletzung ihrer Ansicht
nach durch einen Schlag auf das linke Ohr entstanden sein muss, möglich wäre
eine Selbstbeibringung der Verletzung, wenn man sich selbst mit grosser Kraft auf
das Ohr schlagen würde (ND 7 Urk. 5/6 S. 1, Ordner 6). Eine solche Selbstbei-
bringung ist als äusserst unwahrscheinlich zu qualifizieren und kann entgegen
den Ausführungen der Verteidigung (Urk. 126 Rz. 17 ff.) in Anbetracht der oben
geschilderten Umstände als mögliche Hergangs-Variante ausgeschlossen wer-
den. Zudem ist ein "sich selbst mit grosser Kraft auf das Ohr schlagen" von einem
"Kopf an die Wand schlagen" - wie dies der Beschuldigte behauptet - völlig ver-
schieden. Mit einem Schlagen an die Wand können nicht dieselben Druckwellen
ausgelöst werden wie mit einer flachen Hand. Weiter kann ein "sich selber mit
- 17 -
grosser Kraft auf das eigene Ohr schlagen" auch darum ausgeschlossen werden
da - wie oben erwähnt - der Privatkläger 1 noch weitere Verletzungen aufgewie-
sen hat (vgl. auch den Fotobogen, ND 7, Urk. 2/4, Ordner 6), welche sich nicht mit
einer Selbstbeibringung erklären lassen. Dass der Beschuldigte Linkshänder sein
soll, wird lediglich durch die Verteidigung geltend gemacht (Urk. 67 S. 9), indes
finden sich diesbezügliche Angaben weder in den Akten noch hat der Beschuldig-
te dies selber behauptet. Zudem hat die Vorinstanz zu Recht darauf hingewiesen,
dass auch in diesem Falle - nämlich mit der linken Hand - die Zufügung der fest-
gestellten Verletzungen möglich ist (Urk. 90 S. 54). Auf einen weiteren Wider-
spruch in den Aussagen des Beschuldigten im Zusammenhang mit dem Ausgang
im Hof ist die Vorinstanz schon eingegangen, worauf verwiesen werden kann,
ebenso wie auf den Umstand, dass das Bestreitungsverhalten des Beschuldigten
(er greife nie Personen an bzw. fasse keine fremden Dinge an) mit Bezug auf die
in ND 7 vorgeworfenen Vorfälle im Gesamtkontext aller vorgeworfenen Taten wi-
dersprüchlich und damit wenig glaubhaft ist (vgl. Urk. 90 S. 44 f.). Insgesamt kann
somit in Übereinstimmung mit den Erwägungen der Vorinstanz festgehalten wer-
den, dass sich die Aussagen des Beschuldigten als nicht glaubhaft erweisen.
2.3.4. Demgegenüber schilderte der Privatkläger 1 das Kerngeschehen der vor-
geworfenen Handlungen konstant und nachvollziehbar. So ist es - wie oben ge-
schildert - glaubhaft, dass die Probleme des Privatklägers 1 mit dem Beschuldig-
ten mit dessen Kenntnisnahme des Vergewaltigungsvorwurfs begannen (ND 7,
Urk. 3/1, Ordner 6, S. 2; ND 7, Urk. 3/2, Ordner 6, S. 4 und S. 6). Auch sagte der
Privatkläger 1 selber aus, dass er unter der Haft gelitten und auch geweint habe
(ND 7, Urk. 3/1, Ordner 6, S. 2; ND 7, Urk. 3/2, Ordner 6, S. 6 und S. 16), was der
Beschuldigte ebenfalls so schilderte (ND 7, Urk. 4/3, Ordner 6, S. 2). Ebenso ist
nachvollziehbar, dass der Privatkläger 1 die Vorfälle erst dann den Behörden zur
Kenntnis gebracht hat, als er aufgrund einer staatsanwaltschaftlichen Einvernah-
me aus dem Gefängnis herauskam (ND 7, Urk. 1, Ordner 6; ND 7, Urk. 3/1, Ord-
ner 6, S. 2). Da der Privatkläger 1 mit dem Beschuldigten die Zelle teilte ist ohne
Weiteres glaubhaft, dass er Angst vor diesem hatte und daher nicht vorher die
Vorfälle meldete (ND 7, Urk. 3/1, Ordner 6, S. 2; ND 7, Urk. 3/2, Ordner 6, S. 16).
Der Privatkläger 1 äusserte im Übrigen auch an anderen Stellen, dass er Angst
- 18 -
vor dem Beschuldigten hatte (u.a. ND 7, Urk. 3/2, Ordner 6, S. 6 f., S. 14 und
S. 16). Zudem macht er geltend, dass die Vorfälle sich während der Zeit inten-
siviert hätten (ND 7, Urk. 3/2, Ordner 6, S. 8), womit auch erhellt, dass
der Leidensdruck des Privatklägers 1 zunahm und er daher nicht früher um Hilfe
ersuchte (vgl. der entsprechende Einwand der Verteidigung, Urk. 67 S. 10 f.;
Urk. 126 Rz. 16). Auf die - wenigen - Unstimmigkeiten in den Aussagen des Pri-
vatklägers 1 ist die Vorinstanz einlässlich eingegangen (Urk. 90 S. 38 ff.). Diese
betreffen zudem nicht das Kerngeschehen, was auch die Vorinstanz zu Recht
festgehalten hat (Urk. 90 S. 48 f.). Weiter ist es gerade ein Realitätskriterium,
dass sich - bei sonstiger Konstanz der Aussagen - bei verschiedenen Befragun-
gen sowohl Formulierungen als auch Angaben über Nebenumstände verändern
können. Gleichförmige, eingeübt und stereotyp wirkende Aussagen sind im Ge-
genteil ein Indiz für eine Falschaussage (vgl. zum Ganzen: Bender, Die häufigs-
ten Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, SJZ 81 [1985] S. 53 ff.;
Dittmann, Zur Glaubhaftigkeit von Zeugenaussagen, Plädoyer 2/97 S. 28 ff. und
33 ff.; Bender/Nack/Treuer, Tatsachenfeststellungen vor Gericht, 4. Auflage,
München 2014, S. 76 ff.). Zu den zeitlichen Widersprüchen ist zu ergänzen, dass
der Privatkläger 1 selber an verschiedenen Stellen ausführte, sich nicht mehr si-
cher zu sein, an welchem Tag welcher Vorfall passierte (ND 7, Urk. 3/2, Ordner 6,
S. 4; S. 12 und S. 15). Diese Divergenz ist somit nicht auf ein widersprüchliches
Aussageverhalten zurückzuführen, sondern auf eine Unsicherheit in der Erinne-
rung des Privatklägers 1, welche er auch kommunizierte. Weitere - geringfügige -
zeitliche Abweichungen lassen sich mit der Art der Befragung erklären, in welcher
auf gewisse Details im Nachhinein noch einmal vertieft eingegangen wurde. Diese
geringen Abweichungen zeigen - wie oben erwähnt -, dass es sich nicht um
gleichförmig eingeübte Aussagen handelt und diese gerade nicht schematisch
bzw. stereotyp erfolgen (was ein Lügensignal darstellen würde). Zudem schildert
der Privatkläger 1 die Vorfälle im Kerngeschehen in so charakteristischer Weise,
wie es nur von demjenigen zu erwarten ist, der diese selbst miterlebt hat. Dies
stellt ebenfalls ein Realitätskriterium dar, genauso wie der Umstand, dass sich
jemand selber belastet oder seine eigene Rolle unvorteilhaft darstellt (vgl. Hauser,
Der Zeugenbeweis im Strafprozessrecht mit Berücksichtigung des Zivilprozesses,
- 19 -
Zürich 1974, S. 316). Mit Bezug auf die sexuellen Handlungen zeigen sich diese
Realitätskriterien auf eindrückliche Art: Zur allfälligen (unwahren) Bezichtigung
des Beschuldigten hätte es nämlich genügt, wenn der Privatkläger 1 lediglich die
Körperverletzungen und Tätlichkeiten zur Anzeige gebracht hat. Indes nimmt er
es auf sich, vor den Untersuchungsbehörden intime Details zu erzählen, welche
naturgemäss nicht einfach preiszugeben sind, gerade wenn es um eine homose-
xuelle Handlung geht. Dass er dies tut und es nicht beim Vorwurf der Körper-
verletzung etc. belässt, spricht in hohem Masse für den Wahrheitsgehalt seiner
Aussagen. Die sexuellen Handlungen beschreibt der Privatkläger 1 ausserdem
sehr realitätsnah, so dass ohne Weiteres glaubhaft ist, dass er dies tatsächlich er-
lebt hat. So hat er nachvollziehbar geschildert, dass der Beschuldigte marsturbier-
te und wollte, dass er, der Privatkläger 1, dabei zuschaute bzw. seinen Penis
auch berührte sowie dass der Beschuldigte nackt zu ihm gekommen sei, als er
sich rituell waschen wollte und dabei sein Glied in der Hand gehalten habe (ND 7,
Urk. 3/2, Ordner 6, S. 4 und S. 10). Und weiter: "Er hatte einen erigierten Penis.
[...] Und er versuchte mit seinem Penis mein Hinterteil zu berühren. Ich habe dies
abgelehnt und mich gewehrt" (ND 7, Urk. 3/2, Ordner 6, S. 13). Solche Handlun-
gen frei zu erfinden ist nicht wahrscheinlich. Auch räumt der Privatkläger 1 eine
eigene Schwäche ein, nämlich psychisch und körperlich gelitten zu haben bzw.
immer noch psychisch angeschlagen zu sein (ND 7, Urk. 3/1, Ordner 6, S. 4; ND
7, Urk. 3/2, Ordner 6, S. 4). Weiter führte der Privatkläger 1 aus, dass die Ohr-
feigen anfänglich seiner Meinung nach lediglich ein "Test" gewesen seien und es
später schlimmer geworden sein (ND 7, Urk. 3/2, Ordner 6, S. 8). Diese Einschät-
zung zeugt ebenfalls von eigenem Erleben, indem er sich Gedanken zum Ver-
halten des Beschuldigten machte und dieses einordnen wollte. Zudem versuchte
der Privatkläger 1 auch nicht, die Vorfälle dramatischer darzustellen, als sie tat-
sächlich waren und es gibt auch keine Übersteigerungen im Verlaufe der Ein-
vernahmen. Mit Bezug auf die erwähnten Schläge hat der Privatkläger 1 aus-
gesagt, dass diese anfänglich "leichte Schläge" gewesen seien (ND 7, Urk. 3/2,
Ordner 6, S.8). Auch die sexuellen Handlungen hat der Privatkläger 1 ohne Dra-
matik geschildert, obwohl es ihm ein Leichtes gewesen wäre, hier dem Beschul-
digten schwerere Verfehlungen vorzuwerfen. Zudem erfahren diese keine Steige-
- 20 -
rung im Verlaufe der Einvernahmen. Dasselbe gilt für die körperlichen Verletzun-
gen, welche der Privatkläger 1 sachlich und in Übereinstimmung mit den ärzt-
lichen Befunden schilderte ("Ich habe keine Brüche, aber diverse schmerzhafte
Prellungen. Auch habe ich Schmerzen in den Ohren" [ND 7, Urk. 3/1, Ordner 6,
S. 5]; "Ich kann mit meinem linken Ohr nur schlecht hören, da ich ein Loch in der
Trommel von dieser Auseinandersetzung trage" [ND 7, Urk. 3/2, Ordner 6, S. 17]).
Ein weiteres Indiz für die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen mit Bezug auf den Um-
stand, dass die Verletzung am linken Ohr (Loch im Trommelfell) vom Beschuldig-
ten herrühren, ist die Tatsache, dass der Privatkläger 1 bei der Polizei angab,
"Schmerzen in den Ohren" zu haben. Und weiter: "Ich wollte die Ohren heute rei-
nigen und dabei blutete es ein wenig (ND 7, Urk. 3/1, Ordner 6, S. 5). Wenn das
Loch im Trommelfell - wie vom Beschuldigten behauptet (ND 7, Urk. 4/3, Ordner
6, S. 7) - tatsächlich schon vorher bestanden hätte und der Privatkläger 1 dies
dem Beschuldigten fälschlicherweise hätte "anhängen" wollen, so hätte er hier zu
einer anderen - dramatischeren - Schilderung gegriffen. Auch mit Bezug auf die
Fesselung mit der Packschnur hat der Privatkläger 1 ausgeführt, dass der Be-
schuldigte ihn immer wieder befreit habe (ND 7, Urk. 3/1, Ordner 6, S. 5). Zur
Dauer schilderte der Privatkläger 1 auf Nachfrage, dass die Fesselung keine lan-
ge Zeit gedauert habe, "Etwa eine Minute, oder so" (ND 7, Urk. 3/2, Ordner 6,
S. 14). Und weiter: "Er wollte mir damit einfach auch wieder zeigen, dass er der
Mächtigere ist von beiden" (ND 7, Urk. 3/1, Ordner 6, S. 5). Hier versucht der Pri-
vatkläger 1 ebenfalls nicht, den Vorfall schlimmer darzustellen, als er war. Zum
Einwand der Verteidigung (Urk. 67 S. 10), dass es im Gefängnis bzw. den Zellen
keine Packschnur gebe, ist zu sagen, dass es für Insassen, welche arbeiten dür-
fen natürlich ein Leichtes ist, sich ein Stück Schnur zu behändigen. Zudem lag ja
keine Suizidgefahr vor, weshalb für das Gefängnispersonal auch kein Anlass be-
stand, hier Leibesvisitationen und Zellendurchsuchungen vorzunehmen. Weiter
befinden sich in der Zelle ja auch weitere Gegenstände, welche für einen Suizid
geeignet wären, so das Fernsehkabel, weitere Kabel, Bettwäsche etc. Zum Ein-
wand des Beschuldigten, dass die Vorfälle nicht hätten stattfinden können, da
man auch einen kurzen Schrei des Privatklägers 1 im Gefängnis gehört hätte und
eingegriffen worden wäre (ND 7, Urk. 4/3, Ordner 6, S. 2; Urk. 125 S. 9) sowie
- 21 -
dessen Verteidigers, dass es dem Privatkläger 1 ein Leichtes gewesen sei, mittels
Schreiben auf seine missliche Lage bzw. Situation aufmerksam zu machen
(Urk. 67 S. 8; Urk. 126 Rz. 16) ist zu erwähnen, dass der Privatkläger 1 bei der
Polizei nie geltend gemacht hat, geschrien zu haben (vielmehr äusserste er, dass
der Beschuldigte ihm "völlig überlegen" gewesen sei und er Angst vor ihm gehabt
habe (ND 7, Urk. 3/1, Ordner 6, S. 4 f.) und er auch bei der staatsanwaltschaft-
lichen Einvernahme kein längeres bzw. kein mehrmaliges Schreien schilderte.
Vielmehr führte er aus, dass der Beschuldigte masturbiert und ihn aufgefordert
habe, "ihm einen runter zu holen" sowie ihn nach seiner Weigerung, dies zu tun,
geschlagen habe, woraufhin er, der Privatkläger 1, zu schreien begonnen habe,
worauf der Beschuldigte mit seinem Tun aufgehört habe (ND 7, Urk. 3/2, Ordner
6, S. 4). Zudem schilderte der Privatkläger 1, dass der Beschuldigte ihm gedroht
habe, ihm etwas anzutun, wenn er schreien würde (ND 7, Urk. 3/1, Ordner 6,
S. 10 und S. 12) bzw. versuchen würde, zu schreien (ND 7, Urk. 3/1, Ordner 6,
S. 11). Es ist nachvollziehbar und glaubhaft, dass ein kurzer Schrei entweder vom
Personal nicht gehört bzw. nicht als Wesentlich eingestuft wird sowie dass es der
Privatkläger 1 gar nicht gewagt hat, länger bzw. mehrmals zu schreien. Es kann
hier im Übrigen auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 90 S. 53 f.).
3. Es kann somit zusammengefasst festgehalten werden, dass die Aus-
sagen des Privatklägers 1 im Gegensatz zu denjenigen des Beschuldigten sehr
glaubhaft sind, sich seine Schilderungen mit den ärztlichen Befunden decken und
der Sachverhalt somit erstellt ist.
IV. Rechtliche Würdigung
Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung kann vollumfänglich auf die Erwägungen
der Vorinstanz verwiesen werden, welche auf die rechtlich zutreffende und unbe-
stritten gebliebene Würdigung des Sachverhalts durch die Anklagebehörde ab-
stellt (Urk. 90 S. 54 ff.). Diese Würdigung wird von der Verteidigung denn auch
nicht ausdrücklich in Frage gestellt (vgl. Urk. 67 und Urk. 126). Der Beschuldigte
ist daher der mehrfachen einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1
- 22 -
StGB, der mehrfachen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 Abs. 1 StGB sowie der
mehrfachen sexuellen Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB schuldig zu spre-
chen.
V. Strafzumessung
1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze, nach welchen eine Strafe zuzumessen
ist sowie die entsprechenden Strafrahmen, innerhalb welcher die Strafen fest-
zulegen sind, richtig dargestellt (Urk. 90 S. 59 ff.), worauf zwecks Vermeidung un-
nötiger Wiederholungen zu verweisen ist. Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass
der Beschuldigte die zu beurteilenden Straftaten vor Inkrafttreten der seit
1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des Allgemeinen Teils des Straf-
gesetzbuches (Änderung des Sanktionsrechts; AS 2016 1249) begangen hat. Das
geltende (neue) Recht ist daher auf ihn nur anzuwenden, sofern es für den Be-
schuldigten im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2 Abs. 2
StGB; Donatsch in: Donatsch/Heimgartner/Isenring/Weder [Hrsg.], Kommentar
zum StGB, 20. Aufl. 2018, Art. 2 N 10). Das ist vorliegend mit Bezug auf Art. 34
Abs. 1 und 2 StGB (maximale Anzahl der Tagessätze der Geldstrafe sowie untere
Grenze Tagessatzhöhe) sowie die nach altem Recht mögliche bedingte Geld-
strafe sowie die Voraussetzungen für die Gewährung des bedingten Vollzugs ge-
mäss Art. 42 Abs. 1 und 2 StGB der Fall (vgl. hierzu nachfolgend Ziffer 8). An-
sonsten sieht das geltende (neue) Sanktionsrecht bei den auszufällenden Strafen
keine mildere Bestrafung vor.
2. Die Verteidigung brachte an der Berufungsverhandlung zusammengefasst
vor, die Vorinstanz habe anstatt das Asperationsprinzip das Kumulationsprinzip
angewandt. Zudem sei schon die Einsatzstrafe mit 22 Monaten viel zu hoch an-
gesetzt. Die vom Beschuldigten gezeigte Reue und Einsicht sei zu Unrecht von
der Vorinstanz nicht strafmindernd berücksichtigt worden (Urk. 126 Rz. 28 ff.).
3. Das Gericht bemisst die Strafe nach dem Verschulden des Täters, wobei
das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters sowie die Wirkung der
Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB; vgl. zu den
Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2 und BGE 136 IV 55).
- 23 -
Ist der Täter wegen einer Mehrheit begangener Taten zu bestrafen, hat das Ge-
richt basierend auf der Tatkomponente zunächst die Einsatzstrafe für das
schwerste Delikt zu bestimmen. In einem weiteren Schritt sind die übrigen Delikte
- wiederum basierend auf der Tatkomponente - zu beurteilen, und es ist dafür un-
ter Berücksichtigung der jeweiligen Umstände die hypothetische Strafe zu er-
mitteln. Soweit für die mehreren zu beurteilenden Straftaten jeweils gleichartige
Strafen als angemessen erscheinen, ist sodann unter Berücksichtigung des Aspe-
rationsprinzips die hypothetische Gesamtstrafe für sämtliche Delikte festzulegen
(Art. 49 Abs. 1 StGB; BGE 6B_808/2017 E. 2.1.1). Dabei sind namentlich das
Verhältnis der einzelnen Taten untereinander, ihr Zusammenhang, ihre grössere
oder geringere Selbständigkeit sowie die Gleichheit oder Verschiedenheit der ver-
letzten Rechtsgüter und Begehungsweisen zu berücksichtigen. Der Gesamt-
schuldbeitrag des einzelnen Delikts ist dabei in der Regel geringer zu veranschla-
gen, wenn die Delikte zeitlich, sachlich und situativ in einem engen Zusammen-
hang stehen (BGE 6B_323/2010 E 3.2). Nach der Festlegung der hypothetischen
Gesamtstrafe für sämtliche Delikte ist schliesslich die Täterkomponente zu be-
rücksichtigen (BGE 6B_865/2009 E 1.6.1; BGE 6B_496/2011 E 2 und E 4.2). Bei
der Wahl der Sanktionsart sind die Zweckmässigkeit einer bestimmten Sanktion,
ihre Auswirkung auf den Täter und sein soziales Umfeld sowie ihre präventive Ef-
fizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97 E. 4.2). Die Bildung einer Gesamtstrafe
im genannten Sinne ist indessen nur bei gleichartigen Strafen möglich, nämlich
wenn das Gericht mehrfach konkret auf die gleiche Strafart erkennt, während un-
gleichartige Strafen kumulativ zu verhängen sind (vgl. u.a. BGE 138 IV 120 ff.,
122 f., m.w.H.).
Das Asperationsprinzip wird auch bei retrospektiver Konkurrenz gewährleistet.
Art. 49 Abs. 2 StGB hält hierzu folgendes fest: Hat das Gericht eine Tat zu beur-
teilen, die der Täter begangen hat, bevor er wegen einer andern Tat verurteilt
worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in der Weise, dass der Täter nicht
schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Handlungen gleichzeitig beurteilt
worden wären. Der Täter soll durch die getrennte Beurteilung von Straftaten, über
die zeitlich zusammen hätte befunden werden können, nicht benachteiligt und
soweit als möglich auch nicht besser gestellt werden (BGE 132 IV 102 ff., 104 f.).
- 24 -
Hat der Täter die Straftaten teils vor, teils nach der früheren Verurteilung began-
gen, so ist teilweise eine Zusatzstrafe auszufällen (vgl. u.a. BGer 6B_26/2011,
E. 3.9.2.).
4. Die Vorinstanz hat korrekt die Erwägungen vorgenommen, welche bei der
Ausfällung einer Zusatzstrafe zu beachten sind und richtigerweise festgestellt, bei
welchen Delikten gleichartige Strafen auszusprechen sind (Urk. 90 S. 66 ff.). Hie-
rauf kann verwiesen werden. Für die Fällung einer Zusatzstrafe nicht zu beachten
sind die Urteile des Amtsgerichts Köln vom 27. Januar 2014, des Landgerichts
Köln vom 9. Oktober 2014 sowie des Ordentlichen Gerichtes Verbania vom
17. Juli 2015, da diese nicht in den räumlichen Geltungsbereich des StGB fallen
und mithin keine Schweizer Gerichtsbarkeit vorliegt (Urk. 90 S. 66; BGE 142
IV 329 e contrario). Die einzigen Taten, bei welchen (ausschliesslich) auf eine
Geldstrafe zu erkennen ist, sind die in den Nebendossiers 3 und 4 verwirklichten
Taten betreffend mehrfachen Exhibitionismus (Art. 194 Abs. 1 StGB, vgl. auch
Urk. 90 S. 93). Diese Taten ereigneten sich zudem erst nach Ausfällung des
Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 26. Juli 2013, weshalb die
Geldstrafe in jedem Fall kumulativ zu verhängen ist. Weiter kann festgehalten
werden, dass die Taten gemäss Hauptdossier und den Nebendossiers 1-6 vor der
Ausfällung des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013 erfolg-
ten; die Taten gemäss Nebendossier 7 hingegen nach der genannten Verurtei-
lung. Im Zusammenhang mit dem Nebendossier 7 ist folglich keine Zusatzstrafe
zum Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013 auszufällen (Art. 49
Abs. 2 StGB; vgl. Urk. 90 S. 90 f.). Weiter ist darauf hinzuweisen, dass für die
mehrfache sexuelle Belästigung im Sinne von Art. 198 StGB sowie die mehrfa-
chen Tätlichkeiten im Sinne von Art. 126 StGB - welche Handlungen im Übrigen
sämtlich nach Ausfällung des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt
vom 26. Juli 2013 sowie des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom
3. Dezember 2013, erfolgt sind - zudem kumulativ eine separate Busse auszufäl-
len ist (Urteil des Bundesgerichts 6B_65/2009 vom 13. Juli 2009 E. 1.2 f.). Deren
Höhe und die Ersatzfreiheitsstrafe bemisst das Gericht je nach den Verhältnissen
des Täters so, dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden ange-
messen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB).
- 25 -
5. Als schwerste Straftat im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB hat die Vorinstanz
zu Recht die Taten in ND 2 (Geschädigte C._) gewertet (vollendeter Raub
und sexuelle Nötigung, hinterrückes Angreifen, Verwendung eines spitzen Ge-
genstandes, Schlagen ins Gesicht, Drücken des Kopfes auf die Oberschenkel,
längeres Festhalten an den Haaren). Die Festsetzung der (hypothetischen) Ein-
satzstrafe in Würdigung der objektiven und subjektiven Tatkomponenten von
ca. 20 Monaten sowie unter Einbezug der Täterkomponenten von 22 Monaten
(Urk. 90 S. 76; S. 88 f. und S. 92) ist angemessen, ebenso die Bestimmung einer
einheitlichen Strafe für beide Delikte (vgl. hierzu die Erwägungen unter Ziffern 6 ff.
nachfolgend). Von dieser Strafe in Höhe von 22 Monaten ist somit als Basis für
die Strafschärfung für die weiteren Delikte gemäss HD sowie ND 1, 3-6 auszuge-
hen. Damit erhellt, dass die auszusprechende Zusatzstrafe zum Urteil des Be-
zirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013 deutlich schwerer wiegt als diejenige
des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013 (wo für sämtliche
Taten, nämlich Raub, geringfügiger Sachbeschädigung und Gewalt und Drohung
gegen Behörden und Beamte) eine Strafe von insgesamt 18 Monaten ausgefällt
wurde). Daher ist im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB zunächst eine - hypothetische -
Zusatzstrafe zu diesem Urteil auszufällen und deren Dauer dann wegen der nach
dem ersten Urteil begangenen Taten gemäss ND 7 angemessen zu erhöhen
(vgl. Art. 49 Abs. 1 StGB).
6. Die Vorinstanz hat die objektiven und subjektiven Tatelemente der einzelnen
Taten ausführlich und korrekt aufgezählt und bewertet, worauf vollumfänglich
verwiesen werden kann (Urk. 90 S. 69 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Bei ND 1 und 2
(je Raub und sexuelle Nötigung), ND 5 und 6 (je Diebstahl und Hausfriedens-
bruch) sowie ND 7 (mehrfache einfach Körperverletzung) stehen die Delikte je-
weils in so engem zeitlichen und räumlichen sowie sachlichem Zusammenhang,
dass die Vorinstanz diese je zu Recht als einheitlichen Lebenssachverhalt gewür-
digt hat (Urk. 90 S. 72 ff.).
7. Ergänzend ist zur objektiven Tatschwere der einzelnen Delikte anzumerken,
dass im Rahmen der Delikte HD sowie ND 1 und ND 2 zwar - wie von der Vertei-
digung geltend gemacht (Urk. 67 S. 13 f.) - die erzielte Beute bzw. die zu erzielen
- 26 -
versuchte Beute zwar von relativ geringem Wert ist, indes das Vorgehen sehr
zielgerichtet und unnachgiebig war und der Beschuldigte zudem ein Messer (HD)
bzw. einen spitzen Gegenstand (ND 2) benutzte. Er ging sodann alle Opfer von
hinten an und setzte seine körperliche Überlegenheit inkl. Schlagen ein, um zu
seinen sexuellen und monetären Zielen zu gelangen. Die von ihm ausgehende
Gefahr ist daher als hoch einzuschätzen, benutzte er in HD das Messer doch
auch in Schwungbewegungen in Richtung der Geschädigten K._ sowie in-
dem er dieser Haarbüschel abschnitt. Bei nur einer leichten Abwehrbewegung der
Geschädigten bzw. sonstigen unkontrollierten Bewegungen hätten hieraus grös-
sere Verletzungen auch im Gesichtsbereich der Geschädigten entstehen können.
Dass nur geringe Verletzungen aus den Taten des Beschuldigen resultieren kann
mithin nicht - wie dies die Verteidigung geltend macht (Urk. 67 S. 13 f.) - zu sei-
nen Gunsten gewertet werden. Hingegen waren die sexuellen Übergriffe von rela-
tiv geringer Natur, indes nutzte der Beschuldigte auch hier seine körperliche Über-
legenheit sowie die erreichte Hilflosigkeit der Opfer aus. Insgesamt sind die Ein-
griffe in die körperliche und sexuelle Unversehrtheit der Geschädigten somit als
erheblich einzustufen. Selbst die Verteidigung räumt hierzu ein, dass die Opfer
erheblich traumatisiert wurden und Angstzustände bzw. sogar Todesängste aus-
stehen mussten (Urk. 67 S. 14). Wenn die Vorinstanz bei den einzelnen Dossiers
von einer nicht mehr leichten (HD), einer leichten (ND 1) bzw. einer noch leichten
bis nicht mehr leichten (ND 2) objektiven Tatschwere ausgeht (Urk. 90 S. 69 ff.),
ist dies als angemessen zu werten und daher nicht zu beanstanden. Auch im Hin-
blick auf die subjektive Tatschwere erweisen sich die Erwägungen der Vorinstanz
als angemessen und vollständig (Urk. 90 S. 70 ff.). Dem Einwand der Verteidi-
gung, nämlich dass der Beschuldige unter Einfluss von Alkohol und Medikamen-
ten gestanden habe (Urk. 67 S. 14 f.; Urk. 126 Rz. 23 ff.), kann nicht gefolgt wer-
den. Weder aus den Akten, den eigenen Aussagen des Beschuldigen noch aus
dem Gutachten ergeben sich diesbezügliche Anhaltspunkte. Das Gutachten hält
vielmehr ausdrücklich fest, dass die Schilderung einer Alkoholisierung als mögli-
cher Einflussfaktor "am ehesten als Versuche zu interpretieren" seien, "sich Vor-
teile zu verschaffen" (HD Urk. 19/14, Ordner 2, S. 71) sowie dass eine schuldmin-
dernde Wirkung einer akuten Benzodiazepineinnahme für die vorgeworfenen De-
- 27 -
likte ausgeschlossen werden könne (HD Urk. 19/14, Ordner 2, S. 76 und S. 80).
Im Übrigen kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den, welche sich ausführlich mit dem Gutachten sowie den weiteren Umständen
auseinandergesetzt hat (Urk. 90 S. 70 f.). Schuldausschlussgründe bzw. Gründe
für eine verminderte Schuldfähigkeit hat das Gutachten auch mit Bezug auf die
bestehende "Dissoziale Persönlichkeitsstörung" klar verneint (HD Urk. 19/14,
Ordner 2, S. 80 f.). Aus den Akten ergeben sich auch keine diesbezüglichen An-
haltspunkte. Weiter handelte der Beschuldigten jeweils mit direktem Vorsatz. In
Bezug auf den versuchten Raub (HD) ist der vollendete Versuch nur leicht straf-
mindernd zu berücksichtigen, da das blosse Nichtbehändigen des Mobiltelefons
im Gesamtablauf und der angewendeten gewalttätigen Einwirkung unter Einbe-
zug eines Messers nicht wesentlich ins Gewicht fällt (vgl. auch die vorinstanzli-
chen Erwägungen in Urk. 90 S. 71 f.). Sonstige Strafmilderungsgründe nach
Art. 48 StGB liegen nicht vor, insbesondere auch - entgegen den Ausführungen
der Verteidigung (Urk. 67 S. 17; Urk. 126 Rz. 28) - keine aufrichtige Reue. Es sind
- ausser floskelhaften Entschuldigungsformeln - keine Handlungen des Beschul-
digten ersichtlich, welche seinen eigenen Entschluss manifestieren würden, etwas
zu tun, um das geschehene Unrecht wieder gut zu machen (vgl. BGE 117 Ia 406
sowie die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz in Urk. 90 S. 87). Unter Be-
rücksichtigung der objektiven und subjektiven Tatschwere der einzelnen Delikte
erweisen sich daher die durch die Vorinstanz festgesetzten (hypothetischen) Ein-
satzstrafen von ca. 14 Monaten Freiheitsstrafe für den versuchten Raub gemäss
HD (Urk. 90 S. 72), von ca. 18 Monaten Freiheitsstrafe für den Raub und die se-
xuelle Nötigung gemäss ND 1 (Urk. 90 S. 74) bzw. ca. 20 Monaten für den Raub
und die sexuelle Nötigung gemäss ND 2 (Urk. 90 S. 76) als angemessen.
8. Mit Bezug auf die beiden Straftaten des Exhibitionismus (ND 3 und ND 4)
hat der Beschuldigte nicht nur jeweils sein Glied vor einem nichtsahnenden Opfer
entblösst (was den Regelfall darstellt (BGer 6B_1037/2016, S. 1.3.), sondern
auch masturbiert. Dies zudem jeweils im Tram, d.h. an einem öffentlichen Ort.
Weiter richtete er seine Handlungen direkt an die beiden Geschädigten und setzte
mit seinem Tun darauf, dass diese von seinen Handlungen unmittelbar Kenntnis
nahmen. Die Vorinstanz hat daher die objektive Tatschwere als erheblich bis eher
- 28 -
schwer bewertet und die (hypothetischen) Einsatzstrafe von je 90 Tagesssätzen
unter Einbezug der subjektiven Tatschwere, welche sie ebenfalls als erheblich bis
eher schwer qualifizierte, da der Beschuldigte mit direktem Vorsatz handelte, auf
insgesamt (für ND 3 und 4) 150 Tagessätze Geldstrafe festgelegt (Urk. 90 S. 77).
Dies ist nicht zu beanstanden, da sich die Strafe bei der genannten objektiven
und subjektiven Tatschwere der beiden Taten als eher mild erweist (die Höchst-
strafe des Exhibitionismus beträgt 180 Tagessätze).
9. In ND 5 und ND 6 (je Hausfriedensbruch und Diebstahl) hat die Vorinstanz
die objektive Tatschwere als leicht bis nicht mehr leicht (ND 5) bzw. noch leicht
(ND 6) bewertet und festgestellt, dass in subjektiver Hinsicht kein Einfluss auf die
Strafzumessung zu verzeichnen sei (Urk. 90 S. 78 ff.). Diese Einschätzung ist oh-
ne Weiteres vertretbar, indes ebenfalls eher zu Gunsten des Beschuldigten aus-
gefallen. Zwar ist mit Bezug auf die Diebstähle der Deliktsbetrag nicht im oberen
Rahmen anzusiedeln, doch wurden sehr viele Gegenstände gestohlen und das
Hausrecht der Geschädigten im Rahmen des Hausfriedensbruchs jeweils massiv
verletzt, indem in die Wohnungen nicht nur eingedrungen, sondern die Räumlich-
keiten auch nach Diebesgut durchsucht wurden. Die (hypothetischen) Einsatz-
strafen von 10 Monaten Freiheitsstrafe bzw. 300 Tagessätze Geldstrafe (ND 5,
Deliktsgut rund Fr. 8'000.–) bzw. 8 Monaten Freiheitsstrafe bzw. 240 Tagessätze
Geldstrafe (ND 6, Deliktsgut rund Fr. 2'700.–) erweisen sich daher als ange-
messen.
10. Bei der mehrfachen einfachen Körperverletzung (ND 7) fällt bei der objek-
tiven Tatschwere die verwirklichte massive Schädigung am Körper des Geschä-
digten E._ in Gewicht. Er erlitt unter anderem ein Loch im linken Trommelfell
sowie eine Hörminderung an diesem Ohr (ND 7 Urk. 5/3, Ordner 6) und es wurde
eine Wiederherstellungsoperation (Tympanoplastik/Ossikuloplastik) ausgeführt
(ND 7 Urk. 5/8; Urk. 5/9 f.; Urk. 5/11, alles Ordner 6). Es kann zudem nicht aus-
geschlossen werden, dass die Schädigung am linken Ohr dauerhaft sein wird. Zur
Zeit der Hauptverhandlung vor der Vorinstanz bestand das Loch im Trommelfell
sowie die Hörminderung noch (Prot. I S. 6). Die Vorinstanz hat mithin zu Recht
darauf hingewiesen, dass eine solche Verletzung in der Nähe einer schwere Kör-
- 29 -
perverletzung anzusiedeln sei. Die (mindestens) zwei Schläge auf die Ohren wur-
den somit mit erheblicher Kraft ausgeführt und zeugen von einer massiven Ein-
wirkung auf den Körper des Geschädigten. Mit der Vorinstanz ist daher von einer
erheblichen objektiven Tatschwere und einer hypothetischen Einsatzstrafe von 14
Monaten auszugehen (Urk. 90 S. 82). Der Beschuldigte wollte dem Privatkläger
mit seinen Schlägen beträchtliche Schmerzen zufügen und hat zumindest even-
tualvorsätzlich die entstandene Verletzung in Kauf genommen. Bei Schlägen ins
Gesicht ist die Verletzungs- und Entstellungsgefahr besonders hoch, da hier wich-
tige Sinnesorgane (Augen, Ohren, Nase) und der Mundbereich betroffen sein
können. Dies wusste der Beschuldigte und schlug dennoch mehrmals (mindes-
tens zweimal) zu. Zudem liess der Beschuldigte vom Geschädigten selbst dann
nicht ab, als dieser schon am Boden lag. Eine Reduktion der aufgrund der objek-
tiven Tatschwere festgesetzten (hypothetischen) Einsatzstrafe wäre daher auf-
grund der subjektiven Tatschwere nicht zwingend angezeigt. Die von der
Vorinstanz aufgrund des Eventualvorsatzes auf 10 Monate Freiheitsstrafe
bzw. 300 Tagessätze Geldstrafe reduzierte hypothetische Einsatzstrafe ist daher - auch im Hinblick auf das Verschlechterungsverbot; Art. 391 Abs. 2 StPO - nicht
zu beanstanden.
11. Zu den Täterkomponenten hat die Vorinstanz die persönlichen Verhältnisse
des Beschuldigten und seinen Werdegang in den wesentlichen Punkten zusam-
mengefasst und wiedergegeben. Darauf ist zu verweisen (Urk. 90 S. 83 ff.; Art. 82
Abs. 4 StPO). Vorab ist festzuhalten, dass die teilweise einschlägigen Vorstrafen
grundsätzlich straferhöhend zu berücksichtigen sind (zum Einzelnen siehe die
nachfolgenden Erwägungen unter Ziffer 12). Die Delinquenz während laufender
Probezeit (gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 26. Juli
2013) sowie laufendem Strafverfahren (abgeschlossen mit Urteil des Bezirks-
gerichts Zürich vom 3. Dezember 2013) wirken sich mit Bezug auf die ND 1-6 als
straferhöhend und das Geständnis mit Bezug auf das HD sowie die ND 1-6 als
strafmindernd aus (so auch die Ausführungen des Verteidigers, Urk. 67 S. 15 ff.;
gleich die Vorinstanz, Urk. 90 S. 85 ff.). Zum Geständnis ist zu bemerken, dass
dieses nicht gleich zu Beginn erfolgte, mithin die Strafuntersuchung zwar erleich-
terte, indes nicht im Umfang eines sofortigen Geständnisses. Es waren weitere
- 30 -
Untersuchungsschritte notwendig, bis der Beschuldigte die ihm in HD und ND 1-6
vorgeworfenen Handlungen vollumfänglich einräumte. Es kann hierzu auf die kor-
rekten Ausführungen der Vorinstanz in Urk. 90 S. 87 sowie die entsprechenden
Verweise auf die relevanten Aktenstellen verwiesen werden. Das Geständnis
kann daher noch im Rahmen von einem Viertel bis einem Fünftel strafmindernd
angerechnet werden (vgl. BGE 121 IV 205).
12. Mit Bezug auf die einzelnen Taten hat die Vorinstanz korrekt die relevanten
Täterkomponenten zur Ermittlung der jeweiligen Einsatzstrafen gewürdigt, worauf
vollumfänglich verwiesen werden kann (Urk. 90 S. 87 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Bei
den Vorstrafen ist das Urteil des Ordentlichen Gerichtes Mailand vom 26. August
2011 (unbedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten wegen Raubes; vgl. HD 11/6
S. 3) für das HD sowie die ND 1 und ND 2 als einschlägige Vorstrafe erheblich
straferhöhend und der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom
26. Juli 2013 (als nicht einschlägige Vorstrafe) mit Bezug auf die ND 1 und ND 2
als leicht straferhöhend zu würdigen, zudem hat der Beschuldigte mit Bezug auf
die ND 1 und ND 2 während laufender Probezeit und laufendem Strafverfahren
delinquiert. Er liess sich somit mit Bezug auf das HD durch eine frühere Bestra-
fung nicht von der Begehung eines weiteren Raubes abhalten und mit Bezug auf
die ND 1 und ND 2 delinquierte er sogar trotz zwei früheren Bestrafungen (wovon
einer einschlägig), einer Warnfrist in Form einer laufenden Probezeit sowie einer
weiteren laufenden Strafuntersuchung. Dies zeigt ein absolut uneinsichtiges Ver-
halten. Mit der Vorinstanz ist daher festzuhalten, dass diese straferhöhenden Um-
stände die Tatsache des strafmindernden Geständnisses überwiegen. Bei ND 3
und ND 4 sind die beiden erwähnten Vorstrafen nicht einschlägig und daher nur
leicht straferhöhend zu werten, indes delinquierte der Beschuldigte hier ebenfalls
während laufender Probezeit und laufendem Strafverfahren. Diese Umstände füh-
ren auch hier zu einem Überwiegen der Erhöhungsgründe gegenüber dem straf-
mindernden Geständnis. Dasselbe gilt für die ND 5 und ND 6, wobei sich hier das
Urteil des Ordentlichen Gerichtes Mailand vom 26. August 2011 als teilweise ein-
schlägige Vorstrafe deutlicher straferhöhend auswirkt. Hinsichtlich ND 7 sind wei-
tere Vorstrafen zu berücksichtigen, nämlich zusätzlich das Urteil des Bezirks-
gerichts Zürich vom 3. Dezember 2013 (Raub, geringfügige Sachbeschädigung
- 31 -
und Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte; vgl. Urk. HD 11/10, Ord-
ner 1), das Urteil des Amtsgerichts Köln vom 27. Januar 2014 (Raub und Nöti-
gung; Urk. HD 23/2c Ordner 3) sowie das Urteil des Landgerichts Köln vom
9. Oktober 2014 (Vergewaltigung in Tateinheit mit räuberischer Erpressung, zwei-
fache sexueller Nötigung [in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung bzw.
Raub], zweifache versuchte sexueller Nötigung in Tateinheit mit vorsätzlicher
Körperverletzung [und in einem dieser beiden Fälle zudem in Tateinheit mit ver-
suchtem Raub] sowie wegen zweifachen Raubes [in einem Fall in Tateinheit mit
vorsätzlicher Körperverletzung], Urk. HD 23/2c Ordner 3). Mithin liegen insgesamt
fünf teilweise einschlägige Vorstrafen vor, was deutlich straferhöhend zu werten
ist [die Vorinstanz ging hier nur von 4 Vorstrafen aus, Urk. 90 S. 90]. Der Straf-
minderungsgrund des Geständnisses liegt hier nicht vor. Aus den weiteren Täter-
komponenten lassen sich für sämtliche Straftaten keine sonstigen strafzu-
messungsrelevanten Faktoren ableiten. Zwar hatte der Beschuldigte sicher kein
einfaches Vorleben und wuchs in schwierigen Verhältnissen auf (Urk. HD 19/14
S. 25 ff.), indes zeigen sich diese nicht so prekär, dass sich eine Gewichtung im
Rahmen der Strafzumessung rechtfertigen würde. Zudem lebt der Beschuldigte
schon seit 2011 in Westeuropa, er kennt mithin die hiesigen Verhältnisse. Von
echter Reue und Einsicht kann - wie oben schon ausgeführt (vgl. Ziffer 7 hiervor) -
nicht die Rede sein.
13. Die durch die Vorinstanz unter Berücksichtigung sowohl der objektiven und
subjektiven Tatkomponenten als auch der Täterkomponenten festgesetzten (hy-
pothetischen) Einsatzstrafen von 14 Monaten für das HD (Urk. 90 S. 88), von
20 Monaten für das ND 1 (Urk. 90 S. 88), von 22 Monaten für das ND 2
(Urk. 90 S. 89), von insgesamt 180 Tagessätzen Geldstrafe für die ND 3 und 4
(Urk. 90 S. 89), von 11 Monaten Freiheitsstrafe oder 330 Tagessätzen Geldstrafe
für das ND 5 (Urk. 90 S. 89), von 9 Monaten Freiheitsstrafe oder 270 Tages-
sätzen Geldstrafe für das ND 6 (Urk. 90 S. 89) sowie 13 Monaten Freiheitsstrafe
für ND 7 (Urk. 90 S. 90) erweisen sich somit als angemessen.
14. Für die Delikte gemäss HD (hypothetische Einsatzstrafe von 14 Monaten),
ND 1 (hypothetische Einsatzstrafe von 20 Monaten), ND 2 (hypothetische Ein-
- 32 -
satzstrafe von 22 Monaten), ND 5 (hypothetische Einsatzstrafe von 11 Monaten
Freiheitsstrafe oder 330 Tagessätzen Geldstrafe) sowie ND 6 (hypothetische Ein-
satzstrafe von 9 Monaten Freiheitsstrafe oder 270 Tagessätzen Geldstrafe) ist ei-
ne Zusatzstrafe zum Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013
(Freiheitsstrafe von 18 Monaten) auszufällen (vgl. die obigen Erwägungen unter
Ziffer 3.; Art. 49 Abs. 1 und Abs. 2 StGB). Die ND 3 und 4 fallen mangels gleich-
artiger Strafe (180 Tagessätzen Geldstrafe) und das ND 7 infolge Verübung nach
Ausfällung des Vorurteils bei der Bemessung der Zusatzstrafe ausser Betracht.
Die Vorinstanz hat sich ausführlich mit der Frage befasst, welche Strafe
das Bezirksgericht Zürich am 3. Dezember 2013 für die vor diesem Tag begange-
nen Taten gemäss HD, ND 1, ND 2, ND 5 sowie das ND 6 in Mitberücksichtigung
der damals ausgefällten Freiheitsstrafe wegen Raubes sowie wegen Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte ausgesprochen hätte (Urk. 90 S. 92 f.).
Auf diese Erwägungen der Vorinstanz kann vollumfänglich verwiesen werden. Zu
Recht hat diese festgestellt, dass das Bezirksgerichts Zürich am 3. Dezember
2013 insgesamt eine (hypothetische) Gesamtstrafe von 5 1⁄2 Jahren ausgefällt hät-
te, womit abzüglich den bereits ausgefällten 18 Monaten gemäss dem Urteil des
Bezirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013 wegen Raubs und Gewalt und
Drohung gegen Behörden und Beamte die auszufällende Zusatzstrafe auf 4 Jahre
Freiheitsstrafe festzusetzen ist. Ausgehend von dieser Zusatzstrafe ist eine an-
gemessene Erhöhung wegen der nach der Verurteilung begangenen Tat gemäss
ND 7 vorzunehmen (vgl. BGE 129 IV 117 f.). Bei einer (hypothetischen) Strafe
von 13 Monaten Freiheitsstrafe für das ND 7 wäre in Anwendung des Asperati-
onsprinzips eine Höchststrafe von 5 Jahren und einem Monat Freiheitsstrafe mög-
lich. Die durch die Vorinstanz vorgenommene Erhöhung von lediglich 8 Monaten
(Urk. 90 S. 93) ist damit nicht zu beanstanden. Damit ergibt sich eine auszufällen-
de Strafe von 4 2⁄3 Jahren Freiheitsstrafe, teilweise als Zusatzstrafe zu der mit Ur-
teil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013 ausgefällten Strafe. Für die
ND 3 und 4 ist - wie oben unter Ziffer 3 und 8 ausgeführt - zusätzlich eine Geld-
strafe von 180 Tagessätzen auszufällen (so auch die Ausführungen der Vertei-
digung, Urk. 67 S. 22). Bezüglich der Höhe des Tagessatzes hat die Vorinstanz
die Bemessungskriterien, nämlich die prekären finanziellen Verhältnisse des Be-
- 33 -
schuldigten, korrekt festgehalten und diesen auf Fr. 20.– festgesetzt (Urk. 90
S. 93; vgl. auch Urk. HD 20/7), wogegen die Verteidigung keine Einwendungen
erhebt (Urk. 67 S. 22; Urk. 126 S. 2 und S. 14 Rz. 32) und sich auch keine Ände-
rungen ergeben haben, welche zu einer weiteren Reduktion des Tagessatzes füh-
ren würden. Eine Erhöhung fällt auf Grund des Verschlechterungsverbotes
(Art. 391 Abs. 2 StPO) von Vornherein nicht in Betracht. Dementsprechend er-
übrigen sich weitere Ausführungen hierzu.
15. Bei den in ND 7 verwirklichten mehrfachen Tätlichkeiten sowie der mehr-
fachen sexuellen Belästigung handelt es sich um mit Busse zu ahndende Über-
tretungen (Art. 103 StGB). Die Busse ist kumulativ auszufällen. Bestimmt es das
Gesetz nicht anders, so ist der Höchstbetrag der Busse Fr. 10'000.– (Art. 106
Abs. 1 StGB). Der Richter spricht im Urteil für den Fall, dass die Busse schuldhaft
nicht bezahlt wird, eine Ersatzfreiheitsstrafe von mindestens einem Tag und
höchstens drei Monaten aus (Art. 106 Abs. 2 StGB). Das Gericht bemisst Busse
und Ersatzfreiheitsstrafe je nach den Verhältnissen des Täters so, dass dieser die
Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB).
Mit Bezug auf die erwähnten Übertretungen hat die Vorinstanz das Verschulden
des Beschuldigten als im unteren bis mittleren aller denkbaren Abstufungen be-
findlich eingestuft und die Busse ausgehend von den objektiven und subjektiven
Tatschwere auf Fr. 800.– und unter Einbezug der Täterkomponente auf
Fr. 1'000.– festgesetzt (Urk. 90 S. 80 f. und S. 89 f.)
Der Beschuldigte hat in objektiver Hinsicht körperliche Einwirkungen auf den Pri-
vatkläger 1 bewirkt, welche im Rahmen der noch als Tätlichkeiten zu wertenden
Handlungen als eher schwer zu bewerten sind, da sie nicht unerhebliche Schmer-
zen und sogar kleinere Verletzungen bewirkt haben (Beule an der Stirn rechts
[2 mal 2 cm], Blutergüsse unterhalb des rechten Schlüsselbeins, an beiden Ober-
armen, am linken Brustkorb sowie am linken Beckenkamm, Striemen am linken
Oberarm und am linken Brustkorb sowie Druckschmerz an der 6. Rippe links).
Auch die Tatmittel sind - ebenfalls im Rahmen der Tätlichkeiten - als am oberen
Rahmen anzusiedeln, nämlich ein Stossen gegen die Wand und das darauf-
folgend das Prallen des Kopfes gegen diese, das mehrfache Schlagen u.a. ins
- 34 -
Gesicht, gegen die Brust und gegen den Rücken, das Treten gegen die Rippen
sowie das Stellen des Fusses auf das Gesicht. Zudem hat der Beschuldigte so-
wohl die Tätlichkeiten als auch die sexuelle Belästigung mehrfach begangen. In
subjektiver Hinsicht wollte der Beschuldigten auf den Privatkläger 1 physisch ein-
wirken. Sein Verhalten zeigt keinerlei Respekt vor dem Privatkläger 1 als Men-
schen, dieser wurde selbst dann noch getreten, als er schon auf dem Boden lag.
Zudem wollte der Beschuldigte dem Privatkläger 1 seine Überlegenheit demon-
strieren, indem er ihm - als er am Boden lag - zudem noch den Fuss auf das Ge-
sicht stellte, was eine eindeutige Unterwerfungshandlung darstellt. Bei der (mehr-
fachen) sexuellen Belästigung genügt schon ein Antasten der Brust oder des Ge-
sässes, selbst über den Kleidern (BGE 137 IV 266 f.) sowie eine Belästigung
durch Worte zur Erfüllung des Tatbestandes (Art. 198 Abs. 2 StGB). Ein Mastur-
bieren vor der Zielperson sowie die Aufforderung, dabei zuzusehen sowie "ihm
einen runter zu holen" bzw. das Drücken des erigierten nackten Gliedes an das
nackte Gesäss sind als deutlich schwerere Einwirkungen auf die sexuelle Inte-
grität zu werten und geeignet, ein erhebliches Ärgernis bei der Zielperson zu er-
regen. Ob beim Beschuldigten sexuelle Motive im Vordergrund standen oder er
auch mit diesem Verhalten in erster Linie seine Überlegenheit demonstrieren woll-
te, ist ohne Belang. Beide Motive sind gleichermassen verwerflich. Weiter sind
straferhöhend die fünf Vorstrafen (Urteil des Ordentlichen Gerichtes Mailand vom
26. August 2011, Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt vom 26. Juli
2013, Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013, Urteil des Amts-
gerichts Köln vom 27. Januar 2014 sowie Urteil des Landgerichts Köln vom
9. Oktober 2014) zu berücksichtigen, ein Geständnis liegt nicht vor. Selbst bei
wesentlicher Gewichtung der sicher nicht einfachen persönlichen Umständen
(insb. der Kindheit) des Beschuldigten (vgl. Urk. HD 19/14 S. 25 ff.) sowie dessen
äusserst beschränkten finanziellen Verhältnissen (vgl. Urk. HD 20/7) erweist sich
die von der Vorinstanz ausgesprochene Busse von Fr. 1'000.– als den Verhältnis-
sen des Beschuldigten und dessen Verschulden angemessen. Sie ist als eher
milde zu werten.
16. Damit ist der Beschuldigte mit 4 2⁄3 Jahren Freiheitsstrafe als teilweise Zu-
satzstrafe zu der mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013
- 35 -
ausgefällten Strafe sowie mit einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu Fr. 20.–
und einer Busse von Fr. 1'000.– zu bestrafen. Die Ersatzfreiheitsstrafe für den
Fall, dass die Busse schuldhaft nicht bezahlt wird (vgl. Art. 106 Abs. 2 StGB), ist
praxisgemäss auf 10 Tage festzusetzen.
17. Der Beschuldigte wurde der Schweiz jeweils aus Deutschland zugeführt
bzw. überstellt. Wie die Vorinstanz richtig festgestellt hat, handelt es hierbei um
eine Zwischenauslieferung (vgl. Urk. HD 17/1-52, Ordner 1; Urk. 47/3), bei wel-
cher der Freiheitsentzug, welcher mit den Zuführungen bzw. Überführungen in die
Schweiz und zurück nach Deutschland sowie den im Zusammenhang mit diesem
Verfahren notwendigen Verfahrenshandlungen in der Schweiz einhergeht, an die
in Deutschland zu vollstreckende Freiheitsstrafe angerechnet wird. Eine Anrech-
nung im vorliegenden Verfahren an die in der Schweiz ausgefällte Strafe findet
daher nicht statt, da dies zu einer doppelten Anrechnung und damit zu einer Be-
vorzugung des Beschuldigten führen würde, welche in Art. 51 StGB sowie dem
entsprechenden internationalen Vertrag nicht vorgesehen ist (Vertrag zwischen
der Schweizerischen Eidgenossenschaft und der Bundesrepublik Deutschland
über die Ergänzung des Europäischen Auslieferungsübereinkommens vom
13. Dezember 1957 und die Erleichterung seiner Anwendung [SR 0.353.913.61],
Art. VIII Abs. 2: "Die Haftzeit zwischen dem Verlassen des Hoheitsgebietes
des ersuchten Staates und der Rückkehr des Verfolgten in dieses Gebiet wird auf
die in dem ersuchten Staat zu verhängende oder zu vollstreckende Strafe an-
gerechnet, es sei denn, dass im Einzelfall aus besonderen Gründen etwas an-
deres vereinbart wird)." Eine anderweitige Vereinbarung besteht nicht; im Gegen-
teil wurde durch die deutschen Behörden ausdrücklich festgehalten, dass es
"bei der allgemeinen Regelung nach Artikel VIII des Zusatzvertrages" bleibt
(vgl. Urk. HD 17/38, Ordner 1).
VI. Vollzug
Die Vorinstanz hat die Gewährung des (teil-)bedingten Vollzugs der angeordneten
Freiheitsstrafe mit zutreffender Begründung verneint (Urk. 90 S. 94 f.). Sowohl
nach dem geltenden Art. 42 StPO als auch nach dem alten Recht des Art. 42
- 36 -
aStPO (welches das mildere Recht darstellt) war bzw. ist der vollständige Auf-
schub einer Freiheitsstrafe nur dann möglich, wenn diese höchstens zwei Jahre
beträgt und ein teilbedingter Vollzug könnte nur dann gewährt werden, wenn die
Freiheitsstrafe höchstens drei Jahre beträgt (Art. 43 StPO bzw. Art. 43 aStPO).
Die vorliegend ausgefällte Freiheitsstrafe von 4 2⁄3 Jahren ist daher zu vollziehen.
Bei der ausgefällten Geldstrafe von 180 Tagessätzen ist ein bedingter bzw. teil-
bedingter Vollzug nur bei Vorliegen besonders günstiger Umstände möglich, da
der Beschuldigte mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 3. Dezember 2013 zu
einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten und damit innerhalb der letzten
fünf Jahre vor der Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von
mehr als sechs Monaten verurteilt wurde (Art. 42 Abs. 2 StGB). Das Vorliegen
dieser besonders günstigen Umstände hat die Vorinstanz zu Recht verneint
(Urk. 90 S. 95 f.). Auch zum heutigen Zeitpunkt hat sich an dieser Einschätzung
nichts geändert. Die Gesamtwürdigung der massgebenden Umstände lässt keine
Aussicht auf Bewährung zu. So haben sich weder die Lebensumstände des Be-
schuldigten positiv geändert (BGE 134 IV 7), noch bestehen besondere soziale
Bindungen bzw. Familienumstände. Im Gegenteil zeigt die Delinquenz des Be-
schuldigten trotz Vorstrafen, laufender Probezeit sowie laufendem Strafverfahren
keinerlei Einsicht in das Unrecht seiner Taten und auch keinen Respekt vor den
Massnahmen des Strafrechts. Auch aus der Täterpersönlichkeit lassen sich keine
positiven Umstände ableiten; die Vorinstanz verweist hier zu Recht auf das Gut-
achten der Klinik für forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik
Zürich vom 20. Januar 2017, gemäss welchem gerade auch mit Bezug auf Sexu-
alstraftaten ein "überdurchschnittliches bzw. hohes" Risiko einer erneuten Delin-
quenz besteht. Dem Beschuldigten fehle zudem die Einsicht in die Problematik
des eigenen Fehlverhaltens mit einer Bagatellisierung desselben und die man-
gelnde Bereitschaft, sich mit problematischen Verhaltensweisen und den eigenen
Anteilen an den Delikten kritisch auseinanderzusetzen (Urk. HD 19/14 S. 81 f.;
Urk. 90 S. 95 f.). Aus all diesen Gründen ist das Vorliegen von besonders günsti-
gen Umständen zu verneinen und die Geldstrafe zu vollziehen.
- 37 -
Dass Bussen zu vollziehen sind, ergibt sich aus Art. 42 Abs. 1 StGB i.V.m.
Art. 105 Abs. 1 StGB und Art. 106 StGB.
VII. Verwahrung
1. Die rechtlichen Grundlagen für die Anordnung einer Verwahrung im Sinne
von Art. 64 Abs. 1 StGB werden im angefochtenen Urteil korrekt wiedergegeben
(Urk. 90 S. 97 ff.). Auf eine Wiederholung ist zu verzichten.
2. Nachdem der Beschuldigte des mehrfachen Raubs, des versuchten Raubs
sowie der mehrfachen sexuellen Nötigung schuldig zu sprechen ist, liegen mehre-
re im Deliktskatalog von Art. 64 Abs. 1 StGB aufgeführte Anlasstaten vor.
3. Zusätzlich erforderlich ist, dass der Beschuldigte durch die Anlasstat(en) ei-
ne schwere Beeinträchtigung der physischen, psychischen oder sexuellen Inte-
grität einer anderen Person verursachte oder verursachen wollte. Die dadurch
bewirkte Schädigung muss von erheblicher Schwere sein. Diesbezüglich ist ein
objektiver Massstab anzulegen (BGE 139 IV 57, E. 1.3. f.). Die Handlungen
des Beschuldigten waren - auch nach Ansicht der Verteidigung (Urk. 67 S. 14) -
geeignet, seine teilweise noch jungen Opfer erheblich zu traumatisieren. Der Be-
schuldigte überfiel nämlich gemäss den Aussagen der Verteidigung seine Opfer
"jeweils überfallartig, hinterrücks und unerwartet". Sämtliche Opfer mussten - wie-
derum gemäss Ausführungen der Verteidigung - über längere Zeit therapeutische
Hilfe in Anspruch nehmen, zudem sei ihr Sicherheitsgefühl nachhaltig gestört. Sie
hätten alle anhaltende Angstzustände und teilweise sogar Todesängste beschrie-
ben (Urk. 67 S. 14). Zu diesem Schluss kommt auch mit zutreffenden Ausführ-
ungen die Vorinstanz (Urk. 90 S. 99 ff.), welche sich in objektiver Weise mit der
tatsächlichen und gewollten Schwere der bewirkten Schädigung der physischen,
psychischen oder sexuellen Integrität der Opfer auseinander setzen. Auch heute
ergibt sich keine andere Schlussfolgerung: Das konkrete Tatverhalten des Be-
schuldigten war jeweils von hoher Eingriffsintensität, dies aufgrund des jeweiligen
hinterrücksen Anschleichen, dem Zugreifen (welches am Kopf bzw. an den Haa-
ren sowie einmal unter Zuhalten des Mundes erfolgte) sowie dem zusätzlichen
- 38 -
Einsatz eines 20 cm langen Messers bzw. eines spitzen Gegenstandes. Gerade
der Einsatz des Messers bzw. des spitzen Gegenstandes ist geeignet, das jewei-
lige Opfer körperlich schwer zu beeinträchtigen, sei es, weil der Täter dies direkt
beabsichtigt, sei es, weil der Täter dieses einsetzen könnte, wenn das Opfer sich
wehrt oder wenn der Ablauf nicht so verläuft, wie der Täter dies plant. Vorliegend
hat der Beschuldigte das Messer mit Bezug auf das HD vor das Gesicht
des Opfers gehalten, dieses mit einer Drohung (rückwärts zählend) verbunden
gegen das Opfer eingesetzt, mit dem Messer Schwungbewegungen in Richtung
des Opfers gemacht sowie diesem ein Haarbüschel abgeschnitten. Die Drohung
mit einem Messer und insbesondere die Möglichkeit bzw. Gefahr einer Verletzung
des Gesichts ist als schwerer Eingriff in die Integrität des Opfers zu würdigen,
können hier doch wichtige Sinnesorgane massgebend verletzt werden. Dass die
Möglichkeit bzw. Gefahr einer solchen Verletzung geeignet ist, ein Opfer psy-
chisch zu traumatisieren, ist ohne weiteres nachvollziehbar. Mit Bezug auf das
ND 2 wurde der spitze Gegenstand im Nierenbereich eingesetzt, auch dies eine
Körperstelle, wo ebenfalls schwere Verletzungen entstehen können. Der Be-
schuldigte setzte zudem in allen Fällen massive körperliche Gewalt ein, so stiess
er in HD das Opfer auf den Boden, drückte in ND 1 den Kopf des Opfers so stark
gegen das Brustbein, dass dieses keine Luft mehr bekam bzw. drückte in HD 2
den Kopf des Opfers gegen deren Oberschenkel. Auch bei einem solchen gewalt-
samen Vorgehen, bei welchem das Opfer dem Täter körperlich völlig unterlegen
und diesem komplett ausgeliefert ist, ist nach der allgemeinen Lebenserfahrung
mit einer schweren Beeinträchtigung der psychischen Integrität und einer Trauma-
tisierung des Opfers zu rechnen (vgl. BGE 6B_8/2015 E. 2.1). Hinzu kommen die
sexuellen Nötigungen in ND 1 und ND 2, welche ebenfalls unter dem Eindruck der
körperlichen Überlegenheit sowie dem Einsatz des Messers/des spitzen Gegen-
standes erfolgten. Mit diesen Handlungen wurde zudem die sexuelle Integrität der
beiden Opfer klar beeinträchtigt, in Zusammenhang mit der angewendeten physi-
schen Einwirkung ist auch hier nach der allgemeinen Lebenserfahrung mit einer
Traumatisierung des Opfers zu rechnen. Zwar sind die subjektiven Auswirkungen
der Übergriffe auf die Opfer bei der Wertung der (gewollten) schweren Beein-
trächtigung nicht zu berücksichtigen (Urteil des Bundesgerichts 6B_109/2013 vom
- 39 -
19. Juli 2013 E. 4.3.3), indes hat die Vorinstanz (sowie - wie oben erwähnt - die
Verteidigung) zu Recht festgehalten, dass tatsächlich Traumatisierungen erfolgt
sind (Urk. 90 S. 100 ff.). Insgesamt zeigt sich ein unnachgiebiges und rücksichts-
loses Vorgehen des Beschuldigen in allen Fällen, welches zudem lediglich zur
triebhaften Erfüllung seiner finanziellen und sexuellen Wünsche dient und sich
über die physische, psychische sowie sexuelle Integrität seiner Opfer kompro-
misslos hinwegsetzt. Mit der Vorinstanz ist daher das Erfordernis der Voraus-
setzung der erfolgten bzw. gewollten schweren Beeinträchtigung der physischen,
psychischen oder sexuellen Integrität einer anderen Person zu bejahen.
4. Alsdann fordert Art. 64 Abs. 1 StGB, dass aufgrund der Persönlichkeits-
merkmale des Täters, der Tatumstände und seiner gesamten Lebensumstände
ernsthaft zu erwarten ist, dass er weitere Taten dieser Art begeht (lit. a); oder auf
Grund einer anhaltenden oder langdauernden psychischen Störung von erheb-
licher Schwere, mit der die Tat in Zusammenhang stand, ernsthaft zu erwarten ist,
dass der Täter weitere Taten dieser Art begeht und die Anordnung einer Mass-
nahme nach Art. 59 StGB keinen Erfolg verspricht (lit. b). Das Gericht stützt sich
bei seinem Entscheid über die Anordnung der Massnahme auf eine sachverstän-
dige Begutachtung, welche sich über die Notwendigkeit und die Erfolgsaussichten
einer Behandlung des Täters, über die Art und Wahrscheinlichkeit weiterer mög-
licher Straftaten sowie die Möglichkeit des Vollzugs der Massnahme zu äussern
hat (Art. 56 Abs. 3 StGB; BGer 6B_829/2013, Urteil vom 6. Mai 2014, E. 4.1. mit
Hinweisen). Hat der Täter eine Anlasstat gemäss Art. 64 Abs. 1 StGB begangen,
ist die Begutachtung ferner durch einen Sachverständigen vorzunehmen, der den
Täter weder behandelt noch in anderer Weise betreut hat (Art. 56 Abs. 4 StGB;
BGer 6B_487/2011, Urteil vom 30. Januar 2012, E. 3.1.1).
Über den Beschuldigten wurde von Prof. Dr. med. L._ der Klinik für forensi-
sche Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich ein psychiatrisches
Gutachten vom 20. Januar 2017 erstellt (Urk. HD 19/14, Ordner 2). Dieses ent-
spricht den gesetzlichen Vorgaben, ist vollständig und professionell verfasst und
berücksichtigt auch die aktuellen Verhältnisse. Wenn der Beschuldigte bei der
Staatsanwaltschaft und der Vorinstanz geltend machte, dass der Gutachter sich
- 40 -
keine Mühe gegeben und "einfach das Gutachten von Deutschland übernommen"
habe und "nicht in den Menschen hineinsehen" könne (Urk. 61 S. 9; Urk. HD 23/4
S. 5 f.), so entbehrt dies jeder sachlichen Grundlage. Auch die Verteidigung stellt
die Qualität des Gutachtens nicht in Frage (Urk. 67 S. 20 ff.).
Hinsichtlich der Feststellungen im Gutachten kann zwecks Vermeidung von Wie-
derholungen vollumfänglich auf die korrekten, detaillierten und ausführlichen Aus-
führungen der Vorinstanz verwiesen werden, welche sich zudem intensiv mit den
Risikobewertungen - bei der Wertung der Beurteilung gemäss der Testskala des
Static-99-Verfahrens unter Ausklammerung der späteren Taten in Deutschland -
befasst hat (Art. 82 Abs. 4 StPO). Zusammengefasst kommt das Gutachten zum
Schluss, dass der Beschuldigte als Persönlichkeitsmerkmal dasjenige einer "Psy-
chopathy" aufweist und bei ihm eine schwerwiegende und deliktsrelevante dis-
soziale Persönlichkeitsstörung vorliegt (Urk. HD 19/14 S. 71 ff. und S. 81 f.). Das
Risiko zur Begehung von weiteren Taten in der Art der begangenen bewertete der
Gutachter als "überdurchschnittlich (bzw. hoch)", dies sowohl mit Bezug auf Ge-
waltstraftaten (inkl. Raub) als auch mit Bezug auf Sexualstraftaten (Urk. HD 19/14
S. 81). Auf die Tatumstände der vorliegend zu beurteilenden Taten wurde schon
oben ausführlich eingegangen (Ziffern 7 ff.). Darauf kann vollumfänglich verwie-
sen werden. Der Beschuldigte hat zudem selber ausgesagt, dass er während der
Taten kein Mitleid mit den Opfern gehabt habe (Urk. HD 23/4 S. 6). Diese man-
gelnde Empathie geht auch aus den jeweiligen Tatabläufen klar hervor, indem der
Beschuldigte seine Ziele konsequent und ohne Rücksicht auf die physische, psy-
chische und sexuelle Integrität des Opfers verfolgt. Von seinem Tatablauf liess er
sich nur von äusseren Einflüssen (z.B. auftauchende Passantin) abhalten. Weiter
zeigt auch die Vorgeschichte (vgl. zur Berücksichtigung derselben wie auch der
späteren Entwicklung: BSK StGB I-HEER/HABERMEYER, Art. 64 N 67) die Gefähr-
lichkeit des Beschuldigten: In Italien wurde er ebenfalls wegen eines schweren
Deliktes, nämlich wegen Raubes, verurteilt (Urteil des Ordentlichen Gerichtes
Mailand vom 26. August 2011, unbedingte Freiheitsstrafe von 16 Monaten;
vgl. Urk. HD 11/6 S. 3). Dann schreckte er nicht davor zurück, sich am
23. Dezember 2012 mittels massiver Gegenwehr und unter Einsatz von zwei
Messern gegen eine Polizeikontrolle zu wehren (vgl. Urteil des Bezirksgerichts
- 41 -
Zürich, 3. Abteilung, vom 3. Dezember 2013 betreffend Gewalt und Drohung ge-
gen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285 Ziff. 1 StGB; Urk. HD 97 sowie
die Untersuchungsakten). Der Blick auf die spätere Entwicklung zeigt auf, dass
sich das Tatverhalten des Beschuldigten fortgesetzt und sogar verstärkt hat. Dem
Urteil des Landgerichts Köln vom 9. Oktober 2014, mit welchem der Beschuldigte
zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren und Ausfällung einer Sicherungsverwah-
rung verurteilt wurde (dies wegen Vergewaltigung in Tateinheit mit räuberischer
Erpressung, zweifacher sexueller Nötigung [in Tateinheit mit vorsätzlicher Körper-
verletzung bzw. Raub], zweifacher versuchter sexueller Nötigung in Tateinheit mit
vorsätzlicher Körperverletzung [und in einem dieser beiden Fälle zudem in Tat-
einheit mit versuchtem Raub] sowie wegen zweifachen Raubes [in einem Fall in
Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung]; Beizugsakten Köln Band 5), liegen
Taten zu Grunde, welche sich im Zeitraum zwischen dem 15. und 28. September
2013 ereigneten, mithin nur kurze Zeit nach den ihm in ND 1 bis ND 6 vorgewor-
fenen Taten. Dasselbe gilt für das Urteil des Amtsgerichts Köln vom 27. Januar
2014, mit welchem der Beschuldigte wegen Raubes und Nötigung zu einer be-
dingten Freiheitsstrafe von 13 Monaten verurteilt wurde. Hier ereignete sich die
Tat am 1. Oktober 2013 Der Beschuldigte setzte somit sein Delinquieren somit
weiter und in äusserst hoher Frequenz fort. Seine Tatausführung und die einge-
setzte Gewalt sowie die Auswirkungen auf die Opfer wurden dabei massiver. Das
Tatvorgehen des Beschuldigten erweist sich in den dem Urteil des Landgerichts
Köln vom 9. Oktober 2014 zugrunde liegenden Taten noch rücksichtsloser und in
der Durchführung noch zielstrebiger. Die Opfer sind ihm völlig ausgeliefert und er
schreckt auch nicht davor zurück, Widerstand zu überwinden bzw. seine Ziele
trotz Widerstand weiter zu führen. Auch die Tatschwere nimmt zu, kam es doch
im Rahmen der Sexualdelikte zu einer Vergewaltigung, während welcher
der Beschuldigte zunächst den Oral-, dann den Anal- und in der Folge noch den
Vaginalverkehr vollzog (Urteil des Landgerichts Köln vom 9. Oktober 2014, S. 15).
Und selbst dann, als er seine sexuellen Bedürfnisse befriedigt hatte, liess er vom
Opfer nicht ab, sondern forderte zusätzlich Geld und Mobiltelefon (Urteil des
Landgerichts Köln vom 9. Oktober 2014, S. 16). Sein Verhalten ist von einer zu-
sätzlichen grossen Zielstrebigkeit und Ausdauer geprägt (vgl. Verfolgung des Op-
- 42 -
fers M._ während über einer Stunde; Urteil des Landgerichts Köln vom
9. Oktober 2014, S. 18 ff.). Auch mit Bezug auf die Opfer N._ sowie O._
versuchte der Beschuldigte, den Geschlechtsverkehr auszuführen und wendete
dabei nicht unerhebliche Gewalt an (Urteil des Landgerichts Köln vom 9. Oktober
2014, S. 24 ff. und S. 27 ff.). Mehrere der Opfer mussten sich in Therapie bege-
ben bzw. hatten Schlafstörungen und litten unter der Angst, im Dunklen nach
Draussen zu gehen bzw. sich alleine im Massagesalon aufzuhalten bzw. die glei-
che Strecke wie am Tattag zurückzulegen oder litten unter Alpträumen (vgl. Urteil
des Landgerichts Köln vom 9. Oktober 2014, S. 12 ff.).
Das gesamte Vorgehen des Beschuldigten, insbesondere seine Rücksichtslosig-
keit und Zielstrebigkeit, lässt die Begehung weiterer Taten in der Art der began-
genen Taten befürchten. Das Gutachten bezeichnet den Beschuldigten zudem als
"Intensivtäter" und verweist auf die jeweiligen kurzen Zeiträume, in welchen der
Beschuldigte wiederholt auffällig wurde (Urk. HD 19/14 S. 66). Im Weiteren lassen
die gesamten Lebensumstände des Beschuldigten keinen anderen Schluss zu,
als dass weitere Taten in der Art der begangenen zu befürchten sind: So hat der
Beschuldigte keinen Schulabschluss erlangt und konnte keine reguläre Berufs-
ausbildung anfangen bzw. abschliessen. In Marokko sah er keine Zukunftsper-
spektive und hat das Land 2006 oder 2011 verlassen (hierzu bestehen unter-
schiedliche Angaben des Beschuldigten, vgl. Urk. HD 19/14 S. 29 und S. 67).
Schon in Italien wurde er straffällig (Urk. HD 11/6 S. 3 und HD 19/14 S. 68), dann
(mehrfach) in der Schweiz und in Deutschland. In Westeuropa hat er sich mithin
keine Lebensumstände aufgebaut, welche ein deliktfreies Leben implizieren wür-
den. Ein soziales Umfeld hat der Beschuldigte in Europa nicht. Wenn der Be-
schuldigte behauptet, nach Marokko zurückkehren zu wollen und es bereue, nach
Europa gekommen zu sein (Urk. HD 19/14 S. 39), so muss doch festgehalten
werden, dass er dort dieselbe Perspektivenlosigkeit vorfinden würde. Zudem ist er
Beschuldigte in der Vergangenheit - trotz wiederholt gestellter und wieder zurück-
gezogener Asylanträge (vgl. Urk. HD 23/6/5 ff.; Ordner 3) - nicht in sein Heimat-
land zurückgekehrt. An dieser Einschätzung der ernsthaften Wiederholungsgefahr
und damit Gefährlichkeit ändert auch nicht, dass der Beschuldigte - wie er es sel-
ber geltend macht (Urk. HD 23/4 S. 4; Prot. I S. 9; Urk. 125 S. 4 und S. 10 f.;
- 43 -
Prot. II S. 11) und über seinen Verteidiger ausführen lässt (Urk. 67 S. 21; Urk. 126
Rz. 28, Rz. 33 und Prot. II S. 10) - sich seit der Verhaftung stark verändert haben
will. Der Führungsbericht des Gefängnisses H._ (Urk. HD 22/37, Ordner 3/6)
stellt dem Beschuldigten zwar ein "gutes Zeugnis" aus. Doch auch solch ein Füh-
rungsbericht kann die übermässige Häufigkeit der Straffälligkeit des Beschuldig-
ten sowie dessen Persönlichkeitsmerkmale nicht kompensieren, zumal im Füh-
rungsbericht explizit festgehalten wurde, dass der Beschuldigte mit der Zeit "im-
mer mehr psychische Probleme" bekommen habe (Urk. HD 22/37, Ordner 3/6).
Zudem hält der Gutachter fest, dass es aufgrund der in der Exploration zutage tre-
tenden Reizbarkeit des Beschuldigten (vor allem beim letzten Termin) höchst un-
wahrscheinlich sei, dass es bei diesem zu einer "massgebenden Reduktion der
psychopathisch-dissozialen Persönlichkeitsstruktur" gekommen wäre, im Gegen-
teil sei diese in den Untersuchungsgesprächen "mit hoher Ausprägung deutlich
geworden". Wörtlich erachtet es der Gutachter als "erstaunlich", dass dem Be-
schuldigten ein gutes Zeugnis ausgestellt worden ist (Urk. HD 19/14 S. 72 f.).
Hierzu kann auch auf die Haftzeit in Deutschland vor dem 9. Oktober 2014 ver-
wiesen werden, während welcher sich der Beschuldigte verschiedentlich auffällig
verhalten hat und mehrfach verlegt werden musste (vgl. Urteil des Landgerichts
Köln vom 9. Oktober 2014, S. 40). Der Gutachter hielt zudem ausdrücklich fest,
dass die "Dissoziale Persönlichkeitsstörung" weiterhin besteht (Urk. HD 19/14
S.82). Mit der Vorinstanz (Urk. 90 S. 107) ist somit die qualifizierte Gefährlichkeit
sowie die ernsthafte Erwartung weiterer Delinquenz zu bejahen. Sowohl die Vor-
geschichte, die Anlasstaten wie auch die weitere Entwicklung lassen im konkreten
Fall keinen anderen Schluss zu, als dass qualifizierte künftige Delinquenz
mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. Die zurückliegenden Straf-
taten gelten dabei als ein sehr zuverlässiger Indikator für die künftige Delinquenz
und die künftige rechtserhebliche Gefährlichkeit (vgl. BSK StGB I- HEER, Art. 64
N 10, N 47 und N 51; BSK StGB I-HEER/HABERMEYER, Art. 64 N 67 und N 68). Im
vorliegenden Fall muss klarerweise von einem eingeschliffenen Verhaltensmuster
gesprochen werden (BSK StGB I-HEER/HABERMEYER, Art. 64 N 68).
Die Verwahrung ist gemäss Art. 64 Abs. 1 lit. b StGB unzulässig, wenn eine
Massnahme nach Art. 59 StGB einen Erfolg verspricht. Die Verwahrung sieht als
- 44 -
isolierende Massnahme den zeitlich unbegrenzten Freiheitsentzug vor, der so
lange anhält, wie die Rückfallgefahr eines als gefährlich eingestuften Täters be-
stehen bleibt. Die Verwahrung gilt als gravierendste Sanktion und soll nur
als ultima Ratio zum Einsatz kommen (BGer 6B_497/2013, Urteil vom 13. März
2014, E. 2.3.). Sie darf nicht angeordnet werden, wenn die bestehende Gefähr-
lichkeit des Täters auf andere Weise behoben werden kann (BGer 6B_8/2015, Ur-
teil vom 14. September 2015, E. 2.2. mit Hinweisen). Darin kommt die Subsidiari-
tät der Verwahrung im Verhältnis zur therapeutischen Massnahme zum Ausdruck.
Solange eine therapeutische Massnahme noch Erfolg verspricht, kommt die Ver-
wahrung nicht in Frage (BBl 1999 1979 ff, 2078, 2097). Hiervon ist gemäss Bun-
desgericht auszugehen, wenn im Zeitpunkt des Entscheides die hinreichende
Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich durch eine stationäre Behandlung über die
Dauer von fünf Jahren die Gefahr weiterer Straftaten im Sinne von Art. 64 Abs. 1
StGB deutlich verringern lässt oder wenn die ausgesprochene Freiheitsstrafe al-
lenfalls verbunden mit einer ambulanten Massnahme dem Sicherungsbedürfnis
der Allgemeinheit zu genügend vermag (BGer 6B_8/2015, Urteil vom
14. September 2015, E. 2.2. mit Hinweisen).
Das Gutachten sieht aus mehreren Gründen die Anordnung einer Massnahme
nach Art. 59 StGB (sowie anderer Massnahmen) aus psychiatrischer Sicht als
nicht angezeigt. Selbst mit Bezug auf eine Massnahme für junge Erwachsene er-
klärt der Gutachter den Beschuldigten als "nicht behandelbar" (Urk. HD 19/14
S. 82 f.). Er begründete dies ausführlich und kommt zum Schluss, dass beim Be-
schuldigten sowohl hinsichtlich der "Psychopathy" als auch bezüglich der dis-
sozialen Persönlichkeitsstörung die Behandelbarkeit bzw. therapeutische Be-
einflussbarkeit sehr gering sei, dies insbesondere auch aufgrund der begrenzten
intellektuellen Ressourcen. Zudem weise der Beschuldigte diverse Negativkrite-
rien für eine Intervention nach Art. 59 StGB, so eine deutliche und sehr hoch aus-
geprägte Alienation, d.h. Entfremdung von grundlegenden innerpsychischen Moti-
ven, Prozessen und Affekten. Weiter bestehe eine deutliche psychische Rigidität
mit einem Beharren auf eigenen Positionen sowie eine mangelnde bzw. gar feh-
lende Bereitschaft, sich auf andere Positionen einzulassen. Auch die Gruppen-
fähigkeit, Absprachefähigkeit sowie Veränderungsbereitschaft seien fraglich
- 45 -
(Urk. HD 19/14 S. 78 ff.). Dem ist nichts hinzuzufügen, die Schlussfolgerungen
des Gutachters sind schlüssig und nachvollziehbar. Die "Psychopathy" sowie die
dissoziale Persönlichkeitsstörung, wie sie beim Beschuldigten vorliegt, gründet
auch gemäss der Literatur im Wesentlichen auf wiederholtem kriminellem Ver-
halten, mangelnder Erreichbarkeit durch Strafe und fehlendem Lernen aus Erfah-
rung. Bei Personen mit einer solchen Störung wird davon ausgegangen, dass sie
therapeutisch nicht erreichbar sind (vgl. BSK StGB I-HEER/HABERMEYER, Art. 64
N 110). Diese Merkmale gehen aus dem strafrechtlichen Hintergrund des Be-
schuldigten für das Gericht klar hervor. Da es sich beim Beschuldigten um einen
schweren Fall eines Wiederholungstäters handelt, müssen auch keine gescheiter-
ten Behandlungsversuche vorliegen (vgl. gl. BSK StGB I-HEER/HABERMEYER,
Art. 64 N 106 mit weiteren Hinweisen). Selbst die Verteidigung macht nicht gel-
tend, dass beim Beschuldigten eine konkrete Massnahme Erfolg versprechen
würde. Es wird lediglich vorgebracht, dass der Beschuldigte jung sei und Entwick-
lungspotential habe (Urk. 67 S. 23; Urk. 126 Rz. 37) und "ohne weiteres davon
auszugehen sei, dass der Beschuldigte im deutschen Strafvollzug in der einen
oder anderen Form therapeutisch begleitet und gefördert werde" (Urk. 126
Rz. 37). Indes hat sich das Gutachten ausführlich auch mit dem Alter des Be-
schuldigten befasst und selbst eine Massnahme für junge Erwachsene als nicht
angezeigt betrachtet. Die dissoziale Persönlichkeitsstörung des Beschuldigten sei
so verfestigt und auch so schwer ausgeprägt, dass nicht von einer Störung der
Persönlichkeitsentwicklung im Sinne von Art. 61 StGB ausgegangen werden kön-
ne (Urk. HD 19/14 S. 80 und S. 83).
Der Beschuldigte zeigte überdies an der Berufungsverhandlung denn auch kei-
nerlei Behandlungsbereitschaft, sondern führte vielmehr aus, er könne sich selbst
"kurieren", wobei dies widersprüchlich zu seiner ebenfalls getätigten Aussage,
"kein kranker Mensch" zu sein, erscheint (Urk. 125 S. 10).
Aus dem Gesagten erhellt, dass keine hinreichende Wahrscheinlichkeit einer
deutlichen Verringerung der Gefahr weiterer Straftaten durch eine Massnahme zu
erwarten und daher die Verwahrung nach Art. 64 Abs. 1 StGB anzuordnen ist. Zu
den Einwendungen der Verteidigung, dass eine Verwahrung nicht "auf Vorrat" er-
- 46 -
folgen dürfe, da der Beschuldigte - wenn überhaupt - aufgrund der schon in
Deutschland angeordneten Verwahrung erst in weiterer Zukunft in der Schweiz
verwahrt werden würde (Urk. 67 S. 22 f.; Urk. 126 Rz. 34 ff.), hat die Vorinstanz
schon zutreffende Ausführungen gemacht (Urk. 90 S. 108). Da schon von Geset-
zes wegen der Vollzug der Freiheitsstrafe der Verwahrung vorausgeht (Art. 64
Abs. 2 StGB) erhellt ohne Weiteres, dass es auf die Dauer einer solchen Strafe
bzw. einer in einem anderen Land angeordneten Verwahrung nicht ankommen
kann. Ansonsten könnte bei Personen, welche eine sehr lange Freiheitsstrafe zu
verbüssen haben, die Verwahrung gar nie angeordnet werden. Für die Beurtei-
lung ist auf die Verhältnisse zum Zeitpunkt des Urteils abzustellen und nicht auf
unbekannte Umstände in weiter Zukunft (vgl. BGE 101 IV 274).
5. Es ist somit die Verwahrung des Beschuldigten im Sinne von Art. 64 Abs. 1
StGB anzuordnen.
VIII. Zivilansprüche
1. Die Vorinstanz stellte mit Bezug auf den Privatkläger 1 E._ antragsge-
mäss fest, dass der Beschuldigte diesem gegenüber aus dem eingeklagten Er-
eignis dem Grundsatze nach schadenersatzpflichtig ist. Zur genauen Feststellung
des Umfanges des Schadenersatzanspruches wurde der Privatkläger 1 auf den
Weg des Zivilprozesses verwiesen. Zudem wurde der Beschuldigte verpflichtet,
dem Privatkläger 1 CHF 6'000 zuzüglich 5 % Zins ab 21. Juli 2016 als Genugtu-
ung zu bezahlen (Urk. 90 S. 122). Der Beschuldigte beantragt, dass die Zivilforde-
rung sowie die Genugtuungsforderung des Privatkläger 1 vollumgänglich abzu-
weisen seien (Urk. 93).
2. Die Zivilklage wird auf den Zivilweg verwiesen, wenn die Privatklägerschaft
ihre Klage nicht hinreichend begründet oder beziffert hat (Art. 126 Abs. 2 lit b
StPO). Falls die vollständige Beurteilung des Zivilanspruchs unverhältnismässig
aufwendig ist, so kann das Gericht die Zivilklage nur dem Grundsatz nach ent-
scheiden und sie im Übrigen auf den Zivilweg verweisen (Art. 126 Abs. 3 StPO).
- 47 -
Vorliegend steht aufgrund des Schuldspruchs fest, dass der Beschuldigte dem
Geschädigten 1 durch sein Verhalten Verletzungen, nämlich ein Loch im Trom-
melfell des linken Ohrs (mit Hörminderung), eine geschwollene linke Ohrmuschel,
ein blutiges Trommelfell rechts, eine Beule an der Stirn, Blutergüsse, Striemen
sowie einen Druckschmerz an einer Rippe zugefügt hat. Der Privatkläger 1 führt
zum Schaden aus, dass ihm bisher keine Kosten erwachsen seien, da er vom
Sozialamt unterstützt werde. Es sei aber noch unklar, inwieweit ihm in Zukunft
Schaden entstehen werde. Es könne nicht abgeschätzt werden, ob zukünftige
Arzt- oder Therapiekosten entstehen könnten oder er dem Sozialamt rück-
zahlungspflichtig werde (Urk. 66 S. 4).
Da der Privatkläger 1 keinen eingetretenen Schaden behauptet bzw. beziffert
bzw. substantiiert, kann auch kein Entscheid über den Grundsatz einer Haftplicht
im Sinne von Art. 126 Abs. 3 StPO gefällt werden. Mit diesem Grundsatzent-
scheid wird nämlich über die grundsätzliche Haftung verbindlich geurteilt. Das
nachfolgende Zivilgericht wird durch diesen Entscheid gebunden; es ist ein ver-
bindlicher Entscheid über eine zivilrechtliche Teilfrage. Der unverhältnismässige
Aufwand - welcher einer abschliessenden Beurteilung durch das Strafgericht im
Wege steht - muss sich dabei auf die Beweiserhebung beziehen (vgl. BSK StPO
I-DOLGE, Art. 126 N 44 ff.). Dies ist vorliegend nicht der Fall, da die (unbezifferte)
Forderung des Privatklägers 1 mangels rechtsgenügender Behauptung sowie
Substantiierung einem Beweisverfahren von Vornherein nicht zugänglich ist. Eine
Haftung aus Art. 41 Abs. 1 OR - welche Norm vorliegend zur Anwendung kommt -
setzt voraus, dass einem anderen widerrechtlich Schaden zugefügt wird. Bei Kör-
perverletzung besteht der Schadenersatz im Ersatz der Kosten und Entschädi-
gung weiterer Nachteile (z.B. aufgrund Arbeitsunfähigkeit; Art. 46 OR). Dabei
handelt es sich um damnum emergens (Abnahme des Vermögens des Geschä-
digten) oder um einen lucrum cessans (Entgangener Gewinn). Die begriffliche
Umschreibung des Schadens mittels wirtschaftlicher Kriterien schliesst es aus,
beispielsweise eine "Körperverletzung" "als solche" bereits als Schaden zu be-
zeichnen (BSK OR I-SCHNYDER, Art. 41 N 3 ff.). Eine Schädigung ist mithin nur
dann haftpflichtrelevant, wenn sie zu einem Schaden i.S. materieller Einbussen
führt; es gilt das Prinzip der konkreten Schadensberechnung (BSK OR I-
- 48 -
SCHNYDER, Art. 46 N 2). Diese Voraussetzung ist vorliegend nicht gegeben.
Neben dem nicht behaupteten bzw. substantiierten Schaden ist zudem unklar, ob
der Privatkläger 1 überhaupt anspruchsberechtigt ist, da mit der Kostenüber-
nahme eine Subrogation auf die Versicherung bzw. das Gemeinwesen erfolgt
sein könnte. Die Zivilklage ist somit mangels hinreichender Begründung bzw. Be-
zifferung auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit b StPO).
3. Mit Bezug auf die geltend gemachte Genugtuung hat der Privatkläger 1 so-
wohl deren Höhe beziffert als auch die Gründe substantiiert, gemäss welchen
diese gefordert wird (Urk. 66 S. 4 f.). Die von der Vorinstanz dargelegten Voraus-
setzungen zur Zusprechung von Genugtuungen gemäss Art. 49 OR sowie deren
Würdigung ausgehend von den Ausführungen der Parteien sowie den Akten sind
korrekt (Urk. 90 S. 115) und die von ihr festgesetzte Genugtuung ist in ihrer Höhe
von Fr. 6'000.– nicht zu beanstanden. Diese liegt im durchschnittlichen Bereich
von Genugtuungen, die in ähnlich gelagerten Fällen zugesprochen werden
(vgl. den Verweis der Vorinstanz auf die entsprechende Literaturstelle; Urk. 90
S. 115). Zudem steht der Vorinstanz bei der Zusprechung der Genugtuung ohne-
hin ein relativ weites Ermessen zu. Im vorliegenden Fall waren die Einwirkungen
des Beschuldigten in die psychische und physische Integrität des Privatklägers 1
ohne Weiteres geeignet, bei ihm eine genugtuungsbegründende Persönlichkeits-
verletzung zu bewirken. Er erlitt eine Perforation des Trommelfells sowie eine
Hörminderung und musste zwei Operation über sich ergehen lassen. Durch den
Verlust eines Teils der Hörleistung hat der Beschuldigte beim Privatkläger 1 eine
wesentliche Einschränkung der Lebensqualität verursacht. Diese widerrechtliche
Persönlichkeitsverletzung ist mit der Zusprechung einer Genugtuung auszu-
gleichen. Der Zinsenlauf beginnt bei Genugtuungen mit der genugtuungsbegrün-
denden Handlung, mithin dem 21. Juli 2016. Die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz sind daher vollumfänglich zu übernehmen und der Beschuldigte zu
verpflichten, dem Privatkläger 1 Fr. 6'000 zuzüglich 5 % Zins ab 21. Juli 2016 als
Genugtuung zu bezahlen.
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IX. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Erstinstanzliches Verfahren
Nachdem es auch im Berufungsverfahren beim vorinstanzlichen Schuldspruch
bleibt, ist die vorinstanzliche Kostenauflage gemäss Dispositiv Ziffer 15 des ange-
fochtenen Entscheides ausgangsgemäss zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 Satz 1
StPO).
2. Zweitinstanzliches Verfahren
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist aufgrund des nicht un-
erheblichen Aufwandes auf Fr. 6'000.– zu veranschlagen. Im Berufungsverfahren
werden die Kosten nach Obsiegen und Unterliegen auferlegt (Art. 428 Abs. 1
Satz 1 StPO). Nachdem der Beschuldigte mit seiner Berufung vollumfänglich un-
terliegt, sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen.
2.2. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten macht für ihre Aufwendungen
und Barauslagen im Berufungsverfahren Fr. 4'817.57 (inkl. MwSt.) geltend
(Urk. 124). Das geltend gemachte Honorar steht im Einklang mit den Ansätzen
der Anwaltsgebührenverordnung und erweist sich grundsätzlich als angemessen.
Unter Berücksichtigung der Dauer der Berufungsveranschlagung und der voraus-
sichtlichen Dauer der Nachbesprechung sind zusätzlich Fr. 700.– zu veran-
schlagen. Mithin ist die amtliche Verteidigung mit einem Honorar von Fr. 5'600.–
aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
2.3. Der unentgeltliche Rechtsvertreter des Privatklägers 1, Rechtsanwalt
lic. iur. F._ macht für seine Aufwendungen und Auslagen im Berufungsver-
fahren eine Entschädigung von Fr. 3'781.31 (inkl. MwSt.) geltend, bestehend aus
Fr. 3'446.67 Honorar und Fr. 64.30 Barauslagen (Urk. 117).
2.4. Die Entschädigung des Rechtsbeistandes der Privatklägerschaft richtet
sich sinngemäss nach Artikel 135 StPO, betreffend Entschädigung der amtlichen
Verteidigung (Art. 138 StPO; § 23 Abs. 1 AnwGebV). Demnach erfolgt die Ent-
schädigung des Rechtsbeistandes nach dem Anwaltstarif desjenigen Kantons, in
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dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO). Die Entschädigung
für die anwaltliche Vertretung bestimmt sich somit grundsätzlich nach der
Verordnung über die Anwaltsgebühren des Kantons Zürich vom 8. September
2010 (Anwaltsgebührenverordnung; LS 215.3; vgl. auch § 1 AnwGebV).
2.5. Gemäss Praxis ist bei der Festsetzung des Honorars bei so genannten ein-
fachen Standardverfahren von den in der erwähnten Verordnung angeführten An-
sätzen auszugehen. Die Anwaltsgebührenverordnung ist jedoch so auszulegen,
dass die Kosten der Verteidigung bzw. der Rechtsvertretung – zumindest weitest-
gehend – gedeckt sind. In Verfahren, die nicht zu den einfachen Standardfällen
gezählt werden können, ist gestützt auf eine sachgerechte Auslegung der An-
waltsgebührenverordnung von der Honorarabrechnung des Vertreters auszu-
gehen. Diese ist auf ihre Angemessenheit hin zu prüfen (vgl. ZR 111 [2012] Nr. 16
E. 2.1.3 mit Hinweisen).
Gemäss § 1 AnwGebV setzt sich die Entschädigung aus der Gebühr und den
notwendigen Auslagen zusammen. Die Gebühr für die Führung eines Straf-
prozesses (einschliesslich Vorbereitung des Parteivortrages und Teilnahme
an der Hauptverhandlung) beträgt im Bereich der Zuständigkeit des Bezirks-
gerichts – auch im Berufungsverfahren – in der Regel Fr. 1'000.– bis Fr. 28'000.–,
wobei auch zu berücksichtigen ist, ob das vorinstanzliche Urteil ganz oder nur
teilweise angefochten wurde (§ 18 Abs. 1 i.V.m. § 17 Abs. 1 lit. b AnwGebV). In-
nerhalb dieses Rahmens wird die Grundgebühr nach den besonderen Umstän-
den, namentlich etwa nach Art und Umfang der Bemühungen und Schwierigkeiten
des Falles, bemessen. Zur Grundgebühr werden für weitere Verhandlungen
bzw. Verhandlungstage und weitere notwendige Rechtsschriften Zuschläge
berechnet (§ 17 Abs. 2 AnwGebV). Ob es sich um ein so genanntes einfaches
Standardverfahren handelt, beurteilt sich nach folgenden Kriterien: Aktenumfang,
Komplexität und Schwierigkeit des Falles (sowohl in tatsächlicher als auch recht-
licher Hinsicht) und Bedeutung des Verfahrens für die betroffene Person.
2.6. Vorliegend waren die Akten, die zahlreiche Delikte umfassten, zweifellos
umfangreich, was für die Beurteilung der Entschädigung für die amtliche Verteidi-
gung des Beschuldigten von Belang war. Hier steht jedoch die Entschädigung für
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die Vertretung der Privatklägerschaft zur Diskussion, die lediglich das Dossier 8
(ND 7; vgl. Anklageschrift S. 11) und die sich daraus ergebenden Zivilansprüche
beschlägt. Zwar war der Beschuldigte bezüglich dieses angeklagten Sachver-
haltes nicht geständig. Dennoch sind die in diesem Zusammenhang stehenden
Akten überschaubar (ND 7, Ordner 6), weshalb diesbezüglich von einem durch-
schnittlichen Umfang gesprochen werden kann. Auch die sich im Rahmen der Be-
rufung stellenden Fragen waren – für einen Rechtsanwalt – nicht komplex.
In Würdigung der gesamten Umstände handelte es sich beim vorliegenden Ver-
fahren, soweit dies den Privatkläger 1 betraf, sowohl in qualitativer als auch quan-
titativer Hinsicht nicht um ein besonders schwieriges und aufwändiges Verfahren,
sondern um ein Standardverfahren, weshalb bei der Bemessung der Entschädi-
gung für den unentgeltliche Rechtsvertreter von den in der Anwaltsgebührenver-
ordnung angeführten Ansätzen auszugehen ist.
2.7. Angesichts der Bedeutung und Schwere des Falles sowie des weiten
Rahmens von Fr. 1'000.– bis Fr. 28'000.– erscheint vorliegend für das Berufungs-
verfahren eine (Pauschal-)Entschädigung von Fr. 1'200.-- (inkl. MwSt.) ange-
messen. Zuschläge gibt es keine zu veranschlagen.
2.8. Da von einem Standardfall auszugehen und deshalb das Honorar als Pau-
schalbetrag auszurichten ist, erübrigen sich grundsätzlich Erwägungen zur einge-
reichten Honorarnote. Steht dem Richter zur Ausübung seines pflichtgemässen
Ermessens bei der Festsetzung der Entschädigung eine detaillierte Aufstellung
über den tatsächlichen Aufwand der Vertretung des Privatklägers zur Verfügung,
so kann diese als Grundlage der Ermessensausübung im Sinne einer Kontroll-
rechnung herangezogen werden (ZR 105 [2006] Nr. 1 E. 5a mit Hinweisen, insbe-
sondere auf ZR 101 [2002] Nr. 19).
Die insgesamt 690 Minuten bzw. 11.5 h für die Erstattung der schriftlichen Beru-
fungsantwort erscheinen unter Berücksichtigung, dass sich die Ausführungen wei-
testgehend deckungsgleich sind wie im vorinstanzlichen Verfahren, als überhöht
und sind auf rund 2/3 zu kürzen. Ebenso wenig können etwas das Literatur-
studium (50 Minuten) oder das Anfertigen von Kopien bzw. die Sekretariatsarbeit
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als Aufwand geltend gemacht werden (vgl. dazu Leitfaden Amtliche Mandate der
Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürich, 2. Aufl., Januar 2014, S. 55). Insge-
samt erscheint eine Entschädigung von Fr. 1'200.– (inkl. MwSt.) auch aufgrund
der Kontrollrechnung als angemessen.
2.9. Die unentgeltliche Rechtsvertreterin der Privatklägerin 4, Rechtsanwältin
lic. iur. G._ macht für ihre Aufwendungen und Auslagen im Berufungsverfah-
ren eine Entschädigung von insgesamt Fr. 990.95 geltend (Urk. 120).
Die Vertretung der Privatklägerin 4 betraf lediglich das Dossier 3 (ND 2). Der vor-
instanzliche Schuldspruch inklusive der Zivil- und Kostenfolgen wurde vom Be-
schuldigten nicht angefochten, weshalb im Berufungsverfahren grundsätzlich kei-
ne Aufwendungen mehr anfielen bzw. geltend gemacht werden können. Es er-
scheint dennoch gerechtfertigt, Rechtsanwältin lic. iur. G._ mit Fr. 300.– (inkl.
MwSt.) pauschal zu entschädigen, wobei insbesondere anzumerken gilt, dass der
Aufwand für das Studium der vorinstanzlichen Urteils bei der Vorinstanz hätte gel-
tend gemacht werden müssen bzw. grundsätzlich als durch die erstinstanzliche
Entschädigung abgedeckt gilt (vgl. ZR 111 [2012] Nr. 16 E. 2.3.1.).