# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4766d5b7-0e22-4073-80b6-56d0910ecf12
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 26
I. Sachverhalt
A. Wie aus den Strafakten (act. 2.3 bis 2.6) zu entnehmen ist, wuchs Y._ zusammen mit zwei Geschwistern in O.2_ bei seinen Eltern auf. Nach dem Besuch der obligatorischen Schule absolvierte er eine dreijährige Gipserlehre bei der Firma C._ in O.2_ und arbeitete anschliessend drei Jahre bei der Baufirma D._ in O.2_ . Seit 1990 ist er bei der E._ in O.4_ tätig. Y._ ist seit dem Jahre 1986 mit G._, geb. F._ verheiratet. Aus dieser Ehe ging 1988 ein Sohn hervor. Gemäss den von der Staatsanwaltschaft Graubünden bei der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden angeforderten Unterlagen (act. 2.3, definitive Veranlagung für das Jahr 2009) erzielte Y._ im Jahre 2009 ein Jahreseinkommen von CHF 95‘000.00 (CHF 7‘900.00 pro Monat inkl. 13. Monatslohn), seine Ehefrau ein solches von CHF 24‘000.00 (CHF 2‘000.00 pro Monat). Gegenüber der Kantonspolizei Graubünden bezifferte Y._ sein Nettoeinkommen am 29. Juli 2011 mit CHF 6‘000.00 pro Monat inklusive 13. Monatslohn (act. 2.4). Im Leumundsbericht vom 6. Juni 2012 (act. 2.6) wird das Einkommen gemäss „Steuerfaktoren 2009 def.“ mit CHF 86‘800.00 (entspricht CHF 7‘233.00 pro Monat) und gemäss „Steuerfaktoren 2010 def.“ mit CHF 77‘300.00 (entspricht CHF 6‘441.00 pro Monat) beziffert. Das Einfamilienhaus von Y._ in O.2_ (Steuerwert CHF 500‘000.00) ist gemäss den Akten mit einer Hypothek von CHF 250‘000.00 belastet.
B. Die Staatsanwaltschaft Graubünden ging in der Anklageschrift vom 14. August 2012 von folgendem Sachverhalt aus:
„Am 28. Juli 2011, um 22.15 Uhr, lenkte der Beschuldigte den Personenwagen H._, in O.5_ auf der S.1_ vom Kreisel bei der Autobahnausfahrt O.5_ herkommend mit einer Geschwindigkeit von ca. 45 km/h in Richtung O.2_ . Auf der Höhe der Örtlichkeit I._ nahm er den die Strasse von links nach rechts querenden und alkoholisierten Fussgänger X._ zu spät wahr, das heisst erst auf etwa 10 m, obwohl die Sichtdistanz zu diesem Zeitpunkt ca. 28 m betrug. Umgehend beabsichtigte er, X._ auf der linken Fahrspur auszuweichen. Gleichzeitig bremste er sein Fahrzeug ab. Trotzdem erfasste er mit seinem Fahrzeug den Fussgänger in der Folge. Durch die Kollision wurde dieser zuerst auf die Motorhaube und anschliessend an den linken Strassenrand geschleudert. Dabei zog sich X._ ein Schädel-Hirn-Trauma, einen Bruch des Oberkiefers sowie einen Bruch des Unterschenkelknochenkopfs (rechts) zu.“
X._ konnte keine Angaben zu dem Unfallhergang machen, da er sich aufgrund des Zusammenpralls nicht mehr daran erinnern konnte (act. 3.4). Zeugen waren keine vorhanden.
Seite 3 — 26
C. Nach dem Abschluss der Strafuntersuchung am 26. Oktober 2011 stellte die Staatsanwaltschaft Graubünden mittels Parteimitteilung im Sinne von Art. 318 Abs. 1 StPO eine Einstellungsverfügung gemäss Art. 319 ff. StPO in Aussicht. X._ liess daraufhin über seinen damaligen Rechtsvertreter am 25. Oktober 2011 formell einen Strafantrag gegen Y._ stellen, worin er dessen Schuldigsprechung und eine angemessene Bestrafung wegen fahrlässiger Körperverletzung forderte. Die Geltendmachung von Zivilansprüchen im Strafverfahren wurde ausdrücklich vorbehalten (act. 1.10). Auf Antrag von X._ wurde am 31. Januar 2012 ein Augenschein mit Fahrversuchen an der Unfallstelle durchgeführt (act. 3.14 f.). In der Folge stellte die Staatsanwaltschaft am 9. Mai 2012 wiederum eine Einstellungsverfügung in Aussicht (act. 1.27), worauf der damalige Rechtsvertreter von X._ mit Eingabe vom 11. Mai 2012 erneut die Schuldigsprechung von Y._ wegen fahrlässiger Körperverletzung forderte (act. 1.28).
D. Entgegen den ersten beiden Parteimitteilungen entschied sich die Staatsanwaltschaft Graubünden zur Anklageerhebung beim Gericht gemäss Art. 324 ff. StPO. Dies wurde den Parteien mit Schreiben vom 13. Juni 2012, mitgeteilt am 14. Juni 2012, zur Kenntnis gebracht (act. 1.32). Die Anklageschrift folgte am 14. August 2012 und wurde den Parteien am 21. August 2012 mitgeteilt.
E. Die Parteien wurden mit Schreiben vom 11. Oktober 2012 auf den 5. Dezember 2012, 14.00 Uhr, zur Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Landquart vorgeladen. Anwesend waren Y._ und sein Verteidiger sowie X._. Die Parteien stellten folgende Schlussanträge:
Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden gemäss Anklageschrift:
„1. Der Beschuldigte sei der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu je CHF 190.--, bedingt, bei einer Probezeit von 2 Jahren, und einer Busse von CHF 500.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 5 Tagen, zu verurteilen.
3. Die Verfahrenskosten seien dem Beschuldigten zu überbinden.“
Anträge des Beschuldigten:
„1. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung gemäss Art. 125 Abs. 2 StGB freizusprechen.
2. Die gesamten Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen (die gesamten Kosten des Ermittlungs- und Untersuchungsverfahrens
Seite 4 — 26
der Staatsanwaltschaft Graubünden und des gerichtlichen Verfahrens).
3. Dem Beschuldigten sei für seine Verteidigungsaufwendungen eine Entschädigung in Höhe von Fr. 6‘998.50 zulasten der Staatskasse zuzusprechen.
4. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. 8 % Mehrwertsteuer.“

## Considerations