# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 827f22f3-ce5a-4242-9f0b-81804a0812cb
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. A.Y. wurde für die Amtsperiode 2009/2012 in die Geschäftsprüfungskommission
(GPK) der Primarschulgemeinde X. (Primarschulgemeinde X.) gewählt (act. 13/6/6/1,
www. ... .ch). Veranlasst durch eine Anzeige des Rechtsvertreters der
Primarschulgemeinde X. vom 12. Juli 2012 (act. 13/1) eröffnete die Regierung gegen
A.Y. am 28. August 2012 ein Disziplinarverfahren wegen Missachtung des
Kollegialprinzips und Verletzung der Pflicht zur Wahrung des Amtsgeheimnisses (act.
13/4). Sein Rechtsvertreter teilte am 29. Januar 2013 dem Präsidenten der
Disziplinarkommission und am 4. Februar 2013 der Regierung mit, dass er seine
Funktion als Mitglied der GPK der Primarschulgemeinde X. per 31. Dezember 2012
aufgegeben habe (act. 13/8/10, act. 13/10). Daraufhin stellte die Regierung das
Disziplinarverfahren gegen ihn mit Beschluss vom 19. März 2013 (act. 13/14) ein
(Ziff. 1). A.Y. auferlegte sie eine Verfahrensgebühr von CHF 500 (Ziff. 2). Den Antrag der
Primarschulgemeinde X. auf Zusprechung einer ausseramtlichen Entschädigung wies
sie ab (Ziff. 3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
B. Eine von A.Y. gegen Ziffer 2 des Beschlusses der Regierung vom 19. März 2013
erhobene Beschwerde hiess das Verwaltungsgericht mit Entscheid B 2013/69 vom 11.
März 2014 gut, hob Ziffer 2 des angefochtenen Beschlusses auf und wies die
Angelegenheit zwecks Gewährung des rechtlichen Gehörs und Neubeurteilung im Sinn

## Considerations

der Erwägungen an die Regierung zurück (act. 13/19, www.gerichte.sg.ch). Mit
Beschluss vom 17. November 2015 (expediert am 23. November 2015, act. 2)
verzichtete die Regierung in sachgemässer Anwendung der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung zur Kostenauflage im Strafverfahren auf die Erhebung einer Gebühr
(Ziff. 1) und wies den Antrag von A.Y. auf Ausrichtung einer ausseramtlichen
Entschädigung ab (Ziff. 2).
C. Gegen den Beschluss der Regierung (Vorinstanz) vom 17. November 2015 erhob
A.Y. (Beschwerdeführer) am 8. Dezember 2015 Beschwerde beim Verwaltungsgericht
mit dem Rechtsbegehren, Ziffer 2 des angefochtenen Entscheids sei unter Kosten- und
Entschädigungsfolge aufzuheben. Ihm sei für das vorinstanzliche Verfahren eine
angemessene ausseramtliche Entschädigung von CHF 1684.80 inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer zuzusprechen (act. 1). Gleichentags stellte das Untersuchungsamt
K. ein Strafverfahren gegen den Beschwerdeführer wegen Verletzung des
Amtsgeheimnisses ein. Dem Beschwerdeführer sprach es eine ausseramtliche
Entschädigung in der Höhe von CHF 2808 zu (act. 10/1). Am 18. Februar 2016 ergänzte
der Beschwerdeführer seine Beschwerde mit einer Begründung (act. 9). Mit
Vernehmlassung vom 24. Februar 2016 schloss die Vorinstanz auf Abweisung der
Beschwerde (act. 12). Die Primarschulgemeinde X. (Beschwerdebeteiligte) verzichtete
stillschweigend auf eine Vernehmlassung (act. 15). Mit Replik vom 25. April 2016
bestätigte der Beschwerdeführer seine Anträge und Ausführungen (act. 16).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP, Fassung vom 31.
Januar 2017, nGS 2017-032). Es spricht in diesem Fall Recht in Fünferbesetzung (Art.
18 Abs. 3 lit. b Ziff. 2 des Gerichtgesetzes (sGS 941.1, GerG). Der Beschwerdeführer ist
zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1
VRP). Die Beschwerde vom 8. Dezember 2015 (act. 1) wurde rechtzeitig eingereicht
und entspricht zusammen mit der Ergänzung vom 18. Februar 2016 (act. 9) formal und
inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer macht geltend (act. 9, S. 3 f. Ziff. 3 f., act. 16 Ziff. 2 f.), im hier
zu beurteilenden Fall seien bereits die Voraussetzungen für die Ausrichtung einer
Parteientschädigung nach Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP gegeben. Nachdem im
vorinstanzlichen Verfahren hinsichtlich der amtlichen Kosten die Bestimmungen der
Strafprozessordnung sachgemäss zur Anwendung gelangt seien, müsse im Rahmen
der Einheitlichkeit und Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung zur Beurteilung der
ausseramtlichen Entschädigung überdies Art. 429 Abs. 1 lit. a der Schweizerischen
Strafprozessordnung (Strafprozessordnung; SR 312.0, StPO) analog angewendet
werden. Er habe frühzeitig im Disziplinarverfahren und ausserhalb der Gebührenfrage
anwaltlichen Beistand beigezogen. Aufgrund der Relevanz des Disziplinarverfahrens für
ein Behördenmitglied und der Schwierigkeiten eines Disziplinarverfahrens sei dies
zwingend erforderlich gewesen, zumal die Beschwerdebeteiligte anwaltlich vertreten
gewesen sei. Das Gebührenverfahren beinhalte, selbst wenn es losgelöst vom übrigen
Disziplinarverfahren beurteilt werde, präjudizielle und damit von einem Laien nicht zu
beantwortende Rechtsfragen. Bezeichnenderweise umfasse der vorinstanzliche
Entscheid acht Seiten. Sein vollständiges Obsiegen mit voller Kostentragung und -
entschädigung durch den Staat habe eine hohe Bedeutung. Ein solches Resultat
bestätige insbesondere seine Integrität. Dies gelte grundsätzlich sowie in vermehrten
Masse vor dem Hintergrund, dass das Disziplinarverfahren eine hohe Publizität gehabt
habe, welche überdies nicht von ihm initiiert worden sei.
Demgegenüber stellte sich die Vorinstanz auf den Standpunkt (E. 5 b des
angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 8, act. 12), die anwaltliche Vertretung sei in erster
Linie bezogen auf das verwaltungsgerichtliche Beschwerdeverfahren betreffend
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
amtliche Kosten erfolgt. Die im Nachgang zum Verwaltungsgerichtsentscheid vom
11. März 2014 erstellte Stellungnahme zur Gebührenauflage könne weder von der
Schwierigkeit der Fragestellung noch von der Bedeutung der Streitsache her als derart
gewichtig angesehen werden, dass hierzu zwingend der Beizug eines Anwalts
erforderlich gewesen sei. Es gehe in der Hauptsache darum, den Beschwerdeführer
von einer Ersatzverurteilung bzw. Ersatzdisziplinierung anlässlich der
Verfahrenseinstellung zu schützen. Demgemäss werde in sachgemässer Anwendung
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zur Kostenauflage im Strafverfahren auf eine
Gebührenerhebung verzichtet. Daraus dürfe jedoch nicht geschlossen werden, dass
alle in der StPO zur Kostenregelung bestehenden Normen sachgemäss im
Disziplinarverfahren anzuwenden seien. Bei der Zusprechung der ausseramtlichen
Entschädigung gehe es im Gegensatz zur Verlegung der amtlichen Kosten nicht um die
Frage der Verursachung und einen damit gegebenenfalls verbindbaren Eindruck einer
Ersatzverurteilung, sondern lediglich um die neutrale Frage der Notwendigkeit bzw.
Erforderlichkeit.
2.1. Nach Art. 24 des Gesetzes über die disziplinarische Verantwortlichkeit der
Behördemitglieder und öffentlichen Angestellten (Disziplinargesetz; sGS 161.3, DG) in
Verbindung mit Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP werden im (erstinstanzlichen)
Disziplinarverfahren (vgl. hierzu VerwGE B 2010/71; B 2010/73 vom 14. Oktober 2010
E. 3.3 f., www.gerichte.sg.ch) in der Regel keine ausseramtlichen Entschädigungen
zugesprochen. Praxisgemäss wird eine ausseramtliche Entschädigung für
erstinstanzliche Verfahren unter anderem dann zugesprochen, wenn für die Betroffenen
zur Wahrung ihrer Rechte der Beizug eines Anwaltes unbedingt erforderlich war. Dies
ist in sachgemässer Analogie zur Praxis der Notwendigkeit einer Vertretung im
Rekursverfahren (Art. 98 Abs. 2 VRP, vgl. VerwGE B 2011/88 vom 18. Oktober 2011 E.
2.2.4 mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch, und GVP 1993 Nr. 53) bzw. der Gewährung
der unentgeltlichen Rechtsverbeiständung (vgl. Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung
der Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV, Art. 99 Abs. 2 VRP in
Verbindung mit Art. 118 Abs. 1 lit. c der Schweizerischen Zivilprozessordnung,
Zivilprozessordnung; SR 272, ZPO, D. Wuffli, Die unentgeltliche Rechtspflege in der
Schweizerischen Zivilprozessordnung, Zürich/St. Gallen 2015, S. 173 ff.,
S. Meichssner, Das Grundrecht auf unentgeltliche Rechtspflege, Basel 2008, S. 118 ff.,
und V. Rüegg, in: Spühler/Tenchio/Infanger [Hrsg.], Schweizerisches
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Zivilprozessordnung, 2. Aufl. 2013, Art. 118 N 10 ff.) zu beantworten. Abzustellen ist
insbesondere auf die Schwierigkeit der sich im Verfahren stellenden Fragen, die
Rechtskenntnisse der Beteiligten, die Bedeutung der Streitsache für die Betroffenen
und auf eine allfällige Rechtsvertretung der Gegenpartei, wobei im erstinstanzlichen
Verfahren tendenziell höhere Anforderungen als bei der Vertretung im Rekursverfahren
zu stellen sind (vgl. VerwGE B 2015/304 vom 20. Dezember 2016 E. 5, VerwGE
B 2015/44 vom 28. Juni 2016 E. 3.2 und VerwGE B 2011/88 vom 18. Oktober 2011 E.
2.2.1 je mit Hinweisen, www.gerichte.sg.ch, VerwGE B 2002/155 vom 22. Mai 2003
E. 2b und VerwGE B 2001/134 vom 20. November 2001 E. 2g je mit Hinweisen
GVP 1987 Nr. 46, Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen,
2. Aufl. 2003, Rz. 844, R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st.gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St. Gallen 2004, S. 155 ff.).
Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO sieht vor, dass die beschuldigte Person Anspruch auf
Entschädigung ihrer Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer
Verfahrensrechte hat, wenn das Verfahren gegen sie eingestellt wird. Bei der
Beurteilung, ob der Beizug eines Verteidigers angemessen ist, müssen ausser der
Schwere des Tatvorwurfs und der tatsächlichen oder rechtlichen Komplexität des
Falles die Dauer des Verfahrens und dessen Einfluss auf das persönliche und berufliche
Leben des Beschuldigten berücksichtigt werden (vgl. BGE 142 IV 45 E. 2.1 mit
Hinweisen, in: Pra 105 [2016] Nr. 76, und Wehrenberg/Frank, in: Niggli/Heer/
Wiprächtiger, Schweizerische Strafprozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 429 N 12 ff.).
2.2. Für die Frage, ob eine anwaltliche Vertretung im Disziplinarverfahren notwendig
war, ist das Verfahren gesamthaft zu betrachten, d.h. von der Einleitung am
28. August 2012 (act. 13/4) über die Einstellung am 19. März 2013 (act. 13/14) bis zum
Kostenspruch vom 17. November 2015 (act. 2). Die im Nachgang zum
Verwaltungsgerichtsentscheid B 2013/69 vom 11. März 2014 zu beurteilende
Gebührenauflage allein kann dafür nicht massgebend sein (vgl. demgegenüber E. 5b
des angefochtenen Entscheids, act. 2, S. 8, und Vernehmlassung der Vorinstanz vom
24. Februar 2016). Weiter ist zu beachten, dass der Beschwerdeführer gegen den
angefochtenen Entscheid nicht Rekurs (Art. 46 ff. und Art. 59 Abs. 1 VRP) erheben
konnte, sondern dagegen einzig die Beschwerde ans Verwaltungsgericht offenstand.
Es rechtfertigt sich daher vorliegend nicht, für die Notwendigkeit einer Vertretung im
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vergleich zu Art. 98 Abs. 2 VRP höhere Anforderungen zu stellen (vgl. GVP 1987 Nr. 46,
S. 105 f.).
Dem Beschwerdeführer musste bereits im Zeitpunkt des Beschlusses der Vorinstanz
über die Anordnung eines Untersuchungsverfahrens (act. 13/4) am 28. August 2012
(Art. 16 Abs. 1 DG) bewusst gewesen sein, dass er sich für eine Wiederwahl in die GPK
(Amtsperiode 2013/2016) im Herbst 2012 nicht mehr zur Verfügung stellen wird. Im
Beschluss vom 28. August 2012 findet sich allerdings kein Hinweis darauf, dass das
Disziplinarverfahren wegen Verletzung des Kollegialprinzips und des Amtsgeheimnisses
eingestellt wird, wenn der Betroffene aus dem Amt oder dem Dienst ausscheidet (vgl.
Art. 22 DG). Auch versah die anwaltlich vertretene Beschwerdebeteiligte ihre Anzeige
vom 12. Juli 2012 (act. 13/1) nicht mit einem entsprechenden Vorbehalt, obgleich ihr
bekannt war, dass das Verfahren im Falle einer Nichtwiederwahl des
Beschwerdeführers hinfällig würde (vgl. act. 13/1/9, S. 4 Ziff. 10.2.2). Selbst wenn es
dem Beschwerdeführer ohne Beizug eines Anwalts möglich gewesen wäre, die
Vorinstanz von sich aus frühzeitig und nicht erst nachträglich mittels der Eingaben
seines Anwalts am 29. Januar 2013 resp. 4. Februar 2013 (act. 13/8/10, act. 13/10) auf
sein (bevorstehendes) Ausscheiden aus der GPK zu informieren, war es für ihn ohne
rechtlichen Beistand nicht vorhersehbar, dass das Verfahren deswegen eingestellt
wird, sofern keine wichtigen öffentlichen oder privaten Interessen einer Einstellung
entgegengestanden hätten (vgl. Art. 22 DG, siehe auch Art. 320 Abs. 2 des
Schweizerischen Strafgesetzbuches, SR 311.00, StGB, wonach die Verletzung des
Amtsgeheimnisses auch nach Beendigung des amtlichen oder dienstlichen
Verhältnisses strafbar ist). Schliesslich behauptet die Vorinstanz nicht, dass er selber
über genügend juristische Kenntnisse für das Disziplinarverfahren verfügte. Bei dieser
Sachlage stellte ihn die am 28. August 2012 angeordnete Disziplinaruntersuchung vor
rechtliche Schwierigkeiten. Sodann war für ihn selber nicht absehbar, welche
Disziplinarmassnahmen (Art. 5 DG, vgl. hierzu auch W. Hinterberger, Disziplinarfehler
und Disziplinarmassnahmen im Recht des öffentlichen Dienstes, St. Gallen 1986, S.
279 ff.) ihm drohten. Damit musste er davon ausgehen, dass gegen ihn sämtliche
Massnahmen gemäss Art. 5 Abs. 1 DG vom schriftlichen Verweis bis zur Entlassung
aus dem Amt hätten verhängt werden können und diese Massnahmen miteinander
hätten verbunden werden können (Art. 5 Abs. 2 DG). Unabhängig davon, ob das
Disziplinarverfahren nach seiner Darstellung eine hohe Publizität hatte, war dieses
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Verfahren für ihn somit in beruflicher und persönlicher Hinsicht von besonderer
Tragweite, zumal es die anwaltlich vertretene Beschwerdebeteiligte nicht dabei
bewenden liess, am 12. Juli 2012 bei der Regierung um Einleitung eines
Disziplinarverfahrens gegen den Beschwerdeführer zu ersuchen (act. 13/1), sondern
am selben Tag durch ihren Rechtsvertreter beim Untersuchungsamt K. eine Strafklage
gegen ihn wegen Amtsgeheimnisverletzung (Art. 320 StGB) einreichte (vgl. act. 13/1/9
und act. 13/9). Vor diesem Hintergrund kann nicht gesagt werden, dass es sich
vorliegend angesichts der Einstellung des Disziplinarverfahrens und der Tatsache, dass
der Beschwerdeführer letztlich nurmehr in sehr beschränktem Ausmass finanziell vom
Disziplinarverfahren betroffen war, um einen Bagatellfall handelte (vgl. hierzu
S. Meichssner, a.a.O., S. 126 f., welcher im Zivilprozess dafür von einem Streitwert von
höchstens CHF 2000 ausgeht). Hinzu kommt, dass der Beantwortung der Frage, ob die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zur Kostenauflage im Strafverfahren bei der
Gebührenauflage im Disziplinarverfahren sachgemäss zur Anwendung gelangt,
präjudizielle Bedeutung zukam. Insgesamt lassen die konkreten Umstände den
Verzicht auf den Beizug eines Rechtsanwalts nicht als gerechtfertigt erscheinen, selbst
wenn der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers erst im Jahr 2013 und damit nach
Ende der Amtsdauer des Beschwerdeführers gegenüber der Disziplinarbehörde tätig
wurde (vgl. act. 13/8/10, act. 13/10). Dem Beschwerdeführer steht damit im
Disziplinarverfahren gestützt auf Art. 24 DG in Verbindung mit Art. 98 Abs. 3 lit. b VRP
ein Anspruch auf Kostenersatz zu. Ob der Beizug eines Rechtsbeistandes im
vorliegenden Fall auch mit Blick auf den Grundsatz der Waffengleichheit als Teilgehalt
des Gebots eines fairen Verfahrens im Sinne von Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten (SR
0.101, EMRK) notwendig war, kann daher offen bleiben (vgl. hierzu D. Wuffli, a.a.O., S.
176 f.). Lediglich der Vollständigkeit bleibt diesbezüglich festzuhalten, dass sich im von
der Verwaltung eingeleiteten Disziplinarverfahren nicht zwei Private mit
entgegengesetzten Interessen gegenüberstehen (vgl. hierzu R. Hirt, a.a.O., S. 157 ff.).
Auch ist bei diesem Ergebnis nicht darüber zu befinden, ob Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO
im Rahmen der Einheitlichkeit und Widerspruchsfreiheit der Rechtsordnung hätte
sachgemäss zur Anwendung kommen müssen. Die Beschwerde ist gutzuheissen und
Ziffer 2 des angefochtenen Entscheids aufzuheben. Die vom Beschwerdeführer geltend
gemachte Entschädigung für das Disziplinarverfahren von CHF 1500 zuzüglich vier
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/9
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Prozent Barauslagen und Mehrwertsteuer erscheint angemessen und wird von der Vor-
instanz auch nicht beanstandet (Art. 6, Art. 19, Art. 22 Abs. 1 Ingress und lit. a, Art.
28 Abs. 1 sowie Art. 29 der Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten,
sGS 963.75, HonO). Die Vorinstanz hat den Beschwerdeführer für das
Disziplinarverfahren ausseramtlich mit CHF 1500 zuzüglich vier Prozent Barauslagen
und Mehrwertsteuer zu entschädigen.
3. (...).
(...).