# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** af72abc5-db8e-4bee-a200-a7a3e3016c57
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_005
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Criminal Procedure

## Facts

Sachverhalt
A. Am 29. Mai 2018 reichte B._ bei der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) Strafanzeige gegen C._ wegen Verdachts auf Amtsmissbrauch gemäss Art. 312 StGB ein. Er konstituierte sich als Privatkläger im Strafpunkt.
B. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 14. Juni 2019 wurde Rechtsanwalt lic. iur. A._ als unentgeltlicher Rechtsbeistand von B._ für das Strafverfahren gegen C._ wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauchs (VV.2018.1381 [Dossier 4a]) eingesetzt.
C. Mit Anklageschrift vom 14. Juni 2021 erhob die Staatsanwaltschaft beim Regionalgericht Prättigau/Davos Anklage gegen C._ wegen Amtsmissbrauchs.
D. Mit Urteil vom 16. September 2021, mündlich eröffnet am 17. September 2021, (ohne schriftliche Begründung) mitgeteilt am 20. September 2021, sprach das Regionalgericht Prättigau/Davos C._ vom Vorwurf des Amtsmissbrauchs gemäss Art. 312 StGB frei. In Bezug auf die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsbeistandes von B._ entschied das Regionalgericht Prättigau/Davos das Folgende:
5. Die Kostennote des Rechtsanwalts des Privatklägers lic. iur. A._ wird für das erstinstanzliche Verfahren auf CHF 4'420.00 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festgesetzt. Sie geht zu Lasten des Kantons Graubünden. Vorbehalten bleibt die Rückerstattungspflicht von B._ sowie die volle Entschädigung von lic. iur. A._ durch B._ gemäss Art. 138 Abs. 1 ZPO [recte: StPO] i.V.m. Art. 135 Abs. 4 lit. a und b StPO.
E. Mit Eingabe vom 27. September 2019 erhob Rechtsanwalt lic. iur. A._ (nachfolgend: Beschwerdeführer) Beschwerde an das Kantonsgericht von Graubünden und beantragte, was folgt:
Antrag:
Dispositiv-Ziff. 5 des angefochtenen Urteils sei aufzuheben und die Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters des Privatklägers sei auf Fr. 17'279.05 (inkl. Barauslagen und MwSt.) festzusetzen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzügl. 7.7% MwSt.) zu Lasten der Staatskasse.
F. Da B._ gegen das Urteil des Regionalgerichts Prättigau/Davos vom 16. September 2021 Berufung erhob, wurde das vorliegende Beschwerdeverfahren bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens (SK1 21 90) sistiert, da die Berufungsinstanz bei Eintreten auf die Berufung auch über den
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Entschädigungsanspruch des unentgeltlichen Rechtsbeistandes zu befinden gehabt hätte (vgl. BGE 139 IV 199 E. 4 f.).
G. Nachdem B._ seine Berufung im Verfahren SK1 21 90 am 7. April 2022 zurückgezogen hatte, wurde mit Verfügung vom 8. April 2022 die Sistierung des Beschwerdeverfahrens aufgehoben. In Fortsetzung des Verfahrens wurde den Verfahrensbeteiligten Gelegenheit zur Stellungnahme zur Beschwerde des Beschwerdeführers gegeben.
H. Mit Schreiben vom 22. April 2022 verzichtete die Staatsanwaltschaft auf eine Stellungnahme. Mit Eingabe vom 24. Juni 2022 teilte B._ mit, dass er an der vom Beschwerdeführer eingereichten Beschwerde nichts zu ergänzen oder hinzuzufügen habe. Das Regionalgericht Prättigau/Davos liess sich nicht vernehmen.
I. Die Verfahrensakten wurden eingeholt. Die Sache ist spruchreif.
Erwägungen
1.1. Art. 135 Abs. 2 StPO sieht vor, dass das urteilende Gericht die Entschädigung des amtlichen Verteidigers am Ende des Verfahrens festsetzt. Gleiches gilt für das Honorar des unentgeltlichen Rechtsbeistands der Privatklägerschaft (Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 2 StPO). Da die Auslagen für die amtliche Verbeiständung und die unentgeltliche Rechtspflege Bestandteil der Verfahrenskosten bilden, hat das Gericht darüber im Sachurteil zu befinden. Der amtliche Verteidiger und der unentgeltliche Rechtsbeistand der Privatklägerschaft sind nicht Verfahrensparteien (Art. 104 Abs. 1 StPO). Ihre Rechtsmittellegitimation hinsichtlich der Festsetzung des Honorars ergibt sich nicht aus Art. 382 StPO, sondern aus der besonderen Regelung in Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO bzw. Art. 138 Abs. 1 i.V.m. Art. 135 Abs. 3 lit. a StPO. Danach steht dem amtlichen Verteidiger und dem unentgeltlichen Rechtsbeistand der Privatklägerschaft gegen den Entschädigungsentscheid des erstinstanzlichen Gerichts im Sinne von Art. 135 Abs. 2 StPO lediglich die Beschwerde offen (BGE 139 IV 199 E. 5.2).
1.2. Wird gegen ein Urteil eines erstinstanzlichen Strafgerichts sowohl Berufung von einer Partei als auch Beschwerde vom amtlichen Verteidiger bzw. vom unentgeltlichen Rechtsbeistand der Privatklägerschaft erhoben, geht die Berufung vor, sodass die Berufungsinstanz auch für den Entschädigungsanspruch reformatorisch entscheiden muss. Das Beschwerdeverfahren wird dann wegen seiner Subsidiarität gegenüber der Berufung obsolet, wenn die Berufungsinstanz
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auf die Berufung eintritt und ein neues Urteil fällt (BGE 139 IV 199 E. 4 f.; KGer GR SK1 17 44 v. 16.1.2018 E. 13.3.1). Demgegenüber ist das Beschwerdeverfahren etwa dann wieder aufzunehmen, wenn die Berufung zurückgezogen wird (vgl. hierzu KGer GR SK2 17 43 v. 17.11.2017).
1.3. Im vorliegenden Fall erhob der Beschwerdeführer mit Eingabe vom 27. September 2021 Beschwerde gegen die im Urteil des Regionalgerichts Prättigau/Davos vom 16. September 2021 erfolgte Festsetzung seines Honorars als unentgeltlicher Rechtsbeistand des Privatklägers B._ (Ziff. 5 des Urteilsdispositivs). Da Letzterer auch Berufung gegen erwähntes Urteil anmeldete (vgl. act. B.2), wurde das vorliegende Beschwerdeverfahren in Anwendung der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (vgl. oben Erwägung 1.2) bis zum Abschluss des Berufungsverfahrens SK1 21 90 sistiert (vgl. act. D.1). Infolge Rückzugs der Berufung von B._ (vgl. act. B.6 und D.2) ist das vorliegende Beschwerdeverfahren jedoch fortzusetzen und die Beschwerde im vorliegenden Verfahren zu behandeln.

## Considerations