# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9eeff76d-73fb-4b12-8a02-bb1f75f6ca04
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend unrechtmässigen Bezug von Leistungen einer Sozialversicherung oder der Sozialhilfe
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Dietikon, Einzelgericht in Strafsachen, Urteil vom 9. April 2021 (GG210005)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Limmattal / Albis vom 27. Januar 2021
(Urk. 13) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig des unrechtmässigen Bezugs von Leistungen
einer Sozialversicherung oder der Sozialhilfe im Sinne von Art. 148a
Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 100.00.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre
festgesetzt.
4. Der Beschuldigte wird im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. e StGB für 5 Jahre
des Landes verwiesen.
5. Von der Ausschreibung der Landesverweisung im Schengener Informati-
onssystem wird abgesehen.
6. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.00 Gebühr für das Vorverfahren.
7. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Aufwendungen als amtlicher
Verteidiger aus der Gerichtskasse mit Fr. 4'000.00 (inkl. Barauslagen und
7.7 % MwSt.) entschädigt.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten
auferlegt.
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9. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse ge-
nommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135
Abs. 4 StPO.
10. [Mitteilungen]
11. [Rechtsmittel]
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 29 S. 3 und Urk. 39 S. 2)
1. Die Dispositiv-Ziffern 1., 2., 3., 4., 5., 8. und 9. des angefochtenen Ur-
teils des Bezirksgerichts Dietikon vom 9. April 2021 seien aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf des unrechtmässigen Bezugs von
Leistungen einer Sozialversicherung oder der Sozialhilfe im Sinne von
Art. 148a Abs. 1 StGB freizusprechen.
3. Von der Anordnung einer Landesverweisung sei abzusehen.
4. Die Kosten der Untersuchung sowie des erst- und zweitinstanzlichen
Verfahrens, einschliesslich der gesamten amtlichen Verteidigerkosten
(inkl. 7.7 % MwSt.), seien auf die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Vertreter der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis:
(Urk. 32)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens
1. Dem Beschuldigten wird in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft
Limmattal/Albis vom 27. Januar 2021 vorgeworfen, er habe vom 1. August 2017
bis 30. März 2018 wissentlich, willentlich und in Kenntnis der Straffolgen als Be-
züger von Leistungen der Arbeitslosenversicherung auf den Formularen "Anga-
ben der versicherten Person" der Arbeitslosenkasse Nr. 60 des Amtes für Wirt-
schaft und Arbeit des Kantons Zürich für die Monate August 2017 bis März 2018
unterschriftlich wahrheitswidrig angegeben, keine Erwerbstätigkeiten ausgeübt zu
haben. Dabei habe er die Deklaration der von ihm in den genannten Monaten
durch seine Tätigkeit bei der Firma B._ SA erzielten Verdienste von insge-
samt Fr. 16'327.65 unterlassen. Hierdurch habe der Beschuldigte erwirkt, dass
die Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich von den Lohnauszahlungen des Be-
schuldigten von der Firma B._ SA keine Kenntnis gehabt und für die ent-
sprechenden Monate Fr. 16'327.65 zu viel ausbezahlt habe. Auf diese Zahlungen
hätte der Beschuldigte bei wahrheitsgetreuen Angaben der Einkommensverhält-
nisse keinen Anspruch gehabt, was er durch sein Verhaltens mindestens billigend
in Kauf genommen habe (Urk. 13 S. 2)
2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Dietikon, Einzelgericht in Strafsachen, vom
9. April 2021 wurde der Beschuldigte des unrechtmässigen Bezugs von Leistun-
gen einer Sozialversicherung oder der Sozialhilfe im Sinne von Art. 148a Abs. 1
StGB schuldig gesprochen. Er wurde mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu
Fr. 100.– bestraft. Der Vollzug der Geldstrafe wurde aufgeschoben und die Pro-
bezeit auf 2 Jahre festgesetzt. Zudem wurde der Beschuldigte im Sinne von Art.
66a Abs. 1 lit. e StGB des Landes verwiesen. Von der Ausschreibung der Lan-
desverweisung im Schengener Informationssystem wurde abgesehen. Die Kosten
der Untersuchung und des Verfahrens, mit Ausnahme derjenigen der amtlichen
Verteidigung, wurden dem Beschuldigten auferlegt. Letztere wurden auf die Ge-
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richtskasse genommen, wobei eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO
vorbehalten wurde (Urk. 27 S. 16 f.).
3. Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 16) liess der Beschuldigte
rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 23; Art. 399 Abs. 1 StPO). Seine schriftliche
Berufungserklärung erfolgte ebenfalls innert Frist (Urk. 29 und Urk. 26/2). Die Lei-
tende Staatsanwältin verzichtete auf eine Anschlussberufung. Sie beantragt die
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und ersuchte um Dispensation von der
Teilnahme an der Berufungsverhandlung (Urk. 32). Beweisanträge wurden von
keiner Seite gestellt.
4. Der Beschuldigte ficht das vorinstanzliche Urteil bezüglich der Dispositivzif-
fern 1 (Schuldspruch im Sinne von Art. 148a Abs. 1 StGB), 2 (Geldstrafe von
90 Tagessätzen zu Fr. 100.–), 3 (bedingter Vollzug mit Probezeit von 2 Jahren), 4
(Landesverweisung), 5 (Absehen von der Ausschreibung der Landesverweisung),
8 (Kostenauflage) und 9 (Entschädigungsfolge) an. Er sei vom Vorwurf des un-
rechtmässigen Bezugs von Leistungen einer Sozialversicherung im Sinne von
Art. 148a Abs. 1 StGB freizusprechen. Von der Anordnung einer Landesverwei-
sung sei abzusehen. Die Kosten der Untersuchung sowie des erst- und zweitin-
stanzlichen Verfahrens, einschliesslich der gesamten Kosten der amtlichen Ver-
teidigung (inkl. 7.7 % MwSt.), seien auf die Staatskasse zu nehmen (zum Ganzen
Urk. 29). Damit ist das Urteil des Bezirksgerichts Dietikon, Einzelgericht in Straf-
sachen, vom 9. April 2021 hinsichtlich der Dispositivziffern 6 (Kostenfestsetzung)
und 7 (Entschädigung amtliche Verteidigung) in Rechtskraft erwachsen, was vor-
ab festzustellen ist.
5. Am 14. Juli 2021 ging das vom Beschuldigten aufforderungsgemäss aus-
gefüllte Datenerfassungsblatt samt Beilagen ein (Urk. 34 und Urk. 35/1-3). Im Üb-
rigen wurde am 30. November 2021 ein aktueller Strafregisterauszug eingeholt
(Urk. 37). Die Berufungsverhandlung fand am 8. Dezember 2021 in Anwesenheit
des Beschuldigten und seiner amtlichen Verteidigung statt (Prot. II S. 3 ff.).
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II. Sachverhalt
Der Anklagesachverhalt (Urk. 13 S. 2) basiert hauptsächlich auf der Strafanzeige
des Amts für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich (Urk. 2 S. 2), den dazuge-
hörigen Beilagen (Urk. 3/1-16) und den Einvernahmen des Beschuldigten (Urk. 4
und Urk. 5). Der Beschuldigte zeigte sich in der Untersuchung (Urk. 4 Frage 9 ff.
und Urk. 5 Frage 8 ff.), anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung (Prot. I
S. 6 ff.) und im Rahmen der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 10) vollumfänglich
geständig. Auch die amtliche Verteidigung stützt sich auf sein Geständnis ab
(Urk. 19 S. 2 und Urk. 39 S. 2). Dieses deckt sich mit dem Untersuchungsergeb-
nis, weshalb der Anklagesachverhalt erstellt ist.
III. Rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage
Die Staatsanwaltschaft würdigte das Verhalten des Beschuldigten als unrecht-
mässigen Bezug von Leistungen einer Sozialversicherung oder der Sozialhilfe im
Sinne von Art. 148a Abs. 1 StGB (Urk. 13 S. 3). Der Beschuldigte liess geltend
machen, dass der eingeklagte Sachverhalt unter Berücksichtigung sämtlicher re-
levanter Kriterien noch als leichter Fall im Sinne von Art. 148a Abs. 2 StGB zu
beurteilen sei (Urk. 19 S. 2 f. und Urk. Urk. 39 S. 3). Vorliegend gehe es um einen
Deliktsbetrag von Fr. 16'327.65. Dieser sei über einen Zeitraum von 7 Monaten
erzielt worden. Fälle bis zu einem Deliktsbetrag von Fr. 30'000.– seien gemäss
Lehre noch als gering bzw. leicht im Sinne von Art. 148a Abs. 2 StGB einzuord-
nen. Auch die weiteren Umstände der Tat sollten sodann noch als leicht beurteilt
werden (Urk. 19 S. 3 f. und Urk. 39 S. 3). Die Vorinstanz folgte der Würdigung der
Staatsanwaltschaft. Dabei legte sie die bundesgerichtliche Rechtsprechung und
die Praxis des Obergerichts des Kantons Zürich dar. In diesem Zusammenhang
hielt sie fest, dass der Deliktsbetrag und die Dauer nicht mehr als unerheblich be-
zeichnet werden könnten. Nachvollziehbare Beweggründe wie eine finanzielle
Notlage seitens des Beschuldigten seien keine ersichtlich. Es sei ihm auch be-
kannt gewesen, dass er für seine Taten bestraft werden könne, was von einer
gewissen kriminellen Energie zeuge. Schliesslich handle es sich bei der An-
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spruchsprüfung für Taggelder der Arbeitslosenkasse um ein Massengeschäft,
wobei der Beschuldigte die Schwäche dieses Systems ausgenützt habe (Urk. 27
S. 4 ff.).
2. Objektiver Tatbestand
2.1 Den Tatbestand von Art. 148a Abs. 1 StGB erfüllt, wer jemanden durch
unwahre oder unvollständige Angaben, durch Verschweigen von Tatsachen oder
auf andere Weise irreführt oder in einem Irrtum bestärkt, sodass er oder ein ande-
rer Leistungen einer Sozialversicherung oder Sozialhilfe bezieht, die ihm oder
dem andern nicht zustehen. Mit der Variante des "Verschweigens von Tatsachen"
wird die Begehung durch Unterlassung unter Strafe gestellt (BGer-Urteil
6B_1015/2019 vom 4. Dezember 2019 E. 4.5. f.). Zu melden sind Angaben, wel-
che für einen Leistungsanspruch relevant sind. Sofern ein Leistungsbezug der Ar-
beitslosenversicherung erfolgt, ist die arbeitslose Person verpflichtet, einen allfäl-
ligen Zwischenverdienst zu melden (BGer-Urteil C_288/06 vom 27. März 2007
E. 3.2.).
2.2. Zwischen den einzelnen Tatbestandselementen (unwahre/unvollständige
Angabe, Irrtum, Vermögensdisposition und -schaden) muss ein ursächliches Bin-
deglied, also ein Kausal- bzw. Motivationszusammenhang bestehen. Unter die-
sem Gesichtspunkt kann die Strafbarkeit ausgeschlossen werden, wenn Behör-
den grundlegendste Vorsichtsmassnahmen bei der Ausrichtung von Leistungen
missachten (JENAL, in Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], BSK Strafrecht II, 4. Aufl., Basel
2019, Art. 148a N 17, m.w.H.).
2.3. Der Beschuldigte gab für jeden einzelnen Monat vom August 2017 bis
März 2018 auf den Formularen "Angaben der versicherten Person" wahrheitswid-
rig an, in der erwähnten Zeitspanne nicht für einen Arbeitgeber gearbeitet zu ha-
ben (Urk. 3/5-12). Die Formulare wurden von ihm jeweils handschriftlich unter-
zeichnet. Somit geschah die Irreführung durch wahrheitswidrige Angaben, wes-
halb eine aktive Handlung und nicht ein passives Verschweigen von Tatsachen
gegeben ist. Der Beschuldigte gab mit dem Ankreuzen der Antwort "Nein" eindeu-
tig zum Ausdruck, kein Einkommen aus unselbständiger Erwerbstätigkeit zu erzie-
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len. Aufgrund dieser Angabe wurden ihm anschliessend total Fr. 16'327.65 zu viel
ausbezahlt. Mit der monatlichen Überprüfung der anspruchsbegründenden Ver-
hältnisse hat die Arbeitslosenversicherung die ihr zumutbaren Vorsichtsmass-
nahmen erfüllt. Sowohl die natürliche als auch die adäquate Kausalität sind zu be-
jahen. Der objektive Tatbestand wurde erfüllt.
3. Subjektiver Tatbestand
3.1. Subjektiv verlangt der Tatbestand von Art. 148a StGB Vorsatz. Im Gegen-
satz zum Betrugstatbestand wird nicht explizit die Absicht vorausgesetzt, sich
oder einen anderen unrechtmässig zu bereichern. Eine solche Absicht ist jedoch
implizit erforderlich, indem sich der Vorsatz (und damit der Wille) des Täters da-
rauf beziehen muss, dass die fragliche Leistung dem Begünstigten nicht zusteht
(BBl 2013, 6038 f.; Praxiskommentar StGB-BURCKHARDT/SCHULTZE, 4. Aufl., Zü-
rich 2021, Art. 148a N 6; JENAL, in Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], BSK Strafrecht II,
4. Aufl., Basel 2019, Art. 148a N 25)
3.2. Auf den Deklarationsformularen wurde der Beschuldigte regelmässig da-
rauf hingewiesen, dass unwahre oder unvollständige Angaben zum Leistungsent-
zug und zu einer Strafanzeige führen könnten (siehe Urk. 3/5-12). Dessen war
sich der Beschuldigte auch effektiv bewusst (Urk. 4 Frage 19). Trotzdem ent-
schloss er sich dazu, die Frage zur Erwerbstätigkeit wahrheitswidrig zu beantwor-
ten und die Formulare jeweils handschriftlich zu unterzeichnen. Damit handelte
der Beschuldigte mit direktem Vorsatz, wobei er wusste, dass ihm die ausbezahl-
ten Geldbeträge nicht zustanden (siehe Prot. I S. 6).
4. Leichter Fall gemäss Art. 148a Abs. 2 StGB
4.1. Handelt es sich um einen leichten Fall im Sinne von Art. 148a Abs. 2 StGB,
ist der Täter lediglich mit Busse zu bestrafen. Die Verteidigung sieht einen sol-
chen gegeben. Sie begründet dies damit, dass das Gesamttatverschulden noch
als leicht zu beurteilen sei. Es gehe um einen Deliktsbetrag von Fr. 16'327.65.
Dieser sei über einen Zeitraum von 7 Monaten erzielt worden. Gemäss JENAL
könnten Fälle bis zu einem Deliktsbetrag von Fr. 30'000.– noch als gering bzw.
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leicht im Sinne von Art. 148a Abs. 2 eingeordnet werden. Auch gemäss RASELLI
müsse der Grenzbetrag hoch sein, da es sich bei den meisten Katalogdelikten im
Rahmen von Art. 66a StGB (obligatorische Landesverweisung) um Verbrechen
handle. Es gelte weiter zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte nicht etwa einer
Schwarzarbeit, sondern einer ordentlichen Arbeitstätigkeit nachgegangen sei. Er
habe also keinerlei Anstrengungen unternommen, seine falschen Angaben zu
vertuschen. Es sei somit von einer geringen kriminellen Energie auszugehen.
Auch habe er bei der Schlusseinvernahme ehrlich zu Protokoll gegeben, dass er
über die B._ in diesem Job einmal für eine Woche gearbeitet habe (siehe
hierzu Urk. 5 Frage 13), es dann immer wieder verlängert worden sei, er so rein-
geschlittert sei und dann nicht mehr den Mut gefunden habe, es zu melden. Damit
hadere er noch heute und stehe deshalb klar zu seinem Fehler. Er habe diesen
uneingeschränkt eingestanden, dies gegenüber allen Behörden, auch gegenüber
der C._. Er habe sich mehrfach dafür entschuldigt und habe den Deliktsbe-
trag der C._ Arbeitslosenkasse mittlerweile vollständig zurückbezahlen kön-
nen. Zudem sei der Beschuldigte weder vorbestraft noch habe er irgendwelche
Betreibungseinträge. Die heute zu beurteilende Sache sei ein klarer, mittlerweile
aber wieder korrigierter Fehler, welcher ihm unheimlich leidtue, was er durch sein
reuiges Verhalten eindrücklich manifestiert habe. Der Beschuldigte lebe, seit er
12 Jahre alt sei, in der Schweiz, habe hier eine Familie grossgezogen und arbeite
mittlerweile als Logistiker (zum Ganzen Urk. 19 S. 3 f. mit Verweis auf JENAL in
Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], BSK Strafrecht II, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 148a N 11;
FIOLKA/VETTERLI, Die Landesverweisung nach Art. 66a StGB in Plädoyer 5/2016
S. 94 und RASELLI in Sicherheit & Recht 3/2017, Obligatorische Landesverwei-
sung und Härtefallklausel im Ausführungsgesetz zur Ausschaffungsinitiative,
S. 151). Anlässlich der Berufungsverhandlung führte die Verteidigung weiter aus,
dass die Vorinstanz unrichtig ausgeführt habe, dass äussere Umstände und nicht
eine eigene Entscheidung des Beschuldigten ihn zur Beendigung seiner Tat be-
wegt hätten. Aufgrund der vorliegenden Akten stehe fest, dass sich der Beschul-
digte selbst bei der Arbeitslosenkasse abgemeldet habe. Dies sei nicht gewesen,
weil er aufgeflogen oder weil seine Stempelfrist abgelaufen wäre. Die Aussage
des Beschuldigten anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung, wonach
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dieser "ohnehin nicht mehr lange hätte stempeln können, da seine Rahmenfrist
für den Leistungsbezug fast abgelaufen sei", sei unvollständig wiedergegeben
worden. Es scheine vielmehr zutreffend, dass der Beschuldigte aufgrund einer ge-
fundenen Arbeit, dies irgendwann nach dem 22. November 2018 (an diesem Da-
tum sei der letzte Eintrag im Beratungsprotokoll des RAV), sich bei der Arbeitslo-
senkasse abgemeldet habe. Es sei also nicht so, dass er sich kurz nach März
2018 aufgrund einer vermeintlich demnächst ablaufenden Rahmenfrist abgemel-
det hätte (Urk. 39 S. 4 f.). Zudem bekräftigte die Verteidigung, dass der Beschul-
digte sich zuvor nie etwas habe zuschulden kommen lassen und immer hart und
zuverlässig gearbeitet habe, um mit dem dadurch erzielten Lohn seine Familie er-
nähren zu können. Dass diese Geschichte zu Tage kommen würde, sei offenkun-
dig gewesen. Der Beschuldigte habe keinerlei Vertuschungshandlungen vorge-
nommen und sich gleich geständig und reuig gezeigt sowie den Betrag vollständig
zurückbezahlt. Beim Beschuldigten sollte deshalb insgesamt noch von einer äus-
serst geringen kriminellen Energie gesprochen werden, welche er bei dieser Sa-
che an den Tag gelegt habe (Urk. 39 S. 5).
4.2. Für die Beantwortung der Frage, ob ein leichter Fall vorliegt, ist gemäss
bundesgerichtlicher Praxis nicht allein auf einen spezifischen Grenzbetrag zu-
rückzugreifen. Da der Gesetzgeber der bundesrätlichen Fassung von Art. 148a
StGB folgte, misst das Bundesgericht der Botschaft besondere Bedeutung für die
Interpretation dieses Tatbestandes zu. Danach sind neben dem Betrag der un-
rechtmässig bezogenen Sozialleistung, d.h. dem Ausmass des verschuldeten Er-
folgs, weitere Elemente (vgl. Art. 47 StGB) zu beachten, die das Verschulden des
Täters "herabsetzen" können (BGer-Urteil 6B_1030/2020 vom 30. November
2020 E. 1.1.3., m.H. auf BBl 2013, 6039). Dies kann etwa die Zeitdauer des un-
rechtmässigen Leistungsbezugs sein. Abgesehen von Fällen mit einem geringen
Betrag sah der Gesetzgeber vor allem dann einen leichten Fall für gegeben, wenn
das Verhalten des Täters nur eine geringe kriminelle Energie offenbart oder seine
Beweggründe und Ziele nachvollziehbar sind (BGer-Urteile 6B_1246/2020 vom
16. Juli 2021 E. 4.3.; 6B_1030/2020 vom 30. November 2020 E. 1.1.3. und
6B_1161/2019 vom 13. Oktober 2020 E. 1.2.).
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4.3. Bezüglich der unterschiedlichen Lehrmeinungen zur Höhe des Grenzbe-
trags kann auf die einschlägigen Erwägungen im vorinstanzlichen Urteil verwie-
sen werden (Urk. 27 S. 5). Im Weiteren hat die Vorinstanz neben der bundesge-
richtlichen auch die obergerichtliche Rechtsprechung zutreffend dargelegt. Dabei
wies sie insbesondere auf zwei Entscheide hin, in denen jeweils ein leichter Fall
angenommen wurde. Die Deliktsbeträge hätten sich in jenen Fällen auf
Fr. 7'626.95 resp. Fr. 5'334.55 belaufen (Urk. 27 S. 5 mit Verweis auf OGer ZH-
Urteile SB200113 vom 10. September 2020 E. III./2.3.2. und SB190071 vom
3. Oktober 2019 E. 4.5.1.). Diesbezüglich ist zu ergänzen, dass auch der zu be-
handelnde Deliktszeitraum in den aufgeführten Entscheiden mit 3 resp. 2 Mona-
ten kurz war. Ebenfalls hervorzuheben ist, dass das Nachtatverhalten des Täters,
die Wirkung der Strafe auf den Täter und die Konsequenzen, die eine Landes-
verweisung für den Täter hätte, nicht von Bedeutung sein können. Es handelt sich
hierbei um Elemente, welche nicht das Tatverschulden relativierten, aber allen-
falls im Rahmen der Täterkomponente die Strafhöhe zu beeinflussen vermöchten
(so auch: OGer ZH-Urteil SB190071 vom 3. Oktober 2019 E. 4.4.9.).
4.4. Der vom Beschuldigten erzielte Deliktsbetrag von Fr. 16'327.65 liegt deut-
lich höher als in den zitierten Vergleichsfällen. Auch die Zeitdauer, während der er
der Arbeitslosenversicherung wahrheitswidrige Angaben mitteilte, ist mit 8 Mona-
ten nicht mehr als kurz zu bezeichnen. Dabei wurde er monatlich gefragt, ob er
bei einem Arbeitgeber gearbeitet habe. Vor diesem Hintergrund überzeugt es
nicht, wenn die Verteidigung geltend macht, der Beschuldigte habe einmal für ei-
ne Woche gearbeitet, die Stelle sei dann aber immer wieder verlängert worden
und er sei dann aber so reingeschlittert, dass er nicht mehr den Mut gefunden ha-
be, seine Erwerbstätigkeit zu melden. Er hätte mehrmals die Gelegenheit gehabt,
seine Einkommensverhältnisse der Arbeitslosenkasse zur Kenntnis zu bringen.
Angesichts der Tatsache, dass er wiederholt mit handschriftlicher Unterzeichnung
wahrheitswidrig angab, kein Einkommen zu erzielen und dabei um die Strafbarkeit
solcher Angaben wusste, kann nicht mehr von einer nur geringen kriminellen
Energie ausgegangen werden. Sodann gilt es zu berücksichtigen, dass die Ar-
beitslosenversicherung nur aufgrund ihrer eigenen Untersuchungen den Sachver-
halt aufklären konnte (siehe Urk. 2 S. 2 und Urk. 3/13). Ferner ist der Verteidigung
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nicht zuzustimmen, wenn sie vorbringt, der Beschuldigte habe seine Arbeitsver-
hältnisse lediglich "vertuscht". Die Aussage des Beschuldigten, es sei dann zu
spät gewesen, um das noch zu melden (Urk. 5 Frage 13), legt sogar nahe, dass
er ohne Nachforschungen der Arbeitslosenversicherung für die anschliessenden
Monate weiterhin Formulare inkorrekt ausgefüllt und somit zusätzliche Taggelder
bezogen hätte, wäre seine Tat nicht durch die Behörden aufgedeckt worden. Da-
rauf deuten auch seine Aussagen gegenüber der Vorinstanz, er habe gedacht,
wenn er es melde, werde er sowieso bestraft (Prot. I S. 7). Folglich ist davon aus-
zugehen, dass der Beschuldigte nicht aus eigenem Antrieb von weiteren Delikten
abgelassen hätte. Gestützt auf seine Aussagen ist deshalb anzunehmen, dass er
– entgegen der Ansicht der Verteidigung – darauf vertraute, dass das Delikt eben
gerade nicht zu Tage treten werde. Zugutezuhalten ist ihm mit der Verteidigung
immerhin, dass er keiner Schwarzarbeit nachging bzw. generell keine zusätzli-
chen Anstalten traf, um seinen Verdienst zu verschleiern. Allerdings ist kein Be-
weggrund erkennbar, welcher die Tat des Beschuldigten nachvollziehbar erschei-
nen lasse würde. Es liegen auch keine Anhaltspunkte vor, dass er sich vor oder
während der Tat in einer Notlage befand. Schliesslich machte er auch nicht einen
nachvollziehbaren Verwendungszeck für die erzielte Summe geltend. Im Ergebnis
ist daher bei gesamtheitlicher Betrachtung festzuhalten, dass kein leichter Fall im
Sinne von Art. 148 Abs. 2 StGB vorliegt.
4.5. Bei der Rückzahlung des Betrags an die Arbeitslosenkasse und der Reue
des Beschuldigten handelt es sich jeweils um Umstände, welche nicht das Tat-
verschulden betreffen, sondern vielmehr nach Deliktsaufdeckung erfolgten. Diese
Elemente fliessen in die Strafzumessung ein, sind aber auch dann als vom Tat-
verschulden unabhängige Komponenten zu würdigen. Auch bei der Beurteilung,
ob ein leichter Fall vorliegt, können diese Gesichtspunkte für die Bestimmung des
Tatverschuldens nicht ins Gewicht fallen. Gleiches gilt für die von der Verteidi-
gung hervorgehobene Vorstrafenlosigkeit des Beschuldigten. Auch ihrem Vor-
bringen, bei der Eruierung des Grenzbetrags sei den Folgen im Zusammenhang
mit der obligatorischen Landesverweisung Rechnung zu tragen, kann unter Hin-
weis auf die vorzitierte bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht zugestimmt wer-
den.
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4.6. Zusammenfassend ist aufgrund der Gesamtbetrachtung sämtlicher soeben
aufgezeigter Tatumstände nicht mehr von einem leichten Fall im Sinne von
Art. 148a Abs. 2 auszugehen. Der nicht mehr unerhebliche Betrag von
Fr. 16'327.65 ist dabei nur ein Kriterium von mehreren, welches gegen die Einstu-
fung als leichten Fall spricht. Rechtfertigungs- und Schuldausschlussgründe sind
keine ersichtlich. Der Beschuldigte ist demnach des unrechtmässigen Bezugs von
Leistungen einer Sozialversicherung im Sinne von Art. 148a Abs. 1 StGB schuldig
zu sprechen.
IV. Sanktion und Strafvollzug
1. Strafrahmen, anwendbares Recht und Sanktionsart
1.1. Wer den Tatbestand von Art. 148a Abs. 1 StGB erfüllt, wird mit Freiheits-
strafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft. Der Beschuldigte hat den un-
rechtmässigen Bezug von Leistungen der Arbeitslosenversicherung teilweise vor
dem Inkrafttreten der seit dem 1. Januar 2018 geltenden Bestimmungen des All-
gemeinen Teils des Strafgesetzbuches zum neuen Sanktionenrecht begangen.
Unter altem Recht betrug die obere Grenze für eine Geldstrafe 360 Tagessätze,
während seit dem 1. Januar 2018 maximal eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen
ausgefällt werden kann. Art. 2 Abs. 1 StGB sieht für übergangsrechtliche Fragen
vor, dass der Täter nach demjenigen Recht zu beurteilen ist, welches bei der Tat-
begehung in Kraft war. Gemäss Art. 2 Abs. 2 StGB ist jedoch das neue Recht
dann anzuwenden, wenn es für ihn das mildere ist. Die kombinierte Anwendung
von altem und neuem Recht ist ausgeschlossen (BGE 147 IV 241 5. Mai 2021
E. 4.2.). Die Vorinstanz hat eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen ausgesprochen.
Da nur der Beschuldigte Berufung erhob und dementsprechend das Verschlech-
terungsverbot aus Art. 391 Abs. 2 StPO zur Anwendung gelangt, ist auch vorlie-
gend auf eine Geldstrafe zu erkennen. Dabei kommt einzig eine Bestätigung oder
Reduzierung der Strafhöhe in Frage. Bei dieser Ausgangslage ist das neue Recht
nicht milder, weshalb das vor 2018 geltende Sanktionenrecht zur Anwendung ge-
langt.
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1.2. Bei der Wahl der Sanktionsart ist als wichtiges Kriterium die Zweckmässig-
keit einer bestimmten Sanktion, ihre Auswirkungen auf den Täter und sein sozia-
les Umfeld sowie ihre präventive Effizienz zu berücksichtigen (BGE 134 IV 97
E. 4.2., m.H.). Nach dem Prinzip der Verhältnismässigkeit soll nach konstanter
Rechtsprechung bei alternativ zur Verfügung stehenden und hinsichtlich des
Schuldausgleichs äquivalenten Sanktionen im Regelfall diejenige gewählt werden,
die weniger stark in die persönliche Freiheit des Betroffenen eingreift (BGE 138 IV
120 E. 5.2. und BGer-Urteil 6B_125/2018 vom 14. Juni 2018 E. 1.3.2.). Die Geld-
strafe wiegt als Vermögenssanktion prinzipiell weniger schwer als ein Eingriff
in die persönliche Freiheit (BGE 138 IV 120 E. 5.2. und 134 IV 97 E. 4.2.2.).
Da der Beschuldigte nicht vorbestraft ist und auch keine anderen Anhaltspunk-
te vorliegen, welche für die Anordnung einer Freiheitsstrafe sprächen, erweist
sich die von der Vorinstanz gewählte Sanktionsart der Geldstrafe als ange-
messen.
2. Grundlagen der Strafzumessung
Die Strafe ist grundsätzlich innerhalb des vom Gesetzgeber vorgesehenen or-
dentlichen Strafrahmens der anzuwendenden Strafbestimmung festzusetzen.
Dieser kann zwar entsprechend der Regelung der Art. 47 ff. StGB nach oben bzw.
nach unten erweitert werden, dies jedoch nur, wenn aussergewöhnliche Umstän-
de vorliegen (BGE 136 IV 55 E. 5.3.), was in casu nicht gegeben ist. Innerhalb
des Strafrahmens ist die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu bemessen,
wobei das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters sowie die Wir-
kung der Strafe auf dessen Leben zu berücksichtigen sind (Art. 47 Abs. 1 StGB;
vgl. zu den Einzelheiten BGE 123 IV 49 E. 2., m.H.).
3. Tatkomponenten
3.1. Hinsichtlich der objektiven Tatschwere gilt es zu berücksichtigen, dass der
Beschuldigte mehrmals aktiv auf dem Formular der Arbeitslosenversicherung
wahrheitswidrig angab, nicht bei einem Arbeitgeber angestellt zu sein. Insgesamt
gab er für 8 Monate Einkommensverhältnisse an, welche nicht der Realität ent-
sprachen. Es handelt sich somit durchaus um eine beachtliche Zeitdauer und
- 15 -
zeugt von nicht unerheblicher krimineller Energie. Dies ist verschuldenserhöhend
zu werten. Mit seinen Handlungen erwirkte er die unrechtmässige Auszahlung
von Fr. 16'327.65 zu seinen Gunsten. Selbst wenn es sich um einen Betrag han-
delt, der gegen die Annahme eines leichten Falles spricht, ist klarzustellen, dass
es sich nicht um eine hohe Deliktssumme handelt. Allerdings ist zu beachten,
dass es einzig den Untersuchungen der Arbeitslosenversicherung zu verdanken
ist, dass der Beschuldigte aufhörte zu delinquieren. Verschuldensrelativierend zu
veranschlagen ist jedoch, dass der Beschuldigte nicht ein besonders raffiniertes
Vorgehen an den Tag legte und auch keine ausgeklügelte Massnahmen traf, wel-
che die behördlichen Aufklärungen weiter erschwert hätten. Unter diesen Ge-
sichtspunkten erscheint die objektive Tatschwere als noch leicht.
3.2. Bezüglich der subjektiven Tatschwere muss dem Beschuldigten ein direk-
ter Vorsatz zur Last gelegt werden. Zudem deuten die Tatumstände und die Aus-
sagen des Beschuldigten darauf hin, dass er eine in seinen Augen günstige Gele-
genheit nutzte, um sich zu bereichern. Damit legte er eine opportunistische und in
gewisser Hinsicht durchaus dreiste Haltung an den Tag. Er verfolgte damit ein
rein egoistisches Motiv. Entsprechend vermag die subjektive Tatschwere nicht die
objektive zu relativieren, weshalb schlussendlich von einem noch leichten Ver-
schulden auszugehen und die hypothetische Einsatzstrafe bei 150 Tagessätzen
festzusetzen ist.
4. Täterkomponenten
4.1. Für das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten
kann auf die staatsanwaltschaftliche Schlusseinvernahme (Urk. 5 S. 5 ff.), die Be-
fragung anlässlich der erstinstanzlichen Hauptverhandlung (Prot. I S. 8 ff.) und die
Einvernahme im Rahmen der Berufungsverhandlung (Prot. II S. 5 ff.) verwiesen
werden. Er wurde am tt. Juli 1976 in Serbien geboren und kam 1992 in die
Schweiz. Die Schule besuchte er in Serbien. Anschliessend schloss er eine Lehre
als Autospengler ab. Danach arbeitete er jedoch nie mehr auf diesem Beruf. Zwi-
schenzeitlich war er als Logistiker tätig. Seine Frau heiratete er im Jahr 2002.
2003 kam dann sein Sohn zur Welt. Seine Wohnkosten belaufen sich auf
Fr. 1'700.– (zum Ganzen Urk. 5 S. 6 f.). Zuletzt arbeitete er als Chauffeur bei
- 16 -
D._ Transporte und verdiente monatlich Fr. 5'000.– brutto bzw. Fr. 4'400 net-
to, wobei er einen 13. Monatslohn erhielt. Seine Frau arbeitet als Verpackerin und
verdient Fr. 4'200.– brutto bzw. Fr. 3'600.– netto im Monat. Auch sie erhält einen
13. Monatslohn. Schulden habe er keine (Prot. II S. 9). Sein Sohn wurde im Mai
2021 18 Jahre alt und befindet sich derzeit im zweiten Lehrjahr im Metallbauwe-
sen. Nach Einschätzung des Beschuldigten werde die Lehre vier Jahre dauern.
Sein Sohn verdiene ca. Fr. 300.– pro Monat und wohne zusammen mit ihm und
seiner Ehefrau. Bezüglich seines Vaters und seiner Mutter gab der Beschuldigte
an, sie lebten in Serbien. Seine Grossmutter lebe ebenfalls in Serbien (Prot. II
S. 6). In der Schweiz habe er selbst keine Ausbildung gemacht. Nach der Lehre
sei er in die Schweiz gekommen und habe im Lager der Firma von seinem Vater
und seinem Onkel gearbeitet (zum Ganzen Prot. I S. 8 ff. und Urk. 35/1 sowie
Prot. II S. 9). Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte der Beschuldigte,
seit dem 1. Oktober 2021 arbeitslos zu sein. Wegen der Coronakrise musste sei-
ne letzte Arbeitgeberin das Auto verkaufen und ihm kündigen. Nachdem er die
Kündigung erhalten habe, sei er an Corona erkrankt und krankgeschrieben wor-
den. Das habe alles hinausgezogen bis zum 30. September 2021. Jetzt suche er
eine neue Stelle als Chauffeur oder Lagermitarbeiter (Prot. II S. 8). Dem Werde-
gang des Beschuldigten lassen sich keine strafzumessungsrelevanten Faktoren
entnehmen.
4.2. Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf (Urk. 10/2 und Urk. 37), was
sich neutral auf die Strafzumessung auswirkt.
4.3. Bereits im Untersuchungsverfahren zeigte sich der Beschuldigte vollum-
fänglich geständig. Aufgrund der Dokumentationen von Seiten der Arbeitslosen-
versicherung präsentierte sich jedoch auch eine erdrückende Beweislage. Den-
noch rechtfertigt sich eine leichte Minderung der Strafe unter diesem Aspekt. Sein
Nachtatverhalten wirkt ebenfalls leicht strafmindernd, zahlte er doch den Delikts-
betrag in Raten an die Arbeitslosenversicherung – per Februar 2021 vollständig –
zurück (Prot. I S. 7 und Urk. 19 S. 5).
4.4. Aufgrund der Täterkomponente ist die Einsatzstrafe zu reduzieren. Ange-
messen erscheint eine Reduktion auf 90 Tagessätze.
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5. Höhe des Tagessatzes
5.1. Ein Tagessatz beträgt gemäss Art. 34 Abs. 2 StGB in der Regel mindes-
tens Fr. 30.– und höchstens Fr. 3'000.–. Wenn es die persönlichen und wirtschaft-
lichen Verhältnisse des Täters gebieten, kann der Tagessatz bis auf Fr. 10.– ge-
senkt werden. Das Gericht bestimmt die Höhe des Tagessatzes nach den persön-
lichen und wirtschaftlichen Verhältnissen des Täters im Zeitpunkt des Urteils.
Damit ist das Urteil der letzten Tatsacheninstanz gemeint, d.h. jene Instanz, vor
welcher neue Tatsachen noch berücksichtigt werden können. Ist die Tagessatz-
höhe im Rechtsmittelverfahren neu festzusetzen, so ist mithin der Zeitpunkt des
Rechtsmittelurteils massgebend (DOLGE in Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], BSK Straf-
recht I, 4. Aufl., Basel 2019, Art. 34 N 50 StGB).
5.2. Der Beschuldigte erzielt eine Arbeitslosenentschädigung von monatlich
Fr. 4'100.– (Prot. II S. 9). Zusammen mit seiner Ehefrau und dem volljährigen
Sohn lebt er in einer gemeinsamen Wohnung. Seine Ehefrau verdient Fr. 3'600.–
netto (Urk. 35/1). Zu berücksichtigen ist ferner, dass der Beschuldigte seinen voll-
jährigen Sohn unterstützt, welcher sich im ersten Lehrjahr befindet und Fr. 300.–
als eigenes Einkommen erzielt. Die Vorinstanz hat vom Nettoeinkommen des Be-
schuldigten 20% für die Lebenshaltung abgezogen. Von diesem Zwischenergeb-
nis hat sie weitere 15% für die Kinderkosten bzw. nach Abrundung effektiv 20%
subtrahiert, woraus eine Tagessatzhöhe von Fr. 100.– resultierte. Aufgrund des
gegenwärtig tieferen Einkommens rechtfertigt sich eine Reduzierung des Tages-
satzes auf Fr. 80.– Damit ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 90 Tages-
sätzen à Fr. 80.– zu bestrafen.
6. Vollzug
Die Vorinstanz hat den bedingten Vollzug der Geldstrafe angeordnet und eine
Probezeit von zwei Jahren festgesetzt. Aufgrund des Verschlechterungsverbots
gemäss Art. 391 Abs. 2 StPO hat es dabei zu bleiben. Die Entscheidung erscheint
jedoch unabhängig von diesem Grundsatz als angemessen und wäre zu bestäti-
gen. Der Beschuldigte ist nicht vorbestraft und es bestehen keine Faktoren, wel-
che die Vermutung der günstigen Legalprognose umstossen würden.
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7. Fazit
Der Beschuldigte ist mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 80.– zu be-
strafen. Der Vollzug der Geldstrafe ist aufzuschieben, wobei eine Probezeit von
2 Jahren vorzusehen ist.
V. Landesverweisung
1. Beim unrechtmässigen Bezug von Leistungen einer Sozialversicherung im
Sinne von Art. 148a Abs. 1 StGB handelt es sich um eine Katalogtat nach Art. 66a
Abs. 1 lit. e StGB, weshalb der Beschuldigte grundsätzlich obligatorisch für 5 bis
15 Jahre des Landes zu verweisen ist. Die Landesverweisung greift grundsätzlich
unabhängig von der konkreten Tatschwere (BGE 144 IV 332 E. 3.1.3.). Sie muss
zudem unabhängig davon ausgesprochen werden, ob es beim Versuch geblieben
ist und ob die Strafe bedingt, unbedingt oder teilbedingt ausfällt (BGE 144 IV 168
E. 1.4.1. und BGer-Urteil 6B_1070/2018 vom 14. August 2019 E. 6.2.1.). Von ei-
ner Landesverweisung kann gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB abgesehen werden,
wenn diese für den Ausländer einen schweren persönlichen Härtefall bewirken
würde und die öffentlichen Interessen an der Landesverweisung gegenüber den
Interessen des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz nicht überwiegen. Wie
die Vorinstanz bereits aufzeigte, erfolgt eine Interessenabwägung nur, wenn ein
persönlicher Härtefall gegeben ist (siehe auch BGer-Urteil 6B_659/2018 vom
20. September 2018 E. 3.3.). Die Kriterien zur Beurteilung eines persönlichen
Härtefalles wurden von ihr bereits dargelegt. Es kann auf die einschlägigen Erwä-
gungen verwiesen werden (Urk. 27 S. 12 f.). Ergänzend ist darauf hinzuweisen,
dass die härtefallbegründenden Aspekte grundsätzlich den Betroffenen selbst
treffen müssen. Bei Dritten auftretend sind sie nur zu berücksichtigen, wenn sie
sich zumindest indirekt auch auf den Betroffenen auswirken (BGer-Urteil
6B_1286/2017 vom 11. April 2018 E. 1.2. und E. 1.3.1.). Aus dem Umstand, dass
sich die ausländische Person bisher mit Ausnahme der zur Verurteilung führen-
den Tat strafrechtlich nichts zuschulden hat kommen lassen und ihr Unterhalt oh-
ne Sozialhilfe gewährleistet erscheint, kann für sich allein noch nicht auf eine er-
folgreiche Integration geschlossen werden. Spielt sich das gesellschaftliche Le-
ben einer ausländischen Person primär mit Angehörigen des eigenen Landes ab,
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spricht dies eher gegen die Annahme einer gelungenen Integration (BGer-Urteil
6B_793/2019 vom 12. September 2019 E. 2.3.2. mit Verweis auf BGer-Urteil
2C_221/2019 vom 25. Juli 2019 E. 2.2. f.). Ein Beschuldigter muss darlegen, dass
seine sozialen und beruflichen Bande zur Schweiz speziell intensiv sind, was
deutlich über den Rahmen einer gewöhnlichen Integration hinausgeht (BGer-
Urteil 6B_598/2019 vom 5. Juli 2019 E. 4.3.2.)
2. Ein Härtefall lässt sich bei einem Eingriff von einer gewissen Tragweite in
den Anspruch des Ausländers auf das in Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK gewährleis-
tete Privat- und Familienleben annehmen. Unter dem Titel der Achtung des Pri-
vatlebens im Sinne von Art. 8 Ziff. 1 EMRK genügen selbst eine lange Anwesen-
heit und die damit verbundene normale Integration nicht. Erforderlich sind beson-
ders intensive, über eine normale Integration hinausgehende private Beziehungen
beruflicher oder gesellschaftlicher Natur (BGE 144 II 1 E. 6.1.; BGer-Urteile
6B_186/2020 vom 6. Mai 2020 E. 2.3.2.; 6B_1314/2019 vom 9. März 2020 E.
2.3.6.; 6B_1044/2019 vom 17. Februar 2020 E. 2.5.2.). Gemäss bundesgerichtli-
cher Rechtsprechung kann bei einer Härtefallprüfung nicht schematisch ab einer
gewissen Aufenthaltsdauer eine Verwurzelung in der Schweiz angenommen wer-
den. Spielt sich das gesellschaftliche Leben einer ausländischen Person primär
mit Angehörigen des eigenen Landes ab, spricht dies eher gegen die Annahme
einer hinreichenden Integration. Die Anwendung von starren Altersvorgaben so-
wie die automatische Annahme eines Härtefalls ab einer bestimmten Anwesen-
heitsdauer findet keine Stütze im Gesetz (BGE 146 IV 105 E. 3.4.4., m.w.H.). Das
durch Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK geschützte Recht auf Achtung des Familien-
lebens ist berührt, wenn eine staatliche Entfernungs- oder Fernhaltemassnahme
eine nahe, echte und tatsächlich gelebte familiäre Beziehung einer in der Schweiz
gefestigt anwesenheitsberechtigten Person beeinträchtigt, ohne dass es dieser
ohne weiteres möglich bzw. zumutbar wäre, ihr Familienleben andernorts zu pfle-
gen. Zum geschützten Familienkreis gehört in erster Linie die Kernfamilie, d.h. die
Gemeinschaft der Ehegatten mit ihren minderjährigen Kindern. Andere familiäre
Verhältnisse fallen in den Schutzbereich von Art. 8 EMRK, sofern eine genügend
nahe, echte und tatsächlich gelebte Beziehung besteht. Hinweise für solche Be-
ziehungen sind das Zusammenleben in einem gemeinsamen Haushalt, eine fi-
- 20 -
nanzielle Abhängigkeit, speziell enge familiäre Bindungen, regelmässige Kontakte
oder die Übernahme von Verantwortung für eine andere Person (BGer-Urteil
6B_177/2020 vom 2. Juli 2020 E. 2.4.3. mit Hinweisen). Eine normale familiäre
emotionale Beziehung reicht nicht aus, um einen Aufenthaltsanspruch zu begrün-
den (BGE 144 II 1 E. 6.6.).
3. Die Verteidigung macht geltend, dass beim Beschuldigten von einer Lan-
desverweisung klarerweise abzusehen sei. Er sei nicht vorbestraft, lebe seit dem
16. Lebensjahr in der Schweiz, sei mittlerweile 45 Jahre alt und sei in der Schweiz
stets einer Arbeitstätigkeit nachgegangen. Zudem habe er hier eine Familie, ins-
besondere einen 18-jährigen Sohn, welcher im ersten Lehrjahr sei. Insgesamt lie-
ge beim Beschuldigten ein klarer Härtefall vor. Sein persönliches Interesse am
Verbleib in der Schweiz überwiege das öffentliche Interesse an einer Landesver-
weisung deutlich (Urk. 19 S. 6, Urk. 39 S. 7). Anlässlich der Berufungsverhand-
lung ergänzte die Verteidigung, dass der Beschuldigte sich vor der im Berufungs-
verfahren zu beurteilenden Tat noch nie etwas habe zu Schulden kommen las-
sen. Er habe keine Schulden und sei noch nie von der Sozialhilfe abhängig gewe-
sen. Er lebe hier mit seiner Ehefrau und seinem 18-jährigen Sohn in einem Haus-
halt und sei hier in der Schweiz integriert. Auch lebten sein Onkel oder zumindest
dessen Kinder sowie weitere Verwandte und Freunde in der Schweiz. Ferner sei
von Relevanz, dass der Beschuldigte den Deliktsbetrag vollständig wieder zu-
rückerstattet habe. Er habe über die Jahre hinweg hart gearbeitet und werde vo-
raussichtlich in Kürze wieder eine Anstellung finden, wo er mit Sicherheit wieder
hart arbeiten werde. Mit seinem Lohn und zusammen mit der Ehefrau werde er
die dreiköpfige Familie durchbringen. Es sei insgesamt also im öffentlichen Inte-
resse, dass der Beschuldigte weiterhin bei seiner Familie in der Schweiz bleiben
und hier arbeiten dürfe. Ansonsten müsste an seiner Stelle womöglich das Sozi-
alamt treten. Dem Beschuldigten sei leider seine letzte Arbeitsstelle von D._
Transporte aus wirtschaftlichen Gründen per Ende Juni 2021 gekündigt worden,
dies trotz höchster Zufriedenheit auch auf Seiten der Arbeitgeberin. Aus diesem
Arbeitsverhältnis habe er noch einen Lohn bis im September 2021 erhalten. Seine
Arbeitssuche habe sich aufgrund der bei ihm aufgetretenen, schweren und lange
anhaltenden Covid-19-Erkrankung verzögert (Urk. 39 S. 7 ff.). Der Beschuldigte
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selbst gab an, dass seine Eltern in die Schweiz gekommen seien, um ein besse-
res Leben zu verdienen. So seien auch er und seine ganze Familie in die Schweiz
gekommen. Mit der Zeit hätten sie auch die Schweizer Kultur übernommen. Er
spreche zudem Serbisch und Deutsch. In der Schweiz lebten sein Bruder, sein
Onkel und dessen Kinder. Es lebten sehr viele von seiner Familie in der Schweiz.
Sozialhilfe habe er nie bezogen, nur Arbeitslosengeld (Urk. 5 Frage 34 ff.). Seine
Eltern seien nach Serbien zurückgegangen. Er habe verschiedene Freunde in der
Schweiz: Serben, Albaner und auch Schweizer. Er komme mit allen gut aus. In
der Schweiz habe er keine Ausbildung gemacht. Eine Landesverweisung würde
ihm schwer fallen, weil seine Frau und sein Sohn alleine hier bleiben müssten. Er
wisse nicht, wie sich das nachher ändern würde. Auch wenn seine Frau Serbin
sei, wisse er nicht, ob sie mit ihm nach Serbien gehen würde. Er spreche Ser-
bisch, glaube aber nicht, dass er in Serbien eine Arbeitsstelle finden könnte. Mo-
mentan sei es streng dort, v.a. in der Region, in der er und seine Eltern lebten
(Prot. I S. 11 f.). Anlässlich der Berufungsverhandlung gab er an, dass sein Bru-
der in der Schweiz, in E._, lebe. Auch die Kinder von seinem Onkel seien in
der Schweiz. Letztmals sei er im Sommer 2021 in Serbien gewesen. Er gehe dort
regelmässig in die Ferien. Er sei in die Schweiz gekommen, um ein besseres Le-
ben zu führen (Prot. II S. 6 f.). Es wäre für seine Frau und sein Kind sehr schwie-
rig, ohne ihn weiterzuleben, auch aus finanziellen Gründen. Sie fänden, es sei ei-
ne Katastrophe für ihre Familie (Prot. II S. 12). Die Staatsanwaltschaft beantragte
in ihrer Anklageschrift, es sei gemäss Art. 66a Abs. 2 StGB von einer Landesver-
weisung abzusehen. Im Berufungsverfahren beantragte sie jedoch die Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils, mit welchem ein schwerer persönlicher Härte-
fall verneint und eine Landesverweisung von 5 Jahren angeordnet wurde (Urk. 32
mit Verweis auf Urk. 27 S. 16). Im erstinstanzlichen Verfahren schien sie jedoch
offensichtlich der Ansicht gewesen zu sein, dass die Voraussetzungen für eine
Landesverweisung nicht gegeben sind bzw. ein persönlicher Härtefall beim Be-
schuldigten vorliegt.
4. Für den Werdegang des Beschuldigten kann grundsätzlich auf die ein-
schlägigen Erwägungen zur Täterkomponente im Rahmen der Strafzumessung
verwiesen werden. Der Beschuldigte kam 1976 in Serbien zur Welt. Dort schloss
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er eine Lehre als Spengler ab. Am tt. April 1992 reiste er in die Schweiz ein
(Urk. 6/3/26), um im Betrieb seines Vaters und seines Onkels zu arbeiten (Prot. I
S. 11). Er verfügt über eine Niederlassungsbewilligung C (Urk. 6/3/26). Sein Vater
und seine Mutter leben wieder in Serbien, wo auch seine Grossmutter lebt (Prot. I
S. 11 und Prot. II S. 6). Eine Ausbildung hat er in der Schweiz nicht abgeschlos-
sen. Aktuell arbeitet er als Chauffeur bei D._ Transporte (Prot. II S. 9 und
Urk. 35/1). 2002 heiratete er seine Ehefrau, welche ebenfalls Serbin ist und über
eine Niederlassungsbewilligung C verfügt. Er lebt zusammen mit ihr und seinem
im Mai 2003 geborenen Sohn in einer gemeinsamen Wohnung (Urk. 5 Frage 32).
Sein Sohn befindet sich im zweiten Lehrjahr im Metallbauwesen und verdient rund
Fr. 300.– monatlich, wobei er ihn weiterhin finanziell unterstützt (Prot. I S. 10 und
Urk. 39 S. 8).
5. Die persönlichen Verhältnisse des Beschuldigten zeugen von Stabilität und
einer wirtschaftlich erfolgreichen Integration. Zusammen mit seiner Ehefrau be-
streitet er den Lebensunterhalt der Familie und unterstützt seinen Sohn finanziell
während dessen Lehre. Er stieg in einem Unternehmen seiner Familie ein, fand
danach aber offenbar auch ausserhalb berufliche Möglichkeiten. Er bezog zwi-
schenzeitlich zwar Arbeitslosentaggelder, doch war er ansonsten über Jahrzehnte
hinweg durchgehend berufstätig. Das Arbeitsverhältnis bei D._ Transporte
endete offenbar wegen wirtschaftlichen Problemen im Zusammenhang mit der
Covid-19-Pandemie. Es ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte innert kur-
zer Zeit eine neue Anstellung finden wird. Dafür sprechen neben seiner Arbeitser-
fahrung u.a. seine Deutschkenntnisse, welche auch anlässlich der Berufungsver-
handlung überzeugten. Zu berücksichtigen ist, dass der Beschuldigte durch die
Landesverweisung in seinem durch Art. 13 BV bzw. Art. 8 EMRK geschützten
Recht auf Achtung des Familienlebens tangiert ist. Zusammen mit seiner Frau
sorgt er für den Unterhalt der Familie, unterstützt seinen sich noch in der Lehre
befindenden Sohn und führt mit beiden einen gemeinsamen Haushalt. Die familiä-
re Bande wird dementsprechend ausgeprägt sein, wobei anzunehmen ist, dass er
eine wichtige Bezugsfunktion für seinen Sohn darstellt. In sozialer Hinsicht scheint
er sich hauptsächlich mit seiner Familie in der Schweiz verbunden zu fühlen. Da-
bei gilt es zu beachten, dass auch die Familienmitglieder seiner und der nachfol-
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genden Generation allesamt in der Schweiz leben (Prot. II S. 6). Zudem ist zu be-
rücksichtigen, dass sowohl seine Ehefrau als auch sein Sohn integriert sind. Letz-
terer befindet sich im zweiten Lehrjahr und durchlief die obligatorische Schulzeit in
der Schweiz. Auch die Ehefrau ist hier seit etlichen Jahren berufstätig. Die Kern-
familie des Beschuldigten hat somit einen engen Bezug zur Schweiz. Es wäre
aufgrund dieser Verwurzelung auch kein zumutbarer Ansatz, dass sie ihre – enge
– Verbindung zu diesem Land aufgeben müssen, um mit dem Beschuldigten nach
Serbien zu gehen. Für diesen wäre die Landesverweisung deshalb nicht nur mit
ökonomisch belastenden Folgen verbunden. Er würde auch gleichzeitig sämtliche
ihm nahestehenden Personen aus dem persönlichen Umfeld verlieren, nachdem
er über Jahrzehnte mit ihnen eine familiäre Einheit bildete. Demzufolge ist von ei-
nem schweren persönlichen Härtefall auszugehen. Die öffentlichen Interessen an
der Landesverweisung sind gering. Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf.
Das im Berufungsverfahren zu beurteilende Delikt ist zwar nicht zu bagatellisie-
ren, allerdings wiegt die Tatschwere noch leicht. Sodann zahlte er den Betrag
rasch zurück. Sein Nachtatverhalten vermag das Vergehen daher deutlich zu rela-
tivieren. Die Reue des Beschuldigten wirkte anlässlich der Berufungsverhandlung
zudem glaubhaft. Demnach ist anzunehmen, dass es bei einem einmaligen Kon-
flikt mit dem Strafgesetz bleibt. Auf Seiten des Beschuldigten besteht ein beachtli-
ches Interesse, in der Schweiz zu bleiben. Das Zusammenleben mit seiner Ehe-
frau und dem sich noch in der Lehre befindenden Sohn würde wahrscheinlich be-
endet, da diese beruflich und sozial in der Schweiz verwurzelt sind und eine Zu-
kunft in Serbien ihrerseits nicht angestrebt würde. Gleichzeitig befinden sich auch
die anderen Familienmitglieder seiner Generation hier. Das gewichtige private In-
teresse des Beschuldigten am Verbleib in der Schweiz überwiegt folglich das öf-
fentliche an seiner Wegweisung deutlich. Aus diesen Gründen ist von der Anord-
nung einer Landesverweisung abzusehen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Vorverfahrens und des erstinstanzli-
chen Gerichtsverfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung,
dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtli-
- 24 -
chen Verteidigung sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Rückzahlungs-
pflicht des Beschuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO für die Kosten der amtli-
chen Verteidigung ist vorzubehalten.
2. Im Berufungsverfahren tragen die Parteien die Kosten nach Massgabe ih-
res Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
liegt mit seiner Berufung. Folglich sind ihm die Kosten des Berufungsverfahrens,
mit Ausnahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, aufzuerlegen und im Übri-
gen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung
sind auf die Gerichtskasse zu nehmen, wobei die Rückzahlungspflicht des Be-
schuldigten gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO vorzubehalten ist.
3. Die amtliche Verteidigung machte für das Berufungsverfahren einen Auf-
wand von Fr. 4'168.17 (inkl. MwSt.) geltend (siehe Urk. 41). Für die Berufungs-
verhandlung, die Vor- und Nachbesprechung sowie die weiteren Schritte wurden
51⁄4 Stunden vorgesehen. In Anbetracht der tatsächlichen Verhandlungsdauer von
knapp einer Stunde rechtfertigt sich eine Kürzung des Betrags. Dementsprechend
ist die Verteidigung für ihre Aufwendungen im Berufungsverfahren mit pauschal
Fr. 3'700.– zu entschädigen.
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