# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d0076455-2963-443b-9a66-f41cb60ea009
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Gehilfenschaft zu qualifizierter einfacher Körperverletzung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 10. März 2020 (DG190057)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 4. Juli 2019
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 25/13).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 49 S. 43 ff.)
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig der Gehilfenschaft zu qualifizierter
einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 i.V.m. Ziff. 2 Abs. 2
StGB und Art. 25 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten, wo-
von bis und mit heute 11 Tage durch Untersuchungshaft erstanden sind.
3. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf
2 Jahre festgesetzt.
4. Der Privatkläger wird mit seinem Schadenersatzbegehren auf den Weg des
Zivilprozesses verwiesen.
Das Genugtuungsbegehren des Privatklägers wird abgewiesen.
5. Der Antrag auf Entschädigung für das Strafverfahren und die erlittene Haft
wird abgewiesen.
6. Die nachfolgenden mit Verfügung der Staatsanwaltschaft VI (heute I) vom
22. Januar 2018 beschlagnahmten und beim Bezirksgericht Winterthur la-
gernden Gegenstände werden dem Beschuldigten nach Rechtskraft aller
Verfahren DG190055, DG190056 und DG190057 unter Vorlage dieses Ur-
teils und eines amtlichen Ausweises, nach telefonischer Voranmeldung,
durch die Lagerbehörde auf erstes Verlangen hin herausgegeben:
− 1 Herrenhemd blau, A011'111'436;
− 1 Jeans blau, A011'111'458;
− 1 Paar Sportschuhe, adidas schwarz mit weisser Sohle und schwarzen
Streifen A011'111'470.
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Werden die vorgenannten Gegenstände nicht innert 30 Tagen ab Rechts-
kraft der obgenannten Verfahren vom Beschuldigten herausverlangt, so wird
die Lagerbehörde für berechtigt erklärt, die Gegenstände zu vernichten.
7. Allfällig sichergestellte Spuren und Spurenträger werden der Lagerbehörde
nach Eintritt der Rechtskraft aller Verfahren DG190055, DG190056 sowie
DG190057 zur Vernichtung überlassen.
8. Die Entscheidgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 2'000.00 Gebühr Vorverfahren
Fr. 1'650.00 Auslagen (Gutachten)
Fr. 33.35 Entschädigung Zeuge
Fr. 14'647.95 Entschädigung amtliche Verteidigung (inkl. Barauslagen und MwSt.)
Fr. 20'131.30 Total
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
Wird auf eine Begründung dieses Entscheids verzichtet, ermässigt sich die
Entscheidgebühr auf zwei Drittel.
9. Die Kosten des Vorverfahrens (Gebühren Vorverfahren, Auslagen [Gutach-
ten], Auslagen Polizei und Entschädigung von Zeugen), und des gerichtli-
chen Verfahrens sowie der amtlichen Verteidigung werden dem Beschuldig-
ten auferlegt. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen auf
die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung ge-
mäss Art. 135 Abs. 4 StPO."
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 68 S. 1 f.)
1. In Abänderung von Ziffer 1 des angefochtenen Urteils des Bezirksge-
richtes Winterthur vom 10. März 2020 (DG190057) sei A._ vom
Vorwurf der Gehilfenschaft zu qualifiziert einfacher Körperverletzung
nach Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 i.V.m. Ziff. 2 Abs. 1 und Art. 25 StGB von
Schuld und Strafe freizusprechen.
2. In Abänderung von Ziffern 2 und 3 des angefochtenen Urteils sei auf
Sanktionen zu verzichten.
3. In Abänderung von Ziffer 5 des angefochtenen Urteils sei A._ für
seine erlittene Untersuchungshaft vom 07.01.2018 - 18.01.2018 eine
Genugtuung über CHF 3'250.00 nebst Zins zu 5% seit 07. Januar 2018
zuzusprechen. Ferner sei er mit CHF 2'230.90 Schadenersatz aus der
Staatskasse zu entschädigen.
4. Die Kosten des Gerichts- und des Vorverfahrens seien in Abänderung
von Ziffer 9 des angefochtenen Urteils auf die Staatskasse zu nehmen.
5. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien, inklusive der Kosten der
amtlichen Verteidigung, vollumfänglich auf die Staatskasse zu nehmen.
6. Die Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich
sei abzuweisen.
b) Der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich (Anschlussberufung):
(Urk. 69 S. 1 f.)
1. Ziff. 2 des Dispositives des Urteils des Bezirksgerichtes Winterthur vom
10.03.2020 sei aufzuheben und der Beschuldigte sei mit einer Frei-
heitsstrafe von 12 Monaten zu bestrafen, wovon 11 Tage durch Unter-
suchungshaft erstanden sind.
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2. Im Übrigen sei das Urteil der Vorinstanz zu bestätigen.
3. Die Kosten des Berufungsverfahrens seien dem Beschuldigten aufzu-
erlegen.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang
1. Gegen das eingangs im Dispositiv wiedergegebene, mündlich eröffnete
Urteil des Bezirksgerichtes Winterthur vom 10. März 2020 meldeten der Rechts-
vertreter des Privatklägers B._ mit Eingabe vom 11. März 2020 und die amt-
liche Verteidigung mit Eingaben vom 11. bzw. 12. März 2020 je Berufung an
(Prot. I S. 76 ff.; Urk. 41; Urk. 43; Art. 399 Abs. 1 StPO). Nach der Zustellung des
begründeten Urteils am 14. April 2020 reichte die Verteidigung am 4. Mai 2020
(Poststempel) rechtzeitig die Berufungserklärung im Sinne von Art. 399 Abs. 3
StPO mit dem Antrag auf Freispruch ein (Urk. 46/2-3; Urk. 53). Der Rechtsvertre-
ter des Privatklägers teilte mit Eingabe vom 27. April 2020 den Rückzug der Beru-
fung mit (Urk. 52), was vorzumerken ist. Mit Präsidialverfügung vom 26. Mai 2020
wurde dem Privatkläger und der Staatsanwaltschaft die Berufungserklärung des
Beschuldigten zugestellt und Frist zur Erklärung einer Anschlussberufung oder
zum Stellen eines Nichteintretensantrages angesetzt (Urk. 54). Mit Eingabe vom
4. Juni 2020 erhob die Staatsanwaltschaft eine auf die Höhe der Sanktion be-
schränkte Anschlussberufung (Urk. 56). Der Privatkläger liess sich nicht verneh-
men. Mit Präsidialverfügung vom 29. Juni 2020 wurde die Anschlussberufung der
Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten und dem Privatkläger zugestellt
(Urk. 58 f.).
2. Am 17. September 2020 wurden die Parteien zur Berufungsverhandlung
auf den 1. und 2. Juni 2021 vorgeladen, die zusammen mit den Verfahren
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SB200182 und SB200183 stattfinden sollte (Urk. 59). Infolge Covid 19-
Symptomen des Beschuldigten wurde die Vorladung für die Verhandlung am 27.
Mai 2021 abgenommen (Urk. 61). Eine erneute Vorladung erfolgte am
1. November 2021 auf den 20. Mai 2022 (Urk. 62). Anlässlich der Berufungsver-
handlung wurden die eingangs aufgeführten Anträge gestellt (Prot. II S. 5 f.).
II. Prozessuales
1. Gemäss Art. 402 StPO in Verbindung mit Art. 437 StPO wird die Rechts-
kraft des angefochtenen Urteils im Umfang der Anfechtung gehemmt. Nachdem
die Dispositivziffern 4 (Zivilforderungen, Verweis auf den Zivilweg), 6 und 7 (Be-
schlagnahmungen, Herausgaben), sowie 8 (Kostenfestsetzung) unangefochten
blieben, ist mittels Beschluss festzustellen, dass das vorinstanzliche Urteil in die-
sem Umfang in Rechtskraft erwachsen ist. Im Übrigen steht der angefochtene
Entscheid unter Berücksichtigung des Verschlechterungsverbots im Sinne von
Art. 391 Abs. 2 StPO zur Disposition.
2. Die Verteidigung macht eine Verletzung des Anklageprinzips geltend
(Urk. 68 S. 3 f.).
2.1. Die Anklageschrift bezeichnet gemäss Art. 325 Abs. 1 lit. f StPO mög-
lichst kurz, aber genau die der beschuldigten Person vorgeworfenen Taten mit
Beschreibung von Ort, Datum, Zeit, Art und Folgen der Tatausführung. Nach dem
aus Art. 29 Abs. 2 und Art. 32 Abs. 2 BV abgeleiteten und nunmehr in Art. 9
Abs. 1 sowie Art. 325 StPO festgeschriebenen Anklagegrundsatz bestimmt die
Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfahrens (Umgrenzungsfunktion).
Die Anklage hat die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem
Sachverhalt so präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und sub-
jektiver Hinsicht genügend konkretisiert sind. Die beschuldigte Person muss unter
dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion aus der Anklage ersehen können,
wessen sie angeklagt ist. Das bedingt eine zureichende Umschreibung der Tat.
Entscheidend ist, dass der Betroffene genau weiss, welcher konkreter Handlun-
gen er beschuldigt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit er sich
in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann (Informationsfunktion). Er darf nicht
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Gefahr laufen, erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen kon-
frontiert zu werden (BGE 143 IV 63 E. 2.2).
2.2. Das Anklageprinzip wurde, wie bereits die Vorinstanz zutreffend fest-
hielt, nicht verletzt. Es ist nachfolgend noch darauf einzugehen (vgl. Erw. III.4.4.)
III. Sachverhalt
1. Gemäss Anklage sei es am 6. Januar 2018 nach Mitternacht zu einer zu-
nächst nur verbalen und dann auch tätlichen Auseinandersetzung gekommen, an
der C._ (separates Verfahren: SB200183), B._ (separates Verfahren:
SB200182) und der Beschuldigte A._ beteiligt gewesen seien. B._ soll
C._ mit Fäusten mehrfach gegen den Kopf geschlagen haben, so dass die-
ser auch rückwärts zu Boden gestürzt sei, seinen Mund nicht mehr habe öffnen
können und erhebliche, mehrere Tage anhaltende Schmerzen erlitten habe.
C._ seinerseits habe mehrere Male mit dem Messer gegen B._ gesto-
chen und diesem eine bis auf den Knochen reichende Verletzung zugefügt. So-
wohl B._ als auch C._ wirft die Staatsanwaltschaft eine versuchte
schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22
Abs. 1 StGB vor (Urk. 25/13 S. 1 ff.).
Der Anklagevorwurf gegen den Beschuldigten lautet auf Gehilfenschaft zu qualifi-
zierter einfacher Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbin-
dung mit Ziff. 2 Abs. 1 und Art. 25 StGB. Konkret soll er auf dessen energisches
Ersuchen hin C._ ein Messer mit einer Klingenlänge von ca. 12 cm überge-
ben haben, damit dieser sich gegen B._ verteidigen könne. Der Beschuldigte
habe dies in der Annahme getan, dass C._ dieses in gefährlicher Art und
Weise gegen B._ einsetzen und ihm damit auch Schnitt- und/oder Stichver-
letzungen zufügen würde, was er durchaus auch gewollt, eventualiter in Kauf ge-
nommen habe (Urk. 25/13 S. 3).
2. Der Beschuldigte, C._ und B._ machten zum Tathergang unter-
schiedliche Aussagen.
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2.1. Der Beschuldigte stellte im Vorverfahren und vor Vorinstanz konsequent
in Abrede, ein Messer gesehen bzw. C._ ein solches übergeben zu haben
(Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/3 S. 6; Urk. 4/4 S. 2; Urk. 5/1 S. 11; Urk. 5/2 S. 2; Urk. 5/3;
Urk. 18/10; Prot. I S. 46 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung blieb er bei die-
sem Standpunkt (Prot. II S. 11 ff.). Die Tatwaffe – gemäss Anklageschrift ein
Messer mit einer Klingenlänge von ca. 12 cm – konnte durch die Polizei am Tatort
nicht gefunden werden (Urk. 1/1 S. 4; Urk. 1/3 S. 3). Auch auf den Videoaufzeich-
nungen der Überwachungskamera lässt sich kein Messer erkennen.
2.2. C._ sagte zunächst, dass er, nachdem er von B._ mit mehre-
ren Faustschlägen eingedeckt worden und zu Boden gegangen sei, vor dem Auf-
stehen einen Gegenstand ergriffen habe, der vor ihm gelegen sei. Dass es ein
Messer gewesen sei, habe er erst später bemerkt (Urk. 2/1 S. 2). Später in der
gleichen Einvernahme brachte er vor, von einer ihm nicht bekannten Person ei-
nen Gegenstand in die Hand bekommen zu haben, wobei er erst später bemerkt
habe, dass es ein Messer gewesen sei (Urk. 2/1 S. 4). Ab der Hafteinvernahme
machte er dann geltend, dass der Beschuldigte ihm das Messer gegeben habe
(Urk. 2/3 S. 3; Urk. 5/1 S. 8; Urk. 5/3 S. 2; Prot. I S. 15).
2.3. B._ führte aus, dass C._ das Messer aus seiner Hosentasche
hervorgeholt habe bzw. während der Auseinandersetzung bemerkt zu haben, wie
C._ ein Messer gehabt habe (Urk. 3/1 S. 2; Urk. 3/2 S. 4; Urk. 5/1 S. 6; Urk.
19/10 S. 4; Prot. I S. 32).
3. Angesichts der divergierenden Aussagen der Beteiligten ist unklar, woher
C._ das Messer hatte. Der Anklagesachverhalt ist daher aufgrund der Unter-
suchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente nach den allge-
meingültigen Beweisregeln zu erstellen, wobei sich die urteilende Instanz nicht mit
allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne Vor-
bringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 139 IV 179 E. 2.2).
3.1. Die Vorinstanz hat die Grundsätze der Beweiswürdigung und die allge-
meingültigen Beweisregeln umfassend und korrekt wiedergegeben und die
Glaubwürdigkeit der Beteiligten zutreffend gewürdigt, mit dem zusätzlichen Hin-
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weis, dass es ohnehin in erster Linie auf die Glaubhaftigkeit der jeweiligen Aussa-
gen ankommt. Es kann darauf wie auch auf die Vorbemerkungen zu den persönli-
chen Beziehungen der Beteiligten verwiesen werden (Urk. 49 S. 8-12; Art. 82
Abs. 4 StPO; BGE 133 I 33 E. 4.3).
3.1.1. Wird für die Sachverhaltsdarstellung auf Aussagen von Auskunftsper-
sonen oder Zeugen abgestellt, sind die Teilnahmerechte des Beschuldigten zu
wahren (Art. 147 f. StPO). Das Teilnahmerecht gemäss Art. 147 Abs. 1 StPO
steht dem Beschuldigten auch bei delegierten polizeilichen Einvernahmen zu
(Art. 312 Abs. 2 StPO i.V.m. Art. 306 Abs. 3 StPO; dazu BGE 139 IV 25 E. 4.3).
Beweise, die in Verletzung der Bestimmungen von Art. 147 StPO erhoben wer-
den, können nicht zulasten der Partei verwertet werden, die nicht anwesend war
(Art. 147 Abs. 4 StPO). Ergänzend ist jedoch festzuhalten, dass die Teilnahme-
rechte nicht in jedem Fall verletzt sind, wenn die beschuldigte Person an Einver-
nahmen von Zeugen oder Mitbeschuldigten nicht teilnehmen konnte.
Kein Anspruch auf Parteiöffentlichkeit besteht im polizeilichen Ermittlungsverfah-
ren, soweit es sich um selbstständige Ermittlungen nach Art. 306 f. StPO handelt
(SCHLEIMINGER METTLER, in: Niggli/Heer/ Wiprächtiger, Basler Kommentar Straf-
prozessordnung, 2. Aufl. 2014, Art. 147 N 7a). Zum Teilnahmerecht gehört das
Parteirecht (Art. 147 Abs. 1 i.V.m. Art. 104 Abs. 1 lit. a StPO) der beschuldigten
Person, Ergänzungsfragen zu stellen (die blosse Wahrnehmung durch Parteiver-
treter genügt nicht; siehe Urteil 6B_836/2014 des BGer vom 30. Januar 2015
E. 2.4, Urteil 6B_98/2014 des BGer vom 30. September 2014 E. 3.5.; Urteil
6B_289/2020 des BGer vom 1. Dezember 2020 E. 4.5.1). In Art. 147 Abs. 1 StPO
ist allgemein von "Parteien", "Beweiserhebungen" und "einvernommenen Perso-
nen" die Rede. Die beschuldigte Person ist Partei in demjenigen Verfahren, in
welchem sie beschuldigt wird, und sie kann daher gestützt auf Art. 147 Abs. 1
StPO an den Beweiserhebungen, die in diesem Verfahren durchgeführt werden,
teilnehmen, wozu auch die Einvernahmen von im gleichen Verfahren mitbeschul-
digten Personen gehören. Die beschuldigte Person hat somit gestützt auf Art. 147
Abs. 1 Satz 1 StPO das Recht, bei Einvernahmen von im gleichen Verfahren mit-
beschuldigten Personen durch die Staatsanwaltschaft und die Gerichte anwesend
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zu sein und den einvernommenen mitbeschuldigten Personen Fragen zu stellen
(BGE 141 IV 220 E. 4.3.1.). Ausnahmen davon sind nur in engen Grenzen zuläs-
sig. So kann die Staatsanwaltschaft die Teilnahme vorläufig beschränken, wenn
sachliche Gründe vorliegen. Solche Gründe liegen insbesondere vor, wenn im
Hinblick auf noch nicht erfolgte Vorhalte eine konkrete Kollusionsgefahr gegeben
ist. Falls die Befragung des Mitbeschuldigten sich auf untersuchte Sachverhalte
bezieht, welche den (noch nicht einvernommenen) Beschuldigten persönlich be-
treffen und zu denen ihm noch kein Vorhalt gemacht werden konnte, darf der Be-
schuldigte von der Teilnahme ausgeschlossen werden (BGE 139 IV 25
E. 5.5.4.1).
3.1.2. Die Staatsanwaltschaft führte ein Verfahren gegen den Beschuldigten
und die beiden Mitbeschuldigten C._ und B._. Der Beschuldigte hatte
daher grundsätzlich das Recht, an den Einvernahmen der beiden Mitbeschuldig-
ten teilzunehmen. C._ und B._ wurden kurz nach dem Vorfall am 6. Ja-
nuar 2018 ein erstes Mal durch die Polizei befragt. Diese Einvernahmen fanden
im Rahmen des polizeilichen Ermittlungsverfahrens statt, da die Staatsanwalt-
schaft erst mit Rapporterstattung vom 6. Januar 2018 von der Straftat erfahren
und erst mit Delegationsverfügung vom 7. Januar 2018 die Einvernahme des Be-
schuldigten unter Wahrung der Teilnahmerechte im Sinne von Art. 312 Abs. 2
StPO delegierte (Urk. 1/6). Das Gleiche gilt für die ebenfalls am 6. Januar 2018
und noch im Rahmen des polizeilichen Ermittlungsverfahrens durchgeführten Ein-
vernahmen der beiden Zeugen D._ und E._. Diese Aussagen sind da-
her vollumfänglich verwertbar, zumal der Beschuldigte mit diesen Personen im
Verlaufe des Verfahrens konfrontiert wurde und diese im Kernbereich ihre anläss-
lich der ersten Einvernahmen getätigten Aussagen wiederholten. Da der Beschul-
digte anlässlich der Hafteinvernahme von C._ erstmals konkret belastet wur-
de, diesem ein Messer ausgehändigt zu haben (Urk. 2/3 S. 3), ist auch diese Ein-
vernahme verwertbar. Ab dann hatte der Beschuldigte ein Teilnahmerecht an Ein-
vernahmen der Mitbeschuldigten. Dieses wurde ihm anlässlich der Hafteinver-
nahme von B._ (Urk. 3/2) und den Befragungen vor dem Zwangsmassnah-
mengericht (Urk. 17/14; Urk. 19/10) nicht gewährt, weshalb diese Einvernahmen
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nicht zulasten des Beschuldigten verwertet werden dürfen. Sämtliche weitere Ein-
vernahmen sind jedoch vollumfänglich verwertbar.
3.2. Als Personalbeweismittel liegen die Aussagen des Beschuldigten sowie
von C._ und B._ vor. Zudem wurden E._ (Kollege von B._)
und D._ (Taxifahrer) polizeilich als Auskunftsperson und von der Staatsan-
waltschaft als Zeugen einvernommen (Urk. 2/1; Urk. 2/3; Urk. 3/1; Urk. 4/1-4;
Urk. 5/1-3; Urk. 6/1-4; Prot. I S. 11 ff.). Als Sachbeweismittel dienen insbesondere
die Videoaufzeichnungen zweier Überwachungskameras, medizinische Gutach-
ten betreffend C._ und B._ und ein phonetisches Gutachten (Urk. 7/1-7;
Urk. 8/1-6; Urk. 9/1; Urk. 10/1-7; Urk. 1/12). Im vorinstanzlichen Urteil wurden die
Aussagen des Beschuldigten korrekt wiedergegeben (Urk. 49 S. 16-20), ebenso
jene des Zeugen E._ (Urk. 49 S. 20-22) und jene des Mitbeschuldigten
C._ (Urk. 49 S. 22-24). Es kann darauf sowie auf die zutreffende und über-
zeugende Beweiswürdigung der Vorinstanz (Urk. 49 S. 24-28) vorab verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO), wobei, wie aus nachfolgenden Erwägungen her-
vorgeht, beim Zeitpunkt der Messerübergabe und der Klingenlänge gewisse Vor-
behalte anzubringen sind.
4. Es ist unbestritten, dass C._ und B._ im Club F._ am 6.
Januar 2018 nach Mitternacht eine verbale Auseinandersetzung hatten (vgl. u.a.
Urk. 5/13 f.). Der Beschuldigte war daran nicht beteiligt. Mit der
Vorinstanz rechtfertigt sich dahingehend eine Präzisierung der Anklageschrift (vgl.
Urk. 49 S. 7). In Bezug auf die Ursache dieser Auseinandersetzung gehen die
Darstellungen der Beteiligten auseinander. Diese ist jedoch in Bezug auf das
nachfolgende Kerngeschehen nicht weiter relevant. Diesbezüglich ist unstreitig,
dass C._ B._ mit einem Messer verletzte und diesem eine bis auf den
Knochen reichende, klaffende Stichverletzung am Oberarm zufügte. Ebenfalls ist
unbestritten, dass B._ C._ mit der Faust gegen dessen Kopf schlug
(Urk. 5/3 S. 7 f.). Darüber hinaus ist der Sachverhalt mit den vorhandenen Be-
weismitteln zu erstellen.
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4.1. Aussagen des Beschuldigten
4.1.1. Der Beschuldigte hielt zunächst fest, aus der Ferne gesehen zu ha-
ben, wie C._ und B._ aufeinander losgegangen seien. Daraufhin sei er
wieder in den Club, habe an der Garderobe seine Jacke geholt und habe sich
Richtung Ausgang begeben. Dort habe er gesehen, wie
C._ von Türstehern zu Boden gedrückt worden sei. Da er nichts damit zu tun
haben wollte, habe er sich entschlossen, sofort nach Hause zu gehen. Weiter er-
klärte er, in 30 Meter Distanz rechts von ihm die Auseinandersetzung gesehen zu
haben. Er habe nur 1-2 Sekunden geschaut (Urk. 4/1 S. 1 f.; Urk. 4/3 S. 2, 3;
Urk. 4/4 S. 3). Ebenso will er gesehen haben, wie B._ C._ am Kragen
gepackt habe. Er habe nicht gehört, was sie zueinander gesagt hätten. Zudem
hielt er fest, dass er sehr betrunken gewesen sei, mit der Sache nichts habe zu
tun haben wollen und sich nicht habe einmischen wollen (Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/3 S.
2, 3; Urk. 4/4 S. 2 f.; Urk. 4/4 S. 3). An der Konfrontationseinvernahme und der
Hauptverhandlung erklärte er, er habe nicht noch mehr Öl ins Feuer giessen wol-
len und versucht, die Eskalation zu dämpfen und dafür zu schauen, dass die bei-
den nicht aufeinander losgingen (Urk. 5/1 S. 7; Prot. I S. 50), was mit seiner frühe-
ren Deposition, wonach er sich nicht eingemischt habe, im Widerspruch steht.
4.1.2. Auf Vorhalt der Aussage einer (dem Beschuldigten nicht konkret ge-
nannten) Auskunftsperson, wonach C._ das bei der Tat verwendete Messer
von einer Person bekommen habe, deren Beschreibung auf ihn passe, beschul-
digte der Beschuldigte seinerseits die Auskunftsperson. Das sei eine Lüge. Die
Auskunftsperson behaupte das, weil sie vielleicht von sich ablenken wolle, um
sich selbst zu schützen. Der, der ihn beschuldige, habe C._ vermutlich das
Messer gegeben und sage jetzt, dass er schuld sei (Urk. 4/3 S. 6). Dass C._
ebenfalls ausgesagt habe, vom Beschuldigten das Messer übernommen zu ha-
ben, erklärte dieser damit, dass C._ besoffen gewesen sei bzw. zu seinem
eigenen Schutz gelogen habe (Urk. 4/4 S. 4 f., 7). Auch die Aussage von
E._, wonach C._ zu seinem Begleiter auf der Treppe gesagt habe: "Gib
mir das Ding", worauf dieser den Pullover gehoben und ihm etwas übergeben ha-
be, sei gemäss dem Beschuldigten falsch und wird von ihm direkt ins Gegenteil
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gedreht. E._ sage falsch aus, um sich selber zu schützen, damit er nicht
drankomme. Vielleicht habe dieser C._ das Messer gegeben (Urk. 4/4 S. 5,
S. 7), was indes wenig plausibel erscheint, zumal E._ der Kollege von
B._ und damit dem Kontrahenten von C._ war. An der Hauptverhand-
lung erklärte er die Aussagen von C._ und E._ wenig glaubhaft damit,
dass er sich die Hose hochgezogen habe und es die anderen deshalb so emp-
funden hätten, dass er das Messer übergeben habe (Prot. I S. 46). Neu brachte
der Beschuldigte in teilweiser Bestätigung der Aussage von E._ an der
Hauptverhandlung zudem vor, dass C._ im Zuge der Auseinandersetzung zu
ihm gesagt habe: "Gib mir! Gib mir!" bzw. ihn aufgefordert habe ihm "das Ding" zu
geben, wovon der Beschuldigte nichts habe wissen wollen. Er sei zurückgewichen
und habe gesagt: "Nein, sicher nicht. Ich habe kein Messer dabei" (Prot. I S. 45
f.), womit er klar zu verstehen gab, dass er wusste, was mit dem "Ding" gemeint
war. Später brachte er jedoch vor, nicht zu wissen, was damit gemeint gewesen
sei. Vielleicht sei es eine arglistige Täuschung von C._ gewesen, damit er
(gemeint: der Beschuldigte) dafür verantwortlich gemacht werden könne (Prot. I
S. 51).
4.1.3. Generell beantwortete der Beschuldigte Vorhalte immer wieder pau-
schal mit "das stimmt nicht", so auch die vorgehaltene Aussage, wonach C._
erklärt habe, dass er ihn gebeten habe, ihm zu helfen (Urk. 4/3 S. 7), und er
machte, auf die Erkenntnisse aus den Überwachungsvideos angesprochen, gel-
tend, sich nicht erinnern zu können, bzw. so besoffen gewesen zu sein, dass er
gemeint habe, weiter vom Geschehen entfernt gewesen zu sein (Urk. 4/4 S. 5 f.).
Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass der Beschuldigte zunächst mehrfach
relativ detailliert den Ablauf des Abends beschrieb, insbesondere wie er an der
Bar gesessen und mit einer Dame gesprochen habe, als C._ gekommen sei
und gesagt habe, dass er Stress habe, sowie dass er sich bei der Dame für die-
sen Vorfall entschuldigte (Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/3 S. 2). Auch an die zwei Damen
an der Garderobe, bei welchen er nach der Auseinandersetzung seine Jacke ge-
holt habe, und daran, dass die eine Dame ihn noch gefragt habe, ob er einen
Schal abgegeben habe, konnte er sich gut erinnern (Urk. 4/3 S. 3), an die auf den
Überwachungsvideos festgehaltenen Szenen jedoch nicht. Dies zeugt von einem
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sehr selektiven Erinnerungsvermögen, weshalb seine Aussagen als wenig glaub-
haft erscheinen. Es ist zudem festzuhalten, dass von einer starken Trunkenheit,
wie sie der Beschuldigte geltend macht, auf den Überwachungsvideos nichts zu
sehen ist. Zumindest geht daraus nicht hervor, dass er in seiner Motorik einge-
schränkt gewesen wäre (Urk. 1/12).
4.1.4. Auch dazu, wie er von der Auseinandersetzung mitbekommen habe,
machte der Beschuldigte unterschiedliche Angaben. So sagte er zuerst, dass er
an der Bar gewesen sei und mit einer Dame gesprochen habe, als C._ zu
ihm gekommen sei, gesagt habe, dass er "Stress" habe und der Beschuldigte
mitkommen solle (Urk. 4/1 S. 2; Urk. 4/3 S. 2). Im Gegensatz dazu brachte er an
der Konfrontationseinvernahme vor, auf der Toilette beim Pissoir gestanden und
gesehen zu haben, wie C._ zügig aus dem WC gegangen sei. Als er 10 Se-
kunden später die Tür aufgemacht habe, habe er gesehen, wie B._ und
C._ eine verbale Auseinandersetzung gehabt hätten (Urk. 5/1 S. 5). Wieder
etwas anders schilderte er die Szene anlässlich der Hauptverhandlung. Er habe
gesehen, wie es im WC ziemlich hektisch zu- und hergegangen sei. Er sei am
WC vorbeigegangen und habe gesehen, wie die Tür aufgegangen sei und dass
es zwischen C._ und B._ ein Gerangel gegeben habe (Prot. I S. 44).
4.1.5. Zudem sind die Ausführungen des Beschuldigten dazu, was er von
der Auseinandersetzung gesehen habe, in sich widersprüchlich. So machte er
geltend, dass er im Dunkeln nur ein bis zwei Meter weit sehe. Es sei auch mit Bril-
le schwierig. Er habe eine Farbkontrast-Schwäche (Urk. 4/3 S. 4). Dennoch will er
die Auseinandersetzung, die sich gemäss seinen Ausführungen ca. 30 Meter ent-
fernt abgespielt habe, gesehen haben, da es dort eine Strassenlampe gehabt ha-
be (Urk. 4/3 S. 5). Er habe an diesem Abend eine Brille getragen (Urk. 4/3 S. 6).
An der Hauptverhandlung und auch an der Berufungsverhandlung brachte er da-
gegen vor, an diesem Abend keine Brille getragen und daher nicht gesehen zu
haben, wie sich die beiden anderen verletzt hätten (Prot. I S. 45, 47; Prot. II S. 12,
15). Er sei nicht mitgegangen und weit weg vom Geschehen gestanden. So weit
sehe er nicht (Prot. I S. 52).
- 15 -
4.1.6. Die Aussagen des Beschuldigten werden durch die Videos der Über-
wachungskameras teilweise widerlegt (Urk. 1/12). Insbesondere geht aus der Vi-
deodatei "Eingang1. 06.01.18_001" hervor, dass der Beschuldigte keineswegs
das Geschehen lediglich kurz und unbeteiligt von der Ferne aus beobachtet hatte
(vgl. Erw. III.4.1.1.). Er ging vielmehr von Anfang an mit den anderen drei Beteilig-
ten mit (zu sehen ab 01:17:49, wobei der Beschuldigte ein dunkelblaues Hemd
trägt) und war während der auf dem Video festgehaltenen Szenen der Auseinan-
dersetzung jeweils in der Nähe des Geschehens (ab 01:18:31 und ab 01:20:59).
Ausserdem scheint er mehrfach mit den anderen Beteiligten gesprochen zu ha-
ben, so mit E._ (01:18:31), C._ (ca. 01:18:35) und mit B._ (ab
01:18:52), wobei er letzteren währenddessen an den linken Ellenbogen griff. Ent-
gegen seiner Deposition an der Hauptverhandlung ist der Beschuldigte, nachdem
er den blutenden B._ gesehen hatte, nicht in den Club gegangen, um seine
Jacke zu holen und dann gegangen (Prot. I S. 49 f.), sondern hat sich noch ohne
Jacke in die Richtung begeben, in der zuvor die Auseinandersetzung stattgefun-
den hatte. Nach etwa einer Minute tauchte er wieder im Bild auf und ging dann,
nachdem er noch kurz mit den Security-Mitarbeitern, welche C._ immer noch
zu Boden drückten, gesprochen hatte, zurück in den Club (Video "Eingang1.
06.01.18_002", am Anfang bis 01:23:15). Auf den Videos ist zudem mehrfach zu
erkennen, dass der Beschuldigte, entgegen seiner Aussage (Prot. I S. 45), an
diesem Abend eine Brille getragen hat (z.B. Video "Eingang1. 06.01.18_001"
01:18:55, 01:22:57, Video "Eingang1. 06.01.18_002" 01:23:00).
4.1.7. Es zeigt sich nach dem Erwogenen, dass die Aussagen des Beschul-
digten zahlreiche Unstimmigkeiten und Widersprüche aufweisen. Auffallend ist
zudem, dass er seine Ausführungen immer wieder an das ihm vorgehaltene Be-
weisergebnis anpasste und teilweise nicht plausible Erklärungen für seine Verhal-
tensweise lieferte. Die geltend gemachten Erinnerungslücken sind klar als
Schutzbehauptungen zu qualifizieren. Seine Aussagen stimmen zudem nicht mit
den Erkenntnissen aus den Überwachungsvideos überein und widersprechen, wie
nachfolgend aufzuzeigen sein wird, den glaubhaften Belastungen durch C._
und E._. Die Aussagen des Beschuldigten sind daher als nicht glaubhaft zu
qualifizieren, und es kann nicht darauf abgestellt werden.
- 16 -
4.2. Aussagen weiterer Beteiligter
4.2.1. E._, der zunächst bei der Polizei als Auskunftsperson und her-
nach als Zeuge einvernommen wurde, schilderte die Messerübergabe im Kernge-
schehen konstant und detailliert. So habe C._ unterhalb der Treppe zu sei-
nem Begleiter gesagt: "Gib mir das Ding", worauf der Kollege den Pullover hoch-
gehoben und etwas übergeben habe. Er habe nicht sehen können, was es war,
aber C._ habe im Anschluss ein Messer in der Hand gehabt (Urk. 6/2 S. 3).
Gleiches deponierte er anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Zeugeneinver-
nahme. Der Beschuldigte habe C._ das Messer ganz unten bei der roten
Treppe übergeben. Er habe seine Oberbekleidung hochgehoben und das Messer
aus dem Hosenbund genommen (Urk. 6/4 S. 3). C._ habe zum Beschuldig-
ten gesagt: "Gibt mir das Messer", worauf dieser es ihm gegeben habe. Auf Nach-
frage bestätigte er seine frühere Aussage, wonach C._ den Begriff "Ding"
benutzt habe (Urk. 6/4 S. 5). E._ war sich nicht mehr ganz sicher, wo die
Messerübergabe stattgefunden habe. Zunächst gab er an, die Messerübergabe
habe in der Nähe des roten Autos stattgefunden, vom Auto aus gesehen auf der
linken vorderen Seite. Vielleicht sei es auch im Bereich vor der Front dieses roten
Autos gewesen (Urk. 6/4 S. 7). Kleinere Unsicherheiten bezüglich des Ortes der
Messerübergabe und der Wortwahl in seinen Aussagen schaden deren Glaubhaf-
tigkeit nicht, zumal sie im Kernbereich konstant sind und sich die angegebenen
Orte der Messerübergabe, nämlich unterhalb der Treppe und vor dem roten Auto,
nur wenige Meter voneinander entfernt befanden. Dass er die Oberbekleidung
des Beschuldigten einmal als Hemd und einmal als Pullover bezeichnete, stellt
kein Lügensignal dar, zumal dies ein Detail darstellt, an welches sich E._ an-
gesichts der dynamischen Situation nicht mehr zu erinnern vermochte. Auch
wenn er grundsätzlich ein Kollege von B._ ist, ist nicht ersichtlich, weshalb er
den Beschuldigten zu Unrecht belasten und in das Verfahren hereinziehen sollte.
4.2.2. Auch die in Bezug auf das Messer getätigten Aussagen von C._
erweisen sich als konstant. Zwar machte er in der ersten polizeilichen Einvernah-
me noch geltend, dass das Messer vor ihm auf dem Boden gelegen habe und er
es ergriffen habe (Urk. 2/1 S. 2). Auf Vorhalt der Aussage von E._, wonach
- 17 -
C._ seinem Kollegen gesagt habe: "Gib mir das Ding", worauf dieser ihm et-
was übergeben habe, bestätigte er, dass es so gewesen sei, wobei er ausführte,
von einer unbekannten Person einen Gegenstand erhalten und später bemerkt zu
haben, dass es ein Messer gewesen sei (Urk. 2/1 S. 4). Ab der Hafteinvernahme
belastete er dann klar den Beschuldigten. So sagte er, dass er, nachdem er von
B._ mehrfach geschlagen worden sei, zum Beschuldigten und den anwe-
senden Securities gesagt habe, dass diese ihm helfen sollten. Der Beschuldigte
habe ihm dann das Messer gegeben (Urk. 2/3 S. 3 f.; Prot. I S. 12 f.). Er habe das
Messer auf jeden Fall erhalten, als er nach hinten gegangen sei. Der Beschuldigte
habe sein blaues Hemd hochgehoben und ihm das Messer gegeben (Urk. 5/1
S. 8). Draussen sei es zu Schlägen gekommen. Er sei dann wieder zurück zur
Treppe gegangen, wo er um Hilfe gebeten habe. In diesem Zuge habe er das
Messer vom Beschuldigten erhalten (Prot. I S. 15). Auch wenn C._ Aussa-
gen im Hinblick auf seine eigene Beteiligung an der Auseinandersetzung zum Teil
widersprüchlich sind und er versuchte, seine Rolle herunterzuspielen, sind sie in
Bezug auf die Messerübergabe konstant und stimmen mit den glaubhaften Depo-
sitionen von E._ überein. Auch bei C._ ist zudem nicht ersichtlich, wieso
er den Beschuldigten fälschlicherweise belasten sollte, zumal dies sein Verschul-
den höchstens in sehr geringfügigem Masse mindert. Seine Aussagen sind in die-
sem Punkt daher als verlässlich zu werten.
4.3. Würdigung
4.3.1. Auch wenn auf den Überwachungsvideos kein Messer und keine
Messerübergabe ersichtlich ist, so besteht aufgrund der klaren Belastungen durch
E._ und C._ kein Zweifel daran, dass der Beschuldigte
C._ ein Messer übergeben hat. Hinzukommt, dass der Beschuldigte durch-
wegs versuchte, seine Beteiligung kleinzureden und gerade so viel zugab, wie
durch die Aussagen der Mitbeschuldigten unbedingt nötig erschien. Sein un-
glaubhaftes und unzuverlässiges Aussageverhalten weisen damit auf eine viel
grössere Beteiligung seinerseits hin. Daran ändert nichts, dass B._ die Mes-
serübergabe nicht wahrgenommen hat, denn er gab stets relativierend an, dass
C._ das Messer seiner Meinung nach aus der Hosentasche gezogen hatte
- 18 -
bzw. plötzlich gemerkt zu haben, dass dieser ein Messer in der Hand hielt (Urk.
5/1 S. 8; Prot. I S. 30, 32). Auch dass der Taxifahrer, der nahe am Geschehen
war, die Messerübergabe nicht gesehen hat, schliesst eine Beteiligung des Be-
schuldigten nicht aus, da es sich um eine dynamische Situation handelte, in der
alles sehr schnell ging und die Lichtverhältnisse schlecht waren. Ebenso vermag
das Vorbringen der Verteidigung, wonach es nicht schlüssig sei, dass der Be-
schuldigte nach der Messerübergabe B._ zurückgehalten und ihm etwas ins
Ohr geflüstert habe (Urk. 68 S. 4, 16), nicht zu überzeugen. Es schliesst sich ent-
gegen dieser Auffassung nicht aus, dass der Beschuldigte zwar das Messer
übergeben aber dennoch ein Interesse daran hatte, den Konflikt nicht eskalieren
zu lassen.
4.3.2. Im Gegensatz zu den Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 49 S. 24 ff.)
kann aufgrund der Aussagen nicht zweifelsfrei festgestellt werden, wann die Mes-
serübergabe erfolgte.
4.3.2.1. Zunächst ist unter Verweis auf die vorinstanzliche Beschreibung der
Überwachungsvideos (Urk. 49 S. 13) nochmals in aller Kürze zusammenzufas-
sen, was auf den Videos zu erkennen ist. So sieht man auf dem Video "Eingang1.
06.01.18_001" ab 01:17:45, wie alle Beteiligten aus dem Club kommen und in
Richtung eines parkierten roten Autos aus dem Bild verschwinden. Kurze Zeit
später treten alle Beteiligten wieder ins Bild. Sie befinden sich nun unterhalb der
roten Treppe des Clubs und vor dem Taxi von D._. C._ und B._
diskutieren miteinander und rempeln sich auch gegenseitig an. Dann begeben
sich alle Beteiligten wieder in Richtung des roten Autos und verschwinden aus
dem Bild. Kurze Zeit später treten der Beschuldigte, C._ und E._ wieder
ins Bild. C._ wird, nachdem er einen Gegenstand geworfen hat, durch
Security-Mitarbeiter arretiert. Auch B._ ist wieder im Bild. Er schwankt und
sein Arm ist mit einem Tuch umwickelt, er wurde also bereits verletzt.
4.3.2.2. Aufgrund der Aussagen kann nicht klar eruiert werden, wann die
Messerübergabe stattfand. E._ gab nur den Ort der Messerübergabe an (un-
ten an der Treppe, beim roten Auto, vgl. Erw. III. 4.2.1.). C._ bezeichnete
gleich mehrere mögliche Zeitpunkte. Er habe das Messer erhalten, als sie nach
- 19 -
hinten gegangen seien (wobei aus dem Kontext der Befragung zu schliessen ist,
dass damit der Zeitpunkt gemeint ist, als die Beteiligten zum zweiten Mal zum ro-
ten Auto gingen, Urk. 5/1 S. 8). Daneben führte er auch aus, das Messer erhalten
zu haben, als sie zurück zur Treppe gegangen seien, also zu dem Zeitpunkt, als
das auf dem Video ersichtliche Wortgefecht stattfand (Prot. I S. 15). Auch die
Aussage des Taxifahrers D._ hilft diesbezüglich nicht weiter: Dass C._
ein Messer hatte, habe er erst gesehen, als sie in Richtung des anderen Clubs
gelaufen seien (wobei gemeint ist, dass sie in Richtung des G._-Clubs ge-
gangen seien, welcher sich in Richtung des roten Autos befand; Urk. 6/3 S. 3 f.).
Er sagte jedoch nicht, ob dies war, als die Gruppe zum ersten oder zum zweiten
Mal in diese Richtung ging. Zwar erscheint es plausibel, dass das Messer über-
geben wurde, bevor das auf dem Video ersichtliche Wortgefecht vor der roten
Treppe des Clubs stattfand, denn in dieser Sequenz ist klar zu sehen, wie der
körperlich deutlich überlegene B._ eine defensive Haltung einnimmt, rück-
wärtsgeht und die Treppe des Clubs hochgeht, während C._ angriffslustig
und aggressiv wirkt. B._ erklärte dies nachvollziehbar damit, dass er sich
nicht mit jemandem habe auf eine Auseinandersetzung einlassen wollen, der ein
Messer bei sich trage (Prot. I S. 30). Doch selbst wenn die Messerübergabe erst
erfolgt sein sollte, als sich die Beteiligten ein zweites Mal in Richtung des roten
Autos begaben, ist erstellt, dass C._ das Messer eine gewisse Zeit lang in
den Händen hielt, bevor er auf B._ einstach. Dies sagten sämtliche Beteilig-
te, mit Ausnahme des Beschuldigten. So sagte D._ glaubhaft, dass C._
ein paar Mal geschrien habe, sie sollen ihn in Ruhe lassen, er habe ein Messer in
der Hand, und mit dem Messer Schwungbewegungen gemacht habe. C._
habe versucht, B._ ein bis zwei Mal Angst einzujagen. Als er Faustschläge
kassiert habe, habe er gestochen und getroffen (Urk. 6/3 S. 3). E._ erklärte,
dass C._ mit dem Messer gedroht, herumgefuchtelt und dann zugestochen
habe (Urk. 6/4 S. 3). Auch B._ führte aus, dass C._ ihm zunächst hin-
terhergelaufen sei und mit dem Messer herumgefuchtelt habe (Urk. 5/1 S. 6;
Prot. I S. 30 f.). C._ gab zu Protokoll, dass er, als er das Messer gehabt hat-
te, die ganze Zeit rückwärts gelaufen sei. Als er es erhalten habe, habe er nicht
- 20 -
voll angegriffen, sondern sei vielmehr zurückgewichen. Er bestätigte sogar,
Schwungbewegungen gemacht zu haben (Urk. 5/1 S. 8, 10; Prot. I S. 13, 17).
4.3.3. Schliesslich ist noch auf die Umstände der Auseinandersetzung hin-
zuweisen. Es ergibt sich aus den Aussagen der Beteiligten, dass es schon im
Club zu einer verbalen Auseinandersetzung und kurzen Rempelei mit gegenseiti-
gen Provokationen gekommen ist, welche man draussen fortsetzen bzw. habe
"klären" wollen. Angesichts der Umstände, der fortgeschrittenen Stunde und des
Alkoholeinflusses musste den Beteiligten – auch dem Beschuldigten, der sich
immer in nächster Nähe zum Geschehen aufhielt – klar sein, dass dies zumindest
in eine Schlägerei ausarten konnte. Dazu sei exemplarisch auf die folgenden
Aussagen verwiesen: C._ führte aus, dass es im Club beim WC zu einer
Rempelei mit B._ gekommen sei, wonach B._ gesagt habe: "gömmer
use" (Urk. 2/1 S. 2; Urk. 2/3 S. 9; Prot. I S. 12). Er sei davon ausgegangen, dass
man den Club verlasse, um zu reden. Sie seien aber beide unter Alkoholeinfluss
gestanden, und es habe sich nicht so ergeben, dass sie hätten reden können
(Urk. 5/1 S. 4). B._ führt aus, gedacht zu haben, dass es zu einer Auseinan-
dersetzung komme und es gescheiter sei, rauszugehen. Er habe dann seinen
Pulli ausgezogen, denn er sei davon ausgegangen, dass es zu einem Faustkampf
kommen werde (Urk. 5/1 S. 3, 5). Weiter führte er aus, er sei sicher davon ausge-
gangen, dass die Auseinandersetzung draussen verbal weitergehen würde und
dass es in einem Faustkampf enden könnte. Das könne man nicht abstreiten
(Prot. I S. 29). Auch E._ erklärte, dass es im Club zu einer kurzen Rempelei
gekommen sei und C._ zu B._ gesagt habe, er solle rauskommen und
die Sache klären. Danach seien sie raus und die Treppe hinunter zu einer Holz-
hütte gegangen (Urk. 6/2 S. 2; Urk. 6/4 S. 3). Demgegenüber ergeben sich keine
Hinweise darauf, dass B._ der einseitige Aggressor bei dieser Auseinander-
setzung war.
4.3.4. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, ein Messer mit
einer Klingenlänge von 12 cm übergeben zu haben. Diese Angabe beruht auf der
Schätzung von D._ bei der polizeilichen Einvernahme (Urk. 6/1 S. 2 f.). An-
lässlich der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme sagte er, nicht genau zu wis-
- 21 -
sen, wie gross das Messer gewesen sei. Er zeigte, wie lange die Klinge gewesen
sei, wovon ein Foto gemacht wurde, wobei mangels Massangabe die gezeigte
Länge ebenfalls nur geschätzt werden kann (Urk. 6/3 S. 7 f.). Die weiteren Betei-
ligten machten keine konkreten Angaben zur Klingenlänge oder Grösse des Mes-
sers. Da das verwendete Messer nicht gefunden wurde und die Aussagen bezüg-
lich der Klingenlänge mit grossen Unsicherheiten behaftet sind, kann nicht zwei-
felsfrei erstellt werden, dass die Klingenlänge 12 cm betrug. Die Stichverletzung
von B._ wies jedoch nachweislich eine Tiefe von ca. 8.5 cm auf (Urk. 8/3 S. 4
f.; Urk. 10/7), weshalb erstellt ist, dass die Klinge mindestens diese Länge gehabt
haben muss.
4.4. Die Verteidigung wendete an der Hauptverhandlung wie auch an der
Berufungsverhandlung ein (Urk. 37 S. 2; Urk. 68 S. 3 f.), dass dem Beschuldigten
vorgeworfen werde, C._ ein Messer übergeben zu haben, damit sich dieser
gegen B._ verteidigen könne. Dies stehe so in der Anklage und davon sei
auszugehen. Gemäss Anklage habe B._zuvor C._ mehrere Male mit
den Fäusten gegen dessen linke Gesichtshälfte, Schädelbereich und Hinterkopf
geschlagen und dadurch lebensgefährliche Verletzungen bei C._ in Kauf ge-
nommen. Selbst wenn man die Anklagethese als erstellt erachten würde, sei der
Beschuldigte ohne Weiteres freizusprechen, und es wäre diesfalls eine rechtferti-
gende Notwehrhilfe anzunehmen. Sie moniert zudem, dass die Vorinstanz den
Anklagesachverhalt in unzulässiger Weise ergänzt habe.
4.4.1. Wie bereits die Vorinstanz zutreffend erwog (Urk. 49 S. 6), kann aus
der Abfolge der Ziffern, in die die Anklage unterteilt wurde, nicht auf eine zeitliche
Abfolge der Ereignisse geschlossen werden. Es ist denn auch nicht davon auszu-
gehen, dass B._ zuerst mit den Fäusten auf C._ einschlug und die Mes-
serübergabe danach stattfand, sondern es ist, wie erwogen, vielmehr erstellt,
dass C._ das Messer eine gewisse Zeit in den Händen hielt, ohne dass er
angegriffen wurde bzw. zur Abschreckung seines Konkurrenten.
4.4.2. Zwar verwendet die Anklage, wie die Verteidigung vorbringt, die Um-
schreibung, wonach der Beschuldigte C._ ein Messer übergeben habe, "da-
mit dieser sich gegen den Privatkläger verteidigen kann". Aus der weiteren Um-
- 22 -
schreibung in der Anklage, nämlich dass der Beschuldigte vorsätzlich dazu Hilfe
leistete, einen Menschen in anderer als in schwerer Weise an Körper und Ge-
sundheit zu schädigen bzw. dass der Beschuldigte das Messer in der Annahme
übergab, dass C._ B._ damit Stichverletzungen zufügt und dies zumin-
dest in Kauf nahm, geht klar hervor, dass dem Beschuldigten ein strafbares Ver-
halten vorgeworfen wird. Eine Notwehrsituation ist in der Anklage jedoch nicht
umschrieben. Im Übrigen ist auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz zu
verweisen (Urk. 49 S. 7).
4.4.3. Eine unzulässige Ergänzung des Anklagesachverhaltes liegt nicht vor.
Die Anklage hat den Anklagesachverhalt klar und genügend konkret umschrie-
ben. Die Vorinstanz hat diesen sodann sorgfältig erstellt. Ihre Feststellungen be-
züglich der Beweggründe des Beschuldigten sind dabei nicht als Ergänzung an-
zusehen, sondern erfolgten im Rahmen der richterlichen Beweiswürdigung.
4.5. Nach dem Erwogenen ist erstellt, dass der Beschuldigte
C._ ein Messer übergeben hat. Dabei ist aufgrund der glaubhaften Aussagen
von E._ zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen, dass er dies auf
das Ersuchen von C._ tat. Der objektive Sachverhalt ist damit mit den vorer-
wähnten Einschränkungen betreffend Zeitpunkt der Messerübergabe und Klingen-
länge erstellt. In Bezug auf den subjektiven Anklagesachverhalt ist darauf hinzu-
weisen, dass die Frage, was ein Täter wusste, wollte oder in Kauf nahm, sog. in-
nere Tatsachen betrifft und damit eine Tatfrage ist. Da sich aber diese inneren
Tatsachen bei ungeständigen Tätern regelmässig nur gestützt auf äusserlich fest-
stellbare Indizien und Erfahrungsregeln ermitteln lassen, die Rückschlüsse von
den äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben (Urteil
des Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 11. August 2008 E. 2.4), und die Beurtei-
lung, ob im Lichte dieser äusseren Umstände der Schluss auf Vorsatz begründet
ist, eine Rechtsfrage darstellt, ist das Bestehen eines Vorsatzes nachfolgend im
Rahmen der rechtlichen Würdigung (Erw. IV.2.3.) zu beurteilen (vgl. BGE 137 IV
1 E. 4.2.3; BGE 134 IV 26 E. 3.2.2; BGE 133 IV 1 E. 4.1, je m.H.). Ebenso ist im
Rahmen der rechtlichen Würdigung zu klären, ob eine Notwehrsituation vorlag,
- 23 -
welche den Beschuldigten dazu berechtigte, seinem Kollegen Notwehrhilfe zu
leisten.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Staatsanwaltschaft würdigt das Verhalten des Beschuldigten A._
als Gehilfenschaft zu qualifizierter einfacher Körperverletzung im Sinne von Art.
123 Ziff. 1 Abs. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 Abs. 1 und Art. 25 StGB (Urk. 25/13
S. 2 f.; Urk. 36 S. 5). Die Verteidigung beantragt im Berufungsverfahren, wie vor
Vorinstanz, einen Freispruch und beruft sich auf das Fehlen der subjektiven Tat-
bestandsvoraussetzungen sowie Vorliegen eines Rechtfertigungsgrundes
(Urk. 38 S. 7 f.; Urk. Urk. 68 S. 12 ff.).
2. Gehilfenschaft zu qualifizierter einfacher Körperverletzung
2.1. Der einfachen Körperverletzung macht sich strafbar, wer vorsätzlich ei-
nen Menschen in anderer Weise (das heisst nicht schwer oder durch Tätlichkei-
ten) an Körper oder Gesundheit schädigt (Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB). Eine quali-
fizierte einfache Körperverletzung liegt unter anderem vor, wenn der Täter Gift,
eine Waffe oder einen gefährlichen Gegenstand gebraucht. Bei der qualifizierten
Form wird der Täter von Amtes wegen verfolgt (Art. 123 Ziff. 2 Abs. 1 StGB). Als
Waffen gelten Gegenstände, die ihrer Bestimmung nach zu Angriff und Verteidi-
gung dienen und zur Verursachung des Todes oder einer schweren Körperverlet-
zung bestimmt sind (ROTH/BERKEMEIER, in: Niggli/Wiprächtiger, Basler Kommentar
Strafrecht, 4. Aufl. 2019, N 17 zu Art. 123 StGB). Andere Gegenstände sind ge-
fährlich, wenn sie so eingesetzt werden, dass ein hohes Risiko der Tötung oder
schweren Körperverletzung entsteht (TRECHSEL/GETH, in: Trechsel/Pieth, Schwei-
zerisches Strafgesetzbuch, Praxiskommentar, 4. Aufl. 2021, N 8 zu Art. 123
StGB).
Nach Art. 25 StGB macht sich als Gehilfe strafbar, wer zu einem Verbrechen oder
Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet. Gehilfenschaft ist jeder kausale Beitrag, der ei-
ne dem Gehilfen in groben Umrissen bekannte strafbare Tat fördert, sodass sich
diese ohne Mitwirkung des Gehilfen anders abgespielt hätte, nicht aber, dass sie
- 24 -
dann überhaupt unterblieben wäre. Im Gegensatz zum Mittäter will der Gehilfe an
der Haupttat nicht in massgebender Weise mitwirken und sieht die Straftat nicht
als eigene. Er weiss jedoch oder nimmt zumindest in Kauf, dass seine Hilfeleis-
tung die Straftat erleichtert bzw. die Erfolgschancen der tatbestandsmässigen
Handlung durch den untergeordneten Tatbeitrag erhöht. Subjektiv ist erforderlich,
dass der Gehilfe weiss oder damit rechnet, eine bestimmt geartete Straftat zu un-
terstützen, und dass er dies will oder zumindest in Kauf nimmt. Er muss zudem
Kenntnis vom Vorsatz des Haupttäters haben. Die von ihm geförderte Straftat
braucht ihm jedoch nicht in ihren Einzelheiten bekannt zu sein. Es reicht, wenn er
die wesentlichen Merkmale des vom Täter zu verwirklichenden strafbaren Verhal-
tens kennt (DONATSCH, in: Donatsch [Hrsg.], StGB Kommentar, 21. Aufl. 2022,
N 1 ff. zu Art. 25 StGB m.w.H.; FORSTER, in: Niggli/Wiprächtiger, a.a.O., N 3 f. zu
Art. 25 StGB).
2.2. C._ fügte B._ mit dem Messer an der linken Oberarmaussen-
seite eine max. 7 cm lange und bis auf 3 cm klaffende Stichverletzung zu (Urk.
8/3 S. 4, 6). Die Verletzung ist zwischenzeitlich verheilt und hat keine bleibenden
Schäden verursacht (Prot. I S. 35). Auch ist ein Stich in den Oberarm nicht als le-
bensgefährlich zu qualifizieren. Es liegt daher eine einfache Körperverletzung vor.
Durch die Verwendung eines Messers ist auch der Qualifikationsgrund des ge-
fährlichen Gegenstandes zu bejahen, zumal ein Messereinsatz in einer körperli-
chen Auseinandersetzung ein hohes Risiko für eine schwere Körperverletzung mit
sich bringt. Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte das verwendete
Messer an C._ übergeben. Er hat damit einen kausalen Beitrag zur Verwirk-
lichung der einfachen Körperverletzung geleistet, denn ohne die Messerübergabe
hätte C._ B._ keine Stichverletzung zufügen können. Der objektive Tat-
bestand der Gehilfenschaft zu qualifizierter einfacher Körperverletzung ist damit
erfüllt.
2.3. Es ist weiter erstellt, dass der Beschuldigte bereits im Club von der
Auseinandersetzung zwischen C._ und B._ Kenntnis erlangte und sich
hernach direkt beim Geschehen befand. Es war ihm zudem bewusst, dass
C._ alkoholisiert war. Es konnte dem Beschuldigten daher nicht entgangen
- 25 -
sein, dass zwischen den beiden anderen eine aufgeheizte Stimmung herrschte,
sie sich gegenseitig anpöbelten und es zu Rempeleien kam. Wie bereits die Vo-
rinstanz zutreffend festhielt (Urk. 49 S. 30 f.), sprachen sämtliche Umstände – die
emotional aufgeladene Situation, der Alkoholeinfluss, die fortgeschrittene Stunde
– dafür, dass die anfangs verbale Auseinandersetzung in eine körperliche Ausei-
nandersetzung ausarten könnte. Dennoch entschied er sich dazu, das Messer an
C._ zu übergeben, wobei er aufgrund der aufgeheizten Stimmung und der
körperlicher Unterlegenheit seines Kollegen damit rechnen musste, dass dieser
das Messer auch tatsächlich einsetzen würde und dass es im Zuge des dynami-
schen Geschehens zu Verletzungen kommen könnte. Er nahm damit die Stichver-
letzung von B._ in Kauf.
3. Notwehrsituation
3.1. Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff
bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer
den Umständen angemessenen Weise abzuwehren (Art. 15 StGB). Überschreitet
der Abwehrende die Grenzen der Notwehr, so mildert das Gericht die Strafe
(Art. 16 Abs. 1 StGB). Nach der Rechtsprechung muss die Abwehr in einer Not-
wehrsituation nach der Gesamtheit der Umstände als verhältnismässig erschei-
nen. Eine Rolle spielen vor allem die Schwere des Angriffs, die durch den Angriff
und die Abwehr bedrohten Rechtsgüter sowie die Art des Abwehrmittels und des-
sen tatsächliche Verwendung. Namentlich ist zu prüfen, ob das Verhältnis zwi-
schen dem Wert des angegriffenen und demjenigen des verletzten Rechtsgutes
angemessen ist. Die Angemessenheit der Abwehr ist aufgrund jener Situation zu
beurteilen, in der sich der rechtswidrig Angegriffene im Zeitpunkt seiner Tat be-
fand (Urteil des Bundesgerichtes 6B_195/2017 vom 9. November 2017 E. 2.4;
BGE 136 IV 49 E. 3.2 f., m.H.). Bei der Beurteilung der Angemessenheit der Ver-
teidigung ist zudem entscheidend, ob ein sorgfältig beobachtender Verteidiger
das vom Beschuldigten an den Tag gelegte Verteidigungsverhalten aufgrund des
konkreten Tatgeschehens für erforderlich gehalten hätte. Erforderlich ist diejenige
Verteidigung, die aufgrund des objektiven ex ante-Urteils geeignet erscheint, den
Angriff endgültig zu beenden und unter gleich geeigneten Mitteln dasjenige dar-
- 26 -
stellt, das den Angreifer am wenigsten schädigt (Urteil des Bundesgerichtes
6B_910/2016 vom 22. Juni 2017 E. 4.2.2., BGE 136 IV 49 E. 4.2., m.H.). Notwehr
ist nur so lange zulässig, wie der Angriff andauert. Nach der Rechtsprechung ist
nicht vorausgesetzt, dass der Angegriffene mit einer Reaktion zuwartet, bis es für
eine Abwehr zu spät ist. Doch verlangt die Unmittelbarkeit der Bedrohung, dass
jedenfalls Anzeichen einer Gefahr vorhanden sind, die eine Verteidigung nahele-
gen. Solche Anzeichen liegen beispielsweise vor, wenn der Angreifer eine dro-
hende Haltung einnimmt, sich zum Kampf vorbereitet oder Bewegungen macht,
die in diesem Sinne gedeutet werden können. Abwehr ist zulässig, sobald mit ei-
nem Angriff ernstlich zu rechnen ist und jedes weitere Zuwarten die Verteidi-
gungschance gefährdet. Der Angriff droht m.a.W. nicht erst unmittelbar, wenn es
für den Angreifer kein Zurück mehr gibt, sondern schon dann, wenn der Bedrohte
nach den gesamten Umständen mit dem sofortigen Angriff rechnen muss. Hand-
lungen, die lediglich darauf gerichtet sind, einem zwar möglichen aber noch unsi-
cheren Angriff vorzubeugen, einem Gegner also nach dem Grundsatz, dass der
Angriff die beste Verteidigung ist, zuvorzukommen und ihn vorsorglich kampfun-
fähig zu machen, fallen nicht unter den Begriff der Notwehr (Urteil des Bundesge-
richtes 6B_281/2014 vom 11. November 2014 E. 2.3.1 m.w.H.). Bei gefährlichen
Werkzeugen (Messer, Schusswaffe) sind auf Grund derer Gefährlichkeit erhöhte
Anforderungen an die Situation und das Verhalten des Angegriffenen zu stellen.
Jedenfalls notwendig ist eine Warnung (NIGGLI/GRÖHLICH, in: Niggli/Wiprächtiger,
a.a.O., N 36 zu Art. 15 StGB, BGE 136 IV 49 E. 4.2).
3.2. Gemäss dem erstellten Sachverhalt (vgl. Erw. IV. 4.3.2. ff.) hatte
C._ das Messer einige Zeit in der Hand, bevor er zustach. Ein Angriff seitens
von B._ war damit im Zeitpunkt der Messerübergabe nicht im Gange und
stand auch nicht unmittelbar bevor. Die Auseinandersetzung fand zunächst auf
verbaler Ebene statt, begleitet von Schubsern und Remplern, was auch auf dem
Überwachungsvideo gut zu sehen ist. C._ wirkt zudem in dieser Videose-
quenz aggressiv und angriffslustig während B._ passiv und zurückweichend
reagiert. Dies deutet darauf hin, dass C._ das Messer in diesem Moment be-
reits in der Hand hielt und deshalb trotzt seiner körperlichen Unterlegenheit so
selbstsicher auftrat. Doch selbst wenn er das Messer erst nach dieser Szene er-
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halten hätte, als sich die Gruppe wieder in Richtung rotes Auto bewegte, ist ein
unmittelbar drohender Angriff seitens von B._ auszuschliessen, denn er ver-
hielt sich in dieser Phase wie erwähnt defensiv. Darüber hinaus ist aufgrund der
glaubhaften Aussagen des unbeteiligten Taxifahrers D._ erstellt und durch
C._ zumindest teilweise bestätigt, dass er mit dem Messer herumfuchtelte
und Schwungbewegungen machte, woraus zu schliessen ist, dass sich B._
erst durch das Verhalten von C._, als dieser bereits ein Messer in der Hand
hielt, zu den Faustschlägen veranlasst sah. Die Messerübergabe fand damit zwei-
fellos nicht in einer Situation statt, in der ein Angriff von B._ unmittelbar be-
vorstand, sondern die Auseinandersetzung eskalierte vielmehr erst nach der
Messerübergabe. Diese erfolgte damit nicht, um einen unmittelbar bevorstehen-
den Angriff abzuwehren, sondern um in einer möglichen körperlichen Auseinan-
dersetzung die physische Unterlegenheit von C._ auszugleichen und
B._ abzuschrecken, was durch das Notwehrrecht nicht umfasst ist. Das Vor-
liegen einer Notwehrsituation ist daher zu verneinen.
4. Weitere Rechtfertigungs- oder Schuldausschlussgründe sind nicht gege-
ben. Der Beschuldigte hat sich damit der Gehilfenschaft zu qualifizierter einfacher
Körperverletzung schuldig gemacht.
V. Sanktion
1. Die Vorinstanz bestrafte den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
8 Monaten bedingt, unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. Die Staatsan-
waltschaft forderte vor Vorinstanz eine Bestrafung mit 12 Monaten Freiheitsstrafe,
ebenfalls bedingt und unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren. Bei diesem
Antrag beliess sie es auch in ihrer Anschlussberufung (Urk. 56). Die Verteidigung
verlangte infolge beantragten Freispruchs den Verzicht auf eine Sanktion
(Urk. 53).
2. Das Bundesgericht hat die Grundsätze der Strafzumessung wiederholt
dargelegt (BGE 144 IV 313 E. 1.1; BGE 141 IV 61 E. 6.1; BGE 136 IV 55 E. 5.4
ff.; je mit Hinweisen). Darauf, sowie auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz (Urk. 49 S. 31 f.), kann verwiesen werden. Mit der Vorinstanz ist zu-
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dem festzuhalten, dass der Strafrahmen für die qualifizierte einfache Körperver-
letzung gemäss Art. 123 Ziff. 2 Abs. 2 StGB Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren o-
der Geldstrafe beträgt und es ist nochmals darauf hinzuweisen, dass die Gehil-
fenschaft im Rahmen des ordentlichen Strafrahmens strafmindernd zu berück-
sichtigen ist (vgl. Urk. 49 S. 31 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3. Tatkomponente
3.1. Bei der objektiven Tatschwere ist zu berücksichtigen, dass B._ ei-
ne max. 7 cm lange und ca. 8.5 cm tiefe Stichverletzung am Oberarm erlitt, wobei
die Faszien der Deltoideusmuskulatur bis auf den Knochen durchtrennt wurde
(Urk. 8/3 S. 4 f.; Urk. 10/7). Aufgrund der Verletzung war eine mehrstündige Ope-
ration notwendig (Prot. I S. 35). Es ist zudem in Betracht zu ziehen, dass das
Messer im Rahmen einer Auseinandersetzung, d.h. in einem dynamischen Ge-
schehen, eingesetzt wurde und die Teilnehmer derselben alkoholisiert waren,
wodurch eine erhebliche Gefährlichkeit geschaffen wurde, da die Einstichstelle
unter diesen Umständen nicht kontrolliert werden konnte. Die objektive Tatschwe-
re ist daher als nicht mehr leicht zu qualifizieren.
3.2. Hinsichtlich der subjektiven Tatschwere ist zu erwähnen, dass der Be-
schuldigte nicht mit direktem Vorsatz handelte. Verschuldensmindernd ist zudem
zu berücksichtigen, dass er das Messer nicht von sich aus übergab, sondern erst
auf energisches Ersuchen von C._. Es erscheint plausibel, dass der Be-
schuldigte das Messer übergab, damit sich C._ besser wehren bzw. im Not-
fall verteidigen kann. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er nicht in Kauf nahm, dass
C._ das Messer im Rahmen der verbalen Auseinandersetzung einsetzt. Das
Risiko für Stichverletzungen war in dieser Situation relativ gross und er musste
mit solchen ernsthaft rechnen. Verschuldenserhöhend schlägt zu Buche, dass er
in der in Frage stehenden Situation im Ausgang überhaupt ein Messer bei sich
hatte, welches er unter seinem Hemd in die Hose gesteckt hatte. Ein Messer ist
kein Gegenstand, welchen man im Ausgang benötigt. Vielmehr führt das Vorhan-
densein von Messern gerade in Situationen wie den vorliegenden bedauerlicher-
weise öfter dazu, dass eine eskalierende Auseinandersetzung viel schlimmere
Folgen nach sich zieht als dies der Fall wäre, wenn die Kontrahenten unbewaffnet
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gewesen wären. Dennoch erfährt die objektive Tatschwere aufgrund des Eventu-
alvorsatzes durch die subjektive Komponente eine leichte Reduktion, es bleibt je-
doch insgesamt bei einem nicht mehr leichten Verschulden. Die hypothetische
Einsatzstrafe ist nach dem Gesagten auf 11 Monate Freiheitsstrafe festzusetzen.
3.3. Strafmindernd ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte lediglich als
Gehilfe handelte. Er hat nicht selbst zugestochen, sondern das Messer, mit dem
die Tat ausgeführt wurde, an den Haupttäter übergeben. Damit leistete er nur ei-
nen untergeordneten Tatbeitrag. Die Hilfestellung seitens des Beschuldigten ist
dennoch als wesentlich zu betrachten, da C._ die Verletzung ohne das Mes-
ser nicht hätte zufügen können und die Auseinandersetzung durch die Mes-
serübergabe erst eskaliert ist. Die Einsatzstrafe ist daher um rund einen Viertel
auf 8 Monate Freiheitsstrafe herabzusetzen.
4. Täterkomponente
4.1. Zu den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ist bekannt, dass
er am tt. Oktober 1989 in H._ geboren wurde. Er habe dort mit seinen Eltern
und seinem Bruder, bis er zwischen 14 und 15 Jahre alt war, gelebt. Danach habe
er die Schule im Schul- und Wohnzentrum I._ in J._ besucht, weil er un-
ter Konzentrationsschwierigkeiten gelitten habe. Dort habe er die obligatorische
Schulzeit in Ruhe abschliessen können, in der Folge eine Assistenzlehre als
Landschaftsgärtner absolviert und auf diesem Beruf ein Jahr gearbeitet. Danach
habe er eine Lehre als Automobilassistent gemacht, die er im Juni 2019 abge-
schlossen habe. Im Zeitpunkt der erstinstanzlichen Hauptverhandlung arbeitete
der Beschuldigte bei der K._ AG als Ersatzteilverkäufer, Lagermittarbeiter
und -bewirtschafter. Teilweise übernahm er auch Chauffeur-Arbeiten und wurde
von der K._ AG als Allrounder eingesetzt. Er war gemäss eigenen Angaben
im Stundenlohn angestellt und arbeitete zwischen sechseinhalb und acht Stunden
pro Tag. So verdiente er zwischen Fr. 2'700.– und Fr. 3'200.– pro Monat. Der Be-
schuldigte habe etwa Fr. 2'000.– Schulden bei seiner Mutter. Die Schulden habe
er aufgenommen, um Lebenshaltungskosten zu decken. Der Beschuldigte ist le-
dig, kinderlos und in keiner Form unterstützungspflichtig (Urk. 5/3 S. 13; Prot. I S.
53 ff.; Prot. II S. 10). Anlässlich der Berufungsverhandlung ergänzte der Beschul-
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digte, dass er sich vor etwa sechs Monaten aus der Stadt zurückgezogen habe,
da diese zu viele negative Einflüsse auf ihn habe und er zurück zur Natur wolle.
Er sei zu seiner Lebenspartnerin auf den Bauernhof ihrer Familie gezogen. Er
wolle die Ausbildung zum Landwirt machen, um den Bauernhof später überneh-
men zu können. Für seine Tätigkeiten auf dem Bauernhof erhalte er Fr. 3'800.–
pro Monat. Fr. 2'000.– pro Monat müsse er für das Wohnen zahlen. Die Verpfle-
gung stehe ihm kostenlos zur Verfügung, und er dürfe das Auto mitbenützen
(Prot. II S. 7 ff.).
4.2. Der Beschuldigte weist keine Vorstrafen auf (Urk. 65). Dies ist neutral
zu werten (BGE 136 IV 1). Er ist zudem nicht geständig und zeigt auch keine Ein-
sicht oder Reue in die Tat. Unter diesem Gesichtspunkt ergibt sich daher keine
Strafminderung.
4.3. Nach dem Erwogenen ist zu berücksichtigen, dass sich die persönlichen
Verhältnisse des Beschuldigten positiv entwickelt haben. Seit der Tat sind zudem
über vier Jahre vergangen, in denen er sich wohlverhalten hat. Aufgrund dessen
erscheint es angemessen, die festgesetzte Einsatzstrafe um einen Monat auf 7
Monate Freiheitsstrafe zu reduzieren. Daran sind 11 Tage, die der Beschuldigte
bereits vom 7. Januar 2018 bis zum 18. Januar 2018 durch Untersuchungshaft
erstanden hat (Urk. 18/2; Urk. 18/13), anzurechnen (Art. 51 StGB).
VI. Vollzug
Die Vorinstanz ordnete den bedingten Vollzug der Strafe an und setzte die
Probezeit auf 2 Jahre fest (Urk. 49 S. 37). Da dagegen kein Rechtsmittel ergriffen
wurde, greift das Verbot der reformatio in peius (Art. 391 Abs. 2 StPO) und es hat
dabei sein Bewenden.
VII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die vorinstanzliche Kostenauflage
(Dispositivziffer 9) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO, Art. 428 Abs. 3 StPO).
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2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'500.– festzu-
setzen (Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 der Ge-
bührenverordnung des Obergerichts). Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens
tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428
Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt mit seinen Anträgen fast vollständig,
einzig die Strafe wurde leicht (um einen Monat) reduziert. Diese Reduktion erfolg-
te jedoch im Rahmen des wohlwollenden Ermessens und rechtfertigt keine Kos-
tenübernahme durch den Staat. Die Kosten des Berufungsverfahrens sind daher
dem Beschuldigten aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind un-
ter Vorbehalt des Rückforderungsrechts des Staates gegenüber dem Beschuldig-
ten auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO).
3. Die amtliche Verteidigung macht insgesamt einen Aufwand von
Fr. 9'444.30 geltend (Urk. 66), was angemessen erscheint. Sie ist daher mit ge-
rundet Fr. 9'500.– zu entschädigen.