# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b42986fe-6a53-42b6-ab31-b103d4c9db68
**Court:** SG_VB
**Chamber:** SG_VB_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

Sachverhalt
A.
a) Die B._, Z._, ist seit dem 16. April 2021 u.a. Eigentümerin
von Grundstück Nr. 001, Grundbuch Z._, an der M._strasse in
Z._. Das Grundstück liegt gemäss geltendem Zonenplan der Ge-
meinde Z._ vom 25. November 1992 in der Gewerbe-Industriezone
(GI). Es ist mit einem dreigeschossigen Gebäude mit Satteldach
(Vers.-Nr. 002) überbaut, das als Schulhaus von der C._, Z._, ge-
nutzt wird.
B.
a) Mit Baugesuch vom 9. Juni 2020 beantragten die Rechtsvorgän-
ger der B._, die D._, Z._, bei der Baukommission Z._ die
Baubewilligung für den Abbruch des bestehenden Satteldachs und die
Erstellung eines neuen, Dach- und Galeriegeschosses mit Büroräum-
lichkeiten auf dem Schulhaus Vers.-Nr. 002.
b) Innert der Auflagefrist vom 17. bis 30. Juli 2020 erhob u.a. die
Eigentümerin des südlich angrenzenden Grundstücks Nr. 003, die
E._, Y._ (seit 13. Januar 2021 umfirmiert in A._, X._), vertre-
ten durch Martin Aurich, Rechtsagent, Wil, Einsprache gegen das Bau-
vorhaben. Die Einsprecherin beantragte die Verweigerung der
Baubewilligung, eventualiter eine Sistierung des
Baubewilligungsverfahrens, subeventualiter den Erlass einer
Planungszone. Materiell rügte sie u.a. eine Verletzung der
Gebäudehöhe und der Grenzabstände durch das Bauvorhaben.
c) Mit Beschluss vom 10. November 2020 erteilte die Baukommis-
sion Z._ die Baubewilligung unter Bedingungen und Auflagen und
wies die Einsprache der A._ ab; über die beiden Eventualbegehren
entschied die Baukommission nicht. Zur Begründung wurde geltend
gemacht, das Projekt sehe eine Gebäudehöhe von 14,38 m und eine
Firsthöhe von 17,97 m vor. Gemäss Art. 16 Abs. 2 des Baureglements
rot: geplanter Dachaufbau
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 51/2021), Seite 3/11
der Gemeinde Z._ vom 25. November 1992 (BauR) sei in der GI
eine Gebäudehöhe von 16 m und eine Firsthöhe von 20 m zulässig;
das Vorhaben halte folglich die höchstzulässigen Höhenmasse ein.
Hinsichtlich des Grenzabstands stellte die Baukommission fest, dass
bereits das bestehende Gebäude Vers.-Nr. 002 allseitig den Grenzab-
stand von 4 m (Art. 16 Abs. 1 BauR) nicht einhalte, weil es direkt auf
den Grenzen stehe. Die geplante Aufstockung sei trotzdem bewilli-
gungsfähig, weil das Vorhaben nicht zu einer wesentlichen Verstär-
kung der Rechtswidrigkeit im Sinn von Art. 109 Abs. 2 des Planungs-
und Baugesetzes (sGS 731.1; abgekürzt PBG) führe.
C.
Gegen diesen Beschluss erhob die A._ durch ihren Rechtsvertreter
mit Schreiben vom 28. November 2020 Rekurs beim Baudepartement.
Mit Rekursergänzung vom 29. Dezember 2020 werden folgende An-
träge gestellt:
1. Der Entscheid der Baukommission vom
13.11.2020/2020-258 sei aufzuheben.
2. Die Baubewilligung für den Ersatz und die  des Dachgeschosses auf dem Grundstück M._strasse, Parz. Nr. 001, sei zu verweigern.
3. Über das Areal "M._strasse" sei eine Planungszone zu erlassen.
4. Eventualiter sei die zuständige Behörde der Vorinstanz anzuweisen, eine Planungszone zu .
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Gesuchsteller bzw. der Rekursgegner.
Zur Begründung wird geltend gemacht, auf dem Baugrundstück stün-
den nicht genügend Parkplätze zur Verfügung. Es sei nicht zulässig
gewesen, eine Ersatzabgabe zu verfügen; stattdessen hätte die Bau-
bewilligung verweigert werden müssen. Im Übrigen führe die geplante
Dachaufstockung zu einer massiven Verstärkung der Rechtswidrigkeit
der bestehenden Baute. Weil das Gebäude Vers.-Nr. 002 bereits all-
seitig überhaupt keinen Grenzabstand einhalte, sei für eine Aufsto-
ckung der Baute – und damit eine weitere Verstärkung der Rechtswid-
rigkeit – von vornherein kein Platz mehr.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 15. Januar 2021 beantragt die Vor-
instanz unter Verweis auf den angefochtenen Entscheid, den Rekurs
unter Kostenfolge abzuweisen.
b) Mit Vernehmlassung vom 2. Februar 2021 beantragen D._ im
Namen der Rekursgegnerin, den Rekurs unter Kostenfolge abzuwei-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 51/2021), Seite 4/11
sen, soweit darauf einzutreten sei. Zur Begründung wird geltend ge-
macht, es sei zweifelhaft, ob die Rekurrentin überhaupt rekursberech-
tigt sei. In materieller Hinsicht wird vorgebracht, das Bauvorhaben sei
zu Recht bewilligt worden, weil es die Kriterien der gesetzlich gewähr-
leisteten Erweiterungsgarantie erfülle.
E.
a) In der Folge wurde das Rekursverfahren auf Antrag der Rekurs-
gegnerin sistiert, weil ein Verkauf des Grundstücks Nr. 003 der Rekur-
rentin an die Politische Gemeinde Z._ geprüft wurde.
b) Am 11. Juni 2021 teilt die Vorinstanz mit, dass der Erwerb der
rekurrentischen Liegenschaft nicht zustande gekommen sei.
c) Mit Schreiben vom 16. Juni 2021 wurde die Verfahrenssistie-
rung aufgehoben und die Rekursgegnerin eingeladen, das Baugesuch
zurückzuziehen, andernfalls in der Sache entschieden werde.
d) Mit Schreiben vom 9. Juli 2021 teilt die Rekursgegnerin, neu ver-
treten durch MLaw & BA Phil. Raphael Fisch, Rechtsanwalt, Wil, mit,
dass das Baugesuch nicht zurückgezogen werde.
e) Mit E-Mail vom 13. Juli 2021 teilt der Vertreter der Rekurrentin
mit, dass diese am 13. Januar 2021 eine Firmennamenänderung von
E._ auf A._ mit Sitzverlegung von Y._ nach X._ vorgenom-
men habe und das Rekursverfahren unter neuem Namen weiterführe.

## Considerations

Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt.
1.3 Die Rekursgegnerin stellt die Rekursberechtigung der Rekurren-
tin in Frage.
1.3.1 Nach Art. 45 VRP ist zur Erhebung des Rekurses berechtigt, wer
an der Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des Entscheids
ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartut. Nach der bundesgericht-
lichen Rechtsprechung sind Nachbarn zur Beschwerdeführung gegen
ein Bauvorhaben legitimiert, wenn sie mit Sicherheit oder zumindest
grosser Wahrscheinlichkeit durch Immissionen (Lärm, Staub, Erschüt-
terungen, Licht oder andere Einwirkungen) betroffen werden, die der
Bau oder Betrieb der fraglichen Anlage hervorruft. Als wichtiges Krite-
rium zur Beurteilung der Betroffenheit dient in der Praxis die räumliche
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 51/2021), Seite 5/11
Distanz zum Bauvorhaben bzw. zur Anlage. Die Rechtsprechung be-
jaht in der Regel die Legitimation von Nachbarn, deren Liegenschaften
sich in einem Umkreis von bis zu rund 100 m befinden. Bei grösseren
Entfernungen muss eine Beeinträchtigung glaubhaft gemacht und ge-
stützt auf eine Gesamtwürdigung der konkreten Verhältnisse beurteilt
werden (BGE 140 II 214 Erw. 2.3 mit Hinweisen).
1.3.2 Die erforderliche räumliche Nähe der Rekurrentin, deren Grund-
stück Nr. 003 direkt südlich an das Baugrundstück angrenzt und deren
Gebäude (Vers.-Nr. 004) sogar mit demjenigen der Rekursgegnerin
(Vers.-Nr. 002) zusammengebaut ist, wird zu Recht nicht bestritten.
Folglich muss die besondere Betroffenheit der Rekurrentin aber auch
nicht näher begründet werden, weil diese aufgrund der Distanz von
unter 100 m grundsätzlich zu vermuten ist (Urteils des Bundesgerich-
tes 1C_286/2020 vom 15. Dezember 2020 Erw. 2.4). Gründe für ein
Abweichen von diesem Grundsatz nennt die Rekursgegnerin nicht. In
Bausachen wird nach der Rechtsprechung ein praktischer Nutzen be-
reits dann bejaht, wenn das Durchdringen von Rügen dazu führen
würde, dass das Bauvorhaben im die Beschwerdeführer belastenden
Bereich nicht oder anders realisiert würde als geplant. Das schutzwür-
dige Interesse besteht im Umstand, einen materiellen oder ideellen
Nachteil zu vermeiden, den der angefochtene Entscheid mit sich brin-
gen würde. Sind die Voraussetzungen für die Beschwerdelegitimation
gegeben, ist der Beschwerdeführer mit sämtlichen Rügen zum Verfah-
ren zugelassen, wenn ihm durch die Gutheissung der Beschwerde ein
praktischer Nutzen entstehen würde. Ein bloss mittelbares oder aus-
schliesslich allgemeines öffentliches Interesse begründet hingegen –
ohne die erforderliche Beziehungsnähe zur Streitsache selber – keine
Parteistellung (Urteil des Bundesgerichtes 1C_313/2019 vom 28. April
2020 Erw. 2.3; 1C_25/2019 vom 5. März 2020 Erw. 3.1; BDE
Nr. 60/2020 vom 10. Juli 2020 Erw. 1.2.1). Damit ist die Rekursbe-
rechtigung der Rekurrentin aufgrund der vorhandenen räumlichen
Nähe grundsätzlich und unabhängig von den einzelnen Rügen gege-
ben.
1.4 Auf den Rekurs ist somit – unter Vorbehalt folgender Erwä-
gung – einzutreten.
2.
Die Rekurrentin beantragt, über das Areal "M._strasse" sei von der
Rekursinstanz eine Planungszone zu erlassen; eventualiter solle die
zuständige Behörde von der Rekursinstanz angewiesen werden, eine
Planungszone zu erlassen.
2.1 Die Rekurrentin verlangte bereits in ihrer Einspracheergänzung
vom 23. Oktober 2020 im Eventualantrag, es sei über das Areal
"M._strasse" eine Planungszone zu erlassen. Über diesen Antrag
hat die Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung (mangels
Zuständigkeit richtigerweise) nicht entschieden; sie hat das Begehren
der Einsprecherin aber auch nicht an den dafür zuständigen Stadtrat
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 51/2021), Seite 6/11
überwiesen (vgl. Art. 2 Bst. e BauR). Das Begehren um Erlass der Pla-
nungszone ist somit nach wie vor erstinstanzlich hängig und deshalb
nicht Gegenstand dieses Rekursverfahrens. Auf den Rekurs ist daher
in diesem Punkt nicht einzutreten.
2.2 Der Vollständigkeit halber sei allerdings erwähnt, dass zustän-
dig für den Erlass einer Planungszone stets die dafür zuständige Ge-
meindebehörde ist. Es steht in ihrem Ermessen, ob sie eine Planungs-
zone erlassen will. Nach konstanter bundesgerichtlicher Rechtspre-
chung besteht kein klagbarer Anspruch der Rechtsunterworfenen auf
Erlass einer Planungszone (VerwGE B 2019/6 vom 1. Juli 2019 Erw. 4
mit Hinweisen). Die von der Rekurrentin (eventualiter) beantragte auf-
sichtsrechtliche Anweisung der Vorinstanz zum Erlass einer Planungs-
zone wäre unter diesen Umständen ohnehin ausgeschlossen.
3.
Am 1. Oktober 2017 ist das PBG in Kraft getreten und das Baugesetz
vom 6. Juni 1972 (nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden
(Art. 172 Bst. a PBG). Der erstinstanzliche Einsprache- und Baubewil-
ligungsentscheid erging am 10. November 2020. Mithin sind vorlie-
gend grundsätzlich die Bestimmungen des PBG anwendbar, sofern
sie gemäss Anhang zum Kreisschreiben „Übergangsrechtliche Best-
immungen im PBG“ vom 8. März 2017 (Baudepartement SG, Juristi-
sche Mitteilungen 2017/I/1) als unmittelbar anwendbar erklärt werden.
Im Übrigen gelangen weiterhin das Baugesetz und das entsprechende
Baureglement zur Anwendung.
4.
Die Rekurrentin beanstandet u.a., dass das Bauvorhaben zu einer we-
sentlichen Verstärkung der ohnehin schon bestehenden Rechtswidrig-
keit des Gebäudes Vers.-Nr. 002 führe. Die Vorinstanz hält dem im
angefochtenen Entscheid entgegen, dass das Bauvorhaben zwar zu
einer Aufstockung des Bauvolumens innerhalb der unterschrittenen
Grenzabstände führe. Diese Erweiterung sei jedoch zulässig, weil das
Bauvolumen nur um rund 355 m3 oder etwa 10,9 Prozent vergrössert
werde und es damit deutlich unter dem (nach eigener Praxis) zulässi-
gen Maximalmass von 30 Prozent liege.
4.1 Die Bestandesgarantie ergibt sich aus der verfassungsmässi-
gen Eigentumsgarantie (Art. 26 Abs. 1 der Bundesverfassung
[SR 101]), wobei die Kantone berechtigt sind, den Bestandesschutz
auch in einem weiteren Umfang zuzusichern (BGE 113 Ia 122). So
sind nach kantonalem Recht innerhalb der Bauzone Bestand und Er-
neuerung von formell rechtmässig erstellten Bauten und Anlagen, die
den geltenden Vorschriften und Plänen widersprechen, gewährleistet
(Art. 109 Abs. 1 PBG, der vorliegend unmittelbar anwendbar ist [vgl.
dazu oben Erw. 2].). Als Erneuerungen gelten dabei bauliche Vorkeh-
ren, welche Bauten und Anlagen instandhalten, instandstellen oder an
die Erfordernisse der Zeit angleichen, ohne dass Umfang, Erschei-
nung oder Bestimmung des Werks verändert werden (VerwGE B
2013/257 vom 28. April 2015 Erw. 3 mit Hinweisen). Eine Baute ist
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 51/2021), Seite 7/11
formell rechtmässig, wenn sie nach Plänen ausgeführt wurde, die in
einem Baubewilligungsverfahren bewilligt wurden. Die formelle Recht-
mässigkeit besteht in diesem Fall sogar dann, wenn die Baubewilli-
gung inhaltlich fehlerhaft ist (Baudepartement SG, Juristische Mittei-
lungen 2011/I/4 betreffend VerwGE B 2010/106 vom 26. Januar 2011
[GVP 2011 Nr. 18]; BDE Nr. 58/2020 vom 9. Juli 2020 Erw. 8.1).
4.2 Über die reine Bestandesgarantie hinaus kennt das kantonale
Recht nach Art. 109 Abs. 2 erster Satz PBG auch eine Erweiterungs-
und Zweckänderungsgarantie für formell rechtmässig erstellte Bauten
und Anlagen, die den geltenden Vorschriften und Plänen widerspre-
chen. Nach dieser Bestimmung sind sogar Umbauten, Zweckänderun-
gen und Erweiterungen zulässig, soweit dadurch die Rechtswidrigkeit
weder vermehrt noch wesentlich verstärkt wird. Eine Vermehrung der
Rechtswidrigkeit im Sinn von Art. 109 Abs. 2 PBG liegt vor, wenn die
Änderung zu einer Verletzung zusätzlicher Vorschriften führt, z.B. ne-
ben der bestehenden Verletzung des Grenzabstands auch noch zu
einer Verletzung der Ausnützungsziffer. Eine Verstärkung der Rechts-
widrigkeit liegt vor, wenn eine bereits verletzte Vorschrift in noch stär-
kerem Ausmass verletzt wird, indem z.B. ein bereits unterschrittener
Grenzabstand noch weiter unterschritten oder – selbst wenn er gleich-
bleibt – durch zusätzliche Bauteile unterschritten wird. Gemäss
Art. 109 Abs. 2 PBG ist es somit beispielsweise möglich, ein Gebäude,
das den geltenden Abstandsvorschriften widerspricht, aufzustocken,
falls die Aufstockung hinsichtlich der Abstandsverletzung zu keiner
wesentlichen Verstärkung der Rechtswidrigkeit führt und mit den übri-
gen Vorschriften (Gebäudehöhe, Geschosszahl usw.) vereinbar ist.
Möglich ist es beispielsweise auch, ein im Waldabstand liegendes Ge-
bäude durch einen Anbau auf der waldabgewandten Seite zu ergän-
zen, weil dieser Anbau zu keiner wesentlichen Verstärkung der
Rechtswidrigkeit in Bezug auf den verletzten Waldabstand führt. Nicht
durch Art. 109 Abs. 2 PBG gedeckt ist dagegen zum Beispiel der Aus-
bau eines bestehenden Gebäudes, wenn dadurch die schon über-
schrittene Ausnützungsziffer noch zusätzlich wesentlich überschritten
oder der Ausbau zu einer Verletzung zusätzlicher Vorschriften führen
würde. Wann die Verstärkung der Rechtswidrigkeit wesentlich ist, be-
urteilt sich grundsätzlich anhand zweier Kriterien, zum einen nach der
Schwere der Verletzung des Schutzzwecks der Norm und zum ande-
ren nach dem Ausmass, in dem ein bestehender rechtswidriger Ge-
bäude- oder Anlageteil erweitert werden soll. Unwesentlich ist eine
Verstärkung der Rechtswidrigkeit nur, wenn weder der Schutzzweck
der Norm erheblich beeinträchtigt noch die Erweiterung des bestehen-
den rechtswidrigen Teils für sich allein oder zusammen mit dem wei-
teren Gebäude als bedeutsam bezeichnet werden muss. Ist die beste-
hende Rechtswidrigkeit bereits erheblich, kann eine an sich wenig be-
deutende Erweiterung bereits dazu führen, dass die Verstärkung der
Rechtswidrigkeit insgesamt als wesentlich bezeichnet werden muss
(VerwGE B 2010/106 vom 26. Januar 2011 Erw. 5.1 ff. mit Hinwei-
sen).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 51/2021), Seite 8/11
4.3 Das Gebäude Vers.-Nr. 002 steht unbestrittenermassen allseitig
direkt auf den Grenzen des Grundstücks Nr. 001; es hält somit auf kei-
ner Gebäudeseite einen Grenzabstand ein. Der Einwand der Rekurs-
gegnerin, diese Tatsache sei Folge der im Jahr 1994 erfolgten Grund-
stücksteilung und gewollt so herbeigeführt worden, ändert nichts da-
ran, dass vorliegend geprüft werden muss, inwieweit wegen dieser Ab-
parzellierung heute von einer materiell rechtswidrigen Baute auszuge-
hen ist. Vorinstanz und Rekurrentin vertreten die Ansicht, das Ge-
bäude Vers.-Nr. 002 sei auf allen Gebäudeseiten materiell baurechts-
widrig, weil es allseitig den geltenden Grenzabstand von 4 m (Art. 16
Abs. 1 BauR) verletze. Dies trifft indessen nicht zu, weil das Gebäude
Vers.-Nr. 002 entlang seiner Nord-, West- und Südseite weitestge-
hend nicht freistehend erstellt, sondern mit den anderen Bauten auf
den Nachbargrundstücken zusammengebaut ist. Dieser Umstand hat
zur Folge, dass in jenen Bereichen, in denen die Fassaden verschie-
dener Bauten zusammengebaut sind, keine Grenz- und Gebäudeab-
standsabstandsvorschriften gelten. In diesen Bereichen liegt damit
auch keine materielle Rechtswidrigkeit des bestehenden Schulgebäu-
des vor.
4.4 Anders verhält es sich dagegen entlang der Ostgrenze des Bau-
grundstücks Nr. 001 zu Grundstück Nr. 005 sowie entlang des östli-
chen Teils seiner Nordgrenze zu Grundstück Nr. 006:
In diesen beiden Bereichen wurde das Gebäude Vers.-Nr. 002 ohne
jeden Zusammenbau mit anderen Bauten freistehend und unmittelbar
auf die Grenze gestellt. Es unterschreitet damit zumindest in diesen
rote Linie = Bereich, in dem
kein Zusammenbau vorliegt
östlicher Teil Nordfassade
(zu Grundstück Nr. 006)
Ostfassade (zu Grund-
stück Nr. 005)
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 51/2021), Seite 9/11
Teilen den baureglementarisch geltenden Grenzabstand von 4 m voll-
ständig. Nach Art. 16 Abs. 3 BauR erhöht sich der allseitig einzuhal-
tende Grenzabstand von 4 m zusätzlich um das Ausmass der Hälfte
der Mehrhöhe über 10 m Gebäudehöhe. Nachdem das bestehende
Gebäude gemäss den Baugesuchsunterlagen eine Gebäudehöhe von
rund 11,5 m aufweist, müsste das heute bestehende Gebäude Vers.-
Nr. 002 gegenüber Grundstück Nr. 005 und Grundstück Nr. 006 einen
zusätzlichen Abstand von 0,75 m, also insgesamt einen Grenzabstand
von jeweils 4,75 m aufweisen. Würde nun die Gebäudehöhe des
Schulgebäudes durch die umstrittene Aufstockung in diesen Berei-
chen um 2,88 m auf 14,38 m erhöht (wovon Vorinstanz und Rekurs-
gegnerin ausgehen), vergrösserte sich dieser zusätzlich einzuhal-
tende Grenzabstand von bisher 0,75 m auf neu 2,19 m, insgesamt
also auf 6,19 m. Die Aufstockung des Schulgebäudes führte somit
nicht nur dazu, dass im Dach- und Galeriegeschoss auf einer geplan-
ten Länge von 14,47 m zusätzliche Nutzflächen und Gebäudevolumen
innerhalb des Grenzabstands von 6,19 m realisiert würden. Die Auf-
stockung verstärkte zudem auch die Rechtswidrigkeit des bereits be-
stehenden Gebäudes entlang der Ostgrenze zu Grundstück Nr. 005
und entlang des östlichen Teils der Nordgrenze zu Grundstück Nr. 006
um weitere 1,44 m oder rund 30 Prozent. Nachdem bereits das beste-
hende Gebäude Vers.-Nr. 002 in diesen Bereichen keinen Grenzab-
stand einhält, führt die geplante Aufstockung des bestehenden rechts-
widrigen Gebäudeteils zu einer erheblichen Beeinträchtigung des
Schutzzwecks der Norm. Hinzu kommt, dass die umstrittene zweige-
schossige Aufstockung auf einer innerhalb des Grenzabstands liegen-
den Fläche von rund 90 m2 (14,47 m x 6,19 m) für sich allein und auch
zusammen mit dem übrigen (rechtswidrigen) Gebäudeteilen als be-
deutsam bezeichnet werden muss. Somit kann offenkundig nicht mehr
von einer unwesentlichen Verstärkung der Rechtswidrigkeit durch das
umstrittene Bauvorhaben gesprochen werden.
4.5 Daran vermögen die Ausführungen der Vorinstanz in der ange-
fochtenen Verfügung, es entspreche ihrer Praxis, Erweiterungen (der
bestehenden Rechtswidrigkeit) bis zu höchstens 30 Prozent und
100 m2 anrechenbarer Geschossfläche zuzulassen, nichts zu ändern.
Bei dieser Praxis scheint sich die Vorinstanz an den Erweiterungsmög-
lichkeiten für zonenfremde Bauten ausserhalb der Bauzone (Art. 24c
des Bundesgesetzes über die Raumplanung [SR 700] in Verbindung
mit Art. 42 der eidgenössischen Raumplanungsverordnung
[SR 700.1]) orientiert zu haben. Diese bundesrechtlichen Regelungen
haben für die Auslegung von Art. 109 Abs. 2 PBG allerdings einerseits
keinerlei Bedeutung und anderseits bietet Art. 109 Abs. 2 PBG für eine
solch weitgehende Praxis – wie sie die Vorinstanz übt – nach dem
oben unter Erw. 4.2 Ausgeführten auch keine genügende gesetzliche
Grundlage. Im Übrigen ist die Beurteilung der Vorinstanz, das beste-
hende Gebäude weise eine Kubatur von 4'038 m3 und die geplante
Aufstockung nur eine solche von etwa 355 m3 auf, womit das Mass der
Erweiterung gerade einmal 10,9 Prozent betrage und deutlich unter
dem zulässigen Maximum liege, ohnehin unzutreffend. Die Vorinstanz
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 51/2021), Seite 10/11
übersieht dabei, dass bei der Beurteilung der Erweiterungsmöglichkei-
ten einer baurechtswidrigen Baute nicht auf den gesamten bestehen-
den (und wohl grossteils braurechtskonformen) Baukörper abgestellt
werden darf, sondern allein auf jene Flächen bzw. Volumina des Bau-
körpers, die bereits rechtswidrig sind und erweitert werden sollen
(GVP 2001 Nr. 95; BDE Nr. 43/2021 vom 11. Juni 2021 Erw. 4.4).
5.
Zusammenfassend ergibt sich, dass das Bauvorhaben nicht mit
Art. 109 Abs. 2 PBG vereinbar ist. Bei diesem Ergebnis braucht auf die
weiteren Einwände der Rekurrentin nicht eingegangen zu werden. Die
angefochtene Baubewilligung und der Einspracheentscheid der
Vorinstanz vom 10. November 2020 sind deshalb aufzuheben. Der
Rekurs erweist sich somit als begründet und ist im Sinn der Erwägun-
gen gutzuheissen, soweit darauf einzutreten ist.
6.
6.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend hat die
Rekursgegnerin die amtlichen Kosten zu bezahlen.
6.2 Der von der E._ am 4. Dezember 2020 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– ist zurückzuerstatten.
7.
Rekurrentin, Rekursgegnerin und Vorinstanz stellen jeweils ein Be-
gehren um Ersatz der ausseramtlichen Kosten.
7.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
7.2 Die Rekurrentin obsiegt mit ihren Anträgen. Da das Verfahren
zudem in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bot,
die den Beizug eines Rechtsvertreters rechtfertigen, besteht grund-
sätzlich Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung (Art. 98bis
VRP). Weil keine Kostennote vorliegt, ist die ausseramtliche Entschä-
digung in Anwendung von Art. 6 in Verbindung mit Art. 22 der Hono-
rarordnung (sGS 963.75; abgekürzt HonO) ermessensweise auf
Fr. 2'750.– festzulegen; sie ist von der Rekursgegnerin zu bezahlen.
7.3 Da die Rekursgegnerin mit ihren Anträgen unterliegt, hat sie von
vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung.
Ihr Begehren ist deshalb abzuweisen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 51/2021), Seite 11/11
7.4 Die Vorinstanz hat grundsätzlich keinen Anspruch auf Ersatz der
ausseramtlichen Kosten (R. HIRT, Die Regelung der Kosten nach
st.gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Lachen/St.Gallen 2004,
S. 176). Sie bringt keine Gründe vor, die ein Abweichen von dieser
Regel rechtfertigen. Ihr Begehren ist daher abzuweisen.