# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d57f560c-45cf-4013-bcaf-2f763cedf09e
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X.Y. (geb. 1947) war bis im Dezember 2010 als Geschäftsführer der Q. AG, an
welcher er noch mit 12 Prozent des Aktienkapitals – 64 Prozent hatte er per 1. Januar
2008 an die B. AG veräussert unter Vorbehalt des Rechts, ohne Beeinträchtigung
seiner Arbeitsleistung für die Q. AG Geschäftsaktivitäten im Laborbereich "auf privater
Basis" weiterzuführen (Alpha/Beta) – beteiligt war, unselbständig erwerbstätig. Er war
zudem einziger Gesellschafter und einzelzeichnungsberechtigter Geschäftsführer der c.
GmbH.
B. Am 5. August 2011 deklarierte X.Y. für das Steuerjahr 2010 ein steuerbares
Einkommen von CHF 65'147 und ein steuerbares Vermögen von CHF 371'632. Die
Vermehrung des Wertschriftenbestandes im Jahr 2010 um CHF 473'632 erklärte er mit
dem Verkauf einer Liegenschaft und geistigen Eigentums durch die c. gmbh. Auf
Aufforderung vom 25. Juni 2012 hin liess er am 4. Juli 2012 einen zwischen der c.
gmbh und der U. AG am 3. August 2010 abgeschlossenen Kaufvertrag einreichen (act.
9-11/2.5). Darin übertrug die c. gmbh als "Eigentümerin an den Marken-, Vertriebs- und
Produktionsrechten sowohl am Nährmedien-Sterilisator Alpha als auch am
Abfüllautomaten Beta" sämtliches Lagermaterial (Materiallager gemäss Stückliste
Alpha CHF 50'000), die geschützten Markenrechte (Beta CHF 7'000, Alpha CHF
20'000) und alle technischen Unterlagen für Alpha (Entwicklungskosten und Know-how
CHF 70'000) zum Preis von CHF 147'000 auf die U. AG. Zudem wurde vereinbart, die
c. gmbh werde der U. AG bei Reparaturen und beim Bau von neuen Geräten vom Typ
Alpha und Alpha BCII Support leisten und dafür pro Stunde CHF 110 verrechnen. Für
die Montage, Testläufe, Instruktionen und Schulungen des neuen Alpha BCII der ersten
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Fünfer-Serie werde X.Y. oder eine andere Fachperson fünf Tage ohne Kostenfolge zur
Verfügung stehen.
C. Die Veranlagungsbehörde ging davon aus, X.Y. habe "Patente und Marken"
2010 für CHF 147'000 an die c. gmbh verkauft und rechnete nach Abzug von
Rückstellungen für AHV-Beiträge von CHF 14'000 und pauschalen Entwicklungskosten
von CHF 3'000 steuerbare Einkünfte aus selbständigem Nebenerwerb von CHF
130'000 auf. Sie setzte das steuerbare Einkommen für die Staats- und
Gemeindesteuern 2010 auf CHF 201'000 fest. Mit Einspracheentscheid vom 18.
Februar 2013 wurde das steuerbare Einkommen auf CHF 199'800 festgesetzt. Das
steuerbare Vermögen blieb unverändert
Die Verwaltungsrekurskommission wies den gegen die Einspracheveranlagung mit der
Begründung, beim Erlös aus der Veräusserung der Markenrechte handle es sich um
einen privaten Kapitalgewinn, erhobenen Rekurs am 26. November 2013 ab. Sie hielt
fest, die Parteien seien sich einig, dass die mit CHF 3'000 bilanzierten Markenrechte im
Jahr 2008 formlos und unentgeltlich der Q. AG entnommen worden seien. Die
Geschäftstätigkeit im Zusammenhang mit den Marken sei nicht über die Buchhaltung
der c. gmbh abgewickelt worden. Der gesamte Erlös aus dem über die c. gmbh
abgewickelten Verkauf sei X.Y. persönlich zugekommen. Daraus sei ersichtlich, dass er
Alpha und/oder Beta weiterentwickelt und zudem über ein nicht unerhebliches
Materiallager verfügt habe, was auf planmässige und auf wirtschaftlichen Erfolg
ausgerichtete geschäftliche Aktivitäten schliessen lasse. Die c. gmbh sei für den
Marktauftritt beziehungsweise die Kommunikation nach aussen genutzt worden.
D. X.Y. (Beschwerdeführer) erhob durch seine Vertreterin mit Eingabe vom 4.
Januar 2014 (Postaufgabe 06.01.14) und Ergänzung vom 31. Januar 2014 gegen den
Entscheid der Verwaltungsrekurskommission (Vorinstanz) vom 26. November 2013
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit den Anträgen, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und der erzielte Erlös
als steuerfreier privater Kapitalgewinn und nicht als Einkommen aus selbständigem
Nebenerwerb zu qualifizieren. Eventualiter sei der korrekt berechnete Kapitalgewinn als
Vorsorgebetrag gemäss Unternehmenssteuerreform II zu qualifizieren und
entsprechend zu besteuern; unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Die Vorinstanz beantragte am 5. Februar 2014, das kantonale Steueramt
(Beschwerdegegner) am 27. Februar 2014 die Abweisung der Beschwerde.
Auf die Ausführungen des Beschwerdeführers zur Begründung seiner Anträge und die

## Considerations

Akten wird – soweit wesentlich – in den Erwägungen eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59
Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP; Art. 196 Abs.
1 des Steuergesetzes, sGS 811.1, StG). Der Beschwerdeführer ist als Steuerpflichtiger
zur Erhebung der Beschwerde befugt. Die Beschwerde wurde mit Eingabe vom 4.
Januar 2014 (Postaufgabe: 06.01.14) unter Berücksichtigung des Fristenstillstandes
über die Weihnachts- und Neujahrsfeiertage gemäss kantonalem Verfahrensrecht –
nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind unterschiedliche Regelungen der
Fristen betreffend direkte Bundessteuer und Staats- und Gemeindesteuern nicht
harmonisierungswidrig – rechtzeitig erhoben und erfüllt zusammen mit der Ergänzung
vom 31. Januar 2014 in formeller und inhaltlicher Hinsicht die gesetzlichen
Voraussetzungen (Art. 196 Abs. 1 und Art. 161 StG in Verbindung mit Art. 64 und Art.
48 Abs. 1 und 2 VRP).
2. Der Beschwerdeführer macht vorab geltend, der Erlös aus der Veräusserung
der Markenrechte sei als steuerfreier privater Kapitalgewinn des Beschwerdeführers zu
qualifizieren.
2.1. Gemäss Art. 37 Ingress und lit. b StG sind die Kapitalgewinne aus der
Veräusserung von beweglichem Kapitalvermögen steuerfrei. Demgegenüber sind alle
Kapitalgewinne aus Veräusserung von Geschäftsvermögen als Einkünfte aus
selbständiger Erwerbstätigkeit gemäss Art. 31 Abs. 2 StG steuerbar (Satz 1), wobei als
Geschäftsvermögen alle Vermögenswerte gelten, die ganz oder vorwiegend der
selbständigen Erwerbstätigkeit dienen (Satz 3). Die Regelungen entsprechen den
Vorgaben von Art. 7 Abs. 4 Ingress und lit. b und Art. 8 Abs. 1 und 2 des
Bundesgesetzes über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gemeinden (SR 642.14, StHG) und stimmen inhaltlich mit Art. 18 Abs. 2 des
Bundesgesetzes über die direkte Bundessteuer (SR 642.11, DBG) überein.
2.2. Die subjektive Zuordnung von Einkommen und Vermögen natürlicher
Personen ist ein ungeschriebenes Element des Steuertatbestandes. Sie bildet ebenso
Voraussetzung wie Schranke einer allgemeinen, auf Generalklauseln (Art. 16 Abs. 1
DBG bzw. Art. 7 Abs. 1 StHG) beruhenden Besteuerung des Reinvermögenszugangs
(dazu BGE 139 II 363 E. 2.1). Allgemein gilt, dass die subjektive Zuordnung im
Steuerrecht mit der zivilrechtlichen Sichtweise übereinstimmt, es sei denn, das Gesetz
sehe eine eigenständige steuerrechtliche Zurechnungsregel vor oder verfolge eine
wirtschaftliche Betrachtungsweise (vgl. BGer 2C_941/2012 vom 9. November 2013 E.
2.1). Geschäftsvermögen eines selbständig Erwerbenden kann deshalb – grundsätzlich
– nur sein, was diesem zivilrechtlich zu Eigentum zusteht (vgl. BGE 110 Ib 121 E. 2a;
BGer 2C_379/2008 vom 4. Dezember 2008 E. 2.4)
Zivilrechtlich ist die Übertragung der Marken – sie bedarf gemäss Art. 17 Abs. 1 des
Markenschutzgesetzes (SR 232.11, MSchG) der schriftlichen Form – auf den
Beschwerdeführer – das Markenregister enthält keinen entsprechenden, allerdings nur
für die Wirksamkeit gegenüber gutgläubigen Dritten bedeutsamen Eintrag (Art. 17 Abs.
2 MSchG; act. 9/11-3.15 und 3.16) – nicht dokumentiert. Indessen wird im
angefochtenen Entscheid (Erwägung 3) festgestellt, es sei unbestritten, dass dem
Beschwerdeführer im Jahr 2010 aus dem Verkauf der Marken beziehungsweise
Maschinen "Alpha" und "Beta" CHF 147'000 zugeflossen seien. Der Beschwerdeführer
rügt keine unrichtige Feststellung des Sachverhalts. Vielmehr bringt er selbst vor, er
habe die Marken mit der Veräusserung eines Teils seiner Aktien der Q. AG an die B. AG
per 1. Januar 2008 "übernommen" und die "Bewirtschaftung" an die c. gmbh
"delegiert". Er habe sie am 3. August 2010 – "ebenfalls delegiert an die c. gmbh" – an
die U. AG verkauft.
Die Verfahrensbeteiligten gehen damit übereinstimmend davon aus, die Marken und
die damit zusammenhängenden weiteren materiellen (Materiallager) und immateriellen
(Know-how) Vermögenswerte seien dem Beschwerdeführer vor der Veräusserung am
3. August 2010 zumindest wirtschaftlich und damit auch steuerlich zuzurechnen
gewesen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.3.
2.3.1. Ob ein Wertgegenstand dem Privat- oder dem Geschäftsvermögen
zuzuordnen ist, entscheidet sich aufgrund einer Würdigung aller in Betracht
kommenden tatsächlichen Umstände. Ausschlaggebendes Zuteilungskriterium ist die
aktuelle technisch-wirtschaftliche Funktion des fraglichen Vermögensgegenstands.
Verlangt wird, dass der Vermögenswert tatsächlich der selbständigen Erwerbstätigkeit
dient (Art. 31 Abs. 2 Satz 3 StG; BGE 133 II 420 E. 3.2; 120 Ia 349 E. 4c/aa), sei es
unmittelbar durch seine Beschaffenheit oder als Sicherheit für Betriebskredite, sei es
mittelbar als notwendiges Betriebskapital oder als Betriebsreserve (BGE 70 I 257 E. 3
S. 261). Höchstens von untergeordneter Bedeutung sind das Erwerbsmotiv, die
Mittelherkunft oder die buchhalterische Behandlung (BGE 94 I 464 E. 1; BGer
2C_996/2012, 2C_997/2012 vom 19. April 2013 E. 5.1; 2C_802/2012 vom 8. Januar
2013 E. 2.2).
2.3.2. Die Vorinstanz hat festgestellt, der gesamte Erlös aus dem über die c. gmbh
abgewickelten Verkauf der Marken "Alpha" und "Beta" sei dem Beschwerdeführer
persönlich zugekommen. Der Kaufpreis habe auch Entwicklungskosten und Know-how
im Wert von CHF 70'000 und ein Materiallager von CHF 50'000 umfasst. Daraus sei
ersichtlich, dass der Beschwerdeführer die Maschinen "Alpha" und "Beta"
weiterentwickelt – dazu habe er den Laborbereich der Q. AG nutzen dürfen – und über
ein nicht unerhebliches Materiallager verfügt habe. Dies lasse ebenfalls auf
geschäftliche Aktivitäten schliessen. Damit sei von einem planmässigen, auf
wirtschaftlichen Erfolg ausgerichteten Vorgehen und somit von einer selbständigen
Erwerbstätigkeit auszugehen.
Der Beschwerdeführer bringt vor, von den Indizien für eine selbständige
Erwerbstätigkeit – Marktauftritt, mehrere Arbeitgeber, Handeln in eigenem Namen und
auf eigene Rechnung, erhebliche Investitionen, eigene Geschäftsräumlichkeiten,
Bestreiten der Geschäftskosten – treffe auf ihn praktisch keines zu. Es handle sich um
einmalige Handlungen im Bereich der privaten Vermögensverwaltung. Dass ein
erfreulich hoher Verkaufserlös resultierte, begründe noch keinen selbständigen
Nebenerwerb. Es sei nicht davon auszugehen, dass ein Verlust steuermindernd
berücksichtigt worden wäre.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.3.3. Bereits aus dem Oberbegriff des "gewerblichen Rechtsschutzes" (SR 232),
welcher die gesetzlichen Regelungen zu "Marken, Design, Erfindungspatenten und
Schutz von Pflanzensorten" (SR 232.1) sowie zum "Schutz öffentlicher Zeichen" (SR
232.2) zusammenfasst, geht hervor, dass die Immaterialgüterrechte vorwiegend im
Bereich des Geschäftsvermögens eine Rolle spielen (vgl. Bericht der
Expertenkommission zur Prüfung des Systems der direkten Steuern auf Lücken, Bern
1998, S. 30).
Vom Steuerpflichtigen selber geschaffene immaterielle Güter stellen deshalb
gewöhnlich Geschäftsvermögen dar. Fliessen dem Schöpfer von Immaterialgütern
Einkünfte aus deren Nutzungsüberlassung zu, erfolgt dies im Rahmen einer
selbständigen Erwerbstätigkeit; dies selbst dann, wenn die Verwertung der
immateriellen Güter erst lange Zeit nach Beendigung der schöpferischen Tätigkeit
erfolgt. Gleiches gilt für den Erben oder Beschenkten von immateriellen Gütern, sofern
dieser nicht eindeutig den Willen geäussert hat, dass künftig die Nutzung nur noch im
Rahmen privater Vermögensverwaltung erfolgen wird (vgl. M. Reich, in: Zweifel/
Athanas [Hrsg.], Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht, Band I/2a, 2. Aufl.
2008, N 124 zu Art. 20 DBG). Hat ein ursprünglich selbständig erwerbender Erfinder ein
Patent behalten, bleibt dieses auch dann im Geschäftsvermögen, wenn der Erfinder
sein übriges Betriebsvermögen in eine AG eingebracht hat. Der über dem
Einkommenssteuerwert liegende Verkaufserlös dieses Patents stellt demzufolge
Einkommen aus selbständiger Erwerbstätigkeit und nicht steuerfreien Kapitalgewinn
dar (vgl. Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 2. Aufl. 2009, N
104 zu Art. 18 DBG mit Rechtsprechungshinweis).
Da die Markenrechte "Alpha" und "Beta" und das damit zusammenhängende
Materiallager und Know-how bereits unmittelbar aufgrund ihrer Beschaffenheit der
selbständigen Erwerbstätigkeit dienen, haben sie Vorinstanz und Veranlagungsbehörde
zu Recht dem Geschäftsvermögen des Beschwerdeführers zugerechnet. Es bestehen
keine Anhaltspunkte dafür, im vorliegenden Fall von diesem Schluss abzuweichen.
2.3.4. Die Verwaltung des eigenen Vermögens stellt dann keine selbständige
Erwerbstätigkeit dar, wenn sie über die gewöhnliche Verwaltung des Privatvermögens
nicht hinausgeht und ein Gewinn nur in Ausnützung einer zufällig sich bietenden
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gelegenheit erlangt wird. Selbständige Erwerbstätigkeit liegt vor, wenn eine Tätigkeit
entfaltet wird, die in ihrer Gesamtheit auf Erwerb gerichtet ist (vgl. BGer 2A.66/2002
vom 17. September 2002 E. 2.1 mit Hinweisen auf BGE 122 II 446 E. 3; 112 Ib 79 E. 2a
und ASA 69 S. 788 E. 2a). Ob Gewinne aus der Veräusserung von Vermögenswerten im
vorerwähnten Sinn der Besteuerung unterliegen, ist im Einzelfall stets nach der
Gesamtheit der Umstände zu beurteilen (BGer 2A.698/2004 vom 8. Mai 2006 E. 2.2).
Nach ständiger Praxis des Bundesgerichts sind Gewinne aus der Veräusserung von
Vermögensgegenständen steuerbar, wenn sie sich aus irgendeiner auf Erwerb
(Verdienst) gerichteten, über die schlichte Vermögensverwaltung hinausgehenden
Tätigkeit ergeben, gleichgültig ob diese im Haupt- oder Nebenberuf, regelmässig
wiederkehrend oder nur einmal ausgeübt wird. Entscheidend ist, dass die Tätigkeit in
ihrem gesamten Erscheinungsbild auf Erwerb ausgerichtet ist (vgl. BGer 2A.547/2004
vom 22. April 2005 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 125 II 113 E. 6a). Jedes der von der
Rechtsprechung entwickelten – und vom Beschwerdeführer teilweise
wiedergegebenen – Indizien kann zusammen mit anderen, unter Umständen jedoch
auch allein zur Annahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit ausreichen. Dass
einzelne typische Elemente einer selbständigen Erwerbstätigkeit im Einzelfall nicht
erfüllt sind, kann durch andere Elemente kompensiert werden, die besonders
ausgeprägt vorliegen (vgl. BGer 2C_868/2008 vom 23. Oktober 2009 E. 2.4).
Der Beschwerdeführer hat sich anlässlich der Veräusserung von 64 Prozent des
Aktienkapitals der Q. AG an die B. AG im Jahr 2008 von der Erwerberin der
Mehrheitsbeteiligung das Recht einräumen lassen, für "Alpha" und "Beta"
"Geschäftsaktivitäten" im Laborbereich "weiterzuführen". Er reicht zur Begründung
seines Eventualstandpunktes im Beschwerdeverfahren zudem Rechnungen aus den
Jahren 2008 bis 2010 zu den Akten, welche Aufwendungen im Zusammenhang mit der
Weiterentwicklung von "Alpha" und "Beta" belegen sollen. Schliesslich bestreitet er
auch nicht, dass erst die Weiterentwicklung zur Werthaltigkeit der Marken geführt hat.
Die Tätigkeiten des Beschwerdeführers gingen damit über die blosse Nutzung des
Markenwertes, die möglicherweise als Verwaltung des Privatvermögens behandelt
werden könnte, hinaus.
3. Der Beschwerdeführer beantragt eventualiter, es sei der steuerbare
Kapitalgewinn auf CHF 46'605.19 festzusetzen. Vom Bruttoverkaufspreis von CHF
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
147'000 seien über die c. gmbh abgewickelte Entwicklungs- und Materialkosten und
Gebühren von CHF 85'394.81 und privat bezahlte Materialien, Kosten und Spesen von
CHF 15'000 abzuziehen. Die Kosten seien über das private Kontokorrent des
Beschwerdeführers bei der c. gmbh abgewickelt worden.
3.1. Gemäss Art. 31 Abs. 2 StG in Verbindung mit Art. 11 der Steuerverordnung
(sGS 811.11, StV) gilt bei kaufmännischer Buchführung der den Einkommenssteuerwert
übersteigende Erlös als Kapitalgewinn (Abs. 1); liegen keine kaufmännisch geführten
Bücher vor, wird der Kapitalgewinn nach dem Differenzbetrag zwischen dem Erlös und
den ausgewiesenen Gestehungskosten berechnet (Abs. 2 Satz 1).
3.2. Der Beschwerdeführer macht geltend, buchhalterisch sei die
Weiterentwicklung der Marken "Beta" und "Alpha" über die – buchführungspflichtige
(vgl. Art. 957 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 779 Abs. 1 des Schweizerischen
Obligationenrechts, SR 220) – c. gmbh abgewickelt worden. Aus der Buchhaltung
dieser Gesellschaft hat der Beschwerdeführer einzig die Bilanz per 31. Dezember 2010
und die Details seines Kontokorrents für die Zeit vom 17. Juni bis 13. November 2010
(act. 9/11-3.13 und 3.14) sowie die Bilanzen per 31. Dezember 2009 und per 31.
Dezember 2008 und die Details zu einem Bankkonto der c. gmbh für die Zeit vom 31.
März bis 20. November 2008 und vom 28. Juli bis 11. August 2008 (act. 6/4 und 5)
eingereicht. In den Bilanzen per 31. Dezember 2008, 2009 und 2010 waren die Marken
mit CHF 550 bewertet. Erfolgsrechnungen liegen nicht vor. Indem die
Veranlagungsbehörde und die Vorinstanz demgegenüber Entwicklungskosten von
pauschal CHF 3'000 berücksichtigt haben, haben sie ihr Ermessen zugunsten des
Beschwerdeführers ausgeübt.
3.3. Erstmals im Beschwerdeverfahren quantifiziert der Beschwerdeführer
Gestehungskosten (Belege gemäss act. 6/7). Ob angesichts der unzureichenden
buchhalterischen Unterlagen der buchführungspflichtigen c. gmbh die eingereichten
Belege zu prüfen sind, kann offen bleiben, da sie nicht geeignet sind, an der
Berechnung des Kapitalgewinns etwas zu ändern.
Zunächst legt der Beschwerdeführer fünf, an die c. gmbh, X.Y., gerichtete Rechnungen
der T. GmbH, R./D über CHF 6'829.71 (Auftrag 1. Juni 2010, Lieferung 29. Juni 2010),
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
CHF 9'561.87 (Auftrag 7. Januar 2010, Lieferung 28. Januar 2010), CHF 6'829.91
(Auftrag 18. Mai 2009, Lieferung 9. Juni 2009), CHF 6'829.91 (Auftrag 11. Februar 2009,
Lieferung 4. März 2009), CHF 6'829.91 (Auftrag 3. September 2008, Lieferung 25.
September 2008). Aus den Rechnungen und den Ausführungen in der Beschwerde
dazu wird der Zusammenhang mit den Marken "Alpha" und "Beta" nicht ersichtlich.
Ebenso wenig liegen die Details des für den Beschwerdeführer bei der c. gmbh
geführten Kontokorrents vor, aus denen ersichtlich würde, dass die Rechnungen
zulasten des Beschwerdeführers bezahlt wurden.
Sodann wird eine Rechnung der F. AG an die c. gmbh vom 11. Februar 2008 über CHF
23'672 ins Recht gelegt. Aus der Bezeichnung ("Übernahme Beta", 1 Tag technische
Unterstützung von Herr E., komplette technische Dokumentation, sämtliches bei F. AG
gelagerten Teile") wird ein Zusammenhang mit der im Eigentum des
Beschwerdeführers stehenden Marke ersichtlich. Dass diese Rechnung jedoch
zulasten des Kontokorrents des Beschwerdeführers beglichen wurde, ist nicht belegt.
Vielmehr wurde die Bezahlung zulasten des Bankkontos der c. gmbh über ein
Aufwandkonto (4200) verbucht (act. 6/4).
Des Weiteren liegen sechs Rechnungen der M. Engineering, über CHF 1'226.65 (12
Arbeitsstunden für Überarbeitung von div. Baugruppen, Lieferdatum 24. November
2009), CHF 1'361.15 (Entwicklung Mischwerk, Lieferdatum 24. November 2009), CHF
357.75 (3,5 Stunden Anpassungsarbeiten, Lieferdatum 8./9. April 2010), CHF 511.10 (5
Stunden Gravur und 3D-Aufnahme Motoren und Motorplatte, Liefertermin 25. Februar/
23. März 2010), CHF 613.30 (6 Stunden Sitzung, Motorwelle, Stücklisten, Lieferdatum
5.-17. Februar 2010) und CHF 1'271.65 (12 Arbeitsstunden für Überarbeitung von
diversen Baugruppen, Lieferdatum 24. November 2009) im Recht. Die Rechnungen
führen in der Beschreibung den Vermerk "Alpha" auf. Allerdings fehlen Hinweise dafür,
dass die Begleichung der an die c. gmbh gerichteten Rechnungen über das
Kontokorrent des Beschwerdeführers abgewickelt wurde. Zudem scheinen die erste
und die letzte Rechnung ein und dieselbe Leistung der M. Engineering zu betreffen.
Eine weitere Rechnung über CHF 5'003.40 wurde von der L. GmbH am 28. Dezember
2010 an die c. gmbh gerichtet mit der Beschreibung "Unterlagen Software für Alpha
BC II, Service- und Bedienungsanleitung, Aufarbeitung der Stücklisten, Dokumentation
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zusammenstellen, Softwareänderungen und Inbetriebnahme". Wann die L. GmbH die
Leistungen erbrachte, wird aus der Rechnung nicht ersichtlich. Die Rechte an der
Marke gingen bereits im August 2010 auf die U. AG über. Aus dem Kaufvertrag ist zu
schliessen, dass die Erwerberin der Marke auch für die Weiterentwicklung des neuen
Modells BC II – unter kostenpflichtiger Mithilfe des Beschwerdeführers – zuständig war.
Im Übrigen fehlt auch hier der Nachweis des buchhalterischen Zusammenhangs mit
dem Kontokorrent des Beschwerdeführers bei der c. GmbH.
Sodann liegt eine Rechnung der B. AG vom 30. August 2010 über CHF 10'760 für die
Entwicklung von Software im Recht. Weitere Details – insbesondere der
Zusammenhang zu einer der beiden anfangs August 2010 auf die U. AG übertragenen
Marken – werden nicht ersichtlich.
Eine Rechnung der S. GmbH vom 5. Oktober 2009 an die c. gmbh über CHF 3'238.75
– irrtümlich vom Beschwerdeführer nach Abzug einer Akontozahlung vom 21. August
2009 über CHF 1'000 mit CHF 2'238.75 berücksichtigt – betrifft die Strom- und Niveau-
Überwachung bei einem Prototyp. Der Zusammenhang mit "Beta" und/oder "Alpha"
wird nicht ersichtlich.
Je CHF 550 betreffen die von der Markenabteilung des Eidgenössischen Instituts für
Geistiges Eigentum am 30. August 2008 ("Alpha") beziehungsweise am 14. Juli 2009
("Beta") der c. gmbh in Rechnung gestellten Kosten für die Aktualisierung des
Markenregisters. Soweit dieser Aufwand nicht von der c. gmbh, sondern vom
Beschwerdeführer getragen worden sein sollten, sind sie – wie dargestellt – als
Gestehungskosten berücksichtigt worden.
CHF 272.25 beschlagen eine Rechnung der G. GmbH an die Q. AG vom 31. August
2009 für die Ausführung einer Lieferung am 27. August 2009 von der F. AG an die U.
AG. Der Zusammenhang mit den Marken des Beschwerdeführers wird nicht ersichtlich.
Schliesslich stellte die A. GmbH am 20. März 2010 der Q. AG Rechnung über CHF
75.30 für zwanzig Kleber U. ALPHA BC II. Der Zusammenhang ergibt sich aus der
Bezeichnung der Rechnung, hingegen wird aus den vorliegenden Akten nicht
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/13
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ersichtlich, dass die Rechnung über das Kontokorrent des Beschwerdeführers bei der
c. gmbh beglichen wurde.
Die angeblich vom Beschwerdeführer privat bezahlten CHF 15'000 für Materialien,
Kosten und Spesen sind – unbestrittenermassen – nicht belegt.
4. Der Beschwerdeführer macht schliesslich geltend, der Nettoerlös von CHF
46'605.19 sei als "Liquiditätsgewinn" infolge definitiver Aufgabe der Erwerbstätigkeit
als Kapitalleistung aus Vorsorge im Sinn der Unternehmenssteuerreform II "zu einem
Fünftel der Tarife" zu besteuern. Der Beschwerdeführer beruft sich auf Art. 37b DBG.
Wie diese die direkte Bundessteuer betreffende Bestimmung wird die inhaltlich damit
übereinstimmende Regelung von Art. 52bis StG erst seit 1. Januar 2011 angewendet
(AS 2008 S. 2902; Schlussbestimmungen des III. Nachtrags vom 28. September 2008,
nGS 43-159). Sie entfaltet deshalb für das Steuerjahr 2010 noch keine Wirkung.
5. Zusammenfassend erweist sich die Beschwerde als unbegründet. Sie ist
abzuweisen. Entsprechend dem Verfahrensausgang sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens vom Beschwerdeführer zu tragen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von CHF 1'400 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222 der
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie ist mit dem vom Beschwerdeführer
geleisteten Kostenvorschuss von CHF 2'400, soweit er nicht mit der Entscheidgebühr
von CHF 1'000 im Verfahren B 2014/3 verrechnet wurde, zu verrechnen. Bei diesem
Ausgang des Verfahrens sind keine ausseramtlichen Kosten zu entschädigen (Art. 98
und 98bis VRP).