# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fd1b7a9d-5e9e-410e-b102-39cc4d317a3f
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Mord
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Meilen, Abteilung, vom 12. November 2021 (DG200018)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 16. Novem-
ber 2020 ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 18).
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 49 S. 69 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte A._ ist schuldig des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren als Zusatzstrafe zu
der mit Urteil des Regionalgerichtes Berner Oberland, Thun, vom 6. Juni 2018 ausgefällten
Freiheitstrafe von 7 Jahren, wovon bis und mit heute 35 Tage als durch Haft erstanden sind.
3. Die Freiheitsstrafe wird vollzogen.
4. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
CHF 7'000.00 ; die weiteren Kosten betragen:
CHF 3'000.00 Gebühr für das Vorverfahren
CHF 727.50 Dolmetscherkosten
CHF 2'285.00 Auslagen (Gutachten inkl. Nachgutachten)
CHF 13'800.00 amtliche Verteidigung (inkl. MwSt.)
CHF 26'812.50 Total
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen diejenigen
der amtlichen Verteidigung und die Dolmetscherkosten, werden dem Beschuldigten aufer-
legt.
6. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden einstweilen sowie die Dolmetscherkosten
definitiv auf die Staatskasse genommen. Vorbehalten bleibt die Verpflichtung der beschul-
digten Person, dem Kanton die Kosten der amtlichen Verteidigung zurückzuzahlen, sobald
es ihre wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4 StPO).
7. Rechtsanwältin lic. iur. X._ wird für ihre Bemühungen und Auslagen als amtliche Ver-
teidigerin des Beschuldigten mit total CHF 13'800.– (inkl. 7.7% MwSt.) aus der Gerichtskas-
se entschädigt. Die Kasse des Bezirksgerichts Meilen wird angewiesen, CHF 13'800.–
an Rechtsanwältin lic. iur. X._ auszubezahlen. Das Genugtuungsbegehren des
Beschuldigten wird abgewiesen.
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8. Das Genugtuungsbegehren des Beschuldigten wird abgewiesen.
9. (Mitteilungen)
10. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 4 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 56 S. 2; schriftlich)
" 1. Die Berufung wird gutgeheissen.
2. Das Urteil vom 12. November 2021 des Bezirksgericht Meilen sei in den
Punkten 1, 2, 3, 5, 6, 8 folgenderweise abzuändern:
1. Der Beschuldigte A._ ist vollumfänglich freigesprochen.
5. Die gesamten Gerichts- und Verfahrenskosten, samt Kosten der
Pflichtverteidigung, gehen vollumfänglich zu Lasten der Staatskasse
des Kantons Zürich
8. Dem Beschuldigten A._ wird eine Genugtuungssumme von
Fr. 6600.- für 33 Tage unrechtfertigte Untersuchungshaft aus der
Staatskasse geleistet.
Die Punkten 2, 3 und 6 des Urteils werden gestrichen.
3. Das Mandat der amtlichen Verteidigung bleibt im Berufungsverfahren gültig.
Das Honorar des amtlichen Verteidigers für die Berufung wird im Berufungs-
verfahren festgesetzt und werden auf die Staatskasse genommen."
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Prot. II S. 10)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Mit dem eingangs im Dispositiv wiedergegebenen Urteil der Vorinstanz vom
12. November 2021 wurde der Beschuldigte A._ anklagegemäss des Mordes
schuldig gesprochen und mit 13 Jahren Freiheitsstrafe bestraft als Zusatzstrafe zu
einer Vorstrafe vom 6. Juni 2018 (Urk. 49 S. 69). Gegen diesen Entscheid liess
der Beschuldigte durch seine amtliche Verteidigung mit Eingabe vom
22. November 2021 innert gesetzlicher Frist Berufung anmelden (Art. 399 Abs. 1
StPO; Urk. 45). Die Berufungserklärung der Verteidigung ging ebenfalls innert
gesetzlicher Frist bei der Berufungsinstanz ein (Art. 399 Abs. 3 StPO; Urk. 56).
Die Anklagebehörde hat mit Eingabe vom 14. Januar 2022 innert Frist mitgeteilt,
dass auf Anschlussberufung verzichtet wird (Urk. 63; Art. 400 Abs. 2 f. und
Art. 401 StPO). Die in der Berufungserklärung gestellten
Beweisergänzungsanträge der Verteidigung wurden mit Präsidialverfügung vom
22. Januar 2022 begründet abgewiesen (Art. 389 Abs. 3 StPO; Urk. 56 und
Urk. 65). Die Berufungsverhandlung – an der keine Beweisergänzungsanträge
wiederholt oder neu gestellt wurden – fand am 9. Mai 2022 statt. Zur Verhandlung
erschienen der Beschuldigte, die amtliche Verteidigerin Rechtsanwältin X._
und der Staatsanwalt Scherrer. Der Beschuldigte wurde zur Person und zur
Sache befragt. Im Anschluss erfolgten die Parteivorträge und das Schlusswort
des Beschuldigten. Das Urteil wurde gleichentags mündlich eröffnet und erläutert
(vgl. zum Ganzen: Prot. II S. 4 ff.).
2. Die Verteidigung hat die Berufung in ihrer Berufungserklärung teilweise
beschränkt (Urk. 56; Art. 399 Abs. 4 StPO). Die Anklagebehörde beantragt die
Bestätigung des angefochtenen Entscheides (Urk. 63). Gemäss den Anträgen der
Parteien sind im Berufungsverfahren nicht angefochten
- die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Urteilsdispositiv-Ziff. 4) sowie
- die vorinstanzliche Regelung der Entschädigung der amtlichen Verteidigung
(Urteilsdispositiv-Ziff. 7).
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Der Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnungen ist mit Beschluss festzuhalten
(Art. 404 StPO).
3.1. Die Verteidigung brachte im Berufungsverfahren wiederum vor, aufgrund
des Anklageprinzips dürfe keine Verurteilung wegen Mordes erfolgen. Sie argu-
mentierte im Wesentlichen, der Tötungsvorsatz sei erst ab dem Zeitpunkt um-
schrieben, als der Beschuldigte das Opfer schon geschlagen und gefesselt habe.
Eine Verurteilung wegen Mordes setze aber voraus, dass der einen Raub beab-
sichtigende Täter bereits ab dem Zeitpunkt des Eindringens in das Haus einen
Tötungsvorsatz gehabt habe. Die Verteidigung verwies dabei auf BGE 100 IV 146
(Urk. 75 S 1 f.)
3.2. Nach dem – unter anderem aus Art. 9 und Art. 325 StPO abgeleiteten – An-
klagegrundsatz bestimmt die Anklageschrift den Gegenstand des Gerichtsverfah-
rens (Umgrenzungsfunktion). Das Gericht ist an den in der Anklage wiedergege-
benen Sachverhalt gebunden (Immutabilitätsprinzip), nicht aber an dessen recht-
liche Würdigung durch die Anklagebehörde (vgl. Art. 350 StPO). Die Anklage hat
die der beschuldigten Person zur Last gelegten Delikte in ihrem Sachverhalt so
präzise zu umschreiben, dass die Vorwürfe in objektiver und subjektiver Hinsicht
genügend konkretisiert sind. Das Akkusationsprinzip bezweckt zugleich den
Schutz der Verteidigungsrechte der beschuldigten Person und dient dem An-
spruch auf rechtliches Gehör (Informationsfunktion). Die beschuldigte Person
muss unter dem Gesichtspunkt der Informationsfunktion aus der Anklage ersehen
können, wessen sie angeklagt ist. Das bedingt eine zureichende Umschreibung
der Tat. Entscheidend ist, dass der Betroffene genau weiss, welcher konkreter
Handlungen er beschuldigt und wie sein Verhalten rechtlich qualifiziert wird, damit
er sich in seiner Verteidigung richtig vorbereiten kann. Er darf nicht Gefahr laufen,
erst an der Gerichtsverhandlung mit neuen Anschuldigungen konfrontiert zu wer-
den (BGE 143 IV 63 E. 2.2.).
3.3. Die Argumentation der Verteidigung ist nicht stichhaltig. Dem von der Ver-
teidigung zitierten Urteil ist zu entnehmen, dass unter Umständen ein Täter so-
wohl des qualifizierten Raubes als auch des Mordes schuldig gesprochen werden
kann (BGE 100 IV 146 E. 3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 6B_193/2021,
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6B_199/2021 vom 30. September 2021, E. 3.1.4. ["Dans le cadre d'un meurtre  dans le dessein de voler, le Tribunal fédéral a jugé qu'il n'y avait aucune objection à le qualifier
à la fois d'assassinat et de brigandage qualifié, en concours idéal, bien que le caractère particuliè-
rement dangereux de l'auteur et l'atteinte à l'intégrité corporelle rentrent dans la définition des
deux infractions, le juge devant fixer la quotité de la peine en évitant de réprimer deux fois le
même comportement."]). Dass der Schuldspruch eines Räubers auch wegen Mordes
voraussetzt, dass dieser seinen Tötungsvorsatz nicht nach dem Entschluss zum
Raub fasst, lässt sich dem eingangs erwähnten Urteil nicht entnehmen. In der An-
klageschrift wird zusammengefasst davon ausgegangen, der Beschuldigte sei mit
Diebstahlsabsicht ins Haus des Opfers eingedrungen. Er habe erst später, als er
auf dieses traf und es malträtierte, einen Tötungsvorsatz gefasst (Urk. 18 S. 2 f.).
Es ist nichts als stringent, dass in der Anklage erst ab diesem Zeitpunkt die ent-
sprechenden, für einen Schuldspruch wegen Mordes erforderlichen Behauptun-
gen zum objektiven und subjektiven Sachverhalt formuliert sind. Der Beschuldigte
wusste, was Gegenstand des Vorwurfs ist, und er war in der Lage, sich gegen
den Vorwurf zur Wehr zu setzen. Zur weiteren Begründung, weshalb das Ankla-
geprinzip einem Schuldspruch wegen Mordes nicht entgegensteht, kann auf die
entsprechenden Ausführungen der Vorinstanz, die zutreffend sind, verwiesen
werden (Urk. 49 S. 6 ff.).
II. Schuldpunkt
1.1. Am tt. Juli 1997 wurde die zur Tatzeit 86 Jahre alte †B._ in ihrem Haus
am C._-weg ... in D._, in welchem sie alleine und zurückgezogen lebte,
überfallen. Die Täterschaft schlug dem Opfer mehrfach massiv gegen Kopf und
Körper. Das Opfer erlitt durch die Schläge zahlreiche Schwellungen, Blut-
unterlaufungen, Weichteilquetschungen und – teilweise – tiefgreifende Schür-
fungen am Kopf und am ganzen Körper, Rippenbrüche und eine Schulterluxation.
Die Täterschaft fesselte und verschnürte das Opfer und fixierte es an der
Kellertüre. Dieses erlitt durch die Fesselung weitere Einblutungen und
Blauverfärbungen sowie Sauerstoffmangel verbunden mit einer Behinderung der
Atmung. Das Opfer überlebte in gefesseltem und verletztem Zustand ein bis zwei
Stunden und verstarb dann am Tatort an akutem Herzversagen zufolge einer
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schweren Lungenfettembolie (Ordner I, Urk. 4.1.4. S. 5). Die äusseren
Verletzungen und die Fesselungssituation des Opfers sind aufgrund des
Resultats der Ermittlungen, welche die Polizei nach dem Auffinden des Opfers am
Tatort tätigte, in den Akten belegt (Ordner I, Urk. 2.) und unstrittig.
1.2. Die Leiche von †B._ wurde am Folgetag der Tat durch die Polizei ge-
funden. Es erfolgte eine Obduktion durch das IRM Zürich. Die Feststellungen der
medizinischen Folgen der erlittenen Verletzungen und der Fesselung des Opfers,
die Dauer des Überlebens nach der Fesselung und die Todesursache gehen aus
dem Gutachten des IRM hervor und sind ebenfalls unstrittig. Das Gutachten lässt
keine Zweifel daran offen, dass die Verletzungen und namentlich die Fesselung
kausal waren für das Versterben des hochbetagten Opfers: "Auch jeder jüngere
Mensch hätte zwanglos daran sterben können" (Ordner I, Urk. 4.1.4. S. 4). Zum
Subjektiven geht die Anklagebehörde davon aus, dass die Täterschaft in Dieb-
stahlsabsicht in das Haus des Opfers eindrang und dieses aus Furcht vor
Entdeckung tötete, um die einzige Zeugin zu eliminieren (Urk. 18 S. 2 f.).
1.3. Es wurde eine Strafuntersuchung gegen Unbekannt wegen Mordes ange-
hoben und diese wieder sistiert. In den Folgejahren wurde das Untersuchungs-
verfahren betreffend drei verdächtige Personen wieder aufgenommen, jedoch
wiederum sistiert respektive eingestellt (Ordner I, Urk. 1.5., 1.9. und 1.10.).
1.4. Am Tatort wurde an einer Schere und an Teilen des Fesselungsmaterials
ein DNA-Profil einer unbekannten männlichen Person sowie am rechten Oberarm
des Jacketts eine Mischspur einer unbekannten männlichen Person sichergestellt
(Ordner I, Urk. 3.2.5. und 3.2.16.), welche Spuren jedoch bis ins Jahr 2016
niemandem zugeordnet werden konnte. Im September 2016 wurde in E._ im
Kanton Bern durch den Beschuldigten eine Juweliersfamilie überfallen. Bei einem
bei diesem Delikt sichergestellten DNA-Profil des Beschuldigten konnte eine
Übereinstimmung mit dem im Jahr 1997 am Tatort am C._-weg in D._
sichergestellten DNA-Profil festgestellt werden (Urk. 2). Die für den Überfall auf
die Juweliersfamilie in E._ zuständigen Berner Behörden veranlassten die
Auslieferung des sich in Spanien aufhaltenden Beschuldigten durch die
spanischen Behörden (Urk. 4). Nachdem ein Abgleich der DNA des
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Beschuldigten mit der am Tatort am C._-weg in D._ sichergestellten
DNA positiv ausfiel, wurde die Auslieferung des Beschuldigten auf das Verfahren
betreffend Mord an †B._ ausgeweitet und durch die Zürcher Behörden ein
entsprechendes Verfahren eröffnet, sistiert und wiedereröffnet (Urk. 7 f.). Mit
Urteil des Regionalgerichts Oberland/Thun wurde der Beschuldigte für die
zulasten der Juweliersfamilie begangenen Delikte rechtskräftig mit 7 Jahren
Freiheitsstrafe bestraft (vgl. Urk. 7). Am 16. November 2020 erhob die
Anklagebehörde Anklage bei der Vorinstanz (Urk. 18). Mit Urteil vom
12. November 2021 sprach die Vorinstanz den Beschuldigten – wie bereits
eingangs erwogen (vgl. vorne, E. I. 1.) – anklagegemäss des Mordes schuldig
(Urk. 49).
2.1. Der Beschuldigte anerkennt im Berufungsverfahren wie bereits in der Unter-
suchung und im Hauptverfahren, dass tatsächlich seine DNA im Haus des Opfers
sichergestellt wurde. Er anerkennt, dass er sich im Haus des Opfers aufgehalten
hat. Gemäss seiner Schilderung habe er eine ca. neun Monate dauernde intime
Beziehung mit dem Opfer unterhalten. Er habe das Opfer am See vor dem
Grundstück des Opfers beim Schwäne-Füttern kennengelernt. Das Opfer habe
ihn mit in sein Haus – das Haus des Opfers – genommen, was unmittelbar zur
Aufnahme der intimen Beziehung geführt habe. Das Opfer habe ihn regelmässig
– über seine Mutter – an seinem damaligen Wohnort in Italien telefonisch kontak-
tiert und nach D._ bestellt. Für sein Erscheinen und die sexuellen Leistungen
anlässlich der Treffen habe sie ihn jeweils mit fünfstelligen Geldbeträgen be-
schenkt. Der Beschuldigte schilderte in allen Details die – angeblichen – sexuel-
len, sadomasochistischen, fäkalen Vorlieben des Opfers und die – wiederum an-
geblichen – sexuellen Praktiken, welche der Beschuldigte und das Opfer jeweils
ausgeübt hätten. Der Beschuldigte bestreitet jedoch, sich tatzeitaktuell im Haus
des Opfers aufgehalten und entsprechend auch, die Tat begangen zu haben. Die
Vorinstanz hat sämtliche Schilderungen, wie sie der Beschuldigte im bisherigen
Verfahren mündlich und schriftlich deponiert hat, detailliert wiedergegeben
(Urk. 49 S. 21-33 mit Verweisen). Darauf wird verwiesen. An der Berufungsver-
handlung hat der Beschuldigte im Wesentlichen gleichlautend erklärt, während
neun Monaten gegen Bezahlung mit Geld und Luxusgegenständen das Sexspiel-
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zeug des Opfers gewesen zu sein und nichts mit der Tat – die bloss ein Junkie
begehen könne – zu tun zu haben (Urk. 73).
2.2. Die Verteidigung hält – "subsidiär" – "die Version des Beschuldigten für
absolut glaubwürdig" (Urk. 36 S. 3 ff.). Dabei stützt sie sich auf ein Konstrukt von
den Beschuldigten vermeintlich entlastenden Indizien: Zusammengefasst habe
das Opfer Geheimnisse gehabt, so ein Cash-Fach im Klavierzimmer; und es sei
nicht klar, wo der Erlös des im Jahr 1996 verkauften Tessiner Hauses geblieben
sei. Als zentral behauptet die Verteidigung den Umstand, dass die Nachbarin des
Opfers, F._, einen Roman geschrieben habe, in welchem sowohl die intime
Beziehung zwischen dem Opfer und dem Beschuldigten wie auch das Motiv der
Tötung des Opfers durch eine unbekannt gebliebene Täterschaft in einer
codierten Version dargestellt werde (Urk. 36 S. 5-8). Im Berufungsverfahren
wurde – wenn auch nur am Rande – an dieser These festgehalten (Urk. 56 S. 9 f.;
Urk. 75 S. 5 f.).
2.3. Die Vorinstanz hat sich mit den Aussagen des Beschuldigten und den Vor-
bringen der Verteidigung in einer ebenso ausführlichen wie genauen Beweiswür-
digung auseinandergesetzt und zusammengefasst sowie – auch unter Berück-
sichtigung der Ausführungen der Verteidigung im Berufungsverfahren (Urk. 75
S. 4 f.) – absolut überzeugend erwogen, die Aussagen des Beschuldigten würden
zahlreiche Ungereimtheiten, Widersprüche, Ausweichversuche und Übertreibun-
gen enthalten und seien insgesamt unglaubhaft; insbesondere auch jene, mit wel-
chen er sein DNA-Profil an der Schere und den Fesselungsutensilien zu erklären
versuche. Zum seitens der Verteidigung behaupteten finanziellen Tatmotiv einer
Person aus dem Umfeld des Opfers wurde erwogen, die Vermögensbeauftragte
G._ und der Steuerberater hätten keine Unregelmässigkeiten der finanziellen
Verhältnisse des Opfers festgestellt. Wenn der Beschuldigte sodann behaupte, er
habe seine Raubopfer jeweils körperlich geschont, habe er mit der Art, wie er die
Juweliersfamilie in E._ malträtiert habe, das Gegenteil bewiesen. Betreffend
den Anklagesachverhalt müsse einzig offen bleiben, ob der Beschuldigte mit
Raubabsicht in das Haus des Opfers eingedrungen sei und ob die Endlage des
Opfers derjenigen entsprach, in welcher der Beschuldigte sie zurückgelassen ha-
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be (Urk. 49 S. 33-50). Auf all dies wird verwiesen; mit der Ausnahme, dass – ent-
gegen der Vorinstanz (Urk. 49 S. 49) und mit der Anklage – sehr wohl davon aus-
gegangen werden muss, dass der Beschuldigte die Villa betrat, um dort zu steh-
len. Daran besteht in Anbetracht der Umstände – namentlich des Eindringens des
Beschuldigten in eine (fremde) Villa einer ihm unbekannten Person und des Le-
benswandels des Beschuldigten als Räuber (Urk. 5/4 S. 4 f.; Urk. 9/2 S. 1 ff.;
Urk. 73 S. 3 ff.) – kein vernünftiger Zweifel.
2.4. Zu den theoretischen Grundsätzen der richterlichen Beweiswürdigung und
insbesondere auch zur Anwendbarkeit der Beweisregel in dubio pro reo wird auf
die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 49 S. 10-12) und insbe-
sondere auf die höchstrichterliche Praxis in BGE 144 IV 345 E. 2.2. verwiesen:
Nicht jede noch so hypothetische Behauptung einer alternativen Sachdarstellung
führt automatisch dazu, dass zugunsten des Beschuldigten davon auszugehen
wäre, der ihm zur Last gelegte Anklagesachverhalt lasse sich nicht rechtsgenü-
gend erstellen.
2.5. Die Verteidigung vermag die zitierte, überzeugende Beweiswürdigung der
Vorinstanz betreffend die Täterschaft im Berufungsverfahren nicht ansatzweise in
Zweifel zu ziehen. Vielmehr gilt es an dieser Stelle einmal in aller Deutlichkeit zu
betonen, dass die vom Beschuldigten zum Besten gegebene "Version" entgegen
der Darstellung der Verteidigung nicht "absolut glaubwürdig" ist – im Gegenteil:
Man halte sich eine hochbetagte, 86 Jahre alte Dame, wie man sie vielleicht aus
der Verwandtschaft oder dem sozialen Umfeld kennt oder einfach auf der Strasse
sieht, vor Augen. Und dann stelle man sich vor, diese Dame schleppe einen völlig
unbekannten, 53 Jahre alten Mann vom Seeufer nach Hause, um sich umgehend
sexuell über ihn herzumachen und ihn anschliessend über neun Monate als
Sextoy für die explizitesten sexuellen Handlungen zu benutzen. Diese Vorstellung
– und damit die nachgeschobene Schutzbehauptung des Beschuldigten – ist an
Lebensfremdheit kaum zu überbieten. Zwar mag durchaus selbst bei einer Dame
im Alter des Opfers noch eine sexuelle Lust vorhanden sein. Die vom
Beschuldigten geschilderten Sexpraktiken sind aber von einer Art, dass abwegig
ist, dass eine Person im Alter des Opfer diese verlangt, und dermassen körperlich
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anstrengend, dass ebenso abwegig ist, dass eine Person im Alter des Opfers
solche über eine derart lange Zeit mitmachen kann.
2.6. Die wenigen Personen, mit welchen das Opfer sozialen Umgang pflegte,
beschrieben es als zurückhaltend und zurückgezogen (Ordner III, Urk. 5.1.4.). Ein
Motiv eines Verwandten oder Verschwägerten, †B._ zu töten, um finanziell
von ihrem Tod zu profitieren, konnte in den Ermittlungen nicht festgestellt werden
(Ordner I, Urk. 1.2. f.). Dass der von F._ verfasste Roman relevante
Parallelen zur behaupteten Story des Beschuldigten aufweisen soll, wird von der
Verteidigung sehr weit an den Haaren herbeigezogen: Der Roman liegt be-
zeichnenderweise nur in einigen wenigen, selektiven Auszügen vor. Wie alt die
Roman-Heldin sein soll, ist offen; jedoch wohl kaum hochbetagt respektive
86 Jahre. So ist ihr Nachbar, der heimliche Geliebte, zehn Jahre jünger (und nicht
33 Jahre) und im berufstätigen Alter. Der Roman-Liebhaber war der Roman-
Heldin als ihr Nachbar persönlich bestens bekannt (der Roman heisst "...", nicht
etwa z.B. "der geheimnisvolle Fremde"), und es handelte sich offenbar um eine
gewachsene Liebesbeziehung und nicht um eine rein physische Sadomaso-
Beziehung (vgl. Urk. 37). Die Verfasserin, F._, Nachbarin und entfernte
Bekannte des Opfers, wurde zusammen mit ihrem Mann polizeilich zur Sache
befragt. Weder äusserten Herr und Frau F._ in irgendeiner Hinsicht
Vermutungen zu einer geheimen (wie auch immer gearteten) Beziehung des
Opfers, noch mutmassten sie über ein angebliches Tötungsmotiv im
Zusammenhang mit dessen Hinterlassenschaft (Ordner III, Urk. 5.1.4. f.). Hätte
F._ diesbezüglich irgendeine Kenntnis, Vermutung oder einen Verdacht
gehabt, hätte sie dies gegenüber der Polizei mit Sicherheit deponiert und nicht
stattdessen drei Jahre später ein codiertes Buch darüber geschrieben. Da sie bei
der Polizei nichts solches aussagte, wusste sie folglich auch nichts
Entsprechendes. Die Darstellungen im Roman geben also nicht der Realität
entsprechende Momente aus dem Leben ihrer getöteten Nachbarin wieder.
Allerdings ist es wohl möglich, dass der gewaltsame Tod der Nachbarin die
Autorin beschäftigt und beim Verfassen des Romans – in welcher Weise auch
immer – inspiriert hat.
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2.7. Schliesslich hat der Beschuldigte seine "Version" auch mit grosser zeitlicher
Verzögerung nachgeschoben, nachdem er zu Beginn der Untersuchung erklärt
hatte, nichts damit zu tun zu haben (Urk. 4/5 S. 2 f.). Auf die Preisgabe der Infor-
mation, dass †B._ getötet wurde (Urk. 4/5 S. 2 [Vorhalt des Haftbefehls,
Urk. 4/4]), erfolgte keinerlei adäquate Reaktion des Beschuldigten (wie etwa
Entsetzen über den Tod), was aber zu erwarten gewesen wäre, wenn die Version
des Beschuldigten den Tatsachen entsprechen würde. Der Erklärungsversuch der
Verteidigung, der Beschuldigte habe sich halt anfänglich nicht an das Opfer und
die weit zurückliegende intime Beziehung bzw. die "Details" erinnern können
(Urk. 56 S. 9 f.; Urk. 74 S. 6), ist eine lebensfremde und daher hilflose
Schutzbehauptung. Auffallend ist sodann Folgendes: In seinem in Spanien
verfassten Brief – an das spanische Justizministerium und zuhanden von
Staatsanwalt Scherrer – vom 23. Januar 2020 sprach der Beschuldigte von der
"Frau mit den Schildkröten" ("signora delle tartarughe") (Urk. 14/3). Dem Brief
kann entnommen werden, dass der Name der Frau mit den Schildkröten zuerst –
beim Verfassen des Briefs – weggelassen wurde, und dass erst später auf dem
noch vorhandenen Platz dieser Zeile ein Name eingefügt wurde, was daran
erkennbar ist, dass der Name mit einem leicht andersfarbigen Kugelschreiber
bzw. einer andersfarbigen Mine geschrieben wurde. Der dabei eingefügte Name
der Frau mit den Schildkröten ist merkwürdig: Eingefügt wurde "H._" (statt
"B._"). Mit diesem Umstand an der Berufungsverhandlung konfrontiert,
machte der Beschuldigte nicht etwa geltend, eine andere Person habe diesen
Namen eingefügt. Wer diese "H._" sein soll, wusste der Beschuldigte nicht.
Er brachte lediglich vor, es handle sich um ein Lapsus (Urk. 73 S. 18 f.). Diese
fehlende Kenntnis des Namens zeigt, dass er sein Opfer nicht kannte, und sie
steht in unauflösbarem Widerspruch zu der noch geltend gemachten – auffallend
ausgeprägten – Erinnerung an die – angeblichen – sexuellen Handlungen über
neun Monate als "Sextoy" der "Frau mit den Schildkröten". An der
Berufungsverhandlung führte der Beschuldigte zudem aus, er habe das Opfer
"I._" genannt.
2.8. Die Schilderung des Beschuldigten, er habe vor der Tötung des Opfers als
dessen "Sextoy" im Haus und mit ihr verkehrt, trifft – wie erwogen (vgl. vorne,
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E. II.2.5.-2.7.) – schlicht nicht zu. Der Anrufer, welcher sich nach der Tat in
D._ telefonisch bei der Sanität meldete und zwingend in einem Zusammen-
hang mit der Tat stehen musste, sprach Englisch mit Akzent. Das Forensische
Institut Zürich konnte den Beschuldigten wegen der unzulänglichen Qualität des
vorhandenen Tonmaterials nicht als Anrufer identifizieren. Es äusserte jedoch die
Vermutung, dass der Anrufer romanischer Muttersprache ist (Urk. 10a/5). Es gibt
somit Indizien dafür, dass es sich beim Anrufer um den Beschuldigten handelte,
zumal er bei seinem Überfall auf die Juweliersfamilie in E._ Englisch mit
Akzent sprach (Urk. 2 S. 1) und Italienisch seine Muttersprache ist. Belegt ist,
dass an zentralen Teilen der Fesselung des Opfers ein DNA-Profil des
Beschuldigten gefunden wurde. Die Tat in D._ passt sodann zum Profil des
Beschuldigten, der jahrzehntelang wiederholt Vermögensdelikte beging und dabei
auch nicht vor Übergriffen gegenüber Opfern absah hat, beging er doch bei der
Tat in E._ eine sexuelle Nötigung, indem er die Tochter des Juweliers dazu
zwang, ihn bis zum Samenerguss oral zu befriedigen (Beizugsakten [Akten PEN
18 46], pag, 1278 ff., pag. 1288 ff., pag. 1298). Dies alles lässt insgesamt nicht
den kleinsten Zweifel zu, dass es der Beschuldigte war, welcher am 4. Juli 1997
im Haus des Opfers war, schwerstens auf dieses einschlug und es danach in
jener Weise fesselte und verschnürte, in welcher es in der Folge verstarb und am
Folgetag durch die Polizei aufgefunden wurde.
2.9. Lediglich der Vollständigkeit halber das Folgende: Wenn der Beschuldigte
an der Berufungsverhandlung erneut ausführte, das Foulard – mit dem die Knebe-
lung gemacht wurde – sei in den Farben der italienischen Trikolore, er habe die-
ses dem Opfer geschenkt, da dieses Italien geliebt habe (Urk. 73 S. 17), so ist
hierzu zu bemerken, dass erstens die Herkunft des Foulards – ob dieses das Op-
fer besass oder der Beschuldigte bei sich hatte – keine Rolle spielt, zweitens auch
diese Aussage wiederum zeigt, wie der Beschuldigte sein Aussageverhalten sei-
ner Kenntnis der Beweislage angepasst hat, brachte er dies doch anfänglich nicht
vor, sondern erst später, anlässlich der delegierten polizeilichen Einvernahme
vom 30. März 2020 auf Ergänzungsfrage seiner Verteidigung (Urk. 9/2 S. 15), die
offensichtlich schon zuvor die Akten zumindest teilweise einsehen konnte (vgl. die
Eingabe an die III. Strafkammer vom 24. März 2020 [Urk. 11/9], worin die Vertei-
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digung aus den Akten zitiert) und weist das Foulard doch ein Rosenmuster auf,
womit der Bezug zur italienischen Flagge weit hergeholt ist. Der wiederholte Ein-
wand der Verteidigung, dass man zwingend die DNA des Beschuldigten am
Scherengriff hätte finden müssen, wenn er die Fesselungen von der Wäscheseil-
haspel abgeschnitten hat (Urk. 75 S. 4), vermag keinen vernünftigen Zweifel an
der Täterschaft des Beschuldigten entstehen zu lassen, zumal es möglich wäre,
dass der Beschuldigte den Griff mit Handschuhen anfasste oder das Opfer dazu
zwang, mit der Schere zu schneiden bzw. nach seiner Bedienung die Schere zu
behändigen. Dadurch hätten sich DNA-Spuren des Beschuldigten am Griff ver-
meiden bzw. verwischen lassen (vgl. Urk. 10a/9 S. 2 f.). Zu betonen ist weiter,
dass die Kenntnis des Beschuldigten, dass †B._ Schildkröten besass, das
vorstehende Beweisergebnis ebenso wenig zu ändern vermag, zumal der Be-
schuldigte dieses Wissen aufgrund seiner Tat erlangen konnte (Ordner I,
Urk. 2.1.1., S. 9). Dass dieses Wissen den Beschuldigten nicht zu entlasten ver-
mag, scheint im Übrigen selbst die Verteidigung zu konzedieren (Prot. II S. 9).
3.1. In ihrer primären Verteidigungsargumentation macht die Verteidigung nach
wie vor geltend, der Täter ("wer es auch war") habe keine Absicht gehabt, das
Opfer zu töten (Urk. 56 S. 3; Urk. 75 S. 3; vgl. Urk. 36 S. 1 ff.).
3.2. Was der Täter weiss, will und in Kauf nimmt, betrifft eine innere Tatsache
und ist Tatfrage. Rechtsfrage ist hingegen, nach welchen tatsächlichen Voraus-
setzungen bewusste Fahrlässigkeit, Eventualvorsatz oder direkter Vorsatz gege-
ben ist (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3. mit Verweisen). Es ist allerdings nicht zu überse-
hen, dass sich insoweit Tat- und Rechtsfragen teilweise überschneiden. Denn der
Sinngehalt des Eventualvorsatzes lässt sich nur im Lichte der tatsächlichen Um-
stände erschliessen (Urteil des Bundesgerichts 6B_222/2014 vom 15. Juli 2014
E. 1.3.3.).
3.3. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid das notwendige Theoreti-
sche zu den Tatbeständen der vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB
und insbesondere des Mordes im Sinne von Art. 112 StGB angeführt, worauf
verwiesen wird (Urk. 49 S. 50-52).
- 15 -
3.4. Dass der Beschuldigte einen direkten Vorsatz aufwies, †B._ zu töten,
ist – insoweit in Abweichung der vorinstanzlichen Würdigung – auszuschliessen:
Als er sie überwältigte und – wenn auch massiv – auf sie einschlug, wollte er sie
nicht töten, ansonsten er sie tatsächlich erschlagen und nicht noch lebend
zurückgelassen hätte. Zum selben Ergebnis führen auch die Tatsachen, dass er
das Opfer gefesselt und – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit –
anschliessend telefonisch die Sanität kontaktiert hat: Die Fesselung konnte
keinem anderen beabsichtigten Zweck dienen, als das verletzte Opfer daran zu
hindern, Sanität oder Polizei zu kontaktieren und damit die Verfolgung des
Beschuldigten auszulösen. Der Anruf aus der Telefonzelle nach dem Überfall
indiziert ebenfalls, dass der Beschuldigte grundsätzlich ein Überleben des Opfers
zumindest im Nachhinein favorisiert hat. Wer aber dermassen massiv auf eine
hochbetagte Person einschlägt, wie der Beschuldigte dies aufgrund der
rechtsmedizinisch belegten Verletzungen von †B._ erstelltermassen getan
hat, und sie fixiert zurücklässt, muss damit rechnen, dass das Opfer unmittelbar
stirbt. Der Beschuldigte vermag nichts zu seinen Gunsten abzuleiten, dass –
wovon gestützt auf den Bericht vom 4. Februar 1998 auszugehen ist (Ordner I,
Urk. 3.2.3. S. 12 f.) – einen zwischenzeitlich angebrachten Knebel dem Opfer
wieder aus dem Mund entfernt hat. Der Beschuldigte hat bereits bei seinem
exzessiven körperlichen Übergriff in Kauf genommen, dass das Opfer diesen
nicht überlebt. Der Deliktserfolg trat jedoch tatzeitaktuell – noch – nicht ein: Das
Opfer ist an den Schlägen nicht unmittelbar gestorben. Wenn der Beschuldigte
das schwer verletzte Opfer verschnürte und an der Türklinke fixierte, was nicht
nur verhinderte, dass das Opfer Hilfe herbeirufen konnte oder nur schon "robben"
konnte, sondern den bereits stark angeschlagenen medizinischen Zustand des
Opfers offensichtlich weiter massiv belastete, nahm er beim Zurücklassen des
Opfers in diesem Zustand wiederum in Kauf, dass dieses jederzeit versterben
könnte. Dieser Taterfolg trat dann nach 1-2 Stunden auch tatsächlich ein.
3.5. Entgegen der Verteidigung (Urk. 75 S. 2 ff.) entlastet der Umstand, dass der
Beschuldigte – mutmasslich – nach dem Überfall die Sanität kontaktierte, diesen
nicht vom Vorwurf, den Tod des Opfers in Kauf genommen zu haben: Wie bereits
erwogen (vgl. vorne, E. II.3.4.), musste der Beschuldigte aufgrund der durch ihn
- 16 -
verursachten Verletzungen und der Verschnürung des Opfers damit rechnen,
dass dieses jederzeit versterben könnte. Der Beschuldigte alarmierte nicht etwa
persönlich unmittelbar die örtliche Sanität. Vielmehr rief er die Rettungskräfte –
nicht etwa aus D._, sondern – aus J._ an (Ordner I, Urk. 1.2. S. 10). Er
liess also nach dem Überfall in D._ bis zum Anruf zumindest einige Zeit ver-
streichen. Damit hat er entgegen der Verteidigung nicht "sofort Hilfe gesucht"
(Urk. 56 S. 4; ferner Urk. 74 S. 2 ff.). Weiter belegt die Wiedergabe des aufge-
zeichneten Anrufs, dass der Beschuldigte die Rettungskräfte – mit welchem Motiv
auch immer – nicht direkt zum Opfer dirigierte: So nannte er wohl die Adresse des
Opfers, nicht jedoch dessen genauen Standort – im Gegenteil: Auf Nachfrage, ob
sich die verletzte Person bei der fraglichen Adresse auf der Strasse befinde, sag-
te der Beschuldigte "in the sea" und nicht etwa "in the house" (Ordner I,
Urk. 3.3.1.). Dies führte prompt dazu, dass die Sanität dies so verstand, es sei ei-
ne Person ins nahe Wasser gefallen und zuerst das nahe Seeufer und erst an-
schliessend und nur die Umgebung des Hauses absuchte, das Haus selber je-
doch nicht betrat (Ordner III, Urk. 5.8.). Der aktuelle Versuch der Verteidigung,
das Versterben von †B._ auf ein Versagen der Rettungskräfte zurückzufüh-
ren (Urk. 56 S. 4, S. 7 ff.; Urk. 74 S. 3), ist haltlos. Ihre Behauptung, "der Täter
hätte bezüglich den Aufenthaltsort des Opfers nicht präziser sein können", ist
schlicht aktenwidrig. Sprachliche Schwierigkeiten kann der Beschuldigte dazu
nicht zu seinen Gunsten ins Feld führen: Wer die Frage "on the road?" versteht
und mit "no, in the sea" beantwortet und die Rückfrage "in the sea?" mit "yes" be-
antwortet, hätte auch "no, in the house" sagen können, hätte er gewollt, dass die
Rettungskräfte umgehend das Haus betreten und die Verletzte auffinden. Damit in
Einklang stehen die Angabe des Beschuldigte an der Berufungsverhandlung, er
spreche Englisch "very well", und seine – halbwegs korrekte – Übersetzung von
"in the sea" mit "im Wasser" (Urk. 73 S. 1 S. 11). Die Verteidigung konzediert üb-
rigens ausdrücklich, dass der Beschuldigte "besser Englisch spricht, als der Tä-
ter" (Urk. 56 S. 8), will heissen, besser Englisch spricht, als er dies bei seinem An-
ruf am 4. Juli 1997 vorgegeben hat, zu können.
3.6. Die weitere Behauptung der Verteidigung, da der Täter nicht mit der Absicht
in das Haus eingedrungen sei, †B._ zu töten, sei die Qualifikation eines Tö-
- 17 -
tungsdelikts auszuschliessen (Urk. 56 S. 7; Urk. 74 S. 1 f.), ist wiederum haltlos:
Als Motiv für das Eindringen in das Haus des Opfers steht – obschon letztlich kei-
ne Entwendungen dokumentiert bzw. vom Beschuldigten eingestanden wurden –
ein geplantes Vermögensdelikt im Vordergrund (vgl. hinten, E. II.5.6. und III.3.3).
Für die Beurteilung der Gewalttat, die er anschliessend – wohl mit spontanem
Tatentschluss – am Opfer beging, als Tötung, ist dies jedoch irrelevant.
4. Insgesamt hat der Beschuldigte durch die dem Opfer zugefügten Ver-
letzungen sowie dessen Verschnüren das Opfer in einen offensichtlich äusserst
kritischen medizinischen Zustand versetzt, an dessen Folgen es verstarb. Damit
hat der Beschuldigte den objektiven Tatbestand von Art. 111 StGB erfüllt. Diesen
Deliktserfolg musste er – wie erwogen (vgl. vorne, E. II.3.4.) – voraussehen, und
er hat ihn billigend in Kauf genommen. Damit hat er auch – eventualvorsätzlich –
den subjektiven Tatbestand von Art. 111 StGB erfüllt.
5.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung und der herrschenden Lehre
kann Mord auch eventualvorsätzlich begangen werden (Urteil des Bundesgerichts
6B_28/2017 vom 23. Januar 2018 E. 2.3. mit Verweisen). Zur Frage einer Mord-
qualifikation hat das Bundesgericht das Folgende erwogen:
- BGE 144 IV 345 E. 2.1.1. f.:
"Eine vorsätzliche Tötung stellt sich als Mord dar, wenn fremdes Leben ausser-
gewöhnlich krass missachtet wird. Die Generalklausel 'besondere
Skrupellosigkeit' wird durch eine nicht abschliessende Aufzählung qualifizierender
Merkmale in Art. 112 StGB konkretisiert. Neben den Absichten und Motiven des
Täters (Beweggründe, Ziel und Zweck) können auch Faktoren massgebend sein,
die dem nach aussen hin in Erscheinung tretenden Tathergang zuzuordnen sind
[Verweis]. Indessen lässt sich auch die Art der Ausführung nicht losgelöst von
inneren Faktoren beurteilen, muss sie doch ebenfalls Ausdruck einer besonders
skrupellosen Haltung des Täters sein. Art. 112 StGB erfasst den skrupellosen,
gemütskalten, krass und primitiv egoistischen Täter ohne soziale Regungen, der
sich zur Verfolgung seiner Interessen rücksichtslos über das Leben anderer
Menschen hinwegsetzt [Verweis]. Entscheidend ist eine Gesamtwürdigung der
- 18 -
inneren und äusseren Umstände. Dabei können besonders belastende Momente
durch entlastende ausgeglichen werden; die Tötung kann auch erst aufgrund des
Zusammentreffens mehrerer belastender Umstände, die je einzeln womöglich
nicht ausgereicht hätten, als besonders skrupelloses Verbrechen erscheinen.
Eine besondere Skrupellosigkeit kann beispielsweise fehlen, wenn das Tatmotiv
einfühlbar und nicht krass egoistisch war, so etwa, wenn die Tat durch eine
schwere Konfliktsituation ausgelöst wurde [Verweise]."
- Urteil des Bundesgerichts 6B_832/2015 vom 25. Januar 2016 E.1.3.1.:
"Ein typischer Fall für die Mordqualifikation ist die Tötung eines Menschen zum
Zwecke des Raubes [Verweis]. Es genügt, dass die Tötung im Rahmen der Ver-
übung des Raubes stattfand. Insoweit ist unerheblich, ob der Räuber vor, wäh-
rend oder unmittelbar nach der Aneignung der Beute getötet hat und ob er dies
ohne besonderen Grund oder aus Angst vor einer Reaktion des Opfers tat [Ver-
weise]."
5.2. Gemäss Anklagevorwurf sei der Beschuldigte in dreifacher Hinsicht beson-
ders skrupellos vorgegangen: So
- habe er in krass egoistischer Weise aus Furcht vor seiner Entdeckung und
Verhaftung das Opfer im Sinne einer Zeugeneliminierung getötet,
- sei er mit seinen Schlägen und der folterähnlichen Fesselung des hochbetagten
Opfers äusserst brutal vorgegangen und
- habe er durch sein Tatvorgehen bewirkt, dass das Opfer über eine längere Zeit
einen elenden und qualvollen Todeskampf habe erleiden müssen (Urk. S. 3).
5.3. Die Verteidigung macht im Berufungsverfahren geltend, es sei nicht erstellt,
dass das Opfer nach Erleiden der Schlag-Verletzungen noch bei Bewusstsein
gewesen sei. Daher sei offen, ob das Opfer vor dem Versterben gelitten habe
(Urk. 56 S. 2).
5.4. Mit der Vorinstanz gibt es tatsächlich Indizien dafür, dass das Opfer sich
nach seiner Fesselung noch bewegte respektive zu befreien versuchte (Urk. 49
- 19 -
S. 53 mit Verweis). Allerdings lässt sich gestützt auf die vorliegende fachärztliche
Beurteilung (Ordner I, Urk. 4.1.4.) mit der Verteidigung nicht ausschliessen, dass
das Opfer kurz nach Fertigstellung der Fesselung das Bewusstsein verlor und bis
zu seinem Versterben nicht mehr erlangte. Dass das Opfer mit der Formulierung
der Anklagebehörde einen elenden und qualvollen Todeskampf erlitt, ist somit
zwar möglich und durchaus plausibel, jedoch nicht mit rechtsgenügender
Sicherheit erstellt. Entsprechend erübrigen sich weitere Erwägungen zum – im
Vorfeld der Berufungsverhandlung gestellten, aber abgewiesenen, an der
Berufungsverhandlung nicht erneuerten, hinsichtlich der praktischen
Durchführung ohnehin aussichtslosen – Beweisantrag der Verteidigung, es sei
diesbezüglich ein ergänzendes ärztliches Gutachten einzuholen (Urk. 56 S. 2 f.).
Allerdings ist dies letztlich ohne Belang.
5.5. Die aktuelle Argumentation, der "Täter" habe lediglich den Vorsatz auf einen
Raub und keine Tötungsabsicht gehabt (Urk. 56 S. 3 ff., S. 7 ff.; Urk. 74 S. 1 ff.)
steht einer Mord-Qualifikation des Tatvorgehens des Beschuldigten nicht entge-
gen: Dass der Beschuldigte zum massgeblichen Zeitpunkt, als er das Opfer
ebenso rabiat zusammenschlug wie nachher massivst verschnürte bzw. an der
Kellertüre festband und dort zurückliess, zumindest in Kauf nahm, dass das Opfer
als Folge dieser Übergriffe versterben würde – was ja dann nicht überraschend
auch eintraf – wurde vorstehend erwogen (vgl. vorne, E. II.3.4.). Ob der Beschul-
digte zum Zeitpunkt, als er sich Zugang zum Haus verschaffte, "lediglich" eine
Diebstahlsabsicht (vgl. vorne, E. II.2.3.) oder – sogar – für den Fall eines Zusam-
mentreffens mit der Hausbewohnerin – eine Raubabsicht hegte, ist für die Beur-
teilung seines späteren, tatsächlichen und vorliegend massgeblichen Vorgehens
belanglos.
5.6. Wie erwogen (vgl. vorne, E. II.2.3), besteht kein Zweifel, dass sich der
Beschuldigte Zugang zum Tatort verschaffte, um ein Vermögensdelikt zu bege-
hen. Beim Zusammentreffen mit dem Opfer schlug er derart massiv auf dieses ein
und verschnürte es anschliessend im schwer verletzten Zustand in einer Weise,
dass er damit rechnen musste, dass das Opfer an den Folgen seines Übergriffs
verstirbt. Dies tat er fraglos in der Absicht, seine Flucht zu decken und sich einem
- 20 -
Zugriff der Behörden zu entziehen. Gemäss der vorstehend zitierten Praxis han-
delt, wer im Verlauf einer Raubtat – oder auch eines Diebstahls – derart egois-
tisch motiviert sein Opfer als Zeugen oder Anzeigeerstatter eigentlich eliminiert –
oder dies zumindest in Kauf nimmt – besonders skrupellos im Sinne von Art. 112
StGB.
5.7. Bereits die Vorinstanz hat zudem absolut zutreffend erwogen, dass zusätz-
lich die Art und Weise der Tatausführung besonders verwerflich war: Der Be-
schuldigte habe dem wehrlosen, ihm körperlich unterlegenen und bereits im ho-
hen Alter befindlichen Opfer zahlreiche massive Verletzungen zugefügt. Weiter
habe er das schwer verletzte Opfer mit straff auf den Rücken gebundenen Ober-
armen an der Türklinke der Kellertüre fixiert, was dessen Atmung ausseror-
dentlich stark beeinträchtigt habe. Die Fesselung sei ebenso folterähnlich wie in
ihrer Intensität nicht notwendig gewesen (Urk. 49 S. 52 f. mit Verweis auf Ord-
ner I, Urk. 4.1.4.). Selbst wenn nicht zweifelsfrei festzustellen ist, wann genau das
Opfer das Bewusstsein verloren hat, ist doch mit der Vorinstanz davon auszuge-
hen, dass sowohl die Schmerzen als Folge der Verletzungen (Knochenbrüche,
Schulterluxation) wie die folterähnliche Fesselung beim Opfer bis zum Zeitpunkt
des Verlusts des Bewusstseins zu grossen Qualen führten.
6. Insgesamt war die Tat des Beschuldigten mit der Anklagebehörde und der
Vorinstanz sowohl im Beweggrund wie in der Art der Ausführung besonders ver-
werflich und damit besonders skrupellos im Sinne von Art. 112 StGB. Daher ist
der Schuldspruch des Mordes zu bestätigen.
III. Sanktion
1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten mit einer Freiheitsstrafe von
13 Jahren bestraft als Zusatzstrafe zur Sanktion gemäss Thuner Urteil vom
6. Juni 2018 von 7 Jahren Freiheitsstrafe (Urk. 49 S. 69).
2. Die Anklagebehörde beantragt die Bestätigung dieses Entscheides
(Urk. 63). Die Verteidigung bemängelt – eventualiter – das Strafmass als zu hoch
(Urk. 56 S. 10 f.). Mangels Anschlussberufung der Staatsanwaltschaft gilt das
- 21 -
Verschlechterungsverbot (vgl. Art. 391 Abs. 2 StPO), womit eine strengere Be-
strafung heute nicht in Frage kommt.
3.1. Die Vorinstanz hat vorab Ausführungen zum anwendbaren Recht und zu
den theoretischen Grundsätzen der richterlichen Strafzumessung angestellt. An-
schliessend hat sie erwogen, ein Strafmilderungsgrund gemäss Art. 48 lit. e StGB
liege nicht vor, da der Beschuldigte während laufender Verjährungsfrist im
Jahr 2016 in mehrfacher Hinsicht schwer delinquiert habe (vgl. Urk. 59). Es recht-
fertige sich aber die Bemessung einer Sanktion innerhalb des ordentlichen Straf-
rahmens (Urk. 49 S. 55-60). All dies ist zutreffend und wird seitens der Verteidi-
gung auch nicht gerügt (Urk. 56; Urk. 74).
3.2. Zur Tatkomponente und dort zur objektiven Tatschwere hat die Vorinstanz
erwogen, das Opfer, eine 86-jährige Frau, sei dem damals 54-jährigen
Beschuldigten im Deliktszeitpunkt körperlich bei weitem unterlegen sowie
vollständig ausgeliefert gewesen und habe keine Chance auf Gegenwehr gehabt.
Gemäss dem Obduktionsbericht habe †B._ den körperlichen Angriff noch ein
bis zwei Stunden überlebt, bevor sie starb. In dieser Zeit sei sie auf äusserst
unbequeme Weise fixiert gewesen, ihre Atembewegungen seien aufgrund der
Fesselung stark eingeschränkt gewesen und sie habe diverse Brüche,
Hämatome, eine Schulterluxation und offene Wunden aufgewiesen. Der Tod sei
durch eine massive Lungenfettembolie und infolge dessen durch akutes
Herzversagen eingetreten. Dadurch erhelle, dass †B._ auf qualvolle Art und
Weise den Tod gefunden habe (Urk. 49 S. 60). Die Wiedergabe der
medizinischen Feststellungen des Instituts für Rechtsmedizin durch die
Vorinstanz ist zwar korrekt. Allerdings kann wie vorstehend erwogen – zugunsten
des Beschuldigten – nicht ausgeschlossen werden, dass das Opfer bereits kurz
nach Verursachung ihrer Verletzungen und ihrer Fesselung durch den
Beschuldigten das Bewusstsein verlor und daher Schmerzen, Angst und Atemnot
nicht bis zum Todeseintritt zu erleiden hatte. Wenn die Vorinstanz die
Tatausführung als grausam qualifiziert, ist dies korrekt, allerdings bei Mord im
Sinne von Art. 112 StGB bereits tatbestandsimmanent. Gemäss Vorinstanz wiege
das objektive Tatverschulden mittelschwer bis schwer (Urk. 49 S. 60). Dieses von
- 22 -
der Vorinstanz vergebene Prädikat ist – trotz der soeben gemachten Korrektur –
im Ergebnis zutreffend und zu übernehmen.
3.3. Zur subjektiven Tatschwere und dort zum Motiv hat die Vorinstanz erwogen,
es habe für den Beschuldigten keinen ersichtlichen Anlass gegeben, †B._
derart schwer zu verletzen und dann mit diesen Verletzungen quälerisch gefesselt
am Tatort zurückzulassen. Es wäre ihm ein Leichtes gewesen, sich unentdeckt
vom Tatort zu entfernen, auch wenn er †B._ nicht derart massive Gewalt
angetan und insbesondere diese anschliessend in der konkreten quälerischen Art
und Weise gefesselt hätte. Somit sei die Tat nicht nur nicht nachvollziehbar,
sondern erscheine auch völlig sinnlos und grausam (Urk. 49 S. 60 f.). Entgegen
der Vorinstanz liegt das Motiv des Beschuldigten für seine Tat nicht vollends im
Dunkeln: Der Beschuldigte bestritt – eingestandenermassen – über weite
Strecken seines Lebens seinen Lebensunterhalt mit Vermögensdelikten. Obwohl
letztlich am Tatort nichts entwendet wurde, ist kaum ein anderes Motiv für das
Eindringen in das Haus des Opfers denkbar, als dass der Beschuldigte dort in den
Besitz von Wertgegenständen zu kommen hoffte (vgl. vorne, E. II.2.3.). Das Motiv
für das Gewaltdelikt liegt dann ebenfalls auf der Hand: Nach der (geplanten, in-
Kauf-genommenen oder überraschenden) Konfrontation mit dem Opfer schlug er
dieses nieder und verschnürte es, um unerkannt vom Tatort flüchten zu können
und einer Verhaftung zu entgehen. Die Tat war somit ebenso egoistisch motiviert
wie rücksichtslos. Die Intensität der Übergriffe stand sodann in der Tat in keinem
auch nur ansatzweise nachvollziehbaren Verhältnis zum mutmasslich
angestrebten Zweck: Der Beschuldigte hätte das Opfer weder derart schwer
verletzen noch derart quälerisch verschnüren müssen, um seine Flucht zu
sichern. Somit war die Ermordung von †B._ mit der Vorinstanz völlig sinnlos.
Die vorinstanzliche Erwägung, der Beschuldigte habe direktvorsätzlich gehandelt
(Urk. 49 S. 61), trifft nicht auf den gesamten Tatablauf zu: Wohl hat der
Beschuldigte das Opfer mit Sicherheit wissentlich und willentlich brutal
niedergeschlagen und anschliessend gefesselt. Wie bereits vorstehend erwogen
(vgl. vorne, E. II.3.4), ist jedoch davon auszugehen, dass er betreffend den Eintritt
des Todes beim Opfer lediglich mit Eventualvorsatz vorging. Ansonsten hätte er
einerseits das Opfer sofort getötet und andererseits den späteren Anruf bei der
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Sanität gänzlich unterlassen. Korrekt ist hingegen wieder, dass es keine
Anzeichen für eine tatzeitaktuelle Einschränkung der Schuldfähigkeit des
Beschuldigten gibt (Urk. 49 S. 61). Obschon bei weitem keine tätige Reue
auszumachen ist, ist zugunsten des Beschuldigten zu berücksichtigen, dass er
immerhin einen – unpräzise Angaben beinhaltenden – Notruf tätigte, der
zumindest theoretisch die Überlebenschancen des Opfers erhöhte, was aber
weitestgehend schon durch die Annahme von Eventualvorsatz abgegolten wird,
weshalb dieser Umstand bloss marginalst bei der Strafzumessung ins Gewicht
fällt.
3.4. Nach dem Gesagten wiegt die subjektive Tatschwere etwas weniger schwer
als die objektive. Angesichts des besonders verwerflichen Zwecks der Tat – der
Zeugeneliminierung – und der besonders verwerflichen Art und Weise der Tat-
ausführung (exzessive Gewalt gegenüber dem wehrlosen Opfer, Verschnüren
des Opfers und Fixieren des Opfers) ist insgesamt von einem mittelschweren
Verschulden auszugehen. Die Vorinstanz setzte – ausgehend von einem bei
einem mittelschweren bis schweren Verschulden – (Urk. 49 S. 61) – für die Tat-
komponente eine Sanktion von 17 Jahren Freiheitsstrafe fest, was eher milde ist.
Die vorinstanzlich veranschlagten 17 Jahre Freiheitsstrafe erweisen sich beim
heute als mittelschwer bezeichneten Verschulden – in Anbetracht der
gesetzlichen Mindeststrafe von 10 Jahren Freiheitsstrafe – ohne Weiteres als
angemessen und sicher nicht zu hoch.
3.5. Zur Täterkomponente hat die Vorinstanz den Werdegang und die per-
sönlichen Verhältnisse des Beschuldigten angeführt (Urk. 49 S. 61 f.). Darauf wird
verwiesen. An der Berufungsverhandlung wurde aktualisiert, dass es dem
Beschuldigten nach mehreren Operationen heute "sehr gut" geht, wie er selbst
zu Protokoll gab (Urk. 73 S. 2). Zu Recht hat die Vorinstanz namentlich das
heute hohe Alter des Beschuldigten von 79 Jahren sowie seine angeschlagene
Gesundheit infolge einer Krebserkrankung auch unter dem Titel der erhöhten
Strafempfindlichkeit leicht strafmindernd angerechnet. Seine (tatzeitaktuelle)
Vorstrafenlosigkeit (im Sinne von Art. 369 Abs. 1 StGB) wiegt ebenso straf-
zumessungsneutral wie sein gesamtes Nachtatverhalten, welches sich durch das
- 24 -
Fehlen eines Geständnisses sowie jeglicher Einsicht und Reue auszeichnet. Die
Verteidigung bemängelte in der Berufungserklärung die vorinstanzliche Straf-
zumessung substantiiert einzig dahingehend, es sei durch die Vorinstanz das
Beschleunigungsgebot verletzt worden (Urk. 56 S. 10). Bereits die Vorinstanz hat
sich ausführlich mit dieser Rüge auseinandergesetzt und diese zu Recht
verworfen. Darauf wird verwiesen (Urk. 49 S. 63-65). Im Übrigen sei betont, dass
selbst wenn nach Anklageerhebung im November 2020 seitens der Vorinstanz
das Beschleunigungsgebot verletzt worden wäre, dem Beschuldigten dadurch
keine spürbaren Nachteile erwachsen wären, zumal das Thuner Urteil, mit dem er
zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde, rechtskräftig war
(Beizugsakten [Akten PEN 18 46], pag. 1339 ff., pag. 1345 f.) und folglich einen
Titel für den Freiheitsentzug bildete. Eine zusätzliche Strafreduktion unter dem
Titel der Verletzung des Beschleunigungsgebots wäre nicht angezeigt.
3.6. Insgesamt führt die Beurteilung der Täterkomponente mit der Vorinstanz zu
einer geringfügigen Reduktion der nach der Beurteilung der Tatkomponente be-
messenen Strafe. Wenn die Vorinstanz für den Mord eine Strafe von 16 Jahren
gesehen hat (Urk. 49 S. 65), ist dies – unter Berücksichtigung sämtlicher straf-
zumessungsrelevanter Faktoren – keineswegs zu streng, sondern vielmehr ange-
messen, und zu übernehmen.
3.7. Sodann hat die Vorinstanz nachvollziehbar erwogen, eine gemeinsame
Beurteilung der Taten aus dem Jahr 2016 und des vorliegend zu sanktionieren-
den Mordes aus dem Jahr 1997 hätte insgesamt zu einer Freiheitsstrafe von
20 Jahren geführt, weshalb die heute auszufällende Zusatzstrafe zum Thuner Ur-
teil aus dem Jahr 2018 letztlich 13 Jahre betrage (Urk. 49 S. 65 f.). All dies ist
ebenso zutreffend wie überzeugend und zu bestätigen.
3.8. Der Beschuldigte befindet sich aktuell im Vollzug der rechtskräftigen Strafe
gemäss Thuner Urteil vom 6. Juni 2018 (Urk. 58 und 59). Vom 14. März 2020 bis
zum 16. April 2020 befand er sich im vorliegenden Verfahren in Haft (Urk. 11).
Diese Haft von 35 Tagen ist ihm auf die heute auszufällende Zusatzstrafe
anzurechnen (Art. 51 StGB).
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3.9. Nach dem Gesagten lag keine ungerechtfertigte Haft im Sinne von Art. 429
Abs. 1 lit. c StPO vor, womit der Beschuldigte – entgegen seines Antrags (Urk. 56
S. 2; Urk. 49 S. 70) – keinen Anspruch auf eine Genugtuung hat.
IV. Kosten
1. Ausgangsgemäss ist die vorinstanzliche Kostenauflage zu bestätigen
(Art. 426 StPO).
2. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist in Anwendung von § 14
und § 16 Abs. 1 der Gebührenverordnung des Obergerichts auf Fr. 4'000.-- fest-
zusetzen.
3. Im Berufungsverfahren unterliegt der appellierende Beschuldigte mit seinen
Anträgen vollumfänglich. Die Kosten dieses Verfahrens, exklusive Kosten der
amtlichen Verteidigung, sind somit dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 428
StPO). Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind – unter Vorbehalt einer Rück-
forderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO – einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen.
4. Der von Rechtsanwältin X._ für das Berufungsverfahren geltend ge-
machte Zeitaufwand ist ausgewiesen (Urk. 75). Er erscheint angemessen. Zu
berücksichtigen sind die ihr angefallenen Barauslagen und der Umstand, dass die
Berufungsverhandlung etwas länger als geschätzt dauerte. Nach dem Gesagten
ist Rechtsanwältin X._ für ihre Bemühungen als amtliche Verteidigerin im
Berufungsverfahren in Anwendung von § 3 und § 17 f. der Verordnung über die
Anwaltsgebühren des Obergerichts pauschal mit Fr. 7'400.-- (inkl. Auslagen und
MwSt.) zu entschädigen.