# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f904a9e5-9219-45d8-adf9-a1fc882b662b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967,
hat
im Jahr 1986
eine Ausbildung zum
Galvaniker
absolviert.
Ferner
wurde ihm
2011 das Fähigkeitszeugnis als Infor
matiker
ausgestellt
(
Urk.
6/3
/4
, 6/47
/4
).
Ab dem
1.
August 2009 war er bei der
Y._
,
Z._
, als Java Entwickler und Projektleiter ange
stellt
(
Urk.
6/10, 6/12). Unter Hinweis auf eine psychische Erkrankung meldete er sich am 2
5.
August 2011 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/3). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte nebst einem Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug,
Urk.
6/10) einen Arbeitgeberbericht (
Urk.
6/12) sowie Arztberichte (
Urk.
6/31 f.) ein.
Im Rahmen von Frühinterventionsmassnahmen gewährte sie sodann
zwecks Erhaltung des Arbeitsplatzes
ein Job-Coaching
(Urk. 6/29
, 6/36
).
Mit Schreiben vom 2
5.
Januar 2012 auferlegte sie dem Versicherten ausserdem eine Schadenminderungspflicht in Form einer kontinuierlichen psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung (
Urk.
6/33).
Mit Mitteilung vom 2
0.
Februar 2012 wurden die Massnahmen z
ur
Erhaltung des Arbeitsplatzes im Einverständnis mit dem Versicherten abge
schlossen (
Urk.
6/38).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(vgl. Urk.
6/44)
wies die IV-Stelle mit Verfügung vom 2
4.
September 2012 das Leistungsbegehren
in Bezug auf
eine Invalidenrente ab (
Urk.
6/45).
Dieser Entscheid erwuchs unan
gefochten in Rechtskraft.
1.2
Per Ende April 2013 wurde das Arbeitsverhältnis
mit
der
Y._
aufgelöst.
Am 8
.
Mai 2014 meldete
sich
der Versicherte
unter Hinweis auf
eine Verschlechterung des
psychische
n
Leiden
s
erneut bei der Invalidenver
siche
rung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/47).
Nach Eingang
eines aktuellen IK-Aus
zugs (Urk. 6/51) sowie
mehrerer Arztberichte (
Urk.
6/
54 f., 6/58 f.) erteilte die IV-Stelle ab Februar 2015 Kostengutsprache für eine Potentialabklärung und ver
schie
dene Integrationsmassnahmen (
Urk.
6/67, 6/76, 6/81 und 6/89). Zudem erbrachte sie Taggeldleistungen (
Urk.
6/70, 6/78, 6/83 und 6/91).
Mit Mitteilung vom 1
4.
Juli 2016 orientierte sie den Versicherten einerseits über den Abschluss des Arbeitstrainings
und
der Berufsberatung und andererseits darüber, dass über den allfälligen Rentenanspruch in einer separaten Verfügung entschieden werde
(
Urk.
6/96). Im weiteren Verlauf nahm der Versicherte ab dem
4.
August 2016 eine Tätigkeit als Mitarbeiter Oberflächentechnik in einem 50%-Pensum bei der
A._
,
B._
,
auf (
Urk.
6/97/7, 6/99). D
ie IV-Stelle
holte in der Folge
einen Bericht der behandelnden Psychiaterin
ein
(
Urk.
6/103)
und gab bei der
C._
ein polydisziplinäres Gutachten in Auftrag (
C._
-Gutachten vom 2
3.
Februar 2017,
Urk.
6/113 f.).
Mit Vorbescheid
vom 1
8.
April 2017 stellte sie dem Versicherten die Abweisung des Leistungsbegehrens
in Aussicht (Urk. 6/117), wogegen dieser Einwand erhob (vgl.
Urk.
6/120 ff., 6/134
).
Nach Eingang einer Stellungnahme der medizinischen Gutachter vom 1
9.
Septem
ber 2017 (
Urk.
6/140
) verfügte die IV-Stelle am 11.
Dezember 2017 im ange
kündigten Sinne (
Urk.
6/149 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 2
2.
Januar 2018 Beschwerde (
Urk.
1) mit dem sinngemässen Rechtsbegehren, die angefochtene Verfü
gung sei aufzuheben und es sei
ihm
eine Rente
zuzusprechen. Mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Februar 2018 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
5)
, worüber der Versicherte mit Verfügung vom
1.
März 2018 in Kenntnis gesetzt wurde (
Urk.
7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Sie kann Folge von Geburts
ge
brechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung; IVG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente
,
wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
,
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neu
anmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
ge
wissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invali
ditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine an
spruchs
begründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwer
de
fall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1
.4
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Ein
zel
fall muss eine
Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zu
mutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
-
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammen
hänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin zog in der angefochtenen Verfügung vom 1
1.
Dezember 2017 (
Urk.
2) zusammengefasst in Erwägung,
dass dem Versicherten nach Ein
gang des Leistungsbegehrens im Mai 2014 berufliche Massnahmen zugesprochen
worden seien. Diese seien
schliesslich
im A
ugust 2016 abgeschlossen worden
. In der Folge sei zwecks Prüfung eines allfälligen Rentenanspruchs ein polydiszi
pli
näres Gutachten bei der
C._
in Auftrag gegeben worden, auf welches
abgestellt werden könne. Auf
der Grundlage der plausiblen medizinischen Schluss
folgerungen
sei davon auszugehen,
dass seit September 2016 sowohl in der bisherigen als auch in einer angepassten Tätigkeit eine 80%ige Arbeitsfähigkeit
vorliege
. Bei einem Invaliditätsgrad von 20
%
bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente. Die weiteren Abklärungen im
Vorbescheidverfahren
hätten im Übrigen keine neuen medizinischen Sachverhalte ergeben, weshalb am Entscheid festgehalten werde.
2.2
In seiner Beschwerdeschrift vom 2
2.
Januar 2018
(
Urk.
1)
machte der
Beschwer
deführer
im Wesentlichen geltend,
das
C._
-Gutachten sei in mehrfacher Hinsicht mangelhaft.
Insbesondere sei das psychiatrische
G
utachten in Bezug auf die gestellten Diagnosen nicht überzeugend.
Der Vorwurf der Selbstlimitierung und des sekundären Krankheitsgewinns sei ausserdem haltlos. Im Weiteren
sei die aus
otologischer
Sicht zutreffend attestierte Arbeitsunfähigkeit von mindes
tens 20
%
zu Unrecht nicht berücksichtigt worden. Die polydisziplinär rückwir
kend ab dem Tag des Abschlusses
der Integrationsmassnahmen festgelegte Ar
beits
fähigkeit von 80
%
erweise sich als
willkürlich und nicht nachvollziehbar.
3.
Mit Verfügung vom 2
4.
September 2012
(
Urk.
6/45) verneinte die Beschwerde
gegnerin erstmals den Anspruch des Versicherten auf eine Rente der Invaliden
versicherung. Dabei wurde nach Rücksprache mit dem Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD, vgl.
Urk.
6/42/3) insbesondere in Erwägung gezogen, dass
der Be
schwerdeführer seit Febru
ar 2012 in seiner zuletzt ausgeübten
Tätigkeit wieder uneingeschränkt arbeitsfähig sei. Die Arbeitsunfähigkeit habe insgesamt weniger als ein Jahr angedauert, weshalb kein Rentenanspruch entstanden sei.
4.
4
.1
Im Rahmen der Neuanmeldung vom 1
2.
Mai 2014 machte der Beschwerdeführer
eine Verschlechterung seines Gesundheitszustandes seit Herbst 2013 geltend
(Urk. 6/47/5).
Dr.
med.
D._
stellte in ihrem Bericht vom 17. Febru
a
r
2014 die Diagnose einer depressiven Störung leichten bi
s mittleren Grades (ICD-10
F32). Ab Behandlungsbeginn im März 2013 habe der Versicherte Phasen einer Besserung gehabt, verbunden mit der Motivation, wieder zu arbeiten. In der Sitz
ung vom
9.
Januar 2014 habe er dann jedoch einen niedergeschlagenen, depressi
ven Eindruck hinterlassen. Seine Leistungen seien vom Arbeitgeber als unge
nü
gend eingestuft worden, weshalb das Arbeitsverhältnis auf den 16. Dezember 2013
aufgelöst worden sei.
Zurzeit leide der Versicherte insbesondere unter Minder
wertigkeitsgefühlen, Druck im Kopf, verminderter
Konzentration, verlangsamtem
Denken, Schlafstörungen sowie einer raschen Ermüdbarkeit. Es liege aktuell eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit vor (Urk. 6/55/4). Mit Bericht vom 1
2.
Juni 2014 wies
Dr.
D._
darauf hin, dass zwischenzeitlich keine wünschenswerte Verbesse
rung des Zustandes eingetreten sei (
Urk.
6/55/1).
4
.2
Vom
6.
bis 1
4.
März 2014 befand sich der Versicherte in der
E._
in stationärer Behandlung, wobei seitens der behandelnden Ärzte folgende Diagnosen gestellt wurden (
Urk.
6/55/2):
-
schwere depressive Episode ohne psych
otische Symptome (ICD-10 F32.2)
-
kombinierte und andere Persönlichkeitsstörungen mit emotional instabi
len und narzi
sstischen Anteilen (ICD-10 F61)
-
einfache Aktivitäts- und Aufmer
ksamkeitsstörung (ICD-10 F90.0)
Der Beschwerdeführer habe von Beginn an deutlich Mühe gehabt mit dem statio
nären Setting, da negative Erfahrungen von Fremdbestimmung und Autoritätser
leben wieder aktiviert worden seien. Gleichzeitig habe er das häusliche Umfeld vermisst. Er habe von Beginn an mitgeteilt, dass er bei deutlich bestehendem Leidens
druck nicht den Eindruck habe, von den Therapieangeboten profitieren zu können. Nach einer Woche sei man im gemeinsamen Gespräch zum Schluss ge
kommen, dass eine vollstationäre Behandlung zum aktuellen Zeitpunkt nicht ziel
führend sei und vor allem eine rückführende Tendenz in alte, in der Jugend erlebte traumatische Erlebnisse zur Folge hätte, sodass im gegenseitigen Einver
nehmen ein Austritt vereinbart worden sei. Empfehlenswert sei eine ambulante, störungsspezifische Psychotherapie mit dem Fokus auf Strukturstärkung. Aktuell bestehe eine 100%ige
Arbeitsunfähigkeit, wobei mittelfristig bei der vorliegenden Störung nicht von einer Besserung auszugehen sei (
Urk.
6/55/3).
4
.3
In ihrem Bericht vom 1
9.
September 2014 stellte
Dr.
D._
die Diagnose einer schweren depressiven Störung mit teilweise fraglichen psychotischen Symp
tomen (
Urk.
6/59/1).
Die depressive Symptomatik zeichne sich durch eine rasche Erschöpfbarkeit und Schlafstörungen aus. Zudem liege in unterschied
li
cher Ausprägung ein Tinnitus vor. Bis zum 3
0.
September 2014 und wahrschein
lich auch darüber hinaus bestehe weiterhin eine gänzliche Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
6/59/2).
4.4
Mit Verlaufsbericht vom
5.
September 2016 teilte
Dr.
D._
mit, dass sich
die schwere Depression mit ausgeprägtem Erschöpfungssyndrom und einer Lebens
sinnkrise deutlich gebessert habe. Die Energie sei zurückgekehrt und der Ver
sicherte sei motiviert, sich schrittweise wieder in einen Arbeitsprozess zu inte
grieren. Nach wie vor leide er jedoch unter einem Tinnitus bei zu viel Stress und sei in
diesem Zusammenhang
auf Ruhepausen angewiesen (
Urk.
6/103/1).
4.5
4.5.1
Dem polydisziplinären
C._
-Gutachten vom 2
3.
Februar 2017 sind im Wesentlichen folgende Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit zu entnehmen (
Urk.
6/113/40 f.):
-
dekompensierter
Tinnitus
auris
beidseits bei
-
gleichzeitig best
ehender depressiver Symptomatik
-
leichter beginnender In
nenohrschwerhörigkeit beidseits
-
passiv-aggressive (
negativistische
) Persönl
ichkeitsstörung (ICD-10 F60.81)
-
psychische Faktoren und Verhaltenseinflüsse bei andernorts klassifi
zier
ten Krankheiten (ICD-10 F54) im
Rahmen der Tinnitus-Erkrankung
-
leichtes
thorako
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom
Als Diagnosen ohne
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
nannten die
Sachver
stän
digen demgegenüber
namentlich
folgende (
Urk.
6/113/41):
-
rezi
di
vierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33
.4)
-
Adipositas Grad III
-
Hyperbilirubinämie
, differentiald
iagnostisch Morbus
Meulengracht
4.5.2
Im Rahmen der Untersuchung durch
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Allge
meine Innere Medizin und Rheumatologie, habe der Versicherte
über chronische und belastungsabhängige Rückenschmerzen geklagt, welche sich in letzter Zeit akzentuiert hätten. Die Schmerzen träten einerseits bei lange unveränderter Kör
perposition und andererseits beim Heben und Tragen
sogar geringer
Lasten auf. Bis anhin seien weder medikamentöse noch physiotherapeutische Behandlungen der
muskuloskelettalen
Beschwerden durchgeführt worden (
Urk.
6/113/17 f.).
Aus ärztlicher Sicht habe sich ein leichtes
thorakolumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei Hohl-/Rundrücken sowie leichter Skoliose, diskreten degenerativen Verän
derungen der Hals- und Lendenwirbelsäule und moderatem
Baastrup
-Phänomen
an den Lendenwirbelkörpern 3-5
eruieren lassen.
Hinsichtlich des anamnestisch vorhandenen Morbus Scheuermann habe die aktuelle bildgebende Untersuchung einzig diskrete Veränderungen der kaudalen Brustwirbelsäule und des
thorako
lumbalen
Übergangs ergeben. Die vom Versicherten geschilderten Lumbalgien
und Schmerzen im Nacken sowie im dorsalen Schultergürtelbereich beidseits beim
Heben respektive Tragen
geringer Lasten von zwei bis fünf Kilogramm könne unter Berücksichtigung der objektivierbaren klinischen und radiologischen Be
fun
de aus fachärztlicher Sicht nicht erklärt werden. Die Selbsteinschätzung der körperlichen Leistungsfähigkeit
habe
im Bereich einer mindestens mittelschweren körperlichen Tätigkeit mit seltenem Heben und Tragen von Lasten bis 25 Kilo
gramm gelegen. Eine Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit könne von rheumatologischer Seite lediglich für schwere berufliche Tätigkeiten mit repetitivem Heben schwerer Lasten begründet werden. Eine quantitative oder qualitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in der aktuell vom Versicherten ausgeführten beruflichen Tätigkeit sei vor diesem Hintergrund nicht nachvoll
ziehbar (
Urk.
6/113/43).
4.5.3
Dr.
med. G._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, hielt in ihrer Teilexpertise fest, dass sich der Versicherte dahingehend geäussert habe, unter keinen allgemein-
internistischen Beschwerden zu leiden (
Urk.
6/113/36).
Aus ärztlicher Sicht
habe sich
eine Adipositas Grad III bei einem Body-Mass-Index von 40 kg/m
2
sowie eine
Hyperbilirubinämie
feststellen lassen. Diese Erkran
kungen hätten allerdings keine Einschränkungen in Bezug auf die Arbeits
fähig
keit zur Folge (
Urk.
6/113/38 f.).
4.5.4
Im Zuge der Untersuchung durch
Dr.
med. H._
, Fachärztin für
Oto
-
Rhino
-Laryngologie, habe der Beschwerdeführer im Wesentlichen berichtet, seit mindestens sechs bis maximal zehn Jahren unter einem beidseitigen Tinnitus zu leiden. Mit diesem Geräusch habe er über viele Jahre gut leben können; es habe ihn nicht wirklich gestört. Seit Ende 2013 respektive Anfang 2014 sei der Tinnitus jedoch deutlich verstärkt vorhanden, sodass er mittlerweile zur Qual geworden sei. Es sei ein penetrantes Geräusch, welches auch nicht durch normalen Umge
bungslärm kaschiert werden könne und eigentlich ständig vorhanden sei. Nicht nur wegen des Tinnitus leide er unter Schlafproblemen, sodass er ein bis zwei Mal pro Woche eine komplette Nacht nicht schlafen könne. Dies relativiere sich allerdings, da er meistens in der darauffolgenden Nacht jeweils einen genügenden Schlafdruck habe
,
um den Schlaf nachzuholen
(
Urk.
6/114/1)
.
Gemäss
Dr.
H._
habe der Versicherte im strukturierten und validierten Tinnitus-Interview, welches
ein guter Indikator für die psychische Gesamtbelastung des Tinnitus sei, mit
32 von maximal 40 Punkten ein ganz klar
dekompensiertes
Stadium erreicht. Die ununterbrochene Präsenz und Aufdringlichkeit des Ohrgeräusches sei die Haupt
quelle der subjektiven
Tinnitusbelastung
.
Der Tinnitus lenke den Versicherten von Tätigkeiten ab und beeinträchtige die Konzentration.
Sowohl d
as erhöhte An
spannungsgefühl
als auch
die vegetative Übererregbarkeit
sowie die
Schlafprob
leme
würden
häufig mit einem Tinnitus einher
gehen
. Zudem bestehe ein deut
licher Zusammenhang des Schweregrades der Depression mit dem Tinnitus. Ins
gesamt sei die
Tinnitusbelastung
beim Beschwerdeführer nachvollziehbar. Bei
Verbesserung der depressiven Symptomatik
müsse auch von einer Verringerung
der
Tinnitusbelastung
ausgegangen werden. Vorläufig sei eine mindestens 20%ige
tinnitusbedingte
Arbeitsunfähigkeit zu attestieren, welche durch die vermehrte Pausenbedürftigkeit infolge Ablenkung durch den Tinnitus bei erhöhter Konzen
trationsleistung begründet sei. Als Hauptursache der Arbeitsunfähigkeit sei im eigentlichen Sinne nicht der Tinnitus einzustufen, sondern die psychiatrische Grunderkrankung (
Urk.
6/114/2 f.).
4.5.5
Dem neuropsychologischen Teilgutachten von
di
pl.
psych.
I._
ist im Wesentlichen zu entnehmen, dass die Untersuchung ein sehr heterogenes Leis
tungs
bild ergeben habe. In einigen Testverfahren sei eine recht gute Leistungs
fähigkeit gezeigt worden;
in anderen habe der Versicherte jedoch unterdurch
schnittliche bis weit unterdurchschnittliche Ergebnisse erzielt. Die Ergebnisse der formalisierten
Beschwerdenvalidierung
seien teilweise hoch auffällig gewesen. Bei einfachen Gedächtnisaufgaben seien die Resultate im Leistungsbereich von hospitalisierten Demenz-Patienten im fortgeschrittenen Stadium gelegen. Eine derart schwere kognitive Störung liege beim Versicherten allerdings nicht vor.
In der Gesamtbeurteilung bestünden unter Einbezug der Verhaltensbeobachtung, der Ergebnisse der
Beschwerdenvalidierung
sowie des Testprofils inklusive der eingebetteten Verfahren erhebliche Zweifel an einer ausreichenden Mitwirkung des Beschwerdeführers in der Untersuchung. Aufgrund der verminderten Koope
rationsbereitschaft habe kein gültiges Testprofil erhalten werden können. Mit den in den Akten beschriebenen Diagnosen seien die aktuell erhobenen, ausgeprägten Minderleistungen nicht zu vereinbaren. Zudem bestehe eine deutliche Diskrepanz zum Leistungsniveau im Alltag. Es seien Hinweise für eine bewusstseinsnahe Selbstlimitierung bei angestrebtem Krankheitsgewinn vorhanden.
Es könne aller
dings nicht darauf geschlossen werden, dass keine kognitiven Einbussen vorlie
gen. Im Rahmen affektiver Störungen seien leichte bis moderate kognitive Ein
schränkungen möglich, auch nach Besserung der depressiven Symptomatik. Die Abschätzung allenfalls tatsächlich vorhandener Leistungseinbussen sei auf der
Grundlage der vorliegenden Testergebnisse jedoch nicht möglich (
Urk.
6/114/9 f.).
4.5.6
Anlässlich der psychiatrischen Exploration durch
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, habe der
Versicherte berichtet, unter
verschiedenen Beschwerden
wie häufigen Kopf- und Nackenschmerzen und einem
hartnäckigen Tinnitus
zu leiden. Ausserdem könne er mit Stress nicht mehr um
gehen. Begonnen hätten die Beschwerden etwa im Jahr 2011; damals sei er auch aufgrund einer Depression und einer Aufmerksamkeitsdefizit-
/
Hyperaktivitäts
störung (ADHS)
in psychiatr
ischer Behandlung gewesen (Urk.
6/113/21).
Im Rah
men der Untersuchung sei der Beschwerdeführer gemäss
Dr.
J._
wach,
bewusstseinsklar, teils zugewandt und teils verschlossen, jedoch soweit aus
kunft
s
bereit und kooperativ gewesen. Er habe sich zu Ort, Zeit, Person und Situation vollumfänglich orientiert gezeigt.
Im Weiteren hätten sich weder in Bezug auf das formale noch auf das inhaltliche Denken Anhaltspunkte für Störungen er
geben.
Gleiches gelte für Zwänge und Rituale
.
In Bezug auf den Schlaf habe der Explorand auf teilweise massive Beeinträchtigungen durch den Tinnitus hinge
wie
sen, wobei sich i
m Gesprächsverlauf keine Erschöpfung oder Ermüdung
habe
objektivieren lassen
.
Affektiv habe der Versicherte mehrheitlich
euthym
impo
niert, teilweise jedoch auch wenig schwingungsfähig, auslenkbar und verschlossen
. Er habe gewisse Ängste unter Menschen in der Öffentlichkeit beschrieben.
Hin
sichtlich Antrieb und Psychomotorik hätten sich keine Auffälligkeiten feststellen lassen. Anhaltspunkte für eine akute Selbst- oder Fremdgefährdung hätten eben
falls nicht vorgelegen (
Urk.
6/113/23).
Aus psychiatrischer Sicht
erfülle der Versicherte unter Berücksichtigung der
Vorakten
die Diagnosekriterien für eine rezidivierende depressive Störung. Aktu
ell sei diese jedoch als remittiert zu be
trachten
. Auch die behandelnde Psy
chia
terin habe von einer Verbesserung berichtet. Infolge der Remission der de
pres
si
ven Erkrankung sei mit Blick auf die Tinnitus-Diagnose
nicht auf eine
Anpas
sungsstörung, sondern
auf
die Diagnose «psychische Faktoren und Verhaltens
einflüsse bei andernorts klassifizierten Krankheiten
»
(ICD-10 F54)
zu schliessen. Das Vorliegen von ADHS sei aus gutachterlicher Sicht möglich
, allerdings würden einige Aspekte an dieser Diagnose zweifeln lassen. So habe der Versicherte in der Kindheit gerne Orgel gespielt und eine solche auch selbst zusammengebaut. Die autodidaktische Aneignung von Computer- und
Sofw
are
-Programmierkennt
nissen setz
e ebenso eine gewisse kognitive Beschäftigung und Ausdauer voraus, was eher gegen die Diagnose ADHS spreche. Einzig die Stellenwechsel seien ein mögliches Anzeichen für die Diagnose, jedoch seien diese eventuell auch bran
chen
bedingt typisch beziehungsweise häufiger. Hinsichtlich der Persönlichkeit des Exploranden
sei anzumerken, dass er im Zuge der Untersuchung zurück
haltend bis verschlossen gewirkt habe. Bereits am nächsten Tag habe er allerdings eine geharnischte
E-
Mail
an ihn [den Gutachter] geschrieben, unter anderem mit dem Inhalt, sich manchmal wie ein Stück Dreck zu fühlen und als Simulant abgetan zu werden.
Aus gutachterlicher Sicht seien insgesamt die Aspekte einer
passiv-aggressiven (
negativistischen
) Persönlichkeitsstörung erfüllt (ICD-10 F60.
81). Insbesondere verschleppe der Versicherte Routineaufgaben, sei trotzig, «ver
gesse» Verpflichtungen, sei reizbar bei unwillkommenen Bitten und könne Kritik respektive Autoritätspersonen nicht ertragen. Lebensgeschichtlich lasse sich die Persönlichkeitsstörung anhand der frühen Prägung durch die Zeit im Heim miterklären
(
Urk.
6/113/29 f.).
Aus rein psychiatrischer Sicht sei zurzeit
unter Einbezug der erhaltenen Funk
tionen und Ressourcen
von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit in der aktuell vom Versicherten ausgeübten Tätigkeit als
Galvaniker
auszugehen. Für die ursprüng
liche Tätigkeit im IT-Bereich sei eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % anzunehmen. Diese Einschätzung habe seit
September 2016 Geltung
. Retrospektiv habe ab Januar 2014 eine 100%ige,
ab August 2014 eine 80%ige, ab Januar 2015 eine 60%ige und ab Mai 2015 eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen
(Urk. 6/113/33 ff.).
4
.5.7
Im interdisziplinären Konsens gelangten die Gutachter zur Auffassung, dass
dem Versicherten körperlich schwere Arbeiten mit repetitivem Heben und Tragen schwerer Lasten aus rheumatologischer Sicht nicht mehr zumutbar seien. F
ür die aktuell ausgeübte Tätigkeit als Mitarbeiter in der Oberflächentechnik
wie auch für jegliche körperlich leichte und mittelschwere berufliche Tätigkeit
sei
von einer 20%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen
. Eine Einschränkung von 30
%
liege aus psychischen Gründen für die Tätigkeit als IT-Fachkraft vor
. D
er
Beginn der attestierten Arbeitsunfähigkeit
sei auf September 2016 festzusetzen
. Retrospektiv gelte die Einschätzung des psychiatrischen Gutachters
(Urk.
6/113/44
f.
).
4.5.8
Nach entsprechender Rückfrage durch die Beschwerdegegnerin (vgl.
Urk.
6/138)
hielten Dr.
J._
und
dipl.
psych.
I._
mit Stellungnahme vom 19. Septem
ber 2017 (
Urk.
6/140) jeweils an ihrer Beurteilung fest und erachteten die vom Versicherten im
Vorbescheidverfahren
erhobene
Kritik (vgl. Urk. 6/134) als unge
rechtfertigt.
5
.
5
.1
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch des Versicherten zu Recht verneint hat (vgl. E. 2.1 f.). Da in erster Linie
das poly
dis
ziplinäre
C._
-Gutachten als Grundlage für die angefochtene Verfü
gung diente, ist vorab auf dessen Beweiswert einzugehen.
Die Expertise basiert auf umfassenden rheumatologischen, psychiatrischen, neu
ro
psychologischen, internistischen sowie
oto-rhino-laryngologischen
Abklärung
en
und wurde in Kenntnis der
Vorakten
erstellt (
Urk.
6/113/5 ff.
, 6/114/1
f.
). Der Ver
sicherte konnte gegenüber den einzelnen Sachverständigen seine aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesen jeweils - soweit fachspezifisch erforderlich - eingehend befragt. Er konnte sich insbesondere auch zu verschie
denen Themenkomplexen wie dem beruflichen Werdegang, der familiären Situa
tion sowie dem gewöhnlichen Tagesablauf äussern (
Urk.
6/113/15 ff., 6/113/
21 ff.,
6/113/36 f., 6/114/1 f. und 6/114/6 f.). Die geklagten Leiden fanden sodann im Zuge der Feststellung der Diagnosen Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit dargelegt und erläutert wurden (
Urk.
6/113/
28 ff., 6/113
/33 ff., 6/113/3
9, 6/113/40 ff.,
6/114/2 f.
und 6/114/9 f.
).
Ausserdem
erfolgte eine Auseinan
der
setzung mit vorangegangenen
ärztlichen Beurteilungen (
Urk.
6/113/
25
ff., 6/113/42
)
. Insgesamt erfüllt das
C._
-Gutachten somit die formellen Krite
rien für eine beweiswerte medizinische Expertise (vgl. E. 1.5).
5
.2
Von rheumatologischer Seite
wurde nachvollziehbar dargelegt, weshalb der Be
schwerdeführer
aufgrund des leichten
thorakolumbovertebralen
Schmerzsyn
droms
keine körperlich schweren Arbeiten mit repetitivem Heben und Tragen von schwe
ren Lasten mehr ausführen kann (
Urk.
6/113/43). Dies wird denn auch von beiden Parteien nicht in Frage gestellt. Gleiches gilt in Bezug auf die Ein
schätzung der Internistin
Dr.
G._
, wonach sich namentlich
die morbide Adi
positas nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (
Urk.
6/113/38 f.).
In
oto-rhino-laryngologischer
Hinsicht wurde ein
dekompensierter
Tinnitus
auris
beidseits
diagnostiziert (
Urk.
6/114/2). Eine organisch ausgewiesene Schädigung als Ursache
für den Tinnitus konnte nicht
eruiert
werden
. Vielmehr besteht
gemäss
Dr.
H._
ein deutlicher Zusammenhang
zwischen dem Schweregrad der Depression und dem Tinnitus.
In einer solchen Konstellation ist
die
Frage, ob die von
Dr.
H._
attestierte Arbeitsunfähigkeit aus rechtlicher Sicht
überzeugt
(vgl.
Urk.
1 S. 1), in Nachachtung der bundesgerichtlichen Praxis
im Rahmen der nachfolgenden
Indikatorenprüfung
zu
beurteilen
(Urteil des Bundesgerichts 8
C_175/2018 vom 27.
September 2018 E. 6
mit Hinweisen
).
5.3
5.3.1
Uneinigkeit besteht bezüglich der Frage, ob auf das psychiatrische
Teilgutachten von
Dr.
J._
abgestellt werden kann.
In diesem Zusammenhang ist vorab festzuhalten, dass das Bundesgericht zwischenzeitlich erkannt hat, dass nunmehr grundsätzlich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfah
ren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind.
In intertemporalrechtlicher Hinsicht ist sinngemäss wie in BGE 137 V 210 (betreffend die rechtsstaatlichen Anfor
derungen an die medizinische Begutach
tung) vorzugehen. Nach diesem Entscheid verlieren gemäss altem Verfahrens
standard eingeholte Gutachten nicht per se ihren Beweiswert. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Ein
zel
falls mit seinen spezifischen Ge
gebenheiten und den erhobenen Rügen ent
scheidend, ob ein abschliessendes Abstellen auf die vor
handenen Beweisgrund
lagen vor Bundesrecht standhält (BGE a.a.O. E. 6 in
initio
). In sinngemässer An
wendung der nunmehr materiell-beweisrechtlich geänderten Anforderungen ist in jedem einzelnen Fall zu prü
fen, ob die beigezogenen admi
nistrativen und/oder gerichtlichen Sachverständi
gengutachten – gegebenenfalls im Kontext mit weite
ren fachärztlichen Berich
ten – eine schlüssige Beurteilung im Lichte der mass
geblichen Indikatoren er
lauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe
und -dichte kann zudem unter Um
ständen eine punktuelle Ergänzung genügen (BGE 141 V 281 E. 8).
5.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systemati
siert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/
2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
5.3.3
Diese Standardindikatoren erlauben
- unter Berücksichtigung leistungshin
dern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
so
urcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schät
ze
n
(BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017
vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.3). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der
Standardindikatoren
schlüssig und widerspruchsfrei mit überwie
gen
der Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit die materiell beweisbelastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; 141 V 547 E. 2).
5.4
5.4.1
Zum Komplex
«
Gesundheitsschädigung
»
ist festzuhalten, dass
Dr.
J._
nebst einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4), eine
passiv-aggressive (
negativistische
) Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.81) sowie psychische Faktoren und Verhaltenseinflüsse bei andernorts klassi
fi
zierten Krankheiten (ICD-10 F54) im Rahmen der Tinnitus-Erkrankung diag
nostizierte (
Urk.
6/113/
34).
Dies habe jeweils eine leichte Beeinträchtigung der Anpassungsfähigkeit
an Regeln und Routinen, der Planung und Strukturierung von Aufgaben, der Proaktivität und Spontaneität, der Kompetenz- und Wissens
anwendung, der Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie der Widerstands-, Durchhalte- und Gruppenfähigkeit zur Folge (
Urk.
6/113/34,
6/113/44).
Aufgrund dessen sei der Beschwerdeführer auf eine selbstwerterhöhende Tätigkeit mit ge
rin
gem Zeitdruck und Arbeitstempo, selbstbestimmbaren Arbeits- und Pausen
zeiten sowie geringen Anforderungen an die Team- oder Gruppenfähigkeit
ange
wiesen (
Urk.
6/113/36
, 6/113/45
).
Unbestritten ist, dass die depressive
Symptomatik zwischenzeitlich remittiert ist, was nicht nur angesichts des von
Dr.
J._
erhobenen Psychostatus
über
zeugt
(vgl.
Urk.
6/113/23), sondern auch
mit Blick auf den der Begutachtung vor
an
gegangenen Bericht
der behandelnden P
sychiaterin
Dr.
D._
vom 5.
Septem
ber 2016
naheliegt
(
Urk.
6/103).
Soweit der Beschwerdeführer hinsicht
lich der Persönlichkeitsstörung den vom Gutachter verwendeten Diagnose-Code in Frage stellt
(
Urk.
1 S. 2)
, ist zum einen darauf hinzuweisen, dass nicht die diagnostische Einordnung eines Gesundheitsschadens, sondern dessen konkrete Auswirkungen auf die Arbeits- und Leistungsfähigkeit entscheidend sind (Urteil des Bundesgerichts 9C_228/20
13 vom 2
6.
Juni 2013 E.
4.1.4).
Zum anderen
legte
Dr.
J._
dar, dass sich insbesondere für eine narzisstische Persönlichkeit sowohl im Rahmen der Exploration als auch aktenanamnestisch keine ausge
prägten Anhaltspunkte ergeben hätten
(Urk. 6/113/30).
Es bleibt unklar, inwie
fern der Versicherte darin einen Widerspruch zu seine
r persönlichen Einschät
zung
erkennen will
, wonach sein
Narzissmusantei
l
nie speziell hoch gewesen sei
.
Auch die
übrigen Einwände des Beschwerdeführers (
Urk.
1 S. 1 f.)
sind nicht ge
eignet,
d
ie
Schlussfolgerungen
des psychiatrischen Sachverständigen
zu entkräf
ten
.
So hielt
Dr.
J._
in Kenntnis der vorangegangenen medizinischen
Akten
fest, dass kein sicherer Hinweis für eine bipolare Störung vorliege, da es keine Anzeichen für eine in diesem Kontext zwingend vorausgesetzte Manie oder Hypomanie gebe
(
Urk.
6/113/28)
.
Solche sind namentlich auch den Berichten der seit März 2013 behandelnden Psychiaterin
Dr.
D._
nicht zu entnehmen (vgl.
Urk.
6/59, 6/103 und 6/134/18). Von weiteren Abklärungen sind in diesem Kontext daher entgegen der
Argumentation des Versicherten keine neuen
ent
scheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwarten
, s
odass darauf zu verzichten ist (anti
zi
pierte
Beweiswürdigung; BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157 E. 1d, 136 I 229 E. 5.3).
Betreffend ADHS führte
Dr.
J._
sodann aus, dass
basierend auf der Lebensgeschichte des Versicherten mit vielen Jobwechseln und teilweiser Unter
forderung bei der ursprünglichen Tätigkeit als
Galvaniker
im Ergebnis nicht aus
zuschliessen
sei
, dass dieses Syndrom
vorliege
. Eher gegen diese
Erkrankung
spreche jedoch das Orgelspiel in der Kindheit sowie die autodidaktische Aneig
nung von Computer- und Softwareprogrammierkenntnissen, da dies eine gewisse kognitive Beschäftigung und Ausdauer voraussetze.
Der Versicherte sei
ausser
dem
in der Lage gewesen, beruflich über lange Zeit in der IT-Branche Fuss zu fassen
und Karriere zu machen (Urk. 6/113/29 f.).
In Anbetracht dieser
nachvoll
ziehbaren Überlegungen
kann
auf die
Schlussfolgerung
des Gutachters
abgestellt werden
,
wonach
die Diagnose ADHS
nicht
gestellt werden k
ann
.
Eine
direkte
Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
lässt sich folglich
in diesem Zusammenhang
nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
her
leiten.
Entscheidend
und zusätzlich zu prüfen ist
im Folgenden
allerdings
rechtspre
chungsgemäss, ob nach den übrigen Standardindikatoren auf einen funktionellen Schweregrad der psychischen Störung
en
zu sc
hliessen ist, der sich nach der
en konkreten Auswirkungen und insbesondere danach beurteilt, wie stark die versi
cherte Person in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktions
berei
chen
dadurch beeinträchtigt ist (BGE 143 V 418 E. 5.2.3).
5.4.2
Zum Indikator der Therapieresistenz ist anzumerken, dass
mittels einer
ambu
lanten
psychiatrische
n
Behandlung eine Remission der rezidivierenden depressi
ven Störung erreicht werden konnte.
Im Falle des erneuten Auftretens der Symp
tomatik wäre aus Sicht der Gutachter die Wiederaufnahme einer antidepressiven Psychopharmakotherapie zu evaluieren. Folglich
sind
die Behandlungsmöglich
keiten auch bei einer allfälligen zukünftigen depressiven Episode
nicht aus
ge
schöpft.
In Bezug auf die
Persönlichkeitsstörung und den
Tinnitus
wurde aus psychiatrischer und
otologischer
Sicht ausserdem eine kognitive Verhaltens
therapie empfohlen
(
Urk.
6/113/33, 6/113/45 und 6/114/3).
5.4.3
In Bezug auf den Indikator «Komorbiditäten
»
ist zu bemerken, dass Wechsel
wir
kungen zwischen der - aktuell remittierten - rezidivierenden depressiven Störung
und dem
dekompensierten
Tinnitus bestehen.
So trete
Letzterer
gemäss
Dr.
H._
vermehrt zum
Vorschein, wenn es dem Versicherten psychisch schlecht gehe.
Es bestehe ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Schweregrad der Depression und dem Tinnitus.
Die Hauptursache der Arbeitsunfähigkeit bilde
daher
nicht der Tinnitus, sondern die psychische Grunderkrankung (
Urk.
6/114/2 f.).
Entgegen der Auffassung des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
1 S. 1) besteht somit keine Dis
krepanz zwischen der
oto-rhino-laryngologischen
und der polydisziplinären Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit
. Auch
im Rahmen der Konsensbesprechung ge
langten die Sachverständigen zum Schluss, dass die
aus
otologischer
Sicht atte
stierte Arbeitsunfähigkeit in derjenigen, welche von psychiatrischer Seite atte
stiert wurde, enthalten sei
(
Urk.
6/113/43 ff.). Dies erweist sich angesichts des Um
stands, dass die Hauptursache der Arbeitsunfähigkeit in der psychischen Grund
erkrankung zu sehen ist, als
schlüssig
.
Das
thorakolumbovertebrale
Schmerzsyndrom beschrieben die Gutachter als leicht und beeinträchtigend lediglich für schwere berufliche Tätigkeiten, welche
den Tätigkeitsbereich des Beschwerdeführers nicht berühren (vgl. E. 4.5.2). Der ent
sprechenden somatischen Begleiterkrankung sind daher keine ressourcen
hemmen
d
e Wirkung zuzuschreiben.
5.4.4
Was den Komplex «Persönlichkeit» anbelangt, gilt es zu beachten,
dass eine
passiv-aggressive (
negativistische
) P
ersönlichkeitsstörung (ICD-10 F
60.81)
vor
liegt
.
Gemäss Einschätzung von
Dr.
J._
seien die komplexen Ich-Funk
tio
nen jedoch trotzdem mehrheitlich gegeben respektive ressourcenmässig vorhan
den. Die Aspekte Realitätsprüfung und Urteilsbildung sowie die Beziehungsfähig
keit und die Kontaktgestaltung seien beim Versicherten im Alltag gegeben. Er sei darüber hinaus auch in der Lage, seine Interessen - soweit ihm möglich
–
durch
zusetzen
und habe beispielsweise auch im Rahmen des Wiedereingliederungs
prozesses
Tätigkeiten organisiert. Teils p
ersönlichkeits-störungsbedingt reagiere der Beschwerdeführer allerdings bei Widerstand oder Ablehnung mit Enttäu
schung, Verbitterung und einer depressiven Reaktion sowie teilweise mit einem Vermeidungsverhalten (
Urk.
6/113/31).
In diesem Sinne ist eine ressourcen
hemmende Wirkung der Persönlichkeitsstruktur anzuerkennen.
5.4.5
Zum sozialen Lebenskontext
hielt
Dr.
J._
gestützt auf die Aussagen des Beschwerdeführers fest, dass jener mit seiner Ehefrau und einem erwachsenen Sohn in einem Haus wohne. Sowohl zu ihnen als auch zu seinen weiteren drei Söhnen pflege er ein
sehr
gutes Verhältnis.
Er habe darüber hinaus zwei gute Freunde; mehr
brauche er nicht. Er sei schon immer eher ein Einzelgänger gewesen.
Zu seiner Mutter habe er kaum Kontakt, da diese an Schizophrenie erkrankt sei und psychotisch sowie vorw
urfsvoll
imponiere. Zum Vater habe der Versicherte zwei Jahre vor dessen Tod wieder
eine Beziehung aufbauen und sich versöhnen können
(
Urk.
6/113/22 f.
, 6/113/32).
Ob
sich
der Beschwerdeführer
wie in den Jahren zuvor weiterhin in der Freikirche engagiert (vgl.
Urk.
6/32/3, 6/39/3), lässt sich den Akten nicht entnehmen.
Unabhängig davon
ist ein krank
heitsbedingter sozialer Rückzug
jedenfalls
nicht ausgewiesen. D
er Versicherte verfügt über ein
stützendes Beziehungsnetz, welches begünstigende Ressourcen bereithält.
Aus gutachterlicher Sicht ist er grundsätzlich auch mit einer guten lebenspraktischen und kommunikativ
en Kompetenz ausgestattet (Urk.
6/113/32).
5.4.6
In Bezug auf die beweisrechtlich entscheidende Kategorie «Konsistenz» ist
zu
nächst
festzuhalten, dass
sich anlässlich der psychiatrischen Exploration keine Anhaltspunkte für eine Simulation oder eine Dissimulation ergaben. Trotz ge
wissen Auffälligkeiten in der neuropsychologischen Testung
konnten keine siche
ren Indizien für eine ausgeprägte Aggravationstendenz nachgewiesen werden (
Urk.
6/113/33
).
Es ist nicht zu beanstanden, dass
Dr.
J._
die Ergebnisse der neuropsychologischen Untersuchung in seine Beurteilung miteinfliessen liess
. Den
von
dipl.
psych.
I._
festgestellten Hinweisen auf eine bewusstseinsnahe
Selbstlimitierung
bei angestrebtem
sekundären Krankheitsgewinn
(vgl.
Urk.
6/114
/10
,
6/140
) wurde
im Rahmen des
ärztlichen
Ermessensspielraums
und
entgegen der Argumentation des Beschwerdeführers (vgl.
Urk.
1 S. 2 f.)
ange
messen Rechnung getragen.
So bildete dieser Gesichtspunkt
unter anderem neben
der eigenständigen Befunderhebung
sowie der einlässlichen Auseinandersetzung mit den
Vorakten
bloss ein Element der Beurteilung
und wirkte sich im Ergebnis nicht in erheblicher Weise auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit aus.
Zur Konsistenz gilt es im Weiteren zu beachten, dass
keine gleichmässige Ein
schränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleichbaren Lebensbereichen zu erkennen ist.
Der Beschwerdeführer hat im August 2016 eine
Tätigkeit als Mit
arbeiter Oberflächentechnik bei der
A._
aufgenommen, wobei
das ini
tial 50%ige Arbeitspensum
noch im gleichen Monat
auf 25
%
reduziert wurde (
Urk.
6/99, 6/113/16)
.
Im weiteren V
erlauf wurde das Pensum wieder
auf etwa 50
%
erhöht, wobei der Versicherte gemäss eigenen Angaben dabei eine etwas geringere Produktionsleistung erbringt (
Urk.
1 S. 3).
Den rund halbstündigen Arbeits
weg legt er jeweils mit seinem Personenwagen zurück. Nach seiner Heim
kehr nimmt er
gemeinsam mit der Ehefrau das Mittagessen ein und legt sich für einige Stunden hin, um die Gedanken «ab
zu
schalten».
Gelegentlich
geht er nachmittags auch nochmals seiner Arbeit nach.
Abends liest er,
unternimmt Spazier
gänge mit seiner Gattin oder
beschä
ftigt sich mit dem Internet
.
Informatik be
deutet ihm viel.
Gesamthaft
verfügt
der Beschwerdeführer
somit
über eine
gereg
elte
Tagesstruktur
und ist auch in seiner Mobilität
nicht eingeschränkt.
Zu be
rück
sichtigen
ist
jedoch
, dass er
aufgrund des beeinträchtigten Schlafs
im Tages
verlauf
auf Ruhephasen angewiesen ist
(Urk. 6/113/16, 6/113/21).
Auf einen nicht zu vernachlässigenden Leidensdruck lassen die vom Beschwer
deführer seit mehreren Jahren in Anspruch genommenen therapeutischen Optio
nen schliessen.
Seit spätestens September 2016
wird allerdings nur noch jede zweite bis dritte Woche eine psychotherapeutische Sitzung bei
Dr.
D._
durchgeführt. Auf die regelmässige Einnahme von Medikamenten
verzichtet
der Versicherte
, was in Anbetracht der von ihm geschilderten erheblichen Schlafstö
rungen überrascht. E
inzig bei Schmerzen g
reift
er auf Ibuprofen aus der Reserve
zurück
(
Urk.
6/103/2,
6/113/22 und
6/113/33)
.
5.4.7
Zusammenfassend ergibt sich aus der Prüfung der Standardindikatoren und deren
Gesamtwürdigung, dass auf die von den Gutachtern attestierte Arbeitsunfähigkeit
von 20
%
für die aktuell vom Versicherten ausgeübte Tätigkeit in der Oberflä
chen
technik beziehungsweise von 30
%
für die angestammte Tätigkeit als Infor
matiker
abgestellt werden kann.
Damit wurde namentlich den grundsätzlich leicht
gradigen krankheitsbedingten Einschränkungen
, der Komorbidität
zwischen der depressiven Erkrankung
,
dem Tinnitus
und den Rückenbeschwerden
,
der res
sourcenhemmenden Persönlichkeitsstruktur
sowie dem erhöhten Erholungsbedarf des Versicherten
hinreichend Rechnung getragen.
Ferner ist diese Beurteilung mit dem Aktivitätsniveau des Beschwerdeführers und dem konkret
ausgewiesenen
Leidensdruck vereinbar.
6.
6.1
Ausgehend von einer 70%igen Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Informatiker
ab September 2016
erübrigt sich ein ordentlicher Einkommens
vergleich. Sowohl das Validen- als auch das Invalideneinkommen sind gestützt auf die selbe Bemessungsgrundlage und der Invaliditätsgrad anhand eines Pro
zent
vergleichs zu bestimmen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_463/2012 vom
3.
August 2012 E. 4.2). Der Invaliditätsgrad liegt demnach bei nicht rentenb
e
grün
denden 30
%
(vgl. E. 1.2).
Anzumerken bleibt, dass das Invalideneinkommen nicht nach der beruflich-erwerblichen Situation
zu bestimmen ist, in welcher der Beschwerdeführer konkret steht (vgl.
Urk.
1 S. 3 f.). Hierzu wäre gemäss bundes
gerichtlicher Rechtsprechung unter anderem erforderlich, dass der Versicherte die ihm verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft. Darüber hinaus müsste die nach Eintritt der Invalidität aufgenommene Erwerbstätigkeit im Rahmen eines besonders stabilen Arbeitsverhältnisses ausgeübt werden (
BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 4
72 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
). Beide Voraussetzungen sind in Bezug auf die vom Beschwerdeführer ab August 2016 bei der
A._
aufgenommene Tätigkeit als Mitarbeiter Oberflächentechnik nicht erfüllt.
6.2
Hinsichtlich der
von den
Gutachter
n
ab Januar 2014
attestierten
abgestuften
Arbeitsunfähigkeit
(vgl. E. 4.5.6)
ist darauf hinzuweisen, dass
ein Rentenanspruch
erst entstehen kann, wenn während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich eine mindestens 40%ige Arbeitsunfähigkeit vorgelegen hat (Art. 28
Abs.
1
lit
. b IVG).
Damit bildet der Januar 2015 den Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns.
Damals
war auch die Karenzfrist von sechs Monaten nach der Anmeldung
zum Leistungsbezug, welche am 8
.
Mai 2014 erfolgt war (
Urk.
6/47),
bereits
abgelaufen (
Art.
29
Abs.
1 IVG).
Gemäss gutach
terlicher Beurteilung war der Beschwerdeführer von Januar bis April 2015 zu
generell
60 % und danach von Mai 2015 bis und mit August 2016 zu 50
%
arbeitsunfähig.
Unter Berücksichtigung von
Art.
88a
Abs.
1
IVV
, wonach eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit zu berücksichtigen ist, sobald sie ohne wesentliche Unterbre
chung drei Monate gedauert hat,
bestand somit grundsätzlich von Januar bis Juli 2015 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und danach von August 2015 bis und mit November 2016 Anspruch auf eine halbe Rente der Invalidenversicherung.
6.3
Gemäss Art. 29 Abs. 2 IVG entsteht der Rentenanspruch nicht, solange die ver
sicherte Person ein Taggeld nach Art. 22 IVG beanspruchen kann. Taggelder
werden für die Dauer der Durchführung von Eingliederungsmassnahmen im Sinne
von Art. 8 Abs. 3 IVG ausgerichtet (Art. 22 Abs. 1 IVG). Anders verhält es sich bei Integrationsmassnahmen gestützt auf Art. 14a IVG und bei Massnahmen der Wiedereingliederung. Während der Durchführung dieser Massnahmen wird an
stelle eines Taggeldes die Rente weiter ausgerichtet (Art. 22 Abs. 5
ter
IVG).
Der Beschwerdeführer absolvierte ab Februar 2015 bis August 2016 verschiedene Massnahmen im Sinne von Art. 14 a IVG (vgl. dazu das Kreisschreiben über die Integrationsmassnahmen; KSIM) und für deren Dauer wurden ihm Taggelder
ausgerichtet. Den Auftakt machte eine Potentialabklärung im Februar 2015 (Tag
geldbezug: 2. Februar bis zum 1. März 2015; Urk. 6/67 ff.). Es folgten ein Belast
barkeitstraining von Mai bis August 2015 (Taggeldbezug: 4. Mai bis 3. August 2015; Urk. 6/76 ff.), ein Aufbautraining (Taggeldbezug: 4. August
2015 bis
3. Februar 2016; Urk. 6/81 ff.) und ein Arbeitstraining (Taggeldbezug: 4. Februar bis 3. August 2016; Urk. 6/89 ff.).
Nach dem Wortlaut von Art. 22 Abs. 5
ter
IVG
geht der Rentenanspruch dem Tag
geld
bezug vor. Den Taggeldbezug wird die Beschwerdegegnerin im Rahmen der Nachzahlung der Rente zu berücksichtigen haben.
7.
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch des Versi
cherten
zu Unrecht gänzlich verneint
.
In teilweiser Gutheissung der Beschwerde ist die angefochtene Verfügung vom 1
1.
Dezember 2017 (
Urk.
2)
dahingehend abzuändern
,
als festgestellt wird,
dass
der Beschwerdeführer von Januar bis Juli 2015 Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
und danach von August 2015 bis
und mit
November 2016
Anspruch
auf eine halbe Rent
e der Invalidenversicherung hat.
Im Übrigen ist die
Beschwerde abzuweisen.
8
.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prüfen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Ver
fah
rensaufwand sowie unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG) und
ermessensweise auf
Fr.
9
00.-- anzusetzen.
Ausgangsgemäss
sind
diese
zu zwei Dritteln (
Fr.
600.--) dem Beschwerdeführer und zu einem Drittel (
Fr.
300.--)
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.