# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4457c6ec-fa7b-42e0-acae-b39382a11e86
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
A. Bei den Strafverfolgungsbehörden des Kantons Luzern gingen zwischen
Februar und Mai 2010 mehrere Strafanzeigen und Verdachtsmeldungen der
Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) ein. Unter anderem reichten die
Bank C., die Bank A., die Bank D., die Bank E. und die F. AG gegen mehrere
Personen wegen des Verdachts des Betrugs, der Urkundenfälschung und
der Geldwäscherei jeweils eine Strafanzeige ein.
B. Die Strafanzeige vom 15. Februar 2010 der Bank C. richtete sich gegen G.,
die H. AG, I. und J. (Verfahrensakten SV.10.0046, Urk. 05-101-0001 ff.). Die
weitere Strafanzeige der Bank C. vom 18. März 2010 wegen des Verdachts
der Gehilfenschaft zum Betrug und evtl. weiterer Delikte richtete sich gegen
ihren ehemaligen Mitarbeiter, B. (Verfahrensakten SV.10.0046, Urk. Urk. 05-
102-0001 ff.). Mit beiden Strafanzeigen erhob die Bank C. Strafklage und
konstituierte sich als Privatklägerin. Mit Eingabe vom 8. Januar 2018 zog die
Bank C. ihre Strafanzeige gegen B. zurück und gab eine Desinteresseerklä-
rung mit Bezug auf B. ab.
C. In ihrer Strafanzeige vom 24. Februar 2010 erwähnte die Bank A. als Ver-
dachtspersonen unter anderem die H. AG, G. und J. Zugleich erhob die Bank
A. sowohl Straf- als auch Zivilklage, konstituierte sich als Privatklägerin und
machte einen vorläufigen Schaden in Höhe von Fr. 6'641'738.45 (zzgl. Zins
von 5%) geltend.
Laut der Strafanzeige der Bank A. habe die H. AG eine zweckgebundene
Investitionsgüterfinanzierung in der Höhe von Fr. 7'500'000.-- gewünscht,
um den Ankauf einer Presse aus Russland und deren anschliessenden Ver-
kauf an die K. SpA in Italien abwickeln zu können. Der Verkauf habe durch
die italienische Vertreterin der H. AG, die L. SpA, abgewickelt werden sollen.
Das Darlehen habe durch die Patronatserklärung der L. SpA und der M. AG,
der Muttergesellschaft der H. AG, durch die Zession der Endkundenschuld
der K. SpA an die Bank A., unter Notifikation der Zession an die L. SpA sowie
durch eine Investitionsgüterversicherung bei der F. AG gesichert werden sol-
len. Am 29. September bzw. 6. Oktober 2009 sei mit der H. AG ein Kredit-
vertrag abgeschlossen worden und am 6. November 2009 (recte: 4. Novem-
ber 2009) seien zwei Zahlungsaufträge zugunsten der Bank C. in Höhe von
EUR 4'480'000.-- ausgeführt worden. Nachdem die Bank A. seitens der Re-
visionsstelle am 15. Februar 2010 auf mögliche vertragliche Schwierigkeiten
mit der H. AG hingewiesen worden sei, habe sie am 18. Februar 2010 mit
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der K. SpA Kontakt aufgenommen. Die Abklärungen hätten ergeben, dass
es sich beim finanzierten Investitionsgüterverkauf um ein Scheingeschäft
handeln müsse. G. und J. seien anlässlich des Treffens vom 22. Februar
2010 mit diesem Verdacht konfrontiert worden. G. habe unter anderem an-
gegeben, dass die H. AG Zahlungen ihrer Kunden für die Vorfinanzierung
des Maschinenkaufs verwendet und das Geld aus dem Darlehen an die Bank
C. überwiesen habe, um damit bei der Bank C. noch offenen Positionen zu
begleichen. Es bestehe deshalb der Verdacht, dass der Kreditvertrag mit be-
trügerischen Mitteln und mit gefälschten Dokumenten erlangt worden sei, um
entgegen dem vereinbarten Kreditzweck vorbestehende Verbindlichkeiten
bei Dritten zu begleichen («Schneeball-System»).
D. Am 3. März 2010 übernahm die Bundesanwaltschaft (nachfolgend «BA»)
das im Kanton Luzern eröffnete Strafverfahren (Verfahrensakten
SV.10.0046, Urk. 02-100-0002 ff., 02-100-0008 f.). In der Folge verfügte die
BA am 25. März 2010 die Eröffnung eines gerichtspolizeilichen Ermittlungs-
verfahrens Nr. SV.10.0046 gegen I., J., G., B., Friedrich N. und O. wegen
des Verdachts des Betrugs, der Urkundenfälschung sowie der Geldwäsche-
rei (Verfahrensakten, Urk. 01-100-0001 ff.). Mit Verfügung vom 13. Februar
2013 dehnte die BA das Strafverfahren gegen I., G., O., B., N. und J. auf den
Tatbestand des qualifizierten Betrugs i.S.v. Art. 146 Abs. 2 StGB aus (Ver-
fahrensakten SV.10.0046, Urk. 01-200-0007 f.).
E. Mit Verfügung vom 30. Juli 2018 stellte die BA das gegen B. geführte Straf-
verfahren wegen des Verdachts des gewerbsmässigen Betrugs, der Urkun-
denfälschung, der qualifizierten ungetreuen Geschäftsbesorgung und der
Geldwäscherei ein (act. 1.2).
F. Dagegen liess die Bank A. bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafge-
richts am 17. August 2018 Beschwerde erheben. Sie beantragt die Aufhe-
bung der Einstellungsverfügung vom 30. Juli 2018 und die Rückweisung der
Sache an die BA zur neuen Entscheidung, unter der Anweisung, Anklage
gegen B. zu erheben (act. 1).
G. Die BA und B. nahmen zur Beschwerde mit Schreiben vom 13. September
und 5. Oktober 2018 Stellung. Sie beantragen, auf die Beschwerde sei nicht
einzutreten und im Übrigen sei diese abzuweisen (act. 7, 8). Die Bank A.
liess sich hierzu mit Eingabe vom 22. Oktober 2018 vernehmen (act. 11). Die
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Dupliken der BA und von B. vom 5. November 2018 wurden der Bank A. am
6. November 2018 zur Kenntnis gebracht (act. 13-15).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit
erforderlich, in den folgenden Erwägungen Bezug genommen.

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1.
1.1 Gegen eine von der Bundesanwaltschaft verfügte Einstellung eines Strafver-
fahrens können die Parteien innert 10 Tagen bei der Beschwerdekammer
des Bundesstrafgerichts Beschwerde erheben (Art. 322 Abs. 2 StPO i.V.m.
Art. 37 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom 19. März 2010 über die Organisa-
tion der Strafbehörden des Bundes [Strafbehördenorganisationsgesetz,
StBOG; SR 173.71]). Gemäss Art. 393 Abs. 2 StPO können mit der Be-
schwerde Rechtsverletzungen, einschliesslich Überschreitung und Miss-
brauch des Ermessens, Rechtsverweigerung und Rechtsverzögerung (lit. a),
die unvollständige oder unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) so-
wie die Unangemessenheit (lit. c) gerügt werden.
1.2 Die Einstellungsverfügung der Beschwerdegegnerin 1 vom 30. Juli 2018
stellt ein zulässiges Anfechtungsobjekt dar und die vorliegende Beschwerde
erweist sich als fristgerecht erhoben.
2.
2.1 Zur Beschwerde legitimiert sind die Parteien, sofern sie ein rechtlich ge-
schütztes Interesse an der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen
Entscheids haben (Art. 322 Abs. 2 i.V.m. Art. 382 Abs. 1 StPO). Die geschä-
digte Person ist grundsätzlich nur insoweit zur Beschwerde legitimiert, als
sie sich im Sinne der Art. 118 f. StPO als Privatklägerschaft konstituiert hat
bzw. als sie noch keine Gelegenheit hatte, sich als Privatklägerschaft zu kon-
stituieren (vgl. BGE 141 IV 380 E. 2.2 S. 383 m.H.; Beschluss des Bun-
desstrafgerichts BB.2016.24 vom 7. Juni 2016 E. 1.2 m.w.H.). Als Privatklä-
gerschaft und somit als Partei des Strafverfahrens (Art. 104 Abs. 1 lit. b
StPO) gilt die geschädigte Person, die ausdrücklich erklärt, sich am Strafver-
fahren als Straf- oder Zivilklägerin oder -kläger zu beteiligen (Art. 118 Abs. 1
StPO). Als geschädigte Person gilt die Person, die durch die Straftat in ihren
Rechten unmittelbar verletzt worden ist (Art. 115 Abs. 1 StPO). Dies trifft auf
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Träger des durch die verletzte Strafnorm geschützten oder zumindest mitge-
schützten Rechtsguts zu (BGE 140 IV 155 E. 3.2 m.w.H.). Eine allfällige «Zu-
lassung» als Privatklägerschaft bei der Vorinstanz zieht nicht automatisch
die Legitimation zur Beschwerde nach sich. Vielmehr ist im Einzelfall zu prü-
fen, ob sie als geschädigte Person im Sinne von Art. 115 Abs. 1 StPO gilt
(so bspw. Beschlüsse des Bundesstrafgerichts BB.2016.243 vom 14. De-
zember 2016 E. 1.2.4; BB.2013.72 vom 13. September 2013 E. 1.4, nicht
publiziert in TPF 2013 164).
2.2 Die Beschwerdeführerin hat sich als Privatklägerin konstituiert (Verfahrens-
akten SV.10.0046, Urk. 05-104-0002 ff.). Indes ist sie zur Anfechtung der
vorliegenden Einstellungsverfügung nur insoweit legitimiert, als sie durch die
verfahrensgegenständliche (angebliche) Straftat(en) unmittelbar in ihren
Rechten verletzt wurde. Hinsichtlich anderer (angeblicher) Straftaten, welche
keine solche unmittelbare Beeinträchtigung der Beschwerdeführerin nach
sich gezogen haben, ist ihr ein rechtlich geschütztes Interesse abzuspre-
chen. Namentlich wurde dem Beschwerdegegner 2 vorgeworfen, als stell-
vertretender Geschäftsführer und Verantwortlicher für den Kreditbereich der
Bank C. im Zeitraum von Juli 2002 bis Dezember 2009 in insgesamt 107
Fällen Geld in Höhe von rund EUR 326 Mio. auf ein auf die H. AG lautendes
Konto bei der Bank P. überwiesen bzw. überweisen lassen zu haben (Ver-
fahrensakten SV.10.0046, Urk. 13.005-0158). Des Weiteren untersuchte die
Beschwerdegegnerin 1 Delikte zu Lasten von Bank D., Bank E. und der Be-
schwerdeführerin. Von den rund 110 untersuchten Vorfällen betraf lediglich
ein Fall die Beschwerdeführerin, namentlich den zwischen ihr und der H. AG
am 29. September bzw. 6. Oktober 2009 abgeschlossenen Kreditvertrag.
Entsprechend ist sie lediglich hinsichtlich der in diesem Zusammenhang an-
gezeigten Delikte als am mutmasslich geschädigten Vermögen Berechtigte
beschwerdelegitimiert (vgl. BGE 140 IV 155 E. 3.3.1; 129 IV 53 E. 3.2; Urteil
des Bundesgerichts 6B_453/2015 vom 29. Januar 2016 E. 2.3.1;
MAEDER/NIGGLI, Basler Kommentar, 4. Aufl. 2019, Art. 146 StGB N. 11;
MAZZUCCHELLI/POSTIZZI, Basler Kommentar, 2. Aufl. 2014, Art. 115 StPO
N. 56). In Bezug auf die anderen mutmasslichen Geschädigten ist ihr die
Beschwerdelegitimation abzusprechen. Soweit die Beschwerdeführerin die
Aufhebung der Verfahrenseinstellung auch in Bezug auf die übrigen Vorfälle
beantragt, ist auf die Beschwerde nicht einzutreten.
2.3 Nach dem Gesagten ist auf die vorliegende Beschwerde insoweit einzutre-
ten, als sie sich gegen die Einstellung der Strafuntersuchung auf allfällige
Tathandlungen zum Nachteil der Beschwerdeführerin richtet. Damit bildet
den Verfahrensgegenstand lediglich die Frage, ob der Beschwerdegegner 2
zum Nachteil der Beschwerdeführerin strafbare Handlungen begangen oder
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sich an diesen beteiligt haben könnte. Entsprechend ist auf die von der Be-
schwerdeführerin aufgeworfenen Fragen, ob der Beschwerdegegner 2 von
den angeklagten Delikten zum Nachteil der Bank C. gewusst habe und an
diesen in irgendeiner Form beteiligt gewesen sein soll, nicht weiter einzuge-
hen.
3.
3.1 Das Verfahren gegen den Beschwerdegegner 2 in Bezug auf die von der
Beschwerdeführerin angezeigte Betrugshandlung wurde mit der Begrün-
dung eingestellt, dass er weder von den Verhandlungen der H. AG mit der
Beschwerdeführerin Kenntnis gehabt noch an der Kreditbeschaffung mitge-
wirkt habe. Ebenso habe kein Nachweis erbracht werden können, dass der
Beschwerdegegner 2 die Tatbestandsverwirklichung für möglich gehalten
habe, was insbesondere in Bezug auf die Arglist gelte (act. 1.1).
3.2 Wie im Nachfolgenden aufzuzeigen sein wird, lässt sich eine Beteiligung des
Beschwerdegegners 2 an der möglichen Betrugshandlung im Zusammen-
hang mit der Gewährung des Kredits an die H. AG zwecks des Maschinen-
kaufs gestützt auf die vorliegenden Ermittlungsergebnisse nicht ausschlies-
sen. Vielmehr lassen sich den vorliegenden Verfahrensakten Hinweise ent-
nehmen, die darauf deuten, dass der Beschwerdegegner 2 von den Ver-
tragsverhandlungen und dem Vertragsabschluss zwischen der Beschwerde-
führerin und der H. AG gewusst und an der Kreditbeschaffung mitgewirkt
haben könnte.
4.
4.1 Betrug begeht, wer in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu
bereichern, jemanden durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsa-
chen arglistig irreführt oder ihn in einem Irrtum arglistig bestärkt und so den
Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst oder ei-
nen andern am Vermögen schädigt (Art. 146 Abs. 1 StGB). Der Betrugstat-
bestand zeichnet sich als «Beziehungsdelikt» dadurch aus, dass der Täter
das Opfer durch motivierende, kommunikative Einwirkung dazu veranlasst,
sich selbst durch die Vornahme einer Vermögensverfügung zugunsten des
Täters oder eines Dritten zu schädigen. Das Opfer trägt folglich zur eigenen
Vermögensschädigung bei (BGE 135 IV 76 E. 5.2; Urteil des Bundesgerichts
6B_183/2014 vom 28. Oktober 2014 E. 3.2, nicht publ. in: BGE 140 IV 150).
4.2 Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung liegt der Ansatzpunkt für die
Definition der Gewerbsmässigkeit im berufsmässigen Handeln. Der Täter
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handelt berufsmässig, wenn sich aus der Zeit und den Mitteln, die er für die
deliktische Tätigkeit aufwendet, aus der Häufigkeit der Einzelakte innerhalb
eines bestimmten Zeitraums sowie aus den angestrebten und erzielten Ein-
künften ergibt, dass er die deliktische Tätigkeit nach der Art eines Berufes
ausübt. Wesentlich für die Annahme der Gewerbsmässigkeit ist, dass sich
der Täter, wie aus den gesamten Umständen geschlossen werden muss,
darauf eingerichtet hat, durch deliktische Handlungen Einkünfte zu erzielen,
die einen namhaften Beitrag an die Kosten zur Finanzierung seiner Lebens-
gestaltung darstellen. Zudem muss er die Tat bereits mehrfach begangen
haben (BGE 129 IV 253 E. 2.1 S. 254; Urteile des Bundesgerichts
6B_290/2016 vom 15. August 2016 E. 1.2; 6B_550/2016 vom 10. August
2016 E. 2.3). Subjektiv setzt Gewerbsmässigkeit insbesondere eigennützi-
ges Handeln voraus und kommt bei fremdnützigen Handeln nur in Betracht,
wenn der Täter zumindest mittelbar auch eigene finanzielle Vorteile anstrebt
(vgl. in Bezug auf allfällige altruistische Motive TRECHSEL/CRAMERI, Praxis-
kommentar, 3. Aufl. 2018, Art. 146 StGB N. 35). Entscheidend ist der Nach-
weis der für die Gewerbsmässigkeit kennzeichnenden Absicht als innere
Tatsache. Die Absicht muss auf eine nicht unbedeutende und fortlaufende
Einkommensquelle gerichtet sein, weshalb Gewerbsmässigkeit nicht allein
aufgrund mehrfacher Tatbegehung hergeleitet werden kann, sondern in der
durch Wiederholung offenbarten, dem Gewerbebetrieb eigenen Bereitschaft,
gegenüber unbestimmt vielen zu handeln (BGE 71 IV 113 E. 1).
4.3 Mittäter ist, wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines De-
liktes vorsätzlich und in massgebender Weise mit anderen Tätern zusam-
menwirkt, so dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Dabei kommt es darauf
an, ob der Tatbeitrag nach den Umständen des konkreten Falles und dem
Tatplan für die Ausführung des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm
steht oder fällt. Das blosse Wollen der Tat, der subjektive Wille allein genügt
zur Begründung von Mittäterschaft nicht. Der Mittäter muss vielmehr bei der
Entschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch tatsächlich mitwir-
ken. Daraus folgt aber nicht, dass Mittäter nur ist, wer an der eigentlichen
Tatausführung beteiligt ist oder sie zu beeinflussen vermag. Mittäterschaft
setzt unter anderem einen gemeinsamen Tatentschluss voraus, wobei die-
ser nicht ausdrücklich bekundet werden muss; es genügt, wenn er konklu-
dent zum Ausdruck kommt. Dabei ist nicht erforderlich, dass der Mittäter bei
der Entschlussfassung mitwirkt, sondern es reicht aus, dass er sich später
den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht (BGE 130 IV 58 E. 9.2.1 S. 66;
125 IV 134 E. 3a mit Hinweisen; 120 IV 265 E. 2c/aa S. 272).
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Demgegenüber ist gemäss Art. 25 StGB als Gehilfe strafbar, wer zu einem
Verbrechen oder Vergehen vorsätzlich Hilfe leistet. Nach der Rechtspre-
chung gilt als Hilfeleistung jeder kausale Beitrag, der die Tat fördert, so dass
sich diese ohne Mitwirkung des Gehilfen anders abgespielt hätte. Der Ge-
hilfe fördert eine Tat, wenn er sie durch einen untergeordneten Tatbeitrag
unterstützt bzw. wenn er die Ausführung der Haupttat durch irgendwelche
Vorkehren oder durch psychische Hilfe erleichtert. Die Hilfeleistung muss tat-
sächlich zur Tat beitragen und die Erfolgschancen der tatbestandserfüllen-
den Handlung erhöhen. Nicht erforderlich ist, dass es ohne die Beihilfe nicht
zur Tat gekommen wäre (BGE 129 IV 124 E. 3.2 m.H.).
5.
5.1 Der Strafuntersuchung SV.10.0046 liegt gemäss der angefochtenen Verfü-
gung folgender Sachverhalt zugrunde (act. 1.2, S. 5 ff.):
Die H. AG ist eine 100%ige Tochtergesellschaft der M. AG, welche wiederum
eine 100%ige Beteiligung unter anderem an der Q. AG und der L. SpA hält
bzw. hielt. G. war zwischen 2002 und 2009 die Geschäftsführerin der H. AG
mit Einzelunterschriftsberechtigung. Der Geschäftsführer der L. SpA war
während des für das Strafverfahren relevanten Zeitraumes O. Der Ehemann
von G., N., war bzw. ist wirtschaftlich Berechtigter der M. AG. Weiter waren
N. bzw. G. unter anderem an der inzwischen aufgelösten R. AG beteiligt. Der
Beschwerdegegner 2 war bei der Bank C. seit 1992 als Geschäftsführer tätig
und wurde im Lauf der Zeit zum Vizedirektor ernannt. Zuvor war er gemäss
seinen Angaben 10 Jahre bei der JJ. Forfaitierungsgesellschaft tätig (Ver-
fahrensakten SV.10.0046, Urk. 13-005-0041 ff.).
Zwischen Juni 2002 und September 2009 wurden zwischen der Bank C. und
der H. AG 107 Finanzierungsverträge abgeschlossen. Gemäss der ange-
fochtenen Verfügung habe G. durch ihre Mitarbeiter bei der H. AG bei der
F. AG bzw. der S. den Ausfall einer nicht bestehenden Forderung der H. AG
gegenüber einem Endabnehmer aus dem Verkauf von Pressmaschinen
(Grundgeschäft) versichern lassen. Hierzu sei teilweise nach vorgängiger In-
formation per E-Mail oder Fax ein Einschlussantrag mit Informationen zum
Grundgeschäft an die F. AG gesendet und anschliessend ein Kreditsiche-
rungsvertrag abgeschlossen worden. In der Folge sei zwischen der H. AG
und der Bank C. ein auf das entsprechende Grundgeschäft bezogener Fi-
nanzierungsvertrag abgeschlossen worden. Im Rahmen des Abschlusses
des Finanzierungsvertrags habe G. der Bank C. zuhanden des Beschwerde-
gegners 2 diverse Dokumente übermittelt bzw. durch die Mitarbeiter der
H. AG übermitteln lassen. Die zuständigen Mitarbeiter bei der Bank C., unter
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=show_document&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F129-IV-124%3Ade&number_of_ranks=0#page124
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anderem B., hätten die Auszahlung des entsprechenden Finanzierungsbe-
trages an die H. AG veranlasst. Die der Bank C. unter anderem eingereichten
Auftragsbestätigungen und Bestätigungsschreiben hätten die Unterschrift
von O. aufgewiesen. Die Abklärungen beim Forensischen Institut des Kan-
tons Zürich hätten ergeben, dass von den 23 untersuchten Unterschriften
12 mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch seien und bei 7 Anhaltspunkte be-
stünden, dass diese falsch seien. Die Auftragsbestätigungen seien im Auf-
trag von G. unter anderem von T. und AA. erstellt worden. G. habe die bei
der Bank C. für den Einkauf, den Transport, den kundenspezifischen Umbau
sowie den Weitertransport der Pressmaschinen für den jeweiligen Endkun-
den erwirkte Auszahlungssummen jeweils nicht in diesem Zusammenhang
verwendet. G. habe nach Aufforderung durch die Bank C. zu Handen von G.
für die Begleichung der an die Bank C. abgetretenen, nichtexistierenden For-
derung gegenüber dem Endabnehmer gesorgt. Dies indem G. in der Regel
vor Fälligkeit dieser Forderung die Zahlung zugunsten der Bank C. durch die
H. AG veranlasst habe. Die Vermögenswerte für die Rückzahlungen seien
jeweils von den Auszahlungen der Bank C. erfolgt, die gestützt auf neu ab-
geschlossene Finanzierungsverträge zwischen der Bank C. und der H. AG
an die Letztere geleistet worden seien. Die Ermittlungen hätten ergeben,
dass die von der H. AG gegenüber der Bank C. angegebenen Grundge-
schäfte zwischen der H. AG und den verschiedenen Endabnehmern nicht
abgeschlossen worden seien bzw. nicht in der angegebenen Form bestan-
den hätten.
5.2
5.2.1 G. gestand anlässlich der Einvernahme vom 8. März 2010 ein, dass der von
der Beschwerdeführerin an die H. AG gewährte Kredit nicht für den Erwerb
der Presse verwendet worden sei. Die Presse sei vorfinanziert worden und
mit dem Kredit der Beschwerdeführerin hätten offene Forderungen bei der
Bank C. bzw. die Policen der F. AG finanziert werden sollen. Weiter gab G.
zu Protokoll, dass der Geschäftsabschluss mit der Beschwerdeführerin nach
demselben Prozedere wie immer erfolgt sei (Verfahrensakten SV.10.0046,
Urk. 13-001-0078 ff.).
5.2.2 Wie die H. AG üblicherweise zu einem Projekt gekommen war, erklärte AA.
anlässlich der Einvernahme vom 22. April 2010 wie folgt: G. habe ihr den
von O. vermittelten Namen des Kunden, des Pressetyps (in Tonnen) sowie
den Preis mitgeteilt. Nach der Prüfung der Bonität des Kunden habe ihr G.
gesagt, ob es sich um einen «guten» Kunden gehandelt habe oder nicht.
Dann habe sie bei der F. AG oder S. nachgefragt, ob diese den Erwerb der
Presse versichern würden. Wurde dies bejaht, habe AA. die Police der Kre-
ditversicherung bekommen. Die ersten beiden Seiten des Vertrages habe
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sie für die Finanzierung an die Bank C., namentlich den Beschwerdegeg-
ner 2 geschickt, der bei der Bank C. immer ihre Kontaktperson gewesen sei.
Nachdem sie die Unterlagen an den Beschwerdegegner 2 versendet habe,
habe G. mit ihm die Details besprochen. Danach sei der Vertrag von der
Bank C. zur Unterschrift zugestellt worden. Die von ihr ausgestellten Auf-
tragsbestätigungen habe sie weisungsgemäss bis zu 15 Tage rückwirkend
datieren müssen. Hinsichtlich des Verhältnisses des Beschwerdegegners 2
und G. gab AA. zu Protokoll, dass sie sich schon länger gekannt hätten und
ca. alle zwei Monate nach der Arbeit zusammen Abendessen gegangen
seien. Bevor die Polizei bei der H. AG erschienen sei [Ende Februar 2010]
habe es in den Räumlichkeiten der H. AG ein Gespräch zwischen G., dem
Beschwerdegegner 2 und dessen Ehefrau gegeben (Verfahrensakten
SV.10.0046, Urk. 12-004-0043 ff.). Die Aussage von AA., wonach es üblich
gewesen sei, der Bank C. lediglich die ersten zwei Seiten des Vertrages mit
der F. AG zuzustellen, bestätigte T. (Verfahrensakten SV.10.0046, Urk. 12-
002-0037).
5.3 Die Aussagen der Mitarbeiter des Beschwerdegegners 2 deuten auf ein be-
sonderes Verhältnis zwischen G. und dem Beschwerdegegner 2 hin, wel-
ches wohl der Grund gewesen sein muss, dass in Bezug auf die H. AG bei
der Bank C. ein nicht branchenübliches Vorgehen praktiziert wurde. BB. gab
anlässlich der Einvernahme vom 29. November 2011 als Auskunftsperson
an, bei der Bank C. im Jahr 1983 im Bereich der Informatik angefangen zu
haben und später im Kreditbereich tätig gewesen zu sein. Weil die Gesell-
schaft so klein gewesen sei und die Frontmitarbeiter auf Geschäftsreise wa-
ren, habe er als Compliance Officer diverse Zahlungsaufträge und Kreditver-
träge unterzeichnet. Die grosse Mehrheit der Zahlungen an die H. AG sei
unter Vorbehalt erfolgt, weil die von der H. AG eingereichte Dokumentation
nicht komplett gewesen sei. Er habe den Beschwerdegegner 2 im Zeitraum
von 2002 bis 2010 verschiedene Male auf Unstimmigkeiten im Zusammen-
hang mit der H. AG angesprochen. Bei anderen Kunden der Bank C. sei
nicht dasselbe Vorgehen gewählt worden. Das Geschäft mit der H. AG sei
fast ausschliesslich durch den Beschwerdegegner 2 betreut worden (Verfah-
rensakten SV.10.0046, Urk. 12.011-0017 ff.). CC., Mitarbeiter der Bank C.,
bestätigte im Wesentlichen die von BB. gemachten Aussagen (Verfahrens-
akten SV.10.0046, Urk. 12-010-0022 ff.).
5.4
5.4.1 Die vorliegenden Verfahrensakten deuten weiter darauf hin, dass der Be-
schwerdegegner 2 den Mitarbeitern der H. AG Anweisungen zum Inhalt von
Schreiben erteilte, die in der Folge von der H. AG an Dritte versendet wur-
den. T., die bei der H. AG 13 Jahre lang als Assistentin der Geschäftsleitung
- 11 -
tätig war (Verfahrensakten SV.10.0046, Urk. 12-002-0037), gab beispiels-
weise an, die Anweisung, dass lediglich die ersten beiden Seiten des Vertra-
ges mit der F. AG an die Bank C. zuzustellen seien, ihr ganz zu Anfang der
Beschwerdegegner 2 erteilt habe. Zudem gab sie an, dass sie vom Be-
schwerdegegner 2 teilweise Dokumentenvorlagen [bspw. die Abtretungser-
klärungen an Endkunden; Verfahrensakten SV.10.0046, Urk. 12-002-0204]
erhalten habe, die sie nur noch auf dem Briefpapier der H. AG habe ausdru-
cken müssen. Manchmal habe sie die fehlenden Positionen einsetzten müs-
sen. Nach der Unterzeichnung der Dokumente seien diese wiederum der
Bank C. eingereicht worden (Verfahrensakten SV.10.0046, Urk. 12-002-
0108 ff.).
5.4.2 AA. gab anlässlich der Einvernahme vom 22. April 2010 an, dass G. die aus-
gestellten Auftragsbestätigungen und Notifikationen persönlich nach Italien
zu O. überbracht habe, damit der Letztere dort die Unterschrift der Kunden
einhole. Es habe jedoch einen Vorfall gegeben, anlässlich welchem die
Briefe an die Kunden per Kurier verschickt worden seien. Es hätten zwei
Briefe versendet werden müssen, wobei bei einem davon der Beschwerde-
gegner 2 ihr telefonisch Anweisungen gegeben habe. Die Bank C. habe die
H. AG aufgefordert, die Kunden zu mahnen. Daraufhin habe AA. die Mahn-
schreiben vorbereitet und G. zur Unterschrift übergeben. Frau DD. von der
Rezeption habe die DHL-Scheine mit den Adressen der Kunden ausgefüllt
und diese G. übergeben. G. habe diese Briefumschläge verpackt, obwohl sie
dies nie gemacht habe. Ihres Wissens nach habe G. die Briefe verschlossen
an Frau DD. übergeben und diese seien verschickt worden. Indes habe es
einige Tage später Telefonanrufe von Kunden gegeben, die mitgeteilt hätten,
lediglich leere Briefumschläge erhalten zu haben (Verfahrensakten
SV.10.0046, Urk. 12-004-0047 ff.; 12-004-0019).
EE. war seit 2005 bei der H. AG tätig und führte hinsichtlich dieses Vorfalls
ergänzend an, dass ihr Frau DD. am Dienstag vom Vorfall erzählt habe, der
sich am Montag ereignet habe. Sie habe 10–15 DHL-Scheine ausfüllen müs-
sen und es sei ihr nicht klar gewesen, ob sie die Briefe versenden solle. Die
Scheine hätten noch am Empfang gelegen, was sie irritiert habe. Der Be-
schwerdegegner 2 habe an diesem Montag bei der H. AG drei bis vier Mal
angerufen und habe wissen wollen, ob die Briefe versendet worden seien.
Dabei sei der Beschwerdegegner 2 nicht wie sonst freundlich, sondern ver-
ärgert gewesen. G. habe Frau DD. gesagt, sie solle dem Beschwerdegeg-
ner 2 sagen, dass die Briefe verschickt worden seien. Am Dienstag habe G.
die DHL-Scheine und eine entsprechende Anzahl von DHL-Versandcouverts
genommen und sei damit ins Sitzungszimmer gegangen. EE. habe sie ge-
fragt, ob sie Hilfe benötige, weil sie so etwas selten alleine gemacht habe,
- 12 -
was G. verneint habe. Sie glaube, dass G. das Datum auf den Frachtschei-
nen durchgestrichen und korrigiert habe. Der Kurier habe sich zunächst ge-
weigert, die Briefe aufgrund des korrigierten Datums entgegenzunehmen.
Schlussendlich habe der Kurier die Briefe mitgenommen. Am Mittwoch hät-
ten die Kunden Frau DD. telefonisch mitgeteilt, dass sie nur leere Couverts
erhalten hätten. Einige Tage später sei die Bank C. bei der H. AG «aufge-
taucht» und man habe gemerkt, dass die Stimmung nicht mehr gut gewesen
sei. Herr FF. [ab 31. August 2009 Direktor der Bank C.; siehe online Han-
delsregisterauszug der Bank C. www.GG., besucht am 1. Mai 2019] sei et-
was energisch, fast schon «aggressiv» aufgetreten und habe G. sehen wol-
len (Verfahrensakten SV.10.0046, Urk. 12.032-0026 f.; 12.032-0036).
5.4.3 Der genaue Zeitpunkt des Vorfalls mit den leeren Briefumschlägen geht aus
den Einvernahmen nicht hervor. EE. gab an, dass der Vorfall ein bis zwei
Wochen vor dem 26. Februar 2013 (recte: 2010) stattgefunden habe (Ver-
fahrensakten SV.10.0046, Urk. 12.032-0027). Dies würde auch der finanzi-
ellen Situation entsprechen, in welcher sich die H. AG ab Sommer 2009 be-
funden hatte, zumal sie bis dahin ihre Zahlungen grundsätzlich pünktlich und
vor Eintritt der Fälligkeit der Forderungen geleistet hatte (Verfahrensakten
SV.10.0046, Urk. 12.011-0020; 12.015-0217). Entsprechend hatte die Bank
C. keinen Grund, die H. AG aufzufordern, ihre Kunden zu mahnen. Die Auf-
forderung des Beschwerdegegners 2 an die H. AG, die Kunden mit einem
von ihm vordiktierten Schreiben zu mahnen, stand wohl im Zusammenhang
mit dem Wechsel des Direktors der Bank C. ab 1. September 2009 (E. 5.4.2.
hiervor). Dies würde auch mit der Aussage von EE. übereinstimmen, wonach
ca. sechs Monate vor Ende Februar 2010, d.h. September 2009, die Bank C.
auf einmal mehr Dokumente verlangt habe (Verfahrensakten SV.10.0046,
Urk. 12.032-0033). Im Übrigen zeigt auch dieser Vorfall, in welchem Aus-
mass der Beschwerdegegner 2 in die Arbeitsabläufe der H. AG einbezogen
war.
5.5
5.5.1 Wie die Beschwerdeführerin zutreffend darauf hinweist, bestehen in den Ver-
fahrensakten Hinweise, dass der Beschwerdegegner 2 und seine Familie
von G. geldwerte Leistungen erhalten haben könnten.
5.5.2 J. war bei der H. AG seit dem 1. Dezember 2006 angestellt und war zuletzt
ein Mitglied des Verwaltungsrats. Anlässlich der Einvernahmen vom
23. Februar 2010 und 23. Januar 2015 gab J. an, dass bei den Besprechun-
gen mit der Beschwerdeführerin G. immer anwesend gewesen sei und sie
die Vertragsverhandlungen geführt habe. Er sei dabei immer als stellvertre-
tende Finanzleiter aufgetreten (Verfahrensakten SV.10.0046, Urk. 13.002-
0058 ff.; 13-002-0176 ff.). In Bezug auf das Verhältnis zwischen G. und dem
- 13 -
Beschwerdegegner 2 gab J. zu Protokoll, der Beschwerdegegner 2 habe von
G. Provisionszahlungen erhalten. G. habe ihm und I. gegenüber erwähnt,
dass der Beschwerdegegner 2 wiedergekommen sei, um Geld zu fordern.
Den Anspruch auf das Geld habe G. sinngemäss damit erklärt, dass der Be-
schwerdegegner 2 dafür gesorgt habe, dass die Finanzierung laufe. Er und
I. seien der Ansicht gewesen, dass die Verantwortung für die Leistung dieser
Provisionszahlungen an den Beschwerdegegner 2 aufgrund der langen Be-
kanntschaft und des Umstandes, dass alle Kontakte zwischen G. und dem
Beschwerdegegner 2 direkt zwischen ihnen stattgefunden hätten, bei G. ge-
legen habe. Das letzte Mal als der Beschwerdegegner 2 Provisionszahlun-
gen eingefordert habe, sei möglicherweise im Oktober oder November 2009
gewesen, wobei zu diesem Zeitpunkt bei der Bank C. keine Finanzierungs-
begehren ausstehend gewesen seien. Weiter gab J. zu Protokoll, der Be-
schwerdegegner 2 sei am 25. Januar 2010 bei der H. AG gewesen, wobei
unter anderem die überfälligen Forderungen thematisiert worden seien (Ver-
fahrensakten SV.10.0046, Urk.13-002-0059 ff.).
EE. gab anlässlich der Einvernahme vom 19. August 2013 an, dass HH. je-
weils im Auftrag von G. bei der Bank D. Bargeld bezogen und es ihr gegeben
habe. AA. habe ihr gesagt, dass es auffällig gewesen sei, dass jedes Mal,
wenn der Beschwerdegegner 2 bei der H. AG gewesen sei, HH. den Auftrag
erhalten habe, den Betrag von Fr. 10’000.-- von der Bank abzuheben. Der
Beschwerdegegner 2 sei ungefähr einmal wöchentlich oder einmal alle zwei
Wochen bei der H. AG zu Besuch gewesen (Verfahrensakten SV.10.0046,
Urk. 12.032-0029 ff.).
II., der Neffe des Beschuldigten N. gab anlässlich der Einvernahme vom
6. Mai 2011 zu Protokoll, G. habe ihm erzählt, dass der Beschwerdegegner 2
von ihr regelmässig Barauszahlungen in Höhe von Fr. 70'000.-- bekommen
habe. Das Geld sei von HH. von der Bank abgeholt worden und er gehe
davon aus, dass das Geld dem Beschwerdegegner 2 bar übergeben worden
sei. Weiter habe G. den Beschwerdegegner 2 zweimal als «Schwein» beti-
telt, weil er dieses Geld von ihr gewollt habe (Verfahrensakten SV.10.0046,
Urk. 12.015-0111). Als einen möglichen Grund für die Zahlungen gab II. am
15. November 2012 an, dass damit möglicherweise die Vereinfachung des
gesamten Ablaufes des Geschäftes beabsichtigt war (Verfahrensakten
SV.10.0046, Urk. 12.015-0216 ff.).
5.5.3 Aufgrund des Ausgeführten, ist die Möglichkeit, dass der Beschwerdegeg-
ner 2 auch im Oktober oder November 2009, mithin nach Abschluss des Kre-
ditvertrags zwischen der H. AG und der Beschwerdeführerin Provisionszah-
lungen erhalten haben könnte, nicht von der Hand zu weisen. Die weiteren
von der Beschwerdeführerin erwähnten geldwerten Leistungen (Fahrzeuge,
- 14 -
Luxusuhren, Honorare von über Fr. 600‘000.-- für nicht erbrachte Leistun-
gen, ein Darlehen von zwei Millionen etc.), die an den Beschwerdegegner 2
oder an seine Familie von G., der R. AG oder der Q. AG zugekommen sein
sollen, haben – soweit ersichtlich – vor Herbst 2009 stattgefunden und ste-
hen damit wohl nicht im direkten Zusammenhang mit allfälligen Delikten zum
Nachteil der Beschwerdeführerin. Entsprechend sind diese Leistungen nicht
näher zu prüfen.
5.6 Weiter deuten die vorliegenden Verfahrensakten darauf hin, dass der Be-
schwerdegegner 2 von den Zahlungsschwierigkeiten gewusst haben muss,
in welchen sich die H. AG im Jahr 2009 befand (Verfahrensakten
SV.10.0046, Urk. 12.015-0217) und deshalb die Zahlungen nicht wie bisher
üblich vor deren Fälligkeit erbracht hatte. J. gab diesbezüglich an, dass die
Liquiditätsprobleme der H. AG schon Anfang/Mitte 2009 begonnen hätten
und es wegen der Finanzkrise zu Verzögerungen von Kundenzahlungen ge-
kommen sei. Dies habe zur Folge gehabt, dass die fälligen Vorfinanzierungs-
beträge an die Bank C. nicht termingerecht zurückbezahlt werden konnten.
Dies habe G. der Bank C. immer offen kommuniziert. Im Jahr 2009 hätten
deshalb eine ganze Reihe von Gesprächen mit Finanzinstituten stattgefun-
den (Verfahrensakten SV.10.0046, Urk. 13-002-003). Diese Angaben stim-
men mit der Aussage von BB. überein, wonach die H. AG im Herbst 2009
ziemlich viele Überfälligkeiten gehabt habe. Weiter gab BB. an, dass
obschon der Beschwerdegegner 2 von den Zahlungsschwierigkeiten der
H. AG gewusst habe, diese an den Verwaltungsrat für die bevorstehende
Sitzung nicht rapportieren wollte. Der Beschwerdegegner 2 habe dies damit
erklärt, dass die H. AG alle Überfälligkeiten bis zum Sitzungsdatum zurück-
bezahlt haben werde und er dies allenfalls mündlich an der Sitzung vortragen
könne (Verfahrensakten SV.10.0046, Urk. 12.011-0032; 12.011-0038 f.).
Somit kann festgehalten werden, dass der Beschwerdegegner 2 im Herbst
2009 die Bedenken der Mitarbeiter der Bank C. relativiert und sinngemäss
bestätigt hatte, dass mit dem Geschäft der H. AG alles in Ordnung sei und
er keinen Anlass sah, den Verwaltungsrat darüber zu orientieren. Daraus
kann der Schluss gezogen werden, dass der Beschwerdegegner 2 sich si-
cher war, dass die H. AG finanzielle Mittel von anderen Kreditinstituten er-
halten werde, um die Überfälligkeiten bei der Bank C. zu begleichen. Weil
das genaue Datum des Gesprächs zwischen BB. und dem Beschwerdegeg-
ner 2 nicht bekannt ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich das
Gespräch auf den Kreditvertrag zwischen der H. AG und der Beschwerde-
führerin bezogen haben könnte. Somit kann auch entgegen der Ansicht der
Beschwerdegegnerin 1 nicht ohne Weiteres ausgeschlossen werden, dass
der Beschwerdegegner 2 vom bevorstehenden bzw. vor Kurzem abge-
schlossenen Kreditvertrag zwischen der H. AG und der Beschwerdeführerin
- 15 -
Kenntnis gehabt haben könnte und am Zustandekommen des Kreditvertrags
vom 29. September bzw. 6. Oktober 2009 oder/und an der am 4. November
2009 erfolgten Auszahlung von EUR 4'480'000.-- mitgewirkt haben könnte.
Dies umso weniger, als der Beschwerdegegner 2 die letzte Provisionszah-
lung im Oktober oder November 2009 gefordert haben soll und zu diesem
Zeitpunkt bei der Bank C. keine Finanzierungsbegehren ausstehend gewe-
sen seien.
5.7 Gestützt auf die bisherigen Ermittlungsergebnisse kann nicht ohne Weiteres
ausgeschlossen werden, dass der Beschwerdegegner 2 von G. im Herbst
2009 geldwerte Leistungen gefordert und erhalten haben könnte. Ebenso
kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese dazu gedient haben könnten,
den Beschwerdegegner 2 für allfällige Mitwirkung am Zustandekommen des
Kreditvertrags zwischen der H. AG und der Beschwerdeführerin bzw. der an-
schliessenden Auszahlung in der Höhe von EUR 4'480'000.-- zu entschädi-
gen. Aufgrund des besonderen Verhältnisses zwischen dem Beschwerde-
gegner 2 und G., das als über das übliche Geschäftsverhältnis hinausge-
hend bezeichnet werden kann, ist davon auszugehen, dass der Beschwer-
degegner 2 von den finanziellen Verhältnissen der H. AG im Jahr 2009
Kenntnis gehabt haben musste und möglicherweise bis Ende Februar 2010
in die Verfahrensabläufe der H. AG eingebunden gewesen war.
5.8 Angesichts der bisherigen Ermittlungsergebnisse durfte die Beschwerdegeg-
nerin 1 in Bezug auf allfällige Betrugshandlungen zum Nachteil der Be-
schwerdeführerin keine klare Straflosigkeit annehmen. Da der dem Be-
schwerdegegner 2 gemachte Vorwurf schwer wiegt, hätte gegen ihn Anklage
erhoben werden müssen. Die Einstellung der Untersuchung gegen den Be-
schwerdegegner 2 wegen Betrugs zum Nachteil der Beschwerdeführerin hält
vor dem Bundesrecht nicht stand. Die Beschwerde ist in diesem Punkt be-
gründet und ist gutzuheissen. Da die angefochtene Verfügung bereits aus
diesem Grund aufzuheben ist, braucht auf die Beschwerde hinsichtlich der
übrigen dem Beschwerdegegner vorgeworfenen Delikte zum Nachteil der
Beschwerdeführerin nicht eingegangen zu werden.
6.
6.1 Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, soweit darauf einzu-
treten ist. Die Ziffer 1 der Einstellungsverfügung vom 30. Juli 2018 ist in Be-
zug auf die Beschwerdeführerin aufzuheben.
6.2 Heisst die Beschwerdekammer eine Beschwerde gegen eine Einstellungs-
verfügung gut, so kann sie der Bundesanwaltschaft für den weiteren Gang
- 16 -
des Verfahrens Weisungen erteilen (Art. 397 Abs. 3 StPO). Gestützt auf das
vorgängig Ausgeführte ist die Beschwerdegegnerin 1 anzuweisen, das ge-
gen den Beschwerdegegner 2 bisher geführte Verfahren zum Nachteil der
Beschwerdeführerin weiterzuführen und Anklage zu erheben. Ob die An-
klage gegen den Beschwerdegegner 2 im Sinne des wesentlichen Grund-
satzes der Verfahrenseinheit i.S.v. Art. 29 Abs. 1 lit. b StPO zusammen mit
G., gegen welche bereits bei der Strafkammer des Bundesstrafgerichts An-
klage erhoben worden ist (vgl. Beschluss des Bundesstrafgerichts
BB.2018.106 vom 29. Oktober 2018; Sachverhalt lit. H), zu erfolgen sein
wird, braucht angesichts des vorliegenden Verfahrensgegenstandes nicht
beurteilt zu werden.
7.
7.1 Die Kosten des vorliegenden Beschwerdeverfahrens sind nach Massgabe
des Obsiegens und Unterliegens der Parteien festzulegen (Art. 428 Abs. 1
Satz 1 StPO). Als unterliegend gilt auch die Partei, auf deren Rechtsmittel
nicht eingetreten wird (Art. 428 Abs. 1 Satz 2 StPO).
7.2 Die Gerichtsgebühr für das vorliegende Verfahren ist auf Fr. 2’000.-- festzu-
setzen (Art. 73 StBOG i.V.m. Art. 5 und 8 Abs. 1 des Reglements des Bun-
desstrafgerichts vom 31. August 2010 über die Kosten, Gebühren und Ent-
schädigungen in Bundesstrafverfahren [BStKR; SR 173.713.162]). Da sich
die vorliegende Beschwerde auf die Weiterführung der Untersuchung hin-
sichtlich aller 107 Fälle richtete und auf diese nur in Bezug auf einen Fall
eingetreten wurde (E. 2.2 hiervor), unterliegt die Beschwerdeführerin mit ih-
ren Anträgen grösstenteils. Unter diesen Umständen scheint es gerechtfer-
tigt, die Gerichtsgebühr von Fr. 2’000.-- vollständig der Beschwerdeführerin
aufzuerlegen, unter Anrechnung des von ihr geleisteten Kostenvorschusses
in gleicher Höhe. Unter diesen Umständen ist der Beschwerdeführerin keine
Parteientschädigung zuzusprechen.
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