# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9a7e09df-ae1b-5043-ab6a-8aa210416b37
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1955, war seit Mai 2004 bei der
Y._
als Service-Mitarbeiter tätig und damit bei der Allianz Suisse Ver
sicherungs-Gesellschaft AG (nachstehend: Allianz) obligatorisch unfallver
sicher
t, als
ihm am
9.
Februar 2009 ein Har
ass auf den linken Fuss fiel
(
Urk.
8/40
Ziff.
1-6)
.
Die Allianz
holte unter anderem ein orthopädisches Gutachten ein, das am
5.
Februar 2010
erstattet wurde (
Urk.
8/19), und sprach dem Versicherten mit
Verf
ügung vom
6.
April 2010 (
Urk.
8
/76) eine Invalidenrente entsprechend einem
Invaliditätsgrad von 53
%
(S. 3 unten) und eine Integritätsentschädigung ent
sprechend einer Integritätseinbusse von 30
%
(S. 4 unten) zu.
1.2
Nach Eingang eines polydisziplinären Gutachtens, das am 2
3.
Juni 2015 erstattet
wurde (
Urk.
8/37), stellte die Allianz mit Verfügung vom 1
9.
August 2015 (
Urk.
8/119) ihre Leistungen per 3
1.
August 2015 ein (S.
7 Mitte
Ziff.
1). Die dagegen am
18. Septemb
er
2015 erhobene Einsprache (
Urk.
8
/
122) wies sie mit Einspracheentscheid v
om 1
7.
November 2016 ab (
Urk.
8
/128 =
Urk.
2).
2.
Gegen den Einspracheentscheid vom 1
7.
November 2016 (
Urk.
2) erhob der Ver
sicherte am 2
2.
Dezember 2016 Beschwerde und beantragte, dieser sei aufzu
heben und es sei ihm auch nach dem 3
1.
August 2015 eine Rente bei einem Invaliditätsgrad von 53
%
auszurichten (
Urk.
1 S. 2 Mitte
Ziff.
1).
Die Allianz beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Februar 2017 (
Urk.
7) die Abweisung der Beschwerde.
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, reichte am
6.
März
2017 (
Urk.
10) aufforderungsgemäss ihre Akten (
Urk.
11/1-203) ein.
Am 2
3.
Juni 2017 wurde eine Replik (
Urk.
15) und am 3
1.
August 2017 (
Urk.
18)
eine Duplik erstattet, welche dem Beschwerdeführer am
1.
September 2017 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
19).
3.
Die IV-Stelle verneinte mit Verfügung vom 2
2.
Juli 2011 einen Rentenanspruch des Beschwerdeführers (
Urk.
11/101). Dies wurde vom hiesigen Gericht mit Urteil vom 1
1.
Februar 2013 im Verfahren Nr. IV.2011.00980 (
Urk.
11/107) und vom Bundesgericht mit Urteil vom
4.
Juni 2013 (
Urk.
11/114) bestätigt.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar
2017 sind die am 25. September
2015 beziehungsweise am 9. Novem
ber
2016 verabschiedeten geänderten Bestimmungen des Bundes
ge
setzes über die Unfallversicherung (UVG) und der Verordnung über die Unfall
versicherung (UVV) in Kraft getreten.
Gemäss den allgemeinen übergangsrechtlichen Regeln sind der Beurteilung jene Rechtsnormen zu Grunde zu legen,
die in Geltung standen, als sich der zu den materiellen Rechtsfolgen führende und somit rechtserhebliche Sachverhalt verwirklicht hat
(vgl. BGE 127 V 466 E. 1, 126 V 134 E. 4b, je mit Hinweisen). Dementsprechend sehen die Übergangsbestimmungen zur Änderung vom 25. September 2015 des UVG vor, dass Versicherungsleistungen für Unfälle, die sich vor dem 1. Januar 2017 ereignet haben, und für Berufskrankheiten, die vor diesem Zeitpunkt ausgebrochen sind, nach bisherigem Recht gewährt werden (Absatz 1 der genannten Übergangsbestimmungen).
Der hier zu beurteilende Unfall hat sich am
9.
Februar 2009
ereignet, weshalb die bis 31. Dezember 2016 gültig gewesenen Normen auf den vorliegenden Fall Anwendung finden und in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
D
ie Verwaltung
kann
auf formell rechtskräf
tige Verfügungen oder Einsprache
entscheide, die nicht Gegenstand materieller richterlicher Beurteilung gebildet haben, zurückkommen, wenn sie zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Be
richtigung von erheblicher Bedeutung ist (
Art.
53
Abs.
2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
; BGE 133 V 50 E. 4.1).
1.3
Zweifellose Unrichtigkeit nach
Art.
53
Abs.
2 ATSG liegt in der Regel vor, wenn
eine
Leistungszusprache
auf Grund falsch oder unzutreffend verstandener Rechts
regeln erfolgt ist oder wenn massgebliche Bestimmungen nicht oder unrichtig angewandt wurden. Anders verhält es sich, wenn der Wiedererwägungsgrund im Bereich materieller Anspruchsvoraussetzungen liegt, deren Beurteilung in Bezug auf gewisse Schritte und Elemente notwendigerweise Ermessenzüge auf
weist. Für das Rückkommen auf eine formell rechtskräftige Verfügung über sozialversicherungsrechtliche Leistungsansprüche genügt es nicht, dass die Ver
waltung oder das Gericht einfach ihr Ermessen an die Stelle desjenigen der ursprünglich verfügenden oder urteilenden Behörde setzen, sofern die damalige Ermessensausübung vertretbar war (
Urteil des Bundesgerichts
8C_469/2013
vom 2
4.
Februar 2014 =
SVR 2014 UV Nr. 14
, E.
3.2
). Erscheint die Beurteilung einzelner Schritte bei der Feststellung materieller Anspruchsvoraussetzungen
(
Invaliditätsbemessung, Arbeitsfähigkeitsschätzung, Beweiswürdigung, Zumutbar
keits
fragen) vor dem Hintergrund der Sach- und Rechtslage, wie sie sich im
Zeitpunkt der rechtskräftigen Leistungszusprechung darbot, als vertretbar, scheidet
die Annahme zweifelloser Unrichtigkeit aus. Zweifellos ist die Unrich
tig
keit, wenn kein vernünftiger Zweifel daran möglich ist, dass die Verfügung unrichtig war. Es ist nur ein einziger Schluss – derjenige auf die Unrichtigkeit der Verfügung – denkbar (BGE 141 V 405 E. 5.2 S. 414, 138 V 324 E. 3.3 S.
328;
Urteil des Bundesgerichts
9C_58/2015
vom 1
1.
August 2015
=
SVR 2015 BVG Nr. 43 E. 3.3.1).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vor
akten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus,
die 2010 erfolgte Rentenzusprache sei zweifellos unrichtig gewesen (S. 7
Ziff.
21), denn sie sei aufgrund des 2010 erstatteten Gutachtens erfolgt, das eine zweifel
los unrichtige Kausalitätsbeurteilung (S. 5 f.
Ziff.
10 ff.) und eine - wie schon vom hiesigen Gericht 2013 festgehalten - nicht nachvollziehbare Beurteilung der Arbeitsfähigkeit enthalten habe (S. 6
Ziff.
18 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
weder die 2010 erfolgte Rentenzusprache noch das dieser zugrundliegende Gut
achten könnten als zweifellos unrichtig bezeichnet werden (S. 5 f.
Ziff.
2). Ferner leide das 2015 erstattete polydisziplinäre Gutachten an - näher be
zei
ch
neten - Mängeln (S. 6 f.
Ziff.
3).
2.3
S
trittig und zu prüfen ist somit
die Zulässigkeit einer wiedererwägungsweisen Aufhebung der ursprünglichen
Leistungszusprache
infolge zweifelloser Unrich
tig
keit. Dass ein Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17 ATSG vorliege, wurde im angefochtenen Entscheid nicht mehr geltend gemacht.
3.
3.1
Gemäss Arztzeugnis vom 1
8.
März 2009 (
Urk.
8
/1) fiel dem Beschwerdeführer am
9.
Februar 2009 ein Harass mit Getränken auf den linken Fuss
,
und am 1
8.
Februar 2009 stellte er sich im
Z._
vor, wo ein Ulcus mit Infekt über
der zweiten
Zeh
e
am linken Fuss festgestellt wurde (
Ziff.
1-2 und 4). Am
5.
März
2009 wurde die Zehe amputiert (
Ziff.
7a).
3.2
Die Ärzte der
A._
,
führten in ihrem Bericht vom 24./2
8.
Juli 2009 (
Urk.
8
/11) zum Allge
mein
zustand aus, gemäss Bericht von der Notfallkonsultation am 1
8.
Februar 2009 hätten keine besonderen Auffälligkeiten bestanden (
Ziff.
3a), und erwähn
ten eine bekannte ältere dislozierte Fraktur der Grundphalanx
Dig
. I links, einen Diabetes mellitus Typ 2, eine periphere Neuropathie und eine koronare Herz
krankheit (
Ziff.
3b).
Die Frage, ob ausschliesslich Unfallfolgen vorlägen, verneinten sie mit Hinweis auf bereits vorbestehende ältere Frakturen und ein diabetisches Fusssyndrom (
Ziff.
6).
3.3
Der Beschwerdeführer wurde in der
D._
weiterbehandelt, wo
rüber
Dr.
med.
B._
, Oberarzt i.V., am
1
9.
November 2009
be
rich
tete
(
Urk.
8/16)
. N
ebst etlichen Nebendiagnosen
nannte er
folgende Diag
nose (S. 1 Mitte):
Os
teoarthropathie
linksbetont mit/
bei:
-
Fraktur Basis
Metatarsale
I
-
Fraktur Basis Phalanx
proximalis
Dig
. III
-
Status nach Exartikulation
Dig
. II links am
5.
März 2009 bei Ulcus
Zum Verlauf führt
e er aus
, nach einem traumatischen Ereignis mit Kontusion des linken Fusses habe sich im Verlauf eine
Neuroosteoarthropathie
entwickelt, welche konservativ behandelt und anschliessend mit orthopädischem Mass
schuh versorgt worden sei (
Ziff.
2a).
Seiner beruflichen Tätigkeit als Kellner sei der Patient mit seinem Fussleiden links nicht mehr gewachsen (
Ziff.
4a)
, er könne vorwiegend gehende Tätigkeiten mit körperlicher Belastung nicht mehr ausüben (
Ziff.
4c).
Im Bericht vom 2
5.
November 2011 (
Urk.
11/40/5-7) führte
Dr.
B._
unter
anderem aus, insgesamt bestehe ein guter Verlauf nach Versorgung mit ortho
pädischen Massschuhen. Im angestammten Beruf als Servicemitarbeiter in einem
Restaurant sei der Patient nicht mehr einsetzbar und zu 100
%
arbeitsunfähig. Für eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ohne körperliche Belastung sei eine 100%ige Arbeitsfähigkeit zumutbar (
Ziff.
1.4 am Ende).
3.4
Am
5.
Februar 2010 erstattete
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, ein Gutachten im Auf
trag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/19). Er stützte sich auf die ihm über
lasse
nen Akten und die von ihm am 1
7.
Dezember 2009 erhobenen Befunde (S. 1 Mitte).
Er nannte folgende Diagnosen
(S. 5):
-
Status nach Kontusion linker Vorfuss (
9.
Februar
2009) mit Frakturen des
Metatarsale
I und der Grundphalanx III
-
deutliche Fussdeformität mit Fehlstellung der verheilten Frakturen
-
diabetischer Fuss mit Exartikulation der Zehe II im MP-Gelenk
-
deutlich reduzierter Allgemeinzustand bei Diabestes mellitus und schweren Begleiterkrankungen: Diabetes mellitus Typ II, diabetische Retinopathie bei
Mikroangiopathie
(Laserbehandlungen 2007), periphere Polyneuropat
hie,
Makroangiopathie
, schwere k
oronare Herzkrankheit, arterielle Hypertonie, Hyperurik
ä
mie,
Dyslipid
ä
mie
, chronischer Alko
holis
mus mit Lebersteatose
Im Rahmen seiner Beurteilung (S. 5 ff.
Ziff.
7) wies
Dr.
C._
auf verschiedene Faktoren - Migrationsproblematik, reduzierter Allgemeinzustand, Diabetes, (als eine Art „Zeitbombe“ zu betrachtender) diabetischer Fuss, Alkoholprobleme - hin, die eine wichtige Rolle spielten (S. 5 f.).
Zusammenfassend lasse sich sagen, dass sowohl der reduzierte
A
llgemeinzustand des
Patienten
wie auch der diabe
ti
sche Fuss mit seinen Unfallfolgen, je für sich genommen zu einer weit
gehen
den Arbeitsunfähigkeit als Kellner führen könnten. Die zur Verfügung stehen
den
Unterlagen liessen aus heutiger Sicht keine sichere Aufteilung auf unfall
kausale und unfallfremde Faktoren zu (S. 6
Mitte
).
Der Einfachheit halber
schlage er
vor, dass nur Einschränkungen/Probleme, welche direkt mit den am linken Fuss erlittenen Verletzungen zusammenh
i
ngen, als Unfallfolgen in Betracht kämen (S. 6 unten). Das Vorliegen eines diabeti
schen Fusses verunmögliche eine
„
normale" Frakturbehandlung,
beispielsweise
mit Osteosynthese (S. 8
Ziff.
8.2.2.5). Ob die bleibende posttraumatische Defor
mation des Fusses im weiteren Verlauf eine Rolle spielen werde, könne nicht sicher abgeschätzt werden (S. 9
Ziff.
8.2.3.1). Der Status quo ante/sine könne nicht erreicht werden (S. 9
Ziff.
8.2.3.3).
Die
Beeinträchtigung
in der angestammten Tätigkeit als Servicemitarbeiter
betrage
-
voraussichtlich dauernd
(S. 9
Ziff.
8.3.1.3) -
unfallbedingt
zirka
50
%
und wegen unfallfremder Faktoren ebenfalls 50
%
, mithin
insgesamt
10
0
%
als Kellner
(S. 9
Ziff.
8.3.1.1). Unfallbedingt bestehe die Beeinträchtigung
vor allem
beim Gehen und Stehen (S. 9
Ziff.
8.3.1.2).
Die Frage, ob die Möglichkeit bestehe, durch eine Verlagerung der beruflichen Tätigkeit auf andere Arbeiten eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zu erzie
len, beantwortete
Dr.
C._
mit „vermutlich nein“ (S. 10
Ziff.
8.3.2.1), und die Frage, welche Tätigkeiten geeignet wären, mit „müsste ev. abgeklärt werden (IV?)“ (S. 10
Ziff.
8.3.2.2). Einer solchen Tätigkeit würde der Beschwerdeführer zu höchstens zirka 50
%
nachgehen können (S. 10
Ziff.
8.3.2.3).
Ein Endzustand bezüglich der Folgen des Unfalls vom
9.
Februar 2009
sei
zum Zeitpunkt der Untersuchung (zirka 1 Jahr nach dem Unfall) erreicht worden (S.
10
Ziff.
8.4.2). Dennoch
seien weitere Komplikationen am linken Fuss in Zukunft nicht mit Sicherheit auszuschliessen (S. 1
0 f.
Ziff.
8.4.3).
3.5
Im Bericht
von Dr.
B._
vom 1
6.
Juni 2010 über eine klinische Ver
laufs
kontrolle wurde ausgeführt, inzwischen gehe es dem Patienten mit dem ortho
pädischen Schuh den Umständen entsprechend gut, es bestünden keine Druck
stellen (
Urk.
8/
20 S.
2 oben). Im Bericht
des Arztes der
D._
, Technische Orthopädie,
vom 1
4.
Oktober 2010 wurde unter anderem ausgeführt, die Massschuhe passten optimal (
Urk.
8/21 S. 2 oben).
3.6
Im Bericht
des Arztes der
D._
,
Paraplegikerzentrum
,
vom 2
4.
Mai
2011 über eine am 2
0.
Mai erfolgte neurologische und neurophysio
logische Untersuchung wurde eine schwere distal beinbetont gemischt
axonal
demyelinisierende
Polyneuropathie diagnostiziert (
Urk.
8/22 S. 1 Mitte).
Im Bericht
der Ärzte des Zentrums für Paraplegie,
D._
,
vom 3
1.
August 2012 über eine am 2
8.
August 2012 erfolgte neurologische und
neu
rophysiologische Untersuchung wurden folgende Diagnosen genannt (
Urk.
8/28
S. 1 Mitte):
-
schwere distal gemischt
axonal
demyelinisierende
Polyneuropathie
am ehesten kombiniert diabetisch, alkoholtoxisch
-
aktuell: stabiler bis leicht gebesserter Status
-
Diabetes mellitus Typ II Erstdiagnose 2000 mit Diabetes-assoziierten Spätfolgen (
Mikroangiopathie
, proliferative diabetische Retinopathie beidseits,
Makroangiopathie
)
3.7
Im Bericht der Ärzte der
A._
, vom 1
2.
April 2013 (
Urk.
8/29) wurden die folgenden, hier verkürzt angeführten, Diagnosen genannt (S. 1 f.):
-
generalisierte
Atherosklerose
-
metabolisches Syndrom
/
Diabetes mellitus Typ 2
-
mässig differenziertes
Adenokarzinom
des Rektums, Erstdiagnose Januar 2013
-
Gonarthrose rechts
-
leichtes obstruktive Schlafapnoe-Syndrom
3.8
Am 2
3.
Juni 2015 erstatteten
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Nephrologie,
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Neu
rologie,
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und
Traumatologie des Bewegungsapparates, und Prof.
Dr.
H._
, Facharzt für
Neurologe
,
I._
, ein poly
disziplinäres Gutachten im Auftrag der Beschwerdegegnerin (
Urk.
8/37), dies gestützt auf Teilgutachten in den drei erwähnten Disziplinen (
Urk.
8/34-36).
In ihrer Konsensbeurteilung führten sie aus,
a
uf internistischem Gebiet be
stün
den keine namhaften (behinderungsrelevanten) Unfallfolgen mehr. Durch die vorbestehende beidseitige diabetische
Neuroosteoarthropathie
der Füsse sei die durch den Unfall vom
9.
Februar 2009 bedingte
Ver
letzu
ng und nachfolgend not
wendige Exartikulation der Zehe II links sicherlich
protrahiert verheilt und auch das Ausmass der Verletzung des Fusses einschliesslich der
notwendigen Amputation der Zehe
sei
überwiegend wahrscheinlich durch das diabetische
Spätsyndrom negativ beeinflusst worden. Es
sei
jetzt jedoch von einem Status quo sine
auszugeben, der Verlust der Zehe
sei
funktionell ohne Relevanz, die Beschwerden
seien
vollumfänglich im Rahmen der diabetischen Folgen erklärt
(S. 1).
Auf neurologischem Gebiet seien Unfallfolgen nicht wahrscheinlich. Die Gang
störung sei durch die schwere Polyneuropathie bedingt, welche mit überwie
gen
der Wahrscheinlichkeit bereits zum Unfallzeitpunkt bestanden habe (S. 2 oben).
Auf orthopädischem Fachgebiet bestünden keine unfallbedingten Gesundheits
störungen, die die beklagten Beschwerden begründen könnten. Die geklagten Rückenbeschwerden seien einem 2013 erlittenen Unfall zuzuordnen. Die Gang
störung sei durch die Polyneuropathie erklärt. Die diabetische Osteopathie sowie
die Polyneuropathie seien geeignet, Schmerzen und Missempfindungen der Füsse
zu begründen. Die diabetische Osteopathie des linken Fusses sei als eigenstän
dige unfallunabhängige Entität anzusehen. Der unfallbedingte Verlust der zweiten
Zehe sei ohne funktionelle Relevanz. Hinweise für eine unfallbedingte Beeinflussung vorbestehender Frakturen bestünden ausweislich der Aktendaten nicht (S. 2 Mitte).
Eine durch den Unfall vom
9.
Februar 2009 bedingte Arbeitsunfähigkeit liege aus Sicht der Gutachter nicht vor, da die Unfallfolgen als ohne behin
derungs
relevantes Residuum abgeheilt anzusehen seien, der Verlust einer Zehe sei funktionell ohne namhafte Relevanz. Die Polyneuropathie, welche mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit bereits zum Unfallzeitpunkt bestanden habe, und deren Folgen und auch das dem Unfall von 2013 zuzuordnende
thorakolumbale
Vertebralsyndrom
bedingten aufgrund der resultierenden erheblich beeinträch
tigten Geh- und Stehfähigkeit eine zu 100
%
aufgehobene Arbeitsfähigkeit in überwiegend gehend und stehend ausgeübten - also auch der angestammten - Tätigkeiten (S. 2 unten).
3.9
Im orthopädischen Teilgutachten vom 2
3.
Juni 2016 (
Urk.
8/36) wurden folgende Diagnosen gestellt (S. 18):
-
Vorfusskontusion links 2009 mit anschliessender Exartikulation
Digitus
II links
-
diabetische Osteopathie
-
Status nach Fraktur Basis
Metatarsale
1 und Fraktur Basis Phalanx
proximalis
digitus
III
-
Status nach abgeheiltem plantarem Ulcus im Mittelfuss links
-
Polytrauma 2013 mit
Contusio
cerebri,
Thoraxtrauma
, Wirbelsäulen
trauma (Deckplattenimpressionsfraktur BWK 3
-
6, Berstungsspaltfraktur LWS 1, Berstungsfraktur LWK 4)
Den Unterlagen
(Arztzeugnis vom 1
8.
März 2009; vgl. vorstehend E. 3.1)
sei zu entnehmen, dass die beschriebenen Fakturen am linken Fuss als vorbestehend
,
also nicht auf den Unfall vom
9.
Februar 2009 zurückzuführen
, angesehen worden
seien
(S. 18 f.).
Angesichts der Polyneuropathie und
Osteoarthropathie
sei eine unbemerkt gebliebene, dem Unfall vom
9.
Februar
2009 vorange
gang
ene
Fraktur durchaus nicht
unplausibel
. Eine auf den Unfall vom
9.
Februar
2009
zurückzuführende Fraktur sei somit allenfalls als möglich anzusehen
(S.
19 o
ben).
Nach der Amputation der zweiten Zehe links bestehe angesichts des hier erho
benen Befunds ein reizloser Zustand, so dass von einer abgeheilten Situation auszugehen sei. Eine behinderungsrelevante Folge resultiere aus dem Verlust der zweiten Zehe nicht, da di
e
Statik und Funktion des Fusses hierdurch nicht namhaft beeinträchtigt würden. Die vorliegende Gangstörung sei durch die
diabetische/alkoholische Polyneuropat
hie vollumfänglich zu erklären
, der Verlust
der zweiten Zehe links könne also weggedacht werden, ohne dass die vorl
ie
gende Gangstörung entfallen oder verändert würde (S. 19
Mitte
).
4.
4.1
Der Beschwerdeführer wurde am
9.
Februar 2009, als ihm ein Harass auf den Fuss fiel, an der zweiten Zehe des linken Fusses verletzt; da sich ein Infekt entwickelte, musste die Zehe amputiert werden (vorstehend E. 3.1).
4.2
Die Beschwerdegegnerin ging bei der 2010 erfolgten Rentenzusprache (
Urk.
8/76
) davon aus, nicht gehend oder stehend auszuübende Tätigkeiten seien dem Be
schwerdeführer gemäss dem Gutachten von
Dr.
C._
zu 50
%
möglich (S.
2
unten), und ermittelte unter Verwendung von Tabellenlöhnen und Vornahme eines Abzugs von 10
%
einen Invaliditätsgrad von 53
%
(S. 3).
4.
3
Im die Invalidenversicherung betreffende
n
Urteil des hiesigen Gerichts vom 1
1.
Februar 2013 (
Urk.
11/107) wurde ausgeführt, das
orthopädische Gutachten von
Dr.
C._
vom
5.
Februar 2010
vermöge
die sich stellenden Fragen bezüg
lich der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in behinderungsangepasster Tätig
keit nicht zu beantworten
(S. 9 E. 3.2.2):
Der Gutachter fand es nach eigenen Angaben schwierig, Unfallfolgen und unfallfremde Leiden und deren Auswirkungen auseinanderzuhalten, weshalb er dafür plädierte, nur die Einschränkungen und Probleme, die direkt mit den am linken Fuss erlittenen Verletzungen zusammenhängen, als Unfallfolgen in Betracht zu ziehen. Dennoch zog er unfallfremde Faktoren in seine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit mit ein, indem er den Beschwerdeführer als zu insgesamt 100
%
arbeitsunfähig in der angestammten Tätigkeit erachtet, wobei er zirka 50
%
auf unfallfremde Faktoren zurückführt. Eine Erklärung, weshalb in der angestammten Tätigkeit allein aufgrund der Unfallfolgen immer noch eine 50%ige
Arbeitsfähigkeit [richtig:
Arbeits
un
fähigkeit
]
gegeben sein soll, fehlt ebenso wie Angaben, wie eine angepasste Tätigkeit aussehen müsste.
(...)
4.4
Die Feststellungen im Urteil von 2013 sind noch immer zutreffend. Namentlich legte
der Gutachter
überhaupt nicht dar,
welche funktionellen Einschränkungen
er hatte feststellen können und ob
oder inwiefern
das Fehlen der zweiten
Zehe zu Einschränkungen beim Gehen und Stehen führte
. Auch nahm er keinen Bezug auf die Versorgung mit orthopädischem Schuhwerk und deren Bedeutung für die Beurteilung der Funktionsfähigkeit der Füsse.
Insbesondere fällt sodann ins Gewicht, dass er gar
keine Angaben darüber
machte, welcher Art eine angepasste Tätigkeit sein müsste, sondern lediglich aus
führte, dies müsste ‚eventuell (von der Invalidenversicherung
?
) abgeklärt werden
‘. Begründete und nachvollziehbare Ausführungen dazu, welches Profil eine Tätig
keit haben müsste, um den festgestellten Beeinträchtigungen zu genügen, sind im Rahmen einer versicherungsmedizinischen Begutachtung
jedoch
unab
dingbar
, so dass diesbezüglich
der Gutachter den übernommenen Auftrag nicht erfüllt hat
.
Ebenfalls gravierend ist schliesslich der Mangel, der darin besteht, dass der Gutachter zwar völlig offen liess, was adaptierte Tätigkeiten sein könnte
n
,
dann aber dennoch und
ohne
auch nur den Ansatz einer Begründung dafür eine Arbeitsfähigkeit von lediglich 50
%
postulierte.
4.5
Von einer Arbeitsfähigkeit von lediglich 50
%
auch in adaptierter Tätigkeit auszugehen, war zweifellos unrichtig, da weder näher dargelegt worden war, welche Tätigkeiten als adaptiert gelten könnten noch auch nur ansatzweise eine Begründung für die postulierte Einschränkung gegeben worden war.
Dass die getroffene Annahme einer lediglich 50%igen Arbeitsfähigkeit auch in adaptierter Tätigkeit unhaltbar war, zeigt die (der Beschwerdegegnerin damals zwar nicht bekannte) präzise Aussage von behandelnder Seite schon im November 2009, wonach für
eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ohne körper
liche Belastung eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit bestehe (vorstehend E. 3.3). Auch die Angaben im 2015 er
statteten Gutachten, wonach der Verlust der Zehe funk
tionell ohne Relevan
z
sei (vorstehend E.
3.8) und Statik und Funktion des Fusses dadurch nicht namhaft beeinträchtigt würden (vorstehend E. 3.9)
,
führen zum gleichen Schluss.
4.6
Somit ist zusammenfassend festzuhalten, dass die Rentenzusprache im Jahr 2010
aus den genannten Gründen
zweifellos unrichtig gewesen ist
, womit die Beschwerdegegnerin - nachdem,
wenn periodische Leistungen
betroffen sind, die Erheblichkeit stets zu bejahen ist
(BGE 140 V 85 E. 4.4)
- berechtigt war, sie wiedererwägungsweise aufzuheben.
4.7
Am
I._
-Gutachten wurde kritisiert, in den Teilgutachten würden die genau gleichen Akten genau gleich aufgeführt (
Urk.
1 S. 6 unten). Inwiefern dies einen Mangel darstellen sollte, erschliesst sich nicht.
Ferner wurde angeführt, im (orthopädischen Teil-) Gutachten sei die von
Dr.
C._
vorgenommene Kausalitätsbeurteilung nicht als zweifellos unric
htig bezeichnet worden, was bedeute, dass die
I._
-Gutachter lediglich eine neue
Beweiswürdigung vornähmen, was keinen Wiedererwägungsgrund darstelle (
Urk.
1
S. 7 oben). Die Voraussetzungen der Wiedererwägung (vorstehend E. 1.2) sind bereits geprüft und bejaht worden (vorstehend E.
4.6).
E
ine allfällige unterschiedliche Beurteilung eines gleich gebliebenen Sachverhalts hat damit nichts zu tun, sondern
wäre
lediglich ungeeignet, eine Revision im Sinne von
Art.
17 ATSG zu begründen (vgl.
BGE 141 V 9 E. 2.3)
. Schliesslich bleibt zu bemerken, dass die genannte Feststellung lediglich die im vorliegenden Verfah
ren nicht
entscheidrelevante
Kausalitätsfrage betrifft, so dass insgesamt der erhobene Einwand nicht stichhaltig erscheint.
4.8
Es kann somit - wie dies die Beschwerdegegnerin getan hat - auf das
I._
-Gutachten, dass alle praxisgemässen Kriterien (vorstehend E.
1.4) vollumfäng
lich erfüllt, abgestellt werden.
Damit steht fest, dass im Zeitpunkt des angefochtenen Entscheids keine unfall
kausalen Beeinträchtigungen mehr bestanden, womit die Beschwerdegegnerin eine weitere Leistungspflicht zu Recht verneint hat. Der angefochtene Entscheid ist somit nicht zu beanstanden, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.