# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8f7ef990-4e29-4ab9-a071-4d558163060b
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend fahrlässige schwere Körperverletzung (Rückweisung des  Bundesgerichtes)
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, Einzelrichter in Strafsachen, vom 10. Mai 2007 (GG070136); Urteil des Obergerichtes des Kantons Zürich, II. Strafkammer, vom 22. Januar 2010 (SB090089); Urteil des Schweizerischen Bundesgerichtes vom 14. März 2011 (6B_365/2010)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 7. März
2007 (Urk. 15) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Angeklagte ist nicht schuldig und wird freigesprochen.
2. Auf die Schadenersatzforderung des Geschädigten wird nicht eingetreten.
3. Die Gerichtsgebühr fällt ausser Ansatz; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 880.-- Schreibgebühren
Fr. 90.-- Vorladungsgebühren
Fr. 57.-- Zustellgebühren
Fr. Kosten der Kantonspolizei
Fr. 500.-- Kanzleikosten Untersuchung
Fr. Auslagen Untersuchung
4. Die Kosten, einschliesslich derjenigen der Untersuchung, werden auf die
Gerichtskasse genommen.
5. Dem Angeklagten wird eine Prozessentschädigung von Fr. 6'500.00 zuzüg-
lich Fr. 456.00 (7.6% MwSt auf Fr. 6'000.00) aus der Gerichtskasse zuge-
sprochen.
Berufungsanträge:
a) des Vertreters der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich:
(Urk. 92 S. 1 i.V.m. Urk. 70 S. 2)
Der Angeklagte sei wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung schuldig
zu sprechen,
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der Angeklagte sei mit einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 240.–
(entsprechend Fr. 14'400.–) zu bestrafen,
es sei der bedingte Vollzug dieser Geldstrafe unter Ansetzung einer Probe-
zeit von 2 Jahren zu gewähren,
alles unter Kostenfolge zulasten des Angeklagten.
b) des Verteidigers des Beschuldigten:
(Urk. 95 S. 2)
Der Beschuldigte sei von der Anklage freizusprechen,
unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Gunsten des Beschuldigten.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte
1. Der Einzelrichter in Strafsachen des Bezirkes Zürich sprach den Beschuldigten
mit Urteil vom 10. Mai 2007 vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körper-
verletzung frei. Dementsprechend wurde auf das Schadenersatzbegehren des
Geschädigten A._ nicht eingetreten. Gegen dieses Urteil liess die Staat-
sanwaltschaft IV des Kantons Zürich rechtzeitig Berufung anmelden (Urk. 25). Mit
Eingabe vom 20. August 2007 nannte sie die Beanstandungen, welche sie gleich-
zeitig als schriftliche Berufungsbegründung bezeichnete (Urk. 28). Beweisanträge
wurden durch die Berufungsklägerin keine gestellt (Urk. 36). Die Verteidigung
stellte mehrere Beweisanträge, auf welche – soweit notwendig – im Rahmen der
nachfolgenden Erwägungen näher einzugehen ist. Die Staatsanwaltschaft bean-
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tragte die Schuldigsprechung des Beschuldigten wegen fahrlässiger schwerer
Körperverletzung im Sinne von Art. 125 Abs. 2 StGB und die Bestrafung mit einer
Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 240.–, unter Gewährung des bedingten
Strafvollzuges und Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren. Auf die Bean-
standungen und Berufungsbegründung ist im Rahmen der nachfolgenden Erwä-
gungen näher einzugehen.
2. Mit Urteil der erkennenden Kammer vom 4. April 2008 wurde der Beschuldigte
freigesprochen (Urk. 52). Gegen dieses Urteil erhob die Staatsanwaltschaft Be-
schwerde in Strafsachen an das Schweizerische Bundesgericht mit dem Antrag,
es sei das angefochtene Urteil aufzuheben und zu neuer Entscheidung an das
Obergericht des Kantons Zürich zurückzuweisen (Urk. 56/2). Mit Urteil der straf-
rechtlichen Abteilung des Bundesgerichts vom 3. Februar 2009 wurde die Be-
schwerde gutgeheissen, das genannte Urteil aufgehoben und die Sache zur neu-
en Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen (Urk. 59). Aufgrund der Aus-
führungen in den Erwägungen des Urteils des Bundesgerichts wurde in der Folge
ein psychiatrisches Gutachten bei der Dr. med. C._ eingeholt (Urk. 63). Die-
ses wurde unter dem Datum vom 17. August 2009 erstattet (Urk. 66). Es folgte
das Urteil der erkennenden Kammer vom 22. Januar 2010, mit welchem der Be-
schuldigte der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig gesprochen wur-
de (Urk. 79).
3. Gegen dieses Urteil erhob der Beschuldigte Beschwerde in Strafsachen an das
Schweizerische Bundesgericht mit dem Antrag, es sei das angefochtene Urteil
aufzuheben und der Beschuldigte freizusprechen, eventualiter sei die Sache zu
neuer Entscheidung an das Obergericht des Kantons Zürich zurückzuweisen
(Urk. 83/2). Mit Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts vom
14. März 2011 wurde die Beschwerde gutgeheissen, das genannte Urteil aufge-
hoben und die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückgewiesen
(Urk. 88). Mit Präsidialverfügung vom 14. April 2011 wurde das schriftliche Ver-
fahren angeordnet (Urk. 90). Die Staatsanwaltschaft stellte mit Eingabe vom
2. Mai 2011 und der Beschuldigte mit Schreiben vom 3. Juni 2011 die Berufungs-
anträge (Urk. 92, Urk. 95). Aufgrund der Ausführungen in den Erwägungen des
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Urteils des Bundesgerichts wurde in der Folge ein psychiatrisches Gutachten bei
med. pract. D._ eingeholt (Urk. 98, Urk. 104, Urk. 131). Dieses wurde unter
dem Datum vom 31. Januar 2014 erstattet (Urk. 136). Mit Eingaben vom
11. Februar 2014 bzw. 22. April 2014 nahmen die Staatsanwaltschaft und der Be-
schuldigte dazu Stellung (Urk. 140, Urk. 146).
II. Prozessuales
1. Wird ein Verfahren von der Rechtsmittelinstanz oder vom Bundesgericht zu-
rückgewiesen, so ist neues Recht anwendbar (At. 453 Abs. 2 der per 1. Januar
2011 in Kraft getretenen Schweizerischen Strafprozessordnung). Dementspre-
chend sind die Schweizerische StPO sowie das GOG anwendbar.
Im Weiteren ist in terminologischer Hinsicht klarzustellen, dass sich mit der
grundsätzlichen Anwendbarkeit des neuen Rechts auch die Parteibezeichnungen
ändern, indem der Angeklagte zum Beschuldigten wird. Das Rubrum wurde ent-
sprechend geändert.
2. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung (Art. 402
StPO). Die nicht von der Berufung erfassten Punkte erwachsen in Rechtskraft
(Schmid, StPO Praxiskommentar, Art. 402 N 1; Art. 437 StPO). Unangefochten
geblieben und damit in Rechtskraft erwachsen ist das Urteil des Einzelrichters in
Strafsachen des Bezirkes Zürich vom 10. Mai 2007 bezüglich des Nichteintretens
auf die Zivilforderung des Geschädigten (Dispositivziffer 2). Dies ist vorab mit Be-
schluss festzustellen.
3. Hebt das Bundesgericht einen Entscheid auf und weist es die Sache zu neuer
Beurteilung an die kantonale Instanz zurück, so wird der Streit in jenes Stadium
vor der kantonalen Instanz zurückversetzt, in dem er sich vor Erlass des ange-
fochtenen Entscheides befunden hat. Die kantonale Instanz hat ihrem neuen Ent-
scheid die rechtliche Begründung der Kassationsinstanz zu Grunde zu legen.
Auch wenn Art. 107 Abs. 2 des Bundesgerichtsgesetzes (BGG, SR 173.110) die
Regelung von Art. 277ter Abs. 2 aBStP beziehungsweise Art. 66 aOG nicht aus-
drücklich übernommen hat, gilt dieser Grundsatz ebenso unter dem seit dem
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1. Januar 2007 geltenden Bundesgerichtsgesetz (Seiler/von Werdt/Güngerich,
Bundesgerichtsgesetz, Handkommentar, Bern 2007, Art. 107 N 9). Die Vorinstanz
– mithin die erkennende Kammer – ist somit an die Auffassung des Bundesge-
richtes gebunden. Das Bundesgerichtsgesetz kennt das Institut der Teilrechtskraft
nicht. Im aktuellen Berufungsverfahren sind daher grundsätzlich alle bereits im
ersten Berufungsverfahren umstrittenen Punkte nochmals zu überprüfen. Aller-
dings galt schon unter dem bisherigen Recht, dass die kantonale Behörde, die
nach der Rückweisung neu entscheiden muss, nur in jenen Punkten auf ihr Urteil
zurückkommen darf, die zur Aufhebung des angefochtenen Entscheides durch
das Bundesgericht geführt haben, selbst wenn aus formellen Gründen das ganze
Urteil aufgehoben wurde (BGE 123 IV 1 E. 1; BGE 121 IV 109 E. 7; BGE 110 IV
116). Entscheidend ist auf die materielle Tragweite des bundesgerichtlichen Ur-
teils abzustellen und folglich danach zu fragen, ob damit der kantonale Entscheid
insgesamt oder nur teilweise aufgehoben wurde.
Der bundesgerichtliche Aufhebungsentscheid bezieht sich nur darauf, dass das
Gutachten von Dr. med. C._ als Grundlage für eine Verurteilung des Be-
schuldigten nicht ausreicht, d.h. dass die erkennende Kammer gestützt auf das
Gutachten eine Fehleinschätzung der Fremdgefährdung und damit die Relevanz
des dem Beschuldigten vorgeworfenen pflichtwidrigen Verhaltens für den einge-
tretenen Erfolg nicht hätte bejahen dürfen (Urk. 88 E. 4.13). Materiell handelt es
sich um eine Teilaufhebung. Hinsichtlich der weiteren Punkte erfolgt keine Korrek-
tur. In dieser Hinsicht bleibt der angefochtene obergerichtliche Entscheid grund-
sätzlich bestehen (vgl. BGE 104 IV 276, BGE 122 I 252). Die erkennende Kam-
mer hat den aufgehobenen Entscheid nur nach Massgabe des bundesgerichtli-
chen Urteils zu überprüfen. Um eine extensive Wiederholung des aufgehobenen
Entscheides zu vermeiden, kann im Folgenden bezüglich der faktisch in Rechts-
kraft erwachsenen Teile in sinngemässer Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO auf
die Erwägungen im aufgehobenen Entscheid verwiesen werden.
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III. Sachverhalt
1. Der eingeklagte Sachverhalt basiert auf einem früheren Strafverfahren gegen
E._, welche mit Urteil des Geschworenengerichts des Kantons Zürich vom 1.
Februar 2006 der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in
Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB sowie des Vergehens gegen das Waffenge-
setz im Sinne von Art. 33 Abs. 1 lit. a in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 lit. a des
Waffengesetzes schuldig gesprochen worden war (Urk. 49). E._ wurde zu 5
Jahren Zuchthaus verurteilt, welche Freiheitsstrafe zugunsten einer stationären
Massnahme im Sinne von Art. 43 Ziff. 1 Abs. 1 StGB aufgeschoben wurde (Art.
49 S. 102). Die damals zu beurteilende Tat beging E._ am 11. März 2004 mit
einer Pistole der Marke Glock (Mod. 19 C, Kal. 9 mm Para, Seriennummer ..., vgl.
Urk. 4.3), welche sie einige Monate vorher, am 1. Dezember 2003 von der Zuger
Polizei ausgehändigt erhalten hatte, nachdem diese Waffe zusammen mit einer
Sportpistole der Marke Hämmerli (Mod. X ESSE, Kal. 22 l.r.) am 12. April 2001
polizeilich sichergestellt und mit Verfügung vom 15. Juli 2002 beschlagnahmt
worden war. Die damalige Beschlagnahmung war aufgrund eines Vorfalles am
12. April 2001 in Baar erfolgt. Gemäss Darstellung in der polizeilichen Verfügung
vom 15. Juli 2002 und der Zeugenaussage von F._ vom 23. Juni 2004 hatte
E._ ihren damaligen Partner mit beiden Waffen nacheinander bedroht (Urk.
3.1 S. 4). Die Zuger Polizei verlangte als Bedingung für die Rückgabe der Waffen
an E._ ein ärztliches Zeugnis, welches dieser einen stabilen psychischen
Zustand attestierte (Urk. 3.1. S. 5). E._ stand damals bei Dr. G._ in psy-
chiatrischer Behandlung. Diese war nicht bereit, auf entsprechendes Ersuchen
von E._ das von der Polizei geforderte Zeugnis auszustellen. Am 29. August
2003 teilte E._ der Zuger Polizei mit, dass Dr. G._ ihr geschrieben habe,
dass es nach ihrem Ermessen ein psychiatrisches Gutachten brauche sowie vor-
gängig eine Abklärung, ob dazu ein Auftrag von offizieller Seite notwendig sei. Dr.
G._ als ehemalige Therapeutin sei für ein solches Gutachten nicht geeignet
(Urk. 11). Nach Erwirkung einer Fristerstreckung zur Einreichung des verlangten
Zeugnisses gelangte E._ in der Folge an den Beschuldigten, der ihr nach ei-
ner Konsultation vom 6. November 2003 ein als Unbedenklichkeitserklärung beti-
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teltes Schreiben vom 13. November 2003 ausstellte (Urk. 1), welches sie mit Be-
gleitschreiben vom 21. November 2003 der Zuger Polizei zukommen liess, mit
dem Ersuchen, ihr die beiden beschlagnahmten Waffen wieder auszuhändigen.
Am 1. Dezember 2003 wurden die genannten Waffen durch die Polizei an
E._ gegen Empfangsschein ausgehändigt (Urk. 3.1 S. 14 f.).
2. Am 11. März 2004 schoss E._ auf A._ mit der Pistole der Marke
Glock (Mod. 19 C, Kal. 9 mm Para, Seriennummer ...), welche ihr am 1. Dezem-
ber 2003 durch die Zuger Polizei ausgehändigt worden war (Urk. 4.3; Urk. 3.1
letzte Seite). Bereits an dieser Stelle ist festzuhalten, dass im Urteil des Geschwo-
renengerichts als erstellt erachtet wurde, dass E._ im Zeitpunkt der Tat noch
eine weitere Pistole der Marke Glock (Mod. 19; Kal. 9 mm Para, Seriennummer
...) mit sich führte, und zwar zusammen mit der Tatwaffe in der gleichen Handta-
sche (Urk. 49 S. 34 ff.). Dieser Umstand war im betreffenden Verfahren unbestrit-
ten.
3. Aufgrund der bisherigen Darstellung, welche aufgrund der Aktenlage beweis-
mässig erstellt ist, kann auch die unter dem Titel „Vorgeschichte“ in der Anklage-
schrift aufgeführte einleitende Sachverhaltsschilderung als erstellt gelten. Die ein-
zige abweichende Darstellung durch den Beschuldigten betrifft die Bedrohungssi-
tuation anlässlich des Vorfalles vom 12. April 2001 in der Wohnung von F._
in Baar. Der Beschuldigte machte diesbezüglich mehrfach geltend, dass damals
keine Bedrohungssituation für F._ vorgelegen habe (Urk. 2/2 S. 7 und 11).
Eine solche ist jedoch aufgrund der Aussagen des von jenem Vorfall direkt be-
troffenen F._ als hinreichend erstellt zu betrachten (Urk. 3.3 S. 2). Hierzu ist
jedoch sogleich zu relativieren, dass die Vorgeschichte keinen Vorwurf bezüglich
des Beschuldigten enthält, sondern einzig den Kontext zur nachfolgenden Sach-
verhaltsumschreibung liefert. Jedenfalls kann im Hinblick auf den Wissensstand
des Beschuldigten bezüglich dieser Vorgeschichte, soweit dieser für die straf-
rechtliche Beurteilung relevant erscheint, aufgrund der Umschreibung dieser Vor-
geschichte in der Anklageschrift nichts zum Nachteil des Beschuldigten abgeleitet
werden, zumal im Rahmen der Umschreibung der Vorgeschichte auch nicht be-
hauptet wird, dass der Beschuldigte Kenntnis all dieser Vorgänge gehabt habe.
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4. Der unter dem Titel „Tathandlung“ umschriebene eigentliche Anklagesach-
verhalt enthält Elemente, welche vom Beschuldigten als richtig anerkannt wurden.
Diese hat die Vorinstanz zutreffend dargestellt, weshalb auf die entsprechenden
Ausführungen in den vorinstanzlichen Erwägungen verwiesen werden kann
(Urk. 33 S. 4-7; Art. 82 Abs. 4 StPO).
a) Es ist als erstellt zu erachten, dass der Beschuldigte am 6. November 2003 in
seiner Funktion als Arzt und Psychoanalytiker ein rund einstündiges Gespräch mit
E._ durchführte, in welchem er sie über deren persönliche Lebensverhältnis-
se befragte. Ausserdem stellte er am 13. November 2003 eine Unbedenklich-
keitserklärung aus, in welcher er u.a. festhielt, dass er E._ am 6. November
2003 ausführlich psychiatrisch untersucht habe, dass sie in stabilen Verhältnissen
lebe, seit gut 15 Jahren an der gleichen Stelle arbeite und emotional ausgeglichen
sei. Der Vorfall, welcher zum Einzug der Pistolen geführt habe, müsse im Zu-
sammenhang mit der damaligen enttäuschenden Beziehung gesehen werden. Es
handle sich weder um einen ernsthaften Selbstmordversuch, noch gar um eine
ernstliche Bedrohung des Freundes mit Erschiessen. Der Vorfall habe vielmehr
den Charakter einer hilflosen hysterischen Inszenierung gehabt. Aufgrund seiner
Untersuchung sei er davon überzeugt, dass sich dieses nicht wiederholen werde.
Gestützt auf diese Unbedenklichkeitserklärung gab die Zuger Polizei E._ am
1. Dezember 2003 die beiden beschlagnahmten Pistolen schliesslich heraus.
b) Auch die weitere Sachverhaltsumschreibung in den ersten drei Absätzen auf
Seite 4 der Anklage wurden vom Beschuldigten nur insoweit nicht als richtig aner-
kannt, als er die Frage in den Raum stellte, wie ein Bauchdurchschuss, der vorne
im unteren rechten Bauchquadranten eingedrungen und hinten unterhalb des
Rippenbogens wieder ausgetreten sei, möglich sei, wenn der Geschädigte die
Hand von E._ und damit die Waffe noch nach unten zu bewegen versuchte
(Prot. I S. 5 f. und Urk. 48 S. 3). Der Schussverlauf wäre in diesem Fall ein ande-
rer gewesen, weshalb davon auszugehen sei, dass es sich um einen Unfall ge-
handelt habe. Nach Ansicht des Beschuldigten habe E._ die beim Umdrehen
zu Boden gefallene Waffe aufgehoben, was wiederum vom Geschädigten als Be-
drohung aufgefasst worden sei, worauf dieser in panischer Angst auf die Hand
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geschlagen und sich deshalb ein Schuss gelöst habe (Urk. 20 S. 20). Diesbezüg-
lich kann vorab auf die sorgfältige Sachverhaltserstellung im geschworenenge-
richtlichen Urteil vom 1. Februar 2006 verwiesen werden (Urk. 4/9). Aufgrund der
detaillierten Würdigung der Aussagen des Geschädigten und E._s sowie der
weiteren Beweismittel kam das Geschworenengericht zum Schluss, es sei erstellt,
dass der Geschädigte auf die Hand von E._ schlug und diese einen Schuss
gegen seinen Oberkörper feuerte, wodurch er im Bauch getroffen wurde (Urk. 4/9
S. 48). Weiter sei im Zweifel zugunsten von E._ davon auszugehen, dass sie
die Auslösung des Schusses zwar nicht direkt beabsichtigte, aber doch zumindest
in Kauf nahm (Urk. 4/9 S. 64-66). Von einem für E._ unvorhersehbaren "Un-
fall" kann demnach aufgrund der durchgeladenen Pistole, welche sie auf den Ge-
schädigten richtete (Urk. 4/9 S. 35), und des Umstands, dass eine Schussauslö-
sung ohne Betätigung des Abzugs bei der fraglichen Waffe technisch unmöglich
ist (Urk. 4/9 S. 48), nicht ausgegangen werden. Daran ändert auch die Tatsache
nichts, dass der Geschädigte versuchte, die Waffe nach unten zu bewegen, denn
selbst in diesem Fall ist eine Schussabgabe nach oben mit einem dem Verlet-
zungsbild entsprechenden Schussverlauf durchaus möglich. Dies insbesondere
dann, wenn der Geschädigte die Hand von E._ im hinteren Bereich berührte
und durch diese Bewegung das Handgelenk von E._ einknickte, weshalb der
Lauf der Waffe im Moment der Schussabgabe ohne Weiteres nach oben gerichtet
sein konnte. Von diesem Sachverhalt ist aufgrund der tatsächlichen Feststellun-
gen im geschworenengerichtlichen Urteil und dem Verletzungsbild beim Geschä-
digten auszugehen. Im Weiteren brachte der Beschuldigte keine Einwände gegen
die in der Anklage geschilderten Abläufe vom 11. März 2004 vor. Damit gelten die
in der Anklageschrift geschilderten Verletzungen des Geschädigten sowie die da-
bei involvierten, von E._ mitgeführten Waffen als erstellt (vgl. auch Urk. 4/9,
Urk. 4/4 S. 9 f., Urk. 3/1).
5. Die in der Anklageschrift auf Seite 4 Mitte bis Seite 5 enthaltenen Sachverhalts-
elemente betreffen das dem Beschuldigten vorgeworfene Übernahmeverschulden
respektive die angeklagten Sorgfaltspflichtverletzungen. Die Anklage stützt sich
dabei hauptsächlich auf das von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene
Gutachten vom 15. Dezember 2005 von Dr. med. H._, damals ... [Funktion]
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der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, und auf das Ergänzungsgutachten
vom 1. März 2006 (Urk. 5/5, Urk. 5/13). Der Beschuldigte bestritt konsequent, in
diesem Zusammenhang eine Sorgfaltswidrigkeit begangen zu haben. Wie die Vo-
rinstanz zutreffend festgehalten hat, werden in den erwähnten Abschnitten der
Anklage der relevante Sachverhalt und die vorgeworfenen Sorgfaltspflichtverlet-
zungen gemeinsam dargestellt und weisen einen engen Zusammenhang auf,
weshalb es sich rechtfertigt, die Erstellung der entsprechenden Sachverhalte zur
Hauptsache erst im Rahmen der rechtlichen Würdigung vorzunehmen.
6. a) Die für die Erstellung des Sachverhalts und für die rechtliche Würdigung re-
levanten Aussagen des Beschuldigten hat die Vorinstanz zutreffend wiedergege-
ben bzw. zusammengefasst, weshalb vorab auf diese Ausführungen in den vor-
instanzlichen Erwägungen verwiesen werden kann (Urk. 33 S. 7-14; Art. 82
Abs. 4 StPO).
b) Auch bezüglich der allgemeinen Regeln der Beweiswürdigung sowie der Ein-
schätzung der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten hat die Vorinstanz zutreffende
Ausführungen gemacht, auf die an dieser Stelle verwiesen werden kann (Urk. 33
S. 14 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ausserdem kann der Vorinstanz darin gefolgt wer-
den, dass die Aussagen des Beschuldigten an sich durchaus glaubhaft erschei-
nen. Es liegen tatsächlich keine Anhaltspunkte dafür vor, dass er die Unwahrheit
gesagt hätte. Im Hinblick auf die rechtliche Würdigung bzw. auf die Beantwortung
der Frage nach einer allfälligen Sorgfaltspflichtverletzung steht denn auch nicht
der Wahrheitsgehalt seiner Aussagen zur Diskussion, sondern die fachliche Qua-
lifikation seines Vorgehens im Zusammenhang mit der Ausstellung der Unbe-
denklichkeitserklärung zugunsten von E._. Zur Klärung dieser Problematik
gab die Staatsanwaltschaft bei Dr. med. H._ ein Gutachten in Auftrag. Die
Fragestellung bezog sich auf die Normen bei der Abgabe von „Unbedenklich-
keitserklärungen“, sowie auf das Verhältnis zwischen der Vorgehensweise des
Beschuldigten bei der Erstellung der Unbedenklichkeitserklärung einerseits und
der an den Arzt grundsätzlich zu stellenden Anforderungen bei vergleichbaren
Aufgabestellungen andererseits (Urk. 5.1 S. 3 f., Urk. 5.5 S. 3). Die Verteidigung
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erhielt Gelegenheit, Zusatzfragen zu stellen (Urk. 5.3 f.). Auf die Erkenntnisse aus
diesem Gutachten ist im Rahmen der rechtlichen Würdigung näher einzugehen.
7. In tatsächlicher Hinsicht ist festzuhalten, dass aufgrund der eigenen Aussagen
des Beschuldigten und der übrigen Akten folgende in der Anklage enthaltenen
Punkte erstellt sind:
− dass der Beschuldigte mit der ihm bis anhin gänzlich unbekannten E._
– entgegen seiner in der Unbedenklichkeitserklärung gemachten Angaben,
wonach er diese ausführlich untersucht habe – allein ein Gespräch von ca.
einer Stunde Dauer über deren persönliche Lebensverhältnisse führte,
− dass der Beschuldigte weder zusätzliche Abklärungen (Testverfahren etc.)
mit ihr durchführte noch die Angaben von E._ auf deren Richtigkeit
überprüfte und auch keinen Kontakt mit Dr. G._ aufnahm, obwohl er
Kenntnis davon hatte, dass E._ bei dieser in psychiatrischer Behand-
lung war,
− dass der Beschuldigte keine über die rein subjektiven Angaben von E._
hinausgehenden Kenntnisse über Intaktheit und Stabilität von Beziehungen,
über Lebenszufriedenheit, Anpassungsfähigkeit oder Kommuni-
kationsverhalten von E._ hatte,
− dass dem Beschuldigten, mangels objektiver Auskünfte, auch Kenntnisse
über das spezifische Konfliktverhalten von E._ fehlten und
− dass der Beschuldigte die erwähnte Unbedenklichkeitserklärung verfasste,
im Wissen und unter Inkaufnahme der daraus zu erwartenden Folgen, näm-
lich die Rückgabe der durch die Zuger Polizei beschlagnahmten und
E._ bisher vorenthaltenen Waffen.
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz hat zutreffende Ausführungen zur Frage des Regressverbotes
gemacht. Ebenso hat sie die Struktur des fahrlässigen Erfolgsdeliktes richtig dar-
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gelegt. Auf die entsprechenden Erwägungen kann verwiesen werden (Urk. 33
S. 16 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Hervorzuheben ist, dass für die Erfüllung des Tat-
bestandes ein unvorsätzliches Bewirken des tatbestandsmässigen Erfolgs, die
Missachtung einer Sorgfaltspflicht und die Relevanz des sorgfaltswidrigen Ver-
haltens für den Erfolgseintritt vorausgesetzt sind. Dabei ist die Vorhersehbarkeit
des Eintritts des Erfolgs aufgrund des Kausalverlaufs und die Vermeidbarkeit des
Erfolgs bei Beachtung der Sorgfaltspflicht nach dem Massstab des hypotheti-
schen Kausalverlaufs zu prüfen. Damit der Eintritt des Erfolgs auf das pflichtwidri-
ge Verhalten des Täters zurückzuführen ist, genügt seine blosse Vorhersehbar-
keit nicht. Vielmehr stellt sich die Frage, ob der Erfolg auch vermeidbar war. Da-
bei wird ein hypothetischer Kausalverlauf untersucht und geprüft, ob der Erfolg bei
pflichtgemässem Verhalten des Täters ausgeblieben wäre. Dabei genügt es für
die Zurechnung des Erfolgs, wenn das Verhalten des Täters mindestens mit ei-
nem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit oder mit an Sicherheit grenzender Wahr-
scheinlichkeit die Ursache des Erfolgs bildete (BGE 130 IV 7 E. 3.2).
2. Die erstellten Verletzungen des Geschädigten sind ohne Weiteres als schwere
Schädigung des Körpers zu qualifizieren. Der erforderliche Taterfolg liegt somit
vor. Es ist auch erwiesen, dass durch das Ausstellen der Unbedenklichkeitserklä-
rung die Herausgabe derjenigen Waffe veranlasst wurde, mit welcher E._
letztlich auf den Geschädigten schoss. Der Beschuldigte hat somit eine Teilursa-
che für den Einritt des tatbestandsmässigen Erfolgs gesetzt. Gemäss Anklage,
welche sich mit der Beweislage deckt, ist jedoch davon auszugehen, dass der
Beschuldigte eine Verletzung des Geschädigten nicht herbeiführen wollte, wes-
halb seinerseits kein vorsätzliches Bewirken des Taterfolgs vorliegt.
3. Nebst der Vorinstanz hat auch die erkennende Kammer in ihren aufgehobenen
Entscheiden vom 4. April 2008 und 22. Januar 2010 festgehalten, dass der Be-
schuldigte unter einer Sorgfaltspflicht stand, dass er diese im Sinne eines Über-
nahmeverschuldens verletzt hat, weil er den Auftrag von E._ angenommen
und die Unbedenklichkeitserklärung ausgestellt hat, ohne über die erforderlichen
Voraussetzungen im Sinne einer Fachausbildung in forensisch-psychiatrischer
Hinsicht zu verfügen, und überdies Verletzungen der Sorgfaltspflicht bei der Auf-
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tragsausführung beging. Die Sorgfaltspflichtverletzung wurde vom Bundesgericht
sowohl in BGE 135 IV 56 (Urk. 59 E. 4.3) als auch im Urteil 6B_365/2010 vom 14.
März 2011 (Urk. 88 E. 2.2 und E. 3.2) bestätigt. Im letztgenannten Urteil hat das
Bundesgericht sodann darauf hingewiesen, dass die Vorinstanz die Sorgfalts-
pflichtverletzung im Entscheid vom 22. Januar 2010 grundsätzlich nicht noch ein-
mal hätte prüfen müssen, nachdem das Bundesgericht in seinem Urteil 135 IV 56
erkannt hatte, dass Sorgfaltspflichtverletzungen zu Recht bejaht worden seien
(Urk. 88 E. 3.2.1). Deshalb werden die zutreffenden und nach wie vor geltenden
Ausführungen über die Sorgfaltspflichtverletzungen nachfolgend nicht wiederholt.
Vielmehr kann zur Begründung auf die Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 33 18-
35), der erkennenden Kammer im Urteil vom 4. April 2008 (Urk. 52 S. 11-18) und
der erkennenden Kammer im Urteil vom 22. Januar 2010 (Urk. 79 S. 12-20) sowie
die Erwägungen des Bundesgerichts in BGE 135 IV 56 (Urk. 59 E. 4.3) und im Ur-
teil 6B_365/2010 vom 14. März 2011 (Urk. 88 E. 2.2 und E. 3.2) verwiesen wer-
den.
4. Unter dem Titel der Voraussehbarkeit als Element der fahrlässigen Tatbege-
hung hat die Vorinstanz zutreffende Ausführungen gemacht. Um unnötige Wie-
derholungen zu vermeiden, kann auf die entsprechenden vorinstanzlichen Erwä-
gungen verwiesen werden (Urk. 33 S. 35 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Richtig ist ins-
besondere, dass dem Beschuldigten bewusst war, dass die Zuger Polizei gestützt
auf seine Einschätzung voraussichtlich die beiden beschlagnahmten Waffen an
E._ zurückgeben würde (Urk. 2/2 S. 11 f. und Prot. I S. 5). Unter Berücksich-
tigung des gewöhnlichen Laufs der Dinge und der Erfahrungen des Lebens ergibt
sich, dass die unsorgfältige Abklärung des Selbst- und Fremdgefährdungspotenti-
als von E._ geeignet war, einen Einsatz der gestützt darauf herausgegebe-
nen Waffen in einer neuerlichen Trennungssituation gegen sich selbst oder gegen
Dritte mit den vom Geschädigten erlittenen Verletzungen zu begünstigen. Dies
musste auch der Beschuldigte bei pflichtgemässer Vorsicht erkennen, zumal er
wusste, dass seine Methode erheblich von den etablierten, gründlicheren Unter-
suchungsmethoden abwich. Die Voraussehbarkeit wurde sodann auch vom Bun-
desgericht bestätigt (Urk. 59 E. 5.4.4. und Urk. 88 E. 2.3).
- 15 -
5. a) Die Vorinstanz führte aus, dass sich die Frage stelle, ob bei einer sorgfälti-
gen Abklärung E._s durch eine kompetente Fachperson das Risiko eines zu-
künftigen selbst- oder fremdgefährdenden Verhaltens als so gering eingestuft
worden wäre, dass die Zuger Polizei gestützt auf deren Erklärung die Waffen her-
ausgegeben hätte. In diesem Zusammenhang habe der Beschuldigte denn auch
vorgebracht, dass man wissen müsste, was in der Zeit zwischen der Abklärung
durch den Beschuldigten und dem zweiten Vorfall – immerhin mehr als vier Mona-
te später – passiert sei, um zu verstehen, warum E._ einige Zeit später ag-
gressiv und nicht depressiv reagiert habe (Urk. 2/2 S. 11). Ob sich die Situation
und psychische Verfassung von E._ in den zwischen der Abklärung durch
den Beschuldigten und dem zweiten Vorfall liegenden etwas mehr als vier Mona-
ten erheblich und entscheidend verändert habe, sei im Nachhinein schwierig zu
beurteilen und könne angesichts der aus anderem Grund zu bejahenden Unver-
meidbarkeit des Erfolgseintritt für den Beschuldigten offen bleiben (Urk. 33 S. 37
f.). Hinzuweisen sei aber darauf, dass sich die Diagnose einer vom Beschuldigten
stets bestrittenen, emotional instabilen Persönlichkeitsstörung vom Borderlinety-
pus im Gutachten von Dr. med. I._ vom 4. März 2005 auf den Tatzeitpunkt
des zweiten Vorfalls beziehe (Urk. 4/6/4 S. 105) und demnach keine Gründe dafür
ersichtlich seien, dass die erwähnte Störung erst aufgrund des zweiten Vorfalls
selbst und der danach angehobenen Strafuntersuchung hervorgerufen worden sei
(Urk. 20 S. 21 f., Prot. I S. 21). Vielmehr hätten – laut dem Gutachter – aufgrund
des Berichts von Dr. med. G._ vom 2. Juni 2004 (Urk. 4/6/3) deutliche Hin-
weise dafür vorgelegen, dass diese Persönlichkeitsstörung bei E._ bereits
während der Behandlung bei Dr. med. G._ existiert habe (Urk. 5/5 S. 40).
Der wichtigste unter dem Titel der Vermeidbarkeit zu prüfende Punkt – so die Vo-
rinstanz – betreffe die Frage des Zugangs von E._ zu anderen als den be-
schlagnahmten Waffen. Am 11. März 2004 habe E._ in ihrer Tasche zwei
Pistolen mit sich geführt. So sei nach dem Vorfall einerseits die Tatwaffe der Mar-
ke Glock, Modell 19 C, Kal. 9 mm Para, Seriennummer ..., sichergestellt worden.
Andererseits habe die Polizei in der Handtasche von E._ auch eine zweite
Pistole derselben Marke Glock, Mod. 19, Kal. 9 mm Para, Seriennummer ... res-
pektive ... sichergestellt (Urk. 4/1 S. 4 und 4/4 S. 4). Von entscheidender Bedeu-
- 16 -
tung sei nun vorliegend, dass zwar nach dem Vorfall von Zug die spätere Tatwaf-
fe der Marke Glock, Modell 19c, Seriennummer ..., und die Pistole der Marke
Hämmerli, Seriennummer ..., beschlagnahmt und E._ diese aufgrund der
Unbedenklichkeitserklärung des Beschuldigten wieder herausgegeben worden
seien (Urk. 3/1), wobei die am Abend des 11. März 2004 von E._ ebenfalls
mitgeführte Pistole der Marke Glock, Modell 19, Seriennummer ... respektive ...
bis zu diesem zweiten Vorfall aber noch nie sichergestellt worden sei und
E._ während der gesamten Zeit ungehindert zur Verfügung gestanden habe.
Das Geschworenengericht habe in seinem Urteil erwogen, dass im Zweifel zu-
gunsten von E._ davon auszugehen sei, dass auch die zweite mitgeführte
Waffe geladen und schussbereit gewesen sei (Urk. 4/9 S. 36). Dies müsse vorlie-
gend auch für den Beschuldigten gelten. Hätte der Beschuldigte die Unbedenk-
lichkeitserklärung nicht ausgestellt oder wären E._ die beschlagnahmten
Waffen auch sonst nicht herausgegeben worden, so sei zugunsten des Beschul-
digten davon auszugehen, dass E._ diesfalls die eine ihr noch zur Verfügung
stehende, nicht beschlagnahmte Pistole der Marke Glock, Seriennummer ... res-
pektive ..., mitgenommen und diese bei ihrem Griff in die Tasche behändigt hätte.
Aufgrund desselben Ladezustands, derselben Marke und Eigenschaften dieser
Pistole wie die Tatwaffe wären die Verletzungen des Geschädigten selbst bei ei-
nem sorgfältigen Verhalten des Beschuldigten mit hoher Wahrscheinlichkeit un-
vermeidbar gewesen. Gestützt auf diese Erwägungen sprach die Vorinstanz den
Beschuldigten frei (Urk. 33 S. 37 ff.).
b) In den Beanstandungen bzw. der Berufungsbegründung erachtete die Staats-
anwaltschaft den Umstand, dass E._ eine zusätzliche Pistole mit sich führte,
als nicht massgeblich. Das Vorgehen des Beschuldigten bei der Ausstellung der
Unbedenklichkeitserklärung entspräche einer vorwerfbaren Pflichtwidrigkeit, wel-
che u.a. die Bejahung der Vermeidbarkeit des Erfolges beinhalte, welche jedoch
nicht aufgrund einer hypothetischen Ex-Post- sondern einer individuell-konkreten
und Ex-ante-Betrachtung in Bezug auf den Beschuldigten vorgenommenen Abklä-
rung entschieden werden müsse (Urk. 92 S. 1 i.V.m. Urk. 28 S. 2). Ob das Verhal-
ten die einzige Ursache für den Erfolgseintritt darstelle, sei nicht entscheidend.
Wenn nun im angefochtenen Urteil aus dem Zugang von E._ zu anderen
- 17 -
Waffen gefolgert werde, selbst bei einem sorgfältigen Verhalten des Beschuldig-
ten wäre die Tat mit hoher Wahrscheinlichkeit unvermeidbar gewesen, sei dies
widersprüchlich, weil damit sein ursprünglich als pflichtwidrig erkanntes Verhalten
plötzlich nicht mehr pflichtwidrig werde. Ein ursprünglich als Sorgfaltspflichtverlet-
zung gewertetes Verhalten, welches adäquat kausal zu einem Erfolg geführt ha-
be, könne nicht plötzlich aufgrund von (hypothetischen) Drittursachen nicht mehr
eine massgebliche Pflichtverletzung darstellen. Entweder stelle ein bestimmtes
Verhalten eine massgebliche Sorgfaltspflichtverletzung dar, was individuell-
konkret im Zeitpunkt der betreffenden Handlung aufgrund einer Ex-Ante-
Betrachtung zu entscheiden sei oder es liege eben (in diesem Zeitpunkt) keine
vorwerfbare Verletzung einer Sorgfaltspflicht vor. Richtigerweise sei dabei ent-
sprechend der Gesichtspunkt der Vermeidbarkeit unter dem Aspekt der Bemes-
sung der Sorgfaltspflicht im Hinblick auf die menschliche Fähigkeit des Beschul-
digte einzubeziehen. Die Erfüllung der Sorgfaltspflicht müsse individuell-konkret
für den Beschuldigten möglich sein und bilde so die Maximalgrenze der Anforde-
rungen, die im Zusammenhang mit der Sorgfaltspflichtbemessung an einen po-
tenziellen Täter gestellt werden dürfen. Sei dies nicht der Fall, so sei es dem
Normadressaten auch nicht möglich, durch sein Verhalten den Eintritt des Erfol-
ges zu vermeiden und es liege keine Verletzung der Sorgfaltspflicht vor (Urk. 92
S. 1 i.V.m. Urk. 28 S. 3).
6. a) Nebst der Vorhersehbarkeit des Eintritts des deliktischen Erfolgs besteht ei-
ne weitere Voraussetzung für die Strafbarkeit darin, dass der Erfolg bei Beach-
tung der geforderten Sorgfalt verhindert worden wäre (Vermeidbarkeit des Erfol-
ges). Es ist somit zu prüfen, ob der Erfolg bei pflichtgemässem Verhalten des Tä-
ters ausgeblieben wäre. Für die Zurechnung des Erfolges genügt es, dass das
Verhalten des Täters mindestens mit einem hohen Grad der Wahrscheinlichkeit
oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Ursache des Erfolges
bildete (BGE 130 IV 7 E. 3.2.).
b) Ob eine Handlung im Sinne der Adäquanztheorie nach dem gewöhnlichen Lauf
der Dinge und nach der allgemeinen Lebenserfahrung geeignet ist, einen Erfolg
von der Art des eingetretenen herbeizuführen oder zu begünstigen, muss ex ante,
- 18 -
d.h. vom Zeitpunkt des Handelns aus, entschieden werden; die nachträgliche
(bessere) Kenntnis der Zusammenhänge kann nicht darüber entscheiden, ob eine
Handlung im Zeitpunkt ihrer Vornahme erlaubt oder verboten war (Günter Stra-
tenwerth, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil I, 3. Aufl. 2005, § 9 N 25).
Demgegenüber ist die für die Erfolgszurechnung ebenfalls wesentliche Frage, aus
welcher Gefahr der Erfolg hervorgegangen ist, ob sich mithin im Erfolg gerade die
vom Täter geschaffene oder gesteigerte Gefahr verwirklicht hat, unter Auswertung
aller ex post bekannten Umstände zu beantworten (BGE 116 IV 226 E. 2c, mit
Hinweisen; Günter Strathenwerth, a.a.O, § 9 N 41). Der Erfolg ist dem Täter zuzu-
rechnen, wenn dessen Verhalten mindestens mit einem hohen Grad der Wahr-
scheinlichkeit oder mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Ursache
des Erfolges bildete (BGE 130 IV 7 E. 3.2; 121 IV 286 E. 3, je mit Hinweisen).
c) Eine Besonderheit des vorliegenden Falles besteht darin, das E._ anläss-
lich des Besuchs bei ihrem ehemaligen Freund am 11. März 2004 zwei gleicharti-
ge, schussbereite Pistolen in ihre Tasche mitführte, nämlich zum einen die Waffe,
die wegen des Vorfalls vom 12. April 2001 polizeiliche sichergestellt und be-
schlagnahmt und ihr in der Folge gestützt auf die Unbedenklichkeitserklärung des
Beschuldigten in Anwendung der Bestimmungen der Waffengesetzgebung von
der Polizei am 1. Dezember 2003 wieder zurückgegeben worden war, und zum
anderen eine Pistole, welche E._ unabhängig vom Verhalten des Beschul-
digten ohnehin besass. Gemäss der für die erkennende Kammer verbindlichen
Auffassung im Urteil der strafrechtlichen Abteilung des Bundesgerichts vom 3.
Februar 2009 (BGE 135 IV 56, Urk. 59) stellt die Ausstellung der Unbedenklich-
keitserklärung durch den Beschuldigten eine Ursache neben anderen für den Ein-
tritt des tatbestandsmässigen Erfolgs der schweren Körperverletzung des Opfers.
Ohne diese Unbedenklichkeitserklärung wäre die Tatwaffe von der Polizei nicht
E._ zurückgegeben worden und hätte diese somit nicht unter Einsatz der
Tatwaffe das Opfer schwer verletzen können. Durch die Verweigerung der Unbe-
denklichkeitserklärung wäre der Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolgs unter
Einsatz der Tatwaffe verhindert worden. Dass E._ das Opfer ebenso gut
durch die Abgabe eines Schusses aus der zweiten von ihr ebenfalls mitgeführten
Pistole hätte verletzen können, bedeutet nicht, dass die Unbedenklichkeitserklä-
- 19 -
rung für den Eintritt des tatbestandsmässigen Erfolges nicht relevant gewesen,
der Erfolg daher dem Beschuldigten objektiv nicht zurechenbar wäre. Es kommt
allein darauf an, welche Bedingungen sich im Eintritt des Erfolgs tatsächlich ver-
wirklicht haben. Der Täter, der durch sein Verhalten eine Bedingung für den Ein-
tritt des Erfolgs gesetzt hat, kann sich daher nicht damit entlasten, dass der Erfolg
– wie in der Konstellation der „Doppelkausalität“, der „alternativen Kausalität“ so-
wie der „hypothetischen Ersatzursachen“ – auch ohne die von ihm gesetzte Be-
dingung, etwa infolge des Verhaltens eines andern, gleichwohl eingetreten wäre.
Massgebend für die objektive Zurechnung ist, dass der Täter durch sein Verhalten
eine Bedingung für den Erfolg in seiner konkreten Gestalt gesetzt hat (vgl. Urk. 59
S. 11 und dortige Hinweise). Auf die vorliegende spezielle Konstellation bezogen
heisst dies, dass im Falle einer Schussabgabe aus der anderen Pistole, die nie
beschlagnahmt worden war, sich im Erfolg eine andere Kausalkette verwirklicht
hätte, in der nicht der Beschuldigte eine Bedingung gesetzt hätte. Da aber
E._, und sei es zufälligerweise, diejenige Pistole aus der Tasche zog, die ihr
aufgrund der Unbedenklichkeitserklärung zurückgegeben worden war, und damit
das Opfer schwer verletzte, hat sich im Erfolg in dieser konkreten Gestalt diejeni-
ge Kausalkette verwirklicht, in welcher der Beschuldigte durch sein Verhalten eine
Bedingung gesetzt hat. Der vorinstanzliche Freispruch des Beschuldigten lässt
sich somit nicht damit begründen, dass E._ das Opfer ebenso gut durch Ab-
gabe eines Schusses aus der von ihr mitgeführten anderen Waffe hätte verletzen
können bzw. dass die Schussabgabe auf den Geschädigten wegen der Existenz
der ebenfalls mitgeführten, nie beschlagnahmten, zweiten Waffe des gleichen
Typs selbst bei Beachtung aller Sorgfaltspflichten durch den Beschuldigten un-
vermeidbar erscheine (vgl. Urk. 33 S. 20). Umso weniger liesse sich ein Frei-
spruch damit begründen, dass E._ als Sportschützin über mehrere weitere
ihr gehörende Pistolen verfügt und ausserdem jederzeit Zugang zu den Pistolen
des Schützenvereins hatte. Massgebend ist, dass durch die aus der Unbedenk-
lichkeitserklärung resultierenden Rückgabe der beschlagnahmten Pistole ein Risi-
ko geschaffen wurde, dass sich im Einsatz dieser Schusswaffe durch E._
und damit im Verletzungserfolg verwirklichen konnte durch die Verwendung der
Waffe tatsächlich verwirklicht hat.
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d) Wie das Bundesgericht zutreffend darauf hingewiesen hat, ist unter dem Ge-
sichtspunkt der Zurechnung im vorliegenden Fall entscheidend, zu welcher Ein-
schätzung eine sorgfältige Fachperson im November 2003 in Bezug auf die Fra-
gen der Suizidgefahr und der Gefahr für Dritte gelangt wäre und ob die zuständi-
ge Behörde in Anbetracht dieser Einschätzung nach Massgabe der Bestimmun-
gen der Waffengesetzgebung im Rahmen ihres Entscheidungsspielraumes die
Rückgabe der Schusswaffe angeordnet oder aber die Rückgabe allein wegen ei-
ner relevanten Suizidgefahr oder (auch) wegen einer relevanten Gefahr für Dritte
verweigert hätte (Urk. 59 E. 5.3.2, vgl. auch Urk. 88 E. 2.3). Das zur Beantwor-
tung der in diesem Zusammenhang relevanten Fragen erstellte Gutachten von
Med. pract. D._ vom 31. Januar 2014 hatte sich zu den folgenden Fragen zu
äussern:
„Frage 1: Ist es möglich, im heutigen Zeitpunkt abzuklären, zu welcher Ein-
schätzung von E._ eine sorgfältige Fachperson im November
2003 in Bezug auf die Fragen der Suizidgefahr und der Gefahr für
Dritte gelangt wäre?
Frage 2: Zu welcher Einschätzung von E._ wäre eine sorgfältige
Fachperson im November 2003 in Bezug auf die Fragen der Sui-
zidgefahr und der Gefahr für Dritte gelangt?“
Der Gutachter beantwortete die Frage 1 dahingehend, dass er die Frage nicht
eindeutig mit Ja oder Nein beantworten könne, weil es für ihn nicht klar sei, ob der
Begriff "sorgfältige Fachperson" gleichgesetzt werden könne mit einer kleinen
Gruppe forensischer Psychiater und Psychologen, die bis 2003 im Rahmen von
Kurzgutachten forensische Risikoeinschätzungen zur Ausführungsgefahr von
Drohungen erarbeitet hätten. Allerdings hätten 2003 sowohl die forensisch tätigen
Psychiater, die keine Gutachten zur Ausführungsgefahr von Drohungen angefer-
tigt hätten, als auch die meisten nicht forensisch ausgebildeten Psychiater die
Aufgabenstellung der Zuger Polizei richtig eingeschätzt und den Auftrag demnach
abgelehnt. Bezüglich Suizidgefahr von Frau E._ hätte allerdings jede psychi-
atrisch tätige Fachperson im Rahmen einer sorgfältigen Abklärung im November
2003 eine Einschätzung vornehmen können. Bei der Einschätzung von Suizidali-
- 21 -
tät handle es sich um eine psychiatrische Fragestellung, die 2003 im Lernzielkata-
log des Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie aufgeführt gewesen sei
und eine Kernkompetenz jedes Psychiaters darstelle (Urk. 136 S. 72).
Die Frage 2 beantwortete der Gutachter dahingehend, dass eine sorgfältige
Fachperson bzw. die im November 2003 verfügbaren forensischen Psychiater, die
Risikoanalysen betreffend Ausführungsgefahr von Drohungen vorgenommen ha-
ben, in Bezug auf die Frage nach der Gefahr für Dritte durch Frau E._ zum
Schluss gekommen wären, dass eine moderate Ausführungsgefahr bestanden
habe, wodurch von der Rückgabe der beschlagnahmten Pistolen mit Sicherheit
abgeraten worden wäre. Zusätzlich wäre aufgrund der bei Frau E._ festge-
stellten Persönlichkeitseigenschaften und der früheren Suizidversuche eine psy-
chiatrische Behandlung empfohlen worden. Bezüglich Suizidgefahr hätte jede
psychiatrische Fachperson im November 2003 bei Frau E._ zum Schluss
kommen müssen, dass eine moderate und damit relevante langfristige Suizidge-
fahr bestanden habe. Ob in Anbetracht des psychisch stabilen Zustandes von
Frau E._ zum Untersuchungszeitpunkt und dem Fehlen akuter Suizidalität al-
le Psychiater aufgrund der Suizidgefahr von der Rückgabe der Pistolen abgeraten
hätten, vermöge er jedoch nicht mit Sicherheit zu beantworten. Forensisch ver-
sierte Psychiater hätten aber sicherlich von der Rückgabe der Pistolen an Frau
E._ abgeraten (Urk. 136 S. 72 f.).
In seinen Erwägungen führte der Gutachter weiter aus, über Frau E._ und
deren Zustand im November 2003 seien ausreichende Unterlagen vorhanden, um
retrospektiv eine Einschätzung für den damaligen Zeitpunkt vornehmen zu kön-
nen. Aus all diesen Dokumenten seien sämtliche Erkenntnisse, die zur Beurtei-
lung von Frau E._ im November 2003 notwendig seien, entnehmbar. Der
Gutachter ging methodisch so vor, dass er als erstes den Wissensstand, den der
Beschuldigte im November 2003 nach dem Abklärungsgespräch mit Frau
E._ hatte, eruierte. Als nächstes ging er der Frage nach, ob eine Beurteilung
von Frau E._ in Anbetracht der vorhandenen Informationen möglich ist und
wie sie ausfällt. In einem weiteren Schritt prüfte er, welche weiteren Angaben für
die Beantwortung der Fragestellung notwendig sind, ob solche Angaben eingeholt
- 22 -
werden können und schliesslich, wie diese Informationen lauten. Unter Einbezug
der bereits dem Beschuldigten zur Verfügung stehenden Informationen und der
ergänzenden Auskünfte nahm er dann eine Einschätzung von Frau E._ in
Bezug auf Suizidalität und Gefährdung für Dritte zum Zeitpunkt November 2003
vor (Urk. 136 S. 48 f.).
Der Gutachter führte weiter aus, was der Wissensstand des Beschuldigten nach
seinem Gespräch mit Frau E._ im November 2003 war. Er kam zum Schluss,
dass sich anhand dieser Informationen aus psychiatrischer Sicht maximal ein zum
damaligen Untersuchungszeitpunkt stabiler psychischer Zustand beschreiben las-
se, woraus sich eine zu diesem Zeitpunkt fehlende Selbst- oder Fremdgefährdung
von Frau E._ ableiten lasse. Es würden aber Hinweise auf frühere Suizidver-
suche, psychiatrische Behandlungen und einen Vorfall mit zwei Pistolen beste-
hen. Eine prognostische Aussage lasse sich dennoch basierend auf den verfüg-
baren Informationen nicht machen, weil zur Vorgeschichte einzig die eher dürfti-
gen Informationen von Frau E._ vorliegen würden. Informationen über Grün-
de und Ablauf des früheren Suizidversuchs und der psychiatrischen Behandlung
wären ebenso notwendig wie eine genauere Kenntnis des Vorfalls, der zum Ent-
zug führte. Um strafrechtliche forensische Beurteilungen vornehmen zu können,
seien eine genaue Kenntnis des Vorfalls, der zur Abklärung geführt habe, sowie -
sofern verfügbar - Angaben von Drittpersonen zur Vorgeschichte und zur psychi-
schen Gesundheit des Probanden notwendig. Dementsprechend hätte im No-
vember 2003 mit den dem Beschuldigten vorliegenden Informationen maximal ein
Zeugnis zum aktuellen psychischen Zustand von Frau E._ verfasst werden
können, aber eine prognostische Aussage bezüglich Selbst- und Fremdgefähr-
dung sei mit dieser Informationslage nicht möglich (Urk. 136 S. 52 ff.). Weiter
führte der Gutachter aus, dass ein forensischer Psychiater, um eine prognosti-
sche Aussage machen zu können, versuchen müsse, bei einer Fragestellung ei-
ner Behörde, mit dieser Kontakt aufzunehmen, um allfällige Unklarheiten betref-
fend den Auftrag zu klären und objektive Angaben zum Verhalten zu erhalten, das
zur behördlichen Sanktion geführt habe. Der Gutachter zeigte auf, welches Bild
sich ergeben hätte, wenn eine sorgfältige Fachperson im November 2003 die Ak-
ten der Zuger Polizei und den Bericht der PK Königsfelden aus dem Jahr 1998
- 23 -
hinzugezogen, Auskünfte der früheren behandelnden Psychiaterin Frau Dr.
G._ eingeholt und Frau E._ eingehender befragt sowie allenfalls ihre El-
tern befragt hätte (Urk. 136 S. 55 ff.).
Auf der Grundlage all dieser Informationen nahm der Gutachter eine Beurteilung
von Frau E._ bezüglich Selbst- und Fremdgefährdung im November 2003
vor. Er kam zum Schluss, dass eine sorgfältige Fachperson im November 2003
aus allen verfügbaren Informationen eine Beurteilung der Ausführungsgefahr bei
Drohungen in Form eines schweren Gewaltdelikts abgegeben hätte. Bei Frau
E._ wären sowohl prognostisch günstige als auch prognostisch ungünstige
Merkmale feststellbar gewesen. Aus der Abwägung dieser Faktoren ergebe sich
unter Berücksichtigung des Umstandes, dass es zwischen Frau E._ und
Herrn F._ von April 2001 bis im November 2003 zu keinen weiteren Konflik-
ten gekommen sei, dass die Ausführungsgefahr des früheren Drohungsverhaltens
gegen Herrn F._ lediglich als geringfügig eingestuft worden wäre. Die vorlie-
gende Persönlichkeitsproblematik und die weiteren legalprognostisch ungünstigen
Faktoren wären bei Frau E._ bezüglich potenzieller zukünftiger Opfer als
gleichwertig wie die günstigen Merkmale eingestuft worden, woraus eine sorgfäl-
tige forensisch ausgebildete Fachperson eine längerfristig moderate Ausfüh-
rungsgefahr bezüglich Drohungen mit einer Waffe gegenüber späteren Lebens-
partnern abgeleitet hätte. Die Gefahr wäre jedoch als so hoch anzusehen gewe-
sen, dass Massnahmen zur Verhinderung eines entsprechenden Geschehens
hätten ergriffen werden müssen. Mit Sicherheit hätten 2003 alle forensischen
Gutachter, die Kurzgutachten erstellt haben, in Anbetracht der moderaten Ausfüh-
rungsgefahr ganz klar davon abgeraten, Frau E._ ihre Waffen wieder auszu-
händigen. Das bedrohte Rechtsgut wäre ganz sicher höher eingestuft worden als
das Anrecht von Frau E._, Pistolenschiessen als ihr Hobby weiterzuführen.
Betreffend Suizidalität von Frau E._ wäre im Jahr 2003 eine Einschätzung
durch eine sorgfältige Fachperson aufgrund der vorliegenden Informationen er-
folgt. Man hätte festgestellt, dass Frau E._ zum Zeitpunkt der Untersuchung
psychisch stabil und nicht akut suizidal gewesen wäre. Betreffend zukünftiger Su-
izidalität wären bei Frau E._ aber ihr früherer Suizidversuch im Jahr 1998,
die damals durch die PK Königsfelden diagnostizierte Depression, die festgestell-
- 24 -
te Persönlichkeitsproblematik und der erleichterte Zugang zu Waffen als Merkma-
le hervorgehoben worden, die auf eine längerfristig erhöhte Suizidgefährdung
hingewiesen hätten. Er persönlich hätte die langfristige Suizidgefahr bei Frau
E._ aufgrund der vorliegenden Informationen im November 2003 als hoch
eingeschätzt. Aber er könne sich vorstellen, dass andere forensische Psychiater
eventuell auch nur ein moderates Suizidrisiko attestiert hätten. Auch schon ein
moderates Suizidrisiko hätte einen sorgfältigen Arzt aber ganz klar davon abraten
lassen, Frau E._ die eingezogenen Pistolen zurückzugeben, weil frühere Su-
izidversuche und das Vorliegen einer psychischen Störung die wichtigsten Risiko-
faktoren für Suizide seien. Zusammenfassend könne für den Zeitpunkt November
2003 somit eine mindestens moderate langfristige Suizidgefahr und eine modera-
te Ausführungsgefahr im Falle zukünftiger Drohungen festgestellt werden. Diese
Einschätzung gelte für eine sorgfältige Fachperson (Urk. 136 S. 61 ff.).
In seinen Schlussfolgerungen wiederholte der Gutachter, dass bei korrekter
Durchführung eine forensisch ausgebildete sorgfältige Fachperson zum Schluss
gelangt wäre, dass Frau E._ mittelfristig eine moderate Ausführungsgefahr
von Drohungen aufgewiesen und eine mindestens moderate, eventuell sogar ho-
he langfristige Suizidgefahr bei ihr bestanden hätte. Aufgrund dieser Feststellun-
gen wäre die Rückgabe der Pistolen an Frau E._ mit sehr hoher Wahrschein-
lichkeit nicht als empfehlenswert beurteilt worden. Im Gegensatz zur Frage der
Ausführungsgefahr hätte an sich jeder praktizierende Psychiater bei einer sorgfäl-
tigen Untersuchung von Frau E._ zum Schluss kommen müssen, dass min-
destens eine moderate und damit relevante langfristige Suizidgefahr bei ihr be-
stand, wobei Frau E._ aber im November 2003 nicht als akut suizidal einge-
schätzt worden wäre. Leider sei es ihm nicht möglich zu sagen, ob im Jahr 2003
schon allgemein bekannt gewesen sei, dass die Verfügbarkeit von Schusswaffen
einen Effekt auf die Suizidgefahr haben könne, weshalb für ihn nicht beantwortbar
sei, ob alle Psychiater damals rein aufgrund der langfristig moderaten Suizidge-
fahr von einer Rückgabe der Schusswaffen abgeraten hätten. Die forensisch ver-
sierten Psychiater hätten dies aber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit getan (Urk.
136 S. 71).
- 25 -
e) Die Staatsanwaltschaft wies in ihrer Stellungnahme zum Gutachten darauf hin,
dass der Sachverständige in seinem Gutachten nachvollziehbar und mit konkreter
und umfassender Begründung dargelegt habe, dass eine forensisch ausgebildete
Fachperson im Jahr 2003 zum Schluss gekommen wäre, dass E._ mittelfris-
tig eine moderate Ausführungsgefahr von Drohungen aufgewiesen und bei ihr ei-
ne mindestens moderate, eventuell sogar hohe langfristige Suizidgefahr bestan-
den hätte und entsprechend die Rückgabe der Schusswaffen als nicht empfeh-
lenswert beurteilt bzw. der Polizei davon abgeraten hätte. Mit diesem Ergebnis
müsse mit aller Deutlichkeit darauf geschlossen werden, dass der Beschuldigte
entsprechend der Anklageschrift schuldig gesprochen werden müsse (Urk. 140).
f) Die Verteidigung machte in ihrer Stellungnahme zum Gutachten wie schon wäh-
rend des ganzen Verfahrens geltend, es handle sich vorliegend um einen Metho-
denstreit zwischen psychiatrischen Fachleuten. Die vom Beschuldigten ange-
wandte Methode sei von der Staatsanwaltschaft, den Gerichten und den Gutach-
tern Dr. H._ und Dr. C._ nicht ernst genommen worden, was auch den
Gutachter med. pract. D._ beeinflusst habe (Urk. 146 S. 11 f.). Dies sei noch
verstärkt worden durch den Beizug von drei weiteren forensisch ausgebildeten
oder in Ausbildung stehenden Psychiatern durch den Gutachter, da deren mögli-
che Befangenheit nicht überprüft worden sei (Urk. 146 S. 50). Da med. pract.
D._ Einsicht in die vollständigen Akten gehabt habe, auch in solche, die erst
nach dem November 2003 produziert wurden, bestehe zudem die Gefahr, dass er
dadurch im Sinne eines Rückschaufehlers beeinflusst worden sei (Urk. 146 S. 7
und S. 29 f.). Der Beschuldigte sei nicht von E._ getäuscht worden und habe
ihr nicht blind geglaubt, da auch eine andere Fachperson, die zusätzliche Abklä-
rungen vorgenommen hätte, keine wesentlichen zusätzlichen Erkenntnisse ge-
habt hätte (Urk. 146 S. 33). So sei Frau E._ im November 2003 stabil gewe-
sen. Dass es ihr nach dem Lohnstopp im Januar 2004 schlechter gegangen sei,
sei nicht voraussehbar gewesen, da dies nur wenigen der Bekannten von Frau
E._ bekannt gewesen sei. Selbst ihre Mutter habe sich positiv über sie ge-
äussert (Urk. 146 S. 24 f. und 36 ff.). Ebenso sei die sie behandelnde Psychiaterin
Dr. G._ vom Vorfall vom 11. März 2004 überrascht worden (Urk. 146 S. 20).
Die Datenlage der hypothetischen Fachperson sei daher praktisch identisch mit
- 26 -
derjenigen des Beschuldigten (Urk. 146 S. 61). Ohnehin habe keine Notwendig-
keit bestanden, ältere Akten beizuziehen, da dies auch für ein vom Gutachter er-
wähntes Kurzgutachten, das sich auf eine Prognosedauer von sechs Monaten bis
zwei Jahre beziehe, nicht nötig gewesen wäre (Urk. 146 S. 50). Zudem habe das
Bundesgericht mit dem Begriff "sorgfältige Fachperson" nicht die kleine Gruppe
von forensischen Psychiatern gemeint, die damals Kurzgutachten zur Gefähr-
dungsfrage erstellt hätten, weshalb die Schlussfolgerungen des Gutachtens auf S.
72, wonach Frau E._ ihre Pistolen bis im April 2004 nicht zurückerhalten hät-
te, nicht haltbar sei (Urk. 146 S. 62).
g) Gemäss dem Gutachten von med. pract. D._ steht fest, dass ein foren-
sisch ausgebildeter Psychiater oder Psychologe, der 2003 Kurzgutachten mit fo-
rensischer Risikoeinschätzung zur Ausführungsgefahr von Drohungen erarbeitete,
anstelle des Beschuldigten im November 2003 nicht empfohlen hätte, die sicher-
gestellten Waffen an Frau E._ herauszugeben. Ob allerdings auch andere fo-
rensische Psychiater und Psychiater ohne forensische Ausbildung als "sorgfältige
Fachpersonen" im Sinne der Erwägungen des Bundesgerichts anzusehen sind,
war für med. pract. D._ nicht klar (Urk. 136 S. 72).
Das Bundesgericht erwog in seinem Entscheid vom 3. Februar 2009, der Be-
schuldigte sei kein Psychiater, habe keine Ausbildung, die ihn zur prognostischen
Beurteilung des Risikos eines bestimmten künftigen Verhaltens beziehungsweise
der von einem Menschen ausgehenden Gefahr beispielsweise aus Waffenbesitz
befähige und keine Erfahrung in der Erstellung von Kriminalprognosen. Er sei
deshalb nicht kompetent gewesen, die Frage, ob Frau E._ suizidgefährdet
sei oder ob von ihr eine Gefahr für Dritte aus Waffenbesitz ausgehe, fachgerecht
zu beantworten (Urk. 59 S. 14). Daraus kann jedoch nicht geschlossen werden,
eine "sorgfältige Fachperson" müsse alle aufgeführten Eigenschaften kumulativ
aufweisen. So sprach Dr. med. C._ in seinem Gutachten vom 17. August
2009 zur Frage, zu welchem Befund eine sorgfältige Fachperson gekommen wä-
re, von einem "Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie bzw. forensisch täti-
gen Psychiater" (Urk. 66 S. 5 und S. 7 f.). Dr. H._ führte in seinem Gutachten
vom 15. Dezember 2005 aus, der Beschuldigte sei "nicht Psychiater und erst
- 27 -
recht nicht forensischer Psychiater", wobei er ergänzte, an einen regelmässig fo-
rensisch tätigen Psychiater würden weitaus höhere Anforderungen gestellt als an
einen Fachpsychiater (Urk. 5.5 S. 29 f.).
Aus keinem der drei Gutachten lässt sich zweifelsfrei ableiten, dass unter "sorgfäl-
tiger Fachperson" nur einer der damals wenigen forensisch ausgebildeten und
beim PPD Zürich auf dem Gebiet der Kurzgutachten über die Ausführungsgefahr
von Drohungen tätigen Psychiater zu verstehen wäre. Selbst med. pract.
D._, der ausführte, für prognostische Aussagen benötige es eine forensisch-
psychiatrische Ausbildung (Urk. 136 S. 67), beliess es bei der Annahme, dass die
meisten der nicht forensisch ausgebildeten Psychiater die Anforderungen der Zu-
ger Polizei "richtig eingeschätzt und den Auftrag demnach abgelehnt" hätten (Urk.
136 S. 70). In welchem Ausmass Psychiater ohne forensische Ausbildung im Jah-
re 2003 solche Aufträge annahmen, konnte er nicht beantworten.
Zugunsten des Beschuldigten ist daher davon auszugehen, dass nicht nur die von
med. pract. D._ erwähnte kleine Gruppe von forensisch ausgebildeten und
als Kurzgutachter im Bereich der Risikoeinschätzung tätigen Psychiatern und
Psychologen als "sorgfältige Fachpersonen" im Sinne des Bundesgerichts anzu-
sehen sind, sondern auch andere Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie.
Das Gutachten von med. pract. D._ machte aber keine Aussagen, zu wel-
cher Einschätzung von Frau E._ ein nicht forensisch ausgebildeter Psychia-
ter gekommen wäre. Deshalb ist davon auszugehen, dass diesbezüglich aus
fachlicher Sicht keine klare Aussage möglich ist.
Um die Vermeidbarkeit des deliktischen Erfolges zu bejahen, wäre jedoch eine
klare und eindeutige Aussage des Gutachters über das Verhalten einer sorgfälti-
gen Fachperson in der damaligen Situation notwendig gewesen. Die diesbezügli-
chen Aussagen im Gutachten blieben jedoch in den wesentlichen Punkten speku-
lativ.
Unter diesen Umständen kann nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass
auch eine gewissenhafte Fachperson nach sorgfältiger Untersuchung von Frau
E._ im November 2003 keine Drittgefährdung festgestellt und daher empfoh-
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len hätte, die Waffen an sie herauszugeben. Die Relevanz des sorgfaltswidrigen
Verhaltens des Beschuldigten lässt sich somit im heutigen Zeitpunkt nicht mehr
feststellen.
Ob eine psychiatrische Fachperson zum Untersuchungszeitpunkt zum Schluss
gekommen wäre, es bestünde keine Drittgefährdung, aber eine Suizidgefahr sei-
tens von Frau E._, und nur gestützt darauf von einer Rückgabe der Waffen
abgeraten hätte, kann offen gelassen werden. Wie bereits das Bundesgericht in
seinem Entscheid vom 3. Februar 2009 festhielt, hätte der Beschuldigte in diesem
Falle den Tatbestand der fahrlässigen schweren Körperverletzung ohnehin nicht
erfüllt, weil es am erforderlichen adäquaten Kausalzusammenhang zur Verletzung
eines Dritten fehlen würde (Urk. 59 S. 19). Auf die weiteren Einwände der Vertei-
digung gegen das Gutachten von pract. med. D._ einzugehen, erübrigt sich.
h) Der Beschuldigte ist demzufolge in Anwendung der Maxime "in dubio pro reo"
vom Vorwurf der fahrlässigen schweren Körperverletzung im Sinne von Art. 125
Abs. 2 StGB freizusprechen.
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist das erstinstanzliche Kosten- und Ent-
schädigungsdispositiv (Dispositivziffern 3, 4 und 5) zu bestätigen. Die Kosten der
Berufungsverfahren sind auf die Gerichtskasse zu nehmen. Dem Beschuldigten
ist für seine anwaltliche Verteidigung in den drei Berufungsverfahren eine Pro-
zessentschädigung von Fr. 20'000.– (inkl. Mehrwertsteuer) und eine persönliche
Umtriebsentschädigung von Fr. 1'000.– zuzusprechen.
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