# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8fdb68a3-f7bd-46ff-81d3-503b32ceefb8
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend bandenmässigen Raub etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 12. Februar 2019 (DG180052)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 7. Septem-
ber 2018 (Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Die Beschuldigte ist schuldig des/der
− bandenmässigen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und 3 StGB − bandenmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 und 3 StGB − gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 und 2 StGB − mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB
2. Der mit Strafbefehl des Ministère public du canton de Genève vom
22. Dezember 2016 für eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten unter Ansetzung
eine Probezeit von drei Jahren, gewährte bedingte Strafvollzug wird widerru-
fen, und es wird der Vollzug dieser Freiheitsstrafe von 6 Monaten angeord-
net.
3. Die Beschuldigte wird unter Einbezug der unter Ziff. 2 widerrufenen Strafe
mit einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten als Gesamtstrafe bestraft.
Die erstandene Haft von 393 Tagen wird angerechnet.
4. Der Vollzug wird nicht aufgeschoben.
5. Die Beschuldigte wird in Anwendung von Art. 66a StGB für 12 Jahre des
Landes verwiesen.
6. Von der Anerkennung folgender Zivilansprüche wird Vormerk genommen:
a) Privatklägerschaft 1: Fr. 4'000.– Schadenersatz
b) Privatklägerschaft 2: Fr. 7'000.– Schadenersatz
c) Privatklägerschaft 3: Fr. 15'000.– Schadenersatz
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d) Privatklägerschaft 4: Fr. 5'000.– Schadenersatz
7. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 5'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 2'204.90 Gebühr für die Strafuntersuchung
Fr. 5'000.– Auslagen Vorverfahren
Fr. 29'200.– amtl. Verteidigungskosten (inkl. MwSt.)
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
8. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden der
Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der
amtlichen Verteidigung, welche einstweilen und unter dem Vorbehalt von
Art. 135 Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
Berufungsanträge:
a) Der amtlichen Verteidigung:
(Urk. 105 S. 2 ff.)
"Das angefochtene Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abteilung, mit der
Geschäftsnummer DG180052-C/UE1 HC/ vom 12. Februar 2019 sei aufzu-
heben und wie folgt zu ändern:
Ziffer 1 des angefochtenen Urteils, neu: Die Beschuldigte sei des banden-
mässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 und 3 StGB und des ge-
werbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 und 2 StGB (Dos-
siers S1, 2, 4, 5, 7, 8 und 9) sowie des gewerbsmässigen Diebstahls im Sin-
ne von Art. 139 Ziff. 1 und 2 StGB (Dossier S3) schuldig zu sprechen.
Ziffer 2 des angefochtenen Urteils, neu: Die Beschuldigte sei von den Vor-
würfen des bandenmässigen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und 3
(Dossier S9), des banden- und gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von
Art. 139 Ziff. 1, 2 und 3 StGB (Dossier S6) und der Geldwäscherei im Sinne
von Art. 305bis Ziff. 1 StGB von Schuld und Strafe freizusprechen.
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Ziffer 3 des angefochtenen Urteils, neu: a) Die Beschuldigte sei für die Ver-
urteilungen im Sinne von oben Ziffer 1 soweit sie die Dossiers S1 bis S4 und
S7 bis S9 betreffen, angemessen, höchstens zu einer Freiheitsstrafe von 20
Monaten zu verurteilen; dies unter Anrechnung der erstandenen Untersu-
chungshaft und des vorzeitigen Strafvollzugs.
b) In Zusatz zum Strafbefehl des Ministère public du canton de Genève vom
22. Dezember 2016 sei die Beschuldigte bezüglich des Dossiers S5 zu einer
zusätzlichen Freiheitsstrafe von zwei Monaten zu verurteilen. Von einem
Widerruf dieser Strafe sei abzusehen und stattdessen sei die Probezeit um
4 Jahre zu verlängern; auch dies unter Berücksichtigung der im Kanton Genf
erstandenen Haft von 21 Tagen.
Ziffer 4 des angefochtenen Urteils, neu: Der Vollzug der Strafe gemäss oben
Ziffer 3 a) sei nicht aufzuschieben.
Ziffer 5 des angefochtenen Urteils, neu: Die Beschuldigte sei für eine Zeit-
dauer von fünf Jahren des Landes zu verweisen.
Ziffer 6 des vorinstanzlichen Urteils vom 12. Februar 2019 wird nicht ange-
fochten.
Ziffer 7 des vorinstanzlichen Urteils vom 12. Februar 2019 wird nicht ange-
fochten.
Ziffer 8 des angefochtenen Urteils, neu: Die Kosten der Untersuchung und
des gerichtlichen Verfahrens gemäss Ziffer 7 des angefochtenen Urteils vom
12. Februar 2019 seien zu 3⁄4 der Beschuldigten und zu 1⁄4 dem Staat aufzu-
erlegen.
Ziffer 9 des vorinstanzlichen Urteils vom 12. Februar 2019 wird nicht ange-
fochten.
Ziffer 10 des vorinstanzlichen Urteils vom 12. Februar 2019 wird nicht ange-
fochten.
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Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Staates respekti-
ve dem Unterzeichnenden sei eine angemessene Entschädigung aus amtli-
cher Verteidigung zuzusprechen und zu entrichten."
b) Der erbetenen Verteidigung:
(Urk. 106 S. 2)
"1. Das Urteil des Bezirksgerichts Bülach, II. Abteilung, vom 12.02.2019
sei aufzuheben und wie folgt abzuändern:
2. Die Beschuldigte sei des bandenmässigen Diebstahls im Sinne von
Art. 139 Ziff. 1 und 3 StGB und des gewerbsmässigen Diebstahls im
Sinne von Art. 139 Ziff. 1 und 2 StGB (Dossiers S1, 2, 4, 5, 7, 8 und 9)
sowie des gewerbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1
und 2 StGB (Dossier S3) schuldig zu sprechen.
3. Die Beschuldigte sei von den Vorwürfen des bandenmässigen Raubes
im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 und 3 (Dossier S9), des banden- und ge-
werbsmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1, 2 und 3 StGB
(Dossier S6) und der Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1
StGB von Schuld und Strafe freizusprechen.
4. Die Beschuldigte sie für die Verurteilungen im Sinne von oben Ziffer 1
zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten unbedingt zu verurteilen; dies
unter Anrechnung der erstandenen Untersuchungshaft und des vorzei-
tigen Strafvollzugs.
5. Hinsichtlich des Strafbefehls des ministère public du canton de Genève
vom 22. Dezember 2016 sei die Beschuldigte zu einer zusätzlichen
Freiheitsstrafe von zwei Monaten unter Anrechnung der im Kanton
Genf erstandenen Haft von 21 Tagen zu bestrafen.
Von einem Widerruf dieser Strafe sei unter Ansetzung einer verlänger-
ten Probezeit von 4 Jahren abzusehen.
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6. Die Beschuldigte sei für eine Zeitdauer von fünf Jahren des Landes zu
verweisen.
7. Ziffer 6, 7, 9 und 10 des vorinstanzlichen Urteils vom 12. Februar 2019
seien zu bestätigen.
8. Die Gerichtskosten gemäss Ziff. 7 des vorinstanzlichen Urteils seien zu
3⁄4 der Beschuldigten und zu 1⁄4 der Staatskasse aufzuerlegen."
c) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 100 S. 1 f., schriftlich, sinngemäss)
- Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
- Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung
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## Considerations

Erwägungen:
I. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, II. Abteilung, vom 12. Februar 2019 wurde
die Beschuldigte des bandenmässigen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 in
Verbindung mit Ziff. 3 StGB, des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls im
Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB sowie der
mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB schuldig gespro-
chen. Der mit Strafbefehl des Ministère public du canton de Genève vom 22. De-
zember 2016 für eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten unter Ansetzung einer Pro-
bezeit von 3 Jahren gewährte bedingte Strafvollzug wurde widerrufen und der
Vollzug dieser Freiheitsstrafe angeordnet. Die Beschuldigte wurde unter Einbezug
dieser widerrufenen Strafe mit einer Freiheitsstrafe von 48 Monaten als Gesamt-
strafe bestraft. Ferner wurde die Beschuldigte für die Dauer von 12 Jahren des
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Landes verwiesen, und es wurde von der Anerkennung von diversen Zivilansprü-
chen der Privatklägerschaft Vormerk genommen (Urk. 90 S. 45).
Gegen das Urteil liess die Beschuldigte mit Eingabe vom 13. Februar 2019 Beru-
fung anmelden (Urk. 80). Mit Eingabe vom 21. Mai 2019 reichte die amtliche und
mit Eingabe vom 4. Juni 2019 die erbetene Verteidigung fristgerecht die Beru-
fungserklärung ein (Urk. 91; Urk. 94). Die Beschuldigte beantragt Freisprüche von
den Vorwürfen des bandenmässigen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 in Ver-
bindung mit Ziff. 3 StGB (Dossier S9), des gewerbs- und bandenmässigen Dieb-
stahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 und 3 StGB hinsicht-
lich Dossier S6 und der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1
StGB, die Bestrafung mit einer Freiheitsstrafe von höchstens 20 Monaten sowie
eine Reduktion der Dauer der Landesverweisung auf 5 Jahre. Zudem sei von ei-
nem Widerruf des mit Strafbefehl des Ministère public du canton de Genève vom
22. Dezember 2016 für eine Freiheitsstrafe von 6 Monaten unter Ansetzung einer
Probezeit von 3 Jahren gewährten bedingten Strafvollzuges abzusehen unter An-
setzung einer verlängerten Probezeit von 4 Jahren, und es sei dafür eine zusätzli-
che Freiheitsstrafe von 2 Monaten auszufällen (Urk. 91; Urk. 94; Urk. 105 S. 2 ff.;
Urk. 106 S. 2).
Innert der mit Präsidialverfügung vom 19. Juni 2019 angesetzten Frist beantragte
die Staatsanwaltschaft die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und stellte ein
Gesuch um Dispensation von der Teilnahme an der Berufungsverhandlung, wel-
ches bewilligt wurde (Urk. 98; Urk. 100). Die Privatklägerinnen liessen sich nicht
vernehmen.
Nicht angefochten sind folglich die Schuldsprüche betreffend gewerbs- und teil-
weise bandenmässigen Diebstahls hinsichtlich der Dossiers S1-S5, S7 und S8.
Diesbezüglich ist der Eintritt der Rechtskraft festzustellen. Das vorinstanzliche Ur-
teil ist ferner bezüglich der Dispositivziffern 6 (Zivilansprüche Privatklägerinnen)
und 7 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwachsen.
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II. Sachverhalt
1. Vorbemerkungen
Infolge rechtskräftiger Erledigung der übrigen Anklagevorwürfe (vorstehend,
Erw. I.) verbleiben einzig die nachfolgenden Vorwürfe bezüglich der Dossiers S6
und S9 Gegenstand des Berufungsverfahrens. Bezüglich der Dossiers S1-S3 und
S5 ist zudem auch unbestritten, dass die Beschuldigte die jeweiligen Deliktsbe-
träge ins Ausland verbrachte (Ordner 4, Urk. 23/1; Prot. I S. 15 f.). Die Verteidi-
gungen monieren allerdings, dass der Tatbestand der Geldwäscherei nicht erfüllt
sei (Urk. 76 S. 20 f.; Urk. 105 S. 19 f.; Urk. 106 S. 9 f.), was nachfolgend im Rah-
men der rechtlichen Würdigung zu beurteilen ist (Erw. III.2.).
2. Anklagevorwurf
In der Anklageschrift vom 7. September 2018 wird hinsichtlich Dossier S6 zu-
sammengefasst festgehalten, dass sich die Geschädigte B._ am 22. Februar
2016 zur BLKB-Filiale C._ begeben und dort Bargeld in der Höhe von Fr.
3'000.– bezogen habe. Dabei sei sie bereits von der nicht identifizierten Mittäterin
beobachtet worden, während die Beschuldigte vor der Bank gewartet habe. Die
Geschädigte habe den Briefumschlag mit dem Bargeld in ihre Einkaufstasche auf
ihrem Rollator gelegt und sich dann in den Shop der nahegelegenen D._-
Tankstelle begeben, wobei ihr die Beschuldigte und die nicht identifizierte Mittäte-
rin gefolgt seien. Im Tankstellenshop habe die Geschädigte ihren Rollator mit der
Einkaufstasche einen kurzen Moment unbeaufsichtigt gelassen. Wie zuvor mit der
nicht identifizierten Mittäterin abgemacht, habe sich die Beschuldigte als Sicht-
schutz mit einer Zeitung vor den Rollator gestellt, während die nicht identifizierte
Mittäterin den Briefumschlag mit den Fr. 3'000.– aus der Einkaufstasche auf dem
Rollator entwendet habe, um darüber nach eigenem Gutdünken gemeinsam mit
der Beschuldigten verfügen zu können (Urk. 20 S. 7, Dossier S6).
Ferner wird hinsichtlich Dossier S9 zusammengefasst festgehalten, dass die Ge-
schädigte E._ sich am 6. Juni 2017 um ca. 10.00 Uhr zur UBS-Filiale
F._ begeben und dort Bargeld in der Höhe von Fr. 10'000.– bezogen habe,
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welches sie dann in einem Briefumschlag in ihrer Handtasche verstaut habe. Da-
bei sei die Geschädigte bereits von der Beschuldigten beobachtet worden, welche
die Absicht gehabt habe, der Geschädigten das bezogene Bargeld zusammen mit
G._ zu entwenden. Die Geschädigte sei dann in die nahegelegene Migros
einkaufen gegangen und habe sich anschliessend in der H._ an einen Tisch
gesetzt und etwas gegessen. Dabei sei sie weiterhin von der Beschuldigten und
G._ beobachtet worden. Um ca. 11.00 Uhr habe die Geschädigte die
H._ verlassen, wobei die Beschuldigte und G._ sie verfolgt hätten mit
der gemeinsamen Absicht, der Geschädigten einen hohen Geldbetrag zu ent-
wenden. Die Geschädigte habe dann den Bus genommen, um nach Hause an die
I._-Str. ... in F._ zu gelangen. Die Beschuldigte und G._ seien in
den gleichen Bus gestiegen und der Geschädigten gefolgt. Vor der Haustür habe
die Geschädigte dann ihren Hausschlüssel in ihrer Handtasche gesucht, als für
sie völlig überraschend plötzlich die Beschuldigte und G._ hinter ihr gestan-
den seien. Die 82-jährige gebrechliche Geschädigte habe versucht, mit ihrem
Hausschlüssel die Eingangstür zu öffnen, als sie von G._ von hinten heftig
mit dem Kopf und dem Oberkörper an die Tür gedrückt worden sei, sodass sie
kaum Luft bekommen und sich nicht habe wehren können. Ohne dass die Ge-
schädigte sich habe wehren können, weil sie von G._ an die Glastür ge-
drückt worden sei, habe die Beschuldigte den Briefumschlag mit den Fr. 10'000.–
aus der offenen Handtasche der Geschädigten genommen. Die Beschuldigte und
G._ seien dann verschwunden, um über das Bargeld nach eigenem Gutdün-
ken gemeinsam zu verfügen. Anschliessend hätten die Beschuldigte und G._
den Deliktsbetrag hälftig geteilt, wobei die Beschuldigte gleichentags die Schweiz
mit dem Zug nach Frankreich verlassen und so ihren Anteil von Fr. 5'000.– ins
Ausland verbracht habe. Durch dieses Verhalten habe die Beschuldigte dieses
Geld verheimlicht respektive dessen Auffinden beziehungsweise die Einziehung
verhindert, obwohl sie gewusst habe, dass dieses Geld durch eine schwere Straf-
tat erlangt worden sei (Urk. 20 S. 9 f., Dossier S9).
3. Sachverhaltserstellung Dossier S6
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3.1. Standpunkt der Beschuldigten
Die Beschuldigte anerkennt, zum Tatzeitpunkt in diesem D._-
Tankstellenshop gewesen zu sein, bestreitet aber, mit dem Diebstahl etwas zu
tun gehabt respektive davon gewusst zu haben (Ordner 4, Urk. 23/1 S. 8 f.; Prot. I
S. 19; Prot. II S. 15 f.).
3.2. Übersicht Beweismittel
Für die Erstellung des Sachverhalts liegen als Beweismittel die Aufzeichnungen
der Überwachungskameras der BLKB-Filiale C._ und diejenigen der
D._-Tankstelle C._ inklusive Printscreens (Ordner 5, Dossier S6, Urk. 2
und Urk. 3) sowie die Aussagen der Beschuldigten (Ordner 3, Urk. 22/3 S. 6 f.,
Urk. 22/11; Ordner 4, Urk. 23/1 S. 8 f.; Prot. I S. 18 ff.; Prot. II S. 15 f.) vor.
3.3. Aussagen der Beschuldigten
Anlässlich der delegierten polizeilichen Einvernahme vom 4. April 2018 bestritt die
Beschuldigte einen Diebstahl begangen zu haben und gab mehrmals zu Protokoll,
nichts mehr zu wissen, insbesondere nicht zu wissen, was ihre Komplizin ge-
macht habe (Ordner 3, Urk. 22/11 S. 8 ff., insbesondere S. 9, Antw. auf Frage 75,
und S. 12, Antw. auf Frage 111). Sie habe in diesem Tankstellenshop eine Zei-
tung gekauft. Die Komplizin, sie wisse nicht wie diese heisse, sei hinter ihr ge-
standen. Sie wisse auch nicht, was diese gemacht habe. Wenn sie gewusst hätte,
dass diese klauen würde, dann hätte sie diese schon gut abgedeckt (Ordner 3,
Urk. 22/11 S. 14 f.). Dann hätte sie auch die Zeitung dort zurückgelassen und wä-
re gegangen. Auf den Kameras sehe es so aus, dass sie mitgespielt habe, aber in
Wirklichkeit habe sie nichts davon gewusst. Wenn sie das gewusst hätte, hätte sie
die Tankstelle sofort verlassen (Ordner 3, Urk. 22/11 S. 16 f.).
In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 7. August 2018 führte die Be-
schuldigte aus, dass nicht sie diesen Diebstahl begangen habe, sondern Frau
J._. Diese habe nichts mit ihr geteilt. Sie habe gar nicht gesehen, dass diese
das Geld geklaut habe. Sie sei in der D._-Tankstelle gewesen, um eine Zei-
tung zu kaufen (Ordner 4, Urk. 23/1 S. 8 f.).
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Anlässlich der Befragung vor Vorinstanz sagte die Beschuldigte aus, dass sie we-
der die Frau in der Bank beobachtet habe, noch dieser in den Tankstellenshop
gefolgt sei. Dies sei ausschliesslich die Mittäterin gewesen. Sie könne sich aber
nicht daran erinnern, wie diese geheissen habe. Sie sei zwar auch bei der
D._-Tankstelle gewesen, aber mit dem Diebstahl habe sie nichts zu tun. An
die genauen Umstände könne sie sich nicht mehr erinnern, aber sie sei sich si-
cher, dass sie nichts von diesem Diebstahl gewusst oder etwas von dieser Beute
erhalten habe. Wenn sie eine Tat begangen habe, dann entferne sie sich schnell
und bleibe nicht da, um noch etwas zu bezahlen (Prot. I S. 19 f.).
Anlässlich der Berufungsverhandlung gab die Beschuldigte erneut zu Protokoll,
nichts mit dem Diebstahl zu tun gehabt zu haben. Sie sei zum Tatzeitpunkt mit ei-
ner anderen Frau, welche J._ heisse, in diesem D._-Tankstellenshop
gewesen. Diese Frau sei eine Freundin von ihr. Wenn sie etwas gemacht habe,
dann gebe sie dies auch zu (Prot. II S. 15 f.).
3.4. Beweiswürdigung
3.4.1. Allgemeine Grundsätze
Die für die Beweiswürdigung geltenden Grundsätze wurden von der Vorinstanz
zutreffend dargelegt. Es kann vollumfänglich darauf verwiesen werden (Urk. 90
S. 9 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.4.2. Glaubwürdigkeit
Die Beschuldigte ist vom Strafverfahren direkt betroffen und hat deshalb ein legi-
times Interesse daran, die Geschehnisse in einem für sie günstigen Licht darzu-
stellen, was dazu führt, dass ihre Aussagen vor dem Hintergrund der Interessen-
lage zu würdigen sind. Es liegen aber keine Anhaltspunkte vor, die von vornherein
gegen ihre Glaubwürdigkeit sprechen würden.
3.4.3. Aussagen der Beschuldigten
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Die Aussagen der Beschuldigten sind äusserst detailarm. Konfrontiert mit der
Sachverhaltsdarstellung führte sie vorwiegend aus, es nicht mehr zu wissen, und
gab ausweichende und teilweise auch sehr widersprüchliche Antworten zu Proto-
koll. So sagte sie beispielsweise auf die Frage, um wen es sich bei der Mittäterin
handle, zuerst aus, sie könne sich an den Namen nicht erinnern, wenn sie diese
Person nicht kenne (Ordner 3, Urk. 22/11 S. 3, Antw. auf Frage 16), dann gab sie
an, es könne sein, dass sie diese Frau ein paar Mal gesehen habe, diese sei aber
nicht verwandt mit ihr (ebenda, Antw. auf Frage 17), um im weiteren Verlauf der
Einvernahme dann einzuräumen, dass es sich bei der Mittäterin um eine Freundin
handle (ebenda, S. 4). Entsprechend ist auch unglaubhaft, dass sie deren Namen
nicht kennen wollte, zumal sie sich anlässlich der staatsanwaltschaftlichen Ein-
vernahme dann doch plötzlich an den Namen ihrer Freundin erinnern konnte und
diese als J._ benannte (Ordner 4, Urk. 23/1 S. 8, Antw. auf Frage 26), um
dann vor Vorinstanz erneut im Widerspruch dazu auszuführen, sie könne sich
nicht daran erinnern, wie diese geheissen habe (Prot. I S. 19). Anlässlich der Be-
rufungsverhandlung gab sie dann zu Protokoll, diese Frau sei ihre Freundin
J._ gewesen (Prot. II S. 15 f.).
Auffallend ist auch, dass die Beschuldigte selektive Erinnerungslücken geltend
macht, sich insbesondere an die genauen Umstände nicht mehr zu erinnern ver-
mag, sich dann aber ganz sicher sein will, die Geschädigten nicht beobachtet zu
haben, dieser nicht von der BLKB-Filiale in die D._-Tankstelle gefolgt zu sein
und vom Diebstahl nichts gewusst zu haben (Prot. I S. 19 f.). Als Widerspruch zu
ihren Aussagen, wonach sie nichts vom Diebstahl gewusst und kein Geld erhalten
habe, da die Mittäterin nicht mit ihr geteilt habe (Ordner 3, Urk. 22/11 S. 14, Antw.
auf Frage 127; Ordner 4, Urk. 23/1 S. 8, Antw. auf Frage 26) erweist sich auch
ganz klar ihr Schreiben an die Geschädigte vom 2. Februar 2019, in welchem sie
die Hälfte der geltend gemachten Zivilforderung (Fr. 3'000.–) anerkennt, mit der
Begründung, weil sie die Diebstähle nicht alleine, sondern in gemeinsamer Tat-
begehung mit einer anderen Täterin begangen habe (Urk. 74/6). Die Argumenta-
tion der Beschuldigten, sie sei bereit die Hälfte der Zivilforderung zu bezahlen,
weil sie zum Tatzeitpunkt vor Ort und damit dabei gewesen sei (Prot. II S. 16), ist
unglaubhaft. Hätte die Beschuldigte tatsächlich nichts von diesem Diebstahl ge-
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wusst und ihren Anteil nicht erhalten, hätte es für sie keinen Grund gegeben, die
Zivilforderung der Geschädigten in der Höhe von Fr. 3'000.– anzuerkennen und
sich bei dieser für ihr Verhalten zu entschuldigen. Dieses Schreiben ist in Über-
einstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 90 S. 15) durchaus als Schuldeingeständnis
der Beschuldigten anzusehen, zumal weder die Beschuldigte selber noch die Ver-
teidigungen die Echtheit dieses Schreibens respektive dessen Inhalt in Zweifel
ziehen. Die Aussagen der Beschuldigten sind insgesamt wenig glaubhaft.
3.4.4. Aufzeichnungen der Überwachungskameras
Der Beschuldigten wurden im Vorverfahren im Beisein ihrer amtlichen Verteidi-
gung die Printscreens der entsprechenden Videoaufzeichnungen der BLKB-Filiale
sowie des D._-Tankstellenshops im Einzelnen zur Stellungnahme vorgehal-
ten, wobei sich die Beschuldigte im Laufe der delegierten polizeilichen Einver-
nahme vom 4. April 2018 teilweise nicht dazu äussern wollte (Ordner 3, Urk.
22/11, insbesondere S. 11 ff.). Auf den Videoaufzeichnungen der Überwachungs-
kameras der BLKB-Filiale ist erkennbar, wie die Geschädigte, welche an einem
Rollator geht, durch die Drehtür die BLKB-Filiale betritt (Ordner 5, Dossier S6,
Urk. 3, 10:09; Ordner 3, Urk. 22/11/2). Danach erscheinen die Beschuldigte, er-
kennbar mit zusammengebundenen Haaren (Pferdeschwanz) und hellem Kragen
an der Kapuze ihres Mantels, was von der Beschuldigten bestätigt worden ist
(Ordner 3, Urk. 22/11 S. 3, Antw. auf Fragen 12 und 15), sowie ihre unbekannte
Begleiterin vor dieser BLKB-Filiale. Während die Begleiterin die Filiale ebenfalls
durch die Drehtür betritt, bleibt die Beschuldigte draussen stehen (Ordner 5, Dos-
sier S6, Urk. 3, 10:13; Ordner 3, Urk. 22/11/3-4). Kurz darauf verlässt die nicht
identifizierte Begleiterin die BLKB-Filiale, bevor dann etwas später auch die Ge-
schädigte die Filiale durch die Drehtür verlässt, wobei ihre Tasche gut sichtbar auf
ihrem Rollator steht (Ordner 5, Dossier S6, Urk. 3, 10:15 und 10:19; Ordner 3,
Urk. 22/11/5-6).
Aus den Videoaufzeichnungen der Überwachungskameras der D._-
Tankstelle geht hervor, dass die Geschädigte zuerst den Shop betritt, bevor ihr
dann kurze Zeit später die Beschuldigte zusammen mit ihrer unbekannten Beglei-
terin folgt (Ordner 5, Dossier S6, Urk. 2; Ordner 3, Urk. 22/11/7-9), obwohl die
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Geschädigte zeitlich nach der unbekannten Begleiterin die BLKB-Filiale verlassen
hatte. Hätte die Beschuldigte tatsächlich einfach nur eine Zeitung kaufen wollen
(Ordner 4, Urk. 23/1 S. 9), hätte sie sich, unmittelbar nachdem ihre Begleiterin die
BLKB-Filiale verlassen hatte, in diesen Tankstellenshop begeben können, sodass
die zeitliche Abfolge – in Übereinstimmung mit der Vorinstanz (Urk. 90 S. 13) –
darauf hindeutet, dass die Beschuldigte und ihre unbekannte Begleiterin gewartet
haben, um der Geschädigten in den Tankstellenshop folgen zu können, zumal
diese in ihrer Mobilität eingeschränkt war und deshalb für die gleiche Strecke
deutlich mehr Zeit brauchte.
Weiter ist auf der Videoaufzeichnung der Überwachungskameras der D._-
Tankstelle zu sehen, wie die Geschädigte sich mit ihrem Rollator in die Nähe der
Kasse begibt, ihr Portemonnaie aus der Tasche auf dem Rollator nimmt und da-
mit zur Kasse geht, während sie ihren Rollator unbeaufsichtigt hinter sich stehen
lässt. Dann erscheint die Beschuldigte, welche auf direktem Weg zur Kasse läuft,
ohne Zögern eine Zeitung aus dem Regal davor nimmt und mit dieser in der Hand
vor dem Rollator der Geschädigten stehen bleibt. Die Geschädigte verlässt an-
schliessend nochmals den Kassenbereich und geht – aus Sicht der Überwa-
chungskamera – nach links weg. Während sich die Beschuldigte umsieht und der
Geschädigten nachblickt, erscheint deren unbekannte Begleiterin. Im selben Au-
genblick als sich diese bückt und in die offene Tasche der Geschädigten auf de-
ren Rollator greift, streckt sich die Beschuldigte nach links (aus Sicht der Überwa-
chungskamera) und greift mit ihrem rechten Arm ins Regal, um daraus eine Pa-
ckung zu nehmen, welche sie aber umgehend wieder zurücklegt, als ihre unbe-
kannte Begleiterin den Briefumschlag mit dem Bargeld aus der offenen Tasche
der Geschädigten entwendet hat. Die unbekannte Begleiterin entfernt sich vom
Rollator und wartet im Hintergrund, während die Beschuldigte an der Kasse die
Zeitung bezahlt (Ordner 5, Dossier S6, Urk. 2; Ordner 3, Urk. 22/11/11-12).
Der Umstand, dass die Beschuldigte ohne Zögern nach einer Zeitung griff, kann
ein Indiz dafür sein, dass sie möglichst schnell irgendeine Zeitung in die Hand
nehmen wollte, da diese einfach nur Mittel zum Zweck war, oder sie griff bewusst
nach der Bild-Zeitung, da sie gemäss eigenen Aussagen einzig diese Zeitung
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kaufen würde (Ordner 3, Urk. 22/11 S. 14). Wie bereits die Vorinstanz zutreffend
erwogen hat (Urk. 90 S. 14), ist der Grund, weshalb sie ohne Zögern nach dieser
Zeitung gegriffen hatte, auch nicht weiter relevant, da ihr weiteres Verhalten deut-
lich zeigt, dass sie ihre unbekannte Begleiterin abzudecken versuchte. So streck-
te die Beschuldigte sich nach links, um eine Packung aus dem Regal zu nehmen,
genau in dem Moment, als ihre unbekannte Begleiterin in die offene Tasche der
Geschädigten auf deren Rollator griff und den Briefumschlag mit dem Bargeld da-
raus hervornahm. Dadurch diente sie als Sichtschutz und deckte die unbekannte
Begleiterin mit ihrem Körper und dem ausgestreckten Arm ab, zumal sie sich be-
reits vorgängig mit der Zeitung in der Hand vor dem Rollator der Geschädigten
positioniert hatte. Hätte sich die Beschuldigte tatsächlich für diese Packung aus
dem Regal interessiert, hätte sie diese nicht umgehend und ohne sie wirklich an-
zuschauen wieder zurück in das Regal gestellt, als ihre unbekannte Begleiterin
den Briefumschlag mit dem Bargeld aus der Tasche der Geschädigten entwendet
hatte.
Die amtliche Verteidigung macht geltend, dass die Beschuldigte die Zeitung nicht
noch bezahlt hätte, wenn sie vom Diebstahl gewusst hätte, sondern sie diese
dann umgehend hingelegt und den Tankstellenshop sofort verlassen hätte
(Urk. 76 S. 8), was so auch die Beschuldigte anlässlich der delegierten polizeili-
chen Einvernahme zu Protokoll gegeben hatte (Ordner 3, Urk. 22/11 S. 16, Antw.
auf Frage 139). Diese Argumentation erweist sich allerdings als nicht stichhaltig.
Hätte die Beschuldigte die Zeitung umgehend wieder zurückgelegt, nachdem sie
diese an der Kasse stehend bereits einige Zeit in der Hand gehalten hatte, und
zusammen mit ihrer unbekannten Begleiterin fluchtartig den Tankstellenshop ver-
lassen, so hätte dieses Verhalten überhaupt erst Aufmerksamkeit auf sich gezo-
gen. Indem die Beschuldigte die Zeitung bezahlte und erst dann langsam mit ihrer
Begleiterin den Shop verliess, verhielt sie sich ganz natürlich und unauffällig, was
entsprechend auch keine Aufmerksamkeit erregte, sodass sie ohne grosses Auf-
sehen, den Shop wieder verlassen konnten, was nach der Entwendung des Brief-
umschlags mit dem Bargeld der Geschädigten in erster Linie beabsichtigt gewe-
sen war.
- 16 -
Der Argumentation der Verteidigung, wonach ein weiterer Diebstahl nicht mehr
gross ins Gewicht falle, sodass es für die Beschuldigte ein Leichtes wäre, diesen
Diebstahl ebenfalls noch zuzugeben, was sie jedoch nicht mache, weil sie nichts
von diesem Diebstahl gewusst habe und ihr nicht etwas angerechnet werden
könne, was sie nicht begangen habe (Urk. 105 S. 18 f.), kann nicht gefolgt wer-
den, da die Anzahl der Diebstähle bei der Strafzumessung durchaus eine Rolle
spielt und sich entsprechend auf die Höhe der Strafe auswirkt.
Auffallend ist zudem, dass die Beschuldigte und ihre Komplizinnen jeweils nach
dem gleichen modus operandi vorgegangen sind und diese Tat ähnlich wie dieje-
nigen der übrigen Dossiers, insbesondere der Dossiers S5, S7 und S8, abgelau-
fen ist, indem die späteren Opfer zuerst beim Abheben des Bargeldes beobachtet
wurden, ihnen danach gefolgt wurde, damit anschliessend eine der beiden Frauen
das Opfer ablenken respektive als Sichtschutz dienen konnte, während die ande-
re sich des Briefumschlags mit dem Bargeld behändigte.
3.4.5. Fazit
Nach Würdigung des Verhaltens der Beschuldigten, welches aus den Videoauf-
zeichnungen klar hervorgeht, sowie ihren teils widersprüchlichen Aussagen ver-
bleiben keine Zweifel im Sinne von Art. 10 Abs. 3 StPO, dass sich die Beschuldig-
te bewusst und im Wissen darum, dass ihre unbekannte Begleiterin den Briefum-
schlag mit dem Bargeld aus der Tasche der Geschädigten entwenden würde, als
Sichtschutz vor dem Rollator positioniert hatte, um mit ihrem Körper und dem
ausgestreckten Arm die unbekannte Begleiterin bei deren Vorhaben abzudecken.
Der Anklagesachverhalt gemäss Dossier S6 ist damit erstellt.
4. Sachverhaltserstellung Dossier S9
4.1. Standpunkt der Beschuldigten
- 17 -
Die Beschuldigte anerkennt den Anklagesachverhalt grösstenteils. Unbestritten
ist, dass sie die Geschädigte in der Bank beobachtet hatte, dieser dann zusam-
men mit der Mittäterin zuerst bis zur Migros gefolgt war, sie diese dann weiter be-
obachtet hatten, während diese etwas gegessen hatte, bevor sie dieser im Bus
bis zu deren Wohnung gefolgt waren, wo die Beschuldigte dieser bei der Ein-
gangstür zu deren Wohnblock das Bargeld im Briefumschlag aus deren Handta-
sche gestohlen hatte, welches sie und die Mittäterin dann später im Zug nach
Frankreich hälftig aufgeteilt hatten (Ordner 3, Urk. 22/14 S. 16 f.). Dieser Teil des
Anklagesachverhalts gilt somit als erstellt und deckt sich im Übrigen auch mit dem
übrigen Beweisergebnis. Bestritten wird einzig, dass sie oder die Mittäterin dabei
körperliche Gewalt gegenüber der Geschädigten angewendet hätten (Ordner 3,
Urk. 22/14 S. 2 f., S. 5 f. und S. 16, Antw. auf Frage 120; Prot. II S. 17).
4.2. Übersicht Beweismittel
Für die Erstellung des bestrittenen Sachverhaltsteils liegen als Beweismittel die
Aussagen der Beschuldigten (Ordner 3, Urk. 22/4 S. 4 f. und Urk. 22/14; Ord-
ner 4, Urk. 23/1 S. 11 ff.; Prot. I S. 20 ff.; Prot. II S. 16 f.) sowie diejenigen der Ge-
schädigten E._ (Ordner 4, Urk. 24/1 und Urk. 24/2) und eine DNA-Analyse
des Instituts für Rechtsmedizin, Universität Zürich, vom 3. März 2018 (Ordner 6,
Dossier S9, Urk. 19) vor.
4.3. Beweismittel im Einzelnen
4.3.1. Aussagen der Beschuldigten
4.3.1.1. Delegierte polizeiliche Einvernahme vom 19. Juni 2018
Anlässlich der delegierten polizeilichen Einvernahme führte die Beschuldigte aus,
dass sie die Geschädigte in der Bank beobachtet habe. Sie habe danach in der
Migros aber keine Gelegenheit gehabt, um diese dort zu bestehlen. Die Tasche
der Geschädigten sei offen gewesen und die Geschädigte habe entweder in der
Wohnung oder draussen den Briefkasten geöffnet. Sie sei dann neben dieser ge-
standen. Weil die Tasche offen gewesen sei, habe sie das Couvert mit dem Geld
aus der Tasche gestohlen. Es könne sein, dass sie die Geschädigte mit ihrer
- 18 -
Hand irgendwie aus Versehen ganz leicht berührt habe. Wenn ihre Kollegin
G._ etwas gemacht hätte, wenn diese die Geschädigte geschubst hätte,
dann hätte sie das gewusst. Sie sei sich zu 100% sicher, dass ihre Kollegin die
Geschädigte nicht angefasst habe (Ordner 3, Urk. 22/14 S. 2 f.).
Auf Nachfrage führte die Beschuldigte weiter aus, sie wisse nicht mehr, ob die
Geschädigte die Hauseingangstür zuerst mit dem Schlüssel habe öffnen müssen
oder nicht. Sie sei nicht neben dieser gewesen, weshalb sie dies nicht habe se-
hen können. Die Geschädigte sei dann ins Haus gegangen. Die Tür sei danach
nur bis zur Hälfte zu gewesen, als sie diese nach innen wieder ganz aufgestossen
habe. Sie glaube, dass die Briefkästen im Hausinnern gewesen seien. Die Ge-
schädigte sei dann zu diesen Briefkästen gegangen. Sie sei dieser ins Haus ge-
folgt, und G._ sei auch mit ihr ins Haus gekommen, sie seien aber nicht ne-
beneinander gewesen. Die Geschädigte habe dann den Briefkasten geöffnet, und
so habe sie das Geldcouvert aus deren Handtasche stehlen können (Ordner 3,
Urk. 22/14 S. 11 f.). G._ sei auf der rechten Seite neben der Tür gewesen
und habe versucht, die Geschädigte abzulenken, damit diese auf die andere Seite
der Briefkästen schaue. Die Geschädigte habe nicht bemerkt, dass sie das Cou-
vert aus der Tasche gestohlen habe. Dies sei ein ganz normaler Diebstahl gewe-
sen. Die Geschädigte habe ihre Tasche selber geöffnet, um den Briefkasten-
schlüssel herausnehmen zu können. Die Tasche sei dann offen geblieben. Als sie
ins Haus hineingekommen sei, sei die Geschädigte bereits bei den Briefkästen
gewesen und habe oben die Briefkastentür mit dem Schlüssel geöffnet. Bevor
diese die zweite Tür am Briefkasten wieder geschlossen habe, habe sie den
Diebstahl schon ausgeführt und sei Richtung Ausgang gegangen. G._ habe
an die anderen Briefkästen geschaut und so getan, als würde sie jemanden su-
chen (Ordner 3, Urk. 22/14 S. 12).
Auf weiteres Befragen sagte die Beschuldigte aus, dass die Geschädigte das
Haus betreten habe, sie sei aber nicht direkt hinter dieser bei der Hauseingangs-
tür gewesen. Sie habe niemanden irgendwo hingedrückt; auch ihre Komplizin
nicht. Sie hätte niemals jemandem etwas angetan. Sie hätten keine Gewalt an-
- 19 -
gewendet. Sie seien nicht einmal mit der Geschädigten zusammen ins Haus ge-
gangen (Ordner 3, Urk. 22/14 S. 13 ff.).
4.3.1.2. Staatsanwaltschaftliche Einvernahme vom 7. August 2018
Die Beschuldigte führte erneut aus, dass niemand die Geschädigte angefasst ha-
be. Sie habe keine Gewalt angewendet, G._ auch nicht. Sie gebe zu, dass
sie eine Taschendiebin sei, Gewalt übe sie aber keine aus. Sie verletze nieman-
den, sie mache keinen "Raub". Wenn es gelinge, dann gelinge es, sonst eben
nicht (Ordner 4, Urk. 23/1 S. 12).
4.3.1.3. Befragung vor Vorinstanz
Vor Vorinstanz gab die Beschuldigte zu Protokoll, dass sie der Geschädigten bis
zu deren Wohnung gefolgt seien. Im Eingangsbereich habe diese den Briefkasten
geöffnet, um die Post herauszunehmen. Zu diesem Zeitpunkt sei deren Tasche
offen gewesen und das Couvert mit dem Bargeld oben gelegen. Vielleicht habe
sie die Geschädigte berührt, als sie das Couvert an sich genommen habe, aber
sie habe diese mit Sicherheit nicht geschlagen oder gedrückt. Sie habe diese so-
mit nicht "beraubt" (Prot. I S. 20).
Auf die Frage, was die Rolle von G._ gewesen sei, führte die Beschuldigte
aus, diese sei nur dabei gewesen. Diese habe nichts gemacht, sondern nur auf
die Post geschaut. Auf Vorhalt, dass sie dann die ganze Arbeit gemacht habe,
sodass es keinen Grund gegeben habe, die Beute zu teilen, sagte die Beschuldig-
te aus, diese sei dabei gewesen und habe die Geschädigte ablenken wollen, was
aber nicht gelungen sei (Prot. I S. 21).
4.3.1.4. Befragung anlässlich der Berufungsverhandlung
Die Beschuldigte bestritt erneut, dass sie oder ihre Komplizin die Geschädigte
bedroht oder gestossen hätten. Sie hätten diese nicht einmal angefasst. Sie habe
das Geld genommen, als die Geschädigte den Briefkasten geöffnet habe, berührt
habe sie diese aber nicht (Prot. II S. 17).
4.3.2. Aussagen der Geschädigten E._
- 20 -
4.3.2.1. Polizeiliche Einvernahme vom 7. Juli 2017
Die Geschädigte führte aus, dass sie die Frauen, die sie später überfallen hätten,
im Bus nicht bemerkt habe. Sie habe sich dann zum Hauseingang begeben und
den Hausschlüssel in ihrer Handtasche gesucht. Sie habe den Schlüssel ins
Schloss gesteckt, als plötzlich diese zwei Frauen hinter ihr gestanden seien. Sie
habe nicht verstanden, woher diese plötzlich gekommen seien. Sie habe ihren
Einkaufswagen dabei gehabt und das Haus betreten. Sie sei dann von beiden
Frauen richtig von hinten mit der Tür ins Hausinnere gestossen worden. Diese
hätten sie so an die Tür gestossen, sie habe gar nichts mehr bemerkt. Plötzlich
seien die beiden wieder verschwunden gewesen. Sie habe nicht einmal bemerkt,
dass das Geld gefehlt habe. Es sei plötzlich nicht mehr da gewesen. Sie habe an
den üblichen Orten nachgesehen, wo sie das Geld normalerweise deponiere. Es
sei nicht mehr da gewesen. Es sei auch niemand in der Wohnung gewesen, der
das Geld hätte nehmen können. Sie habe dann ihren Sohn angerufen und diesem
geschildert, was passiert sei. Er habe sie gefragt, ob sie wahnsinnig sei, so viel
Geld abzuheben. Sie habe ihm dann erklärt, warum sie das getan habe. Er habe
sie dann später nochmals angerufen und ihr gesagt, dass sie dies der Polizei
melden müsse. Dies habe sie gar nicht gewollt, da das Geld so oder so weg sei.
Auf Anraten ihres Sohnes habe sie dann bei der Versicherung angerufen, um ab-
zuklären, ob sie diesbezüglich versichert sei. Die K._ Versicherung habe ihr
dann gesagt, dass sie dies bei der Polizei melden müsse (Ordner 4, Urk. 24/1
S. 1 f.).
Auf entsprechende Frage verneinte die Geschädigte, sich beobachtet gefühlt zu
haben (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 2, Antw. auf Frage 9). Weiter führte sie aus, dass
sie nur die Bluse einer Frau beschreiben könne. Die Gesichter könne sie nicht
beschreiben. Es sei eine oberschenkellange Bluse mit einer Art verschiedener
Streifen am unteren Ende gewesen. Bereits im Bus sei ihr die Bluse aufgefallen
und dann wieder an der Tür. Die Haare oder das Gesicht könne sie nicht be-
schreiben. Beide Frauen hätten jedoch dunkle Haare, ganz sicher keine blonden
Haare gehabt. Die zweite könne sie nicht beschreiben (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 2).
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Auf Frage, ob sie während des Überfalls um Hilfe gerufen habe, verneinte sie
dies, da sie zu fest überrumpelt worden sei (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 3, Antw. auf
Frage 14).
Auf entsprechende Frage führte die Geschädigte zudem aus, dass sie zuerst ge-
meint habe, sie habe das Geld in der Wohnung verlegt, aber trotz intensiver Su-
che habe sie dieses nicht gefunden (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 3, Antw. auf Fra-
ge 16).
4.3.2.2. Zeugeneinvernahme vom 8. August 2018
Auf die Frage, ob ihr bereits im Bus Personen aufgefallen seien, gab die Geschä-
digte zu Protokoll, dass ihr eine grosse, schlanke Frau aufgefallen sei, welche ei-
ne Bluse mit allen Farben angehabt habe. Die Farben seien schräg durch den un-
teren Teil der Bluse verlaufen. Die andere habe eine schwarze Bluse angehabt
und wieder eine andere sei ganz in schwarz gekleidet gewesen. Im Bus habe sie
nicht aufgesehen, vielleicht wegen dem Geld. Aus diesem Grund wisse sie nicht,
wie die Gesichter ausgesehen hätten. Die eine Frau sei ihr wegen den Farben
aufgefallen (Ordner 4, Urk. 24/2 S. 3, Antw. auf Frage 12).
Weiter führte die Geschädigte aus, dass sie nach der Bank noch in die Migros et-
was essen gegangen sei. Dann sei sie hinausgegangen und habe auf den Bus
warten müssen. Dort sei ihr sehr unwohl gewesen. Ganz komisch, als würde sie
verfolgt werden. Sie sei dann ausgestiegen, habe aber nicht bemerkt, dass je-
mand hinter ihr sei. Sie habe gar nicht bemerkt, dass sie verfolgt werde. Dann sei
sie zur Eingangstür und habe ihren Schlüssel gesucht. Als sie dann den Schlüssel
in der Hand gehabt habe, sei sie "überfallen" worden. Ihr Kopf sei an die Scheibe
gedrückt worden, ganz fest. Auch die Brust sei an die Tür gedrückt worden von
der grossen Frau. Sie habe fast nicht mehr atmen können. Sie hätte nicht um Hil-
fe rufen können. Sie habe dann versucht, die Tür zu öffnen. Die kleine Frau habe
dann in ihrer Tasche "genoddert". Sie habe grosse Mühe gehabt, die Tür zu öff-
nen, da sie so fest an die Scheibe gedrückt worden sei. Dann habe sie es endlich
geschafft, die Tür zu öffnen und hineinzugehen. Sie habe die Tür sofort geschlos-
sen. Die Frauen hätten dann noch hineingesehen. An die Gesichter könne sie
- 22 -
sich nicht erinnern, aber es seien ganz böse Gesichter gewesen (Ordner 4,
Urk. 24/2 S. 4).
Auf die Fragen, ob sie sich gegen die beiden Frauen gewehrt und um Hilfe geru-
fen habe, führte die Geschädigte aus, sie habe versucht, sich zu wehren, aber die
hätten sie so fest an die Scheibe gedrückt, ihren Kopf und ihre Brust. Sie habe
sich gar nicht wehren können. Diese grosse Frau habe so eine enorme Kraft ge-
habt. Sie habe nicht rufen können. Sie habe schauen müssen, dass sie überhaupt
habe atmen können (Ordner 4, Urk. 24/2 S. 5, Antw. auf Fragen 21 f.).
Auf Frage, ob sie bemerkt habe, wie ihr das Couvert mit dem Geld aus der Hand-
tasche genommen worden sei, sagte die Geschädigte aus, sie habe nur bemerkt,
dass die kleine Frau, die schwarz gekleidet gewesen sei, in ihrer Tasche "herum-
genoddert" habe. Sie habe einfach schauen müssen, dass sie diese Tür endlich
aufbringe (Ordner 4, Urk. 24/2 S. 5, Antw. auf Frage 24).
4.4. Beweiswürdigung
4.4.1. Glaubwürdigkeit
4.4.1.1. Beschuldigte
Bezüglich der Glaubwürdigkeit der Beschuldigten kann auf die diesbezüglichen
Erwägungen (vorstehend, Erw. II.3.4.2.) verwiesen werden.
4.4.1.2. E._
Die Geschädigte gab an, weder die Beschuldigte noch die Mittäterin G._ zu
kennen, und sie hat als Zeugin unter Hinweis auf die strenge Strafandrohung bei
falscher Zeugenaussage gemäss Art. 307 StGB ausgesagt (Ordner 4, Urk. 24/2
S. 1 f.). Als Geschädigte und direkt Betroffene dürfte auch sie ein gewisses eige-
nes Interesse am Ausgang des Verfahrens haben. Die Verteidigungen machen
zudem geltend, dass die Geschädigte ein Interesse daran habe, den Vorfall als
Raub darzustellen, da die Versicherung nur im Falle eines Raubes, nicht aber ei-
nes Diebstahls für den Schaden aufkomme (Urk. 76 S. 15 f.; Urk. 105 S. 13; Urk.
106 S. 7 f.). Zutreffend ist, dass die Versicherung der Geschädigten im Falle eines
- 23 -
einfachen Diebstahls mangels Versicherungsdeckung für den Schaden nicht auf-
gekommen wäre (Ordner 6, Dossier S9, Urk. 25), und dass die Geschädigte mit
ihrer Versicherung telefoniert hatte, bevor sie die Polizei kontaktierte (Ordner 4,
Urk. 24/1 S. 2). In Übereinstimmung mit den Verteidigungen (Urk. 76 S. 15 f.; Urk.
105 S. 13; Urk. 106 S. 7) ist durchaus denkbar, dass die Versicherung der Ge-
schädigten im Zusammenhang mit ihrer Versicherungsdeckung den Unterschied
zwischen einem einfachen Diebstahl und einem Raub erklärt hatte. Ebenfalls zu
berücksichtigen ist, dass die Geschädigte einen beträchtlichen Schaden in der
Höhe von Fr. 10'000.– erlitten hat (Urk. 20 S. 9 f.). Ihren Aussagen ist entspre-
chend mit einer gewissen Vorsicht zu begegnen, es besteht aber keine Veranlas-
sung, an ihrer Glaubwürdigkeit zu zweifeln.
4.4.2. Aussagen
4.4.2.1. Aussagen der Geschädigten E._
Auffallend ist, dass die Aussagen der Geschädigten nicht völlig widerspruchsfrei
sind und es sich – entgegen den Erwägungen der Vorinstanz (Urk. 90 S. 20) –
nicht nur um kleinere Unstimmigkeiten handelt, welche lediglich Nebensächlich-
keiten und das Randgeschehen, sondern insbesondere auch das eigentliche
Kerngeschehen betreffen. Darauf wiesen auch die Verteidigungen zutreffend hin
(Urk. 76 S. 11 ff.; Urk. 105 S. 5 ff.; Urk. 106 S. 6 ff.). So gab die Geschädigte an-
lässlich der polizeilichen Einvernahme vom 7. Juli 2017 und damit einen Tag nach
der Tat zu Protokoll, dass sie die Frauen, die sie später überfallen hätten, im Bus
nicht bemerkt habe. Sie habe sich auch nicht beobachtet gefühlt. Die beiden
Frauen seien vor ihrem Hauseingang plötzlich hinter ihr gestanden. Sie sei dann
von beiden Frauen richtig von hinten mit der Tür ins Hausinnere gestossen wor-
den. Diese hätten sie so an die Tür gestossen, sie habe gar nichts mehr bemerkt.
Plötzlich seien die beiden wieder verschwunden gewesen. Sie habe nicht einmal
bemerkt, dass das Geld gefehlt habe. Es sei plötzlich nicht mehr da gewesen. Sie
habe an den üblichen Orten nachgesehen, wo sie das Geld normalerweise depo-
niere. Sie habe zuerst gedacht, sie habe das Geld verlegt, dieses trotz intensiver
Suche aber nicht gefunden (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 1 ff.). Abweichend von ihren
bisherigen Aussagen schilderte sie den Vorfall dann anlässlich ihrer Zeugenein-
- 24 -
vernahme vom 8. August 2018 und damit gut ein Jahr nach der Tat, indem sie
aussagte, die beiden Frauen seien ihr bereits im Bus aufgefallen. Die eine habe
eine Bluse mit allen Farben und die andere eine schwarze Bluse angehabt. Als
sie auf den Bus habe warten müssen, sei ihr sehr unwohl gewesen. Ganz ko-
misch, als würde sie verfolgt werden. Als sie vor der Eingangstür den Schlüssel in
der Hand gehabt habe, sei sie "überfallen" worden. Ihr Kopf sei an die Scheibe
gedrückt worden, ganz fest. Auch die Brust sei an die Tür gedrückt worden von
der grossen Frau. Sie habe fast nicht mehr atmen können. Die kleine Frau habe
dann in ihrer Tasche "genoddert". Sie habe bemerkt, wie diese in ihrer Tasche
"herumgenoddert" habe. Sie habe grosse Mühe gehabt, die Tür zu öffnen, da sie
so fest an die Scheibe gedrückt worden sei. Dann habe sie es endlich geschafft,
die Tür zu öffnen und hineinzugehen. Sie habe die Tür sofort geschlossen. Die
Frauen hätten dann noch hineingesehen. An die Gesichter könne sie sich nicht
erinnern, aber es seien ganz böse Gesichter gewesen (Ordner 4, Urk. 24/2 S. 3
ff.).
In der polizeilichen Einvernahme und damit tatnah, hatte die Geschädigte weder
bemerkt, dass sie beobachtet worden war, noch waren ihr beide Frauen im Bus
so klar aufgefallen, und sie hatte auch nicht bemerkt, dass der Briefumschlag mit
dem Bargeld aus ihrer Tasche entwendet worden war, ansonsten sie nicht die
ganze Wohnung nach diesem Briefumschlag abgesucht hätte. Dazu führte sie
aus, dass sie in der Wohnung ihre Einkäufe verstaut und dann bemerkt habe,
dass das Geld verschwunden sei. Sie habe sogar im Kühlschrank und im Müllei-
mer nachgesehen, ob sie es verlegt habe. Sie habe auch an den üblichen Orten
nachgesehen, wo sie das Geld normalerweise deponiere. Es sei nicht mehr da
gewesen (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 2). Auch erwähnte sie anlässlich der polizeili-
chen Einvernahme noch nicht, dass sie so heftig an die Türscheibe gedrückt wor-
den sei, dass sie fast keine Luft mehr bekommen habe. Anlässlich ihrer Zeugen-
einvernahme führte sie dazu allerdings aus, dass die grosse Frau eine so enorme
Kraft gehabt habe. Sie habe nicht rufen können. Sie habe schauen müssen, dass
sie überhaupt habe atmen können (Ordner 4, Urk. 24/2 S. 5). Bei der Schilderung,
die grosse Frau habe ihre Brust und ihren Kopf so stark gegen die Türscheibe
gedrückt, dass sie fast nicht mehr habe atmen können, handelt es sich um ein
- 25 -
gewichtiges Detail sowie ein nicht alltägliches und einschneidendes Erlebnis, wel-
ches einen Tag nach dem Vorfall noch nicht in Vergessenheit geraten sein konn-
te. Zwar war die Geschädigte bei ihrer Einvernahme bei der Polizei aufgewühlt
und weinte, dass sie aber unter Schock gestanden respektive nicht in der Lage
gewesen wäre, der Einvernahme zu folgen, wurde so von ihr nicht geltend ge-
macht und dafür liegen auch keine Anhaltspunkte vor (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 1,
Antw. auf Frage 4).
Auffallend ist somit, dass die Geschädigte den Vorfall anlässlich ihrer Zeugenein-
vernahme viel ausführlicher und detailbetonter schilderte, obwohl seit der Tat
doch ein Jahr vergangen war und das Erinnerungsvermögen bezüglich einzelner
Details in der Regel aufgrund der verstrichenen Zeit eher nachlässt. So gab sie
bei der Polizei lediglich zu Protokoll, dass die beiden Frauen plötzlich wieder ver-
schwunden gewesen seien und sie nicht einmal bemerkt habe, dass das Geld ge-
fehlt habe (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 2), während sie bei der Staatsanwaltschaft aus-
führte, sie habe es dann endlich geschafft, die Tür zu öffnen sowie hineinzuge-
hen, und sie habe die Tür sofort geschlossen, die Frauen hätten dann aber noch
hineingesehen (Ordner 4, Urk. 24/2 S. 4). Es ist nicht nur eine gewisse Aggravie-
rungstendenz erkennbar, insbesondere im Zusammenhang mit der Heftigkeit des
gegen die Tür Drückens respektive, dass die beiden Frauen ganz böse Gesichter
gehabt hätten, sondern gewisse Abläufe und Empfindungen – Kopf und Brust an
die Scheibe drücken, fast keine Luft bekommen – blieben anlässlich der polizeili-
chen Einvernahme gänzlich unerwähnt, worauf auch die amtliche Verteidigung
zutreffend hingewiesen hat (Urk. 76 S. 14 ff.; Urk. 105 S. 8 ff.). So sprach die Ge-
schädigte bei der Polizei einzig davon, die Frauen hätten sie so an die Tür ges-
tossen, sie habe gar nichts mehr bemerkt (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 2), wodurch
zwar zum Ausdruck kommt, dass sie überrumpelt worden war und den Stoss mit
einer gewissen Heftigkeit empfunden hatte, dass sie dabei aber fast keine Luft
mehr bekommen haben soll, führte sie damals aber nicht aus.
Die Geschädigte machte bei der Polizei auch nicht geltend, dass sie die beiden
Frauen in eine Situation gebracht hätten, in welcher sie sich hätte wehren müs-
sen, respektive dass die beiden Frauen durch ihr Verhalten eine Gegenwehr ver-
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unmöglicht hätten. Sie gab einzig zu Protokoll, dass sie nicht um Hilfe gerufen
habe, da sie zu fest überrumpelt worden sei (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 3, Antw. auf
Frage 14), was somit nicht einer allfälligen Gewaltanwendung seitens der Be-
schuldigten oder der Mittäterin geschuldet gewesen war, sondern dem Umstand,
dass die Geschädigte von der plötzlichen Anwesenheit der beiden Frauen völlig
überrumpelt worden war. Gegenüber der Staatsanwaltschaft sagte sie dann dazu
in Abweichung und detaillierter aus, dass ihr Kopf an die Scheibe gedrückt wor-
den sei, ganz fest, auch die Brust sei an die Tür gedrückt worden von der grossen
Frau, weshalb sie fast nicht mehr habe atmen können. Sie sei so fest an die
Scheibe gedrückt worden, sie habe sich gar nicht mehr wehren können. Diese
grosse Frau habe so eine enorme Kraft gehabt, "wahnsinnig" (Ordner 4, Urk. 24/2
S. 4).
Weiter ist zu berücksichtigen, dass die Geschädigte, bevor sie die Polizei kontak-
tierte und ihre Aussagen gemacht hatte, sowohl mit ihrem Sohn als auch mit ihrer
Versicherung telefoniert hatte. Zwar führte sie aus, dass sie bei der Versicherung
angerufen habe, um abzuklären, ob sie diesbezüglich versichert sei, und ihrem
Sohn, um diesem zu schildern, was passiert sei (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 2). An-
lässlich der polizeilichen Einvernahme sagte sie dazu aus, ihr Sohn hätte sie ge-
fragt, ob sie wahnsinnig sei, so viel Geld abzuheben. Sie habe ihm dann erklärt,
weshalb sie das getan habe. Er habe sie dann später nochmals angerufen und ihr
gesagt, dass sie dies der Polizei melden müsse. Dies habe sie gar nicht gewollt,
da das Geld so oder so weg sei (Ordner 4, Urk. 24/1 S. 2). Anlässlich der Zeu-
geneinvernahme sagte sie dann abweichend zu ihren bisherigen Aussagen aus,
dass sie ihren Sohn angerufen und ihm erzählt habe, dass sie das Geld abgeho-
ben habe und "beklaut" worden sei. Sie habe ihn dann gefragt, ob sie zur Polizei
gehen solle, worauf er zuerst gemeint habe, dass dies vermutlich gar keinen Wert
habe. Er habe sie dann aber nochmals angerufen und gesagt, dass es doch bes-
ser sei, wenn sie zur Polizei gehen würde (Ordner 4, Urk. 24/2 S. 5 f.). Folglich ist
nicht klar, worüber die Geschädigte mit ihrem Sohn und der Versicherung im De-
tail gesprochen hatte.
- 27 -
Insgesamt weisen die Aussagen der Geschädigten doch gewisse Widersprüche
auf, welche nicht nur das Rand-, sondern auch das Kerngeschehen betreffen, und
es erscheint zweifelhaft respektive ist fraglich, ob die Geschädigte von G._
tatsächlich von hinten heftig mit dem Kopf und dem Oberkörper an die Tür ge-
drückt worden war, sodass sie kaum mehr Luft bekommen und sich auch nicht
mehr hatte wehren können, wie dies in der Anklageschrift umschrieben ist.
4.4.2.2. Aussagen der Beschuldigten
Auch die Aussagen der Beschuldigten weisen gewisse Widersprüche auf und sind
teilweise nicht schlüssig. So führte sie anlässlich der delegierten polizeilichen Ein-
vernahme einerseits aus, die Geschädigte habe das Haus betreten, sie sei aber
nicht direkt hinter dieser gewesen (Ordner 3, Urk. 22/14 S. 13), andererseits gab
sie zu Protokoll, die Geschädigte sei ins Haus gegangen und die Tür nur bis zur
Hälfte zu gewesen, als sie diese nach innen wieder ganz aufgestossen habe
(Ordner 3, Urk. 22/14 S. 11). Dabei erscheint fraglich, wie es die Beschuldigte
noch geschafft haben will, die halb zugefallene Tür aufzustossen, wenn sie nicht
direkt hinter der Geschädigten gewesen wäre, zumal die Geschädigte selber zu
Protokoll gegeben hatte, die beiden Frauen seien plötzlich hinter ihr gestanden
(Ordner 4, Urk. 24/1 S. 2). Auch gab die Beschuldigte anfänglich zu Protokoll,
dass die Geschädigte entweder in der Wohnung oder draussen den Briefkasten
geöffnet habe (Ordner 3, Urk. 22/14 S. 2), während sie später aussagte, sie glau-
be, die Briefkästen seien im Hausinnern gewesen (Ordner 3, Urk. 22/14 S. 11 f.),
und die Geschädigte habe im Eingangsbereich den Briefkasten geöffnet (Prot. I
S. 20). Diese unklaren und widersprüchlichen Aussagen tangieren allerdings Ne-
bensächlichkeiten. Was das strittige Kerngeschehen betrifft, sagte die Beschuldig-
te in allen Einvernahmen konstant aus, dass es zu keinen Gewaltanwendungen
gegenüber der Geschädigten gekommen sei weder von ihr noch der Mittäterin
G._ (Ordner 3, Urk. 22/14 S. 2 f., S. 13 und S. 15; Ordner 4, Urk. 23/1 S. 12;
Prot. I S. 20; Prot. II S. 17).
Die Beschuldigte führte aus, dass es die Aufgabe von G._ gewesen sei, die
Geschädigte abzulenken, während diese den Briefkasten leerte und sie den
Briefumschlag mit dem Bargeld aus der offenen Tasche der Geschädigten ge-
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nommen habe (Prot. I S. 20 f.). Die Geschädigte habe nicht bemerkt, dass sie das
Couvert aus der Tasche gestohlen habe (Ordner 3, Urk. 22/14 S. 12). Dass die
Geschädigte nichts bemerkt haben soll, bestätigte diese anlässlich der polizeili-
chen Einvernahme selber, indem sie ausführte, sie habe nicht einmal bemerkt,
dass das Geld gefehlt habe, denn es sei plötzlich nicht mehr da gewesen (Ord-
ner 4, Urk. 24/1 S. 2). Die Beschuldigte war als Trickdiebin geübt, Sachen an sich
zu nehmen, ohne dabei die Person oder deren Tasche zu berühren und Spuren
zu hinterlassen, zumal sich Trickdiebe durch dieses Vorgehen gerade auszeich-
nen. Entsprechend ist ein in der Tasche "Herumnoddern", wie dies die Geschä-
digte gegenüber der Staatsanwaltschaft geschildert hatte (Ordner 4, Urk. 24/2
S. 4 f., insbesondere Antw. auf Frage 24), unwahrscheinlich, zumal bei diesem
Vorgehen das Risiko für die Beschuldigte grösser gewesen wäre, irgendwelche
Spuren zu hinterlassen. Naheliegender erscheint somit, dass die Beschuldigte
den Briefumschlag mit dem Bargeld tatsächlich mit einem Griff aus der Tasche
der Geschädigten nehmen konnte, ohne dass diese etwas bemerkt hatte. Auf-
grund der DNA-Analyse des Instituts für Rechtsmedizin, Universität Zürich, vom
3. März 2018, ergibt sich, dass ab dem Spurenasservat "Abwisch am Eingriffsbe-
reich der Damenhandtasche" ein lokal interpretierbares Mischprofil entnommen
werden konnte, welches allerdings keine Übereinstimmung mit dem DNA-Profil
der Beschuldigten zeigte (Ordner 6, Dossier S9, Urk. 19). Auch dies spricht eher
gegen ein "Herumnoddern" in der Tasche der Geschädigten.
Wie die Verteidigungen zutreffend geltend machen, passt die in der Anklageschrift
umschriebene Gewaltanwendung gegenüber der Geschädigten auch nicht zum
bisherigen Vorgehen und Verhalten der Beschuldigten und ihren Komplizinnen
(Urk. 76 S. 17; Urk. 105 S. 14; Urk. 106 S. 6). Die von der Beschuldigten geschil-
derte Sachverhaltsdarstellung, wonach die Mittäterin G._ die Geschädigte
hätte ablenken sollen, als diese den Briefkasten leerte, damit sie in dieser Zeit
den Briefumschlag mit dem Bargeld unbemerkt aus der offenen Tasche der Ge-
schädigten nehmen konnte, entspricht ihrem bisherigen modus operandi. Zudem
weist dies Ähnlichkeiten zu ihren Taten gemäss den übrigen Dossiers auf, bei
welchen die späteren Opfer zuerst beim Abheben des Bargeldes beobachtet wur-
den, ihnen danach gefolgt wurde, damit anschliessend eine der beiden Frauen
- 29 -
das Opfer ablenken respektive als Sichtschutz dienen konnte, während die ande-
re sich des Briefumschlags mit dem Bargeld behändigte (vgl. vorstehend,
Erw. II.3.4.4.).
Der Umstand, dass die Beschuldigte und G._ der Geschädigten mit dem Bus
eine weite Strecke bis zu deren Zuhause und dieser damit in Abweichung ihres
bisherigen Musters nicht nur an öffentlichen Orten gefolgt sind, zeigt, dass die
beiden Frauen nicht aufgeben wollten, an die doch beträchtliche Beute in der Hö-
he von Fr. 10'000.– zu gelangen, nachdem sie die Geschädigte bereits in die Mig-
ros und die H._ verfolgt hatten und sich ihnen dort keine günstige Gelegen-
heit geboten hatte, an den Briefumschlag mit dem Bargeld zu gelangen (Ordner 3,
Urk. 22/14/2-7f). Ihre Beharrlichkeit zeigt zwar, dass sie jede Gelegenheit nutzen
wollten, an das Bargeld zu gelangen, und auch wenn ihnen im Eingangsbereich
des Wohnhauses der Geschädigten bewusst geworden sein sollte, dass sich
ihnen hier eine der letzten Gelegenheiten bieten würde, kann entgegen der Vo-
rinstanz (Urk. 90 S. 21) nicht ohne Weiteres der Schluss gezogen werden, dass
sie aus diesem Grund auch bereit gewesen sein sollten, mit Gewalt auf die Ge-
schädigte einzuwirken.
4.4.3. Fazit
Nach Würdigung sämtlicher Beweismittel bestehen somit unüberwindbare Zweifel
daran, dass sich die Geschehnisse hinsichtlich der Gewaltanwendung gegenüber
der Geschädigten – so wie von dieser geschildert – zugetragen haben. Der in der
Anklageschrift geschilderte Sachverhaltsteil, wonach die Geschädigte von
G._ von hinten heftig mit dem Kopf und dem Oberkörper an die Tür gedrückt
worden sei, sodass sie kaum mehr Luft bekommen und sich auch nicht mehr ha-
be wehren können, lässt sich folglich nicht rechtsgenügend erstellen.
III. Rechtliche Würdigung
1. Vorbemerkung
- 30 -
Die Vorinstanz hat die Beschuldigte des bandenmässigen Raubes im Sinne von
Art. 140 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 3 StGB, des gewerbs- und bandenmässigen
Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB
sowie der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB schul-
dig gesprochen. Die Beschuldigte beantragt hinsichtlich Dossier S6 einen Frei-
spruch vom Vorwurf des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, hinsichtlich
Dossier S9 einen Freispruch vom Vorwurf des bandenmässigen Raubes sowie
einen Freispruch vom Vorwurf der mehrfachen Geldwäscherei (Urk. 91 S. 2 f.;
Urk. 94 S. 1 f.; Urk. 105 S. 2; Urk. 106 S. 2).
2. Würdigung
Die Vorinstanz hat die gesetzlichen Voraussetzungen für eine Strafbarkeit wegen
Geldwäscherei (Art. 305bis Ziff. 1 StGB), Diebstahls (Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung
mit Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB) und Raubes (Art. 140 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 3
StGB) sowie die von der Praxis und Lehre entwickelten weiteren Voraussetzun-
gen für die Qualifikation der Gewerbs- und Bandenmässigkeit korrekt aufgeführt
(Urk. 90 S. 22 ff.). Es kann vollumfänglich darauf verwiesen werden (Art. 82
Abs. 4 StPO).
Mittäter ist, wer bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung eines Deliktes
vorsätzlich und in massgeblicher Weise mit anderen Tätern zusammenwirkt, so-
dass er als Hauptbeteiligter dasteht. Dabei kommt es darauf an, ob der Tatbeitrag
nach den Umständen des konkreten Falles und dem Tatplan für die Ausführung
des Deliktes so wesentlich ist, dass sie mit ihm steht oder fällt. Das blosse Wollen
der Tat genügt zur Begründung von Mittäterschaft nicht. Der Mittäter muss viel-
mehr bei der Entschliessung, Planung oder Ausführung der Tat auch tatsächlich
mitwirken. Daraus folgt aber nicht, dass Mittäter nur ist, wer an der eigentlichen
Tatausführung beteiligt ist oder sie zu beeinflussen vermag. Dass der Mittäter bei
der Fassung des gemeinsamen Tatentschlusses mitwirkt, ist nicht erforderlich. Es
genügt, dass er sich später den Vorsatz seiner Mittäter zu eigen macht. Konklu-
dentes Handeln reicht aus (BGE 135 IV 152 E. 2.3.1 S. 155; BGE 130 IV 58
E. 9.2.1 S. 66; BGE 125 IV 134 E. 3a S. 136 mit Hinweisen).
- 31 -
Der Sachverhalt gemäss Dossier S6 ist vollumfänglich erstellt (vorstehend,
Erw. II.3.4.5.). Es ist unstrittig, dass die unbekannte Begleiterin der Beschuldigten
den Briefumschlag mit dem Bargeld aus der Tasche der Geschädigten B._
entwendet und so einen Diebstahl begangen hatte. Dieses Verhalten ist der Be-
schuldigten – entgegen der Auffassung der erbetenen Verteidigung (Urk. 106
S. 5) – als Mittäterin zuzurechnen, welche zumindest konkludent bei der Ent-
schliessung sowie Planung und dann wesentlich bei der Ausführung des Dieb-
stahls mitwirkte, indem sie der Geschädigten zusammen mit der unbekannten
Begleiterin von der BLKB-Filiale C._ zur D._-Tankstelle gefolgt war, sich
als Sichtschutz vor dem Rollator positioniert und die unbekannte Begleiterin ab-
gedeckt hatte, während diese den Briefumschlag entwendet hatte (vgl. vorste-
hend, Erw. II.3.4.4.). Durch das Positionieren als Sichtschutz leistete die Beschul-
digte einen wesentlichen Tatbeitrag. Eine detaillierte Absprache hinsichtlich ihrer
Handlungen war nicht erforderlich, da die Beschuldigte und ihre Begleiterinnen in
ihrem Vorgehen geübt waren. Ob die Beschuldigte tatsächlich einen Anteil am
Deliktserlös erhalten oder die unbekannte Begleiterin die gesamte Summe für
sich behalten hat, lässt sich nicht erstellen, ist für die Beurteilung, ob dieser Dieb-
stahl in Mittäterschaft begangen wurde, aber auch nicht von Relevanz, sodass
sich weitergehende Erwägungen dazu erübrigen. Die Vorinstanz würdigte das
Vorgehen – unter Berücksichtigung der weiteren Dossiers – zutreffend als ge-
werbs- und bandenmässigen Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung
mit Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB.
Hinsichtlich Dossier S9 ist der Sachverhaltsteil, wonach die Geschädigte von
G._ von hinten heftig mit dem Kopf und dem Oberkörper an die Tür gedrückt
worden sei, sodass sie kaum mehr Luft bekommen und sich auch nicht mehr ha-
be wehren können, nicht rechtsgenügend erstellt (vorstehend, Erw. II.4.4.3.). Ent-
sprechend fehlt es an den für die Erfüllung des Tatbestandes des Raubes erfor-
derlichen Voraussetzungen, wonach der Täter mit Gewalt gegen eine Person o-
der nachdem er den Betroffenen zum Widerstand unfähig gemacht hat, einen
Diebstahl begeht, zumal ein kurzes Packen am Arm, ein Anrempeln zur Ablen-
kung oder der blosse Griff an die Gesässtasche als ungenügend erscheint
(BGE 133 IV 207 E. 4.3.2). Die Beschuldigte ist deshalb gemäss Art. 10 Abs. 3
- 32 -
StPO in Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo hinsichtlich Dossier S9
vom Vorwurf des bandenmässigen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 in Ver-
bindung mit Ziff. 2 StGB freizusprechen.
Die Beschuldigte hat somit auch im Zusammenhang mit den Dossiers S6 und S9
den objektiven und subjektiven Tatbestand des gewerbs- und bandenmässigen
Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 und Ziff. 3 erfüllt,
weshalb sie diesbezüglich schuldig zu sprechen ist.
Hinsichtlich der Vorwürfe der mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis
Ziff. 1 StGB monieren die Verteidigungen, dass dieser Tatbestand von demjeni-
gen des gewerbsmässigen Diebstahls konsumiert werde, da eine gewerbsmässi-
ge Begehungsweise bereits impliziere, dass die Beschuldigte mit ihren Diebstäh-
len ihren Lebensunterhalt bestreite und dafür das Geld ausgebe (Urk. 76 S. 20 f.;
Urk. 105 S. 19 f.; Urk. 106 S. 9 f.). Diese beiden Tatbestände schützen je unter-
schiedliche Rechtsgüter und gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung be-
steht zwischen der Vortat und der Geldwäscherei echte Konkurrenz (BGE 124 IV
276; BGE 122 IV 217), weshalb der Auffassung der Verteidigungen, wonach der
Tatbestand der Geldwäscherei von demjenigen des gewerbsmässigen Diebstahls
konsumiert werde, nicht zu folgen ist.
Der Geldwäscherei macht sich schuldig, wer eine Handlung vornimmt, die geeig-
net ist, die Ermittlung der Herkunft, die Auffindung oder Einziehung von Vermö-
genswerten zu vereiteln, die, wie er weiss oder annehmen muss, aus einem Ver-
brechen herrühren (Art. 305bis Ziff. 1 StGB). Da gestützt auf Art. 70 Abs. 1 StGB
auch die Einziehung von echten Surrogaten erlaubt ist, erfüllt die einfache Investi-
tion in Gebrauchswerte als solche den Tatbestand der Geldwäscherei nicht (BGE
144 IV 172 E. 7.2.2). Geldwäscherei ist ein Vorsatzdelikt, wobei Eventualvorsatz
bezüglich aller objektiven Tatbestandsmerkmale genügt (TRECHSEL/PIETH, in:
TRECHSEL/PIETH, Schweizerisches Strafgesetzbuch Praxiskommentar, 3. Aufl.,
Zürich/St. Gallen 2018, N 21 zu Art. 305bis StGB).
Die Beschuldigte nahm ihren Anteil des Bargeldes, welchen sie aus den Dieb-
stählen gemäss den Dossiers S1, S2, S3, S5 und S9 erlangt hatte, jeweils mit
- 33 -
nach Frankreich und finanzierte damit teilweise ihren Lebensunterhalt und denje-
nigen ihrer Kinder. So sagte sie dazu aus, sie habe alles ausgegeben und es für
sich und ihre Kinder gebraucht (Ordner 3, Urk. 22/7 S. 18). Sie habe immer wie-
der von diesem Geld gelebt (Ordner 3, Urk. 22/8 S. 14, Antw. auf Frage 126). Sie
habe mit diesem Geld eingekauft, Zigaretten auch Lebensmittel. Sie habe sicher
auch noch Essen und Kleider für ihre Kinder davon gekauft (Ordner 3, Urk. 22/10
S. 10). Sie habe nichts mehr davon. Sie habe Lebensmittel, Getränke und Kleider
gebraucht (Ordner 3, Urk. 22/14 S. 17). Die Beschuldigte verbrachte das Bargeld
demzufolge nicht nach Frankreich, in der Absicht, dieses dem Zugriff der Schwei-
zer Behörden zu entziehen, respektive dieses vor den Strafverfolgungsorganen
zu verstecken, sondern einzig aus dem Grund, weil sie vor ihrer Verhaftung zu-
sammen mit ihrem Ehemann und ihrem jüngsten Sohn in Frankreich lebte (Ord-
ner 3, Urk. 22/6 S. 4). Dass sie mit ihrem Anteil des deliktisch erlangten Bargeldes
jeweils nach Frankreich zurückgekehrt war, war somit einzig ihren Lebensum-
ständen geschuldet, womit es am Vorsatz und damit den subjektiven Tatbe-
standsmerkmalen fehlt, und sie investierte dieses Geld vorwiegend in Ge-
brauchswerte, indem sie sich davon beispielsweise Kleidung und so weiter für
sich und ihre Kinder kaufte, sodass auch der objektive Tatbestand der Geldwä-
scherei entsprechend nicht erfüllt ist. Zudem stellt der Verbrauch des Deliktserlö-
ses zur Bestreitung des Lebensunterhalts keine Vereitelungshandlung dar, zumal
der Vermögenswert dadurch gar nicht mehr vorhanden ist. Demzufolge ist weder
der objektive noch der subjektive Tatbestand erfüllt, zumal sich nicht widerlegen
lässt, dass die Beschuldigte den gesamten Deliktserlös zur Bestreitung ihres Le-
bensunterhaltes verbraucht hat. Die Beschuldigte ist folglich vom Vorwurf der
mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB freizusprechen.
3. Fazit
Die Beschuldigte ist ferner im Zusammenhang mit den Dossiers S6 und S9 des
gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls im Sinne von Art. 139 Ziff. 1 in Verbin-
- 34 -
dung mit Ziff. 2 und Ziff. 3 StGB schuldig zu sprechen. Von den Vorwürfen der
mehrfachen Geldwäscherei im Sinne von Art. 305bis Ziff. 1 StGB und des ban-
denmässigen Raubes im Sinne von Art. 140 Ziff. 1 in Verbindung mit Ziff. 2 StGB
ist sie freizusprechen.
IV. Strafzumessung
1. Allgemeine Grundsätze
Die allgemeinen Regeln und Kriterien der Strafzumessung wurden im vorinstanz-
lichen Urteil unter Hinweis auf die Rechtsprechung korrekt und umfassend wie-
dergegeben (Urk. 90 S. 33 f.). Dies braucht nicht wiederholt zu werden.
Die Beschuldigte hat die Straftaten gemäss den Dossiers S2-S9 vor Inkrafttreten
der seit 1. Januar 2018 geltenden neuen Bestimmungen des allgemeinen Teils
des Strafgesetzbuches (Änderung des Sanktionenrechts; AS 2016 1249) began-
gen. Das geltende (neue) Recht ist daher auf diese nur anzuwenden, sofern es
für die Beschuldigte im konkreten Fall zu einem günstigeren Ergebnis führt (Art. 2
Abs. 2 StGB; DONATSCH, in: DONATSCH/HEIMGARTNER/ISENRING/WEDER, Kommen-
tar zum StGB, 20. Auflage 2018, N 10 zu Art. 2 StGB). Der Strafrahmen des ban-
denmässigen Diebstahls wurde betreffend die Mindeststrafe per 1. Januar 2018
geändert. Zuvor war die Mindeststrafe eine Geldstrafe von 180 Tagessätzen. Da
wie nachfolgend noch zu zeigen sein wird, ohnehin eine überjährige Freiheitsstra-
fe auszusprechen ist, ist diese gesetzgeberische Verschärfung der Mindeststrafe
nicht weiter von Relevanz. Allerdings käme die Beschuldigte im Unterschied zum
alten Recht nach dem neuen Art. 46 Abs. 1 StGB in den Genuss einer Gesamt-
strafe und damit eines "Strafrabattes", der nach altem Recht nicht gewährt wer-
den konnte. Insgesamt ist daher das neue Recht wegen der Möglichkeit der Ge-
samtstrafenbildung bei Widerruf milder, weshalb dieses zur Anwendung kommt
(BGE 142 IV 401 E. 3.3 mit Hinweisen).
Das Gericht kann eine einheitliche Einsatzstrafe für sämtliche gewerbs- und ban-
denmässig begangenen Taten festsetzen (Urteil des Bundesgerichtes
6B_797/2011 vom 13. April 2012, E. 3.1.2). Der massgebliche Strafrahmen für
- 35 -
den gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl im Sinne von Art. 139 Ziff. 2 und
Ziff. 3 Abs. 2 StGB beträgt Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahren oder Geldstrafe
nicht unter 90 Tagessätzen (Ziff. 2) bzw. Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu
zehn Jahren (Ziff. 3). Trifft der Qualifikationsgrund der Bandenmässigkeit mit je-
nem der Gewerbsmässigkeit zusammen, hat dies auf den Strafrahmen keine zu-
sätzlichen Auswirkungen. Es tritt die Rechtsfolge nach Ziff. 3 Abs. 1 ein, die Sank-
tionsdrohung nach Ziff. 2 ist darin mitenthalten. Nicht ausgeschlossen ist indes die
Berücksichtigung der doppelten Qualifikation im Rahmen der konkreten Strafzu-
messung innerhalb des vorgegebenen Strafrahmens (NIGGLI/RIEDO, NIGGLI/
WIPRÄCHTIGER, Basler Kommentar Strafrecht II, 4. Aufl. 2019, N 136 zu Art. 139
StGB).
2. Gesamtstrafenbildung bei teilweiser retrospektiver Konkurrenz
Da die Beschuldigte die Diebstähle vom 22. Februar und 16. November 2016
(Dossiers S5 und S6) zeitlich vor dem Strafbefehl des Ministère public du canton
de Genève vom 22. Dezember 2016 begangen hat, liegt retrospektive Konkurrenz
vor.
Hat das Gericht eine Tat zu beurteilen, die der Täter begangen hat, bevor er we-
gen einer andern Tat verurteilt worden ist, so bestimmt es die Zusatzstrafe in der
Weise, dass der Täter nicht schwerer bestraft wird, als wenn die strafbaren Hand-
lungen gleichzeitig beurteilt worden wären (Art. 49 Abs. 2 StGB). Das in Art. 49
Abs. 1 StGB verankerte Asperationsprinzip soll damit auch bei retrospektiver
Konkurrenz gewährleistet werden. Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung
greift das Asperationsprinzip nach Art. 49 Abs. 1 StGB nur, wenn mehrere gleich-
artige Strafen ausgesprochen werden. Bei ungleichartigen Strafen scheidet die
Bildung einer Gesamtstrafe aus (BGE 141 IV 61 E. 6.1.2). Das Gericht kann somit
eine Gesamtfreiheitsstrafe nur aussprechen, wenn es im konkreten Fall für jede
einzelne Tat eine Freiheitsstrafe ausfällen würde. Diese Voraussetzungen gelten
auch für die Bildung einer Zusatzstrafe bei retrospektiver Konkurrenz. Der Zweit-
richter ist im Rahmen der Zusatzstrafenbildung nicht befugt, die Strafart des
rechtskräftigen ersten Entscheides zu ändern (BGE 141 IV 61 E. 6.1.2; BGE 138
IV 120 E. 5.2). Für das Vorgehen zur Bildung einer retrospektiven Gesamtstrafe
- 36 -
kann auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung verwiesen werden, wo dieses
einlässlich dargelegt wird (Urteil des Bundesgerichtes 6B_829/2014 vom 30. Juni
2016, E. 2.4.3-2.4.4). Die nachfolgend festzulegende Zusatzstrafe (Erw. IV.3.) ist
dann in einem letzten Schritt zu derjenigen Strafe für die neuen, der früheren Ver-
urteilung nachgelagerten Delikte (Erw. IV.4.) hinzuzurechnen (BGE 145 IV 1 E. 1).
3. Strafzumessung betreffend Zusatzstrafe zum Strafbefehl des Ministère
public du canton de Genève vom 22. Dezember 2016
Die Beschuldigte wurde mit Strafbefehl des Ministère public du canton de Genève
vom 22. Dezember 2016 wegen Betrugs (Gehilfenschaft) zu einer bedingten Frei-
heitsstrafe von 6 Monaten unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren verurteilt
(Beizugsakten zu P/5182/2016). Bezüglich der Bildung der Gesamtfreiheitsstrafe
im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB ist von den der Beschuldigten neu zur Last ge-
legten Straftaten als schwerstes Delikt auszugehen unter angemessener Erhö-
hung der bereits mit Strafbefehl ausgefällten Strafe (Grundstrafe).
3.1. Tatkomponenten
3.1.1. Objektive Tatschwere
Zur objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass die Beschuldigte die beiden
Diebstähle vom 22. Februar und 16. November 2016 (Dossiers S5 und S6) je-
weils gemeinsam mit einer nicht identifizierten Mittäterin begangen hatte. Der Or-
ganisationsgrad zwischen ihr und ihren Mittäterinnen war nicht ausserordentlich
hoch. Es kann aber von einer klaren Aufgabenteilung ausgegangen werden. Die
Beschuldigte und ihre Mittäterinnen bedienten sich jeweils der einfachen Methode
eines Trickdiebstahls, trotzdem wurden die Diebstähle mit einem gewissen Struk-
turierungsgrad geplant und die Geschädigten – jeweils ältere und gebrechliche
Frauen – sorgfältig und gezielt ausgesucht. Das Vorgehen war stets dasselbe, in-
dem eine der beiden Frauen als Ablenkung respektive Sichtschutz gedient hatte,
während die andere den Briefumschlag mit dem Bargeld aus den Taschen der
Geschädigten entwendet hatte. Der Deliktsbetrag bei diesen beiden Diebstählen
betrug insgesamt Fr. 18'000.–, wobei die Beschuldigte davon die Hälfte erhalten
- 37 -
hatte. Das Ausmass des Erfolges ist damit nicht unbeachtlich und den beiden Ge-
schädigten wurde ein deutlicher finanzieller Schaden zugefügt. Insgesamt ist die
objektive Tatschwere noch im untersten Bereich einzuordnen.
3.1.2. Subjektive Tatschwere
In subjektiver Hinsicht liegt direktvorsätzliche Tatbegehung vor. Die Beschuldigte
handelte aus rein finanziellen Motiven. Sie lebte zusammen mit ihrem Ehemann
und ihrem jüngsten Sohn bei ihren Schwiegereltern in Frankreich, von welchen
sie finanziell unterstützt wurden. Eine konkrete finanzielle Notlage lag somit nicht
vor. Die subjektive Tatschwere ist ebenfalls noch im untersten Bereich einzuord-
nen.
3.1.3. Einsatzstrafe
Insgesamt sind die objektive und subjektive Tatschwere im Rahmen des qualifi-
zierten Tatbestandes im untersten Bereich einzuordnen, und der Beschuldigten ist
ein leichtes Verschulden anzulasten, weshalb eine hypothetische Einsatzstrafe
von 8 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen erscheint.
3.2. Täterkomponenten
3.2.1. Persönliche Verhältnisse
Die Beschuldigte wurde in L._, Belgien geboren und hat fünf Geschwister.
Sie ist kroatische Staatsbürgerin und bezeichnet sich selbst als Zigeunerin. Sie
lebte zunächst bis zu ihrem 14. Lebensjahr zusammen mit ihren Eltern in
Deutschland, bevor sie bei einem Freund in der Schweiz lebte und danach nach
Frankreich ging. Sie besuchte nur während ein oder zwei Jahren die Schule und
schloss keine Berufsausbildung ab. Sie ist zum zweiten Mal verheiratet und hat
drei Söhne, geboren 2006, 2009 und 2012. Ihr ältester Sohn wohnt bei dessen
Vater in M._, der mittlere Sohn lebt bei ihren Eltern in Deutschland und mit
dem jüngsten Sohn lebte sie zusammen mit ihrem Ehemann und ihren Schwie-
gereltern in Paris. Sie war Hausfrau und ging keiner Erwerbstätigkeit nach. Sie
hat weder Vermögen noch Schulden (Ordner 2, Urk. 17/2; Ordner 3, Urk. 22/6 S.
- 38 -
3-5 und S. 20; Ordner 4, Urk. 23/1 S. 15; Prot. I S. 12; Prot. II S. 9 ff.). Aus den
persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten ergeben sich im Rahmen der Tä-
terkomponente keine strafzumessungsrelevanten Faktoren.
3.2.2. Vorstrafen
Straferhöhend wirken sich zwei, teilweise einschlägige, Vorstrafen aus. Mit Straf-
befehl des Ministère public/Parquet régional Neuchâtel vom 24. Januar 2011 wur-
de sie wegen Diebstahls zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu
Fr. 10.– und mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn vom
24. Januar 2011 wegen versuchten Diebstahls und Hausfriedensbruchs zu einer
bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt (Urk. 95). Zudem
gab die Beschuldigte anlässlich der Berufungsverhandlung zu Protokoll, dass sie
2013/2014 bereits in Norwegen wegen Diebstahls – wobei es sich ebenfalls um
Trickdiebstähle gehandelt haben soll – verurteilt worden sei und dafür eine Frei-
heitsstrafe von 20 Monaten erhalten habe, welche sie auch abgesessen habe
(Prot. II S. 13 f.).
3.2.3. Nachtatverhalten
Die Beschuldigte zeigte sich nur hinsichtlich Dossier S5 geständig, dies aber erst
aufgrund der erdrückenden Beweislage. Dass sie vom Diebstahl gemäss Dossi-
er S6 gewusst haben soll, bestreitet sie nach wie vor (Prot. II S. 15). Die Beschul-
digte erklärte zwar vor Vorinstanz, dass ihr die Taten leid tun würden, und reichte
Briefe an die Geschädigten ein, in welchen sie sich bei diesen entschuldigt und
die Rückzahlung der Deliktsbeträge verspricht (Prot. I S. 18 und S. 30; Urk. 74/5-
6), diese Schreiben wurden allerdings erst am 2. Februar 2019 und damit kurz vor
der vorinstanzlichen Hauptverhandlung verfasst, und tatsächliche Wiedergutma-
chungszahlungen sind nicht aktenkundig. Es handelt sich somit lediglich um eine
reine Schuldanerkennung (vgl. nachfolgend, Erw. IV.4.2.3.), welche zusammen
mit dem Teilgeständnis im Zusammenhang mit Dossier S5, welches die Untersu-
chung nicht erleichterte, keine Strafminderung rechtfertigt.
3.2.4. Zwischenfazit
- 39 -
Unter Berücksichtigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erscheint
eine (hypothetische) Freiheitsstrafe von 8 Monaten als angemessen.
3.3. Asperation um die Grundstrafe (Strafbefehl vom 22. Dezember 2016)
Den vorstehend unter IV Ziffer 2. dargelegten Grundsätzen der Gesamtstrafenbil-
dung bei retrospektiver Konkurrenz folgend ist daher von der Einsatzstrafe von
8 Monaten auszugehen, welche für die neu zu beurteilenden Delikte festgelegt
wurde. Diese ist für die Gehilfenschaft zum Betrug mittels Asperation angemes-
sen um 4 Monate zu erhöhen. Die Reduktion der Grundstrafe um 2 Monate ist
von den 8 Monaten abzuziehen. Es resultiert eine Zusatztstrafe von 6 Monaten.
4. Strafzumessung betreffend die Dossiers S1-S4 und S7-S9
4.1. Tatkomponenten
4.1.1. Objektive Tatschwere
Bezüglich der objektiven Tatschwere kann auf die diesbezüglichen Erwägungen
bei der Strafzumessung betreffend Zusatzstrafe zum Strafbefehl des Ministère
public du canton de Genève vom 22. Dezember 2016 verwiesen werden (vorste-
hend, Erw. IV.3.1.1.). Ergänzend ist festzuhalten, dass die Beschuldigte in der
Zeit vom 17. März 2017 bis 15. Januar 2018 sieben Diebstähle begangen hatte
(Dossiers S1-S4 und S7-S9), sechs davon jeweils gemeinsam mit je einer Mittäte-
rin, wobei es sich bei dieser nicht immer um die gleiche Person handelte. Zwi-
schen der Beschuldigten und ihren Mittäterinnen herrschte wohl eine relativ
gleichwertige Rollenverteilung ohne ein besonderes Hierarchieverhältnis. Auffal-
lend ist zudem, dass es sich bei den Geschädigten vorwiegend um ältere Frauen
handelte, welche jeweils sorgfältig und gezielt ausgesucht worden waren. Das
Tatvorgehen zeugt insgesamt von einer merklichen kriminellen Energie. Die Be-
schuldigte war jeweils aus dem Ausland angereist und einzig zum Zweck dieser
Diebstähle in die Schweiz gekommen. Sobald der Deliktserlös zwischen ihr und
ihrer jeweiligen Mittäterin aufgeteilt worden war, verliess sie die Schweiz auch
wieder. Die Anzahl der Delikte über einen gewissen Zeitraum ist der Qualifikation
als gewerbs- und bandenmässige Tatbegehung inhärent und darf aufgrund des
- 40 -
Doppelverwertungsverbotes bei der Beurteilung der Tatschwere nicht stark zulas-
ten der Beschuldigten zu Buche schlagen.
Der Deliktsbetrag betrug insgesamt rund Fr. 46'048.–, wobei die Beschuldigte da-
von die Hälfte erhalten hatte. Das Ausmass des Erfolges ist damit beträchtlich
und den Geschädigten wurde ein erheblicher finanzieller Schaden zugefügt. Die
Beschuldigte und ihre Mittäterinnen hörten erst auf, zu delinquieren, als sie ver-
haftet wurden, was ebenfalls zu berücksichtigen ist.
Insgesamt wiegt die objektive Tatschwere im Rahmen des qualifizierten Tatbe-
standes nicht mehr leicht.
4.1.2. Subjektive Tatschwere
Bezüglich der subjektiven Tatschwere kann ebenfalls auf die diesbezüglichen Er-
wägungen bei der Strafzumessung betreffend Zusatzstrafe zum Strafbefehl des
Ministère public du canton de Genève vom 22. Dezember 2016 verwiesen werden
(vorstehend, Erw. IV.3.1.2.). Vertiefend ist nochmals festzuhalten, dass die Be-
schuldigte ein abgebrühtes und professionelles Verhalten zeigte, indem die Dieb-
stähle mit einem gewissen Strukturierungsgrad geplant und die Geschädigten –
jeweils ältere und gebrechliche Frauen – sorgfältig und gezielt ausgesucht wur-
den. Sie bezweckte mit den Diebstählen in erster Linie die Bestreitung ihres Le-
bensunterhaltes. Sie lebte zusammen mit ihrem Ehemann und ihrem jüngsten
Sohn bei ihren Schwiegereltern in Frankreich. Obwohl ihr Ehemann gemäss ihren
Aussagen ebenfalls seit ein paar Monaten arbeitslos war, wurden sie finanziell
von ihren Schwiegereltern unterstützt. Manchmal hätten auch ihre Eltern ihr Geld
geschickt. Das mit dem Essen sei nie ein Problem gewesen. Sie habe kein Ver-
mögen, aber auch keine Schulden (Ordner 3, Urk. 22/6 S. 4 f. und S. 20; Ordner
2, Urk. 17/2 S. 4). Die Beschuldigte lebte damit zwar in äusserst knappen finanzi-
ellen Verhältnissen, eine konkrete finanzielle Notlage hatte aber nicht vorgelegen.
Das subjektive Verschulden vermag die objektive Tatschwere nicht zu relativie-
ren.
4.1.3. Einsatzstrafe
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Insgesamt wiegt das Verschulden der Beschuldigten innerhalb des qualifizierten
Tatbestandes nicht mehr leicht, sodass eine hypothetische Einsatzstrafe von
24 Monaten Freiheitsstrafe als angemessen erscheint.
4.2. Täterkomponenten
4.2.1. Persönliche Verhältnisse
Bezüglich der persönlichen Verhältnisse kann auf die diesbezüglichen Erwägun-
gen bei der Strafzumessung betreffend Zusatzstrafe zum Strafbefehl des Mi-
nistère public du canton de Genève vom 22. Dezember 2016 verwiesen werden
(vorstehend, Erw. IV.3.2.1.). Ergänzend führte die Beschuldigte aus, dass sie in
Frankreich über einen inzwischen abgelaufenen "titre de séjour" verfügte. Vor ih-
rer Verhaftung war sie Hausfrau, ging keiner Erwerbstätigkeit nach und erzielte
keine Einkünfte. Auch ihr Ehemann war seit ein paar Monaten arbeitslos, sodass
sie ihren Lebensunterhalt mit Hilfe ihrer Schwiegereltern bestritten (Ordner 2,
Urk. 17/2; Ordner 3, Urk. 22/6 S. 3-5 und S. 20; Ordner 4, Urk. 23/1 S. 15; Prot. I
S. 12; Prot. II S. 11 f.). Aus den persönlichen Verhältnissen der Beschuldigten er-
geben sich im Rahmen der Täterkomponente keine strafzumessungsrelevanten
Faktoren.
4.2.2. Vorstrafen und Delinquenz während laufender Probezeit
Die Beschuldigte weist mehrere, teilweise einschlägige, Vorstrafen auf. Mit Straf-
befehl des Ministère public/Parquet régional Neuchâtel vom 24. Januar 2011 wur-
de sie wegen Diebstahls zu einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu
Fr. 10.– und mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn vom
24. Januar 2011 wegen versuchten Diebstahls und Hausfriedensbruchs zu einer
bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu Fr. 30.– verurteilt. Mit Strafbefehl
des Ministère public du canton de Genève vom 22. Dezember 2016 wurde sie
wegen Betrugs (Gehilfenschaft) zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 6 Monaten
unter Ansetzung einer Probezeit von 3 Jahren bestraft (Urk. 95). Anlässlich der
Berufungsverhandlung führte die Beschuldigte zudem aus, dass sie 2013/2014 in
Norwegen wegen Diebstahls – wobei es sich ebenfalls um Trickdiebstähle ge-
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handelt haben soll – verurteilt worden sei und dafür eine Freiheitsstrafe von
20 Monaten erhalten habe, welche sie auch abgesessen habe (Prot. II S. 13 f.).
Die teils einschlägigen Vorstrafen sowie die Delinquenz während laufender Pro-
bezeit wirken sich deutlich straferhöhend aus.
4.2.3. Nachtatverhalten
Die Beschuldigte zeigte sich zwar hinsichtlich der Dossiers S1-S4 und S7-S9 ge-
ständig, dies aber erst aufgrund der erdrückenden Beweislage. Die Beschuldigte
erklärte zwar vor Vorinstanz, dass ihr die Taten leid tun würden, und reichte Briefe
an die Geschädigten ein, in welchen sie sich bei diesen entschuldigt und die
Rückzahlung der Deliktsbeträge verspricht (Prot. I S. 18 und S. 30; Urk. 74/1-4
und Urk. 74/7-10), diese Schreiben wurden allerdings erst am 2. Februar 2019
und damit kurz vor der vorinstanzlichen Hauptverhandlung verfasst, und tatsächli-
che Wiedergutmachungszahlungen sind nicht aktenkundig. Dass es sich dabei
nur um eine reine Schuldanerkennung handelt, wird insbesondere durch den Um-
stand, dass sie auch derjenigen Geschädigten, welche gemäss Dossier S6 be-
stohlen worden war, einen solchen Brief zukommen liess, obwohl sie eine Beteili-
gung an dieser Tat nach wie vor bestreitet, deutlich. Das Teilgeständnis, welches
die Untersuchung nicht erleichterte, und die von ihr gezeigte Reue ist damit ent-
gegen den Verteidigungen (Urk. 76 S. 26 f.; Urk. 77 S. 5 ff.; Urk. 106 S. 11)
höchstens leicht strafmindernd zu berücksichtigen.
4.3. Zwischenfazit
Unter Berücksichtigung aller massgeblichen Strafzumessungsgründe erscheint für
den gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl betreffend die Dossiers S1-S4 und
S7-S9 eine (hypothetische) Freiheitsstrafe von 30 Monaten als angemessen.
5. Fazit Strafzumessung
Zur Freiheitsstrafe von 30 Monaten für den gewerbs- und bandenmässigen Dieb-
stahl betreffend die Dossiers S1-S4 und S7-S9 kommt die Zusatzstrafe zum
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Strafbefehl vom 22. Dezember 2016 von 6 Monaten Freiheitsstrafe hinzu, sodass
eine Freiheitsstrafe von 36 Monaten resultiert. Diese ist um die mit Strafbefehl des
Ministère public du canton de Genève vom 22. Dezember 2016 ausgefällte und
zu widerrufende Freiheitsstrafe von 6 Monaten (nachfolgend, Erw. VI.) angemes-
sen zu erhöhen. Da die widerrufene und die neue Strafe gleicher Art sind, ist in
sinngemässer Anwendung von Art. 49 StGB eine Gesamtstrafe zu bilden. Unter
Berücksichtigung des Asperationsprinzips rechtfertigt sich eine Gesamtstrafe von
40 Monaten Freiheitsstrafe.
Die Beschuldigte ist somit unter Einbezug der widerrufenen Strafe mit einer Frei-
heitsstrafe von 40 Monaten, teilweise als Zusatzstrafe zum Strafbefehl des  public du canton de Genève vom 22. Dezember 2016, zu bestrafen. Einer
Anrechnung der bislang erstandenen Haft und des vorzeitigen Strafvollzugs von
insgesamt 695 Tagen steht nichts entgegen (Urk. 73; Art. 51 StGB).
V. Vollzug
Bei dieser Dauer der Freiheitsstrafe fällt die Gewährung eines bedingten oder
teilbedingten Strafvollzuges ausser Betracht (Art. 42 f. StGB).
VI. Widerruf
Die Vorinstanz hat den bedingten Vollzug der mit Strafbefehl des Ministère public
du canton de Genève vom 22. Dezember 2016 ausgefällten Freiheitsstrafe von
6 Monaten widerrufen. Die rechtlichen Voraussetzungen für einen Widerruf wur-
den im vorinstanzlichen Urteil zutreffend wiedergegeben (Urk. 90 S. 40 f.). Dies
braucht nicht wiederholt zu werden. In die Beurteilung, ob ein Widerruf angezeigt
ist, ist im Rahmen der Gesamtwürdigung auch miteinzubeziehen, ob die neue
Strafe bedingt oder unbedingt ausgesprochen wird. Der Richter kann dabei zum
Schluss kommen, dass vom Widerruf des bedingten Vollzuges für die frühere
Strafe abgesehen werden kann, wenn die neue Strafe vollzogen wird (Urteil des
Bundesgerichtes 6B_529/2010 vom 9. November 2010, E. 3.2).
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In der Zeit vom 17. März 2017 bis 15. Januar 2018 und somit während noch lau-
fender Probezeit beging die Beschuldigte die nun zu sanktionierenden Taten ge-
mäss den Dossiers S1-S4 und S7-S9. Sie liess sich weder durch die ausgespro-
chene Freiheitsstrafe von 6 Monaten bedingt noch die damals erstandene Unter-
suchungshaft von 21 Tagen beeindrucken (vgl. Urk. 95 S. 2). In Norwegen hat sie
2013/2014 zudem eine Freiheitsstrafe von 20 Monaten verbüsst (vorstehend,
Erw. IV.4.2.2.). Durch ihr trotz der Verurteilung nur knapp 3 Monate später wieder
aufgenommenes Delinquieren, wobei es sich beim gewerbs- und bandenmässi-
gen Diebstahl auch um ein schwerwiegenderes Delikt handelt, offenbart sich die
Unbelehrbarkeit der Beschuldigten und ihr fehlender Wille, sich an die Rechtsord-
nung zu halten. Die Beschuldigte kehrt – entgegen der Auffassung der amtlichen
Verteidigung (Urk. 76 S. 25; Urk. 105 S. 24) – weder in ein stabiles berufliches
noch privates Umfeld zurück; im Gegenteil hat sie keine Berufsausbildung abge-
schlossen, war vor ihrer Verhaftung Hausfrau und ging keiner Erwerbstätigkeit
nach. Sie lebte zusammen mit ihrem Ehemann, welcher seit einer gewissen Zeit
ebenfalls keine Erwerbstätigkeit mehr ausübt, und dem jüngsten Sohn bei ihren
Schwiegereltern in Frankreich, wo sie über einen inzwischen abgelaufenen "titre
de séjour" verfügt. Sie lebt in äusserst knappen finanziellen Verhältnissen. Dass
die Beschuldigte nach ihrer Haftentlassung allenfalls in der Nähe ihres Wohnortes
im Café N._ arbeiten könnte, wie dies die amtliche Verteidigung geltend
macht (Urk. 76 S. 25), würde zwar eine positive Veränderung ihrer Lebensum-
stände darstellen, dabei handelt es sich allerdings erst um eine allfällige Möglich-
keit und noch keine gesicherte Anstellung.
Ihre teils einschlägigen Vorstrafen und das erneute Delinquieren während der
Probezeit, wobei es sich bei dem gewerbs- und bandenmässigen Diebstahl um
ein schwerwiegenderes Delikt handelt, wiegt schwer, sodass ihr – insbesondere
auch unter Berücksichtigung ihrer Lebensumstände – eine ungünstige Legalprog-
nose auszustellen ist. Folglich ist der bedingte Vollzug zu widerrufen und die am
22. Dezember 2016 ausgesprochene Freiheitsstrafe abzüglich der in jenem Ver-
fahren bereits erstandene Untersuchungshaft von 21 Tagen zu vollziehen.
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VII. Landesverweisung
1. Vorbemerkung
Die Vorinstanz hat eine Landesverweisung im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. c
StGB für die Dauer von 12 Jahren angeordnet (Urk. 90 S. 42 f.).
2. Konkrete Anwendung
Gemäss Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB bildet ein qualifizierter Diebstahl im Sinne von
Art. 139 Ziff. 2 und 3 StGB eine Katalogtat für eine obligatorische Landesverwei-
sung, sodass die Voraussetzungen für eine obligatorische Landesverweisung
trotz Freispruchs hinsichtlich des qualifizierten Raubes (Art. 140 Ziff. 1 und 3
StGB) erfüllt sind. Die Anordnung der Landesverweisung blieb zudem zu Recht
unangefochten; die Beschuldigte beantragt diesbezüglich lediglich eine Reduktion
der Dauer auf 5 Jahre (Urk. 91; Urk. 94; Urk. 105 S. 3; Urk. 106 S. 2).
Bei der Dauer der anzuordnenden Landesverweisung sind strafrechtliche
Grundsätze wie etwa das Schuldprinzip im Allgemeinen und die Strafzumes-
sungsgrundsätze im Besonderen zu beachten. Zudem muss der dem Massnah-
menrecht zugrunde liegende Grundsatz der Verhältnismässigkeit berücksichtigt
werden (FIOLKA/VETTERLI, Die Landesverweisung nach Art. 66a StGB als straf-
rechtliche Sanktion, plädoyer 5/16, S. 82, 83 f.). Das Verschulden der Beschuldig-
ten wurde im Rahmen des qualifizierten Diebstahls insbesondere hinsichtlich der
Dossiers S1-S4 und S7-S9 insgesamt als nicht mehr leicht eingestuft (vorstehend,
Erw. V.4.1.3.). Die Beschuldigte reiste jeweils aus dem Ausland an und kam ein-
zig zum Zweck dieser Diebstähle in die Schweiz. Dabei bediente sie sich zusam-
men mit ihren Mittäterinnen der einfachen Methode eines Trickdiebstahls, indem
eine der beiden Frauen als Ablenkung respektive Sichtschutz diente, während die
andere den Briefumschlag mit dem Bargeld aus den Taschen der Geschädigten –
zumeist ältere Frauen – entwendete. Dementsprechend gross ist das öffentliche
Interesse daran, die Beschuldigte für eine längere Dauer von der Schweiz fernzu-
halten. Demgegenüber ist kein schützenswertes Interesse der Beschuldigten an
einer Einreise in die Schweiz erkennbar, zumal einzig ihr ältester Sohn in der
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Schweiz lebt, zu welchem sie seit 10 Jahren keinen Kontakt mehr pflegt (Prot. I
S. 13; Prot. II S. 12). Unter Berücksichtigung aller Umstände, insbesondere auch
der Höhe der ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 40 Monaten (vorstehend,
Erw. IV.5.), ist die Landesverweisung für eine Dauer von 10 Jahren angemessen.
Die Beschuldigte ist im Sinne von Art. 66a Abs. 1 lit. c StGB für die Dauer von
10 Jahren des Landes zu verweisen.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Untersuchung und erstinstanzliches Gerichtsverfahren
Die Beschuldigte ist bezüglich der Vorwürfe des bandenmässigen Raubes und
der mehrfachen Geldwäscherei freizusprechen, hinsichtlich des gewerbs- und
bandenmässigen Diebstahls ist sie schuldig zu sprechen. Ausgangsgemäss sind
die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen Gerichtsverfahrens, aus-
genommen diejenigen der amtlichen Verteidigung, der Beschuldigten zu zwei Drit-
teln aufzuerlegen und zu einem Dritteln auf die Gerichtskasse zu nehmen. Betref-
fend die Kosten der amtlichen Verteidigung bleibt die Rückzahlungspflicht der Be-
schuldigten im Umfang von zwei Dritteln vorbehalten (Art. 135 Abs. 4 StPO).
2. Berufungsverfahren
Die Beschuldigte obsiegt im Berufungsverfahren mit ihren Anträgen betreffend die
Freisprüche von den Vorwürfen des bandenmässigen Raubes und der mehrfa-
chen Geldwäscherei sowie die Reduktion der Dauer der Landesverweisung und
unterliegt betreffend den Vorwurf des gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls
im Zusammenhang mit Dossier S6, die Strafhöhe sowie das Absehen eines Wi-
derrufs. Ausgangsgemäss sind die Kosten des Berufungsverfahrens, mit Aus-
nahme derjenigen der amtlichen Verteidigung, der Beschuldigten zur Hälfte auf-
zuerlegen und zur anderen Hälfte auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 428
StPO).
Die Kosten der amtlichen Verteidigung im Berufungsverfahren in der Höhe von
Fr. 8'700.– (inkl. Mehrwertsteuer, vgl. Urk. 104) sind unter Vorbehalt des anteils-
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mässigen Rückforderungsrechts des Staates gegenüber der Beschuldigten auf
die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 135 Abs. 4 StPO).