# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 47eaeeee-843c-48d1-9329-fd31ac2e20b6
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
Berufung gegen ein Urteil der 3. Abteilung des Bezirksgerichtes Zürich vom 5. Februar 2021; Proz. CG140069
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Rechtsbegehren:
" 1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin CHF 9'870'140.– zu bezahlen zuzüglich Zins zu 5% auf CHF 5'030'140.– seit dem 24. August 2009 und Zins zu 5% auf CHF 4'840'000.– seit dem 9. September 2009, unter Vorbehalt der Nachklage und unter Vorbehalt der Neuumrechnung des Forderungsbetrages auf den Urteilszeitpunkt.
2. Eventuell sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin EUR 6'507'633.– zu bezahlen zuzüglich Zins zu 5% auf EUR 3'189'180.– seit dem 9. September 2009 und Zins zu 5% auf EUR 3'318'453.– seit dem 24. August 2009, unter dem Vorbehalt der Nachklage.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der  zuzüglich Mehrwertsteuer."
Urteil des Bezirksgerichtes vom 3. Oktober 2013: (CG100243)
" 1. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin CHF 6'580'093.35 zu bezahlen, zuzüglich Zins zu 5 % auf CHF 3'353'426.67 seit dem 24. August 2009 und Zins zu 5 % auf CHF 3'226'666.67 seit dem 9. September 2009. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
2. Die Entscheidgebühr wird auf CHF 120'000.– festgesetzt. 3. Die Gerichtskosten werden der Klägerin zu einem Drittel und der
Beklagten zu zwei Dritteln auferlegt. 4. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin eine reduzierte Pro-
zessentschädigung von CHF 54'693.35 (inkl. Mehrwertsteuer und Anteil Weisungskosten) zu bezahlen.
[5. Schriftliche Mitteilungen] [6. Rechtmittel]"
Beschluss des Obergerichts des Kantons Zürich (II. Zivilkammer) vom 24. Juni 2014:
(LB130061)
" 1. Es wird vorgemerkt, dass das Urteil des Bezirksgerichts Zürich (3. Abteilung) vom 3. Oktober 2013 im Umfang der  (Dispositiv Ziff. 1 Abs. 2) am 11. März 2014 in Rechtskraft erwachsen ist.
2. Im Übrigen (Dispositiv Ziff. 1 Abs. 1 sowie Dispositiv Ziff. 2 - 4) wird das Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 3. Abteilung, vom
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3. Oktober 2013 aufgehoben und die Sache im Sinne der  an die erste Instanz zurückgewiesen.
3. Die Entscheidgebühr für das Berufungsverfahren wird festgesetzt auf CHF 57'000.–.
4. Die Parteientschädigung für das Berufungsverfahren wird auf CHF 52'000.– festgesetzt.
5. Die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen des  wird dem Endentscheid des Bezirksgerichts  vorbehalten unter Hinweis auf die der Beklagten und  für das Berufungsverfahren gewährten  Rechtspflege.
[6. Schriftliche Mitteilungen] [7. Rechtsmittel]"
Urteil des Bezirksgerichtes vom 5. Februar 2021: (CG140069)
"1. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin CHF 6'580'093.35 zu bezahlen, zuzüglich Zins zu 5 % auf CHF 3'353'426.67 seit dem 24. August 2009 und Zins zu 5 % auf CHF 3'226'666.67 seit dem 9. September 2009. Im darüber hinausgehenden Umfang wird die Klage abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr (Pauschalgebühr) für das erstinstanzliche Verfahren wird festgesetzt auf:
CHF 150'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
CHF 693.75 Sprachübersetzungen
CHF 1'260.– Zeugenentschädigungen
CHF 380.– Kosten betr. Voruntersuchung Schriftgutachten
CHF 152'333.75
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten. 3. Die Gerichtskosten für das erstinstanzliche Verfahren werden der
Klägerin zu einem Drittel und der Beklagten zu zwei Dritteln .
Bei der Klägerin ist der von ihr geleistete Vorschuss von CHF 6'000.– in Anrechnung zu bringen.
4. Die Gerichtskosten für das Berufungsverfahren LB130061-O (CHF 57'000.–) werden der Klägerin zu einem Drittel und der  zu zwei Dritteln auferlegt.
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5. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für das  Verfahren eine reduzierte Prozessentschädigung von CHF 97'884.15 (inklusive Mehrwertsteuer und Anteil ) zu bezahlen.
6. Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin für das  LB130061-O eine reduzierte Parteientschädigung von CHF 18'720.– (inklusive Mehrwertsteuer) zu bezahlen.
7. Advokat lic. iur. C._ wird für seine Bemühungen und  in dieser Angelegenheit ab dem 13. November 2013,  des Aufwands für die Erstellung des in die  (act. 134) eingebetteten Armenrechtsgesuchs, aus der Gerichtskasse entschädigt – unter Hinweis an die Beklagte auf ihre Nachzahlungspflicht nach § 92 ZPO/ZH.
Advokat lic. iur. C._ wird aufgefordert, innert 30 Tagen ab Rechtskraft dieses Urteils über seine Aufwände abzurechnen. Bleibt die Frist ungenutzt, wird über die Höhe seines Honorars nach den vorliegenden Akten und nach Ermessen entschieden.
Über die Höhe der Entschädigung und die Abrechnung wird  entschieden.
[8. Mitteilungen] [9. Rechtsmittel]"
Berufungsanträge:
der Berufungsklägerin (act. 384 S. 2 sinngemäss):
1. Es sei das Urteil des Bezirksgerichts Zürich vom 5. Februar 2021
(CG140069-L/U) aufzuheben und die Klage abzuweisen, sofern darauf  werden kann.
2. Es seien demnach die ordentlichen und ausserordentlichen Kosten des  Verfahrens (inklusive des Rückweisungsverfahrens vor  Zürich) der Klägerin und Berufungsbeklagten aufzuerlegen.
3. Eventualiter sei das Verfahren erneut zur Ergänzung des Beweisverfahrens an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4. Subeventualiter a) sei die Berufungsklägerin zur Zahlung von CHF 4'386'728.90 nebst
Zins zu 5% auf CHF 2'235'617.78 seit dem 24. August 2009 und Zins zu 5% auf CHF 2'151'111.11 seit dem 9. September 2009 zu ;
b) seien die Parteien zur hälftigen Tragung der ordentlichen Kosten zu verurteilen und die ausserordentlichen Kosten seien wettzuschlagen. Das Ganze unter dem Vorbehalt der erstinstanzlich gewährten  unentgeltlichen Rechtspflege.
5. Es sei der Berufungsklägerin die integrale unentgeltliche Rechtspflege, unter Beiordnung des unterzeichneten Rechtsanwalts als neuer unentgeltlicher
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Rechtsbeistand, für das vorliegende Berufungsverfahren zu bestätigen  zu gewähren.
6. Alles unter o/e Kostenfolge.

## Considerations

Erwägungen:
1. Ausgangslage und Verfahrensverlauf
1.1. Die B._AG (Klägerin und Berufungsbeklagte, nachfolgend Klägerin) ist
eine in Zürich domizilierte Bank. Sie erbringt Dienstleistungen im Finanzbereich
im In- und Ausland und ist eine 100 %-ige Tochtergesellschaft der D._ S.A.
(nachfolgend D._). Diese ist wiederum eine 100 %-ige Tochtergesellschaft
der E._ mit Sitz in F._ (nachfolgend E._; act. 2 S. 6). Die Klägerin
unterhielt in den Jahren 2002 bis 2010 Geschäftsbeziehungen mit der G._
AG (nachfolgend G._) im Zusammenhang mit der Vorfinanzierung von Ma-
schinenhandelsgeschäften. Die G._ war eine 100 %-ige Tochterfirma der
H1._ AG (auch H1._), zu der weitere Tochtergesellschaften gehörten,
darunter die I._ (nachfolgend I._) mit Sitz in J._, K._. Im Jahr
2010 wurde über die G._ der Konkurs eröffnet. A._ (Beklagte und Beru-
fungsklägerin, nachfolgend Beklagte) war lange für die G._ tätig. Ihr wird
vorgeworfen, als Geschäftsführerin der G._ jahrelang fiktive Maschinenhan-
delsgeschäfte vorgetäuscht und der Klägerin so durch betrügerische Machen-
schaften einen Schaden von insgesamt EUR 134 Mio. verursacht zu haben. Die
Klägerin macht mit ihrer Klage einen ausservertraglichen Haftungsanspruch für
einen Schaden von rund CHF 9.9 Mio. gegenüber der Beklagten geltend. Dieser
Schaden sei im Spätsommer/Herbst 2009 im Zuge der Finanzierung zweier fikti-
ver Kaufsgeschäfte für Schmiedepressen zwischen der G._ einerseits und
der L._ (nachfolgend L._) bzw. der M._ (nachfolgend M._) an-
dererseits entstanden. Die Beklagte bestreitet die ihr vorgeworfenen betrügeri-
schen Machenschaften wie auch die darauf gründende Forderung.
1.2. Tatsächlich überwies die Klägerin der G._ in Sachen L._ am
24. August 2009 den Betrag von EUR 3'318'453.33 und in Sachen M._ am 9.
September 2009 den Betrag von EUR 3'189'180.–. Weiter ist unbestritten, dass
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die G._ das Ausfallrisiko der Forderungen gegenüber ihren Kunden bei der
N._ Kreditversicherungs-Aktiengesellschaft (nachfolgend N._) versi-
chern liess. Diese Versicherungsverträge waren wesentliche Grundlage für die
Auszahlung der Kreditbeträge durch die Klägerin.
1.3. Die Klägerin reichte am 20. Dezember 2010 die eingangs wiedergegebene
Klage bei der Vorinstanz ein (act. 1 und 3, Verfahrens-Nr. CG100243). Nach
Durchführung des Hauptverfahrens und nach weiteren Eingaben der Beklagten
(act. 118, 121 und 125) erging am 3. Oktober 2013 das erste, vorstehend eben-
falls wiedergegebene Urteil, mit welchem die Klage im Umfang von
CHF 6'580'093.35 zuzüglich Verzugszinsen teilweise gutgeheissen wurde
(act. 136). Die Beklagte focht dieses Urteil mit Berufung beim Obergericht des
Kantons Zürich an. Mit Beschluss vom 24. Juni 2014 nahm die Kammer Vormerk
davon, dass das Urteil der Vorinstanz vom 3. Oktober 2013 im Umfang der Kla-
geabweisung in Rechtskraft erwachsen war. Gleichzeitig hob die Kammer das Ur-
teil der Vorinstanz im Umfang der Gutheissung der Klage auf und wies das Ver-
fahren zur Durchführung eines Beweisverfahrens und zu neuem Entscheid an die
Vorinstanz zurück (act. 169 = act. 172).
1.4. Anschliessend führte die Vorinstanz das Verfahren unter der Geschäfts-
Nr. CG140069 fort. Sie gewährte der Beklagten mit Beschluss vom 24. Juli 2014
die unentgeltliche Rechtspflege (act. 174). Am 28. Oktober 2014 erging der Be-
weisauflagebeschluss (act. 176), der Beweisabnahmebeschluss datiert vom
27. April 2016 (act. 198). Die Klägerin edierte darauf am 17. Mai 2016 das Gut-
achten der Kantonspolizei Bern vom 9. Juli 2013 (sog. Stempelgutachten,
act. 201, 202/5). Die Zeugeneinvernahmen wurden am 14. und 15. November
2016 sowie am 17. Januar 2017 vor dem ganzen Spruchkörper durchgeführt
(Prot. Vi S. 30 ff., S. 310 ff.). Die rechtshilfeweisen Zeugeneinvernahmen fanden
zwischen dem 27. September 2017 und dem 22. November 2017 statt (act. 314,
326, 330). Anlässlich der Schlussverhandlung vom 14. Juni 2018 nahmen die
Parteien zum Beweisergebnis Stellung (Prot. Vi S. 357 ff., act. 349, 350, 351). Am
5. Februar 2021 fällte die Vorinstanz das vorstehend wiedergegebene Urteil, wo-
bei sie die Klage erneut im Umfang von CHF 6'580'093.35 zuzüglich Verzugszin-
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sen guthiess (act. 378 = act. 387). Bezüglich der detaillierten Prozessgeschichte
des erstinstanzlichen Verfahrens kann auf die entsprechenden Ausführungen im
angefochtenen Urteil verwiesen werden (act. 387 E. 2.1-2.3 S. 4-7).
1.5. Die Beklagte erhob mit Eingabe vom 11. März 2021 beim Obergericht des
Kantons Zürich Berufung gegen das Urteil der Vorinstanz vom 5. Februar 2021
(act. 384). Gleichzeitig stellte sie ein Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege für das Berufungsverfahren (a.a.O. S. 2). Den Parteien wurde der
Eingang der Berufung angezeigt (act. 388/1-2) und die Akten der Vorinstanz wur-
den beigezogen (act. 1-382). Da sich die Berufung sofort als unbegründet erweist,
kann auf die Einholung einer Berufungsantwort verzichtet werden (Art. 312 Abs. 1
ZPO). Der Klägerin ist die Berufungsschrift samt Beilagen (act. 384 und 386/2-29)
mit diesem Entscheid zur Kenntnisnahme zuzustellen.
2. Prozessuales
2.1. Anwendbares Recht
Die vorliegende Klage wurde am 20. Dezember 2010 und damit noch vor Inkraft-
treten der schweizerischen ZPO am 1. Januar 2011 rechtshängig (act. 1). Im erst-
instanzlichen Verfahren war, insbesondere auch nach dem Rückweisungsbe-
schluss der Kammer vom 24. Juni 2014, bis zu dessen Abschluss das kantonale
Verfahrensrecht anwendbar (ZPO/ZH und GVG/ZH; Art. 404 Abs. 1 ZPO/CH
[nachfolgend ZPO]; BGer 4A_225/2011 vom 15. Juli 2011 E. 2.2.; BGer
4A_471/2011 vom 17. Januar 2012 E. 3.3.). Demgegenüber ist auf das vorliegen-
de Berufungsverfahren die schweizerische ZPO anwendbar (Art. 405 Abs. 1
ZPO). Die Überprüfung des angefochtenen Entscheids hat nach Massgabe der
vor Vorinstanz anwendbaren kantonalen Verfahrensvorschriften zu erfolgen.
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2.2. Berufungsverfahren
2.2.1. Gemäss Art. 311 Abs. 1 ZPO ist die Berufung schriftlich und begründet in-
nert 30 Tagen seit Zustellung des angefochtenen Entscheides einzureichen. Die
Beklagte erhob rechtzeitig Berufung (vgl. act. 381). Sie stellt darin die oben aufge-
führten Anträge und begründet diese. Auf die Berufung ist folglich – unter Vorbe-
halt der nachstehenden Erwägungen – einzutreten.
2.2.2. Das Berufungsverfahren stellt keine Fortsetzung des erstinstanzlichen Ver-
fahrens dar, sondern ist nach der gesetzlichen Konzeption als eigenständiges
Verfahren ausgestaltet (BGE 142 III 413 E. 2.2.1 m.H.a. die Botschaft zur
Schweizerischen ZPO, BBl 2006 S. 7374). Mit der Berufung kann eine unrichtige
Rechtsanwendung und eine unrichtige Feststellung des Sachverhalts geltend
gemacht werden (Art. 310 ZPO). In der schriftlichen Berufungsbegründung
(Art. 311 ZPO) ist hinreichend genau aufzuzeigen, inwiefern der erstinstanzliche
Entscheid in den angefochtenen Punkten fehlerhaft ist bzw. an einem der genann-
ten Mängel leidet. Das setzt (im Sinne einer von Amtes wegen zu prüfenden Ein-
tretensvoraussetzung) voraus, dass der Berufungskläger die vorinstanzlichen Er-
wägungen bezeichnet, die er anficht, sich argumentativ mit diesen auseinander-
setzt und mittels genügend präziser Verweisungen auf die Akten aufzeigt, wo die
massgebenden Behauptungen, Erklärungen, Bestreitungen und Einreden erho-
ben wurden bzw. aus welchen Aktenstellen sich der geltend gemachte Berufungs-
grund ergeben soll. Die pauschale Verweisung auf frühere Vorbringen oder deren
blosse Wiederholung genügen nicht (vgl. BGE 138 III 374 E. 4.3.1; BGer
5A_247/2013 vom 15. Oktober 2013 E. 3.2; BGer 5A_751/2014 vom 28. Mai 2015
E. 2.1). Was nicht oder nicht in einer den gesetzlichen Begründungsanforderun-
gen entsprechenden Weise beanstandet wird, braucht von der Rechtsmittel-
instanz nicht überprüft zu werden; diese hat sich – abgesehen von offensichtli-
chen Mängeln – grundsätzlich auf die Beurteilung der Beanstandungen zu be-
schränken, die in der schriftlichen Begründung formgerecht gegen den erstin-
stanzlichen Entscheid erhoben werden (vgl. BGE 142 III 413 E. 2.2.4 m.w.Hinw.;
BGer 5A_111/2016 vom 6. September 2016 E. 5.3; BGer 4A_258/2015 vom
21. Oktober 2015 E. 2.4.3; BGer 4A_290/2014 vom 1. September 2014 E. 3.1 und
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E. 5). Insofern erfährt der Grundsatz "iura novit curia" (Art. 57 ZPO) im Beru-
fungsverfahren eine Relativierung (BK ZPO I-HURNI, Art. 57 N 21 und N 39 ff.;
GLASL, DIKE-Komm-ZPO, 2. Aufl. 2016, Art. 57 N 22).
2.2.3. Aus den vorstehenden Grundsätzen ergibt sich, dass die Beklagte konkret
dartun muss, inwiefern der angefochtene Entscheid falsch und zu korrigieren ist.
Die Beklagte kommt den Anforderungen an die Begründungsobliegenheit an ver-
schiedenen Stellen in ihrer Berufungsschrift nicht hinreichend nach. Darauf wird
im Einzelnen einzugehen sein. Bereits an dieser Stelle ist festzuhalten, dass ins-
besondere pauschale Verweise auf Verfahrensakten (act. 384 Rz. 13, 14 S. 8 f.),
auf nicht näher bezeichnete Aktenstellen (a.a.O. Rz. 17 S. 11, Rz. 28 S. 17,
Rz. 32 S. 20, Rz. 33 S. 21, Rz. 55 S. 28, Rz. 56 S. 29) und auf umfangreiche Ur-
kunden (z.B. FINMA-Bericht oder BC._-Bericht, a.a.O. Rz. 11 S. 6, Rz. 26 S.
16, Rz. 17 S. 17 und Rz. 67-70 S. 32 f.) den Begründungsanforderungen im
Rechtsmittelverfahren nicht genügen.
2.2.4. Die Beklagte macht in der Berufung geltend, der Prozessstoff müsse sich
im Rahmen des Zivilprozesses auf die eingeklagten Forderungen beziehen und
dürfe sich nicht mit anderen Themen beschäftigen. Die Klage müsse sich einläss-
lich und begründet dazu äussern, inwiefern sich die Vorbringen in direkten Bezug
zum Prozessthema bringen liessen, was vorliegend nicht der Fall sei. Vielmehr
seien die Ausführungen der Klägerin unsubstantiiert gewesen und hätten nur der
Stimmungsmache gedient, weshalb sie durch die Vorinstanz hätten zur Nachbes-
serung zurückgewiesen werden müssen (act. 384 Rz. 18). Die Vorinstanz hielt im
angefochtenen Entscheid fest, zwei bestimmte Geschäfte aus dem Spätsom-
mer/Herbst 2009 stünden im vorliegenden Verfahren im Fokus, das sog. L._-
und das M._-Geschäft. Auch wenn sich das Verfahren im Kern auf diese
beiden Geschäfte beschränke, könne der Gesamtzusammenhang nicht gänzlich
ausgeblendet werden. Zumindest grob müssten auch die weitern Geschehnisse
um diese beiden Geschäfte herum ausgeleuchtet werden, um den Streit einer
ausgewogenen Lösung zuführen zu können (act. 387 E. 6 S. 19). Mit ihrer pau-
schalen Kritik an diesen einleitenden Erwägungen der Vorinstanz legt die Beklag-
te nicht dar, welche konkreten Ausführungen der Klägerin zu weitschweifig waren
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bzw. welche Behauptungen der Klägerin die Vorinstanz zu Unrecht berücksichtigt
hat. Ausserdem gibt die Beklagte nicht an, dass sie diesen Umstand bereits vor
Vorinstanz rügte und die Vorinstanz ihre Rüge nicht gehört hat. Damit kommt die
Beklagte in diesem Punkt ihrer Begründungsobliegenheit im Berufungsverfahren
nicht nach, weshalb auf ihre diesbezügliche Kritik nicht weiter einzugehen ist.
2.3. Rückweisung
2.3.1. Die Kammer hat sich mit der vorliegenden Streitsache wie erwähnt bereits
im Berufungsverfahren LB130061 befasst und das Verfahren mit Beschluss vom
24. Juni 2014 an die Vorinstanz zur Durchführung des Beweisverfahrens zurück-
gewiesen. Die Bindungswirkung von Rückweisungsentscheiden beschränkt sich
nicht nur auf das Dispositiv, sondern umfasst auch deren Erwägungen. Entspre-
chend sind die Erwägungen wie auch das Dispositiv des Rückweisungsbeschlus-
ses vom 24. Juni 2014 nicht nur für die Vorinstanz, sondern auch für die Kammer
im vorliegenden Berufungsverfahren bindend (vgl. OGer ZH LB170009 vom
6. Juni 2017 E. 1 c; BGE 135 III 334 E. 2.1). Eine Bindung besteht nicht nur be-
züglich derjenigen Erwägungen, mit denen die Gutheissung des Rechtsmittels
bzw. die Rückweisung begründet wurde, sondern auch bezüglich der rechtlichen
Beurteilung, die dem Rückweisungsentscheid zugrunde lag. Dazu gehört neben
der Rechtsauffassung, die unmittelbar zur Gutheissung des Rechtsmittels und zur
Aufhebung des angefochtenen Entscheids geführt hat, auch eine allfällige positive
Äusserung der Rechtsmittelinstanz darüber, wie der von der Vorinstanz neu zu
fällende Entscheid zu lauten habe (vgl. OGer ZH LB170009 vom 6. Juni 2017
E. 1 c). Da die Ergänzung des Sachverhaltes immer auf das Rückweisungsthema
eingeschränkt ist (BGE 131 III 91 E. 5.2.2), ist – wie von der Vorinstanz zutreffend
festgehalten (act. 387 E. 3.3 S. 9 f.) – über die folgenden Fragen im Beschluss
der Kammer vom 24. Juni 2014 bereits verbindlich entschieden worden:
2.3.2. Bereits erwiesen ist, dass die Klägerin der G._ mit Valuta vom 24. Au-
gust 2009 in Sachen L._ den Betrag von € 3'318'453.33 und in Sachen
M._ mit Valuta vom 9. September 2009 den Betrag von € 3'189'180.– über-
wies (act. 172 S. 19, act. 387 E. 3.3 S. 10). Weiter ist das erstinstanzliche Urteil
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vom 3. Oktober 2013 im Umfang der Klageabweisung rechtskräftig (act. 136 S.
24, Disp.-Ziff. 1 Satz 2; act. 172 S. 20, Disp.-Ziff. 1; act. 387 E. 3.3 S. 10).
2.3.3. Im Zuge der Rückweisung beweismässig zu klären war zunächst die Rolle
bzw. die Verantwortung der Beklagten innerhalb der G._ (und den mit dieser
verbundenen Gesellschaften) im Hinblick auf die Haftungsfrage und die Bemes-
sung der Ersatzpflicht (act. 172 S. 11 f. und S. 17; dazu nachfolgend E. 4.2). Klä-
rungsbedürftig blieb die Rolle der Beklagten bei den fraglichen Geschäften auch,
um die Voraussetzungen des Tatbestands der ungetreuen Geschäftsbesorgung
im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 StGB – eines echten Sonderdelikts, welches Sonder-
eigenschaften voraussetzt – prüfen zu können (act. 172 S. 18; dazu ebenfalls
E. 4.4). Weiter war beweismässig zu klären, ob die beiden Geschäfte fiktiv waren,
um die Frage zu beantworten, ob die genannten Überweisungen den der Klägerin
entstandenen und von der Beklagten zu vergütenden Schaden darstellen
(act. 172 S. 14, dazu ebenfalls E. 4.4). Beweis zu führen war sodann über die ge-
naue Ausgestaltung der Verträge (Forfaitierung oder Ankauf einer Buchforderung
gestützt auf einen Wechsel, gesichert mit einer Versicherung, letztlich einem Un-
ternehmenskredit entsprechend), um beurteilen zu können, welches Verhalten der
Beklagten allenfalls als unerlaubt zu qualifizieren ist (act. 172 S. 14, dazu nach-
folgend E. 4.3). Zu klären war schliesslich die Tatsache, ob die Klägerin getäuscht
wurde und ob die ihr zugestellten Unterlagen unrichtig waren, namentlich ob sich
die festgestellten Ungereimtheiten und Widersprüche der Beklagten zurechnen
lassen, insbesondere der Umstand, dass in den Finanzierungs- und Versiche-
rungsverträgen die G._ als Verkäuferin genannt ist, obwohl die Beklagte
nicht davon ausgegangen sein will, dass der G._ diese Funktion zukam (act.
172 S. 17; dazu nachfolgend E. 4.4).
2.4. Verletzung des rechtlichen Gehörs
2.4.1. Die Beklagte sieht ihr rechtliches Gehör dadurch verletzt, dass die Vor-
instanz ihren (bereits vor Einreichung der Klageantwort gestellten) Antrag, das
Verfahren sei zu sistieren und es seien von Amtes wegen der Bericht der
BC._ an die FINMA sowie der Sonderprüfungsbericht der FINMA einzuholen,
mehrfach abwies. Nachdem ihr die Berichte im Rahmen des Strafverfahrens nach
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Jahren zugänglich gewesen seien, habe sich die Vorinstanz darauf berufen, dass
sie diese aufgrund der Prozessmaxime nicht selbst zu studieren brauche. Den
Berichten komme – so die Beklagte – de facto jedoch die Qualität eines Gutach-
tens zu. Die Vorinstanz hätte aufgrund ihrer Eingabe vom 10. März 2015, in der
sie die einschlägigen Passagen genannt habe, erkennen können, dass die Be-
richte in bedeutsamer Weise Beweismittel für die Fragen der Aktivlegitimation, der
Kausalität und des Selbstverschuldens der vermeintlichen Schadensentstehung
gewesen seien. In der Urteilsbegründung fänden die besagten Berichte so gut wie
keine Berücksichtigung, weshalb eine partielle Verweigerung des rechtlichen Ge-
hörs durch die Vorinstanz vorliege (act. 384 Rz. 11).
2.4.2. Zunächst ist festzuhalten, dass die Beklagte mit ihrem pauschalen Hinweis,
der Bericht der BC._ sowie der Sonderprüfungsbericht der FINMA fänden in
der Urteilsbegründung fast keine Berücksichtigung, ihrer Begründungsobliegen-
heit nicht hinreichend nachkommt. Konkrete Erwägungen der Vorinstanz bean-
standet die Beklagte nicht und sie legt auch nicht im Einzelnen und konkret dar,
mit Bezug auf welche bestrittenen Tatsachen welcher Stelle in den genannten Be-
richten Beweisqualität zukommt und inwiefern diese das Beweisergebnis beein-
flusst hätten. Damit ist auf ihre Kritik, die Vorinstanz habe die beiden Berichte fast
nicht berücksichtigt, nicht weiter einzugehen.
2.4.3. Der verfassungsmässige Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29
Abs. 2 BV gewährt den Parteien das Recht, mit rechtzeitig und formrichtig ange-
botenen erheblichen Beweismitteln gehört zu werden (BGE 122 I 53 E. 4a; 129 II
497 E. 2.2). Die allgemeine Beweisvorschrift von Art. 8 ZGB ist verletzt, wenn be-
strittene Behauptungen als richtig angenommen werden oder wenn über strittige
rechtserhebliche Tatsachen überhaupt nicht Beweis abgenommen wird (BGE 133
III 295 ff. E. 7; 132 III 222 E. 2.3, 130 III 591 E. 5.4). Nach dem Verhandlungs-
grundsatz von § 54 Abs. 1 ZPO/ZH ist es – unabhängig vom Umfang des Pro-
zessstoffes – Sache der Parteien, dem Gericht die relevanten Tatsachen darzule-
gen. In Forderungsprozessen ist der Sachverhalt – anders als im Strafprozess
oder bei Rechtsverhältnissen, über welche die Parteien nicht frei verfügen können
(vgl. § 142 Abs. 1 ZPO/ZH) – nicht von Amtes wegen zu ermitteln. Eine Be-
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weisabnahme findet nur über genügend substantiierte Parteibehauptungen bzw.
genügend substantiierte Bestreitungen statt (vgl. §§ 113 und 133 ZPO/ZH,
FRANK/STRÄULI/MESSMER, Kommentar zur zürcherischen Zivilprozessordnung,
3. Aufl. 1997, § 133 N 5, § 142 N 1). Ausnahmsweise kann das Gericht von Am-
tes wegen Beweise erheben (§ 142 Abs. 2 ZPO/ZH). Der Entscheid darüber liegt
im richterlichen Ermessen und setzt sachliche Umstände voraus. Insbesondere
soll damit nicht die Säumnis des Beweisführers korrigiert werden (FRANK/STRÄULI/
MESSMER, a.a.O., § 142 N 2). Das Beweisverfahren dient nicht dazu, eine unge-
nügende Sachdarstellung zu vervollständigen, vielmehr setzt es genügend sub-
stantiierte Sachvorbringen voraus (FRANK/STRÄULI/MESSMER, a.a.O., § 133 N 2).
In diesem Sinne setzt die prozessuale Editionspflicht im Sinne von §§ 184 f.
ZPO/ZH voraus, dass der vom Beweisführer behauptete Urkundeninhalt für den
Rechtsstreit erheblich ist. Die Praxis, wonach ein Editionsbegehren nicht der Be-
schaffung rechtsgenügender Tatsachenbehauptungen, sondern bloss dem Be-
weis derselben dient (BGE 144 III 43 E. 4.1; HGer ZH HG140244 vom 20. April
2016 E. 3.4.1), hatte bereits unter der kantonalzürcherischen Zivilprozessordnung
Gültigkeit. Das Recht auf Beweis nach Art. 8 ZGB sieht vor, dass die beweisbe-
lastete Partei in allen Zivilstreitigkeiten für rechtserhebliche Sachvorbringen zum
Beweis zugelassen wird, wenn ihr Beweisantrag nach Form und Inhalt den Vor-
schriften des Prozessrechts entspricht.
2.4.4. Die Kritik der Beklagten in Bezug auf die nicht erfolgte Edition der Berichte
der BC._ oder der FINMA richtet sich gegen die Grundfesten eines Zivilpro-
zesses. Nach den oben wiedergegebenen Grundsätzen ändern auch die Fülle an
Strafakten und zahlreiche, damit in Zusammenhang stehende Zivilprozesse nichts
daran, dass die Beklagte im vorliegenden Forderungsprozess ihre Version des
rechtserheblichen Sachverhalts vortragen musste. Eine Beweisabnahme – sei es
die Einholung eines Gutachtens oder die Edition von Urkunden – setzt entspre-
chende, substantiierte Tatsachenbehauptungen einer Partei voraus. Wenn die
Beklagte die nicht erfolgte Edition der Berichte der BC._ oder der FINMA
durch die Vorinstanz rügt, übersieht sie, dass eine solche nur in Frage gekommen
wäre, wenn sie zur beweismässigen Klärung substantiiert vorgetragener und be-
strittener Sachverhaltsdarstellungen beantragt worden wäre. Darüber hinaus ist
- 14 -
die Beklagte mit der pauschalen Darstellung, die Berichte seien Beweismittel für
die Fragen der Aktivlegitimation, der Kausalität und des Selbstverschuldens der
vermeintlichen Schadensentstehung, im Berufungsverfahren nicht zu hören.
2.4.5. Auch im Zusammenhang mit der nicht erfolgten Edition der Akten des Ver-
fahrens HG120169 rügt die Beklagte eine Verletzung des rechtlichen Gehörs. Sie
habe dem Strafverfahren entnommen, dass es vor dem Handelsgericht Zürich
einen Zivilprozess zwischen der Klägerin und deren ehemaliger Revisionsgesell-
schaft O._ AG gegeben habe. Offensichtlich bestehe ein direkter Zusam-
menhang mit der vorliegenden Forderungsklage und als Nicht-Prozesspartei habe
sie kein Einsichtsrecht in die Akten des handelsgerichtlichen Verfahrens. Es kön-
ne nicht ausgeschlossen werden, dass die Beweismittel, die Begründung der je-
weiligen Rechtspositionen durch die Klägerin und durch die O._ sowie das
Prozessergebnis im dortigen Prozess wesentliche Auswirkungen auf ihre eigene
Rechtsposition haben könnten. Eine Abweisung der Klage der Klägerin wie auch
eine vollständige Entschädigung der Klägerin im Prozess vor dem Handelsgericht
hätten einen unmittelbaren Einfluss auf die Rechtspositionen der Parteien des
vorliegenden Zivilprozesses (act. 384 Rz. 13).
2.4.6. Für die Edition der genannten Verfahrensakten gilt das gleiche wie für die
Edition der Berichte der BC._ und FINMA. Die Akten des handelsgerichtli-
chen Verfahrens hätten nicht der Beschaffung des Tatsachenfundaments dienen
können; eine Edition derselben wäre nur in Frage gekommen, wenn die Beklagte
sich für den Beweis einzelner, von ihr vorgetragener Tatsachenbehauptungen auf
genau bezeichnete Aktenstücke berufen hätte. Die Edition dient nicht der Gewin-
nung neuer Informationen. Das Institut der "fishing expedition", des sog. Ausfor-
schungsbeweises, war der vormaligen kantonalen Zivilprozessordnung und ist
auch der geltenden Zivilprozessordnung fremd. Nach dem Gesagten ist eine Ver-
letzung des rechtlichen Gehörs durch die Vorinstanz nicht auszumachen.
- 15 -
2.5. Noven
2.5.1. Gemäss der vorliegend anwendbaren Bestimmung von Art. 317 Abs. 1
ZPO werden neue Tatsachen und Beweismittel (Noven) im Berufungsverfahren
nur noch berücksichtigt, wenn sie ohne Verzug vorgebracht werden und trotz zu-
mutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten.
Art. 317 Abs. 1 ZPO regelt die Voraussetzungen, unter denen Noven ausnahms-
weise vorgebracht werden können, abschliessend. Will eine Partei neue Tatsa-
chen und/oder Beweismittel im Berufungsverfahren einführen, hat sie darzulegen,
dass dies ohne Verzug erfolgt ist und weshalb es ihr trotz zumutbarer Sorgfalt
nicht möglich gewesen war, die Tatsache und/oder das Beweismittel bereits vor
erster Instanz vorzubringen. Fehlt es an entsprechenden Ausführungen, erweist
sich die Berufung in Bezug auf die darin vorgetragenen Noven als unbegründet,
sofern nicht auf der Hand liegt, dass sich die neuen Tatschen erst nach dem Ab-
schluss des vorinstanzlichen Verfahrens verwirklicht haben oder aus anderen
Gründen offensichtlich der Vorinstanz noch nicht hatten vorgetragen werden kön-
nen (vgl. REETZ/HILBER, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], ZPO
Kommentar, 3. Aufl. 2016, Art. 317 N 34; OGer ZH LB140014 vom 3. Juni 2014
E. III/2.).
2.5.2. Die Beklagte führt aus, die mit der Berufungsschrift geltend gemachten No-
ven hätten nicht zu einem früheren Zeitpunkt geltend gemacht und ins Verfahren
eingeführt werden können. Die Anrufung von Noven im vorliegenden Berufungs-
verfahren sei somit mit deren Nennung in der Berufungsschrift rechtzeitig erfolgt.
Wesentliche Quelle seien die Akten des Bundesstrafverfahrens, welches noch
pendent sei und mit einer Datenmenge von rund 700'000 Seiten derart umfang-
reich sei, dass eine vollständige Sichtung und Verarbeitung schon fast ans Un-
mögliche grenze (act. 384 Rz. 12).
2.5.3. Die Beklagte bezeichnet die von ihr im Berufungsverfahren vorgebrachten
Noven nicht im Einzelnen. Aufgrund ihrer Angaben ist davon auszugehen, dass
es sich bei den von ihr (nicht konkret bezeichneten) neu vorgebrachten Tatsachen
um unechte Noven handelt, mithin um Tatsachen, welche bereits zum Zeitpunkt
des erstinstanzlichen Urteils vorlagen. Demnach müsste die Beklagte für jede
- 16 -
einzelne, neu geltend gemachte Tatsache und jedes einzelne, neu geltend ge-
machte Beweismittel substantiiert darlegen, dass die Zulässigkeitsvoraussetzun-
gen für das Vorbringen von unechten Noven in zeitlicher und inhaltlicher Hinsicht
erfüllt sind. Dieser prozessualen Obliegenheit kommt die Beklagte mit dem pau-
schalen Hinweis, sie habe die vorgebrachten Noven nicht zu einem früheren Zeit-
punkt geltend machen können, nicht nach. Mit ihrem Hinweis auf die äusserst um-
fangreichen Akten des Strafprozesses vermag sie das verspätete Einbringen un-
echter Noven in den vorliegenden Zivilprozess unter dem Aspekt der Zumutbar-
keit nicht zu rechtfertigen. Wie bereits erwähnt untersteht dieser Forderungspro-
zess, der mittlerweile seit 11 Jahren rechtshängig ist, der Verhandlungsmaxime.
Auch wenn der Aktenumfang im Strafprozess immens sein mag, entbindet dies
die anwaltlich vertretene Beklagte nicht davor, dem Gericht die aus ihrer Sicht re-
levanten Fakten darzulegen. Eine umfassende Zulassung von unechten Noven im
Berufungsverfahren liesse sich weder mit der im kantonalen Recht unter §§ 114
und 115 ZPO/ZH statuierten Eventualmaxime, welche auch im Berufungsverfah-
ren galt (§ 267 Abs. 1 ZPO/ZH), noch mit Art. 317 ZPO vereinbaren. Aufgrund des
Gesagten genügt die von der Beklagten vorgetragene, pauschale Rechtfertigung
für die im Berufungsverfahren geltend gemachten neuen Tatsachen den Anforde-
rungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO nicht. Daraus folgt, dass auch auf die zahlrei-
chen, mit der Berufung gestellten Editionsbegehren ("von der Berufungsbeklagten
zu edieren", act. 384 Rz. 17 S. 11, Rz. 32 S. 20, Rz. 33 S. 21, Rz. 34 S. 21 f., Rz.
35 S. 22 f. und Rz. 37 S. 23 f.) nicht einzutreten ist.
2.6. Schreiben der Bundesanwaltschaft vom 25. Dezember 2017
2.6.1. Die Beklagte erachtet es als unglaubwürdig, dass die Vorinstanz das aus-
führliche und detaillierte Schreiben der Bundesanwaltschaft vom 25. Dezember
2017 (act. 333) und das diesem beiliegende Untersuchungsmaterial (act. 334/1-
12), wie im angefochtenen Urteil festgehalten, nicht berücksichtigt habe. Das be-
sagte Schreiben der Bundesanwaltschaft sei mit Sicherheit studiert, zur Kenntnis
genommen und damit Teil der richterlichen Erkenntnis geworden (act. 384
Rz. 14).
- 17 -
2.6.2. Die Vorinstanz erwog hierzu, das ausführliche und detaillierte Schreiben
der Bundesanwaltschaft vom 25. Dezember 2017 (act. 333) und das diesem bei-
liegende Untersuchungsmaterial (act. 334/1-12) sei nicht in die Beweiswürdigung
eingeflossen, damit sich das Gericht nicht dem Vorwurf aussetze, in Verletzung
der Verhandlungsmaxime eigene Beweiserhebungen getätigt zu haben (act. 387
E. 4.2 S. 13).
2.6.3. Auch in diesem Punkt genügen die Ausführungen der Beklagten den Anfor-
derungen an eine hinreichende Rechtsmittelbegründung nicht. Sie legt insbeson-
dere nicht konkret dar, mit Bezug auf welche strittigen Tatsachenbehauptungen
die Vorinstanz unzulässigerweise das Schreiben und das Untersuchungsmaterial
der Bundesanwaltschaft berücksichtigt haben soll. Es ist somit unklar, bezüglich
welcher entscheidrelevanter Tatsachen die Vorinstanz – entgegen den Ausfüh-
rungen in der Urteilsbegründung – auf das Schreiben der Bundesanwaltschaft
bzw. auf die Untersuchungsakten abgestellt haben könnte. Auch dieser allgemein
gehaltene Vorwurf der Beklagten ist deshalb nicht zu hören.
3. Aktivlegitimation
3.1. Die Aktivlegitimation der Klägerin ist im vorliegenden Verfahren strittig. Die
Vorinstanz begründete die Aktivlegitimation im Wesentlichen wie folgt: Die Sach-
legitimation betreffe das materielle Recht. Sie sei vom Gericht jeder Stufe im
Rahmen der Rechtsanwendung von Amtes wegen zu prüfen, unter der Verhand-
lungsmaxime nach Massgabe des behaupteten und festgestellten Sachverhalts.
Der Sachverhalt, welcher der Sachlegitimation zugrunde liege, unterliege der No-
venschranke. In der Klageantwort habe die Beklagte ausgeführt, es liege eine
Zahlungsgarantie der Obergesellschaft (der E._ als Muttergesellschaft der
D._) betreffend die Verpflichtungen der N._ vor. Die Klägerin sei des-
halb in Nachachtung ihrer Schadenminderungspflicht verpflichtet, diese Zah-
lungsgarantie (und auch jene gegenüber der N._ aus Versicherungsansprü-
chen) einzulösen. Die von der Beklagten mit Schreiben vom 27. Februar 2013
(act. 121 S. 3) und mit der Beweisantretungsschrift vom 24. Dezember 2014 (act.
180 S. 9) vorgetragenen Argumente, die D._ habe die Verluste der Klägerin
effektiv abgedeckt und die Geschäfte mit der G._ direkt refinanziert, seien
- 18 -
erst nach dem mit Verfügung vom 18. Januar 2013 (act. 116) erfolgten Abschluss
des Hauptverfahrens vorgebracht worden. Vor der Novenschranke habe die Be-
klagte behauptet, die Klägerin habe im Zuge der Schadenminderungspflicht zu-
nächst die Zahlungsgarantie der Muttergesellschaft zu beanspruchen, bevor sie
auf die Klägerin (recte: Beklagte) greifen könne. Die Vorinstanz prüfte in der Fol-
ge, ob die neuen Vorbringen der Beklagten nach § 115 Ziff. 2 ZPO/ZH zulässig
seien, weil sie sofort bewiesen werden könnten. Sie verneinte dies mit der Be-
gründung, dass der Medienmitteilung der Klägerin vom 25. Februar 2010 (act.
52/5) und dem Ausdruck eines Online-Medienberichts der Wirtschaftsnachrichten
Niedersachsen vom 8. Juni 2011 (act. 122/3) eine verschwindend kleine Beweis-
kraft zukomme, zumal die zwei Geschäfte (gemeint die Finanzierung der Klägerin
in Sachen L._ und M._) darin gar nicht erwähnt würden, sondern bloss
von den gravierenden finanziellen Auswirkungen der als "Betrugsaffäre" bezeich-
neten Vorkommnisse auf den E._-Konzern die Rede sei. Die Vorinstanz ging
sodann auf den von der Beklagten eingereichten Auszug von Seite 9 des Auf-
sichtsberichts von P._ vom tt. Juni 2010 im FINMA-Bericht ein, woraus her-
vorgehe, dass der FINMA die Garantievereinbarung zur Verlustübernahme durch
die E._ vereinbarungsgemäss am 19. Februar 2010 vorgelegt worden sei
und sie noch gleichentags ihr Einverständnis zur Ausgestaltung der Vereinbarung
mitgeteilt habe. Dazu hielt die Vorinstanz fest, dass das Vorliegen einer Garantie-
vereinbarung zur Verlustübernahme mitnichten mit dem Erbringen der garantier-
ten Leistung in den fraglichen beiden Geschäften gleichzusetzen sei. In der von
der Beklagten im ersten Berufungsverfahren eingereichten Seite 62 des FINMA-
Berichts (act. 140/1 S. 62) werde unter Ziffer 17.3 mit dem Titel "Versicherungs-
leistungen" festgehalten, es sei noch nicht bestimmt, ob die Klägerin oder die
E._ (aufgrund der In-Anspruchnahme ihrer Garantie) allfällige Leistungen er-
halte. Damit sei die neue Behauptung der Beklagten noch mehr in Frage gestellt,
zumal die in Klammern gesetzte Formulierung "In-Anspruchnahme ihrer Garantie"
offen lasse, ob, in welchem Umfang und für welche Geschäfte die Garantie tat-
sächlich in Anspruch genommen werde. Deshalb könne die Beklagte ihre neuen
Behauptungen nicht sofort beweisen.
- 19 -
Im Sinne einer Alternativbegründung hielt die Vorinstanz weiter fest, selbst
wenn die neuen Vorbringen berücksichtigt würden, entfiele die Aktivlegitimation
der Klägerin nicht. Aus den nachgereichten Dokumenten ergebe sich, dass die
Klägerin wegen der Vorkommnisse um die G._ konzernintern und vor allem
bankenaufsichtsrechtlich unter Druck geraten sei, woraufhin aus dem E._-
Konzern neues Kapital eingeschossen worden sei. Aus diesem mit der FINMA of-
fenbar abgesprochenen Vorgang der Rekapitalisierung könne keineswegs gefol-
gert werden, die Klägerin habe keinen Schaden erlitten. Für eine Subrogation an
die Obergesellschaft, den E._-Konzern, bestünden keine Hinweise. Nament-
lich liege keine Konstellation vor, in der eine versicherungsrechtliche Subrogation
nach Art. 72 ff. VVG anzunehmen wäre. Auch sei aus den neuen und eigentlich
unbeachtlichen Vorbringen der Beklagten, wonach schon konzernintern Remedur
geschaffen worden sei, keine Konstellation zu erkennen, in der eine Vorteilsan-
rechnung erfolgen müsste. Es könne nicht der Wille der Obergesellschaft gewe-
sen sein, mit ihrer Refinanzierung eine Schadenersatzschuld eines Haftpflichtigen
im Sinne einer Vorteilsanrechnung zu reduzieren. Vielmehr müsse es darum ge-
gangen sein, die Geschädigte (die Klägerin und Untergesellschaft der E._)
zu begünstigen, um nicht zu sagen zu retten. Eine solche Zahlung wäre bei der
Festsetzung des Schadens nicht als Vorteil anzurechnen. Und selbst wenn für die
zwei Geschäfte mit der L._ und der M._ die Garantie der E._ in
Anspruch genommen worden wäre bzw. eine Garantieleistung erfolgt wäre, so lä-
ge nicht ohne Weiteres ein Fall einer gesetzlichen Subrogation vor. Tatbestände
wie jene von Art. 149 Abs. 1 OR oder Art. 1022 Abs. 3 OR seien zu Recht nicht
behauptet worden (act. 387 E. 5 S. 14-18).
3.2. Die Beklagte stellt sich im vorliegenden Berufungsverfahren erneut auf den
Standpunkt, der Klägerin sei kein Schaden entstanden, da die vermeintlichen
Forderungen aufgrund einer Auflage der FINMA an die Konzernmuttergesellschaft
der Klägerin, die D._, abgetreten worden seien und diese einen entspre-
chenden Forderungsverzicht gegenüber der Klägerin habe erklären müssen. Die-
se Tatsache sei erst durch den einschlägigen Bericht der FINMA und der
BC._ bekannt geworden, welche im Zeitpunkt der Klageantwort noch nicht
vorgelegen seien. Ihr habe zuvor gar nicht bekannt sein können, dass die ver-
- 20 -
meintlichen Forderungen, als Auflage der FINMA, letztlich an die Konzernmutter
E._ hätten abgetreten werden müssen (act. 384 Rz. 15).
3.3. Damit macht die Beklagte zwar nicht explizit, aber immerhin sinngemäss
geltend, sie habe vor Vorinstanz ein zulässiges Novum im Sinne von § 115 Ziff. 1
oder 3 ZPO/ZH vorgebracht. Mit ihrer pauschalen Darstellung und der Wiederho-
lung ihrer eigenen Sichtweise erfüllt die Beklagte die Anforderungen an eine Beru-
fungsbegründung jedoch nicht. Sie geht weder auf die Erwägungen der Vor-
instanz ein noch legt sie dar, an welcher Stelle die genannten Berichte eine For-
derungsabtretung von der Klägerin an die D._ thematisierten.
3.4. Mit Bezug auf die Berichte der FINMA und BC._ vertritt die Beklagte
die Auffassung, diese hätten aufgrund ihres Gutachtenscharakters von der Vo-
rinstanz umfassend berücksichtigt werden müssen. Die Berichte seien in digitaler
Form vollständig eingereicht worden. Die Vorinstanz habe die Parteien zur Präzi-
sierung verschiedener Anträge aus den Beweisantretungsschriften aufgefordert
und dabei darauf hingewiesen, dass das Gericht bei Einreichung umfangreicher
Urkunden nicht zu deren vollständiger Lektüre verpflichtet sei. Den Berichten
komme jedoch Gutachtenscharakter zu. Gutachten seien durch die urteilende Be-
hörde vollständig zu studieren und entsprechend seien die Rückschlüsse im
Rahmen des richterlichen Ermessens zu verwerten (act. 384 Rz. 16). An dieser
Stelle ist erneut (vgl. E. 2.4.3 f.) festzuhalten, dass es im Anwendungsbereich der
Verhandlungsmaxime Aufgabe der Parteien ist, den rechtserheblichen Sachver-
halt vorzutragen. Eine Beweisabnahme – sei es die Einholung eines Gutachtens
oder die Edition von Urkunden – setzt entsprechende, substantiierte Tatsachen-
behauptungen der Parteien voraus. Der Bericht der BC._ an die FINMA und
der Sonderprüfungsbericht der FINMA stellen keine im vorliegenden Zivilprozess
nach §§ 171 ff. ZPO/ZH eingeholte gerichtliche Gutachten dar. Damit ist der Ar-
gumentation der Beklagten, Gutachten seien vom urteilenden Gericht vollständig
zu studieren, die Grundlage entzogen. Zudem hat der Beweisführer bei umfang-
reichen Urkunden die Beweisstellen genau zu bezeichnen. Darauf kann das Ge-
richt bereits mit der Beweisauflage hinweisen (FRANK/STRÄULI/MESSMER, a.a.O., §
137 N 1, § 186 N 1). Die Beklagte reichte den FINMA-Bericht vom 19. November
- 21 -
2010 mit Spezialberichten von BC._ und P._ im ersten Berufungsver-
fahren auf einer CD ein, wobei sie darauf hinwies, der Bericht umfasse inkl. Beila-
gen drei volle Bundesordner. Sie offerierte dessen Einreichung in Papierform, falls
vom Gericht gewünscht (act. 139 und 140/2). Da der genannte Bericht inkl. Spe-
zialberichte nach Angaben der Beklagten drei volle Bundesordner umfasst, stellt
er eine umfangreiche Urkunde dar. Demnach wäre es Aufgabe der Beklagten ge-
wesen, genau anzugeben, an welcher Stelle die Berichte ihre Sachdarstellung
bestätigen. Die Vorinstanz wies deshalb im Beschluss vom 17. Februar 2015 zu
Recht darauf hin, dass die Beweisofferte "FINMA-Bericht auf CD", welcher nach
Angaben der Beklagten 400 Seiten umfasse, von der Beklagten unter Angabe der
relevanten Aktenstelle und Zuordnung zu einem Beweissatz genauer zu bezeich-
nen sei (act. 185 E. 3.4). Der Auffassung der Beklagten, die Vorinstanz hätte die
Berichte der FINMA und BC._ studieren und die darin dargelegten Fakten
von Amtes wegen zu ihren Gunsten ungeschmälert berücksichtigen müssen,
kann nicht gefolgt werden.
3.5. Die Vorinstanz ging im Zusammenhang mit der Aktivlegitimation der Kläge-
rin und der von der Beklagten nach der Novenschranke vorgebrachten Einwen-
dungen wie erwähnt auf zwei konkret bezeichnete Stellen des FINMA-Berichts
ein, nämlich auf die Seiten 9 und 62 des Aufsichtsberichts P._ vom 28. Juni
2010 (act. 387 E. 5 S. 17 mit Hinweis auf act. 181/26 und 140/1, vgl. oben E. 3.1).
Mit diesen Erwägungen der Vorinstanz setzt sich die Beklagte im Berufungsver-
fahren nicht, auch nicht ansatzweise, auseinander. Sie behauptet insbesondere
nicht, die Vorinstanz habe die von ihr (der Beklagten) bezeichneten Stellen falsch
verstanden oder falsche Schlüsse daraus gezogen. Die Beklagte macht auch
nicht geltend, im erstinstanzlichen Verfahren Stellen in den Berichten bezeichnet
zu haben, welche die Vorinstanz nicht berücksichtigt habe.
3.6. Nach Angaben der Beklagten könne einem Unterordner der Strafakten
entnommen werden, dass die Klägerin auch die Revisionsgesellschaft O._
AG ins Recht gefasst habe. Diese habe in der Klageantwort ausgeführt, auf Auf-
lage der FINMA habe die Klägerin Forderungen im Betrag von mind. EUR 103.8
Mio. an die E._ bzw. an die D._ abgetreten und letztere habe sich ihrer-
- 22 -
seits verpflichten müssen, die so übernommenen Forderungen gegenüber der
Klägerin im Umfang der Uneinbringlichkeit oder des Nichtbestandes des Enga-
gements aus den Forderungskäufen der Klägerin nicht geltend zu machen. Ge-
mäss Bericht der Revisionsstelle zur Jahresrechnung 2010 vom 23. April 2010 sei
diese Bedingung mit einer Vereinbarung vom 26. Februar 2010 erfüllt worden. In
der Folge habe die Klägerin – nach Bereinigung und Abschreibung sämtlicher of-
fener von G._ vermittelten Geschäfte und nach Auslösung von Reserven für
allgemeine Bankrisiken (CHF 17.5 Mio.) und stillen Reserven (CHF 15 Mio.) – ei-
nen Verlust von lediglich CHF 170'508.– ausgewiesen. Der behauptete Gesamt-
schaden sei der Klägerin gar nicht angefallen und sei von ihr in den Büchern auch
nie ausgewiesen und verbucht worden. Deshalb fehle der Klägerin die Aktivlegiti-
mation. Diese Argumentation habe sie bereits im Vorverfahren (gemeint ist damit
wohl das erstinstanzliche Verfahren) fristgerecht vorgebracht und zum Beweis die
einschlägigen Berichte der FINMA und der BC._ offeriert; die Beklagte ver-
weist dabei auf ihre Eingabe vom 10. März 2015 (act. 384 Rz. 17 mit Hinweis auf
act. 187).
3.7. Die Beklagte geht auch in diesem Punkt nicht konkret auf die Erwägungen
der Vorinstanz ein. Selbst wenn ihre Ausführungen sinngemäss als Vorwurf ver-
standen würden, die Vorinstanz habe fälschlicherweise nicht auf die Eingabe vom
10. März 2015 abgestellt, würde es an einer Begründung fehlen, weshalb es sich
bei den mit Eingabe vom 10. März 2015 vorgebrachten Behauptungen um zuläs-
sige Noven gehandelt haben soll. Die Eingabe vom 10. März 2015 wurde erst
eingereicht, nachdem das Hauptverfahren mit Verfügung vom 18. Januar 2013
abgeschlossen worden war (act. 116). Die von der Beklagten zitierte Passage aus
der Klageantwort der O._ AG stellt eine blosse Parteibehauptung der letzte-
ren in
einem Forderungsprozess gegen die Klägerin dar, welcher keinerlei Beweiswert
zukommt. Dass die eingeklagten Forderungen der Klägerin tatsächlich an die
E._ und weiter an die D._ abgetreten wurden, ist damit nicht nachge-
wiesen.
- 23 -
3.8. In der Eingabe vom 10. März 2015, mit der sie ihre Beweisantretungsschrift
präzisierte, erklärte die Beklagte, gemäss dem Bericht von P._ über die
Rechnungsprüfung für das Geschäftsjahr 2009 seien Ende April 2010 alle
G._-Kredite aus den Büchern der Klägerin entfernt worden. Die Klägerin sei
Ende 2010 nicht mehr geschädigt gewesen und daher nicht mehr berechtigt, auf
Schadenersatz zu klagen. Dabei verwies die Beklagte auf Seite 12 des genannten
Berichtes, welche sie als Beilage einreichte (act. 187 S. 4, act. 188/30). An der
genannten Stelle wurde unter dem Titel "a) Forderungen im Zusammenhang mit
der G._" ausgeführt:
"Bis Ende April 2010 wurden alle G._ Kredite gegen Sicherheiten (CHF 11 Mio.) bzw. gegen die Einzelwertberichtigungen (CHF 45 Mio.) ausgebucht und für den Rest (CHF 154 Mio.) wurde die Garantie beansprucht. Ende April 2010 waren somit alle G._ Kredite aus den Büchern der Bank entfernt."
Dieses Novum wurde von der Vorinstanz mit Beschluss vom 27. April 2016 nicht
zugelassen (act. 198 S. 3), was von der Beklagten im Berufungsverfahren nicht
gerügt wird. Auch wenn aufgrund des genannten Berichts davon auszugehen ist,
dass tatsächlich Garantieleistungen erbracht wurden, ändert dies an der Aktivlegi-
timation der Klägerin aus den nachstehenden Gründen nichts.
3.9. Auch wenn die Klägerin Sicherheiten beanspruchte, Einzelwertberichtigun-
gen vornahm und eine Garantie in Anspruch nahm, lässt sich daraus nicht
schliessen, dass die Klägerin ihre Aktivlegitimation infolge Abtretung verloren hät-
te. Bei einer Abtretung nach Art. 164 OR überträgt die Gläubigerin (auch Zeden-
tin) eine bestehende oder künftige Forderung mittels Verfügungsvertrag auf einen
Dritten (auch Zessionar), wodurch ein Gläubigerwechsel stattfindet. Bei der Inan-
spruchnahme von Sicherheiten und bei Wertberichtigungen findet kein Gläubi-
gerwechsel statt. Bei Garantieverträgen werden die reine Garantie und bürg-
schaftsähnliche Garantie unterschieden. Bei einer reinen Garantie tritt die Garan-
tin (auch Promittentin) für einen von jeglichem konkreten Schuldverhältnis unab-
hängigen Erfolg ein. Die Garantin kann sich z.B. verpflichten, den Verlust eines
Unternehmens zu decken, ohne dass Dritte diesem etwas schulden. Eine bürg-
schaftsähnliche Garantie bezieht sich dagegen in irgendeiner Weise auf ein
Schuldverhältnis (Grundgeschäft), das dem Begünstigten einen (vertraglichen)
- 24 -
Anspruch auf die Leistung des Dritten gibt. Häufig ist der Dritte – analog zur Bürg-
schaft – Schuldner des Begünstigten in Bezug auf die von der Garantin garantier-
te Leistung. Bei Nichterfüllung wird er dem Begünstigten aus eigenem Recht
schadenersatzpflichtig. Im Garantiefall stehen dem Begünstigten in der Regel An-
sprüche gegen den Dritten aus der individuellen Abrede und gegenüber der Ga-
rantin aus der Garantie zu. Es liegt für den Begünstigten Konkurrenz vertraglicher
Ansprüche vor, jedoch weder Solidarität noch Subsidiarität. Die Schuld unter den
konkurrenzierenden Ansprüchen ist nicht gleich gross. Der Begünstigte hat die
Wahl, wen er belangen will, er kann aber die Ansprüche nicht über den tatsächlich
erlittenen Schaden hinaus kumulieren (BSK OR I-Pestalozzi, 7. Aufl. 2020,
Art. 111 N 6, 11). Ob die Garantin, die bei Eintritt des Garantiefalls dem Begüns-
tigten die versprochene Leistung erbracht hat, auf den (nicht leistenden) Dritten
Regress nehmen kann, hängt von ihrer Rechtsbeziehung zum Dritten ab. Sofern
der Dritte der Garantin nicht verpflichtet ist, steht ihr auch kein Regressanspruch
zu. Hat die Garantin das Garantieversprechen im Auftrag des Dritten abgegeben,
so kann sie gestützt auf dieses Vertragsverhältnis Regress nehmen. In allen Fäl-
len ist aber Subrogation gemäss Art. 110 OR ausgeschlossen. Ob die Garantin
einen Anspruch auf Abtretung einer allfälligen Forderung des Begünstigten gegen
den Dritten hat, sofern dies nicht vertraglich vereinbart wurde, ist in der Lehre
strittig (BSK OR I-Pestalozzi, a.a.O., Art. 111 N 14;
GAUCH/SCHLUEP/SCHMID/EMMENEGGER, 11. Aufl. 2020, N 3933).
3.10. Die Details der Garantievereinbarung zwischen der Klägerin und der
D._ sind nicht bekannt; die Beklagte hat hierzu nichts Konkretes dargetan.
Auch eine Forderungsabtretung behauptet die Beklagte lediglich pauschal; sub-
stantiierte Behauptungen oder Beweisofferten, welche auf eine Abtretung der
Forderungen der Klägerin gegenüber der Beklagten aus den Geschäften mit
L._ und M._ an die D._ hindeuten, fehlen. Bei dieser Behauptungs-
lage ändert das Erbringen der Garantieleistung durch die Muttergesellschaft
nichts an der Aktivlegitimation der Klägerin. Eine Subrogation gemäss Art. 110
OR ist wie erwähnt ausgeschlossen. Selbst wenn gestützt auf Seite 12 des Be-
richtes von P._ über die Rechnungsprüfung für das Geschäftsjahr 2009 da-
von auszugehen ist, dass die Klägerin für die G._-Kredite Garantien und Si-
- 25 -
cherheiten beansprucht oder die Kredite aus ihren Büchern entfernt hat
(act. 188/30; zu den Wertberichtigungen nachfolgend E. 5.2.4), dringt die Beklag-
te mit den von ihr im Berufungsverfahren gegen die Aktivlegitimation der Klägerin
vorgebrachten Einwendungen nicht durch. Die Vorinstanz hat die Aktivlegitimation
der Klägerin im Ergebnis zu Recht bejaht.
4. Beweiswürdigung
4.1. Vorbemerkungen
Die Vorinstanz führte ein aufwendiges Beweisverfahren durch, indem sie zahlrei-
che Urkunden abnahm und Zeugen einvernahm. Die Beklagte wendet sich in ihrer
Berufung an verschiedenen Stellen gegen die Beweiswürdigung der Vorinstanz.
Auf diese Rügen ist nachfolgend einzugehen. Bereits an dieser Stelle ist festzu-
halten, dass sich die Kritik an der Beweiswürdigung nach den vorstehend genann-
ten Grundsätzen (vgl. vorstehend E. 2.2.2) nicht auf die blosse Wiedergabe der
eigenen Rechtsauffassung beschränken kann. Nicht zielführend ist auch die Kritik
an der Würdigung einzelner Beweismittel, ohne auf andere, ebenfalls relevante
Beweismittel Bezug zu nehmen, welche bei der Vorinstanz zur Überzeugung führ-
ten, eine Tatsache sei bewiesen.
4.2. Zur Rolle der Beklagten in der G._ und in der H2._ Gruppe
4.2.1. Zunächst klärte die Vorinstanz beweismässig ab, ob die Beklagte als Organ
der G._ oder als Hilfsperson handelte. Dabei hielt sie im Hinblick auf die
konkreten Verhältnisse fest, die Beklagte sei in der fraglichen Zeit für die G._
tätig und im Handelsregister mit einer Prokura mit Einzelzeichnungsberechtigung
eingetragen gewesen. Zudem habe die Beklagte eingeräumt, sich um das Perso-
nal gekümmert und die Buchhaltung visiert zu haben. Weiter würdigte die Vo-
rinstanz die folgenden Beweismittel: die Befragung der Beklagten, die Aussagen
des Zeugen Q._ (ab Ende 2004 als Nachfolger von R._ Verwaltungsrat
der G._), des Zeugen R._ (zunächst Treuhänder und anschliessend
einziger Verwaltungsrat der G._), S._ (mit der Buchhaltung der
H1._ betrauter Angestellter und kurze Zeit einziger Verwaltungsrat der
- 26 -
G._), T._ (Büroangestellte der G._), U._ (Büroangestellte der
G._), V._ (Angestellte der G._), W._ (Buchhaltungsassistent
der G._), AA._ (Mitarbeiter der Revisionsstelle der G._), AB._
(für die G._ zuständiger Kundenberater der AC._), AD._ (für die
Beklagte persönlich und kurze Zeit auch für die G._ zuständiger Kundenbe-
rater der AE._ AG) und AF._ (Mitglied der Geschäftsleitung der Klägerin
in der fraglichen Zeit). Zudem würdigte die Vorinstanz verschiedene Urkunden als
Beweismittel: das Kontaktjournal der AC._ über die Kontobeziehung 1 (ver-
mutlich H1._; act. 184/298), das Kontaktjournal der AC._ über die Kon-
tobeziehung mit der G._ (act. 184/299), den Auszug aus dem internen Dos-
sier "---" (act. 184/300), die Unterschriftendossiers der AC._ für die G._
und die H1._ (act. 184/301-302), die Zugriffsberechtigungen auf das E-
Banking der AC._ für die G._ und die H1._ (act. 184/302a), der
Kreditantrag an die AE._ AG vom 25. Juni 2009 (act. 184/297), die Unter-
schriftenregelungen der AE._ AG für die G._ und die H1._
(act. 184/303-304) sowie das Fact Book "..." über die H1._ Group (act.
184/296 S. 15, worin die Beklagte als Geschäftsführerin [und R._ und
Q._ als "Beirat"] aufgeführt seien; act. 387 E. 7.4.1 ff. S. 21-32).
4.2.2. Die Beklagte bringt in ihrer Berufung vor, die Vorinstanz habe nicht berück-
sichtigt, dass sie gemäss Handelsregister lediglich als Prokuristin habe wirken
können und die Klägerin die wesentlichen Verträge wie auch die Wechsel als Si-
cherheit von einem zeichnungsberechtigten Verwaltungsrat habe unterzeichnen
lassen (act. 384 Rz. 19). Entgegen der Behauptung der Beklagten hielt die Vor-
instanz explizit fest, dass die Beklagte im Handelsregister mit einer Prokura mit
Einzelzeichnungsberechtigung eingetragen gewesen sei (act. 387 E. 7.4 S. 21).
4.2.3. Nicht ganz nachvollziehbar ist, was die Beklagte aus ihrer Darstellung ablei-
ten möchte, der Begriff des faktischen Organs sei ein Hilfskonstrukt und im Hin-
blick auf eine mögliche Haftung sei nicht die Frage der internen Stellung und des
Einflusses, sondern die Aussenwirkung gegenüber der vermeintlich Geschädigten
relevant. Die Vorinstanz wies in diesem Zusammenhang auf die bundesgerichtli-
che Rechtsprechung (BGE 122 III 225 E. 4b) hin, wonach eine faktische Organ-
- 27 -
stellung bejaht wird, wenn eine Person an der Willensbildung der Gesellschaft
teilhat und mit entsprechender tatsächlicher Entscheidungskompetenz ausgestat-
tet ist. Wenn die Beklagte im Berufungsverfahren vorbringt, sie habe im Aussen-
verhältnis "die wesentlichen Dokumente" immer von den "offiziellen" Organen un-
terzeichnen lassen (act. 384 Rz. 19), so erfolgen diese Ausführungen völlig un-
substantiiert. Ausserdem unterlässt sie es darzutun, an welcher Stelle sie im erst-
instanzlichen Verfahren entsprechende (substantiierte) Vorbringen gemacht hat.
Auch das Argument der Beklagten, gemäss der Politik der Klägerin habe sie die
G._ nie allein vertreten oder verpflichten können, ist derart unsubstantiiert
und ohne jeglichen Bezug zur Beweiswürdigung der Vorinstanz, dass nicht weiter
darauf einzugehen ist. Gleiches gilt für ihre Behauptung, es sei weder substanti-
iert behauptet noch bewiesen, dass sie gegenüber den Verwaltungsräten irgend-
eine Weisungsbefugnis gehabt und diese in irgendeiner Weise beeinflusst habe
(act. 384 Rz. 19). Angesichts der sie treffenden Begründungsobliegenheit müsste
sich die Beklagte nicht nur mit den entsprechenden, von ihr als unsubstantiiert
bezeichneten Behauptungen der Klägerin auseinandersetzen, sondern auch mit
den zahlreichen, von der Vorinstanz sorgfältig gewürdigten Beweismitteln. Im Zu-
sammenhang mit dem faktischen Organbegriff stellt das Bundesgericht wie er-
wähnt darauf ab, ob die betreffende Person die Willensbildung des Unternehmens
effektiv zu beeinflussen vermag. Folglich kann es nicht darauf ankommen, ob die
Beklagte gegenüber den Verwaltungsräten eine (formelle) Weisungsbefugnis hat-
te. Auch mit ihrer Kritik, die Vorinstanz habe die Aussagen der Verwaltungsräte,
welche diese im Hinblick auf das Bundesstrafverfahren und die Haftungsklage
gemacht hätten, einseitig und unsorgfältig gewürdigt, kommt die Beklagte den
Begründungsanforderungen im Berufungsverfahren nicht nach. Nicht nachvoll-
ziehbar ist, inwiefern der Umstand, dass Herr Q._ sein Büro im selben Haus
gehabt habe und in der Regel "greifbar" gewesen sei, etwas am Beweisergebnis
zu ändern vermöchte. Selbst wenn Q._ den vom Gesetz geforderten Einblick
in die Geschäftstätigkeit hatte (act. 384 Rz. 20), würde dies der Schlussfolgerung
der Vorinstanz, wonach die Beklagte alleinige Geschäftsführerin der G._ war,
nicht widersprechen. Der Hinweis der Beklagten auf das arbeitsteilige Tagesge-
schäft vermag ebensowenig Zweifel an den Folgerungen der Vorinstanz zu we-
- 28 -
cken, wie die Tatsache, dass es sich bei der G._ nicht um eine Einmann-
Gesellschaft gehandelt haben soll (act. 384 Rz. 21).
4.2.4. Weiter moniert die Beklagte, die Vorinstanz habe ausgerechnet den Aussa-
gen des Zeugen AF._ wenig Glauben geschenkt, obwohl dieser eine Schlüs-
selfigur im vorliegenden Kontext sei und ihre Rolle nicht als Organ gewertet habe
(act. 384 Rz. 22). Die Aussagen des Zeugen AF._, eines ehemaligen Mit-
glieds der Geschäftsleitung der Klägerin, der in der fraglichen Zeit Hauptan-
sprechpartner für die Geschäfte der G._ war, gab die Vorinstanz wie folgt
wieder: Er kenne die Beklagte aus der Geschäftsbeziehung B._/G._.
Sie sei für ihn die Ansprechperson bei der G._ gewesen, deren Struktur er
aber nicht näher gekannt habe. Auf die Frage, worin die Kern-Fachkompetenz der
Beklagten gelegen habe, habe AF._ erwidert, sie sei nach aussen die Kon-
taktperson gewesen. Ihre Aufgabe innerhalb der G._ kenne er nicht. Für ihn
sei sie aber schon eine kompetente Person gewesen; sie habe die Geschäfte und
die verschiedenen Maschinentypen gekannt. Er denke schon, dass die Ansicht
der Beklagten bei der G._ Gewicht gehabt habe. Er gehe davon aus, dass
die Beklagte als ihren eigenen Vorgesetzten innerhalb der G._ "mitunter
de[n] jeweilige[n] Verwaltungsratspräsidenten" gesehen habe. Ob es zwischen ihr
und dem Verwaltungsrat noch ein Leitungsgremium gegeben habe, wisse er
nicht. Vor der Bundesanwaltschaft habe AF._ am 1. Juni 2010 ausgesagt,
dass der Verwaltungsrat in der G._ das Sagen gehabt habe, namentlich weil
der Verwaltungsrat die Verträge unterzeichnet habe. Bei der Würdigung dieser
Aussagen des Zeugen AE._ wies die Vorinstanz darauf hin, er sei der einzig
Befragte, der die Beklagte nicht dezidiert als klare Chefin bei der G._ gese-
hen haben wolle. Er scheine die Macht im Unternehmen tendenziell, entspre-
chend der formalen Hierarchie, eher beim Verwaltungsrat zu verorten. Allerdings
sei AF._ auffällig vage geblieben, wobei es schwer falle zu glauben, dass er
die G._ als wichtige Kundin und deren Struktur so schlecht gekannt habe,
wie er vorgebe. Vielmehr liege es nahe, dass AF._ aufgrund seiner eigenen
Interessenlage bewusst oder unbewusst die formale Situation gemäss Handels-
register besonders betone. Aber selbst wenn er zurückhaltend aussage, habe
AF._ die Beklagte als gewichtige Person innerhalb der G._ beschrieben.
- 29 -
Seine Aussagen vermöchten jedenfalls das von allen anderen Zeugen sehr deut-
lich gezeichnete Bild nicht zu entkräften (act. 387 E. 7.4.13 S. 31).
4.2.5. Auch auf diese Erwägungen der Vorinstanz im Zusammenhang mit der
Würdigung der Aussagen des Zeugen AF._ geht die Beklagte nicht konkret
ein. Die Vorinstanz erörterte nachvollziehbar, weshalb die Aussagen von
AF._ im vorliegenden Prozess das durch die übrigen Zeugen gewonnene
Bild der Position der Beklagten nicht zu entkräften vermöchten. Dieser Würdigung
ist vollumfänglich beizupflichten, wobei zusätzlich zu erwähnen ist, dass sich
AF._ – wie aus seinen Aussagen hervorgeht – von Annahmen leiten liess.
So führte er auf die Frage, wen die Beklagte als ihren eigenen Vorgesetzten in-
nerhalb der G._ gesehen habe, aus, er gehe davon aus, es sei "mitunter der
jeweilige Verwaltungsratspräsident" gewesen (Prot. Vi S. 77, kursive Schrift hin-
zugefügt). An der sorgfältigen und schlüssig begründeten Beweiswürdigung durch
die Vorinstanz vermag die pauschal vorgebrachte Kritik der Beklagten nichts zu
ändern. Die Feststellung der Vorinstanz, dass die Beklagte in der fraglichen Zeit
die Rolle der Geschäftsführerin innehatte, ist aufgrund des Gesagten nicht zu be-
anstanden.
4.2.6. Mit Bezug auf die Rolle der Beklagten beim Zahlungsverkehr der H2._
Grupe kam die Vorinstanz in Würdigung der Aussagen der Beklagten selbst (Prot.
Vi S. 53 f.), der abgenommenen Zeugenaussagen sowie der Urkunden zu den
Bankbeziehungen zwischen der G._ und der AE._ AG bzw. zwischen
der G._ und der AC._ zum Schluss, dass die Beklagte für den gesam-
ten Zahlungsverkehr der H2._ Gruppe (mit Ausnahme desjenigen für die
I._ sowie geringfügiger allgemeiner Geschäftskosten) und für deren "Cash
Pooling" persönlich verantwortlich und besorgt gewesen sei (act. 387 E. 8
S. 32 ff., insbes. S. 36).
4.2.7. Die Beklagte erachtet die Ausführungen der Vorinstanz zu ihrer Rolle beim
Zahlungsverkehr als widersprüchlich, kurz und nicht stichhaltig. Es scheine, als
seien sie ex post zur Untermauerung eines vorweggenommenen Urteils verfasst
worden. Insbesondere sei sie nur für die G._ zeichnungsberechtigt gewesen,
während der Verwaltungsrat der H1._ AG selbst bei der jeweiligen Bank un-
- 30 -
terschriftsberechtigt gewesen sei (act. 384 Rz. 23). Einmal mehr legt die Beklagte
mit diesen Vorbringen nicht dar, dass und wo sie den von ihr im Berufungsverfah-
ren vorgebrachten Standpunkt bereits im erstinstanzlichen Verfahren vertrat, und
sie geht auch nicht konkret auf die Erwägungen der Vorinstanz ein. Damit kommt
sie auch in diesem Punkt den Begründungsanforderungen im Rechtsmittelverfah-
ren nicht nach, weshalb sich Weiterungen hierzu erübrigen.
4.2.8. Als Zwischenfazit zur Rolle der Beklagten in der H2._ Gruppe hielt die
Vorinstanz fest, alle Befragten hätten unisono und doch nicht stereotyp das glei-
che Bild der Beklagten gezeichnet, nämlich dasjenige einer langjährigen, kompe-
tenten und umsichtigen Unternehmensführerin, die unangefochten und versiert
bei der G._ an den Hebeln der Macht gesessen sei. Sie habe als alleinige
Person den Überblick über die Geschäftstätigkeit der G._ gehabt. Es beste-
he kein Zweifel, dass sie zugleich Kopf und Herz der G._ gewesen sei und
sich die Verwaltungsräte ihr untergeordnet hätten, indem letztere eine Rolle als
Unterschriftengeber und Berater eingenommen hätten, vornehmlich bei Fragen
der Rechnungsstellung. Ungeachtet des missverständlichen Handelsregisterein-
trages, welcher sie bloss als Prokuristin ausweise, sei die Beklagte als Organ der
G._ anzusehen, ja sogar als ganz überwiegend hauptverantwortliche Person.
Ausserdem habe sie betreffend den Zahlungsverkehr der H2._ Gruppe nicht
bloss weisungsgebundene, ausführende Tätigkeiten vorgenommen, sondern die
gesamten Zahlungsflüsse orchestriert. Davon ausgenommen sei einzig die im
Ausland domizilierte Konzerntochter I._ gewesen, auf welche die Beklagte
wohl nicht uneingeschränkt habe zugreifen können, was aber im vorliegenden
Verfahren nicht zu klären gewesen sei (act. 387 E. 9 S. 36 f.).
4.2.9. Auch gegen diese Schlussfolgerung der Vorinstanz bringt die Beklagte im
Berufungsverfahren lediglich vor, gemäss Darstellung der Klägerin sei es um 107
Geschäfte mit einem Gesamtumfang von über 600 Millionen Franken gegangen
und die Strafakten hätten über 700'000 Seiten umfasst, ein derart umfangreicher
Betrugsfall sei nicht im Alleingang möglich (act. 384 Rz. 24). Damit hält die Be-
klagte der ausführlichen Beweiswürdigung der Vorinstanz weder substantiierte
noch – wenn man bedenkt, dass die Geschäftsbeziehungen zwischen der Kläge-
- 31 -
rin und der G._ von 2002 bis 2010 dauerten – stichhaltige Argumente entge-
gen.
4.2.10. Zur Rolle der Beklagten bei den konkreten Geschäften mit L._ und
M._ hielt die Vorinstanz fest, aufgrund der übereinstimmenden Aussagen der
Zeugen AF._ (Mitglied der Geschäftsleitung der Klägerin), AH._ (COO
der Klägerin), Q._ (VR der G._), R._ (früherer VR der G._),
U._ (Büroangestellte der G._), W._ (Buchhaltungsassistent der
G._) und AI._ (Buchhaltungsmitarbeiter der G._) sei es eindeutig
die Beklagte gewesen, welche bei der G._ bei sämtlichen Maschinenhan-
delsgeschäften die Fäden gezogen habe. Diese Folgerung werde durch die fol-
genden abgenommenen Urkunden bestätigt: die von Q._ unterzeichneten
Versicherungsverträge mit N._ betreffend L._ und M._ (act. 4/31
und 4/53), die von der Beklagten für die G._ unterzeichneten Auftragsbestä-
tigungen ("Conferme d'ordine") betreffend L._ und M._ vom 24. Juni
2009 und 1. Juli 2009, mit Bestätigungsvermerken "Diese Kopie entspricht dem
Original" vom 18. August 2009 und 2. September 2009 (act. 4/35 und 4/57), die
auf einem Datenträger in den Räumen der G._ sichergestellten Microsoft
Word-Dateien "I._ OC L._, 18.8.2009" und "I._ OC M._,
18.8.2009" (act. 184/280-281 und 184/283), zahlreiche von der Beklagten unter-
zeichnete Echtheitsbestätigungen für Kopien in den Polizeiberichten betreffend
die Geschäfte L._ und M._ (act. 184/269 und 184/276) sowie die auf ei-
nem Datenträger in den Räumen der G._ sichergestellten Microsoft Word-
Dateien "Brief Bestätigung Geschäftsführer L._, 18.8.2009" und "Brief Bestä-
tigung Geschäftsführer M._, 18.8.2009" (act. 184/294 und 184/295). Die Vor-
instanz kam aufgrund der Ergebnisse des Beweisverfahrens zum Schluss, dass
Q._, Verwaltungsrat der G._ in der fraglichen Zeit, nur formell mitgewirkt
habe, indem er die ihm vorgelegten Dokumente unterzeichnet habe. Die Assisten-
tinnen T._ und U._ hätten wohl gewusst, was vorzubereiten sei, ihre
Verrichtungen seien jedoch unter ständiger Überwachung der Beklagten als Ge-
schäftsführerin gestanden. Im Sommer 2009 habe W._ die Arbeit von
U._ aushilfsweise verrichtet; dass er dabei inhaltliche Verantwortung über-
nommen haben könnte, sei noch viel klarer auszuschliessen. Vor diesem Hinter-
- 32 -
grund lag es für die Vorinstanz auf der Hand, dass die Beklagte nicht nur wei-
sungsgebundene Kontaktperson war, sondern dass sie sämtliche Maschinenhan-
delsgeschäfte und damit auch das L._- und das M._-Geschäft seitens
der G._ persönlich verantwortete (act. 387 E. 10 S. 37 ff.).
4.2.11. Was die Beklagte in der Berufungsschrift gegen diese Erwägungen der
Vorinstanz vorbringt, ist unbehelflich. Mit ihrer Kritik – bei den verschiedenen Be-
teiligten habe mehr Unsicherheit als Klarheit bestanden und die einen Zeugen
könnten sich nur an den Namen der einen Gesellschaft, die anderen nur an den
Namen der anderen Gesellschaft erinnern (act. 384 Rz. 25; gemeint sind wohl
L._ und M._) – geht die Beklagte auf die Erwägungen der Vorinstanz
nicht hinreichend ein und kommt damit auch hier den Begründungsanforderungen
im Berufungsverfahren nicht nach. Folglich ist auf die Kritik an der Beweiswürdi-
gung der Vorinstanz zur Rolle der Beklagten bei den Geschäften mit L._ und
M._ nicht weiter einzugehen.
4.3. Zur Geschäftsbeziehung zwischen der Klägerin und der G._
4.3.1. Zentraler Streitpunkt im vorliegenden Verfahren ist die Frage, ob die Kläge-
rin der G._ reine Unternehmenskredite gewährte oder ob es sich um sog.
Forfaitierungsgeschäfte handelte. Die Vorinstanz führte zur Ausgestaltung der
Verträge nach der Rückweisung ein Beweisverfahren durch. Dazu nahm sie die
folgenden im Zusammenhang mit den Geschäften L._ und M._ ausge-
stellten Urkunden als Beweismittel ab: die Finanzierungsverträge vom 17. August
2009, namens der Klägerin von den Herren AF._ und AJ._, namens der
G._ von Verwaltungsrat Q._ unterzeichnet (act. 4/2, 4/51), die von der
Beklagten für die G._ unterzeichneten Begleitschreiben an die Klägerin vom
18. August 2009 mit der Überschrift "Einkaufsfinanzierung L._" bzw. "Ein-
kaufsfinanzierung M._ ", mit einer Auflistung von Unterlagen und mit hand-
schriftlichen Häkchen bei den Lemmas "Vertrag G._-B._ anbei" und
"Vertrag N._ anbei" (act. 4/28, 60/260), ein Telefax-Schreiben der Klägerin
vom 19. August 2009, unterzeichnet von den Herren AF._ und AJ._, an
die G._, z.H. Frau AK._, in dem unter Bezugnahme auf den Finanzie-
rungsvertrag vom 17. August 2009 und die Korrespondenz der Beklagten vom 18.
- 33 -
August 2009 über den Ankauf einer Buchforderung gegenüber der L._ abge-
rechnet und angekündigt wird, am 24. August 2009 würden EUR 3'318'453.33 auf
das Konto der Klägerin Nr. 2 bei der AE._ ausbezahlt, wobei sich die Aus-
zahlung unter dem Vorbehalt bis zum Erhalt einer genehmen und kompletten Do-
kumentation verstehe (act. 4/30), ein Telefax-Schreiben der Klägerin vom 7. Sep-
tember 2009 mit gleichlautendem Inhalt wie das vorstehende (act. 4/30) betref-
fend das Geschäft mit M._ und die Auszahlung von EUR 3'189'180.– (act.
184/271), eine Gutschriftsanzeige der AE._ an die G._ vom 24. August
2009, wonach auf dem Konto Nr. 2 vom Auftraggeber "AL._" ein Betrag von
EUR 3'318'453.33 mit dem Verwendungszweck "/RFB/Finanzierung K._"
eingegangen sei (act. 60/90), eine Gutschriftsanzeige analogen Inhalts vom 9.
September 2009 betreffend das Geschäft mit M._ (act. 184/272), Kontenblät-
ter mit verschiedenen Verbuchungen zum Geschäft L._ (act. 184/265) sowie
Kontenblätter mit verschiedenen Verbuchungen zum Geschäft M._ (act.
184/273). Als Gegenbeweismittel der Beklagten setzte sich die Vorinstanz mit fol-
genden Urkunden auseinander: einem Schreiben der E._ an die Klägerin
vom 20. August 2009 betreffend L._ mit dem Titel "Zahlungsgarantie EUR
3.840.000,00 wg. N._-Kreditversicherung AG" und dem Verwendungszweck
"AM._-Kreditversicherung von Forderungen gegen den Hauptschuldner", ei-
nem analogen Schreiben der E._ vom 8. September 2009 betreffend
M._ sowie mit einem Fax-Schreiben der N._ an die G._, zuhanden
der Beklagten, mit dem Titel "Investitionsgüterkreditversicherung INVEST Plus"
betreffend M._ (act. 181/17-19). Ausserdem würdigte die Vorinstanz die
Zeugenaussagen zahlreicher involvierter Personen, so diejenigen von AF._
(Mitglied der Geschäftsleitung der Klägerin), AN._ (ehemaliger Vorsitzender
der Geschäftsleitung der Klägerin), AH._ (COO der Klägerin), Q._ (VR
der G._), R._ (früherer VR der G._), AO._ (freier Mitarbeiter
bei der P._ AG, der ausseramtlichen Konkursverwaltung der G._),
Dr. Q._ (Verwaltungsratsvorsitzender der Klägerin, nebst weiteren Ämtern im
E._-Konzern) und AR._ (von Januar 2009 bis Dezember 2011 Verwal-
tungsrat der Klägerin und Vorstandsvorsitzender E._) sowie der Beklagten
selbst. Gestützt auf diese Beweismittel kam die Vorinstanz zur Überzeugung,
- 34 -
dass die Klägerin und die G._ am 18. August 2009 Finanzierungsverträge
abgeschlossen hatten, mit denen die Klägerin von der G._ die gesamten
Forderungen (nicht nur 80 % davon) gegenüber L._ und M._ gekauft
habe bzw. hätte kaufen sollen. Mit anderen Worten habe die Klägerin die voll-
ständigen Forderungen der G._ von EUR 4'800'000.– gegenüber der
L._ bzw. von EUR 4'600'000.– gegenüber der M._ aus dem Verkauf von
Presselinien zum Preis von EUR 3'840'000.– bzw. EUR 3'680'000.– (je 80% des
Nominalwertes) gekauft, unter dem Vorbehalt des Erhalts einer in Form und Inhalt
akzeptablen Dokumentation bis am 31. August 2009 bzw. 9. September 2009 und
unter Auflistung der zu liefernden Dokumente. Von den Beträgen von
EUR 3'840'000.– bzw. EUR 3'680'000.– habe die Klägerin einen Diskont von
5,5% p.a. für die Laufzeit der Finanzierung bis zur Fälligkeit der Rückzahlung am
27. Juli 2011 in Abzug gebracht. Ferner habe die Klägerin für den Fall der Nicht-
zahlung vorsorglich einen Zins von 5,5% p.a. für sechs Monate zurück behalten,
da die Versicherung bei Zahlungsverzug von L._ bzw. von M._ erst
nach sechs Monaten zur Zahlung verpflichtet gewesen sei (act. 387 E. 11 S. 46
ff., insbes. E. 11.7 S. 53 ff. und E. 11.7.4 S. 64).
4.3.2. Weiter ging die Vorinstanz auf die Ausgestaltung der Verträge und auf die
Frage ein, ob der Klägerin im Zusammenhang mit den beiden Verträgen mit
L._ und M._ die notwendigen Dokumente übermittelt worden waren.
Hierzu stellte die Vorinstanz auf die Aussagen der Zeugen AF._, AH._,
AN._, Dr. Q._ und AR._, auf zahlreiche Urkunden (act. 4/28,
60/260, 4/31, 4/53, 4/32, 4/33, 4/55, 4/34, 4/56, 4/35, 4/57, 4/46, 4/58, 4/48, 4/59,
4/49, 4/60, 60/261, 184/266, 184/267, 184/274, 184/268, 184/275, 184/269,
184/276 sowie act. 181/17-19 als Gegenbeweismittel der Beklagten), auf die Aus-
sagen der Beklagten sowie auf die Auskunft der Bundesanwaltschaft (act. 291
S. 2) ab. Aus Letzterer gehe hervor, dass "sämtliche bezeichneten Dokumente"
am 23. Juni 2010 als pdf-Dateien vom Rechtsvertreter der Klägerin auf einem Da-
tenträger der Bundesanwaltschaft eingereicht worden seien. In Würdigung dieser
Beweismittel bestand für die Vorinstanz kein Zweifel, dass der Klägerin im Zu-
sammenhang mit den Geschäften L._ und M._ die folgenden Dokumen-
te zugestellt worden waren: die Verträge zwischen der G._ und N._ vom
- 35 -
13. August 2009, inkl. Rechnungen vom 13. August 2009 und Zahlungsbestäti-
gungen vom 16. September 2009 (act. 4/31-33, 4/53-55), die Forderungs- und
Versicherungsabtretungen von der G._ an die Klägerin gegenüber N._
(act. 4/34, 4/56), die von der Beklagten für die G._ unterzeichneten Bestell-
bestätigungen vom 24. Juni 2009 bzw. 1. Juli 2009 mit den Stempelvermerken
"Diese Kopie entspricht dem Original" vom 18. August 2009 bzw. 2. September
2009 ("Conferme d'ordine"; act. 4/35 und 4/57), die Notifikationsbestätigungen
(Anzeige betreffend Forderungsabtretungen) vom 18. August 2009 (act. 4/46,
4/58), je eine "Confirmation Order during Inspection" vom 18. August 2009 (act.
4/48, 4/59) und die notariellen Unterschriftenbeglaubigungen vom 24. Juni 2009
betreffend L._ und vom 1. Juli 2009 betreffend M._ (act. 4/49, 4/60;
act. 387 E. 11.8 S. 64 ff., insbes. E. 11.8.4 S. 69). Demgegenüber vermochte die
Beklagte den Gegenbeweis, dass es sich bei den Finanzierungen nicht um
zweckgebundene Beträge gehandelt habe und die ausbezahlte Summe – ent-
sprechend einem Unternehmenskredit – frei verfügbar gewesen sei, nach Auffas-
sung der Vorinstanz nicht zu erbringen, zumal Anhaltspunkte fehlten, dass die
übermittelten Dokumente für den Finanzierungsentscheid der Klägerin und die
Auszahlung der Kapitalbeträge nachgerade irrelevant gewesen sein könnten (act.
387 E. 11.9 S. 69 ff, insbes. E. 11.9.5 S. 85). Dabei hielt die Vorinstanz fest, es
sei klar dokumentiert (und auch unbestritten) dass die G._ das Ausfallrisiko
der Forderungen gegenüber ihren Kunden bei der N._ habe versichern las-
sen, dies ein wesentliches Element für die Exportfinanzierung gewesen sei und
die Klägerin die Auszahlung der Kreditbeträge davon abhängig gemacht habe.
Die Auszahlungen seien erfolgt, nachdem zumindest der Finanzierungsvertrag mit
der Klägerin, der Versicherungsvertrag mit der N._, ein Wechsel der
G._ und die Auftragsbestätigung ("Conferma d'ordine") vorgelegen seien.
Der Kaufvertrag und die Versicherungspolice der N._ seien der Klägerin zum
Geschäft L._ spätestens am 24. August 2009 zugegangen; zum Geschäft
M._ mit Kurzbrief vom 18. August 2009. Die Auftragsbestätigungen seien als
Beilage in den von der Beklagten unterschriebenen Kurzbriefen vom 18. August
2009 und 2. September 2009 aufgeführt worden. Der Übergabe von Wechseln
durch die G._ an die Klägerin und der angeblich fehlenden Verbuchung
- 36 -
mass die Vorinstanz keine entscheidende Bedeutung zu, damit sei (lediglich) eine
tiefere Einbindung der G._ ins Geschäft bezweckt worden. Das Beweisver-
fahren bestätigte nach Auffassung der Vorinstanz, dass die Klägerin entspre-
chend den schriftlichen Verträgen von der G._ deren Forderungen gegen-
über der L._ und der M._ angekauft habe. Das Vertragsverhältnis habe
zwischen der Klägerin und der G._ bestanden (act. 387 E. 11.10 ff. S. 85 f.).
Wie in den beiden "Finanzierungsverträgen" (act. 4/27 und 4/51) festgehalten und
entgegen der Behauptung der Beklagten, sei die G._, nicht die I._, Ver-
käuferin der beiden Presselinien gewesen (act. 387 E. 11.13 S. 87). Der in der
Buchhaltung angegebene Bestand des Maschinenlagers der H2._ Gruppe
sei bloss fiktiv und damit inexistent gewesen (act. 387 E. 11.14 S. 87 f.).
4.3.3. Im Zusammenhang mit dem Vertragsverhältnis zwischen der G._ und
der Klägerin geht die Beklagte in der Berufung zunächst auf die Behauptungen
der Klägerin ein. Mit den Erwägungen der Vorinstanz setzt sich die Beklagte auch
hier nicht auseinander. Dies gilt insbesondere auch für das Argument, die Kläge-
rin habe keine einzige Zahlung eines Schuldners der G._ direkt überwiesen
erhalten, was aber hätte geschehen müssen, wenn eine Forderung gegenüber ei-
ner anderen Person gekauft worden wäre und für ihren nicht näher konkretisierten
Hinweis auf den FINMA-Bericht, wonach der Ablauf der Geschäfte von der Kläge-
rin nicht lege artis vorgenommen worden sei (act. 384 Rz. 26). Mit ihrer appellato-
rischen Kritik ist die Beklagte nicht zu hören.
4.3.4. Weiter wendet die Beklagte ein, der bewiesene Umstand, dass jeweils ein
von einem Verwaltungsrat der G._ unterzeichneter Wechsel als Sicherheit
habe hinterlegt werden müssen, passe nicht zur Darstellung der Klägerin. Es sei
unglaubwürdig, dass sich die Verantwortlichen der Klägerin verwundert gezeigt
hätten, dass Wechsel vorhanden gewesen und nicht verlangt worden seien.
Wechsel stellten bekanntlich ein nicht unerhebliches Risiko für den Aussteller dar,
was den Verwaltungsräten der G._ aufgrund ihres Bildungs- und Berufshin-
tergrundes bekannt gewesen sei. Ein unnötiges Eingehen eines solchen Risikos
habe ein mehr als grobfahrlässiges Handeln der Verwaltungsräte der G._
dargestellt. Das Stellen einer Wechselsicherheit sei ein klares Indiz für ein an-
- 37 -
sonsten ungesichertes Darlehen oder ein Blanko-Darlehen. Die rechtliche Qualifi-
kation durch die Vorinstanz widerspreche klar den tatsächlichen Umständen und
sei nicht als Grundlage für die Zusprechung einer Schadenersatzsumme geeignet
(act. 384 Rz. 26). Auch in diesem Punkt setzt sich die Beklagte nicht konkret mit
der Würdigung der Vorinstanz auseinander (act. 387 E. 11.11 S. 86). Die Vo-
rinstanz verwies in diesem Zusammenhang auf die Aussagen der beiden Zeugen
AN._, ehemaliger Vorsitzender der Geschäftsleitung der Klägerin (Prot. Vi S.
177, 187), und AH._ (act. 181/3 S. 5). AN._ sagte an der im Urteil an-
gegebenen Stelle aus, die Ausstellung eines Wechsels durch die G._ habe
für das Geschäft in seinem Sinne als Risikoverantwortlicher keinen Sinn gehabt.
Es sei eine akzessorische Sache gewesen, um die G._ etwas tiefer ins Ge-
schäft einzubinden, aber es sei keine Grundlage für den Kreditentscheid gewesen
(Prot. Vi S. 187). AH._, zur besagten Zeit COO der Klägerin, wurde am
16. März 2010 in der Kanzlei ... befragt. Ein Auszug dieses Protokolls, welches
sich in den Akten der Bundesanwaltschaft befand, wurde von der Beklagten im
erstinstanzlichen Verfahren eingereicht. Darin führt AH._ im Zusammenhang
mit der Ausstellung der Wechsel durch die G._ aus, die G._ habe pro
Geschäft einen Wechsel ausgestellt; diese hätten nur als Zusatzsicherheit ge-
dient. Sie seien auf Anweisung von Herrn AF._ nie verbucht worden (act.
181/3 S. 5). Aufgrund dieser Aussagen der Beteiligten AN._ und AH._
sowie angesichts des Beweisergebnisses zum grundsätzlichen Ablauf der Ge-
schäfte sowie zu den der Klägerin in den Geschäften L._ und M._
übermittelten Unterlagen ist die Schlussfolgerung der Vorinstanz, wonach der
Ausstellung der Wechsel durch die Klägerin keine eigenständige Bedeutung zu-
kam, durchwegs nachvollziehbar und schlüssig.
4.3.5. Inwiefern die rechtliche Qualifikation der Finanzierungsgeschäfte durch die
Vorinstanz im Widerspruch mit den tatsächlichen Begebenheiten stehen soll, legt
die Beklagte nicht dar und solches ist auch nicht ersichtlich. Auf die rechtliche
Qualifikation der Kreditvereinbarungen zwischen der G._ und der Klägerin
wird im Rahmen der rechtlichen Ausführungen einzugehen sein (vgl. nachstehend
E. 5.3.8).
- 38 -
4.4. Zur Frage, ob die Maschinenkäufe und -verkäufe fiktiv waren
4.4.1. Die Vorinstanz nahm auch zur Frage, ob zwischen der G._ oder der
I._ einerseits und der L._ bzw. der M._ andererseits eine vertragli-
che Beziehung bestand, Beweise ab. Im Rahmen der Beweiswürdigung stellte die
Vorinstanz wesentlich auf die folgenden Schreiben ab: das Schreiben der L._
vom 2. März 2010 (act. 60/152), wonach sie nie irgendwelche Güter von der
G._ und/oder der I._ erworben habe, und das Schreiben der M._
vom 22. Februar 2010 (act. 60/153), wonach sie noch nie eine Geschäftsbezie-
hung mit der G._ und/oder der I._ unterhalten habe. Diese beiden
Schreiben wurden nach Auffassung der Vorinstanz durch die weiteren Urkunden
(u.a. act. 60/87, 184/278, 184/279) und durch die Aussagen der Zeugen
AO._ (Mitarbeiter der P._), AS._ (Partner der P._), AT._
("administratore unico" sowie einziger Verwaltungsrat der I._ von 2001 bis
2010), S._ (Mitarbeiter der Buchhaltung und zeitweise Verwaltungsrat der
G._) abgerundet. Sogar die Beklagte selbst habe eingeräumt, dass die
G._ in keiner Vertragsbeziehung zu L._ und zu M._ gestanden sei,
obwohl in der Korrespondenz mit der Klägerin explizit ein Grundgeschäft mit der
G._ genannt worden sei (act. 4/27 ff. und 4/51 ff.). Aufgrund dieser Beweis-
mittel verblieben der Vorinstanz keine Zweifel, dass weder die G._ noch die
I._ Vertragsbeziehungen zu L._ und zu M._ gehabt hatten (act. 387
E. 12.6.5 S. 95 f.). In diesem Zusammenhang befasste sich die Vorinstanz auch
mit der Frage, ob die Beklagte die beiden Auftragsbestätigungen der L._ und
der M._ gefälscht hatte (act. 387 E. 12.7 S. 96 ff.). Zunächst stellte die Vo-
rinstanz aufgrund der abgenommenen Urkunden (act. 184/269, 184/276, 184/283,
4/42, 184/284 und 184/286), der eingeholten schriftlichen Auskünfte der
AU._ Polizei vom 17. Mai 2017 (act. 293 S. 2) und der Bundesanwaltschaft
vom 3. Mai 2017 (act. 291 S. 3), der Aussagen der Beklagten (Prot. Vi S. 44) so-
wie der Aussagen des Zeugen AT._ (Prot. Vi S. 228 f., 236 und act. 4/40
S. 27 f.), der Zeugin U._ und der Zeugin V._ (beides kaufmännische
Angestellte der G._; Prot. Vi S. 102 und S. 117) fest, dass der runde Stempel
"I._ 3 J._ - K._", welcher in den von der Beklagten genutzten Büro-
räumlichkeiten der G._ sichergestellt worden war, nicht den Stempeln ent-
- 39 -
spreche, welche die I._ effektiv verwendet habe (act. 387 E. 12.7 S. 96 ff.).
Weiter stellte die Vorinstanz aufgrund der abgenommenen Beweise (act. 184/286,
184/287-292, 184/293, Prot. Vi S. 44 f., Prot. Vi S. 227 ff.) fest, dass echte Auf-
tragsbestätigungen der I._ bezüglich Format, Briefkopf, Ausführlich-
keit/Spezifikation, Gegenzeichnung und Stempelung ein anderes Erscheinungs-
bild hatten. Im Umstand, dass das in den Räumlichkeiten der G._ sicherge-
stellte Original der Auftragsbestätigung ("Conferma d'ordine") betreffend L._
keinen I._-Stempel aufwies, sah die Vorinstanz ein starkes Indiz dafür, dass
das Dokument in den Räumlichkeiten der G._ fabriziert worden war (act. 387
E. 12.7.1 ff. S. 97 ff.). In Würdigung der abgenommenen Beweise kam die Vor-
instanz schliesslich zum Schluss, dass die Beklagte nach Erhalt der Zusagen der
Kreditversicherung und der Klägerin die beiden Auftragsbestätigungen der
L._ und der M._ in den Büroräumlichkeiten der G._ erstellen liess
und unten rechts einen nachgeahmten Stempel der I._ und darunter die
vermeintliche Unterschrift des Geschäftsführers AT._ sowie den Vermerk für
die beiden Kunden L._ und M._ und die dazugehörigen Unterschriften
anbringen liess. Nicht erwiesen sei, dass die Beklagte die Unterschriften eigen-
händig gefälscht habe (act. 387 E. 12.7.4 S. 101 ff.).
Auf die Einholung eines Gutachtens betreffend Schriftenvergleich verzichte-
te die Vorinstanz, nachdem das Forensische Institut Zürich (FOR) erklärt hatte,
mangels Vergleichsunterschriften sei kein eigentliches Gutachten möglich. Den-
noch hielt die Vorinstanz unter Berufung auf die Ausführungen des FOR fest,
dass die (Kunden-)Unterschriften einen geringen graphischen Gehalt aufwiesen,
da sie – mit einer Ausnahme – mit Unsicherheit gestaltet worden seien, wie sie
gewöhnlich bei langsam ausgeführten, wenig eingeübten Fälschungsprodukten
vorkämen, was auch für einen Laien erkennbar sei (act. 387 E. 12.7.4 S. 104
m.H.a. act. 327). Für bewiesen hielt die Vorinstanz sodann die Behauptung der
Klägerin, dass die Unterschriften der Kundinnen bzw. Schuldnerinnen in den Noti-
fikationsbestätigungen sowie auf den Dokumenten "Order Confirmation during In-
spection" der L._ und M._ gefälscht sind, die Beklagte um diese Fäl-
schungen gewusst haben muss und die gefälschten Dokumente bewusst einge-
setzt hat (act. 387 E. 12.8.1 S. 106 und E. 12.9 S. 108). Mit Bezug auf die Be-
- 40 -
glaubigungen der Unterschrift durch einen Notar in J._ (...) fiel erheblich ins
Gewicht, dass die Texte der Unterschriftsbeglaubigungen nachgewiesenermas-
sen mitsamt unterschriftlicher Datierung am selben Tag auf Rechnern der
G._ in deren Räumlichkeiten erstellt wurden. Damit sah es die Vorinstanz als
erwiesen an, dass die Beklagte diese Dokumente selber fabrizierte bzw. fabrizie-
ren liess (act. 387 E. 12.10 S. 108 ff.). Weiter konstatierte die Vorinstanz in Wür-
digung der abgenommenen Beweismittel, bezüglich der Zuordnung der Maschi-
nen habe ein grosses Durcheinander geherrscht und es habe offensichtlich Unge-
reimtheiten gegeben. So seien keine lückenlosen Spuren der für M._ bzw.
für L._ vorgesehenen Maschinen ersichtlich. Auch wenn das Warenlager der
G._ lediglich ein fiktives Gebilde gewesen sei, wirke es suspekt, dass nicht
für klare Verhältnisse gesorgt worden sei, zumal jede der Maschinen mehrere Mil-
lionen wert gewesen sein soll. Aufgrund der visierten Listen könne als erstellt gel-
ten, dass die Beklagte bei der Führung solcher Listen mitgewirkt habe. Dies war
für die Vorinstanz ein Indiz – wenn auch ein nicht allzu starkes – dass es sich bei
den Geschäften mit M._ und L._ um fiktive Maschinengeschäfte handel-
te (act. 387 E. 12.11 S. 110 ff. bzw. E. 12.12 S. 112 ff.). In einer Gesamtwürdi-
gung entstand bei der Vorinstanz ein sehr dicht bestücktes Mosaik, dessen ein-
zelne Teilstücke – isoliert betrachtet – teils bewiesen, teils bloss als Indizien mit
gewisser Wahrscheinlichkeit zutrafen. Insgesamt blieben keine Zweifel zurück,
dass es sich bei den Geschäften L._ und M._ um rein fiktive Handels-
geschäfte gehandelt haben müsse, welche die Beklagte namens der G._ und
unter Zuhilfenahme der Firma der Schwesterngesellschaft I._ orchestriert
habe (act. 387 E. 12.13 S. 115).
4.4.2. Die Beklagte wendet ein, die Vorinstanz habe sich neben den ins Recht ge-
legten Urkunden nicht zuletzt auf Zeugenaussagen von AT._ gestützt, wel-
cher erstaunlicherweise als einziger sicher sein wolle, dass mit den beiden
K._-ischen Gesellschaften kein Geschäft gemacht worden sein soll. Um sei-
ne Behauptung zu untermauern, habe er darauf hingewiesen, dass die beiden
Gesellschaften aufgrund eines anderen Geschäftsfeldes gar keinen Bedarf nach
solchen Maschinen gehabt haben könnten. Diese Aussage könne nicht richtig
sein, da in der Buchhaltung der G._ tatsächlich Konten für beide Gesell-
- 41 -
schaften erstellt worden seien. Hierbei sei zu beachten, dass der Zeuge nach der
Devise "quo bono" einer der Hauptprofiteure des Maschinengeschäfts der
G._ und des damit zusammenhängenden Konglomerats gewesen sei. Des-
sen Gesellschaft AV._ AG, AW._, welche er für das Inkasso seiner Pro-
visionen für die Maschinenverkäufe für die G._ benutzt habe, habe seltsa-
merweise ausgerechnet in der fraglichen Phase, konkret am 30. September 2009,
einen Zahlungseingang von CHF 200'000.– verzeichnet. Die Auftragsbestätigung
der I._ sei bekanntlich mit der Unterschrift des Kunden versehen, welche
durch den Notar AX._ beglaubigt worden sei. Die Fälschung der Unterschrif-
ten AT._, der Vertreterin des Kunden sowie des Notars werde lediglich be-
hauptet, aber nicht bewiesen, beispielsweise durch ein Gutachten. Es wäre Pro-
zessaufgabe der Klägerin gewesen, diesen Beweis anzutreten. Weder der ver-
wendete Beglaubigungstext noch der Notariatsstempel des Notars seien auf ei-
nem Computer der G._ zu finden gewesen, auch nicht bei den gelöschten
Dateien. Aufgrund der klaren Linien könne der Stempel nicht hereinkopiert oder
gescannt worden sein. Auffallend und verdächtig sei, dass der besagte Notar sein
Büro im selben Gebäude wie der vermeintlich glaubwürdige Zeuge AT._ ge-
habt habe. All diese Umstände deuteten weniger auf eine Handlung der Beklag-
ten, sondern auf eine solche aus dem Dunstkreis von J._ hin (act. 384
Rz. 29).
4.4.3. Die Kritik der Beklagten richtet sich zunächst gegen die Würdigung der
Aussagen des Zeugen AT._ durch die Vorinstanz zur Tatsache, dass die
I._ mit L._ und M._ keine Geschäfte abgeschlossen habe. In die-
sem Zusammenhang versäumt es die Beklagte jedoch darzulegen, dass sie die in
der Berufung vorgetragenen Argumente, insbesondere dass die AV._ AG,
AW._, in die Vorgänge verstrickt gewesen sein soll, bereits im erstinstanzli-
chen Verfahren geltend gemacht hat. Neue Tatsachenbehauptungen sind im Be-
rufungsverfahren, wie bereits mehrfach erwähnt, nur unter den Voraussetzungen
von Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig (vgl. oben E. 2.5.1). Da die Beklagte nicht dar-
legt, dass bzw. weshalb es sich um zulässige Noven handeln soll bzw. dass sie
die entsprechenden Behauptungen bereits im erstinstanzlichen Verfahren vorge-
bracht hat und diese von der Vorinstanz nicht berücksichtigt worden seien, kann
- 42 -
auf ihre Einwände zur Würdigung der Aussagen des Zeugen AT._ nicht wei-
ter eingegangen werden. Auf die Kritik der Beklagten, die Fälschung der Unter-
schriften von AT._ sei nicht mittels eines Gutachtens bewiesen, wird noch
einzugehen sein (vgl. dazu nachstehend E. 4.4.5).
4.4.4. Die Beklagte erblickt eine willkürliche Sachverhaltsdarstellung der Vor-
instanz darin, dass sie (die Beklagte) bewusst falsche Dokumente weitergeleitet
habe. Konkret wirft sie der Vorinstanz vor, die Gerichtsbesetzung habe als Nicht-
Fachpersonen die Echtheit von Unterschriften und Urkunden nicht beurteilen kön-
nen. Die Klägerin als beweisbelastete Partei hätte auf der Erstellung eines Fach-
gutachtens beharren müssen. Ohne ein Fachgutachten könne vorliegend nicht
davon ausgegangen werden, dass "etwelche Dokumente oder Unterschriften" ge-
fälscht sein sollen. Die Behauptung, sie (die Beklagte) habe bewusst falsche Do-
kumente weitergeleitet, sei ein wesentliches Element für ihre Haftung. Da diesbe-
züglich der Sachverhalt nicht den gesetzlichen Regeln entsprechend festgestellt
worden sei, hätte die Klage abgewiesen werden müssen (act. 384 Rz. 30).
4.4.5. Die Vorinstanz hielt die Einschätzung von AY._, Forensisches Institut
Zürich (FOR), "dass eine Echtheits- bzw. Fälschungsprüfung Vergleichsunter-
schriften voraussetzt, da ansonsten keine Kenntnisse über die übliche Zeich-
nungsweise der Namenseigner verfügbar sind" (act. 327), für plausibel. Gestützt
darauf verzichtete die Vorinstanz auf die Einholung eines Schriftgutachtens; die
Ausführungen von AY._ im besagten Schreiben, welches zwar – "kein zum
vollen Beweis taugliches Gutachten" darstelle, berücksichtigte sie indessen im
Sinne von Indizien bei der Beweiswürdigung (act. 387 S. 104). Dabei hielt die Vo-
rinstanz insbesondere fest, die vom Fachkundigen erwähnten Unsicherheiten
liessen sich auch als Laie und von blossem Auge erkennen. Dass diese Auffällig-
keiten bei beiden Unterschriften (gemeint bei den Kundinnen L._ und
M._) aufträten, lasse es als unwahrscheinlich erscheinen, dass sie von au-
thentisch unterzeichnenden Personen (etwa wegen hohen Alters oder Gebrech-
lichkeit) stammten. Aufhorchen lasse sodann der Hinweis des FOR, dass Unter-
schriften von AT._ in anderen Dokumenten als gefälscht beurteilt worden
seien; somit müssten gefälschte Unterschriften von AT._ kursiert sein. Vor
- 43 -
dem Hintergrund, dass die "Conferme d'ordine" von L._ und M._ in den
Räumlichkeiten der G._ erstellt worden seien – so wie es die Zeuginnen
T._ und U._ im Kern übereinstimmend geschildert hätten, wie es durch
die Dateispeicherung bestätigt werde und wie es sogar von der Beklagten gegen-
über der Bundesanwaltschaft eingeräumt worden sei – sowie aufgrund der Rolle
der Beklagten innerhalb der G._ bestünden keine Zweifel, dass die Unter-
schriften von AT._ (für die I._) und diejenigen der Kundinnen L._
und M._ auf den "Conferme d'ordine" gefälscht seien. Die Umstände bei der
Anbahnung der Finanzierungen und der Erstellung und Verwendung der Doku-
mente liessen keinen anderen Schluss zu, als dass die Beklagte um diese Fäl-
schungen gewusst und die gefälschten Dokumente bewusst eingesetzt habe.
Nicht nachweisen lasse sich hingegen, dass die Beklagte die Unterschriften ei-
genhändig gefälscht habe. Dies sei im Ergebnis aber nicht entscheidend (act. 387
E. 12.7.4 S. 104 f.).
4.4.6. Auf diese einleuchtende, wohl begründete Würdigung der Vorinstanz geht
die Beklagte nicht näher ein. Sie beschränkt sich vielmehr auf die pauschal gehal-
tene Kritik, die von ihr erwähnten Umstände deuteten weniger auf eine Handlung
von ihr, sondern auf eine solche aus dem Dunstkreis in J._, gemeint am Sitz
der I._, hin. Die Tatsache, dass weder der verwendete Beglaubigungstext
noch der Notariatsstempel auf einem Computer der G._ zu finden war (act.
384 Rz. 29), hinterliess bei der Vorinstanz tatsächlich Zweifel, allerdings lediglich
mit Bezug auf die Urheberschaft dieser Fälschungen. Dabei mass die Vorinstanz
dem Umstand, dass die Auftragsbestätigungen von L._ und der M._ in
den Räumlichkeiten der G._ erstellt worden waren, zu Recht grosse Bedeu-
tung zu. In den Büroräumlichkeiten der G._, konkret im Büro der Beklagten
Raum D1, 4. Stock, wurde ein runder Stempel "I._ 3 J._ - K._" –
wie auf den "Conferme d'ordine" (act. 4/35 und 4/57) verwendet – sichergestellt.
Dies geht aus der Sicherstellungsliste hervor, welche von der Klägerin elektro-
nisch zusammen mit der Beweisantretungsschrift eingereicht wurde (act. 184/283;
BA-Nr.BOB.106.0397). Der von der I._ im Jahr 2009 verwendete Stempel
weicht von demjenigen auf den "Conferme d'ordine" ab, was auch von einem
Laien von blossem Auge festgestellt werden kann (act. 4/42). Während beim ech-
- 44 -
ten Stempel der "I._"-Schriftzug im Zentrum in den Schriftzug im Stempelring
eingemittet ist, liegt der "I._"-Schriftzug im Stempel auf den "Conferme
d'ordine" (act. 4/35 und 4/57) höher als der Schriftzug im Stempelring. Weiter ha-
ben die als Urkunden im Recht liegenden Anfragen der Klägerin bei L._ und
M._ ergeben, dass beide Firmen keinerlei Geschäfte mit der G._ oder
der I._ getätigt hatten (act. 60/151-154; act. 387 E. 12.6.5 f. S. 95 f.). Das
dadurch resultierende, ohnehin schon deutliche Beweisergebnis wird noch durch
ein weiteres Indiz untermauert: Wie erwähnt wies AY._ im Schreiben vom
28. November 2017 darauf hin, im Verfahren der Bundesanwaltschaft seien Un-
terschriften wie jene beim "I._-Stempel" auf den "Conferme d'ordine"
(act. 4/35 und 4/57) teils als Fälschungen beurteilt worden und ein Stempelab-
druck und eine Unterschrift wie jene (des Notars) in den notariellen Beglaubigun-
gen (act. 4/49 und 4/60) seien als Fälschung bzw. Kopiermanipulation beurteilt
worden (act. 327). All diese Umstände und Indizien, welche von der Vorinstanz
gewürdigt wurden, vermag die Beklagte mit ihrer pauschal gehaltenen Kritik nicht
zu entkräften. Insbesondere kann ihrem Einwand, dass ein Fachgutachten zur
Echtheit der massgeblichen Dokumente hätte erstellt werden müssen, aufgrund
des Gesagten nicht gefolgt werden. Ebenso wenig ist zu beanstanden, dass die
Vorinstanz vor dem Hintergrund der der Beklagten zukommenden Rolle zum
Schluss gelangte, sie habe bewusst gefälschte Dokumente verwendet. Auch die
Tatsache, dass der besagte Notar sein Büro im selben Gebäude wie der für die
I._ tätige Zeuge AT._ hatte, vermag – entgegen der Auffassung der Be-
klagten – die Schlussfolgerung der Vorinstanz, dass die Beklagte um die Fäl-
schungen wusste und sie bewusst einsetzte, nicht in Frage zu stellen.
4.4.7. Nach Ansicht der Beklagten widerspricht die Feststellung der Vorinstanz,
dass das Warenlager der G._ fiktiv gewesen sei, der klaren Beweislage. Sie
behauptet, das Warenlager sei in der Jahresrechnung der G._ aufgeführt
worden, seitens der Vertreter der Klägerin und der Revisionsgesellschaft geprüft
und vor Ort besichtigt worden. Hintergrund des Warenlagers sei der Umstand ge-
wesen, dass die Verkäuferschaft von Maschinen die Preise gegenüber der
H1._ Gruppe massiv nach oben korrigiert habe. Aus diesem Grunde sei
"man" als Konkurrent aufgetreten, unter dem Namen AZ._ AG. Diese Gesell-
- 45 -
schaft habe in den Jahren 2007 und 2008 die Maschinen zu den üblichen Konditi-
onen erwerben können. Die G._ habe im Jahr 2008 das Warenlager der
AZ._ AG übernommen und so sei in der Bilanz ein tatsächliches, nicht ein
fiktives Warenlager entstanden. Dieses Lager sei im Folgejahr der I._ weiter-
verkauft und aus der Bilanz der G._ entfernt worden. Es habe keine doppelte
Verbuchung gegeben und das Warenlager sei im Jahre 2008/2009 tatsächlich
vorhanden gewesen, wie auch die Vertreter der Klägerin und die Revisionsgesell-
schaft verifiziert hätten (act. 384 Rz. 31). Für diese im Berufungsverfahren vorge-
brachte Sachdarstellung offeriert die Beklagte die "Urkundenbündel" 25-29 als
Beweismittel (act. 386/25-29).
4.4.8. Die Vorinstanz ging auf die Darstellung der Beklagten zum Lagerbestand
der G._ ein, wonach die I._ die einzige operativ im Maschinenhandel tä-
tige Unternehmung gewesen sei (act. 88 Rz 238), bei der sich das physische Ma-
schinenlager befunden habe (act. 88 Rz 194), und stellte fest, aufgrund dieser
Sachlage hätte die G._ selber kein Maschinenlager in der Buchhaltung füh-
ren können und dürfen. Weiter verwies die Vorinstanz auf die Ausführungen der
Beklagten in der Duplik, dass vor dem Hintergrund der tatsächlichen Geschäftstä-
tigkeit der H2._ Gruppe der Lagerbestand der G._ nur ein «buchhalteri-
scher» habe sein können (act. 88 Rz 144). Diesbezüglich vertrat die Vorinstanz
die Auffassung, ein bloss buchhalterischer Lagerbestand könne nicht existieren;
entweder seien Maschinen vorhanden und könnten als Aktiven bilanziert werden,
oder sie seien nicht vorhanden und könnten nicht bilanziert werden. Im Ergebnis
ging die Vorinstanz von unbestrittenen Darstellung der Klägerin aus, dass der La-
gerbestand der H2._ Gruppe im Umfang des fiktiven – eben «buchhalteri-
schen» – Lagers der G._ inexistent war (act. 387 E. 11.14 S. 87 f.).
4.4.9. Abgesehen davon, dass sich die Beklagte nicht mit den Erwägungen der
Vorinstanz auseinandersetzt, sondern diesen lediglich ihre eigene Sachdarstel-
lung gegenüber stellt, macht sie auch nicht geltend, sie habe die nunmehr vorge-
brachten Behauptungen bereits im erstinstanzlichen Verfahren geltend gemacht
und die Vorinstanz habe sich damit nicht befasst. Da die Beklagte im Berufungs-
verfahren mit den "Urkundenbündeln" 25-29 neue Beweismittel einreicht (act. 384
- 46 -
Rz. 31 und act. 386/25-29), ist davon auszugehen, dass sie Noven vorbringt. Wie
mehrfach erwähnt, sind Noven im Berufungsverfahren nur unter den Vorausset-
zungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig (vgl. oben E. 2.5.1). Da die Beklagte
nicht dartut, dass die Geltendmachung dieser Noven ohne Verzug erfolgt ist und
weshalb es ihr trotz zumutbarer Sorgfalt nicht möglich war, die Tatsache und/oder
das Beweismittel bereits vor erster Instanz vorzubringen, kann darauf nicht abge-
stellt werden. Auf die Kritik der Beklagten, die Feststellung der Vorinstanz, dass
das Warenlager der G._ fiktiv gewesen sei, widerspreche der klaren Beweis-
lage, ist aufgrund des Gesagten nicht weiter einzugehen.
4.4.10. In Gesamtwürdigung der abgenommenen Beweismittel hielt die Vor-
instanz fest, dass es sich bei den Geschäften mit L._ und M._ um rein
fiktive Handelsgeschäfte gehandelt habe, welche von der Beklagten namens der
G._ und unter Zuhilfenahme der Schwestergesellschaft I._ mit Absicht
orchestriert worden seien. Damit sei erwiesen, dass die beiden Kaufverträge mit
L._ und M._ fiktiv gewesen seien (act. 387 E. 12.13 S. 115). Wie aus
den vorstehenden Erwägungen zu schliessen ist, vermag die Beklagte die
Schlussfolgerungen der Vorinstanz zum Beweisergebnis mit ihren über weite
Strecken unsubstantiierten Einwendungen in der Berufung nicht in Zweifel zu zie-
hen.
5. Anspruchsgrundlagen
5.1. Vorbemerkungen
Ausgehend vom beweismässig erstellten Sachverhalt prüfte die Vorinstanz, ob
die Anspruchsvoraussetzungen für einen ausservertraglichen Haftungsanspruch
der Klägerin erfüllt sind. Zunächst klärte sie die Frage, ob bei der Klägerin ein
Schaden vorliegt. Anschliessend setzte sich die Vorinstanz mit der Widerrecht-
lichkeit der Schadenszufügung auseinander, bevor sie auf die Frage einging, ob
ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang zwischen der Handlung der
- 47 -
Beklagten und dem Schaden besteht. Schliesslich befasste sich die Vorinstanz
mit dem Verschulden der Beklagten (act. 387 E. 13 ff. S. 116 ff.; entgegen der un-
ter E. 13 angegebenen Reihenfolge prüfte die Vorinstanz die Widerrechtlichkeit
vor dem Kausalzusammenhang). Auf die einzelnen Haftungsvoraussetzungen
und auf die von der Beklagten dazu in der Berufung vorgebrachte Kritik wird nach-
folgend einzugehen sein.
5.2. Schaden
5.2.1. Mit Bezug auf den Schaden der Klägerin hielt die Vorinstanz fest, seit dem
zweiten Schriftenwechsel sei anerkannt, dass die Klägerin der G._ in Sachen
L._ am 24. August 2009 EUR 3'318'453.33 und in Sachen M._ am
9. September 2009 EUR 3'189'180.– überwiesen habe. Der Argumentation der
Beklagten, bevor auf sie gegriffen werden könne, sei die Klägerin unter dem
Stichwort Schadenminderung verpflichtet, die Zahlungsgarantie der Muttergesell-
schaft, die Patronatserklärung der H1._ sowie die Versicherungsleistung der
N._ zu beanspruchen, hielt die Vorinstanz entgegen, damit behaupte die Be-
klagte keine Umstände, die Einfluss auf die Schadensberechnung haben könnten,
sondern sie nenne allfällige weitere Ersatzpflichtige. Eine Anspruchskonkurrenz
sei aber vorliegend nicht Prozessthema. Soweit die Beklagte auf die Versiche-
rungsleistung der N._ verweise, sei ihr entgegenzuhalten, dass deren Aus-
zahlung die Uneinbringlichkeit der versicherten Forderung voraussetze. Weder
nach Darstellung der Klägerin noch nach jener der Beklagten habe gegenüber
L._ oder M._ je eine Forderung bestanden, weshalb nie ein Anspruch
auf die Versicherungsleistung habe entstehen können. Auch gegenüber der Mut-
tergesellschaft der Klägerin sei der Garantiefall nicht eingetreten. Gestützt auf
diese Überlegungen bejahte die Vorinstanz das Vorliegen eines Schadens im Be-
trag von EUR 6'507'633.33 (act. 387 E. 14 S. 116 f.).
5.2.2. Die Vorinstanz wies in ihrem Urteil – wenn auch in aller Kürze – auf die un-
bestritten gebliebenen Tatsachenbehauptungen der Klägerin im zweiten Schrif-
tenwechsel hin (act. 384 E. 14.2. mit Hinweis auf act. 2 Rz. 56; act. 51 Rz. 61,
act. 59 Rz. 12, act. 88 vor Rz 125 bzw. 235). Wenn die Beklagte behauptet, der
Schaden sei weder substantiiert noch vollständig nachgewiesen worden (act. 384
- 48 -
Rz. 32), scheint sie zu übersehen, dass die Darstellung der Klägerin in der Replik,
der Schaden sei durch die beiden Gutschriftenanzeigen auf dem Konto der
G._ bei der AE._ vom 24. August 2009 und vom 9. September 2009 be-
legt (act. 59 Rz. 12, act. 60/90-91), unbestritten blieb. Insbesondere äusserte sich
die Beklagte in der Duplik nicht zu dieser Behauptung der Klägerin in Randziffer
12 der Replik (act. 88 vor Rz. 125). Damit verfängt die nicht näher begründete Kri-
tik der Beklagten nicht.
5.2.3. Weiter macht die Beklagte geltend, der Schaden sei nicht bei der Klägerin
angefallen, da er von der E._ gedeckt worden sei. Ein Schaden setze eine
tatsächliche Vermögensverminderung bei der Klägerin voraus. Demgemäss be-
stehe ein rechtlich relevanter Schaden aus der Differenz zwischen dem heutigen
Vermögensstand der Klägerin und dem Stand, den das Vermögen ohne das
schädigende Ereignis hätte. Schadensmindernd anzurechnen sei dabei, was von
anderer Seite erhältlich sei. Für Schaden, der durch Leistungen Dritter bereits ge-
deckt sei, könnten keine Ersatzansprüche gestellt werden. Grundlage der Scha-
denersatzberechnung nach der sog. Differenztheorie bilde nicht das Gesamtver-
mögen, sondern die konkret betroffenen Aktiven. Daraus ergebe sich, dass ein
Schaden nicht aufgrund der Auszahlung zu bemessen wäre, sondern aufgrund
der verbuchten tatsächlichen Kreditverluste. Effektiv sei der Klägerin kein Scha-
den angefallen; dies ergebe sich direkt aus den Jahresrechnungen 2009 bis 2012
sowie den zugrunde liegenden Buchhaltungsunterlagen. Per 31. Dezember 2009
habe die Klägerin nach Abschreibung sämtlicher offenen Forderungen der von
der G._ vermittelten Geschäfte und nach Auflösung von Reserven einen Ver-
lust von CHF 170'508.– ausgewiesen. Die Klägerin versuche mit einer aufgebläh-
ten Schadensposition effektiv bei der E._ angefallene Kosten und von dieser
übernommene Kreditverluste geltend zu machen. Ein allfälliger Schaden der
E._ sei kein Schaden der Klägerin. Die Vorinstanz verkenne, dass anlässlich
einer Sitzung bei der FINMA am 17. Februar 2010 vereinbart worden sei, dass die
D._ Forderungen gegenüber der Klägerin in der Höhe von EUR 103.8 Mio.
an die E._ abtrete. Dieser Betrag habe exakt den per 1. Januar 2010 offenen
und noch nicht zurückgestellten Forderungen der Klägerin gegenüber Debitoren
aus Forderungskäufen der G._ entsprochen. Weiter sei festgehalten worden,
- 49 -
dass die E._ gegenüber der Klägerin auf die Geltendmachung der von der
D._ übernommenen Forderungen im Umfang der Uneinbringlichkeit oder des
Nichtbestandes der Engagements aus den Forderungskäufen der Klägerin ge-
genüber der G._ verzichte. Aufgrund dieser Ausführungen könne angenom-
men werden, dass die Klägerin bereits Teile des vermeintlichen Schadens bei an-
deren ins Recht gefassten Beklagten erhältlich gemacht habe. Damit wäre der –
bestrittene – Schaden mutmasslich bereits ganz oder teilweise getilgt. Die Kläge-
rin habe den Nachweis, dass die Forderungen nicht bereits getilgt worden seien,
durch Vorlage der Prozessergebnisse mit den anderen ins Recht gefassten Par-
teien zu belegen (act. 384 Rz. 32 ff.).
5.2.4. Zunächst ist festzuhalten, dass im Rückweisungsbeschluss der Kammer
vom 24. Juni 2014 festgehalten wurde, bei der Beurteilung der Einwände der Be-
klagten, dass diese Überweisungen den der Klägerin entstandenen und von der
Beklagten zu vergütenden Schaden darstellten, habe sich die Vorinstanz auf Tat-
sachen gestützt, die noch der beweismässigen Klärung bedürften. Dies gelte ins-
besondere für die Tatsache, ob die fraglichen Geschäfte fiktiv gewesen seien
(act. 172 S. 19). Nach der Durchführung des Beweisverfahrens steht nun fest,
dass die beiden Geschäfte fiktiv waren; zu den im vorliegenden Berufungsverfah-
ren vorgebrachten Einwendungen ist Folgendes festzuhalten: In tatsächlicher
Hinsicht legt die Beklagte nicht dar, an welcher Stelle sie im erstinstanzlichen Ver-
fahren konkrete Bestreitungen betreffend die Höhe des Schadens vorgebracht
hat. Zudem unterlässt sie es, den Vorteil zu beziffern, den sich die Klägerin an-
rechnen lassen müsste. Ihre unsubstantiierten Ausführungen zur Höhe des Scha-
dens sind deshalb nicht zu hören. Nicht ganz klar ist, was die Beklagte mit ihrer
Behauptung, ein allfälliger Schaden der E._ stelle keinen Schaden der Klä-
gerin dar, erreichen will. Die Überweisungen zugunsten der G._ gingen un-
bestrittenermassen von der Klägerin aus. Soweit die Beklagte damit erneut gel-
tend macht, die Forderungen seien an die E._ abgetreten worden, kann auf
die bei der Prüfung der Aktivlegitimation gemachten Erwägungen verwiesen wer-
den (vgl. vorne E. 3.9 f.). Aus dem Umstand, dass die Kredite zugunsten der
G._ nicht mehr in der Buchhaltung der Klägerin geführt werden, kann die Be-
klagte nichts zu ihren Gunsten ableiten: Wertberichtigungen auf Debitoren (sog.
- 50 -
Delkredere-Rückstellungen) haben nach den Grundsätzen der Rechnungslegung
und des Steuerrechts zu erfolgen. Nach dem in der Rechnungslegung geltenden
Imparitätsgrundsatz, der sich aus dem Vorsichtsprinzip ableitet, ist eine Wertbe-
richtigung nicht erst vorzunehmen, wenn die Werteinbusse nachweisbar eingetre-
ten ist, sondern schon dann, wenn nach der Erfahrung des sorgsamen Kauf-
manns ernsthaft mit ihr gerechnet werden muss (BGer 4A_277/2010 vom 2. Sep-
tember 2010 E. 2.2; BÖCKLI, OR-Rechnungslegung, 2. Aufl. 2019, N 994). Damit
kann aus der Abschreibung von Debitorenverlusten der Klägerin innerhalb des
E._-Konzerns, einem rein buchhalterischen Vorgang, nicht auf den Wegfall
einer Forderung oder im konkreten Fall auf den Nichtbestand eines Schadens ge-
schlossen werden. Eine buchhalterische Wertberichtigung ändert an der – im Ein-
klang mit der Differenztheorie – entstandenen Vermögensverminderung bei der
Klägerin, welche durch die Überweisungen an die G._ eingetreten ist, nichts.
Entsprechend ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz das Vorliegen eines
Schadens in der Höhe von EUR 6'507'633.33 bejahte.
5.3. Widerrechtlichkeit
5.3.1. Mit Bezug auf die Anspruchsvoraussetzung der Widerrechtlichkeit wies die
Vorinstanz einleitend darauf hin, dass eine reine Vermögensschädigung nur dann
rechtswidrig sei, wenn sie auf einen Verstoss gegen eine Verhaltensnorm zurück-
gehe, welche dem Schutz vor solchen Schädigungen diene. In der Folge prüfte
die Vorinstanz, ob der Tatbestand des Betruges im Sinne von Art. 146 Abs. 1
StGB erfüllt sei. Dabei setzte sie sich ausführlich mit dem Tatbestandsmerkmal
der Arglist auseinander und hielt unter anderem fest, unter dem Gesichtspunkt
der wirtschaftlichen Eigenverantwortlichkeit erfordere die Erfüllung des Tatbe-
stands nicht, dass das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lasse
und alle erdenklichen ihm zur Verfügung stehenden Vorkehren treffe. Arglist
scheide lediglich aus, wenn das Täuschungsopfer die grundlegenden Vorsichts-
massnahmen nicht beachte. Entsprechend entfalle der strafrechtliche Schutz
nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Opfers, sondern nur bei Leichtfertigkeit, welche
das betrügerische Verhalten des Täters in den Hintergrund treten lasse. Die zum
- 51 -
Ausschluss der Strafbarkeit des Täuschenden führende Opfermitverantwortung
könne daher nur in Ausnahmefällen bejaht werden (act. 387 E. 15.2 S. 120).
Die Vorinstanz verneinte eine Falschbeurkundung mit Bezug auf die beiden
Finanzierungsverträge zwischen der Klägerin und der G._ wie auch mit Be-
zug auf die beiden Versicherungsverträge zwischen der G._ und N._
(act. 387 E. 15.3 S. 121 ff.). Hinsichtlich der beiden Auftragsbestätigungen ging
die Vorinstanz indessen aufgrund der gefälschten Kundenunterschriften von einer
Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 StGB aus. Die gefälschten Auftragsbe-
stätigungen führten letztlich auch dazu, dass die Vorinstanz eine arglistige Täu-
schung durch die Beklagte bejahte: Indem die Beklagte der Klägerin im vollen
wissen darum, dass die G._ nicht Inhaberin der Forderungen gewesen sei,
die inhaltlich falschen Finanzierungs- und Versicherungsverträge und die ge-
fälschten, von der Beklagten als übereinstimmend mit dem Original gekennzeich-
neten Kopien der Auftragsbestätigungen übermittelt habe, habe sie die Klägerin
arglistig getäuscht (act. 387 E. 15.3.2 S. 122 f.).
Dem Einwand der Beklagten, dass AF._, ehemaliger Direktor der Klä-
gerin, Bestandteil des kriminellen System gewesen sei, hielt die Vorinstanz ent-
gegen, diesfalls läge seitens von AF._ eine ungetreue Geschäftsbesorgung
im Sinne von Art. 158 Ziff. 1 Abs. 1 StGB und seitens der Beklagten eine Teil-
nahme an diesem Delikt vor. Damit stelle Art. 158 Ziff. 1 StGB eine alternative
Schutznorm dar, weshalb der zwischen den Parteien bestrittene Umstand, ob
AF._ Teil des kriminellen System gewesen sei, offen bleiben könne (act. 387
E. 15.4.1 f. S. 123 ff.). Die Behauptung der Beklagten, der damalige Verwaltungs-
ratspräsident der Klägerin, Dr. Q._, sei über alle Vorgänge bei der Klägerin
bestens informiert gewesen und habe alle Entscheidungen im Zusammenhang
mit der Geschäftsbeziehung zur G._ kontrolliert und bestätigt, hielt die Vo-
rinstanz für zu vage und zu pauschal, als dass sie hätte zum Beweis verstellt
werden können (act. 387 E. 15.4.3. S. 125). Für die Beurteilung der Frage, ob die
Klägerin hinreichende Vorsichtsmassnahmen getroffen habe, fiel nach Auffassung
der Vorinstanz ins Gewicht, dass die Finanzierung einzig auf den beiden Auf-
tragsbestätigungen basiert habe, insbesondere hätten – obwohl in den schriftli-
- 52 -
chen Finanzierungsverträgen eine detaillierte Dokumentation verlangt worden sei
– der Kaufvertrag zwischen dem Verkäufer und der G._, der Verkaufsvertrag
zwischen der G._ und dem Endabnehmer, der "Bezahltnachweis" zugunsten
des Verkäufers und die Transportpapiere über die Lieferung der Maschine an die
G._ gefehlt. Den Zweifeln der Mitarbeiter, welche an den Geschäften mit der
G._ seit dem Jahr 2002 beteiligt gewesen seien, sei wenig Beachtung ge-
schenkt worden. Die Tatsache, dass die G._ Verbindlichkeiten in der Ge-
samthöhe von über Euro 180 Mio. lange Zeit ausnahmslos und termingerecht zu-
rückbezahlt habe, habe die Zweifel verebben lassen, obwohl die Rückzahlungen
erstaunlicherweise – entgegen den schriftlichen Finanzierungsverträgen und trotz
der Notifikationsbestätigungen der Kunden – nicht von den Kunden, sondern stets
von der G._ geleistet worden seien. Zudem fielen die Angaben zu den Ma-
schinen und die Kundenunterschriften auf den von der Beklagten übermittelten
Auftragsbestätigungen dürftig aus. Zusammenfassend seien eine erhebliche
Leichtfertigkeit der Klägerin und ein Ausserachtlassen grundlegender Vorsichts-
massnahmen festzustellen. Die Leichtfertigkeit betreffe aber vor allem Rahmen-
umstände und nicht den Kern des Geschäfts, in dem getäuscht worden sei. Nur in
Ausnahmefällen trete das betrügerische Wirken gegenüber der Leichtfertigkeit ei-
nes Geschädigten in den Hintergrund, was hier noch nicht der Fall sei, zumal die
unwahren Verträge und Urkunden in der Buchhaltung (Maschinenlager) der
G._ Niederschlag gefunden hätten. Aufgrund dieser Überlegungen sei die
Widerrechtlichkeit gegeben (act. 387 E. 15.4.4 S. 125 ff.).
5.3.2. Die Beklagte macht zunächst geltend, sie sei bis heute strafrechtlich weder
wegen Betrugs noch wegen Veruntreuung verurteilt worden. Die Vorinstanz ver-
kenne, dass der Tatbestand des Betrugs und der eingeschlossenen Urkundenfäl-
schung nicht erfüllt seien und dementsprechend auch keine widerrechtliche Hand-
lung vorliege (act. 384 Rz. 44). Bei der Beurteilung der Widerrechtlichkeit als An-
spruchsvoraussetzung für eine ausservertragliche Haftung hat das Zivilgericht das
Vorliegen einer strafbaren Handlung selbständig zu prüfen; eine rechtskräftige
strafrechtliche Verurteilung für die Bejahung der Widerrechtlichkeit ist nicht vo-
rausgesetzt. Demnach ist der von der Beklagten vorgebrachte Umstand, es liege
noch keine strafrechtliche Verurteilung vor, nicht relevant.
- 53 -
5.3.3. Die Beklagte vertritt sodann den Standpunkt, ob die konkreten Handlungen
der G._ oder ihr (der Beklagten) zugerechnet werden könnten, könne ausser
Acht gelassen werden, da es einzig und allein um die Leichtfertigkeit der Klägerin
gehe, deren Verhalten keinen Schutz verdiene. Das Problem der Klägerin habe
bereits damit begonnen, dass AF._, der zuvor als einfacher Sachbearbeiter
im Forfaitierungsgeschäft bei einer Dresdner Forfaitierungsgesellschaft gearbeitet
habe, zu ihr geholt worden und gleich mit der Position des Vizedirektors und spä-
ter mit der eines Geschäftsleitungsmitglieds betraut worden sei. Im Jahr 2002 ha-
be die Kreditabteilung der Klägerin einzig aus AF._ bestanden, im Jahr 2003
sei sie durch Frau BA._ ergänzt worden, welche Ende 2005 gekündigt habe
mit der Begründung, dass im Betrieb der Klägerin nicht alles konform laufe. Auf-
grund der vom Verwaltungsrat beschlossenen Reorganisation sei die Fachkompe-
tenz der Kreditabteilung massgeblich geschwächt und der Grundstein für das
vermeintliche Desaster gelegt worden. AF._ und AN._ hätten ihre eige-
nen Geschäfte vorantreiben können. Die Verantwortlichkeit für die von der
G._ vermittelten Geschäfte liege allein bei der Klägerin. Der Verwaltungsrat
trage aufgrund seiner Oberleitung und Überwachungsfunkton allein die Verant-
wortung für die internen organisatorischen Massnahmen (Reglemente und Wei-
sungen), welche die Geschäfte ermöglicht hätten. Dazu gehörten auch die vom
Verwaltungsrat bewilligten Rahmenlimiten für Exportversicherungen und die Ga-
rantien der E._, unter welchen die von der G._ vermittelten Geschäfte
bonitätsmässig bewertet und genehmigt worden und aufgrund der entsprechen-
den Kreditrahmenbewilligungen in die alleinige Kompetenz der Geschäftsleitung
gefallen seien. Des Weitern habe das interne Kontrollsystem (IKS) offensichtlich
überhaupt nicht funktioniert. Bereits im Jahr 2003 seien von den "IKS-
Gewährsträgern" verschiedenste Ungereimtheiten und Unregelmässigkeiten bei
den G._-Geschäften festgestellt worden. Frau BA._ habe diese sogar
bereits im Jahr 2002 bemerkt. AJ._ habe bereits im Jahr 2002/2003 Hinwei-
se auf mögliche Unregelmässigkeiten bei den G._-Geschäften und der von
ihr eingereichten Dokumentation festgestellt. Auch AH._ habe verschiedens-
te Unregelmässigkeiten und Auffälligkeiten bei den G._-Transaktionen fest
gestellt und habe trotzdem Checklisten und weitere Unterlagen visiert bzw. unter-
- 54 -
zeichnet. Herr AH._ habe diese Auffälligkeiten auch mit seinem unterstellten
Mitarbeiter AJ._ sowie mit AF._ und AN._ diskutiert. Alle hätten al-
so über die Unregelmässigkeiten Bescheid gewusst. Des Weitern habe
BB._, Verantwortlicher für Accounting und Controlling, regelmässig in Kennt-
nis möglicher Unregelmässigkeiten die Vollständigkeitserklärung und Bilanzen der
Klägerin sowie alle aufsichtsrechtlichen und internen Reportings und Meldungen
unterschrieben. Die Illoyalitäten, Inkompetenzen und Abhängigkeitsverhältnisse
verschiedenster "IKS-Gewährträger" auf allen Ebenen und in allen Bereichen sei-
en allein von der Klägerin zu vertreten. Ohne diese Handlungen und Unterlassun-
gen wäre es der G._ gar nicht möglich gewesen, solche Geschäfte mit der
Klägerin abzuschliessen. Dabei handle es sich nicht um eine leichte Fahrlässig-
keit, sondern um ein wissentliches und willentliches Verhalten, das massgeblich
zum Desaster beigetragen habe. Somit könne in keinster Weise von einer arglisti-
gen Täuschungshandlung die Rede sein. Die Klägerin sei nicht getäuscht worden
oder sie habe zumindest sehr konkrete Anhaltspunkte gehabt, dass etwas nicht
stimme. Der Verwaltungsrat habe für eine klare Trennung zwischen den Funktio-
nen der Geschäftsführung und des Verwaltungsrats besorgt zu sein. Ziel sei eine
sachgemässe Überwachung der Geschäftstätigkeit. Dazu gehörten unter ande-
rem zwingende Mechanismen der internen Kontrolle. Daraus ergebe sich die Ver-
antwortung des Verwaltungsrats für die Verhinderung und Aufdeckung delikti-
scher Handlungen. Auch für die fachliche und charakterliche Beurteilung der Ge-
schäftsleitung sei der Verwaltungsrat allein zuständig. Wenn ein unqualifizierter
Mitarbeiter wie AF._ für den Posten als Direktionsmitglied und Kreditchef
eingesetzt werde, trage dafür allein der Verwaltungsrat die Verantwortung. Orga-
nisatorische Schwachstellen und personelle Missstände und der daraus resultie-
rende Schaden seien allein vom Verwaltungsrat zu verantworten und deshalb der
Klägerin anzurechnen und von ihr zu tragen. In jedem Fall unterbrächen sie den
adäquaten Kausalzusammenhang. Somit sei eine Irreführung durch die Beklagte
ausgeschlossen und die Tatbestände des Betrugs und der Urkundenfälschung
entfielen (act. 384 Rz. 45-63).
5.3.4. Mit den wiedergegebenen Argumenten macht die Beklagte geltend, mehre-
ren Personen innerhalb der Klägerin seien die Unregelmässigkeiten mit den
- 55 -
G._-Geschäften bekannt gewesen. Die interne Kontrolle der Klägerin, für
welche der Verwaltungsrat verantwortlich gewesen wäre, habe versagt. Bei dieser
Vorbringen handelt es sich um Tatsachenbehauptungen. Die Beklagte unterlässt
es anzugeben, ob bzw. an welcher Stelle im erstinstanzlichen Verfahren sie ent-
sprechende Behauptungen aufgestellt hat. Wie mehrfach erwähnt, ist es nicht
Aufgabe der Berufungsinstanz, in den äusserst umfangreichen Akten nach ent-
sprechenden Tatsachenbehauptungen der Beklagten zu suchen. Sollte es sich
um neue, erstmals im Berufungsverfahren vorgebrachte Tatsachenbehauptungen
handeln, so wäre – mangels gegenteiliger Angaben der Beklagten – davon aus-
zugehen, dass es sich um unzulässige Noven handelt (Art. 317 Abs. 1 ZPO).
Darüber hinaus geht die Beklagte nicht auf die Erwägungen der Vorinstanz zur
Widerrechtlichkeit ein, sondern sie stellt den Ausführungen im angefochtenen Ur-
teil lediglich ihre eigene Sicht der Dinge gegenüber. Soweit die Beklagte die
Rechtsanwendung durch die Vorinstanz rügt, ist nachfolgend zu prüfen, ob die
Vorinstanz den Tatbestand des Betrugs und damit die Widerrechtlichkeit des Ver-
haltens der Beklagten zu Recht bejahte.
5.3.5. Eine Urkundenfälschung im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB liegt vor, wenn
der Täter in der Absicht, jemanden am Vermögen oder an andern Rechten zu
schädigen oder sich oder einem andern einen unrechtmässigen Vorteil zu ver-
schaffen, eine Urkunde fälscht oder verfälscht, die echte Unterschrift oder das
echte Handzeichen eines andern zur Herstellung einer unechten Urkunde benützt
oder eine rechtlich erhebliche Tatsache unrichtig beurkundet oder beurkunden
lässt bzw. eine Urkunde dieser Art zur Täuschung gebraucht. Gemäss Art. 110
Abs. 4 StGB sind Urkunden Schriften, die bestimmt und geeignet sind, oder Zei-
chen, die bestimmt sind, eine Tatsache von rechtlicher Bedeutung zu beweisen.
Eine Urkundenfälschung im engeren Sinne erfasst das Herstellen einer un-
echten Urkunde. Eine Urkunde ist unecht, wenn sie nicht von dem aus ihr ersicht-
lichen Aussteller, sondern von einem anderen stammt, bzw. wenn sie den An-
schein erweckt, sie rühre von einem anderen als ihrem tatsächlichen Urheber her
(BSK StGB-BOOG, 4. Aufl. 2019, Art. 251 N 3; BGE 137 IV 167 E. 2.3.1). Demge-
genüber betrifft die Falschbeurkundung die Errichtung einer echten, aber unwah-
- 56 -
ren Urkunde, bei der der wirkliche und der in der Urkunde enthaltene Sachverhalt
nicht übereinstimmen. Die Falschbeurkundung erfordert eine qualifizierte schriftli-
che Lüge. Nach der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts werden an die
Beweisbestimmung und Beweiseignung einer Urkunde im Rahmen der Falschbe-
urkundung höhere Anforderungen gestellt. Der Urkunde muss im Verhältnis zur
gewöhnlichen schriftlichen Äusserung eine erhöhte Überzeugungskraft oder
Glaubwürdigkeit zukommen, indem der Adressat der Erklärung ein besonderes
Vertrauen entgegenbringt (BSK StGB-BOOG, a.a.O., Art. 251 N 71; BGE 122 IV
332 E. 2.c). Ein Vertrauensverhältnis aufgrund einer langjährigen Geschäftsbe-
ziehung begründet im Hinblick auf eine Falschbeurkundung keine garantenähnli-
che Stellung (BSK StGB-BOOG, a.a.O., Art. 251 N 101).
Strafbar ist auch, wer eine unechte oder unwahre Urkunde zur Täuschung
gebraucht. Gebrauchen bedeutet, dass die Urkunde im Rechtsverkehr benutzt
wird. Der Gebrauch ist für den Fälscher mitbestrafte Nachtat. Wird die Urkunde al-
lerdings durch eine andere Person als den Hersteller gebraucht, ist der Gebrauch
strafbar, wenn der Hersteller der Urkunde als Fälscher strafbar ist (BSK StGB-
BOOG, a.a.O., Art. 251 N 163, 165).
Der subjektive Tatbestand der Urkundenfälschung ist erfüllt, wenn Vorsatz
bezüglich der objektiven Merkmale vorliegt, wobei Eventualvorsatz genügt. Bei
der Tathandlung des Gebrauchens einer unechten Urkunde muss der Täter wis-
sen, dass die Urkunde unecht oder unwahr ist. Erforderlich sind zudem die Ab-
sicht, jemandem am Vermögen oder an anderen Rechten zu schädigen oder sich
oder einem anderen einen unrechtmässigen Vorteil zu verschaffen, und die Täu-
schungsabsicht (BSK StGB-BOOG, a.a.O., Art. 251 N 166, 181 f.).
5.3.6. Die Bestellbestätigungen ("Conferme d'ordine"; act. 4/35 und 4/57) stellen
Urkunden im Sinne von Art. 110 Abs. 4 StGB dar, sind sie doch dazu geeignet
und bestimmt, die Bestellung einer Schmiedepresse durch die Firmen L._
bzw. M._ zu beweisen. Auf den beiden Auftragsbestätigungen findet sich je
eine Unterschrift einer die L._ bzw. die M._ vertretenden Person, womit
der Anschein erweckt wird, diese Person stimme dem Kauf einer Schmiedepresse
zu. Durch das Beweisergebnis ist nachgewiesen, dass es sich bei diesen beiden
- 57 -
Geschäften um fiktive Geschäfte handelte und die Kundenunterschriften gefälscht
sind (vgl. vorstehend E. 4.4.6 f.). Dass die Beklagte die Auftragsbestätigungen
selber fälschte, liess sich indessen nicht erstellen. Damit liegt eine unechte Ur-
kunde im obgenannten Sinne vor, welche von der Beklagten zu Kreditzwecken
gebraucht wurde. Die Beklagte wusste, dass es sich bei den Bestellbestätigungen
um eine unechte Urkunde handelte und sie gebrauchte die Dokumente in diesem
wissen, indem sie die unechten Urkunden der Klägerin zusammen mit den ande-
ren Dokumenten einreichte. Dies tat sie in der Absicht, einen Forfaitierungskredit
von der Klägerin für ein fiktives Geschäft erhältlich zu machen und sich so einen
unrechtmässigen – da wegen der fehlenden Voraussetzungen ihr bzw. der
G._ nicht zustehenden – Vorteil zu erlangen. Dabei war ihr klar, dass der
Gebrauch der Bestellbestätigungen ihr zu diesem Vorteil verhalf. Somit liegen
sowohl die Täuschungs- wie auch die Bereicherungsabsicht vor. Die Beklagte er-
füllte demnach den objektiven und subjektiven Tatbestand der Urkundenfälschung
im Sinne von Art. 251 Ziff. 1 StGB.
5.3.7. Der Tatbestand des Betrugs im Sinne von Art. 146 Abs. 1 StGB ist erfüllt,
wenn jemand in der Absicht, sich oder einen andern unrechtmässig zu berei-
chern, durch Vorspiegelung oder Unterdrückung von Tatsachen arglistig irreführt
und so den Irrenden zu einem Verhalten bestimmt, wodurch dieser sich selbst
oder einen andern am Vermögen schädigt. Die Erfüllung des Tatbestands setzt
eine arglistige Täuschung voraus. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, wird
Arglist gemäss ständiger Rechtsprechung bejaht, "wenn der Täter ein ganzes Lü-
gengebäude errichtet oder sich besonderer Machenschaften oder Kniffe bedient.
Bei einfachen falschen Angaben ist das Merkmal erfüllt, wenn deren Überprüfung
nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar ist, sowie dann,
wenn der Täter den Getäuschten von der möglichen Überprüfung abhält oder
nach den Umständen voraussieht, dass dieser die Überprüfung der Angaben auf-
grund eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde" (BGE 142
IV 153 E. 2.2.2; BGE 135 IV 76 E. 5.2). Eine mit rechtswidrig erlangten oder ge-
fälschten Urkunden verübte Täuschung ist grundsätzlich arglistig (BGE 133 IV
256 E. 4.4.3). Arglist ist auch bei einfachen falschen Angaben gegeben, wenn de-
ren Überprüfung nicht oder nur mit besonderer Mühe möglich oder nicht zumutbar
- 58 -
ist, und wenn der Täter das Opfer von der möglichen Überprüfung abhält oder er
nach den Umständen voraussieht, dass dieses die Überprüfung der Angaben
aufgrund eines besonderen Vertrauensverhältnisses unterlassen werde. Das Kri-
terium der Überprüfbarkeit ist auch bei einem Lügengebäude und bei besonderen
Machenschaften von Bedeutung (BGE 142 IV 153 E. 2.2.2; BGE 126 I 165 E. 2a).
Arglist wird verneint, wenn das Täuschungsopfer den Irrtum mit einem Mindest-
mass an Aufmerksamkeit hätte vermeiden können. Dies beurteilt sich unter Be-
rücksichtigung der jeweiligen Lage und Schutzbedürftigkeit des Betroffenen im
Einzelfall. Dabei wird einerseits auf besonders schutzbedürftige Opfer Rücksicht
genommen und andererseits gegebenenfalls vorhandene besondere Fachkennt-
nis und Geschäftserfahrung in Rechnung gestellt. Auch unter Berücksichtigung
des Gesichtspunkts der Opfermitverantwortung wird jedoch nicht verlangt, dass
das Täuschungsopfer die grösstmögliche Sorgfalt walten lässt und alle erdenkli-
chen Vorkehren trifft. Arglist scheidet lediglich aus, wenn das Täuschungsopfer
die grundlegendsten Vorsichtsmassnahmen nicht beachtet. Entsprechend entfällt
der strafrechtliche Schutz nicht bei jeder Fahrlässigkeit des Opfers, sondern nur
bei Leichtfertigkeit, welche das betrügerische Verhalten des Täters in den Hinter-
grund treten lässt (BGE 135 IV 76 E. 5.2; BGE 128 IV 18 E. 3a; BGE 126 IV 165
E. 2a). Dies gilt auch bei Banken: Auch wenn diese zu erhöhter Wachsamkeit
aufgerufen und aufgrund des Fachwissens ihrer Organe ein erhöhter Sorgfalts-
massstab angesetzt werden kann, bleibt die zur Straflosigkeit des Täters führende
Eigenverantwortung des Opfers dennoch die Ausnahme (BGer 6S.167/2006 und
6S.219/2006 vom 1. Februar 2007 E. 3.4 mit weiteren Hinweisen). Die arglistige
Täuschung muss bei einem anderen einen Irrtum hervorrufen, als dessen Folge
dieser eine Vermögensdisposition trifft. Der Betrug ist mit dem Eintritt des Vermö-
gensschadens vollendet. Subjektiv wird neben dem Vorsatz die Absicht unrecht-
mässiger Bereicherung vorausgesetzt.
5.3.8. Das Beweisverfahren hat ergeben, dass die Beklagte der Klägerin die fol-
genden Dokumente zukommen liess: die Verträge zwischen der G._ und
N._ vom 13. August 2009, inkl. Rechnungen vom 13. August 2009 und Zah-
lungsbestätigungen vom 16. September 2009 (act. 4/31-33, 4/53-55), die Forde-
rungs- und Versicherungsabtretungen von der G._ an die Klägerin gegen-
- 59 -
über N._ (act. 4/34, 4/56), die von der Beklagten für die G._ unterzeich-
neten Bestellbestätigungen vom 24. Juni 2009 bzw. 1. Juli 2009 mit den Stempel-
vermerken "Diese Kopie entspricht dem Original" vom 18. August 2009 bzw. 2.
September 2009 ("Conferme d'ordine"; act. 4/35 und 4/57), die Notifikationsbestä-
tigungen (Anzeige betreffend Forderungsabtretungen) vom 18. August 2009
(act. 4/46, 4/58), je eine "Confirmation Order during Inspection" vom 18. August
2009 (act. 4/48, 4/59) und die notariellen Unterschriftenbeglaubigungen vom
24. Juni 2009 betreffend L._ und vom 1. Juli 2009 betreffend M._
(act. 4/49, 4/60; vgl. vorstehend E. 4.3.2). Die in den Auftragsbestätigungen an-
gegebenen Verkäufe der Schmiedepressen fanden tatsächlich gar nicht statt. Die
Auftragsbestätigungen waren gefälscht. Der G._ standen aus den fiktiven
Verkäufen keine realen Forderungen zu. Auf der Grundlage der genannten Do-
kumente – insbesondere auch der Versicherungsdeckung der N._ – schloss
die Klägerin die Finanzierungsgeschäfte mit der G._ ab, wobei letztere ihre
Kaufpreisforderung an die Klägerin abtrat. In der Folge überwies die Klägerin der
G._ in Sachen L._ am 24. August 2009 den Betrag von
EUR 3'318'453.33 und in Sachen M._ am 9. September 2009 den Betrag
von EUR 3'189'180.–. Auf der Grundlage dieser Tatsachen sind die Vereinbarun-
gen zwischen der G._ und der Klägerin – wie die Vorinstanz zutreffend er-
wog – als geschäftsbezogene Forfaitierungsgeschäfte zu qualifizieren, in deren
Rahmen die Klägerin von der G._ deren Forderungen gegenüber L._
und M._ kaufte (act. 387 E. 11.10 ff. S. 85 f.). Die Beklagte bringt denn auch
im Berufungsverfahren keine konkreten Einwände gegen diese rechtliche Qualifi-
kation vor. Die Täuschungshandlung ist darin zu sehen, dass die Beklagte der
Klägerin für die Kreditgewährung die obgenannten Dokumente – darunter ge-
fälschte Bestellbestätigungen für fiktive Verkäufe von Schmiedepressen sowie
Versicherungsverträge mit N._ für diese fiktiven Geschäfte – zustellte und
damit den Anschein erweckte, als würde es sich um reale Verkaufsgeschäfte
handeln, aufgrund derer ihr Kaufforderungen gegenüber den Firmen L._ und
M._ zustünden. Die Klägerin bzw. deren Mitarbeiter wurden so über die
Grundlage der von ihr gewährten Forfaitierungsgeschäfte getäuscht.
- 60 -
5.3.9. Da die Beklagte gefälschte Bestellbestätigungen für ihre Täuschungshand-
lung verwendete, ist auch das Tatbestandsmerkmal der Arglist zu bejahen. Auch
wenn die Bestellbestätigungen ex post betrachtet etwas plump wirken, kann nicht
gesagt werden, sie würden ernsthafte Anhaltspunkte für deren Unechtheit enthal-
ten. Dabei fällt insbesondere auch ins Gewicht, dass die Bestellbestätigungen zu-
sammen mit zahlreichen weiteren Dokumenten übermittelt wurden, darunter nota-
rielle Unterschriftsbeglaubigungen, Notifikationserklärungen und nicht zuletzt Ver-
sicherungsverträge der N._, wobei die Klägerin gestützt auf letztere davon
ausgehen durfte, die Schmiedepresse-Verkäufe seien versichert.
5.3.10. Die Beklagte macht in der Berufung geltend, die Klägerin habe keine hin-
reichenden Vorsichtsmassnahmen getroffen (act. 384 Rz. 47 ff.). Die Vorinstanz
kam wie erwähnt zum Schluss, das betrügerische Wirken der Beklagten trete ge-
genüber der Leichtfertigkeit der Geschädigten nicht in den Hintergrund (act. 387
E. 15.4.4 S. 125 ff.). Dieser Auffassung ist vollumfänglich beizupflichten. Auch
wenn Banken zu erhöhter Aufmerksamkeit und Sorgfalt verpflichtet sind, bleibt die
zur Straflosigkeit des Täters führende Eigenverantwortung des Opfers dennoch
die Ausnahme. Nur wenn das Verhalten des Opfers die Betrugshandlungen völlig
in den Hintergrund treten lässt, ist ein solcher Ausnahmefall zu bejahen. Die Be-
klagte war in der fraglichen Zeit Geschäftsführerin und faktisches Organ der
G._. Die G._ wiederum war Teil der H1._, zu der auch die I._
gehörte, welche tatsächlich mit Schmiedepressen handelte. In Anbetracht der be-
stehenden Versicherungsverträge mit N._ ist es nachvollziehbar, dass die
Klägerin bzw. ihre Mitarbeiter von realen Verkaufsgeschäften ausgingen. Zudem
bestand zwischen der Klägerin und der G._ vor Abschluss der hier interes-
sierenden Verträge aufgrund ihrer langjährigen Geschäftsbeziehung, in deren
Verlauf die G._ unbestrittenermassen Forfaitierungskredite im Betrag von
rund Euro 180 Mio. zurückbezahlt hatte, ein Vertrauensverhältnis (vgl. E. 387 E.
15.4.4 S. 126). Auch wenn die Klägerin auf die Einreichung wesentlicher Doku-
mente verzichtete, lagen ihr dennoch zahlreiche Urkunden vor, darunter gefälsch-
te Bestellbestätigungen. Gerade auch vor dem Hintergrund der tatsächlich erfolg-
ten Rückzahlungen waren die genannten Machenschaften der Beklagten und das
so errichtete Lügengebäude ohne weiteres geeignet, die Bankmitarbeiter der Klä-
- 61 -
gerin von weiteren Abklärungen oder Überprüfungen abzuhalten. Das Tatbe-
standsmerkmal der Arglist wird durch die Nichteinhaltung gewisser Vorsichts-
massnahmen der Klägerin bzw. deren Mitarbeiter nicht verdrängt.
5.3.11. Durch ihr Verhalten bewirkte die Beklagte bei der Klägerin einen Irrtum,
indem diese davon ausging, es seien reale Verkaufsgeschäfte über Schmiede-
pressen mit entsprechender Versicherungsdeckung abgeschlossen worden. Als
Folge des Irrtums schloss die Klägerin mit der G._ Finanzierungsverträge ab
und überwies ihr in Sachen L._ am 24. August 2009 EUR 3'318'453.33 und
in Sachen M._ am 9. September 2009 EUR 3'189'180.–. Da es sich bei den
besagten Verkaufsgeschäften um fiktive Geschäfte handelte, erhielt die Klägerin
im Zuge der Abtretung der fiktiven Kaufpreisforderungen keinen Gegenwert und
die Finanzierungsgeschäfte waren auch nicht gesichert. Der Schaden trat
dadurch bereits mit den genannten Überweisungen ein. Der objektive Tatbestand
des Betruges ist damit erfüllt.
5.3.12. Die Beklagte wusste, dass es sich bei den Geschäften mit L._ und
M._ um fiktive Geschäfte handelte. Vor diesem Hintergrund steht ohne weite-
res fest, dass sie vorsätzlich und in der Absicht handelte, sich oder einen anddern
unrechtmässig zu bereichern. Da somit auch der Tatbestand des Betruges erfüllt
ist, ist die Widerrechtlichkeit als Anspruchsvoraussetzung des ausservertraglichen
Haftungsanspruchs zu bejahen.
5.4. Kausalzusammenhang und Verschulden
5.4.1. Kausalzusammenhang und Verschulden wurden von der Vorinstanz bejaht.
Der Schaden sei der Klägerin durch die rechtswidrigen Täuschungshandlungen
der Beklagten entstanden. Trotz der Leichtfertigkeit der Klägerin sei nicht von
einem groben, unterbrechenden Selbstverschulden ihrerseits auszugehen
(act 387 E. 16 S. 127).
5.4.2. Die Beklagte stellt sich in der Berufung auf den Standpunkt, das Selbstver-
schulden der Klägerin sei derart schwer, dass es den Kausalzusammenhang zwi-
schen dem Ereignis und dem Schaden unterbreche. Dabei weist die Beklagte
- 62 -
insbesondere auf die Ergebnisse im Bericht der BC._ AG Wirtschaftsprü-
fungsgesellschaft Deutschland zur Sonderuntersuchung bei der Klägerin hin
(act. 384 Rz. 66 ff.). Die Ausführungen der Beklagten, mit denen sie die Schluss-
folgerungen des BC._-Berichts wiedergibt, stellen Tatsachenbehauptungen
dar. Wie mehrfach erwähnt, sind neue Tatsachenbehauptungen im Berufungsver-
fahren nur unter den Voraussetzungen von Art. 317 Abs. 1 ZPO zulässig. Die Be-
klagte legt nicht näher dar, dass sie ihre Ausführungen zum Kausalzusammen-
hang und zum Verschulden ohne Verzug vorgebracht hat und dass diese trotz
zumutbarer Sorgfalt nicht schon vor erster Instanz vorgebracht werden konnten.
Soweit sich die Beklagte an dieser Stelle sinngemäss auf ihre Kritik bezieht, die
Berichte der BC._ und der FINMA hätten von der Vorinstanz von Amtes we-
gen beigezogen und studiert werden müssen, kann auf das bereits Gesagte ver-
wiesen werden, wonach die Parteien ihre Tatsachenbehauptungen im Anwen-
dungsbereich der Verhandlungsmaxime auch in umfangreichen Zivilprozessen
selbst vortragen müssen und eine Beweisabnahme substantiierte Tatsachenbe-
hauptungen
voraussetzt (vgl. E. 2.4.4). Sollte die Beklagte die im Berufungsverfahren geltend
gemachten Behauptungen bereits im erstinstanzlichen Verfahren vorgebracht ha-
ben, so lässt sich mangels entsprechender Angaben ihrerseits nicht überprüfen,
ob diese prozessrechtskonform und substantiiert in den Prozess eingebracht wur-
den. Die Beklagte macht auch nicht geltend, ihre entsprechende Darstellung sei
von der Vorinstanz nicht berücksichtigt oder trotz substantiierter Behauptungen
und entsprechenden Beweisofferten kein Beweis dazu abgenommen worden.
Aufgrund des Gesagten kann auf die Sachverhaltsdarstellung der Beklagten zur
Kausalität und zum Verschulden nicht weiter eingegangen werden.
5.4.3. Die Beklagte wirft der Vorinstanz vor, sie habe die Kausalität und das Ver-
schulden nicht weiter begründet und verkannt, dass der Kausalzusammenhang
zwischen einem Ereignis und einem Schaden als unterbrochen gelte, wenn eine
andere Ursache im Kausalverlauf eine derart hohe Intensität aufweise, dass die
andere Ursache bei wertender Betrachtung rechtlich als nicht mehr beachtlich er-
scheine. Grundlage für die Berücksichtigung des groben Selbstverschuldens als
Unterbrechungsgrund bilde dabei Art. 44 Abs. 1 OR. Das Selbstverschulden der
- 63 -
Klägerin wiege derart schwer, dass eine allfällige (bestrittene) Pflichtverletzung ih-
rerseits (der Beklagten) rechtlich als nicht mehr beachtlich erscheine. Die Klägerin
gestehe selber ein, dass die von ihr behaupteten G._-Betrügereien bereits im
Jahr 2002 hätten aufgedeckt werden können, wenn sie anstelle der Beklagten die
von den Schuldnern auszustellenden Dokumente einverlangt hätte. Bereits dieses
grosse Selbstverschulden führe zu einer Unterbrechung des Kausalzusammen-
hangs. Obwohl gewisse Dokumente gefehlt hätten, habe die Klägerin dieselben
als visiert vermerkt. Die Klägerin habe die Geschäfte mit der G._ im Willen
um all diese Unregelmässigkeiten getätigt und so den vermeintlichen Betrug erst
möglich gemacht. Dieses Selbstverschulden wiege derart schwer, dass es den
Kausalzusammenhang unterbreche (act. 384 Rz. 71 ff.).
5.4.4. Der Beklagten ist darin zuzustimmen, dass die Ausführungen der Vor-
instanz zur Kausalität und zum Verschulden äusserst knapp ausfallen. Mit der
Kausalität setzte sich die Vorinstanz allerdings bei der Beurteilung der Wider-
rechtlichkeit und der objektiven Tatbestandselemente des Betrugs auseinander,
im Zusammenhang mit der Frage, ob die Klägerin bei den beiden Vertragsschlüs-
sen hinreichende Vorsichtsmassnahmen traf. Dabei befand sie, dass trotz der
Leichtfertigkeit der Klägerin das betrügerische Wirken der Beklagten gegenüber
der Leichtfertigkeit der Geschädigten nicht in den Hintergrund trete (act. 387
E. 15.4.4 S. 125 ff.). Damit bejahte die Vorinstanz die Kausalität zwischen den
Täuschungshandlungen der Beklagten und dem bei der Klägerin eingetretenen
Schaden. Ergänzend ist Folgendes festzuhalten:
5.4.5. Ein natürlicher Kausalzusammenhang ist gegeben, wenn ein Verhalten un-
abdingbare Voraussetzung (sog. conditio sine qua non) für ein Schadensereignis
ist. Ob ein natürlicher Kausalzusammenhang vorliegt, ist eine Tatfrage. Ein adä-
quater Kausalzusammenhang liegt vor, wenn ein Umstand nicht nur conditio sine
qua non des Schadens, sondern auch "nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge
und den Erfahrungen des Lebens geeignet ist, einen Erfolg wie den eingetretenen
herbeizuführen oder mindestens zu begünstigen". Der Prüfung des adäquaten
Kausalzusammenhangs ist eine objektive Betrachtungsweise zugrunde zu legen;
das Bundesgericht entscheidet aufgrund einer retrospektiven Prognose, d.h. "un-
- 64 -
ter Auswertung aller ex post bekannten Umstände" (BGE 140 II 7 E. 3.4; BGE 135
IV 56 E. 2.2). Die adäquate Kausalität ist eine Rechtsfrage.
In der neueren Rechtsprechung des Bundesgerichts wird unter der Adä-
quanz im Haftpflichtrecht mitunter auf die ausgereifteren strafrechtlichen Kriterien
im Rahmen der weiter gefassten objektiven Zurechnung abgestellt, welche auch
die Frage nach der Reichweite des Schutzzwecks der Normen umfasst (BGer
4C.103/2005 vom 1. Juni 2005 E. 5.1; BGE 123 III 110 E. 3b). Im erstgenannten
Fall erwog das Bundesgericht, unter Berücksichtigung aller Umstände, aber auch
des Zwecks der einschlägigen Haftungsnorm sei danach zu fragen, ob der Eintritt
des Schadens bei wertender Betrachtung billigerweise noch dem Haftpflichtigen
zugerechnet werden dürfe.
Der adäquate Kausalzusammenhang wird unterbrochen, wenn zu einer an
sich adäquaten Ursache eine andere Ursache hinzutritt, die einen derart hohen
Wirkungsgrad aufweist, dass erstere nach wertender Betrachtungsweise als
rechtlich nicht mehr beachtlich erscheint. Entscheidend ist die Intensität der bei-
den Ursachen (BGE 130 III 182 E. 5.4). Nach der Rechtsprechung des Bundesge-
richts ist die Adäquanz natürlich kausaler Schadensursachen nur zu verneinen,
wenn "ganz aussergewöhnliche Umstände als Mitursache hinzutreten, mit denen
schlechterdings nicht gerechnet werden musste" (BGer 4A_115/2015 vom
3. März 2015 E. 6.4; BGer 6B_183/2010 vom 23. April 2010 E. 3, BGE 135 IV 56
E. 2.1).
5.4.6. Dass ein natürlicher Kausalzusammenhang zwischen dem Verhalten der
Beklagten und dem Schaden der Klägerin vorliegt, ist aufgrund des Beweisverfah-
rens erwiesen. Auch nach der Adäquanzformel steht ausser Frage, das die Hand-
lungen und Machenschaften der Beklagten im Zusammenhang mit den Forfaitie-
rungsgeschäften der Klägerin in Sachen L._ und M._ "nach dem ge-
wöhnlichen Lauf der Dinge und den Erfahrungen des Lebens geeignet" sind, den
eingetretenen Schaden herbeizuführen. Eine Unterbrechung des adäquaten Kau-
salzusammenhangs durch grobes Selbstverschulden der Klägerin und ihrer Mit-
arbeiter, wie es von der Beklagten behauptet wird, ist gestützt auf die unbestritte-
nen Sachverhaltsdarstellungen und die Ergebnisse des Beweisverfahrens zu prü-
- 65 -
fen. Die von der Beklagten in der Berufung neu bzw. ohne Bezug zur Beweiswür-
digung und die Erwägungen im angefochtenen Urteil vorgebrachten Tatsachen
(act. 384 Rz. 72 f.) sind nicht zu hören. Wie bereits bei der Beurteilung der Wider-
rechtlichkeit und des Tatbestandselementes der Arglist festgehalten, steht in tat-
sächlicher Hinsicht aufgrund der Ergebnisse des Beweisverfahrens fest, dass die
Beklagte in der fraglichen Zeit Geschäftsführerin und faktisches Organ der
G._ war, welche – wie die tatsächlich mit Schmiedepressen handelnde
I._ – zur H1._ gehörte. Die G._ schloss im Zusammenhang mit den
beiden Geschäften L._ und M._ Versicherungsverträge mit N._ ab.
Dies vermochte bei der Klägerin bzw. ihren Mitarbeitern den Anschein zu erwe-
cken, es handle sich um reale Verkaufsgeschäfte. Zwischen der Klägerin und der
G._ bestand vor Abschluss der hier interessierenden Verträge im Jahr 2009
eine langjährige Geschäftsbeziehung, in deren Verlauf die G._ unbestritte-
nermassen Forfaitierungskredite im Betrag von rund Euro 180 Mio. zurückbezahlt
hatte. Damit bestand im Zeitpunkt der beiden Überweisungen im August und Sep-
tember 2009 ein Vertrauensverhältnis zwischen den Mitarbeitern der Klägerin und
der Beklagten. Dass der Klägerin aufgrund einer erheblichen Leichtfertigkeit ihrer
Mitarbeiter ein gewisses Selbstverschulden vorzuwerfen ist, ändert nichts an den
Täuschungshandlungen der Beklagten, die gefälschte Bestellbestätigungen ver-
wendete. Angesichts der Handlungen der Beklagten kommt dem Selbstverschul-
den der Klägerin bzw. ihrer Mitarbeiter und Organe – entgegen der Darstellung
der Beklagten – kein derart hoher Wirkungsgrad bzw. keine derartige Intensität
zu, dass die Handlungen und Machenschaften der Beklagten rechtlich als nicht
mehr beachtlich erscheinen. Vielmehr ist ein adäquater Kausalzusammenhang zu
bejahen. Das Selbstverschulden der Klägerin ist gestützt auf Art. 44 OR im Rah-
men der Schadenersatzbemessung zu berücksichtigen (vgl. nachstehend E. 5.5).
5.4.7. Art. 41 Abs. 1 OR stellt eine Verschuldenshaftung dar, so dass naturge-
mäss ein Verschulden vorausgesetzt wird. Dabei spielt es für die Haftungsbe-
gründung keine Rolle, welche Art des Vorsatzes – Absicht, direkter Vorsatz oder
Eventualvorsatz – vorliegt; hingegen kann die Unterscheidung für die Schadener-
satzbemessung relevant sein. Die Beklagte weist zutreffend darauf hin, dass die
Vorinstanz das Verschulden als Haftungsvoraussetzung ohne weitere Ausführun-
- 66 -
gen bejaht hat. Dies ändert indessen nichts daran, dass die Beklagte – wie bereits
im Zusammenhang mit den subjektiven Tatbestandsmerkmalen des Betrugs fest-
gehalten (vgl. E. 5.3.12) – wusste, dass es sich bei den Geschäften mit L._
und M._ um fiktive Geschäfte handelte. Vor diesem Hintergrund steht ohne
weiteres fest, dass die Beklagte vorsätzlich vorging. Somit ist ein Verschulden der
Beklagten zweifellos zu bejahen.
5.5. Schadenersatzbemessung
5.5.1. Die Vorinstanz berücksichtigte das Selbstverschulden der Klägerin als Her-
absetzungsgrund im Sinne von Art. 44 OR. Dabei verglich sie das Verschulden
der Beklagten mit demjenigen der Klägerin bzw. deren Mitarbeiter. Sie sah die
Beklagte in ihrer Stellung als faktisches Organ der G._ als Haupttäterin, at-
testierte der Klägerin jedoch mit Bezug auf die Existenz der Schmiedepressen
und die stets von der G._ anstelle der Kunden geleisteten Rückzahlungen
ein erhebliches Selbstverschulden. Da mit Urteil vom 3. Oktober 2013 eine Her-
absetzung im Umfang von einem Drittel erfolgt und die Klageabweisung in diesem
Umfang rechtskräftig geworden war, fiel eine Herabsetzung um weniger als einen
Drittel ausser Betracht. Angesichts des deutlich schwerer wiegenden Verschul-
dens der Beklagten rechtfertigte sich nach Auffassung der Vorinstanz eine Herab-
setzung der Ersatzpflicht um einen Drittel (act. 387 E. 17.1 ff. S. 127 f.).
5.5.2. Im Zusammenhang mit ihrem Standpunkt, dass bei der Klägerin kein Scha-
den vorliege, beanstandet die Beklagte auch, dass die Vorinstanz aufgrund des
Selbstverschuldens der Klägerin nur eine Herabsetzung um einen Drittel vorge-
nommen habe (act. 384 Rz. 40 f.). Auf die Erwägungen der Vorinstanz geht die
Beklagte mit ihrer pauschalen Kritik aber nicht ein, weshalb nicht weiter darauf
einzugehen ist. Weiter macht die Beklagte geltend, die Vorinstanz hätte bei der
Berechnung der Summe nicht von der ursprünglich eingeklagten Summe, son-
dern vom (nach der rechtskräftigen Klageabweisung) noch im Streit liegenden Be-
trag von CHF 6'580'093.35 ausgehen müssen, was eine Summe von
CHF 4'386'728.90 ergeben hätte (act. 384 Rz. 42). Diese Argumentation verfängt
nicht. In tatsächlicher Hinsicht musste die Vorinstanz – mit den im Rückweisungs-
entscheid gemachten Vorgaben (vgl. vorne E. 2.3) – für die Beurteilung der Klage
- 67 -
vom gleichen Sachverhalt ausgehen wie vor der Rückweisung und damit von
einem Schaden von EUR 6'507'633.33. Lediglich mit Bezug auf den Umfang der
eingeklagten Forderung – mithin das im Rahmen der Dispositionsmaxime noch im
Streit liegende Quantitativ – durfte die Vorinstanz nach der rechtskräftigen Klage-
abweisung nicht mehr als CHF 6'580'093.35 zusprechen. Es scheint, die Beklagte
vermische bei ihren Überlegungen die Verhandlungs- mit der Dispositionsmaxi-
me. Da sie darüber hinaus nichts Konkretes gegen die Bemessung des Schaden-
ersatzes durch die Vorinstanz einwendet, hat es damit sein Bewenden. Die Re-
duktion des Schadenersatzes um einen Drittel ergibt den Betrag von
EUR 4'338'422.22.
- 68 -
5.6. Schlussfolgerungen
Die Vorinstanz bejahte die Haftungsvoraussetzungen Schaden, Widerrechtlich-
keit, Kausalzusammenhang und Verschulden auf der Basis des beweisrechtlich
erstellten Sachverhalts zu Recht und reduzierte den Schadenersatz aufgrund des
Selbstverschuldens der Klägerin um einen Drittel auf EUR 4'338'422.22. Wie von
der Klägerin beantragt, sprach die Vorinstanz den Schadenszins für die beiden
Teilforderungen ab dem 24. August 2009 bzw. ab dem 9. September 2009 zu,
was die Beklagte im Berufungsverfahren nicht beanstandet. Auch die Umrech-
nung des Eurobetrags in Schweizerfranken nahm die Vorinstanz im Zeitpunkt der
Auszahlungen entsprechend den Ausführungen der Klägerin vor. Auch dies wird
von der Beklagten im Berufungsverfahren nicht gerügt. Damit ist das Urteil der
Vorinstanz mit Gutheissung der Klage im Umfang von CHF 6'580'093.35 zuzüg-
lich Zins zu 5% auf CHF 3'353'426.67 seit dem 24. August 2009 und Zins zu 5%
auf CHF 3'226'666.67 seit dem 9. September 2009 und Abweisung im Mehrbetrag
vollumfänglich zu bestätigen.
6. Kosten- und Entschädigungsfolgen sowie unentgeltliche Rechtspflege
6.1. Die Beklagte bringt im Hinblick auf die Regelung der Kosten- und Entschä-
digungsfolgen des erstinstanzlichen Verfahrens im Eventualstandpunkt vor, diese
müssten auf der Basis der Schadenersatzsumme von CHF 4'386'728.90 berech-
net werden (act. 384 Rz. 79). Wie bereits dargelegt, geht die diesbezügliche
Überlegung der Beklagten jedoch fehl (vgl. vorstehend E. 5.5.2). Da das erstin-
stanzliche Urteil vollumfänglich zu bestätigten ist und die Beklagte weder die Hö-
he der Gerichtsgebühr noch diejenige der zugesprochenen Parteientschädigung
anficht, ist die Regelung der Kosten- und Entschädigungsfolgen für das erstin-
stanzliche Verfahren zu bestätigen.
6.2. Bei diesem Ausgang des Berufungsverfahrens wird die Beklagte kosten-
pflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO). Ausgehend von einem Streitwert von
CHF 6'580'093.35 beträgt die Grundgebühr rund CHF 86'550.– (§§ 12 Abs. 1 und
2 i.V.m. 4 Abs. 1 GebV OG).
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6.3. Parteientschädigungen sind keine zuzusprechen; der Beklagten nicht, weil
sie unterliegt, der Klägerin nicht, weil ihr durch das Berufungsverfahren keine ent-
schädigungspflichtigen Aufwendungen entstanden sind.
6.4. Eine Person hat Anspruch auf unentgeltliche Rechtspflege, wenn a) sie
nicht über die erforderlichen Mittel verfügt (sog. Mittellosigkeit) und b) ihr Rechts-
begehren nicht aussichtslos erscheint (Art. 117 ZPO). Die Beklagte hat ihre Mittel-
losigkeit im Sinne von Art. 117 lit. a ZPO mit aktuellen Belegen zu ihren finanziel-
len Verhältnissen dokumentiert (act. 384 Rz. 7 ff.; act. 386/4-7, 9). Allerdings wa-
ren die Erfolgschancen ihrer Berufung aufgrund der erdrückenden Beweis- und
der klaren Rechtslage von allem Anfang an als derart gering einzustufen, dass sie
als geradezu aussichtslos zu bezeichnen ist. Die Voraussetzungen für die Ge-
währung der unentgeltlichen Rechtspflege und die Bestellung eines unentgeltli-
chen Rechtsbeistands sind deshalb nicht erfüllt. Das Gesuch ist abzuweisen.