# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8d60be50-4ddb-45ad-9473-4db69538dba4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1963, arbeitete seit dem Jahre 1997 in einem Pensum von 50 % als Verkäuferin (Urk. 7/2 Ziff. 3), als am 21. April 2008 die Meldung zur Früherfassung bei der Invalidenversicherung erfolgte (Urk. 7/2). Nach einem Gespräch mit der zuständigen
Fachperson
der Sozialversicherungsanstalt des
Kantons Zürich, IV-Stelle (Urk. 7/4), meldete sich die Versicherte am 2. Juni 2008
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/8). Die IV-Stelle
klärte die medizinische
(Urk. 7/16, Urk. 7/18)
und erwerbliche
(Urk. 7/14, Urk. 7/17)
Situation ab
und führte von Juni 2008 bis Januar 2009 ein Job Coaching durch (vgl. Urk. 7/21). Nach ergangenem Vorbescheid (Urk. 7/26) ver
neinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 28. April 2009 einen Rentenanspruch der Versicherten (Urk. 7/27).
1.2
Auf
die
Neuanmeldung
vo
m 3. März 2011 (Urk. 7/30)
trat die IV-Stelle nach ergangenem Vorbescheid (Urk. 7/38) mit Verfügung vom 8. Juni 2011 nicht ein (Urk. 7/40)
.
Dagegen erhob die Versicherte mit Schreiben vom 17. Juni 2011 bei der IV-Stelle Beschwerde (Urk. 7/42) und beantragte sinngemäss eine
Neubeur
teilung
der Neuanmeldung. Dieses Schreiben wurde nicht ans
Sozialver
siche
rungsgericht
des Kantons Zürich weitergeleitet, vielmehr verneinte die IV-Stell
e
mit
Schreiben vom 11. Juli 2011 auch einen Anspruch auf berufliche Mass
nahmen
, stellte jedoch weitere Abklärungen
zum Beurteilen der Invalidität
in Aussicht
(Urk. 7/44). In der Folge
tätigte die IV-Stelle erwerbliche und medi
zini
sche Ab
klärungen und auferlegte der Versicherten mit Schreiben vom 25. März
2013 als Schadenminderungspflicht eine mindestens sechsmonatige
Sucht
mittel
ab
stinenz
(Urk. 7/66, vgl. auch Urk. 7/76, Urk. 7/97). Die beantragte
Kosten
über
nahme
für eine Neurofeedback-Therapie wies die IV-Stelle am 26. Septem
ber 2013 ab (Urk. 7/90), erteilte jedoch am 31. Januar 2014 Kostengutsprache
für ein Job-Coaching (Urk. 7/102, Urk. 7/104) und schloss die Arbeitsvermitt
lun
g am 4. August 20
14 ab (Urk. 7/112).
Nachdem d
as bei
Dr.
med. Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
therapie sowie Neurologie, in Auftrag gegebene Gutachten am 8. November 2014 erstattet
wurde (Urk. 7/126) und
am 20. Januar 2015
der
Haushaltsabklä
rungsbericht
eingegangen war (Urk. 7/130), verneinte die IV-Stelle n
ach durch
geführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/133, Urk. 7/136, Urk. 7/138-139)
mit Verfügung vom 15. Juli 2015
erneut
einen Rentenanspruch
der Versicherten
(Urk. 7/142 = Urk. 2).
2.
Die Versicherte erhob am 14. September 2015 Beschwerde gegen die Verfügung vom 15. Juli 2015 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und es seien ihr
Rentenleistungen ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt zuzusprechen
. Eventua
lit
er sei die Angelegenheit zu weiteren Abklärungen zurückzuweisen
(Urk. 1 S. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 20. Oktober 2015 die Ab
weisung der Beschwerde (Urk. 6). Mit Gerichtsverfügung vom 18. Januar 2016 wurden antragsgemäss (vgl. Urk. 1 S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die
Beschwerde
antwort
zugestellt (Urk. 8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrecht,
ATSG).
Sie kann Folge von
Ge
burtsgebrechen
, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen
werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Nach der Rechtsprechung führt Drogensucht (wie auch Alkoholismus und Medi
kamentenmissbrauch) als solche nicht zu einer Invalidität im Sinne des Geset
zes. Dagegen wird sie im Rahmen der Invalidenversicherung relevant, wenn sie eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher oder geistiger, die Erwerbsfähigkeit beeinträchtigender Gesundheitsschaden ein
getreten ist, oder wenn sie selber Folge eines körperlichen oder geistigen
Ge
sundheitsschadens
ist, dem Krankheitswert zukommt (BGE 124 V 265 E. 3c). Aus letzterem Leitsatz folgt nicht, dass die Auswirkungen einer Drogensucht, die ihrerseits auf einen Gesundheitsschaden zurückgeht, per se
invaliditätsbe
gründend
sind. Die zitierte Praxis setzt vielmehr den Grundsatz um, dass funk
tionelle Einschränkungen nur anspruchsbegründend sein können, wenn sie sich als Folgen selbstständiger Gesundheitsschädigungen darstellen (Art. 6 ff. ATSG und Art. 4 Abs. 1 IVG). Insofern verhält es sich ähnlich wie im Verhältnis zwi
schen psychosozialen oder soziokulturellen Umständen und fachärztlich festge
stellten psychischen Störungen von Krankheitswert (BGE 127 V 294 E. 5a): Wo die Gutachter im Wesentlichen nur Befunde erheben, welche in der Drogensucht ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in dieser aufgehen, ist kein inva
lidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben. Dies trifft zu, wenn da
von auszugehen ist, dass sich beispielsweise ein depressives Zustandsbild bei einer (angenommenen) positiven Veränderung der suchtbedingten psychosozia
len Problematik wesentlich bessern (und die damit verbundene Beeinträchti
gung des Leistungsvermögens sich entsprechend verringern) würde (Urteil des Bun
desgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober
2015 E. 2.2.1 unter Hinweis auf
8C_580/2014 vom 11. März
2015 E. 2.2.1 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013
E. 2.2.1).
Angesichts der insoweit finalen Natur der Invalidenversicherung (BGE 120 V 95 E. 4c; Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Aufl. 2014,
Rz
51 zu Art. 4 IVG) ist nicht entscheidend, ob die Drogensucht Folge eines körperlichen oder geistigen Gesundheitsschadens ist oder ob die Sucht aus
serhalb eines Kausalzusammenhangs mit dem versicherten
Gesundheitsscha
den
steht. In beiden Konstellationen sind reine Suchtfolgen IV-rechtlich irre
le
vant, soweit sie als solche allein leistungsmindernd wirken. Hingegen sind sie gleich
ermassen IV-rechtlich relevant, soweit sie in einem engen Zusammenhang mit einem eigenständigen Gesundheitsschaden stehen. Dies kann der Fall sein, wenn die Drogensucht – einem Symptom gleich – Teil eines
Gesundheitsscha
dens
bildet (BGE 99 V 28 E. 3b); dies unter der Voraussetzung, dass nicht allein
die unmittelbaren Folgen des Rauschmittelkonsums, sondern wesentlich auch der psychiatrische Befund selber zu Arbeitsunfähigkeit führt. Sodann können selbst reine Suchtfolgen invalidisierend sein, wenn daneben ein psychischer Gesundheitsschaden besteht, welcher die Betäubungsmittelabhängigkeit auf
recht erhält oder deren Folgen massgeblich verstärkt. Umgekehrt können die Auswirkungen der Sucht (unabhängig von ihrer Genese) wie andere psycho
so
ziale Faktoren auch mittelbar zur Invalidität beitragen, wenn und soweit sie den Wirkungsgrad der Folgen eines Gesundheitsschadens beeinflussen (Urteil des Bundesgerichts 8C_582/2015 vom 8. Oktober 2015 E. 2.2.2 unter Hinweis auf 8C_580/2014 vom 11. März
2015 E. 2.2.2 und 9C_856/2012 vom 19. August 2013 E. 2.2.2).
Im
erwähnten Urteil 8C_582/2015
vom 8. Oktober 2015
E. 4
hat das Bundesge
richt entschieden, dass die Rechtsprechung
gemäss
BGE 141 V 281 psychoso
matische Leiden betrifft und auf Suchtproblematiken nicht anwendbar ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_6/2016 vom 3. Februar 2016 E. 4.2.3 mit Hinweis auf die Kritik
von
Liebrenz
/
Uttinger
/Ebner, Sind Abhängigkeitserkrankungen aus höchstrichterlicher Sicht [weiterhin] nicht mit anderen psychischen Störun
gen [z.B.
somatoformen
Störungen] vergleichbar? - Eine Urteilsbesprechung von BGE 8C_582/2015 im Lichte der theoretischen Anwendbarkeit des
ergeb
nis
offenen
, strukturierten Beweisverfahrens, in: SZS 2016 S. 96; ferner:
Liebrenz
at
alii
, Das Suchtleiden bzw. die Abhängigkeitserkrankungen - Mög
lichkeiten der Begutachtung nach
BGE 141 V 281
[= 9C_492/2014]
, in: SZS 2016 S.
12).
1.4
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Vor
aussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im
Revi
sionsgesuch
glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17
Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2
). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und her
nach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle
Prüfungs
pflicht
auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E.
3a, 109 V 108 E.
2b).
Ändert sich der Invaliditätsgrad einer Rentenbezügerin oder eines
Renten
be
zügers
erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, herabgesetzt oder aufgehoben (Art. 17 Abs. 1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente nicht nur bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes, sondern auch dann
revidier
bar
, wenn sich die erwerblichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (BGE 130 V 343 E.
3.5 mit Hinweisen). Eine Veränderung der gesundheitlichen Verhältnisse liegt auch bei gleich gebliebener Diagnose vor, wenn sich ein Leiden in seiner Intensität und in seinen Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit verändert hat (Urteile des Bundesgerichts 9C_261/2009 vom 11.
Mai
2009 E.
1.2 und I 212/03 vom 28. August 2003 E. 2.2.3). Dagegen stellt die bloss unterschiedliche Beurteilung
der Auswirkungen eines im Wesentlichen unverändert gebliebenen Gesund
heit
s
zu
standes auf die Arbeitsfähigkeit für sich allein genommen keinen
Revisions
grund
im Sinne von Art. 17 Abs. 1 ATSG dar. Zeitliche Vergleichsbasis für die Beurteilung einer anspruchserheblichen Änderung des Invaliditätsgrades bilden die letzte rechtskräftige Verfügung oder der letzte rechtskräftige
Einspracheent
scheid
, welche oder welcher auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und
Invaliditäts
be
messung
beruht (BGE 133 V 108; vgl. auch BGE 130 V 71 E. 3.2.3; Urteil des Bundesgerichts 9
C_438/2009 vom 26. März 2010 E. 2.
1 mit Hinweisen).
1.5
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.6
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im
Be
schwerdefall
das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu
Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b.cc).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Bei der erstmaligen Rentenprüfung im April 2009 ging die Beschwerdegegnerin davon aus, dass aufgrund eine
r bestehenden Verdachtsdiagnose
sowie einer derzeit nicht vorhandenen Störung kein invalidenversicherungsrechtlich rele
vanter Gesundheitsschaden ausgewiesen sei (Urk. 7/27 S. 1).
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin
sodann
,
es werde aus medizinischer Sicht primär von einem Suchtgeschehen ausgegangen, seit der letzten Revision sei eine Verbesserung des Gesundheitszustandes festgestellt worden. Die Arbeitsfähigkeit sei lediglich aufgrund des Suchtgeschehens ein
geschränkt, dies sei jedoch versicherungspsychiatrisch nicht relevant. Es liege kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden vor. Das Vorliegen einer rezidivierenden Depression, aktuell
leichtgradige
Episode, sei im Rahmen der Abklärungen anerkannt worden. Diese Diagnose begründe jedoch keine Invalidität. Die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung erfordere
definiti
onsgemäss
nicht nur das aktuelle Vorhandensein von derartigen Symptomen, sondern ebenso das Vorhandensein seit dem frühen Erwachsenenalter. Die Be
schwerdeführerin habe jedoch bis ins Jahre 1991 zu 100 % arbeiten können, es lägen keine biografischen Belege für eine Persönlichkeitsstörung nach ICD-10 vor. Im Alter von 16 Jahren habe die Beschwerdeführerin begonnen, Cannabis
zu konsumieren. Eine gravierende psychische Erkrankung vor Beginn des
Sucht
geschehens
sei nicht belegt, somit sei von einer primären Sucht auszuge
hen (Urk. 1 S. 2).
2.2
Dem hielt die Beschwerdeführerin entgegen,
das psychiatrische Gutachten ge
nüge den beweisrechtlichen Anforderungen nicht.
Es werde ungenügend Bezug
auf die vorhandenen Akten genommen und würdige die Krankheitsentwicklung der Depression nicht in
rechtsgenüglicher
Weise. Es werde vom Gutachter pos
tuliert, bezüglich des Substanzkonsums handle es sich eher um ein primäres Suchtproblem, da es in den frühen 90er Jahren der Depression vorausgegangen sei. In den Akten sei jedoch erwähnt, dass eine mittelgradige depressive Episode seit zirka 1980 bestehe, ein Suizidversuch habe sich ungefähr 1983 ereignet. Diese biografischen Daten seien klare und wichtige Indizien für eine bereits frü
her vorliegende psychische Störung, weshalb der Substanzkonsum als überwie
gend wahrscheinlich sekundär zu betrachten sei (Urk. 1 S. 4 f. Ziff. 4.1). Selbst wenn die Sucht ein primäres Leiden darstellen würde, wäre es mitnichten so, dass in einem solchen Fall ein invalidenversicherungsrechtlich relevanter Gesundheitsschaden per se ausgeschlossen sei.
Erforderlich sei lediglich, dass auch ein anderer Gesundheitsschaden vorliege, der mit der Sucht in Zusammen
hang stehe. Bei Bejahung eines solchen Zusammenhanges mit einer anderen
Erkran
kung sei auch die Sucht vollumfänglich zu berücksichtigen (S. 5 Ziff. 4.
2). Sie leide seit Jahren an einer rezidivierenden depressiven Störung von unter
schied
lichem Schweregrad. Neben diesem eigenständigen depressiven Leiden seien die weiteren fachärztlich diagnostizierten Erkrankungen im Hinblick auf die Morbi
dität insgesamt von entscheidender Bedeutung für Befinden, Arbeits
fähigkeit und die weitere Prognose. Dieser Tatsache trage der Gutachter nicht Rechnung, was zu beanstanden sei
(S. 5 f. Ziff. 5)
.
Anhand der Kranken
ge
schichte und der eingeholten Arztberichte sei erstellt, dass sie an einem eigen
ständigen
Gesund
heitsschaden
mit Krankheitswert leide.
Eine solche sei auch dann invalidisie
rend, wenn sie durch belastende psychosoziale oder soziokul
turelle Faktoren ausgelöst worden sei. Anders wäre es nur dann, wenn bereits die blosse Ände
rung der psychosozialen Umstände die Erkrankung unmittelbar
verschwinden liesse und zu einer Wiedererlangung der Arbeitsfähigkeit führen würde (S. 6 Ziff. 6).
Das Restleistungsvermögen in der Tätigkeit als
Altenpfle
gerin
habe der Gutachter auf 30 Stunden pro Woche beziffert, ohne dies jedoch weiter zu be
gründen. Es sei nicht nachvollziehbar, weshalb die vom Gutachter beschriebe
nen Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit in der früheren Tätigkeit bei
Z._
nicht auch für die aktuelle Tätigkeit als Altenbetreuerin bestehen würden
. Im Rahmen des durchgeführten Job-Coaching habe sich klar heraus
gestellt, dass maximal eine 50%ige Leistungsfähigkeit besteh
e
(S. 7 Ziff. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob und in welchem Ausmass sich der Gesundheitszu
st
and und die Arbeitsfähigkeit der
Beschwerdeführer
in
seit der ersten
Rentenab
weisung
im April 2009 verändert haben.
3.
3.1
Der ursprüngliche anspruchsverneinende Entscheid vom 28. April
2009 (Urk. 7/27
)
erging insbesondere gestützt auf folgende medizinischen Berichte (vgl. Feststellungsblatt vom 24. Februar 2009, Urk. 7/24).
3.2
Vom 26. November 2007 bis 11. März 2008 war die Beschwerdeführerin in der
A._
, Privatklinik für Psychiatrie, hospitalisiert. In ih
rem
Bericht vom 25. Juli 2008 nannten die Ärzte folgende Diagnosen (Urk. 7/16
S. 2
Ziff. 2.1):
m
ittelgradige depressive Episode
, bestehend seit circa 1980,
mit Suizid
versuch am 24. November 2007
Verdacht auf Alkoholabhängigkeitssyndrom, Differentialdiagnose: schäd
li
cher Alkoholmissbrauch
e
motional-instabile Persönlichkeitszüge
Status nach Suizidversuch zirka 1983
Status nach dreimonatig
em intravenösem Heroingebrauch in den 1990er-Jahren
Die Beschwerdeführerin sei aufgrund einer Krisensituation bei einer länger andau
ernden depressiven Episode freiwillig eingetreten. Sie habe sich kraftlos gefühlt, eine innere Leere und ein Gefühl der Gefühllosigkeit beschrieben und
habe
nur noch funktioniert. Wenige Tage vor der Aufnahme sei die Situation eska
liert, sie habe sich das Leben nehmen wollen und sich Pulsaderschnitte zuge
fügt. Nun wolle sie sich im geschützten Rahmen in einer Klinik stabilisieren (S. 3). Die Arbeitsfähigkeit könne nicht beurteilt werden (S. 2 Ziff. 3 und S. 6 Ziff. 6.2).
3.
3
Die Ärzte des
B._
nannten in ihrem Bericht vom 25. August 2008 folgende Diagnosen (Urk. 7/18 Ziff. 1.1):
rezidivierend
e
depressive Störung, derzeit leichte Episode
Verdacht auf emotional-instabile Persönlichkeitsstörung
Störung durch Alkohol, derzeit abstinent
In der Zeit vom 26. November 2007 bis 13. April 2008 sei die Beschwerdeführe
rin als Mitarbeiterin im Verkauf vollständig arbeitsunfähig gewesen, seither be
stehe eine Arbeitsunfähigkeit von 30 % (Ziff. 2). Der Gesundheitszustand sei
mittels Weiterführung der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung besse
rungsfähig (Ziff. 4.1-2).
Das Konzentrationsvermögen, die Anpassungs
fähigkeit sowie die Belastbarkeit seien eingeschränkt (Ziff. 5.1). Es sei eine beruf
liche Umstellung zu prüfen. In der bisherigen Tätigkeit könne der Be
schwerde
führerin seit dem 14. April 2008 ein Pensum von zwölf Stunden wöchentlich zugemutet werden, in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ein solches von 20 bis 25 Wochenstunden (Ziff. 5.2). Die Gesundheit der Beschwerdeführerin sei in einem gewissen Grad auch vom Verhältnis zu ihrer Tochter und der Bewälti
gung der Erziehung der Tochter abhängig. Zudem würden finanzielle Probleme das Zustandsbild destabilisieren. Sie sei von der Sozialhilfe abhängig und könne mit dem Geld gerade die laufenden Zahlungen bestreiten. Es komme immer wieder zur Befürchtung, das Geld könne nicht ausreichen. Sie fühle sich dann jeweils deutlich unfähig und wertlos, was wiederum der Stabilität nicht zuträg
lich sei (Ziff. 5.3).
3.
4
Dr.
med. C._
, Facharzt für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), hielt am 31. Januar 2009 fest, die angegebenen Diagnosen würden keine Arbeitsunfähigkeit bedingen, insbesondere da es sich im einen Fall um eine Verdachtsdiagnose und im anderen Fall um eine aktuell nicht vorhandene Störung handle. Ein invalidenversicherungsrechtlich relevan
ter Gesundheitsschaden könne nicht gesehen werden (Urk. 7/24 S. 3).
4.
4.1
In ihrem Bericht vom
17. Juni 2011 nannten die Ärzte des
D._
folgende Diagnosen (Urk. 7/41 S. 1):
rezidivierend depressive Störung, derzeit schwere depressive Episode;
Sui
zidversuch
am 24. November 2007, Suizidversuch zirka 1983
Persönlichkeitsakzentuierung mit emotional instabilen Zügen
Kokainabhängigkeitssyndrom, episodischer Substanzgebrauch
schädlicher Gebrauch von Alkohol
schädlicher Gebrauch von MDMA
schädlicher Gebrauch von Cannabis
Nachdem die Beschwerdeführerin in den Jahren 2009 und 2010 zunächst einen stabilen Verlauf gehabt habe, sei sie Ende 2010 erneut in eine depressive Krise geraten, die bis heute anhalte. Nach ihrem letzten Klinikaufenthalt sei es ihr nie gelungen, mehr als 50 % zu arbeiten, obwohl sie mehrere Versuche unternom
men habe, die Arbeitsfähigkeit zu steigern. Nachträglich sei deshalb davon aus
zugehen, dass bereits seit mehr als zwei Jahren eine dauernde Arbeitsunfähig
keit von 50 % bestehe. Nun sei auch die Restarbeitsfähigkeit gefährdet, inzwi
schen habe die Patientin seit
A
nfang Juni 2011 zu 100 % krankgeschrieben werden müssen. In diesem Sinne habe sich die Situation gegenüber der damali
gen Situation, als die erste Anmeldung erfolgt sei, doch wesentlich geändert (S. 2).
4.2
Vom 29. Dezember 2011 bis 23. Januar 2012 war die Beschwerdeführerin er
neut in der
A._
hospitalisiert. In ihrem Bericht vom 30. Januar 2012 nannten die Ärzte folgende Diagnosen (Urk. 7/52 Ziff. 1.1):
psychische und Verhaltensstörungen durch Kokain,
Abhängigkeitssyn
drom
mit gegenwärtigem Substanzgebrauch
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol,
Abhängigkeitssyn
drom
mit episodischem Substanzgebrauch
psychische und Verhaltensstörungen durch Tabak,
Abhängigkeitssyn
drom
mit gegenwärtigem Substanzgebrauch
psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien (MDMA, Ecstasy, Speed), schädlicher Gebrauch
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
Probleme mit Bezug auf Persönlichkeitsakzentuierung mit emotional-insta
bilen Zügen
Die Beschwerdeführerin habe sich zur zweiten freiwilligen
Hospitalisation
vor
gestellt. Sie berichte, sie nehme seit zirka zweieinhalb Jahren Kokain ein, wobei sich der Konsum in den letzten Monaten auf mehrmals wöchentlich gesteigert habe. Wenn sie kein Kokain beschaffen könne, nehme sie stattdessen diverse Stimulanzien in wechselnden Mengen ein
. Es bestehe ausserdem eine langjäh
rige Alkoholproblematik, wobei sie nach dem letzten Klinikaufenthalt im Jahre 2008 zunächst abstinent gewesen sei. Seit Anfang des Jahres 2011 trinke sie wieder zunehmend, bezeichne ihren Konsum jedoch als kontrolliert. Psychisch gehe es ihr eher schlecht, sie leide unter einer rezidivierenden depressiven Stö
rung und habe den Eindruck, sich erneut in einer akuten depressiven Phase zu befinden. Die Beschwerdeführerin sei motiviert für eine stationäre mehrmona
tige Entwöhnungstherapie, die Prognose sei deshalb gut (Ziff. 1.4).
Während der stationären Behandlung sei die Beschwerdeführerin vollständig arbeitsunfähig gewesen (Ziff. 1.6).
In Bezug auf die
bisherige Tätigkeit bestehe eine vermin
derte Konzentrationsfähigkeit und Belastbarkeit, eine affek
tive Labilität, An
triebsschwäche und eine Beeinträchtigung durch
Craving
.
Ins
gesamt bestehe eine deutlich verminderte Belastbarkeit. Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen wie auch
in
eine
r
behinderungsangepassten Tätigkeit könne erst nach Abschluss der stationären Langzeittherapie beurteilt werden (Ziff. 1.7).
4.3
Nach einer dritten
Hospitalisation
vom 12. April bis 4. Mai 2012 in der
A._
nannten die Ärzte im Austrittsbericht vom 19. Juni 2012 folgende Diagnosen (Urk. 7/58 Ziff. 1):
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, ohne so
matisches Syndrom
Störungen durch
Cannabinoide
, Abhängigkeitssyndrom mit ständigem Substanzgebrauch
Störungen durch Kokain, Abhängigkeitssyndrom mit gegenwärtigem
Sub
stanzgebrauch
psychische und Verhaltensstörungen durch andere Stimulanzien (MDMA, Ecstasy, Speed), einschliesslich Koffein, schädlicher Gebrauch
Störungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom mit gegenwärtigem
Sub
stanzgebrauch
Störungen durch Tabak, Abhängigkeitssyndrom mit episodischem
Sub
stanzgebrauch
Status nach Suizidversuch 1983 und November 2007
Polyarthritis, nicht näher bezeichnet
Nach dem letzten Austritt aus der
A._
im Januar 2012 sei die Beschwerdeführerin in die
E._
überge
treten. Dort sei sie am 14. März 2012 jedoch wieder ausgetreten, da sie sich ein
geengt gefühlt und ihr die Therapie nicht zugesagt habe. Sie wolle nun den Ent
zug in der
A._
durchführen, damit sie im Anschluss ins
F._
in die dortige Tagesklinik übertreten könne. Sie wolle auch gerne wieder zu Hause wohnen, da sie sich um ihre 18-jährige Tochter kümmern müsse (S. 2 Ziff. 2).
Neben der medikamentösen Behandlung habe die Beschwerdeführerin regelmässig und gut motiviert am dreiwöchigen gruppentherapeutischen Therapieprogramm teilgenommen und sich sehr enga
giert und selbständig
um einen Platz im
G._
ge
kümmert. Dabei habe sie ein ausgesprochenes Organisationstalent gezeigt
und
habe ihr zu Beginn des Aufenthaltes gesetztes Ziel hartnäckig verfolgt. In den Gruppen sei die Beschwerdeführerin ebenfalls engagiert und gut integriert ge
wesen und sei von ihren Mitpatienten geschätzt worden. Am 4. Mai 2012 sei sie ausgetreten und bei fehlender Selbst- oder Fremdgefährdung in die
G._
übergetreten (S. 3).
4.4
Vom 7. Mai bis 16. November 2012 wurde die Beschwerdeführerin in der
Tages
klinik
des
G._
behandelt. In ihrem Bericht vom 22. November 2012 nannten die Ärzte folgende Diagnosen (Urk. 7/63 Ziff. 1.1):
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode, ohne so
matisches Syndrom
Störung durch
Cannabinoide
,
schädlicher Gebrauch, episodischer
Sub
stanzgebrauch
Störung durch Kokain, Abhängigkeitssyndrom
episodischer
Substanzge
brauch
Störung durch Alkohol/Abhängigkeitssyndrom, episodischer
Substanz
gebrauch
Status nach schädlichem Gebrauch von Stimulanzen
(MDMA, Ecstasy, Speed)
Status nach Suizidversuch 1983 und 2007
Hepatitis-C positiv
Die Beschwerdeführerin beschreibe sich selber als chronisch depressiv. Zu den rezidivierenden depressiven Episoden bestehe eine Suchtanamnese. Im Alter von 16 Jahren habe sie mit dem Cannabiskonsum begonnen, mit 28 Jahren habe sie über drei Monate Heroin konsumiert, diesen jedoch wieder beendet. Seit dem Jahre 1995 beschreibe sie den Beginn einer Alkoholabhängigkeit (S. 2 Ziff. 1.4). Die prognostische Einschätzung sei sehr schwierig, da bislang keine länger an
dauernde abstinente Phase gelungen sei und der Suchtmittelkonsum auf den weiteren Verlauf sehr wohl einen grossen Einfluss habe. Es bestünden mehrere psychosoziale Belastungsfaktoren, welche den prognostischen Verlauf deutlich mit beeinflussten. Nach wie vor bestehe ein anhaltender episodischer
Substanz
gebrauch
von Kokain, Alkohol und Cannabis (S. 3 oben). Die Beschwerdeführe
rin habe über 15 Jahre in einem Pensum von 50 % als Verkäuferin gearbeitet, seit Oktober 2012 sei sie jedoch stellenlos
(S. 3 Ziff. 1.6)
. Aktuell bestehe eine
verkürzte Leistungsspanne mit Konzentrationsproblemen, verringerter Belast
bar
keit mit rascher Erschöpfung. Aus medizinischer Sicht sei die bisherige Tä
tigkeit
noch zumutbar. Voraussichtlich werde die Beschwerdeführerin ab De
zember 2012
zu 50 % arbeitsfähig geschrieben und sich bei der regionalen RAV-Stelle an
mel
den. Aufgrund der bestehenden depressiven Symptomatik so
wie dem episo
di
schen multiplen Substanzgebrauch bestehe nach wie vor eine verringerte Belast
barkeit. Die Beschwerdeführerin gerate vor dem Hintergrund einer akzentuierten Persönlichkeitsstruktur rasch in Überforderungszustände und reagiere dabei mit sozialem Rückzug und Substanzgebrauch
. Im jetzigen Zeitpunkt sei mit der ge
nannten Symptomatik von einer maximalen Arbeitsfä
higkeit von 50 % auszu
gehen. Eine stufenweise Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit mit unterstützen
den Massnahmen sowie einer vorangehenden intensi
ven suchtspezifischen Be
handlung würde den weiteren Verlauf positiv beein
flussen
(S. 3 Ziff. 1.
7
).
4.5
Der Hausarzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, teilte am 7. Juni 2013 mit, die Beschwerdeführerin habe wegen ihrer gesundheitlichen Beschwerden die meiste Zeit des vergangenen Jahres in Kliniken verbracht. Sie sei unter anderem depressiv, neige zu Suchtverhalten und stehe schon seit län
gerer Zeit in psychiatrischer Behandlung und unter Psychopharmaka. Viele ihrer Beschwerden würden einer ADS bei Erwachsenen entsprechen und er sei si
cher, dass ein Versuch mit einer Neurofeedback-Therapie einen sehr positiven Effekt haben würde (Urk. 7/79).
4.6
In einem weiteren, undatierten Bericht, bei der Beschwerdegegnerin eingegan
gen am 31. Oktober 2013, nannte Dr.
I._
folgende Diagnosen
mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 7/95 Ziff. 1.1):
Depression
ADHS
Substanzenmissbrauch
Als weitere Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er so
dann eine Hepatitis C sowie eine Polyarthrose (Ziff. 1.1). Die Neurofeedback-Therapie zeige bereits gute Erfolge, die Beschwerdeführerin sei nun schon ein paar Monate vollkommen abstinent von allen Substanzen, was ihr selber auch Freude mache und ihr Selbstvertrauen stärke (Ziff. 1.4). Bis auf weiteres sei sie vollständig arbeitsunfähig (Ziff. 1.6), sie sei im Moment einfach psychisch noch nicht belastbar, weshalb sie nur schon das Suchen einer Arbeitsstelle mit den nicht vermeidbaren Absagen sehr schwer mitnehme und aus dem Gleis werfe (Ziff. 1.7). Er gehe davon aus, dass, wenn sich die Beschwerdeführerin stabili
siert habe, eine leichte Arbeitstätigkeit wenigstens halbtags möglich sein werde (Ziff.
1.8).
Am 16. Dezember 2013 erklärte Dr.
I._
, die Beschwerdeführerin komme regelmässig einmal pro Woche zur Urinkontrolle und regelmässig zur
Blutkon
trolle
(Urk. 7/96 Ziff. 1.5). Diese seien glücklicherweise immer negativ und die
Beschwerdeführerin gebe glaubhaft an, dass sie keinen Substanzmissbrauch mehr
betreibe. Im Moment sei sie bei einem Psychiater in Behandlung. Nach zehn Neurofeedback-Therapiebehandlungen sei sie schon viel ruhiger und ent
span
n
ter geworden (Ziff. 1.4). Sie sei weiterhin bis auf weiteres vollständig ar
beits
unfähig (Ziff. 1.6). Die Problematik der Arbeitsfähigkeit sei im Moment eher das Finden einer geeigneten Teilzeitarbeitsstelle bei der Anamnese der Be
schwerde
führerin (Ziff. 1.8).
4.7
Die Ärzte des
B._
nannten in ihrem Bericht vom 31. Januar 2014 folgende Diagnosen (Urk. 7/105 Ziff. 1.1):
rezidivierende Depression,
chronifiziert
, aktuell leicht- bis mittelgradig
gemischte Persönlichkeitsproblematik, mit selbstunsicheren, abhängigen und emotional instabilen Anteilen
Störung durch Alkohol, Kokain, Heroin, derzeit abstinent
anamnestisch ADHS
Bei der Beschwerdeführerin zeige sich ein langjähriger Krankheitsverlauf mit wiederholt auftretenden Depressionen bei zugrundeliegender
Persönlichkeits
stö
rung
und Folgen
des langjährigen Substanzkonsums. Aufgrund dieser Proble
matik sei, auch bei aktueller Verbesserung des Zustandsbildes seit
Be
handlungs
beginn
, immer wieder eine Exazerbation der Beschwerden möglich. Inwiefern eine wesentliche Verbesserung von Befinden und Arbeitsfähigkeit zu erwarten
sei, müsse der Verlauf zeigen
. Eine vollständige
Restitutio
ad
integrum
und volle
Leistungsfähigkeit sei aber, auch langfristig, wenig wahrscheinlich (Ziff. 1.4). Die Patientin leide unter ausgeprägter Instabilität der Stimmung im Alltag, bei
chronifizierter
Depression. Unter psychischer und/oder körperlicher Belastung
dekompensiere
sie relativ schnell.
Sie sei nicht in der Lage, eine lange Arbeits
woche durchzustehen. Sowohl körperlich als auch psychisch sei für sie nur eine Tätigkeit mit reduziertem Pensum denkbar. Auch über den Tag dürften nur eine Tätigkeit von einigen Stunden und/oder häufige Pausen notwendig sein. Die bisherige Tätigkeit sei im Rahmen von 50 % noch zumutbar. In wel
cher Form und in welcher Aufteilung bezüglich Zeit und
Leistung müsse sich noch zeigen (Ziff. 1.7). Die Beschwerdeführerin habe eine Tätigkeit in der Be
treuung und
Pflege alter Menschen begonnen. Diese betrage derzeit einige Stunden pro Woche
und solle langsam bis auf ein Pe
nsum von 50 % gesteigert werden (Ziff. 1.11). Diese Angaben würden seit dem 9. September 2013 gelten (S. 7).
4.8
Am 19. März 2014 führte Dr.
I._
bei unveränderter Diagnose (Urk. 7/107
Ziff. 1.1) aus, die Beschwerdeführerin komme regelmässig zur Kontrolle (Ziff. 1.2
). Abgesehen von einem einmaligen positiven Ausrutscher sei sie re
gel
mässig in allen getesteten Parametern negativ gewesen. Die Patientin gebe sich Mühe, habe jedoch im Dezember, vielleicht auch jahreszeitenbedingt, eine massive depressive Verschlechterung erlitten, von welcher sie sich nun wieder einigermassen erholt habe (Ziff. 1.4). Sie versuche, einige Stunden zu arbeiten (Ziff. 1.6). Die Arbeitsfähigkeit könne, falls sie im Beruf genügend Arbeit finde, sicher bis auf 40 % oder höchstens 50 % gesteigert werden (Ziff. 1.9).
4.9
Im Abschlussbericht der
J._
vom 27. August 2014 über das Job-Coaching hielten die Verantwortlichen
fest, die Beschwerdeführerin sei mit einem 10%-Pensum gestartet und habe das
Ar
beits
pensum
innerhalb von drei Monaten auf 40 % erhöhen können. Ziel sei es ge
wesen, mindestens ein 50%-Pensum zu erreichen (Urk. 7/121 S. 1 Ziff. 1). Der behandelnde Arzt habe bestätigt, dass sie derzeit höchstens
zu
50 %
ar
beitsfähig sei und eine weitere Erhöhung zu früh wäre. Weil die berufliche Situ
ation es erfordert habe, vorübergehend 60 % zu arbeiten, hätten sie beschlossen, diese
Pensumerhöhung
für ein paar Tage auszuprobieren. Die Beschwerdeführe
rin sei mit dem Pensum überfordert gewesen, was sich durch
Abgrenzungs
probleme
wäh
rend und Erschöpfung nach der Arbeit gezeigt habe. Im Verlauf der nächsten Wochen sei es aber doch möglich gewesen, das Pensum auf knapp 50 % auszubauen. Sie arbeite nun seit unterdessen drei Monaten in einem 48%
-
Pensum ohne Absenzen,
ohne grössere gesundheitliche
Schwankungen und ohne Suchtmittelmissbrauch
(S. 2 oben)
.
Während der Phase des Coachings sei die Beschwerdegegnerin gesundheitlich mehrheitlich stabil gewesen
. Im Ge
spräch habe sich bestätigt, dass die Arbeit sie gesundheitlich nicht belaste sondern unterstütze. Seit der Anstellung gehe es ihr gesundheitlich besser. Es könne von einer 50%igen Leistungsfähigkeit ausgegangen werden (S. 2 unten).
4.10
Am 22. Oktober 2014 wurde die Beschwerdeführerin im Auftrag der
Beschwer
degegnerin
durch
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie sowie Facharzt für Neurologie, begutachtet. Für sein Gutachten vom 8. November 2014 (Urk. 7/126) stützte er sich auf die vorhandenen Akten sowie die eigene Untersuchung (S.
2) und nannte sodann
als
Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivierende depressive Störung, aktuell
leichtgradige
Episode. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit führte Dr.
Y._
sodann folgende auf (S. 20):
Kokain-Abhängigkeit, derzeit abstinent
Alkoholabhängigkeit
Cannabis-Abhängigkeit, derzeit abstinent
Seiner Einschätzung nach habe sich der Grad der Arbeitsfähigkeit seit der letzten Revision verändert, es handle sich um eine Verbesserung des Gesund
heits
zustandes. Dies ergebe sich zum
einen
aus dem aktuell erhobenen psy
chopa
thologischen Befund, in welchem sich nur wenig Auffälligkeiten gezeigt hätten.
Des Weiteren habe sich, ausweislich der Unterlagen und der
Eigenanam
nese
der Versicherten, die Gesamtsituation dahingehend deutlich stabilisiert, dass sie mittlerweile einer regelmässigen Arbeitstätigkeit nachgehe und, von
vereinzel
ten Rückfällen abgesehen, im Wesentlichen bezüglich des
Substanz
kon
s
ums
abstinent geblieben sei (S. 21). Aktuell bestehe eine 50%ige Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit in der früheren Tätigkeit bei
Z._
, es bestehe ein
Restleis
tungsvermögen
von vier Stunden für die frühere Tätigkeit. Dies sei bedingt durch die rezidivierende depressive Störung bei aktuell
leichtgradiger
depressi
ver Ausprägung und damit verbundener Antriebsminderung und gene
rell redu
zierter seelischer Belastbarkeit. Des Weiteren werde die Arbeitsfähigkeit einge
schränkt durch die zu Grunde liegende Suchterkrankung, auch wenn die Versi
cherte derzeit im Wesent
lichen abstinent zu sein scheine
, da die
Sucht
erkran
kung
, der damit verbundene Suchtdruck und das Bemühen, abstinent zu blei
ben, zusätzliche psychische Energien binde
(S. 22 Ziff. 1). In der aktuellen Tä
tigkeit als Altenbetreuerin bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit für das aktuelle
50%-Pensum. Das Restleistungsvermögen betrage 30 Stunden pro Woche (S. 22 f.
Ziff. 2). Bezogen auf einen Achtstunden-Tag sei die reduzierte Arbeits
fähigkeit vor allen Dingen auf die multiple Substanzabhängigkeit und die re
zidivierende depressive Störung zurückzuführen (S. 23 Ziff. 3). Eine weitere re
gelmässige psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung sei sowohl indiziert, sinnvoll
und erfolgsversprechend als auch zumutbar. Die auferlegte
Schaden
minde
rungs
pflicht
sei insoweit erfüllt worden, als die Beschwerdeführerin ein regelmässiges Drogen-Screening beim Hausarzt durchführe (S. 22 Ziff. 4). Aus medizinisch-prognostischer Sicht könne noch mit einer Verbesserung des
Ge
sundheits
scha
dens
gerechnet werden, jedoch nur, wenn es der Beschwerdefüh
rerin weiterhin gelinge, abstinent zu bleiben (S. 24 oben). Generell sei es bei
Abhängigkeits
erkrankungen
schwierig, diese als primär oder sekundär einzu
ordnen, da es sich häufig um ein „Henne-Ei-Problem“ handle. Seiner Einschät
zung nach handle es sich bei der Beschwerdeführerin eher um ein primäres Suchtproblem, da der
Drogenabusus
der Depres
sion deutlich vorangegangen sei
. So habe sie
bereits über einen intravenösen Heroinkonsum in den frühen 90er-Jahren vor ihrer
Schwangerschaft berichtet, zu diesem Zeitpunkt seien noch keine psychia
tri
schen
Behandlungen dokumentiert (S. 24 Ziff. 7).
4.11
Med.
pract
. K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Regiona
ler Ärztlicher Dienst der Beschwerdegegnerin (RAD), führte am 21. November 2014 aus,
das Gutachten von Dr.
Y._
sei umfassend, berücksichtige die ge
samte Aktenlage sowie sämtliche Beschwerden und Symptome der Beschwer
deführerin und beruhe auf eigenen Untersuchungen. Das Gutachten sei insge
samt schlüssig und nachvollziehbar und in seinen diagnostischen Feststellungen plausibel. Insofern könne darauf abgestützt werden. Die Einschätzungen der Ar
beitsfähigkeit würden aus versicherungspsychiatrischer Sicht diskussionswürdig erscheinen.
Dr.
Y._
stelle ein primäres Suchtgeschehen fest sowie eine Ver
besserung des Gesundheitszustandes seit der letzten Revision. Die 50%ige Ein
schränkung führe er auch auf eine Antriebsminderung zurück, andererseits stelle er fest, Antrieb und
Psychomotorik seien in der Untersuchung allenfalls sehr diskret vermindert gewesen. Somit finde sich objektiv so gut wie keine Antriebsminderung, auch wenn die Beschwerdeführerin subjektiv darüber klage. Daher könne die gutachterliche Einschätzung einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit nicht nachvollzogen werden. Der Gutachter sehe zudem eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit durch die zu Grunde liegende Suchterkrankung, was aber ver
sicherungspsychiatrisch nicht relevant sei. Aus versicherungspsychiatrischer Sicht
liege derzeit keine invalidenversicherungsrechtlich relevante Arbeitsun
fähig
keit vor (S. 7/131 S. 11).
4.12
In ihrer Stellungnahme vom 22. Mai 2015
(Urk. 7/138)
hielten die Ärzte des
B._
zum Gutachten von Dr.
Y._
fest, in der Erhebung der Anamnese werde zwar der erste Selbstmordversuch mit zwanzig Jahren im Jahre 1983 er
wähnt, jedoch in der Bewertung nicht weiter darauf eingegangen. Dabei sei dies
als
ein wichtiges Indiz
für bereits früher vorliegende psychische Störungen an
zusehen. Damit sei der Substanzkonsum wahrscheinlich sekundär, zum Teil eine Art dysfunktionale Selbstbehandlung und -medikation. Die Diagnose einer ADHS werde zwar nicht grundsätzlich abgelehnt, aber offenbar aufgrund unzureichender Informationen vom Gutachter nicht bestätigt. Die Ergebnisse ver
schiedener Einzeltests würden jedoch für eine ADHS sprechen. Auf die beschriebene gemischte Persönlichkeitsstörung mit vorwiegend abhängigen, ängst
lich-vermeidenden und emotional instabilen Anteilen werde gar nicht eingegangen (S. 1). Neben der rezidivi
erenden Depression seien die
kom
orbiden
, zusätzlichen Erkrankungen (Persönlichkeitsstörung, ADHS,
Substanzabhängig
keit
) im Hinblick auf die Morbidität insgesamt von entscheidender Bedeutung für Befinden, Arbeitsfähigkeit und die weitere Prognose. In der Bewertung der Arbeits- und Restleistungsfähigkeit liege zudem ein Widerspruch vor. Es werde zunächst bezüglich der angestammten Tätigkeit als Verkäuferin bei
Z._
eine Restleistungsfähigkeit von vier Stunden pro Tag bescheinigt, was einer 50%igen Tätigkeit entspreche. Bei der aktuellen Tätigkeit als Gemeindebetreuerin werde jedoch eine Restleistungsfähigkeit von 30 Stunden pro Woche bescheinigt, was einer Arbeitsleistung von 75 % entsprechen würde. Die Beschwerdeführerin sei jedoch über die letzten Jahre nie mehr als 40 bis 50 % tätig gewesen. Eine kurz
zeitige Erhöhung der Stundenzahl habe stets zu einer Dekompensation und verstärkten depressiven Symptomen geführt. Die Erhöhung der
Arbeitsfähigkeit von 50 % auf 75 % erscheine daher willkürlich und die tatsächliche Leistungs
fähigkeit nicht ausreichend belegt. Bei den Beschwerden der Beschwerdeführe
rin handle es
sich um eine Reihe von
komorbid
bestehenden Störungen und der Substanzkonsum sei in ihrem Fall als sekundär einzustufen (S. 2).
5.
5.1
Gestützt auf die bei der erstmaligen Rentenprüfung vorliegenden Arztberichte ging die Beschwerdegegnerin im April 2009 von eine
r
rezidivierenden depressi
ven Störung, leicht- bis mittelgradige Episode, einem Verdacht auf eine emotio
nal instabile Persönlichkeitsstörung sowie einer Störung durch Alkohol, derzeit abstinent, aus (vgl. Urk. 7/24 S. 3).
Insgesamt
haben
sich
seither
die Diagnosen
nicht wesentlich verändert
. Einzig der Schweregrad der depressiven Störung wurde
im Juni 2011
durch die Ärzte des
D._
als schwer beurteilt, wobei sie festhielten, die Beschwerdeführerin sei Ende des Jahres 2010 in eine depressive Krise geraten, welche noch immer anhalte (E. 4.1).
Dabei fällt jedoch auf, dass die Ärzte ledig
lich die Diagnose stellten, ohne diese jedoch durch Befunde, Symptome oder ähnliches zu belegen. Unklar bleibt auch, wie häufig die Beschwerdeführerin in dieser Zeit Therapiesitzungen in Anspruch nahm. Auffällig ist zudem, dass die
Beschwerdeführerin trotz der Diagnose einer schweren depressiven Episode eine
r
50%igen Arbeitstätigkeit nachgehen konnte. Selbst die Ärzte der
A._
diagnosti
zierten nach einem stationären Aufenthalt im Dezember 2011 lediglich eine mittelgradige depressive Episode und begründeten dies ausführlich und nach
vollziehbar (E. 4.2). Insgesamt vermag der Bericht der Ärzte des
D._
damit nicht zu überzeugen und es ist wie bereits im Jahre 2009 von einer depressiven Störung, schwankend zwischen leicht- und mittel
gradigen Episoden, auszugehen.
U
nverändert ist
sodann
die Diagnose einer emotional-instabilen
Persönlich
keits
störung
(
vgl.
E. 3.2-3, E. 4.1, E. 4.7).
Nach wie vor besteht sodann ein schädlicher
Substanzen
ge
brauch
, wobei dieser zunächst episodisch
und mit wechselnden Suchtmitteln
stattfand (E. 4.1-5), die Beschwerdeführerin nun jedoch seit dem Jahre 2013 abstinent ist (E. 4.6-12)
.
In Bezug auf die neu im Raum stehende Diagnose einer ADHS bei Erwachsenen ist festzuhalten, dass diese erstmals im Juni 2013 vom Hausarzt Dr.
I._
gestellt wurde (vgl. E. 4.5). Dabei handelt es sich nicht um einen Facharzt für Psychiatrie, weshalb bereits aus diesem Grunde Zweifel an der Diagnose ange
bracht sind. Im Verlauf wiederholte Dr.
I._
im Oktober 2013 die Diag
nose einer ADHS (E. 4.6) gestützt auf den Bericht des quantitativen Spontan-
EEG von
Schoresch
,
L._
, vom 1. Oktober 2013
(
Urk.
7/92). Im Januar 2014 wurde die Diagnose von den Ärzten des
B._
über
nommen (vgl. E. 4.7: „anamnestisch ADHS“). Der Gutachter Dr.
Y._
hielt die Diagnose einer ADHS für möglich aber nicht mit Sicherheit belegt, da es
eigen
anamnestisch
und anhand der
Unterlagen keine klaren Hinweise auf das Vor
liegen einer ADHS gegeben habe, auch wenn die Versicherte von der ADHS-Medikation profitiere (Urk. 7/16 S. 19 f.). Zwar kritisierten die Ärzte des
B._
mit Stellungnahme vom 22. Mai 2015 (Urk.
7/138) die Einschätzung von Dr.
Y._
und hielten fest, dass Testergebnisse vorlägen, welche für eine ADHS sprächen. Sie legten jedoch nicht dar, welche konkreten diesbezüglichen Be
funde vorliegen, wie diese die Beschwerdeführerin beeinträchtigten und sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirkten. Vielmehr wiesen sie insbesondere im Bericht vom 31. Januar 2014 trotz der damals bereits anamnestisch gestellten Diagnose darauf hin, dass die Beschwerdeführerin aufgrund der Depressionen, der
Per
sönlichkeitsstörung
und der Folgen des langjährigen Substanzkonsums ein
ge
schränkt sei (Urk. 7/105 S.
3). Zudem stellten die weiteren involvierten psychia
trischen Institutionen (vgl. E.
4.1, E. 4.2, E.
4.3. E.
4.4) wie auch das
B._
im August 2008 trotz jeweils längerer Behandlung der Beschwerde
führerin keine ADHS fest, was, wenn überhaupt, nicht für eine starke Aus
prägung einer ADHS im Erwachsenenalter spricht. Ausserdem hätte ein ADHS im Erwachsenenalter bereits im Jahr 2009 bestanden und allfällige Symptome wären dabei unter andere Diagnosen subsumiert worden. Damit lässt sich jedoch kein veränderter Gesundheitszustand begründen, vielmehr ist lediglich von einer neuen Bezeich
nung des unveränderten Gesundheitsschadens auszu
gehen. Insgesamt ist somit letztlich nicht von einer wesentlichen Veränderung der gestellten Diagnosen auszugehen.
Auch wenn sich
damit
die Diagnosen seit der erstmaligen Rentenprüfung im April 2009 nicht wesentlich verändert haben, schliesst dies eine
Rentenzu
sprache
im aktuellen Zeitpunkt nicht grundsätzlich aus
, soweit sich die erwerb
lichen Auswirkungen des an sich gleich gebliebenen Gesundheitszustandes erheblich verändert haben (vgl. E.
1.4)
.
Ausschlaggebend
ist einzig, ob und in welchem Mass eine
invalidenversicherungsrechtlich relevante
Beein
trächtigung der Erwerbsfähigkeit - und zwar unabhängig von der Diagnose und grund
sätzlich unbesehen der Ätiologie - ausgewiesen ist (Urteil des Bundesge
richt I 817/05 vom 5. Februar 2007 E.
7.2.2 mit weiteren Hinweisen).
5.2
Bezüglich des Substanzmittelmissbrauchs ist aufgrund der Akten ausgewiesen, dass die Beschwerdeführerin im 16. Lebensjahr mit dem Konsum von Cannabis begonnen hat (vgl. Urk. 7/63/2) und im Verlauf
weitere
Drogen wie Heroin, Kokain, MDMA, Ecstasy und Speed konsumiert hat
(E. 4.4 und E. 4.7)
.
Hinzu kommt eine langjährige Alkoholproblematik
. S
eit dem Jahre 2013
ist die Be
schwerdeführerin abstinent
, was durch regelmässige ärztliche Kontrol
len belegt ist (E. 4.6).
Ob eine primäres oder sekundäres Suchtgeschehen vorliegt, kann angesichts der dokumentierten schwierigen und belastenden Kindheit und Jugend mit
Selbst
ver
letzungen
bereits als Kind und in der Oberstufe (Urk. 7/105 Ziff. 1.4, Urk.
7/126/8-9) und der diesbezüglich nicht ergiebigen Ausführungen des Gut
achters Dr.
Y._
nicht abschliessend beurteilt werden. So bezeichnete Dr.
Y._
die Einordnung der Suchtproblematik generell als schwierig und als „Henne-Ei-Problem“ und kam dann aufgrund des Heroinkonsums in den frühen 90er Jahren zum Schluss, es liege eher ein primäres Suchtgeschehen vor, da der
Drogenabusus
der Depression deutlich vorausgegangen sei. Dr.
Y._
s Ausfüh
rungen weichen jedoch ohne Begründung von den ansonsten übereinstimmen
den Schilderungen in den medizinischen Akten ab, wonach eine depressive Erkran
kung seit zirka 1980 bestanden habe, ein erster Suizidversuch 1983 (mit rund 20 Jahren) erfolgte und selbstverletzendes Verhalten bereits als Kind und in der Oberstufe vorkamen. Auch wenn somit Hinweise darauf bestehen, dass kein primäres Suchtgeschehen vorliegt, kann diese Frage vorliegend jedoch offen bleiben, da die die Sucht betreffenden Diagnosen dank der durchge
hal
tenen Abstinenz die Arbeitsfähigkeit
zur Zeit
nicht wesentlich beeinträchtigen (vgl. Urk. 7/126 S.
20). Vielmehr ist es unter anderem auch aufgrund der
Sucht
mittelabstinenz
zu einer Verbesserung des Gesundheitszustandes gekommen (vgl. Urk. 7/126 S. 21). Schliesslich ist auch auf die neuere bundesgerichtliche Rechtsprechung zu verweisen (vgl. E.
1.3), welche nicht bloss zwischen primä
rem und sekundärem Suchtgeschehen unterscheidet, sondern eine konkrete Auseinandersetzung mit allen Umständen des Einzelfalls und der Ausgestaltung der meist komplexen medizinischen sowie psychosozialen Umstände fordert.
5.
3
Was sodann die depressive Störung betrifft, so werden nach
der Rechtsprechung leicht- bis mittelgradige Episoden einer Depression und selbst mittelgradige de
pressive Episoden regelmässig
nicht
als
eine
von depressiven
Verstimmungszu
ständen
klar unterscheidbare andauernde Depression im Sinne eines verselb
ständigten Gesundheitsschadens betrachtet, die es der betroffenen Person ver
unmöglicht, die Folgen
einer
bestehenden Schmerz
problematik zu überwinden. Daran ändert nichts, wenn die depressive Episode vor dem Hintergrund einer rezidivierenden depressiven Störung diagnostiziert worden ist (Urteil des Bun
desgerichts 8C_104/2014 vom 26. Juni 2014, E. 3.3.4 mit Hinweisen; vgl. auch Urteil 9C_856/2013 vom 8. Oktober 2014, E. 5.1.2). Zudem
gelten leichte bis höchstens mittelschwere psychische Störungen aus dem depressiven
Formen
kreis
grundsätzlich als therapeutisch
angehbar
(Urteil des Bundesgerichts 8C_759/2013 vom 4. März 2014, E. 3.6.1 mit Hinweisen). An diesen Grundsät
zen ändert auch das Urteil des Bundesgerichts vom 3. Juni
2015 nichts (9C_492/2014, publiziert in BGE 141 V 281).
Hinzu kommt, dass es der Beschwerdeführerin t
rotz
der
bestehende
n psychi
schen
Beeinträchtigung und
der
belastende
n
Kindheit offenbar möglich
war
, eine Berufsausbildung als
Coiffeuse
zu absolvieren und über Jahre einer Erwerbs
tätigkeit nachzugehen
(vgl. Urk. 7/105 Ziff. 1.4)
. Nachdem
es der Beschwer
deführerin zudem gelungen ist, eine Arbeitsstelle zu finden und nun bereits seit Mitte des Jahres 2014 ohne Absenzen, ohne grössere gesundheitliche Schwankungen und ohne Suchtmittelmissbrauch ein Pensum von 48 % zu ab
solvieren und sie
sich zudem
gemäss ihren eigenen Angaben
an
Arbeitstagen
besser fühlt
(vgl. E. 4.9)
, vermag es nicht zu überzeugen, dass die
bestehenden
psychischen Störungen
in der zu beurteilenden Ausprägung
zu einer andau
ernden Arbeitsunfähigkeit
selbst in dem von Dr.
Y._
attestierten Umfang
führen
sollen
.
Dabei ist zu beachten, dass die stationären Aufenthalte im Jahr 2012 mit ent
sprechender Arbeitsunfähigkeit im Wesentlichen jeweils
Entwöhnungs
therapien
und damit reinen Suchtfolgen (vgl. E. 4.2-4.4), nicht hingegen der Behandlung von davon zu unterscheidenden beziehungsweise damit zusammenhängenden psychiatrischen Erkrankungen diente
n
.
Insgesamt ist demnach davon auszugehen, dass die psychischen Beeinträch
ti
gungen
-
wie bereits im Zeitpunkt der erstmaligen Rentenprüfung
-
invaliden
versicherungsrechtlich
nicht relevant sind.
5.
4
W
eiter ist gestützt auf die vorliegenden Arztberichte festzuhalten, dass sowohl die festgestellte depressive Symptomatik als auch der Substanzmissbrauch vor dem Hintergrund sozialer Belastungssituationen bestehen. Dabei sind neben der belastenden Kindheit und Jugend insbesondere fehlende finanzielle Mittel, Ver
pflichtungen gegenüber der Tochter
sowie ein aus der Sicht der Beschwerde
führerin zu kleiner Freundeskreis zu nennen (vgl. Urk. 7/100 S. 4 f., Urk. 7/105 Ziff.
1.4, Urk. 7/109 S. 2, Urk. 7/126 S. 11 f.). Bereits die Ärzte des
B._
führ
ten im August 2008 aus, die Gesundheit der Beschwerdeführerin sei in einem gewissen Grad auch vom Verhältnis zu ihrer Tochter und der Bewältigung der Erziehung der Tochter abhängig (E. 3.3).
Ebenso wiese
n
die Ärzte des
G._
darauf hin, der prognostische Verlauf werde durch psy
chosoziale Belastungsfaktoren deutlich mit beeinflusst (E. 4.4).
Insgesamt ist davon auszugehen,
dass sich das depressive Zustandsbild bei einer positiven Veränderung der psychosozialen Problematik wesentlich verbessern und die damit verbundene Beeinträchtigung des Leistungsvermögens sich ent
sprechend verringern würde.
So hat sich die Situation der Beschwerdeführerin mit Aufnahme der Arbeitstätigkeit denn auch laufend stabilisiert
(vgl. E. 4.9)
.
5
.5
Es damit weder zu einer wesentlichen Veränderung der Diagnosen noch einer wesentlichen Veränderung der Auswirkungen der gleich gebliebenen Diagnosen gekommen.
Vielmehr ist i
nsgesamt
im zu beurteilenden Zeitpunkt
weder aufgrund der be
stehenden psychischen Beeinträchti
gungen noch des
Substanzmittelmiss
brauchs
von einer Invalidität im Sinne von Art. 8 Abs. 1 ATSG auszugehen, und ein Rentenanspruch ist mangels invaliden
versicherungsrechtlicher Relevanz des
Ge
sund
heitsschadens
zu verneinen. Wei
tere Abklärungen erübrigen sich damit und die Beschwerde ist abzuweisen.
Nachdem demnach kein invalidenversicherungsrechtlich relevanter
Gesund
heitsschaden
vorliegt, kann offenbleiben, ob die Beurteilung der Arbeitsfähig
keit in bisheriger und angepasster Tätigkeit durch den Gutachter Dr.
Y._
in allen Teilen nachvollziehbar und
überzeugend ist.
6.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem
Aus
gang des Verfahrens sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Ge
richtskasse zu nehmen. Die Beschwerdeführerin ist auf
§ 16 Ab. 4 des Gesetz
es über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hinzuweisen.
6.2
Mit Verfügung vom 18. Januar 2016 wurde
das Gesuch der Beschwerdeführerin um Bewilligung der unentgeltlichen Rechtsvertretung
gutgeheissen
(Urk. 8). Mit Honorarnote vom
3. November 2016
machte
Advokatin Karin
Wüthrich
einen Aufwand
von insgesamt
9.75
Stunden sowie
Bara
uslagen von Fr.
583.10
, zu
züglich Mehrwertsteuer,
geltend (Urk.
10
)
.
Nach
Massgabe
von §
10 der Verordnung über die
sozialversicherungsgerichtli
chen
Gebühren, Kosten und Entschädigungen in Verbindung mit §
8 Abs.
1 der Verordnung ist ein unnötiger Aufwand
eines
unentgeltlichen Rechtsvertreters
nicht zu ersetzen.
In Anwendung dieser Bestimmung kann nicht der gesamte
von der
Rechtsver
treterin
geltend gemachte Aufwand als entschädigungsberechtigt anerkannt werden.
Zwar erscheint der Zeitaufwand von insgesamt 9.75 Stunden nicht
unver
hältnis
mässig
, die geltend gemachten Auslagen für 564 Kopien in der Höhe von Fr. 564.-- sind jedoch zu hoch. Die Akten der Beschwerdegegnerin umfassen insgesamt rund 460 Seiten, wobei
aber
nicht jede Seite
entscheidrele
vant
ist.
Überdies sind sie nicht zurückzugeben, können also beliebig bearbeitet werden.
Es ist damit - auch
ökologisch
- nicht nachvoll
ziehbar, aus welchem Grund die Rechtsvertreterin eine derart h
ohe Zahl Kopien angefertigt hat und es ist ihr eine - im Quervergleich immer noch hohe - Ent
schädigung für Barauslagen in der Höhe von Fr. 150.-- zuzusprechen.
Somit sind insgesamt 9.75 Stunden nebst Barauslagen von Fr. 150.-- zu ent
schädigen, womit beim
praxisgemässen
Stundenansatz von Fr. 185.-- (zuzüg
lich Mehrwertsteuer) eine Entschädigung von
Fr. 2‘11
0.-- (inklusive
Baraus
lagen
und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu bezahlen ist.