# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6042e14c-c922-5e07-8c59-c433bdf8dd72
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführenden reichten am 2. Juni 2014 bei der Gemeinde Frutigen ein
nachträgliches Baugesuch (datiert 21.05.2014) für den Einbau einer 2-Zimmerwohnung
und eines Studios auf der Parzelle Frutigen Grundbuchblatt Nr. C._ ein. Die
Parzelle befindet sich in der Arbeitszone I.
2. Die Gemeinde erachtete das Bauvorhaben als nicht zonenkonform, da gemäss den
einschlägigen Vorschriften des Gemeindebaureglements in der Arbeitszone I nur eine
«betriebsnotwendige Wohnung» zulässig sei. Sie prüfte deshalb zunächst eine Umzonung
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der Parzelle und sistierte das Baubewilligungsverfahren. Die Umzonung konnte jedoch
nicht realisiert werden.
3. In der Folge stellte die Hochbaukommission Frutigen an ihrer Sitzung vom 12. Juni
2018 daher den Bauabschlag in Aussicht und beabsichtigte, das Geschäft zu gegebener
Zeit nochmals zu traktandieren.1 Anlässlich einer weiteren Sitzung vom 11. Juni 2019
beschloss die Hochbaukommission, für die beiden illegal erstellten Wohnungen den
Bauabschlag zu erteilen und ein Benützungsverbot für die zukünftige Nutzung als
Wohnraum zu verfügen.2 Mit Schreiben vom 9. Juli 2019 informierte die Gemeinde die
Beschwerdeführenden über diesen Beschluss und erteilte ihnen Gelegenheit zur
Stellungnahme.3 Die Beschwerdeführenden teilten am 20. Juli 2019 mit, die rechtlichen
Fehler seien nicht auf sie selber, sondern auf den Voreigentümer und die Bauverwaltung
zurückzuführen.4
4. Mit Bauentscheid vom 4. September 2019 erteilte die Gemeinde den Bauabschlag,
ordnete die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes an und drohte gleichzeitig die
Ersatzvornahme und eine Busse bei Nichtbefolgung an. Insbesondere verfügte sie ein
Benützungsverbot für die dauernde und temporäre Wohnnutzung der 2-Zimmerwohnung
und des Studios. Damit einhergehend verfügte die Gemeinde ebenfalls, allfällige
Mietverträge seien auf den nächstmöglichen Zeitpunkt zu künden.
5. Die Beschwerdeführenden wandten sich mit Schreiben vom 16. September 2019 an
die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) und teilten mit, sie
hätten die Absicht, «Einsprache» gegen den Bauentscheid mit
Wiederherstellungsverfügung einzureichen. Gleichzeitig baten sie aufgrund ihrer
bevorstehenden Ferien um eine Verlängerung der «Einsprachefrist».
1 Vorakten, pag. 8. 2 Vorakten, pag. 7. 3 Vorakten, pag. 6. 4 Vorakten, pag. 4.
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6. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet5, wies die
Beschwerdeführenden mit Schreiben vom 17. September 2019 darauf hin, die
Verlängerung von Rechtsmittelfristen sei nicht möglich. Eine allfällige Baubeschwerde
müsse innert dreissig Tagen seit Erhalt der baupolizeilichen Verfügung bzw. des
Bauentscheides eingereicht werden.
7. Mit Schreiben vom 17. September 2019 erhoben die Beschwerdeführenden
Beschwerde («Einsprache») bei der BVE gegen den Bauentscheid mit
Wiederherstellungsverfügung vom 4. September 2019. Sie stellen insbesondere die
Rechtsgültigkeit des Entscheides in Frage, da dieser ihrer Ansicht nach vom Präsidenten
des Ressorts Hochbau hätte unterzeichnet werden müssen. Die nötigen Unterlagen und
Begründungen würden sie einreichen, sobald sie aus den Ferien zurück seien.
8. Mit Verfügung vom 18. September 2019 holte das Rechtsamt die Vorakten bei der
Gemeinde ein und gab ihr Gelegenheit zur Stellungnahme. Zudem wies es die
Beschwerdeführenden nochmals darauf hin, dass Antrag und Begründung der Beschwerde
innert der Beschwerdefrist eingereicht werden müssen. In ihrer Stellungnahme vom 1.
Oktober 2019 beantragt die Gemeinde, die Beschwerde kostenpflichtig abzuweisen. Die
Beschwerdeführenden baten mit Schreiben vom 29. Oktober 2019 um ein paar Tage
Geduld, da es ihnen nicht möglich sei, die «Klage» bis Ende Oktober einzureichen.
9. Das Rechtsamt wies die Beschwerdeführenden mit Verfügung vom 1. November
2019 erneut darauf hin, dass Antrag und Begründung der Beschwerde innert der
Beschwerdefrist eingereicht werden müssen. Zudem wurde explizit darauf hingewiesen,
dass die Beschwerdefrist bereits verstrichen sei und eine erst nach Ablauf dieser Frist
eingereichte Begründung deshalb nicht mehr berücksichtigt werden könne. Hingegen
könne noch eine allfällige Stellungnahme der Beschwerdeführenden zum Schreiben der
Gemeinde vom 1. Oktober 2019 im Rahmen des Replikrechts erfolgen. Gleichzeitig wurde
den Parteien Gelegenheit gegeben, allfällige Schlussbemerkungen einzureichen.
5 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191).
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10. Die Gemeinde teilte mit Schreiben vom 7. November 2019 mit, sie habe keine
weiteren Bemerkungen. Die Beschwerdeführenden reichten mit Eingabe vom 7. November
2019 eine Beschwerdebegründung (datiert 06.11.2019) mit diversen Beilagen ein. Sie
machen neu geltend, die Wohnungen seien schon immer fremdvermietet gewesen und
beim Kauf des Hauses im Jahr 2010 hätten sie die Mieter übernommen. Zudem seien die
umstrittenen Wohnungen mit Blick auf die in der Nachbarschaft bewilligten
Hauswartwohnungen und das Rechtsgleichheitsgebot zu bewilligen.
11. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Angefochten ist ein Bauentscheid mit Wiederherstellungsverfügung. Nach Art. 40
Abs. 1 und Art. 49 Abs. 1 BauG6 können Bauentscheide und baupolizeiliche Verfügungen
innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die
BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellenden, die Einsprechenden und die
zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Das Baugesuch der
Beschwerdeführenden wurde abgewiesen und sie sind zudem auch Adressaten der
Wiederherstellungsverfügung, weshalb sie durch den vorinstanzlichen Bauentscheid mit
Wiederherstellungsverfügung beschwert und zur Beschwerdeführung legitimiert sind.
c) Beschwerden müssen gemäss Art. 32 Abs. 2 VRPG7 bestimmten
Mindestanforderungen an die Form genügen. Parteieingaben müssen unter anderem einen
Antrag und eine Begründung enthalten (Art. 32 Abs. 2 VRPG). Der Antrag und die
Begründung gehören zu den eigentlichen Gültigkeits- und Prozessvoraussetzungen.8
6 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0). 7 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21). 8 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 12.
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Dementsprechend müssen der Antrag und die Begründung innert der Beschwerdefrist
eingereicht werden (Art. 33 Abs. 3 VRPG). Darüber hinaus sind an Laieneingaben aber
generell keine hohen Anforderungen zu stellen.9 Hinsichtlich des Antrags genügt, wenn er
sich aus dem Zusammenhang und insbesondere unter Berücksichtigung der Begründung
sinngemäss ergibt.10 Auch den Anforderungen an die Begründung ist bereits Genüge
getan, wenn aus der Beschwerdeschrift ersichtlich ist, in welchen Punkten und weshalb der
angefochtene Entscheid beanstandet wird. Die Begründung braucht nicht zuzutreffen, sie
muss sich jedoch wenigstens in minimaler Form und sachbezogen mit dem angefochtenen
Entscheid auseinandersetzen. Zudem muss die Begründung darauf schliessen lassen,
welche Rechtsnormen oder Grundsätze der Ermessensausübung nach Auffassung der
beschwerdeführenden Partei verletzt oder inwiefern Sachverhaltselemente unrichtig oder
unvollständig festgestellt worden sind.11
d) Die Beschwerdeführenden hielten in ihrem Schreiben vom 16. September 2019
lediglich fest, das Haus sei im Jahre 1998 gebaut worden und sie hätten seit dem Erwerb
im Jahr 2010 nichts an den Wohnungen geändert. Zudem führen sie aus, in den letzten
Jahren sei in der Bauverwaltung Frutigen leider vieles versäumt worden. In der
Beschwerde vom 17. September 2019 bringen sie nur vor, die Rechtsgültigkeit des
angefochtenen Entscheids werde in Frage gestellt, da dieser vom Präsidenten des Ressort
Hochbaus hätte unterzeichnet werden müssen. In beiden Eingaben fallen die
Begründungen somit sehr knapp aus. Die Beschwerdeführenden wurden mit Verfügung
vom 18. September 2019 explizit darauf hingewiesen, dass sie ihre Rechtsbegehren und
eine entsprechende Begründung innerhalb der Beschwerdefrist einreichen müssen. Sie
reichten innerhalb der Beschwerdefrist keine Begründung nach. Die mit Schreiben vom 7.
November 2019 nachgereichte Beschwerdebegründung (datiert 06.11.2019) ist verspätet
und könnte inhaltlich nur insofern berücksichtigt werden, als dass sie sich zu den gleichen
Rügen wie die im Schreiben vom 16. und 17. September 2019 äussern oder es sich um
eine Replik zur Stellungnahme der Gemeinde vom 1. Oktober 2019 handeln würde. Die
Gemeinde hat sich in dieser Stellungnahme lediglich zur Gültigkeit der Unterschriften des
angefochtenen Entscheides geäussert. Da sich die Beschwerdeführenden weder in ihrer
Eingabe vom 7. November 2019 noch in der nachgereichten Beschwerdebegründung vom
6. November 2019 hinsichtlich der Unterschriften verlauten lassen und nur neue Rügen
9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N. 11. 10 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N. 13. 11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 32 N.15.
RA Nr. 110/2019/149 Seite 6 von 12
vorbringen, können diese nicht für die Beurteilung, ob die Anforderungen an die
Begründung vorliegend erfüllt sind, hinzugezogen werden. Dementsprechend kann einzig
auf das Schreiben vom 16. September 2019 sowie die Beschwerde vom 17. September
2019, welche beide innerhalb der Beschwerdefrist eingereicht wurden, abgestellt werden.
Diese Eingaben enthalten jedoch keinen ausdrücklichen Antrag und die Begründungen
fallen sehr knapp aus. Aus der Eingabe vom 16. September 2019 wird nicht ohne weiteres
ersichtlich, weshalb die Beschwerdeführenden mit dem angefochtenen Entscheid nicht
einverstanden sind. Demgegenüber geht aus der Beschwerde vom 17. September 2019
jedoch hervor, dass die Beschwerdeführenden die Gültigkeit des angefochtenen
Entscheides zumindest aufgrund der Unterschrift der stellvertretenden Präsidentin
Hochbau in Frage stellen und sinngemäss dessen Aufhebung verlangen. Die Beschwerde
genügt damit, wenn auch nur knapp, der Begründungspflicht. Auf die Beschwerde ist damit
grundsätzlich einzutreten.
2. Gültigkeit der Unterschrift der stellvertretenden Präsidentin der Hochbaukommission
a) Die Beschwerdeführenden stellen die Rechtsgültigkeit des angefochtenen
Entscheides in Frage, da aus ihrer Sicht der Präsident des Ressorts Hochbau hätte
unterzeichnen müssen.
Die Gemeinde bringt demgegenüber vor, der Entscheid sei aufgrund der Abwesenheit des
Ressortleiters Hochbau von dessen Stellvertreterin rechtsgültig unterzeichnet worden. Die
Stellvertretungen für die laufende Legislatur habe der Gemeinderat an der Sitzung vom
24. November 2017 geregelt.
Die Beschwerdeführenden nehmen in ihrer Eingabe vom 7. November 2019 bzw. der
Beschwerdebegründung vom 6. November 2019 keine Stellung zu den Ausführungen der
Gemeinde.
b) Art. 52 Abs. 1 VRPG zählt die inhaltlichen Elemente einer Verfügung auf.
Insbesondere stellt auch die Unterschrift eines vertretungsbefugten Behördenmitglieds –
mit Ausnahme der Massenverfügungen – grundsätzlich ein Gültigkeitserfordernis dar
(Art. 52 Abs. 1 Bst. g VRPG). Dem Unterschriftserfordernis kommt besonderes Gewicht zu,
wenn es sich um einen Rechtsmittelentscheid handelt oder wenn der Verwaltungsakt eine
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Partei belastet.12 Das Fehlen der Unterschrift oder die Unterzeichnung durch eine nicht
handlungsbefugte Person kann die Nichtigkeit des fraglichen Verwaltungsakts zur Folge
haben. Form- und Eröffnungsfehler führen indes nur in schweren Fällen zur Nichtigkeit,
namentlich wenn sie einen besonders schweren und offensichtlichen oder zumindest leicht
erkennbaren Mangel aufweisen und zudem die Annahme der Nichtigkeit die
Rechtssicherheit nicht ernsthaft gefährdet.13
c) In der Gemeinde Frutigen bestehen klare Regelungen zur Zuständigkeit innerhalb
der unterschiedlichen Ressorts und den verschiedenen ständigen Kommissionen. So weist
der Gemeinderat zu Beginn der Amtsdauer den Gemeinderatsmitgliedern durch einfachen
Beschluss ein Ressort zu und regelt bei dieser Gelegenheit ebenfalls die Stellvertretung
der Ressortvorstehenden (Art. 35 Abs. 2 und 3 VVO14). Die Hochbaukommission, deren
Mitgliederzahl, Organisation und Zuständigkeit sind im Anhang 2 zur Gemeindeordnung
geregelt (Art. 57 Abs. 1 GO15). Die Hochbaukommission ist der Bauabteilung bzw. dem
Ressort Hochbau angegliedert. Gemäss Anhang 2 zur Gemeindeordnung muss ein gültiger
Beschluss der Hochbaukommission immer folgende Unterschriften enthalten: «Präsident/in
[zugleich Ressortvorsteher/in Hochbau] und Sekretär/in, Präsident/in und Bauinspektor/in
oder Präsident/in und Bauverwalter/in».16 Hierbei ist die Unterschrift des stellvertretenden
Ressortvorstehers oder der stellvertretenden Ressortvorsteherin derjenigen des
verhinderten Ressortvorstehers oder der Ressortvorsteherin gleichgestellt (vgl.
Art. 2 VVO).
d) Vorliegend hat der Gemeinderat Frutigen mit Beschluss vom 24. November 2017 für
die Legislatur 2018-2021 die Ressortleitungen und deren Stellvertretungen festgelegt.17
Der angefochtene Bauentscheid mit Wiederherstellungsverfügung wurde von der mit
diesem Beschluss eingesetzten Stellvertreterin des Präsidenten der Hochbaukommission
und vom Bauverwalter unterzeichnet. Nach dem Gesagten erfüllt der angefochtene
Entscheid somit die gesetzlichen Anforderungen und die Rüge der Beschwerdeführenden
erweist sich als unbegründet.
12 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 52 N. 20. 13 BVR 2012 S. 481 E. 2.4. 14 Verordnung über die Verwaltungsorganisation der Gemeinde Frutigen vom 23. November 2017 (VVO). 15 Gemeindeordnung vom 7. Dezember 2012 (GO). 16 Anhang 2 zur Gemeindeordnung vom 7. Dezember 2012 ("Ständige Kommissionen"), S. 11. 17 Vgl. Protokollauszug der Gemeinderatssitzung vom 24. November 2017 (Beilage zur Stellungnahme der Gemeinde Frutigen vom 1. Oktober 2019).
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3. Rechtswidriges Verhalten des Voreigentümers und Versäumnisse der Bauverwaltung
a) Die Beschwerdeführenden bringen zudem vor, sie hätten das 1998 erbaute Gebäude
im Jahr 2010 erworben und seither nichts mehr an den Wohnungen geändert. Schliesslich
rügen die Beschwerdeführenden, in den letzten Jahren sei in der Bauverwaltung Frutigen
leider vieles versäumt worden. Die Gemeinde hat sich in ihrer Stellungnahme nicht zu
diesen Vorbringen geäussert.
b) Wie bereits vorangehend dargelegt, (vgl. E. 1c) sind die Ausführungen der
Beschwerdeführenden auf den ersten Blick sehr unklar und scheinen keine konkrete Rüge
zu enthalten. Werden die Ausführungen aber in Zusammenhang mit der angefochtenen
Wiederherstellungsverfügung gelesen, so ist sinngemäss davon auszugehen, dass die
Beschwerdeführenden geltend machen, ihnen gegenüber könne keine Wiederherstellung
verfügt werden, da ihr Voreigentümer und nicht sie selber für den Einbau der
2-Zimmerwohnung und des Studios verantwortlich sei. Damit genügt diese Rüge der
Begründungspflicht (Art. 32 Abs. 2 VRPG) und es kann darauf eingetreten werden.
Soweit die Beschwerdeführenden Versäumnisse der Bauverwaltung in den letzten Jahren
geltend machen, bleibt mangels konkreteren Ausführungen unklar, inwiefern sie
diesbezüglich mit dem angefochtenen Bauentscheid mit Wiederherstellungsverfügung nicht
einverstanden sind. Auf diese Rüge kann deshalb nicht eingetreten werden.
c) Wird ein Bauvorhaben ohne Baubewilligung oder in Überschreitung einer
Baubewilligung ausgeführt oder werden bei der Ausführung eines bewilligten Vorhabens
Vorschriften missachtet, so setzt die Baupolizeibehörde dem jeweiligen Grundeigentümer
oder Baurechtsinhaber eine angemessene Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustands unter Androhung der Ersatzvornahme (Art. 46 Abs. 1 und 2 BauG). Nach den
allgemeinen Grundsätzen des Verwaltungsrechts ist die Wiederherstellungsverfügung an
den Störer zu richten. Grundsätzlich handelt es sich hierbei um den Verhaltensstörer, das
heisst diejenige Person, welche die Baurechtswidrigkeit selbst oder durch Personen, für
deren Verhalten sie verantwortlich ist, verursacht hat. In der Regel ist die Bauherrschaft die
Zustandsstörerin. Demgegenüber gilt aber auch als Störer, wer über die Sache, welche
den ordnungswidrigen Zustand bewirkt, rechtliche oder tatsächliche Gewalt hat (sog.
Zustandsstörer). Meist ist die Grundeigentümerschaft Zustandsstörerin. Verhaltens- und
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Zustandsstörer können dieselbe Person sein. Handelt es sich jedoch um unterschiedliche
Personen, so können sowohl der Verhaltens- wie auch der Zustandsstörer in die Pflicht
genommen werden. Insbesondere haftet der jeweilige Grundeigentümer stets als
Zustandsverantwortlicher für Störungen auf seinem Grundstück. Selbst wenn der
baurechtswidrige Zustand auf einen Voreigentümer zurückzuführen ist, kann also dessen
Rechtsnachfolger, das heisst der aktuelle Grundeigentümer, zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustandes verpflichtet werden.18
d) Aus den Vorakten wird nicht ersichtlich, wann und durch wen die umstrittene 2-
Zimmerwohnung und das Studio eingebaut wurden. Da die Beschwerdeführenden
unbestrittenermassen Grundeigentümer und Grundeigentümerin der Parzelle Frutigen
Grundbuchblatt Nr. C._ sind, auf welcher sich die Wohneinheiten befinden, kann
dies jedoch offen bleiben. Als Grundeigentümer und Grundeigentümerin haben die
Beschwerdeführenden die rechtliche Gewalt über das Grundstück, weshalb sie zugleich
auch Zustandsstörende sind. Ungeachtet des allenfalls auf ihren Voreigentümer
zurückzuführenden rechtswidrigen Verhaltens können sie als dessen Rechtsnachfolger
deshalb zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes verpflichtet werden. Die
Rüge der Beschwerdeführenden erweist sich damit als unbegründet, soweit darauf
eingetreten werden kann.
4. Verspätete Rügen
a) Die Beschwerdeführenden bringen in ihrer verspätet eingereichten
Beschwerdebegründung vom 6. November 2019 neue Rügen vor. Sie berufen sich
insbesondere auf das Rechtsgleichheitsgebot und verweisen darauf, dass in ihrer
Nachbarschaft Hauswartwohnungen bewilligt worden seien. Des Weiteren machen sie
geltend, die umstrittenen Wohnungen seien schon immer fremdvermietet gewesen und
beim Kauf des Hauses hätten sie die Mieter übernommen.
b) Wie bereits erwähnt, müssen Antrag und Begründung einer Beschwerde innert
Beschwerdefrist eingereicht werden (Art. 33 Abs. 2 VRPG). Neue Rügen nach Ablauf der
18 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 1 und 12; BGer 1P.519/2004 vom 4.3.2005 E. 4.
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Rechtsmittelfrist sind unzulässig19 und darauf ist nicht einzutreten. Dies entspricht im
Übrigen auch dem Grundsatz der Einheit des Verfahrens, wonach die Parteien den durch
die Rügen definierten Streitgegenstand im Verlaufe des Verfahrens grundsätzlich nicht
erweitern, sondern höchstens einschränken dürfen. Der Entscheid der Behörde ist auf den
Streitgegenstand begrenzt. Sie hat in der Regel nicht von sich aus zu prüfen, ob sich die
angefochtene Verfügung unter allen in Frage kommenden Aspekten als korrekt erweist.
Eine Ausdehnung des Streitgegenstandes ist nur unter bestimmten Voraussetzungen
möglich, beispielsweise wenn die Rechtsmittelinstanz aufgrund einer gesetzlichen
Bestimmung befugt ist, nicht gerügte Punkte von Amtes wegen aufzugreifen.20 Eine solche
spezialgesetzliche Norm findet sich in Art. 40 Abs. 3 BauG, wonach die BVE das
Bauvorhaben frei prüft und den angefochtenen Bauentscheid nach Anhörung der Parteien
von Amtes wegen abändern kann, wenn er erhebliche Mängel aufweist. Vorliegend sind
hinsichtlich des Bauentscheides der Vorinstanz (Bauabschlag) keine solchen erheblichen
Mängel ersichtlich. Was die Wiederherstellungsanordnung betrifft, enthält der hier
anzuwendende Art. 49 BauG keine mit Art. 40 Abs. 3 BauG vergleichbare
spezialgesetzliche Bestimmung, die eine Erweiterung des Streitgegenstandes im Verlaufe
des Verfahrens ermöglichen würde. Auf die verspätet eingereichten Rügen der
Beschwerdeführenden ist demzufolge nicht einzutreten.
5. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 400.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV21).
Die Beschwerdeführenden haften solidarisch für den gesamten Betrag.
b) Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4 VRPG).
19 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 33 N. 12 mit Hinweisen auf die Rechtsprechung. 20 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 7 und 8. 21 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21).
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