# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8cb0a335-81b7-4db2-a7c8-44c9572e1426
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
,
geboren
1977
, wurde am 21.
Januar 2013 von ihrem Ehe
gatten festgehalten, indem er auf ihr lag und ihre Arme fixierte, als die Stadt
polizei
Y._
an ihrem Wohnort eintraf
.
Die Stadtpolizei
Y._
bot
anschliessend
den Bezirksarztadjunkt des Bezirks
P._
auf
, welcher eine fürsorgerische Unterbringung der Geschädigten in der
Klinik
Z._
anordnete
(
Urk.
26/A1/2 S. 2,
Urk.
50/2).
Die Geschä
digte trat noch gleichentags in die
Z._
ein (Urk.
49/1).
A
m 3
1.
Januar 2013 hob die
Z._
die fürsorgerische Unter
bringung der Geschädigten auf, worauf das Bezirksgericht
O._
mit Verfügung vom
4.
Februar 2013 das von der Geschädigten gegen die
Z._
und ihren Ehegatten angehobene Verfahren als gegenstandslos gew
orden
abschrieb
(
Urk.
49/8 S. 2). Nach einer gerichtlichen Anhörung im Rahmen des Eheschutz
verfahrens
trat die Geschädigte
am 13.
Februar 2013 aus der
Z._
aus, da sie befürchtete, das Sorgerecht für ihre fünf Kinder zu ver
lieren, wenn sie sich weiterhin in einer stationären Th
erapie befände (Urk. 49/4 S. 3). Ab dem 14.
Februar 201
3
(Urk.
6/1 S. 3,
Urk.
1 S. 9) hielt sich die Geschä
digte im
Frauenhaus A._
auf.
1.2
Am 1
2.
März 2013
erstattete der Ehegatte der Geschädigten gegen diese bei der Kantonspolizei Zürich Strafanzeige wegen versuchter Körperverletzung und wegen Drohung im Sinne von
Art.
180 des Strafgesetzbuches (StGB
; vgl. Urk. 25/A1/2-3
).
Am 20.
März 2013 beantrage die Geschädigte die Bestrafung ihres Ehegatten wegen Tätlichkeit im Sinne von
Art.
126
StGB
(
Urk.
26/A1/3)
. Am 1
7.
Juli 2013 teilten die Geschädigte und ihr Ehegatte der Staatsanwalt
schaft
mit, dass sie
im Rahmen des
beim Bezirksgericht
P._
hängigen Eheschutz- und Ehescheidungsverfahrens
einen Vergleich
geschlossen
hätten, welcher eine gegenseitige Verpflichtung zur Abgabe von Desinteresse
er
klärungen
an
der
Strafverfolgung
der Geschädigten und ihres Ehegatten
ent
halte
,
und ersuchten die Staatsan
waltschaft um Sistierung der Strafverfahren bis zum Eintritt der Rechtskraft dieses Vergleichs
(Urk.
26/A1/14
).
1.3
Am
2.
März
2013 stellte die Geschädigte bei der Direktion der Justiz des Kan
tons Zürich, kantonale Op
ferhilfestelle, ein Gesuch um Übernahme der Kosten für
einen
Aufenthalt im
Frauenhaus A._
für 21 Tage
im Rahmen der Sofort
hilfe
, um Übernahme der Kosten einer Rechtsberatung, um Übernahme der Kosten einer Postumleitung, um Übernahme von Fahrtkosten, um Übernahme der Kosten eines Schlosswechsels bei einer eventuellen Rückkehr in die eheliche Wohnung und für ein Notset
(Urk.
6
/1
S. 5
). Mit unbegründeter Verfügung vom
9.
April
2013 (Urk.
6/6
)
verneinte
die kantonale Opferhilfestelle
die Ansprüche
der Geschädigten auf Leistungen der Soforthilfe im Sinne einer
Übernahme der Kosten für einen Aufenthalt im
Frauenhaus A._
,
der Kosten einer anwaltli
chen Erstabklärung, der Kosten einer Postumleitung,
der
Transportkosten, der Kosten eines Schloss
wechsels sowie
der Kosten eines Notsets
im Umfang von
Fr.
100.--
. Am
1
0.
April
2013 beantragte die Geschädigte eine Begründung der Verfügung (Urk.
6/8
), worauf die kanto
nale Opferhilfestelle eine begründete Verfügung erliess (Urk.
6/9
= Urk. 2).
2.
2.1
Gegen die begründete Verfügung vom
9.
April 2013
(Urk. 2) erhob die Geschä
digte am
2
7.
Mai
2013 Beschwerde und beantragte, diese sei aufzuheben und es sei die kantonale Opferhilfestelle zu verpflichten,
im Rahmen der Soforthilfe
die Kosten für
einen Aufenthalt im
Frauenhaus A._
,
die Kosten für ein Notset im Umfang von Fr. 100.--, die Kosten für eine anwaltliche Erstabk
lärung, die Transportkosten und
die Kosten eines Schlosswechsels zu übernehmen. In pro
zessualer Hinsicht beantragte die Geschädigte den Beizug der Akten des beim Bezirksgericht
P._
anhängigen eheschutzrechtlichen Verfahrens
(Urk. 1 S. 2).
2.2
Mit Beschwerdeantwort vom
4.
Juni 2013 (Urk. 5
) beantragte die kantonale Opfer
hilfestelle die Abweisung der Beschwerde.
Mit Verfügung vom 2
4.
Juni 2013 (
Urk.
12) wurd
e
n die Akten des am Obergericht des Kantons Zürich
anhängig gewesenen
Verfahrens betreffend Eheschutz in Sachen der Beschwerdeführerin und
ihres Ehegatten (
Urk.
16/1-133) beigezogen. Dazu nahm
en
der Beschwerdegegner am
6.
August 2013 (
Urk.
22)
und die Beschwer
deführerin am 1
1.
September 2013 (
Urk.
30)
Stellung.
2.3
Mit Verfügung vom
1
4.
August 2013
(Urk.
23
) wurden bei der
Kantonspolizei Zürich
die
Akten
der
gegen die Beschwerdeführerin
und
der gegen
ihren
Ehe
gatten geführten Strafverfahren beigezogen (
Urk.
25/A1-A9, B1-B12
und C1-
C6; Urk. 26/A1-A13 und B1)
.
Dazu nahmen der Beschwerdegegner am 4.
Oktober 2013 (
Urk.
32) und die Beschwerdefü
hrerin am
8.
Oktober 2013 (Urk.
34) Stellung.
2.4
Mit Verfügung vom
1.
November 2013 (
Urk.
37) wurden beim Bezirksarztad
junkt des Bezirks
P._
(
Urk.
50/1-2)
sowie bei der
Z._
(
Urk.
49/1-29)
je die vollständigen Krankengeschichten der Beschwerdeführerin beigezogen.
Dazu nahmen der Beschwerdegegner am 28.
Januar 2014 (
Urk.
53) und die Beschwerdeführerin am 1
0.
Februar 2014 (Urk. 54) Stellung. Je e
ine Kopie
dieser Eingabe
n
wurden am 1
1.
Februar 2014 der
jeweiligen
Gegenpartei
zugestellt (Urk.
55
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da sich die im Streite stehenden Straftaten i
m Jahre 2013
ereigneten,
gelangen
vorliegend
die mate
riellen Vorschriften des am 1. Januar 2009 in Kraft getrete
nen, totalre
vi
dierten Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG) zur Anwendung (Art. 48 lit. b OHG).
1.2
Hilfe nach dem OHG er
hält jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperli
chen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist (Opfer), und zwar unabhängig davon, ob
die Täterschaft
ermittelt worden ist, ob sie vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt oder ob sie
sich schuld
haft verhal
ten hat
(Art. 1 Abs. 1 und 3 OHG).
Im revidierten Opferhilfegesetz wurde der bisherige gesetzliche Begriff des Opfers unverändert übernommen (BGE 134 II 33 E. 5.5
mit Hinweisen).
1.3
Die Beeinträchtigung muss unmittelbare Folge einer Straftat sein. Dies setzt voraus, dass der objektive Tatbestand einer Strafnorm erfüllt ist und kein Rechtfertigungsgrund vorliegt (BGE 125 II 265 E. 4a/aa mit Hinweisen). Mit der ge
setzlichen Beschrän
kung auf „unmittelbare" Ein
griffe sollen namentlich reine Vermögensdelikte wie Diebstahl oder Betrug von der Opferhilfe ausgenommen werden.
Dagegen sollen insbesondere die strafbaren Handlungen gegen Leib und Leben (ohne Tätlichkeiten), Raub, die Verbrechen und Vergehen gegen die Freiheit sowie die strafbaren Handlungen gegen die sexuelle Integrität in der Regel unter die Opferhilfe fallen (BGE 120 Ia 157 E. 2d/aa mit Hinweisen).
Die für einen Anspruch auf Leistungen der Opferhilfe vorausgesetzte unmittelbare
Beeinträchtigung
in der körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität des Opfers muss daher
von einem gewissen Gewicht sein. Bagatelldelikte
und ins
besondere
Tätlichkeiten, die nur unerhebliche Be
einträchtigungen bewirken, sind daher vom Anwendungsbereich des OHG grundsätzlich ausgenommen
(BGE 125 II 265 E. 4a/aa, 120 Ia 157 E. 2d/aa und bb; Eva Weishaupt, Die ver
fahrens
rechtlichen Bestimmungen des Opferhilfegesetzes, unter besonderer Berücksich
tigung ihrer Auswirkungen auf das Zürcher Verfahrensrecht, Diss. Zürich 1998, S. 30 f.). Entscheidend ist jedoch nicht die Schwere der Straftat, sondern der Grad der Betroffenheit der geschädigten Person. So kann etwa eine Tätlichkeit die Opfer
stellung begrün
den, wenn sie zu einer nicht unerheblichen psychischen Beein
trächtigung führt
(vgl. BGE 129 IV 216 E. 1.2.1). Die Beein
trächtigung muss hinreichend dargelegt bzw. zumindest glaubhaft gemach
t
werden (BGE 131 IV 78 E. 1.2
mit Hinweis
; Urteil des Bundesgerichts 6B_600/2009 vom 1. Dezember 2009 E. 1.2
)
. Umgekehrt ist es denkbar, dass eine im Sinne des Op
ferhilfe
gesetzes unerhebli
che Beeinträchtigung der körper
lichen und psychi
schen Integrität angenommen wird, obwohl der Eingriff strafrechtlich als leichte Kör
perverletzung zu qualifi
zieren ist.
1.4
Die Beeinträchtigung muss im Sinne eines natürlichen und adäquaten Kausal
zusammenhangs durch die Straftat verursacht worden sein, wobei
die im Bereich des Haftpflichtrechts ergangene Rechtspre
chung
zum Beweismass beim
natürlichen Kausal
zusammenhang
auch im Opfer
hilferecht gilt. Demnach gilt diesbezüglich das Beweismass der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit (BGE 128 III 271 E. 2b).
1.5
Es ist in erster Linie Sache der Strafbehörden, das Vorliegen einer Straftat abzu
klären (Urteil des Bundesgerichts 1A.110/2003 vom 28. Oktober 2003 E. 3.2). Das Opfer ist indes nicht verpflichtet, Strafanzeige einzurei
chen, um als Opfer im Sinne des OHG anerkannt zu wer
den (Urteil des Bundes
gerichts 1A.170/2001 vom 18. Februar 2002 E. 3.1).
1.6
Nach der Rechtsprechung sind die Anforderungen an den Nachweis einer die Opferstellung begründenden Straftat je nach dem Zeitpunkt sowie nach Art und Umfang der beanspruchten Hilfe unterschiedlich hoch. Während die Zuspre
chung einer Genugtuung oder einer Entschädigung den Nachweis der Opfer
stellung und damit auch einer tatbestandsmässigen und rechtswidrigen Straftat voraussetzt, genügt es für die Wahrnehmung der Rechte des Opfers im Straf
verfahren, dass eine die Opferstellung begründende Straftat ernsthaft in Betracht fällt. Gleiches gilt für die Soforthilfen. Damit diese ihren Zweck erfül
len können, müssen sie rasch gewährt werden, bevor endgültig feststeht, ob ein tat
bestandsmässiges und rechtswidriges Verhalten des Täters zu bejahen ist oder nicht. Dagegen kann die Gewährung von Langzeithilfe unter Umständen von den ersten Ergebnissen des Ermittlungsverfahrens abhängig gemacht werden.
1.7
Kommt die Beratungsstelle im Verlaufe der Betreuung einer Person zum Schluss, dass das Opferhilfegesetz im konkreten Fall - entgegen ihrer ersten Einschätzung - nicht anwendbar ist, sieht sie von weiteren Hilfeleistungen ab. Dagegen kann die bereits geleistete Hilfe grundsätzlich nicht zurückgefordert werden, es sei denn, der Gesuchsteller habe sich rechtsmissbräuchlich, unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, als Opfer ausgegeben (BGE 125 II 265 E. 2c/aa mit Hinweisen).
Dieselben Massstäbe müssen auch angelegt werden, wenn erst nach Abschluss des Strafverfahrens über die Übernahme der Kosten einer bereits geleisteten Beratungshilfe entschieden wird. Auch hier darf nicht einfach auf den Ausgang
des Straf- beziehungsweise Ermittlungsverfahrens abgestellt werden, sondern es muss berücksichtigt werden, ob im Zeitpunkt der Inanspruchnahme der Bera
tungshilfe vom Vorliegen einer Straftat auszugehen war. Ist dies zu bejahen, besteht grundsätzlich ein Anspruch auf unentgeltliche Beratungshilfe, auch wenn sich zwischenzeitlich ergeben hat, dass keine tatbestandsmässige und rechtswidrige Straftat vorliegt (BGE 125 II 265 E. 2c/bb mit Hinweis; bestätigt in BGE 134 II 33 E. 5.4). Diese zum alten Opferhilfegesetz vom 4. Oktober 1991 (aOHG) ergangene Rechtsprechung kommt auch nach Inkrafttreten des neuen OHG Gültigkeit zu (Urteil des Bundesgerichts 1C_348/2012 vom 8. Mai 2013 E. 2.4; vgl. Botschaft vom 9. November 2005 zur Totalrevision des Bundes
geset
zes über die Hilfe an Opfer von Straftaten, BBl 2005 7203).
1.8
Nach Art. 13 OHG leisten die Beratungsstellen dem Opfer und seinen Angehöri
gen sofort Hilfe für die dringendsten Bedürfnisse, die als Folge der Straftat ent
stehen (Soforthilfe; Abs. 1).
Nach der Rechtsprechung ist Soforthilfe immer dann zu leisten, wenn die durch die Straftat unmittelbar hervorgerufene Situa
tion des Opfers eine Massnahme erfordert, die in sachlicher und zeitlicher Hin
sicht keinen Aufschub duldet. Dies ist meistens unmittelbar im Anschluss an die Straftat der Fall, je nach den Umständen aber auch später (Urteil des Bundesge
richts 1C_169/2007 vom 6. März 2008 E. 2.2).
Die Soforthilfe dient dazu, die aus einer Straftat resultierenden dringendsten Bedürfnisse abzudecken. Sie kann dann in An
spruch genommen werden, wenn als Folge der Straftat dringender Hand
lungs
bedarf besteht.
1.9
Die Beratungsstellen leisten soweit nötig zusätzliche Hilfe, bis sich der gesund
heit
liche Zustand der betroffenen Person stabilisiert hat, beziehungsweise bis die übrigen Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen sind (längerfristige Hilfe; Abs. 2). Die Beratungsstellen können die Soforthilfe und die längerfristige Hilfe durch Dritte erbringen lassen (Abs. 3). Als längerfristige Hilfe gilt jede über die Soforthilfe hinausgehende zusätzliche Hilfe, die geleistet wird, bis sich der gesundheitliche Zustand stabilisiert hat beziehungsweise die übrigen Folgen der Straftat möglichst beseitigt oder ausgeglichen sind (vgl. Empfehlungen der Schweizerischen Verbindungsstellen-Konferenz Opferhilfe
gesetz zur Anwendung des OHG vom 21. Januar 2010; www.sodk.ch).
1.10
Gemäss Art. 14 Abs. 1 OHG umfassen die Leistungen der Soforthilfe und der längerfristigen Hilfe im Sinne von Art. 13 OHG angemessene medizinische, psy
chologische, soziale, materielle und juristische Hilfe in der Schweiz, die als Folge der Straftat notwendig geworden ist.
Sodann besorgen die Beratungsstel
len dem Opfer oder seinen Angehörigen bei Bedarf eine Notunterkunft.
Bei der Besorgung einer Notunterkunft handelt es sich um eine im Gesetz be
son
ders erwähnte, an sich in die Kategorie der sozialen und materiellen Leis
tun
gen gehörende Leistungsart. Mit der ausdrücklichen Erwähnung der Besor
gung einer Notunterkunft im Leistungskatalog wollte der Gesetzgeber in Beant
wor
tung einer parlamentarischen Motion die Frauenhäuser finanziell unterstüt
zen (Botschaft des Bundesrates zur Totalrevision des OHG vom 9. November 2005, BBl 2005 S. 7202; Peter Gomm/Dominik Zehntner, Kommentar zum OHG, 3. Aufl., Bern 2009, Art. 14 OHG N 2).
1.11
Im Gegensatz zu dem bis 31. Dezember 2008 in Kraft gewesenen Recht ist gemäss Art. 19 Abs. 3 OHG Sachschaden sowie Schaden, welcher Leistungen der Soforthilfe oder der längerfristigen Hilfe nach Art. 13 OHG auslösen kann, bei der Bemessung der Entschädigung nicht zu berücksichtigen.
In der Lehre wird die Meinung vertreten, dass Sach- und Vermögensschäden auf Grund von Art. 19 Abs. 3 OHG nicht zu entschädigen seien (Gomm/Zehntner a.a.O.
Art. 19 OHG N 15).
Bei der Übernahme der Kosten einer Notunterkunft handelt es
sich
daher
um Leistungen
, welche
ausschliesslich als Soforthilfe oder
allenfalls als
längerfris
tige Hilfe
im Sinne von Art. 13 f. OHG, nicht hingegen unter dem Titel der Entschädigung (Art. 19 ff. OHG)
geltend gemacht werden können.
2.
2.1
Der Beschwerdegegner ging in der angefochtenen Verfügung vom
9.
April
2013 (Urk. 2) davon aus, dass
auf Grund der Schilderungen der Beschwerdeführerin und der Angaben der Polizei eine Opferstellung der Beschwerdeführerin glaub
haft gemacht worden und daher zu bejahen sei (S. 3).
Es sei indes nicht erstellt, dass die von der Beschwerdeführerin erlittenen Beeinträchtigungen und der Aufenthalt im Frauenhaus ab dem 1
4.
Februar 2013 unmittelbare Folgen einer Straftat darstellten beziehungsweise zum Schutz der Beschwerdeführerin not
wendig gewesen seien, weshalb ein Anspruch auf die von der Beschwerde
führerin beantragten Leistungen der Sofor
t
hilfe zu verneinen sei (S. 4).
2.2
Die Beschwerdeführerin bringt hiegegen vor, dass
ihr Ehegatte veranlasst h
ab
e, dass sie am 2
1.
Januar 2013 im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung gegen ihren Willen zwangsweise in die
Z._
eingewiesen wor
den sei, und dass e
ine fürsorgerische Unterbringung nicht gerechtfertigt gewe
sen
sei
(
Urk.
1 S. 15). Der Aufenthalt im Frauenhaus habe nach dem Aufenthalt in der
Z._
dazu gedient, einer weiteren akuten Gefährdung
durch ihren Ehegatten zu begegnen (
Urk.
1 S. 16). Die fürsorgerische Unter
brin
gung sei für sie ein demütigender
und schwer zu verstehender Übergriff gewe
sen. Diese Demütigung hätte nach ihrer Rückkehr in die eheliche Wohnung potentiell erneut zu tätlichen Auseinandersetzungen mit ihrem Ehegatten führen können. Der Aufenthalt im Frauenhaus sei daher zu
ihrem
Schutz und
zu dem
ihre
r
Kinder erforderlich gewesen (
Urk.
1 S. 17). Sie hätte sich zudem nicht länger in der
Z._
aufhalten können, da sie damit gegenüber ihrem Ehe
gatten konkludent zugegeben hätte, dass eine
Klinikeinweisung notwendig gewesen sei (
Urk.
1 S. 18).
3.
3.1
Zu prüfen ist im Folgenden, ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf
Leis
tun
gen der Soforthilfe und insbesondere auf
Über
nahme der Kosten des Aufent
halts im
Frauenhaus A._
ab dem 1
4
.
Februar
2013 (vgl. Urk.
6
/1) unter dem Titel der
Soforthilfe
hat.
3.2
Wie vorstehend (E. 1.3)
erwähnt
, muss die für einen Anspruch auf Leistungen der Opferhilfe vorausgesetzte unmittelbare
Beeinträchtigung
in der körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität des Opfers
von einem ge
wissen Gewicht sein. Bagatelldelikte wie zum Beispiel Tätlichkeiten, die nur un
erhebliche Be
einträchtigungen bewirken, sind daher vom Anwendungs
bereich des OHG grundsätzlich ausgenommen
. Sodann muss die Beeinträchtigung im Sinne eines natürlichen und adäquaten Kausal
zusammenhangs durch die Straf
tat verursacht worden sein, wobei
die im Bereich des Haftpflichtrechts ergan
gene Rechtspre
chung
zum Beweismass beim
natürlichen Kausal
zusammenhang
auch im Opfer
hilferecht gilt. Danach gilt diesbezüglich das Beweismass der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit (BGE 128 III 271 E. 2b).
3.3
Vorliegend müsste, um eine Opferstellung der Beschwerdeführerin bejahen zu können, zum
Zeitpunkt der Stellung
des Gesuchs um Soforthilfe vom
2.
März 2013
(Urk. 6/1)
eine die Opferstellung begründende Straftat
zumindest
ernsthaft in Betracht
gefallen sein (vgl. vorstehende E.
1.6
)
.
3.4
Dem Rapport der
Stadtpolizei
Y._
vom
4.
Februar 2013 (
Urk.
26/A1/2 S. 2) ist zu entnehmen, dass die Tochter der Beschwerdeführerin,
B._
,
am 21. Januar 2013 bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei angerufe
n und angegeben ha
be
, dass ihre Mutter psychisch angeschlagen sei und zu Hause
alles kaputt mache. Vor Ort ha
be
die
Stadtpolizei die Familie
angetroffen, wobei der Ehegatte die Beschwerdeführerin
festgehalten habe
, indem er auf ihr
gelegen sei
und ihre Arme
fixiert habe
. Als die Beschwerdeführerin
durch ihren Ehegatten aus der Fixierung entlassen
worden sei
, sei sie
weinend
auf dem Boden sitzen geblieben und
habe
gesagt, dass sie Liebe und Unterstützung ver
misse. In der Folge
habe
die Stadtpolizei
Y._
den Bezirksarztadjunkt des Bezirks
P._
avisiert
, welcher eine fürsorgerische Unterbringung der Geschä
digten in der
Z._
angeordnet habe
.
3.5
Dem Rapport der Kantonspolizei Zürich vom
9.
April 2013 (
Urk.
26/A1/1
S. 3
)
ist zu entnehmen
, dass die Beschwerdeführerin am 1
4.
Februar 2013 bei der Kantonspolizei gegen ihren Ehegatten Anzeige wegen Freiheitsberaubung und Entführung im Sinne von
Art.
183 StGB und wegen Tätlichkeiten im Sinne von
Art.
126 StGB erstattete.
Anlässlich der Einvernahme zur Sache durch die Kantonspolizei vom 14.
Fe
bruar 2013 (
Urk.
26/A
1/
4) gab die Beschwerdeführerin an, dass sie ihrem Ehe
gatten am 1
9.
Januar 2013 mitgeteilt habe, dass sie ihn u
nd ihre Familie ver
lassen werde. Anschliessend habe sie
eine
Skibekleidung angezogen,
um
im Not
fall auch draussen übernachten
zu
könne
n, worauf sie von ihrem
Ehegatte
n
am Boden festgehalten
worden sei
, indem
dieser
auf ihr gelegen sei und ihre Arme fixiert habe. Durch den Druck auf den Boden habe sie unter Nasenbluten gelitten. Anschliessen
d
habe ihr Ehegatte auf ihren Wunsch hin ihre Freundin
C._
angerufen, welche dann zu ihr gekommen
sei
und sie beruhigt habe
(S. 2)
.
Am Sonntag, 2
0.
Januar 2013, habe sie ihrem Ehegatten erneut mitgeteilt, dass sie ihn und ihre Familie verlassen wolle
. Ihr Ehegatte
habe sie erneut festgehal
ten
und ihren Sohn beauftragt
,
ein Seil zu holen, mit welchem er sie alsdann
gefesselt habe
. Als sie ihn
gebeten habe
,
sie loszulassen, habe er das schliesslich getan, worauf sie in einem günstigen Moment barfuss zu der in der Nachbar
schaft wohnenden
C._
geflohen sei
(S. 3). Ihr Ehegatte habe
diese
dann
angerufen und sie gebeten, die Beschwerdeführerin zur
Z._
zu begleiten, da er befürchte
t habe
, dass
sie
sich
in suizidaler Absicht
auf die Bahngeleise stürzen
könnte
. Die Beschwerdeführerin habe anschliessend ihren behandelnden Psychiater kontaktiert, welcher ihr geraten habe
, den Not
fallpsychiater anzurufen. Die Notfallpsychiaterin habe mi
t
ihr
und ihrem Ehe
gatten gesprochen, worauf
sie bei
C._
übernachtet habe
.
Als sie am Montag, 2
1.
Januar 2013, wieder nach Hause
gekommen sei
,
habe
ihr Ehegatte das Haus gerade verlassen.
Als
ihr
ihre Tochter gesagt habe, dass sich der Vater nun eine Freundin suche, sei sie richtig wütend geworden und
habe
diesen
alsdann
angerufen und ihm mitgeteilt, dass sie zuerst ihre Eltern
und dann
ihn
sowie
seine
Freundin töten („kalt machen“) werde, damit sie end
lich mit ihren Kindern in Ruhe leben könne. Ihr Ehegatte sei in der Folge nach Hause gekommen (S. 4) und habe ihr nicht zugehört, worauf sie ihm mitgeteilt habe, dass sie
das
Wohnhaus anzünden werde
, worauf ihr
Ehegatte sie mit Hilfe
des
Sohnes erneut am Boden festgehalten und
die
Tochter angewiesen
habe
, die
Polizei anzurufen
.
Auch in der
Z._
habe ihr Ehegatte sie bedroht und
von ihr verlangt, dass sie in Bezug auf die gemeinsamen Kinder auf
das Sorgerecht verzichten solle. Er habe
ihr
zudem
eine Kontaktaufnahme mit
ihren
Kindern untersagt und ihr die Hausschlüssel abgenommen (S. 5).
3.6
Gemäss dem
Rapport der Kantonspolizei
Zürich vom 3
0.
April 2013
(Urk.
25
/A
1/2
)
erstattete
der Ehegatte der
Beschwerdeführerin am
1
2.
März
2013
Anzeige
gegen
die Beschwerdeführerin
wegen
versuchter Körperverletzung und Drohung im Sinne von
Art.
1
80 StGB
.
Anlässlich der Einvernahme zur Sache durch die Kantonspolizei vom
1
2.
März 2013 (
Urk.
26/A1/6 S. 1) verwies der Ehegatte der Beschwerdeführerin auf seine Plädoyernotizen für die Verhandlung vor dem Bezirksgericht
P._
vom 1
2.
Februar 2013 (
Urk.
26/A1/10). Diesen ist zu entnehmen, dass die Beschwer
deführerin am 1
9.
Januar 2013 gegenüb
er ihrem Ehegatten gedroht habe
,
sich umzubringen
, indem
sie vom obersten Stock
werk
ihres Wohnhauses
habe in die Tiefe springen woll
e
n
. Anschliessend habe die Beschwerdeführerin sich in der Küche eines Messers behändigt und dieses ihrem Ehegatten in einem Abstand von 30 Zentimetern an den Hals gehalten
und gedroht, dass sie ihn töten werde („jetzt red mit mir oder ich stech Dich ab“). Als sie anschliessend tatsächlich aus dem ersten Stock des Wohnhauses
habe hinunterspringen wol
len
, sei sie von ihrem Ehegatten und den Kindern daran gehindert worden. Anschliessend habe die Beschwerdeführerin ihrem Ehegatten gedroht, dass sie sich
ihre
Nase blutig schlagen werde
,
um
anschliessend sagen
zu können
, dass ihr Ehegatte dies getan hätte. Sie habe sich ihre Nase
dann
tatsächlich selbst blutig geschlagen, als
sie
von ihrem Ehegatten am Boden festgehalten worden sei (
Urk.
26/A1
/10
Ziff.
26 ff.).
Am 2
0.
Januar 2013 habe
er
der Beschwerdeführerin gesagt, dass sie entweder freiwillig in die
Z._
eintreten könne oder zwangsweise in diese eingewiesen werde. Die Beschwerdeführerin habe sich anschliessend
zuerst
gewehrt und um sich geschlagen,
habe
schliesslich
aber in einen
Klinikeintritt
eingewilligt
.
In der Folge sei
sie
barfuss zu
C._
geflohen
. Die beige
zogene Notfallpsychologin habe ihr geraten, nicht mit Selbs
t
mord zu drohen (
Urk.
26/A1
/10
Ziff.
30 ff.)
.
Als er die Beschwerdeführerin a
m 2
1.
Januar 2013
angerufen habe, habe diese gedroht
, dass sie ihre Eltern, ihn selbst und ihre Kinder umbringen werde.
Er
sei als
dann umgehend nach Hause geeilt. Die
Beschwerdeführerin
habe
in
der
Küche Papier und ein Feuerzeug
geholt und
gedroht, das Haus anzuzünden („
jetzt fackle ich die Hütte ab“), worauf er
mit Hilfe des Sohnes
die
Beschwer
deführerin am Boden festgehalten und die Tochter beauftragt
habe
, die Polizei zu
holen
. Diese sei dann gekommen und habe den Bezirksarzt aufgeboten, wel
che
r
eine fürsorgerische Unterbringung in der
Z._
angeordnet habe (
Urk.
26/A1
/10
Ziff. 33 ff.)
.
3.7
Dr.
med.
D._
,
Facharzt FMH für
Allgemeine Innere Medizin
, Bezirks
arztadjunkt des Bezirks
P._
, stell
t
e in der Anordnung der fürsorgeri
schen Unterbringung vom 2
1.
Januar 2013 (
Urk.
50/2) fest, dass bei der Beschwer
deführerin auf Grund einer psychischen Störung eine Selbst- und Fremdgefährdung
bestehe
, weshalb eine Einweisung in die
Z._
zur Behandlung und Betreuung notwendig sei. Die Situation sei
am
Wochen
ende eskaliert. Die Beschwerdeführerin habe gemäss der Aussage ihres Ehe
gatten diesem
am Telefon
gesagt, dass sie ihre Kind
er umbringen
werde. Dem
gegenüber habe die
Beschwerdeführerin
gesagt
, dass sie ihre
m
Ehegatten
gesagt habe, dass sie ihn
und dessen Kollegin umbringen werde. Als der Ehegatte
an diesem Morgen
nach Hause gekommen sei, habe die Beschwerde
führerin Zeitungspapier und ein Feuerzeug
zur Hand gehabt und
gesagt, dass sie das Haus anzünden wolle. Die Beschwerdeführerin sei verzweifelt gewesen und habe sich über das Wochenende überall selbst Verletzungen beigebracht.
3.8
Die Ärzte des
E._
dia
gnosti
zierten im Bericht betreffend Klinikeinweisung vom 2
0.
Dezember 2012 (
Urk.
49/17) eine mittelschwere depressive Episode bei schwieriger psy
cho
sozialer Situation sowie einen Verdacht auf eine dependente Persönlichkeit mit emotional-instabilen Zügen (S. 3). Auf Grund verschiedener zunehmender psycho
sozialer Belastungsfaktoren im Sinne einer ungeklärten partnerschaftli
chen Situation und einer Anzeige gegen ihren Vater wegen eines sexuellen Missbrauchs mit konsekutivem Kontaktabbruch durch die Familie habe sich die zuletzt deutlich stabilisierte depressive Symptomatik akut verschlechtert. Die Beschwerdeführerin äussere Suizidgedanken und prä
sentiere sich in verzweifel
tem und
hoffnungslosem Affekt bei deprimierter Grundstimmung und ausge
prägter affektiver Labilität
.
Sie
wünsche eine stationäre Behandlung (S. 2). Der Eintritt in die
Z._
erfolge auf Wunsch der Beschwerdeführerin (S. 3).
3.9
Die Ärzte der
Z._
erwähnten im Aufnahmeblatt vom 24.
Dezember 2012 (
Urk.
49/16), dass die Beschwerdeführerin am 2
1.
Dezember 2012 wegen eines depressiven Zustandsbildes zur ersten psychiatrischen Hos
pitalisation freiwillig in die Klinik eingetreten sei. Die Beschwerdeführerin werde seit Mai 2012 psychiatrisch behandelt. Seit drei Jahren leide sie unte
r Verlustängsten bezüglich ihres
Ehegatten und neige dazu,
diesen aus Eifersucht
hinsichtlich seiner Freizeitaktivitäten zu kontrollieren. Zudem sei sie in der Kindheit von ihrem Vater mehrmals sexuell missbraucht worden. Sie sei auch oft wegen
Kleinigkeiten wüten
d
und habe ihren Ehegatten schon geprügelt.
Aus diesem Grunde
sei es zu Paarkonflikten gekommen.
3.10
Mit Bericht vom
8.
Februar 2013 (
Urk.
26/A1/7) stellten die Ärzte der
Z._
fest, dass die Beschwerdeführerin nach einem ersten stationären Aufenthalt vom 2
1.
Dezember 2012 bis
3.
Januar 2013 am 2
1.
Januar 2013 notfallmässig
bei Anordnung
einer
fürsorgerischer Unterbringung eine zweite stationäre psychiatrische Hospitalisation angetreten habe.
Sie
leide weiterhin unter einer mittelschweren depressiven Episode. Am
3.
Januar 2013 habe
sie
die erste Hosp
italisation abgebrochen und sei,
entgegen dem ärztlichen Rat
,
aus der Klinik ausgetreten, da ihr Ehegatte
von ihr
verlangt habe, dass sie sich um
ihr
Haus und um ihre Kinder sorge.
3.11
Im Austrittsbericht vom 2
2.
Februar 2013 (
Urk.
49/4)
erwähnten
die Ärzte der
Z._
,
dass die Beschwerdeführerin im Rahmen der zweiten Hospitalisation in der Zeit vom 2
1.
Januar bis 1
3.
Februar 2013 stationär behandelt worden sei
,
und stellten die folgenden Diagnosen (S. 1):
mittelgradig depressive Episode
Probleme mit Bezug auf Akzentuierung von Persönlichkeitszügen (depen
dent, emotional-instabil)
Verdacht auf posttraumatische Belastungsstörung
Kontaktanlässe mit Bezug auf soziale Umgebung
Die Beschwerdeführerin sei
auf Grund einer Selbst- und einer Fremdgefährdung bei einem depressiven Zustandsbild im Rahmen einer angeordneten
fürsorgeri
schen Unterbringung am 2
1.
Januar 2013
in die Klinik eingetreten
. Am Tag vor dem Klinikeintritt sei die Beschwerdeführerin gegenüber ihrem Ehegatten aggressiv gewesen und habe diesen geschlagen. Am Morgen des Eintrittstages habe sie gedroht, ihren Ehegatten und dessen Freundin umzubringen
sowie ihr Wohnh
aus anzuzünden.
Ihr
Ehegatte habe sie am Boden festhalten müssen. Sie leide unter starken Verlustängsten
bezüglich ihres Ehegatten (S. 1).
Ursächlich für das psychische Leiden sei
eine
enorme psychosoziale Belastung
infolge
familiäre
r
Konflikte. Zudem bestünden Hinweise
auf eine
Persönlich
keitsakzentuierung mit dependenten und emotional-instabilen Zügen. Wegen der kindlichen Traumatisierungen bestehe zudem der Verdacht auf eine post
traumatische Belastungsstörung (S. 2).
Währen
d
des stationären Aufenthalts habe die Beschwerdeführerin das Eheschutz
verfahren eingeleitet. Dabei sei es während des stationären Auf
ent
halts zu einer Anhörung vor Gericht gekommen. Diese
Anhörung
habe
bei der Beschwerdeführerin
zu einer grossen psychosozialen Belastung geführt, da
sie
befürchtet habe, das Sorgerecht für ihre fünf Kinder zu verlieren, wenn sie sich weiterhin in einer stationären Therapie befände. Die Beschwerdeführerin habe in der Folge mit dem
Frauenhaus A._
Kontakt aufgenommen und sich für einen sofortigen Austritt aus der Klinik entschieden. Sie habe die Klinik, entge
gen der ärztlichen Empfehlung, welche eine weite
rführende Therapie vor
sah
,
am 1
3.
Februar 2013
verlassen (S. 3).
4.
4.1
In Würdigung der
oben
erwähnten Akten
steht fest, dass die Beschwerdeführerin vor dem 2
1.
Januar 2013 bereits seit ungefähr drei Jahren unter Beziehungs
konflikten mit ihrem Ehegatten und seit ihrer Kindheit unter den Folgen eines sexuellen Missbrauchs durch ihren Vater litt.
Auf Grund psychosoziale
r
Belas
tungsfaktoren hat sich die depressive Situation bei der Beschwerdeführerin im Dezember 2012 akut verschlechtert. Dieser Umstand erforderte in der Zeit vom 2
1.
Dezember 2012 bis
3.
Januar 2013 eine erste psychiatrische Hospitalisation. In der Folge hat der Ehegatte der Beschwerdeführerin diese in der Zeit vom 1
9.
bis 2
1.
Januar 2013 verschiedentlich festgehalten, indem er auf ihr gelegen
ist
und ihren Arm fixiert hat. Während die Beschwerdeführerin aussagte, dass ihr Ehegatte ihre Nase auf den Boden gedrückt habe, sodass sie unter Nasen
bluten gelitten habe, sagte
dieser
gegenüber der Polizei aus, dass sich die Beschwerdeführerin das Nasenbluten durch Aufschlagen auf den Boden selbst zugezogen habe.
Hinweise für selbstschädigende Handlungen sind zudem auch in der Anordnung einer fürsorgerischen Unterbringung durch
Dr.
D._
enthal
ten.
4.2
Bezüglich der Anordnung der fürsorgerischen Unterbringung der Beschwerde
führerin gilt es festzuhalten
,
dass diese durch den von der Stadtpolizei
Y._
aufge
botenen
Bezirksarztadjunkt
erfolgte. Auch wenn
der Ehegatte der Beschwer
deführerin dieser vorgängig geraten hatte, freiwillig in die
Z._
einzutreten,
kann daher nicht von
einer Veranlassung der fürsorgeri
schen Unterbringung durch den Ehegatten de
r
Beschwerdeführer
in
die Rede sein. Des Weiteren kann der Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden, wenn sie gel
tend macht, dass die
fürsorgerische Unterbringung zu Unrecht angeordnet wor
den sei (
Urk.
1 S. 9).
In den Akten
sind vielmehr genügend
Anhaltspunkte für eine Selbst- und Fremdgefährdung
enthalten
, welche eine fürsorgerische Unter
bringung in der
Z._
rechtferti
gten.
4.3
Es ist
nicht
gänzlich
auszuschliessen, dass eine strafrechtliche Würdigung der Tathandlungen des Ehegatten der Beschwerdeführerin ergeben könnte, dass dieser zumindest teilweise in
einem
rechtfert
igenden oder entschuldbaren Not
stand gehandelt hat. Auf eine
abschliessende
strafrechtliche
Beurteilung
der Tathandlungen des Ehegatten der Beschwerdeführerin kann vorliegend indes verzichtet werden
,
wenn
ein Anspruch
der Beschwerdeführerin
auf Kostenüber
nahme des Aufenthalts im
Frauenhaus A._
bereits
aus einem anderen Grund zu verneinen ist.
5.
5.1
Für den Anspruch auf Leistungen der Soforthilfe wird vorausgesetzt, dass auf Grund der Straftat ein dringender Handlungsbedarf besteht, und dass in sachli
cher und zeitlicher Hinsicht unaufschiebbare Massnahmen erforderlich sind (vorstehende E. 1.8).
Ein Anspruch auf Übernahme der Kosten eines Frauenhaus
aufent
halts besteht im Rahmen der
Soforthilfe und der
längerfristi
gen Hilfe
zudem
nur, wenn dieser als Folge der Straftat notwendig ist, und wenn es sich beim Aufenthalt im Frauenhaus auf Grund der besonderen Umstände des Einzelfalles im Vergleich zu anderen Massnahmen um eine angemessene und verhältnismässige Hilfe handelt.
5.2
Gemäss Ziff. 3.3.2 der Empfehlungen der Schweizerischen Verbindungsstellen-Konferenz Opferhilfegesetz (SVK-OHG) der Konferenz der kantonalen Sozialdi
rektorinnen und Sozialdirektoren zur Anwendung des OHG vom 21. Januar 2010 (http://sodk.ch)
dient die Soforthilfe dazu, die aus einer Straftat resul
tierenden dringendsten Bedürfnisse abzudecken. Sie kann dann in Anspruch genommen werden, wenn als Folge der Straftat dringender Handlungsbedarf besteht. Es handelt sich somit im Wesentlichen um Erste-Hilfe-Massnahmen. Nach einer Straftat habe
n
daher nur diejenigen Personen Anspruch auf finan
zi
elle Soforthilfe, die durch die Straftat in eine Situation geraten, in welcher sie auf sofortige Unterstützung dringend angewiesen sind. Die finanzielle Sofort
hilfe umfasst unter anderem mindes
tens 21 Tage Notunterkunft.
5.3
In Ziff. 3.3.3 der SVK-OHG ist geregelt, dass im Rahmen der längerfristigen Hilfe Dritter bei der Prüfung der Frage, ob eine Hilfeleistung beziehungsweise Massnahme im konkreten Fall notwendig, geeignet und angemessen ist, primär die konkrete Situation und die Hilfsbedürftigkeit des Opfers massgebend ist. Zu berücksichtigen sind insbesondere der Grad der Beeinträchtigung des Opfers durch die Straftat, die Möglichkeit und Fähigkeit des Opfers, die Folgen der Straftat zu bewältigen, die körperliche und geistige Gesundheit des Opfers, Sprach- und Rechtskenntnisse des Opfers, Wirksamkeit und Erfolgsaussichten einer bestimmten Hilfeleistung beziehungsweise Massnahme und die Möglich
keit des Opfers zur Schadensminderung im Rahmen des Zumutbaren.
5.4
Gemäss lit. D Ziff. 1 der Richtlinien der Regionalkonferenz 4 der Kantone
Gla
rus, Schaffhausen, Thurgau, St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden
,
Graubünden
und Zürich (Regio 4) zur Übernahme von Kosten für Frauenhausaufenthalte, Fassung April 2002 (Richtlinie Frauenhaus;
www.opfer
hilfe.zh.ch
), sind die Kosten eines Aufenthaltes in einem Frauenhaus über einer Dauer von 3 Wochen nur dann zu übernehmen, wenn die Bedro
hungssituation fortbesteht. Der Fortbestand der Bedrohung ist darzutun und soweit möglich zu belegen. Auf Grund einer Checkliste beurteilt die zuständige Stelle, ob die weitere Unterbringung notwendig und durch die Straftat(en) be
dingt ist, oder ob es sich dabei vor allem um Probleme im Zusammenhang mit der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft oder um andere Probleme handelt.
5.
5
Verwaltungsweisungen richten sich an die
Verwaltung
und sind für das
Gericht
nicht verbindlich. Dieses soll sie bei seiner Entscheidung aber berücksichtigen, sofern sie eine dem Einzelfall angepasste und gerecht werdende Auslegung der anwendbaren gesetzlichen Bestimmungen zulassen. Das Gericht weicht also nicht ohne triftigen Grund von Verwaltungsweisungen ab, wenn diese eine überzeugende Konkretisierung der rechtlichen Vorgaben darstellen. Insofern wird dem Bestreben der Verwaltung, durch interne Weisungen eine rechtsglei
che Gesetzesanwendung zu gewährleisten, Rechnung getragen (BGE 133 V 587 E. 6.1, 133 V 257 E. 3.2
).
Vorliegend stellen Ziff. 3.3.2 und 3.3.3 der SVK-OHG und lit. D Ziff. 1 der Richt
li
nie Frauenhaus eine überzeugende Konkretisierung von Art. 13 und Art. 14 OHG dar.
5.6
D
ie
Beschwerdeführerin
, welche
sich nach
dem letzten Vorfall
während
der Zeit vom 2
1.
Januar bis 1
3.
Februar 2013
,
mithin während den ersten
24 Tagen
,
in der
Z._
aufhielt
,
war
während d
iese
r Zeit der Hospitalisation nicht
auf
dringliche, unaufschiebbare Massnahmen im Si
n
ne der Soforthilfe
angewiesen
. Während der Zeit
unmittelbar nach
dem letzten Vorfall
war die Beschwerdeführerin daher
nicht auf eine sofortige Unterstützung
durch den Beschwerdegegner
angewiesen, um die aus
dem Vorfall
resultierenden drin
gendsten Bedürfnisse abzudecken.
Da die Beschwerdeführerin
unmittelbar nach der Straftat sich
während einer
21 Tage übersteigenden Zeit in der
Z._
aufhielt,
ist bereits aus diesem Grund
eine Übernahme der Kos
ten des Aufenthalts im
Frauenhaus A._
für die Zeit ab 1
4.
Februar 2013 gemäss
Ziff.
3.3.2 SVK-OHG
im Rahmen der
finanzielle
n
Soforthilfe
fraglich
.
5.
7
Sodann gilt es
zu beachten, dass die Beschwerdeführerin gemäss den Angaben der Ärzte der
Z._
am 1
3.
Februar 2013 entgegen der ärztlichen Empfehlung, welche eine weiterführende Therapie vorgesehen hätte, aus der Klinik
ausgetreten sei, weil
sie befürchtete
, das Sorgerecht für ihre fünf Kinder zu verlieren, wenn sie sich weiterhin in einer stationären Therapie befände (vorstehende E.
3.11
). Diese
r Umstand
spricht
gegen
das Vorliegen eines drin
genden Handlungsbedarfs und gegen eine dringende
Notwendigkeit
einer Unterbringung
der Beschwerdeführerin
im Frauenhaus als Folge de
s
letzten Vorfalls
.
G
estützt auf die Beurteilung durch die Ärzte der
Z._
ist vielmehr
davon auszugehen, dass aus gesundheitlichen Gründen eine Wei
terführung der stationären Hospitalisation in der
Z._
indiziert war, und dass ein Klinikaustritt am 1
3.
Februar 2013
beziehungsweise ein
Ein
tritt in das
Frauenhaus A._
am 1
4.
Februar 2014 aus gesundheitlichen Grün
den nicht angezeigt war.
5.
8
Des Weitern ist
nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner eine Über
nahme der Kosten des Frauenhauses unter dem Titel der
Soforthilfe
vom Beste
hen einer weiterdauernden und konkre
ten Bedrohungslage
beziehungsweise einer Gefährdung durch den Täter
abhängig machte
(
Urk.
2 S. 4)
.
D
en Akten sind
indes spätestens seit dem Eintritt der Beschwerdeführerin in die
Z._
keinerlei
Anhaltspunkte für eine konkrete Bedrohung durch den Ehegatten der Beschwerdeführerin, falls eine solche Bedrohungslage i
m
objekti
ve
n
Sinne überhaupt je bestanden haben sollte, mehr zu
entnehmen
.
In Würdi
gung der gesamten Akten ist
vielmehr
spätestens seit dem Eintritt der Beschwerdeführerin in die
Z._
am 2
1.
Januar 2013 eine kon
krete Bedrohungssituation, welche einen Aufenthalt der Beschwerdeführerin in einem Frauenhaus rechtfertigen würde, nicht mit dem massgebenden Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlich
keit ausgewiesen.
Der Aufenthalt im Frauenhaus erweist sich damit nicht als zum Schutz der Beschwerdeführerin notwendige Massnahme.
6.
Nach Gesagtem ist nicht zu beanstanden, dass der Beschwerdegegner
mit der angefochtenen Verfügung vom
9.
April 2013 die Ansprüche der Beschwerde
führerin auf Leistungen der Soforthilfe im Sinne
einer
Übernahme der Kosten für den Aufenthalt im
Frauenhaus A._
,
der Kosten eines Notsets im Umfang von
Fr.
100.--, der Kosten einer anwaltlichen Erstabklärung, der Transport
kosten und der Kosten eines Schlosswechsels verneinte,
weshalb die dagegen erhobene Beschwerde abzuweisen ist.