# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 58841348-dd7c-540c-b19e-f36bd7049161
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt und Erwägungen
1. Die B._ AG (nachfolgend: Bauherrschaft) reichte am 11. Juli 2016 bei der
Gemeinde Herzogenbuchsee ein Baugesuch ein für den Neubau von vier
Mehrfamilienhäusern mit Einstellhalle auf Parzelle Herzogenbuchsee Grundbuchblatt
Nr. C._. Die Parzelle liegt in der Wohnzone 3. Gegen das Bauvorhaben erhoben
mehrere Nachbarinnen und Nachbarn Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom 16. August
2017 erteilte die Gemeinde Herzogenbuchsee die Baubewilligung. Diese erwuchs
unangefochten in Rechtskraft. Ende Juni 2019 stellte die Bauherrschaft fest, dass lediglich
der Fachbericht Brandschutz der Gebäudeversicherung GVB zur Einstellhalle vorlag. Der
Fachbericht Brandschutz des Feueraufsehers zu den Mehrfamilienhäusern fehlte. Mit
Verfügung vom 5. Juli 2019 holte die Gemeinde deshalb nachträglich beim Feueraufseher
der Gemeinde den entsprechenden Bericht ein. Der Fachbericht Brandschutz vom 9. Juli
2019 beurteilte das Bauvorhaben als Gebäude mittlerer Höhe und enthielt unter anderem
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eine Auflage betreffend Feuerwehrzufahrt und -stellflächen. Mit E-Mail vom 16. Juli 2019
wandte sich die Beschwerdeführerin an die Gemeinde und teilte mit, gemäss Auskunft der
Feuerwehr und des Feueraufsehers sei die Ausbildung eines Fahrstreifens für
Feuerwegfahrzeuge zur Evakuierung nicht nötig. Sie bat um eine Besprechung. Die
Bauabteilung der Gemeinde holte eine Stellungnahme der Feuerwehr Buchsi-Oenz ein. Mit
Verfügung vom 5. September 2019 eröffnete sie der Bauherrschaft den Fachbericht
Brandschutz vom 9. Juli 2019 und die E-Mail der Feuerwehr Buchsi-Oenz vom 26. August
2019. Sie wies darauf hin, dass die Amts- und Fachberichte des Gesamtentscheids vom
16. August 2017 vollumfänglich Gültigkeit behalten würden und auferlegte der
Bauherrschaft die Kosten für diese Verfügung.
2. Mit einem als Einsprache bezeichneten Schreiben vom 30. September 2019 wandte
sich die Beschwerdeführerin an die Gemeinde und beantragte die Ausnahmeregelung,
dass das Projekt von der Pflicht entbunden werde, Zufahrt- und Stellflächen für die
Feuerwehr zu erstellen. Die Gemeinde betrachtete das Schreiben offenbar als Beschwerde
gegen die mit einer Rechtsmittelbelehrung versehene Verfügung vom 5. September 2019
und überwies das Schreiben ohne Kommentar zuständigkeitshalber der Bau-, Verkehrs-
und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Diese verzichtete auf die Durchführung des
Schriftenwechsels und holte die Vorakten ein.
3. Die Verfügung vom 5. September 2019 steht im Zusammenhang mit einem
abgeschlossenen Baubewilligungsverfahren. Bauentscheide können nach Art. 40 BauG1
innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die
BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig.
4. Gebäude, Anlagen und Betriebseinrichtungen sind so zu erstellen, zu betreiben und
zu unterhalten, dass Feuerschäden bestmöglich verhütet werden, um vorab die Sicherheit
von Mensch und Tier zu gewährleisten (Art. 3 FFG2). Deshalb sind Bauten und Anlagen so
zu erstellen und zu betreiben, dass sie nach den anerkannten Regeln der Baukunde und
der Technik gegen Feuer geschützt sind, der Entstehung und Ausbreitung von Bränden
1 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 2 Feuerschutz- und Feuerwehrgesetz vom 20. Januar 1994 (FFG; BSG 871.11).
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und Explosionen vorgebeugt wird und die Sicherheit von Personen und Tieren im Brandfall
sowie der Rettungskräfte im Interventionsfall gewährleistet ist (Art. 2 Abs. 1 FFV3). Für den
Feuerschutz sind insbesondere die Normen, Richtlinien, Merkblätter, Erläuterungen und
Empfehlungen der Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF), des
Interkantonalen Organs Technische Handelshemmnisse (IOTH) sowie diejenigen der
Gebäudeversicherung Bern (GVB) massgebend (vgl. Art 2 Abs. 2 FFV). Dazu gehört
insbesondere die Brandschutznorm der VKF. Im Baubewilligungsverfahren setzt die
zuständige Behörde Feuerschutzauflagen fest, die Bestandteil der Bewilligung sind (Art. 6
Abs. 1 und 2 FFG). Es findet somit kein besonderes feuerpolizeiliches
Bewilligungsverfahren statt. Die Brandschutzauflagen und feuerpolizeilichen Bedingungen
sind viel mehr Bestandteil der Baubewilligung.4
5. Es ist unbestritten, dass der Gesamtentscheid vom 16. August 2017 insoweit
mangelhaft ist, als die Brandschutzauflagen zu den Mehrfamilienhäusern fehlen. Trotz
dieses Fehlers ist die Bewilligung rechtskräftig und damit rechtsbeständig geworden.5 Ein
rechtskräftig erledigtes Verfahren kann nur unter den Voraussetzungen des Widerrufs der
Baubewilligung im Sinn von Art. 43 BauG oder der Wiederaufnahme im Sinn von Art. 56
VRPG6 nochmals an die Hand genommen werden. Laut Art. 43 Abs. 1 BauG kann eine im
Widerspruch zu öffentlich-rechtlichen Vorschriften erteilte oder in ihrer Ausübung mit der
öffentlichen Ordnung nicht mehr vereinbare Baubewilligung unter anderem von der
Baubewilligungsbehörde widerrufen werden. Als teilweiser Widerruf erscheint auch die
nachträgliche Änderung einer Baubewilligung durch Einschränkungen, Bedingungen und
Auflagen.7 Ein rechtskräftig erledigtes Verfahren ist durch die Verwaltungsbehörde unter
anderem dann wieder aufzunehmen, wenn zwingende öffentliche Interessen es
rechtfertigen (Art. 56 Abs. 1 Bst. c VRPG). Brandverhütung und Brandbekämpfung sind
gewichtige öffentliche Interessen, die eine nachträgliche Ergänzung der rechtskräftigen
Gesamtbewilligung mit Brandschutzauflagen rechtfertigen.
3 Feuerschutz- und Feuerwehrverordnung vom 11. Mai 1994 (FFV; BSG 871.111) 4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 21 N. 15 5 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 49 N. 55 6 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 43 N. 2
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6. Die Verwaltungsjustizbehörden sind befugt, ein bei ihnen hängiges Verwaltungs- und
Verwaltungsjustizverfahren von Amtes wegen aufzuheben, wenn wesentliche
Verfahrensgrundsätze derart verletzt sind, dass die richtige Beurteilung unmöglich oder
wesentlich erschwert wird (Art. 40 Abs. 1 VRPG). Sie sind ferner befugt, eine Verfügung
oder einen Entscheid einer ihnen untergeordneten Behörde oder einer Vorinstanz von
Amtes wegen aufzuheben, wenn diese zum Erlass der Verfügung oder des Entscheids
offensichtlich nicht zuständig waren (Art. 40 Abs. 2 VRPG).
Die Bauabteilung der Gemeinde hat zwar zu Recht den fehlenden Fachbericht beim
Feueraufseher eingeholt und ihn der Bauherrschaft eröffnet. Damit ist das Verfahren
allerdings noch nicht abgeschlossen. Die Bauherrschaft hat gemäss Art. 21 Abs. 1 VRPG
das Recht, zu einer Ergänzung des Gesamtentscheids mit weiteren Brandschutzauflagen
Stellung zu nehmen. Davon hat sie mit ihrer als Einsprache bezeichneten Eingabe
unaufgefordert Gebrauch gemacht. Es ist nun Aufgabe der zuständigen Stellen der
Gemeinde, die Anträge der Bauherrschaft zu prüfen, gegebenenfalls die nötigen
Fachauskünfte einzuholen und anschliessend in einem die Gesamtbewilligung
ergänzenden Entscheid die zusätzlich erforderlichen Brandschutzauflagen zu verfügen.
Zuständig für den ergänzenden Entscheid ist nicht die Bauabteilung der Gemeinde,
sondern die Baukommission als ordentliche Baubewilligungsbehörde (vgl. Art. 41 Abs. 1
und 2 GBR8). Aus diesen Gründen wird die Verfügung vom 5. September 2019 von Amtes
wegen aufgehoben.
7. Angesichts der besonderen Umstände ist auf die Erhebung von Verfahrenskosten zu
verzichten (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Parteikosten sind keine angefallen (Art. 104 VRPG).
II. Entscheid
8 Baureglement der Gemeinde Herzogenbuchsee vom 10. Dezember 2014 (GBR)
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1. Die Verfügung der Bauabteilung Herzogenbuchsee vom 5. September 2019 wird von
Amtes wegen aufgehoben. Die Akten gehen zurück an die Gemeinde
Herzogenbuchsee zur Fortsetzung des Verfahrens im Sinn der Erwägungen.
2 Es werden keine Verfahrenskosten erhoben.
3. Es werden keine Parteikosten gesprochen.
III. Eröffnung
- A._, eingeschrieben
- Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Herzogenbuchsee, Bauabteilung,
eingeschrieben
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion
Der Direktor
Christoph Neuhaus Regierungsrat
Rechtsmittelbelehrung
Dieser Rückweisungsentscheid kann innert 30 Tagen seit seiner Eröffnung mit Beschwerde beim
Verwaltungsgericht des Kantons Bern, Speichergasse 12, 3011 Bern, angefochten werden, wenn
die Voraussetzungen nach Art. 61 i.V.m. Art. 74 Abs. 3 VRPG erfüllt sind. Eine allfällige
Verwaltungsgerichtsbeschwerde, die mindestens in drei Exemplaren einzureichen ist, muss einen
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Antrag, die Angabe von Tatsachen und Beweismitteln, eine Begründung sowie eine Unterschrift
enthalten; der angefochtene Entscheid und andere greifbare Beweismittel sind beizulegen.

## Considerations