# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 46f889ca-72aa-4481-af50-2ecde9b628e4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1964, ist bei der Krankenkasse Wädens
wil für
die Leistungen der obligatorischen Krankenpflegeversicherung versi
chert (
Urk.
9/1).
Auf Zuweisung
durch
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe
(
vgl.
Urk.
3
/
10,
Urk.
3/13
)
, führte das
Z._
, am
1.
April 2015
eine ambulant
e
Polysomnographie
durch (
Urk.
3
/
14
). Die Versicherte er
suchte die
Krankenkasse Wädenswil
um Über
nah
me der entsprechenden Kosten von Fr.
1
'
452
.
55
(
Urk.
3
/
15
),
was
der
Kran
kenversicherer
nach Rückspra
che mit seinem Vertrauensarzt
Dr.
med.
A._
(vgl.
Urk.
3/5,
Urk.
3/11
)
mit Verfügung vom
7.
September
20
1
5 abwies mit der Begründung, im Untersuchungszeitpunkt habe kein drin
gender Verdacht auf ein
Schlaf
apnoe
syndrom
vorgelegen (
Urk.
3
/
6
).
1.2
Hiegegen
erhob die Versicherte
am
3
0.
September 2015
Einsprache (Urk.
3
/3), die der Versicherer mit Entscheid vom
1
4.
Oktober 2015
abwies (
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
1
4.
Oktober
2015
erhob die Versicherte am
12
.
November
2015
Beschwerde und ersuchte um
dessen Aufhebung und Erteilung der Kostengutsprache für die am
1.
April
2015
vorgenommene
Po
ly
somno
graphie
(
Urk.
1).
Die
Krankenkasse Wädenswil
beantragte
in der
Beschwerdeantwort vom
2
6.
November
2015
die
Abweisung der Beschwerde (
Urk.
8), was der Be
schwer
deführerin am 3
0.
November
2015 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
10).
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Art.
24 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG) verpflichtet die Kranken
kassen, aus der obligatorischen
Krankenpflegeversiche
rung
die Kosten für die in den Ar
tikeln 25-31 KVG aufgelis
teten Leistungen nach
Massgabe der in den Artikeln 32
34 KVG festgelegten Vor
aussetzungen zu übernehmen.
1.3
Zum Leistungsbereich gemäss den Artikeln 25-31 KVG gehören die Kos
ten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Fol
gen dienen (Art. 25 Abs. 1 KVG). Diese Leistungen umfassen unter anderem die Untersuchungen, Behandlungen und
Pflegemass
nahmen
, die ambulant, bei Haus
besuchen, stationär, teilstationär oder in einem Pfle
ge
heim durch
geführt werden (
Art.
25
Abs.
2
lit
. a KVG).
1.4
Die
Polysomnographie
ist eine Pflichtleistung der obligatorischen
Kranken
ver
sicherung unter anderem bei dringender Verdachtsdiagnose auf
Sc
hlaf
ap
noe
syndrom
, periodische
Beinbewegungen im Schlaf
, Narkolepsie,
wenn die klinische Diagnose unsicher ist, und ernsthafte
Para
somnie
, wenn die Diag
nose unsicher ist und daraus therapeutische Konsequenzen erwachsen. Dage
gen besteht für die Routineabklärung der vorübergehenden und der chroni
schen Insomnie,
der
Fibrositis
und des
Chronic
Fatigue
Syndrome
keine
Leistungs
pflicht
des Krankengrundversicherers (vgl. Anhang
1 zur
Kran
ken
pflege
lei
stungs
verordnung
, KLV,
Ziff.
2.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
ging im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) davon aus, dass von Anfang an keine dringende Verdachtsdiagnose vorgelegen habe und das negative Endresultat einwandfrei zur Ausgangslage passe. Die qualifizierten Voraussetzungen für die Kostenübernahme dieser nicht ganz billigen Untersuchung seien vorliegend nicht erfüllt.
2.2
Die Beschwerdeführerin machte demgegenüber geltend, dass
aufgrund der Untersuchungen durch
Dr.
med.
B._
ein dringender Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom gestellt worden sei und die Bedingungen der KLV für die Durchführung einer
Polysomnographie
damit klar gegeben seien, weshalb die Kosten von der Krankenversicherung zu übernehmen seien (
Urk.
1).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin für die Kosten von Fr.
1
'
452
.
55
der am
1.
April
2015
im
Z._
,
durchgeführten
Polysomno
graphie
aufzukommen hat.
3.
3.1
Aus medizinischer Sicht lässt sic
h den Akten Folgendes entnehmen:
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, berichtete am
7.
Januar 2015 (
Urk.
15/1) und nannte folgende Diagnosen:
massive Schlafstörungen mit Atemnot und Herzrasen
latente Hypothyreose
menopausal
seit Herbst
2014
Er führte aus, dass
die Beschwerdeführerin eine Patientin und gute Freundin von ihm sei. Sie leide seit Jahren an immer wiederkehrenden Schlafstörun
gen, welche sich in den letzten Wochen wieder akzentuiert hätten. Sie gebe an, in der Nacht aufzuwachen mit Atemnot und Herzrasen. Seit Ende letzten Jahres sei auch eine latente Hypothyreose mit
Euthyrox
25 therapiert und die Menopause manifestiert. Es sei noch nicht mit einer Hormonersatztherapie (HRT) begonnen worden, obwohl die Schlafstörungen natürlich durch die Menopause noch verstärkt sein könnten.
Gerne würde er die Beschwerde
führerin im
Z._
untersuchen lassen.
3.2
Dr.
phil.
C._
,
Z._
, berichtete am 2
7.
April
2015 über die am
1.
April
2015 durchgeführ
te
Somnographie
(
Urk.
3/14) und
nannte folgende Diagnose-Vorschläge:
phasenweise
giemende
/
stridoröse
Atemgeräusche im Schlaf bei der In
spiration und Exspiration (Differentialdiagnose: Asthma,
Strö
mungsgeräusche
im Larynx oder Pharynx, bei ungünstiger
Kopfposi
tion
)
periodische Bewegungen der Gliedmassen
kein Schnarchen und keine obstruktive Atemstörung im Schlaf
Er
führte aus, dass zeitweilig auffällige Atemgeräusche mit
giemendem
und
stridorösem
Charakter während der Inspiration und Exspiration festgestellt worden seien.
Diese Strömungsgeräusche bei der Atmung hätten in der Nacht während insgesamt gut einer Stunde bestanden. In keiner Körperlage seien klassische
Schnarchgeräusche
oder obstruktive Atemstörungen beobachtet worden. Die zentralen Atemvariationen im REM-Schlaf hätten zu einigen zentralen Atemstörungen geführt und seien von normaler Ausprägung. Es seien häufige periodische Beinbewegungen im Schlaf vorgefunden worden, die zeitweilig mit Weckreaktionen verbunden gewesen seien.
Bei der Beschwerdeführerin bestehe kein obstruktives Schlafapnoesyndrom. Die
zeitweiligen, meist während des
REM-Schlaf
s
auftretenden Atem- und
Strömungsgeräusche seien nicht mit obstruktiver Atmung verbunden. Der Schlaf sei abgesehen von einigen Phasen mit bewegungsinduzierten
Weckre
ak
tionen
von guter Qualität, normaler Schlafstruktur und
Schlafstadienzu
sammensetzung
. Weil die Beschwerdeführerin
mit einem Schläfrigkeitswert von 2 keine erhöhte Einschlafneigung bekl
age und weil zurz
eit keine
Ein
schlaf
- und Durchschlafstörungen bestünden, sei keine Indikation zur Thera
pie der periodischen Beinbewegungen gegeben (S. 1).
3.
3
Dr.
med.
B._
, Facharzt für Pneumologie und Facharzt für Allge
meine Innere Medizin,
D._
, berichtete am
4.
Mai 2015 (
Urk.
3/13) und nannte folgende Diagnosen:
chronischer
Nikotinabusus
von unregelmässig 5 bis 20 Zigaretten pro Tag, kumulativ doch etwa 30
py
normale Lungenfunktion ohne relevante obstruktive
Ventilations
stö
rung
und Diffusionsstörung
phasenweise
giemende
/
stridöse
Atemgeräusche im Schlaf, wahr
schein
lich im Rahmen der chronischen Bronchitis ohne Hinweise für ein Schlafapnoesyndrom
latente Hypothyreose
menopausal
seit Herbst 2014
Er führte aus, dass
wegen massiver
Schlafstörungen mit gefühlter Atemnot und Herzrasen eine Zuweisung zur
somnologischen
Abklärung erfolgt sei (S.
1). Bei der Beschwerdeführerin hätten die durchgeführten Untersuchungen eine normale Lungenfunktion und damit keine Hinweise für eine beginnende COPD (
chronic
obstructive
pulmonary
disease
) gezeigt. Bei vermutetem
Schlaf
apnoesyndrom
zeige die gut auszuwertende diagnostische
Polysomno
graphie
, dass kein obstruktives Schlafapnoesyndrom bestehe. Di
e zeit
weili
gen
,
meist während des
REM-Schlaf
s
auftretenden Atemgeräusche seien nicht mit obstruktiver Atmung verbunden, sondern wahrscheinlich im Rahmen der chronischen Bronchitis zu sehen.
Zudem bestünden unbe
deu
tende periodi
sche Bewegungen der unteren Gliedmassen. Er habe mit der Beschwerdefüh
rerin, die er von früher persönlich kenne, besprochen, dass der chronische Husten wahrscheinlich einzig durch das Rauchen bedingt sei. Sollte sie sich dazu entschliessen, mit dem Rauchen aufzuhören, würde der Husten wahr
scheinlich mit der Zeit verschwinden (S. 2).
Am
1.
Juli 2015 führte
Dr.
B._
aus (
Urk.
15/2), dass ihm die Beschwer
deführeri
n vom Gynäkologen wegen massiver
Schlafstörungen zugewiesen worden sei. Primär sei
e
in obstruktives Schlafapnoesyndrom zu vermuten, weshalb die diagnostische
Polysomnographie
durchgeführt worden sei. Diese entspreche dem üblichen Vorgehen, da eine Polygraphie oder
Pulsoxymetrie
nie ganz konklusiv
seien
.
3.4
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Rechtsmedizin, Vertrauensarzt, berichtete am
9.
Juli
2015 (
Urk.
3/11) und führte aus, dass
nun ein Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom geltend gemacht, aber nicht ausgewiesen werde.
Der Arzt möge zur Überprüfung seiner Aussagen das Zuweisungszeugnis des Gynäkologen sowie seine Abklärungsunterlagen zustellen, damit zweifelsfrei dokumentiert werden könne, dass ein dringender Verdacht auf ein
Schlafap
noesyndrom
bestanden habe.
Am 1
1.
August 2015 führte
Dr.
A._
aus (
Urk.
3/5),
dass mit den vorliegenden Unterlagen kein dringender Verdacht auf ein
Schlafapnoesyn
drom
oder ein anderes
im
KLV Anhang 1 aufgeführtes Leiden ausgewiesen werde. Es fehlten insbesondere Unterlagen über die klinische Untersuchung vor der
Polysomnographie
und die damals angestellten
differentialdiagnos
ti
schen
Überlegungen. Das Zuweisungszeugnis spreche sogar eher gegen ei
nen dringenden Verdacht.
3.5
Dr.
B._
führte am 1
5.
September
2015 aus (
Urk.
3/4), dass
er die
Begrün
dung und Ablehnung nicht nachvollziehen könne. Die Beschwerde
führerin sei von
Dr.
Y._
zugewiesen worden. Sie habe angegeben, in der Nacht aufzuwachen mit Atemnot und Herzrasen, was zu einer schweren Einschränkung des Schlafes geführt habe.
Die initialen
Untersuchungen bei ihnen hätten
keine Erklärung ergeben.
Sowohl die Herz- wie die
Lungenun
ter
suchung
inklusive Lungenfunktionsprüfung hätten keine Erklärung erge
ben, das heisse eine Herzrhythmusstörung, ein Asthma oder ein COPD hätten ausgeschlossen werden können. Zudem habe die Befragung ergeben, dass eine leichte Hypothyreose erf
olgreich therapiert worden sei. Aufgrund dieser Umstände habe man unbedingt ein Schlafapnoesyndrom ausschliessen müs
sen. Dies werde bei ihnen wie international empfohlen mittels einer nächtli
chen
Polysomnographie
durchgeführt. Die Durchführung lediglich einer
Pulsoxymetrie
oder einer Polygraphie sei zur genauen Differenzierung unge
nügend. Wie nun die Beschwerdegegnerin auf die Idee komme, diese Unter
suchung sei unnötig gewesen, sei ihm schleierhaft. Dass kein obstruktives Schlafapnoesyndrom habe festgestellt werden können
,
sei ja vor der Untersu
chung nicht klar gewesen, darum sei die Untersuchung ja durchgeführt wor
den.
3.6
Dr.
A._
führte am
5.
Oktober
2015 aus (
Urk.
3/2), die Beschwerde
führerin
hätte
geltend
gemacht
, dass vor der
polysomnographischen
Untersu
chung sehr wohl Voruntersuchungen sowohl durch
Dr.
Y._
als auch durch
Dr.
B._
durchgeführt worden seien, aus welchen sich klar ein drin
gender
Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom ergeben habe (S.
1).
Dr.
B._
habe am 2
2.
Juni
2015 angegeben, dass die Beschwerdeführe
rin zwecks Ausschluss
es
eines Schlafapnoesyndroms zugewiesen worden sei, ohne dass klinisch Hinweise auf ein solches Syndrom bestanden hätten. Am
1.
Juli 2015
habe
er im Prinzip seine Aussage vom Juni
wiederholt
. Für die zweite Wiedererwägung seien dann nur die Befunde der
Polysomnographie
und das Auswertungsgespräch zugestellt worden. Die vorgängig der
Poly
somnographie
durchgeführten Untersuchungen und deren Resultate
wie
auch die Ergebnisse der Anamneseerhebung und der klinischen Untersuchung
hätten gefehlt
. Der ver
lang
te dringende Verdacht auf ein
Schlafapnoesyn
drom
werde mit den vorliegenden Dokumenten schlicht nicht ausgewiesen, sondern sogar mit dem Zeugnis des Lungenfacharztes
Dr.
B._
vom 2
2.
Juni 2015 negiert.
4.
4.1
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) nahm zum Begriff der dringenden
Ver
dachtsdiagnose
gemäss
Ziff.
2.1 des Anhangs 1 zur KLV Stellung und erläu
terte, dass die Polygraphie und insbesondere die
Polysomnographie
aufwän
dige und dementsprechend kostspielige Untersuchungsverfahren seien, wes
halb ihre Kosten nur übernommen werden sollen, wenn aufgrund des
Be
schwer
debildes
und der einfachen klinischen Untersuchungen das Vorliegen einer leistungspflichtigen Indikation sehr wahrscheinlich, aber nicht sicher sei. Sie würden der Bestätigung eines bereits erhärteten Verdachts auf eine Diagnose, und nicht der Suche nach vielerlei möglichen Ursachen dienen. Die beiden Massnahmen sollten also am Ende und nicht zu Beginn der Abklä
rung durchgeführt werden. Sie stellten keinesfalls routinemässige Untersu
chungen bei Schlaf- und Atemstörungen dar. In Zusammenhang mit dem Schlafapnoesyndrom seien insbesondere die von Drittpersonen bestätigten Atempausen im Schlaf als dringende Hinweise zu werten (vgl. Urteil des Bundesgerichts K 47/07 vom 2
9.
Juni 2007 E. 3.5).
4.2
Gemäss
Ziff.
2.1 des Anhangs 1 zur KLV
wird nicht
verlangt, dass die
Ver
dachtsdiagnose
auf ein Schlafapnoesyndrom ausdrücklich als “dringend“ be
zeichnet wird. Diese Qualifizierung kann auch implizit aus den ärztlichen Angaben hervorgehen.
Der Wortlaut der erwähnten Bestimmung differenziert
sodann
nicht nach konkreter Erscheinungsform und Schweregrad des ver
muteten Schlafapnoesyndroms. Auch der dringende Verdacht auf ein
be
hand
lungsbedürftiges
Schlafapnoesyndrom leichterer Ausprägung vermag hin
sicht
lich
der
Polysomnographie
eine Leistungspflicht zu begründen.
Mit dem verlangten dringenden Verdacht auf das Vorliegen einer der
leistungs
pflichtigen
Indikationen wird die Vergütungspflicht der
Polysomno
graphie
an eine qualifizierte Voraussetzung geknüpft.
Somit
soll vermieden werden, dass die
relativ kostspielige Massnahme
zur Routineuntersuchung bei Schlafstörungen wird. Die blosse Möglichkeit eines Schlafapnoesyndroms genügt mithin nicht. Eben sowenig reicht generell eine nach ärztlicher Ein
schätzung überwiegende Wahrscheinlichkeit aus. Von einer dringenden
Ver
dachtsdiagnose
kann erst dann die Rede sein, wenn die – aufgrund des
Be
schwerdebildes
und der einfachen klinischen Untersuchungen ausgewiese
nen
– medizinischen Kriterien für das Vorliegen eines Schlafapnoesyndroms die Indizien für andere mögliche Ursachen einer vorhandenen Störung des
Schlafes klar überwiegen und daher
begründeterweise
mit deutlich erhöhter Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist, dass die
Polysomnographie
die vermutete Schlafapnoe bestätigen wird. Dies setzt nicht zwingend voraus, dass im
Un
ter
suchungszeitpunkt
sämtliche
für die fragliche Schlafkrankheit typischen
Kriterien gegeben sind. Der dringende Verdacht im genannten Sinne kann auch aufgrund nur einiger typischer Krankheitssymptome nachvollziehbar und begründet sein, sofern diese eindeutig gegeben sind und eine andere Schlaf
störung oder sonstige Pathologie nach sorgfältiger Abklärung als we
nig wahrscheinlich erscheinen.
Trifft letzteres nicht zu, fällt die Bejahung ei
ner dringenden Verdachtsdiagnose im Sinne von
Ziff.
2.1 des Anhangs 1 zur KLV ausser Betracht.
4.3
Das Schlafapnoesyndrom ist eine schlafbezogene Atemstörung mit Sistieren des Atemgasflusses an Nase und Mund,
mit oder ohne Obstruktion der obe
ren Atemwege. Anamnestisch zeigen sich eine abnorme Tagesmüdigkeit, lautes Schnarchen, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen,
Persönlich
keits
verän
derun
gen
, morgendlicher Kopfschmerz, Erektionsstörungen (Pschyrembel, Klini
sches Wörterbuch, 26
6.
Auflage, S. 1908).
4.4
Dr.
Y._
berichtete anamnestisch lediglich von seit Jahren bestehenden Schlaf
störungen mit Atemnot und Herzrasen, wobei sich diese Angaben of
fensichtlich auf die subjektiven Ausführungen der Beschwerdeführerin stützten. Er führte in seinem Überwe
isungsschreiben vom Januar
2015 so
dann
aus, dass die Schlafstörungen durch die Menopause noch verstärkt sein könnten, wobei noch nicht mit einer entsprechenden Hormonersatztherapie begonnen worden sei
.
Weiter machte
Dr.
Y._
darauf aufmerksam, dass sich
die immer wiederkehrenden Schlafstörungen erst in den letzten Wochen wie
der akzentuiert hätten
(vgl. vorstehend E. 3.1).
4.5
Nach der geschilderten Aktenlage bestand bei der Beschwerdeführerin vor der Durchführung der
Polysomnographie
möglicherweise
ein Verdacht auf ein Schlafapnoesyndrom, doch wurde dieser an keiner Stelle
weder
aus
drücklich
, noch
als dringend bezeichnet. Eine dringende Verdachtsdiagnose ergibt sich sodann auch nicht implizit aus den medizinischen Unterlagen. Aus diesen lässt sich entgegen der Auffassung der Beschwerdeführerin ni
cht der Schluss ziehen, dass eine
dringende
Verdachtsdiagnose und somit die Bedingungen für die
Polysomnographie
klar gegeben waren. So war im frag
lichen Zeitpunkt weder von
einer Tagesschläfrigkeit,
einem nächtlichen Schnarchen noch von Atemaussetzern beziehungsweise –stillständen
– das Hauptmerkmal einer Apnoe
– berichtet worden.
Die bei der Beschwerdefüh
rerin festgestellten Symptome liessen ein Schlafapnoesyndrom im fraglichen Zeitpunkt
zwar durchaus als möglich und eine
entsprechende
Verdachtsdiag
nose
a
ls einleuchtend beziehungsweise
begründet erscheinen.
Jedoch ist n
icht jede nachvollziehbar begründete Verm
utung eines
Schlafapnoesyn
droms
als qualifizierte Verdachtsdiagnose im Sinne von
Ziff.
2.1 des An
hangs 1 zur KLV zu werten.
Hier ist entscheidend, dass die Beschwerdeführerin vor der Durchführung der
Polysomnographie
offenbar nur einmal von ihrem Gynäkologen
Dr.
Y._
untersucht worden war, in dessen Bericht vom
7.
Januar 20
15 (vgl. vorste
hend E. 3.1)
nur die pauschalen Symptome wie Schlafstörungen mit Atemnot und Herzrasen festgestellt wurden,
Dr.
Y._
alsdann nicht einmal eine
Ver
dachtsdiagnose
eines Schlafapnoesyndroms erwähnte, und gleichzeitig aus
führte, dass die Schlafstörungen durch die Menopause verstärkt sein könnten und diesbezüglich noch nicht mit einer Hormonersatztherapie begonnen worden sei.
Dr.
Y._
machte zudem ausdrücklich darauf aufmerksam, dass sich die immer wiederkehrenden Schlafstörungen erst in den letzten Wochen wieder akzentuiert hätten. Auch diese Aussage deutet darauf hin, dass wei
tergehende Abklärungen beziehungsweise Untersuchungen im Vorfeld der
Polysomnographie
ausgeblieben sind.
Berichte des Lungen-Spezialisten
Dr.
B._
liegen erst für den Zeitraum nach der durchgeführten
Somno
graphie
vor und vermögen deshalb
nichts Entscheidendes zur hier zu beur
teilenden Frage der dringenden Verdachtsdiagnose vor diesem Zeitpunkt bei
zutragen
.
U
nter den gegebenen Umständen jedenfalls war im Untersuchungszeitpunkt wesentlich wahrscheinlicher, dass die
Somnographie
das Vorliegen eines Schlafapnoesyndroms ausschliessen
und nicht
bestätigen würde. Ein drin
gen
der Verdacht im Sinne des
hievor
Gesagten lag damit nicht vor, wes
halb eine Leistungspflicht der Beschwerdegegnerin zu verneinen ist.
4.6
Anzufügen bleibt, dass
die Durchführung einer
Polysomnographie
bei gegebe
ner dringender Verdachtsdiagnose unabhängig vom Untersuchungser
gebnis vergütungspflichtig ist. Der Umstand, dass die
Polysomnographie
bei der Beschwerdeführerin keine Hinweise auf eine atem- oder
beinbewegungs
bedingte
Störung des Schlafes ergab und namentlich ein obstruktives Schlafapnoesyndrom ausgeschlossen werden konnte, ist mithin rechtlich nicht entscheidend, zumal die Sachleistungsvoraussetzungen im
Sozialversi
cherungsrecht
prognostisch zu beurteilen sind (vgl. BGE 110 V 99 E. 2).
4.7
Zusammenfassend ist somit
nicht
von einem dringenden Verdacht auf
ein
Schlaf
apnoesyndrom
auszugehen,
womit
die
Abklärung mit der
Polysomno
graphie
nicht
als Pflichtleistung von der Beschwerdegegnerin zu übernehmen ist. Die Beschwerde ist daher
abzuweisen.