# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 8c97c9fe-5a9e-5f71-b29e-01b5798b7611
**Court:** ZH_BRK
**Chamber:** ZH_BRK_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschluss vom 18. April 2018 erteilte die Baubehörde X der Kirchge-
meinde Y die baurechtliche Bewilligung für den Neubau eines freistehen-
den Kirchturms [....].
B.
Hiergegen erhoben mit gemeinsamer Eingabe vom 25. Mai 2018 S.G.,
G.S., sowie A. und S.R. (nachfolgend: Rekurrierende 1) Rekurs mit den fol-
genden Anträgen:
"1. Der Bauentscheid der Baubehörde X vom 18. April 2018 in Sachen Kirchgemeinde Y, betreffend Baugesuch-Nr. 2018-0001, sei  und die baurechtliche Bewilligung zu verweigern.
2. Es sei ein Augenschein durchzuführen.
3. Den Rekurrierenden sei eine angemessene Prozessentschädigung .
4. Die Kosten des Rekursverfahrens seien den Rekursgegnern .
5. Es sei dem Rekurs die aufschiebende Wirkung zu erteilen."
Vom Rekurseingang wurde mit Präsidialverfügung vom 28. Mai 2018 (Dos-
sier G.-Nr. R4.2018.00079) Vormerk genommen und das Vernehmlas-
sungsverfahren eröffnet.
Die Vorinstanz und die private Rekursgegnerin nahmen mit Eingaben vom
27. bzw. 29. Juni 2018 Stellung und schlossen darin auf Abweisung des
Rekurses soweit darauf eingetreten werden könne, unter Kosten- und Ent-
schädigungsfolgen zu Lasten der Rekurrierenden.
Die Rekurrierenden replizierten mit Eingabe vom 20. Juli 2018 und ergänz-
ten ihren ersten Antrag wie folgt:
"Eventuell sei nur Dispositiv Ziffer 1 des Bauentscheids der Baubehörde X vom 18. April 2018 in Sachen Kirchgemeinde Y, betreffend Baugesuch Nr. 2018-0001, aufzuheben und seien der Rekursgegnerin gar keine Läutezei-
R4.2018.00079 Seite 3
ten zu bewilligen und der Rekursgegnerin das Läuten der Glocken zu ."
Die Duplik der privaten Rekursgegnerin erfolgte am 13. August 2018. Die
Vorinstanz verzichtete stillschweigend auf das Einreichen einer solchen.
C.
Mit Eingabe vom 25. Mai 2018 erhob R.M. (hernach: Rekurrent 2) ebenfalls
Rekurs und stellte die folgenden Anträge:
"1. Der angefochtene Entscheid sei aufzuheben;
2. Eventualiter sei der angefochtene Entscheid so abzuändern, dass auf das werktägliche Geläut um 07:00 Uhr, 11:00 Uhr und 19:00 Uhr zu verzichten und dieses zu verbieten sei, und die Beleuchtung des  mittels Ansetzung von Betriebszeiten auf die Zeit zwischen 06:00 Uhr und 22:00 Uhr beschränkt sowie auf eine angemessene Helligkeit gedimmt wird;
3. Es sei ein Abteilungsaugenschein durchzuführen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich MwSt. zugunsten des Rekurrenten."
Am 29. Mai 2018 wurde vom Rekurseingang unter der G.-
Nr. R4.2018.00082 Vormerk genommen und das Vernehmlassungsverfah-
ren eröffnet.
Die Vorinstanz nahm mit Eingabe vom 27. Juni 2018 zum Rekurs Stellung
und schloss darin auf Abweisung des Rekurses soweit darauf einzutreten
sei, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Rekurrenten.
Ebenfalls auf Abweisung unter den nämlichen Kosten- und Entschädi-
gungsfolgen schloss die Bauherrin in ihrer Stellungnahme vom 29. Juni
2018.
Die Replik erfolgte am 25. Juli 2018. Die Vorinstanz und die private Re-
kursgegnerin duplizierten mit Eingaben vom 31. Juli 2018 bzw. 17. August
2018.
D.
Am 3. Oktober 2018 führte eine Delegation des Baurekursgerichts im Bei-
sein der Parteien einen Augenschein auf dem Lokal durch.
R4.2018.00079 Seite 4
Im Anschluss daran wurde das Verfahren zwecks Führung von Parteige-
sprächen bis 8. November 2018 sistiert.
E.
Mit Eingabe vom 9. November 2018 teilte die private Rekursgegnerin den
Verzicht auf das morgendliche Geläut (07:00 Uhr) von Montag bis Freitag
mit.

## Considerations

Es kommt in Betracht:
1.
Da sich beide Rekurse gegen das nämliche Bauvorhaben richten und darin
weitgehend die gleichen Rechtsfragen aufgeworfen werfen, sind die Rekur-
se aus verfahrensökonomischen Gründen zu vereinigen.
2.
Die private Rekursgegnerin plant den Bau eines Glockenturms. Dieser soll
nahe der nördlichen Grundstücksgrenze zu stehen kommen, einen Grund-
riss von 3,60 m x 3,60 m und eine Höhe von insgesamt 18,02 m aufweisen,
wobei sich der Glockenstuhl ab einer Höhe von 12 m befindet. Er soll mit
insgesamt vier Glocken bestückt werden. Die Bauparzelle liegt in der Zone
für öffentliche Bauten (Oe), ist der Lärmempfindlichkeitsstufe (ES) II zuge-
schieden und befindet sich im Kreuzungsbereich der T- und der Q-Strasse.
Sie ist mit der römisch-katholischen Kirche und dem dazugehörigen Kirch-
gemeindehaus überstellt. Im Weiteren ist die Parzelle von zur Wohnzone
(ES II) gehörenden, überbauten Grundstücken umgeben. Unweit nördlich
bzw. südlich des Grundstücks befindet sich eine grossflächige, zur Reser-
vezone gehörende Wiese sowie ein Schulhaus. In rund 225 m Luftlinie süd-
lich des geplanten Turms liegt sodann ein Pflegeheim.
R4.2018.00079 Seite 5
3.
Die Vorinstanz bringt sinngemäss vor, die Rekurrentin S.R. sei nicht zum
Rekurs zuzulassen, da lediglich ihr Ehemann das Gesuch nach § 315 des
Planungs- und Baugesetzes (PBG) gestellt habe.
Gemäss § 315 Abs. 1 PBG hat, wer Ansprüche aus dem Planungs- und
Baugesetz wahrnehmen will, innert 20 Tagen seit der Publikation des Bau-
vorhabens, d.h. während der öffentlichen Auflage des Baugesuchs (§ 314
Abs. 4 PBG), bei der örtlichen Baubehörde schriftlich die Zustellung des
baurechtlichen Entscheids zu verlangen. Wer den Entscheid nicht rechtzei-
tig verlangt, hat sein Rekursrecht verwirkt.
Ratio legis von § 315 PBG besteht in der Verfahrensbeschleunigung und
der Rechtssicherheit. Mit der möglichst frühen Kenntnis allfällig drohender
Rekurse soll dem Bauherrn Gelegenheit gegeben werden, einen Rechts-
mittelstreit durch entsprechende Vorkehrungen wie Einigungsverhandlun-
gen oder Projektänderungen zu verhindern. Dies ist aber nur dann möglich,
wenn der Kreis potentieller Rekurrenten nach Abschluss des Auflagever-
fahrens namentlich bekannt ist. Deshalb muss auch ein allfälliges Vertre-
tungsverhältnis bereits im schriftlichen Zustellbegehren zum Ausdruck
kommen. Ausgenommen davon sind gesetzliche Vertretungen unter Ehe-
leuten (Art. 166 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches [ZGB]) oder einer
eingetragenen Partnerin bzw. eines eingetragenen Partners (Art. 15 Bun-
desgesetz über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paa-
re [PartG]) sowie jene unmündiger Kinder durch ihre Eltern (Art. 304 ZGB,
vgl. hierzu RB 1993 Nr. 53, Martin Bertschi in: Kommentar VRG, 3. Aufl.,
Zürich/Basel/Genf 2014, Vorbem zu §§ 21 – 21a Rz. 11). Dass lediglich ihr
Ehemann das Begehren gestellt hat, kann daher der Rekurrentin S.R. nicht
zum Nachteil gereichen.
Aufgrund der nachbarlichen Beziehung der Rekurrierenden und der vorge-
brachten Rügen (zu erwartende übermässige Lärmimmissionen) ist die Re-
kurslegitimation aller Rekurrierenden im Sinne von § 338a PBG zu bejahen.
Da auch die weiteren Prozessvoraussetzungen erfüllt sind, ist grundsätzlich
auf die Rekurse einzutreten. Soweit dies auf einzelne Begehren nicht zu-
treffen sollte, wird dies bei der Behandlung der dazugehörigen Rügen dar-
zulegen sein.
R4.2018.00079 Seite 6
4.
Der Rekurrent 2 beantragt die Durchführung eines Abteilungsaugen-
scheins.
Gemäss § 17 der Organisationsverordnung des Baurekursgerichts (OV
BRG) kann der Spruchkörper die Durchführung von Augenscheinen dem
Referenten bzw. der Referentin übertragen. Dies bedeutet, dass prinzipiell
das Baurekursgericht entscheidet, ob ein Referenten- oder ein Abteilungs-
augenschein durchgeführt werden soll (anders § 12 Abs. 2 altVerordnung
über die Organisation und den Geschäftsgang der Baurekurskommissio-
nen). Die neue Regelung deckt sich mit der im Zivilprozess geltenden Be-
stimmung, wonach das Gericht die Beweisabnahme an eines oder mehrere
seiner Mitglieder delegieren kann (Art. 155 Abs. 1 Zivilprozessordnung
[ZPO]).
Aus Zeit- und Kostengründen ist beim Baurekursgericht der Referentenau-
genschein die Regel. Die tatsächlichen Feststellungen werden dabei foto-
grafisch und durch Protokolleinträge zuhanden der weiteren Mitglieder des
Spruchkörpers dokumentiert. Das Verwaltungsgericht stellt bekanntlich bei
seinen Entscheiden ebenso regelmässig auf die Fotos des Baurekursge-
richts ab und verzichtet auf einen eigenen Augenschein.
Anlässlich des Lokaltermins ging es lediglich darum, die Lärmvorbelastung
im Quartier zu eruieren. Es war mithin u.a. festzustellen, wie sich das Quar-
tier präsentiert, wie hoch das Verkehrsaufkommen im Quartier ist und ob
das Geläut der reformierten Kirche hörbar ist. Hierbei handelt es sich um
Feststellungen, die sich zuhanden der fachkundigen Abteilung gut in Worte
fassen bzw. anhand von Fotos dokumentieren lassen. Ein Abteilungsau-
genschein war daher nicht notwendig. Besondere Gründe im Sinne von
Art. 155 Abs. 2 ZPO, die eine Beweisabnahme durch die gesamte Abtei-
lung erheischt hätten, wurden vom Rekurrenten 2 nicht substanziiert gel-
tend gemacht. Auf die Durchführung eines Abteilungsaugenscheins konnte
damit verzichtet werden.
5.
Die Rekurrentin beabsichtigte zunächst folgende Läutezeiten, wofür sie
auch vor Baugesuchseinreichung ein Lärmgutachten erstellen liess.
R4.2018.00079 Seite 7
Werktage:
- 07:00 Uhr 3 Minuten - 11:00 Uhr 3 Minuten - 19:00 Uhr 3 Minuten
Wochenende:
- Samstag 17:50 Uhr 10 Minuten - Sonntag 08:55 Uhr 5 Minuten - Sonntag 09:50 Uhr 10 Minuten - Sonntag 19:00 15 Minuten
Das am 14. März 2018 bei der Vorinstanz eingereichte Gesuch umfasste
alsdann die folgende Läuteordnung, welche auch unverändert Eingang in
den angefochtenen Beschluss fand (wiedergegeben ist das Dispositiv):
"1.1. An Werktagen (Montag bis Freitag): Dreimal während jeweils drei , beginnend frühestens um 07.00 Uhr und endend spätestens um 19.05 Uhr.
1.2. Am Samstag: Einmal während zehn Minuten, beginnend frühestens um 08.05 Uhr und endend spätestens um 19.00 Uhr.
1.3. Am Sonntag: Einmal während fünf Minuten, einmal während zehn  und einmal während 15 Minuten, beginnend frühestens um 08.55 Uhr und endend spätestens um 19.15 Uhr.
1.4. Zusätzlich liturgisches Geläut tagsüber (zwischen 08.00 Uhr und 19.00 Uhr) während höchstens 15 Minuten pro Anlass bei  (maximal zweimal pro Jahr), bei Hochzeiten (maximal  pro Jahr) und bei Beerdigungen (maximal 25-mal pro Jahr).
1.5. Zusätzlich liturgisches Geläut bei Festtagen während höchstens 15 Minuten pro Anlass, wie Gründonnerstag um 20.00 Uhr,  um 21.00 Uhr, Weihnachten (24.12.) um 23.00 Uhr.
1.6. Silvesternacht um 23.40 Uhr während 17 Minuten und um 00.01 Uhr während 20 Minuten.
1.7. Allfällige Änderungen und Erweiterungen der Läutzeiten sind ."
Im angefochtenen Beschluss wurden alsdann u.a. noch folgende Anord-
nungen verfügt (Dispositiv-Ziffern 2 und 6):
"2. Die Gesuchstellerin wird verpflichtet, die in Aussicht gestellte moderne Glockentechnik (siehe Erwägung g) zum Einsatz zu bringen."
"6. Gemäss Erwägung g) ist die Glockenstube (Seitenwände und Decke) zusätzlich zu dämmen. Die entsprechenden Detailpläne sind (3-fach) zur Bewilligung einzureichen."
R4.2018.00079 Seite 8
Die Parteien sind sich darüber einig, dass mit Ziff. 1.1. das sog. Morgen-,
Mittag- und Abendläuten bewilligt wurde.
6.
Die private Rekursgegnerin erklärte ihren Verzicht auf das morgendliche
Geläut von Montag bis Freitag. Davon ist im Sinne eines Bauverzichts
Vormerk zu nehmen. Die Rekursverfahren sind diesbezüglich als gegen-
standslos geworden abzuschreiben.
7.1.
Im angefochtenen Beschluss wird auf das von der privaten Rekursgegnerin
in Auftrag gegebene und bei den Baugesuchsakten liegende Gutachten
verwiesen und erwogen, dass eine Beurteilung strikte nach der vom Bun-
desamt für Umwelt BAFU im Jahre 2014 herausgegebenen Vollzugshilfe
zur Beurteilung von Alltagslärm (nachfolgend: Vollzugshilfe) zu streng aus-
falle. Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich die Störwirkung der Glo-
cken in Grenzen halte. Im Nachgang zum Gutachten habe die private Re-
kursgegnerin das Gesuch um zusätzliches liturgisches Geläut gestellt, wel-
ches auch teilweise in den Nachtstunden anfallen werde. Als Nachtphase
wird im angefochtenen Beschluss gestützt auf die kommunale Polizeiver-
ordnung von der Zeit zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr ausgegangen. Im
Rahmen der Interessenabwägung wird ausgeführt, die drei beantragten
Läutezeiten in der Nachtphase (24. Dezember und in der Neujahrsnacht)
seien bewilligungsfähig, da dieses Geläut den örtlichen Gepflogenheiten
entspreche und sich auf zwei Nächte beschränke. Das Gutachten habe das
liturgische Geläut nicht untersucht. Dennoch seien die Schlussfolgerungen
im Gutachten auch auf dieses übertragbar. Das liturgische Geläute be-
schränke sich nämlich auf 37 Ereignisse pro Jahr. Zudem stehe dieses Ge-
läut unter dem Schutz der Kultus- und Religionsfreiheit. Gestützt auf das
Vorsorgeprinzip sei jedoch zu verlangen, dass der Glockenstuhl zusätzlich
gedämmt werde.
7.2.
Die Rekurrierenden 1 bringen zusammengefasst vor, die Bauherrin sei
zwar verpflichtet worden, eine moderne Glockentechnik anzubringen, doch
sei diese Anordnung nicht hinreichend definiert worden. Ebenso sei nicht
R4.2018.00079 Seite 9
festgelegt worden, wie hoch die zusätzliche Dämmung auszufallen habe.
Es sei auch nicht nachvollziehbar, weshalb die Gemeinde nicht einen ma-
ximal zulässigen Schallpegel statuiert habe. Auch der Einbau moderner
Glockentechnik könne nicht sicherstellen, dass eine bestimmte Lautstärke
nicht überschritten werde, da über die Steuerung auch ein starker Anschlag
programmiert werden könne. Die röm.-kath. Kirchgemeinde komme nun
seit 50 Jahren ohne Glockengeläut aus. Für die hier massgebliche Kirch-
gemeinde sei mithin das Glockengeläut nicht von grosser Bedeutung. Es
liege keine entsprechende örtliche Tradition vor. Auch komme der Kirch-
turm in einem besonders ruhigen Quartier zu stehen, welches weit ruhiger
sei als andere Quartiere der ES II. So weise die Q-Strasse kaum Durch-
gangsverkehr auf und seien im Quartier auch keine Geschäfte, Restaurants
oder ähnliches vorhanden. Die Glocken der in der gleichen Gemeinde situ-
ierten reformierten Kirche seien hier kaum zu hören. Lediglich das Glo-
ckengeläut der Z-Kirche sei je nach Wetterlage sehr leise wahrnehmbar.
Weiter sei zu berücksichtigen, dass einzig 75 Mitglieder der 6'647 stimmbe-
rechtigen Kirchgemeindemitglieder der Kirchgemeindeversammlung beige-
wohnt hätten, an welcher der Bau des Turmes beschlossen worden sei. Ein
sehr geringer Anteil der Bevölkerung habe folglich ein Interesse am Glo-
ckengeläut. Des Weiteren erachten sie die im Gutachten getroffenen An-
nahmen als fehlerhaft (vgl. hierzu E. 8.2.2). Bei der Interessenabwägung
sei sodann zu berücksichtigen, dass lediglich das liturgische Geläut dem
Schutz der Glaubens- und Gewissensfreiheit unterliege. Das vorgesehene
bürgerliche Geläute lasse sich daher in keiner Weise rechtfertigen. Aber
auch ersteres sei nur unter sehr strengen Auflagen (modernste Glocken-
technik, Begrenzung des maximalen Schallpegels) bewilligungsfähig.
7.3.
Der Rekurrent 2 führt zunächst aus, dass sich die Erwägungen lit. g des
angefochtenen Entscheids nicht mit den bewilligten Läutezeiten decken
würden. So sei namentlich samstags ein deutlich früher einsetzendes Ge-
läut bewilligt worden als in den Erwägungen genannt werde. Dasselbe tref-
fe auch auf die im Gutachten gemachten Annahmen zu. Weiter sei das
Gutachten insoweit unzutreffend, als darin davon ausgegangen werde,
dass es sich um einen schönen Klang handle. Dies sei aber eine rein sub-
jektive Einschätzung. Auch werde im Gutachten die Umgebung willkürlich
in fünf Gebiete aufgeteilt und gelange der Gutachter alsdann zum Schluss,
dass "nur" in zwei dieser Gebiete störende Belastungen zu erwarten seien.
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Es liege jedoch in der Natur der Sache, dass sich die störenden Immissio-
nen auf wenige Punkte beschränkten und nicht das gesamte Gemeindege-
biet davon betroffen sei. Des Weiteren müsse in der nächsten Umgebung
des streitbetroffenen Turms und mithin bei der rekurrentischen Parzelle
nicht nur mit Immissionen zwischen den Planungs- und Immissionsgrenz-
werten, sondern mit solchen zwischen Immissions- und Alarmgrenzwerten
oder gar mit Werten über letzteren gerechnet werden. Wenn das Gutachten
bei der rekurrentischen Liegenschaft mit lediglich einer störenden Lärmbe-
lastung rechne, so sei dies falsch. Dies sei darauf zurückzuführen, dass im
Berechnungsmodell des Gutachtens die Wahrnehmbarkeit der Störung so-
wie der Ausgangspunkt des Lärms auf einer Höhe von 4,5 m angenommen
worden sei. Da das Glockengeläut die Immissionsgrenzwerte überschreite,
müssten besondere Gründe für Erleichterungen vorliegen (Art. 25 Abs. 2
LSV). Der angefochtene Beschluss setze sich damit aber nicht auseinan-
der. Im Übrigen werde im Gutachten ausgeführt, dass die Abschirmung des
Glockenturms Richtwirkungen aufweisen könne, die nicht modellierbar sei-
en. Auch sei der Gutachter der Auffassung, weitere Lärmminderungsmass-
nahmen seien nicht möglich. Die Erwägung im angefochtenen Beschluss,
die Immissionen liessen sich mit weiteren Lärmschutzmassnahmen um 5 -
10 dB(A) herabsetzen, seien daher falsch. Des Weiteren bringt der Rekur-
rent 2 vor, dass keine überwiegenden Interessen für das bürgerliche Läuten
vorlägen, bestehe doch etwa auch keine dahingehende Tradition.
7.4.
Die Vorinstanz hält den Ausführungen der Rekurrierenden 1 entgegen, aus
Erwägung lit. g gehe klar hervor, welche Massnahmen bezüglich Glocken-
technik zu treffen seien. Zudem handle es sich vorliegend um eine Toner-
zeugung mittels Klöppel (Glockengeläut), weshalb nicht auf die Glocken
geschlagen werde. Wie stark sich eine zusätzliche Dämmung auswirke,
könne kaum im Voraus berechnet werden. Es sei der Bauherrin überlas-
sen, wie sie die Massnahmen umsetzen wolle. Die Baubehörde habe aber
die Einreichung entsprechender Detailpläne vor Baufreigabe verlangt. Mit
den bewilligten Läutezeiten werde es maximal zu einem viermaligen, kur-
zen Läuten pro Tag kommen. Die Betriebszeiten seien daher stark einge-
schränkt worden. Das Gutachten sei in Übereinstimmung mit der Vollzugs-
hilfe des BAFU und dem dazugehörigen Excel-Tool ausgearbeitet worden.
Auch handle es sich vorliegend nicht um ein besonders ruhiges Quartier.
Vielmehr verkehre auf der T-Strasse morgens und abends viermal stündlich
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der Bus und befinde sich in unmittelbarer Nähe das Schulhaus Q. Das litur-
gische und bürgerliche Geläut sei im Kanton Zürich verbreitetes Allgemein-
gut. Auch in der hier massgeblichen Gemeinde habe es Tradition. Es sei
sodann fraglich, ob das Morgen-, Mittags- und Abendgeläut entgegen bis-
heriger Rechtsprechung nicht auch unter dem Schutz der Glaubens- und
Religionsfreiheit stehen müsse. Es sei zudem eine hinreichende Interes-
senabwägung vorgenommen worden. Da das Glockengeläut nach einem
festen Zeitplan erfolgen werde, sei es voraussehbar und überdies von einer
konstanten Intensität.
Hinsichtlich der Vorbringen des Rekurrenten 2 führt die Vorinstanz im We-
sentlichen vernehmlassungsweise aus, im angefochtenen Beschluss habe
sie sich sehr wohl mit dem Umstand auseinandergesetzt, dass sich die im
Gutachten untersuchten Läutezeiten mit den schlussendlich beantragten
nicht vollständig decken würden. Auch sei die Lärmbelastung korrekt beur-
teilt worden.
7.5.
Die private Rekursgegnerin bringt vernehmlassungsweise ergänzend zur
Baubehörde vor, das Kirchengeläut habe sich ins Bewusstsein der Men-
schen eingeprägt und sei für viele ein Wohlklang. Für weite Teile der Be-
völkerung gehöre das Glockengeläut zum festen Tagesablauf. Bis anhin
hätten die Glocken der reformierten Kirche das Glockengeläut für liturgi-
sche Anlässe in der katholischen Kirche übernommen. Ob eine Tradition
bestehe, dürfe nicht auf das streitbetroffene Quartier beschränkt untersucht
werden. Vielmehr sei das gesamte Gemeindegebiet zu betrachten. Würde
anders entschieden, könnten nirgends neue Kirchen mit Glockentürmen er-
stellt werden. Das Glockengeläut deshalb zu verbieten, weil die Bevölke-
rung hinsichtlich Lärm sensibilisiert sei und eine bestimmte Anzahl Perso-
nen kein oder kein enges Verhältnis zur Kirche pflege, sei eine unzulässige
Anwendung des Umweltschutzgesetzes. Zudem seien bereits mehrere
Massnahmen zur Lärmminderung vorgesehen (Reduktion der Anschlagin-
tensität, Reduktion des Schallpegels an der Glocke, spezielle Klöppelform
und sog. Fallklöppeltechnik). Sodann komme auch noch eine Schwin-
gungsisolation in Frage. Des Weiteren führten die massiven seitlichen Be-
tonwände sowie das Verbundsicherheitsglas zu einer weiteren Reduktion
der Lärmimmissionen. Der von den Betonwänden ausgehenden lärmmin-
dernden Wirkung sei im Gutachten im Übrigen nicht Rechnung getragen
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worden. Es gehe vielmehr davon aus, dass die Quelle in alle Richtung
gleich stark abstrahle. Das Quartier sei auch nicht besonders ruhig, liege es
doch etwa im Einzugsgebiet des Flughafens Zürich. Auch könnten nicht die
im Anhang der LSV enthaltenen Grenzwerte für die lärmrechtliche Beurtei-
lung des Glockengeläuts herangezogen werden, da diese auf Mittelungs-
pegel beruhten, beim Glockengeläut aber auf Maximalpegel abgestellt wer-
de. Im Übrigen definiere die Vollzugshilfe keine allgemein gültigen Grenz-
werte, sondern diene als Beurteilungshilfe.
7.6.
Replizierend bringen die Rekurrierenden 1 u.a. vor, dass die Glocken
fünf bis fünfzehn Minuten läuten würden. Der Dauer des Geläuts müsse bei
deren Lärmbeurteilung ebenfalls Rechnung getragen werden.
Der Rekurrent 2 führt in seiner Replik aus, mit den bewilligten Läutezeiten
werde es der privaten Rekursgegnerin ermöglicht, den Zeitpunkt des Glo-
ckengeläuts fast frei zu bestimmen. Wenn schon eine Tradition geltend
gemacht werde, so müsse sich das Glockengeläut auch auf die angeblich
tradierten Läutezeiten beschränken. Die verfügten schalldämmenden Mas-
snahmen seien zudem ungenügend, da die Auswirkungen der verfügten
Massnahmen nicht bekannt seien. Die tabellarische Darstellung im Gutach-
ten zeige sodann, dass in drei der fünf Gebiete störende Immissionen zu
erwarten seien. Wenn im Gutachten zusammenfassend festgehalten wer-
de, lediglich in zwei Gebieten würden diese Immissionen auftreten, so sei
dies falsch. Im Gutachten werde sodann selbst ausgeführt, dass die Aus-
wirkungen der Betonwände nicht modellierbar seien. Sie könnten daher
auch für das rekurrentische Grundstück zu störenden Schallreflexionen füh-
ren. Das Argument der Tradition könne hier nicht verfangen, weil ein neuer
Kirchturm zur Diskussion stehe. Die Vorinstanz verkenne, dass das Um-
weltschutzgesetz an neue Anlagen erhöhte Anforderungen stelle.
7.7.
Die private Rekursgegnerin bringt duplizierend vor, im Rahmen der Prüfung
der noch einzureichenden Detailpläne könne die Baubehörde ihre Kontroll-
funktion wahrnehmen und allfällige weitere Massnahmen konkretisieren
oder verlangen. Die Festlegung eines maximal zulässigen Grenzwertes sei
schon deshalb nicht möglich, weil die Lärmschutzverordnung für das Glo-
ckengeläut keine Grenzwerte kenne. Schon gar nicht könne von einem in
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der ES II allgemein geltenden Planungswert von 55 dB(A) gesprochen wer-
den. Würden die untersuchten Läuteereignisse auf die gesamte Tagesperi-
ode verdünnt, wie dies in der LSV etwa für Strassenlärm vorgesehen sei,
würden die Beurteilungspegel deutlich tiefer ausfallen als im Gutachten an-
genommen. Hinsichtlich der Akzeptanz des Glockengeläuts sei zu bemer-
ken, dass lediglich fünf Personen gegen das geplante Bauvorhaben rekur-
riert hätten. Der übrige Teil der Bevölkerung sei mithin keineswegs negativ
eingestellt. Des Weiteren gelte es zu beachten, dass das Morgen-, Mittags-
und Abendgeläut einen kultisch, religiösen Hintergrund habe, sei damit
doch die Bevölkerung einst zum Gebet gerufen worden.
7.8.
Anlässlich des Lokaltermins hielten die Parteien an ihren im Rahmen des
Schriftenwechsels gemachten Ausführungen fest. Seitens der privaten Re-
kursgegnerin wurde anhand von Tonaufnahmen der klangliche Unterschied
von alten und modernen, den neuesten Technologien entsprechenden Glo-
cken aufgezeigt.
8.1.
Das Glockenspiel der römisch-katholischen Kirche ist eine mit einer Baute
dauerhaft verbundene ortsfeste Einrichtung und damit eine Anlage im Sin-
ne von Art. 7 Abs. 7 des Umweltschutzgesetzes (USG) und Art. 2 Abs. 1
der Lärmschutzverordnung (LSV). Da das Läutewerk neu installiert werden
soll, gilt es als neue Anlage im Sinne der Lärmschutzverordnung und hat
deshalb die Planungswerte (Art. 25 Abs. 1 USG) einzuhalten. Erleichterun-
gen können dann gewährt werden, wenn überwiegende öffentliche Interes-
sen an der Anlage bestehen und die Einhaltung der Planungswerte zu einer
unverhältnismässigen Belastung für das Projekt führen würde (Art 25
Abs. 2 USG). Weiter sind die Vorschriften der Art. 11 Abs. 2 und 3 USG zu
beachten. Diesen zufolge sind Emissionen im Rahmen der Vorsorge unab-
hängig von der bestehenden Umweltbelastung so weit zu begrenzen, als
dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar ist
(Abs. 2). Wenn feststeht oder zu erwarten ist, dass die Einwirkungen unter
Berücksichtigung der bestehenden Umweltbelastung schädlich oder lästig
werden, sind die Emissionsbegrenzungen zu verschärfen (Abs. 3). Solche
Begrenzungen werden gemäss Art. 12 Abs. 2 USG durch Verordnungen
oder, soweit diese nichts vorsehen, durch unmittelbar auf das Umwelt-
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schutzgesetz abgestützte Verfügungen vorgeschrieben. Schutzmassnah-
men nach Art. 12 Abs. 2 USG sind nicht erst zu ergreifen, wenn die Um-
weltbelastung schädlich oder lästig wird, sondern es müssen gestützt auf
das Vorsorgeprinzip schon sämtliche unnötige Emissionen vermieden wer-
den. Dies ist allerdings nicht so zu verstehen, dass jeder im strengen Sinne
nicht nötige Lärm völlig untersagt werden müsste. Es gibt keinen absoluten
Anspruch auf Ruhe; vielmehr sind geringfügige, nicht erhebliche Störungen
hinzunehmen (Art. 15 USG).
Die Lärmimmissionen ortsfester Anlagen sind grundsätzlich anhand der
vom Bundesrat festgelegten Belastungsgrenzwerte (Anhänge 3 - 8 LSV) zu
beurteilen (Art. 40 Abs. 1 LSV). Für die Lärmbelastung durch Glockenspiele
hat der Bundesrat keine Grenzwerte festgelegt. Fehlen solche Werte, so
müssen die Lärmimmissionen im Einzelfall nach den Kriterien der Art. 15,
19 und 23 USG bewertet werden (Art. 40 Abs. 3 LSV). Im Rahmen dieser
Einzelfallbeurteilung sind der Charakter des Lärms, Zeitpunkt und Häufig-
keit seines Auftretens sowie die Lärmempfindlichkeit bzw. Lärmvorbelas-
tung zu berücksichtigen. Dabei ist nicht auf das subjektive Lärmempfinden
einzelner Personen abzustellen, sondern es ist eine objektivierte Betrach-
tung unter Berücksichtigung von Personen mit erhöhter Empfindlichkeit
(Art. 13 Abs. 2 USG) vorzunehmen. Dabei gilt es zu beachten, dass die
Lärmschutzvorschriften des Umweltschutzgesetzes in erster Linie auf Ge-
räusche zugeschnitten sind, die als unerwünschte Nebenwirkungen einer
bestimmten Tätigkeit auftreten. Grundsätzlich lassen sich solche
Lärmemissionen mit geeigneten Massnahmen an der Quelle reduzieren,
ohne dass dadurch die entsprechenden Tätigkeiten als solche in Frage ge-
stellt würden. Geräusche, welche den eigentlichen Zweck einer bestimmten
Aktivität ausmachen, wie beispielsweise das Läuten von Kirchen- oder
Kuhglocken sowie das Musizieren können indessen nicht völlig vermieden
oder in der Lautstärke wesentlich reduziert werden, ohne dass zugleich der
Zweck der sie verursachenden Tätigkeit vereitelt würde. Derartige
Lärmemissionen als unnötig und unzulässig zu qualifizieren, würde nichts
anderes heissen, als gleichzeitig die betreffenden Aktivitäten generell als
unnötig zu betrachten. In der Rechtsprechung werden solche Emissionen
zwar aufgrund des Umweltschutzgesetzes beurteilt, aber zugleich unter Be-
rücksichtigung des Interesses an der den fraglichen Lärm verursachenden
Tätigkeit nicht vollständig untersagt, sondern bloss einschränkenden Mass-
nahmen unterworfen (vgl. Urteil des Bundesgerichts vom 2. März 1998 in
R4.2018.00079 Seite 15
Pra 1998 Nr. 170 S. 904; BGE 126 II 366 E.2d S.369). Solche Massnah-
men bestehen in der Regel in einer Einschränkung der Betriebszeiten, da
eine Reduktion der Schallintensität zumeist den mit der betreffenden Tätig-
keit verfolgten Zweck vereiteln würde. Dabei ist eine Interessenabwägung
zwischen dem Ruhebedürfnis der Bevölkerung und dem Interesse an der
lärmverursachenden Tätigkeit vorzunehmen. Den örtlichen Behörden ist
sodann ein gewisser Beurteilungsspielraum zuzugestehen, soweit es sich
um Anlässe mit lokaler Ausprägung oder Tradition handelt (vgl. zu alledem
mit weiteren Hinweisen BGr 1C_297/2009).
8.2.1.
Für die Einzelfallbeurteilung können unter Umständen fachlich genügend
abgestützte private Richtlinien herangezogen werden (vgl. BGE 137 II 30,
E. 3, mit weiteren Hinweisen). Auf die in den Anhängen zur Lärmverord-
nung enthaltenen Grenzwerte kann hingegen nicht zurückgegriffen werden,
da die im jeweiligen Anhang enthaltenen Belastungsgrenzwerte bzw. die
darin vorgeschriebenen Mess- und Beurteilungsverfahren auf bestimmte
Lärmarten zugeschnitten sind und sich daher auf andersartige Lärmemissi-
onen nicht ohne weiteres übertragen lassen.
Naheliegend scheint das Heranziehen der vom BAFU herausgegebenen
Vollzugshilfe, soll damit doch eine einheitliche Vollzugspraxis erreicht und
sollen mit ihr unbestimmte Rechtsbegriffe konkretisiert werden. Die darin
zur Anwendung gelangende Beurteilungsmethode befindet sich noch in der
Testphase (Vollzugshilfe, Anh. 1, S. 54). Die Störung von Kirchenglocken
wird in der Vollzugshilfe für den Tag und die Nacht anhand von mehreren
Kriterien und den dazugehörigen Gewichtungsfaktoren separat ermittelt
und einer der vier Störungskategorien (0-3) zugeteilt.
0 = Höchstens geringfügig störend (unter PW)
1 = Störend (zwischen dem Planungswert [PW] und IGW)
2 = Erheblich störend (zwischen Immissionsgrenzwert [IGW] und AW)
3 = Sehr stark störend (über dem Anlagewert [AW])
Für den Tag wird die Störung aus vier Quellen- und drei Empfängercharak-
teristiken bestimmt. Die Berechnungsformel dazu lautet:
R4.2018.00079 Seite 16
Störung(Tag) = Quelle + Empfänger = (Qw + Qh + Qc + Qs) / 3 + ES +
SP + ÖG
Der Faktor Qw gibt dabei die Wahrnehmbarkeit, Qh die Häufigkeit und Qc
den Charakter des Lärms wieder. Mit Qs wird der Zeitpunkt der Lärmim-
mission (sensible bzw. nicht sensible Tageszeiten) berücksichtigt. Die Emp-
findlichkeitsstufe (ES) schlägt mit einem Gewichtungsfaktor von +1 bis -2
zu Buche. Den speziellen Personengruppen (SP) sowie den örtlichen Ge-
gebenheiten werden Gewichtungsfaktoren von jeweils 0 oder +1 zugeteilt.
Anhand der vom BAFU zur Verfügung gestellten Excel-Tabelle lässt sich
die jeweilige Störungskategorie ablesen (vgl. www.bafu.admin.ch/-
publikationen).
8.2.2.
Die private Rekursgegnerin liess vor Baueingabe durch die Grolimund +
Partner AG ein Lärmgutachten ausarbeiten, welches sich auf die Vollzugs-
hilfe stützt. Dem Gutachter waren dabei lediglich die oben genannten, ur-
sprünglich von der privaten Rekursgegnerin ersuchten Läutezeiten unter-
breitet worden. Das liturgische Geläut wurde mithin vom Gutachter nicht
untersucht.
Im Gutachten wird von einem auf zwei Seiten mit Betonwänden abgeschot-
teten und in Schwungrichtung der Glocken mit Verbundsicherheitsglas ab-
geschlossenen Kirchturm ausgegangen. Weiter wurde ein Schalldruckpegel
LAFmax in 1 m Distanz für vier Glocken von 110 dB(A), für die Dämpfung
durch die Verglasung eine Reduktion um 10 dB(A) und eine Punktquelle
ohne Richtwirkung präsumiert. Gestützt auf diese Annahmen wurde die
Schallausbreitung des Glockengeläuts im Gutachten grafisch dargestellt
und die so bestimmte Wahrnehmbarkeit in fünf Kategorien unterteilt:
- sehr laut > 80 dB(A) - laut ≤ 75 dB(A) - mittel ≤ 65 dB(A) - gering ≤ 55 dB(A)
Anhand der Quellencharakteristik (Störzeit, Wahrnehmbarkeit, Häufigkeit
und Charakter des Lärms) sowie der Empfängercharakteristik (ES, sensible
Personen und Umgebungslärm) wurde der Störungsgrad für die folgenden
fünf Zonen berechnet:
R4.2018.00079 Seite 17
- Wohnzone, Distanz < 65 m (Wahrnehmbarkeit: laut, ES II): 1,33 (störend, zwischen Planungswert [PW] und Immissionsgrenzwert [IGW])
- Wohnzone, Distanz < 150 m (Wahrnehmbarkeit: mittel; ES II): 1,00 (störend, zwischen PW und IGW)
- Wohnzone, Distanz > 150 m (Wahrnehmbarkeit: gering; ES II): 0,67 (höchstens geringfügig störend, PW eingehalten)
- Pflegezentrum P >150 (Wahrnehmbarkeit: gering, ES II): 1,67 (störend, zwischen PW und IGW)
- Dorfzone, Distanz > 150 m (Wahrnehmbarkeit: gering; ES III): 0,00 (höchstens geringfügig störend, PW eingehalten).
Bei der Berechnung des Störungsgrades wurde für die Störzeit durchge-
hend der Gewichtungsfaktor von +1 eingesetzt, da das Geläut auch in der
sensiblen Tageszeit ertönen werde (morgen, mittags, abends und an Wo-
chenenden). Für die Wahrnehmbarkeit war ausschlaggebend, welcher der
oben genannten fünf Kategorien (gering bis sehr laut) die Zone angehört.
Die Häufigkeit des Geläuts wurde mit "selten" umschrieben. Der Charakter
des Lärms wurde als impuls- und tonhaltig bezeichnet und damit mit einem
Gewichtungsfaktor von +1 einberechnet. Auf der Empfängercharakteristik
wurde die ES II mit dem Wert 0 und die ES III mit dem Gewichtungsfaktor -
1 berücksichtigt. Sensible Personen, welche mit einem Faktor von +1 zu
Buche schlagen, wurden einzig hinsichtlich des Pflegezentrums P berück-
sichtigt. Der Umgebungslärm wurde jeweils mit 0 beziffert, da er dem in der
jeweiligen Empfindlichkeitsstufe zu erwartenden Umgebungslärm entspre-
che.
Weiter wird im Gutachten ausgeführt, die Läutezeiten seien bereits stark
eingeschränkt, auch werde modernste Glockentechnik eingesetzt werden.
Einzig mittels dämmenden Massnahmen am Glockenstuhl selbst könne ei-
ne weitere Lärmminderung um 5 dB(A) bis 10 dB(A) erzielt werden. Die
Lärmbelastung sei je nach Lage als "höchstens geringfügig störend" bis
"störend" zu beurteilen. Da das Geläut nur während wenigen Minuten am
Tag stattfinde und von einem Teil der Bevölkerung auch nicht als Lärm im
eigentlichen Sinne, sondern als wohlklingender Klang empfunden werde,
erscheine die Beurteilung nach der Vollzugshilfe im vorliegenden Fall als
streng. Durch die Einhausung seien bereits wirksame Lärmminderungs-
massnahmen geplant. Die Vollzugsbehörde habe eine Interessenabwä-
gung vorzunehmen.
R4.2018.00079 Seite 18
8.3.1.
Die Vorinstanz stützte sich wie dargelegt bei ihrer Bewilligungserteilung auf
das Gutachten. Die Rekurrierenden bemängeln das Gutachten in mehrfa-
cher Hinsicht. Sie erachten das Gutachten sowohl hinsichtlich der Quellen-
als auch hinsichtlich der Empfängerseite als mangelhaft. Es ist daher nach-
folgend zu prüfen, ob das Gutachten korrekt ist.
8.3.2.
Der Rekurrent 2 bringt vor, das Gutachten sei deshalb schon fehlerhaft,
weil der Lärmausgangspunkt mit 4,5 m über Boden angenommen worden
sei, der Glockenstuhl aber deutlich höher hänge. Diese Vorbringen gehen
fehl. Aus Seite 8 des Gutachtens geht hervor, dass die Lärmbelastung,
nicht aber die Lärmquelle bei einer Höhe von 4,5 m über Boden angenom-
men worden ist.
Sodann moniert er weiter, das Gutachten sei deshalb unzureichend, weil im
Gutachten selbst festgehalten worden sei, der Glockenturm weise eine
Richtwirkung auf, die nicht modelliert werden könne. Es ist dem Rekurren-
ten 2 dahingehend zuzustimmen, dass im Lärmgutachten ausgeführt wird,
der Glockenturm weise wegen der teilweisen Abschirmung mit Bodenplat-
ten und Glasscheiben eine nicht modellierbare Richtwirkung auf. Es ist je-
doch gerichtsnotorisch, dass Lärmgutachten hinsichtlich noch nicht betrie-
bener Anlagen stets auf Annahmen basieren. So ist es im Rahmen eines
solchen Gutachtens niemals möglich, allen beim Betrieb der Anlage eintre-
tenden Reflexionen Rechnung zu tragen. Alleine aus diesem Grunde kann
jedoch ein Gutachten nicht als unvollständig oder falsch bezeichnet wer-
den. Nicht anders verhält es sich hier.
Der Rekurrent 2 bemängelt sodann, dass im Gutachten willkürlich eine Auf-
teilung der Umgebung in fünf Gebiete erfolgt sei. Diesem Vorbringen kann
ebenfalls nicht gefolgt werden. Im Gutachten wurden die in der Umgebung
zu erwartenden Immissionen berechnet und bildlich wiedergegeben: Jene
Gebiete, in denen sich der zu erwartende LAFmax innerhalb einer Spann-
breite von 5 dB(A) bewegt, wurden jeweils zu einer Zone zusammengefasst
und gleich koloriert. Daraus ergeben sich in der näheren Umgebung des
geplanten Glockenstuhls fünf Zonen, welche im Gutachten farblich darge-
stellt sind (act. 14.1. Abbildung 3, S. 9, im Dossier G.-Nr. R4.2018.00082).
R4.2018.00079 Seite 19
Diese Zonen wurden alsdann den vier oben wiedergegebenen Kategorien
für die Wahrnehmbarkeit zugeteilt ("gering" bis "sehr laut").
Soweit der Rekurrent 2 sodann vorbringt, der Entscheid sei deshalb fehler-
haft, weil damit samstags ein zehnminütiges Geläut zwischen 8:50 Uhr und
19:00 Uhr bewilligt worden sei, das Gutachten aber ein später, nämlich um
17:50 Uhr, einsetzendes geprüft habe und mithin die Immissionen früher
als im Gutachten angenommen einsetzen würden, ist Folgendes festzuhal-
ten. Der gesamte Samstag gilt gemäss der Vollzugshilfe als sensible Uhr-
zeit. Die im angefochtenen Beschluss bewilligten Läutezeiten für den
Samstag führen mithin bei Anwendung der Vollzugshilfe nicht zu einer an-
deren lärmrechtlichen Beurteilung als im Gutachten vorgenommen.
8.3.3.
Die Rekurrierenden 1 sind sodann der Auffassung, der tatsächliche Schall-
pegel liege über den angenommenen 110 dB(A) und auch die angenom-
mene Dämmung um 10 dB(A) sei nicht nachvollziehbar. Die Rekurrieren-
den 1 verweisen dabei auf ein Gutachten der Empa, das Geläut der refor-
mierten Kirche Gemeinde V. betreffend (act. 5.10). Das durch die private
Rekursgegnerin eingereichte Lärmgutachten weise im Vergleich zum Em-
pa-Gutachten, selbst wenn die angenommene Lärmdämmung um 10 dB(A)
berücksichtigt werde, um 15 dB(A) tiefere LAFmax aus. Die Vorinstanz hin-
gegen erachtet die Lärmmessung in der Gemeinde V nicht mit dem vorlie-
gend strittigen Geläut vergleichbar, da hier nur vier Glocken geplant seien,
in Gemeinde V aber deren fünf ertönten.
Den Rekurrierenden ist insoweit zuzustimmen, als im genannten Empa-
Bericht bei einem 30 m vom Kirchturm entfernt gelegenen Empfangspunkt
ein LAFmax von 79,8 dB(A) bis 80,6 dB(A) für die Zeitansage (Viertelstun-
den-, Halbstunden-, und Dreiviertelstundenschlag sowie Stundenschlag)
und ein solcher von 92 dB(A) bzw. 95 dB(A) für das Frühläuten bzw. das
sonn- und samstägliche 18 Uhr-Läuten gemessen wurde. Das Zeitschlagen
erfolgte mit der Glocke 3 bzw. 1 und das 18-Uhr-Läuten mit allen fünf Glo-
cken (vgl. act. 5.10. im Dossier G.-Nr. R4.2018.00079). Beim Gebäude Q-
Stasse 14, welches A. und S.R. gehört und in etwa den gleichen Abstand
zum geplanten Kirchturm wie der besagte Empfangspunkt im Empa-
Gutachten aufweisen wird, wird hingegen im vorliegenden Lärmgutachten
von einem LAFmax zwischen 70 dB(A) und 75 dB(A) ausgegangen (act.
R4.2018.00079 Seite 20
10.1.10., S. 9, Abbildung 3, im Dossier G.-Nr. R4.2018.00079). Würde die
in dieser Berechnung vorgenommene Reduktion um 10 dB(A) (präsumierte
Schalldämmung durch Verglasung des Glockenstuhls) dazugerechnet,
würde sich ein Wert zwischen 80 dB(A) und 85 dB(A) ergeben. Einzig das
von der Empa gemessene Früh- und 18-Uhr-Geläut schlägt über diesen
Wert hinaus. Im Unterschied zum vorliegend strittigen Glockenturm erklan-
gen beim 18-Uhr-Geläut jedoch fünf Glocken, während der streitbetroffene
Glockenstuhl mit vier Glocken bestückt werden soll. Bei der in Gemeinde V
für das Frühgeläut eingesetzten Glocke scheint es sich sodann um eine
besonders laute gehandelt zu haben, liegen die LAFmax der Stundenschlä-
ge doch ansonsten durchgehend tiefer. Sodann zeigt auch ein Blick in den
Bericht "Lärm von Kirchenglocken" von Mark Brink, Mathias Basner, Sarah
Omlin und Reto Pieren, dass der angenommene Schallpegel von 110
dB(A) durchaus plausibel ist (act. 10.7, S. 34, im Dossier G.-Nr.
R4.2018.00079). Der im Gutachten angenommene Schalldruckpegel LAF-
max in 1 m Distanz in der Höhe von 110 dB(A) ist daher nicht zu beanstan-
den. Die infolge der Verglasung angenommene Schalldämmung erscheint
plausibel.
8.3.4.
Die Rekurrierenden 1 monieren sodann, die Lärmbelastung für das Wohn-
haus der Rekurrierenden A. und S.R., welches sich lediglich 30 m vom
streitbetroffenen Kirchturm entfernt befinde, sei zu Unrecht nicht separat
ausgewiesen worden.
Die besagte Liegenschaft liegt in jenem Bereich, in welchem die Wahr-
nehmbarkeit durch den Gutachter als "laut" beschrieben wurde. Für weitere
Liegenschaften, welche sich im Umkreis von 65 m befinden, ist durch den
Gutachter die gleiche Wahrnehmbarkeit prognostiziert worden. Es ist daher
nicht zu beanstanden, dass die besagte Liegenschaft nicht separat aufge-
führt wurde, sondern vielmehr in der Gruppe "Distanz < 65 m" mitenthalten
ist.
8.3.5.
Weiter erachten die nämlichen Rekurrierenden das Läuteereignis ange-
sichts der bewilligten Läutezeiten nicht mehr als seltenes Ereignis im Sinne
der Vollzugshilfe. Es trifft zu, dass trotz erklärtem Verzicht auf das Frühge-
läut mehr Läuteereignisse geplant und bewilligt wurden, als noch im Zeit-
R4.2018.00079 Seite 21
punkt des Gutachtens angenommen worden war. Es ist daher zu prüfen, ob
weiterhin ein seltenes Ereignis vorliegt.
Wann das Läuteereignis als selten im Sinne der Vollzugshilfe zu bezeich-
nen ist, ergibt sich aus dem vom BAFU zur Verfügung gestellten Excel-Tool
zur Beurteilung von Alltagslärm. Diesem zufolge ist dann von einem selte-
nen Ereignis auszugehen, wenn die Kirchenglocken ein paar Mal pro Tag
läuten. Ein häufiges Geläut liegt hingegen bei einem regelmässigen, 20 mal
pro Tag ertönenden Glockenschlag vor (vgl. www.bafu.admin.ch/bafu/de/-
home/themen/laerm/publikationen-studien/publikationen/beurteilungalltags-
laerm.html). Gemäss dem angefochtenen Beschluss ist an Sonntagen mit
maximal drei Läuteereignissen zu rechnen. An Werktagen sind infolge des
Verzichts auf das Frühgeläut deren zwei geplant. Samstags ist ein einmali-
ges Geläut vorgesehen. Hinzu kommt das Geläut für Festgottesdienste,
Hochzeiten und Beerdigungen, das insgesamt maximal 34 mal pro Jahr er-
tönen darf. Das zulässige liturgische Geläut für Festtage ist im angefochte-
nen Beschluss zwar nicht zahlenmässig beschränkt worden, doch erhellt
die beispielhafte Aufzählung (Gründonnerstag, Osternacht und Weihnach-
ten), dass es sich hierbei um hohe Feste handeln muss, welche nur verein-
zelt anfallen. Zweifelsohne werden die streitbetroffenen Immissionen eine
gewisse Regelmässigkeit aufweisen. Die Mehrheit der Ereignisse werden
jedoch von kurzer Dauer sein, weshalb es vertretbar ist, wenn auch unter
Berücksichtigung des neuen Läuteregimes von seltenen Ereignissen aus-
gegangen wird.
8.3.6.
Die Rekurrierenden 1 beanstanden sodann, dass zu Unrecht lediglich von
einem impuls- und tonhaltigen Charakter des Lärms ausgegangen worden
sei. Vielmehr sei von einer starken Impuls- und Tonhaltigkeit auszugehen.
Impulse sind Schalle von kurzer Dauer, deren Pegel nach dem subjektiven
Eindruck schnell und kurzzeitig ansteigen (vgl. hierzu Gerhard Mül-
ler/Michael Möser, Taschenbuch der Technischen Akustik, 3. erweiterte
und überarbeitete Auflage, Band I, Berlin Heidelberg 2004, S. 107). Ge-
mäss dem vorgenannten Excel-Tool ist denn auch bei Schlägen und
Schüssen eine starke Impulshaltigkeit anzunehmen. Das vorliegend zu be-
urteilende Glockengeläut kann mit diesen beiden Beispielen nicht vergli-
chen werden, zumal es im Gegensatz etwa zu einem Schuss nicht derart
R4.2018.00079 Seite 22
kurzzeitig ansteigt. Tonhaltigkeit liegt dann vor, wenn innerhalb des Ge-
räuschs Einzeltöne zu hören sind (Gerhard Müller/Michael Möser, S. 107;
Bundesamt für Energie, Bericht über die Beurteilungshilfe zur Bestimmung
der Tonhaltigkeit von Wärmepumpen nach Anhang 6 der Lärmschutz-
Verordnung, April 2004 S. 1 - 2, www.aue.bs.ch/dam/jcr:41cc43e8-75bb-
4c12-8037.../Bericht_Tonhaltigkeit_BfE.pdf). Wenn der Gutachter ange-
sichts des von den Kirchenglocken produzierten Klangteppichs lediglich
von einem tonhaltigen und nicht stark tonhaltigen Geräusch ausgegangen
ist, so ist dies nachvollziehbar. Die Rekurrierenden vermögen denn auch
nicht darzulegen, weshalb das Geläut als stark tonhaltig qualifiziert werden
müsste.
8.3.7.
Die Rekurrierenden 1 führen weiter ins Feld, im Gutachten sei fälschlicher-
weise den Personen mit erhöhter Empfindlichkeit keine Rechnung getragen
worden. Wie bereits vorstehend ausgeführt wurde, basiert die einzelfallwei-
se lärmrechtliche Beurteilung im Sinne von Art. 40 Abs. 3 LSV nicht auf
subjektiven Empfindlichkeiten, sondern es ist eine objektivierte Betrachtung
unter Berücksichtigung von Personen mit erhöhter Empfindlichkeit vorzu-
nehmen. Die lärmrechtliche Beurteilung hat von einer gewissen Dauerhaf-
tigkeit zu sein und hat daher losgelöst von subjektiven Situationen zu erfol-
gen. Die Nachbarschaft der lärmverursachenden Anlage zu einzelnen
Kranken kann mithin nicht zu einer Änderung der lärmrechtlichen Beurtei-
lung führen. Zu berücksichtigende sensible Personen im Sinne der Voll-
zugshilfe liegen vielmehr dann vor, wenn Krankenhäuser oder ähnliche In-
stitute von den Lärmimmissionen betroffen sind. Im Gutachten wurde daher
zu Recht einzig beim Pflegezentrum in der Spalte "sensible Personen" ein
Gewichtungsfaktor von +1 einberechnet.
8.3.8.
Hinsichtlich der Empfängercharakteristik bringen die Rekurrierenden 1 wei-
ter vor, das Quartier sei besonders ruhig, was mit einem Gewichtungsfaktor
von +1 berücksichtigt werden müsse.
Es trifft zu, dass der auf der T-Strasse verkehrende Bus lediglich werktags
und auch an diesen Tagen pro Fahrtrichtung einzig 12 bzw. 13 Mal ver-
kehrt. Auch ist die bauliche Umgebung gemäss dem Lärmkataster des ge-
ografischen Informationssystems des Kantons Zürich (www.gis.zh.ch) nicht
R4.2018.00079 Seite 23
besonders stark dem Strassenverkehrslärm ausgesetzt. Diese Eigenschaf-
ten treffen aber auf unzählige im Kanton anzutreffende Wohnzonen der ES
II zu. Ebenso ist es geradezu typisch für eine reine Wohnzone, dass weder
Geschäfte noch Restaurants darin domiziliert sind. Auch hat es sich mitt-
lerweile durchgesetzt, dass in Wohnzonen Tempo 30 gilt. Anlässlich des
Lokaltermins liess sich jedoch feststellen, dass das Gebiet in der Südab-
flugschneise des Flughafens Zürich liegt und teilweise mit erheblichem
Fluglärm belastet ist. Die von der Piste 16 startenden Flugzeuge fliegen
noch relativ tief über das hier massgebliche Quartier und drehen über die-
sem nach Osten ab. Infolge der davon ausgehenden starken Fluglärmim-
missionen mussten die Augenscheinteilnehmer ihre Ausführungen im Zeit-
punkt solcher Überflüge jeweils gar kurz unterbrechen. Gesamthaft be-
trachtet ist es daher keinesfalls zu beanstanden, dass der Gutachten von
einem der Empfindlichkeitsstufe entsprechenden Hintergrundpegel und
nicht von einem besonders ruhigen Quartier ausgegangen ist.
8.3.9.