# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b1bd0b86-b9f7-452a-b613-9a2c6d2f7e9c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._, geboren 1964, absolvierte in Jugoslawien (Bosnien) eine Lehre zum Werkzeugmacher (Urk. 7/1/1, 4). Er reiste im Jahre 1987 in die Schweiz ein. Im Jahr 1997 erlangte er das Schweizer Bürgerrecht (Urk. 7/1/1). Seit 1. November 2001 war er beim Y._ angestellt, wo er zuerst als Schal
termitarbeiter im Bereich Z._ tätig war und ab 1. Oktober 2007 als Leiter A._ arbeitete (Urk. 7/1/4, Urk. 7/14/14-17, Urk. 7/14/19, Urk. 7/22/2, Urk. 7/26, Urk. 7/35). Am 13. Juli 2011 meldete sich X._ unter Hinweis auf gesundheitliche Beeinträchtigungen nach einem Handge
lenks
bruch am 12. April 2010 und Operationen an beiden Knien bei der Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 7/1, Urk. 7/6). Die IV-Stelle tätigte Ab
klä
rungen in beruflich-erwerb
licher und medizinischer Hinsicht. Dabei zog sie insbesondere die Akten der Unfall
ver
sicherungen bei (vgl. Urk. 7/14, Urk. 7/38, Urk. 7/49, Urk. 7/69-83, Urk. 7/100
). Am 24. Juli 2014 teilte sie dem Versicherten sodann mit, dass eine polydis
ziplinäre medizinische Untersuchung (Allgemeine Innere Medizin, Ortho
pädie, Psychiatrie) notwendig sei (Urk. 7/99). Die Untersuchungen fanden am 22. und 23. Oktober 2014 in der MEDAS B._ statt (Urk. 7/110/1). Die Anstellung des Versicherten beim Y._ wurde per 31. Oktober 2014 invaliditätshalber aufgelöst (Urk. 3/3). Am 7. November 2014 erstattete die MEDAS B._ ihr Gutachten (Urk. 7/110).
Zuvor hatte die für den Unfall am linken Handgelenk vom 12. April 2010
zuständige Unfallversicherung dem Versicherten mit Verfügung vom 24. Juli 2014
mit Wirkung ab 1. August 2014 eine Invalidenrente bei einem Invali
di
tätsgrad von 32 % zugesprochen (Urk. 7/100/3-8). Mit Vorbescheid vom 3. Dezember 2014 kündigte die IV-Stelle dem Versicherten die Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente vom 1. Mai 2012 bis 31. Juli 2014 an (Urk. 7/115), wogegen dieser am 15. Januar 2015 Einwände erhob (Urk. 7/124). Die IV-Stelle holte die Stellungnahme der MEDAS B._ vom 10. April 2015 ein (Urk. 7/127). Nach Prüfung der Einwände sprach die IV-Stelle dem Versicherten mit Verfügung vom 4. Dezember 2015 wie vorbeschieden für den Zeitraum vom 1. Mai 2012 bis 31. Juli 2014 eine ganze Invalidenrente zu (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob X._ am 20. Januar 2016 Beschwerde und beantragte, in Aufhebung der angefochtenen Verfügung sei ihm ab 1. August 2014 eine halbe Invalidenrente zuzusprechen. Eventualiter sei ihm ab 1. August 2014 eine Vier
telsrente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 22. Februar 2016 beantragte die Beschwerdegegnerin Abweisung der Beschwer
de (Urk. 6, unter Beilage der IV-Akten [Urk. 7/1-155]), was dem Beschwer
de
führer am 23. Februar 2016 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Strittig und zu prüfen ist, ob der Beschwerdeführer ab 1. August 2014 Anspruch auf eine Invalidenrente hat.
1.2
Die Beschwerdegegnerin erwog mit angefochtener Verfügung vom 4. Dezember 2015 im Wesentlichen, dass der Beschwerdeführer seit 2. Mai 2011 in seiner Arbeitsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen sei. Aus ärztlicher Sicht sei ihm nach Ablauf der Wartezeit keine Erwerbstätigkeit mehr zumutbar gewe
sen. Beim Einkommensvergleich ab 2. Mai 2012 resultiere ein Invaliditätsgrad von 100 %. Ab August 2014 habe sich der Gesundheitszustand des Beschwerde
führers wesent
lich verbessert. Ab diesem Zeitpunkt sei von einer vollen Arbeits
fähigkeit in behinderungsangepasster, leichter, nicht repetitiver Tätigkeit unter Vermei
dung von häufigen Umwendbewegungen, auszugehen. Der Einkommens
vergleich ab 1. August 2014 ergebe einen Invaliditätsgrad von 36 %. Da der Invaliditätsgrad unter 40 % liege, bestehe somit kein Rentenanspruch mehr
(Urk. 2, Verfügungs
teil 2, S. 2). Die Einwendungen des Beschwerdeführers w
ürden daran nichts ändern, da diesen keine neuen ärztlichen Erkenntnisse zu entnehmen seien (Urk. 2, Verfügungsteil 2, S. 3).
1.3
Der Beschwerdeführer bringt demgegenüber im Wesentlichen vor, dass er ge
mäss den Gutachtern der MEDAS B._ in einer leichten Tätigkeit arbeits
fähig sei, wobei aber die Notwendigkeit vermehrter Pausen bestehe, was zu einer Einschränkung des Leistungsvermögens um 20 % führe. Unberücksichtigt geblieben seien jedoch die Unfallverletzung an seinem rechten Handgelenk und die daraus folgenden Leistungseinbussen an der rechten Hand (Urk. 1 S. 8). Die Stellungnahme der MEDAS B._ vom 10. April 2015 sei diesbezüglich nicht nachvollziehbar (Urk. 1 S. 8-9). Mit der behandelnden Handchirurgin sei davon auszugehen, dass seine rechte Hand nicht mehr belastet werden könne (Urk. 1 S. 9). Selbst wenn auf die Beurteilung der Gutachter der MEDAS B._, wonach auch in behinderungsangepassten Tätigkeiten eine Leistungs
einschränkung von 20 % bestehe, abgestellt würde, resultiere bei einem zusätz
lichen Ab
zug von 15 % vom Tabellenlohn wegen der langjährigen Tätigkeit des Beschwerdeführers beim Y._ ab 1. August 2014 ein An
spruch auf eine halbe Invalidenrente (Urk. 1 S. 8-10). Falls nur die 20%ige Leis
tungseinbusse berücksichtigt würde, würde sich zumindest noch ein An
spruch auf eine Viertelsrente ergeben (Urk. 1 S. 10).
2.
2.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundes
gesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Ge
burtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Be
handlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Er
werbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 %
besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreivier
tels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.3
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leis
tung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt vor
aus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des ana
log anwendbaren (AHI 1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen) Art. 88a der Ver
ord
nung über die Invalidenversicherung (IVV) festzusetzen ist (vgl. BGE 121 V 264 E. 6b/dd mit Hinweis). Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Ab
stufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Vergleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Rentenbeginns
mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungs
weise Herabsetzung der Re
nte (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der ver
sicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die un
bestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert bleiben (BGE 125 V 413 E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat vielmehr
den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeitraum und
damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu erfassen
(Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006 E. 2.3 mit Hinwei
sen
).
2.4
2.4.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG (seit 1. Januar 2004: in Verbindung mit Art. 28 Abs. 2 IVG) aufgrund eines Ein
kommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medi
zinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch ei
ne
ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbsein
kom
men, das sie
erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog. Validenein
kom
men). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst ge
nau ermit
telt
und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Ein
kommens
differenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkom
mens
vergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
2.4.2
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben, nament
lich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufgenommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bun
des
amt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturer
hebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/aa und bb, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standar
disierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, welcher Wert etwas tiefer ist als die seit 2012 betriebsübliche durchschnittliche Arbeitszeit von wöchentlich 41,7 Stunden
(Die Volkswirtschaft 10-2009 S. 90 Tabelle B9.2; BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/bb, 124 V 321 E. 3b/aa; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
2.4.3
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürze
n.
Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass ve
r
sicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwerarbeit ver
richteten und nach Eintritt des Gesundheits
schadens auch für leichtere Arbei
ten nurmehr beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durch
schnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ursprünglich nur bei Schwerarbeitern zuge
lassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu
einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Rechtsprechung dem
Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merk
male der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhaltspunkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeits
markt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen verwerten kann. Bei der Be
stimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merk
male auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzel
fall gesamthaft zu schätzen und insgesamt auf höchstens 25
%
des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen. Es ist nicht von dem von der IV-Stelle vorgenommenen Abzug auszugehen und dieser ange
messen zu erhöhen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E.
3
.
2 mit Hinweis auf
SVR 2011 IV Nr. 31 S. 90, 9C_728/2009 E. 4.1.2).
2.4.4
In der LSE 2012 erfolgten vielfältige Anpassungen der erhobenen Daten an die entsprechenden Reglemente der Europäischen Union (EU). Neu wird darunter nun nach Berufen (Skill Levels) differenziert statt nach den bisherigen An
for
de
rungsniveaus 1 bis 4 der Stelle. Das Bundesgericht hat in BGE 142 V 178
E.
2.5.3
festgestellt, dass das statistische Einkommen nach TA1 Kompetenz
ni
ve
au 1
der LSE 2012 bei den Männern gegenüber dem Tabellenlohn nach TA1 Anfor
derungsniveau 4 der LSE 2010 ein Plus von 6,3 Prozent, bei den Frauen ein Minus von 2,7 Prozent und beim Total ein Plus von 5,4 Prozent zeige, was nicht mit der Lohnentwicklung von 2010 bis 2012 übereinstimmt (vgl. Urteil des
Bun
desgerichts 8C_343/2016 vom 12. September 2016 E. 6). Es hat erkannt, dass die LSE 2012 im Rahmen einer erstmaligen Invaliditätsbemessung (Art. 28 ff
. IVG) und im Neuanmeldungsverfahren nach vorausgegangener rechts
kräftiger Ab
leh
nung oder nach Aufhebung der Invalidenrente sowie grund
sätz
lich auch im Revisionsverfahren (mit Entstehung des potentiellen oder Verän
derung des lau
fenden Rentenanspruchs im Jahr 2012 oder später) zur Festlegung der Ver
gleichseinkommen nach Art. 16 ATSG dennoch grundsätzlich als Beweis geeig
net ist (
BGE 142 V 178
E. 2.5.7 und E. 2.5.8.1;
vgl. Urteile des Bundesgerichts
8C_343/2016 vom 12. September 2016 E. 6 und 9C_369/2016 vom 6. September
2016 E. 2.1). Laufende, gestützt auf die LSE 2010 rechts
kräftig zugesprochene Invalidenrenten dürfen aber nicht allein aufgrund der Tabellenlohnwerte ge
mäss LSE 2012 in Revision gezogen werden (BGE 142 V 178 E. 2.5.7 und 2.5.8.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_277/2016 vom 20. Juli 2016
E. 4.2)
.
2.5
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, da
s heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
gemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhän
gig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu ent
scheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arzt
berichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange um
fassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Be
schwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen begründet sind. Aus
schlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeich
nung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
3.
3.1
3.1.1
Am Gutachten der MEDAS B._ vom 7. November 2014 waren Prof. Dr.
med. C._, Facharzt für Neurologie sowie Psychia
trie
und Psychotherapie, Chefarzt MEDAS
B._
, Dr. med.
D._
, Fac
h
ärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsap
parates, med. prakt. E._, Facharzt für Psychiatrie und Psycho
the
rapie sowie Dr.
med. F._, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, beteiligt (Urk. 7/110/1, 48). Sie stützten ihr Gutachten auf die Anamnese, die von ihnen er
hobenen Befunde, ihre internistischen, orthopädischen und psy
chia
trischen Beur
teilungen sowie die von der Beschwerdegegnerin zur Verfü
gung gestellten Akten (vgl. Urk. 7/110/1-19). Die Gutachter stellten folgende Diag
nosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 7/110/39-40):
-
Handgelenksschmerzen und operative Versteifung links nach Scaphoid
fraktur durch Schlag mit Metallschlitten auf die linke Hand am 12. April
2010, Status nach wiederholten Operationen: Pseudoarthrosenanfri
schung
Überbrückung mit vaskularisierten kortikospongiösen Span vom Radius bei Scaphoid Pseudoarthrose links (15. Dezember 2010), proxi
male Row-Carpektomie (2. Mai 2011), Handgelenks-Arthrose links (28.
Januar 2013), Osteosynthese-Material-Entfernung und Neurolyse (16.
Mai 2014)
-
Schmerzhafte Bewegungseinschränkung des rechten Kniegelenks bei Gonarthrose nach vorderer Kreuzbandersatzplastik in Folge vollständiger vorderer Kreuzbandruptur rechts 1991, Status nach Kniearthroskopie rechts mit Teilmeniskektomie posteromedial und anterolateral am 15.
November 2004
-
Schmerzhafte Bewegungseinschränkungen des linken Kniegelenks bei
Gonarthrose nach Distorsionstrauma vom 25. Mai 1994, Kniearthros
ko
pie
mit vorderer Kreuzbandstummelresektion am 27. Mai 1994, nach arthro
s
kopischer vorderer Kreuzbandplastik links am 28.
Februar 1995, nach arthoskopischer partieller Resektion des medialen Meniskus links am
10. Dezember 1996, nach Tibiakopfumstellungsosteotomie am 23. Oktober
1998
-
Belastungsabhängiges lumbovertebrales Schmerzsyndrom, aktuell klinis
ch und radiologisch moderater Befund
Als Diagnosen ohne wesentliche Einschränkung der Arbeitsfähigkeit nannten sie (Urk. 7/110/40):
-
Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode im Sinn einer reaktiven Störung
-
Probleme bei Veränderungen der Lebensumstände
-
Probleme in Verbindung mit Berufstätigkeit
-
Beginnende Dupuytren’sche Kontraktur IV. Strahl rechts
-
Anamnestisch Handgelenksschmerzen rechts klinisch und radiologisch aktuell unauffällig
-
Adipositas mit einem BMI von 30.3 kg/m
2
Körperoberfläche
3.1.2
Der polydisziplinären versicherungsmedizinischen Beurteilung kann entnom
me
n werden, dass sich die linke Hand bei der körperlichen Unter
suchung in Neu
tral
stellung, bei reizlosen Verhältnissen und ohne Schwel
lung, versteift gezeigt habe
. Demgegenüber sei das rechte Handgelenk bei der Bewegungsüber
prüfung nicht schmerzhaft gewesen und es habe ein freies Bewegungsausmass bestan
den. Bei den Kniegelenken sei beidseits kein Erguss und auch keine Kapsel
schwellung, aber eine deutliche endgradige schmerzhafte Bewegungsein
schrän
kung rechts
mehr als links und beim rechten Kniegelenk zudem eine er
hebliche retropa
tel
la
re Schmerzsymptomatik festgestellt worden. Bei der Unter
suchung der Len
den
wir
bel
säule (LWS) habe der Beschwerdeführer bei Inklina
tion geringe end
gra
dige Schmerzen angegeben (Urk. 7/110/44).
Die Röntgenaufnahmen vom 23. Oktober 2014 zeigten am rechten Handgelenk unauffällige knöcherne Verhältnisse. Das linke Handgelenk sei bei Status nach Arthrodese radiokarpal und mediocarpal nahezu vollständig knöchern durch
baut. Es bestünden residuelle Bohrkanäle der zwischenzeitlich vollständig ent
fernten Arthrodeseplatte, bei ansonsten unauffälligem Befund. Die LWS sei radio
logisch altersentsprechend degenerativ verändert. Radiologisch zeige sich sodann eine medial betonte Gonarthrose beidseits, ein Status nach vorderer Kreuzband-Plastik links, eine Interferenzschraube in situ im femoralen Bohr
kanal und weiteres Schraubenmaterial und Drahtcerclage am Fibulaköpfchen und am Tibiakopf sowie eine abgebrochene Schraubenspitze in situ in der pro
ximalen Diaphyse der Tibia links sowie rechtsseitig zwei einliegende Kirschner
drähte in der Metaphyse der Tibia (Urk. 7/110/44).
Aus psychiatrischer Sicht handle es sich um eine reaktive depressive Störung, die abhängig sei von den Schmerzen und der psychosozialen Situation und dadurch auch gebessert werden könne. Diesbezüglich bestehe keine lang andau
ernde Er
krankung im invalidenversicherungsrechtlichen Sinn. Deshalb sei auch keine relevante Arbeitsunfähigkeit anzunehmen (Urk. 7/110/44).
Bei der internistischen Untersuchung habe sich bis auf eine Adipositas kein auf
fälliger Befund ergeben (Urk. 7/110/44).
3.1.3
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Leiter A._ beim Y._ hielten die Gutachter sodann fest, dass diesem aufgrund der Minderung der Belastbar
keit seitens des Bewegungsapparats die frühere körperlich belastende Tätigkeit nicht mehr möglich sei. Nicht mehr zumutbar seien körperlich schwere Tätigkeiten
mit regelmässigem Heben über 10 kg, dauernde stehende Tätig
kei
ten, Tätig
kei
te
n ohne wechselnde Positionen, Treppen
steigen, Leitern Be
steigen, Tätig
keiten mit Zwangshaltungen, häufig knienden Tätig
keiten sowie kauernde oder hocken
de Tätigkeiten. Der Beginn der Arbeitsunfähigkeit sei mit Januar 2012 (Beginn der
Arbeits
unfähigkeit wegen wiederholter Operationen) anzu
nehmen (Urk. 7/110
/45).
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers in einer adaptierten Tätigkeit führ
ten die Gutachter aus, dass er in einer leichten Tätigkeit arbeitsfähig
sei, wobei die Notwendigkeit vermehrter Pausen bestehe, welche einer Einschrän
kung des Rendements von 20 % entsprechen würde. Zumutbar seien dem Beschwerde
führer noch leichte Tätigkeiten
und solche mit Wechselpositionen sowie im Wechsel zwischen Gehen, Stehen und Sitzen, jedoch keine schwer hebenden Tätigkeiten - Heben sei ihm noch bis zu 5 kg möglich - und keine dauernden feinmotorischen manuellen Tätigkeiten. Der Beginn der Arbeitsfähig
keit sei
spätestens ab dem Begutachtungszeitpunkt (22. bis 23. Oktober 2014) anzu
nehmen
(Urk. 7/110/45).
3.2
Dr. med. G._, Allgemeine Medizin FMH, Handchirurgie FMH, Plastische-, Aesthetische- und Wiederherstellungs-Chirurgie FMH, schrieb am 9.
Januar 2015, dass am rechten Handgelenk des Beschwerdeführers eine scapho
lunäre Dissoziation vorliege. Klinisch sei an entsprechender Stelle eine Druckdolenz nachweisbar es bestehe ein positives Watsonzeichen und Schmer
zen bei Belastung. Im MRI vom 17. Juli 2013 habe sich eine scapho
lunäre Dissoziation mit Ruptur des Ligamen
tum scapholunatum sowohl in der dorsalen als auch in den palmaren Ab
schnit
ten und eine Ruptur des Ligamentum lunotri
quetrale in den dorsalen Ab
schnit
ten gezeigt. Es sei damit zu rechnen, dass es im Verlauf der nächsten Jahre zu einem Carpalkollaps komme. Dabei verstärke sich die Dissoziation und das Capitatum schiebe sich allmählich zwischen das Lunatum und das Scaphoid. Durch die Fehlbelastung komme es zu einer aus
ge
dehnten Arthrose in den um
liegenden Gelenken. Dieser Prozess könne mit weniger Belastung verzögert werden (Urk.
7/123/4). Tägliche Ver
richtungen könnten zwar noch erbracht werden, eine Belastung der rechten Hand sei je
doch nicht mehr möglich (Urk.
7/123/5).
4.
4.1
Das Gutachten der MEDAS B._ vom 7. November 2014
wurde in Kennt
nis der Vorakten (vgl. Urk. 7/110/2-19), der bei den Untersuchungen vom 22. und
23. Oktober 2014
erfragten Beschwerden (
vgl. Urk. 7
/
110
/
20-22, 26-27, 34-35
)
und erhobenen Befunde (inkl. der von den Gutachtern zusätzlich veran
lassten
radiologischen Untersuchungen vom 23. Oktober 2014 [vgl. Urk. 7/119/49]) so
wie nach polydisziplinärer Besprechung
(
Chefarzt, fallführende Hauptgut
ach
terin
,
teilbe
gut
achtende Spezialärzte
,
Urk. 7/110/39) erstellt und enthält eine schlüssige
und überzeugende Begründung.
4.2
Der Beschwerdeführer wendet ein, dass die Einschränkungen an seiner rechten Hand beziehungsweise am rechten Handgelenk von den Gutachtern nicht be
rücksichtigt worden seien (Urk. 1 S. 5-6, 8). Dem ist entgegenzuhalten, dass den Gutachtern der MEDAS B._ nicht nur die Vorakten mit den Berichten der behandelnden Hand
chirurgin Dr. G._
(
vgl. Urk. 7
/
110
/2
-19
)
sondern
auch die radiologische Dokumentation beider Hände von 2010 bis 2014 zur Ver
fügung standen (Urk. 7/110/25). Zusätzlich veran
lassten die Gutachter unter anderem die Röntgenuntersuchung der rechten Hand in der H._ vom 23. Oktober 2014 (Urk. 7/110/25, Urk. 7/110/49). Bei der klini
schen Unter
suchung der rechten Hand des Beschwerdeführers vom 22. Oktober 2014 erhob die orthopädische Gutachterin Dr. D._ einen beginnenden Dupuytren im IV. Strahl rechts, stellte jedoch keine Bewegungs
ein
schrän
kungen fest. Der Beschwerdeführer gab keine Schmerzen an. Des Weiteren hielt Dr. D._ fest, dass der Faustschluss beidseits (links und rechts) vollständig
möglich ge
wesen sei. Zudem bestehe eine volle Streckfähigkeit sämtlicher Finger
(Urk. 7/110/23-24). Der Beschwerdeführer wurde zu seinen Beschwerden befragt und er gab bei der Untersuchung an, dass die rechte Hand “manchmal auch
schmerzhaft“ sei (Urk. 7/110/22). Am 10. April 2015 schrieben Prof. Dr.
C._
und Dr.
D._ mit Bezug auf die Stellungnahme von Dr.
G._ vom 9. Januar 2015 (E. 3.2) sodann, dass der am 17. Juli 2013 beschriebene MRI-Befund der Skapholunären Dissoziation bei der Begutachtung vorgelegen habe und be
rücksichtigt worden sei. Er stehe zu dem anlässlich der Begutachtung erhobenen Befund nicht im Widerspruch. Die Arbeitsfähigkeit sei auf
grund
sämtlicher Beschwerden, Befunde und früherer Berichte, inklusive der Be
schwer
den an beiden Handgelenken beurteilt worden (Urk. 7/127/2). Die Gutachter der MEDAS B._ haben mithin auch die rechte Hand des Beschwerdeführers und sein rechtes Handgelenk umfassend untersucht sowie allfällige Beschwer
den berücksichtigt. Die entsprechenden Einwendungen des Beschwerdeführers sind damit unbegründet.
Dass die Gutachter nach der eigenen Untersuchung des Beschwerdeführers so
wie unter Berücksichtigung der bildgebenden Befunde und der Vorberichte be
züglich der Belastbarkeit der Hand und des Handgelenks zu einer anderen Beur
teilung als Dr. G._ gelangten, ist ebenfalls nicht zu beanstanden. Ins Gewicht fällt zunächst, dass die behandelnde Ärztin zur Begründung ihrer Beur
teilung, wonach eine Belas
tung der rechten Hand nicht mehr möglich sei, auf die Möglichkeit von zukünftigen Veränderungen in der rechten Hand des Be
schwerdeführers verweist (E. 3.2). Die Gutachter der MEDAS B._ hielten dazu fest, es lasse sich nicht vorher
sagen, ob es im Verlauf der nächsten Jahre zu einem Carpalkollaps komme, wie dies Dr. G._ schreibe. Aktuell würden dafür keine Hinweise vorliegen. Bei ihrer Beurteilung hätten die zum Begut
achtungszeitpunkt vorliegende Funktionalität, der Befund und die Beschwerden im Vordergrund gestanden (Urk. 7/127/2).
Hinzu kommt, dass die behandelnde Handchirurgin bloss einige Monate vor der Begutachtung des Beschwerdeführers festgehalten hatte, eine behinderungsan
gepasste Tätigkeit könnte ganztags möglich werden (Urk. 7/110/15). Hinsicht
lich Beschwerden an der rechten Hand waren diese sodann als aushaltbar bezeichnet worden (Urk. 7/110/14). Im Juni 2014 hielt die Ärztin dafür, tägliche Verrichtungen seien mit der rechten Hand möglich, weshalb der Beschwerde
füh
rer theoretisch Teilzeit am Computer arbeiten könne; er sei in seiner Situa
tion aber praktisch nicht mehr vermittelbar (Urk. 7/110/19). Schliesslich gab dieser anlässlich der Begutachtung an, er würde gerne eine leichte Beschäfti
gung, zum Beispiel Büroarbeit, ausführen (Urk. 7/110/23). Angesichts dieser Gegebenheiten ist die Einschätzung der Gutachter nicht zu bemängeln und
vermögen die Berichte von der
G._
, insbesondere deren Stellungnahme vo
m 9.
Januar 2015 (Urk. 7/123/4-5), keinen Zweifel am Beweiswert des Gutachtens der MEDAS B._ vom 7. November 2014 zu erwecken (Urk. 7/110).
4.3
Demnach ist davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer
ab Mai 2012
zu
100 % arbeitsunfähig (Urk. 2, Verfügungsteil 2, S. 2), in der Folge je
doch in einer
behinderungsangepassten
Tätigkeiten
arbeitsfähig war, wobei
wegen der Not
wendigkeit vermehrter Pausen eine Einschränkung der Leistungs
fähigkeit von 20 %
bestand
(E. 3.1.3)
.
Gemäss den Gutachtern der MEDAS B._ gilt ihre
Beurteilung spätestens ab dem Begutachtungszeitpunkt (22. bis 23. Oktober 2014
). Die Beschwerdegegnerin ging von einer Verbes
serung ab 1. August 2014 aus. Dies ist nicht zu beanstanden. Die Unfall
ver
sicherung hielt
mit Verfügung vom 24. Juli 2014 fest, dass gemäss dem Bericht von Dr.
G._ vom 26. Juni 2014 (Urk.
7/100/497) durch weitere therapeutische
Massnahmen keine Ver
besse
rung der Handfunktion links erwartet werden könn
e (Urk. 7/100/3). Sie hielt weiter fest, dass der End
zu
stand (vgl. Art. 19 UVG) am 1. August 2014 erreicht gewesen sei (Urk. 7/100/3).
5.
5.1
Zu prüfen bleibt, wie sich die von den Gutachtern der MEDAS B._ fest
gestellten gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers in erwerb
licher Hinsicht aus
wirken.
5.2
Mit angefochtener Verfügung führte die Beschwerdegegnerin aus, dass der
Beschwerdeführer gemäss der zuständigen Unfallversicherung ab 1. August 2014
in einer behinderungsangepassten Tätigkeit ein Jahresein
kom
men von Fr. 63‘132.-- erzielen könne (Urk. 2, Verfügungsteil 2, S. 2). Eine Bindungs
wirkung der Beschwerdegegnerin an die Invaliditätseinschätzung der Unfallver
sicherung und somit an das Invalideneinkommen gemäss Einkommensvergleich der Unfallversicherung besteht aber nicht. Wie im vorliegenden Fall bestehen nämlich häufig nicht bloss unfallbedingte gesundheitliche Beein
trächtigungen, welche von der Eidgenössischen Invalidenversicherung zu berücksichtigen sind (vgl. BGE 133 V 549 E. 6; Urteil des Bundesgerichts 8C_259/2013 vom 4. Juni 2013 E. 2.2). Des Weiteren gilt, dass bei der Festlegung der Ver
gleichsein
kommen gestützt auf Tabellenlöhne der LSE grundsätzlich immer die aktuellsten statistischen Daten ver
wendet werden müssen (BGE 142 V 178 E.
2.5.8.1 a. E.). Die kommentierten Ergebnisse der LSE 2012 sind vom Bundesamt für Statistik (BFS) am 27. März 2015 veröffentlicht worden (vgl.
https://www.bfs.admin.ch/
bfs/de/
home/statistiken/
arbeit-erwerb/loehne-erwerbseinkommen-arbeitskosten.
assetdetail349377.html). Im Gegensatz zur Unfallversicherung (vgl. Urk. 7/100/
5) durfte die Beschwerdegegnerin daher mit angefochtener Verfü
gung vom 4. Dezem
ber 2015 (Urk. 2) beim Invalideneinkommen nicht mehr auf die LSE 2010 abstellen, sondern hätte die LSE 2012 heranziehen müssen (zu den Unter
schieden zwischen LSE 2010 und LSE 2012: vgl. E. 2.4.4 vorstehend). Die LSE 2012 wäre bei Verfügungs
erlass am 4. Dezember 2015 sowohl Grundlage für den Einkommensvergleich ab 1. Mai 2012 als auch denjenigen ab 1. August 2014 gewesen, da die Zahlen der LSE 2014 erst am 15. April 2016 veröffentlicht
wurden (vgl. www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/loehne-erwerbs
ein
kommen-arbeitskosten/lohnniveau-schweiz/privater-oeffentlicher-sek
tor
.
asset
detail.327886.html). Nachdem in
der
angefochtenen Ver
fügung vom 4. Dezem
ber 2015 auf die LSE 2010 abgestellt ist, ist dies ist im vorliegenden
Verfahren zu korrigieren (vgl. Urteil des Bundes
gerichts 8C_78/2015 vom 10. Juli
2015 E. 4). Damit ergibt sich für den
vorliegend strittigen Rentenanspruch ab
2014
folgender Einkom
mens
vergleich:
5.3
5.3.1
Hinsichtlich des Valideneinkommens führte die Beschwerdegegnerin aus, dass der Beschwerdeführer ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen weiterhin als Gruppenleiter im A._ des Y._ tätig wäre. Gestützt auf die Akten legte sie das Valideneinkommen 2014 auf Fr. 83‘912.-- fest (Urk. 2, Verfügungsteil 2, S. 2). Dies blieb unbestritten (Urk. 1 S. 10) und ist auch nicht zu beanstanden (vgl. etwa Urk. 7/100/100-105).
5.3.2
Nicht streitig ist ferner, dass bezüglich Invalideneinkommen auf lohnstatische
An
gaben abzustellen ist (vgl. Urk. 1 S. 10, Urk. 2, Verfügungsteil 2, S. 2). Ge
m
äss der Tabelle TA1 LSE 2012 (monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirt
schafts
zweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor), Kom
pe
tenzniveau 1, Männer, ergibt sich ein Lohn von Fr. 5‘210.--. Auf
ge
rechnet auf die durchschnittliche Wochenarbeitszeit 2012 von 41,7 Stunden (vgl. Tabelle
T03.02.03.01.04.01 “Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabtei
lungen“ des
BFS) resultiert ein Wert von monatlich Fr.
5‘431.-- beziehungs
weise ein Jahres
einkommen von Fr. 65‘172.--. Bereinigt um die Nominal
lohnentwick
lung/
Männ
er (2012: 125.5; 2014: 127.3, vgl. die Tabelle T1.93 “Nominallohnin
dex 1993-2010“ des BFS) führt dies zu einem hypothetischen Invalideneinkom
men von
Fr. 66‘107.-- (100%-Pensum). Gemäss den Gutachtern der MEDAS
B._
ist
der Beschwerdeführer in einer leichten Tätigkeit arbeitsfähig. Die Notwendig
keit von vermehrten Pausen führe jedoch zu einer
Ein
schrän
kung der Leistung von 20 % (Urk. 7/110/45). Mithin resultiert ein hypo
thetisches Invalideneinkom
men 2014 von Fr.
52‘886.-- (Fr. 66‘107.-- x 0.8).
Weil das Zumutbarkeitsprofil der Gutachter der MEDAS
B._
(Urk. 7/110/
45) die gesundheitlichen Einschränkungen des Beschwerdeführers bereits vollumfänglich berücksichtigt, fällt ein zusätzlicher
behinderungs
be
ding
te
r Ab
zug vom Tabellenlohn ausser Betracht. Insbesondere rechtfertigt der Umstand, dass der Beschwerdeführer vermehrt Pausen benötigt, kein Abzug vom Tabellenlohn, ist er doch grundsätzlich vollschichtig arbeitsfähig (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_796/2013 vom 28. Januar 2014 E. 3.1.2). Der Be
schwerdeführer bringt vor, dass er seine langjährige Tätigkeit als Leiter des A._ beim Y._ nicht mehr aus
führen könne und sich beruflich umorien
tieren müsse, was zu einer Reduktion des mut
masslichen Einkommens führe. Trotz der langjährigen Unterstützung durch ein auf Case Management und be
rufliche Reintegration spezialisiertes Unter
nehmen habe er keine neue Arbeitsstelle finden können (Urk. 1 S. 8). Der Be
schwerde
führer war insgesamt von 1. November 2001 bis 31. Oktober 2014 beim Y._ angestellt. Ab 1. Oktober 2007 arbeitete er als Leiter des A._ (Sachverhalt, Ziff. 1). Daraus ver
mag der Beschwerdeführer jedoch nichts zu seinen Gunsten abzuleiten. Fehlende Dienstjahre an einer neuen (leidens
ange
passten) Arbeitsstelle führen nicht zu einem Abzug vom Tabellenlohn, weil diesem Kriterium bei einfachen und repetitiven Tätig
keiten im privaten Sektor (bis LSE 2010: An
for
derungs
niveau 4, seit LSE 2012: einfache Tätigkeiten körperlicher oder hand
werklicher Art, Kompetenzniveau 1) keine grosse Bedeutung zukommt (vgl. BGE 126 V 75
E. 5a/cc). Entsprechend entschied das Bundesgericht bei einer ver
sicherten Person
mit 14-jähriger Betriebszugehörigkeit (Urteil des Bundes
ge
richts 8C_653/2016 vom
16. Januar 2017 E. 5.2). Es kommt hinzu, dass für die Verwertung der Restarbeitsfähigkeit der hypothetische ausgeglichene Arbeits
markt (vgl. Art. 16 ATSG) massgebend ist, womit der Misserfolg bei der Stellen
suche nicht ent
schei
dend ist (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_206/2012 vom 7. Mai 2012 E. 3.4.3, wo das Bundesge
richt zudem erwog, es entspreche nicht der allge
mei
nen Lebenserfahrung, dass eine längere Anstellung in der öffent
lichen Verwal
tung bei einem späteren privatwirtschaftlichen Arbeits
verhältnis eine unter
durchschnittliche Entlöhnung nach sich ziehe).
Anhaltspunkte für einen Abzug vom Tabellenlohn unter einem anderen Titel sind ebenso wenig ersichtlich.
5.3.3
Beim Einkommensvergleich (Valideneinkommen: Fr. 83‘912.--, Invalidenein
kommen: Fr. 52‘886.--) resultiert eine Erwerbseinbusse von Fr. 31‘026.-- be
zie
h
ungsweise ein Invaliditätsgrad von gerundet 37 % (36,97 %). Nachdem eine
Ver
besserung des Gesundheitszustandes ab August 2014 ausgewiesen ist (E. 4.3),
ist diese ab November 2014 (Art. 88
a
IVV) zu berücksichtigen, womit ab diesem Zeitpunkt bei einem Invaliditätsgrad von 37 % ein Rentenanspruch entfällt.
5.4
Zur Begründung seines Eventualantrages stellt sich der Beschwerdeführer auf den Standpunkt, dass beim Einkommens
vergleich bei einem bloss um 20 % ge
kürzten Invalideneinkommen (Validenein
kom
men: Fr.
83‘912.--, Invalidenein
kommen: Fr. 50‘505.60 [Fr. 63‘132.-- x 0.8]) ein Invaliditätsgrad von 40 % und damit ein Anspruch auf eine Viertelsrente resultieren würde. Der Unterschied zum obigen Einkommensvergleich be
steht im Wesentlichen darin, dass der Be
schwerde
führer - sowie auch die Beschwerdegegnerin mit der angefochtenen Ver
fügung vom 4. Dezember 2015 (Urk.
2, Verfügungsteil
2, S.
2) und die Un
fall
versicherung mit ihrer Verfügung vom 24. Juli 2014 (vgl. Urk. 7/100/5) - auf
den vorliegend nicht anwendbaren Tabellenlohn gemäss LSE 2010 abge
stellt haben. Hinzuweisen ist ferner darauf, dass gemäss der bundesgerichtlichen Rech
t
sprechung die LSE 2012 bei einer erstmaligen Invaliditäts
bemessung - wie im vorliegenden Fall - angewendet werden kann (BGE 142 V 178 E. 2.5.7; Urteil
des Bundesgerichts 9C_369/2016 vom 6. September 2016 E. 2.1; vgl. E. 2.4.4 vor
stehend).
5.5
Würde beim hypothetischen Invalideneinkommen 2014 auf die LSE 2014 ab
ge
stellt, würde ebenfalls ein Invaliditätsgrad von 37 % resultieren: Gemäss der Ta
belle TA1 LSE 2014 (monatlicher Bruttolohn [Zentralwert] nach Wirt
schafts
zweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor), Kompe
tenzniveau 1
, Männer, er
gibt sich ein Lohn von Fr. 5‘312.--. Aufgerechnet auf die durch
schnit
tliche Wochenarbeitszeit 2014 von 41,7 Stunden resultiert ein Wert von monat
lich Fr.
5‘538.-- beziehungsweise ein Jahreseinkommen von gerundet Fr. 66‘456.--. Unter Berücksichtigung der Einschränkung von 20 % gemäss Gutachten der MEDAS B._ vom 7.
No
vember 2014 führt dies zu einem hypothetischen Invalideneinkommen von Fr.
53‘165.--.
Beim Einkommensvergleich (Valideneinkommen: Fr. 83‘912.--, Invalidenein
kommen: Fr.
53‘165.--) würde sich eine Erwerbseinbusse von Fr. 30‘747.-- be
ziehungsweise ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von gerundet 37 % (36,64 %) ergeben.
6.
Zusammenfassend besteht damit bis 31. Oktober 2014 Anspruch auf eine befris
tete ganze Rente; mangels rentenbegründenden Invaliditätsgrades entfällt ab November 2014 ein Rentenanspruch. Dies führt zur teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
7.
7.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und a
uf Fr. 800.-- anzusetzen. Da der Beschwerdeführer
nur
zu einem geringen Teil
obsiegt, sind
ihm
die Kosten
zu drei Viertel und der Beschwerdegegnerin zu einem Viertel
aufzuerlegen (vgl. Urteil des Bundesge
richts 9C_94/2010 vom 2
6. Mai 2010
E. 4.
3).
7.2
D
er
vertretene Beschwerdeführer hat sodann gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG in Verbindung mit § 34 Abs. 1 und 3 des G
esetzes über das Sozialversiche
rungs
gericht (GSVGer) Anspruch auf eine
- weil das teilweise Obsiegen einzig in der Offizialmaxime gründet und der Zeitpunkt der Reduktion vom Beschwerde
führer mit keinem Wort gerügt worden ist - entsprechend reduzierte
Prozess
entschädigung. Diese
ist
unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses auf Fr. 500.-- (inklusive Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen.