# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e37eb16d-f33f-4d18-b140-f88cbc8ed169
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend
versuchte vorsätzliche Tötung etc. und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 2. Abteilung, vom
31. August 2016 (DG160173)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 26. Mai
2016 (Urk. 29) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 84 S. 71 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der versuchten schweren Körperverletzung im Sinne
von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil des Privat-
klägers A._, der Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB zum Nachteil des
Privatklägers C._ sowie der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von
Art. 286 Abs. 1 StGB.
2. Von den übrigen Anklagevorwürfen wird der Beschuldigte freigesprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit 24 Monaten Freiheitsstrafe, wovon bis und mit
heute 386 Tage durch Haft erstanden sind, sowie mit einer Geldstrafe von
10 Tagessätzen zu Fr. 10.–.
4. Es wird eine ambulante Behandlung des Beschuldigten im Sinne von Art. 63 StGB
angeordnet.
5. Der Vollzug der Freiheitsstrafe sowie der Geldstrafe wird nicht aufgeschoben.
6. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-
Sihl vom 16. Mai 2013 ausgefällten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 30.–
wird widerrufen. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
7. Das mit Verfügung der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 23. Mai 2016 beschlag-
nahmte Fleischermesser wird eingezogen und der Lagerbehörde zur Vernichtung
überlassen.
8. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger A._ Fr. 1'500.– zuzüglich
5 % Zins ab 11. August 2015 als Genugtuung zu bezahlen. Im Mehrbetrag wird das
Genugtuungsbegehren abgewiesen.
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9. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 560.00 Kosten der Kantonspolizei
Fr. 8'500.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. 543.75 Auslagen Untersuchung
Fr. 13'252.10 Gutachten
Fr. 22'494.90 amtliche Verteidigung
Fr. 9'113.90 Vertreter Privatkläger A._
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
10. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, einschliesslich der-
jenigen der amtlichen Verteidigung und des unentgeltlichen Rechtsbeistandes des
Privatklägers A._, werden dem Beschuldigten zur Hälfte auferlegt. Die Kosten
für die Erstellung aller Gutachten werden dem Beschuldigten vollständig auferlegt.
Die übrigen Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen.
Die dem Beschuldigten auferlegten Kosten der amtlichen Verteidigung und des un-
entgeltlichen Rechtsbeistandes des Privatklägers A._ werden einstweilen auf
die Gerichtskasse genommen; vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO bzw. Art. 138 StPO.
11. (Mitteilung)
12. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 11 ff.)
a) Der Staatsanwaltschaft (Urk. 145 S. 1):
1. Bestätigung des Urteils des Bezirksgerichts Zürich vom 31. August 2016 mit
Ausnahme von Ziff. 1 (Versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil
des Privatklägers A._ und Drohung zum Nachteil des Privatkläger
C._) und Ziff. 3 (Strafhöhe).
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2. Schuldspruch wegen versuchter Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Ver-
bindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum Nachteil des Privatklägers A._
(Anklageziffer 1.1.3) und wegen mehrfacher versuchter schwere Körperver-
letzung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
zum Nachteil des Privatklägers C._ und 3 weiterer unbekannter Opfer
(Anklageziffer 1.1.1 - 1.1.3).
3. Bestrafung von B._ mit einer Freiheitsstrafe von 9 Jahren.
4. Auferlegung der Kosten, inklusive Kosten der amtlichen Verteidigung.
b) Der Privatklägerschaft A._ (Urk. 146 S. 2):
1. In Abänderung von Ziff. 8 des Urteils des Bezirksgerichts Zürich, 2. Abt.,
vom 31.08.2016, sei der Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger
A._, Fr. 5'000.-- zzgl. 5 % Zins ab 11.08.2015 als Genugtuung zu be-
zahlen;
2. Die Berufung der Staatsanwaltschaft sei vollumfänglich gutzuheissen;
3. Die Anschlussberufung des Beschuldigten sei vollumfänglich abzuweisen;
4. Sämtliche Kosten des Verfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen;
5. Dem Privatkläger sei weiterhin ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu be-
stellen, sowie die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten (Urk. 148 S. 2 f.):
1. Die Berufung der Staatsanwaltschaft sei vollumfänglich abzuweisen, soweit
darauf einzutreten ist.
2. Der Beschuldigte sei vom Vorwurf der versuchten schweren Körperver-
letzung im Sinne von Art. 122 StBG in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB
zum Nachteil des Privatklägers A._, Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 StGB zum Nachteil des Privatklägers C._ sowie der Hinderung
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einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 Abs. 1 StGB vollumfänglich frei-
zusprechen.
3. Es sei dem Beschuldigten eine angemessene Genugtuung für die zu Un-
recht erstandene Untersuchungs- bzw. Sicherheitshaft bzw. des vorzeitigen
Vollzugs zuzusprechen.
4. Auf den Widerruf des mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
16. Mai 2013 für eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 30.-- unter An-
setzung einer Probezeit von vier Jahren gewährten bedingten Strafvollzuges
sei zu verzichten.
5. Eventualiter sei der Beschuldigte wegen versuchter schwerer Körperverlet-
zung im Sinne von Art. 122 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB zum
Nachteil des Privatklägers A._, Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB zum Nachteil des Privatklägers C._ sowie der Hinderung einer
Amtshandlung im Sinne von Art. 286 Abs. 1 StGB für schuldig zu sprechen
und mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten sowie einer Geldstrafe von 10
Tagessätzen à Fr. 10.-- zu bestrafen, unter Anrechnung der Untersuchungs-
und Sicherheitshaft bzw. des vorzeitigen Vollzugs.
6. Die Zivilforderungen seien abzuweisen, eventualiter auf den Zivilweg zu
verweisen.
7. Die Kosten des Verfahrens seien auf die Staatskasse zu nehmen. Eventuali-
ter seien die Verfahrenskosten dem Beschuldigten nach Massgabe des Ob-
siegens bzw. Unterliegens aufzuerlegen, jedoch zu Lasten der Staatskasse
abzuschreiben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien in jedem Fall
auf die Staatskasse zu nehmen.
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## Considerations

Erwägungen:
I.Verfahrensgang
1. Zum Verfahrensgang bis zum erstinstanzlichen Urteil kann auf die zutreffen-
den Erwägungen im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 84 S. 4 f.).
2. Am 3. September 2016 meldete die Staatsanwaltschaft Berufung gegen das
vorinstanzliche Urteil an (Urk. 59), und nach Zustellung des begründeten Urteils
reichte sie dem Obergericht am 20. Oktober 2016 die Berufungserklärung ein.
Gleichzeitig stellte sie verschiedene Beweisanträge (Urk. 85).
3. Mit Präsidialverfügung vom 10. November 2016 wurde dem Beschuldigten
und den Privatklägern in Anwendung von Art. 400 Abs. 2 und 3 StPO sowie
Art. 401 StPO eine Kopie der Berufungserklärung der Staatsanwaltschaft zu-
gestellt und Frist angesetzt, um Anschlussberufung zu erheben oder ein Nichtein-
treten auf die Berufungen zu beantragen. Zugleich wurde dem Beschuldigten und
den Privatklägern Frist angesetzt, um zu den Beweisanträgen der Staats-
anwaltschaft Stellung zu nehmen (Urk. 89). Der Beschuldigte und der Privatkläger
A._ erhoben Anschlussberufung (Urk. 97 und 101).
4. Mit Verfügung vom 13. Dezember 2016 wurden die Anträge der Staats-
anwaltschaft auf erneute Einvernahme von A._, C._ und D._ ab-
gewiesen, der Antrag auf Beizug des beschlagnahmten Fleischermessers mit
Stahlklinge indessen gutgeheissen (Urk. 106).
5. Nachdem am 19. Dezember 2016 ein Gesuch des Beschuldigten
um bedingte Entlassung aus dem (vorzeitigen) Vollzug samt Beilagen hierorts
eingegangen war (Urk. 109 und Urk. 111/1-3), wurde mit Präsidialverfügung vom
20. Dezember 2016 der Staatsanwaltschaft eine dreitägige Frist zur Stellung-
nahme angesetzt sowie angeordnet, dass allfällige Eingaben unverzüglich der
Verteidigung zur Stellungnahme innert drei Tagen zugestellt werden (Urk. 114).
Die Anklagebehörde liess sich fristgerecht mit Eingabe vom 22. Dezember 2016
vernehmen (Urk. 117). Diese Eingabe wurde der Verteidigung in der Folge zuge-
stellt (Urk. 118), worauf sich diese innert Frist nicht mehr äusserte (vgl. Urk. 118).
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Mit Verfügung vom 3. Januar 2017 wurde der Antrag des Beschuldigten auf Haft-
entlassung bzw. bedingte Entlassung aus dem vorzeitigen Strafvollzug abge-
wiesen (Urk. 125).
6. Zu Beginn der heutigen Berufungsverhandlung, zu welcher der Staatsanwalt
lic. iur. A. Kaegi, der Beschuldigte in Begleitung seines Verteidigers Rechtsanwalt
lic. iur. Y._ sowie Rechtsanwalt lic. iur. X._ als Rechtsvertreter des Pri-
vatklägers A._ erschienen sind, waren keine Vorfragen zu entscheiden und
wurden keine Beweisanträge gestellt (Prot. II S. 11 f.).
II. Prozessuales
1. Umfang der Berufung
1.1. Die Berufung der Staatsanwaltschaft richtet sich gegen den Freispruch
gemäss Dispositiv Ziffer 2 wegen versuchter Tötung (Anklageziffer 1.1.3) und
mehrfacher versuchter schwerer Körperverletzung (Anklageziffern 1.1.1-1.1.3).
Weiter beanstandet die Staatsanwaltschaft die Strafzumessung gemäss Disposi-
tiv Ziffer 3 (Urk. 85).
1.2. Der Beschuldigte verlangt mit seiner Anschlussberufung einen vollum-
fänglichen Freispruch, weshalb sich seine Berufung mit Ausnahme von Dispositiv
Ziffern 2 (Freispruch), Dispositiv Ziffer 7 (Einziehung und Vernichtung Fleischer-
messer) und Dispositiv Ziffer 9 (Kostenfestsetzung) gegen das gesamte vor-
instanzliche Urteil richtet (Urk. 97).
1.3. Der Privatkläger A._ lässt mit seiner Anschlussberufung Dispositiv Zif-
fer 8 (Genugtuung) anfechten (Urk. 101).
1.4. Einzig nicht angefochten und somit in Rechtskraft erwachsen sind Disposi-
tiv Ziffern 7 und 9 (Einziehung und Vernichtung Fleischermesser; Kostenfest-
setzung), was vorab festzustellen ist.
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2. Formelles
2.1. Soweit für die tatsächliche und die rechtliche Würdigung des eingeklagten
Sachverhaltes auf die Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wird, so erfolgt dies
in Anwendung von Art. 82 Abs. 4 StPO, auch ohne dass dies jeweils explizit Er-
wähnung findet.
2.2. Im Übrigen ist an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die urteilende
Instanz nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegen muss (BGE 141 IV 249
E. 1.3.1; BGE 139 IV 179 E. 2.2; BGE 138 IV 81 E. 2.2, je mit Hinweisen). Die Be-
rufungsinstanz kann sich somit auf die für ihren Entscheid wesentlichen Punkte
beschränken.
3. Anklageprinzip
Die Vorinstanz hat umfassende und zutreffende Ausführungen zum Anklage-
prinzip gemacht. Sie hat zurecht erkannt, dass entgegen den Ausführungen der
Verteidigung keine Verletzung des Anklageprinzips vorliege. Zwar seien im vor-
liegenden Fall unter Anklageziffern 1.1.1 und 1.1.2 die Personalien der Opfer, der
Abstand zwischen Messerklinge und den Opfern sowie die betroffenen Körper-
stellen am Oberkörper der Opfer und weitere Tatumstände unbekannt geblieben,
dennoch sei der konkrete Tatvorwurf, nämlich das versuchte Einstechen mit ei-
nem Messer auf unbekannte Dritte, gerade noch ersichtlich (Urk. 84 S. 5 ff.).
III. Sachverhalt
1. Ausgangslage
1.1. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann zum Anklagevorwurf auf
die Anklageschrift bzw. die ausführlich Wiedergabe desselben durch die Vor-
instanz verwiesen werden (Urk. 84 S. 8 ff.).
Die Vorinstanz erachtete den Sachverhalt unter den Anklageziffern 1.1.1 und
1.1.2 als nicht erstellbar. Zu Anklageziffer 1.1.3.1 hielt sie fest, der Angriff des Be-
schuldigten auf den Privatkläger C._ habe sich nicht so abgespielt, wie in der
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Anklageschrift festgehalten. Es lasse sich eine gewisse Gefahr durch das bedroh-
liche Verhalten des Beschuldigten erstellen. Im Übrigen könne der genaue Ablauf
des Angriffs nicht mehr rekonstruiert werden. Es sei davon auszugehen, dass der
Beschuldigte dem Privatkläger C._ nahe gekommen sein müsse. Angesichts
der eingeklagten Distanz von 50 bis 100 cm der Messerklinge zum Privatkläger
C._ lasse sich bei der von oben herab geführten Stichbewegung jedoch nicht
belegen, dass der Privatkläger C._ von der Messerspritze verletzt worden
wäre, wenn der Privatkläger A._ nicht dazwischen gegangen wäre. Als er-
stellt erachtete die Vorinstanz dagegen den Vorwurf, dass der Beschuldigte nach
der Intervention von A._ einen Messerstich von links nach rechts gegen des-
sen rechte Halsseite geführt habe, wobei A._ ausweichen und dem Beschul-
digten einen Ellbogenschlag habe versetzen können, so dass er lediglich vom
Messergriff bzw. der Messerhand des Beschuldigten am Hals getroffen worden
sei und dort eine Hautrötung erlitten habe, worauf der Beschuldigte von ihm abge-
lassen habe und dem Privatkläger C._ nachgerannt sei. Den Sachverhalt
zum Nachtatverhalten (Anklageziffer 1.1.3.2) bezeichnete die Vorinstanz sodann
zurecht als für die rechtliche Würdigung irrelevant und erstellte ihn folglich nicht.
Schliesslich sei der Sachverhalt unter Anklageziffer 1.2 erstellt (Urk. 84 S. 40 ff.).
1.2. Die Staatsanwaltschaft kritisiert die vorinstanzliche Sachverhaltserstellung
und führt aus, bei einer sorgfältigen und umfassenden Würdigung sämtlicher Be-
weise bleibe kein Raum, die Ernsthaftigkeit und Gefährlichkeit der wuchtigen
Stichbewegungen abzuerkennen. Die Vorinstanz verharmlose das Tatgeschehen
und verkenne, dass nicht ein Herumfuchteln mit dem Messer, um Menschen zu
ängstigen, beschrieben worden sei, sondern ein gezieltes und wiederholtes Ein-
stechen mit einer scharfen und langen Messerklinge. Auch wenn die Schilderun-
gen der Betroffenen und Tatzeugen nicht in allen Punkten deckungsgleich seien,
seien sie im Kerngehalt stimmig. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz seien
auch die Aussagen des unabhängigen Tatzeugen D._ genügend detailliert
und präzise, um auf diese abzustellen. Weiter zeige der Umstand, dass A._
seinen Kollegen C._ reaktionsschnell habe wegstossen müssen, mit aller
Deutlichkeit, wie ernsthaft und zielgerichtet der Messerangriff auf C._ erfolgt
sei. Hätte der Beschuldigte mit dem Messer lediglich in der Luft herumgefuchtelt,
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um C._ zu verängstigen, hätte für A._ kein Anlass bestanden, C._
reaktionsschnell wegzustossen. Das wiederholte Einstechgebaren des Beschul-
digten auf mehrere Personen weise unmissverständlich darauf hin, dass die Ge-
fahr für eine zumindest lebensgefährliche Körperverletzung real und äusserst na-
heliegend und konkret gewesen sei. Die Messerattacken seien von einem klaren
Verletzungswillen des Beschuldigten geprägt gewesen (Urk. 145 S. 2 f.).
1.3. Die Verteidigung brachte vor, es sei nicht auszuschliessen, dass der Be-
schuldigte tatsächlich von einer Gruppe von mehreren Personen bedrängt, ihm
die Tasche mit wichtigen Dokumenten abgenommen worden sei und er diese ha-
be zurückholen wollen. Was die Beschreibung und Identifizierung des Beschuldig-
ten durch die Zeugen betreffe, würden krasse Ungereimtheiten bestehen. Aus-
gerechnet einer der Hauptzeugen, C._, habe die falsche Person identifiziert.
Auch A._ habe mehrfach ausgeführt, der Beschuldigte habe ein weisses o-
der zumindest helles T-Shirt getragen. Die Identifikation durch A._ sei so-
dann unbrauchbar, da er suggestiv befragt worden sei, ob er bereit wäre, den
mutmasslichen Täter zu identifizieren, respektive sich diesen per Video an-
zusehen. Weiter habe die schlechte Videoqualität eine eindeutige Identifikation
nicht zugelassen. Es sei nach wie vor zweifelhaft, wer die Person gewesen sei,
für welche der Beschuldigte verurteilt worden sei (Urk. 148 N 3 ff.).
2. Aussagen und weitere Beweismittel bezüglich des Beschuldigten
2.1. Zur generellen Glaubwürdigkeit des Beschuldigten ist den Ausführungen
der Vorinstanz nichts hinzuzufügen (Urk. 84 S. 11 f.). Weiter hat die Vorinstanz
die Aussagen des Beschuldigten in der polizeilichen Einvernahme vom
12. August 2015, in der Hafteinvernahme vom 13. August 2015 und in der
Schlusseinvernahme vom 19. Mai 2016 bei der Staatsanwaltschaft wie auch in
der Hauptverhandlung vom 31. August 2016 umfassend wiedergegeben. Darauf
kann verwiesen werden (Urk. 84 S. 12 ff.). Anlässlich der Berufungsverhandlung
führte der Beschuldigte aus, er sei nach Zürich gekommen und habe sich bei ei-
nem guten Kollegen für die Hilfe bei der Passbeschaffung bedanken wollen. An
jenem Abend habe er Weisswein in kleinen Flaschen getrunken, wieviel genau,
wisse er nicht mehr. Als er bei einem Brunnen habe Wasser trinken wollen, sei er
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von einer Gruppe von ca. zehn Personen provoziert und geschlagen worden. Ihm
sei die Tasche weggenommen worden. Dann habe er am ...-Platz für ca. eine Mi-
nute seinen Kollegen E._ getroffen. Er sei schliesslich vorsichtig alleine zum
Park zurück. um seine Tasche zu suchen. Er sei nicht von der Polizei verfolgt
worden und nicht vor ihr weggerannt. Was die Identifikation seines Kollegen
E._ angehe, so liege ein Irrtum vor, es sei der falsche E._ ausfindig ge-
macht worden (Urk. 144 S. 9 ff.).
2.2. Die Aussagen des Beschuldigten weisen keine nennenswerte Wider-
sprüche oder Strukturbrüche auf, überzeugen aber letztlich nicht. Dass der Be-
schuldigte den angeblichen tätlichen Angriff, welcher immerhin mit einer Waffe
geführt worden sei, und den angeblichen Diebstahl seiner Tasche, welche immer-
hin seine Identitätskarte enthalten haben soll, nicht bei der Polizei meldete, ist
wenig nachvollziehbar. Ausserdem fallen die Schilderungen des von ihm behaup-
teten Übergriffs mit der Vorinstanz wenig detailliert und lebensnah aus. Der Be-
schuldigte beschrieb seine "Angreifer" als "einfach jung" und reagierte ungewöhn-
lich, als er darauf angesprochen wurde, weshalb er die Personen nicht beschrei-
ben könne: Er sei nicht dorthin gegangen, um von diesen Leuten ein Foto zu er-
stellen (Urk. 12.1 S. 3; Urk. 84 S. 17).
2.3. Weiter widerlegen einige objektive Beweismittel die Darstellung des Be-
schuldigten.
2.3.1. Zum einen trug der Beschuldigte entgegen seinen Ausführungen in der ers-
ten polizeilichen Befragung in der Tatnacht kein dunkelblau-weisses, sondern ein
schwarzes T-Shirt (Urk. 1 S. 5; Urk. 9.2 S. 2; Urk. 12/1 S. 9).
2.3.2. Sodann war der Beschuldigte entgegen seinen späteren Aussagen im Tat-
zeitpunkt stark angetrunken. Das IRM Zürich ermittelte bei einer 2 3⁄4 Stunden
nach seiner Verhaftung entnommenen Blutprobe einen Blutalkoholgehalt zwi-
schen 1,37 und 1,51 (Mittelwert: 1,44) Gewichtspromillen (Urk. 10.4). Damit sei
der Beschuldigte als "deutlich betrunken" einzustufen gewesen.
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2.3.3. Auch bei den vom Beschuldigten als Folge des angeblichen Übergriffs gel-
tend gemachten Verletzungen am Oberkörper würde gemäss Gutachten des IRM
Zürich vom 15. Juni 2016 zur körperlichen Untersuchung des Beschuldigten eine
Selbstbeibringung naheliegen. Die Verletzung an der rechten Hand könnte dem-
gegenüber sowohl durch aktive Abwehr eines Messerangriffes – wie vom Be-
schuldigten geschildert – als auch durch ein Abgleiten eines in der rechten Faust
gehaltenen Messers bei einem heftigen Stich/Stoss mit diesem gegen eine harte
Oberfläche – wie dem von mehreren Zeugen geschilderten Einstechen auf Abfall-
eimer – verursacht worden sein (Urk. 8.4 S. 5 ff.). Beachtlich ist in diesem Zu-
sammenhang, dass am mutmasslichen Tatmesser DNA-Spuren des Beschuldig-
ten am Griff des Messers gefunden werden konnte, nicht jedoch an der Klinge
(Urk. 9.5). Dies spricht gegen den vom Beschuldigten geschilderten Tatablauf.
2.3.4. Schliesslich konnte der vom Beschuldigten genannte Kollege "E._" die
Version des Beschuldigten nicht bestätigen (Urk. 2 S. 3; Urk. 84 S. 16). Dass es
bei der Identifikation von "E._" zu einer Verwechslung gekommen ist, wie der
Beschuldige im Rahmen der Berufungsverhandlung vorbrachte, kann ausge-
schlossen werden. Es war der Beschuldigte selbst, welcher aus seinem Telefon-
speicher "E._" mit der dazugehörigen Telefonnummer eindeutig identifizierte
(Urk. 2 S. 3).
2.3.5. Insgesamt sind die Aussagen des Beschuldigten mit der Vorinstanz als
Schutzbehauptungen zu qualifizieren, auf welche zur Erstellung des Sachverhalts
nicht massgeblich abgestellt werden kann (Urk. 84 S. 18).
3. Aussagen und weitere Beweismittel bezüglich des Privatklägers A._
3.1. Zur Glaubwürdigkeit des Privatklägers A._ ist den zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz nichts hinzuzufügen (Urk. 84 S. 18). Weiter hat die Vor-
instanz die Aussagen des Privatklägers A._ in der polizeilichen Einvernahme
vom 12. August 2015 und in der Einvernahme vom 8. Oktober 2015 bei der
Staatsanwaltschaft umfassend wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden
(Urk. 84 S. 18 ff.).
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3.2. Der Privatkläger A._ machte durchwegs konstante und lebensnahe
Aussagen. Einzig widersprüchlich waren die Aussagen des Privatklägers A._
die Farbe des T-Shirt des Beschuldigten betreffend. Er führte zunächst aus, der
Beschuldigte habe ein dunkles Shirt getragen, während er in der zweiten Einver-
nahme von einem hellen Shirt sprach (Urk. 13.1 S. 2; Urk. 13.2 S. 12). Dieser Wi-
derspruch ist jedoch vernachlässigbar, auch aufgrund des zeitlichen Abstands
zwischen den Einvernahmen. Die Vorinstanz erwog sodann schlüssig, dass die
späteren Aussagen des Privatklägers A._ wortreicher und detaillierter ausge-
fallen seien, lasse sich damit erklären, dass er nach dem Vorfall so schnell wie
möglich habe nach Hause gehen wollen und die polizeiliche Einvernahme ohne
formellen Dolmetscher durchgeführt worden sei. Weiter erscheine es lebensnah,
dass sich der Privatkläger A._ mit dem Privatkläger C._ und weiteren
Zeugen unterhalten habe, um das Erlebte zu rekonstruieren. Dabei sei jedoch zu
berücksichtigen, dass sich dadurch nicht mehr zweifelsfrei erstellen lasse, welche
Aussagen den eigenen Erinnerungen entsprechen und welche von den Aussagen
weiteren Zeugen stammen würden (Urk. 84 S. 21).
3.3. Schliesslich stützt die Darstellung des Privatklägers A._ auch die foto-
grafisch festgehaltene Hautrötung an der rechten Halsseite (Urk. 7). Der vom Pri-
vatkläger geschilderte Schlag des Beschuldigten gegen seinen Hals könnte frag-
los die beschriebene Rötung verursacht haben.
3.4. Insgesamt sind die Aussagen des Privatklägers A._ als glaubhaft ein-
zustufen, weshalb für die Erstellung des Sachverhalts grundsätzlich auf sie abge-
stellt werden kann.
4. Aussagen des Privatklägers C._
4.1. Zur Glaubwürdigkeit des Privatklägers C._ ist den zutreffenden Aus-
führungen der Vorinstanz nichts hinzuzufügen (Urk. 84 S. 22). Weiter hat die Vo-
rinstanz die Aussagen des Privatklägers C._ in der polizeilichen Einvernah-
me vom 12. August 2015 und in der Einvernahme vom 8. Oktober 2015 bei der
Staatsanwaltschaft umfassend wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden
(Urk. 84 S. 22 ff.).
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4.2. Der Privatkläger C._ sagte grundsätzlich glaubhaft aus. Seine Aussa-
gen sind konstant, nachvollziehbar und widerspruchsfrei. Die Vorinstanz führte
bereits aus, dass auffallend sei, dass der Privatkläger nicht bereits in der ersten
Einvernahme erwähnt hatte, dass ein "Gegenstand" an seiner rechten Körperseite
entlang "hinuntergeglitten" sei, als er vor dem Beschuldigten auf dem Boden ge-
kauert sei. Es wäre – so die Vorinstanz weiter – zu erwarten gewesen, dass die-
ses wichtige Detail bereits in der ersten Einvernahme genannt worden wäre. Es
könne daher nicht völlig ausgeschlossen werden, dass sich diese Episode fälsch-
licherweise in die Erinnerung des Privatklägers C._ "eingeschlichen" habe
(Urk. 84 S. 24 f.). Dem ist zuzustimmen - allerdings fällt auch auf, dass die Schil-
derung des Vorfalls durch den Privatkläger C._ in der polizeilichen Befragung
im Verhältnis zur späteren Einvernahme als Auskunftsperson allgemein sehr viel
verkürzter ausgefallen ist (Urk. 14.1 im Verhältnis zu Urk. 14.2).
4.3. Die glaubhaften Aussagen des Privatklägers C._ können zur Erstel-
lung des Sachverhalts herangezogen werden, tragen aber nicht wesentlich zur
Erstellung der konkreten Umstände bezüglich Verwendung des Messers (konkre-
te Handlungen, Abstand, Richtung) durch den Beschuldigten bei.
5. Aussagen der Zeugen
5.1. Zur Glaubwürdigkeit der Zeugen F._, G._, H._, I._,
D._ sowie J._ ist den zutreffenden Ausführungen der Vorinstanz nichts
hinzuzufügen (Urk. 84 S. 25, 28, 30, 32, 33, 36). Weiter hat die Vorinstanz die
Aussagen der Zeugen umfassend wiedergegeben. Darauf kann verwiesen wer-
den (Urk. 84 S. 25 ff.).
5.2. Die Aussagen der Zeugin F._ sind konstant und nachvollziehbar, wo-
bei auffällt, dass die Darstellung in der zweiten Einvernahme detaillierter und ge-
nauer ist als noch in der ersten Einvernahme unmittelbar nach den Ereignissen.
Mit der Vorinstanz liegt die Annahme nahe, dass sich die Zeugin Aussagen ande-
rer Personen zu eigen gemacht hat und den Ablauf der Auseinandersetzung in
der zweiten Einvernahme nicht aus eigener Wahrnehmung, sondern vom Hören-
sagen geschildert hat (Urk. 84 S. 27). Auf die Aussagen der Zeugin kann grund-
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sätzlich mit einer gewissen Zurückhaltung abgestellt werden, wobei sie wiederum
nicht dazu beitragen, die konkrete Verwendung des Messers durch den Beschul-
digten zu erstellen.
5.3. Die Aussagen der Zeugin G._ können als glaubhaft bezeichnet wer-
den. Sie schilderte die Geschehnisse sehr authentisch und nachvollziehbar. Aus
ihren Aussagen wird deutlich, dass sie und die weiteren anwesenden Personen
durch das Auftreten des Beschuldigten verängstigt waren. Weiter bestätigt sie,
dass der Privatkläger A._ vom Beschuldigten mit dem Arm oder dem Griff
des Messers am Hals getroffen worden sei, als er zwischen den Beschuldigten
und den Privatkläger C._ gegangen sei. Einzig widersprüchlich sind ihre
Aussagen bezüglich dem Zeitpunkt, in welchem der Privatkläger C._ seine
Schlüssel aufgehoben haben soll sowie betreffend die Attacke des Beschuldigten
gegen den Privatkläger C._, was jedoch mit der Vorinstanz kein wesentlicher
Widerspruch ist (Urk. 84 S. 29).
5.4. Der Zeuge H._ sagte grundsätzlich glaubhaft aus. Wie die Vorinstanz
richtig erkannte, lassen sich seinen Aussagen jedoch keine konkreten Handlun-
gen des Täters mit dem Messer gegen Personen entnehmen, weshalb die Aus-
sagen für die Erstellung des Sachverhalts wenig ergiebig sind (Urk. 84 S. 31).
5.5. I._ wurde nur als als polizeiliche Auskunftsperson befragt (Urk. 15),
weshalb ihre Aussagen nicht zu Lasten des Beschuldigten verwertbar sind. Mit
der Vorinstanz ergibt sich aus den Aussagen von I._ nichts, was den
Beschuldigten entlasten würde (Urk. 84 S. 33).
5.6. Der Zeuge D._ sagte im Wesentlichen konstant aus. Es ist jedoch
augenfällig, dass seine Aussagen die Angriffe durch den Beschuldigten betreffend
wenig detailiert und teilweise widersprüchlich ausfallen. Gerade die Darstellung
des ersten Angriffs [Anklageziffer 1.1.1], wo er zunächst davon sprach, eine
Person sei am Arm geschnitten worden und davon gerannt und später ausführte,
die Person, welche leicht verletzt worden sei, habe so getan, als ob nichts
gewesen sei, worauf der Täter selbst von dieser abgelassen und davon gerannt
sei, überzeugt nicht, weshalb darauf nicht abgestellt werden kann. Zu den
- 16 -
späteren Geschehnissen beim Restaurant sind die Angaben des Zeugen mit der
Vorinstanz insgesamt zu uneinheitlich, zu ungenau und zu wenig verlässlich, um
massgeblich darauf abstellen zu können (Urk. 84 S. 35 f.).
5.7. Die Aussagen des Zeugen J._ sind glaubhaft, weshalb für die
Sachverhaltserstellung auf sie abgestellt werden kann. Die Vorinstanz erklärte die
kleineren Widersprüche in der Darstellung zurecht damit, dass zwischen den
Ereignissen und der Einvernahme eine gewisse Zeit verstrichen ist und dass der
Zeuge als Polizist in der Zwischenzeit zahlreiche vergleichbare Einsätze
absolviert hat (Urk. 84 S. 37).
6. Lebendwahlkonfrontation
6.1. Die Zeugen F._ (Urk. 17.1), H._ (Urk. 17.3), G._ (Urk. 17.4)
und I._ (Urk. 17.5) erkannten den Beschuldigten als Täter. Der Privatkläger
C._ gab indes eine andere Person als Täter an (Urk. 17.2). Der Zeuge
D._ erschien nicht zur Lebendwahlkonfrontation.
6.2. Wie die Vorinstanz zutreffend festhielt, kommt der Lebendwahlkonfrontati-
on für sich allein betrachtet kein erheblicher Beweiswert zu (Urk. 84 S. 38). Der
Beschuldigte wird allerdings durch die positiv verlaufenen Lebendwahlkonfrontati-
onen jedenfalls nicht entlastet.
7. Tatwaffe
7.1. Das IRM Zürich erstellte am 26. Oktober 2015 ein DNA-Gutachten zur
mutmasslichen Tatwaffe. Dabei konnte vom Griff des Messers ein einfaches
DNA-Profil einer männlichen Person nachgewiesen werden und der Beschuldigte
als Spurengeber nicht ausgeschlossen werden, wobei die Spurengeberschaft des
Beschuldigten mehrere Milliarden mal wahrscheinlicher sei als diejenige einer un-
bekannten, mit dem Beschuldigten genetisch nicht verwandten männlichen Per-
son. Aus dem Spurenasservat ab Messerklinge liess sich dagegen kein DNA-
Profil erstellen (Urk. 9.5 S. 2; Urk. 9.4).
- 17 -
7.2. Das Gutachten des IRM stützt folglich die Aussagen aller Zeugen und Pri-
vatkläger, welche erklärten, der Beschuldigte habe ein Messer in der Hand gehal-
ten. Gleichzeitig widerspricht es einerseits der Darstellung des Beschuldigten,
wonach er mit dem Messer verletzt worden sei, und andererseits aber auch dem
auf die Aussagen des Zeugen D._ gestützten Vorwurf, der Beschuldigte ha-
be mit dem Messer jemanden verletzt.
8. Gesamtwürdigung
8.1. Dass es sich beim Beschuldigten um den Täter handelt, muss mit der Vor-
instanz als erstellt gelten. Die Beschreibung des Täters durch die Zeugen und
Privatkläger trifft auf den Beschuldigten zu und auch das Ergebnis der Lebend-
wahlkonfrontation fiel positiv aus. Weiter wurde der Beschuldigte in unmittelbarer
zeitlicher und örtlicher Nähe des Tatgeschehens verhaftet, als er vor der Polizei
davon rannte. Sodann fand sich am Griff der am Tatort gefundenen Tatwaffe eine
DNA-Spur des Beschuldigten.
8.2. Zu Anklageziffern 1.1.1 und 1.1.2 (Messerangriffe zum Nachteil unbekann-
ter Personen) ist festzuhalten, dass diese nach Würdigung sämtlicher Beweis-
mittel nicht rechtsgenügend erstellt werden können. Der Anklagevorwurf basiert
vorliegend wesentlich auf den Aussagen des Zeugen D._. Wie gezeigt wur-
de, sind die Aussagen des Zeugen jedoch nicht verlässlich. Er schilderte die Ge-
schehnisse widersprüchlich und wenig detailliert. Ausserdem konnten auf der
Tatwaffe keine DNA-Spuren an der Messerklinge gefunden werden, was der Dar-
stellung des Zeugen wiederum entgegensteht, wonach der Beschuldigte die erste
angegriffene Person (Anklageziffer 1.1.1) mit dem Messer verletzt und ihr eine
blutende Schnittwunde zugefügt habe. Schliesslich ist auch das Verhalten des
Zeugen als merkwürdig zu bezeichnen, erschien er doch mehrfach unentschuldigt
nicht zur Lebendwahlkonfrontation. Die Vorinstanz schloss daraus, es sei nicht
auszuschliessen, dass sich der Zeuge mit seinen Aussagen lediglich habe wichtig
machen wollen (Urk. 84 S. 40). Diese Schlussfolgerung erscheint plausibel, es
kann jedenfalls zur Erstellung des Sachverhalts nicht auf die Aussagen des Zeu-
gen D._ abgestellt werden. Letztlich ist es auch als lebensfremd und als sehr
unwahrscheinlich zu bezeichnen, dass ein Opfer, welches ohne Grund mit einer
- 18 -
Waffe angegriffen und verletzt wird, diesen Vorfall nicht bei der Polizei meldet.
Mangels weiterer Beweismittel kann der Anklagesachverhalt bezüglich die ersten
Messerangriffe auf unbekannte Personen nicht erstellt werden.
8.3. Der Sachverhalt unter Anklageziffer 1.1.3 (Messerangriff zum Nachteil
von C._ und A._) ist gestützt auf die vorhandenen Beweismittel – mit
der Vorinstanz (Urk. 84 S. 41-44) – wie folgt als erstellt zu bezeichnen: Der Be-
schuldigte ist mit erhobenem Messer auf den Privatkläger C._ zugerannt,
worauf der Privatkläger A._ dazwischen ging und der Privatkläger C._
flüchten konnte. In welcher Position sich der Privatkläger C._ befand, als der
Angriff erfolgte, in welchem Zeitpunkt er den Schlüssel verlor, ob er sich bückte,
um diesen aufzuheben, ob er aus eigenem Antrieb flüchtete oder vom Privatklä-
ger A._ weggestossen wurde, ist nicht klar und mit den vorhandenen Be-
weismitteln nicht zu erstellen. Das Verhalten des Beschuldigten wurde jedoch von
den Privatklägern und Zeugen als bedrohlich und gefährlich beschrieben. Weiter
ist aufgrund der glaubhaften Aussagen des Privatklägers A._ erstellt, dass
der Beschuldigte dem Privatkläger C._ mit dem Messer nahe gekommen
war, nämlich gemäss seinen Angaben bis auf eine Distanz von 50 bis 100 cm.
Dass der Beschuldigte den Privatkläger C._ ohne Eingreifen des Privatklä-
gers A._ mit dem Messer verletzt hätte oder dies mindestens hätte tun wol-
len, lässt sich angesichts dieser Distanz nicht erstellen. Keine Zweifel bestehen
dagegen daran, dass sich der Sachverhalt zur Stichbewegung gegen den Privat-
kläger A._ so abgespielt hat, wie in der Anklageschrift umschrieben. Folglich
ist erstellt, dass der Beschuldigte nach der Intervention von A._ einen Mess-
erstich von links nach rechts gegen dessen rechte Halsseite führte, wobei
A._ ausweichen und dem Beschuldigten einen Ellbogenschlag versetzen
konnte, so dass er lediglich vom Messergriff bzw. der Messerhand des Beschul-
digten am Hals getroffen wurde und dort eine Hautrötung erlitt, worauf der Be-
schuldigte von ihm abliess und dem Privatkläger C._ nachrannte.
Zur vom Beschuldigten verfolgten Absicht hat sich die Vorinstanz sodann einge-
hend geäussert. Die Erwägungen der Vorinstanz können ohne Weiterungen
übernommen werden (Urk. 84 S. 42 ff.).
- 19 -
8.4. Anklageziffer 1.2 (Hinderung einer Amtshandlung) kann gestützt auf die
glaubhaften Aussagen des Zeugen J._ erstellt werden. Der Beschuldigte
vermochte nichts vorzubringen, was Zweifel an der Darstellung des Zeugen we-
cken würde. Heute brachte der Beschuldigte vor, er sei gar nicht gerannt
(Urk. 144 S. 18), was aufgrund der anders lautenden glaubhaften Zeugenaussa-
gen als unglaubhaft bezeichnet werden muss. Damit ist dieser Anklagesachver-
halt rechtsgenügend erstellt (vgl. auch Urk. 84 S. 44).
IV. Rechtliche Würdigung
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz hat den erstellten Sachverhalt zum Nachteil des Privat-
klägers A._ als versuchte schwere Körperverletzung im Sinne von Art. 122
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB qualifiziert und denjenigen zum
Nachteil des Privatklägers C._ als Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1
StGB. Weiter hat sie den Beschuldigten der Hinderung einer Amtshandlung im
Sinne von Art. 286 Abs. 1 StGB schuldig gesprochen.
1.2. Die Staatsanwaltschaft macht mit ihrer Berufung geltend, entgegen der
Würdigung der Vorinstanz stelle der Einstichversuch gegen den Hals des Privat-
klägers A._ eine versuchte vorsätzliche Tötung dar. Ein Eindringen der Mes-
serspitze in den Hals hätte unweigerlich zu einem Anschnitt lebenswichtiger Blut-
gefässe, Nervenstränge, Speise- oder Luftröhre und zum Tod geführt. Jedes Kind
wisse, dass das Einstechen in den Hals in der Regel tödlich ende. Die Einstich-
versuche gegen die weiteren Opfer seien als versuchte schwere Körperverletzung
zu qualifizieren, weil nicht exakt habe erstellt werden können, wo genau der Ein-
stich am Oberkörper der Opfer erfolgt wäre. Mindestens sei das Verhalten des
Beschuldigten jedoch als versuchte qualifizierte einfache Körperverletzung zu
qualifizieren (Urk. 145 S. 5).
1.3. Die Verteidigung führt im Eventualstandpunkt aus, die Vorinstanz stelle zu
Recht fest, dass der Beschuldigte mit seinem Messer in erster Linie habe Angst
und Schrecken verbreiten wollen. Dass der Beschuldigte die Absicht verfolgt ha-
- 20 -
be, Personen schwer zu verletzen oder gar zu töten, sei nicht erstellt. Aufgrund
der Haltung des Messers beim Angriff auf den Privatkläger A._ könne viel-
leicht gerade noch von Inkaufnahme einer möglichen schweren Körperverletzung,
wenn nicht sogar bloss von einer einfachen, ausgegangen werden. Aus den kon-
kreten Umständen ergebe sich nicht, dass es dem Beschuldigten darum ge-
gangen sei, Menschen zu töten oder zu verletzen, sondern diese in Angst und
Schrecken zu versetzen und seine Aggressionen abzubauen (Urk. 148 N. 33 ff.).
2. Sachverhalt zum Nachteil des Privatklägers A._
2.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann bereits bei einem ein-
zigen gegen den Oberkörper des Opfers geführten Messerstich auf vorsätzliche
Tötung erkannt werden (Urteil des Bundesgerichts 6B_829/2010 vom 28. Februar
2011 E. 3.2, Tatwaffe war ein Messer mit einer Klingenlänge von 11 cm, mit Hin-
weis auf das Urteil 6S.104/2002 vom 22. Oktober 2003 E. 2.; vgl. z.B. auch Urteile
6B_572/2011 vom 20. Dezember 2011 E. 2.6, gezielter Stich in den Oberkörper
mit einem 27 cm langen Messer; 6B_635/2009 vom 19. November 2009 E. 3.3,
Stich in die Nierengegend mit einem Tranchiermesser [Klingenlänge ca. 23.5 cm];
6B_788/2008 vom 26. Dezember 2008 E. 1, kräftige, gezielte Messerstiche in
Brust und Rücken [Klingenlänge ca. 20 cm]; 6B_822/2008 vom 5. November 2008
E. 4.3, Stich mit Kraftaufwand in die Brust mit einem Messer mit einer Klingenlän-
ge von 15.5 cm; 6S.224/2005 vom 21. Juni 2005 E. 2, Messerstich [Klingenlänge
von 8-10 cm] mit voller Wucht in den Bauch; im Urteil 6B_775/2011 vom 4. Juni
2012 E. 2.5 verneint bei einem Stich seitlich unterhalb der Achsel bei einer Klin-
genlänge von 34 mm).
Wer in einer dynamischen Auseinandersetzung mit einem Messer in den
Schulter-Brustbereich eines Menschen zusticht, muss in aller Regel mit schweren
Verletzungen rechnen. Bei einem Messerstich in den Brustbereich ist das Risiko
einer tödlichen Verletzung als hoch einzustufen (Bundesgerichtsentscheid
6B_432/2010 vom 1. Oktober 2010 E. 4, mit weiteren Hinweisen). Nach der bun-
desgerichtlichen Rechtsprechung bedarf es keiner besonderen Intelligenz, um zu
erkennen, dass ungezielte Messerstiche in Brust und Bauch eines Menschen den
Tod zur Folge haben können (BGE 109 IV 5 E. 2; Bundesgerichtsentscheide
- 21 -
6B_829/2010 vom 28. Februar 2011, E. 3.2, und 6B_177/2011 vom 5. August
2011, E. 2.10).
Dasselbe muss gleichermassen (wenn nicht um so mehr) bei Verletzungen im
Halsbereich gelten, handelt es sich dabei doch um einen sehr sensiblen Bereich
eines Menschen, wo sich lebenswichtige Organe und Blutbahnen befinden. Ent-
sprechend hält auch das Bundesgericht hierzu fest, dass bei einem Messerstich
in den Hals bzw. bei Schnittverletzungen am Hals das Risiko der Tatbestands-
verwirklichung, d.h. des Todes des Opfers, ebenfalls als hoch einzustufen ist
(Bundesgerichtsentscheide 6B_635/2009 vom 19. November 2009, E. 3.3, und
6B_480/2011 vom 17. August 2011, E. 1.4).
Nach dem Gesagten liegt bei einem Messerstich bzw. bei einer Schnittverletzung
im Halsbereich eine Todesfolge im allgemein bekannten Rahmen des Kausal-
verlaufs und ist somit vom Vorsatz erfasst. Es darf als allgemein bekannt voraus-
gesetzt werden, dass angesichts der Empfindlichkeit der gesamten Halsregion
grundsätzlich Messerstiche gegen den Hals bzw. Schnittverletzungen am Hals
zum Tod eines Menschen führen können. Demnach muss, wer entsprechende
Gewalt gegen den sensiblen Halsbereich eines Menschen ausübt, aufgrund der
hohen Wahrscheinlichkeit von tödlichen Verletzungen mit solchen Konsequenzen
rechnen und nimmt sie damit zumindest in Kauf.
2.2. Gemäss Art. 12 Abs. 2 StGB verübt ein Verbrechen oder Vergehen vor-
sätzlich, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt. Das Wissen bezieht sich auf
die Tatumstände, welche sich unter die objektiven Merkmale des Deliktstat-
bestandes subsumieren lassen, sowie bei Erfolgsdelikten auf den Geschehens-
verlauf, der zum Eintritt des Erfolges führt (Donatsch, OFK-StGB, N 4 zu Art. 12
StGB). Der Vorsatz bezieht sich nicht nur auf Tatumstände, deren Vorhandensein
oder Eintreten der Täter für sicher hält. Er kann sich auch auf solche erstrecken,
deren Vorhandensein oder Eintreten er nur für möglich hält (BGE 125 IV 242 E.
3c S. 251; 103 IV 65 E. I.2 S. 67 f.; vgl. schon BGE 69 IV 75 E. 5 S. 79 f.; BSK
StGB I-Jenny, N 22 zu Art. 18 StGB). Neben dem Wissen um die reale Möglich-
keit der Tatbestandserfüllung verlangt der Vorsatz auch den Willen, den Tatbe-
stand zu verwirklichen. Der Täter muss sich gegen das rechtlich geschützte Gut
- 22 -
entscheiden. Dieser Wille ist gegeben, wenn die Verwirklichung des Tatbestandes
das eigentliche Handlungsziel des Täters ist oder ihm als eine notwendige Vor-
aussetzung zur Erreichung seines Zieles erscheint. Dasselbe gilt, wenn die Ver-
wirklichung des Tatbestandes für den Täter eine notwendige Nebenfolge darstellt,
mag sie ihm auch gleichgültig oder gar unerwünscht sein (BSK StGB I-Jenny
N 39 f./42 zu Art. 18 StGB).
2.2.1. Neben diesem direkten Vorsatz erfasst Art. 12 Abs. 2 StGB auch den Even-
tualvorsatz. Hier strebt der Täter den Erfolg nicht an, sondern weiss lediglich,
dass dieser möglicherweise mit der willentlich vollzogenen Handlung verbunden
ist. Die Rechtsprechung bejaht Eventualvorsatz, wenn der Täter den Eintritt des
Erfolgs bzw. die Tatbestandsverwirklichung für möglich hält, aber dennoch han-
delt, weil er den Erfolg für den Fall seines Eintritts in Kauf nimmt, sich mit ihm ab-
findet, mag er ihm auch unerwünscht sein (BGE 130 IV 58 E. 8.2; BGE 125
IV 242 E. 3c S. 251; 121 IV 249 E. 3a/aa; 119 IV 1 E. 5a, je mit Hinweisen). Wer
den Erfolg derart in Kauf nimmt, "will" ihn im Sinne von Art. 12 Abs. 2 StGB. Nicht
erforderlich ist, dass der Täter den Erfolg "billigt" (eingehend BGE 96 IV 99
S. 101; 103 IV 65 E I.2 S. 68).
2.2.2. Ob der Täter die Tatbestandsverwirklichung in diesem Sinne in Kauf ge-
nommen hat, muss das Gericht – bei Fehlen eines Geständnisses des Beschul-
digten – aufgrund der Umstände entscheiden. Dazu gehören die Grösse des dem
Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirklichung, die Schwere der Sorg-
faltspflichtverletzung, die Beweggründe des Täters und die Art der Tathandlung.
Je grösser die Wahrscheinlichkeit der Tatbestandsverwirklichung ist und je
schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto näher liegt die Schlussfolge-
rung, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (BGE 135
IV 12 E. 2.3.2 S. 17 mit Hinweisen; BGE 134 IV 26 E. 3.2.2). Für den Nachweis
des Vorsatzes darf das Gericht vom Wissen des Täters auf den Willen schliessen,
wenn sich diesem die Verwirklichung der Gefahr als so wahrscheinlich aufdräng-
te, dass die Bereitschaft, sie als Folge hinzunehmen, vernünftigerweise nur als
Inkaufnahme des Erfolgs ausgelegt werden kann (BGE 137 IV 1 E. 4.2.3 S. 4 mit
Hinweis). Eventualvorsatz kann indessen auch vorliegen, wenn der Eintritt des
https://www.swisslex.ch/Doc/ShowDocComingFromCitation/d60fa585-af22-448d-80d6-1e817d7079fa?citationId=2119a677-3006-4f8d-a62f-a201edf517b4&source=document-link&SP=6|atihyo
- 23 -
tatbestandsmässigen Erfolgs nicht in diesem Sinne sehr wahrscheinlich, sondern
bloss möglich war (Urteil 6B_222/2014 vom 15. Juli 2014 E. 1.3.2). Doch darf
nicht allein aus dem Wissen des Täters um die Möglichkeit des Erfolgseintritts auf
dessen Inkaufnahme geschlossen werden. Weitere Umstände müssen hinzu-
kommen (BGE 133 IV 9 E. 4.1 S. 17; Urteil 6B_148/2013 vom 19. Juli 2013
E. 4.3.1). Wesentlich ist, dass der Täter den Erfolg "in Kauf nimmt" (Art. 12 Abs. 2
StGB) und nicht, ob er ihm unerwünscht ist, ob er ihn billigt oder ob er ihn aus an-
deren, nur ihm einsichtigen oder nicht einsichtigen, Gründen in Kauf nimmt. So
kommt es etwa auf die innere Ablehnung nicht an, wenn der Täter auf das Aus-
bleiben des Erfolges nicht mehr vertrauen, sondern es sich bloss noch erhoffen
konnte (BSK StGB I-Niggli/Maeder, N 56 zu Art. 12 StGB). Welches die Beweg-
gründe der Tat waren, ist ohne Einfluss auf den Vorsatz (BGE 99 IV 266 E. I/5
S. 274). Der Beweggrund kann ausserhalb des Vorsatzes liegen (BGE 101 IV 62
E. 2c S. 66). Im Gegensatz zum Eventualvorsatz auf Tötung vertraut der Täter
beim Gefährdungsvorsatz darauf, der Tod des Opfers werde nicht eintreten. Das
setzt voraus, dass er annimmt, die drohende Gefahr werde durch sein eigenes
Verhalten oder durch eine Reaktion der gefährdeten Person abgewendet werden
(Urteil des Bundesgerichts 6B_352/2011 vom 20. Oktober 2011 E. 3.2. mit weite-
ren Verweisen).
2.3. Gemäss erstelltem Sachverhalt hat der Beschuldigte mit einem Messer mit
einer Klingenlänge von ca. 19 cm horizontal von vorne gegen die rechte Halspar-
tie des Privatklägers A._ eingestochen, wobei die Messerklinge den Hals des
Privatklägers nur verfehlte, weil dieser auswich, woraufhin der Privatkläger vom
Beschuldigten mit der Hand, in welcher sich das Messer befand, am Hals getrof-
fen wurde. Den Aussagen sämtlicher Zeugen und Privatkläger zufolge trat der
Beschuldigte bedrohlich auf, die Situation war chaotisch und unkontrolliert.
Die Sorgfaltspflichtverletzung des Beschuldigten wiegt schwer. Aufgrund der dar-
gelegten Art und Intensität dieser Stichbewegung in Richtung bzw. auf Höhe des
ungeschützten Halses und unter Berücksichtigung der verwendeten Klingenlänge
ist das Risiko der Tatbestandsverwirklichung, d.h. des Todes des Opfers, ohne
Weiteres als hoch einzustufen.
https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/5faf2c27-f161-46fc-81ee-1668643f2c87?source=document-link&SP=3|mxqo3o https://www.swisslex.ch/DOC/ShowLawViewByGuid/564c189e-a29d-4671-9de2-ba95ae975807/5faf2c27-f161-46fc-81ee-1668643f2c87?source=document-link&SP=3|mxqo3o
- 24 -
Wie dargelegt, hat der Beschuldigte unkontrolliert mit einer Stichbewegung auf
den Halsbereich des Privatklägers A._ einzustechen versucht. Es gehört
zum Allgemeinwissen, dass Stichverletzungen am Hals tödlich enden können. Es
bedarf hierzu weder eines Spezialwissens noch einer besonderen Intelligenz.
Dass es dem Beschuldigten an diesem Wissen gemangelt hätte, wird weder gel-
tend gemacht, noch ist dies aus den Akten ersichtlich. Man muss entgegen dem
Beschuldigten (Urk. 144 S. 16) kein Mediziner sein, um die Folgen einer Stichver-
letzung am Hals abschätzen zu können.
Der Beschuldigte hat in einer dynamischen Auseinandersetzung und aggressiv
auftretend mit einem Messer mit einer Klingenlänge von ca. 19 cm eine Stichbe-
wegung gegen den Halsbereich des Privatklägers A._ ausgeführt. Dazu war
der Beschuldigte beträchtlich alkoholisiert, herrschten schlechte Lichtverhältnisse
und war die Situation mit mehreren Beteiligten allgemein unübersichtlich. Auf-
grund dieser unkontrollierten Weise, wie der Beschuldigte auf den sensiblen
Halsbereich des Privatklägers einzuwirken versuchte, bestand ein hohes und für
den Beschuldigten bekanntes Risiko der Tatbestandsverwirklichung eines
Tötungsdelikts. Entsprechend musste sich ihm bei seinem Messereinsatz und
damit bei der inkriminierten Stichbewegung mit dem Messer auf den Halsbereich
die Möglichkeit einer tödlichen Verletzung als so wahrscheinlich aufdrängen, dass
sein Handeln als Billigung dieses Erfolgs ausgelegt werden muss. Er nahm somit
durch sein Verhalten den Tod des Privatklägers in Kauf.
Daran ändert – entgegen der Vorinstanz (Urk. 84 S. 47) und im Sinne der obste-
hend dargestellten bundesgerichtlichen Rechtsprechung – nichts, dass es bei ei-
nem einzigen Stichversuch gegen den Privatkläger A._ geblieben ist. Und
soweit die Vorinstanz festhält, dass es dem Beschuldigten" nicht darum ging,
Menschen zu töten oder zu verletzen" (a.a.O.), mag das – wie vorstehend erläu-
tert – zutreffen, schliesst aber ein eventualvorsätzliches Handeln nicht aus.
2.4. Damit steht fest, dass der Beschuldigte beim fraglichen Vorfall zum Nach-
teil des Privatklägers A._ mit Eventualvorsatz – und damit gleichwohl vor-
sätzlich – gemäss Art. 111 StGB gehandelt hat. Aufgrund des ausgebliebenen
- 25 -
Taterfolgs ist von einer versuchten Begehung im Sinne von Art. 22 Abs. 1 StGB
auszugehen.
3. Sachverhalt zum Nachteil des Privatklägers C._
3.1. Gemäss erstelltem Sachverhalt hat sich der Beschuldigte dem Privatkläger
C._ mit dem Messer bis auf eine Distanz von ca. 50 bis 100 cm genähert.
Die genauen Umstände der Stichbewegung und die Position des Privatklägers
C._ sind – wie gezeigt wurde – unklar. Soweit der Sachverhalt erstellt wer-
den konnte, lag mithin der mögliche Taterfolg eines Verletzungs- oder gar Tö-
tungsdelikts fern. Weiter besteht – aufgrund des erstellbaren Sachverhaltes –
nicht der Eindruck, dass der Beschuldigte den Privatkläger C._ tatsächlich
verletzen wollte. Es kann aufgrund der Umstände auch nicht angenommen wer-
den, dass der Beschuldigte eine Verletzung des Privatklägers – weder eine
schwere, noch eine einfache Körperverletzung – eventualvorsätzlich in Kauf ge-
nommen hätte. Es mangelt damit sowohl am objektiven wie auch am subjektiven
Tatbestand, weshalb der Tatbestand der versuchten schweren Körperverletzung
nicht erfüllt ist.
3.2. Die Vorinstanz hat sodann mit zutreffender Begründung dargelegt, dass
das Verhalten des Beschuldigten gegenüber dem Privatkläger C._ als Dro-
hung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB zu würdigen ist. Auf diese Erwägungen
kann vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 84 S. 48 f.).
4. Hinderung einer Amtshandlung
Unter Verweis auf die ausführlichen und zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz
(Urk. 84 S. 49/50) ist festzuhalten, dass sich der Beschuldigte dadurch, dass er
der polizeilichen Aufforderung "Halt, Polizei!" keine Folge leistete und so für kurze
Zeit die von den Beamten erkennbar angestrebte Personenkontrolle bzw. Verhaf-
tung verzögert wurde, der Hinderung einer Amtshandlung schuldig gemacht hat.
Dabei handelte der Beschuldigte mit direkten Vorsatz. Der Beschuldigte ist folg-
lich der Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von Art. 286 Abs. 1 StGB schul-
dig zu sprechen.
- 26 -
5. Fazit
5.1. Es wurde weder geltend gemacht noch ist aufgrund der Akten ersichtlich,
dass ein Rechtfertigungsgrund oder ein Schuldausschlussgrund vorgelegen hätte.
5.2. Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass der Beschuldigte
sich zum Nachteil des Privatklägers A._ der versuchten vorsätzlichen
Tötung im Sinne von Art. 111 StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB schul-
dig gemacht. Weiter hat sich der Beschuldigte der Drohung im Sinne von Art. 180
Abs. 1 StGB zum Nachteil des Privatklägers C._ sowie der Hinderung einer
Amtshandlung im Sinne von Art. 286 Abs. 1 StGB schuldig gemacht.
V. Strafzumessung
1. Ausgangslage
1.1. Die Vorinstanz hat die notwendigen Ausführungen zur Theorie der Straf-
zumessung gemacht, darauf kann verwiesen werden (Urk. 84 S. 51 ff.).
1.2. Ausgehend von der versuchten vorsätzlichen Tötung im Sinne von Art. 111
StGB in Verbindung mit Art. 22 Abs. 1 StGB als schwerstem Delikt beträgt der
Strafrahmen Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren. Dieser ist mit der Vorinstanz
nicht zu verlassen. Die Strafmilderungsgründe der verminderten Schuldfähigkeit
und des Versuchs sind innerhalb des ordentlichen Strafrahmens strafmindernd zu
berücksichtigen (Urk. 84 S. 55). Die Hinderung einer Amtshandlung im Sinne von
Art. 286 Abs. 1 StGB wird mit Geldstrafe bis zu 30 Tagessätzen bedroht. Damit
wird sowohl eine Freiheits- als auch eine Geldstrafe auszufällen sein. Aufgrund
der Tatsache, dass gegen den Beschuldigten bereits mehrfach Geldstrafen ver-
hängt wurden, welche offenbar nicht die gewünschte Wirkung zeigten, erscheint
es nicht angezeigt, für die Drohung im Sinne von Art. 180 Abs. 1 StGB eine Geld-
strafe auszusprechen, sondern es wird im Sinne von Art. 49 Abs. 1 StGB die für
die versuchte vorsätzliche Tötung festzusetzende Einsatzstrafe (Freiheitsstrafe)
angemessen zu erhöhen sein.
- 27 -
1.3. Die Staatsanwaltschaft verwies zur Strafzumessung auf ihre Ausführungen
vor Vorinstanz (Urk. 145 S. 5).
1.4. Die Verteidigung legte dar, es liege höchstens ein mittelschweres Ver-
schulden vor und in subjektiver Hinsicht sei insbesondere die mittel- bis hochgra-
dig verminderte Schuldfähigkeit zu beachten. Bei den Vorstrafen handle es sich
nicht um schwerwiegende Strafen. In der Haft und im Vollzug zeige der Beschul-
digte sodann ein anständiges und korrektes Benehmen, weshalb sämtliche Füh-
rungsberichte sehr positiv ausgefallen seien. Beim Beschuldigten sei auch die
ambulante Massnahme in Vollzug gesetzt worden. Insgesamt erscheine eine
Freiheitsstrafe von 18 Monaten und eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu
Fr. 10.-- angemessen.
2. Tatkomponente betreffend versuchte vorsätzliche Tötung
2.1. Zur objektiven Tatschwere ist festzuhalten, dass der Beschuldigte in einer
wirren Auseinandersetzung mit einem Messer mit beträchtlicher Klingenlänge
einmal auf den Privatkläger A._ losging, ohne dass dieser den geringsten
Anlass für einen Angriff geboten hätte. Der Privatkläger A._ kann dabei als
völlig ahnungsloses Opfer, welches sich nicht auf eine Verteidigung vorbereiten
konnte, bezeichnet werden. Ein Treffer mit dem Messer im Bereich des Halses
hätte schlimme Folgen gehabt. Damit zeigte sich der Beschuldigte gewaltbereit
und rücksichtslos. Er kümmerte sich nicht im geringsten um die körperliche
Unversehrtheit des Privatklägers A._. Er liess jedoch nach dem singulären
Angriff ohne weiteres wieder vom Privatkläger A._ ab und entfernte sich. Das
objektive Verschulden für das hypothetisch vollendete Delikt ist als nicht mehr
leicht zu bewerten.
2.2. In subjektiver Hinsicht ist strafmindernd zu berücksichtigen, dass der Be-
schuldigte den Tod des Privatklägers A._ nicht wollte, er also nicht mit direk-
tem Vorsatz, sondern eventualvorsätzlich handelte. Ebenso ist zu gewichten,
dass der Beschuldigte seine Tat nicht etwa von langer Hand geplant gehabt hätte,
sondern sich offenbar spontan dazu hinreissen liess. Immerhin ist aber festzuhal-
ten, dass der Beschuldigte mit einem beeindruckenden Küchenmesser unterwegs
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war, ohne dafür einen plausiblen Grund nennen zu können. Das Motiv des Be-
schuldigten muss letztlich aufgrund seiner Bestreitungen offen bleiben Mit der
Vorinstanz ist zu vermuten, dass der Beschuldigte sich wohl aus Frustration über
seine Lebensumstände in Kombination mit dem übermässigen Alkoholkonsum zu
seinem äusserst gefährlichen und unbeherrschten Verhalten hat hinreissen las-
sen (Urk. 84 S. 56).
Die Vorinstanz hat gestützt auf die gutachterlichen Feststellungen beim Beschul-
digten als Folge der akuten Alkoholintoxikation zurecht eine mittelgradige Vermin-
derung der Schuldfähigkeit erkannt (Urk. 84 S. 56; Urk. 11.11 S. 2).
Das subjektive Verschulden vermag damit das objektive Tatverschulden der
mutmasslich vollendeten Tötung stark zu relativieren.
2.3. Als hypothetische Einsatzstrafe für das mutmasslich vollendete Tötungs-
delikt erscheint damit eine Freiheitsstrafe von 6 1⁄2 Jahren als gerechtfertigt.
2.4. Bei einem Versuch gemäss Art. 22 Abs. 1 StGB kann das Gericht die Stra-
fe mildern. Das Mass der zulässigen Reduktion der Strafe bei einem vollendeten
Versuch hängt unter anderem von der Nähe des tatbestandsmässigen Erfolgs
und den tatsächlichen Folgen der Tat ab (BGE 121 IV 49 E. 1).
Der Beschuldigte hat wie vorstehend dargelegt mit einem Messer mit einer Klin-
genlänge von ca. 19 cm eine Stichbewegung gegen den Halsbereich des Privat-
klägers A._ ausgeführt. Das Vorgehen des Beschuldigten war damit offen-
sichtlich geeignet, den Tod des Opfers herbeizuführen und der tatbestandsmässi-
ge Erfolg lag angesichts des verwendeten Tatwerkzeugs einigermassen nahe.
Nach dem der Beschuldigte den Hals des Opfers mit dem Messergriff oder der
Messerhand noch streifte, verfehlte er den Hals nur knapp. Der Privatkläger
A._ konnte jedoch reaktionsschnell ausweichen und wurde letztlich von der
Hand des Beschuldigten am Hals getroffen, was eine Hautrötung verursachte. Die
tatsächlichen Folgen der Tat sind daher ausserordentlich gering ausgefallen, was
einzig auf das reaktionsschnelle Verhalten des Privatklägers A._ zurückzu-
führen ist. Andererseits ist auch festzuhalten, dass der Beschuldigte sofort vom
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Privatkläger abliess und sich entfernte. Insgesamt muss der Versuch mithin merk-
lich strafmindernd gewertet werden. Die festgesetzte Einsatzstrafe ist auf 5 Jahre
zu reduzieren
3. Tatkomponente betreffend Drohung
3.1. Der Beschuldigte fuchtelte vor dem Privatkläger C._ mit einem beein-
druckenden Messer unkontrolliert herum und rannte dem Privatkläger später mit
dem Messer in der Hand nach. Dadurch hatte der Privatkläger C._ Todes-
angst. Er fürchtete, dass der offenbar ausser Kontrolle geratene Beschuldigte ihm
ernsthaften Schaden zufügen könnte. Indes ist wiederum von einer fehlenden
Planung auszugehen, die Handlungen des Beschuldigten erfolgten aus der Situa-
tion heraus. Das objektive Verschulden ist insgesamt als nicht mehr leicht zu be-
zeichnen.
3.2. In subjektiver Hinsicht ist festzuhalten, dass der Beschuldigte direkt vor-
sätzlich handelte, was erschwerend ins Gewicht fällt. Hingegen muss die mittel-
gradig verminderte Schuldfähigkeit wiederum zu einer deutlichen Verschuldens-
reduktion führen.
3.3. Die Einsatzstrafe ist in Anwendung des Asperationsprinzip für die Drohung
leicht zu erhöhen.
4. Tatkomponente betreffend Hinderung einer Amtshandlung
4.1. Der Beschuldigte rannte vor der Polizei davon, setzte sich weiter aber nicht
körperlich zur Wehr. Er trug in diesem Zeitpunkt auch keine Waffe mehr auf sich.
Angesichts der gesamten Situation ist das Verhalten des Beschuldigten nachvoll-
ziehbar, wenn auch keinesfalls zu entschuldigten. Das objektive Verschulden
wiegt leicht.
4.2. Der Beschuldigte handelte mit direktem Vorsatz, was erschwerend ins Ge-
wicht fällt. Hingegen muss die mittelgradig verminderte Schuldfähigkeit wiederum
zu einer Verschuldensreduktion führen.
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4.3. Für die Hinderung einer Amtshandlung erscheint mit der Vorinstanz eine
Geldstrafe in Höhe von 10 Tagessätzen als angemessen (Urk. 84 S. 57).
5. Zwischenfazit
Nach Würdigung der Tatkomponenten für sämtliche Delikte resultiert eine Ein-
satzstrafe von 5 Jahren und 3 Monaten Freiheitsstrafe und 10 Tagessätzen Geld-
strafe.
6. Täterkomponente
6.1. Die Vorinstanz hat den Werdegang des Beschuldigten wiedergegeben, da-
rauf kann verwiesen werden (Urk. 84 S. 57 f.). Der Beschuldigte führte an der Be-
rufungsverhandlung aus, im Strafvollzug könne er arbeiten und er besuche einen
Deutschkurs. Ausserdem habe er im Rahmen der ambulanten Massnahme mit
einer Therapie begonnen, zunächst als Einzeltherapie, später sei Gruppenthera-
pie vorgesehen (Urk. 144 S. 2 ff.).
Wie bereits die Vorinstanz richtig erkannte, lässt sich aus dem Vorleben und den
persönlichen Verhältnissen nichts ableiten, was die Strafzumessung in massgeb-
licher Weise beeinflussen würde.
6.2. Der Beschuldigte hat zwischen November 2009 und Mai 2013 drei Vorstra-
fen erwirkt (Urk. 87). Es handelte sich dabei nicht um die schwerwiegendsten De-
likte, die Vorstrafen sind jedoch teilweise einschlägig. So wurde der Beschuldigte
insbesondere am 22. November 2009 wegen versuchter qualifizierter einfacher
Körperverletzung durch Verwendung eines Messers in alkoholisiertem Zustand
gegen einen Türsteher der ...-Bar sowie wegen Hinderung einer Amtshandlung
zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen verurteilt. Mit der Vorinstanz sind die
Vorstrafen des Beschuldigten sowie seine Delinquenz während der Probezeit
gemäss Strafbefehl vom 16. Mai 2013 deutlich straferhöhend zu berücksichtigen
(Urk. 84 S. 59).
6.3. Der Beschuldigte ist nicht geständig und kann weder Reue noch Einsicht
für sich reklamieren. Dass sich der Beschuldigte im Strafvollzug tadellos verhalten
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hat, darf erwartet werden und führt nicht zu einer Strafminderung (vgl. Urk. 134
und 143). Das Nachtatverhalten hat insgesamt keine Auswirkungen auf die Straf-
zumessung.
7. Fazit
7.1. Aufgrund aller relevanten Strafzumessungsgründe erscheint eine Frei-
heitsstrafe von 6 Jahren sowie eine Geldstrafe von 10 Tagessätzen angemessen.
Der Beschuldigte hat kein Einkommen und kein Vermögen. Sein Lebensunterhalt
wird von seiner Ehefrau und der Schwiegermutter finanziert (Urk. 55 S. 4). Die
Höhe des Tagessatzes ist daher auf Fr. 10.-- festzusetzen.
7.2. Die durch Untersuchungs- und Sicherheitshaft sowie vorzeitigen Strafvoll-
zug bereits erstandenen 639 Tage Haft sind an die Freiheitsstrafe anzurechnen
(Art. 51 StGB).
VI. Vollzug
1. Bei einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren fällt der bedingte Vollzug ausser Be-
tracht.
2. Für die Geldstrafe von 10 Tagessätzen sind die objektiven Voraussetzung
für den bedingten Vollzug grundsätzlich erfüllt (Art. 42 Abs. 1 StGB). In subjektiver
Hinsicht kann dem Beschuldigten jedoch keine gute Prognose gestellt werden,
dies in erster Linie gestützt auf das psychiatrische Gutachten. Beim Beschuldigten
bestehe insbesondere eine eingeschränkte Problemeinsicht bezüglich seiner Ge-
waltbereitschaft unter Alkohol, zumal es bereits früher zu ähnlichen Vorfällen ge-
kommen sei, was ihn nicht davon abgehalten habe, alkoholisiert ein Messer auf
sich zu tragen. Aufgrund der Tendenz des Beschuldigten, mitgeführte Messer
auch einzusetzen, sei von einer moderaten bis deutlichen Rückfallgefahr auch für
schwerere Gewalthandlungen auszugehen. Für Eigentumsdelikte sei von einer
moderaten Rückfallgefahr auszugehen (act. 11.9 S. 32). Der psychiatrische Gut-
achter empfiehlt sodann die Anordnung einer ambulanten Massnahme zur Ver-
besserung der beim Beschuldigten festgestellten Rückfallgefahr für Gewaltdelikte
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in alkoholisiertem Zustand (Urk. 11.9 S. 34). Aufgrund dieser im Gutachten fach-
ärztlich attestierten Massnahmebedürftigkeit ist dem Beschuldigten mit Blick auf
Art. 42 StGB eine ungünstige Legalprognose zu stellen (BGE 135 IV 180 E. 2.3;
Urteil des Bundesgerichts 6B_342/2010 vom 9. Juli 2010 E. 3.5.2; Urteil des Bun-
desgerichts 6B_71/2012 vom 21. Juni 2012 E. 6). Damit hat die Vorinstanz die
ausgesprochene Strafe zurecht für vollziehbar erklärt (Urk. 84 S. 61 f.).
VII. Widerruf
1. Auf die vorinstanzlichen Ausführungen zu den Voraussetzungen des Wider-
rufs kann ohne Weiterungen verwiesen werden (Urk. 84 S. 62).
2. Der Beschuldigte hat die vorliegend zu beurteilenden Taten während laufen-
der Probezeit begangen; gut zwei Jahre nachdem ihm mit Strafbefehl vom
16. Mai 2013 für eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen eine Probezeit
von 4 Jahren angesetzt worden war (Urk. 87 S. 2). Er zeigt sich weder einsichtig
noch durch die bisher ausgesprochen Strafen wesentlich beeindruckt. Ausserdem
besteht beim Beschuldigten gemäss psychiatrischem Gutachten eine erhöhte
Rückfallgefahr für Gewaltdelikte unter Alkoholeinfluss (Urk. Urk. 11.9 S. 32 ff.).
Auch wenn der Beschuldigte heute zu einer hohen Strafe zu verurteilen ist, kann
bei ihm dennoch nicht von einer günstigen Prognose ausgegangen werden. Der
bedingte Vollzug der mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom
16. Mai 2013 ausgefällten Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu Fr. 30.-- ist
zu widerrufen.
VIII. Massnahme
Die Vorinstanz hat gestützt auf die Empfehlung des Gutachters und da sich die
Verteidigung im Eventualstandpunkt nicht gegen die Anordnung einer Mass-
nahme stellte, eine ambulante Massnahme nach Art. 63 StGB angeordnet, um
dem Beschuldigten im Sinne des Resozialisierungsgedankens eine nachhaltige
Chance zur Bewährung in Freiheit zu bieten. Dabei schob sie die ausgefällte
Freiheitsstrafe nicht zu Gunsten der ambulanten Therapie auf (Urk. 84 S. 66).
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Da die Verteidigung im Eventualstandpunkt auch im Berufungsverfahren nichts
gegen die Anordnung einer ambulanten Massnahme einwendet, können die vor-
instanzlichen Erwägungen ohne Weiterungen übernommen werden. Mittlerweile
ist die Massnahme mit Verfügung des Amts für Justizvollzug vom 19. Dezember
2016 vorzeitig in Vollzug gesetzt worden (Urk. 116). Der Beschuldigte führt dazu
aus, er absolviere einmal pro Woche eine Therapiesitzung, wobei sein Werde-
gang und Lebenslauf thematisiert würden und über den Vorfall gesprochen würde
(Urk. 144 S. 3). Für den Beschuldigten ist demnach eine ambulante Massnahme
nach Art. 63 StGB anzuordnen, wobei die ausgefällte Freiheitsstrafe nicht zu
Gunsten der Massnahme aufzuschieben ist.
IX. Zivilforderungen
1. Die Vorinstanz hat den Beschuldigten verpflichtet, dem Privatkläger A._
eine Genugtuung in der Höhe von Fr. 1'500.-- zuzüglich 5% Zins ab 11. August
2015 zu bezahlen. Der Angriff des Beschuldigten mit dem Messer habe keine
bleibenden körperlichen Folgen hinterlassen, da der Privatkläger A._ insbe-
sondere nicht mit dem Messer getroffen worden sei. Es müsse hingegen beachtet
werden, dass dieser glückliche Umstand lediglich der schnellen Reaktion des Pri-
vatklägers A._ zu verdanken sei. Durch den Angriff mit dem Messer habe der
Beschuldigte den Privatkläger A._ in einen Schockzustand versetzt, unter
welchem er längere Zeit gelitten habe. So sei der Angriff am Arbeitsort des Privat-
klägers A._ passiert, welcher damit sozusagen täglich unfreiwillig mit den Er-
innerungen an die Tat konfrontiert worden sei (Urk. 84 S. 66 ff.).
2. Der Privatkläger A._ verlangt mit seiner Anschlussberufung die Zuspre-
chung einer Genugtuung in der Höhe von Fr. 5'000.-- und führt zur Begründung
aus, dass der Angriff am Arbeitsort des Privatklägers A._ stattgefunden ha-
be, sei zwar erwähnt, aber zu wenig stark gewürdigt worden. Die Vorinstanz habe
es auch unterlassen, das Verschulden des Beschuldigten zu erwägen und sein
rücksichtsloses, sinnloses und äusserst brutales Vorgehen in Rechnung zu stel-
len. Aus psychologischer Sicht spiele der Moment des Angriffs eine grosse Rolle,
untergeordnet sei dabei die Tatsache, dass der Privatkläger "nur" von der Faust
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des Beschuldigten getroffen worden sei und nicht von der Messerklinge selbst.
Die Intensität des Schreckens und des Momentes der grossen Angst und Bestür-
zung würden praktisch dieselben bleiben. Der Verlust des selbstverständlichen
Sicherheitsgefühls, der Verlust der Lebensfreude und der unbelasteten Lebens-
qualität würden in casu schwerer wiegen als dies die Vorinstanz wahrhaben wolle
(Urk. 146 S. 2 ff.).
3. Es ist nachvollziehbar, dass sich der Privatkläger A._ nach dem Angriff
an seinem Arbeitsort bisweilen unwohl fühlte, was eine Beeinträchtigung seiner
Lebensqualität darstellt. Dabei kommt es in der Tat nicht entscheidend darauf an,
ob der Privatkläger A._ beim Angriff verletzt wurde oder nicht, relevant ist,
dass er in einem an sich geschützten Rahmen völlig unerwartet angegriffen wur-
de, ohne selbst den geringsten Anlass für einen solchen Angriff geboten zu ha-
ben. Die durch den Beschuldigten beim Angriff an den Tag gelegte beispiellose
Rücksichtslosigkeit gegenüber seinen Mitmenschen muss sodann in die Würdi-
gung miteinfliessen. Vor diesem Hintergrund erscheint es gerechtfertigt, die Ge-
nugtuung auf Fr. 3'000.-- zuzüglich 5% Zins ab 11. August 2015 festzusetzen.
X. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Vorinstanzliches Verfahren
Ausgangsgemäss ist das vorinstanzliche Kosten- und Entschädigungsdispositiv
zu bestätigen.
2. Berufungsverfahren
2.1. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO).
2.2. Die Staatsanwaltschaft obsiegt mit ihrer Berufung teilweise, nämlich betref-
fend den Schuldspruch der versuchten vorsätzlichen Tötung und damit verbunden
die Erhöhung der Strafe. Hingegen unterliegt sie mit ihren Anträgen um zu-
sätzliche Schuldsprüche im Sinne der Anklageziffern 1.1.1 und 1.1.2 sowie 1.1.3
(betreffend versuchte schwere Körperverletzung zum Nachteil des Privatklägers
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C._). Der Beschuldigte unterliegt mit seinem Antrag auf einen voll-
umfänglichen Freispruch. Auch der Privatkläger A._ unterliegt mit seinem
Antrag auf Zusprechung einer höheren Genugtuung teilweise.
Ausgangsgemäss rechtfertigt es sich daher, die Kosten des Berufungsverfahrens
(exklusive Kosten der amtlichen Verteidigung und unentgeltlichen Vertretung des
Privatklägers A._) zu 3/5 dem Beschuldigten aufzuerlegen und zu 2/5 auf die
Gerichtskasse zu nehmen.
2.3. Der amtliche Verteidiger ist antragsgemäss mit Fr. 12'000.-- zu entschädi-
gen (Urk. 150). Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die
Gerichtskasse zu nehmen, vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO für drei Fünftel dieser Kosten.
2.4. Der unentgeltliche Vertreter des Privatklägers ist antragsgemäss mit
Fr. 4'100.-- zu entschädigen (Urk. 147). Die Kosten sind definitiv auf die Gerichts-
kasse zu nehmen.