# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9606bf70-9051-4bf9-8db1-abeb6923aac5
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt
A. X._, geboren am _1977, L.1_ Staatsangehörige, und Y._, geboren am _ 1974, verstorben am _ 2019, von O.1_, heirateten am _ 2009 vor dem Zivilstandsamt O.2_. Aus der Ehe gingen die Kinder A._, geboren am _ 2009, und B._, geboren am _ Oktober 2010, hervor. Seit dem 1. März 2014 lebten die Parteien getrennt.
B.a. Mit Eheschutzentscheid vom 23. Mai 2014 stellte der Einzelrichter am Bezirksgericht Plessur (ab 1. Januar 2017 Regionalgericht Plessur) das Getrenntleben der Parteien fest. Die Obhut über die gemeinsamen Kinder A._ und B._ teilte er vorläufig X._ zu; Y._ räumte er ein Besuchs- und Ferienrecht ein. Der Einzelrichter ordnete zudem eine Erziehungsbeistandschaft nach Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB für die beiden Kinder an, mit der Aufgabe X._ und Y._ in Erziehungsfragen zu unterstützen und das Besuchsrecht zu überwachen.
B.b. Am 12./19. Dezember 2014 erging ein weiterer Eheschutzentscheid des Einzelrichters am Bezirksgericht Plessur. Gestützt auf ein Gutachten der Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (fortan KJP Graubünden) vom 16. September 2014 sowie ein Ergänzungsgutachten vom 4. Dezember 2014 betreffend die Erziehungsfähigkeit der Eltern und die Obhutszuteilung beliess der Einzelrichter die Obhut über die Kinder für die Dauer des Getrenntlebens bei X._. Gleichzeitig bestätigte er die errichtete Erziehungsbeistandschaft und präzisierte die Mandatsführung in Bezug auf die Beratung und Unterstützung der Parteien sowie die Koordination, Organisation und Sicherstellung von diversen Unterstützungsmassnahmen.
C. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Nordbünden (fortan KESB Nordbünden) errichtete mit Entscheid vom 11. November 2014 die seitens des Einzelrichters am Bezirksgericht Plessur mit vorgenanntem Eheschutzentscheid vom 23. Mai 2014 angeordnete Erziehungsbeistandschaft gemäss Art. 308 Abs. 1 und 2 ZGB. Zudem betraute sie die Beiständin mit der Umsetzung der seitens des Bezirksgerichts Plessur angeordneten Massnahmen, insbesondere betreffend die Unterstützung von Y._, die Besuchs- und Ferienplanung, die Unterstützung von X._ in der Erziehungsarbeit in Form einer Sozialpädagogischen Familienbegleitung (SPF), die regelmässige Fremdbetreuung der Kinder tagsüber und die regelmässigen Beratungsgespräche für beide Elternteile bei kinder- und jugendpsychiatrisch ausgebildeten Fachpersonen. Zur Beiständin ernannte sie C._ von der Berufsbeistandschaft Plessur.
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D. Im Dezember 2014 zog X._ von O.3_, dem letzten gemeinsamen Wohnsitz mit Y._, nach O.4_ zu ihrem damaligen Partner um. Nach dem Scheitern dieser Beziehung kehrte X._ mit den Kindern im Februar 2015 nach O.1_ zurück.
E. Zufolge der Verweigerungshaltung von Y._ in Bezug auf die angeordneten Beratungsgespräche bei der KJP Graubünden regelte der Einzelrichter am Bezirksgericht Plessur mit Eheschutzentscheid vom 15. Dezember 2015 das väterliche Besuchsrecht neu und knüpfte dessen Umfang an regelmässige Eltern-/Beratungsgespräche bei der KJP Graubünden.
F. Am 9. März 2016 leitete Y._ die Scheidungsklage beim Bezirksgericht Landquart (ab 1. Januar 2017 Regionalgericht Landquart) ein.
G. Ab Oktober 2016 wohnte X._ mit den Kindern in O.5_. Der Umzug von O.1_ nach O.5_ erfolgte aufgrund von Mängeln (Schimmelbefall) in der Wohnung.
H. A._ zeigte bereits im Kindergarten Verhaltensauffälligkeiten in Form von Unsicherheit, hoher Emotionalität und Impulsivität. Sowohl bei seiner Einschulung in die erste Primarschulklasse des Schulhauses D._ in O.1_ als auch in O.5_ traten seine emotionalen und sozialen Probleme von Anfang an zutage, sodass A._ in der Regelklasse nicht tragbar war. Auf Antrag des Amtes für Volksschule und Sport des Kantons Graubünden (AVS) wurde deshalb eine interne Sonderbeschulung für A._ in die Wege geleitet. Ab dem _ 2016 besuchte A._ die erste Klasse der internen Schule des E._ in O.1_ und wohnte wochentags in dessen Internat. Die Massnahme war einstweilen befristet bis Juni 2018.
I. Am 1. Februar 2017 brachte X._ die Halbschwester von B._ und A._, F._, zur Welt. Der Vater von F._ ist der neue Lebenspartner von X._, G._.
J.a. C._ erstattete am 15./16. Juni 2017 der KESB Nordbünden ihren Rechenschaftsbericht bzw. Schlussbericht zur Mandatsführung. Dem Schlussbericht ist zu entnehmen, dass eine Umsetzung der begleitenden Massnahmen gemäss den Eheschutzentscheiden vom 23. Mai 2014 und 12./19. Dezember 2014 erreicht werden konnte: Ab Mai 2015 erhielt X._ zweimal monatlich eine sozialpädagogische Familienbegleitung, ab dem Umzug nach O.1_ bis zum Kindergarteneintritt besuchte B._ vier Halbtage und einen ganzen Tag pro Woche eine Kindertagesstätte (I._) und nach
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anfänglicher Ablehnung durch Y._ fanden ab März 2016 regelmässige Elterngespräche bei der KJP Graubünden statt. Zudem befand sich B._ bis Dezember 2016 in Therapie bei der KJP Graubünden; die Beendigung der Therapie erfolgte durch die Mutter.
J.b. Mit Entscheid vom 13. Juli 2017 übertrug die KESB Nordbünden das Mandat von C._ an H._, Berufsbeistandschaft Landquart. H._ trat ihr Amt am 11. September 2017 an.
K.a. In der Folge plante X._ mit den Kindern per 1. April 2018 nach O.6_ zu ihrem jetzigen Lebenspartner und Kindsvater von F._ zu ziehen. Aufgrund des beabsichtigten erneuten Umzuges von X._ reichte H._ am 25. Oktober 2017 eine Gefährdungsmeldung beim Regionalgericht Landquart ein. Dabei stellte sie den Antrag auf Überprüfung der Obhutszuteilung an X._ und gegebenenfalls auf Übertragung der Obhut an Y._ sowie auf Neubeurteilung der bestehenden Massnahmen (regelmässige Unterstützung von X._ in ihrer Erziehungsfähigkeit und regelmässige Unterstützung von Y._ in Betreuungsaufgaben). Zur Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass die vielen Umzüge von X._ sowie der nach wie vor grosse zwischenelterliche Konflikt für die Kinder als äussert schwierig, entwicklungshemmend und unzumutbar angesehen würden. Der für 2018 geplante Umzug nach O.6_ verstärke die Problematik und die Belastung für die Kinder zusätzlich. Eine Entspannung der Situation habe gemäss der Beiständin auch nicht, wie erhofft, durch die bereits im Jahr 2014 durch das Gericht angeordneten Massnahmen (sozialpädagogische Familienbegleitung durch den Verein KJBE und Elterngespräche durch die KJP Graubünden, Ernennung von Beiständen etc.) herbeigeführt werden können. Die Beiständin sah das Problem vorwiegend in der Erziehungsfähigkeit von X._, welche insbesondere unter den Aspekten der Kontinuität und Stabilität (Umgebung, Beziehungen), Bindungstoleranz sowie der Bereitschaft, elterliche Verantwortung zu übernehmen, aus ihrer Sicht in ungenügender Weise vorhanden sei.
K.b. Mit prozessleitender Verfügung vom 30. Oktober 2017 verbot der Einzelrichter am Regionalgericht Landquart X._ gerichtlich im Sinne einer superprovisorischen Massnahme, den Wohnsitz von A._ und B._ ohne Zustimmung des Gerichts zu verlegen oder A._ ohne Zustimmung des Gerichts im Therapiehaus E._ abzumelden bzw. von der Schule zu nehmen.
L.a. Am 21. November 2017 fand die erste Hauptverhandlung statt. Anlässlich der Verhandlung gaben die Parteien folgende Anträge zu Protokoll:
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Anträge von Y._:
1. Die Ziff. 1. sowie 5. des Entscheids des Bezirksgerichtes Plessur vom 23. Mai 2014 seien aufzuheben und die elterliche Obhut über die Kinder A._, geb. am _ 2009, und B._, geb. am _2010, sei Y._ zu übertragen.
2. Eventualiter sei es X._ unter Strafandrohung von Art. 292 StGB zu verbieten, den Wohnsitz der gemeinsamen Kinder A._, geb. am _ 2009, und B._, geb. am _2010, ohne Zustimmung des Gerichtes zu verlegen und/oder A._ ohne Zustimmung des Gerichtes im Therapiehaus E._ abzumelden bzw. von der Schule zu nehmen.
3. Alles unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. 8% MwSt.).
Anträge von X._:
1. Der Antrag sei abzuweisen.
2. Die superprovisorische Massnahme bezüglich Verbot Wohnsitzverlegung für A._ und B._ sei aufzuheben und es sei der KM zu erlauben, bei Nachweis einer geeigneten neuen Einrichtung per 31. März 2018 A._ in eine geeignete [recte wohl: einer geeigneten] Schule am neuen Wohnort unterzubringen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der antragstellenden Behörde.
L.b. Im Zuge der Verhandlung verfügte der Einzelrichter die Weitergeltung der superprovisorisch angeordneten Massnahme vom 30. Oktober 2017. Zudem stellte er die Begutachtung der Erziehungsfähigkeit der Parteien durch die KJP Graubünden und die Einholung weiterer schriftlicher Auskünfte durch das Gericht in Aussicht.
M.a. Unter Zustimmung beider Parteien beauftragte der Einzelrichter mit Schreiben vom 17. Januar 2018 J._ von der KJP Graubünden mit der Erstellung des Gutachtens und unterbreitete ihm die folgenden Fragen zur Beantwortung:
1. Überprüfung der elterlichen Obhut im Falle des Umzugs der Mutter
2. Empfehlungen, ob zusätzliche Massnahmen angeordnet werden müssen, falls keine Obhutsänderung angezeigt ist
3. Erziehungsfähigkeit des Vaters, falls eine Obhutsänderung notwendig erscheint
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M.b. Angesichts des kurz bevorstehenden Umzugs von X._ nach O.6_ forderte der Einzelrichter J._ mit dem Gutachtensauftrag auf, bis spätestens Ende Februar 2018 eine Vorempfehlung abzugeben. Am 27. Februar 2018 gaben die Gutachter J._ und K._ folgende Vorempfehlung ab:
[...] Im Sinne der Wahrung der Stabilität wird bis zum Abschluss der Begutachtung empfohlen, dass A._ mindestens bis Abschluss des aktuellen Schuljahres im Therapiehaus E._ verbleibt. Die Besuchswochenenden bei Herrn Y._ sowie Frau X._ sollen weiterhin alternierend fortgeführt werden. Aufgrund der weiten Distanz von O.6_ nach O.1_ soll der bisherige Dienstagabend bei Frau X._ entfallen.
Weiter wird empfohlen, dass B._ vorläufig mit Frau X._ nach O.6_ zieht und weiterhin jedes zweite Wochenende bei Herr Y._ verbringt. Der Umzug nach O.6_ wird für B._ insofern als ungünstig erachtet, da ihr erstes Schuljahr in O.5_ damit unterbrochen wird und von ihr dadurch eine Umstellungsleistung erbracht werden muss. Da jedoch ein Umzug zu Herr Y._ ebenfalls einen Schulwechsel bedeuten würde, und sich aufgrund des Loyalitätskonflikts bereits erste Anzeichen für Besuchskontaktverweigerung bei Herr Y._ zeigen, ist der Umzug nach O.6_ mit Frau X._ bis mindestens zum Ende der Begutachtung aus gutachterlicher Sicht vorzuziehen.
M.c. Nach Einholung der Stellungnahmen der Parteien zur Vorempfehlung erliess der Einzelrichter am 14. März 2018 den folgenden Zwischenentscheid:
1. Die superprovisorische Massnahme vom 21. November 2017 wird bezüglich B._, geboren am _2010, aufgehoben. B._ kann vorläufig mit X._ nach O.6_ ziehen und weiterhin jedes zweite Wochenende bei Y._ verbringen.
2. Bezüglich A._, geboren am _ 2009, wird im Sinne einer befristeten Massnahme in Ergänzung zur superprovisorischen Massnahme vom 21. November 2017, was folgt angeordnet:
X._ wird gerichtlich verboten, den Wohnsitz des gemeinsamen Sohnes A._ ohne Zustimmung des Gerichts zu verlegen oder A._ ohne Zustimmung des Gerichts vor Ablauf des laufenden Schuljahres im Therapiehaus E._ abzumelden bzw. von der Schule zu nehmen. Der bisherige Dienstagabend bei X._ entfällt auf Grund der weiten Distanz zum Wohle des Kindes bis zur Entscheidung in der Hauptsache.
3. Die vorstehende Anordnung gemäss Ziff. 2 ergeht unter der ausdrücklichen Strafandrohung von Art. 292 StGB, wonach mit Busse
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bestraft wird, wer der von einer zuständigen Behörde oder einem zuständigen Beamten unter Hinweis auf die Strafandrohung dieses Artikels an ihn erlassenen Verfügung nicht Folge leistet.

## Considerations