# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 89968844-57f0-5cf5-bf13-87705cc5a075
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2006
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ D.K., geboren 1975, ist türkischer Staatsangehöriger. Während eines
Besuchsaufenthalts heiratete er am 15. Juli 2002 in Wattwil die Schweizer Bürgerin
M.M., geboren 1973. Aufgrund der Eheschliessung erteilte ihm das Ausländeramt am
9. August 2002 eine Jahresaufenthaltsbewilligung. Diese wurde am 20. Juli 2004 bis
zum 14. Juli 2006 verlängert.
Nachdem sich die Eheleute am 1. Mai 2004 getrennt hatten, widerrief das
Ausländeramt mit Verfügung vom 21. Juni 2005 die Aufenthaltsbewilligung von D.K..
Zur Begründung führte es im wesentlichen an, D.K. berufe sich in
rechtsmissbräuchlicher Weise auf die Ehe mit einer Schweizerin.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob D.K. durch seine Rechtsvertreterin
Rekurs, der vom Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 23. Januar 2006
abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingaben vom 7. Februar und 8. März 2006 erhob D.K. durch seine
Rechtsvertreterin Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der
Rekursentscheid vom 23. Januar 2006 bzw. die Verfügung des Ausländeramts vom 21.
Juni 2005 seien aufzuheben und das Ausländeramt sei anzuweisen, ihm eine
Aufenthaltsbewilligung zu erteilen, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Die zur
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Begründung vorgebrachten Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den
nachstehenden Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 13. März 2006 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids auf Abweisung der Beschwerde.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1./ Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 7. Februar und 8.
März 2006 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen
(Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2./ Nach Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) hat der ausländische Ehegatte einer
Schweizer Bürgerin Anspruch auf Erteilung und Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung. Nach einem ordnungsgemässen und ununterbrochenen
Aufenthalt von fünf Jahren hat er Anspruch auf die Niederlassungsbewilligung. Kein
solcher Anspruch besteht nach Art. 7 Abs. 2 ANAG, wenn die Ehe eingegangen worden
ist, um die Vorschriften über Aufenthalt und Niederlassung von Ausländern und
namentlich jene über die Begrenzung der Zahl der Ausländer zu umgehen. Erfasst wird
davon die sogenannte Scheinehe bzw. Ausländerrechtsehe, bei der die Ehegatten von
vornherein keine echte eheliche Gemeinschaft beabsichtigten (BGE 128 II 151, 127 II
55 mit Hinweisen). Auch wenn die Ehe nicht bloss zum Schein eingegangen worden ist,
heisst dies nicht zwingend, dass dem ausländischen Ehepartner der Aufenthalt
ungeachtet der weiteren Entwicklung gestattet werden muss. Zu prüfen ist
insbesondere, ob sich die Berufung auf die Ehe nicht anderweitig als
rechtsmissbräuchlich erweist (BGE 128 II 151 mit Hinweis).
a) Rechtsmissbrauch liegt vor, wenn ein Rechtsinstitut zweckwidrig zur Verwirklichung
von Interessen verwendet wird, die dieses Rechtsinstitut nicht schützen will (BGE 128 II
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151, 127 II 56 je mit Hinweisen). Im Zusammenhang mit Art. 7 ANAG ist dies dann der
Fall, wenn sich der Ausländer in einem fremdenpolizeilichen Verfahren auf eine Ehe
beruft, welche nur noch formell und ohne Aussicht auf Aufnahme bzw.
Wiederaufnahme einer ehelichen Gemeinschaft besteht (BGE 128 II 151 mit Hinweis
auf BGE 127 II 56, 123 II 50 f.). Ein Rechtsmissbrauch darf nach der
bundesgerichtlichen Rechtsprechung nicht leichthin angenommen werden, namentlich
nicht schon deshalb, weil die Ehegatten nicht mehr zusammenleben oder ein
Eheschutz- oder Scheidungsverfahren eingeleitet worden ist (BGE 128 II 151).
Erforderlich sind konkrete Hinweise darauf, dass die Führung einer
Lebensgemeinschaft nicht mehr beabsichtigt und nicht mehr zu erwarten ist (BGE 128
II 151, 127 II 57).
b) Aus der am 10. Dezember 2004 im Rahmen des Eheschutzverfahrens
geschlossenen Vereinbarung geht hervor, dass die Eheleute ihren gemeinsamen
Haushalt am 1. Mai 2004 aufhoben und festhielten, auf unbestimmte Zeit getrennt zu
leben. Die Ehefrau erklärte gegenüber dem Ausländeramt am 23. März 2005, ihr
Ehewille sei seit längerer Zeit endgültig erloschen, und sie habe daher die Scheidung
beantragt. Ausserdem habe sie eine neue Beziehung mit einem Schweizer Bürger, von
welchem sie ein Kind erwarte. Der Beschwerdeführer hält fest, er habe bis vor kurzem
immer an eine Wiedervereinigung mit seiner Ehegattin gehofft. Erst in den letzten
Monaten sei ihm klar geworden, dass die Ehe endgültig gescheitert sei.
Fest steht jedenfalls, dass die Trennung spätestens am 1. Mai 2004 stattfand. Der
Beschwerdeführer erklärte im Eheschutzverfahren, dass er anfangs 2004 letztmals bei
seiner Frau übernachtet habe. Danach sei dies nicht mehr möglich gewesen, weil die
Ehefrau es nicht mehr gewollt und sie ihm den Schlüssel abgenommen habe. Im
Frühjahr 2005 ging die Ehefrau eine Beziehung mit einem anderen Mann ein. Aus
welchen Gründen der Beschwerdeführer bis vor kurzem an eine Wiedervereinigung mit
seiner Ehegattin gehofft haben will, ist bei dieser Sachlage nicht nachvollziehbar.
Insbesondere sind auch keine Vorkehrungen des Beschwerdeführers ersichtlich, die
eheliche Gemeinschaft wieder aufzunehmen.
Daraus folgt, dass die Vorinstanz zu Recht die Berufung des Beschwerdeführers auf
die formal bestehende Ehe als rechtsmissbräuchlich qualifiziert hat.
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c) Zu prüfen bleibt, ob die Verweigerung der Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
einem Missbrauch bzw. einer Ueberschreitung des Ermessens gleichkommt.
Nach Art. 4 ANAG entscheidet die Behörde im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften
und der Verträge mit dem Ausland nach freiem Ermessen über die Bewilligung von
Aufenthalt oder Niederlassung. Das Verwaltungsgericht übt lediglich eine
Rechtskontrolle aus (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP). Somit kann nur geprüft werden, ob die
Verwaltung ihr Ermessen überschritten oder missbraucht hat und damit rechtswidrig
handelte, als sie die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung verweigerte (GVP 1996
Nr. 9 und 1998 Nr. 71).
Nach der Praxis des Ausländeramts wird die Aufenthaltsbewilligung in gewissen Fällen
zwar auch nach der Auflösung der Ehe bzw. der ehelichen Gemeinschaft verlängert. Als
massgebend werden dabei nach den Weisungen des Bundesamts für Migration (Ziff.
654) unter anderem die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, insbesondere wenn
Kinder vorhanden sind, die berufliche Situation, die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage
sowie das Verhalten und der Integrationsgrad betrachtet. Zu berücksichtigen sind
ferner die Umstände, die zur Trennung geführt haben. Nach der ständigen Praxis des
Ausländeramts wird bei einer Dauer der ehelichen Gemeinschaft von fünf Jahren und
mehr in der Regel eine Jahresaufenthaltsbewilligung nicht mehr widerrufen (ABl 2001
S. 32).
Die Trennung der Eheleute erfolgte knapp zwei Jahre nach der Heirat. Die eheliche
Gemeinschaft dauerte somit weniger als zwei Jahre. Die Ehe blieb kinderlos. Der
Beschwerdeführer hält sich seit 2002 und damit erst verhältnismässig kurze Zeit in der
Schweiz auf. Er ist als Maschinenführer in einem Industriebetrieb tätig, weshalb in
wirtschaftlicher und arbeitsmarktlicher Hinsicht keine Gründe bestehen, welche eine
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nahelegen, selbst wenn er sich bei seiner
Arbeitgeberin bewährt hat. Inwieweit nach einem Aufenthalt von rund vier Jahren
bereits von einer fortgeschrittenen Integration des Beschwerdeführers gesprochen
werden kann, erscheint fraglich. Die Vorinstanz durfte jedenfalls zu Recht davon
ausgehen, dass nach einer Aufenthaltsdauer von rund vier Jahren die Integration im
allgemeinen nicht derart weit fortgeschritten ist, dass von einer Unzumutbarkeit der
Rückkehr in den Heimatstaat gesprochen werden kann, zumal wenn es sich um eine
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Person handelt, die ihr gesamtes bisheriges Leben im Herkunftsstaat verbracht hat.
Zugute zu halten ist dem Beschwerdeführer allerdings, dass er sich als Arbeitnehmer
bewährt hat und seinen finanziellen Verpflichtungen, soweit ersichtlich, nachgekommen
ist.
d) Weiter macht der Beschwerdeführer geltend, es liege ein Härtefall vor. Er leide an
sogenanntem "familiärem Mittelmeerfieber". Ohne Behandlung bzw. ohne die
regelmässige Einnahme von Medikamenten könne diese Krankheit zu einer Anomalie
des Brustfells, einem nephrotischen Syndrom oder aber zu einer Nierenerkrankung
führen. Der Beschwerdeführer sei nach einer Rückkehr in die Türkei kaum in der Lage,
die Kosten für das dringend notwendige Medikament zu tragen.
Nach Art. 13 lit. f der Verordnung über die Begrenzung der Zahl der Ausländer (SR
823.21, abgekürzt BVO) sind Ausländer von der Höchstzahl für erwerbstätige Personen
ausgenommen, wenn ein schwerwiegender persönlicher Härtefall oder staatspolitische
Gründe vorliegen.
Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung setzt ein Härtefall im Sinn von Art. 13
lit. f BVO voraus, dass sich der betreffende Ausländer in einer persönlichen Notlage
befindet. Das bedeutet, dass seine Lebens- und Daseinsbedingungen gemessen am
durchschnittlichen Schicksal von Ausländern in gesteigertem Mass in Frage gestellt
sein müssen, bzw. die Verweigerung der Ausnahme von der zahlenmässigen
Begrenzung für den Betroffenen schwere Nachteile zur Folge hätte. Ein Aufenthalt von
mindestens zehn Jahren führt in der Regel zur Gewährung einer Ausnahme von den
Begrenzungsmassnahmen, vorausgesetzt dass sich der Ausländer tadellos verhalten
hat, finanziell unabhängig sowie sozial und beruflich allgemein gut integriert ist. Bei der
Beurteilung des Härtefalls sind die Besonderheiten des Einzelfalls zu berücksichtigen.
Wenn der Ausländer eine besonders enge Beziehung zur Schweiz hat, kann dies die
Anforderungen an die Dringlichkeit der Notlage verringern, sofern gerade auch darin
eine Härte zu sehen ist, dass er seine Beziehung zur Schweiz nicht oder nicht mehr hier
leben kann. Dies ist auch daran zu messen, wie weit es dem Ausländer zumutbar ist,
sich in seiner Heimat aufzuhalten (vgl. dazu BGE 124 II 110 f., 123 II 127 und 119 Ib 43
f. mit Hinweis auf BGE 117 Ib 322).
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Der Beschwerdeführer war wegen familiären Mittelmeerfiebers vom 4. bis 6. Februar
2003 im Spital Wil hospitalisiert. Bei der Austrittsinformation wurde festgehalten, dass
dem Patienten bei einem erneuten ähnlichen Ereignis empfohlen werde, über den
Hausarzt ins Spital zu gelangen. Das ärztliche Zeugnis von Dr. med. König vom 31. Juli
2005 bestätigt die Erkrankung sowie die Notwendigkeit, regelmässig das Medikament
Colchicin einzunehmen. Im Arztzeugnis wird keine Notwendigkeit einer dauernden
ärztlichen Behandlung oder einer stationären Spitalbehandlung vermerkt. Die
Vorinstanz ging somit zu Recht davon aus, dass der Beschwerdeführer seine
Erkrankung auch in der Türkei behandeln lassen kann. Behandlungen mit Colchicine
werden auch in der Türkei gemacht (vgl. Deutsches Aerzteblatt 1996, Nr. 21, vom 28.
Mai 1999). Selbst wenn eine medikamentöse Behandlung in der Türkei nicht möglich
wäre, könnte sich der Beschwerdeführer das Medikament durch seinen in Flawil
wohnhaften Bruder beschaffen lassen. Aus der ins Recht gelegten Apothekenquittung
sowie aus dem Rezept des Spitals Flawil geht hervor, dass 20 Tabletten Fr. 8.45
kosten und die Einnahme von 1 oder 2 Tabletten pro Tag erforderlich ist, weshalb nicht
von einer kostspieligen Behandlung gesprochen werden kann. Ein Härtefall liegt daher
nicht vor.
e) Zusammenfassend ergibt sich aus den vorstehenden Erwägungen, dass im Widerruf
der Aufenthaltsbewilligung kein Ermessensmissbrauch bzw. keine
Ermessensüberschreitung erblickt werden kann, weshalb die Beschwerde als
unbegründet abzuweisen ist.
3./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12). Sie ist mit dem geleisteten
Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 98bis VRP).