# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fbb259a0-f9ea-4fe2-9346-a4c313bfbc7d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1966,
ist
gelernte Dekorationsgestalterin und
war bis am 30.
April 2006 bei der
Z._
AG als Ver
käuferin angestellt
. N
ebenbei
arbeitete sie
als Schaufensterdekorateurin bei
A._
(Urk. 8/17/4, Urk.
8/25
-26, Urk.
8/32
). A
m 29.
Mai 2007
erlitt die Versi
cherte
einen Unfall, als sie
mit einem Trinkglas
tätlich angegriffen wurde und dabei
das
linke Auge
verlor (Urk.
8/1/6
,
Urk.
8/20/7
, Urk.
8/27/6-
2
7
).
Mit Mit
teilung vom 5.
Dezember 2007
leistete die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
Kostengutsprache fü
r eine Glas-Augenprothese (Urk.
8/
13
, vgl. Urk. 8/1
).
Am 28.
April 2009 meldete sich die Versicherte unter
Hinweis auf den Unfall vom 29.
Mai 2007
sowie
diverse
Operationen und Komplikationen bei der IV-Stelle zum Le
istungsbezug an (Urk.
8/20).
Nachdem die IV-Stelle
den erwerblichen und medizinischen Sachverhalt abgeklärt und in diesem
Zusammenhang
ein psychiatrisches Gutachten ein
geholt hatte (Gutachten vom 15. Januar 2010 [Urk.
8/36
, vgl. auch Urk.
8/38
])
,
verneinte sie einen
Renten
anspruch der Ve
rsicherten mit Verfügung vom 7.
Dezember 2010 (IV
Grad: 30 %; Urk.
8/58).
1.2
Am
4.
August 2017 meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf eine fortge
schrittene Arthrose sowie eine Diskushernie (HWS) erneut bei der IV-Stelle zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/69). Mit Mitteilung vom
5.
April 2018 forderte die IV
Stelle die Versicherte
–
unter Hinweis auf ihre Mitwirkungspflicht
–
zu einem sechsmonatigen Entzug von Alkohol und Kokain sowie einer gleichzeitig durch
zuführenden psychiatrisch-psychotherapeutischen Therapie inklusive regelmäs
siger Einnahme der antidepressiven Medikation auf
(Urk.
8/88). Mit Schreiben des
Zentrums
B._
vom 2
6.
April 2018
baten
die
B
ehandler
darum, auf die angeordneten Auflagen zu verzichten
(Urk.
8/92).
D
ie Versicherte
erklärte sich daraufhin
lediglich mit der regelmässigen therapeutischen Behandlung (Psyc
hotherapie) einverstanden (Urk.
8/93).
Mit Mitteilung vom 3
0.
Mai 2018 informierte die IV-Stelle die Versicherte darüber, dass sie
zur Klärung ihrer Leistungsansprüche
eine
bidisziplinäre
Begutachtung
als
notwendig erachte (Urk.
8/95).
Das betreffende Gutachten wurde am
1
9.
Februar 2019
von
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
sowie
Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Rheumatologie und Allgemeine Innere Medizin,
erstattet
(
Urk. 8/118 [
psychiatrisches
Gutachten Dr.
C._
:
Urk. 8/118/1-50;
rheumatologisches
Gutachten Dr.
D._
:
Urk.
8/118/51-70
;
interdisziplinäre
Gesamt
beurteilung
:
Urk. 8/118/71-76
)
. Nachdem die IV-Stelle das Dossier ihrem
Regionalen
Ä
rztlichen Dienst (RAD) zur Stellungnahme vorgelegt hatte (RAD
Stellungnahme vom 1
4.
März 2019 [
Urk.
8/119/5-6])
,
stellte sie der Ver
sicherten mit Vorbescheid vom 1
5.
März 2019 die Abweisung ihres Leist
ungs
begehrens in Aussicht (Urk.
8/120).
Dagegen erhob die Versicherte
am 2
9.
April 2019 Einwand (Urk.
8/124) und begründete diesen
–
unter Beilage eines Berichts von Dr. med.
E._
, Fachärztin FMH für Neurologie,
vom 2
2.
Juli 2019 (Urk.
8/130) –
mit Eingabe vom
28.
A
ugust 2019 (
Urk.
8/132). Nach erneuter Vorlage an den
RAD (Stellungnahme vom 9.
September 2019 [
Urk.
8/134/4])
wies
die IV-Stelle
das Leistungsbegehren der Versicherten mit Verfügung vom 1
0.
September 2019 ab (
Urk.
2 =
Urk.
8/135).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 9. Oktober 2019 Beschwerde und beantragte, die Verfügung vom 1
0.
September 2019 sei aufzuheben und die Sache für weitere medizinische Abklärungen an die
IV-Stelle
zurückzuweisen. In prozessualer Hin
sicht beantragte die Beschwerdeführerin die Gewährung der unentgeltlichen Pro
zessführung (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 26. November 2019 schloss die IV-Stelle auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
7) und legte ihrer Ein
gabe eine
RAD-
Stellungnahme
vom 18
.
November 2019 bei (
Urk.
9). Mit Verfü
gung vom 2
8.
November 2019 ordnete das Gericht einen zweiten Schriften
wechsel an (
Urk.
10), woraufhin die Beschwerdeführerin am
1
3.
Januar
2020 eine Replik erstattete (
Urk.
12) und die Beschwerdegegnerin mit Eingabe vom 3
0.
Januar 2020
–
unter Verweis auf den är
ztlichen Bericht der
Klinik F._
vom 1
8.
August 2017 –
auf das Einreichen einer Duplik verzichtete (
Urk.
14, der Beschwerdeführerin zugestellt am
3.
Februar 2020 [
Urk.
15]).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28 Abs.
1
des
Bundesgesetz
es
über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Voraussetzungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und her
nach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungs
pflicht auc
h dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
1.4
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu
prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuver
lässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische Th
ese abstellen (BGE 125 V 351 E.
3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte zur Begründung des
angefochtenen Entscheid
es an, aus den medizinischen Unterlagen gehe hervor, dass keine Diagnose mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorliege. Die bisher ausgeübte Tätigkeit als Dekorationsgestalterin sowie jegliche angepasste Tätigkeit sei der Beschwerde
führerin uneingeschränkt zumutbar. Nur phasenweise habe eine Arbeitsun
fähig
keit von circa 20
%
bestanden.
Der im
Einwandverfahren
eingereichte Bericht
von
Dr.
E._
vom 2
2.
Juli 2019 lege keine neuen medizinischen Fakten dar.
Somit liege
gestützt auf das rheumatologisch-psychiatrische Gut
achten vom 1
9.
Februar 2019 sowie die RAD-Stellungnahme vom 1
8.
November 2019
keine invaliditätsrelevante gesundheitliche Beeinträchtigung
und
damit
kein Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung
vor
(
Urk.
2
,
Urk.
7
).
2.2
Dahingegen
vertritt
die Beschwerdeführerin
den Standpunkt
, die Beschwerde
gegnerin wäre gestützt auf ihre Untersuchungspflicht
dazu
angehalten gewesen, eine nachträgliche neurologische Untersuchung zu veranlassen oder zumindest die Stellungnahme der behandelnden Neurologin vom 22. Juli 2019
einem Fach
arzt des RAD in der Fachrichtung Neurologie vorzulegen.
Das Gutachten
vom 1
9.
Februar 2019
sei –
aus
näher dargelegten
Gründen
–
nicht nachvoll
ziehbar und schlüssig
, weshalb für die Beurteilung des Leistungsanspruchs nicht darauf abgestellt werden könne. Bei gesamthafter Betrachtung sei
«
eine medizinisch-
gesundheitliche Anspruchsgrundlage, welche zur Ablehnung des Leistungsan
spruchs der Beschwerdeführerin
»
führe,
«
mit überwiegender Wahrsc
heinlichkeit nicht ausgewiesen
»
(
Urk.
1 S.
8
ff
.).
Die Diagnose einer
Torticollis
habe vorher nicht gestellt werden können, da kein Arztbericht in der Fachrichtung Neurologie vorgelegen habe (
Urk.
12).
2.3
Streitig ist der Anspruch der
B
eschwerdeführerin auf eine
R
ente der Invaliden
versicherung. Die Beschwerdegegnerin gab ein
bidisziplinäres
Gutachten in Auf
trag
(Urk. 8/118)
, nahm diverse eingereichte
Berichte zu den
Akten (
Urk.
8/73
74, Urk. 8/87, Urk. 8/92
, Urk. 8/130
) und
legte das Dossier ihrem RAD zur Beur
teilung vor
(Urk.
8/
119/5-6, Urk. 8/134/4, Urk. 9
). Damit ist sie unbestritten auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin
vom
4. August 2017
(Urk.
8/69) materiell
ei
ngetreten
(vgl. auch Urk. 8/119/1)
, hat aber
eine massgebende Ver
schlech
terung des Gesundheitszustandes
mit der
angefochtenen Verfügung vom 10. September 2019
verneint.
3.
3.1
3.1.1
Der Verfügung vom 7. Dezember 2010 (Urk. 8/58)
lag im Wesentlichen folgender medizinischer Sachverhalt zugrunde (
vgl.
Urk. 8/51/2-5):
3.1.2
Im Bericht der Augenklinik des Universitätsspitals
G._
vom 19. Mai 2009
stellten die Ärzte folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit (Urk. 8/31/6):
-
Status nach Austausch des Silikonimplantates bei
Implantatprotrusion
9. Januar 2008
-
Status nach
Enukleation
wegen
Phthisis
22. August 2007
-
Status nach PPV,
Lensektomie
, Fremdkörperextraktion, antibiotischer Spülung 15. Juni 2007
-
Status nach
Skleranaht
,
Vorderkammerspühlung
30. Mai
2007
-
Status nach
Bulbusperforation
durch Trinkglas 30. Mai 2007
Aufgrund der
Monokelsituation
sei das stereoskopische Sehen nicht mehr möglich. Die verminderte beziehungsweise fehlende Tiefenwahrnehmung erschwere feine Detailarbeiten sowie Arbeit auf Gerüsten und
in
Gruben. Aus
ophtalmologischer
Sicht würden bis auf das Besteigen von Leitern und Gerüsten keine Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit bestehen, dies gelte seit der 1. Operation vom 30. Mai 2007 (Urk. 8/31/7-8).
3.1.3
Dr. med.
H._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem
psychiat
rische
n
Gutachten
vom 15. Januar 2010 folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk.
8/36/10
):
-
Rezidivierende depressive Störung, zum Untersuchungszeitpunkt leicht
gradig ausgeprägt mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.01) vor dem Hinter
grund einer Persönlichkeitsakzentuierung mit vorrangig emotional-instabilen Zügen (ICD-10 Z73.1)
Daneben stellte Dr.
H._
folgende Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Urk. 8/36/10):
-
Schädlicher Gebrauch von Kokain (ICD-10 F14.1), gegenwärtig gelegent
licher Konsum
-
Schädlicher Gebrauch von Alkohol (ICD-10 F10.1), gegenwärtig gelegent
licher Konsum
Die emotional-instabilen Züge (vom
Borderline
-Typus) der diagnostizierten Per
sönlichkeitsakzentuierung würden sich aus einer im Verhalten und Erleben der
Beschwerdeführerin
erkennbaren deutlichen und andauernden sowie gleich
förmigen Tendenz, impulsiv zu handeln, ergeben. Die Stimmungslage sei wechselnd, instabil, das Verhalten durch Impulsivität gekennzeichnet. Es bestehe eine verminderte Frustrationstoleranz. Aus den Eigenangaben der
Beschwerde
führerin
seien Phasen mit erlebter innerer Leere und verminderten Selbstver
trauens und Entschlussschwäche ableitbar. In der Exploration habe sie einen intelligenten, motivierten und geistig kompetenten Eindruck hinterlassen. Gleich
zeitig habe sie unschlüssig sowie hin
- und her
gerissen gewirkt, wie es hinsichtlich der beruflichen Zukunft weitergehen soll.
Psychopathologisch habe sich in der aktuellen Untersuchung ein leichtgradig ausgeprägtes depressives Syndrom mit gedrückter Stimmungslage, leichter Affektlabilität, leichter Antriebsminderung, deutlicher Verunsicherung und Irritierbarkeit und vegetativen Symptomen (Schlafstörungen) gezeigt. Psychometrisch habe sich auf beiden Fremdbeurtei
lungsskalen (Hamilton, MADRS) ein leichtgradig ausgeprägtes Syndrom abgebil
det. Die körperlichen Beeinträchtigungen würden in ungünstiger Wechselwirkung zur psychischen Problematik stehen, hätten einen störenden Einfluss auf den Behandlungs- und Heilverlauf und könnten zu einer zeitweisen Überforderung der Bewältigungsstr
ategien und vorübergehende
r
Sym
p
t
omakzentuierung im Sinne
einer depressiven
Dekompensation führen.
Aus psychiatrischer Sicht sei aufgrund der diagnostizierten depressiven Störung vor dem Hintergrund emotional-instabiler Persönlichkeitszüge in einer den Fähigkeiten un
d körperli
chen Möglichkeiten der
Beschwerdeführer
in
entsprechenden
Tätigkeit
eine Arbeitsfähigkeit von 70 % gegeben.
Dabei sei zu berücksichtigen, dass die
Beschwerdeführerin
«in guten Phasen» eine volle psychosoziale und psycho
physische Leistungsfähigkeit in einer ihren Fähigk
eiten entsprechenden Tätigkeit erreichen könne. Andererseits würden aufgrund der emotional-instabilen Störung eine verminderte Frustrationstoleranz, Impulsivität und fehlende Selbstbe
herrschung bestehen, die immer wieder zu Konflikten im zwischenmenschlichen Bereich oder zu Le
istungsabbrüchen führen könnten
(Urk. 8/36/
10-1
1
).
Auf Ergänzungsfrage der IV-Stelle hin (Urk. 8/37) führte
Dr.
H._
aus, die Arbeitsfähigkeit von 70 % aus psychiatrischer Sicht sei seit dem Behandlungsbe
ginn bei Frau med.
pract
.
I._
,
Psychiatrie
J._
, am 15. August 2008 ausgewiesen (Urk. 8/38).
3.2
3.2.1
Im Rahmen der vorliegenden Neuanmeldung präsentiert sich der medizinische Sachverhalt
im Wesentlichen
wie folgt:
3.2.2
Dr.
C._
und Dr.
D._
stellten in ihrem
bidisziplinären
Gutachten vom 19. Februar 2019 keine
Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(Urk. 8/118/72)
.
Sie führten folgende
Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (Urk. 8/118/73):
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Bei
Bulbusperforation
links am 30. Mai 2007
-
Bei rezidivierender depressiver Störung (gegenwärtig remittiert, ICD-10 F33.4)
-
Bei akzentuierten (emotional instabil,
histrionisch
) Persönlichkeits
zügen
-
Mit gegenwärtig (
un
-)regelmässigem Konsum von Tabak, Alkohol, Benzodiazepinen,
Cannabinoiden
und Kokain
-
Mit anamnestisch Gebrauch von LSD und Amphetaminen/Ecstasy
-
Chronisches
cervicospondylogenes
Syndrom
-
Chronisches
lumbovertebragenes
und manchmal auch
lumbospondyloge
nes
Syndrom
-
Chronisches, phasenweise auch generalisiertes Schmerzsyndrom
-
n
icht ausreichend somatisch abstützbar
-
k
rankheitsfremde Faktoren
-
Nikotinkonsum von 20 circa pack
years
-
Konsum von Alkohol, Kokain, Benzodiazepinen,
Cannabinoiden
und Opiaten
-
Anamnestisch Reizmagen-Syndrom
Dr.
D._
beurteilte die von der
Beschwerdeführerin
geschilderten Beschwerden bezüglich Umfang und Intensität als höchstens partiell auf die objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunde abstützbar.
In einlässlicher Auseinander
setzung mit den
klinischen Befunden und den
Vorakten
, so unter anderem auch dem MRI der Halswirbelsäule
(HWS)
vom 27.
Dezember 2016
(zum Beispiel erwähnt in: Urk. 8/73/1), schloss Dr.
D._
das Vorliegen einer eindeutigen Neuro
kompression der Wurzel C6 rechts aus und begründete dies unter anderem mit den symmetrischen Muskeleigenreflexen, der allseits normal geschilderten Sen
sibilität und der normal ausgeprägten Kraft an den oberen Extremitäten. Die ergänzend durchgeführten Röntgenaufnahmen hätten im Segment HWK4/5 zwar eine leichtgradige und im Segment HWK5/6 eine mittelgradige
Osteochondrose
gezeigt. Nachdem die von der Beschwerde
führerin geschilderten Schmerzen im Bereich der HWS spätestens seit 2012 nicht mehr mit den bildgebend zu verein
barenden typischen schmerzverstärkenden und –lindernden Mechanismen ein
hergegangen seien, seien die geklagten Schmerzen auch nicht (mehr) mit den
radiolologisch
-pathologischen Befunden vereinbar. Auch die geklagten Schmer
zen im unteren Rückenbereich seien seines Erachtens unspezifisch, zeigten die ergänzend durchgeführten Röntgenaufnahmen doch normale Befunde; auch fehl
ten Hinweise für eine von den
Iliosakralgelenken
ausgehende Pathologie (Urk.
8/118/62).
In einer derartigen Situation seien grundsätzlich krank
heits
fremde Gründe, ein Aggravationsverhalten im Rahmen eines Renten
begehrens und eine psychosomatisch-psychiatrische Affektion zu diskutieren. Es werde Aufgabe des im Rahmen dieser interdisziplinären Begutachtung mitbegut
achtenden Psychiaters sein, diesbezüglich Stellung zu beziehen. Aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht beurteilt bestehe zumeist täglich eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit. Höchstens phasen
weise, aber nicht immer, sei eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von maximal 1-2 Stunden täglich ausgewiesen. Eine Einschränkung der Leistung während dieser Anwesen
heitszeit bestehe nicht zwingend. Eine durchgehende respektive eine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit könne somit für keinen Zeitraum für die bis
her ausgeübten beruflichen Tätigkeiten begründet werden.
Für Haushaltsarbeiten mit einem leicht- bis mittelgradig körperlich belastenden Arbeitsprofil könne, aus rein somatisch-rheumatologischer Sicht beurteilt, keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit formuliert werden, zumal diese Tätigkeiten in idealer Weise mit reduziertem Tempo über den Tag verteilt abgeleistet werden könn
t
en
. Die Prog
nose sei gut (Urk. 8/118/65-68
).
Dr.
C._
beschrieb in seinem psychiatrischen Gutachten Defizite in den Bereichen Anpassung an Regeln/Routinen, Planung/Strukturierung von Aufga
ben und Durchhaltefähigkeit aufgrund körperlicher Missemp
findungen und niedergeschlagen-
ängstlicher Verstimmungen. Es sei dabei jedoch allein auf die Selbsteinschätzung der
Beschwerdeführerin
abzustellen, soweit es tatsächliche somatische Defizite überschreite. Eine Willensanstrengung zur Bewältigung der subjektiv erlebten Defizite sei auch gemäss Angaben der
Beschwerdeführerin
möglich (
vergleiche
Aktivitäten des täglichen Lebens, soziale Kontakte). Zudem verfüge sie über persönliche Ressourcen (
beispielsweise
keine Probleme mit dem eigenen Selbstbild, anpassungsfähig, unabhängig, gute Kommunikations
fähig
keit, gute Intelligenz), einen Berufsabschluss, berufliche Erfahrung und einen geordneten sozialen Kontext. Beim Verlauf der Störung seien auch nicht krank
heitsbedingte (soziale) Faktoren zu beachten (
beispielsweise
Lebensalter, Absti
nenz vom und Lage am Arbeitsmarkt, finanzielle Sorgen, persönliche Berufs
wünsche; Urk. 8/118/34).
Dr.
C._
schloss gestützt auf seinen klinischen Befund und zwei testpsychologische Untersuchungen
sowie in Auseinander
setzung mit der Aktenlage auf eine Remission der zuvor postulierten rezidi
vierenden depressiven Störung seit 01/2010 (Urk. 8/118/22 ff.) und erklärte ein Suchtleiden als aus versicherungspsychiatrischer Sicht nicht vorhanden (Urk. 8/118/22). Gestützt auf die k
linisch-diagnostischen Leitlinien der Inter
nationalen Klassifikation psychischer Störungen der Weltgesundheits
organi
sation, ICD-10 Kapitel V (F
) (
Di
lling
/
Mombour
/Schmidt [Hrsg.], 10
. Aufl., Bern
2015) sprach er sich für das Vorliegen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren aus, welche sich in Folge des 2007 erlittenen Unfalls entwickelt habe und seit November 2014 ärztlich attestiert werde (Urk. 8/118/19 ff.).
Eine relevante (
≥
20 % von 100 %) langdauernde Arbeitsunfähigkeit, die allfällig einer somatisch begründbar
en hinzugerechnet werden könnte, sei aus versiche
rungspsychiatrischer Sicht aufgrund der chronischen Schmerzstörung mit soma
tischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) sowie den damit verbundenen Defiziten (inklusive einer rezidivierenden ängstlich-nied
ergeschlagenen Ver
stimmung) bei der
Beschwerdeführer
in
für keinen Zeitraum begründbar. Es sei kein somatisch-pathologischer Befund ausgewiesen, der eine anhaltende Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit für die von der
Beschwerdeführer
in früher in der Schweiz ausgeübten beruflichen Tätigkeiten begründen könn
t
e.
In der interdisziplinären Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, die sowohl die soma
tisch-rheumatologische Komponente als auch die psychosomatisch-psychiatri
sche Komponente berücksichtige, könne für keinen Zeitraum eine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit formuliert werden (Urk. 8/118/75).
3.2.3
Dr.
E._
stellte in
ihrem Bericht vom
22. Juli 2019
die Diagnose eines
Torticollis
. Die betreffende Diagnose habe sich bereits bei der Erstvisite ergeben, werde im Gutachten aber nicht erwähnt. Gerade wegen der Fehlhaltung des Körpers elf Jahre lang aufgrund der Blindheit habe
die
Beschwerdeführerin
einen
Torticollis
nach links mit deutlicher Dystonie und Verspannung des
Sternocleido
mastoideus
-
Muskel
s
rechts entwickelt. Dies habe zu einem chronischen Schmerzsyndrom mit am ehesten zentraler
Sensitivierung
geführt. Dazu würden auf dem Niveau des Nackens eine
cervikale
Facettengelenksarthrose rechts grösser als links und zusätzlich
cervikogene
Kopfschmerzen mit
migranöser
Komponente bestehen. Die chronischen Schmerzen würden medika
mentös behandelt, mit nur partieller Besserung der Symptomatik. Physiotherapie ergänze die Behandlung, allerdings gehe die Körperfehlstellung mehrere Jahre zurück und sei nicht leicht rückgängig zu machen.
Die
Beschwerdeführerin
sei psychisch stabil bei akzentuierten Persönlichkeitszügen. Die Depression sei aktuell nicht rezidivierend. Sie schliesse aus, dass bei der
Beschwerdeführerin
eine somato
forme Schmerzstörung bestehe. Die chronischen Schmerzen im Kopf-, Nacken-, Schulterbereich und der BWS würden vom
Torticollis
kommen. Wegen der chro
nischen Schmerzen und der Migräne, zusätzlich zur Blindheit des linken Auges
,
halte sie die
Beschwerdeführerin
für 70 % arbeitsunfähig. Eine 30%ige Arbeits
fähigkeit in einer geschützten Umgebung (wie zu Hause) werde als möglich erachtet
(Urk. 8/130)
.
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte das Vorliegen
einer invaliditätsrelevanten gesundheitlichen Beeinträchtigung
und somit auch
eine
massgebliche Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes
seit Erlass der Verfügung vom 7. Dezember 2010 (Urk. 8/58)
bis zum Erlass des hier angefochtenen Entscheids (zeitliche Grenze der gerichtlichen Überprüfungsbefugnis: BGE 130 V 445 E. 1.2)
. In medizinischer Sicht stützte sie sich hierbei insbesondere auf das
bidisziplinäre
Gutachten von Dr.
C._
und Dr.
D._
vom 19. Februar 2019 (E. 2.1
, E. 3.2.2
).
4.2
Das
psychiatrisch-rheumatologische
Gutachten vom 19. Februar 2019 entspricht den von der Rechtsprechung konkretisierten Anforderungen zum Beweiswert eines ärztlichen Berichts. So beruht es auf umfassenden Untersuchung
en
(Urk. 8/118/13-18, Urk. 8/118/57-59)
, berücksichtigt die geklagten Beschwerden
(Urk. 8/118/8-10, Urk. 8/118/55-56)
und setzt sich insbesondere mit dem Verhal
ten der
Beschwerdeführerin
und den Beurteilungen in den
Vorakten
ausführlich auseinander
(Urk. 8/118/19-24, Urk. 8/118/
60-65)
. Sodann leuchtet es in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge ein
(Urk. 8/118/25 ff
.
,
Urk. 8/118/
65 ff., Urk. 8/118/71
ff.
)
. Das betreffende Gutachten erfüllt damit die formalen Anforderungen an ein beweiskräftiges medizinisches Gutachten (E. 1.4).
4.3
4.3.1
Die
Beschwerdeführerin
erachtet das
bidisziplinäre
Gutachten
vom 19. Februar 2019
nicht als
beweiskräftig
. Sie
bringt
da
gegen vor,
es könne nicht nachvoll
zogen werden, weshalb aus interdisziplinärer Sicht keine Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt werde, obwohl gemäss dem rheumatologi
schen Gutachten phasenweise eine Arbeitsunfähigkeit von maximal 20 % denkbar sei (Urk. 1 S. 8
Rn
6).
Die Gutachter
kamen
i
n
ihrer
interdisziplinären
Gesamtbeurteilung
zum Schluss
, es sei
weder ein
somatisch-pathologischer
noch ein psychiatrischer
Befund aus
gewiesen, der eine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für die von der
Beschwerdeführerin
früher ausgeübten beruflichen Tätigkeiten begründen könne
und stellten keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
(
E. 3.2.2
). Dies steht inso
fern
in Einklang mit der Schlussfolgerung im rheumatologischen Gutachten, als
auch
Dr.
D._
eine
anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für die bisher ausgeübten beruflichen Tätigkeiten
anhand der somatischen Be
funde verneinte
(Urk. 8/118/67). Soweit er darüber hinaus fes
tgehalten hat
,
eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von maximal 1-2 Stunden täglich sei
höchs
tens phasenweise, aber nicht immer, ausgewiesen
(Urk. 8/118/66)
,
trug er dem Umstand Rechnung, dass die von der
Beschwerdeführerin
geschilderten Beschwerden «höchstens partiell» auf die objektivierbaren somatisch-pathologi
schen Befunde abstützbar waren.
Zu diskutieren seien
mögliche
krankheitsfremde Gründe, ein Aggravationsverhalten
sowie
eine psychosomatisch-psychiatrische Affektion
,
wobei es Aufgabe des begutachtenden Psychiaters sei, diesbezüglich Stellung zu beziehen
(Urk. 8/118/65). Nachdem auch die psychiatrische Untersu
chung keine invaliditätsrelevante Pathologie ergeben hatte,
erachteten
die Gut
achter die
sich aus dem rheumatologischen Gutachten ergebenden
Anzeichen für eine die Leistungsfähigkeit zeitweise
geringgradig
einschränkende Pathologie
in ihrer interdisziplinären Einschätzung
offenbar
nicht als hinreichend
ausgeprägt
, um
versicherungsmedizinisch
auf eine
massgebliche
Einschränkung der Leistungs
fähigkeit schliessen zu können
(E. 3.2.2)
, was
insgesamt als
nachvoll
ziehbar
erscheint
.
Dementsprechend erweist sich der Einwand
der
Beschwerde
führerin
, wonach das Gutachten hinsichtlich der Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit
nicht schlüssig sei,
als unbegründet
.
Anzumerken bleibt, dass selbst bei Annahme einer Arbeitsunfähigkeit von 20 % in der bisherigen Tätigkeit kein rentenbe
gründender Invaliditätsgrad resultieren würde, zumal V
aliden- und Invalidenein
kommen – mangels Anstellungsverhältnis der
Beschwerdeführerin
seit November 2014 (Urk. 8/72, Urk. 8/118/11) –
nach wie vor
(vgl. Urk. 8/50)
auf derselben Grundlage zu ermitteln wären
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_463/2012 vom 3. August 2012 E. 4.2 mit Hinweisen
; vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7
)
.
4.3.2
Im Weiteren
wirft die
Beschwerdeführerin
ein
,
der gutachterlichen Einschätzung der Leistungsfähigkeit
liege
keine
Abklärung des medizinischen Sachverhalts in der Fachrichtung
Neurologie
zugrunde
.
Selbst
nachdem die behandelnde Neuro
login in ihrem Bericht vom 22. Juli 2019 eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % auf
grund des physischen Leidens attestiert
habe
,
habe
die
Beschwerdegegnerin
keine neurologische
n
Abklärungen getätigt, obwohl im rheumatologischen Gutachten festgehalten worden sei, dass, sofern von den behandelnden Ärzten eine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit geltend gemacht werde, diese neurologisch respektive neurophysiologisch abgeklärt werden müsse
(Urk. 1 S. 8 ff.).
Entgegen den Ausführungen der
Beschwerdeführerin
(Urk. 12)
wurden
i
m Vorfeld zur
bidisziplinären
Begutachtung mehrere
neurologische Abklärungen
getätigt
.
Hinzuweisen ist auf den
Bericht der
Klinik
K._
vom 3. Dezember 2016
(Urk. 8/74/12-14) sowie auf die Berichte der Neurologie der
Klinik F._
vom 23. Juni 2017 (Urk. 8/74/8-10)
, 18. August 2017 (Urk. 8/73)
und
vom
24. August 2017 (Urk. 8/74/6-7)
.
Dr.
D._
befasste sich im Rahmen seiner
rheumatologischen
Beurteilung im Einzelnen mit den neu
rologischen Vorbe
richten (Urk. 8
/118/62-63
)
und kam
d
abei
–
unter Verneinung sämtlicher Diagnose
kriterien
–
zum Schluss, dass vorliegend kein
radikuläres
Reiz- oder Ausfallsyndrom gegeben sei.
Das Vorliegen einer relevanten Neurokompression der Wurzel C6 rechts
verneinte
er
damit, dass die Muskeleigenreflexe, welche die Wurzel C6 prüfen würden, symmetrisch ausgefallen seien, die Sensibilität allseits normal geschildert werde und auch die Kraft an den oberen Extremitäten normal ausgeprägt sei (Urk. 8/118/62).
Im Rahmen des
Einwandverfahrens
legte die
Beschwerdeführerin
den
Bericht von Dr.
E._
vom 22. Juli 2019
ins Recht,
worin
ihr eine Arbeitsunfähigkeit von 70 % attestiert
wird
(
E. 3.2.3
). Die
Beurteilung
von Dr.
E._
befasst sich
hauptsächlich mit der diagnostischen Einordnung der Schmerzproblematik, was sich im Hinblick auf die
invalidenversicherungsrechtlich relevante Beurteilung der funktionellen Leistungsfähigkeit
aber
nicht als
ausschlaggebend
erweist
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_457/2012 vom 9. Juli 2012 E. 3.2 mit Hinwei
sen
).
Die Annahme von Dr.
E._
, wonach bereits seit dem Jahr 2007 e
ine Fehlhaltun
g des Körpers bestehe (
E. 3.2.3
),
steht sodann in Widerspruch zu
den sich aus den neurologischen Abklärungen in der
Klinik F._
im Jahr 2017 und dem rheumatologischen Gutachten ergebenden
objektiven Befunden
(vgl.
Urk. 8/73,
Urk. 8/74/6-10, Urk. 8/118/57-58)
.
Ihre Diagnose eines
Torticollis
begründete Dr.
E._
sodann
nicht mit entsprechenden
Befunden
und legte im Übrigen auch nicht dar, inwiefern d
ie gutachterliche Einschätzung –
über die
diagnostischen Aspekte hinweg –
unzutreffend sein sollte, was sich aufgrund der in den
Vorakten
erhobenen objektiven Befund
e sowie der bereits
dazumal geklagten
chronischen
Kopfschmerzen (Urk. 8/118/55-56)
jedoch aufgedrängt
hätte.
Die Ausführungen in der
Beschwerdeantwort vom 13. Januar 2020
(Urk. 12)
lassen
sodann erahnen, dass Dr.
E._
keine Kenntnis der
vor der Begutachtung erstatteten
neurologischen Berichte mit den darin erhobenen (
ins
besondere auch
bildgebenden) Befunden hatte.
Ferner
darf auch der Erfahrungs
tatsache Rechnung getragen werden, wonach behandelnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zugunsten ihrer Patientinnen
und
Patienten aussagen (
BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc
).
Nach
dem Gesagten erweist es sich
als schlüssig, dass RAD
Arzt
Dr. med.
L._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates,
der Beurteilung von Dr.
E._
keine neuen medizinischen Tatsachen entnahm und ihr
e
Beurteilung der Arbeits
fähig
keit nicht als nachvollziehbar erachtete
(
Urk. 9).
RAD-Arzt
L._
verfügt zwar nicht über einen Facharzttitel
für Neurologie
, ist
gemäss bundes
gerichtlicher Rechtsprechung
aber dennoch in der Lage, die Zuverlässig
keit von Facharztbe
richten zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 9C_106/2019 vom 6. August 2019 E. 2.3.3
, vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 9C_149/2008
vom 27. Oktober 2008 E. 3.2
).
4.4
In ihrer Neuanmeldung vom 4. August 2017 nannte die
Beschwerdeführerin
als gesundheitliche Beeinträchtigung ausschliesslich somatische Leiden (Urk. 8/69/6, vgl. Urk. 1 S. 9).
G
egen d
as
psychiatrische Gutachten von Dr.
C._
erhob die
Beschwerdeführerin
sodann
keine Einwände
(vgl. Urk. 1 S. 8 ff.) und zog insbe
sondere dessen Schlussfolgerung
,
wonach eine relevante lang
an
dauernde Minde
rung der Arbeitsfähigkeit aus versicherungspsychiatrischer Sicht nicht begründet werden könne
(Urk. 8/118/36)
,
nicht in Zweifel.
Zu Recht stellte die Beschwerde
führerin denn auch nicht in Frage, dass dem Gutachten von Dr.
C._
eine hin
reichende Auseinandersetzung mit den normativen Vorgaben gemäss BGE 141 V 281
zu entnehmen ist
. Namentlich
nahm Dr.
C._
Bezug auf den Schweregrad
des Leidens
und bezeichnete den objektiven psycho
pathologischen Befund der diagnostizierten chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren als nicht ausgeprägt (Urk. 8/118/23). Auch schloss er eine massgebliche psychische Komorbidität nachvollziehbar aus, nachdem er die rezidivierende depressive Störung anhand der erhobenen Befunde und in Auseinandersetzung mit der Aktenlage überzeugend als seit Jahren remittiert und ein Suchtleiden als nicht vorhanden beurteilt hatte. Die akzentuier
ten Persönlichkeitszüge seien sodann lediglich eine Normvariante im Sinne einer Eigenheit, welche das inter
aktionelle Verhalten der Beschwerde
führerin seit der Kindheit sowohl positiv als auch negativ beeinflusst hätten (Urk. 8/118/24), was nicht auf eine massgebliche Wechselwirkung mit der chronischen Schmerz
störung schliessen lässt (BGE 144 V 50 E. 5.2.1). Auch lässt der von Dr.
C._
dokumentierte Behandlungsverlauf (Urk. 8/118/26 f.) jedenfalls nicht auf eine Behandlungsresistenz in psychiatri
scher Hinsicht schliessen
.
Sodann trug Dr.
C._
bei seiner Einschätzung der Leistungsfähigkeit zu Recht den offen
sichtlich
vorhandenen beträchtlichen Ressourcen der Beschwerdeführerin
(Urk. 8/118/34) und ihrem sozialen Kontext sowie dem gezeigten Aktivitäts
niveau im privaten Bereich
Rechnung
(Selbststän
digkeit in der Versorgung des Haushalts, intakte soziale Kontakte mit Freunden und Eltern, Mithilfe im Haushalt der Eltern, Aktivitäten des täglichen Lebens, Urk.
8/118/26) und schloss nicht krankheitsbedingte soziale Faktoren wie das Lebens
alter, Abstinenz vom und Lage am Arbeitsmarkt, finanzielle Sorgen und persön
liche Berufswünsche von der Beurteilung aus (Urk. 8/118/34).
Mit Blick
darauf rechtfertigen sich am
gutachterlichen
Ausschluss einer rele
vanten Einschränkung der Leistungsfähigkeit aus psychischen Gründen auch im Lichte der rechtserheblichen Indikatoren nach BGE 141 V 281 keine Zweifel.
Eine im Rahmen der vorliegenden Neuanmeldung relevante Verschlechterung des psychischen Gesundheitszustandes kann dementsprechend ausgeschlossen wer
den.
4.5
Da nach
dem
Dargelegten
weder die Einwände der
Beschwerdeführerin
noch der nach Gutachtenserstellung erstattete Bericht
vom 22. Juli 2019
begründete Zwei
fel an der Beweiskraft des
bidisziplinären
Gutachtens
vom 19. Februar 2019
zu erwecken
vermögen, kann darauf abgestellt werden.
Gestützt auf die nachvoll
ziehbaren Ausführungen im Gutachten steht fest, dass kein Leiden vorliegt, welches die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
dauerhaft
ein
schränkt. Eine anspruchsrelevante gesundheitliche Verschlechterung im hier massgebenden Beurteilungszeitraum ist daher nicht eingetr
eten. Von weiteren Abklärun
gen
–
ins
besondere der beantragten neurologischen Zusatza
bklärungen (Urk. 1 S. 10
Rn
7)
–
ist in antizipierter Beweiswürdigung (vgl. BGE 124 V 90 E. 4b, 122 V 157)
abzusehen, zumal die
Beschwerdeführerin
vor der Begut
achtung
bereits neurolo
gisch abgeklärt wurde und sich auch anhand des aktuellen Berichts der behandelnden Neurologin
vom 22. Juli 2019
keine
objektiven
Befunde
für
eine
neurologisch bedingte Einschränk
ung
der Arbeits
fähigkeit
und damit auch keine Anhaltspunkte für weitere Abklärungen im Fachbereich der Neurologie
gefunden haben.
Da die
Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung die
mit Mitteilung vom 5. April 2018 auferlegte Schadenminderungspflicht (Urk. 8/88
)
nicht
mehr erwähnt
(vgl. Urk. 2)
und folglich nicht mehr
daran
festgehalten hat
,
erübrigen sich Ausführungen in diesem Zusammenhang.
Die angefochtene Verfügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Die
Beschwerdeführerin
hat in ihrer Beschwerdeschrift ein Gesuch um unent
geltliche Prozessführung gestellt (Urk. 1 S. 2).
Ihre
Mittellosigkeit ist ausgewiesen (Urk. 3) und der Prozess kann nicht von vornherein als aussichtslos bezeichnet werden. Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unentgeltlichen Prozess
führung gemäss § 16 Abs. 1
des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungs
gericht (
GSVGer
)
sind somit erfüllt. Das Gesuch der
Beschwerdeführerin
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung ist daher zu bewilligen. Die
Beschwerde
füh
rerin
wird auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen, wonach sie zur Nachzahlung der ihr erlassenen Prozesskosten verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist
.
6.
Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 7
00.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der
Beschwerdeführer
in aufzuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung jedoch einstwei
len auf die Gerichtskasse zu nehmen.