# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dd9e904a-ca24-4b5c-8847-15082d8c0d75
**Court:** SG_VB
**Chamber:** SG_VB_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

Sachverhalt
A.
a) B._ und C._, Y._, sind Eigentümer von Grundstück
Nr. 001, Grundbuch Z._, X._ in Z._. Das Grundstück liegt ge-
mäss geltendem Zonenplan der Gemeinde Z._ vom 16. Au-
gust 2002 in der Wohnzone (W2). Es ist mit einem Doppeleinfamilien-
haus überbaut.
b) Gemäss Baulinienplan "Erschliessung Parz. Nr. 002" vom
22. Mai 1995 verläuft mit einem Abstand von 3 m entlang der
G._strasse (Gemeindestrasse 2. Klasse) eine Baulinie.
B.
a) Mit Beschluss vom 15. Dezember 2016 erteilte der Gemeinderat
Z._ die Baubewilligung für die Erstellung des Doppeleinfamilienhau-
ses auf Grundstück Nr. 001.
b) In der Folge wurde festgestellt, dass der südseitige Balkon des
südlichen Hauses nicht nach den bewilligten Plänen ausgeführt wurde.
Mit Schreiben vom 10. Januar 2019 wurde der ursprüngliche Bauherr,
A._, W._, aufgefordert, ein nachträgliches Baugesuch einzu-
reichen.
c) Mit Baugesuch vom 25. Februar 2019 beantragte A._ beim
Gemeinderat Z._ die nachträgliche Baubewilligung für den erweiter-
ten Balkon.
d) Mit Beschluss vom 8. April 2019 verweigerte der Gemeinderat
Z._ die Baubewilligung, da der Balkon in die Baulinie hineinrage.
Zudem ordnete er die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
an und gewährte hierfür eine Frist bis 31. Juli 2019.
C.
Gegen diesen Beschluss erhob A._ mit Schreiben vom 17. Ap-
ril 2019 Rekurs beim Baudepartement. Mit Rekursergänzung vom
20. Mai 2019 stellt der Rekurrent, nunmehr vertreten durch
lic.iur. Richard Schmidt, Rechtsanwalt, Glarus, folgende Anträge:
1. Es sei der angefochtene Entscheid (Bauentscheid und
Rückbauverfügung) der Gemeinde Z._ vom 8.  2019 in Sachen Bauprojekt Nr. O 2016-0061 .
2. Es sei die (nachträgliche) Bewilligung für die  in Sachen Bauprojekt Nr. O 2016-0061 (geringfügige Überschreitung der Baulinie) zu erteilen.
3. Eventuell sei der Rekurrent zu verpflichten, im von der Baulinie beschlagenen Bereich einen Teilrückbau um 1,09 Meter vorzunehmen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 48/2020), Seite 3/11
4. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zzgl. der gesetzlichen Mehrwertsteuer zu Lasten der Vorinstanz.
Zur Begründung wird geltend gemacht, die Vorinstanz hätte ihr Ermes-
sen unterschritten. Sowohl nach dem Strassengesetz (sGS 732.1; ab-
gekürzt StrG) als auch nach dem Planungs- und Baugesetz
(sGS 731.1; abgekürzt PBG) sei es der Vorinstanz offen gestanden
bzw. es wäre angezeigt gewesen, eine Ausnahmebewilligung zu prü-
fen. Nicht bestritten werde, dass der heutige Balkon die Baulinie über-
schreite und dies ohne Baubewilligung erfolgt sei. Jedoch erachtet der
Rekurrent den angeordneten Rückbau als unverhältnismässig, wes-
halb die angeordnete Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands
aufzuheben sei.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 13. Juni 2019 beantragt die
Vorinstanz den Rekurs abzuweisen. Zur Begründung wird auf den Ent-
scheid vom 8. April 2019 verwiesen. Weiter wird geltend gemacht, die
Voraussetzungen für eine Ausnahmebewilligung seien ohnehin nicht
gegeben.
b) Mit Vernehmlassung vom 16. Juni 2019 beantragen die Grund-
eigentümer den Rekurs zu schützen. Zur Begründung wird auf die Ein-
gabe des Rekurrenten vom 20. Mai 2019 verwiesen und ein Entscheid
mit Augenmass verlangt.
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

## Considerations

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Die Rekursberechtigung ist gegeben (Art. 45 VRP).
Auf den Rekurs ist einzutreten.
2.
Am 1. Oktober 2017 ist das PBG in Kraft getreten und das Baugesetz
vom 6. Juni 1972 (nGS 8, 134; abgekürzt BauG) aufgehoben worden
(Art. 172 Bst. a PBG). Da der angefochtene Entscheid vom 8. Ap-
ril 2019 datiert, sind vorliegend somit grundsätzlich die Bestimmungen
des PBG anwendbar, sofern sie gemäss Anhang zum Kreisschreiben
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 48/2020), Seite 4/11
„Übergangsrechtliche Bestimmungen im PBG“ vom 8. März 2017
(Baudepartement SG, Juristische Mitteilungen 2017/I/1) als unmittel-
bar anwendbar erklärt werden.
3.
Der Rekurrent beantragt die Durchführung eines Augenscheins.
3.1 Nach Art. 12 Abs. 1 VRP ermittelt die Behörde oder das von ihr
beauftragte Verwaltungsorgan den Sachverhalt und erhebt die Be-
weise von Amtes wegen durch Befragen von Beteiligten, Auskunfts-
personen und Zeugen, durch Beizug von Urkunden, Amtsberichten
und Sachverständigen, durch Augenschein sowie auf andere geeig-
nete Weise. Sind zur Wahrung des öffentlichen Interesses keine be-
sonderen Erhebungen nötig, so sind nur die von den Beteiligten ange-
botenen und die leicht zugänglichen Beweise über erhebliche Tatsa-
chen aufzunehmen (Art. 12 Abs. 2 VRP). Der Augenschein ist die un-
mittelbare sinnliche Wahrnehmung von Tatsachen durch die entschei-
dende Instanz. Er dient der unmittelbaren Wahrnehmung von (in der
Regel streitigen) Tatsachen und/oder dem besseren Verständnis des
Sachverhalts. Ob ein Augenschein durchzuführen ist, liegt im pflicht-
gemässen Ermessen der urteilenden Instanz. Ergibt sich eine Tatsa-
che zweifelsfrei aus den Akten, so braucht sie nicht durch einen Au-
genschein überprüft zu werden. Dies gilt auch für unbestrittene Be-
hauptungen, sofern eine Nachprüfung nicht durch öffentliche Interes-
sen geboten erscheint. Tatsachen aber, vor allem umstrittene, deren
umfassende Feststellung und Würdigung eine eigene Wahrnehmung
erheischen, sind in Augenschein zu nehmen (CAVELTI/VÖGELI, Verwal-
tungsgerichtsbarkeit im Kanton St.Gallen – dargestellt an den Verfah-
ren vor dem Verwaltungsgericht, 2. Aufl., St.Gallen 2003, Rz. 966;
B. MÄRKLI, in: Rizvi/Schindler/Cavelti, Praxiskommentar zum Gesetz
über die Verwaltungsrechtspflege (VRP), Zürich/St.Gallen 2020,
Art. 12 N 50 ff.).
3.2 Die entscheidenden tatsächlichen Verhältnisse ergeben sich
vorliegend vollständig aus den Baugesuchsakten und -plänen, den üb-
rigen Verfahrensakten sowie dem öffentlich zugänglichen Geoportal
(www.geoportal.ch). Die im Rekurs aufgeworfenen Fragen betreffen
vorab die rechtliche Beurteilung der Bewilligungsfähigkeit des Balkons
sowie der angeordneten Wiederherstellung des rechtmässigen Zu-
stands. Die Unterschreitung der Baulinie ist dabei unbestritten. Der
Antrag auf Durchführung eines Augenscheins ist deshalb abzulehnen.
4.
Der Rekurrent macht geltend, nach Art. 102bis Abs. 3 StrG könne die
zuständige Behörde für An- und Nebenbauten sowie Anlagen inner-
halb der Baulinie Ausnahmen bewilligen. Auch Art. 108 PBG würde
die Möglichkeit einer Ausnahmebewilligung vorsehen. Der Rekurrent
hätte dies sinngemäss in seiner Eingabe vom 25. Februar 2019 gel-
tend gemacht. Die G._strasse weise wenig Verkehrsbewegung auf
und sei im streitbetroffenen Bereich 7,5 m breit. Sie sei damit für die
Bedürfnisse des Quartiers grosszügig dimensioniert. Auch aufgrund
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 48/2020), Seite 5/11
des Gebäudes auf Grundstück-Nr. 002, welches den Strassenabstand
unterschreite und die Baulinie unterbreche, sei eine Verbreiterung der
Strasse nach Norden ausgeschlossen. Folglich sei die Baulinie obso-
let und deren rigorose Durchsetzung unverhältnismässig. Indem die
Vorinstanz eine Ausnahmebewilligung nicht prüfte, habe sie ihr Er-
messen rechtswidrig unterschritten. Zudem habe die Vorinstanz die
Frage der Ausnahmebewilligung nicht abgehandelt, worin eine Verlet-
zung der Begründungspflicht vorliege.
4.1 Nach Art. 102bis Abs. 3 StrG kann die zuständige Behörde Aus-
nahmen für An- und Nebenbauten sowie Anlagen innerhalb der Bauli-
nie bewilligen, wenn keine öffentlichen Interessen dagegensprechen.
Nach Art. 108 PBG kann die Baubehörde im Einzelfall mit Erteilung
einer Ausnahmebewilligung von den Vorschriften des PBG oder des
Baureglements abweichen, wenn besondere Verhältnisse vorliegen
oder die Durchsetzung der Vorschrift unzweckmässig und unbillig
wäre.
4.2 Art. 102bis Abs. 3 StrG wie auch Art. 108 PBG stellen "Kann-
Vorschriften" dar. Es besteht mithin kein Rechtsanspruch auf die Er-
teilung einer Ausnahmebewilligung. Zudem muss die Erteilung einer
Ausnahmebewilligung vom Gesuchsteller explizit beantragt werden.
Der Rekurrent macht geltend, dass er mit dem Antrag um Erteilung
einer nachträglichen Baubewilligung am 25. Februar 2019 sinngemäss
die Erteilung einer Ausnahmebewilligung beantragt habe. In der Re-
kursbegründung vom 20. Mai 2019 verweist er diesbezüglich auf fol-
gende Ausführungen im Schreiben vom 25. Februar 2019:
"Ein Rückbau des Balkon-Eckens wäre für die Qualität und Nutzung des Hauses sehr einschneidend und in Anbetracht der geringfügigen Überschreitung der Baulinie . Zumal darf man sich mit gutem Grund fragen, ob die Baulinie auf dieser kurzen Strecke zwischen der Einfahrt und dem ehem. Haus von Hans Ackermann notwendig ist."
Auch wenn der heutige Rekurrent bei der Eingabe vom 25. Februar
2019 nicht anwaltlich vertreten war, kann in der zitierten Äusserung
kein Antrag auf Erteilung einer Ausnahmebewilligung erblickt werden.
Vielmehr führt er lediglich aus, dass ein Rückbau und somit die Wie-
derherstellung des rechtmässigen Zustands unverhältnismässig wäre.
Ein Antrag auf Erteilung einer Ausnahmebewilligung liegt somit nicht
vor, weshalb die Vorinstanz nicht gehalten war zu prüfen, ob gegebe-
nenfalls die Voraussetzungen von Art. 102bis Abs. 3 StrG oder
Art. 108 PBG gegeben sind. Die Rüge der Ermessensunterschreitung
erweist sich somit bereits mangels Antrag auf Erteilung einer Ausnah-
mebewilligung als unbegründet.
4.3 Ergänzend ist darauf hinzuweisen, dass – selbst bei Vorliegen
eines Antrags – eine Ausnahmebewilligung nicht erteilt werden
könnte. Der Baulinienplan "Erschliessung Parz. Nr. 002, Y._" basiert
auf Art. 24 BauG und wurde am 22. Mai 1995 gestützt auf
Art. 31 BauG vom Baudepartement genehmigt. Entsprechend wäre
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 48/2020), Seite 6/11
eine Ausnahmebewilligung nach Art. 77 BauG bzw. seit 1. Okto-
ber 2017 nach (dem unmittelbar anwendbaren) Art. 108 PBG zu prü-
fen. Dabei ergibt sich jedoch, dass gemäss dem klaren Wortlaut der
Bestimmung Ausnahmen nur vom PBG selbst oder von den
Bestimmungen des Baureglements gewährt werden können, nicht
jedoch von Sondernutzungsplänen, wozu Baulinienpläne zählen. Eine
Ausnahmebewilligung gestützt auf Art. 108 PBG könnte somit – selbst
wenn ein entsprechendes Gesuch vorliegen würde – vorliegend nicht
erteilt werden.
Auch wenn man von der Anwendbarkeit von Art. 102bis Abs. 3 StrG
ausgehen würde, wäre keine Ausnahmebewilligung zu erteilen. Auch
diese Bestimmung wäre vorliegend nämlich nicht anwendbar: Beim
umstrittenen Balkon handelt es sich weder um eine An- oder
Nebenbaute noch um eine Anlage, sondern vielmehr um eine
Vorbaute. Vorbauten sind gemäss dem klaren Wortlaut von Art. 102bis
Abs. 3 StrG jedoch gerade nicht Gegenstand einer allfälligen
Ausnahmebewilligung nach Art. 102bis Abs. 3 StrG.
Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass im vorliegenden Fall
eine Ausnahmesituation ohnehin nicht ersichtlich ist. Der Rekurrent
bringt keine besonderen Umstände vor, welche er im Vergleich mit sei-
nen Mitbürgern in einer gleichen oder ähnlichen Situation erleiden
würde. Der Umstand, dass seiner Ansicht nach die Baulinie an der
Stelle seiner Liegenschaft überflüssig sei, führt nicht dazu, dass be-
sondere Verhältnisse vorliegen oder allgemein kein Interesse mehr an
der Durchsetzung dieser Vorschrift bestünde. Hinzu kommt, dass ein
Strassenabstand in erster Linie ohnehin nicht wegen einer allfälligen
Verbreiterung der Strasse festgelegt wird bzw. nur deshalb einzuhal-
ten ist. Der Baulinienplan reduziert in einheitlicher Art und Weise für
den gesamten Strassenabschnitt den reglementarisch vorgesehenen
Strassenabstand von 4 m (Art. 16 Abs. 1 des Baureglements der Ge-
meinde Z._ vom 14. Juni 2010) bereits um einen 1 m. Dies ent-
spricht dem Willen der Planungsbehörde und ist Teil der Ortsplanung.
Es ist vorliegend offensichtlich nicht angezeigt, eine weitere Unter-
schreitung des ordentlichen Strassenabstands mittels einer Ausnah-
mebewilligung ohne besonderen Grund zuzulassen. Im Übrigen wäre
es dem Rekurrenten mit einer einfachen Reduktion des Balkons ohne
Weiteres möglich, die Baulinie einzuhalten. Aus dem vorstehend Ge-
sagten folgt, dass für das Bauvorhaben des Rekurrenten kein Anlass
besteht, in den Gestaltungsspielraum der Vorinstanz einzugreifen. Die
Baubewilligung wurde somit zu Recht verweigert, weshalb der Rekurs
in diesem Punkt abzuweisen ist.
5.
Der Rekurrent beanstandet weiter, dass der angeordnete Rückbau
nicht verhältnismässig und erforderlich sei, weil die Baulinie durch die
jetzige bauliche Gestaltung der Strasse sowie des Quartiers obsolet
sei. Zudem würde die Nutzbarkeit der Baute erheblich eingeschränkt
werden. Der Balkondurchgang sei sinnvoll, weil damit eine durchge-
hende Verbindung zum Sitzplatz erzielt werden könne. Sodann würde
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 48/2020), Seite 7/11
sich der Rekurrent bereit erklären, einen Rückbau von 1,09 m inner-
halb der Baulinie vorzunehmen. Damit würde den planerischen Anlie-
gen Rechnung getragen werden und den Eigentümern würde ein
schmaler Durchgang verbleiben. Würde dieser Eventualantrag verwei-
gert werden, würde ebenfalls gegen den Grundsatz der Verhältnis-
mässigkeit verstossen werden.
5.1 Nach Art. 159 Abs. 1 PBG kann die zuständige Gemeindebe-
hörde die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verfügen,
wenn durch die Errichtung von Bauten und Anlagen ohne Bewilligung
oder auf andere Weise ein unrechtmässiger Zustand geschaffen wird.
Ist die materielle Rechtswidrigkeit gegeben und ist die Baute auch for-
mell illegal, d.h. ohne Vorliegen einer rechtskräftigen Baubewilligung
erstellt worden, besteht grundsätzlich ausreichender Anlass zur Wie-
derherstellung des rechtmässigen Zustands (GVP 1983 Nr. 98).
Können Bauten und Anlagen aufgrund materieller Rechtswidrigkeit
auch nachträglich nicht bewilligt werden, folgt daraus aber noch nicht
notwendigerweise, dass sie abgebrochen werden müssen. Vielmehr
sind in jedem Fall die allgemeinen verfassungsrechtlichen Prinzipien
des Bundesrechts, insbesondere die Grundsätze der Verhältnismäs-
sigkeit und des Schutzes des guten Glaubens zu berücksichtigen. Der
Grundsatz der Verhältnismässigkeit besagt, dass eine Abbruchverfü-
gung nur erlassen werden darf, wenn diese Massnahme bei objektiver
Betrachtung als die einzig geeignete erscheint, um einen aktuellen
baurechtswidrigen Zustand zu beheben. Sie hat zu unterbleiben, wenn
die Abweichung von den Bauvorschriften nur geringfügig ist, wenn der
Abbruch nicht im öffentlichen Interesse liegt oder wenn die berührten
öffentlichen Interessen den Schaden, der einem Eigentümer aus dem
Abbruch erwächst, nicht zu rechtfertigen vermögen.
Bei der Beurteilung der Verhältnismässigkeit ist zu prüfen, wie schwer-
wiegend die Verletzung der materiellen Baurechtsordnung ist, wie das
öffentliche Interesse an der Wiederherstellung zu gewichten ist, ob
gutgläubig gegen die Vorschriften verstossen wurde oder nicht und
welche Nachteile den Eigentümern bei einer Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands erwachsen würden. Auch ein Bauherr, der
nicht gutgläubig gehandelt hat, kann sich gegenüber einem Abbruch-
oder Wiederherstellungsbefehl auf den Grundsatz der Verhältnismäs-
sigkeit berufen. Er muss indessen in Kauf nehmen, dass die Behörden
aus grundsätzlichen Erwägungen, nämlich zum Schutz der Rechts-
gleichheit und der baurechtlichen Ordnung, dem Interesse an der Wie-
derherstellung des gesetzmässigen Zustands erhöhtes Gewicht bei-
messen und die dem Bauherrn erwachsenden Nachteile nicht oder nur
in verringertem Masse berücksichtigen (vgl. zum Ganzen; Baudepar-
tement SG, Juristische Mitteilungen 2006/III/22 mit weiterführenden
Hinweisen).
5.2
5.2.1 Die Erweiterung des Balkons befindet sich in der Länge von un-
gefähr 3 m und auf der Westseite in seiner gesamten Tiefe von 1,50 m
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 48/2020), Seite 8/11
innerhalb der Baulinie, welche mit einem Abstand von 3 m entlang der
G._strasse verläuft. Folglich kann die Erweiterung des Balkons in-
nerhalb der Baulinie nicht als geradezu geringfügige Abweichung von
den Bauvorschriften qualifiziert werden. Die diesbezüglichen Behaup-
tungen des Rekurrenten gehen fehl.
5.2.2 Fraglich ist, inwiefern der Rekurrent oder dessen Bauleiter gut-
gläubig waren. Sobald vorsätzlich oder fahrlässig von der Baubewilli-
gung abgewichen wird, wird die Gutgläubigkeit verneint.
Vorliegend wurde von den Plänen insofern abgewichen, als dass der
bewilligte Balkon in der Länge von rund 4 m erweitert wurde. Es han-
delt sich um eine augenfällige Erweiterung. Sodann führt der Rekur-
rent im Schreiben vom 25. Februar 2019 selbst aus, es habe sich bei
der Bauausführung gezeigt, dass der Zugang zum Sitzplatz von aus-
sen über die Böschungsmauer ungünstig sei. Er habe dem Wunsch
des Bauleiters und des Käufers, den Zugang zum Sitzplatz vom Bal-
kon her zu ermöglichen, unbedacht und spontan zugestimmt; wobei
ihm nicht bewusst gewesen sei, dass damit eine Änderung der Bau-
bewilligung einhergehen müsste. Demnach hat der Rekurrent den
baulichen Abweichungen bewusst zugestimmt. Dabei kann nicht ent-
scheidend sein, ob er sich im Klaren darüber war, dass die bauliche
Abweichung auch eine Änderung der Baubewilligung hätte nach sich
ziehen sollen. Der Rekurrent hat somit nicht gutgläubig gehandelt.
5.2.3 Im Rahmen der Verhältnismässigkeitsprüfung sind die gegen-
sätzlichen Interessen abzuwägen. Auf der einen Seite sind die Inte-
ressen des Rekurrenten an der Beibehaltung der Erweiterung des Bal-
kons zu gewichten. Dabei ist jedoch zu beachten, dass er bösgläubig
gehandelt hat und – wie dargelegt – die Interessen nur in verringertem
Masse berücksichtigt werden können. Der Rekurrent stellt sich auf den
Standpunkt, der Rückbau würde die Nutzbarkeit der Baute erheblich
einschränken. Der Balkondurchgang sei sinnvoll, weil damit eine
durchgehende Verbindung zum Sitzplatz erzielt werden könne. Der
Rekurrent übersieht, dass sowohl der Balkon als auch der Sitzplatz
nach dem Rückbau weiterhin zugänglich sind und deren Nutzung – je
für sich alleine – nicht eingeschränkt wird. Alleine die Tatsache, dass
ein Durchgang allenfalls sinnvoll ist, fällt jedenfalls nicht stark ins Ge-
wicht. Mit untergeordneten baulichen Massnahmen – ohne Eingriff in
die Bausubstanz des Hauses selbst – lässt sich der Balkon reduzieren
und es ist offensichtlich nicht mit übermässigen Wiederherstellungs-
kosten zu rechnen.
Diesen Interessen stehen die berechtigten Interessen an der Wieder-
herstellung des rechtmässigen Zustands gegenüber. Diese sind ins-
besondere auch aus präjudiziellen Gründen stark zu gewichten. Bau-
herren, die sich über geltende Vorschriften und Bewilligungen hinweg-
setzen – klarerweise unabhängig davon, ob diese nach subjektivem
Gutdünken obsolet sind oder nicht –, sollen nicht bessergestellt wer-
den als diejenigen, die den vorgeschriebenen Verfahrensweg ein-
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 48/2020), Seite 9/11
schlagen und sich an die entsprechenden Vorschriften halten. Es be-
steht ein öffentliches Interesse daran, dass der Balkon nur in der be-
willigten Dimension besteht. Die Einhaltung der Rechtsordnung und
die Durchsetzung der Baubewilligungen wären nicht mehr gewährleis-
tet, wenn Abweichungen toleriert würden. Würde im Streitfall auf eine
Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands verzichtet, so wäre
inskünftig bei ähnlich gelagerten Verstössen eine Durchsetzung der
Bauordnung nicht mehr sichergestellt. Auch im Lichte der rechtsglei-
chen Behandlung ist ein strenger Massstab anzulegen.
5.2.4 Weiter ist zu klären, ob ein Rückbau um 1,09 m – wie vom Re-
kurrent beantragt – als mildere Massnahme in Frage kommen würde.
Nach der Vorinstanz beruft sich der Rekurrent dabei auf die Bestim-
mung für Vorbauten, wonach solche 1,5 m in den Grenz- bzw. Stras-
senabstand hineinragen dürfen (Art. 19 BauR).
Baulinien nach Art. 24 BauG bzw. Art. 29 PBG sind grundsätzlich von
allen Bauten und Anlagen und somit auch von Vorbauten zu beachten
(BDE Nr. 7/2009 vom 18. Februar 2009 Erw. 5.6, Entscheid des Bau-
departements vom 1. März 2004 i.S. B. AG Erw. 4c). Demnach findet
die privilegierte Abstandsregelung für Vorbauten in Art. 19 BauR ge-
genüber Baulinien keine Anwendung. Selbst wenn der Balkon des Re-
kurrenten als Vorbaute qualifiziert werden würde, hätte dieser den
durch die Baulinie festgelegten Mindestabstand von 3 m gegenüber
der G._strasse einzuhalten. Dies wäre jedoch auch bei einer Re-
duktion um 1,09 m nicht der Fall, wie der Rekurrent in seiner Eingabe
vom 20. Mai 2019 selbst eingesteht indem er ausführt, dass den pla-
nerischen Anliegen mit dieser Lösung (lediglich) "weitgehend Rech-
nung getragen" würde (Rz. 28 der Eingabe vom 20. Mai 2019). Eine
Reduktion um 1,09 m würde folglich nicht zur Wiederherstellung des
rechtmässigen Zustands führen und ist deshalb als milderes Mittel von
vornherein ausgeschlossen.
5.3 Zusammenfassend rechtfertigt es sich nicht, die privaten Inte-
ressen des Rekurrenten am Bestand der illegalen Erweiterung des
Balkons bzw. am Verzicht auf die Wiederherstellung höher zu gewich-
ten als das öffentliche Interesse an der Durchsetzung der Bauvor-
schriften und der Rechtsgleichheit. Es ergibt sich somit, dass die Inte-
ressen an der Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands die pri-
vaten Interessen des Rekurrenten klar überwiegen. Die Wiederherstel-
lung erweist sich somit als zumutbar. Da sie auch geeignet ist und
keine mildere Massnahme ersichtlich ist, ist die Anordnung der
Vorinstanz als verhältnismässig zu beurteilen.
5.4 Nachdem die dem Rekurrenten von der Vorinstanz in Ziffer 2
Absatz 2 des Dispositivs der angefochtenen Verfügung angesetzte
Frist zur Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands (bis spätes-
tens 31. Juli 2019) inzwischen verstrichen ist, ist dem Rekurrenten mit
diesem Entscheid eine neue Frist anzusetzen. Der Rekurrent hat dem-
gemäss den rechtmässigen Zustand innert drei Monaten nach Rechts-
kraft dieses Entscheids wiederherzustellen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 48/2020), Seite 10/11
6.
Zusammenfassend ergibt sich, dass kein Anspruch auf eine Ausnah-
mebewilligung besteht und der Rückbau verhältnismässig ist. Der Re-
kurs erweist sich deshalb als unbegründet und ist abzuweisen.
7.
7.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die
amtlichen Kosten dem Rekurrenten zu überbinden.
7.2 Der vom Rekurrenten am 17. Mai 2019 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– wird angerechnet.
8.
Der Rekurrent stellt ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen Kos-
ten.
8.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
8.2 Da der Rekurent mit seinen Anträgen unterliegt, hat er von vorn-
herein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung. Sein
Begehren ist deshalb abzuweisen.