# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** aed7be5e-81f5-4e94-b2b6-950c6b05f6c6
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Der Instruktionsrichter habe gestützt auf einen falschen Sachverhalt
entschieden. Die ursprüngliche Signalisation (also die Fahrverbotstafel) sei
nicht unter Einhaltung des gesetzlichen Verfahrens angebracht worden.
Daher wäre mit der aufschiebenden Wirkung das Fahrverbot zwar noch
angebracht, aber nicht gültig, weil nicht korrekt beschlossen.
7. Der Instruktionsrichter im jetzigen Prozessbeschwerdeverfahren (U 20 71)
deklarierte dasselbe für dringlich.
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8. Die Beschwerdegegnerin beantragt die Abweisung der Prozess-
beschwerde. Der Sachverhalt sei korrekt wiedergegeben. Die Beschwerde-
führer hätten die Verfügung falsch gelesen. Das Fahrverbot sei bereits
angebracht gewesen. Die Zusatztafel mit dem genehmigten Hinweis sei
noch nicht angebracht worden. Somit stehe dort weiterhin "Anwohner
gestattet".
Das Fahrverbot sei unbestrittenermassen seit 1995 angebracht. Daher sei
der angefochtene Beschluss der Beschwerdegegnerin bereits in Kraft
getreten. Daher spiele die Rechtmässigkeit der Verfügung aus dem Jahre
1995 keine Rolle. Hinsichtlich der Signalisation ändere sich nichts, sollte
die Prozessbeschwerde gutgeheissen werden. Der Beschluss der
Beschwerdegegnerin von 1995 bilde nämlich nicht Gegenstand des
Verfahrens U 20 48.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist hier die Verfügung vom 22. Juni 2020 (U 20 48 a),
worin der Instruktionsrichter des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden das Gesuch der Beschwerdeführer vom 20. Mai 2020
betreffend Gewährung der aufschiebenden Wirkung für das hängige
Verfahren (U 20 48 betreffend Verkehrsbeschränkung) gestützt auf Art. 53
Abs. 2 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100)
ablehnte, in Anwendung von Art. 39 Abs. 2 lit. a VRG das Verfahren dafür
jedoch für dringlich erklärte (vgl. dazu Ziff. 1 und 2 des
Verfügungsdispositivs, S. 7). Bei der angefochtenen Verfügung handelt es
sich um eine verfahrensleitende Anordnung, mit welcher nicht
abschliessend über die Zulässigkeit und Rechtsmässigkeit der umstrittenen
Verkehrsbeschränkung entschieden worden ist. Die angefochtene
Verfügung ist folglich bloss als ein verfahrensrechtlicher Schritt auf dem
Weg zum Endentscheid zu würdigen (BGE 117 Ia 253 E.1a). Derartige
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prozessleitende Verfügungen können gemäss Art. 49 Abs. 4 lit. a VRG nur
dann beim Verwaltungsgericht angefochten werden, wenn sie für die
betroffene Partei einen Nachteil zur Folge haben, der sich später
voraussichtlich nicht mehr beheben lässt (vgl. Urteile des
Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden [VGU] U 11 86 vom 31.
Januar 2012 E.1 und U 14 73 vom 16. Oktober 2014 E.1b). Für die
Annahme eines solchen Nachteils genügt analog der Rechtsprechung zum
Bundesgesetz über das Verwaltungsverfahren (VwVG; SR 172.021) ein
tatsächliches Interesse (vgl. BGE 130 II 49 E.1.1 m.w.H.). Wenn die
Beschwerdeführer zufolge Nichterteilung der aufschiebenden Wirkung bis
zum Entscheid in der Hauptsache von der Zufahrtsberechtigung zu ihren
Liegenschaften ausgeschlossen bzw. bei deren weiteren Benutzung
amtlich gebüsst werden könnten, ist ein möglicher Nachteil durch den
abschlägigen Entscheid betreffend aufschiebende Wirkung für die beiden
betroffenen Beschwerdeführer zumindest erkennbar und plausibel. Es ist
deshalb vorliegend von einem tauglichen Anfechtungsobjekt im Sinne von
Art. 49 Abs. 4 lit. a VRG auszugehen. Bei prozessleitenden Verfügungen
beträgt die Beschwerdefrist gemäss Art. 42 VRG zehn Tage. Die
eingereichte Prozessbeschwerde datiert vom 3. Juli 2020 und ist in
schriftlicher Form mit einem Rechtsbegehren, dem Sachverhalt und einer
Begründung gemäss Art. 38 Abs. 1 VRG korrekt abgefasst worden. Da die
übrigen Prozessvoraussetzungen auch zu keinen Beanstandungen Anlass
geben, ist somit auf die frist- und formgerechte Prozessbeschwerde
einzutreten.
2.1. Die Sachverhaltsschilderung unter Ziff. 1 der angefochtenen Verfügung ist
zwar kurz, sie musste aber auch nicht länger sein. Es ging lediglich darum,
den Streitgegenstand darzulegen. Das Verfahren zum Erlass einer
Verkehrsanordnung ist zweistufig. Zuerst bedarf es einer Bewilligung der
Kantonspolizei Graubünden (KAPO). Darauf erfolgt eine Art
'Mitwirkungsverfahren', mit der Möglichkeit der potentiell Betroffenen sich
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zur Publikation der beabsichtigten Verkehrsanordnung äussern zu können
und allfällige Einwendungen dagegen anzubringen. Erst im Anschluss
daran kann die Verkehrsanordnung beschlossen und amtlich publiziert
werden.
2.2. In der Zusammenfassung der angefochtenen Verfügung (Ziff. 1 Satz 2) –
welche von den Beschwerdeführern bzw. ihrem Anwalt offenkundig falsch
verstanden wurde – wird verkürzt festgehalten, dass keine
Beanstandungen gegen die Bewilligung der KAPO und die Publikation der
beabsichtigten Verkehrsanordnungen im 'Mitwirkungsverfahren'
eingegangen sind.
2.3. Die aktuelle Signalisation ist allerdings unklar geblieben; insbesondere ob
die neue Zusatztafel "Zubringerdienst bis Via D._ gestattet" bereits im
Herbst 2019 montiert wurde (Variante 1) – wie in der angefochtenen
Verfügung des Instruktionsrichters (E.7) sowie in der Prozessbeschwerde
von den Beschwerdeführern (Ziff. 18 S. 6) behauptet – oder ob diese
Zusatztafel noch nicht montiert wurde (Variante 2) – wie vom Anwalt der
Beschwerdegegnerin in seiner Vernehmlassung (Ziff. 3 am Ende)
behauptet. Für das Gericht stellt sich hier vorweg die Frage, ob diese
unterschiedlichen Sachverhaltsdarstellungen rechtlich von Relevanz sind.
2.3.1. Laut Variante 1 besteht derzeit die Signalisation "Fahrverbot mit Zusatztafel
Anwohner gestattet". Wird in diesem Fall die aufschiebende Wirkung der
Beschwerde gewährt, so bleibt die alte Signalisation bestehen. Aufgrund
dieser Signalisation könnten die Beschwerdeführer – vor dem Hintergrund
des Fahrverbots – weiterhin die Strasse benutzen. Offen bleibt, ob
privatrechtliche Ansprüche der Nutzung entgegenstehen könnten, da die
Strassensanierung offenbar durch andere Anwohner finanziert wurde.
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2.3.2. Laut Variante 2 liegt ein "Fahrverbot mit neuer Zusatztafel" vor. Wird die
aufschiebende Wirkung gewährt, so bleibt die Signalisation bestehen, weil
nicht gefordert wurde, dass die Zusatztafel mit der bisherigen ersetzt
werden soll. Es wurden hierzu keine vorsorglichen Massnahmen beantragt.
Die Beschwerdeführer sind der Auffassung, dass die Zusatztafel nur mit
dem Fahrverbot eine Funktion habe und die Verbotstafel von 1995 nicht im
korrekten Verfahren bewilligt worden sei, weshalb die Fahrverbotstafel
nichtig sei. Wenn dem so wäre, dürften die Beschwerdeführer durch die
Gewährung der aufschiebenden Wirkung weiterhin zu ihren Häusern bzw.
Liegenschaften gelangen. Würde die Beschwerdegegnerin die
Beschwerdeführer büssen, könnten diese die Busse anfechten und geltend
machen, die Signalisation sei – da nicht korrekt verfügt worden –
unzulässig.
2.3.3. Bei beiden Sachverhaltsvarianten hätten die Beschwerdeführer also einen
gewissen 'Nutzen' durch die Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Im
angefochtenen Entscheid wurde dies aber anders gesehen, weshalb dort
aus diesem Grund keine Güterabwägung vorgenommen wurde.
2.3.4. Nach Auffassung des Gerichts hätten die Beschwerdeführer einen Vorteil
durch die Gewährung der aufschiebenden Wirkung. Die Beschwerdeführer
bzw. deren Anwalt hat aber die Rechtsbegehren unglücklich formuliert.
Nebst der aufschiebenden Wirkung in einem Verfahren mit bestehenden
Tafeln hätte der Anwalt als vorsorgliche Massnahme beantragen können,
dass seine Mandanten (Beschwerdeführer) bis zum Abschluss des
Verfahrens die Zufahrt nutzen können (allenfalls nur einmal täglich); oder
sonst hätte er die Entfernung der neuen Zusatztafel und das Anbringen der
alten Zusatztafel als vorsorgliche Massnahme fordern können; dies
unabhängig davon, ob das Fahrverbot 1995 korrekt beschlossen wurde.
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2.3.5. Sollten die Beschwerdeführer durch die Gewährung der aufschiebenden
Wirkung einen Vorteil erlangen können, so ist eine Güterabwägung
vorzunehmen. Vor dem Hintergrund, dass die Beschwerdeführer
offensichtlich seit Jahren die Strasse aufgrund der Zusatztafel "Anwohner
gestattet" genutzt haben, wäre es unverhältnismässig, die aufschiebende
Wirkung für die Dauer des (Haupt-) Verfahrens U 20 48 nicht zu gewähren.
Dies gilt umso mehr, als durch die Dringlicherklärung ein Urteil in der
Streitsache voraussichtlich noch im vorliegenden Jahr erfolgen wird. Die
allenfalls weiterhin gewährte Nutzung der Strasse wäre für eine kurze
Zeitdauer. Das Interesse der Beschwerdegegnerin – und nicht von
allfälligen Privaten, was nicht Gegenstand dieses Verfahrens ist – den
Fahrzeugverkehr im hinteren Teilstück des Wanderweges zu unterbinden,
ist aufgrund der Tatsache, dass es sich um zwei Häuser handelt und ein
Beschwerdeführer dort auch nicht seinen Hauptwohnsitz hat, von
geringerer Bedeutung.
2.3.6. Entgegen der Ansicht des Instruktionsrichters hat die aufschiebende
Wirkung im vorliegenden Fall durchaus eine Bedeutung. Denn eine
Fahrverbotstafel mit Zusatz darf nur zu einer Busse führen, wenn diese
Verkehrsanordnung korrekt verfügt wurde. Mit der aufschiebenden
Wirkung wären die Tafeln zwar stets noch platziert, aber die verfügte
Verkehrsanordnung wäre noch nicht in Rechtskraft. Den Verkehrstafeln
würde damit die Grundlage für die Wirksamkeit aufgrund der
angefochtenen Verkehrsanordnung fehlen.
2.3.7. Ob das angeordnete Fahrverbot aufgrund des Beschlusses von 1995
weiterhin Wirksamkeit hätte, muss hier nicht geklärt werden. Diese Frage
ist im Rahmen einer Beschwerde gegen eine Busse für das Befahren trotz
Fahrverbots zu klären und nicht vorliegend bei der prozessualen
Beurteilung der aufschiebenden Wirkung der Beschwerde vom 3. Juli 2020.
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2.3.8. Die Prozessbeschwerde ist demnach gutzuheissen. Das heisst aber nicht,
dass die Beschwerdegegnerin – sollte sie der Ansicht sein, das Fahrverbot
sei 1995 korrekt verfügt worden – die Beschwerdeführer büssen dürfte, falls
diese die Strasse nach dem Fahrverbotsschild befahren würden. Die
Beschwerdeführer könnten diesfalls die Busse anfechten und geltend
machen, die Grundlage für die Busse sei ungenügend, da das Fahrverbot
von 1995 – weil nicht im korrekten Verfahren erlassen – nichtig sei. Eine
Nichtigkeit hätte die Unwirksamkeit des Verbots von Anfang an zur Folge
(vgl. dazu auch BGE 128 IV 184 E.4.2).
2.3.9. Zusammengefasst ergibt sich, dass der Beschwerde (antragsgemäss) die
aufschiebende Wirkung nach Art. 53 Abs. 2 VRG zu erteilen gewesen wäre
und die Prozessbeschwerde hier somit gutzuheissen ist.
3.1. Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden keine Kosten erhoben. Nach
Art. 72 Abs. 3 VRG wird die Kostenregelung von der in der Hauptsache
zuständigen Behörde – hier also vom Verwaltungsgericht – getroffen.
3.2. Aussergerichtlich hat der Anwalt der Beschwerdeführer für seine 9-seitige
Prozessbeschwerde und die Replik von drei Seiten am 17. August 2020
eine Honorarnote über gesamthaft Fr. 5'134.10 beim Gericht eingereicht
(20 Stunden Jurist und 2 Stunden Anwalt). Es wurde dabei aber die
angefochtene Verfügung des Instruktionsrichters falsch verstanden (Ziff. 1
Satz 2), obwohl man sie gar nicht so verstehen konnte, wie dies die
Beschwerdeführer in der Prozessbeschwerde effektiv getan haben.
Gemäss Art. 78 Abs. 1 VRG sind zudem nur "die durch den Rechtsstreit
verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen". Im konkreten Fall erachtet
das Gericht ermessensweise eine Parteientschädigung von pauschal Fr.
1'000.-- (inkl. MWST) für angemessen. Diese Entschädigung für die
Beschwerdeführer geht vorliegend zu Lasten der Gerichtskasse.
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