# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c702b154-bfb6-44cc-a7dd-f6d091a7f739
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 14
I. Sachverhalt
A. A._, geboren am _1920, lebt in unmittelbarer Nähe des  O.1_ an der viel befahrenen Bahnhofstrasse in seinem ehemaligen Haus. Eigentümerinnen desselben sind nunmehr seine beiden in L.1_ wohnhaften Töchter X._ und B._; A._ steht ein Wohnrecht zu. Wenige Meter vom Haus entfernt befindet sich das Hotel C._. A._ bewohnt im zweistöckigen Wohnhaus das Erdgeschoss. Ein Zimmer seiner Wohnung hat A._ D._ überlassen, welche ihm im Alltag behilflich ist. Das Untergeschoss ist an ein Ehepaar vermietet, welches sich um das Haus und den Garten kümmert.
B. Mitte August 2012 ging bei der damaligen Vormundschaftsbehörde Suot Tasna die Meldung ein, wonach das Verhalten von A._ ein öffentliches Ärgernis darstelle. A._ zeige sich öfters nackt bei geöffnetem Badezimmerfenster in seiner Wohnung und belästige damit die Anwohner sowie die Gäste im Gartenrestaurant des Hotels C._. Die beiden Töchter von A._ wurden mit Schreiben der Vormundschaftsbehörde vom 5. September 2012 über die Situation informiert. Ursula Kindschi, Präsidentin der damaligen Vormundschaftsbehörde, äusserte im besagten Brief unter anderem Bedenken über die Beziehung von A._ zu D._, welche in der Gemeinde einen schlechten Ruf habe.
C. Mit Schreiben vom 21. November 2012 teilte die Vormundschaftsbehörde Suot Tasna X._ und B._ mit, dass aufgrund der strukturellen Neuerungen im Erwachsenenschutzrecht per 1. Januar 2013 die neu geschaffene Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Engadin/Südtäler (KESB) für das Verfahren betreffend ihren Vater A._ zuständig werde. Infolgedessen wurde das pendente Verfahren der KESB übertragen.
D. Am 21. Februar 2013 musste A._ wegen akuter Atemnot notfallmässig ins Spital O.1_ eingeliefert werden. Der Spitalaufenthalt dauerte bis am 6. März 2013.
E. Am 1. März 2013 fand eine Besprechung zwischen Dr. med. E._, dem Hausarzt von A._, B._ und Andrea Mathis, Leiter der KESB Engadin/Südtäler, statt. Man sei sich im Grundsatz darüber einig geworden, dass sich eine Unterbringung in einer Pflegeeinrichtung nicht bewähren könnte. Würde
Seite 3 — 14
A._ weiterhin abnorme Auffälligkeiten zeigen, wäre er in einer solchen Institution kaum tragbar.
F. Mit Schreiben vom 7. März 2013 ersuchte die KESB Engadin/Südtäler Dr. med. Christoph Weiss, behandelnder Arzt im Spital O.1_, um verschiedene Angaben bezüglich des allgemeinen Zustandes von A._ und dessen Entwicklungsperspektiven. Dr. med. Christoph Weiss diagnostizierte bei A._ „höchstens eine leichtgradige dementielle Entwicklung“. Gemäss seinen Wahrnehmungen während der Hospitalisation sei die Urteils- und Handlungsfähigkeit von A._ jedoch nicht eingeschränkt. Bei Fortschreiten der dementiellen Entwicklung sei eine Beistandschaft zu erwägen.
G. Mit Schreiben vom 8. März 2013 berichtete Dr. med. E._ in Ergänzung zu seinen Ausführungen anlässlich der Besprechung vom 1. März 2013 folgendes: Er habe bei A._ zusätzlich zu einer Demenz leichten Grades eine Affektstörung (Hemmungslosigkeit) diagnostiziert. Die Errichtung einer Beistandschaft für finanzielle Angelegenheiten und bauliche Massnahmen zur Einschränkung der Sichtbarkeit des Privatbereichs von A._ erachte er als sinnvoll. Die Behandlung zur Triebdämpfung mittels Antiandrogenen sei nicht erfolgversprechend und mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden.
H. Andrea Mathis besuchte am 5. April 2013 A._ in Anwesenheit von D._. A._ habe berichtet, es gehe ihm nicht besonders gut, da er schwach sei und sich vom Spitalaufenthalt nicht richtig erholt habe. Ohne D._ wäre er völlig verloren. Diese erklärte, sie kümmere sich nebst ihrer Arbeit als Pflegeassistentin um A._, besorge die Einkäufe, reinige die Wäsche, putze die Wohnung usw.; hierfür würde sie nicht monetär entlöhnt. Auf die im Vorfeld diskutierte Beistandschaft angesprochen, habe sich A._ nach anfänglichen Widerständen mit der Errichtung einer geeigneten Beistandschaft einverstanden erklärt. Auch D._ unterstütze eine solche Massnahme.
I. Am 13. Juni 2013 ging bei der Kantonspolizei eine weitere Meldung ein, wonach A._ erneut seinen nackten Körper zur Schau stelle. Die Polizei verzichtete aufgrund der bekannten Symptomatik auf eine Intervention und meldete den Vorfall der Berufsbeistandschaft Engiadina Bassa/Val Müstair.
J. Am 21. Juni 2013 fand eine Anhörung von A._ in dessen Haus statt. Anwesend waren A._ selbst, D._ auf ausdrücklichen Wunsch A._s, Maja Zimmermann von der Berufsbeistandschaft und Andrea Mathis. A._
Seite 4 — 14
habe sich zunächst nochmals entschieden gegen den Eintritt in ein Altersheim ausgesprochen. Zudem sei er auf die tägliche Betreuung durch D._ angewiesen. Diese habe sich nach wie vor bereit erklärt, sich um A._ kümmern zu wollen. Sie habe jedoch auch unmissverständlich eine faire Entlöhnung gefordert. Maja Zimmermann habe sich bereit erklärt, das Mandat von A._ zu übernehmen. Auch D._ könne sich eine Zusammenarbeit mit Maja Zimmermann vorstellen.
K. Anlässlich dieser Besprechung erklärte sich A._ schriftlich mit der Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft mit umfassender Einkommens- und Vermögensverwaltung einverstanden. Die Aufgabenbereiche wurden schriftlich festgehalten. Eine Einschränkung der Handlungsfreiheit wurde nicht vorgesehen. Er verzichtete auf eine persönliche Anhörung durch die KESB in Dreierbesetzung und auf das Recht, eine Betreuungsperson vorzuschlagen.
L. Der Entscheid der KESB Engadin/Südtäler erging am 1. Juli 2013, mitgeteilt am 5. Juli 2013, und lautete wie folgt:
„1. Für A._ wird eine Beistandschaft errichtet.
2. Die Beiständin erhält die Aufgaben und Kompetenzen, A._ im Rahmen einer Vertretungsbeistandschaft (Art. 394 ZGB) in den nachfolgend aufgelisteten Bereichen zu beraten, zu unterstützen und soweit nötig bei allen damit verbundenen Handlungen (Administration, Rechtsverkehr) zu vertreten:
a. Vermögensverwaltung (Art. 395 ZGB): Verwaltung des gesamten Einkommens und Vermögens (insbesondere Bestreitung der Lebenskosten, Geltendmachen von Forderungen und Leistungsansprüchen, sorgfältige Verwaltung sämtlicher verwalteter Mobilien und Immobilien, Verkehr mit Banken, Post und ähnlichen Finanzinstituten);
b. Wohnen: stets für eine geeignete Wohnsituation bzw. Unterkunft für A._ besorgt zu sein (evtl. Wohnbegleitung organisieren);
c. Medizin und Gesundheit: unter Berücksichtigung einer allfälligen Patientenverfügung für das gesundheitliche Wohl von A._ sowie für hinreichende medizinische Betreuung besorgt zu sein (insbesondere Verkehr mit Ärzten und anderem medizinischen Betreuungspersonal, Prävention), wobei das Vertretungsrecht für medizinische Massnahmen bei Urteilsunfähigkeit (Art. 378 Abs. 1 Ziff. 2 ZGB) ausdrücklich eingeschlossen ist;
d. öffentliche Verwaltung: insbesondere Verkehr mit Steuerbehörden, Gemeinden, Betreibungsamt;
e. Versicherungen: stets für eine ausreichende und geeignete Versicherungsdeckung und Leistungssituation besorgt zu sein
Seite 5 — 14
(insbesondere Sozialversicherungen, private Versicherungen, Krankenkassen);
f. soziale Teilhabe: soweit möglich und nötig für eine angemessene Tagesstruktur und ausreichende soziale Kontakte von A._ besorgt zu sein;
g. das Anstellungsverhältnis der Haushälterin zu prüfen und vertraglich festzulegen;
h. Prüfen und Umsetzen baulicher Massnahmen in Küche und Bad der Wohnung A._;
i. soweit erforderlich die Post von A._ zu öffnen;
j. soweit erforderlich die Wohnräume von A._ zu betreten.
3. Maja Zimmermann, Berufsbeistandschaft Engiadina Bassa/Val Müstair, wird zur Beiständin von A._ ernannt.
4. Die Beiständin wird aufgefordert, unverzüglich nach Erhalt dieses Entscheids
a. sich die zur Erfüllung der Aufgaben nötigen Kenntnisse zu verschaffen und mit A._ persönlich Kontakt aufzunehmen;
b. in Zusammenarbeit mit der KESB im Sinne der Erwägungen per Datum dieses Entscheides bzw. der Aufnahme des beweglichen Vermögens ein Inventar über sämtliche Vermögenswerte aufzunehmen und dieses, zusammen mit einem Budget, das über die mutmasslichen Einnahmen und Ausgaben Auskunft gibt, in spätestens zwei Monaten zur Genehmigung einzureichen;
c. Bargeld, Wertgegenstände und wichtige Dokumente sicher aufzubewahren.
5. Die Beiständin ist gehalten:
a. der KESB alle zwei Jahre (erstmals per 30. Juni 2015) die Rechnung samt Belege sowie einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Rechnungsführung und Vermögensentwicklung sowie die Lage der betroffenen Person und die Ausübung der Beistandschaft) und ein aktuelles Budget einzureichen;
b. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von A._ während der Berichtsperiode die KESB mit einem Bericht zu informieren und allenfalls eine geeignete Anpassung oder die Aufhebung der Massnahme zu beantragen.
6. Die Verfahrenskosten werden auf Fr. 1‘280.-- festgesetzt.
7. Die Verfahrenskosten für diesen Entscheid (Ziff. 6) im Totalbetrag von Fr. 1‘280.-- werden A._ auferlegt und bleiben vorläufig beim Verfahren.

## Considerations