# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1069de4e-124d-4848-9bf9-cb4b9287ce19
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962, Mutter dreier erwachsener und zwei kleinerer Kinder (geborenen 2000 und 2008), meldete sich – nach zuvor erfolgter Früh
er
fassung (
Urk.
10/3 und
Urk.
10/5) – am
9.
Februar 2009 (
Urk.
10/7) unter Hin
weis auf eine Angst- und Panikstörung, eine Alkoholproblematik sowie eine mitt
lere Depression (
Ziff.
3.1 und
Ziff.
6.2 sowie
Urk.
10/46/2) bei der Invali
denversicherung zum Leistungsbezug an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche sowie medizinische Abklärung
en
und holte unter anderem das Gutachten von
Dr.
med.
Y._
, Facharzt FMH Psy
chiatrie und Psychotherapie, vom 1
2.
Januar 2010 (
Urk.
10/25/1-76) ein. Mit Ver
fügung vom 1
0.
Mai 2010 (
Urk.
10/43) verneinte sie einen Rentenanspruch der
Beschwerdeführerin
basierend auf einem Invaliditätsgrad von 30
%
. Dabei qua
li
fizierte sie die
Beschwerdeführerin
als zu 20
%
im Erwerbsbereich und 80
%
im Haushaltbereich tätig und ging von einer Einschränkung von je 30
%
in den jeweiligen Teilbereichen aus.
1.2
Am 1
0.
Januar 2012 (
Urk.
10/46) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
Angst- und Panikzustände, Depressionen, ADHS, suizidale Zustände sowie Al
ko
holproblematik erneut bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle tätigte wiederum erwerbliche und medizinische Abklärungen und auferlegte der Versicherten am 1
1.
Juni 2012 (
Urk.
10/58) eine Schadenminde
rungspflicht im Sinne der Weiterführung der aktuellen Behandlung bei
Dr.
med.
Z._
(leitende Ärztin
in der Psychiatrie A._
) inkl. Anstreben von Abstinenz innert den kommenden neun Monaten. Wäh
rend dieser Zeit sistierte die IV-Stelle das Abklärungsverfahren. Nach Ein
gang des Berichts der
Psychiatrie A._
vom
3.
Juni 2013 (
Urk.
10/66) veranlasste die IV-Stelle
die Begutachtung der Versicherten durch med. prakt.
E._
, Fachärztin Psy
chia
trie und Psychotherapie FMH (Expertise datierend vom 1
9.
Dezember 2013,
Urk.
10/75). Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
10/79), in dessen Verlauf neue ärztliche Berichte eingingen, verneinte die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 2
3.
Oktober 2014 (
Urk.
2) einen Leistungsanspruch bei vollum
fäng
licher Arbeitsfähigkeit.
2.
Hiergegen erhob die Versicherte am 2
4.
November 2014 (
Urk.
1) Beschwerde mit
dem Rechtsbegehren um Ausrichtung einer ganzen Invalidenrente. In prozessu
a
ler Hinsicht ersuchte sie um unentgeltliche Rechtspflege samt Bestellung von Rechtsanwältin Noëlle Cerletti als unentgeltliche Rechtsbeiständin (S. 2). Die IV-Stelle ersuchte am 1
3.
Januar 2015 (
Urk.
9) um Abweisung der Beschwerde, was der Versicherten am 1
5.
Januar 2015 zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den All
gemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Sie kann Folge von Ge
burts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung,
IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
träch
ti
gung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teil
weise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausge
glichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertels
rente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisionsgesuch glaubhaft zu
machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neu
anmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu ver
ge
wissern, ob die von der versicherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in ana
loger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2).
2.
2.1
Die ursprüngliche rentenabweise
nde
Verfügung vom 1
0.
Mai 2010 (
Urk.
10/43)
basierte auf dem Gutachten von
Dr.
Y._
vom 1
2.
Januar 2010 (
Urk.
10/25/1-76).
Dieser verwies in anamnestischer Hinsicht (S. 55 f.)
auf
die Kindheits-/
Jugendsituation mit Tod der Mutter, als die
Beschwerdeführerin
21 Jahre alt gewesen sei. Aufgrund der Krebserkrankung der Mutter habe sie zu Hause als
älteres von zwei Kindern viel Verantwortung übernehmen müssen. Mit 18 Jah
ren
habe sie ihren ersten Sohn geboren, im Anschluss habe sie ihre Ausbildung als medizinische Praxisassistentin dank der Unterstützung ihres Vaters beenden
können. Mit ihrem Ex-Ehemann habe sie drei weitere Kinder und habe über Jahre
eine gute Beziehung geführt. In der 3
4.
Schwangerschaftswoche ihres vierten Kindes habe sie im Jahre 2000 einen unverschuldeten Verkehrsunfall ohne soma
tische Folgen erlitten. Hingegen habe sie in der Folge eine Angst- und Panik
störung entwickelt. Die damals geborene Tochter habe unter starken Schluck
be
schwerden gelitten. Ohne ihr eigenes Leiden zu erkennen, habe sie re
gelmässig Alkohol zu trinken begonnen
. Eine damals begonnene ambulante Be
handlung habe wenig Wirkung gezeigt. Der zunehmende Alkoholkonsum habe zu Spann
ungen in ihrer Beziehung geführt, was letztendlich im Jahre 2004 mit einem Suizidversuch eskaliert sei. Es sei eine erste Klinikeinweisung und die Trennung von ihrer Familie erfolgt. Im Anschluss habe sie eine fünfmonatige Therapie in der
Klinik B._
gemacht und fünf kürzere Kriseninter
ventionen be
nötigt. Unter Alkoholeinfluss sei es zu mehrfachen suizidalen Handlungen ge
kom
men. Seit Oktober 2006 lebe sie mit ihrem neuen Lebens
partner, der eben
falls unter psychischen Problemen leide, in einer Wohnung in
O._
. Bei der Scheidungsverhandlung habe sie auf Unterhaltszahlungen sowie das Sorgerecht für ihre Kinder verzichtet (vgl. auch
Urk.
10/13), da sie sich für die Trennung schuldig gefühlt habe.
Im Rahmen des Behandlungsverlaufs ab Januar 2007 sei die Beschwerdeführe
rin
zuverlässig zu wöchentlichen bis zweiwöchentlichen Konsultationen er
schienen. Sporadisch sei ihr jetziger Lebenspartner miteinbezogen worden. Es sei ihr ge
lungen, die Beziehung zu ihren Kindern weitgehend zu normalisieren. Mit ihrem Ex-Ehemann sei es wiederholt zu Auseinandersetzungen gekommen, worauf sie mit Alkoholabstürzen reagiert habe. Aufgrund positiver Vorerfah
rungen sei sie
zur Rückfallprophylaxe medikamentös behandelt worden. Im Sommer 2007 habe
sie trotz Verhütung eine Schwangerschaft festgestellt. Sie habe in der Folge vermehrt unter Existenzängsten gelitten, den Alkoholkonsum habe sie während der Schwangerschaft – bis auf einen Einbruch – einstellen können. Im März 2008 sei ihr fünftes Kind zur Welt gekommen, die Paarbezie
hung habe weiter
hin grossen Schwankungen unterlegen. Nach dem Mutter
schaftsurlaub habe die
Beschwerdeführerin ihre Arbeit bei der
Firma C._
wieder re
gulär aufnehmen können,
was vorerst eine positive gesamtpsychische Wirkung gezeigt habe. Anfang Novem
ber 2008 aber habe die vielfältige psychosoziale Belastung (Kindsbe
treu
ung, Arbeit bei der
Firma C._
, chronisch anhaltender Paar
konflikt) im Zusammen
hang mit der auch emotional instabilen Symptomatik zu einer gesamtpsy
chi
schen Verschlechterung geführt. Es seien erneut Alkohol
rückfälle aufgetreten, so dass sie sich zur Vermeidung eines vollständigen Ab
sturzes freiwillig zur stationären Behandlung habe einweisen lassen. Seit An
fang Februar 2009 sei sie nun wieder in ambulanter Behandlung. Die
Beschwer
deführerin
habe sich in
zwi
schen von ihrem Partner (Kindsvater) getrennt und habe auch ihre Arbeits
tätigkeit bei der
Firma C._
aufgegeben.
2.2
Der Gutachter schilderte ein auf die multiple psychosoziale Belastungssituation eingeengtes Denken; die
Beschwerdeführerin
habe von auftretenden Ängsten in grossen Kaufhäusern berichtet und an Orten, wo es viele Menschen habe. Eine Zwangssymptomatik liege nicht vor. Inhaltlich ergäben sich keine Hinweise für Wahn, Sinnestäuschungen oder Ich-Störungen. Bezüglich Affektivität klage die
Beschwerdeführerin
über Leergefühle, Störung der Vitalgefühle, Deprimiertheit sowie Insuffizienzgefühle (als Mutter nicht zu genügen). Der Antrieb werde als normal geschildert, wobei ein allgemeines Überforderungsgefühl betont werde. In letzter Zeit bestehe eine Tendenz zu sozialem Rückzug. In letzter Zeit mache sie sich Sorgen um ihre Kinder aus erster Ehe und sei erheblich belastet durch den Auszug und das Verhalten des Kindsvaters.
2.3
Dr.
Y._
diagnostizierte eine narzisstische Persönlichkeitsstörung sowie ein Abhängigkeitssyndrom durch Alkohol, ständiger Substanzgebrauch und – ohne Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit – eine rezidivierende depressive Störung so
wie ein Abhängigkeitssyndrom durch Tabak, ständiger Substanzgebrauch (S. 66).
Zur Begründung (S. 67 ff.) der erstgenannten Diagnose verwies er auf das zent
rale Symptom des labilen Selbstwertgefühls der
Beschwerdeführerin
, die starke
Beschäftigung mit ihrem persönlichen Wert, dass sie auf Kritik oft mit intensi
ven
Gefühlen der Wut, Scham oder Demütigung reagiere, dass sie sich ihrer Fä
hig
keiten und Talente sehr bewusst sei und möchte, dass andere diese sehen und
respektieren würden, dass bei Problemen aus ganz besonderen einzigarti
gen Grün
den nur wenige besondere Menschen sie verstehen würden, dass sie den An
spruch habe, von anderen ihrer Persönlichkeit entsprechend – und nicht wie eine unter vielen - behandelt zu werden und dass ihr im Kontakt mit ande
ren deren laufende Aufmerksamkeit wichtig sei und
sie
sich dabei ertappe, dass sie deren Bewunderung holen möchte. Sowohl Selbstüberschätzung wie auch Min
der
wertigkeitserleben seien Ausdruck eines gestörten Selbstwertgefühls. Die Selbst
überschätzung soll vor der Minderwertigkeit schützen und diese wiederum vor dem tiefen
Schmerz, der mit dem Selbstver
lust verbunden sei. Die narziss
ti
sche
Beschwerdeführerin
habe nicht gelernt, ihre Person angemessen einzu
schätzen. Daher fänden sich in den Persönlichkeitsfragebogen keine schlüssigen Befunde. Im Grunde halte sie sich für minderwertig, schwach, schlecht und un
attraktiv. Da das Eingeständnis, minderwertig zu sein, jedoch ausserordentlich unangenehm sei, rette sie die Selbstüberschätzung über das schlechte Gefühl hin
weg. Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung wie die
Be
schwerdeführerin forderten übertriebene Bewunderung, zeigten jedoch wenig echte
s Interesse und Einfühlungsvermögen für Mitmenschen. Lebensfreude er
leb
ten sie kaum und wenn, dann nur kurzfristig. Gefühle flackerten kurz auf, um
rasch wieder zu verflachen. Häufig seien Minderwertigkeits- und Unterle
gen
heits
gefühle zu beobachten, die mit Omnipotenzgefühlen und Grössen
phantasien be
züglich der eigenen Person wechselten. Bleibe die narzisstische Bestätigung aus, komme es zu Verstimmungen, depressiven Reaktionen, Ag
gressionen und Ängs
ten und es komme zu Minderwertigkeits- und Versagens
gefühlen. Die Ängste hätten in der Vergangenheit phasenweise das Ausmass von Panikattacken ange
nommen. Menschen mit narzisstischer Persönlichkeits
störung erlebten Zurück
wei
sung oder Kritik als beschämende Demütigung, die in ihnen die Gefühle einer
Niederlage und der Unterlegenheit hervorriefen. Beim Menschen mit narzis
sti
scher Persönlichkeitsstörung gehe es um die prototypi
sche narzisstische Reak
tion
auf die Bedrohung ihres grandiosen Selbstbildes. Die Aggression mit all ihren
Symptomen sei eine Reaktion auf Kränkungen in der Umwelt, so dass Fehlsteu
e
rung oder mangelhafte Beherrschung Symptome eines übermässig fragilen Selbs
t
s
seien.
Zur zweitgenannten Diagnose hielt er fest, das unklare, instabile Selbstkonzept der
Beschwerdeführerin
führe zu einem Gefühl der inneren Leere, der Sinnlosig
keit und der Unzufriedenheit, was zu Ruhelosigkeit und Hyperaktivität führe. De
r
Alkoholkonsum der Beschwerdeführerin sei in diesem Zusammenhang als Selbst
heilungsversuch mit untauglichen Mitteln zu verstehen. Der gemessene Blutal
koholspiegel zum Untersuchungszeitpunkt habe 0.7 Promille betragen.
In Bezug auf die depressiven Beschwerden verwies
Dr.
Y._
auf Gedanken
krei
sen, Traurigkeit, Interesse- und Freudlosigkeit, Schuld- und Versagensgefühle, eine
erhöhte Ermüdbarkeit und phasenweise Selbstmordgedanken sowie bereits in der Vergangenheit aufgetretene depressive Episoden. Er empfahl eine lang
fris
tige, ambulante, engmaschige, störungsspezifische, psychopharmakologische
Psychotherapie der narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit Kontrollen der Absti
nenz von Alkohol.
2.4
Der Gutachter befand die
Beschwerdeführerin
aufgrund der
dekompensierten
narzisstischen Persönlichkeitsstörung mit Abhängigkeitssyndrom durch Alkohol als nicht in der Lage, in einer Doppelfunktion Mutter/Hausfrau und in einer ausserhäuslichen Tätigkeit zu arbeiten. In ihren jeweiligen Tätigkeitsbereichen sei die
Beschwerdeführerin
zu 70
%
arbeitsfähig. Weiter hielt er fest, die Ehe
probleme, der Autounfall, die gesundheitlichen Probleme ihrer Tochter und die Trennung und Scheidung von ihrem Ehemann hätten zu einer Dekompensa
tion der narzisstischen Persönlichkeitsstörung geführt. Die Probleme mit dem neuen Lebenspartner, die Mehrfachbelastung als Mutter/Hausfrau und in aus
serhäus
li
cher Ar
beitstätigkeit und der drohende Verlust ihrer Tochter infolge des Abhäng
igkeitssyndroms durch Alkohol stellten die aufrechterhaltenden psy
chosozialen Belastungsfaktoren der Dekompensation der narzisstischen Persön
lichkeitsstö
rung dar. Die Prognose sei abhängig von der Entwicklung der psy
chosozialen Belastungsfaktoren
(S. 69).
3.
3.1
Die seit August 2009 behandelnde
Dr.
med.
Z._
von der Fachstelle für Alko
hol
probleme, Kloten, diagnostizierte – im Rahmen der Neuanmeldung - in ihrem
Bericht vom
7.
Mai 2012 (
Urk.
10/53) eine Alkoholabhängigkeit, gegen
wärtiger Substanzgebrach seit 2003, eine rezidivierende depressive Störung, ge
genwärtig
leichte Episode ohne somatisches Syndrom seit 2000, eine Agorapho
bie mit Panik
störung, teilremittiert seit 2000 sowie akzentuierte Persönlichkeits
züge vom
emotional instabilen Typus seit Jugendalter (
Ziff.
1.1). Sie hielt fest, die Be
schwer
deführerin sei nicht alkoholabstinent, weshalb eine eingeschränkte Ver
bind
lichkeit bezüglich Terminwahrnehmung sowie Konzentrations-, Merkfä
hig
keits- und Auffassungsstörungen bestünden. Aufgrund der Komorbidität
(Depress
ion, Angst) ergebe sich eine verminderte Umstellungs- und Anpas
sungs
fähig
keit. Insgesamt bestehe eine deutlich reduzierte Belastbarkeit auf
grund des
komplexen psychiatrischen Störungsbildes. Im Vordergrund stehe ge
genwärtig die Suchtproblematik, die sich jedoch sekundär nach dem traumati
schen Erleb
nis 2000 und der Entstehung der depressiven und der Angststörung ergeben habe (
Ziff.
1.7). Sie attestierte eine vollumfängliche Arbeitsunfähigkeit als
Mitarbeiterin der Firma C._
seit 2008 (
Ziff.
1.6) und erachtete lediglich eine Tätigkeit in geschüt
z
tem
Rahmen zu maximal 30
%
als möglich (
Ziff.
1.7).
3.2
Dr.
m
ed.
D._
, Oberarzt
Psychiatrie A._
, welcher die
Beschwerdeführerin
– nach Be
treuung durch
Dr.
Z._
ab
9.
Januar 2012 - seit
1.
September 2012 behandelt, berichtete am
3.
Juni 2013 (
Urk.
10/66) über eine gewisse Stabilisierung im am
bulanten Setting, so dass keine weiteren Kriseninterventionen und Notfallein
weisungen (zuletzt im Februar 2012) notwendig gewesen seien. Unter antide
pressiver Medikation sei es zu einer Teilremission der ängstlich-depressiven
Symptomatik gekommen. Die Beschwerdeführerin sei als ultima ratio auf Anta
bus
eingestellt worden, darunter sie mehrere Wochen abstinent gewesen sei. Immer wieder sei es jedoch zu Rückfällen gekommen. Die
Beschwerdeführerin
sei weiterhin nicht durchgehend alkoholabstinent, daher bestehe die bereits von
Dr.
Z._
beschriebene Problematik betreffend Terminwahrnehmung und weitere Einschränkungen (E. 4.1), welche auch unter Ausblendung des Suchtleidens in trinkfreien Phasen vorhanden seien.
Dr.
D._
bestätigte die von
Dr.
Z._
gestellte Diagnose (E. 4.1), wobei er die
rezidivierende depressive Störung als gegenwärtig remittiert erachtete und kei
ne
n Hinweis auf eine Teilremission der Agoraphobie mit Panikstörung machte. Er erkannte aufgrund der reduzierten Belastbarkeit und trotz mehrfachen stati
onä
ren, teilstationären und ambulanten Behandlungen des schweren (aus seiner Sicht
sekundären) Suchtleidens keine Möglichkeit einer wirtschaftlich verwert
baren Tätigkeit. Einsätze im geschützten Rahmen (30
%
) seien vorstellbar und bereits erfolgt.
3.3
3.3.1
Med. prakt.
E._
führte in ihrem Gutachten vom 1
9.
Dezember 2013 (
Urk.
10/75)
in anamnestischer Hinsicht aus, seit der Trennung vom Partner
lebe die Beschwerdeführerin alleine, wobei sie sich zeitweise in der Wohnung des
Partners aufhalte. Die jüngste Tochter habe während den ersten zwei bis drei
Lebensjahren bei ihr gelebt. Nachdem sie aufgrund ihrer Alkoholproblema
tik auf
gefallen sei, sei das Kind bei einer Pflegefamilie untergebracht worden. Sie sei aktuell in einem Kinderheim untergebracht und verbringe jedes zweite Wochen
ende bei der
Beschwerdeführerin
(S. 19).
3.3.2
Die Gutachterin berichtete sodann
über das von der
Beschwerdeführerin
ge
schilderte Hauptproblem von Zukunftsangst. Sie habe aktuell viel Zeit, wisse nicht,
was sie mit sich anfangen solle. Sie beschäftige sich mit malen, stricken, lesen. Sie habe Angst vor der Zukunft und manchmal Angst vor der Angst. Sie frage sich immer wieder, ob sie es schaffe, nicht zu trinken, in den letzten Monaten sei sie einige Male rückfällig geworden (S. 14). Seit eineinhalb Jahren
sei sie morgens von 08.30 bis 11.00 Uhr in der psychiatrischen Tagesstätte
F._
,
wo verschiedene Aufträge erledigt würden (aktuell Weihnachtskarten anferti
gen,
Guetzli backen, Nikolaussäckli packen, stricken). Dort fänden alle paar Monate Standortgespräche mit der behandelnden Psychologin, der zuständigen Person
von der Suchtberatungsstelle und einer Mitarbeiterin vom Sozialamt statt (S. 15).
Sie sehe sich nicht in der normalen Arbeitswelt ohne geschützten Rahmen. Im
F._
habe sie das vorgesehene Zeitpensum von 50
%
immer noch nicht ge
schafft. Auch beim aktuellen Pensum von 35
%
gebe es immer wieder Ausfälle, welche durch das Trinken, manchmal aber auch durch Angst oder extreme Schmerzen verursacht seien. Manchmal komme sie morgens einfach nicht aus dem Bett (S. 17).
3.3.3
Die Expertin beschrieb grundsätzlich unauffällige Befunde bei der affektiv ober
flächlich und schwankend (zwischen Heiterkeit mit wiederholtem Lachen und Gereiztheit bei Thematisierung nicht zusagender Fragen [Alkoholrückfälle]) er
scheinenden Beschwerdeführerin mit recht ausgeglichener Grundstimmung, welche
punktuell geringgradig herabgesetzt gewesen sei. Es lasse sich eine ge
wisse Störung der Steuerungsfähigkeit bei einer hohen Kränkbarkeit in Form von Alkoholrückfällen und punktuell auch selbstverletzendem Verhalten eruie
ren. Ein Leidensdruck in Bezug auf die psychischen Probleme sei wenig spürbar gewesen. Sie habe wenig motiviert erschienen bzw. deutlich ambivalent in Be
zug auf eine adäquate ambulante psychiatrisch-psychotherapeutische Behand
lung samt Suchtbehandlung mit dem Ziel einer bewussten Abstinenz (S. 17 f.).
3.3.4
Med. prakt.
E._
führte aus, bei der
Beschwerdeführerin
bestünden psychische
und Verhaltensstörungen durch Alkohol. Während früher ein ständiger Sub
stan
z
gebrauch beschrieben worden sei, habe sich das Trinkverhalten im weite
ren Ver
lauf dahingehend verändert, dass inzwischen ein episodischer Gebrauch festzu
stellen sei. Im Längsschnittverlauf lasse sich daher eine gewisse Besserung des Trinkverhaltens konstatieren (S. 23).
Bei der
Beschwerdeführerin
liessen sich sodann persönlichkeitsstrukturelle Auf
fällig
keiten feststellen. Es sei von einem mässigen bis zeitweise geringen struk
turellen Integrationsniveau auszugehen mit gewissen Auffälligkeiten in den Bereichen der Selbstwahrnehmung, der Objektwahrnehmung, der psychischen Abwehrfunktionen, der Kommunikation und insbesondere der Selbststeuerung. Hinsichtlich der Selbststeuerung lasse sich eine eingeschränkte Selbstwertregu
lierung mit einer hohen Kränkbarkeit feststellen. Es sei davon auszugehen, dass belastende Ereignisse, insbesondere Verlusterlebnisse und Verlustängste (Ängste
nach der Geburt der Tochter 2009, Trennung und Scheidung 2006, Fremdplat
zie
rung der Tochter 2011) zu einer Labilisierung der strukturellen Vulnerabilität
geführt und die Entwicklung von depressiven Symptomen wie auch die Ent
wick
lung einer Alkoholproblematik begünstigt hätten. Die persönlichkeits
struk
tu
rellen Auffälligkeiten seien am ehesten akzentuierten Persönlichkeitszü
gen mit histrionischen, narzisstischen und emotional instabilen Anteilen zuzu
ordnen. Diffe
rentialdiagnostisch sei eine kombinierte Persönlichkeitsstörung zu erwägen (S. 23 f.).
Die Gutachterin führte weiter aus, im Rahmen der aktuellen Untersuchung hätten sich weder Hinweise für das Vorliegen einer Agoraphobie noch einer Panikstörung ergeben. Falls früher solches vorgelegen haben sollte, sei
e
s voll remittiert. Für die Diagnose eines ADHS gebe es in den Akten und auch auf
grund der anamnestischen Schilderungen der Beschwerdeführerin keine An
halts
punkte (S. 24).
3.3.5
Die Gutachterin hielt zusammenfassend fest, die vorliegenden akzentuierten Per
sön
lichkeitszüge bzw. die differentialdiagnostisch erwogene kombinierte Persön
lichkeitsstörung hätten keine wesentlichen und insbesondere keine quan
tita
ti
ven Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit und Ausbildungsfähigkeit zur Folge gehabt. Der
Beschwerdeführerin
sei es – trotz der bei ihr per Definitionem seit der Jugend vorliegenden persönlichkeitsstrukturellen Auffälligkeiten – möglich
gewesen, zwei Berufe zu erlernen und diese auch auszuüben. Von einer guten Um
stellungs- und Anpassungsfähigkeit zeuge die berufliche Anamnese: Die ge
lernte medizinisch-radiologische Praxisassistentin habe sich im Alter von 35
Jahren
entschlossen, einen neuen Beruf zu erlernen (Haus- und Familien
pflegerin, S.
12) und nachfolgend entsprechend tätig zu sein. Auch nach einer längeren Pause nach der Geburt der Tochter im Jahr 2000 sei sie wieder einer Berufstätigkeit nachgegangen.
Aus gutachterlich-psychiatrischer Sicht sei festzuhalten, dass eine quantitative Arbeitsunfähigkeit aus den bei ihr vorgelegenen depressiven Episoden resultiert habe und in deren Rahmen zeitlich begrenzt gewesen sei. Die rezidivierende depressi
ve Störung sei vollständig remittiert.
Hinsichtlich der Suchtproblematik führte die Expertin aus, diese resultiere nicht aus einem invalidisierenden psychischen Gesundheitsschaden, weil die vorgele
ge
nen psychischen Störungen zeitlich begrenzt gewesen seien. Körperliche oder geistige Folgeschäden lägen nicht vor.
Die Gutachterin verwies sodann auf verschiedene psychosoziale Belastungsfak
toren, welche den Behandlungsverlauf entscheidend beeinflusst hätten: Das sub
jek
tive Krankheitskonzept mit einem maladaptiven Krankheits- und Schon
ver
halten, Migrationshintergrund, wenige und inzwischen auch länger zurück
lie
gende Erfahrungen in den erlernten Berufen, eher geringe Chancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, nach der Geburt der Tochter 2008 und insbesondere
aktuell geringer beruflicher Ehrgeiz, angespannte finanzielle Situation, IV-Be
ren
tung des Partners, eigener Rentenwunsch (S. 24 f.).
Zusammenfassend stellte med. prakt.
E._
aufgrund der beschriebenen psy
chischen Störungen allenfalls sehr leichte qualitative Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit fest, welche durch eine leicht verminderte Stress- und Frust
rationstoleranz, eine leicht eingeschränkte emotionale Belastbarkeit und allen
falls leicht eingeschränkte soziale Kompetenzen mit Einschränkungen der Kon
flikt
fähigkeit bedingt seien. Qualitative Einschränkungen hätten sich nicht mehr feststellen lassen. Sodann liessen sich gute Ressourcen
in Form von guten in
tellektuellen und kognitiven Fähigkeiten einschliesslich einer guten Konzentra
tion und A
ufmerksamkeit, der Bereitschaft
Neues zu lernen wie auch kreative Fähigkeiten feststellen (S. 25).
3.3.6
Med. prakt.
E._
diagnostizierte akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrio
nischen, narzisstischen und emotional instabilen Anteilen, differentialdiagnos
tisch eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit histrionischen, narzisstischen
und emotional instabilen Zügen.
O
hne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit er
wähnte
sie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig voll remittiert, sowie psy
chische und Verhaltensstörungen durch Alkohol, Abhängigkeitssyn
drom, gegen
wärtig episodischer Substanzgebrauch. Sie attestierte eine vollum
fängliche Ar
beits
fähigkeit in der angestammten Tätigkeit bei der
Firma C._
sowie als Hausfrau. Nach dem Attest einer 30%igen Arbeitsunfähigkeit im Januar 2010
und der nachfolgenden stationären/teilstationären psychiatrischen Klini
kaufenthalte sei ab Mai 2012 und erneut ab Juni 2013 eine Stabilisierung bzw. Besserung der psychischen Symptomatik beschrieben worden. Vermutlich schon länger, wahr
scheinlich sei
t
Juni 2013 und spätestens seit der gutachterlichen Untersuchung
im Dezember 2013 sei eine vollumfängliche Arbeitsfähigkeit aus
gewiesen (S. 26)
.
Sie ergänzte, die von den bisher behandelnden Ärzten attestierte vollumfängli
che Arbeitsunfähigkeit sei – auch vor dem Hintergrund der vorgenommenen diag
nostischen Einschätzung – nicht nachvollziehbar. Es sei davon auszugehen, dass die ambulant behandelnden Ärzte die subjektiven Beschwerden zu stark gewichtet und zudem auch die Suchtprobleme wie auch psychosoziale Belas
tungsfaktoren miteinbezogen hätten (S. 27 f.).
3.4
Am
3.
April 2014
(
Urk.
10/86/1-5)
nahmen
Dr.
D._
sowie lic. phil.
G._
von
der Psychiatrie A._
Stellung zum Gutachten von med. prakt.
E._
. Sie bemängelten, es lägen mehrfache fachpsychiatrische Beurteilungen vor, welche eine Angststö
rung mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten. Die Gutachterin stelle aufgrund einer punktuellen Befunderhebung dagegen fest, dass keine Angststörung vorliege und bezeichne die psychiatrischen Vorberichte als in
konsistent. Weiter seien die bisherigen Therapeuten und auch Vorgutachter
Dr.
Y._
von einer sekundären Abhängigkeit ausgegangen, was im vorliegen
den Gutachten ohne nachvollziehbare Begründung verneint werde. Die Gut
ach
terin gehe sodann von einer schlechten Therapiemotivation aus, bezeichne jedoch
gleichzeitig die aktuelle Behandlung als ausreichend. Schliesslich wi
derspreche die Beurteilung der erhaltenen Funktionen und Fähigkeiten im Gut
achten den eigenen Beurteilungen (S. 4
Ziff.
5).
Die Fachpersonen führten weiter aus, das Gutachten weise einige relevante
Widersprüche auf. Insbesondere seien die Vorbeurteilungen hinsichtlich der Angst
störung nicht hinreichend diskutiert worden. Eine Verbesserung der funk
tionellen Leistungsfähigkeit lasse sich aufgrund der eigenen Verlaufsbeobach
tungen nicht feststellen. Die Abnahme der stationären Behandlungsfrequenz in den letzten zwei bis drei Jahren sei auf eine sehr engmaschige Betreuung durch die behandelnde Psychologin inkl. mehrfache notfallmässige ambulante Kri
sen
interventionen sowie Anbindung an die Institution
F._
zurückzuführen. Die Abhängigkeitsproblematik habe sich tatsächlich leicht gebessert, was für die zugrunde liegende psychische Problematik allerdings nicht zutreffend sei (S. 4 f.
Ziff.
6).
3.5
Dr.
med.
H._
, Oberarzt, und lic. phil. I
I._
, Psychotherapeutin, von der
Klinik B._
berichteten am
4.
Juni 2014 (
Urk.
10/91) über die stationäre Be
hand
lung vom 3
1.
März bis 3
0.
Mai 201
4.
Sie diagnostizierten eine Alkoholab
häng
ig
keit, gegenwärtiger Substanzgebrauch, eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig kompensiert, eine Agoraphobie mit Panikstörung, akzen
tuierte Per
sön
lichkeitszüge vom
emotional instabilen Typus, ein
Tabakabhän
gigkeits
syn
drom, gegenwärtiger Substanzgebrauch, chronische Diarrhoe unkla
rer Genese seit drei bis vier Wochen sowie ein Karpaltunnelsyndrom links. Sie verwiesen auf eine Ablenkbarkeit der
Beschwerdeführerin
in der Einzeltherapie durch die Eifersucht ihres Partners sowie die eintretende Diarrhoe und den Austritt zwecks
weiterer (somatischer) Abklärungen. Zur Arbeitsfähigkeit äus
serten sie sich nicht
(S. 3).
4.
4.1
Zur massgeblichen Frage, ob sich eine Verschlechterung der gesundheitlichen Situation eingestellt hat, ist vorwegzuschicken, dass die
Beschwerdeführerin
bereits vor Erlass der ersten
leistungsabweisenden
Verfügung am 1
0.
Mai 2010 ver
schiedene stationäre sowie ambulante Therapien absolviert hatte. So verwies Gutachter
Dr.
Y._
(seit 2004) auf eine Hospitalisation im Kantonsspital Schaffhausen zum Alkoholentzug, fünf Hospitalisationen im Psychiatriezentrum
J._
, wo als Hauptdiagnose jeweils die Störung durch Alkohol gestellt wurde,
eine Hospitalisation in der
Klinik B._
, eine ambul
ante Behandlung im Psychiatriez
entrum
K._
von Januar 2007 bis Oktober 2008 sowie zwei Hos
pi
talisationen im
Spital L._
, Psychiatriestützpunkt, Mutter-Kind-Abtei
lung (
Urk.
10/25/1-76 S. 15 ff.).
Auch nach der erstmaligen Verneinung des Rentenanspruchs absolvierte die
Beschwerdeführerin
verschiedene stationäre und ambulante Therapien: So war sie vier Mal in der Klinik
K._
und ein Mal in der Klinik
B._
hospitalisiert (
Urk.
10/66 S. 2).
Damit zei
g
te sich das bekannte Bild von wiederholten stationären und ambu
lan
ten Therapien in vergleichbarem Masse weiter.
4.2
In diagnostischer Hinsicht ging
Dr.
Y._
ursprünglich von einer narzisstischen
Persönlichkeitsstörung und einem Abhängigkeitssyndrom durch Alkohol aus und
verwies – als Nebendiagnose – auf eine rezidivierende depressive Störung (E. 2.3).
Die vorbehandelnden Ärzte thematisierten sodann eine Angststörung (
Urk.
10/25/16
), eine Anpassungsstörung (
Urk.
10/25/19), eine Panikstörung und Hinweise auf Persönlichkeit mit emotional instabilen Zügen (
Urk.
10/25/23) so
wie einen Status nach der erwähnten Angst- und Panikstörung (
Urk.
10/25/33).
Med. prakt.
E._
diagnostizierte akzentuierte Persönlichkeitszüge mit histrio
ni
schen, narzisstischen und emotional instabilen Anteilen und diskutierte das Vorliegen einer Persönlichkeitsstörung. Sodann erwähnte sie – als Nebendi
ag
nosen – die remittierte rezidivierende depressive Störung sowie psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol (E. 3.3.6). Die behandelnden Ärzte nannten sodann eine teilremittierte Agoraphobie mit Panikstörung (E. 3.1 und E. 3.2).
Daraus ist zu ersehen, dass sich in diagnostischer Hinsicht keine wesentlichen Änderungen ergeben haben. Vielmehr
fassten die beteiligten Ärzte die Gesund
heitsstörungen leicht unterschiedlich, jedoch insgesamt sowohl im Zeitpunkt der ersten wie auch der zweiten Leistungsablehnung im Rahmen einer Persönlich
keitsstörung bzw. -akzentuierung unter Hinweis auf eine
(teilremittierte)
Angst- und Panikstörung
sowie eine Alkoholproblematik.
4.3
Auch die erhobenen Befunde sind vergleichbar
:
Ursprünglich wurde ein labiles Selbstwertgefühl mit Fokus auf dem persönlichen Wert sowie
der
Einzigartigkeit samt inadäquatem Umgang mit Kritik im Rahmen von Selbstüberschätzung und Minderwertigkeitserleben geschildert. Die Alkoholproblematik wurde als Selbst
heilungsversuch mit untauglichen Mitteln gefasst
und in Bezug auf die depres
si
ven Beschwerden auf Gedankenkreisen, Traurigkeit, Interesse- und Freundlo
sig
keit, Schuld- und Versagensgefühle sowie eine erhöhte Ermüdbarkeit und pha
sen
weise Selbstmordgedanken hingewiesen
(E. 2.3)
.
Im Verlauf bis zur erneuten Leistungsablehnung wurden unter Hinweis auf die (zuweilen im Vordergrund stehende) Alkoholproblematik eine eingeschränkte Verbindlichkeit, Konzentrations-, Merkfähigkeits- und Auffassungsstörungen
(E.
3.1-2), Zukunftsangst (E.
3.3.2), affektive Oberflächlichkeit und Schwan
kung
en (E.
3.3.3) geschildert.
Damit wurde keine Verschlechterung dokumentiert, son
dern
es
liegen im Gegenteil im Wesentlichen identische Befunde vor.
4.4
Unter dieser Prämisse erscheint das Gutachten von med. prakt.
E._
als be
weiswertig im Sinne der Rechtsprechung
(vgl. hierzu BGE 134 V 231 E. 5.1, 125
V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
So ist es für die
streitigen Belange umfas
send, gibt
es doch Auskunft über den Gesundheitszustand der Beschwerdefüh
rerin sowie die Restarbeitsfähigkeit. Es beruht sodann auf den notwendigen persönlichen
Untersuchungen und berücksichtigt detailliert die geklagten Be
schwerden, welch
e massgeblich für die diagnostische Einschätzung waren. Weiter wurde das Gut
achten in Kenntnis
der
und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten abge
g
e
ben.
Med. prakt.
E._
refe
rierte die umfangreiche medi
zinische Aktenlage
(
Urk.
10/75
S. 3
ff.) und legte den Krankheitsverlauf in zeit
licher Abfolge
und gestützt auf die anamnestischen Angaben
dar (
Urk.
10/75 S. 19 ff.).
Schliesslich leuchtet die Expertise
in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der
Beurteilung der medizinischen Situation ein und
sind
die Schluss
fol
ge
rungen begründet
.
In diesem Sinne begründete med. prakt.
E._
ihre Ein
schät
z
ung anhand der erhobenen Befunde und der anamnestisch erhobenen Zusam
menhänge unter Aufzeigen psychosozialer Belastungsfaktoren (E. 3.3.5).
4.5
Als Hauptkritikpunkt am Gutachten wurde von den Fachleuten
der Psychiatrie A._
die feh
lende Auseinandersetzung mit der vordiagnostizierten Angst- und Panikstörung gerügt
bzw. die von den Vorberichten abweichende Einschätzung
(E. 3.4). Hier
zu ist zu bemerken, dass
sich
med. prakt.
E._
auf ihre erhobenen Be
funde
abstützte, welche eher diskret waren und deren Richtigkeit nicht bestrit
ten wurde
. Soweit vorgebracht wurde, dass sich die Gutachterin nur auf eine Moment
auf
nahme stützte, ist dies praktisch jeder me
dizinischen Expertise in
härent und f
ührt
nicht dazu, dass die Ergeb
nisse ihren Wert verlieren.
Will man gleichwohl davon ausgehen, dass die Beschwerdeführerin bei der Be
gutachtung einen nicht repräsentativ guten Tag hatte oder ihre Defizite beschö
nigte, zeigt ein Blick auf die von den behandelnden Ärzten geschilderten Be
funde
ein uneinheitliches Bild. So erachtete
Dr.
Z._
die seit dem Jahr 2000 vor
liegende Agoraphobie mit Panikstörung als teilremittiert (E.
3.1).
Dr.
D._
von der
Psychiatrie A._
konnte
im Juni 2013
eine Remission nicht erkennen, verwies indes
pauschal auf „generalisierte Ängste“ (Beginn beim Aufwachen, Panikat
tacken mit
Vermeidungsverhalten), ohne konkrete einschlägige Situatio
nen zu schildern (
Urk.
10/66).
Auch im Bericht vom April 2014 (
Urk.
10/86/1-5) finden sich keine konkreten aktuellen Befunde betreffend die Angststörung, sondern ledig
lich pauschale Hinweise auf zum Teil Jahre zurückliegende Ängste, namentlich im
Zug
des Unfalls in schwangerem Zustand.
Schliesslich finden sich im Bericht der
Klinik B._
vom Juni 2014 (
Urk.
10/91) ebenfalls keine konkret geschil
derten Situationen des Auftretens der
(wahrscheinlich bloss im Rahmen der Abschrift von Vorberichten)
diagnostizierten
Agoraphobie. Ganz im Gegenteil wurden die einzelnen Therapieformen geschildert ohne Hin
weis auf Angstzu
stände der Beschwerdeführerin.
Damit ist nicht erkennbar, inwieweit die Beschwerdeführerin in einer Arbeits
tätigkeit wegen einer Angststörung eingeschränkt sein sollte. Sie ist denn auch - in geschütztem Rahmen - arbeitstätig, ohne dass Berichte über Angstzustände im Rahmen der Arbeitstätigkeit dokumentiert oder solche auch nur behauptet worden wären.
4.6
Soweit die
A._
-Ärzte sodann auf den Umstand verwiesen, dass die Behand
lungsfrequenz lediglich Dank der engmaschigen Betreuung im Rahmen der ge
schützten Tätigkeit samt psychologischer Unterstützung möglich geworden sei (E. 3.4), kann hieraus nicht auf eine Verschlechterung der Situation seit dem
Jahr 2010 geschlossen werden, wa
r
sie doch auch damals bereits regelmässig in (stationärer) Behandlung.
Eine
neu eingetretene bzw. erhöhte
Arbeitsunfähigkeit ist dadurch nicht erstellt.
4.7
4.7.1
Festzuhalten ist sodann, dass die Ärzte die Problematik in engem Zusammen
hang
mit der
Alkoholproblematik sahen. So verwies ursprünglich bereits
Dr.
Y._
auf einen ständigen Substanzgebrauch und beurteilte die Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin deswegen als eingeschränkt (E.
2.3).
In der Folge war die Beschwerdeführerin - wie bereits zuvor - mehrfach wegen ihrer Alko
holab
hängigkeit hospitalisiert
(
Urk.
10/66 S.
2) und begründete die
Psychiatrie A._
die Ein
schrän
kung in der Arbeitsfähigkeit mit der reduzierten Belastbarkeit und dem schweren Suchtleiden (
Urk.
10/66 S. 3).
Auch sämtliche übrigen Ärzte sa
hen in der Alkoholproblematik einen wesentlichen arbeitsfähigkeitseinschrän
kenden Faktor, wobei med. prakt.
E._
auf eine Besserung des Trinkverhaltens schloss (E. 3.3.4), was indes nicht von Dauer war, musste doch die Beschwer
deführerin Anfang 2014 deswegen
erneut
stationär behandelt werden (E. 3.5).
4.7.2
Angesichts dieser Sachlage ist festzuhalten, dass A
lkoholismus (wie auch Dro
gensucht und Medikamentenabhängigkeit) für sich allein keine Invalidität im Sinne des Gesetzes
begründet. Vielmehr wird er invalidenversicherungsrechtlich erst relevant, wenn er eine Krankheit oder einen Unfall bewirkt hat, in deren Folge ein körperlicher, geistiger oder psychischer, die Erwerbsfähigkeit beein
trächtigender Gesundheitsschaden eingetreten ist, oder wenn er selber Folge eines körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheitsschadens ist, dem Krank
heitswert zukommt (Urteil des Bundesgerichts 8C_694/2008 vom 5. März 2009 E. 2).
Die Ärzte der
Psychiatrie A._
verwiesen auf ein sekundäres Suchtleiden (E. 3.2 und E. 3.4)
und auch
Dr.
Y._
sah die Suchtproblematik als Folge der psychischen Beein
trächtigung (im Sinne eines Selbstheilungsversuchs, E. 2.3).
Die zugrunde lie
gen
de psychische Störung hat sich indessen im relevanten Beurteilungszeitraum nicht verschlechtert und auch die Alkoholproblematik besteht in vergleichbarer Ausprägung fort. Damit hat sich auch diesbezüglich keine Veränderung erge
ben, aufgrund welcher
sich
neu eine invalidenversicherungsrechtliche Relevanz samt erheblicher Einschränkung der Arbeitsfähigkeit aufgrund des Suchtleidens erge
ben würde.
4.8
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich der Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin - wenn überhaupt - nicht in relevanter Weise verschlechtert hat, weshalb nach wie vor kein Anspruch auf eine Rente der Invalidenversi
che
rung besteht. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
5
.
5
.1
Da di
e Voraussetzungen
erfüllt sind, ist der Beschwerdeführerin antragsgemäss die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen und es ist ihr Rechtsanwältin Noëlle Cerletti als unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen.
5
.2
Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführe
rin
aufzuerlegen, infolge bewilligter
unentgeltlich
er Prozessführung jedoch einst
wei
len auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5
.3
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die mit heutigem Beschluss bestellte unent
geltliche Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Noëlle Cerletti, aus der Gerichtskasse zu entschädigen
, nach Einsicht in die Kostennote vom 1
6.
Dezember 2015 (
Urk.
12/2) im Umfang von
Fr.
1‘908.55.
5
.4
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4 GSVGer hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.