# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 02b41cc3-f682-4afc-a29f-41a2d0ed26fe
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1967, war von 1. April 2001 bis 31. August 2008 für sechs Stunden pro Woche als Haushilfe für den Verein
Y._
tätig (Urk. 6/6)
.
Unter Hinweis auf Handgelenks
beschwerden
meldete sich
die Versi
cherte
am 29. Januar 2008 bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 6/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab, und holte bei der MEDAS
Z._
sowie beim
Z
entrum
A._
polydisziplinäre Gut
achten ein, welche am 21. Oktober 2009 (Urk. 6/51) und am 17. Dezember 2013 (Urk. 6/148) erstattet wurden.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/153-158) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom 19. September 2014 einen Anspruch der Versi
cher
ten auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 6/160).
Die von der Versicherten am 22. Oktober 2014 dagegen erhobene
Beschwerde (
Urk. 6/163) wurde vom hiesigen Gericht im Verfahren IV.2014.01099 mit Urteil vom 2. September 2015 (Urk. 6/170) in dem Sinne gutgeheissen, dass die Sache an die Beschwerdegegnerin zu weiteren Abklärungen zurückgewiesen wurde.
1.
2
Die Beschwerdegegnerin klärte erneut die medizinische und erwerbliche Situation ab, holte beim
Z
entrum
A._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am 17. November 2016 erstattet wurde (Urk. 6/227)
,
und
stellte
mit Vor
bescheid vom 11. Mai 2017 (Urk. 6/233)
in Aussicht, einen Rentena
nspruch
zu verneinen
.
Dagegen erhob die Versicherte Einwände (
Urk.
6/237).
Nach erneutem
durchgeführten
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/313, Urk.6/318) verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom 2
3.
März
2020 einen Anspruch der Versi
cherten auf
eine Rente
der Invalidenversicherung (Urk. 6/321 =
Urk.
2).
2.
Die Versicherte erhob am 2
4.
April 2020
Beschwerde (
Urk.
1)
gegen die Verfü
gung vom
2
3.
März 2020
(Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben (S. 2 Ziff. 1) und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen
, insbesondere eine ganze I
nvalidenr
ente,
zuzusprechen
(S. 2 Ziff. 2).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
2.
Juni 2020
(Urk. 5) die
Abweisung
der Beschwerde
. Dies wurde der Beschwerdeführerin am
8.
Juni 2020 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
3.
Mit Mitteilung vom 17. November 2017 (Urk. 6/251) gewährte die Beschwer
de
gegnerin der Versicherten Kostengutsprache für eine Potentialabklärung bei der
B._
.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/26
5
-26
8
) verneinte die Be
schwer
degegnerin mit Verfügung vom 23. Februar 2018 (Urk. 6/2
69)
einen Anspruch der Versicherten auf Taggeld während der Potentialabklärung.
Die von
der Versicherten am
8.
März 2018 dagegen erhobene Beschwerde (
Urk.
6
/
272/3
8) wurde vom hiesigen Gericht im Verfahren IV.2018.00239 mit Urteil vom 3.
Juni 2019 (
Urk.
6/299) mit der Feststellung gutgeheissen, dass die Beschwerdeführerin für die Zeit der Potentialabklärung bei der
B._
Anspruch auf Taggelder hat. Die von der
Beschwerdegegnerin am 1
5.
August 2019 dagegen erhobene Be
schwer
de (
Urk.
6/302) hiess das Bundesgericht im Verfahren 8C_508/2019 mit Urteil vom
27. Mai 2020
gut und bestätigte die Verfügung der Beschwerde
geg
nerin vom 2
3.
Februar 201
8.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
;
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf
die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose vor
aus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidi
tät. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbs
fähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätio
logie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der ver
sicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Inva
liditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizi
nisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwie
gender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V
281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Den von Versicherungsträgern im Verfahren nach Art. 44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtsprechung entsprechenden Gutachten externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Expertise sprechen (BGE 135 V 465 E. 4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom 11. Juni 2019 E. 2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin ging in d
er angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus,
dass gemäss den Abklärungen des
A._
keine somatischen Diagnosen vorlägen, welche eine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit hätten. Der Beschwerdeführerin seien wechselbelastende, leichte bis mittelschwere Tätigkeiten uneingeschränkt zumutbar. In der Untersuchung sei eine psychiatrische Problematik festgestellt worden.
Die Beschwerdeführerin befinde sich jedoch nicht in psychiatrischer Be
handlung. Es könne entsprechend kein hoher Leidensdruck erkannt werden. Wäh
rend der Untersuchung habe festgestellt werden können, dass eine Diskrepanz zwischen den subjektiven Angaben und dem objektivierbaren Befund bestehe. Zu
dem
hätten
auch zwischen dem
g
eklagten Leidensausmass und der Erkennbarkeit eines
entsprechenden Leidensdruckes Differenzen erkannt werden können.
Eine depressive Störung oder eine Angst- oder Zwangsstörung habe nicht diagnostiziert werden können. Die Beschwerdeführerin verfüge über eine gute Ressourcenlage. Eine gewisse Persönlichkeitsproblematik liege vor, allerdings manifestierten sich die Auswirkungen im sozialen Kontext nicht einschränkend.
E
ine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
könne
nicht nachgewiesen werden. Es könne von keiner schwerwiegenden Beein
trächtigung ausgegangen werden.
Es könne somit weder vom somatischen noch vom psychischen Bereich von einer gesundheitsbedingten Einschränkung der Leis
tungsfähigkeit ausgegangen werden.
Sowohl aus psychiatrischer wie auch aus somatischer Sicht bestehe somit keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin
auf den Standpunkt (Urk. 1), der Beurteilung der Beschwerdegegnerin könne in keiner Weise gefolgt werden.
I
hr
er Biografie könne entnommen werden, dass sämtliche Beziehungen, sei es zu ihren Eltern, zum Vater der Kinder, zu ihren Kindern und ihren wechselnden Partnern jeweils sehr konfliktbelastet seien oder gewesen seien
. Sie sei zudem
lebensmüde und verbringe viel Zeit liegend in ihrer Wohnung. Teilweise verbrin
ge
sie sogar bis zu 15 Stunden im Bett. Es könne daher der Beschwerdegegnerin nicht gefolgt werden, wenn sie vorbringe, dass der soziale Kontext nicht einge
schränkt sei (S. 9).
Aufgrund der Aktenlage müsse man zum Schluss kommen, dass sie aufgrund ihrer psychischen Beeinträchtigung in Kombination mit der dissoziativen Störung keinem Arbeitgeber zumutbar sei. Selbst das geschulte Personal der
B._
sei zu diesem Ergebnis gekommen und habe die behandelnde Ärztin gebeten, ein Krankheitszeugnis auszustellen. Sie sei demnach keinem Arbeitgeber zumutbar, weshalb sie ihre Restarbeitsfähigkeit nicht entsprechend
zu
verwerten vermöge (S. 10).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob auf das Gutachten des
A._
abzustellen ist und ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente der Invalidenversicherung hat.
3.
3.1
Dr.
med.
C._
, Assistenzarzt
Clinica
D._
, berichtete am
8.
August 2014 (
Urk.
6/213/9-10) über den stationären Aufenthalt der Beschwerdeführerin vom 2
3.
Juli bis
9.
August 2014 und nannte als Diagnosen eine Polyarthralgie, eine Polyarthrose, eine Fibromyalgie sowie einen Zustand nach Verkehrsunfall in 200
9.
Er führte aus, die Laboruntersuchungen hätten keine wesentlichen Auf
fällig
keiten gezeigt. Die klinischen Untersuchungen hätten stets eine Abweichung zwischen berichteter Symptomatik und aktiver und passiver Mobilität ergeben. In der psychiatrischen Beurteilung sei die Diagnose der Persönlichkeitsstörung bestätigt worden. Die Einleitung einer Therapie sei schwierig. Die Beschwerde
führerin sei in stabilem Zustand entlassen worden.
3.2
Die Gutachter des
Zentrums A._
erstatteten ihr poly
dis
ziplinä
res Gutachten am 17. November 2016
(
Urk.
6/
227
)
gestützt auf die Akten sowie die eigenen Abklärungen. Sie nannten folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S.
72
):
-
kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen, histrio
ni
schen
und paranoiden Anteilen (ICD-10 F61.0)
-
anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit dissoziativen Anteilen (ICD-10 F45.4)
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie die folgenden (S. 72):
-
unspezifische Nackenschmerzen
-
Status nach HWS-Distorsion QTF II am 1
4.
Dezember 2009
-
multisegmentale degenerative Veränderungen der HWS
-
unspezifische Kreuzschmerzen
-
klinisch im Vordergrund
Ansatztendinose
am medialen Beckenkamm rechts mit pseudoradikulärer Ausstrahlung ins rechte Bein
-
multisegmentale degenerative LWS-Veränderungen
-
radiologisch beginnende mediale Gonarthrosen
-
klinisch und anamnestisch Status nach Ruptur der langen Bizepssehne rechts 2015
-
Status nach
Periarthropathia
humero-scapularis
calcarea rechts 2015 anamnestisch, aktuell keine
periarthropathischen
Schulterbeschwerden in der klinischen Untersuchung
-
Tendenz zu
Hypermobilitässyndrom
-
Tendenz zu diffusem weichteilrheumatischem Schmerzsyndrom mit 7/18 positiven Fibromyalgie-Druckpunkten (Kriterien Fibromyalgie gemäss ACR 2010 und Kriterien ACR 1990 werden nicht erfüllt)
-
Hallux
valgus beidseits
-
Opioidabhängigkeit
, ärztlich verordnetes O
x
ycodon (Targin)
Der rheumatologische Gutachter
führte aus,
aus rein rheumatologischer Sicht
be
züglich des Bewegungsapparates
könne keine Diagnose mit negativer Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit bezogen auf die ursprüngliche Tätigkeit
gestellt werden
(S. 21 f.). In guter Korrelation mit der Aktenlage, auch mit den aktuellen Berichten aus den Jahren 2014 und 2015, bestehe kein spezifisch rheumatolo
gisches Krankheitsbild, das die multiplen Beschwerden der Beschwerdeführerin in dieser Art erklären könnte (S. 22).
Neu bestehe klinisch ein Status nach Ruptur der langen Bizepssehne rechts, wobei die
se
gemäss Aktenlage bildgebend nicht verifiziert worden sei, was aber auch nicht notwendig sei. Eine derartige Läsion sei in der Regel funktionell nicht be
deutend.
In der aktuellen klinischen Untersuchung habe weder eine Seitendiffe
renz der
Muskeltrophik
von relevantem Ausmass, noch der Greifkraft oder der Beweglichkeit an den Schultern, die frei sei
, festgestellt werden können
. Es seien auch keine klinischen Befunde bezüglich der
Rotatorenmanschettenläsion
vor
handen.
Die
Beweglichkeit der Wirbelsäulen
abschnitte sei gut, speziell wenn auch die Spontanbewegungen beachtet würden.
Die von der Beschwerdeführerin be
schriebenen Kreuzschmerzen mit Ausstrahlung ins rechte Bein hätten reprodu
zierbar ausserhalb der Lendenwirbelsäule lokalisiert werden können. Im Bereich des medialen Beckenkamms rechts sei ein Druckpunkt angegeben worden, von dem aus die Schmerzausstrahlung ins rechte Bein entlang dem lateralen Ober- und Unterschenkel bis zum lateralen
Fussrand
erfolge. Diese Ausstrahlung sei nicht radikulär, da nicht
dermatombezogen
.
Verglichen mit den früheren Unter
suchungen habe keine relevante Differenz beobachtet werden können. Auch die in diesem Gutachten erwähnten multisegmentalen degenerativen Veränderungen an der
Halswirbelsäule (
HWS
)
und der
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
fänden kein entsprechendes klinisches Korrelat. Insbesondere seien keine typischen Zeichen von
diskogenen
Schmerzen, einer
Radikulärsymptomatik
oder eines Facettensyn
droms vorhanden (S. 23).
Entsprechend sei davon auszugehen, dass das beschriebene Schmerzsyndrom nur zu einem geringen Teil somatisch erklärt werden könne. Insbesondere bestehe
eine deutliche Diskrepanz auch zu den Spontanbewegungen ausserhalb der eigen
t
lichen Untersuchungssituat
ion
.
Der Beschwerdeführerin seien aus rein rheumato
logischer Sicht wechselbelastende, leichte bis mittelschwere Tätigkeiten unein
geschränkt zumutbar.
Bezüglich Inkonsistenzen sei zu erwähnen, dass speziell im Bereich der HWS variable Bewegungsausmasse vorgelegen hätten. Es sei aber auch zu sagen, dass die Beschwerdeführerin bei der Anamneseerhebung darauf hingewiesen habe, dass sie keine wesentliche Einschränkung der Beweglichkeit aufweise, sondern ein
Schmerzsyndrom im Vordergrund stehe. Die Schwierigkeit der Anamneseerhebung sei in der Aktenlage wiederholt festgehalten worden und sei durch entsprechende psychiatrische Diagnosen
begründet
. Insofern könne dies nicht als Inkonsistenz gewertet werden (S. 24).
Der psychiatrische Gutachter führte aus, aktuell finde keine psychiatrische Be
-
handlung statt
. Die letzte Behandlung habe im Jahr 2014 stattgefunden
(S. 35
f.
).
Die Beschwerdeführerin habe einen spontan schwungvollen, phasenweise energi
schen Antrieb mit entsprechender flüssiger Gestik gezeigt. Vor allem in ärger
li
chen Momenten habe sie ein expressives Ausdrucksverhalten. Auch am Ende der
Exploration habe die Beschwerdeführerin keine vermehrte Ermüdung gezeigt (S.
56).
Es bestehe eine gewisse Einengung des Gedankenganges auf die Schmerz
entwicklung sowie die
Empfind
ungsstörung.
Die Beschwerdeschilderung sei ins
gesamt vage, wenig präzis, zum Teil kurzassoziativ-abwehrend.
Es habe eine Dis
krepanz bestanden zwischen der subjektiven Beschwerdeschilderung und dem objek
tivierbaren psychischen Querschnittsbefund sowie zwischen dem
g
eklagten Leidensausmass und der Erkennbarkeit eines entsprechenden Leidensdruckes. Klinisch-psychiatrisch könnten kognitive Störungen nicht nachgewiesen werden (S. 57).
Die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung seien klar erfüllt. Die Beschwerde
füh
rerin zeige Auffälligkeiten seit der Jugend, zei
ge ein
andauerndes, gleich
förmiges und tiefgreifendes Verhaltensmuster
, ein gut erkennbares subjektives Leiden und eine seit dem Auszug aus dem gemeinsamen ehelichen Haushalt vorhandene Ein
schränkung der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit (S. 58).
Die Persön
lichkeitsstörung zeige sich in Form vermehrter Impulsivität und Stimmungs
schwankungen, mit vermehrtem Misstrauen und paranoidem Verkennen von Ereignissen sowie vermehrt expressiven Anteilen. Die Persönlichkeitsstörung erreiche nicht ein Ausmass, das es der Beschwerdeführerin nicht ermöglicht hätte, sich persönlich, schulisch-beruflich, sozial und partnerschaftlich ihren Möglich
keiten entsprechend adäquat entwickeln und positionieren zu können.
Die Be
schwerdeführerin verfüge über eine gute Ressourcenlage. Im emotionalen Bereich sei sie in der Lage gewesen, ihren beiden Kindern eine fürsorgliche Mutter zu sein, beide Kinder seien heute sowohl partnerschaftlich wie auch beruflich inte
griert. Sie habe zwei Ausbildungen absolvieren können und sich sowohl erwerbs
bezogen wie auch als Hausfrau während Jahren bewähren können. Die gute Ressourcenlage habe es ihr ermöglicht, sich nach der Trennung von ihrem Lebenspartner im Kanton Tessin einzuleben. Trotz knappen finanziellen Res
sourcen habe sie eine Wohnung gefunden und habe sich sozial ordentlich positionieren können.
Wieder zurück in der Deutschschweiz habe sie sich in einer Wohnung installieren können und stehe
in sozialem Austausch. Ohne Probleme bediene sie auch in knappen Räumen das vierrädrige Elektromobil, fahre damit zum Beispiel von der Wohngemeinde
E._
nach
F._
, benutze ihr automatisches Auto zur Fahrt nach Zürich oder auch zum Besuch einer Kollegin im Tessin.
Die Persönlichkeit sei mässig integriert; mässig integriert seien die
Selbst-/Fremdwahrnehmung, die Selbststeuerung, die emotionale Kommunika
ti
on und die innere Bindung/äussere Beziehung
(S. 59)
.
Es sei von einer mittelgradigen Persönlichkeitsstörung auszugehen. Nach detaillierter Aktendurchsicht sei heute nicht mehr die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu stellen, sondern die Diagnose einer anhaltenden soma
toformen Schmerzstörung mit dissoziativen Anteilen. Nach nochmaliger Akten
durchsicht und der aktuellen rheumatologischen Untersuchung würden die orga
nischen Befunde zu gering erscheinen, um die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren zu stellen
(S. 61)
.
Es sei von einer nicht sehr ausgeprägten anhaltenden somatoformen Schmerz
störung auszugehen.
Es würden sich erhebliche psychosoziale Faktoren und emo
tionale Konflikte nachweisen lassen.
Anhand der Akten liessen sich erhebliche finanzielle Probleme nachweisen. Aus finanziellen Gründe habe die Beschwer
deführerin vom Tessin wieder in die Deutschschweiz übersiedeln müssen. Im Tessin seien die Schmerzen deutlich besser gewesen. Ende Dezember 2010 habe sich die Beschwerdeführerin von ihrer Familie getrennt und sei eine Liebesbe
ziehung eingegangen (S. 62). Während Jahren habe die gesundheitliche Situation der Tochter der Beschwerdeführerin Probleme bereitet. Diese habe an einem ADHS-Syndrom gelitten und in einem Internat gefördert werden müssen. Die Beschwerdeführerin habe monatlich
Fr.
1'000.-- selber beitragen müssen.
Im Zusammenhang mit dem Verkehrsunfall vom Dezember 2009 stehe die Be
schwer
deführerin in einer rechtlichen Auseinandersetzung mit der Allianz-Versiche
rung. Weiter stehe die Beschwerdeführerin in juristischer Auseinandersetzung mit der Invalidenversicherung
(S. 63)
.
Anlässlich der psychiatrischen Exploration habe eine Diskrepanz zwischen sub
jektiver Beschwerdeschilderung und dem objektiven psychischen Querschnittsbe
fund sowie zwischen dem
g
eklagten Leidensausmass und der Erkennbarkeit eines entsprechenden Leidensdruckes bestanden. Das beobachtete Ausmass der Diskre
panzen/Inkonsistenzen lasse sich bei der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung mittleren Grades aus psychiatrischer Sicht nur zum Teil begründen.
Anlässlich der aktuellen psychiatrischen Exploration habe die Beschwerdeführerin weiterhin eine ausgeprägte Somatisierung mit Vertreten eines somatisch ausgerichteten
Krankheitskonzeptes gezeigt. Weiterhin habe sie grosse Mühe introspektive Räum
e
zu betreten. Über weite Bereiche habe sich die Beschwerdeführerin in situa
tions
adäquater, modulations- und resonanzfähiger Stimmung befunden. Beim Ge
spräch über ihre Kinder habe sie eine weiche Emotionalität gezeigt, beim Ge
spräch über Ärzte/Versicherungen habe sie sich erregt, sie habe geschimpft, habe sich aber bald wieder beruhigen lassen und ein geordnetes Gespräch habe weiter
gehen können. Im Gespräch über die finanzielle Situation sowie die schwierige berufliche Perspektive habe sich eine gewisse Verzweiflung und Bedrücktheit gezeigt
(S. 64)
.
Die Beschwerdeführerin habe über gewisse lebensmüde Gedanken
berichtet, eine akute Suizidalität habe nicht nachgewiesen werden können (S.
64
f.).
Der Antrieb sei spontan bis energisch gewesen, die Psychomotorik entsprechend. Klinisch-psychiatrisch hätten kognitive Störungen, psychotisches oder
psychosenahes
Verhalten und Erleben nicht nachgewiesen werden können. Eine depressive Störung, eine Angststörung oder Zwangsstörungen hätten nicht nachgewiesen werden können
(S. 65)
. Bei der Beschwerdeführerin bestehe eine erwerbsbezogen relevante komorbide psychische Störung im Rahmen einer Per
sönlichkeitsstörung mittlerer Ausprägung. Gemäss dem rheumatologischen Gut
achter könne nicht von relevanten chronischen körperlichen Begleiterkran
kung
en ausgegangen werd
en (S. 66
).
Von einem primären Krankheitsgewinn könne nicht gesprochen werden. Die Beschwerdeführerin sei in der Lage gewesen, von den integrativ-psychiatrischen Interventionen zu profitieren. Von einer eigentli
chen Therapieresistenz könne nicht gesprochen werden. Die diagnoserelevanten Befunde seitens der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung seien mässig ausgeprägt. Die diagnoserelevanten Befunde seitens der Persönlichkeitsstörung seien mittelgradig ausgeprägt. Eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitäts
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen könne nicht nachgewiesen werde
n (S. 67).
Aus aktueller versicherungspsychiatrischer Sicht könne ein gewisser behand
lungsanamnestisch ausgewiesener Leidensdruck nachgewiesen werden. Nicht nachgewiesen werden könne eine integrativ-psychiatrische Behandlung in einem längerdauernden, verbindlichen Setting, das dem von der Beschwerdeführerin
g
e
klagten Leidensdruck entsprechen würde
(S. 68)
.
Psychopharmakologisch werde die Beschwerdeführerin aktuell mit Cymbalta und
Saroten
behandelt. Bei mode
ratem psychiatrischem Behandlungsdruck sei aktuell mit der gewählten psycho
pharmakologischen Behandlung weiterzufah
ren, bei Bedarf gegebenenfalls fokal orientierte integrativ-psychiatrische Massnahmen
(S. 69)
.
Aufgrund der kombi
nierten Persönlichkeitsstörung und der anhaltenden somatoformen Schmerzstö
rung mit dissoziativen Anteilen und Benutzen eines
Elektroscooters
dürfte der Einsatz im Service aktuell kaum möglich sein. In adaptierter Tätigkeit bei kom
binierter Persönlichkeitsstörung mittelgradigen Ausmasses und moderat ausge
bildeter anhaltender somatoformer Schmerzstörung mit dissoziativen Anteilen sei der Beschwerdeführerin eine 30%ige erwerbsbezogene Leistungsminderung ab Ehetrennung mit Auszug Ende 2010 zu attestieren.
Die Beschwerdeführerin sollte in wohlwollender Umgebung mit nicht allzu grossem Leidensdruck in vorwiegend sitzender Stellung arbeiten können (S. 71).
3.3
Dr.
med.
G._
, praktische Ärztin, berichtete am 2
5.
Juni
2018 (Urk.
6/283/1-9) und führte aus, die Beschwerdeführerin sei zum jetzigen Zeitpunkt zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 1
Ziff.
1.3). Die Beschwerdeführerin habe den Handchirurgen vor zwei Wochen mit Handgelenksschienen
bewo
rfen. Sie werde von ihr immer wieder beschuldigt, ihre Leiden nicht richtig zu erkennen. Sie habe sich als be
handelnde Hausärztin schon oft überlegt, die Beschwerdeführerin aus der Praxis zu verweisen (S. 2
Ziff.
2.2).
Die Beschwerdeführerin leide weiter an Schmerzen in beiden Handgelenken mit Bewegungseinschränkung und Kraftminderung. Ausserdem bestünden Schmerzen in der HWS, LWS, Parästhesien und Dysästhesien beider Beine sowie sexuelles
Unempfinden
. Es bestünden weiter eine Instabilität der distalen
Radioulnargelenke
beidseits bei
Ulnaminusvariante
, eine
beide Beine betreffende
Gangunsicherheit nach Auffahrunfall, ein Reizhusten, eine Belastungsdyspnoe unklarer Ätiologie, ein HWS- und LWS-Syndrom sowie eine unklare psychische Ausgangslage mit der Differentialdiagnose einer schizo
affektiven Störung (S. 2
Ziff.
2.4 und 2.5).
Die Beschwerdeführerin werde in keinem Arbeitsverhältnis auf dem ersten Arbeitsmarkt mehr einsatzbar sein (S.
2
Ziff.
2.7).
Es seien keine medizinischen Therapieoptionen mehr möglich (S.
2
Ziff.
2.8).
3.4
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und für Psy
chiatrie und Psychotherapie, Oberarzt Spital
I._
, berichtete am 1
5.
August 2018 (
Urk.
6/288/7-11) und führte aus, es sei
am 1
2.
März 2018
eine einzige Konsultation erfolgt. Weiter vereinbarte Termine seien nicht wahrge
nom
men worden (S. 1). Er nannte folgende Diagnosen (S. 3
Ziff.
2.5):
-
Verdacht auf undifferenzierte Somatisierungsstörung (ICD-10 F45.1)
-
aktenanamnestisch paranoide Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.0)
-
aktenanamnestisch rezidivierend depressive Störung, gegenwärtig remit
tiert (ICD-10 F33.4)
Er führte aus, im Rahmen einer einmaligen ambulanten Untersuchung sei es nicht möglich, Diagnosen mit oder ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hin
reichend zu prüfen. Die Arbeitsfähigkeit könne auf dem Boden einer einmaligen
Untersuchung nicht abschliessend beurteilt werden. Weitere ambulante Verlaufs
kontrollen seien vorgesehen gewesen, diese seien aber nicht wahrgenommen wor
den (S. 3
Ziff.
2.6-2.8).
4.
4.1
Das polydisziplinäre
A._
-Gutachten vom
November
201
6
(vorstehend E. 3.
2
)
umfasst die Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin,
Rheumatologie
und Psy
chiatrie. Die Gutachter verfügen über den entsprechen
den Facharzttitel bezie
hungsweise die erforderliche Fachausbildung und waren somit in ihren Fach
gebieten zur Beurteilung des Gesund
heitszu
standes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin befä
higt (vgl. Urk.
6
/
227
S.
4
). Die Gut
achter berücksich
tigten sodann die ge
klag
ten Beschwer
den und das Verhalten der Beschwerde
führerin und erstellten ihr jeweiliges Tei
l
gutach
ten in Kenntnis der
Vorakten
. Sowohl die ge
stellten Diagnosen als auch die Schlussfolgerungen zur Arbeits
fähigkeit werden im Gut
achten ausführlich begründet und sind nachvoll
ziehbar. Damit er
füllt das Gut
achten die bundesgerichtlichen Anforde
rungen an ein medi
zi
nisches Gut
ach
ten (vorstehend E. 1.
6
) vollum
fänglich, so dass für die Ent
scheid
findung darauf abzustellen ist.
4.2
Die Gutachter legten in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, dass aus
somatischer
Sicht
keine Diagnosen mit negativer Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit
gestellt werden könnten
(S. 21 f.).
Es
bestehe kein spezifisch rheu
ma
tologisches Krankheitsbild, das die multiplen Beschwerden der Beschwerde
füh
rerin in dieser Art erklären könnte (S. 22).
Die Gutachter hielten fest, dass d
ie
Beweglichkeit der Wirbelsäulen
abschnitte gut
sei
, speziell wenn auch die Spo
n
tanbewegungen beachtet würden. Die von der Beschwerdeführerin angegebene
Ausstrahlung
ins rechte Bein
sei nicht radikulär, da nicht
dermatombezogen
.
D
ie erwähnten multisegmentalen degenerativen Veränderungen an der HWS und der LWS fänden kein entsprechendes klinisches Korrelat. Insbesondere seien keine typischen Zeichen von
diskogenen
Schmerzen, einer
Radikulärsymptomatik
oder eines Facettensyndroms vorhanden (S. 23).
Sie machten darauf aufmerksam,
dass das beschriebene Schmerzsyndrom nur zu einem geringen Teil somatisch erklärt werden könne. Insbesondere bestehe eine deutliche Diskrepanz auch zu den Spontanbewegungen ausserhalb der eigentlichen Untersuchungssituation
(S. 24)
.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Beschwerdeführerin aus somatischer Sicht wechselbelastende, leichte bis mittelschwere Tätigkeiten unein
geschränkt zumutbar sind (S. 24).
4.3
Der psychiatrische Gutachter
nannte
in seinem Teilgutachten
eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit emotional-instabilen, histrionischen und paranoiden Anteilen (ICD-10 F61.0) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung mit dissoziativen Anteilen (ICD-10 F45.4
;
S. 57 f.) und ging davon aus, dass
die Beschwerdeführerin in einer angepassten
Tätigkeit
gemäss somatischem Belas
tungs
profil
zu 70
%
arbeitsfähig sei (S. 71).
4.4
Auch das psychiatrische Teilgutachten erfüllt die
formalen Beweiswert
a
nfor
de
rungen (vorstehend E. 1.6) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt auch die ge
klagten Beschwerden und wurde in Kenntnis
sowie Würdigung
der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben. Darüber hinaus leuchtet es in der Darlegung der medizi
nischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und ent
hält nachvollziehbar begründete Schlussfolgerungen, weshalb darauf ab
ge
stellt wer
den kann.
Eine entsprechende P
rüfung ergibt denn auch, dass der psychiatrische Gutachter
die heute massgebenden Standardindikatoren (vorstehend E. 1.5) in
seine
Beur
teilung weitestgehend einbezogen hat.
So hat
er
sich einlässlich mit den diagno
serelevanten Befunden und deren Aus
prä
gung auseinandergesetzt (S.
56 f., S. 67
),
ebenso mit dem
bisherigen
Behand
lungserfolg (S.
35 f., S
.
67 f.
).
Er legte in nachvollziehbarer Weise dar,
dass die Persönlichkeitsstörung nicht ein Ausmass erreiche, das es der Beschwerdeführerin nicht ermöglich hätte, sich persönlich, schulisch-beruflich, sozial und partner
schaftlich ihren Möglichkeiten entsprechend adäquat entwickeln und positio
nieren zu können. Es sei von einer mittelgradigen Störung auszugehen (S. 59 f.).
Die anhaltende somatoforme Schmerzstörung sei nicht sehr ausgeprägt (S. 62).
Gemäss Gutachter könne aus aktueller versicherungspsychiatrischer Sicht ein gewisser behandlungsanamnestischer Leidensdruck nachgewiesen werden, nicht hingegen eine integrativ-psychiatrische Behandlung in einem längerdauernden, verbindlichen Setting, das dem von der Beschwerdeführerin
g
eklagten Leidens
druck entsprechen würde
. Von den fokal-psychiatrischen Interventionen habe die Beschwerdeführerin profitieren können, so sei es nicht zu einer weiteren Wei
terung des Leidens gekommen
(S. 68
f.
).
Von einer eigentlichen Therapieresistenz könne nicht gesprochen werden (S. 67).
Es wurde festgehalten, dass nicht von relevanten chronischen körperlichen Be
gleiterkrankungen ausgegangen werden könne. Es bestehe ein mehrjähriger chro
nifizierter Verlauf mit Weiterung des Leidens in Bezug auf die Persönlich
keits
störung mit Auszug aus dem familiären Haus Ende Dezember 201
0.
Von einem primären Krankheitsgewinn könne nicht gesprochen werden (S.
66 f.).
Zum Aspekt der Persönlichkeit wies
der Gutachter
darauf hin, dass sich die Persönlichkeitsstörung in Form vermehrter Impulsivität und Stimmungsschwan
kungen, mit vermehrtem Misstrauen und paranoidem Verkennen von Ereignissen sowie vermehrt expressiven Anteilen zeige (S. 59).
Die Persönlichkeit sei mässig integriert. Als persönliche Ressourcen wurden die beiden Kinder, welche heute sowohl partnerschaftlich als auch beruflich integriert seien, die zwei Ausbil
dungen, welche die Beschwerdeführerin habe absolvieren können, die jahrelange erwerbsbezogene Bewährung sowie auch als Hausfrau, das Gelingen, sich nach der Trennung trotz knappen finanziellen Ressourcen im Tessin einzuleben, der soziale Austausch sowohl in der Deutschschweiz als auch im Tessin mit Besuchen einer Kollegin genannt (S. 59).
Zu prüfen bleibt der Aspekt der Konsistenz.
Im
psychiatrischen Teilg
utachten
wurde ausgeführt, dass
anlässlich der Exploration eine Diskrepanz zwischen sub
jektiver Beschwerdeschilderung und dem objektiven psychischen Querschnitts
befund sowie zwischen dem
g
eklagten Leidensausmass und der Erkennbarkeit eines entsprechenden Leidensdruckes festgestellt worden sei
. Das beobachtete Ausmass der Diskrepanzen beziehungsweise Inkonsistenzen lasse sich bei der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung mittleren Grades nur zum Teil begrün
den
. Die Beschwerdeführerin zeige eine ausgeprägte Somatisierung mit Vertreten eines somatisch ausgerichteten Krankheitskonzeptes
(S. 64).
Eine gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen könne nicht nachgewiesen werden (S. 67).
Die Bestimmung der Arbeitsfähigkeit (S. 70 f.) ist zudem so erfolgt, dass sie sich gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen (BGE
141 V 281 E. 3.4.2.1) ergibt.
Die von der Rechtsanwendun
g zu prüfende Frage, ob sich der
Gutachter an die massgebenden normativen Rahmenbedingungen ge
halten und das Leistungsver
mögen in Berücksichtigung der einschlägige
n Indi
katoren eingeschätzt hat (BGE
141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach zu bejahen. Die funk
tionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und
wider
spruchsfrei mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit nachweisen.
Mithin erfüllt
das Gutachten sowohl die praxisgemässen herkömmlichen Anforderungen (vor
stehend E.
1.6) als auch
diejenigen des strukturierten Beweis
verfahrens (vor
stehend E. 1.3-1.5). Somit ist betreffend die Diag
nosen
so
wie
die
Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten abzustellen.
4.5
Die abschliessende Würdigung des Beschwerdebildes anhand der Standardindi
ka
toren ergibt, dass
auf die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit, wie sie sich aus dem
A._
-
Gutachten
vom November 2016
ergibt,
abgestellt werden kann.
Ent
sprechend besteht
in einer somatisch angepassten Tätigkeit aus psych
iatrischer Sicht ab Dezember 2010
eine
3
0%ige Arbeitsunfä
higkeit
(S.
71
).
4.6
Entgegen den Ausführungen der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
1 S. 10) vermag der Bericht (vgl. vorstehend E. 3.3) beziehungsweise die Beurteilung der behan
delnden Hausärztin die gutachterliche Einschätzung nicht umzustossen. Sie führte
einzig die Diagnosen auf und legt weder die erhobenen Befunde dar, noch gab sie eine
nachvollziehbar begründete und durch Befunde untermauerte medizi
nisch-theoretische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ab. Die Aussage, wonach jeder Arbeitgeber, der die Beschwerdeführerin
im Rahmen eines
Schnuppertag
s
erleben würde, eine Anstellung von vornherein ablehnen würde, ist für die Be
urteilung der Arbeitsfähigkeit nicht
massgebend
und wurde zudem nicht näher begründet. Sodann hat das Gericht bei Berichten von behandelnden Ärzten
der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Pati
enten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinweisen).
Weiter vermag denn auch der Einwand, wonach der Umstand, dass die Beschwerde
füh
rerin anlässlich der Begutachtung ausfällig geworden sei, lediglich einer Telefon
notiz und nicht dem Gutachten selber zu entnehmen sei
(vgl.
Urk.
1 S. 10)
, nicht zu überzeugen. So geht genau dieser Umstand im Gutachten auf
den
Seite
n
12 und
13 hervor. Es wird ausgeführt, dass der Gutachter die Beschwerdeführerin
dreimal
habe beruhigen und bitten müssen, sac
hlich zu bleiben, ansonsten der Abschluss der Begutachtung erfolge (
Urk.
6/227 S. 12 f.).
Bezüglich der Ausführungen zur Eingliederungsberatung (vgl.
Urk.
1 S. 9 f.) bleibt festzuhalten
,
dass n
ach der Rechtsprechung die Frage nach den noch zumutbaren Tätigkeiten und Arbeitsleistungen nach Massgabe der objektiv feststellbaren Gesundheitsschädigung in erster Linie durch die Ärzte und nicht durch die Eingliederungsfachleute auf der Grundlage der von ihnen erhobenen, subjektiven Arbeitsleistung zu beantworten
ist
(Urteile des Bundesgerichts 9C_396/2014 vom 15. April 2015 E. 5.4 und 9C_401/2014 vom 26. November 2014 E. 4.2.2; je mit Hinweis). Dies hat umso mehr zu gelten, wenn die Experten selbstlimitierendes Verhalten feststellen (Urteil des Bundesgerichts 9C_646/2015 vom 19.Mai 2016 E. 4.4). Der Arzt oder die Ärztin sagen somit, inwiefern die versicherte Person in
ihren körperlichen respektive geistigen Funktionen durch das Leiden einge
schrä
nkt ist, wobei es als selbstverständlich gilt, dass sie sich vor allem zu jenen Funk
tionen äussern, welche für die nach ihrer Lebenserfahrung im Vordergrund ste
henden Arbeitsmöglichkeiten der versicherten Person wesentlich sind (so etwa, ob diese sitzend oder stehend, im Freien oder in geheizten Räumen arbeiten kann oder muss, ob sie Lasten heben und tragen kann). Die Fachleute der Berufs
beratung dagegen sagen, welche konkreten beruflichen Tätigkeiten aufgrund der ärztlichen Angaben und unter Berücksichtigung der übrigen Fähigkeiten der versicherten Person in Frage kommen, wobei unter Umständen entsprechende Rückfragen beim Arzt oder der Ärztin erforderlich sind (BGE 107 V 17 E. 2b; SVR 2001 IV Nr. 10 S. 27 E. 1 mit Hinweisen; Urteile des Bundesgerichts 8C_119/2008 vom 22. September 2008 E. 6.2 und I 588/05 vom 27. April 2006 E. 3).
Zum Einwand, das Gutachten sei fehlerhaft, weil fremdanamnestische Einkünfte hätten eingeholt werden müssen (vgl.
Urk.
1 S. 8), bleibt schliesslich anzumerken,
dass
f
ür die verlässliche Beurteilung des psychischen Gesundheitszustandes und seiner Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit in der Regel psychiatrische Fach
ärzte beizuziehen
sind
(BGE 130 V 352 E. 2.2.3; Urteil des Bundesgerichts 8C_989/2010 vom 16. Februar 2011 E. 4.4.2 mit weiteren Hinweisen; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts 8C_880/2015 vom 30. März 2016 E. 4.2.4). Wichtigste Grundlage gutachterlicher Schlussfolgerungen bildet – gegebenenfalls neben standardisierten Tests – die klinische Untersuchung mit Anamneseerhebung, Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (Urteil des Bundesgerichts 8C_47/2016 vom 15. März 2016 E. 3.2.2 mit Hinweis). Bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden kommt der Expertin oder dem Experten ein weiter Ermessensspielraum zu, und es ist nicht zwingend notwendig, dass fremdanam
nestische Angaben eingeholt oder Zusatzuntersuchungen angeordnet werden
(Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_
602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3).
4.
7
Zusammenfassend steht der Sachverhalt dahingehend fest, dass die Arbeitsfähig
keit der Be
schwerdefüh
rerin aus psychiatrischer Sicht
seit Ende 2010
zu 30
%
eingeschränkt ist.
Das Wartejahr (vorstehend E. 1.2) kann folglich nicht eröffnet werden, weshalb der Beschwerdeführerin auch kein Rentenanspruch zusteht.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert
festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
700.-- anzusetzen. Ent
spre
chend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerde
füh
rerin aufzuerlegen.