# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 23b063ad-98a0-4292-94c1-9c643665bcf0
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Veruntreuung
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Uster, Einzelgericht in , vom 14. März 2017 (GG160032)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft See/Oberland vom 24. Oktober 2016
(Urk. 17) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der Veruntreuung im Sinne von Art. 138 Ziff. 1
Abs. 1 StGB
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu
Fr. 50.– sowie mit einer Busse von Fr. 500.–.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit wird auf 2
Jahre festgesetzt. Die Busse ist zu bezahlen.
4. Bezahlt der Beschuldigte die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 5 Tagen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, der Privatklägerin Schadenersatz im Be-
trag von EUR 5'000.– zu bezahlen.
6. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'750.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr Strafuntersuchung.
7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 41)
Der Berufungskläger sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MwSt.) zu Lasten der
Staatskasse.
b) Der Staatsanwaltschaft See/Oberland:
(Urk. 38, schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Erwägungen:
1. Verfahrensgang
Am 24. Oktober 2016 wurde gegen den Beschuldigten Anklage erhoben (Urk. 17).
Am 14. März 2017 wurde die erstinstanzliche Hauptverhandlung durchgeführt, wo
er wegen Veruntreuung zu einer Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu Fr. 50.– und
einer Busse von Fr. 500.– verurteilt wurde (Urk. 29). Gleichentags liess er Beru-
fung erheben (Prot. I. S. 8). Mit Eingabe vom 26. September 2017 liess er Beru-
fung erklären (Urk. 35). Mit Präsidialverfügung vom 28. September 2017 wurde
der Privatklägerin und der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, um zu erklären, ob
sie Anschlussberufung erheben oder ein Nichteintreten auf die Berufung beantra-
gen wollen (Urk. 36). Mit Eingabe vom 9. Oktober 2017 erklärte die Staatsanwalt-
schaft See/Oberland den Verzicht auf Anschlussberufung und beantragte die Be-
stätigung des vorinstanzlichen Urteils (Urk. 38). Die Privatklägerin liess sich nicht
vernehmen.
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Am 6. März 2018 wurde die Berufungsverhandlung durchgeführt (Prot. II S. 3 ff.).
Keine Partei hat Beweisergänzungsanträge gestellt.
2. Prozessuales
Der Beschuldigte beantragt einen Freispruch (Urk. 35, Urk. 41). Demnach ist im
Berufungsverfahren einzig die vorinstanzliche Kostenfestsetzung (Dispositiv-
Ziff. 6) nicht angefochten. Vom Eintritt der Rechtskraft dieser Anordnung ist vorab
Vormerk zu nehmen (Art. 404 StPO).
3. Sachverhalt
Während die Vorinstanz zum Schluss kommt, dass sich der Anklagesachverhalt
erstellen lasse, bestreitet der Beschuldigte diesen Vorwurf und verlangt einen
Freispruch (Urk. 35, Urk. 41, Prot. II S. 4, 10 und 12). Im Folgenden ist daher zu
prüfen, ob sich der bestrittene Sachverhalt anhand der vorhandenen Beweismittel
erstellen lässt.
3.1. Grundsätze der Beweiswürdigung
Bestreitet ein Beschuldigter die ihm vorgeworfene Tat, ist der Sachverhalt auf-
grund der Untersuchungsakten und der vor Gericht vorgebrachten Argumente
nach den allgemein gültigen Beweisregeln zu erstellen. Gemäss der aus Art. 8
und Art. 32 Abs. 1 BV fliessenden und in Art. 6 Ziff. 2 EMRK verankerten Maxime
"in dubio pro reo" ist bis zum gesetzlichen Nachweis seiner Schuld zu vermuten,
dass der einer strafbaren Handlung Beschuldigte unschuldig ist (Urteile des Bun-
desgerichts 1P_587/2003 vom 29. Januar 2004, E. 7.2, und 1P_437/2004 vom
1. Dezember 2004, E. 4.2; Pra 2002 S. 4 f. Nr. 2 und S. 957 f. Nr. 150; BGE 127 I
40, 120 Ia 31, E.2.b). Als Beweiswürdigungsregel besagt die Maxime, dass sich
das Strafgericht nicht von der Existenz eines für den Beschuldigten ungünstigen
Sachverhaltes überzeugt erklären darf, wenn bei objektiver Betrachtung Zweifel
bestehen, ob sich der Sachverhalt so verwirklicht hat (Urteile des Bundesgerichts
6B_795/2008 vom 27. November 2008, E. 2.4 und 6B_438/2007 vom 26. Februar
2008, E. 2.1). Die Überzeugung des Gerichts muss auf einem verstandesgemäss
einleuchtenden Schluss beruhen und für eine unbefangene Person nachvollzieh-
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bar sein (Hauser/Schweri/Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Auf-
lage, Basel 2006, § 54 Rz 11 ff.). Wenn erhebliche, respektive nicht zu unterdrü-
ckende Zweifel bestehen, ob sich der Sachverhalt tatsächlich so abgespielt hat,
wie er eingeklagt ist, ist der Beschuldigte nach dem Grundsatz "in dubio pro reo"
freizusprechen (Bernard Corboz, "in dubio pro reo" in ZBJV 1993, N 419 f.). So-
weit ein direkter Beweis nicht möglich ist, ist der Nachweis der Tat mit Indizien zu
führen, wobei die Gesamtheit der einzelnen Indizien, deren "Mosaik", zu würdigen
ist (vgl. Pra 2004 Nr. 51 S. 256, Ziff. 1.4; Pra 2002 Nr. 180 S. 962 f., Ziff. 3.4).
Aufgabe des Richters ist es demzufolge, seinem Gewissen verpflichtet, in objekti-
ver Würdigung des gesamten Beweisergebnisses zu prüfen, ob er von einem be-
stimmten Sachverhalt überzeugt ist und an sich mögliche Zweifel an dessen Rich-
tigkeit zu überwinden vermag (Art. 10 Abs. 2 StPO; ZR 72 Nr. 80; Max Guldener,
Beweiswürdigung und Beweislast, S 7; Pra 2004 Nr. 51, 256 Ziff. 1.4; BGE 124 IV
88, 120 Ia 31 E. 2.c). Es liegt in der Natur der Sache, dass mit menschlichen Er-
kenntnismitteln keine absolute Sicherheit in der Beweisführung erreicht werden
kann. Daher muss es genügen, dass das Beweisergebnis über jeden vernünftigen
Zweifel erhaben ist (vgl. Kassationsgerichtsentscheid vom 26. Juni 2003,
Nr. 2002/387, E. 2.2.1 mit Hinweisen). Bloss abstrakte oder theoretische Zweifel
dürfen dabei nicht massgebend sein, weil solche immer möglich sind (Hau-
ser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 54 N 12; Urteile des Bundesgerichtes
6B_297/2007 vom 4. September 2007, E. 3.4 und 1P_587/2003 vom 29. Januar
2004, E. 7.2). Es genügt also, wenn vernünftige Zweifel an der Schuld ausge-
schlossen werden können. Hingegen darf ein Schuldspruch nie auf blosser Wahr-
scheinlichkeit beruhen.
Wie erwähnt, können auch indirekte mittelbare Beweise, sogenannte Anzeichen
oder Indizien, einen für die Beweisführung bedeutsamen Schluss erlauben. Da
ein Indiz immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft
oder die Tat hinweist, lässt es, einzeln betrachtet, die Möglichkeit des Anders-
seins offen, enthält daher auch den Zweifel (Hans Walder, Der Indizienbeweis im
Strafprozess, ZStrR 108/19914, S. 309; Derselbe, Die Beweisführung in Strafsa-
chen, insbesondere der Indizienbeweis, Zürich 1974/75, S. 49). Es ist jedoch zu-
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lässig aus der Gesamtheit der verschiedenen Indizien, welche je für sich allein be-
trachtet nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf eine bestimmte Tatsache
oder Täterschaft hindeuten und insofern Zweifel offen lassen, auf den vollen
rechtsgenügenden Beweis von Tat oder Täter zu schliessen (Urteile des Bundes-
gerichts 6B_365/2009 vom 12. November 2009, E. 1.4, 6B_332/209 vom 4. Au-
gust 2009, E. 2.3. mit Hinweisen, und 6B_297/2007 vom 4. September 2007,
E. 3.4; Hauser/Schweri/Hartmann, a.a.O., § 59 N 14).
3.2. Verwertbare Beweismittel
3.2.1. Die Vorinstanz hat die verwertbaren Beweismittel vollständig und korrekt
aufgeführt.
3.2.2. Die Urteilsbegründung enthält nebst der Begründung der Sanktion, der
Nebenfolgen und der Kosten- und Entschädigungsfolgen die tatsächliche und
rechtliche Würdigung des der beschuldigten Person zur Last gelegten Verhaltens
(Art. 81 Abs. 3 lit. a). Was die tatsächliche Würdigung des der beschuldigten Per-
son zur Last gelegten Verhaltens anbelangt, so muss dargetan werden, aufgrund
welcher aktenmässigen Unterlagen das Gericht zur Annahme der tatsächlichen
Gegebenheit gelangt ist (Brüschweiler in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO
Komm., Art. 81 N 6 StPO). Dies hat die Vorinstanz ausführlich getan (Urk. 33
S. 15 - 29).
3.3. Würdigung der Beweismittel
3.3.1. Die Würdigung des Aussageverhaltens und der Lebensumstände des Be-
schuldigten sowie die Tatumstände und die Aussagen des Mitangeschuldigten
B._ führen die Vorinstanz zusammenfassend zum Schluss, dass der Sach-
verhalt gemäss Anklage erstellt sei (Urk. 33 S. 29). Darin ist ihr nicht zu folgen.
Wie die Verteidigung zu Recht ins Feld führt, kommen auf Grund der Arbeitsver-
laufsprotokolle vernünftigerweise einzig die beiden Angeschuldigten als Täter in
Frage (Urk. 28 S. 3, Urk. 41 S. 16). Weitere denkbare Täter, wie andere Mitarbei-
ter oder Kunden, kommen nicht in Frage, da allfällige Manipulationen am C._
[Automaten] in den Unterlagen ihren Niederschlag gefunden hätten und andere
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Mitarbeiter keinen Zugang zu den Räumlichkeiten hatten, als die Banknoten dort
zwischengelagert wurden (Urk. 2 S. 3). Doch auch bei dieser Konstellation kann
ein Schuldspruch erst ergehen, wenn keine vernünftigen, unüberwindbaren Zwei-
fel an der Täterschaft des Beschuldigten bestehen. Eine bloss höhere, ja selbst
eine überwiegende Wahrscheinlichkeit der Täterschaft des einen Mitbeschuldig-
ten gegenüber derjenigen des anderen genügt dabei nicht. Und so liegt es in der
Natur des Strafprozesses, dass, entgegen den Gesetzen der Logik, beide Be-
schuldigte freizusprechen sind, sofern nicht die Täterschaft des einen rechts-
genüglich erstellt ist. Alles andere wäre eine Verurteilung auf Verdacht hin. Ein
solcher genügt aber, und mag dieser auch noch so dringend sein, nicht für eine
Verurteilung.
3.3.2. Direkte Beweise, wie etwa Aufnahmen einer Überwachungskamera oder
Aussagen von Augenzeugen gibt es vorliegend keine.
3.3.3. Nebst diesen direkten Beweisen sind aber auch indirekte Beweise, so ge-
nannte Indizien, relevant (vgl. oben 3.1.).
Die Würdigung der selben ergibt was folgt:
3.3.4. Schriftliche Unterlagen zur Befüllung vom 13. Januar 2015 (Urk. 3/1-10)
Auch wenn es sich dabei nicht um Urkunden im materiellrechtlichen Sinne han-
delt, sind sie als Urkunden im prozessrechtlichen Sinne Beweismittel im Sinne
von Beweisgegenständen und unterliegen der freien richterlichen Würdigung (Do-
natsch in: Donatsch/Hansjakob/Lieber, StPO Komm., Art. 192 N 5).
Daraus ergibt sich, dass B._ am 13. Januar 2015 am fraglichen C._ [Au-
tomaten] beschäftigt war und dass am 19. Januar 2015 EUR 5'000.– fehlten. Ob
B._ diesen Betrag eingefüllt oder der Beschuldigte ihn entnommen hat, geht
aus den Unterlagen nicht hervor. Auf die schriftliche Erklärung B._s ist bei
der Würdigung seiner Aussagen einzugehen. Es kann aber festgehalten werden,
dass auch daraus keine direkte Belastung des Beschuldigten hervorgeht, sondern
B._ dort einzig seine Unschuld beteuert.
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3.3.5. Schriftliche Unterlagen der Befüllung vom 16. Januar 2015 (Urk. 4/1-7)
Auch aus diesen ergibt sich nichts, was für die Täterschaft des Beschuldigten
spricht. Insbesondere geht daraus nicht hervor, ob die EUR 5'000.– eingefüllt
oder ob diese entnommen worden sind und gegebenenfalls zu welchem Zeit-
punkt.
3.3.6. Bleiben somit einzig noch die Aussagen des Beschuldigten und des eben-
falls als Beschuldigter einvernommen B._.
Die Vorinstanz gelangt nach ihrer ausführlichen Würdigung zum Schluss, dass die
Aussagen B._s glaubhaft seien und davon ausgegangen werden müsse,
dass dieser das Geld in den Automaten gelegt, aber in der Buchhaltung nicht
nachgeführt habe (Urk. 33 S. 24).
Seine Aussagen seien glaubhaft, weil detailliert, anschaulich und im Zusammen-
hang mit der Befüllung vom 13. Januar 2015 reich an Einzelheiten (Urk. 33 S. 19).
Doch gerade dies stimmt so nicht. Anlässlich seiner ersten, nur 3 Monate nach
dem Vorfall zurückliegenden Befragungen bei der Polizei wurde B._ danach
gefragt, ob er sich an das Auffüllen des C._ [Automaten] am 13. Januar 2015
in D._ zu erinnern vermöge. Darauf gab er zur Antwort, dass er sich schwach
daran erinnern, es aber im Moment nicht beschwören könne, ob er sich an dieses
Datum erinnere, da er seither mehrmals an diesem C._ [Automaten] Geld
abgefüllt habe (Urk. 5 S. 2). Diese Antwort überzeugt und wirkt glaubhaft. Denn
B._ war zu jener Zeit von Berufes wegen mit dem Befüllen von C._ [Au-
tomaten] beschäftigt und tat dies über einen sehr langen Zeitraum mehrmals täg-
lich. Diese Arbeit war seine tägliche Routine und er hat dies unzählige Male, auch
beim fraglichen C._ [Automaten] in D._, gemacht. Dabei leuchtet es oh-
ne Weiteres ein, dass er sich nach mehreren Monaten zu einem Einzelnen von
einer Vielzahl von gleichen und nach dem immer gleichen Muster ablaufenden
Vorgängen befragt, nicht mehr an ein einzelnes, bestimmtes Vorkommnis zu erin-
nern vermochte. Atypisch und geradezu unglaubhaft wäre vielmehr, wenn jemand
angeben würde, dass er sich unter einer Vielzahl gleichartiger Kleinereignisse just
an ein bestimmtes im Detail zu erinnern vermag.
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Im Laufe der weiteren Befragung fällt zwar auf, dass B._ nicht von sich aus
weitere Angaben zur Befüllung machte und insbesondere nicht von sich aus an-
gab, dass er einen Fehler gemacht hat. Erst nachdem B._ gesagt hatte, dass
er sich nicht an dieses konkrete Datum zu erinnern vermöge und der Einverneh-
mende die folgende Behauptung aufstellte: "Tatsache ist, das sie am 13.01.2015
diesen C._ [Automaten] aufgefüllt haben und dabei die neuen Bestände der
Kassetten 1 - 3 richtig, derjenige von Kassette 4 jedoch mit dem gleichen Bestand
wie vor der Befüllung eingegeben haben." bejahte er dies (Urk. 5 S. 1). Doch ge-
mäss Strafanzeige ist davon auszugehen, dass B._ anlässlich der Suche
nach dem verschwundenen Geld, bei welcher er mithalf, mitbekam, dass er die
EUR 5'000.– nicht im Journal des C._ [Automaten] erfasst hatte (vgl. Urk. 2
S. 3). Der einvernehmende Polizist ging sodann offenbar davon aus, dass
B._ das Geld eingefüllt hatte und lediglich den Bestand falsch eingeschrie-
ben habe. Dass dieser das Geld einfach selbst eingesteckt haben könnte, kam für
ihn offenbar gar nicht in Frage und so erstaunt es nicht weiter, dass B._ die-
se entlastende Behauptung eben so mit "Ja, das ist richtig." quittierte wie die da-
rauf folgende These des Einvernehmenden: "Also ist von ihnen diesbezüglich ein
Fehler gemacht worden, als sie den gleichen Bestand wie vor der Befüllung ein-
gaben?". Unglaubhaft erscheinen die Aussagen von B._ deshalb noch nicht.
Es fällt sodann zwar auf, dass seine anschliessenden Aussagen im Rahmen der
darauf folgenden staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen in eigenartiger Weise
kontrastieren. Denn plötzlich, 21 Monate später, vermochte er sich sehr genau
und in allen Einzelheiten an den fraglichen Auffüllvorgang zu erinnern und war
sich sicher, dass er das Geld aufgefüllt hatte (Urk. 10 S. 3). Dies kann für eine er-
fundene oder zu seinen Gunsten modifizierte Sachverhaltsvariante sprechen,
muss es aber nicht. Insgesamt sind die Aussagen von B._ grundsätzlich
glaubhaft, aber im Vergleich zu den ebenfalls grundsätzlich glaubhaften Aussa-
gen des Beschuldigten nicht derart glaubhaft, dass einzig auf die Aussagen von
B._ abgestützt werden kann. Da diesbezüglich keine weiteren Beweismittel
vorliegen und sich die Anklage in diesem Punkt einzig auf die Aussage von
B._ stützt, lässt sich dieser Anklagepunkt nicht zweifelsfrei erstellen.
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Damit fehlt der Anklage ein wesentlicher inhaltlicher Pfeiler.
3.3.7. Abgesehen davon sind die Aussagen des Beschuldigten nicht derart un-
glaubhaft, wie von der Vorinstanz dargelegt. Insbesondere kann man daraus,
dass er sich an gewisse Dinge erinnerte und an andere nicht, nicht auf die Un-
glaubhaftigkeit seiner Aussagen schliessen, wie die Verteidigung zu Recht aus-
führte (Urk. 41 S. 12). Vielmehr sind die Aussagen des Beschuldigten gleicher-
massen glaubhaft wie diejenigen von B._. Wie oben bereits zu B._s
Aussagen ausgeführt, war das Befüllen der C._ [Automaten] auch für den
Beschuldigten eine sich täglich widerholende Routinearbeit. Die dem Beschuldig-
ten zum Vorwurf gemachten widersprüchlichen Aussagen zum Füllstand der
4. Geldkassette dürfen nicht überbewertet werden. Insbesondere gilt es zu be-
rücksichtigen, wie diese Aussagen zu Stande gekommen sind. Bei der polizeili-
chen Einvernahme stellte der Einvernehmende es als Tatsache dar, dass sich in
der Kassette 4 Euronoten befunden hätten (Urk. 6 S. 2). Obwohl dies gerade nicht
fest stand, denn theoretisch hätte B._ bei der Befüllung das Geld an sich
nehmen bzw. nicht nachfüllen können. Die Antwort des Beschuldigten, wonach er
sich nicht erinnern könne, wirkt somit glaubhaft. Glaubhafter jedenfalls, als wenn
er den genauen Füllstand hätte angeben können und gleichzeitig aber behauptet
hätte, nichts mit dem Diebstahl zu tun zu haben. Denn diesfalls wäre nicht einzu-
sehen, weshalb er sich an ein solches Detail erinnern sollte, wenn ansonsten der
Befüllvorgang ohne besondere Vorkommnisse abgelaufen und damit im übrigen
Tagesgeschehen untergegangen wäre.
Zudem hat er bei der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme seine Angabe, wo-
nach sich in der Kassette 4 sicher etwas befunden habe relativiert, indem er er-
gänzte, dass er nicht mehr sagen könne, was sich in der Kassette befunden habe,
da dies zu lange her sei (Urk. 10 S. 12). Auch dieses Aussageverhalten spricht
nicht für eine erfundene Geschichte. Genau so wie die anlässlich der Hauptver-
handlung deponierte Aussage, wonach er sich sicher sei, dass keine Euros mehr
in der 4. Kassette gewesen seien. Denn auf entsprechende Nachfrage gab er als
Begründung für seine Antwort an: "Ich weiss, dass keine Euros mehr drin waren,
weil mir vorgeworfen wird, etwas genommen zu haben und ich weiss daher, dass
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es keine Euros mehr hatte." (Urk. 27 S. 4). Er gab somit auch hier, wie bei den
vorher gehenden Einvernahmen an, sich eigentlich nicht mehr genau an den da-
maligen Befüllvorgang erinnern zu können, schliesst aber auf eine leere Kassette,
weil er nichts mit dem Diebstahl zu tun haben will. Auch hier gilt: Eine erfundene
Geschichte tönt anders.
Dass der Beschuldigte sodann Details zu den Öffnungen des Tresors wusste, lag
daran, dass ihm vorgehalten wurde, er habe den Tresor am besagten Tag viermal
geöffnet, was er glaubte und dafür eine Erklärung suchte (vgl. Urk. 41 S. 8).
3.3.8. Schliesslich lässt sich auch aus der Art des Befüllvorgangs, insbesondere
aus dem Umstand, dass er für die Befüllung rund 30 Minuten gebraucht hat,
nichts zu Ungunsten des Beschuldigten ableiten und es ist auch darin kein Indiz
für seine Täterschaft zu sehen.
Ganz abgesehen davon, dass B._, welcher von sich selbst behauptete, zu
den schnelleren Mitarbeitern zu gehören, jeweils 10 - 15 Minuten braucht und der
Beschuldigte als damaliger Anfänger sicherlich mehr Zeit benötigte (Urk. 10 S. 8),
hat er erklärt, dass er an diesem Geräte Probleme gehabt und deshalb seinen
Vorgesetzten telefonisch habe kontaktieren müssen. Sodann habe er ein zweites
Mal zum Fahrzeug gehen müssen, um weitere Banknoten zu behändigen. Dies
erklärt auch, weshalb er ein weiteres Mal den Tresor öffnen musste. Das Vorge-
hen mag nicht besonders rationell gewesen sein, wie auch von B._ bemerkt,
aber es ist plausibel.
Ohnehin ist nicht nachzuvollziehen, was aus dem Umstand, dass er dort länger
gebraucht hatte und den Tresor mehr öffnete als üblich - was im Übrigen anläss-
lich der Berufungsverhandlung bestritten wurde (Urk. 41 S. 5 ff., Prot. II S. 12),
hier aber offen bleiben kann -, abgeleitet werden soll. Hätte der Beschuldigte das
Geld an sich genommen, etwa weil er beim Befüllen bemerkt hätte, dass dort
mehr drin war als aufgezeichnet, so hätte er es ja einfach heraus nehmen und
einstecken können, ohne ein weiteres Mal den Tresor zu öffnen und dafür mehr
Zeit zu brauchen. Mag man im mehrmaligen Öffnen des Tresors und der längeren
Zeitdauer ein unübliches Verhalten sehen, so ist nicht erkennbar, in wie weit die-
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ses mit dem Tatvorwurf in Zusammenhang stehen könnte. Denn für den Diebstahl
des Geldes hätte es weder mehr Zeit noch ein mehrmaliges Öffnen gebraucht. Er
hätte das Geld einfach nehmen und einstecken können.
3.3.9. Kein Indiz für seine Täterschaft ist schliesslich seine berufliche und finanzi-
elle Situation (Urk. 33 S. 27). Es trifft wohl zu, dass der Beschuldigte mit seiner
Arbeitsstelle unzufrieden war und diese in der Folge gekündigt hatte, weil sie nicht
seinen Erwartungen entsprach. Dass diese, wie es die Vorinstanz nennt, "gelo-
ckerten Bande" die Hemmschwelle, das per Zufall vorgefundene Geld einzuste-
cken, herabgesetzt haben könnte, mag durchaus sein. Es kann aber genau so gut
auch nicht sein. Es liesse sich auch in gegenteiliger Weise argumentieren bzw.
mutmassen: Wer von sich aus gekündigt hat, ist mit Blick auf eine Neuanstellung
auf ein gutes Arbeitszeugnis angewiesen und wird deshalb erst recht nicht riskie-
ren, durch Unregelmässigkeiten negativ in Erscheinung zu treten. Diese Argu-
mentation ist genau so richtig oder falsch, wie diejenige der Vorinstanz und trägt
damit zur Wahrheitsfindung wenig bei.
3.3.10. Das selbe gilt für die wirtschaftliche Situation des Beschuldigten. Diese
mag heute in der Tat wenig komfortabel sein, kann jedoch durch den Umstand,
dass er bei einem Monatslohn von rund Fr. 4'600.– und einer Miete von
Fr. 1'800.– für seine in Deutschland lebende Partnerin samt Kind aufzukommen
hat, erklärt werden (Urk. 12 S. 4). Das war aber zum Tatzeitpunkt gerade nicht
der Fall. Er hatte mit seiner damaligen Freundin 3 Autos und rund Fr. 5'000.–
Schulden, lebte damals also nicht in ungeordneten Verhältnissen. Selbst wenn al-
so missliche finanzielle Verhältnisse für die Täterschaft eines Beschuldigten spre-
chen würden, was in dieser generellen Form ohnehin fragwürdig wäre, so war
dies zum Tatzeitpunkt gerade nicht der Fall.
Ganz abgesehen war es B._, welcher zum Tatzeitpunkt sechs Mal höhere
Kreditschulden als der Beschuldigte hatte, nämlich rund Fr. 32'000.– und zwar für
ein Automobil der Marke Jaguar, Modell ..., welches bekanntlich preislich im Be-
reich des damals vom Beschuldigten gefahrenen Audi liegt und damit seinen wirt-
schaftlichen Verhältnissen eben so wenig angemessen war (Urk. 10 S. 17). Doch
wie gesagt: Daraus lässt sich für die Täterschaft nichts ableiten.
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3.3.11. Es bleibt somit zusammenfassend festzuhalten, dass sich auf Grund der
vorliegenden Beweismittel der Anklagesachverhalt nicht erstellen lässt, selbst
wenn man sämtliche Indizien zu einem gemeinsamen Ganzen zusammenführt
und in ihrer Gesamtheit würdigt. Es ergibt sich kein Gesamtbild, welches sich so
verdichtet, dass an der Täterschaft des Beschuldigten keine vernünftigen Zweifel
mehr bestehen. Wohl besteht gegenüber dem Beschuldigten ein erheblicher Tat-
verdacht und es ist ohne Weiteres möglich, dass er beim Befüllvorgang die nicht
erfassten EURO Noten entdeckt und diese einfach eingesteckt hat. In der Hoff-
nung, es würde nicht entdeckt werden oder der Verdacht würde auf jemand ande-
ren fallen und mit der Absicht, seine finanzielle Situation etwas aufzubessern oder
dem unliebsamen Arbeitgeber eins auszuwischen.
Genau so möglich ist es jedoch, dass B._ das Geld statt einzufüllen einfach
eingesteckt und dieses nicht verbucht hat, im Wissen, dass unzulänglich kontrol-
liert, der Verdacht auch auf andere Personen fallen und das Delikt kaum aufge-
klärt werden wird.
Über mögliche Motive lässt sich bei beiden spekulieren. Handfeste Beweise gibt
es keine und so bestehen auch an der Täterschaft des Beschuldigten Zweifel
welche derart erheblich sind, dass sie nicht ohne Weiteres zu überwinden sind. Im
Anwendung des Grundsatzes in dubio pro reo ist er deshalb vom Vorwurf des
Diebstahls bzw. der Veruntreuung freizusprechen.
3.3.12. Diesem Ergebnis haftet zweifelsohne etwas Unbefriedigendes an. Denn
obwohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit fest steht, dass einer der
beiden Beschuldigten der Täter war, kommt es zu zwei Freisprüchen. Somit be-
steht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Schuldige freigesprochen wur-
de. Ein anderer Ausgang, nämlich die Verurteilung eines Unschuldigen, wäre je-
doch noch unbefriedigender und geradezu unerträglich.
4. Zivilforderung
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens ist die Zivilforderung der Privatkläge-
rin auf den Weg des Zivilprozesses zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
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5. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Ausgangsgemäss sind die Kosten der Untersuchung und des erstinstanzlichen
Hauptverfahrens auf die Gerichtskasse zu nehmen (Art. 426 StPO). Die Kosten
des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres Obsiegens
oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte obsiegt mit seinem
Antrag auf Freispruch vollumfänglich, weshalb die Gerichtsgebühr für das Beru-
fungsverfahren ausser Ansatz zu fallen hat.
Gemäss Art. 436 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO hat die be-
schuldigte Person, wenn sie freigesprochen wird, Anspruch auf Entschädigung für
ihre Aufwendungen für die angemessene Ausübung ihrer Verfahrensrechte. Für
die anwaltliche Verteidigung ist der Beschuldigte mit Fr. 8'800.– (inkl. MWST) für
das gesamte Verfahren zu entschädigen (vgl. Urk. 43).