# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 93fd4ed3-cca1-487e-9da8-c20fa30098a2
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1977 geborene
X._
war bei der
Unia
Arbeitslosenkasse als ar
beits
los gemeldet. Im Rahmen eines
Zwischenverdiensts war sie als Verkäufe
rin
im
Tankstellen-Shop
der
Y._
GmbH
beschäftigt und damit bei der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (SUVA) obligatorisch gegen die Folgen von Unfällen versichert (
Urk.
10/2).
Am 9.
Dezember 2009 wurde sie an ihrem Arbeitsplatz Opfer eines versuchten Raubüberfalls. Dabei wurde sie mit einer vorgehaltenen Soft-Air-Waffe
bedroht und der Täter schlug ihr ent
weder mit der Faust oder der Waffe gegen den Rücken (
Urk.
3/6 S. 1
f.
, 10/2 und 10/5).
Die
Ärzte der Notfallpraxis des Spitals
Z._
diagnostizierten am
Unfalltag eine linksseitige Rippenkontusion dorsal und eine posttraumatische Angstreaktion (
Urk.
10/5).
Die die Versicherte seit 18.
Januar 2010 behandelnde
Dr.
med.
A._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, diag
nostizierte am
6.
Mai 2010 eine
subsyndromale
Ausprägung einer posttrauma
tischen Belastungsstörung nach Überfall auf der Arbeitsstelle (ICD-10 F43.1), eine mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F32.1) und ein Schmerzsyndrom (
Urk.
10/29).
Die
SUVA
erbrachte
die gesetzlichen Leistungen. Mit Verfügung vom 3
1.
Oktober 2013 stellte sie diese – unter Hinweis auf das Fehlen eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen dem Unfallereignis vom Dezember
2009 und den geklagten Beschwerden – per 3
1.
Dezember 2013 ein
(
Urk.
10/143). Die dagegen erhobene Einsprache vom
4.
Dezember 2013 (
Urk.
10/154) wies sie mit Entscheid vom 27. Dezember 2013 ab (
Urk.
10/157 =
Urk.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom 2
7.
Dezember 2013 erhob die Versicherte am
3.
Februar 2014 Beschwerde und beantragte, der angefochtene En
tscheid sei aufzuheben und
es seien ihr die gesetzlichen Leistungen, insbesondere Taggel
der, über den Zeitpunkt der Leistungseinstellung hinaus auszurichten; eventuell sei ihr eine Invalidenrente gestützt
auf eine Erwerb
s
einbusse von 100
%
zuzu
sprechen
. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um Gewährung der unentgeltli
chen Rechtsver
tretung
(
Urk.
1 S. 2 f.
). Mit Beschwerdeantwort vom 7.
Mai 2014 schloss die SUVA auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
9), was der Beschwer
deführerin am 1
3.
Mai 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 11).
3.
Mit Verfügung vom 2
3.
Juli 2013 sprach die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV-Stelle, der Beschwerdeführerin eine befristete ganze Rente mit Wirkung vom
1.
Dezember 2011 bis 3
1.
Juli 2012 zu.
D
ie d
agegen
am 16. September 2013
erhob
ene Beschwerde wurde mit heutigem Urteil des hiesi
gen Gerichts in dem Sinne gutgeheissen,
dass
die angefochtene Verfügung vom
2
3.
Juli 2013 aufgehoben und die Sache an die IV-Stelle zurückgewiesen w
u
rd
e
, damit diese nach erfolgter Abklärung über den Leistungsanspruch der Beschwerdeführerin neu verfüge
(Prozessnummer-
Nr. IV.2013.00832
)
.
4
.
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Nach Art. 6 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung (UVG) wer
den die Leistungen der Unfallversicherung bei Berufsunfällen,
Nichtberufsun
fällen
und Berufskrankheiten gewährt, soweit das Gesetz nichts anderes be
stimmt. Als Unfall gilt laut Art. 4 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) die plötzliche, nicht beabsichtigte schädi
gende Einwirkung eines ungewöhnlichen äusseren Faktors auf den menschli
chen Körper, die eine Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychi
schen Gesundheit oder den Tod zur Folge hat.
1.2
Rechtsprechung und Lehre haben schreckbedingte plötzliche Einflüsse auf die Psyche seit jeher als Einwirkung auf den menschlichen Körper (im Sinne des geltenden Unfallbegriffes) anerkannt und für ihre unfallversicherungsrechtliche Behandlung besondere Regeln entwickelt. Danach setzt die Annahme eines Unfalles voraus, dass es sich um ein aussergewöhnliches Schreckereignis, ver
bun
den mit einem entsprechenden psychischen Schock, handelt; die seelische Ein
wirkung muss durch einen gewaltsamen, in der unmittelbaren Gegenwart der versicherten Person sich abspielenden Vorfall ausgelöst werden und in ihrer überraschenden Heftigkeit geeignet sein, auch bei einem gesunden Menschen durch Störung des seelischen Gleichgewichts typische Angst- und
Schreckwir
kungen
(wie Lähmungen, Herzschlag, etc.)
hervorzurufen.
Das frühere Eidge
nössische Versicherungsgericht, heute Bundesgericht, hat
diese Rechtsprechung
wiederholt
bestätigt und dahingehend präzisiert, dass auch bei
Schr
eckereig
nissen
nicht nur die Re
aktion eines (psychisch) gesunden Menschen als Ver
gleichsgrösse dienen kann, sondern in diesem Zusammenhang ebenfalls auf eine "weite Bandbreite" von Versicherten abzustellen ist. Zugleich hat
es dabei
relativierend, unter Bezugnahme auf den massgeblichen Unfallbegriff, betont, dass sich das Begriffsmerkmal der Ungewöhnlichkeit definitionsgemäss nicht
auf die Wirkung des äusseren Faktors, sondern nur auf diesen selber bezieht, weshalb nicht von Belang sein könne, wenn der äussere Faktor allenfalls schwerwiegende, uner
wartete Folgen nach sich zog
. An den Beweis der Tatsa
chen, die das Schreckereignis ausgelöst haben, an die Aussergewöhnlichkeit dieses Ereignisses sowie den entsprechenden psychischen Schock sind strenge Anforderungen zu stellen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_376/2013 vom
9.
Oktobe
r 2013 E. 3.1 unter Hinweis unter anderem
auf BGE 129 V 177).
1.3
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss UVG setzt zunächst voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhan
densein der eingetretene Erfolg nicht als eingetreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzu
sammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die allei
nige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädigende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geistige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht wegge
dacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene gesundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E.
4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesund
heitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwal
tung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm oblie
genden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen
Beweis
grad
der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglich
keit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines
Leistungs
anspruches
nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.4
Die weiter vorausgesetzte Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen einem Schreckereignis ohne körperliche Verletzungen und den nachfolgend aufgetre
tenen psychischen Störungen beurteilt sich nach der allgemeinen Formel (gewöhnlicher Lauf der Dinge und allgemeine Lebenserfahrung). Diese Recht
sprechung trägt der Tatsache Rechnun
g, dass bei Schreckereignissen
anders als im Rahmen üblicher Unfälle
die psychische Stresssituation im Vordergrund steht, wogegen dem somatischen Geschehen keine (entscheidende) Bedeutung beigemessen werden kann. Aus diesem Grund ist die (analoge) Anwendung der in
BGE 115 V 133
entwickelten Adäquanzkriterien ebenso
ungeeignet wie dieje
nige der so
genannten
Schleudertraumapraxis
(
BGE 117 V 359
). Nicht anders ver
hält es sich, wenn die versicherte Person zwar körperlich verletzt wird, die somatischen Beeinträchtigungen indessen lediglich von untergeordneter Bedeu
tung sind und im Vergleich zum erlittenen psychischen Stress in den Hinter
grund treten. Denn auch in solchen Fällen kommt dem somatischen Geschehen keine wesentliche Bedeutung zu. Mithin hat die Beurteilung der Adäquanz zwischen Schreckereignissen, bei welchen die versicherte Person zwar (auch) körperliche Beeinträchtigungen davonträgt, Letztere indessen nicht ent
schei
dend ins Gewicht fallen, und psychischen Schäden nach der allgemei
nen
Adä
quanz
formel
(gewöhnlicher Lauf der Dinge und allgemeine Lebenser
fahrung) zu erfolgen (Urteil
des Bundesgerichts 8C_653/2007
vom 2
8.
März 2008
E. 2.4
).
Dabei ist nicht allein auf den psychisch gesunden Versicherten, sondern auf eine weite Bandbreite der Versicherten abzustellen. In diesem Rahmen bilden auch solche Versicherte Bezugspersonen für die
Adäquanzbeur
teilung
, welche im Hinblick auf die erlebnismässige Verarbeitung eines Unfalles zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, weil sie aus
versicherungsmässi
ger
Sicht auf einen Unfall nicht "optimal" reagieren. Daraus ergibt sich, dass für die Beurteilung der Frage, ob ein konkretes Unfallereignis als alleinige Ursache oder als Teilursache nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemei
nen Lebenserfahrung geeignet ist, zu einer bestimmten psychischen Schädigung zu führen, kein allzu strenger, sondern im dargelegten Sinne ein
realitätsge
rechter
Massstab angelegt werden muss (
Urteil des Bundesgerichts 8C_522/2007 vom
1.
September 2008 E. 2 mit weiteren Hinweisen).
1.5
An den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen psychischen Beschwerden und so genan
nten Schreckereignissen werden –
im Hinblick auf ihre schwere Kontrollierbarkeit
–
hohe Anforderungen gestellt. Nach der Rechtsprechung besteht die übliche und einigermassen typische Reaktion auf solche Ereignisse erfahrungsgemäss darin, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innerhalb einiger Wochen oder Monate überwunden wird (Urteil
des Bundesgerichts 8C_653/2007
vom 2
8.
März 2008
E. 2.5
mit Hinweisen
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die Leistungseinstellung
damit,
dass
zwi
schen den
von der Beschwerdeführerin geklagten
psychischen Störungen und dem Raubüberfall
vom
9.
Dezember 2009
, der als aussergewöhnliches
Schreck
ereignis
und damit als Unfall im Sinne der Gesetzgebung
anzusehen sei,
zwar ein natürlicher, aber
kein adäquater Kausalzusammenhang bestehe
. Die bisher
ausgerichteten Versicherungsleistungen seien daher zu Recht per 31.
Dezember 2013 eingestellt worden (
Urk.
2 S. 5 ff.).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber
im Wesentlichen
auf den Standpunkt, von der Fortsetzung der Heilbehandlung könne nach wie vor eine namhafte Besserung des Gesundheitszustands erwartet werden, weshalb die Adäquanzprüfung zu früh erfolgt sei.
Die durch den Raubüberfall ausgelöste akute Gefährdungslage mit Eskalationstendenz und T
odesgefahr habe jedenfalls genug
lange gedauert
, um typische Angst- und Schockwirkungen
auszulösen. Sie sei nicht nur einem Schreckereignis ausgesetzt gewesen, sondern habe sich auch objektiv in Todesgefahr befunden. Der Überfall sei daher geeignet gewe
sen, langjährige Angst- und depressive Zustände auszulösen. Damit sei der adä
quate Kausalzusammenhang zwischen diesem und den psychischen Beeinträch
tigungen auch im Zeitpunkt der Leistungseinstellung zu bejahen (Urk.
1 S.
9 ff.).
3.
3.1
Gemäss Anklageschrift der Staatsanwaltschaft
B._
vom 13. Sep
tember 2010 erfolgte der Überfall vom
9.
Dezember 2009 durch den mit einer Sturm
haube maskierten und mit einer Soft-Air-Waffe bewaffneten
C._
. Dieser
habe die sich bei der offenen Seitentüre des Tankstellenshops befindliche Beschwerdeführerin, die sich bei
m Rauchen einer Zigarette befunden habe
, mit der vorgehaltenen Waffe bedroht. Er habe ihr die Waffe in die linke, hintere Körperseite gedrückt und
sie aufgefordert
: „Geld, Geld, wo ist der Tre
sor“. Dabei habe er die Versicherte durch die Seiteneingangstüre in den Lager
raum gedrängt. Dort habe der Täter mit der vorgehaltenen Soft-Air-Waffe auch die Tankstellenpächterin bedroht. In der Folge habe er die beiden Frauen unter Androhung von Waffengewalt
weiter
zur Verkaufstheke im Shop gedrängt. Im Innern des Shops angekommen, habe
C._
die Waffe auch kurz gegen den ebenfalls anwesenden Mitinhaber des Tankstellengeschäfts gerichtet und gesagt: „Ich schiesse!“. Er habe aus der bereits geöffneten Kassenschublad
e Notengeld in der Höhe von Fr.
370.00 entnommen und den Shop fluchtartig verlassen wollen. Daran sei er aber vom Mitinhaber sowie von einem anwesen
den Kunden gehindert worden
. Die beiden Männer hätten den Täter zu Boden geworfen und ihn bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten. Dabei habe sich der Kunde leichte Verletzungen zugezogen (
Urk.
3/4 S. 3 f.).
3.2
Die erstbehandelnden Ärzte der Notfallpraxis
des Spitals
Z._
diagno
stizier
ten am 9. Dezember 2009 eine Rippenkontusion dorsal links und eine post
trau
matische Angstreaktion (
Urk.
10/5).
3.3
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin, führte am 1
5. Januar 2010 (
Urk.
10/17)
folgende Diagnosen an:
Rippenkontusion links dorsal
Posttraumatische
Periarthropathia
humeroscapularis
links
Posttraumatische
s
zervikal betontes
Panvertebralsyndrom
Reaktive Depression
3.4
Dr.
med.
A._
stellte am 2
0.
Januar 2010 die Verdachtsdiagnose einer post
traumatischen Belastungsstörung.
Betreffend die Arbeitsfähigkeit führte sie aus, die Beschwerdeführerin solle versuchen, ihr Arbeitspensum von 50
%
zu behal
ten (
Urk.
10/13).
3.5
Dr.
D._
berichtet
e am 1
6.
April 2010,
die belastungsabhängigen Schmerzen im Bereich der linken Schulter sowie des ganzen Rückens mit Betonung zervikal hätten sich unter physikalischer Therapie deutlich zurückgebildet. Hingegen komme es immer mehr zum depressiven Zustandsbild (
Urk.
10/25).
3.6
Dr.
A._
nannte am
6.
Mai 2010 (
Urk.
10/29) nachstehende Diagnosen (S. 1):
Subsyndromale
Ausprägung einer posttraumatischen Belastungsstörung nach Überfall auf der Arbeitsstelle (ICD-10 F43.1)
Mittelschwere depressive Episode (ICD-10 F32.1)
Schmerzsyndrom
Die betreffende Ärztin führte aus, als Voraussetzung für eine zukünftige Erwerbs
fähigkeit stehe die psychische Stabilisierung der Beschwerdeführerin im Vordergrund. Das Zustandsbild habe sich im Vergleich
zu
dem am 2
0.
Januar 2010 abgegebenen Bericht unter de
n
verordneten Psychopharmaka und der begleitenden Psychotherapie verbessert.
Einzig die Schmerzsymptomatik sei unver
ändert geblieben. Hauptsymptom sei die Angst. Die Beschwerdeführerin sei weiterhin zu 50
%
arbeitsunfähig (S. 1 f.).
3.7
Med.
pract
.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
Versi
cherungspsychiatrischer
Dienst, gab am 2
3.
Dezember 2010 an, die Beschwer
deführerin hab
e nach dem Überfall
bis zum jetzigen Zeitpunkt eine nicht ganz ausgeprägte posttraumatische Belastungsstörung mit einer depressiven und ängstlichen Reaktion kombiniert sowie ein chronisches Schmerzsyndrom entwi
ckelt. Die Entwicklung einer psychischen traumatischen Reaktion dieses Aus
masses sei an sich nicht untypisch. Bemerkenswert sei die eher untypische Ent
wicklung eines chronischen Schmerzsyndroms
. Dieses sei
als
somatisierende
Überlagerung der trau
matischen Reaktion zu sehen
und
hänge
mit einer allfälli
gen partiellen Vulnerabilität der Persönlichkeitsstruktur sowie der Psyche der Beschwerdeführerin zusamm
en. Es sei daher eher als unfallfremd zu erachten.
Er empfahl die Kostenübernahme für eine stationäre psychiatrische Behandlung (
Urk.
10/41 S. 3 f.).
3.8
Nachdem sie die Beschwerdeführerin vom 1
3.
Dezember 2010 bis am 1
9.
April 2011 stationär behandelt hatten, stellten die Ärzte der Klinik
F._
im Bericht vom 3
1.
Ma
i 2011 (
Urk.
10/74) folgende
psychiatrische Diagnosen (S. 1):
Mittelschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11)
Posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
Somatische Diagnosen führten sie keine an (S. 1).
Sie berichteten, i
m schützenden Umfeld der Klinik
habe
in den ersten Wochen
eine Stabilisierung des Zustands
der Beschwerdeführerin
erreicht werden
kön
nen
. Im weiteren Verlauf des Aufenthalts
habe
sich
dieser
insofern weiter
ver
bessert
, als
sich
die Versicherte
schwingungsfähiger und offener
gezeigt
und
immer klar
er von Suizidalität distanziert habe
. Es habe zudem
eine Verbesse
rung der Konzentration und Aufmerksamkeit
erzielt
werden k
önnen
. Eine wei
tere Verbesserung oder eine Stabilisierung des Zustands und
eine Reduktion der Ängste seien
jedoch nicht möglich
gewesen
. Das Erarbeiten eines psychosozia
len Krankheitsmode
l
ls
habe
sich insofern schwierig
gestaltet
, als
die
Beschwer
deführerin
eine s
ehr fatalistische Einstellung in Bezug auf ihre Erkrankung habe
, alle Schuld für ihren Zustand un
d die Folgen dem Täter zuschreibe und es nicht gelungen sei
, ihr einen konstruktiven Umgang mit Gefühlen und Span
nungszuständen zu vermitteln.
Sie trete
in nur ansatz
weise gebessertem
biopsy
chischem
Zustand bezüglich der remittierten depressiven Symptomatik und des allgemeinen Zustandes aus. Die Ängste und di
e allgemeine Anspannung hätten
nur sehr bedingt eine Verbesserung
erfahren und ihr
Krankheitsverständnis
habe
nur leicht erweitert werden
können (S. 5 f.).
3.9
Dr.
A._
diagnostizierte am 1
1.
Oktober 2011 eine posttraumatische
Belas
tungsstörung
nach Überfall auf der Arbeitsstelle (ICD-10 F43.1) und eine mit
telschwere depressive Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.11). Sie berichtete, die Ausübung der bisherigen Tätigkeit sei der Beschwerdeführerin nicht zumutbar. Ihre Leistungsfähigkeit sei durch Ängstlichkeit und Depression stark reduziert. Für eine Wiedereingliederung in einem geeigneten Tätigkeitsfeld bestehe initial eine 20%ige Arbeitsfähigkeit, wobei eine Steigerung theoretisch möglich sei (
Urk.
10/88).
3.10
Med
.
pract
.
E._
bestätigte am 2
8.
Dezember 2011
(
Urk.
10/94)
d
ie bereits mit Bericht vom 23. Dezember 2010 gestellten Diagnosen einer
ausgeprägten posttraumatischen Belastungsstörung
und einer depressiven Störung mittleren
Grades. Diese Beschwerden würden weiter eine Teilkausalität zum Überfall nachweisen.
E
s l
asse
sich
bei der Beschwerdeführer
in zudem
ein
e psychosoma
tische körperliche Ü
berlagerung auf die traumatische Reaktion und möglicher
weise eine wenig gefestigte Struktur der Persönlichkeit mit einer erhöhten Ängstlichkeit von fast p
sychotischem Ausmass mit paranoid-psychoti
sch ähnli
c
her Reaktion
annehmen.
Es sei
naheliegend, dass die intrapsychischen Ressourcen der
Beschwerdeführerin
entweder kaum vorhanden oder nicht genug entwickelt
seien,
um aus
eigener Kraft in der jetzigen Si
tuation eine Besserung zu erzielen. Es
sei
zu vermuten, da
ss die aus
geprägte Ängstlichkeit
der Beschwerdeführerin
eine direkte
Herangehensweise in der Behand
lung der trau
matischen Reaktion verunmögliche respektive durch die psychotherapeuti
sch
e
n
Behandlungsbemühungen
sogar
zu einer partiellen Verschlimmerung der Beschwerden
geführt h
abe
. Somit
sei
das aktuelle psychische Zustandsbild als äusser
s
t komplex zu
betrachten
und der aktuelle Zustand drohe
zu
chronifi
z
ieren
. Die aktuelle Prognose sei dadurch eher
als ungünstig zu erachten.
Der SUVA-Psychiater
führte weiter aus, d
ie Komplexität des
Beschwerdebildes bedürfe
ein
e
r
intensive
n
, spezialisierte
n
und multi
modale
n
Herangehensweise. Trotz der Ängste der
Beschwerdeführerin,
das Geschehen und dessen Folg
en direkt zu betrachten, bestehe
die Indikation zur Durchführung einer zusätzli
chen spezia
lisierten
traumaspezifischen
Be
handlung
.
Diesbezüglich sei zu empfehlen, die Versicherte
an der
Traumasprechstunde
des
G._
beziehungsweise der Klinik
H._
vorzustellen
. Des Weiteren bestehe
die Möglichkeit einer weiteren Optimierung der pharm
akologischen Medikation
. Zudem sei
die Ve
rwertung der Teilarbeitsfähigkei
t der
Beschwerdeführerin
auch im Sinne
einer
Ressourcen-mobilisierung zu empfehlen. Falls dies im freien
Arbeitsmarkt nicht möglich sei
,
sei
die Teilnahme an
einem Programm einer Tagesklinik (ferner an einem T
ageszentrum) zu empfehlen (S. 5
f
.
).
3.11
Nachdem
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychothera
pie, die Beschwerdeführerin am 3
0.
April 2012 im Auftrag der IV
Stelle unter
sucht hatte, stellte er in seinem Gutachten vom
4.
Mai 2012 (Urk. 10/115
/2-20
)
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine in Remission befind
liche posttraumatische Belas
tungsstörung (ICD-10 F43.1). Den
akzentuierten ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitszügen
(ICD-10 Z73)
mass er keinen Ein
fluss auf die Arbeitsfähigkeit bei
(S.
11
)
.
Im Rahmen der Exploration
habe sich – so der psychiatrische Experte –
unter Einnahme sedierender Psychopharmaka eine müde und verhangen wirkende
Beschwerdeführerin gezeigt
.
Sie spreche
mit gut modulierter, aber etwas v
erwaschener
Stimme.
Ihre Grundstimmung sei deprimiert
. Die
affektive Schwingungsfähigkeit
sei
jedoch nicht gravierend ein
geschränkt. Die Beschwerdeschilderungen
hätten
einen gewissen
appellativen
Charakter,
wobei
eine Tendenz zur Symptomausweitung und Selbstlimitierung nicht ganz ausgeschlossen werden
könne
. Akzentuierte ängstlich verm
eidende Persönlichkeitszüge seien
erkennbar. Die Gedächtnisfunktionen sowie Auf
merksamkeit und Konzentration
seien
infolge medikamentöser Sedierung kli
nisch
lei
chtgradig
beeinträchtigt. Das Antriebsve
rhalten sei
, ebenfalls
aufgrund
der medikamentösen Sedierung, red
uziert und die Psycho
motorik
verlangsamt. Insgesamt
würden sich bei der Beschwerdeführerin
noch Restsymptome einer posttraumatischen Belastungsstörung
zeigen
(S. 12 f.)
. Dr.
I._
führte weiter aus,
e
in gewisser
therapieresistenter Verlauf werde sowohl im Bericht von
Dr.
A._
als auch in dem der Ärzte der Klinik
F._
beschrieben
. Das
Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung
lasse sich – wie bereits ausgeführt –
aktuell nicht mehr bestätigen. Auch eine gravierende depressive Störung
sei
nicht mehr
erkennbar. Im Vordergrund stünden
Psycho
pharmaka-Nebenwirkungen und ängstlich vermeidende Persönlichkeitszüge.
Es
bestehe
ein sekundärer Krank
heitsgewinn, der den Krankheitsverlauf
neben den akzentuierten
Persönlich
keitszügen ungünstig beeinflusse
. D
ass die Symptome
mehr als zwei
Jahre nach dem Ereignis nicht weiter
abgeklungen seien, spreche
für die überwiegende Bedeutung anderer Faktoren.
Allenfalls bestünden
noch Symptome einer abklingenden post
traumatischen Belastungsstörung.
Depri
miertheit
könne zwar
im Zusammenhang mit einer abklingenden posttraumati
schen
B
elastungsstörung auftreten,
rechtfertige
bei der
Beschwerdeführerin
aber nicht die Diagnose einer zusätzlichen affektiven Störung
.
Auf Nachfrage
habe sie
zudem an
gegeben
, im Sommer 2011 mit
ihrem
Ehemann per Flugzeug nach
J._
gereist
zu sein und ihre Mutter besucht
zu haben, was ihr beim Vollbild einer posttraumatisch
en Belastungsstörung beziehungsweise depressi
ven Störung nicht möglich gewesen wäre (S. 13 f.).
Aus
versicherungspsy
chiatrischer
Sicht
– so der Gutachter weiter –
sei der Beschwerdeführerin seit dem Untersuchungsdatum in den bisher ausgeübten Tätigkeiten als Verkäuferin respektive Raumpflegerin eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit zu attestieren. In einer dem psychischen Leiden angepassten Arbeit bestehe hingegen eine unein
geschränkte Arbeitsfähigkeit. Prognostisch sei unter Weiterführung der psy
chotherapeutischen Behandlung und Dosisanpassung der sedierenden
Psycho
pharmaka medi
zinisch-theoretisch innerhalb
von sechs bis 18 Monaten eine weitere Verbesserung des Gesundheitszustands
und damit der Arbeitsfähig
keit auf 100
%
zu erwarten (S. 15 f.)
.
3.12
Was die diagnostische Beurteilung betrifft, schloss sich
Dr.
med.
K._
,
Fach
arzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, Versicherungsmedizin SUVA,
am 1
3.
August 2012
(
Urk.
10/118)
der Meinung des Psychiaters
E._
an. In der Symptomatik und in d
en Befunden
habe
sich über die Zeit hinweg eine gewisse
Verlagerung des Schwerpunkts hin zu einem eher angstbetonten klinischen Bild ergeben. Bis zum heutigen Tag würden Symptome aus den drei Hauptbereichen Intrusion
en
, Vermeidungsverhalten und Übererregbarkeit bestehen. Parallel dazu
habe
sich aber in erster Linie auf der körperlichen Ebene eine starke
Chro
nifizierung
der begleitenden Schmerz- und der vegetativen Problematik erge
ben, die bisher therapeutisch praktisch nicht h
abe
beeinflusst werden können
. E
s würden auch die Symptome zunehmen, die im Rahmen einer Angststö
rung verstanden werden könn
t
en (S. 9 f.). Im Weiteren hätten sich die
Bewältigungs
strategien
der Beschwerdeführerin verstärkt und der Versuch, alle möglichen, die Erinnerung und das Wiedererleben hervorrufenden Auslöser zu vermeiden, scheine stärker denn je zu sein. Dies sei prognostisch sehr ungünstig. Der Rück
zug in die Passivität und der Verzicht auf eigene Ressourcen, vor allem hin
sichtlich der Sozialkontakte
,
könne auch als beginnende dauerhafte Modifika
tion der Persönlichkeit nach schwerem Trauma gedeutet werden. Zusammen
fassend – so
Dr.
K._
weiter – handle es sich durchwegs um Symptome und Befunde, die oft nach Psychotraumata auftreten würden, deren genaue diag
nostische Zuordnung aber das Vorliegen von vollständigen, aktuellen
Untersu
chungsresultaten
erfordern würden. Der Verlauf werde sicher auch von ver
schiedenen unfallfremden Faktoren (Persönlichkeit, Migrationserfahrung, etc.) negativ beeinflusst. Es
handle sich um eine etwas verfahrene Situation mit einer klaren Tendenz zur
Chronifizierung
und einer damit verbundenen therapeuti
schen Ohnmacht. Worin die Ursache dieser Stagnation und
Chronifizierung
liege, bleibe unklar (S. 10 f.). Es scheine daher nicht nur notwendig, sondern geradezu dringlich, die Gesamtsituation in der
Traumasprechstunde
des
G._
oder der Klinik
H._
vorzustellen (S. 12).
3.13
Im Abschlussbericht über die Behandlung der Beschwerdeführerin vom
3.
Mai bis am 1
6.
Dezember 2012 in der Sprechstunde für Belastungsreaktionen
des
G._
vom 1
9.
Februar 2013
(
Urk.
10/126)
diagnostizier
te
Dr.
med.
L._
, Oberärztin
, eine schwere posttraumatische
Belastungs
störung
(ICD-10 F43.1)
und eine schwere depressive Episode.
Es sei versucht worden, im Rahmen einer
traumafokussierten
Therapie
expositionell
, sowohl imaginativ und in vivo, zu arbeiten. Es seien einige Expositionssitzungen durch
geführt worden. Die Beschwerdeführerin schrecke jedoch immer wieder davor zurück und habe sich nur schwer auf die Expositionen einlassen können. Expositionen in vivo, zum Beispiel alleine einkaufen gehen, seien von der Beschwerdeführerin ni
cht angenommen worden und
nicht durchführbar gewe
sen. Die Beschwerdeführerin habe eine Atemübung nach
Prolonged
Explosure
zur Entspannung sowie die Gedankenstopp-Methode erlernt. Sie habe angege
ben, dass
ihr
die Gespräche gut tun und sie entlasten würden. Die
psychotrau
matologische
Symptomatik
habe jedoch persistiert und es sei nur eine geringfü
gige Symptomreduktion eingetreten. Es habe zudem eine Körpertherapie verein
bart werden können. Diese sei von der Beschwerdeführerin gut aufgenommen worden und stelle einen neuen Zugang zu ihrem Erleben dar
(S. 3 f.). Seit dem Unfall sei die Versicherte bis auf weiteres zu 100
%
arbeitsunfähig (S. 2).
3.14
Med.
pract
.
E._
bestätigte anhand
des Berichts über die
Traumasprech
stunde
und unter Berücksichtigung der bisherigen psychiatrischen Beurteilun
gen sowie
d
es Gutachtens
von
Dr.
I._
am 2
2.
April 2013
das Weiterbe
stehen einer posttraumatischen Belastungsstörung mit einer depressiven Störung kombiniert.
Die natürliche Teilkausalität zum erlebten Überfall sei weiter
hin zu bejahen. Unabhängig der erwähnten Diagnose und der
Behandlungs
um
stände
sei anhand des gesamten Verlaufs gegenwärtig von einer
Chroni
fi
zierung
und Unveränderlichkeit der beschriebenen Symptomatik aus
zugehen. Die fehlenden intrapsychischen Ressourcen, die Sprachbarriere
zusammen mit
de
r
erhebliche
n
ängstliche
n
und tr
aumatische
n
Symptomatik
würden die Durchführung einer erfolgsversprechenden (teil-)stationären Behandlung ver
unmöglichen. Ausser der Durchführung einer
Medikations
umstellung
und der köperorientierten Therapie würden sich keine weiteren Massnahmen empfehlen lassen. Somit sei von einer Dauerhaftigkeit der unfallbedingten Symptomatik auszugehen (Urk. 10/129 S. 3 f.).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist unbestritten, dass es sich beim Überfall vom 9. Dezember 2009 um ein Schreckereignis im Sinne der dargestellten Rechtspre
chung und damit um einen grundsätzlich Versicherungsleistungen nach UVG auslösenden Unfall gemäss
Art.
4 ATSG handelt. Ebenfalls einig sind sich die Verfahrensbeteiligen darüber, dass der besagte Vorfall mindestens teilweise natürlich kausal verantwortlich zeichnet für die noch bestehenden psychischen Probleme der Beschwerdeführerin. Zu beurteilen ist demgegenüber, ob zwischen dem erwähnten Unfall und den
beklagten
Beeinträchtigungen ein adäquater Kausalzusammenhang gegeben ist.
4.2
Aufgrund der medizinischen Akten steht fest, dass die somatischen Unfallfolgen – die Beschwerdeführerin erlitt eine Rippenkontusion dorsal links (
Urk.
10/5)
–
im Vergleich zum erlittenen
psychischen
Stress
von untergeordneter Bedeutung waren.
In therapeutischer Hinsicht war – soweit aktenkundig – alleine eine analgetische Medikation angezeigt (
Urk.
10/5, 10/9 und 10/17)
,
und die
Beschwerdeführerin
trat
ihre Arbeit am 7.
Januar 2010 wieder zu 50
%
an (Urk. 10/13 S. 1)
.
Nachdem die Ärzte der Notfallpraxis des Spitals
Z._
bereits
mit Arztzeugnis UVG vom 1
8.
Januar 2010
den voraussichtlichen
Behandlungs
abschluss
eine Woche nach Unfallereignis
angegeben hatten
(Urk.
10/9), berichtete
auch
Dr.
D._
a
m 16.
April 2010
, dass sich die
belastungsabhängi
gen
Schmerzen im Bereich der linken Schulter sowie des ganzen Rückens
unter physikalischer Therapie deutlich zurü
ckgebildet hätten und sie verwie
s betref
fend die Frage der Wiederaufnahme der Arbeit einzig auf die Beurteilung
der Psychiaterin
Dr.
A._
(
Urk.
10/25).
Die Beschwerdeführerin selbst gibt denn auch in der Beschwerdeschrift an, an einer posttraumatischen
Belastungsstö
rung
mit einer depressiven Störung
kombiniert
und damit
einzig
an
psychischen Beeinträchtigungen
zu leiden (
Urk.
1 S. 6
).
Unbestritten ist, dass die Beschwerdeführerin seit dem Unfall an psychischen Beschwerden leidet.
So diagnostizierten
Dr.
A._
, die Ärzte der Klinik
F._
,
med.
pract
.
E._
,
Dr.
K._
und
Dr.
L._
eine posttraumatische Belastungsstörung und eine depressive Störung, die sich ein
zig in der Qualifikation der psychischen Symptomatik
unterscheiden.
Dr.
I._
wiederum ging von einer sich in Remission befindlichen post
traumatischen Belastungsstörung und
von
akzentuierten ängstlich-vermeiden
den Persönlichkeitszügen aus. Insgesamt kann damit
festgehalten werden, dass bei
m erlittenen Schreckereignis die psychische Stresssituation im Vordergrund gestanden hat, während den somatischen Beschwerden
keine (entscheidende) Bedeutung beigemessen werden kann.
Die Adäquanz zwischen
den psychischen Beschwerden und dem Unfall ist daher einzig nach der allgemeinen Formel zu beurteilen.
4.3
Da
die psychischen Unfallfolgen auf
den Zeitpunkt der Adäquanzprüfung keine Auswirkung haben,
ist
– mit Blick auf das soeben Ausgeführte –
nicht zu bean
standen, dass die Beschwerdegegnerin den Fallabschluss
per 3
1.
Dezember 2013
vornahm
(vgl. auch BGE 134 V 109 E. 6.1).
5.
5.1
An den adäquaten Kausalzusammenhang zwischen psychischen Beschwerden und so genannten Schreckereignissen werden hohe Anforderungen gestellt. So verneinte das Eidgenössische Versicherungsgericht (allerdings in Anwendung der Adäquanzkriterien von
BGE 115 V 139
) im Fall einer Versicherten, die auf offener Strasse von einem Unbekannten angegriffen, zu Boden gedrückt und in Tötungsabsicht gewürgt worden war (wobei sie auch körperliche Beeinträchti
gungen - Schrammen am Hals und Schmerzen in der Lendengegend - erlitt) die Adäquanz ebenso wie im Fall eine
r
Frau bei einem nächtlichen Angriff eines alkoholisierten Mannes mit
Beschimpfungen und Würgen
,
bei einer
Kioskver
käuferin
, die von zwei maskierten Männern unter Waffengewalt zur Öffnung der Verkaufskasse gezwungen worden war,
bei ein
em Mann, der im
Zusammenhang mit seinem Geschäft von einem unbekannten Begleiter eines Kunden mit dem Messer bedroht und erpresst worden war (jedoch keine soma
tischen Verletzungen davontrug) und im Fall einer Spielsalonaufsicht, die nach Geschäftsschluss überraschend von einem Vermummten mit der Pistole bedroht und (ohne dass sie körperlich angegriffen worden wäre) zur Geldherausgabe gezwungen worden war
. Es hielt dazu fest, dass die
übliche und einigermassen typische Reaktion auf solche Ereignisse erfahrungsgemäss darin
besteht
, dass zwar eine Traumatisierung stattfindet, diese aber vom Opfer in aller Regel innert einiger Wochen oder Monate überwunden wird
(
vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_522/2007 vom
1.
September 2008 E. 4.1 und 8C_266/2013 vom
4.
Juni 2013
, je mit Hinweisen
).
5.2
Nicht anders verhält es sich im vorliegenden Fall, der
in etwa
vergleichbar ist mit demjenigen einer Kioskverkäuferin, die hinter dem Verkaufstresen von zwei jungen maskierten Männern
mit einer Waffe bedroht und zur Öffnung der
Ver
kaufskasse
gezwungen worden war
, ohne dass sie dabei körperliche Verletzun
gen erlitten hätte
(vgl. E. 5.1
hievor
[Urteil des Bundesgerichts 8C_266/2013 vom
4.
Juni 2013]).
Dem Überfall, bei dem die Beschwerdeführerin mit einer Soft-Air-Waffe bedroht wurde, ist zwar eine gewisse Eindrücklichkeit nicht abzusprechen und es ist auch nachvollziehbar, dass die Versicherte das Ereignis subjektiv a
ls
bedrohlich empfand
, da der Arbeitsplatz im allgemeinen als ein geschützter Ort empfunden wird
.
Dennoch ist festzuhalten, dass
der
Überfall von einem einzelnen Täter ausging und die Beschwerdeführerin
dabei
nicht allein, sondern anfänglich in Begleitung der Tankstellenpächterin und später des Mitinhabers des
Shops
, einer weiteren Verkäuferin
und eines Kunden war. Das G
anze spielte sich innerhalb einer kurzen
Zeitspanne
ab, wobei weder die Beschwerdeführerin noch Drittbeteiligte längeren körperlichen und/oder psy
chischen Strapazen ausgesetzt waren (wie etwa Fesselung, Einsperren, Miss
handlungen, starke Bedrohung, etc.). Ausserdem fiel kein Schuss und in die Handgreiflichkeiten beim Fluchtversuch des Täters war die Beschwerdeführerin nicht involviert
(vgl. E. 3.1
hievor
sowie
Urk.
3/6
und
Urk.
3/9
)
. In Anbetracht dieser Gegebenheiten – und
im Lichte
der
hievor
dargelegten Kasuistik – stellt der fragliche Vorfall kein derart aussergewöhnliches Schreckereignis dar, dass daraus, selbst unter Einbezug einer „weiten Bandbreite“ von Versicherten (vgl. E. 1.2), nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge und der allgemeinen Lebenser
fahrung eine länger als vier Jahre andauernde psychische
Gesundheitsschädi
gung
einschliesslich
einer
während drei
er
Jahre bestehender gänzlicher
Arbeits
unfähigkeit resultierte, zumal das Bundesgericht selbst bei noch etwas grösserer
Gewaltanwendung die Adäquanz verneint hatte.
Dies gilt umso mehr, als die Beschwerdeführerin vor dem Ereignis
unter keinen psychischen Problemen gelitten hatte
(
Urk.
10/115 S.
7).
Auch das Erleben von Todesangst an sich ver
mag keine adäquate Kausalität zu begründen.
Indem die Beschwerdegegnerin während mehr als vier Jahren Heilungskosten übernommen und während etwa dreieinhalb Jahren Taggeldleistungen ausgerichtet ha
t
t
e
, hat sie im Übrigen der gesundheitlichen Situation der Beschwerdegegnerin nach dem Unfallereignis
grosszügig
Rechnung getragen.
6.
Nach dem Gesagten
ist die Adäquanz des Kausalzusammenhangs zwischen dem Überfall vom
9.
Dezember 2009 und den psychischen Beeinträchtigungen der Beschwerdeführerin im Zeitpunkt der Leistungseinstellung zu verneinen. Es ist deshalb nicht zu beanstanden, dass die Beschwerdegegnerin ihre Leistungen per 3
1.
Dezember 2013 einstellte. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.
7.
7.1
Da vorliegend die Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen
Rechts
vertretung
gemäss
§
16 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt sind (vgl. Prozess-Nr. IV.2013.00832), ist der Beschwerde
führerin in Gutheissung des Gesuchs vom
3.
Februar 2014 (
Urk.
1 S. 3) Rechts
anwalt Luca
Barmettler
, Küssnacht am Rigi, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren zu bestellen.
7.2
Der
mit heutigem Beschluss bestellte unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwer
deführerin, Rechtsanwalt Luca
Barmettler
, mach
t mit seiner
Honorar
note
vom 2
1.
Oktober
2015 (
Urk.
12-13
) einen Aufwand von
6.05
Stunden
sowie
Auslagen von
Fr.
85.30
geltend, wofür ihm
bei Anwendung des
gerichts
üblichen
Stundenansatzes von Fr. 200.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer; bis 3
1.
Dezember 2014) respektive Fr. 220.00 (zuzüglich Mehrwertsteuer; ab 1. Januar 2015) und unter Berücksichtigung einer Entschädigung von
Fr.
0.50 pro kopierter Seite
eine Entschädigung in der Höhe von
Fr.
1‘364.90
(inklusive Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichtskasse zuzusprechen ist.