# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9ef236b2-6a1b-42e1-82fc-bc43952c4b70
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1963 geborene
X._
, welche
eine
Handelsschule absol
viert hatte, war ab dem 15. Oktober 2013 beim
Y._
als Sitzwache angestellt.
Am 1. Mai 2014 hätte sie
zusätzlich
eine neue Stelle als Pflegehelferin am
Y._
antreten sollen
(Urk. 9/20/7)
, wozu es allerdings nicht kam, denn die Versicherte wurde a
m 28.
April 2014
bei einem Autounfall verletzt
(Urk. 9/20/3 f.)
. Aufgrund persistierender Beschwerden an Händen, Hals, Rücken und Schambein meldete sie sich am 6. Oktober 2014 (Eingangsdatum) bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversi
cherung an (Urk. 9/2
; vgl. auch Urk. 9/12 mit nachgereichter Unterschrift
).
Die IV-Stelle klärte die erwerblichen und medizinischen Verhältnisse ab und zog die Akten der Unfallversicherung (Urk. 9/8/1-114 und Urk. 9/22/1-116) sowie der Vorsorgeeinrichtung
, darunter den
vertrauensärztlichen
Bericht von
Dr.
med.
Z._
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheuma
erkrankungen
(Urk. 9/23/1-62
und Urk. 9/25 f.
) bei.
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Vorbescheid vom 7. April 2015 [Urk. 9/27]; Einwand vom 20. April 2015 [Urk. 9/32]) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom
30. Oktober 2015
einen Anspruch der
Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 2 [=
Urk. 9/40
]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte am 3. Dezember 2015 Beschwerde und bean
tragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben, und es seien ihr die gesetzlichen Leistungen der Invalidenversicherung, insbesondere eine ganze Rente, zuzusprechen; eventuell sei die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, Eingliederungsmassnahmen anzuordnen. In prozessualer Hinsicht beantragte die Beschwerdeführerin die Einräumung einer Nachfrist von 30 Tagen zur ergänzenden Begründung der Beschwerde und als Eventualantrag die Ein
holung eines medizinischen Gutachtens (Urk. 1 S. 2). Mit Verfügung vom 16. Dezember 2015 wurde der Beschwerdeführerin mitgeteilt, dass keine Nachfrist zur Ergänzung der Beschwerdeschrift angesetzt werde (Urk. 5). Nach erstreckter Frist (Urk. 7) schloss die Beschwerdegegnerin mit Beschwer
deantwort vom 23. Februar 2016 (Urk. 8) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 2. März 2016 angezeigt wurde (Urk. 10).
3.
Die
AXA
(
Versicherungen AG
)
stellte mit Verfügung vom
24.
Februar 2015 die im Zusammenhang mit dem Unfall vom
28. April 2014
ausgerichteten
Taggeldleistungen per
31.
Dezember 2014
ein und stellte
fest, dass ab dem 1.
Mai 2015 kein Anspruch auf Leistungen aus der obligatorischen Unfall
versicherung infolge des Unfalls vom 2
8.
April 2014 mehr bestehe (Urk.
9/
22/2-4
).
Die
dagegen von der Versicherten erhobene Einsprache vom 20.
April 2015 wies die AXA
mit Einspracheentscheid vom 1. April 2016 ab, wogegen die Versicherte am
4.
Mai 2016
Beschwerde beim hiesigen Gericht einlegte. Dieses wies die Beschwerde mit heuti
gem Urteil ab (vgl. Prozess Nr. UV.2016.00112
).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgeset
zes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich
die Folgen
der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreivier
telsrente
und
bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Auf
gabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeits
unfähig ist (BGE 125 V 256 E.
4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person no
ch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E.
4b/cc).
1.4
Die Rechtsprechung, wonach das Gericht „nicht ohne zwingende Gründe“ von der Einschätzung der medizinischen Experten abweicht, hat den Beweiswert von Gerichtsgutachten zum Gegenstand und findet auf versi
cherungsinterne ärztliche Beurteilungen nicht Anwendung. Berichte und Gutachten versicherungsinterner Ärztinnen und Ärzte unterliegen wie andere Beweismittel der freien richterlichen Beweiswürdigung. Es kann ihnen Beweiswert beigemessen werden, sofern sie als schlüssig erscheinen, nach
vollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen. Im Übrigen ist richtig, dass an die Unparteilichkeit auch der versicherungsinternen Gutachterinnen und Gut
achter ein strenger Massstab anzulegen ist.
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurtei
lung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfü
gung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massge
bende funktionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fachkompetenz und der allge
meinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersuchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesge
richts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE
135
V
254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu wür
digen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzu
nehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
RAD-Berichte sind versicherungsinterne Dokumente, die von Art. 44 ATSG betreffend Gutachten nicht erfasst werden; die in dieser Norm vorgesehenen Verfahrensregeln entfalten daher bei Einholung von
RAD-Berichten keine Wirkung
(Urteil des Bundesgerichts 8C_385/2014 vom 16. September 2014 E. 4.2.1 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.4).
Praxisgemäss kommt einer reinen Aktenbeurteilung des RAD im Vergleich zu einer auf allseitigen Untersuchungen beruhenden Expertise, welche auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und die Schlussfolgerungen widerspruchsfrei begründet, nicht der gleiche Beweiswert zu (Urteil des Bundesgerichts
8C_971/2012 vom 11. Juni 2013 E. 3.4).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im an
gefochtenen Entscheid fest, ab
April 2014 sei die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt gewesen, seit dem 1. Dezember 2014 sei sie jedoch wieder voll arbeitsfähig. Das gesetzliche Wartejahr für Rentenleistungen sei somit nicht erfüllt (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber brachte die Beschwerdeführerin vor,
die Beschwerdegegnerin habe ihre Verfügung nicht ausreichend begründet, insbesondere hätte sie einen Einkommensvergleich vornehmen müssen, da
eine
Pflegeassisten
-
tin
deutlich mehr verdiene als
eine Sitzwache und die Beschwerdeführerin bereits vor dem Unfall faktisch als Pflegeassistentin gearbeitet habe
(Urk. 1 S. 7 f. und Urk. 1 S. 10 f.)
.
Auch seien die Einschränkungen im Haus
-
halt zu berücksichtigen (Urk. 1 S. 12).
Die Leistungen der
Invalidenver
-
sicherung
– insbesondere Eingliederungsmassnahmen – seien ab einem
IV-Grad von 20 % geschuldet (Urk. 1 S. 7 f. und Urk. 1 S. 10
f.
). Eine
Symphysenspren
gung
sei mittlerweile bestätigt worden, weshalb der Bericht von Dr.
Z._
und die angefochtene Verfügung auf unrichtigen Annahmen beruhten. Hinzu komme, dass der Bericht von Dr.
Z._
ein vertrauensärztlicher Bericht und kein Gutachten sei. Die Beschwerdeführerin habe ihre Mitwirkungsrechte nicht ausüben können. Dr.
Z._
gehe sodann davon aus, dass kein Kausal
zusammenhang zwischen den geklagten Beschwerden und dem Unfallereig
nis vom 28. April 2014 bestehe (Urk. 1 S. 8 f.). Es sei
ausserdem
kein struk
turiertes Bewei
sverfahren in Anwendung von BGE
141 V 281 durchgeführt worden (Urk. 1 S. 9 f.).
2.3
Den nachstehenden Erwägungen ist Folgendes vorauszuschicken: Gegen den
auf
Art.
32
Abs.
2 ATSG gestützten
Beizug des von der Vorsorgeeinrichtung der Beschwerdeführerin in Auftrag gegebenen vertrauensärztlichen Berichts von
Dr.
Z._
ist
nichts einzuwenden.
Dass an die Unparteilichkeit der versi
cherungsinternen Gutachterinnen und Gutachter ein strenger Masss
tab anzulegen ist, trifft zu (E. 1.4
). Dasselbe gilt auch hinsichtlich
der Beurteilung des RAD (E. 1.5)
. Diesem Umstand ist Rechnung zu tragen.
Die Rüge einer
Verletzung der Mitwirkungsrechte der Beschwerdeführerin
geht
allerdings
fehl, da
sich
Art.
44 ATSG
nur auf Administrativgutachten bezieht.
3.
3.1
Dr.
Z._
stellte in seinem Bericht vom 16. Dezember 2014 über die vertrauens
ärztliche Untersuchung vom 1. Dezember 2014 die folgenden Diagnosen (Urk. 9/23/41):
-
Panvertebrales, vor allem
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom bei
-
Haltungsinsuffizienz
-
Hyperlordosierung
bei
Sacru
m
arcuatum
-
Kyphose bei Status nach
M. Scheuermann
-
aktiver
Spondylolyse
LWK5 rechts
-
Fibromyalgiesyndrom
, ED 1998/99 mit/bei
-
rezidivierenden Arthralgien und Myalgien
-
muskulärer
Dysbalance
-
Bewegungseinschränkung der rechten Schulter bei
-
Status nach
Capsulitis
2008 anamnestisch
-
Status nach
PHS
calcarea
anamnestisch
-
Erosive
Osteochondrose
der Symphyse bei
-
Status nach
Symphysenverletzung
1992
-
Adipositas Grad 1 (BMI 31 kg/m
2
)
-
Status nach Frontalkol
lision am 29.
4.2014
(richtig: 28.4.2014)
mit
-
Kontusion beider Daumen
-
Distorsion der Wirbelsäule
-
Status nach HWS-Verletzung anamnestisch bei Sturz vom Pferd 2011
Dr.
Z._
gelangte zum Schluss, für die Tätigkeit als Sitzwache bestehe keine Arbeitsunfähigkeit. Für die Tätigkeit als Pflegeassistentin habe nie eine zumutbare Arbeitsfähigkeit bestanden. Aktuell seien der Beschwerdeführerin nur körperlich leichte, am besten wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangshaltung und nicht über Schulterniveau zumutbar. Nach Abschluss der notwendigen rehabilitativen Massnahmen sollten zumindest auch teilweise körperlich mittelschwere Tätigkeiten realisierbar sein. Medizinische Mass
nahmen seien nicht geeignet, den Gesundheitszustand und die Leistungsfä
higkeit so zu verbessern, dass die Beschwerdeführerin den körperlich schwe
reren Tätigkeiten in der Pflege gewachsen sei. Berufliche Massnahmen könnten daran auch nichts ändern (Urk. 9/23/41 f.).
3.2
Der Hausarzt Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Allgemeinmedizin, hielt in seinem Bericht vom 19. Dezember 2014 fest, nach dem Unfall bestünden persistierende Handgelenks- und Beckenschmerzen. Die Arbeitsfä
higkeit der Beschwerdeführerin müsse von den Ärzten des
Y._
beurteilt werden. E
inschränkungen bei der Arbeit am
Y._
bestünden aus seiner Sicht keine. Es gebe auch keine Gründe gegen einen sofortigen Beginn der Wieder
eingliederung (Urk. 9/17).
3.3
Im undatierten – bei der Beschwerdegegnerin am 19. Januar 2015 eingegange
nen – Bericht des
Y._
, Rheumatologie und
muskuloskelettale
Rehabilitation, von
Dr.
med.
B._
, Oberarzt, wurden die folgenden Diagnosen festgehalten (Urk. 9/18/7):
-
Anhaltendes
thorako
- und
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom nach Thorax-/ BWS-/ LWS-Kontusion bei Autou
nfall (Frontalkollision) am 28.0
4.2014
-
ohne Hinweise auf Frakturen in diversen bildgebenden Abklärun
gen
-
Wirbelsäulenfehlhaltung mit auffälliger LWS-H
yperlordose und
Sacrum
arcuatum
sowie
aktiver
Spondylolyse
L5 rechts (Ske
lettszintigraphie mit SPECT-CT
pelvin
und lumbal vom 26.05.2014)
-
Anhaltendes
symphysales
Schmerzsyndrom seit Auffahrunfall am 28.04.2014
-
aktuell: unter Belastung/Stress geringe Stufenbildung in der Sym
physe, entsprechend einer Lockerung, kein Nachweis einer Fraktur (Röntgen Beckenübersicht mit Belastungsaufnahmen vom 16.10.2014)
-
Zeichen einer hoch aktiven
Osteochondrose
der Symphyse (Ske
lettszintigraphie und SPECT-CT
pelvin
und lumbal vom 26.05.2014)
-
St. n. (anamnestisch)
Symphysensprengung
gegen Ende der zwei
ten Schwangerschaft bei akzidentellem Ausfallschritt
-
Persistierende Schmerzen im Bereich der Handgelenke beidseits links
betont sowie Schmerzen und Schwellungsneigung DIP
Dig
II' rechts nach Handgelenkskontusion
bds
. bei Autounfall (Frontalzusammen
stoss) am 28.04.2014
-
altersentsprechendes Skelett ohne wesentliche degenerative oder destruierende Veränderungen bei Ankylose im IP
Dig
l links, kleinsten Kapselbandverkalkungen an der proximalen Phalanx DIP II und III links (Röntgen Hände vom 16.10.2014)
-
Status nach
Arthrodese
IP
Dig
l links, Hinweise auf
intraossäres
Ganglion im Os
lunatum
(Röntgen Handgelenk links vom 15.0
3.
[vor Unfall], 27.0
4.
und 12.05.2014)
-
MRI Handgelenk links vom 24.10.2014: keine pathologischen Verän
derungen erkennbar, auch kein Ganglion
-
Status nach
Tendinitis
Musculus
extensor
carpi
radialis
und
Digito
rum
communis
links 03/2014
-
aktuell diesbezüglich beschwerdefrei
-
Chronische PHS
tendinopathica
vom
Supraspinatustyp
rechts
-
Status nach
retraktiler
Kapsulitis
2008
Dr.
B._
führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit dem 16. Oktober 2014 bei ihm in Behandlung (Urk. 9/18/7). Aufgrund der vorliegenden körperli
chen Einschränkungen könne die Beschwerdeführerin in ihrer Tätigkeit als Pflegehelferin nicht längere Zeit stehen, gehen beziehungsweise Patienten unterstützend mobilisieren. Gleichfalls seien Tätigkeiten mit vermehrten
Handgelenksbelastungen beidseits gegenwärtig noch zu vermeiden (Urk. 9/18/11).
3.4
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, Regionale
r
Ärztliche
r
Dienst (RAD)
,
hielt in seiner Stellung
nahme vom 9. März 2015 fest
(Urk. 9/38/4 f.)
, gemäss Aktenlage bestünden bei der Beschwerdeführerin
verschiedene, sehr unterschiedliche und teilweise durchaus „
syndromale
" Diagnosen, welche nur zum ge
ringsten Teil unfallbe
dingt seien
. Als
IV-relevante somatische Gesundheitsschäden seien
lediglich folgende Diagnosen zu betrachten: anhaltendes
symphysales
Schmerzsyn
drom bei hochaktiver
erosiver
Osteochondrose
der
Symphyse bei Zustand nach
Sym
physenverletzung
1992; p
anvertebrales, vor allem
lumbover
tebra
les
Schmerzsyndrom bei Zustand nach
Thorax-BWS-LWS-
Kont
usion am 28. April
20
14 und
Fehlstatik der Wirbelsäule sowie aktivierter
Spondylolyse
L5
rechts;
Bewegungseinschrä
nkung Schulter rechts bei chronischer PHS
tendinopathica
. Aus versicherungsmedizinischer Sicht seien die Ausführun
gen von Dr.
Z._
nachvollziehbar, weshalb darauf abzustellen sei. Für eine angepasste Tätigkeit bestehe demnach eine 100%ige Arbeitsfähigkeit bei fol
gendem Belastungsprofil: Körperlich leichte, am besten wechselbelastende Tätigkeiten ohne Zwangshaltung und nicht über Schulterniveau.
4.
4.1
Der
Bericht
von
Dr.
Z._
vom 16. Dezember 2014
beruht
auf sorgfältigen Untersuchungen
und ist in Kenntnis der relevanten
Vorakten
abgege
ben worden
.
D
ie geklagten Beschwerden
wurden berücksichtigt.
Sodann ist
er
hinsichtlich der Befunderhebung detailliert und für die Beantwortung der sich stellenden Fragen umfassend.
Er
erfüllt demnach alle rechtsprechungs
gemässe
n Krite
rien für eine beweistaugliche medi
zinische Entscheidungs
grundlage.
Dies wurde auch im heutigen Urteil
des hiesigen Gerichts
betref
fend die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten Ansprüche gegen die Unfallversicherung festgestellt (vgl. Prozess Nr. UV.2016.00112). Dass eine
Symphysensprengun
g
belegt
sei, weshalb der Bericht von Dr.
Z._
auf unrichtigen Annahmen beruhe (vgl. das Vorbringen der Beschwerdeführerin [Urk. 1 S. 8]), trifft nicht zu
(vgl. heutiges Urteil betreffend Leistungen aus der Unfallversicherung, E. 4.2 und 4.3.2)
. Im Übrigen ist dies für die Beurtei
lung eines Anspruchs auf Leistungen der Invalidenversicherung
auch
nicht von Relevanz.
Dasselbe gilt in Bezug auf die von Dr.
Z._
gezogene Schlussfolgerung, es bestehe
kein Kausalzusammenhang zwischen den
geklagten Beschwerden und dem Unfallereignis vom 2
8.
April 2014 (
vgl. das Vorbringen der Beschwerdeführerin [Urk. 1 S. 9]
)
.
Obwohl sich Dr.
Z._
auftragsgemäss primär zur Unfallkausalität der per
sistierenden Beschwerden zu äussern hatte,
nahm
er dennoch
auch
zu den nicht unfallbedingten Beschwerden der Beschwerdeführerin
Stellung
und
gelangte
in nachvollziehbarer Weise
zum Schluss, für die Tätigkeit als Pfle
geassistentin habe nie, also weder vor noch nach dem Unfall, eine zumutbare Arbeitsfähigkeit bestanden.
Dass die Beschwerdeführerin in ihrer
bisherigen (sprich:
vor dem Unfall ausgeübten
)
Tätigkeit als S
itzwache im
massgebli
chen
Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung noch
immer
eingeschränkt
arbeitsfähig
sein soll
, lässt sich
auch
den Berichten der behandelnden Ärzte (E. 3.2 und E. 3.3) nicht entnehmen. In diesem Sinne
trifft
die Beurteilung des RAD
zu
, wonach auf die Ausführungen von Dr.
Z._
abzustellen sei
.
Der Einwand der Beschwerdeführerin, sie sei von Dr.
Z._
nicht nach den Prämissen von BGE 141 V 281 (strukturiertes Beweisverfahren) beurteilt worden (
Urk.
1 S. 9 f.), geht indessen fehl.
Die diagnoserelevanten
Befunde und Symptome scheinen nicht besonders ausgeprägt zu sein, zumal die Beschwerdeführerin zu Hause und in ihrer Freizeit einen durchaus aktiven Lebensstil pflegt.
Die Beschwer
deführerin
, welche mit ihrem Ehemann und den vier volljährigen Kindern in einem 11-Zimmer-Haus mit Stall wohnt (Urk. 9/23/23),
gab gegenüber Dr.
Z._
folgendes an (Urk. 9/23/21 f.):
Als Hobby
gehe sie mit
ihre
n
beiden Hunde
n
täglich zweimal
mindestens
15
Minuten, zeitweise auch ein
bis zwei Stunden spazieren
.
Sie stehe um 06.15
Uhr auf. Nach einem Kaffee füttere sie ihre Tiere
(Hunde, Katzen, Pferd, Hühner, Kaninchen und Meerschweinchen [Urk. 9/23/23])
. Dann mache
sie im Haushalt was ihr möglich sei
, auch einmal Korrespondenz für ihren Ehemann. Sie koche ein Mittagessen, das sie meist alleine mit ihrem Ehemann um 12.00 Uhr einnehme. Am Nachmittag sei sie in und um das Haus beschäftigt, kümmere sich auch um den Garten. Auto fahre
sie
wieder, allerdings viel unsicherer und ängstlicher als vor dem Unfall. Sie koche ein warmes Abendessen, das die Familie gemeinsam um 18
.00 Uhr einnehme. Am Abend unterhielten sich häufig alle
zusammen
. Ansonsten lese sie etwas oder schaue fern, bis sie um 22.30
Uhr ins Bett gehe. Im Haushalt
mache
sie
was
ihr möglich sei; s
ie
verzichte dabei auf schwereres Heben
sowie
auf Stossen und Schieben. Staub
saugen sei w
i
eder möglich, weil sich ihre Hände beruhigt hätten. Sie steige jedoch nicht auf Schemel oder Stühle, was extrem schmer
z
haft sei und zu Verkrampfungen im Bereiche des Schambeins und der Symphyse führe. Auch könne sie nicht lange sitzen und stehen. Gerade
aus gehen könne sie 30 Minuten.
Daraus ergibt sich, dass die Beschwerde
führerin
zu Hause faktisch eine leichte, wechselbelastende Tätigkeit ausübt. Soweit sie mit dem Hinweis auf die Diagnose einer Fibromyalgie eine Ein
schränkung in ihrer Arbeitsfähigkeit begründen wil
l, kann ihr nicht gefolgt werde
n
, zumal diese bereits 1998/1999 diagnostiziert worden war
.
4.2
Dem Einwand der
Beschwerdeführerin, sie habe bereits per Anfang 2014 mehr
heitlich
als Pflegeassistentin
gearbeitet (Urk.
1
S.
3
), ist entgegenzuhal
ten, dass dies der Auskunft von Frau
D._
, Case Managerin am
Y._
,
vom 9.
Oktober 2014 widerspricht. Von Seiten des
Y._
wurde ein Arbeits
vers
uch gerade deshalb abgelehnt, weil
die Beschwerdeführerin noch nie als Pfleg
ehelferin gearbeitet habe (Urk.
9/
8/3
).
4.3
Nach dem Gesagten ist mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit von einer 100%igen Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin in
der bisherigen Tätigkeit als Sitzwa
che
ab
dem 1. Dezember 2014
auszugehen
.
Damit ergibt sich keine Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit und zwar bereits vor Ablauf des gesetzlichen Wartejahres
.
Da keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit gegeben ist
,
s
ind auch keine beruflichen Massnahmen durchzuführen.
5.
5.1
Dass keine Einschränkung
der Arbeitsfähigkeit gegeben ist
, basiert
zum einen
auf der Annahme,
die bisherige Tätigkeit als Sitzwache
entspreche
einer kör
perlich leichte
n Tätigkeit
und
der Annahme,
für eine Tätigkeit als Pflegehel
ferin
habe
gar nie
eine Arbeitsfähigkeit bestanden
. Selbst wenn
diese
Annahmen, welche von der Beschwerdeführerin bestritten wurden, nicht zuträfen
, resultierte
dennoch
kein rentenbegründender Invaliditätsgrad
, was der nachfolgende Einkommensvergleich belegt
.
5.2
5.2
.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensver
gleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizini
schen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Validen
einkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypothetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2.2
Bei Versicherten, die nur zum Teil erwerbstätig sind, wird für diesen Teil die Invalidität nach
Art.
16 ATSG festgelegt. Waren sie daneben auch im Aufga
benbereich tätig, so wird die Invalidität für diese Tätigkeit nach
Art.
28a
Abs.
2 IVG festgelegt. In diesem Fall sind der Anteil der Erwerbstätigkeit und der Anteil der Tätigkeit im Aufgabenbereich festzulegen und der Invaliditäts
grad
entsprechend der Behinderung in beiden Bereichen zu bemessen (
Art.
28a
Abs.
3 IVG; gemischte Methode der Invaliditätsbemessung).
Nach der Gerichts- und Verwaltungspraxis wird zunächst der Anteil der Erwerbstätigkeit und derjenige der Tätigkeit im Aufgabenbereich (so unter anderem im Haushalt) ermittelt; die Frage, in welchem Ausmass die versi
cherte Person ohne gesundheitliche Beeinträchtigung erwerbstätig wäre, beurteilt sich mit Rücksicht auf die gesamten Umstände, so die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse. Im Rahmen der gemischten Methode bestimmt sich die Invalidität dadurch, dass im Erwerbs
bereich ein Einkommens- und im Aufgabenbereich ein Betätigungsvergleich vorgenommen wird, wobei sich die Gesamtinvalidität aus der Addierung der in beiden Bereichen ermittelten und gewichteten
Teilinvaliditäten
ergibt (BGE 130 V 393 E. 3.3 mit Hinweisen; vgl. BGE 134 V 9).
5.3
Per 1. Mai 2014 wäre die Beschwerdeführerin
in einem 14.55%igen Pensum als Sitzwache (Anstellung 1; vgl. auch Urk. 9/8/15) und in einem 60%igen Pensum als Pflegehelferin (Anstellung 2; vgl. auch Urk. 9/8/25) angestellt gewesen (Urk. 9/8/12
; vgl. auch Urk. 9/20/2 f.
) und hätte gesamthaft
(Anstellung 1 und 2 sowie Schichtzulagen) Fr. 41‘988.10
(Arbeitspensum 74.55 %)
verdient
.
Das
Valideneinkommen
beträgt somit
Fr. 41‘988.--.
5.4
Zur Bemess
ung des Invalideneinkommens sind
die Tabellenlöhne der Schwei
zerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2012 heranzuziehen. Es ist auf den Lohn der Tabelle 1 (TA1), Kompetenzniveau 1 (einfache Tätigkeiten kör
perlicher oder handwerklicher Art), Total Frauen, und damit auf ein standar
disierte
s monatliches Einkommen von Fr.
4‘112.-- abzustellen. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen Arbeitszeit im Jahr 2015 von 41,7 Stunden pro Woche (vgl. Bundesamt für Statistik, Betriebsübliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, TOTAL) sowie der Nominallohnentwicklung bis ins Jahr 2015 (Indexstand 2630 [2012] auf 2686 [2015], vgl. Bundesamt für Statistik, Arbeitsmarktindikatoren 2016, T 35 Entwicklung der Nominallöhne, der Konsumentenpreise und der Reallöhne, 1976–2015, Frauen) ergibt sich
ein Jahreseinkommen bei einem 74.55
%-Pensum beziehungsweise ein Inva
lideneinkommen von Fr.
39
‘
16
6
.
--
(Fr.
4‘112.-- : 40 x 41,7 x 12 x 0.7455
: 2630 x 2686).
5.5
Die aus dem Einkommensvergleich resultiere
nde Erwerbseinbusse beträgt Fr.
2
‘
822.-- (
Valideneinkommen
von
Fr. 41‘988.--
abzüglich Invalidenein
kommen von
Fr.
39
‘
16
6
.
--
), was einer Einschränkung
im Erwerbsbereich
von gerundet
7
% entsp
richt
.
5.6
Die Beschwerdeführerin bemängelte, die Einschränkung im Haushalt sei nicht berücksichtigt worden (Urk. 1 S. 11 f.). Die Beschwerdeführerin ist als Teil
zeiterwerbstätige mit einer Aufteilung im Erwerbsbereich von 74.55
%
und daraus folgend im Haushaltbereich von 25.45 % zu qualifizieren. Demgemäss kommt zur Bemessung des Invaliditätsgrades die gemischte Methode zur Anwendung,
welche mit Urteil der zweiten Kammer des Europäischen Gerichtshofs f
ür Menschenrechte (EGMR) vom 2.
Februar 2016 (7186/09) nicht grundsätzlich in Frage gestellt wurde (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_28/2016 vom 2
5.
April 2016 E. 5.1
f.), sondern bloss im Zusammen
hang mit der Rentenaufhebung bei einer Vers
icherten, bei welcher davon aus
ge
gangen wurde, sie würde ohne gesundheitliche Einschränkungen nach der Geburt ihrer Kinder nur noch teilzeitlich erwerbstätig sein.
5.7
Bei einer Aufteilung der Tätigkeiten Erwerb von
74.55
%
und
Haushalt
von 25.45 % ergibt sich
ein Teilinvaliditätsgra
d im Erwerbsbereich von 5.22
%
(74.55 % x 7
%).
Damit die Beschwerdeführerin
einen anspruchsrelevante
n Gesamtinvaliditätsgrad (Summe der
beiden
Teilinvaliditätsgrade) von 40
%
erreich
en
würde
, müsste
im Haushaltbereich
ein Teilinvaliditä
tsgrad
von
34.78
% gegeben sein
(40 % - 5.22 %). Ein
solcher
Teilinvaliditä
tsgrad entspräche bei
einem Anteil des Haushaltsbereichs
von 25.45 %
einer Einschränkung von
mehr als
100
%
.
Dies
ist indes ausgeschlossen.
6.
Nach dem Gesagten
erweist
sich die Beschwerde als unbegründet
und
ist
dem
zufolge
abzuweisen
.
7.
Die Kosten des Verfahrens sind auf
Fr. 8
00.-- festzulegen und ausgangsge
mäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG).