# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 328a78b9-d4db-4738-872f-be8a90b1014f
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1978 geborene
X._
war nach ihrer Niederlassung in der Schweiz im Jahr 2001 vorerst bis April 2003 als Buffetmitarbeiterin und nach einer „Famili
enphase“ sowie nach dem Bezug von Entschädigungen der Arbeitslosenver
si
cherung ab April 2007 zu 50 % als Servicemitarbeiterin tätig (vgl. Urk. 1
4
/2/1-
3, 14/16/2, 14/29/1). Nachdem bei ihr ein
stanzbioptisch
gesichertes invasiv-
duktales
Mamma-Karzinom rechts diagnostiziert worden war (Urk. 14/1), mel
dete sie sich am 10. März 2008 und am 11. Juni 2008 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Bezug einer Rente sowie von Massnahmen für die berufliche Eingliederung an (Urk. 14/2, Urk. 14/19). Die Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, holte einen Auszug aus dem individuellen Konto der Versicherten (IK-Auszug, Urk. 1
4
/29), weitere erwerbliche Unterlagen (Urk. 1
4
/1
6
, 1
4
/27, 1
4
/30-33), Berichte der behandelnden Ärzte (Urk. 1
4
/34, 1
4
/39-43, 1
4
/49) sowie die Akten der Krankenversicherung (Urk. 1
4
/36) ein und liess durch das
Y._
, das internistisch-psychiatrisch-neurologische Gutachten vom 6. Dezember 2010 (Urk. 1
4
/55) erstatten. Des Weiteren erfolgten Abklärun
gen zum Erwerbsstatus (Urk. 1
4
/57). Mit Vorbescheiden vom 20. sowie vom 21. Juni 2011 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht, dass sie den An
spruch auf Arbeitsvermittlung vernei
nen (Urk. 1
4
/60) und dass sie ihr vom 31. Januar 2009 bis am 28. Februar 2011 eine befristete halbe Rente der Invali
denversicherung zusprechen werde (Urk. 1
4
/62). Am 24. Juni 2011 erhob die Versicherte dagegen Einwand, dass die Rente nur befristet zuzusprechen sei (Urk. 1
4
/65). Mit Verfügung vom 5. September 2011 wurde das Begehren um Arbeitsvermittlung abgewiesen (Urk. 1
4
/71). Daraufhin reichte die Versicherte einen weiteren medizinischen Bericht ein (Urk. 1
4
/75/2-3). Nach Rücksprache mit dem
Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD,
Urk.
1
4
/77/2) verfügte die IV
-
Stelle am 20. November 2012 auch in Bezug auf die Rente im angekündigten Sinne
(Urk. 1
4
/
94).
Gegen die Verfü
gung vom 20. November 2012 (
Zusprache
einer befristeten halben Rente
) erhob die Versicherte mit Eingabe vom 29.
Dezember 2012 Beschwerde
. Diese wurde vom Sozialversicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil IV.201
5
.00
003
vom
3
0.
September 2014
in dem Sinne gutgeheissen, dass die Verfügu
ng vom 29. März 2010 aufgehoben und zum einen festgestellt wurde, dass die Ver
sicherte vom
1.
Januar 2009 bis zum 3
1.
Juli 2009 Anspruch auf eine ganze Rente hat. Zum anderen wurde betref
fend den weitergehenden Rentenanspruch
die Sache an d
ie IV-Stelle zur weite
ren Abklä
rung und neuen
Verfü
gung zurückgewiesen (Urk.
14/119
).
1.2
In Nachachtung dieses Urteils vom
3
0.
September 2014
holte die
IV-Stelle einen aktuellen IK-Auszug (Urk. 14/130) sowie
Verlaufsberichte der behandelnden Ärzte
ein
(Urk. 14/
136, 14/138, 14/154)
und liess die Versicherte polydisziplinär durch die
Z._
begutachten (Gutachten vom 23. November 2015, Urk. 14/
157
).
Hernach holte sie die RAD-Stellungnahme vom 1
0.
Dezember 2015 ein (Urk. 14/161/4-5).
Mit Vorbescheid vom
12. Januar 2016
stellte sie der Versi
cherten
die Ausrichtung einer befriste
ten ganzen Invalidenrente für die
Zeit vom
1.
Januar 2009 bis 31.
August 2015 in Aussicht (Urk. 14/
162).
Hiergegen erhob die Versicherte am
21. Januar 2016
Einwand
(Urk. 14/
168). Mit Eingabe vom 3
1.
Mai 2016 (Urk. 14/186) reichte die Versicherte einen weiteren Arztbe
richt vom 5. August 2015 ein (Urk. 14/185). Im weiteren Verlauf nahm
die IV-Stelle
den Arztbericht der
A._
vom 1
3.
Juli
2016 zu den Akten (Urk. 14/190)
.
Dazu nahm die Versicherte am
5.
August 2016 Stellung (Urk. 14/192).
Sodann reichte
sie
einen weiteren Arztbericht ein (Urk. 14/193). Am 1. Dezember 2016 erstattete
Dr.
med.
B._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, sein von der IV-Stelle in Auftrag gegebenes Gutachten (Urk. 14/201). Hierzu äusserten sich der RAD am
5.
Dezember 2016 (Urk. 14/205/4-6) und die Ver
sicherte mit Eingabe vom 22. Dezember 2016 (Urk. 14/203).
Am 1
2.
Januar 2017 beschloss die IV-Stelle die Zusprechung einer ganzen Rente ab dem
1.
Januar bis und mit dem 3
1.
Juli 2009 und einer halben Rente ab dem
1.
August 2009 (Urk. 14/207). Die Leistungsverfügung betreffend den Anspruch ab dem
1.
Februar 2017 erging am 3
1.
Januar 2017 (Urk. 14/207, Urk. 14/209, Urk. 2). Die Rentennach
zahlung für die Zeit vom
1.
Januar 2009 bis zum 3
1.
Januar 2017 berechnete die IV-Stelle mit Verfügung vom 10. Mai 2017 (Urk. 10/2).
2.
2.1
Gegen die Verfügung vom
3
1.
Januar 2017
betreffend
Invaliden
rente
erhob
d
ie
Versicherte am
2.
März 2017
Beschwerde und beantragte,
es sei ihr mit Wir
kung ab 1. August 2009 eine höhere als die mit dem angefochtenen Entscheid verfügte halbe Invali
denrente zuzusprechen. Eventualiter
sei die Sache zur wei
teren Abklärung und Neubeurteilung an die Beschwerdegegnerin zurückzuwei
sen
.
In prozessualer Hinsicht beantragte
sie
die Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung und Rechtsvertretung (Urk. 1 S. 2).
2.2
Gegen die Verfügung vom
1
0.
Mai 2017
betreffend
Rentenleistungen und
Ren
tennachzahlung
für die Zeit von August 2009 bis Ende Januar 2017
erhob
d
ie
Versicherte am
1
1.
Mai 2017
Beschwerde und
stellte dieselben Anträge wie in der Beschwerdeschrift vom
2.
März 2017 (
Urk. 10/1 S. 2,
vgl. E. 2.1 vorstehend).
Zugleich beantragte sie die Vereinigung
mit dem
Verfahren
IV.2017.00267
(Urk. 1 S. 3).
Mit Gerichtsverfügung vom
2
3.
Mai 2017
wurde dieser unter der Verfahrensnummer IV.201
7
.00
523
registrierte Prozess
antragsgemäss
mit dem vorliegenden Prozess vereinigt und dadurch als erledigt abgeschrieben (Urk.
10/3
, Urk.
11
).
2.3
In der
Beschwerdeantwort vom
1
9.
Juni 2017
beantragte
die
IV-Stelle, der Be
schwerdeführerin sei eine
reformatio
in
peius
anzudrohen (Urk. 13 S. 1).
Mit ge
richtlicher Verfügung vom 2
2.
Juni 2017 wurde der Beschwerdeführerin die un
entgeltliche Prozessführung gewährt und Rechtsanwalt Tomas Kempf
, Uster,
als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt (Urk. 15).
Im Rahmen
der Replik
vom
21. Juli 2017 hielt die Beschwerdeführerin
vollumfänglich an ihren Anträgen fest (
Urk.
17). Die Beschwerdegegnerin verzichtete am
3.
August 2017 auf das Ein
reichen einer
Duplik
(
Urk.
19
), was de
r
Beschwerdeführer
in
am
7. August 2017
mitgeteilt wurde
(Urk.
2
0
).
Mit Gerichtsverfügung sowie Schreiben vom 14. November 2017 wurde
Dr.
B._
zur Ergänzung seines Gutachtens aufgefor
dert
(Urk.
21 und
Urk.
22), welche am 2
3.
November 2017 erfolgte
(Urk.
24). Die
se wurde den Parteien am
5.
Dezember 2017 zur Stellungnahme unterbreitet
(Urk.
26). Sodann wurde ihnen mit Gerichtsverfügung vom
4.
Januar 2018 Gele
genheit geboten, sich unter dem Blickwinkel der neuen Rechtsprechung zur Inva
liditätsbemessung bei Depressionen und andern psychischen Leiden
(
BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418)
zu äussern
(Urk.
28).
Die Beschwerdeführerin äusserte sich mit Eingabe vom 2
4.
Januar 2018
(Urk.
32). Die Stellungnahme der Beschwerdegegnerin erfolgte am 3
0.
Januar 2018
(Urk.
33). Diese beide
n
Stel
lungnahmen wurden der jeweiligen Gegenpartei zur Kenntnisnahme zugestellt
(Urk.
34).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts; ATSG
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG)
.
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursach
te und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psy
chischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelisches Leiden mit Krank
heitswert besteht, welches die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (BGE 130 V 396; 141 V 281 E. 2.1). Eine fach
ärztlich festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleich
bedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diag
nose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objek
tivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumut
bar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (vgl. BGE 127 V 294 E. 4c; 139 V 547 E. 5.2;
BGE 143 V 409
E. 4.2.1).
Gemäss der für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosoma
tische Leiden entwickelten Rechtsprechung des Bundesgerichts ist die tatsäch
liche Arbeits- und Leistungsfähigkeit der versicherten Person grundsätzlich in einem strukturierten, ergebnisoffenen Beweisverfahren anhand von auf den funktionellen Schweregrad bezogenen Standardindikatoren zu ermitteln (BGE 141 V 281). Mit
BGE 143 V 418
hat das Bundesgericht erkannt, dass grundsätz
lich sämtliche psychischen Leiden einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen seien, wobei es je nach Krankheitsbild allenfalls gewisser Anpassungen hinsichtlich der Wertung einzelner Indikatoren bedürfe. Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähi
gkeit schliessen lassen (E. 7).
1.
3
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.4
Die rückwirkend ergangene Verfügung über eine befristete oder im Sinne einer Reduktion abgestufte Invalidenrente umfasst einerseits die Zusprechung der Leistung und andererseits deren Aufhebung oder Herabsetzung. Letztere setzt voraus, dass Revisionsgründe (BGE 133 V 263 E. 6.1 mit Hinweisen) vorliegen, wobei der Zeitpunkt der Aufhebung oder Herabsetzung nach Massgabe des
ana
log anwendbaren (
AHI
1998 S. 121 E. 1b mit Hinweisen) Art. 88a der Ver
ordnung über die Invalidenversicherung (IVV) festzusetzen ist (vgl.
BGE
121
V 264 E. 6b/
dd
mit Hinweis).
Ob eine für den Rentenanspruch erhebliche Ände
rung des Invaliditätsgrades eingetreten und damit der für die Befristung oder Abstufung erforderliche Revisionsgrund gegeben ist, beurteilt sich durch Ver
gleich des Sachverhalts im Zeitpunkt der Rentenzusprechung oder des Renten
beginns mit demjenigen zur Zeit der Aufhebung beziehungsweise Herabsetzung der Rente (BGE 125 V 413 E. 2d am Ende, 369 E. 2, 113 V 273 E. 1a, 109 V 262 E. 4a, je mit Hinweisen; vgl. BGE 130 V 343 E. 3.5). Spricht die Verwaltung der versicherten Person eine befristete Rente zu und wird beschwerdeweise einzig die Befristung der Leistungen angefochten, hat dies nicht eine Einschränkung des Gegenstandes des Rechtsmittelverfahrens in dem Sinne zur Folge, dass die unbestritten gebliebenen Bezugszeiten von der Beurteilung ausgeklammert blei
ben (BGE 125 V 413 f. E. 2d mit Hinweisen). Die gerichtliche Prüfung hat viel
mehr den Rentenanspruch für den gesamten verfügungsweise geregelten Zeit
raum und damit sowohl die Zusprechung als auch die Aufhebung der Rente zu
erfassen (Urteil des Bundesgerichts I 526/06 vom 31. Oktober 2006, E. 2.3 mit Hinweisen).
1.5
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflicht
gemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztbe
richtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zu ihrem Rentenentscheid aus, seit dem 1. Januar 2008 (Beginn Wartefrist) sei die Beschwerdeführerin in ihrer Arbeits
fähigkeit erheblich beeinträchtigt. Vorerst sei keine erwerbliche Tätigkeit mehr möglich gewesen. Nach Ablauf der Wartezeit habe demnach ab dem 1. Januar 2009 Anspruch auf eine ganze Rente bestanden (E. 4). Gemäss Rückweisungs
urteil IV.2013.00005 des Sozialversicherungsgerichts vom 30. September 2014 in Sachen der Parteien sei der Rentenanspruch in dieser Höhe bis Ende Juli 2009 ausgewiesen (E. 4). Die nach der Rückweisung vorgenommenen weiteren Abklärungen hätten ergeben, dass aus psychiatrischer Sicht seit Januar 2008 die Arbeitsfähigkeit anhaltend auch in einer angepassten Tätigkeit (zeitlich flexibel, ohne permanenten Zeit- und Termindruck, geringer Publikumsverkehr, ohne besondere Anforderungen an das Umstellungs- und Anpassungsvermögen, wohl
wollende und konfliktarme Arbeitsumgebung) um 50
%
eingeschränkt sei. Der unter diesen Gesichtspunkten vorzunehmende Einkommensvergleich ergebe
einen Invaliditätsgrad von 50
%
. Ab August 2009 bestehe somit Anspruch auf eine halbe Rente (Urk. 2 S. 3 ff.).
In der Beschwerdeantwort vom 1
9.
Juni 2017
führte sie aus, aus rein soma
tischer Sicht sei die Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig. Die Anfälle der Beschwerdeführerin seien mit dem Beweis
grad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit nicht auf eine Epilepsie zurückzu
führen. Sowohl bei der depressiven Symptomatik als auch bei der dissoziativen Störung komme der Therapieresistenz eine entscheidende Bedeutung zu. Diese sei nicht gegeben. Ferner bestünden Zweifel am Leidensdruck und es lägen psy
chosoziale Belastungsfaktoren vor, welche abzugrenzen seien
. Nach dem Gesag
ten sei der Beschwerdeführerin eine
reformatio
in
peius
anzudrohen
(Urk. 13).
In ihrer Stellungnahme vom 30. Januar 2018 hielt sie daran fest, dass aus psy
chiatrischer Sicht - auch unter Berücksichtigung der Indikatoren - keine Arbeitsunfähigkeit anzunehmen sei (Urk. 33).
2.2
Die Beschwerdeführerin
führte in ihrer Beschwerdeschrift aus,
währenddem
das
Y._
ab dem Begutachtungszeitpunkt vom November 2011 von einer Ein
schrän
kung der Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht um 30
%
ausgegan
gen sei, sei im
Z._
-Gutachten vom 2
3.
November 2015 eine Verbesserung aus psychi
atrischer Sicht sowie ein im Vergleich zum
Y._
-Gutachten unveränder
ter Zustand im somatischen Bereich festgehalten worden (Urk. 1 S. 7).
Die Beschwerdeführerin bestreitet, dass sich ihr psychischer Gesundheitszustand verbessert habe und weist auf ihren Suizidversuch vom 5. August 2015 sowie
auf Berichte der behandelnden Psychiater
hin (Urk. 1 S. 8).
Weiter hielt sie fest,
Dr.
B._
habe eine Verbesserung aus psychiatrischer Sicht in seinem Gutach
ten vom
1.
Dezember 2016 ebenfalls nicht bestätigen können (Urk. 1 S. 9).
Bezüg
lich des Zumutbarkeitsprofils könne indes nicht lediglich auf das psy
chiatrische Gutachten von
Dr.
B._
abgestellt werden, sondern die Beschwer
deführerin sei auch aus somatischer Sicht eingeschränkt (Urk. 1 S. 11-12).
Fer
ner machte sie geltend, ihr
Valideneinkommen
sei
höher als von der IV-Stelle angenommen und es sei beim multiplen Beschwerdebild und der Teilzei
tarbeit ein Leidensab
zug von 25
% vorzunehmen (Urk. 1 S. 12-13).
Ihre Beschwerde vom 1
1.
Mai 2017 begründete sie mit denselben Ar
gumenten (Urk. 10/1).
In der Replik fügte sie an, dass nicht alle Therapiemöglichkeiten in Anspruch genommen würden, könne einzig und allein mit einer Therapieresistenz erklärt werden (Urk. 17 S. 2).
In ihrer Stellungnahme vom 2
4.
Januar 2018
fügte sie an, die in der Beschwer
deantwort beantragte
reformatio
in
peius
habe vor dem Hintergrund der Recht
sprechungsänderung jegliche Bedeutung verloren. Falls noch ein strukturiertes Beweisverfahren durchzuführen sei, sei die Sache hierzu an die Beschwerdegeg
nerin zurückzuweisen (Urk. 32 S. 5).
3.
3.1
Das Sozialversicherungsgericht hielt im Rückweisungsurteil IV.2013.00005 vom 30. September 2014 (Urk. 14/119) fest, offen bleibe ob die im
Y._
-Gutachten angegebene 50%ige Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tätigkeit (Urk. 10/55/18 Ziff. 6.3) für die Zeit ab Mai 2009 zutreffend sei. Die Beurteilung stehe zwar im Einklang mit der derjenigen durch die Ärzte der Psychiatrischen Poliklinik, ge
mäss welchen aus isoliert psychiatrischer Sicht eine Einschränkung der Arbeits
fähigkeit um 20 bis 50 % bestehe. Hingegen widerspreche sie den Anga
ben im Bericht der Klinik für Gynäkologie des
C._
, wonach der Beschwerde
führerin die Arbeit als Servicefachangestellte nicht mehr zuzumuten sei, weil sie mit dem rechten Arm keine Lasten mehr heben und tragen könne. Dass die Beschwerde
führerin infolge ihres Krebsleidens nicht mehr beeinträchtigt sei, habe das
Y._
einzig damit begründet, dass sie aktuell
rezidivfrei
sei. Hingegen sei es nicht ausgeschlossen, dass die von der Beschwerdeführerin angegebene verminderte Belastbarkeit des rechten Arms mit der im Februar 2008 durchge
führten Mastektomie und der
axiliären
Lymphonodektomie
rechts
zusammen
hänge
und die Arbeitsfähigkeit dadurch massgeblich beeinflusst werde. Schlüs
sig beurteilt werden könne dies indessen nicht. Diesbezüglich seien weitere Abklärungen nö
tig (E. 4.2). Ferner hielt das Gericht fest, mit den bisherigen Abklärungen sei eine epileptische Genese der anfallsartig auftretenden
Bewe
gungs
- und Sprech
störungen (vgl.
Urk.
14/55/16) nicht sicher ausgeschlossen und die Ätiologie bleibe unklar (E. 4.3).
3.
2
Dr.
med.
D._
, Fachärztin für
Psychiatrie und Psychotherapie
und behandelnde Ärztin der Beschwerdeführerin
,
qualifizierte die Anfälle der Beschwerdeführerin in ihrem Bericht vom 2
8.
April 2015 als rezidivierende psy
chisch bedingte dis
soziative Zustände, welche vor allem im Beisein anderer Per
sonen beziehungs
weise in Situationen subjektiv erlebter psychischer Belastung auftreten würden. Sie
führte aus, die Beschwerdeführerin
sei seit ihrer Operation psychisch nicht belastbar und kompensiere diese Belastungen durch Abspaltung der Realität
respektive fliehe sie mittels dissoziativer Zustände in die Irrealität
. Die disso
ziativen Zustände habe sie wegen fehlender intrapsychischer Ressour
cen entwi
ckelt (Urk. 14/136/2
-4
).
Daneben mass
Dr.
D._
der mittelgradigen depressiven Episode im Rahmen narzisstischer Konfliktverarbeitung
nach
Ablatio
mamma
e
rechts Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit zu (Urk. 14/136/2).
Die Beschwerde
führerin sei sowohl in der angestammten als auch in einer ange
passten Tätig
keit voll arbeitsunfähig (Urk. 14/
136/7).
3.
3
Im psychiatrischen Bericht des
E._
vom
2.
Mai 2014
wurden die Anfälle
der Beschwerdeführerin
als dissoziative Bewegungsstörung (ICD-10: F
44.4) einge
ordnet. Ferner diagnostizierten der Assistenzarzt
Psychiatrie und Psychotherapie
sowie der Klinische Psychologe eine rezidivierende
depressive Störung, gegen
wärtig
schwere Episode ohne psy
chotische Symptome (ICD-10: F33.2), derent
wegen sie eine Arbeitstätigkeit für aktuell nicht denkbar hielten (Urk. 14/138/6-7).
In ihrem Bericht vom 29. August 2016 gingen sie weiterhin von einer voll
umfänglichen Arbeitsun
fähigkeit sowie von denselben psychiatrischen Diagno
sen aus und hielten fest, die Situation verschlechtere sich trotz Medikation
und es bestünden nach wie vor deutliche Suizidideen
(Urk. 14/193).
3.
4
Nach einem Suizidversuch Anfang August 2015 (vgl.
Urk.
14/185) wurde die Beschwerdeführerin am 2
5.
und 2
7.
August 2015
durch Ärzte
de
r Gutachtens
stelle
Z._
psychiatrisch, neurologisch
und internistisch
untersucht (Gutachten vom
2
3.
November 2015
, Urk. 14/15
7
). In ihrer Gesamtbeurteilung gelangten
die Gutachter
zum Schluss, dass mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
der Verdacht auf rezidivierende dissoziative Krampfanfälle, differentialdiagnostisch epileptisch (ICD-10: F44.5)
, sowie rechts-thorakale Schmerzen (ICD-10: R07.3) bei Status nach Mamma-
Karzinom
(ICD-10: C50.4)
vorl
ägen
(Urk. 14/15
7
/1
8
). Keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit massen sie
dem invasiv-
duktalen
Mamma-Karzinom rechts
kraniolateral
sowie der rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10: F33.4), bei
histronischer
Persönlich
keitsakzentuierung (ICD-10: Z73.1)
zu (Urk. 14/15
7
/1
8
).
Die Gutachter führten aus, aus psychiatrischer Sicht habe sich die gesundheitliche Situation der Be
schwerdeführerin
ver
bessert. So könne keine depressive Symptomatik mehr nachgewiesen werden und die dissoziative Symptomatik sei nicht mehr dermas
sen ausgeprägt wie noch zum Beispiel im Jahr 2011 (Urk. 14/157/19).
Aus somatischer Sicht sei der Zustand im Vergleich zum Zeitpunkt des
Y._
-Gutachtens aus dem Jahr 2010 unverändert. Fü
r die rechtsthorakal angegebene
Schmerzsymptomatik könne kein objektivierbares Korrelat eruiert werden. Bei Status nach Mastektomie rechts bestehe sicher ein somatischer Kern, auch wenn eine gewisse funktionelle Überlagerung der Beschwerden nicht auszuschliessen sei. Aufgrund der Schmerzsymptomatik seien der Beschwerdeführerin körperlich schwere Tätigkeiten nicht und körperlich mittelschwere Tätigkeiten mit einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 30
%
zumutbar. In einer körperlich leichten bis intermittierend mittelschweren Tätigkeit resultiere keine Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit
. Aufgrund der wahrscheinlich dissoziativen Krampf
anfälle sei von Tätigkeiten mit potenz
ieller Selbst- oder Fremdgefähr
dung abzu
sehen und die Beschwerdeführerin könne kein Fahrzeug führen
(Urk. 14/157/19).
In der bisherigen Tätigkeit
im Service, welche auch belastende Tätigkeitsanteile beinhalte, bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit um 30
%
. Für eine angepasste Tätigkeit bestehe eine volle Arbeitsfähigkeit (Urk. 14/157/20).
Die RAD-Psychiaterin schloss sich dieser Beurteilung in ihrer Stellungnahme vom 1
0.
Dezember 2015 an (Urk. 14/161/5).
3
.
5
Die Ärztin der
A._
nannte in ihrem Bericht vom 1
3.
Juli 2016 namentlich die Diagnosen einer mittelgradigen Depression (ICD-10: F32.1), einer Persönlich
keitsstörung (ICD-10: F61.9) sowie rezidivierender dissoziativer Zustände (ICD-10: F44.5; Urk. 14/190/2).
Sie führte aus, seit Februar 2016 befinde sich die Be
schwerdeführerin bei ihr in ambulanter Behandlung. Im Vordergrund stehe die depressive Symptomatik, hingegen habe sie keine dissoziative
n
Zustände be
schrieben (Urk. 14/190/3). Prognostisch sei möglich, dass sich das Zustands
bild noch bessere. Es würden im Abstand von zwei bis drei Wochen ambulante Ein
zelgespräche in der Muttersprache der Beschwerdeführerin geführt und es finde eine Psychopharmakotherapie statt (Urk. 14/190/4).
Diese Massnahmen könnten eine bessere Leistungsfähigkeit,
eine
bessere Konzentration und
eine
besser
e
Ausdauer bewirken (Urk. 14/190/6).
Es bestehe sowohl für die bisherige als auch für jede andere Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, da die Beschwerde
führerin nicht in der Lage sei, die für eine Erwerbstätigkeit notwen
digen Basis
variablen wie zuverlässiges Erscheinen, Durchhalten der Arbeitszeit oder Umset
zen von Anweisungen zu erbringen (Urk. 14/190/5).
3.
6
Dr.
B._
nannte in seinem Gutachten vom
1.
Dezember 2016 die Diagnosen
einer depressiven Entwicklung nach multiplen lebensgeschichtlichen Belastun
gen, im Verlauf fluktuierend, aktuell knapp mittelgradiges depressives Syndrom (ICD-10: F32.1), einer dissoziativen Störung gemischt mit anamnestisch be
schriebenen Krampfanfällen und dissoziativen Bewusstseinsveränderungen (ICD-10: F44.7) und äusserte den Verdacht auf eine Persönlichkeitsänderung mit regressivem Verhalten bei multiplen lebensgeschichtlichen Belastungen (ICD-10: F62.8; Urk. 14/201/19
, Urk. 14/201/22
).
Er führte aus, die Beschwerdeführerin habe im Jahr 2008 nach der Diagnose der Mammakarzinom-Erkrankung de
pressiv
dekompensiert
. Die bereits 2003 beschriebenen dissoziativen Symp
tome seien erneut und gehäuft aufgetreten
. Er gehe davon aus, dass seit Februar 2008 im Durchschnitt eine 50%ige Arbeitsfähigkeit für adaptierte
Tätigkeiten bestehe. Adaptiert seien
den körperlichen Beeinträchtigungen angepasste Tätig
keit
en
ohne intensive interpersonelle Kontakte und ohne Unfallgefahr
(Urk. 14/201/19
-20, Urk. 14/201/23
).
Dr.
B._
führte aus, die Beschwerde
führerin sei zusätzlich zur psychischen Erkrankung durch psychosoziale Fakto
ren belastet. Sie erlebe sich als vollständig arbeitsunfähig, wobei circa 50
%
dieser Einschätzung auf invaliditätsfremde Faktoren zurückzuführen seien (Urk. 14/201/20-21).
Hinwei
se auf eine bewusste Aggravation habe er nicht feststellen können. Seines Er
achte
n
s habe di
e
dissoziative Symptomatik Krank
heitswert. Bei der aktuellen Untersuchung sei ein deutlicher Leidensdruck spür
bar gewesen. In Kombination mit der depressiven Entwicklung bestehe eine krankheitsbedingte Beeinträchti
gung der Arbeitsfähigkeit (Urk. 14/201/21). Die Persönlichkeits
problem
atik sei therapeutisch
angehbar
.
Die antidepressive Medikation sei adäquat
und die Ko
operation bezüglich der ambulanten Therapie sei gut. Eine teilstationäre Be
handlung lehne
die Beschwerdeführerin
ab (Urk. 14/201/22)
.
Die geforderte Wil
lensanstrengung zur Umsetzung der 50%igen Restarbeitsfähigkeit für adaptierte Tätigkeiten sei zumutbar. Im Ver
gleich
zur Zeit
vor dem Jahr 2008 sei das Akti
vitätsniveau eingeschränkt (sozia
ler Rückzug)
. Therapeutische Optionen habe die Beschwerdeführerin
nur teilwei
se wahrgenommen (Urk. 14/201/23).
Am 2
3.
November 2017 führte
Dr.
B._
aus, in seinem Gutachten vom 1. Dezember 2016 sei er ab 2008 von einer vollständigen Arbeitsunfähigkeit für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Service sowie von einer 50%igen Arbeitsun
fähigkeit für eine adaptierte Tätigkeit ausgegangen. Diese Beurteilung sei integ
rativ erfolgt. Sämtliche Krankheitskomponenten (depressive Entwicklung, disso
ziative Störung und Verdacht auf
Persönlichkeitsänderung
mit regressivem Ver
halten) hätten einen Einfluss und beeinflussten sich wahrscheinlich gegenseitig negativ
. Eine Aufteilung der integrativ beurteilten Einschränkung der Arbeits
fähigkeit auf die einzelnen Diagnosen sei nicht möglich
(Urk. 24)
.
4.
4.1
Der Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine ganze Rente für die Zeit vom 1. Januar 2009 bis zum 31. Juli 2009 wurde wegen der aus gynäkologischer Sicht
im Zusammenhang mit der Krebserkrankung
bis Ende April 2009 beste
henden vollumfänglichen Erwerbsunfähigkeit festgestellt
(Urk. 14/119 E. 4.1)
.
Darin, dass der Beschwerdeführerin hernach laut demselben Arztbericht
vom 3
1.
August 2009
aus gynäkologischer Sicht eine angepasste Tätigkeit wieder zu 100
%
zumutbar war (Urk. 14/43/2), ist eine relevante Verbesserung des Gesundheitszustands zu sehen. Diese führt dazu, dass
der Rentenanspruch
auf der Grundlage eines richtig und vollständig festgestellten Sachverhalts
in recht
licher und tatsächlicher Hi
nsicht umfassend (
„
allseitig")
und ohne Bindung an frühere Invaliditätsschätzungen zu
prüfen
ist (
BGE 141 V 9
Regeste
, E. 2.3
und
E. 5 f.
mit Hinweisen
).
Da eine Verbesserung aus somatischer Sicht ausgewiesen ist, vermag der Einwand der Beschwerdeführerin, ihr psychischer Zustand habe sich nicht verbessert (Urk. 1 S. 8), nichts am Vorliegen eines Revisionsgrundes zu ändern.
Die Verbesserung ist nach dreimonatigem Andauern, mithin ab 1. August 2009, zu berücksichtigen (Art. 88a
Abs.
1 IVV).
4.2
Das Gutachten
von
Dr.
B._
, auf welches die IV-Stelle abstellte, basiert auf fachärztlichen Untersuchungen sowie
auf den anlässlich dieser Unter
suchungen erhobenen objektiven Befunden, auf den
Vorakten
, den subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin sowie der erhobenen Anamnese (
Urk.
14/
201
). Ferner beantwortet es - zusammen mit der Ergänzung
2
3.
November 2017 (Urk. 24
) - die gestellten Fragen umfassend und setzt sich mit anderslautenden Beurteilun
gen auseinander. Somit erfüllt es die von der Rechtsprechung
gestellten formel
len Vorausset
zungen an ein beweiskräftiges Gutachten (vgl. vorstehende E.
1.
5
).
4.
3
Dr.
B._
gelangte in seinem Gutachten zum Schluss, dass die dissoziative Symptomatik Krankheitswert aufweise und
dass
in Kombination mit der depres
siven Entwicklung eine krankheitsbedingte Beeinträchtigung der Arbeitsfähig
keit bestehe (Urk. 14/201/21).
Dr.
B._
begründete seine Diagnostik
der Depression sowie der dissoziativen Störung
schlüssig und detailliert (Urk. 14/
201/16-19
Ziff.
4
) und sie überzeugt vor dem Hintergrund der
angege
benen und beobachteten Anfälle
(Urk. 14/201/1
5
-1
9
)
und bei den
erhobenen Befunde
n
mit
Interesse- und Freudverminderung, erhöhter Müdigkeit, leichter Antriebsverminderung, depressiver
beziehungsweise niedergeschlagener
Grund
stimmung, Durchschlafstörungen, Libido- und Appetitverminderung
,
bei kör
perbezogenen,
generalisierten und sozialen Ängsten mit Rückzug
, jedoch erhal
tener Konzentration und Aufmerksamkeit
(
Urk. 14/201/15
-16
,
Urk. 14/201/18).
Bei der Persönlichkeitsänderung handelt es sich lediglich um eine Verdachts
diagnose (Urk. 14/201/19). Die Persönlichkeit der Beschwerdeführerin ist indes bei der Prüfung der Standardindikatoren zu berücksichtigen.
Die
bei der Frage nach einem Einfluss der gutachterlich diagnostizierten depres
siven Entwicklung und der dissoziativen Störung auf die Arbeitsfähigkeit zu berücksichtigenden
Standardindikatoren
hat das Bundesgericht wie folgt syste
matisiert
(BGE 141 V 281 E. 4.1.3)
:
Funktioneller Schweregrad
-
Gesundheitsschädigung
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz
-
Komorbiditäten
-
Persönlichkeit: Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Ressourcen
-
sozialer Kontext
Konsistenz (Gesichtspunkte des Verhaltens)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätsniveaus in allen vergleichba
ren Lebensbereichen
-
behandlungs- und eingliederungs
anamnestisch
ausgewiesener Leidens
druck
Diese
Standardindikatoren erlauben - unter Berücksichtigung leistungshindern
der
äusserer
Belastungsfaktoren einerseits und Kompensationspotenzialen (Res
sourcen) anderseits - das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE 141 V 281 E. 3.4-3.6 und E. 4.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_2
60/2017 vom 1. Dezember 2017 E.
4.2.3).
Die Anerkennung eines renten
begründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es daran, hat die Folgen der Beweislosigkeit (nach wie vor) die materiell beweisbe
lastete versicherte Person zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; BGE 141 V 547 E. 2).
Bezüglich des Komplexes „Gesundheitsschädigung“ ist festzuhalten,
dass die gutachterlichen Befunde
als
mittelschwer
einzustufen sind. So ist die Beschwer
deführerin
aus somatischer Sicht in einer angepassten Tätigkeit nicht einge
schränkt (Urk. 14/157/20).
Die
psychischen Beeinträchtigungen sind
im Durch
schnitt mittelgradig
ausgeprägt. Die
psychischen Störungen wirken sich beein
trächtigend auf die Gruppen- und Teamfähigkeit, die Flexibilität und Umstel
lungsfähigkeit sowie die Durchhaltefähigkeit aus. Das
chronifizierte
im
Durch
schnitt
mittelgradige depressive Syndrom und die rezidivierenden dissoziativen Anfälle führen zu einer erhöhten Ermüdbarkeit und einer verminderten Belast
barkeit.
Die Beschwerdeführerin
selber hielt sich für vollständig arbeitsunfähig. Etwa 50
%
dieser Einschätzung sind indes laut der nachvollziehbaren Einschät
zung von
Dr.
B._
auf die vorhandenen psychosozialen Belastungsfaktoren in Form von
einer
Invalidität des Ehemannes, Verhaltensauffälligkeiten der Kinder, finanzielle
n
Schwierigkeiten und Entwurzelung zurückzuführen (Urk. 14/201/20
-21
).
Hinweise auf eine bewusste Aggravation fand
Dr.
B._
keine und er spürte einen deutlichen Leidensdruck (Urk. 14/201/21).
Zum Komplex „Persönlichkeit“ ist festzuhalten, dass
Dr.
B._
den Verdacht auf eine Persönlichkeitsänderung infolge der multiplen lebensgeschichtlichen Belas
tungen (Emigration, psychische Erkrankung/Invalidität des Ehemannes,
Karzinomerkrankung) äusserte
(Urk. 14/201/19, Urk. 14/201/21)
.
Die Beschwer
deführerin weist jedoch Ressourcen in Form von relativ guten Deutschkenntnis
sen, eines relativ jungen Alters und einer guten Intelligenz auf, dank welcher die Persönlichkeitsproblematik therapeutisch
angehbar
ist (Urk. 14/201/21-22).
Betreffend den sozialen Kontext ist anzumerken, dass sie
weitgehend isoliert lebt (Urk. 14/201/22). Sie lebt mit ihrem Ehemann und den beiden Kindern in einer 3-Zimmer-Wohnung und ihre übrigen sozialen Kontakte beschränken sich auf Besuche einer weit entfernten Verwandten alle ein bis zwei Monate sowie auf Telefonate mit den Angehörigen in Mazedonien (Urk. 14/201/13-14).
Zur Kategorie „Konsistenz“ ist zu bemerken, dass
das Aktivitätsniveau der Be
schwerdeführerin im Vergleich zum Jahr 2008 eingeschränkt ist und sie sich sozial zurückgezogen hat (Urk. 14/201/23).
So
pflegt
sie
kaum soziale Kontakte (Urk. 14/201/13) und verbringt die meiste Zeit im Haus. Etwa einmal pro Woche fährt sie mit dem Tram in die Stadt und geht alleine etwas spazieren (Urk. 14/201/15). Den Haushalt erledigt sie je nach Antrieb mit wenig Unter
stützung seitens der Familie und der entfernten Verwandten (Urk. 14/201/13, Urk. 14/201/15, Urk. 14/201/23)
. Sie nimmt 14-täglich psychologische Konsul
tationen in ihrer Muttersprache wahr und zusätzliche im
E._
alle ein bis zwei Monate. Ihre antidepressive Medikation ist adäquat und sie weist bezüglich der ambulanten Therapie eine gute Kooperation auf. Eine längere tagesklinische Behandlung wurde nie durchgeführt mangels
entsprechendem
Wunsch seitens der Beschwerdeführerin
, obwohl eine solche teilstationäre Behandlung in einer Tagesklinik grundsätzlich sinnvoll wäre bei entsprechender Motivation. Dadurch könnten die Ressourcen ge
fördert werden und gleichzeitig
könn
t
e
eine eventuelle Selbstlimitierung genauer erfasst werden
(Urk. 14/201/18, Urk. 14/201/
22-23).
Insgesamt ist bei diesen Gegebenheiten
mit ambulanter Therapie und adäquater Medikation, jedoch bei nur teilweise wahrgenommenen therapeutischen Optionen
,
ein gewisser
Leidensdruck ausgewiesen.
Unter Berücksichtigung der hier relevanten Indikatoren erscheint
die durch Dr.
B._
erfolgte Beurteilung
nachvollziehbar,
wonach der Beschwerdeführe
rin die Ausübung einer adaptierten Tätigkeit (den körperlichen Beeinträchtigun
gen angepasst, ohne intensive interpersonelle Kontakte sowie ohne Unfall
gefahr) zu 50
%
zumutbar ist
.
Dass die zuletzt ausgeübte Tätigkeit im Service aufgrund der häufigen interpersonellen Kontakte ungünstig (Urk. 14/201/23) respektive un
zumutbar (Urk. 24 S. 1) ist,
ist bei den vorhandenen Einschrän
kungen aus psychiatrischer Sicht ebenfalls plausibel.
Insgesamt wurde die Restarbeitsfähigkeit von
5
0
%
in einer Verweistätigkeit nach dem Gesagten im psychiatrischen Teilgutachten ausreichend begründet,
zumal es sich bei der Festlegung der Arbeitsunfähigkeit in der Regel um eine Schätzung handelt, die naturgemäss auch einen Ermessensspielraum umfasst
(Urteil des Bundesgerichts
8C_740/2014 vom 1
1.
Februar
2015
E. 3.4.2 mit Hinweis). Die a
bweichende Be
urteilung
durch die behandelnde
Ärztin der
A._
(vgl. E. 3.5
vorstehend)
sowie d
urch das
E._
(E. 3.3 vorstehend)
lässt sich mit dem Vorliegen psychosozialer Belastungsfaktoren
erklären: Die Beschwerdefüh
rerin ist
Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern, wobei der Sohn Schwierig
keiten hat respektive Verhaltensauffälligkeiten aufweist, welche eine psychothe
r
apeutische Betreuung erfordern. Hinzu kommt ihre
Entwurzelung und
die
Er
krankung
ihr
es Ehemannes
(
Urk. 14/201/11, Urk. 14/201/21-23
)
. Es ist nach
vollziehbar, dass diese Faktoren dazu beitragen
, dass die Beschwerdeführerin sich subjektiv invalidisiert erlebt (Urk. 14/
201/20-23
). Ferner ist in Bezug auf Berichte von Hausärztinnen und Hausärzten wie überhaupt von behandelnden Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräften auf die Erfahrungstatsache hin
zuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrau
ensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Bezüglich der abweichenden Beurteilung durch den Vorgutachter hielt Dr.
B._
fest, dass dieser den Längsverlauf der Depression zu wenig berück
sichtigt habe. Diese Begründung überzeugt vor dem Hintergrund der von ver
schiedenen Fach
ärzten wiederholt beschriebenen ausgeprägten Depressivität, deutlichem Leidensdruck und Beeinträchtigung der Funktionalität (Urk. 14/201/17-18)
und angesichts dessen, dass
Dr.
B._
die Depression nicht mehr remittiert, sondern knapp mittelgradig vorfand (Urk. 14/201/19).
Ferner grenzte
Dr.
B._
die psychosozialen Faktoren bei seiner Beurteilung von der krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit ab (Urk. 14/201/20-21, Urk. 24 S. 2), sodass nicht wegen der psychosozialen Faktoren, auf welche die Beschwerde
gegnerin mehrfach hinwies (Urk. 13 S. 2, Urk. 33), auf eine
höhere Arbeits
fähigkeit
geschlossen werden kann.
Nach dem Gesagten
ist der Beurteilung durch
Dr.
B._
zu folgen
, wonach aus psychiatrischer Sicht seit 2008
, mithin auch seit
1.
Mai 2009,
im Durchschnitt
- bei fluktuierendem
Grad der Depression
(
Urk.
14/201/18)
-
eine 50%ige Arbeits
fähigkeit für angepasste Tätigkeiten besteht (Urk. 14/201/20 und Urk. 24
)
.
4.4
Da die angestammte Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht seit 2008 nicht mehr zumutbar ist
(Urk. 14/201/
20 und
23)
, erübrigt sich die
Beantwortung der
im Rückweisungs
urteil
IV.201
3.0005 vom 30. September 2014
noch als abklä
rungsbedürftig bezeichnete
n
Frage nach der Zumutbarkeit der angestammten Tätigkeit im Zusammenhang mit der Krebserkrankung
respektive der im Februar
2008 durchgeführten Mastektomie und
axiliären
Lymphonodektomie
rechts
(
vgl. Urk. 14/119 E. 4.2
).
4.5
Die Ätiologie der Anfälle wurde im Rückweisungsurteil deswegen für relevant erachtet, weil dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen der
Über
windbarkeits-Rechtsprechung
unterlagen
(Urk. 14/119 E. 4.3 am Ende).
Nun sind aber die aufgrund der Anfälle vorhandenen Einschränkungen im vorlie
genden Fall unabhängig von der Genese der Anfälle zu berücksichtigen, da die dissoziative Störung anhand der
Indikatorenprüfung
(vgl. E. 4.3 vorstehend) als Krankheit mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einzustufen ist.
Mithin ist nicht von entscheidender Bedeutung, ob
- nebst von mehreren Psychiatern diagnostizierten dissoziativen
Zuständen
(E. 3.2, 3.3, 3.
4
, 3.
5
und
3.
6
vorste
hend) -
allenfalls auch epileptische Krämpfe auftreten
oder aufgetreten sind
, wie dies der neurologische Gutachter des
Y._
für möglich hielt (Urk. 14/55/17
E. 4.2.8).
Sodann sind die Auswirkungen der Anfälle auf die Arbeitsfähigkeit in tatsächlicher Hinsicht nicht von der Ätiologie der Anfälle abhängig.
4.6
Aus somatischer Sicht wurden
für angepasste Tätigkeiten
ab
1.
Mai
2009
keine Arbeits
un
fähigkeiten
mehr
attestiert
(
vgl.
Urk. 14/43/2 und
Urk. 14/
119 E. 3.2 und 3.4).
Namentlich gingen die Gutachter der
Z._
von keiner Einschränkung für eine körperlich leichte bis intermittierend mittelschwere Tätigkeit aus (Urk. 14/157/19
-20
).
Die Beschwerdeführerin
beanstandete denn auch nur be
züglich des Zumutbarkeits
profils, die somatischen Erkrankungen seien im psychiatrischen Gutachten von
Dr.
B._
unberücksichtigt geblieben (Urk. 1 S.
11 f.
).
Weitere Abklärungen erweisen sich diesbezüglich im Sinne vorstehen
der Erwägungen 4.4 und 4.5 nicht als notwendig. Der Einwand der Beschwerde
führerin, dass ihr wegen der Anfälle nur Arbeiten ohne Selbst- oder Fremdge
fährdung und ohne Notwendigkeit des selbständigen Führens eines Fahrzeuges zumutbar seien (Urk. 1 S. 12), ist indes
entsprechend der diesbezüglichen Beur
teilung im
Z._
-Gutachten (Urk. 14/157/19
-20
)
zutreffend.
Diese Einschrän
kung des Profils ist zu berücksichtigen
, wobei auch Dr.
B._
Tätigkeiten mit Unfall
gefahr ausschloss (Urk. 14/201/20
,
Urk. 14/201/23
).
Nach dem Gesagten besteht
seit 1.
Mai 2009
im Durchschnitt
eine 50%ige Arbeitsfähigkeit
für eine
körper
lich leichte bis intermittierend mittelschwere
Tätigkeit ohne Selbst- oder Fremd
gefährdung
,
ohne Notwendigkeit des selbständigen Führens eines Fahr
zeuges
und ohne intensive interpersonelle Kontakte (Urk. 14/201/20).
5.
5
.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16
ATSG
in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1
IVG
aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkom
men), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkom
mensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen Erwerbsein
kommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkom
mensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5
.2
5.2.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frü
hestmöglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegen
den Wahr
scheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommens
entwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahr
scheinlichkeit er
stellt sein (
BGE
139 V 28 E. 3.3.2; BGE 135 V 58 E. 3.1; BGE 134 V 322 E. 4.1 mit Hinweis).
5.2.2
Die
IV-Stelle schloss sich in ihrer Beschwerdeantwort der Auffassung der Beschwerdeführerin an (Urk. 13 S. 2), wonach vom zuletzt erzielten Einkommen auszugehen und der Anspruch auf den 1
3.
Monatslohn ebenfalls zu berücksich
tigen ist (Urk. 1 S. 13).
Das Anknüpfen an den zuletzt erzielten Verdienst ist korrekt, da die Kündigung aufgrund der Krankheit erfolgte
(Urk. 14/16/1 =
Urk. 14/27/10)
und somit
nichts Gegenteiliges mit überwiegender Wahrschein
lichkeit erstellt ist
.
Nach den Angaben
im Arbeitgeberfragebogen der
F._
AG vom 26. Juni 2008
verdiente die Beschwerdeführerin im Jahr 2008 Fr. 22.-- pro Stunde zuzüglich Ferien- und Feiertagsentschädigung sowie (ab einer Dauer des Arbeitsverhältnisses von sechs Monaten) einen 1
3.
Monatslohn (Urk. 14/
27/2
). Aufgerechnet auf eine 42-Stunden-Woche und auf 52 Wochen pro Jahr ergibt sich
ein Betrag von Fr. 48'048.--.
Unter Berücksichtigung des Anspruchs auf
einen 1
3.
Monatslohn resultiert
für das Jahr 20
08
ein
Validen
einkommen
von Fr.
52'052.-- (Fr.
48'048.--
x
13 :
12)
. Angepasst an die Nomi
nallohnentwicklung (
Bundesamt fü
r Sta
tistik [BFS],
Schweize
rischer Lohnindex nach Branche [20
05
= 100; im Internet abrufbar]
,
Nominallohn
index
Frauen
[T1.
2
.
05
],
Handel, Reparatur und
Gastgewerbe
; 20
08: 104.7; 2009
:
107.2
) resul
tiert für das Jahr 20
09
ein
Valideneinkommen
von
gerundet
Fr.
53'295.--
.
5
.3
5.3.1
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Recht
sprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; BGE 129 V 472 E. 4.2.1; BGE 126 V 75 E. 3b). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten ver
öffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (Urteile des Bundesgerichts 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E. 5.2, 8C_78/2015 vom 10. Juli 2015 E. 4 und 9C_526/2015 vom 11. September 2015 E. 3.2.2; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.8.1 und BGE 133 V 545 E. 7.1). Der
Beizug
der
Lohnstatistik erfolgt nur, wenn eine Ermitt
lung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7; BGE 139 V 592 E. 2.3, BGE 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
IVG
, 3. Aufl., N 55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Recht
sprechung).
5.3.2
Zur Festsetzung des Invalideneinkommens ist auf die Tabelle TA 1 der Schwei
zerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik (LSE) 200
8
abzu
stellen. Der standardisierte Monatslohn (Vollzeitäquivalent basierend auf 4 1/3 Wochen à 40 Arbeitsstunden) für einfache und repetitive Tätigkeiten (Anforde
rungsniveau 4) für
Frauen
betrug Fr. 4'
116
.--.
Dieser Betrag ist auf die im Jahr 20
09
betriebsübliche w
öchentliche Arbeitszeit von 41,6
Stunden hochzurechnen (
BFS, betriebs
übliche Arbeitszeit nach Wirtschaftsabteilungen, Total
) sowie an die Nominal
lohnentwicklung anzupassen (
BFS
, Schweizerischer Lohnindex nach Branche [20
05
= 100; im Internet abrufbar], Nominallohnindex
Frauen
[T1.
2
.
05
], Total; 20
08
:
10
4
.7
; 20
09
:
107.0
). Daraus resultiert ein jährliches Brut
toeinkommen von
Fr.
52'496.10
(Fr.
4’116
.-- x
12 :
40 x 41,
6
:
104.7
x
107.0
)
respektive bei einem Beschäftigungsgrad von 50
%
eines von Fr.
26'248.05
.
5
.4
5.4.1
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Ab
zug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit ein
geschränkt ist
(BGE 126 V 75 E.
5a/
bb
).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges
gemäss
BGE
126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss sich auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V
71 E.
5.2 und 126 V 75 E.
6).
5.4.2
Der von der IV-Stelle
ursprünglich
vorgenommene Leidensabzug von 10
%
er
folgte wegen
des eingeschränkten Belastungsprofils
(Urk. 2 und Urk.
14/204
).
Die Beschwerdeführerin fordert wegen der Einschränkungen sowohl aus psy
chischer als auch aus somatischer Sicht, wegen der Teilzeitarbeit
,
und
da sie wegen der Anfälle immer wieder ausfallen könne einen Leidensabzug von 25 % (Urk. 1 S. 13).
Soweit die
Beschwerdeführerin
einen Abzug vom Tabellenlohn verlangt, weil sie nur noch teilzeitlich arbeiten
kann
, ist dem entgegenzuhalten, dass
sich Teilzeitarbeit bei Frauen
gemäss statistischen
Erhebungen zumindest nicht lohn
mindernd
auswirkt
(Urteil des Bundesgerichts 8C_504/2014 vom 2
9.
September 2014 E. 7
, Urteil des Sozialversicherungs
gerichts des Kantons Zürich UV.2016.00264 vom
31. Januar 2018
E.
5.3.4.3
).
Auch ein erhöhtes Risi
ko, aus krankheitsbedingten Gründen der Arbeit fern bleiben zu müssen, kann nicht als Abzugsgrund angesehen werden (Urteil des Bundesgerichts 8C_144
/2010 vom
4.
August 2010 E. 5.3).
Bei ihrem w
egen der vorhandenen Einschränkungen
vorgenommenen Abzug berücksichtigte die Beschwerdegeg
nerin sowohl somatische Beeinträchtigungen,
aufgrund
welcher sie vorerst einen Abzug von 5
%
vornahm, als auch die aus psychiatrischer Sicht vorhan
denen
Einschränkungen des Belastbarkeitsprofils
(Urk. 2).
Nicht explizit aufge
führt wurde dabei der Ausschluss von Arbeiten mit potentieller Selbst- oder Fremdgefährdung inklusive Führen eines Fahrzeugs.
D
er von der IV-Stelle vor
genommene Abzug von 10
%
ist indes unter Berücksichtigung sämtlicher Ein
schränkungen
respektive
des
zumutbaren
Belastungsprofils
als
angemessen zu betrachten.
5.5
Nach dem Gesagten
resultiert ein Invalideneinkommen von
gerundet
Fr.
23’623
.-- (0,9 x Fr.
26'248.05
)
. Verglichen mit dem
Valideneinkommen
von Fr.
53'295.--
ergibt sich ein invaliditätsbedingter Minderverdienst von Fr.
29’672
.--
und somit ein Invaliditätsgrad von
rund
56 %, welcher den An
spruch auf eine halbe Invalidenrente zur Folge hat.
Infolgedessen
erweist sich die angefochtene Verfügung
vom 3
1.
Januar 2017, mit welcher der Beschwerde
führerin
ab dem
1.
Februar 2017
eine halbe Invalidenrente zuge
sprochen wurde (Urk. 2),
als korrekt
.
Die in der ebenfalls angefochtenen Verfü
gung vom 10. Mai 2017 (Urk. 10/2) zusätzlich erfolgte
Neuberech
nung und Nachzahlung der Rente für die Zeit ab Januar 2009 bis Januar 2017
wurde in der dagegen gerichteten Beschwerde nicht beanstandet (Urk. 10/1)
.
Anhaltspunkte für diesbezügliche Fehler sind nicht vorhanden.
Nach dem Gesagten sind die Beschwerden
abzu
weisen.
6
.
6.
1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von
L
eistungen
der Invalidenversicherung
. Das Verfahren ist daher kosten
pflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhän
gig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und ermessensweise auf
Fr.
1’0
00.
--
anzusetzen.
Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens
sind
sie
der unterliegenden Beschwerdeführerin
aufzuerlegen
, zufolge der ihr gewährten un
entgeltlichen Prozessführung
(vgl. Urk. 15)
jedoch einstweil
en auf die Gerichts
kasse zu neh
men; dies unter Hinweis auf
die Nachzahlungspflicht gemäss
§ 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialversiche
rungsgericht (
GSVGer
).
6
.2
Wird eine Entschädigung beansprucht, reicht die Partei dem Gericht vor dem Endentscheid eine detaillierte Zusammenstellung über ihren Zeitaufwand und ihre Barauslagen ein. Im Unterlassungsfall setzt das Gericht die Entschädigung nach Ermessen fest (§ 8 in Verbindung mit § 9 der Verordnung über die Gebüh
ren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht;
GebV
SVGer
). Trotz der gerichtlichen Aufforderung vom
7.
August 2017
(Urk.
20
) hat der
unentgeltliche
Rechtsvertreter keine Kostennote eingereicht.
Seine
Entschä
di
gung ist daher von Amtes wegen festzuset
zen. Unter Berücksichtigung der
Bedeutung der Streitsache
,
de
r Schwierigkeit des Prozesses
sowie der Tatsa
che, dass Rechtsanwalt
Tomas Kempf
, Uster,
die Beschwerdeführerin
bereits im
Ver
wal
tungs
-
sowie im früheren Gerichts
verfahren vertreten hat und ihm die Akten somit
weitgehend
bekannt waren, ist er mit
Fr.
2‘
7
00.-- (inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
D
ies unter Hinweis auf die Nachzahlungspflicht gemäss
§
16
Abs.
4
GSVGer
.