# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f8f79965-1b70-59b1-8362-161714fea1d2
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin begann bei ihrem Gewerbegebäude die südseitige
Dachfläche über den First hinaus zu verlängern und installierte darauf eine
Photovoltaikanlage. Ausserdem erstellte sie bei der Ost- und Nordfassade Vordächer. Die
Parzelle Diessbach bei Büren Gbbl. Nr. 111 liegt in der Gewerbezone und in der ZPP
„Angel“.
2
Gestützt auf die mündlich erfolgte baupolizeiliche Anzeige des Beschwerdeführers forderte
die Gemeinde Diessbach bei Büren die Beschwerdegegnerin auf, ein nachträgliches
Baugesuch einzureichen und drohte andernfalls die Wiederherstellung des ursprünglichen
Zustandes an.
Die Beschwerdegegnerin reichte am 13. Dezember 2012 ein nachträgliches Baugesuch
ein, das die Erweiterung der Lagerhalle mit einem Anbau auf der Südseite, die Erstellung
eines Pultdachs anstelle des bestehenden Satteldachs und die Montage einer
Photovoltaikanlage auf der ganzen Dachfläche umfasste und durch ein Ausnahmegesuch
für das Überschreiten der Gebäudehöhe und für die Überschreitung beim Dachvorsprung
ergänzt wurde. Der Beschwerdeführer erhob Einsprache, worauf die Beschwerdegegnerin
eine Projektänderung für das Dach einreichte. Der Beschwerdeführer hielt an seiner
Einsprache fest. Mit Verfügung vom 11. Juli 2013 erteilte die Gemeinde die
Baubewilligung. Sie erwog, durch den Verzicht auf das Pultdach sei die Gebäudehöhe
nicht mehr überschritten und die Überschreitungen bei den Vordächern ebenfalls hinfällig
geworden. Es liege keine Verletzung von Bauvorschriften vor.
2. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 2. August 2013
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
beantragt die Erteilung des Bauabschlags sowie den Rückbau des Dachaufbaus auf den
Originalzustand. Weiter macht er geltend, die Beschwerdegegnerin habe den abgeholzten
Grüngürtel gegenüber der angrenzenden Wohnzone bisher nicht wieder aufgeforstet. Er
beantragt die Instandsetzung dieses Trenngürtels gemäss Baureglement.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten sowie die Baupläne der Lagerhalle von 1972/1984 ein. Auf Aufforderung des
Rechtsamtes reichte die Beschwerdegegnerin am 23. Oktober 2013 Fassadenpläne ein
(Pläne vom 22. Oktober 2013, bei der BVE eingegangen am 25. Oktober 2013). Das
Rechtsamt holte beim Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) einen Bericht zur
Frage der Dachform und der Gebäudehöhe ein.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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Die Beteiligten erhielten Gelegenheit, zu den eingereichten Plänen und zum Bericht des
AGR Stellung zu nehmen und Schlussbemerkungen einzureichen.
4. Die Beschwerdegegnerin beantragt mit Beschwerdeantwort vom 19. August 2013,
die Beschwerde sei kostenfällig abzuweisen. Die Gemeinde äussert sich mit
Beschwerdeantwort vom 3. September 2013, ohne einen ausdrücklichen Antrag zu stellen.
Auf die Rechtsschriften und den Fachbericht des AGR wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Bauentscheide können nach Art. 40 BauG2 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die
Einsprecher im Rahmen ihrer Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde
(Art. 40 Abs. 2 BauG). Der Beschwerdeführer, dessen Einsprache abgewiesen wurde, ist
durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Streitgegenstand
a) Das Beschwerdeverfahren vor der BVE ist grundsätzlich auf den Streitgegenstand
begrenzt. Dieser bezeichnet den Umfang, in dem das Rechtsverhältnis umstritten ist, das
mit der angefochtenen Verfügung geregelt wurde. Auszugehen ist demnach von der
angefochtenen Verfügung, dem sog. Anfechtungsobjekt, das den Rahmen des
Streitgegenstandes vorgibt. Innerhalb dieses Rahmens können die Parteien den
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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Streitgegenstand auf einzelne Fragen beschränken, sie können ihn aber nicht erweitern.
Soweit ein Rechtsbegehren über das Anfechtungsobjekt hinausgeht, kann auf die
Beschwerde nicht eingetreten werden.3
b) Der Beschwerdeführer beantragt die Wiederherstellung des Grüngürtels gegenüber
der Wohnzone. Die Gemeinde hat in ihrem Schreiben an die Beschwerdegegnerin vom
13. November 2012 festgestellt, dass im Grünstreifen Bäume entfernt wurden und dazu
festgehalten, dass ihr die Erhaltung dieses Grünstreifens sehr wichtig sei, weil er der
Abgrenzung zwischen Wohn- und Gewerbezone und einer besseren Wohnhygiene diene.
Der Grünstreifen kam im vorinstanzlichen Verfahren zudem an der Einigungsverhandlung
zur Sprache.4 Insofern ist die gerügte Ausholzung Teil des baupolizeilichen Verfahrens.
Gegenstand der angefochtenen Verfügung ist jedoch einzig das nachträgliche Baugesuch.
Zum Grünstreifen hat die Gemeinde keine Anordnung erlassen, das Verfahren ist
diesbezüglich offenbar noch nicht abgeschlossen. Das Rechtsbegehren geht somit über
den Gegenstand der angefochtenen Verfügung hinaus, so dass darauf nicht eingetreten
werden kann.
3. Gegenstand des Baugesuchs
Aus den Fassadenplänen vom 22. Oktober 2013 und dem Baugesuch vom 11. Dezember
2012 sowie der Projektänderung vom 18. Mai 2013 ergibt sich, dass das Bauvorhaben
folgende Elemente umfasst:
- Verlängerung der südseitigen Dachfläche um 2,50 m über den First hinaus
- Montage einer Photovoltaikanlage auf der südseitigen Dachfläche
- Erstellen eines Vordachs von 2,50 m Tiefe auf der Ostseite
- Erstellen eines Vordachs von 0,60 m Tiefe auf der Nordseite
- geschlossener Anbau auf der Südseite
Die heute bestehenden Vordächer auf der Südseite und Westseite waren auf den
bewilligten Plänen von 1972/1984 noch nicht vorhanden. Sie wurden wohl von der früheren
Eigentümerin zu einem unbestimmten Zeitpunkt gebaut und bestanden anlässlich des
3 Vgl. BVR 2011 S. 391 E. 2.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 6 f.; VGE 100.2012.436 vom 18.06.2013 E. 1.2 4 Vgl. Protokoll der Einigungsverhandlung vom 28. März 2013, Vorakten der Gemeinde pag. 15
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Erwerbs der Liegenschaft durch die Beschwerdegegnerin im Jahr 2006 bereits. Vorliegend
umstritten sind lediglich die Verlängerung der Dachfläche sowie die neuen Vordächer.
4. Dachform, Gebäudehöhe
a) Die Beschwerdegegnerin hat die südseitige Dachfläche des Satteldachs um 2,50 m
über den First hinaus verlängert und durch eine Metallkonstruktion abgestützt. Streitig ist
insbesondere, ob dadurch die zulässige Gebäudehöhe von 7 m (Art. 11 GBR5) noch
eingehalten ist. Da die Messweise der Gebäudehöhe je nach Dachform unterschiedlich
erfolgt, ist nachfolgend zu prüfen, ob durch die Verlängerung der Dachfläche über den First
hinaus ein Pultdach entstanden ist, wie der Beschwerdeführer geltend macht. Die
Gemeinde beurteilt das Dach demgegenüber als Satteldach, welches am First eine
überbaute Aufdachsolaranlage aufweise. Die Stützen erachte sie als reine technische
Hilfskonstruktion. Die Beschwerdegegnerin bringt vor, die Metallprofile unter dem
Übersprung seien aus Sicherheitsgründen als Sturmverankerung angebracht worden, da
die Lagerhalle gegen Norden starken Windböen ausgesetzt sei.
b) Das AGR hat in seinem Bericht vom 7. November 2013 festgehalten, es handle sich
nun um zwei in der Höhe verschobene Pultdächer. Für die Umschreibung der Dachform
seien die beiden Seitenfassaden Ost und West von Bedeutung. Die fragliche Dachform
werde als „versetztes Pultdach“ bezeichnet. Im konkreten Fall müsse die maximale
Gebäudehöhe in der Nordfassade ermittelt werden. Sie sei in der Fassadenmitte vom
gewachsenen Boden (der in den Fassadenplänen nicht ersichtlich sei) bis Oberkante des
Dachsparrens bzw. der Konstruktion der neuen Pultdachabstützung zu messen und
vorliegend nicht mehr eingehalten.
c) Das Dach schliesst ein Bauwerk gegen oben ab. Ein Pultdach besteht aus einer
einzigen schräg ansteigenden Dachfläche, während ein Satteldach aus zwei
gegeneinander ansteigenden Dachflächen besteht.6 Auch das Rechtsamt der BVE ist
anfänglich davon ausgegangen, dass das Dach durch die Verlängerung über den First
hinaus und der Stützkonstruktion zu einem versetzten Pultdach geworden ist (vgl.
Verfügung vom 16. Oktober 2013). Bei näherer Betrachtung überzeugt dies jedoch nicht.
5 Baureglement der Einwohnergemeinde Diessbach bei Büren, vom AGR genehmigt am 20.07.2007 6 Koepf/Binding, Bildwörterbuch der Architektur, 3. Aufl. 1997, S. 110 und 114
6
Anders als bei einem versetzten Pultdach ist das Volumen unterhalb der neuen Dachfläche
nicht umbaut, es ist kein zusätzlicher Raum entstanden, der genutzt werden könnte. Der
Überbau wird nur abgestützt und ist von seiner Grösse her vergleichbar mit einem
Dachvorsprung. Der bestehende umbaute und nutzbare Raum wird nach wie vor durch ein
Satteldach abgeschlossen, das durch die einseitige Dachverlängerung lediglich
asymmetrisch wurde. Die einseitige Dachverlängerung vermag daher an der Qualifikation
der Dachform als Satteldach nichts zu ändern. Die zulässige Gebäudehöhe von 7 m ist
somit in der Fassadenmitte zu messen, und zwar vom gewachsenen Terrain bis zur
Schnittlinie der Fassadenflucht mit der Oberkante des Dachsparrens7 und nach wie vor
eingehalten.
d) Der Beschwerdeführer macht geltend, eine derart grosszügige Fläche einer PV-
Anlage in unmittelbarer Nähe zur Wohnzone sei heikel und müsse präzise nach den
Regeln des Baureglements ausgeführt werden. Er befürchtet, dass durch den vorliegenden
Fall ein Präjudiz geschaffen wird und die Gebäudehöhe auch bei anderen Gewerbebauten
nicht mehr eingehalten werde. Wie oben dargelegt, ist die Gebäudehöhe vorliegend
eingehalten. Das heutige Dach weist zudem nur eine Dachneigung von 15° auf. Bei
Satteldächern wäre jedoch eine Dachneigung bis zu 45° zulässig (Art. 10 Abs. 3 GBR),
wodurch das Gebäude auch unter Einhaltung der reglementarischen Gebäudehöhe von 7
m noch wesentlich höher werden könnte. Gross- und vollflächige Photovoltaikanlagen auf
Dächern sind zulässig und dürfen sogar baubewilligungsfrei erstellt werden, sofern sie den
Richtlinien des Regierungsrates entsprechen.8 Da die Beschwerdegegnerin im Bereich
Bedachungen und Fassadenbau tätig ist, ist jedoch der Klarheit halber festzuhalten, dass
sich der vorliegende Entscheid nur zum konkreten Einzelfall äussert und kein Präjudiz für
die generelle Zulässigkeit solcher Dachverlängerungen über den First hinaus darstellt.
5. Dachvorsprünge
a) Der Beschwerdeführer bringt vor, der Dachvorsprung von 2,50 m verletze Art. 9
Abs. 2 GBR. Art. 9 GBR enthält folgende Bestimmung zu den vorspringenden Bauteilen:
7 Art. 11 GBR und Anhang 1 Ziff. 5 8 Vgl. Art. 6 Abs. 1 Bst. f BewD (Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren; BSG 725.1); Richtlinien des Regierungsrates über bewilligungsfreie Anlagen zur Gewinnung erneuerbarer Energien vom Juni 2013, S. 16
7
1 Vorspringende Bauteile ragen aus der Fassade heraus und nehmen gesamthaft maximal einen Drittel der Fassadenlänge ein. Ausgenommen davon ist der normale Dachvorsprung. 2 Vorspringende Bauteile dürfen maximal 1.50 m in den Grenzabstand hineinragen.
b) Die vom Beschwerdeführer angerufene Regelung in Absatz 2 bedeutet nicht, dass
Vordächer nur 1,50 m tief sein dürfen, sondern steht in Zusammenhang mit einer
Unterschreitung des Grenzabstandes. Vordächer dürfen demnach auch 2,50 m breit sein,
wenn sie nicht mehr als 1,50 m in den Grenzabstand hineinragen. Gemäss Situationsplan
beträgt der Grenzabstand auf der Ostseite zwischen ca. 16 und 18 m. Der erforderliche
Grenzabstand von 5 m (Art. 11 GBR) wird daher durch den neuen Dachvorsprung nicht
tangiert. Auf der Nordseite hält der bestehende Gewerbebau einen Grenzabstand von rund
6 m ein, so dass der neue Dachvorsprung von 0,60 m ebenfalls zulässig ist.
6. Zusammenfassung und Kosten
a) Nach dem Gesagten dringt der Beschwerdeführer mit seinen Vorbringen nicht durch.
Die Beschwerde ist abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist, und die angefochtene
Baubewilligung zu bestätigen. Massgebend sind die bei der BVE eingereichten
Fassadenpläne 1:100 (Nord und Ost / West und Süd) vom 22. Oktober 2013, mit
Eingangsstempel des Rechtsamtes der BVE vom 25. Oktober 2013. Die Gemeinde ist
bereits im Besitz eines Plansatzes, ein Plansatz wird der Beschwerdegegnerin mit diesem
Entscheid zugestellt.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat der Beschwerdeführer die Verfahrenskosten
zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von
Fr. 800.-- (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1 GebV9). Darin enthalten
sind auch die Kosten für den Kurzbericht des AGR.
c) Die Beschwerdegegnerin war nicht anwaltlich vertreten. Parteikosten werden keine
gesprochen (Art. 104 Abs. 1 i.V.m. Art. 108 Abs. 3 VRPG).
9 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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