# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bfa02bb6-e216-4b7e-89d3-ad7c9e9878b7
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1962, absolvierte eine Ausbildung bei der
Y._
und arbeitete zuletzt in einem Callcenter (
Urk.
8/4 S. 4). Nach einem Überfall vom 2
3.
März 2001 meldete sie sich im August 2002 wegen massiven Kopf
schmerzen und Angstzuständen
zum Bezug von Leistungen der Invalidenversi
cherung an. Die IV-Stelle sprach ihr ab 1. März 2002 eine
letztlich befristete
ganze Invalidenrente (bei einem Invaliditätsgrad von 100 %) zu
(vgl. Urk. 8/26; Urteil des Bundesgerichts 9C_822/2010 vom 7. März 2011, Urk. 8/87 S. 2 f. und S. 7, Urk. 8/59, Urk. 8/60, Urk. 8/115).
1.
2
A
m 20. Oktober 2010 (Urk. 8/68) meldete sich die Versicherte unter Hinweis auf
seit anfangs 2010 bestehende
Depressionen erneut zum Leistungsbezug an. Die IV-Stelle tätigte berufliche und medizinische Abklärungen und teilte der Versi
cherten am 14. März 2012 (Urk. 8/100) den Absch
l
uss der Arbeitsvermittlung mit.
Hierauf gewährte sie der Versicherten mit Verfügung vom 21. März 2013 (Urk. 8/121, Urk. 8/124 f.) rückwirkend vom 1. April 2011 bis zum 31. März 201
2
eine befristete ganze Invalidenrente.
1.
3
Am 1
4.
August 2014 meldete die Versicherte sich unter Hinweis auf seit dem Jahr 2001 wiederkehrende Depressionen und Schmerzen und eine seit Februar 2014 bestehende Arbeitsunfähigkeit erneut bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
8/129 S. 3 und S. 5). Die Versicherte hatte zuletzt seit Februar 2013 als uniformierte
Mitarbeiterin bei
Z._
gearbeitet (
Urk.
8/138).
Im Rahmen der medizinischen Abklärungen
veranlasste
die Verwaltung
eine in
terdisziplinäre (rheumatologisch
e
, psychiatrisch
e
) Begutachtung (Expertise vom
3. Ju
l
i 2015; Urk. 8/165) sowie
–
nach
Auferlegung einer Pflicht zur Durchfüh
rung einer Massnahme zur Verbesserung des Gesundheitszustandes (Schaden
minderungspflicht; Urk. 8/171) – e
in psychiatrisches Verlaufsgutachten (Exper
tise vom 3. August 2017; Urk. 8/196).
In der Folge wies
sie
das Leistungsbegehren
nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/200)
mit Verfügung vom 5. März 2018 (Urk. 2)
ab
.
2.
Hiegegen
erhob die Versicherte mit Eingabe vom 19. April 2018 (Urk. 1
/1
) Be
schwerde und beantrag
t
e, die Verfügung sei aufzuheben und es sei
ihr
ab dem 1. Februar 2015 eine Invalidenrente zuzusprechen; unter Kosten- und Entschädi
gungsfolge (zuzüglich Mehrwertsteuer) zulasten der Beschwerdegegnerin (S. 2). In formeller Hinsicht beantragte sie (Urk. 1/2)
, es sei ihr die unentgeltliche Pro
zessführung zu gewähren und ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bewilligen.
Die IV-Stelle schloss am 1. Juni 2018 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am 19. Juni 2018 (Urk. 9) zur Ken
ntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Rechtsprechungsgemäss ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein rentenausschliessendes Erwerbseinkommen zu erzielen (vgl.
BGE 139 V 547
E. 5,
131 V 49
E. 1.2,
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 1
8.
November 2015 E. 5.4).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine
Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl.
Art.
7
Abs.
2 ATSG).
1.3
War eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert
oder auf
gehoben
worden und ist die Verwaltung auf eine Neuanmeldung eingetreten (Art. 87 Abs. 3
der
Verordnung über die Invalidenversicherung
[IVV]
)
, so ist im Beschwerdeverfahren zu prüfe
n, ob im Sinne von Art.
17 ATSG eine für den Ren
tenanspruch relevante Änderung des Invaliditätsgrades eingetreten ist (BGE 117 V 198 E. 3a mit Hinweis).
1.4
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin erwog in der angefochtenen Verfügung vom 5. März 2018 (Urk. 2) zur Hauptsache, aufgrund der gemäss Gutachter
guten
,
s
elb
ständigen Bewältigung des Alltags, trotz eingeschränkter finanzieller Möglich
keiten, sei anzunehmen, dass die Beschwerdeführerin auch in der Lage sei, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Die vom Gutachter als Auslöser genannten Gründe für die letzte depressive Erkrankung bezögen sich zudem auf psychoso
ziale Faktoren, welche nicht mitberücksichtigt werden könnten (S. 2).
2.2
Dagegen wendet die Beschwerdeführerin (Urk. 1
/1
)
im Wesentlichen ein
,
bei ihr sei im Februar 2014 eine mittelgradige depressive Episode der unabhängig von den auslösenden Faktoren seit dem Jahr 2001 bestehenden rezidivierenden de
pressiven Störung bewirkt worden, weshalb diese Verschlimmerung des Grund
leidens invalidenversicherungsrechtlich relevant sei (S. 5).
Weiter bestätige auch die beim vorliegenden psychischen Leiden vorzunehmende
indikatorenorientierte
Überprüfung die v
om
Verlaufsgutachter
festgestellte Leistungseinschränkung (S. 6). Der Einkommensvergleich ergebe den Invaliditätsgrad von 71 % und somit den Anspruch auf eine ganze Rente (S. 8).
3.
Vergleichszeitpunkt für eine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin bildet die rentenzusprechende Verfügung vom 21. März 2013 (Sachverhalt 1.
2
), welcher umfassende medizinische und erwerb
liche Abklärungen zugrunde lagen. Namentlich in medizinischer Hinsicht stützte sich die Beschwerdegegnerin insbesondere auf nachstehende Dokumentationen:
3.1
Die behandelnde Psychiaterin Dr.
A._
, Psychiatrie und Psycho
therapie FMH,
berichtete am 8. Januar 2011 (Urk. 8/81) zuhanden der Beschwer
degegnerin von einer mittelgradigen depressiven Episode mit somatischem Syn
drom (ICD-10 F32.1), bestehend seit April 2010 (S. 1) und attestierte eine medi
zinisch begründete Arbeitsunfähigkeit als Aussendienstmitarbeiterin Medienbe
reich von 100 % ab 6. April 2010 bis laufend (S. 3 f.).
Im
Bericht vom 21. Januar 2012 (Urk. 8/96/2-5) gelangte die Ärztin zur im We
sentlichen
unveränderten Beurteilung, hielt
jedoch
abweichend fest, hätte die Beschwerdeführerin ihre Stelle (Aussendienst/Medienbranche) noch, könnte eine Arbeitsleistung von 2-3
mal pro Woche à 2-3 Stunden wahrscheinlich zumutbar sein (S.
4
).
3.2
Die Versicherte befand sich ab dem 2
3.
März 2011 in tagesklinischer Behandlung in der
psychiatrischen
K
linik
B._
. Im Bericht der Klinik
vom 21. Juni 2011 (Urk. 8/89) finden sich als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine depressive Episode, aktuell mittelgradig (ICD-10 F32.1)
,
sowie eine Ruptur des Seitenbandes des rechten Knies und als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Status
post
Implantation eines Magen
bandes sowie eine Binge-Eating-Störung, gegenwärtig gering symptomatisch
(S. 1)
.
D
ie unterzeichnenden Ärzte
attestierten
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit April 2010 bis auf weiteres
und hielten fest,
eine Neubeurteilung solle in 3-6 Monaten erfolgen. Es könne mit einer Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit in 9-12 Monaten zu ci
rca 50 % gerechnet
werden. Bei g
ünstigem Verlauf sei eine stufenweise Steigerung bis circa 60-70 % vorstellbar (S. 4).
3.3
Am
13. Juli 2012 (Urk. 8/106) beschrieb Dr.
A._
in ihrem Bericht zu
handen der Beschwerdegegnerin
einen verbesserten Gesundheits
zustand der Be
schwerdeführerin und
diagnostizierte eine depressive Symptomatik in Remission, aktuell leichte depressive Störung (Hamilton-Score 9; S. 1)
.
Zur Arbeitsfähigkeit
hielt
sie
fest,
ab Februar 2012
sei eine
Erhöhung der Arbeitsfähigkeit (beziehungs
weise Verminderung der Krankschreibung
)
in kleinen Schritten
erfolgt
: Februar 2012: 10 %, März 2012: 20 % und für April 2012: 50 %. D
en nächstfol
genden Termin im April 2012 habe die Beschwerdeführerin abgesagt (Telefonbe
antworter, sie würde arbeiten; S. 2).
3.4
Der Arzt des
r
egionalen ärztlichen Dienstes (RAD) der Beschwerdegegnerin ge
langte am 16. Oktober 2012 (Urk. 8/111) in Würdigung der medizinischen Aktenlage zum Schluss, es könne folgende Arbeitsfähigkeit gelten (in bisheriger, gut angepasster Tätigkeit, soweit ersichtlich Büro/Aussendienst/Allrounderin): ab 6. April 2010 100 % arbeitsunfähig, ab Februar 2012 10 % arbeitsfähig, ab März 2012 20 % arbeitsfähig, ab April 2012 80 % arbeitsfähig, ab Juli 2012 100 % arbeitsfähig (S. 6).
Die Versicherte hatte am
1.
Juli 2012 eine vollzeitige Erwerbstätigkeit aufgenommen
(
Urk.
8/109).
4.
Die leistungsabweisende Verfügung vom 5. März 2018 (Urk. 2) basiert
e
vornehm
lich auf den folgenden medizinischen Unterlagen:
4.1
4.1.1
Die mit der Erstellung des interdisziplinären (rheumatologisch, psychiatrisch) Gutachtens vom 3. Juli 2015 (Urk. 8/165) betrauten Fachärzte nannten als Diag
nose mit langandauernder Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (S. 9).
Als ohne langandauernde Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit diagnostizierten sie zur Hauptsache (S. 10):
-
Chronisches, sich generalisierendes Schmerzsyndrom
-
Panvertebralsyndrom
mit
spondylogener
Ausstrahlung
-
Gonarthrose rechts (ausschliesslicher MRI-Befund)
-
Anamnestisch Adipositas und aktuell Übergewicht. Mit Body-Mass-Index von 26.6 kg/m
2
-
Osteoporose
-
Anamnestisch Reizmagen-Syndrom
4.1.2
Der rheumatologische Fachgutachter
(Urk. 8/165/1-20)
notierte in seiner Beurtei
lung zusammengefasst,
insgesamt seien die von der Beschwerdeführerin geschil
derten Beschwerden bezüglich Umfang und Intensität höchstens als partiell auf die objektivierbaren somatisch-pathologischen Befunde abstützbar
.
In einer der
artigen Situation seien grundsätzlich zu diskutieren:
k
rankheitsfremde Gründe, ein Aggravationsverhalten im Rahmen eines Rentenbegehrens und eine psycho
somatisch-psychiatrische Affektion. Es werde Aufgabe des im Rahmen der inter
disziplinären Begutachtung mitbegutachtenden Psychiaters sein, diesbezüglich Stellung zu beziehen (S. 14).
Somit könne aufgrund der vorliegenden Dokumen
tation und der Ergebnisse der aktuellen Begutachtung für die von der Beschwer
deführerin früher ausgeübten beruflichen Tätigkeiten zu keinem Zeitpunkt eine anhaltende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden (S. 16).
4.1.3
In psychiatrischer Hinsicht
(Urk. 8/165/22-
57
)
führte der verantwortliche
Dr.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
aus,
zum Untersuchungszeitpunkt lasse sich bei der Beschwerdeführerin ein depressives Zustandsbild feststellen. Hauptsymptome seien eine deprimierte Stimmung, leichte Konzentrationsdefizite, ein eingeengtes und leicht verlangsamtes formales Denken, anamnestische Schlafstörungen, ein Gedankenkreisen, ein Interessens
verlust, ein sozialer Rückzug, eine innere Unruhe und eine Reduktion des Antrie
bes. Bei der Beschwerdeführerin bestehe seit ungefähr dem Jahr 2001
ein
pha
senhafter
Verlauf depressiver Episoden, der auch mit psychosozialen Belastungen (Verlusterlebnisse, Demenzerkrankung der Mutter, laufendes Strafverfahren) in Zusammenhang stehe. Zudem bestehe bei der Beschwerdeführerin eine familiäre Vorbelastung in Bezug auf Depressionen. Zusammenfassend sei diagnostisch von einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1
;
Beginn der rezidivierenden depressiven Störung circa 2001, Be
ginn der aktuellen Episode Februar 2014
)
auszugehen. Es sei festzustellen, dass sich die von der Beschwerdeführerin aktuell beschriebenen Schmerzen
in diversen Körperbereichen aus somatischer Sicht nicht vollständig und nicht ausreichend erklären liessen. Aus psychiatrischer Sicht sei davon auszugehen, dass die Schmerzwahrnehmung der Beschwerdeführerin durch ihre depressive Symptoma
tik dysfunktional verstärkt werde
(S. 30).
Es sei seit dem Jahr 2012 zunächst von einer Verbesserung des Gesundheitszustandes und seit circa Februar 2014 von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin auszu
gehen. Seit Februar 2014 sei von einer mittelgradigen Einschränkung ihrer Ar
beitsfähigkeit auszugehen. Der Beschwerdeführerin sei aus rein psychiatrischer Sicht ein volles zeitliches
Arbeitspensum bei einer dabei gleichzeitig um 40 % verminderten Leistungsfähigkeit zumutbar (S. 34).
In Beantwortung der Zusatzfragen zum Gutachten führte er am 2
7.
Juli 2015 aus, neben der Optimierung der medikamentösen Therapie und der Fortführung der psychotherapeutischen Behandlung sei sehr wichtig, dass die Versicherte wieder eine Arbeitstätigkeit aufnehme, was durchaus als therapeutische Massnahme zu verstehen sei. Er gehe davon aus, dass in einem Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten mit einer weiteren Verbesserung der Arbeitsfähigkeit gerechnet werden könne und dass die Arbeitsfähigkeit letztlich vollständig wiederhergestellt sein werde (
Urk.
8/168).
4.2
Gemäss
D._
vom Ambulato
rium
E._
konnte die angestrebte Medikamentenoptimierung nicht realisiert wer
den, weil es einerseits auch bei genügend langer Behandlung in adäquater Dosie
rung zu keiner Zustandsverbesserung gekommen sei und anderseits, weil die Kombinationsversuche teilweise wegen nicht tolerierbarer Nebenwirkungen hät
ten gestoppt werden müssen. Die Versicherte stehe immer noch unter dem Ein
druck der ungerechtfertigten Anschuldigungen mit Untersuchungshaft. Der Fall sei gerichtlich abgeschlossen und im Vordergrund stehe nun die psychotherapeu
tische Auseinandersetzung mit dem Erlebten (Bericht mit Eingang bei der IV-Stelle am 1
3.
März 2017,
Urk.
8/185).
4.
3
4.
3
.1
Der für das psychiatrische Verlaufsgutachten vom 16. Oktober 2017 (Urk. 8/196) verantwortlich zeichnende
Dr.
F._
, Psychiatrie und Psychotherapie FMH,
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Epi
sode (ICD-10 F33.1; S. 13) und hielt in seiner Beurteilung fest, bei der jetzigen Untersuchung zeige sich die Beschwerdeführerin in einem unverändert depressi
ven Zustand
(S. 15)
.
Wie bereits
Dr.
C._
festgehalten habe, seien die Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung nicht erfüllt. Zur Frage einer anhal
tenden somatoformen Schmerzstörung habe es keine neuen, zusätzlichen Be
funde gegeben, die diese Diagnose sichern könnten (S. 16).
4.
3
.2
Hinsichtlich der Ausprägung und Schwere der objektiven Befunde konstatierte
er
eine Antriebsminderung, Unlust, Interesselosigkeit, depressive Verstimmung mit geringer Modulation. Die Mitarbeit, Motivation und emotionale Kontaktfähigkeit seien deutlich eingeschränkt. Ein wesentlicher Schmerzzustand sei bei der Unter
suchung nicht erkennbar gewesen (S. 17).
4.
3
.3
Die genannten Funktionseinschränkungen seien zum Teil auf die genannten Ge
sundheitsschädigungen zurückzuführen. Darüber hinaus bestehe ein wesentlicher Anteil der Einschränkungen aufgrund der emotionalen und psychosozialen Be
lastungen durch die verschiedenen Gerichtsverfahren und die Tendenzen der Be
schwerdeführerin
«in Ruhe» gelassen werden zu wollen. Aufgrund der einge
schränkten Motivation und Mitarbeit lasse sich dieser Anteil prozentual nicht fassen (S. 18).
4.
3
.4
Zur Arbeitsfähigkeit sowie zu einer Veränderung des Gesundheitszustandes hielt er fest, die Aussagen dazu im Gutachten von Herrn Dr.
C._
träfen auch jetzt in vollem Ausmass zu. Eine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustandes seit Juli 2015 bestehe nicht (S. 21).
Die chronische Schmerzsymptomatik in Kor
relation mit den erwähnten somatischen Problemen lasse nur leichte körperliche Tätigkeiten im Wechsel von Stehen, Gehen und Sitzen und ohne Zwangshaltun
gen zu. Akkord-, Nacht- und Schichtarbeiten seien nicht möglich. Ebenso wäre
die Versicherte
überfordert durch regelmässigen oder intensiven Publikumsver
kehr oder hohe Anforderungen an ihre Verantwortung. Die zuletzt ausgeübte Tä
tigkeit als un
i
formierte
Z._
-M
itarbeite
r
in könne sie mit ihrem Leistungspro
fil nicht mehr ausüben.
Was die Arbeitsfähigkeit betreffe, so bestätige sich die Beurteilung im Gutachten von Dr.
C._
, dass bei einer vollzeitigen Anwesen
heit eine Leistung von 40
%
zumutbar sei (S. 22; vgl. auch S. 21). Diese Leistung wäre nach Einarbeitung wieder auf ein auch qualitativ volles Pensum innerhalb eines Jahres steigerbar (S. 22).
5.
5.1
Vorwegzuschicken ist, dass – soweit ersichtlich – weder die Beweiswertigkeit der Gutachten Anlass zur Kritik boten, noch sich die Beschwerdeführerin – im Kon
sens mit den gutachterlichen Schlussfolgerungen – auf eine anspruchserhebliche Veränderung des somatischen Geschehen
s
beruft. Mit Blick auf die Gutachten ist ebenfalls unstreitig, dass eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes in psy
chiatrischer Hinsicht
seit dem 2
1.
März 2013
als erstellt zu betrachten ist.
Wäh
rend die Beschwerdegegnerin indes in Abweichung zu den vorzitierten Gutachten gestützt auf eine Ressourcenprüfung eine relevante Beeinträchtigung verneinte
(Urk. 8/199 S. 10 f), erachtet
die Beschwerdeführerin die gutachterliche
n
Ein
schätzung
en
als verbindlich und beantragt basierend auf einem Einkommensver
gleich eine ganze Rente der Invalidenversicherung (Urk. 1 S.
5
f
f.).
5.2
Zu prüfen ist daher die Auswirkung des psychischen Gesundheitszustandes auf die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin. Denn rechtsprechungsgemäss liegt es nicht allein in der Zuständigkeit der mit dem konkreten Einzelfall (gutachter
lich) befassten Arztpersonen, abschliessend und für die rechtsanwendende Stelle verbindlich zu entscheiden, ob das medizinisch festgestellte Leiden zu einer Ar
beitsunfähigkeit führt (vgl. dazu etwa Urteil des Bundesgerichts 9C_505/2018 vom 17. Oktober 2018 E. 5.1).
Deshalb kann aus rechtlicher Sicht von einer me
dizinischen Einschätzung der Arbeitsunfähigkeit abgewichen werden, ohne dass sie ihren Beweiswert verliert (Urteil 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 3.2 mit Hinweisen
; vgl. auch
BGE 144 V 50 E. 4.3 53 f.
).
5.
3
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungs
faktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 1
5.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines ren
tenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Aus
wirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Ja
nuar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.
6.1
Gemäss den eingeholten psychiatrischen
Gutachten
besteht bei der Versicherten ein depressives
Leiden
, dessen
Verlauf auch mit psychosozialen Belastungen im Zusammenhang s
teht (
Urk.
8/165/22-57 S. 30, S.
34,
Urk.
8/196 S. 16 und S. 18). Die Gutachter attestierten im Wesentlichen übereinstimmend eine teilweise Ar
beitsfähigkeit im Sinne einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit bei vollzeitiger Präsenz (
Urk.
8
/165/22-57 S. 54,
Urk.
8/196 S. 17, S. 21 f.
).
Dr.
F._
verwies da
bei ausdrücklich auf
Dr.
C._
, welcher von einer 40%igen Einschränkung aus
gegangen war, bemass die Einschränkung aber im Ergebnis im Unterschied mit 60
%
(
Urk.
8/196 S. 21 f.). Ob es sich dabei – wie vom RAD beurteilt (vgl.
Urk.
8/199/11) – um ein Versehen handelt, kann aufgrund der nachfolgenden Erwägungen offenblei
ben.
Zu
prüfen
ist
, ob auf die gutachterlich attestierte Arbeitsunfähigkeit aufgrund der psychischen Leiden vor den Standardindikatoren abgestellt werden kann.
6
.
2
Zum Komp
lex Gesundheitsschädigung ist in Bezug au
f den Indikator Ausprägung der d
iagnoserelevanten Befunde festzuhalten, dass die
Experten
bei der Diagnose
rezidivierende depressive Störung, aktuell mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1) insgesamt nur leichte Defizite ersahen. Namentlich im Rahmen des ersten Gut
achtens vom 3. Juli 2015 (E. 4.1 hievor) hielt
Dr.
C._
betreffend Einschrän
kungen fest, die Konzentrationsfähigkeit sei leicht vermindert. Im Gedächtnis der Beschwerdeführerin fielen Defizite auf. Die Merkfähigkeit sei etwas reduziert. Das formale Denken sei verlangsamt und eingeengt auf die bestehenden Probleme, jedoch geordnet. Bei der Beschwerdeführerin bestünden Ängste in Bezug auf die
Zukunft. Klinisch sei sie affektiv deprimiert, ratlos, nachdenklich, etwas affektarm und innerlich leicht unruhig. Die affektive Schwingungsfähigkeit sei klinisch etwas reduziert (Urk. 8/165/22-
57 S. 23). Ebenso kann dem Mini-ICF-APP Rating lediglich in drei Bereichen (Flexibilität und Umstellfähigkeit, Durchhaltefähigkeit,
Spontan-Aktivitäten) das Rating 2 (eine Beeinträchtigung mit Negativfolgen ohne Assistenznotwendigkeit) entnommen werden. Im Übrigen zeigte sich die Beschwerdeführerin nicht oder nur leicht ohne Negativfolgen beeinträchtigt (S. 27 f.). Auch das Verlaufsgutachten (E. 4.2 hievor) lässt nicht auf schwerwie
gendere Einschränkungen schliessen
(vgl.
Urk.
8/196 S. 22)
. Demnach erweist sich der Indikator der diagnoserelevanten Befunde in Bezug auf den funktionellen Schweregrad nicht als erheblich ausgeprägt.
Die Gutachter attestierten übereinstimmend eine nur teilweise Einschränkung der Leistungsfähigkeit
und
nahmen an, dass bei fachgerechter Behandlung und bei einer Wiederaufnahme einer Arbeitstätigkeit von einer Verbesserung innert sechs bis zwölf Monaten beziehungsweise vom Wiedererlangen einer vollen Leistungs
fähigkeit innert Jahresfrist
auszugehen sei (
Urk.
8/165/22-57
S.
31, Urk.
8/168,
Urk.
8/196 S.
22
, vgl. auch S. 20
). Dies
e
von den Gutachtern überstimmend ge
stellte «Prognose» (vgl. zur deren Zulässigkeit, Urteil des Bundesgerichts 8C_101/2014 vom
3.
April 2014 E. 5.2.2)
macht ebenfalls deutlich, dass
zumin
dest von
keiner erheblichen Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde auszu
gehen war.
6.3
Die Beschwerdeführerin war während der vorgehenden krankheitsbedingten Ar
beitsunfähigkeit medikamentös und psychotherapeutisch behandelt worden
(vgl.
Urk.
8/81 S. 3)
. Die
a
b
März
2011 durchgeführte tagesklinische Behandlung hatte zur erfolgreichen Wiedereingliederung beigetragen (vgl.
Urk.
8/89). Mit der Wie
deraufnahme der Arbeitstätigkeit
hatte
die Beschwerdeführerin die Behandlung ab
gebrochen (vgl.
Urk.
8/106 S. 2)
. Im Rahmen der ab Februar 2014 eingetretenen Arbeitsunfähigkeit begab sich die Beschwerdeführerin erneut in psychologische beziehungsweise psychiatrische Behandlung bei einem Termin circa alle zwei Wochen und bei psychopharmakologischer
Therapie (vgl.
Urk.
8/136, 8/177, 8/178 S. 1, 8/165/22-57 S. 21, 8/196 S. 20)
.
Die Ende 2016 durchgeführte Medi
kamentenoptimierung brachte keinen Erfolg, wobei
D._
einen er
neuten Versuch, medikamentös eine Verbesserung der Situation zu erzielen, für die Zukunft nicht ausschloss (
Urk.
8/185). Dr.
C._
beurteilte die Mitarbeit im Therapieprozess als gut (vgl.
Urk.
8/168).
Dr.
F._
wies im Verlaufsgutachten indes auch darauf hin, dass der Inhalt der durchgeführten Psychotherapie bezie
hungsweise die Therapieplanung nicht ausreichend klar seien (vgl.
Urk.
8/196 S.
20 und S. 22 f.).
In Anbetracht insbesondere der niederfrequenten Psychotherapie und des Um
stands, dass weder teilstationäre noch stationäre Therapien durchgeführt wurden, ist nicht von einer Therapieresistenz auszugehen. Auch Eingliederungsmassnah
men oder eine Arbeitsaufnahme wurden, obwohl als zumutbar und sich günstig auf den Gesundheitsschaden auswirkend beurteilt, nicht durchgeführt bezie
hungsweise vorgenommen (vgl.
Urk.
8/165/22-57 S. 31, 8/168, 8/196 S. 20 f.).
6.4
Als Komorbiditäten zu berücksichtigende krankheitswertige Störungen sind mit den somatischen Gesundheitsschäden (E. 4.1 hievor)
und de
m
Zustand nach
Ma
genbanding
ausgewiesen. Allerdings wurde diesen
durch den somatischen Gut
achter
keine Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zuerkannt
(vgl. demgegenüber
Urk.
8/196 S. 18)
.
6.5
Beim Komplex Persönlichkeit ergibt sich, dass bei der Beschwerdeführerin keine Persönlichkeitsstörungen erkannt wurden
. In diesem Sinne sind keine
Einflüsse ersichtlich, welche die Reintegration in den Arbeitsprozess wesentlich behindern würden.
6.6
Zum Komplex sozialer Kontext
ist
festzuhalten, dass die Beschwerdeführerin ge
schieden ist und alleine mit drei Katzen
in einer 2.5-Zimmer-Wohnung
lebt. Sie hat zwei Geschwister
und pflegt ein inniges Verhältnis zu ihre
r
demenzkranken Mutter, welche sie alle drei Wochen im Pflegeheim besucht
(Urk. 8/165/1-20 S. 4, Urk. 8/165/22-57 S. 4,
Urk. 8/196 S. 10 f.). Zudem
unterhält die Beschwerdefüh
rerin noch weitgehend eine Tagesstruktur
und geht Aktivitäten nach.
Am Morgen steht sie zwischen 6.00 Uhr und 7.00 Uhr auf und versorgt ihre Katzen
. Anschlies
send trinkt sie Kaffee und liest die Zeitung,
welche sie vom Nachbar
n
bekommt.
Am Nachmittag geht sie e
inkaufen oder nimmt Arzttermine wahr.
Auch läuft sie ein wenig. Gegen 23.00 Uhr geht sie ins Bett
. Die Beschwerdeführerin verfügt nach wie vor über einen Freundeskreis, zu welchem sie
– ebenso wie zu ihren Geschwistern – s
poradische Kontakte unterhäl
t.
Im Übrigen pflegt die Beschwer
deführerin soziale Interaktionen durch häufiges chatten per Internet.
Ansonsten malt sie (aus
malen von Vorlagen) und schaut f
ern (Unterhaltungssendungen, Mu
siksendungen;
Urk. 8/165/22-57 S. 21, Urk. 196 S. 11 f.
und
S.
16
)
.
Damit verfügt die Beschwerdeführerin durchaus über soziale Ressourcen und ist
auch
fähig, einen Tagesablauf zu bewältigen. Es
i
s
t
k
ein ausgeprägter sozialer Rückzug er
kennbar.
D
ie
Beschwerdeführerin
versteht
ihre Tiere, ihre kranke Mutter und ihr Freunde als Aufgaben in ihrem Leben
(
Urk. 8/165/22-57 S. 22
)
.
Insbesondere im Verlauf kam den verschiedenen psychosozialen Belastungen, namentlich den als belastend erlebten Gerichtsverfahren und den Verlusterlebnissen jedoch klarer
weise auch ressourcenbindende Wirkung zu.
6.7
Zu prüfen ist weiter die Konsistenz. Hinsichtlich des Gesichtspunktes des Aktivi
tätsniveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen
fällt auf, dass sich die Be
schwerdeführerin subjektiv in einer Arbeitstätigkeit zu 100 % eingeschränkt fühlt und sich eine erneute berufliche Situation nicht mehr vorstellen kann (
Urk. 8/165/1-20 S. 3, Urk. 8/196 S. 11
)
.
Angesichts des oben geschilderten Ta
gesablaufes ist dieser zwar in einem gewissen Umfang eingeschränkt. Dennoch ist die Beschwerdeführerin in der Lage,
ihren Alltag weitestgehend unterstüt
zungsfrei
zu
meistern. Auch wenn sie
vereinzelt
von der Nachbarin unterstützt wird
(Kochen)
, bestehen
keine wesentlichen Einschränkungen
in der Haushalts
führung und sie ist in der Lage, notwendige
Wegstrecken
selb
er zu bewältigen
.
Zudem
besucht sie ihr
e
Mutter in dreiwöchigen Abständen im Pflegeheim, wobei sie dies jeweils mit Einkäufen in Deutschland verbindet.
(Urk. 8/165/1-20 S. 3, Urk. 8/165/22-57 S.
21, Urk. 8/196 S. 11 f. und 22).
D
ie postulierte 100%ige Ein
schränkung
in der Leistungsfähigkeit erschei
nt
demnach nicht
nachvollziehbar.
Beschwerdeweise wurde geltend gemacht, dieses Aktivitätsniveau sei zumindest mit der von
Dr.
F._
postulierten Restarbeitsfähigkeit von 40
%
vereinbar (
Urk.
1 S. 7). Dies ist zumindest fraglich, hielt
Dr.
F._
doch ausdrücklich fest, die Be
schwerdeführerin verfüge über eine gut erhaltene Kapazität in der selbständigen Bewältigung ihres Alltags trotz eingeschränkter finanzieller Möglichkeiten und habe die Belastungen der letzten Jahre bis aktuell gemeistert (
Urk.
8/196 S. 22).
6.8
Im Rahmen des Indikators ausgewiesener Leidensdruck kann auf vorstehende Ausführungen zur Therapie und Medikation verwiesen werden. In Anbetracht einer – ausschliesslich ambulant durchgeführten –
nieder
frequen
ten Therapie
sowie der pharmakologischen Behandlung
ist behandlungs
anamnestisch
zwar von einen gewissen, jedoch nicht von einen
gesteigerten Leidensdruck
a
uszuge
hen.
Die Beschwerdeführerin gab an, die durchgeführte Therapie diene nur noch dazu, den jetzigen Zustand, also ihren psychosozialen Rückzug erträglicher zu gestalten (
Urk.
8/196 S. 17).
Dr.
F._
verwies auf die Tendenz der Versicherten «in Ruhe gelassen» werden zu wollen (
Urk.
8/196 S. 18). Insgesamt entsteht der Eindruck, die Versicherte habe sich das Leben in Zurückgezogenheit und ohne Erwerbstä
tigkeit – soweit dies möglich ist - gut eingerichtet. Ein gesteigerter Leidensdruck wird auch daraus nicht spürbar.
6
.
9
Die gesamthafte Betrachtung der rechtserheblichen Indikatoren führt somit zum Schluss, dass ein gewisser Leidensdruck besteht, jedoch
insgesamt
nur wenig aus
geprägte Einschränkungen ausgewiesen sind. Auch die Komplexe Persönlichkeit und sozialer Kontext, aus welche
n
sich durchaus mobilisierende Ressourcen er
geben,
lassen nicht auf
eine
eingeschränkte Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht schliessen.
7
.
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin weder aus somatischer noch aus psychiatrischer Sicht rechtserhebliche Funktionseinschrän
kungen zu eruieren sind. Der Sachverhalt ist in dem
Sinne als erstellt zu erachten
,
dass ab Februar 2014 (vgl.
Urk.
8/165/22-57 S. 54) grundsätzlich die bisher aus
geübten Tätigkeiten uneingeschränkt zumutbar waren.
Dr.
F._
hielt in seinem Gutachten jedoch fest, die vor der erneuten Arbeitsunfähigkeit ausgeübte Tätig
keit als
Z._
-Mitarbeiterin sei der Versicherten nicht mehr zumutbar (vgl. E.
4.3.4). Die Beschwerdeführerin liess diesbezüglich geltend machen, sie hätte diese Tätigkeit als
Z._
-Mitarbeiterin, welche sie mit einem Pensum von 73
%
aus
geübt hatte, bei guter Gesundheit zu 100
%
versehen. Dementsprechend sei von einem
Valideneinkommen
von
Fr.
76'440.- auszugehen (
Urk.
1 S. 7 f.). Es ist nicht erstellt, dass die Tätigkeit als
Z._
-Mitarbeiterin aus gesund
-
heitlichen
Grün
den mit dem reduzierten Pensum von 73
%
, welches immerhin 36 bis 37 Stunden umfasste (
Urk.
8/138/2), ausgeübt worden war. Damit ist für das Jahr 2014 grund
sätzlich von einem hypothetischen Lohn von
Fr.
55'499.15 (
Fr.
54'949.65 [
Urk.
8/138/2] zuzüglich Nominallohnentwicklung von 1
%
[Bundesamt für Sta
tistik, BFS, Nominallohnindex Frauen, T1.2.10]) auszugehen.
Ausgehend von den Angaben der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) 2014 des BFS (Tabelle TA1) ist anzunehmen, dass die Versicherte bei Ausübung einer vollzeitigen, anderweitigen Tätigkeit grundsätzlich ein Einkommen von Fr. 53'793.-- (Durchschnittslohn der Frauen im Anforderungsniveau 1 von Fr. 4'300.--, angepasst an die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41,7 Stunden [BFS, Betriebsübliche Arbeitszeiten nach Wirtschaftszweigen, Total 41,7 Stunden]) hätte erzielen können. Damit resultiert kein rentenbegründender Inva
liditätsgrad.
Damit ist die Beschwerde abzuweisen.
8
.
8
.1
Die Voraussetzungen für die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege gemäss § 16 Abs. 1 und 2 des Gesetztes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) sind vorliegend erfüllt (vgl. insbesondere Urk. 6). Demzufolge ist der Beschwer
deführerin antragsgemäss (Urk. 5) die unentgeltliche Prozessführung zu bewilli
gen und Rechtsanwalt
Reto
Zanotelli
, Zürich, als unentgeltlichen Vertreter für das vorliegende Verfahren zu bestellen und aus der Gerichtskasse zu entschädi
gen.
Rechtsanwalt
Zanotelli
wies zudem darauf hin, dass die nach der Invalidi
sierung abgeschlossene Rechtsschutzversicherung sich im Sinne eines Entgegen
kommens bereit gezeigt habe, die Anwalts- und Verfahrenskosten im Umfang von 3⁄4 zu decken (
Urk.
10).
8
.2
Die Kosten des Verfahrens gemäss
Art.
69 Abs. 1
bis
IVG sind auf Fr. 800.-- fest
zusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge
Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch
im Teilumfang von
Fr.
200.--
einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
8
.3
Nach § 34 Abs. 3
GSVGer
bemisst sich die Höhe der gerichtlich festzusetzenden Entschädigung nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozes
ses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert. Ge
mäss § 8 in Verbindung mit § 7
Abs.
1 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschädigungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) wird
– auch im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung – namentlich für unnöti
gen Aufwand kein Ersatz gewährt.
Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
macht mit Honorarnote vom
5. Juli 2018 (Urk. 10 f.) einen Aufwand von 10 Stunden und Spesen von Fr. 81.30 entsprechend einem Honorar von Fr. 2'456.96 (inklusive Mehrwertsteuer) geltend. Dies ist der Bedeu
tung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses n
och
angemessen.
Die Entschädigung beläuft sich damit auf
Fr.
614.25 (1/4 von
Fr.
2`456.96).
8
.4
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4
GSVGer
aufmerksam gemacht, wo
nach sie zur Nachzahlung der einstweilen zulasten der Gerichtskasse genomme
nen Kosten verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.
Das Gericht
beschliesst:
Das Gesuch um unentgeltliche Prozessführung und unentgeltliche Rechtsvertretung wird gewährt und Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
, Zürich, als unentgeltlichen Rechtsver
treter für das vorliegende Verfahren bestellt,
und
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
der Beschwerdeführerin
auferlegt
, zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch
im Teilumfang von
Fr.
200.-
-
einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
3.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin, Rechtsanwalt Reto Zanotelli, Zürich,
wird mit
Fr.
614.25
(inkl. Barauslagen und
MWSt
) aus der Gerichts
kasse entschädigt.
Die Beschwerdeführerin wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer
hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Reto
Zanotelli
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.