# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3318e8aa-8736-4505-8ec9-7968f95c0915
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._ (Jahrgang 1973) ist Mutter zweier Kinder (Jahrgänge 2000 und
2002) und wurde infolge einer im Jahr 2001 festgestellten
Schallleitungsstörung links, ab 2011 auch rechts, sowie nach mehreren
Operationen am Ohr von der Invalidenversicherung mit Hörgeräten
versorgt. Am 3. September 2013 meldete sie sich unter Hinweis auf
somatische und psychische Leiden bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden (nachfolgend IV-Stelle) zum Leistungsbezug an. Ihr Hausarzt
Dr. med. F._ diagnostizierte mit Bericht vom 23. September 2013 ein
chronisches Lendenwirbelsyndrom, chronische Hüftschmerzen, eine
Schallleitungsschwerhörigkeit beidseits sowie eine
Erschöpfungsdepression mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Er
erachtete sie in ihrer bisherigen Tätigkeit als Coiffeuse ab dem 14. August
2013 zu 100 % bzw. ab dem 9. September 2013 zu 50 % arbeitsunfähig.
Vom 21. Oktober 2013 bis zum 4. Dezember 2013 befand sich A._ in
stationärer Behandlung in der Klinik G._, wo eine Anpassungsstörung
(ICD-10 F43.2) ausgewiesen wurde. Ihr behandelnder Psychiater Dr. med.
H._ diagnostizierte mit Bericht vom 27. Februar 2014 eine
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) bzw. mit Bericht vom
13. August 2014 eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig
mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F31.3), und wies eine weiterhin
bestehende 100%ige Arbeitsunfähigkeit aus. Aufgrund von latenten
Suizidgedanken befand sich A._ vom 1. September 2014 bis zum
17. Oktober 2014 erneut in stationärer Behandlung in der Klinik G._,
wobei beim Austritt noch eine leichte depressive Symptomatik vorlag.
Diagnostiziert wurde eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig leichte
oder mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F31.3). Im
interdisziplinären Abklärungsbericht vom 4. November 2014 stellten die
Dres. med. I._ und J._ vom Regionalen Ärztlichen Dienst
Ostschweiz (RAD) namentlich eine rezidivierende depressive Störung,
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gegenwärtig remittiert, und ein lumbospondylogenes Syndrom links mit
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit fest. Aus psychiatrischer Sicht war der
Gesundheitszustand von A._ damals noch zu instabil, um die
Arbeitsfähigkeit abschliessend beurteilen zu können. Hingegen wurde ein
Arbeitstraining mit (relativ rascher) Steigerung des Arbeitspensums (in
einer rheumatologisch adaptierten) Tätigkeit als sinnvoll erachtet.
2. Mit Mitteilung vom 19. August 2015 erteilte die IV-Stelle A._ eine
Kostengutsprache für ein Belastbarkeitstraining in der K._ in L._
vom 31. August 2015 bis zum 28. Februar 2016. Nachdem ihr die Tätigkeit
in der Küche nicht zugesagt und sie sich unkooperativ sowie wenig
motiviert gezeigt hatte, wurde die Massnahme per 16. September 2015
beendet. Als Anschlusslösung gewährte die IV-Stelle ihr ein
Arbeitstraining im Einsatzprogramm in M._ vom 5. Oktober 2015 bis
zum 1. April 2016, wobei ein Beschäftigungsgrad von 20 % vereinbart
wurde. Nachdem sich der psychische Gesundheitszustand unter anderem
aufgrund von mehreren Abszessen in der Brust, welche operativ
behandelt werden mussten, verschlechtert hatte, wurde die berufliche
Massnahme nicht verlängert und mit Mitteilung vom 31. März 2016
abgeschlossen.
3. Nach zwei weiteren stationären Aufenthalten in psychiatrischen Kliniken
im Zeitraum vom 1. bis zum 3. März 2016 und vom 3. Mai bis zum 2. Juni
2016 fand am 11. Juli 2016 erneut eine psychiatrische RAD-Abklärung
durch Dr. med. I._ statt, über die er am 8. August 2016 berichtete. Er
diagnostizierte eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig
leichte depressive Episode (ICD-10 F33.0), sowie eine Agoraphobie
(ICD-10 F40.0) und erachtete A._ sowohl in der bisherigen als auch
einer adaptierten Tätigkeit ab dem Zeitpunkt der Abklärung zu 60 %
arbeitsfähig. Zudem wurde am 24. November 2016 eine Abklärung vor Ort
durchgeführt, anlässlich welcher A._ angab, ohne
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Gesundheitsschaden vor allem als Coiffeuse und Sigristin in einem 80 %-
Pensum erwerbstätig zu sein. Im Haushalt wurde eine Einschränkung von
insgesamt 7.1 % festgestellt.
4. Nachdem A._ in Anwendung der gemischten Methode bei einer
Gewichtung der Anteile Erwerb und Haushalt von 80 % zu 20 % eine
befristete ganze Invalidenrente in Aussicht gestellt und sie sich im
Einwand vom 15. Februar 2017 namentlich gegen eben diese
Methodenwahl gewandt hatte, verfügte die IV-Stelle am 29. Juni 2017 wie
vorbeschieden und sprach ihr vom 1. August 2014 bis zum 31. August
2015 sowie vom 1. April 2016 bis zum 30. September 2016 eine ganze
Invalidenrente zu. Für die Zeit danach resultierte bei einer angenommenen
Arbeitsfähigkeit von 60 % in einer adaptierten Tätigkeit ab Juli 2016 im
Erwerbsbereich und einer Einschränkung von 7.1 % im Haushalt kein
rentenbegründeter Invaliditätsgrad mehr. Die Frage, ob A._ – wie im
Einwand vorgebracht – ab 1. August 2018 (Zeitpunkt des Abschlusses der
obligatorischen Schulzeit ihres jüngsten Kindes) im Gesundheitsfall zu
100 % erwerbstätig wäre, liess die IV-Stelle in ihrer Stellungnahme zum
Einwand offen, da der sich bis zum Verfügungszeitpunkt verwirklichte
Sachverhalt massgebend sei. Dieser Entscheid erwuchs unangefochten
in Rechtskraft.
5. Nachdem A._ mit Schreiben vom 15. Mai 2017 erneut Interesse an
beruflichen Massnahmen bzw. einer Umschulung angemeldet hatte,
reichte sie mit Schreiben vom 12. Oktober 2017 bei der IV-Stelle eine
Aufstellung ihrer Vorstellungen für die Umschulung bzw. ein
Motivationsschreiben dafür ein. Mit Bericht vom 15. November 2017
wiesen Dr. med. H._ und die Psychologin O._ folgende
Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit aus: bipolare affektive
Störung, gegenwärtig mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F31.3),
bestehend seit 2013; psychische und Verhaltensstörungen durch Sedativa
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oder Hypnotika, Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F13.2), bestehend seit
Juni 2016; psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol,
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F10.2), bestehend seit Juni 2016; sowie
psychische und Verhaltensstörung durch Cannabinoide,
Abhängigkeitssyndrom (ICD-10 F12.2), bestehend seit Juni 2016. Sie
erachteten die bisherige Tätigkeit als Coiffeuse für nicht mehr zumutbar,
hingegen einen Einstieg in eine leidensangepasste Tätigkeit im Frühjahr
2018 mit sukzessiver Steigerung bis zu 60 % für möglich. Mit Bericht vom
23. April 2018 bestätigten sie bei verbessertem Gesundheitszustand, dass
eine adaptierte Tätigkeit im unterstützenden oder beraterischen Bereich in
reizarmer Umgebung mit Pausen- und Rückzugsmöglichkeiten im Umfang
von fünf Stunden pro Tag zumutbar sei.
6. Mit Mitteilungen vom 7. September 2018 und 14. März 2019 sprach die IV-
Stelle A._ ein Aufbautraining beim Verein P._ in Q._ vom
4. September 2018 bis zum 3. September 2019 an drei Halbtagen die
Woche zu, welches sie neben ihrer 20%igen Anstellung als Sigristin
absolvierte. Nachdem sie konstant gute Arbeitseinsätze gezeigt hatte,
wurde ihr mit Mitteilung vom 3. Januar 2019 zusätzlich ein
Bewerbungscoaching durch die Sulser & Partner AG gewährt. Als im
Frühling 2019 erneut Beschwerden an der Brust auftraten bzw. A._
sich am 4. September 2019 einer Brustoperation unterziehen musste und
zugleich keine Anstellung im ersten Arbeitsmarkt gefunden werden
konnte, wurden die beruflichen Massnahmen per 3. September 2019
abgeschlossen.
7. Am 20. November 2019 berichteten Dr. med. H._ und die
Psychologin O._, dass es bei A._ aufgrund der erneuten
Brustoperation und den damit einhergehenden einschneidenden
körperlichen Veränderungen zu einer Dekompensation der psychischen
Symptomatik gekommen sei. Derzeit sei sie jedoch wieder stabil. Zudem
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bestätigten sie abermals, dass eine adaptierte Tätigkeit während fünf
Stunden pro Tag zumutbar sei. Anlässlich der am 5. Februar 2020
durchgeführten Abklärung vor Ort gab A._ erneut an, dass sie ohne
Gesundheitsschaden zu 60 % als Coiffeuse und zu 20 % als Sigristin tätig
wäre. Für den Zeitraum bis zum 31. Dezember 2017 wurde insgesamt
eine Einschränkung von 6 % im Haushalt festgehalten, wohingegen ab
dem 1. Januar 2018 keine solche mehr festgestellt wurde.
8. In seiner Abschlussbeurteilung vom 10. Dezember 2019 wies RAD-Arzt
Dr. med. J._ gestützt auf die Einschätzungen des behandelnden
Psychiaters Dr. med. H._ eine seit Mai 2018 bestehende
Arbeitsfähigkeit von fünf Stunden pro Tag in adaptierter Tätigkeit (reizarme
Umgebung, mit Pausen und Rückzugsmöglichkeiten) aus, während er
hinsichtlich der bisherigen Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit
dem 8. November 2017 festhielt. Zudem hielt er in seinen Beurteilungen
vom 24. Februar und 10. März 2020 die Schlussfolgerungen des
Haushaltsabklärungsberichts aufgrund der Verbesserung der psychischen
Situation und der Brustproblematik nach der Operation im September
2019 für plausibel.
9. Mit Vorbescheid vom 10. März 2020 stellte die IV-Stelle A._ die
Abweisung des Leistungsbegehrens in Aussicht. Bei einem gestützt auf
die bisherige Tätigkeit als Coiffeuse bzw. Sigristin ermittelten, auf ein
volles Pensum aufgerechneten Valideneinkommen von CHF 58'328.-- und
einem anhand einer weiterhin bestehenden Arbeitsfähigkeit von 60 % in
adaptierter Tätigkeit bemessenen Invalideneinkommen von CHF 33'369.--
auf Basis der Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik
für das Jahr 2016, Kompetenzniveau 1, Frauen, resultiere in Anwendung
der gemischten Methode bei einer Gewichtung des Erwerbbereichs von
80 % und einer fehlenden Einschränkung im zu 20 % veranschlagten
Haushaltsbereichs aufgrund eines Invaliditätsgrades von 34.4 % kein
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Rentenanspruch. Dagegen liess A._ am 24. April 2020 Einwand
erheben, welchem eine Bestätigung von Frau R._ von der
psychiatrischen Spitex vom 22. April 2020 beilag, worin Letztere
bestätigte, dass A._ am 5. Februar 2020 gegenüber dem
Abklärungsdienst mitgeteilt habe, dass sie in einem 100 % Pensum
arbeiten würde, wenn sie gesund wäre. Mit Verfügung vom 15. Juni 2020
entschied die IV-Stelle wie vorbeschieden und verneinte einen Anspruch
auf eine Invalidenrente.
10. Mit dagegen erhobener Beschwerde vom 29. Juli 2020 beantragte
A._ (nachfolgend Beschwerdeführerin) neben der Aufhebung der
Verfügung vom 15. Juni 2020, ihr sei bei einem Invaliditätsgrad von
mindestens 43 % eine Invalidenrente ab wann rechtens zuzusprechen. In
formeller Hinsicht beantragte sie, es sei eine mündliche Verhandlung
durchzuführen und Frau R._ als Auskunftsperson bzw. Zeugin
einzuvernehmen. Zur Begründung brachte sie im Wesentlichen vor, aus
ihrem Lebens- und Arbeitsverlauf sowie der Bestätigung von Frau
R._ ergebe sich glaubwürdig, dass sie bei vollständiger Gesundheit
spätestens ab dem 16. Altersjahr ihres jüngeren Kindes zu 100 %
erwerbstätig gewesen wäre. Zudem hinterlasse der Bericht zur Abklärung
vor Ort am 5. Februar 2020 den Eindruck einer lückenhaften,
widersprüchlichen und nicht nachvollziehbaren Abklärung, weshalb diese
zu wiederholen sei.
11. Die IV-Stelle (nachfolgend Beschwerdegegnerin) schloss in ihrer
Vernehmlassung vom 31. August 2020 auf Abweisung der Beschwerde
und vertiefte ihre bereits in der angefochtenen Verfügung angebrachte
Begründung anhand der beschwerdeführerischen Vorbringen. Die
Beschwerdeführerin replizierte am 14. September 2020 bei unveränderten
Rechtsbegehren. Die Beschwerdegegnerin duplizierte am 18. September
2020.
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Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtene Verfügung vom 15. Juni 2020 sowie die weiteren Akten
wird, sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 15. Juni 2020. Eine solche
Anordnung, die laut Bundesrecht der Beschwerde an das
Versicherungsgericht am Ort der verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann
beim Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden als das örtlich und
sachlich zuständige Versicherungsgericht angefochten werden (vgl.
Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG;
BR 370.100] i.V.m. Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung [IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formelle und materielle
Verfügungsadressatin ist die Beschwerdeführerin von der angefochtenen
Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein schutzwürdiges Interesse an
deren Aufhebung oder Änderung. Sie ist somit zur Beschwerdeerhebung
legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Die Beschwerde wurde
zudem frist- und formgerecht eingereicht (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60
Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 38 f. sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit
einzutreten.
2. Vorliegend ist strittig, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht einen
Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Invalidenrente verneint hat.
Uneinigkeit zwischen den Parteien besteht namentlich betreffend die
anwendbare Methode zur Bemessung des Invaliditätsgrades sowie die
vorhandene Einschränkung im Haushalt. Unbestritten sind demgegenüber
die von der Beschwerdegegnerin angenommenen Einschränkungen der
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Arbeitsfähigkeit von 40 % in einer adaptierten Tätigkeit (Arbeiten in einer
reizfreien Umgebung mit Pausen- und Rückzugsmöglichkeiten) bzw. im
Erwerbsbereich sowie die der Invaliditätsbemessung zugrunde gelegten
Validen- und Invalideneinkommen.
3. Zunächst ist auf die formellen Einwände einzugehen:
4. Die Beschwerdeführerin rügt im Zusammenhang mit der Beurteilung der
Statusfrage (Voll- oder teilzeitliche Erwerbstätigkeit mit anerkanntem
Aufgabenbereich) durch die Beschwerdegegnerin bzw. dem Umfang der
Erwerbstätigkeit der Beschwerdeführerin im Gesundheitsfalle eine
Verweigerung ihres Anspruches auf rechtliches Gehör. So soll die
Beschwerdegegnerin sie mit Blick auf die Statusfrage namentlich nicht
hinsichtlich ihrer finanziellen und familiären Verhältnisse angehört haben.
Zudem soll die Beschwerdegegnerin in rechtsverweigernder Weise zu
Unrecht ihre Prüfungsbefugnis beschränkt haben, indem sie es als nicht
nachvollziehbar erachtet habe, dass eine geschiedene Mutter mit zwei
Kindern (auch aufgrund ihrer finanziellen Situation) zuerst zu 80 %
erwerbstätig gewesen sei soll und dieses Arbeitspensum (spätestens ab
2018) auf 100 % aufgestockt hätte, sobald die Kinder eine gewisse
Selbstständigkeit (im Alter von 16 Jahren) erreicht haben. Hinzu komme,
dass im Jahr 2016 die Tochter im Alter von 16 Jahren bereits zum Vater
gezogen sei.
4.1. Die Beschwerdeführerin machte bereits im Einwand vom 24. April 2020
(siehe IV-act. 237 S. 3 ff.) geltend, dass die von der Beschwerdegegnerin
angenommene Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle von 80 % auf ein
Missverständnis (anlässlich der Haushaltsabklärung) zurückgeführt
werden müsse. Trotz Intervention im Einwand vom 17. (recte 15.) Februar
2017 (siehe IV-act. 147 S. 2 f.) betreffend der angenommenen
Erwerbstätigkeit von nur 80 % im Gesundheitsfall sei wiederum dieses
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Erwerbspensum – neben einer Tätigkeit im Haushalt im Umfang von 20 %
– für die Statusbestimmung unkritisch aus den Akten übernommen
worden. Die Beschwerdeführerin habe anlässlich der Haushaltsabklärung
vom 5. Februar 2020 klar kommuniziert, dass sie im Gesundheitsfalle zu
100 % erwerbstätig wäre. Nachdem sie in der Haushaltabklärung im
Nachhinein wiederum den falschen, von der Beschwerdegegnerin
angenommenen teilzeitlichen Erwerbsstatus erkannt habe, habe sie sich
bei der anlässlich der Haushaltsabklärung anwesenden
Spitexkrankenschwester Frau R._ vergewissert, ob sie sich falsch
ausgedrückt hätte. Mit Schreiben vom 22. April 2020 bestätigte Frau
R._, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der Haushaltsabklärung
vom 5. Februar 2020 mittgeteilt habe, dass sie zu 100 % arbeiten würde,
wenn sie gesund wäre (siehe IV-act. 237 S. 6). Zu diesem
Missverständnis könne es gekommen sein, weil sie die seit 2008
ausgeübte Tätigkeit als Sigristin im Umfang von 20 % auf keinen Fall
verlieren möchte, da es ihr allergrösste Freude mache, diese Tätigkeit
auszuüben. Darum hätte sie immer nur eine 80 %-Anstellung in einem
anderen Bereich gesucht. Es sei zu vermuten, dass diese Aussage falsch
aufgenommen worden sei. Schliesslich ergebe sich auch aus der
Erwerbsbiografie sowie der familiären und finanziellen Situation, dass die
Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall mit zunehmender Selbständigkeit
der Kinder das Arbeitspensum (spätestens ab 1. August 2018; Erreichen
des sechzehnten Lebensjahres ihres jüngsten Kindes sowie Wegfall des
nachehelichen Unterhalts) auf 100 % gesteigert hätte.
4.2. In der angefochtenen Verfügung vom 15. Juni 2020 hielt die
Beschwerdegegnerin dazu fest, dass sie aufgrund des
Haushaltsabklärungsberichtes vom 12./19. Februar 2020 (siehe IV-
act. 230) sowie dem von der Beschwerdeführerin unterschriebenen
Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" vom
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5. Februar 2020 (siehe IV-act. 229) zum Schluss gekommen sei, dass sie
im Gesundheitsfall zu 80 % erwerbstätig und zu 20 % im Haushalt tätig
wäre. Dem Einwand vom 24. April 2020 könne nicht gefolgt werden. Das
Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" sei klar
formuliert und die Beschwerdeführerin habe darauf bestätigt, dass sie
ohne Gesundheitsschaden zu 60 % als Coiffeuse und zu 20 % als Sigristin
arbeiten würde. Zudem sei dieses Formular auch von der anwesenden
Spitexkrankenschwester Frau R._ unterzeichnet worden. In
Anbetracht dieser lebensecht erscheinenden und von ihr unterschriftlich
bestätigten Aussagen müsse festgestellt werden, dass sich der Verdacht
aufdränge, wonach bei der Verfassung des Einwands Überlegungen
versicherungsrechtlicher Natur den Sinneswandel bewirkt hätten. Zudem
wies die Beschwerdegegnerin auf die Beweismaxime hin, wonach
"Aussagen der ersten Stunde" in der Regel unbefangener und
zuverlässiger seien, als spätere Darstellungen, die bewusst oder
unbewusst von Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art
beeinflusst sein könnten (siehe BGE 121 V 45 E.2a und 115 V 143 E.8c).
Demnach sei zu Recht die gemischte Methode mit einer Gewichtung des
Erwerbsbereichs von 80 % zur Anwendung zu bringen. Daran vermöge
auch die Bestätigung von Frau R._ vom 22. April 2020 nichts zu
ändern, wiederspreche diese doch auch dem von ihr am 5. Februar 2020
unterschriebenen Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" (siehe IV-act. 240 S. 3 f.).
4.3. Die aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör gemäss Art. 29 Abs. 2 der
Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft (BV; SR 101)
fliessende Begründungspflicht verlangt nicht, dass sich die entscheidende
Behörde mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und
jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Sie darf sich auf das für
den Entscheid Wesentliche beschränken. Den Betroffenen muss es aber
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immerhin möglich sein, sich über die Tragweite des Entscheides
Rechenschaft zu geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die
nächsthöhere Instanz weiterzuziehen. Der Entscheid hat also zumindest
kurz die Überlegungen zu nennen, von denen sich die entscheidende
Behörde leiten liess und worauf sie ihren Entscheid stützt (siehe BGE 141
III 28 E.3.2.4, 138 I 232 E.5.1, 137 II 266 E.3.2, 136 I 229 E.5.2, 134 I 83
E.4.1 und 129 I 232 E.3.2).
4.4. Wie in der vorstehenden Erwägung 4.2 dargelegt, ging die
Beschwerdegegnerin detailliert auf die im Einwand vom 24. April 2020
erhobene Kritik betreffend den Status der Beschwerdeführerin bzw. den
Umfang der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfalle ein und legte ihre
Gründe für das Festhalten am Vorbescheid dar. Insofern ist nicht
ersichtlich, weshalb der Anspruch der Beschwerdeführerin auf rechtliches
Gehör verletzt worden sein soll. Die Frage, ob die Beschwerdegegnerin
die Beschwerdeführerin zu Recht als teilerwerbstätig qualifiziert und
dementsprechend die gemischte Methode zur Invaliditätsbemessung
angewandt hat, ist vielmehr eine Frage des materiellen Rechts. Darauf
wird in den nachfolgenden Erwägungen 6.1 ff. eingegangen. Die
beschwerdeführerische Rüge der Verletzung ihres
Begründungsanspruches bzw. desjenigen auf rechtliches Gehör erweist
sich insofern als unbegründet.
5. Die Beschwerdeführerin verlangt in formeller Hinsicht des Weiteren, es sei
eine mündliche Verhandlung durchzuführen, anlässlich derer (in
Anwendung von Art. 12 Abs. 1 lit. d VRG) sie als Partei und Frau R._
als Auskunftsperson bzw. Zeugin zu befragen sei. In der Duplik vom
18. September 2020 erachtet die Beschwerdegegnerin einen Verzicht auf
die Befragung von Frau R._ – aufgrund der bereits in der
vorstehenden Erwägung 4.2 festgehaltenen Ausführungen – in
antizipierter Beweiswürdigung als zulässig.
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5.1. Nach Art. 6 Ziff. 1 der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und
Grundfreiheiten (EMRK; SR 0.101) hat jedermann Anspruch darauf, dass
seine Sache in billiger Weise öffentlich und innerhalb einer angemessenen
Frist von einem unabhängigen und unparteiischen, auf Gesetz
beruhenden Gericht gehört wird, das über zivilrechtliche Ansprüche und
Verpflichtungen oder über die Stichhaltigkeit der gegen ihn erhobenen
strafrechtlichen Anklage zu entscheiden hat. Die Öffentlichkeit des
Verfahrens soll dazu beitragen, dass die Garantie auf ein "faires
Verfahren" tatsächlich umgesetzt wird (siehe BGE 142 I 188 E.3.1.1).
Vorliegend sind zivilrechtliche Ansprüche im Sinne dieser Norm streitig
(siehe BGE 136 I 279 E.1 m.H.a. 122 V 47 E.2a). Das kantonale Gericht,
welchem es primär obliegt, die Öffentlichkeit der Verhandlung zu
gewährleisten (siehe dazu BGE 136 I 279 E.1 m.H.a. 122 V 47 E.3), hat
bei Vorliegen eines klaren und unmissverständlichen Parteiantrags
grundsätzlich eine öffentliche Verhandlung durchzuführen (siehe BGE 136
I 279 E.1 m.H.a. 122 V 47 E.3a f.). Ein während des ordentlichen
Schriftenwechsels gestellter Antrag gilt dabei als rechtzeitig (siehe
BGE 134 I 331 E.2.3.1 ff.; vgl. auch BGE 122 V 47 E.3b/bb; vgl. zum
Ganzen: Urteile des Bundesgerichts 8C_221/2020 vom 2. Juli 2020 E.2.1,
8C_751/2019 vom 25. Februar 2020 E.2.1, 8C_722/2019 vom 20. Februar
2020 E.2.1 und 8C_723/2016 vom 30. März 2017 E.2.1 f.).
Von einer ausdrücklich beantragten öffentlichen Verhandlung kann
abgesehen werden, wenn der Antrag der Partei als schikanös erscheint
oder auf eine Verzögerungstaktik schliessen lässt und damit dem
Grundsatz der Einfachheit und Raschheit des Verfahrens zuwiderläuft
oder sogar rechtsmissbräuchlich ist (siehe BGE 136 I 279 E.1 m.H.a. 122
V 47 E.3b/cc). Gleiches gilt, wenn sich ohne öffentliche Verhandlung mit
hinreichender Zuverlässigkeit erkennen lässt, dass eine Beschwerde
offensichtlich unbegründet oder unzulässig ist (siehe BGE 136 I 279 E.1
- 14 -
m.H.a. 122 V 47 E.3b/dd). Als weiteres Motiv für die Verweigerung einer
beantragten öffentlichen Verhandlung fällt die hohe Technizität der zur
Diskussion stehenden Materie in Betracht, was etwa auf rein rechnerische,
versicherungsmathematische oder buchhalterische Probleme zutrifft,
wogegen andere dem Sozialversicherungsrecht inhärente
Fragestellungen materiell- oder verfahrensrechtlicher Natur wie die
Würdigung medizinischer Gutachten in der Regel nicht darunterfallen.
Schliesslich kann das kantonale Gericht von einer öffentlichen
Verhandlung absehen, wenn es auch ohne eine solche aufgrund der Akten
zum Schluss gelangt, dass dem materiellen Rechtsbegehren der
bezüglich der Verhandlung Antrag stellenden Partei zu entsprechen ist
(siehe BGE 136 I 279 E.1 m.H.a. 122 V 47 E.3b/ee und 3b/ff.; vgl. zum
Ganzen: Urteile des Bundesgerichts 8C_221/2020 vom 2. Juli 2020 E.2.2,
8C_751/2019 vom 25. Februar 2020 E.2.2, 8C_722/2019 vom 20. Februar
2020 E.2.2 und 8C_723/2016 vom 30. März 2017 E.2.3).
5.2. Im vorliegenden Fall findet sich zwar unter Ziffer I.B.1 der Beschwerde
vom 29. Juli 2020 der formelle Verfahrensantrag, es sei eine mündliche
Verhandlung durchzuführen. In der Begründung wird indes angeführt,
dass als Beleg für die Glaubwürdigkeit der Aussage der
Beschwerdeführerin (zur hypothetischen Erwerbstätigkeit im
Gesundheitsfall) und der Spitexkrankenschwester der Beweisantrag der
Parteibefragung und der Befragung als Auskunftsperson bzw. als Zeugin
gestellt werde. Dies sei im Verwaltungsgerichtsverfahren gemäss Art. 12
Abs. 1 lit. d VRG möglich. Zum Zweck der Befragung der
Beschwerdeführerin werde die Durchführung einer Gerichtsverhandlung
beantragt (siehe Beschwerde vom 29. Juli 2020 S. 10). Damit
übereinstimmend wird auf S. 5 der Beschwerde die Befragung von Frau
R._ als Auskunftsperson bzw. Zeugin offeriert (siehe auch
Beweismittelverzeichnis vom 29. Juli 2020). Der Öffentlichkeitsgrundsatz
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räumt rechtsprechungsgemäss keinen Anspruch auf eine öffentliche
Hauptverhandlung ein, wenn damit – wie vorliegend – primär eine
Beweisabnahme, d.h. eine Partei- und Zeugenbefragung, angestrebt wird
(vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_221/2020 vom 2. Juli 2020 E.3.2,
8C_751/2019 vom 25. Februar 2020 E.3.2, 8C_722/2019 vom 20. Februar
2020 E.3.2, 8C_64/2017 vom 27. April 2017 E.4.2 und 8C_723/2016 vom
30. März 2017 E.3.2). Indem im hier zu beurteilenden Fall der Antrag auf
Durchführung einer öffentlichen Verhandlung explizit zum Zweck der
Beweisabnahme (Befragung der Beschwerdeführerin resp. Befragung von
Frau R._ als Auskunftsperson bzw. Zeugin; siehe insbesondere
Beschwerde vom 29. Juli 2020 S. 10 und Replik vom 14. September 2020
S. 4) sowie ohne Bezugnahme auf die Verfahrensgarantie gemäss Art. 6
Abs. 1 EMRK gestellt wurde und keine weiteren Gründe dafür angeführt
worden sind, liegt mithin ein auf eine reine Beweisvorkehr gerichtetes
Begehren vor, dem das streitberufene Gericht nicht stattgeben kann, ohne
dabei gegen die Verfahrensgarantien der EMRK zu verstossen (vgl.
Urteile des Bundesgerichts 8C_751/2019 vom 25. Februar 2020 E.3.1 f.,
8C_723/2016 vom 30. März 2017 E.3.2 und 8C_338/2016 vom
21. November 2016 E.2.1). Anders zu entscheiden würde im Ergebnis
darauf hinauslaufen, dass über eine konventionsrechtliche Garantie eine
Beweisabnahme erzwungen werden könnte, worauf der
Öffentlichkeitsgrundsatz keinen Anspruch verleiht. Namentlich wurde
vorliegend im Unterschied zum Sachverhalt im Urteil des Bundesgerichts
8C_751/2019 vom 25. Februar 2020 nicht – neben klarerweise auf eine
Beweisabnahme gerichtete Begehren – explizit Art. 6 Ziff. 1 EMRK
angerufen und auch kein spezifischer Grund für das Begehren auf eine
öffentliche Verhandlung angegeben, wie etwa der Umstand einer
langjährigen Überwachungsmassnahme durch die IV-Stelle, wovon die
Öffentlichkeit Kenntnis erhalten solle. Unklarheiten, welche das Gericht
betreffend eine öffentliche Verhandlung (gemäss dem formellen
- 16 -
Verfahrensantrag I.B.1 in der Beschwerde vom 29. Juli 2020) zur
Rückfrage hätten bewegen müssen (vgl. dazu Urteil des Bundesgerichts
8C_751/2019 vom 25. Februar 2020 E.3.2 m.H.a. BGE 127 I 44 E.2e/bb
und Urteil des Bundesgerichts 8C_64/2017 vom 27. April 2017 E.4.2), sind
vorliegend aus den vorstehend dargelegten Gründen ebenfalls nicht
gegeben. Insofern wird der formelle Verfahrensantrag I.B.1 auf
Durchführung einer mündlichen (Gerichts-)Verhandlung abgelehnt.
Ebenso kann – wie in den nachfolgend Erwägungen 6.2 ff. noch aufgezeigt
wird – auf die Abnahme der beantragten Beweisvorkehren in antizipierter
Beweiswürdigung verzichtet werden.
6. In materieller Hinsicht ist zuerst auf die für die Frage der Methodenwahl
massgebende Statusfrage einzugehen. Während die
Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung in Anwendung der
gemischten Methode mit einer Gewichtung der Anteile Erwerb und
Haushalt von 80 % zu 20 % ausging, wendet die Beschwerdeführerin ein,
sie wäre bei voller Gesundheit zu 100 % erwerbstätig, weshalb der
Invaliditätsgrad anhand der allgemeinen Methode des
Einkommensvergleichs zu bemessen sei.
6.1. Die Methode der Invaliditätsbemessung im (hypothetischen)
Gesundheitsfall richtet sich praxisgemäss danach, welche Tätigkeit die
versicherte Person im Zeitpunkt der massgebenden Rentenverfügung
ausüben würde, wenn sie nicht invalid geworden wäre. Die für die
Methodenwahl entscheidende Statusfrage (vollzeitliche, teilzeitliche
Erwerbstätigkeit oder Nichterwerbstätigkeit bzw. Tätigkeit in anerkanntem
Aufgabenbereich) beurteilt sich danach, was die versicherte Person bei im
Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine gesundheitlichen
Beeinträchtigungen bestünden. Entscheidend ist also nicht, welches
Ausmass an Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall zumutbar wäre, sondern
in welchem Pensum sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Insbesondere bei
- 17 -
im Haushalt tätigen Versicherten sind die persönlichen, familiären,
sozialen und erwerblichen Verhältnisse sowie allfällige Erziehungs- und
Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die beruflichen
Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und
Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse wie
sie sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügung entwickelt haben,
und die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall ausgeübten
(Teil-)Erwerbstätigkeit hat überwiegend wahrscheinlich zu sein. Die
zwangsläufig hypothetischen Beurteilungen (des Geschehensablaufes),
die auch hypothetische Willensentscheidungen der versicherten Person
berücksichtigen, sind wesensgemäss keiner direkten Beweisführung
zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien sowie
allenfalls Schlussfolgerungen auf Basis der allgemeinen Lebenserfahrung
abgeleitet werden. Dabei kann auch auf die Beweisregel hingewiesen
werden, wonach Aussagen der ersten Stunde in der Regel
beweistauglicher sind als spätere Aussagen, welche von nachträglichen
Überlegungen versicherungsrechtlicher oder anderer Art beeinflusst sein
können (vgl. zum Ganzen BGE 144 I 28 E.2.3 f., 141 V 15 E.3.1 f. und 137
V 334 E.3.2; Urteile des Bundesgerichts 8C_29/2020 vom 19. Februar
2020 E.5.3.2, 9C_161/2019 vom 28. Juni 2019 E.5.2 f. und 5.4.3,
8C_145/2018 vom 8. August 2018 E.5.1, 9C_671/2017 vom 12. Juli 2018
E.3.3.1 f. und 9C_92/2018 vom 12. April 2018 E.2.1 m.H.a. BGE 133 V
504 E.3.3). Mithin sind für die Beantwortung der Statusfrage im
Gesundheitsfall verschiedene Aspekte zu berücksichtigen, wozu neben
dem Vorgenannten und der finanziellen Notwendigkeit namentlich auch
die Erwerbskarriere zu zählen ist. Die in jedem Fall hypothetische Frage
nach dem (Erwerbs-)Status einer versicherten Person – unter
Berücksichtigung der sich bis zum Verfügungserlass verwirklichten
Gegebenheiten – ist also aufgrund einer umfassenden Betrachtungsweise
zu beurteilen (vgl. Urteile des Verwaltungsgerichts des Kantons
- 18 -
Graubündens [VGU] S 19 105 vom 6. August 2020 E.4.1 und S 19 63 vom
14. Juli 2020 E.3.1 und 3.4).
6.2. Die Beschwerdeführerin bringt gegen die Anwendung der gemischten
Methode (vgl. Art. 28a Abs. 3 IVG i.V.m. Art. 16 ATSG und Art. 28a Abs. 2
IVG) vor, das Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit"
sei ihr zu Beginn der Haushaltsabklärung vorgelegt worden, als sie die
Unterzeichnung noch abgelehnt habe. Am Ende sei ihr dieses Formular
nochmals vorgelegt und zugesichert worden, dass die Unterzeichnung nur
für die Akten wäre und keine Rolle spielen würde. Sie habe sodann dieser
Unterzeichnung keine Bedeutung zugemessen, nachdem sie klar
kommuniziert gehabt habe, dass sie bei vollkommener Gesundheit zu
100 % arbeiten würde. Nachdem auch die Spitexkrankenschwester, Frau
R._, (im Rahmen des Einwandverfahrens mit Schreiben vom 22. April
2020 [siehe IV-act. 237 S. 6]) unterschriftlich bestätigt habe, dass sie –
gemeint die Beschwerdeführerin – gegenüber den Abklärenden eine
100%ige Erwerbstätigkeit bei voller Gesundheit angegeben habe, könne
es sich bei der Unterzeichnung nur um einen Irrtum gehandelt haben. Es
sei auch keineswegs so, dass sie erst im Nachhinein andere
Darstellungen gemacht habe. Vielmehr habe sie sich bereits im Jahr 2013
ausdrücklich dahingehend geäussert, dass sie wegen der beiden Kinder
nicht 100 % arbeiten könne (siehe Case-Report-Eintrag betreffend IV-
Vorgeschichte vom 5. September 2013 [IV-act. 241 S. 3 f.]). Im Weiteren
spreche auch ihre Lebensgeschichte dafür, dass sie im Gesundheitsfall
mit Sicherheit ab 2018 zu 100 % gearbeitet hätte, habe sie doch bereits
zu 70 % bzw. 80 % gearbeitet als ihre Kinder noch sieben und neun bzw.
zwölf und vierzehn Jahre alt gewesen seien. Auch die finanzielle Situation
nach der Scheidung lasse klar erkennen, dass sie auf zusätzliches
Einkommen angewiesen gewesen sei. Zudem habe sich die abklärende
Fachperson, welcher im Abklärungsbericht auch Namensfehler
- 19 -
unterlaufen seien, noch in Ausbildung befunden und daher nicht über die
erforderliche Erfahrung verfügt. So sei es denn auch ohne weiteres
möglich, dass sie im Hinblick auf die Frage nach der Erwerbstätigkeit bei
voller Gesundheit diese Frage nicht genügend erklärt oder deutlich genug
gestellt habe. Die Beschwerdegegnerin habe die finanziellen Verhältnisse
sowie die Erziehungs- und Betreuungsaufgaben der Kinder in keinster
Hinsicht berücksichtigt. Deren Ansicht zufolge sei es auch nicht
nachvollziehbar, dass eine geschiedene Mutter mit zwei Kindern zu 80 %
erwerbstätig sei und diesen bereits sehr hohen Prozentsatz noch
aufstocken würde, sobald die Kinder eine gewisse Selbstständigkeit
erreicht hätten. Ergänzend dazu führte die Beschwerdeführerin in der
Replik vom 14. September 2020 aus, die Unterhaltszahlungen des
geschiedenen Ehegattens hätten nur bis zum Jahr 2018 angedauert,
wobei diese Zahlungen am Schluss nur noch CHF 990.75 monatlich und
ihr eigenes Einkommen als Sigristin und Coiffeuse ca. CHF 1'500.-- pro
Monat betragen hätten. Ab 2018 habe sie dann nur noch über Letzteres
verfügt. Wichtig zu berücksichtigen sei auch die Motivation, welche sie für
die Angaben zur Teilerwerbstätigkeit gemacht habe. So habe sie bereits
anlässlich der ersten Haushaltsabklärung vom 24. November 2016 im
Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" angegeben,
dass sie aus Freude, Spass, Geld, Anerkennung und Unabhängigkeit
einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde. Spätestens ab 2018 sei ihr
Einkommen weit unter dem Existenzminimum gelegen. Schliesslich leide
sie aufgrund ihrer psychischen Erkrankung an Konzentrationsschwächen
und sei im Zeitpunkt des Abklärungsberichts unter
Medikamenteneinwirkung gestanden, was die unbedarfte Unterzeichnung
des Formulars erkläre.
6.3.1. Zwar ist zugunsten der Beschwerdeführerin zu würdigen, dass sie in
gesundheitlich stabilen Phasen vor ihrer Erkrankung im Sommer 2013
- 20 -
durchaus in der Lage war, als alleinerziehende Mutter in einem hohen
Pensum erwerbstätig zu sein (vgl. hierzu auch der psychiatrische RAD-
Abklärungsbericht vom 8. August 2016 von Dr. med. I._, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie sowie zertifizierter medizinischer
Gutachter SIM [IV-act. 131 S. 9 f.]). So ist aktenkundig, dass sie neben
ihrer seit dem 1. Mai 2008 ausgeübten Tätigkeit als Sigristin im Umfang
von 20 % (vgl. hierzu Anmeldung zum Leistungsbezug vom 3. September
2013 [IV-act. 15], Fragebogen für Arbeitgebende vom 26. September
2013 [IV-act. 30 S. 2], psychiatrische RAD-Abklärung vom 21. Oktober
2014 von Dr. med. I._ [IV-act. 77 S. 3], IK-Auszug vom 13. Dezember
2016 [IV-act. 141 S. 2]) ab dem 1. Mai 2009 zusätzlich als Coiffeuse
gearbeitet hat, zunächst in einem Pensum von 50 % (vgl. Arbeitsvertrag
vom 1. Juli 2009 [IV-act. 35 S. 9]) und ab dem 1. Januar 2013 in einem
solchen von rund 60 % (vgl. Fragebogen für Arbeitgebende vom
25. September 2013 [IV-act. 35 S. 2]), bevor ihr per Ende September 2013
aus wirtschaftlichen Gründen gekündigt wurde (vgl. Kündigungsschreiben
vom 30. Juli 2013 [IV-act. 32]). Ihre beiden Kinder (Jahrgänge 2000 und
2002 [vgl. IV-act. 29]) waren damals, als sie ab dem 1. Mai 2009 zu
insgesamt 70 % erwerbstätig war, erst gut acht bzw. knapp sieben Jahre
alt; anfangs 2013, als sie gesamthaft in einem Pensum von 80 % arbeitete,
knapp zehneinhalb Jahre bzw. etwas über zwölf Jahre alt. Anlässlich ihrer
Tätigkeit als Coiffeuse leistete sie zudem sehr viele Überstunden (vgl.
Aktennotiz vom 5. September 2013 [IV-act. 19], Verlaufsprotokoll
Eingliederung, Eintrag vom 9. Oktober 2013 [IV-act. 44 S. 2]), was denn
letztlich auch zu einer Überforderung führte und zur erlittenen
Erschöpfungsdepression beitrug (vgl. Bericht von Dr. med. F._ vom
23. September 2013 [IV-act. 27 S. 2], Evaluationsgespräch Eingliederung
vom 24. September 2013 [IV-act. 33 S. 1], psychiatrische RAD-Abklärung
vom 21. Oktober 2014 von Dr. med. I._ [IV-act. 77 S. 3 f. und 5]).
Ferner ist aktenmässig erstellt, dass sie sich nach der Geburt ihrer Kinder
- 21 -
zunächst ganz aus dem Erwerbsleben zurückzog (vgl. Anmeldung zum
Leistungsbezug vom 23. Dezember 2007 [IV-act. 1 S. 6],
Evaluationsgespräch Eingliederung vom 24. September 2013 [IV-act. 33
S. 2], rheumatologische RAD-Abklärung vom 21. Oktober 2014 von
Dr. med. J._, Facharzt für Rheumatologie und Innere Medizin,
Physikalische Medizin und Rehabilitation sowie zertifizierter medizinischer
Gutachter SIM [IV-act. 77 S. 9], IK-Auszug vom 13. Dezember 2016 [IV-
act. 141]), bevor sie nach der Trennung von ihrem damaligen Ehemann
beruflich wieder einstieg, aufgrund ihrer Betreuungs- und
Unterstützungspflichten gegenüber ihren Kindern jedoch keine
vollzeitliche Anstellung annehmen konnte (vgl. Aktennotiz vom
5. September 2013 [IV-act. 19], psychiatrischer RAD-Abklärungsbericht
vom 8. August 2016 von Dr. med. I._ [IV-act. 131 S. 5]). Insofern
spräche ihre bisherige Erwerbskarriere als alleinerziehende Mutter
grundsätzlich für die Ausübung einer hochprozentigen Erwerbstätigkeit im
hypothetischen Gesundheitsfall, wobei es nicht abwegig erschiene, wenn
sie bei guter Gesundheit bei Beendigung der obligatorischen Schulzeit
ihres jüngsten Kindes bzw. mit Vollendung dessen 16. Lebensjahres ab
August 2018 eine Steigerung auf ein Vollzeitpensum unternommen hätte.
Dies brachte sie denn auch bereits so in ihrem Einwand vom 15. Februar
2017 vor (siehe IV-act. 147 S. 2 ff.). Daher erstaunt es umso mehr, wenn
die Beschwerdeführerin anlässlich der Abklärung vor Ort am 5. Februar
2020 – als ihr jüngeres Kind gar schon gut siebzehneinhalb Jahre alt war
– wie bereits im Rahmen der Haushaltsabklärung vom 24. November 2016
(vgl. IV-act. 137, IV-act. 138 S. 3 und IV-act. 138 S. 8) erneut angab, sie
wäre ohne Gesundheitsschaden zu 60 % als Coiffeuse und zu 20 % als
Sigristin tätig (vgl. Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" vom 5. Februar 2020 [IV-act. 229] und Abklärungsbericht
Haushalt vom 12./19. Februar 2020 [IV-act. 230 S. 2, 4 und 12]). Damit
widersprach sie ihrer zuvor vertretenen Ansicht, wonach sie bei voller
- 22 -
Gesundheit nach Vollendung des 16. Altersjahres ihres jüngsten Kindes
(ab August 2018) zu 100 % erwerbstätig wäre, weshalb diese auch in der
Beschwerde vertretene Auffassung zu relativieren ist.
6.3.2. Die Beschwerdeführerin kann auch nichts daraus ableiten, als sie
vorbringt, ihr sei bei der Unterzeichnung des Formulars "Bestätigung der
Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" zugesichert worden, dass dies nur für die
Akten wäre und keine Rolle spielen würde, weshalb sie der
Unterzeichnung keine Bedeutung zugemessen habe, nachdem sie klar
kommuniziert haben will, dass sie bei voller Gesundheit zu 100 % arbeiten
würde, was auch die Spitexkrankenschwester, Frau R._, (in ihrem
Schreiben vom 22. April 2020) unterschriftlich bestätigt habe. Vielmehr ist
der Beschwerdegegnerin darin beizupflichten, dass es der allgemeinen
Lebenserfahrung entspricht, dass unterschriebene Dokumente im
Rechtsverkehr gegenüber Behörden bedeutsam sind, und die Unterschrift
insofern bezeugt, dass der Inhalt des betreffenden Dokuments dem Willen
der Unterzeichnenden entspricht. Daher mutet es sehr sonderbar an,
wenn die Beschwerdeführerin behauptet, ihr sei von den
Abklärungspersonen zugesichert worden, dass die Unterzeichnung des
Formulars "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" keine
Bedeutung hätte, kommt diesem Dokument in der Praxis doch gerade bei
Haushaltsabklärungen in beweisrechtlicher Hinsicht eine wichtige
Funktion zu. Zudem erscheint es wenig glaubwürdig, dass die
Beschwerdeführerin in einem handschriftlich auszufüllenden Formular
unterschriftlich bestätigt hätte, dass sie im hypothetischen Gesundheitsfall
zu 60 % als Coiffeuse und zu 20 % als Sigristin tätig wäre, wenn sie zuvor
noch klar die Auffassung kommuniziert haben sollte, bei guter Gesundheit
zu 100 % zu arbeiten. Hinzu kommt, dass dieses Vorbringen erstmals im
vorliegenden Verfahren geltend gemacht worden ist und im Rahmen des
Einwandes vom 24. April 2020 noch nicht thematisiert worden war, obwohl
- 23 -
auch schon damals die Anwendung der gemischten Methode bzw. die
Erwerbstätigkeit von (nur) 80 % im Gesundheitsfall gestützt auf das am
5. Februar 2020 anlässlich der Abklärung vor Ort ausgefüllten Formular
"Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit" bzw. den
Abklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 seitens der
Beschwerdeführerin ausführlich kritisiert und ein Missverständnis geltend
gemacht worden war (siehe IV-act. 229 f., 234 S. 2 und IV-act. 237 S. 2
ff.). Erst als die Beschwerdegegnerin in der angefochtenen Verfügung vom
15. Juni 2020 betreffend die im Einwand vom 24. April 2020 angeführte
Begründung für das Missverständnis (neben dem 20 %-Pensum als
Sigristin hätte die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall eine
Pensumsergänzung von 80 % in einem anderen Bereich gesucht) darauf
hingewiesen hatte, dass im Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" neben einem 20 %-Pensum als Sigristin explizit ein seitens
der Beschwerdeführerin (und der ebenfalls anwesenden
Spitexkrankenschwester) unterschriftlich bestätigtes Pensum von 60 %
als Coiffeuse angegeben worden sei (siehe IV-act. 229 und 240 S. 3 f.),
wurde im vorliegenden Verfahren noch die vorstehend erwähnte
Zusicherung seitens der Abklärungspersonen angeführt. Warum die erst
vorliegend erhobene Rüge nicht bereits im Einwandverfahren vorgebracht
wurde, ist für das streitberufene Gericht unter diesen Umständen nicht
nachvollziehbar und somit viel eher als Schutzbehauptung aufzufassen,
weshalb auch die ins Recht gelegte Stellungnahme der
Spitexkrankenschwester vom 22. April 2020, worin diese bestätigte, dass
die Beschwerdeführerin am 5. Februar 2020 gegenüber dem
Abklärungsdienst mitgeteilt habe, dass sie im Gesundheitsfall zu 100 %
arbeiten würde (siehe IV-act. 237 S. 6), nichts zu ändern vermag.
Überdies dringt die Beschwerdeführerin nicht durch, wenn sie die
"unbedarfte Unterzeichnung" des Formulars auf ihre krankheitsbedingte
Konzentrationsschwäche und die Medikamenteneinwirkung zurückführt.
- 24 -
Vielmehr stellte RAD-Arzt Dr. med. I._ in seiner ausführlichen
Abklärung vom 11. Juli 2016 trotz der relativ langen Liste der
eingenommenen Medikamente (siehe dazu IV-act. 131 S. 6) aufgrund der
Angaben der Beschwerdeführerin und den ermittelten Testergebnissen
nachvollziehbar lediglich eine leichtgradig ausgeprägte
Konzentrationsstörung fest (vgl. IV-act. 131 S. 4 und 8; siehe ferner den
Arztbericht von Oberärztin S._ und Psychologin T._ vom
10. November 2014 betreffend die zweite Hospitalisation in der Klinik
G._ [IV-act. 76 S. 5]). Auch im Rahmen der zuletzt durchgeführten
Eingliederungsmassnahme wies die Beschwerdeführerin grundsätzlich
eine gute Konzentrationsfähigkeit auf (vgl. etwa Verlaufsprotokoll
Berufsberatung, Einträge vom 12. September 2018 [IV-act. 193 S. 1 f.],
24. Oktober 2018 [IV-act. 193 S. 3], 19. Dezember 2018 [IV-act. 193 S. 4],
30. Januar 2019 [IV-act. 199 S. 1 f.] und 14. März 2019 [IV-act. 206
S. 11]). Zudem vermerkten die Abklärungspersonen anlässlich ihrer
Haushaltsabklärung vom 5. Februar 2020, dass sie zwar den Eindruck
hätten, die Wirkung der Medikamente wahrzunehmen, die
Beschwerdeführerin aber dennoch aufmerksam gewesen sei und in
adäquatem Zeitrahmen auf die Fragen reagiert habe (siehe IV-act. 230
S. 12).
6.3.3. Die Beschwerdegegnerin führte zudem bereits in der Verfügung vom
29. Juni 2017 aus, dass in Anbetracht der früheren Aussage der
Beschwerdeführerin, wonach sie im Gesundheitsfall zu 80 % erwerbstätig
wäre, welche als lebensecht erscheine und insbesondere auch der
schriftlichen Bestätigung vom 24. November 2016 entspreche,
festzustellen sei, dass sich der Verdacht aufdränge, dass bei der
Verfassung des Einwands vom 15. Februar 2017 Überlegungen
versicherungsrechtlicher Natur diesen Sinneswandel bewirkt hätten (siehe
IV-act. 162 S. 6 f.). Es wäre daher durchaus möglich, dass die IV-Stelle
- 25 -
bei unveränderten Verhältnissen auch im August 2018 feststellen könnte,
dass der Darstellung der Beschwerdeführerin im Einwand (100%ige
Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall) nicht gefolgt werden könnte. Wenn
die Beschwerdeführerin in der Replik vom 14. September 2020 vorbringt,
die Beschwerdegegnerin hätte im Rahmen der damaligen Verfügung
zugestanden, im Sommer 2018 nach erfolgten Umschulungsmassnahmen
und Erreichen des 16. Altersjahrs des jüngsten Kindes der
Beschwerdeführerin, eventuell eine andere Beurteilung zur Statusfrage
vorzunehmen, mag dies zutreffen; sie kann aus den vorerwähnten
Ausführungen in der Verfügung vom 29. Juni 2017 selbst aber nichts zu
ihren Gunsten ableiten.
6.3.4. Ferner sprechen auch die finanziellen Verhältnisse der
Beschwerdeführerin nicht ausschlaggebend und überwiegend
wahrscheinlich für eine vollzeitliche Erwerbstätigkeit bei guter Gesundheit.
Die Beschwerdeführerin begründete die finanzielle Notwendigkeit
insbesondere mit dem Wegfall der nachehelichen Unterhaltsbeiträge mit
der Vollendung des 16. Altersjahrs des jüngsten Kindes im Jahr 2018,
weshalb sie nur noch über ein monatliches Nettoeinkommen aus ihren
Tätigkeiten als Coiffeuse und Sigristin in der Höhe von CHF 1'500.--
verfüge. Diesem Vorbringen hielt die Beschwerdegegnerin in der Duplik
vom 18. September 2020 unter Hinweis auf die von der
Beschwerdeführerin selbst beigebrachte Veranlagungsverfügung für das
Jahr 2019 gemäss den vorliegenden Akten zu Recht entgegen, dass sie
weiterhin Unterhaltsbeiträge für minderjährige Kinder im Betrag von
jährlich CHF 14'400.-- erhalten hat (vgl. Akten der Beschwerdeführerin [Bf-
act.] 4). Dies entspricht denn auch den Angaben, welche die
Beschwerdeführerin bereits anlässlich der Abklärung vor Ort am
5. Februar 2020 gemacht hat. So wurde im Haushaltsabklärungsbericht
vom 12./19. Februar 2020 aufgeführt, dass die Beschwerdeführerin
- 26 -
CHF 1'200.-- (Kinder-)Unterhalt erhalte (siehe IV-act. 230 S. 4), was
aufgerechnet auf das Jahr exakt einen Betrag von CHF 14'400.-- ergibt.
Ferner geht aus dem Abklärungsbericht hervor, dass sie neben ihrer
20%igen Tätigkeit als Sigristin seit Januar 2020 wieder zu 40 % als
Coiffeuse auf Stundenlohnbasis arbeitete (siehe IV-act. 230 S. 2 und 4),
wobei sie dabei ein Einkommen von CHF 1'500.-- (als Sigristin) und
CHF 1'000.-- (als Coiffeuse, inkl. Kinderzulage) verdiente (siehe IV-
act. 230 S. 2 und 4). Wird zudem berücksichtigt, dass der Monatslohn als
Coiffeuse in einem 60 % noch etwas höher ausfallen würde, der Sohn der
Beschwerdeführerin ihr monatlich CHF 200.-- vom Lehrlingslohn abgibt
und der Partner der Beschwerdeführerin die Miete grösstenteils bezahlt
sowie für die Lebensmittel und die Reparaturkosten für das Fahrzeug der
Beschwerdeführerin aufkommt, ist mit der Beschwerdegegnerin nicht
ersichtlich, dass sich im Gesundheitsfalle eine 100%ige Erwerbstätigkeit
der Beschwerdeführerin (im Vergleich zu der von der
Beschwerdegegnerin angenommenen Teilerwerbstätigkeit von 80 %)
zwingend aufdrängen würde.
6.3.5. Schliesslich verfängt auch der beschwerdeführerische Einwand, wonach
es der sich in Ausbildung befindlichen Abklärungsperson an Erfahrung
gemangelt hätte, nicht. Die Beschwerdegegnerin brachte dazu in der
Vernehmlassung vor, dass die Abklärungsperson von der zuständigen
Teamleiterin begleitet worden sei, welche über sehr grosse Erfahrungen
bei Abklärungen verfügen würde. Dies wurde von der Beschwerdeführerin
nicht in Abrede gestellt und lässt sich denn auch dem Abklärungsbericht
vom 12./19. Februar 2020 entnehmen (vgl. IV-act. 230 S. 12). Hinweise
dafür, dass die Frage nach der Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall nicht
genügend klar gestellt worden wäre, werden weder hinreichend
substantiiert dargetan noch sind solche ersichtlich. Vielmehr musste die
Beschwerdeführerin bereits anlässlich der Abklärung vor Ort am
- 27 -
24. November 2016 zu dieser Frage Stellung nehmen, weshalb ihr diese
Frage anlässlich der Haushaltsabklärung am 5. Februar 2020 bereits
bekannt gewesen sein dürfte. Zudem vermag alleine der Umstand, dass
der Abklärungsperson im Abklärungsbericht Namensfehler unterlaufen
sind, die darin enthaltenen Ausführungen zur hypothetischen
Erwerbstätigkeit ohne Vorliegen eines Gesundheitsschadens nicht in
Zweifel zu ziehen. Namentlich kann aus solchen Flüchtigkeitsfehlern nicht
ohne weiteres auf eine mangelnde Sorgfalt bei der Erstellung des
Abklärungsberichts in den weiteren Feststellungen geschlossen werden,
zumal die strittigen Feststellungen zur hypothetischen Erwerbstätigkeit im
Gesundheitsfalle sowohl von der Beschwerdeführerin als auch der
anwesenden Spitexkrankenschwester unterschriftlich bestätigt wurden
(vgl. dazu namentlich die Unterschrift auf IV-act. 15, 137, 229 und IV-
act. 237 S. 6 sowie bereits die vorstehende Erwägung 6.3.2).
6.4. In Würdigung der gesamten Sachlage ist somit entgegen der Auffassung
der Beschwerdeführerin überwiegend wahrscheinlich, dass sie im
Gesundheitsfall einer teilzeitlichen Erwerbstätigkeit im Umfang von 80 %
nachgehen würde und daneben zu 20 % im anerkannten Aufgabenbereich
tätig wäre. Dies entspricht denn auch der Aussage der ersten Stunde (so
auch schon Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei Gesundheit"
vom 24. November 2016 [IV-act. 137], Abklärungsbericht Haushalt vom
28. November/1. Dezember 2016 [IV-act. 138 S. 3 und 8]), welche
praxisgemäss in der Regel glaubwürdiger ist als spätere, allenfalls von
versicherungsrechtlichen Überlegungen geprägte Angaben (vgl. BGE 121
V 45 E.2a; Urteile des Bundesgerichts 9C_161/2019 vom 28. Juni 2019
E.5.3 und 5.4.3 sowie 9C_481/2018 vom 17. August 2018 E.3.2.1). Hinzu
kommt, dass solche späteren Angaben jeweils erst im Rahmen von
anwaltlichen Eingaben vorgebrachten wurden und, wie bereits erwähnt,
echtzeitlich wieder davon abgewichen wurde (siehe IV-act. 147, 229 f. und
- 28 -
237). Dabei ist insbesondere auch zu berücksichtigen, dass die
Beschwerdeführerin anlässlich der psychiatrischen RAD-Abklärung am
11. Juli 2016 auf die Frage, ob sie (weiterhin) zu 80 % arbeiten würde,
wenn sie gesund wäre, gar verneinend geantwortet hatte, dass ihr das zu
viel wäre, da ihr Sohn ja auch noch Unterstützung brauche (IV-act. 131
S. 5). Anhaltspunkte dafür, dass diese Aussage so nicht gemacht worden
wäre oder aus anderen Gründen nicht darauf abgestellt werden könnte,
finden sich nicht. Mithin ist nicht zu beanstanden, wenn die
Beschwerdegegnerin den Invaliditätsgrad gestützt auf die gemischte
Methode bemessen hat. Vor diesem Hintergrund und dem Umstand, dass
ohnehin bereits eine Stellungnahme der Spitexkrankenschwester vom
22. April 2020 im Recht liegt, kann auf die beantragten
Beweisvorkehrungen im Sinne einer Partei- und Zeugenbefragung
verzichtet werden, zumal das streitberufene Gericht aufgrund der bereits
abgenommenen Beweise seine Überzeugung gebildet hat und ohne
Willkür annehmen kann, dass diese Überzeugung durch weitere
Beweiserhebungen nicht geändert würde (vgl. BGE 144 V 361 E.6.5, 136
I 229 E.5.3, 134 I 140 E.5.3).
7. Die Beschwerdeführerin übt ausserdem Kritik am
Haushaltsabklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 und den darin
festgestellten Einschränkungen im anerkannten Aufgaben- bzw.
Haushaltsbereich.
7.1. Für die Bestimmung des Invaliditätsgrades zu eruierende
Einschränkungen in einem anerkannten Aufgabenbereich im Sinne von
Art. 7 Abs. 2 IVG und Art. 27 der Verordnung über die
Invalidenversicherung (IVV; SR 831.201) bzw. die konkreten
Auswirkungen eines Gesundheitsschadens sind im nichterwerblichen
Bereich grundsätzlich durch eine Abklärung vor Ort gemäss Art. 69 Abs. 2
Satz 2 IVV festzustellen. Dabei ist nicht die medizinisch-theoretische
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Arbeitsfähigkeit ausschlaggebend und die Abklärung erstreckt sich auch
auf den zumutbaren Umfang der Mithilfe von Familienangehörigen. Diese
im Rahmen der Schadenminderungspflicht zu beachtende Mithilfe geht
weiter als die ohne Gesundheitsschädigung üblicherweise zu erwartende
Unterstützung. Für den Beweiswert eines derartigen Abklärungsberichtes
ist wesentlich, dass er von einer qualifizierten Person in Kenntnis der
örtlichen und räumlichen Verhältnisse sowie der sich aus den
medizinischen Diagnosen ergebenden Beeinträchtigungen und
Behinderungen verfasst wird. Der Bericht muss plausibel, begründet und
angemessen detailliert bezüglich der einzelnen Einschränkungen sein und
in Übereinstimmung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben stehen.
Sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidgrundlage im vorstehend
umschriebenen Sinne darstellt, hat das Gericht in der Regel nicht in das –
als Frage einer Beweiswürdigung zu betrachtende – Ermessen der die
Abklärung tätigenden Person einzugreifen, da diese insbesondere näher
am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall angerufene
Gericht. Auch wenn bei Einschränkungen im anerkannten
Aufgabenbereich infolge psychischer Beschwerden ein solcher
Abklärungsbericht unter Umständen gewisse Einschränkungen erfahren
kann, stellt er prinzipiell auch weiterhin eine beweistaugliche Grundlage
für die Bemessung der psychischen Einschränkungen im anerkannten
Aufgabenbereich dar. In solchen Fällen könnte sich aber, namentlich bei
entgegenstehenden (fach-)ärztlichen Einschätzungen der
Einschränkungen im anerkannten Aufgabenbereich aufgrund von
psychischen Beschwerden, immerhin eine (fach-)ärztliche Verifizierung
des Abklärungsberichtes als angezeigt erweisen (vgl. zum Ganzen
BGE 140 V 543 E.3.2.1 und 133 V 504 E.11.1.1; Urteile des
Bundesgerichts 8C_490/2020 vom 25. September 2020 E.7.1 ff.,
9C_157/2020 vom 18. Juni 2020 E.5.2.2, 8C_728/2019 vom 10. Juni 2020
E.5.1, 8C_748/2019 vom 7. Januar 2020 E.5.2, 9C_295/2018 vom 26. Juli
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2018 E.4.1 f., 9C_373/2017 vom 6. September 2017 E.3 und
8C_334/2014 vom 21. Juli 2014 E.5.2 f.; VGU S 18 60 vom 6. August 2020
E.8.3 und S 18 137 vom 1. Oktober 2019 E.6, je mit Hinweis auf Urteile
des Bundesgerichts 9C_201/2011 vom 5. September 2011 E.2 und
9C_631/2009 vom 2. Dezember 2009 E.5.1; MEYER/REICHMUTH, in:
Stauffer/Cardinaux [Hrsg.], Bundesgesetz über die Invalidenversicherung,
3. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2014, Art. 28a Rz. 174 und 248 ff.)
7.2. Die Beschwerdeführerin bringt dazu im Wesentlichen vor, im
Abklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 (siehe IV-act. 230) würden
Abklärungen bzw. Feststellungen gemacht für eine Zeitphase bis zum
31. Dezember 2017 und wiederum ab dem 1. Januar 2018. Woraus sich
diese Zeitphasen ergäben, sei nicht ersichtlich und liesse sich auch nicht
mit den gesundheitlichen Einschränkungen bzw. deren Auswirkungen auf
die Erwerbstätigkeit erklären. Auch sei nicht verständlich, dass Angaben
zu den gleichen Fragen wie etwa die Ernährung unterschiedlich beurteilt
würden. Die Differenzierung der Abklärungsdaten sei daher willkürlich und
die Ergebnisse als Beurteilungsgrundlage untauglich. Darüber hinaus
werde bei allen Haushaltsbereichen die Mithilfe von Familienangehörigen
vorausgesetzt, die tagsüber nicht im Haushalt seien, nicht in der Wohnung
lebten (Tochter) oder infolge fortgeschrittenen Alters (Eltern) nicht von
einer Schadenminderungspflicht ausgegangen werden könne. Überdies
werde im Haushaltsbereich nicht berücksichtigt, dass sie unter diversen
körperlichen Beschwerden wie namentlich Brustentzündungen sowie
unter einer chronischen Depression leide, welche sie auch im Haushalt
einschränken würden. Sie mache zum heutigen Zeitpunkt geltend,
mindestens eine gleich hohe Beeinträchtigung im Haushaltsbereich wie in
der Erwerbstätigkeit zu haben.
7.3. Auf diese Kritik entgegnet die Beschwerdegegnerin in der
Vernehmlassung vom 31. August 2020, gemäss den Ausführungen des
- 31 -
RAD habe ab November 2017 bis Mai 2018 eine volle Arbeitsunfähigkeit,
ab Mai 2018 (wiederum) eine 60%ige Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit bestanden. Ab April 2019 bis September 2019, als eine
Brustoperation stattfand, sei eine Verschlechterung eingetreten. Seit dem
Eingriff im September 2019 (siehe dazu IV-act. 225) beschreibe die
Beschwerdeführerin die Situation betreffend Schmerzen als bedeutend
verbessert und weniger belastend. Mithin unterscheide der
Abklärungsbericht offensichtlich zwischen der Phase im Jahr 2019 mit den
Abszessen an der Brust und der ab September 2019 eingetretenen
Verbesserung. Die Datumsangaben müssten dementsprechend
korrekterweise ab April 2019 bis 31. Dezember 2019 und ab Mai 2018 bis
April 2019 sowie ab 1. Januar 2020 (drei Monate nach Verbesserung der
Beschwerden bzw. der Operation) lauten. Entsprechend werde auch in
den Bereichen, in welchen sich die vorübergehende Verschlechterung
ausgewirkt habe, klar festgehalten, dass die Einschränkungen durch die
wiederkehrenden Entzündungen und Abszesse nachvollziehbar gewesen
und seit der Verbesserung eher (wieder) der Gewohnheit geschuldet seien
(siehe IV-act. 230 S. 7 und 9).
7.4. Diese Erklärung für die unterschiedlichen Phasen, für welche im
Haushaltsabklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 die bestehenden
Einschränkungen in den jeweiligen Aufgabenbereichen in der
Haushaltsführung eruiert worden sind, vermag – wie die
Beschwerdeführerin in der Replik vom 14. September 2020 zu Recht
vorbringt – nicht vollends zu überzeugen. Denn im Abklärungsbericht
wurde klar zwischen einer Phase bis 31. Dezember 2017 und einer
solchen ab 1. Januar 2018 unterschieden (siehe IV-act. 230 S. 7 und 9),
was wohl eher dem Umstand geschuldet ist, dass der Aufgabenbereich
von im Haushalt tätigen Versicherten per 1. Januar 2018 in Art. 27 IVV neu
definiert worden ist und mit der "neuen" gemischte Methode in Anwendung
- 32 -
des ebenfalls per 1. Januar 2018 in Kraft getretenen Art. 27bis Abs. 3 IVV
gemäss dem Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) auch die
Wechselwirkungsproblematik im Sinne von BGE 134 V 9 behoben sein
soll (vgl. zum Ganzen den erläuternden Bericht des BSV zur Änderung der
Verordnung vom 7. Januar 1961 über die Invalidenversicherung,
Invaliditätsbemessung für teilerwerbstätige Versicherte [gemischte
Methode], S. 5 f., 9 f. und 12 sowie die per 1. Januar 2018 geänderten
Rz. 3081 bis 3090 des Kreisschreibens über Invalidität und Hilflosigkeit in
der Invalidenversicherung [KSIH]; siehe auch IV-act. 227, wo im Auftrag
zur Haushaltsabklärung vom 12. Dezember 2019 der Hinweis zu finden
ist, dass die Einschränkung sowohl nach der alten als auch der neuen
Methode zu ermitteln sei).
7.5. Dabei gebietet es sich aber nicht, aufgrund dessen eine Unterscheidung
zum Nachteil der Versicherten vorzunehmen, wenn der massgebliche
Sachverhalt im Wesentlichen gleichgeblieben ist (vgl. zu den
entsprechenden revisionsrechtlichen Grundsätzen BGE 144 I 103 E.2.1,
141 V 9 E.2.3, 135 V 201 E.6.1.1 und 6.4, 127 V 10 E.4c, 121 V 157 E.4a
sowie 115 V 308 E.4a/bb). Wenn nun in der angefochtenen Verfügung
vom 15. Juni 2020 eine im Vergleich zum Rentenentscheid vom 29. Juni
2017 unveränderte Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit angenommen
wird und damit implizit von einem im Wesentlichen gleichgebliebenen
Gesundheitszustand ausgegangen wird, drängt sich eine
Andersbeurteilung der Einschränkungen im Haushaltsbereich im
Vergleich zu jenen anlässlich der Abklärung vor Ort am 24. November
2016, welche der Rentenverfügung vom 29. Juni 2017 zugrunde lag, –
unter revisionsrechtlichen Gesichtspunkten – nur auf, wenn sich in
sachverhaltlicher Hinsicht bzw. bei den festgestellten Einschränkungen
tatsächlich eine Änderung eingestellt hat. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass die von der Beschwerdegegnerin angenommene vorübergehende
- 33 -
Verschlechterung des Gesundheitszustands im Frühjahr 2019 bis
September 2019 im vorliegenden Fall auch mit Blick auf die
Einschränkungen im Haushaltsbereich nicht von Relevanz ist, da sich die
Beschwerdeführerin während dieses Zeitraums in einer
Eingliederungsmassnahme befand, weshalb aufgrund der geleisteten
Taggelder ohnehin kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehen kann
(siehe Art. 29 Abs. 2 IVG). Dass für die Zeit nach der Brustoperation im
September 2019 eine Verbesserung angenommen wird, ist hingegen nicht
zu beanstanden, da die Beschwerdeführerin im Abklärungsbericht vom
12./19. Februar 2020 neben einer psychischen Stabilisierung (vgl. dazu
auch Bericht von Dr. med. H._ und Psychologin O._ vom
20. November 2019 [IV-act. 226]) selbst angegeben hat, dass sich die
Schmerzsituation seither deutlich verbessert habe und weniger belastend
sei (vgl. IV-act. 230 S. 2). Ihr ist aber immerhin darin beizupflichten, dass
daraus nicht eine komplette Remission der Beschwerden abgeleitet
werden kann. Vielmehr ist – aufgrund des auch von der
Beschwerdegegnerin angenommenen, im Vergleich zu früher im
Wesentlichen unveränderten Gesundheitszustands – von einer
Verbesserung auf das ursprüngliche Niveau (neben den bestehenden
psychischen und Rückenleiden) auszugehen.
7.6. Soweit die Beschwerdeführerin bemängelt, es sei nicht nachvollziehbar,
dass im Aufgabenbereich Ernährung ursprünglich eine Einschränkung
angenommen worden sei, diese nun aber nicht mehr bestehen solle,
übersieht sie, dass die in diesem Bereich ausgewiesene Beeinträchtigung
im Abklärungsbericht vom 28. November/1. Dezember 2016 massgeblich
damit begründet wurde, dass sie in der Zubereitung des Mittagessens für
ihren Sohn aus psychischen Gründen eingeschränkt war (vgl. IV-act. 138
S. 6). Diese Belastung entfällt indes seit August 2018 mit dem Beginn der
Kochlehre ihres Sohnes, da dieser seither die Mahlzeiten im
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Ausbildungsbetrieb einnehmen kann (vgl. IV-act. 230 S. 8 f.). Zwar
bemängelt die Beschwerdeführerin auch die Bemerkung des
Abklärungsdienstes im Bericht vom 12./19. Februar 2020, wonach die
Übernahme der Vorbereitung und des Kochens (des Abendessens) durch
den Lebenspartner der Beschwerdeführerin eher der Gewohnheit
geschuldet sei als ihren gesundheitlichen Einschränkungen. Letztlich fällt
dies aber aufgrund der auch dem Lebenspartner bei der Haushaltsführung
zukommenden Mitwirkungspflicht nicht weiter ins Gewicht (vgl. dazu auch
nachfolgende Erwägung 7.7). Nicht gefolgt werden kann der
Beschwerdeführerin, wenn sie vorbringt, es werde eine Mithilfe der Mutter
bei der Ernährung bzw. Essenszubereitung einbezogen, zumal dies so
keine Stütze im Abklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 findet (vgl.
IV-act. 230 S. 9). Dass deren Unterstützung jedoch im Bereich der
Wohnungspflege, insbesondere beim Fensterputzen und der gründlichen
Reinigung der Wohnung alle sechs Wochen berücksichtigt wird (vgl. IV-
act. 230 S. 7 und 9 f.), ist nicht zu beanstanden, tat die Mutter mit
Stellungnahme vom 20. Januar 2017 doch nachweislich selber kund, dass
sie alle sechs Wochen "gröbere" Haushaltsarbeiten, wie namentlich
Bodenaufnehmen und die Fensterreinigung, für ihre Tochter erledige
(siehe IV-act. 149). Indes dürfte sich hinsichtlich der im Abklärungsbericht
vom 28. November/1. Dezember 2016 aufgrund der Brustbeschwerden
und Rückenschmerzen ausgewiesenen Einschränkung für Arbeiten in
gebückter Haltung, welche Kraft in den Armen erfordern, wie zum Beispiel
Betten beziehen (vgl. IV-act. 138 S. 6), keine wesentliche
(gesundheitsbedingte) Veränderung eingestellt haben. So gab die
Beschwerdeführerin denn auch anlässlich der Abklärung vor Ort am
5. Februar 2020 an, dass sie ihr Bett schmerzbedingt nicht selber
beziehen könne (vgl. IV-act. 230 S. 9). Dass jedoch im Aufgabenbereich
Einkauf im Abklärungsbericht vom 12./19. Februar 2020 keine
Einschränkung ausgewiesen wird (vgl. IV-act. 230 S. 10), ist nicht zu
- 35 -
bemängeln. Darin wird entgegen dem beschwerdeführerischen
Vorbringen, wonach der Beschwerdeführerin tagtägliche Besorgungen
nicht möglich sein sollen, zu Recht festgehalten, dass sie täglich kleinere
Sachen im Dorf einkaufen könne (vgl. IV-act. 230 S. 10). Dies deckt sich
denn auch bereits mit den diagnostischen Feststellungen von RAD-Arzt
Dr. med. I._ in seinem Abklärungsbericht vom 8. August 2016, worin
er ausführte, dass es der Beschwerdeführerin trotz ihren agoraphobischen
Ängsten letztlich möglich sei, im Coop einkaufen zu gehen (vgl. IV-act. 131
S. 9). Zudem motivierte sie ihr im Oktober 2017 gestelltes Gesuch um
berufliche Massnahmen selbst damit, im Bereich der Betreuung älteren
oder behinderten Personen unter anderem Einkaufsgänge anbieten zu
können (vgl. Motivationsschreiben vom 30. September 2017 [IV-act. 164
S. 2 f.], welches am 12. Oktober 2017 der IV-Stelle übermittelt wurde).
Überdies geht aus dem Haushaltsabklärungsbericht vom 12./19. Februar
2020 hervor, dass der psychische Gesundheitszustand aufgrund der
regelmässigen Medikamenteneinnahme stabil sei und dadurch keine
Panikattacken vorkämen (vgl. IV-act. 230 S. 2).
7.7. Schliesslich kann der Beschwerdeführerin nicht gefolgt werden, soweit sie
vorbringt, von ihren Familienmitgliedern könne bei Haushaltstätigkeiten
keine grosse Hilfeleistung erwartet werden. Denn im Bereich der
Haushaltsführung kommt der Mitwirkungs- und Schadenminderungspflicht
rechtsprechungsgemäss grosses Gewicht zu (siehe bereits vorstehende
Erwägung 7.1). Lebt die versicherte Person mit Angehörigen im gleichen
Haushalt, kann von diesen Hilfe im Haushalt verlangt werden, und zwar in
einem Mass, das über das im Gesundheitsfalle üblicherweise zu
Erwartende hinausgeht. Für den Umfang massgebend ist die Frage, wie
sich eine vernünftige Familiengemeinschaft einstellen würde, wenn keine
Versicherungsleistungen zu erwarten wären (siehe BGE 133 V 504 E.4.2,
130 V 97 E.3.3.3; Urteile des Bundesgerichts 8C_748/2019 vom 7. Januar
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2020 E.5.1 und 5.3, 8C_91/2016 vom 16. Juni 2016 E.5.2.3.1,
9C_150/2012 vom 30. August 2012 E.5.3.1 und I 1013/06 vom
9. November 2007 E.7.2). Daher ist der Beschwerdegegnerin darin
beizupflichten, dass diejenigen (regelmässigen) Haushaltarbeiten, welche
die Beschwerdeführerin nicht mehr erledigen kann, von ihrem
Lebenspartner, dem Sohn oder der Tochter (an denjenigen Tagen, an
denen sie zu Hause ist; siehe zur [dauernden] Anwesenheit der Tochter
ab August 2020: IV-act. 230 S. 2 und 10]) übernommen werden können,
ohne dass dadurch – auch neben deren Ausbildungs- bzw. Berufstätigkeit,
auch wenn diese vollzeitlich ausgeübt wird – eine nicht mehr tragbare
Belastung entstünde, zumal keine allgemeine Grenze für die
Mehrbelastung des Ehegatten bzw. der Familienangehörigen besteht (vgl.
dazu Urteile des Bundesgerichts 8C_748/2019 vom 7. Januar 2020 E.6.6
m.H.a. 9C_925/2013 vom 1. April 2014 E.2.3)
7.8. Auch wenn im Vergleich zur Abklärung vor Ort am 24. November 2016 in
gewissen Bereichen nach wie vor Einschränkungen in der
Haushaltsführung bestehen, haben sich in anderen Aufgabenbereichen in
tatsächlicher Hinsicht Veränderungen eingestellt, welche den
Beeinträchtigungsgrad gesamthaft betrachtet zu vermindern vermögen.
Selbst wenn jedoch insgesamt wie im Haushaltsabklärungsbericht vom
28. November/1. Dezember 2016 weiterhin von einer Einschränkung im
Haushalt von 7.1 % bzw. wie im Haushaltsabklärungsbericht vom
12./19. Februar 2020 für die Phase bis 31. Dezember 2017 von 6 %
ausgegangen würde, resultierte – wie nachfolgend dargelegt – immer
noch kein rentenbegründender Invaliditätsgrad. Anhaltspunkte dafür, dass
die Einschränkung im Haushaltsbereich – wie von der Beschwerdeführerin
behauptet – (entsprechend der Einschränkung der Arbeitsfähigkeit) rund
40 % betragen würde, finden sich keine. So macht denn auch die
Beschwerdeführerin nicht konkret geltend, in welchen Aufgabenbereichen
- 37 -
der Haushaltsführung und aus welchen Gründen eine derart höhere
Einschränkung hätte festgehalten werden müssen. Vielmehr begnügt sie
sich damit, pauschal eine Beeinträchtigung von 40 % im anerkannten
Aufgabenbereich geltend zu machen, ohne diese rechtsgenüglich zu
substantiieren. Dabei ist darauf hinzuweisen, dass die Einschränkung im
Haushalt bzw. im anerkannten Aufgabenbereich grundsätzlich nicht
einfach mit der medizinisch-theoretischen, zumutbaren Arbeitsfähigkeit
gleichzusetzen ist, so wie dies die Beschwerdeführerin anzunehmen
scheint (siehe dazu bereits die vorstehende Erwägung 7.1).
8. Bei einem unbestritten gebliebenen Valideneinkommen von (gerundet)
CHF 58'328.-- und einem korrekterweise auf Basis der
Lohnstrukturerhebung (LSE) des Bundesamtes für Statistik 2018
ermittelten Invalideneinkommen von CHF 33'137.65 (vgl. zur
Anwendbarkeit der LSE 2018 anstelle der LSE 2016 wie sie der
angefochtenen Verfügung zu Grunde lag [siehe dazu IV-act. 240 S. 239
und 240 S. 2]: Urteile des Bundesgerichts 9C_15/2018 vom 2. Juli 2018
E.4.2 f. und 9C_414/2017 vom 21. September 2017 E.4.2; LSE 2018,
Tabelle TA 1, Kompetenzniveau 1, Frauen, Spalte "Total", umgerechnet
auf die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 41.7 Stunden,
Arbeitsfähigkeit von 60 %, aufindexiert bis ins Jahr 2020 [jeweils 0.5 % für
das 2019 und 2020, vgl. dazu IV-act. 239] = CHF 4'371.-- x 12 : 40 x 41.7
x 1.005 x 1.005 x 0.60) resultiert bei einem Erwerbsanteil von 80 % ein
gewichteter Teilinvaliditätsgrad von 34.55 % (= 80 % x 0.4319 [d.h.
Einschränkung von 43.19 %]), welcher zusammen mit jenem im Bereich
Haushalt von (maximal) 1.42 % bzw. 1.2 % (= 20 % x 0.071 bzw. 0.06 [d.h.
maximale Einschränkung im Haushalt von 7.1 % bzw. 6 %]) einen
rentenausschliessenden Gesamtinvaliditätsgrad von gerundet höchstens
36 % ergibt. Damit besteht – wie die Beschwerdegegnerin zu Recht
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festgehalten hat – kein Anspruch auf eine Invalidenrente (siehe Art. 28
Abs. 2 IVG).
9. Die Beschwerde erweist sich somit als unbegründet und ist abzuweisen.
Laut Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten
um die Bewilligung oder die Verweigerung von Leistungen aus der
Invalidenversicherung vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Bei Fällen wie dem vorliegenden, in denen ein
durchschnittlicher Aufwand entstanden ist, setzt das Gericht die Kosten in
Berücksichtigung des bundesrechtlichen Kostenrahmens auf CHF 700.--
fest. Diese sind in Anwendung von Art. 61 erster Satz ATSG i.V.m. Art. 73
Abs. 1 VRG von der unterliegenden Beschwerdeführerin zu tragen. Der
obsiegenden Beschwerdegegnerin steht kein Anspruch auf Ersatz der
Parteikosten zu (vgl. Art. 61 lit. g ATSG e contrario).
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