# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dfbc20b3-dafa-4375-a957-38ed0ee9bffd
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ S.K., geb. 1983, ist Staatsangehöriger von Bosnien und Herzegowina. Er reiste am
11. Juli 1993 zu seinem in St. Gallen wohnhaften Vater und erhielt in der Folge eine
Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des Familiennachzugs. Am 15. Dezember 1994
wurde ihm die Niederlassungsbewilligung erteilt.
Die Staatsanwaltschaft St. Gallen büsste S.K. am 19. Juni 2007 wegen
Verkehrsregelverletzung mit Fr. 220.--.
Am 9. November 2007 sprach das Kreisgericht St. Gallen S.K. der schweren
Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig und verurteilte ihn zu einer
Freiheitsstrafe von 22 Monaten. Den Vollzug der Freiheitsstrafe schob das Gericht
unter Ansetzung einer Probezeit von drei Jahren auf.
Mit Verfügung vom 11. Juli 2008 widerrief das Ausländeramt die
Niederlassungsbewilligung von S.K. und wies ihn aus der Schweiz weg. Zur
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Begründung führte es an, S.K. habe mit seinem Verhalten den Widerrufsgrund von
Art. 63 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer (SR 142.20,
abgekürzt AuG) gesetzt. Sein Verschulden wiege schwer. Das öffentliche Interesse an
der Fernhaltung von S.K. überwiege dessen privates Interesse, in der Schweiz bleiben
zu können.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob S.K. durch seinen Rechtsvertreter
Rekurs, der vom Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom 21. Oktober
2008 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingaben seines Rechtsvertreters vom 6. und 27. November 2008 erhob S.K.
Beschwerde beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 21.
Oktober 2008 sei aufzuheben und vom Widerruf der Aufenthaltsbewilligung sei
abzusehen und ihm der weitere Aufenthalt in der Schweiz zu gestatten, eventuell sei
eine Verwarnung auszusprechen und die Wegweisung lediglich anzudrohen, unter
Kosten- und Entschädigungsfolge. Zur Begründung wird im wesentlichen vorgebracht,
bei der bedingt ausgesprochenen Freiheitsstrafe von 22 Monaten handle es sich nicht
um eine längerfristige Freiheitsstrafe, welche einen Ausweisungsgrund im Sinn von Art.
62 lit. b in Verbindung mit Art. 63 AuG bilde. Auf die weiteren Vorbringen wird, soweit

## Considerations

wesentlich, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 10. Dezember 2008 unter
Hinweis auf die Erwägungen des angefochtenen Entscheids die Abweisung der
Beschwerde.
Am 13. März 2009 heiratete S.K.in St. Gallen seine Landsfrau Sandra D., geb. 1988. Er
stellte ein Familiennachzugsgesuch für seine Ehefrau. Dieses ist noch hängig.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Der
Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingaben vom 6. und
27. November 2008 entsprechen zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen
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Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2
VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer beantragt eine mündliche Verhandlung. Er begründet diesen
Antrag damit, um dem unhaltbaren Vorwurf der Vorinstanz, er sei schlecht integriert,
wirksam zu begegnen, erscheine es notwendig, dass sich das Gericht einen
persönlichen Eindruck von ihm mache.
Eine mündliche Verhandlung wird nach Art. 55 VRP durchgeführt, wenn sie zur
Wahrung der Parteirechte notwendig ist oder zweckmässig erscheint.
Die Vorinstanz hat dem Beschwerdeführer nicht vorgeworfen, er sei schlecht integriert.
Sie hielt bei der Interessenabwägung und bei der Prüfung der Zumutbarkeit der
Rückkehr in den Heimatstaat fest, die Mittäter des Beschwerdeführers stammten
ebenfalls aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien und es sei davon auszugehen,
dass der Beschwerdeführer in seiner Freizeit vorwiegend mit Personen aus diesen
Staaten verkehre. Inwiefern diese Feststellungen fehlerhaft sind, legt der
Beschwerdeführer nicht dar. Bei der Befragung zur Person in der Strafuntersuchung
erwähnt er jedenfalls keine Personen aus seinem Bekanntenkreis, welche nicht aus
Staaten des ehemaligen Jugoslawien stammen. Im übrigen begründen die von der
Vorinstanz angeführten Tatsachen nicht eine schlechte Integration. Vielmehr sind sie
bei der Prüfung der Zumutbarkeit der Wegweisung bedeutsam. Neue und
entscheidwesentliche Tatsachen liessen sich daher aufgrund einer persönlichen
Anhörung nicht gewinnen. Hinzu kommt, dass in Ausweisungsverfahren gestützt auf
Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR 0.101) kein Anspruch
auf eine öffentliche Verhandlung besteht (vgl. Frowein/Peukert, EMRK-Kommentar,
2. Aufl., Kehl/Strassburg/Arlington 1996, N. 52 zu Art. 6). Dem Antrag, es sei eine
mündliche Verhandlung nach Art. 55 VRP durchzuführen, ist daher nicht stattzugeben.
3. Nach Art. 63 Abs. 1 AuG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden,
wenn die Voraussetzungen nach Art. 62 lit. a oder b AuG erfüllt sind (lit. a), wenn der
Ausländer in schwerwiegender Weise gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung in
der Schweiz oder im Ausland verstossen hat oder diese gefährdet oder die innere oder
die äussere Sicherheit gefährdet (lit. b) oder wenn der Ausländer oder eine Person, für
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die er zu sorgen hat, dauerhaft und in erheblichem Masse auf Sozialhilfe angewiesen
ist (lit. c). Die Niederlassungsbewilligung von Ausländern, die sich seit mehr als
fünfzehn Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, kann
nur aus Gründen von Art. 63 Abs. 1 lit. b und Art. 62 lit. b AuG widerrufen werden.
Nach Art. 62 lit. b AuG kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn
der Ausländer zu einer längeren Freiheitsstrafe verurteilt wurde oder gegen ihn eine
strafrechtliche Massnahme im Sinn von Art. 64 oder 61 StGB angeordnet wurde.
3.1. Die Vorinstanz stützte ihren Entscheid auf Art. 62 lit. b AuG. Das
Verwaltungsgericht hat in einem unlängst ergangenen Urteil entschieden, dass eine
Freiheitsstrafe von zwei Jahren eine längere Freiheitsstrafe im Sinn von Art. 62 lit. b
AuG darstellt und einen Grund für den Widerruf der Niederlassung bildet (VerwGE B
2009/1 vom 24. März 2009, in: www.gerichte.sg.ch). Der Gesetzgeber hat den Begriff
der längerfristigen Freiheitsstrafe im Sinn von Art. 62 lit. b AuG nicht näher festgelegt.
Es obliegt daher der Rechtsprechung, diesen unbestimmten Rechtsbegriff zu
definieren. Beim Begriff der längeren Freiheitsstrafe orientierte sich der Gesetzgeber an
der früheren Praxis zur Ausweisung, nach der eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren oder
von längerer Dauer eine Ausweisung rechtfertigte (Botschaft des Bundesrates zum
AuG, BBl 2002, S. 3810 mit Hinweis auf BGE 125 II 521). Im Nationalrat wurde der
Vorschlag einer Kommissionsmehrheit abgelehnt, die im Interesse einer einheitlichen
Rechtsanwendung eine mindestens zwölfmonatige Freiheitsstrafe oder wiederholte
kurze Freiheits- oder Geldstrafen verlangte. Im Schrifttum wird festgehalten, die
längerfristige Freiheitsstrafe im Sinn von Art. 62 lit. b AuG dürfte deutlich über einem
Jahr anzusiedeln sein, da Freiheitsstrafen unter sechs Monaten in der Regel gar nicht
ausgesprochen werden können (vgl. M. Spescha, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli,
Kommentar zum Migrationsrecht, Zürich 2008, N 6 zu Art. 62 AuG). Der Auffassung des
Beschwerdeführers, wonach eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten nicht als längerfristige
Freiheitsstrafe im Sinn von Art. 62 lit. b AuG zu qualifizieren ist, kann nicht gefolgt
werden. Im Streitfall ist keine zahlenmässige Grenze festzusetzen. Eine Freiheitsstrafe
von deutlich mehr als einem Jahr, wie sie gegen den Beschwerdeführer ausgefällt
wurde, ist aber als längere Freiheitsstrafe im Sinn von Art. 62 lit. b AuG einzustufen. Im
übrigen ist es unzutreffend, dass eine Freiheitsstrafe von 22 Monaten bzw. eine
bedingte Freiheitsstrafe im Rahmen der alten Gesetzgebung (maximal 18 Monate) nie
zu einem Widerruf der Niederlassungsbewilligung geführt hätte. Auch im alten Recht
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war die Mindestdauer der Freiheitsstrafe im Gesetz nicht definiert. Die Strafdauer von
mindestens zwei Jahren bedeutete einen Regelfall, bei dem die Ausweisung
angeordnet wurde. Hingegen konnte in Ausnahmefällen auch bei einer kürzeren Strafe
eine solche fremdenpolizeiliche Massnahme angeordnet werden.
Aus dem Gesagten ergibt sich, dass die Vorinstanz zu Recht einen Widerrufsgrund im
Sinn von Art. 62 lit. b in Verbindung mit Art. 63 Abs. 1 lit. b AuG angenommen hat. Ob
weitere Widerrufsgründe vorliegen, kann offen bleiben.
3.2. Beim Entscheid über den Widerruf der Niederlassung ist der Grad der Integration
zu beachten (Art. 96 Abs. 1 AuG) und die Massnahme muss verhältnismässig sein
(Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101). Zu berücksichtigen sind namentlich die
Schwere des Verschuldens, die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz sowie die dem
Ausländer und seiner Familie drohenden Nachteile (Weisungen des Bundesamts für
Migration, Ziff. 8.2.1.2). Dabei sind umso strengere Anforderungen an den Widerruf
einer Niederlassung bzw. an eine Wegweisung zu stellen, je länger ein Ausländer in der
Schweiz anwesend war. Es ist aber in Betracht zu ziehen, dass der Widerruf der
Niederlassung und die Wegweisung selbst gegenüber Ausländern der zweiten
Generation, welche ihr gesamtes Leben in der Schweiz verbracht haben, grundsätzlich
zulässig ist (Weisungen des Bundesamts für Migration, Ziff. 8.2.1.2.1. mit Hinweis auf
BGE 122 II 433 ff.). Nach der Praxis des Bundesgerichts ist eine Wegweisung im
übrigen umso eher zulässig, wenn der Ausländer selbst nach längerer Anwesenheit in
der Schweiz sich nicht oder nur wenig integriert hat, hauptsächlich mit Landsleuten
zusammen ist, enge Beziehungen zu seinem Heimatland pflegt sowie dessen Sprache
spricht (BGE 2A.540/2001 vom 4. März 2002).
3.3. Das Kreisgericht St. Gallen ging in seinem Urteil vom 9. November 2007 davon
aus, dass der Beschwerdeführer zusammen mit einem Mittäter von Mitte Juli 2006 bis
Dezember 2006 100 bis 150 Gramm Kokain verkaufte, dass er zwischen Dezember
2006 und März 2007 mit einem weiteren Täter insgesamt rund weitere 400 Gramm
Kokain veräusserte. Weitere 700 Gramm Kokain verkaufte ein anderer Täter unter
Mithilfe des Beschwerdeführers. Das Kreisgericht hielt fest, der Beschwerdeführer habe
den Tatbestand der schweren Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz
selbständig erfüllt und nicht teilweise bloss Gehilfenschaft zu den mit Strafe bedrohten
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Taten geleistet. Der Beschwerdeführer wurde zwischen den Tätergruppen der "nicht
süchtigen Händler unterster" und "nicht süchtigen Händler mittlerer" Kategorie
eingestuft.
Vorinstanz und Ausländeramt haben das Verschulden des Beschwerdeführers zu Recht
als schwer eingestuft. Der Beschwerdeführer beteiligte sich am Handel von erheblichen
Mengen Kokain. Sein Verhalten beruhte auf Gewinnstrebigkeit. Er selbst konsumierte
nach eigenen Angaben nie Drogen. Gemäss der Anklageschrift schlossen der
Beschwerdeführer und ein Mittäter im Jahr 2006 Fussballwetten ab und verloren dabei
Geld. Um den Verlust wettzumachen, entschieden sie sich, Betäubungsmittel zu
verkaufen. Unter diesen Umständen ist die Feststellung der Vorinstanz nicht zu
beanstanden, der Beschwerdeführer habe mit dem durch den Drogenhandel erzielten
Gewinn seinen Lebensstil finanziert. Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer nach
den Feststellungen in der Anklageschrift eine Wohnung gemietet hatte, in der sich
illegal anwesende Personen aufhielten. Im übrigen ist es aber nicht von
ausschlaggebender Bedeutung, wie hoch die aus dem Drogenhandel erzielten
Gewinne des Beschwerdeführers waren.
Der Beschwerdeführer lebt seit 1993 in der Schweiz. Die lange Aufenthaltsdauer von
rund sechzehn Jahren ist zu seinen Gunsten zu berücksichtigen.
Der Beschwerdeführer ist als Chauffeur tätig. Unter wirtschaftlichen bzw.
arbeitsmarktlichen Aspekten liegen somit keine zwingenden Gründe vor, die gegen
einen Widerruf der Niederlassungsbewilligung sprechen. Obwohl der
Beschwerdeführer neben der Freiheitsstrafe wegen schwerer Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz lediglich wegen einer Verkehrsregelverletzung gebüsst
wurde und er sich als Arbeitnehmer klaglos verhalten hat, stellt der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung keinen unverhältnismässigen Eingriff dar. Bei
Drogenhändlern ist ein strenger Massstab anzusetzen (vgl. BGE 125 II 526). Hinzu
kommt, dass auch in familiärer Hinsicht keine Gründe vorliegen, die gegen einen
Widerruf der Niederlassungsbewilligung sprechen. Der Beschwerdeführer hat während
des hängigen Beschwerdeverfahrens eine Landsfrau geheiratet. In jenem Zeitpunkt
hatten das Ausländeramt und die Vorinstanz den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung bestätigt. Der Beschwerdeführer durfte daher nicht damit
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rechnen, die Ehe in der Schweiz leben zu können. Hinzu kommt, dass er zu seinem
Herkunftsstaat auch während seines Aufenthalts in der Schweiz persönliche Kontakte
pflegte. Dies wird dadurch belegt, dass er dort im Jahr 2007 Ferien machte und eine
Landsfrau heiratete, die dort ansässig war. Der Beschwerdeführer befindet sich damit
in derselben Situation wie zahlreiche seiner Landsleute, die nach einem längeren
Aufenthalt in der Schweiz wieder in ihren Herkunftsstaat zurückkehren müssen.
3.4. Aufgrund der vorstehenden Erwägungen gelangt das Verwaltungsgericht zum
Schluss, dass der Widerruf der Niederlassung und die Wegweisung aufgrund der
schwerwiegenden Delinquenz trotz des relativ langen Aufenthalts in der Schweiz und
des klaglosen Verhaltens als Arbeitnehmer gerechtfertigt und verhältnismässig ist.
Folglich ist die Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
4. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie ist mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe zu
verrechnen.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht