# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** db3e1eac-ada5-4ebf-af8e-e425a9daf72e
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1959, ist diplomierte Krankenschwester und verfügt über eine Ausbildung als Journalistin (
Urk.
8/1/21-23). Sie arbeitete zunächst im Pfle
gebereich, seit den 1990er-Jahren trägt sie
regelmässig
Zeitungen aus. Parallel dazu ist sie als freiberufliche Schriftstellerin tätig (Urk. 8/1/1-16, 8/2/4 f. und 8/6). Infolge einer Brustkrebserkrankung begab sie sich im März 2005 in eine stationäre psychiatrische Behandlung (
Urk.
8/24/5-7) und meldete sich bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Rentenbezug an (Urk. 8/2). Die
se
gab insbesondere einen Bericht zur Abklärung der beeinträch
tigten Arbeitsfähigkeit im Erwerb
sbereich in Auftrag, der vom 7.
September 2005 datiert (Urk. 7/21), und holte ein psychiatrisches Gutachten ein, das am
3.
März 2006 von Dr. med.
Y._
erstattet wurde (Urk. 8/26).
Schliesslich
sprach sie der Versicherten mit Verfügung vom 1
1.
Mai 2006 eine ganze Invalidenrente rückwirkend ab 1. April 2005 zu (Urk. 8/36).
1.2
Im Jahr 2007 wurde die Versicherte erstmals neurologisch und neuropsycholo
gisch abgeklärt (Urk. 8/46). Im Frühjahr 2009 liess die IV-Stelle die Versicherte einen Fragebogen ausfüllen (Urk. 8/54) und holte einen
Auszug aus dem Indivi
duellen Konto
(Urk. 8/55), einen Bericht beim Arbeitgeber (Urk. 8/56) sowie diverse Arztberichte (Urk. 8/57-58) ein.
Mit formloser Mitteilung vom 3.
August 2009 bestätigte sie die bisherige ganze Rente (Urk. 8/60). Hingegen verneinte sie mit Verfügung vom 1
1.
Januar 2010 einen Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
(Urk. 8/66).
1.3
Im April 2013 informierte das Amt für Zusatzleistungen der Stadt Zürich die IV-Stelle, dass die Deutsche Rentenversicherung ihre Leistungen an die Ver
sicherte im Jahr 2011 einge
stellt habe, und stellte ihr den entsprechenden
Widerspruchs
bescheid vom 2
5.
Oktober 2011 zu (Urk. 8/68-70). Die IV-Stelle nahm eine wei
tere Revision an die Hand (Urk. 8/73) und liess sich insbesondere das von der Deutschen Rentenversiche
rung bei Dr. med. Dipl.-Psych.
Z._
in Auftrag gegebene psychiatrische Gutachten zustellen (Urk. 8/80-81). Das von der IV-Stelle selbst in Auftrag gegebene polydisziplinäre Gutachten der Fachrich
tun
gen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie und Psychothe
rapie, Neuropsychologie sowie Medizinische Onkologie wurde am 16. Juni 2014 vo
m
I
nstitut
A._
erstattet (Urk. 8/92/2 ff.).
Nach umfangreichem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 8/97-121) stellte die IV-Stelle die Rente mit Verfügung vom 22. Juli 2015 rückwirkend per
1.
April 2011 ein (Urk. 8/122) und forderte mit Verfügung vom 2
9.
Juli 2015 die Rückerstattung eines Betrages von Fr. 63‘357.-- für die von April 2011 bis September 2014 zu viel bezahlten Renten
(Urk. 8/123). Die von der Versicherten gegen beide Verfü
gungen erhobene Beschwerd
e (
Urk.
8/127/
3 ff.) hiess das Sozialversicherungs
gericht des Kantons Zürich mit Urteil IV.2015.00936 vom 27. März 2017 in dem Sinne gut, als es die angefochtenen V
erfügungen aufhob und die Sache
an die IV-Stelle zurückwies, damit diese nach erfolgter stationärer diagnostisch-thera
peutischer Abklärung über den Rentenanspruch und gegebenenfalls einen Rück
erstattungsanspruch neu verfüge (
Urk.
8/133).
1.4
In der Folge holte die IV-Stelle aktuelle Berichte bei den Behandlungspersonen ein (
Urk.
8/144-145 und 8/147), wartete die
Abklärung im
Stadtspi
tal
B._
,
Universitäre Klinik für Akutgeriatrie, Memory
Clinic
,
ab (Urk. 8/165 und 8/179) und nahm
sämtliche
von der Deutschen Rentenversicherung veranlasste Gutach
ten zu den Akten (
Urk.
8/181). Schliesslich liess sie die Versicherte im August 2018 einige Tage in der Rehaklinik
C._
stationär begutachten (vgl.
Urk.
8/190/5). Die interdisziplinäre Zusammenfassung und Fragenbeantwortung der begutachtenden Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Neuro
logie datiert vom
3.
April 2019 (
Urk.
8/190/1-6; Teilgutachten mit Zusatzunter
suchungen:
Urk.
8/190/7-187). Gestützt darauf kündigte die IV-Stelle der Versi
cherten mit Vorbescheid vom 2
7.
Mai 2019 erneut an, die Rente rückwirkend per 3
1.
März 2011 aufzuheben sowie die
in den Monaten
April 2011
bis
September 2014 zu viel bezahlen Renten zurückzufordern (Urk. 8/192). Dagegen erhob die Versicherte Einwand (
Urk.
8/194; Begründung
:
Urk. 8/197 und 8/203) und reichte einen Screenshot (
Urk.
8/198) sowie eine Stellungnahme der sie behandelnden Psychiaterin (
Urk.
8/202)
ein
. Die IV-Stelle legte letztere dem
Regionalen Ärztli
chen Dienst (RAD)
zur Stellungnahme vor (
Urk.
8/204/4 f.), bevor sie am 1
8.
Dezember 2019 wie angekündigt verfügte (
Urk.
2).
2.
Gegen diese Verfügung erhob die Versicherte mit Eingabe vom 3
1.
Januar 2020 Beschwerde. Darin beantragte sie, diese aufzuhe
ben und ihr weiterhin eine ganze Invalidenrente zuzusprechen (Urk. 1; Beilagen
Urk.
3/1-8 und
3/
10-12). In pro
zessualer Hinsicht ersuchte sie
um Gewährung der unentgeltlichen Prozessfüh
rung und um Bestellung eines unentgeltlichen Rechtsvertreters in der Person von
Rechtsanwalt Jürg Maron (
Urk.
1
S. 1). Die IV-Stelle schloss in der Beschwerde
antwort vom 1
2.
März 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 7). Der mit Eingabe der Versicherten vom
7.
Mai 2020 (Urk. 13) nachgereichte Bericht des Stadtspitals
B._
, Memory
Clinic
, vom
6.
Mai 2020 (
Urk.
14) wurde der IV-Stelle mit Schreiben vom
8.
Juni 2020 zur Kenntnis gebracht (Urk. 15).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Sache wurde
zuletzt
mit Urteil des Sozialversicherungsgericht
s
IV.2015.00936
vom
2
7.
März 2017
, Dispositivziffer 1, an die Beschwerdegegnerin zurückgewie
sen, damit diese nach erfolgter
stationärer diagnostisch-therapeutischer Abklä
rung
über den Rentenanspruch
der Beschwerdeführerin
und gegebenenfalls einen Rückerstattungsanspruch nach
Art.
25 des
Bundesgesetz
es
über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG)
neu verfüge
(
Urk.
8
/133
). Dabei wur
den den Parteien
die rechtlichen Grundlagen einer materiellen, rückwirkenden Rentenrevision und
Rückerstattung von Leistungen ebenso wie d
ie beweisrecht
lichen Anforderungen an medizinische Bericht
e
erläutert (
Urk.
8/133/4-7).
Darauf wird verwiesen
.
1.2
Ergänzend ergibt sich aus dem Urteil des Bun
desgerichts 9C_602/2016 vom 14.
Dezember 201
6
, dass unter Umständen ein früher nicht gezeigtes Verhalten eine im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG relevante Tatsachenänderung darstellen kann, wenn es sich auf den Invaliditätsgrad und damit auf den Umfang des Ren
tenanspruchs auswirken kann (E. 5.2.2). Dies trifft etwa zu bei Versicherten mit einem Beschwerdebild, auf das die Rechtsprechung gemäss BGE 141 V 281 anwendbar ist, wenn ein Ausschlussgrund vorliegt, d.h. die Leistungseinschrän
kung auf Aggravation oder einer ähnlichen Konstellation beruht, die eindeutig über die blosse (unbewusste) Tendenz zur Schmerzausweitung und -verdeutli
chung hinausgeht (E. 5.2.2.1; zum Ganzen: Urteil des Bunde
s
gerichts 8C_825/2018 vom
6.
März 2019 E. 6.1).
2.
2.1
In materieller Hinsicht erwog das Sozialversicherungsgericht
im
obgenannten Rückweisungsentscheid
in Würdigung der medizinischen
Vorakten
,
di
e bei
Zusprechung der Rente
im Jahr 2006 (vgl. E. 3,
Urk.
8/133/8-11), der
en
formlose
r
Bestätigung im Jahr 2009 (vgl. E. 4,
Urk.
8/133/11-13) sowie im
laufenden
Revi
sionsverfahren, eingeleitet im Jahr 2013 (vgl. E. 5.1-3,
Urk.
8/133/13-16), einge
holt worden waren, die Beschwerdegegner
in
habe angesichts
(1) der unauf
f
älligen neurologischen/neuropsychologischen Befunde aus dem Jahr
2007, (2) der von
Dr.
Y._
erörterten schwierigen therapeutischen Situation im Falle einer psychischen Erkrankung, (3) den Vorbehalten
von
D
r.
Z._
im Zusammenhang mit einem mög
lichen dissoziativen Geschehen und den Diskre
panzen in früheren ärztlichen Beurteilungen, (4) der seit dem stationären Aufent
halt in der Klinik
D._
unveränderten subjektiven, zuvor stets als plausibel er
achteten
Beschwerde
klage und (5) der weiterhin attestierten vollen Arbeitsun
fähigkeit durch die von der Beschwerdeführerin seit Jahre
n regelmässig aufge
suchte
Psychiaterin,
Dr.
med.
E._
, trotz rechtskräftiger Renten
einstellung in Deutschland zu Recht ein pol
ydisziplinäres Gutachten in Auf
trag
gegeben (vgl. E. 5.4.1
Urk.
8/133/16).
2.2
Alsdann
setzt
e
sich das
G
ericht eingehend mit dem
A._
-Gutachten vom 1
6.
Juni 201
4
(vgl.
Urk.
8/133/16-20)
auseinander. Sinngemäss zusammengefasst stellte es fest, dass die einzelnen Gutachter die Frage, inwieweit ein dissoziatives Geschehen respektive eine Aggravation/Simula
tion in Betracht zu ziehen sei
, unterschiedlich beantwortet hätten. Das psychiatrische Teilgutachten, das vorder
hand auf den in der einstündigen Untersuchung erhobenen Befunden beruhe, vermöge dabei mit Blick auf die früheren Gutachten nicht recht zu überzeugen (vgl. E. 5.4.8,
Urk.
8/133/20). Weder der Bericht des Universitätsspitals
F._
vom 1
2.
Januar 2015 zu einer weiteren neuropsychologischen Abklärung (vgl. E. 5.5,
Urk.
8/133/20 f.) noch die von der behandelnden Psychiaterin ver
fassten Stellungnahmen
zum
A._
-Gutachten (vgl. E. 5.6 und 5.
7,
Urk.
8/133/22-
24) würden diesbezüglich Klarheit schaffen. Insgesamt ergäben sich wiederum keine Anhaltspunkte für ein
Krebsrediziv
oder eine neurologische respektive neuropsychologische Ursache der beschriebenen Symptomatik.
Auch
habe die Beschwerdeführerin ihren Alltag vor der Renteneinstellung (zumindest) nach eigenen Angaben allein gemeistert und sei nachweislich vermehrt als Schriftstel
lerin tätig. Konstant geblieben seien indessen die subjektiv geklagten Beschwer
den und der seit Beginn weitgehend unauffällige psychopathologische Befund in den psychiatrischen Untersuchungen. Unter Berücksichti
gung der im Raum stehenden und s
chwierig zu diagnostizierenden Konversionsstörung sowie der heiklen Grenzziehung zwischen einer anspruchsausschliessenden Aggravation und einer blossen Verdeutlichungstendenz sei der Empfehlung von
Dr.
Z._
zu folgen und eine stationäre Begutachtung durchzuführen. Inwiefern darüber hinaus fremdanamnestische Angaben einzuholen, ein Blick auf das Tablet zu werfen, eine Rohfassung des Manuskripts vorzulegen oder dergleichen seien, müsse der neue Gutachter entscheiden (vgl. E. 6,
Urk.
8/133/25-30).
3.
3.1
In der Zwischenzeit
wurde im August 2018 eine stationäre Begutachtung in der Rehaklinik
C._
durchgeführt. Das Gutachten datiert vom
3.
April
2019
(
Urk.
8/190) und enthält zu Beginn eine interdisziplinäre Zusammenfassung (
Urk.
8/190/1 ff.)
der beiden Gutachten der Fachrichtungen Neurologie
(
Urk.
8/190/14 ff.) und
Psychiatrie
(
Urk.
8/190/62 ff.). In diese flossen
wiederum
Berichte
zu
ergänzend durchgeführten
physio-
und e
rgotherapeutischen (
Urk.
8/190/149 ff.) sowie neuropsychologischen Untersuchung
en
(
Urk.
8/167/187 ff.) wie auch ein EEG-Befund (
Urk.
8/190/11) und Laborresultate (
Urk.
8/190/8 f.) ein.
3.2
In der Konsensbeurteilung hielten die Gutachter fest, dass nach der Erstdiagnose eines Mamma-Karzinoms im April 2004 die operative, chemotherapeutische und radiologische Behandlung im
F._
stattgefunden habe. Die Chemotherapie sei von Juni bis November 2004 erfolgt. Nach den zeitnah dokumentierten Angaben der Beschwerdeführerin hätten die psychischen Symptome im Zusammenhang mit der Chemotherapie im November 2004 mit Aufnahme einer [ambulanten] psychi
atrisch-psychotherapeutischen und einer stationären psychiatrischen Behandlung in der Klinik
G._
im Frühjahr 2005 begonnen. Dabei seien Orientierungs
störungen, optische und akustische Wahrnehmungsstörungen und objektivier
bare Konzentrationsstörungen beschrieben und unter der Diagnose einer Anpas
sungsstörung und einer vorübergehenden psychotischen Störung
neuroleptisch
behandelt worden. Abgestützt auf eine psychiatrische Begutachtung durch Dr.
Y._
, bei der eine mittelgradig depressive Störung und eine dissozia
tive Störung diagnostiziert worden seien, habe die Invalidenversicherung im März 2006 eine volle Rente verfügt (
Urk.
8/190/2 f.).
3.3
Bei der aktuellen Begutachtung sei von der Beschwerdeführerin noch folgende Symptomatik geltend gemacht worden: inkompletter Verlust der Bewegungsfä
higkeit und der Koordination im Sinne von koordinierten Bewegungsabläu
fen/Handlungsfolgen wie Bremsen am
Kickscooter
, Benutzung von Drehtüren, Kaffeekochen, Zähneputzen, Benutzung des Wasserhahns, Öffnen von Gartentör
chen und ein inkompletter Verlust der Hautempfindungen im Gesichtsbereich. Aus psychiatrischer Sicht stehe insbesondere das Vorliegen einer dissoziativen Störung zur Diskussion, bei der allgemein die Symptomatik im subjektiven Erle
ben verankert sei und sich einer «Objektivierung» entziehe. Bei einem Abstützen auf die subjektiv berichteten Symptome wäre die Diagnose dissoziative Störungen (Konversionsstörungen), gemischt zu stellen. Aus gutachterlich Sicht müsse jedoch von einer nicht-authentischen Präsentation bzw. von einer bewussten Übertreibung einer früher in stärkerer Ausprägung vorliegenden psychischen Symptomatik ausgegangen werden. Somit sei die Diagnose nur auf einem Wahr
scheinlichkeitsniveau von «möglich» zu stellen und der Schweregrad wäre maxi
mal als «leicht» einzuschätzen (
Urk.
8/19/3).
Hinsichtlich des Modells von Persönlichkeitsstörungen gemäss der ICD-10-Klassifikation sei keine spezielle Diagnostik erfolgt. Es fänden sich jedoch einzelne Kriterien, die für akzentuierte Persönlichkeitszüge aus dem Bereich einer
histrionischen
oder narzisstischen Persönlichkeit sprechen könnten (
Urk.
8/190/5). Eine relevante neurologische oder neuropsychologische Störung sei nach detaillierter Auswertung der Aktenlage und der klinischen Untersuchung nicht erkennbar (
Urk.
8/190/3).
3.
4
Die Gutachter diagnostizierten
infolgedessen
eine überwiegend wahrscheinlich nicht authentische Präsentation einer möglichen dissoziativen Störung, gemischt (ICD-10: F44.7
)
mit Depersonalisations- und
Derealisationsphänomenen
(ICD-10: F48.1), eine mögliche Akzentuierung von Persönlichkeitszügen (ICD-10: Z73.1) sowie einen unspezifischen neuropsychologischen Befund bei mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit vorliegender Vortäuschung einer neurokogniti
ven Störung (
Urk.
8/190/3). S
ie
schlussfolgerten
, abgestützt auf die aktuellen Untersuchungsergebnisse liege keine medizinisch begründbare Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor (
Urk.
8/190/6).
3.
5
Zum Verlauf der Krankheit und Arbeitsfähigkeit erörterten die Gutachter, mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
sei davon auszugehen
, dass initial eine disso
ziative Störung mit Funktionseinschränkungen und einer Aufhebung der Arbeits
fähigkeit bestanden habe. Dies lasse sich auch anhand des Aufenthaltes in der Klinik
D._
plausibilisieren. Im weiteren Verlauf habe sich seit der Begutach
tung
durch
Dr.
Y._
mit Untersuch im Dezember 2005 jedoch eine deutliche Verbesserung der Symptomatik gezeigt (
Urk.
8/190/3 f.).
Auf der Ebene der Beschwerden habe die Beschwerdeführerin damals über eine Lähmung des Armes und Beines links, mit einem Kribbeln in den Beinen und Umfallen einmal am Tag geklagt. Heute berichte sie noch von gewissen Schwie
rigkeiten, das Bein und den Arm links zu kontrollieren, und von Krämpfen darin. Optische und akustische Wah
rnehmungsstörungen berichte sie
nicht mehr und der damals aufgetretene Verlust von sämtlichen biographischen Erinnerungen und der Sprache habe in der aktuellen Untersuchung nicht mehr bestanden. Auf der Ebene der Diagnosen habe
Dr.
Y._
eine depressive Störung festge
stellt, die in der aktuellen Begutachtung nicht mehr vorhanden gewesen sei. Hinsichtlich der dissoziativen Störung müsse aktuell von einer bewussten Über
treibung einer früher in stärkerem Ausmass vorliegenden Symptomatik ausge
gangen werden. Schliesslich habe die Beschwerdeführerin auf der Funktionsebene mit Unterstützung ihrer Psychiaterin
und
der psychiatrischen Spitex
Copingstra
tegien
entwickeln können, die sie in die Lage versetzten, auch ohne die vorher täglich benötigte Hilfe des Nachbarn zurechtzukommen. Aktuell fänden die Ter
mine mit der Spitex nur noch unregelmässig etwa einmal im Monat statt, mit häufigeren Spitex-Pausen über zwei bis drei Wochen. Aus gutachterliche
r
Sicht bestehe durch die verbesserte Nutzung von
Copingstrategien
auch eine verbes
serte
Belastbarkeit. Dass die Beschwerdeführerin Funktionseinschränkungen in unverändertem Ausmass angegeben h
abe, sei der nicht authentischen
Präsenta
tion geschuldet (
Urk.
8/190/4).
W
ann die Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeitsfähigkeit eingetreten sei, lasse sich medizinisch bei zu vermutender allmählicher Verbesse
rung indessen nicht beurteilen, da keine diesbezüglich relevanten medizinischen Berichte vorlägen, auf die abgestützt werden könnte. Als Hinweis könne die Ver
öffentlichung des vierten Buches dienen (
Urk.
8/190/4).
4.
4.1
Die Beschwerdegegnerin erwog im angefochte
nen Entscheid gestützt auf das
Gutachten der Rehaklinik
C._
sowie jenes von
Dr.
Z._
, die gesundheitliche Situation der Beschwerdeführerin habe sich kontinuierlich gebessert. Spätestens seit 1. April 2011 bestünden keine gesundheitlich bedingten Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit mehr. Insbesondere habe die Beschwerde
führerin im März 2011 einen Roman veröffentlicht und auf ihrer Homepage diverse Reisen und Lesungen angekündigt. Bei der
jüngsten
Stellungnahme
von
Dr.
E._
handle es sich bloss um eine andere Beurteilung desselben Sachver
halts. Da es die Beschwerdeführerin versäumt habe, sie über die Buchveröffentli
chung und den Wegfall der Deutschen Rente zu informieren, sei die Rente rückwirkend aufzuheben (
Urk.
2).
4.2
Die Beschwerdeführerin hielt indessen dafür, sie sei weiterhin
«
voll
ständig»
arbeitsunfähig (
Urk.
1 S. 14). Die Beschwerdegegnerin habe die Gutachter der Rehaklinik
C._
mit der Frage nach einer Aggravation/Simulation zu ihren Ungunsten beeinflusst, weshalb
deren G
utachten unverwertbar sei.
Diese
hätten sich zu schnell mit dieser Lösung zufriedengegeben und es versäumt, ihre Situa
tion zuhause abzuklären.
Dr.
E._
und die Memory
Clinic
hätten aufgezeigt, dass es andere Erklärungen gebe, womit sich die Gutachter zu wenig ause
inan
dergesetzt und die
Publikation
eines Buches
einer Leistungsfähigkeit gleichgesetzt hätten. Einen Grossteil ihrer Literatur habe sie vor dem Jahr 2004 geschrieben und die Lesungen hätten sie nicht stark gefordert (
Urk.
1 S.
6-
8).
Folglich lasse sich mit der Publikation ihres vierten Romans, der erst im März 2014 erschienen sei, auch keine Meldepflichtverletzung nachweisen. Gleiches gelte, wie bereits im letzten Verfahren dargelegt, für das Gutachten der Deutschen Rentenversicherung (
Urk.
1 S. 9 f.). Ferner habe die Beschwerdegegnerin auf
grund der
A
bklärung im Jahr 2005 von ihrer Schriftstellertätigkeit gewusst und sei von ihr noch im Oktober 2011 über den Widerspruchsbescheid der Deutschen
Rentenversicherung informiert worden, wofür sie eine Zeugin habe (
Urk.
1 S. 10
f.). Die einjährige Frist zur Geltendmachung der Rückforderung sei schliesslich selbst dann nicht gewahrt, hätte sie erst mit dem Telefonat des Amts für Zusatz
leistungen zu laufen begonnen (
Urk.
1 S. 11).
5.
5.1
Den von Versicherung
strägern im Verfahren nach Art.
44 ATSG eingeholten, den Anforderungen der Rechtspr
echung entsprechenden Gutachten
externer Spezial
ärzte (sogenannte Administrativgutachten) ist Beweiskraft zuzuerkennen, solange nicht konkrete Indizien gegen die Zuverlässigkeit der Exper
tise sprechen (BGE 135 V 465 E.
4.4; Urteil des Bundesgerichts 9C_823/2018 vom
11. Juni 2019 E.
2 mit Hinweisen).
Wie im
letzten Urteil
IV.2015.00936
vom
2
7.
März 2017 E. 1.5 dargelegt (vgl.
Urk.
8/133/6 f.), erfüllt ein medizinischer Bericht die vom Bundesgericht formu
lierten beweisrechtlichen Anforderungen, wenn er
für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und die Schlussfolgerung
en des Experten begründet sind
(BGE 134 V
231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
5.2
5.2.1
Wie die Beschwerdeführerin
selbst
einräumt
e
,
ist
das Gutachten der Rehaklinik
C._
vom
3.
April 2019 umfassend und formell einwandfrei (
Urk.
1 S. 6).
Sie
wurde von diversen Fachärzten nochmals
eingehend untersucht, die ergänzend eine Reihe von Test
s
durchführen liessen (vgl. E. 3.1). Neben einem ausführlichen Befund (
Urk.
8/190/42 ff. und 8/190/101 ff.), einschliesslich der Auswertung
der
Zusatzuntersuchungen
(vor allem
Bilddokumente und neuropsychologische Test
ergebnisse
; v
gl.
Urk.
8/190/45 ff. und 8/190/110 ff.), erhoben
die Gutachter
eine umfassende Eigenanamnese (vgl.
Urk.
8/190/37 ff. und 8/190/89 ff.) und holten
ergänzend
fremdanamnestische Angaben bei
Dr.
E._
, der Spitex
und
der Schwester der Beschwerdeführerin ein (vgl.
Urk.
8/190/47 und 8/190/118 ff.). Sodann setzten
sie sich
einlässlich mit den geklagten Beschwerden,
ihren
Unter
suchungsergebnissen
sowie
den
Vorakten
auseinander (vgl.
Urk.
8/190/49 ff. und 8/190/125 ff.).
5.2.2
In der Konsensbesprechung gelangten
die Gutachter
zu einem gemeinsamen Ergebnis (vgl.
Urk.
8
/190/1 ff., insbesondere S. 6).
Materielle
Widersprüche innerhalb der einzelnen Beurteilungen oder zwischen diesen wurden von der
Beschwerdeführerin nicht dargetan und sind
auch
nicht ersichtlich.
Entgegen ihrer Auffassung sind d
ie medizinischen Überlegungen und Schlussfolgerungen
im Gutachten zudem
nachvollziehbar begründet. Was
sie
dagegen vorbrachte, vermag
daran
–
wie nachfolgend
aufzuzeigen ist –
keine
Zweifel zu wecken.
Konkret monierte die Beschwerdeführerin
die Verwertbarkeit
des Gutachtens
infolge Befangenheit
der Gutachter
(vgl.
Urk.
1 S. 5 f.), wofür sie auf Frage 4 des vom RAD-Arzt Dr. med.
H._
erstellten Fragenkatalogs hinwies. Diese lautet: «Gibt es Anhaltspunkte, ob eine Aggravation bzw. Simulation im Raum
steht?»
(vgl.
Urk.
8/191/5).
Des Weiteren
stellte sie eine Aggravation in Abrede
und
erachtete gestützt auf die Stellungnahme
von
Dr.
E._
vom 3. Oktober 2019 (
Urk.
8/202) sowie die Berichte der Memory
Clinic
vom Frühjahr 2018 (Urk. 8/165) andere Erklärungsansätze als wahrscheinlicher (vgl.
Urk.
1 S. 7 ff.).
5.3
5.3.1
Eine
unzulässige Beeinflussung des Gutachters
bejahte das Bundesgericht in einem Fall
, in welchem der RAD-Arzt in einem vor der Begutachtung geführten Telefonat mit dem Experten materiel
l über den Fall sprach und ihn –
gemäs
s Eintrag im Verlaufsprotokoll –
von seiner Meinung, die Diagnose einer schweren depressiven Episode sei nicht ausgewiesen, zu überzeugen vermochte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 1051/06 vom 4. Mai 2007 E. 3.3).
Im
Urteil 8C_668/2007 vom
3.
Oktober 2008 E. 3.3.2
fügte es dem hinzu
, eine unzulässige Beeinflussung eines Gutachters sei grundsätzlich nicht nur in Form eines Telefonats mit der bei dieser Kommunikationsform zwingend fehlenden verfahrensmässigen Transparenz, sondern auch durch andere nicht im Dossier festgehaltene, den materiellen Aspekt des Falles betreffende Kontakte zwischen Verwaltung und Experte denkbar. Sie könne sich grundsätzlich auch aus offen
sichtlich suggestiven Fragestellungen ergeben. Zu beurteilen
hat
t
e
das Bundes
gericht
die Feststellung des Gutachters,
er gehe mit dem RAD-Arzt einig, dass die Arbeitsunfähigkeit nicht auf ein psychisches Ereignis zurückgeführt we
rden könne. Der RAD-Arzt hatte zuvor
erklärt
gehabt
, es
würden
eine posttraumatische Belastungsstörung und eine Schmerzverarbeitungsstörung postuliert. Ihm sei nicht ganz klar, weswegen der Versicherte
nach der Einreise im
November 1
997
trotzdem habe arbeiten können, also keine Beeinträchtigung durch die postulierte pos
ttraumatische Belastungsstörung
gehabt habe, und
dies
nun seit Mitte 2004 (Auslöser
sei
ein somatisches, nicht
ein
psychisches Ereignis) nicht mehr möglich
sei
. Das Bundesgericht verneinte
einen geschmälerten Beweiswerts
des Gutach
tens,
da die speziellen Fragen des RAD-Arztes im Dossier transparent gemacht
worden seien
und inhaltlich nicht als unzulässige Beeinflussung gewertet werden könnten.
5.3.2
Vorliegend wurde der Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 16. Januar 2016 eine Frist bis 30. Januar 2016 angesetzt, um Einwendung
en
gegen die darin genannten Gutachter zu erheben und Zusatzfragen zum beigelegten Fragenkata
log einzureichen (
Urk.
8/151). Wie sie in der Beschwerde ausführte (vgl.
Urk.
1 S.
6), beanstandete sie die Frage nach Hinweisen auf eine Aggravation oder Simu
lation
erstmals
, nachdem das Gutachten zu ihren Ungunsten ausgefallen war – konkret mit ihrem Einwand vom 16. August 2019 gegen den Vorbes
cheid (
Urk.
8/197/3). Die strittige Frage selbst
ist ergebnisoffen formuliert und stand
bei der Begutachtung
aufgrund des
A._
-Gutachtens
respektive der
in verschiedenen Unterlagen dokumentierten
diagnostischen Schwierigkeiten (vgl. E. 2)
ohnehin
im Vordergrund.
So
weit
die Rüge
dreieinhalb Jahre nach Kenntnisnahme des Fra
genkatalogs
noch
zu hören ist, erweist sie sich daher als unbegründet. Es
ist nicht einsichtig,
inwiefern Frage Nr. 4
unter den genannten Umständen
als suggestiv einzustufen wäre.
5.4
5.4.1
Im Bericht der Memory
Clinic
vom
3.
Mai 2018 wurde zur Schlussbesprechung nach einem CT des Schädels, einer Lumbalpunktion sowie einem FDG-PET fest
gestellt, eine entzündlich/infektiöse Ätiologie der Kognitionsstörung habe man weitgehend ausschliessen können. Auch lägen keine Hinweise für eine zugrun
deliegende Alzheimererkrankung vor. Hingegen hätten sich im FDG-PET Hinweise für einen frontalen Hypometabolismus ergeben, vereinbar mit einer Erkrankung aus dem Formenkreis der
frontotemporalen
Lobärdegen
e
ration
. Auch die neuropsychologischen Untersuchungen seien vereinbar mit einer Erkrankung aus dem Formenkreis der
frontotemporalen
Lobärdegeneration
. Klinisch sei neben der bekannten Polyneuropathie,
di
e möglicherweise Zytostatika-indiziert sei, eine deutliche Kraftminderung im Bereich der linken Körperhälfte aufgefallen. Bei klinisch negativem
Babinski
sowie fehlender Tonuserhöhung oder Atrophie und fehlender Korrelation der Symptomatik in der zentralen Bildgebung bleibe die Ätiologie unklar (
Urk.
8/165/2).
5.4.2
Hierzu
ist dem
Gutachten
der Rehaklinik
C._
insbesondere
zu entnehmen, das MRI vom 31. März 2006 habe Hinweise auf einzelne,
periventrikulär
gelegene, kleine Hyper-Intensitäten in der T2-Sequenz ergeben. Dieser Befund sei mit einer leichtgradigen Mikro-Angiopathie zu vereinbaren. Diese leichten Signal-Auffälligkeiten sollten indessen keine Hirnleistungsminderung oder klinisch-neu
rologische
n
Ausfälle verursachen. Nicht auszuschliessen sei, dass damals eine leichte
,
überaltersgemässe
Verschmächtigung
des Hirnwindungs
reliefs hochfron
tal vorgelegen habe. Neurologisch beurteilt sprächen die MRI-Befunde des Gehirns gegen eine frühere Erkrankung an einer Enzephalitis und wiesen keine
Zeichen einer früheren Schädigung durch Chemo- oder Radio-Therapie auf. Die klinische Beurteilung bezüglich einer Hirn-Atrophie (
Verschmächtigung
des Hirnparenchyms) aus einer einzelnen MR-Aufnahme sei alsdann mit hohen Unsicherheiten behaftet.
Im CT des Stadtspitals
B._
vom 30. Januar 2018 sei der klinische Eindruck einer leichten bis mässigen, frontal-betonten Hirn-Atrophie entstanden. Es sei eine detaillierte radiologische Beurteilung bezüglich Hirn-Atrophie-Zeichen im Rah
men einer MR-PET-Untersuchung im
F._
am 2
3.
März 2018 erfolgt. Dabei sei ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass weder eine Hippocampus-Atro
phie noch eine andere Atrophie noch eine Diffusions-Restriktion zu finden gewesen sei. Die mikro-
angiopathisch
anmutenden Veränderungen seien im Sinne einer vaskulären
Leukenzephalopathie
nach der Klassifikation
Fazekas
II, eingeordnet worden. Somit sei die detaillierte Beurteilung bezüglich einer mögli
chen Hirn-Atrophie in der Kernspintomographie nicht konklusiv. Die sämtlich unauffälligen Liquor-Proteine, bestimmt in der Memory-
Clinic
, sprächen sowohl gegen eine manif
este Alzheimer-Demenzerkrankung
als auch gegen eine
Corico
-basale oder
frontotemporale
Demenz.
Damit sei aus neurologischer Sicht festzustellen, dass in der detaillierten Beurtei
lung aus dem jüngsten
Kernspintomogramm
vom 2
3.
März 2018 keine überal
tersgemässe generalisierte oder umschriebene Hirnsubstanzminderung (Hirnatro
phie) habe nachgewiesen werden können. In der mehrfachen Bildgebung des Gehirns bis zum Jahr 2018 gebe es keine erheblichen Hirnschädigungs-Zeichen (vgl.
Urk.
8/190/52 f.).
5.4.3
Demnach
findet sich im aktuellen neurologischen Teilgutachten eine sorgfältige Auswertung der Bilddokumente des Schädels, die der Annahme einer
frontotem
porale
Lobärdegeneration
letztlich die Grundlage entzieht. Ein
entsprechender
neurodegenerativer Prozess wurde im
zitierten
Bericht der Memory
Clinic
daher zu
R
echt nur als Differentialdiagnose zur in der neuropsychologischen Untersu
chung (vgl.
Urk.
8/165/6 f.) diagnostizierten mittelschweren kognitiven Störu
ng erwogen (vgl.
Urk.
8/165/1). Letztlich handelt es sich dabei
um einen
Verdacht, der sich trotz zahlreicher Abklärungen
bisher
nicht mit dem nötigen Beweisgrad erhärten liess.
Ergänzend sei
auf den
im
neuropsychologischen Bericht
der Rehaklinik
C._
erwähnten Beitrag aus einer onkologischen Zeitschrift
aus dem Jahr 2012 hinge
wiesen, wonach Brustkrebspatientinnen nach einer Chemotherapie in kognitiven Tests mit Anforderung an verbale und
visuo
-räumliche Fähigkeiten nur gering
fügig tiefere Leistungen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung
aufwiesen (vgl.
Urk.
8/190/186 Mitte).
5.4.4
Dem im
Prozess
eingereichten Nachkontrollbericht
der Memory
Clinic
vom
6.
Mai 2020 (
Urk.
14)
ist nichts Neues zu entnehmen. Diagnostiziert wurde eine Major
neurocognitive
Disorder
bei
«möglicher»
frontotemporaler
Lobärdegeneration
, differentialdiagnostisch überlagert durch eine dissoziative Symptomatik. Im Übrigen wurde die Situation als weitgehend stabil bezeichnet, wobei sich aller
dings die Symptomatik verlagert habe. Während bei der Erstabklärung vor allem Stürze und die aufwändige Bewältigung des Alltags aufgrund mnestischer Schwierigkeiten und der Aufmerksamkeitsstörung im Vordergrund gestanden h
ätten
, berichte die Beschwerdeführerin nun vor all
em
über Zustände, bei denen sie nicht präsent sei.
Eine eindeutige ätiologische Zuordnung der Symptomatik sei noch nicht möglich. Man gehe nicht von einer Aggravation aus, hingegen lasse sich eine dissoziative S
ymp
t
omatik nicht ausschliessen.
Eine objektivierbare hirnorganische Ursache
(oder eindeutige psychische Störung)
fü
r die geklagten Beschwerden ist auch durch diesen Bericht
nicht nachgewiesen.
5.5
5.5.1
Dr.
E._
erläuterte in ihrer
jüngsten
Stellungnahme, erst als der Nachbar der
Beschwerdeführerin
verstorben sei, habe sie gemerkt, dass
die Beschwerdeführe
rin
vieles beschönigt habe. Sie habe deshalb eine Spitex eingesetzt. Die Beschwer
deführerin habe ihr kaum Defizite berichtet
. Diese schäme sich
(vgl.
Urk.
8/202/2).
Sodann
gab
Dr.
E._
Befunde, Beobachtungen
und
geklagte Beschwerden aus
der aktuellen Begutachtung
wieder
und betonte,
diese bestünden
seit Jahren,
seien schwer zu simulieren bzw.
sprächen
für eine
frontotemporale
Deme
n
z (vgl.
Urk.
8/202/3-5).
In der Hauptsache
monierte sie,
d
ie begutachtende Psychiaterin
sei
bei der Exploration
aufgrund des Fragenkatalogs
und der
Ergebnisse der zuvor du
r
chge
führten neuropsychologischen Testung voreingenommen gewesen
(vgl.
Urk.
8/202/5 f.). Diese habe
zudem
zu wenig nachgefragt, zumal die Beschwer
deführerin ihre Defizite charmant flunkernd überspiele (z.B.
Urk.
8/202/7). Es sei unverständlich, dass man die übereinstimmenden fremdanamnetischen Angaben nicht berücksichtigt habe. Zudem dürfe aus der Begutachtung nicht ohne Arbeits
versuch geschlossen werden, eine entsprechende Belastung sei über Wochen möglich (vgl. Urk. 8/202/8).
Dabei ging
Dr.
E._
detailliert auf den nach ver
schiedenen Methoden erhobenen Befund ein, wiederholte indessen im Wesentli
chen Altbekanntes (vgl.
Urk.
8/202/5-8).
Besonders prangerte sie die Beschwerdevalidierung nach Slick, Sherman und
Iverson
, 1999 an. Die Tests bedürften einer sorgfältigen Auswertung, während die Gutachter noch vor Beginn auf den Simulationsverdacht hingewiesen worden seien (vgl.
Urk.
8/202/9 ff.). Es sei unbestritten, dass solche Werte teilweise mit
der geschilderten Art selbständigen Lebens nicht sehr gut verei
nbar seien, jedoch bekomme
die Beschwerdeführerin sehr vielfältige Hilfe: Spitex, Haushaltshilfe, Freundinnen. Auch habe diese einzig
das Buch ...
nach der Chemotherapie geschrieben und selbst für die Veröffentlichung bezahlen müssen, so schlecht sei es gewesen. Eine Erklärung für die Diskrepanzen seien die häufigen Blockaden. Unter der Voraussetzung, dass eine kognitive Beeinträchtigung vor
liege, könne allenfalls auch gar nicht auf die Testergebnisse abgestützt werden.
Man habe jedoch von A
nfang nach einer Aggravation/Simulation gesucht und folglich auch
eine
gefunden (
Urk.
8/202/10).
Ihre
r
Ansicht nach liege eine dissoziative Störung vor, welche die Beschwerde
führerin längere Zeit habe kompensieren können, nun aber durch das Fehlen des Nachbarn und den Tod des Bruders stärker in den Vordergrund getreten sei. Der Tod habe Erinnerungen an die eigene Erkrankung hervorgerufen. Hinzu kämen konstante kognitive Probleme, Wortfindungs- und Orientierungsstörungen, die seit der Chemotherapie bestünden und von allen Involvierten regelmässig festge
stellt würden. Ein
Chemobrain
– im Gutachten ausser Acht gelassen – sei nicht mit Sicherheit auszuschliessen. Ebenso wenig eine beginnende Demenz, was die von vielen Seiten beobachtete Verschlechterung erklären würde. Kaum ein [gesunder] Mensch würde jahrlange seine zu kleine Wohnung nicht wechseln, alles anpassen, sich keine Auswahl leisten, den eigenen Geburtstag vergessen oder mit dem Velo in eine Mauer/einen Busch fahren und sich verletzen (vgl. kommentierte Fotos,
Urk.
8/202/14-22). Die Weiterausrichtung der Rente brächte der Beschwerdeführerin nur einen minimalen Vorteil, wobei jeder Explorand einen positiven Verfahrensausgang erwarte. Mit dem Verdacht auf
eine
nicht authentische Präsentation würden alle verfügba
ren objektiven Befunde
zunichte
gemacht
. Fraglos bestünden Diskrepanzen und Inkonsistenzen, auch in der The
rapie und mit der Spitex. So wolle die Beschwerdeführerin ihre Defizite nicht wahrhaben und überspiele diese. Bis vor zwei Jahren habe sie die Problematik noch mehr im kognitiven Bereich (
Chemobrain
) gesehen. Seither hätten sich die Dissoziationen/Desorientiertheit und Wortfindungsstörungen verstärkt, seien besser selber erlebbar gewesen. Als ursprünglich auslösendes Erlebnis müsse die Krebserkrankung gesehen werden, da ab damals Symptome berichtet würden. Die Problematik habe sich zuerst gleich gehalten und sei dann in den letzten zwei bis drei Jahren zunehmend sichtbarer geworden (Urk. 8/202/11 f.).
5.5.2
Mit
dem RAD, der sich am 1
2.
Dezember 2019
zu dieser
jüngsten
Stellungnahme der
Behandlerin
äusserte, ist vorab
hervorzuheben, dass
darin
im Vergleich zur stationären Begutachtung in der Rehaklinik
C._
kein neuer medizinischer Sachverhalt dargelegt wurde.
Vielmehr liegt
eine andere Beurteilung desselben Sachverhalts vor
(vgl.
Urk.
8/204/4)
.
Dabei
räumte die
Behandlerin
explizit ein,
dass die schlechten Ergebnisse der neuropsychologischen Testung «nicht sehr gut» mit der selbständigen
Lebensführung vereinbar seien, und bestätigte darüber hin
aus, dass sich im Alltag und
in
der Praxis immer wieder solche Inkonsistenzen zeig
t
en
(zu den Inkonsistenzen in der stationären Begutachtung vgl. etwa
Urk.
8/190/54 f.
und 8/190/186
)
.
Der einzige,
jedoch
entscheidende Unterschied zwischen den Beurteilungen besteht darin, dass die Gutachterin die geklagten bzw. gezeigten Beeinträchtigungen auf ein
aggravatorisches
Verhalten im Sinne einer bewussten Übertreibung zurückführte, die
Behandlerin
ein solches indessen verneinte. Eine Simulation, aufgefasst als bewusst
e
Vortäuschung von Sympto
men mit offensichtlicher Motivation, verneinten beide (vgl.
Urk.
8/190/147).
5.5.3
Wie bereits in E. 5.3 erörtert, sprengt Frage Nr. 4 den Rahmen der zulässigen Instruktion nicht. Die begutachtende Psychiaterin war sich denn auch jederzeit der schwierigen Diagnostizierung von Konversionsstörungen bewusst und legte diese sowohl medizinisch-theoretisch (vgl.
Urk.
8/190/125 f.) wie auch im spezi
fischen Fall der Beschwerdeführerin offen.
S
orgfältig wandte sie mehrere Metho
den zur Befunderhebung an (
vgl.
Urk.
8/190/101 ff.)
,
prüfte die Diagnosekriterien anhand verschiedener Klassifikationen
(vgl.
Urk.
8/190/125 ff.) und setzte sich – unter Berücksichtigung der mit Vorsicht zu geniessenden Validierungsverfahr
en bei dissoziativen Störungen –
mit dem Ergebnis der neur
o
psychologischen Untersuchung auseinander (vgl.
Urk.
8/190/140).
5.5.
4
Im Gegensatz zur
Behandlerin
, welche
im Wesentlichen
damit
argumentierte,
die Beschwerdeführerin gut zu kennen
und
dass
sich diese im Alltag (bei allerdings bescheidenen finanziellen Mitteln) kaum freiwillig derart einschränke
n würde
, stützte die Gutachterin ihre Beurteilung
unter anderem
auf zwei wesentliche medizinische Erkenntnisse: (1) Es sei auffallend, dass insgesamt sehr viele, sehr ungewöhnliche Beschwerden bzw. massive Defizite vorgetragen worden seien, und (2) ein unverändertes und andauerndes Weiterbestehen der Symptomatik spreche gegen das klinische Wissen um den Verlauf einer dissoziativen Störung, der sich überwiegend wellenförmig mit zeitweisem Verschwinden der Sympto
matik gestalte (vgl.
Urk.
8/190/136; ferner
auch
Urk.
8/190/138).
Im Einzelnen
nahm die Gut
achterin
den inkompletten Verlust der Bewegungsfä
higkeit und Koordination im Sinne von koordinierten Bewegungsabläu
fen/Handlungsabfolgen wie Bremsen am
Kickscooter
, Benutzung von Drehtüren, Kaffee
kochen,
Zähneputzen, Benutzung des Wasserhahns, Öffnen von Gartentör
chen etc.
durchaus
zur Kenntnis und kam
– wie die
Behandlerin
–
zum Schluss, dass b
ei einem Abstütz
en auf die subjektiv berichteten Symptome, dissoziative Störungen, gemischt (ICD-10: F44.7), zu diagnostizieren wären.
Sie wies jedoch darauf hin
, dass die angegebene Verschlechterung der Symptome in den letzten
zwei bis drei Jahren, also in grossem Zeitabstand zur Krebserkrankung, hierfür atypisch sei. Ebenfalls als atypisch beurteilte sie die geschilderten massiven Prob
leme mit der Wiedererkennung von Personen, Gegenständen bzw. Lokalitäten in der häuslichen Umgebung (vgl.
Urk.
8/190/127).
Ergänzend
hielt die Gutachterin fest, das geklagte Fremdheitsgefühl in der eige
nen Wohnung und Nichterkennen von eigentlich bekannten Umgebungen oder vertrauten Menschen – in der Vergangenheit als Orientierungsstörung gedeutet – sei möglicherweise eher den
Derealisationsphänomenen
zuzuordnen.
Die Prä
valenzzahlen
für ein Depersonalisations-/
Derealisationssyndrom
in der Allge
meinbevölkerung
lägen
[
allerdings
]
zwischen
1 und 3
%
.
Die geklagte fehlende zeitliche Orientierung entspreche möglicherweise einem Verlust des subjektiven Zeitgefühls. Auch die zu Beginn beschriebenen akustischen Echoeffekte könnten hier eingeordnet werden. Die Beschwerdeführerin klage [
jedoch
] auch über Schmerzen, die teilweise ins Unerträgliche gehen würden, ohne dass sie es wisse. Dies wäre bei Depersonalisationsphänomenen möglich, aber diese Angabe wirke sehr ungewöhnlich und teils in sich widersprüchlich (vgl.
Urk.
8/190/127 f.).
5.5
.5
Zur
erneut
thematisierten
Schriftstellerei
gab die
Beschwerdeführerin
in der Exploration
an
, zwei der während des Rentenbezugs veröffentlichten Bücher hätten bereits vorher in der Schublade gelegen
,
beim letzten habe sie viel Unter
stützung bekommen.
Die
von ihr nachgewiesenermassen
(vgl.
dazu
Urk.
9/2)
durchgeführten Lesereisen, der Besuch der Frankfurter Buchmesse und mehrere Interviews (
youtube
) seien nur mit Hilfe erheblicher Kompensationsstrategien und persönlicher Unterstützung möglich gewesen. Die Gutachterin
erörterte
, dass in einem Schreiben der Beschwerdeführerin vom
3.
September 2015 die einzelnen Täti
gkeiten detailliert aufgeführt seien
, darunter die Veröffentlichung mehrere
r
Kurzgeschichten und das Schreiben einer Kolumne alle zwei Monate nach Eintritt des Gesundheitsschadens. Die Angaben seien fremdanamnestisch von der Schwester bestätigt worden und würden angesichts des Gesamtbildes allenfalls teilweise nachvollziehbar erscheinen, entzögen sich jedoch letztlich einer Über
prüfbarkeit. Bestehen bleibe die Tatsache, dass diese doch recht komplexen Tätigkeiten möglich gewesen seien, was in jedem Fall eindeutig gegen ein aufge
hob
enes Leistungsvermögen spreche
(vgl.
Urk.
8/190/138).
Es ist
nicht ersichtlich, inwiefern dieser Sachverhalt
einer Richtigstellung bedarf
(vgl.
Urk.
8/202/10)
. Einem schlechten
Buch
muss
nicht zwingend eine relevante psychische Störung zugrunde liegen
(
nach A
ngaben der Beschwerdeführerin
wird nur 1
%
der
Manuskripte eines Schriftstellers
veröffentlicht,
Urk.
8/21/3)
und
die Beschwerdeführerin
liess
ihr
viertes
Buch, obschon sie sich
nach Einschä
tzung ihrer
Behandlerin
für ihre
Defizite schämt, auf eigene Kosten
publizieren.
5.5.6
Im Übrigen
zog die Gutachterin aus der stationären B
egutachtung nicht den Schluss,
die Beschwerdeführerin
sei
über mehrere Wochen
uneingeschränkt
leis
tungsfähig (
vgl. auch
Urk.
8/190/138 zu
möglichen
Einschränkungen als
Zei
tungsverträgerin
).
Vielmehr
liess die Verhaltensbeobachtung sie – wie bereits die Schriftstellerei
– erheblich
an einer
«
aufgehobenen
»
Leistungsfähigkeit
zweifeln
(vgl.
Urk.
8/190/139).
5.5.7
Die Schlussfolgerungen
der begutachtenden Psychiaterin
beruhen
letztlich
auf einer sorgfältigen Abwägung
des dokumentierten Längsschnitts der Symptome (
Urk.
8/190/132 ff.), der subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin (
Urk.
8/190/136 f.), ihrer Tätigkeiten als
Zeitungsverträgerin
und Autorin (
Urk.
8/190/138), der von ihr
beanspruchten
Behandlung (
Urk.
8/190/138 f.), ihrem Funktionsniveau im Alltag (
Urk.
8/190/137), den
Befunden
und Beobach
tungen im Rahmen der Begutachtung (
Urk.
8/190/139
),
de
r
fremdan
a
mn
e
stisch
en Angaben (
Urk.
8/190/139 f.) sowie der testpsychologischen, ergo
-
und physiothe
rapeutischen
Zusatzuntersuchungen
(
Urk.
8/190/140).
Dabei räumte
die Gutach
terin auch
ein, dass die langjährige psychiatrische-psychotherapeutische Behand
lung
und
die bereits seit dem Jahr 2014 bestehende Involvierung der psychiatri
schen Spitex auf eine psychische Problematik hindeuten würden. Sie wies jedoch auch darauf hin, dass das Ausmass infolge einer bewussten Übertreibung von Beschwerden nicht beurteilt werden
könne
(vgl.
Urk.
8/190/141).
5.6
Zusammenfassend kann
somit
vollumfänglich auf das Gutachten der Rehaklinik
C._
abgestellt werden,
das
nach einer stationären Begutachtung umfassend, sorgfältig und
schlüssig begründet wurde. Weder
wird
dessen Beweiswert durch eine unzulässige Beeinflussung der Gutachter geschmälert, noch förderten die Abklärungen in der Memory
Clinic
eine überwiegend wahrscheinlich organische Ursache der geklagten Beeinträchtigungen
zutage
, noch
vermochte
Dr.
E._
relevante
, im Gutachten übersehene
Aspekte
darzutun
. Es bestätigt sich die Erfahrungstatsache, dass Behandlungspersonen mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
6.
6.1
Es
kann
somit g
estützt auf das Gutachten der Rehaklinik
C._
erstellt werden
,
dass sich die Beschwerden
der Beschwerdeführerin
seit der Rentenzusprechung deutlich gebessert haben (vgl. E. 3.4) und inzwischen einem
aggravatorischen
Verhalten im Sinne einer Übertreibung möglicher Restbeschwerden gewichen sind
(vgl. E. 3.2). Es liegt somit ein
Revisionsgrund nach
Art.
17 ATSG vor
, wes
halb d
er Rentenanspruch
in
rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend
(«allseitig») zu prüfen
ist
, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
6.2
6.2.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens setzt in erster Linie eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssys
tems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Da eine solche
aktuell
nicht mit der notwendigen Zuver
lässigkeit
gestellt werden konnte
,
wurde der Beschwerdeführerin zu R
echt eine volle Arbeitsfähigkeit in jeglicher Tät
i
gkeit attestiert (vgl. E. 3.3).
Dies geschah w
ohlwissend, dass
trotz verbesserter Leistungsfähigkeit
allenfalls noch
gewisse
gesundheitliche
Einschränkungen bestehen, die sich aufgrund des
aggra
vatorischen
Verhaltens
der Beschwerdeführerin
jedoch nicht
mit dem erforderli
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit
eruieren lassen.
Diesbe
züglich sind auch v
on einem Arbeitsversuch, wie er von
Dr.
E._
befürwortet
wurde
, unter
den gegebenen
Voraussetzungen
keine
neuen Erkenntnisse zu erwarten.
6.2.2
Es ist anzufügen
, dass die Beschwerdeführerin ihr
e
n
gelernten Beruf schon
vor ihrer Krebserkrankung im Jahr 2004 aufgegeben und sich in der Folge
trotz bes
serer Stellenangebote
mit einem sehr bescheidenen Einkommen begnügt hatte
, um
nebenbei zu schreiben
.
Im
Auszug aus dem individuellen Konto vom
1.
April 2005 (
Urk.
8/6)
wies sie
in den
Jahren 2002 und 2003
ein jährliches Einkommen von rund Fr. 35’000.-- aus. In den Jahren davor betrug dieses
teilweise auch deutlich weniger
(vgl.
Urk.
8/21/4
). Die ihr nach Veröffentlichung des ersten Romans krankheitsbedingt entgangenen Einnahmen bezifferte sie mi
t Fr. 1'000.-
bis Fr. 2'000.--
pro Monat (vgl.
Urk.
8/21/3).
Davor hatte sie aus ihrer schriftstellerischen Tätigkeit mehr Ausgaben als Einnahmen generiert (vgl.
Urk.
8/214/4
;
ferner
Urk.
8/13
). Darüber, ob mehr Lesereisen aus ihr eine
regel
mässige
Bestsell
erautorin gemacht hätten, kann –
wie sie implizit
eingesteht
(vgl.
Urk.
8/21/4) – bloss spekuliert werden
(vgl. auch
Urk.
8/190/94: tatsächlich
zirka 500 Exemplare
pro Jahr verkauft)
.
Zudem
scheint
es
fragwürdig
, ob sie neben den Lesereisen
die Tätigkeiten bei der
Zuvo
und der
Direct
Mail Company
im bisherigen Umfang
hätte weiterführen könne
n.
Aufgrund der
im
Sozialversicherungsrecht geltenden Schadenminderungspflicht, wonach bei besseren Verdienstmöglichkeiten in einer angepassten Hilfstätigkeit (vgl.
hierzu die
Zentralwerte für Frauen gemäss der Schweizerischen Lohnstruk
turerhebung [LSE] der vergangenen Jahre) eine solche anzunehmen wäre,
bedürfte es bei diesen hypothetischen Einkommensaussichten im Gesundheitsfall
einer
erheblichen gesundheitlich bedingten
Einschränkung
i
n der Ausübung
ein
fachste
r
Tätigkeiten
ohne hohe Anforderungen an die kognitiven Fähigkeiten
,
um
einen Invaliditätsgrad von 70
% (oder
wenigstens 40
%) zu begründen.
6.3
6.3.1
Mit
BGE 143 V 418 entschied
das Bundegericht
, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7; ferner BGE 143 V 409 E. 4.5.2). Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort
von einem solchen
abgesehen werden, wo es nicht nötig oder
auch
gar nicht geeignet ist. Daher bleibt es entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fach
ärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollzieh
bar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzun
gen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweis
wert beigemessen werden kann (BGE 143 V 418 E. 7.1).
6.3.2
Vorliegend erübrigt sich m
angels
einer
psychiatrische
n
Diagnose mit Krankheits
wert (
zu den diagnostizierten akzentuierten
Persönlichkeitszüge
n
:
Urteil des Bun
desgerichts 9C_84
8/2016 vom 1
2.
Mai 2017 E. 4.1)
die Durchführung eines struk
turierten Beweisverfahrens.
Es
ist
dennoch
auf die
Ausführungen
der
zuletzt
begutachtenden Psychiaterin z
um beweisrechtlich entscheidenden
Standardindi
kator
(
vgl.
BGE 141 V 281 E. 4.4)
hinzuweisen
,
womit
sie ihre Beurteilung
aus juristischer Sicht
überzeugend unterm
auert
e
:
Die Konsistenz
hinsichtlich einer gleichmässigen Einschränkung des Aktivitäts
niveaus in allen vergleichbaren Lebensbereichen im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit
sei nicht ausreichend
. Das psychosoziale Funkti
onsniveau sei gut, insbesondere mit Pflege familiärer und freundschaftlicher Kontakte
sowie kreativen und
rekreativen
Aktivitäten geschildert. Die Beschwer
deführerin sei
auch
in der Lage mehrwöchige Reis
en, z.B. nach England oder
kürzere Reisen nach Deutschland allein zu unternehmen und teils intime Bezie
hungen zu Partnerinnen zu pflegen, die im Ausland wohnten. Sie gebe an, dabei Unterstützung zu brauchen, indem sie jeweils abgeholt werde. Während der sta
tionären Begutachtung sei deutlich geworden, dass sie in der Lage sei, sich in den Stationsalltag einzufügen, mit dem Personal und den Mitpatienten umzugehen und die vorgegebenen Termine mit Nutzung von Hilfsmitteln pünktlich wahrzu
nehmen.
Auch das Verfassen eines Buches – selbst mit Fremdhilfe – sei eine kom
plexe und anspruchsvolle Tätigkeit.
Es bestünden zudem Hinweise auf eine selbst
bestimmte Steuerbarkeit der Beschwerden, indem sie in der Lage sei, diese (unter anderem der Psychiaterin) zu verbergen. Ferner falle auf, dass sie trotz des ange
gebenen Rückzugs von beruflichen Tätigkeiten ihre Führungs- und Kontrollfunk
tionen beispielsweise über die finanzielle Steuerung beibehalten habe. So könne sie detailliert Auskunft über ihre finanzielle Situation geben und berichte nicht über eine Unterstützungsnotwendigkeit in diesem Bereich. Das Funktionsniveau zeige sich in der fünftägigen stationären Begutachtung
nur gering eingeschränkt (Urk.
8/190/137).
6.4
Die bisherige ganze Rente der Beschwerdeführerin ist demnach aufzuheben. Es bleibt die strittige Frage zu klären, auf welchen Zeitpunkt dies zu geschehen hat.
7.
7.1
7.1.1
Art.
88
bis
der
Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV)
regelt die situati
onsgerechte Anpassung von Leistungen der Invalidenversicherung in zeitlicher Hinsicht (BGE 135 V 306
E. 7.2
). Gemäss
Abs.
2
lit
. a dieser Bestimmung erfolgt die Herabsetzung oder Aufhebung frühestens vom ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats
an
.
Verfahrensrechtlich sieht Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV die Aufhebung oder Herabsetzung einer Leistung nur pro
futuro
vor. Eine rückwirkende Herabsetzung oder Aufhebung der Leistung
auf den Zeitpunkt des Eintritts der anspruchserheblichen Änderung
mittels Revi
sion lässt hingegen
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV ausnahmsweise zu, wenn die unrichtige Ausrichtung einer Leistung darauf zurückzuführen ist, dass der Bezü
ger sie unrechtmässig erwirkt hat oder der ihm gemäss
Art.
77 IVV zumutbaren Meldep
flicht nicht nachgekommen ist.
7.1.2
Eine Änderung ist auch im Anwendungsbereich
von
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. b IVV
erst erheblich, wenn sie gemäss
Art.
88a
Abs.
1 IVV berücksichtigt werden darf, d.h. wenn sie aller Wahrscheinlichkeit nach längere Zeit andauern wird oder ohne wesentliche Unterbrechung bereits drei Monate angedauert hat. Wie der Wortlaut von
Art.
88a
Abs.
1 IVV zeigt, ist im Regelfall pro
futuro
abzuklären, ob eine Verbesserung der Erwerbsfähigkeit voraussichtlich längere Zeit Bestand haben wird. Ist das Revisionsverfahren aufgrund einer Meldepflichtverletzung eingelei
tet worden,
so gibt es keinen Grund, die
Voraussetzungen von
Art.
88a
Abs.
1 IVV
nicht
rückblickend zu untersuchen (
vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_232/2016 vom 3
0.
September 2016 E. 4.2 mit Hinweisen).
7.1.3
Gemäss der heute geltenden Fassung erfolgt die rü
ckwirkende Aufhebung der Rente «
unabhängig davon, ob die Verletzung der Meldepflicht oder die unrecht
mässige Erwirkung ein Grund für die Weiterausrichtung
war»
. Indessen verlang
ten Rechtsprechung und Lehre b
is zu deren Inkrafttreten am 1.
Januar 2015 für
die rückwirkende Korrektur, dass zwischen der Meldepflichtverletzung und dem unrechtmässigen Leistungsbezug eine Kausalität besteht (vgl. Ueli
Kieser
, ATSG-Kommentar,
3.
Aufl., Zürich/Basel/Genf 2015,
Art.
25 N 17 mit Hinweis auf SVR 1995 IV Nr. 58; vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_320/2014 vom 2
9.
Januar 2015 E. 5 und 9C_245/2012 vom 2
9.
Oktober 2012 E. 5.1.1 und 5.2
; ferner auch Urteil des Bundesgerichts
8C_244/2019
vom
4.
Juli 2019
E.
4.3
).
7.2
7.2.1
D
em Gutachten der Rehaklinik
C._
,
da
s alle medizinischen
Vorakten
–
insbesondere auch die
von der Deutschen Rentenversicherung in Auftrag gege
benen Gutachten (vgl.
Urk.
8/190/135) – würdigte, ist hierzu Folgendes zu ent
nehmen: Seit wann die Verbesserung des Gesundheitszustandes und der Arbeits
fähigkeit eingetreten sei, lasse sich medizinisch bei zu vermutender allmählicher Verbesserung nicht beurteilen, da keine diesbezüglich relevanten medizinischen Bericht
e
vorlägen, auf die abgestützt werden könne. Als Hinweis auf eine Ver
besserung könne die Veröffentlichung des vierten Buches der Beschwerdeführerin dienen (
Urk.
8/190/143).
7.2.2
Zum nach Ansicht der Beschwerdegegnerin massgeblichen Gutachten der Deut
schen Rentenversicherung wurde
im
Urteil
IV.
2015.00936 vom 27. März 2017 E.
5.3
bereits
ausgeführt,
dass
für
Dr.
Z._
die schriftstellerische Tätigkeit de
r Beschwerdeführerin massgebend
war
. Sie hielt fest, g
emäss Home
page von Amazon sei im
März 2011 tatsächlich das Buch ...
, ein 287 Seiten starker Roman, ersch
ienen. Ein Roman mit dem Titel ...
von 318 Seiten sei bereits im Oktober 2006 publiziert wor
den. Ferner seien laut Wikipedia seit dem Jahr 2004 bis dato zahlreiche Kurzge
schichten der Beschwerdeführerin in Anthologien erschienen. Darüber hinaus kündige diese auf ihrer Homepage aktuell diverse Reisetätigkeiten und Lesungen an. Die Abfassung eines publikationsreifen Romans sei eine hochintegrative kognitive Leistung, die mit den
angegebenen
gravierenden Defiziten nicht vereinbar sei. Eine wesentliche depressive Verstimmung scheide ebenfalls aus. Nicht gänzlich ausschliessen konnte
Dr.
Z._
anhand der beschrie
be
nen Faktenlage
jedoch
das Vorliegen einer dissoziativen Störung
und schlug vor, die Beschwerdeführerin
unter stationären Bed
ingungen psychiatrisch begut
ach
ten zu lassen (
vgl. auch Urk. 8/80/5 f. und 8
/80/9).
7.2.3
In die Würdigung
der vorstehenden Beurteilungen
miteinzubeziehen sind
die
vor der Rentenzusprechung von der Beschwerdeführerin gemachten
Angaben
im Abklärungsbericht vom 7.
September 2005, wonach sie noch zwei weitere Bücher (Fortsetzungen zum ersten Buch) und diverse Kurzgeschichten geschrieben habe. Sie sei noch im Stande, an ein paar wenige Leseveranstaltungen in der näheren
Umgebung von Züric
h teilzunehmen
und veröffentliche vielleicht noch aus ihrem Archiv stammende Kurzgeschichten (vgl.
Urk.
8/21/4).
7.3
7.3.1
Das Gutachten der Reha
klinik
C._
überzeugt
somit auch
hinsichtlich der
retrograde
n
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
, während
Dr.
Z._
pri
mär auf schriftstellerische Leistungen
abstellte
, welche die Beschwerdeführerin
überwiegend wahrscheinlich
bereits vor der Krebserkrankung erbrac
ht hatte.
Die Aktenlage lässt
erst für die Zeit ab
Publikation des Romans ...
im März 2014 (
erhältlich
z.B.
auf
www.amazon.de
)
in Verbindung mit
der kurz darauf
im April/Mai 2014 stattgehabten Begutachtung des
A._
(vgl.
Urk.
8/92/2)
auf die Wiedererlangung einer relevant höheren Arbeitsfähigkeit respektive
neu
im Vordergrund s
tehende Aggravation schliessen.
7.3.2
Die Beschwerdegegnerin hatte
indessen bereits
am
4.
April 2013 Kenntnis vom Entscheid der Deutschen Rentenversicherung, datiert vom 2
5.
Oktober 2011,
erlangt
(
Urk.
8/68-70)
. Zudem hatte
die Beschwerdeführerin
in der
A._
-Begutachtung auch angegeben, ihr viertes Buch nach der Chemotherapie geschrieben und im Jahr 2014 veröffentlicht zu haben (vgl.
Urk.
8/92/16). In Bezug auf eine Meldepflichtverletzung gemäss
Art.
77 IVV, insbesondere eine wesentliche Verbesserung des Gesundheitszustandes und damit der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit
vor dem Frühjahr 2014
, liegt – nach
Beizug
aller erdenkliche
n
medizinischen Akten – somit Beweislosigkeit vor, deren Folgen die Beschwerde
gegnerin zu tragen hat, die aus der unbewiesen gebliebenen Erhöhung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit die rückwirkende Aufhebung der Invalidenrente ableiten wollte.
Die
von der Beschwerdeführerin als Beweismittel offerierte Ein
vernahme von
I._
erübrigt sich
(vgl.
Urk.
1 S. 11).
Es bleibt anzufügen, dass im
A._
-Gutachten über die volle Arbeitsfähigkeit ab Datum der psychiatrischen Untersuchung
hinaus
festgestellt wurde, es bestünden keine Hinweise darauf, dass die Arbeitsfähigkeit aus psychiatrischer Sicht jemals eingeschränkt gewesen sei (vgl.
Urk.
8/92/13). Allein eine andere Auffassung über die Arbeitsfähigkeit mit entsprechend
aggraviertem
Verhalten – gestützt auf einen relativ konstanten psychopathologischen Befund und eine konsistente Beschwerdeklage – genügt auch nicht für die Annahme einer unrechtmässigen Erwirkung von Rentenleistungen seit Beginn (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_508/2019, 9C_516/2019 vom 2
2.
Januar 2020 E. 5.3).
7.3.3
Infolgedessen ist die Rente nach
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV vom «ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung folgenden Monats»
an
aufzuheben. Dies
bezüglic
h ist anzumerken
,
b
estätigen die auf Rückweisung hin erfolgten weiteren Abklärungen der IV-Stelle die in der ursprünglichen Revisionsverfügung
getroffenen Feststellungen zum Zeitpunkt des Eintritts und Umfang der anspruchserheblichen Änderung
, erschöpft sich di
e neue Revisionsverfügung in einer Bestätigung der aufgehobenen ersten Verfügung. Anders verhält es sich lediglich dann, wenn die angeordneten weiteren Abklärungen eine anspruchser
hebliche Änderung erst für den
(
gemäss Urteilen
des Bundesgerichts
9C_149/2009 vom 1
4.
Juli 2009 und 9C_235/2009 vom 3
0.
April 2009
mitzuberücksichti
genden
)
Zeitraum nach der ursprünglichen Revisionsverfügung ausweisen; (nur)
in dieser Konstellation muss für den Zeitpun
kt der Rentenherabsetzung oder -
aufhebung gemäss
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV die neue Revisionsverfügung
massgebend sein (zum Ganzen
: vgl. Urteil des Bundesgerichts
9C_301/2010 vom 2
1.
Januar 2011 E. 3.2
.1 wie auch E. 3.2.2 zu den Beweggründen des Bundes
gerichts
).
Der Eintritt einer vollen Arbeitsfähigkeit vor Erlass der
ursprünglichen
Revisions
verfügung ist nach dem vorstehend Ausgeführten als überwiegend wahrschein
lich zu bestätigen.
Die Rente ist folglich auf den ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung vo
m 2
2.
Juli 2015 folgenden Monats
aufzuheben, zumal die Beschwerdeführerin aufgrund jener Revisionsverfügung mit einer ent
sprechenden Leistungssituation rechnen musste und nach Anordnung einer polydisziplinären Begutachtung im
A._
auch nicht von einer missbräuchlich ver
frühten Leistungseinstellung seitens der Beschwerdegegnerin gesprochen werden kann (vgl. dazu
ob
erwähntes
Bundesgerichtsurteil 9C_301/2010 E. 3.2.2).
8.
Zusammenfassend ist in medizinischer Hinsicht vollumfänglich auf das Gutach
ten der Rehaklinik
C._
abzustellen und ab Frühjahr/Sommer 2014 von einer massgeblichen Steigerung der Arbeitsfähigkeit auszugehen
. Allenfalls verblie
bene gesundheitliche Beeinträchtigungen mit
Auswirkungen auf die Erwerbsfä
higkeit
lassen sich
infolge
aggravatorischen
Verhaltens
trotz
stationäre
r
Begut
acht
ung
nicht
mit dem nötigen Beweisgrad feststellen.
Gestützt auf
Art.
88a
Abs.
1
in Verbindung mit Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a IVV
ist die bisherige ganze Rente der
Beschwerdeführerin
daher auf den ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügung vom 2
2.
Juli 2015 folgenden Monat
s
aufzuheben
.
Dies führt mit Blick auf den Aufhebungszeitpunkt zu einer teilweisen Gutheissung der Beschwerde.
Vorgängige Eingliederungsmassnahmen wurden
von der Beschwerdeführerin
keine beantragt. Solche sind mit Blick auf die Recht
sprechung (BGE 145 V 209 E. 5.1) auch nicht angezeigt, zumal die Beschwerdeführerin erst nach Erstattung des
A._
-Gutachtens das 5
5.
Altersjahr vollendete und nicht nur gut sozial inte
griert ist, sondern
bereits jetzt
die gleichen Tätigkeiten wie vor der Krebserkran
kung ausübt
.
9.
9.1
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand unabhängig vom Streitwert i
m Rahmen von
Fr.
200.-- bis Fr.
1‘000.-- festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG)
und entsprechend dem Verfahrensausgang aufzuerlegen.
Nach
Art.
61
lit
. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende Person
zudem
Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Diese werden ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, der Schwierigkeit des Prozesses und d
em Mass des Obsiegens bemessen.
Ist das Quantitative einer Leistu
ng streitig, rechtfertigt eine «
Überklagung
»
eine Reduktion der Parteientschädigung nur, wenn das Rechtsbegehren den Prozess
aufwand beeinflusst hat. Bei Streitigkeiten um die Höhe einer Invalidenrente darf die Parteientschädigung daher nicht allein deswegen reduziert werden, weil der Beschwerde führenden Person nicht die beantragte ganze oder höhere Rente, sondern eine gering
ere Teilrente zugesprochen wird.
Es besteht grundsätzlich kein Anlass zu einer anderen Betrachtungsweise, wenn statt einer unbefristeten oder länger dauernden Rente ein befristeter Anspruch oder ein solcher für eine kürzere als die beantragte Dauer zugesprochen wird. Ebenso wie die Höhe des Anspruches betrifft dessen zeitliche Dimension das Quantitativ. Indessen kommt die Zuspre
chung einer vollen Parteientschädigung bei teilweisem Obsiegen nur in Frage, wenn die Beschwerde führende Person im Grundsatz obsiegt und lediglich im
Masslichen
(teilweise) unterliegt (Urteil
des Bundesgerichts 9C_288/2015 vom
7.
Januar 2016 E. 4.2 mit Hinweisen
)
.
9.
2
Vorliegend kann nur die
vom Gutachten der Rehaklinik
C._
abweichende
retrospektive
Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die Beschwerdegegnerin bzw.
ihre
Annahme einer
kausalen
Meldepflichtverletzung
nicht
bestätigt
werden
, weshalb
die Rente nicht rückwirkend
, sondern pro
futuro
aufzuheben ist.
Im Hauptpunkt, der Weiterausrichtung
der bisherigen
Invalidenrente bei unverän
dertem Gesundheitszustand, unterliegt die Beschwerdeführerin vollumfänglich.
Ihr
Obsiegen
ist
daher mit einem Viertel zu quantifizieren.
Bezüglich der auf die Beschwerdeführerin entfallenden Kosten ist festzuhalten, dass sie
auf Sozialhilfe angewiesen
ist
(
Urk.
3/10
)
und nach eigenen Angaben über keine Rechtsschutzv
ersicherung verfügt (
Urk.
5 S. 2
). Der medizinische Sachverhalt erweist sich zudem als komplex und es stellen sich auch einige recht
liche Fragen.
D
amit
sind die Voraussetzungen gemäss
§
16
Abs.
1 und
2 des
Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
) erfüllt
. Der Beschwerde
führerin ist entsprechend ihrem Gesuch vom 3
1.
Januar 2020 die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen sowie Rechtsanwalt Maron
als unentgeltliche
r Rechtsvertreter
zu bestellen.
9.3
Die Gerichtskosten sind angesichts der umfangreichen medizinischen Akten sowie der strittigen rechtlichen Aspekte auf
Fr.
8
00.-- festzusetzen. Nach dem vorstehend Gesagten rechtfertigt es sich, diese der Beschwerdeführerin zu drei Vierteln (
Fr.
600.--) und der Beschwerdegegnerin zu einem Viertel (
Fr.
200.--) aufzuerlegen, wobei der auf die Beschwerdeführerin entfallende Kostenanteil zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen ist.
Rechtsanwalt Maron
macht
mit Honorarnote vom
7.
Mai 2020 einen Aufwand von 13.6 Stunden à
Fr.
220.
--
zzgl. Barauslagen von
Fr.
136.30 und 7.7
%
MWST geltend, insgesam
t einen Betrag von
Fr.
3'369.20
(vgl.
Urk.
12; Begleitschreiben
Urk.
11). Nachdem
er
die Beschwerdeführerin bereits im
letzten Prozess
vertrat und sich für die medizinischen Belange auf die Stellungnahme von
Dr.
E._
stützen konnte, erscheint der geltend gemachte Aufwand für das Abfassen der Beschwerdeschrift von 9.55 Stunden deutlich überhöht. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass er das
Studium der (neue
n
) Akten
nicht separat auswies, weshalb insgesamt
rund
7 Stunden als angemessen gelten können. Demnach würde eine volle Prozessentschädigung aufgerundet
Fr.
2'800.-- (inkl. Barauslagen und MWST) betragen. Die Beschwerdegegnerin ist daher zu verpflichten, dem unent
geltlichen Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin eine reduzierte Prozessent
schädigung von
Fr.
700.-- zu
bezahlen. Im Restbetrag von Fr.
2'100.-
ist ihm eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zuzusprechen.
Die Beschwerdeführerin ist auf
§
16
Abs.
4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung sowohl der Gerichtskos
ten von
Fr.
6
00
.
-- als auch der Entschädi
gung ihres unentgeltlichen Rechtsvertreters aus der Gerichtskasse von
Fr.
2'100.-
- verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.