# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1d16a606-d0b3-5128-973c-93fde9b4663f
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Im Jahr 2014 übernahm der Beschwerdeführer 1 zusammen mit seiner Partnerin
(Beschwerdeführerin 2) den landwirtschaftlichen Betrieb seines Vaters im D._,
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Ortsteil E._ bei Innertkirchen. Vier Jahre zuvor hatte der Vater des
Beschwerdeführers ein leerstehendes Wohn- und Ökonomiegebäude samt Umschwung
von den landwirtschaftlichen Parzellen Innertkirchen Gbbl. Nrn. F._ und
G._ abparzellieren lassen und dem Bruder des Beschwerdeführers übereignet,
der nicht in der Landwirtschaft tätig ist. Im bodenrechtlichen Gesuch für die
Ausnahmebewilligung vom Realteilungs- und Zerstückelungsverbot nach Art. 60 BGBB1
und die Nichtunterstellung unter das BGBB hatte der Vater des Beschwerdeführers erklärt,
im Bauernhaus bestünden zwei Wohnungen, es verbleibe somit genügend Wohnraum für
den landwirtschaftlichen Betrieb. Für den Abbruch des älteren Gebäudes und den Neubau
eines Wohnhauses erteilte das Amt für Gemeinden und Raumordnung eine
Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG2. Das neue Wohnhaus Nr. 567 auf Parzelle Nr.
H._ wird vom Bruder des Beschwerdeführers und dessen Familie bewohnt. Die
Eltern des Beschwerdeführers bewohnen die untere Wohnung im Bauernhaus (Gebäude
Nr. 568 auf Parzelle Nr. G._), die Wohnung im Obergeschoss steht leer.
2. Die Beschwerdeführenden bewirtschaften das landwirtschaftliche Gewerbe zurzeit
von ihrem Wohnort Meiringen aus. Nachdem das AGR mehrere Voranfragen für ein neues
Betriebsleitergebäude im D._ negativ beantwortet hatte, reichten die
Beschwerdeführenden am 7. März 2017 bei der Gemeinde Innertkirchen ein generelles
Baugesuch ein für den Neubau einer Betriebsleiterwohnung mit landwirtschaftlicher
Einstellhalle und Werkstatt (Parzelle Innertkirchen Gbbl. Nr. G._).
Das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) hielt fest, dass auf den Parzellen
Nrn. G._ und H._ mit gesamthaft drei Wohnungen bereits genügend
Wohnraum vorhanden sei. Eine zusätzliche Betriebsleiterwohnung sei landwirtschaftlich
nicht begründbar. Die Beschwerdeführenden verlangten daraufhin einen
beschwerdefähigen Entscheid. Mit Verfügung vom 23. Mai 2017 stellte das AGR fest, dass
das Bauvorhaben nicht zonenkonform im Sinne von Art. 16a RPG ist und auch keine
Ausnahmebewilligung nach Art. 24 ff. in Frage kommt. Mit Verfügung vom 12. Juni 2017
erteilte der Regierungsstatthalter von Interlaken-Oberhasli den Bauabschlag.
1 Bundesgesetz vom 4. Oktober 1991 über das bäuerliche Bodenrecht (BGBB; SR 211.412.11) 2 Bundesgesetz vom 22. Juni 1979 über die Raumplanung (Raumplanungsgesetz, RPG; SR 700)
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3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 13. Juli 2017 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung der Verfügung vom 12. Juni 2017 und die Erteilung der Baubewilligung.
Eventualiter sei der Bauentscheid vom 12. Juni 2017 zur rechtlichen Begründung an die
Vorinstanz zurückzuweisen.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet3, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein.
Mit Stellungnahme vom 20. Juli 2017 beantragt das Regierungsstatthalteramt Interlaken-
Oberhasli die Abweisung der Beschwerde. Das AGR beantragt mit Stellungnahme vom
8. August 2017 ebenfalls, die Beschwerde sei abzuweisen. Die Gemeinde Innertkirchen
beantragt in ihrer Eingabe vom 10. August 2017, die Beschwerde sei gutzuheissen und der
Bauabschlag der Vorinstanz sei aufzuheben.
Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Bauentscheide sowie Entscheide über die Zonenkonformität bei Bauvorhaben ausserhalb
der Bauzone können nach Art. 40 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 84 Abs. 4 BauG4 innert 30
Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist
somit zur Beurteilung der Beschwerde zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die
Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und
die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren
Baugesuch abgewiesen wurde, sind durch den vorinstanzlichen Entscheid beschwert und
3 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Betriebsleiterwohnung
a) Die Beschwerdeführenden machen insbesondere geltend, der Neubau einer
Betriebsleiterwohnung in der Landwirtschaftszone sei betriebsnotwendig und dringend
nötig. Das Betriebskonzept der Mutterkuhhaltung mit extensiver Krippenfütterung erfordere
eine hohe Präsenzzeit. Aufgrund der grossen Distanz könne der landwirtschaftliche Betrieb
im D._ längerfristig nicht von Meiringen aus geführt werden, zumal das
D._ abgelegen und im Winter nur schwer zugänglich sei. Die leerstehende
Wohnung im Obergeschoss des Bauernhauses sei baufällig und für ihre Familie zu klein.
Ohne Betriebsleiterwohnung sei die Existenz des Bauernbetriebes gefährdet. Die
Vorinstanz und das AGR hätten das Wohnhaus des Bruders zu Unrecht mitberücksichtigt.
Es bestehe keine gesetzliche Grundlage dafür, das abparzellierte, dem BGBB nicht mehr
unterstellte und in fremdem Eigentum befindliche Grundstück Nr. H._ zu ihrem
Betrieb zu zählen. Weder das Regierungsstatthalteramt noch das AGR hätten dafür eine
rechtliche Begründung genannt und damit das rechtliche Gehör verletzt.
Die Gemeinde bringt vor, dass sie auf eine funktionierende Landwirtschaft angewiesen sei.
Die Notwendigkeit der Wohnsitznahme des Betriebsleiters im D._ sei unbestritten.
In unmittelbarer Nähe des Hofes gebe es keine Bauzone mit verfügbarem Bauland und das
Bauvorhaben entspreche dem Gemeindebaureglement. Im Jahr 2010 habe die Gemeinde
den Abbruch und Wiederaufbau des Wohnhauses auf Parzelle Nr. H._ gestützt
auf die Ausnahmebewilligung des AGR bewilligt.
b) In der Landwirtschaftszone sind Bauten und Anlagen zonenkonform, die zur
landwirtschaftlichen Bewirtschaftung oder für den produzierenden Gartenbau nötig sind
(Art. 16a Abs. 1 RPG). Das trifft auch für Bauten zum Wohnen zu, soweit der Bedarf für
den Betrieb des landwirtschaftlichen Gewerbes unentbehrlich ist, einschliesslich des
Wohnbedarfs der abtretenden Generation (Art. 34 Abs. 3 RPV5). Es bestehen hohe
Anforderungen an die betriebliche Notwendigkeit. Eine grosszügige Bewilligungspraxis für
5 Raumplanungsverordnung des Bundesrates vom 28. Juni 2000 (RPV; SR 700.1)
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landwirtschaftliche Wohnbauten trüge zur raschen Beschleunigung der Zersiedelung der
Landwirtschaftszonen bei.6 Die Wohnung muss für die in Frage stehende Bewirtschaftung
objektiv notwendig sein. Die Zonenkonformität darf nur bejaht werden, wenn nicht wichtige
Anliegen der Raumplanung einer Bewilligung entgegenstehen.7
c) Die Beschwerdeführenden führen im D._ einen landwirtschaftlichen Betrieb,
für den rund 1,7 Standardarbeitskräfte (SAK)8 erforderlich sind. Dies liegt deutlich über der
für das Berg- und Hügelgebiet definierten Mindestgrösse von 0,75 SAK (vgl. Art. 7 BGBB
i.V.m. Art. 1 BPG9). Der Bedarf einer Betriebsleiterwohnung ist für diesen abgelegenen
landwirtschaftlichen Betrieb unbestritten. Grundsätzlich unbestritten ist auch der
Wohnraumanspruch für die abtretende Generation, d.h. für die Eltern des
Beschwerdeführers. Hauptfrage ist, ob das AGR zu Recht davon ausgegangen ist, dass
bereits genügend landwirtschaftlich begründeter Wohnraum vorhanden ist.
d) Bis 2010 gehörte zum landwirtschaftlichen Gewerbe im D._ ein offenbar seit
langem nicht mehr bewohntes, baufälliges Wohn- und Ökonomiegebäude, dessen
anrechenbare Bruttogeschossfläche 149.2 m2 und die Brutto-Nebenfläche rund 101 m2
betrugen.10 Dieses Wohngebäude ‒ bzw. ein Neubau anstelle des alten Gebäudes ‒ hätte
den Beschwerdeführenden als Betriebsleiterwohnung dienen können. Vor der
Abparzellierung stand somit ausreichend landwirtschaftlicher Wohnraum zur Verfügung.
Dem Bruder des Beschwerdeführers wurde ein Neubau von über 198 m2
Bruttogeschossfläche bewilligt (Gebäude Nr. 567 auf Parzelle Nr. H._).11 Es war
von Beginn an klar, dass der Bruder, der in einem Sanitär-Installationsgeschäft tätig ist,
den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb nicht übernehmen will.12 Der Bruder war und ist
daher nicht auf ein Wohngebäude in der Landwirtschaftszone angewiesen. Solange
vorhandener Wohnraum von nicht überwiegend in der Landwirtschaft und auf dem Betrieb
tätigen Personen bewohnt wird, darf kein neuer, landwirtschaftlich begründeter Wohnraum
6 Ruch/Muggli, Praxiskommentar RPG. Bauen ausserhalb der Bauzone, 2017, Art. 16a N. 52 7 BGE 121 II 307 E. 5e 8 Amt für Landwirtschaft und Natur, Fachbericht zur Zonenkonformität vom 29. Oktober 2015, in den Vorakten des AGR, Geschäfts-Nr. 381 2016 2629 9 Gesetz vom 21.06.1995 über das bäuerliche Boden- und Pachtrecht (BPG; BSG 215.124.1) 10 Vgl. Flächenberechnung in den Vorakten des AGR, Geschäfts-Nr. 381 2009 1900; Akten des Regierungsstatthalteramtes, bgbb 1223/2010, pag. 6 11 Vgl. Flächenberechnung in den Vorakten des AGR, Geschäfts-Nr. 381 2009 1900 12 Vgl. Beschwerde S. 10
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erstellt werden. Bestehender Wohnraum, der zur Bewirtschaftung erforderlich ist, muss der
Landwirtschaft vorbehalten bleiben.13 Wird ausserhalb der Bauzone bestehender,
zonenkonformer Wohnraum abparzelliert und zonenfremd genutzt, folgt daraus nicht, dass
für den verbleibenden Bauernbetrieb eine neue Wohnbaute bewilligt werden kann.
Andernfalls könnten die Vorschriften zur Zonenkonformität leicht umgangen werden, indem
ältere Gebäude abparzelliert und veräussert würden und für den landwirtschaftlichen
Betrieb neuer Wohnraum geltend gemacht würde. Dies widerspricht dem Ziel des
Raumplanungsrechts, das die Trennung von Baugebiet und Nichtbaugebiet bezweckt.
Nach langjähriger, konstanter Rechtsprechung besteht kein Anspruch auf die Erstellung
eines zweiten Wohnhauses, wenn ein Heimwesen, zu dem ein der Betriebsgrösse
entsprechendes Wohnhaus gehört, freiwillig aufgetrennt wird. Eine Gesetzesumgehung soll
verhindert werden.14
Vorliegend spielt es daher keine Rolle, dass das abparzellierte Grundstück Nr. H._
mit dem Wohngebäude Nr. 567 nicht mehr dem Geltungsbereich des BGBB untersteht,
dass es dem Bruder gehört und dass es für die Beschwerdeführenden nicht nutzbar ist.
Massgebend ist einzig, dass vom landwirtschaftlichen Gewerbe freiwillig ein bestehendes
Wohngebäude abgetrennt und an eine Drittperson veräussert wurde, die keinen Anspruch
auf landwirtschaftlichen Wohnraum hat. Das Wohnhaus Nr. 567 zählt raumplanerisch
daher weiterhin zum landwirtschaftlichen Betrieb.15 Die rechtliche Grundlage für die
Zurechnung der abparzellierten und veräusserten Wohnliegenschaft Nr. 567 (Parzelle Nr.
H._) zum Betrieb der Beschwerdeführenden ergibt sich somit aus Art. 16a RPG
und dem Verbot des Rechtsmissbrauchs. Dies ist auch der Verfügung des AGR vom
23. Mai 2017 zu entnehmen, die für die Vorinstanz massgebend war. Eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs oder Willkür liegen nicht vor.
e) Der Vater des Beschwerdeführers war zwar Gesuchsteller für die
Ausnahmebewilligungen nach Art. 60 BGBB und die Nichtunterstellung der neuen Parzelle
unter das BGBB. Die bodenrechtliche Verfügung des Regierungsstatthalteramtes bezieht
sich aber auf die Grundstücke Innertkirchen Gbbl. Nr. G._ und F._ bzw.
13 Themenblatt L2 über das Landwirtschaftliche Wohnen der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion des Kantons Bern, aufrufbar unter: http://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/baubewilligungen/baubewilligungen/bauen_ausserhalb_bauzone/Themen_ue bersicht.html 14 Vgl. zum Ganzen BGE 103 Ib 115 E. 2b; VGE 2010/490 vom 11.07.2011, E. 2.2 15 Vgl. BGE 103 Ib 115 E. 2b; VGE 2016/342 vom 22.09.2017, E. 2.4.3; VGE 2010/490 vom 11.07.2011, E. 2.2
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berechtigt den jeweiligen Grundeigentümer, die Parzellierung vorzunehmen. Der
Beschwerdeführer hat den Parzellierungs- und Abtretungsvertrag mitunterzeichnet, er war
aber nicht direkt Vertragspartei. Die Mitunterzeichnung diente vor allem dazu, dass er über
die Abtretung des Grundstücks auf Rechnung künftiger Erbschaft und die spätere
Ausgleichspflicht des Bruders informiert war. Insofern kann ihm die Mitunterzeichnung nicht
entgegengehalten werden, er hatte aber immerhin Kenntnis des Rechtsgeschäfts.
Inzwischen hat er zusammen mit seiner Partnerin den elterlichen Landwirtschaftsbetrieb
übernommen und ist mit seinem Bruder Grundeigentümer der Parzellen Nrn. G._
und F._. Als Rechtsnachfolger muss sich der Beschwerdeführer die
Rechtshandlungen des Vaters anrechnen lassen.16
f) Zusammenfassend gehört das ursprünglich zonenkonforme Wohngebäude Nr. 567
ungeachtet der Parzellierung und der bestehenden Eigentumsverhältnisse zum
landwirtschaftlichen Betrieb der Beschwerdeführenden. Hinzu kommen die beiden
kleineren Wohnungen im Bauernhaus Nr. 568 (Parzelle Nr. G._). Aus
raumplanungsrechtlicher Sicht sind somit für den landwirtschaftlichen Betrieb insgesamt
drei anrechenbare Wohnungen vorhanden, was für die Betriebsleiterfamilie und die
abtretende Generation genügt. Solange mit den Gebäuden Nr. 567 und 568 genügend
Wohnraum vorhanden ist, darf deshalb kein weiterer Wohnraum erstellt werden.17 Auch
wenn die aktuelle Situation für die Betriebsführung zweifellos schwierig ist, vermag dies
keinen zusätzlichen Wohnraum zu begründen. Das AGR hat die Zonenkonformität des
Bauvorhabens zu Recht verneint.
g) Die Beschwerdeführenden rügen, die Behörden hätten sie über die weitreichenden
rechtlichen Folgen der Abparzellierung aufklären müssen. Wären sich die Parteien der
Tragweite bewusst gewesen, hätten sie die Parzellierung nicht beantragt. Die Behörden
hätten merken müssen, dass nach der Abparzellierung des Grundstücks Nr. H._
nicht mehr genügend Wohnraum für einen Betriebsnachfolger zur Verfügung stehen
würde, weil der Bruder die Übernahme des Betriebs von Anfang an ausgeschlossen habe.
Die Behörden hätten die Pflicht zur Sachverhaltsabklärung verletzt. Die behördlichen
Versäumnisse dürften nun nicht ihnen angelastet werden.
16 VGE 2010/490 vom 11.07.2011, E. 2.2 17 VGE 2010/490 vom 11.07.2011, E. 2.2
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Die Abparzellierung des Grundstücks mit dem alten Wohngebäude, die Entlassung des
neuen Grundstücks aus dem Geltungsbereich des BGBB und die Übereignung an den
Bruder des Beschwerdeführers betreffen andere Verfahren und andere Parteien. Es
braucht deshalb hier nicht untersucht zu werden, aus welchen Gründen und mit welchen
Kenntnissen die damaligen Parteien handelten. Immerhin sei darauf hingewiesen, dass es
nicht Aufgabe der Behörden ist, einen durch seinen Notar vertretenen Gesuchsteller über
die Folgen der beantragten bodenrechtlichen Bewilligungen und die Abparzellierung
aufzuklären. Obwohl der Beschwerdeführer damals noch nicht beabsichtigte, den
Landwirtschaftsbetrieb zu übernehmen, stellte sich trotzdem die Frage, ob das nicht mehr
genutzte landwirtschaftliche Wohn- und Ökonomiegebäude inskünftig für die
Landwirtschaft nicht doch wieder benötigt werden könnte. Der behördlichen Pflicht, den
Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen, steht die Mitwirkungspflicht der Parteien
gegenüber, welche die Gesuchsvoraussetzungen belegen müssen (vgl. Art. 20 VRPG18).
Die Abparzellierung und Nichtunterstellung der neuen Parzelle unter das BGBB ‒ und
damit verbunden die Ausnahmebewilligung nach Art. 24c RPG für den Neubau ‒ standen
unter der Voraussetzung, dass das Wohngebäude für das landwirtschaftliche Gewerbe
nicht (mehr) betriebsnotwendig war. Denn die Abparzellierung darf nicht den Grundstein für
ein Bedürfnis nach Neubauten legen.19 Der Vater des Beschwerdeführers hatte nach
eigenen Angaben damals ein landwirtschaftliches Gewerbe mit 1,2 SAK. Im BGBB-Gesuch
erklärte er ausdrücklich, er bewohne das Wohnhaus Nr. 568, das zwei Wohnungen habe.
Er verfüge somit über genügend Wohnraum für sein landwirtschaftliches Gewerbe.20 Auch
wenn die Beschwerdeführenden nun geltend machen, dass diese Aussage für die Eltern,
nicht aber für sie zutreffe, ändert dies nichts daran, dass das Regierungsstatthalteramt die
Bewilligungsvoraussetzungen im Zeitpunkt des Gesuchs beurteilte und als erfüllt erachtete.
Falls die Ausnahmebewilligungen vom Realteilungs- und Zerstückelungsverbot zu Unrecht
erteilt worden wären, würde sich die Frage eines Widerrufs der bodenrechtlichen
Verfügung vom 30. Juni 2010 oder der Nichtigkeit der Rechtsgeschäfte (vgl. Art. 70 ff.
BGBB) stellen. Es wäre nicht Sache der BVE, dies zu beurteilen. Ausserdem würde eine
allfällige Aufhebung der Abparzellierung erst recht nichts daran ändern, dass das
Wohngebäude Nr. 567 zum landwirtschaftlichen Betrieb der Beschwerdeführenden zählt.
18 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 19 Herrenschwand/Bandli, Das bäuerliche Bodenrecht, Kommentar zum Bundesgesetz über das bäuerliche Bodenrecht vom 4. Oktober 1991, 2011, Art. 60 N. 2a 20 Akten des Regierungsstatthalteramtes, bgbb 1223/2010, pag. 6
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h) Die Beschwerdeführenden machen geltend, es sei nicht nachvollziehbar, dass zwar
die landwirtschaftliche Einstellhalle für sich allein bewilligungsfähig wäre, nicht aber ein
darauf stehendes Betriebsleiterwohnhaus. Der Boden wäre durch die Erstellung der
Einstellhalle ohnehin für die Landwirtschaft verloren. Weiter bringen sie vor, im
D._ habe es vor 150 Jahren mehrere Häuser gegeben.
Das Bauvorhaben umfasst die Erstellung einer Betriebsleiterwohnung mit
landwirtschaftlicher Einstellhalle und Werkstatt, nur dies ist vorliegend
Verfahrensgegenstand. Sofern die Voraussetzungen für die Betriebsleiterwohnung nicht
gegeben sind, kann sie nicht bewilligt werden. Im Weiteren lässt sich vorliegend nichts aus
der früheren Bebauung des D._ ableiten. Diese Häuser wurden längst entfernt, für
neue Gebäude gelten die raumplanungsrechtlichen Voraussetzungen.
Die Beschwerde ist demnach abzuweisen.
3. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie haben die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
Pauschalgebühr von Fr. 1'000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1 GebV21).
Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 3 und 4 VRPG).