# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fa1c7b8c-e15e-4350-bf26-71ff8d9b8c71
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_005
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Criminal Procedure

## Facts

I. Sachverhalt
A. X._, O.1_ Staatsangehöriger, reiste gemäss eigenen Angaben am 1. Mai 2015 illegal in die Schweiz ein und reichte am 5. Mai 2015 im Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) des Staatssekretariats für Migration (SEM) in O.2_ ein Asylgesuch ein. Am 12. Mai 2015 wurde er für das weitere Asylverfahren dem Kanton Graubünden zugeteilt. Mit Schreiben vom 27. Mai 2015 teilte ihm das SEM mit, dass aufgrund der bestehenden Aktenlage das  beendet worden sei. Das SEM werde nun das nationale Asyl- und Wegweisungsverfahren durchführen.
B. Nach einer Anhörung von X._ am 13. September 2017 wurde dessen Asylgesuch mit Entscheid des SEM vom 29. Januar 2018 abgewiesen und er wurde aus der Schweiz weggewiesen. Gleichzeitig wurde ihm unter Androhung von Zwangsmassnahmen im Unterlassungsfall eine Ausreisefrist bis zum 26. März 2018 gewährt. Mit dem Vollzug der Wegweisung wurde der Kanton Graubünden beauftragt. Der Asylentscheid vom 29. Januar 2018 erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
C. Am 16. März 2018 wurde die Kantonspolizei Graubünden seitens des Amtes für Migration und Zivilrecht Graubünden (nachfolgend: AFM) gebeten, eine Aufenthaltsabklärung an der zuletzt bekannten Adresse durchzuführen. Die Kantonspolizei Graubünden wurde aufgefordert, X._ anzuhalten und dem AFM zuzuführen, sollte er angetroffen werden. Mittels Vollzugs- und Erledigungsmeldung teilte das AFM am 27. März 2018 dem SEM das Untertauchen von X._ per 16. März 2018 mit und beantragte am 9. April 2018 seine Ausschreibung im automatisierten Fahndungssystem.
D. Mit Schreiben vom 4. September 2018 teilte das SEM mit, dass die Schweiz gestützt auf das Dublin-Verfahren der Überstellung von X._ in die Schweiz zugestimmt habe. Die Überstellung aus Deutschland wurde auf den 22. Oktober 2018 angekündigt. Am 22. Oktober 2018 bestätigte die beauftragte Kantonspolizei O.3_ die erfolgte Überstellung aus Deutschland. Mittels Transportauftrag des Transportsystems Train-Street wurde X._ am 23. Oktober 2018 zuständigkeitshalber dem Kanton Graubünden zugeführt. Gleichentags wurde beim SEM ein Gesuch um Vollzugsunterstützung nach Art. 71 AIG gestellt.
3 / 21
E. Am 25. Oktober 2018 meldete sich X._ beim AFM und beantragte die Nothilfe, welche ihm gewährt wurde. Gleichentags wurde er der Nothilfestruktur A._ in O.4_ zugewiesen.
F. Mit Schreiben vom 17. Juli 2019 teilte das SEM mit, dass X._ für die am 30. Juli 2019 stattfindende Befragung durch die somalische Behörde vorgesehen sei. Am 23. Juli 2019 wurde X._ gestützt auf den Haftbefehl des AFM in Ausschaffungshaft versetzt.
G. Nachdem X._ das rechtliche Gehör gewährt worden war, wurde das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Graubünden am 24. Juli 2019 um Überprüfung der Ausschaffungshaft ersucht.
H. Mit Entscheid vom 26. Juli 2019 qualifizierte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Graubünden die vom AFM bis zum 22. Oktober 2019 angeordnete Ausschaffungshaft als rechtmässig und schützte sie.
I. Nachdem die auf den 30. Juli 2019 angesetzte Befragung durch die O.1_ Behörden abgesagt worden war und ein neuer Termin nicht vor November 2019 vorgesehen war, wurde X._ am 8. August 2019 aus der Ausschaffungshaft entlassen. Anlässlich der Entlassung beantragte er die Ausrichtung von Nothilfeleistungen, woraufhin er dem Ausreisezentrum in O.4_ zugewiesen wurde.
J. Mit Schreiben vom 4. November 2019 teilte das SEM mit, dass X._ für die am 21. November 2019 stattfindende Befragung durch die somalische Behörde vorgesehen sei. Am 12. November 2019 wurde X._ gestützt auf den Haftbefehl des AFM in Ausschaffungshaft versetzt.
K. Nachdem X._ das rechtliche Gehör gewährt worden war, wurde das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Graubünden am 13. November 2019 um Überprüfung der Ausschaffungshaft ersucht.
L. Mit Entscheid vom 14. November 2019 qualifizierte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Graubünden die vom AFM bis zum 22. Januar 2020 angeordnete Ausschaffungshaft wiederum als rechtmässig und schützte sie.
M. Am 20./21. November 2019 teilte das SEM mit, dass die für den 21. November 2019 geplante Befragung durch die O.1_ Behörden erneut abgesagt worden sei. Sofern keine Zweifel an der Herkunft von X._ bestehen
4 / 21
würden und er eine gültige Wegweisung nach O.1_ habe, könne eine Rückführung mit Polizeibegleitung im Flugzeug (DEPA) mit einem "" ins Auge gefasst werden.
N. Anlässlich seiner Befragung vom 22. November 2019 gab X._ an, dass er keine Dokumente besitze und auch keine organisieren könne. Er habe keine Kontakte in O.1_ mehr. Im Juli 2019 habe er seine Frau A._ geheiratet. Er könne nicht zurück nach O.1_.
O. Am 20. Dezember 2019 wurde X._ darüber informiert, dass das SEM die Bestätigung der O.1_ Behörden erhalten habe, dass ihm ein "" ausgestellt werde. Es könne daher ein Flug nach O.1_ organisiert werden. X._ wehrte sich im darauffolgenden Gespräch vehement gegen eine Rückkehr nach O.1_, weil er dort grosse Probleme habe. Er werde unter keinen Umständen kooperieren und einen gebuchten Flug wahrnehmen. Auch der eventuelle Einsatz von Zwangsmassnahmen respektive -mittel würden ihn nicht dazu bewegen, in sein Heimatland zurückzukehren. Er sei jedoch bereit, die Schweiz zu verlassen und in ein anderes europäisches Land zu reisen.
P. Am 6. Januar 2020 erklärte das SEM auf Anfrage des AFM, dass das EJPD ein Ersatzreisedokument ausstellen werde und dementsprechend ein Flug nach O.1_ gebucht werden könne.
Q. Am 7. Januar 2020 wurde X._ das rechtliche Gehör zur Haftverlängerung gewährt und mit ihm über die anstehende Rückkehr nach O.1_ gesprochen. Er gab dabei an, dass er unter keinen Umständen bereit sei, nach O.1_ zurückzukehren.
R. Am 8. Januar 2020 ersuchte das AFM beim Zwangsmassnahmengericht des Kantons Graubünden um Verlängerung der Ausschaffungshaft von X._ bis zum 22. Juni 2020.
S. Mit Verfügung vom 10. Januar 2020 bestellte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Graubünden X._ einen amtlichen Rechtsbeistand in der Person von Rechtsanwalt Dr. iur. Valerio Priuli.
T. Am 17. Januar 2020 liess X._ beim AFM ein Gesuch um Erteilung einer Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Vorbereitung der Heirat stellen. Seine künftige Ehefrau sei seit 2016 vorläufig in der Schweiz aufgenommen, verfüge über eine bedarfsgerechte Wohnung und arbeite Vollzeit im Hotel C._ in C._, womit alle Voraussetzungen erfüllt seien. Das Amt für Migration und
5 / 21
Zivilrecht Graubünden teilte am 21. Januar 2020 mit, dass die künftige Ehefrau über keinen gefestigten Aufenthalt in der Schweiz verfüge, sondern über eine vorläufige Aufnahme für Ausländer. Der Familiennachzug für vorläufig Aufgenommene liege zudem einzig in der Kompetenz des SEM, wo nach Prüfung auch für die bestehende Wegweisung von X._ entschieden werde. Das AFM könne somit keine Kurzaufenthaltsbewilligung zwecks Heiratsvorbereitung ausstellen. Das Gesuch werde zur weiteren Bearbeitung ans SEM übermittelt.
U. Nach Durchführung der mündlichen Verhandlung, an welcher X._ sowie sein Rechtsvertreter persönlich teilnahmen, erkannte das Zwangsmassnahmengericht des Kantons Graubünden mit Entscheid vom 20. Januar 2020, gleichentags mündlich eröffnet und schriftlich mitgeteilt, wie folgt:
1. Der Verlängerung der Ausschaffungshaft bis zum 22.6.2020 durch das Amt für Migration und Zivilrecht Graubünden wird zugestimmt.
2.a) X._ hat die Verfahrenskosten in Höhe von CHF 500.00 zu übernehmen. Da die Voraussetzungen zur Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege erfüllt sind, gehen dieses Kosten – unter dem Vorbehalt der Rückforderung – zu Lasten des Kantons Graubünden und werden auf die Gerichtskasse genommen.
b) Die Kosten des amtlichen Rechtsbeistandes in Höhe von CHF 1'642.95 gehen zu Lasten von X._. Sie werden – unter dem Vorbehalt der Rückerstattungspflicht – vom Kanton Graubünden getragen und aus der Gerichtskasse bezahlt.
3. X._ kann gemäss Art. 80 Abs. 5 AIG einen Monat nach der Haftüberprüfung ein Haftentlassungsgesuch beim Amt für Migration und Zivilrecht Graubünden einreichen.

## Considerations