# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 04975c22-3523-4106-a1bb-00725c8fd395
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _ 1984 in O.1_ geboren und ist in O.2_ bei seinen Eltern aufgewachsen. Er absolvierte nach der Primarschule die Sekundarschule und schloss sodann eine Lehre als Polymechaniker ab. Zudem machte er eine Weiterbildung zum Werkstattleiter. Seither arbeitete er als Polymechaniker, zuletzt mit einem Pensum von 70% bei der A._ in O.3_. Zurzeit ist X._ arbeitslos. Nach seinen Angaben hat er ab April 2018 eine Stelle in Aussicht. Von der Arbeitslosenkasse erhält er monatlich rund CHF 3'200.00 netto. Gemäss Betreibungsregisterauszug lauten 46 Verlustscheine auf X._ und seine Schulden belaufen sich auf rund CHF 87'000.00. Wie dem Führungsbericht der Polizei zu entnehmen ist, ist X._ der Polizei in O.4_ bekannt.
B. Im Schweizerischen Zentralstrafregister ist X._ seit dem Jahr 2007 mit sechs Einträgen, wie folgt, verzeichnet:
1. Strafmandat des Untersuchungsamtes Altstätten vom 31. Oktober 2007: Verurteilung wegen Raufhandels (Art. 133 StGB), Diebstahls (Art. 139 Ziff. 1 StGB), Verletzung der Verkehrsregeln (aArt. 90 Ziff. 1 SVG) sowie mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis (aArt. 95 Ziff. 1 SVG) zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 50.00, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 2 Jahren, und einer Busse von CHF 700.00.
2. Strafmandat des Untersuchungsamtes Altstätten vom 9. Februar 2010: Verurteilung wegen mehrfacher einfacher Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) und Angriffs (Art. 134 StGB) zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu CHF 60.00, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 2 Jahren.
3. Strafmandat des Untersuchungsamtes Altstätten vom 28. Juni 2011: Verurteilung wegen Raufhandels (Art. 133 StGB) zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu CHF 30.00.
4. Strafmandat der Staatsanwaltschaft Graubünden, Abteilung I, Chur, vom 15. Januar 2013: Verurteilung wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln (Art. 90 Abs. 2 SVG) zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu CHF 80.00, bedingt vollziehbar bei einer Probezeit von 3 Jahren, und einer Busse von CHF 500.00.
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5. Strafmandat des Untersuchungsamtes Altstätten vom 12. Februar 2013 (Zusatzstrafe zum Strafmandat der Staatsanwaltschaft Graubünden, Abteilung I, Chur, vom 15. Januar 2013): Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung (Art. 123 Ziff. 1 StGB) zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu CHF 80.00.
6. Strafmandat des Untersuchungsamtes Altstätten vom 11. Februar 2016: Verurteilung wegen mehrfachen Führens eines Fahrzeuges ohne erforderlichen Führerausweis (Art. 95 Abs. 1 lit. a SVG) zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu CHF 60.00.
C. Am 21. März 2016 erstattete Y._ bei der Kantonspolizei Zürich Anzeige gegen X._ wegen Vergewaltigung. Die Kleidung, die Y._ während der angezeigten Tat getragen hatte, wurden durch die Polizei vorsorglich sichergestellt.
D. Mit Übernahmeverfügung vom 13. April 2016 übernahm die Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) das im Kanton Zürich bei der Staatsanwaltschaft See/Oberland geführte Strafverfahren gegen X._ wegen Vergewaltigung und eröffnete ihrerseits am 19. April 2016 die Eröffnung der Strafuntersuchung in gleicher Sache.
E. Am 12. Juni 2016 stellte Y._ Strafantrag gegen X._ wegen "Vergewaltigung, Körperverletzung, Tätlichkeiten" und konstituierte sich als Privatklägerin im Zivil- und Strafpunkt.
F. Mit Verfügung der Staatsanwaltschaft vom 30. August 2016 wurde Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Marty als amtlicher Verteidiger von X._ bestellt.
G. Mit Parteimitteilung vom 28. November 2016 kündigte die Staatsanwaltschaft den Abschluss der gegen X._ geführten Strafuntersuchung an und stellte in Aussicht, dass sie beim Gericht Anklage erheben werde.
H. Am 10. Februar 2017 reichte Rechtsanwalt lic. iur. Dieter Marty bei der Staatsanwaltschaft diverse Beweisanträge ein. Er verlangte die Erstellung einer Fotodokumentation der B._ sowie die Befragung des deutschstämmigen Chefkochs, des Hilfskochs sowie des Barpersonals betreffend ihre Beobachtungen in der Lounge. Mit Ermittlungsauftrag vom 20. Februar 2017 wurde die Polizei von der Staatsanwaltschaft beauftragt, eine Dokumentation der
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Örtlichkeit der B._ zu erstellen sowie die in den Beweisanträgen genannten Personen ausfindig zu machen. Mit Verfügung vom 5. April 2017 wurde der Beweisantrag, soweit er die Befragung des Personals der B._ und des  sowie des Hilfskochs betraf, mangels Identifikation abgewiesen, ebenso die Befragung von X._ und Y._.
I. Am 10. April 2017 erhob die Staatsanwaltschaft beim Regionalgericht Plessur Anklage gegen X._ wegen Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB. Der Anklageschrift liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
X._ und Y._ lernten sich am _ 2016 gegen 01:00 Uhr in der B._ des Kursaals in O.7_ kennen. Sie verstanden sich gut und verbrachten dort gemeinsam den Ausgang. Als die B._ schloss, gingen sie in das Hotelzimmer von X._, das Zimmer Nr. 220 im Hotel C._, C._strasse, in O.7_, um dort noch einen Drink einzunehmen. Gegen 04:20 Uhr trafen sie dort ein. Auf dem Balkon des Hotelzimmers näherte sich X._ von hinten an Y._, umarmte sie und drückte sein Glied an ihren Po. Y._ sagte ihm, dass er dies bleiben lassen solle und ging zurück ins Zimmer. Beim Bett gab X._ Y._ einen leichten Stoss, so dass sie aufs Bett fiel. X._ begann Y._ zu küssen. Y._ sagte weiterhin zu X._, dass sie das nicht wolle und er aufhören solle. X._ reagierte aber nicht darauf. Er zog ihr dann die Strumpfhose und Unterhose hinunter. Weil er nicht von ihr abliess, schrie sie ihn an und fragte ihn, ob er sie höre. Da X._ nicht reagierte, kickte Y._ mit dem angezogenen Bein gegen seinen Bauch, worauf er von ihr wegblickte. Y._ versuchte die ganze Zeit, X._ verbal klar zu machen, dass sie nichts Sexuelles mit ihm wolle. Als X._ sich wieder zu Y._ drehte, rieb er seinen Penis mit der Hand. Dann drückte er mit seinen Beinen die Beine von Y._, welche sie geschlossen hielt, auseinander und drang zweimal kurz mit seinem Penis in ihre Scheide ein. Y._ versuchte erfolglos, ihn wegzustossen. Während X._ über ihr lag, schrie sie um Hilfe und sagte ihm, dass er aufhören solle und sie dies nicht wolle. X._ rieb dann erneut seinen Penis mit der Hand und ejakulierte über das Gesicht und den Pullover von Y._. X._ wusste, dass diese sexuellen Handlungen gegen den Willen von Y._ geschahen, da sie es immer wieder zu ihm sagte und schrie. Zudem versuchte sie, sich körperlich zu wehren. Y._ gelang es dann, das T-Shirt von X._ zu zerreissen und ihn wegzustossen. Sie begab sich ins Badezimmer und versuchte, die Spermaflüssigkeit vom Pullover zu waschen. Sie war wütend auf X._ und machte ihm Vorwürfe. Dann ging sie auf den Balkon, rauchte eine Zigarette und telefonierte um 05:21 Uhr mit der Kollegin. Dann verliess sie das Zimmer.
J. Mit Schreiben vom 7. Juni 2017 ersuchte der amtliche Verteidiger von X._ im Rahmen eines Beweisantrages um Einvernahme von E._ als Zeugen. Mit Beweisverfügung vom 14. Juni 2017 wurde der Beweisantrag abgewiesen.
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K. Anlässlich der Hauptverhandlung vom 27. Juni 2017 vor dem Regionalgericht Plessur stellten die Parteien folgende Schlussanträge:
Anträge Staatsanwaltschaft:
1. X._ sei der Vergewaltigung schuldig zu sprechen.
2. Er sei dafür mit einer Freiheitsstrafe von 27 Monaten zu bestrafen. Die Strafe sei zu vollziehen.
3. Die sichergestellten Kleidungsstücke seien der Privatklägerin nach Rechtskraft des Urteils auszuhändigen.
4. Kostenfolge sei die gesetzliche.
Anträge X._:
1. X._ sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Die Zivilklage sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden kann.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.
Anträge Y._:
1. Der Adhäsionsbeklagte sei unter dem ausdrücklichen Vorbehalt eines Nachklagerechts zu verpflichten, der Adhäsionsklägerin Schadenersatz in der Höhe von CHF 2'321.65 zuzüglich 5% Zins auf CHF 1'127.15 seit dem 30.11.2016, auf CHF 319.80 seit 18.3.2016, auf CHF 483.00 seit 10.9.2016, auf Fr. 152.40 seit dem 28.11.2016 und auf Fr. 239.25 seit dem 1.5.2016 zu bezahlen.
2. Der Adhäsionsbeklagte sei zudem zu verpflichten, der Adhäsionsklägerin eine Genugtuung von CHF 10'000.00 zuzüglich 5% Zins seit 17. März 2016 zu bezahlen.
3. Der Adhäsionsbeklagte sei zu verpflichten, den der Adhäsionsklägerin entstandenen Aufwand durch anwaltliche Vertretung in Höhe von Fr. 5'096.50 zu ersetzen, soweit diese nicht auf die Staatskasse genommen werden.
4. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten des Adhäsionsbeklagten allenfalls der Staatskasse.
L. Gegen das am 27. Juni 2017 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und am 4. Juli 2017 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Regionalgerichtes Plessur meldeten sowohl X._ als auch die Staatsanwaltschaft am 5. bzw. 10. Juli 2017 Berufung an. Daraufhin teilte das Regionalgericht Plessur den Parteien am 4. Oktober 2017 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es, wie folgt:
1. X._ ist der Vergewaltigung gemäss Art. 190 Abs. 1 StGB schuldig.
2. a) Dafür wird X._ mit einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten bestraft.
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b) Für den Teil der Freiheitsstrafe von 12 Monaten wird der Vollzug unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
3. Die sichergestellten Gegenstände (act. 3.17) sind Y._ nach Rechtskraft dieses Urteils herauszugeben.
4. a) Die Zivilklage von Y._ gegen X._ wird im Umfang von CHF 2'000.00 Genugtuung nebst 5% Zins ab 17. März 2016 und CHF 1'988.00 Schadenersatz nebst 5% Zins auf CH [recte: CHF] 1'127.15 seit 30. November 2016, auf CHF 483.00 seit 11. November 2016, auf CHF 138.60 seit 28. November 2016 sowie auf CHF 239.25 seit 1. Mai 2016 gutgeheissen.
b) X._ wird verpflichtet, Y._ mit CHF 5'096.50 zu entschädigen.
5. Die Verfahrenskosten von CHF 6'753.20 (Entscheidgebühr CHF 3'600.00, Untersuchungskosten CHF 3'050.00 sowie Auslagen von CHF 1'303.20) gehen zu Lasten von X._. Sie sind dem Kanton Graubünden zu bezahlen.
6. a) Der amtliche Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. Dieter R. Marty, wird für das erstinstanzliche Verfahren mit CHF 12'903.85 (58 Std.; inkl. Barauslagen und MwSt.) entschädigt. Diese Entschädigung der amtlichen Verteidigung geht zu Lasten des Kantons Graubünden und wird aus der Gerichtskasse bezahlt. Vorbehalten bleibt die Rückerstattungspflicht von X._ gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO [recte: Art. 135 Abs. 4 lit. a StPO].
c) [recte: b] X._ wird gemäss Art. 135 Abs. 4 lit. b StPO verpflichtet, der amtlichen Verteidigung die Differenz zwischen der amtlichen Entschädigung und dem vollen Honorar, mithin CHF 2'580.75, zu erstatten, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben.
7. a) Es wird davon Vormerk genommen, dass der Beschuldigte als auch die Staatsanwaltschaft gegen dieses Urteil am 5. bzw. 10. Juli 2017 beim Regionalgericht Plessur die strafrechtliche Berufung angemeldet hat [recte: haben].

## Considerations