# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 131e0f83-a187-47b6-87a6-9995ddd7d651
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1955 und
vom 1. Januar 2004 bis 31. März 2012 als kauf
männischer Leiter und Geschäftsführer bei der Modeagentur
Y._
AG angestellt
gewesen
(Urk. 7/33/3-4)
,
meldete sich am
29. März 2012
beim Regio
nalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)
Z._
zur Arbeitsvermittlung ab
1. April 2012
an (Urk.
7/31/2
) und
stellte Antrag
auf
Arbeitslosenentschädigung ab
demselben Datum (Urk. 7/31/1).
Mit
unangefochten in Rechtskraft erwachse
ner
Verfügung vom 3. April 2012
(Urk. 7/32/31)
verneinte
die
Arbeitslosenkasse des Kantons Zürich
einen
Anspruch
des Versicherten
auf
Arbeitslosenentschädi
gung
ab 1
. April 2012
unter Hinweis auf dessen arbeitgeberähnliche Stellung (Eintragung im Handelsregister als Mitglied des Verwaltungsrates und Liquida
tor mit Einzelzeichnungsberechtigung
,
vgl. Urk. 7/33/8-9)
.
1.2
Am 24. Juli 2012 wurde die
Modeagentur
Y._
AG
nach beendeter Li
quidation im Handelsregister gelöscht (Urk. 7/32/24)
,
worüber
der Versicherte
die
Arbeitslosenkasse mit Schreiben vom 28. März (richtig wohl: Juli) 2012 (Urk. 7/32/25)
in
Kenntnis
setzte
.
In der Folge
erbrachte sie
im Rahmen einer am 24. Juli 2012 eröffneten Rahmenfrist für den Leistungs
bezug
Arbeitslo
senentschädigung
(Urk. 7/32/21-23).
Mit Schreiben vom 11. Oktober 2012
(Urk. 7/32/17)
monierte
der Versicherte
den in der
(nicht aktenkundigen)
Taggeldabrechnung für den Monat September 2012
ausgewiesenen
Höchstanspruch von
400 Taggeldern und verlangte
eine
Korrektur auf 520 Tage.
Daraufhin teilte ihm die Arbeitslosenkasse
am
16. Ok
tober 2012
(Urk.
7/32/16) mit, angesichts der Beitragszeit von 20,233 Monaten betrage der Höchstanspruch 400 Taggelder.
1.3
A
m 18. Dezember 2013
(Urk. 7/17)
erneuerte
X._
sein Begehren um Aus
richtung von
520 Taggelder
n
. Daraufhin beschied ihm die Arbeitslosenkasse
mit Verfügung vom 9. Januar 2014 (Urk. 7/15)
, dass die
formlos erfolgte
Festlegung des Höchstanspruchs auf 400 Taggelder rechts
beständig
beziehungsweise
rechtskräftig sei und hierüber keine Verfügung mehr verlangt werden könne, weshalb auf das entsprechende Gesuch (vgl. auch Urk. 7/16) nicht eingetreten werde. Sodann seien weder die Voraussetzungen der
prozessualen Revision
noch
der Wiedererwägung
erfüllt, um auf den Entscheid zurückzukommen.
Auf das Gesuch um Verschiebung der Rahmenfrist für den Leistungsbezug werde nicht eingetreten.
Die vom Versicherten am 5. Februar 2014
(Urk. 7/13)
dagegen erhobene Einsprache wies die Arbeitslosenkasse mit Entscheid vom 2. Juni 2014 (Urk. 2) ab.
2.
Hiergegen erhob
X._
am 29. Juni 2014 Beschwerde (Urk. 1) und bean
tragte
die
Anerkennung eines
Höchstanspruch
s
von 520
Taggeldern
.
Mit
B
e
schwerdeantwort
vom 12. August 2014 (Urk. 6)
schloss die Arbeitslosenkasse
auf Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 14. August 2014 (Urk. 9) zur Kenntnis gebracht wurde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Streitgegenstand im System der nachträglichen Verwaltungsrechtspflege ist das Rechtsverhältnis, welches – im Rahmen des durch die Verfügung beziehungs
weise den
Einspracheentscheid
bestimmten Anfechtungsgegenstandes – den aufgrund der Beschwerdebegehren effektiv angefochtenen
Verfügungsgegen
stand
bildet. Nach dieser Begriffsumschreibung sind Anfechtungsgegenstand und Streitgegenstand identisch, wenn die Verwaltungsverfügung beziehungs
weise der
Einspracheentscheid
insgesamt angefochten wird (BGE 125 V 413).
Richtet sich die Beschwerde gegen einen
Nichteintretensentscheid
, hat das Ge
richt, ungeachtet der Vorbringen der
beschwerdeführenden
Partei, zu prüfen und darüber zu entscheiden, ob die Verwaltung zu Recht nicht auf das
Leis
tungs
- oder Feststellungsbegehren eingetreten ist. Der richterliche Entscheid in der Sache (Sachentscheid) hat in dieser besonderen verfahrensmässigen Situa
tion den formellen Gesichtspunkt des Nichteintretens durch die untere Instanz zum Gegenstand. Dagegen hat sich das Gericht mit den materiellen Anträgen nicht zu befassen (BGE 121 V 157 E. 2b, 116 V 265 E. 2a, SVR 1997, UV Nr. 66 S. 225 E. 1a).
1.2
1.2.1
Gemäss Art. 49 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversi
cherungsrechts
(ATSG) hat der Versicherungsträger über Leistungen, Forderun
gen und Anordnungen, die erheblich sind oder mit denen die betroffene Person nicht einverstanden ist, schriftlich Verfügungen zu erlassen (Abs. 1). Dem Be
gehren um Erlass einer Feststellungsverfügung ist zu entsprechen, wenn die gesuchstellende Person ein schützenswertes Interesse glaubhaft macht (Abs. 2).
Darunter ist rechtsprechungsgemäss ein rechtliches oder tatsächliche
s
und ak
tu
elles Interesse an der sofortigen Feststellung des Bestehens oder
Nichtbeste
hens
eines Rechtsverhältnisses zu verstehen, dem keine erheblichen öffentlichen oder privaten Interessen entgegenstehen, und welches nicht durch eine
rechts
gestal
tende
Verfügung gewahrt werden kann (BGE 130 V 388 E. 2.4).
Leistungen, Forderungen und Anordnungen, die nicht un
ter Art.
49
Abs.
1
ATSG
fallen, können gemäss
Art.
51 ATSG in einem formlosen Verfahren be
handelt werden
(Abs. 1)
. Die betroffene Person kann den Erlass einer Verfügung verlangen
(Abs. 2)
.
1.2.2
Wenn Verfügungen oder
Einspracheentscheide
nicht mehr mit einem ordentli
chen Rechtsmittel angefochten werden können, sind sie formell rechtskräftig (vgl.
Kieser
, ATSG-Kommentar, 3. Auflage
,
2015, Art. 53 N 3). Bei formlosen Verwaltungsakten, wozu Taggeldabrechnungen zu zählen sind, gilt die
Rechts
beständigkeit
als eingetreten, wenn anzunehmen ist, ein
e versicherte Person
habe sich mit einer getroffenen Regelung abgefunden, was dann der Fall ist, wenn die nach den Umständen zu bemessende Überlegungs- und Prüfungsfrist abgelaufen ist. Bei Taggeldabrechnungen wi
rd dabei von einer Frist von 90
Tagen ausgegangen (vgl. Kupfer Bucher in:
Murer
/Stauffer, Hrsg., Rechtspre
chung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, AVIG, 4. Auflage
,
2013, S. 363 f. mit Hinweisen)
.
1.2.3
Formell rechtskräftige Verfügungen und
Einspracheentscheide
beziehungsweise
rechtsbeständig gewordene formlose Entscheide müssen in Revision gezogen werden, wenn die versicherte Person oder der Versicherungsträger nach deren Erlass erhebliche neue Tatsachen entdeckt oder Beweismittel auffindet, deren Beibringung zuvor nicht möglich war (
sog.
Revision). Der Versicherungsträger kann auf formell rechtskräftige Verfügungen oder
Einspracheentscheide
respek
tive
rechtsbeständig gewordene formlose Entscheide zurückkommen, wenn diese zweifellos unrichtig sind und wenn ihre Berichtigung von erheblicher Be
deutung ist (
sog.
Wiedererwägung; Art. 53 ATSG
; vgl. auch
Kupfer Bucher, a.a.O.
, S. 364
f.)
.
2.
2.1
S
trittig und zu prüfen ist
, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht auf das Gesuch des Beschwerdeführers, sein Höchstanspruch
sei auf 520 Taggelder
festzulegen (Schreiben vom 18. Dezember 2013, Urk. 7/17
; vgl. auch Telefonnotiz vom 7. Januar 2014, Urk. 7/16
), nicht
eingetreten ist.
2.2
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich im angefochtenen Entscheid (Urk. 2) auf den Standpunkt
,
mit der ersten
(nicht aktenkundigen)
Taggeldabrechnung vom 7. August 2012 für den Monat Juli 2012
seien
die Eckdaten des Anspruchs auf Arbeitslosenentschädigung festgelegt worden, wozu
nebst der Rahmenfrist für den Leistungsbezug (24. Juli 2012 bis 23. Juli 2014) insbesondere
auch der auf 400 Taggelder veranschlagte Höchstanspruch gehöre. Zwar habe der Beschwer
deführer am 11. Oktober 2012
binnen
90 Tagen eine Korrektur auf 520 Tage verlangt. Auf ihr
Antworts
chreiben vom 16. Oktober 2012,
wor
in
sie im Detail aufgezeigt habe, dass lediglich ein Anspruch auf 400 Taggelder bestehe, habe er jedoch nicht
innert Frist
(
90 Tage
respektive
unter Berücksichtigung der Ge
richtsferien
bis Ende Januar 2013
)
reagiert. Damit sei die formlos erfolgte Fest
legung des Höchstanspruchs auf 400 Taggelder rechtsbeständig geworden
be
ziehungsweise
in Rechtskraft erwachsen
. Darüber könne aktuell keine Verfü
gung mehr verlangt werden, weshalb auf das Gesuch nicht einzutreten sei
(S. 3 Ziff. 2)
.
Überdies seien d
ie Voraussetzungen für ein Zurückkommen
auf den
festgelegten
Taggeldhöchstanspruch
(wie auch auf die Terminierung der
R
ah
menfrist
für den Leistungsbezug
)
unter dem Titel der
Revision
oder
der
Wieder
erwägung
(Art. 53 ATSG) nicht gegeben (
S. 3 f. Ziff. 3) und a
uf den Vertrau
ensschutz
könne sich der Beschwerdeführer
ebenfalls
nicht erfolgreich berufen (S. 4 Ziff. 4
; vgl. auch Urk. 7/15
).
3.
3.1
Der Beschwerdegegnerin ist darin beizupflichten, dass n
ach ständiger Recht
sprechung des Bundesgerichts einer Leistungsabrechnung der Arbeitslosenkasse trotz Fehlens formeller Verfügungsmerkmale materiell Verfügungscharakter zu
kommt
, weil sie eine behördliche Anordnung
darstellt, durch welche die der v
ersicherten
Person
(i
m
jeweiligen
Monat
)
zustehenden Arbeitslosentag
gelder verbindlich festgelegt wer
den (BGE 129 V 110 E.
1.2
, 125 V
475
E.
1). Eine sol
che „
formlose Verfügung
“
oder
„
faktische Verfügung
“ wird –
besondere Um
stände vorbehalten –
rechtsbest
ändig, wenn sie nicht innert 90
Tagen vom Ad
ressaten gerügt wird (
Urteil
e
des Bundesgerichts
C
7/02
vom 14.
Juli 2003
E.
3.2
und C
119/06
vom 24.
April 2007
E. 3.2
je
mit Hinweisen
,
publiziert in:
SVR 2004 ALV Nr. 1 S.
1
und
S
VR 2007 ALV Nr. 24 S. 75;
zum Ganzen vgl.
Urteil
des Bundesgerichts 8C_554/2015
vom 19.
Oktober 2015
E. 3.4).
3.2
Die Sichtweise der Beschwerdegegnerin beruht jedoch
insoweit
auf einer
Fehl
überlegung
,
als
diese davon ausgeht,
die Rechtskraft erstrecke sich auch auf den
in
der
Taggeldabrechnung
für die laufende Leistungsrahmenfrist
ausgewiesene
n
Höchstanspruch
.
Das von ihr im angefochtenen Entscheid (Urk. 2 S. 3 erster Abschnitt in
fine
) angerufene Urteil des hiesigen Gerichts vom 22. November 2011 (Prozess-Nr. AL.2011.00196) ist diesbezüglich nicht einschlägig.
G
emäss höchstrichterlicher
Recht
sprechung
besteht
ein schützens
wertes Inte
resse
am Erlass einer anfechtbaren Verfügung betreffend Höchstanspruch der Taggelder erst im Zeitpunkt des
effe
ktiven Ausschöpfens der Taggelder.
Laut Bundesgericht vermag d
ie
bloss künftige Möglichkeit, dass
die vom Gesetz
vor
gesehene Begrenzung des Tag
geldanspruchs innerhalb der laufenden
Rahmen
frist
aufgrund länger dauernder Arbeitslosigkeit konkret zum Tragen kommen k
önnte,
allein kein aktu
elles Feststellungsinteresse zu begründen
, und d
as Zu
warten mit einer verfügungsweisen Fe
stsetzung des maximalen
Taggeld
an
spruchs
bis zu dessen effektiver Ausschöpfung
ist
für die
versicherte
Person
grundsätzlich nicht
mit wesentlichen Nachteilen verbunden (
in BGE
130 V 388
nicht publizierte E. 3.3 des
Bundesgerichtsurteils C 266/03 vom 12. März 2004).
Soweit die Beschwerdegegnerin dem Beschwerdeführer vorwirft, er habe sich nach Erhalt des Antwortschreibens vom 16. Oktober 2012
(Urk. 7/32/16)
nicht innert 90 Tagen respektive
unter Berücksichtigung der Gerichtsferien
nicht bis spätestens Ende Januar 2013 gegen den darin
bekräftigten
Höchstanspruch von 400 Taggeldern zur Wehr gesetzt
, verkennt sie, dass
damals die Aussteuerung ausweislich
der Akten
nicht unmittelbar bevorstand und
es
demzufolge
an einem schützenswerten Interesse am Erlass einer anfechtbaren Verfügung be
treffend Taggeldhöchstanspruch fehlte.
Mithin
bestand für den
Be
schwerde
füh
rer zu jenem Zeitpunkt gar keine
rechtliche
Handhabe, um gegen den
festgeleg
ten
Taggeldh
öchstanspruch vorzugehen.
Anders dürfte sich die Situation
am 18.
Dezember 2013
(Urk. 7/17)
präsentiert haben, als der Beschwerdeführer unter Hinweis auf
seine
zwischenzeitlich „un
angenehme Situation“ erneut an die
Beschwerdegegnerin
gelangte
und aber
mals die Anerkennung von 520 Taggeldern verlangte
.
3.
3
Vor diesem Hintergrund
lässt sich der
angefochtene
E
ntscheid der
Beschwerde
gegnerin
(Urk. 2)
nicht halten.
Insofern ist die Beschwerde gutzuheissen.
Hinge
gen bildet
der
materielle
Antrag
des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 1), sein Höchstanspruch sei auf 520 Taggelder zu veranschlagen,
nicht Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens (vgl. E. 1.2 hiervor) und ist daher nicht zu prüfen.