# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f663897c-80f9-5be2-a9e4-63bcdd9d8833
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_003
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. Der am XX.XX.2000 geborene B_ wurde von seinen Eltern am 6. Dezember 2014 bei
der Invalidenversicherung (nachfolgend: Vorinstanz) zum Leistungsbezug angemeldet,
nachdem er sich im Ostschweizer Kinderspital in St. Gallen einer Hemiepiphysiodese bei
Genua vara beidseits unterzogen hatte.
B. Mit Vorbescheid vom 4. Februar 2015 teilte die Vorinstanz der Familie B_ mit, dass
gemäss den medizinischen Unterlagen kein von der Invalidenversicherung anerkanntes
Geburtsgebrechen vorliege und auch die Anspruchsvoraussetzungen für eine
Kostengutsprache nach Art. 12 des Invalidenversicherungsgesetzes fehlten, weshalb das
Leistungsbegehren abzuweisen sei (IV-act. 8).
C. B_ ist bei der Krankenversicherung A_ (nachfolgend: Beschwerdeführerin)
krankenversichert. Diese erhob am 27. Februar 2015 Einwand gegen den Vorbescheid und
ersuchte um Kostenübernahme der beantragten medizinischen Massnahmen (IV-act. 12).
Nach weiteren Abklärungen hielt die Vorinstanz mit Verfügung vom 27. April 2015 an der
Abweisung des Leistungsbegehrens fest (IV-act. 17).
D. Gegen diese Verfügung richtet sich die von der Beschwerdeführerin am 21. Mai erhobene
Beschwerde ans Obergericht (act. 1). Mit Vernehmlassung vom 7. Juli 2015 (act. 6)
verlangte die Vorinstanz deren Abweisung. Nachdem die Parteien auf die Durchführung
einer mündlichen Verhandlung verzichtet hatten und keine weiteren Rechtschriften mehr
einreichten, wurde die Sache am 16. Dezember 2015 in der dritten Abteilung des
Obergerichts in Abwesenheit der Parteien abschliessend beraten und darüber entschieden.
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Beide Parteien verlangten eine schriftliche Ausfertigung des begründeten Urteils. Das
schriftlich begründete Urteil wird hiermit eröffnet.
E. Auf weitere Einzelheiten im Sachverhalt und in den IV-Akten sowie die Vorbringen der
Parteien in den Rechtschriften wird, soweit entscheidrelevant, in den nachfolgenden
Erwägungen näher eingegangen.

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
Der angefochtene Entscheid ist in Anwendung von Sozialversicherungsrecht ergangen.
Gemäss Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs-
rechts (ATSG, SR 830.1) i.V.m. Art. 28 Abs. 1 lit. b des Justizgesetzes (JG, bGS 145.31)
beurteilt das Obergericht Beschwerden gegen solche Entscheide. Die örtliche Zuständigkeit
ist gegeben (Art. 58 Abs. 1 ATSG).
Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der weiteren Prozessvoraussetzungen
ergibt, dass diese hinsichtlich der Form- und Fristerfordernisse erfüllt sind (insbesondere
Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG, SR 831.20] i.V.m.
Art. 60 Abs. 1 und Art. 61 lit. b ATSG sowie Art. 54, Art. 56 und Art. 59 des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, bGS 143.1]). Die Beschwerdeführerin ist als
Krankenversicherer von B_ zur Beschwerde legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG).
Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2. Materielles
2.1.
Die zuständigen Fachärzte des Ostschweizer Kinderspitals für Kinder- und
Jugendchirurgie, Dres. C_ und D_, bemerkten in ihrem Schreiben vom 12. Januar
2015 Folgendes zur seitens der Vorinstanz erfolgten Anfrage: „Wir erhalten von Ihnen die
Nachfrage für eine IV-Abklärung. Uns ist nicht klar, weshalb es zu der IV-Anmeldung
gekommen ist. B_ leidet unter einem ausgeprägten Morbus Osgood Schlatter auf der
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linken Seite und unter Genua vara bds. mit St. n. temporärer lateraler Hemiepiphyseodese
der proximalen Tibia bds. Beides qualifiziert sich unserer Meinung nach nicht für eine IV-
Anmeldung“ (IV-act. 5). Die Vorinstanz ersuchte dennoch um Zustellung des
Operationsberichts und bat darum, genauer mitzuteilen, welche Indikation zur
Hemiepiphyseode geführt hatte (IV-act. 13). Aus den hierauf der Vorinstanz zugestellten
Unterlagen ergibt sich, dass der damals 13jährige B_ im Ostschweizer Kinderspital
vorstellig wurde aufgrund von Knieschmerzen links bei Morbus Osgood Schlatter. Im
Rahmen der klinischen Untersuchung fielen Genua vara bds. auf und die radiologische
Abklärung zeigte eine varische Beinachse von 5°. Familie B_ berichtete über eine
Zunahme der varischen Achse und wünschte daher eine wachstumslenkende Korrektur.
Am 3. Oktober 2014 wurde die wachstumslenkende Korrektur der Genua vara mit
temporärer lateraler Hemiepiphyseodese proximale Tibia bds. durchgeführt. (IV-act. 15, S.
1 ff.).
2.2.
Zwischen den Parteien ist strittig, wer für die angefallenen Behandlungskosten von B_
aufzukommen hat. Unbestritten ist, dass bei B_ im vorliegenden Zusammenhang kein
Geburtsgebrechen vorliegt, für welches gestützt auf Art. 13 IVG eine Leistungspflicht der
Vorinstanz zu bejahen wäre. Auf die diesbezügliche zutreffende Begründung der
Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung wird verwiesen. Uneinig sind sich die Parteien
aber darüber, ob eine Leistungspflicht der Vorinstanz gestützt auf Art. 12 IVG zu bejahen
ist.
2.3.
Gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG haben Versicherte bis zum vollendeten 20. Altersjahr Anspruch
auf medizinische Massnahmen, die nicht auf die Behandlung des Leidens an sich, sondern
unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den Aufgabenbereich gerichtet
und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor wesentlicher Beeinträchtigung
zu bewahren. Der Bundesrat ist seiner Befugnis gemäss Art. 12 Abs. 2 IVG, die
Massnahmen gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG von jenen, die auf die Behandlung des Leidens an
sich gerichtet sind, abzugrenzen, mit der Umschreibung in Art. 2 Abs. 1 der Verordnung
über die Invalidenversicherung (IVV, SR 831.201) nachgekommen. Nach Art. 2 Abs. 1 IVV
gelten als medizinische Massnahmen im Sinne von Artikel 12 IVG namentlich chirurgische,
physiotherapeutische und psychotherapeutische Vorkehren, die eine als Folgezustand
eines Geburtsgebrechens, einer Krankheit oder eines Unfalls eingetretene
Beeinträchtigung der Körperbewegung, der Sinneswahrnehmung oder der Kontaktfähigkeit
zu beheben oder zu mildern trachten, um die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im
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Aufgabenbereich zu betätigen, dauernd und wesentlich zu verbessern oder vor
wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren. Die Massnahmen müssen nach bewährter
Erkenntnis der medizinischen Wissenschaft angezeigt sein und den Eingliederungserfolg in
einfacher und zweckmässiger Weise anstreben.
2.4.
Die Beschwerdeführerin argumentiert, aufgrund der medizinischen Sachlage sei mit dem
Beweisgrad einer hohen Wahrscheinlichkeit bei einer unterlassenen Korrektur der O-Beine
damit zu rechnen, dass sich bei B_ ein schwerer und nicht rückgängig zu machender
Defektzustand in Form einer Kniegelenksarthrose ausbilde, welche erhebliche
Auswirkungen auf die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu
betätigen, haben würde (Beschwerde, S. 4). Eine solche Schlussfolgerung lässt sich indes
nicht aus den eingeholten Arztberichten ziehen. Nachdem bereits Dres. C_ und D_
klar geäussert hatten, die Leiden von B_ qualifizierten sich nicht für eine IV-Anmeldung
(IV-act. 5), ist auch im Bericht von Dr. E_ (IV-act. 15) nicht die Rede davon, dass die
wachstumslenkende Korrektur zur Vorbeugung eines nicht rückgängig zum machenden
Defektzustandes in Form einer Kniegelenksarthrose vorgenommen worden wäre; vielmehr
war die wachstumslenkende Korrektur aufgrund einer Zunahme der varischen Achse
„gewünscht worden“ (IV-act. 15, S. 1). Dass sich ohne die Operation eine
Kniegelenksarthrose ausgebildet hätte, welche vorbeugend mit der Operation verhindert
werden konnte bzw. dass die Operation aus einem solchen Grund angezeigt war, ergibt
sich nicht aus den einschlägigen Arztberichten.
2.5.
Im vorliegenden Verfahren geht es nicht darum, zu beurteilen, ob die Operation für B_
notwendig war oder nicht, sondern es geht einzig um die Frage, ob eine Leistungspflicht
der Invalidenversicherung oder der Krankenversicherung besteht. Dass die Behandlung
von B_ sinnvoll und angezeigt war, wird von keiner der beiden Parteien in Frage gestellt.
Es ist aber in unserem Sozialversicherungsrechtssystem notwendig, die Aufgabenbereiche
der Invalidenversicherung einerseits und der sozialen Kranken- und Unfallversicherung
andererseits voneinander abzugrenzen. Der Gesetzgeber ging dabei vom Grundsatz aus,
dass die Behandlung einer Krankheit oder einer Verletzung ohne Rücksicht auf die Dauer
des Leidens primär in den Aufgabenbereich der Krankenversicherung gehört (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_452/2014 vom 29. Oktober 2014, E. 2.1). Art. 12 Abs. 1 IVG
umschreibt die Vorkehren medizinischer Art, welche von der Invalidenversicherung nicht zu
übernehmen sind, mit dem Rechtsbegriff "Behandlung des Leidens an sich". Eine solche ist
zwar auch bei gewissen Geburtsgebrechen, welche aufgrund der diesbezüglichen
gesetzlichen Regelung dennoch von der Invalidenversicherung zu übernehmen sind, zu
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bejahen; ein Geburtsgebrechen ist aber im vorliegenden Fall unbestrittenermassen nicht
gegeben. Grundsätzlich hat somit die primär in Anspruch zu nehmende
Krankenversicherung für die in Frage stehende Behandlung aufzukommen, es sei denn,
das Gesetz sehe eine Haftung der Invalidenversicherung vor. Eine Leistungspflicht der
Invalidenversicherung gestützt auf Art. 12 IVG kommt nur dann in Frage, wenn es sich um
eine auf die Eingliederung ins Erwerbsleben oder in den anerkannten Aufgabenbereich
gerichtete Massnahme handelt (vgl. MEIER/REICHMUTH, Rechtsprechung des
Bundesgerichts zum IVG, 3. Auflage, Zürich/Basel/Genf 2014, Rz. 5 zu Art. 12). Nach der
Rechtsprechung sind von der Invalidenversicherung grundsätzlich nur solche Vorkehren zu
übernehmen, die nicht auf die Heilung oder Linderung labilen pathologischen Geschehens
gerichtet sind. Während dies bei Erwachsenen ohne Weiteres gilt, sind bei Jugendlichen -
ihrer körperlichen und geistigen Entwicklungsphase Rechnung tragend - medizinische
Vorkehren trotz des einstweilen noch labilen Leidenscharakters von der
Invalidenversicherung zu übernehmen, wenn ohne diese in absehbarer Zeit eine Heilung
mit Defekt oder ein sonst wie stabilisierter Zustand einträte, wodurch die Berufsbildung oder
die Erwerbsfähigkeit oder beide beeinträchtigt würden (Urteil des Bundesgerichts
9C_912/2014 vom 7. Mai 2015, E. 1.2, m.w.H.). Die Invalidenversicherung hat daher bei
Jugendlichen auch dann Leistungen zu erbringen, wenn es darum geht, mittels geeigneter
Massnahmen einem die berufliche Ausbildung oder die künftige Erwerbsfähigkeit
beeinträchtigenden Defektzustand vorzubeugen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die
meisten Krankenpflegemassnahmen über ihren Hauptzweck hinaus, die Beeinträchtigung
der körperlichen oder seelischen Integrität zu beseitigen, sich regelmässig auch in
beruflich-erwerblicher Hinsicht günstig auswirken. Der Eingliederungserfolg einer
medizinischen Vorkehr allein ist daher kein geeignetes Kriterium für die Beantwortung der
Abgrenzungsfrage (MEIER/REICHMUTH, a.a.O., Rz. 2 zu Art. 12).
2.6.
Die Beschwerdeführerin verweist zur Begründung ihrer Auffassung, wonach die
Invalidenversicherung für die Behandlungskosten aufzukommen habe, auf Bestimmungen
im Kreisschreiben über die medizinischen Eingliederungsmassnahmen der Invaliden-
versicherung (KSME, abrufbar unter http://www.bsv.admin.ch/vollzug/documents/
view/3948/lang:deu/category:34; die im vorliegenden Fall einschlägigen Bestimmungen
sind in der Version gültig seit 1.1.2015 gleich formuliert wie in der seit 1.1.2016 geltenden
Version). Gemäss Ziff. 54.1/03 KSME kann die Invalidenversicherung medizinische
Eingliederungsmassnahmen nach Art. 12 IVG ausnahmsweise auch übernehmen, wenn
noch nicht stabile oder relativ stabilisierte Zustände bestehen, nämlich dann, wenn die
auszuführenden Massnahmen mit hinlänglicher Zuverlässigkeit erwarten lassen, dass
damit einem später drohenden stabilen, nur schwer korrigierbaren Defekt vorgebeugt
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werden kann, der sich wesentlich auf die Erwerbstätigkeit oder Berufsbildung auswirken
würde. Ein Gesundheitsschaden muss aber vorhanden sein. Eigentliche
Krankheitsprophylaxe sowie Vorkehren, die lediglich das Entstehen eines stabilisierten
Zustandes hinausschieben, sind indessen ausgeschlossen. In Ziff. 738/938.3 KSME ist
unter der Überschrift „O-Beine - Crura vara“ festgehalten, die Osteotomie bei O-Beinen bei
jugendlichen, im Berufsbildungsalter stehenden Versicherten sei eine
Eingliederungsmassnahme der Invalidenversicherung, „wenn in absehbarer Zeit mit einem
schwer korrigierbaren Defekt (Arthrose) zu rechnen wäre und vermutet werden darf, dass
mit dem Eingriff ein Fortschreiten des arthrotischen Prozesses verhindert werden kann. ...
Nur aus ästhetischen Gründen ausgeführte Osteotomien sind keine Eingliederungs-
massnahmen der IV.“ Schliesslich zitiert die Beschwerdeführerin Ziff. 1013 KSME, wo zur
Epiphysiodese festgehalten ist, dass „bei Wachstumsstörungen, insbesondere an einer
unteren Gliedmasse“, eine Epiphysiodese am längeren Glied, die einen Längenausgleich
bezweckt und nicht auf einfachere Weise behoben werden kann, als medizinische
Eingliederungsmassnahme der IV gilt; die „Ursache der Wachstumsstörung ist dabei
unerheblich, jedoch muss der Charakter der Operation als Vorbeugung gegen einen
schweren korrigierbaren Defekt deutlich sein.“
2.7.
Verwaltungsweisungen, wozu auch das KSME gehört, haben nicht den Stellenwert von
Rechtsregeln und können insbesondere keine von den gesetzlichen Bestimmungen
abweichenden Ansprüche begründen. Die Gerichte weichen aber im Interesse einer
einheitlichen Rechtsanwendung in der Regel nicht ohne triftige Gründe von den in
Verwaltungsweisungen enthaltenen Konkretisierungen und Umschreibungen ab, wenn
dadurch die rechtlichen Vorgaben überzeugend konkretisiert werden (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 9C_748/2012, E. 4.1, m.w.H.). Art. 12 Abs. 1 IVG nennt als Voraussetzung
für eine Kostenübernahme der medizinischen Massnahmen durch die Invalidenver-
sicherung ausdrücklich die Eingliederung ins Erwerbsleben oder den Aufgabenbereich als
angestrebtes Ziel. Dieser Vorgabe des Gesetzgebers entsprechend ist im KSME
festgehalten, dass die medizinischen Massnahmen der Invalidenversicherung nicht auf die
Behandlung des Leidens an sich ausgerichtet sind, sondern durch die Korrektur stabiler
Funktionsausfälle oder Defekte die berufliche Eingliederung anstreben und somit
bezwecken, die Erwerbsfähigkeit oder die Berufsbildung oder die Fähigkeit, im
Aufgabenbereich tätig zu sein, dauernd und wesentlich zu beeinflussen (Ziff. 38.1/03
KSME). Zur Leidensbehandlung und damit in den Bereich der Krankenversicherung
gehören dagegen grundsätzlich prophylaktische Vorkehren zur Verhinderung stabiler
Defektzustände. Eine umfassende medizinische Invaliditätsprophylaxe ist dem IVG - ausser
namentlich bei den Geburtsgebrechen - grundsätzlich fremd (Ziff. 40.1/03 KSME).
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2.8.
Die Beschwerdeführerin geht bei der Zitierung der Bestimmungen aus dem KSME davon
aus, die bei B_ vorgenommene Hemiepiphysiodese solle „verhindern, dass beim
Versicherten schon im jungen Erwachsenenalter starke arthrotische Veränderungen
eintreten. Durch den wachstumslenkenden Eingriff könnte dieses erhöhte Risiko verhindert
und minimiert werden, zumal bereits starke Schmerzen bestehen“ und verweist auf einen
„Bericht des Ostschweizer Kinderspitals vom 14. Oktober 2014“ (Beschwerde, S. 4). Ein
solcher Bericht findet sich indessen nicht in den Akten. Aus dem stattdessen vorliegenden
Bericht vom 2. April 2015 (IV-act. 15, S. 1) ergibt sich vielmehr, dass B_ aufgrund von
einseitigen Knieschmerzen links bei Morbus Osgood Schlatter im Kinderspital St. Gallen
vorstellig wurde; erst im Rahmen der Untersuchung fielen Genua vara bds. auf. Im
Operationsbericht vom 6. Oktober 2014 (IV-act. 15, S. 2 f.) sind weder beidseitige starke
Schmerzen noch das Ziel, mit der Operation drohenden arthrotischen Veränderungen
vorzubeugen, festgehalten. Erwähnt sind lediglich ein beidseitiges Genu varum von 5° und
die durchgeführte Achskorrektur. Als Grund für die wachstumslenkende Korrektur wird auf
Rückfrage der Vorinstanz folgendes angeführt: „Familie B_ berichtet über eine Zunahme
der varischen Achse, daher war die wachstumslenkende Korrektur gewünscht worden“ (IV-
act. 15, S. 1). Die Argumentation der Beschwerdeführerin, wonach aufgrund der
medizinischen Sachlage „mit dem Beweisgrad einer hohen Wahrscheinlichkeit bei einer
unterlassenen Korrektur der O-Beine damit zu rechnen [wäre], dass sich beim Versicherten
ein schwerer und nicht rückgängig zu machender Defektzustand in Form einer
Kniegelenksarthrose ausbildet“, lässt sich nicht auf die Angaben der behandelnden Ärzte
stützen.
2.9.
Der von der Beschwerdeführerin zur Begründung ihrer Auffassung zitierte Entscheid der
Einzelrichterin des Versicherungsgerichts St. Gallen vom 26. November 2013 unterscheidet
sich damit vom Sachverhalt im vorliegenden Fall wesentlich: Zwar wurde auch in jenem Fall
bei einem minderjährigen Mädchen eine Hemiepiphysiodese zur Korrektur der Genua vara
durchgeführt, allerdings mit der Begründung, die Fehlbelastung zufolge der Genua vara
bds. wirke sich auf den Schulbesuch aus; die Einzelrichterin stellte fest, dass durch die
Hemiepiphysiodese die Erwerbsfähigkeit des Mädchens prognostisch wesentlich
verbessert bzw. vor einer wesentlichen Beeinträchtigung bewahrt werde. Aufgrund der
Angaben der behandelnden Ärzte war in jenem Fall davon auszugehen, dass ohne
Hemiepiphysiodese zu einem späteren Zeitpunkt eine Osteotomie durchgeführt werden
müsste. Abgesehen davon, dass die st. Gallische Rechtsprechung für das urteilende
Gericht ohnehin nicht verbindlich ist, liegt somit gar kein mit dem vorliegenden Fall
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vergleichbarer Sachverhalt vor. Die medizinische Sachlage im vorliegenden Fall begründet
gerade keine Leistungspflicht der Vorinstanz. Zu Recht argumentiert die Vorinstanz, es sei
vorliegend nicht von einer so schweren Einschränkung aufgrund der Genua vara
auszugehen, dass von einer Invalidität oder einer drohenden Invalidität ausgegangen
werden müsste.
2.10.
Bei diesem Ergebnis braucht die Frage nicht weiter geprüft zu werden, ob der
Argumentation der Vorinstanz in der angefochtenen Verfügung gefolgt werden kann,
wonach auch deshalb, weil die Osteotomie eine vollkommen andere Operationsart als die
Hemiepiphysiodese sei, keine Leistungspflicht der Vorinstanz bestehe. Eine
Leistungspflicht der Vorinstanz entfällt bereits aus dem Grund, dass die vom Gesetz
ausdrücklich vorgesehene Grundsatzvoraussetzung einer Kostenübernahme durch die
Invalidenversicherung nicht erfüllt ist, nämlich die Voraussetzung, dass es sich um eine
medizinische Massnahme handelt, „die unmittelbar auf die Eingliederung ins Erwerbsleben
oder in den Aufgabenbereich gerichtet und geeignet ist, die Erwerbsfähigkeit oder die
Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, dauern und wesentlich zu verbessern
oder vor wesentlicher Beeinträchtigung zu bewahren“ (Art. 12 Abs. 1 IVG). Damit hat es die
Vorinstanz zu Recht abgelehnt, für die beantragten Kosten aufzukommen.
3. Kosten und Entschädigung
Nach Art. 69 Abs. 1bis IVG sind Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung kostenpflichtig. Die Kosten
werden nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1‘000.-- festgelegt. Vorliegend erscheint die in vergleichbaren Fällen
üblicherweise festgelegte Entscheidgebühr von Fr. 800.-- als angemessen, unter
Verrechnung mit dem von der Beschwerdeführerin in gleicher Höhe geleisteten
Kostenvorschuss.
Es besteht kein Anspruch auf eine Entschädigung.
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