# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 238fcef8-3b2b-4c5d-9fce-b8b519c3bd41
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1969 geborene X._
ve
rfügt über keine abgeschlossene
B
erufsaus
bildung (Urk. 8/14 S. 5) und meldete sich am 2
6.
August 2019 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf Legasthenie, Dyskalkulie, einen Tennisarm sowie Arthrose an Schulter, Hüfte und Knie bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 8/14). Die
se
tätigte medizinische und er
werbliche Abklärungen. Mit Schreiben vom 2
5.
Juni 2020 teilte sie der Versicher
ten mit, sie gewähre Frühinterventionsmassnahmen in Form eines Ausbildungs
kurses zur Sachbearbeiterin im Rechnungswesen (Urk. 8/33). Zudem erteilte sie
am 1
7.
Juli 2020
Kostengutsprache
für eine Arbeitsvermittlung (Urk. 8/36).
Am 2
5.
Februar 2021 wurden die Eingliederungsmassnahmen beendet (Urk. 8/43). Gleichentags teilte die IV-Stelle mit, auf Wunsch der Versicherten werde der Aus
bildungskurs zur Sachbearbeiterin im Rechnungswesen abgebrochen (Urk. 8/44).
Mit Schreiben vom 24. März
2021 ersuchte die Versicherte unter Bezugnahme auf die Mitteilung vom 2
5.
Februar
2021 um Zustellung einer anfechtbaren Ver
fügung (Urk. 8/51).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
verneinte die IV
Stelle mit Verfügung vom
2
5.
Mai 2021 einen Anspruch der Versicherten auf Leistungen der Invalidenversicherung (Urk. 2 [= 8/58]).
2.
Dagegen erhob diese mit Eingabe vom 2
5.
Juni 2021 Beschwerde beim hiesigen Sozialversicherungsgericht und beantragte, die angefochtene Verfügung sei auf
zuheben und es sei die IV-Stelle
– allenfalls nach den erforderlichen Abklärungen – zu verpflichten,
ihr
die gesetzlich geschuldeten Leistungen zu erbringen, insbe
sondere eine Rente, eventuell Eingliederungsmassnahmen (Urk. 1).
Mit Beschwerdeantwort vom
6.
September 2021 schloss die IV-Stelle auf Abwei
sung der Beschwerde (Urk. 7), was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom
7.
September
2021 angezeigt wurde (Urk. 9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
–
vorbehältlich besonderer ü
bergangsrechtlicher Rege
lungen –
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember
2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Sowohl bei der erstmaligen Prüfung des Rentenanspruchs als auch bei der Ren
tenrevision und im Neuanmeldungsverfahren ist die Methode der Invaliditätsbe
messung (Art. 28a IVG) zu bestimmen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 117 V 198 E. 3b).
Die für die Methodenwahl (Einkommensvergleich, gemischte Methode, Betäti
gungsvergleich) entscheidende Statusfrage, nämlich ob eine versicherte Person als ganztägig oder zeitweilig erwerbstätig oder als nichterwerbstätig einzustufen ist, beurteilt sich danach, was die Person bei im Übrigen unveränderten Umstän
den täte, wenn keine gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist somit nicht, welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum sie hy
po
thetisch erwerbstätig wäre. Bei im Haushalt tätigen Versicherten im Besonde
ren (vgl. Art. 27 IVV) sind die persönlichen, familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegen
über Kindern, das Alter, die beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen. Massgebend sind die Verhältnisse, wie sie sich bis zum Erlass der Verwaltungsverfügung ent
wickelt haben, wobei für die hypothetische Annahme einer im Gesundheitsfall
ausgeübten (Teil-)Erwerbstätigkeit der im Sozialversicherungsrecht übliche Be
weisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erforderlich ist (BGE 144 I 28 E. 2.3, 141 V 15 E. 3.1, 137 V 334 E. 3.2, 125 V 146 E. 2c, 117 V 194 E. 3b).
Die Beantwortung der Statusfrage erfordert zwangsläufig eine hypothetische Be
urteilung, die auch die hypothetischen Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat. Diese Entscheidungen sind als innere Tatsachen wesensmässig einer direkten Beweisführung nicht zugänglich und müssen in der Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (vgl. BGE 144 I 28 E. 2.4; Urteil des Bundesgerichts 8C_178/2021 vom 11.
Mai
2021 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.4
Bei einer hypothetisch im Gesundheitsfall lediglich teilerwerbstätigen versicher
ten Person
ohne
Aufgabenbereich im Sinne von
Art.
27 IVV
bemisst sich die Invalidität rechtsprechungsgemäss nach der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs oder einer Untervariante (Schätzungs- oder Prozentvergleich, aus
serordentliches Bemessungsverfahren) davon. Dabei ist das
Valideneinkom
men
nach Massgabe der ohne Gesundheitsschaden ausgeübten Teilerwerbstätig
keit festzulegen, wobei entscheidend ist, was die versicherte Person als Gesunde tatsächlich an Einkommen erzielen würde, und nicht, was sie bestenfalls verdie
nen könnte. Wäre sie gesundheitlich in der Lage, voll erwerbstätig zu sein, redu
ziert sie aber das Arbeitspensum, um mehr Freizeit zu haben, hat dafür nicht die Invalidenversicherung einzustehen. Das Invalideneinkommen bestimmt sich ent
sprechend den gesetzlichen Vorgaben danach, was die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und Durchführung allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte. Dabei kann das
–
ärztlich festzulegende
–
Arbeitspensum unter Umstän
den grösser sein als das ohne gesundheitliche Beeinträchtigung geleistete (BGE 131 V 51 E. 5.1.2; wiedergegeben in BGE 142 V 290 E. 5).
In Präzisierung dieser Rechtsprechung hat das Bundesgericht in BGE 142 V 290 entschieden, dass bei teilerwerbstätigen Versicherten ohne Aufgabenbereich die anhand der Einkommensvergleichsmethode zu ermittelnde Einschränkung im (allein versicherten) erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypo
thetischen Teilerwerbstätigkeit – zu berücksichtigen ist (E. 7.3).
1.5
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Be
schwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arz
tes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versi
cherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärzt
lichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid wurde erwogen, die Versicherte habe bisher nie mehr als 50
%
gearbeitet. Aus den Unterlagen gehe hervor, dass sie bezogen auf ein 100
%
-
Pensum zu 50
%
arbeitsfähig sei. Daher bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber macht die Beschwerdeführerin geltend,
die IV-Stelle habe ihr rechtliches Gehört verletzt, weil sie auf ihre Einwendungen weder im Vorbescheid noch in der Verfügung eingegangen sei. Weiter habe sie den Untersuchungs
grundsatz verletzt, da die eingeholten Berichte keinem Arzt des Regionalen Ärzt
lichen Dienstes (RAD) vorgelegt worden seien.
Auch hinsichtlich ihres Status seien keine Abklärungen erfolgt. Im Feststellungsblatt sei aufgeführt, sie sei als zu 70
%
erwerbstätig zu qualifizieren, wobei unklar sei, basierend auf welchen Abklärungen diese Qualifikation vorgenommen worden sei. Die IV-Stelle habe ihre Abklärungspflicht in jeglicher Hinsicht verletzt, weshalb die angefochtene Verfügung aufzuheben sei (Urk. 1).
3.
Die Rüge der Gehörsverletzung ist aufgrund ihrer formellen Natur vorweg zu be
handeln (vgl. BGE 118
Ia
18 E. 1a). Das Recht auf eine Begründung eines Ent
scheides ist ein Bestandteil des Anspruchs auf rechtliches Gehör, wie er neben den speziellen gesetzlichen Regelungen in
Art.
42 ATSG und
Art.
57a
Abs.
1 IVG auch in
Art.
29
Abs.
2 der Bundesverfassung (BV) garantiert wird (vgl. BGE 124 V 181 E. 1a). Die Begründungspflicht soll verhindern, dass sich die Behörde von unsachlichen Motiven leiten lässt, und soll dem Betroffenen ermöglichen, die Verfügung gegebenenfalls sachgerecht anzufechten. Dies ist nur möglich, wenn sowohl er wie auch die Rechtsmittelinstanz sich über die Tragweite des Entschei
des ein Bild machen können. Es muss für sie nachvollziehbar sein, inwieweit die Einwände gewürdigt wurden. In diesem Sinn müssen wenigstens kurz die Über
legungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf welche sich ihre Verfügung stützt. Die Verwaltung darf sich nicht darauf be
schränken, die vom Versicherten im
Vorbescheidverfahren
vorgebrachten Ein
wände tatsächlich zur Kenntnis zu nehmen und zu prüfen; sie hat ihre Überle
gungen dem Betroffenen gegenüber auch namhaft zu machen und sich dabei
ausdrücklich mit den (
entscheidwesentlichen
) Einwänden auseinanderzusetzen oder aber zumindest die Gründe anzugeben, weshalb sie gewisse Gesichtspunkte nicht berücksichtigen kann. Dies bedeutet indessen nicht, dass sie sich ausdrück
lich mit jeder
tatbeständlichen
Behauptung und jedem rechtlichen Einwand aus
einandersetzen muss. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesent
lichen Gesichtspunkte beschränken (BGE 124 V 181 ff. E. 1a und E. 2b mit Hinweisen, 126 V 80 E. 5b/
dd
; Urteil des Eidgenössischen Versicherungsgerichts vom
3.
Oktober 2006 in Sachen J., I 614/06, E. 3.2). Nach der Rechtsprechung kann eine – nicht besonders schwerwiegende – Verletzung des rechtlichen Gehörs als geheilt gelten, wenn der Betroffene die Möglichkeit erhält, sich vor einer Be
schwerdeinstanz zu äussern, die sowohl den Sachverhalt als auch die Rechtslage frei überprüfen kann. Die Heilung eines – allfälligen – Mangels soll aber die Aus
nahme bleiben (BGE 124 V 183 E. 4a mit Hinweisen).
Im angefochtenen Entscheid vom
2
5.
Mai 2021
(
Urk.
2) wurden die Überlegungen genannt, von denen sich die Beschwerdegegnerin in ihrem Entscheid hat leiten lassen und auf die sich der Entscheid stützt. Sie führte aus,
die Versicherte sei zu 50
%
arbeitsfähig und habe bisher nie mehr als zu 50
%
gearbeitet.
Diese Aus
führungen zeigen, dass
die IV-Stelle dem Vorbringen der Versicherten, sie sei als zu 100
%
erwerbstätig zu qualifizieren, nicht folgte
. Dass sie diesem inhaltlich keine Folge leistete, ist nicht als Gehörsverletzung zu werten.
4.
4.1
Im Bericht des Zentrum
s
für endoskopische und minimalinvasive Neur
ochirurgie der Klinik Y._
vom 2
3.
Juli 2018 wurde folgende Diagnose genannt (Urk. 8/8 S. 24):
-
Multiple Aneurysmen
-
Zustand nach Clipping eines PICA-Aneurysmas am 25.1.2016
-
Zustand nach Clipping von zwei Aneurysmen der
Arteria
carotis
interna
rechts und der
Arteria
cerebri
anterior
links am 5.5.2017
Als Nebendiagnosen wurden folgende aufgeführt (Urk. 8/8 S. 24):
-
Rezidivierende chronische Urtikaria und intermittierende
Pruritis
atopi
scher
Genese
-
Depression
-
Zervikales Schmerzsyndrom (konservative Therapie)
-
Status nach Hysterektomie 12/2011
-
Status nach Borreliose 2010 (antibiotische Therapie)
Nach komplikationsloser Ausschaltung der Aneurysmen habe sich die Patientin zur vereinbarten CT-Kontrolle vorgestellt. Die CT-Angiographie vom 16.7.2018 habe einen regelrechten postoperativen Zustand gezeigt. Es liege kein Hinweis auf ein
residuelles
Aneurysma an der Karotis-T Gabel rechts und der Mediabifur
kation links vor. Im Bereich der geklippten Aneurysmen der PICA zeige sich keine
breitbasige
Gefässunregelmässigkeit, was nach Beurteilung der behandelnden Ärzte kein Hinweis auf ein relevantes Rezidiv sei (Urk. 8/8 S. 24).
Telefonisch habe die Patientin über einen zufriedenstellenden Zustand berichtet, ohne fokal-neurologische Ausfälle. Auch epileptische Anfälle seien nicht beo
bachtet worden (Urk. 8/8 S. 24).
4.2
Im
Bericht des Zentrums Z._
vom 28. März 2019 wurden folgende Diagnosen gestellt (Urk. 8/24 S. 9):
-
Cervicale
Myelopathie C5/6
-
Radikulopathie
C6 rechts
-
Status nach Dekompression C5/6 und C6/7 von ventral mit ventraler
Spondylodese
C5-C7 am 22.10.2018
-
Diskusprotrusion
C5/6 und C6/7
-
Status nach Clipping eines Aneurysmas am 25.1.2016
-
Rezidivierende Depression
-
Bekannte Fibromyalgie
-
Migräne ohne Aura
-
Posttraumatische Belastungsstörung
Die Patientin
klage
über seit dem Herbst 2017 auftretende Schmerzen in Armen und Beinen sowie über ein unkontrolliertes Zittern und Ausstrahlungen insbe
sondere in die rechte Körperseite. Bei Nachweis einer
cervicalen
Diskushernie in Höhe C5/6 und auch C6/7 sei am 22.10.2018
die oben
genannte Operation erfolgt. Postoperativ berichte die Patientin von einer Verstärkung der Beschwerden im rechten Arm und auch im rechten Bein mit einem Taubheitsgefühl (Urk. 8/24 S.
9).
4.3
Im Bericht de
r
Dr.
med. A._
, Fachärztin FMH für Neurologie, vom 10. Februar 2020 wurden folgende Diagnosen genannt (Urk. 8/24 S. 3):
-
Zunehmendes sensomotorisches
Hemisyndrom
rechts ungeklärter Ätiolo
gie, DD im Rahmen der zervikalen Myelopathie (zystisch) HWK 5
-
Zunehmend neuropsychologische Defizite ungeklärter Ätiologie
-
Degenerative Wirbelsäulenveränderungen zervikaler Spinalk
analstenose mit Dekompression C5/6 und C
6/7 mit ventraler
Spondylodese
C5-C7 am 22.10.2018
-
Zervikale Myelopathie C
5/6,
Radikulopathie
C6 rechts
-
Status nach Clipping eines Aneurysmas am 25.1.2016
-
Migräne ohne Aura
-
Bekannte Fibromyalgie
-
Posttraumatische Belastungsstörung
Bei der Patientin stünden Schmerzen im Schu
l
te
r
gürtelbereich bei schweren Degenerationen
und einer
Spondylodese
C5-C7 i
m
Oktober
2018 im Vordergrund (Urk. 8/24 S. 3).
Zur Arbeitsfähigkeit hielt
Dr.
A._
fest, es sei wichtig, dass die Patientin keinen körperlich
allzu
anstrengenden Beruf ausübe. Unter idealen Bedingungen sei eine Büroarbeit sicher möglich. Zurzeit arbeite die Patientin zwei Stunden täglich, da
nach habe sie massive Schmerzen im Schultergürtelbereich. Unter idealen Bedin
gungen betrage die Arbeitsfähigkeit wahrscheinlich 50
%
(Urk. 8/24 S. 5-6)
.
4.4
Im Bericht der behandelnden Hausärztin,
Dr.
med. B._
, Fachärztin FMH für Allgemeine Innere Medizin, vom 1
9.
Mai 2020, wurde festgehalten, die Patientin sei wohl zu 50
%
arbeitsfähig, wenn sie im Büro ihres Bruders arbeiten könne. Dort verrichte sie eine sitzende Tätigkeit und könne Pausen einlegen. Nachmittags brauche sie Zeit und Ruhe zum Liegen/Laufen und für die Physio
therapie einmal pro Woche. Die maximale Präsenzzeit pro Tag betrage somit 4,1
Stunden (Urk. 8/29).
5.
Die IV-Stelle stützte sich auf
die Berichte
der
Dr.
A._
sowie
der
Dr.
B._
und
ging von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
aus (
Urk.
2, vgl. auch Feststel
lungsblatt,
Urk.
8/46 S. 4).
Anhand der medizinischen Akten erscheint ausgewiesen, dass die Beschwerde
führerin unter degenerativen Wirbelsäulenveränderungen leidet. Angesichts des
sen ist nachvollziehbar, dass die behandelnde
Neurologin
darauf hinwies, dass körperliche Anstrengungen wie schweres Heben etc. sicher ungünstig seien für die Patientin (
Urk.
8/24 S. 5). Büroarbeit erachtete
sie
als «sicher möglich», wobei sie von einer reduzierten Arbeitsfähigkeit von 50
%
ausging.
Die Einschätzung der
Dr.
A._
deckt sich mit derjenigen der behandelnden Hausärztin, welche ebenfalls eine 50
%
ige Arbeitsfähigkeit bescheinigte (Urk. 8/29). Beide Berichte
geben
keinen Aufschluss darüber, weshalb der Beschwerdeführerin eine Arbeits
tätigkeit nur noch in diesem Umfang zumutbar sein sollte. Vor dem Hintergrund, dass behandelnde Ärzte (seien dies Hausärzte oder spezialärztlich behandelnde
Medizinalpersonen
) im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen erfahrungsgemäss mitunter eher zugunsten ihrer Patienten aussa
gen (Urteile 8C_420/2018 vom 1
3.
März 2019 E. 6.5; 8C_609/2017 vom 2
7.
März 2018 E. 4.3.3; je mit Hinweisen), bleibt festzuhalten, dass aufgrund der medizini
schen Aktenlage mit dem im Sozialversicherungsrecht geltenden Beweismass der überwiegenden Wahrscheinlichkeit feststeht, dass die Beschwerdeführerin in bis
heriger und angepasster Tätigkeit zu mindestens 50
%
arbeitsfähig ist.
6.
6.1
Aus den Akten geht hervor, dass die Beschwerdeführerin von April 2012 bis Ende 2018 mit einem Pensum von 50
%
tätig war (
Urk.
8/14 S. 6,
Urk.
8/18 S. 2,
Urk.
8/19). In ihrer Anmeldung zum Leistungsbezug vermerkte sie, sie habe seit dem Jahr 2016 nur zu 50
%
arbeiten können (
Urk.
8/14 S. 4). Mit Schreiben vom 2
4.
März 2021 machte sie geltend, sie sei seit dem Jahr 2012 als zu 80
%
erwerbs
tätig und als zu 20
%
im Haushalt tätig zu qualifizieren. Aufgrund ihres Gesund
heitsschadens habe sie im Jahr 2012 nur zu 50
%
wieder eine Arbeitstätigkeit aufnehmen können. Im Gesundheitsfall hätte sie im Jahr 2018 ihr Pensum auf 100
%
erhöht, da in diesem Jahr ihre jüngere Tochter mit einer Lehre begonnen habe (
Urk.
8/51).
Die Beschwerdeführerin hat zwei Kinder, welche in den Jahren 1999 und 2001 geboren wurden (
Urk.
8/3). Angesichts des Alters der Kinder erscheint plausibel, dass die Beschwerdeführerin geplant hatte, ihr Pensum im Jahr 2018 zu erhöhen. Indes sind die Angaben der Beschwerdeführerin widersprüchlich. So meinte sie einerseits, sie sei seit dem Jahr 2016 in ihrer Arbeitsfähigkeit eingeschränkt, wes
halb sie nur in einem Pensum von 50
%
habe arbeiten können (
Urk.
8/14 S. 4), andererseits gab sie an, gesundheitsbedingt seit dem Jahr 2012 nur im Umfang von 50
%
arbeiten zu können (
Urk.
8/51). Im Rahmen der Eingliederungsberatung wurde festgehalten, die Beschwerdeführerin wünsche ein Pensum von 50
%
in einer einfachen kaufmännischen Tätigkeit (
Urk.
8/41 S. 7). Weiter geht aus den Unterlagen hervor, dass sie daran ist, ihr Elternhaus umzubauen und plant, Woh
nungen – oder Zimmer (
Urk.
1 S. 5)
–
zu vermieten, womit sie ihren Lebensun
terhalt finanzieren könne (
Urk.
8/45 S. 9). Zudem ist sie Mitglied des Verwal
tungsrates einer Immobilienaktiengesellschaft, deren Eigentümerin sie zusammen mit ihren zwei Geschwistern ist. Angesichts dessen, dass der geplante Umbau und
die anschliessende Vermietung der
Räumlichkeiten
nicht nur zeitintensiv sind, sondern
wohl
auch entsprechende Einnahmen
generieren werden
, kann nicht da
von ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall ihr Pensum
tatsächlich
erhöht hätte. Dagegen spricht auch der Umstand, dass im Scheidungsurteil vom 1
6.
August 2005 festgehalten worden war, wegen des sehr hohen Vermögens und des Einkommens der Beschwerdeführerin komme sie für den Unterhalt, die Betreuung und die Erziehung der Kinder alleine auf (
Urk.
8/11 S. 4), obwohl im IK-Auszug im Jahr 2005 nur ein
Erwerbse
inkommen von
Fr.
6'559.-- vermerkt ist (
Urk.
8/18 S. 2). Angesichts dessen, dass die Beschwer
deführerin finanziell durch ihr hohes Vermögen und die Einnahmen aus den Lie
genschaften abgesichert ist und seit über zwanzig Jahren nie mehr als zu 50
%
gearbeitet hat (
Urk.
8/18 S. 2),
kann mit dem Beweisgrad der
überwiegend
en W
ahrscheinlich
keit
erstellt
weden
, dass sie auch im Gesundheitsfall ihr Pensum nicht erhöht hätte. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin (
Urk.
1 S. 6) sind daher keine weiteren Abklärungen hinsichtlich der Statusfrage angezeigt.
Da die Kinder der Beschwerdeführerin dem betreuungsintensiven Alter entwach
sen sind und sie gemäss Aktenlage keine anderen Pflegeaufgaben wahrzunehmen hat, gilt für sie die Invaliditätsbemessung als Teilerwerbstätige ohne Aufgaben
bereich (vgl. zum Aufgabenbereich auch: Urteile des Bundesgerichts 9C_522/2019 vom 3
0.
Oktober 2019 E. 6 und 9C_615/2016 E. 5).
6.2
Für den Einkommensvergleich sind die Verhältnisse im Zeitpunkt des (hypothe
tischen) Beginns des Rentenanspruchs massgebend, wobei Validen- und Invali
deneinkommen auf zeitidentischer Grundlage zu erheben und allfällige renten
wirksame Änderungen der Vergleichseinkommen bis zum Verfügungserlass zu berücksichtigen sind (BGE 143 V 295 E. 4.1.3, 129 V 222 E. 4.1 und E. 4.2, 128 V 174).
Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermit
telt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdif
ferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt.
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berück
sichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Pro
zent
ver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesge
richts 8C_148/2017 vom 1
9.
Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 1
8.
April 2017 E. 3.2.1).
6.3
Die Beschwerdeführerin verfügt
nicht über eine Ausbildung (
Urk.
8/14 S. 5) und arbeitete in den Jahren 2012 bis 2018 im familieneigenen Unternehmen in der Buchhaltung (
Urk.
8/14 S. 6). Aus dem Arbeitgeberfragebogen ergibt sich, dass das Arbeitsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst wurde, weil das Unternehmen keine Angestellten mehr beschäftige (
Urk.
8/19 S. 1). Damit steht fest, dass die Beschwerdeführerin auch im Gesundheitsfall eine andere Anstellung hätte suchen müssen. Es rechtfertigt sich daher, zur Bestimmung des
Validenein
kommens
auf statistische Werte abzustellen. Da das Invalideneinkommen anhand des gleichen Tabellenlohns festzulegen ist, genügt es für die Ermittlung des In
validitätsgrades, die Prozentzahlen gegenüberzustellen.
6.4
Bei teilerwerbstätigen Versicherten ohne Aufgabenbereich ist die anhand der Ein
kommensvergleichsmethode (
Art.
16 ATSG) zu ermittelnde Einschränkung im allein versicherten erwerblichen Bereich proportional – im Umfang der hypothe
tischen Teilerwerbstätigkeit – zu berücksichtigen (vgl. dazu E. 1.4). Der Invalidi
tätsgrad entspricht der proportionalen Einschränkung im erwerblichen Bereich. Vorliegend ergibt sich unter Annahme einer 50%igen Arbeitsfähigkeit somit ein Invaliditätsgrad von 0
%
([{50
%
- 50
%
}x
100 :
50] x 0.5), womit
kein Anspruch auf eine Invalidenrente
besteht
.
7.
Die Beschwerdeführerin beantragt
im Eventualstandpunkt
die Gewährung von Eingliederungsmassnahmen (
Urk.
1 S. 1), insbesondere die Fortführung der Ar
beitsvermittlung (
Urk.
1 S. 7).
Der Anspruch auf Arbeitsvermittlung im Sinne von
Art.
18
Abs.
1 IVG setzt neben der Arbeitsunfähigkeit nach
Art.
6 ATSG rechtsprechungsgemäss auch voraus, dass die fehlende berufliche Eingliederung auf gesundheitlich bedingte Schwierigkeiten bei der Stellensuche zurückzuführen ist (Urteil des Bundesge
richts 9C_329/2020 vom
6.
August 2020 E. 3.2.3). Vorliegend ist nicht ersichtlich, inwiefern die Beschwerdeführerin in ihrer Stellensuche gesundheitsbedingt ein
geschränkt
sein sollte
. Wie sie selber anmerkte, stellt vielmehr die fehlende Aus
bildung
wohl das entscheidende
Hindernis dar (
Urk.
8/45 S. 4). Dabei handelt es sich jedoch um einen invaliditätsfremde
n
Faktor, weshalb die Voraussetzungen für
einen Anspruch auf
Arbeitsvermittlung durch die Invalidenversicherung nicht erfüllt sind.
8.
Nach dem Gesagten ist die angefochtene Verfügung im Resultat nicht zu bean
standen, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
9.
Gestützt auf
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren vor dem kanto
nalen Versicherungsgericht bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Ver
weigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig. Die Kosten sind nach dem Ver
fahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert unter Berücksichtigung des gesetzli
chen Rahmens auf
Fr.
700.-- festzusetzen und ausgangsgemäss der Beschwerde
führerin aufzuerlegen.