# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 88ae5e19-ecff-4e0e-96ee-ce0469de416f
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
Seite 2 — 16
I. Sachverhalt
A.1. B., geboren am _, und C., geboren am _, heirateten am 27. August 2005 vor dem Zivilstandsamt Z.. Aus der Ehe ging der gemeinsame Sohn D., geboren am _, hervor. Bereits am 3. August 2006 wurde der gemeinsame Haushalt aufgelöst und mit Verfügung der Einzelrichterin am Bezirksgericht Z. vom 25. Juli 2006 wurden die Nebenfolgen der Trennung in einem Eheschutzverfahren geregelt (Obhut über das gemeinsame Kind, Besuchsrecht, Wohnungszuteilung, Unterhaltsbeiträge).
2. Nach Zuzug in den Kanton Graubünden liess C. am 25. August 2008 beim Kreispräsidenten Maienfeld als Vermittler die Ehescheidungsklage gemäss Art. 114 ZGB einreichen. Nachdem sich die Parteien durch Unterzeichnung eines gemeinsamen Scheidungsbegehrens verständigt hatten, überwies der Kreispräsident Maienfeld das Verfahren mit Verfügung vom 26. September 2008 an den Präsidenten des Bezirksgerichts Landquart.
3. Auf Gesuch von B. wurde diesem mit Verfügung des Bezirksgerichtspräsidenten Landquart vom 19. Dezember 2008 die Bewilligung zur unentgeltlichen Prozessführung mit Wirkung ab 16. September 2008 erteilt und als unentgeltliche Rechtsvertreterin Rechtsanwältin lic. iur. A. eingesetzt. Gleichentags wurde auch C. die unentgeltliche Prozessführung ab 25. August 2008 mit Einsetzung von Rechtsanwalt lic. iur. E. als unentgeltlichem Rechtsbeistand bewilligt.
4. Die Verhältnisse der Parteien präsentierten sich in der Folge relativ einfach, namentlich in wirtschaftlicher Hinsicht. B. verdient als Servicemitarbeiter inklusive Kinderzulagen rund Fr. 3'500.-- pro Monat und C. ist Sozialhilfeempfängerin. In güterrechtlicher Hinsicht hatten die Parteien keine Vermögenswerte vorzuweisen und auch die Zuteilung des elterlichen Sorgerechts an die Ehefrau war unbestritten. Zu regeln waren somit zur Hauptsache das Besuchsrecht für den gemeinsamen Sohn sowie die Unterhaltsbeiträge.
5. Am 11. Dezember 2008 instanzierte B. ein Gesuch um Erlass vorsorglicher Massnahmen für die Dauer des Ehescheidungsverfahrens beim Bezirksgerichtspräsidenten Landquart. Nach Unterzeichnung einer Teil- durch die Parteien am 22. April bzw. 9. Mai 2010 konnte das vorsorgliche Massnahmeverfahren mit Verfügung des Bezirksgerichtspräsidenten Landquart vom 7. Juni 2010 als durch Vergleich erledigt abgeschrieben werden.
Seite 3 — 16
Mit Verfügung des Bezirksgerichtspräsidenten Landquart vom 30. Dezember 2010 wurde das Verfahren betreffend vorsorgliche Massnahmen bezüglich der anwaltlichen Aufwendungen separat abgerechnet. Die Honorarrechnung von Rechtsanwältin A. über Fr. 5'210.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) wurde genehmigt und die Gemeinde Y. zur entsprechenden Zahlung angewiesen.
B. Mit Urteil des Bezirksgerichts Landquart vom 8. Juni 2011, mitgeteilt am 16. Juni 2011, wurde die Ehe der Parteien geschieden, das Besuchsrecht geregelt und der Unterhaltsbeitrag an den Sohn D. festgelegt. Sodann wurden die  I vom 22. April/9. Mai 2010 sowie die Teil- II vom 23./25. Mai 2011 mit der güterrechtlichen Auseinandersetzung genehmigt. Ferner wurde davon Vormerk genommen, dass die Parteien gegenseitig auf einen nachehelichen Unterhalt im Sinne von Art. 125 ZGB verzichtet haben, solange C. mit ihrem neuen Partner in Wohngemeinschaft lebt. Ein allfälliger Abänderungsprozess im Sinne von Art. 129 Abs. 3 ZGB setzt die Aufhebung der Wohngemeinschaft voraus. Die ausseramtlichen Entschädigungen wurden wettgeschlagen. Diesbezüglich hielt das Bezirksgericht Landquart in seinen Erwägungen fest, angesichts der Ausgangslage der Parteien vor der Instanzierung des Ehescheidungsverfahrens mit der schliesslich getroffenen Regelung gemäss den beiden Ehescheidungskonventionen werde augenscheinlich klar, dass nur ein Bruchteil des betriebenen Aufwands nötig gewesen wäre, um den Prozess zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Für das Gericht seien jedenfalls keine streitigen Punkte erkennbar, die einen doppelten Schriftenwechsel mit entsprechenden Beweisanträgen etc. notwendig gemacht hätten. In Würdigung aller massgebenden Umstände werde daher eine Anwaltsentschädigung von höchstens Fr. 5'000.-- als angemessen erachtet, was einem zeitlichen Aufwand von rund 25 Stunden entspreche.
C. Am 2. August 2011 reichte Rechtsanwältin A. ihre Honorarnote zur Festsetzung der Entschädigung im URP-Verfahren zuhanden des Bezirksgerichtspräsidenten Landquart mit entsprechenden Ausführungen ein und machte einen Honoraraufwand von insgesamt Fr. 28'831.95 (inkl. Barauslagen und MWSt) geltend.
D. Mit Entscheid vom 31. August 2011, mitgeteilt am 13. September 2011, setzte der Bezirksgerichtspräsident Landquart die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertreterin einschliesslich Barauslagen und Mehrwertsteuer für die Vertretung von B. im Ehescheidungsverfahren vor Bezirksgericht Landquart auf total Fr. 16'366.40 fest und wies die Gemeinde Y. an, den entsprechenden
Seite 4 — 16
Betrag auf das Konto von Rechtsanwältin A. zu überweisen. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der von Rechtsanwältin A. betriebene Aufwand von Fr. 28'831.95 sei bei Weitem übersetzt und der Streitsache nicht angemessen. Insgesamt sei ein immenser Aufwand betrieben worden, der zu keinem Zeitpunkt erforderlich gewesen sei. Dies beginne bereits mit der Tatsache, dass B. nach der Trennungsdauer von zwei Jahren vom gemeinsamen Scheidungsbegehren habe überzeugt werden müssen. Nach Abschluss des schriftlichen Teils des Verfahrens habe der Bezirksgerichtspräsident Landquart den Parteien mit Schreiben vom 3. November 2009 nach vorgängiger telefonischer Orientierung eine Ehescheidungskonvention in ausformulierter Form unterbreitet, worin einzig die Frage des nachehelichen Unterhalts offen gelassen worden sei. Dieser Konventionsvorschlag habe die Zustimmung von C. gefunden, während B. den Lösungsvorschlag offensichtlich abgelehnt habe. Jedenfalls sei von Rechtsanwältin A. am 25. Januar 2010 lediglich die schriftliche Mitteilung gekommen, dass sie Mutter einer Tochter geworden sei und für die Dauer ihres Mutterschaftsurlaubs bis zum 12. April 2010 eine Sistierung wünsche. Auf jeden Fall habe es ab Ende 2009 keine irgendwie geartete Notwendigkeit gegeben, noch weiteren anwaltlichen Aufwand zu betreiben. Wenn die Verhandlungen der Parteien in eine Sackgasse geraten seien, hätte um die Ansetzung einer Hauptverhandlung ersucht werden können, wie dies schliesslich auch der Fall gewesen sei. Daher würden die Positionen auf der Honorarnote ab dem 8. April 2010 bis zum Abschluss des Mandats integral gestrichen. Hiervon ausgenommen sei der Aufwand „Aktenstudium und Prüfung Scheidungsurteil, Korrespondenz an Sie“ vom 21. Juni 2011. Von den Kürzungen seien somit bis zum 31. Dezember 2010 5.95 Stunden à Fr. 200.-- (inkl. Spesen Fr. 1'252.--) und ab dem 1. Januar 2011 30.05 Stunden à Fr. 200.-- (inkl. Spesen Fr. 6'333.--) betroffen. Bezüglich der Regelung der Nebenfolgen seien einzig zwei Fragen umstritten gewesen, nämlich die Ausgestaltung des Besuchs- und Ferienrechts sowie die Bemessung des nachehelichen Unterhalts. Letzterer hätte durch das Bezirksgericht Landquart ohne grossen Aufwand festgelegt werden können, weil das massgebende Einkommen von B. mehr oder weniger genau bekannt gewesen sei. Bei Subtraktion des Unterhaltsbeitrags für den Sohn sei keine Leistungsfähigkeit mehr geblieben. Auch die Ausgestaltung des Besuchs- und Ferienrechts wäre durch ein Gutachten der Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden zu einem Bruchteil der Anwaltshonorare erhältlich gewesen. Folglich seien auch die Positionen im Zusammenhang mit der Ausarbeitung der Duplik bzw. jene vom 6. August 2009 bis und mit 31. August 2009 zu streichen. Diese Kürzung umfasse 10.15 Stunden à Fr. 200.--, was inklusive Spesen Fr. 2'089.-- ausmache. Schliesslich sei hinter
Seite 5 — 16
die Frage zur Notwendigkeit der Ausarbeitung einer Prozessantwort im Umfang von 30 Seiten ein grosses Fragezeichen zu setzen. Bei objektiver Würdigung hätte sich der Zeitaufwand von 21.85 Stunden auf rund die Hälfte begrenzen lassen. Daher werde diese Position bezüglich des Zeitaufwands um 10 Stunden gekürzt, was weitere Fr. 2'000.-- ergebe. Insgesamt ergebe sich somit ein entschädigungspflichtiger Aufwand von Fr. 16'366.40 (inkl. Spesen und MWSt).
E. Gegen diesen Entscheid erhob Rechtsanwältin lic. iur. A. mit Eingabe vom 26. September 2011 Beschwerde beim Kantonsgericht von Graubünden mit folgendem Rechtsbegehren:
„1. Die Ziff. 1 des Dispositivs des Entscheides des Bezirksgerichtspräsidiums Landquart vom 31.08.2011, mitgeteilt am 13.09.2011, sei aufzuheben und es sei die anwaltliche Entschädigung der Beschwerdeführerin für die Vertretung von B. im Ehescheidungsverfahren vor Bezirksgericht Landquart für die Zeit vom 10.09.2008 bis 02.08.2011 gemäss Eingabe vom 02.08.2011 auf total CHF 28'831.95 inkl. Barauslagen und MWSt festzusetzen.
2. Die Ziff. 2 des Dispositivs des Entscheides des Bezirksgerichtspräsidiums Landquart vom 31.08.2011, mitgeteilt am 13.09.2011, sei aufzuheben und es sei die Gemeinde Y. gerichtlich anzuweisen, den Betrag von CHF 28'831.95 an die Beschwerdeführerin zu überweisen.
3. Eventualiter sei die Sache für weitere Abklärungen an die Vorinstanz zurückzuweisen.
4. Unter gesetzlicher Kosten- und Entschädigungsfolge.“
In ihrer Begründung vertritt Rechtsanwältin A. die Auffassung, der in Rechnung gestellte Aufwand samt Barauslagen sei klar notwendig, angemessen und sachgerecht gewesen. Bei der vorliegenden Ehescheidungssache habe es sich – aus verschiedenen Gründen – um einen besonderen Fall mit einer speziellen Konstellation gehandelt, welche schliesslich zu einer Verfahrensdauer von beinahe drei Jahren sowie auf beiden Seiten zu einem grossen anwaltlichen Aufwand und auch auf Seiten des Gerichts zu weit überdurchschnittlichen Kosten geführt habe. Insbesondere sei darauf hinzuweisen, dass die Gegenpartei im Rahmen der Berechnung der Unterhaltsbeiträge für die Ehefrau beim Ehemann ein Existenzminimum von lediglich Fr. 2'100.-- akzeptiert und die eigene Leistungsfähigkeit praktisch verweigert habe; überhaupt sei die Gegenseite praktisch zu keinen Zugeständnissen bereit gewesen. Sodann habe es – bis hin zur Einsetzung einer Beiständin – riesige Probleme bei der Umsetzung des Besuchsrechts betreffend den Sohn D. gegeben. Ferner sei für ihren Mandanten, welcher als Kellner arbeite und auf dem absoluten Existenzminimum lebe, ein Betrag von Fr. 100.-- mehr oder weniger (Kindes-)Unterhalt von Bedeutung. Und
Seite 6 — 16
schliesslich hätten auch die teilweise verzögerte Prozessleitung und teilweise gegen die Parteien bzw. deren Vertreter eingenommene Sichtweise des Bezirksgerichtspräsidenten Landquart Einfluss auf die Länge des Verfahrens und den damit verbundenen Aufwand gehabt. Insgesamt sei die integrale Streichung einzelner Aufwandspositionen unangemessen und verletzte die Art. 119 und 122 Abs. 1 ZPO, Art. 47 Abs. 4 ZPO-GR sowie auch den verfassungsrechtlichen Anspruch auf die unentgeltliche Rechtspflege nach Art. 29 Abs. 3 BV. Darüber hinaus entbehre die vorgenommene Kürzung jeglicher sachlicher Grundlage, stehe ausserhalb jedes vernünftigen Verhältnisses zu den geleisteten Diensten und sei damit auch willkürlich und verletze Art. 9 BV.
F. Der Bezirksgerichtspräsident Landquart beantragte mit Beschwerdeantwort vom 4. Oktober 2011 die vollumfängliche Abweisung der Beschwerde. Zum besseren Verständnis der Zusammenhänge wurde ergänzend ausgeführt, dass sich Rechtsanwältin A. nach Erhalt des angefochtenen Entscheids mit der Gemeinde Y. in Verbindung gesetzt habe und diese dazu habe veranlassen wollen, ihr den ungekürzten Betrag von Fr. 28'831.95 anstelle des richterlich festgesetzten Betrags von Fr. 16'366.40 zu überweisen. Diese Vorgänge seien dem Bezirksgerichtspräsidenten Landquart durch den Gemeindeschreiber der Gemeinde Y., F., zur Kenntnis gebracht worden.
G. Mit Schreiben vom 15. Oktober 2011 nahm Rechtsanwältin A. zu den Ausführungen des Bezirksgerichtspräsidenten Landquart Stellung und hielt fest, sie habe aus prozessökonomischen Gründen mit der Gemeinde Y. als Kostenträgerin eine einvernehmliche Lösung gesucht. Diese sei selbstverständlich unpräjudiziell und in keiner Weise für den Gerichtsgebrauch bestimmt gewesen.
Auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid sowie die weitergehenden Ausführungen in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, nachfolgend eingegangen.
II. Erwägungen
1.a. Die Verfügung des Bezirksgerichtspräsidenten Landquart vom 19. Dezember 2008 betreffend Bewilligung zur unentgeltlichen Rechtspflege und Ernennung eines Rechtsbeistands erfolgte in einem Verfahren gemäss den Art. 42 ff. der Zivilprozessordnung des Kantons Graubünden (ZPO-GR; BR 320.000) in der bis am 31. Dezember 2010 geltenden Fassung als Nebenverfahren zu einem
Seite 7 — 16
ebenfalls nach der ZPO-GR zu Ende geführten Scheidungsverfahren (Art. 404 Abs. 1 der Schweizerischen Zivilprozessordnung [ZPO; SR 272]). Darin wurde in Anwendung von Art. 47 Abs. 4 ZPO-GR denn auch zu Recht vorgesehen, dass der Bezirksgerichtspräsident Landquart die Entschädigung der unentgeltlichen Rechtsvertreterin nach Abschluss des Verfahrens festsetzt, was er mit Entscheid vom 31. August 2011 getan hat. Grundsätzlich trifft der Einwand der Beschwerdeführerin in ihrem Schreiben an den Bezirksgerichtspräsidenten Landquart vom 2. August 2011 (vgl. Proz.-Nr. 130-2008-137, act. 2) zu, wonach sich das Kollegialgericht im Hauptentscheid nicht zur angemessenen Höhe der Entschädigung der Rechtsvertreterin zu äussern hat, zumal in der genehmigten Konvention die aussergerichtlichen Entschädigungen wettgeschlagen wurden. Allerdings geht die Beschwerdeführerin fälschlicherweise davon aus, dies sei auch unter der neuen ZPO der Fall. Indessen verhält es sich danach vielmehr so, dass der Vorsitzende lediglich über das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege entscheidet (Art. 12 Abs. 1 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Zivilprozessordnung [EGzZPO; BR 320.100]), während nach neuem Recht die Liquidation der Prozesskosten der unentgeltlichen Rechtspflege Teil des Kostenspruchs des Hauptverfahrens ist. Ein spezielles Verfahren betreffend die Festsetzung der Entschädigung des unentgeltlichen Rechtsvertreters ist in der neuen ZPO damit nicht mehr vorgesehen.

## Considerations