# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3e9bd73b-8ea1-45f4-947e-cb26bece3ac5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1970,
ist gelernte kaufmännische Angestellte (
Urk.
6/1). S
eit Juli 2006
war sie
als Assistentin des
Verwaltungsratspräsidenten
und als Mitarbeiterin Administration
bei
der
Y._
Ltd. in
Z._
angestellt (
Urk.
6/20
/1-2
Ziff.
1, 2.1, 2.7 und 2.8).
Am 1
1.
März 2010 meldete
sie
sich
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
6/2).
Mit Verfügung vom 1
8.
Oktober 2010 (
Urk.
6/29) verneinte die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, einen Rentenanspruch.
1.2
Die Versicherte meldete sich am 2
3.
August 2020 u
nter Hinweis auf eine psychi
sche Dekompensation
erneut bei der Invalidenversicherung an (
Urk.
6/32
Ziff.
6.1,
Urk.
6/31). Die IV-Stelle
trat auf die Neuanmeldung ein,
holte einen medizinischen Bericht (
Urk.
6/36
/2-7
) und ein psychiatrisches Gutachten (
Urk.
6/50) ein und zog Akten des Krankentaggeldversicherers (
Urk.
6/39) zum Verfahren bei.
A
m 2
7.
August 2021 (
Urk.
6/53)
erliess sie
den Vorbescheid.
Mit Verfügung vom
6.
Oktober 2021 (
Urk.
6/59 =
Urk.
2) verneinte die IV-Stelle
einen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung.
2.
Die Versicherte erhob am
2
6.
Oktober 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
6.
O
ktober 2021 (
Urk.
2). Sinngemäss beantragte sie,
es seien ihr berufliche
Massnahmen
zuzusprechen
(
Urk.
1 S. 1 unten).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 1
0.
Dezember 2021 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde der Beschwerdeführerin am 1
5.
Dezem
ber 2021 zur Kenntnis gebracht (
Urk.
7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Invalide oder von einer Invalidität (Art. 8 ATSG) bedrohte Versicherte haben gemäss Art. 8
Abs. 1
IVG Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen, soweit:
a.
diese notwendig und geeignet sind, die Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen,
wieder herzustellen
, zu erhalten oder zu verbessern; und
b.
die Voraussetzungen
für den Anspruch auf die einzelnen Massnahmen erfüllt sind.
Der Anspruch auf Eingliederungsmassnahmen besteht unabhängig von der Ausübung einer Erwerbstätigkeit vor Eintritt der Invalidität. Bei der Festlegung der Massnahmen ist die gesamte noch zu erwartende Dauer des Erwerbslebens zu berücksichtigen (Abs. 1
bis
).
Die Eingliederungsmassnahmen bestehen gemäss Abs. 3 in medizinischen Mass
nahmen (
lit
. a), Integrationsmassnahmen zur Vorbereitung auf die berufliche Eingliederung (
lit
.
a
bis
), Massnahmen beruflicher Art (Berufsberatung, erstmalige berufliche Ausbildung, Umschulung, Arbeitsvermittlung, Kapitalhilfe;
lit
. b) und in
der Abgabe von Hilfsmitteln (
lit
. d).
1.4
Gemäss Art.
17 IVG hat die versicherte Person Anspruch auf Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit, wenn die Umschulung infolge Invalidität notwendig ist und dadurch die Erwerbsfähigkeit voraussichtlich erhalten od
er verbessert werden kann (Abs.
1). Der Umschulung auf eine neue Erwerbstätigkeit ist die Wiedereinschulung in den bisher
igen Beruf gleichgestellt (Abs.
2). Al
s Umschu
lung gelten gemäss Art. 6 Abs.
1 IVV Ausbildungsmassnahmen, die Versicherte nach Abschluss einer erstmaligen beruflichen Ausbildung oder nach Aufnahme einer Erwerbstätigkeit ohne vorgängige berufliche Ausbildung wegen ihrer Inva
lidität zur Erhaltung oder Verbesserung der Erwerbsfähigkeit benötigen.
1.5
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades
verweigert, so wird nach Art.
87 Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn
die Vorausset
zungen gemäss Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Revisions
gesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblich
en Weise geändert hat.
Ergibt die Prüfung durch die Verwaltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versi
cherten Person glaubhaft gemachte Veränderung des
Invaliditätsgrades auch
tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie be
i einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE
117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prüfungspflicht auc
h dem Gericht (
Urteil des Bundes
gerichts 9C_351/2020 vom 21. September 2020 E. 3.1, insbesondere mit Hinweis auf
BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E.
2b
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest,
die Beschwerdeführerin habe
zuletzt
mit einem Pensum von 80
%
als Mitarbeiterin Administration
bei der
A._
AG
gearbeitet. Das Arbeitsverhältnis sei mittler
weile aufgelöst worden (S. 1 unten).
Gemäss dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
med.
B._
(Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie), vom
1.
(richtig:
5.
)
Juli 2021
habe von März bis Mai 2020 in der angestammten Tätigkeit
als administrative Sachbearbeiterin sowie in einer ange
passten Tätigkeit eine Einschränkung von 100
%
bestanden. Ab Juni 2020 sei
sie
in der bisherigen und in einer angepassten Tätigkeit wieder zu 100
%
arbeitsfähig
gewesen
.
Es solle sich
um eine Tätigkeit in einer ruhigen und wohlwollende
n Umgebung handeln.
L
eichte bis mittelschwere Tätigkeiten seien zumutbar.
W
eiter soll
e die Möglichkeit bestehen
,
Haltungswechsel vorzunehm
en und der Aufga
benbereich soll
e überschaubar sein.
Da keine
langandauernde rentenbegründe
Einschränkung
vor
liege, bestehe kein
Anspruch auf Leistungen der Invaliden
versicherung
(S. 2 oben).
2.2
Die Beschwerdeführerin brachte vor,
sie habe ein Gesuch um
berufliche
Integra
tionsm
assnahmen gestellt und beantrage
keine Invalidenrente.
Es gehe ihr darum, sich krankheitsbedingt umschulen zu lassen und künftig einer kreativen Tätigkeit als Floristin nachzugehen. Die Weiterbildungs- und Beschaffungsk
osten für die Umschulung bedeuteten
für sie eine erhebliche finanzielle Belastung (
Urk.
1 S. 1 unten).
Die Beschwerdeführerin äusserte sich sodann zum psychiatrischen Gutachten von
Dr.
B._
. Die
Untersuchung
sei ein einziges Desaster gewesen, das ihr noch tagelang zu schaffen gemacht habe.
Der Gutachter
habe sie
von der ersten Minute an auf höchst unfreundliche, harsche Art interviewt
.
Er habe undeutliche Fragen gestellt
, so dass
sie wiederholt habe «nachhaken» müssen. Weiter scheine er sich
für ihr Anliegen im Zusammenhang mit ihrer Krankheit und der beruflichen Ausgangslage nicht
i
m
Geringsten
interessiert zu haben
(S. 1 Mitte). Im Gegensatz zur behandelnden Ärztin und dem Vertrauensarzt des
Krankent
aggeldversiche
rers
,
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
habe
Dr.
B._
nach einem dreiviertelstündigen Interview
behauptet
, dass sie seit Juni 2020 wieder zu 100
%
arbeitsfähig wäre. Nach
dem heutigen
Krank
heitsstand sei sie im kaufmännischen Bereich zu 100
%
und in übrigen Tätig
keiten zu 80
%
arbeitsunfähig (S. 1 unten).
Bei d
er Untersuchung durch
Dr.
med.
C._
habe sie sich im Verlauf der 90
-
minütigen Sitzung vertrauens
voll öffnen können (S. 2 oben).
2.3
Die Beschwerdegegnerin
führte in der Vernehmlassung vom 1
0.
Dezember 2021
(
Urk.
5)
ergänzend aus, rechtsprechungsgemäss könne aus einer verhältnismässig kurzen Dauer einer psychiatrischen
Exploration
nicht von vornherein auf eine Sorgfaltswidrigkeit des Gutachters
geschlossen werden. Massgeblich sei vielmehr, ob der Bericht inhaltlich vollständig und im Ergebnis schlüssig sei. Der zu betrei
bende zeitliche Aufwand hänge
sodann
stets von der Fragestellung und der zu beurteilenden Psychopathologie ab
(
S. 2
Ziff.
3). Das Gutachten von
Dr.
B._
erfülle die rechtlichen Anforderungen, um vollen Beweiswert zu beanspruchen. Das im Beschwerdeverfahren eingereichte Gutachten von
Dr.
C._
vom 2
8.
Mai 2021 ändere daran nicht
s
. Bei diesem handle es sich lediglich um eine andere Beurteilung desselben Sachverhaltes (S. 2
Ziff.
4).
Gemäss m
edizinischer Beurteilung sei die Beschwerdeführerin in der angestamm
ten und in einer angepassten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig. Es liege keine Diagnose vor, die die Arbeitsfähigkeit dauerhaft einschränke. Ausserdem habe sie bereits mit der Umschulung beginnen und zu Hause ein Atelier einrichten können. Dies spreche dagegen, dass eine drohende Invalidität vorliege. Ein Leis
tungsanspruch auf Kostenübernahme der Umschulung bestehe somit nicht (S. 2
Ziff.
6).
2.4
Die Beschwerdegegnerin ist auf die Neuanmeldung der Beschwerdeführerin v
om 2
3.
August 2020 eingetreten.
Diese
ersuchte um Übernahme der Kosten
für eine
Umschulung zur Floristin
(
Urk.
1 S. 1 unten). Strittig ist
daher
, ob
eine Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin
gegenüber dem Zeitpunkt der leistungsverneinenden Verfügung vom 1
8.
Oktober 2010 (
Urk.
6/2)
vorliegt und ob neu
ein Anspruch auf eine Umschulung besteht.
3.
3.1
Die Ärzte der
Klinik D._
stellten im Austrittsbericht vom
8.
Oktober 2009 (
Urk.
6/11/11-13) nach der stationären Behandlung
der Beschwerdeführerin
vom
3.
bis
4.
Oktober 2009
die Diagnose Anpassungsstörung
mit Störung der Gefühle (ICD-10 F43.2). Zudem stellten sie die Verdachtsdiagnose akzentuierte Pe
rsön
lichkeitszüge mit emotional
instabilen und impulsiven Anteilen (ICD-10 F60.1, S. 1
Ziff.
1).
3.2
Dr.
med.
E._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
nannte im Bericht vom
8.
April 2010 (
Urk.
6/11/7-9) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine reaktive Depression mit Suizidversuch und anamnestisch eine Anorexia
n
ervosa
(S. 1
Ziff.
1.1). Zur Anamnese wurde ausgeführt, die Pati
entin habe nach einer Auseinandersetzung mit ihrem Partner e
inen Suizidversuch unternommen. Anschliessend sei sie in die
Klinik D._
eingewiesen worden (S. 1
Ziff.
1.4). Für die zuletzt ausgeübte Tätigkeit habe von Oktober 2009 bis Februar 2010 eine Arbeitsunfähigkeit von 50
%
bestanden. Die Leistungsfähigkeit sei zurzeit noch auf 50
%
reduziert. Die Beschwerdeführerin werde ihr Arbeits
pensum in nächster Zeit steigern können (S. 2
Ziff.
1.7-1.8).
Ab Juli 2010 könne mit der Wiederaufnahme der beruflichen Tätigkeit mit einem Pensum von 60
%
bis eventuell 80
%
gerechnet werden (S. 2
Ziff.
1.9).
3.3
Mit Verfügung vom 1
8.
Oktober 2010 (
Urk.
6/29) verneinte die Beschwerde
gegnerin einen Rentenanspruch.
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin ist seit November 2018 mit Unterbrüchen bei
Dr.
med.
F._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, in ambulanter psychiatrischer Behandlung (
Urk.
6/36/2
Ziff.
1.1).
Die Akten
des Krankentag
geldversicherers enthalten mehrere ärztliche Zeugnisse
von
Dr.
F._
vom 2
0.
Juli bis 2
3.
Oktober 202
0.
Darin attestierte sie
für die Zeit vom 2
0.
Juli bis 3
0.
November 2020 infolge Krankheit
der Beschwerdeführerin
eine Arbeitsun
fähigkeit von 100
%
(
Urk.
6/39/3-6).
4.2
Dr.
F._
nannte
im Bericht vom
1
6.
September 2020 (
Urk.
6/39/7-11) zuhanden
des Krankentaggeldversicherers als
Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine
rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradig
e Episode
(ICD-10 F33.1).
Sie attestierte
seit dem 2
0.
J
uli 2020
andauernd
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(
Ziff.
8).
4.3
4.3.1
Dr.
F._
gab
im Bericht vom 1
7.
September 2020 (
Urk.
6/36/2-7
=
Urk.
6/36/14-19
) zur Vorgeschichte an
, die Beschwerdeführerin habe sich 2018
im Zusammenhang mit
einer grossen Lärmintoleranz
bei
ihr gemeldet
.
Die Beschwerdeführerin
habe
Angst,
im Strassenverkehr von
vorbeifahrenden Autos und anderen Verkehrsteilnehmern
bedroht zu werden
. Zudem bestehe eine para
noid anmutende Symptomatik
. Schon 2018 hätten sich Hinweise für eine rezidi
vierende depressive Störung gezeigt mit
einer
damals im Vordergrund stehende
n
Angst
(S.
1
Ziff.
2.1).
Dank engmaschiger Psychotherapie, eines Expositionstrainings und
des
guten
Ansprechen
s
auf ein pflanzliches Mittel hätten die Ängste erfreulicherweise
nach
gelassen
.
In der Folge sei es
an ihrem Arbeitsplatz
jedoch
zu e
iner Mobbing
situation gekommen, worauf
sich wieder
verstärkt
Ängste
sowie eine
Abnahme des Selbstvertrauens mit Selbstzweifeln und Schlafstörungen vor den Arbeits
tagen
gezeigt hätten.
Die Beschwerdeführerin habe
die
Arbeit letztendli
ch nicht mehr fortsetzen können. Nach dem Verlust der Arbeitsstelle habe die depressive Symptomatik weiter zugenommen. Dies habe sich unter anderem in einem sozi
alen Rückzug,
einer
Überforderung schon im Alltag und Gedankenkreisen be
i negativen Zukunftsaussichten
gezeigt (S. 2
Ziff.
2.1
oben).
Der Zeitpunkt
des Antritts
einer neuen Arbeitsstelle
im
November 2019 sei rückblickend zu früh erfolgt. Die Beschwerdeführerin habe sich im März 2020 erneut bei der Psychi
aterin gemeldet und es sei zur Kündigung
auch
dieser Arbeitsstelle
von Seiten des Arbeitgebers
gekommen (S. 2
Ziff.
2.1
Mitte).
In einem nachfolgenden Arbeitsverhältnis sei es
ebenfalls
zur Krankschreibung mit anschliessender Kündigung gekommen (S. 2
Ziff.
2.1 unten).
Die Konzentration und die Auffassung seien vermindert. Die Wahrnehmung und das Gedächtnis seien unauffällig. Der Antrieb sei reduziert. Die Beschwerde
führerin sei im formalen Denken eingeengt auf das
Versagen im beruflichen Umfeld. Der Selbstwert
sei stark
reduziert
(S
. 3
Ziff.
2.4).
4.3.2
Dr.
F._
nannte als Diagnose
n
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F33.1)
, und
Hinweise auf emotional-instabile Persönlichkeitszüge (S. 3
Ziff.
2.5). Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte
sie
anamnestisch eine Bulimie in der Adoleszenz (S. 3
Ziff.
2.6).
Die Psychiaterin
gab zur Arbeitsfähigkeit an, für die Tätigkeit als KV-Angestellte habe vom 1
4.
Juni bis 3
1.
Oktober 2019 und vom 1
9.
März bis 3
0.
April 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Seit dem 2
0.
Juli 2020 bestehe erneut eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(S. 1
Ziff.
1.3). Aufgrund der letzten Erfahrungen bestehe f
ür den ersten Arbeitsmarkt
aktuell
eine schlechte
Prognose.
Die Beschwerdeführerin
benötige eine Wiedereingliederung, eventuell sogar in einem geschützten Rahmen, um wieder Zuversicht zu gewinnen
. Eventuell wäre an eine Umschulung in einen anderen Bereich zu denken
(S. 3
Ziff.
2.7). Nach einer weiteren Stabilisierung sei in einem geschützten/angepassten Rahmen ein Arbeitspensum von drei bis vier Stunden pro Tag zumutba
r (S.
5
Ziff.
4.2).
Im Falle einer Begleitung sei
von einer guten Prognose auszugehen (S.
5
Ziff.
4.3).
Dem Bericht vom 1
7.
September 2020 ist ein Bericht über die
im November 2018
von
Dr.
F._
erhobene
Anamnese und die erhobenen Befu
nde (
Urk.
6/36/9-12) beigelegt.
4.4
4
.4.1
Dr.
C._
erstattete am 2
8.
Mai 2021 (
Urk.
3/1
)
im Auftrag des Krankentag
geldversicherers ein psychiatrisches Gutachten.
Er
führte
z
ur Anamnese
aus
,
i
m Kindergartenalter sei es wiederholt zu
einem sexuellen
Missbrauch durch eine Person
innerhalb
der engeren Familie gekommen (S. 3 unten). Retrospektiv lasse sich ein depressives Erleben bereits
für die
Kindheit rekonstruieren. Im 13./1
4.
Lebensjahr sei es
zum ersten
Suizidversuch
gekommen
.
Im 1
6.
Lebensjahr habe
die Beschwerdeführerin
einen zweiten Suizidversuch unternommen.
Seiner
zeit hätten Symptome einer Anorexia
nervosa
bestanden. Gegen Ende
der
Ober
stufenschule habe sich die Symptomatik in eine
Bulimia
nervosa
verändert
. Die Beschwerdeführerin habe sich ab dem 2
1.
Lebensjahr wiederholt in psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung begeben. Die jetzige behandelnde Ärztin habe sie 2018 aufgrund eines akzentuiert
en
depressiven Erlebens aufgesucht. Seit Ende Juni 2020 werde eine vollständige Arbeitsunfähigkeit attestiert (S. 4 oben). Der Abschluss der KV-Ausbildung sei
der Beschwerdeführerin
erst nach dem Wechsel der Lehrstelle und
nur
mit grösster Anstrengung gelungen (
S. 4 Mitte).
4.4.2
Die Beschwerdeführerin habe
über eine Traurigkeit und einen
reduzierten Antrieb berichtet. Sie fühle sich kraftlos und habe kaum genügend Energie zur Bewälti
gung des Alltags. Weiter empfinde sie Zukunfts- und Existenzängste.
Sie zweifle in fast
sämtlichen Lebensbereichen an sich selbst und mache sich grosse Sorgen um die Qualität ihrer Ehe
. Soziale
Kontakte würden eher vermieden
(S. 5
Ziff.
1). Die Beschwerdeführerin sei im Erstkontakt
auf Nachfrage
innerlich angespannt und psychomotorisch etwas unruh
ig gewesen. Sie habe über weite
Strecken über
angepasst bis hin zu leicht unterwürfig gewirkt. Es seien neurokognitive Defizite in den Bereichen Konzentrations- und Aufmerksamkeitsleistungen berichtet worden. In der Exploration seien solche
Defizite
aber
nur vereinzelt zu beobach
ten gewesen
(S. 5
Ziff.
2).
Der Affektbereich habe mittelgradig gestört imponiert durch eine relevante Herabgestimmtheit sowie durch
eine
Traurigkeit, eine Antriebs- und Energieminderung sowie akzessorische somatische Symptome. Weiter liessen sich Ve
rnachlässigungstendenzen eruier
en (Haushalt, Selbstpflege, Pri
vatadministration) und es bestehe
eine ausgeprägte Tendenz zur sozialen Isolation (S. 6
oben).
4.4.3
Dr.
C._
stellte folgende Diagnosen (S. 7
Ziff.
3):
-
rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.11) bei mit:
-
akzentuierte Persönlichkeitsstruktur mit ängstlich-vermeidenden und
anankastisch
-rigiden Zügen (ICD-10 Z73.1)
-
Status nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit durch eine Person innerhalb der engeren Familie (ICD-10 Z61.4)
-
Status nach Anorexia
nervosa
in der Adoleszenz (ICD-10 F50.0)
-
Status nach
Bulimia
nervosa
in der Adoleszenz (ICD-10 F50.2)
Im angestammten Beruf als Bürosachbearbeiterin
bestehe
derzeit
e
ine Arbeits
fähigkeit von 0
%
.
Die Arbeitsunfähigkeit werde
begründet
durch das krankheits
bedingt relevant beeinträchtigte psychosoziale Funktionsniveau. Diese
s
sei im Vergleich
mit gesunden
Gleichaltrigen mit einem vergleichbaren beruflichen Ausbildungs- und Erfahrungsstand deutlich reduziert. Trotz zuverlässiger Inan
spruchnahme der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlung wirke sich ein Teil der festgestellten Psychopathologie limitierend
auf die erwerbsmässige Leistungserbringung
aus. Es handle sich um eine Antriebs- und Energieminde
rung
mit sukzessive erhöhtem Pausen- und Ruhebedarf, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen, Schlafstörungen mit einer gesteigerten Tagesmüdig
keit und einer reduzierten Belastungsstabilität. Gemäss
dem
Mini-ICF bestehe bei der Planung und Strukturierung von Aufgaben eine schwere Beeinträchtigung, bei der Anwendung fachlicher Kompetenzen eine mittelgradige, bei der
Entschei
dungs
- und Urteilsfähigkeit eine schwere und bei der Durchhaltefähigkeit eine leichte Beeinträchtigung (S. 7
Ziff.
4).
In einer leidensangepassten Arbeitstätigkeit respektive im Rahmen geschützter Arbeitsbedingungen sollte die Beschwerdeführerin ein Pensum von 2
0
%
reali
sieren können. Es soll
e sich um eine Arbeit ohne definierte Leistungs- und/oder Zielvorgaben mit einem verständnisvollen
personellen
Umfeld handeln. Die Beschwerdeführerin besuche seit März 2021 einmal pro Woche
e
inen Flor
isten-Kurs. Pro Kurstag
bestehe eine
Präsenzzeit von 10 bis 16 Uhr. Dies entspreche einem Pensum von 10
%
in einem geschützten Umfeld
. Einen weiteren diesen Rahmenbedingungen entsprechenden Einsatz in Anlehnung an eine fünftägige Arbeitswoche halte er für zumutbar. Die Beschwerdeführerin gestaltete seit Okto
ber respektive November 2020 mit viel Kreativität wunderschöne Pflanzen
ge
stecke und Kränze.
Sie erhalte hierfür viel Anerkennung aus ihrem persön
lichen Umfeld und empfinde Selbstzufriedenheit, was natürlich eine wichtige Ressource darstelle
(S. 8
Ziff.
5). Die Beschwerdeführerin habe von wöchentlichen Therapie
sitzungen während der
ersten sechs Monate nach der Kündigung der
letzten
Arbeitsstelle berichtet
. Diese fänden nun 14-tägig statt. Die Beschwerde
führerin wünsche keine Steigerung der Frequenz. Inhaltlich erlebe sie die thera
peutischen Arbeiten teilweise als
entlastend und
teilweise als fordernd (S. 8
Ziff.
6).
Die Wirk
samkeit des seit Längerem ein
gesetzten Antidepressivums soll
e kritisch evaluiert werden (S. 8
Ziff.
7).
Die Behandlung in einem teilstationären, d
as heisst
in einem tagesklinischen Setting würde therapeutisch wirksamere Tages- respektive Wochenstrukturen ermöglichen sowie die Förderung der sehr wichtigen sozialen Ansprache ermög
lichen. Gleichzeitig könn
t
e
die Beschwerdeführerin
jedoch die ambulant behan
delnde Therapeutin nicht mehr konsultieren
. Die Anbindung an
Dr.
F._
sei für die Beschwerdeführer
jedoch
ein wichtiger Therapie- und Stabilitätsfaktor
(S. 9 oben).
4.5
4.5.1
Dr.
B._
erstattete
am
5.
Jul
i
2021 (
Urk.
6/50) im Auftrag der Beschwerde
gegnerin ein psychiatrisches Gutachten. Die Untersuchung
fand
am
1.
Juli 2021
statt
(S. 2
Ziff.
1.1 oben).
Dr.
B._
führte aus,
Dr.
F._
habe
für die Zeit
vom 1
4.
Juni bis 3
1.
Oktober 2019
,
vom 1
9.
März bis 3
0.
April 2020 und erneut vom 2
0.
Juli bis 3
0.
November 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert
. Die Be
schwer
deführerin h
abe jahrelang trotz wiederholten depressiven
Episoden in der ange
stammten Tätigkeit mit einem Pensum von 80-90
%
arbeiten können. Es bleibe unklar, weshalb die angestammte Tätigkeit nicht mehr zumutbar sein und in einer angepassten
,
geschützten Tätigkeit gearbeitet werden sollte.
Die Beschwerde
führerin
habe von einer antidepressiven Therapie profitiert und wieder in der angestammten Tätigkeit gearbeitet (S. 2
Ziff.
1.2.1 unten).
Sie
wäre bei guter Gesundheit
teilerwerbstätig mit einem Pensum von 80
%
im Erwerbsbereich und 20
%
im Haushalt. Angestammt sei die Tätigkeit als Mitarbeiterin Administration (S. 3 unten).
Die Beschwerdeführerin wisse
nicht, wie ihr Leben weitergehen werde (S. 9
Ziff.
3.1).
Sie habe einen strengen Vater gehabt und in der Kindheit viel Sport getrieben. Zwischen dem 1
6.
und 2
1.
Lebensjahr habe sie an einer Bulimie gelit
ten
. In der Jugend habe sie wiederholt Tabletten genommen, um aus dem Leben zu scheiden
(S. 9
Ziff.
3.2.1).
Sie könne sich nicht vorstellen, weiterhin in einem Büro zu arbeiten. Sie habe nie gerne am PC gearbeitet und sich bei der Arbeit auch oft überfordert gefühlt. Sie verfüge
über keine
Excel- und Power-Point-Kenntnisse (S. 10
Ziff.
3.2.2 oben).
An ihrer
vor
letzten Arbeitsstelle habe sie sich wohlgefühlt. Als jedoch ein neuer Chef gekommen sei, der vieles umgestellt habe, sei es schwierig geworden (S. 10
Ziff.
3.2.2 Mitte). Die Besch
werdeführerin habe alle zwei Wochen einen Termin bei ihrer Psychiaterin (S. 11 oben).
Zu ihrem
Sohn und seiner Familie habe sie keinen Kontakt mehr (S. 13 oben).
Nach Abschluss der Berufsl
ehre habe sie kurz auf ihrem Beruf gearbeitet und sich dann während neun Jahren um ihre Familie gekümmert. Ab 2001 habe sie als Kauffrau und Sachbearbeiterin gearbeitet (S. 12
Ziff.
3.2.7). Seit einigen Monaten besuche sie
jeweils freitags einen Floristik
kurs bei der M
igros, der
Fr.
7'500.-- koste. Die Schwiegermutter habe ihr den Kurs bezahlt. S
ie plane, in einem Blumenladen ein Praktikum zu absolvieren (S. 12
Ziff.
3.2.8).
Die Beschwerde
führer führe den Haushalt selbständig. Sie könne alleine ihre Einkäufe erledigen (S. 13
Ziff.
3.2.11 unten).
4.5.2
Die Verständigung sei problemlos auf Mundart möglich gewesen (S. 14
Ziff.
4.2).
Die Explorandin habe zu Beginn etwas zurückhaltend gewirkt und eher wenig gesprochen. Im Laufe der Untersuchung habe sich aber ein guter affektiver Rapport gestaltet. Die Psychomotorik sei lebhaft gewesen. Während der Unter
suchung hätten sich keine Anzeichen für eine Konzentrationsschwäche gezeigt. Die Beschwerdeführerin habe auf die gest
ellten Fragen
gut
eingehen können und die
Merkfähigkeit und die Gedächtnisleistungen seien intakt
gewesen (S. 15
Ziff.
4.3 oben). Wahnhaftes Denken oder Wahnvorstellungen seien nicht vorhan
den gewesen (S. 15
Ziff.
4.3 Mitte).
Dr.
B._
stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 16
Ziff.
6.1). Als Diagnosen ohne Ausw
irkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F33.4), selbst
unsichere und emotional instabile Persönlichkeitszüge (ICD-10 Z73.1) und einen Status nac
h einer Bulimie (ICD-10 F50.2, S. 16
Ziff.
6.2).
Die Explorandin habe sich durch ihre Mutter wenig unterstützt gefühlt. Der Vater sei streng, fordernd und mit ihren Leistungen
praktisch nie
zufrieden gewesen. In der Schule habe sie zum Teil Mühe gehabt, dem Schulstoff zu folgen (S. 16
Ziff.
6.3
oben
). 2009
sei es zu einer
ernsthafte
n Krise gekommen, nachdem die Explorandin
von einem langjährigen Partner plötzlich verlassen worden sei. Sie sei suizidal geworden und habe eine Nacht in einer psychiatrischen Klinik verbracht. Seit 2018 sei sie in ambulanter psychiatrischer Behandlung
. M
edika
mentös
werde sie
mit Antidepressiva behandelt
. Das depressive Zustandsbild habe sich deutlich gebessert. Zum jetzigen Zeitpunkt seien keine depressiven Symp
tome mehr vorhanden
. Es
handle sich um eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remittiert (S. 16
Ziff.
6.3 unten).
Die Beschwerdeführerin neige zu impulsiven Handlungsweisen. Sie habe Arbeitsstellen immer wieder gekündigt, wenn sie mit den Bedingungen nicht zufrieden gewesen sei. Sie sei aber in der Lage gewesen, während Jahren in der freien Wirtschaft zu arbeiten.
Zuletzt
habe sie ein Pensum von zirka 80
%
verrichtet. Die unsicheren und impulsiven Persönlichkeitszüge schränkten die Arbeitsfähigkeit nicht ein. Eine Persönlich
keitsstörung könne nicht diagnostiziert werden (S. 16 f.
Ziff.
6.3).
Die Beschwerdeführerin sei unsicher, auf Zuwendung und Unterstützung ange
wiesen und könne schlecht mit Kritik umgehen. Mit ihrem jetzigen Ehemann habe sie eine gute Beziehung. Sie fühle sich von ihm unterstützt. Weiter pflege sie regelmässig soziale Kontakte mit Nachbarn und habe Freude am Basteln. Belastet sei sie durch die ungewisse finanzielle und berufliche Zukunft (S. 17
Ziff.
7.1). Das depressive Zustandsbild habe sich vollständig zurückgebildet
. Die Weiter
führung der ambulanten Psychotherapie sei jedoch zu empfehlen (S. 17
Ziff.
7.2). Die Explorandin sei
zum jetzigen Zeitpunkt nicht motiviert, die angestammte Tätigkeit wiederaufzunehmen. Sie möchte sich lieber als selbständige Floristin und
Gastro
-Unternehmerin betätigen. Berufliche Massnahmen seien daher nicht zu empfehlen. Solche seien auch nicht notwendig, da die Explorandin in der angestammten Tätigkeit wieder voll leistungsfähig sei (S. 17
Ziff.
7.3.1). Dass sie nicht mehr als Kauffrau arbeiten möchte, sei nachvollziehbar, da sie in dieser Tätigkeit die kreative Seite vermisse. Zudem habe sie etwas unter dem
beruflichen
Konkurrenzkampf gelitten. Es liege aber keine psychiatrische Störung vor, die die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit einschränken würde (S. 18
Ziff.
7.3.2).
Die Explorandin sei 2009 einmalig in der
Klinik D._
stationär behandelt worden. Es seien eine Anpassungsstörung und akzentuierte Persönlichkeitszüge diagnostiziert worden. Die behandelnde Psychiaterin habe im Bericht vom 1
7.
September 2020 eine rezidivierende depressive Störung, derzeit mittelgradige depressive Episode, Hinweise auf eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung
und eine Bulimie in der Adoleszenz diagnostiziert (S. 18
Ziff.
7.3.3 oben)
.
Eine Persönlichkeitsstörung lasse sich nicht diagnostizieren. Die Explorandin sei trotz ihre
r Schwierigkeiten während Jahren
in der Lage gewesen, in der freien Wirt
schaft zu arbeiten. Eine Persönlichkeitsstörung schränke die Arbeits- und Bezie
hungsfähigkeit ab Eintritt ins Erwachsenen
jedoch
in der Regel ein. Zudem sei die depressive Störung remittiert. Zum jetzigen Zeitpunkt seien keine depressiven Symptome vorhanden. Die Konzentration und die Auffassung seien nicht mehr vermindert und der Antrieb sei nicht re
duziert. Die Explorandin gestalte sodann aktiv ihren Alltag. Der Affekt sei nicht gedrückt gewesen. Sie habe deutliche Freude gezeigt, als sie darüber berichtet habe, wie sie sich auf ihre selbständige Tätigkeit vorbereite. Weiter habe sie über einen guten Schlaf berichtet (S. 18
Ziff.
7.3.3 Mitte).
Der Einschätzung durch
Dr.
F._
, die eine Arbeitsunfähig
keit von 0
%
attestiert habe, könne nicht gefolgt werden. Die Explorandin habe
vorübergehend vermehrt unter depressiven Verstimmungen gelitten, als sie die letzte Arbeitsstelle habe aufgeben müssen. Von der depressiven Krise habe sie sich aber längstens erholt. Zum jetzigen Zeitpunkt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 18
Ziff.
7.3.3 unten).
4.5.3
Die Explorandin lebe zusammen mit ihrem Ehemann in einem Einfamilienhaus. Den Haushalt führe sie selbständig und sie sei regelmässig während mehr als einer Stunde mit ihrem Hund unterwegs. Zu den Nachbarn pflege sie gute Kontakte (S. 18
Ziff.
7.4).
Die Explorandin habe als Kauffrau gearbeitet. Zu erwähnen sei, dass sie öfters überfordert gewesen sei, wenn sie mit komplexen Aufgaben am Computer betraut worden sei. Es komme daher eher eine einfachere Bürotätigkeit in Frage. In einer solchen Tätigkeit könne sie während acht
Stunden pro Tag anwesend sein, wobei
keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit
bestehe
(S. 1
9
Ziff.
8.1.1 und 8.1.2). Von März bis Mai 2020 habe eine Arbeitsfähigkeit von 0
%
bestanden. Seit Juni 2020 bestehe wieder eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
. Seit
her habe sich der Grad der Arbeitsfähigkeit nicht verändert (S. 19
Ziff.
8.1.3). In einer angepassten Tätigkeit bestehe ebenfalls eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
(S. 20
Ziff.
8.2.4).
4.6
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Neurologie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 1
4.
Juli 2021 (
Urk.
6/52 S. 5 f.) Stellung zum Gutachten von
Dr.
B._
vom
5.
Juli 202
1.
Sie führte aus,
das Gutachten erfülle die formalen Qualitätskriterien. Es sei ihm volle Beweiskraft zuzuerkennen. Gemäss dem Gutachten bestehe keine Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne dauerhafte Auswirkung auf die
Arbeits
fähigkeit
bestünden eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig remit
tiert
, selbstunsichere und emotional
instabi
le Persönlichkeitszüge und ein
Status nach
einer
Bulimie.
In Bezug auf die bisherige Tätigkeit als administrative Sachbearbeiterin und Kauf
frau bestehe eine leichte Überforderung bei komplexen Aufgaben am Computer. Als Belastungsprofil
komme eine
Tätigkeit in einer ruhigen, wohlwollenden Umgebung
in Frage
. Leichte bis mittelschwere Arbeiten seien
zumutbar.
Weiter solle es
sich um einen überschaubaren
Aufgabenbereich handeln mit
aufeinander
folgenden Aufgaben im Sinne von einfacheren Bürotätigkeiten.
Schliesslich seien
klare Strukturen und eine klare Aufgabenteilung ohne Anforderungen an die intellektuelle Belastbarkeit erforderlich (S. 5 unten). In der bisherigen Tätigkeit als administrative Sachbearbeiterin und Kauffrau habe gemäss
Dr.
B._
von März bis Mai 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
bestanden. Seit Juni 2020 bestehe bis auf Weitere
s eine Arbeitsunfähigkeit von 0
%. Die Erkrankung sei remittiert.
Eine
Verschlechterung
sei im Verlauf
möglich aufgrund der rezidivie
renden depressiven Phasen. Die Beschwerdeführerin sei rasch gekränkt und könne schlecht mit Kritik umgehen.
Daher werde die
Fortführung der medizinischen Massnahmen zur Stabilisierung empfohlen (S. 6 oben).
Unter Therapie habe sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin zum Zeitpunkt der Exploration gebessert. Depressive Symptome oder kognitive Defizite seien nicht vorhanden gewesen (S. 6 Mitte). Gesamthaft liege keine psychische Störung vor, die
die
Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit einschränke. Ein dauerhafter Gesund
heitsschaden
bestehe nicht
(S. 6 unten).
5.
5.1
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
5.2
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
5.3
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung). Speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen hielt das Bundesgericht in BGE 143 V 409 – ebenfalls im Sinne einer Praxisänderung – fest, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheits
schädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapiere
sistenz auszuschliessen sei (E.
5.1). Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind somit auch bei den leichten bis mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Res
sourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen
einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1).
Eine leicht- bis mittelgradige depressive Störung ohne nennenswerte Interfe
renzen durch psychiatrische Komorbiditäten lässt sich im Allgemeinen nicht als schwere psychische Krankheit definieren. Besteht dazu noch ein bedeutendes therapeutisches Potential, so ist insbesondere auch die Dauerhaftigkeit des Gesundheitsschadens in Frage gestellt.
Diesfalls
müssen gewichtige Gründe vorliegen, damit dennoch auf eine invalidisierende Erkrankung geschlossen werden kann (zur Publikation vorgesehenes Urteil des Bundesgerichts 8C_280/2021 vom 17. November 2021 E. 6.2.2 mit Hinweis). D
ie Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktio
nellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu trage
n (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE
144 V 50 E. 4.3).
5.4
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des
Aktivitätenniveaus
in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
6.
6.1
Nach der Neuanmeldung der Beschwerdeführerin
liegen
zu ihrem
aktuellen Gesundheitszustand
im Wesentlichen
die ärztlichen Zeugnisse und die
Berichte von
Dr.
F._
vom 1
6.
und 1
7.
September 2020, das Gutachten von
Dr.
C._
vom 2
8.
Mai 2021 und das Gutachten von
Dr.
B._
vom
5.
Juli 2021 vor.
Dr.
F._
nannte als Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine rezidivierende depressive Störung,
derzeit
mittelgradige depressive Episode, und Hinweise auf emotional-instabile Persönlichkeitszüge. Sie attestierte
für die angestammte Tätigkeit seit
dem 2
0.
Juli 2020 ei
ne Arbeitsunfähigkeit von 100
%
.
Für einen
angepassten, geschützten Rahmen
attestierte sie ein zumutbares
Arbeitspensum von drei bis vier Stunden pro Tag
(
vorstehend
E. 4.3.2).
Dr.
C._
nannte als Diagnosen
eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom
,
bei einer akzentuierten Persön
lichkeitsstruktur mit ängstlich-
vermeidenden und
anankastisch
-ri
giden Zügen sowie einen Status nach sexuellem Missbrauch in der Kindheit, einen Status nach Anorexia
nervosa
in der Adoleszenz
und einen Status nach
Bulimia
nervosa
in der Adoleszenz.
Dr.
C._
attestierte für die angestammte Tätigk
eit eine Arbeitsfähigkeit von 0
%. Für eine leidensangepasste Tätigkeit in einem geschütz
ten Rahmen attestierte er ein
zumutbares Arbeitspensum von 20
% (E. 4.4.3).
Dr.
B._
stellte keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte er eine rezidivie
rende depressive Störung, gegenwärtig remittiert
, selbstunsichere und emotional
instabile Persönlichkeitszüge und einen Status nach einer B
ulimie
(E. 4.5.2
hier
vor
).
Dr.
B._
attestierte für die angestammte und eine angepasste Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%
, nachdem von März bis Mai 2020 eine Arbeits
fähigkeit von 0
%
bestanden habe.
6.2
Das Gutachten von
Dr.
B._
vom
5.
Juli 2021 erweist sich für die streitigen B
elange als umfassend. Es
beruht
zudem
auf der erforderlichen persönlichen Untersuchung der Beschwerdeführerin
und berücksichtig
t
die geklagten Beschwerden
in angemessener Weise
.
Die Dauer der Untersuchung, die Anzahl der notwendigen psychiatrischen Explorationen und die Durchführung von Tests unterliegt gemäss konstanter Rechtsprechung grundsätzlich der Fachkenntnis und dem Ermessensspielraum des Experten (Urteil des Bundesgerichts 8C_433/2017 vom 1
2.
September 2017 E. 3.4.1). Die Dauer der Untersuchung erweist sich
somit
als nicht
ausschlaggebend
, zumal nicht erstellt ist,
dass die Begutachtung lediglich 45 Minuten
dauerte
, wie die Beschwerdeführerin geltend machte (
Urk.
1 S. 1 unten)
. Die soweit ersichtlich lege
artis
erfolgte B
egutachtung ermöglichte
dem Gutachter
die Beurteilung des
psychiatrischen
Gesundheits
zustandes der Beschwerdeführerin
.
Zudem
bestehen keine Anhaltspunkte dafür, dass die Begutachtung
unsachgemäss
erfolgt wä
re.
De
r Gutachter setzte sich sodann
ausreichend
mit
den
Vorakten
und
der abwei
chenden Beurteilung durch die behandelnde Psychiaterin auseinander.
Er legte
aufgrund
der Untersuchung nachvollziehbar dar
, dass
die von
Dr.
F._
und
Dr.
C._
beschriebene
depressive S
ymptomatik
nicht länger
vorliegt
.
Darau
s
folgt, dass er
für
die angestammte und eine angepasste Tätigke
it eine volle Arbeitsfähigkeit attestierte.
Das Gutachten
von
Dr.
B._
vermag
somit
auch
in
der Darstellung der medizinischen Zusammenhänge und bezüglich der Schluss
folgerungen des Gutachters zu überzeugen.
Es
ermöglich
t
sodann die Durch
führung eines strukturier
t
en Beweisverfahrens.
Auf das Gutachten von
Dr.
B._
kann daher abgestellt werden.
6.3
Gemäss
Dr.
C._
berichtete die Beschwerdeführerin bei der Untersuchung durch ihn
über neurokognitive Defizite
wie
Konzentrations- und Aufmerksam
keitsleistungen
, wobei
solche
Defizite
im Verlauf der Untersuchung nur
vereinzelt
zu beobachten
waren
(E. 4.4.2)
.
Die
geklagten subjektiven Beschwerden konnte
n
somit nu
r zum Teil objektiviert werden.
Bei der von
Dr.
C._
attestierten Arbeitsfähigkeit bleibt
sodann
unklar, weshalb
auch an einem geschützten Arbeitsplatz
nur ein eingeschränktes Arbeits
pensum von 20
%
möglich
sein
und in der angestammten Tätigkeit gar keine verwertbare Arbeitsfähigkeit mehr bestehen sollte.
Die von
Dr.
C._
erho
be
nen
Befunde
einer Antriebs- und Energieminderung mit einem erhöhte
n Pause
n
- und Ruhebedarf, Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen sowie Schlaf
störungen mit ein
er gesteigerten Tagesmüdigkeit
und einer reduzierten Belastungsstabilität
(E. 4.4.3 hiervor)
vermögen die attestierte hohe Arbeitsun
fähigkeit
nur bedingt
zu erklären.
Zudem ergibt sich der Eindruck, dass der Gut
achter in seiner Beurteilung massgeblich auf die subjektiven Angaben der Beschwerdeführerin abstellte (vgl. E. 4.4.2).
Hinzu kommt, dass von
Dr.
C._
zwar Ressourcen der Beschwerdeführerin geschildert werden
–
ihre Energie, Kreativität und Selbstzufriedenheit beim Gestalten von Kränzen und Blumen
gestecken im eigenen Atelier (vgl. E. 4.4.
3
) – diese Ressourcen aber bei der Beur
teilung der Arbeitsfähigkeit
kaum
Niederschlag finden.
Die Beurteilung
durch
Dr.
C._
vermag daher
insgesamt
im Gegensatz zur Einschätzung des Gutachters
Dr.
B._
nicht zu überzeugen
.
Es ist auch zu berücksichtigen, dass
im Verfahren der Krankentaggeldversicherung
entsprechend der zeitlichen Leistungsgrenzen
nicht die Frage nach einer langandauernden, rentenbegrün
denden Einschränkung zu beantworten ist und
entsprechend
zumindest fraglich ist, ob
in diesem Bereich
bei psychischen Erkrankungen die Festlegung der Arbeitsunfähigkeit unter Einbezug
der Standardindikatoren (E. 5.4) zu erfolgen hat.
6.4
Die Berichte von
Dr.
F._
vom 1
6.
und 1
7.
September 2020
ergingen
über ein Jahr
vor der
Verfügung der Beschwerdegegnerin vom
6.
Oktober 202
1. Dr.
B._
konnte
die von der behandelnden Psychiaterin beschriebene depressive Symptomatik in der Begu
tachtung
vom Juli 2021
nicht bestätige
n
.
Die behandelnden Ärztinnen und Ärzte stehen in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person und haben sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlauben
den objektiven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die materiellen Anforderungen an ein Gutachten gemäss BGE 125 V 351 E. 3a. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte - beziehungsweise regelmässig behandelnde Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundes
gerichts I 551/06 vom
2.
April 2007 E. 4.2) - mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifelsfall eher zu Gunsten ihrer Pati
enten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angab
en der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 1
7.
Februar 2011 E. 4.1). Der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit durch die behandelnde Psychiaterin kann daher nicht gefolgt werden.
6.5
Dr.
B._
stellte unter anderem die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig remittiert, und verneinte
das Vorliegen einer depressiven Symptomati
k
sowie einer
Persönlichkeitsstörung
.
Die von
Dr.
B._
festge
stellten selbstunsicheren und emotional-instabilen Persönlichkeitszüge schrän
ken die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht ein. Weiter
bestehen keine Komorbiditäten.
Der Komplex «Gesundheitsschädigung»
ist daher
höchstens leichtgradig ausgeprägt.
Die Beschwerdeführerin verfügt aufgrund der von ihr als unterstützend erlebten Beziehung zu ihrem Ehemann über Ressourcen, auf die sie
beim Wiedereinstieg in die berufliche Tätigkeit
zurückgreifen
kann
.
Zur
Konsistenz ist zu sagen, dass
die Beschwerdeführerin die Umschulung zur Floristin selbständig beginnen konnte. Dies spricht ebenfalls dafür, dass ihr eine volle Arbeitsfähigkeit zuge
mutet werden kann.
Nach Prüfung der Standardindikatoren ist daher für die angestammte Tätigkeit als Mitarbeiterin Administration und
eine angepasste
Tätigkeit von einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
auszugehen.
Weiter ergibt sich, dass sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin verglichen mit den Verhältnissen zum Zeitpunkt der Verfügung der Beschwerde
gegnerin vom 1
8.
Oktober 2010 nicht massgeblich verändert hat.
Gemäss
Dr.
B._
bestand einzig von März bis Mai 2020 eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
(E. 4.5.3
hievor
)
. Nachdem
nur eine kurzzeitige Arbeitsunfähigkeit
vorlag,
besteht kein
Anspruch auf Leistungen der I
nvalidenversicherung und somit auch kein
Anspruch auf Übernahme der Kosten
für die Umschulung zur Floristin.
6.6
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin einen Anspruch der Beschwerde
führerin auf eine Umschulung zur Floristin
mangels einer Invalidität
zu Recht verneint.
Die angefochtene Verfügung vom
6.
Oktober 2021 erweist sich nach dem Gesag
ten als rechtens. Die Beschwerde ist daher abzuweisen.
7.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG). Vorliegend sind die Kosten auf
Fr.
500
.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie der Beschwerdeführerin aufzuerlegen.