# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** df750ed8-4f28-5943-9da3-eba0e3b2d76a
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2008
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Im Amtsblatt des Kantons St. Gallen vom 9. Oktober 2006 wurden die Jagdreviere
für die Pachtperiode 2008 bis 2016 zur Bewerbung ausgeschrieben, worunter auch das
als "einheimisch" bezeichnete Revier Gähwil mit einer Mindestpächterzahl von fünf (ABl
2006, S. 2691). Am 20. März 2007 vergab der Gemeinderat Kirchberg dieses Revier der
Bewerbergruppe A.
B./ Gegen den Vergabeentscheid erhob die Bewerbergruppe Z. am 31. März 2007
Rekurs beim Finanzdepartement des Kantons St. Gallen. Die Bewerbergruppe Z.
beantragte die Aufhebung des Vergabeentscheides, da dieser willkürlich sei.
Das Departement entschied in der Angelegenheit am 22. Januar 2008, indem der
Rekurs gutgeheissen und das Jagdrevier Gähwil für die Pachtperiode 2008 bis 2016
der Bewerbergruppe Z. vergeben wurde. Das Departement erwog im wesentlichen, die
Gemeinde Kirchberg habe beim Vergabeentscheid ein wesentliches
Entscheidkriterium, nämlich die Jagdausübung in der auslaufenden Pachtperiode der
Bewerbergruppe A., die sich in nahezu unveränderter Zusammensetzung erneut um
das von ihr bejagte Revier bewerbe, nicht bzw. falsch berücksichtigt. Sie habe so
unsachgerecht entschieden und das ihr zustehende Ermessen überschritten.
C./ Gegen den Entscheid vom 22. Januar 2008 erhoben die Mitglieder der
Bewerbergruppe A. mit Eingabe vom 11. Februar 2008 Beschwerde beim
Verwaltungsgericht. Sie beantragen die Aufhebung des angefochtenen Entscheids und
die Vergabe des Jagdreviers Gähwil für die Jagdpachtperiode 2008 bis 2016 an die
Bewerbergruppe A., alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der
Bewerbergruppe Z. Zur Begründung wird im wesentlichen ausgeführt, der Entscheid
des Finanzdepartements erweise sich insofern als widersprüchlich, als nicht
festgehalten werden könne, dass eine Bewerbergruppe die Voraussetzungen für eine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Pachtvergabe vollumfänglich erfülle, um ihr nachträglich die Fähigkeit, das Revier
korrekt zu bejagen, wiederum abzusprechen. Die diesbezüglich vom Departement
erhobenen Vorwürfe würden sich als nicht stichhaltig erweisen. Namentlich habe die
Bewerbergruppe A. in der Vergangenheit gezeigt, dass sie auf eingegangene
Beanstandungen reagiere und willens sei, die Jagd korrekt durchzuführen. Sie werde
auch weiterhin die Abschussvorgaben der Jagdverwaltung beachten. Der Gemeinderat
Kirchberg habe den Vergabeentscheid nach pflichtgemässem Ermessen getroffen. Die
Voraussetzungen für eine Aufhebung seien nicht gegeben.
In der Stellungnahme vom 6. März 2008 verzichtete das Finanzdepartement
grundsätzlich auf eine Vernehmlassung, brachte in der Folge aber ausführliche
Einwendungen zur Beschwerde vor. Den Ausführungen lag eine Stellungnahme des
Amtes für Natur, Jagd und Fischerei vom 4. März 2008 zu den jagdlichen Ausführungen
in der Beschwerdeschrift bei.
Mit Eingabe vom 14. März 2008 beantragt der Gemeinderat Kirchberg die Aufhebung
des Entscheids des Finanzdepartements vom 22. Januar 2008 und die Bestätigung des
Vergabeentscheids vom 20. März 2007. Entgegen der Auffassung des Departements
habe der Gemeinderat die Jagdausübung in der auslaufenden Pachtperiode der
Bewerbergruppe A. berücksichtigt und nicht falsch beurteilt. Von einer
Ermessensüberschreitung könne nicht die Rede sein.
Die Bewerbergruppe Z. hat auf eine Vernehmlassung verzichtet.
Mit Schreiben vom 28. März 2008 teilte das Amt für Natur, Jagd und Fischerei mit,
dass das Revier Gähwil bis zur definitiven Vergabe durch die staatlichen Wildhüter
betreut werde.
Mit Eingabe vom 21. April 2008 nahm die Bewerbergruppe A. zu der Vernehmlassung
des Finanzdepartements samt Beilageschreiben des Amtes für Natur, Jagd und
Fischerei vom 6. bzw. 4. März 2008 und zur Vernehmlassung der Politischen Gemeinde
Kirchberg vom 14. März 2008 Stellung.
Mit Verfügung vom 22. April 2008 nahm der Präsident des Verwaltungsgerichts davon
Vormerk, dass das Jagdrevier Gähwil seit dem 1. April 2008 bis zum
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeentscheid von der staatlichen Wildhut betreut werde. Die Kosten der
Verfügung wurden bei der Hauptsache belassen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführer sind zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 11. Februar 2008
entspricht zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1
in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 VRP). Die Replik vom 21. April 2008
ist soweit zu berücksichtigen, als sich ihr Inhalt als rechts- und entscheiderheblich
erweist (BGE 133 I 103 ff., 132 I 47 sowie 131 I 211). Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2. Die Voraussetzungen für die Vergabe eines Jagdreviers an eine Bewerbergruppe
sind in Art. 10 des Gesetzes über die Jagd, den Schutz der wildlebenden Säugetiere
und Vögel sowie deren Lebensräume (Jagdgesetz, sGS 853.1, abgekürzt JG) geregelt.
Bewerben sich mehrere Jägergruppen um ein Jagdrevier, die alle
Vergabevoraussetzungen nach Art. 10 JG erfüllen, hat jene den Vorzug, die in bezug
auf die Mindestpächterzahl beim einheimischen Revier mehr einheimische Bewerber
und bei einem auswärtigen Revier mehr auswärtige Bewerber zählt (Art. 11 Abs. 1 JG).
Einheimische Bewerber wohnen in der Gemeinde, auswärtige Bewerber ausserhalb der
Gemeinde im Kanton. Sie müssen den Wohnsitz mindestens sechs Monate vor Abgabe
der Bewerbung um das Revier begründet haben (Art. 11 Abs. 2 JG). Hat eine politische
Gemeinde mehrere Reviere, benennt sie die eine Hälfte der Reviere als einheimische
und die andere als auswärtige. Bei ungerader Revierzahl ist sie in der Benennung des
letzten Reviers frei (Art. 5 Abs. 1 JG).
2.1. Vorliegend ist unbestritten, dass beide Bewerbergruppen die Voraussetzungen für
die Reviervergabe nach Art. 10 JG erfüllen. Unwidersprochen ist sodann, dass je vier
Mitglieder der beiden Bewerbergruppen Wohnsitz in Kirchberg haben und deshalb
auch die Vorzugsregeln nach Art. 11 JG vorliegend ebenfalls nicht die Vergabe des
Reviers an eine der beiden Gruppen gebieten.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2.2. Nachdem fest steht, dass beide Bewerbergruppen die Vergabevoraussetzungen
nach Art. 10 JG erfüllen und der Vorzug nach Art. 11 JG nicht zum Tragen kommt,
kommt der politischen Gemeinde beim Vergabeentscheid ein verhältnismässig grosser
Ermessensspielraum zu. Dies bedeutet indes nicht, dass die Gemeinde frei und ohne
an die Rechtsordnung gebunden zu sein, entscheiden darf. Vielmehr hat sie auch im
Bereich des Auswahlermessens die Verfassungsgrundsätze der Rechtsgleichheit,
Verhältnismässigkeit und die Pflicht zur Wahrung der öffentlichen Interessen zu
berücksichtigen, wie sie auch Sinn und Zweck und die grundlegenden Wertungen der
Jagdgesetzgebung zu wahren hat. Mit Blick auf das der Gemeinde zustehende
Auswahlermessen soll das Finanzdepartement einen Vergabeentscheid nicht schon
dann aufheben, wenn es als verfügende Behörde das Revier einer anderen
Bewerbergruppe zugeteilt hätte, sondern erst, wenn sich der Vergabeentscheid der
Gemeinde mit sachlichen Gründen nicht mehr vertreten lässt. Dies gilt namentlich
dann, wenn die Gemeinde beim Vergabeentscheid über die Zuteilung eines Jagdreviers
die Würdigung der örtlichen Verhältnisse und die persönlichen, für die Jagdausübung
wesentlichen Eigenschaften der einzelnen Mitglieder einer Bewerbergruppe besser zu
beurteilen vermag (GVP 1993 Nr. 25 zum alten Jagdgesetz in bezug auf die Frage der
Gewährleistung für weidgerechtes Verhalten). Wie die Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid zutreffend ausgeführt hat, stellt es eine sachgerechte Anknüpfung des
Auswahlermessens dar, wenn diejenige Bewerbergruppe vorgezogen wird, welche die
bessere Gewähr für die Jagd im Sinne der Ziele der Jagdgesetzung bietet als die
andere Gruppe. Dabei bietet unter anderem die Erfüllung der Abschussvorgaben in den
vergangenen acht Jahren bei einer Bewerbung um das gleiche Revier eine wesentliche
Grundlage in bezug auf die Frage, in welchem Umfang Gewähr für einen
weidgerechten Jagdbetrieb besteht. Die Abschussplanung dient entsprechend dem
Zweckartikel des Jagdgesetzes nicht nur der Beschränkung schädigender Einflüsse
der Wildtiere (vgl. Art. 1 Abs. 1 lit. e JG), sondern auch der nachhaltigen Nutzung der
Wildbestände (Art. 1 Abs. 1 lit. d JG). Die Erfüllung der Abschussvorgabe ist
dementsprechend eine wichtige jagdliche Pflicht, und es ist daher gerechtfertigt, einer
Jägergruppe, die die Abschussvorgaben in der Vergangenheit nicht ausreichend erfüllt
hat, eine neue Gruppe vorzuziehen. Nach der bisherigen Rechtsprechung des
Verwaltungsgerichts ist es auch nicht willkürlich anzunehmen, dass eine grössere
Jagdgesellschaft grundsätzlich besser in der Lage ist, die Abschusspläne zu erfüllen,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
als eine kleinere Gruppe, weshalb es sachgerecht ist, wenn beim Ermessensentscheid
auch auf die über die erforderliche Mindestzahl hinausgehende Anzahl Pächter (Art. 10
Abs. 1 lit. c JG in Verbindung mit Art. 16 JG) abgestellt wird (vgl. GVP 1993 Nr. 25 zum
alten Jagdgesetz in bezug auf die Frage der Gewährleistung für weidgerechtes
Verhalten). Indes ist im Sinne einer Präzisierung festzuhalten, dass diese Grundsätze
unter dem Vorbehalt stehen, dass eine Übernutzung eines Reviers ausgeschlossen
werden kann.
2.2.1. Die Beschwerdeführer machen geltend, dass die Beschwerdegegner über eine
Gruppe von acht Bewerbern verfügen würden, die Beschwerdeführer aber deren elf
Bewerber hätten. Es seien mithin bei den Beschwerdeführern drei Pächter mehr
vorhanden als bei der gegnerischen Gruppe. Die Argumentation der Vorinstanz,
wonach Doppelpächter nur zur Hälfte auf die Gruppengrösse anrechenbar seien, sei
absurd. Die Teilnahme der vier Doppelpächter an den Jagden der Jagdgesellschaft A.
sei mindestens ebenso gut wie diejenige der Einzelpächter. Von wesentlicher
Bedeutung sei auch die Jagderfahrung von neun der elf Pächter der Beschwerdeführer.
Im weiteren erweise sich der angefochtene Entscheid insofern als widersprüchlich, als
das Departement den Beschwerdeführern zuerkannt habe, dass die Voraussetzungen
für eine Vergabe nach Art. 10 JG vollumfänglich erfüllt seien, indes der
Bewerbergruppe A. nachträglich die Fähigkeit, das Revier korrekt zu bejagen,
abgesprochen werde. Das Finanzdepartement versteife sich darin, den
Beschwerdeführern die Befähigung für eine korrekte Jagd abzusprechen, indem es
eine ganze Anzahl von Vorwürfen erhebe, bei deren Überprüfung der Gemeinderat zu
einem völlig anderen Ergebnis gekommen sei. Insbesondere versteife sich das
Finanzdepartement auf die Auskunft des Amtes für Jagd, Natur und Fischerei an den
Gemeinderat Kirchberg vom 8. März 2007. Namentlich sei zu bemerken, dass im
fraglichen Bericht der Rehwildabschuss der Jagdgesellschaft A. im Jahr 2007 nicht
enthalten sei. Die Abschussvorgabe 2007 sei vollumfänglich erfüllt worden. In den
Jahren 2000 und 2003 sei der Abschuss knapp übertroffen worden, indem statt der
vorgeschriebenen 80 Tiere deren 81 erlegt worden seien. In den Jahren 2001 und 2002
seien bei einer Vorgabe von je 80 Tieren deren 79 bzw. 77 erlegt worden. Auch diese
beiden Jahre dürften als praktisch erfüllt angesehen werden. Klar nicht erfüllt sei der
Abschuss in den Jahren 2004, 2005 und 2006. Indes gelte das für viele Reviere in
diesen Jahren. Dafür gebe es verschiedene Gründe, insbesondere sei der Rehbestand
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
zurückgegangen, wobei die Einsetzung des Luchses im Jahr 2005 diese Reduktion
noch gefördert habe. Entscheidend könne auch nicht sein, ob die Tiere mit Schrot oder
Kugelschuss erlegt worden seien, wenn der Abschuss erfüllt sei. Die
zusammenfassende Beurteilung durch das Amt für Natur, Jagd und Fischerei sei daher
fraglich. In Anbetracht der Verhältnisse hätten die Beschwerdeführer die Situation gut
gemeistert, auch wenn das Amt die Abschusserfüllung nur als knapp befriedigend
beurteilt habe. Falsch sei auch die Behauptung des Departements, die Herbstjagd
geniesse im Revier Gähwil zu grosse Bedeutung und das Störungspotential werde zu
wenig erkannt. Das Revier umfasse immerhin 1'540 ha und kein Gebiet sei mehr als
zweimal in eine Treibjagd einbezogen worden. Entscheidend aber falle ins Gewicht,
dass selbst die Jagdverwaltung die Herbstjagd als sehr gut geleitet taxiert habe und
dass die Fallwildbergung, die Behebung von Problemen mit schadenstiftenden Tieren
usw. gut erledigt werde und dass die Jagdgesellschaft in der Öffentlichkeitsarbeit aktiv
sei. Nachdem aber selbst die Jagdverwaltung zum Schluss gekommen sei, dass die
Abschussvorgaben "knapp befriedigend" erfüllt worden seien, gehe es nicht an, dass
das Departement die Qualifikation in "schlecht" umdeute. Namentlich könne die
Behauptung, die selektive Sommerjagd sei von der Jagdgesellschaft nicht erfüllt
worden, nicht hingenommen werden. Mit Entschiedenheit würden sodann die gegen
die Beschwerdeführer ausgesprochenen Verdächtigungen zurückgewiesen. Es sei
beleidigend, den Vorwurf entgegennehmen zu müssen, man habe zu wenig Rehe
geschossen, um einen höheren Wildbestand zu begünstigen. Ins gleiche Kapitel gehöre
der Vorwurf, es sei anzunehmen, die Beschwerdeführer hätten bei der Wildzählung
falsche Bestände angegeben, um die Vorgabe der Abschusszahl herunterzudrücken.
Sämtliche gemeldeten Zahlen seien korrekt wiedergegeben. Während den
Herbstjagden hätte der Wildhüter die Jagdgesellschaft A. an vier Jagdtagen besucht
und bestätigt, dass die Jagdleitung sehr gut gewesen sei und die
Sicherheitsvorschriften eingehalten worden seien. Die Jagdstrategie müsse Sache der
Jagdgesellschaft sein, so lange die Abschussvorgabe erfüllt werde. Die
Jagdgesellschaft A. dürfe sich rühmen, während der gesamten Pachtdauer abgesehen
vom erhöhten Bockabschuss im Jahre 2005 nie von der Jagdverwaltung eine Rüge
oder einen schriftlichen Verweis erhalten zu haben. Die Beschwerdeführer würden auch
weiterhin die Abschussvorgaben der Jagdverwaltung beachten. Den Tatbeweis hätten
sie schon bisher erbracht, dass sie auf eingegangene Beanstandungen reagierten und
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
willens seien, die Jagd korrekt durchzuführen. Einen weitern Widerspruch weise der
vorinstanzliche Entscheid auf, indem das Departement erwogen habe, dass die Zweifel
des Gemeinderates an einer besseren Jagd durch die Beschwerdegegner "durchaus
verständlich" seien, die Zusprache des Reviers aber gleichwohl an die
Beschwerdegegner erfolgt sei. Der Vergleich innerhalb des Kantons beweise, dass die
vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei vorgegebenen Abschusszahlen nicht stimmen
könnten. Unter solchen Umständen die Jagdergebnisse als schlecht zu bezeichnen,
wie dies die Vorinstanz getan habe, sei nicht vertretbar und darum sei auch der
Entscheid, den Beschwerdeführern das Revier nicht mehr zuzuteilen, aufzuheben, denn
er basiere auf erkennbar falschen Voraussetzungen und Interpretationen, sei in sich
selber juristisch unentschuldbar widersprüchlich und rechtlich nicht fertig gedacht.
2.2.2. Die Politische Gemeinde Kirchberg hat mit Schreiben vom 5. Februar 2007 das
Amt für Natur, Jagd und Fischerei aufgefordert, zur Jagdausübung der
Beschwerdeführer in der vergangenen Pachtperiode Stellung zu nehmen. Bezüglich
der Abschusserfüllung hielt das Amt im Bericht vom 8. März 2007 fest, bedingt durch
die unbefriedigende Wald-Wild-Situation sei der Abschuss in den vergangenen sieben
Jahren immer relativ hoch angesetzt gewesen. Dies bedeute, dass von den Jägern ein
grosser Einsatz verlangt werde. Zweimal sei der geforderte Abschuss um je ein Tier
übertroffen, zweimal knapp verfehlt worden. Dreimal sei der Abschuss deutlich verfehlt
worden. Der Abschuss 2006 beinhalte die Korrektur des Abschusses 2005. Zudem sei
zu berücksichtigen, dass es im vergangenen Jahr allgemein sehr schwierig gewesen
sei, den geforderten Kitzanteil von einem Drittel zu erfüllen. Insgesamt sei die
Abschusserfüllung unter Berücksichtigung der hohen Anforderungen (Wald-Wild-
Situation) sowie der qualitativen Zusammensetzung des Abschusses knapp
befriedigend. Bezüglich der Bejagungsart (Kugelschuss, Schrotschuss) wurde
festgehalten, dass sich die Beschwerdeführer in der laufenden Pachtperiode meist
schwer getan hätten, eine gewünschte selektive Kugeljagd zu betreiben. Der Anteil der
erlegten Tiere bis zum 30. September hätte zwischen 29 und 51 Prozent betragen. In
dieser Zeitspanne seien hauptsächlich Böcke erlegt worden. Die weiblichen Tiere, d.h.
nicht führende Geissen und Schmalrehe, seien meistens untervertreten (Ausnahme
2006). Auch bei nicht erreichtem Abschussplan seien mit Ausnahme des Jahres 2004
im Dezember keine Rehe mehr erlegt worden. Dies sei auch 2006 der Fall gewesen, als
die Jagdzeit auf Rot- und Rehwild bis zum 31. Dezember verlängert worden sei.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Insgesamt seien damit die Vorgaben an eine selektive Sommerjagd von der
Jagdgesellschaft meist nicht erfüllt worden. Sodann zeigten die Abschusszahlen, dass
die Zusammensetzung der Jagdstrecke (Anteil Böcke, Geissen, Kitze) wiederholt nicht
den Vorgaben der Jagdvorschriften entsprochen hätte. Die Abweichungen seien als
gering bis mittel zu beurteilen. Bezüglich des Jagdbetriebs wird festgehalten, dass in
den Monaten Oktober bis November jeweils jeden Samstag sowie an einigen
Dienstagen die Herbstjagd betrieben worden sei. Dies ergebe in den meisten Jahren
zwölf Jagdtage. Bei den Kontrollen habe der zuständige Wildhüter festgestellt, dass die
Jagdleitung sehr gut gemacht worden sei. Die Sicherheitsbestimmungen seien
eingehalten gewesen. In den vergangenen zwei Jahren sei der Wildhüter an vier
Jagdtagen anwesend gewesen. An diesen Tagen hätten drei "Fehlschüsse" auf Rehe
festgestellt werden müssen. Die jeweiligen Nachsuchen seien ohne Erfolg durchgeführt
worden. Insgesamt hätten die Beschwerdeführer der Herbstjagd (Gesellschaftsjagd)
eine zu grosse Bedeutung zugemessen. Das Störungspotential sei zu wenig erkannt
worden. Die Fallwildbergung, die Behebung von Problemen mit schadenstiftenden
Tieren usw. sei durch die Jagdgesellschaft gut erledigt worden. Auch in der
Öffentlichkeitsarbeit (Waldlehrpfad usw.) sei die Jagdgesellschaft aktiv.
2.2.3. Wie vorstehend ausgeführt wurde, stellt die Erfüllung der Abschussvorgaben
eine wichtige jagdliche Pflicht der Pächter dar. Insgesamt wurde in den Jahren 2000
und 2003 der Abschuss knapp übertroffen, indem 81 statt der vorgeschriebenen 80
erlegt wurden. In den Jahren 2001 und 2002 wurden bei einer Vorgabe von je 80 Tieren
79 bzw. 77 erlegt. In den Jahren 2004 bis 2006 wurde der Abschuss klar nicht erfüllt,
indem die Vorgaben um 11, 13 bzw. 12 Tiere unterschritten wurden. Im Jahr 2007
wurde die Vorgabe von 60 Tieren mit 61 Tieren nach unbestrittener Angabe der
Beschwerdeführer wiederum gut erfüllt. Zusammenfassend kann somit festgehalten
werden, dass der Abschuss in quantitativer Hinsicht in fünf Jahren sehr gut erfüllt
wurde und in drei Jahren verhältnismässig stark unterschritten wurde. In qualitativer
Hinsicht wurde in den Jahren 2000, 2002 und 2004 der Anteil Kugelschuss vom Amt für
Natur, Jagd und Fischerei als zu gering erachtet. In den Jahren 2001, 2003, 2005 und
2006 wurde die Schussart nicht beanstandet. Die Jagdstrecke wurde 2001, 2002, 2003
und 2005 kritisiert, in den Jahren 2000, 2004, 2005 und 2006 wurde die Jagdstrecke
für in Ordnung befunden. Vor diesem Hintergrund und unter Berücksichtigung der
hohen Anforderungen an die Wald-Wild-Situation, die an die Beschwerdeführer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unbestrittenermassen gestellt wurden, ist zusammenfassend sowohl in quantitativer als
auch in qualitativer Hinsicht von der grundsätzlichen Erfüllung der Abschussvorgaben
auszugehen. Ob die Abschussvorgaben dabei lediglich "knapp befriedigend" erfüllt
wurden, wie das Amt für Natur, Jagd und Fischerei im Bericht vom 8. März 2007
ausführt, oder "gut gemeistert" wurden, wie die Beschwerdeführer geltend machen,
muss mangels Vergleichswerten offenbleiben. Wesentlich ist indes, dass den
Beschwerdeführern aufgrund der Aktenlage nicht vorgehalten werden kann, sie hätten
die Abschussvorgaben nicht bzw. wie die Vorinstanz erwogen hat "deutlich
ungenügend" erfüllt. Sodann ist den Beschwerdeführern zu Gute zu halten, dass die
Fallwildbergung, die Behebung von Problemen mit schadenstiftenden Tieren sowie die
Öffentlichkeitsarbeit positiv zu bewerten sind. Der Vorwurf des Amtes für Natur, Jagd
und Fischerei, wonach die Beschwerdeführer der Herbstjagd als Gesellschaftsjagd
gegenüber der Sommerjagd eine zu grosse Bedeutung zumessen würden, ist zwar
nicht von der Hand zu weisen; indes ist die Kritik insofern zu relativieren, als mit den
Beschwerdeführern davon auszugehen ist, dass es in erster Linie Sache der
Jagdgesellschaft ist, die Jagdstrategie festzulegen, solange die Abschussvorgaben
erreicht werden. Hinzu kommt, dass den Beschwerdeführern bei den Herbstjagden
eine gute Leitung und die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen attestiert wurden.
2.2.4. Bezüglich der jagdlichen Qualitäten der Beschwerdegegner hat die Vorinstanz
erwogen, dass es ihnen nicht gelungen sei, aufzuzeigen, weshalb sie besonders und
mehr als die Beschwerdeführer für die Jagd im zu vergebenden Revier geeignet sein
sollen. Das Verwaltungsgericht teilt diese Auffassung. Die Beschwerdegegner haben
sich in den vorinstanzlichen Verfahren im wesentlichen darauf beschränkt, die
Jagdtätigkeit der Beschwerdeführer zu kritisieren. Im Beschwerdeverfahren haben sie
auf eine Vernehmlassung verzichtet.
2.3. Im folgenden ist zu prüfen, ob die Vorinstanz mit Blick auf die vorstehenden
Erwägungen eine Ermessensverletzung begangen hat, indem sie den
Vergabeentscheid des Gemeinderats Kirchberg aufgehoben und der
beschwerdegegnerischen Bewerbergruppe den Zuschlag erteilt hat. Entsprechend den
vorstehenden Ausführungen, soll ein Vergabeentscheid einer Gemeinde erst dann
aufgehoben werden, wenn er sich mit sachlichen Gründen nicht mehr vertreten lässt.
Wie bereits dargelegt wurde, ist entgegen den vorinstanzlichen Erwägungen davon
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auszugehen, dass die Beschwerdeführer die Abschussvorgaben über die acht Jahre
insgesamt erfüllt haben, auch wenn ihr jagdliches Gebaren nicht in jeder Hinsicht
vollkommen überzeugt hat und die punktuelle Kritik des Amtes für Natur, Jagd und
Fischerei einige Berechtigung hat. Über die Erfüllung der Abschussvorgaben hinaus
können den Beschwerdeführern keine anderen schwerwiegenden Versäumnisse
vorgeworfen werden. Sodann weisen die Beschwerdegegner im Vergleich mit den
Beschwerdeführern, wie die Vorinstanz zutreffend erwogen hat, keine gewichtigen
Vorteile auf. Vor diesem Hintergrund kommt das Verwaltungsgericht zur Auffassung,
dass sich der Vergabeentscheid der Beschwerdebeteiligten entgegen der Auffassung
der Vorinstanz mit sachlichen Gründen rechtfertigen lässt. Wie vorstehend ausgeführt
wurde, soll das Finanzdepartement einen Pachtentscheid nicht schon dann aufheben,
wenn es als verfügende Behörde das Revier einer anderen Bewerbergruppe zugeteilt
hätte. Die Auffassung der Vorinstanz, wonach die Beschwerdebeteiligte die
Jagdausübung der Beschwerdeführer in der auslaufenden Pachtperiode nicht bzw.
falsch berücksichtigt habe, überzeugt mit Blick auf die vorstehenden Ausführungen
nicht. Folglich hat die Vorinstanz das ihr zustehende Ermessen verletzt, indem sie den
Pachtentscheid der Beschwerdebeteiligten aufgehoben hat. Die Beschwerde ist
gutzuheissen und der angefochtene Entscheid aufzuheben. Bei dieser Ausgangslage
kann offenbleiben, ob die Doppelpächter entsprechend der vorinstanzlichen Praxis
beim blossen Vergleich der Anzahl Jäger je Bewerbergruppe nur zur Hälfte oder wie die
Beschwerdeführer geltend machen voll zu zählen sind.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdegegnern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP).
Zwar haben sie sich am Beschwerdeverfahren nicht beteiligt, indes haben sie als
ehemalige Rekurrenten auch im Beschwerdeverfahren, das von den ehemaligen
Rekursgegnern angestrengt wurde, als "Verursacher des Verfahrens" und damit als
"notwendige Streitbeteiligte" zu gelten. Als solche können sie sich lediglich durch den
Verzicht auf eine Antragstellung nicht vom Kostenrisiko befreien (vgl. R. Hirt, Die
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St.
Gallen 2004, S. 82 zur Praxis des Verwaltungsgerichts beim Baugesuchsteller). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 3'000.-- für das Beschwerdeverfahren (inkl. Verfügung vom
22. April 2008) ist angemessen (Ziff. 381 und 382 Gerichtskostentarif, sGS 941.12). Die
Beschwerdegegner haften solidarisch (Art. 96bis VRP). Der Betrag wird gesamthaft bei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/14
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Z. erhoben. Den Beschwerdeführern ist der einbezahlte Kostenvorschuss von Fr.
3'000.-- zurückzuerstatten.
Die amtlichen Kosten für das Rekursverfahren von Fr. 2'000.-- sind unter Anrechnung
des geleisteten Kostenvorschusses von Fr. 1'000.-- gestützt auf Art. 95 Abs. 1 VRP
ebenfalls den Beschwerdegegnern unter solidarischer Haftung aufzuerlegen (Art. 96bis
VRP; Hirt, a.a.O., S. 103).
Die obsiegenden Beschwerdeführer werden im Beschwerdeverfahren durch eines ihrer
Mitglieder vertreten. Sie haben nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung für
das Beschwerdeverfahren lediglich Anspruch auf eine Umtriebsentschädigung (Art. 98
Abs. 1 in Verbindung mit Art. 98bis VRP; Hirt, a.a.O., S. 200 mit weiteren Hinweisen;
VerwGE vom 3. April 2008 i.S. Bewerbergruppe Sch.). Eine Umtriebsentschädigung
von Fr. 300.-- ist angemessen. Die Beschwerdegegner haften solidarisch (Art. 98ter
VRP in Verbindung mit Art. 271 Zivilprozessgesetz, sGS 961.2).
Für das Rekursverfahren sind keine Entschädigungen zuzusprechen, nachdem im
Verfahren vor Finanzdepartement keine Entschädigungsbegehren gestellt wurden.
Demnach hat das Verwaltungsgericht