# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 79347af7-1a5c-4003-903d-0e5d5d17fbbb
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961,
Contact
-Center-Mitarbeiterin bei der
Y._
SA, meldete sich am 20. Mai 2010 unter Hinweis auf Kopf- und Nackenschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten,
Vergesslichkeit,
Schmerzen im linken Arm, Taubheitsgefühle und Kraftlosigkeit in diversen Fingern,
Seh
schwierigkeiten
(
linkes Auge) und ein
Lähmungsgefühl in der linken
Gesichts
hälfte
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 8/7). Die Versicherte hatte am 12. Dezember 2009 als Fahrerin eines Autos einen Unfall (Kollision von zwei Automobilen) erlitten (vgl. dazu auch das heutige unfall
versicherungsrechtliche Urteil UV.2013.00213
; Urk. 8/27/161
).
Nach entsprechenden erwerblichen und medizinischen Abklärungen (
Beizug
der SUVA-Akten sowie Einholung eines polydisziplinären Gutachtens beim
Z._
[Gutachten vom 18. März 2013; Urk. 8/94/1-41
; nachfolgend:
Z._
-Gutachten]) sowie nach Durchführung des
Vorbescheid
ver
fah
rens
(vgl. Urk. 8/98-115) verneinte die Sozialversicherungsanstalt des Kan
tons Zürich, IV
Stelle, den Rentenanspruch der Versicherten mit Verfügung vom
18. Dezember 2013 (Urk. 2 = Urk. 8/119) gestützt auf einen
rentenaus
schlies
sen
den
Invaliditätsgrad von 10 %.
2.
Dagegen liess die Versicherte mit Eingabe vom 3. Februar
2014 (Urk. 1) Be
schwer
de erheben mit folgenden Anträgen:
1.
Es sei der Beschwerdeführerin eine IV-
Viertelsrente
zuzuspre
chen.
2.
Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin mit der Auflage zurückzuweisen, ein Dritt- oder Obergutachten über die Arbeits- resp. Erwerbsfähigkeit der Beschwerdeführerin einzu
holen und sodann neu über den IV-Grad zu entscheiden.
3.
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zzgl.
MWSt
zulas
ten der Beschwerdegegnerin.
Die IV
Stelle schloss in ihrer Beschwerdeantwort vom 4. März 2014 (Urk. 7) auf Abweisung der Beschwerde
und reichte den im Auftrag der involvierten
Motor
haftpflichtversicherung
erstellten Observationsbericht ein (Urk. 9). Davon wurde der Beschwerdeführerin am 13. März 2014 Kenntnis gegeben (Urk. 10).
Auf die Ausführungen der Parteien ist, soweit für die
Entscheidfindung
erfor
der
lich, in den Erwägungen einzugehen.
3.
Die Helsana Unfall AG stellte mit Verfügung vom 22. März 2012 die Taggeld- und Heilbehandlungsleistungen per Ende Februar 2012 ein und wies die dage
gen erhobene Einsprache der Versicherten ab. Die dagegen am 16. September
2013 erhobene Beschwerde hat das hiesige Gericht mit heutigem Urteil abge
wiesen (Prozess Nr. UV.2013.00213).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beein
trächtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie kör
perliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen
Ge
sundheitsschadens
und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv be
stimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Er
werbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beein
trächtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur so
weit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertels
rente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit
bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog.
Invalideneinkom
men
),
in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der
Einkom
mensver
gleich
hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die b
eiden hypo
thetischen
Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und ei
nander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der
Invaliditäts
grad
bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des
Einkommensver
gleichs
; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vor
akten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zu
sammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuch
tet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin führte zur Begründung der angefochtenen Verfügung vom 18. Dezember 2013 (Urk. 2)
aus, dass
die Beschwerdeführerin ab Juni 2010 sowohl in ihrer angestammten Tätigkeit als Call Center Agent als auch in jeder anderen angepassten Tätigkeit wieder zu 90 % (Pensum 100 % / Leistung 90 %) arbeitsfähig sei. Für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 % sei die schmerzbedingte leichte neuropsychologische Störung verantwortlich. Eine höhe
re Arbeitsunfähigkeit sei ab Juni 2010 aus medizinischer Sicht nicht nach
vollziehbar. Dabei sei auf das
Z._
-Gutachten abzustellen, das alle
beweismässi
gen
Anforderungen erfülle. Es ergebe sich ein rentenausschliessender
Invalidi
tätsgrad
von 10 %.
2.2
Demgegenüber liess die Beschwerdeführerin im Wesentlichen geltend machen
(Urk. 1)
, dass
mit Blick auf die seit August 2012 von Hausarzt und Psychiater fortlaufend bescheinigte Arbeitsunfähigkeit von 40 %, aber auch aufgrund der Beurteilung des Arbeitgebers im praktischen Einsatz vor Ort
,
ihr Arbeitspensum per 1. Juli 2013 definitiv auf 60 % reduziert worden sei (S. 5). Auf das
Z._
-Gutachten könne nicht abgestellt werden, denn es basiere auf den Untersuchun
gen von lediglich etwas mehr als einem Tag. Dabei habe es sich um einen „guten Tag“ der Beschwerdeführerin gehandelt.
Zudem weise das
Z._
-Gut
ach
ten fachliche Mängel auf. Es sei in Unkenntnis der Stellungnahme der Gutachter
vom
A._
erstellt worden, weshalb es nicht in Kenntnis aller relevanten
Vorakten
erstellt worden sei. Es sei daher unvollständig und demzufolge unbeachtlich. Demgegenüber beruhten die Beurteilungen und Einschätzungen des Hausarztes und der
B._
auf langjährigen Beobac
htungen (S. 5 f.). Es müsse daher entweder auf die Majorität der ärztlichen
Meinungen abgestellt werden, oder es sei der Fall zur Einholung eines Dritt- oder
Obergut
achtens
an die
Beschwer
de
gegnerin
zurückzuweisen. Eine reine Ergänzung des
Z._
-Gutachtens wäre nicht zulässig, da die Gutachter befangen erscheinen würden. Sie hätten klar erken
nen lassen, dass sie ihre Beurteilung nicht unvor
eingenommen, sondern mass
geblich beeinflusst durch den
Überwachungsbe
richt
der
C._
und kolle
gi
a
len „Verrissen“ der interessenbelasteten Ver
trauensärzte der Unfall- res
pektive der Haftpflichtversicherung vorgenommen hätten (S. 7).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin den Rentenanspruch der Beschwerdeführerin zu Recht verneint hat.
3.
3.1
Der Neurologe
Dr.
med.
D._
,
Dr.
med.
E._
, Facharzt FMH für Psy
chiat
rie
und Psychotherapie
,
und
der Neuropsychologe
lic
. phil.
F._
vom
A._
hielten in ihrem
- im Auftrag der zu
ständigen Unfallversicherung
, der Helsana Unfall AG,
erstellten -
Gutachten (
A._
-Gutachten) vom 22. September 2011 (Urk.
8/58
; vgl. auch die
Teilgut
achten
[ebenfalls unter
Urk. 8/58
geführt]) folgende Diagnosen fest (S. 29 f.):
Neurologische Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Chronische Neuropathie
N.
ulnaris
links infolge Prellung des Nervs im
Sulcus
N.
ulnaris
bei vorgeschädigtem
N.
ulnaris
links (chroni
sches posttraumatisches
N.
ulnaris
Syndrom links mit neuropathi
schen Schmerzen im Bereich des linken Ellbogens mit leichten sensiblen und wahrscheinlich diskreten motorischen Defiziten).
-
Persistierendes
postcommotionelles
Syndrom mit leichten neuropsy
chologischen und affektiven Störungen, Kopf-, Gesichts- und Nackenschmerzen und erhöhter Ermüdbarkeit.
ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
Leichtes
zerviko-zephales
Syndrom
Neuropsychologische Diagnosen
-
Leichte Hirnfunktionsstörung
Rheumatologische Diagnosen
mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit
keine
[...]
Psychiatrische Diagnosen
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychi
schen Fak
toren ICD-10 (GM 2009)
F45.41
-
mit dysfunktionalen Durchhaltestrategien/Ignorieren der Schmerzen sowie ängstlichen Begleitsymptomen in der Folge des Unfalls vom 12.12.2009
-
Reak
tive depressive Störung, ICD-10
F32.0
-
aktuell leichtgradig, reaktiv auf den Unfall und seine
lebens
verändernden
Folgen
-
Status nach
früheren depressiven Reaktionen (Ehekrise, Scheidung, Überforderung mit autistischem Sohn)
-
Psychoorganisches Syndrom n
ach Schädel-Hirn-Trauma, ICD-10
F07.2, leichtgradig
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
-
Emotional-expressive Persönlichkeit mit Selbstwertstabilisierung über Leistungsorientierung
-
Differentialdiagnose:
subsyndromale
ADHS F90.0 (Hyperaktivität, Impulsivität, emotionale Instabilität) oder akzentuierte
Persön
lich
keitszüge
, ICD-10
Z73
Die
Gutachter führten zudem aus, dass die
erheblichen Verletzungen, welche die
Beschwerdeführerin anlässlich des Unfalls vom 12. Dezember
20
09 erlitten habe
,
dauerhafte leichte kognitive Störungen
hinterlassen hätten
. Sie seien mehreren Ursachen zuzuschreiben. Im Vordergrund stehe das persistierende
postkommo
tionelle
Syndrom. Dieses sei durch den Kopfanprall verursacht wor
den und werde
von Kopf- und Gesichtsschmerzen links begleitet. Zusätzlich be
hinderten Nacken
- und linke Armschmerzen die neuropsychologischen Leistun
gen. Die Unter
su
chung des Achsenskeletts habe keine Hinweise auf eine
unfall
bedingte
Verletz
ung ergeben, welche die Nackenschmerzen begründen würde. Hingegen liessen sich die Schmerzen im linken Arm auf die Prellung des
N.
ulnaris
am linken Ellbogen zurückführen. Aus somatischer Sicht sei die Be
schwerdeführerin im
Alltag durch die kognitiven Störungen und die
schmerzbe
dingt
verminderte kör
perliche Belastung beeinträchtigt, aus psychiatrischer Sicht durch Schmerzen,
affektive Störungen und Störungen der emotionalen Regulation, welche die Schmerz
bewältigung beeinträchtigten. Aus somatischer Sicht erscheine ein 80%iges Arbeitspensum zumutbar. Aus psychiatrischer Sich liege die zumutbare Arbeitsfähigkeit bei einem 60%-
Pensum
(S. 42).
3.2
Dr.
med.
G._
, Facharzt FMH für Innere Medizin und Rheumatologie, beraten
der Arzt der Helsana Unfall AG,
äusserte sich am 23. November
2011 (Urk. 10/M35
im Prozess UV.2013.00213
) kritisch zum
A._
-Gutachten. Er be
zeichnete es als widersprüchlich und nicht nachvollziehbar. Die motorischen Störungen im linken Arm würden das
ulcus
ulnaris
Syndrom betreffen, welches
vorbestehend sei und höchstens möglicherweise durch den Unfall
exazerbiert
hab
e
. Die Hirnfunktionsstörungen würden geringe neuropsychologische patho
lo
gische Te
stergebnisse betreffen
mit einer Überlagerung durch eine depressive Problematik mit einer psychiatrischen Diagnose. Es sei zwar möglich, dass tat
sächlich eine organische Hirnverletzung stattgefunden habe, das sei aber nicht gesichert. Für eine organische Hirnverletzung lägen keine Beweise vor; das MRI des Schädels sei unauffällig und zeige keine Läsion (S. 3). Das
Computertomo
gramm
und das konventionelle Röntgenbild der Halswirbelsäule seien unauffäl
lig gewesen. Es gebe keine Hin
weise auf
In
stabilitäten
, so dass mit Blick auf die Schmerzverarbeitungsstörung keine zusätzliche MRI-Untersuchung indiziert sei. Die unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit sei, wenn überhaupt, durch die neuropsy
chologischen Defizite eingeschränkt. Da die neuropsychologischen Defizite auch psychiatrisch überlagert seien, könne davon ausgegangen werden, dass allein
somatisch unfallbedingt eine höhere als eine 80%ige Arbeitsfähigkeit respektive
eine volle resultiere (S. 4). Das
A._
-Gutachten sei nur bedingt verwertbar (S.
5).
3.3
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Innere Medizin, beratender Arzt der zuständigen Haftpflichtversicherung (Mobiliar),
führte in seinem Bericht vom 28. November 2011 (Urk. 10/M37
im Prozess UV.2013.00213
) aus, dass das
A._
-Gutachten widersprüchlich und nicht sorgfältig erstellt sei: Es werde allein aufgrund der
Aussagen der Beschwerdeführerin, wonach die Nackenbeschwerden vor dem Unfall auf einem tieferen Niveau gelegen hätten, auf eine richtungsgebende Ver
schlimmerung geschlossen. Gleichzeitig sei festgestellt worden, dass es kein ob
jek
tiviertes strukturelles Organkorrelat einer unfallbedingten Läsion an Nacken oder Kopf gebe. Die Meinung des rheumatologischen Fachgutachters, wo
nach es überhaupt keine Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gebe, finde
kurioserweise keine Berücksichtigung in der interdisziplinären Schlussfolge
rung
. Obschon die Gutachter gewusst hätten, dass eine psychische Störung seit etwa 1998 bekannt sei, hätten sie sich nicht um entsprechende Akten bemüht (S. 13). Der beteiligte Psychiater habe Privatdiagnosen gestellt, die nicht der ICD-10-Klassifikation oder einer anderen anerkannten Klassifika
tion entsprächen. Es sei kein objektives strukturelles Korrelat einer Verletzung der Halswirbelsäule, ihrer Begleitstrukturen oder des Gehirns objektiviert wor
den; trotzdem sei der
Inte
gritätsschaden
geschätzt worden, obwohl die gut
achterlichen Therapieoptionen nicht ausgeschöpft seien. Im Hinblick auf die postulierte Verletzung des
Nervus
ulnaris
hätten die Gutachter ebenfalls auf die Überprüfung der
Vorakten
ver
zich
tet (S. 14).
3.4
Nachdem die zuständige Haftpflichtversicherung
Dr.
H._
das erstellte
Ob
ser
vationsmaterial
zugestellt hatte, nahm dieser am 9. Februar 2012
erneut
Stellung (Urk. 10/M39
im Prozess UV.2013.00213
). Insbesondere erörterte
er
, ob zwischen dem in den Beobachtungsvideos feststellbaren Verhalten der Be
schwerdeführerin einerseits und den von ihr im Rahmen des
A._
-Gutachtens geklagten Beschwerden beziehungsweise den von den
A._
-Gutachtern fest
gestellten Einschränkungen
andererseits Diskrepanzen bestand
en (S. 1
7 f.
).
Dr.
H._
hielt diesbezüglich fest, dass sich aus den Videobeobachtungen ab
leiten lasse, dass die Beschwerdeführerin einen dynamischen Alltag lebe. Sie ziehe sich nicht zurück. Es bestünden keinerlei Hinweise auf eine soziale Des
in
te
gration oder gar auf einen kompletten sozialen Rückzug. Die Beschwerde
führerin sei fähig, Freude auszudrücken.
Das lasse
Zweifel aufkommen, ob die diagnostizierte „reaktive depressive Störung“ überhaupt zutreffen könne. Was die von der Beschwerdeführerin geltend gemachten und von den
A._
-Gut
ach
tern teilweise übernommenen Schmerzangaben und d
i
e sich daraus erge
benden
Einschränkungen betreffe, erschliesse sich aus der Videobeobachtung, dass zahl
reichen Angaben der Beschwerdeführerin im Widerspruch zum tat
sächlich beob
achtbaren Verhalten stünden (S. 16). Sie trage oft problemlos Schuhe mit hohen Absätzen (5 bis 7 cm). Sie könne sich sehr weit nach unten beugen, um etwas Heruntergefallenes aufzuheben. Sie könne sehr schnell auf
stehen und ihren Rücken begradigen. Sie zeige in mehreren Szenen, dass sie ihren Rücken fast bis in die waagrechte Position beugen könne, was einer sehr guten Beweglichkeit entspreche. Die Angabe der Beschwerdeführerin, sie könne Gegenstände über 1 kg nicht tragen, sei offenkundig falsch. Bei einem Einkauf in einem ALDI-Supermarkt sortiere die Geschädigte mit tiefer Beugung ihres Rückens
Einkaufs
waren
in einem Einkaufssack, den sie nachher selbst wegtrage. Dieser Sack wiege sicher mehr als 1 kg. Ihren Kopf trage sie frei; sie bewege ihn frei und sei in der Lage, extreme Bewegungen ohne Probleme auszuführen. Die Beschwer
deführerin fahre sehr viel mit dem Auto und scheine sich im Verkehr auf
merk
sam zu verhalten. Allfällig noch bestehende kognitive Defizite hätten beim Auto
fahren keine Auswirkungen. Insbesondere beim Autofahren, zum Beispiel beim Ausparkieren zeige die Beschwerdeführerin wiederholt, dass die
Kopfbe
weglichkeit
völlig uneingeschränkt sei. Sie habe zu keinem Zeitpunkt
Schon
hal
tungen
, schmerzbedingte Einschränkungen oder irgendeine Behinde
rung gezeigt
; vielmehr bewege sie sich stets geschmeidig, oft zügig und schnell. Auch die Ellenbogenbeweglichkeit links und rechts sowie die beidseitige
Schul
terbe
weg
lichkeit
zeig
t
e
n
keinerlei Einschränkungen. Im Alltag präsentiere die Beschwer
de
führerin - sich unbeobachtet wähnend - nicht eine einzige der Be
hinde
rungen, die sie gegenüber den Gutachtern geklagt habe (S. 17). Wahr
scheinlich liege eine Aggravation vor. Die Beschwerdeführerin übertreibe die Beschwerden bewusst und zweckgerichtet. Ziel sei offenkundig die Durchset
zung von Begeh
ren gegenüber den Versicherungen. Offensichtlich seien die Beschwerden (sofern
überhaupt vorhanden) überwindbar (S. 18). Gestützt auf die
Videobeobach
tung
en
ergebe sich, dass keine sichtbaren somatischen oder psychischen Einschrän
kungen der Arbeitsfähigkeit vorhanden seien (S. 19).
3.5
In ihrem Bericht vom 29. November 2012 (Urk.
8/106
) bezogen
Dr.
D._
und
Dr.
E._
zur an ihrem Gutach
ten
erhoben
en Kritik Stellung und äusser
ten sich auch zu den Ergebnissen der Observation: Insgesamt vertraten sie die Auffassung, dass die Observationsbe
obachtungen nicht im Widerspruch zu den von der Beschwerdeführerin ge
machten Aussagen und den klinischen Beobach
tungen während der Begutach
tung stünden. Die von
Dr.
G._
und
Dr.
H._
erhobene Kritik an ihrem Gut
achten wiesen sie zurück.
3.6
Prof.
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Allgemeine Innere Medizin,
Dr.
med
.
J._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
Dr.
med.
K._
, Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie,
Dr.
med.
L._
, Facharzt FMH für
Neurologie, und der Neuropsychologe
lic
. phil.
M._
hielten in ihrem Gut
achten
vom 18. März
2013 (Urk.
8/94
;
Z._
-Gutachten) folgende Diagnosen fest (S. 36 f.):
Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
Chronisches
zervikovertebrales
Schmerzsyndrom (ICD-10 M54.2)
-
Status nach PKW-Kollision am 12.12.09 mit frontaler Schädel- und
Thoraxprellung
, linksseitiger Ellbogen- und Kniekontusion sowie Handgelenksdistorsion
-
radiologisch unauffälliger Befund der HWS (Röntgen CT 12.12.09 und Röntgen 27.06.11)
-
praktisch freie Beweglichkeit der Halswirbelsäule
-
leichte neuropsychologische Störung infolge Schmerzen
Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit
1.
Leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0)
2.
Zöliakie (ICD-10 K90.0)
3.
Fortgesetzter Nikotinkonsum, schädlicher Gebrauch (ICD-10 F17.1)
4.
Konstitutionell vermehrte
Bandlaxizität
(ICD-10 M35.7)
5.
Hallux
valgus
und Spreizfuss beidseits (ICD-10 M21.07/M21.87)
6.
Anamnestisch Status nach Lumbalgie bis etwa 1995 (ICD-10
M54.5)
7.
Leichte
Ulnarisneuropathie
links (ICD-10 G56.2)
Aus neurologischer Sicht könne davon ausgegangen werden, dass die Be
schwer
deführerin anlässlich des Unfalls vom 12. Dezember 2009 eine leichte Commotio cerebri erlitten habe. In einem im Februar 2010 durchgeführten MRI des Schädels hätten keine posttraumatischen Läsionen objektiviert werden
können. Es könne davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin eine
traumatische Hirnverletzung mit moderatem Schweregrad (initiale Desorientie
rung auf der Notfallstation) erlitten habe. Aktuell könne ein leichtes
tendomyo
pathisches
zervikales Schmerzsyndrom ohne
radikuläre
Reiz- beziehungsweise
sensorische
Ausfallsymptomatik objektiviert werden. Für das Taubheitsgefühl im Bereich des Klein- und Ringfingers sei eine leichte
Ulnarisneuropathie
links verantwortlich, welche aber gemäss aktueller neurologischer Einschätzung nicht zu einer Einschränkung der Arbeitsfähigkeit führe. Aus orthopädischer Sicht sei
vom Vorliegen eines chronischen
zervikovertebralen
Schmerzsyndroms bei prak
tisch freier Beweglichkeit der Halswirbelsäule auszugehen. Aus orthopädi
scher Sicht bestehe für die aktuell ausgeübte wie auch für jede andere körper
lich leichte bis mittelschwere Tätigkeit unter Wechselbelastung eine zeitlich und
leis
tungsmässig
uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit. Aufgrund einer in der neu
ropsychologischen Untersuchung fassbaren leichten neuropsychologischen,
schmerz
bedingten
Störung bestehe eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von
10 %. Hingegen w
erde die Arbeitsfähigkeit
durch die diagnostizierte leichte depressive Episode
nicht
beschränkt. Auch wenn eine gewisse Diskrepanz zwi
schen dem Ausmass der subjektiv geklagten Beschwerden und den objektivier
baren Befunden bestehe, könne keine Diagnose einer anhaltenden somato
formen Schmerzstörung gestellt werden. Vielmehr müsse vom Vorliegen einer Schmerzausweitung ausgegangen werden. In der polydisziplinären
Konsensbe
sprechung
sei man zum Schluss gekommen, dass sowohl in der aktuell ausge
übten als auch in jeder anderen körperlich leichten bis zumindest mittelschwe
ren Tätigkeit unter Wechselbelastung, ohne häufiges Heben und Tragen von Lasten über 15 kg, seit Anfang Juni 2010 eine 90%ige Arbeits- und Leistungs
fähigkeit bestehe. Für die Einschränkung der Arbeitsfähigkeit von 10 % sei die schmerzbedingte leichte neuropsychologische Störung verantwortlich (S. 37 f.).
3.7
Dr.
med.
N._
, Ärztlicher Direktor der
B._
,
diagnostizierte in seinem Bericht vom 13. Juli
2012 (Urk. 3/7
im Prozess UV.2013
.00213
) ein chronisches Schmerz- und Vegetativsyndrom nach
Unfall
ereignis
, eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (F45.4) mit Elementen von somatoformen autonomen Funktionsstörungen (F45.30), eine
Anpassungs
störung
mit gemischter ängstlicher, dissoziativer und depressiver Reaktion (F43.22) sowie eine emotionale Instabilität. Er erachte die Beschwerdeführerin
als
zu 50 % arbeitsfähig. Zu empfehlen sei eine Kombination von interdiszipli
närer Schmerztherapie und von psychiatrisch-psychotherapeutischen Behand
lungen. Falls die notwendigen Settings stabil installiert werden könnten, sei prognostisch eine gesundheitliche Besserung anzunehmen.
3.8
Die Psychologin
O._
, Oberärztin
Dr.
med.
P._
, der Leitende Arzt
Dr.
med.
Q._
und Chefarzt
Dr.
med.
R._
von der Klinik
S._
führten in ihrem Bericht vom 7. Februar 2013 (Urk. 3/2
im Prozess UV.2013.00213
) aus, dass die Beschwerdeführerin unter einer rezidivierenden depressiven Episode (gegenwärtig leicht- bis mittelgradige Ausprägung) im Zusammenhang mit seit längerem andauernden chronischen Schmerzen infolge
eines Autounfalls leide. Der Aufenthalt habe zu einer Verbesserung der psychischen Stabilität geführt, aber die Beschwerdeführerin habe sich entgegen der vorgeschlagenen Verlän
gerung der Rehabilitation zu einem vorzeitigen Austritt entschieden (S. 3).
3.9
Dr.
H._
äusserte sich in seinem Bericht vom 24. Juli
2013 (Urk. 21/2
im Pro
zess UV.2013.00213
), in dem er
zum
Z._
-Gutachten
Stellung
nahm, dahinge
hend, das
s
seine Feststellungen, die
er
bei Betrachtung des Überwachungsvideos gemacht habe, durch die
Z._
-Gutachter bestätigt worden seien. Insgesamt gelte, dass der Status quo ante/sine per 31. Mai 2010 erreicht worden sei. Die verblie
bene Restarbeitsunfähigkeit von 10 % wegen
geringgradiger
neurokognitiver Defizite könne nicht ursächlich auf den erlittenen Unfall zurückgeführt werden, da eine hirnorganische unfalltraumatische Läsion durch eine objektivierende Untersuchung (MRI Schädel) habe ausgeschlossen werden können (S. 19).
3.10
Hausarzt
Dr.
med.
T._
, Allgemeine Medizin FMH, hielt in seinem Bericht vom 4. September 2013 (Urk. 3/4
im Prozess UV.2013.00213
) fest, dass die leider eingetretene
Chronifizierung
der linksseitigen Kopfschmerzen die Beschwerde
führerin wirklich stark beeinträchtige und zum grossen Schmerzmittelkonsum führe. Er erachte die Beschwerdeführerin als tapfere Kämpferin, die ihren Arbeitsplatz schätze und ihn bewahren möchte. Die Arbeitsfähigkeit von 50 %, dann 60 % habe nicht weiter gesteigert werden können. Die psychosozialen Belastungsfaktoren als alleinerziehende Mutter eines äusserst schwierigen, an der
Asperger
-Krankheit leidenden Sohnes hätten ihr sicher noch zusätzlich Kräfte geraubt. Zusammenfassend fände er die Beurteilung, dass die Beschwer
deführerin schon länger 100 % arbeitsfähig gewesen wäre, ungerechtfe
rtigt; das berücksichtige
ihre kritische Gesamtsituation
nicht
.
3.11
Dr.
med.
U._
, Fachärztin FMH für Physikalische Medizin und Rehabilita
tion, kam in
ihrem versicherungsmedizinischen
Aktengutachten vom 15. Febru
ar 2014 (Urk. 21/5
im Prozess UV.2013.00213
) zum Schluss, dass auf das
A._
-Gutachten nicht abgestellt werden könne. Auf orthopädisch-rheumatologischem Fachgebiet bestehe unter Berücksichtigung aller Gegebenheiten und Befunde kein Gesundheitsschaden, der versicherungsmedizinisch betrachtet eine dauer
hafte Limitierung der Arbeitsfähigkeit bezogen auf die zuletzt ausgeübte, eine allfällige Verweistätigkeit oder für die Tätigkeit als Hausfrau begründen könnte. Demzufolge könnten keine Diagnosen mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit erhoben werden. Festzuhalten seien jedoch unter anderem folgende Diag
nosen ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit: chronisches
zervikoverteb
rales
Schmerzsyndrom mit/bei chronischem Kopfschmerz vom Spannungstyp, tendenzieller Hypermobilität und radiologisch unauffälligem Befund der
Hals
wirbelsäule
sowie eine leichte
Ulnarisneuropathie
links (S. 67
f.). In Überein
stimmung mit der Einschätzung von
Dr.
H._
und insbesondere unter Be
rücksichtigung des Video-Beobachtungsmaterials sei davon auszugehen, dass sich
die Beschwerdeführerin namentlich anlässlich der Begutachtung beim
A._
zumindest stark selbstlimitiert habe. Allenfalls sei es durch den Unfall zu einer vorübergehenden Verschlimmerung eines Vorzustandes gekommen, je
doch aus
drück
lich nicht zu einer richtungsgebenden. So hätten zu keiner Zeit struk
tu
relle Organkorrelate einer unfallbedingten Läsion im Bereich des
Hal
tungs
- und Bewegungsapparates objektiviert werden können (S. 70).
3.12
Dr.
med.
V._
, Facharzt FMH für Neurologie, erörterte in seinem neurologi
schen
Aktengutachten vom 18. März 2014 (Urk. 21/3
im Prozess UV.2013.00213
), dass bei der Beschwerdeführerin keine Befunde vorhanden seien, die für das Vor
liegen einer leichten traumatischen Hirnverletzung („Mild
Traumatic
Brain
Injury
“
MTBI) beziehungsweise einer Commotio cerebri spre
chen würden. Des
halb sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszu
gehen, dass die Be
schwerdeführerin bei der Auffahrkollision vom 12. Dezember 2009 keine sub
stan
tielle, das heisse keine strukturell fassbare Hirnverletzung davongetragen habe. Zudem heile nach heutigem Kenntnisstand eine MTBI fol
genlos aus. Inso
fern sei die Diagnose eines „
postcommotionellen
Syndroms“ durch
Dr.
D._
in Kenntnis der unauffälligen Bildgebung und der cha
rakte
ris
tischerweise günstigen Prognose einer leichten traumatischen
Hirnver
letzung
(MTBI beziehungsweise Commotio cerebri) nach mehrjährigem Verlauf keines
wegs nachvollziehbar. Ausserdem erstaune die v
on den
A._
-Gutachtern ge
nannte
Diagnose eines organischen Psychosyndroms nach
Schädelhirn
trauma
, die in der
Diagnosenliste
gar nicht erwähnt worden sei. Die Annahme einer mittelschweren Hirnverletzung durch
Dr.
D._
könne unter Berücksichti
gung der etablierten Kriterien nicht nachvollzogen werden, zumal die Gradu
ie
rung „mittelschwer“ einen initialen Wert auf der Glasgow
Coma
Scale
von 9 bis 12 Punkten voraussetze, was bei der Beschwerdeführerin gemäss der
echtzeitli
chen
Dokumentation nicht der Fall gewesen sei. Bei fehlenden strukturellen posttraumatischen zerebralen Befunden in der geeigneten Bildgebung könnten auch die offenbar bis dato geklagten neuropsychologischen Beschwerden nicht mehr als organische Unfallfolge aner
kannt werden. Es seien nur noch leicht
gradige und insgesamt unspezifische Funktionsstörungen nachgewiesen worden;
zudem sei auf eine wahrscheinliche Schmerzassoziation
hingewiesen worden (S. 13-15).
3.13
Dr.
med.
W._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, führte in
seinem Aktengutachten vom 24. März
2014 (Urk. 21/4
im Prozess UV.2013.00213
)
aus, dass aus versicherungspsychiatrischer Sicht die diagnosti
zierte rezidivierende
depressive
Störung (ICD-10 F33) nachvollzogen werden könne. Hinsichtlich des Schweregrades lägen aber Differenzen vor. Differential
diagnostisch wäre auch an eine
Dysthymie
(ICD-10 F34.1) zu denken (S. 60)
, der aus versicherungspsychiatrischer Sicht keine Auswirkung auf die Arbeitsfähig
keit zukomme (S. 61)
. Des Weiteren könne auch die Diagnose einer
Anpas
sungsstörung
mit gemischter ängstlicher, dissoziativer und depressiver Reaktion (ICD-10 F43.22) im Zusammenhang mit anhaltendem
neuralgischen
Syndrom nach Verkehrsunfall am 12. Dezember 2009 sowie durch veränderte Lebensum
stände nach dem Auszug der Kinder und tendenzieller Isolation nachvollzogen
werden. Diese Störung sei definitionsgemäss als leichtgradig einzustufen; sie begründe aus versicherungspsychiatrischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit (S. 61 f.). Es lägen auch keine weiteren psychischen Störungen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vor; insbesondere liege mit überwiegender Wahrschein
lichkeit keine chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fak
toren (ICD-10 F45.41) vor (S. 62). Es sei festzuhalten, dass aufgrund der vor
handenen Akten und dem vorliegenden Observationsmaterial erhebliche Zweifel am Vorliegen einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psy
chische
n Faktoren, die eine erhebliche
Einschränkung im Alltag der Be
schwer
de
führerin begründeten, bestünden (S. 64).
Die Überlegungen von
Dr.
H._
seien aus versicherungspsychiatrischer Sicht durchgängig nachvoll
ziehbar und schlüssig (S. 68).
4.1
4.1.1
Vorauszuschicken ist, dass im vorliegenden Fall die medizinische Aktenlage sehr
umfangreich und aussagekräftig ist. Zwar vertreten - wie oben dargelegt wurde und nachfolgend zu diskutieren sein wird - nicht alle Ärztinne
n und Ärzte dieselben Meinungen
; dies ändert aber nichts daran, dass aus den Akten die notwendigen
Entscheidgrundlagen
gewonnen werden können. Es be
steht des
halb kein Anlass für weitere medizinische Abklärungen oder für den
Beizug
oder die Einholung weiterer Akten (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 124 V 94 E. 4b, 122 V 157 E. 1d).
Wie sich aus den vorstehend wiedergegebenen Gutachten und Berichten ergibt,
gab die Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin unter den
beteiligten medizinischen Experten und Expertinnen zu kontrovers geführ
ten Meinungsäusserungen Anlass. Dabei
schrieb
en die
A._
-Gutachter (vgl. E. 3.1 und E. 3.5), der behandelnde Psychiater
Dr.
N._
(vgl. E. 3.7) sowie die behandelnden Ärzte an der Klinik
S._
(vgl. E. 3.8) und der Hausarzt der Be
schwerdeführerin,
Dr.
T._
(vgl. E. 3.10),
den erhobenen
Gesundheitsbe
ein
träch
tigungen
einen erheblichen
Einfluss auf die Arbeitsfä
higkeit
zu
. Demgegenüber vertraten
Dr.
G._
(vgl. E. 3.2),
Dr.
H._
(vgl. E. 3.3, 3.4 und 3.9), die
Z._
-Gutachter (vgl. E. 3.6),
Dr.
U._
(vgl. E. 3.11),
Dr.
V._
(vgl. E. 3.12) und
Dr.
W._
(vgl. E. 3.13) die Auffassung, dass der Gesundheitszustand der Be
schwerdeführerin wesentlich besser sei, als er insbe
sondere im
A._
-Gutachten geschildert worden sei.
4.1.2
Bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin stützten sich die zweitgenannten Expertinnen und Experten auch auf die durch den
Über
wachungsbericht
vom 9. Dezember 2011 (Urk.
8/67/19-43; vgl. dazu auch
den qualitativ besseren Ausdruck des Berichts in den Akten der Unfallversiche
rung: Urk. 9/K379 im Prozess Nr. UV.2013.00213)
gewonnenen Erkenntnisse.
Aus der im Bericht enthaltenen Bilddokumentation ist unter anderem ersicht
lic
h, dass die Beschwerdeführerin nicht nur in der Lage ist, schwere Lasten zu tragen (S. 20), sondern auch auf Schuhen mit hohen Absätzen rennend die Strasse zu überqueren (S. 22) und beim Einkaufen ungünstige Körperpositionen einzu
nehmen (S. 23).
Die Erkenntnisse der Observation (Bericht und DVD) wurden in der Folge - wie ausgeführt - diversen Ärztinnen und Ärzten zur Beurteilung vorgelegt. Diesbe
züglich fällt auf, dass lediglich die
A._
-Gutachter der Ansicht waren, dass die
gewonnenen Erkenntnisse für die in ihrem Gutachten gezogenen Schlüsse irre
le
vant seien beziehungsweise nicht im Widerspruch zu ihnen stünden (vgl. E. 3.5).
Dass diese Einschätzung nicht zutreffend ist, ergibt sich jedoch aus ei
nem Ver
gleich zwischen den Aussagen im
A._
-Gutachten und den Fotos des
Obser
vationsberichts
. Im
A._
-Gutachten wurde ausgeführt, dass die Be
schwer
de
füh
rerin bei allen Tätigkeiten, die manuell beidhändig ausgeführt wer
den müssten
und zwingend eine Gewichtsbelastung des linken Arms von mehr als 3 kg er
for
derten, eingeschränkt sei. Namentlich erwähnt wird das Trag
en von
Ein
käufen (Urk. 8/58
S. 50). Auf Foto Nr. 6 des Obser
vationsberichts (Urk. 8/67/19-43
S. 20) ist hingegen ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin beidhändig und offen
sicht
lich mühelos eine gefüllte Kunststoff-Kiste sowie ei
nen gefüllten Sack zu einem Auto trägt. Dass dies mit den Folgerungen der
A._
-Gutachter, wonach nur noch armschonende Tätigkeiten zumutbar sind (Urk.
8/58
S. 48), nicht vereinbar ist, ist offensichtlich und wurde zu Recht ins
besondere auch von
Dr.
H._
thematisiert (vgl. E. 3.4). Nicht nachvollziehbar ist hingegen, wes
halb
die
A._
-Gutachter auch nach Kenntnis der
Observati
onsergebnisse
unver
ändert an ihren Einschätzungen festhielten, ohne sich mit den von den übrigen befassten Gutachtern diskutierten Fragen der Inkonsistenz zwischen den Anga
ben der Beschwerdeführerin und dem gezeigten Verhalten auseinanderzusetzen. Demgegenüber trugen die
Z._
-Gutachter,
Dr.
H._
,
Dr.
U._
,
Dr.
V._
und
Dr.
W._
den Ergebnissen der Observation Rech
nung, weshalb sich ihre Einschätzungen als nachvollziehbarer und überzeugen
der erweisen.
Entgegen der Darstellung der Beschwerdeführerin (Urk.
1 S.
7), führt die Kennt
nis des Observationsberichts nicht zur Befangenheit der
Z._
-Gutachter. Viel
mehr ist es
ein besonders ins Gewicht fallender Vorteil des
Z._
-Gutachtens, dass den
Z._
-Gutachtern von Anfang an die Ergebnisse der durchgeführten Observation zur Verfügung standen und sie ihre Beurteilungen somit in um
fassender Kennt
nis des Sachverhalts formulieren konnten, während die
A._
-Gutachter ihre Beurteilung abzufassen hatten, bevor der Observationsbericht
ver
fasst wurde. Es wurde bereits ausgeführt, dass die nachträgliche Versiche
rung
der
A._
-Gut
achter, wonach die Observation keine Ergebnisse zutage gefördert habe, die eine Neubeurteilung ihrer gutachterlichen Feststellungen erforderlich machten, nicht zu überzeugen vermag. Aus dem Gesagten folgt, dass vorliegend auf die Beur
teilungen und Einschätzungen im
Z._
-Gutachten abzustellen ist (vgl. E. 3.6).
Dem
Z._
-Gutachten, das sämtliche in E. 1.5 wiedergegebenen Anforderungen an ein Gutachten erfüllt, kommt volle Beweiskraft zu.
Daran vermögen die von der Beschwerdeführerin gegen das
Z._
-Gutachten erhobenen Rügen (Urk. 1 S. 6 f.) nichts zu ändern.
Was die
von ihr
bemängelte
Dauer der
durch
die
Z._
-Gutachter
vorge
nomme
nen Untersuchung anbelangt
(„lediglich etwas mehr als ein Tag“; Urk. 1 S. 6)
, ist festzuhalten, dass es nach der Rechtsprechung für den Aussagegehalt einer medizinischen Berichterstattung grundsätzlich nicht auf die Dauer der jewei
ligen Untersuchung ankommt. Massgebend ist in erster Linie vielmehr, ob die darauf basierenden ärztlichen Folgerungen inhaltlich vollständig und im Ergeb
nis schlüssig sind (Urteile des Bundesgerichts 9C_252/2012 vom 7. September 2012 E. 8.2 und 9C_330/2011 vom 8. Juni 2011 E. 5 mit Hinweisen).
Davon ist hier auszugehen, wie vorstehend bereits dargelegt wurde. Die vom behan
deln
den Dr.
N._
formulierte Kritik am
Z._
-Gutachten (Urk. 8/114 S. 2 f.) führt zu keinem anderen Schluss. Einerseits verkennen seine Einwendungen zur
Anzahl der Untersuchungstermine offenbar die im Rahmen der
Beweiswürdi
gung
relevante Verschiedenheit von Behandlungsauftrag einerseits und
Begutach
tungs
auftrag
andererseits (Urteil des Bundesgerichts 9C_629/2012 vom 31. Oktober 201
2 E.
2.2 mit Hinweisen). Und anderseits übersieht er, dass es i
m Ermessen des Experten
liegt
,
ob er
seiner Begutachtung Tests zugrunde legt (Urteil 8C_
768/2012 vom 24. Januar
2013 E.
3 mit weiteren Hinweisen
). Die
versiche
rungs
rechtliche
Würdigung der Diagnosen durch die
Z._
-Gutachter kann sodann
entgegen Dr.
N._
keinesfalls als Mangel an der Expertise des
Z._
betrachtet werden, zumal von verschiedenen Seiten die Frage der Aggravation aufge
worfen wurde. Die Ausführungen von Dr.
N._
sind deshalb nicht geeignet, das
Z._
-Gutachten in Zweifel zu ziehen. Ebenso wenig ist allein die Unkenntnis
der Stellungnahme der
A._
-Gutachter vom 29. November
2012 (E.
3.5) geeig
net
, dem
Z._
Gutachten den Beweiswert abzusprechen, da die
A._
-Gutachter darin ihre ursprünglichen Feststellungen (E. 3.1) zur Hauptsache bestätigten.
4.1.3
Demzufolge ist
gestützt auf die Einschätzungen der
Z._
-Gutachter (vgl. E. 3.6)
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
als
erstellt
anzusehen
, dass die
Be
schwerdeführerin sowohl in der aktuell ausgeübten als auch in jeder anderen
körperlich leichten bis zumindest mittelschweren Tätigkeit unter
Wechselbelas
tung
, ohne häufiges Heben und Tragen von Lasten über 15 kg, seit Anfang Juni 2010 zu 90 % arbeits- und leistungsfähig ist.
4.2
4.2.1
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des
Einkom
mens
vergleichs
gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art.
16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Mass
gabe der
im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annäh
e
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorge
nommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser
Pro
zentzahlen
genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypotheti
sche Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das
Inva
liden
ein
kommen
auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog.
Pro
zent
ver
gleich
; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E.
10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E.
3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Mass
gabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hypothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges
Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die kon
kre
ten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und
Inva
liden
ein
kommen
die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenz
wert
e von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs.
2 IVG) eindeutig über- oder untersch
r
ei
tet (Urteil des Bun
desgerichts 8C_333/2013 vom 11.
Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
4.2.2
Angesichts dessen, dass es der Beschwerdeführerin aus medizinischer Sicht zu
mut
bar wäre
,
in ihrem angestammten (und im Übrigen weiterhin ausgeübten) Beruf aus gesundheitlichen Gründen mit einem Pensum von 90 % zu arbeiten,
ergibt sich ohne Weiteres eine gesundheitsbedingte Einschränkung von 10 % und
somit ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 10 %. Demzufolge erweist sich die Beschwerde als unbegründet und ist somit abzuweisen.
5.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 800.
festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).