# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ed8020d6-eb64-52af-85dd-3817505e29eb
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdeführer ist einziges Verwaltungsratsmitglied der B._ AG, in
deren Eigentum die Parzellen Twann-Tüscherz Grundbuchblatt Nr. C._ und
D._ stehen. Die Beschwerdegegnerin ist Eigentümerin der Nachbarparzelle Nr.
A._. Die Parzellen liegen in der Bauzone D bzw. in Sektor G des
Uferschutzplanes. Mit Schreiben vom 20. Januar 2011 informierte der Beschwerdeführer
die Gemeinde Twann-Tüscherz über mehrere bauliche Vorkehren auf dem Grundstück der
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Beschwerdegegnerin, die seines Erachtens zu Unrecht ohne Baubewilligung ausgeführt
worden waren. Am 15. August 2013 führte die Gemeinde einen Augenschein durch. Mit
Verfügung vom 3. September 2015 forderte die Gemeinde die Beschwerdegegnerin auf,
den Metallzaun an der Grenze zu Parzelle Nr. C._ auf eine Höhe von maximal
1.20 m rückzubauen. Gleichzeitig wies sie auf die Möglichkeit eines nachträglichen
Baugesuchs hin und drohte die Ersatzvornahme und eine Busse bei Nichtbefolgung an.
Die Beschwerdegegnerin verzichtete auf die Einreichung eines nachträglichen
Baugesuchs. Betreffend die übrigen baulichen Vorkehren (Autounterstand, Bootskran und
Kinderschaukel, Strassenentwässerung und Modifikation des Hauptgebäudes) ergriff die
Gemeinde keine Massnahmen.
2. Gegen diese Verfügung reichte der Beschwerdeführer am 7. Oktober 2015
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Er
beantragt, die Verfügung sei aufzuheben.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht
vernehmen. Die Gemeine Twann-Tüscherz stellte keinen Antrag. Der Beschwerdeführer
reichte am 10. Dezember 2015 die Kostennote mit weiteren Anträgen ein. Auf die
Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a) Gemäss Art. 49 Abs. 1 BauG2 können baupolizeiliche Verfügungen nach Art. 45 bis
48 BauG innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Beschwerde bei der BVE angefochten werden.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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Der Beschwerdeführer ist als Anzeiger durch die angefochtene Verfügung beschwert und
daher zur Beschwerde legitimiert.
b) Weder der Beschwerdeführer noch die Beschwerdegegnerin beantragen die
Aufhebung von Ziff. 1 der Verfügung vom 3. September 2015. Diese ist damit in
Rechtskraft erwachsen. Betreffend die Strassenentwässerung hält der Beschwerdeführer
nicht an seiner Anzeige fest. In seiner Eingabe vom 10. Dezember 2015 macht der
Beschwerdeführer geltend, das Gebäude auf Parzelle Nr. A._ entspreche nicht der
Baubewilligung vom 4. Dezember 1962. Die Baubewilligung vom 2. Juli 1981 betreffend
Verlängerung des Flachdachs sei widerrechtlich. Es sei eine Bestandesaufnahme durch
einen Bauexperten zu veranlassen und im Anschluss die nötigen Verfügungen zu erlassen.
Zusätzlich werden verschiedene Rügen betreffend den zur Liegenschaft gehörigen
Garagenunterstand vorgebracht.
Anfechtungsobjekt des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist die
Wiederherstellungsverfügung der Gemeinde Twann-Tüscherz vom 3. September 2015.
Diese äussert sich weder zum Gebäude auf Parzelle Nr. A._ im Allgemeinen noch
zum Flachdach. Auf die entsprechenden Rügen im Schreiben des Beschwerdeführers vom
10. Dezember 2015 ist daher nicht einzutreten. Im Folgenden ist daher nur noch zu prüfen,
ob die Gemeinde betreffend den Autounterstand, dem Bootskran, die Kinderschaukel und
die Modifikation des Hauptgebäudes zu Recht auf Wiederherstellungsmassnahmen
verzichtet hat. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist in diesem
Umfang einzutreten.
2. Garagenunterstand
a) Zur Liegenschaft der Beschwerdegegnerin gehört ein Autounterstand, der sich auf
der benachbarten Strassenparzelle Nr. E._ befindet. Der Abstand zu Parzelle
Nr. C._ des Beschwerdeführers beträgt rund 2.50 m. Der Beschwerdeführer rügt,
es sei die Rechtmässigkeit der Bewilligung zu prüfen, da kein Näherbaurecht vorliege. In
seinem Schreiben vom 10. Dezember 2015 ergänzt er, die Gültigkeit der Baubewilligung
vom 18. Februar 1972 sei bereits aus formellen Gründen in Frage zu stellen. Weiter sei zu
prüfen, ob der Unterstand am bewilligten Ort erstellt worden sei, weshalb kein
Näherbaurecht bestehe und wann und wo die Baupublikation erfolgt sei. Schliesslich sei zu
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prüfen, ob die Vereinbarung vom 5. Juni 1971 zwischen dem Autobahnamt und dem
damaligen Eigentümer eingehalten wurde.
b) Die Liegenschaft der Beschwerdegegnerin liegt im Bereich des Uferschutzplanes. Es
gilt ein seitlicher Grenzabstand von 5.00 m. Dieser Grenzabstand gilt für sämtliche
oberirdischen Bauten, inklusive Garagen (Art. 10 Abs. 3 UeV SFG3). Es ist unbestritten,
dass dieser Grenzabstand nicht eingehalten ist.
Der Autounterstand wurde am 18. Februar 1972 bewilligt und bewilligungskonform
ausgeführt. Es ist nicht klar, ob nach dem damals geltenden Recht bereits ein minimaler
Grenzabstand einzuhalten war. Weiter ist der Autounterstand vollständig in die Böschung
hinter der Strassenparzelle Nr. E._ integriert. Damit ist fraglich, ob der
Autounterstand überhaupt als oberirdische Baute i.S.v. Art. 10 Abs. 3 UeV SFG gelten
kann. Dies kann aber offen bleiben, da die fünfjährige Frist für Wiederherstellungen
gemäss Art. 46 Abs. 3 BauG längst abgelaufen ist. Nach Ablauf dieser Frist kann die
Wiederherstellung nur verlangt werden, wenn zwingende öffentliche Interessen,
beispielsweise eine erhebliche Beeinträchtigung der Umwelt oder die Gefährdung von
Personen, dies erforderlich machen. Vorliegend sind keine öffentlichen Interessen
erkennbar, die eine Wiederherstellung nötig machen würden. Der Beschwerdeführer macht
dies auch nicht geltend. Zudem gilt für Wiederherstellungen eine absolute 30-jährige
Verwirkungsfrist.4 Auch diese Frist ist längst abgelaufen, weshalb auch aus diesem Grund
von einer Wiederherstellung abzusehen wäre. Die Rüge ist unbegründet.
3. Bootskran, Kinderschaukel
a) Auf der Liegenschaft der Beschwerdegegnerin befinden sich ein Bootskran und eine
Kinderschaukel. Der Bootskran ist rund 2.50 m hoch und besteht aus einem Arm mit
Winde, mit dem Ruderboote oder kleine Motorboote ein- und ausgewassert werden
können. Bei der Kinderschaukel handelt es sich um eine einfache Metallkonstruktion mit
einer Schaukel für eine Person. Gemäss Angaben der Beschwerdegegnerin besteht beides
seit Mitte 60er-Jahre. Der Beschwerdeführer rügt, der Bootskran und die Schaukel würden
3 Überbauungsvorschriften gemäss SFG der Gemeinde Twann-Tüscherz vom 18. April 2000 (Uev SFG) 4 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 11
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den Grenzabstand von 5.00 m unterschreiten. Beim Alter der Anlagen und den damaligen
Rechtsgrundlagen würden Vermutungen zu Gunsten der Beschwerdeführerin getroffen.
Der Bootskran dürfe nicht in der sensiblen Uferzone belassen werden.
b) Die Beschwerdegegnerin erklärte in ihrer Stellungnahme vom 13. September 2012,
der Bootskran sei 1962 oder 1964, die Schaukel 1965 erstellt worden und begründete
beides sachlich. Die Gemeinde führte am 15. August 2013 einen Augenschein durch, um
unter anderem das Alter der beiden Anlagen zu verifizieren. Sie schätzte dieses auf rund
50 Jahre. Es ist kein Grund ersichtlich, weshalb an dieser Einschätzung der Gemeinde
gezweifelt werden sollte. Damit ist für beide Anlagen die 30-jährige absolute
Verwirkungsfrist abgelaufen. Die Wiederherstellung wurde damit zu Recht nicht
angeordnet.
Die Schaukel befindet sich im Baugebiet D des Uferschutzplans. Gemäss Art. 10 UeV SFG
gilt hier ein Grenzabstand von 5.00 m für jede oberirdische Baute, inklusive An- und
Nebenbauten, Gartenhallen, Gartenhäuschen und Garagen. Bei Art. 10 UeV SFG handelt
es sich um eine Ausnahme zu Art. 24 GBR5, der privilegierte Bauabstände für An- und
Nebenbauten vorsieht. Gemäss dieser Bestimmung dürfen bewohnte An- und
Nebenbauten bis zu einer Grundfläche von maximal 30 m2 bis 3.00 m, unbewohnte An-
und Nebenbauten mit einer Grundfläche von maximal 40 m2 bis 2.00 m an die
Parzellengrenze gebaut werden. Art. 10 UeV SFG führt keine absolute Bauverbotszone
ein, sondern sieht lediglich für alle Bauten denselben Grenzabstand vor, ohne An- und
Nebenbauten zu privilegieren.
Bei der Kinderschaukel handelt es sich um ein einfaches Metallgerüst, von dem an einem
Seil eine Schaukel für eine Person hängt. Sie weist keine Grundfläche auf. Im Gegensatz
zu An- und Nebenbauten wie Wintergärten, Garagen, gedeckten Sitzplätzen oder
Geräteschuppen kann sie weder für den längeren Aufenthalt von Personen noch für das
Abstellen und Lagern von Gerätschaften, Fahrzeugen und dergleichen genutzt werden.
Aufgrund ihrer Dimensionen und ihrer Nutzung kann sie daher nicht als An- oder
Nebenbaute qualifiziert werden. Art. 10 UeV SFG ist nicht anwendbar. Die Rüge des
Beschwerdeführers ist unbegründet.
5 Baureglement der Gemeinde Twann-Tüscherz vom 22. Juni 2004 (GBR)
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4. Hauptgebäude
a) An der Südfassade und der Ostfassade des Hauptgebäudes auf Parzelle Nr.
A._ wurde nachträglich eine Glasschiebewand eingebaut. Der Beschwerdeführer
rügt, die vorgenommenen Arbeiten würden nicht der Bewilligung entsprechen. Für die
Glaswand an der Ostfassade der Liegenschaft bestehe keine Bewilligung.
b) Die Bewilligung des Umbaus ist datiert vom 13. Dezember 1996. Aus dem der
Bewilligung beigelegten Fassadenplan ist ersichtlich, dass auch die Ostfassade verglast
werden sollte. Die Arbeiten wurden entsprechend den bewilligten Plänen ausgeführt. Die
Rüge ist unbegründet.
5. Rechtsgleichheit
Der Beschwerdeführer rügt mehrfach, im vorliegenden Verfahren würden sämtliche
Annahmen zu Gunsten der Beschwerdegegnerin getroffen, während im Parallelverfahren
(RA Nr. 120/2015/59) alle Annahmen zu seinen Ungunsten getroffen würden.
Die Anzeige des Beschwerdeführers im vorliegenden Verfahren wie auch seine Vorbringen
im baupolizeilichen Verfahren betreffend seine eigenen Grundstücke Nr. C._ und
D._ (Beschwerdeverfahren RA Nr. 120/2015/59) wurden aufgrund des geltenden
Rechts beurteilt. Tatsache ist, dass das Grundstück der Beschwerdegegnerin bereits
Anfang der 1960er- Jahre überbaut wurde6. Der Grossteil der Bauten und Anlagen ist
datiert aus diesem Jahrzehnt und fällt daher automatisch unter die 30-jährige absolute
Verwirkungsfrist für Wiederherstellungen. Das Grundstück des Beschwerdeführers
dagegen wurde erst Ende der 1980er-Jahre überbaut.7 Die meisten Bauten und Anlagen,
die im Verfahren RA Nr. 120/2015/59 zur Diskussion stehen, wurden vom
Beschwerdeführer selber ab ca. 2009 erstellt. Das erste Schreiben der Gemeinde
betreffend die Bautätigkeit des Beschwerdeführers ist datiert vom 3. Juni 2009. Die 30-
jährige Verwirkungsfrist ist auf die Bauten auf den Parzellen des Beschwerdeführers daher
offensichtlich nicht anwendbar. Insgesamt ist nicht ersichtlich, inwiefern in den beiden
6 Vgl. Baubewilligung vom 16. Oktober 1962 7 Vgl. Baubewilligung vom 26. Januar 1989
RA Nr. 120/2015/58 7
Verfahren eine rechtsungleiche Beurteilung vorliegen sollte. Die Rüge des
Beschwerdeführers ist denn auch pauschal und wird nicht weiter begründet.
6. Kosten
Der Beschwerdeführer ist damit mit keiner seiner Rügen durchgedrungen. Die Beschwerde
ist abzuweisen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der Beschwerdeführer. Er
hat die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf
eine Pauschalgebühr von Fr. 1'000.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19
Abs. 1 GebV8). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 VRPG).