# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b3779038-8827-441a-8482-748c8fed2356
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1965 im Kosovo geborene
X._
erlernte nach der Grundschule in ihrer Heimat den Schneiderinnen-Beruf und ist Mutter von vier in den Jahren 1982 bis 1989 geborenen Kindern. Sie lebt seit 1996 in der Schweiz. In den Jahren 2006 bis 2009 arbeitete sie bei verschiedenen Arbeitgebern in der Reinigungs
branche und im Servicebereich mit wechselndem Beschäftigungsgrad. Am 15.
Oktober 2009 meldete sie sich unter Hinweis auf einen engen Spinalkanal
und Beschwerden in den Beinen und im Rücken bei der Invalidenversicherung zum
Leistungsbezug (berufliche Massnahmen, Rente) an (Urk.
6
/3, Urk.
6
/6, Urk.
6
/39 S. 13). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf darauf
hin diverse Abklärungen (Urk.
6
/1-2, Urk.
6
/5, Urk.
6
/8-22, Urk.
6
/27-31) und veranlasste eine orthopädisch-rheumatologisch-neurologische Begutachtung der Versicherten in der
Y._
(Urk.
6
/37-38). Gestützt auf das interdiszi
plinäre Gutachten der
Y._
vom 15. Juni 2011 (Urk.
6
/39) ermittelte sie einen rentenausschliessenden Invaliditätsgrad von 10 % und verneinte mit Ver
fügung vom 16. Januar 2012, nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 6/43, Urk. 6/45, Urk. 6/47-48), das Bestehen eines Rentenanspruchs (Urk.
6/49). Die von der Versicherten dagegen erhobene Beschwerde (Urk. 6/57/3-16)
wurde zunächst vom Sozialversicherungsgericht mit Urteil IV.2012.00210 vom 31. Mai 2013 (Urk.
6
/64) und, nachdem das Verfahren von der Versicherten an die nächsthöhere Instanz weitergezogen worden war (Urk.
6
/65/2-21), vom Bundesgericht mit Urteil 9C_579/2013 vom 3. Dezember 2013 (Urk.
6
/66) abgewiesen.
1.2
Am 7. April (Urk. 6
/69-71) respektive am 20. Juni 2014 meldete sich die Ver
sicherte bei der IV-Stelle erne
ut zum Leistungsbezug an (Urk. 6/79; vgl. auch Urk.
6/75, Urk. 6/77-78; vgl. auch Urk. 6/
87/1-2). Nach Durchführung d
es
Vor
bescheidverfahrens
(Urk. 6
/73-74) trat die IV-Stelle mit Verfügung vom 1. Juli 2014 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein, da sie eine wesentliche Ver
änderung der tatsächlichen Verhältnisse als n
icht glaubhaft erachtete (Urk. 6
/82).
1.3
Am 24. Dezember 2014 ersuchte die Versicherte unter Hinweis auf eine zuneh
mende, therapieresistente Schmerzsituation an der Lenden-, Halswirbelsäule und der Schulter sowie eine mittelschwere bis schwere depressive Episode erneut bei der IV-Stelle um die Ausrichtung von Leistungen (Urk. 6/87-88). Die IV-Stelle liess die Versicherte daraufhin am 9. April 2015 durch ihren Regionalen Ärzt
lichen Dienst RAD (med.
pract
.
Z._
, Fachärztin für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, sowie med.
pract
.
A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psy
chotherapie
)
untersuchen
(
Urk. 6/95). Gestützt auf den orthopädischen und den psychiatrischen RAD-Bericht vom 6. Mai 2015 (Urk. 6/99-100) ermittelte die IV-Stelle einen Invaliditätsgrad von 0 % (Urk. 6/102-103) und verneinte mit Vor
bescheid vom 8. Juli 2015 das Bestehen eines Rentenanspruchs (Urk. 6/104).
Nachdem die Versicherte dagegen Einwand erhoben hatte (Urk. 6/105, Urk. 6/
107), erliess die IV-Stelle ankündigungsgemäss die einen Rentenanspruch verneinende Verfügung vom 29. September 2015 (
Urk. 6/109
).
Die dagegen am 29. Oktober 2015 erhobene Beschwerde (Urk. 6/111/3-19) hiess das hiesige Gericht mit Urteil IV.2015.01
1
2
3 vom 14. Juli 2017 (Urk. 6/114) in dem Sinne gut, als es die Be
schwerde zur weiteren Abklärung und zur Einholung eines interdisziplinären Gutachtens an die IV-Stelle zurückwies.
In der Folge holte die IV-Stelle unter andere
m bei der
B._
ein inter
disziplinäres Gutachten ein, das am 13. August 2018 erstattet wurde (Urk. 6/144).
Nach Rückfragen
an die Gutachter
(Schreiben der IV-Stelle vom 15. Oktober 2018
, Urk. 6/146), nahmen
diese
mit Schreiben vom 9. November 2018 entspre
chend Stellung (Urk. 6/147). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
6/150
; Urk.
6/154
)
verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 16. September 2019 einen Rentenanspruch
(Urk.
6/159
= Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte
mit Eingabe vom
18. Oktober 2019
Beschwerde und beantragte die Zusprechung einer ganzen Rente ab 1. Februar 2012, even
tualiter die Einholung eines gerichtlichen, neutralen und spezialärztlichen Gut
achtens über ihren Gesundheitszustand und ihre Arbeitsfähigkeit,
subeventualiter
die Rückweisung der Sache an die IV-Stelle, damit diese ein Gutachten einhole beziehungsweise weitere Abklärungen tätige (Urk. 1 S. 2).
Ihrer Beschwerde legte sie eine ärztliche Stellungnahme des behandelnden Arztes Dr. med.
C._
, Facharzt für
Allgemeine
Innere Medizin, vom 10. Oktober 2019 bei (Urk. 3).
Mit Beschwerdeantwort vom
22. November 2019
beantragte die IV-Stelle die
Abweisung der Beschwerde (Urk. 5
).
Dies wurde der Beschwerdeführerin am 26. November 2019 zur Kenntnis gebracht (Urk. 7).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
,
ATSG
).
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung, IVG).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
eine neue Anmeldung nur geprüft
und auf die Anmeldung eingetreten
, wenn im Neu
an
meldungsgesuch glaubhaft gemacht wurde, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung des Invaliditätsgrades auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach Art. 17 Abs. 1 ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt sie fest, dass der Invaliditätsgrad seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfügung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Invalidität zu bejahen, und her
nach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle Prü
fungs
pflicht auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
Anlass zur Rentenrevision
nach Art. 17 Abs. 1 ATSG
gibt jede wesentliche Ände
rung in den tatsächlichen Verhältnissen
,
die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich
gebliebenem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hinsichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinweisen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentlichen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisions
rechtlichen Kontext unbeachtlich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in recht
licher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE
141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.3
Zeitlicher Referenzpunkt für die Prüfung einer anspruchserheblichen Änderung bildet die letzte (der versicherten Person eröffnete) rechtskräftige Verfügung, welche auf einer materiellen Prüfung des Rentenanspruchs mit rechtskonformer Sachverhaltsabklärung, Beweiswürdigung und Durchführung eines Einkommens
vergleichs (bei Anhaltspunkten für eine Änderung in den erwerblichen Auswir
kungen des Gesundheitszustands) beruht; vorbehalten bleibt die Rechtsprechung zur Wiedererwägung und zur prozessualen Revision (BGE 133 V 108 E. 5.4)
.
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung gestützt auf die
medizinisc
hen Akten, insbesondere das inter
disziplinäre Gutachten vom
13.
August
2018
(Urk. 6/
144
) und die ergänzende Stellungnahme vom
9. Novem
ber 2018
(Urk. 6/
147
), davon aus, dass
die Beschwerdeführer
in
seit Juni 2011 in ihrer Arbeitsfähigkeit als Hilfsarbeiterin in der Reinigung oder im Service eingeschränkt sei. Eine optimal angepasste Tätigkeit sei ihr jedoch seither ganz
tags uneingeschränkt zumutbar. Eine Erwerbseinbusse resultiere nicht, weshalb auch kein Rentenanspruch
entstehen könne. Bei der Begutachtung im Juni 2018 sei eine Verschlechterung der Beweglichkeit der Schulter festgestellt worden. Die begutachtenden Experten
würden seither von einer ganztägigen Arbeitsfähigkeit in angepassten Tätigkeiten mit einer Leistungsfähigkeit von 80 % ausgehen. Die Einschränkung von 20 % ergebe sich aus dem erhöhten Pausenbedarf und einem verlangsamten Arbeitstempo. Weiter sei zu beachten, dass die Beschwerde
füh
rer
in
nur noch leichte körperliche Tätigkeiten in Wechselbelastung, ohne Heben und Tragen von Lasten von mehr als 10 kg ausüben könne. Bei einem Invalidi
tätsgrad von 18 % bestehe kein Anspruch auf eine Invalidenrente (
Urk.
S. 2).
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin im Wesentlichen auf den Standpunkt (Urk. 1),
sie teile weder die Meinung der Beschwerdegegnerin, welche zum Schluss komme, dass
sie keinen Rentenanspruch ha
be
,
noch sei sie mit dem interdisziplinären Gutachten vom 13. August 2018 einverstanden. Sie würde seit vielen Jahren unter anderem an lumbalen Rückenbeschwerden mit Ausstrahlung in das linke Bein leiden. Ihr jetziges Leiden habe sie anlässlich der Begutachtung ausführlich geschildert.
Sie habe auch ausgeführt, wie schwer es ihr jeweils falle, morgens aufzustehen. Sie brauche sehr lange und sei auf die Hilfe ihrer Familie angewiesen. Allein dies zeige, dass sich ihr Gesundheitszustand verschlechtert habe. Sie habe alles in ihrer Macht Stehende getan, um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie besuche heute noch diverse Therapien, um die Schmerzen zu lindern. Sie erfahre dadurch jedoch keine Besserung, im Gegenteil. Es sei ihr daher schlicht nicht möglich, einer Erwerbstätigkeit nachzugehen (S. 3 oben). Auch die Gutachter hätten in ihrer ergänzenden Stellungnahme festgehalten, dass sie anlässlich der Untersuchung über ausgeprägte Schmerzen geklagt habe, welche im Vergleich zu
r
bidisziplinären
Untersuchung vom 20. April 2011 und zur RAD-Untersuchung vom 9. April 2014 noch an Intensität zugenommen hätten.
Ihre gesundheitliche Situation sei im Gutachten aus den genannten Gründen nicht hinreichend abgeklärt worden (S. 3 unten f.)
.
Auch auf ihre psychischen Leiden sei nicht eingegangen worden. Es gehe ihr heute psychisch schlecht, was mit den Schmerzen zu tun habe. Folglich stünden diese somatischen Beschwerden für
sie
auch im Vordergrund (S. 4 Mitte).
Ihre Gesundheitssituation
habe
sich
in den letzten Jahren zusehends verschlechtert
(S. 4 unten f.)
.
Sie sei sehr verzweifelt und ihre finanziellen Probleme würden sie sehr belasten. Es sei ihr schlicht nicht möglich und auch nicht zumutbar
,
einer Erwerbstätigkeit
beziehungsweise
einer angepassten Tätigkeit mit einer Leistungsfähigkeit von 80
% nachzugehen. Sie könne sich kaum alleine anziehen und
benötige Hilfe von Dritten bei alltäglichen Angelegenheiten. Es sei ihr daher völlig unerfindlich, wie sie daneben noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen könne. Sie wisse auch nicht, wie sie für ihren Lebens
unterhalt aufkommen solle und könne, wenn sie keine Invalidenrente zuge
sprochen erhalte (S. 5 oben).
Dass sich ihr Zustand verschlechtert habe, gehe auch aus den verschiedenen Arztberichten von Dr.
C._
hervor
(Urk
.
1 S. 4 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, ob und in welchem Ausmass sich der Gesundheits
zustand und die Arbeitsfähigkeit
der
Beschwerdeführer
in
seit der Verfügung vom
16. Januar 2012
(Urk. 6/
49
) verändert haben.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin beurteilte den medizinischen Sachverhalt und die Ar
beits
fähigkeit der Beschwerdeführerin bei Erlass der in Rechtskraft erwachsenen, einen Rentenanspruch verneinenden Verfügung vom 16. Januar 2012 aufgrund des von ihr eingeholten
orthopädisch
/rheumatologisch/neurologischen
Gutachtens der
Y._
vom 15. Juni 2011. Dieses Vorgehen wurde mit den Urteilen des Sozialversicherungsgerichts IV.2012.00210 vom 31. Mai 2013 (Urk.
6
/64) sowie des Bundesgerichts 9C_579/2013 vom 3. Dezember 2013 (Urk.
6
/66) geschützt.
Im
Gutachten der
Y._
vom 15. Juni 2011
wurden als Klage im Vor
dergrund stehende, sich verschlimmernde lumbale Rückenschmerzen und Ein
schränkungen festgehalten. Ebenso klagte die Versicherte über Schulter-Nacken
schmerzen, die ebenfalls Gegenstand der Abklärung waren (Urk. 6/39/2).
Dem Teilgutachten von Dr. med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, ist zu entnehmen, dass die Feinmotorik der Beschwerdeführerin beim Ausziehen unauffällig war. Die Untersuchung der Wirbelsäule ergab einzig über den Dorn
fortsätzen der Lendenwirbelsäule Berührungs- und
Druckdolenzen
. Zusätzlich bestanden paravertebral im Bereich der Rückenstrecker
Druckdolenzen
. Bei der Seitneigung war die Wirbelsäule mit Gegenspannen bis 30/0/30° beweglich. Laut Dr.
D._
bestanden im Bereich der Schulter-Nacken-Partie vermehrte
Druck
dolenzen
wegen eines Hartspanns der
Trapezii
beidseits. Die Beweglichkeit der Halswirbelsäule sei in allen Ebenen allenfalls
endgradig
eingeschränkt gewesen. Im Bereich der Schultergelenke hätten vor allem am rechten
Tuberculum
majus
am Ansatz der
Supraspinatussehne
Druckdolenzen
bestanden, bei voller Beweg
lichkeit des Gelenks. Die Beschwerdeführerin habe während der Untersuchung sensible Missempfindungen in der Loge des
Nervus
ulnaris
rechts und an den
Zehen I und V der linken und rechten
unteren Extremität angegeben. Dr.
D._
diagnostizierte einen Zustand nach operativer Dekompression der Segmente L3-L5 bei Spinalkanalstenose am 16. Dezember 2009, er erhob einen Verdacht auf eine beginnende
Spondylarthrose
in der Halswirbelsäule und diagnostizierte eine muskuläre
Dysbalance
/Insuffizienz im Schulter-Nacken-Bereich sowie in der Lendenwirbelsäule, ohne wesentlichen behindernden Effekt. In seiner abschlies
senden Beurteilung hielt er fest, die erhobenen Befunde entsprächen einer leicht
gradigen Störung und erlaubten durchaus weiterhin eine vollzeitliche, angepasste körperliche Arbeit in Tätigkeiten mit leichter körperlicher Wechselbelastung sowie ohne ständige Zwangshaltung der Wirbelsäule oder schweres Heben und Tragen (Urk.
6
/39 S. 1 ff.).
Der Teilgutachter Dr. med.
E._
, Facharzt für Neurologie, erhob im Rahmen der klinischen Untersuchung eine freie Beweglichkeit der Kopf- und Halswirbelsäule in sämtlichen Richtungen. Es habe ein leichtgradiges
Vertebralsyndrom
erhoben werden können, wobei die Beschwerdeführerin bei den formalen Bewegungs
proben in sämtlichen Richtungen aktiv gegengespannt, ausserhalb der formalen Prüfung aber eine deutlich bessere Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule gezeigt habe. Bei den Kraftproben habe sie mangelhaft mitgearbeitet. Dabei hätten keine umschriebenen
myotom
-bezogenen Paresen und
Arthropathien
nachgewiesen werden können. Im
Lasègue
-Manöver habe sie einen lumbalen Schmerz mit Aus
breitung zur linken Grosszehe angegeben. Im rechten Schultergelenk hätten Be
wegungsschmerzen erhoben werden können. Das Hoffman-
Tinel
-Zeichen sei über dem
Sulcus
ulnaris
rechts positiv gewesen. Der
Tibialis
-
posterior
-Reflex sei links nicht erhalten und rechts nicht auslösbar gewesen, die übrigen Muskel
dehnungsreflexe an Armen und Beinen seien seitengleich mittellebhaft auslösbar gewesen. Hinsichtlich der psychischen und neuropsychologischen Funktionen hätten keine auffälligen Befunde erhoben werden können. Dr.
E._
diagnos
tizierte einen leichtgradigen Defekt nach Wurzelkompression L5 links ohne behindernden Effekt, den Verdacht auf ein
Sulcus
-
ulnaris
-Syndrom rechts sowie ein leichtgradiges lumbales
Vertebralsyndrom
. Er gelangte zum Schluss, dass die abgelaufene leichtgradige Wurzelkompression L5 links nicht zu einer relevanten Parese des Grosszehenhebers führe und demzufolge nicht behindernd wirke. Anamnese und Lokalbefund im Bereich der rechten Schulter sprächen zwar für eine leichtgradige
Periarthropathia
humeroscapularis
rechts, auch daraus resul
tiere aber keine wesentliche Behinderung. Hinsichtlich des leichtgradigen
Sulcus
-
ulnaris
-Syndroms rechts bestünden sodann ebenfalls keine Hinweise für eine behindernde Parese oder sensible Defizite. Da die erhobenen Störungen insgesamt
leichtgradig ausgeprägt seien, vermöchten sie einzig eine qualitative Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit zu begründen. Schwere körperliche Arbeiten seien der Beschwerdeführerin nicht mehr zumutbar. Hinsichtlich einer körperlich leichten und wechselbelastenden Tätigkeit, beispielsweise als Verkäuferin oder Lageristin, an einer Kasse oder einem Auskunftsschalter, könne ihr nach der erfolgreichen lumbalen Operation vom Dezember 2009 keine gesundheitlich bedingte Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert werden. Abschliessend sei darauf hin
zuweisen, dass im Rahmen der klinischen Untersuchung sichere Zeichen für eine
bewusstseinsnahe demonstrative Darbietung von Einschränkungen und Beschw
er
den hätten beobachtet werden können (Urk. 10/39 S. 11 ff.).
3.2
In der Gesamtbetrachtung schlossen die Gutachter diagnostisch auf einen Zustand nach einer Dekompression von L3-L5 bei Spinalkanalstenose am 16.
Dezember 2009, einen Verdacht auf eine beginnende
Spondylarthrose
HWS und auf eine muskuläre
Dysbalance
-Insuffizienz im Schulter-Nackenbereich und der Lendenwirbelsäule ohne wesentlichen behindernden Effekt. Die Arbeitsfähig
keit in einer angepassten Tätigkeit bezeichneten sie mit 100 %, wobei sie das orthopädische Profil
der angepassten Tätigkeit
unterlegten (Urk. 6/39/8 ff.).
4.
4.1
Im Rahmen der vorliegenden Rentenrevision holte die Beschwerdegegnerin die folgenden medizinischen Berichte ein:
4.2
Dem Bericht vom 4. Februar 2014 von Dr. med.
F._
, Facharzt für Neurologie und Oberarzt im neurophysiologischen Labor der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des
G._
, ist zu entnehmen, dass dieser Arzt die Beschwerdeführerin wegen einer
Schmerzexazerbation
im Januar 2014 zur Objektivierung der Symptomatik neurologisch und elektrodiagnostisch unter
suchte. Laut seinem Bericht ergab die klinische Untersuchung eine Minderinner
vation der linken unteren Extremität, wobei im Seitenvergleich eine leichte Parese des Extensor
hallucis
longus
aufgefallen sei. Die Reflexe seien seitengleich mittellebhaft gewesen, der
Babinski
-Test sei beidseits negativ ausgefallen. Im rechten Arm habe eine Hypästhesie vorgelegen, betroffen seien die Finger I, IV und V gewesen. Im linken Bein habe am lateralen Ober- und Unterschenkel, am ganzen Fuss medial, dorsal und plantar ein Minderempfinden bezüglich sämt
licher sensibler Modalitäten bestanden, im Sinne einer sich über mehrere Seg
mente von L2 bis und mit S1 erstreckenden Hypästhesie.
Ferner hätten ein schmerzbedingtes Schonhinken des linken Beins sowie ein bereits ab 20° auf beiden Seiten positiver
Lasègue
erhoben werden können. Elektrodiagnostisch zeigten sich die Befunde einer leichten bis mässigen, chronisch neurogenen Schädigung sämtlicher untersuchter Kennmuskeln L5 links. Die übrigen Seg
mente L3/4 und L5/S1 zeigten keine neurogenen Veränderungen, so dass unter Berücksichtigung der Klinik nicht von einer relevanten Affektion von S1 aus
zugehen sei. In seiner abschliessenden Beurteilung hielt Dr.
F._
fest, ein Teil der Befunde sei sicherlich auf eine schmerzbedingte Minderinnervation zurück
zuführen. Die Untersuchung der schmerzgeplagten Beschwerdeführerin sei erschw
ert gewesen, weil sie praktisch nur mit angewinkelten Knien habe liegen können. Nebst dem bereits 2012 dokumentierten chronischen panvertebralen Schmerzsyndrom und der funktionellen Hypästhesie der rechten oberen Extre
mi
tät leide sie an einem seit dem 2. Januar 2014 ohne eigentliches Trauma
exazer
bierten
chronischen
radikulären
Reiz-Syndrom L5 links mit senso
motorischen Ausfällen. Zusätzlich vorhanden sei eine nicht unerhebliche Überlagerung mit sensiblen Ausfällen, die nicht durch diese Befunde erklärt werden könnten (Urk.
6
/86/17-18).
4.3
Die Psychiater Dr. med.
H._
und Dr. med.
I._
vom
J._
behandelten die Beschwerdeführerin
ab
dem 27. Februar 2012. Gestützt auf die bis zur letzten Kontrolle am 20. Mai 2014 erhobenen Befunde diagnostizierten sie in ihrem Bericht vom 29. Juli 2014 eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit soma
tischem Syndrom, bestehend seit 2009, sowie ein chronisches therapierefraktäres Schmerzsyndrom mit Schmerzen in der Lenden- und Halswirbelsäule sowie einer Schulterproblematik rechts bei
Supraspinatussehnenruptur
mit Instabilität der
Bizepssehne
und AC-Arthrose. Wegen der Schmerzen habe sie ein rezidivierendes depressives Zustandsbild entwickelt, welches mit massiven Schlafproblemen, Antriebslosigkeit, mangelndem Selbstwertgefühl und einer depressiven Verstimmung einhergehe. Aktuell sei der affektive Rapport herstellbar, jedoch wenig schwingungsfähig, die Stimmung sei ängstlich-depressiv gewesen, teilweise hoffnungslos. Die Beschwerdeführerin habe immer wieder das Gesicht verzogen. Es bestünden massive Ein- und Durchschlafstörungen sowie frühes Erwachen. Der Appetit sei vermindert. Die Beschwerdeführerin sei psychomo
torisch unruhig gewesen, habe versucht, im Sitzen Entlastung zu finden und habe zwischendurch immer wieder aufstehen und herumgehen müssen. Seit längerer Zeit seien wegen der starken Schmerzen Suizidideen aufgetreten, allerdings habe sie eine akute Selbstgefährdung glaubhaft
verneint. Aufgrund der erheblichen Schmerzsymptomatik sei die Beschwerdeführerin nicht
wegfähig
und zu 100 % arbeitsunfähig. An psychischen Einschränkungen bestünden nämlich zusätzlich eine gedrückte Stimmung, Energielosigkeit und eine mangelnde Fähigkeit zur Erholung. Die Konzentration, das Auffassungsvermögen sowie die Anpassungs
fähigkeit seien stark vermindert (Urk.
6
/86/1-5).
Im Schreiben an die Rechtsanwältin der Beschwerdeführerin vom 18. September 2014 ergänzte Dr.
I._
vom
J._
den Bericht vom 29. Juli 2014 und hielt fest, die Beschwerdeführerin habe als Folge der Schmerzsymptomatik, welche sich innerhalb der letzten zweieinhalb Jahre verschlechtert habe, ein zunehmend depressives Zustandsbild entwickelt. Seit dem 31. Mai 2013 sei die Depression leicht progredient wegen der Hoffnungslosigkeit, dass sich ihre Schmerzsituation verbessern werde. Während der letzten 3-6 Monate habe sie wiederholt passive Suizidgedanken geäussert, so dass jetzt von einer schweren depressiven Episode
ausgegangen werden müsse (Urk. 6
/86/8).
4.
4
Am 3. Dezember 2014 berichteten die Hausärzte Dr. med.
C._
und Dr. med.
K._
, Fachärzte für Allgemeine Innere Medizin,
über den gesundheitlichen Verlauf seit Januar 2012. Als in der Zwischenzeit neu hinzugetretene Diagnosen erwähnten sie ein
lumboradikuläres
Schmerzsyndrom mit
breitbasiger
Diskus
hernie auf Höhe LWK1/2 mit Impression des Duralsackes gemäss MRI vom 17. April 2014, eine Zunahme des
myofaszialen
Schmerzsyndroms, rezidivierende Stürze infolge Kraftverlust im linken Bein bei einer Parese des Extensor
hallucis
longus
links und einem sensomotorischen Ausfall L5 links, eine schwere De
pres
sion, Schlafstörungen im Rahmen der Schmerzproblematik, eine einge
schränkte Therapiemöglichkeit bei Status nach schwerer anaphylaktischer Reaktion, mög
licherweise durch die eingenommenen Medikamente
Lyrica
, NSAR und PPI aus
gelöst, sowie eine zunehmende
Dekonditionierung
. Die Gesamtsituation habe sich massiv verschlimmert. Die Verschlimmerung des Schmerzsyndroms sei bildge
bend dokumentiert und werde durch die Klinik bestätigt. Trotz sämtlicher thera
peutischer Interventionen klage die Beschwerdeführerin über persistierende Schmerzen. Die starken Schmerzen führten auch zu vegetativen Symptomen wie starkes Schwitzen, was die Beschwerdeführerin als lästig empfinde und weshalb sie soziale Anlässe zunehmend meide. Da sie auch nachts keine schmerzfreie Lage finde, sei es nun auch zu der schweren Depression und Schlafstörungen ge
kommen. Erschwerend wirke sich aus, dass sie auf sämtliche Schmerzmittel und auch antidepressive Therapien schwer allergisch reagiere. Da zusätzlich noch eine nachgewiesene Läsion der Schulter
(
Supraspinatussehnenruptur
mit Instabilität der
Bizepssehne
und AC-Arthrose) vorliege, bestehe eine derart komplexe Aus
gangslage, dass eine Therapie in der
Praxis
praktisch nicht mehr möglich sei. Dementsprechend sei
die Versicherte
in jedem Beruf zu 100 % arbeitsunfähig (Urk.
6/86/9-11; vgl. auch Urk. 6
/86/12-18).
4.
5
Laut Bericht von med.
pract
.
Z._
vom RAD vom 6. Mai 2015 über die orthopädische Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 9. April 2015 gab die Beschwerdeführerin an, dass sie in allen Lebensbereichen durch die Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule stark eingeschränkt sei. Von der RAD-Ärztin zu einer allfälligen Veränderung seit 2012 befragt, antwortete die Beschwerdeführerin, seit rund eineinhalb Jahren
an zunehmenden
Schmerzen beider Leisten zu leiden. Ferner trage das linke Bein sie nicht mehr zuverlässig, sie sei 2-3 Mal am Bahnhof fast gestürzt, zuletzt vor 6-7 Monaten. Vor 2012 sei sie ebenfalls mehrmals wegen des linken Beins gestürzt. Seit mehr als einem Jahr seien zudem die Schmerzen unerträglich. Weder das Stehen noch das Sitzen sei ohne Abstützen möglich, da sie sonst unter wahnsinnigen Schmerzen leide. Beim Gehen benutze sie meistens Walking Stöcke oder Unterarmgehstützen. Laut der RAD-Ärztin erschien
die Versicherte
ohne Hilfsmittel zur Untersuchung. Weiter gab die Beschwerde
füh
rerin an, mit dem Tram oder Bus könne sie sich fortbewegen, da sie dort die Posi
tion wechseln könne. Das Autofahren gelinge für maximal 10 Minuten. In die Ferien fahre sie mit dem Ehemann mit dem Auto, wobei sie meist liege und stündlich eine Pause machen müsse. Seit mehr als zwei Jahren könne sie nicht mehr durchschlafen. Sie schlafe jede Nacht maximal zwei Stunden insgesamt. Zu ihrem Alltag befragt, gab die Beschwerdeführerin an, wegen der Schmerzen etwa um fünf Uhr morgens aufzuwachen. Wenn sie aus dem Bett aufstehe, könne sie zunächst nur auf den Knien rutschen und kriechen. Sie mache dann 5-8 Minuten lang ihre Übungen, worauf sie langsam gerade gehen könne. Die gesamte Haus
haltarbeit werde von ihrem Mann und ihren Kindern erledigt. Sie verbringe ihren Tag mit Lesen im Liegen und einem gelegentlichen Spaziergang am Nachmittag, wobei sie zur Sicherheit meist Walkingstöcke oder Gehstützen mitnehme. Zwischendurch mache sie Übungen. Hobbys habe sie nicht. Sie sehe sich nicht mehr in der Lage, eine Arbeit auszuüben, zumal sie über keine Ressourcen mehr verfüge (Urk.
6
/99/1-4).
Med.
pract
.
Z._
wies bei der Darstellung des medizinischen Befunds ein
leitend darauf hin, dass die Beschwerdeführerin sehr gepflegt und im Warte
bereich anscheinend sehr entspannt gewesen sei. Als sie aufgerufen worden sei, habe sie sich mühsam erhoben und sei den Untersuchern mit schleppendem Gangbild
entgegengetreten. Während der Anamneseerhebung sei sie etwa alle 15 bis 20 Minuten für etwa fünf Minuten aufgestanden und habe sich hinter den Stuhl gestellt. Sie habe keine Anzeichen von Erschöpfung oder Müdigkeit gezeigt und keine dunklen Augenringe gehabt. Trotz ihrer teils heftigen Schmerz
äusse
rungen habe sie während der gesamten Anamnese keine vegetativen Reaktionen wie Schweissausbrüche oder Veränderungen der Atmung gezeigt. Das Auskleiden sei im Stehen erfolgt, teilweise mit Festhalten am Mobiliar, ohne Trickbe
we
gungen, aber mit zahlreichen Schmerzäusserungen. Das Ankleiden sei flüssig im Sitzen erfolgt. Zum Anziehen der Hose habe sie die Hose zunächst auf den Boden vor den Stuhl gesetzt, den rechten Fuss in das Hosenbein gestellt und die Hose über das rechte Bein gezogen. Dabei sei sie in der Lage gewesen, das Bein im Sitzen bis fast zur Horizontalen gestreckt zu heben. Auch auf der anderen Seite sei dies möglich gewesen. Bei leichtem Druck auf die Scheitelhöhe habe sie über starke Schmerzen in der Lendenwirbelsäule geklagt. Der angegebene Druck
schmerz über den Dornfortsätzen ab C3 bis Th1 sei bei Ablenkung nicht repro
duzierbar gewesen. Beim Betasten des
Musculus
Trapezius
rechts habe sie massive Schmerzen und eine Schmerzausstrahlung in den 4. und 5. Finger rechts ange
geben. Unter Ablenkung habe sie trotz kräftigem Druck auf den rechten
Trapezius
keinerlei Abwehrreaktion gezeigt. Bei der Beweglichkeitsprüfung der Halswirbel
säule habe sie über rechtsseitige Schmerzen geklagt. Die Untersuchung der Brust- und Lendenwirbelsäule habe keinen paravertebralen Hartspann ergeben. Sie habe über einen starken Druckschmerz im Bereich Th6 bis S3 und einen nicht repro
duzierbaren Druckschmerz im
lumbosakralen
Übergang geklagt. Weiter hätten ein Druckschmerz der ISG beidseits und fraglich positive
Valleix
-Druckpunkte erhoben werden können. Die Beweglichkeit der Brust- und Lendenwirbelsäule sei nicht konsistent prüfbar gewesen, da die Beschwerdeführerin schon beim Schein
manöver einer globalen Drehung des gesamten Rumpfes einschliesslich des Beckens im Stand über massivste Schmerzen geklagt habe. Selbst eine ange
deutete Vorneigung des Rumpfes, welche in anderen Momenten möglich gewesen sei, werde nicht ausgeführt. Im Spontanverhalten hätten sich keine Hinweise für eine schwerwiegende Funktionsminderung der Schultern ergeben. Druckschmer
zen seien rechts über dem
Acromioclaviculargelenk
,
Sulcus
Musculus
bicipitis
und links über dem
Sulcus
Musculus
bicipitis
und allenfalls leicht über dem
Coracoid
angegeben worden. Beim Betasten des rechten Ellenbogens habe die Beschwerdeführerin über Schmerzen im rechten Oberarm geklagt. Sodann habe sie eine Taubheit des 5. Fingers rechts geschildert. Auffällig sei, dass trotz ihrer Angabe, sie könne eigentlich nur stehen und sitzen, indem sie sich mit den Armen ständig abstütze, keine Schwielen an den
Unterarmen, Handballen oder über den Fingerknöcheln bestanden hätten. Bei der Untersuchung der unteren Extremi
täten sei die Beschwerdeführerin spontan niedergekniet, um die Hose vom Boden aufzuheben. Der Gang ohne Hilfsmittel sei langsam mit schwankendem Gangbild gewesen. Bei der Untersuchung der Hüftgelenke habe sie über einen Leisten-Druck
schmerz mit Schmerzen in der Lendenwirbelsäule geklagt. Die Prüfung der Hüftgelenksbeweglichkeit sei schwierig und mit einem kräftigen aktiven Gegen
spannen verbunden gewesen. Die Untersuchung der Knie-, Sprunggelenke und Füsse habe keine besonderen Befunde ergeben. Die Bewegungsprüfung der Zehen sei schwierig gewesen, auf der linken Seite hätten angedeutet tastbare
Osteo
phyten
des Grosszehengrundgelenks erhoben werden können. Die Tests nach
Babinski
,
Bragard
und
Lasègue
seien nicht auslösbar gewesen, die Achilles-, Patellar-,
Biceps
- und
Tricepssehnenreflexe
sowie der Radiusperiost-Reflex seien auslösbar gewesen. Bei der segmentalen Untersuchung der groben Kraft sei keine Reduktion der Kraft aufgefallen, allerdings bei eingeschränkter Beurteilbarkeit aufgrund mangelnder Compliance. So habe die Beschwerdeführerin beidseits eine Unfähigkeit, das gestreckte Bein von der Liege zu heben demonstriert, im Rahmen anderer Untersuchungen sei diese Bewegung jedoch möglich gewesen. Für die Fussheber und –
senker
sowie die Grosszehenstrecker und –
beuger
habe sie links eine vollständige Parese demonstriert, zugleich sei der Abrollvorgang des Fusses ungestört gewesen. Insgesamt seien fünf von fünf
Wadde
l
-Zeichen positiv ge
wesen. Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannte med.
pract
.
Z._
eine schmerzhafte Bewegungs- und Belastungseinschränkung der Len
denwirbelsäule bei Status nach Dekompression L3-L5 im Dezember 2009 sowie eine fragliche Bewegungseinschränkung der rechten Schulter. In ihrer abschlies
senden Würdigung wies sie darauf hin, dass die Untersuchung von zahlreichen Inkonsistenzen gekennzeichnet gewesen sei. Es habe ein deutlicher Kontrast zwischen den geklagten Beschwerden und den objektivierbaren Befunden be
standen, ohne dass sich Hinweise auf Nervenwurzelreizungen oder Ausfälle erge
ben hätten. Im Vergleich zum Gutachten der
Y._
vom 15. Juni 2011 zeige sich eine erhebliche Symptomausweitung, allerdings ohne objektive Hin
weise für eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Das vom damals begutachtenden Neurologen vermutete
Sulcus
-
ulnaris
-Syndrom rechts sei nicht mehr nachweisbar, zumal die Beschwerdeführerin nicht mehr über ent
sprechende Beschwerden geklagt habe. Insgesamt sei aber ein somatischer Ge
sundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ausgewiesen. In einer körperlich leichten, wechselbelastenden Tätigkeit ohne regelmässige Hebe- und Tragebelastungen über 10 kg, ohne Arbeiten
auf Leitern und Gerüsten, ohne häufige Zwangshaltungen, ohne häufige wirbelsäulenbelastende Arbeiten sei sie dagegen zu 100 % arbeitsfähig (Urk. 6/99/4-10).
4.
6
Dem Bericht von med.
pract
.
A._
vom RAD vom 6. Mai 2015 über die psy
chiatrische Untersuchung der Beschwerdeführerin vom 9. April 2015 ist zu ent
nehmen, dass die Beschwerdeführerin dem RAD-Psychiater angab, es gehe ihr seit rund drei Jahren seelisch schlecht, da sie die anhaltenden Schmerzen zer
mürbten. Sie könne immer weniger machen, erhalte aber glücklicherweise viel Hilfe vom Ehemann und ihren Kindern. Sie habe nur noch wenig Freude am Leben. Freude bereiteten ihr die Kinder und die sechs Enkel. Sie habe immer wieder wahnsinnige Schmerzen. Laut dem Bericht von med.
pract
.
A._
zeigte sich die Beschwerdeführerin anlässlich der Befunderhebung freundlich und be
reitwillig im Kontakt. Es hätten sich bei flüssigem und zusammenhängendem Gedankengang keine Anhaltspunkte für Sinnestäuschungen, Ich-Störungen und inhaltliche Denkstörungen ergeben. Sie habe prompt geantwortet und aus eigener Initiative Ausführungen gemacht. Sie sei wach gewesen; Anzeichen von Müdig
keit seien nicht erkennbar gewesen. Affektiv habe eine leicht reduzierte Schwin
gungsfähigkeit bestanden, wobei sie bei kleinen Scherzen mitgelacht habe und nur wenig Leidensdruck spürbar gewesen sei. Selbst bei Angabe von Schmerzen habe sie nur selten eine eindeutige Schmerzmimik gezeigt. Mehrmals habe sie gepresst geatmet. Sie sei über die ganze zweieinhalbstündige Untersuchung auf
merksam und konzentriert gewesen und habe keine klinisch auffälligen Ge
dächtnis
störungen gezeigt. Ferner sei sie glaubhaft nicht suizidal. Sie habe auf ent
sprechende Anfrage angegeben, einmal im Tag eine ausgiebige Mahlzeit ein
zu
nehmen und sich selbst als im Kern starke und gründliche Persönlichkeit wahr
zunehmen. Im Anschluss an die Untersuchung sei sie gebeten worden, sich in ein Labor zu begeben. Dabei habe beobachtet werden können, dass sie die 450 Meter lange Strecke durch die
L._
flüssig schlendernd, ohne Stöcke, mit kurzem Verweilen vor einer Schuhauslage bis zur Tramhaltestelle zurückgelegt habe, wo sie problemlos in das Tram eingestiegen sei. Aufgefallen sei med.
pract
.
A._
der Widerspruch zwischen ihren angeblich starken Schlafstörungen und den fehlenden Anzeichen von Müdigkeit anlässlich der Untersuchung. Ferner seien trotz der angegebenen anhaltenden Schmerzen während der Untersuchung kaum vegetative Schmerzsymptome beobachtbar gewesen. Im neurologischen Gutach
ten von Dr.
E._
aus dem Jahr 2011 seien auch psychische Befunde erwähnt. Diese seien unauffällig und entsprächen im Wesentlichen dem heutigen Befund. Auch dort sei vermerkt worden, dass die Beschwerdeführerin trotz
der angege
benen Schlafstörungen nicht müde gewirkt und auch keinen schmerzgequälten Eindruck gemacht habe. Im Bericht der
M._
vom 5. Januar 2012 sei über ein Behandlungsprogramm für Patienten mit chronischen Schmerzen bericht
et worden (vgl. Urk. 6
/58/1). Das
J._
habe eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode mit somatischem Syndrom diagnos
tiziert, wobei eine Schmerzsymptomatik mit Auswirkung auf die Psyche erörtert worden sei. Somit gingen die behandelnden Psychiater nicht von einer primären
Depression, sondern von depressiven Folge-/Begleitsymptomen bei einer Schmerz
symptomatik aus
.
In seiner abschliessenden Beurteilung hielt med.
pract
.
A._
fest, er habe trotz der subjektiven Klagen keine gravierenden psychischen Befunde, die eine Depres
sion belegen könnten, wahrnehmen können. Eine psychiatrische Diagnose könne nicht gestellt werden. Insbesondere liege keine somatoforme Schmerzstörung vor, da kein andauernder, schwerer und quälender Schmerz zu erkennen sei. Mög
licherweise sei die Beschwerdeführerin subjektiv von ihrer Leistungsunfähigkeit überzeugt. Jedenfalls beziehe sie wegen der umfangreichen Hilfe des Ehemannes und der Kinder einen grossen sekundären Krankheitsgewinn. Insgesamt sei davon auszugehen, dass sich die Leistungsfähigkeit im Vergleich zu 2011 nicht w
esent
lich verändert habe (Urk. 6/100).
4.
7
Am 24. Januar 2017 führte Dr. med.
N._
, Facharzt für Radiologie, mit der Frage nach dem Vorliegen einer Kompression S1 links oder einer anderen Nerven
wurzelkompression eine MRI-Untersuchung der Lendenwirbelsäule durch. Dabei zeigten sich laut seinem Untersuchungsbericht in allen lumbalen Segmenten degenerative Veränderungen, hauptsächlich
Chondrosen
/
Osteochondrosen
und Diskus-
Osteophyten
-Komplexe. Weiter gelangten ein
Anulusriss
und eine mediale
Diskusprotrusion
im Segment L5/S1 mit Zeichen einer chronischen Reizung der Wurzel S1 links zur Darstellung, welche laut Dr.
N._
die Symp
tomatik der Beschwerdeführerin befriedigend erklärten. Als weitere Befunde erwähnte Dr.
N._
eine
foraminale
Stenose L4/5 links, bedingt durch den Diskus-
Osteophyten
-Komplex und eine
subligamentäre
Diskush
ernie L1/2 rechts
mediolateral
(Urk. 6/113/4)
.
4.
8
4.
8
.1
Nach Aufhebung der Verfügung vom
29. September 2015
und Rückweisung zu weiteren Abklärung durch das hiesige Gericht mit Urteil IV.2015.0113 vom 14. Juli 2017 (Urk. 6/114) holte die Beschwerdegegnerin bei der
B._
ein interdisziplinär
es Gutachten ein. Dr. med.
O._
, Fachärztin für Allge
meine Inner
e Medizin, med.
pract
. P._
, Fachärztin für Neurologie, D
r. med. Q._
, Facharzt für Psychiatrie und
Psyc
hotherapie, sowie Dr. med. R._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Be
wegungsapparates,
nannten im Gutachten vom 13. August 2018 (Urk. 6/144) folgende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 4 unten):
-
chronisches
lumbospondylo
genes
Syndrom mit
pseudoradikul
ären
Aus
s
trahlungen in beide Beine bei degenerativen Veränderungen
ossärer
und
discogener
Art bei Spinalkanalstenose und Zustandsbild nach Dekompression mit
Laminektomie
L3 bis L5
(16. Dezember 2009)
-
Impingement
-Symptomatik der rechten Schulter bei partieller, nicht traumatischer Ruptur des
Supraspinatus
Als Diagnosen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie (S. 5 oben):
-
Sulcus
-
ulnaris
-
Reizsyndrom rechts
-
Adipositas Grad I
(BMI 30,1 kg/m
2
)
4.
8
.2
In der interdisziplinären Gesamtbeurteilung hielten die Gutachter fest, dass die Beschwerdeführerin seit 2006 unter progredienten chronischen Rückenschmerzen mit im Verlauf Ausstrahlung in das linke, später auch in das rechte Bein und später auch
unter
Schmerzen im Nacken und Schultergürtelbereich mit Aus
strahlung in den rechten Arm leide. Weder die konservativen Therapieversuche vor der Operation 2009
(2x
Epiduralinfiltrationen
, Physiotherapie mit
Detoni
sie
rung
, Massage, Prednison per
os
,
Chiropraktor
)
,
noch die Operation am 16. Dezem
b
er 2009 in Form einer Dekompression L3-L5 oder die späteren Therapieversuche (Rehabilitationsaufenthalte, Physiotherapien, Massagen, Hypnosetherapien, Wassertherapien, Infiltrationen, medikamentöse Therapien) hätten eine
Chronifi
zierung
und Beschwerdezunahme im Verlauf verhindern können.
Im MRI sei narbig verändertes Gewebe festgestellt worden. Zudem bestünden auf allen Ebe
nen der LWS
Discopathien
, welche allerdings keinen komprimierenden Effekt ausüben würden. Im Bereich des rechten Schultergelenkes bestehe eine
Impin
gement-Symptomatik
mit partieller Ruptur der
Supraspinatus
-Sehne und Auf
lockerung der
Subscapularis
-Sehne. Neben den Schmerzen sei eine entsprechende Bewegungseinschränkung festzustellen. Diese Veränderung
en
könnten aus ortho
pädischer Sicht als knapp mittelgradig angesehen werden. Mit Ausnahme der Symptome eines N.
Ulnaris
Reizsyndroms links könnten die vorliegenden Be
schwerden aus neurologischer Sicht nicht erklärt werden. Aus allgemein-inter
nistischer und psychiatrischer Sicht fänden sich keine Erkrankungen von Rele
vanz und mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (S. 4 Mitte).
4.
8
.3
Zu den funktionellen Auswirkungen der Befunde und Diagnosen hielten die Gut
achter fest, die festgestellten Befunde
führten
in Verbindung mit den daraus resultierenden
Diagnosen zu Funktionseinbussen mit einer sich daraus ergeben
den Teil
a
rbeitsunfähigkeit
(S. 5 Ziff. 4.3).
Bei der Diskussion der Persönlichkeitsaspekte hielten sie fest, dass relevante Per
sönlichkeitsstörungen nicht diagnostiziert worden seien (S. 5 Ziff. 4.4).
Zu den Belastungsfaktoren und Ressourcen führten sie aus, die guten Deutsch
kenntnisse der Beschwerdeführerin, das unterstützende familiäre Umfeld und die grundsätzlich guten kognitiven Voraussetzungen seien als Ressourcen anzusehen (S. 5 Ziff. 4.5).
Zur
Konsistenz führten die Gutachter weiter aus, im Vordergrund stünden für die Beschwerdeführerin ihre somatischen Beschwerden, die sie mit Verdeutlichung darstelle. Es sei ein regressives Verhalten
i
nnerhalb der familiären Konstellation zu erahnen, indem sich die
Beschwerdeführerin
von ihren Familienangehörigen helfen und pflegen
lasse
. Es lieg
e
aber keine psychische Störung vor, die sie gleichmässig in vergleichbaren Lebensbereichen einschränken würde. Ihre soma
tischen Beschwerden
würden
soweit durch entsprechende Befunde begründet, doch ihr Verhalten
sei
in psychi
scher Hinsicht nicht konsistent.
An der rechten oberen und an den unteren Extremitäten könn
t
en aus orthopädischer Sicht keine
Einschränkungen festgestellt werden; es
sei
aus orthopädischer Sicht nicht klar ersichtlich, warum
die
Beschwerdeführerin
auf Gehstöcke beidseits angewiesen
sei (S. 5 Ziff. 4.6).
4.
8
.4
Von der
Beschwerdegegnerin sei
bereits mit Verfügung vom 29.
September
2015 festgehalten
worden
, dass die
Beschwerdeführerin seit Juni 2001 (richtig 2011) in der angestammten Tätigkeit als Reinigungsmitarbeiterin nicht mehr arbeitsfähig sei. Aus polydisziplinärer Sicht könne dieser Einschätzung gefolgt werden.
Mit
anderen Worten sei die angestammte Arbeitsfähigkeit mit 0 % zu veranschlagen (S. 5 Ziff. 4.7).
Zur Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit hielten die Gutachter zunächst folgende Kriterien fest:
«
Wechselbelastend, körperlich leicht, mit der Möglichkeit des Wechselns zwischen Sitzen, Gehen
und Stehen. Kein Heben und Tragen von Lasten über 10 kg, keine Zwangspositionen der Wirbelsäule
(namentlich keine Inklinations- und Rotationsbewegungen) und der rechten Schulter (namentlich
keine
Ü
ber
-
Kopf-Tätigk
eit oder repetitive Bewegungen)».
Unter diesen Umstän
den
sei
es aus polydisziplinärer Sicht gerechtfertigt, davon auszuge
h
en,
dass die Versicherte
sieben
Stunden pro Tag mit verlangsamtem Arbeitstempo und allen
falls vermehrten
Pausen arbeiten
könne
. Insgesamt
ergebe
sich daraus eine leidensangepasste Arbeitsfähigkeit
von 80
% (S. 6 Ziff. 4.8).
4.
8
.5
Zu medizinischen Massnahmen und Therapien mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit hielten die Gutachter sodann fest, die
Indikation für weitere operative Eingriffe sollte aufgrund der
chronifizierten
Situation sehr zurückhaltend
erfolgen. Die Prognose
sei als schlecht zu
erachten. Die aktuellen bestehenden Therapien
(Physiotherapie, psychiatrische Behandlung) sollten langfristig weiter
geführt werden, wobei aufgrund der Schmerzsituation bei der Beschwerdefüh
rerin
die Mitarbeit
zum Beispiel
im Rahmen der Physiotherapien
stark beein
trächtig
sei
.
4.
8
.6
Zur Frage, ob und wenn ja inwiefern sich der Gesundheitszustand seit dem 16. Januar 2012 wesentlich verändert habe und wie sich die gefundenen Verände
rungen auf die Arbeitsfähigkeit auswirke
n würden
, führten die Gutachter aus, a
us neurologischer, allgemein-internistischer und psychiatrischer Sicht
liessen
sich keine relevanten
objektivierbaren Befundänderungen im Vergleich zu Januar 2012 feststellen. Eine Veränderung
lasse
sich lediglich anhand der Anamnese so
wie den vorliegenden Akten im Sinne einer Intensitätszunahme
der Beschwer
den feststellen, jedoch nicht anhand von objektiven Kriterien.
Aus orthopädischer Sicht
sei
festzuhalten, dass sich im Bereich der LWS und an der rechten
Schulter das Ausmass
der
von der
Beschwerdeführerin
angegebenen Beschwerden verän
dert
habe
.
Im Bereich der LWS zeig
e
sich im Rahmen der klinischen Untersuchung eine aus
geprägte Verminderung
der Beweglichkeit des
Achsenskelettes. Diese
könne
unter Berücksichtigung der bildgebenden Verfahren nicht nachvollzogen werden. Bei dieser Untersuchung sei eine Compliance der versicherten Person unabdingbar.
In der erwähnten aktuellen MRI-Untersuchung finde sich, was von den behan
delnden Ärzten
mehrfach hervorgehoben
werde
, neu eine
Diskusproblematik auf Höhe L1/
2. Der Duralsack
werde
auf jener Höhe leicht eingedellt
,
eine Irritation,
Kompromittierung
oder gar Kompression neuraler
Strukturen
könne
nicht fest
gestellt werden.
Dies decke sich auch mit den klinischen Befunden.
Unter diesen Umständen
sei
aus orthopädischer Sicht die festgestellte
Discopathie
im Sinne des
bekannten, nach eigenen Gesetzen fortschreitenden degenerativen Prozesses zu sehen, der
keinen relevanten Ausdruck auf die Klinik und damit auf die Leis
tungsfähigkeit
habe (S. 7 oben).
Im Bereich des rechten Schultergelenkes
sei
gegenüber dem Gutachten von 2011 klinisch eine
Verschlechterung festzustellen.
Die Beweglichkeit des Schulter
ge
lenkes
sei
vermindert und die
Resistiv
-Tests für die
Rotatorenmanschette
seien
rechtsseitig
auffällig.
Unter diesen Umständen
sei
es gerechtfertigt, von einer gewissen Objektivierung der durchgeführten
Tests zu sprechen.
Unter diesen Umständen
erscheine
es
auch
gerechtfertigt, die Art der leidensadaptierten Tätig
keit anzupassen
und das Ausmass der leidensangepassten Arbeitsfähigkeit leicht zu vermindern (80
%).
4.
9
Die IV-Stelle forderte die Gutachter zur
Verdeutlichung auf, ob und inwiefern sich in der RAD-Untersuchung erhobene Inkonsistenzen durch medizinisch-objektive Befunde bei ihnen erklären liessen (Urk. 6/146).
Dr.
O._
, Dr.
Q._
sowie Dr.
R._
führten in der ergänzenden Stellungnahme vom 9. November 2018 (Urk. 6/147) aus,
dass auch im Rahmen
der
gutachterlichen Untersuchung Inkonsistenzen
aufgefallen
seien
, welche
im orthopädischen
Bericht dargelegt
worden seien
.
Die
Beschwerdeführerin
habe
anlässlich
der orthopädischen
Unter
suchung
vom 28.
Juni
2018 über ausgeprägte Schmerzen
geklagt
,
welche im Vergleich zur
bidisziplinären
Untersuchung vom 20.
April
2011 (Bericht vom 15.06.2011) und zur
RAD-Untersuchung vom 9.
April
2015 noch an Intensität zugenommen
hätten
.
Erfahrungsgemäss
sei
es schwierig, Schmerzen zu objekti
vieren oder
gar zu messen
.
Es
sei
jedoch gerechtfertigt, Überlegungen bezüglich der Konsistenz anzustellen; in diesem Zusammenhang
sei auf die
Waddell
-Zeichen hingewiesen
worden
, welche international anerkannt und validiert
seien
.
Die
Beschwerdeführerin weise
deutliche Zeichen der Überreaktion auf, die Schmerzzunahme bei Druck auf den
Kopf oder Rotation en bloc
sei
nicht erklär
bar, das positive
Las
è
gue
-Zeichen
werde
im
Langsitz
nicht bestätigt
und die sen
siblen und motorischen Ausfälle könn
t
en nicht einer konkreten neuralen Struktur zugeordnet
werden. Es seien also fünf
Waddell
-Zeichen positiv, was doch für eine gewisse Verdeutlichung spreche, auch wenn hier keine objektive Messung mög
lich sei (S. 2 oben).
Im Rahmen der RAD-Untersuchung
sei festgehalten worden
, dass sich keine Hinweise auf
Nervenwurzelreizungen finden
liessen
.
Um dies
bezüglich weitere Informationen zu erhalten,
sei
im Rahmen der Begutachtung eine
fachärztlich-neuro
logische Abklärung durchgeführt worden.
Im entspre
chenden
Teilgutachten
werde in den Punkten 6.1
sowie
7.3
dargelegt, dass weder in den bildgebenden Verfahren noch in den EMG-Untersuchungen Hinweise
dafür vorliegen
würden
, dass relevante neurologische Ausfälle, namentlich moto
rischer Art, dokumentiert
worden seien
(S. 2 oben)
.
Zu den bildgebenden Verfahren
sei ebenfalls
festgehalten
worden
, dass
die MRI-Untersuchung vom 24.
Januar
2017 ausgeprägte degenerative Veränderungen der gesamten LWS
zeig
e
, wobei keine Kompression neuraler Strukturen erkennbar
sei
. Diese Veränderungen
würden
nicht auf
eine neurologische Problematik hin
weisen
,
könn
t
en aber eine gewisse Schmerzproblematik erklären, auch wenn
die K
orrelation Bildgebung
/Schmerzen gerade an der Wirbelsäule nicht zwingend
sei
. Die Diskushernie
L1/
2 finde
klinisch kein Korrelat (S. 2 Mitte).
In der psychiatrischen RAD
-
Untersuchung vom 9.
April
2015
sei
keine psychia
trische Diagnose
mi
t/
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt
worden
. Bei
der
Begutachtung
habe
ebenfalls kein
psychisches Leiden objektiviert werden
können
bzw.
sei
der Verlauf seit der RAD
-
Untersuchung unverändert geblieben.
Aus psychiatrischer Sicht
würden
die Schlussfolgerungen der RAD
-
Untersuchung vom
9.
April
2015 mit
derjenigen im Gutachten
überein
stimmen
beziehungsweise
würden
keine Inkonsistenzen
bestehen (S. 2 Mitte).
4.1
0
Med.
pract
.
Z._
, RAD, führte in der Stellungnahme vom 14. November 2018 (Urk. 6/149/5-6) aus,
die Gutachter würden die Ergebnisse der RAD-Untersuchung vom 9. April 2015 bestätigen. Daraus sei zu folgern, dass die Einschätzung des RAD von den Gutachtern gestützt werde und daher an der Stellungnahme des RAD vom 5. Mai 2015 festgehalten werden könne. Für den Zeitraum bis zum Gutachten sei keine wesentliche Veränderung des Gesundheitszustands gegen
über der Einschätzung des RAD ausgewiesen. Neu sei die Beweglichkeit der Schulter gegenüber 2015 auch objektiv verschlechtert, was eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit für angepasste Tätigkeiten um 20 % begründe.
4.1
1
Dr.
C._
führte im Bericht vom 10. Oktober 2019 (Urk. 3) aus,
b
ei
der Be
schwerdeführerin
besteh
e
eine langjährige im Verlauf eher progrediente
Schmerz
problematik der Wirbelsäule, mit Schwerpunkt lumbale Wirbelsäule bei St
atus nach
durchgemachte
r
Operation
,
mit noch anhaltenden
radikulären
Schmerzaus
strahlungen.
Zusätzlich im Rahmen der gesamten
Dekonditionierung
bestünden
Schmerzen im Bereich des
Schultern
ackengürt
els. Die letzten Untersuchungen hätten
bei der Neurologin Dr.
S._
statt
gefunden
, welche die Diagnose eines chronischen sensomotorischen Wurzelreiz-Ausfallssyndrom
s
L5 links mit
Grosszehenheberschwäche
bei St
atus
n
ach
Dekompression L3-L5
am 16.
Septem
ber 2019 bestätigt habe
.
Die Diagnose des chronischen sensomotorischen
radi
k
u
lären
Syndrom
s
links
sei
bereits 2014 durch Dr.
F._
erhoben
worden
.
Floride
Denervationszeichen
hätten
in der Untersuchung
auch jetzt keine gefunden werden
können
. Auch
z
ervikal
hätten
keine Hinweise
auf ein
S
ulcus
-
ulnaris
-
Kompressionssyndrom oder
auf eine
Denervation
der C7 Muskulatur gefunden werden
können
. Auch
die Neurologin
habe
bestätigt
, dass eine Arbeitsunfähigkeit bei der
chronifizierten
schweren
Rückenproblematik auch auf lange Frist anzu
nehmen
sei.
Ein
Arbeits
einsatz
erachte er
nicht
als
möglich.
5.
5.1
Die Frage, ob sich der Gesundheitszustand der Beschwerdeführerin in einer für den Anspruch erheblichen Weise verschlechtert hat, beurteilt sich durch einen Vergleich des Gesundheitszustandes im Zeitpunkt der rentenablehnenden Verfü
gung vom
16. Januar 2012 (Urk. 6/49)
mit dem Gesundheitszustand im Zeitpunkt der angefochtenen Verfügung (Urk. 2).
Für die Beantwortung der Frage, ob eine Verschlechterung des Gesundheits
zustands der Beschwerdeführerin in einer für den Anspruch relevanten Weise eingetreten ist, kann auf das
interdisziplinäre Gutachten der
B._
abge
stellt werden
.
Dieses Gutachten entspricht den erforderlichen Kriterien an den Beweiswert einer Expertise (vgl. E. 1.
4
)
und spricht sich insbesondere hinreichend darüber aus, inwiefern eine effektive Veränderung des Gesundheitszustands stattgefunden hat
. Die Beschwerdeführerin wurde ihren geltend gemachten Be
schwerden entsprechend umfassend abgekl
ärt, das Gutachten beruht auf internis
tischen, neurologischen, orthopädischen und psychiatrischen
Untersuchungen, berücksichtigt die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis der
Vorakten
abgegeben. Sodann sind die Darlegungen der medizinischen Zusammenhänge und die Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtend und die Schluss
folgerungen in der Expertise
begründet. Die Gutachter
zeigten insbesondere auf, dass sich aus neurologischer, allgemein-internistischer und psychiatrischer Sicht im Vergleich zu Januar 2012 keine relevanten objektivierbaren Befundän
de
rung
en feststellen liessen, jedoch aus orthopädischer Sicht im Bereich des rechten Schultergelenkes gegenüber dem Gutachten von 2011 klinisch eine Verschlech
terung festzustellen
ist
, welche es rechtfertig
t
, die Art der leidensangepassten Tätigkeit anzupassen und
welche
das Ausmass der leidensangepassten Arbeits
fähigkeit leicht verminder
t
. Die Gutachter kamen in ihrer Gesamtbeurteilung
zum
na
chvollziehbaren Schluss, dass
in einer leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeits
fähigkeit von 80 % besteh
t
.
5.2
Soweit
die
Beschwerdeführer
in
geltend macht, im Gutachten
sei
ihre gesund
heitliche Situation
nicht hinreichend abgeklärt
worden
, vermag dies vor dem Hintergrund der ausführlichen und umfassenden gutachterlichen Beurteilung nicht zu überzeugen. Es
ist nicht ersichtlich, inwiefern sich
aus den
Darlegungen in der Beschwerde
(Urk. 1 S. 3 f.)
und
auch
aus
d
en übrigen medizinischen Akten, insbesondere dem Bericht von Dr.
C._
vom 10. Oktober 2019
,
eine andere Beurteilung ergeben soll.
So
berichtete
auch
Dr.
C._
von einer
im Wesent
lichen
unveränderten Schmerzproblematik der Wirbelsäule und
verwies auf die
analoge
Diagnose
stellung
durch Dr.
F._
im Jahr
2014
. Weiter führte er aus, dass in der Untersuchung keine
floride
n
Denervationszeichen
und auch zervikal keine Hinweise für ein
S
ulcus
-
ulnaris
-
Kompressionssyndrom oder
eine
Denerva
tion
der C7 Muskulatur hätten gefunden werden können.
Eine
relevante
Verän
derung des Gesundheitszustands lässt sich hieraus
entgegen der Ansicht der Be
schwerdeführerin
nicht ableiten.
Aus dem neurologischen Teilgutachten geht
hierzu
ausführlich
hervor,
dass sich zwar MR-tomographisch eine weitere Zu
nahme der degenerativen Veränderungen
, jedoch weiterhin keine eindeutigen Nervenwurzelkompressionen
gezeigt habe
n
. Bei der zweiten EMG-Untersuchung durch Dr.
F._
im Jahr 2014 hätten sich zwar neurogene Veränderungen im L5 versorgten Muskel gezeigt, welche vorgängig im Jahr 2
0
12 nicht beschrieben
worden seien. Jedoch hätten sich bei der Untersuchung
weiterhin keine patho
lo
gi
sche Spontanaktivität und auch keine erhöhten Amplituden der Potentiale
ge
ze
igt
. Die angegebenen leicht
en
bis
m
ä
ssigen chronisch neurogenen Verände
rungen wären allenfalls mit Irritationen der Nervenwurzel
L5 oder einer stattge
habten Schädigung noch vor Durchfü
hrung der Dekompressionsoperati
on verein
bar. Ein klinisch relevantes sensomotorisches L5 Syndrom lieg
e
aktuell nicht vor. Dieses
sei
damals einzig anhand einer
Grosszehenheberschwäche
links im Seiten
ver
gleich
in Zusammenhang mit dem EMG-Befund
festgemacht
worden
, wobei die
Beschwerdeführerin
bei den
Kraftprüfungen insbesondere an den unteren Extre
mitäten wenig kooperiert
habe
. Schliesslich
sei
auch schon in einem Bericht von Dr.
C._
vom 3.
März
2010 auf ein nicht vorliegendes neurologisches
Konsil
von Prof. Dr.
T._
von der
U._
verwiesen
worden
, welcher einen leichten
chronischen
Denervationsprozess
bei langjähriger Spinalkanalstenose gezeigt haben soll
e
. Die
Diagnose eines sensomoto
rischen L5-Syndroms links bleibe
somit fraglich und eine wesentliche
Befundänderung zur S
ituation vor Januar 2012 bestehe
nicht. Auch eine organisch
begründete
Grosszehenheber
parese
wäre für die Arbeitsfähigkeit irrelevant
(vgl. Urk. 6/144 S. 18 Mitte)
.
Die neurologische Gutachterin wies weiter darauf hin, dass mit Ausnahme der erwähnten Symptome eine
s
N.
Ulnaris
-Reizsyndroms links die vorliegenden Be
schwerden aus neurologischer Sicht
nicht
erklärt werden könnten und eine be
züglich Arbeitsfähigkeit relevante objektivierbare neurologisch bedingte Ausfall
symptomatik nicht vorliege (vgl. Urk. 6/144 S.
16 unten). Weiter machte sie
darauf aufmerksam, dass
sich bei der körperlichen Untersuchung im Vergleich mit der Verhaltensbeobachtung
Diskrepanzen finden liessen.
So
sei
die
Beschwer
deführerin
kaum
i
n der Lage die Beine vom Be
tt
anzuheben oder in der sitzenden Position
auf Aufforderung anzuheben, auf Beobachtung
sei
sie
zum Beispiel
beim Ankleiden der unteren Extremitäten
(der Untersucher
halte
ihr hierbei die Hose, so dass sie mit den Beinen in diese eintreten
und sie anschliessend hochziehen
könne
) hierzu jedoch in der L
age. Auch der während der Unter
suchung sehr unsichere Finger-Nase-Versuch
lasse
sich während des An-/Auskleidens und im
Gespräch
zum Beispiel
beim Greifen des Schuhlöffels und
dem
gezielte
n
H
an
tieren damit mit der rechten Hand,
eine
m
Taschentuch oder Hochziehen der Hose
oder beim
Zuknöpfen nicht beobachten. Auch das Ausmass
der Paresen des rechten Armes
lasse
sich
zum Beispiel
im Rahmen des
Ankleidens nicht beob
achten. Bezüglich
des Vorhandenseins dieser Inkonsistenzen bzw. Symptomaus
weitung und Aggravation
bestehe
wiederum eine Konsistenz zu den Befunden des Gutachtens
aus dem Jahr
2011
(vgl. Urk. 6/144 S. 17 unten f.)
.
Hierzu ist zu ergänzen, dass nicht nur im Gutachten der
Y._
vom 15. Juni 2011, sondern auch im Rahmen der Untersuchung durch Dr.
F._
im Jahr 2014 und dann
auch
durch den RAD
zahlreiche Inkonsistenzen und eine teilweise erheb
liche Symptomausweitung festgestellt wurden.
Schliesslich hielt die neurolo
gische Gutachterin fest, dass qualitativ keine neuen nachweisbaren Beschwerden seit 2012 dazugekommen seien (vgl.
Urk. 6/144 S. 18 Mitte)
.
Soweit die Beschwerdeführerin
weiter
bemängelt, dass auf ihre psychischen Leiden ebenfalls nicht eingegangen worden sei und diese in keiner Wiese hin
reichend untersucht worden seien (Urk. 1 S. 4 oben),
verkennt sie, dass im psy
chiatrischen Teilgutachten
(
Urk. 6/144/20-27
)
einlässlich und nachvollziehbar erörtert wurde, dass
sich aus psychiatrischer Sicht keine Erkrankungen von Rele
vanz und mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit finden
liessen.
Bereits med.
pract
.
A._
hielt in seinem Bericht fest, dass eine psychiatrische Diagnose nicht gestellt werden könne.
5.3
Weiter vermag die
von Dr.
C._
im Bericht vom 10. Oktober 2019 postulierte
(vollständige)
Arbeitsunfähigkeit - welche sich im Übrigen nicht von
seiner
im Jahr 2014 attestierte
n
vollständigen Arbeitsunfähigkeit unterscheidet
-
die anderslautende gutachterliche Ei
nschätzung nicht zu widerlegen.
Wohl kann die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung oft wertvolle Erkenntnisse
hervorbringen
; doch lässt es die unterschiedliche Natur von Be
handlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-) Person einerseits und Begut
achtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten anderseits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen bzw. Therapiekräfte zu anderslautenden Einschät
zungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige - und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende - Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundes
gerichts 8C_677/2014 vom 29. Oktober 2014 E. 7.2 mit Hinweisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06]).
Dies ist vorliegend nicht der Fall, so nannte Dr.
C._
keine wichtigen
Aspekte, die im Rahmen der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 514/06 vom 25. Mai 2007 E. 2.2.1) und Anlass zu wei
teren Abklärungen geben würden.
5.4
Soweit die Beschwerdeführerin weiter vorbringt, dass
es ihr aufgrund der Sch
merzen nicht möglich sei
,
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen
,
und sich ihr Gesundheitszustand in den letzten Jahren zusehends verschlechtere
(vgl. Urk. 1 S. 3
f.
), ist zu bemerken, dass subjektive Schmerzangaben im Rahmen der sozial
versicherungsrechtlichen Leistungsprüfung mit Blick auf die sich stellenden Be
weisschwierigkeiten durch damit korrelierende, fachärztlich schlüssig feststell
bare Befunde hinreichend erklärbar sein müssen (BGE 139 V 547 E. 5.4). Entgegen der Ansicht
der
Beschwerdeführer
in
liess sich das Ausmass der geklagten Be
schwerden
im Rahmen der Untersuchung jedoch nicht objektivieren
.
So liessen sich w
eder aus neurologischer
, allgemein-internistischer
noch aus psychiatrischer Sicht
objektivierbare Befundänderungen im Vergleich zu Januar 2012 feststellen
. Einzig im Bereich des rechten Schultergelenkes war gegenüber dem Gutachten von 2011 klinisch eine Verschlechterung festzustellen
, der in der Arbeitsfähig
keitsbeurteilung Rechnung getragen wurde
.
Die Gutachter wiesen auch in der ergänzenden Stellungnahme nochmals
auf
Inkonsistenzen
hin, so dass aus den subjektiv geklagten übermässigen Beschwerden nicht einfach eine erhebliche Arbeitsunfähigkeit resultiert.
5.5
Nach dem Gesagten
steht fest, dass keine anderslautenden somatischen
und psy
chischen
Befunde und somit keine objektiv feststellbaren Gesichtspunkte vorlie
gen, welche Zweifel
am Gutachten
begründen würden. Soweit
die
Beschwerde
führer
in
verlangt, es seien weitere Abklärungen durchzuführen, kann darauf in antizipierter Beweiswürdigung verzichtet werden (BGE 127 V 491 E. 1b mit Hinweisen). Der Gesundheitszustand und insbesondere die medizinisch-theore
tische Arbeitsfähigkeit
der Beschwerdeführerin
sind aufgrund der medizinischen Akten hinreichend abgeklärt. Von weiteren Untersuchungen wären keine neuen Erkenntnisse zu erwarten.
Z
usammenfassend ist somit festzuhalten, dass sich der Gesundheitszustand
der
Beschwerdeführer
in
im relevanten Zeitraum
nicht in einer für den Anspruch erheblichen Weise verschlechtert hat.
6.
Nachdem feststeht, dass der Beschwerdeführerin medizinisch-theoretisch eine 80%ige Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit zumutbar ist (vor
stehend E. 5.1), ist der durch die Beschwerdegegnerin zur Ermittlung der erwerb
lichen Auswirkungen vorgenommene Einkommensvergleich
, gemäss welchem die Beschwerdeführerin bei Ausschöpfung ihres beruflichen Leistungsvermögens
bei einem Invaliditätsgrad von 18 %
keine
rentenbegründende
Erwerbseinbusse erleidet (Urk. 2 S. 2)
,
nicht zu beanstanden und wird durch die Beschwerde
führerin auch nicht gerügt.
Im Besonderen würde sogar bei einem maximalen Leidensabzug beim ermittelten Invalideneinkommen von 25 % kein Invaliditäts
grad resultieren.
Soweit die Beschwerdeführerin ihre Arbeitsfähigkeit nicht auszuschöpfen ver
mag, beruht dies nicht auf objektivierbaren Gründen, weshalb sie die Folgen, dass sie das ihr attestierte Arbeitspotential nicht verwertet, selbst zu tragen hat.
Damit erweist sich
die einen Rentenanspruch verneinende Verfügung vom 16. Septem
ber 2019 (Urk. 2) als rechtens, was zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr.
8
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie de
r
unterliegenden Beschwerdeführer
in
aufzu
erlegen.