# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e5b898af-c744-41c7-b4af-32614be5fe0b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1963 geborene
X._
arbeitete
seit dem
8. Mai
2006 vollzeitlich
als
Gipser
bei
der
Y._
GmbH, als er am 27. Mai 2008
als
Beif
ahrer des vorderen Autos einen Auffahrunfall erlitt. Wegen der Unfallfolgen meldete er sich am 18. Dezember 2008 bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an
(
Urk. 7/7/
117,
Urk.
7/7/
119,
Urk.
7/13,
Urk. 7/22
/2
).
In der Folge nahm die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, Berichte der behandelnden Ärzte zu den Akten (Urk. 7/15, Urk. 7/18), zog einen Auszug aus dem individuellen Konto des Versicherten (IK-Auszug, Urk. 7/16) sowie die Akten der Schweizerischen Unfallversicherungsanstalt (Suva; Urk. 7/7
und Urk. 7/17
) bei und liess den Arbeitgeberfragebogen vom letzten Arbeitgeber
des Versicherten
ausfüllen (Urk. 7/22). Sodann liess sie durch
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
, das psychiatrische Gut
achten vom 21. März 2010 erstatten (Urk. 7/33).
Gestützt darauf sowie auf die Abklärungen der Suva (vgl.
die
Stellungnahme des
Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD)
vom 26. Mai 2010, Urk. 7/41/4)
stellte die IV-Stelle dem Versi
cherten mit Vorbescheid vom 3. Juni 2010 die Abweisung des Begehrens
um Zusprechung einer
Rente der Invalidenversicherung in Aussicht (Urk. 7/43).
Dagegen liess der Versicherte am 1. Juli 2010 Einwand erheben (Urk. 7/46) und einen weiteren Arztbericht einreichen (Urk. 7/49). Daraufhin holte die IV-Stelle das
internistisch-rheumatologisch-psychiatrische
Gutachten der MEDAS
A._
vom 27. Juni 2011 ein (Urk. 7/57
-58
). Dazu nahm der Versicherte am 27. September 2011 unter Beilage eines Berichts seines
behandelnden Psychotherapeuten
Stellung
(Urk. 7/64 und Urk. 7/65)
.
Am 28.
November 2011 beantwortete der am MEDAS-Gutachten beteiligte Rheumatologe eine Rück
frage der IV-Stelle (Urk. 7/69). Hierzu nahm der Versicherte wiederum Stellung (Urk. 7/76).
Mit Verfügung vom 1
2.
Juli 2012 verneinte die IV-Stelle schliess
lich den Anspruch des Versicherten auf eine Invalidenrente (Urk. 7/87 =
Urk.
2).
2.
Dagegen liess der Versicherte mit Eingabe vom 11. September 2012 Beschwerde erheben und beantragen,
die angefochtene
Verfügung
sei aufzuheben und es sei ihm mit Wirkung ab Mai 2010
(
richtig: Mai 2009;
vgl. Urk. 12 S. 7)
eine Rente der Invalidenversicherung zuzusprechen. In verfahrensrechtlicher Hinsicht be
antragte er die Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege
sowie, es seien auf Kosten de
r Beschwerdegegnerin ergänzende
Abklärungen durch das Gericht zu tätigen und insbesondere ergänzende Fragen an den MEDAS-Gutachter med.
pract
.
B._
zu richten (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom 11. Oktober 2012 die Abweisung der Beschwerde (Urk. 6).
Mit Gerichtsverfügung vom 7. November 2012 wurde dem Beschwer
deführer die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und in der Person von
Rechtsanwältin
Stephanie Schwarz, Winterthur, eine unentgeltliche Rechtsvertreterin
bestellt (Urk. 8).
Mit Replik vom 27. Februar 2013 präzisierte der Beschwerdeführer seinen Verfahrensantrag bezüglich weiterer Abklärungen dahingehend, dass zudem für die Periode nach der MEDAS-Begutachtung durch das Gericht eine polydisziplinäre Begutachtung zu veranlassen sei (Urk.
12 S. 2), und reichte zwei weitere Arztberichte ein (Urk. 13/1-2).
Am
2.
April 2013 ver
zichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Duplik (Urk. 15).
Mit Gerichtsverfügung vom
20. Januar
2014 wurde die
Helvetia Schweizerische Lebensversicherungsgesellschaft AG
zum Prozess beigeladen (Urk.
17
).
Diese verzichtete
mit Eingabe vom 14. Februar
2014
auf das Einreichen einer
Stel
lung
nahme (Urk. 18)
, was dem Beschwerdeführer sowie der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom
19. Februar
2014 mitgeteilt wurde (Urk.
19
).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, so
weit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8
Abs.
1
des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
; ATSG
). Die Invalidität kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4
Abs.
1
des Bun
desgesetzes über die Invalidenversicherung; IVG)
. Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7
Abs.
1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7
Abs.
2 ATSG).
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken. Nicht als Folgen eines psychischen Gesundheitsschadens und damit invalidenversicherungsrechtlich nicht als rele
vant gelten Einschränkungen der Erwerbsfähigkeit, welche die versicherte Per
son bei Aufbietung allen guten Willens, die verbleibende Leistungsfähigkeit zu verwerten, abwenden könnte; das Mass des
Forderbaren
wird dabei weitgehend objektiv bestimmt. Festzustellen ist, ob und in welchem Umfang die Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem ausgeglichenen Arbeitsmarkt mit der psychi
schen Beeinträchtigung vereinbar ist. Ein psychischer Gesundheitsschaden führt also nur soweit zu einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 ATSG), als angenommen werden kann, die Verwertung der Arbeitsfähigkeit (Art. 6 ATSG) sei der versi
cherten Person sozial-praktisch nicht mehr zumutbar (BGE 131 V 49 E. 1.2 mit Hinweisen).
Eine fachärztlich (psychiatrisch) diagnostizierte anhaltende somatoforme Schmerzstörung begründet als solche noch keine Invalidität. Vielmehr besteht eine Vermutung, dass die somatoforme Schmerzstörung oder ihre Folgen mit einer zumutbaren Willensanstrengung überwindbar sind. Bestimmte Umstände, welche die Schmerzbewältigung intensiv und konstant behindern, können den Wiedereinstieg in den Arbeitsprozess unzumutbar machen, weil die versicherte Person alsdann nicht über die für den Umgang mit den Schmerzen notwendigen Ressourcen verfügt. Ob ein solcher Ausnahmefall vorliegt, entscheidet sich im Einzelfall anhand verschiedener Kriterien. Im Vordergrund steht die Feststellung einer psychischen
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Ausprägung und Dauer. Massgebend sein können auch weitere Faktoren, so: chronische körperli
che Begleiterkrankungen; ein mehrjähriger,
chronifizierter
Krankheitsverlauf mit unveränderter oder progredienter Symptomatik ohne längerdauernde Rück
bildung; ein sozialer Rückzug in allen Belangen des Lebens; ein verfestigter, therapeutisch nicht mehr beeinflussbarer innerseelischer Verlauf einer an sich missglückten, psychisch aber entlastenden Konfliktbewältigung (primärer Krankheitsgewinn; "Flucht in die Krankheit"); das Scheitern einer konsequent durchgeführten ambulanten oder stationären Behandlung (auch mit unter
schiedlichem therapeutischen Ansatz) trotz kooperativer Haltung der versicher
ten Person. Je mehr dieser Kriterien zutreffen und je ausgeprägter sich die ent
sprechenden Befunde darstellen, desto eher sind - ausnahmsweise - die Voraussetzungen für eine zumutbare Willensanstrengung zu verneinen (BGE 130 V 352).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
destens 40 Prozent arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 Prozent invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 Prozent besteht Anspruch auf eine
Viertelsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 Prozent auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 Prozent auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 Prozent auf eine ganze Rente (Art. 28
Abs.
2 IVG).
1.3
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebe
nenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden kön
nen (BGE 125 V 2
56
E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
1.4
Versicherungsträger und Sozialversicherungsgerichte haben die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Sozialversicherungsgericht alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden hat, ob die verfüg
baren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt. Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfas
send ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwer
den berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grund
sätzlich somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gut
achten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
stellte sich in der
angefochtenen Verfügung vom 12.
Juli 2012 auf den Standpunkt, ihre umfangreichen
Abklärungen
sowie die Abklärungen der Suva hätten ergeben, das
s der Beschwerdeführer seit
Januar 2009
sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit
wie
der vollumfänglich arbeitsfähig sei (Urk. 2). In ihrer Beschwerdeantwort vom 11. Oktober 2012 führte sie aus, der Beschwerdeführer leide an einer Schmerzstörung, welche sich nur ausnahmsweise, wenn die F
oe
rster-Kriterien erfüllt seien, auf die Arbeitsfähigkeit auswirke, was vorliegend nicht der Fall sei. So
dann würden die festgestellten effektiven Einschränkungen gemäss den Stel
lungnahmen des RAD-Arztes keine über 30
%
liegende Einschränkung der Arbeitsfähigkeit rechtfertigen (Urk. 6).
2.2
Der Beschwerdeführer machte demgegenüber geltend,
bei der diagnostizierten Angststörung erheblichen Ausmasses sei die im MEDAS-Gutachten angegebene Restarbeitsfähigkeit von 30
%
nachvollziehbar.
Diese
30%ige Restarbeitsfähigkeit
stimme auch ungefähr mit der
jenigen gemäss der
Einschätzung der behan
delnden Ärzte überein.
Der Rentenanspruch könne auch nicht mit Hinweis auf die von
der
Suva getätigten Abklärungen verneint werden, da die Suva die krankheitsbedingten Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit nicht zu berücksich
tigen gehabt habe.
Für den Zeitraum vor der MEDAS-Begutachtung sei auf die Berichte der behandelnden Ärzte abzustellen. Die Beschwerdegegnerin habe diesbezüglich den Untersuchungsgrundsatz verletzt (Urk. 1).
Im Übrigen sei die Beurteilung der Überwindbarkeit gestützt auf die F
oe
rster-Kriterien nicht EMRK-konform. Zwischen der Begutachtung durch die MEDAS und dem Erlass der angefochtenen Verfügung habe sich der psychische Gesundheitszustand sodann weiter verschlechtert (Urk. 12).
3.
3.1
Der Beschwerdeführer erlitt am
27. Mai 2008
bei einem Verkehrsunfall ein
e Kon
tusion der Brustwirbelsäule, der Halswirbelsäule, des l
inken Knies sowie beider Ellenbo
gen und eine Distorsion der Halswirbelsäule (Urk. 7/7/1).
3.2
Im Gutachten der MEDAS
A._
vom 27. Juni 2011 (der
Dres
. med.
C._
, Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und
Diabetologie
, und
D._
, Facharzt für Rheumatologie; samt neurologischem Konsilium von
Dr.
med.
E._
, Fachärztin für Neurologie, vom 4. April 2011 [
Urk.
7/58/5-9], rheumatologischem Konsilium von
Dr.
med.
D._
, Fach
arzt
für physikalische Medizin und Rehabilitation, speziell Rheumaerkrankungen, vom 3. März 2011 [
Urk.
7/58/10-18] und psychiatrischem Konsilium von med.
pract
.
B._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom
8. März 2011
[
Urk.
7/58/19-
31
]) wurde
n
folgende Diagnosen mit wesentlicher Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit gestellt (Urk. 7/57/22):
eine generalisierte Angststörung (ICD-10: F41.1), mit
chronischer Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Fakto
ren (ICD-10: F45.41)
polytopen
Schmerzen ohne objektivierbares somatisches Korrelat
klarer Verdeutlichungstendenz
ein
cervicospondylogenes
Syndrom rechts bei
mittelschwer ausgeprägter
Osteochondrose
C5/6
Periathropathia
humeroscapularis
dextra
.
Die Arbeitsfähigkeit betrage
sowohl in der bisherigen als auch in einer angepass
ten Tätigkeit 3
0
%
,
wobei
sich
hauptsächlich die psychiatrischen Be
funde limitierend
aus
wirken würden
(Urk. 7/57/23
).
Mutmasslicher Beginn der reduziert
en Arbeitsfähigkeit sei der
3. Juni 2011. Psychische Entwicklungen seien kaum je zuverlässig rückdatierbar
. Die Prognose sei ungewiss
(Urk. 7/57/23).
Der Teilgutachter
pract
. med.
B._
führte in seiner psychiatrischen Beurtei
lung aus,
die im Psychostatus angegebene Depressivität decke sich bezüglich der Ausprägung nicht mit den Beobachtungen während der Exploration (Urk. 7/58/25). Von Ängsten habe
d
er
Beschwerdeführer
hingegen schlüssig berichtet und
dabei
auch
gezittert (Urk. 7/58/26). Die Angststörung sei als mittel bis stark einzustufen, sodass auch eine psychische
Komorbidität
von erheblicher Schwere, Intensität, Ausprägung und Dauer vorliege. Ebenso liege ein sozialer Rückzug vor, wenn auch nicht vollständig. In einer Gesamtwürdigung sei die Schmerzstörung als
nicht
überwindbar anzusehen.
Das ICF
(
Mini-ICF-Rating für Aktivitäts- und Partizipationsstörungen bei psychi
schen Erkrankungen, Linden & Baron, 2009
)
diskutierte er wie folgt
:
Durch die Ängste sei
die Fähigkeit zur Anpassung an Regeln und Routinen leicht eingeschränkt, die Fähigkeit zur Planung und Strukturierung von Aufga
ben
sei
mittel eingeschränkt, die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie die fachliche Kompetenz
seien
mittel beeinträchtigt
, die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit sowie die Durchhaltefähigkeit
seien
mittel bis schwer beein
trächtigt, die Selbstbehauptungs- und Gruppenfähigkeit
seien
mittel beeinträch
tigt, die Kontaktfähigkeit zu Dritten sowie die Fähigkeit zu familiären und intimen Beziehungen
seien
leicht bis mittel beeinträchtigt und die Fähigkeit zu ausserberuflichen Aktivitäten
sei
leicht beeinträchtigt (Urk. 7/58/27-28).
Auf Rückfrage der IV-Stelle an den rheumatologischen Gutachter
Dr.
D._
, ab wann die 100%ige Arbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit
(körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 25 kg,
ohne Arbeiten mit prolongiert
reklinierter
Kopfhaltung und ohne Arbeiten auf unsicheren Standflächen oder solchen mit Absturzgefahr; vgl.
Urk.
7/57/22,
Urk.
7/57/23
Ziff.
5.2)
gelte, erklärte dieser
am 28. November 2011
, dies sei wohl mit dem Abschluss des Falles durch die Suva vom 1
2.
Januar 2009 der Fall (Urk. 7/
69).
3.
3
Der RAD-Arzt
Dr.
med.
F._
, Facharzt für
Psychiatrie und Psycho
therapie
, hatte sich am 16. November 2011
zur Frage zu äussern, ob das MEDAS-Gutachten insofern nachvollziehbar sei, dass die Arbeitsfähigkeit ret
rospektiv nicht dargestellt werden könne.
Dr.
F._
führte aus, der Inter
pretation, dass die einschränkende Qualität der Schmerzstörung rückwirkend nicht seriös darstellbar sei, sei zuzustimmen. Das Teilgutachten werde plausibel, wenn es rückwirkend keine höhere Arbeitsunfähigkeit als 30
%
angebe. Weitere Rückfragen an den Psychiater seien daher nicht notwendig (Urk. 7/86/3).
Am 29. Februar 2012 gab
Dr.
F._
an, gestützt auf die Antwort von
Dr.
D._
vom 28. November 2011 sei von keiner Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit aus psychiatrischer Sicht auszugehen.
Die im psychiatrischen Teilgutachten angegebene Arbeitsunfähigkeit von 70
%
sei nicht plausibel (Urk. 7/86/4).
4.
4.1
4.1.1
Die Beschwerdegegnerin kam zum Schluss, aus somatischer Sicht sei der Beschwerdeführer noch vor Ablauf des Wartejahres in seiner angestammten Tätigkeit wieder zu 100
%
arbeitsfähig gewesen (Urk. 2).
4.1.2
Dr.
G._
beurteilte den Beschwerdeführer in seinem Bericht vom 24. September 2009 als für seinen angestammten Beruf als Gipser zu 100
%
arbeitsunfähig wegen des Muskelschmerzes und der dadurch bedingten Ein
schränkungen der Beweglichkeit sowie der Minderbelastbarkeit (Urk. 7/33/29). Simulation, Aggravation oder Selbstlimitierung konnte er nicht beobachten (Urk. 7/33/28).
4.1.3
Dem rheumatologischen Teilgutachten der MEDAS
A._
ist bezüglich der somatischen Beschwerden zu entnehmen, dass sich die Situation in den letzten zwei Jahren vor dem rheumatologischen Konsilium vom 3. März 2011 nicht verändert habe (Urk. 7/58/15). In seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit legte
Dr.
D._
schlüssig dar, aus rheumatologischer Sicht lasse sich für das Heben und das Tragen von Lasten über 25 Kilogramm sowie für Arbeiten mit prolongiert
reklinierter
Kopfhaltung eine Einschränkung begründen. Ob die zu
letzt ausgeübte Tätigkeit als Gipser diesem Anforderungsprofil entspreche
beziehungsweise noch zumutbar sei, könne er nicht abschliessend beurteilen, da ihm keine objektive Arbeitsplatzbeschreibung vorliege (Urk. 7/58/16).
4.1.4
Gemäss dem Arbeitgeberfragebogen vom 27. Februar 2009 hatte der Beschwerde
führer in der angestammten Tätigkeit manchmal (das heisst eine halbe bis circa drei Stunden pro Tag) mehr als 25 Kilogramm wiegende Lasten zu heben und zu tragen (Urk. 7/22/7). Dementsprechend machte das Heben schwerer Lasten einen wesentlichen Teil seiner bisherigen Arbeit aus. Mangels Veränderung in den letzten Jahren und da bereits die
K
linik
H._
in ihrem Austrittsbericht vom 30. September 2008 die Tätigkeit als Gipser als un
zumutbar beurteilt hatte, steht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit fest, dass der Beschwerdeführer seit dem Unfall vom 27. Mai 2008 wegen somatischer Beschwerden immer nur in einer entsprechend angepassten Tätigkeit arbeitsfä
hig war. Aus rheumatologischer Sicht angepasst ist eine
körperlich leichte bis mittelschwere Tätigkeit ohne Heben und Tragen von Lasten über 25 kg, ohne Arbeiten mit prolongiert
reklinierter
Kopfhaltung und ohne Arbeiten auf unsi
cheren Standflächen oder
solchen mit Absturzgefahr (
Urk.
7/57/22, Urk.
7/57/23
Ziff.
5.2)
Eine solche Tätigkeit ist dem Beschwerdeführer gestützt auf die nach
vollziehbaren Darlegungen im MEDAS-Gutachten ab Anfang 2009 vollzeitlich zumutbar (
Urk.
7/58/16, Urk. 7/69).
4.
2
4.2
.1
Die Beschwerdegegnerin verneinte in ihrer Beschwerdeantwort vom 1
1.
Oktober 2012 die
F
oe
rster-Kriterien
, insbesondere
das Kriterium
der psychischen
Komorbidität
(Urk. 6 S. 2)
.
Die ärztlichen Stellungnahmen zum psychischen Gesund
heitszustand und zum aus medizinischer Sicht (objektiv) vorhandenen Leistungspotential bilden unabdingbare Grundlage für die Beurteilung der Rechts
frage, ob und gegebenenfalls inwieweit einer versicherten Person unter Auf
bringung allen guten Willens die Überwindung ihrer Schmerzen und die Ver
wertung ihrer verbleibenden Arbeitskraft zumutbar ist. Im Rahmen der freien Beweiswürdigung darf sich dabei die Verwaltung - und im Streitfall das Gericht - weder über die den beweisrechtlichen Anforderungen genügenden medizini
schen Tatsachenfeststellungen hinwegsetzen noch sich die ärztlichen Einschät
zungen und Schlussfolgerungen zur (Rest-)Arbeitsfähigkeit unbesehen ihrer konkreten sozialversicherungsrechtlichen Relevanz und Tragweite zu eigen machen. Letzteres gilt namentlich dann, wenn die begutachtende Fachperson allein aufgrund der Diagnose einer anhaltenden
somatoformen
Schmerzstörung eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit attestiert (
BGE 130 V 352
E. 2.2.5 mit Hinweisen).
4.2
.2
Das
MEDAS
-Gutachten basiert auf einer
internistischen, einer rheumato
logi
schen
, einer psychiatrischen und einer neurologischen Untersuchung sowie
auf den anlässlich dieser Unter
suchungen erhobenen objektiven Befunden, auf den
Vorakten
, den subjektiven Angaben de
s
Beschwerdeführer
s
sowie der erhobenen Anamnese (
Urk.
7/57-58
). Die
MEDAS
-Gutachter
, insbesondere der Psychiater,
schilderte
n
schlüssig
, dass
der Beschwerdeführer
aufgrund der
im Rahmen der generalisierten Angststörung auftretenden Ängste in diversen Fähigkeiten effektiv eingeschränkt
ist (Urk. 7/58/27-28
, Urk. 7/58/30-31
).
Diesen Schluss legt auch der Bericht
des behandelnden Psychotherapeuten
I._
vom 2
5.
Februar 2013 nahe (vgl.
Urk.
13/1
).
Eine psychiatrische Exploration kann von der Natur der Sache her nicht ermessensfrei erfolgen. Sie eröffnet dem begutachtenden Psychiater daher praktisch immer einen gewissen Spielraum, innerhalb dessen verschiedene medizinisch-psychiatrische Interpretationen möglich, zulässig und zu respektieren sind, sofern der Experte lege
artis
vorge
gangen ist
(
Urteil
des Bundesgerichts
9C_15/2013 vom 2
2.
Mai 2013, E. 5.1
)
.
4.2
.3
Der begutachtende Psychiater diagnostizierte in nachvollziehbarer Weise nicht nur eine chronische Schmerzstörung
mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F45.41), sondern auch eine generalisierte Angststörung
mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit
(ICD-10: F41.1
; Urk. 7/58/24
).
Die Angststörung ist mittel bis stark ausgeprägt (Urk. 7/58/27), sodass eine psychische
Komorbidität
erheblicher Schwere
im Sinne der Rechtsprechung zu bejahen ist
.
Als kö
rperliche Begleiterkrankung ist ein
cervicospondylogenes
Syndrom rechts vorhanden, welches sich ebenfalls einschränkend auf die Arbeitsfähigkeit aus
wirkt (Urk. 7/57/22).
Ein sozialer Rückzug liegt in einem gewissen Ausmass vor. Der Beschwerdeführer lebt alleine. Er ha
t nach eigenen Angaben
niemanden zum Reden. Manchmal geh
t
er
aus dem Haus
und ein- bis zweimal pro Woche
trifft er sich m
it einem Kollegen zum Kaffeetrinken.
Zudem putzt seine Cousine bei ihm.
Ansonsten
kann
er andere Leute
nach eigenen Angaben
nicht ertragen
(Urk. 7/58/21).
Nach der Einschätzung des Beschwerdeführers ist
d
ie Beziehung zu Frau und Kindern nicht mehr gut, er ha
t
keine Freude mehr an ihnen (Urk. 7/58/20).
Dass die beim Beschwerdeführer vorhandenen Ressourcen nicht ausreichen, um trotz der Schmerzen vollzeitlich zu arbeiten, sondern dass eine erhebliche Einschränkung besteht, ist
insgesamt
nachvollziehbar. Die Gutachter bezifferten diese Einschränkung mit 70 %.
4.2
.4
Der RAD-Arzt
Dr.
F._
führte zur Begründung, weshalb die 70%ige Arbeits
unfähigkeit nicht plausibel sei, einzig
die
auf Rückfrage der IV-Stelle
am 2
8.
November 2011
erfolgte Stellungnahme von
Dr.
D._
an (Urk. 7/
86/3-4, Urk. 7/69
). Diese Rückfrage erfolgte jedoch explizit ausschliesslich an
den rheumatologischen Gutachter
Dr.
D._
(Urk. 7/
68
). Zudem musste
Dr.
D._
auch angesichts der Fragestellung, seit wann die 100%ige Arbeitsfähigkeit
in angepasster Tätigkeit
gegeben sei
(Urk. 7/68)
, davon ausgehen, dass von der Rückfrage nur sein Fachgebiet oder allenfalls noch die übrigen somatischen
Aspekte
betroffen war
en
, da ja in der gemeinsamen Schlussfolgerung des Gut
achtens
aufgrund der psychiatrischen Diagnosen
gar keine 100%ige Arbeitsfä
higkeit angegeben worden war.
Infolgedessen kann aus der ergänzenden Stel
lungnahme von
Dr.
D._
nicht abgeleitet werden, der Beschwerdeführer sei entgegen den Angaben im psychiatrischen Teilgutachten auch aus psychiatri
scher Sicht zu 100
%
arbeitsfähig.
Es ergibt sich vielmehr,
dass der Beschwer
deführer
entsprechend
dem psychiatrischen Konsilium
von med.
pract
. B._
vom
8.
März
2011 mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu 70
%
arbeitsunfähig ist. Dies sowohl in der angestammten als auch in einer angepassten Tätigkeit (Urk. 7/57/23).
4.3
4.3
.1
Zum Beginn der Arbeitsunfähigkeit führte
med.
pract
. B._
aus, die Angststörung sei nun erstmals durch ihn diagnostiziert worden. Die bisherige Diagnose einer Anpassungsstörung habe allenfalls eine Einschränkung von bis zu 20
%
zur Folge gehabt.
Die somatoforme Störung habe ve
rmutlich schon früher bestan
den.
Eine bereits früher vorhandene Einschränkung könne er nicht abschätzen, weshalb der Beginn der
70%igen
Arbeits
un
fähigkeit auf den Gutachtenszeitpunkt festzulegen sei (Urk. 7/58/28
, Urk. 7/57/23
). Für eine allfällig mögliche retrospektive Beurteilung ist auf echtzeitliche medizinische Berichte zurückzu
greifen.
4.3
.2
Dem Bericht des psychosomatischen Konsiliums der
K
linik
H._
vom 1
1.
September 2008 sind die Diagnosen einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22), eines ausgeprägten Nikotinabhängigkeitssyndroms (ICD-10: F17.2), einer psychosozialen Belastungssitu
ation sowie dysfunktionaler Überzeugungen und
Coping
-Strategien zu entneh
men (Urk. 7/7/10). Das Vorliegen einer psychischen Störung mit Krankheitswert, welche eine arbeitsrelevante Leistungsminderung begründen könnte, verneinten die Ärzte der
K
linik
H._
im Austrittsbericht vom 3
0.
September 200
8.
Die Tätigkeit als Gipser
stuften sie
aus somatischer Sicht
als nicht mehr
zumutbar
ein
(Urk. 7/7/2).
4.
3
.3
Der Hausarzt m
ed.
prac
t
. J._
, Facharzt für Allgemeinmedizin, nannte im am 1
4.
Januar 2009 erstellten Beiblatt zu seinem Bericht zuhanden der IV-Stelle folgende Diagnosen: ein
Panvertebralsyndrom
, eine Kontusion des linken Knies, Schwindelanfälle und
Kollapsneigung
, Angst- und Depressionszustände sowie Schlafstörungen. Der Beschwerdeführer sei auch für angepasste Tätigkei
ten
weiterhin zu 100
%
arbeitsunfähig (Urk. 7/18/6).
Med.
pract
.
J._
legte jedoch weder in diesem Beiblatt noch in seinem Bericht vom 1
0.
Januar 2009 selber (Urk. 7/18/2-5) schlüssig dar, weshalb die Arbeitsfähigkeit seiner Beur
teilung nach eingeschränkt
sei
.
4.
3
.4
Dr.
med.
G._
, Facharzt für Neurologie,
erachtete die
allgemeine Arbeitsfä
higkeit
des Beschwerdeführers
als
durch die Panikstörung
wahrschein
lich leich
t eingeschränkt (Urk. 7/33/29).
Indes
kann seinem Bericht vom
2
4.
September 2009
(Urk. 7/33/26-29) nichts Zuverlässiges in Bezug auf eine
in relevantem Ausmass vorhandene
Limitierung in psychiatrischer Hinsicht
ent
nommen werden
.
4
.
3
.
5
Am 2
6.
Oktober 2009 diagnostizierte der behandelnde Psychotherapeut
I._
insbesondere eine Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion gemischt (ICD-10: F43.22) und gab weiter das Vorhandensein einer psychosozialen Belastungssituation, massiver Angstzustände,
von
Panikattacken, Albträumen, Schlafstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten an (Urk. 7/33/22).
Zur Frage der Arbeitsunfähigkeit äussert sich der Bericht nicht
.
4
.
3
.
6
Dr.
Z._
untersuchte den Beschwerdeführer am 1
1.
November 2009 und erstat
tete am 2
1.
März 2010 sein psychiatrisch-psychotherapeutisches Gutach
ten (Urk. 7/33). Darin stellte er die Diagnose einer chronischen Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10: F.45.41), einer
Dysthymia
(ICD-10: F.34.1) sowie eines Abhängigkeitssyndroms von Tabak (ICD-10: F.17.24; Urk. 7/33/10). Er führte aus, diese Diagnosen würden nicht zu einer relevanten längerfristigen Arbeitsunfähigkeit führen. Insbesondere seien keine besonderen Hinweise vorhanden, die eine Unüberwindbarkeit der Schmerzen bewirken würden (Urk. 7/33/16-17).
4
.
3
.
7
Am 2
9.
Juli 2010 gab
Dr.
G._
an, die Arbeitsfähigkeit sei multidisziplinär zu beurteilen, aber wahrscheinlich sei weder in angepasster noch in angestammter Tätigkeit eine nutzbringende Leistung zu erwarten (Urk. 7/49/2).
Diese
Einschät
zung ist jedoch schon alleine wegen ihres geringen Detaillierungsgrades nicht nachvollziehbar.
Im Übrigen wäre angesichts der vom behandelnden Psycho
therapeut
en
angegebenen psychosozialen Belastungssituation (vgl. Urk. 7/33/22) fraglich, ob die nicht zu erwartende nutzbringende Leistung auf ein Leiden mit Krankheitswert oder auf die invalidenversicherungsrechtlich nicht relevanten psychosozialen Umstände zurückzuführen wäre.
4.
3
.
8
Insgesamt ergibt sich somit
mangels echtzeitlicher nachvollziehbarer Doku
mentation
gestützt auf die Ausführungen des psychiatrischen Gutachters
med.
pract
. B._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
für die Zeit vor der MEDAS-
Begutachtung noch
keine
grössere
Einschränkung der Arbeitsfähigkeit
in
psychiatrischer Hin
sicht
.
Nachdem der Gutachter
med.
pract
. B._
bereits in seinem Bericht vom 1
3.
Mai 2011
bemerkte,
dass die einschränkende Qualität der
somatoformen
Schmerzstörung rückwirkend
kaum
seriös darstellbar sei (Urk. 7/58/28),
ist von weiteren Abklä
rungen
betreffend den Zeitraum vor der MEDAS-Begutachtung
kein zusätzli
cher Erkenntnisgewinn zu erwarten.
5.
5.1
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a
Abs.
1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypo
thetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2 mit Hinweisen).
5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Valideneinkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des
frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfah
rung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortge
setzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 129 V 222 E. 4.3.1 mit Hinweisen).
Gemäss den Angaben des letzten Arbeitgebers des Beschwerdeführers hätte des
sen Einkommen bei Ablauf des Wartejahres im Mai 2009
Fr.
76‘323.-- betragen
(Urk. 7/
22/3). Darauf ist für das
Valideneinkommen
abzustellen.
5.3
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens ist primär von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versicherte Person konkret steht. Ist kein solches tatsächlich erzieltes Erwerbseinkommen gegeben,
namentlich weil die versicherte Person nach Eintritt des Gesundheitsschadens keine oder jedenfalls keine ihr an sich zumutbare neue Erwerbstätigkeit aufge
nommen hat, so können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausgegebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 126 V 75 f. E. 3b/
aa
und
bb
, vgl. auch BGE 129 V 472 E. 4.2.1). Für die Invaliditätsbemessung wird praxisgemäss auf die standardisierten Bruttolöhne (Tabellengruppe A) abgestellt (BGE 129 V 472 E. 4.2.1 mit Hinweis), wobei jeweils vom so genannten Zentralwert (Median) auszugehen ist. Bei der Anwendung der Tabellengruppe A gilt es ausserdem zu berücksichtigen, dass ihr generell eine Arbeitszeit von 40 Wochenstunden zugrunde liegt, weshalb der massgebliche Tabellenlohn auf die entsprechende betriebsübliche Wochenarbeitszeit aufzurechnen ist (BGE 129 V 472 E. 4.3.2, 126 V 75 f. E. 3b/
bb
, 124 V 321 E. 3b/
aa
; AHI 2000 S. 81 E. 2a).
Im
Zeitpunkt des frühestmöglichen Rentenbeginns beziehungsweise beim Ablauf des Wartejahrs
im Mai 2009 war der Beschwerdeführer
in der angestammten Tätigkeit als Gipser wegen somatischer Beschwerden arbeitsunfähig, jedoch in einer ange
passten Tätigkeit wieder zu 100
%
arbeitsfähig (
Urk.
7/69).
Der monatliche Bruttolohn (Zentralwert)
männlicher
Arbeitskräfte
für einfache und repetitive Tätigkeiten (Anforderungsniveau 4)
im privaten Sektor betrug im Jahr 20
08
Fr.
4‘
806
.--
(LSE 20
08
,
BFS 2010,
S. 26, Tabelle TA1)
. Unter Berücksichtigung der durchschnittlichen
im Jahr 2009
betriebsüblichen Arbeitszeit von 41,
6
Stunden pro Woche (
Die Volkswirtschaft 1/2-2014, S. 94, Tabelle B 9.2
) ergibt sich
ein Einkommen von
Fr.
4‘998.-- (
Fr.
4‘
806
.
--
:
40 x 41,6).
Dies entspricht einem jährlichen Einkommen von
Fr.
59‘976.--.
Unter Berücksichtigung der Nominallohnentwicklung der Männer bis zum Jahr 2009 ergibt sich ein Invalideneinkommen von
Fr.
61‘237.-- (
Schweizerischer Lohnindex insgesamt [1939 = 100],
Männer
, Stand 20
08
: 2
‘092,
Stand 20
09
: 2
‘136
;
Die Volkswirtschaft 1/2-2014, S. 95, Tabelle B10.3
)
.
5.4
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durchschnitts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert allenfalls zu kürzen. Mit dem sogenannten Leidensabzug wurde ursprünglich berücksichtigt, dass versicherte Personen, welche in ihrer letzten Tätigkeit körperliche Schwer
arbeit verrichteten und nach Eintritt des Gesundheitsschadens auch für leichtere Arbeiten
nurmehr
beschränkt einsatzfähig sind, in der Regel das entsprechende durchschnittliche Lohnniveau gesunder Hilfsarbeiter nicht erreichen. Der ur
sprünglich nur bei Schwerarbeitern zugelassene Abzug entwickelte sich in der Folge zu einem allgemeinen behinderungsbedingten Abzug, wobei die Recht
sprechung dem Umstand Rechnung trug, dass auch weitere persönliche und berufliche Merkmale der versicherten Person wie Alter, Dauer der Betriebszuge
hörigkeit, Nationalität oder Aufenthaltskategorie sowie Beschäftigungsgrad Auswirkungen auf die Höhe des Lohnes haben können. Ein Abzug soll aber nicht automatisch, sondern nur dann erfolgen, wenn im Einzelfall Anhalts
punkte dafür bestehen, dass die versicherte Person wegen eines oder mehrerer dieser Merkmale ihre gesundheitlich bedingte (Rest-)Arbeitsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nur mit unterdurchschnittlichem Einkommen ver
werten kann. Bei der Bestimmung der Höhe des Abzuges ist der Einfluss aller in Betracht fallenden Merkmale auf das Invalideneinkommen unter Würdigung der Umstände im Einzelfall gesamthaft zu schätzen
und insgesamt auf höchstens 25
% des Tabellenlohnes zu begrenzen (vgl. zum Ganzen BGE 126 V 75).
Der Beschwerdeführer war
nach Ablauf des Wartejahres
nicht nur für leichte Ar
beiten einsetzbar, sondern auch
mittelschwere Tätigkeiten, welche nicht mit prolongiert
reklinierter
Kopfhaltung durchzuführen sind, waren ihm zumutbar (Urk. 7/58/16).
Er war vollzeitlich arbeitsfähig. Sein Alter betrug im Jahr 2009 46 Jahre, womit ihm bis zum Pensionsalter noch etliche Jahre verlieben.
Lohnmindernd wirkten sich allenfalls die
damals noch geringfügigeren
psychischen Beeinträchtigungen
und die fehlenden Sprachkenntnisse aus. Angemessen ist ein Leidensabzug von maximal 10 Prozent. Bei einem solchen reduziert sich das I
nvalideneinkommen auf
Fr.
55‘113
.-- (0,9 x
61‘237
.--).
Der Vergleich von
Valideneinkommen
(
Fr.
76‘323.--
) und Invalideneinkommen (
Fr.
55‘11
3
.--) führt bei einer invaliditätsbedingten Erw
erbseinbusse von Fr. 21‘2
10
.-- zu einem Invaliditätsgrad von gerundet
28
%
, welcher
nicht
zum Bezug einer
Rente der Invalidenversicherung
berechtigt
.
5.5
Die
Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit
,
die für jede Tätigkeit zu einer Ein
schränkung der Arbeitsfähigkeit von 70 % und damit zu einem entsprechenden Invaliditätsgrad führt
,
ist zu berücksichtigen, sobald sie ohne wesentliche Un
terbr
echung drei Monate gedauert hat (Art. 88a
Abs.
2
der Verordnung über die Invalidenversicherung; IVV)
.
Die Verschlechterung ist
ab dem
8.
März 2011, dem
Datum des psychiatrischen Konsiliums der ME
DAS
A._
,
ausge
wiesen.
Infolgedessen ist die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 1
2.
Juli 2012 aufzuheben und festzustellen, dass der Beschwerdeführer ab
1.
Juni 2011 Anspruch auf eine ganze Rente der Invalidenversicherung hat.
Da der Beschwerdeführer Anspruch auf eine ganze Rente hat, ist auf den Einwand des Beschwerdeführers, seine gesundheitliche Situation habe sich zwischen der Be
gutachtung durch die MEDAS und dem Erlass der angefochtenen Verfügung verschlechtert, nicht weiter einzugehen.
6.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens hat d
ie Beschwerdegegnerin die Gerichtskos
ten, die entsprechend dem Verfahrensaufwand auf
Fr.
900.-- anzu
setzen sind,
zu tragen (Art. 69
Abs.
1
bis
IVG) und de
m
Beschwerdeführer eine Parteientschädigung zu bezahlen (
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht [
GSVGer
]). Die Kosten sind dabei nicht aufzuteilen und die Prozessentschädigung ist nicht zu reduzieren, denn das Begehren in der Beschwerde hat den Prozessaufwand nicht wesentlich beeinflusst, soweit es über das tatsächliche Ergebnis des Verfahrens hinausgegangen ist ("Überklagen": BGE 117 V 401 E. 2c; Urteil des Bundesgerichts 9C_889/2011 vom
8.
Februar 2012 E. 7).
Mit Eingabe vom 2
4.
Februar 2014 machte
Rechtsanwältin
Stephanie Schwarz Aufwendungen von total 16 Stunden und 50 Minuten sowie Auslagen von Fr. 141.10 geltend (Urk. 21), was mit Blick auf ihre angefügte Begründung des hohen Aufwandes (vgl. Urk. 20) angemessen ist. Unter Berücksichtigung des praxisgemässen Vergütungsansatzes von
Fr.
200.-- je Stunde Aufwand hat die Beschwerdegegnerin der unentgeltlichen Rechtsvertreterin eine Prozessentschädigung von
Fr.
3‘788.40 zu bezahlen (Mehrwertsteuer und Barauslagen inbe
griffen).