# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6852517b-ef14-4723-bd76-3ac8de2ad21d
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2005
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
wurde am 2. April 2004 in der 36 Schwangerschaftswoche mit ei
ner
Mikrodeletion
22q11 (Chromosomenanomalie) geboren und litt an einer schweren Schluckstörung mit Speicheln bei
Retrognathie
sowie an einer
Fal
lot’schen
Tetralogie mit einer schweren
Pulmonalstenose
. Am 19. Mai 2004 er
folgte eine operative Totalkorrektur der
Fallot’schen
Tetralogie (Berichte des
Spitals A._
, und des Universitätsspitals
B._
, Neonatologie, Urk. 6/24–28).
1.2
Am 15. April 2004 (Urk. 6/40) meldeten die Eltern,
Y._
und
C._
,
X._
zum Bezug von Leistungen bei der Invalidenversicherung an. Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, traf medizini
sche Abklärungen (Urk. 6/24-28) und sprach medizinische Massnahmen zu für die Behandlung der Geburtsgebrechen Ziff. 497
GgV
Anhang (Schwere respira
torische Adaptationsstörungen - wie Asphyxie, Atemnotsyndrom, Apnoen -, sofern sie in den ersten 72 Lebensstunden manifest werden und eine Intensiv
behandlung begonnen werden muss; Verordnung über Geburtsgebrechen; vgl. Verfügung vom 24.
Mai 2004, Urk. 6/22), Ziff. 313
GgV
Anhang
(Angeborene Herz- und
Gefässmissbildungen
; vgl. Verfügungen vom 25. Mai, 18. Juni, 11. und 31. August 2004 Urk. 6/21, 6/16, 6/8 und 6/3) und Ziff. 251
GgV
An
hang
(Angeborene Missbildungen des Kehlkopfes und der Luftröhre; vgl. Verfü
gung vom 30. August 2004, Urk. 6/4). Die Verwaltung erteilte ebenfalls Kosten
gutsprache für Leistungen der
Kinderspitex
(vgl. Verfügung vom 8. Juni 2004, Urk. 6/18) und Physiotherapie (vgl. Verfügung vom 27. Juli 2004, Urk. 6/13).
Die Kostenübernahme für ein Absauggerät wies sie hingegen mit Verfügung vom 26. Juli 2004 (Urk. 6/14) ab mit der Begründung, dass ein solches Gerät mit keinem von der Invalidenversicherung anerkannten Geburtsgebrechen, son
dern mit einer Schluckstörung in Zusammenhang stehe, weshalb es nicht in den Leistungsbereich der Invalidenversicherung falle. Die dagegen vom behandeln
den Arzt - Dr. med.
Z._, Facharzt FMH für Pädiatrie
- namens der Eltern erhobene Einsprache vom 3. August 2004 (Urk. 6/9 = 6/11) wies die IV
Stelle mit
Einspracheentscheid
vom 3. September 2004 (Urk. 2 = 6/1) ab.
2.
Am 15. September 2004 (Urk. 1)
liess
X._
, gesetzlich vertreten durch die Mutter, diese vertreten durch Dr.
Z._
, Beschwerde erheben und erneut Kostenübernahme für das Absauggerät beantragen. In ihrer Beschwerdeantwort vom 1. November 2004 (Urk. 5) schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung
der Beschwerde. Mit Verfügung vom 3. November 2004 (Urk. 7) wurde der Schriftenwechsel geschlossen (Urk. 8).

## Considerations

Der Einzelrichter zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der Be
schwerde in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
Die Beschwerdegegnerin hat im
Einspracheentscheid
die gesetzlichen Be
stimmun
gen zum Anspruch Minderjähriger auf medizinische Massnahmen bei Geburtsgebrechen (Art. 3 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG], Art. 13 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung [IVG], Art. 1 Abs. 1 und 2 sowie Art. 2 Abs. 3 der Verordnung über die Geburtsgebrechen [
GgV
]) sowie zum Anspruch auf medi
zinische Massnahmen gemäss Art. 12 Abs. 1 IVG zutreffend dargelegt. Darauf wird verwiesen.
Richtig ist auch, dass
sich der Anspruch auf medizinische Massnahmen gemäss Art. 13 IVG ausnahmsweise - und vorbehältlich der Haftung für das Eingliede
rungsrisiko nach Art. 11 IVG - auch auf die Behandlung sekundärer Gesund
heitsschäden erstreckt, die zwar nicht mehr zum Symptomenkreis des Geburts
gebrechens gehören, aber nach medizinischer Erfahrung häufig die Folge dieses Gebrechens sind.
Zu ergänzen ist, dass
für die Annahme einer Leistungspflicht der Invalidenversi
cherung aufgrund von Art. 13 IVG nach konstanter Rechtsprechung des Eidge
nössischen Versicherungsgerichtes in beweisrechtlicher Hinsicht genügt, dass es ein Facharzt oder eine Fachärztin zumindest für wahrscheinlich hält, es liege ein im Anhang der
GgV
enthaltenes Gebrechen vor (BGE 100 V 108
Erw
. 2 in
fine
).
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren
Einspracheentscheid
unter Hinweis auf die Stellungnahme ihres ärztlichen Dienstes vom 1. September 2004 (Urk. 6/2) im Wesentlichen damit, dass die Schluckstörung kein Geburtsgebre
chen im Sinne der Invalidenversicherung sei.
Gemäss
dem neuesten Bericht des
Spitals A._
stehe diese nicht in direktem Zusammenhang mit dem Herzfehler, sondern sei
eine Folge der
Retrognathie
, welche jedoch kein Ge
burtsgebrechen sei. Es bestehe die Möglichkeit, dass für die Schluckstörung im weiteren Verlauf eine Erklärung gefunden werden könne.
(
Urk
. 2 = 6/1 S.
2
f.).
Dr.
Z._
vertritt namens der Eltern in der Beschwerdeschrift die Auffas
sung, dass die Schluckstörung mangels einer Untersuchung durch einen Spezia
listen zwar nach wie vor
aetiologisch
unklar bleibe, weshalb sie weder der Chromosomenanomalie angelastet noch ein Zusammenhang mit den diagnosti
zierten Geburtsgebrechen ausgeschlossen werden könne. Die fehlende Spalten
bildung – eine typische
syndromzugehörige
Veränderung – sei daher atypisch. Das zwischenzeitlich nicht mehr erforderliche Absauggerät stehe im ursächli
chen Zusammenhang mit der intensivmedizinischen Betreuung nach der auf
grund des Geburtsgebrechen Ziff. 313
GgV
erfolgen Operation (Urk. 1).
3.2
Gemäss
Bericht des Universitätsspitals
B._
, Klinik für Neonatologie, vom 11. Mai 2004 (Urk. 6) litt der Beschwerdeführer an einem Atemnotsyndrom bei verzögerter Lungenflüssigkeitsresorption bei erhöhter Sauerstoffbedürftigkeit (Ziff. 497
GgV
) und an einer
Fallot’schen
Tetralogie (Ziff. 313
GgV
). Der Be
schwerdeführer habe aufgrund der Schluckproblematik Schwierigkeiten gehabt, mit der reichlichen pulmonalen
Sekretproduktion
selbst fertig zu werden, wes
halb er im Rahmen der normalen Pflege
regelmässig
abgesaugt worden sei (vgl. Bericht vom 29. Mai 2004, Urk. 6/27).
Dem Bericht des
Spitals A._
, Universitäts-Kinderklinik, vom 29. Juni 2004 (Urk. 6/26) ist zu entnehmen, dass das Absauggerät zur Gewähr
leistung der sicheren Atmung gedient habe. Das durch die
Schluckstötung
be
dingte insuffiziente Schlucken des Speichels habe – auch nachts - zu Sätti
gungsabfällen geführt. Der Beschwerdeführer habe an Atem-, Sättigungs- und Schluckproblemen bei
grosser
Sekretproduktion
und zusätzlichem Reflux gelit
ten.
Mit Schreiben vom 17. August 2004 (Urk. 6/24) meldeten die behandelnden Ärzte des
Spitals A._
an die Beschwerdegegnerin, dass aufgrund der schweren Schluckstörung nebst
Ziff
313 auch Ziff. 251
GgV
Anhang angegeben werden müsse; es liege ein kongenitales Leiden vor.
Am 8. September 2004 (Urk. 6/25) gab Dr. med.
D._
, Oberarzt Kardiologie am
Spital A._
, an, dass wiederholtes Erbrechen bei Trink- und Schluckversuchen noch anhielte. Die genetische Grunderkrankung (
Mikrodeleti
onssyndrom
22q11) sei beim Beschwerdeführer mit einer ausgeprägten Schluckstörung vergesellschaftet.
4.
4.1
Aufgrund der obenerwähnten medizinischen Akten steht fest, dass der Beschwer
deführer als Folgen einer
Mikrodel
etion
22q11 einerseits an einer
schweren Schluckstörung mit
Retrognathie
und andererseits an einer
Fal
lot’schen
Tetralogie mit schweren
Pulmonalstenose
litt. Entgegen der Auffas
sung der Beschwerdegegnerin geht aus der medizinischen Aktenlage jedoch nicht hervor, dass die Schluckstörung auf die
Retrognathie
zurückzuführen sei. Die
Retrognathie
wurde erstmals im Bericht des
Spitals A._
, vom 29. Juni 2004 (Urk. 6/26) als Diagnose aufgeführt und dann in den weiteren Berichten vom 17. August und 8.
September 2004 (Urk. 6/24 f.) übernommen. In den Beschreibungen der mit der Schluckstörung sich ergebenden Atem-,
Sät
tigungs
- und Schluckschwierigkeiten finden sich keine Hinweise auf einen di
rekten Zusammenhang zwischen
Retrognathie
und Schluckstörung, vielmehr wird letztere als eigenständige Problematik dargestellt. Aus dem Schreiben des
Spitals A._
an die Beschwerdegegnerin vom 17. August 2004 (Urk. 6/24) geht
schliesslich
eindeutig hervor, dass die Ärzte aufgrund der Schwere der Schluckstörung von angeborenen Missbildungen des Kehlkopfes und der Luftröhre (Ziff. 251
GgV
) ausgegangen sind. Diese Einschätzung er
scheint im Kontext mit der übrigen medizinischen Aktenlage nachvollziehbar und begründet. Konkrete Indizien, welche gegen die Zuverlässigkeit dieser Be
urteilung sprechen, sind den Akten nicht zu entnehmen.
Nachdem im Bereich der Medizin die Verwaltung respektive das Gericht auf Angaben ärztlicher Fachpersonen angewiesen sind und dabei das Gericht nicht ohne zwingende Gründe von der Einschätzung einer medizinischen Fachperson abweicht, deren Aufgabe es gerade ist, ihre Fachkenntnisse der Gerichtsbarkeit zur Verfügung zu stellen, um einen bestimmten Sachverhalt medizinisch zu erfassen, kann bei dieser Sachlage das Vorliegen des Geburtsgebrechens Ziff. 251
GgV
zumindest als wahrscheinlich im Sinne der oben zitierten Rechtsprechung (vgl.
Erw
. 2 in
fine
) erachtet werden, was für die Annahme einer Leistungspflicht nach Art. 13 IVG genügt.
Da im Übrigen keine Zweifel an der Eignung, der
Zweckmässigkeit
und Notwen
digkeit des Absauggerätes bestehen (Art. 8 IVG), ist der Anspruch des Beschwerdeführers auf Übernahme der entsprechenden Kosten durch die Invali
denversicherung zu bejahen.
4.2
Die Beschwerde ist demzufolge
gutzuheissen
und der
Einspracheentscheid
vom 3. September 2004 (Urk. 2 = 6/1) mit der Feststellung aufzuheben, dass der Versicherte Anspruch auf die zur Behandlung des Geburtsgebrechens Ziff. 251
GgV
Anhang notwendigen medizinischen
Massnahmen
(Kostengutsprache für Absauggerät) hat.