# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3af263fb-d1be-48ea-9512-f931ad7169c9
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1920, bezieht zur Altersrente Ergänzungsleistungen. Seit dem 2
4.
Oktober 2000 ist sie durch
Y._
verbeiständet (
Urk.
18/110). Mit Verfügung vom
8.
Mai 2012 forderte die Sozialversiche
rungsanstalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV, von
X._
den Betrag von
Fr.
19‘398.--
für
vom
1.
September 2010 bis zum 3
1.
Mai 2012
zu viel
ausgerichtete
Erg
änzungsleistungen zurück, weil d
ie
Versicherte
in dieser Zeit
Leistungen aus der Chronisch-Krankenpflegeversicherung der CSS
erhalten habe, die sie der Sozialversicherungsanstalt nicht gemeldet habe (
Urk.
18/61). Diese Verfügung erwuchs unangefochten in Rechtskraft.
Am
6.
Juni 2012 liess
X._
um Erlass des verfügten Rückerstattungs
betrags ersuchen (
Urk.
18/46). Die Sozialversicherungsanstalt wie
s
das Erlass
gesuch mit Verfügung vom
7.
Dezember 2012
(
Urk.
18/22) und - auf Einsprache hin (
Urk.
18/13) - mit Einspracheentscheid vom 3
1.
Januar 2013 mangels Gut
gläubigkeit beim Leistungsbezug ab (
Urk.
2).
2.
X._
liess am
4.
März 2013 mit dem Antrag auf Gewährung des Erlasses Beschwerde erheben (
Urk.
1). Mit Eingabe vom 3
0.
April 2013 (
Urk.
9) liess sie die Zustimmung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde des Bezirks
O._
zur Prozessführung (
Urk.
10) einr
eichen und um Bewilligung der unentgeltli
chen Rechtsvertretung durch Rechtsanwalt
Dr.
Gloor ersuchen. Die Sozialversi
cherungsanstalt schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
0.
Juni 2013 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
17).
Mit Verfügung vom 2
3.
September 2013
wurde der Beschwerdeführerin die un
entgeltliche Rechtsvertretung bewilligt und es wurde ihr Rechtsanwalt
Dr.
Gloor als unentgeltlicher Rechtsvertreter bestellt. Ferner wurde ein zweiter Schriften
wechsel angeordnet (
Urk.
19). In der Replik vom 2
4.
Oktober 2013 liess die Beschwerdeführerin an ihrem Antrag festhalten (
Urk.
21). Die Sozialversiche
run
gsanstalt verzichtete auf eine
Duplik (
Urk.
25).
Auf die einzelnen Ausführungen in den Rechtsschriften und die eingereichten Akten wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.
Die Einzelrichterin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Beschwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
2.
Nach Art. 25 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
ver
sicherungsrechts (ATSG) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzu
erstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn eine grosse Härte vorliegt.
Hinsichtlich des guten Glaubens für den Erlass gemäss Art. 25 Abs. 1 ATSG sind die Voraussetzungen nicht schon mit der Unkenntnis des Rechtsmangels gegeben. Vielmehr darf sich die Person, die unrechtmässige Leistungen bezogen hat, nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachläs
sigkeit schuldig gemacht haben.
D
er gute Glaube entfällt somit einerseits von vornherein, wenn die zu Unrecht erfolgte Leistungsausrichtung auf eine arglis
tige oder grobfahrlässige Melde- oder Auskunftspflichtverletzung zurückzufüh
ren ist. Anderseits kann sich die rückerstattungspflichtige Person auf den guten Glauben berufen, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten nur leicht fahrlässig war. Das Mass der erforderlichen Sorgfalt beurteilt sich nach einem objektiven Massstab, wobei aber das den Betroffenen in ihrer Subjektivität Mögliche und Zumutbare nicht ausgeblendet werden darf (BGE 138 V 218 E. 4 mit Hinweisen).
Nach konstanter Praxis des Bundesgerichts ist
grobe Fahrlässigkeit gegeben, wenn jemand das ausser acht l
ässt
, was jedem verständigen Menschen in glei
cher Lage und unter gleichen Umständen als beachtlich hätte einleuchten müs
sen (BGE 1
10 V 176 E. 3d mit Hinweisen).
Ferner hat das Bundesgericht in BGE 112 V 97 festgehalten, dass die versicherte Person
sich den guten oder bösen Glauben des Vormunds anrechnen
lassen muss. Das Gleiche gilt für den guten oder bösen Glauben einer Beiständin.
3.
3.1
X._
ist aufgrund ihres Alters
auf eigenes Begehren seit dem 2
4.
Oktober 2000 durch
Y._
verbeiständet (
Urk.
18/110,
Urk.
1 S. 4). G
emäss
den
Ausführungen
in der Beschwerdeschrift übernahm
Y._
die Beistandschaft aus freundschaftlichen Gründen, das soziale Element und nicht das administrati
ve s
e
i
im Vordergrund
gestanden
(
Urk.
1 S. 4).
Y._
erledigt
für die Beschwerdeführerin die Bankangelegenheiten (
vgl. z.B.
Urk.
18/75)
,
füllt
die Steuererklärungen aus (
Urk.
18/77) und
vertritt
sie im Kontakt mit
dem Pflegeheim (vgl.
Urk.
18/29), der AHV-Ausgleichskasse (vgl.
Urk.
18/31), der Pensionskasse (vgl.
Urk.
18/32) und der Beschwerdegeg
nerin
(
vgl.
Urk.
18/76).
Aufgrund der Aktenlage steht fest und es ist unbestritten, dass die Beiständin die monatlichen Zahlungen aus der Chronisch-Krankenpflegeversicherung der Sozialversicherungsanstalt nicht meldete. Sodann hat sie glaubhaft dargetan, dass sie von diesen Zahlungen bis
im März
2012 keine Kenntnis hatte. Dafür sprechen einerseits die Steuererklärung 2010 (
Urk.
18/77), in de
r
nur die Renten der AHV und der
P
ensio
nskasse als Einkünfte erwähnt wu
rden, and
erseits aber vor allem das Schr
e
i
ben an die CSS vom 2
5.
März 2012, in dem
Y._
namens der Beschwerdeführerin um Ausrichtung der Chronisch-Kran
ken
pflege
leistungen ersucht
e
(
Urk.
22/2)
.
3.2
Aufgrund der Ernennungsurkunde (
Urk.
18/110) kannte
Y._
ihre Pflichten als Beiständin.
Daran ändert nichts, dass sie dieses Amt hauptsächlich aus Freundschaft gegenüber der Beschwerdeführerin übern
ommen hatte
. Denn mit der
Amtsübernahme kamen ihr die
selben Rechte und
P
flichten zu, die jeden Beistand treffen, und zu denen unter anderem die gehörige Verwaltung der finanziellen Verhältnisse gehört (vgl.
den hier massgeblichen, bis
3
1.
Dezember 2012
gültig gewesenen
Art.
394
des Zivilgesetzbuches
).
Aus der Versicherungspolice vom 2
9.
September 2011 für das Jahr 2012 ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin über eine Chronisch-Krankenpflegeversi
cherung mit den Grundleistungen und einer zusätzlichen Tagesleistung von
Fr.
35.-- verfügt (
Urk.
18/86). Diese Versicherung bestand bereits 2010 (vgl. den Vermerk über die Prämien in den Jahren 2010 bis 2012 in
Urk.
18/86/2). A
us den
monatlichen Leistungsabrechnungen de
r
CSS (
Urk.
18/33/12,
18/33/
14,
18/33/
16,
18/33/
22,
18/33/
24,
18/33/
26,
18/33/
28,
18/33/
32,
18/33/
34,
18/33/
36,
18/33/
39
und 18/33/
41
)
,
die
der Beiständin zugestellt wurden und die
sich klar von jenen
Abrechnungen unterscheiden, die eine konkrete medizini
sche Behandlung betrafen,
waren die Zahlungen aus der Chronisch-Kranken
pflegeversicherung ersichtlich. Bei einer einigermassen sorgfältigen Prüfung der Krankenkassenabrechnungen, was der Beiständi
n
zumutbar
war
und wozu sie aufgrund ihres Amtes verpflichtet war, musste sie daher unschwer erkennen, dass die
Krankenkasse
derartige Leistungen in der Höhe von rund
Fr.
1
‘
000
.--
im Monat ausrichtete. Das Gleiche ergab sich
auch
aus den monatlichen Bank
auszügen
(vgl. zum Beispiel
Urk.
18/4/31-34)
, wo die Leistungen der
CSS
sepa
rat aufgeführt wurden. Da die Beiständin die Beschwerdeführerin auch im
Verkehr mit der
Krankenkasse
vertrat, musste ihr bewusst sein, dass die in den Bankauszügen ausgewiesenen
Krankenkassenl
eistungen nicht ledig
lich
die Behandlungskosten umfassen konnten.
Hatte die Beiständin somit jeden Monat Gelegenheit, die Zahlungen
der CSS
unschwer zu erkennen, kann sie sich nicht auf eine nur leichte Fahrläss
i
gkeit berufen. Entgegen den Vorbringen in der Beschwerde handelte es sich nicht um ein einmaliges Versehen, sondern um eine Nachlässigkeit, die bei sorgfältiger Prüfung der ihr zugestellten Unterlagen und bei zumutbarer Sorgfal
t
sanwen
dung als Beiständin Monat für Monat hätte
vermieden
werden können.
Bei dieser Sachlage hat die Sozialversicherungsanstalt den
guten Glauben zu Recht verneint.
Die Beschwerde ist abzuweisen.
4.
Mit
Honorar
note vom 1
6.
Dezember 2013 macht der unentgeltliche Rechtsver
treter der Beschwerdeführerin einen Aufwand von 37,67 Stunden und
Baraus
lagen von
Fr.
461.-- geltend (
Urk.
29). Die Aufwendungen für das Verwaltungs
verfahren und für den am
4.
Dezember 2013 erstellten Brief an die CSS betreffend die Laufzeit der Versicherung sind nicht zu vergüten, so dass für das Beschwerdeverfahren ein Aufwand von
23,29
Stunden verbleibt.
Angesichts des Umstandes, dass ein zweiter Schriftenwechsel durchgeführt wurde und die Zu
stimmung der Erwachsenenschutzbehörde zu
r
Prozessführung eingeholt werden musste, hält sich dieser Aufwand gerade noch im Rahmen des Tolerierbaren. Die Barauslagen, die nicht den einzelnen Aufwendungen zugeordnet wurden, sind zu drei Fünfteln, mithin im Umfang von
Fr.
276.60 zu vergüten. Beim gerichts
üblichen Stundenansatz von
Fr.
200.-- resultiert somit eine
Prozessentschädi
gung von
Fr.
5‘329.35 (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer). In diesem Um
fang ist der
unentgeltliche Rechtsvertreter aus der Gerichtskasse zu
entschädi
gen.