# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d1470471-6cf6-4446-94a1-878d467b992a
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am 31. Oktober 1978 in A./B. geboren und wuchs dort in geordneten Familienverhältnissen auf. An seinem Wohnort besuchte er die ersten vier Klassen der Primarschule, die restlichen in C., wo er mit den Eltern hingezogen war. Das letzte obligatorische Schuljahr absolvierte er in D.. Von 1994 bis Ende März 2007 arbeitete er an verschiedenen Orten in E. und D. als Kellner. Im April 2007 kehrte er wieder in die Schweiz zurück. Er war im Casino und im Restaurant F. in C. tätig. Von Juni 2008 bis Oktober 2009 arbeitete er im Restaurant G. in H. als Kellner, wo er einen monatlichen Nettolohn von Fr. 3'200.-- erzielte. Im November 2009 renovierte er in I. eine Bar. Diese eröffnete er auf die Wintersaison 2009/2010. Eigenen Angaben zufolge hat er Schulden in Höhe von € 31'000.--.
Seit dem Jahre 2005 lebt er mit seiner Lebensgefährtin AA. zusammen. Aus dieser Verbindung ist am 31. Juli 2009 eine Tochter entsprossen.
X. figuriert nicht im schweizerischen Zentralstrafregister. Aus dem Leumundsbericht der Kantonspolizei Graubünden vom 3. Juli 2009 geht hervor, dass er in der Region einen rechten Leumund geniesst.
B. Mit Anklageverfügung der Staatsanwaltschaft Graubünden vom 25. November 2009 wurde X. wegen einfacher Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, falschen Zeugnisses im Sinne von Art. 307 Abs. 1 StGB, Anstiftung zur Irreführung der Rechtspflege gemäss Art. 304 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB, mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Ziff. 1 Abs. 1 SVG, Fahrens in fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG, Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG sowie Widerhandlung gegen Art. 40 SVG und Art. 29 Abs. 1 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG in Anklagezustand versetzt. Die Staatsanwaltschaft legte der Anklageschrift vom 25. November 2009 folgenden Sachverhalt zu Grunde:
„1. [...]
Am Donnerstagmorgen des 18. September 2008 hielt sich Y. im Nachtlokal J. in C. auf, wo er mit einer K. tanzte. Neben ihnen befand sich X. mit einer anderen K., welcher ihn plötzlich aufforderte, das Lokal zu verlassen. Auf dem Parkplatz vor dem J. traktierte ihn der Angeklagte mit Faustschlägen und Fusstritten, bis er zu Boden fiel. Als Y. am Boden lag, wurde er weiterhin geschlagen, bis er sich
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befreien konnte und sich wieder ins Lokal begab. Unterdessen stieg X. mit den zwei K.-Staatsangehörigen in ein Taxi und entfernte sich vom Ort. Y. liess sich anschliessend in die Klinik L. begleiten, wo er medizinisch behandelt wurde.
Laut Arztbericht vom 2. Oktober 2008 zog sich Y. Prellungen an der Wirbelsäule und eine Schulterluxation links zu. Die voraussichtliche Dauer der Heilung wurde mit 4-5 Monaten angegeben. Gemäss Arztbericht, datiert vom 18. Februar 2009, erlitt er zudem Hämatome am Gesicht.
Der Angeklagte bestreitet, Y. geschlagen und ihn dabei verletzt zu haben.
[...]
Mit Eingabe vom 8. April 2009 reichte Rechtsanwalt Andrea Wieser namens und im Auftrage von Y. Adhäsionsklage ein.
[...]
2. [...]
Im Rahmen eines Verkehrunfalles, welcher sich am Donnerstag, 15. Januar 2009, kurz nach 05.00 Uhr, in M. ereignet hatte, in welchen X. jedoch nicht involviert war, befragte ihn die Polizei am 16. Januar 2009 als Zeugen. Dabei sagte er wissentlich falsch aus, seine Kollegin BB. habe das Auto der Marke VW Golf, O., während der Fahrt in Richtung H. gelenkt und er sei auf dem Beifahrersitz gesessen. BB. bestätigte in der polizeilichen Einvernahme vom 17. Januar 2009, das fragliche Auto gelenkt zu haben.
In der polizeilichen Einvernahme vom 5. Februar 2009 widerrief sie ihre in der Einvernahme vom 17. Januar 2009 gemachten Aussagen. Sie gestand, ihre falschen Aussagen auf Aufforderung von X. hin gemacht zu haben; dies weil der Angeklagte nicht im Besitz eines Führerausweises war und er somit Probleme mit der Polizei wegen des erwähnten Verkehrsunfalles vermeiden wollte. In der folgenden Einvernahme vom 10. Februar 2009 anerkannte X. die komplette Falschheit seiner Aussagen und gab zu, das Auto vom Club P. bis zum Q. in C. selbst gelenkt zu haben. Anschliessend fuhr er nach H., wo er „Augenzeuge“ des oberwähnten Verkehrunfalles wurde.
[...]
3. [...]
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Am Sonntagmorgen, 28. Juni 2009, hielt sich der Angeklagte im Club P. in C. auf, wo er mehrere Bacardi Cola konsumierte. Gegen 04.20 Uhr setzte er sich – ohne im Besitz eines Führerausweises zu sein und ohne um Erlaubnis der Halterin gefragt zu haben – ans Steuer des Personenwagens VW Golf, O., und fuhr in Richtung C.-Dorf – Zentrum. Eine Patrouille der Gemeindepolizei C., welche sich bei der Einfahrt des Hotels R. befand, beobachtete, wie der Angeklagte auf einer Distanz von ca. 100 Metern die Hupe grundlos betätigte, weshalb sich diese entschloss, ihm zu folgen. Vor der S., hielt sie ihn an und unterzog ihn einer Kontrolle. Aufgrund des festgestellten Mundalkoholgeruchs wurde zuerst ein Atemlufttest und anschliessend eine Blutprobe angeordnet.
Die vom Institut der Rechtsmedizin des Kantonsspitals St. Gallen durchgeführte Blutanalyse ergab für den Zeitpunkt der inkriminierten Fahrt eine Blutalkoholkonzentration von mindestens 1.17 und maximal eine solche von 1.65 Gewichtspromille. Dieser Wert wurde vom Angeklagten anerkannt.“
C. An der Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss T. vom 23. Februar 2010 stellte und begründete der Untersuchungsrichter folgende Anträge:
1. Der Angeklagte sei im Sinne der Anklage schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er zu 120 Tagessätzen zu je CHF 90.-- zu verurteilen sowie zu einer Busse von CHF 1'000.--, ersatzweise zu 18 Tagen Freiheitsstrafe.
3. Der Strafvollzug sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.
4. Kostenfolge sei die gesetzliche.
Der Rechtsvertreter des Adhäsionsklägers stellte folgende Begehren:
1. X. sei zu verpflichten, Y. eine Genugtuungssume im Betrag von Fr. 50'000.-- nebst Zins zu 5% seit dem 18. September 2008 zu bezahlen.
2. Eventualiter sei der Adhäsionsbeklagte zu verpflichten, dem Adhäsionskläger eine Genugtuungssume nach richterlichem Ermessen zu bezahlen.
3. Der Adhäsionsbeklagte sei zu verpflichten, dem Adhäsionskläger als Schadenersatz die Summe von Fr. 4'995.-- zu bezahlen.
Es sei davon Vormerk zu nehmen, dass sich der Kläger die Geltendmachung von weiteren Ersatzansprüchen gegenüber dem Adhäsionsbeklagten ausdrücklich vorbehält.
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4. Unter voller Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten von X..
Der Verteidiger des Angeklagten stellte folgende Rechtsbegehren:
1. Der Angeklagte sei vom Vorwurf der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, des falschen Zeugnisses gemäss Art. 307 Abs. 1 StGB sowie der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG freizusprechen.
In den übrigen Punkten gemäss Anklageverfügung vom 25. November 2009 sei der Angeklagte geständig und daher schuldig zu sprechen sowie angemessen zu bestrafen.
2. Die Adhäsionsklage sei abzuweisen, evt. sei sie auf den Zivilweg zu verweisen.
3. Gesetzliche Kostenfolge.
D. Mit Urteil vom 23. Februar 2010, mitgeteilt am 7. April 2010, erkannte der Bezirksgerichtsausschuss T.:
„1. X. ist schuldig der einfachen Körperverletzung gemäss Art. 123 Ziff. 1 Abs. 1 StGB, der Anstiftung zur Irreführung der Rechtspflege gemäss Art. 304 Abs. 1 StGB in Verbindung mit Art. 24 Abs. 1 StGB, des mehrfachen Fahrens ohne Führerausweis gemäss Art. 95 Ziff. 1 Abs. 1 SVG, des Fahrens in fahrunfähigem Zustand gemäss Art. 91 Abs. 1 Satz 2 SVG sowie der Widerhandlung gegen Art. 40 SVG und Art. 29 Abs. 3 VRV in Verbindung mit Art. 90 Ziff. 1 SVG.
2. X. wird vom Vorwurf des falschen Zeugnisses im Sinne von Art. 307 Abs. 1 StGB sowie der Entwendung eines Motorfahrzeuges zum Gebrauch im Sinne von Art. 94 Ziff. 1 Abs. 1 SVG freigesprochen.
3. Dafür wird er zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 90.-- sowie zur Bezahlung einer Busse von CHF 1'000.--, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 18 Tagen, verurteilt.
4. Der Vollzug der Freiheitsstrafe wird bedingt aufgeschoben; die Probezeit beträgt 2 Jahre.
5. Die Adhäsionsklage von Y. wird teilweise gutgeheissen und der Angeklagte unter Nachklagevorbehalt verpflichtet, dem Adhäsionskläger den Betrag von CHF 1'000.-- als Genugtuung und CHF 2'930.-- als Schadenersatz zu bezahlen.
Entscheide der Bezirksgerichte und ihrer Ausschüsse über Adhäsionsklagen können durch Berufung an das Kantonsgericht
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Graubünden weitergezogen werden, das darüber ohne Parteivortritt entscheidet.
6. Die Kosten des Verfahrens, bestehend aus:
- den Barauslagen der Staatsanwaltschaft CHF 1'393.65 - der Untersuchungsgebühr der Staatsanwaltschaft CHF 4'300.00 - der Busse CHF 1'000.00 - den Gerichtskosten CHF 1'500.00 Total CHF 8'193.65
werden X. auferlegt. Die Gesamtkosten, zuzüglich der Busse von CHF 1'000.--, belaufen sich auf CHF 8'193.65.
Das von CC. geleistete Depositum von CHF 600.-- ist ihm nach Begleichung des obigen Betrages durch X. zu erstatten.

## Considerations