# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1f3417e1-4e35-4e60-856c-dca409dbb484
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_002
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1967, meldete am 11. März 2020 einen Anspruch auf
Arbeitslosenversicherungstaggeld im Umfang von 100 % ab dem 1. April
2020 an. Zuvor war er zuletzt vom 1. September 2019 bis 31. März 2020
als Hilfskoch für das Restaurant B._ tätig.
2. Mit Verfügung vom 8. Mai 2020 lehnte die Arbeitslosenkasse Graubünden
den Antrag auf Arbeitslosenentschädigung ab, da A._ nur 8 Monate
und 5 Tage einer beitragspflichtigen Beschäftigung nachweisen könne und
damit die Mindestbeitragszeit nicht erfüllt habe.
3. Gegen diese Verfügung der Arbeitslosenkasse Graubünden erhob
A._ am 14. Mai 2020 sinngemäss Einsprache. Begründend brachte
er vor, er habe nach Aufgabe seiner selbständigen Erwerbstätigkeit Ende
Mai 2018 durch seine Kinder und die Sozialen Dienste C._ unterstützt
werden müssen. Er habe sich lange erfolglos um Stellen bemüht. Im Juli
2019 habe er dann eine Arbeitsstelle gefunden, welche er aber wegen
Überforderung wieder habe aufgeben müssen. Anschliessend habe er
eine neue Stelle angetreten, welche ihm aus wirtschaftlichen Gründen per
Ende März 2020 gekündigt worden sei. In den letzten zwei Jahren habe
er keine Option und Chance gehabt, für eine Zeit von mindestens 12
Monate zu arbeiten, da er erst seit Juli 2019 wieder eine Arbeitsstelle
gehabt habe. Hinzu komme, dass es wegen des Coronavirus deutlich
schwerer sei, eine Arbeit in der Gastronomie zu finden.
4. Das Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit Graubünden (KIGA) lehnte die
Einsprache mit Entscheid vom 26. Juni 2020 ab. Zur Begründung führte
es aus, A._ habe während der Rahmenfrist für die
Beitragsbemessung vom 1. April 2018 bis zum 31. März 2020 nur
während 8 Monaten und 5 Tagen gearbeitet, was unbestritten sei.
A._ mache im Weiteren keinen der gesetzlich abschliessend
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geregelten Beitragsbefreiungsgründe (Unfall, Krankheit, Schulausbildung
etc.) geltend und es seien auch keine solchen ersichtlich, weshalb sich die
angefochtene Verfügung als rechtens erweise.
5. Dagegen erhob A._ (nachfolgend Beschwerdeführer) am 2. Juli 2020
sinngemäss eine Beschwerde an das KIGA. Die entsprechende Eingabe
wurde mit Schreiben vom 7. Juli 2020 vom KIGA an das zuständige
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden überwiesen. Der
Beschwerdeführer beantragte sinngemäss die Aufhebung des
angefochtenen Einspracheentscheids und die Auszahlung von
Arbeitslosenentschädigung. Seinen Antrag begründete er damit, dass er
seine gesamten Unterlagen durchforscht habe und dabei zwei
Lohnabrechnungen von April und Mai 2019 gefunden habe, als er bei der
Firma D._ gearbeitet habe. Ebenso habe er diverse Arztzeugnisse
gefunden, die während der letzten zwei Jahre aufgrund Krankheit und
Unfall durch seinen Hausarzt oder das Kantonsspital E._ ausgestellt
worden seien.
6. Mit Stellungnahme vom 26. August 2020 beantragte das KIGA
(nachfolgend Beschwerdegegner) die Abweisung der Beschwerde mit der
Begründung, der Beschwerdeführer habe im Zeitraum vom 1. April 2018
bis zum 31. März 2020 ausgehend von seinen Angaben sowie den
eingegangenen Arbeitgeberbescheinigungen nur während 8 Monaten und
5 Tagen gearbeitet. Zum Arbeitsverhältnis bei der D._ seien trotz
entsprechender Aufforderung der Arbeitslosenkasse Graubünden bisher
weder die entsprechende Arbeitgeberbescheinigung noch andere
Unterlagen eingegangen. Sollte das Gericht der Ansicht sein, dass diese
Unterlagen zum Entscheid zwingend erforderlich seien, werde der
Beschwerdegegner die notwendigen Schritte (Mahnung an die
Arbeitgeberin, falls nicht zielführend Strafanzeige) einleiten. Selbst wenn
jedoch der Beschwerdeführer während der gesamten beiden Monate
gearbeitet hätte, würde sich die Beitragszeit um maximal zwei Monate auf
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insgesamt 10 Monate und 5 Tage erhöhen, womit der Beschwerdeführer
die geforderten 12 Monate einer beitragspflichtigen Beschäftigung nicht
erreiche. Im Weiteren liege aufgrund der eingereichten Arztzeugnisse,
welche einen Zeitraum von rund zwei Monaten abdecken würden, kein
Betragsbefreiungsgrund von ausreichender Dauer vor.
Auf die weiteren Ausführungen der Parteien in den Rechtsschriften und auf
den angefochtenen Einspracheentscheid sowie auf die im Recht liegenden
Beweismittel wird, soweit rechtserheblich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt im vorliegenden Beschwerdeverfahren bildet der
Einspracheentscheid des Beschwerdegegners vom 26. Juni 2020 (Beilage
Beschwerdeführer [Bf-act.] 1). Nach Art. 1 Abs. 1 des Bundesgesetzes
über die obligatorische Arbeitslosenversicherung und die
Insolvenzentschädigung (AVIG; SR 837.0) i.V.m. Art. 2 sowie Art. 56 Abs.
1 und Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des
Sozialversicherungsrechts (ATSG; SR 830.1) kann gegen
Einspracheentscheide aus dem Bereich der Arbeitslosenversicherung
Beschwerde beim kantonalen Versicherungsgericht erhoben werden.
Gemäss Art. 100 Abs. 3 AVIG i.V.m. Art. 128 Abs. 2 der Verordnung über
die obligatorische Arbeitslosenversicherung und Insolvenzentschädigung
(AVIV; SR 837.02) ist für die Beurteilung von Beschwerden gegen
Verfügungen (Einspracheentscheide) einer kantonalen Amtsstelle das
Verwaltungsgericht desselben Kantons örtlich zuständig. Der
angefochtene Einspracheentscheid wurde vom KIGA als kantonale
Amtsstelle im Sinne von Art. 85 AVIG erlassen, sodass die örtliche
Zuständigkeit des angerufenen Gerichts gegeben ist. Die sachliche
Zuständigkeit des angerufenen Gerichts ergibt sich aus Art. 57 ATSG
i.V.m. Art. 49 Abs. 2 lit. a des kantonalen Gesetzes über die
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Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Der Beschwerdeführer ist
als formeller und materieller Adressat des Einspracheentscheides zur
Beschwerdeführung legitimiert (Art. 59 ATSG), weshalb auf die im Übrigen
form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde (Art. 60 ATSG und Art. 61
ATSG) einzutreten ist.
2. Umstritten und zu prüfen ist, ob die Ablehnung des Anspruchs auf
Arbeitslosenentschädigung wegen Nichterfüllung der Mindestbeitragszeit
zu Recht erfolgt ist.
3. Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung hat gemäss Art. 8 Abs. 1 lit. e
AVIG, wer unter anderem die Beitragszeit erfüllt hat oder von der Erfüllung
der Beitragszeit befreit ist. Die Beitragszeit hat erfüllt, wer innerhalb der
dafür vorgesehenen Rahmenfrist während mindestens 12 Monaten eine
beitragspflichtige Beschäftigung ausgeübt hat (Art. 13 Abs. 1 AVIG). Für
den Leistungsbezug und für die Beitragszeit gelten, sofern das Gesetz
nichts anderes vorsieht, zweijährige Rahmenfristen (Art. 9 Abs. 1 AVIG).
Gemäss Art. 9 Abs. 2 AVIG beginnt die Rahmenfrist für den
Leistungsbezug mit dem ersten Tag, für den sämtliche
Anspruchsvoraussetzungen erfüllt sind. Die Rahmenfrist für die
Beitragszeit beginnt zwei Jahre vor diesem Tag (Art. 9 Abs. 3 AVIG). Als
Beitragsmonat zählt jeder volle Kalendermonat, in dem der Versicherte
beitragspflichtig ist (Art. 11 Abs. 1 AVIV).
4.1 Vorliegend ist die Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 1. April 2018 bis
31. März 2020 unbestritten. In den Akten ausgewiesen sind die
beitragspflichtigen Beschäftigungen als Hilfskoch/Bäckereimitarbeiter bei
der F._ AG vom 15. Juli 2019 bis 16. August 2019 (vgl.
Arbeitgeberbescheinigung vom 28. April 2020 [Beilage
Beschwerdegegner {Bg-act.} 10]) und als Koch bei der B._ vom
1. September 2019 bis 31. März 2020 (vgl. Arbeitgeberbescheinigung vom
30. März 2020 [Bg-act. 11]). Daraus ermittelte der Beschwerdegegner
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korrekt eine Beitragszeit von total 8 Monaten und 5 Tagen, nämlich 7
Monate bei der B._ und 1 Monat und 5 Tage (15. Juli bis 31. Juli
Monate = 13 Werktage x 1.4 = 18.2 Kalendertage; 1. August bis
16. August = 12 Werktage x 1.4 = 16.8 Kalendertage; insgesamt somit 35
Tage bzw. 1 Monat und 5 Tage [vgl. zur Ermittlung der Beitragszeit: AVIG-
Praxis ALE, Rz. B150]) bei der F._ AG.
4.2 Mit der Beschwerde reichte der Beschwerdeführer sodann zwei
Lohnabrechnungen vom April 2019 und Mai 2019 der Firma D._ (Bf-
act. 2) ein. Eine entsprechende Aufforderung des Beschwerdegegners
vom 27. Juli 2020 an die Firma D._ zur Einreichung der
Arbeitgeberbescheinigung inkl. aller Lohnabrechnungen sowie des
Arbeitsvertrages und der Kündigung (Bg-act. 8) blieb unbeantwortet. Die
Frage, ob diese zwei Monate bei der Beitragszeit vollumfänglich zu
berücksichtigen sind, kann vorliegend offen bleiben. Denn selbst wenn
diese zwei Monate vollumfänglich an die Beitragszeit angerechnet werden
würden, würde erst eine Beitragszeit von 10 Monaten und 5 Tagen
resultieren. Damit wäre die Mindestbeitragszeit von 12 Monaten nach wie
vor nicht erfüllt. Dass der Beschwerdeführer länger als diese zwei Monate
bei der Firma D._ gearbeitet hat, macht er nicht geltend. Im Gegenteil
führte er in seiner Einsprache vom 14. Mai 2020 aus, dass er seit Aufgabe
seiner selbständigen Erwerbstätigkeit Ende Mai 2018 durch seine Kinder
und die Sozialen Dienste C._ habe unterstützt werden müssen und
erst im Juli 2019 wieder eine Stelle angetreten habe. Zudem deutet die
Stundenanzahl von 69.02 Stunden auf der Lohnabrechnung April 2019 im
Vergleich zur Stundenanzahl von 119.22 Stunden auf der
Lohnabrechnung Mai 2019 (vgl. Bf-act. 2) daraufhin hin, dass das
Arbeitsverhältnis überwiegend wahrscheinlich erst im Verlaufe des Monats
April 2019 begonnen hat.
5.1 Damit ist erstellt, dass der Beschwerdeführer die gesetzlich
vorgeschriebene Beitragszeit von 12 Monaten nicht erfüllt hat. Somit bleibt
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lediglich zu prüfen, ob er allenfalls von der Erfüllung der Beitragszeit befreit
werden könnte. Der Beschwerdeführer reichte mit seiner Beschwerde
diverse Arztzeugnisse (Bf-act. 3) ein, welche eine Arbeitsunfähigkeit in
mehreren Zeiträumen während der Rahmenfrist bescheinigen, und er
bringt sinngemäss vor, dass er gestützt auf Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG
während dieser Zeit von der Beitragszeit befreit gewesen sei.
5.2 Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG statuiert, dass Personen, die innerhalb der
Rahmenfrist während insgesamt mehr als 12 Monaten nicht in einem
Arbeitsverhältnis standen und die Beitragspflicht aufgrund Krankheit,
Unfall oder Mutterschaft nicht erfüllen konnten, wobei sie während dieser
Zeit Wohnsitz in der Schweiz hatten, von der Erfüllung der Beitragszeit
befreit sind. Der Befreiungsgrund nach Art. 14 Abs. 1 AVIG verlangt nach
einem Kausalzusammenhang zwischen der Nichterfüllung der
Beitragszeit und der Krankheit, wobei das Hindernis während mehr als 12
Monaten bestanden haben muss. Denn bei kürzerer Verhinderung bleibt
der versicherten Person während der zweijährigen Rahmenfrist genügend
Zeit, um eine ausreichende beitragspflichtige Beschäftigung auszuüben
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_329/2020 vom 10. September 2020
E.3.3.1 mit Hinweis auf BGE 121 V 336).
5.3 Der Beschwerdeführer reichte vier Arztzeugnisse (Bf-act. 3) ein, welche
eine Arbeitsunfähigkeit vom 3. Juli 2018 bis 15. Juli 2018, vom 13. August
2018 bis 26. August 2018, vom 27. August 2018 bis 26. September 2018
sowie vom 6. März 2020 bis 8. März 2020 attestieren. Hinsichtlich der
letzten Arbeitsunfähigkeit ist anzumerken, dass der Beschwerdeführer
dannzumal in einem Arbeitsverhältnis stand, weshalb diese Zeit beim
Befreiungsgrund nicht zu berücksichtigen ist und ihm folgerichtig der volle
Monat März 2020 an die Beitragszeit angerechnet wurde (vgl. Erwägung
4.1 vorstehend). Wie der Beschwerdegegner zutreffend ausführt, hätte der
Beschwerdeführer krankheitsbedingte Befreiungsgründe von mehr als 12
Monaten geltend machen müssen, um von der Beitragspflicht befreit zu
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werden. Mit Blick darauf, dass der Beschwerdeführer vorliegend innerhalb
der Rahmenfrist für die Beitragszeit vom 1. April 2018 bis 31. März 2020
eine Beitragszeit von unter 12 Monaten vorweist und lediglich rund zwei
Monate an der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit verhindert war, wären ihm
immer noch rund zwölf Monate geblieben, in welchen er eine
beitragspflichtige Beschäftigung hätte ausüben können. Vorliegend
reichen deshalb rund zwei Monate, in denen der Beschwerdeführer
aufgrund Krankheit bzw. Unfall nicht arbeitsfähig war, nicht aus, um ihn
von der Beitragszeit gemäss Art. 14 Abs. 1 lit. b AVIG zu befreien.
6. Nach dem Gesagten ist festzuhalten, dass der Beschwerdeführer
innerhalb der zweijährigen Rahmenfrist eine Beitragszeit von maximal 10
Monaten und 5 Tagen ausweisen kann, womit die für den Anspruch auf
Arbeitslosenentschädigung erforderliche Mindestbeitragszeit von 12
Monaten nicht erfüllt ist. Der angefochtene Einspracheentscheid des
Beschwerdegegners ist demzufolge rechtens, was zu seiner Bestätigung
und zur Abweisung der dagegen erhobenen Beschwerde führt.
7. Gemäss aArt. 61 lit. a ATSG i.V.m. Art. 82a ATSG ist das kantonale
Beschwerdeverfahren in Sozialversicherungssachen – ausser bei
leichtsinniger oder mutwilliger Prozessführung – kostenlos, weshalb
vorliegend keine Kosten zu erheben sind. Dem obsiegenden
Beschwerdegegner steht kein Anspruch auf Ersatz der Parteikosten zu
(vgl. Art. 61 lit. g ATSG).