# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c8d516b3-d888-4e9e-bed0-c705749570f4
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte etc.
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 13. Juli 2021 (GG210140)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Zürich-Sihl vom 16. April 2021 (Urk. 22)
ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 65 S. 34 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der einfachen Körperverletzung im Sinne von Art. 123 Ziff. 1 StGB sowie
− der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte im Sinne von Art. 285
Ziff. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu Fr. 30.–,
wovon bis und mit heute 2 Tagessätze als durch Haft geleistet gelten.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird aufgeschoben und die Probezeit auf 2 Jahre fest-
gesetzt.
4. Es wird festgestellt, dass der Beschuldigte gegenüber der Unfallversicherung der
Stadt Zürich aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schadenersatz-
pflichtig ist. Zur genauen Feststellung des Umfanges des Schadenersatzanspru-
ches wird die Unfallversicherung der Stadt Zürich auf den Weg des Zivilprozesses
verwiesen.
5. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ Fr. 300.– zuzüglich
5 % Zins ab 25. Januar 2021 als Genugtuung zu bezahlen.
6. Die Gerichtsgebühr wird angesetzt auf:
Fr. 2'100.– ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'100.– Gebühr für das Vorverfahren;
Fr. 7'500.– Entschädigung der amtlichen Verteidigung.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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7. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausgenommen
diejenigen der amtlichen Verteidigung, werden dem Beschuldigten auferlegt.
8. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden auf die Gerichtskasse genommen;
vorbehalten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
9. Der Beschuldigte wird verpflichtet, dem Privatkläger B._ für das gesamte
Verfahren eine Prozessentschädigung von Fr. 6'750.55 zu bezahlen.
10. (Mitteilungen)
11. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge: (Prot. II S. 5 f.)
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 89)
1. Das Urteil der Vorinstanz GG210140-L/U vom 13. Juli 2021 sei vollumfäng-
lich aufzuheben und es sei der Berufungskläger von Schuld und Strafe
freizusprechen;
2. Es sei die Berufungsgegnerin anzuweisen, die angefertigten DNA-Daten zu
vernichten;
3. Es seien die finanziellen Forderungen der Privatkläger 1 und 2 abzuweisen,
eventualiter auf den Zivilweg zu verweisen;
4. Es sei dem Berufungskläger den Schaden zu vergüten, der ihm durch den
Vorfall entstanden ist, ebenso sei ihm eine angemessene finanzielle Kom-
pensation infolge seiner ungerechtfertigten Haft zuzusprechen als auch eine
angemessene Genugtuung für die erlittene körperliche und psychische Un-
bill;
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5. Im Falle eines Freispruchs seien dem Berufungskläger die Verteidigungs-
kosten für dieses sowie für das Verfahren vor Vorinstanz vollumfänglich zu
ersetzten;
6. Die Vortragende sei dem Berufungskläger weiterhin als amtliche Verteidi-
gung beizugeben und im Falle eines Schuldspruchs sei deren Aufwände im
Ansatz von Fr. 220.-- pro Stunden zu entgelten.
7. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 77; schriftlich)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Vertretung des Privatklägers:
(Urk. 92)
1. Das erstinstanzliche Urteil sei zu bestätigen.
2. A._ sei zu verpflichten, dem Privatkläger für das Berufungsverfahren
eine Prozessentschädigung von Fr. 3'179.60, zuzüglich Fr. 244.85 MwSt., zu
bezahlen.

## Considerations

Erwägungen:
I. Verfahrensgang, Berufungsumfang, Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zwecks Ver-
meidung von unnötigen Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen der
Vorinstanz im angefochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 65 S. 4 f.).
1.2. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung, vom 13. Juli 2021 wur-
de der Beschuldigte gemäss dem eingangs wiedergegebenen Urteilsdispositiv
schuldig gesprochen und bestraft (Urk. 58). Gegen das Urteil liess der Beschul-
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digte mit Eingabe vom 22. Juli 2021 Berufung anmelden (Urk. 60). Das begründe-
te Urteil wurde dem Beschuldigten bzw. seiner Verteidigung in der Folge am 28.
Oktober 2021 zugestellt (Urk. 64/2). Mit Eingabe vom 16. November 2021 reichte
die amtliche Verteidigung fristgerecht ihre Berufungserklärung beim hiesigen Ge-
richt ein und stellte Beweisanträge (Urk. 71).
1.3. Mit Präsidialverfügung vom 18. November 2021 wurde der Staatsanwalt-
schaft sowie der Privatklägerschaft Frist angesetzt, um bezüglich der Berufung
des Beschuldigten Anschlussberufung zu erklären, oder begründet ein Nichtein-
treten auf die Berufung zu beantragen. Gleichzeitig wurde den Privatklägern und
der Staatsanwaltschaft Frist gesetzt, um zu den Beweisanträgen des Beschuldig-
ten Stellung zu nehmen (Urk. 73). Mit Schreiben vom 22. November 2021 verzich-
tete der Privatkläger auf Anschlussberufung und Stellungnahme (Urk. 75). Die
Staatsanwaltschaft verzichtete mit Eingabe vom 23. November 2021 ebenfalls auf
Anschlussberufung und beantragte die Abweisung der Beweisanträge (Urk. 77).
Mit Präsidialverfügung vom 20. Dezember 2021 wurden die Beweisanträge der
Verteidigung begründet abgewiesen (Urk. 83).
1.4. Am 21. April 2022 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der
Beschuldigte in Begleitung seiner amtlichen Verteidigerin, Rechtsanwältin lic. iur.
X._, sowie deren Substitutin, MLaw Y._, und der Vertreter des
Privatklägers B._ Rechtsanwalt Dr. iur. Z._, in Begleitung des
Privatklägers erschienen sind (Prot. II S. 5). Vorfragen waren keine zu entschei-
den und – abgesehen von der Einvernahme des Beschuldigten (Urk. 88A) – auch
keine Beweise abzunehmen (Prot. II S. 7 f.). Nach den Parteivorträgen und dem
Schlusswort des Beschuldigten verzichteten die Parteien auf eine mündliche
Urteilseröffnung und -erläuterung (Art. 84 Abs. 3 StPO; Prot. II S. 11). Die gehei-
me Beratung fand gleichentags statt, das Urteil wurde ebenfalls am 21. April 2022
gefällt und den Parteien schriftlich im Dispositiv eröffnet (Prot. II S. 12 ff.; Urk. 94).
2. Berufungsumfang
2.1. In ihrer Berufungserklärung vom 16. November 2021 beantragte die amt-
liche Verteidigung einen vollumfänglichen Freispruch (Urk. 71).
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2.2. Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte die Verteidigung, dass die
Dispositiv-Ziffer 6 des vorinstanzlichen Urteils (Kostenfestsetzung) betreffend die
Entschädigung der amtlichen Verteidigung für den Fall eines Freispruches eben-
falls angefochten sei (Prot. II S. 7). Dementsprechend ist das ganze vorinstanzli-
che Urteil angefochten und steht unter Berücksichtigung des Verschlechterungs-
verbots zwecks Überprüfung zur Disposition (Art. 391 Abs. 2 StPO).
3. Prozessuales
3.1. Strafantrag
Mit Verweis auf die Erwägungen der Vorinstanz liegt bezüglich des Antragsdelikts
der einfachen Körperverletzung ein gültiger Strafantrag vor (Urk. 65 S. 5 f.;
Urk. 3).
3.2. Verletzung des Anklageprinzips
Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung – entgegen der Verteidigung
(Urk. 89 S. 32 ff.) – die Verletzung des Anklageprinzips verneint, worauf zu ver-
weisen ist (Urk. 65 S. 6 f.).
3.3. Verwertbarkeit
3.3.1. Die Vorinstanz führt aus, bei der polizeilichen Einvernahme des ebenfalls
beim Vorfall anwesenden Polizisten C._ vom 25. Januar 2021 sei weder der
Beschuldigte noch seine Verteidigung anwesend gewesen. Als Verstoss gegen
das allgemeine Teilnahme- und Fragerecht seien die Aussagen von C._ ge-
mäss Art. 147 Abs. 4 StPO nicht zulasten des Beschuldigten verwertbar (Urk. 65
S. 7).
Der Vorinstanz kann im Ergebnis, nicht aber in der Begründung gefolgt werden.
Die Parteien haben das Recht, bei Beweiserhebungen durch die Staatsanwalt-
schaft und die Gerichte anwesend zu sein und einvernommenen Personen Fra-
gen zu stellen. Die Anwesenheit der Verteidigung bei polizeilichen Einvernahmen
richtet sich nach Artikel 159 (Art. 147 Abs. 1 StPO). Bei polizeilichen Einvernah-
men der beschuldigten Person hat diese das Recht, dass ihre Verteidigung anwe-
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send sein und Fragen stellen kann (Art. 159 Abs. 1 StPO). Die Parteien haben
mithin kein Recht, bei Beweiserhebungen durch die Polizei, etwa bei polizeilichen
Einvernahmen von Auskunftspersonen, anwesend zu sein (Umkehrschluss aus
Art. 147 Abs. 1 Satz 1 StPO; BGE 143 IV 397 E. 3.3.2 S. 403; Urteile
6B_1320/2020 vom 12. Januar 2022 E. 4.2.1; 6B_217/2015 vom 5. November
2015 E. 2.2, nicht publ. in: BGE 141 IV 423; je mit Hinweisen). Eine Verletzung
von Art. 147 Abs. 1 StPO liegt deshalb entgegen der Vorinstanz nicht vor.
Jedoch fand die Befragung von C._ einzig in einer (nicht delegierten)
polizeilichen Einvernahme statt ohne spätere Wahrung des Konfrontations-
anspruchs des Beschuldigten. Der in Art. 6 Ziff. 3 lit. d EMRK garantierte An-
spruch der beschuldigten Person, den Belastungszeugen Fragen zu stellen, ist
ein besonderer Aspekt des Rechts auf ein faires Verfahren. Er wird als Konkreti-
sierung des rechtlichen Gehörs (Art. 29 Abs. 2 BV) auch durch Art. 32 Abs. 2 BV
gewährleistet. Eine belastende Zeugenaussage ist grundsätzlich nur verwertbar,
wenn der Beschuldigte wenigstens einmal während des Verfahrens angemessene
und hinreichend Gelegenheit hatte, das Zeugnis in Zweifel zu ziehen und Fragen
an den Belastungszeugen zu stellen (BGE 133 I 33 E. 3.1 S. 41 mit Hinweisen).
Dies gilt auch betreffend die Einvernahme von Auskunftspersonen (Urteil
6B_14/2021 vom 28. Juli 2021 E. 1.3.4 mit Hinweis). Damit ist die polizeiliche
Einvernahme von C._ vom 25. Januar 2021 nicht zulasten des Beschuldigten
verwertbar.
3.3.2. Wie die Vorinstanz ausführt, ist der schriftliche Wahrnehmungsbericht
(Urk. 9; Godenzi, in: Donatsch/Lieber/Summers/Wohlers [Hrsg.], Kommentar zur
Schweizerischen Strafprozessordnung StPO, 3. Aufl., Zürich 2020, Art. 145 N 10
f.) nicht zulasten des Beschuldigten verwertbar.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Dem Beschuldigten wird zusammengefasst vorgeworfen, er habe sich verbal und
physisch mit vollem Körpereinsatz gegen eine – unter anderem durch den Privat-
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kläger B._ durchgeführte – polizeiliche Personenkontrolle gewehrt. Dabei
habe der Beschuldigte unvermittelt das rechte Bein des Privatklägers B._
gepackt und derart fest daran gezogen, dass dieser zu Fall gekommen sei. Beim
Versuch, den Sturz mit seiner Hand abzufangen, habe sich der Privatkläger
B._ am rechten Daumen verletzt. Er habe eine Prellung des rechten Dau-
mens sowie einen Riss des Innenbandes erlitten. Die Verletzung habe eine
mehrwöchige Arbeitsunfähigkeit sowie eine Operation nach sich gezogen. Für
den Beschuldigten sei bei seinem Tun erkennbar gewesen, dass es sich bei den
kontrollierenden Personen um Polizisten gehandelt habe und er einer polizeili-
chen Personenkontrolle unterzogen worden sei. Ferner habe er gewusst, dass er
mit seiner massiven Gegenwehr die intervenierenden Polizeibeamten hätte ver-
letzen können, was er durch sein Handeln denn auch billigend in Kauf genommen
habe (Urk. 22 S. 2 f.).
2. Standpunkt des Beschuldigten
2.1. Der Beschuldigte bestreitet die Teilnahme an der ebenfalls in der Anklage-
schrift erwähnten unbewilligten Demonstration, welche Anlass für die vorgenom-
menen Personenkontrollen war. Wie noch zu zeigen sein wird, kann indes offen
gelassen werden, ob der Beschuldigte und sein Sohn tatsächlich Teilnehmer die-
ser Demonstration waren bzw. auf dem Weg zur dieser oder einer entsprechen-
den Nachkundgebung waren. Es genügt, dass sie – namentlich angesichts des
Plakats mit der Aufschrift "Stopp Corona-Hysterie" – den berechtigten Anschein
erweckt haben, dass sie sich der Demonstration haben anschliessen wollen oder
sonst irgendwie mit dieser im Zusammenhang standen (vgl. Ziff. III 1.2.). Nicht
von Relevanz ist des Weiteren die Frage, ob die Kundgebung grundsätzlich hätte
bewilligt werden müssen. Entsprechend sind die umfangreichen Ausführungen
der Verteidigung zu diesen Thematiken sowie zu den daraus abgeleiteten Vor-
bringen obsolet (Urk. 89 S. 2 ff.). Gleiches gilt für diverse Ausführungen zu Um-
ständen vor und nach der vorgeworfenen Tat, welche nicht den Anklagesachver-
halt betreffen (Urk. 89 S. 15 f., S. 22 ff.).
2.2. Strittig ist ferner der Ablauf der Personenkontrolle. Der Beschuldigte stellt
in Abrede, das Bein des Privatklägers B._ umklammert bzw. jemanden ge-
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schädigt bzw. verletzt zu haben (Urk. 4 F/A 13 S. 3 f.; Urk. 5 F/A 31 S. 6, F/A 56
ff. S. 9, F/A 69 S. 11; Urk. 89 S. 47). Sodann macht er geltend, der Polizeieinsatz
sei unverhältnismässig gewesen und er sei von den Polizisten angegriffen worden
(Urk. 4 F/A 13 ff. S. 2 ff.; Urk. 55). Hinsichtlich des Ablaufs der Personenkontrolle
gibt er auf Vorhalt der Video- und Tonaufnahmen, worauf zu hören ist, wie der
Polizeibeamte D._ sich vorstellt und die Personenkontrolle erklärt (Urk. 11),
schliesslich zu, dass ihm diese eröffnet worden sei (Urk. 5 F/A 50 f. S. 8).
2.3. Entsprechend ist anhand der vorhandenen Beweismittel insbesondere zu
prüfen, ob erstellt werden kann, dass der Beschuldigte sich gegen die polizeiliche
Kontrolle bzw. Festnahme verbal und physisch gewehrt, den Privatkläger B._
am Bein gepackt und derart fest gezogen hat, dass dieser zu Fall gekommen ist
und sich die anklagegemässen Verletzungen an der Hand zugezogen hat. Auf die
Frage der Rechtmässigkeit sowie Verhältnismässigkeit der polizeilichen Kontrolle
ist sodann im Rahmen der rechtlichen Würdigung einzugehen (vgl. Ziff. III 1.2.).
3. Allgemeines
3.1. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze der richterlichen Be-
weiswürdigung dargelegt (Urk. 65 S. 9 f.). Darauf kann vollumfänglich verwie-
sen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO), ebenso auf die Erwägungen zur Glaubwür-
digkeit des Beschuldigten sowie des Privatklägers B._ und zu den vor-
handenen Beweismitteln (Urk. 65 S. 9 ff.). Entgegen den Ausführungen der
Verteidigung (Urk. 89 S. 9 ff.) hat die Vorinstanz dem Privatkläger nicht ge-
stützt auf seine Eigenschaft als Polizist eine erhöhte Glaubwürdigkeit zuge-
sprochen. Vielmehr hat sie differenziert aufgezeigt, dass der Privatkläger kein
Motiv hat, den Beschuldigten zu Unrecht zu belasten.
3.2. Im Übrigen kann sich die Berufungsinstanz auf die für ihren Entscheid
wesentlichen Punkte beschränken (BGE 146 IV 297 E. 2.2.7 S. 308 m. H.).
4. Beweiswürdigung
4.1. Die jeweiligen Sachverhaltsschilderungen des Beschuldigten sowie des
Privatklägers B._ hat die Vorinstanz zutreffend zusammengefasst.
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Gleiches gilt in Bezug auf die objektiven Beweismittel. Darauf kann vorab
verwiesen werden (Urk. 65 S. 12 ff.).
4.2. Die Vorinstanz stellte im Wesentlichen auf die aktenkundigen Video- und
Tonaufnahmen (Urk. 11) sowie die Aussagen des Privatklägers B._ (Urk. 6
und Urk. 7) ab, welcher korrekt vom Amtsgeheimnis entbunden worden war
(Urk. 6 S. 1; Urk. 7 S. 2 f., Anhang). Sie erachtete als erstellt, dass der Beschul-
digte sich verbal und physisch gegen die Kontrolle bzw. Festnahme wehrte, und
dass er, als er von den Polizeibeamten zu Boden gebracht wurde, das linke Bein
des Privatklägers B._ umfasste, was zum Sturz und zur Verletzung des Pri-
vatklägers B._ an der Hand führte. Die Verletzung ist im ärztlichen Befund
(Urk. 12/5) dokumentiert (Urk. 65 S. 15 f.).
4.3. Auf der ersten Video- und Tonaufnahme ist der Beginn der Personen-
kontrolle zu sehen und zu hören, wie sich der Polizeibeamte D._ vorstellte
und den Grund der Personenkontrolle nannte. Aus den Bild- und Tonaufzeich-
nungen wird deutlich, dass der Beschuldigte von Anfang an nicht kooperierte,
sich konfrontativ zeigte und sich verbal gegen eine Personenkontrolle wehrte
sowie Anweisungen der Polizei, sich auszuweisen oder ihnen zu einer anderen
Örtlichkeit zu folgen, missachtete (Urk. 11). Die physische Auseinandersetzung
ist kurz auf der zweiten Videoaufnahme ersichtlich. Es ist deutlich erkennbar,
dass der Beschuldigte sich nicht mehr nur verbal, sondern auch physisch ve-
hement zur Wehr setzte. Unter anderem sieht man, wie der Beschuldigte im
Gerangel durch die Polizeibeamten zu Boden gebracht wurde und namentlich
– was insbesondere in der Zeitlupe ersichtlich wird – wie der Beschuldigte das
linke Bein des Privatklägers B._ (etwa auf der Höhe Kniekehle) mit dem
linken Arm umklammerte. Der Privatkläger B._ ist dann für einen kurzen
Moment nicht mehr im Bildausschnitt zu sehen. Als die Szenerie wieder in den
Bildbereich kommt, sieht man den Privatkläger B._ ebenfalls auf dem
Boden, wie er sein Bein wegzieht und wieder aufsteht (Urk. 11).
4.4. Wie die Vorinstanz erwägt, decken sich diese Aufnahmen im Wesent-
lichen mit den detaillierten, in den Grundzügen konstanten und insgesamt
glaubhaften Schilderungen des Privatklägers B._ (Urk. 65 S. 15 f.). Dies
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betrifft insbesondere die Umstände, wie es zu seinem Sturz und der daraus re-
sultierenden Handverletzung gekommen ist. Der ärztliche Befund des USZ do-
kumentiert sodann die erlittene Verletzung und bezeichnet den vom Privatklä-
ger geschilderte Unfallmechanismus als mögliche Verletzungsursache
(Urk. 12/5). Anhaltspunkte für eine andere Verletzungsursache sind denn auch
nicht ersichtlich. Im Gegenteil sprechen die detaillierten und realitätsnahen
Schilderungen des Privatklägers deutlich für die Zufügung der Verletzung am
Daumen durch den vom Beschuldigten verursachten Sturz. Er hielt fest, dass
er bereits beim Abstützen mit der rechten Hand, um den Sturz abzufangen, ein
unangenehmes Gefühl und Schmerzen in der rechten Hand gehabt habe, und
er auf der Wache einen Stift in die Hand habe nehmen wollen, um die Perso-
nalien aufzunehmen, den Stift aber nicht mehr habe halten können, da er der-
art Schmerzen gehabt habe (Urk. 7 F/A 28 S. 6 f.).
4.5. Die teilweisen Bestreitungen des Beschuldigten sind unter den gegebe-
nen Umständen als reine Schutzbehauptungen zu werten.
4.6. Subjektiv ist angesichts der Umstände ohne Weiteres davon auszuge-
hen, dass der Beschuldigte sich bewusst und gewollt gegen die Anordnungen
der Polizeibeamten verbal und physisch zur Wehr setzte, und dass er zumin-
dest damit rechnete, mit seiner massiven Gegenwehr die intervenierenden
Polizeibeamten verletzen zu können, was er denn auch in Kauf nahm.
4.7. Zusammenfassend ist somit erstellt, dass sich der Beschuldigte vehement
verbal und mit vollem Körpereinsatz physisch gegen die Personenkontrolle bzw.
die durch die Weigerung der Kooperation veranlasste vorläufige Festnahme wehr-
te und dass er, als er von den intervenierenden Polizeibeamten angesichts der
heftigen Gegenwehr zu Boden gebracht werden musste, das linke Bein des
Privatklägers B._ umfasste und daran zog, was zum Sturz und in der Folge
zur Verletzung des Privatklägers B._ am rechten Daumen führte.
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III. Rechtliche Würdigung
1. Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte
1.1. Hinsichtlich der rechtlichen Würdigung dieses Anklagepunkts kann auf die
zutreffenden und detaillierten Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 65 S. 17 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Eine polizeilich durchgeführte Personen-
kontrolle bzw. vorläufige Festnahme stellt ohne weiteres eine Amtshandlung dar
und die an der Personenkontrolle beteiligten Polizisten handelten in ihrer Funktion
als Beamte im Sinne des Gesetzes. Wie die Vorinstanz ausführte, widersetzte
sich der Beschuldigte dieser Kontrolle – welche ihm ausreichend eröffnet und er-
klärt wurde – sowie der durch sein Verhalten veranlassten vorläufigen Festnahme
– entgegen der Verteidigung (Urk. 89 S. 39 ff.) – vehement. Durch dieses aggres-
sive Verhalten hat der Beschuldigte die Polizisten bei der Ausführung ihrer Amts-
handlungen behindert. Dabei handelte der Beschuldigte – entgegen der Verteidi-
gung (Urk. 89 S. 19 f, 42 f.) – mit direktem Vorsatz.
1.2. Zur Rechtmässigkeit sowie Verhältnismässigkeit der Amtshandlung –
welche von der Verteidigung bestritten werden (Urk. 55 S. 19 ff.; Urk. 89 S. 2
ff.) – ist mit der Vorinstanz festzuhalten, dass grundsätzlich auch formell oder ma-
teriell unzulässige Amtshandlungen nach Art. 285 StGB geschützt sind (Heim-
gartner, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], BSK StGB, 4. Aufl. 2019, Vor Art. 285 N 15
ff.). Zurecht wird denn in den vorinstanzlichen Erwägungen auf § 21 Abs. 1 PolG
(ZH) sowie Art. 215 Abs. 1 lit. a StPO hingewiesen (Urk. 65 S. 18 f.): Nach § 21
Abs. 1 PolG (ZH) darf die Polizei Personen anhalten und deren Identität abklären,
sofern dies zur Erfüllung ihrer Aufgaben notwendig ist. Nach Abs. 2 ist die ange-
haltene Person verpflichtet, Angaben zur Person zu machen, mitgeführte Aus-
weis- und Bewilligungspapiere vorzuzeigen und zu diesem Zweck Behältnisse
und Fahrzeuge zu öffnen. Nach Abs. 3 der Bestimmung kann die Polizei die Per-
son zu einer Dienststelle bringen, wenn die Abklärungen gemäss Abs. 1 vor Ort
nicht eindeutig oder nur mit erheblichen Schwierigkeiten vorgenommen werden
können. Auch die StPO sieht eine Norm vor, welche der Polizei erlaubt, im Inte-
resse der Aufklärung einer Straftat eine Person anzuhalten und wenn nötig auf
den Polizeiposten zu bringen, unter anderem, um ihre Identität festzustellen
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(Art. 215 Abs. 1 lit. a StPO). Die polizeiliche Anhaltung zum Zweck der Identitäts-
feststellung kann damit sowohl bei einer konkreten Gefahrenabwehr als auch im
Rahmen der eigentlichen Strafverfolgung (also strafprozessual) erfolgen. Dabei
können sicherheits- und kriminalpolizeiliche Kontrollen fliessend ineinander über-
gehen (Borbély, Kommentar zum Polizeigesetz des Kantons Zürich, Zürich 2018,
§ 21 N 9). Wichtig ist dabei, dass bei der sicherpolizeilichen Personenkontrolle
(noch) kein Tatverdacht gegen die beschuldigte Person bestehen muss. Es geht
zunächst nur um die mögliche Beziehung einer Person zu einer Straftat. Es müs-
sen spezifische Umstände vorliegen, welche eine Aktion erforderlich machen
(BGE 136 I 87 E. 5.1. f.). Dabei kann die Anwesenheit in der Nähe eines Tatorts
ein entsprechender Indikator sein (Borbély, a.a.O., § 21 N 3). Dabei muss die
Personenkontrolle, wie grundsätzlich jede staatliche Zwangsmassnahme, stets
verhältnismässig sein (§ 10 PolG [ZH], Art. 197 StPO).
Die vorliegend gegenständliche Personenkontrolle erfolgte im Zusammenhang mit
einer kurz zuvor am E._-platz aufgelösten unbewilligten Demonstration ge-
gen die Corona-Massnahmen und dem Umstand, dass der Beschuldigte mit sei-
nem Sohn etwa 45 Minuten später mit beschrifteten Schildern, welche thematisch
zur zuvor aufgelösten Kundgebung passten, über die E._-brücke in Richtung
E._-platz spazierte. Dies erweckte den berechtigten Anschein, dass sich der
Beschuldigte der Demonstration habe anschliessen wollen oder sonst irgendwie
mit dieser im Zusammenhang stand. Die Personenkontrolle war mithin – mit Blick
auf die obigen Ausführungen – ohne Weiteres gerechtfertigt. Sie erfolgte somit –
entgegen der Verteidigung (Urk. 89 S. 34 ff.) – nicht anlassfrei. Zur Verhältnis-
mässigkeit hat denn die Vorinstanz ebenfalls zutreffend ausgeführt, dass die
Polizisten situativ reagieren mussten und sich aufgrund des aktiven verbalen und
physischen Widerstands des Beschuldigten gezwungen sahen, den unter diesen
Umständen erforderlichen Zwang einzusetzen, die Personenkontrolle auf dem
Polizeiposten durchzuführen und den Beschuldigten dazu vorläufig festzuneh-
men. Entsprechend waren die Amtshandlungen der Polizei auch verhältnismäs-
sig.
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1.3. Ausführungen betreffend den Rechtfertigungsgrund des Notstands erübri-
gen sich hinsichtlich des Vorwurfs der Gewalt und Drohung gegen Beamte ange-
sichts der bereits gemachten Ausführungen zur Rechtmässigkeit und Verhältnis-
mässigkeit.
1.4. Der diesbezügliche Schuldpunkt ist mithin zweitinstanzlich zu bestätigen.
2. Einfache Körperverletzung
2.1. Wiederum kann auf die sorgfältigen Erwägungen der Vorinstanz verwiesen
werden (Urk. 65 S. 20 f.). Der Privatkläger B._ hat beim Polizeieinsatz eine
Ruptur des ulnaren Seitenbands am rechten Daumen erlitten (Urk. 12/5-6), was
eine Operation, mehrere Wochen Arbeitsunfähigkeit, langwierige Therapien sowie
diverse Einschränkungen im Alltag nach sich zog. Dass diese Verletzung in objek-
tiver Hinsicht als einfache Köperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB zu qualifi-
zieren ist, wird denn auch zu Recht von der Verteidigung nicht bestritten). Wenn
die Verteidigung sodann vorbringt, es sei nicht bewiesen, dass der Privatkläger
B._ seinen Daumen bei diesem Einsatz verletzt habe und allenfalls eine
Prädisposition vorgelegen habe (Urk. 55 S. 30; Urk. 89 S. 45 ff.), muss mit der
Vorinstanz Folgendes festgehalten werden: Es ist – entgegen der Verteidigung
(Urk. 89 S. 47 f.) – erstellt, dass der Beschuldigte das Bein des Privatklägers
B._ mit dem Arm gezielt umklammerte und ihn dadurch zu Fall brachte,
worauf der Privatkläger versuchte, den Sturz mit seiner Hand aufzufangen und
sich dabei die dokumentierte Verletzung zuzog. Anhaltspunkte für einen anderen
Kausalverlauf sowie für eine Prädisposition des Privatklägers sind keine ersicht-
lich. Schliesslich entspricht es auch der allgemeinen Lebenserfahrung und dem
gewöhnlichen Lauf der Dinge, dass das Verhalten des Beschuldigten zu einem
solchen Sturz des Privatklägers mit entsprechenden Verletzungsfolgen führen
kann (BGE 135 IV 65 E. 2.2.), was der Beschuldigten denn auch – entgegen der
Verteidigung (Urk. 55 S. 29 ff.) – in Kauf nahm. Selbst wenn hier von einer etwas
"unglücklichen" Landung auszugehen wäre (vgl. Urk. 89 S. 41, 47), stellt diese
mitwirkende Ursache bei weitem keinen ganz außergewöhnlichen Umstand dar
oder erscheint so außergewöhnlich, dass man nicht damit rechnen konnte. Mithin
hätte dieser Umstand den Beschuldigten nicht entlastet, weil der Kausalzusam-
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menhang dadurch – entgegen der Verteidigung (Urk. 89 S. 57) – nicht unterbro-
chen worden wäre (BGE 131 IV 145 E. 5.2 S. 148). Im Übrigen verkennt die Ver-
teidigung weiter, dass auch die behauptete Prädisposition des Privatklägers –
selbst wenn sie vorgelegen hätte – den Kausalzusammenhang nicht unterbrochen
hätte (BGE 131 IV 145 E. 5.3 S. 148 f.).
2.2. Was die Verteidigung im Sinne eines Rechtfertigungsgrunds dagegen vor-
bringt (Urk. 55 S. 31; Urk. 89 S.44 f.), hat bereits die Vorinstanz zutreffend ver-
neint (Urk. 65 S. 22 f.). Zunächst steht der von der Verteidigung vorgebrachte
Einwand im Widerspruch zu der Version der Geschehnisse, wie sie der Beschul-
digte schilderte. Die Videoaufnahme zeigt sodann, dass sich der Beschuldigte ge-
rade nicht aus einer Notsituation auf das Bein des Privatklägers B._ abstütz-
te (Urk. 11), wie dies die Verteidigung geltend macht (Urk. 55 S. 31; Urk. 89
S. 45). Vielmehr geht daraus hervor, dass der Beschuldigte – noch stehend und
nicht etwa, um einen Sturz abzufangen – das Bein des Privatklägers B._
umklammerte und diesen so herunterzog (Urk. 11). Entsprechend lag kein Not-
stand i.S.v. Art. 17 StGB vor. Damit erübrigen sich im Rahmen der Strafzumes-
sung auch Weiterungen zur eventualiter beantragten Strafmilderung i.S.v. Art. 18
StGB (Urk. 55 S. 31; Urk. 89 S. 48).
2.3. In Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils ist der Beschuldigte mithin auch
der einfachen Körperverletzung i.S.v. Art. 123 Ziff. 1 StGB schuldig zu sprechen.
IV. Strafzumessung
1. Strafbefreiung nach Art. 54 StGB
Die Vorinstanz hat mit zutreffender Begründung im vorliegenden Fall die An-
wendbarkeit von Art. 54 StGB – entgegen der Verteidigung (Urk. 55 S. 31 f.;
Urk. 89 S. 49 ff.) – verneint, worauf verwiesen werden kann (Urk. 65 S. 23 f.). Be-
zeichnet sie das Verhalten des Beschuldigten als renitent, wählt sie gleichermas-
sen klare und zutreffende Worte. Im Übrigen wäre die vorgebrachte schwere
Traumatisierung des Beschuldigten und dessen Sohnes nicht unmittelbare Folge
der Tat im Sinne von Art. 54 StGB.
- 16 -
2. Strafzumessung
2.1. Hinsichtlich der Strafzumessung – insbesondere auch betreffend Straf-
zumessungsregeln, Gesamtstrafe und Strafart – ist zur Vermeidung unnötiger
Wiederholungen auf die Ausführungen der Vorinstanz zu verweisen (Urk. 65 S. 24
ff.), welche seitens der Verteidigung auch nicht substantiiert in Frage gestellt
wurden. Die folgenden Erwägungen sind weitestgehend wiederholender Natur mit
einzelnen Ergänzungen bzw. Präzisierungen.
2.2. Die Vorinstanz streicht zur objektiven Tatschwere des schwersten Delikts
der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte hervor, dass der Beschul-
digte sich von Beginn an, ohne ersichtlichen Grund und ausserordentlich heftig
gegen die Personenkontrolle wehrte und sich – entgegen der Verteidigung
(Urk. 89 S. 53 f.) – äusserst provokativ verhielt, sodass der Eindruck entsteht,
dass er es auf eine Eskalation der Situation angelegt hatte. Mit der Vorinstanz er-
scheint das objektive Tatverschulden nicht mehr leicht. Subjektiv ist festzuhalten,
dass der Beschuldigte sich zu Unrecht kontrolliert fühlte, sich entsprechend kon-
frontativ verhielt und sich direktvorsätzlich dagegen wehrte. Die von der Vo-
rinstanz festgesetzte Einsatzstrafe von 70 Tagessätzen erscheint angesichts des
nicht mehr leichten Verschuldens als zu mild. Es rechtfertigt sich vielmehr eine
Einsatzstrafe von 100 Tagessätzen.
2.3. Zur objektiven Tatschwere betreffend die einfache Körperverletzung ist
festzuhalten, dass der Beschuldigte – im Rahmen seiner Gegenwehr – den
Privatkläger B._ durch das Umschlingen seines Beins zu Fall brachte und
dieser sich beim Sturz bei der etwas unglücklichen Landung eine Verletzung am
Daumen zuzog, welche ihm längerfristig Schmerzen verursachte und eine Opera-
tion, wochenlange Arbeitsunfähigkeit sowie langwierige Therapien nach sich zog.
Subjektiv ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte im Rahmen eines hoch-
dynamischen Geschehens handelte, und zwar vorsätzlich das Bein des Polizisten
umklammerte, in Bezug auf die verursachte Verletzung indes lediglich Eventual-
vorsatz vorliegt. Wenn die Vorinstanz insgesamt von einem noch leichten Ver-
schulden ausgeht, ist dies nicht zu beanstanden. Es erscheint entsprechend eine
Einzelstrafe von 60 Tagessätzen als angemessen. In Anwendung des
- 17 -
Asperationsprinzips ist die Einsatzstrafe aufgrund der einfachen Körperverletzung
um 35 Tagessätze zu erhöhen.
2.4. Die Vorinstanz hat das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des
Beschuldigten korrekt wiedergegeben. Darauf kann verwiesen werden (Urk. 65
S. 26 f.). Aus den persönlichen Verhältnissen ergibt sich nichts für die Strafzu-
messung Relevantes.
2.5. Der Beschuldigte hat eine Vorstrafe aus dem Jahr 2014: Er wurde wegen
mehrfachen Betrugs und harter Pornografie zu einer bedingten Geldstrafe von
100 Tagessätzen zu Fr. 30.– unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren ver-
urteilt. Diese nicht einschlägige Vorstrafe liegt bereits längere Zeit zurück, wes-
halb sie lediglich marginal strafschärfend zu berücksichtigen ist.
2.6. Der Beschuldigte ist weder geständig noch einsichtig. Vor diesem Hinter-
grund kann der Beschuldigte unter dem Titel Geständnis und Nachtatverhalten
für sich keine Strafreduktion reklamieren.
2.7. Unter Berücksichtigung sämtlicher massgebender Strafzumessungsgründe
erscheint die von der Vorinstanz ausgefällte Geldstrafe von 90 Tagessätzen als
sehr mild. In Nachachtung des Verbots der reformatio in peius ist sie zu bestä-
tigen.
2.8. Mit Blick auf die bescheidenen finanziellen Verhältnisse des Beschuldig-
ten ist die Tagessatzhöhe auf Fr. 30.– festzusetzen.
2.9. Angesichts des Verschlechterungsverbots erübrigen sich Weiterungen
zu einer allfälligen Verbindungsbusse.
2.10. Die erstandene Untersuchungshaft von 2 Tagen ist auf die Strafe anzu-
rechnen (Art. 51 StGB).
V. Strafvollzug
Die Geldstrafe ist mit der Vorinstanz bedingt unter Ansetzung einer Probezeit von
2 Jahren auszufällen (Art. 42 Abs. 1 StGB; Urk. 65 S. 29 f.).
- 18 -
VI. Zivilforderungen
1. Schadenersatz
Wie die Vorinstanz festhält, sind die von der Privatklägerin Unfallversicherung der
Stadt Zürich geltend gemachten Schadenersatzforderungen, namentlich Hei-
lungskosten, Unfalltaggelder sowie Lohnausfall für die hundertprozentige
Arbeitsunfähigkeit des Privatklägers B._ (Urk. 44 f.), auf die durch den Be-
schuldigten verursachte Verletzung des Privatklägers und damit direkt auf das wi-
derrechtliche Verhalten des Beschuldigten zurückzuführen (Urk. 65 S. 30 f.). Ent-
sprechend ist der Beschuldigte gegenüber der Privatklägerin Unfallversicherung
der Stadt Zürich aus dem eingeklagten Ereignis dem Grundsatze nach schaden-
ersatzpflichtig. Zur genauen Feststellung des Umfangs des Schadenersatzan-
spruchs ist die Privatklägerin Unfallversicherung der Stadt Zürich auf den Weg
des Zivilprozesses zu verweisen.
2. Genugtuung
Dass der Privatkläger B._ aus dem angeklagten Ereignis angesichts der erlit-
tenen Verletzung sowie deren Folgen – wobei betreffend die allgemeinen Haf-
tungsvoraussetzungen auf die obigen Erwägungen zu verweisen ist – Anspruch
auf eine Genugtuung gegenüber dem Beschuldigten hat, ist unumstritten. Dabei
erscheint die von der Vorinstanz ausgefällte Genugtuungssumme von Fr. 300.–
angesichts der Kasuistik (vgl. Hütte/Landolt, Genugtuungsrecht, Grundlagen zur
Bestimmung der Genugtuung, Band 2 - Genugtuung bei Körperverletzung, 2013,
S. 470 ff.) sicher nicht zu hoch und ist entsprechend inklusive Zins von 5% ab
Schadensdatum (25. Januar 2021) zu bestätigen. Die Zusprechung einer höheren
Genugtuungssumme fällt angesichts des Verschlechterungsverbots ausser Be-
tracht. Im Übrigen ist darauf hinzuweisen, dass selbst wenn eine konstitutionelle
Prädisposition des Privatklägers vorgelegen hätte – wie die Verteidigung behaup-
tet (Urk. 89 S. 57) –, dies nur ausnahmsweise zur Herabsetzung des Schadens-
ersatzes und in analoger Anwendung von Art. 44 Abs. 1 OR der Genugtuung füh-
ren würde (Urteil 6B_531/2017 vom 11. Juli 2017 E. 3.3.1).
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3. Zivilforderungen des Beschuldigten
Der Beschuldigte machte im Rahmen dieses Strafverfahrens Schadenersatz- und
Genugtuungsansprüche geltend (Urk. 71 S. 3). Auch im Rahmen des Berufungs-
verfahrens machte die Verteidigung diesbezüglich umfangreiche Ausführungen
(Urk. 89 S. 19 ff.,). Ausgangsgemäss hat der Beschuldigte keine Ansprüche auf
Entschädigung bzw. Genugtuung gemäss Art. 429 Abs. 1 StPO. Auch bestehen
keine Ansprüche seitens des Beschuldigten gestützt auf Art. 431 Art. 1 StPO,
zumal die angeordneten Zwangsmassnahmen – wie bereits ausgeführt – nicht
rechtswidrig waren.
VII. DNA-Profil
Die Verteidigung beantragt, es sei die Staatsanwaltschaft anzuweisen, die ange-
fertigten DNA-Daten zu vernichten (Urk. 71 S. 2). Diesem Antrag ist ausgangs-
gemäss gestützt auf Art. 16 DNA-Profil-Gesetz nicht zu entsprechen. Gemäss
Art. 16 Abs. 1 lit. e DNA-Profil-Gesetz wird das gestützt auf Art. 3 Abs. 1 lit. a
DNA-Profil-Gesetz erstellte DNA-Profil des Beschuldigten in casu (bei bedingtem
Strafvollzug) erst fünf Jahre nach Ablauf der Probezeit gelöscht.
VIII. Kosten- und Entschädigungsfolgen
1. Kostenfolgen im erstinstanzlichen Verfahren
1.1. Die vorinstanzliche Kostenfestsetzung ist zu bestätigen. Der (bedingte)
Antrag der amtlichen Verteidigung betreffend höhere Entschädigung im erst-
instanzlichen Verfahren im Falle eines Freispruchs (Urk. 89 S. 2, 58 ff.) wurde
hinfällig. Ausgangsgemäss sind die Kosten der Untersuchung und des erstin-
stanzlichen Verfahrens, mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung,
dem Beschuldigten aufzuerlegen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Die Kosten der amtli-
chen Verteidigung sind einstweilen unter Vorbehalt der Nachforderung gemäss
Art. 135 Abs. 4 StPO auf die Gerichtskasse zu nehmen. Im Sinne von Art. 433
Abs. 1 StPO hat der Beschuldigte der Privatklägerschaft die ausgewiesene und
belegte Prozessentschädigung von Fr. 6'750.55 (inkl. MwSt.) zu leisten (vgl.
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Urk. 54). Entsprechend sind die Dispositivziffern 7 bis 9 des vorinstanzlichen Ur-
teils zu bestätigen.
2. Kosten- und Entschädigungsfolgen im Berufungsverfahren
2.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen (Art. 424 Abs. 1 StPO in Verbindung mit § 16 Abs. 1 und § 14 Abs. 1 lit. a
GebV OG).
2.2. Die Kosten des Berufungsverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
liegt mit seinen Anträgen vollumfänglich. Die Kosten des Berufungsverfahrens,
mit Ausnahme der Kosten der amtlichen Verteidigung, sind daher dem Beschul-
digten aufzuerlegen. Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf
die Gerichtskasse zu nehmen. Vorbehalten bleibt die Rückzahlungspflicht
(Art. 135 Abs. 4 StPO) für diese Kosten.
2.3. Die amtliche Verteidigung macht im Berufungsverfahren einen Aufwand
von Fr. 10'183.45 (inkl. MwSt.) geltend (Urk. 91).
2.3.1. Die amtliche Verteidigung wird nach dem Anwaltstarif desjenigen Kantons-
entschädigt, in dem das Strafverfahren geführt wurde (Art. 135 Abs. 1 StPO), im
Kanton Zürich somit nach der Verordnung über die Anwaltsgebühren (vgl. § 23
AnwGebV). Grundlage für die Festsetzung der Gebühr bilden im Strafprozess
gemäss § 2 Abs. 1 AnwGebV die Bedeutung des Falles (lit. b), die Verantwortung
der Anwältin oder des Anwalts (lit. c), der notwendige Zeitaufwand (lit. d) und die
Schwierigkeit des Falles (lit. e). Gemäss § 17 Abs. 1 lit. a AnwGebV beträgt die
Grundgebühr für die Führung eines erstinstanzlichen Strafprozesses vor den
Einzelgerichten einschliesslich Vorbereitung des Parteivortrags und Teilnahme an
der Hauptverhandlung in der Regel Fr. 600.– bis Fr. 8'000.–. Zur Grundgebühr
werden Zuschläge berechnet; (u.a.) für jede zusätzliche, sich notwendig erwei-
sende Verhandlung oder Rechtsschrift (vgl. § 17 Abs. 2 AnwGebV). Im Beru-
fungsverfahren wird die Gebühr grundsätzlich nach den für die Vorinstanz gelten-
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den Regeln bemessen. Dabei wird auch berücksichtigt, ob das Urteil vollumfäng-
lich oder nur teilweise angefochten worden ist (§ 18 Abs. 1 AnwGebV).
2.3.2. Mit Blick auf diese Ausführungen, insbesondere den durchschnittlichen
Gebührenrahmen sowie angesichts des Umstands, dass der Fall weder in tat-
sächlicher noch rechtlicher Hinsicht Schwierigkeiten bereitete, die Verteidigung
diverse Argumente bereits vor Vorinstanz vorgebracht hatte und sodann der
Grossteil des Plädoyers an der Sache vorbei geht und entsprechend redundant
ist, rechtfertigt es sich , Rechtsanwältin lic. iur. X._ für ihre Aufwendungen
im Berufungsverfahren pauschal und gesamthaft mit Fr. 6'000.– (inkl. Auslagen
und MwSt.) zu entschädigen.
2.4. Ausgangsgemäss hat der Privatkläger Anspruch auf eine angemessene
Entschädigung für notwendige Aufwendungen im (Berufungs-)Verfahren (Art. 433
Abs. 1 lit. a StPO). Rechtsanwalt Dr. iur. Z._ hat eine detaillierte Honorarnote
ins Recht gelegt (Urk. 93), womit die beantragte Entschädigungsforderung von
Fr. 3'424.45 ausgewiesen ist (Art. 433 Abs. 2 StPO). Entsprechend ist der
Beschuldigte zu verpflichten, dem Privatkläger B._ für das Berufungsver-
fahren eine Prozessentschädigung von Fr. 3'424.45 zu bezahlen.
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