# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d016c7eb-27d0-4525-8531-2b4f0a23bbbf
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2009
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
A. Die Eidgenössische Steuerverwaltung ESTV (nachfolgend „ESTV“) führt gegen B. und C. ein Verwaltungsstrafverfahren wegen Verdachts der  gegen die Steuergesetzgebung. Im Rahmen dieses  verfügte die ESTV am 18. Mai 2006 unter Androhung der Straffolgen des Art. 292 StGB unter anderem was folgt (act. 1.2):
1. „Vermögenswerte bei allen Niederlassungen oder Filialen auch im Ausland der Bank
A., Zürich, Filiale Singapore, die den oben genannten Beschuldigten gehören oder
über welche die Beschuldigten wirtschaftlich verfügen können oder an denen sie die
wirtschaftlich Berechtigten sind (B.O.) oder über welche sie bevollmächtigt sind, wer-
den beschlagnahmt.
2. Bei den Vermögenswerten handelt es sich insbesondere um alle auf den Namen der
obgenannten Beschuldigten lautenden Konti, Sparhefte, Guthaben- und Schuldenkonti
(Metallkonten, Treuhandanlagen, Termingelder usw.), Depots (Wertschriften usw.),
Wertsachen in Schrankfächern (Bargeld, Edelmetalle, Wertpapiere, usw.) sowie um
teilweise abbezahlte Schuldbriefe, welche sich im Besitz der Bank befinden, insbeson-
dere die Basis-Konto-Nummern D. ltd. auf C. und Nr. E. ltd. auf B., beide geführt im
Namen der Filiale Singapore.
3. Im weiteren werden alle in Ziffer 2 nicht abschliessend aufgeführten Vermögenswerte
beschlagnahmt, die auf Nummern, Kennwörter oder andere Personen/Gesellschaften
lauten und über welche die Beschuldigten wirtschaftlich verfügen können oder an de-
nen sie die wirtschaftlich Berechtigten sind (B.O.).
4. [...].“
B. Gegen diese Verfügung gelangte die Bank A. mit Beschwerde vom
22. Mai 2006 an den Direktor der ESTV und verlangt unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ESTV, es sei die Verfügung, Ziffer 1 und 2 insoweit aufzuheben, als damit auch allfällige Vermögenswerte von B. und/oder C. bei ausländischen Niederlassungen oder Filialen der Bank A., insbesondere auch bei der Filiale der Bank A. in Singapur,  werden sollen; ferner sei die Verfügung, Ziffer 3 insoweit , als damit allfällige Vermögenswerte Dritter beschlagnahmt werden , über welche B. und/oder C. wirtschaftlich verfügen können (act. 1).
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C. Am 29. Mai 2006 änderte die ESTV die angefochtene Verfügung vom 18. Mai 2006 ab wie folgt (act. 2.16):
„es wird die Beschlagnahmung aller Vermögenswerte, welche auf Bankverbindungen
deponiert sind, von welchen die Herren B. und C.:
a) wirtschaftlich Berechtigte
b) oder Unterschriftsberechtigt sind,
und die sich bei der Bank A., Zürich, oder ihren Filialen und Niederlassungen weltweit
befinden, angeordnet“.
D. Ebenfalls am 29. Mai 2006 leitete der Direktor der ESTV die Beschwerde
zusammen mit seiner Stellungnahme an die Beschwerdekammer des  weiter und verlangt, die Beschwerde sei kostenpflichtig abzuweisen, soweit auf sie einzutreten sei (act. 2). In der Stellungnahme wies die ESTV auf die erfolgte Abänderung der Verfügung (act. 2.16) hin, zitierte diese jedoch in mehreren Punkten unkorrekt (act. 2. S. 3  Absatz); offen blieb auch, welche Passagen der ursprünglichen  durch die Abänderung entfallen sollten. Unter Verweis auf die erfolgte Abänderung („Berichtigungen“) beschränkte sich die ESTV in ihrer  auf die Problematik der Beschlagnahmung von  bei ausländischen Niederlassungen der Beschwerdeführerin (act. 2 S. 3 f.).
Mit Replik vom 19. Juni 2006 hält die Bank A. an ihren Anträgen fest,  auch unter Berücksichtigung der erfolgten Abänderung (act. 6). Die Replik wurde der ESTV am 20. Juni 2006 zur Kenntnisnahme  (act. 7).
Auf die Ausführungen der Parteien sowie die eingereichten Akten wird,  erforderlich, in den rechtlichen Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Beschwerdekammer zieht in Erwägung:
1. 1.1 Gegen Zwangsmassnahmen im Sinne von Art. 45 ff. VStrR und damit zu-
sammenhängende Amtshandlungen kann bei der Beschwerdekammer des Bundesstrafgerichts Beschwerde geführt werden (Art. 26 Abs. 1 VStrR). Die Beschwerde ist innert drei Tagen, nachdem der Beschwerdeführer von der Amtshandlung Kenntnis hat, bei der zuständigen Behörde schriftlich mit
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Antrag und kurzer Begründung einzureichen (Art. 28 Abs. 3 VStrR). Ist die Beschwerde nicht gegen den Direktor oder Chef der beteiligten Verwaltung gerichtet, ist sie bei diesem einzureichen (Art. 26 Abs. 2 lit. b VStrR).  derselbe die angefochtene Amtshandlung nicht, hat er die  mit seiner Äusserung spätestens am dritten Werktag nach ihrem Eingang an die Beschwerdekammer weiterzuleiten (Art. 26 Abs. 3 VStrR). Zur Beschwerde berechtigt ist, wer durch die angefochtene Amtshandlung berührt ist und ein schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung oder  hat (Art. 28 Abs. 1 VStrR). Die Kontosperre als solche vermag ein  schutzwürdiges Interesse bei der kontoführenden Bank noch nicht zu begründen; vielmehr ist es notwendig, dass die kontoführende Bank in  eigenen Interessen zusätzlich betroffen ist, sei es, dass die  unverhältnismässig sei, oder sei es, dass der Bank durch die  Verpflichtungen auferlegt werden, die sie nicht erfüllen kann oder darf. Andernfalls ist allein der Kontoinhaber befugt, gegen die Kontensperre Beschwerde zu führen (vgl. TPF BK_B 023/04 vom 27. Mai 2004 E. 3; vgl. BGE 128 II 211, 219 E. 2.4 m.w.H.).
1.2 Aus dem Schreiben der Beschwerdeführerin vom 25. April 2006 ergibt sich,
dass sie in diesem Zeitpunkt keine Konten für die Beschuldigten führte (act. 2.6). Indessen ist davon auszugehen, dass ihre Filiale in Singapur entsprechende Konten führt. Die Beschwerdeführerin macht aber  von dieser ungeklärten Frage sinngemäss geltend, die  Verfügung bedeute, soweit sie sie sich auf Vermögenswerte im Ausland beziehe, eine Überschreitung der schweizerischen Souveränität, verletze das Völkerrecht und damit auch Art. 5 Abs. 4 BV. Mit der Verfügung werde sie aufgefordert, ausländisches öffentliches Recht, insbesondere  Bankenrecht zu verletzen; ihr werde mit der angefochtenen  eine Verpflichtung auferlegt, die „rechtlich unzulässig“ sei (act. 6 S. 3). Überdies sei die angefochtene Verfügung unangemessen (act. 1 S. 8 f.) bzw. undurchführbar (act. 6 S. 3 und 10), indem ihr auferlegt werde, bei einer unbestimmten Anzahl von Filialen im In- und Ausland eine  Anzahl Konten zu sperren. Unklar sei zudem, was mit der „“ über die zu beschlagnahmenden Bankverbindungen gemeint sei (act. 6 S. 10). Damit hat die Beschwerdeführerin eigene  Interessen zumindest glaubhaft gemacht und ist folglich zur  legitimiert. Die übrigen Eintretensvoraussetzungen sind  ebenfalls erfüllt und geben keinen Anlass zu weiteren Bemerkungen. Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
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2. Mit der Beschwerde kann die Verletzung von Bundesrecht, die unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts oder die Unangemessenheit gerügt werden (Art. 28 Abs. 2 VStrR).
2.1 Nach Massgabe von Art. 5 Abs. 4 BV beachten Bund und Kantone das Völ-
kerrecht. Ausgehend von dem im Völkerrecht geltenden Prinzip der  der Staaten ergibt sich die staatliche Zuständigkeit zur Rechtsetzung und -durchsetzung (vgl. MÜLLER/WILDHABER, Praxis des Völkerrechts, 3. Aufl., Bern 2001, S. 373). Damit ist auch gesagt, dass sich die staatliche Souveränität nur bis zu den Staatsgrenzen erstreckt; die Wirksamkeit  Akte ist folglich auf das Staatsterritorium beschränkt: locus regit actum. Das Prinzip wurde in jüngerer Vergangenheit für Vermögenssperren im Zusammenhang mit der Verfolgung der Geldwäscherei auf dem  explizit festgehalten (Art. 3 Abs. 3 der Verordnung der  Bankenkommission vom 18. Dezember 2002 zur Verhinderung der Geldwäscherei, EBK Geldwäschereiverordnung, GwV EBK; SR 955.022). Das Prinzip gilt jedoch ganz allgemein auf dem Gebiet des Strafprozessrechts und damit auch für den Verwaltungsstrafprozess. Will eine Strafverfolgungsbehörde prozessuale Vorkehren treffen, die jenseits der staatlichen Grenzen Wirkungen entfalten sollen, so hat sie den  zu beschreiten (vgl. HAUSER/SCHWERI/HARTMANN,  Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, S. 347 N. 30; vgl. PIQUEREZ, Procédure pénale suisse, Zürich 2000, N. 1599 f.)
Aus diesem allgemeinen strafrechtlichen und strafprozessualen  ist für die Kontensperre im Besonderen zu folgern, dass  nur in der Schweiz liegende Vermögenswerte bzw. auf hiesigen Bankkonten vorhandene Guthaben eingezogen werden können. Liegen die fraglichen Guthaben auf einem im Ausland geführten Konto, so ist dazu der Rechtshilfeweg zu beschreiten, auch wenn hinter dem Konto ein  Verfügungsberechtigter bzw. ein mit der kontoführenden  Bank etc. liiertes Finanzinstitut (z.B. die Muttergesellschaft der  Bank) steht, welches in eigenen Interessen oder eines solchen von Kunden über dieses ausländische Konto verfügt. Wird ein Konto  in der Schweiz geführt und ist der ausländische Sitz des  Finanzinstitutes letztlich fiktiv, können die Werte in der Schweiz  werden (SCHMID in: SCHMID [Hrsg.], Kommentar Einziehung,  Verbrechen und Geldwäscherei, Band I, Zürich 1998, N. 22 zu Art. 59 StGB).
2.2 Vorliegend lässt sich dem Wortlaut der angefochtenen Verfügung (act. 1.2) bzw. deren Abänderung (act. 2.16) entnehmen, dass von der Verfügung
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Vermögenswerte „auch im Ausland“ (act. 1.2 S. 1) bzw. „weltweit“ (act. 2.16) betroffen sein sollen. Damit will die Verfügung eine Wirkung  der Staatsgrenzen erreichen, womit die Souveränität der  Staaten, also Völkerrecht und damit auch Bundesrecht (Art. 5 Abs. 4 BV) verletzt werden. Selbstredend verletzt die Verfügung auch , wenn sie der Beschwerdeführerin Nachteile androht, falls diese nicht im Sinne der Verfügung „im Ausland“ bzw. „weltweit“ tätig werden . Soweit die Verfügung folglich Vermögenswerte beschlägt, die sich im Ausland befinden, ist sie zufolge Verletzung von Bundesrecht aufzuheben.
2.3 Die Beschwerdeführerin erachtet es überdies als unangemessen, wenn in
der Verfügung die Sperre unspezifizierter Konten bei „ihren Filialen und Niederlassungen weltweit“ angeordnet wird (act. 2.16). Sie beschränkt  Rüge allerdings ausschliesslich auf die Auslandfilialen, weil dort – aus Gründen des unterschiedlichen lokalen Banken- und Datenschutzrechts – eine zentrale, d.h. länderübergreifende Kontosperre nicht möglich sei (act. 1 S. 8). Da die Erwägungen sub Ziffer 2.2 hiervor gezeigt haben, dass die angefochtene Verfügung in Bezug auf im Ausland gelegene  aufzuheben ist, kann offen bleiben, ob eine derart weit gefasste Verfügung bezüglich der Auslandfilialen angemessen bzw.  wäre. Für die inländischen Filialen erachtet die Beschwerdeführerin die Verfügung nicht als unangemessen, da hier eine zentrale Sperre weder rechtliche noch technische Schwierigkeiten darstelle (act. 1 S. 8). Die  nach der Angemessenheit kann demnach auch diesbezüglich offen bleiben.
3. 3.1 In ihrer Replik beanstandet die Beschwerdeführerin zudem die abgeänder-
te Verfügung (act. 2.16) in dem Sinne, als dort neu die Beschlagnahme der Vermögenswerte auf Bankverbindungen verlangt wird, an denen die  „unterschriftsberechtigt“ sind. Dieser Wortlaut ziele offenbar auf eine allfällige kraft einer im Handelsregister oder sonst verliehene  für juristische Personen ab, ohne dass diese  Personen spezifiziert würden. Die Verfügung sei damit „unvollständig und auch undurchführbar“, womit augenscheinlich ebenfalls eine  gerügt wird (act. 6 S. 10).
3.2 Es ist der Beschwerdeführerin zuzugestehen, dass das Vorgehen der Be-
schwerdegegnerin weder rechtlich korrekt (vgl. Ziffer 2 hiervor) noch  (vgl. D. hiervor) war. Aus dem Wortlaut der Abänderung (act. 2.16), dem ursprünglichen Verfügungstext (act. 1.2) und dem ganzen
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Zusammenhang ergibt sich jedoch, dass unter der „“ die Kontozeichnungsberechtigung zu verstehen ist. Diese  ist über das von den Banken zu führende Vollmachtenregister  einfach eruierbar, weshalb sich die Verfügung bei  Auslegung nicht als unangemessen erweist. Folglich ist die  in diesem Punkt abzuweisen.
4. 4.1 Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist auf die Erhebung einer Gerichts-
gebühr zu verzichten (Art. 25 Abs. 4 VStrR i.V.m. Art. 245 BStP i.V.m. Art. 156 Abs. 2 OG). Die Bundesstrafgerichtskasse wird angewiesen, der Beschwerdeführerin den geleisteten Kostenvorschuss von Fr. 1’000.-- (act. 3 und 4) zurückzuerstatten.
4.2 Gemäss Art. 159 Abs. 1 OG ist im Entscheid über die Streitsache selbst zu
bestimmen, ob und in welchem Masse Kosten der obsiegenden Partei von der unterliegenden zu ersetzen sind. Gemäss Art. 159 Abs. 2 OG hat in der Regel die unterliegende Partei der obsiegenden die durch den Rechtsstreit verursachten notwendigen Kosten zu ersetzen. Dies gilt auch für den Fall, dass die Eidgenossenschaft unterliegende Partei ist.
Aufgrund der Tatsache, dass die angefochtene Verfügung vorerst im Sinne
der Beschwerdeführerin abgeändert werden musste, diese jedoch mit dem vorliegenden Entscheid immer noch in einem überwiegenden Umfang  aufgehoben wird, ist das Unterliegen der  (vgl. Ziffer 3.2 hiervor) als unwesentlich zu erachten. Die  hat deshalb die Beschwerdeführerin für ihre Anwaltskosten voll zu entschädigen. Die Entschädigung wird nach Ermessen festgesetzt (Art. 3 Abs. 3 des Reglements vom 11. Februar 2004 über die Entschädigungen in Verfahren vor dem Bundesstrafgericht; SR 173.711.31). Vorliegend  eine Entschädigung von Fr. 1’500.-- (inkl. MwSt) angemessen.
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