# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 08207284-6423-50d7-9dce-e6090693b8c4
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ A. B.-C., deutsche Staatsangehörige, geboren am 22. Dezember 1982, reiste am
22. August 2002 in die Schweiz ein. Sie zog am 29. August 2003 nach St. Gallen, wo
sie als Serviceangestellte im Restaurant L. tätig war. Zu dieser Zeit wirkte X. C.-B. dort
als Wirt. Nachdem sie ursprünglich eine EG/EFTA-Kurzaufenthaltsbewilligung besass,
wurde ihr am 16. März 2004 eine bis 1. März 2008 gültige EG/EFTA-
Aufenthaltsbewilligung erteilt. In der Folge wurde A. B.-C. eine ab 3. März 2008 gültige
EG/EFTA-Niederlassungsbewilligung mit Kontrollfrist 1. März 2013 erteilt.
X. B., türkischer Staatsangehöriger, geboren am 6. Juli 1975, reiste im Jahr 1999 illegal
in die Schweiz ein und ersuchte um Asyl. Im März 2000 heiratete er die in der Schweiz
aufenthaltsberechtigte D. und erhielt im Jahr 2001, nachdem dieser die
Niederlassungsbewilligung erteilt worden war, eine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen
des Familiennachzugs. Am 21. November 2005 verlängerte das Ausländeramt die
Aufenthaltsbewilligung von X. B. zufolge Scheinehe nicht und wies ihn aus dem Kanton
St. Gallen weg. Dagegen erhob X. B. am 7. Dezember 2005 Rekurs beim Justiz- und
Polizeidepartement (heute: Sicherheits- und Justizdepartement). Am 21. Dezember
2005 wurde die Ehe geschieden.
B./ Am 3. März 2006 heirateten A. C. und X. B. in St. Gallen, und am 22. Mai 2006
stellte die Ehefrau beim Ausländeramt ein Gesuch um Familiennachzug ihres
Ehemannes, das am 25. Juli 2006 abgewiesen wurde. In der Folge vereinigte das
Justiz- und Polizeidepartement den gegen diese Verfügung am 8. August 2006
erhobenen Rekurs von A. und X. B.-C. mit demjenigen von X. B. vom 7. Dezember
2005 und wies die Rekurse am 22. Februar 2007 ab. Die gegen diesen Entscheid
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erhobene Beschwerde wies das Verwaltungsgericht am 29. August 2007 ab
(B 2007/47). Das Verwaltungsgericht erwog, aufgrund des Eingehens einer Scheinehe,
der grossen Verschuldung sowie der Gefängnisstrafe von drei Monaten überwiege das
öffentliche Interesse an der Wegweisung von X. B. gegenüber dessen privatem
Interesse und demjenigen seiner Ehefrau am Verbleib in der Schweiz, weshalb in der
Verweigerung der Aufenthaltsbewilligung keine Verletzung von Art. 8 der Europäischen
Menschenrechtskonvention (SR 0.101) erblickt werden könne.
In der Folge, am 14. November 2007, dehnte das Bundesamt für Migration (BFM) die
Wegweisungsverfügung des Ausländeramtes vom 21. November 2005 auf die ganze
Schweiz sowie auf das Fürstentum Liechtenstein aus und wies X. B. an, die Schweiz
bis zum 6. Januar 2008 zu verlassen. Am 6. Januar 2008 verliessen X. B. und die
beiden ehelichen Söhne E. und G., geboren am 28. September 2006, die Schweiz.
Gemäss Auskunft des Ausländeramtes N. vom 8. September 2008 nahm A. B.-C. am 1.
Dezember 2007 in 00000 S., Z-strasse 0, festen Wohnsitz, und X. B. wurde in
Deutschland im Rahmen des Familiennachzugs der Ehefrau eine
Aufenthaltsbewilligung erteilt. Sodann hat A. B.-C. die Wohnung an der R-strasse 00 in
St. Gallen gemäss Aktennotiz des Ausländeramtes vom 9. September 2008 auf den 31.
Dezember 2007 gekündigt.
Am 12. Februar 2008 beantragte A. B.-C., F-strasse 00, St. Gallen, es sei ihr eine EG/
EFTA-Niederlassungsbewilligung zu erteilen. Am 3. März 2008 hat das Ausländeramt
diesem Gesuch entsprochen und A. B.-C. eine EG/EFTA-Niederlassungsbewilligung
gültig für die ganze Schweiz mit Kontrollfrist 1. März 2013 erteilt. In der Folge, am
4. August 2008, reichte sie ein Familiennachzugsgesuch für X. B. und die Kinder E. und
G. ein. Gemäss Angaben zum Gesuch soll X. B. seine Ehefrau, Geschäftsführerin des
Restaurants P., St. Gallen, als Hilfskoch unterstützen.
C./ Am 17. Oktober 2008 gewährte das Ausländeramt A. B.-C. das rechtliche Gehör
betreffend Widerruf der Niederlassungsbewilligung. Sie machte davon am 30. Oktober
2008 Gebrauch und teilte mit, sie habe nach deutschem Recht Wohnsitz in N., ihr
Lebensmittelpunkt befinde sich aber in St. Gallen, wo sie arbeite und wo sie während
des grössten Teils der Woche übernachte und wo ihre Freunde und Bekannten leben
würden.
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Am 19. November 2008 widerrief das Ausländeramt die Niederlassungsbewilligung von
A. B.-C. und wies sie an, die Schweiz bis 31. Januar 2009 zu verlassen. Der Entscheid
wurde damit begründet, A. B.-C. habe ihren gesetzlichen Wohnsitz und ihren
Lebensmittelpunkt am 1. Dezember 2007 nach Deutschland verlegt, weil ihrem
Ehemann dort eine Aufenthaltsbewilligung erteilt worden sei. Sie könne nicht in zwei
Staaten Hauptwohnsitz haben. Sodann habe A. B.-C. die Adresse in der Schweiz
offensichtlich nur beibehalten, um eine Niederlassungsbewilligung zu erhalten. Damit
habe sie einen Widerrufsgrund nach Art. 63 Abs. 1 lit. a des Ausländergesetzes (SR
142.20, abgekürzt AuG) gesetzt. Im Weiteren sei es möglich, dass sie ihrer Tätigkeit in
der Schweiz als Grenzgängerin nachgehe.
D./ Am 3. Dezember 2008 erhob A. B.-C., vertreten durch Rechtsanwalt X. Y., gegen
die Verfügung des Ausländeramtes vom 19. November 2008 Rekurs beim Sicherheits-
und Justizdepartement. Sie stellte das Rechtsbegehren, die Verfügung des
Ausländeramtes sei aufzuheben und vom Widerruf der Niederlassungsbewilligung sei
abzusehen. Am 17. Februar 2010 wies das Sicherheits- und Justizdepartement den
Rekurs ab. Der Entscheid wurde im Wesentlichen damit begründet, die
Niederlassungsbewilligung sei erloschen, weil A. B.-C. seit mehr als sechs Monaten
eine typische Grenzgängerin sei. Sodann habe sie dem Ausländeramt verschwiegen,
dass sie sich mit ihrer Familie in S. angemeldet habe. In Kenntnis dieses Umstands
wäre ihr die Niederlassungsbewilligung nicht erteilt worden.
E./ Am 3. März 2010 erhob A. B.-C. gegen den Entscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements vom 17. Februar 2010 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Sie
stellte die Rechtsbegehren, der angefochtene Entscheid sowie die Verfügung des
Ausländeramtes vom 19. November 2008 seien aufzuheben (Ziff. 1) und vom Widerruf
der Niederlassungsbewilligung von A. B.-C. sei abzusehen.
Das Sicherheits- und Justizdepartement verzichtete am 21. Mai 2010 auf eine
Stellungnahme und beantragte, die Beschwerde sei abzuweisen.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Sachurteilsvoraussetzungen sind von Amtes wegen zu prüfen:
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1.1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist grundsätzlich gegeben
(Art. 59bis Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1,
abgekürzt VRP). Sodann hat A. B.-C. ein eigenes schutzwürdiges Interesse an der
Aufhebung des angefochtenen Entscheids und der Verfügung des Ausländeramtes
vom 19. November 2008. Weiter erfüllen die Beschwerdeeingabe vom 3. März 2010
und ihre Ergänzung vom 7. Mai 2010 die gesetzlichen Anforderungen in zeitlicher,
sachlicher und inhaltlicher Hinsicht (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
1.2. Nicht eingetreten werden kann auf die Beschwerde, soweit die
Beschwerdeführerin sinngemäss geltend macht, das Ausländeramt habe Recht
verletzt, weil über ihr am 4. August 2008 eingereichtes Gesuch um Familiennachzug
von X. B. und der gemeinsamen Kinder bisher nicht entschieden worden sei (vgl.
Art. 89 Abs. 1 lit. b VRP).
1.3. Auf die Beschwerde ist im Sinn der Erwägungen einzutreten.
2. Die Beschwerdeführerin ist seit dem 3. März 2008 im Besitz einer EG/EFTA-
Niederlassungsbewilligung. Strittig ist, ob die Niederlassungsbewilligung zu Recht
entzogen worden bzw. ob sie erloschen ist. Die Beschwerdeführerin macht geltend,
diese Anordnung verstosse gegen Art. 49 und Art. 63 AuG, Art. 66 der Verordnung über
Zulassung, Aufenthalt und Niederlassung (SR 142.201, abgekürzt VZAE) und Art. 6
Abs. 5 Anhang I des Abkommens zwischen der Schweiz und der Europäischen
Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681,
abgekürzt FZA).
2.1. Nach Art. 2 Abs. 2 AuG gilt das Gesetz für Staatsangehörige der Mitgliedstaaten
der Europäischen Gemeinschaft nur soweit, als das FZA keine abweichenden
Bestimmungen enthält oder dieses Gesetz günstigere Bestimmungen vorsieht. Die
ausländerrechtlichen Bestimmungen des FZA (insbesondere jene im Anhang I) sind
inhaltlich hinreichend bestimmt und klar, um als Grundlage für den Entscheid im
Einzelfall zu dienen, weshalb sie grundsätzlich unmittelbar anwendbar sind. Auf eine
Umsetzung des Abkommens im Landesrecht wurde infolgedessen verzichtet, und die
Ausführungsbestimmungen finden sich in der Verordnung über die Einführung des
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freien Personenverkehrs, SR 142.203, abgekürzt VEP (vgl. auch BGE 129 II 249 ff.
E. 3.3 mit Hinweisen). Nach Art. 23 Abs. 1 VEP können Kurzaufenthalts- und
Aufenthaltsbewilligungen EG/EFTA sowie Grenzgängerbewilligungen EG/EFTA
widerrufen oder nicht verlängert werden, wenn die Voraussetzungen für ihre Erteilung
nicht mehr erfüllt sind. Für die Niederlassungsbewilligung EG/EFTA gilt Art. 63 AuG
(Art. 23 Abs. 2 VEP).
Nach Art. 63 Abs. 1 AuG kann die Niederlassungsbewilligung u.a. widerrufen werden,
wenn die Voraussetzungen von Art. 62 lit. a AuG erfüllt sind. Nach Art. 62 lit. a AuG
kann die Niederlassungsbewilligung widerrufen werden, wenn die Ausländerin oder der
Ausländer oder ihr oder sein Vertreter im Bewilligungsverfahren falsche Angaben
gemacht oder wesentliche Tatsachen verschwiegen hat. Erforderlich ist eine
Täuschungsabsicht. Getäuscht werden kann dabei nur über Gegebenheiten, die für die
Bewilligungserteilung bedeutsam, somit für den Entscheid erheblich sind, ohne dass
feststehen muss, dass bei richtigen und vollständigen Angaben die Bewilligung
verweigert worden wäre. Dabei obliegt es in erster Linie der Ausländerbehörde, den
massgeblichen Sachverhalt zu ermitteln bzw. nach den wesentlichen Tatsachen zu
fragen. Unterlässt sie dies, kann dem Gesuchsteller jedenfalls nicht ohne weiteres
vorgeworfen werden, sich die Bewilligung durch falsche Angaben oder Verschweigen
wesentlicher Tatsachen verschafft zu haben (Zünd/Arquint Hill, in: Uebersax/Rudin/
Hugi Yar/Geiser, Ausländerrecht, 2. Aufl., Basel 2009, N. 8.27 mit Hinweis auf BGE 102
Ib 99 E. 3; vgl. auch Urteil des Bundesgerichts vom 24. August 2005 2A.488/2005 mit
Hinweisen).
Art. 63 AuG gewährt der zuständigen Behörde beim Entscheid über den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung einen Ermessenspielraum. Der Tatbestand ist als "Kann-
Bestimmung" formuliert. Der Widerruf einer Niederlassungsbewilligung ist anzuordnen,
wenn er bei sorgfältiger Abwägung der Interessen verhältnismässig erscheint (Art. 5
Abs. 2 der Bundesverfassung, SR 101).
2.2. Nach Art. 49 AuG, auf den sich die Beschwerdeführerin ebenfalls beruft, besteht
das Erfordernis des Zusammenwohnens nach Art. 42-44 im Zusammenhang mit dem
Familiennachzug nicht, wenn für getrennte Wohnorte wichtige Gründe geltend gemacht
werden und die Familiengemeinschaft weiter besteht.
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2.3. Nach Art. 6 Abs. 5 Anhang I FZA berühren Aufenthaltsunterbrechungen, die sechs
aufeinanderfolgende Monate nicht überschreiten, sowie eine durch Militärdienst
gerechtfertigte Abwesenheit die Gültigkeit der Aufenthaltserlaubnis nicht.
Demgegenüber lässt ein Auslandaufenthalt von mehr als einem halben Jahr die
Aufenthaltsberechtigung EG/EFTA erlöschen, wenn er nicht durch Leistung von
Militärdienst gerechtfertigt ist (Zünd/Arquint, in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser,
a.a.O., N. 8.17). Auf Gesuch hin kann die Niederlassungsbewilligung aber während vier
Jahren aufrechterhalten werden (Art. 61 Abs. 2 Satz 2 AuG). Nach Art. 79 Abs. 2 VZAE
muss das Gesuch um Aufrechterhaltung der Niederlassungsbewilligung vor Ablauf der
sechsmonatigen Frist eingereicht werden.
2.3.1. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist unerheblich, auf welchen
Gründen der Auslandaufenthalt beruht. Namentlich kommt es nicht darauf an, ob die
rechtzeitige Rückkehr in die Schweiz freiwillig oder unfrei-willig unterblieben ist, ob der
Betroffene seinen Lebensmittelpunkt verlegen wollte oder ob er von Beginn an
vorgesehen hatte, in die Schweiz zurückzukehren (Urteil des Bundesgerichts vom
4. Juni 2004 1A.14/2004 mit Hinweis auf BGE 120 Ib 369 E. 2c S. 372 und Urteil vom
19. Juli 2002 2A.153/2002 E. 3.2).
2.3.2. Unter gewissen Umständen wird die Frage nach dem Lebensmittelpunkt
indessen zum ausschlaggebenden Kriterium. Die sechsmonatige Frist wird durch
vorübergehende Besuchs-, Tourismus- oder Geschäftsaufenthalte nicht unterbrochen
(Art. 79 Abs. 1 VZAE), wenn der Lebensmittelpunkt ins Ausland verlegt worden ist und
eine definitive Rückkehr in die Schweiz vor Fristablauf nicht erfolgt (Zünd/Arquint Hill,
in: Uebersax/Rudin/Hugi Yar/Geiser, a.a.O., N. 8.9 mit Hinweis u.a. auf BGE 120 Ib 369
und Urteil des Bundesgerichts vom 29. August 2003 2A.380/2003). Nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts kann in der Regel nicht von einer Unterbrechung
der Landesabwesenheit gesprochen werden, wenn der Ausländer während eines
grösseren Zeitraums landesabwesend ist, wobei er aber jeweils vor Ablauf von sechs
Monaten für beschränkte Zeit in die Schweiz zurückkehrt, dies aber bloss zu
Geschäfts- oder Berufs-zwecken. Dies gilt unter Umständen selbst dann, wenn der
Ausländer in der Schweiz eine Wohnung zur Verfügung hat. Bei solchen Verhältnissen
(wiederholte längere Aufenthalte im Heimatland über mehrere Jahre hinweg,
unterbrochen durch mehr oder weniger lange Anwesenheiten in der Schweiz) wird -
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anders als üblicherweise - die Frage nach dem Lebensmittelpunkt zum
ausschlaggebenden Kriterium (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Mai 2006 2A.31/2006
mit Hinweis auf BGE 120 Ib 369 E. 2c und d). Davon ist auch auszugehen, wenn sich
ein Ausländer mit Niederlassungsbewilligung, der in der Schweiz seinen Wohn- und
Arbeitsort hatte, ohne sich hier abzumelden, regelmässig zwischen einem Ort im nahen
Ausland und der Schweiz hin- und herzureisen beginnt, um in der Schweiz weiterhin
einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Andernfalls ist es im grenznahen Raum möglich,
dass eine Person, die in Tat und Wahrheit Grenzgänger ist, ihren Wohnsitz im Sinn von
Art. 23 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 210, abgekürzt ZGB) in der
Schweiz fiktiv beibehalten kann.
2.3.3. Bei verheirateten Personen befindet sich der Mittelpunkt der Lebensbeziehungen
üblicherweise am Wohnort der Familie und nicht am Arbeitsort. Dies gilt auch für
diejenigen Personen, welche am Arbeitsort übernachten und lediglich am Wochenende
nach Hause fahren. Der Wochenaufenthalts- und Arbeitsort wird zum Wohnsitz, wenn
die Familie bloss noch in grossen und unregelmässigen Abständen besucht wird. Lässt
die Arbeitszeit häufigere Besuche nicht zu, so genügt eine Rückkehr je Monat zur
Beibehaltung des Wohnsitzes am Wohnort der Familie (D. Staehelin, Basler
Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 3. Aufl., Basel 2006, N 11 zu Art. 23 ZGB mit Hinweisen
auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung). Beruft sich eine Person in einem
Verfahren auf ihren Wohnsitz, so trägt sie die Beweislast (P. Breitschmid, in:
Handkommentar zum Schweizer Privatrecht, Zürich/Basel/Genf 2007, N 8 zu Art. 23
ZGB).
3. Die Vorinstanz hat den Rekurs auch mit der Begründung abgewiesen, das
Ausländeramt habe die Niederlassungsbewilligung der Beschwerdeführerin zu Recht
widerrufen, weil sie im Zusammenhang mit der Einreichung des Gesuchs vom
12. Februar 2008 nicht mitgeteilt habe, dass sie sich und ihre Familie in S. angemeldet
und dort mit ihrem Ehemann und den Kindern eine gemeinsame Wohnung bezogen
habe.
Bei diesem Umstand handelt es sich zweifellos um eine wesentliche Tatsache. Sodann
musste das Ausländeramt nicht damit rechnen, dass die Beschwerdeführerin mit ihrem
Ehemann, der aus der Schweiz und aus dem Fürstentum Liechtenstein weggewiesen
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worden war, im nahen Ausland einen Familienwohnsitz begründet hatte, auch wenn ihr
Gesuch um Familiennachzug ihres Ehemannes in die Schweiz vom 22. Mai 2006
erfolglos geblieben war. Es bestand deshalb kein Anlass, den Sachverhalt vor Erteilung
der Niederlassungsbewilligung in dieser Hinsicht näher abzuklären. Die
Beschwerdeführerin hatte auf dem Gesuchsformular lediglich vermerkt, sie sei
verheiratet und gehe (in der Schweiz) einer selbständigen Erwerbstätigkeit nach. Sie
muss sich deshalb den Vorwurf gefallen lassen, sie habe dem Ausländeramt in
Täuschungsabsicht wesentliche Tatsachen verschwiegen.
4. Im weiteren ist die Niederlassungsbewilligung nach Ansicht der Vorinstanz
erloschen, weil die Beschwerdeführerin ihren Lebensmittelpunkt vor mehr als sechs
Monaten nach Deutschland verlegt hat. Auch nach Ansicht des Verwaltungsgerichts ist
es nicht glaubhaft, dass die Beschwerdeführerin, die mit Ehemann und Kindern in der
Schweiz ein Familienleben führen will, nicht regelmässig, wenigstens einmal in der
Woche, nach S. zurückkehrt, um mit ihren nächsten Angehörigen, insbesondere auch
mit ihren kleinen Kindern, zusammenzusein, zumal S. in Pendler- bzw.
Grenzgängerdistanz zu St. Gallen liegt. Daran ändert nichts, dass sie geltend macht,
ein eigentliches Familienleben sei in S. nicht möglich, weil der gastgewerbliche Betrieb
in St. Gallen, dessen Geschäftsführerin sie sei, auch am Samstag und am Sonntag
geöffnet sei. Abgesehen davon, dass die Beschwerdeführerin am 25. August 2008
gegenüber dem Ausländeramt bestätigt hat, ihre Arbeitszeit betrage 42 Stunden je
Woche, ist nicht anzunehmen, dass sie während der Öffnungszeiten des Restaurants
dort immer anwesend sein muss bzw. dass bei einem gastgewerblichen Betrieb mit 12
Mitarbeitern die Stellvertretung nicht geregelt ist. Wie die Beschwerdeführerin selber
ausführt, hat sie sich und ihre Angehörigen im nahe gelegenen Ausland angemeldet,
um ihren Ehemann, für den ein Einreiseverbot für die Schweiz besteht, und ihre Kinder
in der Nähe zu haben, bis der Familiennachzug in die Schweiz bewilligt ist. Damit bringt
sie zum Ausdruck, dass ihr eine schnelle und deshalb häufige Rückkehr zur Familie
wichtig ist bzw. dass sich der Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehungen im nahegelegenen
Ausland befindet. Für diese Annahme spricht auch, dass das Landeskreisamt N. der
Vorinstanz am 17. November 2009 bestätigt hat, die Familie B. sei nach S. zugezogen
und die Beschwerdeführerin habe gegenüber dieser Amtsstelle erklärt, sie arbeite in
der Schweiz und werde üblicherweise pendeln. Ins Gewicht fällt in diesem
Zusammenhang zudem, dass die Beschwerdeführerin zwar geltend macht, sie habe an
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der A-strasse 00 in St. Gallen eine Wohnung gemietet, wo sie mehrheitlich die Nächte
verbringe, dass sie indessen darauf verzichtet hat, dies zu belegen. Auch wenn eine
Bestätigung des Einwohneramtes St. Gallen vom 18. August 2010 vorliegt, wonach die
Beschwerdeführerin unter dieser Adresse angemeldet ist, steht nicht fest, ob ihre
Behauptung zutrifft. Fest steht jedenfalls, dass unter dieser Adresse keine auf den
Namen der Beschwerdeführerin lautende Festnetz-Telefonnummer zu finden ist,
obschon sie dies als Kriterium für eine Wohnsitznahme anführt. Es bestehen im übrigen
auch sonst keine Anhaltspunkte, die dafür sprechen würden, dass sich die
Beschwerdeführerin nicht nur zu Erwerbszwecken in St. Gallen aufhalten könnte.
Schliesslich fällt im Zusammenhang mit der Beurteilung, wo sich der Mittelpunkt der
Lebensbeziehungen der Beschwerdeführerin befindet, nicht ins Gewicht, dass sie
geltend macht, ihre Familie lebe nur vorübergehend im Ausland bzw. sie habe mit ihren
Gesuchen um Familiennachzug vom 22. Mai 2006 und vom 4. August 2008 hinreichend
kundgetan, dass sie die Absicht habe, mit ihrem Ehemann und den Kindern in der
Schweiz zu leben. Abgesehen davon, dass die Familie B. vor mehr als zweieinhalb
Jahren in S. Wohnsitz genommen hat und somit seit längerem dort lebt, ist dem
Gesuch um Familiennachzug vom 22. Mai 2006 nicht entsprochen worden, und das
Gesuch vom 4. August 2008 ist noch hängig, weil der Beschwerdeführerin in der
Zwischenzeit die Niederlassungsbewilligung entzogen worden ist. Auch die Tatsache,
dass das BFM das gegen den Ehemann der Beschwerdeführerin verhängte
Einreiseverbot am 14. Dezember 2009 zwecks Besuchs der Beschwerdeführerin für 21
Tage ausgesetzt hat, lässt im übrigen nicht darauf schliessen, es sei ihr nicht möglich,
sich regelmässig ins nahe Ausland zu begeben, um dort das Familienleben zu pflegen.
5. Zusammenfassend ergibt sich somit, dass die Vorinstanz mit Recht angenommen
hat, die familiären Beziehungen der Beschwerdeführerin zu ihrem Ehemann und den
gemeinsamen Kindern seien in S. nicht auf unregelmässige und seltene Kontakte
beschränkt. Der Mittelpunkt ihrer Lebensbeziehungen befindet sich deshalb seit über
einem halben Jahr am Wohnort der Familie in Deutschland und nicht am Arbeitsort der
Beschwerdeführerin in St. Gallen. Die Niederlassungsbewilligung ist somit von
Gesetzes wegen erloschen.
6. Die Beschwerdeführerin beruft sich darauf, nach dem Grundsatz der
Verhältnismässigkeit sei zu berücksichtigen, dass es ihr mit einer
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Grenzgängerbewilligung nicht mehr möglich wäre, ihrer Erwerbstätigkeit in St. Gallen
nachzugehen. Sie begründet dies damit, sie sei Gesellschafterin und Geschäftsführerin
der P. GmbH, die das Restaurant "L." (gemäss Auskunft der Stadtpolizei St. Gallen,
Bewilligungen Gast- und Unterhaltungsgewerbe, vom 9. August 2010 wurde der
Betrieb am 5. November 2008 von "L." in "C." umbenannt) in St. Gallen betreibe.
Nach Art. 814 Abs. 3 des Bundesgesetzes betreffend die Ergänzung des
Schweizerischen Zivilgesetzbuches (SR 220, abgekürzt OR) muss die Gesellschaft
durch eine Person vertreten werden können, die Wohnsitz in der Schweiz hat. Dieses
Erfordernis kann durch einen Geschäftsführer oder einen Direktor erfüllt werden. Mit
dieser Vorschrift wird eine personelle Verbindung der Gesellschaft zur Schweiz
gewährleistet zur Sicherstellung des rechtsverbindlichen Verkehrs der Gesellschaft mit
den Behörden, Geschäftspartnern, Kunden und Gläubigern. Wird das
Wohnsitzerfordernis durch den Direktor erfüllt, so dürfen sämtliche Geschäftsführer
ausserhalb der Schweiz wohnen. Der Direktor muss mit dieser Funktionsbezeichnung
im Handelsregister eingetragen sein (M.F. Nussbaum, in: Nussbaum/Sanwald/
Scheidegger, Kurzkommentar zum GmbH-Recht, Muri bei Bern 2007, Art. 814 OR N. 9
und 10).
Gemäss Internet-Auszug aus dem Handelsregister des Kantons St. Gallen ist die
Beschwerdeführerin einzige Gesellschafterin und Geschäftsführerin der P. GmbH mit
Sitz in St. Gallen (vorher: Hünenberg), die das Restaurant C. in St. Gallen gemäss ihren
Angaben betreibt. Die Tatsache, dass sie das Wohnsitzerfordernis nicht erfüllt, hat
deshalb zur Folge, dass die Vertretung der P. GmbH neu geregelt werden muss. Das
Erlöschen der Niederlassungsbewilligung nach einem Auslandaufenthalt von mehr als
einem halben Jahr ist aber eine zwingende Rechtsfolge, weshalb eine Prüfung der
Verhältnismässigkeit bzw. eine Güterabwägung nicht erfolgen kann (vgl. dazu auch
Urteil des Verwaltungsgerichts vom 1. Juli 2010 i.S. L., F. und A. K. in:
www.gerichte.sg.ch).
7. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann.
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Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten der Beschwerdeführerin (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13, Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Sie wird mit dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe
verrechnet.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht