# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 676f62bc-6038-5774-9971-e100cfd6353e
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
Die Stadt A._ stellte B._ mit Verfügung vom 14. März 2019 für die Benützung der
Schulanlage "C._" eine Gebühr in der Höhe von CHF 75 in Rechnung (act. G 11/1/4).
Den gegen diese Verfügung von B._ erhobenen Rekurs vom 24. März 2019 hiess die
Verwaltungsrekurskommission des Kantons St. Gallen mit Entscheid vom 22. August
2019 gut und hob die Gebührenverfügung auf. Zur Begründung hielt sie im
Wesentlichen fest, dass es an einer zureichenden formell-gesetzlichen Grundlage für
die Gebührenerhebung fehle (act. G 2).
B.
Gegen diesen Entscheid erhob die Stadt A._ (Beschwerdeführerin) mit Eingabe vom
10. September 2019 Beschwerde (act. G 1). In der Beschwerdeergänzung vom 24.
Oktober 2019 (act. G 7) beantragte sie, der Entscheid sei aufzuheben (Ziff. 1);
eventualiter sei ihr eine angemessene Übergangsfrist einzuräumen, während der die
entsprechenden kommunalen Erlasse entsprechend dem Urteil des
Verwaltungsgerichts angepasst werden könnten und die geltenden Regelungen
anwendbar bleiben (Ziff. 2).
B.a.
Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 29. Oktober 2019 Abweisung
der Beschwerde. Zur Begründung verwies sie auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids. In seiner Vernehmlassung vom 4. November 2019 stellte beantragte der
Beschwerdegegner, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit darauf eingetreten werden
könne; unter Kosten- und Entschädigungsfolge (act. G 13).
B.b.
Mit Eingabe vom 22. November 2019 äusserte sich die Beschwerdeführerin zur
Vernehmlassung des Beschwerdegegners und bestätigte ihren Standpunkt (act. G 16).
Hierzu nahm der Beschwerdegegner in der Eingabe vom 2. Dezember 2019 Stellung
(act. G 19).
B.c.
Auf die Vorbringen in den Eingaben des vorliegenden Verfahrens wird, soweit für den
Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.
B.d.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerdeführerin
ist zur Beschwerde legitimiert, und die Beschwerdeeingabe vom 10. September 2019
(act. G 1) entspricht in Verbindung mit der Beschwerdeergänzung vom 24. Oktober
2019 (act. G 7) zeitlich, formal und inhaltlich den gesetzlichen Anforderungen (Art. 64
und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist grundsätzlich - d.h. soweit
nachstehend kein Eintretensvorbehalt erfolgt (vgl. E. 4.2) - einzutreten.
2.
Das Abgaberecht von Bund und Kantonen bzw. Gemeinden (vgl. Art. 5 Abs. 1 und Art.
127 Abs. 1 der Bundesverfassung [SR 101, BV] sowie das jeweilige kantonale
Verfassungsrecht; BGer 2C_337/2012 vom 19. Dezember 2012 E. 2) unterliegt dem
Legalitätsprinzip (BGE 139 II 460 E. 2.1). Danach müssen Abgaben in
rechtssatzmässiger Form festgelegt sein, so dass den rechtsanwendenden Behörden
kein übermässiger Spielraum verbleibt und die möglichen Abgabepflichten
voraussehbar und rechtsgleich sind (BGE 136 II 149 E. 5.1; 135 I 130 E. 7.2; 131 II 271
E. 6.1). Das Legalitätsprinzip ist indes nach der Natur der Abgabe differenziert zu
betrachten (BGE 124 I 11 E. 6a S. 19; 121 I 230 E. 3g/aa). Es darf weder seines Gehalts
entleert, noch in einer Weise überspannt werden, dass es zur Rechtswirklichkeit und
zum Erfordernis der Praktikabilität in einen unlösbaren Widerspruch gerät. Art. 127 Abs.
1 BV gilt nach der Rechtsprechung für alle Arten von Steuern und Kausalabgaben,
namentlich auch für kantonale bzw. kommunale Benützungsgebühren (BGE 136 I 142
E. 3.1 S. 145; 135 I 130 E. 7.2 S. 140). Unter "Gesetz" im Sinn dieser Bestimmung ist
ein formelles Gesetz (vgl. Art. 164 BV, SR 101) zu verstehen (BGE 138 V 32 E. 3.1.1;
136 I 142 E. 3.1; 136 II 149 E. 5.1; 136 II 337 E. 5.1). Nach dem Wortlaut der
Bestimmung wie nach der Rechtsprechung müssen jedoch nur die Grundzüge im
formellen Gesetz geregelt werden. Zudem sind die Anforderungen an die
Umschreibung der Abgabenbemessung im formellen Gesetz dann gelockert, wenn das
Mass der Abgabe durch überprüfbare verfassungsrechtliche Prinzipien
(Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip) begrenzt wird und nicht allein der
Gesetzesvorbehalt diese Schutzfunktion erfüllt (BGer 2C_160/2014 vom 7. Oktober
2014, E. 5.2.1 und 5.2.4 mit Hinweisen). Ein kommunaler Erlass kann einem
eigentlichen formellen Gesetz gleichgestellt werden, wenn er von der nach dem
2.1.
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-II-460%3Ade&number_of_ranks=0#page460 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-II-149%3Ade&number_of_ranks=0#page149 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-130%3Ade&number_of_ranks=0#page130 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-II-271%3Ade&number_of_ranks=0#page271 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F124-I-11%3Ade&number_of_ranks=0#page11 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F121-I-230%3Ade&number_of_ranks=0#page230 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-142%3Ade&number_of_ranks=0#page142 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-130%3Ade&number_of_ranks=0#page130 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-V-32%3Ade&number_of_ranks=0#page32 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-I-142%3Ade&number_of_ranks=0#page142 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-II-149%3Ade&number_of_ranks=0#page149 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F136-II-337%3Ade&number_of_ranks=0#page337
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kantonalen Recht ermächtigten Gemeindelegislative (Gemeindeversammlung oder -
parlament) beschlossen wurde oder aber dem obligatorischen oder fakultativen
Referendum unterstand (BGE 120 Ia 265 E. 2a).
Das verfassungsrechtliche Kostendeckungsprinzip ist ein Surrogat für das
Legalitätsprinzip. Es besagt, dass die Gesamteingänge den Gesamtaufwand für den
betreffenden Verwaltungszweig nicht oder höchstens geringfügig überschreiten sollen
(BGE 139 III 334 E. 3.2.3). Bei kostenabhängigen Kausalabgaben kann es eine
Lockerung der Anforderungen an die gesetzliche Grundlage erlauben, wenn das Mass
der Abgabe durch das Kostendeckungsprinzip (und das Äquivalenzprinzip) überprüft
werden kann. Soweit eine entsprechende formell-gesetzliche Grundlage besteht,
können auch (Kausal-) Abgaben erhoben werden, die einen Mehrertrag abwerfen. Im
Geltungsbereich des Kostendeckungsprinzips darf die Abgabe aber maximal so
bemessen werden, dass sie eine Deckung des massgebenden Gesamtaufwandes
erlaubt. Zu diesem zählen nicht nur die laufenden Ausgaben, sondern auch
angemessene Rückstellungen, Abschreibungen und Reserven. Dagegen lässt es das
Kostendeckungsprinzip nicht zu, dass die Eingänge von vornherein höher als der
Gesamtaufwand ausfallen sollen, dass also ein Gewinn angestrebt wird (BGer
2C_160/2014, a.a.O., E. 6.2.1 f.).
Das Äquivalenzprinzip verlangt, dass eine Gebühr nicht in offensichtlichem
Missverhältnis zum objektiven Wert der bezogenen Leistung stehen darf und sich in
vernünftigen Grenzen bewegen muss (BGE 139 III 334 E. 3.2.4). Der Wert der Leistung
bemisst sich entweder nach dem wirtschaftlichen Nutzen, den sie dem Bürger
verschafft (nutzenorientierte Betrachtung aus der Optik des Leistungsempfängers) oder
nach dem Kostenaufwand der konkreten Inanspruchnahme im Verhältnis zum
gesamten Aufwand des betreffenden
Verwaltungszweigs (aufwandorientierte Betrachtung aus der Optik des
Leistungserbringers). Die beiden Kriterien sind indes blosse Hilfsmittel zur Bestimmung
des Werts einer staatlichen Leistung (zum Ganzen BGer 2C_900/2011 vom 2. Juni
2012 E. 4.2 mit zahlreichen Hinweisen; BGE 139 III 334 E. 3.2.4). Dabei bleibt eine
gewisse Pauschalierung oder Schematisierung zulässig und eine solche ist auch mit
der Rechtsgleichheit vereinbar (BGE 139 I 138 E. 3.5; 138 II 111 E. 5.3.4; 137 I 257 E.
6.1.1).
2.2.
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-III-334%3Ade&number_of_ranks=0#page334 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-III-334%3Ade&number_of_ranks=0#page334 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-III-334%3Ade&number_of_ranks=0#page334 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-I-138%3Ade&number_of_ranks=0#page138 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F138-II-111%3Ade&number_of_ranks=0#page111 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=suv&query_words=Ben%FCtzungsgeb%FChr+Energie&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F137-I-257%3Ade&number_of_ranks=0#page257
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.
Streitig ist vorliegend, ob die Vorinstanz die Gebührenverfügung vom 14. März 2019 zu
Recht zufolge Fehlens einer zureichenden gesetzlichen Grundlage aufhob. Die
Verfügung stützt sich auf das vom Stadtrat A._ (Gemeindeexekutive) erlassene
Reglement über die Benutzung von Schul- und Sportanlagen (act. G 11/6/8).
Unbestritten blieb, dass das nicht vom Stadtparlament (Gemeindelegislative) erlassene
Reglement keinem Referendum unterstand und bereits daher für sich allein als
gesetzliche Grundlage für die streitige Gebührenerhebung nicht genügt (vgl. GVP 1992
Nr. 9, GVP 1995 Nr. 17, BGE 120 Ia 265 E. 2a). Das vom Stadtrat erlassene Reglement
stützt sich seinerseits auf Art. 9 der vom Stadtparlament (Legislative) erlassenen
Schulordnung vom 29. September 2016 (sRS 211.1; act. G 11/6/2). Nach Art. 9 Abs. 1
lit. a der Schulordnung beschliesst der Stadtrat "insbesondere über ausführende
Reglemente im Bereich der städtischen Schulen soweit nicht der Schulrat zuständig ist
und für die Benützung von Schulanlagen durch Dritte."
3.1.
Die Vorinstanz legte im angefochtenen Entscheid dar, bei der als Grundlage für die
Gebührenerhebung herangezogenen Schulordnung handle es sich zwar um ein Gesetz
im formellen Sinn. In Art. 9 Abs. 1 lit. a der Schulordnung sei jedoch nicht festgehalten,
dass überhaupt eine öffentliche Abgabe (Benutzungsgebühr) für die Beanspruchung
von Anlagen erhoben werden könne. Bereits aus diesem Grund könne es sich nicht um
eine Delegationsnorm (Gesetz im formellen Sinn) für die Erhebung einer öffentlichen
Abgabe handeln. Die Formulierung sei zu unbestimmt, um darin eine Delegationsnorm
für die Gebührenerhebung zu erblicken. Die Grundzüge müssten vielmehr im Gesetz im
formellen Sinn umschrieben sein, was vorliegend offenkundig aber nicht der Fall sei. Im
Weiteren fehle es Art. 9 Abs. 1 lit. a der Schulordnung sodann auch an einer
Bemessungsgrundlage für die öffentliche Abgabe. Das Kostendeckungsprinzip helfe im
fraglichen Zusammenhang auch nicht weiter, weil bei der Nutzung öffentlicher Anlagen
die Ausscheidung der einem Dritten zurechenbaren Kosten schwerfalle. Sodann könne
auch nicht davon ausgegangen werden, dass die Höhe der streitigen
Benutzungsgebühr mit Hilfe des Äquivalenzprinzips überprüft werden könne. Ein
Vergleich von Schulanlagen, welche sich in der Regel in staatlicher Hand befänden, mit
Leistungen, welche von Privaten angeboten würden, sei jedenfalls nicht ohne Weiteres
möglich. Es möge zutreffen, dass zwischen einzelnen Gemeinden eine Vergleichbarkeit
der Benützungsgebühren für Schulanlagen gegeben sei. Beim Äquivalenzprinzip sei
jedoch das Verhältnis einer Gebühr zum Wert der staatlichen Leistungen zu überprüfen,
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
was anhand eines Vergleichs mit Leistungen von Privaten zu erfolgen habe. Ein
Vergleich mit (gleichartigen) staatlichen Leistungen sei nicht angezeigt, da diese ja
gerade strittig und zu überprüfen seien. Würden sämtliche Gemeinden die
Gebührenerhebung an die Exekutive delegieren, auf eine formell-gesetzliche
Bemessungsgrundlage verzichten, sich für die Überprüfung der Gebührenhöhe auf das
Äquivalenzprinzip berufen und sich dabei lediglich untereinander vergleichen, so wäre
es dem Abgabepflichtigen nach wie vor nicht möglich zu beurteilen, ob die ihm in
Rechnung gestellte Gebühr im Einzelfall in einem vernünftigen Verhältnis zum Wert der
staatlichen Leistung stehe. Die streitige Benützungsgebühr könne daher nur schlecht
auf ihre Übereinstimmung mit dem Äquivalenzprinzip überprüft werden, weshalb
strenge Anforderungen an als Grundlage für die Gebührenerhebung herangezogene
formell-gesetzliche Grundlage zu stellen seien. Selbst wenn es sich bei Art. 9 Abs. 1 lit.
a der Schulordnung um eine Delegationsnorm für die Gebührenerhebung handelte,
würde sie diesen strengen Anforderungen nicht genügen, da keine formell-gesetzliche
Bemessungsgrundlage der öffentlichen Abgabe gegeben sei. Wolle die
Beschwerdeführerin künftig eine solche öffentliche Abgabe erheben, werde sie nicht
umhinkommen, dafür eine genügende formell-gesetzliche Grundlage zu schaffen. Die
Berufung der Beschwerdeführerin auf den Entscheid des Departements des Innern
vom 22. Februar 2019 betreffend aufsichtsrechtliche Anzeige (act. G 11/6/15) sei
bereits deshalb unbehelflich, weil die Aufsichtsinstanz mit eingeschränkter Kognition
entschieden habe (act. G 2 S. 3-6 mit Hinweis auf VRKE I/2-2013/44 vom 8. Juli 2014).
Die Beschwerdeführerin wendet dagegen unter anderem ein, die Rechtsprechung zum
Legalitätsprinzip in Abgabesachen sei komplex und heute differenzierter ausgestaltet,
als es die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid darlege. Eine Delegation von
Rechtssetzungsbefugnissen sei zulässig, wenn sie in einem formellen Gesetz enthalten
sei (mit der Schulordnung sei dies erfüllt), sie nicht durch kantonales Recht
ausgeschlossen werde (sei nicht der Fall), sich auf ein bestimmtes Gebiet beschränke
(sei mit der Beschränkung auf Schul- und Sportanlagen erfüllt) und das Gesetz die
Grundzüge der Regelung selber enthalte, soweit die Stellung der Rechtsunterworfenen
schwerwiegend berührt werde. Das Kostendeckungs- und das Äquivalenzprinzip seien
vorliegend eingehalten, weshalb die Anforderungen an die formell-gesetzliche
Grundlage herabgesetzt seien. Auch vermöge das Element einer langdauernden Übung
nach der Rechtsprechung eine formell-gesetzliche Grundlage zu ersetzen, weil die
Einnahmen nur einen geringen Teil der finanziellen Aufwendungen zu decken
vermöchten. Bei der Rechtssetzung seien die bisherigen Tarife praktisch unverändert
übernommen worden, was bei den betroffenen Vereinen auch auf Akzeptanz gestossen
3.3.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
4.
sei. Die Auffassung der Beschwerdeführerin werde auch vom Departement des Innern
(DI) in seinem Entscheid zur aufsichtsrechtlichen Anzeige vom 22. Februar 2019 (act. G
8/12) geteilt. Die vorinstanzliche Feststellung, wonach die Benützungsgebühr mit Hilfe
des Äquivalenzprinzips nicht überprüft werden könne, sei nicht nachvollziehbar. Ein
Vergleich mit Räumlichkeiten von Privaten und anderer Gemeinden könne sehr wohl
gemacht werden. Auch das DI habe festgestellt, dass das Äquivalenzprinzip die
Begrenzungsfunktion bei der Festlegung der Gebührenhöhe erfüllen könne. Beim
Entscheid des DI könne nicht von eingeschränkter Kognition gesprochen werden. Der
Entscheid befasse sich vielmehr umfassend mit der Frage der Rechtmässigkeit des
Erlasses des Benützungsreglements und der beim Beschwerdegegner erhobenen
Benützungsgebühr (act. G 7).
Vorliegend steht fest, dass sich dem Wortlaut von Art. 9 Abs. 1 lit. a der Schulordnung,
gemäss welchem der Stadtrat "insbesondere über ausführende Reglemente ... für die
Benützung von Schulanlagen durch Dritte" beschliesst, keine explizite grundsätzliche
Befugnis zur Erhebung von Benützungsgebühren entnehmen lässt; als Folge davon
enthält die Bestimmung denn auch keine Bemessungsgrundsätze der im Streit
stehenden Benützungsgebühren. Für die Abgabenerhebung wird demgegenüber das
Vorliegen einer zureichenden formell-gesetzlichen Grundlage verlangt. Zwar fällt in
Betracht, als "Surrogat" für eine unzureichende gesetzliche Grundlage das
Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip heranzuziehen (vgl. vorstehende E. 2.1 f.). So
sind die Anforderungen an die Umschreibung der Abgabenbemessung im formellen
Gesetz nach der Rechtsprechung gelockert, soweit das Mass der Abgabe sich anhand
verfassungsrechtlicher Prinzipien (Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzip) überprüfen
lässt (BGE 120 Ia 265 E. 2a zweiter Absatz und vorstehende E. 2.2). Hierauf weist die
Beschwerdeführerin grundsätzlich zu Recht hin. Die erwähnten verfassungsrechtlichen
Prinzipien vermögen indessen - und dies ist vorliegend ausschlaggebend - nur die
Anforderungen an die gesetzliche Festlegung der Abgabenbemessung zu lockern, aber
nicht eine (fehlende) formell-gesetzliche Grundlage für die Gebührenerhebung als
solche völlig zu ersetzen (so ausdrücklich auch BGE 125 I 173 E. 9c mit Hinweis). Den
Mangel einer gänzlich fehlenden gesetzlichen Grundlage für die Abgabenerhebung, wie
sie vorliegend zur Diskussion steht, kann somit durch eine Anwendung der erwähnten
verfassungsrechtlichen Prinzipien zum vornherein nicht geheilt werden.
Soweit im aufsichtsrechtlichen Entscheid des DI vom 22. Februar 2019 (act. G 8/12 S.
4.1.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
16-19) ein anderer Schluss gezogen wurde, erweist sich dieser als unzutreffend. Wie
bereits die Vorin-stanz zutreffend festgehalten hat, ist es nicht Sinn und Zweck des
Äquivalenzprinzips, das Gemeinwesen von der Festsetzung einer formell-gesetzlichen
Grundlage für die Abgabenerhebung umfassend bzw. generell zu befreien. Hinsichtlich
des von der Beschwerdeführerin (in act. G 16) angeführten BGE 130 I 113 ist
festzuhalten, dass jenem Urteil eine formell-gesetzliche Grundlage zugrunde liegt,
aufgrund derer dem Universitätsrat explizit die Kompetenz eingeräumt wurde, eine
Regelung über die Universitätsgebühren zu erlassen (a.a.O. E. 2.3). An einer solchen
formell-gesetzlichen Grundlage, aufgrund derer dem Stadtrat die Kompetenz zur
Gebührenregelung zugewiesen worden wäre, fehlt es vorliegend, wie oben dargelegt.
Entsprechend kann die Beschwerdeführerin daraus auch nichts zugunsten des von ihr
vertretenen Standpunktes ableiten. Selbst wenn im Weiteren eine lange Übung für die
Erhebung von Benützungsgebühren (vgl. dazu BGE 125 I 173 E. 9e), wie sie die
Beschwerdeführerin geltend macht (act. G 7 S. 3 dritter Absatz), zu bejahen wäre,
vermöchte auch diese die fehlende formell-gesetzliche Festlegung des
Gebührenerhebungsgrundsatzes (vgl. Art. 127 Abs. 1 BV und vorne E. 2.1) nicht zu
ersetzen. Dies vorliegend umso weniger, als bis Ende 2016 in Bezug auf die
Benützungsgebühren für Schul- und Sportanlagen in der Stadt A._ unbestritten eine
Regelung auf Gesetzesstufe bestanden hatte (vgl. act. G 13 lit. B, G 16 Ziff. 2 und G 19
Ziff. 1), bei Erlass der Schulordnung im Jahr 2016 per 1. Januar 2017 die
bundesgerichtliche Rechtsprechung zum Legalitätsprinzip im Abgabenrecht bekannt
war und es dem Gesetzgeber daher zumutbar gewesen wäre, zumindest den
Grundsatz der Gebührenerhebung und deren Bemessung in der Schulordnung zu
verankern.
Wenn das Kostendeckungs- und das Äquivalenzprinzip wie dargelegt nicht geeignet
ist, das Erfordernis der formell-gesetzlichen Grundlage mit Bezug auf den Grundsatz
der Gebührenerhebung aufzuheben, brauchen die von der Beschwerdeführerin mit
Hinweis auf die Ausführungen im Entscheid des DI vom 22. Februar 2019 (act. G 8/12
S. 18 f.) in Zweifel gezogenen Feststellungen im vorinstanzlichen Entscheid, wonach
das Kostendeckungs- und das Äquivalenzprinzip im vorliegenden Kontext keine
zureichende Überprüfung der streitigen Gebühr erlaube (act. G 2 S. 5 f.), nicht weiter
untersucht zu werden. Was sodann den Eventualantrag der Beschwerdeführerin
(Ansetzung einer angemessenen Frist für die Überarbeitung der streitigen Regelungen,
wobei die derzeitigen Regelungen weiterhin anwendbar bleiben sollen; act. G 7) betrifft,
ist festzuhalten, dass der Gegenstand des vorliegenden Verfahrens durch den
Gegenstand des vorinstanzlichen Entscheids (d.h. die Frage der Rechtmässigkeit der
4.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/11
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
5.