# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 33b6f04a-9169-4b92-8743-f3470612c3b6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1975 geborene
X._
hatte in seinem Heimatland als Schreiner und Holzlackierer gearbeitet (Urk. 7/6/5) und
reiste
im Jahr 2008 in d
ie
Schweiz
ein
, wo ihm am 14. April 2011 Asyl gewährt wurde
(Urk. 7/
6/1
, Urk. 7/31/5,
Urk. 7/31/11
)
. Z
uletzt
arbeitete er
von Februar 2018 bis Ende April 2019 als Möbel- und Holzlackiere
r bei der Y._
AG (Urk. 7/
2,
Urk. 7/6/6
, Urk. 7/29/1
)
, bevor er in Italien eine Gefängnisstrafe
von einem Jahr während neun Monaten
verbüssen
musste (Urk. 7/31/160-161, Urk. 7/
31/157, Urk. 7/31/190-191
, vgl. auch Urk. 7/22/2
)
.
Am 28. Januar 2021 meldete er sich unter Hinweis auf eine seit 2008 bestehende psychische Beeinträchtigung und eine darau
s
resultierende - mittlerweile 100%ige - Arbeitsunfähigkeit bei der Invalidenversi
cherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/6/4, Urk. 7/6/6-8
, vgl. auch Urk. 7/11
).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
tätigte daraufhin medizinische sowie erwerbliche A
bklärungen und zog die Akten des Migrations
amts des Kantons Zürich (Urk. 7/31
/1-204
) bei.
Gestützt auf die Stellungnahme des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD)
vom 13. September 2021 sowie die telefonische Besprechung
mit der RAD-Ärztin
vom 21. September 2021 (Urk. 7/50/5-6) stellte
sie
dem Versicherten mit Vorbescheid vom 12. Oktober 2021 die Abweisung seines Leistungsbegehrens in Aussicht (Urk. 7/52). Zugleich teilte sie ihm mit, dass er als Voraussetzung für allfällige zukünftige Leistungs
ansprüche
eine stationäre psychiatrische
Therapie
mit medikamentöser Behandlung sowie eine i
ntegrierte psychiatrisch-psycho
therapeutische Therapie absolvieren müsse (Urk. 7/51).
Gegen den Vorbescheid vom 12. Oktober 2021 erhob der Versicherte am 1. November 2021 unter Beilage eines gleichentags erstellten Arbeitsunfähigkeitszeugnisses Einwand (Urk. 7/53-54). Sodann reichte der behandelnd
e Psychiater der psychiatrischen Klinik Z._
die ärztliche Stellungnahme vom 3. November 2021
ein
(Urk. 7/55).
Nachdem d
ie RAD-Ärztin Dipl.-Med. A._
, Fachärztin für Innere Medi
zin/Prävention und Gesundheitswesen,
am 13. Dezember 2021 zum Einwand Stellung genommen hatte (Urk. 7/57/2-3), verfügte die IV-Stelle
am 27. Dezember 2021
im angekündigten Sinne (Urk. 7/58 = Urk. 2).
2.
Gegen die Verfügung vom 27. Dezember 2021 erhob der Versicherte am 1. Februar 2022 Beschwerde mit dem Antrag, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und die vorliegende Streitsache sei zu weiteren Abklärungen (ins
besondere einer psychiatrischen Begutachtung) an die IV-Stelle zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2).
Mit Eingabe vom 21. April 2022 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf das Einreichen einer Vernehmlassung und beantragte
zugleich
die Abweisung
der Beschwerde (Urk. 6), was dem Beschwerdeführer am
22. April 2022
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 8).
Auf die Ausführungen der Parteien und die
eingereicht
en Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestim
mungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversi
cherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmög
lichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
An
spruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
1.4
Im Sozialversicherungs
verfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz. Danach haben der Versicherungsträger oder das Durchführungsorgan und im Beschwerdefall das kantonale Versicherungsgericht von sich aus für die richtige und vollständige Abklärung des rechtserheblichen Sachverhalts zu sorgen (Art. 43 Abs. 1 und Abs. 1
bis
sowie Art. 61
lit
. c in Verbindung mit Art. 2 ATSG). Der Untersuchungs
grundsatz wird durch die Mitwirkungspflicht der Versicherten respektive der Par
teien beschränkt (Art. 28 und Art. 43 Abs. 2 ATSG), vor allem in Bezug auf Tatsachen, die sie besser kennen als die (Verwaltungs- oder Gerichts-) Behörde und welche diese sonst gar nicht oder nicht mit vernünftigem Aufwand erheben könnte (BGE 122 V 157 E. 1a; Urteil des Bundesgerichts 9C_341/2020 vom 4. September 2020 E. 2.2 mit Hinweis auf BGE 138 V 86 E. 5.2.3 und 125 V 193 E. 2; vgl. BGE 130 I 180 E. 3.2).
Der Untersuchungsgrundsatz
schliesst
die Beweislast im Sinne einer Beweisfüh
rungslast begriffsnotwendig aus. Im Sozialversicherungsprozess tragen mithin die Parteien in der Regel eine Beweislast nur insofern, als im Falle der Beweislosigkeit der Entscheid zu Ungunsten jener Partei ausfällt, die aus dem unbewiesen
gebliebenen Sachverhalt Rechte ableiten wollte. Diese Beweisregel greift aller
dings erst Platz, wenn es sich als unmöglich erweist, im Rahmen des Untersu
chungsgrundsatzes aufgrund einer Beweiswürdigung einen Sachverhalt zu ermitteln, der zumindest die Wahrscheinlichkeit für sich hat, der Wirklichkeit zu entsprechen (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2). Bleiben jedoch erhebliche Zweifel an der Vollständigkeit und/oder Richtigkeit der bisher getroffenen Tatsachenfeststellung bestehen, ist weiter zu ermitteln, soweit von zusätzlichen
Abklärungsmass
nahmen
noch neue wesentliche Erkenntnisse zu erwarten sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_257/2018 vom 24. August 2018 E. 3.3.2 mit Hinweis).
1.5
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Ent
scheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherun
gsgericht,
GSVGer
). Gemäss stän
diger Rechtsprechung ist in der Regel von der
Rückweisung – da diese das Ver
fahren verlängert und verteuert – abzusehen, wenn die Rechts
mittelinstanz den Prozess ohne wesentliche Weiterungen erledigen kann. In erster Linie kommt eine Rückweisung in Frage, wenn der Versicherungsträger auf ein Begehren überhaupt nicht eingetreten ist oder es ohne materielle Prüfung abge
lehnt hat, wenn schwierige Ermessensentscheide zu treffen sind, oder wenn der
ent
scheidrelevante
Sachverhalt ungenügend abgeklärt ist (vgl. Urteil des Bundes
gerichts U 209/02 vom 10. September 2003 E. 5.2).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt
,
der Beschwerdeführer sei
in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Mö
bel- und Holzlackierer zu 100 % arbeitsfähig, weshalb er keinen Anspruch auf Leistungen der Invalidenversicherung habe (Urk. 2)
2.2
Der Beschwerdeführer wandte in seiner Beschwerde zusammengefasst dagegen ein, die Beschwerdegegnerin habe offenkundig den Untersuchungsgrundsatz ver
letzt
, indem sie ihn nicht
habe
psychiatrisch begutachten lassen
(Urk. 1 S. 2).
Denn trotz schlüssiger fachärztlicher psychiatrischer Berichte habe die Beschwer
degegnerin lediglich Stellungnahmen einer Allgemeinmedizinerin eingeholt, welche überdies versicherungsintern seien, weshalb bereits aufgrund geringer Zweifel nicht darauf abgestellt werden könne. Überdies habe der RAD-Ärztin
der
Bericht des behandelnden Psychiaters
vom 3. November 2021
offenbar nicht vor
gelegen (Urk. 1 S. 4-6).
2.3
Strittig und zu prüfen ist der Leistungsanspruch des Beschwerdeführers und dabei insbesondere die Frage, ob der medizinische Sachverhalt in psychischer Hinsicht seitens der Beschwerdegegnerin genügend abgeklärt wurde.
3.
3.1
Lic
. phil.
B._
, Psychologe FSP,
eidg
. Fachpsychologe für Psychothe
rapie, berichtete am 11.
Februar 2021, der Beschwerdeführer sei vom
17. September 2010 bis
am
30. Oktober 2013 bei ihm in psychotherapeutischer Behandlung gewesen. Er habe dann die Therapie pausiert, weil die therapeuti
schen Massnahmen und die angesprochenen Themen ihn extrem belastet hätten. Vom 30. März bis am 15. Juni 2016 habe er sich erneut
zu
ihm in Behandlung begeben, allerdings hätten in diesem Zeitraum nur vier Psychotherapiegespräche stattgefunden
. Als Diagnosen nannte
lic
. phil.
B._
eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS; ICD-10 F43.1) sowie eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.2;
Urk. 7/15-16).
3.2
Dem Bericht
von Dr. med. C._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psych
otherapie, und Dr. phil. D._
, Psychologin,
U
niversitätsspital
E._
, Klinik für
Konsiliarpsychiatrie
und Psychosomatik,
vom 26.
Oktober 2020 ist zu entnehmen, der Beschwerdeführer sei
vom 20. August bis am 8. Oktober 2020
bei ihnen im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer
in Abklärung gewesen (Urk. 7/35/2). Vom 8. Oktober bis am 8. November 2020 hätten sie ihn zu 60 % arbeitsunfähig geschrieben (Urk. 7/35/3). Die
Berichtenden
äusserten den Verdacht auf eine wahnhafte Störung (ICD-10 F22.0)
und diagnos
tizierten namentlich eine PTBS (ICD-10 F43.1) sowie eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0
; Urk. 7/35/2). Sie empfahlen eine ambulante, integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Be
handlung, jedoch aktuell keine expositionsfokussierte Traumatherapie, da der Beschwerdeführer zu weni
g Belastungsreserven besitze
und für eine Traumathe
rapie nicht bereit sei. Nötig sei eine
supportive
Therapie im Hier und Jetzt zur Stabilisierung. Zu erwägen sei überdies eine IV-Anmeldung (Urk. 7/35/
3
).
3.3
Dr. med. F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Oberarzt an der
Z._
, führte in seinem Bericht vom 7. Mai 2021 aus,
der Beschwerdeführer sei seit dem 24. Juni 2020 etwa ein bis zweimal pro Monat bei ihnen in Behandlung. Seit Anfang Januar bis Ende Mai 2021 sei er zu 80 % arbeitsunfähig für sämtliche Erwerbstätigkeiten (Urk. 7/40/2).
Als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit lägen eine PTBS (ICD-10 F43.1), eine anhaltende wahnhafte Störung (ICD-10 F22.0) sowie eine mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) vor.
Dr.
F._
gab an, aufgrund der
Chronifizierung
der Symptomatik der PTBS, der anhaltenden wahnhaften Störung und der
komorbid
vorliegenden depressiven Episode sei das Erreichen einer vollständigen Arbeitsfähigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt unwahrscheinlich (Urk. 7/40/4). Der Beschwerdeführer sei eingeschränkt durch Konzentrationsstörungen, Antriebsmangel, Nervosität, leichte Reizbarkeit sowie ausgeprägte Ängste (Urk. 7/40/5).
Eine Tätigkeit sei dem Beschwerdeführer während zwei Stunden pro Tag zumutbar. Im Haushalt sei er nicht eingeschränkt (Urk. 7/40/6).
Im weiteren Verlauf attestierte Dr.
F._
dem Beschwerdeführer auch für Juni, Juli und August 2021 eine 80%ige Arbeitsunfä
higkeit (Urk. 7/44-45).
3.4
Am
25. August 2021
berichtete Dr.
F._
, die Abklärung in der Sprechstunde für PTBS habe eine PTBS sowie eine wahnhafte Störung ergeben. Dies decke sich mit seiner diagnostischen Einschätzung. Auch die Einschätzung, wonach eine
trau
maspezifische
Therapie aufgrund der anhaltenden wahnhaften Störung nicht empfohlen werde, teile er (Urk. 7/49/1
-2
).
Die bisherige Tätigkeit als Lackierer könne mit einem Pensum von maximal vier Stunden pro Tag ausgeführt werden (Urk. 7/49/3). Weiter führte Dr.
F._
aus, aufgrund der
Traumafolgestöru
ng
durch schwere und anhaltende
Traumatisierung in türkischer und iranischer Haft und der wahnhaften Störung mit einem systematisierten
,
nicht zu relativierenden Wahnsystem sei die Aussicht auf eine wesentliche Besserung des Gesundheitszu
stands eher bescheiden. Die Arbeitsfähigkeit könne nicht durch medizinische Massnahmen verbessert werden (Urk. 7/49/4).
3.5
Dipl.-Med.
A._
hielt in ihrer RAD-Stellungnahme vom 13. September 2021 fest, als Möbellackierer sei der Beschwerdeführer eingeschränkt durch wahnhaft anmutende Überzeugungen, verfolgt zu werden, durch niedergedrückte Stim
mung, Wiedererleben, Vermeidung und Übererregung. Vom 8. Oktober bis am 8. November 2020 sei der Beschwerdeführer zu 60 % arbeitsunfähig gewesen. Mit einer angepassten Tätigkeit verhalte es sich identisch. Ein Belastungspro
fil könne aktuell nicht erstell
t werden infolge der nicht erfolgten Behandlung. Es sei davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer die bisherige Tätigkeit auch zukünftig verrichten könne. Bei der wahnhaften Störung und beim Verdacht auf eine PTBS handle es sich um Diagnosen ohne dauerhafte Auswirkung auf die Arbeitsfä
higkeit. Der Gesundheitszustand sei instabil, er könne sich indes durch eine leitliniengerechte Behandlung deutlich verbessern. Eine solche sei bisher nicht begonnen worden (Urk. 7/50/5).
Beim Beschwerdeführer sei bisher keine spezifi
sche Therapie erfolgt und er erhalte einzig ein pflanzliches Beruhigungsmittel. Aus versicherungsmedizinischer Sicht könne nicht nachvollzogen werden, dass die PTBS - sollte sie vorliegen - bisher nicht behandelt worden sei
. Der vormalige
Arbeitgeber des Beschwerdeführers habe zudem darauf hingewiesen, dass der Beschwerdeführer nicht krank sei und sehr gute Kenntnisse über das schweizerische Sozialsystem besitze
, was gewisse Zweifel an den geklagten Beschwerden hervor
rufe (Urk. 7/50/6).
3.6
Dr.
F._
schilderte am 3. November 2021,
eine
integrierte psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung finde bereits seit Juni 2020 statt
. Eine psychopharmakologische Behandlung der PTBS mit einem s
elektive
n
Sero
tonin-Wiederaufnahme-Inhibitor
(SSRI)
sei versucht worden, habe jedoch aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochen werden müssen. Die wahnhafte Störung sei deut
lich
chronifiziert
und das Ansprechen von
chronifizierten
wahnhaften Störungen auf
eine
neuroleptische
Behandlung sei in der Regel schlecht. Die Komorbidität der wahnhaften Störung und der PTBS mache eine expositionsfokussierte Trau
matherapie unmöglich, was auch die Psychologin
Dr.
D._
so dargestellt habe. Zur Stabilisierung finde eine
supportive
Therapie statt. Zur weiteren Stabilisie
rung sei eine expositionsfokussierte Auseinandersetzung mit den traumatischen Erlebnissen durch die stark ausgeprägte wahnhafte K
omponen
te nicht indiziert und nicht zielführend. Vielmehr sei eine Beschäftigung im Rahmen von bis zu
50 % im angestammten Beruf zu empfehlen. Nach dem Gesagten habe der Beschwerdeführer seine Mitwirkungspflicht im Rahmen s
innvoller psychiatrisch-psychot
herapeutischer Massnahmen bereits erfüllt und es sei nicht von einer deutlichen Verbesserung des Zustandsbilds durch weitere t
h
erapeutische Bemü
hungen auszugehen. Eine
P
ensums
teigerung
auf über 50 % sei aufgrund der anhaltenden wahnhaften
Symptomatik
und des bestehenden Misstrauens, der Konzentrations
schwierigkeiten sowie der Schwierigkeiten in der Interakt
ion
mit Mitarbeitern nicht möglich
(Urk. 7/55/1).
Für November 2021 attestierte er dem Beschwerdeführer eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit (Urk. 7/53).
3.7
Der RAD-Stellungnahme von Dipl.-Med.
A._
vom 13. Dezember 2021 ist zu entnehmen, es sei einzig ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis für November 2021 vorgelegt worden, hingegen keine neuen medizinischen Tatsachen/Sachverhalte, weshalb sie an ihrer Stellungnahme vom 13. September 2021 festhalte (Urk. 7/57/2-3).
4.
4.1
Die behandelnden Fachärzte und Psychologen sind sich darüber einig, dass der Beschwerdeführer an einer PTBS leidet (vgl. vorstehende E.
3.1, 3.2, 3.3 und 3.4).
In den neueren Berichten findet sich zudem die Diagnose einer wahnhaften Stö
rung (E. 3.2-3.4 vorstehend) und zwischenzeitlich wurden auch depressive
Episoden erwähnt (E. 3.1-3.3 vorstehend).
Der seit Juni 2020 behandelnde Psychiater Dr.
F._
attestierte dem Beschwerdeführer ab Januar 2021 durchge
hend eine (meist teilweise) Arbeitsunfähigkeit von jeweils mindestens 50 % (vgl. vorstehend
e
E. 3.3, 3.4 und 3.6 sowie Urk. 7/3
/1
). Zuvor war dem Beschwerde
führer seitens des E._
bereits für den Monat nach der Abkläru
ng
, nämlich vom 8. Oktober 2020 bis am 8. November 2020, eine 60%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert worden (
Urk. 7/3/2, Urk. 7/35/3
).
Wie es zwischendurch, vom
9. November bis am 31. Dezember 2020, um die Arbeitsfähigkeit des Beschwerde
führers stand, lässt sich den Akten nicht eindeutig entnehmen. Weder sind Arbeitsunfähigkeitszeugnisse vorhanden, noch wurde eine zwischenzeitliche Bes
serung beschrieben.
4.2
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Ar
beitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
A
uch die PTBS
fällt
in den Anwendungsbereich des strukturierten Beweis
verfahrens
(Urteil des Bundesgerichts
9C_173/2020
vom 15. April 2020 E. 2.1 mit Hinweis).
Jedoch bedarf bereits d
ie Herleitung und Begründung der Diagnose einer PTBS einer besonderen Achtsamkeit. Dies gilt zunächst für das Belastungs
kriterium, mithin das auslösende Trauma. Dieses ist nicht in erster Linie und allein von der Gutachterperson
beziehungsweise
vom Arzt selbst zu klären
,
aber von diesem zwingend zu referieren. Nebst der für die Bejahung einer PTBS bedeutsa
men Schwere des Belastungskriteriums erfordert die Latenzzeit zwischen initialer Belastung und Auftreten der Störung eine eingehende Prüfung. Diese beträgt nach ICD-10 wenige Wochen, bis (sechs) Monate. Besondere Begründung braucht es dabei in jenen Fällen, in denen ganz ausnahmsweise aus bestimmten Gründen ein späterer Beginn berücksichtigt werden soll. Bei der Folgenabschätzung einer PTBS auf das Leistungsvermögen
beziehungsweise
die Arbeitsfähigkeit ist ein
konsistenter Nachweis
mittels sor
gfältiger Plausibilitätsprüfung
im Rahmen eines strukturierten Beweisverfahrens unter Verwendung der Standardindikatoren not
wendig (
Urteil des Bundesgerichts
9C_548/2019 vom 16.
Januar
2020 E. 6.3.1
mit Hinweis auf
BGE 142 V 342).
4.3
Bei der
Beurteilung durch die
RAD-Ärztin Dipl.-Med.
A._
handelt es sic
h um eine versicherungsinterne
Stellungnahme
.
Soll ein Versi
cherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweiswürdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungs
internen
ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
Reine Aktengutachten sind beweiskräftig, sofern ein lückenloser Befund vorliegt und es im Wesentlichen nur um die fachärztliche Beurteilung eines an sich fest
stehenden medizinischen Sachverhalts geht, mithin die direkte ärztliche Befassung mit der versicherten Person in den Hintergrund rückt (Urteil des Bundesgerichts 8C_750/2020 vom 23. April 2021 E. 4 mit Hinweisen).
Vorab ist zu bemerken, dass die beurteilende RAD-Ärztin nicht über einen Fach
arzttitel in Psychiatrie und Psychotherapie
verfügt, weshalb ihre Beurteilung nicht fachärztlich ist und ihr daher von vornherein weniger Gewicht
beizumessen ist
.
4.4
4.4.1
Gewisse Widersprüche in der RAD-Beurteilung
sind
darin zu sehen, dass Dipl.-Med.
A._
Einschränkungen in Bezug auf die bisherige Tätigkeit aufzählt
e
, jedoch lediglich für den begrenzten Zeitraum von einem Monat eine Teilarbeits
unfähigkeit anerk
a
nnt
e und
eine Diagnose mit (dauerhafter) Auswirkung au
f die Arbeitsfähigkeit verneinte
(Urk. 7/50/5). Weshalb sie anschliessend
offenbar
von einer Verbesserung der Arbeitsfähigkeit ausg
ing
- namentlich für die Zeit ab Januar 2021, für welche
wiederum
Arbeitsunfähigkeitszeugnisse vorliegen -, erläuterte sie im Übrigen mit keinem Wort.
Somit setzte sie sich auch nicht mit der abweichenden Beurteilung des behandelnden Psychiaters hinsichtlich der
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
auseinander, was indes erforderlich gewesen wäre.
4.4.2
Die RAD-Ärztin argumentierte
im Wesentlichen damit, dass die
allfällige
PTBS bisher nicht ther
apeutisch angegangen worden sei und der Beschwerdeführer einzig ein pflanzliches Beruhigungsmittel zu sich nehme (Urk. 7/50/6). Diesbe
züglich hatte
lic
. phil.
B._
bereits im Jahr 2013 eine extreme Belastung durch das Ansprechen von relevanten Themen beschrieben, welche damals zum Thera
pieabbruch
ge
führt
hatt
e (Urk. 7/15)
. Sodann ist dem Bericht des E._
vom 26. Oktober 2020 zu entnehmen, dass eine
expositionsfokussierte Traumatherapie
mangels Belastungsreserven des Beschwerdeführers zurzeit nicht zu empfehlen sei (Urk. 7/35/3).
Dieser Auffassung schloss sich auch Dr.
F._
an. Dies unter Hinweis darauf, dass
eine solche spezifische Therapie
bei der vorliegenden
Komorbidität der wahnhaften Störung und der PTBS
unmöglich sei (Urk. 7/49/1, Urk. 7/55/1).
Zu diesen divergierenden Angaben betreffend die Sinnhaftigkeit einer
traumaspezifischen
Therapie hat sich die RAD-Ärztin nicht geäussert, wes
halb ihre Auffassung nicht zu überzeugen vermag. Überdies
scheint der Einwand des Beschwerdeführers zuzutreffen, dass die RAD-Ärztin bei ihrer Stellung
-
nahme
vom 13. Dezember 2021 nicht über den Bericht von Dr.
F._
vom
3. November 2021 verfügte (vgl. Urk. 1 S. 5 Ziff. 7), zumal sie angab, es sei einzig eine Ar
beitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt worden (Urk. 7/57/2).
4.4.3
Auch der Hinweis
der RAD-Ärztin
auf die Auffassung des ehemaligen Arbeit
gebers
, wonach der Beschwerdeführer nicht krank sei und sich im schweizeri
schen Sozialsystem sehr gut auskenne
(Urk. 7/
50/6, vgl. hierzu zudem Urk. 7/17 und Urk. 7/29/6),
verfängt nicht,
da die Einschätzung eines krankheitswerten Lei
dens aus ärztlicher Sicht zu machen ist.
Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer selber angab, erst
seit
dem 24. Juni 2020
a
rbeitsunfähig zu
sein
(Urk. 7/11/
4
)
und
er
somit nicht geltend macht, während seines damaligen Arbeitsverhältnisses arbeitsunfähig gewesen zu sein
. Dabei führte er die Verschlechterung seines psychischen Leidens auf den Gefängnisaufenthalt in Italien zurück
, respektive sah er diesen
als Hauptgrund für seine Beschwerden
(Urk. 7/
35/4). Dabei ist
es
- zumindest für einen medizinischen Laien -
grundsätzlich denkbar, dass vergan
gene, in Haft
gemachte
Foltererfahrungen bei einer weiteren Inhaftierung wieder in Erinnerung gerufen werden, respektive dass der Gefängnisaufenthalt ab Ende April 2019
für den Beschwerdeführer
einen Trigger darstellte
; es gilt jedoch, die Zusamme
nhänge fachärztlich zu erklären
.
4.4.4
Soweit die RAD-Ärztin mit ihre
m Hinweis
, dass der Beschwerdeführer einzig pflanzliche Medikamente einnehme (Urk. 7/50/6), auf einen fehlenden Leidens
druck schliessen
wollte
, fehlt wiederum eine Auseinandersetzung mit den Erläu
terungen des behandelnden Psychiaters hierzu
. Dieser führte aus,
die Behandlung mit einem SSRI
habe
wegen Nebenwirkungen abgebrochen werden
müssen
und
chronifizierte
wahnhafte Störungen
würden
in der Regel schlecht auf
neuro
leptische
Behandlungen ansprechen (Urk. 7/55/1).
Überdies ist anhand der insgesamt mehrjährigen psychotherapeutischen Behandlung ein gewisser Lei
densdruck zu erkennen.
Aufgrund
dessen, dass diese Behandlung
teilweise
bereits Jahre vor der IV-Anmeldung erfolgt war (vgl. E. 3.1 vorstehend), ist denn auch nicht davon auszugehen, dass sie aufgenommen wurde
mit dem Zweck
, Versi
cherungsleistungen zu erlangen.
4.5
Vor dem geschilderten Hintergrund ist
insgesamt nicht ausreichend
und anhand eines strukturierten Beweisverfahrens
plausibilisiert
, dass beim Beschwerdeführer eine psychische Störung vorliegt, welche sich
dauerhaft auf
die Arbeitsfähigkeit auswirkt. Indes ist
dies
auch nicht mit überwiegender Wahrscheinlichkeit ausge
schlossen, sodass sich
mit Blick auf den geltenden Untersuchungsgrundsatz
(E. 1.4 vorstehend)
zusätzlich zur fachfremden, auf unvollständigen Akten basie
renden und nicht einlässlichen RAD-Stellungnahme
weitere
Abklärungen aufge
drängt hätten.
Nach dem Gesagten ist die Beschwerde gutzuheissen, die angefochtene Verfügung vom 27.
Dezember
2021 (Urk. 2) aufzuheben und die Sache an die Beschwerde
gegnerin zur
psychiatrischen
Abklärung und zu
m hernach erneuten
Entscheid über den
Leistungs
anspruch
des Beschwerdeführers
zurückzuweisen
.
5.
5.1
Da der Streitgegenstand die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungs
l
eistungen betrifft, ist das Ver
fahren kostenpflichtig.
Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG), erme
ssens
weise auf Fr. 700.-- anzusetzen und der
unterliegenden
Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5.2
Ausserdem
hat
der
obsiegende
Beschwerdeführer
Anspruch auf eine Prozessent
schädigung. Diese ist gestützt auf Art. 61
lit
. g ATSG in Verbindung mit § 34
GSVGer
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwie
rigkeit des Prozesses, dem Zeit
aufwand und den Barauslagen ermessensweise auf Fr.
1‘5
00.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) festzu
setzen.