# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f732540b-8941-5ee7-9a12-603fa6e40e7d
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A. X._ ist italienische Staatsangehörige und wurde 1962 im Kanton Appenzell
Ausserrhoden geboren, wo sie die Schulen und eine Bürolehre absolvierte. Sie ist – wie
ihre 1992 geborene Tochter – in der Schweiz niederlassungsberechtigt. X._
konsumiert seit rund 35 Jahren regelmässig Drogen und lebt von einer IV-Rente und
Ergänzungsleistungen.
Wegen zahlreicher strafrechtlicher Verurteilungen insbesondere wegen Drogenhandels
widerrief das Migrationsamt des Kantons St. Gallen mit Verfügung vom 10. Oktober
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2011 erstmals die Niederlassungsbewilligung von X._. Die dagegen erhobenen
Rechtsmittel blieben allesamt erfolglos (Rekursentscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements vom 29. Mai 2012 [RDRM.2011.148, act. 17/545 ff.]; Urteil des
Verwaltungsgerichts vom 12. März 2013 [VerwGE B 2012/127; act. 17/560 ff.]; Urteil
des Bundesgerichts vom 15. November 2013 [BGer 2C_407/2013; act. 17/698 ff.]).
Eine dagegen erhobene Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für
Menschenrechte wurde für unzulässig erklärt (vgl. act. 17/776).
Mit Entscheid vom 3. November 2014 hiess das Sicherheits- und Justizdepartement
(SJD) ein von X._ während des bundesgerichtlichen Beschwerdeverfahrens gestelltes
Gesuch um Wiedererwägung gut und hob sowohl die Verfügung des Migrationsamts
vom 10. Oktober 2011 als auch den Rekursentscheid des SJD vom 29. Mai 2012 auf
(act. 17/788 ff.).
B. Mit Entscheid vom 13. Oktober 2016 erklärte das Kreisgericht X._ der mehrfachen
Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz (mehrfacher Verkauf, Besitz und
Anstalten treffen zum Verkauf von Heroin) sowie der mehrfachen Übertretung gegen
das Betäubungsmittelgesetz (mehrfacher Ankauf und Besitz von Heroin zwecks
Eigenkonsums, mehrfacher Konsum von Heroin) schuldig und verurteilte sie zu einer
bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 50 und zu einer Busse von
CHF 1'000 (act. 17/901 ff.).
In der Folge widerrief das Migrationsamt mit Verfügung vom 30. Oktober 2017 die
wiedererwägungsweise erteilte Niederlassungsbewilligung von X._ erneut (act. 17/952
ff.). Den dagegen von dieser erhobenen Rekurs wies das Finanzdepartement – der
Vorsteher des SJD, der in seiner früheren anwaltlichen Tätigkeit X._ vertreten hatte,
war in den Ausstand getreten – mit Entscheid vom 23. April 2019 ab. Zur Begründung
wurde im Wesentlichen ausgeführt, X._ habe die ihr mit dem
Wiedererwägungsentscheid gewährte letzte Chance auf einen Verbleib in der Schweiz
nicht genutzt, sondern sei erneut und wiederholt straffällig geworden. Mit ihrem
deliktischen Verhalten gefährde sie die öffentliche Sicherheit und Ordnung in einem
Masse, in welchem das öffentliche Interesse an der Fernhaltung ihr privates Interesse,
in der Schweiz bleiben zu können, überwiege. Es sei ihr daher zuzumuten, die Schweiz
zu verlassen und künftig in Italien zu leben. Die nötigen medizinischen Behandlungen
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erhalte sie auch dort. Ein sozialer Rückhalt, der einen Therapieerfolg in der Schweiz
begünstigen könnte, sei nicht (mehr) erkennbar. X._ verfüge in der Schweiz ausserhalb
des Drogenmilieus offensichtlich über kein stabiles persönliches Umfeld, wohingegen
in Italien immerhin ihre Eltern leben würden, mit denen sie immer noch Kontakt habe. In
finanzieller Hinsicht sei darauf hinzuweisen, dass ihr zumindest die IV-Rente auch nach
Italien ausbezahlt werde. Der Entzug der Niederlassungsbewilligung erweise sich daher
als verhältnismässig (act. 2).
C. X._ (Beschwerdeführerin) erhob gegen den Entscheid des Finanzdepartements
(Vorinstanz) vom 29. April 2019 durch ihre Rechtsvertreterin mit Eingabe vom 8. Mai
2019 (act. 1) und Ergänzung vom 1. Juli 2019 (act. 8) Beschwerde beim
Verwaltungsgericht mit den Rechtsbegehren, unter Kosten- und Entschädigungsfolge
sei der angefochtene Entscheid aufzuheben und auf den Widerruf der
Niederlassungsbewilligung zu verzichten. Das in der Folge gestellte Gesuch um
unentgeltliche Rechtspflege wurde vom Abteilungspräsidenten mit Zwischenentscheid
vom 10. Juli 2019 bewilligt und Rechtsanwältin Bettina Surber, St. Gallen, zur
unentgeltlichen Rechtsvertreterin bestimmt (act. 12).
Die Vorinstanz beantragte mit Vernehmlassung vom 27. August 2019 die Abweisung
der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen im angefochtenen
Entscheid (act. 13).
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten und die Akten wird, soweit wesentlich,
in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. (...)
2. Die Niederlassungsbewilligung kann widerrufen werden, wenn die ausländische
Person zu einer längerfristigen Freiheitsstrafe, das heisst zu einer solchen von mehr als
einem Jahr, verurteilt worden ist, oder wenn sie in schwerwiegender Weise gegen die
öffentliche Sicherheit und Ordnung verstossen hat oder diese gefährdet (Art. 63 Abs. 1
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lit. a in Verbindung mit Art. 62 lit. b des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration [SR 142.20, AIG; bis zum 1. Januar 2019: AuG]).
Dass diese Widerrufsgründe, die auch bei ausländischen Personen, die sich seit mehr
als 15 Jahren ununterbrochen und ordnungsgemäss in der Schweiz aufhalten, zur
Anwendung kommen (vgl. BGer 2C_634/2018 vom 5. Februar 2019 E. 4.1.1 mit
Hinweis auf Art. 63 Abs. 2 AuG), bei der Beschwerdeführerin offensichtlich erfüllt sind,
hat das Bundesgericht bereits im Urteil vom 15. November 2013 festgestellt (BGer
2C_407/2013 vom 15. November 2013 E. 2), und werden von der Beschwerdeführerin
denn auch zu Recht nicht in Frage gestellt.
3. Zu prüfen bleibt indes, ob der ausgesprochene Widerruf verhältnismässig ist und
Art. 96 AIG nicht verletzt. Da sich die Beschwerdeführerin seit ihrer Geburt im Jahre
1962, mithin 57 Jahre, in der Schweiz aufhält, kann sie sich ausserdem auf Art. 8 der
Europäischen Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten
(SR 0.101, EMRK) – der das Recht auf Achtung des Familien- und des Privatlebens
umfasst – berufen (vgl. BGer 2C_403/2019 vom 5. September 2019 E. 1 mit Hinweis
auf BGE 144 I 266 ff.). Erweist sich der Widerruf bereits mit Blick auf diese
Bestimmungen als unverhältnismässig, kann offenbleiben, ob sich die
Beschwerdeführerin allenfalls auch noch zu Recht auch auf Art. 5 Anhang I des
Abkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der
Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die
Freizügigkeit (Freizügigkeitsabkommen, SR 0.142.112.681, FZA) berufen will.
3.1. Der Widerruf muss verhältnismässig sein (Art. 5 Abs. 2 der Bundesverfassung der
Schweizerischen Eidgenossenschaft, SR 101, BV; Art. 96 AIG; Art. 8 Ziff. 2 EMRK).
Massgebliche Kriterien sind grundsätzlich die Schwere des Delikts, das Verschulden
der betroffenen Person, der seit der Tat vergangene Zeitraum und das Verhalten der
betroffenen Person während diesem, der Grad ihrer Integration bzw. die sozialen,
kulturellen und familiären Bindungen zum Aufenthaltsstaat und zum Heimatstaat, die
Dauer der bisherigen Anwesenheit, die ihr und ihrer Familie drohenden Nachteile,
insbesondere unter gesundheitlichen Aspekten, sowie die mit der
aufenthaltsbeendenden Massnahme verbundene Dauer der Fernhaltung. Keines dieser
Elemente ist für sich allein ausschlaggebend; erforderlich ist eine Würdigung der
gesamten Umstände im Einzelfall. Die Niederlassungsbewilligung einer ausländischen
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Person, die sich schon seit langer Zeit hier aufhält, soll nur mit Zurückhaltung
widerrufen werden. Dies gilt angesichts ihrer besonderen Verwurzelung in den hiesigen
Verhältnissen vor allem für ausländische Personen der zweiten Generation. Bei
schweren Straftaten, Rückfall und wiederholter Delinquenz besteht – überwiegende
private oder familiäre Bindungen vorbehalten – auch in diesen Fällen ein
schutzwürdiges öffentliches Interesse daran, die Anwesenheit der ausländischen
Person zur Aufrechterhaltung der Ordnung bzw. Verhütung von (weiteren) Straftaten zu
beenden (BGer 2C_634/2018 vom 5. Februar 2019 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen;
VerwGE B 2017/190 vom 29. Mai 2018 E. 3.1, www.gerichte.sg.ch).
3.2. Im rechtskräftigen, nach dem (einen früheren Widerruf an sich bestätigenden)
bundesgerichtlichen Urteil vom 15. November 2013 ergangenen
Wiedererwägungsentscheid des SJD vom 3. November 2014 kam dieses unter
Berücksichtigung neuer Tatsachen zum Schluss, der damalige Widerruf der
Niederlassungsbewilligung der Beschwerdeführerin erweise sich insgesamt betrachtet
als unverhältnismässig. Zur Begründung wurde im Wesentlichen ausgeführt, der
Sachverhalt präsentiere sich aufgrund des Zeitablaufs und der nachträglich
eingereichten Unterlagen in einem anderen Licht als im Zeitpunkt des erstinstanzlichen
Entscheides und es sei derzeit – trotz anhaltender Sucht – nicht mehr von einer
aktuellen schweren Gefährdung der öffentlichen Ordnung auszugehen. Bei den seit der
bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug Mitte August 2012 erfolgten drei
Verurteilungen wegen Erwerbs und Besitzes von Drogen zum Eigenkonsum sei das
Verschulden vor dem Hintergrund der langjährigen schweren Drogensucht insofern zu
relativieren, als keine Anzeichen für erneuten Drogenhandel vorliegen würden.
Insbesondere aber die geltend gemachten gesundheitlichen Implikationen sowie die
familiären Umstände liessen den Widerruf der Niederlassungsbewilligung daher als
unverhältnismässig erscheinen. Eine abweichende Beurteilung wurde indes in Aussicht
gestellt, sollte sich die Beschwerdeführerin erneut des Drogenhandels schuldig
machen (act. 17/788 ff.).
3.3. Das Bundesgericht stuft den Drogenhandel – in Übereinstimmung mit der
Rechtsprechung des EGMR – angesichts der Gefährdung der öffentlichen Gesundheit
als schwere Straftat ein, welche ein hohes öffentliches Interesse an einer Ausweisung
bzw. Fernhaltung einer Täterin begründet. Drogenhandel bildet im Sinn von Art. 121
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Abs. 3 BV seit dem 1. Oktober 2016 denn auch generell eine Anlasstat für eine
obligatorische Landesverweisung (Art. 66a Abs. 1 lit. o des Schweizerischen
Strafgesetzbuches, SR 311.0, StGB). Diese gesetzgeberische Vorgabe gilt allerdings
nicht für den Eigenkonsum von Drogen. Drogenkonsum kann (und wird) selbst bei
wiederholter Begehung nicht als schwere Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und
Ordnung qualifiziert werden. Demgegenüber überwiegt bei Betäubungsmitteldelikten
(ohne – suchbedingten – Eigenkonsum) regelmässig das öffentliche Interesse an der
Beendigung des Aufenthalts, falls keine besonderen persönlichen oder familiären
Bindungen im Aufenthaltsstaat bestehen. Ist die betroffene Person ledig und kinderlos,
setzt sich tendenziell das öffentliche Fernhalteinteresse regelmässig dann durch, wenn
das Strafmass drei Jahre Freiheitsstrafe erreicht oder weitere erhebliche Delikte
hinzukommen. Hinsichtlich des als Anknüpfungspunkt dienenden Strafrahmens von
drei Jahren Freiheitsstrafe ist zu berücksichtigen, dass Drogendelikte nicht überall in
gleicher Art verfolgt und bestraft werden, weshalb die entsprechende Grenze nur als
Richtwert dienen kann; ausschlaggebend sind immer die Umstände des Einzelfalls
(BGer 2C_630/2017 vom 15. November 2018 E. 6.2 mit weiteren Hinweisen).
3.4. Das Verschulden der Beschwerdeführerin bei den vorliegend zum erneuten
Widerruf der Niederlassungsbewilligung führenden Straftaten wiegt ausländerrechtlich
nach wie vor erheblich. So wurde sie seit der Wiedererteilung der
Niederlassungsbewilligung insbesondere wiederum wegen Verstosses gegen das
Betäubungsmittelgesetz mit Entscheid des Kreisgerichts vom 13. Oktober 2016 zu
einer bedingten Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je CHF 50 sowie zu einer Busse
von CHF 1'000 verurteilt. Der der Verurteilung zugrunde gelegte Sachverhalt kann
indes dem Entscheid nicht entnommen werden (vgl. act. 17/901 ff.). Gemäss den bei
den Akten liegenden Strafuntersuchungsunterlagen ging es dabei um den Handel mit
knapp 30-35 mg Heroin und 14 Gassenbriefchen, wobei die Beschwerdeführerin hierfür
insgesamt rund CHF 1'000 erzielte. Weiter ging es um den Ankauf von Heroin sowie
den Besitz und den Konsum von Heroin (vgl. act. 17/833 f.). Am 18. Januar 2018 erging
sodann noch ein Strafbefehl, weil die Beschwerdeführerin im Zeitraum vom 1. Januar
bis Ende April 2017 sowie zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Dezember 2017
wöchentlich 0.2 Gramm Heroin zu einem nicht näher bekannten Preis bzw. zumindest
einmal für CHF 20 verkauft hatte. Weiter wurde ihr wiederum der Besitz und der
Konsum von Heroin vorgeworfen, weshalb sie denn auch zu einer unbedingten
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Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je CHF 80 sowie einer Busse von CHF 300 verurteilt
wurde (vgl. act. 17/1038 ff.). Am 1. Juni 2018 verurteilte das Untersuchungsamt die
Beschwerdeführerin zudem wegen Führens eines Motorfahrzeugs trotz Entzug des
Ausweises sowie wegen Besitzes von Kokain (für den Eigenkonsum) zu einer
unbedingten Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je CHF 50 sowie zu einer Busse von
CHF 150 (vgl. act. 17/1043 ff.). Die Ausführungen der Beschwerdeführerin, wonach sie
über den Drogenhandel "lediglich" ihren eigenen Konsum finanziert habe, erscheinen
unter den geschilderten Umständen, ihrer langjährigen Drogensucht und der
diesbezüglich schlüssigen Aktenlage ohne weiteres als glaubhaft. Ebenso ist
festzuhalten, dass die neuerliche Delinquenz – ohne diese unnötig abschwächen zu
wollen – vergleichsweise doch weit weniger schwer wiegt als diejenige, die zum ersten
Widerruf der Niederlassungsbewilligung vom 10. Oktober 2011 und in der Folge zu der
wiedererwägungsweise und im Sinne einer letzten Chance erteilten
Niederlassungsbewilligung vom 3. November 2014 des SJD führte. Damals waren
namentlich die Verurteilungen in den Jahren 2008 zu 15 Monaten, 2009 zu 10 Monaten
und 2011 zu 32 Monaten Freiheitsstrafe ausschlaggebend für den Widerruf. Letzteres
Urteil wiederum beruhte auf dem Sachverhalt, dass die Beschwerdeführerin
mindestens 7 kg Heroin gekauft und davon 5.5 kg verkauft hatte, wobei sie einen Erlös
von knapp CHF 250'000 erzielt hatte (vgl. BGer 2C_407/2013 vom 15. November 2013
Sachverhalt A.).
Für die Würdigung des Verschuldens der Beschwerdeführerin seit der
wiedererwägungsweisen Erteilung der Niederlassungsbewilligung im November 2014
ist zudem zu berücksichtigen, dass ihr Verhalten wohl massgeblich auch mit dem
Scheitern der Beziehung zu ihrem langjährigen Lebenspartner und Vater der 1992
geborenen Tochter zusammenhängt. Dass diese Trennung geeignet war, eine – weitere
– existenzielle Krise im Leben der Beschwerdeführerin auszulösen, ihren Suchtdruck zu
verstärken und diesem Druck mittels durch Beschaffungskriminalität besorgten Drogen
zu begegnen, ist angesichts ihrer gerichtsnotorisch belasteten Biografie und ihrer
jahrzehntelangen, schwierigen Lebensumstände durchaus nachvollziehbar. Auch wenn
das umschriebene Verschulden insgesamt betrachtet zweifellos nicht mehr als leicht
bezeichnet werden kann, so erscheint bei dieser Betrachtungsweise die seit 2014
erfolgte, erneute Delinquenz unter diesen Umständen in einem etwas milderen Licht.
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3.5. Die heute 57-jährige Beschwerdeführerin ist in der Schweiz geboren und hat seit
dem Wiedererwägungsentscheid vom 3. November 2014 mittlerweile weitere fünf Jahre
in der Schweiz verbracht. Sie konsumiert seit rund 35 Jahren regelmässig Drogen und
ist nach wie vor schwer drogensüchtig bzw. -abhängig. Laut dem Bericht des
Chefarztes der Infektiologie vom 24. April 2013 erwies sich eine Wegweisung aus
medizinischer Sicht bereits damals als höchst problematisch. Die Beschwerdeführerin
war zum damaligen Zeitpunkt über zwanzig Jahre wegen schwerer psychiatrischen
Leiden, welche auch zu ihrer Heroinabhängigkeit geführt haben, in medizinischer
Behandlung. Sie wurde im Rahmen des Substitutionsprogramms täglich betreut,
wodurch auch die HIV-Infektion überwacht werden konnte. Sowohl an der eingangs
skizzierten medizinischen Würdigung als auch an der daran anknüpfenden
medizinischen Behandlungsbedürftigkeit der Beschwerdeführerin hat sich
zwischenzeitlich nichts geändert. Gemäss eigenen Angaben hat die
Beschwerdeführerin während der gesamten Zeit stets das Methadon-Programm und
die HIV-Sprechstunde besucht (vgl. act. 8 S. 9), was vom Assistenzarzt Infektiologie
des Kantonsspitals St. Gallen mit Schreiben vom 21. August 2017 bestätigt wurde
(act. 17/942). Damals wie heute beruht der Erfolg einer solchen Therapie auf der
ganzheitlichen Betreuung des ganzen Kleinsystems. Ohne ein psychosoziales
Bezugsnetz in ihrem Heimatland Italien, wo sie nie gewohnt hat, ist jedoch die
notwendige, konsequente Langzeitbetreuung ihrer Suchterkrankung (und der damit
einhergehenden weiteren, zum Teil gar lebensbedrohenden Erkrankungen) undenkbar.
Es wäre jedenfalls äusserst kontraproduktiv, wenn die grossen Errungenschaften bei
der Stabilisierung ihrer HIV- und Hepatitis-C-Infektionen aufgrund einer Wegweisung
aus der Schweiz gefährdet würden (vgl. act. 17/721). Die gesundheitlichen Risiken
konnten unter fachkundiger Behandlung minimiert werden, wobei der soziale Rückhalt
einer Person mit chronischen Infektionsproblemen einer der wichtigsten Faktoren einer
erfolgreichen Therapie ist. Ein fehlender sozialer Support führt jedenfalls regelmässig
dazu, dass (suchtkranke) Patienten ihre Behandlungstermine nicht mehr wahrnehmen,
weshalb dann auch der infektionspräventive Effekt der Behandlung ausbleibt (vgl.
act. 17/747). Die privaten Interessen der Beschwerdeführerin daran, nicht aus dem
dargelegten, für sie lebensnotwendigen Betreuungs- und Beziehungsnetz zu fallen,
wiegen dementsprechend nach wie vor schwer und haben – nicht zuletzt auch
aufgrund der weiter fortgeschrittenen Dauer des Aufenthalts in der Schweiz (immerhin
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bereits 57 Jahre) und der mit zunehmenden Alter auch zunehmenden Bedeutung einer
zuverlässigen Fortführung der medizinischen und sozialen Betreuung der
Beschwerdeführerin – an Gewicht eher noch zugenommen. Wie eng die Beziehung zu
ihrer – mittlerweile volljährigen und von ihr nicht in besonderem Ausmass abhängigen,
in der Schweiz niederlassungsberechtigten – Tochter ist, kann unter diesen Umständen
offenbleiben. Nicht übersehen werden darf ferner, dass die Beschwerdeführerin, soweit
es ihre gesundheitliche Situation zulässt, ihren Beitrag zu einer weiteren Stabilisation
ihrer Situation beizutragen versucht. So arbeitete sie vom 1. Mai 2013 bis 30. Juni 2017
im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms als Köchin in der Gassenküche der
Stiftung Suchthilfe. Der Betriebsleiter attestierte ihr denn auch, eine sehr zuverlässige
Köchin zu sein, welche sehr selbständig arbeitete und die an sie gestellten
Erwartungen erfüllte (vgl. act. 17/944). Der Einsatz ging gemäss eigenen Angaben
lediglich deshalb nicht weiter, weil die Kriterien für die Stellenvergabe geändert hätten
(vgl. act. 8 S. 9; act. 17/974 Antwort zu Frage 35), was unbestritten blieb und ihr
deshalb auch nicht entgegengehalten werden kann.
3.6. Im Vergleich zu den Verhältnissen, wie sie dem bundesgerichtlichen Urteil vom
13. November 2013 und dem Wiedererwägungsentscheid vom 3. November 2014
zugrunde lagen, haben sich die Schwierigkeiten und Probleme, welchen die
Beschwerdeführerin bei einer Ausweisung nach Italien ausgesetzt wäre, zudem
offensichtlich noch verstärkt. So steht eine Ausreise zusammen mit ihrem langjährigen
Lebensgefährten nicht mehr zur Diskussion. Eine gegenseitige Unterstützung bei der
Begründung einer neuen Existenz in Italien fällt damit ebenso dahin wie eine über das
Finanzielle hinausgehende Unterstützung durch ihre nach wie vor in Italien lebenden,
indes sehr betagten Eltern. Ein weiterer familiärer Bezug der Beschwerdeführerin in
Italien ist aus den Akten nicht ersichtlich und wird auch nicht geltend gemacht. Ob und
wie häufig sie sich in ihrem Heimatland aufgehalten hat, ob und wie gut sie die
italienische Sprache beherrscht, lässt sich den Akten ebenfalls nicht entnehmen. Es ist
davon auszugehen, dass die Beschwerdeführerin in Italien auf sich allein gestellt wäre.
Der Aufbau eines wirtschaftlich und sozial tragenden Netzes wäre insbesondere vor
dem Hintergrund ihrer schweren Suchterkrankung und den zahlreichen
behandlungsbedürftigen Folgeerkrankungen mit beinahe unüberwindbar
erscheinenden Hindernissen verbunden. Das private Interesse der Beschwerdeführerin,
im Alter von knapp sechzig Jahren nicht im Land ihrer Staatsangehörigkeit erstmals
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eine eigene Existenz aufbauen zu müssen, erscheint unter diesen Umständen ebenfalls
als derart erheblich, sodass das öffentliche Interesse an einer Fernhaltung
zurückzutreten hat.
3.7. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin seit dem
Wiedererwägungsentscheid vom 3. November 2014 strafrechtlich zwar erneut als
Drogenhändlerin verurteilt werden musste, wobei jedoch das Ausmass der Delinquenz
nicht mit den früheren Taten vergleichbar ist. Insbesondere ging es der
Beschwerdeführerin diesmal nicht darum, einen hohen Erlös zu erzielen, sondern
"lediglich" darum, ihre eigene Sucht zu finanzieren. Dem mit Blick auf das strafrechtlich
relevante Verhalten der Beschwerdeführerin und die nicht von der Hand zu weisende
Gefahr einer erneuten deliktischen Tätigkeit insbesondere als Händlerin illegaler Drogen
erheblichen öffentlichen Interesse an der Beendigung der Anwesenheit der
Beschwerdeführerin in der Schweiz stehen allerdings ihre gewichtigen privaten
Interessen daran, ihr Leben, das mit ihrer Geburt im Jahr 1962 in der Schweiz ihren
Anfang nahm und das sie seither – mithin seit bald sechzig Jahren – in der Schweiz
verbracht hat, weiterhin hier führen zu können. Der Widerruf der
Niederlassungsbewilligung erweist sich deshalb als unverhältnismässig. Die
Beschwerde ist dementsprechend gutzuheissen, und der angefochtene Entscheid der
Vorinstanz ist aufzuheben.
4. (...)