# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ec88bf94-74b0-5898-8f31-0f606d7089f6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren
1980, hielt sich am
8.
August
2015 vor einem Fussball
spiel zwischen dem Fussballclub Lugano (FC Lugano) und dem
Grasshopper
Club Zürich (GC) in der Nähe des Stadions
Letzigrund
in Zürich auf, als
Grup
pen rivalisierender Fans beider Lager aneinander gerieten, wobei mit Fäusten, Fuss
tritten und Holzstangen aufeinander eingedroschen wurde
. Dabei erlitt
der
Geschädigte
einen Schlag mit einem Holzpfahl auf
den
Kopf
(
Urk.
7/1/2 S. 3)
und
zog sich
eine grosse Rissquetschwunde über der Schädelkalotte
, ohne
ossäre
Läsion (
Urk.
7/1/4)
,
zu.
1.2
Mit
dem in Rechtskraft erwachsenen (vgl.
Urk.
7/1/3 S. 2)
Strafbefehl der Staats
anwaltschaft Zürich - Limmat vom
1
1.
August 2015
(Urk.
7/1/2
) wurde
der Täter der einfachen Körperverletzung
mit einem gefährlichen Gegenstand
im Sinne von Art.
123 Ziff.
2
Abs. 1 des Strafgesetzbuches (StGB)
,
begangen zum Nach
teil des Geschädigten
,
sowie
des Raufhandels
im Sinne von Art.
133
StGB
schuldig gespro
chen und zu einer
Freiheitsstrafe von 180 Tagen
verurteilt.
1.3
Am
1
5.
Juni
2016
stellte der Geschädigte bei der Direk
tion der Justiz und des
Innern des Kan
tons Zürich ein Gesuch um Zusprechung einer
Ge
nugtuung im Betrag von Fr.
3
‘000.-- für die Folgen der Straftat vom
8.
August 2015
(Urk.
7/1/1 S. 5
).
Mit (
un
begründeter) Verfügung vom
9.
August 2016
(Urk.
7/6
)
wies
die Kan
to
nale Opferhilfestelle
das Gesuch des
Geschädigten
um Zuspre
chung einer Genugtuung im Betrag von
Fr.
3‘000.--
für die
Folgen der
Straftat vom
8.
August
2015 ab.
Am
1
6.
August
2016
verlangte der Geschädigte eine Begründung der Verfügung (Urk.
7/7
), worauf die Kantonale Opferhilfestelle eine begründete Verfügung (Urk.
7/8
= Urk. 2) erliess.
2.
Gegen die
(begründete)
Verfügung vom
9.
August
2016
(Urk. 2) erhob
der
Geschä
digte am
2
2.
September
2016
Beschwerde (Urk. 1) und beantragte
sinn
gemäss
,
diese sei aufzuheben und es sei ihm eine
Genugtuung
im Betrag
von Fr.
3
‘000.--
für die Folgen der Straftat vom
8.
August 2015
zuzusprechen.
Mit Eingabe vom
4.
Oktober 2016
(Urk.
6
) beantragte die Kantonale O
pfer
hilfe
stelle die Abweisung der Beschwerde
.
Dies wurde
dem Beschwerdeführer
am
1
9.
Oktober 2016
zur Kenntnis gebracht (Urk.
8
).
Die
Einzelrichter
in

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Da der Streitwert Fr. 20’000.-- nicht übersteigt, fällt die Beurteilung der
Be
schwer
de
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (§ 11 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht).
1.2
Da vorliegend Ansprü
che für eine am
8.
August 2015
verübte Straftat im
Streite stehen
, gelangen vorliegend die mate
riellen Vorschriften des am 1. Janu
ar
2009 in Kraft getretenen totalre
vi
dierten Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG) zur Anwendung (vgl.
Art. 48 OHG
)
.
1.3
Hilfe nach dem OHG er
hält jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperli
chen, sexuellen oder psychischen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist
(Opfer), und zwar unabhängig davon, ob der Täter oder die Täterin ermittelt wor
den ist, ob sie vorsätzlich oder fahrlässig gehandelt oder ob sie sich schuld
haft ver
halten haben (Art. 1 Abs. 1 und 3 OHG). Dem Opfer werden gemäss Art. 1 Abs. 2
OHG
dessen Ehegatte oder Ehegattin, dessen Kinder und Eltern so
wie an
de
re Personen, die ihm in ähnlicher Weise nahe stehen (Angehörige), gleich
ge
stellt.
1.4
Im Rahmen der Revision des Opferhilfegesetzes bildete die Genugtuung einen der zentralen Punkte. Gemäss der Gesetzesbotschaft des Bundesrates kommt der Genugtuung eine wichtige symbolische Rolle zu, denn mit ihr anerkenne das Gemeinwesen die schwierige Situation des Opfers (Botschaft vom
9.
November 2005 zur Totalrevision des Opferhilfegesetzes,
BBl
2005 7223
Ziff.
2.3.2). Dem
entsprechend hat das Opfer auch nach dem revidierten, am
1.
Januar
2009 in Kraft getretenen Opferhilfegesetz Anspruch auf eine Genugtuung, wenn die Schwere der Beeinträchtigung es rechtfertigt. Die
Art.
47 und 49 des
Obligatio
nenrecht
s (OR
)
sind gemäss
Art.
22
Abs.
1 OHG sinngemäss anwendbar, wie dies bereits nach der Praxis zum
alten Opferhilfegesetzes vom
4.
Oktober
1991, in der bis zum 3
1.
Dezember
2008 geltenden Fassung (
aOHG
),
galt. Ebenso ist die Genugtuung weiterhin nach der Schwere der Beeinträchtigung zu bemessen (
Art.
23
Abs.
1 OHG).
Unter Beeinträchtigung ist dabei, wie im Zivil
recht, die Verletzung der persönlichen Verhältnisse, beziehungsweise das kon
krete Aus
mass des Eingriffes in die Persönlichkeitsrechte zu verstehen (Urteil des Bun
desgerichts 1C_542/2015 vom 2
8.
Januar
2016 E. 3.2; Peter
Gomm
,
Opferhilfe
gesetz
, 3. Aufl., Bern
2009, Art. 23 OHG N 5). Bei der Bestim
mung des Genug
tuungsbetrages sind die subjektive Empfind
lich
keit
der geschä
digten Person so
wie der Umstand zu be
rücksichtigen, auf welche Weise und wie schwerwiegend sie in ihrer beson
deren Situation von der objek
tiven Schädigung getroffen und in ihrer konkreten Lebensführung beeinträch
tigt wird. Die Höhe der Genugtu
ung hängt ent
scheidend von der Art und Schwere der Schädigung beziehungs
weise von der Schwere der Beeinträch
ti
gung als Folge dieser Schädi
gung sowie von der Aussicht ab, durch die Zahlung eines Geld
betrages den körperlichen oder seeli
schen Schmerz spürbar zu lindern (BGE 118 II 410 E. 2a). Weitere Be
mes
sungs
kriterien für die Höhe der Genug
tuung sind die Intensität und Dauer der Aus
wirkungen auf die Persönlichkeit der be
troffe
nen Person.
1.
5
Neu im Vergleich zur Regelung des
aOHG
ist
insbersondere
, dass die Genugtu
ung der Opferhilfe durch Höchstbeträge beschränkt wird. Für das Opfer beträgt sie gemäss
Art.
23
Abs.
2 lit. a OHG höchstens
Fr.
70'000.--, für Angehörige
Fr.
35'000.--. Die Festlegung von Höchstbeträgen führte zu einer klaren Abkop
pelung der opferhilferechtlichen von der zivilrechtlichen Genugtuung. Sie bringt den gesetzgeberischen Willen zum Ausdruck, bei der Bemessung klar tiefer anzusetzen als die zivilrechtliche Praxis (
BBl
2005 7226
Ziff.
2.3.2). Die nach Privatrecht üblicherweise gewährten Beträge können jedoch einen Hinweis darauf geben, welche Beeinträchtigungen höhere
Genugtuungen
rechtfertigen. Der Spielraum bei der Be
messung der Genugtuung im Opferhilferecht ist jedoch deutlich geringer als im Privatrecht (BBl 2005 7226).
1
.
6
Die Entschädigung und die Genugtuung des Opfers können herabgesetzt oder aus
geschlossen werden, wenn das Opfer zur Entstehung oder zur Verschlimme
rung der Beeinträchtigung beigetragen hat (Art. 27 Abs. 1 OHG). Dasselbe gilt für die Entschädigung und die Genugtuung der Angehörigen, wenn diese oder das Opfer zur Entstehung oder zur Verschlimmerung der Beeinträchtigung bei
getragen haben (Art. 27 Abs. 2 OHG).
1.7
Gemäss dem Wortlaut von Art. 27 OHG kann jedes, somit selbst leichtes Mitver
schulden des Opfers einen Herabsetzungsgrund bilden. Diese Regelung ent
spricht
grundsätzlich derjenigen des Haftpflichtrechts (vgl. Art. 44 OR; Charlotte
Schoder
,
Opferhilfeleistungen im Lichte des revidierten Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten vom 23. März
2007, in: AJP 2008 S. 1483-1497, S. 1495),
weshalb bei der Prüfung der Massgeblichkeit des Verhaltens des Opfers im Sinne
von Art. 27 Abs. 1 OHG die Rechtsprechung zum Selbstverschulden im zivilen Haftpflichtrecht zu berücksichtigen ist (Peter
Gomm
, in: Peter
Gomm
/Dominik
Zehntner
, Hrsg., Opferhilfegesetz, 3. Aufl., Bern 2009, Art. 27 OHG N 4).
1.8
Bereits ein leichtes beziehungsweise untergeordnetes Mit
verschulden kann zu einer Reduktion des Genug
tuungsanspruchs führen (vgl. BGE 124 II 8 E. 5c). Dabei muss dem Opfer jedoch immerhin vorgehalten werden können, dass es die in seinem eigenen Interesse aufzuwendende Sorgfalt nicht beachtet, und dass es nicht ge
nügend Sorgfalt und Umsicht zu seinem eigenen Schutz aufge
wendet hat. Vor
werfbar ist dieses Verhalten nur, wenn das Opfer die Mög
lich
keit ei
ner Schädigung voraussehen kann oder könnte und sein Verhalten dieser Vor
aus
sicht nicht anpasst (Urteil des Bundesgerichts 4A_520/2007 vom 31. März
2008
E. 5.3 und 4C.225/2003 vom 24. Februar 2004, E. 5.1 mit Hin
wei
sen). Das Selbs
t
verschulden ist nach einem objektiven Massstab zu beurteilen (BGE 102 II 226 E. 3a). Das tatsächliche Ver
halten des Geschädigten wird ver
glichen mit dem hy
pothetischen Verhalten eines durch
schnittlich sorgfältigen Menschen in der Lage des Geschädigten. In BGE 123 II 210 E. 3bb/ff wurde bei der
Bemes
sung der Genugtuung berück
sichtigt, dass das Opfer an einer rechts
widrigen Demon
stration teilgenommen hatte und deshalb wegen Landfriedens
bruchs und Sach
be
schädigung verurteilt wurde, und dass diese Teilnahme kau
sal für die er
littenen Verletzungen war. In BGE 121 II 369 E. 4c wurde berück
sichtigt, dass sich das Opfer regelmässig in der offenen Drogenszene aufhielt, und dass dieses Ver
halten
zwar nicht die hauptsächliche Ursache der Ver
letzun
gen dar
stellte, aber massgeblich zum Schadenseintritt beigetragen hat.
1.9
Bereits unter Geltung des
aOHG
, welches keine Bestimmung zur Herabsetzung
oder zum Ausschluss
der Genugtuung
enthielt, hat das
Bundesgericht
in BGE
128 II 49 E. 4.3 erwogen, dass es grundsätzlich denkbar sei, dass ein schw
eres Mitverschulden des Opfers, welches nicht einen Unterbruch des
adä
qua
ten Kausal
zusammenhang zwischen der Straftat und dem erlittenen Schaden
zur Folge gehabt
habe, zum Ausschluss des Anspruchs auf eine Genugtuung führen könne („
On
peut
donc
concevoir
que
la
collectivité
publique
soit
exonérée
de
son
devoir
d'assistance
, en
ce
qui
concerne
le
tort
moral
,
envers
une
victime
qui
, par
une
faute
lourde
, a
contribué
à la
survenance
de
l'atteinte
,
alors
même
que
cette
faute
n'est
pas
assez
intense
pour
entraîner
la
rupture
du
lien
de
causalité
adéquate
“). Da das Mitverschulden des Opfers jedoch im kon
kreten Fall nicht eine für einen Ausschluss der Genugtuung genügende Schwere aufgewiesen ha
be, hat das Bundesgericht die Frage nach der Möglichkeit eines Ausschlusses der Genugtuung durch ein schweres, keinen Unterbruch des adä
quaten Kausalzusammenhangs verursachendes Mitverschulden des Opfers offen gelassen.
Demgegenüber
führt ein überwiegendes Mitverschulden des Opfers gemäss
der zivilrechtlichen Grundsätze
bei der Bemessung der Genugtuung nach Art. 47 und 44 OR
seit der in BGE 116 II 734 ff. E. 4f und g vorgenommenen Praxisän
derung grundsätzlich nicht mehr zur Ablehnung des Genugtuungs
anspruchs, sondern nur noch zu dessen Herabsetzung (vgl.
BGE 121 II 373 E. 3c/
aa
und 369
E. 4c und BGE 128 II 49
E. 4.3).
1.10
Im Gegensatz zum alten Recht des
aOHG
enthält das OHG in dessen
Art.
27 eine Bestim
mung zur Herabsetzung und zum
Aus
schluss
der Genugtuung wegen
eines Mitverschulden
s
des Opfers am Schaden.
Gemäss dem Bundesrat (Bot
schaft zur Totalrevision des OHG vom 9. November
2005; BBl 2005 7223) stellt Art. 27 OHG
indes
nicht das Verschulden des Opfers oder
der Angehörigen in den Vordergrund, sondern ihr Verhalten, das zur Entsteh
ung
der Beeinträchti
gung oder zur Verschlimmerung der Folgen bei
getragen
habe, wobei die Opfer
hilfebehörde strenger
als ein Zivil
ge
richt
sein
dürfe
. Als
Her
ab
set
zungs
- oder Ausschlussgrund könne etwa der Umstand in Er
wägung gezogen werden, dass sich das Opfer einer konkreten, über das übli
che Mass hinaus
geh
enden Gefahr ausgesetzt habe, beispielsweise indem es ei
nen besonders gefähr
lichen Sport aus
übte oder dass es nicht alle angesichts der Umstände erforder
li
chen Mass
nahmen getroffen hat, um den Schaden rasch zu verringern (BBl 2005
7231
f.).
2
.
2
.1
Der Beschwerdegegner ging in der angefochtenen Verfügung vom
9.
August 2016 (
Urk.
2) davon aus, dass sich der Beschwerdeführer bewusst in eine Ge
fahrenlage begeb
en habe, als er sich an den Ort
einer tätlichen Auseinanderset
zung zwischen zwei Fangruppen begeben habe. Der Beschwerdeführer, welcher damit habe rechnen müssen, Opfer einer Körperverletzung zu werden
,
habe nicht die erforderliche Sorgfa
lt zu seinem Schutz aufgewendet
. Das
schwere Selbst
verschulden des Beschwerdeführers an dem anlässlich der Straftat erlitte
nen Schaden
schliesse eine Genugtuung aus (S.
3).
2.2
Der Beschwerdeführer bringt hiegegen vor, dass er sich
als Anhänger des GC
mit
weiteren
Anhänger
n dieses Fussballclubs
auf der Strasse
in der Nähe des Fussballstadions
Letzigrund
aufgehalten habe, als Anhänger des FC Lugano aus einem Bus ausgestiegen seien und eine tätliche Auseinandersetzung
zwischen
den
beiden
Fangruppen begonnen hätten. In der Folge habe er sich ungewollt
plötzlich
an vorderster Front der tätlichen Auseinandersetzung befunden. Als er
gerade
einen Anhänger des gegnerischen FC Lugano
um Beendigung der Aus
ein
andersetzung habe ersuchen wollen, sei er von einem anderen Anhänger des FC Lugano mit einer Stange angegriffen und auf den Kopf geschlagen worden. Anschliessend habe er unter starken Kopfschmerzen gelitten, weshalb ein An
spruch auf eine Genugtuung im Betrag von
Fr.
3‘000.-- ausgewiesen sei (
Urk.
1).
3.
3.1
Die Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat hat in dem in Rechtskraft erwachsenen Strafbefehl vom 1
1.
August
2015 (
Urk.
7/1/2) erwogen, dass am
8.
August
2015 im Vorfeld eines Fussballspiels zwischen dem GC und dem FC Lugano Gruppen
rivalisierender
Anhänger
beider
Lager aneinander geraten seien. Dabei hätten die Anhänger der beiden Fussballclubs
mit Fä
usten, Fusstritten und Holzstang
en aufeinander
eingeschlagen
. Während der rund zehn Minuten dauernden, hin und her wogenden tätlichen Auseinandersetzung hätten die beteiligten Lager ab
wechselnd die Rollen als Angreifer und Gejagte eingenommen. An dieser
Aus
einandersetzung habe sich auch
der Täter beteiligt, welcher einen ungefähr zwei Meter langen und zehn Zentimeter dicken Holzpfahl behändigt und damit mehrfach auf die Anhänger des GC eingedroschen habe.
Der Täter habe
anläss
lich eines
solchen Angriff
s
mit dem Holzpfahl auf den Kopf des Beschwerde
füh
rers geschlagen, wodurch dieser zu Fall gekommen
sei
und eine Riss
quetsch
wunde am Kopf erlitten habe (S. 3).
3.2
Anlässlich der polizeilichen Einvernahme vom
8.
August
2015
(
Urk.
7/4/4)
sagte der Beschwerdeführer aus, dass er sich mit anderen Anhängern des GC
in der Nähe des Restaurants Schlachthof
im Umfeld des Stadions
Letzigrund
befunden habe, als
er Rufe beziehungsweise Beschimpfungen („
Zurigo
[v]
af
[f]
anculo
“;
Urk.
1 S. 1)
von
Anhänger
n
des FC Lugano gehört habe
. Anschliessend sei er in
Richtung der Anhänger
des FC Lugano geeilt (S. 1)
. Dabei
sei
er einer Konfron
tation mit Anhängern des FC Lugano nicht abgeneigt gewesen (S.
4).
4.
4.1
Das Bundesgericht hat im Zusammenhang mit dem administrativen Führeraus
weisentzug Grundsätze dazu entwickelt, inwieweit die Verwaltungs- und Straf
behörden gegenseitig an ihre Erkenntnisse gebunden sind. Danach ist die Ver
waltungsbehörde in reinen Rechtsfragen nicht an die Beurteilung durch das Straf
gericht gebunden,
da sie sonst in ihrer freien Rechtsanwendung beschränkt würde (Urteil des Bundesgerichts 1C_45/2007 vom 3
0.
N
ovember
2007 E. 4.3, nicht publiziert
in: BGE 134 II 33). Hingegen darf die Verwaltungsbehörde von den tatsächlichen Feststellungen des Strafgerichts nur abweichen, wenn sie auf
grund eigener Beweiserhebungen Tatsachen feststellt, die dem Strafgericht un
be
kannt waren oder die es nicht beachtet hat, ferner wenn neue
entscheider
hebliche
Tatsachen vorliegen, wenn
die Beweiswürdigung des Strafgerichts fest
stehenden Tatsachen klar widerspricht oder wenn das Strafgericht bei der Rechts
anwen
dung auf den Sachverhalt nicht alle Rechtsfragen abgeklärt hat (Urteil
e
des Bundesgerichts 1C_284/2008 vom
1.
April 2009 E. 4.1 und
1C_45/2007
vom 3
0.
November
2007
E.
4.3).
Diese Rechtsprechung gilt sinn
gemäss auch für die
Frage der Bindung der Opferhilfeinstanzen an das in der Sache ergangene Strafurteil (
Urteile des Bundesgerichts 1C_28
4
/2008 vom
1.
April 2009 E. 4 und
1C_45/2007
vom 3
0.
November 2007
E. 4.3)
4.2
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat vom 1
1.
August
2015 (
Urk.
7/1/2) beruht auf eingehenden Sachverhaltsabklärungen und Beweisab
nahmen, insbesondere auf den Protokollen der polizeilichen und staatsanwalt
schaftlichen Einvernahmen des Täters (
Urk.
7/4/2-3) sowie der polizeilichen Einvernahme des Beschwerdeführers (
Urk.
7/4/4). Sodann berücksichtigte die Staatsanwaltschaft
die Aufnahmen der Aussenkameras des Stadion
Letzigrund
, worin die Auseinandersetzung zwischen Anhängern des GC und des FC Lugano vom
8.
August
2015 und die zum Nachteil des Beschwerdeführers verübt
e
Straftat dokumentiert wurde (vgl.
Urk.
7/4/1 S. 2,
Urk.
7/4/3 S. 3). In Bezug auf die Frage nach dem Hergang und den Ablauf der Straftat vom
8.
August
2015 ist vorliegend daher auf die tatsächlichen Feststellungen der Staatsanwaltschaft Zürich - Limmat im Strafbefehl vom 1
1.
August 2015 (
Urk.
7/1/2) abzustellen.
4.3
Nach Gesagtem steht gestützt auf den Strafbefehl der
Staatsanwalt
schaft Zürich
- Limmat vom 1
1.
August
2015 (
Urk.
7/1/2
S. 3
)
fest
, dass
im Vorfeld der Straftat vom
8.
August
2015
Anhänger des
GC
, darunter der Beschwerdeführer,
und
solche
des FC Lugano, darunter der Täter,
mit Fä
usten, Fusstritten und Holz
stang
en aufeinander
einschlugen und abwechselnd
die Rollen als Angreifer und
als
Gejagte
einnahmen, und dass der Beschwerdeführer im Rahmen dieser wechselseitigen Auseinandersetzung vom Täter mit einem
Holzpfahl
am Kopf ver
letzt wurde.
4.4
Demzufolge steht fest, dass der Beschwerdeführer unmittelbar vor der Straftat an einer tätlichen Auseinandersetzung teilgenommen hat, wobei
die
Tatbeteili
gung
des Beschwerdeführers
weit über eine blosse Verteidigung hinausging und insbesondere auch tätliche Angriffe gegenüber gegnerischen Anhängern des FC Lugano umfasste.
Der
Beschwerdeführer, welcher wissen musste, dass er infolge seiner Beteiligung an der fraglichen tätlichen Auseinandersetzung Opfer einer Körperverletzung
hätte werden könn
e
n
, hat seine Schädigung daher billigend in Kauf genommen. Ein durchschnittlich sorgfältiger Mensch in der Lage des Tä
ters hätte nicht an
dieser
tätlichen Auseinandersetzung teilgenommen, sondern hätte sich in sicherem Abstand von dem Ort, wo sich diese zugetragen hat, auf
gehalten. Der Beschwerdeführer hat
folglich
nicht
genügen
d
Sorgfalt zu seinem eigenen Schutz aufgewendet. Darüber hinaus ist vorliegend mit dem
massge
benden
Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerdeführer sich nicht lediglich (
als Unbeteiligter
) am Ort der tät
lichen Auseinandersetzung aufgehalten
hat
, sondern selbst aktiv an tätlichen
Angriffshandlungen mit
wirkte
.
Das Mitverschulden des Beschwerdeführers er
scheint vorliegend daher als besonders schwer, weshalb nicht zu beanstanden ist, dass der Beschwerdegegner in der angefochtenen Verfügung vom
9.
August
2016 (
Urk.
2) davon ausging, dass das Mitverschulden des Beschwerdeführes eine für einen Ausschluss
des Anspruchs auf eine
Genugtuung genügende Schwere aufgewiesen habe und einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Genug
tuung verneinte.
Demzufolge ist die Beschwerde abzuweisen.
Die
Einzelrichter
in
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
X._
-
Direktion der Justiz und des Innern des Kantons Zürich
-
Eidgenössisches Justiz- und Polizeidepartement, Bundesamt für Justiz
4.