# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 47148416-4527-5a5e-83f4-0b67e6ac0ecf
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1970 geborene
X._
(verheiratet und Mutter eines
erwachsenen
Stiefkindes) arbeitete zuletzt als Reinigungsangestellte jeweils teilzeitlich bei der
Z._
AG (bei einem circa 65%-Pensum) und bei der
A._
AG (bei einem circa 15%-Pensum
, Urk. 6/2, Urk. 6/8 u
nd Urk. 6/67 S. 11
).
Am 15. Juni 2018 (Eingangsdatum) meldete sich die Versi
cherte - über die Helsana Versicherungen AG als Krankentaggeldversicherung (Urk. 6/3-4) - bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (Urk. 6/2).
In der Folge tätigte die IV-Stelle medizinische und erwerbliche Abklärungen
und bat
X._
-
nach
entsprechende
m
Hinweis von
Dr.
med.
B._
, FMH für Rheumaerkran
kungen, in seinem Bericht vom 2. Juli 2008 (Urk. 6/11) auf eine
laufende
psychi
atrische Behandlung - um Mitteilung, wer ihr behandelnder Psychiater sei (Urk. 6/13).
Gestützt auf die
telefonische
Angabe der
damaligen Vertreterin der
Versicherten
vom
3.
August 2018
(vgl.
Feststellungsblatt vom
2
3
.
April
2018, Urk. 6/67 S. 3) fordert
e
die IV-Stelle
Dr.
med.
C._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
wiederholt
auf, einen Arztbericht einzureichen (Urk. 6/
23-24, Urk. 6/29). Überdies zog sie die Akten der Helsana bei (Urk. 6/30)
woraus hervorging, dass,
Dr.
med.
D._
, FMH Innere Medizin, speziell Rheumatologie, zuhanden der Helsana am 28. August 2018 seinen Bericht über das tags zuvor durchgeführte Low Level Assessment
erstattet hatte
(Urk. 6/30 S. 10-13).
Daraufhin wurde die Versicherte von der IV-Stelle mehrmals aufgefor
dert, über die anstehende Operation zu informieren und mitzuteilen, ob sie sich noch bei
Dr.
C._
in psychiatrischer Behandlung befinde (Urk. 6/31-32 und Urk. 6/36). Mit Schreiben
vom
2.
Februar 2019
teilte
X._
mit, dass die Operation noch nicht stattgefunden habe und sie deshalb auch nicht b
ei
Dr.
C._
in Behandlung sei (Urk. 6/37). Am 12. März 2019 beant
wortete der behandelnde Hausarzt
Dr.
med.
E._
, Arzt für Allge
meine Medizin FMH, die von der IV-Stelle
gestellten
Fragen (Urk. 6/40-41).
Nach
zweimaliger Aufforderung zur Einreichung eines Arztberichtes (Urk. 6/42-44), reichte die Abteilung für Wirbelsäulenchirurgie und Neurochirurgie der Klinik
F._
nur
die
bereits zuhanden des Hausarztes erstellte Berichte ein (Urk. 6/45
und Urk. 6/50
).
Die Versicherte wurde mit Schreiben der Helsana vom 19. September 2019 darüber informiert, dass ihr Krankentaggeld-Anspruch per 28. Januar 2020 ende (Urk. 6/53).
Nachdem die Versicherte am 6. November 2019 der IV-Stelle
telefonisch
mitgeteilt hatte, dass sie regelmässig bei
Dr.
C._
in Behandlung sei (Urk. 6/58), versuchte diese erneut mehrmals dort einen Arzt
bericht einzuholen (Urk. 6/61, Urk. 6/63).
Nach durchgeführtem
Vorbescheid
verfahren
(
Vorbescheid vom 2
3.
April 2020,
Urk. 6/70,
Eingaben des Rechtsver
treters der Versicherten,
Urk. 6/74-7
5
) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung vom 13. Oktober 2020 eine von Januar 2019 bis Februar 2020 befris
tete ganze Invalidenrente zu (Urk. 6/80 in Verbindung mit Urk. 6/92-98).
2.
Hiergegen erhob
X._
am
16. November 2020
Bes
chwerde und beantragte, es sei ihr unter Aufhebung der angefochtenen Verfügung vom 13. Oktober 2020 eine Invalidenrente nach Massgabe eines vom Gericht festzusetzenden Invaliditätsgrades zuzusprechen; eventuell sei die Sache zu weiteren Abklärungen, insbesondere zur Einholung eines polydisziplinären Gutachtens, zurückzuweisen. In prozessualer Hinsicht ersuchte sie um die Anord
nung eines zweiten Schriftenwechsels
(Urk. 1). Die Beschwerdegegnerin schloss mit Beschwerdeantwort vom
11. Januar 2021
auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5, unter
Beilage ihrer Akten, Urk. 6/1-100
), was der Beschwerdeführerin am 21.
Januar 2021
zusammen mit der Feststellung, dass
die
Anordnung eines zweiten Schriftenwechsels als
nicht
erforderlich erachtet
we
rde
,
mitgeteilt wurde
(Urk. 7)
.
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird - soweit erforderlich - im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestim
mungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungs
rechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche
rungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V
210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
ATSG). Erwerbs
unfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglich
keiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksich
tigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
IVG
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwal
tung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärzt
liche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätig
keiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist (BGE 125 V 256 E. 4). Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 125 V 256 E. 4 mit Hinweisen; AHI 2002 S. 70 E. 4b/cc).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin qualifizierte
die Beschwe
rdeführerin als mutmasslich zu 80 % im Erwerbsbereich und zu 2
0 % im Haushalt tätig und ging in der ange
fochtenen Verfügung vom
13. Oktober 2020
(Urk. 2) gestützt auf
die m
edizini
sche Aktenlage
davon aus, dass der Beschwerdeführerin ab
Januar 2018
keine berufliche Tätigkeit möglich gewesen sei, sich ihr Gesundheitszustand aber inso
weit gebessert habe, dass ihr seit
Dezember 2019
eine angepasste
Tätigkeit
ohne Heben und Tragen von schweren Lasten wieder zu 100
% zumutbar sei. Für die Zeit vom 1.
Januar 2019
(Art. 28 Abs. 1
lit
. b IVG und Art. 29 Abs. 1 IVG) bis
Ende Februar 2020
(Verbesserung ab 1.
Dezember 2019
plus 3 Monate, Art. 88a Abs. 1 habe die Beschwerdeführerin - unter Anwendung der gemischten Methode - demnach Anspruc
h auf eine ganze Invalidenrente. Für
den nachfolgenden Zeit
raum (ab 1.
März 2020)
ermittelte die Beschwerdegegnerin einen
rentenaus
schliessenden
Gesamtinvaliditätsgrad von 0 %.
2.2
Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht,
dass
sie weiterhin in rentenrelevanter Weise in ihrer Arbeit
sfähigkeit eingeschränkt sei. Sie
befinde sich infolge einer diagnostizierten Depression in psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung. Ihr Gesundheitszustand sei nicht ausreichend ermittelt worden, weshalb sich weitere Abklärungen aufdrängten. Unter den gegebenen Umständen erweise sich die Invaliditätsbemessung als bundesrechts
widrig (Urk. 1).
3.
3.1
Dr.
B._
nannte in seinem Bericht vom 2. Juli 2018 (Urk. 6/11) zuhanden der Beschwerdegegnerin als Diagnose mit Auswirku
ng auf die Arbeitsfähigkeit ein
Zervikoradikulärsyndrom
C7 bei Diskushernie C6/7, bis links
foraminal
reichend
,
und erheblicher
rezessaler
Enge für die Wurzel C7 ohne sensomotorischen Defi
zite
. Die Beschwerdeführerin spreche nur gebrochen Deutsch; eine anwesende Dolmetscherin habe mitgeteilt, dass sich die Beschwerdeführerin wegen Depres
sionen in psychiatrischer Behandlung befinde. D
er
als Reinigungsangestellte tätige
n
Beschwerdeführerin sei von ihm vom 30. April bis 30. Juni 2018
eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
attestiert worden. Frühere Arbeitsunfähigkeiten habe
Dr.
E._
_
ausgestellt. Seit Ende Januar 2018 seien bei der Beschwer
deführerin akut Schmerzen im Bereich der oberen BWS links mit Ausstrahlung in den linken Arm aufgetreten. Nach einem Arbeitsversuch anfangs Juni 2018 sei es zu einer erneuten Exazerbation der zervikal links lokalisierten Schmerzen gekommen, welche durch Extension der
Halswirbelsäule (
HWS
)
und Rotation
nach links
provozierbar
seien. Eine Diskushernie habe per se eine günstige Prog
nose. Falls spontan keine Besserung erreicht werden könne, empfehle sich eine operative Dekompression. Inwieweit psychische Faktoren mit
eine Rolle
beim zögerlichen Heilverlauf spielten, könne nicht beurteilt werden.
Bei fehlendem Ansprechen auf die bisherige Behandlung mit Medikamenten, Infiltration und Physiotherapie empfehle sich eine operative Intervention.
Aktuell sei die Beschwerdeführerin arbeitsunfähig. Mit einer Wiedererlangung der Arbeitsfähig
keit könne aber gerechnet werden. Medizinisch-theoretisch wäre eine Tätigkeit in der Grössenordnung von zwei bis vier Stunden zumutbar. Ein erster Arbeits
versuch habe vorzeitig abgebrochen werden müssen. Falls die Beschwerden ausschliesslich auf die Diskushernie zurückzuführen seien und die Diskushernie abgeheilt sei, bestehe keine Behinderung einer Eingliederung. Allenfalls stehe die Psyche einer Eingliederung im Wege.
3.2
Dr.
D._
stellte in seinem zuhanden der Helsana durchgeführten Low Level Assessment vom 28. August 2018 (Urk. 6/30 S. 10-13) als Diagnose mit Auswir
kung auf die Arbeitsfähigkeit ein bisher therapieresistentes C7-Nervenwurze
l
reizsyndrom links bei einer Diskushernie C6/7 linksbetont (
mediolateral
links) mit
foraminaler
Ausdehnung. Aktuell sei die Beschwerdesymptomatik zu
ausgeprägt,
so
dass weder in der angestammten noch in einer leichteren Verweistätigkeit eine Arbeitsfähigkeit zumutbar wäre. Die jetzig
e
attestierte volle Arbeitsunfäh
igkeit sei ausgewiesen. Falls es
zur Operation komme (was aufgrund des Verlaufs und der Befunde anzunehmen sei), werde postoperativ eine Rekonvaleszenz von zwei bis drei Monaten bis zum Wiedererlangen einer Arbeitsfähigkeit notwendig sein. Grundsätzlich sei die Prognose günstig, jedoch könne erst nach Abschluss des postoperativen Verlaufs die Belastbarkeit und damit auch die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit im Reinigungsdienst be
urteilt werden. Bekanntlich sei
en bei HWS-Operationen die Verläufe nicht unproblematisch, die Prädiktoren (auch psychologische) seien wichtig; aufgrund des Gesprächs sei der Eindruck eines guten Mitwirkens gewonnen worden, mit dem ausdrücklichen Willen, wieder beruflich tätig sein zu können, ohne Inkonsistenzen und ohne sichere Hinweise für eine Selbstlimitierung. Dass die Beschwerdeführerin durch die Schmerzen und bisher fehlende Besserung verunsichert w
orden sei, sei nachvoll
ziehbar. Dass der Eingriff erst im Oktober stattfinden würde, sei eine lange Zeit und verschlechtere bei diesem Zustandsbild die Prognose, sodass es wünschens
wert wäre, diesen Eingriff möglichst bald durchführen zu können. Die Beschwer
deführerin stimme dem zu und sei sehr motiviert.
Die Arbeitsfähigkeit in der
angestammten und in einer Verweistätigkeit sei nach Abschluss der postopera
tiven Rehabilitation definitiv zu beurteilen. Bis zu diesem Zeitpunkt sei die Beschwerdeführerin für jede Tätigkeit zu 100 % arbeitsunfähig.
3.3
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Chirurgie, Orthopädische Chirurgie und Traumatologie, vom Regionalen Ärztlichen Dienst (RAD), nannte in seiner Stellung
nahme vom 21. Februar 2019 (Urk. 6/67 S. 4-6) unter Hinweis auf die vorlie
genden Unterlagen als Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit ein Nervenwurzelreizsyndrom C7 linksbetont bei Diskushernie C6/
7.
Weitere Diagnosen seien nicht bekannt. In ihrer bisherigen Tätigkeit als Unterhaltsreinigerin sei die Beschwerdeführerin aufgrund der reduzierten Belast
barkeit und Bewegungseinschränkung
d
er HWS seit dem 29. Januar 2018 zu 100 % arbeitsunfähig.
In der versicherungsmed
izinischen Beurteilung hält Dr.
H._
fest, dass ein Gesundheitsschaden mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit vorliege. Ursächlich sei eine Diskushernie der HWS. Psychische Begleit
faktoren würden vermutet. Die bisherige Therapie sei erfolglos. Eine mehrfach empfohlene und spätestens seit August 2018 geplante Operation sei von der Beschwerdeführerin bisher abgelehnt worden. Zusätzlich könnten psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlungsmassnahmen sinnvoll sein.
Zunächst seien weitere Berichte - bei
Dr.
E._
_
und bei der Klinik
F._
mit Angaben zur Arbeitsfähigkeit - einzuholen.
3.4
Der behandelnde Hausarzt
Dr.
E._
_
beantwortete mit Schreiben vom 12. März 2019 die von der Beschwerdegegnerin gestellten Fragen zum Behand
lungsverlauf (Urk. 6/40-41).
Der
Behandlungsverlauf
sei
sehr protrahiert. Die Beschwerdeführerin sei in der Klinik
F._
in Behandlung, wo eine
Spon
dylodese
empfohlen werde. Für eine Zweitmeinung habe er sie an
Dr.
med.
I._
überwiesen. Diese Ärztin habe eine spezielle Physio
therapie verordnet. Zur Frage der Plausibilität der Arbeitsunfähigkeit sei er der
Meinung
, dass im gegenwärtigen Zustand keine manuelle Arbeit möglich sei.
3.5
Im Bericht der Klinik
F._
vom 16. Mai 2019 (Urk. 6/45 S. 1 f.) zuhanden
Dr.
E._
_
wurde folgende Diagnose aufgeführt: Therapierefraktäres
zervi
kobrachial
e
s
Schmerz- und sensomotorisches Ausfallsyndrom C7 links bei Diskushernie in der Höhe HWK 6/7 bis nach
intraforaminal
reichend mit Affek
tion der Nervenwurzel C7 links bei Status nach Nervenwurzelinfiltration C7 links ohne wesentliche Beschwerdeverbesserung (Mai 2018). Die Beschwerdeführerin
zeige sich in einem invalidisierenden Zustand und deutlicher Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität. Bei Ausschöpfung aller konservativen Massnahmen sei die Indikation zur Diskektomie mit ACDF in der Höhe HWK 6/7 gegeben.
3.6
Im Sprechstundenbericht vom 10. Septem
ber 2019 (Urk. 6/50) zuhanden Dr.
E._
_
hielt die Klinik
F._
folgende Hauptdiagnosen fest:
-
Status nach
a
nteriore
r
z
ervikale
r
Diskektomie und Fusion C6/7 am 8. Juli
2019 mit/bei:
-
Zervikobrachiales
Schmerz-/sensomotorisches Ausfallsyndrom C7
links bei Diskushernie in der Höhe HWK 6/7
-
Volumiger
Diskushernia
tion
HWK 6/7 bis nach
intraform
inal
reichend
mit Affektion der Nervenwurzel C7 links
-
Status nach Nervenwurzelinfiltration C7 links ohne wesentliche
Beschwerdeverbesserung
Die Beschwerdeführerin habe sich mit einem sehr erfreulichen Verlauf mit Rück
bildung der präoperativen Beschwerden und aktuell intaktem neurologischen Status präsentiert. Radiologisch zeige sich ein regelrechter postoperativer Verlauf. Aus diesem Grund werde die
Beschwerdeführerin
sogleich
mit Physiotherapie beginnen.
Nach Abschluss der Rehabilitation werde sie ihre Arbeit
wieder aufnehmen
.
3.7
RAD-Arzt
Dr.
H._
führte in seiner Stellungnahme vom 31. Oktober 2019 (Urk. 6/67 S. 7-9) folgende Diagnose mit dauerhafter Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit auf:
-
Zervikobrachiales
Schmerz- und sensomotorisches Ausfallsyndrom C7
links bei
-
Diskushernie C6/7 mit Affektion der Nervenwurzel C7
-
Status nach Diskektomie und Fusion C6/7 am 8. Juli 2019
Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit verbleibe ein Verdacht auf eine Anpas
sungsstörung mit depressiver Reaktion. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer bisherigen Tätigkeit als Unterhaltsreinigerin seit dem 29. Januar 2018 zu 100 % arbeitsunfähig. Dies aufgrund einer reduzierten Belastbarkeit und Bewegungs
einschränkung der HWS sowie einer Funktionsbeeinträchtigung des linken Armes.
Das Belastungsprofil sieht Folgendes vor: Tätigkeiten mit Heben oder Tragen von mittelschweren und schweren Lasten, Verharren in Zwangshaltungen, repetitive Rumpfdrehungen oder HWS-Rotationen sowie überwiegende Über
kopfarbeiten oder Armvorhalte
seien nicht geeignet. Leichte
und mittelschwere Tätigkeiten in Wechselbelastung mit der Möglichkeit zum Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen seien medizinisch zumutbar. Vom 29. Januar 2018 bis 1. Oktober 2019 sei die Beschwerdeführerin aber auch i
n einer angepassten Tätigkeit
zu 100 % arbeitsunfähig gewesen. Eine weitere Verbesserung sei möglich. Als weitere medizinische Massnahme seien Physiotherapie und eine
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung empfohlen. Durch das
zerviko
brachiale
,
radikuläre
Schmerzsyndrom sei die Arbeitsfähigkeit nachvollziehbar eingeschränkt. Die
Beschwerden
hätten sich nach der Operation erhebl
i
ch verbes
sert. Im letzten fachärztlichen Bericht
vom 10. September 2019 würden
keine wesentlichen funktionellen Einschränkungen und subjektive Beschwerdefreiheit festgestellt.
Deshalb könne nach Abschluss d
er Reha-Massnahmen spätestens ab Dezember 2019 aus somatischer Sicht eine 100%ige
Arbeitsfähigkeit
zumindest in einer angepassten Tätigkeit erwartet werden.
Ob die körperlich belastende angestammte Tätigkeit wieder in vollem Pensum möglich sein werde, bleibe abzuwarten. Nach Wegfall der Belastungssituation könne mit einer Besserung der psychischen Symptomatik gerechnet werden. Es seien sowohl ein psychiatrischer als auch ein orthopädischer Bericht einzuholen.
3.8
Im Sprechstundenbericht vom
22. Januar 2020 (Urk. 6/64 S. 10 f.
) zuhanden Dr.
E._
_
wiederholte
die Klinik
F._
die im Bericht vom 10. September 2019 genannten Hauptdiagnosen. Die Beschwerdeführerin
b
erichte
über manchmal Schmerzen im Bereich der rechten Hüfte ohne eindeutige Ausstrahlung sowie über eine Schwellung in beiden Beinen, wenn sie mehr
gehe
, was dazu führe, dass sie sich manchmal müde fühle und eine diesbezügliche Abklärung wünsche.
Das MRI der LWS vom 4. Dezember 2019
zeige keine Hinweise auf eine eindeutige Pathologie der Wirbelsäule, die die Beschwerden der Beschwerdeführerin erklären könnten. Aus diesem Grund und in Zusammenhang mit den Schmerzen im Bereich der Hüfte sei die Beschwerdeführerin von der Hüftchirurgie aufzubieten. Ausserdem sei eine allfällige kardiologische Ursache oder periphere Verschlusskrankheit, welche die Schwellung in den Beinen und die Müdigkeit der Beschwerdeführerin erklären könnten
,
abzuklären.
3.9
Im Bericht der Klinik
F._
vom 17. Februar 2020 (Urk. 6/64) zuhanden der Beschwerdegegnerin wurde bei gleichlautenden Diagnosen ein verbesserter Gesundheitszustand festgestellt. Die Beschwerdeführerin sei in ihrer bisherigen Tätigkeit als Raumreinigun
gskraft im Kino tätig gewesen. E
ine angepasste Tätig
keit wäre im Sekretariat, wobei weder der zeitliche Umfang noch das Ressourcen
profil oder die Verminderung der Leistungsfähigkeit beurteilt werden könnten.
Die Arbeitsfähigkeit könne durch medizinische Massnahmen nicht verbessert werden. Für Massnahmen der Wiedereingliederung im Umfang von mindeste
n
s 2 Stunden
pro
Tag bestehe eine
B
elastbarkeit, sofern die
Beschwerdeführerin
keine schweren Objekte tragen müsse. Die Motivation der Beschwerdeführerin liege bei 8 von 1
0.
Die Krankheit aufrechterhaltende Faktoren könnten nicht beurteilt werden. Eine bessere Evaluation könne allenfalls vom Hausarzt oder vom Psychiater gemacht werden.
4.
4.1
Einig sind sich die Parteien darin,
dass die Arbeitsunfähigkeit der
Beschwerde
führerin
in der bisherigen Tätigkeit als Reinigungskraft
1
00 % beträgt (vorste
hend E. 2).
4.2
Bei der Beantwortung der umstrittenen Frage nach der Verweistätigkeit und dem dort möglichen Pensum
aus somatischer Sicht
stützt sich die Beschwerdegegnerin einzig auf die Einschätzung
ihrer Kundenberatung vom 22. April 2020 (Urk. 6/67 S. 10)
, welche
unter Verweis auf den Bericht der Klinik
F._
vom 17. Feb
ruar 2020 festhält, dass bei der Beschwerdeführerin spätestens seit
diesem
Zeit
punkt
eine Belastbarkeit für Tätigkeiten ohne Heben und Tragen von schweren Objekten bestehe (vgl. E. 3.8). Da auch der RAD in seiner letzten Stellungnahme davon ausgegangen sei, dass ab Dezember 2019 eine angepasste Tätigkeit wieder zu 100 % zumutbar sein müsste, sei demnach sicherlich ab dem 17. Februar 2020 eine solche Verweistätigkeit zu 100 % möglich; entsprechend sei eine weitere Anfrage an den RAD nicht nötig (Urk. 6/67 S. 10). Dabei verkennt die Beschwer
degegnerin
, dass RAD-Arzt
Dr.
H._
in seiner Stellungnahme vom 21. Februar 2019 (vgl. E.
3.3
) explizit die Einholung eines wirbelsäulenchirurgischen Behand
lungsberichtes inklusive Angaben zur Arbeitsfähigkeit verlangte und am 31. Oktober 2019 lediglich prognostisch festhielt, dass nach Abschluss der Reha-Massnahmen aus somatischer Sicht zumindest in einer angepassten Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erwartet werden könne, ein Verlaufsbericht zu deren Beurteilung aber nötig sei (vgl. E.
3.7
).
Ein solcher vom RAD-Facharzt geforderter Bericht, welcher auch in Bezug auf eine mögliche Arbeitsfähigkeit in einer ange
passten Tätigkeit aussagekräftig ist, liegt aber nicht vor.
Hinzu kommt, dass sich die von der Kundenberatung beigezogene Feststellung im Bericht der Klinik
F._
vom 17. Februar 2020 hinsichtlich einer (wieder) gegebenen - beschränkten - Belast
barkeit nur auf Massnahmen der Wiedereingliederung im Umfang von mindes
tens 2 Stunden pro Tag bezieht (vgl. Ziff. 4.
2 von Urk. 6/64 S. 3 und S. 5).
Nicht nur
ist
aufgrund der vorliegenden medizinischen Aktenlage nicht beurteil
bar, ob sich die sie einschränkenden Beschwerden der Beschwerdeführerin an der LWS insoweit gebessert
haben
, dass sie in einer angepassten Tätigkeit zumindest teilweise wieder arbeitsfähig wäre, sondern es ist gestützt auf den Bericht der Klinik
F._
vom 22. Januar 2020
auch
davon auszugehen, dass neu Hüft
schmerzen sowie Schwellungen der Beine und Müdigkeit hinzugetreten sind
, welche fachärztlich - unter anderem kardiologisch und hüftchirurgisch - weiter abzuklären sind
(vgl. E.
3.8
).
Zudem steht die Beschwerdeführer offenbar
wegen einer depressiven Problematik
schon seit geraumer Zeit bei
Dr.
C._
in psychiatrischer Behandlung, wenngleich bisher kein einziger Bericht bei ihm eingeholt werden konnte
(vgl. hierzu Sach
verhalt E. 1)
.
Ob eine wie von RAD-Arzt
Dr.
H._
- fachfremd - vermutete Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion gegeben ist, lässt sich ohne psychi
atrische Einschätzung nicht beurteilen. Da wie zuvor dargelegt, auch die soma
tischen Gesundheitsbeeinträchtigungen der Beschwerdeführerin nicht abschlies
send beurteilbar sind, kann
von vornherein
der Schlussfolgerung der Kunden
beratung, wonach mit der Behebung der somatischen Beschwerden an der LWS auch die damit im Zusammenhang stehende Depression weggefallen sei (vgl. Urk. 6/67 S. 10), nicht gefolgt werden.
Vielmehr besteht weiterer Abklä
rungsbedarf bezüglich der Leistungseinschränkungen und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit. Mithin ist die Sache zur Abklärung des Gesundheitszustands und deren Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen.
In diesem Zusammenhang sei auf die Auskunftspflicht unter anderem der Ärztinnen und Ärzte nach
Art.
28
Abs.
3 ATSG und auf den Straf
tatbestand der Auskunftsverweigerung gemäss
Art.
88
Abs.
1 AHVG in Verbin
dung mit
Art.
70 IVG hingewiesen.
5
.
Zusammenfassend ist der medizinische Sachverhalt ungenügend erstellt. Es
sind
von der Beschwerdegegnerin
weitere Abklärungen
zu veranlassen.
Die angefochtene Verf
ügung vom 13. Oktober 2020
(Urk. 2) ist
daher
aufzuheben und die Sache zur weiteren Abklärung an die Beschwerdegegnerin zurückzu
weisen. Demzufolge ist die Beschwerde im Sinne des entsprechenden Eventualan
trags gutzuheissen.
6
.
6
.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
6
.2
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung sowohl für die Frage der Auferlegung der Gerichtskosten wie auch der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis), weshalb
die
vertretene Beschwerdeführer
in
Anspruch auf eine Prozess
entschädigung hat.
In Anwendung dieser Kriterien ist die Parteientschädigung vorliegend
auf
Fr. 1‘2
00.
— (inklusive
Mehrwertsteuer und Barauslagen) festzusetzen und ausgangs
gemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.