# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1d066b21-1d31-4bb2-960c-673d62f0f321
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ B.R., geb. 1978, wurde am 7. Mai 2009, um 22.08 Uhr, von der Stadtpolizei Zürich
als Fussgänger an der Zwinglistrasse 33 in Zürich im Anschluss an eine Übergabe von
0,4 Gramm Kokain kontrolliert und wegen Besitzes und Konsums von Kokain beim
Stadtrichteramt Zürich verzeigt. Gemäss Polizeirapport gab er an, seit fünf bis acht
Jahren Kokain zu konsumieren. Das Strassenverkehrsamt des Kantons St. Gallen
eröffnete gegen B.R. am 6. Juli 2009 ein Administrativverfahren, verbot ihm vorsorglich
das Führen von Motorfahrzeugen und stellte die Anordnung einer
verkehrsmedizinischen Untersuchung in Aussicht. Gegen den vorsorglichen Entzug des
Führerausweises erhob B.R. Rekurs, der vom Abteilungspräsidenten der
Verwaltungsrekurskommission mit Entscheid vom 16. Oktober 2009 gutgeheissen
wurde.
Mit Verfügung vom 2. September 2009 ordnete das Strassenverkehrsamt die
Begutachtung von B.R. durch die verkehrsmedizinische Abteilung des Instituts für
Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen an. Einem allfälligen Rekurs gegen diese
Anordnung wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
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B./ Gegen die Verfügung vom 2. September 2009 erhob B.R. durch seinen
Rechtsvertreter mit Eingabe vom 17. September 2009 Rekurs bei der
Verwaltungsrekurskommission mit dem Antrag, dem Rekurs sei aufschiebende
Wirkung zu gewähren und die angefochtene Verfügung sei aufzuheben. Mit Verfügung
vom 18. Dezember 2009 erteilte der zuständige Abteilungspräsident dem Rekurs die
aufschiebende Wirkung. Mit Entscheid vom 29. April 2010 wies die
Verwaltungsrekurskommission den Rekurs ab. Sie erwog, die aktuelle
verkehrsmedizinische Lehre empfehle allein beim Konsum einer der in Art. 2 Abs. 2 der
Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11, abgekürzt VRV) genannten Substanzen,
insbesondere auch bei Kokain, eine Fahreignungsbegutachtung. Gemäss dem der
Verurteilung zugrundeliegenden Polizeirapport konsumiere der Rekurrent nach eigenen
Angaben seit fünf bis acht Jahren jährlich rund 6 Gramm Kokain. Unmittelbar vor der
Festnahme an einem Donnerstagabend um 22.08 Uhr habe er eine Portion von 0,4
Gramm Kokain erworben. Danach habe er angegeben, letztmals am vergangenen
Wochenende Kokain konsumiert zu haben. Dies deute zumindest auf einen
wöchentlichen Konsum hin. Daraus sei zu schliessen, dass der Rekurrent nicht nur in
besonderen Einzelfällen, sondern seit mehreren Jahren mehr oder weniger regelmässig
Kokain konsumiere. Damit bestünden mit Blick auf die aktuelle verkehrsmedizinische
Lehre und die Verwaltungspraxis ausreichende Anhaltspunkte für einen Kokainkonsum
des Rekurrenten, der eine spezialärztliche Abklärung seiner Fahreignung rechtfertige.
C./ Mit Eingabe seines Rechtsvertreters vom 26. Mai 2010 erhob B.R. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Entscheid der
Verwaltungsrekurskommission vom 29. April 2010 sei aufzuheben. Zur Begründung
wird vorgebracht, es sei bereits vor Vorinstanz darauf hingewiesen worden, dass der
Beschwerdeführer nicht für einen seit fünf bis acht Jahren stattfindenden Konsum von
jährlich 6 Gramm Kokain, sondern, wie der Verfügung des Stadtrichters vom 15. Juli
2009 unschwer entnommen werden könne, wegen Besitz' und Konsums von
0,4 Gramm Kokain mit Fr. 300.-- gebüsst worden sei. Darüber hinaus sei darauf
hinzuweisen, dass sich ein allenfalls seit fünf bis acht Jahren stattfindender Konsum
ohnehin nicht mit einem Gutachten nachweisen liesse, da sich die heutigen
Analysemethoden im Maximum auf wenige Monate beschränkten. Bei dieser
Ausgangslage sei die in Aussicht gestellte Begutachtung völlig unverhältnismässig.
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Die Vorinstanz beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 14. Juni 2010 unter Hinweis

## Considerations

auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid die Abweisung der Beschwerde.
Das Strassenverkehrsamt hat auf eine Vernehmlassung verzichtet.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (BGE 1C_346/2009
vom 6. November 2009). Der Beschwerdeführer ist zur Ergreifung des Rechtsmittels
legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die Beschwerdeeingabe vom
26. Mai 2010 wurde rechtzeitig eingereicht und enthält einen Antrag, eine Darstellung
des Sachverhalts und eine Begründung (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1
und Art. 48 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Führerausweise sind zu entziehen, wenn festgestellt wird, dass die gesetzlichen
Voraussetzungen zur Erteilung nicht oder nicht mehr bestehen (Art. 16 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Strassenverkehr, SR 741.01, abgekürzt SVG). Wegen
fehlender Fahreignung wird einer Person der Führerausweis auf unbestimmte Zeit
entzogen, wenn sie an einer Sucht leidet, welche die Fahreignung ausschliesst
(Art. 16d Abs. 1 lit. b SVG). Da ein Sicherungsentzug tief in den Persönlichkeitsbereich
des Betroffenen eingreift, ist nach der Rechtsprechung in jedem Fall und von Amtes
wegen eine genaue Abklärung der persönlichen Verhältnisse vorzunehmen. Das
Ausmass der notwendigen behördlichen Nachforschungen, namentlich die Frage, ob
ein medizinisches Gutachten eingeholt werden soll, richtet sich nach den Umständen
des Einzelfalls und liegt im pflichtgemässen Ermessen der Entzugsbehörde.
2.1. Die gesetzlichen Grundlagen für die Anordnung einer verkehrsmedizinischen
Untersuchung bei hinreichenden Anhaltspunkten für das Vorliegen einer die
Fahreignung ausschliessenden Sucht sind unbestritten. Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts ist die Anordnung einer verkehrsmedizinischen Untersuchung als
selbständig anfechtbare Verfügung zu qualifizieren (vgl. statt vieler BGer 6A.65/2002
vom 27. November 2002). Die Vorinstanz hat die massgebenden Vorschriften und die
rechtlichen Grundsätze ausführlich und zutreffend mit Hinweisen auf die
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bundesgerichtliche Rechtsprechung dargelegt (E. 2 a, b). Es kann vollumfänglich auf
die entsprechenden Ausführungen verwiesen werden (vgl. auch BGer 1C_98/2007 vom
13. September 2007 mit Hinweisen).
2.2. Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid ausführlich dargelegt, dass bei
dem vom Beschwerdeführer angegebenen Konsum von Kokain während fünf bis acht
Jahren bzw. den Hinweisen auf einen wöchentlichen bzw. mehr oder weniger
regelmässigen Konsum von Kokain im Hinblick auf die aktuellen verkehrsmedizinischen
Erkenntnisse hinreichende Anhaltspunkte vorliegen, welche eine spezialärztliche
Abklärung der Fahreignung rechtfertigen. Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, er
sei lediglich wegen Besitz und Konsum von 0,4 Gramm Kokain mit Fr. 300.-- gebüsst
worden. Dies trifft zu, doch ist nicht allein entscheidend, welcher Tatbestand der
strafrechtlichen Verurteilung vom 15. Juli 2009 zugrunde lag. Die Vorinstanz stützte
sich nicht nur auf denjenigen Sachverhalt, der Grundlage der Verurteilung des
Beschwerdeführers bildete, sondern auch auf dessen Angaben gegenüber der Polizei,
die im entsprechenden Rapport festgehalten wurden. Der Beschwerdeführer bestreitet
nicht, dass er seit fünf bis acht Jahren mit einer gewissen Regelmässigkeit Kokain
konsumiert. Insbesondere behauptet er auch nicht, die Polizei habe seine Aussagen
unrichtig protokolliert oder er habe die protokollierten Aussagen gegenüber der Polizei
gar nicht gemacht. Der Beschwerdeführer hat denn auch das Protokoll vorbehaltlos
unterzeichnet. Er behauptet im übrigen auch nicht, dass sich die Vorinstanz
ausschliesslich auf jenen Sachverhalt hätte stützen dürfen, der der rechtskräftigen
Verurteilung zugrundelag. Nachdem gegen den Beschwerdeführer ein
Administrativmassnahmeverfahren eingeleitet wurde, hat die Behörde den Sachverhalt
umfassend abzuklären. Dabei spielt es keine ausschlaggebende Rolle, ob sich ein
jahrelanger regelmässiger Kokainkonsum mit einem Gutachten nachweisen lässt oder
nicht. Im Rahmen der verkehrsmedizinischen Untersuchung wird der Beschwerdeführer
persönlich befragt werden, und aus diesen Aussagen können Hinweise auf seine
Konsumgewohnheiten gewonnen werden. Zutreffend weist die Vorinstanz im übrigen
darauf hin, dass nach der aktuellen verkehrsmedizinischen Beurteilung eine
Begutachtung der Fahreignung bei Kokainkonsum oder beim Konsum anderer
Substanzen, die in Art. 2 Abs. 2 VRV in der sogenannten Nulltoleranzliste erwähnt sind,
empfehlenswert ist (vgl. R. Schaffhauser [Hrsg.], Jahrbuch zum Strassenverkehrsrecht,
St. Gallen 2009, S. 34).
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2.3. Im übrigen sind mit einer verkehrsmedizinischen Untersuchung keine
schwerwiegenden Eingriffe in die körperliche Integrität und in die Persönlichkeitsrechte
verbunden. Schwere Eingriffe werden in der Beschwerde denn auch nicht geltend
gemacht.
2.4. Nach dem Gesagten durfte die Vorinstanz die Verhältnismässigkeit der
angeordneten Untersuchung ohne Rechtsverletzung bejahen. Folglich ist die
Beschwerde als unbegründet abzuweisen.
3. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zu Lasten des Beschwerdeführers (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Art. 13 Ziff. 622 Gerichtskostentarif,
sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss in gleicher Höhe ist zu verrechnen.
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht