# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5d3a81ea-3ee6-4e2d-a344-efcd21a92f06
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1968 geborene X._, welche in ihrem Heimatland gemäss eigenen Angaben eine einjährige Ausbildung zur Chemielaborantin absolviert hatte (Urk. 10/48/1 und Urk. 10/69/10), reiste 1996 in die Schweiz ein und war ab 2001 bei Y._ als Produktionsmitarbeiterin vollzeitlich erwerbs
tätig. Die Versicherte ist
Mutter zweier in den Jahren 1989 und 1999 geborener Kinder
und meldete sich
am 30. September 2014 (Eingangsdatum) unter Hinweis auf eine seit 12 Jahren bestehende Fibromyalgie bei der Sozialversicherungsan
stalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenver
sicherung an (Urk. 10/2, Urk. 10/7 und Urk. 10/9). Die IV-Stelle tätigte beruflich-erwerbliche sowie medizinische Abklärungen und teilte der Versicherten am 5. Dezember 2014 mit, berufliche Massnahmen (insbesondere eine Arbeitsplatz
erhaltung) seien derzeit nicht notwendig, da keine langfristige Krankschreibung vorliege und nicht mit der Kündigung des Arbeitsplatzes gerechnet werde (Urk. 10/16). Mit Vorbescheid vom 28. September 2015 kündigte die IV-Stelle der Versicherten an, das Leistungsbegehren abzuweisen (Urk. 10/28), wogegen die Versicherte mit Eingabe vom 28. Oktober 2015 Einwand erhob (Urk. 10/34). Mit Eingabe vom 1. Dezember 2015 ergänzte die Versicherte ihren Einwand (Urk. 10/38). Die IV-Stelle tätigte weitere medizinische Abklärungen und veran
lasste eine polydisziplinäre Begutachtung der Versicherten (Auftrag vom 20. Juli 2016 [Urk. 10/63]). Die MEDAS Z._ erstattete das Gutachten am 2. Dezember 2016 (Urk. 10/69). Am 14. Dezember 2016 bat die IV-Stelle die MEDAS Z._ um Ergänzung des Gutachtens (Urk. 10/70), woraufhin der begutachtende Psychiater mit Schreiben vom 3. Januar 2017 (Urk. 10/71) Stellung nahm. Die Versicherte äusserte sich am 18. April 2017 zum Gutachten (Urk. 10/78), und die IV-Stelle wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 15. Mai 2017 ab (Urk. 2 [= Urk. 10/80]).
2.
Dagegen erhob die Versicherte mit Eingabe vom 14. Juni 2017 Beschwerde und beantragte, die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es sei ihr eine Inva
lidenrente zuzusprechen; eventuell sei ein Gerichtsgutachten einzuholen (Urk. 1). Mit Beschwerdeantwort vom 29. August 2017 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 9), was der Beschwerdeführerin mit Verfü
gung vom 30. August 2017 mitgeteilt wurde (Urk. 11).

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts [ATSG])
.
Sie kann Folge von Geburts
gebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[
IVG
]
).
Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgegliche
nen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beein
trächtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.1.2
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychi
schen Beeinträchtigungen zu prüfen,
ob ein psychischer Gesundheitsschaden mit Krankheitswert besteht, welcher
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbseinkommen zu erzielen (
vgl.
BGE
139 V 547
E. 5
,
131 V 49
E. 1.2
,
130 V 352
E. 2.2.1
; vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E. 5.4).
Die Annahme
eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt
eine psychiatrische,
lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (
vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2,
141 V 281 E. 2.1
, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6
). Eine fachärztlich
einwandfrei
festgestellte psychische Krankheit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausge
wiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die
nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende
Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arb
eitsleistung zu erbringen (BGE 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7,
139 V 547 E. 5.2
, 127 V 294 E. 4c, je mit Hinweisen; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG
).
1.1.3
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunfts
ängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Einzelfall in den Vorder
grund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische Beschwerdebild nicht einzig in Beeinträch
tigungen, welche von den belastenden soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psychiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturel
len Belastungssituation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind unabdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklä
rung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigentli
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen ver
selbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungsgrad sei
ner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehenden – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar invaliditätsbegründend auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
Daran, dass ein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst, ändert auch die neue Rechtsprechung nichts (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1 mit Hinweis).
1.1.4
Gemäss
der Rechtsprechung des Bundesgerichts kann die ärztliche Arbeitsfähig
keitsschätzung, zumindest ohne einlässliche Befassung mit den spezifischen nor
mativen Vorgaben und ohne entsprechende Begründung, zwar den rechtlich geforderten Beweis des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit (Art. 7 Abs. 2 ATSG)
nicht erbringen, weil sie weitgehend vom Ermessen des medizinisch-psychiatri
schen Sachverständigen abhängt. Die medizinische Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit ist aber eine wichtige Grundlage für die
anschliessende
juristische Beur
teilung der Frage, welche Arbeitsleistung der versicherten Person noch zugemutet werden kann (BGE 140 V 193 E. 3.2). Dabei gilt, dass die versicherte Person als grundsätzlich gesund anzusehen ist und sie ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen kann (vgl. BGE 141 V 281 E. 3.7.2). Hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsfä
higkeit haben sich sowohl die medizinischen Sachverständigen als auch die Organe der Rechtsanwendung bei ihrer Einschätzung des Leistungsvermögens an den normativen Vorgaben zu orientieren; die Gutachter im Idealfall
gemäss
der entsprechend formulierten Fragestellung (BGE 141 V 281 E. 5.2). Die Rechtsan
wender prüfen die medizinischen Angaben frei insbesondere daraufhin, ob die Ärzte sich an die
massgebenden
normativen Rahmenbedingungen gehalten haben und ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit
schliessen
lassen (BGE 143 V 418 E. 6). Im Rahmen der Beweiswürdigung obliegt es den Rechts
anwendern zu überprüfen, ob in
concreto
ausschliesslich
funktionelle Ausfälle bei der medizinischen Einschätzung berücksichtigt wurden und ob die Zumutbar
keitsbeurteilung auf einer objektivierten Grundlage erfolgte (BGE 141 V 281 E. 5.2.2; Art. 7 Abs. 2 ATSG). Es soll keine losgelöste juristische Parallelüberprü
fung nach
Massgabe
des strukturierten Beweisverfahrens stattfinden (BGE 141 V 281 E. 5.2.3; vgl. auch Andreas Traub, in: Ueli Kieser [Hrsg.], Sozial
versicherungsrechtstagung 2016, S. 142
Ziff.
3.3.3), sondern im Rahmen der Beweiswürdigung überprüft werden, ob die funktionellen Auswirkungen medizi
nisch anhand der Indikatoren schlüssig und widerspruchsfrei festgestellt wurden und somit den normativen Vorgaben Rechnung tragen (BGE 141 V 281 E. 6; Urteil des Bundesgerichts 8C_260/2017 vom 1. Dezember 2017 E. 4.2.4). Ent
scheidend bleibt letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung, welche im Rahmen des Sozialversicherungsrechts
abschliessend
nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann. Nach BGE 141 V 281 kann somit der Beweis für eine lang andauernde und erhebliche gesundheitsbedingte Arbeitsun
fähigkeit nur dann als geleistet betrachtet werden, wenn die Prüfung der
mass
geblichen
Beweisthemen im Rahmen einer umfassenden Betrachtung ein stimmi
ges Gesamtbild einer Einschränkung in allen Lebensbereichen (Konsistenz) für die Bejahung einer Arbeitsunfähigkeit zeigt. Fehlt es daran, ist der Beweis nicht geleistet und nicht zu erbringen, was sich nach den Regeln über die (materielle) Beweislast zuungunsten der rentenansprechenden Pers
on auswirkt (BGE 144 V 50 E. 4.3, 143 V 418 E. 6
).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
1.3.1
Das Sozialversicherungsgericht hat den Sachverhalt von Amtes wegen festzustel
len und alle Beweismittel objektiv zu prüfen, unabhängig davon, von wem sie stammen, und danach zu entscheiden, ob sie eine zuverlässige Beurteilung des strittigen Leistungsanspruches gestatten. Insbesondere darf es beim Vorliegen einander widersprechender medizinischer Berichte den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht auf die andere medizinische These abstellt (ZAK 1986 S. 188 E. 2a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Gutachtens ist im Lichte dieser Grundsätze entscheidend, ob es für die Beantwortung der gestell
ten Fragen umfassend ist, auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen beruht, die geklagten Beschwerden berücksichtigt und sich mit diesen sowie dem Verhalten der untersuchten Person auseinander setzt – was vor allem bei psychi
schen Fehlentwicklungen nötig ist –, in Kenntnis der und gegebenenfalls in Aus
einandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden ist, ob es in der Darlegung der medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtet, ob die Schlussfol
gerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die rechtsanwendende Person sie prüfend nachvollziehen kann, ob der Experte oder die Expertin nicht auszuräumende Unsicherheiten und Unklarheiten, welche die Beantwortung der Fragen erschweren oder verunmöglichen, gegebenenfalls deut
lich macht (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c; Ulrich Meyer, Die Rechtspflege in der Sozialversicherung, BJM 1989, S. 30 f.; derselbe in: Hermann
Fredenhagen
, Das ärztliche Gutachten, 4. Auflage 2003, S. 24 f.).
1.3.2
Übergangsrechtlich ist bedeutsam, dass die vor der Rechtsprechungsänderung eingeholten Gutachten nicht einfach ihren Beweiswert verlieren. Vielmehr ist im Rahmen einer gesamthaften Prüfung des Einzelfalls mit seinen spezifischen Gegebenheiten und den erhobenen Rügen entscheidend, ob ein
abschliessendes
Abstellen auf die vorhandenen Beweisgrundlagen vor Bundesrecht standhält (BGE 141 V 281 E. 8 unter Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 6). Mithin ist im kon
kreten Fall zu klären, ob die beigezogenen Gutachten
–
allenfalls zusammen mit weiteren fachärztlichen Berichten
–
eine schlüssige Beurteilung anhand der
mass
-
Indikatoren erlauben oder nicht. Je nach Abklärungstiefe und -dichte kann zudem unter Umständen eine punktuelle Ergänzung genügen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 5.2.2 und 8C_300/2017 vom 1. Februar 2018 E. 4.2).
2.
2.1
In der angefochtenen Verfügung vom 15. Mai 2017 (Urk. 2) erwog die Beschwer
degegnerin, die fachärztlich gestellten Diagnosen hätten keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zur Folge. Es liege ein vorübergehendes Leiden vor. Leicht- bis mittelgradige Störungen würden sich in der Regel unter einer Therapie bessern. Es hätten zudem Widersprüche betreffend die Medikamenteneinnahme und das Schmerzverhalten festgestellt werden können. Die Beschwerdeführerin verfüge über einige Ressourcen, welche ihr die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit erleich
terten.
2.2
Demgegenüber wandte die Beschwerdeführerin in ihrer Beschwerde vom 14. Juni 2017 im Wesentlichen ein (Urk. 1), das MEDAS-Gutachten sei schlüssig und es könne darauf abgestellt werden.
3.
3.1
Im polydisziplinären MEDAS-Gutachten vom 2. Dezember 2016, welches auf internistischen, rheumatologischen und psychiatrischen Untersuchungen basiert, wurden die folgenden Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit gestellt (Urk. 10/69/17):
-
Chronische Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41)
-
Mittelgradige depressive Episode mit ausgeprägtem somatischem Syn
drom, chronifiziert (ICD-10 F32.11)
Als Diagnosen ohne wesentliche Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit, aber mit Krankheitswert wurden genannt (Urk. 10/69/17):
-
Pseudohalbseitensyndrom rechts (Oberflächensensibilität)
-
Fibromyalgiformes
Ganzkörperschmerzsyndrom
-
Diffuse idiopathische
Spondylosis
hyperostotica
(Ganzkörper-MRI 04/2015)
-
Leichte
Aorteninsuffizienz
04/2009
-
Rezidivierender Herpes Simplex, anamnestisch
Dem Gutachten lassen sich folgende Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrem persönlichen und beruflichen Werdegang entnehmen: Sie sei in Portugal aufge
wachsen, als jüngstes von fünf Kindern. Ihre Mutter sei gelernte Schneiderin gewesen, der Vater Fabrikarbeiter. Er sei frühpensioniert worden wegen einer «bipolaren Depression». Die Mutter sei an Alzheimer erkrankt und habe unter Depressionen, Darmkrebs, Fibromyalgie und «Kopfproblemen» gelitten. Eine Schwester sei bereits verstorben, die übrigen Geschwister (eine Schwester und zwei Brüder) und die Kinder der Geschwister seien alle nervös. Sie selbst sei gemäss Angaben ihrer Mutter als Kind im Alter von acht bis neun Monaten an einer Leukämie erkrankt und mehr als eineinhalb Jahre im Spital gewesen. Sie könne sich daran nicht erinnern. Ihre gesundheitlichen Probleme hätten bereits in der Schule begonnen, sie sei nicht gleich gewesen wie andere Kinder, habe nicht mitgespielt, nur zugeschaut. Sie habe sich damit zufriedengegeben, andere Kinder zu beobachten und deren Verhalten zu analysieren. Sie habe sich mit die
ser Beschäftigung wohl gefühlt. Oft sei sie aber auch traurig gewesen. Sie sei eine gute Schülerin gewesen mit guten Noten. Probleme habe sie vor allem mit ihrer neun Jahre älteren Schwester gehabt, von der sie immer geschlagen worden sei (Urk. 10/69/11 und Urk. 10/69/31). Sie könne sich erinnern, dass sie im Jahr 1979 von dieser derart geschlagen worden sei, dass sie zum Arzt habe gehen müssen. Die Mutter habe die Schwester zurechtgewiesen, jedoch ohne nachhaltige Ver
besserung. Frühe habe sie grosse Ängste vor der Schwester gehabt, heute habe sich das Verhältnis eher umgekehrt. Sie (die Beschwerdeführerin) könne bei Pro
vokationen durchaus auch aggressiv werden. Unter Beinschmerzen habe sie schon als Kind gelitten (Urk. 10/69/33). Probleme mit der Galle habe sie auch bereits ab ihrem 9. Lebensjahr gehabt, es seien Bauchschmerzen nach fettigen Speisen aufgetreten. Sie sei ausserdem nervös gewesen. Der Doktor habe damals gesagt, dies seien die «Nerven». Mit 19 Jahren habe sie erstmals Medikamente für die Nerven erhalten, in jener Zeit sei es auch zu einer erstmaligen psychiatrischen Behandlung gekommen. Aufgrund der eingenommenen Medikamente habe sie in zwei Wochen 10 kg zugenommen, weshalb sie diese Medikamente wieder abge
setzt habe (Urk. 10/69/12). Nach den 11 Jahren obligatorischer Schulzeit habe sie sofort versucht, selbständig und von den Eltern unabhängig zu werden. Sie habe eine Ausbildung zur Textillaborantin machen können. An Abenden und am Wochenende sei sie in der Schule gewesen und habe tagsüber gearbeitet. Nach der Berufsausbildung sei sie zur Laborchefin befördert worden. Diese Tätigkeit sei sehr streng gewesen, habe ihr aber auch gut gefallen. Sie habe damals mit grosser Energie arbeiten können (Urk. 10/69/32). 1988 habe sie ihren Mann geheiratet. Dieser sei jedoch ein Jahr später in die Schweiz gegangen, um dort zu arbeiten. Sie sei mit ihrem drei Monate alten Sohn alleine in Portugal zurückgeblieben. Dies sei eine schwierige Zeit gewesen, sie habe immer zu 100 % gearbeitet, sei immer nervös gewesen und habe für ihr Kind eine Tagesmutter gehabt. Teilweise sei sie auch sehr traurig gewesen. 1996 sei sie in die Schweiz gekommen und 2001 sei sie zum ersten Mal in der Schweiz zu einem Psychiater in
O._
gegangen. Ihr Hausarzt habe sie dorthin geschickt. Man habe von einer Depres
sion gesprochen. Sie sei während eines halben Jahres behandelt worden, worauf
hin es ihr besser gegangen sei. Sie sei in der Folge jedoch immer wieder nervös gewesen und habe trotzdem weiter gearbeitet. Wiederholt habe sie auch Todes
wünsche gehabt, dabei aber immer wieder an ihre Kinder denken müssen (Urk. 10/69/12). Sie habe gewusst, dass sie in der Schweiz nicht mehr als Textil
laborantin werde arbeiten können. Anfänglich sei sie im Catering des
P._
s tätig gewesen und habe später zu Y._ gewechselt. Beide Tätigkeiten hätten ihr sehr gut gefallen, auch wenn sie ihre erlernten Fähigkeiten nicht mehr habe anwenden können und in diesem Sinne unterfordert gewesen sei. Sie habe Herz
katheter montiert (Urk. 10/69/32).
Die Beschwerdeführerin gab sodann an, die Entwicklung ihres Sohnes habe ihr schon über viele Jahre sehr grosse Sorgen gemacht. Er habe nicht richtig sprechen gelernt und im jungen Erwachsenenalter einen Suizidversuch unternommen. Ins
gesamt viermal sei er in verschiedenen Kliniken hospitalisiert gewesen. Sie habe den Sohn mehrfach besucht, kenne die Institutionen daher ein bisschen und könne sich nicht vorstellen, selbst auch einmal hospitalisiert zu werden (Urk. 10/69/32). Im Januar 2011 sei ihr Sohn an einer Schizophrenie erkrankt, das sei für sie wie eine «Bombe im Kopf» gewesen. Sie sei danach nicht mehr gleich gewesen, habe keine Wünsche mehr gehabt, beziehungsweise nur noch den Wunsch, dass es ihrem Sohn besser gehe. Sie habe keine Pläne mehr gehabt, keine Interessen (Urk. 10/69/12). Sie habe die Tatsache, dass ihr Sohn an Schizophrenie erkrankt sei, nie überwinden können, sie habe sein Schicksal nie akzeptiert. Er lebe heute in
Q._
und werde von der Invalidenversicherung unterstützt. Es bestünden gute Kontakte zu ihm. Früher sei er aggressiv gewesen, habe sich unter den Medikamenten beruhigt und schätze den Umgang mit ihr. Die Tochter sei im
zweiten Jahr der Ausbildung zur Krankenschwester. Auch zu ihr bestünden gute Kontakte (Urk. 10/69/32). Seit September 2012 sei sie (die Beschwerdefüh
rerin) in Behandlung bei Dr. med. A._, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, und erhalte Medikamente für den Schlaf und gegen die Depression. In dieser Zeit sei sie noch arbeitstätig gewesen und habe bei der Arbeit nicht mehr geredet, nur gearbeitet. Gesundheitlich sei es aber immer schlimmer geworden. Sie habe unter Schmerzen und Depressionen gelitten und sei wechselnd arbeits
unfähig geworden. Seit Ende Mai 2015 sei sie nun anhaltend arbeitsunfähig. Sie habe sich bei der Invalidenversicherung angemeldet, weil sie bemerkt habe, dass es mit Arbeiten nicht mehr gehe (Urk. 10/69/12). Aktuell sei am schlimmsten, dass sie fast nicht schlafe, dass sie sich schlecht konzentrieren könne, Namen vergesse, ihr Kopf blockiert sei und sie manchmal Schmerzen im Kopf, Schmerzen im rechten Arm und im rechten Bein sowie Schmerzen im Bereich beider Füsse habe. Deswegen könne sie nicht lange gehen, auch das Sitzen sei nicht so gut. Sie habe extreme Rückenschmerzen nach längerem Sitzen, wie ein Messer im Rücken, manchmal sei sie auch blockiert oben und unten im Rücken. Sie habe eigentlich Schmerzen im ganzen Körper, vor allem auf der rechten Seite. Psy
chisch gehe es schlecht. Es sei nicht mehr gleich wie früher, sie habe keine Freude mehr, könne keine Pläne mehr machen, habe kein Interesse, keine Lust, Panik wegen Kleinigkeiten. Sie sei mit ihrem Mann mit dem Zug angereist, weil sie Angst gehabt habe, alleine zu kommen. In zwei Tagen werde sie trotzdem versu
chen, alleine mit dem Zug anzureisen; ihr Mann müsse dann arbeiten (Urk. 10/69/13). Aufgrund ihrer Beschwerden könne sie kaum mehr etwas unter
nehmen, sie mache nur noch kurze Spaziergänge von 30 Minuten. Sie lese keine Zeitungen, habe noch wenige Bücher, in die sie sich vertiefen könne. Sie lese viele Artikel über Schizophrenie. Sie lebe in einer dauernden Angst, auch schizo
phren zu werden, und leide unter einer andauernden inneren Unruhe und Anspannung. Im öffentlichen Verkehr gerate sie in Panik, vor allem wenn viele Personen anwesend seien. Sie habe keine Freude mehr am Kochen und beschränke sich im Haushalt auf ein Minimum. Der Ehemann könne verbilligte Flugbillette auch für sie besorgen, sie habe aber nie mehr davon Gebrauch gemacht. Auch die Reisen nach Portugal würden ihr keinerlei Freude mehr berei
ten (Urk. 10/69/33). Sie empfinde keinerlei Freude mehr und wisse, dass sie den Alltag bewältigen müsse und zur Mitwirkung im Haushalt verpflichtet sei. Sie zeige kein aktives Verhalten mehr, organisiere keine Besuche und treffe sich kaum noch mit Kolleginnen. Einzig die Kontakte mit den beiden Kindern gestalte sie aktiv (Urk. 10/69/34).
Befragt zum Tagesablauf gab die Beschwerdeführerin an, dieser gestalte sich unterschiedlich und sei abhängig vom Schlaf. Sie
könne teils kaum schlafen, sei
dann morgens vermehrt müde, stehe meist irge
ndwann zwischen 08.00 und 11.00
Uhr auf,
frühstücke und verrichte vormittags Haushaltsarbeiten (
Betten
richten
, Geschirr ausräumen et
cetera
). Das
Mittagessen
nehme sie
alleine
ein, dabei esse sie fast immer kalt, etwas Kleines.
N
achmittags
nehme sie
teils Arzt
termine
wahr
, einmal wöchentlich gehe sie ins Hal
lenschwimmbad nach Walli
sellen und b
ade
im warmen Wasser. Es komme vor, dass sie vormittags und nach
mittags einen
Spaziergang
von
10 bis 15 Minuten
Dauer unternehme
,
jedoch nicht täglich. Sie
sei fast immer zuhause, habe keine Lust
, etwas zu machen.
Das
Nachtessen
werde
gegen 18.00 Uhr
eingenommen. T
eils koche sie, teils koche ihr Mann
dann
fertig oder koche
sogar das ganze Nachtessen. Sie
habe oft keine Kraft, früher
habe sie viel Energie gehabt. Jetzt sei sie
eine alte Frau, 90-jährig oder mehr,
dies sei für sie so schwierig. A
bends
schaue sie allenfalls TV oder lese. Zu Bett gehe sie meistens
zwischen 21.00 und 22.00 Uhr,
sie habe jedoch Mühe einzuschlafen und
stehe nachts wegen
der
Schmerzen teils wiederholt auf, null bis drei Mal.
Sie h
abe keine Hobbies,
ausser dem Lesen von
Romane
n
und Bücher
n
,
vor allem auch über ihre Krank
heit und diejenige ihres Sohnes.
Sie w
ürde gerne noch arbeiten, gerne mit Kolleginnen Kaffee trinken, wie früher,
sie
vermisse dies.
Kürzere Strecken fahre sie noch mit dem Auto.
Die Haushaltarbei
ten
mache sie soweit möglich selber, sie
habe aber teils kaum Kraft, müsse sich dann immer wieder hinlegen
. I
hr Mann und auch die Tochter würden
bei sämtli
chen Arbeiten mithelfen. S
eit die Tochter arbeite, mache diese etwas weniger, ihr Mann aber umso mehr
(Urk. 10/69/11)
.
Der begutachtende Psychiater erhob den folgenden Befund: Die Beschwerdefüh
rerin sei e
indeutig depressiv gestimmt, mit reduziertem
Vitalgefühl und aus
drucksarmem
Gesicht. Über weite Strecken
habe sie versucht,
in ordentlichem Deutsch direkt zu antworten. Vereinzelt
sei
sie
durch die Dolmetscherin
unter
stützt
worden.
Sie
habe
eine gute Introspektionsfähigkeit
gezeigt und
i
hre Befindlichkeit differenziert beschreiben
können.
Form und Inhalt des ganzen Denkens
hätten einen mindestens durchschnittl
ichen Bildungsstand
verraten.
Sie
habe
sich Gedanken zur ganzen familiären Belastung
gemacht
, zur Wahrschein
lichkeit
, selbst an einer Schizophrenie zu erkranken.
Es
fä
nden sich weder Stö
rungen des Bew
usstseins noch der Orientierung.
Die von
der Beschwerdeführerin
angegebene Verwirrung
habe sich
während des Gesprächs nicht objektivieren
las
sen.
Aufmerksamkeit
s-
und Gedächtnisstö
run
gen
hätten
sich nicht
finden lassen. Das Denken sei
gehemmt, verlangsamt, eingeengt auf ihre Defizite und auf ihre Schmerzproblematik. Sie
habe
Befürchtungen in Bezug auf ihre Zukunftsgestal
tung
geäussert.
Zw
angshandlungen im engeren Sinne, Sinnestäuschungen,
Wahnphänomene
oder Ich-Störungen hätten sich
nicht feststellen
lassen
.
Im
Bereich der Affekte fä
nden sich ausgepräg
te Defizite. Es bestehe
ein
Gefühl der Gefühllosigkeit. Die Beschwerdeführerin sei
ausgesproche
n affektarm, das Vital
gefühl sei reduziert, sie zeig
e eine ausgeprägte in
nere Anspannung. Der Antrieb sei
ebenso wie die Psychomotorik deutlich reduziert. Zirkadiane Besonderheite
n würden
sich nicht eruieren
lassen. Es bestünden ein sozialer Rückzug sowie
ein Vermeidungsverhalten in Bezug auf Menschenansammlungen
.
Suizidgedanken
seien
im Moment des Gesprächs nicht vorhanden
gewesen
, stell
t
en sich aber regelmässig ein. D
ie ausgeprägte Schlafstörung sei
bereits beschrieben
worden (Urk. 10/69/34)
.
In seiner Beurteilung hielt der begutachtende Psychiater im Wesentlichen fest, die Beschwerdeführerin
entstamm
e
einer mit psychiatrischen Leiden offenbar doch erheblich belasteten Familie
.
Nachdem ihr eigener Sohn schizophren
gewor
den sei, sei ein
weiterer, grosser Stressfaktor
hinzugetreten. Eindrücklich habe
sie
sodann
geschildert, dass sie selbst befürchte
,
ebenfalls noch schizophren zu wer
den.
Trotz
der
ungünstigen Konstellation
in der Kindheit/Jugend habe die Beschwerdeführerin
eine eindrückliche Berufslaufbahn beginnen
können.
Sie
habe
eine Ausbildung ab
geschlossen
und
sei
zur Vorgesetzten befördert
worden
, was sicher nur
mit guten Leistungen möglich gewesen sei
.
In der Schweiz sei die Beschwerdeführerin
intellektuell eher unterfordert
gewesen
, was sehr oft ein
zusätzlicher Stressor darstelle. Der Gutachter Dr. B._
sei
vor rund
1 1/2
Jahren noch von einer 50%
igen
Arbeitsunfähigkeit aus
gegangen und die Problematik habe
sich zwischenzeitlich weiter chronif
iziert und verfestigt, somit sei
der Zustand heute sicher nicht besser als damals. Die
Beschwerdeführerin
steh
e
ohne Motivation und Ant
rieb den Alltag durch, sie erlebe
keine
banalen Freuden mehr, sie kenne ihre Pflichten und versuche,
diese noch soweit wie mögl
ich zu erfüllen. Die Aufgabe habe
sich durch den Wegzug der Nachkommen reduziert. D
ie All
tagsbelastung sei
aber immer noch so, das
s
ei
n Wohnungswechsel vollzogen werde,
um das Treppensteigen zu vermeiden.
Das genaue Ausmass der
Arbeits
unfähigkeit festzulegen sei
gerade bei depressiven Versicherten eine Ermessens
frage. Unter Berücksichtigung aller aufgeführten Aspekte
sei
aber von einer
75%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen (Urk. 10/69/36 f.).
Die
Gutachter gelangten zum Schluss, die
zuletzt ausgeübte Tätigkeit als Produk
tionsmitarbeiterin
in der
Herzkatheter-Produktion –
wie au
ch jede andere körper
lich leich
tere bis m
ittelschwere manuelle Tätigkeit – sei
der
Beschwerdeführerin lediglich noch zu 25
% der Norm zumutbar
. Limitierend würden sich
diesbezüg
lich die chronifizierten psychischen Störungen mit insbesondere erheblich aus
geprägter Beeinträchtigung der
Widerstands- und Durch
haltefähigkeit, der Kon
versation und Kontaktfähigkeit
zu Dritten sowie der Gruppenfä
higkeit
erweisen.
Z
usätzlich
bestehe gemäss dem psychiatrischen Teilgutachten eine mä
ssig ausge
prägte Beeinträchtigung diverser weiterer Fähigkeiten
. Eine nachhaltige Besse
rung des psychischen Zustandsbildes sei sehr unwahrscheinlich (Urk. 10/69/17 f.). Die somatischen Befunde seien bezüglich einer allfälligen Einschränkung der zumutbaren Arbeitsfähigkeit in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Produktions
mitarbeiterin als nicht relevant einzustufen (Urk. 10/69/16).
3.2
Der begutachtende Psychiater, welcher um eine Begründung der von ihm ange
nommenen 50%igen Arbeitsunfähigkeit durch den Gutachter Dr. B._ sowie um eine retrospektive Beurteilung der Arbeitsfähigkeit gebeten wurde, gab am 3. Januar 2017 folgende Auskunft: Dr. B._ habe im Februar 2015 bloss eine teilweise Arbeitsunfähigkeit attestiert und habe sich nicht auf eine Zahlenangabe festgelegt. Im Rahmen der aktuellen Begutachtung habe er (der begutachtende Psychiater) aus den Ausführungen von Dr. B._ auf eine Arbeitsunfähigkeit von 50 % geschlossen. Mit einem leicht wellenförmigen Verlauf habe sich die Arbeitsunfähigkeit dann schleichend verstärkt. Dazu beigetragen habe die Chro
nifizierung, die schleichend stärkere Ausprägung der Krankheitszeichen, die Resignation über den Zeitraum von zwei Jahren. Die Beschwerdeführerin ermüde rasch, die Schmerzen seien ausgeprägter, das Durchhaltevermögen sei einge
schränkter, die Sozialkompetenz habe abgenommen und die Ressourcen zur Bewältigung der Defizite hätten sich ebenfalls vermindert. In diesem Sinne gehe er von einer Reduktion der verbleibenden Restarbeitsfähigkeit von 50 % auf 25 % aus (Urk. 10/71).
4.
4.1
Das
polydisziplinäre MEDAS-
Gutachten
vom 2. Dezember 2016 basiert auf fach
ärztli
chen Untersuchungen, wurde in Kenntnis der und
in
Auseinandersetzung mit den
Vorakten
sowie insbesondere auch unter Berücksichtigung der geklagten Beschwerden erstatte
t. Die Gutachter haben die medi
zinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dargelegt und ihre
diesbezüglichen Schlussfolge
rungen nachvoll
ziehbar begründet. Das
MEDAS-
Gutachten erfüllt demnach
alle rechtspre
chungsgemässen Kriterien für eine beweis
taugliche medizinische Ent
schei
dungsgrundlage, weshalb ihm grundsätzlich vol
ler Beweiswert zukommt (vgl. E. 1.3.1
).
Ausgewiesen und unbestritten ist, dass aus somatischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit begründet werden kann. Aus psychiatrischen Gründen wird der Beschwerdeführerin von den Gutachtern allerdings eine hoch
gradige Arbeitsunfähigkeit von 75 % attestiert. Diese
medizinische Ei
nschätzung
der Arbeitsfähigkeit vermag nicht zu überzeugen (vgl. E. 1.1.4), was nachfolgend aufzuzeigen ist.
4.2
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass die Gutachter die Diagnosekriterien zutref
fend gemäss dem gebräuchlichen Klassifikationssystem ICD-10 beurteilt haben.
Die Diagnosen entsprechen den erhobenen Befunden, weshalb sich diesbezügli
che Weiterungen erübrigen. Die MEDAS-Gutachter haben es jedoch
versäum
t
,
die
psychosoziale
n Umstände aus ihrer
Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit
auszuklam
mern.
Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Not
stand) im Einzelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbe
stimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Stö
rung von
Krankheitswert vorhanden sein (E. 1.1.3).
Anlässlich der Eingliederungsberatung vom 5. Dezember 2014 hatte die Beschwerdeführerin angegeben, ihre Beschwerden hätten seit Eintritt der Krank
heit ihres Sohnes stark zugenommen (Urk. 10/17/1). Dr. med. B._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, hielt in seinem Privatgutach
ten vom 9. Februar 2015 (Urk. 10/25) sodann fest, auffällig sei, dass die Schmer
zen (Fibromyalgie) bei der Beschwerdeführerin dann besonders gross würden, wenn sie an ihren Sohn denke, der vor vier Jahren psychisch schwer erkrankt sei (Urk. 10/25/2). Dr. B._ stellte die Diagnose mittelgradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und gelangte zum Schluss, im Sinne einer Entlastung und einer damit einhergehenden Symptomverringerung sei eine teilweise Arbeitsunfähig
keitsrente, zumindest für einige Jahre, zu empfehlen. Eine ganze Invalidenrente wolle die Beschwerdeführerin selber nicht, weil sie die soziale Einbettung und Wahrnehmung ihrer eigenen Leistungsfähigkeit wünsche (Urk. 10/25/3 f.). Auch gemäss Bericht der C._ vom 16. März 2016 hatte die Beschwerde
führerin angegeben, es gehe ihr
seit
3 1⁄2 Jahren psychisch schlecht. Auslöser sei die Krankheit ihres Sohnes gewesen, bei dem vor fünf Jahren eine bipolare Stö
rung diagnostiziert worden sei. Sie sorge sich sehr um ihren Sohn und habe Angst, dass es ihm nicht wieder besser gehen werde (Urk. 10/48/1).
Wenn die MEDAS-Gutachter angesichts dieser dominierenden Sorge um den Sohn zum Schluss gelangten, die allfälligen Auswirkungen eines Wegfalls der psychosozialen Belastungsfaktoren seien nur von akademischem Interesse – diese Faktoren seien unverrückbare Teile der Realität, gehörten zum ganzen Lebensplan der Beschwerdeführerin, weshalb Spekulationen zur Entwicklung ohne diese Fak
toren keinen Sinn ergäben (Urk. 10/69/19) –, verkennen sie die juristische Bedeu
tung dieser Hypothese (E. 1.1.3). Immerhin erkannte auch der
begutachtende Psy
chiater
in seinem Teilgutachten vom 13.
September 2016, dass emotionale Kon
flikte und psychosoziale Belastungsfaktoren i
n eindrücklichem Umfang vorlägen (Urk.
10/69/36).
Es ist daher unerlässlich, die psychosozialen Belastungsfaktoren, welche die Beschwerdeführerin selbst als Auslöser ihrer Einschränkungen bezeichnet hatte, bei der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit auszuscheiden, insbe
sondere auch angesichts des beruflichen Werdegangs der Beschwerdeführerin, welche gemäss eigenen Angaben früher stets zu 100 % arbeitstätig gewesen war (Urk. 10/69/12 und Urk. 10/69/32). Trotz angegebener wiederholter psychischer Instabilitäten kam es früher nie zu einer längerfristigen Arbeitsunfähigkeit.
Als Zwischenfazit ist somit festzuhalten, dass bei der Beschwerdeführerin psy
chosoziale Belastungsfaktoren im Vordergrund stehen und deshalb nicht auf die – diese Faktoren nicht ausklammernde – Beurteilung der Arbeitsfähigkeit im MEDAS-Gutachten abgestellt werden kann. Hinzu kommt, dass der begutach
tende Psychiater bei seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit eine spekulative Annahme traf. Er ging davon aus, Dr. B._ sei in seinem Privatgutachten vom 9. Februar 2015 (Urk. 10/25) von einer 50%igen Arbeitsfähigkeit ausgegangen. Dies trifft aber nicht zu (vgl. E. 4.2); Dr. B._ quantifizierte die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin nicht (Urk. 10/25).
4.3
4.3.1
Zur Beurteilung der Arbeitsfähigkeit verbleibt dem Gericht die Prüfung der Stan
dardindikatoren gemäss der aktuellen
bundesgerichtlichen Rechtsprechung
.
Auf
grund der im MEDAS-Gu
tachten gestellten Diagnosen ist
ein strukturiertes Be
weisverfahren durchzuführen (BGE 141 V 281 sowie BGE 143 V 409 und BGE 143 V 418). Da das
Gutachten eine schlüssige Beurteilung im Lichte der nunmehr m
assgeblichen Indikatoren erlaubt,
kann
es vorliegend als
Grundlage
für die
Ren
tenprüfung
dienen
(
E. 1.3.2).
4.3.2
Unter der Kategorie «funktioneller Schweregrad» ist als Erstes darauf hinzuwei
sen, dass aus rheumatologischer Sicht keine relevanten somatischen Befunde am Bewegungsapparat objektiviert werden konnten (Urk. 10/69/27) und dass anam
nestisch eine persistierend hohe Schmerzintensität (visuelle analoge Schmerzskala)
aufgefallen ist, dies trotz regelmässiger Einnahme von Ibuprofen in ausreichender Dosis, trotz ausserhäuslicher beruflicher Dispensierung und trotz erheblicher Beanspruchung von Fremdhilfe (Ehemann, Tochter) im eigenen Haus
halt (Urk. 10/69/26). Der begutachtende Rheumatologe hielt denn auch fest, der Verdacht der Beschwerdeführerin, es könnte eine mögliche familiäre Disposition zu Fibromyalgie vorliegen, verstärke die hypochondrische Tendenz (Urk. 10/69/26). Eine Hypochondrie wirft aber die Frage nach dem Vorliegen von
Verdeutlichungstendenzen auf, sowohl aus somatischer als auch aus psychiatri
scher Sicht.
Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) hielt in seiner Beurteilung vom 16. März 2017 unter anderem fest, es sei im psychiatrischen Befund nicht beschrieben wor
den, ob die Beschwerdeführerin Anzeichen von Schmerzen gezeigt habe (Urk. 10/81/8), was zutrifft (Urk. 10/69/34) und den Schluss zulässt, dass solche Anzeichen vom begutachtenden Psychiater nicht beobachtet und deshalb nicht festgestellt werden konnten. Dies stellt einen klaren Hinweis auf Verdeutli
chungstendenzen dar. Die Beschwerdeführerin gab gegenüber dem begutachten
den Internisten sodann an, am schlimmsten sei, dass sie fast nicht schlafe, dass sie sich schlecht konzentrieren könne – sie vergesse Namen –, dass ihr Kopf blo
ckiert sei und sie manchmal Schmerzen im Kopf habe, Schmerzen im rechten Arm und Bein sowie im Bereich beider Füsse (Urk. 10/69/13). Auch gegenüber dem begutachtenden Psychiater gab die Beschwerdeführerin an, unter chronischen Schlafstörungen zu leiden, welche trotz der Medikamenteneinnahme kaum bes
serten (Urk. 10/69/33). Zum Tagesablauf befragt gab die Beschwerdeführerin aber an, sie gehe zwischen 21.00 und 22.00 Uhr zu Bett, habe Mühe einzuschlafen und stehe nachts wegen Schmerzen teils wiederholt auf, null bis drei Mal (Urk. 10/69/11). Dies deutet nicht auf ausgeprägte regelmässige Schlafstörungen hin, zumal die Beschwerdeführerin offensichtlich teilweise auch durchschlafen kann und der Serumspiegel des Medikaments
Trittico
mit dem Wirkstoff
Trado
zon
, welches die Beschwerdeführerin als Schlafmittel einnimmt (Urk. 10/17/3), deutlich unter dem therapeutischen Bereich liegt (Urk. 10/69/22 und Urk. 10/69/35). Den Schilderungen der Beschwerdeführerin zu ihrem Tagesablauf lässt sich zudem nicht entnehmen, dass sie tagsüber Schlafpausen einlegt (Urk. 10/69/11), was bei massiven nächtlichen Schlafstörungen durchaus eine Möglichkeit zur Erholung darstellen würde. Aufmerksamkeits- und Gedächtnis
störungen konnte der begutachtende Psychiater keine feststellen (Urk. 10/69/34), obwohl die Beschwerdeführerin über eine schlechte Konzentration geklagt hatte.
Nach dem Gesagten ist eine Verdeutlichungstendenz erkennbar, welche das Aus
mass einer Aggravation zwar nicht erreicht und auch die korrekte Diagnosestel
lung der MEDAS-Gutachter nicht in Zweifel zu ziehen vermag. Allerdings stellt die Verdeutlichungstendenz den von der Beschwerdeführerin angegebenen Schweregrad der funktionellen Auswirkungen ihrer Beschwerden in Frage.
Eine erhebliche Ausprägung der Beeinträchtigungen ergibt sich denn auch aus der Auswertung des Mini-ICF-Fragebogens (Urk. 10/69/39 f.) nicht. Es wurde darin angegeben, bei vier Fähigkeiten bestehe eine leicht ausgeprägte, bei sechs
Fähigkeiten eine mässig ausgeprägte und bei drei Fähigkeiten eine erheblich aus
geprägte Beeinträchtigung.
4.3.3
Dem Umstand, dass der
Serumspiegel des Wirkstoff
s
Tradozon
deutlich unter dem therap
eutischen Bereich lag (Urk. 10/69/22 und Urk. 10/69/35), ist unter dem Aspekt der «Konsistenz» ebenfalls Bedeutung zuzumessen. Da die Beschwerde
führerin die erforderliche medikamentöse Therapie nicht in ausreichendem Aus
mass in Anspruch nimmt, ist von keinem sehr ausgeprägten Leidensdruck auszu
gehen. Ein Leidensdruck kann aber auch nicht gänzlich in Abrede gestellt werden, begibt sich die
Beschwerdeführerin
doch regelmässig in therapeutische Behand
lung, zweimal monatlich bei Dr. A._ für Gespräche auf Portugiesisch und alle zwei Wochen für jeweils eine Stunde bei Dr.
med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
(Urk. 10/69/13).
Ein Verbesserungspotential lässt sich aufgrund des Berichts der C._ vom 16. März 2016 nicht ausschliessen: Die Beschwerdeführerin habe
sehr motiviert am Therapieprogramm teil
genommen
und sich in den psychotherapeu
tischen Gesprächen offen und den inhaltlichen Themen stets zugewandt
gezeigt
. Trotz der Sprachbarriere
habe
grosses Interesse bei der
Beschwerdeführerin
beo
bachtet werden
können
, die vermittelten Inhalte zu verstehen und bei sprachli
chen Verständnisschwierigkeiten jederzeit nachzufragen. Die Erkrank
ung des Sohnes an Schizophrenie habe bei der Beschwerdeführerin
zu einer chronischen depressiven Symptomatik
geführt
.
Auf die verschiedenen Übungen für die
zuhause verbrachten Wochenenden
habe sich die Beschwerdeführerin
gut einlas
sen
können. Aufgrund
der beschriebenen Symptomatik
seien
die Gespräche zunächst auf die Wahrnehmung von belastungsrelevanten Faktoren
fokussiert worden
. Hinsichtlich des Krankheitskonzepts
habe die Beschwerdeführerin
erken
nen
können
, wie sehr auch Belastungsfaktoren der Vergangenheit (psychische Erkrankung des Vaters während der Kindheit, schwierige Beziehung zu einigen Geschwistern, Ablehnung dur
ch die Familie des Ehemannes, Mi
gration sowie die psychische Erkrankung des Sohnes) sie heute noch beschäftigten. Auch
sei deut
lich geworden,
wie stark perfektionistische Ansprüche
die Beschwerdeführerin
prägten
.
Vor
diesem Hintergrund
habe sich gezeigt,
dass sich die
Beschwerdefüh
rerin häufig überfordert habe
und
frustriert gewesen sei, wenn
sie
ihren
Ansprü
chen nicht mehr
zu
genügen
vermocht habe,
was
hohe Anspannung in ihr erzeugt habe
. Die
Beschwerdeführerin habe auch gemerkt,
dass dies wiederum die kör
perlich
en Beschwerden verstärken könne
. Insofern
sei es gelungen,
das Krank
heitskonzept der
Beschwerdeführerin
hinsichtlich zentraler psychosomatischer Einflussfaktoren zu ergänzen.
Die Beschwerdeführerin habe gut auf aktive Ent
spannungstherapien angesprochen, weshalb ihr empfohlen worden sei, diese selb
ständig auch zu Hause
zu vertiefen. Erfreulich sei für die Beschwerdeführerin die Erkenntnis gewesen, dass sie hier gelernt habe, was Entspannung sei und dass sie dies weiterhin zuhause nutzen wolle. Die Distanzgewinnung von zu Hause, die erfrischenden sozialen Kontakte sowie die abwechselnde und aktivierende Tages
struktur hätten der Beschwerdeführerin gutgetan, um ein besseres Krankheits
verständnis zu gewinnen und alternative Strategien im Umgang mit ihrer Erkran
kung aufbauen zu können. Der Umgang mit psychischen Erkrankungen, gerade in Bezug auf ihren Sohn, sowie der Aufbau der eigenen Selbstfürsorge seien nach wie vor wichtige Themen und sollten weiterhin in der ambulanten Therapie berücksichtigt werden (Urk. 10/48/3 f.).
Im
Bericht der C._
wurde
der Beschwerdeführerin
keine über die
Dauer des Aufenthaltes
(27. Januar bis 23.
Februar 2016
)
hinausgehende Arbeitsunfähigkeit
attes
tiert (Urk.
10/48
/4
).
Der Verlauf während des Klinikaufenthalts in der C._ macht deutlich, dass nicht von einer Behandlungsresistenz ausgegangen werden kann. Daran ändert nichts, dass Dr. D._, welcher die Beschwerdeführerin nach dem Klinikau
fenthalt in der C._, konkret ab dem 15. April 2016, behandelte (Urk. 10/51/7), in seinem Bericht vom 2. Juni 2016 (Urk. 10/55) bloss von sehr geringen Verbesserungen berichten konnte, zumal unklar ist, ob die Beschwerde
führerin die Umstellung der medikamentösen Behandlung in der Folge seriös umsetzte; wie gesagt, lag der
Serumspiegel des Wirkstoffs
Tradozon
im Begut
achtungszeitpunkt
deutlich unter dem therapeutischen Bereich
.
Aus den genannten Gründen ist eine Therapieresistenz nicht ausgewiesen. Aller
dings liegt mittlerweile eine Chronifizierung der psychischen Leiden vor, was die Erfolgsaussichten der Therapien erschweren dürfte.
4.3.4
Es liegt
eine Wechselwirkung zwischen der somatoformen Schmerzstörung und der depressiven Symptomatik
vor (im Sinne einer Komorbidität)
,
was
sich
insge
samt
ressourcenhemmend auswirkt.
Der Beschwerdeführerin verbleiben aber den
noch einige Ressourcen. Sie verrichtet vormittags Haushaltsarbeiten (Betten, Geschirr ausräumen et
cetera
), verpflegt sich über Mittag selbständig, nimmt nachmittags teils Arzttermine wahr, geht einmal wöchentlich ins Hallenbad, wo sie in warmem Wasser badet, unternimmt vormittags und nachmittags manchmal Spaziergänge von 10 bis 15 Minuten Dauer, kocht teilweise das Abendessen, schaut abends fern, liest Romane und Bücher, vor allem über ihre Krankheit und diejenige des Sohnes, fährt kürzere Strecken mit dem Auto (Urk. 10/69/11) und verreist in die Ferien (Urk. 10/61). Der begutachtende Psychiater hielt zudem fest, die Alltagsbelastung der Beschwerdeführerin sei immer noch so, dass ein Woh
nungswechsel vollzogen werde, um das Treppensteigen zu vermeiden
(Urk. 10/69/36). Das Aktivitätsniveau der Beschwerdeführerin mag zwar reduziert sein, aber bei Weitem nicht im Verhältnis zur geltend gemachten Arbeitsunfähig
keit von 75 %. Weshalb das Lesen von Fachliteratur nicht als Ressource soll gewertet werden können (Urk. 1 S. 18), erschliesst sich nicht. Ob das Lesen der Entspannung oder der fachlichen Information über die eigene und die Erkrankung des Sohnes
dient, ist unerheblich; die Literatur von Fachbüchern, welche inhalt
lich in der Regel anspruchsvoller sind als Romane, setzt eine erhebliche Konzent
rationsfähigkeit voraus. Auch die übrigen aufgezählten Tätigkeiten dürfen – ent
gegen einzelner Vorbringen der Beschwerdeführerin – bei der Ressourcenprüfung berücksichtigt werden. Weiterungen erübrigen sich daher. Anzufügen bleibt, dass das Argument, es hätte ein Mahn- und
Bedenkzeitverfahren
durchgeführt werden müssen (vgl. Urk. 1 S. 15)
von Vornherein nicht
sticht
, weil die fehlende Inan
spruchnahme der verfügb
aren Therapiemöglichkeiten
im Rahmen
der gesamtheit
lichen
Indikatorenprüfung
ent
scheidend in Anschlag gebracht
werden darf
(Urteil des Bundesgerichts 9C_45/2017 vom 7. Februar 2018 E. 3.2
).
4.4
Damit kann eine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit in rentenbegründendem Ausmass nicht mit dem erforderlichen Beweismass der überwiegenden Wahr
scheinlichkeit nachgewiesen werden. Dazu müsste die Beschwerdeführerin in der bisherigen Tätigkeit zu mindestens 40 % eingeschränkt sein, was sich nicht begründen lässt, zumal es sich bei der bisherigen Tätigkeit um eine optimal angepasste Tätigkeit handelte. Die Beschwerdeführerin gab anlässlich der Ein
gliederungsberatung vom 5. Dezember 2014 an, die Arbeitszeiten seien für sie zu lang. Manchmal habe sie bereits nach kurzer Zeit solche Schmerzen, dass sie kaum mehr weiterarbeiten könne. Auf die Frage, was am Arbeitsplatz denn geändert werden müsse, damit sie besser arbeiten könne, gab die Beschwerdefüh
rerin zur Auskunft, Änderungen seien eigentlich nicht nötig. Aber sie könne ein
fach nicht mehr im Schichtbetrieb arbeiten und so früh zur Arbeit fahren. Danach gefragt, ob es denn etwas beitragen würde, wenn sie nur noch späte Schichten hätte, antwortete die Beschwerdeführerin, dass sie dies nicht möchte, da sie dann ihre Tochter abends nicht mehr sähe. Die Eingliederungsberaterin hielt daraufhin fest, dass nicht nachvollziehbar dargelegt werden könne, welche Beschwerden eine Schichtarbeit verhinderten. Bei der Suche nach einer neuen Arbeitsstelle wollte die Beschwerdeführerin auch nicht unterstützt werden, da ihr die Tätigkeit beim aktuellen Arbeitgeber gefalle und man keine bessere Tätigkeit für sie finden könne (Urk. 10/17/3).
5.
Nach dem Gesagten erweist sich die Beschwerde als unbegründet, weshalb sie abzuweisen ist.
6.
Die Kosten des Verfahrens sind auf Fr. 700.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).