# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5d741567-7682-47b5-ad94-5ce7dc9c695c
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1960, meldete sich am 30. März 2000 unter Hinweis auf Hüft-, Knie- und Rückenschmerzen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
verneinte mit Verfügung vom 2. Oktober
2002
einen Renten
anspruch (Urk. 7/25). Das hiesige Gericht hiess die dagegen erhobene Be
schwerde
(Urk. 7/30/3-10) mit Urteil vom 8. Mai 2003
in dem Sinne gut, das
s sie die angefochtene Verfügung aufhob und die Sache
zur Anordnung weiterer Abklärungen und Neuentscheid
an die IV-Stelle zurückwies
(Urk. 7/32,
IV.2002.00609)
.
Das
Bundesgericht
wies die durch die Versicherte
dagegen
erho
bene Verwaltungsgerichtsbeschwerde (Urk. 7/33/3-9) mit Urteil vom 31. Oktober 2003 ab (Urk. 7/34).
Da sich die Beschwerdeführerin der Begutachtung nicht unterzog, verneinte die
IV-Stelle
in der Folge
mit Verfügung vom 31. Mai 2005 einen Ren
tenanspruch (Urk.
7
/45).
1.2
Die Versicherte meldete sich am 20. Oktober 2010
unter anderem
unter Hinweis auf Hüft- und Kopfschmerzen erneut bei der Invalidenversicherung zum
Leis
tungsbezug
an (Urk. 7/48).
Die IV-Stelle klärte die medizinische und erwerbliche
Sit
uation ab. Nach
durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/75-76, Urk. 7/88
, Urk. 7/112) sprach die IV-Stelle der Versicherten mit Verfügung
en vom
1. März und vom
9. April
2013 ab Juli 2011 eine halbe Rente bei einem Invaliditätsgrad von 50 % und ab Februar 2012 eine ganze Rente bei einem Invalidit
ätsgrad von 100 % zu (Urk.
7/115, Urk. 7/118-119, Urk.
7/120-121
).
Im Rahmen einer im März
2014 durchgeführten Rentenrevision teilte die IV-
Stelle der Versicherten a
m 23. Dezember
2014 mit, der Rentenan
spruch sei unver
ändert (Urk. 7/144).
1.3
Am 13. Januar 2015 meldete sich die Versicherte zum Bezug
einer
Hilflosenentschädigung
an
(Urk. 7/148)
. Die IV-Stelle veranlasste
eine Abklä
rung
vor Ort
,
worüber am 24. Februar
2015 berichtet
wurde (Urk. 7/153).
Gestützt darauf verneinte
sie
– nach Durchführung des
Vorbescheidverfahrens
(Urk. 7/154
) -
mit
Verfügung vom 23. April 2015 einen
Anspruch
der Versicherten
auf eine
Hilflosenentschädigung
(Urk. 7/155).
1.4
Die Versicherte
meldete sich am 20. August 2015 erneut zum Bezug
einer
Hilf
lo
senentschädigung
an (Urk. 7/164).
Daraufhin
veranlasste die IV-Stelle eine erneute Abklärung der Hilflosigkeit, indem sie dem behandelnden Arzt einen Fragebogen bezüglich der Hilflosigkeit der Versicherten zustellte, welcher am 2
4.
November
2015 erstattet wurde (Urk. 7/170/1-4
).
Anschliessend verneinte
sie n
ach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 7/173-174)
m
it Verfügung vom 21. Januar 2016 den Anspruch
der Versicherten
auf eine
Hilflosenentschä
digung
(Urk. 7/177
= Urk. 2
).
2.
Die Versicherte erhob am 14. Februar 2016 Beschwerde gegen die Verfügung vom 21. Januar 2016 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und ihr sei eine
Hilflosenentschädigung
zuzusprechen (Urk.
2
S.
2
Ziff. 1-2). Zudem sei ihr die unentgeltliche Prozessführung zu gewähren (Urk. 1 S. 1). Die IV-Stelle be
antragte mit Beschwerdeantwort vom 5. April
2016
(Urk. 6) die Abweisung der Beschwerde.
Dies wurde de
r
Beschwerdeführer
in
am 19. April 2016 zur Kennt
nis gebracht (Urk. 8).
Mit Eingabe vom 26. April 2016 reichte die Beschwerdeführerin unter anderem zwei neue medizinische Berichte sowie zwei
F
ormulare betreffend Abgabe eines
Rollstuhls ein (Urk. 10/2-5).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
42
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
haben Versicherte mit Wohnsitz und gewöhnlichem Aufenthalt (
Art.
13
Bun
desgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG
) in der Schweiz, die hilflos (
Art.
9 ATSG) sind, Anspruch auf eine
Hilflosenent
schädigung
. Vorbehalten bleibt Artikel 42
bis
IVG. Als hilflos gilt eine Person, die wegen einer Beeinträchtigung der Gesundheit für alltägliche
Lebensverrichtun
gen
dauernd der Hilfe Dritter oder der persönlichen Überwachung bedarf (
Art.
9 ATSG). Im Bereich der Invalidenversicherung gilt auch eine Person als hilflos, welche zu Hause lebt und wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigung dau
ernd auf lebenspraktische Begleitung angewiesen ist (
Art.
42
Abs.
3 Satz 1 IVG;
Art.
38
Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV
). Praxisgemäss (BGE 121 V 88 E.
3a mit Hinweisen) sind die folgenden sechs alltäglichen
Lebens
verrichtungen
massgebend (BGE 127 V 94 E. 3c, 125 V 297 E. 4a):
Ankleiden, Auskleiden;
Aufstehen, Absitzen, Abliegen;
Essen;
Körperpflege;
Verrichtung der Notdurft;
Fortbewegung (im oder ausser Haus), Kontaktaufnahme.
1.2
Art. 37 IVV sieht drei Hilflosigkeitsgrade vor. Gemäss Abs. 3 dieser Bestimmung gilt die Hilflosigkeit als leicht, wenn die versicherte Person trotz der Abgabe von Hilfsmitteln:
in mindestens zwei alltäglichen Lebensverrichtungen regelmässig in erheb
licher Weise auf die Hilfe Dritter angewiesen ist;
einer dauernden persönlichen Überwachung bedarf;
einer durch das Gebrechen bedingten ständigen und besonders aufwendigen Pflege bedarf;
wegen einer schweren Sinnesschädigung oder eines schweren körperlichen Ge
brechens nur dank regelmässiger und erheblicher Dienstleistungen Dritter gesellschaftliche Kontakte pflegen kann; oder
dauernd auf lebenspraktische Begleitung im Sinne von Art. 38 IVV ange
wiesen ist.
1.3
Nach
Art.
38
Abs.
1 IVV liegt ein Bedarf an lebenspraktischer Begleitung im Sinne von
Art.
42
Abs.
3 IVG vor, wenn eine volljährige, versicherte Person ausserhalb eines Heimes lebt und infolge Beeinträchtigung der Gesundheit:
ohne Begleitung einer Drittperson nicht selbständig wohnen kann;
für Verrichtungen und Kontakte ausserhalb der Wohnung auf Begleitung ei
ner Drittperson angewiesen ist; oder
ernsthaft gefährdet ist, sich dauernd von der Aussenwelt zu isolieren.
Unerheblich ist, in welcher Umgebung sich die versicherte Person – abgesehen davon, dass sie ausserhalb des Heims wohnen muss – aufhält und ob sie auf die Hilfe des Ehegatten, der Kinder oder der Eltern zählen kann (BGE 133 V 450 E.
2.2.3 und 5).
Als regelmässig im Sinne von
Art.
38
Abs.
3 Satz 1 IVV gilt die
lebensprakti
sche
Begleitung, wenn sie über eine Periode von drei Monaten gerechnet im Durchschnitt mindestens 2 Stunden pro Woche benötigt wird (BGE 133 V 450 E. 6.2).
Die lebenspraktische Begleitung beinhaltet weder die (direkte oder indirekte) Dritthilfe bei den sechs alltäglichen Lebensverrichtungen noch die Pflege noch die Überwachung. Sie stellt vielmehr ein zusätzliches und eigenständiges Insti
tut der Hilfe dar (BGE 133 V 450 E. 9).
Das Gesetz macht den Anspruch auf
Hilflosenentschädigung
nicht davon abhän
gig, ob die lebenspraktische Begleitung kostenlos erfolgt oder nicht (BGE 133 V 472 E. 5.3.2).
1.4
Bei der Erarbeitung der Grundlagen für die Bemessung der Hilflosigkeit ist eine enge, sich ergänzende Zusammenarbeit zwischen ärztlicher Fachperson und Verwaltung erforderlich. Erstere hat anzugeben, inwiefern die versicherte Per
son in ihren körperlichen beziehungsweise geistigen Funktionen durch das Leiden eingeschränkt ist. Der Versicherungsträger kann an Ort und Stelle wei
tere Abklärungen vornehmen. Bei Unklarheiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig (BGE 130 V 61 E. 6.1.1).
Ein Abklärungsbericht unter dem Aspekt der Hilflosigkeit (
Art.
9 ATSG) oder des Pflegebedarfs hat folgenden Anforderungen zu genügen: Als Berichterstat
terin wirkt eine qualifizierte Person, welche Kenntnis der örtlichen und räumli
chen Verhältnisse sowie der aus den seitens der Mediziner gestellten Diagnosen sich ergebenden Beeinträchtigungen und
Hilfsbedürftigkeiten
hat. Bei Unklar
heiten über physische oder psychische Störungen und/oder deren Auswirkungen auf alltägliche Lebensverrichtungen sind Rückfragen an die medizinischen Fachpersonen nicht nur zulässig, sondern notwendig. Weiter sind die Angaben der Hilfe leistenden Personen zu berücksichtigen, wobei divergierende Meinun
gen der Beteiligten im Bericht aufzuzeigen sind. Der Berichtstext schliesslich muss plausibel, begründet und detailliert bezüglich der einzelnen alltäglichen Lebensverrichtungen sowie den tatbestandsmässigen Erfordernissen der dauern
den Pflege und der persönlichen Überwachung (
Art.
37 IVV) und der
lebens
praktischen
Begleitung (
Art.
38 IVV) sein. Schliesslich hat er in Übereinstim
mung mit den an Ort und Stelle erhobenen Angaben zu stehen. Das Gericht greift, sofern der Bericht eine zuverlässige Entscheidungsgrundlage im eben umschriebenen Sinne darstellt, in das Ermessen der die Abklärung tätigenden Person nur ein, wenn klar feststellbare Fehleinschätzungen vorliegen. Das ge
bietet insbesondere der Umstand, dass die fachlich kompetente
Abklärungs
per
son
näher am konkreten Sachverhalt ist als das im Beschwerdefall zustän
dige Gericht (BGE 140 V 543 E. 3.2, 133 V 450 E. 11.1.1, 130 V 61 E. 6.2, 128 V 93).
1.5
Wurde eine
Hilflosenentschädigung
wegen
fehlender Hilflosigkeit
verweigert, so wird nach
Art.
87
Abs.
3 IVV eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss
Abs.
2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im
Revi
sionsgesuch
glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Hilflosigkeit der versicherten Person in einer für den Anspruch erheblichen Weise geändert hat.
Tritt die Verwaltung auf die Neuanmeldung ein, so hat sie die Sache materiell abzuklären und sich zu vergewissern, ob die von der versicherten Person glaub
haft gemachte Veränderung der Hilflosigkeit
auch tatsächlich eingetreten ist; sie hat demnach in analoger Weise wie bei einem Revisionsfall nach
Art.
17
Abs.
1
ATSG vorzugehen (BGE 117 V 198 E. 3a, vgl. auch BGE 133 V 108 E. 5.2). Stellt
sie fest, dass die Hilflosigkeit seit Erlass der früheren rechtskräftigen Verfü
gung keine Veränderung erfahren hat, so weist sie das neue Gesuch ab. Andernfalls hat sie zunächst noch zu prüfen, ob die festgestellte Veränderung genügt, um nunmehr eine anspruchsbegründende Hilflosigkeit
zu bejahen, und hernach zu beschliessen. Im Beschwerdefall obliegt die gleiche materielle
Prü
fungspflicht
auch dem Gericht (BGE 117 V 198 E. 3a, 109 V 108 E. 2b).
1.6
Nach ständiger Rechtsprechung beurteilt das Sozialversicherungsgericht die Ge
setzmässigkeit des angefochtenen Entscheids in der Regel nach dem Sach
ver
halt, der zur Zeit des Abschlusses des Verwaltungsverfahrens gegeben war. Tat
sachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Nor
malfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung sein (BGE 131 V 242 E. 2.1, 121 V 362 E. 1b).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
davon aus, dass
seit der Verfügung vom 23. April 2015 betreffend
Hilflosenent
schädi
gung
gemäss ärztlicher Beurteilung keine
gesundheitliche
Veränderun
gen
ein
ge
treten sei
.
D
ie Beschwerdeführerin
sei
in sämtlichen alltäglichen
Lebensver
richtungen
selb
stän
dig (
Art.
9 ATSG)
. Ebenfalls seien die Voraussetzungen für eine
lebensprak
tische
Begleitung nicht erfüllt, da
s
ie
i
hren Alltag selbstän
dig planen und
organisieren könne
. Solange eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit in angepasster Tätigkeit bestehe, könne definitionsgemäss keine Hilflosigkeit vor
liegen (S. 2
, Urk. 6
)
.
2.2
Die Beschwerdegegnerin vertrat hingegen
sinngemäss
den Standpunkt (Urk. 1)
, dass sie hilflos im Sinn
e des Gesetzes sei, insbesondere sei sie dauernd auf
le
benspraktische
Begleitung angewiesen (S. 2 Mitte
, vgl. auch Urk. 9
).
2.3
Streitig und zu prüfen ist der Anspruch der Beschwerdeführerin a
uf eine
Hilflo
senentschädigung
, wobei namentlich zu prüfen ist, ob sich der Gesundheitszu
stand der Beschwerdeführerin seit Erlass der
eine Hilflosigkeit verneinenden
Verfügung vom 23. April 2015 (Urk. 7/155) wesentlich verändert hat.
3.
Der mit Verfügung
vom 23. April 2015 (Urk. 7/155)
erfolgten Abweisung einer
Hilflosenentschädigung
lag die am 6. Februar 2015 durchgeführte Abklärung
vor Ort zugrunde
(vgl.
Abklärungsbericht
für
Hilflosenentschädigung
für Erwach
sene
vom 24. Februar 2015,
Urk. 7/153).
Die Abklärungsperson hielt dabei fest, dass die Beschwerdeführerin an
folgen
den Diagnosen leide:
mittelgradige
bis schwere depressive Episode
,
Verdacht auf
Persönlich
keits
änderung
nach Extrembelastung
(Missbrauch durch Va
ter)
Bewegungs- und Belastungsschmerzen beider Hüftgelenke nach totaler
Endprothese beider Hüftgelenke
Bewegungsschmerzen und –
einschränkung
des linken Schultergelenkes bei
Impingement
-Symptomati
k
chronische rezidivierende Lumbalgie
, statisch-muskulärer Genese
Adipositas
Die Beschwerdeführer
in
beziehe seit Februar 2012 eine ganze Rente und benö
tige folgende Hilfsmittel: Schuhlöffel, Greifzange,
Sockenanzieher
, Gehstöcke und einen Rollstuhl (S. 1).
Ferner hielt die Abklärungsperson fest, dass die Beschwerdeführerin
nach eige
nen Angaben die
Lebensverrichtungen Ankleiden/Auskleiden, Aufste
hen/Ab
sitzen/
Abliegen, Essen, Körperpflege und Reinigung nach Verrichtung der Not
durft
selbständig erledigen könne. Bezüglich der
Lebensverrichtung
Fortbewe
gung/Pflege g
esellschaftlicher Kontakte führte
s
ie
an
, dass die Beschwerde
füh
rerin in der Wohnung ohne Hilfsmittel gehen könne
,
im Freien
jedoch
auf den Rollstuhl angewiesen sei. Deshalb werde
di
e
Versicherte
für ausserhäusliche Akti
vitäten begleitet, zum Erreichen der Termine nehme sie den Fahrdienst der Spitex oder ihrer Kinder in Anspruch (S. 2 f.).
Seit März 2014 werde die Beschwerdeführerin einmal wöchentlich für eine Stunde von Frau Liechti von der Psychiatrie-Spitex
betreut. D
abei würde haupt
sächlich der
Tagesablauf besprochen
(S. 3 unten)
.
Die vorhandene Unter
stütz
ung durch Frau
Y._
könne als lebenspraktische Begleitung berücksich
tigt werden, jedoch sei die Intensität einer lebenspraktischen Begleitung, welche wöchentlich mindestens zwei Stunden erfordere,
n
icht erfüllt (S. 4 unten).
Zusammenfassend sei
die Beschwerdeführerin in allen sechs
Lebensverrichtun
gen
selbständig. Medizinisch-pflegerische Hilfe sei nicht notwendig und eine Überwachungsbedürftigkeit sei nicht gegeben. Die Intensität einer
lebensprak
tischen
Begleitung sei daher nicht erfüllt (S. 5 unten).
4.
4.1
Für die Zeit nach der rechtskräftigen Verfügung vom
2
3.
April 2015 finden sich die folgenden Berichte
in den Akten:
4.2
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin und Rheuma
tologie,
A._
,
nannte in seinem Bericht vom
14. August 2015
(Urk. 7/170/5-6) die folgenden Diagnosen (S. 1):
Polyarthrosen
Fingerpolyarthrosen (
Heberden
-, Bouchard-,
Rhiz
-, STT-Arthrose
n
)
AC-Gelenk
s
- und Mittelfussarthrosen
Status nach beidseitiger Hüfttotalprothese am 16. November 2011 bei schwerer
Coxarthrose
beidseits, Status nach Pfannenwechsel links am 24. Januar 2013 (
B._
), Status nach Kopf- und Pfannenwechsel rechtsseitig bei
Psoas-Impingement
am 2. April 2014
persistierende Kniegelenkssymptomatik linksseitig
Status nach Kniegelenksarthroskopie mit
Steadman
-Bohrungen und
Sy
novektomie
sowie medialer und lateraler
Teilmensikektomie
am 17. Oktober 2013 bei ausgedehnter
osteochondraler
Läsion am medi
a
len
Kondylus
Knie links
einzelne tiefe
Kn
o
r
pelulcerationen
und Fissuren in allen
Gelenkskom
partimenten
, Reizerguss und
Bakerzyste
(MRI vom 18. Juli 2014)
subacromiales
Impingement
Bursitis
subacromialis
, lateraler
Downslope
des
Ac
romions
,
gelenksei
tige
Partialläsion der Supra- und
Infraspina
tussehne
, SLAP-Läsion am
Bicepssehnenanker
chronisches lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
Fehlhaltung,
Degenerationen, ungenügende Kraft und Kraftausdauer der rumpfstabilisierend
en Muskulatur
Durch die genannten strukturellen Befunde mit entsprechenden Auswirkungen auf der Funktionsebene
bestün
den wesentliche Einschränkungen auch auf der Partizipationsebene und somit bei den alltäglichen Lebensverrichtungen (S. 2 oben).
4.3
Dr.
Z._
führte im
Frage
bogen zur Hilfeleistung vom 24. November 2015 (Urk. 7/170/1-4) aus, dass die Beschwerdeführerin
nach eigenen Angaben (S. 4)
seit Januar 2015
in diversen Lebensverrichtungen Hilfe benötige. So benötige sie
Hilfe beim An
kleiden
/
Auskleiden
, namentlich um die
Knöpfe
zu schliessen. Zudem benötige sie Hilfe
bei der Körperpflege
, um die
Haare und
den
Körper
zu
wa
schen sowie beim
Baden.
Beim Kämmen sei sie eingeschränkt.
Ferner be
nötige sie Hilfe
beim Verrichten der Notdurft
,
sie sei
namentlich
bei
der
Körper
reinigung
/Überprüfung der Reinlichkeit nach dem Toilettengang eingeschränkt
.
S
chliesslich benötige sie Hilfe
bei der Fortbewegung
in der Wohnung und im
Freien, wobei sie im Freien auf einen Rollstuhl ange
wiesen sei
, und die Pflege gesellschaftlicher Kontakte sei eingeschränkt
(S. 2 f.).
4.4
Dr.
med. C._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
to
logie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte in seiner Stellungnahme vom
14. Dezember 2015
(Urk. 7/172/3) aus, dass beim Vergleich der im aktuellsten
Arztbericht vom 14. Augus
t 2015 genannten Diag
nosen (
vorstehend E. 4.2) mit dem zum Zeitpunkt der letzten RAD-Stellung
nahme genannten
Diagnosen
keine wesentliche Änderung
erkennbar sei.
E
s seien weder neue Diagnosen hinzugekommen noch bisher bestehende wegge
fallen. Im Übrigen wies er nochmals auf die Definition der Hilflosigkeit gemäss Art. 9 ATSG hin. Solange eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit bestehe – dabei verwies er auf seine Stellungnahme
n
vom 25. August 2014 und 18. Dezember 2014 – könne
definitionsgemäss keine Hilf
losigkeit vorlie
gen.
Bei den von RAD-Arzt
Dr.
C._
genannten
Stellungnahme
n
handelt es sich um Stel
lungnahmen, die
2014
im Rahmen des Revisionsverfahrens bezüglich der
seit Februar 2012 ausgerichteten ganzen
Rente
erfolgt sind
(vgl. Urk. 7/142).
So führte
der
RAD-Arzt in
seiner Stellungnahme vom 25. Au
gust 2014
aus, dass
nach beiden Revisions-Wechsel-Operationen der Hüftgelenke im Januar 2013 beziehungsweise April 2014 aus rein somatischer Sicht prinzipiell zumindest eine Arbeitsfähigkeit von 50 % anzunehmen sei
(Urk. 7/142/5)
.
I
n sei
ner Stellungnahme
vom 18. Dezember 2014 (Urk. 7/142/6-7)
ging
der RAD-Arzt
sodann
von folgenden Diagnosen aus:
Fingerpolyarthrose (
Heberden
-, Bouchard-,
Rhiz
-
,
STT-Arthrosen)
AC-Gelenk
s
arthrosen
Zustand nach
beidseitiger Hüfttotalprothese bei
Psoas-Impingement
fortgeschrittene Gonarthrose beiderseits
generalisierte
Tendomyopathie
Panver
tebra
l
syndrom
Die Angabe
der
B._
einer
50%igen Arbeitsfähigkeit in leichter, wechselbelastender Tätigkeit, binnen drei Monaten auf 100 %
steigerbar
(vgl. Urk. 7/139)
,
beziehe sich nur auf die Hüftgelenke und sei durchaus nachvoll
ziehbar, bedeute aber konkret keine Verbesserung (S. 6 unten f.).
4.5
P
D
Dr.
med. D._
, Facharzt für Radiologie und leitender Arzt an der
B._
,
führte
in seinem
– nach Verfügungserlass vom
2
1.
Januar 2016 erstellten –
Bericht vom 26. Februar 2016 (Urk. 10/2)
aus,
dass
er
am 25. Februar
2016 ein MRI der Lendenwirbelsäule un
d des linken Knies
der Beschwerdeführerin
durch
geführt
habe
(S. 1 oben)
. Das MRI der
Lenden
wirbelsäule
habe folgende
Be
fund
e
ergeben
(S. 1 Mitte)
:
mehrsegmentale Degeneration insbesondere L3-S1 mit insbesondere schwerer Facettengelenkarthrose L3/L4 und L5/S1
leichte
Anterolisthese
L3/L4
keine Kompression neurogener Strukturen
kein
ossärer
Reizzustand
Das MRI
des linken Knies habe folgende
Befund
e
ergeben (S. 2 oben):
schwere mediale Gonarthrose
mässige
femoropatelläre
Arthrose
Reizerguss
4.6
Dr.
Z._
nannte
in seiner
–
ebenfalls
nach Verfügungserlass vom
2
1.
Januar 2016 erstellten –
Anfrage
vom 19. April
2016
zu
Handen
des obligatorischen
Kran
kenpflegeversicherers
betreffend einen Aufenthalt in der
E._
(Urk. 10/3) die folgenden Diagnosen:
Polyarthrosen
Fingerpolyarthrosen (
Heberden
-, Bouchard-,
Rhiz
-, STT-Arthrose
n
)
AC-Gelenk
s
- und Mittelfussarthrosen
Status nach beidseitiger Hüfttotalprothese am 16. November 2011 bei schwerer
Coxarthrose
beidseits, Status nach Pfannenwechsel links am 24. Januar 2013 (
B._
), Status nach Kopf- und Pfannenwechsel rechtsseitig bei
Psoas-Impingement
am 2. April 2014
Gonarthrosen
Status nach Kniegelenksarthroskopie mit
Steadman
-Bohrungen und
Synovektomie
sowie medialer und lateraler
Teilmensikektomie
am
17. Oktober
2013 bei ausgedehnter
osteochondraler
Läsion am media
len
Kondylus
Knie links
schwere mediale Gonarthrose, mässige
femoropatelläre
Arthrose mit Reizerguss (MRI Februar 2016)
subacromiales
Impingement
Bursitis
subacromialis
, lateraler
Downslope
des
Acromions
,
gelenksei
tige
Partialläsion der Supra- und
Infraspinatussehne
, SLAP-Läsion am
Bicepssehnenanker
chronisches lumbalbetontes
Panvertebralsyndrom
Fehlhaltung, Degenerationen, ungenügende Kraft und Kraftausdauer der rumpfstabilisierenden Muskulatur
mehrsegmentale Degenerationen L3-S1 mit schwerer
Fazettengelenks
arthrose
L3/4 und L5/S1,
Antelosisthesis
L3/4
Bei der Beschwerdeführerin bestehe auf dem Boden oben genannter wesentli
cher struktureller Befunde eine chronische Schmerzproblematik mit aktueller
Dekompensation auch auf psychischer Ebene. Aufgrund der Beschwerden sei
tens der unteren Extremitäten sei die Beschwerdeführerin
sehr in der
Gehfähig
keit
eingeschränkt und benütze mehrheitlich den Rollstuhl und sei für kleine Strecken an den Gehstöcken mobil.
Im Moment seien aufgrund der psychischen Situation allfällige operative Massnahmen (aktuell vordergründig eine
Knieto
tal
prothese
) nicht möglich (S. 2 oben).
5.
5.1
Anlässlich der Abklärung
vom
6. Februar 2015 gab die Beschwerdeführerin an,
in allen sechs Lebensverrichtungen selbständig
zu sein
(vorstehend
E. 3
). Bei der Befragung durch
Dr.
Z._
im November 2015
erklärte
die Beschwerde
führerin jedoch
, dass sie seit Januar 2015 in diversen Lebensverrichtungen Hilfe
be
nötige (
vorstehend E. 4.3).
Die
Aussagen der Beschwerdeführerin
vom
Novem
ber 2015
widersprechen somit
denjenigen
vom
Februar
201
5.
Es ist jedoch in Bezug auf die Angaben von Dr.
Z._
vom November 2015 festzu
halten, dass er mehrfach und ausdrücklich darauf hinwies, dass es sich dabei jeweils um Angaben der Patientin handle (Urk. 7/170 S. 4). Daraus ergibt sich
ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die angegebenen Einschränkungen nicht
in erster Linie mit den Diagnosen erklären lassen, sondern im Wesentlichen der
subjektiven Einschätzung der Versicherten entspringen. Bereits aus diesem Grund
kann aus dem von Dr.
Z._
ausgefüllten Formular zur Abklärung der
Hilf
losenentschädigung
vom November 2015 nicht auf eine medizinisch bedingte und erklärbare Verschlechterung des Gesundheitszustandes geschlossen werden. Dies trifft auch auf den Bericht Dr.
Z._
vom 14. August 2015 zu
Handen
der Versicherten zu, in welchem er zwar auf wesentliche Einschränkungen auch auf der Partizipationsebene und somit bei den alltäglichen Lebensverrichtungen hinwies. Dr.
Z._
legte jedoch nicht dar, inwiefern sich der Gesundheits
zu
stand seit der Hilflosigkeit verneinenden Verfügung vom 23. April 2015 ver
schlechtert hat und welche Einschränkungen sich nunmehr dadurch ergeben. Zudem beliess er es beim pauschalen Hinweis auf Einschränkungen, ohne diese jedoch näher zu beschreiben, geschweige denn zu begründen. Damit ergeben sich aus den Berichten Dr.
Z._
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit im relevanten Zeitraum weder eine wesentliche Verschlechterung des Gesundheits
zu
standes noch nachvollziehbare Einschränkungen in den alltäglichen
Lebens
ver
richtungen
und bezüglich lebenspraktischer Begleitung.
Au
s den medizinischen Akten
,
namentlich der RAD-Stellungnahme vom Dezem
ber 2014 (vorstehend E. 4.4) und dem Bericht von
Dr.
Z._
vom August 2015 (vorstehend E. 4.2)
,
geht ausserdem
hervor
, dass keine wesentliche
Verschlechterung
des Gesundheitszustandes vorlieg
t
,
die
eine Hilfsbedürftigkeit d
er Beschwerdeführerin begründen
würde.
Die Berichte von
Dr.
D._
vom Februar
2016 (vorstehend E. 4.5) und von Dr.
Z._
vom April 2016 (vorstehend E.
4.6) wurden
nach Erlass der Verfü
gung vom
2
1.
Januar 2
016 erstattet und sind demnach grundsätzlich für die Beurteilung der Hilflosigkeit der Beschwerdeführerin nicht mehr relevant (vor
stehend E. 1.6). Ausserdem ist aus den beiden Berichten keine wesentliche Ver
schlechterung des Gesundheitszustandes der Beschwerdeführerin ersichtlich, die einen Einfluss auf ihre Hilflosigkeit hätte. Aus dem Bericht von
Dr.
Z._
geht
im Wesentlichen h
ervor, dass die Beschwerdeführerin in ihrer Gehfähigkeit einge
schränkt ist und mehrheitlich den Rollstuhl benutzt, für kleine Strecken ist sie an Gehstöcken mobil (vorstehend E. 4.6). Diese Tatsache
wie auch der Hin
weis auf die psychische Situation sind
nicht neu
, wurde doch bereits im Abklärungsbericht vom Februar 2015 festgehalten, dass die Beschwerdeführerin im Freien auf den Rollstuhl angewiesen ist
und Unterstützung von der Psy
chia
trie-Spitex erhält
(vorstehend E. 3).
5.2
Aus dem Abklärungsbericht vom Februar 2015 geht hervor, dass die Beschwer
de
führerin
einmal wöchentlich für eine Stunde von einer Mitarbeiterin von der
Psychiatrie-Spitex betreut wird
. D
ie Intensität einer lebenspraktischen Beglei
tung
, welche wöchentlich mindestens zwei Stunden erfordert
(vorstehend E. 1.3)
,
war somit im Zeitpunkt
der rechtskräftigen Verfügung vom
April 2015
nicht erfüllt (vorstehend E. 3)
. Aus den Akten ist nicht ersichtlich, dass sich diesbezüglich et
was geändert hätte
(vgl. Urk. 3/17)
.
5.3
Die Ansicht der
Beschwerdegegnerin
in der angefochtenen Verfügung
, wonach definitionsgemäss keine Hilflosigkeit vorliegen könne, solange eine 50%ige Restarbeitsfähigkeit bestehe (vorstehend E.
1.2
), ist
irreführend
und bedarf einer Erläuterung
. Die Beschwerdegegnerin
stellte dabei
auf die RAD-Stellungnahme vom Dezember 2015 ab, der RAD-Arzt wiederum stellt
e
auf seine Stellung
nah
men vom August und Dezember 2014 ab, die im Rahmen des
Revisionsver
fahrens
bezüglich der seit Februar 2012 ausge
richteten ganzen Rente erfolgt sind
. Die genannte Restarbeitsfähigkeit betraf
dabei
lediglich
die somati
sche
Seite
(vorstehend E. 4.4).
Die Beschwerdegegnerin kam
sodann
im
Revisi
onsverfahren
zum Schluss, dass bei der
Beschwerdeführerin
seit der
Rentenzu
sprache
keine Veränderung des Gesundheitszustandes vorgelegen habe
. So habe die
Beschwerdeführerin
zum Zeitpunkt der
Rentenzusprache
nicht über die nö
tigen Ressourcen ver
füg
t
, um die
psychiatrische Diagnose
zu über
winden.
Somit war auch
kein
Revis
ions
grund
vorhanden
,
weswegen
der Beschwerde
führerin weiterhin eine ganze Rente
ausgerichtet
wurde
(Urk. 7/142 S. 7 Mitte
, Urk. 7/144
).
5.4
Demzufolge
ergibt sich gestützt auf die den relevanten Zeitraum betreffenden medizinischen Akten weder eine
wesentliche Änderung der Diagnosen bezieh
ungs
weise de
s Gesundheitszustandes
noch nachvollziehbare und medizinisch begründete Einschränkungen, welche über die im Abklärungsbericht bereits auf
ge
führten hinausgehen.
Die Beschwerdeführerin ist somit nicht hilfsbedürftig im Sinne von
Art.
9 ATSG und hat keinen Anspruch auf eine
Hilflosenent
schädi
gung
.
Dementsprechend ist die angefochtene Verfügung zu bestätigen und die dage
g
en erhobene Beschwerde abzuweisen.
6.
6.1
Die Beschwerdeführerin ersuchte am 14. Februar
2016 um unentgeltliche
Prozess
führung
(Urk. 1 S. 1). Die Voraussetzungen zur Bewilligung der unent
geltlichen Prozessführung gemäss § 16 Abs. 1 des Gesetzes über das
Sozialver
sicherungs
gericht
(
GSVGer
) sind erfüllt (vgl. Urk. 10/1).
6.2
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1bis IVG) und auf Fr. 600.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Be
schwerdeführerin aufzuerlegen, zufolge Gewährung der unentgeltlichen
Pro
zess
führung
jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.