# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e6b87761-390b-4afc-b265-a2fd9417c940
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1954, ist ausgebildeter Landwirt und war als solcher bis E
nde 2012 selbst
ändig erwerbend
(
Urk.
5/4/4;
Urk.
5/24
).
Er ist nun - nachdem er zwischenzeitlich bei einer Baumschule tätig war - seit März
2015 bei zwei Landwirtschaftsbetrieben angestellt (
Urk.
5/34/6). Am 1
7.
Juni 2014 meldete sich der Versicherte unter Hinweis auf eine Depression
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
5/4/4). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte einen Auszug aus dem individuellen Konto (IK-Auszug;
Urk.
5/24) sowie Arztberichte ein (
Urk.
5/10;
Urk.
5/25). Ferner zog sie die Akten der
Krankentaggeldversiche
rung
bei (
Urk.
5/23) und gab ein psychiatrisches Gutachten bei
Dr.
med.
Y._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in Auftrag (Gutachten vom
1.
Juni 2015;
Urk.
5/34). Mit Vorbescheid vom 1
2.
Juni 2015 teilte die IV-Stelle mit, dass sie gedenke, das Leistungsbegehren abzuweisen (
Urk.
5/36). Am
1.
September 2015 verfügte sie sodann im angekündigten Sinne (
Urk.
5/40 =
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob
X._
mit Eingabe vom 2
5.
September 2015 Be
schwerde und beantragte,
dass
die angefochtene Verfügung aufzuheben und
ihm
eine angemessene Teilrente zuzusprechen
sei
(
Urk.
1/1).
Die IV-Stelle ersuchte mit Beschwerdeantwort vom 2
7.
Oktober 2015 um Abweisung der Beschwerde (
Urk.
4).
Diesbezüglich liess sich der
Versicherte
in der Folge nicht mehr vernehmen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts [
ATSG
]
).
Sie kann Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder Unfall sein (Art. 4 Abs. 1
des Bundesge
setzes über die Invalidenversicherung [IVG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch
Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verblei
bende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für
die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betätigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder her
stellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich min
des
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.3
Beeinträchtigungen der psychischen Gesundheit können in gleicher Weise wie
körperliche Gesundheitsschäden eine Invalidität im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG in Verbindung mit Art. 8 ATSG bewirken.
Rechtsprechungsgemäss
ist bei psychischen Beeinträchtigungen zu prüfen, ob ein seelische
s Leiden
mit Krankheitswert besteht, welche
s
die versicherte Person auch bei Aufbietung allen guten Willens daran hindert, ein
rentenausschliessendes
Erwerbsein
kommen
zu erzielen (Art. 7 Abs. 2 Satz 2 ATSG;
BGE 139 V 547
E. 5;
131 V 49
E. 1.2;
130 V 352
E. 2.2.1; vgl. Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015
vom 15. Dezember 2015 E. 5
und 9C_125/2015 vom 18. November 2015 E.
5.4.
).
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt grundsätzlich eine lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte psychiatrische Diagnose voraus (vgl. BGE 130 V 396; Urteile des Bundesge
richts 8C_616/2014 vom 25. Februar 201
5
E. 5.3.3.3 und 9C_739/2014 vom 30. November 2015 E. 3.2). Eine fachärztlich festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Es ist nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilen, ob und inwiefern der versicherten Person trotz ihres Leidens die Verwertung ihrer
Restarbeits
fähigkeit
auf dem ihr nach ihren Fähigkeiten offen stehenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt noch sozial-praktisch zumutbar und für die Gesellschaft trag
bar
sei (BGE 141 V 281 E. 3.7.3; 136 V 279 E. 3.2.1; BGE 127 V 294 E. 4c;
vgl.
Urteile des Bundesgerichtes 8C_614/2015 vom 15. Dezember 20
15 E. 5 und 8C_731/2015 vom 18.
April 2016 E. 4.1).
1.4
Zur Annahme der Invalidität nach
Art.
8 ATSG ist – auch bei psychischen Erkrankungen – in jedem Fall ein medizinisches Substrat unabdingbar, das (fach-)ärztlicherseits schlüssig festgestellt wird und nachgewiesenermassen die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit wesentlich beeinträchtigt. Je stärker psychosoziale und soziokulturelle Faktoren wie beispielsweise Sorge um die Familie oder Zukunftsängste (etwa ein drohender finanzieller Notstand) im Ein
zelfall in den Vordergrund treten und das Beschwerdebild mitbestimmen, desto ausgeprägter muss eine fachärztlich festgestellte psychische Störung von Krankheitswert vorhanden sein. Das bedeutet, dass das klinische
Be
schwer
debild
nicht einzig in Beeinträchtigungen, welche von den belasten
den soziokulturellen Faktoren herrühren, bestehen darf, sondern davon psy
chiatrisch zu unterscheidende Befunde zu umfassen hat, zum Beispiel eine von depressiven Verstimmungszuständen klar unterscheidbare andauernde Depression im fachmedizinischen Sinne oder einen damit vergleichbaren psychischen Leidenszustand. Solche von der soziokulturellen Belastungssi
tuation zu unterscheidende und in diesem Sinne verselbständigte psychische Störungen mit Auswirkungen auf die Arbeits- und Erwerbsfähigkeit sind un
abdingbar, damit überhaupt von Invalidität gesprochen werden kann. Wo die begutachtende Person dagegen im Wesentlichen nur Befunde erhebt, welche in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinreichende Erklärung finden, gleichsam in ihnen aufgehen, ist kein invalidisierender psychischer Gesundheitsschaden gegeben (BGE 127 V 294 E. 5a; Urteil des Bundesgerichts 8C_730/2008 vom 23. März 2009 E. 2).
Wenn und soweit psychosoziale und soziokulturelle Faktoren zu einer eigent
li
chen Beeinträchtigung der psychischen Integrität führen, indem sie einen verselbständigten Gesundheitsschaden aufrechterhalten oder den Wirkungs
grad seiner – unabhängig von den invaliditätsfremden Elementen bestehen
den – Folgen verschlimmern, können sie sich mittelbar
invaliditätsbegrün
dend
auswirken (Urteil des Bundesgerichts 9C_537/2011 vom 2
8.
Juni 2012 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Unter
suchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kennt
nis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen
Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begrün
det sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin ging in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) da
von aus, dass
keine Invalidität im Sinne des Gesetzes vorliege. Es sei mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass der Beschwerde
führer aufgrund der psychosozialen Störung in der Arbeitsfähigkeit einge
schränkt sei
beziehungsweise
gewesen sei
. Nach Abgrenzung der psychoso
zialen Faktoren würden keine IV-relevanten Einschränkungen übrigbleiben, welche eine Arbeitsunfähigkeit begründen würden. Aus rechtlicher Sicht entspreche dieses Leiden keiner langdauernden, schweren Erkrankung mit erheblicher und dauerhafter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, weshalb die Voraussetzungen für die Ausrichtung von Leistungen durch die Invaliden
versicherung nicht gegeben seien. Berufliche Massnahmen seien ebenfalls nicht angezeigt.
2.2
Der Beschwerdeführer stützte sich in seiner Beschwerdeschrift (
Urk.
1/1)
im Wesentlichen
auf einen Bericht seines behandelnden Arztes
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie (
Urk.
1/2).
Dieser führte aus, i
m Gutachten von
Dr.
Y._
seien wichtige Aspekte des Verlaufs der Depression ausgelassen worden, was zu einer völlig einseitigen beziehungsweise verzerrenden Sichtweise und Einschätzung geführt habe.
Der Beschwerde
führer habe schon im Jahr 2008 nachgewiesenermassen mindestens eine schwere psychische Krise erlitten und sei behandelt worden. In der jetzigen Phase zeige er im Verlauf der Behandlung ausgeprägte Symptome einer de
pressiven Störung über längere Zeit. Über Wochen und Monate habe er unter ausgeprägten Erschöpfungszuständen, Konzentrationsstörungen,
Gedanken
kreisen
, Ängsten, Schlafstörungen, sozialem Rückzug, Antriebslosig
keit, Hoffnungslosigkeit, bis hin zur Verzweiflung und Suizidalität gelitten. Dies werde im Gutachten auf wenige belastende Zeiträume reduziert, was nicht dem realen Verlauf entspreche. Es sei über längere Zeit eine medikamentöse Therapie mit anerkannten Antidepressiva
durchgeführt worden, wobei bei ausreichender Dosierung eine spürbare Besserung feststellbar gewesen sei
(
Urk.
1/2 S. 1 f.)
.
Ausserdem würden die Abklärungen der IV-Stelle im Zeitraum von 2013 bis 2014 in krassem Widerspruch zur angefochtenen Verfügung und den An
nahmen des Gutachters stehen. Auch in seiner neuen Anstellung sei die Leistungsfähigkeit des Beschwerdeführers eingeschränkt. Es sei zudem nicht von einer blossen depressiven Episode (ICD-10 F. 32), sondern von einer rezidivierenden depressiven Störung auszugehen (ICD-10 F33.1), die momen
tan dank guter Medikation und stützenden Gesprächen einigermassen stabili
siert sei.
Ferner
wies
Dr.
Z._
darauf hin
, dass der Beschwerdeführer mit gewissen Passagen im Gutachten nicht einverstanden sei beziehungsweise dort aufge
führte Aussagen nie gemacht habe. Er fühle sich als Person in seiner
Lebens
situation
vom Gutachter
weder
wahr-
noch
ernstgenommen (
Urk.
1/2 S. 2).
3.
3.1
Der Gesundheitszustand des Beschwerdeführers stellt sich aufgrund der Aktenlage wie folgt dar:
Mit Schreiben vom 2
2.
April 2013 führte
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin, aus, dass er
X._
in den letzten Jahren immer wieder aufgrund depressiver Episoden, die manchmal mit Panik- und Schlafstörungen verbunden gewesen seien, betreut habe. Auslöser seien jeweils emotionale Faktoren im Zusammenhang mit der Hofübergabe oder auch Arbeitsüberlastung gewesen. Der Versicherte berichte nun über Depres
sivität im Anschluss an eine Erkältungskrankheit. Als Nebenbefunde nannte
Dr.
A._
eine Hypertonie, Tachykardien im Rahmen der Panikstörung sowie Adipositas (
Urk.
5/10/6).
3.2
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin, diagnostizierte in ihrem Bericht vom 1
2.
August 2014 eine seit Jahren bestehende rezidivierende depressive Störung mit einer seit etwa April 2013 vorliegen
den depressiven Episode bei psychosozialer Belastungssituation. Der Versi
cherte habe aufgrund einer familiären Konfliktsituation zusammen mit der Ehefrau seinen Wohnort in
C._
verlassen und zu seinen Schwiegereltern ziehen müssen. Die Entwurzelung und die Bauernhofübergabe hätten ihn zusätzlich enorm belastet und von ihm bisher nicht verarbeitet werden können. Der Beschwerdeführer stehe seit seinem Umzug bei
Dr.
Z._
in Behandlung (
Urk.
5/10/1 f.). Aufgrund reduzierter Leistungsfähigkeit und
Stress
tolera
nz sowie erhöhter Ermüdbarkeit sei er
in Bezug auf den bisheri
gen Tätigkeitsbereich
seit Januar 2014 zu 40
%
arbeitsunfähig
(
Urk.
5/10/2).
3.
3
Dr.
Z._
attestierte dem Beschwerdeführer vom 2
3.
bis 2
4.
April 2013 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
5/23/21). In der Folge ging er von einer 50%igen Arbeitsunfähigkeit bis Dezember 2013 aus (
Urk.
5/23/15-21).
Von Januar bis August 2014 setzte
Dr.
Z._
die Arbeitsunfähigkeit sodann mehrheitlich auf 40
%
und von September bis Oktober 2014 wieder
um
auf 50
%
fest (
Urk.
5/23/8-14).
3.4
In ihrem Bericht vom
7.
Februar 2015 attestierte
Dr.
B._
dem Beschwer
deführer auf
der
Basis der bestehenden Diagnosen (vgl. E. 3.1) eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Der Versuch, das Arbeitspensum zu erhöhen, sei ohne Erfolg geblieben (
Urk.
5/25/1).
3.5
Dem psychiatrischen Gutachten von
Dr.
Y._
vom
1.
Juni 2015 lässt sich als Diagnose mit zwischenzeitlicher Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Anpassungsstörung (ICD-10 F43.2) entnehmen. Diese habe von März 2013 bis Dezember 2014 angedauert und auf belastenden zwischenmenschlichen Konflikten mit dem Sohn, der Schwiegertochter und dem Schwiegervater, dem Verlust des Hauses, des Hofes, des Arbeitsplatzes, de
r
sozialen Bezüge sowie der Heimat beruht, wobei auch die belastende Wohnsituation und der unzureichende Lohn eine Rolle gespielt hätten. Zusätzlich wurde eine leichte Höhenangst (ICD-10 F40.2) festgestellt, welche ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit sei (
Urk.
5/34/14 f.).
Die diagnostizierte Anpassungsstörung könne die Arbeitsfähigkeit einschrän
ken, müsse aber nicht. Die aktuell erfassbaren Beschwerden würden jeden
falls medizinisch-theoretisch keine dauerhafte Einschränkung der Arbeits
fähigkeit nahelegen. Versicherungsmedizinisch sei der Quervergleich zwischen
Arbeit und Freizeit zentral. Wer Einschränku
ngen in der Arbeit geltend mache
, müsse diese auch in der Freizeit zeigen. Bei dem Beschwerdeführer würde hier eine Diskrepanz auffallen. Bei Versicherten, die in der Arbeit an der Belastungsgrenze seien, erwarte man nach der Arbeit wie auch an den freien Tagen ein Ausruhen und passives Verhalten. Der Beschwerdeführer sei aber auch hier aktiv, gehe stundenlang wandern oder helfe dem Schwager auf dem Hof. Insgesamt müsse man annehmen, dass er nicht an seiner Be
lastungsgrenze arbeite und mit gutem Willen in der Lage wäre, fünf Tage pro Woche je sieben Stunden auf einem Bauernhof zu arbeiten. Es sei zu berück
sichtigen, dass
X._
nach eigenen Angaben auf seinem eigenen Hof voll arbeitsfähig wäre. Dass er Mühe habe, sich als langjähriger Selb
ständigerwerbender in ein angestelltes Arbeitsverhältnis einzufügen, sei nach
vollziehbar; eine entsprechende Anpassungsleistung sei jedoch zumutbar. Auch die Ablehnung eines
Arbeitsplatzes
in einer Fabrik
mit der Begrün
dung,
er müsse draussen in der Natur arbeiten können, sei verständlich, aber nicht über eine Krankheit begründbar (
Urk.
5/34/18).
Auffällig sei
weiter
die fehlende Starre von Symptomen. Vereinfacht ausge
drückt gehe es dem Beschwerdeführer in emotional belastenden Situationen körperlich und psychisch schlecht, beim Verlassen dieser Situation aber sehr schnell wieder besser. Der zeitliche Zusammenhang sei hier sehr eng und die Symptome seien sehr flexibel. In der Wohnung des ihn mit Verachtung und Ablehnung behandelnden Schwiegervaters fühle sich der Versicherte be
drückt, mit Kopfdruck. Ausserhalb falle dieses psychosomatische Symptom rasch von ihm
ab. Krankheitswertige psych
ische Störungen im engeren Sinne hätten eine Eigendynamik, die hier aber fehle. Die beschriebenen Symptome und die daraus abgeleiteten Beeinträchtigungen seien direkte Auswirkungen psychosozialer Belas
tungsfaktoren, welche invaliden
versicherungsrechtlich nicht relevant seie
n. Man müsse medizinisch-theoretisch von einer
voll
schichtigen
Arbeitsfähigkeit im angestammten Beruf als
selbst
ändiger
Land
wirt ausgehen
.
Dies sei auch hinsichtlich angepasster Tätigkeiten der Fall, wo
bei allenfalls eine Leistungs
minderung von 20
%
vorliege, da der Ver
sicherte vermehrt Pausen brauche und aufgrund seines Alters auch keine körperlich schwere Arbeit mehr verrichten könne (
Urk.
5/34/18 f.).
4.
4.1
Zwischen den Parteien ist strittig, ob ein Anspruch auf eine Invalidenrente besteht. Es ist insbesondere zu prüfen, welche Beweiskraft dem psychiatri
schen Gutachten von
Dr.
Y._
zukommt und ob die Beschwerdegegnerin ihren Entscheid berechtigterweise darauf abgestützt hat.
4.2
Das Gutachten von
Dr.
Y._
vom
1.
Juni 2015 basiert auf für die strittigen Belange umfassenden und allseitigen Untersuchungen. So wurde der Versi
cherte einerseits in psychiatrischer Hinsicht situationsadäquat zu diversen Themenbereichen -
namentlich
seiner Biographie, der Krankheitsentwicklung
und
der Tagesgestaltung - befragt (
Urk.
5/34/5-10).
Der Beschwerdeführer erhielt andererseits aus
giebig
Gelegenheit, seine Beschwerden offen und auch
im Rahmen
einer systematischen Befragung zu schildern (
Urk.
5/34/10
-12). Die geklagten Beschwerden wurden
sodann
auch
in der psychiatrischen
und versicherungsmedizinischen Beurteilung berücksichtigt (
Urk.
5/34/14 ff.).
Das
Gutachten wurde ferner in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
erstellt (
Urk.
5/34/3-5).
Dr.
Y._
setzte sich
in diesem Zusammenhang auch
mit den früheren ärztlichen Beurteilungen auseinander (
Urk.
5/34/20). Überdies wurden die gestellten Diagnosen sowie deren Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit nachvollziehbar aufgezeigt und erläutert (
Urk.
5/34/14 ff.).
Die Expertise von
Dr.
Y._
erfüllt
somit
sämtliche
praxisgemässen
Kriterien an den Beweiswert von medizinischen Gutachten (
vgl.
E.
1.5).
Zu dieser Ein
schätzung
gelangte
im Übrigen auch der Regionale Ärztliche Dienst (RAD) in seiner Stellungnahme vom
3.
Juni 2015 (
Urk.
5/35/4).
4.3
Es ist im Weiteren
darauf hinzuweisen
, dass d
ie von
Dr.
Y._
diagnostizierte Anpassungsstöru
ng rechtsprechungsgemäss grundsätzlich nicht als in
validisierendes Leiden
gilt
(Urteile des Bundesgerichts 9C_4/2013 vom 19. Dezember 2013 E. 2.2, 8C_1055/2010 vom 17. Februar
2011 E. 4.3, 9C_408/2010 vom 22. November 2010 E. 4.3 mit Hinweisen; 8C_322/2010 vom 9. August 2010 E. 5.2).
Hinzu kommt, dass diese Anpassungsstörung
gemäss
psychiatrischem
Gutachten
im Wesentlichen auf
diversen
psychoso
zialen Faktoren be
ruh
t
(
Urk.
5/34/14 f.
+
18 f.)
, wobei
d
iese
Einschätzung im Einklang mit den Berichten von
Dr.
B._
und
Dr.
A._
steht (vgl. E. 3.1 f.) und auch vom Beschwerdeführer nicht angezweifelt wird.
Aus invaliden
ver
sicherungs
rechtlicher Sicht wäre somit die diagnostizierte Störung nur dann relevant, wenn sie sich verselbständigt hätte
,
beziehungsweise wenn sie nicht
allein
in den psychosozialen und soziokulturellen Umständen ihre hinrei
chende Erklärung finden würde (vgl. E. 1.4).
Im Rahmen der
gutachterliche
n
Untersuchung
wurde jedoch
in schlüssiger Weise
dargetan
, dass die Symp
tome - zum Beispiel die Bedrücktheit sowie der Druck im Kopf - direkte Aus
wirkungen der psychosozialen Belastungsfaktoren sin
d
(
Urk.
5/34/19
; E. 3.5
). Demzufolge
schloss die IV-Stelle
im konkreten Fall
zu Recht einen invalidi
sierenden psychischen Gesundheitsschaden aus
.
Ergänzend
ist
anzufügen, dass auch einer
rezidivierenden depressiven Stör
ung (ICD-10 F33.1) – wie sie von
Dr.
Z._
diagnostiziert wurde (vgl. E.
2.2
) -
grundsätzlich keine i
nvalidisierende Wirkung zukommt.
Nach der jüngeren bundesgerichtlichen Rechtsprechung fallen leichte bis mittelgradige depressive Störungen rezidivierender oder episodischer Natur einzig dann als invalidisierende Krankheiten in Betracht, wenn sie
erwiesenermassen
thera
pi
eresistent sind. Nur in dieser
-
seltenen, da nach gesicherter psychiatrischer Erfahrung Depressionen im Allgemeinen therapeutisch gut
angehbar
sind - gesetzlich verlangten Konstellation
ist
den normativen Anforderungen des
Art.
7 Abs. 2 zweiter Satz ATSG für eine objektivierende Betrachtungs- und
Prüfungsweise Genüge getan. Ein solcher Sachverhalt m
u
ss überwiegend wahrscheinlich und d
a
rf nicht lediglich nicht
auszuschliessen
sein. Zudem m
u
ss die Therapie in dem Sinne konsequent gewesen sein, als die aus fach
ärztlicher Sicht indizierten zumutbaren (ambulanten und stationären)
Be
handlungsmöglichkeiten
in kooperativer Weise optimal und nachhaltig aus
geschöpft worden sind (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_434/2016 und 9C_530/2016 vom 14. Oktober 2016 mit Hinweisen unter anderem auf BGE 140 V 193 E. 3.3).
Eine therapieresistente Depression kann im konkreten Fall
zweifellos
ausge
schlossen werden. Einerseits stellt der Beschwerdeführer selbst keine Behaup
tungen in diese Richtung auf, andererseits lassen sich auch den medizini
schen Unterlagen keine Hinweise auf eine Therapieresistenz entnehmen.
So führt
Dr.
Z._
in seiner Stellungnahme selbst aus, dass
sich
die medika
mentöse Behandlung sowie die therapeutischen Gespräche
positiv
auf die gesundheitliche
Situation des Versicherten
auswirken
(
Urk.
1/2 S. 2).
Selbst wenn somit eine rezidivierende depressive Störung vorliegen
würde, würde
diese
ebenfalls
keinen invalidisierenden Gesundheitsschaden darstellen und folglich keinen Anspruch auf eine Invalidenrente begründen.
4.4
Die weiteren
Ausführungen von
Dr.
Z._
vermögen die Beweiskraft des ps
y
chiatrischen Gutachtens ebenfalls nicht zu schmälern.
Vorab ist anzumerken, dass
seine
Stellungnahme unter dem Vorbehalt zu würdigen ist, dass behan
delnde Ärzte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauens
stellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Seine
Kritik
an ver
schiedenen Textpassagen der Expertise
(
Urk.
1/2 S. 2) basiert
ausserdem
massgeblich
auf subjektiven Angaben des Beschwerdeführers und ist als solche für die Beurteilung
des Gesundheitszustands
sowie der medizinisch-theoretischen Arbeitsfähigkeit unerheblich. Es ist auch nicht ersichtlich, welchen Vorteil der Gutachter daraus ziehen könnte, wenn er
- wie behaup
tet -
die Aussagen der untersuchten Person nicht korrekt wiedergeben würde.
Der
Umstand, dass
sich
der Versicherte nicht ernstgenommen fühlt
e
und von der versicherungsmedizinischen Einschätzung enttäuscht respektive verärgert war (
Urk.
5/34/12)
,
weil sie im Ergebnis wohl nicht seinen Vorstellungen entsprach,
vermag den Beweiswert des Gutachtens ebenfalls nicht negativ zu beeinflussen.
So hat
Dr.
Y._
unbestrittenermassen
mehrere Stunden zur
Be
fragung des Beschwerdeführers aufgewendet (vgl.
Urk.
5/34/2;
Urk.
1/2 S.
2
)
,
den relevanten Sachverhalt sorgfältig abgeklärt
und
seine Schlussfolge
rungen nachvollziehbar erläutert
(vgl.
E.
4.2).
Der Stellungnahme von
Dr.
Z._
mangelt es demgegenüber an
den
notwendigen
objektiven und begründeten
Befunden
, weshalb
seine Ausführungen diejenigen des Gutach
ters nicht in Zweifel zu ziehen vermögen.
4.5
Zusammenfassend hat die Beschwerdegegnerin somit berechtigterweise auf das psychiatrische Gutachten von
Dr.
Y._
abgestellt und
den Anspruch auf
eine Rente der Invalidenversicherung verneint
. Die Beschwerde gegen die Verfügung vom
1.
September
2015
(
Urk.
2)
ist demzufolge abzuweisen.
5.
Da die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen zu prü
fen war, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Entsprechend dem
Verfahrens
ausgang
sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.