# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** e10fb42a-5466-4ce9-b290-de6b0b741868
**Court:** ZH_BRK
**Chamber:** ZH_BRK_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschluss vom 8. April 2020 erteilte die Planungs- und Baukommission
X der Y AG die baurechtliche Bewilligung für eine Mobilfunk-Antennenanlage
auf dem Dach des auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 an der A.-Strasse 130 in
X bestehenden Gebäudes.
B.
Hiergegen erhoben AF (Rekurrent 1) und MJ (Rekurrent 2) jeweils mit sepa-
raten Eingaben vom 20. Mai 2020 Rekurs. Der Rekurrent 1 stellte dabei fol-
gende Anträge:
"1. Es sei der angefochtene Beschluss aufzuheben.
2. Es sei ein Augenschein durchzuführen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der ."
Der Rekurrent 2 beantragte folgendes:
"1. Das Baugesuch ist abzuweisen.
2. Das Baugesuch ist zu sistieren bis die Vollzugsempfehlung vorliegt bzw. bis die massgeblichen Grundlagen über die Beurteilung adaptiver  erarbeitet sind und ein auditiertes Qualitätssicherungssystem für adaptive Antennen vorliegt."
C.
Mit Verfügungen vom 26. Mai 2020 wurden die Rekurseingänge unter den
G.-Nrn. R2.2020.00133 und R2.2020.00134 vorgemerkt und es wurden die
Vernehmlassungsverfahren eröffnet.
D.
Mit Eingaben vom 22. Juni 2020 beantragte die Vorinstanz in beiden Verfah-
ren die Abweisung der Rekurse unter Kostenfolge zulasten der Rekurrenten.
R2.2020.00133 Seite 3
Die private Rekursgegnerin stellte mit Eingaben vom 26. Juni 2020 in beiden
Rekursverfahren den Antrag: "Der Rekurs sei vollumfänglich abzuweisen,
soweit darauf einzutreten ist, und die beantragte Baubewilligung sei zu be-
stätigen." Überdies beantragte sie den Verzicht auf die Durchführung eines
Augenscheins (G.-Nr. R2.2020.00133) sowie die Abweisung des Sistie-
rungsantrages (G.-Nr. R2.2020.00134).
E.
Mit Präsidialverfügung vom 8. Juli 2020 wurde im Verfahren G.-Nr.
R2.2020.00133 die Vorinstanz eingeladen, die Baubewilligungsakten der auf
dem Gebäude A.-Strasse 127 vorbestehenden Mobilfunk-Antennenanlage
einzureichen. Am 15. Juli 2020 reichte die Vorinstanz die vorgenannten Ak-
ten ein.
F.
Auf Begehren des Rekurrenten 1 wurde ein zweiter Schriftenwechsel durch-
geführt. Seine Replik datiert vom 21. Juli 2019 und die Duplik der privaten
Rekursgegnerin vom 12. August 2020. Die Parteien hielten an ihren Anträ-
gen fest. Die Vorinstanz verzichtete auf die Einreichung einer Duplik.
G.
Auf Antrag des Rekurrenten 1 wurde ihm mit Präsidialverfügung vom 27. Au-
gust 2020 Frist angesetzt, um zur Duplik der privaten Rekursgegnerin sowie
zu den von der Vorinstanz eingereichten Unterlagen Stellung zu nehmen.
Hiervon machte er mit Eingabe vom 14. September 2020 mit unveränderten
Anträgen Gebrauch.

## Considerations

Es kommt in Betracht:
R2.2020.00133 Seite 4
1.
Die Rekurse beziehen sich auf dasselbe Bauvorhaben. Aus verfahrensöko-
nomischen Gründen sind die Verfahren daher zu vereinigen.
2.
Der Rekurrent 1 ist Eigentümer der Liegenschaft A.-Strasse 139, Kat.-Nr. 2,
welche in einer Distanz zum Bauvorhaben von 110 m situiert ist. Der Rekur-
rent 2 ist Stockwerkeigentümer einer Wohnung in der Liegenschaft A.-
Strasse 136, Kat.-Nr. 3. Die Distanz seiner Wohnung zum Vorhaben beträgt
120 m. Beide Liegenschaften befinden sich im rechtsmittelberechtigten Um-
kreis der strittigen Kommunikationsanlage, welcher mit einem Radius von
rund 376,50 m um die projektierte Antenne gezogen wird. Die Rekurrenten
sind somit von der angefochtenen Baubewilligung mehr als irgendwelche
Dritte oder die Allgemeinheit in ihren eigenen Interessen betroffen und ge-
mäss § 338a des Planungs- und Baugesetzes (PBG) rechtsmittellegitimiert.
Da auch die übrigen formellen Voraussetzungen erfüllt sind, ist auf die Re-
kurse einzutreten.
3.
Der Rekurrent 2 beantragt die Sistierung des Verfahrens zusammengefasst
aus dem Grunde, weil die aktuellen Grenzwerte für adaptive Antennen nicht
anwendbar seien. Zudem sei der Einfluss von für biologische Organismen
schädlichen Pulsationen nicht durch Grenzwerte begrenzt.
Sistierung bedeutet vorläufige Einstellung (Ruhenlassen) eines laufenden
Verfahrens. Die Sistierung eines Gerichtsverfahrens steht grundsätzlich im
Widerspruch zum Beschleunigungsgebot gemäss Art. 29 Abs. 1 der Bundes-
verfassung (BV). Nach § 339a Abs. 1 des Planungs- und Baugesetzes ent-
scheiden die kantonalen Behörden über ein Rechtsmittel innert sechs Mona-
ten nach dessen Eingang. Die Sistierung eines baurechtlichen Rekursver-
fahrens rechtfertigt sich deshalb nur aus besonderen Gründen. Beim Ent-
scheid über eine mögliche Sistierung sind die Interessen der Rekursparteien
abzuschätzen und mit zu berücksichtigen.
Die vom Rekurrenten 2 vorgebrachten Sistierungsgründe beschlagen die
Grundvoraussetzungen für die Bewilligung des Vorhabens. So stellt etwa
R2.2020.00133 Seite 5
das Ausstehen der neuen Vollzugshilfe des BAFU kein Grund für eine Sis-
tierung dar, da die strittige Anlage bis zum Erlass einer neuen Vollzugshilfe
aufgrund der aktuellen Rechtslage und Vorschriften zu beurteilen ist. Da sich
die Bauherrin gegen eine Sistierung ausgesprochen hat, ist unter Berück-
sichtigung des Beschleunigungsgebots das Rekursverfahren von vornherein
nicht zu sistieren.
4.1.
Der Rekurrent 1 bringt vorab vor, auf dem Gebäude A.-Strasse 127 befinde
sich eine vorbestehende, durch eine Sichtschutzwand optisch kaschierte
Mobilfunkanlage. Gemäss den Angaben im Standortdatenblatt liege diese
gerade noch ausserhalb des Anlageperimeters der geplanten Antenne. Die
exakte Lage stehe aber nicht fest. Die Vorinstanz habe es unterlassen abzu-
klären, ob sich die geplante Mobilfunkantenne tatsächlich ausserhalb des
Anlageperimeters befinde und somit bei der Emissionsprognose nicht doch
hätte miteinbezogen werden müssen.
Die Vorinstanz erwidert in ihrer Vernehmlassung im Wesentlichen, im
Standortdatenblatt sei für die projektierte Anlage A.-Strasse 130 der Anlage-
perimeter mit 56,47 m eingezeichnet und die Anlage A.-Strasse 127 befinde
sich knapp ausserhalb von diesem.
4.2.
Der frequenzabhängige Anlagegrenzwert von vorliegend 5 V/m (vgl. act. 9.6
im Verfahren G.-Nr. R2.2020.000133) ist die Immissionsbegrenzung für die
"von einer Anlage" allein erzeugten Strahlung (Art. 3 lit. 6 der Verordnung
über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung [NISV]). Was unter dem
Begriff "von einer Anlage allein" zu verstehen ist, war seit der Inkraftsetzung
der NISV am 1. Februar 2000 lange Zeit kontrovers, weil bis zur Teilrevision
der NISV vom 1. September 2009 als "eine Anlage" alle Sendeantennen "auf
demselben Mast oder in einem engen räumlichen Zusammenhang" bezeich-
net wurden (Ziffer 62 Abs. 1 Anhang 1 altNISV), wobei der Begriff des "en-
gen räumlichen Zusammenhangs" in der Verordnung nicht definiert wurde
und daher unbestimmt blieb. Dies führte zu einer erheblichen Rechtsunsi-
cherheit bei den Vollzugs- und Rechtsmittelbehörden und in der Praxis zu
unterschiedlichen Lösungen bei der Beantwortung der Frage, bis zu welcher
R2.2020.00133 Seite 6
Distanz (als so genannter Anlageperimeter bezeichnet) bestehende Mobil-
funk-Basisstationen in die Anlagegrenzwertberechnungen einer Neuanlage
einzubeziehen seien. Der im Jahre 2002 vom BUWAL/BAFU in seinen Voll-
zugsempfehlungen mittels einer Berechnungsformel definierte Begriff des
"engen räumlichen Zusammenhangs" fand in der Folge jahrelang in der gan-
zen Schweiz Anwendung. Mit Urteil BGr 1C_40/2007 vom 6. Novem-
ber 2007 hielt das Bundesgericht jedoch fest, die BUWAL/BAFU-Formel sei
in der Sache wohl zweckmässig und im Lichte des Immissionsschutzes nicht
zu beanstanden, habe aber keine gesetzliche Grundlage und dürfe deshalb
nicht weiter angewendet werden (vgl. im Detail: Roland Blaser, Mobilfunk –
Rechtsprechung im Spannungsfeld zwischen Kommunikation und Gesund-
heit, PBG aktuell 2/2008, S. 19 f.).
Mit der Teilrevision hat der Bundesrat in Ziffer 62 Abs. 1-4 Anhang 1 NISV in
Nachachtung des genannten höchstrichterlichen Urteils im Detail umschrie-
ben, bis zu welcher Distanz benachbarte (bestehende und/oder bereits be-
willigte) Mobilfunkantennen in die Anlagegrenzwertberechnungen einer neu
zu erstellenden Basisstation einbezogen werden müssen. Mehrere Anten-
nen zusammen werden neu als Antennengruppe bezeichnet:
Ziffer 62 Anhang 1 NISV
"Abs. 1 Eine Antennengruppe umfasst alle Sendeantennen, die am selben Mast oder an oder auf demselben Gebäude angebracht sind.
Abs. 2 Antennengruppen, die aus einem engen räumlichen Zusammenhang senden, gelten als eine Anlage, unabhängig davon, in welcher  sie erstellt oder geändert werden.
Abs. 3 Aus einem engen räumlichen Zusammenhang senden zwei , wenn sich von jeder der beiden Antennengruppen  eine Sendeantenne im Perimeter der anderen Antennengruppe befindet.
Abs. 4 Der Perimeter einer Antennengruppe ist die horizontale Fläche aus Kreisen mit Radius r um jede Sendeantenne der Antennengruppe. Der Radius r in Metern beträgt: r = 90ERPF ; dabei bedeutet:
a. F den Frequenzfaktor. Dieser beträgt:
1. für Antennengruppen, die ausschliesslich im  um 900 MHz oder in niedrigeren Frequenzbereichen senden: 2,63;
2. für Antennengruppen, die ausschliesslich im  um 1800 MHz oder in niedrigeren Frequenzbereichen senden: 1,76;
3. für alle anderen Antennengruppen: 2,10;
R2.2020.00133 Seite 7
b. ERP90 die kumulierte ERP in W, die durch die Sendeantennen ei-
ner Antennengruppe in einen Azimutsektor von 90° emittiert wird. Massgebend ist der Azimutsektor mit der höchsten kumulierten ERP."
Das Bundesamt für Umwelt hat in seinem Rundschreiben vom 22. Juli 2009
auf diese Neuregelung hingewiesen und für die Berechnung und Dokumen-
tation des Anlageperimeters zusätzliche Präzisierungen gemacht.
Aus dem zitierten Wortlaut von Abs. 3 der Bestimmung geht klar hervor, dass
ein enger räumlicher Zusammenhang im erwähnten Sinn nur dann besteht,
wenn sich mindestens eine Mobilfunkantenne einer Antennengruppe jeweils
innerhalb des Perimeters der anderen Antennengruppe befindet.
4.3.
Im vorliegenden Fall beträgt der Radius des Perimeters der geplanten An-
tenne 56,47 m (act. 9.6, S. 8). Der Anlageperimeter der benachbarten An-
tenne ist grösser; er beträgt 134 m. Dies bedeutet, dass wenn sich nun eine
der benachbarten Mobilfunk-Antennen innerhalb einer Distanz zur Projek-
tierten Antenne von 56,47 m befindet, sich die Anlageperimeter jeweils ge-
genseitig überlagern würden und ein "enger räumlicher Zusammenhang" zur
projektieren Antenne gegeben wäre. Nach Ansicht der Vorinstanz trifft dies
aber – wenn auch knapp – nicht zu. Dieser Ansicht kann nicht ohne Weiteres
gefolgt werden.
Gemäss dem Situationsplan im Massstab 1:1000 im Standortdatenblatt der
projektierten Antenne befinden sich die benachbarten Antennen auf dem Ge-
bäude A.-Strasse 127 an drei vom Rand des Flachdaches zurückversetzten
und in grüner Farbe bezeichneten Stellen. Einer der beiden um die geplanten
Antennen gezogener Kreis mit einem Radius von 56,47 m "schneidet zwar
das benachbarte Dach an", berührt aber einen dieser Antennenstandorte um
den Bruchteil eines Millimeters angeblich nicht (vgl. act. 9.6 im Verfahren
R2.2020.00133). Um allfällige Ungenauigkeiten des Planes oder Abweichun-
gen bei der Montage der Antennen auszuschliessen, wäre die Vorinstanz bei
dieser Ausgangslage verpflichtet gewesen, den exakten Standort der vorbe-
stehenden Antennen zu ermitteln. Was sie aber unterliess.
R2.2020.00133 Seite 8
Weiter belegt der Grundrissplan im Massstab 1:100 der beigezogenen Bau-
gesuchsakten der benachbarten Antennengruppe sogar eine wesentlich an-
dere Ausgangslage. So befinden sich die Antennen nicht an drei zurückver-
setzten Standorten, sondern wurden nebeneinander, unmittelbar am
Dachrand, gleich hinter der Sichtschutzwand installiert (vgl. act. 17.5 im Ver-
fahren G.-Nr. R2.2020.00133). Diese Antennen befinden sich zeichnerisch
faktisch im Bereich des Perimeters der projektierten Antenne. Die Antennen-
perimeter würden sich somit gegenseitig überlagen und die benachbarten,
vorbestehenden Antennen müsste diesfalls rechnerisch im Standortdaten-
blatt mitberücksichtigt werden. Ob aber die Antennen auf dem Gebäude A.-
Strasse 127 auch tatsächlich so erstellt wurden, wie dies auf dem Grundriss-
plan eingezeichnet wurde und damit die Distanz zum Bauvorhaben tatsäch-
lich 56,47 m oder weniger beträgt, kann aufgrund der Akten nicht abschlies-
send beurteilt werden und ist durch die Vorinstanz abzuklären.
4.4.
Da bei einer Überscheidung der Perimeter das Standortdatenblatt geändert
und neu aufgelegt werden müsste, kann dieser Mangel nicht nebenbestim-
mungsweise geheilt werden. Der Rekurs ist daher gutzuheissen und die Sa-
che zur weiteren Sachverhaltsermittlung an die Baubehörde zurückzuwei-
sen. Anzumerken ist noch, dass eine Mitberücksichtigung der benachbarten
Antennengruppe zweifellos zu massgebenden Änderungen der Strahlen-
prognose führen würde, weswegen sich weitere, generelle Ausführungen zu
den verbleibenden Beanstandungen der Rekurrenten erübrigen.
5.1.