# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** dfa82696-addc-52e5-ab57-ee4738a3ff8b
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner reichten am 10. April 2017 bei
der Gemeinde Walkringen ein Baugesuch ein für den Neubau eines Einfamilienhauses mit
Doppelgarage auf der Parzelle Walkringen Grundbuchblatt Nr. F._. Die Parzelle
liegt in der Wohnzone W2. Die Bauherrschaft liess sich im Baubewilligungsverfahren durch
die G._ AG vertreten. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Entscheid vom 6. September 2017 erteilte die
Gemeinde Walkringen die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 5. Oktober 2017 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Bauentscheides vom 6. September 2017 und die Rückweisung der Sache
an den zuständigen Regierungsstatthalter zur materiellen Beurteilung. Eventualiter
verlangen sie die Erteilung des Bauabschlags.
Zur Begründung führen die Beschwerdeführenden aus, die Gemeinde habe ein Baugesuch
für ein Grundstück beurteilt, das in ihrem Eigentum stehe. Die Gemeinde sei damit
befangen und es hätte der Regierungsstatthalter über das Baugesuch befinden müssen.
Das geplante Wohnhaus weise zudem drei Vollgeschosse auf, obwohl es sich in einer W2
Zone befinde. Der mit dem Haupthaus zusammengebaute Baukörper mit der Garage im
oberen Geschoss und der Waschküche, dem Keller sowie dem Bastelraum im unteren
Geschoss verletze zudem den Grenzabstand.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. In der ersten Verfügung wies das
Rechtsamt die Beschwerdegegnerin und den Beschwerdegegner darauf hin, dass eine
Vertretung durch die G._ AG, anders als noch im vorinstanzlichen Verfahren, im
Beschwerdeverfahren nicht mehr möglich ist (Art. 15 Abs. 4 VRPG2). Diese Verfügung liess
das Rechtsamt der G._ AG zur Kenntnisahme zukommen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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4. Die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner halten in der Beschwerdeant-
wort vom 3. November 2017 fest, das Bauvorhaben entspreche vollumfänglich dem Bau-
reglement. Weiter führen sie aus, die G._ AG sei neu Eigentümerin des
Baugrundstücks, weshalb künftige Korrespondenz an die G._ AG zu richten sei.
Die G._ AG ihrerseits reichte am 3. November 2017 ebenfalls eine Eingabe ein,
in welcher sie geltend macht, sie sei neu Grundeigentümerin des Baugrundstücks und
deshalb als Beschwerdegegnerin zu führen. Weiter verlangt sie sinngemäss die Abweisung
der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Die Vorinstanz stellt in ihrer
Stellungnahme vom 10. November 2017 keinen Antrag, hält aber sinngemäss am
angefochtenen Bauentscheid fest.
Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintretensvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen, die Baugesuchsteller, die
Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40
Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde, ist durch
den vorinstanzlichen Gesamtentscheid formell beschwert. Die Beschwerdelegitimation von
Einsprecherinnen und Einsprecher setzt voraus, dass sie die Einsprache befugtermassen
eingelegt haben, also auch materiell beschwert sind.4 Dies ist der Fall, wenn der oder die
Einsprechende durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 40-41 N. 4b
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betroffen ist.5 Die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner machen sinngemäss
geltend, den Beschwerdeführenden fehle es an einem rechtlich geschützten Interesse zur
Beschwerdeführung, da das Projekt mit keinen ausreichend intensiven Nachteilen für die
Beschwerdeführenden verbunden sei. Es handle sich höchstens um ein Aussichtsproblem.
Nach Lehre und Rechtsprechung ist eine Person in schutzwürdigen Interessen berührt,
wenn sie durch ein Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit betroffen ist und
zum Streitgegenstand eine besondere Beziehungsnähe hat. Nach der Rechtsprechung des
Bundesgerichts muss die besondere Beziehungsnähe zum Streitgegenstand bei
Bauprojekten insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein. In einer besonders nahen
Beziehung zur Streitsache stehen naturgemäss die Nachbarn des Baugrundstücks. Der
Kreis der betroffenen Nachbarschaft kann aber nicht allgemein festgelegt werden, sondern
muss im Einzelfall nach den konkreten Verhältnissen bestimmt werden. Die Nachbarschaft
reicht so weit wie die allfälligen nachteiligen Auswirkungen des Bauvorhabens. In der
Regel zu bejahen ist die Einsprachebefugnis des Nachbarn, wenn dessen Liegenschaft
unmittelbar an das Baugrundstück angrenzt oder allenfalls nur durch einen Verkehrsträger
davon getrennt wird. Es wird darauf verzichtet, auf bestimmte feste Werte abzustellen.
Nach der bundesgerichtlichen Praxis sind Nachbarn bis im Abstand von etwa 100 m in der
Regel zu Verwaltungsgerichtsbeschwerden gegen Bauvorhaben legitimiert. Allerdings
ergibt sich die Legitimation nicht schon allein aus der räumlichen Nähe, sondern erst aus
einer daraus herrührenden besonderen Betroffenheit. Ein schutzwürdiges Interesse liegt
vor, wenn die tatsächliche oder rechtliche Situation der Nachbarn durch den Ausgang des
Verfahrens beeinflusst werden kann. Dies ist ohne weiteres der Fall, wenn das
Bauvorhaben nicht verwirklicht werden kann.6
Das Grundstück der Beschwerdeführenden liegt rund 10 m vom Baugrundstück entfernt
und weist damit die geforderte Beziehungsnähe auf. Die beiden Grundstücke sind überdies
nur durch einen Verkehrsträger voneinander getrennt. Die Beschwerdeführenden rügen
zudem nicht eine Beeinträchtigung der Aussicht, sondern die Unzuständigkeit der vor-
instanzlichen Entscheidbehörde, die Verletzung von Zonenvorschriften sowie eine Verlet-
zung des Grenzabstands. Dringen die Beschwerdeführenden mit einer dieser Rügen
durch, wird das umstrittene Bauvorhaben verzögert oder verhindert. Ein praktischer Nutzen
5 Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG 6 Vgl. dazu Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 35–35c N. 16 bis 17a, mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
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für die Beschwerdeführenden liegt damit vor. Auf die frist- und formgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
2. Zuständigkeit der Vorinstanz
a) Nach Art. 8 Abs. 2 BewD7 ist die Regierungsstatthalterin oder der
Regierungsstatthalter in jedem Fall zuständig für Bauvorhaben, die für Zwecke der
Gemeinde bestimmt sind. Im Sinne dieser Bestimmung ist jedes Vorhaben für die Zwecke
der Gemeinde bestimmt, an welchem sie ein so starkes Interesse hat, dass ihre
Unabhängigkeit als gefährdet erscheint. Das ist z.B. der Fall bei Bauvorhaben Dritter auf
gemeindeeigenem Boden oder wenn die Gemeinde sonst wie aus der Bewilligung direkte
finanzielle Vorteile zieht. Die Norm will die Unbefangenheit der Gemeinde als
Baubewilligungsbehörde gewährleisten. Die Gemeinde, welche an einem Bauvorhaben ein
grosses Interesse hat, steht im Verdacht, nicht mehr unbefangen die Einhaltung der bau-
und planungsrechtlichen Vorschriften überprüfen zu können. Es geht darum, den Anschein
zu vermeiden, die Baubewilligungsbehörde entscheide in eigener Sache.8 Die
Zuständigkeit bestimmt sich aufgrund der Rechtslage im Zeitpunkt der formgültigen
Anhängigmachung des Verfahrensgegenstandes. Im Baubewilligungsverfahren ist somit
die Einreichung des Baugesuchs der massgebende Zeitpunkt für die Beurteilung der
Zuständigkeit.9
b) Die Einwohnergemeinde Walkringen schloss mit der G._ AG am
1. Dezember 2016 eine Reservationsvereinbarung ab über das Baugrundstück Walkringen
Grundbuchblatt Nr. F._. Darin vereinbarten die Parteien, die Gemeinde werde mit
der G._ AG einen Kaufvertrag abschliessen über ein noch abzuparzellierendes
Teilstück des Grundstücks Walkringen Grundbuchblatt Nr. F._. Den Kaufpreis
legten sie auf Fr. J._.-- pro m2 Land fest (Ziff. III.1. Reservationsvereinbarung). Die
G._ AG verpflichtete sich zudem, eine Anzahlung von Fr. P._.-- zu leisten
(Ziff. III.2. Reservationsvereinbarung). Im Gegenzug reserviert die Gemeinde das
Grundstück für die G._ AG (Ziff. IV.2. Reservationsvereinbarung).
7 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 8 Vgl. zum Ganzen BVR 1989 S. 150 E. 5; BVR 2005, S. 321 E. 2.3; Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 33 N. 3 9 Vgl. BVR 2008 S. 481 E. 3.1.1, m.w.H.; vgl. auch Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N 2
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Am 31. Juli 2017 schlossen die G._ AG und die Gemeinde den in der
Reservationsvereinbarung vorgesehenen Kaufvertrag ab. Darin übereignete die Gemeinde
das Grundstück Walkringen Grundbuchblatt Nr. F._ mit einer Gesamtfläche von
714 m2 der G._ AG zu Alleineigentum. Der Kaufpreis betrug gesamthaft
Fr. Q._.-- (Ziff. 1. und 2. Kaufvertrag). Den Übergang von Nutzen und Gefahr
vereinbarten die Parteien auf den 1. September 2017 (Ziff. 5. Kaufvertrag). Der
Grundstücksverkauf wurde am 31. August 2017 beim Grundbuchamt angemeldet. Knapp
eine Woche später erteilte die Gemeinde Walkringen am 6. September 2017 die
Baubewilligung. Die definitive Eintragung in das Hauptbuch des Grundbuchs erfolgte
schliesslich Mitte Dezember 2017 während des bei der BVE hängigen
Beschwerdeverfahrens.
c) In der Zeit zwischen dem Abschluss der Reservationsvereinbarung am 1. Dezember
2016 und des Kaufvertrags am 31. Juli 2017 reichte die Bauherrschaft bei der Gemeinde
Walkringen am 10. April 2017 das erwähnte Baugesuch ein für die Errichtung eines
Einfamilienhauses mit Doppelgarage auf dem Grundstück Walkringen Grundbuchblatt
Nr. F._. Auf dem Baugesuchsformular 1.0 gab die Bauherrschaft an, sie lasse sich
durch die G._ AG vertreten.
d) Die Gemeinde war somit zum Zeitpunkt der Gesuchseinreichung Eigentümerin des
Grundstücks Walkringen Grundbuchblatt Nr. F._. Der Umstand, dass die
Gemeinde bei Baugesuchseinreichung Eigentümerin des Baugrundstücks war, genügt
nach der oben dargelegten Praxis, um den Anschein der Befangenheit zu erwecken. Die
Gemeinde war deshalb nach Art. 8 Abs. 2 BewD für das vorliegende Bauvorhaben nicht
entscheidbefugt und hätte die Angelegenheit zuständigkeitshalber an das
Regierungsstatthalteramt überweisen müssen. Vorliegend bestehen zudem weitere
konkrete Hinweise, welche Zweifel an der Unbefangenheit der Gemeinde als
Baubewilligungsbehörde wecken. So führt die Gemeinde in ihrer Stellungnahme vom
10. November 2017 Folgendes aus:
"Die Verantwortlichen der G._AG, Herren H._ und I._, haben nach der Reservationsbestätigung vom 01.12.2016 mit der Gemeindeverwaltung Kontakt für die Einleitung
eines Baubewilligungsverfahrens aufgenommen. Sie wurden darauf hingewiesen, dass die
Gemeinde als (Noch-)Grundeigentümerin ein Baubewilligungsverfahren nicht durchführen könnte
und dies durch das Regierungsstatthalteramt zu erfolgen hätte. Die G._ AG hatte jedoch
gewünscht, dass sie von der Gemeinde vor einem Landkauf eine Zusage für ein Bauvorhaben und
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kein Verfahren beim Regierungsstatthalteramt möchte. Aus diesem Grund hat die
Gemeindeverwaltung die am 22.02.2017 eingereichten Pläne materiell geprüft und festgestellte
Mängel zur Korrektur an den Projektverfasser zurückgewiesen [...].
Am 10.04.2017 reichte die G._ AG das hier fragliche Baugesuch von D._ und
E._, K._, L._ Bern, mit revidierten Plänen vom 06.04.2017 ein und
wünschte eine sofortige Publikation des Baugesuches. Da sie den Abschluss des seit der
Reservationsbestätigung vom 01.12.2016 in Aussicht gestellten Kaufvertrag innert den nächsten
Tagen zusagten, wurde das Bewilligungsverfahren durch die Gemeinde weitergeführt bzw. formell
eingeleitet, insbesondere da bereits die kritischen Fragen mit dem AGR geklärt wurden.
Im Vertrauen auf einen zeitnahen Abschluss des Landverkaufsvertrags und der bereits
vorgeleisteten Abklärungen sowie auf Wunsch der G._ AG, wurde das
Baubewilligungsverfahren durch die kommunale Baupolizeibehörde eingeleitet und weitergeführt.
Den Verantwortlichen der G._ AG wurde das Risiko wegen der Verfahrensführung durch
die Gemeindebehörden mehrmals mitgeteilt und dass eine Unterzeichnung des Verkaufsvertrags
umgehend erfolgen muss um nachfolgende Probleme wegen allfälligen Verfahrensmängel zu
verhindern."
Angesichts dieser Ausführungen ist fraglich, ob die G._ AG das Grundstück auch
ohne ein Entgegenkommen der Gemeinde in der Verfahrensführung gekauft hätte. Zwar
enthält der Kaufvertrag mit der G._ AG keine Klausel, wonach dessen
Zustandekommen unter dem Vorbehalt der Erteilung der Baubewilligung durch die
Gemeinde steht. Die Erteilung der Baubewilligung war damit formell nicht Voraussetzung
für den Vertragsabschluss und für die Fälligkeit des Kaufpreises. Die G._ AG
erwarb die Parzelle jedoch offensichtlich in der Erwartung, darauf das von der
Bauherrschaft eingegebene Projekt realisieren zu können. Das erhebliche Interesse der
G._ AG am Bauvorhaben zeigt sich einerseits in den Ausführungen der Gemeinde
und andererseits auch darin, dass die G._ AG im vorliegenden Verfahren
Parteistellung beantragte (vgl. dazu die untenstehende E. 4). Die G._ AG
wünschte gemäss der Stellungnahme der Gemeinde vor einem Landkauf zudem eine
Zusage für ein Bauvorhaben und teilte mit, dass sie bzw. die Bauherrschaft kein Verfahren
beim Regierungsstatthalteramt wolle. Dieser Forderung der G._ AG gab die
Gemeinde nach und führte das Baubewilligungsverfahren trotz Zweifel an der eigenen
Zuständigkeit durch. Dem Protokoll zur Gemeinderatssitzung vom 23. August 2017 ist
schliesslich zu entnehmen, dass die Gemeinde eine Bewilligung dieses Baugesuchs in
Aussicht stellte, jedoch mit der Verfügung zuwarteten wollte, solange sie noch
Eigentümerin der Bauparzelle Walkringen Grundbuchblatt Nr. F._ war. Die enge
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faktische Verknüpfung zwischen dem Landverkauf an die Vertreterin der Bauherrschaft und
dem durchgeführten Baubewilligungsverfahren lässt die Gemeinde als
Baubewilligungsbehörde nicht mehr als unbefangen erscheinen. Die Vorinstanz macht
zwar geltend, die Baupolizeibehörde handle unabhängig und autonom von der
Liegenschaftskommission und dem Gemeinderat, welche für den Landverkauf zuständig
und verantwortlich seien. Mit dem Gemeindeschreiber, Herrn M._, hat jedoch
dieselbe Person den Bauentscheid mitunterzeichnet, welche bereits die
Reservationsvereinbarung und den Kaufvertrag mitunterschrieben hatte. Zumindest eine
personelle Verflechtung zwischen den Geschäften liegt damit vor. Gestützt auf
Art. 8 Abs. 2 BewD wäre das Regierungsstatthalteramt für die Durchführung des
Baubewilligungsverfahrens zuständig gewesen.
e) Im Übrigen gilt es, Folgendes zu beachten: Die dinglichen Rechte entstehen erst
durch die Eintragung in das Hauptbuch des Grundbuchs, auch wenn ihre Wirkung auf die
Einschreibung in das Tagebuch zurückbezogen wird (vgl. Art. 972 ZGB10).11 Die
Veräusserin bzw. der Veräusserer eines Grundstücks ist demnach so lange Eigentümerin
bzw. Eigentümer des zu verkaufenden Grundstücks, bis die Eintragung des
Grundstückverkaufs im Hauptbuch vollzogen ist. Vorliegend wurde der Grundstücksverkauf
zwar am 31. August 2017 dem Grundbuch angemeldet. Der Eintrag in das Hauptbuch
erfolgte jedoch erst Mitte Dezember 2017. Dem als Beilage 3 zur Beschwerde
eingereichten Auszug des Grundstückdateninformationssystems (GRUDIS) lässt sich denn
auch entnehmen, dass im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids vom
6. September 2017 das Geschäft zum Grundstücksverkauf noch nicht im Hauptbuch
eingetragen war. Die Gemeinde war also nicht nur im Zeitpunkt der Gesuchseinreichung,
sondern auch im Zeitpunkt des vorinstanzlichen Entscheids aktuelle Grundeigentümerin
des Baugrundstücks. Daran ändert auch ein späterer Rückbezug der Wirkung der
dinglichen Rechte auf den Tagebucheintrag nichts.
3. Kassation
a) Kann auf eine Beschwerde eingetreten werden, so entscheidet die
Beschwerdeinstanz in der Sache oder weist die Akten ausnahmsweise und mit
10 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 201) 11 Vgl. zum Ganzen BGE 138 III 512 E. 3.1 bis 3.3, m.w.H.
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verbindlichen Anordnungen an die Vorinstanz zurück (Art. 72 Abs. 1 VRPG). Der
Beschwerdeentscheid ist somit in der Regel reformatorisch und nur ausnahmsweise
kassatorisch.12
b) Das Verwaltungsgericht hat im Zusammenhang mit der Verletzung von Art. 8
Abs. 2 BewD ausgeführt, die Unzuständigkeit einer Behörde stelle einen schwerwiegenden
Mangel und damit grundsätzlich einen Nichtigkeitsgrund dar, der jederzeit und von
sämtlichen rechtsanwendenden Behörden von Amtes wegen zu beachten sei. Eine
Ausnahme von der Nichtigkeitsfolge mache die Praxis unter anderem für den Fall, dass der
verfügenden Behörde auf dem betreffenden Gebiet allgemeine Entscheidungsgewalt
zukomme. Dies treffe für Gemeinden in Bausachen zu, da sie grundsätzlich die
Baubewilligungsbehörde sei. Von Gemeinden erteilte Baubewilligungen müssten deshalb
nicht als nichtig eingestuft werden. Das Verwaltungsgericht kam zum Schluss, dass eine
Rückweisung an das Regierungsstatthalteramt in diesem Verfahrenszeitpunkt (sprich im
Verwaltungsgerichtsverfahren) als prozessökonomisch wenig sinnvoll erscheine.13
Allerdings ist dieser Entscheid nicht ohne weiteres auf die vorliegende Situation zu
übertragen. Das Verwaltungsgericht hat seinen Entscheid unter anderem damit begründet,
dass, auch wenn das Regierungsstatthalteramt die Baubewilligung erteilt hätte, die BVE
erstinstanzlich zur Überprüfung zuständig gewesen wäre. Deshalb sei eine Rückweisung
an das Regierungsstatthalteramt mit erneuter Beschwerdemöglichkeit an die BVE nicht
sinnvoll. Diese Ausgangslage ist in einem Beschwerdeverfahren vor der BVE noch nicht
gegeben.
In einem etwas anderen Zusammenhang hat das Verwaltungsgericht befunden, dass eine
Behörde, in der ein Mitglied seine Ausstandspflicht verletzt habe, als nicht richtig besetzt
und in einem weiteren Sinn als unzuständig gelten müsse, was mit der Kassation des
Verwaltungsaktes und den diesem vorangegangenen Amtshandlungen verbunden sein
könne.14 Letztlich kam das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass die Möglichkeit der
Heilung des Verstosses gegen die Ausstandspflicht entfalle und der Entscheid der
Vorinstanz von der BVE hätte aufgehoben und an diese zurückgeschickt werden müssen.
Zwar lässt sich auch dieser Sachverhalt nicht direkt auf den vorliegenden Fall übertragen.
12 Vgl. auch Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 72 N. 2 f. 13 BVR 2005 S. 321 E. 2.4 14 VGE 409/2009 vom 21. Juni 2010
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Er zeigt jedoch, dass bei der Heilung eines Verstosses gegen Zuständigkeitsvorschriften
Vorsicht geboten ist und eine solche nicht immer möglich ist.
c) Vorliegend ist die Angelegenheit erst bei der BVE hängig und sie ist noch nicht
entscheidreif. So machen die Beschwerdeführenden geltend, das Untergeschoss sei als
Vollgeschoss zu werten, weil es im Mittel mehr als die gemäss Baureglement der
Gemeinde Walkringen zulässigen 1.20 m über das gewachsene Terrain hinaus rage. Ob
dieser Grenzwert überschritten wird, ist umstritten und wird von der G._ AG
verneint. Die Vorinstanz geht dagegen von einer Überschreitung aus, bringt aber vor, diese
betrage lediglich ca. 3% und liege damit im zulässigen Toleranzbereich. Bei derart
knappen Verhältnissen muss sich die Entscheidbehörde auf exakte Berechnungen stützen
können. Solche Berechnungen lassen sich anhand der Planangaben nicht mit der
notwendigen Genauigkeit vornehmen. Insbesondere fehlen in den Plänen Angaben über
die Länge jener Fassadenabschnitte des Untergeschosses, welche 1.20 m über das
gewachsene Terrain hinausragen. Diese Vermassungen sind insbesondere an der Nord-
und Südfassade des Bauvorhabens unerlässlich. Die Gemeinde bringt zudem vor, beim
gewachsenen Terrain in den Plänen handle es sich um ein annäherndes, rudimentäres und
theoretisches Mass. Auch der Verlauf des gewachsenen Terrains scheint damit nicht
genügend abgeklärt und müsste durch einen Geometer überprüft werden, ehe die
entsprechenden Berechnungen überhaupt vorgenommen werden können.
Weiter geht aus den eingereichten Plänen hervor, dass das Bauvorhaben via
N._strasse, einer Gemeindestrasse, erschlossen und ein neuer
Strassenanschluss erstellt werden soll. Die Vorinstanz hat es jedoch unterlassen,
entsprechende Abklärungen vorzunehmen und eine für die Erschliessung notwendige
Strassenanschlussbewilligung einzuholen oder auszustellen (vgl. Art. 85 SG15). Dies wird
vom zuständigen Regierungsstatthalteramt nachzuholen sein.
d) Der Fall ist noch nicht entscheidreif. Mangelnde Entscheidreife der Angelegenheit ist
ein besonderer Grund, welcher für eine Rückweisung an die Vorinstanz spricht.16 Die
Baugesuchsakten der Gemeinde Walkringen (Baugesuchs-Nr. O._), die Eingaben
der Beschwerdegegnerin und des Beschwerdegegners vom 3. November 2017, die
Stellungnahme der G._ AG vom 3. November 2017 (samt Beilagen) sowie die
15 Strassengesetz vom 4. Juni 2008 (SG; BSG 732.11) 16 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 72 N. 3
RA Nr. 110/2017/130 11
Stellungnahme der Gemeinde Walkringen vom 10. November 2017 gehen daher an das
Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland zur Fortsetzung des Baubewilligungsverfahrens.
4. Parteistellung der Bauherrschaft und der G._ AG
a) Die G._ AG macht mit Stellungnahme vom 3. November 2017 geltend, das
Baugrundstück sei an sie verkauft worden. Sie sei deshalb neu als Beschwerdegegnerin zu
führen. Auch die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner weisen in ihrer Eingabe
vom 3. November 2017 darauf hin, sie seien nicht Eigentümer der Bauparzelle.
Eigentümerin sei die G._ AG. Künftige Korrespondenz sei daher an die
G._ AG zu richten.
b) Die Baubewilligung gilt für den Gesuchsteller, für die Eigentümerschaft des
Baugrundstücks zur Zeit des Bauentscheids und – unter vorliegend nicht relevanten
Vorbehalten – für deren Rechtsnachfolger und Rechtsnachfolgerinnen (vgl. Art. 42
Abs. 1 BauG).17 Direktbetroffene können sich der Verfahrensbeteiligung nicht entziehen,
auch nicht durch den Verzicht auf eigene Rechtsbegehren.18
c) Die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner schreiben in ihrer
Stellungnahme nicht, die G._ AG sei ihre Rechtsnachfolgerin. Entsprechend
machen sie auch nicht geltend, sie hätten kein Interesse mehr am Bauvorhaben bzw. sie
hätten dieses der G._ AG übertragen. Im Gegenteil weist die
Beschwerdegegnerschaft in ihrer Beschwerdeantwort darauf hin, das Baugesuch sei "im
Interesse der beiden Parteien (G._ AG und Familie J._)" eingereicht
worden. Auch die G._ AG macht nicht geltend, sie sei neue Bauherrschaft und
begründet ihre Parteistellung ebenfalls einzig mit ihrem Status als neue
Grundeigentümerin. Die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner sind damit nach
wie vor als Bauherrschaft des anbegehrten Bauprojekts zu qualifizieren. Dies gilt
unabhängig von den Grundeigentumsverhältnissen des Baugrundstücks. Sie sind als
Bauherrschaft vom vorliegenden Verfahren direkt betroffen und können sich diesem nicht
17 Zaugg/Ludwig, a.a.O., Art. 42 N 2 18 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O, Art. 12 N 5
RA Nr. 110/2017/130 12
entziehen. Der Beschwerdegegnerin und dem Beschwerdegegner kommt damit
Parteistellung im Beschwerdeverfahren zu.
d) Anders verhält es sich mit der G._ AG. Aus dem vorstehend in E. 2.e
Ausgeführten geht hervor, dass die G._ AG mit Abschluss des Kaufvertrags vom
31. Juli 2017 noch nicht Eigentümerin des Baugrundstücks wurde. Auch im Zeitpunkt des
vorinstanzlichen Entscheids vom 6. September 2017 war sie nicht Grundeigentümerin. Der
den Eigentumsübergang auslösende Hauptbucheintrag erfolgte erst Mitte Dezember 2017
und damit nach Abschluss des Beweisverfahrens und des Schriftenwechsels im
vorliegenden Beschwerdeverfahren. Als die G._ AG mit Eingabe vom
3. November 2017 beantragte, neue Beschwerdegegnerin im vorliegenden Verfahren zu
sein, tat sie dies also weder als Grundeigentümerin noch als Bauherrin. Die BVE beteiligte
die G._ AG daher während des Verfahrens nicht als Partei. Mit dem vorliegenden
Entscheid wird zudem nicht in der Sache selbst entschieden. Der für die Fortsetzung des
Verfahrens zuständige Regierungsstatthalter wird bei entsprechendem Antrag über die
Parteistellung der Beteiligten im weiteren Verfahren zu befinden haben.
5. Kosten
a) Zusammengefasst ergibt sich, dass die Beschwerde gutzuheissen und die
Baubewilligung aufzuheben ist. Das Baugesuches vom 7. April 2017 / 10. April 2017 ist
vom Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland weiter zu behandeln. Bei diesem Ausgang
des Verfahrens unterliegen die Beschwerdegegnerin und der Beschwerdegegner. Die
Verfahrenskosten bestehen im vorliegenden Fall aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG19), welche gestützt auf Art. 19 GebV20 auf Fr. 1'000.-- festgesetzt
wird. Nach Art. 108 Abs. 1 VRPG werden die Verfahrenskosten der unterliegenden Partei
auferlegt, es sei denn, das prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere
Verlegung oder die besonderen Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu
erheben. Die Aufhebung des angefochtenen Entscheides erfolgt wegen des
Verfahrensfehlers der Gemeinde, was als besonderer Umstand zu berücksichtigen ist. Der
Gemeinde können jedoch keine Kosten auferlegt werden, da sie vorliegend nicht in ihren
19 Gesetz über die Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989 (BSG 155.21) 20 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
RA Nr. 110/2017/130 13
Vermögensinteressen betroffen ist (Art. 108 Abs. 2 i.V.m. Art. 2 Abs. 1 Bst. b VRPG). Die
Verfahrenskosten trägt demnach der Kanton.
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Wegen des Verfahrensfehlers liegen
besondere Umstände vor, die eine Auferlegung der Parteikosten an die Vorinstanz
rechtfertigen. Die Parteikosten umfassen den durch die berufsmässige Parteivertretung
anfallenden Aufwand (Art. 104 Abs. 1 VRPG). Die Kostennote des Anwaltes der
Beschwerdeführenden gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Gemeinde Walkringen hat
somit den Beschwerdeführenden die Parteikosten von Fr. 2'730.80 (inkl. Auslagen und
Mehrwertsteuer) zu ersetzen
c) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren vor der
Vorinstanz müssen in diesem Entscheid nicht geregelt werden. Zwar werden der
angefochtene Entscheid und damit auch die entsprechende Kostenverlegung in Ziffer 3
aufgehoben. Die Sache geht jedoch zur Fortsetzung des Baubewilligungsverfahrens an
das zuständige Regierungsstatthalteramt. Die Gemeinde Walkringen kann ihre Kosten
somit durch den Regierungsstatthalter in dessen Bauentscheid geltend machen.