# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4a58b236-834c-45c6-b4a4-d0228cfbf120
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das 
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Bülach, I. Abteilung, vom 5. Oktober 2011 (DG110036)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 9. Mai 2011
(Urk. 10/9) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung
gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 6
aBetmG in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a und b aBetmG.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit 13 Jahren Freiheitsstrafe, wovon 865 Ta-
ge durch Haft erstanden sind.
3. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft II vom 21. März 2011 beschlag-
nahmten Gegenstände (7 Mobiltelefone (z. T. mit Ladegeräten und Ladeka-
beln), 2 SIM-Karten-Halterungen, 3 Taxkarten Lebara) werden ein- und zur
Kostendeckung herangezogen.
4. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 10'000.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 9'000.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 14'248.– Auslagen Untersuchung
Fr. 35'269.60 amtl. Verteidigungskosten
Fr.
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt; davon ausgenommen sind die Kosten der amtli-
chen Verteidigung, welche einstweilen und unter Vorbehalt von Art. 135
Abs. 4 StPO von der Gerichtskasse übernommen werden.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 75 S. 1 f.)
1. Ziff. 1 und 2 des Dispositivs des Urteils des Bezirksgerichts Bülach
vom 5. Oktober 2011 seien aufzuheben.
2. Der Beschuldigte sei der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung ge-
gen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und
6 aBetmG in Verbindung mit Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG schuldig zu
sprechen. Vom Vorwurf der Bandenmässigkeit gemäss Art. 19 Ziff. 2
lit. b aBetmG sei der Beschuldigte frei zu sprechen.
3. Der Beschuldigte sei mit einer Freiheitsstrafe von maximal 7 Jahren zu
bestrafen, unter Anrechnung der bereits erstandenen Haft.
4. Die Kosten des Verfahrens seien dem Beschuldigten aufzuerlegen, je-
doch infolge offensichtlicher Uneinbringlichkeit sofort und definitiv ab-
zuschreiben. Die Kosten der amtlichen Verteidigung seien auf die
Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich:
(schriftlich, Urk. 64 S. 1)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
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## Considerations

Das Gericht erwägt:
I. Verfahrensgang
1. Am 9. Mai 2011 erhob die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich die diesem
Urteil beigeheftete Anklage gegen den Beschuldigten an das Bezirksgericht
Bülach wegen mehrfacher qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungs-
mittelgesetz (Urk. 10/9). Eine erste Fassung der Anklageschrift vom 22. März
2011 war mit Beschluss vom 15. April 2011 in Anwendung von Art. 329
Abs. 2 StPO zur Ergänzung an die Staatsanwaltschaft zurückgewiesen worden
(Urk. 11). Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Bülach fand am 15. und
am 27. September 2011 statt. Es wurde gleichzeitig über die (Mit-)Beschuldigten
B._, C._ und D._ verhandelt (Prot. I S. 5 ff.).
2. Mit Urteil vom 5. Oktober 2011 sprach das Bezirksgericht Bülach, I. Abteilung,
den Beschuldigten der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen das Be-
täubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 6 aBetmG in Verbin-
dung mit Ziff. 2 lit. a und b aBetmG schuldig. Die Vorinstanz bestrafte den Be-
schuldigten mit einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren, unter Anrechnung von 865
Tagen erstandener Haft. Gleichzeitig zog die Vorinstanz die mit Verfügung der
Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 21. März 2011 beschlagnahmten
Gegenstände (7 Mobiltelefone [z.T. mit Ladegeräten und Ladekabeln], 2 SIM-
Karten-Halterungen, 3 Taxkarten Lebara) ein und zur Kostendeckung heran
(Urk. 37).
3. Gegen das mündlich eröffnete Urteil (Prot. I S. 24 ff.) liess der Beschuldigte am
12. Oktober 2011 durch seinen amtlichen Verteidiger rechtzeitig Berufung anmel-
den (Urk. 45). Am 13. Oktober 2011 erfolgte die Mitteilung der Berufungsanmel-
dung an die Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich (Urk. 46). Das Urteil ging
der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich am 12. Januar 2012 (Urk. 50) sowie
dem Beschuldigten am 17. Januar 2012 (Urk. 50) in begründeter Fassung zu
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(Urk. 49 = Urk. 52). Bereits unter dem 4. Januar 2012 (Urk. 51) waren die Akten
dem Obergericht des Kantons Zürich zugestellt worden (Art. 399 Abs. 1 StPO).
4. Am 26. Januar 2012 wurde sodann ein aktueller Strafregisterauszug über den
Beschuldigten eingeholt (Urk. 55), welcher mit den bereits bei den Akten Liegen-
den (Urk. 9/1 und Urk. 9/2) inhaltlich insofern nicht übereinstimmt, als die vom
Obergericht des Kantons Zürich am 20. Dezember 1993 ausgefällte Vorstrafe
wegen Raubes nicht mehr aufgeführt ist. Mit Eingabe vom 22. Januar 2012 bean-
tragte der Beschuldigte persönlich, es sei ihm in der Person von Rechtsanwalt
lic. iur. Z._ ein anderer amtlicher Verteidiger zu bestellen (Urk. 56). Mit
Schreiben vom 3. Februar 2012 (Urk. 57) wurde der bisherige amtliche Verteidi-
ger zur Stellungnahme aufgefordert. Die Stellungnahme ging am 13. Februar
2012 ein (Urk. 58). Darin beantragte der Verteidiger aufgrund des gestörten Ver-
trauensverhältnisses einen Verteidigerwechsel. Mit Verfügung vom 14. Februar
2012 (Urk. 59) wies der Präsident der erkennenden Kammer das Gesuch des Be-
schuldigten um Wechsel der amtlichen Verteidigung ab. Gleichzeitig wurde der
Verteidiger darauf hingewiesen, dass er die 20-tägige Frist von Art. 399
Abs. 3 StPO zur Einreichung der schriftlichen Berufungserklärung ungenutzt habe
verstreichen lassen. Es sei ihm anheim gestellt, umgehend die schriftliche Beru-
fungserklärung samt einem Fristwiederherstellungsgesuch im Sinne von
Art. 94 StPO nachzureichen.
5. Mit Eingabe vom 16. Februar 2012 reichte die Verteidigung dem Obergericht
des Kantons Zürich die Berufungserklärung samt einem Fristwiederherstellungs-
gesuch ein (Urk. 61). Der Beschuldigte liess dabei in tatsächlicher Hinsicht den
Reinheitsgehalt der Betäubungsmittel und die vom Beschuldigten angeblich erhal-
tene oder vereinbarte Belohnung rügen. Sodann machte er geltend, dass es vor-
liegend an der Bandenmässigkeit seiner deliktischen Tätigkeit fehle. Darüber hin-
aus focht er die Strafzumessung an. Auf die Stellung von Beweisanträgen ver-
zichtete der Beschuldigte. Mit Präsidialverfügung vom 17. Februar 2012 wurde
der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich in Anwendung von Art. 400 Abs. 2
und 3 StPO sowie Art. 401 StPO eine Kopie der Berufungserklärung und des da-
mit verbundenen Wiederherstellungsgesuchs zugestellt und Frist angesetzt, um
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zu erklären, ob Anschlussberufung erhoben werde, oder um begründet ein Nicht-
eintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 62). In der Folge teilte die Staats-
anwaltschaft II des Kantons Zürich mit Eingabe vom 10. Februar 2012 [recte wohl:
23. Februar 2012, vgl. Poststempel] mit, dass sie gegen die von der Verteidigung
beantragte Fristwiederherstellung nicht opponiere, keine Anschlussberufung er-
hebe und die Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils beantrage (Urk. 64). Mit
Beschluss vom 27. Februar 2012 wurde dem Beschuldigten die Frist zur Erstat-
tung der Berufungserklärung wiederhergestellt. Gleichzeitig wurde davon Vormerk
genommen, dass die Berufungserklärung mit Eingabe vom 16. Februar 2012 be-
reits erstattet wurde (Urk. 64A).
6. Über die Berufungen der Mitbeschuldigten B._ (SB120031), C._
(SB120032) und D._ (SB120033) wurde am 29. Juni 2012 in anderer
Gerichtsbesetzung verhandelt (Urk. 66).
II. Gegenstand der Berufung / Anklagevorwurf
1. Der Beschuldigte hat die Berufung auf Ziffer 1 (Schuldspruch) und Ziffer 2
(Strafe) eingeschränkt. Diese Dispositivziffern des Urteils stehen zur Disposition.
Unangefochten blieben hingegen der Entscheid betreffend die Einziehung der mit
Verfügung der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 21. März 2011 be-
schlagnahmten Gegenstände (Ziffer 3) und das Kostendispositiv (Ziffern 4 und 5).
Somit ist mittels separatem Vorabbeschluss festzustellen, dass die erstinstanzli-
chen Dispositivziffern 3, 4 und 5 des Urteils rechtskräftig sind.
2. Gegenstand des Berufungsverfahrens bildet der Sachverhalt gemäss Anklage-
schrift der Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich vom 9. Mai 2011 (Urk. 10/9)
Darin wird dem Beschuldigten zur Last gelegt, er habe an einem nicht mehr ge-
nau bestimmbaren Zeitpunkt vor dem 27. März 2009 mit den aus der E._
[Staat] stammenden B1._ (nachfolgend als B._ bezeichnet) und
C._ zumindest konkludent vereinbart, inskünftig in einer nicht zum Voraus
festgelegten Anzahl Fälle am Umgang mit grossen Mengen von Kokain mitzuwir-
ken. Gemäss Absprache unter den Beteiligten (Beschuldigter, B._ und
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C._) sollte das Kokain von Hinterleuten / Lieferanten von B._ und
C._ in der E._ bereit gestellt und hernach von Kurieren in die Schweiz
bzw. zum Flughafen Kloten gebracht werden. In der Folge sollte der Beschuldigte
gegen Bezahlung einer entsprechenden Belohnung dafür sorgen, dass das von
den Kurieren zum Flughafen Kloten gebrachte Kokain zu B._ und C._
gelange. Hierfür habe er – der Beschuldigte - den Flughafenmitarbeiter und Mit-
beschuldigten D._ entsprechend instruiert. D._ habe die Aufgabe ge-
habt, in der Gepäckaufbewahrungshalle des Flughafens Kloten nach dem ent-
sprechenden Koffer zu suchen, die Drogen daraus zu entnehmen, diese bis zum
Dienstschluss in seinem Garderobenschrank aufzubewahren und hernach aus
dem Flughafen Kloten am Zoll vorbei zum Beschuldigten zu bringen und diesem
zu übergeben. In Umsetzung dieses Vorhabens sei es zu den folgenden beiden
Vorgängen gekommen:
a) Am 27. März 2009 habe die ... Staatsangehörige [des Staates G._]
F._ von der E._ herkommend 8 Kilogramm Kokaingemisch mit einem
Reinheitsgrad zwischen 61% und 86% in ihrem eingecheckten Gepäck (Reisekof-
fer) mit- bzw. eingeführt. Der Mitbeschuldigte D._ habe dann aus dem im
Gepäckaufbewahrungsraum des Flughafens Kloten für den Weiterflug deponier-
ten Reisekoffer eine Tasche mit den 8 Kilogramm Kokain entnommen und diese
noch am selben Tag abends dem Beschuldigten in Kloten übergeben. Dieser ha-
be die übernommene Tasche bzw. das darin enthaltene Kokain einige Minuten
später ebenfalls in Kloten an B._ und / oder C._ oder allenfalls zu deren
Handen an eine unbekannte Drittperson übergeben. Der Beschuldigte habe hier-
für CHF 150'000.-- verlangt, wovon er gesamthaft CHF 132'000.-- erhalten habe.
Dem von ihm beauftragten D._ habe er anlässlich der Kokainübergabe eine
Belohnung von CHF 10'000.-- überreicht.
b) Am 23. Mai 2009 habe der ... Staatsangehörige [des Staates G._]
H._ von der E._ herkommend 16,024 Kilogramm Kokaingemisch mit ei-
nem Reinheitsgrad zwischen 66% und 79% in seinem eingecheckten Gepäck
(Reisekoffer) mit- bzw. eingeführt. Der Mitbeschuldigte D._ habe sich noch
am gleichen Tag an seinem Arbeitsplatz am Flughafen Kloten eingefunden, um
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dann dort - wie mit dem Beschuldigten vereinbart - den im Gepäckaufbewah-
rungsraum deponierten Reisekoffer von H._ zu suchen und hernach das da-
rin enthaltene Kokain zu behändigen und dem Beschuldigten zu übergeben. Dazu
sei es indessen aufgrund des vorgängigen polizeilichen Zugriffs nicht mehr ge-
kommen. Als Belohnung für sein Tätigwerden hätte der Beschuldigte 2 Kilogramm
des von D._ übernommenen Kokains und 1 Kilogramm des an B._ und
C._ übergebenen Kokains sowie einen Bargeldbetrag von CHF 150'000.--
erhalten sollen.
III. Sachverhalt
1. Der Beschuldigte erklärte sich hinsichtlich des äusseren Anklagesachverhaltes,
wie er unter Ziffer I. der Anklageschrift umschrieben ist, im Laufe der Untersu-
chung und anlässlich der vorinstanzlichen Hauptverhandlung weitestgehend ge-
ständig. Er selber bestritt lediglich die Höhe der Belohnung (Urk. 2/21; Urk. 24,
Urk. 33). Die Verteidigung kritisierte darüber hinaus den Vorwurf der Bandenmäs-
sigkeit und den von der Anklagebehörde angenommenen Reinheitsgrad des Ko-
kains des ersten Transportes vom 27. März 2009. Mangels Sicherstellung der be-
treffenden Drogenmenge sei - so der Standpunkt der Verteidigung - entsprechend
dem Grundsatz "in dubio pro reo" auf den üblichen Reinheitsgrad von 33 1⁄3% ab-
zustellen (Urk. 32 S. 3. f). Hinsichtlich des inneren Anklagesachverhaltes stellte
der Beschuldigte bezüglich beider Tatvorgänge bzw. Transporte in Abrede,
Kenntnis vom Gewicht des übernommenen Kokains gehabt zu haben. Bei dieser
Version blieb der Beschuldigte auch an der heutigen Berufungsverhandlung
(Urk. 74 S. 6 und 8).
2. Zum Geschehensablauf wurden im Rahmen der Untersuchung neben dem Be-
schuldigten (Urk. 2/1-2/21) auch die in die Vorgänge involvierten Mitbeschuldigten
B._, C._ und D._ polizeilich und staatsanwaltschaftlich befragt
(Urk. 39 - 44) sowie anlässlich der Hauptverhandlung vom 15. September 2011
einvernommen (Urk. 25 - 27). In den Verfahrensakten liegen zudem Abschriften
von Telefonaten und SMS der polizeilichen Telefonkontrolle und ein polizeilicher
Wahrnehmungsbericht (Urk. 1/4).
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3.1. Die Aussagen des Beschuldigten, von B._ und C._ wurden von der
Vorinstanz in ihrem Urteil ausführlich und zutreffend wiedergegeben, weshalb zur
Vermeidung von Wiederholungen vollumfänglich auf die Begründung des vor-
instanzlichen Entscheides zu verweisen ist (Urk. 52 S. 8 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.2. Das Bezirksgericht hat die Ergebnisse bzw. die aufgezeichneten Gespräche
der angeordneten Telefonkontrolle ebenfalls eingehend und korrekt wiedergege-
ben. Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann auf die zutreffenden Er-
wägungen im vorinstanzlichen Entscheid verwiesen werden (Urk. 52 S. 10 ff.;
Art. 82 Abs. 4 StPO).
4.1. Das Bezirksgericht hat in der Folge auch die theoretischen Grundsätze der
richterlichen Beweiswürdigung korrekt zitiert, so dass vorab auf die entsprechen-
den Erwägungen zu verweisen ist (Urk. 52 S. 7 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu ergän-
zen ist was folgt:
4.2.1. Festzuhalten ist, dass der prozessualen Verwertbarkeit der Aussagen des
Beschuldigen, von B._, C._ und D._ nichts entgegensteht. Die
Verwertbarkeit der Ergebnisse der Telefonkontrolle bzw. die Rechtmässigkeit der
Anordnung der Telefonüberwachung ist ebenfalls gegeben und wird von der Ver-
teidigung zu Recht nicht in Zweifel gezogen. Die Verteidigung hat zu Recht auch
nicht die Rechtmässigkeit der Transkription der aufgezeichneten Telefongesprä-
che gerügt.
4.2.2. Mit zutreffender Begründung hat die Vorinstanz zur Frage der Glaubwür-
digkeit von B._ und C._ festgehalten, dass sich beide durch ihr koopera-
tives und detailreiches Aussageverhalten selbst schwer belastetet hätten und ein
nicht zu unterschätzendes Risiko hinsichtlich der eigenen Strafe eingegangen
seien (Urk. 52 S. 9 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Ergänzend ist hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten zu bemerken,
dass er aufgrund seiner prozessualen Stellung offenkundig ein Interesse hat, die
Geschehnisse in einem aus seiner Sicht günstigen Licht darzustellen.
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4.3. Der Beschuldigte hat die Darstellung des äusseren Anklagesachverhaltes
durch die Anklagebehörde in der Untersuchung sowie auch vor erster Instanz als
grundsätzlich richtig anerkannt. Er hat hingegen im Verlaufe des Verfahrens
folgende Schilderungen deponiert, die sich im Detail nicht mit dem Sachverhalt
der Anklage decken:
- er sei nicht Mitglied einer Bande gewesen. Er sei weder mit den Mitbeschuldig-
ten B._ und C._ noch mit sonst jemandem übereingekommen, inskünf-
tig in einer nicht zum voraus festgelegten Anzahl Fälle am Umgang mit Betäu-
bungsmittel mitzuwirken oder sonst welche Straftaten zu begehen. Vielmehr hät-
ten die Mitbeschuldigten B._ und C._ ihn einiges nach der Kokainein-
fuhr vom 27. März 2009 (1. Transport) gefragt, ob er bei einer weiteren Einfuhr
behilflich sein könne (Urk. 32 S. 2).
- er habe für den ersten Transport vom 27. März 2009 mit den Mitbeschuldigten
B._ und C._ keine Belohnung von CHF 150'000.-- vereinbart und habe
davon CHF 132'000.-- erhalten. Ebensowenig habe er im Zusammenhang mit
dem 2. Transport vom 23. Mai 2009 von den genannten Personen eine Beloh-
nung von über CHF 150'000-- und zusätzlich noch zwei oder drei Kilogramm Ko-
kain verlangt (Urk. 32. S. 4).
- der Reinheitsgrad des am 27. März 2009 eingeführten Kokains sei nicht zuver-
lässig nachgewiesen. Der Umstand, dass das am 23. Mai 2009 (2. Transport)
eingeführte und sichergestellte Kokaingemisch einen Reinheitsgrad von 66% auf-
gewiesen habe, rechtfertige es nicht, diesen Reinheitsgrad auch auf die Lieferung
vom 27. März 2009 (1. Transport) anzuwenden. Mangels Sicherstellung des ein-
geführten Kokaingemisches des 1. Transportes und „in dubio pro reo“ sei auf den
üblichen Reinheitsgrad von 33 1⁄3% abzustellen (Urk. 32 S. 3).
5.1. Die Vorinstanz hat sich in ihren Erwägungen ausführlich mit der Frage der
Beteiligung des Beschuldigten auseinandergesetzt. Sie hat die Aussagen der
Tatbeteiligten zutreffend und korrekt gewürdigt. Es kann auf die überzeugenden
erstinstanzlichen Ausführungen verwiesen werden (Urk. 52 S. 8 ff.; Art. 82 Abs. 4
StPO). Ergänzungen an dieser Stelle erübrigen sich und es kann auf die Erwä-
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gungen im Rahmen der rechtlichen Würdigung verwiesen werden (nachfolgend
Ziffer IV.5.1.-IV.5.6.).
5.2.1. Sodann liess der Beschuldigte in Abrede stellen, er habe für den ersten
Transport vom 27. März 2009 mit den Mitbeschuldigten B._ und C._ ei-
ne Belohnung von CHF 150'000.-- vereinbart und habe davon CHF 132'000.-- er-
halten (Urk. 32 S. 4). Aufgrund der konstanten und plausiblen Aussagen von
B._ (Urk. 39/2/5 S. 13 und S. 14, Urk. 41/2/22 S. 3; Urk. 25 S. 21) und
C._ (Urk. 40/279 S. 8 f.; Urk. 42/2/10 S. 3 ff; Urk. 26 S. 9) in der Untersu-
chung und der Hauptverhandlung ist jedoch vielmehr erstellt, dass der Beschul-
digte einen Betrag von CHF 150'000.-- verlangt und davon CHF 120'000.-- und
zusätzlich CHF 12'000.-- persönlich erhalten hat. Die Aussagen der Mitbeschul-
digten B._ und C._ werden zudem durch die Ergebnisse der Telefon-
überwachung gestützt, was die Vorinstanz richtig bemerkt hat (Urk. 52 S. 16 ff.).
Insbesondere hat sie darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte in einem zeitlich
späteren, vor der Ausführung des zweiten Transports vom 23. Mai 2009 geführten
Telefongesprächs mit dem Mitbeteiligten I._ erklärt habe, "plus müssen wir
30 von der ersten Fracht geben", woraus hervorgeht, dass ein Betrag von
CHF 30'000.-- ausstehend war (TK 09.05.2009, Linie O-3, Gespräch 691, act 1/9
im Anhang; Urk. 52 S. 17). Ebenso hat sie erwogen, dass der Beschuldigte in ei-
nem Telefongespräch mit C._ vom 1. April 2009 diesem gegenüber erklärt
habe, er - der Beschuldige - wolle heute "sein Geld, sein Restgeld, zwölf tausend
(TK 01.04.2009, 17:25 Uhr; Linie C-5, Gespräch 2283, act. 39/2/5 im Anhang).
Einzig im Punkt, wer dem Beschuldigten den Betrag von CHF 120'000.-- überge-
ben hat, widersprechen sich B._ und C._. Entscheidend ist aber, dass
die beiden Mitbeschuldigten konstant erklärt haben, der Beschuldigte habe CHF
150'000.-- verlangt und davon CHF 120'000.--, erhalten. Die gegenteiligen Anga-
ben des Beschuldigten, wonach er lediglich CHF 2'400.-- bekommen habe, sind
wenig überzeugend und finden auch in der Telefonüberwachung keinerlei Stütze.
Anzufügen ist ferner, dass dem Beschuldigen eine zentrale Rolle zukam, indem er
dafür zu sorgen hatte, dass das Risiko, dass der Drogenschmuggel aufgedeckt
würde, minimiert wird. Ein Betrag von "lediglich" CHF 2'400.-- hätte dieser wichti-
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gen Stellung nicht entsprochen und ist daher auch aus diesem Grund nicht glaub-
haft.
5.2.2. Im Zusammenhang mit dem 2. Transport vom 23. Mai 2009 bestreitet der
Beschuldigte ebenfalls von B._ und C._ eine Belohnung von über
CHF 150'000-- und zusätzlich noch zwei oder drei Kilogramm Kokain verlangt zu
haben (Urk. 32 S. 4). Auch hier sind die Aussagen der Mitbeschuldigten B._
und C._ überzeugend und in sich widerspruchsfrei. Es kann auf die zutref-
fenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 52 S. 21 ff.; Art. 82
Abs. 4 StPO). Zu Recht hat die Vorinstanz dafür gehalten, dass eine Belohnung
von CHF 20'000.--, wie sie vom Beschuldigten behauptet wurde, sich weder aus
den Aussagen der beiden Mitbeschuldigten B._ und C._ noch aus der
Telefonüberwachung ergibt.
5.3.1. Die Verteidigung wendet sich gegen die vorinstanzliche Beurteilung des
Reinheitsgrades des Kokains des ersten Transportes vom 27. März 2009. Vorlie-
gend konnte kein Stoff beschlagnahmt werden. Der Beschuldigte kritisiert die dem
vorinstanzlichen Urteil zugrunde liegende Annahme, das von ihm übernommene
und weitergegebene Heroin habe einen Reinheitsgehalt von 61% aufgewiesen
(Urk. 52 S. 34 f.). Vielmehr hätte die Vorinstanz mit Blick auf die Unschuldsvermu-
tung auf einen üblichen Reinheitsgrad von 33 1⁄3% abstellen müssen (Urk. 32
S. 3 f.).
5.3.2. Es versteht sich von selbst, dass die Bestimmung des Reinheitsgehaltes
von Drogen, die nicht beschlagnahmt werden konnten, Schwierigkeiten bietet. In
solchen Fällen ist es zulässig, von Erfahrungswerten auszugehen, gegebenenfalls
angepasst an die aus der konkreten Untersuchung gewonnenen Erkenntnisse
(Fingerhuth / Tschurr, Kommentar zum Betäubungsmittelgesetz, Zürich 2007,
S. 153 f., mit Verweis auf BGE 6P.53/199 und 6S.218/1999). Sind Betäubungs-
mitteldelikte zu beurteilen und konnten - wie vorliegend - keine Drogen sicherge-
stellt werden, kann die Justiz Schätzungen nicht vermeiden. Das Bundesgericht
hat das Abstellen auf die durchschnittliche Qualität des in den Handel gelangen-
den Kokains als nicht willkürlich bezeichnet (Urteil 1P.624/2002 vom 10. Februar
2003 E. 3.3). Kann der Richter annehmen, dass mit durchschnittlichem Stoff ge-
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handelt wurde, kann er auf den durchschnittlichen Reinheitsgrad abstellen (vgl.
Thomas Hansjakob, Zur Strafzumessung in Betäubungsmittel-Straffällen, SJZ
90/1994 S. 58 ff.). Man darf vernünftigerweise davon ausgehen, dass die Drogen
mittlerer Qualität waren, solange es keine Hinwiese auf eine besonders reine oder
gestreckte Substanz gibt (BGE 138 IV 100 E. 3.5 unter Hinweis auf Corboz).
5.3.3. Die Vorinstanz legt dem Beschuldigten den Transport von 4,88 Kilogramm
reinem Kokain zur Last, indem sie gestützt auf die Statistik der Gruppe Forensi-
sche Medizin SGRM die mittleren Betäubungsmittelgehalte des Jahres 2009 her-
anzieht. Die Vorinstanz stützt ihre Annahme, der Beschuldigte habe mit einer
18 Gramm übersteigenden Menge reinen Kokains gehandelt, nicht bloss auf die
Analysen der SGRM ab, sondern zieht diesen Schluss in Verbindung mit zusätzli-
chen belastenden Indizien. So hebt sie hervor, dass weder der Beschuldigte noch
einer der Mitbeschuldigten anlässlich ihrer Befragungen je geltend gemacht hät-
ten, es handle sich um überdurchschnittlich guten oder schlechten Stoff. Ebenso-
wenig fänden sich in der ausgedehnten Telefonüberwachung irgendwelche Hin-
wiese oder Anhaltspunkte dafür, dass sich Abnehmer des Kokains über die man-
gelnde Stoffqualität beschwert hätten. Bei dieser Sachlage ist daher nicht zu be-
anstanden, wenn die Vorinstanz von einer - in Bezug auf den Reinheitsgehalt -
zumindest üblichen Qualität des Stoffs ausgeht (siehe hierzu auch das Urteil des
Bundesgerichts 6B_96/2011 vom 7. Juni 2011 E. 3). Zudem berücksichtigt die
Erstinstanz, dass die Betäubungsmittel, welche über den Flughafen Zürich - Klo-
ten in die Schweiz gelangen, selten einen Reinheitsgrad von unter 70% bzw. im
Durchschnitt sogar um die 80% aufweisen würde, was darauf zurückzuführen sei,
dass es sich um Ersttransporte ohne vorheriges Strecken mit dem Zwecke der
Erhöhung der Transportkapazität handle. Dieses Argument ist plausibel und über-
zeugend und legt einen Transport mit durchschnittlicher Qualität nahe, zumal die
beim zweiten Transport vom 23. Mai 2009 sichergestellten Drogen (unbestritte-
nermassen einen Reinheitsgehalt von 66% aufgewiesen haben. Es verletzt die
Unschuldsvermutung nicht, wenn die Vorinstanz gestützt auf diese Indizien in
Verbindung mit den statistischen Daten zum Reinheitsgrad von Kokain zum
Schluss gelangt, der Reinheitsgrad des Kokaingemisches des ersten Transportes
vom 27. März 2009 habe 61% betragen. Der Beschuldigte habe somit 4,88 Kilo-
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gramm reines Kokain übernommen und weitergegeben. Dass und weshalb ein
Abstellen auf die breit abgestützten Betäubungsmittelstatistiken der SGRM un-
haltbar sein sollte, ist nicht ersichtlich und wird vom Beschuldigten auch nicht
namhaft gemacht. Der Einwand der Verteidigung erweist sich als unbegründet.
6. Der objektive Teil der Sachverhaltsdarstellung ist damit erstellt. Bestritten ist
überdies der innere Sachverhalt. Der Beschuldigte bestreitet in diesem Zusam-
menhang, dass er Kenntnis vom Gewicht des Kokains in Bezug auf beide Trans-
porte gehabt habe. Auch wenn die Feststellung des subjektiven Tatbestandes
Bestandteil der Sachverhaltsabklärung ist, erweist es sich in casu zwecks Ver-
meidung unnötiger Wiederholungen als zweckmässig, im Rahmen der nachfol-
genden rechtlichen Würdigung (vgl. nachfolgend unter Ziffer IV.) darauf einzuge-
hen, was der Beschuldigte bei seiner Handlung gewusst, gewollt bzw. in Kauf ge-
nommen hat, zumal in diesem Bereich Tat- und Rechtsfragen sehr eng miteinan-
der verbunden sind (Pra 82 (1993) Nr. 237 S. 881 f.; BGE 119 IV 242 ff. und 248).
IV. Rechtliche Würdigung
1. Die Vorinstanz würdigte das Verhalten des Beschuldigten als ein "unbefugtes
Anbieten und Verteilen von Betäubungsmittel (erster Transport) und "Anstalten
treffen" zum Betäubungsmittelhandel (zweiter Transport) und sprach den Be-
schuldigten diesbezüglich der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 6 in Verbin-
dung mit Ziffer 2 lit. a und b aBetmG schuldig.
2. Die Vorinstanz hat sich mit der strittigen Frage des anwendbaren Rechts im
Einzelnen auseinandergesetzt und die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Es
kann vorab auf die entsprechenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen wer-
den (Urk. 52 S. 25; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend bzw. präzisierend ist festzu-
halten, dass gemäss Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 aBetmG mit einer Freiheitsstrafe bis zu
drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft wird, "wer hiezu Anstalten trifft", mithin
wer Anstalten zu Handlungen im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1-5 aBetmG trifft.
Nach neuem Recht ist die Strafdrohung die selbe (vgl. Art. 19 Abs. 1 lit. g
- 15 -
BetmG). Allerdings kann das Gericht gemäss Art. 19 Abs. 3 lit. a BetmG die Stra-
fe bei einer (einfachen) Widerhandlung nach Absatz 1 lit. g nach freiem Ermessen
mildern. Für das qualifizierte Anstaltentreffen sehen sowohl das alte als auch das
neue Recht eine Freiheitsstrafe von nicht unter einem Jahr, womit eine Geldstrafe
verbunden werden kann, vor. Eine Strafmilderung im Falle des qualifizierten An-
staltentreffen ist nur vorgesehen, wenn der Täter von Betäubungsmitteln abhän-
gig ist und diese Widerhandlung zur Finanzierung des eigenen Betäubungsmittel-
konsums hätte dienen sollen (vgl. hiezu Art. 19 Abs. 3 lit. b BetmG), was in casu
jedoch nicht zutrifft. Der Beschuldigte ist nicht drogenabhängig. Eine Strafmilde-
rung fällt vorliegend daher ausser Betracht. Die seit dem 1. Juli 2011 revidierten
Bestimmungen (Art. 19 Abs. 1 lit b und g BetmG; SR 812.121) sind daher nicht
milder, weshalb das alte Recht anzuwenden ist (vgl. auch BGE 138 IV 100
E. 3.2).
3.1. Der Beschuldigte bestritt vor Vorinstanz wie auch im Berufungsverfahren, bei
beiden Transporten Kenntnis vom Gewicht des Kokains gehabt zu haben (Urk. 24
S. 16; Urk. 33 S. 6; Urk. 74 S. 6 und S. 8).
3.2. Die Anklageschrift wirft dem Beschuldigten unter Ziffer 1 lit. a und b je vor,
dass ihm bekannt gewesen sei, welche Menge die beiden Drogenkuriere F._
und H._ am 27. März 2009 bzw. 23. Mai 2009 mit sich geführt haben (Urk.
10/9). Damit wird der subjektive Teil des Anklagesachverhaltes umschrieben.
3.3. Die Vorinstanz hat die theoretischen Grundsätze zum Vorsatz bzw. Eventual-
vorsatz korrekt zitiert, worauf zu verweisen ist (Urk. 52 S. 20; Art. 82
Abs. 4 StPO).
3.4. Das Bezirksgericht hat sich mit der strittigen Frage des Vorsatzes im Einzel-
nen auseinandergesetzt und die richtigen Schlüsse daraus gezogen. Es kann
vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 52 S. 28; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu Recht hat die Vorinstanz erwogen, dass
aufgrund der übereinstimmenden und überzeugenden Aussagen der Mitbeschul-
digten B._ und C._, welche sich mit den Ergebnissen der Telefonüber-
wachung decken, kein Zweifel daran besteht, dass dem Beschuldigten die Menge
- 16 -
bzw. das Gewicht des eingeführten Kokaingemisches bei beiden Transporten be-
kannt war (Urk. 52 S. 14 ff. und S. 18 ff.).
4.1. Die Verteidigung machte vor Vorinstanz geltend, es liege bezüglich des zwei-
ten Tatvorganges vom 23. Mai 2009 keine qualifizierte Widerhandlung gegen das
Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 i.V.m. Art. 19 Ziff. 2
lit a aBetmG (in der bis zum 30. Juni 2011 gültigen Fassung; AS 1975 1220) vor.
Eine solche wäre nur erfüllt, wenn der Beschuldigte mengenmässig tatsächlich
eine qualifizierte Widerhandlung begangen hätte, was nicht zutreffe. Die Menge
im Sinne von Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG sei objektive Voraussetzung. Bei qualifi-
zierten Widerhandlungen genüge der Versuch (Urk. 32 S. 5).
4.2. Wer unbefugt Anstalten zur Einfuhr von Betäubungsmitteln trifft, wird (bei
vorsätzlicher Tatbegehung) mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe
bestraft (Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 und 6 aBetmG). Abs. 6 erfasst sowohl den Versuch
im Sinne von Art. 22 StGB wie auch gewisse qualifizierte Vorbereitungshandlun-
gen und wertet sie zu selbstständigen Taten mit derselben Strafdrohung wie die
übrigen verbotenen Verhaltensweisen auf (BGE 133 IV 187 E. 3.2 S. 193 mit
Hinweisen). Die Rechtsprechung hat den Begrifft des Anstaltentreffens einge-
grenzt. Zu ahnden sind nur Fälle, in denen das Verhalten des Täters nicht ebenso
gut einem gesetzmässigen Zweck dienen könnte, sondern seinem äusseren Er-
scheinungsbild nach die deliktische Bestimmung klar erkennen lässt. Dies ist bei-
spielsweise der Fall, wenn sich jemand mit der Absicht des Erwerbs von Betäu-
bungsmitteln nach Bezugsquellen erkundigt (BGE 117 IV 309 E. 1a S. 310 f. und
E. 1d S. 312 f. mit Hinweisen). In schweren Fällen ist die Freiheitsstrafe nicht un-
ter einem Jahr, womit eine Geldstrafe verbunden werden kann (Art. 19
Ziff. 2 aBetmG). Ein schwerer Fall liegt namentlich vor, wenn der Täter weiss oder
annehmen muss, dass sich die Widerhandlung auf eine Menge von Betäubungs-
mitteln bezieht, welche die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr bringen kann
(Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG). Enthält das Kokaingemisch mindestens 18 Gramm
reinen Wirkstoff ist die Grenze zu Art. 19 Ziff. 2 aBetmG überschritten (BGE 120
IV 334 E. 2a S. 338 mit Hinweisen).
- 17 -
4.3.1. In der Lehre sind die Ansichten geteilt, ob es ein "Anstaltentreffen" zu ei-
nem mengenmässig schweren Fall nach Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG i.V.m. Art. 19
Ziff. 1 Abs. 6 aBetmG gibt. Einige Autoren betrachten Ziffer 2 als blosse Strafzu-
messungsregel, weil sie dasselbe Rechtsgut schütze wie Ziffer 1. Deshalb falle
der Versuch nach Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 ausser Betracht (Fingerhuth / Tschurr,
a.a.O., N 181 zur Art. 19 aBetmG; Gerhard Fiolka, Das Rechtsgut, Bd. II, 2006,
S. 892, 896, 910; sinngemäss auch Hans Schultz, Die strafrechtliche Rechtspre-
chung des Bundesgerichts im Jahre 1996, ZBJV 133/1997 S. 406). Obwohl auch
Corboz von einer Strafzumessungsregel ausgeht, hält er ein Anstaltentreffen zum
qualifizierten Fall für möglich (Bernard Corboz, La jurisprudence du Tribunal
fédéral concernant les infractions à la loi fédérale sur les stupéfiants, SJ 1999 II
S. 10).
Andere Autoren sind der Auffassung, der Täter könne Anstalten zu einem men-
genmässig schweren Fall treffen (Günter Stratenwerth, Schweizerisches Straf-
recht, Allgemeiner Teil, Bd. I, Die Straftat, 4. Aufl. 2011, § 12 N 34 Fn 67, worin er
sich kritisch zur Bezeichnung als Strafzumessungsregel äussert; Peter Albrecht,
in: Die Strafbestimmungen des Betäubungsmittelgesetzes (Art. 19-28 BetmG),
2. Aufl. 2007, N 235 ff.; ders. Untauglicher Versuch oder Wahndelikt?, AJP 1997
S. 752 ff.; Trechsel / Noll, Schweizerisches Strafrecht, Allgemeiner Teil, Bd. I,
6. Aufl. 2004, § 30 S. 179; Guido Jenny, Die Strafrechtliche Rechtsprechung des
Bundesgerichts im Jahre 1998, ZBJV 135/1999 S. 625 ff.). Schütz geht davon
aus, es sei (lediglich) ein unvollendeter Versuch zum mengenmässig qualifizierten
Betäubungsmitteldelikt denkbar, weil es sich um ein schlichtes Tätigkeitsdelikt
handle (Alfred Schütz, Die Strafbestimmungen des Bundesgesetzes über die Be-
täubungsmittel vom 3. Oktober 1951 in der Fassung vom 20. März 1975, 1980,
S. 160 f.).
4.3.2. Die bisherige Rechtsprechung, ob der mengenmässig schwere Fall als
Versuch begangen werden kann, ist uneinheitlich. In seiner publizierten Recht-
sprechung erwog das Bundesgericht, die Annahme eines mengenmässig schwe-
ren Falles im Sinne von Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG sei an eine objektive und eine
subjektive Voraussetzung geknüpft. Werde die Grenze von 18 Gramm Kokain un-
- 18 -
terschritten, fehle es an der objektiven Voraussetzung. Der Qualifikationsgrund
nach Ziff. 2 lit. a scheide aus, auch wenn der Täter irrtümlicherweise meine, das
gehandelte Kokain enthalte mindestens 18 Gramm reinen Wirkstoff. Die subjekti-
ve Vorstellung des Täters könne die fehlende objektive Voraussetzung nicht er-
setzen. Es bestehe insoweit eine Analogie zum Wahndelikt (BGE 122 IV 360
E. 2a S. 362 ff. mit Hinweisen). Bei Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG gehe es nicht um
die Strafbarkeit, sondern um die Strafzumessung. Diese Bestimmung nenne nur
Umstände, welche zur Anwendung des höheren Strafrahmens führten, nicht aber
Tatbestandsmerkmale. Die Frage des Versuchs, welche sich gegebenenfalls bei
der Tatbestandsmässigkeit stelle, könne in diesem Stadium der Bewertung nicht
mehr aufgeworfen werden (BGE 122 IV 360 E. 2b S. 363 f. mit Hinweisen, bestä-
tigt in BGE 124 IV 79 E. 2d S. 81; je mit Hinweisen; vgl. zur analogen Rechtspre-
chung betreffend Art. 19 Ziff. 2 lit. c aBetmG: BGE 129 IV 188 E. 3.3 S. 195 f. mit
Hinweisen). Der Rechtsprechung von BGE 122 IV 360 S. 363 f. lag ein Sachver-
halt zugrunde, in welchem der Täter 49,1 Gramm Kokaingemisch besass, der rei-
ne Wirkstoff aber weniger als 18 Gramm betrug. Deshalb durfte der Richter den
Täter nicht wegen Versuchs bestrafen. Denn die Tat im Sinne von Art. 19 Ziff. 1
Abs. 5 aBetmG war vollendet (BGE 124 IV 360 a.a.O.). In einem anderen Fall, in
welchem der Täter nach seiner Vorstellung eine grosse Menge Betäubungsmittel
transportierte, welche die Polizei vorgängig ohne sein Wissen gegen einen harm-
losen Stoff ausgetauscht hatte, schützte das Bundesgericht die Verurteilung we-
gen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz nach Art. 19
Ziff. 1 Abs. 6 ("Anstalten treffen") i.V.m. Art. 19 Ziff. 2 lit. a aBetmG (Urteil
6S.108/1997 vom 28. April 1997 E. 2b mit Hinweisen).
Im Gegensatz zu der in BGE 122 IV 360 publizierten Rechtsprechung wertete das
Bundesgericht in einem neueren Entscheid die Verurteilung wegen mengenmäs-
sig qualifiziertem Anstaltentreffen zum Betäubungsmittelhandel als bundesrechts-
konform. Der Täter reiste nach ..., um von dort ein Kilogramm Kokain gegen ei-
nen Lohn von CHF 10'000.-- nach ... zu bringen. Dieser Transport kam nicht zu-
stande, da der Täter aus eigenem Antrieb ohne die Betäubungsmittel in die
Schweiz zurückkehrte (Urteil 6B_96/2011 vom 7. Juni 2011 E. 3). Gegenstand
dieses Entscheids war allerdings nur, ob der Täter die Schwelle zum Anstalten-
- 19 -
treffen überschritten hatte, und nicht die Frage nach der qualifizierten Menge Dro-
gen.
4.3.3. Bei qualifizierten Delikten ist der strafbare Versuch nicht generell ausge-
schlossen, sondern von Fall zu Fall zu prüfen (BGE 124 IV 128 E. 2b S. 131 mit
Hinweisen). Vorliegend blieb das zu beurteilende Delikt unvollendet und der
Transport einer qualifizierten Menge Kokain mit über 18 Gramm reinem Wirkstoff
wäre an sich noch möglich. Die Tat beschränkte sich auf das Anstaltentreffen
nach Art. 19 Ziff. 1 Abs. 6 aBetmG, ohne dass tatsächlich Besitz im Sinne von
Art. 19 Ziff. 1 Abs. 5 aBetmG vorgelegen hätte. Der Beschuldigte hatte beabsich-
tigt, eine grosse Menge Drogen vom Mitbeschuldigten D._ zu übernehmen
und den grössten Teil davon den Mitbeschuldigten B._ und C._ zu
übergeben. Die vorinstanzlichen Ausführungen hierzu sind unbestritten. Seinen
von der Vorinstanz festgestellten Tatwillen stellt der Beschuldigte nicht in Frage.
Er hätte seinen Tatplan ohne Weiteres verwirklichen können. Somit erfüllt er den
objektiven und subjektiven Tatbestand des Anstaltentreffens zum mengenmässig
schweren Betäubungsmittelhandel. Der Einwand der Verteidigung verfängt daher
nicht.
5.1. Die amtliche Verteidigung kritisiert ferner, dass die Vorinstanz ein banden-
mässiges Vorgehen des Beschuldigten angenommen habe. (Urk. 32 S. 5, Urk. 61
S. 4).
5.2. Das Bezirksgericht hat sich mit der Frage der Bandenmässigkeit einlässlich
auseinandergesetzt und das Verhalten des Beschuldigten korrekt gewürdigt. Es
kann vorab auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden
(Urk. 52 S. 30 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Zu ergänzen ist was folgt:
5.3. Nach der Rechtsprechung ist Bandenmässigkeit gegeben, wenn sich zwei
oder mehrere Täter mit dem ausdrücklich oder konkludent geäusserten Willen zu-
sammenfinden, inskünftig zur Verübung mehrerer selbständiger, im Einzelnen
möglicherweise noch unbestimmter Straftaten zusammenzuwirken. Dieser Zu-
sammenschluss ist es, der den einzelnen psychisch und physisch stärkt, ihn des-
halb besonders gefährlich macht und die Begehung weiterer solcher Straftaten
- 20 -
voraussehen lässt (BGE 124 IV 86 E. 2b). Wegen der massiv höheren Strafdro-
hung ist das qualifizierende Tatbestandsmerkmal der Bandenmässigkeit restriktiv
auszulegen (Urteil des Bundesgerichtes vom 24. März 2005, 6S.312/2004). Die-
ser Entscheid bezieht sich zwar auf Raubstraftaten. Die Erwägung gilt aber auch
für Art. 19 Ziff. 2 lit. b aBetmG. Der Umstand, dass die Täter sich "zur fortgesetz-
ten Verübung von Delikten" zusammengefunden haben müssen und das für die
qualifizierte Tat vorgesehene hohe Strafminimum weisen darauf hin, dass Ban-
denmässigkeit erst anzunehmen ist, wenn der Wille der Täter auf die gemeinsa-
me Verübung einer Vielzahl von Delikten gerichtet ist. Auch das Qualifikations-
merkmal der Bande setzt gewisse Mindestansätze einer Organisation sowie eine
Intensität des Zusammenwirkens in einem Masse voraus, dass von einem stabi-
len Team gesprochen werden kann, selbst wenn dieses allenfalls nur kurzlebig ist
(BGE 132 IV 132 E 5.2). Ist demgegenüber schon die Zusammenarbeit derart lo-
cker, dass von Anfang an nur ein loser und damit völlig unbeständiger Zusam-
menhalt besteht, läge keine Bande vor (zum Ganzen: BGE 124 IV 86 E. 2b mit
Hinweisen; BGE 124 IV 286 E. 2a; BGE 132 IV 132 E. 5.2 und Urteil 6S.312/2004
vom 24. März 2005; zustimmend: Strathenwerth / Jenny, Straftaten gegen Indivi-
dualinteressen, 6. Aufl. 2003, § 13 N 100; Bernard Corboz, a-a.O.; ablehnend:
BSK II - Niggli / Riedo, N. 117 zu Art. 139 StGB; Schubarth / Albrecht, in: Kom-
mentar zum Schweizerischen Strafrecht, 1990, N 129 ff. zu Art. 137 StGB).
5.4.1. Im Zusammenhang mit der Bandenmässigkeit bringt die Verteidigung zu-
nächst vor, der Beschuldigte sei nie Teil einer Bande gewesen, noch habe er sich
mit Dritten für künftige Drogengeschäfte zusammen getan. Seine Tätigkeit sei
vielmehr Ausfluss spontaner Reaktionen gewesen, wonach der Beschuldigte sei-
nen Auftraggebern geholfen habe, an Betäubungsmittel heranzukommen. Der
Beschuldigte habe nie die Absicht gehabt, mehrere Drogengeschäfte abzuwickeln
(Urk. 32 S. 5).
5.4.2. Das Vorbringen der Verteidigung erweist sich als nicht zielführend. Das de-
liktische Vorgehen des Beschuldigten und der Mittäter B._ und C._ war
im Voraus genau ("generalstabsmässig") geplant und nicht bloss improvisiert. Die
Täter gingen jeweils nach derselben Methode vor, indem sie das von Hinterleuten
- 21 -
/ Lieferanten von B._ und C._ in der E._ bereit gestellte, hernach
von Kurieren in den Flughafen Kloten gebrachte und dort in der Gepäckaufbewah-
rungshalle deponierte Kokain durch einen vom Beschuldigten instruierten und
über die notwendigen Zutrittsberechtigungen verfügenden Flughafenmitarbeiter
entwenden, am Zoll vorbeischleusen und vom Beschuldigten selbst nach Kloten
bringen liessen. Der Beschuldigte erklärte sich bereit, dafür zu sorgen, dass das
Kokain aus der Gepäckaufbewahrungshalle des Flughafens Kloten herausge-
bracht und den Mitbeschuldigten B._ und C._ übergeben wird. Hierfür
hatte er vorerst den Flughafenmitarbeiter D._ zu instruieren. Durch seinen
Tatbeitrag nahm der Beschuldigte eine aktive Rolle bei der Organisation und
Durchführung der beiden Drogentransporte wahr. Vor diesem Hintergrund muss
von einer gut aufgebauten Organisation sowie einem stabilen Team gesprochen
werden. Zu beachten ist ferner, dass sich die Gruppe um den Beschuldigten je-
weils aus denselben Personen zusammensetzte. Dieser Umstand spricht für den
Willen, gemeinsam eine unbestimmte Zahl Straftaten zu begehen. Dass es
schliesslich bei den zwei Tatvorgängen vom 27. März 2009 und 23. Mai 2009
blieb und die drei Mittäter nicht noch über einen längeren Zeitraum in dieser orga-
nisierten Art zusammenwirkten, ist nicht auf einen entsprechenden Entschluss
des Beschuldigten zurückzuführen, sondern auf die Verhaftung von D._ und
des Beschuldigten am 23. Mai 2009. Zu Recht hat die Vorinstanz in diesem Zu-
sammenhang im Übrigen erwogen, dass die Behauptung des Beschuldigten, er
habe beabsichtigt in den J._ zu reisen, weshalb er beim zweiten Transport
noch zugesagt, weitere Transporte aber nicht mehr habe machen wollen, als rei-
ne Schutzbehauptung zu qualifizieren ist. Es kann auf die zutreffenden Erwägun-
gen verwiesen werden (Urk. 52 S. 12 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
Insofern die Verteidigung dafür hält, der Beschuldigte habe den Mitbeschuldigten
B._ und C._ lediglich „geholfen“, an die Betäubungsmittel heranzukom-
men, so kann dies nicht gehört werden. Unerheblich ist, ob der Beschuldigte als
untergeordnetes Mitglied der Bande anzusehen ist. Für die von ihm selber be-
gangenen Handlungen hat er als Täter einzustehen, auch wenn er ohne Verfol-
gung eigener Interessen auf Geheiss gehandelt hat oder wenn er in der Organisa-
tion eine nur dienende Stellung einnahm und seinen Handlungen im Rahmen des
- 22 -
ganzen Betäubungsmittelhandels nur untergeordnete Bedeutung zukam. Ein all-
fälliges Unterordnungsverhältnis wäre gegebenenfalls bei der Strafzumessung im
Rahmen von Art. 47 StGB zu berücksichtigen.
5.5.1. Die Verteidigung wendet ferner ein, es habe zu keinem Zeitpunkt ein Zu-
sammenschluss verschiedener Personen mit der Zielrichtung, Drogengeschäfte
abzuwickeln, bestanden (Urk. 32 S. 6).
5.5.2. Der Argumentation der Verteidigung kann nicht gefolgt werden. Dass in ei-
ner Bande jeder für sich selbst Vorteile sucht, ist die Regel. Eine gemeinsame
Zielrichtung bestand aber durchaus: Alle Beteiligten wollten durch Drogenhandel
Geld verdienen. Die unterschiedlichen Rollen, welche die Beteiligten inne hatten,
sprechen sodann keineswegs gegen eine Qualifikation als Bande, ist die Aufga-
benteilung doch oft gerade ein gewichtiges Motiv für einen solchen Zusammen-
schluss. Schliesslich zeigt das eingespielte Beziehungsgeflecht deutlich, dass hier
nicht zufällig mehrfach, ansonsten völlig selbständige Betäubungsmitteldelinquen-
ten, zusammenarbeiteten, sondern dass sich die Beteiligten zumindest still-
schweigend zur fortgesetzten Begehung von Drogendelikten zusammengeschlos-
sen hatten. Dass sich jeder einzelne an allen Unternehmungen der Bande betei-
ligte, ist selbstverständlich nicht erforderlich. Das vorsätzliche Zusammenwirken
ergibt sich aus dem erstellten Sachverhalt. Die Annahme eines lockeren, losen,
nicht organisierten Zusammenwirkens gemäss Auffassung der Verteidigung ist
abwegig.
5.6. Im Lichte all dieser Erwägungen kann materiell somit kein Zweifel daran be-
stehen, dass der Beschuldigte als Mitglied einer Bande gehandelt hat, was die
Vorinstanz richtig gesehen hat.
6. Im Übrigen ist die rechtliche Würdigung durch die Untersuchungsbehörde und
die Vorinstanz zutreffend und wurde von der Verteidigung nicht in Zweifel gezo-
gen. Insbesondere wusste der Beschuldigte - wie die Erstinstanz zu Recht erwo-
gen hat (Urk. 52 S. 29) - aus eigener Erfahrung als vorbestrafter Betäubungsmit-
teldelinquent, dass mit dieser Drogenmenge eine gesundheitliche Gefährdung für
eine Vielzahl von Menschen einhergehen würde.
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7. Aus diesen Gründen ist der Schuldspruch der Vorinstanz zu bestätigen. Der
Beschuldigte ist demzufolge der mehrfachen qualifizierten Widerhandlung gegen
das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 und 6 in Verbin-
dung mit Ziffer 2 lit. a und b aBetmG schuldig zu sprechen.
V. Sanktion
1. Vorbringen der Verteidigung
Zur Begründung seines Antrags auf Reduktion der Freiheitsstrafe führte die Ver-
teidigung ein Dreifaches aus. Erstens habe die Vorinstanz das Verschulden des
Beschuldigten zu schwer taxiert, da sie (fälschlicherweise) von einer bedeutend
grösseren Menge reinen Kokains ausgegangen sei, die Tatrolle des Beschuldig-
ten, welcher lediglich Transporteur der Drogen gewesen sei, verkannt und keine
Strafmilderung nach Art. 19 Abs. 3 lit. a BetmG vorgenommen habe. Zweitens sei
den strafmindernden Umständen zu wenig Rechnung getragen worden, nament-
lich habe die Vorinstanz den getrübten Vorstrafenbericht des Beschuldigten über-
bewertet und dem Nachtatverhalten (Geständnis, Reue und Einsicht) des Be-
schuldigten zu wenig Rechnung getragen. Und Drittens – so die Verteidigung fort-
fahrend - sei aufgrund der Verletzung des Beschleunigungsgebotes die Strafe zu
reduzieren, was das Bezirksgericht unterlassen habe. Eine Freiheitsstrafe von
maximal sieben Jahren erscheine angemessen (Urk. 32 S. 8 ff.).
2. Strafrahmen
Die Vorinstanz hat den vorliegend zur Anwendung gelangenden Strafrahmen kor-
rekt abgesteckt. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwie-
sen werden (Urk. 52 S. 31 f.). Namentlich hat die Erstinstanz richtig ausgeführt,
dass der Richter an das gesetzliche Höchstmass der Strafart gebunden ist. Die-
ses ist vorliegend mit 20 Jahren Freiheitsstrafe fixiert worden, weshalb keine Er-
weiterung des Strafrahmens nach oben möglich ist (Urk. 52 S. 31). Ebenso richtig
hat die Vorinstanz gesehen, dass sich der Strafschärfungsgrund der Tatmehrheit
infolge des nach oben nicht erweiterbaren Strafrahmens lediglich straferhöhend
- 24 -
auswirkt (BGer 6B.238/2009 E. 5.8; BGer 6S.73/2006 E. 3.2.; BGE 116 IV 302
E. 2.a.).
Entgegen der Auffassung der Verteidigung liegen keine Strafmilderungsgründe
vor. Art. 19 Abs. 3 lit. a und b BetmG sind – wie vorstehend erwogen - vorliegend
nicht anwendbar. Im zur Anwendung gelangenden alten Recht findet sich in
Art. 19 aBetmG kein Strafmilderungsgrund. Wenn im Übrigen das Anstaltentreffen
zu den in Art. 19 Ziff. 1 Abs. 1 -5 aBetmG genannten Handlungen nach der Kon-
zeption des Betäubungsmittelgesetzes ein vollendetes - und eben nicht ein ver-
suchtes - Delikt ist, kann auch kein Versuch vorliegen. Wer Anstalten trifft, hat das
tatbestandsmässige Handeln bereits vollendet. Damit fällt aber eine Strafmilde-
rung von Vorneherein ausser Betracht.
3. Strafzumessung
3.1. Die Vorinstanz hat sodann die massgeblichen belastenden und entlastenden
Faktoren grundsätzlich zutreffend genannt und gewürdigt, insbesondere auch die
besonderen Kriterien betreffend die Strafzumessung bei Betäubungsmitteldelik-
ten. Es kann vorab auf die entsprechenden Erwägungen im erstinstanzlichen Ur-
teil verwiesen werden (Urk. 52 S. 32 ff.). Die nachstehenden Ausführungen sind
- soweit nicht ausdrücklich als Korrekturen dargestellt - deshalb lediglich als Prä-
zisierungen bzw. Ergänzungen zu verstehen.
3.2. Das Bezirksgericht hat in der Folge auch die theoretischen Grundsätze der
richterlichen Strafzumessung korrekt zitiert, worauf verwiesen werden kann
(Urk. 52 S. 32). Insbesondere hat die Vorinstanz zutreffend erwogen, dass der
Richter die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu bemessen hat, wobei er
das Vorleben, die persönlichen Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf das
Leben des Täters berücksichtigt (Art. 47 Abs. 1 StGB). Das Verschulden wird
nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung des betroffenen Rechtsguts,
nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweggründen und Zielen des Täters
sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach den inneren und äusseren Um-
ständen in der Lage war, die Gefährdung oder Verletzung zu vermeiden (Art. 47
Abs. 2 StGB). Entgegen der Argumentation der Verteidigung (Urk. 75 S. 6 ff.) er-
- 25 -
folgt die Strafzumessung somit nicht nach dem schematisierten Berechnungsmo-
dell von Fingerhuth / Tschurr (Fingerhuth /Tschurr, a.a.O., N 30 zu Art. 47 StGB).
Letzterem kommt lediglich Vergleichswert zu.
3.3. Ergänzend ist festzuhalten, dass sich der Begriff des Verschuldens auf den
gesamten Unrechts- und Schuldgehalt der konkreten Straftat bezieht. Zu unter-
scheiden ist zwischen der Tat- und der Täterkomponente. Bei der Tatkomponente
ist als Ausgangspunkt die objektive Schwere des Deliktes festzulegen und zu be-
werten. Es ist anhand des Ausmasses des Erfolges (wie Deliktsbetrag und Aus-
wirkungen auf das Opfer) und aufgrund der Art und Weise des Vorgehens zu be-
urteilen, wie stark das strafrechtlich geschützte Rechtsgut beeinträchtigt worden
ist. Von Bedeutung ist auch die kriminelle Energie, wie sie durch die Tat und die
Tatausführung offenbart wird, sowie bei mehreren Tätern die Grösse des Tatbei-
trags und die hierarchische Stellung. Ferner sind die Willensrichtung, mit welcher
der Täter gehandelt hat, und die Beweggründe des Schuldigen zu beachten. So-
dann sind auch das „Mass an Entscheidungsfreiheit“ beim Täter und die Intensität
des deliktischen Willens bedeutsam. Bei den Beweggründen ist zu berücksichti-
gen, ob diese egoistischer Natur waren. Die Täterkomponente umfasst das Vorle-
ben (frühere Strafen oder Wohlverhalten), die persönlichen Verhältnisse (Reue,
Einsicht, Strafempfindlichkeit) und das Verhalten nach der Tat und im Strafverfah-
ren (Donatsch / Flachsmann / Hug / Weder, Schweizerisches Strafgesetzbuch,
Zürich 2006, S. 117 samt Verweisen insbesondere auf BGE 117 IV 113; BGE 122
IV 241; BGE 123 IV 153; BGE 127 IV 103; BGE 129 IV 20, vgl. ferner das Straf-
zumessungsmodell von Hans Mathys in SJZ 100/2004 S. 173 ff.).
3.4. Das Bezirksgericht hat sodann auch die besonderen Kriterien betreffend die
Strafzumessung bei Betäubungsmitteldelikten korrekt wiedergegeben, worauf
ebenfalls verwiesen werden kann (Urk. 52 S. 32 f.).
4. Tatkomponente
4.1. Zunächst ist die objektive Tatschwere als Ausgangskriterium für die Ver-
schuldensbewertung festzulegen und zu bemessen. Hierbei kann vorab auf die
weitgehend zutreffenden und einlässlichen Erwägungen der Vorinstanz zum Ver-
- 26 -
schulden verwiesen werden (Urk. 52 S. 36 ff.). Die nachfolgenden Ausführungen
erfolgen lediglich zur Verdeutlichung und Präzisierung:
4.1.1. Grundlage der Strafzumessung bildet die schwerste Einzeltat, für die eine
Einsatzstrafe festzusetzen ist. Vorliegend erscheint es sachgerecht, die einzelnen
Drogeneinfuhren, die jeweils den Gegenstand eines Anklagepunktes bilden, als
Einheit aufzufassen und nicht zwischen den dabei verwirklichten Tatbestandsva-
rianten (d.h. Einfuhr, Besitz und Weitergabe) zu unterscheiden, da diesen Tat-
handlungen jeweils ein einheitlicher Tatentschluss zugrunde liegt. Die Einsatzstra-
fe ist anschliessend für die weiteren Taten unter Berücksichtigung des Asperati-
onsprinzips angemessen zu erhöhen. Indem die Vorinstanz die bei den verschie-
denen Einfuhren verschobenen Drogenmengen zusammenzählte und ausgehend
vom so errechneten Total von 28 kg (netto) eine Einsatzstrafe festsetzte (Urk. 52
S. 36 f.), ist sie vom gesetzlich vorgegebenen Vorgehen abgewichen. Wie sich
zeigen wird, wirkt sich das im Ergebnis jedoch nicht aus.
4.1.2. Schwerste Einzeltat ist aufgrund der doppelt so grossen Menge wie im ers-
ten Transport die - durch den polizeilichen Zugriff letztlich vereitelte - Drogenein-
fuhr vom 23. Mai 2009, bei der eine Menge von 16 kg brutto eingeführt wurde,
was gemäss erstelltem Sachverhalt einer Menge von 10,56 kg reinem Kokain
entspricht. Bei Kokain handelt es sich um eine sogenannte „harte Droge“ mit un-
bestrittenermassen gesundheitsgefährdender und abhängigkeitserzeugender
Wirkung. Die Menge, die in die Schweiz eingeführt und vom Beschuldigten über-
nommen wurde, übersteigt somit krass die vom Bundesgericht festgesetzten Limi-
te von 18 Gramm reinem Kokain (BGE 109 IV 145; Fingerhuth / Tschurr, a.a.O.,
S. 151). Diese Menge war geeignet, die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen
in hohem Mass zu gefährden. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass der
Menge des transportierten reinen Kokains für den Beschuldigten etwas Zufälliges
anhaftete. Der Beschuldigte beabsichtigte, das eingeführte Kokain durch den
Flughafenmitarbeiter D._ kurz nach der Ankunft in der Gepäckaufbewah-
rungshalle des Flughafens behändigen zu lassen. Dadurch sollte auch das eigene
Risiko, gefasst zu werden, minimiert werden. Der Beschuldigte hatte alles getan,
um den Transport der Drogen aus der Flughafen Kloten erfolgreich abschliessen
- 27 -
zu können. Richtig gesehen hat die Vorinstanz in diesem Zusammenhang, dass
der Beschuldigte nicht bloss als reiner Drogenkurier, dessen Tatbeitrag sich auf
den Transport beschränkt, sondern als Partner in einer professionellen Organisa-
tion mit dem Einsatz verschiedener Personen für einzelne Aufgaben, tätig war. Es
kann auf die zutreffenden Erwägungen verwiesen werden (Urk. 52 S. 38, § 82
Abs. 4 StPO). Der hohe Organisationsgrad, das intensive Zusammenwirken der
Beteiligten und das professionelle Vorgehen lassen die deliktische Aktivität des
Beschuldigten als gravierend erscheinen. Damit kann bezüglich des Beschuldig-
ten nicht mehr von einer bloss untergeordneten Stellung innerhalb der Drogenor-
ganisation gesprochen werden. Vielmehr nahm er eine zentrale und wichtige
(Verbindungs-)Rolle innerhalb der ganzen Organisation ein. Andererseits kann
der Beschuldigte aber auch nicht als eigentlicher Chef der Organisation bezeich-
net werden. Die Tätigkeit des Beschuldigten ist dementsprechend nicht auf der
untersten Hierarchiestufe des Drogenhandels, also beispielsweise derjenigen von
blossen Kurieren oder abhängigen Strassendealern, anzusiedeln. Dass es beim
Anstaltentreffen als betäubungsmittelrechtlichem Spezialfall des Versuchs blieb,
ist zwar nicht dem Handeln des Beschuldigten zuzuschreiben. Die damit verbun-
dene Verringerung des von den Drogen ausgehenden Gefährdungspotentials
setzt jedoch die objektive Tatschwere etwas herab.
Zu korrigieren ist die Vorinstanz im Zusammenhang mit der Vorgehensweise ein-
zig darin, dass sie die Tatsache, dass der Beschuldigte den Mitbeschuldigten
D._ als Flughafenmitarbeiter für die Drogengeschäfte angeworben hat, unzu-
lässigerweise doppelt berücksichtigt hat, nämlich sowohl in ihren Erwägungen zur
Tat- wie auch zur Täterkomponente (Urk. 52 S. 38 f. und S. 42). Die genannten
Umstände sind einzig bei der Tatkomponente zu berücksichtigen. Zuzustimmen
ist der Vorinstanz allerdings darin, dass dieses Verhalten des Beschuldigten von
grosser krimineller Energie zeugt (Urk. 52 S. 42). Der Täter, welcher eine kontrol-
lierte Landesgrenze zu überschreiten bzw. zu umgehen hat, muss nämlich eine
erheblich grössere kriminelle Energie aufwenden, als wenn er bloss innerhalb des
Landes Drogen transportieren lässt (und damit ein minimales Risiko eingeht, in
einer Zufallskontrolle hängen zu bleiben).
- 28 -
4.1.3. Das Bezirksgericht erachtete das objektive Tatverschulden des Beschuldig-
ten als schwer (Urk. 52 S. 36). Diese Einschätzung ist - angesichts des massge-
benden Strafrahmens - leicht zu korrigieren. In diesem Zusammenhang ist zu er-
wähnen, dass die schweizerische Praxis bei leichtem Tatverschulden in aller Re-
gel die Strafen im unteren bis mittleren Drittel des vorgegebenen ordentlichen
Strafrahmens ansiedelt, bei mittlerer Tatschwere eben im mittleren Drittel und bei
schwerem Tatverschulden im oberen Drittel. Strafen im oberen Bereich, insbe-
sondere Höchststrafen sind bloss ausnahmsweise und bei sehr schwerem Ver-
schulden des Täters auszusprechen (BSK StGB I - Wiprächtiger, N 14 zu Art. 63
aStGB). Das objektive Tatverschulden ist als mittelschwer zu taxieren. Bei dieser
Verschuldensbewertung ist von einer hypothetischen Einsatzstrafe auszugehen,
die im mittleren Bereich des mittleren Drittel des ordentlichen Strafrahmens liegt.
4.2. In einem nächsten Schritt ist eine Bewertung des (subjektiven) Verschuldens
vorzunehmen. Es stellt sich die Frage, wie dem Täter die objektive Tatschwere
tatsächlich anzurechnen ist. Dabei spielen grundsätzlich nebst der Frage einer
verminderten Schuldfähigkeit (Art. 19 StGB) das Motiv und weitere subjektive
Verschuldenskomponenten (zum Beispiel Art. 48 StGB) eine Rolle. Egoistische
bzw. verwerfliche Beweggründe, ein Handeln aus eigenem Antrieb etc. wirken
verschuldenserhöhend, während beispielsweise ein Handeln mit Eventualvorsatz
(statt direktem Vorsatz), eine verminderte Schuldfähigkeit, ein unvollendeter Ver-
such oder die in Art. 48 StGB genannten Strafmilderungsgründe verschuldens-
mindernd zu gewichten sind (Mathys, a.a.O., S. 181).
4.2.1. Was das subjektive Verschulden anbelangt, so ist zunächst festzuhalten,
dass das Verschulden eines Täters, der vorsätzlich gehandelt hat, wesentlich
schwerer zu werten ist, als das Verschulden eines Täters, der „bloss“ fahrlässig
oder mit Eventualvorsatz handelt (BGer 6P.119/2003/6S.333/2003 vom 20. Janu-
ar 2004, E. II.7.5.; Stratenwerth, Schweizerisches Strafrecht, AT II, 2. A. Bern
2006, S. 185 f., N 25 ff.). Vorliegend ist mit der Vorinstanz von einer vorsätzlichen
Tatbegehung auszugehen, was das Verschulden des Beschuldigten bzw. den
Schuldvorwurf nicht geringer erscheinen lässt.
- 29 -
4.2.2. Bei dem selbst nicht süchtigen (Urk. 2/21 S. 6) Beschuldigten ist keine
Verminderung der Schuldfähigkeit ersichtlich, jedenfalls sind keine objektiven An-
haltspunkte hierfür namhaft gemacht worden. Bezüglich des Motivs ist die Vo-
rinstanz zu Recht davon ausgegangen, dass sich der Beschuldigte aus rein finan-
ziellen Überlegungen in den Betäubungsmittelhandel einliess, sah er doch darin
die Möglichkeit, auf einfache Art und Weise Geld zu verdienen (Urk. 52 S. 37).
Dem Beschuldigten kann allerdings keine eigentliche Gewinnsucht respektive
Geldgier unterstellt werden, auch wenn er für seine Tätigkeit eine beträchtliche
Belohnung von CHF 132'000.-- erhalten hat (1. Transport) respektive
CHF 150'000.-- plus 2 Kilogramm Kokain hätte erhalten sollen (2. Transport). An-
dererseits kann ihm aber auch nicht zugebilligt werden, er habe aus einer eigent-
lichen wirtschaftlichen Notsituation heraus gehandelt, geschweige denn seine
psychische Verfassung habe ihn zur Tat veranlasst. Es kann hiezu auf die zutref-
fenden Ausführungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 52 S. 37). Zwar ging
der Beschuldigte keiner geregelten Arbeit nach. Er machte jedoch geltend, dass
er von seiner Familie unterstützt worden sei, wenn er Geld gebraucht habe; aus-
serdem sei die Wohnung gratis gewesen. Sodann hat sich der Beschuldigte gera-
dezu leichthin dazu entschlossen, einen finanziellen Vorteil mit seiner Beteiligung
am Drogenhandel zu erlangen. Der sich ihm eröffnenden Möglichkeit des illegalen
Gelderwerbs hat er jedenfalls keine Widerstände entgegengesetzt. Im Übrigen
war dem Beschuldigten die Gefährlichkeit von Kokain für die Gesundheit der
Menschen bekannt. Trotz diesem Wissen bzw. dieser Erfahrung liess er sich nicht
davon abhalten, an der Drogeneinfuhr in die Schweiz mitzuwirken. Insoweit han-
delte der Beschuldigte auch verwerflich.
Das subjektive Tatverschulden relativiert damit gesamthaft betrachtet die (objekti-
ve) Tatschwere nicht.
4.3.1. Die festgestellte (objektive und subjektive) Tatschwere wird üblicherweise
mit den Begriffen "äusserst leicht", "sehr leicht", "leicht", "noch nicht (besonders)
schwer", "mittelschwer", "schwer", "sehr schwer" oder "äusserst schwer" einge-
schätzt und bezeichnet (vgl. hierzu auch Mathys, a.a.O., S. 178). Vorliegend ist
das Gesamtverschulden des Beschuldigten als mittelschwer zu beurteilen. In An-
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betracht der objektiven und subjektiven Tatschwere wäre für die Einfuhr von
10,56 Kilogramm reinem Kokain am 23. Mai 2009 (zweiter Transport) eine hypo-
thetische Einsatzstrafe von 9 Jahren angemessen.
4.3.2. Auch bezüglich der Einfuhr von 8 Kilogramm Kokaingemisch am 27. März
2009 leistete der Beschuldigte einen massgeblichen Tatbeitrag. Bezüglich der
Vorgehensweise und der hierarchischen Stellung des Beschuldigten kann auf die
vorstehenden Ausführungen unter Ziffer V.4.1.2. verwiesen werden. Ergänzend
ist festzuhalten, dass es im vorliegenden Fall nicht beim blossen "Anstaltentref-
fen" blieb. Demnach war der Beschuldigte entscheidend an der Einfuhr und am
Verkauf von 4,88 Kilogramm reinen Kokains beteiligt. Diese Menge war geeignet,
die Gesundheit zahlreicher Menschen zu gefährden, und sie überschritt die
Schwelle zum schweren Fall um ein Mehrfaches. Zur subjektiven Tatschwere
kann auf die vorstehenden Erwägungen zur Einfuhr von 16,024 kg Kokainge-
misch am 23. Mai 2009 verwiesen werden (vgl. Ziffern V.4.2.1. und 4.2.2.). Insge-
samt ist auch hier von einem mittelschweren objektiven und subjektiven Tatver-
schulden auszugehen. Die hypothetische Einsatzstrafe ist demnach um mindes-
tens 2 Jahre zu erhöhen.
5. Täterkomponente
5.1. Mit Bezug auf die Täterkomponente kann vorab ebenfalls auf die weitestge-
hend zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwiesen werden (Urk. 52
S. 39 ff.).
- 31 -
5.2. Vorstrafen
5.2.1. Der Beschuldigte wurde vom Obergericht des Kantons Zürich am 20. De-
zember 1993 wegen Raubes zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 16 Mona-
ten verurteilt (Urk. 9/1 und 9/2). Diese Verurteilung ist im Strafregister in der Zwi-
schenzeit gelöscht worden (Urk. 55). Unter Hinweis auf die bundesgerichtliche
Rechtsprechung (BGE 135 IV 8) darf diese aus dem Strafregister entfernte Verur-
teilung im vorliegenden Strafverfahren bei der Strafzumessung nicht mehr verwer-
tet werden.
5.2.2. Insofern die Vorinstanz die (teilweise) einschlägigen Vorstrafen des Be-
schuldigten aus den Jahren 2001, 2003, 2005 und 2007 massiv straferhöhend be-
rücksichtigt hat (Urk. 52 S. 40 f.), ist diese Einschätzung der Vorinstanz nicht zu
beanstanden. Bemerkenswert sind insbesondere die beiden einschlägigen Vor-
strafen vom 14. Mai 2001 (Obergericht des Kantons Zürich: 7 1⁄2 Jahre Zuchthaus)
und 12. Dezember 2007 (Bezirksgericht Zürich, 6. Abteilung: 18 Monate Gefäng-
nis). Gemäss gefestigter Rechtsprechung messen die Gerichte dem Umstand,
dass der Täter durch Vorstrafen (auch im Ausland: BGE 105 IV 226) oder nur
schon durch frühere Strafverfahren gewarnt worden war, straferhöhende Wirkung
zu (vgl. Urteil des Bundesgerichts 6B_281/2007 vom 30. Juli 2007). Von dieser
Rechtsprechung abzuweichen, besteht vorliegend kein Anlass. Den Beschuldig-
ten scheinen Interventionen durch die Behörden offenkundig nicht nachhaltig zu
beeindrucken, zumindest hat er sich die Konsequenzen erneuter Verfehlungen
nicht verinnerlicht. Seit dem Jahre 1996 bis zu seiner Verhaftung im vorliegenden
Verfahren am 23. Mai 2009 war der Beschuldigte "lediglich" während 18 Monaten
auf freiem Fuss und zudem 22 Monate auf der Flucht. In der übrigen Zeit war er in
verschiedenen Gefängnissen bzw. Strafanstalten des Kantons Zürich inhaftiert.
Die Inhaftierungen des Beschuldigten vermochten keine Korrektur seines strafba-
ren Verhaltens zu bewirken.
Leicht straferhöhend fällt sodann ins Gewicht, dass der Beschuldigte am 17. Au-
gust 2008 aus dem Strafvollzug in der Kolonie ... entwichen ist und seine Taten
während anhaltender Flucht begangen hat (Urk. 9/11), was die Vorinstanz richtig
- 32 -
gesehen hat. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz fällt vorliegend eine Straf-
erhöhung aufgrund des Umstandes, dass der Beschuldigte kurz nach seiner Ver-
urteilung durch das Bezirksgericht Zürich, 6. Abteilung, wieder delinquiert habe,
ausser Betracht (Urk. 52 S. 42). Die Verurteilung durch das Bezirksgericht Zürich,
6. Abteilung, erfolgte bereits am 12. Dezember 2007 (Urk. 55), mithin rund 15 1⁄2
Monate vor dem hier zu beurteilenden ersten Transport vom 27. März 2009.
5.3. Vorgeschichte und persönliche Verhältnisse
Die Angaben zum Vorleben und zu den persönlichen Verhältnissen des Beschul-
digten ergeben sich aus den Vorakten (Urk. 2/2 S. 3; Urk. 9/8; Urk. 24 S. 1 ff.) und
aus dem vorinstanzlichen Entscheid (Urk. 52 S. 39). Zur Vermeidung von unnöti-
gen Wiederholungen und nachdem der sich seither in Haft befindliche Beschuldig-
te auch anlässlich der heutigen Berufungsverhandlung nichts Neues vorgebracht
hat, kann auf diese Ausführungen verwiesen werden.
Aus den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten ergibt sich jedenfalls
nichts für die vorliegende Strafzumessung Relevantes.
5.4. Nachtatverhalten
5.4.1. Die Verteidigung beanstandet die Würdigung des Nachtatverhaltens durch
die Vorinstanz. Sie hält dafür, dass dem Nachtatverhalten (Geständnis, Reue und
Einsicht) des Beschuldigten zu wenig Rechnung getragen worden sei.
5.4.2. Zum Nachtatverhalten hat die Vorinstanz erwogen, dass sich das Geständ-
nis des Beschuldigten hinsichtlich des äusseren Sachverhaltes nicht strafmin-
dernd auswirke, da dies weder zur Vereinfachung noch zur Förderung des Ver-
fahrens beigetragen habe (Urk. 52 S. 43). Dieser Einschätzung der Vorinstanz ist
beizupflichten. Gemäss der bundesgerichtlichen Rechtsprechung kann ein Ge-
ständnis bei der Analyse des Nachtatverhaltens im Rahmen der Strafzumessung
zugunsten des Täters berücksichtigt werden, wenn es auf Einsicht in das began-
gene Unrecht oder auf Reue schliessen lässt oder der Täter dadurch zur Tatauf-
deckung über den eigenen Tatanteil beiträgt (vgl. BGE 121 IV 202 E. 2d/cc
S. 206). Diese Praxis fusst auf der Überlegung, dass Geständnisse zur Vereinfa-
- 33 -
chung und Verkürzung des Verfahrens und zur Wahrheitsfindung beitragen kön-
nen. Ein Verzicht auf eine Strafminderung kann sich demgegenüber deshalb auf-
drängen, wenn das Geständnis die Strafverfolgung nicht erleichtert hat, nament-
lich weil der Täter nur aufgrund einer erdrückenden Beweislage oder gar erst
nach Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils geständig geworden ist (Urteile
6B_974/2009 vom 18. Februar 2010 E. 5.4, 6B_737/2007 vom 14. April 2008
E. 1.2 sowie 6S.531/2006 vom 24. Januar 2007 E. 3.6.3 mit Hinweisen).
5.4.3. Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass der Beschuldigte im Laufe
des vorinstanzlichen Verfahrens nur etappenweise Zugeständnisse gemacht hat
und dies jeweilen erst nach den entsprechenden Konfrontationen und Offenle-
gung der Beweismittel wie z.B. TK-Kontrollen und Observationsberichte (Urk. 52
S. 42 f.). Der Beschuldigte hat anlässlich der Konfrontationseinvernahme mit
D._ vom 17. März 2010 (Urk. 2/13 S. 7 ff.) den äusseren Sachverhalt grund-
sätzlich eingestanden, nachdem er in allen zwölf vorgängigen Befragungen seit
seiner Verhaftung am 23. Mai 2009 stets ausgeführt hatte, dass D._ nie et-
was für ihn aus dem Flughafen hinausgeschmuggelt und ihm übergeben habe.
Vor diesem Hintergrund kann jedenfalls zu Gunsten des Beschuldigten nicht ge-
sagt werden, er habe Straftaten offen gelegt, die ihm nicht hätten nachgewiesen
werden können. Bezeichnend für das Aussageverhalten des Beschuldigten ist
seine Antwort auf die Frage des Staatsanwaltes, weshalb er das Tatgeschehen
erst jetzt eingestehe. Der Beschuldigte gab zu Protokoll, er habe die (belasten-
den) Aussagen von D._ persönlich hören wollen (Urk. 2/1 S. 7). Ebenso il-
lustrativ ist seine Antwort auf die Frage, welche Menge Kokain er von D._
übernommen habe. Der Beschuldigte entgegnete, er habe auf der Strasse keine
Waage gehabt, um das Kokain zu wägen (Urk. 2/1 S. 7). Damit bestätigte der Be-
schuldigte nur die Angaben seines Mitbeschuldigten und lieferte keine neuen Er-
kenntnisse für die Untersuchung. Und auch in der staatsanwaltlichen Schlussein-
vernahme vom 11. Februar 2011 konnte sich der Beschuldigte nicht zu einem vol-
len Geständnis durchringen (Urk. 2/12 S. 6 ff.). Immerhin ist aber festzuhalten,
dass das Geständnis betreffend den äussern (Anklage-)Sachverhalt zu einer
leichten Vereinfachung des vorinstanzlichen Verfahrens geführt hat, was vorlie-
gend zu einer marginalen Strafminderung führt. Richtig gesehen hat das Bezirks-
- 34 -
gericht sodann, dass das (Teil)Geständnis des Beschuldigten auch keine echte
Reue und Einsicht erkennen lässt (Urk. 52 S. 43), was sich auch in Relativierun-
gen seines Verhaltens (z.B. er habe lediglich die Rolle des Überbringers gespielt
oder er habe beim ersten Transport bloss CHF 2'400.-- erhalten usw., vgl. Urk.
2/21 S. 6) zeigt.
Dem Beschuldigten ist sodann auch keine Kooperationsbereitschaft in der Unter-
suchung und im Strafverfahren zu attestieren. Zu Recht hat die Vorinstanz darauf
hingewiesen, dass das Aussageverhalten des Beschuldigten ausweichend und
bemühend war. Es kann auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz verwie-
sen werden (Urk. 52 S. 43). Reue und eine gereifte Einsicht in das Unrecht seiner
Taten sind sodann beim Beschuldigten in keiner Art und Weise zu erkennen.
5.4.4. In den Verfahrensakten liegt ein Führungsbericht der Justizvollzugsanstalt
... vom 14. September 2011. Darin wird ausgeführt, der Beschuldigten habe sich
bisher im Strafvollzug unauffällig verhalten (Urk. 23).
Festzuhalten ist, dass das Wohlverhalten des Beschuldigten im Strafvollzug uner-
heblich ist. Ein korrektes Verhalten im Strafvollzug kann vielmehr vorausgesetzt
werden. Das dem Beschuldigten attestierte Wohlverhalten im Strafvollzug wird
ihm damit allenfalls bei der Frage der bedingten Entlassung zugutezuhalten sein
(vgl. Art. 86 StGB). Im Rahmen der Strafzumessung kann es hingegen nicht als
besondere Reue und Einsicht interpretiert und berücksichtigt werden (Urteil
6B_426/2010 vom 22. Juli 2010).
Zusammenfassend führt das Nachtatverhalten des Angeklagten somit lediglich zu
einer marginalen Strafreduktion.
5.5. Strafempfindlichkeit
Mit der Vorinstanz ist davon auszugehen, dass eine besondere Strafempfindlich-
keit beim Beschuldigten nicht gegeben ist (Urk. 52 S. 44).
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5.6. Kriminelle Energie
Das Bezirksgericht hat aufgrund des Vorgehens des Beschuldigten (Anwerbung
des Flughafenmitarbeiters D._) auf eine grosse kriminelle Energie des Be-
schuldigten geschlossen (Urk. 52 S. 42). Diese Einschätzung der Vorinstanz ist -
wie vorstehend ausgeführt - korrekt. Dass die entsprechende Berücksichtigung
bei der Tatkomponente vorzunehmen ist, wurde bereits vorstehend erwogen. An
der nun zur Diskussion stehenden Stelle erfolgte sie jedoch zu Unrecht. Die kri-
minelle Energie des Beschuldigten ist daher im Rahmen der Täterkomponente
nicht straferhöhend zu gewichten.
5.7. Verletzung des Beschleunigungsgebotes
5.7.1. Die Verteidigung macht eine Verletzung des Beschleunigungsgebotes gel-
tend. Sie moniert, dass der Beschuldigte am 24. Mai 2009 verhaftet worden sei
und die vorinstanzliche Tagfahrt erst am 15. bzw. 27. September 2011, mithin
zwei Jahre und vier Monate später stattgefunden habe. Es könne nicht nachvoll-
zogen werden, weshalb die Konfrontationseinvernahme zwischen dem Beschul-
digten und D._ erst 10 Monate und diejenige zwischen dem Beschuldigten
und B._ gar erst über 16 Monate nach der Verhaftung stattgefunden haben.
Durch eine Konzentrierung des Verfahrens, insbesondere durch frühe Konfronta-
tionen der Mitbeschuldigten, hätten die unzähligen und völlig überflüssigen TK-
Einvernahmen beim polizeilichen Sachbearbeiter erspart werden und das Verfah-
ren beschleunigt werden können. Der Beschuldigte habe am 17. März 2009 beide
Tatvorgänge anerkannt. Trotzdem habe die Untersuchung noch mehr als ein Jahr
weitergedauert. Auch diese überlange Verfahrensdauer führe zu einer Strafreduk-
tion (Urk. 32 S. 9).
5.7.2. Die Vorinstanz hat erwogen, dass keine Verletzung des Beschleunigungs-
gebotes vorliege, da es sich um ein umfangreiches und komplexes Verfahren mit
mehreren Beschuldigten und einer grösseren Anzahl involvierter Personen ge-
handelt habe. Alleine mit dem Beschuldigten hätten 21 polizeiliche und staatsan-
waltliche Befragungen durchgeführt werden müssen (Urk. 52 S. 44).
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5.7.3. Das in Art. 5 StPO, Art. 29 Abs. 1 BV und Art. 6 Ziff. 1 EMRK festgeschrie-
bene Beschleunigungsgebot verpflichtet die Behörden, das Strafverfahren voran-
zutreiben, um den Beschuldigten nicht unnötig über die gegen ihn erhobenen
Vorwürfe im Ungewissen zu lassen (BGE 133 IV 158 E. 8; BGE 130 IV 54 E.
3.3.1; BGE 124 I 139 E. 2a; je mit Hinweisen). Gegenstand der Prüfung, ob ein
Verfahren zu lange gedauert hat, ist das Verfahren in seiner Gesamtheit. Die Be-
urteilung der Verfahrensdauer entzieht sich starren Regeln. Es ist vielmehr in je-
dem Einzelfall unter Würdigung aller konkreten Umstände zu prüfen, ob sich die-
se als angemessen erweist. Zu berücksichtigen sind insbesondere die Komplexi-
tät des Falls, das Verhalten des Angeschuldigten und die Behandlung des Falls
durch die Behörden (BGE 130 IV 54 E. 3.3.3; BGE 124 IV 139 E. 2c; je mit Hin-
weisen).
Von den Behörden und Gerichten kann nicht verlangt werden, dass sie sich stän-
dig einem einzigen Fall widmen. Zeiten, in denen das Verfahren stillsteht, sind
unumgänglich. Wirkt keiner dieser Zeitabschnitte stossend, ist eine Gesamtbe-
trachtung vorzunehmen. Dabei können Zeiten mit intensiver behördlicher oder ge-
richtlicher Tätigkeit andere Zeitspannen kompensieren, in denen aufgrund der
Geschäftslast keine Verfahrenshandlungen erfolgten (BGE 130 IV 54 E. 3.3.3;
BGE 124 I 139 E. 2c mit Hinweisen; Urteile 6B_670/2009 vom 17. November
2009 E. 2.2; 6B_105/2007 vom 2. November 2007 E. 3.3).
5.7.4. Von Vorneherein nicht zu beanstanden ist zunächst die Verfahrensdauer
vor der Vorinstanz. Die ergänzte Anklageschrift ging am 12. Mai 2011 am Be-
zirksgericht Bülach ein (Urk. 10/9). Am 15. bzw. 27. September 2011, mithin rund
4 Monate später fand die Hauptverhandlung statt. Bei dieser Sachlage kann nicht
von einer weiteren relevanten Verfahrensverzögerung gesprochen werden, für
welche die Vorinstanz einzustehen hätte. Das gilt im Übrigen auch für den Um-
stand, dass die Ausfertigung der schriftlichen Urteilsbegründung rund 4 Monate in
Anspruch nahm. Dies erscheint zwar verhältnismässig lange. Jedoch handelt es
sich in Anbetracht der konkreten Umstände nicht um einen übermässig ausge-
dehnten Zeitraum im Sinne einer eigentlichen Verfahrensverschleppung. Immer-
hin hatte die Vorinstanz die bestrittenen Punkte des äusseren (Anklage-)Sach-
- 37 -
verhaltes und den inneren (Anklage-)Sachverhalt zu erstellen und die rechtliche
Würdigung sowie die Strafzumessung vorzunehmen. Damit liegt keine von der
Vorinstanz zu vertretende Verfahrensverzögerung vor.
Was die Verfahrensdauer in der Untersuchung betrifft, so ist festzuhalten, dass
der Beschuldigte - wie erwähnt - am 23. Mai 2009 verhaftet wurde. Erst anlässlich
der Konfrontationseinvernahme mit D._ vom 17. Februar 2011 räumte der
Beschuldigte den äusseren Tathergang ein. Bis zu diesem Zeitpunkt waren mit
dem Beschuldigten zwölf, mit B._ 14, mit C._ elf und mit D._ 10
Einvernahmen durchgeführt worden. Dabei mussten sämtliche Mitbeschuldigten
jeweilen einlässlich zu den Ergebnissen der Telefonüberwachung befragt werden.
Vorliegend handelt es sich offenkundig um einen komplexen und aufwändigen
Fall. Dass zudem mehrere gleichzeitig geführte Verfahren zu einer Verkomplizie-
rung der Abläufe führen, ist ebenso einleuchtend. Der Einwand der Verteidigung,
durch eine frühere Konfrontation der Mitbeschuldigten wäre das Verfahren be-
schleunigt worden (Urk. 32 S. 9), scheitert am eigenen, unkooperativen Aussage-
verhalten des Beschuldigten. Der Zeitablauf zwischen der Verhaftung des Be-
schuldigten (23. Mai 2009) und der Konfrontationseinvernahmen (17. März 2010)
ist daher nicht übermässig lange und stellt keine relevante Verfahrensverzöge-
rung dar. Entgegen der Auffassung der Verteidigung ist eine Verzögerung des
Untersuchungsverfahrens auch für den Zeitabschnitt von Mitte März 2010 bis zur
Anklagerhebung (9. Mai 2011) nicht erkennbar. Wiederum fanden diverse Einver-
nahmen mit dem Beschuldigten (8 Befragungen), B._ (1 Befragung),
C._ (10 Befragungen) und D._ (7 Befragungen) statt. So wurde bei-
spielsweise B._ am 5. Oktober 2010 als Auskunftsperson insbesondere zur
strittigen Frage der Belohnung des Beschuldigten einvernommen (Urk. 41/2/22).
Aus dem Verfahrensablauf ist ersichtlich, dass das vorliegende Dossier umfang-
reich ist und die Rollen der Beschuldigten eng miteinander verbunden sind. Zu-
dem stellen die in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft enthaltenen Delikte
(mehrfache qualifizierte Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz)
schwerwiegende Tatvorwürfe gegenüber dem Beschuldigten dar, die umfangrei-
che Ermittlungen erforderten. Eine krasse Zeitlücke (im Ablauf) seitens der Straf-
- 38 -
behörde ist nicht auszumachen. Dazu genügt es nicht, dass diese oder jene
Handlung ein bisschen rascher hätte vorgenommen werden können.
5.8. Zusammenfassung
Im Rahmen der Täterkomponente wirken sich die Vorstrafen und das Delinquie-
ren während fortdauernder Flucht massiv straferhöhend aus. Marginal strafmin-
dernd fällt das Nachtatverhalten des Beschuldigten ins Gewicht. Insgesamt fallen
die Straferhöhungsgründe stärker ins Gewicht als der Strafminderungsgründe.
Die Täterkomponente erhöht die hypothetische Einsatzstrafe daher erheblich.
6. Strafe
6.1. Wird zur Tatkomponente gemäss den vorstehenden Erwägungen nun noch
die Täterkomponente in Relation gebracht, erscheint die von der Vorinstanz aus-
gefällte Freiheitsstrafe von 13 Jahren als angemessen. An diese Strafe sind bis
und mit heute insgesamt 1218 Tage erstandener Haft anzurechnen (Art. 51
StGB).
6.2. Die Angemessenheit dieser Strafe ergibt sich auch bei einer Vergleichsrech-
nung mit dem schematisierten Berechnungsmodell von Fingerhuth / Tschurr
(a.a.O., N 30 zu Art. 47 StGB). Die genannten Kommentatoren erwähnen zwar
selber, dass eine solche Tabelle das Gericht nicht binde (a.a.O. N 28 zu Art. 47
StGB), bemerken aber nachvollziehbar, "dass die Tabelle auch den Angeschuldigten bzw. den Verteidigungen als grober Vergleichsrahmen dienen" könne, "innerhalb welchem sich eine Strafe im Fall einer Verurteilung wohl bewegen" könne. Damit gleichgelagerte Fälle  gleich beurteilt werden, drängt sich im Sinne einer Kontrolle und im Interesse
von Rechtsgleichheit und -sicherheit gerade auf, diesen schematischen, praxis-
gestützten Vergleichsrahmen heranzuziehen, wie ihn die Kommentatoren Finger-
huth / Tschurr in dieser Tabelle dargestellt haben. Solche “Straftaxen“ dürfen
selbstverständlich nicht starr angewendet werden, haben aber doch Richtlinien-
funktion (BSK StGB I - Wiprächtiger, N 163 ff. zu Art. 47 StGB).
- 39 -
6.3. Bei 15,5 Kilogramm reinem Kokain wäre von einer Einsatzstrafe von rund 9 1⁄4
Jahren auszugehen. Davon abzuziehen sind zunächst 10 Prozent wegen des er-
folgten Geständnisses bezüglich des äusseren Sachverhaltes. Reue, Einsicht und
kooperatives Verhalten sind allerdings nicht gegeben. Zu einer Reduktion von
10 Prozent führt sodann der Umstand, dass der Beschuldigte lediglich in zwei
Geschäfte involviert war. Kein Abzug ist für die Transport- bzw. Kuriertätigkeit zu
veranschlagen. Die Rolle bzw. Tatbeteiligung des Beschuldigten geht darüber
weit hinaus. Für die vier teilweise einschlägigen Vorstrafen ist ein Zuschlag von
50 Prozent zu vorzunehmen. Es resultiert gemäss Berechungsmodell Fingerhuth /
Tschurr eine Freiheitsstrafe von rund 12 Jahren. Auch gemäss diesem Berech-
nungsmodell erscheint somit eine Strafe von 13 Jahren als vertretbar und ent-
spricht im Übrigen auch der gerichtsüblichen Sanktionierung in vergleichbaren
Fällen.
7. Strafenvergleich
7.1. Es entspricht konstanter Rechtsprechung, dass Mittäter für denselben Sach-
verhalt grundsätzlich gleich zu behandeln sind und Abweichungen im Strafmass
nach Art. 47 StGB besonders begründet werden müssen (Bundesgerichtsurteil
vom 5. Mai 1998, Nr. 6S.106/1997, noch zu Art. 63 aStGB).
7.2. Es ist jedoch offenkundig, dass Vergleiche von Strafurteilen sehr schwierig
sind. Wie das Bundesgericht in einem Entscheid in Bestätigung seiner konstanten
Rechtsprechung festgehalten hat (Urteil vom 22. August 2000, Nr. 6S.94/2000),
würden der Grundsatz der Individualisierung und der dem Sachrichter vom Ge-
setz bei der Strafzumessung eingeräumte weite Ermessensspielraum notwendi-
gerweise zu einer gewissen, vom Gesetzgeber in Kauf genommenen Ungleichheit
der Strafen führen. Unterschiedliche Gewichtungen der massgebenden Faktoren
seien auch Folge der Unabhängigkeit des Richters, der weiten Strafrahmen, der
freien Beweiswürdigung sowie des erheblichen Ermessens des Gerichts. In dieser
Hinsicht sei zu beachten, dass sich selbst gleich oder ähnlich gelagerte Fälle in
zumessungsrelevanten Punkten massgeblich unterscheiden. Die aus diesen Um-
ständen resultierende Ungleichheit in der Zumessung der Strafe reiche für sich al-
lein nicht aus, um auf einen Missbrauch des Ermessens zu schliessen. Es sei
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nicht Sache des Bundesgerichts für eine peinlich genaue Übereinstimmung ein-
zelner Strafmasse zu sorgen. Es habe lediglich für eine korrekte Anwendung des
Bundesrechts besorgt zu sein. Soweit die Strafe innerhalb des gesetzlichen Straf-
rahmens gestützt auf allen wesentlichen Gesichtspunkte und im Rahmen des
richterlichen Ermessens festgesetzt worden sei, seien Unterschiede in der Straf-
zumessungspraxis innerhalb dieser Grenzen hinzunehmen (so eingehend BGE
123 150 E. 2a mit Verweisen). Nur eine auffallend hohe Strafe eines Mittäters
kann somit korrigiert werden (vgl. u.a. BGE 121 IV 205 ff.).
7.3.1. Bei der Gegenüberstellung von einzelnen Strafen ist vorweg die Bemer-
kungen anzubringen, dass ein Vergleich von Strafen an sich nur bei gleichem
strafrechtlichen Vorhalt möglich ist. Dies ist in Bezug auf die Mittäter B._,
C._ und D._ nicht vollständig der Fall. B._ hatte sich noch für ande-
re Delikte (Gehilfenschaft zur qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäu-
bungsmittelgesetz im Sinne von Art. 19 Ziff. 1 Abs. 4 in Verbindung mit Art. 25
StGB, mehrfache Geldwäscherei im Sinne von Art. 305 bis Ziff. 1 StGB und Wi-
derhandlung gegen das Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer im
Sinne von Art. 115 Abs. 1 lit. a und b AuG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 lit. a
AuG und Art. 9 Abs. 2 VZAE) zu verantworten. C._ hatte zusätzlich für
Geldwäscherei im Sinne von Art. 305 bis Ziff. 1 StGB einzustehen und D._
wurde keine Bandenmässigkeit vorgeworfen. Mithin verfügte der Beschuldigte
über ein, wenn auch (teilweise) nur minim abweichendes Anklagefundament.
Trotz dieser Einschränkungen ist auf die beigezogenen Urteile des Obergerichts
des Kantons Zürich, II. Strafkammer, je vom 29. Juni 2012 (Urk. 71 - 73) in Sa-
chen Staatsanwaltschaft II des Kantons Zürich gegen B._, C._ und
D._ kurz einzugehen.
7.3.2. Mit Urteil vom 29. Juni 2012 bestrafte das Obergericht des Kantons Zürich,
II. Strafkammer, B._ mit einer Freiheitsstrafe von 6 3⁄4 Jahren und C._
mit einer solchen von 8 Jahren. Bei beiden war der vorinstanzliche Schuldspruch
nicht angefochten worden. Zu beurteilen war demnach lediglich die Strafzumes-
sung. D._ wurde von der II. Strafkammer des Obergerichts der mehrfachen
qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz im Sinne von
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Art. 19 Ziff. 1 Abs. 3 und 6 aBetmG in Verbindung mit Ziff. 2 lit. a schuldig gespro-
chen und mit einer Freiheitsstrafe von 6 1⁄2 Jahren bestraft.
7.3.3. Das Obergericht hat bei B._, C._ und D._ Ausführungen zur
Strafzumessung gemacht, auf die nicht zurückzukommen ist, da sie nicht Gegen-
stand des vorliegenden Berufungsverfahrens bilden. Ergänzend ist einzig dazu zu
bemerken, dass keine Anhaltspunkte vorliegen, dass die diesbezüglichen Erwä-
gungen des Obergerichts Fehler enthalten, welche sich hier auswirken.
7.3.4.1. Das Obergericht taxierte das objektive Tatverschulden von B._ be-
treffend die Einfuhr vom 23. Mai 2009 als schwer. Es ging - wie beim Beschuldig-
ten - von einer Drogenmenge von 10,56 Kilogramm reinem Kokain aus. Was die
Stellung von B._ im Drogengeschäft anbelangt, so wurde er – wie der Be-
schuldigte auch - zwar nicht auf der untersten Hierarchiestufe positioniert, aber
auch nicht auf hoher Hierarchiestufe. Er sei nicht der Organisator der Einfuhr ge-
wesen und habe im Vergleich zu den Hintermännern in der E._ und den
Schleusern in der Schweiz eine bescheidene Belohnung erhalten. Seine Rolle sei
eher im unteren Bereich, auf Stufe eines Unteroffiziers anzusiedeln. Die subjekti-
ve Tatschwere qualifizierte das Gericht als schwer. Strafmilderungsgründe lagen
nicht vor. Dem Delikt lagen reine finanzielle Motive zu Grunde. Die hypothetische
Einsatzstrafe wurde auf 9 Jahre festgelegt. Das Verschulden hinsichtlich der wei-
teren Anklagepunkte betreffend Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelge-
setz wurde ebenfalls als schwer taxiert, was nach Auffassung des Obergerichts
zu einer Erhöhung der Einsatzstrafe um mehrere Jahre geführt hätte. Die objekti-
ve und subjektive Tatschwere bezüglich der Geldwäscherei qualifizierte das
Obergericht als nicht mehr leicht. Auch diesbezüglich wäre es - nach Auffassung
des Obergerichts - zu einer Erhöhung der Einsatzstrafe gekommen. Die Wider-
handlungen gegen des Ausländergesetz erachtete das Obergericht als verschul-
densmässig nicht ins Gewicht fallend. Insgesamt kam das Obergericht auf eine
verschuldensadäquate Strafe von gegen 15 Jahren. B._ war geständig, ver-
hielt sich in der Untersuchung und im Strafverfahren äusserst kooperativ und
zeigte Reue und Einsicht. Das Bezirksgericht Bülach hatte im deswegen eine Ge-
samtreduktion von 2/5 zugestanden, was vom Obergericht kritisiert wurde. Aus
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strafprozessualen Gründen kam eine Erhöhung der vorinstanzlichen Strafe von
6 3⁄4 Jahren jedoch nicht in Betracht, weshalb diese vom Obergericht bestätigt
wurde.
7.3.4.2. Das objektive Tatverschulden von C._ betreffend die Einfuhr vom 23.
Mai 2009 ebenfalls als schwer. Es ging - wie beim Beschuldigten - von einer Dro-
genmenge von 10,56 Kilogramm reinem Kokain. Mit Bezug auf die Stellung von
C._ im Drogengeschäft führte das Obergericht aus, dieser habe zusammen
mit B._ die Einfuhr organisiert. Er habe eine leitende Stellung eingenommen,
habe aber nicht vollständig selbständig, sondern im Auftrag eines Hintermannes
in der E._ gehandelt. Als eigentlichen Chef könne er nicht bezeichnet wer-
den, er habe aber auch keine untergeordnete Stellung inne gehabt. Die subjektive
Tatschwere qualifizierte das Gericht (ebenfalls) als schwer. Strafmilderungsgrün-
de lagen nicht vor. Dem Delikt lagen finanzielle Motive zu Grunde. Die hypotheti-
sche Einsatzstrafe wurde (ebenfalls) auf 9 Jahre festgelegt. Das Verschulden hin-
sichtlich des ersten Transportes vom 27. März 2009 wurde ebenfalls als schwer
taxiert, was nach Auffassung des Obergerichts zu einer Erhöhung der Einsatz-
strafe um mindestens 2 1/2 Jahre führte. Die objektive und subjektive Tatschwere
bezüglich der Geldwäscherei qualifizierte das Obergericht auch als schwer, was
mit einer weiteren Erhöhung der hypothetischen Einsatzstrafe verbunden war.
Gesamthaft kam das Obergericht auf eine verschuldensadäquate Strafe von ge-
gen 12 1⁄2 Jahren. C._ wies vier Vorstrafen auf, welche aber alle über 20 Jah-
re zurück lagen, mithin für die Strafzumessung nicht von Relevanz waren.
C._ war nicht von Anfang an geständig und gab im Laufe der Untersuchung
nur einzelne ihm vorgeworfenen Taten und Tatbeteiligungen zu. Sein vollständi-
ges Geständnis erfolgte erst am 12. November 2010, als er mit B._ und des-
sen Aussagen konfrontiert wurde. Sein Geständnis wurde daher leicht strafmin-
dernd gewertet. Das Obergericht hielt dafür, dass sich für die sanktionierenden
Delikte eine höhere Freiheitsstrafe als die von der Vorinstanz ausgefällte als an-
gemessen erweisen würde. Aus strafprozessualen Gründen kam eine Erhöhung
der vorinstanzlichen Strafe von 8 Jahren jedoch nicht in Betracht, weshalb diese
vom Obergericht bestätigt wurde.
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7.3.4.3. Das objektive Tatverschulden von D._ betreffend die Einfuhr vom 23.
Mai 2009 wurde vom Obergericht als schwerwiegend eingestuft. In Abweichung
zur Vorinstanz ging das Obergericht von einer Menge von 12,384 Kilogramm rei-
nem Kokain aus, da die Spannweite von 66-79% an Reinheitsgehalt hier nicht ge-
schätzt, sondern die einzelnen Kokainpakete vom IRM analysiert worden waren.
Hinsichtlich der Stellung von D._ im Drogengeschäft hielt das Obergericht
dafür, dass dieser in der Hierarchie der Drogenorganisation zwar eine unterge-
ordnete Position eingenommen habe, er habe aber eine Schlüsselstellung inne-
gehabt. Seiner Schlüsselstellung entsprechend hoch sei auch seine Belohnung
gewesen. Strafmilderungsgründe lagen nicht vor. Das Motiv war rein finanzieller
Art. Als hypothetische Einsatzstrafe wurde eine Freiheitsstrafe von nicht unter 5
Jahren angenommen. Das Verschulden hinsichtlich des ersten Transportes vom
27. März 2009 wirkte sich nach Dafürhalten des Obergerichts in einer Anhebung
der Einsatzstrafe um etwa zwei Jahre aus. D._ wies keine Vorstrafen auf und
war ungeständig. Ebensowenig waren Reue und Einsicht festzustellen. In Beach-
tung des Verschlechterungsgebotes bestätigte das Obergericht die von der Vor-
instanz ausgefällte Freiheitsstrafe von 6 1⁄2 Jahren.
7.3.4.4. Beim heutigen Beschuldigten kann auf die oben aufgeführte Strafzumes-
sung hingewiesen werden.
7.4. Zusammenfassend erweist sich die von der Vorinstanz ausgefällte und heute
bestätigte Strafe auch im Quervergleich als korrekt. Dass die Mittäter im Vergleich
zum Beschuldigten tiefere Strafen erhielten, liegt zum einen daran, dass andere
Strafzumessungsfaktoren vorlagen bzw. diese anders gewichtet werden mussten,
zum anderen aber daran, dass das Bezirksgericht zu milde Strafen ausfällte, wel-
che in den entsprechenden Berufungsverfahren aus prozessualen Gründen nicht
mehr erhöht werden konnten. Ein Anspruch auf Gleichbehandlung im Unrecht be-
steht jedoch grundsätzlich nicht (Urteil des Bundesgerichts 6B_716/2011 vom
30. März 2012; BGE 135 IV 191 E. 3.1 ff.). Vielmehr ist festzuhalten, dass die von
der Vorinstanz für den Beschuldigten festgesetzte Strafe im Vergleich mit den
Strafen, welche für die Mittäter angemessen gewesen wären, nicht auffallend
hoch ist.
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VI. Strafvollzug
Bei der ausgefällten Strafhöhe ist die Gewährung des teil- und vollbedingten
Strafvollzuges ausgeschlossen (Art. 42 und 43 StGB).
VII. Kosten
Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe ihres
Obsiegens oder Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unterliegt
im Berufungsverfahren vollständig. Bei diesem Verfahrensausgang sind ihm die
Kosten des Berufungsverfahrens aufzuerlegen. In Anbetracht der schlechten fi-
nanziellen Situation des Beschuldigten (vgl. Urk. 74 S. 4 f.), die sich in absehbarer
Zeit nicht entscheidend verbessern dürfte, sind die Kosten jedoch sofort abzu-
schreiben (Art. 425 StPO). Die Kosten seiner amtlichen Verteidigung für das Be-
rufungsverfahrens sind definitiv auf die Gerichtskasse zu nehmen.