# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c32bd0f3-0553-4cf5-b1cc-84569cdfe96b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1951 geborene
X._
bezieht
Zusatzleistungen zu ihrer
AHV-
Rente. Mit Verfügung vom 14. Dezember 2017
setzte die Sozialversiche
r
ungsan
stalt des Kantons Zürich, Zusatzleistungen zur AHV/IV (nachfolgend: SVA),
den Anspruch der Versicherten auf Zu
satzleistungen unter Berücksichtigung der anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnahmen ihres Ehemanns ab
dem
1. Januar 2018 auf Fr. 1‘5
69.--
fest
(bestehend aus eidgenössischen Ergänzungs
leistungen von Fr.
659
.-- und
d
er P
rämienpauschale
für die
Krankenversicherung
von Fr. 910.--
;
Urk.
6/
306
; vgl. auch Urk.
6
/
304
).
Das
dagegen eingeleitete
Ein
spracheverfahren
(Urk. 6/308) konnte am 24. Mai 2018 abgeschrieben werden (Urk. 6/380), nachdem die Versicherte ihre Einsprache zurückgezogen hatte (Urk.
6/371).
1.2
Nachdem die SVA davon Kenntnis erhalten hatte, dass die Versicherte mehr als ein Jahr von ihrem Ehemann getrennt gelebt hatte
und
überdies per 31. Januar 2018 ihren Wohnsitz von
Y._
nach
Z._
verlegt hatte
(vgl. Urk. 6/332
, Urk. 6/339)
,
stellte sie die von der Gemeinde
Y._
zu erbringenden Zusatz
leistungen mit Verfügung vom 28. März 2018 ab 1. Februar 2018 ein und forderte die für die Zeit vom 1. Februar bis 31. März 2018 ausgerichteten
Ergänzungs
l
eis
tungen im Betrag von Fr. 1'318.-- zurück (Urk. 6/341). Mit einer weiteren Ver
fügung gleichen Datums sprach sie der Versicherten aufgrund einer
Neuberech
nung der Zusatzleistungen unter Ausserachtlassung der anerkannten Ausgaben
und anrechenbaren Einnahmen des Ehemanns
(Urk. 6/345)
ab 1. Februar
2018
vo
n der Gemeinde
Z._
zu erbringende
Zusatzleistungen in Höhe von Fr.
1'049.--
(bestehend aus eidgenössischen Ergänzungsleistungen von Fr.
594
.-- und
der Prämienpauschale für die Krankenversicherung von Fr.
455.-
) zu (Urk.
6/343
). Die nachzuzahlenden Ergänzungsleistungen in Höhe von Fr. 1'188.-- verrechnete
sie mit der Rückforderung in Höhe von Fr. 1'318.-- (Urk. 6/344/2,
Urk. 6/348
). D
ie von der Versicherten dagegen
am
7. April 2018
erhobene Einsprache (Urk.
6/360
) wies
die SVA
mit
Einspracheentscheid
vom
24. Mai 2018
ab (Urk. 2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwalt
Dominique
Chopard
, mit Eingabe vom 25. Juni 2018 Beschwerde mit dem sinngemässen Antrag, es seien ihr
die gesetzlichen L
eistungen zuzusprechen (Urk. 1 S. 2). Mit Beschwer
deantwort vom
3. September 2018 beantragte die SVA die Abweisung der Be
schwerde (Urk. 5), was der Beschwerdeführerin zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
7)
.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 9 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-,
Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG)
entspricht die jährliche Ergän
zungsleistung im Sinne von Art. 3 Abs.
1
lit
. a ELG dem Betrag, um den
die anerkannten Ausgaben (Art.
10 ELG) di
e anrechenbaren Einnahmen (Art.
11 ELG) übersteigen.
Als Ausgabe werden gemäss Art. 10 Abs. 3
lit
. e ELG unter anderem geleistete familienrechtliche Unterhaltsbeiträge anerkannt, sofern eine richterlich, behördlich oder vertraglich festgesetzte und
betraglich
konkretisierte Unterhalts
pflicht besteht (
vgl. Müller, Rechtsprechung des Bundesgerichts zum E
LG, 3. Auf
lage, Zürich 2015, Art.
10 ELG
Rz
256 ff. mit Hinweisen).
1.2
Die anerkannten Ausgaben sowie die anrechenbaren Einnahmen von
Ehe
gatten
werden zusammengerechnet (Art. 9 Abs.
2 ELG).
Laut Art. 9 Abs. 5
lit
. a ELG in Verbindung mit Art. 1 Abs. 2 der
Verordnung über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELV)
haben Ehegatten, die weder rentenberechtigt sind noch einen Anspruch auf Auszahlung der Zusatzrente der Alters- und
Hinterlassenenversicherung
begrün
den, bei Trennung der Ehe keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen.
Sie müssen
sich für Unterstützungsleistungen an die Sozialhilfe wenden (
Carigiet
/Koch, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, 2. Auflage, Zürich 2009, S. 127).
Als getrennt lebend gelten Ehegatten unter anderem dann, wenn eine tatsächliche Trennung mindestens ein Jahr ohne Unterbruch gedauert hat (Art. 1 Abs. 4
lit
. c ELV).
Nicht als getrennt lebend gelten Ehepaare, bei denen sich einer oder beide in einem Heim aufhalten. Hier wird die jährliche Ergänzungsleistung für jeden Ehe
gatten gesondert berechnet (Art. 9 Abs. 3 ELG in Verbindung mit Art. 1a-1c ELV; vgl. auch
Carigiet
/Koch, a.a.O. S. 128).
1.3
Die in
Art
.
17
Abs. 2
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (
ATSG
) gesetzlich geregelte
Revision
einer rechtskräftig zugesprochenen Dauerleistung bei nachträglicher erheblicher Änderung des ihr
zugrunde liegenden
Sachverhalts wird im Bereich der Ergänzungsleistungen durch
Art
.
25 ELV konkretisiert
(vgl.
Carigiet
/Koch, a.a.O., S. 92)
.
Gemäss Art. 25 Abs.
1
lit
. a
ELV
ist die jährliche Ergänzungsleistung bei jeder Veränderung der der Be
rechnung zugrundeliegenden Personengemeinschaft
zu
erhöhen, herabzusetzen oder aufzuheben. Bei Veränderung der Personengemeinschaft ohne Einfluss auf die Rente
ist die jährliche Ergänzungsleistung auf den Beginn des der Verän
de
rung folgenden Monats zu verfügen (Art. 25 Abs. 2
lit
. a ELV).
2.
2.1
Die SVA
hielt
in dem
die Verfügungen vom 28. März 2018 bestätigenden
Ein
spracheentscheid
vom 24. Mai 2018 fest, die Zusatzleistungen würden bei zu
sam
men lebenden Ehegatten
ermittelt
, indem die anrechenbaren Einnahmen und
aner
kannten Ausgaben beider Ehegatten
zusammengerechnet würden. Seit Aug
ust 2016 lebe der Ehemann in
A._
bei einem Kollegen, während die Beschwer
de
führerin ab dann zunächst in
Y._
gelebt habe und mittlerweile in
Z._
wohne. Aufgrund der räumlichen Trennung hätten die Zusatzleistungen in dem Sinne angepasst werden müssen, dass die Einnahmen und Ausgaben des Ehe
manns bei der Berechnung der
Leistungen nicht mehr berücksichtigt worden seien
. Der Ehemann erhalte keine IV-
Rente, weshalb ihm kein eigener Anspruch auf Zusatzleistungen zustehe
(Urk. 2 S. 1 und 3
; vgl. auch Urk. 5
).
2.2
Die Beschwerdeführerin macht geltend
, ab Oktober 2013 hätten sie und ihr Ehe
mann gemeinsam in einem als Notwohnung dienenden Wohncontainer der Ge
meinde
Y._
gelebt
. Im August 2016 hätten sie diese Wohnung verlassen müssen. Während sie in einem möblierten Zimmer beim
B._
, wo ausschliesslich Frauen Obdach fänden, untergekommen sei, habe ihr Ehemann zunächst im Auto schlafen müssen und habe dann Unterkunft bei einem Freund in
A._
gefunden, wo er sich immer noch aufhalte. Sie lebe aktuell in einem Zimmer mit Dusche für Fr. 850.-- pro Monat, der Mietvertrag ende am 31. Juli 2018. Daraus werde ersichtlich, dass sie und ihr Ehemann getrennt lebten, weil sie keine gemeinsame Wohnung fänden und nur in Notunterkünften unter
kämen. Entgegen der Auffassung der SVA liege kein Anwendungsfall «getrennter Ehegatten» im Sinne von Art. 1 ELV vor. Es gehe nicht an, bei faktischem Nicht-Zusammenleben aufgrund einer Notlage eine Trennung anzunehmen
. Die vorlie
gende Konstellation sei nicht anders zu handhaben wie bei Ehepaaren, von denen mindestens ein Ehegatte für längere Zeit in einem Spital oder Heim lebe.
Die von der SVA vorgenommene Änderung von einer Ehepaarberechnung zur
Berech
nung für eine Einzelperson sei rechtswidrig und verstosse gegen das Recht auf Achtung des Familienlebens gemäss Art. 8
der
Europäische
n
Konvention zum
Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. November 1950 (Euro
päische Menschenrechtskonvention,
EMR
K;
Urk. 1 S. 3 ff.).
3.
3.1
Es ist
unbestritten und erstellt
, dass die Beschwerdeführerin seit August 2016 ge
trennt von ihrem Mann lebt: Während der
Gatte
ab dann zunächst im Auto
und danach bei einem Kollegen in der Stadt
A._
wohnte
(Urk. 1 S. 4, Urk. 6
/332, Urk. 6/339
)
,
lebte
die Beschwerdeführerin
von August 2016
bis
Ende Januar
2018
beim
B._
in
A._
und danach
ab 1. Februar 2018 in einem möblierten Studio
in
Z._
(
Urk. 1 S. 4, Urk. 6/332, Urk. 6/334,
Urk. 6/391; vgl. auch Urk. 6/394/1, Urk. 6/395).
Grund
da
für
, dass bei
getrennt lebenden
Ehegatten keine Zusammenrechnung der Einnahmen und Ausgaben erfolgt
,
ist
, dass die Eheleute nach der Trennung in der Regel nicht mehr im gleichen Haushalt leben
.
D
ie Zusatzleistungen bezieh
ende Person
hat
allfällige familienrechtliche Unterhaltsansprüche des Ehegatten nicht mehr in natura, sondern durch Unterhaltszahlungen
, also Geldleistungen,
zu erbringen
.
Damit verändert sich die EL-Anspruchsberechtigung: An die Stelle der Zusammenrechnung der anerkannten Ausgaben und anrechenbaren Einnah
men der Ehegatten tritt die Berücksichtigung des Unterhaltsbeitrags gemäss Art. 10
Abs. 3
lit
. e ELG
.
Dies gilt gleichermassen für gerichtlich wie für bloss faktisch ge
trennte Ehegatten. Kommen faktisch getrennte Ehegatten wieder zusammen, wechselt die Unterhaltspflicht wieder zur Leistung in natura, sodass es korrekt ist, die anerkannten Ausgaben und die anrechenbaren Einnahmen wieder zusammen zu rechnen (
vgl.
Jöhl
/
Ursinger
-Egger, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, in: Schwei
zerisches Bundesverwaltungsrecht [SBVR], Band XIV,
3. Auflage, Basel 2016, S. 1738
f.
Rz
42
f.
).
Demnach ist
es un
erheblich, weshalb die Ehegatten getrennt leben
; entscheidend ist einzig, dass
durch die Trennung ihre
Haushalt
sgemeinschaft
aufgelöst
wurde
.
N
achdem die Beschwerdeführerin und ihr Mann
im Sinne von Art. 1 Abs. 4
lit
. c ELV
während mehr als einem Jahr
in getrennten Haushalten
gelebt hatten, lag eine Veränderung der der Berechnung zugrundeliegenden Personengemeinschaft im Sinne von Art. 25 Abs. 1
lit
. a ELV vor, und die SVA durfte die Zusatz
leis
tungen der Beschwerdeführerin unter Ausserachtlassung der Einnahmen und Aus
gaben des Ehemannes neu berechnen.
3.2
D
ie Lebenssituation der Beschwerdeführerin und ihres Mannes
ist
klar unter Art.
1 Abs. 4
lit
. c ELV zu subsumieren
.
M
angels eines Heimaufenthaltes
eines der Eheg
atten
besteht entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin kein Raum für die Anwendung der
Sonderr
egelung für Ehepaare, von denen mindestens ein Ehegatte für längere Zeit in einem Spital oder Heim lebt
(vgl.
Jöhl
/
Ursinger
-Egger
, a.a.O., S. 1740
Rz
44)
.
3.3
Aus dem Grundrecht auf Achtung des Familienlebens (Art. 8 EMRK und Art. 13 Abs. 1
der Schweizerischen Bundesverfassung [
BV
]
) lässt sich kein Anspruch auf finanzielle Leistungen zugunsten von Familien und keine Garantie eines be
stimmten Niveaus der Lebenshaltung ableiten (
in
BGE 142 V 457
[9C_282/2016
]
nicht publizierte
E. 3.4.2 mit Hinweisen
; BGE 138 I 225 E. 3.8
).
E
in staatlicher
Eingriff
seitens der SVA
in
das
Familienleben
liegt
im hier zu beurteilenden Fall
nicht vor
, zumal die faktische Trennung des Ehepaars vor der mit dem ange
foch
tenen
Einspracheentscheid
bestätigten Herabsetzung der Zusatzleistungen der Beschwerdeführerin erfolgt war
.
Der angefochtene Entscheid zwingt die Eheleute nicht dazu, getrennt zu leben. Aus den Akten ergibt sich denn auch, dass der Ehe
mann von der Vermieterin der Beschwerdeführerin (spätestens seit Juli 2018) die Erlaubnis
erhalten
hat, mit
der Beschwerdeführerin
zusammen in der möb
lierten Wohnung in
Z._
zu leben (Urk. 6/391; vgl. auch Urk. 6/394/1).
3.4
Ebenfalls nicht zu beanstanden ist, dass die
SVA
der Beschwerdeführerin bei den Ausgaben
keinen Unterhaltsbeitrag
an den Ehemann im Sinne von Art. 10 Abs.
3
lit
. e ELG angerechnet
hat (Urk.
6/345/1; vgl. auch Urk. 6/343
)
, da
Anhaltspunkte fehlen, dass
eine
vertraglich
e oder gerichtliche Regelung
über
einen
betraglich
konkretisierten Unterhaltsbeitrag
zugunsten des Ehemannes besteht
(vgl. vor
steh
end E. 1.1)
.
3.5
Aufgrund dieser Ausführungen ist der angefochtene
Einspracheentscheid
unter den geltend gemachten Gesichtspunkten
nicht zu beanstanden.
Andere Einwände brachte die Beschwerdeführerin keine vor. Der
Einspracheentscheid
ist denn auch insgesamt nicht zu beanstanden.
Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.