# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 02fd2039-2368-5072-a6d6-82a5fce103bb
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdeführerin reichte am 18. Februar 2015 bei der Stadt Thun ein
Baugesuch ein für vier zusätzliche Parkplätze auf der Parzelle Thun 2 (Strättligen) Gbbl.
Nr. Y._.1 Bei der vorläufigen formellen und materiellen Prüfung stellte die Stadt
fest, dass das Baugesuch mangelhaft war. Mit Schreiben vom 4. März 2015 orientierte sie
die Beschwerdeführerin unter anderem darüber, dass für das Gesuch um Erstellung von
Aussenparkplätzen sowie den neuen Containerstandort vorgängig die Zustimmungen der
Grundeigentümer eingeholt werden müsse. Für den neuen Veloraum läge eine genügende
Zustimmung der Grundeigentümer vor. Sie wies das Baugesuch deshalb sowie wegen
anderer Mängel zur Verbesserung innert 30 Tagen an die Beschwerdeführerin zurück.
Gleichzeitig machte sie die Beschwerdeführerin darauf aufmerksam, dass das Gesuch als
1 Vorakten, p. 39 ff.
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zurückgezogen gelte, wenn es nicht innert dieser Frist wieder eingereicht werde und dass
auf ein wieder eingereichtes mangelhaftes Gesuch nicht eingetreten werde.2
2. Mit Brief vom 9. März 2015 an die Stadt schrieb die Beschwerdeführerin Folgendes:
"Auf ein erneutes Einreichen von Unterlagen wird verzichtet.
Begründungen:
- Glasvordächli: Gesamtbewilligung erteilt am 15.12.2014
- Veloraum: Die genügende Zustimmung der Grundeigentümer liegt, gemäss ihrem
Brief vom 4.3.2015, vor.
Die Unterlagen entsprechen genau dem am 6.10.2014 eingereichten
Projektänderungsgesuch." Die Beschwerdeführerin führte zudem aus, auf das Gesuch für
die Erstellung der Parkplätze werde verzichtet und es gebe gar keinen Containerplatz auf
der Parzelle Y._. Sie legte dem Schreiben folgende Kopien bei: "unveränderte
Formulare 1.0 + 3.0 und Pläne vom 6.10.2014".3
3. Mit Verfügung vom 20. April 2015 ist die Stadt auf das Baugesuch für den Einbau
eines Veloraums und die Aufhebung des Containerstandorts nicht eingetreten und hat das
Baugesuch abgewiesen. Die Verfahrenskosten hat sie auf Fr. 200.00 festgelegt. Mit
Schreiben vom 21. April 2015 an die Stadt hat die Beschwerdeführerin die Rechtmässigkeit
der Verfügung vom 20. April 2015 bestritten.4 Die Stadt hat mit Schreiben vom 28. April
2015 dazu Stellung genommen.5
Gegen die Verfügung vom 20. April erhob die Beschwerdeführerin am 30. April 2015
Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE). Sie
beantragt sinngemäss die Aufhebung der Verfügung vom 20. April 2015. Sie macht
geltend, es seien ihr zu Unrecht Verfahrenskosten auferlegt worden. Zur Begründung
verweist sie auf ihr Schreiben vom 21. April 2015 an die Stadt.
2 Vorakten, p. 37 f. 3 Vorakten, p. 28 ff. 4 Vorakten, p. 3. 5 Vorakten, p. 1.
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4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet6, führte den
Schriftenwechsel durch und holte bei der Vorinstanz die Akten ein. In ihrem Schreiben vom
5. Mai 2015 verweist die Stadt auf die Vorakten und die angefochtene Verfügung und
verzichtet auf eine Stellungnahme. Das Rechtsamt ersuchte die Stadt, das angewendete
Gebührenreglement bzw. die Gebührenverordnung und gegebenenfalls eine detaillierte
Kostenzusammenstellung einzureichen sowie darzulegen, wie hoch die Kosten im Falle
einer Abschreibung des Baugesuchsverfahrens ausgefallen wären. Mit Schreiben vom
9. Juni 2015 sowie E-Mail vom 17. Juni 2015 hat die Stadt zu den erwähnten Punkten
Stellung genommen und die angewendete Gebührenverordnung eingereicht. Die
Beschwerdeführerin nahm dazu mit Schreiben vom 26. Juni 2015 Stellung.
Auf die Rechtsschriften und die Vorakten wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den
nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Die angefochtene Verfügung ist ein Nichteintretens- bzw. ein Bauentscheid. Dieser
kann nach Art. 40 BauG7 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei der BVE
angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Die Beschwerdeführerin ist als Baugesuchstellerin grundsätzlich
beschwerdelegitimiert (Art. 40 Abs. 2 BauG). Da ihr die Verfahrenskosten auferlegt worden
sind, ist sie durch die angefochtene Verfügung besonders berührt. Sie hat ein
schutzwürdiges Interesse an der Aufhebung der Verfügung und ist deshalb befugt,
Beschwerde zu führen (Art. 65 Abs. 1 VRPG8). Auf die form- und fristgerecht eingereichte
Beschwerde ist einzutreten.
6 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191). 7 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721). 8 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21).
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2. Rechtshängigkeit des Baubewilligungsverfahrens
a) Die Beschwerdeführerin rügt, sie habe gar kein Baugesuch eingereicht.
b) Ein Verwaltungsverfahren wird mit der Einreichung eines Gesuchs oder durch
Eröffnung von Amtes wegen hängig (Art. 16 Abs. 1 VRPG). Wird ein Verfahren durch
Einreichung eines Gesuchs angehoben, wird die aufgerufene Behörde auf private
Veranlassung hin tätig. Aufgrund des Verfügungs- oder Dispositionsgrundsatzes verfügt
die gesuchstellende Partei deshalb über den Verfahrensgegenstand. Es hängt somit von
ihrem Willen ab, ob und in welchem Umfang ein Begehren zu behandeln ist.9 Mit der
Rechtshängigkeit entsteht ein sogenanntes Verfahrens- oder Prozessrechtsverhältnis
zwischen der angerufenen oder tätig gewordenen Behörde und den Beteiligten, das zur
Beachtung der Verfahrensgrundsätze verpflichtet. Die Rechtshängigkeit hat zur Folge,
dass die Behörde die Sache zu behandeln und das Verfahren zu einem Abschluss zu
bringen hat.10 Die Rechtshängigkeit endet mit dem förmlichen Abschluss des Verfahrens.
Die Erledigung kann durch eine Verfügung, einen Entscheid oder ein Urteil in der Sache
oder durch einen Verfahrensabschluss (Prozessentscheid) geschehen.11 Fällt im Verlaufe
des Verfahrens das rechtserhebliche Interesse am Erlass einer Verfügung oder an einem
Entscheid in der Sache weg, insbesondere zufolge Rückzugs der Begehren, Rücknahme
der angefochtenen Verfügung oder Einigung unter den Parteien, so schreibt die
instruierende Behörde das Verfahren als erledigt vom Geschäftsverzeichnis ab (Art. 39
Abs. 1 VRPG).
c) Aus den Akten ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin am 18. Februar 2015 bei der
Stadt ein Baugesuch für das Erstellen von vier Parkplätzen einreichte. Damit leitete sie ein
Baubewilligungsverfahren ein (Art. 34 Abs. 1 BauG). Ab diesem Zeitpunkt war das
Verfahren hängig. Die Stadt nahm eine vorläufige formelle und materielle Prüfung vor
(Art. 17 f. BewD12) und stellte fest, dass das Baugesuch verschiedene Mängel hatte. Aus
diesem Grund wies sie das Gesuch gestützt auf Art. 18 BewD zur Verbesserung an die
Beschwerdeführerin zurück.
9 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 16 N. 2. 10 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 16 N. 1. 11 Merkli/Aeschlimann/Herzog, a.a.O., Art. 16 N. 7. 12 Dekret über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1).
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d) Mit Schreiben vom 9. März 2015 verzichtete die Beschwerdeführerin auf ein erneutes
Einreichen von Unterlagen sowie auf die Erstellung der Parkplätze und die Aufstellung von
Containern. Ihrem Schreiben legte sie zwar noch Kopien eines alten
Projektänderungsgesuchs bei. Angesichts des ausdrücklich erklärten Verzichts auf ein
erneutes Einreichen von Unterlagen sowie auf die Erstellung der Parkplätze und die
Aufstellung von Containern hat die Beschwerdeführerin auf das Einreichen eines
verbesserten Baugesuchs offensichtlich verzichtet. Das Baugesuch galt daher als
zurückgezogen (Art. 18 Abs. 1 und 2 BewD). Das rechtserhebliche Interesse an einem
Bauentscheid war damit weggefallen. Um das Verfahren förmlich abzuschliessen, hätte es
die Stadt mit einer Abschreibungsverfügung erledigen sollen (Art. 39 Abs. 1 VRPG). Die
Stadt hat stattdessen eine Verfügung erlassen, die mit "Abweisung Baugesuch" betitelt ist
und im Dispositiv unter dem Titel "Nichteintreten / Abweisung nach Art. 18 Abs. 4 BewD"
ausführt: "Die Baubewilligungsbehörde tritt auf das Baugesuch (...) nicht ein. Das
Baugesuch wird abgewiesen".
e) Die falsche Bezeichnung der Verfügung hat aber keine Rechtsfolgen. Klar ist, dass
das Baugesuchsverfahren formell abgeschlossen und das Bauvorhaben nicht bewilligt
wurde.
3. Kosten des Baubewilligungsverfahrens
a) Die Beschwerdeführerin macht weiter geltend, die Kosten des
Baubewilligungsverfahrens habe die Stadt zu übernehmen.
b) Gemäss Art. 52 Abs. 1 BewD tragen die Baugesuchstellenden die amtlichen Kosten
des Baubewilligungsverfahrens. Bei diesen Kosten handelt es sich um eine
Verwaltungsgebühr. Sie sind geschuldet, wenn jemand durch sein Verhalten eine
Amtshandlung veranlasst oder verursacht.13 Dies gilt unabhängig davon, ob das
Bauvorhaben bewilligt werden kann oder nicht bzw. ob das Verfahren als erledigt vom
Geschäftsverzeichnis abgeschrieben wird. Durch die Einreichung des Baugesuchs hat die
Beschwerdeführerin ein Baubewilligungsverfahren anhängig gemacht und die vorläufige
13 Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl. 2010, N. 2626 und N. 2628.
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Prüfung ihres Gesuchs veranlasst. Für diese Amtshandlungen und den förmlichen
Abschluss des Verfahrens ist sie kostenpflichtig. Die Verfahrenskosten (amtliche Kosten)
bestehen aus den Gebühren und den Auslagen, welche die Gemeinde für ihre Tätigkeit im
Baubewilligungsverfahren erheben kann (Art. 51 Abs. 1 BewD). Gestützt auf Art. 51 Abs. 3
BewD hat die Stadt Thun die Verordnung über die Gebühren im Bauwesen
(Gebührenverordnung Bauwesen14) erlassen.
c) Gemäss der eingereichten Kostenzusammenstellung hat die Stadt die
Verfahrenskosten aufgrund einer groben Aufwandschätzung festgelegt und stützt sich
insbesondere auf Art. 2 Gebührenverordnung Bauwesen. Sie ist zudem von einem
durchschnittlichen Stundenansatz von Fr. 120.00 ausgegangen. Der Zeitaufwand für die
Behandlung des Baugesuchs beträgt insgesamt 3.50 Stunden und umfasst die
Vorbesprechung (0.5 h), die Geschäftserfassung und formelle Prüfung (0.5 h), die grobe
materielle Prüfung (0.5 h), das Verfassen des Mängelschreibens (0.5 h), die Prüfung der
nachgereichten Unterlagen/Verfahrensfestlegung (0.75 h) sowie die Rückweisung des
Gesuchs/Projektabschluss (0.75 h). Die Stadt hat schliesslich die Verfahrenskosten auf
Fr. 200.00 festgelegt und damit lediglich einen Aufwand von knapp 2 Stunden
berücksichtigt.
d) Nach der Gebührenverordnung Bauwesen wird für Bauentscheide eine Grundgebühr
erhoben, die sich nach der Bausumme bemisst (Art. 8). Im Baugesuch der
Beschwerdeführerin ist keine Bausumme angegeben. Zu Gunsten der Beschwerdeführerin
wird hier angenommen, dass die Bausumme kleiner ist als Fr. 10'000.00 und die
Grundgebühr damit Fr. 300.00 beträgt. Zur Grundgebühr kann hier ein Zuschlag bis zu 10
% für das mangelhafte Baugesuch erhoben werden (Art. 8 Abs. 8 Bst. a) und für die
Einholung des Mitberichts der Strassenaufsichtsbehörde eine Gebühr von Fr. 20.00 (Art. 8
Abs. 5). Im vorliegenden Fall ergaben sich keine besonderen Schwierigkeiten und das
Gesuch wurde nach der Aufforderung zur Verbesserung nicht wieder eingereicht. Weitere
Zuschläge nach Art. 2 oder 8 Gebührenverordnung Bauwesen rechtfertigen sich deshalb
nicht. Die grundsätzlich geschuldete Gebühr von Fr. 350.00 kann bei einem Rückzug des
Gesuchs je nach Stand des Verfahrens um 30 bis 50 % reduziert werden (Art. 15). Das
ergibt eine Gebühr zwischen Fr. 175.00 und Fr. 245.00. Die von der Stadt erhobene
14 Verordnung über die Gebühren im Bauwesen der Stadt Thun (Gebührenverordnung Bauwesen, 154.231.11) vom 5. Dezember 2003.
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Gebühr von Fr. 200.00 bewegt sich in diesem Rahmen und ist nach der
Gebührenverordnung Bauwesen zulässig.
e) Die Beschwerde erweist sich daher als unbegründet und wird abgewiesen.
4. Kosten
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdeführerin. Sie hat die
oberinstanzlichen Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden
bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 300.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung
mit Art. 19 Abs. 1 GebV15). Parteikosten werden keine gesprochen (Art. 104 Abs. 1 und 4
VRPG).