# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f1dcad6e-4167-4d85-a8cc-d62347bbd93a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1976 geborene
X._
erlitt am
28. September 2000
während des
Militärdienstes
einen Verkehrsunfall.
Die Militärversicherung
erbrachte
im
Zusammenhang mit dem Unfall vorübergehende Leistungen
und sprach dem
Ver
sicherten
mit
Einspracheentscheid
vom 6. September 2012
eine auf einem
In
validitätsgrad
von 70 % beruhende Rente zu
(vgl. Urk.
1 S. 3,
Urk. 8/18 S.
1 f.)
. Hinsichtlich der
Beurteilung des Anspruchs auf eine
Integritätsentschä
digung
be
fand sie
weitere medizinische Abklärungen für
notwendig
(vgl.
Urk.
1 S.
3 f., Urk.
2
).
Nachdem die Militärversicherung
den
Versicherten am 29. November 2012
hatte
neuropsychologisch untersuchen
lassen
(vgl. Bericht Rehaklinik
Z._
vom
14. Dezember 2012
,
Urk. 8/18)
, teilte sie ihm mit
Schreiben vom 23. Oktober 201
3
(Urk. 8/8)
mit,
dass zur Abklärung des Sachverhalts eine interdisziplinäre
Begutachtung m
it den Fachrichtungen Neurologie
(Schwergewicht und Feder
füh
rung), Neuropsychologie und Psychiatrie erforderlich sei. Als Sachverstän
dige
seien Dr. med.
A._
, Facharzt FMH für Neurologie, zertifizierter medizini
scher Gut
achter SIM, Prof. Dr.
rer
. nat.
B._
,
C._
, INDB In
sti
tut für neuropsychologische Diagnostik und Bildgebung, sowie Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, vorgesehen. Nach
dem
der
Beschwerdeführer die Notwendigkeit der Begutachtung an sich sowie die Eig
nung
der vorgeschlagenen Experten für die Abklärung mit Schrei
ben vom 6. Novem
ber
2013 in Frage gestellt und – sofern überhaupt erforder
lich – um eine Unter
su
chung durch die Ärzte der Rehaklinik
Z._
ersucht hatte (Urk. 8/7), hielt die Militärversicherung mit Zwischenverfügung vom 25. November 2013
(Urk. 2) an der Begutachtung durch die von ihr vorgeschla
genen Ärzte fest.
2.
Gegen diese Zwischenverfügung (Urk. 2) liess
X._
am 3. Februar 2014 mit folgenden Anträgen Beschwerde erheben (Urk. 1 S.
2):
„Es sei die Verfügung vom 25. November 2013 aufzuheben;
Es seien Gutachter von einer auf Schädelhirntraumen spezialisierten Kli
nik, zum Beispiel Rehaklinik
Z._
oder
E._
, zu ernennen;
Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zuzüglich Mehrwertsteuer zu Lasten der Beschwerdegegnerin.“
Die Militärversicherung schloss am 18. März 2014 sinngemäss auf Abweisung der
Beschwerde (vgl. Beschwerdeantwort, Urk. 7).
Auf die Ausführungen der Parteien und die eingereichten Unterlagen ist, soweit für die
Entscheidfindung
erforderlich, in den nachstehenden Erwägungen ein
zu
gehen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
1.1.1
Beim angefochtenen Entscheid
der Militärversicherung
(Urk. 2) handelt es um ein
e Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bun
desgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit
Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (
VwVG
),
welche bei Beja
hung des nicht wieder
gutzumachenden Nachteils (
Art.
46
Abs. 1
lit
.
a
VwVG
;
BGE 132 V 93 E. 6.1)
grundsätzlich selbständig mit Beschwerde angefochten werden kann
(vgl.
BGE 132 V 93 E.6.4)
.
1.
1.2
Für
die Bejahung des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Kontext des
in
validenversicherungsrechtlichen
Abklärungsverfahrens mit seinen spezifi
schen
Gegebenheiten (dazu eingehend BGE 137 V 210) muss berüc
ksichtigt
werden, dass das Sach
verständigengutachten im Rechtsmittelverfahren mit Blick
auf die
fachfremde Materie faktisch nur beschränkt überprüfbar ist: Der
Rechts
anwen
der
sieht sich mangels ausreichender Fachkenntnisse kaum in der Lage, in formal korrek
t abgefassten Gutachten objektivfachlich Mängel zu er
kennen. Zugleich
steht die faktisch vorentscheidende Bedeutung der medizi
ni
schen Gutachten für den Leistungsentscheid in einem Spannungsverhältnis zur grossen Streubreite der
Möglichkeiten, einen Fall medizinisch zu beurteilen, und zur entsprechend ge
ring
en Vorbestimmtheit der Ergebnisse (BGE 137 V 210 E. 2.5 mit Hinweisen).
Diesen Umständen ist mit verfahrensrechtlichen Garantien zu begegnen (BGE
137 V 210 E.
2.5 und E.
3.4.2.3). Die Mitwirkungsrechte müssen im
Beschwerde
verfahren
durchsetzbar sein. Ist dies durch Anfechtung des Endentscheids nicht mehr möglich, kann ein nicht wieder gutzumachender Nachteil entstehen, der den Rechtsweg an eine Beschwerdeinstanz eröffnet. Da systemimmanent kein Anspruch auf Einholung eines Gerichtsgutachtens besteht (vgl. BGE 136 V 376), ist das Administrativgutachten häufig zugleich die wich
tigste medizinische
Ent
scheidungsgrundlage
im Beschwerdeverfahren. In sol
chen Fällen kommen die bei
der Beweiseinholung durch ein Gericht vorgesehe
nen Garantien zugunsten der
privaten Partei im gesamten Verfahren nicht zum Tragen. Um dieses Manko wirk
sam auszugleichen, müssen die gewährleisteten Mitwir
kungsrechte durch
setz
bar sein, bevor präjudizierende Effekte eintreten (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.4). Mit Blick auf das naturgemäss begrenzte
Überprü
fungsvermögen
der
rechtsan
wendenden
Behörden genügt es daher nicht, die Mitwirkungsrechte erst nach
träglich, bei der Beweiswürdigung im Verwaltungs- und Beschwerdeverfahren,
einzuräumen. Für die Annahme eines drohenden un
umkehrbaren Nachteils spricht
schliesslich auch, dass die mit medizinischen Untersuchungen einher
geh
enden Belastungen zuweilen einen er
heblichen Ein
griff in die physische oder psychische Integrität bedeuten (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7; BGE 139 V 339 E.
4.3).
Aus diesen Gründen hat das Bundesgericht die
Anfechtbarkeitsvor
aus
setzung
des nicht wieder gutzumachenden Nachteils für das erstinstanzliche
Be
schwerdeverfahren
in IV-Angelegenheiten bejaht, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur tatsächlichen Nach
teil bewirkt (BGE 139 V 339 E. 4.4 mit Hinweis auf BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7).
Diese zur Invalidenversicherung ergangene Rechtsprechung findet, soweit sie vorliegend zitiert wurde, auch im Bereich der Unfallversicherung Anwendung (BGE 138 V 318 E. 6.1 und 6.2).
Es gibt keinen Grund, diese Praxis nicht auch im Bereich der Militärversicherung anzuwenden. Auf die Beschwerde gegen die Zwischenverfügung vom 25. November 2013 (Urk. 2) ist demnach einzutreten.
1.2
Muss der Versicherungsträger zur Abklärung des Sachverhaltes ein Gutachten einer
oder eines unabhängigen Sachverständigen einholen, so gibt er der Partei
de
ren oder dessen Namen bekannt. Diese kann den Gutachter aus triftigen Grün
den
ablehnen und kann Gegenvorschläge machen (
Art.
44 ATSG).
Zum ei
nen wer
den von den
triftigen Gründen die eigentlichen gesetzlichen
Ausstands
gründe
(vgl. Art. 10
VwVG
und Art. 36 Abs. 1 ATSG) erfasst; zum andern zäh
len auch weitere As
pekte - etwa die fehlende Sachkenntnis - zu den triftigen Gründen (
Kieser
, ATSG-
Kommentar, 2. Auflage, Zürich 2009,
Rz
17 zu Art. 44; vgl. auch BGE 132 V 93 E. 6.4-5).
Die Anforderungen an die Unbefangenheit eines medizinischen Sachverständi
gen
ergeben sich aus dem Anspruch auf ein faires Verfahren gemäss
Art.
29
Abs.
1 der Bundesverfassung und
Art.
6
Ziff.
1 der Europäischen
Menschen
rechts
kon
ven
tion
(Urteil des Bundesgerichts 6B_299/2007 vom 1
1.
Oktober 2007 E. 5.1.1).
Nach der Rechtsprechung ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vor
liegen, die geeignet sind, Misstrauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der
Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer
bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ab
lehnung nicht nach
gewiesen zu werden, dass die sachverständige Person tat
sächlich befangen ist.
Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangen
hei
t und die Gefahr der Voreingenommenheit zu be
gründen vermögen. Bei der
Be
urteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Um
stände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss vielmehr in objektiver Weise als begründet er
schei
nen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, wel
che den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unpar
teilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1 mit Hinweis).
Deshalb ist ein triftiger Grund auch etwa gegeben, wenn es dem Gutachter an der
im konkreten Fall erforderlichen Kompetenz fehlt oder er aus persönlichen Grün
den
nicht als geeignet erscheint (
Kieser
, a.a.O.,
Rz
18 zu
Art.
44 mit Ver
weis auf
Maeschi
, Kommentar zum Bundesgesetz über die Militärversicherung, Bern 2000,
Rz
12 zu
Art.
93).
2
.
2
.1
Die Militärversicherung begründete
, nachdem ein Einigungsversuch gescheitert war,
ihr Festhalten an der Untersuchung durch die vorgeschlagenen
Fachperso
nen
damit, dass es sich bei diesen um versierte Experten handle, die schon öf
ters
als Team interdisziplinäre
Gutachten erstellt hätten. Dr.
A._
sei Spezialist für Mild
Traumatic
Brain
Injuries
(MTBI),
und
Dr.
D._
verfüge über
eine eigene Praxis für Psychiatrie und Psychother
apie, führe Begutachtungen durch und sei als Dozent an der Universität
F._
tätig (Urk. 2 S. 2, Urk. 7).
2
.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt,
der
Neu
rologe Dr.
A._
könne nicht als
Spezialist für leichte Schädelhirntraumata
be
zeichnet werden
, gebe sein
Lebenslauf
doch
keine Anhaltspunkte für eine Tätig
keit im Zus
ammenhang mit Schädelhirntraumata
oder MTBI.
Auch
habe er of
fen
bar
keine Publikationen
verfasst
, die entsprechende Kenntnisse nahelegten
(Urk.
1
S. 4)
.
Angesichts der Tatsache, dass der Psychiater Dr.
D._
eher auf
Neben
richtungen
der Psychologie spezialisiert zu sein
und ebenfalls
über
keine Er
fah
rung mit Schädelhirntrauma-Patienten
zu verfügen scheine
,
fehlten auch ihm die
für die Begutachtung erforderlichen Kenntnisse (Urk. 1 S. 4 f.).
3
.
3
.1
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung wird für eine Gutachtertätigkeit eine
Fachausbildung verlangt, die auch
im Ausland erworben werden kann; eine
FMH-Ausbildung
wird nicht zwingend verlangt
(
vgl.
BGE 137 V 210 E.
3.3.2
mit
Hinweis auf U
rteil
des Bundesgerichts
9C_270/2008 vom 12. August 2008 E. 3.3
;
Urteil des Bundesgerichts 8C_997/2010 vom 10. August 2011, E. 2.4
).
Dr.
A._
ist Facharzt FMH für Neurologie
, und
Dr.
D._
hat im
2002
den
Facharzt
titel
FMH
in Psychiatrie und Psychotherapie
erworben
(vgl.
www.doc
t
orfmh.ch
sowie
Medizinalberufereg
ister
des Bundesamtes für Gesund
heit [
BAG
]
, www.medre
gom.admin.ch)
.
Es besteht somit kein Anlass, an
der
fachlichen Kom
pe
tenz
der beiden Gutachter als
Fachärzte für Neurologie bezie
hungsweise Psy
chiatrie und Psychotherapie
zu zweifeln
.
3.2
Eine zusätzliche Spezialisierung des begutachtenden Arztes auf die – in seinen Fachbereich fallende – konkret zu beurteilende Gesundheitsstörung ist für eine Gutachtertätigkeit
nicht erforderlich. Dies gilt vorliegend umso mehr, als es bei
der
am 25. November 2013 verfügten interdisziplinären
Begutachtung
(Urk. 2)
nicht
etwa um die Beurteilung einer seltenen Krankheit, sondern
einzig
darum geht, die aus de
r
MTBI
, für die bereits eine Rente gesprochen worden ist,
resul
tie
rende Integritätseinbusse zu ermitteln (vgl.
insbesondere Urk. 2 und
Urk. 8/8-11)
.
Da
es sich bei
einem
Schädelhirntrauma beziehung
s
weise
den
damit ver
bun
de
ne
n
neuropsychologische
n
Defizite
n
um
eine
relativ häufig auftretende
Unfall
folge
handelt,
sind
Dr.
A._
und Dr.
D._
, die beide über mehrjährige
Praxis
erfahrun
g
in ihren Fachgebieten verfügen (vgl. Urk. 3/5-7)
, aufgrund ih
rer Aus
bildung
ohne Weiteres geeignet
,
die
neurologische
respektive
psychiat
rische
Be
gutachtung
durchzuführen
.
3.3
Nach dem Gesagten gibt es keinen triftigen Grund, der gegen den
Beizug
von Dr.
A._
und Dr.
D._
als Gutachter spricht.
Die Bes
chwerde ist demnach ab
zuweisen.