# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 79b5b880-a962-55f8-9637-993173010a66
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner ist Miteigentümer des Grundstücks Wiedlisbach
Grundbuchblatt Nr. F._. Die Parzelle liegt in der Wohnzone W2 klein (W2k).
Darauf steht ein Mehrfamilienhaus mit vier Vierzimmerwohnungen. Im Untergeschoss
befinden sich drei Garagen. Für die Garagenzufahrt wurde die Südfassade praktisch auf
der ganzen Fassadenbreite abgegraben und das Untergeschoss freigelegt. Das
Mehrfamilienhaus weist ein relativ flaches Satteldach auf, der vorhandene Dachraum kann
gegenwärtig nicht zu Wohnzwecken verwendet werden. Der Beschwerdegegner plant, das
Gebäude aufzustocken, mit einem steileren Satteldach zu versehen und im
volumenmässig deutlich vergrösserten Dachgeschoss zwei Dreieinhalbzimmerwohnungen
einzubauen. Zu diesem Zweck reichte er am 12. März 2014 bei der Gemeinde Wiedlisbach
ein Baugesuch ein für die Erweiterung des Dachgeschosses, die Anbringung einer
Aussenisolation, den Ersatz der Fenster sowie der Anpassung der Parkplätze. Gegen das
Bauvorhaben erhoben die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Entscheid vom
3. September 2014 erteilte die Gemeinde Wiedlisbach die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 29. September 2014 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen
sinngemäss die Aufhebung des Entscheids vom 3. September 2014 und die Erteilung des
Bauabschlags. Sie machen insbesondere geltend, dass die maximal zulässige
Gebäudehöhe überschritten werde, die Parkplatzsituation ungenügend sei, das Grundstück
baulich übernutzt werde, genügende Spiel- und Aufenthaltsfläche fehle und die
Verkehrssicherheit bei der Ausfahrt sowie auf der Zufahrtsstrasse ungenügend sei.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, edierte die
Vorakten und führte den Schriftenwechsel durch. Auf die Rechtsschriften wird, soweit für
den Entscheid wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
a) Bauentscheide können mit Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden (Art. 40
Abs. 1 BauG2). Die BVE ist somit für die Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Die Beschwerdeführenden sind direkte Nachbarn. Sie haben sich zulässigerweise als
Einsprechende am Baubewilligungsverfahren beteiligt (Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG). Sie
sind deshalb zur Beschwerde im Rahmen ihrer Einsprachegründe befugt (Art. 40 Abs. 2
BauG).
c) Die Beschwerde ist nur im Rahmen des Streitgegenstands zulässig. Dieser wird
durch den Gegenstand der angefochtenen Verfügung und durch die Parteibegehren
bestimmt. Streitgegenstand ist das in der Beschwerde enthaltene Begehren auf Änderung
oder Aufhebung der angefochtenen Verfügung. Er braucht sich nicht mit dem
Anfechtungsobjekt zu decken, kann aber auch nicht über dieses hinausgehen.
Rechtsbegehren, die ausserhalb des in der Verfügung geregelten Rechtsverhältnisses
liegen, sind deshalb grundsätzlich unzulässig.3 Zudem ist die BVE in Baubewilligungs- und
Baupolizeisachen einzig Beschwerdeinstanz (Art. 40 und 49 BauG). Ihr kommt weder die
Funktion einer Baupolizeibehörde zu, noch ist sie Aufsichtsbehörde über die Gemeinden.
Gegenstand des Beschwerdeverfahrens kann daher einzig die Frage sein, ob die
Vorinstanz die Baubewilligung zu Recht erteilt hat. Soweit die Beschwerdeführenden in
genereller Hinsicht die Amtsführung der Vorinstanz bemängeln oder die Verkehrssicherheit
auf der G._ Gasse als Industriezubringer und die Parkplatzsituation im Bereich der
Liegenschaft G._ Gasse beanstanden, kann nicht auf die Beschwerde eingetreten
werden.
d) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32 Abs. 2 VRPG4). Soweit sie
sich innerhalb des Streitgegenstands bewegt, tritt die BVE daher auf die Beschwerde ein.
2 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 3 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum Bernischen VRPG, Bern 1997, Art. 72 N. 6-8; Fritz Gygi, Bundesverwaltungsrechtspflege, 2. Aufl. 1983, 44 ff.; BGE 133 II 181 E.3.3 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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2. Gebäudehöhe
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, das Grundstück werde baulich
übernutzt. Insbesondere sei der Bau zu hoch. Die Ausnahmebewilligung könne nicht erteilt
werden. Der Beschwerdegegner ist demgegenüber der Auffassung, ausgehend vom
gewachsenen Terrain werde die Gebäudehöhe eingehalten. Die Vorinstanz hält fest,
ausser bei der Garageneinfahrt werde die Gebäudehöhe eingehalten. Da die
Garageneinfahrt breiter als 6 m sei, müsse diese Abgrabung bei der Bemessung der
Gebäudehöhe angerechnet werden.
b) In der Wohnzone W2k beträgt die maximal zulässige Gebäudehöhe 7.00 m (Art. 52
GBR5). Gemäss Art. 25 Abs. 1 GBR ist die Gebäudehöhe in den Fassadenmitten zu
messen und zwar vom gewachsenen Boden bis zur Schnittlinie der Fassadenflucht mit der
Oberkante der Dachkonstruktion. Massgebend ist somit die Fassadenhöhe.6 Die zulässige
Gebäudehöhe darf auf keiner Gebäudeseite überschritten werden, auch nicht durch
nachträgliche Abgrabungen. Giebelfelder sowie Abgrabungen für Hauseingänge und
Garageneinfahrten, die höchstens einen Sechstel des Gebäudeumfangs und höchstens
6.00 m pro Fassadenbreite betragen, werden nicht angerechnet (Art. 25 Abs. 2 GBR). Das
bestehende Gebäude weist auf der Südfassade eine gut 8.5 m breite Abgrabung für die
Garageneinfahrt auf. Das Untergeschoss ist daher auf dieser Seite praktisch auf der
gesamten Fassadenbreite freigelegt. Da die Abgrabung breiter als 6.0 m ist, muss die
Gebäudehöhe auf dieser Seite vom neuen (abgegrabenen) Terrain und nicht vom
ursprünglich gewachsenen Terrain aus gemessen werden. Bereits das bestehende
Gebäude überschreitet deshalb die zulässige Gebäudehöhe von 7.00 m deutlich. Soweit
es sich dabei um einen bewilligten Zustand handelt, fällt das Gebäude grundsätzlich unter
die Besitzstandsgarantie von Art. 3 BauG. Es darf unterhalten, zeitgemäss erneuert und,
soweit dadurch seine Rechtswidrigkeit nicht verstärkt wird, auch umgebaut oder erweitert
werden (Art. 3 Abs. 2 BauG).
Mit der geplanten Aufstockung würde die Gebäudehöhe künftig 8.28 m betragen. Die
bereits heute überschrittene Gebäudehöhe würde noch vergrössert, so dass die zulässige
Höhe künftig insgesamt um 1.28 m überschritten würde. Das Bauvorhaben verletzt daher
5 Baureglement der Einwohnergemeinde Wiedlisbach vom 30. Juli 2013 6 Vgl. Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art.13 N. 5 Bst. a
5
die Vorschriften über die Gebäudehöhe zusätzlich. Die Vorinstanz ist deshalb zutreffend
davon ausgegangen, dass für die Überschreitung der reglementarischen Gebäudehöhe
eine Ausnahmebewilligung erforderlich ist.7 Selbst wenn die Gebäudehöhe unverändert
bliebe, würde dies im Ergebnis nichts ändern. Die Rechtswidrigkeit würde durch den
Dachausbau und die damit verbundene Volumenvergrösserung verstärkt. Das steilere
Dach würde zu einer deutlich höheren First führen. Das bereits heute zu hohe
Mehrfamilienhaus würde daher optisch zusätzlich deutlich höher.8 Auch bei unveränderter
Gebäudehöhe wäre deshalb eine Ausnahmebewilligung erforderlich.
c) Laut Art. 26 BauG können Ausnahmen von einzelnen Bauvorschriften bewilligt
werden, wenn besondere Verhältnisse es rechtfertigen und wenn keine öffentlichen
Interessen beeinträchtigt werden. Ausnahmen dürfen überdies keine wesentlichen
nachbarlichen Interessen verletzen, es sei denn, die Beeinträchtigung könne durch
Entschädigung vollwertig ausgeglichen werden. Die Ausnahmebewilligung erlaubt aus
besonderen Gründen des Einzelfalls, dass von einer allgemeinverbindlichen Vorschrift
abgewichen werden darf. Sie soll die gesetzliche Regelung einzelfallgerecht verfeinern. Die
Durchbrechung der bau- und planungsrechtlichen Ordnung darf mit Rücksicht auf deren
Wirksamkeit, die Rechtssicherheit und die nachbarlichen Interessen nur in begründeten
Fällen zugelassen werden.9 Ausnahmegründe beziehen sich auf Zweck, Umfang oder
Gestaltung eines Bauvorhabens, wenn diese in den geltenden Vorschriften nicht genügend
berücksichtigt sind. Sie müssen mit den Besonderheiten des Baugrundstücks oder des
Bauvorhabens zusammenhängen. Es sollen nur ausgesprochene Härten und
Unzweckmässigkeiten vermieden werden.10 Eine Ausnahme ist zulässig, wenn objektive
Besonderheiten wie beispielsweise Lage und Form der Parzelle, Art des Bauvorhabens
oder technische Besonderheiten der Nutzung vorliegen. Es müssen spezielle, vom
Normalfall abweichende Umstände vorliegen. Rein wirtschaftliche Gründe, der Wunsch
nach einer optimalen Nutzung, oder intensives Ausnützungsstreben stellen keine
besonderen Verhältnisse dar.11
7 Vgl. BVR 1997 S. 223 E. 7 c/cc 8 Vgl. BVR 1997 S. 223 E. 5 b/cc 9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Vorbemerkungen zu den Art. 26-31, N. 1 ff. 10 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 26-27 N. 4 11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 26-27 N. 5
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d) Im Ausnahmegesuch vom 14. April 2014 führte der Architekt des
Beschwerdegegners aus, die Ausnahme sei erforderlich, weil die bestehenden Garagen im
Untergeschoss eine Abfahrt benötigen würden. Wenn vom gewachsenen Terrain aus
gemessen würde, müsste keine Ausnahme gemacht werden. Er macht somit keine
objektiven Besonderheiten der Bauparzelle oder des Bauvorhabens geltend. Die
Vorinstanz hat die Ausnahmebewilligung mit der Begründung erteilt, dass es sich um eine
bestehende Baute handle und die Garageneinfahrt lediglich 2.5 m breiter sei. Es wäre
deshalb unverhältnismässig, die Ausnahme nicht zu gewähren.
Das bestehende Gebäude ist wegen der über 6.0 m breiten Abgrabung zu hoch. Es trifft
deshalb zu, dass es ohne Ausnahmebewilligung nicht aufgestockt werden kann. Dass ein
Bauvorhaben ohne Ausnahme nicht realisiert werden kann, stellt jedoch von vornherein
kein besonderes Verhältnis dar. Daran ändert auch das Gebot der haushälterischen
Bodennutzung nichts, da dieses als allgemeiner Grundsatz immer vorgebracht werden
kann und deshalb keinen Ausnahmegrund darstellt. Die Abgrabung ist zudem nicht bloss
geringfügig breiter als 6.0 m, sondern sie übersteigt dieses maximal zulässige Mass um
über 40 %. Zudem wird die maximal zulässige Gebäudehöhe von 7.0 m nicht nur
geringfügig, sondern um 1.28 m und damit deutlich überschritten. Die Bauparzelle ist
bereits überbaut und weist keine topografischen Besonderheiten auf, die eine
Überschreitung der Gebäudehöhe rechtfertigen könnten. Der Beschwerdeführer bezweckt
mit der geplanten Aufstockung eine gewinnbringendere, über das zulässige Mass
hinausgehende Nutzung. Der Umstand, dass er daran interessiert ist, das Dachgeschoss
zu vergrössern und zwei Wohnungen einzubauen, stellt ein wirtschaftliches Interesse dar,
dass praktisch in jedem Fall gegeben ist. Die beanspruchte Ausnahme kann nicht durch
besondere Verhältnisse begründet werden, die in den geltenden Vorschriften der
Gemeinde nicht genügend berücksichtig würden. Sie entspringt vielmehr dem Wunsch
nach einer zusätzlichen Nutzung bei einem Gebäude, das das reglementarisch Zulässige
bereits jetzt deutlich überschreitet. Das rechtfertigt keine Ausnahmebewilligung. Die
Beschwerde ist daher bereits aus diesem Grund gutzuheissen.
3. Weitere Rügen
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, es habe zu wenig Parkplätze für die
Bewohnerinnen und Bewohner der G._ Gasse. Mit den zwei zusätzlichen
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Wohnungen werde die Parkplatzsituation noch schlimmer. Besucherparkplätze seien keine
mehr vorhanden.
Wird durch die Erstellung, die Erweiterung, den Umbau oder die Zweckänderung von
Bauten und Anlagen ein Parkplatzbedarf verursacht, so ist dafür auf dem Baugrundstück
oder in seiner Nähe eine ausreichende Anzahl von Abstellplätzen zu errichten (Art. 16 Abs.
1 BauG). Die Bemessung der ausreichenden Parkflächen ist in Art. 49 ff. BauV12 geregelt.
Die Anzahl der Abstellplätze wird durch eine Bandbreite begrenzt. Diese umfasst auch die
Abstellplätze für Besucher. Innerhalb der Bandbreite legt die gesuchstellende Person die
Anzahl fest (Art. 50 Abs. 1 und 2 BauV). Wie die Vorinstanz richtigerweise ausführt, beträgt
die Bandbreite aufgrund der für das vorliegende Bauprojekt massgebenden Fassung von
Art. 51 Abs. 2 BauV vom 22. Dezember 1999 (vgl. Art. 36 Abs. 1 BauG) mindestens fünf
und maximal acht Parkplätze. In der seit dem 1. August 2014 geltenden Fassung von Art.
51 Abs. 2 BauV beträgt die Bandbreite mindestens drei und maximal 12 Parkplätze. Die
Baugesuchsunterlagen sind zwar widersprüchlich: im Baugesuchsformular wird die Anzahl
Autoabstellplätze mit sechs, davon drei in Garagen oder Einstellhallen, angegeben, in den
Projektplänen sind demgegenüber sechs Aussenparkplätze und drei Innenparkplätze
ausgewiesen. Wie die Vorinstanz jedoch zutreffend ausführt, werden genügend Parkplätze
ausgewiesen, selbst wenn die drei Parkplätze auf der Garagenzufahrt und eventuell auch
der Parkplatz Nr. 1 auf der Ostseite des Gebäudes nicht angerechnet werden können. Die
Rüge ist daher unbegründet. Wie in Erwägung 1 ausgeführt, können die übrigen Rügen zur
Parkplatzsituation im vorliegenden Verfahren nicht gehört werden. Gegen unerlaubtes
Parkieren, das das Wegrecht der Beschwerdeführenden verletzt, steht der zivilprozessuale
Weg offen. Allfälliges vorschriftswidriges Parkieren auf öffentlichen Strassen oder
Gehwegen wäre mit strassenverkehrspolizeilichen Mitteln zu unterbinden. Bei einer
unbewilligten dauerhaften Nutzung einer Fläche als Autoabstellplatz hätte die zuständige
Behörde baupolizeiliche Massnahmen zu prüfen.
b) Die Beschwerdeführenden beanstanden die Grösse des Kinderspielplatzes. Die
Liegenschaft werde zum Teil von Familien mit Kindern bewohnt.
Beim Bau von Mehrfamilienhäusern hat der Bauherr unter anderem im Freien genügend
grosse Aufenthaltsbereiche für die Bewohner, insbesondere Kinderspielplätze, zu schaffen
(vgl. Art. 15 Abs. 1 BauG). Solange genügende Aufenthaltsbereiche und Spielplätze fehlen,
12 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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dürfen auf den betreffenden Grundstücken als solche dienende Flächen dieser
Verwendung nicht durch Umgestaltung oder Überbauung entzogen werden (Art. 15 Abs. 3
BauG). Art. 42 ff. BauV enthält die Ausführungsbestimmungen. Kinderspielplätze sind für
Kleinkinder und schulpflichtige Kinder eingerichtete Spielflächen (Art. 43 Abs. 2 BauV).
Aufenthaltsbereiche und Kinderspielplätze sollen an möglichst sonnigen, dem Verkehr
abgewandten Arealstellen angelegt werden. Es sind genügend Schattenplätze vorzusehen
(Art. 44 Abs. 1 BauV). Kinderspielplätze müssen für Kleinkinder gut und gefahrlos
erreichbar sein (Art. 44 Abs. 3 Satz 1 BauV). Sie sind ihrem Zweck entsprechend
einzurichten. Dabei sind die Empfehlungen der Justiz-, Gemeinde- und Kirchendirektion
(JGK) zu beachten (Art. 44 Abs. 4 BauV), die in der AHOP Nr. 92.213 publiziert sind. Nahe
gelegene Spielmöglichkeiten ausserhalb der Überbauung sind zwar bei der Ausgestaltung
zu berücksichtigen, haben aber keinen Einfluss auf die Erstellungspflicht und die
erforderliche Gesamtfläche der Spiel- und Aufenthaltsbereiche.14
Das Gebäude des Beschwerdegegners ist bereits heute ein Mehrfamilienhaus, da es vier
Vierzimmerwohnungen aufweist (vgl. Art. 43 Abs. 3 BauV). Es soll um zwei anrechenbare
Wohnungen erweitert werden. Es stellt sich daher die Frage, ob genügend
Aufenthaltsbereiche und Spielplätze ausgewiesen werden. In den Baugesuchsunterlagen
fehlen sowohl die Flächenangaben zu den neuen und bestehenden Wohnungen,
Kinderspielplätzen und Aufenthaltsbereichen als auch die entsprechenden Berechnungen.
Aufgrund einer überschlagsmässigen Berechnung anhand der Pläne dürften etwa 70 m2
Kinderspielfläche sowie mindestens 20 m2 Aufenthaltsfläche erforderlich sein (vgl. Art. 45
BauV). Im Plan Grundriss EG wird eine Spielzone von ungefähr 70 m2 ausgewiesen. Diese
Fläche kann jedoch nicht (vollumfänglich) angerechnet werden. Ein Spielplatz soll einen
gewissen Freiraum und eine attraktive Spielumgebung bieten. Er ist daher so anzulegen,
dass mögliche Nutzungskonflikte vermieden oder zumindest minimiert werden und die
Privatsphäre der Wohnungen gewahrt bleibt.15 Gegenüber Wohngebäuden ist deshalb in
der Regel ein Streifen von 3 m nicht anrechenbar. Zudem müssen Spielflächen aus
funktionellen Gründen eine minimale nutzbare Breite von 5 m aufweisen.16 Diese
Mindestbreite kann nicht eingehalten werden. Es werden daher nicht genügend Spiel- und
Aufenthaltsbereiche ausgewiesen. Die Rüge ist deshalb begründet.
13 Arbeitshilfe für die Ortsplanung (AHOP) Nr. 92.2 Empfehlungen für die Projektierung und Gestaltung von benutzerfreundlichen Aussenräumen von Wohnüberbauungen, (nachfolgend AHOP Nr. 92.2), einsehbar unter <http://www.jgk.be.ch/jgk/de/index/direktion/organisation/agr.html>, Rubrik «Publikationen/Bauen» 14 AHOP Nr. 92.2, S. 13 15 AHOP Nr. 92.2, S. 15 16 Vgl. AHOP Nr. 92.2, S. 19
9
c) Die Beschwerdeführenden bemängeln die Profilierung. Die Dachausschnitte auf der
Ostseite seien bewusst um ungefähr 2 m kleiner ausgesteckt worden. Zudem seien einige
Profile schon entfernt worden, obwohl das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei.
Nach Art. 16 Abs. 1 BewD17 sind die äusseren Umrisse des Bauvorhabens durch Profile
kenntlich zu machen. Diese haben namentlich in den Gebäudeecken die Höhen der
Fassaden und die Neigung der Dachlinien, bei Flachdächern die Höhe der Dachbrüstung,
anzugeben. Sie sind stehenzulassen, bis über das Bauvorhaben endgültig entschieden ist
(Art. 16 Abs. 2 BewD). Zweck der Profilierung von Bauten und Anlagen auf dem
Baugrundstück ist es, das Bauvorhaben in Ergänzung der Projektpläne zu
veranschaulichen. Daraus müssen die für das Erscheinungsbild wesentlichen
Abmessungen im Gelände, nicht aber sämtliche Einzelheiten der geplanten Baute
ersichtlich sein18. Um Details über das Projekt zu erfahren, müssen die interessierten
Personen die Baugesuchsakten einsehen. Die Beschwerdeführenden legen nicht dar,
inwieweit ihnen durch die bemängelte Profilierung ein Nachteil entstanden ist. Wie die
Beschwerde zeigt, konnten sie ihre Rechte wahren.
d) Die Beschwerdeführenden machen geltend, sie hätten in der Einsprache die Vor-
instanz darauf aufmerksam machen müssen, wie die Besitzverhältnisse der Liegenschaft
G._ Gasse seien. Den Vorakten kann dazu entnommen werden, dass die
Gemeindeverwaltung bereits im Rahmen der vorläufigen formellen Prüfung prüfte, ob das
Baugesuch korrekt unterzeichnet war, abklärte, wer die Grundeigentümer der Liegenschaft
sind, und die entsprechenden Mängel beheben liess.19 Die Rüge ist daher unbegründet.
4. Kosten
a) Zusammenfassend steht fest, dass die Beschwerde gutzuheissen ist, soweit darauf
eingetreten werden kann. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt der
Beschwerdegegner überwiegend. Er hat deshalb die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108
Abs. 1 VRPG). Dass auf die von Laien verfasste Beschwerde nicht vollumfänglich
17 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1) 18 BVR 1993 S. 314 E. 7 19 Vgl. dazu Formular 1.0.2, Vorläufige formelle Prüfung, Vorakten pag. 18 ff. sowie Kurzbrief vom 16. April 2014, Vorakten pag. 4
10
eingetreten werden kann, rechtfertigt keine andere Kostenverteilung. Die Verfahrenskosten
werden bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 1'400.00 (Art. 103 VRPG in Verbindung
mit Art. 19 GebV20).
b) Die amtlichen Kosten für das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren von
Fr. 2'949.35 hat der Beschwerdegegner als Baugesuchsteller unabhängig vom Ausgang
des Verfahrens zu tragen (Art. 52 Abs. 1 BewD).
c) Die Beschwerdeführenden werden nicht berufsmässig vertreten (Art. 104 Abs. 1
VRPG). Das Verfahren war nicht aufwändig (Art. 104 Abs. 2 VRPG). Den
Beschwerdeführenden sind deshalb weder Parteikosten noch eine Parteientschädigung
noch Auslagenersatz zuzuerkennen.