# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7e369aca-2158-4c68-9255-65cbf50268e0
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1961, absolvierte eine 4-jährige Ausbildung in einer
Krankenpflegeschule
in
Y._
(Urk. 9/9 S. 5).
Der Versicherte war
zuletzt
von September 2014
bis
Juni 2016
bei
der Rehaklinik
Z._
als Pflegefachmann
angestellt,
(
vgl.
Urk.
9/18
).
A
b
dem
24.
Mai 2016 wurde ihm aufgrund diverser psychischer Erkrankungen
eine 100%ige, zweitweise ein
e
80%ige Arbeitsun
fähigkeit attestiert (vgl. Urk. 9/6). Von August bis Dezember 2016 erzielte
er
zudem ein Einkommen bei der
A._
GmbH, Zürich (vgl. Urk. 9/106/4).
Unter Hinweis auf
nicht näher bezeichnete «Diverse, gesundheitliche Beeinträch
tigungen»
meldete sich der Versicherte
und unter Angabe seiner behandelnden Ärzte mit am 28. Dezember 2016 unterzeichnetem und am 9. Januar 2017
bei der Invalidenversicherung
ei
ngegangenem
Formular
zum Leis
tungsbezug an (vgl. Urk. 9/9 und
Aktenverzeichnis
zu Urk. 9 Nr. 0009
). Die Sozialversicherungs
anstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizinische und erwerbliche Situation ab
und
zog Akten der
Krankentaggeldversicherung
bei (Urk.
9/15, Urk. 9/34
)
.
Na
ch ergangenem Vorbescheid (Urk. 9/69)
sprach die IV-Stelle
dem Versicherten
mit Verfügung vom
3. Juni 2019 (Urk. 9/94)
ab
1.
Juli 2017 eine ganze I
nvalidenrente zu.
Die Verfügung vom 3. Juni 2019
hob
die IV-Stelle
mit Verfügung vom 18. Juni 2019 (Urk. 9/116) umgehend
wieder
auf, nachdem sie von einem Einkommen
des Versicherten im Jahr 2018 Kenntnis erhalten hatte (vgl. Urk. 9/108, Urk. 9/111-112).
So wies der IK-Auszug vom 12. Juni 2019 (Urk. 9/111) für den Versicherten Einkommen von
März bis Dezember 2018 bei der
B._
GmbH und von Juli bis D
ezem
ber 2018 bei der
C._
GmbH
aus
.
Am 15. Juli 2019 (Urk. 9/117) erhob der Versicherte «Einsprache» gegen die Verfügung vom 18. Juni 201
8.
Mit Vorbescheid
vom 22. Juli 2019 (Urk.
9/
120
)
stellte die IV-Stelle in Aussicht, dem Versicherten ab 1. Juli 2017 eine ganze, ab 1. März 2018 eine halbe, ab 1. Juli 2018 eine Viertels- und ab Januar 2019 wiederum eine ganze Rente zuzuspre
chen.
Nach dagegen erhobenem Einwand
durch die
Pensionskasse SHP (Urk. 9/126) veranlasste die IV-Stelle
ein
psychiatrische
s
Gutachten
mit
einer neuropsychologischen Untersuchung
(vgl. Urk. 9/135). Am 4. Mai 2020 (Urk. 9/146
/1-80
) erstattete Dr. med.
D._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, das Gutachten, welches einen neuropsycho
logischen Unter
suchungsbericht von
lic
. phil.
E._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, vom 3. Mai 2020 (Urk. 9/146/82-98) enthielt. Mit
neuerlichem Vorbescheid vom 19. Oktober 2020 (Urk. 9/156)
stellte die IV-Stelle die Abweisung
des
Leistungs
begehrens in Aussicht.
De
m
dagegen erhobene
n
Einwand (
Urk. 9/157 und
Urk. 9/161)
folgte
die IV-Stelle
nicht und bestätigte die Leistungsverweigerung
mit Verfügung vom
30.
März
2021
(Urk. 2).
2.
Der Versicherte erhob am
11. Mai 2021 (Urk. 1)
Beschwerde gegen die Verfügung vom
30. März 2021
und
stellte folgendes Rechtsbegehren (S. 2):
«1.
Die Verfügung der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-
Stelle, vom
30.
März 2021 sei aufzuheben.
2.
Es sei dem Beschwerdeführer eine ganze IV-Rente zuzusprechen.
3.
Eventualiter sei die Sache an die Beschwerdegegnerin zurückzuweisen
und diese
zu verpflichten, das Schreiben v
om 15.
Juli 2019 des
Beschwerdeführers als
Beschwerde zu behandeln.
4.
Subeventualiter
sei ein psychiatrisches Gutachten vom Gericht in Auftrag
zu geben,
welches sich zur Frage, der noch zu verwertenden
Restarbeitsfähigkeit des
Beschwerdeführers äußert
.
5.
Es sei eine mit den Normen der EMRK übereinstimmende öffentliche,
mündliche
und kontradiktorische Verhandlung durchzuführen, in der dem
Versicherten
Gelegenheit zu geben ist, seine Sache zu begründen,
akustisch angehört zu
werden und auf allfällige Fragen des Gerichts
antworten zu können, wie dies der
Grundsatz des fair
trial
verlangt.
6.
Dem Beschwerdeführer sei
für
das
Beschwerdeverfahren die
unent
geltliche
Prozessführung und eine unentgeltliche Rechtsvertretung
in meiner Person zu
bewilligen.
7.
Alles unter Kosten- und Ent
schädigungsfolgen zu Lasten der
Beschwerde
gegnerin
.
»
Daneben reichte er einen aktuellen Arztbericht seines behandelnden Psychiaters vom 10. Mai 2021 (Urk. 3) ein.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
21. Juni 2021
(Urk.
8
) die Abweisung der Beschwerde
, was
dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 20. August 2021
zur Kenntnis gebracht
wurde (Urk. 11).
Anlässlich eines Telefonates am 22. Februar 2022 zeigte sich der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers damit einverstanden, dass die von ihm beantragte Verhandlung in Form einer Instruktionsverhandlung durchgeführt
werde
(vgl. Urk. 14).
Mit
Verfügung
vom
25. Februar 2022 (Urk. 15) wurde das Gesuch des Beschwer
deführers um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung mangels hinreichender Substantiierung der Bedürftigkeit abgewiesen.
Nachdem der Beschwerdegegnerin in der Vorladung zur
Verhandlung
das Erscheinen freigestellt worden war (Urk.
17
), teilte sie am
17. März 2022
(Urk.
18
) mit, dass sie auf die Teilnahme verzichte. Dies wurde dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 7. April 2022
(Urk.
19
) zur Kenntnis gebracht.
Am
12. Mai
2022
wurde die Instru
ktionsverhandlung
durchgeführt
. An der Verhandlung nahm
nur
der Rechtsvertreter des Beschwerdeführers teil. Der
Beschwerdeführer blieb der Verhandlung unentschuldigt fern
(
vgl.
Protokoll
der Instruktionsverhandlung vom 12. Mai 2022
, Urk.
22).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Beschwerdeführer brachte unter anderem vor, dass
zum Erlass der Verfügung vom 30. März 2021
mehrere formelle Voraussetzungen nicht gegeben gewesen seien. So habe die Beschwerdegegnerin nicht nur rechtswidrig eine in Rechtskraft erwachsene Verfügung wiedererwägungsweise aufgehoben, sondern zudem ein vom Beschwerdeführer gegen die Wiedererwägung erhobenes Rechtsmittel unbe
rücksichtigt gelassen beziehungsweise die Beschwerdeschrift nicht an das hiesi
ge Gericht weitergeleitet (
Urk. 1 S. 3-6 Ziff. 1-6
; vgl. auch die Ausführungen anläss
lich der Instruktionsverhandlung vom 12. Mai 2022; Urk. 21 S. 1 f. und Urk. 22 S. 1 f.
).
1.2
1.2.1
Entgegen der vom Beschwerdeführer vertretenen Ansicht hat die Beschwerdegeg
nerin keineswegs eine in Rechtskraft erwachsene Verfügung
rechtswidrig w
iedererwägungsweise aufgehoben.
1.2.2
Beim
vom Beschwerdeführer
als Verfügung
(vgl. Urk. 1 S. 3-5 Ziff. 2 f.)
bezeich
neten Schreiben
vom 12. März 2019
(Urk. 9/76)
handelt es sich
,
wie sich bereits aus dem Begleittext ergibt,
um eine interne
Weiterleitung
der materiellen Begrün
dung
und Anweisung
an die
SVA Zürich
(Ausgleichskasse)
zur Ausfertigung der Rentenverfügung
mit der Bitte, «die Geldleistung zu berechnen, die Verfügung zu erstellen und zu versenden» (Urk. 9/76 S. 1)
.
So
gehören unter anderem die Berechnung und Auszahlung der Renten
zu den
Aufgaben der Ausgleichskassen
(Art.
60
des Bundesgesetzes über
die Invalidenversicherung, IVG
, Art.
44
der Verordnung über
die Invalidenversicherung, IVV)
).
Ein externe
r
Versand
dieses Schriftstückes
mit Datum vom 12. März 2019
an die aufgeführten Adressaten (Krankentaggeldversicherung AXA, die Pensionskasse SHP und
das RAV Schaffhausen
)
- wie vom Beschwerdeführer behauptet (vgl. Urk. 1 S. 4) -
hat gar nie stattgefunden und somit auch keine Eröffnung einer Verfügung mit Datum
vom 12.
März 201
9.
Auf telefonische Nachfrage des Beschwerdeführers über den Verfahrensstand am 3. April 2019 wurde ihm von der IV-Stelle denn auch mittgeteilt, dass der Auftrag an die Ausgleichskasse («AK») erfolgt sei und sobald diese alles vorbereitet habe, die Verfügung («VERF») und Auszahlung der Rente erfolgen
würden
(vgl. Urk. 9/78).
1.2.3
Auch eine Verfügung mit Datum vom 29. Mai 2019
wurde - entgegen der Behauptung des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 1 S. 5 f. Ziff. 4) - nie
erlassen oder
eröffnet. Zwar wurden solche Schriftstücke (Verfügungen mit dem Datum 29. Mai 2019)
in Teilen
physisch erstellt (vgl. Urk. 9/87
-91
)
, jedoch nicht versandt, wie sich aus den gesamten Umständen
ergibt
. Die Schriftstücke mit Datum vom 29. Mai 2019 sind alle mit einem internen Vermerk «ungültig» beschriftet. In diesen wird jeweils nur der Betrag der auszubezahlenden Leistungen angegeben, eine materielle Begründung ist jedoch nicht enthalten. Betragsmäss
ig
weichen sie von der tatsächlich erlassenen
und versandten
Rentenverfügung vom 3. Juni 20
19
(
Urk. 9/94
)
insofern ab, als noch eine Kinderrente enthalten ist, bezüglich derer jedoch erst am 29. Mai 2019 (vgl. Urk. 9/85) ein Fragebogen an den Beschwerdeführer versandt worden war.
Zudem konnte die tatsächlich erlassene und versandte Rentenverfügung vom 3. Juni 2021, auf welcher dieselbe Adresse des Beschwerdeführers (
F._-Strasse
,
G._
) angegeben ist, wie auf dem Schriftstück vom 29. Mai 2019 (vgl. Urk. 9/89 und Urk. 9/94
)
,
nicht zugestellt
werden und wurde von der Post mit dem Hinweis retourniert, dass der Empfänger unter der angegebenen Adresse nicht habe eruiert werden können (Urk. 9/107). Eine Retournierung mit einem Schriftstück mit dem Datum vom 29. Mai 2019 findet si
ch hingegen nicht bei den Akten.
Gegenüber der Beschwer
degegnerin gab der Beschwerdeführer denn auch mit Telefonat vom 12. Juni 2019 an, den Briefkasten unter der Adresse
F._-Strasse
,
G._
,
noch nicht angeschrieben zu haben (Urk.
9/110
)
. Ein allenfalls an den Beschwer
deführer versandtes Schriftstück mit dem Datum vom 29. Mai 2019 wäre also von der Post ebenfalls retourniert worden
, da es nicht hätte zugestellt werden können
. Die
s
ist
aber nicht der Fall
.
1.2.4
Die
Rentenzusprache
erfolgte
somit
mit Verfügung vom 3. Juni 2019 (Urk. 9/94; vgl.
auch
Urk. 9/
95-104
)
.
Wie aufgezeigt (vgl. E. 1.2.3 vorstehend), konnte diese dem Beschwerdeführer selbst mit dem ursprünglichen Versand gar nicht zugestellt und demnach nicht
rechtsgenüglich
eröffnet werden. Am 1
2.
Juni 2019 meldete sich die Pensionskasse bei der Beschwerdegegnerin mit dem Hinweis,
dass
der Beschwerdeführer gemäss IK-Auszug im Jahr
2018
Fr. 53'530.-- an Einkommen erzielt habe (Urk. 9/108; vgl. auch den IK-Auszug Urk. 9/111). Die Beschwerdegegnerin entschloss sich daher
,
die Verfügung vom 3. Juni 2019 aufzuheben (vgl. Urk. 9/112), was sie mit Verfügung vom 18. Juni 2019 (Urk. 9/116) auch tat. Die Verfügung vom 18. Juni 2019 wurde dem Beschwerde
führer zusammen mit der Verfügung vom 3. Juni 2019 zugestellt (Urk. 9/115). Da die Rechtsmittelfrist der Verfügung vom 3. Juni 2019 noch nicht abgelaufen
und die Rechtskraft dementsprechend noch nicht eingetreten war sowie
der Beschwerdeführer kein Rechtsmittel
da
gegen erhoben
haben konnte
, stand es der Beschwerdegegnerin offen
, die Verfügung vom 3. Juni 2019 vorbehaltslos aufzuheben. Denn a
uf eine unangefochtene formelle Verfügung darf die Verwal
tung während der Rechtsmittelfrist zurückkommen, ohne dass die nach Eintritt der Rechtskraft erforderlichen Voraussetzungen der Wiedererwägung oder der prozessualen Revision erfüllt sein müssen (Urteil des Bundesgerichts C 205/00 vom 8. Oktober 2002 E. 1.2.1)
.
1.3
Es ist
dem Beschwerdeführer
hingegen
zuzustimmen, dass die Beschwerdegegne
rin gehalten gewesen wäre, die von ihm gegen die Verfügung vom
18. Juni 2019
als Einsprache bezeichnete Beschwerde
vom 15. Juli 2019 (Urk. 9/117)
zur Beurteilung an das hiesige Gericht weiterzuleiten
(vgl. Urk. 1 S. 6 Ziff. 5 f.). So brachte er in seiner Eingabe vom 15. Juli 2019 eindeutig zum Ausdruck, dass er mit der Aufhebung der Verfügung vom 3. Juni 2019 mittels Verfügung vom 18. Juni 2019 nicht einverstanden
war
.
Wie aufgezeigt (E. 1.2.4) stand es jedoch der Beschwerdegegnerin vorbehaltslos offen, auf die Verfügung vom 3. Juni 2019 zurückzukommen, da die Rechtsmittelfrist noch lief und ein Rechtsmittel gegen diese nicht erhoben worden war.
Begründete Argumente gegen die A
uf
h
e
bungs
verfügung vom 18. Juni 2019 wurden vom Beschwerdeführer weder in seiner Beschwerde vom 15. Juli 2019 (Urk. 9/11
7
)
noch
mit der nun ins Recht gelegten Beschwerde vom 11. Mai 2021 (Urk. 1) vorgebracht, noch sind solche ersichtlich.
Anlässlich der Instruktionsverhandlung vom 12. Mai 2022 gab der Vertreter des Beschwerdeführers selbst zu Protokoll, dass
eine entsprechende Beschwerde nicht sehr aussichtsreich gewesen wäre (Urk. 22 S. 2 Anmerkung 6 in
fine
).
Da die Voraussetzungen für eine vorbehaltlose Aufhebung der Verfügung vom
3.
Juni 2019 wie gesehen erfüllt sind, käme e
ine Sistierung des vorliegenden Verfahrens
betreffend
die Verfügung vom 30. März 2021 (Urk. 2) oder gar deren Aufhebung zur Durchführung eines Verfahrens
zur Behandlung der
Beschwerde vom 15. Juli 2019 gegen die Verfügung vom 18. Juni 2019 einem formalistischen Leerlauf gleich, weshalb
davon
abzusehen ist.
Im vorliegenden Verfahren ist ohnehin der gesamte strittige Zeitraum zu überprüfen, weshalb die diesbezüglichen Anträge des Beschwerdeführers obsolet sind.
2.
2.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des IVG sowie der IVV in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
2.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE
145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E.
2.1, 130 V 396
E. 5.3 und E.
6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit
ist jedoch nicht ohne W
eiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE
145 V 215 E. 5.3.2,
1
43 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E.
3.7, 13
9 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.4
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
2.5
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.6
Gemäss höchstrichterlicher Praxis muss der für die Beurteilung erhebliche Sachverhalt mit dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der über
wiegenden Wahrscheinlichkeit ausgewiesen sein. Die blosse Möglichkeit eines bestimmten Sachverhalts genügt den Beweisanforderungen nicht. Das Gericht hat vielmehr jener Sachverhaltsdarstellung zu folgen, die es von allen möglichen Geschehensabläufen als die wahrscheinlichste würdigt (Urteil des Bundesgerichts 8C_765/2020 vom 4. März 2021 E. 3.2.2 mit Hinweis auf BGE 144 V 427 E. 3.2, 138 V 218 E. 6). Im Sozialversicherungsrecht besteht kein Rechtsgrundsatz des Inhalts, dass die Verwaltung oder das Gericht im Zweifelsfall zugunsten der versicherten Person zu entscheiden hätte (Urteil des Bundesgerichts C 281/02 vom 24. September 2003 E. 1.3.2 mit Hinweis).
3.
3
.1
Die Beschwerdegegnerin
führte in
ihre
r
leistungsabweisende
n
Verfügung vom
30
.
März
2021 (Urk. 2)
an
,
sie habe ein psychiatrisches und neuropsychologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Die gutachterliche Prüfung habe ergeben, dass keine Diagnosen mit einer dauerhaften Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit vorhanden seien. Auffällig sei, dass der Beschwerdeführer alle Medikamente abgesetzt gehabt habe, aber wegen eines psychischen Leidens anhaltend krank
geschrieben worden sei. Auch sei er im Jahr 2018 zu 100 % krankgeschrieben worden, obwohl es ihm zu diesem Zeitpunkt möglich gewesen sei, einer Erwerbs
tätigkeit nachzugehen und ein Einkommen über Fr. 53'555.-- zu erzielen. Es seien keine funktionellen Einschränkungen seit dem Jahr 2016 festgestellt worden. Es sei somit kein Gesundheitsschaden vorhanden, welcher eine Erwerbsunfähigkeit begründen würde
(S.
2
).
3.2
Der Beschwerdeführer stellte sich hingegen in seiner Beschwerde vom 11. Mai 2021 (Urk. 1) - neben den bereits abgehandelten formellen Punkten (vgl. dazu E. 1 vorstehend) - auf den Standpunkt, dass das psychiatrische Gutachten die vom Bundesgericht geforderten
Voraussetzungen
nicht erfülle und daher nicht als professionelles Gutachten bezeichnet werden könne (S. 9 Ziff. 9
,
vgl. auch die Ausführungen anlässlich der Instruktionsverhandlu
ng vom 1
2.
Mai 2022;
Urk.
21 S. 3 f. und Urk.
22 S.
2
f.)
. Daneben bestünden auch Zweifel am neuropsycho
logischen Gutachten (S. 9 f. Ziff. 10). Zudem
verweise er auf den aktuellsten Bericht seines Psychiaters vom 10. Mai 2021, worin dieser nach wie vor von
der
Diagnose einer bipolaren affektiven Störung, gegenwärtig gemischte Episode ausgehe (S. 10 Ziff. 11).
3
.3
Strittig und zu prüfen ist, ob
der
Beschwerdeführer Anspruch auf eine Inva
liden
rente hat.
4
.
4.
1
Dr. med.
H._
,
Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, welche den Beschwerdeführer seit dem 20. Juni 2016 behandelte, nannte in ihrem Bericht vom 17. September 2016 (Urk. 9/15/32-33) als Diagnose eine mittelgra
dige Erschöpfungsdepression mit somatischem Syndrom (ICD-10 F32.1; S. 1 unten). Sie führte aus, der Beschwerdeführer habe von einer komplexen psycho
sozialen Belastungssituation berichtet (S. 1 oben). Der Beschwerdeführer habe berichtet, gute und zahlreiche soziale Kontakte zu haben, doch durch seine misslungenen Geschäftsideen habe er sich auch viele Prob
leme eingehandelt (S. 1 unten).
Während des Zeitraums der Behandlung [20. Juni bis 14. Juli 2016; S. 1 oben] habe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Erschöpfungsdiagnose bestanden. Eine aktuelle Einschätzung der aktuellen Einschränkung der Arbeits
fähigkeit sei nicht möglich (S. 2 oben).
4.
2
Dipl. Ärztin
I._
, Praktische Ärztin FMH, bei welcher sich der Beschwer
deführer seit 24. Mai 2016 in Behandlung befand, nannte in ihrem Bericht vom 7. Februar 2017 (Urk. 9/23/1-5) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeits
fähigkeit ein depressives Erschöpfungssyndrom (ICD-10 F48), eine Angststörung (ICD-10 F41.1),
eine
somatoforme Störung (ICD-10 F45) und einen Bandschei
benschaden der Lendenwirbelsäule (Ziff.
1.1).
Es bestehe seit 24. Mai 2016 bis auf Weiteres eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Pfleger. Eine behinderungsangepasste Tätigkeit sei momentan nicht möglich (Ziff. 1.6-1.7).
4.
3
Dr. med.
J._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei welchem der Beschwerdeführer seit dem 15. November 2016 in Behandlung war, nannte in seinem Bericht vom
8
. Februar 2017 (Urk. 9/24) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine leichte depressive Episode (ICD-10 F32.0) und eine Panikstörung (ICD-10 F41.0). Er attestierte dem Beschwerdefüh
rer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem 15. November 2016 bis auf Weiteres sowohl in der angestammten Tätigkeit als Krankenpfleger als auch in einer angepassten Tätigkeit (Ziff. 1.6-1.7).
4.
4
Am 4. Mai 2017 (Urk. 9/34/
63
)
schrieb Dr.
H._
an die Beschwerdegegnerin, es handle sich um eine komplexe Problemsituation, die sich in den letzten zwei Jahren sehr verschärft habe. Der Versuch des Beschwerdeführers, sich in der Krankenpflege selbständig zu machen, sei gescheitert. Zurzeit sei er stellenlos und nicht in der Lage, sich eine Arbeit zu suchen. Er befinde sich in einer tiefen Selbstwertkrise mit starken Stimmungsschwankungen, massiven kognitiven Störungen, Hoffnungslosigkeit und situativer Überforderung.
Zu den Sitzungen erscheine er überwiegend regelmässig, brauche immer wieder auch telefonische Kriseninterventionen und direkte Anweisungen, was als nächstes zu tun sei. Die Therapie werde weiter fortgesetzt, die Medikation laufend angepasst.
4.
5
In
ihrem Bericht vom
12. Mai
2017
(Urk.
9/
34
/
69-70
)
nannte Dr.
H._
als Diagnose eine mittel
gradige
Erschöpfungsdepression mit somatischem Syndrom
. Sie erklärte, der Beschwerdeführer habe berichtet, gute und zahlreiche soziale Kontakte zu haben, doch sich durch seine misslungenen Geschäftsideen auch viele Probleme eingehandelt zu haben. Er stelle zu hohe Anforderungen an sich und andere, was zu Konflikten führe (S. 1 unten).
Sie attestierte dem Beschwer
deführer während
des
Behandlungszeitraum
s
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und hielt fest, dass der Beschwerdeführer seit dem 14. Juli 2016 nicht mehr zur Behandlung erschienen sei.
Eine Einschätzung der aktuellen Einschränkung der Leistungsfähigkeit sei nicht möglich.
Grundsätzlich sei die Prognose aber gut (S. 2 oben).
4.
6
Dr.
H._
nannte in ihrem Bericht vom
21. Juni
2017
(
Urk.
9/
34
/
64-65
)
als Diagnose eine mittel
- bis
schwer
gradige
Erschöpfungsdepression mit somatischem Syndrom
und fraglich auch pseudopsychotischen Symptomen,
differentialdiagnostisch
eine Anpassungsstörung bei massiver psychosozialer Belastungssituation auf dem Boden einer narzisstischen Persönlichkeitsstruktur (S. 1). In der angestammten Tätigkeit sei der Beschwerdeführer in kein Team integrierbar. Eine einfache Nischentätigkeit sei ab September zu 100 % möglich (S. 2).
4.
7
Dr. med.
K._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, welcher
den Beschwerdeführer im
Auftrag
der Krankentaggeldversicherung
am 21. Juni 2017
untersucht hatte, nannte in seinem Gutachten vom 30. Juni 2017 (Urk. 9/
34/56-62
)
als Diagnosen eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgra
dige Episode (ICD-10 F33.1), eine Agoraphobie mit Panik
störung (ICD-10 F40.1) und eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom impulsiven Typ (ICD-10 F60.30). Er attestierte dem Beschwerdeführer in der bisherigen Tätigkeit eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit Mai 2016 und eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit in einer Verweistätigkeit ohne hohe Anforderungen an die Konzentration und ohne hohen Zeitdruck seit Mai 2016 (S. 6 oben).
4.
8
Dr.
H._
nannte in ihrem Bericht vom
25. Oktober
2017 (Urk.
9/
35
)
bei letzter vorangehender Konsultation im Juni 2017
als Diagnose
mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine mittel
gradige depressive Episode (ICD-10 F32.1) und als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Persönlichkeit mit narzisstischen Zügen (ICD-10 Z73; Ziff. 1.1). Sie berichtete, zwischen März und Juni 2017 habe eine intensive Krisenin
t
ervention stattgefunden. Es habe eine deutliche depressive Dekompensation
stattgefunden; differentialdiagnostisch eine Anpassungsstörung bei massiver psychosozialer Belastung
(
S. 2 oben
).
Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit in Gesundheitsberufen bis mindestens Mitte 2018 (S. 2 Mitte).
4.
9
Dr. med.
L._
, Praktische Ärztin und
Fachärztin für Allgemeine Innere Medizin (vgl. Schweizerisches
Medizinalberuferegister
), bei welcher
sich
der Beschwerde
führer
von
15. August
bis 10. Oktober
2017 in Behandlung
befand
, nannte in ihrem Bericht vom 16. Dezember 2017 (Urk. 9/37) als Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine bipolare affektive Störung, eine Agoraphobie mit Panikstörung (ICD-10 F40.01), ein
symptomatisches Schnarchen, ein
e
sympto
matische mediale
Meniskushinterläsion
rechts (Ziff. 1.1).
Sie
attestierte dem Beschwerdeführer eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit seit dem
19
.
Mai
2016 (Ziff. 1.6).
Sie hielt fest, als Einschränkungen bestünden eine stark reduzierte Leistungsfähigkeit, die aktuelle Arbeitsunfähigkeit, finanzielle Probleme
, der Ehekonflikt, der Bewegungsmangel mit Vernachlässigung sportlicher Freizeit
aktivität (Ziff. 1.7).
4.
10
Psychologin M.
Sc.
M._
und Dr. med.
N._
vom Psychiatriezentrum
O._
,
in P._
, wo der Beschwerdeführer vom 7. November 2017 bis 15. Januar 2018 stationär behandelt wurde, nannten in ihrem Austrittsbericht vom 24. Januar 2018 (Urk. 9/45) unter anderem folgende Diagnosen (S. 1):
-
Bipolar affektive Störung, gegenwärtig leichte oder mittelgradige depres
sive Episode (ICD-10 F31.3); Differentialdiagnose: gemischte Episode
-
Muskelschmerzen und
Thoraxschmerzen
(differentialdiagnostisch: nach intensivem Krafttraining) am 28. November 2017
-
Bilaterale Unterbauchschmerzen (VAS 11/10) am 29. November 2017
4.11
Dr. med.
Q._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie FMH, bei welchem der Beschwerdeführer seit dem 21. März 2018 in Behandlung war, nannte in seinem Bericht vom 9. Oktober 2018 (Urk. 9/61/1-6)
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine bipolare affektive Störung, gegenwärtig gemischte Episode (ICD-10 F31.6), bestehend seit Jahren und als Diagnose
ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit eine Panikstörung (ICD-10 F41.0; Ziff. 2.4-5).
Zum Eingliederungspotenzial gab er an
, dass
der Beschwerdeführer
nicht mehr in der Lage sei, die Tätigkeit als Krankenpfleger auszuüben und
dieser
weder
auf dem Arbeitsmarkt arbeiten
noch
eine Leistung erbringen könne (Ziff. 4.1-2).
4.
12
Auf Nachfrage der Beschwerdegegnerin teilte ihr der Beschwerdeführer anl
ässlich eines Telefonats am 23.
September 2019 (Urk. 9/131) mit, er habe (im Jahr 2018) nur gearbeitet, weil er kein Essen
gehabt habe
und ihm nichts anderes übrig
geblieben sei.
4.
13
Lic
. phil.
E._
erklärte in seinem neuropsychologischen Bericht vom 3. Mai 202
0
(Urk. 9/146/82-98)
zusammenfassend, es bestünden nicht authentische neuropsy
chologische Funktionsstörungen. Möglicherweise bestehende kognitive Defizite
hätten
unter diesen Umständen differentialdiagnostisch nicht objektiviert werden
können
(S. 7 Mitte). In der Beobachtung des Testverhaltens und in der Analyse der Befunde auf Gültigkeit und Konsistenz hätten sich Auffälligkeiten mit Hinweisen auf geringe Leistungsmotivation, selbstlimitierende
s
Testverhalten, teilweise auch Aggravation von kognitiven Beeinträchtigungen gezeigt. In diversen durchgeführten Symptomvalidierungstests hätten sich neben Resultaten knapp über dem Cut-off für auffälliges Leistungsverhalten auch auffällige Resultate gezeigt. Es könne nicht von validen Testbefunden ausgegangen werden (S. 8 unten).
4.
14
Dr.
S._
stellte
in
seinem
von der Beschwerdegegnerin in Auftrag gegebenen psychiatrischen Gutachten vom
4. Mai 2020 (Urk. 9
/
146
/1-80
)
weder Diagnosen mit noch ohne Auswirkung auf die
Arbeitsfähigkeit (S. 73 oben).
Zum Psychostatus hielt Dr.
S._
fest, beim Beschwerdeführer habe sich keine Beeinträchtigung der Bewusstseinsklarheit und Bewusstseinshelligkeit feststellen lassen. Er sei zu allen Qualitäten voll orientiert gewesen. Die Aufmerksamkeit und die Konzentration hätten für die Dauer des Gespräches durchgehend aufrecht
erhalten werden können. Die Auffassung sei ungestört gewesen. Das Langzeitge
dächtnis habe sich klinisch als nicht auffällig erwiesen. Es hätten sich Merkfähigkeitsstörungen gezeigt. Der Beschwerdeführer habe sich nach einigen Minuten an eines
von
zuvor wiederholten drei Wörter
n
erinnern können. Bei der Subtraktionsreihe habe er rechnen können. Der Beschwerdeführer habe Konzent
rationsstörungen
beschrieben
. Mit dem Gedächtnis
habe er
k
eine Mühe,
habe der Beschwerdeführer
angegeben;
sein
e
Frau
habe aber gesagt, da
ss er Probleme habe.
Er habe mit unauffälliger Stimme, deutlich artikuliert gesprochen. Die Beschwerdeschilderung sei ausführlich erfolgt, wobei das Ausdrucksverha
l
ten teilweise etwas betont gewirkt habe. Der formale Gedankengang sei unauffällig gewesen. Nach einem Grübeln und Gedankenkreisen befragt, habe der Beschwer
deführer gemeint, er habe dies nicht, er wisse nicht. Der Beschwerdeführer sei sehr zwanghaft, er müsse, bevor er die Wohnung verlasse, immer Ordnung reinbringen. Es
seien
keine Hinweise auf eine
hypochondrische Erlebnisvera
rbei
t
u
ng festste
ll
bar
gewesen
.
Misstrauen sei nicht vorhanden gewesen. Inhaltliche Denkstörungen i
n Form von
wahnhaften
Gedanken, Wahnwahrnehmungen oder eines
systematischen wahnhaften Denkens
hätten sich nicht gezeigt
.
Es
hätten
sich
keine
Hinweise auf
Sinnestäuschungen
in Form von
Halluzinationen oder illusionären Verkennungen gezeigt. I
ch-Störungen in Form
eines
Fremdbeein
flussungserlebens, von
Derealisations
- oder
Depersonalisations
-
Phänomenen
seien
nicht vorhanden
gewesen
.
Die
Grundstimmung sei
etwas zum
depressiven
Pol hin
verschoben
, teilweise
sei
das
Ausdrucksverhalten etwas betont gewesen. Der Beschwerdeführer sei immer ambivalent. Er habe Schuldgefühle der Ex-Frau, den Kindern, der Familie, den Freunden gegenüber. Er habe sehr starke Insuffi
zienzgefühle
und sei öfters innerlich unruhig. G
ereizt sei er nie gewesen im Leben. Der Beschwerdeführer habe immer Angst, dass beispielsweise den Kindern etwas passieren würde
;
er habe auch Angst vor sich selber. Er habe eine extreme Schlangenphobie. Er habe
in den letzten fünf Jahren
extreme Stimmungsschwan
kungen gehabt. Früher habe er das auch gehabt, aber nicht ganz so extrem. Beschrieben worden sei eine gelegentliche Antriebsminderung. Es wechsle extrem. Er habe andererseits aber auch eine extreme Kondition. Antrieb und Psychomotorik (inklusive Mimik und Gestik) seien nicht auffällig. Es bestünden k
eine z
i
rkadianen Besonderheiten. Der
Beschwerdeführer
habe einen sozialen Rückzug beschrieben und ein Gefühl von Aggressivität. Es komme plötzlich
, sodass er es nicht
mehr ausha
lten
würde.
Er gehe dann weg.
Der Beschwerdefüh
rer habe
einen gelegentlich
auftretenden
Todeswunsch
(S. 61 f.)
.
In der Hamilton Depressionsskala 17 habe der Beschwerdeführer insgesamt 15 Punkte erreicht (S. 62 unten).
Dr.
S._
führte weiter aus
,
sowohl die Aktenlage, als auch die aktuelle psychi
atrische Untersuchung und die neuropsychologische Abklärung hätten kein einheitliches Bild ergeben. Es fänden sich vielmehr Hinweise auf Widersprüche, unklare Angaben, eine eingeschränkte Anstrengungsbereitschaft bis zur starken Aggravation (S. 64). Ferner erklärte Dr.
S._
, immer wieder habe der Beschwer
deführer auch über kognitive Einschränkungen geklagt. Es sei im Rahmen der aktuellen Untersuchung eine neuropsychologische Abklärung durchgeführt worden. Der Beschwerdeführer habe bei mehreren eingesetzten Symptomvalidie
rungsverfahren auffällige Resultate erzielt, welche zum Teil deutlich unter jenen gelegen seien, die bei motivierter Mitarbeit und bei angemessener Anstrengungs
bereitschaft zu erreichen seien. Das heisse, der Beschwerdeführer habe bei dieser Abklärung nicht mitgewirkt und Einschränkungen demonstriert, die so nicht bestünden. Sicherlich bestünden gravierende psychosoziale Belastungsfaktoren, dies werde in allen Berichten immer wieder betont. Auch der Beschwerdeführer habe diese im Gespräch dargelegt. Es lasse sich in der beschriebenen Situation aber keine psychiatrische Diagnose nach definierten Kriterien stellen und darum könne aus psychiatrischer Sicht auch keine Einschränkung der Leistungsfähigkeit begründet werden (S. 72 f.).
Aufgrund der eingeschränkten Mitwirkung des Beschwerdeführers bei der Abklärung könne keine psychiatrische Diagnose gestellt werden. Einschränkungen liessen sich darum nicht begründen. Auch nicht für den Zeitraum ab Mai 201
6.
Der Beschwerdeführer nehme keine Medikamente (S. 79).
5.
5.1
5.1.1
Das psychiatrische Gutachten von Dr.
S._
vom
4
.
Ma
i 2020 (
E.
4.13
) beruht auf den erforderlichen allseitigen Untersuchungen, was bei einer psychiatrischen klinischen Untersuchung
eine
Anamneseerhebung
(Urk.
9
/
146
/1-80
S.
7
40, S. 45-56, S. 59
), Symptomerfassung und Verhaltensbeobachtung (S.
40-45, S. 56-62
) umfasst
und entspricht somit den bundesgerichtlichen Vorgaben an ein psychiatrisches Gutachten
(Urteil des Bundesgerichts 9C_728/2018 vom
21. März 2019 E.
3.
3). Zudem
stützte sich der Gutachter für die Erhebung der Befunde
zusätzlich
auf
die Hamilton Depressionsskala
sowie
eine Laboranalyse
(S.
62 f.
)
und berücksichtigte die Resultate der
neuropsychologischen
Untersuchung von
lic
. phil.
E._
vom 3. Mai 2020 (
E. 4.12
)
, welche nicht authentische Funktions
störungen
zeigte
mit Hinweisen auf eine geringe Leistungsmotivation, selbstlimi
tierendes Testverhalten und teilweise Aggravation von kognitiven Beeinträchti
gungen
(vgl. Urk. 9/146/1-80 S.
72
)
.
5.1.2
Dr.
S._
selbst
erhob
grundsätzlich
einen im Wesentlichen unauffälligen Befund
(E. 4.13)
.
Er konnte beim Beschwerdeführer unter anderem keine
Beeinträchtigung der Bewusstseinsklarheit und -helligkeit, Merkstörungen, Hinweise auf Sinnestäuschungen in Form von Halluzinationen
oder illusionären Verkennungen,
Ich-Störungen in Form eines Fremdbeeinflussu
ngserlebens, von
Derealisations
- oder
Depersonalisations-Phänomenen,
z
i
rkadianen Besonderhei
ten
oder
inhaltliche Denkstörungen in Form von wahnhaften Gedanken, Wahn
wahrnehmungen oder eines systematischen wahnhaften Denkens
feststellen.
Der Beschwerdeführer war zu allen Qualitäten voll orientiert gewesen. Die Aufmerk
samkeit und die Konzentration konnten für die Dauer des Gespräches durch
gehend aufrechterhalten werden. Die Auffassung des Beschwerdeführers war ungestört. Das Langzeitgedächtnis, der formale Gedankengang, Antrieb und Psychomotorik (inklusive Mimik und Gestik) erwiesen sich als klinisch unauffäl
lig. Grübeln und Gedankenkreisen wurden vom Beschwerdeführer verneint. Die Grundstimmung war etwas zum depressiven Pol hin verschoben, jedoch teilweise sei das Ausdrucksverhalten etwas betont gewesen.
In der Hamilton Depressions
skala 17 erreichte der Beschwerdeführer insgesamt 15 Punkte, was einer leichten Depression entsprechen würde (vgl. Wikipedia
-E
intrag zur Hamilton-Skala, besucht am 28. Juni 2022).
5.1.3
Das Gutachten wurde in Kenntnis der und
- entgegen der Behauptung
d
es Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 9 oben) -
in
ausführlicher
Auseinandersetzung mit den
Vorakten
erstattet (
Urk.
9/146
/1-80
S. 7-40
und S. 64-73
). Dabei konnte Dr.
S._
anschaulich darlegen, dass sich die Aktenlage sehr uneinheitlich, unklar und teilweise widersprüchlich präsentiert
e
mit Hinweisen auf
Diskrepan
zen
, unklar
e
Angaben, eingeschränkte Anstrengungsbereitschaft bis zur starken Aggravation
und
zahlreich dokumentierten
psychosozialen Belastungsfaktoren
.
Dr.
S._
zeigte auf, dass d
ie von
Dr.
H._
attestierte 100%ige Arbeitsun
fähigkeit
im
Bericht vom 17. September 2016 (E. 4.
1
)
nicht nachvollziehbar
begründet
ist
bei der Diagnose einer mittelgradigen depressiven Episode
gestützt auf
die
beschriebene wenig aussagekräftige
Symptomatik (
vgl.
Urk. 9/15/32-33 und
Urk. 9/146
/1-80
S. 65) und
erklärte
plausibel
, dass die von Dr.
I._
im Bericht vom 7. Februar 2016 (E. 4.2) genannte psychiatrische Diagnose
ungenau,
teilweise widersprüchlich
und die attestierte 100% Arbeitsunfähigkeit fragwürdig ist
(Urk. 9/146
/1-80
S. 66). Hinzukommt, dass es sich bei Dr.
I._
nicht um
einen Facharzt
der Psychiatrie handelt
, was
die
Aussagekraft
seiner
Beurteilung
von
psychische
n
Leiden gegenüber einer fachärztlichen Einschätzung
begrenzt
(vgl.
Urteil
des Bundesgerichts
9C_270/2008 vom 12.
August 2008 E. 3.3
).
Dr.
S._
kritisierte
die Diagnose
stellung von Dr.
J._
in seinem Bericht vom 7. Februar 2017 (E.
4.3
)
nachvollziehbar
, da diese nicht den Kriterien nach ICD-10
entsprach, weil eine
depressive Störung
und
eine Panikstörung nicht
gleichzeitig als
Hauptdiagnose
n
gestellt werden
können und
nicht nachvollziehbar ist, dass bei der gestellten Diagnose einer leichten depressiven Episode eine vollständige Arbeitsunfähigkeit bescheinigt wird (Urk. 9/146/1-80 S. 66
f.
).
Weiter wies Dr.
S._
daraufhin, dass sich die zeitlich nah bei einander liegenden Aussagen von Dr.
H._
vom 4. Mai 2017 (E. 4.4), vom 12. Mai 2017 (E. 4.5)
,
vom
21. Juni 2017 (E. 4.6)
und vom 25. Oktober 2017 (E. 4.8)
höchst wider
sprüchlich zeigten (Urk. 9/146/1-80 S. 67
-69
). Im an die Beschwerdegegnerin gerichteten Schreiben vom 4. Mai 2017
hielt Dr.
H._
fest, dass der Beschwer
deführerin regelmässig zu den Sitzungen erscheine und die Therapie weiter fortgesetzt werde, um im Bericht vom 12. Mai 2017 - gerade mal 8 Tage später - darauf hinzuweisen, dass der Beschwerdeführer zuletzt am 14. Juli 2016 - also rund 10 Monate zuvor, zur Behandlung erschienen sei und eine aktuelle Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht vorgenommen werden könne, die Prognose aber gut sei. Schliesslich erachtete sie
den Beschwerdeführer
kurze Zeit später bei neu
gestellter
Diagnose
einer
mittel- bis
schwergradigen
Erschöpfungs
diagnose
in einer einfachen Nischentätigkeit
ab September
als zu 100 % arbeits
fähig
,
wofür
eine eindeutige und nachvollziehbar
e
Begründung fehlte, wie Dr.
S._
hervorhob (S. 68 unten)
. Zudem strich Dr.
S._
hervor, dass Dr.
H._
im Bericht vom 25. Oktober 2017 (E. 4.8) bei wiederum veränderter Diagnose, darauf verwiesen hatte, den Beschwerdeführer zuletzt im Juni 2017 - also just in der Zeit des vorangehenden Berichts - gesehen zu haben (Urk. 9/146/1-80 S. 69)
.
Dr.
S._
wies bezüglich des Gutachtens von Dr.
K._
vom 31. Juni 2017 (E. 4.7) darauf hin, dass dieser mit den Diagnosen einer rezidivierenden depres
siven Störung mit gegenwärtig mittelgradiger Episode, einer Agoraphobie mit Panikstörung und einer emotional instabilen Persönlichkeitsstörung wiederum eine bisher noch nicht
gestellt
e
Diagnose nannte, wobei
Dr.
K._
explizit auf
die
Nichtcompliance
bezüglich antidepressive
r
und sedierende
r
Medikation hingewiesen
hatte
(vgl. Urk. 9/146/1-80 S. 68 f.).
Ebenso zeigte Dr.
S._
auf, dass auch
die
Hausärztin Dr.
L._
in ihrem Bericht vom 16. Dezember 2017 (E. 4.9) bei attestierter 100%ige
r
Arbeitsunfähigkeit
eine
veränderte Diagnose
kombination (unter anderem bipolare affektive Störung)
aufführte und die Einschränkungen lapidar auf
eine stark reduzierte Leistungsfähigkeit
- ohne weitere Erklärung -
, die aktuelle Arbeitsunfähigkeit, finanzielle Probleme,
den
Ehekonflikt
und auf
den
Bewegungsmangel mit Vernachlässigung sportlicher Freizeitaktivität
zurückführte (vgl. Urk. 9/146/1-80 S. 68 f.).
Auch bezüglich
der Einschätzung von
Dr.
L._
ist
angesichts der von ihr gestellten psychiatrischen Diagnosen zu bemerken, dass es
sich bei
ihr
nicht um eine
Fachärztin
der Psychiatrie handelt
.
Ferner erläuterte Dr.
S._
zum Bericht des Psychiatriezentrum
s
O._
vom 24. Januar 2018 (E. 4.10)
nachvollziehbar, dass es bei der von den dabei invol
vierten Fachpersonen gestellten Diagnose einer
bioplaren
affektiven Störung mit gegenwärtig leicht oder mittelgradiger Episode um eine diagnostisch unklare Einordnung handelt, bei der mit Blick auf die Herleitung ein recht auffällige
r
Wechsel in der Diagnostik hervorsticht (vgl. Urk. 9/146/1-80 S. 68 f.).
Schliess
lich wies Dr.
S._
im Gutachten auf den Widerspruch des von Dr.
Q._
in dessen Bericht vom 9. Oktober 2018 (E. 4.11) und der - auch vom Beschwer
deführer in seiner Beschwerde aufgegriffenen (vgl. Urk. 1 S. 9 Mitte) - rein aktengestützten Stellungnahme von Dr. med.
V._
, Fachärztin für Psychi
atrie und Psychotherapie, vom regionalen ärztlichen Dienst, vom 19. Dezember 2018 (Urk. 9/67/10-12) attestierten 100%igen Arbeitsunfähigkeit bei in der entsprechenden Zeit tatsächlich nachgegangener Arbeitstätigkeit hin (vgl.
Urk. 9/108, Urk. 9/111 und
Urk. 9/146/1-80 S. 70 f.)
, womit diesen Berichten keine Aussagekraft beigemessen werden kann
.
Diese Ärzte waren offenkundig mit unvollständigen
respktive
falschen Angaben bedient worden.
5.1.4
Dr.
S._
berücksichtigt
e
die geklagten Beschwerden und setzt
e
sich mit diesen sowie dem Verhalten des Beschwerdeführers
eingehend
auseinander
(vgl. Urk. 9/146/1-80 S. 42-45 f., S.
71-73, S. 77 oben
).
Entgegen der Ansicht des Beschwerdeführers (Urk. 1 S. 9) hat sich Dr.
S._
sehr wohl mit den spezifischen Momenten, welche für zumindest teilweise
aggravierendes
Verhalten sprechen
,
eingehend auseinandergesetzt.
Insbesondere zeigte
Dr.
S._
auf, dass
die
geklagten
und in zahlreichen Berichten beschriebenen Konzentrations
probleme
im
Widerspruch zu den von ihm unternommenen
langen
Autoreisen
stehen
und sich die geklagten kognitiven Einschränkungen nicht objektivieren lassen, was für eine
aggravierendes
Verhalten des Beschwerdeführers
diesbezüglich spricht.
Dr.
S._
legte schlüssig dar, dass gerade die neuropsychologische Untersuchung von
lic
. phil.
E._
vom 3. Mai 2020 dies
deutlich
veranschaulicht
e
.
So waren die Testergebnisse der Reaktionszeitmessung nicht mit Modellen normaler oder pathologischer Hirnfunktion zu erklären. Die verlangsamten Reaktionszeiten und das langsame Arbeitstempo zeigten insgesamt eine Variabilität, die neurophy
siologisch
nicht
erklärbar war. Die anlässlich der Untersuchung an den Tag gelegten mnestischen Funktionsverluste stimmten nicht mit dem im Gespräch gewonnen Eindruck mit adäquater und flexibler Auffassung und Kommunikation auf Deutsch überein. Insbesondere bestand eine Diskrepanz zwischen der schulischen und beruflichen Karriere des Beschwerdeführers (Gymnasium, angefangenes Universitätsstudium, anspruchsvolle Tätigkeiten im Pflegebereich auch mit leitender Funktion) und den Resultaten in der neuropsychologischen Untersuchung mit einer leichten Intelligenzminderung mit einem IQ von 68 und mittelschweren Beeinträchtigungen in
attentionalen
, mnestischen und exekuti
ven Funktionen bei während der Anamneseerhebung normalem Sprechbetrieb und dem Bildungsniveau entsprechende
m
Vokabular bei der Schilderung der gesundheitlichen und sozialen Probleme (S. 72).
5.1.5
Insgesamt
legte
Dr.
S._
die medizinischen Zustände und Zusammenhänge einleuchtend dar und begründete seine Schlussfolgerung nachvollziehbar. Angesichts
der
widersprüchlichen Aktenlage,
den zahlreichen Anhaltspunkten
auf
aggrav
ierendes
Verhalten
, der fehlenden
Medikamentencompliance
, den Hinweisen auf bedeutende
invalidenversicherungsrechtlich
irrelevante
psycho
soziale
Belastungsfaktoren
(vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1 mit Hinweis)
und
insbesondere
dem von ihm erhobene
n
unauffällige
n
Befund
überzeugt der
von
Dr.
S._
gezogene
Schluss, dass
sich
keine psychiatrische Diagnose stellen
lässt
, was
,
wie er zu Recht betonte
,
bereits auch für die Zeit ab Mai 2016 zu gelten hat.
5.1.6
Zusammenfassend
entspricht das
Gutachten den Voraussetzungen an eine beweiskräftige psychiatrische Expertise
(E.
2.
5)
, weshalb darauf abzustellen ist.
5.
2
Was den vom Beschwerdeführer mit der Beschwerde eingereichten Bericht von Dr.
Q._
vom 10. Mai 2021 (Urk. 3)
angeht
, worin dieser von einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes berichtet
e
(S. 2),
beruht dieser auf einer
Befunderhebung nach AMDP vom 10. Mai 2021
, welche
damit zeitlich
deutlich
nach dem Erlass der
Verfügung
vom
30. März 2021 liegt und somit für den vorliegend zu beurteilenden Gesundheitszustand bis zum Verfügungszeit
punkt unbeachtlich ist,
da der Bericht damit
auch nicht geeignet
ist
,
die Beurtei
lung im Zeitpunkt des Erlasses der Verwaltungsverfügung zu beeinflussen
(Urteil des Bundesgerichts 8C_95/2017 vom 1
5.
Mai 2017 E. 5.1).
5.3
Nach dem Gesagten
liegt
- gestützt auf das beweiskräftige Gutachten von Dr.
S._
-
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit
zumindest im Begutachtungs
zeitpunkt
keine psychiatrische
Diagnose vor, welche aber für d
ie Annahme
eines
psychischen Gesundheitsschadens
und damit für die beantragte Rente
Voraussetzung ist (vgl. E. 2.4). Die vom Beschwerdeführer geforderte
Standard
indikato
renprüfung
(vgl. Urk. 1 S. 9) ist
somit
ebenfalls
entbehrlich.
Es ist zwar gestützt auf die Akten nicht ausgeschlossen, dass seit der Anmeldung zum Leistungsbezug bis zur Begutachtung zwischenzeitlich psychisch bedingte Arbeitsunfähigkeiten vorlagen. Diese lassen sich im Rückblick aufgrund der
ausführlich
aufgezeigten Widersprüche in den ärztlichen Berichten, den nicht nachvollziehbar
en
attestier
ten Arbeitsunfähigkeiten und den zahlreichen Hinweisen auf invalidenversiche
rungsrechtlich irrelevante psychosoziale Belastungsfaktoren nicht
rechtsgenüg
lich
nachweisen.
Auch e
in befristeter Rentenanspruch fällt deshalb ausser B
etracht, denn die Folgen der ge
nannten Beweislosigkeit
hat
der Beschwerdef
ührer zu tragen, der aus dem un
bewiesen gebliebenen Sachverhalt Rechte a
bleiten will (Urteil des Bundesgerichts 8C_602/2019 E.
5.2.3 mit Hinweisen). Im Sozialversicherungs
recht besteht kein Rechtsgrundsatz des Inhalts, dass die Verwaltung oder das Gericht im Zweifelsfall zugunsten der versicherten Person zu entscheiden hätte (Urteil des Bundesgerichts C 281/02 vom 2
4.
September 2003 E. 1.3.2 mit Hinweis).
Die Beschwerde ist folglich abzuweisen.
6
.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens-aufwand unabhängig v
om Streitwert im Rahmen von Fr.
200.-- bis Fr.
1‘000.-- festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG). Sie sind auf
Fr.
800.-- festzusetzen und ent
sprechend dem Verfahrensausgang
dem Beschwerdeführer auf
zuerlegen.
Das Gericht
erkennt:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
800
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt.
Rechnung und Einzahlungsschein werden
dem
Kostenpflichtigen nach Eintritt der Rechtskraft zugestellt.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwalt Peter Egli
unter Beilage einer Kopie des Protokolls der Instruktionsver
handlung vom 12. Mai 2022 (Urk. 22)
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
unter Beilage je einer Kopie der
Plädoyernotizen
(Urk. 21) und des Protokolls der Instruktionsverhandlung vom 12. Mai 2022 (Urk. 22)
-
Bundesa
mt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse (im Dispositiv nach Eintritt der Rechtskraft)
4.