# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** b218094b-c916-43d3-852a-5d650871fcbd
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Tax

## Facts

den Akten entnommen:
A. Mit Verfügungen vom 12. März 2019 (Akten Vorinstanz, pag. 23-31) wurde A._ (Rekurrentin) von der Steuerverwaltung des Kantons Bern, Region _
(Steuerverwaltung), für das Steuerjahr 2017 auf ein steuerbares Einkommen von CHF 87'049.--
bei den kantonalen Steuern und von CHF 106'883.-- bei der direkten Bundessteuer veranlagt.
Dabei erhöhte die Steuerverwaltung die deklarierten Einkünfte um CHF 8'765.--. Sie begründete
diese Aufrechnung damit, dass die festgestellte Vermögenszunahme gegenüber dem Vorjahr
unter Berücksichtigung der Lebenshaltungskosten nicht mit den deklarierten Einnahmen habe
erzielt werden können. Zugleich setzte die Steuerverwaltung das steuerbare Vermögen auf
CHF 1'006'014.-- fest, wobei sie eine Aufrechnung von CHF 10'000.-- für nicht deklariertes
Bargeld vornahm (betrifft nur die kantonalen Steuern).
B. Die von der Rekurrentin am 3. April 2019 erhobene Einsprache (pag. 18-21) wurde von der Steuerverwaltung mit Entscheiden vom 4. Februar 2020 (pag. 1-9) nur in Nebenpunkten
gutgeheissen, womit das steuerbare Einkommen noch CHF 86'578.-- (Kanton) bzw.
CHF 106'883.-- (Bund, unverändert) und das steuerbare Vermögen CHF 1'005'549.--
ausmachte.
C. Gegen die Einspracheentscheide hat die Rekurrentin mit Eingabe vom 20. Februar 2020 Rekurs betreffend die kantonalen Steuern und Beschwerde betreffend die direkte Bundessteuer
an die Steuerrekurskommission des Kantons Bern (Steuerrekurskommission) erhoben und die
vollständige Streichung der erwähnten Aufrechnung im Einkommen beantragt. Sie erklärt, dass
sie sämtliche Einnahmen in der Steuererklärung angegeben habe. Sie und ihre Familie lebten
sparsam und benötigten deutlich weniger Mittel für ihren allgemeinen Lebensunterhalt als von
der Steuerverwaltung angenommen. Diese stelle zu Unrecht auf Durchschnittswerte ab, obwohl
die Rekurrentin im Veranlagungs- und Einspracheverfahren ihre persönlichen Verhältnisse
detailliert dargestellt und belegt habe.
D. Am 27. März 2020 hat sich die Steuerverwaltung vernehmen lassen und die Abweisung von Rekurs und Beschwerde beantragt. Sie erachtet ihre den Einspracheentscheiden
zugrundeliegende Berechnung als zutreffend. Der Rekurrentin sei es nicht gelungen, den von
ihr geltend gemachten besonders sparsamen Lebenswandel nachzuweisen.
E. Mit Schreiben vom 10. Juni 2020 hat sich die Rekurrentin noch einmal ausführlich zur Sache geäussert und betont, dass für sie Sparsamkeit und finanzielle Absicherung von grosser
Bedeutung seien.
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F. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf die detaillierten Begründungen der Parteien wird, soweit für den Entscheid von Bedeutung,
in den nachstehenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw.
Beschwerde angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG
661.11] und Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den
Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Die Rekurrentin ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
ihren Anträgen nicht durchgedrungen. Sie ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt
(Art. 195 Abs. 2 StG und Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes
vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
Da der Streitwert unter CHF 10'000.-- liegt, fällt der vorliegende Entscheid in die
einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2. Strittig und im vorliegenden Verfahren zu überprüfen ist die von der Steuerverwaltung nach Ermessen vorgenommene Aufrechnung in steuerbaren Einkünften von CHF 8'765.--.
3. Die Steuerverwaltung stellt zusammen mit der steuerpflichtigen Person die für eine vollständige und richtige Besteuerung massgebenden tatsächlichen und rechtlichen
Verhältnisse fest (Art. 166 Abs. 2 StG; Art. 123 Abs. 1 DBG). Die steuerpflichtige Person muss
alles tun, um eine vollständige und richtige Besteuerung zu ermöglichen (Art. 167 Abs. 1 StG;
Art. 126 Abs. 1 DBG). Sie hat insbesondere die Steuererklärungsformulare wahrheitsgemäss
und vollständig auszufüllen, was sie mit der Unterzeichnung der Steuererklärung ausdrücklich
bestätigt (Art. 170 Abs. 2 StG; Art. 124 Abs. 2 DBG). Die Steuerverwaltung ihrerseits prüft die
eingereichte Steuererklärung und nimmt die erforderlichen Untersuchungen vor (Art. 174 Abs. 1
StG; Art. 130 Abs. 1 DBG). Kann eine steuererhebliche Tatsache nicht einwandfrei ermittelt
werden, weil die steuerpflichtige Person ihre Verfahrenspflichten nicht erfüllt oder weil es an
zuverlässigen Unterlagen fehlt, nimmt die Steuerverwaltung die Veranlagung nach
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pflichtgemässem Ermessen vor. Sie kann dabei Erfahrungszahlen, Vermögensentwicklung und
Lebensaufwand der steuerpflichtigen Person berücksichtigen (Art. 174 Abs. 2 StG; Art. 130
Abs. 2 DBG). Anlass zu einer solchen Veranlagung nach Ermessen kann sein, dass das
deklarierte und belegte steuerbare Einkommen in nicht erklärbarer Weise niedriger ist als der
Aufwand der davon lebenden Personen (Zweifel/Hunziker in: Kommentar zum Schweizerischen
Steuerrecht, Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl., 2017, N. 42 zu
Art. 130 DBG). Dies wird in der Praxis mit Hilfe der sogenannten Vermögensvergleichsrechnung
festgestellt. Dabei wird untersucht, ob das in der Steuererklärung deklarierte Einkommen
ausreicht, um unter Berücksichtigung der Vermögensveränderung den Lebensaufwand zu
decken. Wenn dies nicht der Fall ist, wird das Einkommen um einen entsprechenden
Ermessenszuschlag erhöht.
4. Im vorliegend relevanten Jahr 2017 lebte die Rekurrentin als alleinerziehende Mutter mit ihren Kindern B._ (geb. _.2000) und C._ (geb. _.2002) in
einem gemeinsamen Haushalt. Obwohl B._ als Lehrling ein Erwerbseinkommen
erzielte und daher eine eigene Steuererklärung ausgefüllt hat, ist es – in Abweichung zum
Vorgehen der Steuerverwaltung – sachgerecht, die Vermögensvergleichsrechnung für
sämtliche Familienmitglieder gemeinsam zu erstellen.
5. Bei der Vermögensvergleichsberechnung wird in einem ersten Schritt die im Steuerjahr eingetretene Veränderung des Vermögens ermittelt. Damit wird der Anteil des Einkommens
bestimmt, der für die Vermögensbildung verwendet worden ist (Sparquote), bzw. – bei einer
festgestellten Vermögensabnahme – der Teil des Vermögens, welcher der Finanzierung der
Lebenshaltungskosten gedient hat. Das deklarierte Nettovermögen der Rekurrentin hat im Jahr
2017 um CHF 70'825.-- zugenommen (ohne Liegenschaft):
2016 (pag. 89) 2017 (pag. 55) Veränderung
Bankkonten Rekurrentin 499'210 559'303 60'093
Wertschriften 9'143 8'888 -255
Vorauszahlung Steuern 1'228 0 -1'228
Bankkonten Kinder 14'988 26'835 11'847
Hypothek -180'000 -180'000 0
Übrige Schulden -2'680 -2'312 368
Nettovermögen 341'889 412'714 70'825
Für die Vermögensvergleichsrechnung sind nur Veränderungen relevant, die auf einen Zu- oder
Abfluss flüssiger Mittel zurückgehen, weshalb die Kursverluste auf den Wertschriften
unbeachtlich sind. Weiter ist zu beachten, dass die Rekurrentin im Dezember 2016
CHF 12'000.-- und im Dezember 2017 CHF 10'000.-- von ihrem Privatkonto abgehoben, jedoch
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in beiden Steuererklärungen kein entsprechendes Barvermögen deklariert hat (vgl. Eingabe
vom 5.9.2017, pag. 38; Kontoauszüge in Vernehmlassungsbeilagen der Steuerverwaltung). In
der Einsprache vom 3. April 2019 erklärte die Rekurrentin, dass sie noch vor dem Jahresende
2017 Barauslagen von CHF 465.-- getätigt habe (pag. 20 f.), was von der Steuerverwaltung im
Einspracheentscheid beim steuerbaren Vermögen berücksichtigt wurde (pag. 7). Aus diesen
Transaktionen resultiert somit eine Vermögensabnahme um CHF 2'465.--. Auch vom
Privatkonto des Sohnes wurden Ende Dezember 2016 zwei höhere Barbezüge über
CHF 2'217.-- sowie CHF 1'800.-- getätigt (Vernehmlassungsbeilagen). Laut Angaben der
Rekurrentin ging der erstgenannte Betrag an den Vater von B._, der entsprechende
Auslagen für einen Sprachaufenthalt in England, die letztlich von Lucas Lehrbetrieb
übernommen worden seien, mit seiner Kreditkarte vorfinanziert habe (vgl. E. 6 hiernach). Mit
dem zweiten Barbetrag von CHF 1'800.-- habe B._ seinen der Rekurrentin
geschuldeten Beitrag an die Haushaltskosten von monatlich CHF 200.-- für die Periode August
2016 bis April 2017 geleistet. Auch dieser Betrag ist demnach als zusätzliches Vermögen per
31. Dezember 2016 zu berücksichtigen. Weil im Dezember 2017 keine aussergewöhnlichen
Barbezüge über Lucas Konto getätigt wurden, resultiert im Jahr 2017 eine entsprechende
Vermögensabnahme. Insgesamt ergibt sich somit eine relevante Vermögenszunahme von
CHF 66'815.--:
Deklarierte Vermögenszunahme 70'825
Kursverluste 255
Nicht deklarierte Barbeträge Rekurrentin -2'465
Nicht deklarierte Barbeträge Sohn -1'800
Relevante Vermögensveränderung 66'815
6. Als nächstes ist das der Rekurrentin im Jahr 2017 zugeflossene Einkommen zu bestimmen. Dabei sind nicht nur steuerbare, sondern auch steuerfreie Einkünfte zu
berücksichtigen, nicht jedoch der (steuerbare) Eigenmietwert der selbstbewohnten
Liegenschaft, der keinen Mittelzufluss bewirkt. Laut den vorhandenen Unterlagen setzt sich das
Familieneinkommen der Rekurrentin wie folgt zusammen:
Haupterwerb (_) 98'571
Nebenerwerb (_) 717
Alimente 24'960
Wertschriftenertrag 939
Vergleichszahlung Versicherung 2'500
Rückvergütungen Krankenkasse und Gemeinde 1'446
Einkommen Sohn 14'148
Einkommen Tochter _ 531
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Relevantes Einkommen 143'812
Bei den hiervor aufgeführten Rückvergütungen handelt es sich um Gutschriften auf dem Konto
der Rekurrentin für von ihr im Vorjahr getätigte Auslagen. Nicht berücksichtigt werden dem-
gegenüber Zahlungseingänge, mit denen Ausgaben der Rekurrentin im Jahr 2017 ausgeglichen
wurden. Die an B._ ausbezahlten Spesenentschädigungen von insgesamt CHF 2'999.-
- betreffen laut den entsprechenden Abrechnungen (Vernehmlassungsbeilagen) im Umfang von
CHF 2'499.-- Auslagen, die er im Vorjahr getätigt hat (Sprachaufenthalt F._
CHF 2'225.--, Laptop CHF 389.--) oder Verpflegungsauslagen, die zu den allgemeinen
Lebenshaltungskosten gehören. Die restlichen CHF 500.-- entfallen auf eine Studienwoche in
G._, die entsprechenden Ausgaben sind in E. 7.1 hiernach berücksichtigt.
7. In einem weiteren Schritt sind die Ausgaben, die sich aus der Steuererklärung ergeben oder der Steuerverwaltung aus anderen Gründen bekannt sind von den zugeflossenen Mitteln
abzuziehen.
7.1 In der Steuererklärung deklarierte die Rekurrentin Vergabungen in der Höhe von CHF 3'460.--, davon CHF 260.-- als "diverse Spenden" (pag. 59). Die eingereichten
Spendenbestätigungen belaufen sich auf insgesamt CHF 4'700.-- (pag. 60-63). Die
Steuerverwaltung erhöhte den Abzug für Vergabungen auf CHF 4'960.-- und setzte den
gleichen Betrag in ihrer Vermögensvergleichsrechnung ein. Laut den eingereichten
Bankbelegen sind insgesamt CHF 3'200.-- an wohltätige Organisationen überwiesen worden.
Die Differenz zu den eingereichten Bestätigungen ist darauf zurückzuführen, dass eine laut
Steuererklärung 2016 am 30. Dezember 2016 getätigte Einzahlung an die H._ Stiftung
über CHF 1'500.-- erst am 3. Januar 2017 bei der Empfängerin registriert und dementsprechend
in der Spendenbestätigung pro 2017 quittiert wurde (pag. 91 und 63). Weitere Spenden an
steuerbefreite gemeinnützige juristische Personen, die zum Steuerabzug berechtigen (Art. 38a
Abs. 1 Bst. a StG; Art. 33a DBG), sind nicht nachgewiesen. Dementsprechend ist der Abzug für
Vergabungen auf CHF 3'200.-- zu reduzieren und der gleiche Betrag in der Vermögens-
vergleichsrechnung zu berücksichtigen.
7.2 Die Berufs-, Weiterbildungs- und Ausbildungskosten sind ohne Auslagen für Verpflegung und Fahrzeug (diese sind in den allgemeinen Lebenshaltungskosten enthalten) und ohne
Pauschalbeträge anzurechnen. Die nachgewiesenen Ausgaben betreffen das
Generalabonnement von B._ (CHF 2'600.--), dessen Studienwoche in G._
(CHF 500.--, E. 6 hiervor), Mitgliederbeiträge an die Gewerkschaft (CHF 400.--), Kurskosten der
Rekurrentin (CHF 270.--) sowie diverse nachgewiesene Ausbildungskosten für C._
(CHF 671.--, vgl. Veranlagung, pag. 30, und Einspracheentscheid, pag. 7).
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7.3 Die übrigen von der Steuerverwaltung berücksichtigten Ausgaben ergeben sich aus den Akten und werden auch von der Rekurrentin nicht bestritten. Damit sind folgende Ausgaben von
den Einnahmen abzuziehen:
Steuern (Rückzahlung verrechnet) 13'175
Einzahlung Säule 3a 6'768
Einkauf berufliche Vorsorge 10'000
Prämien Krankenkasse 6'561
Hypothekarzinsen 1'854
Liegenschaftskosten und -steuern 1'975
Berufs- und Weiterbildungskosten Rekurrentin 670
Ausbildungskosten B._ 3'100
Ausbildungskosten C._ 621
Vergabungen 3'200
Bekannte Ausgaben 47'924
8. Aus der Differenz zwischen den bekannten Einnahmen und Ausgaben, bereinigt um die festgestellte Vermögenszunahme, resultiert ein Betrag von CHF 29'073.--, der für die all-
gemeinen Lebenshaltungskosten inkl. Auslagen für Mobilität zur Verfügung steht, was um
CHF 5'538.-- über dem Ergebnis der Steuerverwaltung liegt (CHF 23'535.--). Es ist im
Folgenden zu prüfen, ob unter diesen Umständen die gesetzlichen Voraussetzungen für eine
Aufrechnung des Einkommens nach Ermessen gegeben sind. Wie in E. 3 hiervor ausgeführt, ist
nach Art. 174 Abs. 2 StG für eine teilweise Veranlagung nach Ermessen erforderlich, dass die
steuerpflichtige Person entweder ihre Mitwirkungspflichten nicht erfüllt oder dass mangels
zuverlässiger Unterlagen die Steuerfaktoren (hier das steuerbare Einkommen) nicht einwandfrei
ermittelt werden können.
8.1 Die Rekurrentin reichte die ausgefüllte Steuererklärung mitsamt den erforderlichen Unterlagen ein und lieferte im Verlauf des Veranlagungs- und Einspracheverfahrens detaillierte
Erklärungen und weitere Belege, namentlich Bankkontoauszüge und Aufzeichnungen über Bar-
und Debitkartenkäufe (Kassabuch). Zwar muss sie sich die Nichtdeklaration der jeweils am
Jahresende vorhandenen Barbeträge vorwerfen lassen, die sie jedoch bereits im
Veranlagungsverfahren offengelegt hat (Gesprächsnotiz vom 15.8.2018, pag. 41, Eingabe vom
5.9.2018, pag. 37). Die Rekurrentin hat die ihr obliegenden Mitwirkungspflichten damit erfüllt.
Eine Aufrechnung nach Ermessen wäre daher nur gerechtfertigt, wenn sich das steuerbare
Einkommen anhand der eingereichten Unterlagen nicht zuverlässig bestimmen liesse. Dies darf
indes nicht leichthin bejaht werden, denn die seitens der Rekurrentin erfüllte Mitwirkungspflicht
bewirkt auch, dass die im Steuerrecht allgemein geltende Beweislastregel anwendbar ist,
wonach steuerbegründende bzw. -erhöhende Tatsachen durch die Veranlagungsbehörde zu
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beweisen sind (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016,
N. 41 zu Art. 130 DBG). Die Veranlagungsbehörde darf nur dann eine Schätzung vornehmen,
wenn das Beweisverfahren genügend Anhaltspunkte für einen steuerbegründenden bzw. -
mehrenden Sachverhalt ergeben hat, ohne dass im Quantitativen eine eindeutige Abklärung
möglich war (VGE 100 2012 359 vom 4.9.2014, E. 2.2).
8.2 Praxisgemäss werden die Lebenshaltungskosten anhand von Durchschnittsbeträgen festgesetzt. Ergibt die Vermögensvergleichsrechnung, dass der steuerpflichtigen Person nicht
genügend Mittel zur Deckung dieses angenommenen Bedarfs zur Verfügung stehen, wird auf
die Unzuverlässigkeit der vorhandenen Unterlagen geschlossen. Angesichts der grossen
Menge von Steuererklärungen, die im Rahmen der Veranlagung überprüft werden müssen, ist
dieses Vorgehen sachgerecht und nicht zu kritisieren. Allerdings steht der steuerpflichtigen
Person der Nachweis offen, dass ihre tatsächlichen Auslagen tiefer sind als von der
Steuerverwaltung angenommen. An diesen Nachweis dürfen keine übermässig hohen
Anforderungen gestellt werden. Naturgemäss lassen sich negative Tatsachen wie das
Nichterzielen von Einnahmen oder das Nichttätigen von Ausgaben nicht zweifelsfrei beweisen.
Dementsprechend reicht es aus, wenn eine besonders sparsame Lebensführung schlüssig
dargetan wird (Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, a.a.O., N. 71 zu Art. 130 DBG).
8.3 Die Steuerverwaltung schätzt die Lebenshaltungs- und Mobilitätskosten, basierend auf Haushaltbudgeterhebungen des Bundesamts für Statistik, auf total CHF 32'300.--
(Lebensunterhalt Rekurrentin CHF 14'000.--, B._ CHF 10'000.--, C._
CHF 6'300.--, Verkehrsauslagen CHF 2'000.--). Dieser Betrag übersteigt die gemäss
Berechnung der Steuerrekurskommission für den Lebensunterhalt zur Verfügung stehende
Summe von CHF 29'073.-- um rund CHF 3'200.--. Die Rekurrentin erklärt auf glaubwürdige Art
und Weise, dass sie seit ihrer Scheidung im Jahr _ einen bescheidenen
Lebensstandard pflege und grossen Wert auf finanzielle Sicherheit lege. Weiter macht sie
konkrete kostensenkende Umstände geltend. So würden die beiden Kinder jedes zweite
Wochenende, vier Feiertage pro Jahr sowie drei Ferienwochen durch ihren Vater betreut, was
die durch die Rekurrentin zu tragenden Unterhaltskosten reduziere. Im hier zu beurteilenden
Jahr seien zudem keine ausserordentlichen Kosten für zahnärztliche Behandlungen oder
Reparaturen an Haus oder Fahrzeug angefallen. Auch habe sie, anders als in den Vorjahren,
keine Ferien gemacht. Zusätzlich verweist die Rekurrentin auf ihren Garten, der mit zwölf
Gemüsebeeten, vier Obstbäumen und diversen Beerensträuchern eine weitgehende
Selbstversorgung mit Gemüsen und Früchten ermögliche.
8.4 Anders als die Steuerverwaltung erachtet die Steuerrekurskommission die Angaben der Rekurrentin als glaubhaft. Es kann ihr beispielsweise nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass
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sie die durch den eigenen Garten erzielten Einsparungen nicht genau bestimmen kann
(Vernehmlassung vom 27.3.2020, Ziff. 9). Entgegen der Argumentation ist die
Steuerrekurskommission zudem der Ansicht, dass mit den von der Steuerverwaltung
üblicherweise für Minderjährige angenommenen Lebenshaltungskosten eine teilweise
Betreuung durch den getrenntlebenden Elternteil (vorliegend rund 20 % ausmachend) nicht
berücksichtigt wird (Vernehmlassung vom 27.3.2020, Ziff. 6). Von grösserer Wichtigkeit sind
freilich die von der Rekurrentin eingereichten Bankkonto-Auszüge und Aufzeichnungen über die
bar oder mit Debitkarte bezahlten Einkäufe. Anhand dieser Daten lassen sich die von der
Familie der Rekurrentin getätigten Auslagen für allgemeine Lebenshaltungskosten, inkl.
Ausgaben für Gesundheit und Verkehr auf rund CHF 28'300.-- bestimmen, was mit den in E. 8
hiervor ermittelten Betrag von CHF 29'073.-- korrespondiert. Auch können anhand der Belege
die Bargeldbezüge nachvollzogen werden. Die Rekurrentin hat ihre finanziellen Verhältnisse
soweit wie möglich offengelegt. Wie hiervor erwähnt, können zusätzliche Einnahmen oder
Vermögenswerte dennoch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden – konkrete Hinweise
darauf finden sich in den Akten jedoch keine und werden auch von der Steuerverwaltung nicht
vorgebracht. Bei dieser Sachlage ist eine Aufrechnung nach Ermessen nicht zulässig. Weil im
Gegenzug der Abzug für Vergabungen zu Ungunsten der Rekurrentin von CHF 4'960.-- auf
CHF 3'200.-- reduziert wird, sind Rekurs und Beschwerde bloss teilweise gutzuheissen.
9. Bei diesem Ausgang des Verfahrens hätte die Rekurrentin grundsätzlich einen Anteil der Verfahrenskosten zu tragen (Art. 200 Abs. 1 StG; Art. 144 Abs. 1 DBG). Wenn besondere
Verhältnisse es rechtfertigen, kann jedoch von einer Kostenauflage abgesehen werden
(Art. 200 Abs. 3 StG; Art. 144 Abs. 3 DBG). Vorliegend ist zu berücksichtigen, dass die
Rekurrentin bereits im Veranlagungs- und Einspracheverfahren ihre vergleichsweise tiefen
Lebenshaltungskosten substantiiert begründet und die finanziellen Verhältnisse offengelegt hat.
Dessen ungeachtet hat die Steuerverwaltung auf der Richtigkeit der pauschal geschätzten
Lebenshaltungskosten beharrt. Zudem sind die Vergabungen in der Steuererklärung
(weitgehend) korrekt deklariert und erst von der Steuerverwaltung aufgrund der eingereichten
Belege erhöht worden. Insgesamt rechtfertigt es sich vorliegend, der Rekurrentin keine
Verfahrenskosten aufzuerlegen.
Weil die die Rekurrentin im vorliegenden Verfahren nicht vertreten und weil keine notwendigen
und verhältnismässig hohen Kosten entstanden sind, werden keine Parteikosten gesprochen
(Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des Bundesgesetzes vom
20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [Verwaltungsverfahrensgesetz, VwVG; SR
172.021]).
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