# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5f75afc0-7898-48f3-b946-1ed4608b55d3
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1990, war vom 1. August 2006 bis 9. Juni 2007 (Auflö
sung des Lehrvertrages) als Logistikassistentin Distribution bei der
Y._
angestellt (vgl.
Urk.
8/7/74). Von 2008 bis 2011 machte sie eine Lehre bei
Z._
AG als Logistikerin und war
von
April 2014
bis Ende Februar 2015
als Lagermitarbeiterin bei der
A._
AG angestellt (Urk. 8/7/1,
Urk.
8/14/1,
Urk.
8/17,
Urk.
8/21). Am
4.
März 2015
(Eingangsdatum)
meldete sie sich unter Hinweis auf Handgelenksschmerzen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
8/3). Mit Mitteilungen vom
7.
April 2016 (
Urk.
8/31,
vgl.
Urk.
8/33-34) und
4.
Dezember 2017 (
Urk.
8/85-86) erteilte die IV-Stelle der Versicherten eine Kostengutsprache für eine Umschulung. Mit Mitteilung vom 2
2.
Februar 2018 (
Urk.
8/103) wurden die berufliche Massnahmen abgeschlossen. Am 2
0.
Dezember 2018 meldete sich die Versicherte zum Bezug einer Hilf
lo
senentschädigung an (
Urk.
8/140). Mit Mitteilung vom 20. März 2019 erteilte die IV-Stelle der Versicherten eine Kostengutsprache für einen Rollstuhl (
Urk.
8/176).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, klärte die medizi
nische und erwerbliche Situation ab, zog Akten der Unfallversicherung bei (
Urk.
8/7,
Urk.
8/14-15,
Urk.
8/18-19,
Urk.
8/25,
Urk.
8/102,
Urk.
8/132,
Urk.
8/136,
Urk.
8/195) und holte bei der
B._
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
8.
Juli 2019 erstattet wurde (
Urk.
8/181).
Mit Mitteilung vom 1
0.
Oktober 2019 erteilte die IV-Stelle der Versicherten eine Kostengutsprache für einen Rollator (
Urk.
8/213).
Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(
Urk.
8/188,
Urk.
8/198) verneinte die IV-Stelle mit Verfügung vom 1
0.
März 2020 (
Urk.
8/239 =
Urk.
2) einen Rentenanspruch.
Die IV-Stelle veranlasste eine Abklärung vor Ort (Ab
klärungsbericht für Hilflo
senentschädigung für Erwachsene vom 11. November 2019; Urk. 8/222) und verneinte nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(Urk. 8/225-227) mit Verfügung vom 1
8.
März 2020 einen Anspruch der Versicherten auf eine Hilf
lo
senentschädigung (
Urk.
8/243).
2.
Die Versicherte erhob am 1
1.
Mai 2020 Beschwerde (
Urk.
1) gegen die Verfügung vom 1
0.
März 2020 (
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und die
IV-
Stelle sei zu verpflichten, den rechtserheblichen Sachverhalt durch ein polydis
ziplinäres Gutachten abklären zu lassen. Gestützt darauf sei über den Anspruch auf eine IV-Rente neu zu verfügen
(S. 2
Ziff.
1)
.
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1
7.
Juni 2020 (
Urk.
7
) die Abweisung der Beschwerde.
Mit Gerichtsverfügung vom 1
5.
Jun
i 2020 wurden antragsgemäss (vgl.
Urk.
1
S. 2) die unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung bewilligt und der Beschwerdeführerin die Beschwerdeantwort zugestellt (
Urk.
1
1
).
Im invalidenversicherungsrechtlichen Verfahren der Bes
chwerdeführerin Nr. IV.2020.00273
und im unfallversicherungsrechtlichen Verfahren Nr. UV.2020.00092 ergingen die Urteile am heutigen Tag.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts
;
ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesund
heit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbs
unfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte Indikatoren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einer
seits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesgerichts 9C_590/2017 vom 15.
Februar 2018 E. 5.1). Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlichkeit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nach
weis, hat die materiell beweisbelastete versicherte Person die Folgen der Beweis
losigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
Diese Rechtsprechung ist auf alle im Zeitpunkt der Praxisänderung noch nicht erledigten Fälle anzuwenden (Urteil des Bundesgerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1 mit Hinweisen).
1.5
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswerts eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
2.
2.1
Die
Beschwerdegegnerin ging in d
er angefochtenen Verfügung (Urk. 2) davon aus, dass im Rahmen der medizinischen Begutachtung Inkonsistenzen festgestellt worden seien. Die Einschränkungen der rechten Hand hätten nur teilweise erklärt werden können, weshalb auch von einer Selbstlimitierung auszugehen sei. Deshalb könne davon ausgegangen werden, dass die Beschwerdeführerin seit Oktober 2016 in ihrer bisherigen Tätigkeit wie auch in einer angepassten Tätigkeit zu 30
%
ein
geschränkt sei. Ein Rentenanspruch könne erst nach Ablauf eines Wartejahres entstehen
,
in dem eine durchschnittliche Arbeitsunfähigkeit von mindestens 40
%
vorgelegen habe. Diese Voraussetzung sei nicht erfüllt. Die neu eingereichten medizinischen Berichte bezüglich des Vorliegens einer Geh-/Stehbehinderung mit Rollator-Gebrauch sowie entzündlicher zerebraler Herde stellten keine funktionell relevanten medizinischen neuen Einschätzungen dar, welche nicht schon bereits mit dem durchgeführten Gutachten im Belastungsprofil berücksichtigt worden seien.
Die Diagnose der Lipodystrophie an beiden Beinen
habe
aus versicherungs
medizinischer Sicht keine
zusätzliche dauerhafte Relevanz hinsichtlich der Arbeits
fähigkeit.
Die laienmedizinischen Ausführungen der Beschwerdeführerin zu depressiven Störungen könnten nicht berücksichtigt werden.
2.2
Demgegenüber stellte sich die Beschwerdeführerin auf den Standpunkt (Urk. 1),
die Beurteilung des neurologischen Gutachters beruhe auf einer unvollständigen Sachverhaltsabklärung. Bei einer neurologischen Erkrankung, welche schubför
mig verlaufe und keinen ei
nheitlichen
Verlauf
aufweise, sei für eine Begutach
tung aktuelles Bildmaterial
eine grundlegende und zwingende Voraussetzung
(S. 7).
Auch wenn sich aus den Akten gewisse Inkonsistenzen ergäben, dürfe vorliegend nicht übersehen werden, dass zahlreiche Veränderungen bildgebend nachgewiesen seien und
d
ie
Beschwerdeführerin
die für eine MS typische Fatigue aufweise (S. 9).
Auch die Beurteilung in Bezug auf die Handproblematik, wonach weder klinisch neurologisch noch neurologisch die Ursache für die berichtete sensomotorische Funktionsstörung habe festgestellt werden können, sei schlicht falsch (S. 9).
Aus dem handorthopädischen Gutachten ergebe sich, dass eine Schmerzproblematik der rechten Hand ausgewiesen und
d
ie
Beschwerdeführerin
in einer Bürotätigkeit zu 60
%
eingeschränkt sei
(S. 10).
Die Beurteilung im psychiatrischen Gutachten basierten im Wesentlichen auf der neuropsycholo
gischen Abklärung. Zudem stütze sich der Gutachter bei seiner Hypothese,
d
ie
Beschwerdeführerin
weise keine Depression mehr auf, auf das Bild, das sie von sich selber Dritten vermitteln möchte. Dabei verkenne der Gutachter, dass es sich um ein dissimulierendes Verhalten handle. Sie stehe neu seit Februar 2020 in wöchentlicher psychologischer und psychiatrischer Behandlung, wobei die psychopathologische Beurteilung
und Betrachtung die Diagnose einer gegenwär
tig schweren depressiven Episode ergeben habe (S. 10 f.
).
Zusammenfassend könne festgehalten werden, dass der
psychiatrische
Gutachter den rechtserheb
lichen Sachverhalt ungenügend abgeklärt habe und diese Tatsache durch den Bericht des behandelnden Psychiaters bewiesen werde (S. 13).
2.3
Streitig und zu prüfen ist, ob auf das Gutachten der
B._
abzustellen ist und ob die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine Rente der Invalidenver
sicherung hat.
3.
3.1
Dr.
med.
C._
, Fachärztin für Neurologie, berichtete am 2
9.
Januar 2015 (
Urk.
8/7/14-16) und nannte folgende Diagnose:
-
chronisches Schmerzsyndrom der rechten Hand unklarer Ursache nach
Hamulusfraktur
2007 und
Hamulusexzision
2009
-
schmerzbedingte Pseudoarthrose
-
klinisch und neurologisch keine Anhaltspunkte für eine Läsion des
Nervus
medianus oder
Nervus
ulnaris
rechts
-
initiales CRPS Typ I
?
Sie führte aus, nach Angaben sei die Beschwerdeführerin im postoperativen Verlauf zumindest vorübergehend beschwerdefrei gewesen, was somit gegen eine chronische CRPS-Symptomatik spreche. In der neurologischen Untersuchung hätten sich keine muskulären Atrophien der rechten oberen Extremität gezeigt, eindeutige Paresen seien ebenfalls nicht nachweisbar gewesen. Die sensible und motorische Neurographie des rechten
Nervus
medianus und Nervis
ulnaris
sei gänzlich unauffällig gewesen, somit ergäben sich keine Anhaltspunkte für ein traumatisches Karpaltunnelsyndrom beziehungsweise eine distale Läsion des
Nervus
ulnaris
(S. 2). Zusammenfassend fänden sich bei fehlenden beziehungs
weise objektivierbaren neurologischen Störungen keine neurologische Erklärung des aktuellen Schmerzsyndroms (S. 3).
3.2
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates, Kreisarzt der Suva, berichtete am 1
8.
Juni 2015 (
Urk.
8/18/9-14) über die kreisärztliche Untersuchung der Beschwerdeführerin vom gleichen Tag und nannte folgende Diagnosen (S. 5):
-
unklare Schmerzsituation Handgelenk rechts nach Exzision des
Hamulus
ossis
hamati
2009 wegen Pseudoarthrose nach nicht dislozierter Fraktur 2007
-
erstmalige Diagnose CRPS Typ I April 2015
Er führte aus, die Beschwerdeführerin
klage
über einen extremen Kraftverlust sowie Schmerzen in der
adominanten
rechten Hand (S. 3, S. 5). Die Abklärungen beim Handchirurgen hätten einen unauffälligen Lokalbefund gezeigt, dies inklusive Bildgebung mittels MRI. Aus neurologischer Sicht ergebe sich keine Pathologie, die Vermutungsdiagnose eines CRPS sei dann in der
Klinik E._
bestätigt worden. Die empfohlene medikamentöse Behandlung habe die Beschwerdeführerin aber abgelehnt. Bei der klinischen Untersuchung ergebe sich eine deutliche Diskrepanz, indem die Unterarmmuskulatur symmetrisch ausgebil
det sei zur Gegenseite, obwohl es sich um die
adominante
Seite handle. Bei der initialen Untersuchung hätten sich keine Hinwe
i
se auf das Vorliegen eines CRPS ergeben. Etwas später
weise die Beschwerdeführerin aber auf eine herabgesetzte Hauttemperatur der Finger und des Handrückens rechts hin, was bestätigt werden könne. Die deutlich vermehrte Schweisssekretion in der Untersuchungssituation sei hingegen symmetrisch. Klinisch möglich sei ein TOS, eine affirmative Diagnose anhand der Klinik sei aber wie üblich nicht möglich (S. 5 f.). Bildge
b
end im MRI des rechten Handgelenks vom 1
2.
Februar 2015 zeigten sich unauffällige Verhältnisse, insbesondere sei kein sicherer Nachweis auf das Vorliegen eines CRPS gegeben. Wie bereits
Dr.
F._
sei er etwas ratlos, es ergäben sich doch erhebliche Diskrepanzen zwischen klinischem Befund und den angegebenen massiven Beschwerden. Eine Belastungsgrenze der
adominanten
rechten Hand von 1.5 kg erscheine nur fraglich glaubwürdig angesichts der Tatsache, dass die Beschwerdeführerin Auto und Fahrrad fahren könne. Es sei eine Beurteilung in der spezialisierten Rheumatologie des
G._
zu veranlassen (S. 6).
3.3
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Rheumatologie, Chefarzt Klinik
G._
, berichtete am
8.
Juli 2015 (
Urk.
8/18/5-7) über die ambulante Sprechstunde und nannte folgende Diagnose (S. 1):
-
chronisches Schmerzsyndrom Hand rechts, dominant (Erstmanifestation 2007), Differentialdiagnose CRPS in partieller Remission, sympathisch vermittelter Schmerz (SMP)
Er führte aus, es bestehe eine gute Funktionsfähigkeit der rechten Hand. Auf Befundebene sei lediglich eine Hypästhesie/
Hypalgesie
, eine Hyperhidrose und eine schmerzinduzierte Schwäche zu erheben. Aufgrund der heutigen Befunde sei eine chronische Schmerzsymptomatik mit sympathisch unterhaltenem Schmerz zu diskutieren. Therapeutisch gebe es zum heutigen Zeitpunkt keine Möglich
keiten, die Beschwerden positiv zu beeinflussen. Bisherige intensive Massnahmen hätten keine Änderung des Zustandes gebracht (S. 2 f.).
3.4
Suva-Kreisarzt
Dr.
D._
nahm am 2
0.
Juli 2015 ergänzend Stellung (
Urk.
8/18/2-3) und führte aus, nachdem die Beschwerdeführerin in der Rheuma
tologie der Uniklinik
G._
und in der Schmerzklinik des Universitätsspitals
I._
beurteilt worden sei, müsse festgehalten werden, dass es keine erfolg
versprechenden Therapie-Optionen gebe mit Ausnahme der mässig gut wirkenden Schmerzmedikamente, welche die Beschwerdeführerin einnehme. Der initiale Verlauf sei gut dokumentiert.
Dr.
F._
als erfahrener Spezialarzt für Handchirur
gie habe initial nie ein CRPS diagnostiziert, so dass die Erwägungen von
Dr.
H._
mit etwas Vorsicht zur Kenntnis genommen werden müssten. Bei auch in der Rheumatologie der Uniklinik
G._
bestätigter guter Funktion der Hand müsse jetzt zur Arbeitsfähigkeit Stellung genommen werden. Eine leichte, die dominante recht
e
Hand wenig belastende Tätigkeit sei vollzeitig zumutbar. Insbesondere die Tätigkeit
im Büro, welche die Beschwerdeführerin zuletzt aus
geübt habe, stelle eine günstige Tätigkeit dar, diese wäre vollzeitig möglich.
3.5
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, Regiona
ler Ärztlicher Dienst (RAD) der
Beschwerdegegnerin, nahm am 1
0.
September
2015 Stellung (
Urk.
8/127) und führte aus,
körperlich wechselbelastende leichte Tätigkeiten unter Meidung monotoner und/oder repetitiver Fehlhaltungen der rechte
n
Hand gebeugt oder verdreht,
unter
Meidung kräftigen Zupackens,
unter
Meidung anspruchsvoller fein- und grobmechanischer Beanspruchungen
und
dauerhafter schlagend, stossend, vibrierender Krafteinflüsse wären der Beschwer
deführerin zumutbar.
3.6
Die Ärzte des Universitätsspitals
I._
, Klinik für Neurologie, berichteten am 2
7.
Februar 2017 (
Urk.
8/64) über die neuropsychologische Untersuchung der Beschwerdeführerin und nannten folgende Diagnosen bei Zuweisung:
-
schubförmig remittierend multiple Sklerose (MS), Erstmanifestation Okto
ber 2015, Erstdiagnose Oktober 2016
-
Status nach klinisch isoliertem Syndrom bei
Retrobulbärneuritis
des rechten Auges, Erstmanifestation Oktober 2015, Erstdiagnose Oktober 2016
Sie führten aus, dem MRI des Gehirns vom Oktober 2016 seien zwei neue fokale Demyelinisierungen im Gyrus frontalis superior rechts und im Gyrus frontalis inferior links ohne Zeichen einer florid-entzündlichen Aktivität zu entnehmen
(S. 1). Die neuropsychologische Untersuchung der Beschwerdeführerin ergebe
hirn
lokalisatorisch
d
iffuse, von leicht bis mittelschwer reichende kognitive Minder
leistungen in den
Bereichen Aufmerksamkeit, Lernen/Gedächtnis und Exekutivfunktionen.
Vom k
linisch
en Eindruck würden
affektive Auffälligkeiten (D
ifferentialdiagnose
Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion bei psycho
sozialer Belastungssituation),
eine
allg
emeine Antriebsminderung sowie eine
deutlich erhöhte Ermüdbarkeit
dominieren
. Unter B
erücksichtigung des jüngsten pathologischen Schädel-MRI-Befundes vom Oktober
2016
sei
bei den oben beschriebenen Minderleistungen an ein «kognitives Korrelat» der MS-bedingten
hirnorganischen Veränderungen zu denken.
Hirnlokalisatorisch
würden diese Befunde übereinstimmend mit de
n
im MRI-Befund beschriebenen frontalen Marklagerläsionen auf eine Dysfunktion präfrontaler Regelkreise hinweisen.
Zusätzlich
ergäben sich
Hinweise auf bilaterale
mediotemporale
Dysfunktionen.
Weiter sei von einer
s
ekundäre
n
Leistungsminderung im Rahmen der klinisch evidenten Fatigue, der affektiven Verstimmung und der tägli
chen Kopf
schmerzsymptomatik auszugehen
.
Die
Aufnahme
einer
Psychotherapie
werde
empfohlen.
Aktuell sei von einer zirka 50%igen Arbeitsunfähigkeit bei einer leichten bis mittelgradigen neuropsychologischen Störung und gleichzeitigen Auffälligkeiten im Bereich der Affektivität auszugehen (S. 3).
3.7
Dr.
H._
berichtete am 2
9.
August 2017 (
Urk.
8/70) über die Verlaufskontrolle der Beschwerdeführerin und nannte als neue Diagnose eine multiple Sklerose (MS), schubförmig remittierend (Erstmanifestation Oktober 2015, Erstdiagnose Oktober 2016). Er führte aus, bezüglich der rechten Hand bestehe weiterhin ein stark protrahierter Verlauf, wobei für die Beschwerdeführerin vor allem die Schmerzen, die Bewegungseinschränkung und die Kraftlosigkeit im Vordergrund stünden (S. 1). Auf Symptomebene bestünden unverändert CRPS-verdächtige Veränderungen. Objektiv zeigten sich anlässlich der heutigen Konsultation keine Anhaltspunkte auf ein florides CRPS an der linken Hand (S. 2).
3.8
Die Ärzte des
I._
, Klinik für Neurologie, berichteten am
2.
März 2018 (
Urk.
8/115/7-11) über die Neuroimmunologie-Sprechstunde und führten aus, aktuell gestalte sich der Verlauf schub- und beschwerdefrei. Es bestehe eine
residuelle
Fernvisusminderung rechts
sowie eine
Fatigue- und Drang-Symptoma
tik
(S. 1)
.
Anlässlich der neuropsychologischen Untersuchung vom 1
2.
Februar 2018 imponiere vordergründig eine schwergradige
Fatiguesymptomatik
, eine allgemeine Antriebsminderung sowie affektive Auffälligkeiten. Die Ätiologie der
geschilderten Defizite sei am ehesten multifaktoriell bedingt.
Primär sei von einem kognitions
relevanten Einfluss der starken Fatigue und affektiven Verstimmung mit deutlicher Antriebsminderung auszugehen.
A
llerdings
liesse sich auch ein leistungsminde
r
nder Effekt der bekannten
,
MS-bedingten hirn
organischen Veränderungen nicht ausschliessen.
Die
Befunde zeigten, dass
die Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin k
lar eingeschränkt sei.
Die
Haupt
einschränkung resultiere aus
der
Fatigue-Symptomatik, diese beeinflusse
die
Konzentration und Aufmerksamkeit
massgeblich, so dass sich die Beschwerde
führerin nicht länger am Stück konzentrieren könne und vermehrt Ruhepausen benötige.
Bereits mit
dem gegenwärtigen
40%-Pensum sei sie überfordert.
Die
effektiv
mögliche Arbeitszeit müsste
im Rahmen eines
Arbeitsversuch
s
erörtert
werden.
Die kognitive Leistungsfähigkeit der Beschwerdeführerin scheine überdies in Zusammenhang mit dem momentanen Befinden sowie psychisch-psychiatrischen Faktoren zu stehen, welche bei der Beurteilung der Arbeitsfähig
keit mitberücksichtigt werden sollten.
In der klinisch-neurologischen Untersuchung lasse sich aktuell eine l
eichte Kraftminderung der Beine
objektivieren. In der Sensibilitätsprüfung habe neu eine
Hypästhesie für Berührung ab Ober
schenkelniveau beidseits festgestellt werden können. In Zusammenschau der vorliegenden Befunde und Anamnese lasse sich aktuell insbesondere eine deutliche depressive Verstimmung bei aktuell nicht mehr erfolgender regelmässiger psychiatrischer Anbindung und keiner medikamentösen stimmungsstabilisierenden Einstellung erheben, die neben der MS-bedingten Fatigue zu der aktuellen ausgeprägten physischen und kognitiven Abgeschlagenheit
und Dekonditionierung beitragen könne. Es werde daher d
ringend
die Wiederaufnahme der psychiatrischen
Anbindung und Medikation empfohlen.
Bei neu aufgefallener Sensibilitätsstörung und leichter Kraftminde
rung beider Unterschenkel werde zudem eine MRI-Untersuchung der spinalen Achse mit der Frage nach zwischenzeitlich neu aufgetretenen spinalen Läsionen veranlasst (S. 4).
3.9
Die Ärzte des
I._
, Klinik für Neurologie, berichteten am 1
4.
Mai 2018 (
Urk.
8/114) und führten aus, die 60%ige Arbeitsunfähigkeit als
Zolldeklarantin
sei extern attestiert worden. Die Prognose sei offen. Im weiteren Vorgehen werde die Fortführung der Therapie sowie die Aufnahme einer psychiatrischen Behand
lung empfohlen. Die Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit müsste im Rahmen einer erneuten Zuweisung geklärt werden.
3.10
Die Ärzte des
I._
, Klinik für Neurologie, berichteten am 2
9.
Mai 2018 über die durchgeführten Gang-Tests (
Urk.
8/117/1-3) und führten aus, a
lle funktionellen Gehtests
seien
im Vergleich zu gleichaltrigen Gesunden ausserhalb des Norm
bereichs
gelegen
.
Insgesamt habe sich während der Messung eine deutliche Fluktuation der Steh- und Gehfunktion, am ehesten ausgelöst durch eine phobische Komponente, gezeigt. Es sei davon auszugehen, dass die Gangpatho
logie dadurch stark beeinflusst werde. Die
Posturographie
habe abgebrochen werden müssen, da
der Normalsta
n
d (20 cm breit) nicht ohne Festhalten möglich gewesen sei. Insgesamt zeige die Beschwerdeführerin eine starke Instabilität des Standes und Ganges in allen Funktionstests. Die meisten Tests seien daher nicht durchführbar gewesen. Die in der Literatur angegebenen Grenzwerte für erhöhte Sturzgefahr seien deutlich überschritten worden.
Es sei davon auszugehen, dass
die
Gangpathologie nicht allein durch die neurologische Grunderkrankung zustande
komme, sondern zusätzlich von eine
r starken phobischen Komponente
überlagert werde.
3.11
Die Ärzte des
I._
, Klinik für Neurologie, berichteten am 2
5.
Juni 2018 (
Urk.
8/124/1-6) über die Neuroimmunologie-Sprechstunde und führten aus, aktuell bestehe eine
zunehmende Gangverschlechterung
sowie eine
Empfin
dungsstörung der
Beine. Dem neuen MRI spinal von
Juni
2018 sei
weiterhin kein Hinweis auf
Demyelinisierungsherde
in der spinalen Neuroachse
zu entnehmen
, insbesondere keine aktive
n
Plaques
(S. 1)
.
Anamnestisch stünden weiterhin
die
ausgeprägte Antriebsminderung, Abgeschlagenheit
und
rasche
Erschöpfbarkeit im Vordergrund, welche sowohl vor dem Hintergrund einer mit der MS assozi
ierten Fatigue als auch der bekannten und bisher weitestgehend unbehandelten depressiven Störung gewertet werden könnten.
Bisherige Therapieversuche
seien von der Beschwerdeführerin nicht fortgeführt beziehungsweise Therapievor
schläge
nicht angenommen worden. Es sei jedoch wieder ein Termin bei der Psychiaterin
Dr.
K._
geplant. Die
Beurteilbarkeit der klinisch-neurologischen Untersuchung sei
aufgrund teils wechselnder Innervation sowie des raschen Aufgebens der Beschwerdeführerin stark
eingeschränkt
gewesen. Die a
ktuelle
n
Bildbefunde erklärten das derzeitige Ausmass des Behinderungsgrades nicht.
Es sei von einem starken
Einfluss der affektiven Situation auf die körperlichen Befunde aus
zugehen
.
Die
g
eklagte
Erschöpfbarkeit
sowie das aufkommende
Schwindelgefühl
bei Bewegung sei überwiegend i
m Rahmen der Dekonditionie
rung infolge fehlender körperlicher Betätigung
zu sehen. Umso dringender werde die Wiederaufnahme der psychotherapeutischen Betreuung und Bahnung einer adäquaten Behandlung und andererseits eine regelmässige und aufbauende Bewegung/Sport empfohlen. Auch werde dringend eine stationäre Neurorehabi
litation mit dem Ziel einer Wiedereingliederung im privaten und beruflichen Alltag empfohlen. Die gewünschte rückwirkende Arbeitsunfähigkeitsbescheini
gung habe der Beschwerdeführerin heute nicht ausgestellt werden können, da sowohl aus neurologischer als auch aus neuropsychologischer Sicht zur objektiven Einschätzung der Arbeitsfähigkeit dringend ein Arbeitsversuch indiziert wäre (S. 4).
3.12
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Neurologie, Kreisarzt der Suva, nahm am 2
0.
August 2018 eine neurologische Beurteilung vor (
Urk.
8/124/7-10) und führte aus, die Beschwerdeführerin habe sich anlässlich ihres Unfalls vom 1
0.
Juni 2017
(richtig: 2007)
eine Fraktur des
Hamulus
rechtsseitig zugezogen, nach dessen Exstirpation 2009 habe sich ein Schmerzsyndrom der rechten Hand en
t
wickelt, welches im Verlauf differentialdiagnostisch als CRPS I, CRPS II oder auch sympathisch vermittelter Schmerz beurteilt worden sei (S. 3). Die Zumut
barkeit für eine leichte Tätigkeit im Büro werde als vollzeitig möglich angenom
men. Dieser Beurteilung könne er sich anschliessen. Es könne auf die Beurteilung bezüglich Zumutbarkeit durch
Dr.
D._
abgestellt werden. Rein unfallbedingt sei aus versicherungsmedizinisch neurologischer Sicht auf das von
Dr.
D._
beschriebene Zumutbarkeitsprofil
abzustellen (S. 4).
3.13
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 2
0.
Dezember 2018 (
Urk.
8/139) und führte aus, die Beschwerdeführerin sei seit November 2018 zirka zweimal in der Woche bei ihm in Behandlung. Er habe keine Arbeitsunfähigkeit bescheinigt. Es bestehe eine d
epressive Verstimmung,
eine
Anhedonie, Interessenverlust, sozialer Rückzug,
gesteigerte Ermüdbarkeit, Verlust des Selbstvertrauens
, Grübelneigung, Schlafstörungen sowie Appetit
losigkeit
.
Als Diagnose nannte er eine m
ittelgradig
e
depressive Episode
(ICD-10 F32.1)
mit Einfluss auf
die
A
rbeitsfähigkeit
.
Es bestehe e
her
eine
ungünstige Prognose, da
die
MS progredient
sei
.
3.14
Die Ärzte des
I._
, Klinik für Neurologie, berichteten am
7.
Januar 2019 (
Urk.
8/149) über die Neuroimmunologie-Sprechstunde und führten aus, aktuell sei die
MS klinisch nicht aktiv,
radiologisch aktiv. Es bestehe eine fragliche Progression
(S. 1)
.
Zur objektiven Einschätzung der A
rbeitsfähigkeit
seien dezidierte Arbeitsversuche und eine formale Begutachtung unter Einbezug der neurologischen und psych
iatrischen
Befunde notwendig
(S. 2)
.
Das MRI vom 2
9.
November 2018 zeige im Vergleich zum
v
orherigen vom 3
0.
November 2017 eine
neue Läsion rechts frontal periventrikulär
ohne pathologische KM-Aufnahme, eine n
eue Läsion links temporal
juxtacortikal
mit fraglicher punkt
förmiger KM-Aufnahme.
Die Beschwerdeführerin
berichte
von einer
progre
diente
n
Verschlechterung der Gehstrecke,
einer
zunehmende
n
Dran
gsymp
tomatik und einer
schlechte
n psychischen
Verfassung mit
ausgeprägter
Müdigkeit. Klinisch
zeige sich
am ehesten
ein
stabiler Befund,
allerdings zeige sich die
Lähmung der rechten Hand deutlich ablenkbar.
Darüber hinaus ergäben sich weitere i
nkonsistente Untersuchungsbefunde, die nicht durch Läsionen
im ZNS oder PNS
erklärbar seien.
Nach wie vor erklärten die
MRI-
Befunde
das Ausmass des Behinderungsgrades nicht.
Es ergebe sich der h
ochgradige
Verdacht auf
eine
funktionelle Ausgestaltung b
eziehungsweise Aggravation von neurolo
gischen
Defiziten. Unklar
bleibe
, wie bewusstseinsnah
diese funktionelle Komponente sei
.
Aufgrund der deutlichen funktionellen Komponente sei die
Beurteilung des anamnest
ischen und klinischen Verlaufs
erschwert und unzuve
r
lässig. Ohne Frage liege jedoch eine
schubförmige MS vor,
die aufgrund des Nachweises von neu aufgetretenen inaktiven Läsionen im Hirn
zumindest radiologisch aktiv
einzustufen sei. Da diese radiologische Aktivität unter
Tecfidera
-Therapie aufgetreten sei, sollte formal eine Therapieumstellung evaluiert werden (S. 5).
3.15
Dr.
M._
führte am
4.
Februar 2019 aus (
Urk.
8/157), er behandle die Beschwerdeführerin seit November 2018 ambulant. Sie sei zu 100
%
arbeits
unfähig. Aufgrund der Progredienz der chronischen MS-Erkrankung sei auch dauerhaft von einer weiter bestehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszu
gehen.
3.16
Dr.
med.
N._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin, berichtete am 1
6.
Mai 2019 (
Urk.
8/177) und führte aus, die Beschwerdeführerin leide an einer schubförmigen MS mit Fatigue Syndrom, Konzentrationsstörungen, Gleichge
wichtsstörungen, Gangataxie mit erheblicher Einschränkung der Gehfähigkeit sowie einer Drangsymptomatik. Gemäss anamnestischen Angaben sei sie für sämtliche alltäglichen Verrichtungen auf Hilfe angewiesen. Diese werde von ihrem Ehemann erbracht.
3.17
Die Gutachter der
B._
erstatteten ihr polydisziplinäres Gutachten am
8.
Juli 2019 (
Urk.
8/181) und nannten folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 6):
-
multiple Sklerose vom schubförmig verlaufenden Typ, aktuell ohne Verschlechterung
-
Schmerzsyndrom der rechten Hand bei
-
Status nach Fraktur des
Hamulus
ossis
hamati
rechts 1
0.
Juni 2007
-
Status nach Resektion des
Hamulus
und
Tenosynovektomie
sowie Trimmung FDS 5- und FDP 4/5-Sehne rechts am 1
0.
September 2009
Als Diagnosen ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit nannten sie die folgen
den (S. 6):
-
depressive Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4)
-
Mischkopfschmerz
-
suboptimal substituierte Hypothyreose
Sie führten aus, die Diagnostik habe weder eine Kompressionsneuropathie noch die teils vermutete Verdachtsdiagnose eines CRPS bestätigen können. Ausreichende Symptome, die nach den Budapest- beziehungsweise Harden-Kriterien retrospektiv die Diagnose eines CRPS belegen könnten, seien nicht vorhanden. Die zur Diagnose eines chronisch persistierenden CRPS nötigen Störungen wie atrophische Muskel- und Hautveränderungen, Durchblutungs
störungen und Sehnenverklebungen fänden sich bei der Beschwerdeführerin nicht. Daher könnten auch keine CRPS-bedingten Funktionsdefizite vorliegen. Auch wenn ein CRPS abgelaufen wäre, hätte sich dieses – wie bei zwei Drittel der Fälle – folgenlos zurückgebildet. Die durch verschiedene Untersucher im April 2015 favorisierte Diagnose des CRPS sei aber schon im Juli 2015 nicht mehr bestätigt worden. Es sei dann ein chronisches Schmerzsyndrom festgestellt worden. Somatisch sei auch leider nicht ersichtlich, warum nach fünf Jahren die Beschwerden an der rechten Hand wieder aufgeflammt seien, zumal von der Beschwerdeführerin kein Auslöser habe angegeben werden können und eindeu
tige pathologische Befunde nicht zu erheben gewesen seien. Auch die Tatsache, dass die Beschwerdeführerin nach Abschluss der
handchirurgischen Behandlung über einen Zeitraum von zirka 5 Jahren keine Arbeitsunfähigkeit mehr diesbe
züglich geltend gemacht habe und zeitweise 100
%
in einem Logistikunter
nehmen im Büro gearbeitet habe, mache die Diagnose eines CRPS, aber auch die einer anderen durch
Traumafolgen
bedingten Funktionseinschränkung an der rechten Hand wenig wahrscheinlich. Trotz
liquordiagnostischer
Vermutung eines klinischen isolierten Syndroms im Oktober 2015 und späterer Diagnose einer Multiplen Sklerose im Oktober 2016 lasse sich jedoch klinisch-neurologisch auch keine neurologische Ursache der berichteten sensomotorischen Funktionsstörung der rechten Hand feststellen, wobei nach eigener Angabe die Funktionsstörung der rechten Hand auch schon vor Auftreten der Multiplen Sklerose bestanden habe. Die neurologische Untersuchung erbringe weder den Befund einer peripheren noch einer zentralen Parese an der rechten Hand. Trotz Bestehen der handschuhförmigen Hypästhesie werde kein Störmuster eines nervlichen Schmerzes zur Erklärung der Beschwerden angegeben. Bei Fehlen pathologischer neurologischer und Lokalbefunde stelle sich die Frage nach einer psychischen Ursache (S. 4).
Dabei ergäben sich aber keine Hinweise für eine eigenständige psychische Erkrankung im Sinne einer authentischen dissoziativen Bewegungsstörung mit Lähmung der Extremitäten, denn entgegen den diagnostischen
Kriterien
sei der Beginn schleichend und zeitlich nicht mit dem Beginn der MS-Erkrankung oder einer anderen erheblichen Belastung gekoppelt gewesen. Weiter bestünden keine Hinweise auf psychische Konflikte, erhebliche psychosoziale Belastungen zur Zeit des Entstehens der Störung und auch nicht die üblichen prämorbiden Auffällig
keiten. Am ehesten sei daher von der Entwicklung einer Selbstlimitierung auszugehen im Sinne einer relativ bewusstseinsnahen Funktionsstörung. Hierfür spreche auch die Vielzahl der bei der Beschwerdeführerin festgestellten Inkonsis
tenzen. Die bis anhin durchgeführte ambulante psychiatrische Behandlung scheine diese Thematik gar nicht berücksichtigt zu haben. Die Abklärung von allfälligen motivationalen (bewusstseinsnahen) Aspekten wäre aber bei weiter anhaltender Symptomatik zwingend. Die klinisch-psychiatrische Untersuchung habe auch keine sonstige Psychopathologie gezeigt (S. 5). Insgesamt bestünden keine Einschränkungen der psychischen Funktionen aufgrund einer eigenständi
gen psychiatrischen Erkrankung. Es lägen aber Hinweise für eine Selbstlimitie
rung vor, die zu einem stärkeren Funktionsdefizit als erkrankungsbedingt führen würde
n
. Von der Beschwerdeführerin werde eine Gebrauchsunfähigkeit der rechten Hand angegeben, die sich aber somatisch und auch nicht durch eine psychische Erkrankung erklären lasse. Es dürfte eine Selbstlimitierung ursächlich sein. Die Beschwerdeführerin sei allerdings linksdominant und schreibe auch links.
Tätigkeiten wie bisher seien auch weiter möglich. Beidhändige Präzisions
tätigkeiten sollten nicht mehr zugemutet werden (S. 6).
Betreffend Inkonsistenzen w
u
rd
e
ausgeführt, die Berichte von einer völligen Immobilität der rechten Hand und beider Beine passten nicht zum somatischen Befund einer intakten Muskulatur, intaktem Tonus und einem symmetrischen Muskelprofil, normalem Reflexverhalten und einem unauffälligen MRI der Wirbelsäule. Die Selbsteinschätzung der Beschwerdeführerin, dass eine auf die Hand bezogene Arbeitsfähigkeit von nur 40
%
, wie zuletzt als
Zolldeklarantin
möglich sei, jedoch kein grösseres Arbeitspensum, erscheine aufgrund der objek
tivierbaren Befunde nicht plausibel, da eine Erholungspause zwischen den zwei (vollen) Arbeitstagen nicht vorgelegen habe. Aufgrund dieser Angaben und der erhobenen Befunde hätten sich die Befunde nicht rein somatisch zuordnen lassen, jedoch hätten sich auch keine Hinweise auf eine eigenständige psychiatrische Erkrankung ergeben. Die aktuelle Blutuntersuchung zeige, dass die Beschwerde
führerin entgegen ihren Angaben keine Schmerzmittel und keine Psychophar
maka einnehme. Dies relativiere den angegebenen Leidensdruck ebenfalls erheblich. In der bisherigen
, im Wesentlichen leidensangepassten
Tätigkeit als
Zolldeklarantin
könne die Beschwerdeführerin medizintheoretisch, ausschliess
lich unter Berücksichtigung der neurologischen Funktionsstörungen, noch zu 70
%
tätig sein, wobei keine Minderung der zeitlichen Präsenz vorliege, sondern eine Minderung der Leistungsfähigkeit um 30
%
. Dies gelte für jede andere angepasste Tätigkeit, mithin für Tätigkeiten, die im Sitzen an einem rollstuhl
gerechten Arbeitsplatz einhändig ohne Zeitdruck und Stressbelastung erbracht werden könnten
(S. 8).
3.18
Dr.
med.
J._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD) der Beschwerdegegnerin, nahm am 1
3.
Juli 2019 Stellung (
Urk.
8/184/9-10) und führte aus, es könne auf das Gutachten abgestellt werden. Die neurologische Behandlung der MS werde als stringent angegeben. Wegen der Selbstlimitierung mit Verursachung der Funktionsstörung der rechten Hand werde eine diesbezügliche Thematisierung in der bereits laufenden psychiatrischen Behandlung empfohlen. Allenfalls wäre auch eine Abklärung motivationaler bewusstseinsnaher Aspekte bei anhaltender Sympto
matik hilfreich. Die von der Beschwerdeführerin angegebenen Gebrauchsein
schränkungen der rechten Hand liessen sich nur teilweise, respektive für beidhändige Präzisionsarbeiten erklären. Die Beschwerdeführerin sei Linkshän
derin und schreibe auch links. Es dürfte sich ursächlich um Selbstlimitierung handeln.
3.19
Dr.
med.
O._
, Facharzt für Neurologie, berichtete am
5.
September 2019 (
Urk.
8/201/3-6) und nannte folgende Diagnosen:
-
Multiple Sklerose mit schubförmigem Verlauf, Differentialdiagnose sekundär progredient verlaufend (Erstmanifestation Oktober 2015, Erst
diagnose Oktober 2015
; richtig: 2016
) mit aktuell ausgeprägter Ataxie
-
chronisches Schmerzsyndrom der rechten Hand, bei Status nach Trauma am 1
0.
Juni 2007 mit Fraktur des
Hamulus
ossis
hamati
mit Status nach
Hamulusexzision
am 1
0.
September 2009 mit persistierender schlaffer Parese der rechten Hand mit Gefühlsstörungen
-
chronische,
bioccipitale
Kopfschmerzen seit 2015
Er führte aus, die Beschwerdeführerin sei
Ambidexterin
, schreibe seit 12 Jahren mit links. Gehen sei nur mit einseitiger Unterstützung möglich, zudem bestehe eine deutliche
Sitz- und Standataxie
. Die im Oktober 2015 aufgetretene MS habe zunächst einen stabilen Verlauf gezeigt. Im Februar 2016 sei eine immunmodu
latorische Therapie aufgenommen worden, trotzdem habe sich eine zunehmende Müdigkeit eingestellt. Im Frühjahr 2018 sei eine Ataxie dazugekommen, welche ebenfalls einen progredienten Verlauf gezeigt habe. Aktuell bestehe eine ausge
prägte Stand- und Sitzataxie und 100 Meter könne die Beschwerdeführerin nur noch mit einseitiger Unterstützung bewältigen (S. 3). Bei diesen
B
efunden sei eine Arbeitsfähigkeit nicht mehr möglich, auch eine leidensangepasste Tätigkeit werde die Beschwerdeführerin nicht bewältigen können. Die schlaffe Lähmung der rechten Hand lasse sich organisch nur schwierig erklären, im EMG seien die Arm
nerven problemlos stimulierbar und die beschriebene Anastomose sei ohne Einfluss auf die motorische Funktion der rechten Hand. Als Ursache dieser schlaffen Parese der rechten Hand käme also lediglich ein zentrales Geschehen in Frage und somit die seit Oktober 2015 bekannte Multiple Sklerose. Ein direktes Korrelat habe in den Akten allerdings nicht gefunden werden können. Angesichts der aktuellen Beschwerden und Befunde sei die Schlussfolgerung der
B._
-Gutachter, wonach noch eine 70%ige Arbeitsfähigkeit bestehe
,
unverständlich und könne lediglich als eine versicherungsfreundliche Bewertung angesehen werden. Bei der Durchsicht der inzwischen umfangreichen Akten seien auch gewisse Inkonsistenzen aufgefallen, ein organischer Kern könne und dürfe jedoch nicht übersehen werden, es seien dies die zahlreicher gewordenen MS-Veränderungen und die für eine MS typische Fatigue.
Ob die inzwischen ausgeprägte Ataxie nur MS-bedingt sei, sei nicht mit Sicherheit zu beurteilen. Eine erneute Überprüfung durch
die IV sei
angesichts dieser Sachlage
unerlässlich
(S. 4)
.
3.20
Mit Physiotherapie-Austrittsbericht vom 1
8.
September 2019 der Klinik
P._
(
Urk.
8/226/2-5) wurde über den Aufenthalt der Beschwer
deführerin vom
5.
bis 1
8.
September 2019 berichtet.
Die Mobilität/Selbsthilfe/Beweglichkeit habe sich
leicht verbessert.
Der
Zustand
der Beschwerdeführerin
während des Aufenthaltes sei
sehr fluktuierend und
tages
formabhängig gewesen.
Zur weiteren Behandlung
der Beinkraft und Erweiterung der Gehstrecke sei
eine
ambulante Physio
therapie
indiziert
(S. 4). Das A
ufsitzen, Hinlegen und Drehen im Bett (mit erhöhtem Zeitaufwand)
sowie der
Sitz-Stand mit Hilfe der Arme am Rollator
seien
selbständig
möglich
,
der
Bodentransfer
sei
nicht
möglich.
S
tehen
sei
nur am Rollator zum Laufen
möglich, G
ehen a
m Rollator unter Supervision zirka
3
Meter
mit erhöhtem Zeitaufwand
(S. 2)
.
Die Selbstversorgung sei
mit Hilfe durch Pflegeperson
(Ehemann)
und das häusliche Leben durch den Ehemann möglich (S. 3).
3.21
Die MRI-Untersuchung des Neurokraniums vom 2
3.
September 2019 (
Urk.
8/215/2) ergab verglichen mit der Voruntersuchung vom 2
9.
November 2018 zwischenzeitlich mehrere neue
demyelinisierende
Läsionen.
Es ergab sich k
ein Nachweis von
aktuellen Schrankenstörungen beziehungsweise
aktiven Herde.
Spinal
sei
weiterhin kein Nachweis von eindeutigen
Demyelinisierungs
herden
vorhanden sowie keine
Stenosierung des Spinalkan
als und keine Anhalts
punkte für
foraminale Nervenwu
rzel
kompressionen.
3.22
Dr.
O._
berichtete am 1
7.
Oktober 2019 (
Urk.
8/219) über die erneute Untersuchung vom 1
5.
Oktober 2019 und führte aus, seit der letzten Unter
suchung vom August 2019 habe sich die Gehfähigkeit weiter etwas verschlech
tert. Die Beschwerdeführerin berichte, dass sie vermehrt Unterstützung benötige, um auch nur kürzere Gehstrecken zu bewältigen (S. 1). Bei bekannter MS mit schubförmigem Verlauf habe sich das Beschwerdebild verschlechtert, mit deutlicher Zunahme der Ataxie, welche nun derart ausgeprägt sei, dass die Beschwerdeführerin nur noch mit einem Rollator gehen könne. Ohne diese Hilfe sei sie auf mindestens einseitige Unterstützung angewiesen. Die neurologische Verlaufskotrolle habe mehrere neue
Demyelinisierungsherde
ergeben, womit dieser Verschlechterung zumindest teilweise erklärt werden könne. Die Behand
lung bestehe weiterhin aus
Tecfidera
, zusätzlich sollte die Beschwerdeführerin regelmässig physiotherapeutisch behandelt werden, mit dem Ziel
,
die Gehfähig
keit zu verbessern. Mittelfristig sollte eine erneute stationäre Rehabilitations
behandlung ins Auge gefasst werden (S. 2).
3.23
RAD-Arzt
Dr.
J._
nahm am
1.
Februar 2020 Stellung (
Urk.
8/238/5) und führte aus, die neuen Akten brächten hinsichtlich des Vorliegens einer Geh-Stehbehinderung mit Rollator-Notwendigkeit sowie MRI entzündlicher zerebraler Herde keine funktionell relevante medizinische Neuerkenntnis, da diese im Gutachten bereits im Belastungsprofil berücksichtigt worden seien. Der erwähnte geplante Eingriff wegen Lipodystrophie an beiden Beinen habe offensichtlich therapeutische Konsequenzen, per se stelle diese Diagnose versicherungsmedi
zinisch jedoch keine zusätzlich dauerhafte Arbeitsfähigkeitsrelevanz dar. Die psychiatrischen Überlegungen
der Rechtsvertreterin
zu depressiven Störungen ohne aktuelle fachärztliche
Bescheinigungen stellten lediglich laienmedizinische Ausführungen dar und könnten somit hier nicht berücksichtigt werden.
3.24
Dr.
med.
Q._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtete am 2
3.
März 2020 (
Urk.
8/247/24-30 =
Urk.
3/3) und führte aus, die Beschwer
deführerin sei ihm durch
Dr.
O._
zur Untersuchung und Therapie zugewiesen worden. Sie konsultiere ihn seit dem
7.
Februar 2020 wöchentlich
(S. 1)
. Aufgrund der Tatsache, dass der prämorbide Gesundheitszustand der Beschwerde
führerin vom aktuellen extrem differenziere, habe sich eine massive Körperselbststörung gebildet. Es handle sich um eine eigentliche Körperbild-Veränderung. Diese verursache eine gestörte Ich-Identität mit Folgen in allen körperlichen und psychischen Bereichen als Selbststörung (S. 3). Die Folge der Körperbild-Veränderung sei eine anhaltende Deprimiertheit, welche durch tägliches Erfahren der deutlichen körperlichen Versehrtheit die Quelle der voraus
sichtlich bleibenden depressiven Störung sei. Die anhaltende Müdigkeit, die bei der Beschwerdeführerin bereits chronisch sei, könne einerseits Folge der Depression sein, andererseits Folge der MS. Der Gutachter der
B._
habe die Psychodynamik der Körperbild-Veränderung nicht berücksichtigt. Er habe verpasst, hier ein klares Dissimulieren zu erheben und die Hintergründe desselben zu erforschen. Ebenso sei es der Neuropsychologin ergangen (S. 4). Der Beschwerdeführerin falle es schwer, die MS zu akzeptieren. Es ergebe sich evident, dass sie neu beziehungsweise anders beurteilt werden müsse, als die
s in
bisheri
gen Untersuchungen erfolgt sei. Dies betreffe die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit, die Erwerbsfähigkeit und die Beurteilung der Hilflosigkeit (S. 5). Die als Folge der MS vorliegenden Symptome der schweren Beine, de
s
Gefühl
s
, kraftlos zu sein
,
und der Verlangsamung der Denkprozesse sowie
der
Kraftlosigkeit der rechten Hand und der ebenso evidenten depressiven Störung liessen keine Besserung des Gesundheitszustandes erwarten. Ihre starken Schmerzen hätten grosse Auswirkungen auf die Lebensqualität, da sie sowohl den Alltag als auch die Arbeits
fähigkeit einschränken würden. Prognostisch werde die Progredienz der Krankheit den allgemeinen Gesundheitszustand wahrscheinlich mit jedem Schub eher verschlechtern. Eine der Krankheit angepasste Arbeitstätigkeit sei bei einer so schweren Krankheit auch hinsichtlich der extremen Erschöpfungsstörung illusorisch. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit, kombiniert mit einer hochgradigen Hilfsbedürftigkeit (S. 6).
4.
4.1
Das polydisziplinäre
G
utachten
der
B._
vom
Juli
201
9
(vorstehend
E. 3.
17
)
umfasst die Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Handchirurgie,
Neurologie, Neuropsychologie und Psychiatrie. Die Gutachter verfügen über den entsprechen
den Facharzttitel beziehungsweise die erforderliche Fachausbildung und waren somit in ihren Fachgebieten zur Beurteilung des Gesund
heitszu
standes und der Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin befä
higt (vgl. Urk. 8/181 S. 2). Die Gut
achter berücksichtigten sodann die ge
klag
ten Beschwer
den und das Verhalten der Beschwerde
führerin und erstellten ihr jeweiliges Teilgutach
ten in Kenntnis der
Vorakten
. Sowohl die ge
stellten Diagnosen als auch die Schluss
folgerungen zur Arbeits
fähigkeit werden im Gut
achten ausführlich begründet und sind nachvoll
ziehbar. Damit er
füllt das Gut
achten die bundesgerichtlichen Anforde
rungen an ein medizi
nisches Gut
ach
ten (vorstehend E. 1.6) vollum
fäng
lich, so dass für die Ent
scheidfindung darauf abzustellen ist.
4.2
Die Gutachter legten in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, dass
die Diagnostik betreffend die Beschwerden an der rechten Hand weder eine Kompres
sionsneuropathie noch die teils vermutete Verdachtsdiagnose eines CRPS habe bestätigen können. Trotz
liquordiagnostischer
Vermutung eines klinischen isolierten Syndroms im Oktober 2015 und späterer Diagnose einer MS im Oktober 2016 lasse sich klinisch-neurologisch auch keine neurologische Ursache der berichteten sensomotorischen Funktionsstörung der rechten Hand feststellen.
Die neurologische Untersuchung erbringe weder den Befund einer peripheren noch einer zentralen Parese an der rechten Hand. Bei Fehlen pathologischer neurolo
gisc
h
er und Lokalbefunde stelle sich die Frage nach einer psychischen Ursache (
Urk.
8/181
S. 4).
D
ie Gutachter hielten fest,
die gleichen Überlegungen ergäben sich hinsichtlich der Gangstörungen, die erstmals in Form leichter sensomotorischer Störungen der Unterschenkel im März 2018 aufgetreten seien.
Sie machten darauf aufmerksam, dass sich das Gangvermögen bis Juni 2018 rapide verschlechtert habe und im Juni 2018 von neurologischer Seite auf Befunddiskrepanzen hingewiesen worden sei mit Einschätzung
eines Einflusses der affektiven Situation auf die körperlichen Befunde.
Dies sei in Übereinstimmung mit der aktuellen Feststellung einer nicht ausschliesslich somatisch zu begründenden Beinlähmung (S. 4 f.).
Somit könne die aktuell vorgeführte absolute Geh- und Stehunfähigkeit somatisch nicht ausreichend begründet werden
. Hinweise für eine eigenständige psychische Erkrankung im Sinne einer authentischen dissoziativen Bewegungsstörung mit Lähmung der Extremitäten ergäben sich jedoch keine, weshalb am ehesten von der Entwicklung einer Selbstlimitierung auszugehen sei
. Hierfür sprächen auch die Vielzahl der festgestellten Inkonsistenzen
(S. 5).
Die Beurteilung der Gutachter steht in Übereinstimmung mit den Ausführungen der Neurologen des
I._
(vgl. vorstehend E. 3.10 und E. 3.14), wonach sich während der Messung eine deutliche Fluktuation der Steh- und Gehfunktion, am ehesten ausgelöst durch eine phobische Komponente, gezeigt habe. Es sei davon auszugehen, dass die Gangpathologie dadurch stark beeinflusst werde und
nicht allein durch die neurologische Grunderkrankung zustande
komme
(vorstehend
E. 3.10)
.
Im Januar 2019
erachteten die Neurologen des
I._
die
MS
als
klinisch nicht aktiv
, obschon d
as MRI vom 2
9.
November 2018 im Vergleich zum
v
orhe
rigen vom 3
0.
November 2017
neue Läsion
en gezeigt habe. Sie gingen davon aus, dass k
linisch
am ehesten
von
ein
em
stabilen
Befund
auszugehen sei
,
wobei
sich die
Lähmung der rechten Hand deutlich ablenkbar
zeige
.
Die Neuro
logen
des
I._
berichteten sodann ebenfalls
über
i
nkonsistente Untersuchungs
befunde, die nicht durch Läsionen
im ZNS oder PNS
erklärbar seien.
Nach wie vor erklärten die
MRI-
Befunde
das Ausmass des Behinderungsgrades nicht.
Es ergebe sich der h
ochgradige
Verdacht auf
eine
funktionelle Ausgestaltung b
eziehungsweise Aggravation von neurologischen
Defiziten
. O
hne Frage liege eine
schubförmige MS vor,
die aufgrund des Nachweises von neu aufgetretenen inaktiven Läsionen im Hirn
zumindest radiologisch aktiv
einzustufen sei (vorstehend E. 3.14)
.
Zusammenfassend kann
demnach
festgehalten werden, dass der Beschwerd
efüh
rerin aus somatischer Sicht
bei einer Minderbelastbarkeit der Beine im Rahmen der MS
sowohl die bisherige Tätigkeit als
Zolldeklarantin
als auch angepasste
Tätigkeiten
, welche sitzend an einem rollstuhlgerechten Arbeitsplatz und einhän
dig zu erbringen seien
,
zu 70
%
zumutbar sind (S.
7
oben
und S.
8
).
4.3
Der psychiatrische Gutachter nannte in seinem Teilgutachten
(S. 41-50) als
Diag
nose
ohne
Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
eine depressive Episode, gegenwärtig remittiert (ICD-10 F32.4; S. 48)
,
und ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin
aus psychiatrischer Sicht in jeder körperlich zumutbaren Tätigkeit uneingeschränkt arbeitsfähig sei (S. 50).
4.4
Auch das psychiatrische Teilgutachten erfüllt die
formalen Beweiswertanforde
rungen (vorstehend E. 1.6) ohne weiteres, ist es doch für die streitigen Belange umfassend, beruht auf allseitigen Untersuchungen, berücksichtigt auch die geklagten Beschwerden und wurde in Kenntnis sowie Würdigung der
Vorakten
(Anamnese) ab
gegeben. Darüber hinaus leuchtet es in der Darlegung der medizi
nischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation ein und ent
hält nachvollziehbar begründete Schlussfolgerungen, weshalb darauf abge
stellt wer
den kann.
Eine entsprechende Prüfung ergibt denn auch, dass der psychiatrische Gutachter die heute massgebenden Standardindikatoren (vorstehend E. 1.5) in seine Beur
teilung weitestgehend einbezogen hat.
So hat er sich einlässlich mit den diagno
serelevanten Befunden und deren Ausprä
gung auseinandergesetzt (S. 44 f., S. 47
), ebenso mit dem bisherigen Behandlungserfolg (S.
43, S. 45, S. 49).
Er legte in nachvollziehbarer Weise dar,
dass weder anamnestisch noch bei der Untersuchung eine authentische psychische Störung habe festgestellt werden können. Eine relevante affektive Störung, eine dissoziative Störung und eine somatoforme Schmerzstörung hätten ausgeschlossen werden können (S. 49).
Die aktuelle Blutuntersuchung habe gezeigt, dass die Beschwerdeführerin entgegen ihren Angaben keine Schmerzmit
tel und keine Psychopharmaka einnehme. Dies relativiere den angegebenen Leidensdruck erheblich (S. 47).
Gemäss Gutachter sei der Verlauf der depressiven Störung positiv gewesen, gegenwärtig sei die Beschwerdeführerin nicht depressiv und es hätten sich auch keine anderen psychopathologischen Störungen gezeigt (S. 49). Die Beschwerdeführerin befinde sich in ambulanter psychiatrischer Behandlung, wobei diese jedoch die zentralen Themen nicht berücksichtigt zu haben scheine. Der Gutachter
würde
bei anhaltender Symptomatik eine Abklä
rung von allfälligen motivationalen Aspekten als hilfreich
empfinden
(S. 50).
Betreffend die persönlichen Ressourcen wurde ausgeführt, dass die Fähigkeit, sich an Regeln und Routinen anzupassen
,
nicht beeinträchtigt und die Fähigkeit
,
Aufgaben zu planen und zu strukturieren
,
intakt sei. Auch die Flexibilität und Umstellungsfähigkeit sowie die Anwendung fachlicher Kompetenzen als Zollmit
arbeiterin seien aus psychiatrischer Sicht nicht beeinträchtigt.
Die Entscheidungs- und Urteilsfähigkeit, die Durchhaltefähigkeit, die Selbstbehauptungsfähigkeit sowie die Ko
n
taktfähigkeit zu Dritten und Gruppenfähigkeit der Beschwerdefüh
rerin seien erhalten
. Insgesamt bestünden keine Beeinträchtigungen der Funk
tionsfähigkeit infolge einer psychischen Störung
(S. 49).
Zu prüfen bleibt der Aspekt der Konsistenz. Im psychiatrischen sowie neuropsychologischen Teilgut
achten wurde ausgeführt,
dass das Beschwerdebild nicht plausibel sei.
D
as ganze Krankheitsgeschehen
wurde von den Gutachtern als
nicht plausibel
erachtet
. Die Symptomvalidierungstests im Rahmen der neuropsychologischen Untersuchung hätten eine ungenügende Anstrengung beziehungsweise ein hochgradig unplau
sibles Leistungsprofil gezeigt
und die
g
eklagten neuropsychologischen Defizite hätten nicht objektiviert werden können.
Zudem hätten sich auch Inkonsistenzen in der Anamnese ergeben
und die Angaben der Beschwerdeführerin bezüglich der Einnahme von Schmerzmitteln und Antidepressiva seien durch die Blutunter
suchung widerlegt worden
(S. 4
8 f.
)
.
Die Bestimmung der Arbeitsfähigkeit (S.
50
) ist zudem so erfolgt, dass sie sich gleichsam aus dem Saldo aller wesentlichen Belastungen und Ressourcen (BGE 141 V 281 E. 3.4.2.1) ergibt.
Die von der Rechtsanwendun
g zu prüfende Frage, ob sich der
Gutachter an die massgebenden normativen Rahmenbedingun
gen gehalten und das Leistungsver
mögen in Berücksichtigung der einschlägige
n Indikatoren eingeschätzt hat (BGE
141 V 281 E. 5.2.2), ist demnach zu bejahen. Die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheitlichen Anspruchs
grund
lage lassen sich anhand der Standardindikatoren schlüssig und wider
spruchsfrei mit überwiegen
der Wahrscheinlichkeit nachweisen.
Mithin erfüllt das Gutachten sowohl die praxisgemässen herkömmlichen Anforderungen (vorstehend E. 1.6) als auch diejenigen des strukturierten Beweis
verfahrens (vor
stehend E. 1.3-1.5). Somit ist betreffend die Diag
nosen sowie die Arbeitsfähigkeit auf das Gutachten abzustellen.
4.5
Die abschliessende Würdigung des Beschwerdebildes anhand der Standardindi
ka
toren ergibt, dass
auf die Einschätzung der Arbeits
fähigkeit, wie sie sich aus dem Gutachten
der
B._
vom
Juli 2019
ergibt,
abgestellt werden kann.
Entsprechend besteht
sowohl in der bisherigen Tätigkeit als
Zolldeklarantin
als auch
in einer somatisch angepassten
Tätigkeit ab Oktober 2016
eine 30%ige Arbeitsunfä
higkeit (S.
8
f.
).
4.6
Entgegen den Ausf
ührungen der Beschwerdeführerin
vermögen die Berichte von
Dr.
M._
(vgl. vorstehend E. 3.13 und E. 3.15), welcher der Beschwerdeführerin
im Februar 2019
ohne jegliche Begründung eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestierte, das Gutachten der
B._
nicht umzustossen.
Er nannte einzig die Diagnose einer m
ittelgradig
en
depressive
n
Episode
(ICD-10 F32.1) und führte aus, aufgrund der Progredienz der chronischen MS-Erkrankung sei auch dauer
haft von einer weiter bestehenden 100%igen Arbeitsunfähigkeit auszugehen. Er legte weder die erhobenen Befunde dar, noch
g
ab er
eine
nachvollziehbar begründete und durch Befunde untermauerte medizinisch-theoretische Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit ab.
Es bleibt zu bemerken, dass die
bereits im März 2018 von den Neurologen des
I._
festgehaltene deutliche psychische Verstimmung (vgl. vorstehend E. 3.8) damals
trotz dringender Empfehlung
weder mit einer psychiatrischen Anbindung noch einer medikamentösen Behandlung angegangen
wurde
, was
nicht von
grossem
Leidensdruck zeugt.
Ausserdem
zeigten sich a
uch anlässlich
der Begutachtung keine Spuren von Schmerzmitteln oder Antidepressiva im Blut und die gezielte Befragung nach depressiven Symp
tomen
sowie die klinische Erhebung
haben
einen unauffälligen Befund ergeben (
Urk.
8/181 S.
44 f.).
Schliesslich
vermag auch der Bericht von
Dr.
Q._
(vgl. vorstehend E. 3.24) daran nichts zu ändern, zumal die Beschwerdeführerin diesen erstmals am
7.
Februar 2020, also nach Erlass
des Vorbescheids
,
konsultierte und sein Bericht nach Verfügungserlass datiert.
Für die Beurteilung der Gesetz
mässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwaltungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis).
Sodann ist bei Berichten von behandelnden Ärzten der Erfahrungstatsache Rechnung zu tragen, dass diese mitunter im Hin
blick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifel eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (BGE 125 V 351 E. 3a/cc S. 353 mit weiteren Hinwei
sen).
Zwar kann die einen längeren Zeitraum ab
deckende und umfassende Betreuung durch behandelnde Ärzte oft wertvolle Erkenntnisse hervorbringen. Jedoch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag des thera
peutisch tätigen (Fach-)Arztes einerseits und Begutachtungsauftrag des bestell
ten fachmedizinischen Experten andererseits
(
BGE 125 V 351 E. 3b/cc S. 353; 124 I 170 E. 4. S. 175; Urteil des Bun
desgerichts 9C_906/2011 vom 8. August 2012 E. 4.4)
nicht zu, eine medizinische Administrativ- oder Gerichtsexpertise stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behan
delnden Ärzte zu anderslau
tenden Einschätzungen gelangen. Vorbehalten blei
ben Fälle, in denen sich eine abweichende Beurteilung aufdrängt, da die behan
delnden Ärzte wichtige - und nicht rein subjektiver ärztlicher Interpretation entspringende - Aspekte benen
nen, welche im Rahmen der Begutachtung uner
kannt oder ungewürdigt geblie
ben sind (Urteil
e
des Bundesgerichts 8C_278/2011 vom 26.
Juli
2011 E. 5.3;
8C_567/2010 vom 19. November 2010 E. 3.2.2 sowie 9C_710/2011 vom 20. März 2012 E. 4.5;
SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43, I 514/06 E. 2.2.1).
Dies ist vorliegend nicht der Fall.
4.7
Zusammenfassend steht der Sachverhalt dahingehend fest, dass die Arbeitsfähig
keit der Be
schwerdeführerin aus
interdisziplinärer
Sicht seit
Oktober 2016
zu 30
%
eingeschränkt ist.
Das Wartejahr (vorstehend E. 1.2) kann folglich nicht eröffnet werden, weshalb der Beschwerdeführerin auch kein Rentenanspruch zusteht.
Die angefochtene Verfügung (
Urk.
2) erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
5.
5.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind
nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art. 69
Abs. 1
bis
IVG) und auf Fr. 800.-- anzusetzen. Entsprechend dem Aus
gang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzu
er
legen.
Zufolge Gewährung der
unentgeltliche
n Prozess
führung sind die Gerichtskosten einstwei
len auf die Gerichtskasse zu nehmen.
5.2
Der
unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin, Rechtsanwältin Christine Fleisch, steht bei diesem Verfahrensausgang eine Entschädigung aus der Gerichtskasse zu.
Der unentgeltlichen Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin wurde mit Verfügung vom 15. Juni
2020 (Urk. 11) die Möglichkeit eingeräumt, dem Gericht eine detaillierte Zu
sammenstellung über den Zeitaufwand und die angefallenen Barauslagen ein
zureichen. Sie hat diese Möglichkeit nicht wahrgenommen, weshalb ihre Ent
schädigung wie angekündigt nach Ermessen festzusetzen ist.
Sie bemisst sich
ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Pro
zesses und dem Mass des Obsiegens (§ 34 Abs. 3 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht,
GSVGer
). Beim praxisgemässen Stundenansatz von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) ist die Entschädigung auf Fr. 2’
7
00.-- (inklusive Bar
aus
lagen und Mehrwertsteuer) festzusetzen.
Die Beschwerdeführerin wird auf § 16 Abs. 4 des Gesetzes über das Sozialver
siche
rungsgericht (
GSVGer
) hingewiesen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die Vertretung verpflichtet werden kann, sofern sie dazu in der Lage ist.