# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** eb3906b3-07e9-5f57-8209-e29f020ea5a9
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 3. März 2017 bei der Stadt Bern ein Baugesuch
ein für den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit acht Wohneinheiten und einer
Zufahrtsstrasse mit Parkplätzen auf Parzellen Bern Grundbuchblatt Nrn. P._,
Q._ und R._. Die Bauparzellen liegen in der Wohnzone (W) mit
Bauklasse 2 (2 Vollgeschosse) und Lärm-Empfindlichkeitsstufe (ES) II. Gegen das
Bauvorhaben erhoben unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Schreiben
vom 23. Mai 2017 teilte die Stadt Bern der Beschwerdegegnerin mit, dass das Projekt in
folgender Hinsicht überarbeitet werden müsse: "Die Erreichbarkeit der Parkplätze ist nicht nachvollziehbar. Rückwärtsmanöver auf die
O._ sind nicht zulässig, Vorwärtsmanöver würden über eine Privatparzelle führen. Die
Sichtverhältnisse vom Platz auf den Fussgängerbereich entlang der O._ müssen der
VSS-Norm SN 640 273a entsprechen. Das muss nachgewiesen werden. Die Anzahl im Plan
dargestellter Parkplätze stimmt zudem nicht mit dem Parkplatznachweis überein. Weder Anzahl
noch Lage der Veloabstellplätze sind in den Unterlagen ersichtlich".1
Die Beschwerdegegnerin reichte am 19. Juni 2017 eine Projektänderung betreffend die
Umgebungsgestaltung ein. Diese sah die Versetzung und Reduktion (4 statt 6) der
Autoabstellplätze und der Veloabstellplätze (25 statt 40) sowie einen Wendehammer für
Fahrzeuge vor. Die Beschwerdeführenden hielten an ihrer Einsprache fest.
1 Vorakten, pag. 122
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Mit Gesamtentscheid vom 25. Januar 2018 erteilte die Stadt Bern die Baubewilligung für
das geänderte Projekt mit u.a. der Auflage, dass die Fahrzeuge auf dem Wendehammer
wenden und zwingend vorwärts in die O._ einbiegen müssen.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 22. Februar 2018 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Gesamtentscheides vom 25. Januar 2018 und die Erteilung des
Bauabschlags.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, holte die
Vorakten ein und führte den Schriftenwechsel durch. Die Stadt Bern hält mit
Stellungnahme vom 26. März 2018 am angefochtenen Entscheid fest. Die
Beschwerdegegnerin schliesst mit Beschwerdeantwort vom 27. März 2018 auf Abweisung
der Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Mit Verfügung vom 30. April
2018 holte das Rechtsamt einen Fachbericht des Tiefbauamtes, Oberingenieurskreis II
(OIK II) bezüglich Verkehrssicherheit ein, welcher am 25. Mai 2018 eingereicht wurde. Die
Verfahrensbeteiligten erhielten Gelegenheit, sich zu diesem Fachbericht zu äussern. Die
Beschwerdeführenden halten in ihren Schlussbemerkungen vom 20. Juni 2018 an ihren
Anträgen fest. Auf den Fachbericht des OIK II sei nicht abzustellen, denn dieser sei
oberflächlich und basiere auf unzutreffenden Annahmen. Auch die Beschwerdegegnerin
hält mit Stellungnahme vom 12. Juni 2018 an ihren Anträgen fest. Sie erachten den
Fachbericht des OIK II als ausführlich, vollständig und schlüssig. Die Gemeinde hat keine
Schlussbemerkungen eingereicht.
2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Sachurteilsvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG3. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG4 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen,
die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden,
deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den vorinstanzlichen Gesamtentscheid
formell und als Nachbarn auch materiell beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Baupolizeiliche Masse
a) In ihrer Einsprache hatten die Beschwerdeführenden unter anderem vorgebracht,
dass Art. 47 der Bauordnung (BO) der Stadt Bern5 nicht eingehalten werde. Unter dem
Titel "Baupolizeiliche Masse in den Bauklassen 2–6; Sonderfälle" bestimmt Art. 47 BO: "1Wird ein bestehendes Gebäude in einer einheitlichen Gebäudereihe ersetzt oder ein
Neubau in einer Baulücke errichtet, sind Gebäudehöhe und Geschosshöhe der benachbarten
Gebäude zu übernehmen. 2Der Neubau hat auf die wesentlichen Elemente der Aussengestaltung der benachbarten
Gebäude Bezug zu nehmen."
Im angefochtenen Entscheid erwog die Stadt Bern, diese Bestimmung sei nicht
anwendbar, denn beim Bauvorhaben handle es sich nicht um ein Gebäude in einer
einheitlichen Gebäudereihe, sondern um ein freistehendes Gebäude. Die
Beschwerdeführenden machen nun geltend, das Bauvorhaben sei als Neubau in einer
3 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 4 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 5 Vom 15. Juni 2006, vom Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR) genehmigt am 28. Dezember 2006
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Baulücke zu betrachten. Daher müssten Gebäudehöhe und Geschosshöhe der
benachbarten Gebäude übernommen werden. Diese Anforderungen erfülle das
Bauvorhaben nicht.
b) Art. 47 BO definiert den Begriff der Baulücke nicht. Nach Ansicht der
Beschwerdeführenden liegt eine Baulücke vor, wenn eine einzelne unüberbaute Parzelle
unmittelbar an das überbaute Land angrenzt, in der Regel bereits erschlossen ist und eine
relativ geringe Fläche (weniger als 1 Hektare) aufweist. Diese Definition der Baulücke
findet sich in der bundesgerichtlichen Rechtsprechung im Zusammenhang mit der
raumplanerischen Festlegung der Bauzone.6 Vorliegend geht es jedoch um die gänzlich
andersartige Frage der Gestaltung einer Liegenschaft, welche sich bereits in der Bauzone
befindet. Solche Fälle werden von der erwähnten Praxis nicht erfasst.
Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführenden ist auch nicht massgebend, dass der
OIK II in seinem Fachbericht vom 25. Mai 2018 von einer Baulücke ausgeht. Der
Fachbericht behandelt die Frage der Verkehrssicherheit bei der Ein- und Ausfahrt auf der
Parzelle Nr. R._, welche das Bauvorhaben erschliesst. Dabei nimmt er Bezug auf
die Charakteristiken des Quartiers, insbesondere auch auf die umgebende Bebauung,
soweit sie für die Beurteilung der Verkehrssicherheit bedeutsam ist. Der Fachbericht des
OIK II behandelt jedoch keine Fragen der ästhetischen Gestaltung. Für diese ist er nicht
massgebend.
c) Zur Klärung der Frage, ob vorliegend von einer Baulücke im Sinne von Art. 47 BO
auszugehen ist, muss diese Bestimmung ausgelegt werden. In den darin angeführten
Fällen (Gebäudereihe, Baulücke) sollen zugunsten einer besseren Ästhetik die Gebäude-
und die Geschosshöhe der benachbarten Gebäude das zulässige Nutzungsmass
bestimmen. Nach ihrem Sinn und Zweck ist diese Vorschrift dort anzuwenden, wo die
bestehenden Gebäude den Eindruck ästhetischer Einheitlichkeit vermitteln und ein Neubau
auch bei Einhaltung der allgemeinen Vorschriften über das Nutzungsmass diese
ästhetische Wirkung unterbrechen oder stören könnte.
Gemäss Baugesuch und Plänen soll auf den zwei benachbarten Parzellen
Nrn. Q._ und P._ ein Gebäude erstellt werden, das auf Parzelle
6 Vgl. BGE 132 II 218 E. 4
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Nr. R._ mit einer Privatstrasse erschlossen wird. Westlich der Bauparzellen
befindet sich eine Gebäudereihe mit den Liegenschaften S._ 40 - 46 (Parzellen
Nrn. T._, U._, V._ und W._). Diese Gebäude sind als
Reihenhäuser aneinandergebaut. Das am nächsten zu den Bauparzellen gelegene
Gebäude (S._ 46, Parzelle Nr. W._) reicht auf dieser Seite nicht bis zur
Grundstücksgrenze. Ein auf den Bauparzellen erstelltes Gebäude könnte also nicht als
Reihenhaus an das bestehende Nachbargebäude angebaut werden. Die mit der
Gebäudereihe S._ 40 - 46 gebildete ästhetische Einheit findet westlich der
Bauparzellen ihren Abschluss. Auf der gegenüberliegenden, östlichen Seite grenzt die
Bauparzelle Nr. P._ an die O._. Auf der anderen Strassenseite findet der
Häuserzug der S._ 40 - 46 keine Fortsetzung. Die Bauparzellen bilden demnach
nicht eine Lücke innerhalb einer ästhetischen Einheit. Art. 47 BO ist nicht anwendbar.
3. Beschattung
a) Die Beschwerdeführenden befürchten eine übermässige Beschattung durch das
projektierte Gebäude. Es handle sich um ein "höheres Haus" im Sinne von Art. 20 aBauG
und Art. 22 aBauV. Diese Bestimmungen seien bei Einreichung des Baugesuchs noch in
Kraft gewesen und daher anzuwenden.
b) Nach Art. 36 BauG ist grundsätzlich das Recht im Zeitpunkt des Baugesuches
massgeblich. Neues Recht ist jedoch anzuwenden, wenn es für die gesuchstellende
Person günstiger ist. In solchen Fällen könnte nämlich durch den Rückzug des Gesuchs
und dessen Neueinreichung ohne weiteres die Anwendung des neuen Rechts erwirkt
werden. Mit der Anwendung des günstigeren neuen Rechts wird ein verfahrensrechtlicher
Leerlauf vermieden.7
c) Das geltende Recht sieht keine besonderen Bestimmungen für höhere Häuser mehr
vor. Insbesondere gelten keine Einschränkungen betreffend Schattenwurf. Regelungen
zum Schattenwurf bestehen noch für Hochhäuser (Art. 22 Abs. 3 BauV), welche
definitionsgemäss von der baurechtlichen Grundordnung abweichen (Art. 19 und Art. 20
BauG). Dies trifft auf das Bauvorhaben nicht zu.
7 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 36 N. 1 und N. 2a Bst. d, je mit Hinweisen auf die Rechtsprechung
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4. Verkehrssicherheit
a) Die Beschwerdeführenden hatten im Baubewilligungsverfahren vorgebracht, dass die
Sichtweiten bei der Ausfahrt in die O._ ungenügend seien.8 Die Stadt Bern erwog
dazu im angefochtenen Entscheid, dass die Sichtweite auf die Fahrbahn der VSS-Norm
640 273a (Ziff. 12.2, letzter Absatz, i.V.m. Tab. 1) entspreche. Die Sichtweite auf das
Trottoir unterschreite die nach der Norm (Ziff. 12.2, 2. Absatz) erforderlichen 15 m. Nach
der Praxis der Stadt Bern genüge es aber, wenn im dicht bebauten städtischen Raum bei
privaten Ausfahrten (wenige Parkplätze, die Autofahrenden kennen die Situation) auf
beiden Seiten der Ausfahrt ein Sichtdreieck von 2x2 m so gestaltet werde, dass das
Trottoir in diesem Bereich einsehbar sei. Diese Voraussetzung sei hier erfüllt. Die
Beschwerdeführenden bestreiten auch im Beschwerdeverfahren, dass die
Verkehrssicherheit beim Bauvorhaben gewährleistet ist. Die Sicht nach links auf die
Fahrbahn und in beide Richtungen auf das Trottoir sei ungenügend. Es sei unzutreffend,
wenn im angefochtenen Entscheid der Gehweg als hindernisfrei bezeichnet werde.
b) Gemäss Art. 21 Abs. 1 BauG müssen Bauten und Anlagen so erstellt, betrieben und
unterhalten werden, dass weder Personen noch Sachen gefährdet werden. Dies setzt
insbesondere auch voraus, dass die Verkehrssicherheit gewährleistet ist (vgl. Art. 6 Abs. 3
BauV9). Zur Beurteilung der Verkehrssicherheit können die einschlägigen Normen des
Schweizerischen Verbands der Strassen- und Verkehrsfachleute VSS herangezogen
werden. Diese stellen keine verbindlichen Rechtsvorschriften dar, sondern Empfehlungen
für die Beurteilung im Einzelfall.
c) Die Stadt Bern unterscheidet im angefochtenen Entscheid zutreffend zwischen der
Sicht auf die Strasse und der Sicht auf den Gehweg, welcher auf der Westseite der
O._ verläuft und mit der Ausfahrt aus der privaten Erschliessungsstrasse gekreuzt
wird. Dieser Gehweg wird im Bereich der Ausfahrt nicht unterbrochen, sondern verläuft
durchgehend, in diesem Sinne also hindernisfrei. Fussgänger und fahrzeugähnliche Geräte
haben auch im Bereich der Ausfahrt Vortritt auf dem Gehweg.10 Die Verkehrssicherheit
erfordert, dass sowohl die Sicht auf die Fahrbahn als auch die Sicht auf das Trottoir
8 Schlussbemerkungen vom 20.12.2017, Vorakten pag. 225 9 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1) 10 VSS-Norm SNR 640 242 "Querungen für den Langsamverkehr, Trottoirüberfahrten", 2013, Ziff. 12.1; Art. 43 Abs. 2 Strassenverkehrsgesetz vom 19. Dezember 1958 (SVG; SR 741.01), Art. 41 Abs. 2 Verkehrsregelnverordnung vom 13. November 1962 (VRV; SR 741.11)
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gewährleistet ist. Die Sicht auf die Fahrbahn ist ab dem vorderen Rand der
Trottoirüberfahrt sicherzustellen, die Sicht auf das Trottoir dagegen ab dem hinteren Rand
der Trottoirüberfahrt.11
d) Die erforderlichen Sichtweiten auf die Fahrbahn richten sich nach der
Zufahrtsgeschwindigkeit der vortrittsberechtigten Motorfahrzeuge. Die O._ liegt in
einer Begegnungszone mit Tempo 20.12 Nach der VSS-Norm 640 273a, Ziff. 12.1 ist
demnach eine Sichtweite auf die Fahrbahn von 10 – 20 m einzuhalten. Diese Sichtweite
muss von der sogenannten Beobachtungsdistanz von 3 bzw. mindestens 2,5 m hinter dem
Fahrbahnrand (welche dem vorderen Rand der Trottoirüberfahrt entspricht) eingehalten
werden. Dies entspricht der Position des Fahrzeuglenkers (vgl. VSS-Norm 640 273a,
Ziff. 11). Das Sichtfeld muss von Hindernissen frei gehalten werden, wobei es in der Regel
genügt, wenn das Sichtfeld in einem Höhenbereich zwischen 0,6 m und 3,0 m über der
Fahrbahn hindernisfrei ist.13
Der Plan "Dachaufsicht/Umgebung" im Mst. 1:10014 zeigt auf, dass bei einer
Beobachtungsdistanz von 4,2 m ab Fahrbahnrand nach beiden Seiten eine Sichtweite vom
10 m auf die Fahrbahn gewährleistet ist. Würde von der minimalen Beobachtungsdistanz
von 3 bzw. 2,5 m ab Fahrbahnrand aus gemessen, würde die Sichtweite mehr als 10 m
betragen. Die Empfehlungen in den VSS-Normen zur Sichtweite auf die Fahrbahn sind
damit eingehalten. Insoweit ist die Verkehrssicherheit gewährleistet.
e) Für die Sicht auf den Gehweg empfiehlt die VSS-Norm 640 273a, Ziff. 12.2 eine
Sichtweite von mindestens 15 m. Die Beobachtungsdistanz beträgt 3 bzw. mindestens
2,5 m ab dem hinteren Trottoirrand. Der erwähnte Plan "Dachaufsicht/Umgebung" zeigt
auf, dass diese Sichtweite mit dem Bauvorhaben nicht eingehalten wird. Dies ist
unbestritten. Nach dem Plan ist die Zufahrtsstrasse zu beiden Seiten der Ausfahrt
ausgerundet. Auf der rechten Seite (Ausfahrt Richtung Südwesten) befindet sich am Rand
der Ausfahrt eine gerundete Mauer, welche nach dem Plan "Ansichten Schnitt A-A"15 0,70
11 VSS-Norm SNR 640 242 "Querungen für den Langsamverkehr, Trottoirüberfahrten", 2013, Ziff. 14.4 12 Fachbericht Verkehr des OIK II vom 25. Mai 2018, Ortsanalyse 13 VSS-Norm 640 273a, Ziff. 10 14 Vom 1. März 2017, revidiert am 19. Juni 2017, mit Bewilligungsstempel der Stadt Bern, Vorakten pag. 245 15 Mst. 1:100, vom 6. Januar 2017, mit Bewilligungsstempel der Stadt Bern, Vorakten pag. 250
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m hoch ist. Auf der linken Seite (Ausfahrt Richtung Nordosten) grenzt die Ausfahrt an ein
Grundstück in fremdem Privateigentum.
Der OIK II führt in seinem Fachbericht vom 25. Mai 2018 aus, die O._ liege in
einer Begegnungszone mit Fussgängervortritt und Tempo 20. Der Verkehr und auch das
Fussgängeraufkommen seien gering. Im Umfeld des geplanten Neubaus seien gemäss
Unfalldatenbank keine Unfälle registriert worden. Im Bereich der Ausfahrt wechsle die
Anordnung markierter Parkfelder auf die andere Strassenseite, so dass kaum schnell
gefahren werden könne. Gemäss den Beobachtungen werde langsam (ca. 20 km/h)
gefahren. Die Sichtweite auf die Strasse gemäss VSS-Norm SN 640 273a werde in beide
Richtungen eingehalten. Die in der Norm empfohlene Sichtweite von 15 m auf Trottoirmitte
werde bei der Ausfahrt in Blickrichtung links (nach Nordosten) nicht eingehalten. Die
Sichtweite auf das Trottoir betrage dort nur 10 m. Diese Normabweichung sei hier
verhältnismässig. Die Empfehlung der VSS-Norm SN 640 273a gelte für Allgemeinfälle,
welche mit der vorliegenden Situation kaum vergleichbar seien. In dicht bebauten und
historisch entwickelten Wohngebieten seien die Platzverhältnisse oft derart eng, dass bei
Einfahrten in schwach befahrene Quartierstrassen die normgerechten Sichtverhältnisse
unterschritten würden. An der O._ sei dies bei diversen bestehenden Einfahrten
der Fall. Die O._ stelle eine Begegnungszone dar, auf der sich Fussgänger,
Rollbrettfahrer, Skooter und Rollschuhfahrer frei und vortrittsberechtigt auf der ganzen
Strasse aufhalten könnten. Die vier Parkplätze des Bauvorhabens, welche mit der Zufahrt
erschlossen werden, würden meist von den gleichen Personen befahren, welche die
Situation kennen. Die Praxis der Stadt Bern, wonach Sichtdreiecke von 2 m Seitenlänge
bei solchen Verhältnissen als genügend gälten, sei plausibel. Solche Sichtdreiecke seien
beim vorliegenden Projekt eingehalten. Die Verkehrssicherheit sei damit gewährleistet.
Denkbar sei eine weitere Verbesserung mit flankierenden Massnahmen, namentlich durch
regelmässigen Heckenschnitt auf der Nachbarparzelle Nr. X._, ein fixes Element
am Trottoirrand neben der Ausfahrt oder einen Rüttelstreifen auf dem Trottoir. Die
Erschliessung solle wie geplant realisiert und allenfalls beobachtet werden. Bei Bedarf
könnten kleine flankierende Massnahmen später realisiert werden.
Die Beschwerdeführenden führen in ihren Schlussbemerkungen vom 20. Juni 2018 aus,
die O._ sei weniger verkehrsarm als im Fachbericht angenommen. Entgegen dem
Fachbericht werde die O._ als Umfahrung genutzt. Auch sei das
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Fussgängeraufkommen nicht so gering wie im Fachbericht angenommen; die O._
liege am Schulweg.
Erfahrungsgemäss kann es vorkommen, dass auch dafür nicht geeignete Strassen als
Umfahrungswege für den Durchgangsverkehr genutzt werden. Der OIK II stützt seine
Annahmen, wonach in der Umgebung des Bauvorhabens das Verkehrsaufkommen gering
sei, langsam gefahren werde und der Verkehr störungsfrei funktioniere, sowohl auf eigene
Beobachtungen vor Ort als auch auf faktische Gegebenheiten wie die Signalisation
(Begegnungszone mit Fussgängervortritt und Tempo 20), die Unfalldatenbank (keine
registrierten Unfälle) und das Vorhandensein von Verkehrshindernissen (Parkplätze auf
wechselnden Strassenseiten). Damit sind die Annahmen des OIK II nachvollziehbar und
plausibel.
Die Beschwerdeführenden kritisieren sodann, dass der Fachbericht bestehende Ausfahrten
in der Umgebung zum Vergleich heranzieht. Diese seien nach heute nicht mehr gültigem
Recht beurteilt worden. Der Vergleich mit bestehenden Anlagen rechtfertigt sich aber
dennoch. Zum einen bestehen massgebende Umstände wie die dichte Bebauung und die
engen Platzverhältnisse fort und haben sich allenfalls noch verschärft. Zum andern ist es
für die Einschätzung von Sicherheitsrisiken relevant, ob vergleichbare Ausfahrten in der
Umgebung eine Unfallhäufung verursacht haben. Dies ist offenbar nicht der Fall.
Schliesslich weisen die Beschwerdeführenden darauf hin, dass fixe Elemente oder
Rüttelstreifen auf dem Trottoir die Sichtweiten nicht verbessern würden. Es gehe nicht an,
die Fussgänger zu schikanieren, damit eine ungenügend verkehrssichere Ausfahrt erstellt
werden könne. Die erforderlichen Sichtweiten hängen davon ab, mit welcher
Geschwindigkeit sich andere Verkehrsteilnehmer auf den Kreuzungspunkt zubewegen. Im
Fachbericht des OIK II wird ausgeführt, dass die in der Norm vorgesehene Sichtweite von
15 m auf das Trottoir so bemessen ist, dass fahrzeugähnliche Geräte, welche mit etwa 20
km/h auf dem Trottoir verkehren, rechtzeitig erkannt werden können. Es geht also um die
Berücksichtigung von Verkehrsteilnehmern auf dem Trottoir, die deutlich schneller
unterwegs sind als Fussgänger. Mit einem fixen Element oder Rüttelstreifen auf dem
Trottoir kann deren Fortbewegungsgeschwindigkeit und damit auch die notwendige
Sichtweite reduziert werden. Die Ausführungen des Fachberichts erscheinen insofern
folgerichtig. Nach dem Fachbericht setzt die Verkehrssicherheit im vorliegenden Fall das
Vorhandensein solcher Elemente aber nicht voraus. Der OIK II empfiehlt, dass die
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Erschliessung wie geplant realisiert und allenfalls beobachtet werden solle. Bei Bedarf
könnten kleine flankierende Massnahmen zur Sicherung einer möglichst guten Sicht später
realisiert werden. Solche flankierenden Massnahmen sind (vorläufig) aber nicht geplant. Es
muss daher nicht geprüft werden, ob sie die Sicherheit der auf dem Trottoir verkehrenden
Personen (Fussgänger, Personen im Rollstuhl, fahrzeugähnliche Geräte etc.) gefährden.
Die Kritik der Beschwerdeführenden am Fachbericht des OIK II ist demnach nicht
stichhaltig. Der Fachbericht erweist sich als vollständig, nachvollziehbar und plausibel.
Gestützt auf diesen ist davon auszugehen, dass das Bauvorhaben die Anforderungen an
die Verkehrssicherheit erfüllt.
5. Rechtsverwahrung
Die Beschwerdeführenden begründen in ihrer Beschwerde ihre Rechtsverwahrung. Sie
haben diese bereits im erstinstanzlichen Verfahren geltend gemacht. Die Stadt Bern hat
diese im angefochtenen Entscheid vermerkt. Damit besteht kein Anlass zur Abänderung
oder Ergänzung des angefochtenen Entscheids.
Die Beschwerdeführenden fordern in diesem Zusammenhang, dass im Falle der
Bewilligung des Bauvorhabens entlang ihren Parzellengrenzen und auf der Terrasse des
Attikageschosses ein Sichtschutz erstellt wird. Sie führen dafür keine baurechtliche
Grundlage an. Eine solche ist auch nicht ersichtlich. Für die Geltendmachung allfälliger
zivilrechtlicher Ansprüche werden die Beschwerdeführenden auf den Zivilrechtsweg
verwiesen.
6. Zusammenfassung und Kosten
a) Nach dem Gesagten erweisen sich die Rügen der Beschwerdeführenden als
unbegründet. Die Beschwerde ist daher abzuweisen und der angefochtene Entscheid ist zu
bestätigen. Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden.
Sie haben die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt
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auf eine Pauschalgebühr von Fr. 2'800.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19 Abs. 1
GebV16).
b) Die Beschwerdeführenden haben zudem der Beschwerdegegnerin die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Der Rechtsvertreter der Beschwerdegegnerin macht
Parteikosten im Umfang von Fr. 3'988.15 geltend (Honorar Fr. 3'600.–, Auslagen Fr. 103.–,
Mehrwertsteuer Fr. 285.15). Dies gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die
Beschwerdeführenden haben somit der Beschwerdegegnerin die Parteikosten von
Fr. 3'988.15 zu ersetzen.