# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 177c70de-d751-59a5-9207-335915dafc42
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1985 geborene
X._
, Mutter dreier in den Jahren 2009, 2010
,
2011 geborener Kinder (Urk. 11/3 Ziff. 3), war zuletzt von 2008 bis 2009 als Ag
ent Check-In/Gate am Flughafen
Y._
tätig (Urk. 11/3 Ziff. 5.4). Am 23. Oktober 2017 meldete sie sich unter Hinweis auf diverse gesundheitliche Beeinträchtigungen bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk. 11/3). Die Sozial
versicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und er
werb
liche Abklärungen, und veranlasste eine Abklärung im Haushalt (Urk. 11/23).
Mit Vorbescheid vom 12. September 2018 stellte die IV-Stelle der Versicherten in Aussicht, dass kein Anspruch auf eine Invalidenrente bestehe (Urk. 11/26). Da
gegen erhob die Versicherte Einwände (Urk. 11/27, Urk. 11/36, Urk. 11/45). In der Folge liess die IV-Stelle die Versicherte polydisziplinär begutachten (Expertise vom 14. April 2020; Urk. 11/55) und wies das Leistungsbegehren mit Verfügung vom 17. Juni 2020 (Urk. 11/62 = Urk. 2) ab.
2.
Die Versicherte erhob am 18. August 2020 Beschwerde gegen die Verfügung vom 17. Juni 2020 (Urk. 2) und beantragte, diese sei aufzuheben und ihr sei ab dem 1. Mai 2018 eine
Dreiviertelsrente
auszurichten. Eventuell sei ein Gerichtsgut
ach
ten einzuholen und hernach über den Leistungsanspruch neu zu befinden (Urk. 1 S. 2). Am 5. Oktober 2020 (Urk. 10) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin mit Verfügung vom 29. Oktober 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 15). Mit Verfügung vom 15. Dezember 2020 wurde der Beschwerdeführerin Frist angesetzt, um nähere Angaben zu ihrem Ge
such um unentgeltliche Prozessführung und Rechtsvertretung (vgl. Urk. 1 S. 2) zu machen (Urk. 17). Nachdem die Beschwerdeführerin weitere Angaben gemacht und Unterlagen eingereicht hatte (Urk. 19 f.), wurde das Gesuch um unent
gelt
liche Prozessführung und Rechtsvertretung mit Verfügung vom 11. Februar 2021 (Urk. 21) bewilligt.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit
verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Be
weisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als chronifiziert gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines strukturierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
1.4
Gemäss dem in Art. 27
bis
Abs. 2–4 der
Verordnung über die Invalidenver
siche
rung (IVV)
per 1. Januar 2018 eingeführten neuen Berechnungsmodell für die Festlegung des Invaliditätsgrads von teilerwerbstätigen Versicherten nach der ge
mischten Methode (Art. 28a Abs. 3 IVG) werden der Invaliditätsgrad in Bezug auf die
Erwerbstätigkeit und der Invaliditätsgrad in Bezug auf die Betätigung im Auf
gabenbereich – weiterhin – summiert (Art. 27
bis
Abs. 2 IVV). Die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Erwerbstätigkeit richtet sich nach Art. 16 ATSG, wobei das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person durch die Teil
erwerbstätigkeit erzielen könnte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, auf eine Vollerwerbstätigkeit hochgerechnet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. a IVV) und die pro
zentuale Erwerbseinbusse anhand des Beschäftigungsgrads, den die versicherte Person hätte, wenn sie nicht invalid geworden wäre, gewichtet wird (Art. 27
bis
Abs. 3
lit
. b IVV). Für die Berechnung des Invaliditätsgrads in Bezug auf die Betätigung im Aufgabenbereich wird der prozentuale Anteil der Einschränkungen bei der Betätigung im Aufgabenbereich im Vergleich zur Situation, wenn die versicherte Person nicht invalid geworden wäre, ermittelt. Der Anteil wird anhand der Differenz zwischen dem Beschäftigungsgrad nach Absatz 3
lit
. b und einer Vollerwerbstätigkeit gewichtet (Art. 27
bis
Abs. 4 IVV).
1.5
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensver
gleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegen
übergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invaliditäts
grad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
1.6
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leis
tungsabweisende Ver
fü
gung vom 17. Juni 2020 (Urk.
2) damit, dass
die Beschwerdeführerin zunächst zu 10 % im Erwerbsbereich und zu 90 % im Haushaltsbereich qualifiziert worden sei (S. 1). Gestützt auf den Einwand der Beschwerdeführerin werde die Quali
fika
tion auf 55 % Erwerbsbereich und 45 % Haushaltsbereich korrigiert. Es liessen sich keine Diagnosen nachvollziehen, welche Einschränkungen in ihrer Arbeits
fähigkeit zur Folge hätten. Einzig die zuletzt im Jahr 2003 ausgeübte Tätigkeit im Tanzunterricht sei nicht mehr geeignet. Ihre bisherige Tätigkeit als Klassenassistentin wie auch eine angepasste Tätigkeit seien jedoch vollumfänglich zumutbar. Auch seien sämtliche Haushaltsarbeiten vollumfänglich zumutbar (S. 2).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (Urk. 1),
das MEDAS-Gutachten weise verschiedene Mängel auf. Es beruhe auf falschen
Prämissen, sei in Bezug auf die rheumatologischen Gesundheitsprobleme nicht voll
ständig, widerspreche den Fachmeinungen des Regionalen Ärztlichen Dienstes
(RAD) und der behandelnden Ärzte sowie der Haushaltsabklärung, sei mit Blick auf die grösstenteils objektivierbaren Befunde im Resultat nicht nachvollziehbar und schliesslich unzulänglich begründet. Es werde nicht substantiiert dargelegt, aus
welchen Gründen die erhobenen Befunde das funktionelle Leistungsver
mö
gen in qualitativer, quantitativer und zeitlicher Hinsicht nicht zu schmälern ver
mögen würden (S. 9
Rz
23). Dem Gutachten sei damit die Beweiskraft abzu
spre
chen
und der Beschwerdeführerin entweder (gestützt auf die sonst einhelligen Fach
mei
nungen) eine
Dreiviertelsrente
zuzusprechen oder aber zwingend ein Ge
richts
gutachten (inklusive rheumatologischer Begutachtung) einzuholen (S. 9
Rz
24).
2.3
Strittig und zu prüfen ist ein Rentenanspruch der Beschwerdeführerin.
3.
3.1
Dr. med.
Z._
, Facharzt für Chirurgie und für Ortho
pädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates, nannte mit Be
richt vom 22. November 2017 (Urk. 11/8/11-12) folgende, hier gekürzt aufge
führte
Diagnosen (S. 1):
unidirektionale
antero
-inferiore
volontäre
Schulterinstabilität rechts
beginnende unidirektionale
antero
-inferiore Schulterinstabilität links
Weichteilrheumatismus
fortgeschrittener Morbus Bechterew
Polyarthrose auch der kleinen Gelenke
Die Therapie der Wahl sei die Physiotherapie, wobei die Beschwerdeführerin schlechte Erfahrungen gemacht habe. Da aber die Therapie noch nie wirklich wahr
genommen worden sei, sei dieser Schritt zwingend notwendig, bevor an eine operative Intervention gedacht werden könne (S. 2).
3.2
Dr. med.
A._
, Fachärztin für
Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
, nannte mit Bericht vom 2. Februar 2018 (Urk. 11/8/7-8) folgende Diagnosen (S. 1):
Spondylitis
ankylosans
unklare Schmerzen
Metatarsophalangealgelen
k
(MTP) II und III beidseits
unklare Schmerzen vor allem
Metacarpophalangealgelenk
e
(MCP) II-IV
unklare Schmerzen Schulter rechts
Zustand nach Vorfusseingriffen beidseits extern durch Dr. med.
B._
Sie bitte darum, die Diagnose Spondylitis
ankylosans
nochmals zu hinterfragen (S. 2).
3.3
Dr. med.
C._
, Facharzt für Fachchiropraktik, führte mit Bericht
vom 20. Februar 2018 (Urk. 11/8/1-6) aus, er behandle die Beschwerdeführerin seit
2011 (Ziff. 1.1) alle vier bis sechs Wochen, situativ je nach Bedarf (Ziff. 1.2).
Eine längerdauernde volle Arbeitsfähigkeit sei noch nie möglich gewesen (Ziff
. 1.3). Es bestehe eine komplexe Schmerzproblematik des gesamten Bewe
gungs
apparates (Ziff. 2.2). Die Prognose zur Arbeitsfähigkeit sei sehr schlecht (Ziff. 2.7). Die bis
herige Tätigkeit sei 8 Stunden zu 50 % zumutbar (Ziff. 4.1), eine angepasste Tätigkeit 4 Stunden pro Tag (Ziff. 4.2). Die Prognose zur Eingliede
rung sei
sehr schlecht. Er
könne sich keine Stelle vorstellen, wo die Beschwer
deführerin arbeiten könnte (Ziff. 4.3).
3.4
Dr.
med.
D._
, Facharzt für Orthopädische Chirurgie und Traumato
logie des Bewegungsapparates, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD),
führte mit Stellungnahme vom 1. März 2018 (Urk. 11/25/3-5) aus, eine abschliessende ver
sicherungsmedizinische Beurteilung sei momentan nicht möglich, es bedürfe wei
terer medizinischer Abklärung (S. 3).
3.5
Dr.
A._
(vorstehend E. 3.2) führte mit Schreiben vom 24. März
2018 (Urk. 11
/14) aus, die Diagnose Spondylitis
ankylosans
sei aufgrund einer mündli
chen Mitteilung der Beschwerdeführerin gestellt worden. Bei unklarer Situation sei der Beschwerdeführerin empfohlen worden, die Diagnose nochmals zu hin
terfragen (S. 3).
3.6
Dr. med.
Z._
(vorstehend E. 3.1) führte mit Schreiben vom 5. April 2018 (Urk. 11/15) aus, er habe die Diagnosen fortgeschrittener Morbus Bechterew und Weichteilrheumatismus aus der Anamnese der Beschwerdeführerin.
3.7
Dr.
D._
(vorstehend E. 3.4) führte mit Stellungnahme vom 15. Mai 2018 (Urk. 8/25/6-7) aus, es gebe weiterhin keine eindeutige Bestätigung für die in mehreren Berichten aufgelistete Diagnose «Spondylitis
ankylosans
beziehungs
weise Morbus Bechterew» respektive einen Anhalt dafür, wer diese Diagnose denn primär gestellt habe und aufgrund welcher Befunde.
Unzweifelhaft seien wohl nur die eindeutigen Befunde/Diagnosen aus dem Bereich des Bewegungs
appa
rates.
Inzwischen gebe es durch die Beschwerdeführerin eine Bestätigung für eine offenbar seit vier Jahren laufende, medikamentöse Behandlung eines ADHS. Je
doch gebe es keinen psychiatrischen Bericht, da der Psychiater selbst erkrankt sei.
Eine versicherungsmedizinisch abschliessende Beurteilung der funktionellen Leis
tungsfähigkeit respektive deren Einschränkung rein nach Aktenlage sei hier voll
kommen unmöglich. Es bedürfe daher zwingend einer polydisziplinären Begut
achtung (Allgemeine Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie, Psychiatrie; S. 2).
3.8
Dem Bericht vom 4. Juli 2018
über die Haushaltsabklärung
(Urk. 11/23) ist zur beruflichen Ist-Situation zu entnehmen, dass die Beschwerdeführerin neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau gerne noch einer Arbeit nachgehen wolle, aber aufgrund ihrer Beschwerden ihr viele Tätigkeiten nicht möglich seien (S. 2 Ziff. 2.3). Sie lebe zusammen mit ihrem Ehemann und drei Kindern in einer Mietwohnung (S. 2 Ziff. 2.3.1). Zur beruflichen Situation ohne Gesundheitsschaden habe die Be
schwer
deführerin angegeben, dass es aufgrund der finanziellen Situation wichtig sein würde, dass sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen könnte. Doch sie wisse nicht, was sie arbeiten könnte. Ihr würde ja schon das Austragen von Zeitungen nicht möglich sein. Sie würde so gerne noch etwas arbeiten, aber diese gesund
heitlichen Beeinträchtigungen hätten alles kaputt gemacht (S. 3 Ziff. 2.5).
Die Abklärungsperson qualifizierte
die Beschwerdeführerin als zu 10 % im Erwerbs
bereich und zu 90 % im Haushaltsbereich (S. 3 Ziff.
2.6). Zur Begründung führte sie aus,
die Angaben der Beschwerdeführerin würden glaubhaft und nachvoll
ziehbar sein (S. 3 Ziff. 2.6.1).
Im mit
3
0
% gewichteten Bereich «Ernährung» res
ultiere eine Einschränkung von
25 % (S. 5 Ziff. 6.1) und im mit 20 % gewichteten Bereich «Wohnungs- und Haus
pflege, Haustierhaltung
» resultierte eine solche von 40 % (S. 6 Ziff. 6.2). Im mit 10
% gewichteten Bereich «Einkauf sowie weitere Besorgungen» wurden keine Einschränkungen festgestellt (
S. 6 Ziff. 6.3). Im mit 20
% gewichteten Bereich
«Wäsche und Kleiderpflege» resultierte eine Einschränkung von 35 % (S. 7 Ziff. 6.4)
und im mit 20 % gewichteten Bereich «Betreuung von Kindern und/oder Ange
hörigen» resultierte eine solche von 30 % (S. 7 Ziff. 6.5). Die entsprechend ge
wich
teten einzelnen Einschränkungen ergaben eine E
inschränkung von insge
samt 28.5 % (S. 7
Ziff.
6.6) und
bei einer Qualifikation von 90
% im Haushalt einen Teilinvaliditätsgrad von
25.65 % (S. 8 Ziff. 7
).
3.9
Dr. med.
E._
, Fachärztin für
Allgemeine Innere Medizin
, Klinik
F._
AG, führte mit Bericht vom 5. Oktober 2018 (Urk. 11/40/11-14) aus, sie habe die Beschwerdeführerin am 18. Juni 2018 zu einem Erstgespräch gesehen (S. 1) und nannte folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen (S. 3):
chronisches
multilokuläres
Schmerzsyndrom mit somatischen und psy
chi
schen Faktoren (ICD-10 F45.41)
ADHS, Erstdiagnose im Jugendalter, unter Substitution mit Concerta und
Medikinet
depressive Symptomatik, derzeit mittelschwer bis schwer (ICD-10 F32.2)
Die medizinische und psychische Situation der Beschwerdeführerin sei sehr kom
plex mit chronischem
multilokulärem
Schmerzsyndrom bei diversen Ursachen sowie einer seit Jugend bekannten ADHS-Erkrankung unter Psychostimulanzien, die eher hoch dosiert erschienen. Eine begleitende Psychotherapie sei offenbar bisher neben der Verordnung der Psychopharmaka zweimal pro Jahr nicht durch
geführt worden, obwohl aktuell ein erhebliches depressives Syndrom bei Ehekon
flikt und Überforderung in der Partnerschaft vorliege (S. 3). Die Beschwerdefüh
rerin habe sich weitere Gespräche noch vor den Ferien gewünscht. Dies sei wegen Terminschwierigkeiten nicht zustande gekommen (S. 4).
3.
10
Dr. med.
G._
, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabili
tation sowie für Rheumatologie, führte mit Bericht vom 18. Dezember 2018 (Urk. 11/35) aus, auf Grund der nur fragmentarischen Befunde könne im jetzigen Zeitpunkt keine abschliessende rheumatologische Gesamtbeurteilung vorgenom
men werden. Basierend auf der von Dr.
C._
fortlaufend dokumentierten Funktionsbeeinträchtigung sei in jedem Fall die ursprüngliche Tätigkeit (Tanz
ausbildung) nicht mehr zumutbar. Für eine umfassende rheumatologische Stand
ort
bestimmung sei eine nochmalige detaillierte Untersuchung unumgänglich.
3.11
Dr.
E._
(vorstehend E. 3.9) führte mit Bericht vom 11. Juni 2019 (Urk. 11/40/1-7) aus, sie kenne die Beschwerdeführerin erst seit Juni 2018 und nur aus wenigen Gesprächen. Es bestünden erhebliche psychosoziale Belas
tun
gen. Eine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit könne nicht vorgenommen werden (Ziff. 2.7). Sie habe bisher keine Arbeitsunfähigkeit attestiert (Ziff. 1.3). Sie sehe die Beschwerdeführerin alle drei Monate zur Verordnung der Medikamente. Die Beschwerdeführerin wünsche sich keine häufigeren Gespräche (Ziff. 2.8). Die Beschwerdeführerin sei Hausfrau. Seit Dezember 2018/Januar 2019 bis Anfang Juli 2019 übe die Beschwerdeführerin die Tätigkeit einer Klassenassistentin in mehreren Klassen aus und arbeite insgesamt 16 Stunden pro Woche. Eine weitere Tätigkeit sei derzeit nicht vorgesehen (Ziff. 3.1). Die zumutbare Arbeitsfähigkeit müsse durch eine gutachterliche Untersuchung festgelegt werden (Ziff. 5).
3.12
Dr.
D._
führte mit Stellungnahme vom 23. Juli 2019 (Urk. 11/61/5-6) aus, eine polydisziplinäre Begutachtung sei unausweichlich (S. 2).
3.13
H._
, Abklärungsdienst der Beschwerdegegnerin, führte mit Stel
lungnahme vom 13. September 2019 (Urk. 11/61/6-7) aus, die Beschwerde
füh
rerin habe ab Januar 2019 im Umfang von 16 Lektionen pro Woche eine Tätigkeit als Klassenassistentin ausgeübt. Auf das Schuljahr 2019/2020 habe sie dieses Pensum aber angeblich aus gesundheitlichen Gründen auf sechs Lektionen pro Woche reduzieren müssen. Diese Tatsache bestätige, dass die Beschwerdeführerin ohne Gesundheitsschaden sicher einer Erwerbstätigkeit nachgehen würde und sie ihr Arbeitspensum bei guter Gesundheit wohl weiter gesteigert hätte. Im Einwand vom 19. Dezember 2018 werde erwähnt, dass die Beschwerdeführerin bei guter Gesundheit einer Erwerbstätigkeit von 50 bis 60 % nachgehen würde. Dies erscheine insofern glaubhaft, als die Beschwerdeführerin mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen ab Januar 2019 schon eine Erwerbstätigkeit von mehr als 30 % aufgenommen habe. Zudem würde auch aus finanziellen Gründen eine Erwerbstätigkeit angezeigt sein. Damit sei die Qualifikation im Erwerb auf 10 % respektive ab Januar 2019 auf 55 % und im Haushalt auf 90 % respektive ab Januar 2019 auf 45 % festzusetzen (S. 1 f.).
3.14
Dr.
D._
führte mit Stellungnahme vom 18. September 2019 (Urk. 11/61/7) aus, eine polydisziplinäre Begutachtung sei definitiv durchzuführen.
3.15
Die Ärzte des
I._
,
Medas
J._
, erstatteten am
14. April 2020 (Urk. 11/55) im Auftrag der Beschwerdegegnerin ein polydisziplinäres Gutachten. Sie nannten keine Diagnosen mit Relevanz für die Arbeitsfähigkeit in der angestammten Tätigkeit als Klassenassistentin (S. 7).
Ferner nannten sie folgende
, hier gekürzt aufgeführte
Diagnosen ohne Relevanz
für die Arbeitsfähigkeit (S. 8
):
einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung im Kindes- und Er
wach
senenalter (ICD- 10 F90.0)
primäre episodische Migräne, langjährig bereits anfallsfrei
residuelle
Vorfussbeschwerden beidseits
S
chulterbeschwerden
beidseits
rechtsbetont
cervico-spondylogenes
Schmerzsyndrom bei normalem Halswirbelsäule (HWS) MRI vom 21. Februar 2010
lumbospondylogenes
Schmerzsyndrom
Hüftschmerzen beidseits
Knieschmerzen beidseits
leichte
oromandibuläre
Dysfunktion
Status nach Oligoarthralgien und -arthritiden unklarer Ätiologie (Knie rechts, Hände Füsse) 2008
kein Anhalt für einen Morbus Bechterew
Satus nach Nephrolithiasis 2011
Status nach unklarer Gewichtsabnahme um 13 kg 2014
chronische Blasen-Nierenentzündung 2014
Gastroösophageale
Refluxerkrankung
(GERD)
Reizdarmsyndrom
Status nach Tonsillektomie
Allergien auf
Clamoxyl
,
Dalacin
,
Ibubrofen
, Morphin,
Pethldin
und
Novalgin
Nikotinabusus (15
pyrs
)
anamnestisch paroxysmale, höchstwahrscheinlich supraventrikuläre Tachy
kardien ohne wesentliche Beschwerden und ohne hämodynamische Bedeutung
Gemäss aktueller Anamnese beschreib
e
die Versicherte weiterhin e
ine
polytope
chronische Schmerz
symptomatik,
es
sei eine erste
Episode ihrer Schmerzen im 18.
Lebensjahr aufgetreten,
es
sei
en
im Rahmen der nachfolgenden Besserung erst wieder vor 8 Jahren, im Zusammenhang mit
der
Geburt ihres
dritten
Kindes, erneut Schmerzen im Rücken und am Nacken aufgetreten, vor
drei
Jahren auch zusätzlich
polytope
Gelenkschmerzen hinzugekommen. Sie klag
e
zusätzlich
über
Probleme links im Knie wegen
einer
Gelenkarthrose links, habe Beschwerden am unteren Rücken im Sinne dauerhafte
r
Schmerzen, sei der Status nach Operation an beiden Füssen 2015 mit fortgesetzt chronischen Schmerzen zu erwähnen. Sie fühle sich entsprechend eingeschränkt. So könne sie im Haushalt nicht ab
wa
schen, gelinge das Heben zum Beispiel
von schweren Pfannen nicht, könne sie wegen der Schulterprobleme die Wäsche nur erschwert bearbeiten und nicht heben, sei beim Betten beziehen e
ingeschränkt wegen der Schulter
beschwerden. Staubsaugen sei möglich, sofern nicht gerade die Hände akut entzündlich seien. Hingegen sei die seit Kindheit an anzunehmende Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung unter Behandlung mit Concer
ta symptomatisch relativ stabil (S. 6).
Auch zu psychischen Problemen befragt beschreib
e
sie zwar, dass es auch krisenhafte Gefühle schon gegeben habe, nur aber im Zusammenhang mit den Schmerzen,
und
dass sie sonst diesbezüglich nicht eingeschränkt sei im Alltag. Eigentliche depressive Phasen gebe es nicht. Speziell auch
in Konfrontation mit der Aktenl
age, mi
t dem psychosomatischen Bericht
von
Dr.
E._
, Klinik
F._
, vom
Oktober 2018, vernein
e
sie dezidiert das Vorliegen einer de
pressiven Symptomatik. Partnerschaftskonflikt
e
oder Überforderungs
s
itua
tio
n
en
negier
e
sie eindeutig. Auch relativier
e
sie die in
jenem
Bericht erwähnte Fremd
platz
i
erung in schwieriger Pubertät respektive die dort beschriebenen Selbst
ver
letzungen der Jugend. Auch erklär
e
sie sich verwundert über die Diagnose einer mittelschweren oder schweren Depression,
was
sicherlich auch in einem solchen Fall ei
n
Therapieerfolg wäre, dem aber eben nicht so sei
(S. 6)
.
Auch
g
emäss der aktuellen ps
y
chiatrischen Be
g
utachtun
g
liessen
sich bei der Versicherten keine arbeitsrelevanten versicherungspsychiatrisch bedeutsamen psychischen Störungen verifizieren. Lediglich
könne
die Diagnose der einfachen Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung im Kindes- und Erwachsenenalter atte
stiert werden. Jedoch
sei
diese seit
zirka acht
Jahren medikamentös behandelt, die Symptomatik gut beherrscht,
was
sich auch im geschilderten Tagesablauf und der aktuellen Exploration auch zeig
e
. Eine arbeitsre
l
evante Einschränkung durch die Diagnose des ADHS
könne
nicht festgestellt werden. Es
liessen
sich aber auch keine anderen psychiatrischen Störungen eruieren. Es
könne
einzig aus den Laborbefunden
ein
Hinweis auf einen vermehrten Alkoholkonsum vermutet wer
den, jedoch
hätten
sich keine Hinweise auf einen schädlichen Alkoholgebrauch oder
eine
Abhängigkeitsdiagnose
ergeben
. Zusammenfassend
könne
somit aus psychiatrischer Sicht keine Einschränkung der Arbeitsfähigkeit gesamthaft atte
stiert werden
(S. 6)
.
Aber auch in somatischer Hinsicht könn
t
en aus orthopädischer Betrachtung zwar Diagnosen objektiviert werden, welche jedoch allesamt als nicht arbeitsrelevant für die angestammten Tätigkeiten (ausser allenfalls für die Tätigkeit mit Tanz
unterricht) und für die Haushaltstätigkeit gelten
würden
. Die aktenkundigen Probleme mit beiden Schultern, der HWS und
Lendenwirbelsäule (
LWS
)
, der linken Hüfte, dem rechten Knie und beider Füsse könn
t
en zw
ar ebenfalls kon
statiert werden. Es
würden
sich hieraus jedoch hinsichtlich des Zumutbar
keits
profils keine so relevanten Einschränkungen
ergeben
, dass die angestammten Tätigkeiten respektive eine adaptierte Tätigkeit quantitativ in der Arbeitsfähigkeit eingeschränkt
sein würden
. Einzig sei die zuletzt 2003 kurze Zeit durchgeführte Tätigkeit im Tan
zunterricht aufgrund der Fussp
roblematik nicht mehr geeignet, wohl aber sämtliche anderen Tätigkeiten wie Haushaltsarbeit
sowie
die derzeit ausgeübte Tätigkeit als Klassenassistentin. Insbesondere
würden
sich keine Hin
weise für das Vorliegen einer Spondylarthritis
ergeben
,
habe
sich ein grosser Rheumastatus unauffällig
gezeigt
, zeigten sich auch die radiologischen Befunde
ohne Hinweis für eine seronegative
Spondylarthropathie
beziehungsweise Morbus
Bechterew
(S. 6 f.)
.
Aber auch aus neurolo
g
ischer Sicht könn
ten keinerlei neurogene
Schmerzanteile objektiviert werden.
A
uch schmerzmedizinisch betrachtet
könne
aus neurologi
scher Sicht kein Hinweis gefunden werden für das Bestehen einer zentralen stressinduz
i
erten Hyperalgesie oder für andere symptomatische Formen einer Hyperalgesie wie zum Beispiel einer
opioidinduzierten
Hypalgesie
.
Für eine
poly
tope
Schmerzs
törung (s
i
nngemäss synonym zur früheren Bezeichnung einer Fibromyalgie)
fänden
sich keine Erklärungen. In Zusammenschau auch mit dem psychiatrischen Gutachten
würden
sich keine Hinweise
auf
eine Angststörung
,
sonstige affektive Störung
oder für
Zwangsstörungen, welche zu funktionell-
muskulären Störungen
führen
und damit eine
Schmerzchronifizierung
erklären könnten
, ergeben
. Es
könne
aber auch keine Störung der Persönlich
keitsent
wicklung, keine signifikante Pa
thologie der psychisch-struktur
e
lle
n Funktionen festgestellt werden, respektive
sei
auch kein signifikant feststellbare
r
, innerpsy
chisch schwer auflösbare
r
Konflikt objektivierbar, welche
r
in der Lage
sei
eine
Somatisierungssymptomatik
auszulösen. Eine somatoforme Schmerzstörung könne
nicht abgeleitet werden, zumal auch die Behandlungsaktivitäten höchst gering
seien
und eben auch Inkonsistenzen
bestünden
. Solche Inkonsistenzen
würden
sich insbesondere aus der so subjektiv hochgradig angegebenen Einschränkung der Arbeits- und Leistungsfähigkeit für eine berufliche Partizipation
ergeben
, obgleich doch eine recht gute aktive Lebensteilhabe beschrieben
werde
. Auch die Therapiemassnahmen
seien
auffallend gering im Widerspruch zu den subjektiv so erheblich einschränkenden Gesundheitsstörungen. Insbesondere
könne
aber das Ausmass der Schmerzen durch keine der somatischen oder psychischen Dia
gnosen hinreichend erklärt werden und
sei es
auch im klinischen und radio
logischen Befund nicht hinreichend fassbar
(S. 7)
.
Auch aus internistischer Sicht
würden
sich darüber hinaus keine Diag
nosen,
welche eine versicherungsmedizinische Relevanz hätten, ergeben. Es könnten kei
ne Einschränkungen des Fähigkeitsprofils hieraus abgeleitet werden
(S. 7)
.
Zusammenfassend könne somit aus interdisziplinärer Sicht keine Diagnose mit Arbeitsrelevanz in den angestammten Tätigkeiten (Haushalt, Klassenassistentin, Flughafenbedienstete) oder für andere leidensadaptierte Tätigkeiten objektiviert werden (S. 7).
Zur Arbeitsfähigkeit in der bisherigen Tätigkeit führten die Gutachter aus, für die Tätigkeit als Klassenassistentin sowie im Haushalt bestehe eine Arbeitsfähigkeit von 100 %, aktuell wie auch retrospektiv. Einzig die 2003 kurze Zeit in geringem Pensum (zirka drei Stunden pro Woche) durchgeführten Tanzkurse (Zumba) seien wegen der Fussbeschwerden nicht sinnvoll (S. 10 Ziff. 4.7). In einer angepassten Tätigkeit bestehe eine 100%ige Arbeitsfähigkeit (S. 10 Ziff. 4.8). Aufgrund der muskuloskelettalen Beschwerden bestehe orthopädisch das folgende Zumutbar
keitsprofil: Das Heben und Tragen von schweren Lasten von mehr als 5 kg rechts und 10 kg links sowie Arbeiten in Zwangspositionen des Rumpfes und in ge
bück
ter Position seien nicht mehr zumutbar. Rein stehende und rein gehende Arbeiten sowie Arbeiten in kniender und gehockter Position mit Gehen auf unebenem Grund und ständigem Begehen von Treppen seien nicht zumutbar. Überkopf
arbeiten rechts sowie das Hantieren mit vibrierenden und schlagenden Maschinen seien nicht zumutbar (S. 9 Ziff. 4.3).
3.16
Dr.
D._
führte mit Stellungnahme vom 30. April 2020 (Urk. 11/61/7-9) aus, auf das Gutachten sei abzustellen. Weder für die bisherige noch für eine angepasste Tätigkeit bestehe eine quantitative Einschränkung der Arbeitsfähigkeit, sowohl aktuell als auch retrospektiv, sofern das genannte Belastungs- beziehungsweise Zumutbarkeitsprofil beachtet werde (S. 3).
4.
4.1
Zur Beurteilung des Gesundheitszustands de
r
Beschwerdeführer
in
stellt
e die Be
schwerdegegnerin - der Stellungnahme des RAD folgend (vorstehend E.
3.
16
)
- auf das polydisziplinäre
I._
-Gutachten vom 14. April
2020 (vorstehend E. 3.15)
ab.
4.2
Die Beschwerdeführerin macht in der Beschwerde unter anderem geltend, das
I._
-Gutachten widerspreche den Angaben von RAD-Arzt Dr.
D._
(Urk. 1 S. 3
Rz
4). Dies trifft nicht zu. Dr.
D._
hielt im Mai 2018 zwar unter anderem fest, u
nzweifelhaft seien wohl nur die eindeutigen Befunde/Diagnosen aus dem Be
reich des Bewegungsapparates.
Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass eine versicherungsmedizinisch
abschliessende Beurteilung
der funktionellen Leis
tungsfähigkeit respektive deren Einschränkung rein nach Aktenlage vollkommen unmöglich sei. Es bedürfe daher zwingend einer polydisziplinären Begutachtung (vorstehend E. 3.7). Auch im Juli 2019 und im September 2019 wies er auf die Notwendigkeit einer Begutachtung hin (vorstehend 3.12 und 3.14). Nach Eingang
des Gutachtens kam er zum Schluss, auf das Gutachten sei abzustellen (vor
ste
hend E. 3.15).
4.3
Soweit die Beschwerdeführerin mit Hinweis auf den Vorbescheid vom 12. Septem
ber 2018 argumentiert (Urk. 1 S. 3
Rz
4), kann ihr nicht gefolgt werden. Die Annahme einer Arbeitsunfähigkeit von 100 % in der angestammten Tätigkeit und einer Arbeitsfähigkeit von einer Stunde pro Tag in einer angepassten Tätigkeit (Urk. 11/25 S. 8) war damals eine Hypothese, die aufzeigen sollte, dass bei einer Aufteilung von 90 % Haushalt und 10 % Erwerb auch basierend darauf kein rentenbegründender IV-Grad bestünde und deshalb auf eine Begutachtung ver
zichtet werden könne (vgl. Urk. 11/25 S. 7).
4.4
Die Rüge sodann, die gutachterliche Einschätzung stehe auch im Widerspruch zur Einschätzung von Dr.
C._
vom 20. Februar 2018 (Urk. 1 S. 4
Rz
5; vgl. vorstehend E. 3.3), erweist sich als unbegründet.
So gab
Dr.
C._
keine nach
vollziehbar begründete und durch Befunde untermauerte medizinisch-theore
tische Beurteilung der Arbeitsfähigkeit ab. Es ist zudem zu berücksichtigen, dass behandelnde Ärztinnen und Ärzte in einem auftragsrechtlichen Verhältnis zur versicherten Person stehen und sich zudem in erster Linie auf die Behandlung zu konzentrieren haben. Ihre Berichte verfolgen daher nicht den Zweck einer den abschliessenden Entscheid über die Versicherungsansprüche erlaubenden objekti
ven Beurteilung des Gesundheitszustandes und erfüllen deshalb kaum je die mate
riellen Anforderungen an ein Gutachten. Aus diesen Gründen und aufgrund der Erfahrungstatsache, dass Hausärzte – beziehungsweise regelmässig behan
deln
de Spezialärzte (vgl. Urteil des Bundesgerichts I 551/06 vom 2. April 2007 E. 4.2) – mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung im Zweifels
fall eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen, kommt im Streitfall ein direktes Abstellen einzig gestützt auf die Angaben der behandelnden Ärztinnen und Ärzte nur selten in Frage (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_1055/2010 vom 17. Februar 2011 E. 4.1).
4.5
Die Beschwerdeführerin kritisiert das
I._
-Gutachten zudem dahingehend, als darin ausgeführt werde, eine somatoforme Schmerzstörung könne nicht abge
leitet werden, zumal auch die
Behandlungsaktivitäten höchst gering seien und auch Inkonsistenzen bestünden, indem trotz der geschilderten Einschränkungen der Leistungsfähigkeit eine recht gute aktive Lebensteilhabe beschrieben
werde
. Die unter falschen
Prämissen erfolgte Verneinung einer somatoformen Schmerz
störung lasse diese als nicht schlüssig erscheinen (Urk. 1 S. 4 f.
Rz
8 ff.).
Vorliegend nannte von behandelnder Seite nur Dr.
E._
als Diagnose ein
chronisches
multilokuläres
Schmerzsyndrom mit somatische
n und psychischen Faktoren (vorstehend E. 3.9). Beim Bericht von Dr.
E._
handelt es sich nicht um einen fachärztlich psychiatrischen Bericht, da sie Fachärztin für Allge
meine Innere Medizin ist. Zudem hielt der psychiatrische
I._
-Gutachter schlüssig fest, dieser
Bericht sei nach der heutigen Untersuchung kaum nach
vollziehbar. Für ein chronisches Schmerzsyndrom mit somatischen und psychi
schen Faktoren fehlten ebenso biographische Hinweise wie für den Verdacht einer
somatoformen Störung (vgl. Urk. 11/55/43 Ziff. 7.5). Auch der neurologische Gut
achter führte aus, es seien keine konkreten Hinweise feststellbar, welche als
Grundlage eine
Somatisierungsreaktion
erklären könnten. Die chronische Schmerz
symptomatik sei letztlich neurologisch nicht zu erklären (Urk. 11/55/57 Ziff. 7.1).
Ebenfalls nachvollziehbar erscheint der Schluss der Gutachter, die Behandlungs
aktivitäten seien höchst gering. In psychiatrischer Hinsicht besteht einzig eine medikamentöse Behandlung des ADHS (vgl. Urk. 11/55/45 Ziff. 7.2). Aus neu
ro
logischer Sicht gab es bisher keine Therapieansätze (Urk. 11/55/58 Ziff. 7.2). Ge
genüber der orthopädischen Gutachterin gab die Beschwerdeführerin an, nur
Lodine
und Dafalgan regelmässig einzunehmen. Sie habe keinen Hausarzt und gehe momentan auch nicht mehr zu Spezialisten. Der langjährige
Chiropraktor
sei jetzt pensioniert. Eine kontinuierliche Betreuung habe sie nicht (Urk. 11/55
/79).
Soweit die Beschwerdeführerin geltend macht, die Feststellung, dass eine recht gute Lebensteilhabe beschrieben werde, sei aktenwidrig (Urk. 1 S. 5
Rz
10), kann ihr ebenfalls nicht gefolgt werden. Der psychiatrische Gutachter hielt aufgrund ihrer Schilderungen (vgl. Urk. 11/55/39-40) nachvollziehbar fest, es bestehe eine unauffällige Lebensgestaltung mit üblichen Belastungen einer Mutter mit drei Kindern und einer nebenberuflichen Tätigkeit (Urk. 11/55/43 Ziff. 7.1). Die Be
schwerdeführerin gab gegenüber dem neurologischen Gutachter unter anderem an, ihre Sozialkontakte seien gut. Sie bekomme Besuch oder ginge auch gele
gentlich abends in eine nahegelegene Bar mit Freundinnen (Urk. 11/55/53). Auch die orthopädische Gutachterin hielt fest, die Beschwerdeführerin gehe ein bis zwei Mal pro Woche mit Kolleginnen in den Ausgang. Sie spiele in ihrer Freizeit mit den Kindern und gebe als Hobby Natur, Garten und Kinder an (Urk. 11/55/79).
4.6
Die Rüge sodann, die gutachterliche Erwerbsunfähigkeitseinschätzung sei nicht
hinreichend und nachvollziehbar anhand der Standardindikatoren begründet (vgl.
Urk. 1 S. 8
Rz
18), erscheint als nicht gerechtfertigt. Da eine Arbeitsun
fähigkeit aus psychischen Gründen nachvollziehbar und schlüssig verneint wurde, kann auf ein strukturiertes Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 verzichtet werden (vgl. vorstehend E. 1.3).
4.7
Zudem trifft nicht zu, dass die orthopädische
I._
-Gutachterin nicht begründet
habe, dass keine Einschränkung in Erwerb und Haushalt bestehe (Urk. 1 S. 7
Rz
17
).
Dass sie dies nicht in erschöpfender Breite getan haben mag (vgl. Urk. 11/55/83
ff.
)
, ist mit der Rechtsprechung
umso
mehr vereinbar,
als keine einzige fachärztlich
nachvollziehbare und durch Befunde untermauerte Beurteilung der Arbeitsun
fähigkeit bei den Akten liegt, welche von der aktuellen Einschätzung der ortho
pädischen G
utachterin abweicht
.
4.8
Ferner rügt die Beschwerdeführerin die Unvollständigkeit der gutachterlichen Untersuchungen. Gemäss Bericht von Dr.
G._
vom 18. Dezember 2018 (vgl. vor
stehend E. 3.10) sei eine rheumatologische Gesamtbeurteilung dringend ange
zeigt
. Auch der RAD-Arzt habe eine rheumatologische Begutachtung als zwin
gend angesehen (Urk. 1 S. 8
Rz
19 f.).
Nach der Rechtsprechung kommt den Gut
achtern - was die Wahl der Untersuchungsmethoden betrifft - ein weiter Er
mes
sens
spiel
raum zu. Das beinhaltet auch die Auswahl der vorzunehmenden fach
ärztlichen Abklärungen, wonach die Wahl der Fachrichtungen in erster Linie von den Gut
achterfragen abhängt und je nach Gesundheitsschaden mehrere Fachrichtungen in Frage kommen. Es liegt demnach im Ermessen der Gutachter, ob der Beizug
weiterer Experten notwendig ist (Urteil des Bundesgerichts 8C_780/2014 vom 25.
M
ärz 2015 E.
5.1).
Zwar trifft vorliegend zu, dass der RAD-Arzt vorgängig eine polydisziplinäre Begutachtung mit den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie und Rheumatologie, für notwendig erachtete (vgl. vorstehend E. 3.7). Daraus, dass die Gutachter in der Folge Abklärungen in den Disziplinen Allgemeine Innere Medizin, Neurologie, Psychiatrie
und Ortho
pädie statt Rheumatologie vorsahen (vgl. Schreiben der Beschwerdegegnerin vom
20. November 2019; Urk. 11/51), kann die Beschwerdeführerin nach dem
Gesag-t
en
jedoch nichts zu ihren Gunsten ableiten. Zudem hatte sie ausreichend Ge
legenheit, sich gegen die angekündigte orthopädische statt rheumatologische Teilbegutachtung zur Wehr zu setzen. Sie machte davon aber weder vorgängig noch nachträglich im Verwaltungsverfahren Gebrauch, sondern übte erst be
schwer
deweise entsprechende Kritik. Schliesslich haben sich
vorliegend
alle Gut
achter
eingehend mit den
von der
Beschwerdeführer
in
geklagten Beschwerden auseinandergesetzt
und funktionelle Einschränkungen flossen in die Beurteilung ein. Es ist weder ersichtlich noch wurde geltend gemacht, inwiefern eine rheu
matologische Begutachtung zu weiteren Erkenntnissen führen würde.
4.9
Zus
ammenfassend
erweisen sich die gegen das
polydisziplinäre
Gutachten erho
benen Einwände als nicht stichhaltig. Es ist
für die Beantwortung der Fragen umfassend und erfüllt die praxisgemässen Kriterien zum Beweiswert vollumfän
glich, so dass für die Entscheidfindung darauf abgestellt werden kann. Von der Einholung eines Gerichtsgutachtens sind überdies keine weitergehenden Erkennt
nisse zu erwarten (antizipierte Beweiswürdigung; BGE 122 V 157 E. 1d), weshalb davon abzusehen ist.
Der Sachverhalt ist mithin dahingehend erstellt, dass
in einer näher umschrie
benen leidensangepassten Tätigkeit eine Arbeitsfähigkeit von 100
%, aktuell wie auch
retrospektiv
, besteht und dass es sich bei der zuletzt ausgeübten Tätigkeit als Klassenassistenz um eine leidensangepasste Tätigkeit handelt.
5.
5.1
Hinsichtlich der sozialversicherungsrechtlichen Qualifikation der Beschwerdefüh
rerin ging die Beschwerdegegnerin im Haushaltsabklärungsbericht zunächst da
vo
n aus, dass die Beschwerdeführerin zu 90 % im Haushalt und zu 10 % im Erwerb zu qualifizieren sei (vorstehend E. 3.8). Nach einem Einwand der Beschwerde
füh
rerin (Urk. 11/36) und einer Stellungnahme der Abklärungsperson (vorstehend E. 3.13) qualifizierte die Beschwerdegegnerin die Beschwerdeführerin als zu 55 % Erwerbstätige und zu 45 % im Haushalt Tätige (vgl. Urk. 2 S. 2). Die Ausfüh
rungen der Abklärungsperson sind nachvollziehbar und die Beschwerdeführerin
ist mit dem im Sozialversicherungsr
echt massgebenden Beweisgrad der überwie
ge
nden Wahrscheinlichkeit als zu 55 % Erwerbstätige und zu 4
5 % im Haushalt Tätige zu qualifizieren.
5.2
Aufgrund der Qualifikation als Teilerwerbstätige gelangt die gemischte Methode nach Art. 28a Abs. 3 IVG zur Anwendung (vgl. vorstehend E. 1.4). Die Be
schwerdegegnerin nahm mit Vorbescheid vom 12. September 2018 (Urk. 11/26) einen Einkommensvergleich vor. Trotz der in der angefochtenen Verfügung geänderten Qualifikation nahm die Beschwerdeführerin keinen neuen Einkom
mens
vergleich vor, was aber notwendig gewesen wäre. Daran ändert auch nichts, dass sie nunmehr von einer vollständigen Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit, und nicht mehr von einer Arbeitsfähigkeit von nur einer Stunde aus
gegangen ist. Da das Belastungsprofil in einer angepassten Tätigkeit einge
schränkt ist, ist ein Einkommensvergleich vorzunehmen.
5.3
5.3.1
In einem ersten Schritt ist die anteilige Invalidität im Erwerbsbereich zu ermitteln.
5.3.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Aus
nah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 144 I 103 E. 5.3, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr
ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rech
net werden, wobei die für die Entlöhnung im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2; Meyer/Reichmuth, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
).
5.3.3
Für die Festsetzung des trotz Gesundheitsschädigung
zumutbarerweise
noch rea
li
sierbaren Einkommens (Invalideneinkommen) ist nach der Rechtsprechung pri
mär
von der beruflich-erwerblichen Situation auszugehen, in welcher die versi
cherte Person konkret steht. Übt sie nach Eintritt der Invalidität eine Erwerbstätigkeit aus, bei der – kumulativ – besonders stabile Arbeitsverhältnisse gegeben sind und anzunehmen ist, dass sie die ihr verbliebene Arbeitsfähigkeit in zumutbarer Weise voll ausschöpft, und erscheint zudem das Einkommen aus der Arbeitsleistung als angemessen und nicht als Soziallohn, gilt grundsätzlich der tatsächlich erzielte Verdienst als Invalidenlohn (BGE 139 V 592 E. 2.3; 135 V 297 E. 5.2; 129 V 472 E. 4.2.1; 126 V 75 E. 3b/
aa
).
5.3.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
ge
benen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1).
5.3.5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnit
ts
werten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienst
jahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäftigungsgrad Auswir
kungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unter
durch
schnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht auto
matisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflicht
gemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalidenein
kommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der
medizinischen Arbeitsfähigkeit
enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht
zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Ver
waltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerde
instanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
5.3.6
Sind Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Tabellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung. Diesfalls entspricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichtigung eines allf
älligen Abzugs vom Tabellenlohn
(Urteil des Bundesgerichts 8
C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E.
4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1
).
5.3.7
Die Beschwerdeführerin verfügt über keine Ausbildung und erwirtschaftete nie ein regelmässiges Einkommen (vgl. Urk. 11/3/5 Ziff. 5.3, Urk. 11/6). Folglich ist zur Ermittlung des
Valideneinkommens
auf das von Frauen
für einfache Tätig
keiten körperlicher oder handwerklicher Art durchschnittlich erzielte Einkommen (Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018, TA1_triage_skill_level, Total
Frauen, Kompe
tenzniveau 1) abzustellen.
D
ie Beschwerdeführerin
ist
unter Berücksichtigung ihres Belastungsprofils 100 % arbeitsfähig
und ging im Beschwerdezeitpunkt keiner Erwerbstätigkeit nach (vgl. Urk. 1 S. 10 Ziff. 26). Die befristete Anstellung als Klassenassistentin hat im Juli 2019 geendet (vgl. Urk. 11/44). Folglich
sind zur Ermittlung des Invalidenein
kommens ebenfalls Tabellenlöhne gemäss LSE heranzuziehen, nämlich die gleichen
Durchschnittslöhne für Frauen für einfache Tätigkeiten wie für die Ermittlung des
Valideneinkommens
.
Da
vorliegend
für die Ermittlung des
Valideneinkommens
und des Invaliden
ein
kommens der identisc
he Tabellenlohn massgebend ist und keine Arbeitsun
fähig
keit besteht,
resultiert
ein Invaliditätsgrad von 0 %. Selbst wenn vorliegend ein Leidensabzug von 25 % gewährt werden würde, resultierte kein rentenbegrün
dender Invaliditätsgrad, wie nachfolgend aufgezeigt wird (vgl. auch E. 5.5). So würde der Invaliditätsgrad 25 % betragen.
Bei der vorliegend massgebenden Ge
wi
chtung
des Erwerbsbereichs mit 5
5 %
würde
dies somit einen Teilinvalidi
täts
grad von
maximal
13.75 % ergeben (25
% x 0.
55
).
5.4
Der Haushaltsabklärungsbericht wurde
,
abgesehen von der festgelegten Quali
fikation von der Beschwerdeführerin
, nicht bemängelt. A
uf diesen ist abzustellen.
Die Haushaltabklärung ergab eine Einschränkung im Haushalt von 28.5 % (vor
stehend E. 3.8), was bei einer Gewichtung von 45 % einem Teilinvaliditätsgrad von 12.8 % (45 % x 0.45) entspricht.
5.5
Der Gesamtinvaliditätsgrad berechnet sich mittels Addition der Teilinvalidi
täts
grade. Demnach resultiert bei einem Teilinvaliditätsgrad im Erwerbsbereich von maximal 13.75
% (vgl. vorstehend E. 5.3.7
) und einem solchen von 12.8 % im Haush
altsbereich (vgl. vorstehend E. 5.4
) ein Gesamtinvaliditätsgrad von
maxi
mal 26.55
%. Da damit ein für den Anspruch auf eine Invalidenrente voraus
gesetzter Invaliditätsgrad von mindestens 40 % nicht erreicht wird, besteht kein Anspruch auf eine Invalidenrente.
5.6
Die Beschwerdegegnerin hat einen Rentenanspruch nach dem Gesagten zu Recht
verneint
. Die angefochtene Verfügung vom 17. Juni 2020 (Urk. 2) erweist sich als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt.
6
.
6.1
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von Ver
sicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichts
kosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert fest
zulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG)
und auf Fr. 9
00.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie der unterliegenden Beschwerdeführerin aufzu
erlegen. Zufolge Gewährung der unentgeltlichen Prozessführung sind die Ge
richts
kosten einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen
.
6.2
Mit Honorarnote vom 4. November 2020 (Urk. 16) machte der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin einen Aufwand von total 9 Stunden sowie Barauslagen von Fr. 16.80 geltend. Dies erscheint unter Berücksichtigung der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses (§ 34 Abs. 3
des Gesetzes über das Soz
ialversicherungsgericht,
GSVGer
) als angemessen, weshalb die Entschä
di
gung unter Berücksichtigung des massgebenden Stundenansatzes von Fr. 220.-- (zuzüglich Mehrwertsteuer) wie beantragt auf insgesamt Fr. 2'150.55 (inkl. Bar
auslagen und
MWSt
) festzulegen ist.
6.3
Die Beschwerdeführerin ist auf § 16 Abs. 4
GSVGer
hinzuweisen, wonach sie zur Nachzahlung der Auslagen für die unentgeltliche Rechtspflege verpflichtet ist, sobald sie dazu in der Lage ist.