# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** ce3590f4-8dc9-4c56-b91e-9c2041d6fa08
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. A._ ist gut _jährig, alleinstehend und in B._ wohnhaft. Nebst ihrer AHV-Rente verfügt sie über Einkünfte aus ihren Liegenschaften und über ein beträchtliches Vermögen.
B. Am 12. August 2020 ging bei der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Nordbünden (nachfolgend KESB Nordbünden) eine anonyme Gefährdungsmeldung ein. Demgemäss wohne A._ abgeschieden und alleine in einem Haus und leide an einer fortgeschrittenen Demenz. Ihre Angelegenheiten seien jeweils durch D._ aus E._, einen ihrer nächsten Verwandten, sowie einen Treuhänder erledigt worden. D._ erhalte nun aber keinen Zugang mehr zu ihr. Vielmehr seien die wichtigen Tätigkeiten F._ übertragen worden. Dieser sei als Immobilienmakler tätig. Kaum seien ihm die Angelegenheiten übertragen worden, habe er sich auf 100 Jahre hinaus ein Baurecht für ein Grundstück, dessen Wert rund CHF 2 Mio. betrage, sichern lassen. Keine der involvierten Behörden hätten sich jemals um den Gesundheitszustand von Frau A._ gekümmert, ansonsten ihr angeschlagener Gesundheitszustand aufgefallen wäre. Ihr langjähriger und vertrauter Treuhänder sei über die Vorgänge nicht informiert worden. Zudem hätte A._ die langjährigen Mietverhältnisse alleine nicht aufgelöst. Mutmasslich werde A._ von Herrn F._ ausgenutzt. Personen, die Frau A._ davor gewarnt hätten, seien von Herrn F._ verbal bedroht worden.
C. In der Folge eröffnete die KESB Nordbünden ein Abklärungsverfahren.
D. Mit superprovisorischer Verfügung vom 31. August 2020 wurde A._ die Verfügung über ihre Grundstücke Nrn. C._, G._, H._ in der Gemeinde E._ sowie Nr. I._ in der Gemeinde B._ entzogen.
E. Mit Schreiben vom 10. September 2020 wurde dem von A._ beigezogenen Rechtsvertreter Gelegenheit zur Stellungnahme hinsichtlich der Errichtung einer Vertretungsbeistandschaft im Bereich Einkommen und Vermögen, der Ernennung einer Beistandsperson sowie der Einsetzung eines Fachbeistandes für die Prüfung des Baurechtsvertrags vom 1. Mai 2020 und des Nachtrags vom 11. Juni 2020 zum Baurechtsvertrag sowie zur Grundbuchsperre eingeräumt. Mit Eingabe vom 30. September 2020 wurden die beabsichtigten Massnahmen abgelehnt und es wurde festgehalten, dass stattdessen eine Begleitbeistandschaft im Sinne von Art. 393 ZGB anzuordnen sei. Als Beistand sei F._ zu bestimmen. Auf die Einsetzung eines Fachbeistandes sei zu verzichten.
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F. Mit Entscheid vom 29. Oktober 2020, mitgeteilt am 25. November 2020, ordnete die KESB Nordbünden was folgt an:
1. Für A._ wird vorsorglich das Verfügungsrecht über die Grundstücke in der Gemeinde E._ Grundstücknummern C._, J._, H._ sowie in der Gemeinde B._, Grundstücknummer I._ entzogen (Art. 445 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 395 Abs. 3 und 4 ZGB).
2. Es wird festgestellt, dass mit Vollstreckbarkeit dieses Entscheides die mit Ziff. 1 des Entscheides vom 31. August 2020 verfügte superprovisorische Grundbuchsperre von Gesetzes wegen dahinfällt.
3. Für A._ wird eine Beistandschaft nach Erwachsenenschutzrecht (Art. 390 ZGB) errichtet.
4. Die Beistandsperson erhält die Aufgaben und Kompetenzen, A._ im Rahmen einer Vertretungsbeistandschaft (Art. 394 ZGB) in den nachfolgend aufgelisteten Bereichen zu beraten, zu unterstützen und soweit nötig bei allen damit verbundenen Handlungen (Administration, Rechtsverkehr) zu vertreten:
a. Vermögensverwaltung (Art. 395 ZGB): Verwaltung des gesamten Einkommens und Vermögens (insbesondere Bestreitung der Lebenskosten, Geltendmachung von Forderungen und Leistungsansprüchen, Verwaltung sämtlicher Mobilien und Immobilien inkl. Veräusserung, Verpfändung und andere dingliche Belastung von Grundstücken, Verkehr mit Banken, Post und ähnlichen Finanzinstituten);
b. öffentliche Verwaltung: insbesondere Verkehr mit Steuerbehörden, Gemeinden, Betreibungsamt, Grundbuchamt;
c. Versicherungen: stets für eine ausreichende und geeignete Versicherungsdeckung und Leistungssituation besorgt zu sein (insbesondere Sozialversicherungen, private Versicherungen, Krankenkassen).
d. Baurechtsvertrag vom 1. Mai 2020 und Nachtrag vom 11. Juni 2020 zum Baurechtsvertrag vom 1. Mai 2020 zwischen A._ und der V._ AG betreffend Grundstück Nr. C._ bzw. Baurechtsgrundstück Nr. K._, Grundbuch E._: Prüfung und gegebenenfalls Einleitung entsprechender rechtlicher Schritte.
5. A._ wird der Zugriff auf das durch die Beistandschaft B._ für sie zu führende «Betriebskonto» entzogen (Art. 395 Abs. 3 ZGB).
6. Bezüglich Ernennung Beistandspersonen für A._ wird verfügt:
a. Für die Aufgabenbereiche gemäss vorstehender Ziff. 4.a (Vermögensverwaltung), 4.b (öffentliche Verwaltung), 4.c (Versicherungen) wird L._ (Berufsbeistandschaft B._) zum Beistand von A._ ernannt.
b. Für den Aufgabenbereich gemäss vorstehender Ziff. 4.d (Prüfung Baurechtsvertrag/Nachtrag dazu) wird Rechtsanwältin Dr. iur. M._ (Chur) zur Beiständin von A._ ernannt.
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7. Rechtsanwältin Dr. iur. M._ (Chur) wird für ihren Aufwand im Rahmen der ordentlichen Mandatsführung mit einem Stundenansatz von Fr. 240.--, zuzüglich MWST und Spesenpauschale von 3%, ohne Interessenwertzuschlag, entschädigt.
8. Die Fachbeiständin Dr. iur. M._ wird betreffend Prüfung Baurechtsvertrag vom 1. Mai 2020 und Nachtrag dazu vom 11. Juni 2020 zwischen A._ und der V._ AG die Zustimmung zur Prozessführung vor dem örtlich zuständigen Regionalgericht erteilt (Art. 416 Abs. 1 Ziff. 9 ZGB).
9. Die KESB verfügt:
1. L._ (Berufsbeistandschaft B._) wird aufgefordert, unverzüglich nach Erhalt der Ernennungsurkunde:
a. sich die zur Erfüllung der Aufgaben nötigen Kenntnisse zu verschaffen und mit A._ persönlich Kontakt aufzunehmen.
b. ein Betriebskonto zu eröffnen, über das grundsätzlich sämtliche Einnahmen und Ausgaben abgewickelt werden, und die KESB zusammen mit der Einreichung des Inventars über die Eröffnung zu informieren;
c. ein persönliches Konto zu eröffnen bzw. zu bezeichnen, auf das A._ regelmässig Beträge zur freien Verfügung überwiesen werden, und die KESB zusammen mit der Einreichung des Inventars zu informieren;
d. in Zusammenarbeit mit der KESB per Datum dieses Entscheids ein Inventar über sämtliche zu verwaltenden Vermögenswerte aufzunehmen und dieses zusammen mit einem Budget, das über die mutmasslichen Einnahmen und Ausgaben Auskunft gibt, spätestens zwei Monate nach Erhalt der Ernennungsurkunde zur Genehmigung einzureichen;
e. bei Banken und Versicherungen bestehende Vollmachten, Daueraufträge, Lastschriftverfahren, Kontoarten, E- zu prüfen und nötigenfalls zu widerrufen; die KESB ist zusammen mit dem Eingangsinventar darüber zu informieren;
f. Bargeld, Wertgegenstände und wichtige Dokumente sicher aufzubewahren.
2. Rechtsanwältin Dr. iur M._ wird aufgefordert, sich unverzüglich nach Erhalt der Ernennungsurkunde die zur Erfüllung der öffentlichen Aufgaben nötigen Kenntnisse zu verschaffen und bei Bedarf mit A._ persönlich Kontakt aufzunehmen.
10. Bezüglich Rechenschaftsbericht wird folgendes verfügt:
1. L._ (Berufsbeistandschaft B._) ist gehalten:
a. der KESB alle zwei Jahre (erstmals per 22. November 2022) die Rechnung samt Belegen sowie einen schriftlichen Rechenschaftsbericht (Ausführungen über die Rechnungsführung und Vermögensentwicklung, die Lage von A._ und die Ausübung der Beistandschaft, Ausblick mit Empfehlungen) und ein aktuelles Budget einzureichen.
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b. bei Hinweisen auf massgebliche Veränderungen der Lebensumstände von A._ während der Rechenschaftsperiode die KESB mit einem schriftlichen Bericht zu informieren und allenfalls ein geeignetes Vorgehen zu empfehlen.
2. Rechtsanwältin Dr. iur. M._ ist gehalten:
a. der KESB nach erfolgter Klärung der Sach- und Rechtslage in Bezug auf den Baurechtsvertrag vom 1. Mai 2020 sowie den Nachtrag dazu vom 11. Juni 2020, jedoch spätestens per 31. Oktober 2021 einen schriftlichen Bericht über die Mandatsführung unter Beilage der Kopien der wichtigsten Unterlagen einzureichen;
b. die Honorarnote für die Aufwendungen in diesem Verfahren einzureichen.
11. Die Kosten im Verfahren Errichtung Beistandschaft (inkl. Drittkosten für Arztgutachten und Grundbuchanmerkung von Fr. 115.-) werden auf Fr. 1'115.- festgesetzt und beim Verfahren belassen.

## Considerations