# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 625e92a2-6aa8-4f8d-bc65-38b3280f9dd6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1982
geborene
X._
reiste im
August 1991
aus
Kosovo
in die Schweiz ein und
absolvierte von August 1999 bis August 2
001 eine
Anlehre
als Verkaufshelferin (
Urk.
7/2 f.
).
Von
Januar 2002
bis Ende
Februar 2019
war sie
bei der
Y._ AG, Z._
,
angestellt
;
zuletzt als Filialleiterin Detailhandel
(
Urk.
7/3,
Urk.
7/27
).
Am
2
9.
Dezember 2017
meldete
sich
die Versicherte
unt
er Hinweis auf ein Burnout
und eine Depression
bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/3
). Die IV-Stelle tätigte medizinische und beruflich-erwerbliche Abklärungen und
lud die Versicherte zu einem persönlichen Gespräch ein (
Urk.
8/12
,
Urk.
7/31/2
).
Mit Mitte
i
lung vom
3.
Mai 2018
erteilte
sie
der Versicherten
im Sinne einer Frühin
terventionsmassnahme
Kostengutsprache
für ein Job Coaching
für die Dauer vom
5.
März 2018 bis
längstens
4.
September 2018 (
Urk.
7/22), das sie mit Mitteilung vom 1
9.
Juli 2018 als Integrationsmassnahme in Form von Support am Arbeits
platz bei der bisherigen Arbeitgeberin bis
3
1.
Januar 2019
zuzüglich
eines Taggeldes vom
1.
August 2018 bis 3
1.
Januar 2019
verlängerte
(
Urk.
7/29
; Verfügung vom 2
4.
Juli 2018,
Urk.
7/32
).
In
folge
einer gesundheitlichen
Verschlechterung
wurde die M
assnahme
per 30.
November 2018
vorzeitig
beendet (
vgl. Mitteilung vom 2
8.
November 2018,
Urk.
7/
44,
vgl. auch
Urk.
7/45).
Zeitgleich
löste die
Arbeitgeberin
das Arbeitsverhältnis
per Ende Feb
ruar 2019 auf
(
Urk.
7/47/137,
Urk.
7/62/5).
Im Hinblick auf die Rentenprüfung tätigte die IV-Stelle weitere Abklärungen und zog die Akten der Krank
entaggeldversi
cherung bei (Urk.
7/47/1-137
,
Urk.
7/86/1-262
). Nach durchgeführtem
Vorbe
scheidverfahren
(
Urk.
7/61,
Urk.
7/66
,
Urk.
7/91
) verneinte sie mit Verfügung vom
9.
Februar 2021 einen Anspruch der Versicherten auf IV-
Leistungen
(
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am 1
2.
März 2021 Beschwerde und beantragt
e, es seien ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
vom
9.
Februar 2021 die gesetzlichen Leistungen zuzusprechen (
Urk.
1)
. Mit Beschwerdeantwort vom 10.
Mai 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin am 1
3.
Mai 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
8).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
(
IVG
)
Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine Vier
telsrente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.3
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege
artis
auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.4
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen, nach BGE 143 V 409 namentlich auch leichte bis mittelschwere Depressionen, für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem strukturierten Beweisverfahren nach Massgabe von BGE 141 V 281 zu unterziehen (Änderung der Rechtsprechung).
Die Anerkennung eines rentenbegründenden Invaliditätsgrades ist nur zulässig, wenn die funktionellen Auswirkungen der medizinisch festgestellten gesundheit
lichen Anspruchsgrundlage im Einzelfall anhand der Standardindikatoren schlüssig und widerspruchsfrei mit (zumindest) überwiegender Wahrscheinlich
keit nachgewiesen sind. Fehlt es an diesem Nachweis, hat die materiell beweisbe
lastete versicherte Person die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (BGE 141 V 281 E. 6; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.5
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung (Art. 59 Abs. 2
bis
Satz 1 IVG). Sie beurteilen die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs (Art. 49 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV]).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu ent
schei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzuneh
men sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
1.6
Das Gericht kann die Angelegenheit zu neuer Entscheidung an die Vorinstanz zurückweisen,
besonders
wenn mit dem angefochtenen Entscheid nicht auf die Sache eingetreten oder der Sachverhalt ungenügend festgestellt wurde (§ 26 Abs. 1 des Gesetzes über das Sozialver
sicherungsgericht,
GSVGer
).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin,
die Beschwerde
führerin sei
seit Juli 2017 arbeitsunfähig als Schuhverkäuferin. Aufgrund der medizinischen Unterlagen hätten
anfänglich
Probleme am Arbeitsplatz zu den
gesundheitlichen Beschwerden geführt. Letzteres sei zwar nachvollziehbar, aber begründe keinen Anspruch auf eine Rentenleistung. Nach
der aktuellen Recht
sprechung seien psychische Störungen grundsätzlich nur invalidisierend, wenn sie schwer und therapeutisch nicht (mehr)
angehbar
seien.
Dies sei vorliegend nicht der Fall. Der behandelnde Facharzt habe eine Verbesserung bei fortgeführter Therapie nicht in Frage gestellt. Zudem verfüge die Beschwerdeführerin über eine abgeschlossene Ausbildung und Berufserfahrung, einen starken Willen und sei bestrebt, gute Leistungen zu erbringen. Weiter
bieteten
ihr ihre Familie und ein intaktes Sozialnetz starken Rückhalt. Schliesslich nehme sie auch an den Thera
pien teil und verfüge die Beschwerdeführerin über eine gut funktionierende Tagesstruktur. Bei alle dem bestehe kein Anspruch auf eine Rente der Invaliden
versicherung (
Urk.
2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin im Wesentlichen ein,
gestützt auf den
Bericht
von
Dr.
med. A._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psycho
therapie,
vom 2
5.
September 2017
b
estünden IV-rechtlich relevante
Diagnosen. Zudem habe das Bundesgericht seine Praxis bei Depressionen geändert. Neu sei eine
Indikatorenprüfung
durchzuführen. Letzteres habe die Beschwerdegegnerin krass missachtet. Die angeblichen «Ressourcen» seien nicht geeignet, das Entste
hen und Fortbestehen der Depression zu
verhindern.
Da ein relevanter Gesund
heitsschaden vorliege, sei der weitere Verlauf zu prüfen und seien gegebenenfalls
die
Integrationsmassnahmen
an einem geeigneten Ort fortzusetzen; seit Oktober 2020 sei die Beschwerdeführerin im Sinne eines neuen Arbeitsversuchs zu 30
%
bei B._, C._
, angestellt. Da seit dem
3.
Juli 2017 eine durchgehende Arbeitsunfähigkeit ausgewiesen sei,
bestehe seit Juli 2018 (Ablauf Karenzfrist) Anspruch auf eine Rente
. Diese sei – soweit Integrationsmassnahmen wieder aufgegleist würden – allenfalls zu befristen
(
Urk.
1).
3.
3
.1
D
ie
seit Juli 2017
im wöchentlichen Rhythmus delegiert behandelnde
D._
,
dipl.
Psychologin FH
,
und der bedarfsweise (wöchentlich bis 14-täglich)
behan
delnde
Dr.
A._
diagnostizierte
n
im Bericht vom 2
5.
September 2017
zuhanden der Taggeldversicherung
(
Urk.
7/47/
21 ff.
)
eine schwere depressive Episode (ICD-10:
F32.2),
eine
Reaktion auf schwere Bela
stung (ICD-10: F43.9) sowie
ein Erschöpfungssyndrom (ICD-10: Z93.0)
.
Die aktuel
le Medikation bestehe aus
Mirtazapin
(0-0-1) und
Cipralex
2.5 mg (1-0-0) in
Aufdosierung
.
Anfangs Juli 2017 habe die Beschwerdeführerin
nach eigenen Angaben
einen Zusammen
bruch
mit massiven
Sc
h
lafstörungen, Albträume
n
, Gedankenkreisen, Erbrechen,
Ängste
n
, Weinen, unspezifische
n
Schmerzen in den Gliedern und im Rücken, Kopfschmerzen, Schwindel,
H
ypervigil
anz
, nervlich bedingte
n
Zahnschmerzen und nächtliche
m
Z
ähneknirschen
erlitten
. Schon lange vor diesem Zusammen
bruch sei sie immer unter Spannung gewesen, habe sich im beruflichen Kontext für alles verantwortlich gefühlt und überall die maxim
ale Leistung erbringen wollen; bereits Monate
vor dem Zusammenbruch habe sie kaum mehr geschlafen und sei kei
nen Hobbies mehr nachgegangen. Die Beschwerdeführerin
habe in den letzten Jahren all
es dem Geschäft untergeordnet. A
uch im Privatleben hätten die geschäftlichen Belange im Vordergrun
d
gestanden und habe die
Beschwerde
führerin
alle
persönlichen Bedürfnisse und Beziehungen
vernachlässigt
(
Urk.
7/47/21)
.
In objektiver Hinsicht sei
ihre Erscheinung
sehr gepflegt und
ihr Verhalten
überaus korrekt. Ihr Tonus sei angespannt,
das
Aussehen bleich und der Augenausdruck matt. Die Gesichtszüge seien angespannt
mit wenig wechselnder Mimik. Alsdann sei die Beschwerdeführerin
nach wie vor sehr iden
tifiziert mit den Anforderungen und Zielen der Geschäftsleitung; sie habe sich so sehr eingesetzt, alles gegeben und nach Lösungen gesucht, um die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Die Nichterfüllung der angestrebten Ziele
mit einhergehenden Angstgefühlen habe sie zu noch höheren Leistungen angetrieben.
Im jetzigen
Zustand der Arbeitsunfähigkeit
fühle sie sich
we
rtlos
und
sei
gekränkt, dass «ihre» Filiale nun von einer anderen Person geführt werde. Zudem fühle sie sich schuldig, nicht für ihre Mitarbeiter/innen da sein zu können. Informationen der F
irma oder von Mitarbeitern erzeu
gten nach wie vor erhöhte Stresssymptome. Die Beschwerdeführerin vermeide Orte, an denen sich Filialen der Firma befinden und sei stets in Angst, Bekannte aus dem geschäftlichen Umfeld zu begegnen.
A
ufgrund der Schwere des Zustandes sei mit einem länger
en Genesungsprozess zu rechnen. Da die Beschwerdeführerin
schon seit Jahren immer an der Grenze der noch möglichen Belastbarkeit gearbeitet habe, fehlten ihr in der jetzigen Krise
notwendige Ressourcen
.
Aktuell sei
sie weiterhin zu 100
% arbeitsunfähig; je nach Verlauf sei eine stufenweise Wiedereingliederung sinnvoll. Die P
rognose sei positiv
(
Urk.
7/47/
22
f.
).
3
.2
Im
B
ericht vom 22. Februar 2018
hiel
ten
D._
und
Dr.
A._
neu
eine mittelgradi
g depressive Episode fest (Urk.
7/14/3). Auch wenn sich die Symptome im Vergleich zum Sommer 2017 reduziert hätten, sei die Belastbarkeit der Beschwerdeführerin noch immer reduziert. Aktuell bestünden eine erhöhte Ermüdbarkeit, Schlafstörungen mit begleitenden, inhaltli
ch auf ehemalige beruf
liche Situ
ationen bezogene
n
Alpträume
n
, Vermeidungsverhalten, gesteigerte Empfindsamkeit auf Aussenreize, innere Unruhe und Reizbarkeit. Nach wie vor zeige sich in der Auseinandersetzung und Bearbeitung mit den im beruflichen
Kontext erlebten Erfahrungen die emotional und körperlich empfundene Belas
tung
. Die Psychotherapie erfolge
weiterhin
im wöchentlichen Rhythmus. Zudem ne
hme die Beschwerdeführerin
Mirta
zapin
15mg (0-0-1) und
Cipralex
10 mg (1-0-0) ein. In der bisherigen Position als Filialleiterin
sei sie
nicht
mehr
arbeitsfähig. Als Kundenbetreuerin ohne Pflichtenheft, Zielvorgaben und Verantwortlichkeiten sei ein stufenweiser Wiedereinstieg von drei Halbtagen pro Woche ab März/April 2018 geplant (
Urk.
7/14/3 ff.).
3
.3
Im Bericht zuhanden der Krankentaggeldversicherung
vom 1
4.
Januar 2019
hielten
D._
und
Dr.
A._
fest,
der Arbeitsversuch bei der bisherigen Arbeitgeberin ab April 2018 sei herausfordernd gewesen. So habe die Beschwer
deführerin in den
Jahre
n
zuvor nach eigenem Empfinden kaum Unterstützung in ihrer verantwortlichen Position und nur spärlich Anerkennung für die vollb
rach
ten Leistungen erfahren
. Zudem sei sie konfrontiert gewesen mit ihrer krankheits
bedingt herabgesetzten Konzentrationsfähigkeit und verminderten Energie. Dies habe sie zusätzlich verunsichert. Diese Erfahrung
en,
gepaart mit ihren Ansprü
chen, habe sie an die Grenze ihrer ohnehin schon verminderten Leistungsfähig
keit gebracht. Entsprechend habe sie sich unter Druck gesetzt gefühlt und sei
die Beschwerdeführerin
abends erschöpft gewesen. Sodann habe der Suizid im persönlichen Umfeld
der Beschwerdeführerin
anfangs November 2018 eine akute Belastungssituation ausgelöst. Dieser Vorfall habe sie dermassen destabilisiert, dass sie nur noch unter erhöhter Anstrengung habe arbeiten können.
Schliesslich
habe die Beschwerdeführerin mit Unfassbarkeit auf die erhaltene Kündigung reagiert
; dass ihr nach ihrem langjährigen
Einsatz
und Engagement
für die Firma
sowie
ihren Anstrengungen im Rahmen der Wiedereingliederung gekündigt worden
sei
, habe sie zutiefst gekränkt und
an
die Erfahrung von zu wenig Wert
schä
tzung für
G
eleistetes gerührt.
Bei alle dem habe das Zustandsbild der Beschwerdefüh
rerin im November/Dezember 2018
(wieder) demjenigen einer schweren Depression mit somatischen Symptomen mit Schwindel, Erbrechen, Appetitverlust entsprochen. In der Zwischenzeit habe
sie
sich
wieder etwas erholt. Die Beschwerdeführerin
sei aber nach wie vor empfindsam auf äussere Reize, zeige eine physisch und ps
ychisch erhöhte Ermüdbarkeit sowie
mangelnde Konzentration und Aufmerksamkeitsfähigkeit. Zudem sei der Schlaf unregel
mässig und von belastenden Träumen gestört. Aktuell zeige sich
auch
eine starke Schwellung des einen Fusses. Die Ursache habe fachärztlic
h nicht eruiert werden können.
Aufgrund ihres Willens und ihre
s Wunsches, d
en Lebensunterhalt
wieder selbständig
zu verdienen und ihr Leben zu gestalten
,
sowie
der
Zielstrebigkeit der Beschwerdeführerin sei die Prognose langfristig gut. Abgesehen von den Fussbe
schwerden, deren Verlauf ungewiss sei, könne damit gerechnet werden, dass die
Beschwerdeführerin in einer angepassten Tätigkeit ab März/April 2019 wieder zu 50
%
arbeitsfähig sei. Voraussetzung sei eine sorgfältige und sukzessive Einfüh
rung sowie genügend Erholungszeiten zwischen den Arbeitseinsätzen. Vorzu
ziehen sei eine Tätigkeit in einem kleineren Betrieb (
Urk.
7/47/
136-
137).
3
.4
Im Verlaufsbericht vom
6.
Juni 2019 hielten
D._
und
Dr.
A._
bei im Wesentlichen gleichbleibender Symptomatik
fest, n
ach einer leichten Verbes
serung der Situation habe der Erhalt des Arbeitszeugnisses Ende Februar 2019 erneut eine destabilisierende Wirkung gezeigt. Das Arbeitszeugnis habe nicht den üblich geltenden Regeln entsprochen. Die Beschwerdeführerin habe sich gedemü
tigt und für ihren langjährigen Einsatz nicht gewürdigt gefühlt. Aktuell sei sie im Begriff, Einspruch gegen das Arbeitszeugnis zu erheben. Der anhaltend schlechte psychische Zustand sei auf zwei bestimmende Ursachen zurückzuführen
:
E
iner
seits habe sich das gesamte Leben der Beschwerdeführerin danach orientiert, die Geschäftsziele zu erreichen. Mit ihrem Zusammenbruch 2017 sei
ihr
«ganze
s
Konstrukt» zusammengebrochen; sie habe auf keine anderen inneren Werte zurückgreifen können. Andererseits sei der Integrationsversuch in der
ange
stammten Fi
rma rückwirkend eine zu grosse Herausforderung gewesen, zumal sie dabei immer wieder mit der schon früher fehlenden Wertschätzung und fehlenden Unterstützung konfrontiert worden sei. Als Ressourcen bestünden nebst den bere
its genannten (vgl. E.
3
.3
) intakte familiäre Beziehungen.
Zudem sei die Beschwerdeführerin, wenn auch mit erhöhtem Zeitaufwand, in der Lage, die persönlichen, alltäglichen Aufgaben selbständig zu bewältigen.
Vor einer erneu
ten Wiedereingliederung sei ein Belastbarkeits- und Aufbautraining indiziert (
Urk.
7/51).
3
.5
Im
e
inwandweise
eingereichte
n
Bericht vom 3
1.
Oktober 2019
hielten
D._
und
Dr.
A._
unter Hinweis auf die Ergebnisse des BDI-II-Beck Depressions-Inventar sowie SCL-90-R-Testung eine schwere D
epression
ohne psychotische Symptome (ICD-10: F32.2)
fest
(
Urk.
7/71/3)
.
D
ie Beschwerdeführerin
empfinde sämtliche
Tagesanforderungen als beschwerlich. Sie verbringe den Tag mit Grübeln über die Vergangenheit und
über eine
Zukunft, welche von Perspektiv
losigkeit geprägt sei. Die Kontakte zu Kolleginnen möge sie nicht mehr pflegen; zu familiären Anlässen gehe sie, aber nicht aus eigenem Wollen, sondern um ihre Familie nicht zu enttäuschen.
Oft sei es ihr aber zu viel und ziehe sie sich zurück. Es tue ihr
leid
und sie empfinde Schuldgefühle darüber, dass sich ihre Familie um ihr Wohlbefinden bemühe, sie aber kaum etwas geben könne. Freude und Inte
resse an irgendwelchen Tätigkeiten könne sie nicht empfinden. Sie bemühe sich, täglich einen Spaziergang in der Natur zu machen. Unter die Menschen zu gehen sei belastend; sie möchte sich in diesem Zustand nicht zeigen. Viele Menschen
und Reize ertrage sie kaum. Zudem leide sie an wiederkehrenden, starken Kopf-, Glieder- und Muskelschmerzen sowie
am
Gefühl, nicht richtig atmen zu können. Schlafen tue sie auch schlecht; meist sei sie bis zwei
Uhr
morgens wach und studiere. Der mit ihr zusammenwohnende Bruder wolle sie immer für Tätigkeiten motivieren, aber sie habe weder Lust noch Kraft. Am liebsten sei sie allein. Seit Wochen plage sie der Suizidgedanke, sich wie ihre Nachbarin unter den Zug zu legen.
Im Gespräch habe sich
die Beschwerdeführerin indes
glaubhaft von diesem Vorhaben distanziert.
Objektiv zeige sich zwar eine bemühte Haltung, aber die Mimik sei wenig ausdrucksvoll und
der Gesichtsausdruck leer, müde und
apathisch. Die Bewegungen der Besch
werdeführerin seien verlangsamt,
gehemmt und wirkten steif und angestrengt. Ihr Denken sei verlangsamt und die Konzent
ration eingeschränkt. Zudem sei der Antrieb stark vermindert und auf emotio
naler Eben
e
sei die Beschwerd
eführerin kaum schwingungsfähig. Mithin erfülle
sie
alle Kriterien einer schweren depressiven Störung
(
Urk.
7/71).
3
.6
Im Verlaufsbericht vom 2
7.
April 2020 hielten
D._
und
Dr.
A._
wiederum eine mittelgradig depressive Episode fest; die Beschwerdeführerin werde weiterhin im wöchentlichen Rhythmus therapiert und habe inzwischen mehr Eigeninitiative entwickelt. Auch habe sich ihr Selbstvertrauen und Selbst
wertgefühl verbessert und bestehe eine innere Zuversicht, wieder arbeitsfähig zu werden. Gleichzeitig zeige sich infolge der Covid-19-Pandemie ein erhöhter Angstpegel. Als Medikation nehme die Beschwerdeführerin
Imovane
7.5 mg (0-0-0-1) und
Cipralex
10 mg (1-0-0) ein. Eine schrittweise berufliche Wiederein
gliederung, beginnend mit zwei Stunden am Tag, sei zumutbar mit entspre
chender Begleitung und unter Vermeidung von Überforderung, zumal dann eine neuerliche Dekompensation drohe (
Urk.
7/81).
3
.7
Bei der geschilderten Aktenlage kam RAD-Arzt
Dr.
E._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, mit internen
Stellungnahmen vom 28.
August 2019 und 3
0.
September 2020 zum Schluss, es liege mit überwie
gender Wahrscheinlichkeit keine psychiatrische Erkrankung mit dauerhafter Einschränkung der Arbeitsfähigkeit vor. Probleme am Arbeitsplatz stünden im Vordergrund und die Integrationsmassnahme sei aufgrund eines Vorfalles in der Nachbarschaft sowie wegen einer unklaren Fussschwellung gescheitert
. Zudem endigten die Arbeitsfähigkeitsatteste mit A
b
lauf der Zahlungspflicht der Krankentaggeldversicherung
(
Urk.
7/62/6,
Urk.
7/92/5).
4
.
Bei der vorliegenden A
ktenlage, insbesondere
den
von
Dr.
A._
geschilderten objektiven Befunde
,
kann nicht a priori ausgeschlossen werden
, dass
bei der
Beschwerdeführerin eine
IV-releva
nte Gesundheitsstörung vorliegt
(vgl. auch die
Protokoll
e der Eingliederungsberatung, wonach
eine weitaus ernsthaftere Erkran
kung
vermutet werde
als bisher ausgewiesen
und sich
gezeigt
habe
, dass eine längerfristige, therapeutis
che Intervention notwendig sei,
Urk.
7/45/9 f.).
Daran vermögen auch die anderslautenden,
ausgesprochen
knapp gehaltenen Stellung
nahmen
von RAD-Arzt
Dr.
E._
,
welche
darüber hinaus
ohne eigene Unter
suchung
erfolgten, nichts zu ändern
(vgl.
vorstehend E.
3
.7
,
Urk.
7/62/6,
Urk.
7/92/5)
.
Alsdann
hielt
das Bundesgericht in BGE 143 V 409
(
im Sinne einer Praxisänderung
)
m
it Bezug auf leichte bis mittelschwere depressive Störungen
s
peziell fest
, dass eine invalidenversicherungsrechtlich relevante psychische Gesundheitsschädigung nicht mehr allein mit dem Argument der fehlenden Therapieresistenz auszuschliessen sei (E. 5.1; zur bisherigen Gerichtspraxis vgl. statt vieler: BGE 140 V 193 E. 3.3; Urteil des Bundesgerichts 9C_13/2
016 vom 1
4.
April 2016 E. 4.2)
. Für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit sind
damit
auch bei mittelgradigen depressiven Störungen systematisierte Indikatoren beachtlich, die es – unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belastungsfaktoren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) andererseits – erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzuschätzen (BGE 141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1). Die Therapierbarkeit ist
lediglich, aber immerhin
als Indiz in die gesamthaft vorzunehmende allseitige Beweiswürdigung mitein
zubeziehen (BGE 143 V 409 E. 4.2.2; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_449/2017 vom
7.
März 2018 E. 4.2.1).
Dass
die
auf unvollständiger Sachverhaltslage erfolgte
«Ressourcenprüfung» einer Sachbearbeiterin der IV-Stelle (vgl.
Urk.
7/60/2) den Anforderungen von BGE 141 V 281
nicht zu genügen v
ermag
, versteht sich von selbst
.
Gleichzeitig lassen die Berichte, insbesondere Arbeits
fähigkeitsbeurteilungen
,
von
D._
und
Dr.
A._
eine
einlässliche Ausei
nandersetzung mit den im Regelfall
anzuwenden Standardindikatoren
vermissen. Davon abgesehen
kann
es in umstrittenen Fällen
nicht Sache der behandelnden Ärzte sein, abschliessend zur Sache, insbesondere
zur Arbeitsunfähigkeit Stellung zu nehmen (Urteil des Bundesgerichts
vom 10. Mai 2011, 9C_152/2011; vgl. auch
BGE 125 V 353 E. 3b/cc
).
Mithin
lag der angefochtenen Verfügung kein hinrei
chend abgeklärter medizinischer Sachverhalt zugrunde, welcher eine abschlies
sende Beurteilung des Gesundheitszustandes sowie deren Auswirkungen auf die Arbeitsfähig
keit der Beschwerdeführerin
erlaubt hätte
.
Demzufolge lässt sich weder der Rentenanspruch noch ein allfälliger Anspruch auf Eingliederungs
massnahmen abschliessend beurteilen.
In Anbetracht dieser Erwägungen ist eine umfassende psychiatrische Abklärung unter Einschluss der Frage, inwief
ern sich ein allenfalls bei der
Beschwerde
führer
in
vorliegender psychischer Gesundheitsscha
den auf ihre
Arbeitsfähigkeit
auswirkt
, angezeigt. Dabei
wird der beurteilende Facharzt
sowohl
zu
den Standardindikatoren
als auch
zur Frage Stellung zu beziehen haben, ob u
nd gegebenenfalls inwieweit
IV-fremde Belastungsfaktoren
für das Leiden ursächlich
sind
resp. dessen Überwindung verhindern.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuh
eissen und der angefochtene Ent
scheid aufzuheben.
5
.
5
.1
Gemäss Art. 69 Abs. 1
bis
IVG ist das Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten um die Bewilligung oder die Verweigerung von IV-Leistungen kostenpflichtig.
Die Kosten sind vorliegend ermes
sensweise auf Fr.
7
00.-- festzusetzen und (aufgrund der rechtsprechungsgemäss ebenfalls als vollständiges Obsiegen geltenden Rück
weisung der Sache an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfü
gung
, vgl.
BGE 137 V 57 E. 2.2
) ausgangsgemäss der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen.
5
.2
Nach Art. 34 Abs. 3
GSVGer
hat d
ie
obsiegende Beschwerdeführerin
Anspruch auf eine Prozessentschädigung
(vgl. auch
Art.
61
lit
. g ATSG)
. Diese wird vom Gericht festgesetzt und ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeut
ung der Streitsache, der Schwie
rigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens bemessen. Vorliegend erscheint eine Prozessentschädigung von Fr.
2’000
.-- (inkl. Barauslagen und Mehrwertsteuer) als angemessen.