# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0bccb947-d6ae-46d3-a478-fab7da240667
**Court:** ZH_VG
**Chamber:** ZH_VG_001
**Year:** 2011
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
I.
Mit Beschluss vom 1. März 2011 erteilte die Bausektion der Stadt Zürich E die baurechtliche Bewilligung für den Umbau des Geschäftshauses auf dem Grundstück Kat.-Nr. 06 an der F-Strasse 07, 08 und 09 in Zürich.
II.
Auf den gegen diesen Beschluss von A eingelegten Rekurs trat das Baurekursgericht mit Entscheid vom 6. Mai 2011 wegen fehlender Rekurslegitimation nicht ein.
III.
Mit Beschwerde vom 8. Juni 2011 beantragte A dem Verwaltungsgericht, den Entscheid vom 6. Mai 2011 aufzuheben, eventuell die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen mit der Anweisung, auf den Rekurs einzutreten, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten von E. In verfahrensrechtlicher Hinsicht beantragte A die Durchführung eines Augenscheins.
Am 30. Juni 2011 schloss das Baurekursgericht ohne weitere Bemerkungen auf Abweisung der Beschwerde.
In ihrer Beschwerdeantwort vom 8. Juli 2011 beantragte E die Abweisung der Beschwerde, unter  Entschädigungsfolgen zulasten des Beschwerdeführers. Die Bausektion der Stadt Zürich beantragte mit Beschwerdeantwort vom 20. Juli 2011 ebenfalls die Abweisung der Beschwerde, soweit auf die vorgebrachten Rügen einzutreten sei.
Mit Replik vom 26. August 2011 hielt der Beschwerdeführer an seinen Anträgen fest.
IV.
A.
Am 13. September 2011 schlossen der Beschwerdeführer und die private Beschwerdegegnerin aussergerichtlich eine Vereinbarung, worin sie Folgendes festhielten (act. 21):
"1. Der Beschwerdeführer zieht seine am Verwaltungsgericht hängige Beschwerde VB.2011.00376, resp. das von ihm eingeleitete Verfahren, zurück.
2. Der Rekurrent zieht den von ihm eingereichten Baurekurs vor Baurekursgericht 1. Abteilung R1S.2011.05100 zurück.
3. Die Beschwerdegegnerin und Rekursgegnerin übernimmt die Abschreibungskosten.
4. Die Beschwerdegegnerin und Rekursgegnerin bezahlt dem Rekurrenten binnen 10 Tagen seit Eingang der Abschreibungsbeschlüsse eine Prozessentschädigung von CHF 110'000.-- pauschal inkl. MwSt., zahlbar an den Rechtsvertreter des Beschwerdeführers.
5. Mit Vollzug dieser Vereinbarung sind die Parteien per Saldo aller gegenseitigen Ansprüche auseinandergesetzt."
Diese von beiden Parteien unterzeichnete Vereinbarung wurde von der privaten Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 13. September 2011 eingereicht. Aufgrund der vorbehaltlosen Rückzugserklärung des Beschwerdeführers vom 13. September 2011 ist das Verfahren VB.2011.00376 grundsätzlich als durch Rückzug der Beschwerde erledigt abzuschreiben.
B.
Aufgrund der Umstände im vorliegenden Fall ist jedoch zu prüfen, ob die Vereinbarung nicht als sittenwidrig zu qualifizieren ist. Gemäss Art. 20 Abs. 1 Obligationenrecht (OR) ist ein Vertrag nichtig, der einen unmöglichen oder widerrechtlichen Inhalt hat oder gegen die guten Sitten verstösst. Sittenwidrig sind Verträge, die gegen das allgemeine Anstandsgefühl oder gegen die der Gesamtrechtsordnung immanenten ethischen Prinzipien und Wertmassstäbe verstossen. Ein solcher Verstoss kann einerseits in der vereinbarten Leistung oder in dem damit angestrebten mittelbaren Zweck oder Erfolg liegen, sich andererseits aber auch daraus ergeben, dass eine notwendig unentgeltliche Leistung mit einer geldwerten Gegenleistung verknüpft wird (BGE 115 II 232 E. 4a; 123 III 101 E. 2, mit weiteren Hinweisen). Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung ist der entgeltliche Verzicht auf eine rechtliche Befugnis sittenwidrig, falls er auf einer verpönten Kommerzialisierung der Rechtsposition der verzichtenden Partei beruht. Eine verpönte Kommerzialisierung liegt erst vor, wenn mit der entgeltlichen Verzichtsvereinbarung allein der drohende Verzögerungsschaden des Bauherrn vermindert werden soll. Das Interesse an blosser Verzögerung eines Bauvorhabens ist nicht schutzwürdig und kann daher ohne inneren Wertungswiderspruch auch nicht als Vermögenswert entgolten werden (BGE 123 III 101 E. 2c).
Dem Beschwerdeführer kann im vorliegenden Fall nicht unterstellt werden, er habe das ihm missliebige Bauvorhaben gar nicht verhindern wollen, sondern lediglich die Absicht gehabt, das Projekt zu verzögern, um die private Beschwerdegegnerin zu einer entgeltlichen Rückzugsvereinbarung zu nötigen. Der angefochtene Entscheid, mit welchem das Baurekursgericht die Legitimation des Beschwerdeführers verneint hat, ist zwar richtig. Dennoch lässt sich nicht sagen, es habe für den Beschwerdeführer von vornherein keine Aussicht darauf bestanden, auf dem Rechtsmittelweg eine Abänderung des Projekts zu erwirken und dadurch eine Verminderung seiner nachbarrechtlichen Inkonvenienzen herbeizuführen. Die Vereinbarung ist daher im Lichte der dargelegten Bundesgerichtspraxis nicht als sittenwidrig und nichtig zu qualifizieren.
Die Beschwerde wurde vom Verwaltungsgericht am 30. August 2011 entschieden, jedoch noch nicht eröffnet. Da ein Beschwerderückzug bis zur Zustellung des Entscheids zulässig ist (Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 63 N. 2; RB 1965 Nr. 13), ist das Verfahren als durch Rückzug der Beschwerde erledigt abzuschreiben.
C.
Selbst wenn die Vereinbarung sittenwidrig wäre, würde sich an diesem Ergebnis nichts ändern.
Der Antrag, das Beschwerdeverfahren sei gestützt auf die Rückzugserklärung gemäss
Vereinbarung vom
13. September 2011
abzuschreiben
,
wird
von den privaten Parteien gemeinsam gestellt. Die Vereinbarung entspricht dem übereinstimmenden Willen und Interesse dieser Parteien; das von der Minderheit vorgeschlagene Vorgehen hätte zur Folge, dass das Verfahren – voraussichtlich vor der nächsten Instanz – fortzusetzen wäre, was auch den Interessen der privaten Beschwerdegegnerin zuwiderliefe.
Die Abschreibung des Verfahrens lässt sich auch mit dem Prozessrecht ohne Weiteres vereinbaren: Geht man nämlich davon aus, dass die Vereinbarung sittenwidrig sei, unterstellt man dem Beschwerdeführer zugleich, dass er an der Weiterführung des Verfahrens nur interessiert sei, um die Gegenseite zu ungerechtfertigten Zugeständnissen zu nötigen. Das wäre jedoch kein schutzwürdiges Interesse und würde es nicht rechtfertigen, den Rückzug der Beschwerde entgegen dem erklärten Willen der Parteien zu missachten (vgl. dazu auch Thomas Gächter, Rechtsmissbrauch im öffentlichen Recht, Zürich 2005, N. 315 f.).
D.
Gemäss der Vereinbarung der privaten Beschwerdeparteien vom 13. September 2011 sind die Gerichtskosten der privaten Beschwerdegegnerin aufzuerlegen. Zudem ist davon Vormerk zu nehmen, dass sich die privaten Parteien aussergerichtlich über die Parteientschädigung geeinigt haben.
Im Zeitpunkt des Rückzugs lag bereits ein begründetes Urteil der 1. Kammer des Verwaltungsgerichts vom 30. August 2011 vor, das zum Versand bereit war. Angesichts des entstandenen Aufwands ist ungeachtet des Rückzugs die Gerichtsgebühr auf Fr. 5'000.- anzusetzen.

## Considerations