# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 23ffa6a3-b293-4e37-beba-bcf84e7f34a5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1984 geborene
X._
arbeitete
seit
1.
September
2015
mit einem Teilzeitpensum
bei der Y._
als Lehrerin
(
Urk.
9/K1,
Urk.
9/K12; vgl. auch
Urk.
9/K8)
und war über diese bei der Helsana Unfall AG
(nachfolgend: Helsana)
obligatorisch unfallversichert. Mit Unfallmeldung vom 1
6.
Mai 2017 gab sie
der Helsana bekannt, sie
s
ei am 1
9.
März 2017 zu Hause im Tiefschlaf von einem fremden Mann geschändet worden
. Die Arbeit habe sie des
halb nicht aussetzen müssen
(
Urk.
9/K1
-K2
; vgl.
Urk.
9/K3
).
Die
g
ynäkologische Untersuc
hung im Universitätsspital Z._
am 2
0.
März 2017 ergab
einen unauf
fälligen Befund
(
Urk.
10/M1; vgl. auch
Urk.
9/K3/2 S. 2-3,
Urk.
9/K3/5-6).
Dr.
me
d.
A._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, und
dipl.
Psycho
login
B._
, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP,
w
elche die Ver
sicher
t
e ab dem
2
1.
April
2017 einmal wöchentlich
psychotherapeutisch
behan
delten, dia
gnostizierten
in ihrem Bericht vom 2
7.
Oktober 2017
eine
posttrau
ma
tische Belastungsstörung
(
PTBS;
Urk.
10/M2
S. 2
; vgl. auch
Urk.
9/K8 S. 2).
Unter der
Behandlung kam es im Verlauf
zu einer stetigen
B
esserung der Symptomatik (
Urk.
10/M
2
S.
4
,
Urk.
10/
M4
S.
3
,
Urk.
10/M6).
Die Helsana
übernahm die Be
handlungskosten
(
Urk.
9/K14; vgl. auch
Urk.
9/K11,
Urk.
9/K13), nachdem ihr beratender Arzt
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
in de
n
Aktenbeurteilung
en
vom
2.
Dezember 2017
und vom 1
3.
April 2018
einen
natürlichen
Kausalzusammenhang zwischen der psychischen Symptomatik und
dem Ereignis vom 1
9.
März 2017 sowie eine Behandlungsbedürftigkeit bejaht hatte
(
Urk.
10/M3
S. 4-5
,
Urk.
10/M
5
S. 2 f.
).
Am 2
0.
August 2018 erfuhr die
Helsana von
Dr.
A._
, dass die Versicherte
im Juli 2018
ins Ausland gezogen war und die Heilbehandlung
abgeschlossen
worden war
(
Urk.
9/K15
,
Urk.
10/M6
).
1.2
Am
2
5.
Juni 2020
meldete die Versicherte der Helsana
telefonisch einen Rückfall (
Urk.
9/K16).
Die Helsana liess die Versicherte
das Schadenformular (
Urk.
9/K19)
und den
Fragebogen
betreffend Rückfall
ausfüllen
(
Urk.
9/K21 S. 6;
vgl. auch
Urk.
9/K17-18)
, holte bei
Dr.
A._
den Verlaufsbericht vom
1
5.
Juni 2020 ein
(
Urk.
10/M7
; vgl. auch
Urk.
9/K23 S. 1)
und legte das Doss
i
er erneut ihrem Ver
trauenspsychiater
Dr.
C._
vor. Gestützt auf dessen Beurteilung vom
2
8.
Juli 2020 (
Urk.
10/M8)
verneinte
sie
mit Verfügung vom
5.
August 2020
einen erneu
ten Anspruch auf Unfallversicherungsleistungen, da kein natürlicher Kausalzu
sammenhang zwischen dem damaligen Ereignis und den aktuellen Beschwerden bestehe (
Urk.
9/K23).
Die von der Versicherten dagegen erhobene Einsprache
vom
1.
September 2020
(
Urk.
9/K25
,
Urk.
9/K28
) wies die Helsana mit
Einspracheent
scheid
vom
2
4.
November 2020
ab (
Urk.
9/K29 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob die Versicherte, vertreten durch Rechtsanwältin
Ursula
Sintzel
, mit Eingabe vom 1
1.
Januar 2021 Beschwerde mit dem Antrag, die Helsana sei
zu verpflichten, für den Rückfall zum Unfallereignis vom 1
9.
März 2017 mit Arbe
itsunfähigkeit und Heilbehandlung ab
1.
April 2020 die gesetzlichen Leis
tungen zu erbringen
. In prozessualer Hinsicht beantragte sie, es sei ihr Rechts
an
wältin Ursula
Sintzel
als unentgeltliche Rechtsvertreterin zu bestellen
(
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 1
8.
Februar 2021 beantragte die Helsana die Abwei
sung der Beschwerde (
Urk.
8).
Mit Verfügung vom
3.
März 2021 bestellte das Gericht der Beschwerdeführerin in Bewilligung ihres Gesuchs Rechtsanwältin Ursula
Sintzel
als unentgeltliche Rechtsvertreterin für das vorliegende Verfahren und ordnete einen zweiten Schriftenwechsel an (
Urk.
14).
Mit Replik vom 2
5.
Mai 2021 hielt die Beschwerdeführerin an ihren Anträgen fest (
Urk.
17 S. 2) und reichte unter anderem einen aktuellen Bericht ihrer Psychiaterin
Dr.
A._
zu den Akten (
Urk.
18/1). In der Duplik vom 3
0.
Juni 2021 erneuerte die Helsana ihren Antrag auf Beschwerdeabweisung (
Urk.
21)
, wovon der Beschwerdeführerin am
7.
Juli 2021 Kenntnis gegeben wurde (
Urk.
22)
.
Am
2
6.
Oktober 2021 teilte die Rechtsvertreterin der Beschwerdeführerin dem Gericht mit, dass sie die Beschwerdeführerin nicht mehr vertrete und reichte ihre Kostennote ein (
Urk.
24-25).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Leistungspflicht eines Unfallversicherers gemäss
Bundesgesetz über die Un
fall
versicherung (UVG)
setzt voraus, dass zwischen dem Unfallereignis und dem eingetretenen Schaden (Krankheit, Invalidität, Tod) ein natürlicher Kausalzusam
menhang besteht. Ursachen im Sinne des natürlichen Kausalzusammenhangs sind alle Umstände, ohne deren Vorhandensein der eingetretene Erfolg nicht als ein
getreten oder nicht als in der gleichen Weise beziehungsweise nicht zur gleichen Zeit eingetreten gedacht werden kann. Entsprechend dieser Umschreibung ist für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich, dass ein Unfall die alleinige oder un
mittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist; es genügt, dass das schädi
gende Ereignis zusammen mit anderen Bedingungen die körperliche oder geis
tige Integrität der versicherten Person beeinträchtigt hat, der Unfall mit andern Worten nicht weggedacht werden kann, ohne dass auch die eingetretene ge
sundheitliche Störung entfiele (BGE 129 V 177 E. 3.1, 402 E. 4.3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
Ob zwischen einem schädigenden Ereignis und einer gesundheitlichen Störung ein natürlicher Kausalzusammenhang besteht, ist eine Tatfrage, worüber die Verwaltung beziehungsweise im Beschwerdefall das Gericht im Rahmen der ihm obliegenden Beweiswürdigung nach dem im Sozialversicherungsrecht üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit zu befinden hat. Die blosse Möglichkeit eines Zusammenhangs genügt für die Begründung eines Leistungs
an
spruches nicht (BGE 129 V 177 E. 3.1, 119 V 335 E. 1, 118 V 286 E. 1b, je mit Hinweisen).
1.2
Die in Rechtskraft erwachsene Verweigerung weiterer Leistungen durch den obli
ga
torischen Unfallversicherer schliesst die spätere Entstehung eines Anspruchs, der sich aus demselben Ereignis herleitet, nicht unter allen Umständen aus. Viel
mehr steht ein solcher Entscheid unter dem Vorbehalt späterer Anpassung an geänderte unfallkausale Verhältnisse. Dieser in der Invalidenversicherung durch das Institut der Neuanmeldung geregelte Grundsatz gilt auch im Unfallversi
che
rungsrecht, indem es der versicherten Person jederzeit freisteht, einen Rückfall
oder Spätfolgen eines rechtskräftig beurteilten Unfallereignisses geltend zu mac
hen (vgl. Art. 11
der
Verordnung ü
ber die Unfallversicherung [UVV]
) und erneut Leis
tungen der Unfallversicherung zu beanspruchen. Bei einem Rückfall handelt es sich um das Wiederaufflackern einer vermeintlich geheilten Krankheit, so dass es zu ärztlicher Behandlung, möglicherweise sogar zu (weiterer) Arbeitsunfähigkeit kommt; von Spätfolgen spricht man, wenn ein scheinbar geheiltes Leiden im Verlaufe längerer Zeit organische oder auch psychische Veränderungen bewirkt, die zu einem andersgearteten Krankheitsbild führen können (BGE 144 V 245 E. 6.1, 118 V 293 E. 2c, je mit Hinweisen)
.
Rückfälle und Spätfolgen schliessen sich begrifflich an ein bestehendes Unfall
ereignis an. Entsprechend können sie eine Leistungspflicht der Unfallversi
che
rung nur auslösen, wenn zwischen den erneut geltend gemachten Beschwerden und der seinerzeit beim versicherten Unfall erlittenen Gesundheitsschädigung ein natürlicher und adäquater Kausalzusammenhang besteht (BGE 118 V 293 E. 2c in
fine
).
Mit Bezug auf Rückfälle oder Spätfolgen kann der Unfallversicherer nicht auf der Anerkennung des natürlichen Kausalzusammenhanges beim Grundfall und bei früheren Rückfällen behaftet werden, weil die unfallkausalen Faktoren durch Zeitablauf wegfallen können. Vielmehr obliegt es dem Leistungsan
spre
cher, das Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhanges zwischen dem als Rückfall oder Spätfolge postulierten Beschwerdebild und dem Unfall nachzu
weisen. Nur wenn die Unfallkausalität mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt ist, entsteht eine erneute Leistung
spflicht des Unfallversicherers;
dabei sind an den Wahrscheinlichkeitsbeweis umso strengere Anforderungen zu stellen,
je grösser der zeitliche Abstand zwischen dem Unfall und dem Auftreten der gesund
heitlichen Beeinträchtigung ist
(Urteil des Bundesgerichts 8C_
627/2020 vom 1
0.
Dezember 2020 E. 2.3
).
1.3
Der Fallabschluss hat in Form einer Verfügung zu erfolgen, wenn und solange die (weitere) Erbringung erheblicher Leistungen zur Diskussion steht (
BGE 132 V 412
E. 4, Art. 124 UVV). Erlässt der Versicherer stattdessen nur ein einfaches Schreiben, erlangt dieses in der Regel jedenfalls dann rechtliche Verbindlichkeit, wenn die versicherte Person nicht innerhalb eines Jahres Einwände erhebt (
BGE
134 V 145
). Standen zu einem bestimmten Zeitpunkt indes keine Leistungen mehr zur Diskussion, kann ein Rückfall auch vorliegen, ohne dass der versicherten Person mitgeteilt wurde, der Versicherer schliesse den Fall ab und stelle seine Leistungen ein. In dieser Konstellation ist entscheidend, ob zum damaligen Zeit
punkt davon ausgegangen werden konnte, es werde keine Behandlungs
be
dürftig
keit und/oder Arbeitsunfähigkeit mehr auftreten. Dies ist im Rahmen einer ex-ante-Betrachtung unter Berücksichtigung der konkreten Umstände zu beurteilen (Urteil des Bundesgerichts 8C_400/2013 vom 31. Juli 2013 E. 4 mit weiterem Hinweis).
Andererseits ist der Leistungsanspruch unter dem Aspekt des Grundfalles und nicht unter demjenigen eines Rückfalles zu prüfen, wenn die versicherte Person während der leistungsfreien Zeit weiterhin an den nach dem Unfall aufgetretenen Beschwerden gelitten hat bzw. wenn Brückensymptome gegeben sind, die das
Geschehen über das betreffende Intervall hinweg als Einheit kennzeichnen. Brück
ensymptome können naturgemäss auch relativ harmloser Natur sein und dürfen in der Regel nicht nur dann anerkannt werden, wenn sie auch durchgängig ärztlich behandelt wurden (Urteil des Bundesgerichts 8C_185/2008 E. 4.3 und 5.2 mit weiteren Hinweisen).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
Auch dem reinen Aktengutachten kann voller Beweiswert zukommen, sofern der Untersuchungsbefund lückenlos vorliegt, namentlich ein vollständiges Bild über Anamnese, Verlauf und gegenwärtigen Status ergibt, und zudem nicht umstritten
ist. Weiter sind unfallversicherungsintern eingeholte ärztliche Berichte
dann
nich
t
zu berücksichtigen, wenn an der Richtigkeit der Schlussfolgerungen auch nur geringe Zweifel bestehen (Urteil des Bundesgerichts 8C_724/2013 vom 3
1.
März 2014 E. 4.2.2 mit Hinweisen).
2.
2.1
Die Helsana begründet
die Verneinung einer Leistungspflicht für die als Rückfall zum Unfall vom 1
9.
März 2017 gemeldeten Beschwerden
damit,
Dr.
C._
habe am 2
8.
Juli 2020 zum Bericht
des behandelnden
Dr.
A._
vom 1
5.
Juni 2020 Stellung genommen.
D
abei habe
er festgehalten, dass die Beschwerdeführerin die unfallbedingt eingetretene
PTBS
früher bereits überwunden habe.
Laut
Dr.
A._
habe die Beschwerdeführerin bereits
mehr
als ein Jahr vor dem angeblichen Rückfall, im Februar 2019, erfahren, dass der Angeklagte vom Vorwurf der Schändung freigesprochen worden sei und eine hohe Entschädigungssumme erhalten habe. Dies habe gemäss
Dr.
A._
zum Rückfall geführt.
Wegen des grossen zeitlichen Abstands hierzu seien
d
ie
von
Dr.
A._
erst
ab
1.
April 2020
genannte
Diagnose einer
PTBS
sowie die damit begründete 100%ige Arbeitsun
fähigkeit
nur beschränkt nachvollziehbar.
Hinsichtlich dieser Diagnose liege ein natürlicher Kausalzusammenhang mit dem Unfall vom 1
9.
März 2017 nur mög
licherweise vor, entsprechend einer Wahrscheinlichkeit von weniger als 50
%
, nicht aber mit dem im Sozialversicherungsrecht erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit.
Auch die
von
Dr.
A._
dia
gnostizierte de
pres
sive Störung, gegenwärtig schwere Episode
, stehe wegen der langen zeitli
chen Latenz
nicht
in einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfall
ereignis.
Dr.
A._
habe erwähnt, dass die Versicherte seit März 2020 von der
Corona-Situation in Italien, die zu beruflichen Stressfaktoren geführt habe, m
assiv belastet worden sei. Die neu aufgetretenen psychischen Beschwerden hingen offensichtlich damit zusammen, und es handle sich wohl um krankhafte psychi
sche Verarbeitungen (
Urk.
2 S. 5 ff.
,
Urk.
8 S. 3 f.
). Die Beschwerdeführerin könne den ihr bei diesem Rückfall obliegenden Beweis, dass zwischen dem neuen Be
schwerdebild und dem Unfall ein natürlicher Kausalzusammenhang bestehe, nicht
mit dem nötigen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erbringen
(
Urk.
2 S. 5 und 7,
Urk.
21 S. 3).
2.2
Die Beschwerdeführerin stellt sich demgegenüber auf den Standpunkt,
das Vor
liegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen der als Rückfall ge
mel
deten Symptomatik und dem Unfallereignis vom 1
9.
März 2017 sei hinrei
chend erstellt. Die Beurteilung von
Dr.
C._
vom 2
8.
J
uli 2020
sei nicht nach
voll
ziehbar. Er argumentiere, die Latenzzeit zwischen dem von der behandelnden
Dr.
A._
genannten
retraumatisierenden
Ereignis im Februar 2019 und der ab April 2020 attestierten vollständigen Arbeitsunfähigkeit sei zu lange, um einen
Kausalzusammenhang bejahen zu können. Dabei lasse er ausser Acht, dass
Dr.
A._
in ihrem Bericht
vom 1
5.
Juni 2020
festgehalten habe, dass die Infor
mation über den Freispruch des
Angeklagten
Auslöser eines anhaltenden, sich stetig verschlechternden Beschwerdeverlaufs gewesen sei
, welcher schliesslich im Frühling 2020 zur vollen Arbeitsunfähigkeit geführt habe. Zu Unrecht
habe
Dr.
C._
ferner
das von
Dr.
A._
beschriebene Zustandsbild mit vielen für eine
PTBS
typischen Symptomen
nicht
berücksichtigt. Die für eine Erschöpfungs
de
pression typischen Symptome seien weniger im Vordergrund
gewesen, und
d
ie zu
sätzlich hinzugetretene hohe Arbeitsbelastung im Zeitraum der
coronabe
dingten
Schulschliessungen sei höchstens eine untergeordnete Teilursache der Arb
eitsun
fähigkeit gewesen
. Der Rückfall
habe
die geklagten Beschwerden
mindestens
teilweise verursacht (
Urk.
1 S. 4). Wegen der Schwere des Grundereignisses und der Art und Weise der erlittenen Verletzungen müsse das Vorliegen eines adä
quaten Kausalzusammenhangs zwischen Unfall und den neu aufgetretenen Be
schwerden
ebenfalls
bejaht werden. Deshalb sei die Helsana für den Rückfall leistungspflichtig (
Urk.
1 S. 5).
Aus dem
mit der Replik eingereichten
ergänzenden
Bericht von
Dr.
A._
vom 1
5.
April 2021 ergäben sich mehrere wichtige Zusatzinformationen zum Verlauf. Dadurch
werde die Unfallkausalität der als Rückfall gemeldeten Beschwerden
zu
sätzlich untermauert
(
Urk.
17 S. 2 f.).
D
ie Nachricht vom Freispruch des
Ange
klagten
im Februar 2019
habe für sie
eine grosse Erschütterung dargestellt, welch
e die für eine PTBS typische
Traumasymptomatik
unmittelbar im Anschluss an die Mitteilung vom Februar 2019 reaktiviert habe
. Trotzdem habe sie sich weiter
durch den beruflichen Alltag gekämpft und versucht, sich mit mehrwöchigen ayurvedischen Kuren während der Schulferien zu stabilisieren (
Urk.
17 S. 5).
Dass zu Beginn des Jahres 2020 aufgrund der Pandemie auch noch eine berufliche Zusatzbelastung
hinzu getreten
sei, habe zu ihrem gä
nzlichen Zusammenbruch geführt
(
Urk.
17 S. 6).
Die depressive
Störung habe sich nach Kenntnisnahme
des
Freispruch
s
des Angeklagten
aufgrund der langanhaltenden Dauer der Belastun
gen im Sinne einer sekundären Störung
entwickelt, weil ihre Ressourcen aufge
braucht gewesen seien. Sie müsse ebenfalls als natürlich kausale Folge des Unfall
ereignisses gewertet werden und habe zudem ihre Suche nach ärztlicher Hilfe zusätzlich erschwert (
Urk.
17 S. 7).
Es entspreche einer allgemeinen Erfahrungs
tatsache, dass Versicherte mit psychischen Beschwerdebildern nicht unmittelbar nach dem ersten Auftreten psychopathologischer Symptome fachliche Hilfe in
Anspruch nähmen, sondern oft erst dann, wenn der Leidensdruck so hoch sei, da
ss
sie nicht mehr alleine zurecht
kämen. Möglicherweise habe auch ihre gewissen
hafte Persönlichkeitsstruktur dazu geführt, dass sie
vorerst mit anderen Mitteln und Methoden versucht habe, sich zu stabilisieren
.
Es dürfe nicht sein, dass ihr dies heute zum Nachteil
gereiche
, zumal die einschlägige PTBS-Beschwerde
symp
tomatik nachweislich spätestens ab Februar 2019 bis heute durchgehend vorge
legen habe, mit zunehmender I
ntensi
tät (
Urk.
17 S. 7 f.).
3.
3.1
3.1.1
Aus den
Verlaufsberichten
der Psychiaterin
Dr.
A._
vom
2
7.
Oktober 2017
und
vom
1
5.
März 2018
geht hervor, dass
sie die B
eschwerdeführerin seit dem 2
1.
April
2017 zusammen mit
dipl.
Psychologin
B._
in der Regel einmal wöch
entlich mit psychotherapeutischen Einzelgesprächen
behandelte
.
Die Beschwer
de
führerin gab
den Therapeutinnen
an, vor der Schändung am 1
9.
März 2017 nicht unter psychischen Problemen gelitten zu haben
(
Urk.
10/M4 S. 1 f. und 4)
.
Die Fachpersonen beschrieben
eine
PTBS
mit wiederholtem Erleben des Traumas (In
trusionen), Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die an das trauma
tische Ereignis erinnern, emotionale
r
Abgestumpftheit, Selbst
vorwürfen, Scham- und
Schuldgefühlen, Veränderung des Selbstbilds, der Weltsicht und des Men
schen
bil
des, depressiver Stimmung, Antriebslosigkeit, sozialem Rückzug, Kon
zen
tra
ti
ons
störungen sowie Leistungsbeeinträchtigung im Beruf und in der Freizeit.
Weitere Symptome (
gelegentlich akute Ausbrüche
von Angst, Panik oder Aggression, übermässige Schreckhaftigkeit, Panikattacken, emotionale Instabilität, vegetative Übererregbarkeit mit verschiedenen körperlichen Symptomen, dissoziative Symp
tome, ständige Überwachheit und häufige Schlaflosigkeit)
werden im Bericht vom 1
5.
März 2018 nicht mehr erwähnt (
Urk.
10/M2 S. 2,
Urk.
10/M
4
S. 1
).
Die durchgeführte tiefenpsychologisch orientierte Psychotherapie in Kombination mit dem kognitiv-
behavioralen
Therapieansatz
bezweckte, zunächst eine Stabili
sierung zu erreichen, um späte
r eine
Traumabearbeitung
durch
führen
zu können
(
Urk.
10/M2 S. 2 f.). Im Verlauf zeigte sich eine stetige schrittweise Verbesserung der Symptomatik und des Funktionsniveaus (
Urk.
10/M2 S. 4)
. Die depress
ive Symptomatik konnte reduziert und es konnte eine gewisse Stabilisierung erreicht werden. Im Bericht vom 1
5.
März 2018 hielt
Dr.
A._
fest, im Moment sei ge
plant, mit der
Traumaverarbeitung
zu beginnen. Dabei gehe es zuerst darum, die Voraussetzungen zu schaffen, damit eine achtsame Verarbeitung des Traumas beginnen könne. Am Schluss finde eine Integration des verarbeiteten Traumas in die Lebensgeschichte und eine Neuausrichtung der Zukunftsperspektive statt.
Hierfür werde die Beschwerdeführerin noch mindestens ein Jahr Psychotherapie mit wöchentlichen Sitzungen benötigen (
Urk.
10/M4 S. 3).
3.1.2
Der Vertrauenspsychiater der Helsana,
Dr.
C._
, beurteilte die Ausführungen von
Dr.
A._
in seinen Stellungnahmen vom
2.
Dezember 2017 und 1
3.
April 2018 als überzeugend und glaubhaft
und
bejahte des Vorliegen eines natürlichen Kausalzusammenhangs zwischen dem Ereignis vom 1
9.
März 2017 und der
PTBS
als zu 100
%
sicher
,
insbesondere
weil keine Hinweise für vorbestehende psychi
sche Beeinträchtigungen vorlagen
(
Urk.
10/M3
S. 3 f.
,
Urk.
10/M5 S. 2
)
.
Zudem
nahm
er
an, dass eine Fortsetzung der von ihm als wirksam und zweckmässig bezeichneten Psychotherapie zu einer weitgehenden Ausheilung der
PTBS
führen werde (
Urk.
10/M3 S. 4 ff.).
Am 1
3.
April 2018 empfahl er der Helsana, maximal
30 weitere Psychotherapiesitzungen für ein weiteres Behandlungsjahr bis längstens
März 2019 zu bewilligen
(
Urk.
10/M5 S. 4 f.).
3.1.3
Im Verlaufsbericht vom 2
8.
August 2018 teilte
Dr.
A._
der Helsana mit, die Beschwerdeführerin sei bis zum 2
8.
Juni 2018 von ihr und
dipl.
Psychologin
B._
psychotherapeutisch behandelt worden. Anschliessend sei sie nach Mailand gezogen, wo sie eine neue Stelle als Primarlehrerin angetreten habe. Dadurch habe sie sich eine grössere Distanz zum Erlebten
und einen neuen Fokus in ihrem Leben erhofft (
Urk.
10/M6 S. 1). Seit dem Bericht vom 1
5.
März 2018 sei vor allem am weiteren Abbau des Vermeidungsverhaltens bezüglich Situationen, die an das traumatische Ereignis erinnerten, und an der Reduktion der damit verbundenen Angstgedanken gearbeitet worden
. Des W
eiteren sei am Ressourcenaufbau und an der Verbesserung der Schlafqualität gearbeitet worden. Dadurch sei es der Beschwerdeführerin gelungen, eine grössere Stabilität zu ge
winnen und Ängste abzubauen (
Urk.
10/M6 S. 2).
3.2
3.2.1
Am
1
5.
Juni 2020
berichtete
Dr.
A._
der Helsana
über
einen Rückfall
und diagnostizierte eine
PTBS
sowie eine depressive Störung, gegenwärtig schwere Episode (
Urk.
10/M7 S. 1)
. Sie hielt fest, die Beschwerdeführerin habe während der
initialen
Psychotherapie vom 2
1.
April 2017 bis 2
8.
Juni 2018 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit erhalten können.
I
m August 2018
habe sie
die neue Stelle als Primarlehrerin in Mailand angetreten.
Sie habe dann i
m Februar 2019 erfahren,
dass der
Angeklagte
im Gerichtsprozess freigesprochen
worden und ihm eine hohe
Entschädigungssumme zugesprochen worden sei. Sie habe darauf mit Verzweif
lung und Entsetzen reagiert und sich «wie zwei Jahre zurückgeworfen» gefühlt
. Der völlig überraschende Freispruch habe zu einer
Retraumatisierung
und einer
erneuten drastischen Verschlechterung des depressiven Zustandsbilds sowie einem
Wiederauftreten der PTBS-Symptomatik mit
Hyperarousal
, Schlafstörungen sowie Intrusionen in Form sich aufdrängender Erinnerungen und von Alp
t
räu
men geführt. Als weitere massive Belastung sei seit März 2020 der Corona-Aus
nahmezustand in Italien hinzugetreten
.
Die Beschwerdeführerin habe Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit und Kontrollverlust erlebt, welche die traumatischen Erlebnisse reaktiviert hätten. Zudem habe sich wegen zusätzlicher Aufgaben das Stressniveau am Arbeitsplatz erhöht. Aufgrund der gravierenden Verschlech
te
rung ihres Gesundheitszustands habe
die Beschwerdeführerin ihre
Praxis am
1.
April 2020 mit der Bitte um Fortführung der psychotherapeutischen Behand
lung kontaktiert (
Urk.
10/M7 S. 2).
Bis auf Weiteres sei sie zu 100
%
arbeits
unfähig.
Sie werde mit
Q
ue
tiapin
25 mg und
Sertralin
75 mg sowie wöchentlichen Psychotherapiesitzungen behandelt.
Mit Schreiben vom 2
0.
Mai 2020 habe die
Krankentaggeldversicherung der Beschwerdeführerin die Zahlung von Taggel
der
n abgelehnt mit der Begründung, ursächlich für die Arbeitsunfähigkeit sei der Un
fall vom 1
9.
März 2017 (
Urk.
10/M7 S. 3).
3.2.2
In seiner versicherungspsychiatrischen Stellungnahme zu
Handen
der
Helsana äusserte
Dr.
C._
am 2
8.
Juli 2020 die Einschätzung, die von
Dr.
A._
im Bericht vom 1
5.
Juni 2020 erwähnten Diagnosen seien aus unfallversi
cherungs
rechtlicher Sicht nur beschränkt nachvollziehbar
. Laut
Dr.
A._
habe die Be
schwerdeführerin bereits mehr als ein Jahr vor dem angeblichen Rückfall,
das heisst
im Februar 2019, erfahren, dass der Angeklagte vom
Vorwurf der Schän
dung freigesprochen worden sei und eine hohe Entschädigungssumme erhalten habe. Sollte es damals zu einem Rückfall gekommen sein, hätte die Symptomatik einer
PTBS
ungleich früher auftreten müssen als am
1.
April 2020, ab
welchem Zeitpunkt
erneut
eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit geltend gemacht
werde
. Er habe deshalb grösste Zweifel an der Diagnose einer
PTBS
.
Hinsichtlich der
von
Dr.
A._
ebenfalls erwähnte
n
depressive
n
Störung, gegenwärtig schwere Epi
sode, könne er wegen der langen Latenz zum geltend gemachten Rückfall keinen Zusammenhang mit der
PTBS
erkennen.
Dr.
A._
habe erwähnt, dass die Ver
sicherte seit März 2020 vom «Corona-Ausnahmezustand» in Italien, der zu beruf
lichen Stressfaktoren geführt habe, massiv belastet worden sei. Die depressive Symptomatik hänge
wohl
viel eher damit zusammen,
und kaum mehr
mit dem im Jahr 2017 erlebten Unfallereignis
(
Urk.
10/M8 S. 3
-5
)
. Aufgrund dieser Über
legungen seien die von
Dr.
A._
gestellten Diagnosen als Ausdruck einer krank
haften psychischen Verarbeitung der Corona-Situation in Italien, die zu beruf
lichen Stressfaktoren geführt habe, zu interpretieren.
Die schwere depressive Epi
sode stehe in
k
einem natürlichen Kausalzusammenhang mit dem Unfallereig
nis
vom 1
9.
März 201
7.
Hinsichtlich der PTBS-Diagnose liege ein natürlicher Kau
salzusammenhang mit dem Unfall nur möglicherweise vor, entsprechend einer Wahrscheinlichkeit von weniger als 50
%
(
Urk.
10/M8 S. 5 f.).
Es bestehe keine unfallbedingte Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
10/M8 S. 7).
Die nach dem Unfall einge
tretene PTBS sei bereits früher ausgeheilt, wobei die Helsana Leistungen bis zum Abschluss der Behandlung bei
Dr.
A._
am 2
8.
Juni
2018 erbracht habe (
Urk.
10/M8 S. 8)
.
3.2.3
Ergänz
end
zu dem am 1
5.
Juni 2020 berichteten Rückfall hielt
Dr.
A._
in ihrer
im Laufes des Verfahrens verfassten
Stellungnahme
vom
1
5.
April
2020 (richtig:
2021
)
fest,
gemäss ihrer Patientendokumentation sei
die Traumatherapie anläss
lich des Wegzugs der Beschwerdeführerin nach Mailand keineswegs abge
schlos
sen gewesen. Damals sei lediglich die erste Therapiephase mit dem Ziel der Sta
bilisierung und Ressourcenaktivierung erfolgreich beendet gewesen.
Als nächster Schritt wäre eine Expositionstherapie notwendig gewesen, um das erlebte Trauma zu integrieren und nachhaltig zu verarbeiten.
Durch die vorübergehende Reduk
tion der PTBS-Symptome des
Hyperarousals
und der emotionalen Anspannung habe die Beschwerdeführerin eine scheinbare Normalisierung erlebt. Sie habe ihr psychosoziales und berufliches Niveau aber nur durch die
Copingstrategie
der Verdrängung des Erlebten aufrechterhalten können. Es sei nicht zur vollständigen Remission gekommen. Sie habe sich weiterhin nur in Begleitung von Vertrau
ens
personen in der Stadt bewegen und öffentliche Verkehrsmittel nur unter grosser Anspannung nutzen können, wobei zahlreiche Orte und Situationen als Trigger für Intrusionen und Erinnerungen an das Trauma gewirkt hätten. Deshalb habe sie sich entschlossen, nach Mailand zu ziehen,
um dort an der Schule D._
zu arbeiten, und sei insofern regelrecht geflüchtet vor den belastenden Erinne
rungen. Wie die Beschwerdeführerin ihr später berichtet habe, sei
es ihr wegen der sprachlichen Barriere nicht gelungen
,
eine geeignete Therapeutin zur Fort
setzung der Traumatherapie in Mailand zu finden.
Diverse zusätzliche exogene
Belastungen (wiederholtes Erleben
von Ungerechtigkeit, Kontrollverlust, Ohn
macht
und Hilflosigkeit)
hätten sich in Mailand sukzessive verdichtet und als aufrech
terhaltende Bedingungen zur Reaktivierung de
r
Traumasymptomatik
beigetragen. In diesem Rahmen habe der anfängliche Verdrängungsmechanismus nicht mehr aufrechterhalten werden können und die PTBS-Symptome seien wieder mit einer grossen Intensität hervorgetreten. Zunächst sei es der Beschwerdeführerin gelun
gen, sich mit den anstehenden neuen Aufgaben (Einarbeitung im neuen beruf
li
chen Kontext an einer Primarschule, Aufbau eines sozialen Netzes, Besuch von Sprachkursen etc.) abzulenken
(
Urk.
18/1 S. 1 f.)
. Schliesslich sei es zu
einer
massiven
Verschlechterung ihres Zustandsbilds mit schwer ausgeprägten Intru
sionen und Flashbacks und einer
Retraumatisierung
gekommen, als sie im Febru
a
r 2019 vom Freispruch des Angeklagten erfahren habe. Dies habe sich in Form von störungsspezifischen Symptomen einer PTBS
-
wie sich aufdrängende Erinne
run
gen
,
Flashbacks
und
Albträume
-
manifestiert, die sich klar von den Symptomen einer depressiven Störung abgrenzen liessen.
Eine weitere Belastung
habe seit März 2020 die Corona-Pandemie dargestellt, die für sie auch mit erhöhten Arbeitsanforderungen (
Homeschooling
, überhöhte Erwartungshaltung von Eltern und Vorgesetzten, belastendes Arbeitsklima) verbunden gewesen sei. In diesem
Zusammenhang habe sie ihr Funktionsniveau nicht mehr aufrechterhalten können
. Die seit dem Freispruch aufgetretene schwere depressive Symptomatik sei als eine sekundäre Störung zu werten, die sich erst im weiteren Verlauf parallel zur PTBS herausgebildet habe, da vorhandene
Copingmöglichkeiten
und Ressourcen er
schöpft gewesen seien. Wegen ihres schwer beeinträchtigten psychischen Z
u
sta
nd
s hätten ihre Ressourcen damals auch nicht mehr dafür ausgereicht, sich therapeu
tische Hilfe zu organisieren.
Sie habe
dannzumal
ihren Alltag nicht mehr ohne fremde Hilfe bewältigen können. Die exogenen Belastungsfaktoren
hätten die Verarbeitung des Unfallereignisses nachhaltig erschwert und zur
Chronifizierung
der Symptomatik beigetragen, seien aber nicht Ursache des schweren psychia
trischen Krankheitsbildes gewesen (
Urk.
18/1 S. 2 f.).
4.
Die Helsana
behandelte
die am
2
5.
Juni 2020 als Rückfall
gemeldeten Be
schwer
den
(
Urk.
9/K16)
, die
von
Dr.
A._
in ihren Stellungnahmen
vom 1
5.
Juni 2020 (
Urk.
10/M7) und vom 1
5.
April 2021
(
Urk.
18/1)
beschrieben wurden und
zur Wiederaufnahme der Psychotherapie
und zu Arbeitsunfähigkeit
ab
1.
April 2020 führten,
als Rückfall zum Ereignis vom 1
9.
März 2017
(vorstehend E. 2.1)
, was unbestritten blieb
.
Die Akten enthalten aber auch Hinweise dafür, dass
die erneu
ten Beeinträchtigungen dem durch das Unfallereignis ausgelösten Grundfall
zu
geordnet werden könnten
.
Die Helsana hat nach Beendigung der psychotherapeutischen Behandlung am
2
8.
Juni 2018
zufolge Wegzugs der Beschwerdeführerin ins Ausland
(
Urk.
10/M6 S. 1)
nach Lage der Akten weder formell
über den Fallabschluss verfügt
noch ein diesb
ez
ügliches Schreiben erlassen
(vgl.
Urk.
9/K15,
Urk.
10/M6)
, das eine
R
echt
sv
erbindlichkeit hätte erlangen könnten
.
Die Beschwerdeführerin hat zwar bis am 2
5.
Juni 2020 keine Leistungen mehr beansprucht und in Mailand eine Erwerbstätigkeit ausgeübt. Allerdings war
die psychotherapeutische Behandlung der PTBS
im Zeitpunkt des Wegzuges
sowohl nach
A
uffassung der behandelnden Therapeutinnen
(
Urk.
10/M4 S. 3)
als auch
nach derjenigen des
Vertrauensarztes
Dr.
C._
, der sich am 1
3.
April 2018 für weitere Behandlungen während eines Jahres aussprach,
aus medizinischer Sicht
nicht abgeschlossen
(
Urk.
10/M5 S. 4
,
Urk.
10/M8 S. 1
)
.
Es
kann
daher
nicht im Sinne der höchstrichterlichen Recht
sprechung gesagt werden, ex ante betrachtet
habe
damals
davon ausgegangen werden
können, es werde keine Behandlungsbedürftigkeit und/oder Arbeitsun
fähigkeit mehr auftreten (vgl. vorstehend E. 1.3).
Nichts
anderes
ergibt sich aus den
von der Beschwerdeführerin eingereichten Bestätigungen über von ihr absol
vierte Ayurveda-Behandlungen im Ausland
(
vom 2
5.
Dezember 2018 bis
5.
J
anu
ar 2019
, vom 1
9.
bis 2
7.
April 2019
,
vom
1.
Juli bis
3.
August 2019 sowie vom 2
7.
Dezember 2019 bis
2.
Januar 2020)
, auch wenn sie
keine Angaben über den Behandlungs
g
rund
enthalten
(
Urk.
17 S. 5 f. und
Urk.
18/2a-d)
.
Vor diesem Hintergrund wird die Beschwerdegegnerin
je nach Beweislage (
Urteil
des Bun
des
gerichts
8C_480/2021 vom
6.
Dezember
2021 E. 4.2.2
)
noch zu prüfen haben, ob die am 2
5.
Juni 2020 gemeldeten Beeinträchtigungen dem
durch das Ereignis vom
1
9.
März 2017
ausgelösten Grundfall zuzuordnen
oder
als Rückfall zu be
han
deln
sind
.
Zum nämlichen Ergebnis könnte
das Bestehen von
Brückensymptome
n
einer PTBS
in der Zeit vom 2
9.
Juni 2018 bis zum 3
1.
März 2020
, als die Beschwerde
führerin keine Psychotherapie absolvierte,
führen
. Recht
sprechungsgemäss schliesst
selbst
das F
ehlen
einer durchgängigen ärztlichen Behandlung das Vorliegen von Brückensymptomen
,
die auch relativ harmloser Natur sein können,
nicht
aus. Angaben der Versicherten Person, welche mit Blick auf die medizi
ni
schen Befunde und Diagnosen glaubhaft erscheinen, können ausreichend sein, um das Vorliegen von Brückensymptomen anerkennen zu können (vgl. das Urteil des Bundesgerichts 8C_185/2008 vom 1
7.
Dezember 2008 E. 5.2 sowie vorste
hend E. 1.3)
.
Wie es sich mit dieser Frage verhält, kann aber einstweilen aufgrund der nach
folgenden Ausführungen
offen bleiben
.
5.
5.1
Die von
Dr.
A._
in ihre
r
Rückfall
meldung
vom
1
5.
Juni 2020
erwähnten Intru
sionen in Form sich aufdrängender Erinnerungen und von Alpträumen
(
Urk.
10/M7
S. 2)
sind
typisch für eine PTBS
und grenzen diese von
anderen psy
chischen Störungen ab
, was
Dr.
A._
in ihrem Folgebericht vom
1
5.
April 2021
nochmals betont hat
(
Urk.
18/1 S. 3)
.
Es
ist schwer vorstellbar, dass
die Intru
sionen
ohne das Ereignis vom 1
9.
März 2017 in dieser Form aufget
reten wären (vgl. vorstehend E. 1.1)
.
Deshalb
ist
die vom
Vertrauensarzt
Dr.
C._
in seiner
Stellungnahme vom
2
8.
Juli 2020
geäusserte Auffassung
, die als Rückfall geltend gemachten psychischen Beeinträchtigungen stünden nur möglicherweise
-
mit einer Wahrscheinlichkeit von unter 50
%
-
in einem natürlichen Kausalzu
sam
menhang zum Unfall vom 1
9.
März 2017 (
Urk.
10/M8 S. 5),
nich
t ohne Weiteres nachvollziehbar.
Dies gilt
auch
deshalb
, weil für die Bejahung des natürlichen Kausalzusammenhangs nicht erforderlich ist, dass ein Unfall die alleinige oder unmittelbare Ursache gesundheitlicher Störungen ist
(vgl. vorstehend E. 1.1).
Den Ausführungen von
Dr.
C._
ist nichts darüber zu entnehmen, ob das Ereignis als Teilursache gelten könnte
beziehungsweise
weshalb er diese Sachlage aus
geschlossen hat.
Dr.
C._
schien bei der Erstellung seiner Stellungnahme zudem fälschlicher
weise davon auszugehen,
dass die Beschwerdeführerin bereits unmittelbar nach dem Unfall bis zum vorläufigen Behandlungsabschluss
a
rbeitsunfähig war
(indem er eine «erneute» Arbeitsunfähigkeit ab April 2020 erwähnte
,
Urk.
10/M8 S. 5 unten
).
Er legte daher nicht dar, weshalb er die PTBS seinerzeit auch ohne Arbeits
unfähigkeit als unfallkausal erachtete
, während er
letzterer aktuell prak
tisch alleinentscheidendes Gewicht
in Bezug auf die Kausalität
beimass.
Ferner ging er
ohne Erhebung einer Anamnese im Rahmen einer persönlichen Unter
suchung
und ohne Auseinandersetzung mit den von
Dr.
A._
geschilderten Be
funden
davon aus, dass
eine relevante psychische Symptomatik
nicht unmittelbar nach Kenntnisnahme
des
Freispruch
s
des Angeklagten im Februar 2019, sondern erst kurz vor dem erneuten Beginn
der Psy
chotherapie im
April
2020
aufgetreten
sei (
Urk.
10/M8 S. 5); dies
lässt
sich mit den Angaben i
n der
Rückfall
meldung
von
Dr.
A._
vom
1
5.
Juni 2020 nicht vereinbaren
(
Urk.
10/M7 S. 2)
.
Diese Unstimmigkeiten sind geeignet, mindestens geringe Zweifel
an der Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen entstehen zu lassen (vgl. vorstehend E. 1.4).
Gleiches gilt für die
ergänzende
Stellungnahme von
Dr.
A._
vom 1
5.
April 202
1
,
in welcher
sie
die Entwicklung der
Symptomatik
im zeitlich
en Verlauf zwi
schen Beendigung der
Psychotherapie
am 2
8.
Juni 2018 zufolge Wegzugs der Beschwerdeführerin ins Ausland
und Wiederaufnahme der Therapie
Anfang April 2020 (
Urk.
10/M7 S. 1 f.)
sowie
die
auslösende
n
und aufr
echterhaltende
n
äusse
re
n
Umstände
detailliert dargelegt
hat
(
Urk.
18/1)
.
Damit
hat sie
ihre Auffassung
, dass die als Rückfall gemeldeten psychischen Beeinträchtigungen in einem natür
lichen Kausalzusammenhang mit dem Ereignis vom 1
9.
März 2017 stehen,
noch
detaillierter
begründet
.
Die Angaben in
diesem Bericht
divergieren deutlich
von
der Auffassung von
Dr.
C._
, dass erst
wieder
ab
April 2020 erhebliche psycho
pathologische Symptome
vorlagen
.
Die Helsana hat diese
im Verfahren aufge
legte Beurteilung
ihrem Vertrauenspsychiater
indes
nicht zur Würdigung vorge
legt
(vgl.
Urk.
21 S. 2 f.)
. Dadurch hat sie
es
Dr.
C._
verunmöglicht
, seine
– nach dem Gesagten nicht restlos überzeugende -
Einschätzung zu revidieren oder fundierter
nachzubegründen
.
5.2
B
ei der Stellungnahme von
Dr.
C._
vom
2
8.
Juli 2020
(
Urk.
10/M8)
handelt es sich
um
ein
versicherungsinternes Aktengutachten
. A
u
fgrund der
unterschied
li
chen medizinischen Ansichten zum Verlauf des Beschwerdebildes sowie der
vor
genannten Zweifel
an der
Zuverlässigkeit
der
von
Dr.
C._
gezogenen
Schluss
folgerungen
kann
ihm
keine Beweiskraft zu
erkannt werden
(vgl. vorstehend E. 1.4)
.
Andererseits kann auch nicht ohne Weiteres auf die Stellungnahmen der behan
delnden Psychiaterin
Dr.
A._
abgestellt werden, da
sie sich im jüngsten Bericht vom 1
5.
April 2021 nicht mit der abweichenden Meinung von
Dr.
C._
ausein
an
dersetzt (
Urk.
18/1). Zudem gab sie ausführlich die Angaben der Beschwerde
führerin wieder, ohne diesen eine eigentliche medizinische Beurteilung folgen zu lassen.
Zudem ist
in Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen bezie
hungsweise Therapiekräften die Erfahrungstatsache zu berücksichtigen, dass diese
mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifels
fällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
5.3
Bei dieser Aktenlage besteht weiterer Abklärungsbedarf. Die Helsana – an welche die Sache zurückzuweisen ist - wird die natürliche Unfallkausalität
, insbesondere
auch unter dem Blickwinkel
, ob das ursprüngliche Trauma eine indirekte bzw. mittelbare
(anspruchsbegründende)
Teilursache
der als Rückfall gemeldeten psy
chischen Beeinträchtigungen
darstellt,
sowie eine allfällige daraus resultierende Arbeitsunfähigkeit und Behandlungsbedürftigkeit
mittels
eine
r
externen, neutra
len psychiatrischen
Begutachtung
abzuklären haben.
Vorher
empfiehlt sich,
die Akten des Krankentaggeldversicherers beizuziehen, da darin möglicherweise wei
tere Informationen zur Ursache der
neu
aufgetretenen psychischen Beschwerden enthalten sind.
Der beauftragte Experte wird
gestützt auf die vollständigen Akten
in erster Linie die Plausibilität der Angaben in den Verlaufsberichten von
Dr.
A._
zu überprüfen
sowie
nötigenfalls
die Beschwerdeführerin selbst zu untersuchen und
bei
ihr
und/oder ihrer Psychiaterin weitere Informationen ein
zuholen haben.
Dabei wird er sich auch dazu zu äussern haben, ob das Bestehen
von Brückensymptomen einer PTBS medizinisch ausgewiesen ist beziehungs
weise
als glaubhaft erscheint (vgl. vorstehend E. 4).
Gestützt auf das eingeholte psy
chiatrische Gutachten wird die H
elsana, falls nötig,
die weiteren Voraussetzungen für die
(
erneute
)
Entstehung eines Leistungsanspruchs
gegebenenfalls
unter Prü
fung der Frage, ob ein Rückfall oder noch der Grundfall vorliegt,
zu prüfen haben,
insbesondere das Vorliegen eines adäquaten Kausalzusammenhangs zwischen Un
fall und fortbestehenden Beschwerden
(vgl. dazu etwa
Rumo-Jungo
/Holzer,
Recht
sprechung des Bundesgerichts zum Sozialversicherungsrecht, Bundesgesetz
über die Unfallversicherung,
4.
Auflage, Zürich 2012, S.
77 f. mit Hinweisen)
. Hernach wird sie erneut über den Leistungsanspruch zu verfügen haben.
In diesem Sinne ist die Beschwerde gutzuheissen.
6.
Am 2
6.
Oktober 2021 teilte Rechtsanwältin Ursula
Sintzel
dem Gericht mit, dass sie die Beschwerdeführerin nicht mehr weiter vertrete, weil sie ihre Tätigkeit als selbständige Rechtsanwältin per Ende Monat aufgeben werde (
Urk.
24; vgl. auch
Urk.
23,
Urk.
25).
Dementsprechend ist
sie
per 3
1.
Oktober 2021 aus ihrer Funk
tion als unentgeltliche Rechtsvertreterin zu entlassen.
Das Rubrum wird entspre
chend angepasst.
7.
7.1
Nach § 34 Abs. 1 des
Gesetz
es
über das Sozialversicherungsgericht (
GSVGer
)
hat die obsiegende Partei Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Die Höhe der gericht
lich festzusetzenden Entschädigung bemisst sich nach der Bedeutung der Streit
sache, der Schwierigkeit des Prozesses und dem Mass des Obsiegens, jedoch ohne Rücksicht auf den Streitwert (§ 34 Abs. 3
GSVGer
). Als weitere Bemessungs
kriterien nennt
§
7 der Verordnung über die Gebühren, Kosten und Entschä
di
gungen vor dem Sozialversicherungsgericht (
GebV
SVGer
) den Zeitaufwand und die Barauslagen.
Nach ständiger Rechtsprechung gilt die Rückweisung der Sache
an die Verwaltung zur weiteren Abklärung und neuen Verfügung für die Frage der
Auferlegung der Parteientschädigung als vollständiges Obsiegen (BGE 137 V 57; vgl. auch BGE 141 V 281 E. 11.1 mit Hinweis).
7.2
Der in der
Honorarnote von Rechtsanwältin Ursula
Sintzel
vom 2
6.
Oktober 2021
für die Redaktion der Beschwerdeschrift und Replik, Korrespondenz und den
Bei
zug
von Belegen
ausgewiesene Arbeitsaufwand von
15.38 Stunden
(
Urk.
25 S. 2)
entspricht
der Bedeutung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
weitgehend
. Einzig der geltend gemachte Zeitaufwand für das Verfassen der Replik
von 6.50 Stunden
, zuzüglich
eine weitere Stunde Studium medizinischer
Akten
(
Urk.
25 S. 2)
,
erscheint überhöht. In der Replik
, die abzüglich des Deckblatts
rund
sieben Seiten umfasst (
Urk.
17),
hatte sich die unentgeltliche Rechtsvertreterin im Wesentlichen mit der ihr vorher noch unbekannten
(vgl.
Urk.
1 S. 3)
Akten
be
urteilung
des
Dr.
C._
zur Unfallkausalität
vom 2
8.
Juli 2020 (
Urk.
10/M8)
aus
einanderzusetzen. Da sie hierzu auf die detaillierten Ausführungen in der ergän
zenden Stellungnahme
von
Dr.
A._
vom
1
5.
April 2020 (
Urk.
18/1)
zurück
greifen konnte, erscheint unter Berücksichtigung
des in ähnlich komplexen Fällen anerkannten Honoraraufwands
ein Zeitaufwand
für die Replik
von
insgesamt
3
Stunden
(inklusive Aktenstudium)
als angemessen.
Damit verbleibt ein Zeitauf
wand von 11.88 Stunden
(15.38 abzüglich 3.5 Stunden)
à
Fr.
220.--
, was
, zuzüg
lich Mehrwertsteuer von 7.7
%
,
zu einer Entschädigung von
Fr.
2'
814
.
85 führt
.
Daneben
sind
die in der Honorarnote ausgewiesenen Auslagen für Kopien, Spesen und Porto von
Fr.
108.10 (
Urk.
25 S. 1 f.)
zu entschädigen
.
U
nter Berück
sich
tigung der Mehrwertsteuer von 7.7
%
auf
diesem Betrag resultiert gesamthaft e
ine
Prozessentschädigu
ng von
Fr.
2‘931.30
(
Fr.
2‘814.85 +
Fr.
116.4
5
)
, welche
aus
gangsgemäss
der Beschwerdegegnerin aufzuerlegen und
an
Rechtsanwältin Ursula
Sintzel
zu bezahlen
ist
.