# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f5cff721-8f8d-48ed-9ab5-f64d9cbd5f5f
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfacher Exhibitionismus und Widerruf
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Einzelgericht, vom 8. Juli 2014 (GG140045)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 3. März
2014 (Urk. 20) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz: (Urk. 47 S. 32 ff.)
"Es wird erkannt:
1. Der Beschuldigte ist schuldig des mehrfachen Exhibitionismus im Sinne von
Art. 194 Abs. 1 StGB.
2. Der Beschuldigte wird zur Leistung von 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit
(an Stelle einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 20.–) verurteilt.
3. Der bedingte Vollzug bezüglich der mit Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen
vom 15. Dezember 2008 ausgefällten Strafe von 300 Tagessätzen zu
Fr. 20.– unter Ansetzung einer Probezeit von 4 Jahren (welche am
17. Januar 2013 von der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland um ein
Jahr verlängert wurde) wird, unter Abzug von 30 Tagessätzen (entspricht
der damals erstandenen Untersuchungshaft von 30 Tagen), widerrufen. Es
ist somit eine Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu Fr. 20.– zu vollziehen.
4. Die Privatklägerin B._ wird mit ihrem Schadenersatz- und Genugtu-
ungsbegehren auf den Weg des Zivilprozesses verwiesen.
5. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'500.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 1'500.00 Gebühr Anklagebehörde
Fr. Auslagen Untersuchung
Fr. 9'920.00 amtliche Verteidigung
Allfällige weitere Auslagen bleiben vorbehalten.
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6. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt, aber definitiv abgeschrieben.
7. Der amtliche Verteidiger wird mit Fr. 9'920.– (inkl. MwSt.) entschädigt. Diese
Kosten werden auf die Gerichtskasse genommen. Vorbehalten bleibt eine
Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO.
8. (Mitteilung)
9. (Rechtsmittel)"
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 87 S. 2)
1. Herr A._ sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Es sei der mit Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 15. Dezember 2008
für eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu Fr. 20.00 unter Ansetzung einer
Probezeit von 4 Jahren (welche am 17. Januar 2013 von der Staatsanwalt-
schaft Winterthur/Unterland um 1 Jahr verlängert wurde) gewährte bedingte
Strafvollzug nicht zu widerrufen.
3. Die Verfahrenskosten – d.h. die Kosten sowohl sämtlicher gerichtlicher Ver-
fahren (Bezirksgericht sowie Obergericht) wie auch des Vorverfahrens –
seien vollumfänglich dem Staat aufzuerlegen.
4. Der amtliche Verteidiger sei für seine Aufwendungen im Berufungsverfahren
gemäss den am 3. März 2015 bereits eingereichten sowie gemäss der bei-
liegenden Honorarnote zu entschädigen. Auch diese Kosten seien zusam-
men mit den Verteidigerkosten des vorinstanzlichen Verfahrens definitiv auf
die Staatskasse zu nehmen.
b) Der Staatsanwaltschaft:
(schriftlich, Urk. 54)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Verfahrensgang
1.1. Zum Verfahrensgang bis zum vorinstanzlichen Urteil kann zur Vermeidung
von Wiederholungen auf die zutreffenden Erwägungen im angefochtenen Ent-
scheid verwiesen werden (Urk. 47 S. 4 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
1.2. Mit Urteil des Einzelgerichts am Bezirksgericht Zürich, 10. Abteilung, vom
8. Juli 2014 wurde der Beschuldigte A._ im Sinne des eingangs wiedergege-
benen Dispositivs schuldig gesprochen und entsprechend bestraft. Zudem ent-
schied die Vorinstanz über den Widerruf, die Zivilforderungen der Privatklägerin
B._ sowie die Kosten- und Entschädigungsregelung (Urk. 47 S. 32 ff.).
1.3. Gegen dieses Urteil meldete die amtliche Verteidigung innert Frist Berufung
an (Urk. 42). Ebenso fristgerecht ging die Berufungserklärung ein (Urk. 49). Mit
Präsidialverfügung vom 3. November 2014 wurde der Privatklägerin B._ so-
wie der Staatsanwaltschaft Frist angesetzt, Anschlussberufung zu erklären oder
begründet ein Nichteintreten auf die Berufung zu beantragen (Urk. 52). Während
die Staatsanwaltschaft mit Eingabe vom 17. November 2014 mitteilte, sie bean-
trage die Bestätigung des angefochtenen Entscheides und verzichte auf die Er-
hebung einer Anschlussberufung (Urk. 54), liess sich die Privatklägerin innert Frist
nicht vernehmen.
1.4. Auf das Stellen von Beweisanträgen wurde im Vorverfahren allseits verzich-
tet (Urk. 49 und Urk. 54).
1.5. Am 9. März 2015 fand die Berufungsverhandlung statt, zu welcher der
Beschuldigte in Begleitung seines amtlichen Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur.
X._, erschien (Prot. II. S. 4).
1.6. Im Anschluss an die Befragung des Beschuldigten wurde diesem sowie sei-
nem amtlichen Verteidiger eröffnet, dass das Gericht eine erneute psychiatrische
Begutachtung des Beschuldigten in Betracht ziehe. Der Verteidigung wurde in der
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Folge Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt, wovon diese Gebrauch mach-
te. Zusammengefasst stellte sie sich auf den Standpunkt, dass gegen eine neuer-
liche Begutachtung, namentlich zur Frage der Schuldfähigkeit sowie der Motivati-
on des Beschuldigten, nichts einzuwenden sei (Prot. II, S. 6). Am 11. März 2015
wurde die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens beschlossen und
med. pract. C._ als Gutachter bestellt. Gleichzeitig wurde den Parteien Frist
angesetzt, um sich zur Person des Gutachters sowie zu den an diesen zu stellen-
den Fragen zu äussern (Urk. 68). Mit Eingabe vom 24. März 2015 teilte der amtli-
che Verteidiger des Beschuldigten mit, dass gegen den Gutachter keine Einwän-
de erhoben und dass sich zum beabsichtigten Fragekatalog keine Bemerkungen
respektive Ergänzungen ergeben würden (Urk. 73). In der Folge wurde am 15.
April 2015 der Gutachtensauftrag an med. pract. C._ erteilt (Urk. 77).
1.7. Im Einverständnis mit den Parteien wurde entschieden, das Berufungsver-
fahren nach Eingang des psychiatrischen Gutachtens (Urk. 81) schriftlich fortzu-
setzen (Prot. II S. 6, Urk. 82; Urk. 83). Dem Beschuldigten wurde mit Präsi-
dialverfügung vom 5. Oktober 2015 Frist angesetzt, um zum Gutachten Stellung
zunehmen und Berufungsanträge zu stellen und zu begründen (Urk. 83). Nach
einmaliger Erstreckung der Frist (Urk. 85) ging die ergänzende Berufungsbegrün-
dung vom 13. November 2015 fristgerecht beim hiesigen Gericht ein (Urk. 87). Mit
Präsidialverfügung vom 16. November 2015 (Urk. 90) wurde der Staatsanwalt-
schaft Frist zur abschliessenden Berufungsantwort und der Vorinstanz Frist zur
Vernehmlassung angesetzt. Die Vorinstanz verzichtete auf eine Vernehmlassung
(Urk. 92). Die Staatsanwaltschaft liess sich innert Frist nicht vernehmen.
2. Umfang der Berufung
2.1. Die Verteidigung hat in ihrer Berufungserklärung die Aufhebung der Dispo-
sitiv Ziffern 1 bis 3 sowie 6 verlangt (Urk. 49 S. 2).
2.2. Nicht angefochten ist somit der Verweis der Zivilforderung auf den Weg des
Zivilprozesses (Dispositiv Ziffer 4) sowie die vorinstanzliche Kostenfestsetzung
(Dispositiv Ziffer 5) und die Entschädigungsregelung der amtlichen Verteidigung
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(Dispositiv Ziffer 7). In diesem Umfang ist das vorinstanzliche Urteil in Rechtskraft
erwachsen, was vorab mittels Beschluss festzustellen ist (Art. 404 Abs. 1 StPO).
II. Sachverhalt und rechtliche Würdigung
3. Sachverhalt
3.1. Die Vorinstanz hat den gegen den Beschuldigten erhobenen Anklage-
vorwurf richtig und vollständig zusammengefasst. Darauf kann zwecks Vermei-
dung von unnötigen Wiederholungen verwiesen werden (Urk. 47 S. 6 f.; Art. 82
Abs. 4 StPO). Sie sprach den Beschuldigten anklagegemäss schuldig (Urk. 47
S. 32).
3.2. Der Beschuldigte hat den eingeklagten Sachverhalt sowohl in der Untersu-
chung als auch im vorinstanzlichen Verfahren insofern anerkannt, als er zugab,
sich anklagegemäss verhalten zu haben (Urk. 6/1 S. 1 f.; Urk. 6/2 S. 2). Er bestritt
jedoch, dass sein Verhalten unter den Tatbestand des Exhibitionismus zu subsu-
mieren sei (Urk. 6/1 S. 1 und 4; Urk. 6/2 S. 1). Auch anlässlich seiner Befragung
in der Berufungsverhandlung stellte der Beschuldigte den eingeklagten Sachver-
halt nicht in Abrede, blieb jedoch dabei, es habe kein Fall von Exhibitionismus
vorgelegen und es stehe auch keine sexuelle Motivation hinter seinen Hand-
lungen (Urk. 64 S. 9 ff.).
3.3. Das Geständnis des Beschuldigten deckt sich mit den Untersuchungsakten,
weshalb zunächst festzuhalten ist, dass der zur Anklage gebrachte Sachverhalt
erstellt ist. Davon kann im Rahmen der rechtlichen Würdigung ausgegangen wer-
den. Auf die überzeugenden Erwägungen im angefochtenen Entscheid kann da-
her vollumfänglich verwiesen werden (Urk. 47 S. 6 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO).
3.4. Die Vorbringen der Verteidigung, das Verhalten des Beschuldigten sei in
mehrfacher Hinsicht nicht als Exhibitionismus zu qualifizieren (Urk. 66 S. 4 f.;
Urk. 87 S. 3 f.) werden nachfolgend im Rahmen der rechtlichen Würdigung
behandelt.
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4. Rechtliche Würdigung
4.1. Vorfall "Café D._" (Anklageziffer 1.)
4.1.1. Die Anklagebehörde wirft dem Beschuldigten in rechtlicher Hinsicht vor, er
habe sich beim Vorfall vom 18. Juli 2013 im Café D._ an der E._-
Strasse ... in ... Zürich des Exhibitionismus i.S.v. Art. 194 Abs. 1 StGB, eventuell
der sexuellen Belästigung i.S.v. Art. 198 Abs. 1 StGB schuldigt gemacht (Urk. 20
S. 2).
4.1.2. Die Vorinstanz erwog zusammengefasst, der Beschuldigte sei gesamthaft
gesehen auffällig hell und eintönig (d.h. ausschliesslich in weiss gekleidet) in Er-
scheinung getreten, wodurch sein (zumindest teilweise) erigiertes und deshalb
deutlich abstehendes Glied eine eindeutige Auffälligkeit dargestellt habe. Indem
er seinen Penis mit seiner Hand zurecht gerückt habe, habe er Drittpersonen da-
zu gedrängt, ihre Aufmerksamkeit auf sein Glied zu richten. Dies habe er nach ei-
gener Darstellung mit seinem Tun denn auch bezweckt gehabt. Obwohl sein
Glied stets von der Radlerhose verdeckt gewesen sei, so sei es laut den Aus-
sagen der Geschädigten B._ und F._ deutlich erkennbar gewesen. Der
Beschuldigte habe nach deren Darstellungen seinen Penis präsentiert. Auch
wenn unbeteiligte Personen nicht mit dem völlig entblössten Glied des Be-
schuldigten konfrontiert worden seien und auch keinen direkten Kontakt damit zu
befürchten gehabt hätten, so sei die seitens des Beschuldigten getätigte Zur-
schaustellung seines Gliedes im Ergebnis einer Entblössung gleichzusetzen. Das
Ausmass an Zurschaustellung des Gliedes liege ausserhalb der gesellschaft-
lichen Akzeptanz und noch innerhalb der strafrechtlichen Relevanz. Dass die ex-
hibitionistische Handlung des Beschuldigten durch die Geschädigten Geschwister
BF._ wahrgenommen worden sei, sei unbestritten, weshalb auch diese ob-
jektive Tatbestandsvoraussetzung erfüllt sei. Beim Beschuldigten sei in subjekti-
ver Hinsicht die verlangte Absicht zu bejahen. Mit dem Zurschaustellen seines
Gliedes habe er beabsichtigt, von Frauen gesehen zu werden. Dass er es nicht
direkt auf die Geschädigten Geschwister BF._ abgesehen gehabt habe, sei
in subjektiver Hinsicht unerheblich. Schliesslich habe der Beschuldigte auch aus
einem sexuell motivierten Beweggrund heraus gehandelt. Aufgrund des Umstan-
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des, dass der Beschuldigte seinen Zwang nur befriedigen könne, wenn er durch
Zurschaustellung seines erigierten Gliedes Aufmerksamkeit von ausschliesslich
erwachsenen Frauen bekomme, sei der sexuelle Aspekt seines Beweggrundes
nicht mehr von der Hand zu weisen. Offenbar habe der Beschuldigte bei Frauen
nicht irgendeine Form von Beachtung gesucht, sondern gezielt deren Reaktion
auf sein erigiertes Glied angestrebt. Insgesamt habe der Beschuldigte hinsichtlich
des Sachverhaltsvorwurfs "Café D._" den Straftatbestand des Exhibitionis-
mus im Sinne von Art. 194 Abs. 1 StGB erfüllt (Urk. 47 S. 11 ff.).
4.1.3. In tatsächlicher Hinsicht brachte die Verteidigung vor, dass B._ nicht
Zielperson des Beschuldigten gewesen sei (vgl. Urk. 66 S. 4; Urk. 87 S. 3 f.). Wei-
ter beanstandete sie die rechtliche Würdigung der Vorinstanz im Berufungsverfah-
ren dahingehend, dass es in objektiver Hinsicht am effektiven Entblössen des
Geschlechtsorgans fehle, weshalb der Tatbestand des Exhibitionismus nicht er-
füllt sei. Der Beschuldigte sei mit einer hautengen Leggings bekleidet gewesen.
Diese Bekleidung dürfte zwar mit gängigen gesellschaftlichen Normen nicht ver-
einbar sein, dies sei aber nicht per se auch strafrechtlich relevant. Des weiteren
fehle in subjektiver Hinsicht der direkte Vorsatz und die sexuelle Motivation. Dem
Beschuldigten gehe es um die zwang- und krankhafte Kompensation fehlender
Anerkennung per se und nicht um die Kompensierung fehlender Anerkennung auf
dem Gebiet der Sexualität (Urk. 66 S. 6 ff.; Urk. 87 S. 4 ff.).
4.1.4. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, ist der in Art. 194 Abs. 1 StGB ver-
wendete Begriff der "exhibitionistischen Handlung" in der Tat auslegungsbedürf-
tig. Der Vorderrichter hat zunächst eine grammatikalische Auslegung (Auslegung
nach dem Wortlaut) vorgenommen und den aus dem Lateinischen stammenden
Begriff "exhibere" einer näheren Betrachtung unterzogen. Hernach hat er unter
Zuhilfenahme der teleologischen Auslegungsmethode (Auslegung nach dem Sinn
und Zweck einer Gesetzesbestimmung) geschlossen, dass es bei der exhibitionis-
tischen Handlung nicht ausschliesslich auf die vollständige Entblössung des nack-
ten Gliedes ankommen könne. Durch diese Auslegung werde dem Schutz des
Rechtsgutes von Art. 194 StGB am ehesten entsprochen, welches die geschlecht-
liche Freiheit des einzelnen Opfers und dessen Recht auf sexuelle Selbstbestim-
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mung beinhalte sowie dieses vor unerwünschten visuellen Einwirkungen schütze.
Diese Auslegung der Vorinstanz deckt sich auch mit dem in der Botschaft über
die Änderung des Schweizerischen Strafgesetzbuches vom 26. Juni 1985 defi-
nierten Begriff der exhibitionistischen Handlung. Nach dem Willen des damaligen
Gesetzgebers versteht sich die exhibitionistische Handlung nach Art. 194 des
Entwurfs als ein bewusstes Zurschaustellen der Sexualorgane aus sexuellen Be-
weggründen (BOTSCHAFT 1985, 1080). Das Schwergewicht des inkriminierten
Verhaltens liegt nach dem Willen des Gesetzgebers mithin auf dem "Zur-
schaustellen" der Sexualorgane. Unter bestimmten Voraussetzungen muss daher
nach der ratio legis – dies entgegen der Auffassung der Verteidigung (vgl. Urk. 87
S. 3 ff.) – auch dann in objektiver Hinsicht von einem strafbaren Verhalten aus-
gegangen werden, wenn der Täter durch die bewusste Zurschaustellung seines
– wenn auch nicht vollständig entblössten, jedoch eindeutig wahrnehmbaren –
erigierten Penis visuell auf das Opfer einwirkt. Nach hier vertretener Auffassung
kann daher nicht ausschlaggebend sein, ob der eindeutig zur Schau gestellte,
erigierte Penis teilweise oder vollständig – im Sinne von textilfrei – entblösst ist
(Kritisch dazu BSK Strafrecht II - Meng, Art. 194 StGB N 9 f., der die Auffassung
des Bezirksgerichtes Zürich im Entscheid GG090126 vom 21.4.2009, wonach die
vollständige Entblössung des Sexualorgans nicht zwingend notwendig sei, als
zumindest fragwürdig taxiert.). In diesem Zusammenhang kann auf das von der
Vorinstanz angeführte Beispiel verwiesen werden, wonach ein Täter, der über den
erigierten Penis ein Kondom stülpt (vgl. Urk. 47 S. 12), dennoch exhibitionistisch
handelt, welche Schlussfolgerung selbst nach Auffassung der Verteidigung zutrifft
(vgl. Urk. 87 S. 6). Entsprechend müssen als "entblösst" sodann Geschlechtsor-
gane gelten, die lediglich durch freie Sicht gewährende Kleidungsstücke oder
sonstige Materialien bedeckt sind (z.B. dünne und durchsichtige Strumpfhosen,
durchsichtige Folien oder dergleichen). Ob ein solches Einwirken auf das Opfer
strafbaren Charakter hat und in welchem Umfang das inkriminierte Zurschaustel-
len das Opfer zu beeinträchtigen vermag, muss letztlich im konkreten Einzelfall
ermittelt werden.
4.1.5. Der Beschuldigte hat sich am Donnerstag, den 18. Juli 2013 in seinen
hautengen weissen Leggings und mit deutlich sichtbar erigiertem Penis im Aus-
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senbereich des Cafés D._ aufgehalten. Die besagten Leggings sind dabei
nach Darstellung des Beschuldigten eigentlich für Frauen gedacht. Am Tattag ha-
be er im Zug nach Oerlikon die Leggings, welche er normalerweise unter den kur-
zen Hosen trage, schon angehabt. Ein Staatsanwalt habe ihm zuvor schon einmal
gesagt, er solle mit diesen Leggings nicht mit einem Ständer rumlaufen (Urk. 6/1
S. 2 f.). Nichtsdestotrotz präsentierte sich der Beschuldigte, nachdem er sich der
kurzen Hosen entledigt hatte, in den beinahe durchsichtigen Leggings und mit
deutlich erregtem Glied im Aussenbereich des Cafés D._ und rückte bei
dieser Gelegenheit sein erregtes Glied mit der Hand dergestalt zurecht, dass die
Geschwister B._ und F._ unweigerlich von den exhibitionistischen
Handlungen des Beschuldigten Kenntnis erlangen mussten. Aufgrund der Tatsa-
che, dass das bewusst gewählte hautenge Kleidungsstück eindeutig seinen – zu-
vor durch eine Injektion eines Medikamentes in den Schwellkörper – erigierten
und deshalb deutlich abstehenden Penis zeigte, hat der Beschuldigte vorliegend
– entsprechend der oben dargestellten und entgegen der Auffassung der Vertei-
digung – sein Sexualorgan im Sinne von Art. 194 StGB zur Schau gestellt. Damit
hat der Beschuldigte den objektiven Tatbestand von Art. 194 Abs. 1 StGB erfüllt,
was die Vorinstanz mit zutreffender Argumentation richtig erkannt hat. Auf deren
Erwägungen kann ergänzend verwiesen werden (Urk. 47 S. 11 ff., Art. 82 Abs. 4
StPO).
4.1.6. Subjektiv ist Absicht (sprich: direkter Vorsatz) gefordert; der Täter muss
wollen, dass das Opfer hinsieht. Eventualvorsatz ist mit einer exhibitionistischen
Handlung nach Auffassung des Bundesgerichts nicht vereinbar (Entscheid des
Bundesgerichts 6B_527/2009 vom 3. September 2009, E. 3.1: "D'un point de vue subjectif, la personne qui s'exhibe doit le faire intentionnellement. L'auteur doit ainsi vouloir que la
victime le voie. Le dol éventuel ne suffit pas"). Diese Ansicht des Bundesgerichtes ist in
der Lehre nicht unumstritten. WEDER sieht beispielsweise keine Veranlassung,
den Eventualvorsatz auszuschliessen (Weder, in: Donatsch/Flachsmann/Hug/
Weder, Kommentar zum StGB, 19. Aufl., Zürich 2013, N 4 zu Art. 194). Der Be-
schuldigte führte anlässlich seiner polizeilichen Befragung vom 25. Juli 2013 wört-
lich was folgt aus: "Ich bin in gewohnter Art mit meinen engen weissen Leggings
an dieser Strasse etwa 4 - 5 mal hin- und hergelaufen. Ich blieb auch teilweise
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stehen um ein wenig herumzuschauen, ob ich Beachtung bekomme. [...] Von Ex-
hibitionismus kann man hier nicht sprechen. Ich wollte einfach auffallen und Be-
achtung erhaschen. Das wäre meine Vorstellung von dem was abgelaufen ist."
(Urk. 6/1 S. 1 Antwort auf Frage 5). An anderer Stelle gab er zu Protokoll: "Ich
kann nur mit Sicherheit sagen, dass ich mir nicht ans Glied gefasst habe. Viel-
leicht ein paar mal, um es zu richten und so Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber
onaniert habe ich auf keinen Fall." (Urk. 6/1 S. 2 Antwort auf Frage 8). Wie zuvor
ausgeführt, wusste der Beschuldigte um die Beschaffenheit seiner Leggings und
es war ihm auch bewusst, dass er von einem Staatsanwalt schon einmal aufge-
fordert worden war, mit diesen Leggings "nicht mit einem Ständer" rumzulaufen.
Anlässlich der Schlusseinvernahme vom 12. Februar 2014 gab der Beschuldigte
zudem zu Protokoll, er frage sich immer, welchen Unterschied es mache, ob er
ein erregtes Glied gehabt habe oder nicht. Man könne ja auch einfach einen gros-
sen Schwanz haben, der dann durch die Leggings auch imposant aussehe. Er
habe zuvor eine Spritze in seinen Penis injiziert, was eine künstliche Erektion oh-
ne Gefühle verursacht habe (Urk. 6/4 S. 2). Die Zurschaustellung seines Gliedes
im Aussenbereich des Cafés D._ sei eine totale Erleichterung für ihn gewe-
sen, welche ihn in einen Trance-ähnlichen Zustand versetzt habe (Urk. 6/1 S. 2,
Antwort auf Frage 11). Angesichts dieser klaren und unmissverständlichen Zuga-
ben des Beschuldigten – welche er anlässlich der Berufungsverhandlung bestätig-
te (Urk. 64 S. 9 ff.) – steht ausser Frage, dass die in subjektiver Hinsicht verlangte
Absicht, nämlich beim Zurschaustellen des Gliedes von Frauen gesehen zu wer-
den, im Tatzeitpunkt gegeben war. Es mag zutreffen, dass die Geschädigte
B._ (ihre Schwester F._ zog den Strafantrag zurück [vgl. Urk. HD 7/4 S.
7]) von Anfang an nicht die direkte Zielperson des Beschuldigten war (Urk. 87
S. 3 f. und S. 6 f.). Dies ist vorliegend indessen – dies entgegen der Verteidigung
(vgl. Urk. 87 S. 6) – nicht entscheidend. Der Beschuldigte ist mit seinen hauten-
gen, praktisch durchsichtigen Leggings und erigiertem Penis auf der öffentlichen
Terrasse des Cafés D._ herumspaziert. Dabei war ihm absolut klar, dass er
von den dort anwesenden Personen gesehen wird, was er zugegebenermassen
auch wollte, äusserte er sich doch selber zum Gefühl der Erleichterung, welches
er anlässlich der Zurschaustellung verspürte. Wie die Vorinstanz in diesem Zu-
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sammenhang zutreffend erwog, ist es für die Erfüllung des subjektiven Tatbe-
standes eben nicht erforderlich, dass der Beschuldigte zum Vornherein die Ab-
sicht hegte, sich gegenüber bestimmten Zielpersonen zu exhibitionieren. Mass-
geblich ist einzig, dass der Täter die Absicht verfolgt, dass das/die Opfer ihn und
seine exhibitionistischen Handlungen sehen (müssen), was in casu unbestritten
der Fall war. Vorliegend steht daher ausser Frage, dass es der Beschuldigte auf
die Geschädigte B._ – selbst wenn diese zuerst auf ihn und auf sein Handeln
aufmerksam wurde – zumindest mitabgesehen hatte (vgl. dazu Jenny/
Schubarth/Albrecht, Kommentar zum schweizerischen Strafrecht Besonderer Teil,
Band 4, Bern 1997 N 4 S. 99 mit weiteren Hinweisen) und diese zu seiner Ziel-
person wurde.
4.1.7. Was die Motivation des Beschuldigten angeht, so ist offenkundig, dass sein
deliktisches Handeln auf die Erregung respektive Befriedigung seiner Ge-
schlechtslust abzielte. Anerkanntermassen gründet das vom Beschuldigten an
den Tag gelegte Verhalten in seinem pathologisch zwanghaften Verlangen nach
Aufmerksamkeit. Nach seinen eigenen Darstellungen gelingt es ihm nur dann,
seinen Zwang zumindest vorübergehend zu befriedigen, wenn er sein steifes
Glied vor Frauen dergestalt zur Schau stellen kann, dass diese ihre Aufmerksam-
keit – wenn auch nur kurzzeitig – auf ihn lenken. Wie die Vorinstanz mit Verweis
auf die Botschaft zu Art. 194 StGB zutreffend erwog, kann in einem Fall wie dem
vorliegenden (bei welchem von einem psychopathologischen Exhibitionismus
auszugehen ist) im Zusammenhang mit dem sexuellen Motiv nicht zwingend von
einer Lust im herkömmlichen Sinne gesprochen werden. Nichtsdestotrotz weist
das Antriebsmotiv des Beschuldigten klarerweise einen sexuellen Bezug auf und
muss daher im Sinne von Art. 194 StGB als tatbestandsmässig bezeichnet wer-
den. Dies geht auch aus dem Ergänzungsgutachten vom 18. September 2015
hervor. Darin erklärt der Gutachter, diverse Kindheitstraumata des Beschuldigten
würden diesen eine permanente Machtlosigkeit gegenüber seinem Umfeld und
seinen Emotionen erleben lassen. Es sei zwar durchaus nachvollziehbar, dass
der Beschuldigte seine Taten mit der Suche nach Aufmerksamkeit und Beachtung
begründet sehe, jedoch spiegle sich in diesen Taten auch sein Bedürfnis nach ei-
ner gewissen Machtdemonstration wieder. Da ihm alternative Möglichkeiten,
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Macht zu erleben fehlen würden, nehme das Exhibitionieren nun einen zentralen
Stellenwert in seinem Leben ein. Die Handlungen des Beschuldigten seien somit
als "Ausdruck einer sexualisierten Machtbedürfnisbefriedigung und gleichzeitig
Ohnmachtsentledigung" einzustufen und darin müsse ein sexuelles Tatmotiv ge-
sehen werden (Urk. 81 S. 27 f. und S. 34). Wenn die Verteidigung argumentiert,
dem Beschuldigten gehe es nicht um eine Kompensierung fehlender Anerken-
nung auf dem Gebiet der Sexualität, sondern um die zwang- und krankhafte
Kompensierung fehlender Anerkennung per se (vgl. Urk. 87 S. 8) und in diesem
Zusammenhang ausführt, auf die Aussenbetrachtung komme es bei der Frage
nach der sexuellen Motivation – welche ein subjektives Element darstelle – nicht
an, so blendet sie aus, dass sich das Gericht für den Nachweis des Vorsatzes –
soweit der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur auf äusserlich feststellbare
Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen kann, die Rückschlüsse von den
äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters erlauben. Vorliegend
anerkennt auch die Verteidigung, dass das Handeln des Beschuldigten von aus-
sen betrachtet eine eindeutig sexuelle Komponente aufweist (vgl. Urk. 87 S. 8).
Dies – zusammen mit der oben wiedergegebenen überzeugenden gutachterlichen
Schlussfolgerung – widerlegt die Auffassung der Verteidigung, wonach der
Beschuldigte nicht aus einer sexuellen Motivation heraus handle bzw. gehandelt
habe (Urk. 66 S. 11 f.; Urk. 87 S. 7 ff.). Im Übrigen änderte auch das Vorbringen
der Verteidigung nichts, mit der vom Beschuldigten nur durch eine Injektion her-
vorgerufenen Erektion seien keine sexuellen Gefühle verbunden. Denn eine exhi-
bitionistische Handlung wird nicht zu einer nichtexhibitionistischen, nur weil der
Beschuldigte behauptet, keine körperliche Erregung mehr zu spüren. So führt
auch der Gutachter aus, dass exhibitionistische Handlungen zwar meist von se-
xueller Erregung begleitet würden und es meist zur Masturbation komme, dass
dies jedoch nicht immer der Fall sein müsse (Urk. 81 S. 25).
4.1.8. Mit Verweis auf die zutreffenden Erwägungen der Vorinstanz ist nach dem
Gesagten festzuhalten, dass der Beschuldigte den Straftatbestand von Art. 194
Abs. 1 StGB auch in subjektiver Hinsicht erfüllt hat.
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4.1.9. Die Vorinstanz hat unter Hinweis auf die am 14. April 2005 vorgenommene
Begutachtung des Beschuldigten zusammenfassend erwogen, es bestünden kei-
ne Anhaltspunkte dafür, dass sich die im Jahre 2005 beim Beschuldigten hinsicht-
lich des Exhibitionierens diagnostizierte mittelschwere bis schwere Beeinträchti-
gung seiner Fähigkeit zu einsichtsgemässem Handeln verschlimmert oder ver-
bessert habe. Entsprechend sei vorliegend von einer verminderten Schuldfähig-
keit mittelschweren bis schweren Grades auszugehen (Urk. 47 S. 19). Im Ergän-
zungsgutachten kommt med. pract. C._ zum Schluss, dass sich bezüglich
der geistigen Gesundheit des Beschuldigten seit der Begutachtung vom 14. April
2005 nichts geändert habe und an den damaligen gutachterlichen Einschätzun-
gen festgehalten werden müsse. Die Unrechtseinsichtsfähigkeit des Beschuldig-
ten sei nicht beeinträchtigt gewesen und eine fehlende Dissoziation zu den ein-
zelnen Tatzeitpunkten oder gar eine Aufhebung derselben sei auszuschliessen.
Der Beschuldigte verfüge über ausreichend intellektuelle Fähigkeiten zur Un-
rechtseinsicht. Jedoch sei von einer Verminderung der Fähigkeit zum einsichts-
gemässen Handeln mittelschweren Grades auszugehen. Die exhibitionistischen
Handlungen des Beschuldigten würden einen deutlichen "Suchtcharakter" zeigen,
indem sie für ihn dem Spannungsabbau dienten. Nach aktuellem gutachterlichen
Dafürhalten und dies entgegen der gutachterlichen Schlussfolgerung aus dem
Jahre 2005, könne die Störung der Impulskontrolle nicht als schweren Grades
eingestuft werden, sondern diese sei "lediglich" als mittelschwer anzusiedeln. Der
Gutachter begründete das Abweichen von der früheren Einschätzung damit, in
den soweit bekannten Tathergängen in Verbindung mit den aktuellen Angaben
des Beschuldigten offenbare sich doch noch eine gewisse Fähigkeit, sein Tatvor-
gehen zu modifizieren, beispielsweise darauf zu achten, wem er gegenübertrete
(vgl. Urk. 81 S. 30 und S. 33). Die aktuelle gutachterliche Einschätzung ist über-
zeugend begründet und damit zu übernehmen. Damit ist die Rüge der Verteidi-
gung, es ergebe sich aus dem Gutachten nicht ohne Weiteres, weshalb nur noch
von einer mittelschweren Beeinträchtigung ausgegangen werden solle (vgl. Urk.
87 S. 12), ohne Fundament. Die dem Beschuldigten vom Gutachter attestierte
Verminderung der Schuldfähigkeit in mittelschwerem Grade ist hernach bei der
Strafzumessung gebührend zu berücksichtigen.
- 15 -
4.1.10. Zusammenfassend ist damit festzuhalten, dass sich der Beschuldigte hin-
sichtlich des Anklagevorwurfs "Café D._" des Exhibitionismus im Sinne von
Art. 194 Abs. 1 StGB schuldig gemacht hat. Der angefochtene Schuldspruch ist
daher zu bestätigen.
4.2. Vorfall "G._" (Anklageziffer 2.)
4.2.1. Gemäss erstelltem Anklagesachverhalt hat sich der Beschuldigte am
Donnerstag, den 25. Juli 2013, ca. 15.50 Uhr, bei einem Gebüsch beim Fussweg,
welcher zur Badeanstalt "G._" führt, aufgehalten. Dort hat er gegenüber den
Privatklägerinnen H._, I._ und J._ seinen erigierten Penis zunächst
über der Badehose berührt, diesen hernach entblösst und vor den Privatklägerin-
nen onaniert (Urk. 20 S. 3). Durch dieses Verhalten hat der Beschuldigte zweifels-
frei den objektiven Tatbestand von Art. 194 Abs. 1 StGB erfüllt.
4.2.2. Wie bereits zuvor dargetan, verlangt Art. 194 Abs. 1 StGB in subjektiver
Hinsicht, dass der Täter mit seinem Vorgehen – vorsätzlich – beabsichtigt, dass
er bei seiner exhibitionistischen Handlungsweise von irgendjemandem gesehen
wird. Die Vorinstanz hat in diesem Zusammenhang richtigerweise darauf hinge-
wiesen, dass der Beschuldigte selbst ausgesagt habe, er sei am fraglichen Tag
bereits ca. eine Stunde, bevor er von den drei Geschädigten erblickt worden sei,
vis-à-vis des G._-Stegs und anschliessend auf der Seite der Badeanstalt
"G._" mit erigiertem Glied in der Badehose umhergelaufen, um Aufmerksam-
keit zu erregen. Dabei seien ihm mehrere Frauen entgegengekommen, wobei bei
ihm jedoch keine "Aufregung" entstanden sei (vgl. Urk. 6/2 S. 2, Antwort zu Frage
8). Wer – wie der Beschuldigte – mit der Absicht, mittels seines erigierten Gliedes
in der Badehose generell Aufmerksamkeit zu erregen, umherläuft und schliesslich
wenige Meter neben einem stark frequentierten Fussweg sein Glied entblösst,
dieses Passantinnen präsentiert und zu onanieren beginnt, handelt jedenfalls
auch in subjektiver Hinsicht tatbestandsmässig. Bei dieser Vorgehensweise ist die
sexuelle Motivation des Beschuldigten derart offenkundig, dass sich Weiterungen
hierzu erübrigen. Die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz sind überzeu-
gend und können übernommen werden (Urk. 47 S. 21; Art. 82 Abs. 4 StPO). Be-
züglich der Vorbringen der Verteidigung, die drei Privatklägerinnen seien nicht
- 16 -
Zielpersonen des Beschuldigten gewesen (Urk. 87 S. 10 f.), kann vorerst auf die
treffenden Erwägungen der Vorinstanz und das zuvor unter Ziff. 4.1.6 Ausgeführte
verwiesen werden (Urk. 47 S. 20 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Vorliegend bestätigte
die Privatklägerin H._, dass der Beschuldigte sie (und die weiteren Privatklä-
gerinnen) anschaute, als er seinen Penis entblösst und onaniert habe (vgl. Urk.
7/5 S. 4). Auch die Privatklägerin I._ führte aus, der Beschuldigte habe sich
dabei in direkter Seitenlinie zu ihnen positioniert und sie angeschaut (vgl. Urk. 7/6
S. 3). Durch sein Verhalten machte er sie klar zu seinen Zielpersonen, weswegen
seine anderslautende Darstellung als eine reine Schutzbehauptung taxiert werden
muss. Bei dieser Ausgangslage ist im Übrigen nicht von Belang, ob sich der Be-
schuldigte – wie er geltend machte – ursprünglich vor einem Pärchen, welches
sich angeblich am Flussufer verlustierte, produzieren wollte.
4.2.3. Was die Schuldfähigkeit des Beschuldigten angeht, kann auf die Erwägun-
gen der Vorinstanz (Urk. 47 S. 21 f.; Art. 82 Abs. 4 StPO) sowie auf das zuvor
Erwogene (Ziff. 4.1.9. vorstehend), insbesondere auf die in diesem Zusammen-
hang erwähnten überzeugenden Schlussfolgerungen im neu erstatteten psychiat-
rischen Gutachten verwiesen werden. Auch mit Bezug auf den Vorfall "
G._" ist dem Beschuldigten damit die ihm vom Gutachter attestierte Vermin-
derung der Schuldfähigkeit in mittelschwerem Grade bei der Strafzumessung zu
berücksichtigen.
4.2.4. Der Beschuldigte hat sich nach dem Gesagten bezüglich des Anklagevor-
wurfs "G._" des Exhibitionismus im Sinne von Art. 194 Abs. 1 StGB schuldig
gemacht.
5. Verfahrenseinstellung (Art. 194 Abs. 2 StGB)
5.1. Auch anlässlich des Berufungsverfahrens thematisierte die Verteidigung ei-
ne Verfahrenseinstellung gemäss Art. 194 Abs. 2 StGB (Urk. 66 S. 23 f.; Urk. 87
S. 15). Die diesbezüglichen Erwägungen der Vorinstanz sind überzeugend und
können übernommen werden (Urk. 47 S. 22; Art. 82 Abs. 4 StPO). Ergänzend
kann auf das Gutachten vom 18. September 2015 verwiesen werden, in welchem
die Therapiefähigkeit des Beschuldigten – bei einem sehr deutlichen Rückfall-
- 17 -
risiko und einer geringen Beeinflussbarkeit – als sehr gering eingestuft wurde. Der
Beschuldigte habe sich zwar einer ambulanten psychiatrisch-psychotherapeuti-
schen Behandlung unterzogen, jedoch liessen sich aus dieser noch keine tat-
relevanten Verhaltensmodifikationen ableiten. So sei beim Beschuldigten kaum
eine Verantwortungsübernahmebereitschaft für sein sexualdelinquentes Verhalten
auszumachen und es habe sich bei ihm vielmehr ein Opfererleben statt ein Täter-
bewusstsein verfestigt (Urk. 81 S. 30 ff.). Nachdem sich in der Vergangenheit ge-
zeigt hat, dass die Therapien beim Beschuldigten nicht zum gewünschten Erfolg
führten und auch der Gutachter die Anordnung einer ambulanten Massnahme
nicht zwingend als zweckmässig einstuft (Urk. 81 S. 33), ist eine Einstellung na-
mentlich auch mit Blick auf die bundesgerichtliche Rechtsprechung nicht mehr
angebracht (BGer vom 4. September 2008, 6B_115/2008 E. 3.2).
6. Sexuelle Belästigung (Art.198 StGB)
6.1. Wie unter den Ziffern 4.1. und 4.2 dargetan, ist der Tatbestand des Exhibiti-
onismus sowohl hinsichtlich des Sachverhaltsvorwurfes "Café D._", als auch
hinsichtlich des Sachverhaltsvorwurfs "G._" erfüllt. Art. 194 StGB geht als lex
specialis Art. 198 StGB vor (Meng, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kom-
mentar Strafrecht II, 3. Aufl., Basel 2013, N 40 zu Art. 198), weshalb es sich vor-
liegend erübrigt, den Tatbestand der sexuellen Belästigung zu prüfen. Auf die
entsprechenden Ausführungen der Verteidigung (Urk. 66 S. 14 und 19; Urk. 87
S. 9 f. und S. 11 f.) ist nicht weiter einzugehen.
III. Sanktion
7. Allgemeines
7.1. Die Vorinstanz hat eine Strafzumessung vorgenommen, die – wie noch auf-
zuzeigen sein wird – im Ergebnis nicht zu beanstanden ist. Zur Vorgehensweise
bei der Strafzumessung kann vorliegend auf BGE 136 IV 55 ff., 59 ff., m.w.H.
verwiesen werden.
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8. Konkrete Strafzumessung
8.1. Strafrahmen
8.1.1. Exhibitionismus im Sinne von Art. 194 Abs. 1 StGB wird mit Geldstrafe von
einem bis zu 180 Tagessätzen sanktioniert, wobei ein Tagessatz höchstens
Fr. 3'000.-- beträgt (Art. 34 Abs. 2 StGB). Mit der Vorinstanz kann vorab festge-
halten werden, dass der Strafschärfungsgrund der mehrfachen Tatbegehung und
der Strafmilderungsgrund der verminderten Schuldfähigkeit keine Erweiterung des
ordentlichen Strafrahmens rechtfertigen. Vielmehr sind diese Strafzumessungs-
faktoren innerhalb des Strafrahmens straferhöhend respektive strafmindernd zu
berücksichtigen.
8.1.2. Aufgrund des Umstandes, dass die vorliegend zu beurteilende Delinquenz
des Beschuldigten krankheitsbedingt und deshalb in einem gewissen Masse repe-
titiven Charakters ist, sowie dass ein relativ enger zeitlicher Zusammenhang zwi-
schen den beiden Tatbegehungen besteht, rechtfertigt es sich, ausnahmsweise
beide Vorfälle gemeinsam zu würdigen und die mehrfache Tatbegehung im Rah-
men dieser Würdigung straferhöhend zu berücksichtigen.
8.2. Tatkomponente
8.2.1. Die Vorinstanz hat die massgeblichen objektiven Tatkomponenten erwähnt,
weshalb auf ihre betreffenden Erwägungen unter Ziffer 2.1.1. verwiesen werden
kann (Urk. 47 S. 24; Art. 82 Abs. 4 StPO). Unter Berücksichtigung der mehrfa-
chen Tatbegehung muss das objektive Tatverschulden insgesamt betrachtet als
erheblich bezeichnet werden.
8.2.2. Hinsichtlich des subjektiven Tatverschuldens hat die Vorinstanz richtiger-
weise darauf hingewiesen, dass der Beschuldigte aufgrund seines psychopatho-
logischen Exhibitionismus bis zu einem gewissen Grad krankheitsbedingt handel-
te. Dennoch darf nicht unerwähnt bleiben, dass er jeweils planmässig und gezielt
vorging. So zog er beispielsweise nach eigenen Angaben die kurzen Hosen, wel-
che er sozusagen als Sichtschutz über den Leggings trug, im Zug nach Oerlikon
aus, weil er plante, sein Glied wirkungsvoll zur Schau zu stellen. Wie bereits im
- 19 -
Rahmen der rechtlichen Würdigung dargetan, agierte der Beschuldigte absichtlich
und damit direkt vorsätzlich. Insgesamt betrachtet, muss indes namentlich auf-
grund des beim Beschuldigten diagnostizierten Exhibitionismus noch von einem
leichten subjektiven Tatverschulden ausgegangen werden, war er doch gemäss
psychiatrischem Gutachten krankheitsbedingt durch seine mittelschwere Störung
der Impulskontrolle und der dadurch verminderten Fähigkeit zum einsichtsgemäs-
sen Handeln (Urk. 81 S. 30) massgeblich in seiner Entscheidungsfreiheit einge-
schränkt (vgl. hierzu auch Ziff. 4.1.9. vorstehend).
8.2.3. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das objektive durch das subjekti-
ve Tatverschulden eine deutliche Reduktion erfährt, weshalb insgesamt noch von
einem leichten Tatverschulden gesprochen werden kann. Es rechtfertigt sich da-
her, die hypothetische Einsatzstrafe für beide Vorfälle auf 40 Tagessätze Geld-
strafe festzusetzen.
8.3. Täterkomponente
8.3.1. Die Vorinstanz hat zum Vorleben des Beschuldigten und zu seinen persön-
lichen Verhältnissen auf die umfangreichen Ausführungen im psychiatrischen
Gutachten vom 14. April 2005 verwiesen. Dieses Vorgehen rechtfertigt sich aus-
nahmsweise, weil der Beschuldigte selbst sowohl in der Untersuchung als auch
im gerichtlichen Verfahren keine Angaben zu seinen persönlichen Verhältnissen
machte und in diesem Zusammenhang auf das betreffende Gutachten verwies
(Urk. 14/4 S. 3, Prot. I S. 8). Zu seinen finanziellen Verhältnissen gab er an, dass
er eine IV-Rente von monatlich Fr. 3'300.– beziehe. Er verfüge weder über Ver-
mögen noch habe er Unterhaltsverpflichtungen. Seine Schulden würden sich mitt-
lerweile auf ca. Fr. 50'000.– belaufen (Urk.14/4 S. 2 f.). Im Rahmen der Beru-
fungsverhandlung führte der Beschuldigte zu seinen persönlichen Verhältnissen
zudem aus, es habe sich nichts wesentliches geändert. Neu sei, dass die Kran-
kenkasse nun direkt abgezogen werde und er jetzt darum eine Rente von
Fr. 2'900.– erhalte. Er habe im Datenerfassungsblatt angegeben, seine Schulden
würden sich auf ca. Fr. 70'000.– belaufen (Urk. 58/1 S. 2). Er wisse aber ehrlich
gesagt nicht mehr genau, wie hoch seine Schulden wirklich seien (Urk. 64
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S. 2 ff.). Den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten lassen sich keine
strafzumessungsrelevanten Hinweise entnehmen.
8.3.2. Wie die Vorinstanz richtig erkannte, wirken sich die zahlreichen, grossteils
einschlägigen Vorstrafen des Beschuldigten massiv straferhöhend aus. Ebenso
deutlich straferhöhend ist zu berücksichtigen, dass der Beschuldigte während lau-
fender Probezeit erneut delinquierte.
8.3.3. Leicht strafmindernd ist hingegen zu berücksichtigen, dass der Beschuldig-
te bereits zu Beginn der Untersuchung weitestgehend geständig war und im
Rahmen seiner Möglichkeiten auch Einsicht in das Unrecht seiner Taten zeigte.
Auch eine gewisse Reue kann dem Beschuldigten durchaus leicht strafmindernd
attestiert werden, hat er sich doch im Rahmen der Strafuntersuchung bei den ge-
schädigten Frauen für sein Verhalten entschuldigt (Urk. 7/3 S. 6, Urk. 7/4 S. 7,
Urk. 7/5 S. 6, Urk. 7/6 S. 7).
8.4. Fazit
8.4.1. Ausgehend von einer hypothetischen Einsatzstrafe von 40 Tagessätzen
Geldstrafe sowie unter Berücksichtigung der unter dem Titel Täterkomponente
erwähnten Zumessungsfaktoren, erweist sich die von der Vorinstanz ausgefällte
Geldstrafe von 60 Tagessätzen als durchaus angemessen, weshalb sie bestätigt
werden kann.
8.4.2. Die Vorinstanz setzte den Tagessatz auf Fr. 20.– fest, was von der Vertei-
digung nicht beanstandet wurde und übernommen werden kann.
8.4.3. Nachdem die Anklagebehörde vor Vorinstanz eine Bestrafung in Form von
gemeinnütziger Arbeit beantragte (Urk. 20 S. 4) und der Beschuldigte sowohl vor
Vorinstanz als auch im Berufungsverfahren zu Protokoll gab, dass er im Falle sei-
ner Verurteilung mit der Anordnung von gemeinnütziger Arbeit einverstanden sei
(Prot. I S. 8; Prot. II S. 13), ist nicht zu beanstanden, wenn die Geldstrafe von
60 Tagessätzen in 240 Stunden gemeinnützige Arbeit umgewandelt wird. Auch
diesbezüglich ist der angefochtene Entscheid zu bestätigen und der Beschuldigte
ist zu 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit zu verurteilen.
- 21 -
9. Vollzug
9.1. Das Gericht schiebt den Vollzug einer Geldstrafe, von gemeinnütziger Arbeit
oder einer Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten und höchstens zwei
Jahren in der Regel auf, wenn eine unbedingte Strafe nicht notwendig erscheint,
um den Täter von der Begehung weiterer Verbrechen oder Vergehen abzuhalten
(Art. 42 Abs. 1 StGB). Wurde der Täter innerhalb der letzten fünf Jahre vor der
Tat zu einer bedingten oder unbedingten Freiheitsstrafe von mindestens sechs
Monaten oder zu einer Geldstrafe von mindestens 180 Tagessätzen verurteilt, so
ist der Aufschub nur zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen
(Art. 42 Abs. 2 StGB).
9.2. Wie die Vorinstanz zutreffend erwog, wurde der Beschuldigte mit Urteil des
Kantonsgerichts St. Gallen vom 15. Dezember 2008 unter anderem zu einer
Geldstrafe von 300 Tagessätzen verurteilt (Urk. 48). Die heute zu beurteilende
Delinquenz des Beschuldigten stammt aus dem Sommer 2013. Damit wurde der
Beschuldigte innerhalb von 5 Jahren erneut straffällig, weshalb Art. 42 Abs. 2
StGB zur Anwendung gelangt. Bei dieser Ausgangslage stellt der Ausschluss des
bedingten Strafvollzuges die Regel dar. Ein Aufschub der Strafe wäre nur dann
zulässig, wenn besonders günstige Umstände vorliegen würden. Zieht man in Be-
tracht, dass der Beschuldigte nach seiner Verurteilung aus dem Jahre 2008 vier
weitere Male wegen einschlägiger Delikte verurteilt wurde, so bleibt offenkundig
kein Raum mehr für die Gewährung des bedingten Strafvollzuges. Vollkommen zu
Recht hat die Vorinstanz die vorliegende Strafe für vollziehbar erklärt. Der ange-
fochtene Entscheid kann auch in diesem Punkt bestätigt werden.
10. Widerruf
10.1. Wie schon im erstinstanzlichen Verfahren beantragt die Verteidigung auch
anlässlich des Berufungsverfahrens, auf den Widerruf des mit Urteil des Kantons-
gerichts St. Gallen vom 15. Dezember 2008 gewährten bedingten Strafvollzugs
sei zu verzichten (Urk. 66 S. 20 ff.; Urk. 87 S. 13 f.). Die Vorinstanz hat sich mit
den Vorbringen der Verteidigung detailliert und gründlich auseinander gesetzt. Die
betreffenden Erwägungen der Vorinstanz sind zutreffend und können vollumfäng-
- 22 -
lich übernommen werden (Urk. 47 S. 27 ff.; Art. 82 Abs. 4 StPO). Eine Inten-
sivierung der Therapie, von der eine nachhaltigere Wirkung zu erwarten wäre, hat
offensichtlich nicht stattgefunden. Gibt doch der Beschuldigte selber zu Protokoll,
er gehe weiterhin einmal im Monat zu Dr. K._ in Behandlung. An der Häufig-
keit dieser Konsultationen habe sich nichts geändert. Die Konsultationen würden
eine Stunde, in Krisensituationen auch zwei Stunden dauern (Urk. 64 S. 4 ff.).
Auch aus dem Ergänzungsgutachten vom 18. September 2015 lässt nichts auf
eine Verbesserung des status quo schliessen. Im Gegenteil wird dem Beschuldig-
ten ein sehr hohes Rückfallrisiko bei geringer Therapiefähigkeit attestiert (Urk. 81
S. 32 f.).
10.2. Der mit Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen vom 15. Dezember 2008 für
eine Geldstrafe von 300 Tagessätzen zu Fr. 20.– unter Ansetzung einer Probezeit
von 4 Jahren (welche am 17. Januar 2013 von der Staatsanwaltschaft Winterthur
/Unterland um ein Jahr verlängert wurde) gewährte bedingte Strafvollzug ist in
Bestätigung des angefochtenen Urteils zu widerrufen. Die damals erstandene Un-
tersuchungshaft von 30 Tagen ist im Umfang von 30 Tagessätzen anzurechnen
beziehungsweise abzuziehen, womit eine Geldstrafe von 270 Tagessätzen zu
Fr. 20.– zu vollziehen ist.
10.3. Die Vorinstanz hat schliesslich mit zutreffender Begründung erkannt, dass
die zu widerrufende und die zu vollziehende Strafe gleichartig sind und dass unter
diesen Voraussetzungen die Bildung einer Gesamtstrafe im Sinne von Art. 46
Abs. 1 StGB nicht statthaft ist (BGE 134 IV 241 E. 4; BGE 137 IV 249 E. 3 und 4).
IV. Kosten- und Entschädigungsfolgen
11. Erstinstanzliches Verfahren
11.1. Die Vorinstanz auferlegte dem Beschuldigten die Kosten der Untersuchung
sowie des gerichtlichen Verfahrens, schrieb diese jedoch zufolge der misslichen
finanziellen Verhältnisse des Beschuldigten definitiv ab. Die Kosten der amtlichen
Verteidigung nahm die Vorinstanz vorbehaltlos auf die Gerichtskasse.
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11.2. Ausgangsgemäss sowie unter Berücksichtigung des Verbotes der reformatio
in peius ist die erstinstanzliche Kostenauflage gemäss Dispositiv Ziffer 6 des an-
gefochtenen Entscheides zu bestätigen.
12. Berufungsverfahren
12.1. Die Gerichtsgebühr für das Berufungsverfahren ist auf Fr. 3'000.– festzu-
setzen.
12.2. Die Kosten des Rechtsmittelverfahrens tragen die Parteien nach Massgabe
ihres Obsiegens und Unterliegens (Art. 428 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte unter-
liegt mit seiner Berufung vollumfänglich, weshalb ihm die Kosten des Berufungs-
verfahrens (exklusive der Kosten der amtlichen Verteidigung) aufzuerlegen sind.
Die Kosten der amtlichen Verteidigung sind einstweilen auf die Gerichtskasse zu
nehmen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte ist jedoch zu verpflichten, die
vom Staat an den amtlichen Verteidiger entrichtete Entschädigung zurückzu-
zahlen, sobald es seine wirtschaftlichen Verhältnisse erlauben (Art. 135 Abs. 4
StPO).
12.3. Eine definitive Abschreibung der dem Beschuldigten aufzuerlegenden Kos-
ten, wie dies die Vorinstanz getan hat, findet in der Strafprozessordnung keine
Stütze und entspricht auch nicht der Praxis der hiesigen Kammer. Die Kosten des
Rechtsmittelverfahrens sind dem Beschuldigten daher ausgangsgemäss aufzuer-
legen, wobei es ihm frei steht, bezüglich der Zahlungsmodalitäten mit der Kasse
des Obergerichts gegebenenfalls Ratenzahlungen zu vereinbaren.
12.4. Die amtliche Verteidigung des Beschuldigten hat ihre Honorarnote einge-
reicht und ihren Aufwand mit insgesamt Fr. 6'469.60 beziffert (Urk. 63; Urk. 89).
Der geltend gemachte Aufwand ist ausgewiesen und scheint angemessen, wes-
halb Rechtsanwalt Dr. iur. X._ mit Fr. 6'469.60 inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer zu entschädigen ist.
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