# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6ddb743f-ac95-4dce-b683-28087d5f2b80
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Mit Strafbefehl des Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartements Graubünden (EKUD) vom 29. August 2011, mitgeteilt am 30. August 2011, wurde der Gemeindepräsident von X._, A._, wegen Widerhandlung gegen Art. 61 Abs. 1 lit. a USG in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 lit. c USG und Art. 26a LRV schuldig gesprochen und mit einer Busse von Fr. 1‘000.-- bestraft. Es wurde weiter festgestellt, dass bei schuldhafter Nichtbezahlung der Busse die zuständige Behörde eine Ersatzfreiheitsstrafe aussprechen werde. Die Kosten des Strafbefehlsverfahrens wurden A._ überbunden. Gestützt auf Art. 71 Abs. 1 StGB wurde zudem gegenüber der Gemeinde X._ eine Ersatzforderung in Höhe von Fr. 15‘000.-- verfügt.
Das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement legte seinem Strafbefehl den folgenden Sachverhalt zu Grunde:
„Aufgrund der Akten ist erstellt, dass auf der Deponie ‚C._‘ in X._ am 30. Oktober 2010 nicht genügend getrockneter Grünabfall und Altholz verbrannt wurden. Auf den entsprechenden Fotos der Kantonspolizei ist ersichtlich, dass dies zu einer starken Rauchentwicklung führte. Gemäss Aussage des Gemeindepräsidenten A._ vom 16. Dezember 2010 können die Anwohnerinnen und Anwohner schon seit etwa zehn Jahren zwei Mal wöchentlich Grünabfälle und Altholz auf die Deponie bringen. Von Zeit zu Zeit werde dieses Material dann vom Deponiewart verbrannt oder zum Teil auch gehäckselt. Er habe Kenntnis vom Schreiben des Amtes für Natur und Umwelt Graubünden aus dem Jahre 2007, in welchem die Gemeinde X._ auf das Verbot aufmerksam gemacht wurde, und wisse daher grundsätzlich, dass das Verbrennen von Grünabfällen verboten sei.
Am 28. Juni 1977 erteilte das Bau- und Forstdepartement Graubünden der Meliorationsgenossenschaft X._ eine Bewilligung für die Gewinnung von Kies und Sand auf dem Gebiet C._, mit der Auflage, nach Beendigung der Materialentnahme das Abbaugebiet zu humusieren und der landwirtschaftlichen Nutzung zurückzuführen. Im Regionalen Richtplan ist eine Inertstroffdeponie für unverschmutzten Aushub bzw. eine Materialablagerung enthalten. Eine Deponiebewilligung für Grünabfälle wurde nie erteilt. Auf der Inertstoffdeponie dürfen daher keine Grünabfälle deponiert werden.“
B. a) Gegen diesen Strafbefehl erhob Rechtsanwältin lic. iur. Rita Marugg im Namen der Gemeinde X._ am 12. September 2011 frist- und formgerecht Einsprache mit folgendem Antrag:
„1. Der Strafbefehl vom 29. August 2011 sei aufzuheben.
2. Das Strafverfahren gegen A._ sei einzustellen.
3. Die Verfahrenskosten seien vom Kanton zu tragen, welcher die Gemeinde X._ ausseramtlich zu entschädigen hat.“
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b) Ebenfalls am 12. September 2011 und mit separater Rechtsschrift erhob A._ durch seine Verteidigerin, Rechtsanwältin lic. iur. Rita Marugg, im eigenen Namen Einsprache gegen den Strafbefehl. Er stellte folgenden Antrag:
„1. Der Strafbefehl vom 29. August 2011 sei aufzuheben.
2. Das Strafverfahren gegen A._ sei einzustellen.
3. Die Verfahrenskosten seien vom Kanton zu tragen, welcher A._ ausseramtlich zu entschädigen hat.
4. Eventualiter sei A._ der fahrlässigen Widerhandlung gegen Art. 61 Abs. 2 i.V.m. Art. 12 Abs. 1 lit. c USG und Art. 26b LRV schuldig zu sprechen.
Dafür sei er mit einer Busse von maximal Fr. 100.00 zu bestrafen.
Gegen die Gemeinde X._ sei eine Ersatzforderung in der Höhe von maximal Fr. 30.00 zu verfügen.
Die Verfahrenskosten für das Einspracheverfahren seien vom Kanton zu tragen, welcher A._ ausseramtlich zu entschädigen hat.“
C. Am 4. Oktober 2011 überwies das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement nur die Einsprache von A._ samt Akten an das Bezirksgericht Prättigau/Davos zur Durchführung des Hauptverfahrens. Die Einsprache der Gemeinde X._ verblieb beim Departement, ohne dass das Bezirksgericht von ihr erfuhr. Am 12. April 2012 fand die Hauptverhandlung im Verfahren gegen A._ statt. Das Bezirksgericht Prättigau/Davos sprach diesen in der Folge mit Urteil vom 12. April 2012 schuldig der Widerhandlung gegen Art. 61 Abs. 1 lit. a USG in Verbindung mit Art. 12 Abs. 1 lit. c USG und Art. 26a LRV und verurteilte ihn zu einer Busse in Höhe von Fr. 1‘000.--, Ersatzfreiheitsstrafe fünf Tage. Dieser Entscheid wurde den Parteien am 13. April 2012 im Dispositiv mitgeteilt. Am 18. April 2012 meldete die private Verteidigerin von A._ gestützt auf Art. 399 Abs. 1 StPO Berufung an.
D. Mit Schreiben vom 26. April 2012 an das Bezirksgericht Prättigau/Davos stellte das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement fest, dass die verfügte Ersatzabgabe gegen die Gemeinde X._ nicht Gegenstand der Verhandlung vom 12. April 2012 gewesen sei. Es legte dem Schreiben die bislang dem Gericht nicht weitergeleitete formelle Einsprache der Gemeinde X._ vom 12. September 2011 bei und wies darauf hin, dass es an der im angefochtenen Strafbefehl vom 29. August 2011 verfügten Ersatzforderung gegenüber der Gemeinde X._ in der Höhe von Fr. 15‘000.-- festhalte. Für die Begründung der Ersatzforderung gegenüber der Gemeinde X._ verwies es auf die Ausführungen in Ziffer 5 der Erwägungen des Strafbefehls sowie ergänzend auf
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zwei beigelegte Entscheide zum Thema. Am 27. April 2012 sistierte das Bezirksgericht Prättigau/Davos das Verfahren betreffend die Gemeinde X._ bis zur Mitteilung des begründeten Entscheids im Strafverfahren gegen A._.
E. Am 29. Juni 2012 teilte das Bezirksgericht Prättigau/Davos das begründete Urteil im Strafverfahren gegen A._ mit. In der Begründung hielt es fest, dass A._ selbstverständlich nur für den Vorfall vom 30. Oktober 2010 verurteilt werden könne. Bezüglich der gegenüber der Gemeinde X._ verfügten Ersatzabgabe führte es aus, es gehe im beurteilten Verfahren um die Verantwortlichkeit von A._ als Gemeindepräsident. In diesem Entscheid könne nicht darüber befunden werden, ob die Gemeinde X._ zu einer Ersatzabgabe zu verpflichten sei. Dieser Befund habe im Rahmen eines separaten Entscheides zu ergehen, weshalb Ziffer 4 des angefochtenen Strafbefehls aufgehoben werde. Mit dem Verfahren betreffend die Ersatzabgabe der Gemeinde X._ werde erst fortgefahren, wenn ein rechtkräftiger Entscheid im Verfahren gegen A._ vorliege.
F. Nachdem A._ am 18. April 2012 gestützt auf Art. 399 Abs. 1 StPO Berufung gegen das Urteil des Bezirksgerichts Prättigau/Davos vom 12. April 2012 angemeldet hatte, es in der Folge aber unterlassen hatte, innert 20 Tagen nach Zustellung des schriftlich begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen (Art. 399 Abs. 3 StPO), schrieb der Vorsitzende der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden die Berufung von A._ mit Verfügung vom 6. August 2012 als durch Rückzug erledigt ab, worauf das Bezirksgericht Prättigau/Davos den Parteien mitteilte, dass das Verfahren betreffend die Ersatzabgabe der Gemeinde X._ fortgesetzt werde. Die Hauptverhandlung in diesem Verfahren fand daraufhin am 14. Februar 2013 statt. Mit Urteil vom 14. Februar 2013, mitgeteilt am 11. März 2013, erkannte das Bezirksgericht Prättigau/Davos:
1. Die Gemeinde X._ wird zur Bezahlung einer Ersatzforderung gemäss Art. 71 Abs. 1 StGB in Höhe von CHF 11‘700.00 verpflichtet.
2 Die Kosten des Verfahrens von CHF 1‘200.00 gehen zu 2/3 zu Lasten der Gemeinde X._ und zu 1/3 (CHF 400.00) zu Lasten des Kantons Graubünden.
2.1 Die Gemeinde X._ schuldet dem Bezirksgericht Prättigau/Davos folglich CHF 12‘500.00 (CHF 11‘700.00 Ersatzforderung + CHF 800.00 Verfahrenskosten). Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids mit beiliegendem Einzahlungsschein an das Bezirksgericht Prättigau/Davos zu bezahlen.
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2.2 Der Kanton Graubünden schuldet dem Bezirksgericht Prättigau/Davos Verfahrenskosten von Fr. 400.00. Dieser Betrag ist innert 30 Tagen nach Rechtskraft dieses Entscheids mit beiliegendem Einzahlungsschein an das Bezirksgericht Prättigau/Davos zu bezahlen.
3. Der Kanton Graubünden wird verpflichtet, die Gemeinde X._ ausseramtlich mit CHF 800.00 (inkl. Mehrwertsteuer und Barauslagen) zu entschädigen.

## Considerations