# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** f09b16b3-1621-461d-a82b-dc099f0e271a
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1962,
Hilfsarbeiter,
befand sich
von
Oktober
2004 bis Ende No
vember 2017
zunächst
in
altrechtlicher Verwahrung, dann
im stationären
Massnahmenvollzug
und
-
nach dessen Abbruch wegen Aussichtslosigkeit
-
in Sicherheitshaft
(
Urk.
14/43,
Urk.
20
S. 4
)
. Am
1
2.
Dezember 2017 meldete er sich aufgrund einer psychischen Störung und einer kognitiven Beeinträchtigung bei der Invalidenversicherung
zum Leistungsbezug
an (
Urk.
14/26). Die Sozialversi
cherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte erwerbliche und medizini
sche Abklärungen (
Urk.
14/30-44).
Nach durchgeführtem Vorbescheidverfahren (
Urk.
14/35,
Urk.
14/36
,
Urk.
14/46,
Urk.
14/51
) verneinte
die IV-Stelle mit Ver
fügung vom 2
1.
März 2019
(
Urk.
14/53 =
Urk.
2)
einen Anspruch des Versicher
ten auf
Leistungen der Invalidenversicherung
.
2.
2.
1
Gegen die Verfügung vom 2
1.
März 2019 (
Urk.
2) erhob der Versicherte am 2
4.
April 2019 Beschwerde
(
Urk.
1)
. Er beantragte,
die angefochtene Verfügung sei aufzuheben und es seien ihm die gesetzlichen Leistungen, insbesondere eine IV-Rente, auszurichten. In verfahrensrechtlicher Hinsicht ersuchte er um die Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung und Bewilligung der unentgeltli
chen Rechtsvertretung
sowie um Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels
(S. 2)
.
Am 1
3.
Juni 2019 beantragte die Beschwerdegegnerin, die Beschwerde sei abzu
weisen
(
Urk.
13)
,
und verwies zur Begründung auf die eingereichten Akten (
Urk.
14/1-55)
. Mit Verfügung vom 2
0.
Juni 2019
(
Urk.
15)
wurde dies dem Be
schwerdeführer zur Kenntnis gebracht
und es wurde ihm die unentgeltliche Pro
zessführung gewährt
s
ow
ie
in der Person von Rechtsanwältin Nadja Hirzel, Zü
rich, eine unentgeltliche Rechtsvertreterin bestellt.
2.2
Mit Verfügung vom 1
4.
Oktober 2019
(
Urk.
17)
gewährte das Gericht dem Be
schwerdeführer das rechtliche Gehör zur Frage
des Recht
s
schutzinteresses betref
fend Prüfung d
er
Rentenfrage während der Dauer der strafrechtlichen Auflagen.
Der Beschwerdeführer nahm am 2
9.
Oktober 2019 Stellung (
Urk.
19)
. Die Be
schwerdegegnerin verzichtete auf eine Stellungnahme zur Eingabe des Beschwer
deführers (
Urk.
22), was letzterem am
2.
Dezember 2019 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
23).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil des Sozialversicherungsrechts, ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
men
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der ge
sundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Anspruch auf eine Rente haben gemäss Art. 28 Abs. 1 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
ti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, er
halten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (Art. 6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (Art. 8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine Dreiviertelsrente und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG).
1.3
Hinsichtlich des Beweiswertes eines ärztlichen Berichtes ist entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusam
menhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen in der Expertise begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a, 122 V 157 E. 1c).
1.4
Mit BGE 143 V 418 entschied das Bundesgericht, dass grundsätzlich sämtliche psychischen Erkrankungen für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit einem struk
turierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen sind (E. 6 und 7, Änderung der Rechtsprechung; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.2 speziell mit Bezug auf leichte bis mittelschwere Depressionen).
Das für somatoforme Schmerzstörungen und vergleichbare psychosomatische Leiden entwickelte strukturierte Beweisverfahren definiert systematisierte
Indika
toren, die es
–
unter Berücksichtigung leistungshindernder äusserer Belas
tungs
fak
toren einerseits und von Kompensationspotentialen (Ressourcen) ande
rerseits
–
erlauben, das tatsächlich erreichbare Leistungsvermögen einzu
schätzen (BGE
141 V 281 E. 2, E. 3.4-3.6 und 4.1; vgl. statt vieler: Urteil des Bundesge
richts 9C_590/2017 vom 15. Februar 2018 E. 5.1).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung (
Urk.
2) auf den Standpunkt, trotz seit Kindheit bestehende
r
leichte
r
Intelligenzminderung und unreife
r
Persönlichkeitsstörung sei es dem Beschwerdeführer in der Ver
gangenheit, von 1980 bis 1999, möglich gewesen, einer langjährigen Erwerbstä
tigkeit bei der Firma
Y._
nachzugehen.
Die von
Dr.
Z._
be
schriebenen Einschränkungen seien nicht klar nachvollziehbar.
Pädophilie sei keine IV-relevante Erkrankung.
Dem Beschwerdeführer sei eine Hilfstät
igkeit zu
mutbar. Die Stellensuche werde durch die begangenen Delikte und deren Konse
quenzen erschwert, doch es handle sich dabei um IV-fremde Probleme
(S. 2).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den
Standpunkt
(
Urk.
1)
, es sei aktenkundig, dass er unter eine
r
Intelligenzminderung und einer unreifen Per
sönlichkeitsstörung leide und seine Arbeitsfähigkeit
durch diese gesundheitlichen Beeinträchtigungen eingeschränkt werde (S. 6).
Die vom Bezirksgericht
A._
angeordnete Massnahme, wonach er seinen Wohnort ohne Begleitung einer
von der Bewährungshilfe
bestimmten Person nicht
verlassen dürfe, stelle eine direkte Folge seiner gesundheitlichen Beeinträchtigung dar, sei somit IV-relevant und führe dazu, dass seine Arbeitsfähigkeit sozialpraktisch nicht verwertbar sei (S. 7).
Bei der verhängten Massnahme handle es sich nicht um Straf- und
Massnahme
vollzug
im Sinne von
Art.
2
1. Abs.
5 ATSG und es wäre entsprechend bei Zu
sprache einer Rente kein Sistierungsgrund gegeben. Das Rechts
s
chutzinteresse sei somit auf jeden Fall vorhanden (
Urk.
19 S. 2).
3.
3.1
Es liegt ein Verlaufsbericht zuhanden des Amtes für Justizvollzug über die sozio-
,
arbeits- und psychotherapeutische Behandlung des Beschwerdeführers im
B._
vom 2
2.
Dezember 2014 bei den Akten (
Urk.
14/41/4-18). Dem Teilbericht Arbeitsagogik (S. 5 ff.) ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer schnell neue Arbeitstechniken im einfachen seriellen Be
reich erlerne und sich anpassungsfähig und flexibel in der Arbeitsausführung zeige. Er wirke allgemein motiviert. Bei den ihm vertrauten Arbeiten sei auch die Arbeitsplanung kein Problem. Bei Umstellungssituationen komme er an seine Grenzen. Es
gelinge
ihm, seine Meinungen und Anliegen adäquat im Team anzu
bringen und werde von der gesamten Gruppe akzeptiert. Der Antrieb und die Reaktionsgeschwindigkeit des Beschwerdeführers seien eher verlangsamt. Sein Arbeitstempo wirke langsam, aber habe eine gewisse Konstanz, weshalb er die Arbeit trotzdem im vorgegebenen Zeitfenster fertig stellen könne. Es wird im Be
richt darauf hingewiesen, dass es sich dabei nicht um Zeitvorgaben des ersten Arbeitsmarktes handle. Die Feinmotorik sei limitiert (S. 6). Im Teilbericht des psy
chiatrisch-
psychologischen Dienstes (S. 7 ff.) wird die Diagnose einer leichten Intelligenzminderung (ICD-10 F70.1) sowie einer Pädophi
lie homosexueller Orientierung
(ICD-10 F65.4) gestellt (S. 7).
3.2
Am 1
7.
März 2017 erstattete
Dr.
med.
C._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
D._
, ein foren
sisches Gerichtsgutachten zuhanden des Bezirksgerichts
A._
. Ein Auszug dieses Gutachtens findet sich in den Akten der Beschwer
d
egegnerin
(
Urk.
14/41/19-34).
Dr.
C._
stellte die Diagnosen einer unreifen Persönlich
keitsstörung (S. 25 f.) und einer Intelligenzminderung. Der Beschwerdeführer sei geistig klar subnormal. Bei früheren Untersuchungen seien Intelligenzquotienten zwischen 63 und 76 gemessen worden (S. 27).
3
.3
Es liegt der Beschluss des Bezirksgerichts
A._
vom
6.
April 2017 (
Urk.
20)
bei den Akten,
dem zu entnehmen ist, dass der Beschwerdeführer ab 1982 wie
derholt sexuelle Handlungen an u
nd mit Kindern vorgenommen habe und sich nach Abbruch einer stationären Massnahme wegen Aussichtslosigkeit in Sicher
heitshaft befinde (S. 4). Der
Antrag der Bewährungs- und Vollzugsdienste auf eine Verwahrung des Beschwerdeführers
wurde vom Bezirksgericht
A._
ab
gewiesen
und
es wurde
entschieden, dass die Sicherheitshaft bis längstens 3
0.
September 2017 fortdaure und
dem Beschwerdeführer
gestützt auf
Art.
67b i. V. m.
Art.
67d
Abs.
2
des Schweizerischen Strafgesetzbuches (StGB)
für die Dauer von fünf Jah
ren Folgendes verboten w
erde
:
-
mit minderjährigen Knaben, insbesondere mit Knaben im Alter zwischen 6 - 13 Jahren, direkt oder über Drittpersonen Kontakt aufzunehmen, namentlich auf telefonischem, schriftlichem oder elektronischem Weg, sie zu beschäfti
gen, zu beherbergen, auszubilden, zu beaufsichtigen, zu pflegen oder in an
derer Weise mit ihnen zu verkehren;
-
sich innerhalb von 100 Metern von Grundschulen oder Schwimmbädern auf
zuhalten oder solche Orte zu betreten;
-
seinen jeweiligen Wohnort ohne Begleitung einer von der Bewäh
r
ungshilfe bestimmten Person zu verlassen.
Für den Vollzug dieser Verbote
wurde die zuständige Behörde zum Einsatz tech
nischer Geräte, insbesondere zur Feststellung des Standortes des Beschwerdefüh
rers, ermäc
htigt und es wurde für die Dauer der Verbote eine Bewährungshilfe angeordnet
(S. 71)
.
Ziel
des umschriebenen Kontakt- und
Rayonverbotes
ist
ge
mäss Begründung des Beschlusses, den Beschwerdeführer
von
Knaben im Alter v
on 6 bis 13 Jahren
fernzuhalten
, damit sich das vorhandene Rückfallrisiko nicht konkretisiere (S. 60)
.
Das Verbot könne auf Antrag der Vollzugsbehörden
gestützt auf
Art.
67b
Abs.
5 StGB
jeweils
um höchstens fünf Jahre verlängert werden
(S.
62)
.
3.
4
Im Bericht vom 1
5.
August 2018 (
Urk.
14/39) führte
Dr.
med.
Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
,
aus,
der Beschwerdeführer befinde sich seit
8.
Dezember 2017 in seiner ambulanten Behandlung (S. 2). Er werde nicht medikamentös behandelt. Er sei wach, allseits orientiert, es lägen kein Wahn, keine Ichstörungen und keine Halluzinationen vor. Gedanklich sei er auf die derzeitige Situation
eingeengt, affektiv sei er mässig schwingungsfähig, innerlich unruhig, psychosomatisch agitiert, Suizidalität liege nicht vor. Als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
gab
Dr.
Z._
eine leichte Intelligenzminderung an der Grenze zur Lernbehinderung mit deutlicher Verhaltensstörung, die Beobachtung oder Behandlung erfordere (ICD-10 F70.1)
,
und eine unreife Persönlichkeitsstörung (ICD-10 F60.8)
an.
Als Diagnose ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit
nannte
er eine Störung der Sexualpräferenz (ICD-10 F65.4).
Eine Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers verneinte er
(S. 3). Als Funktionseinschränkungen bezüglich der bisherigen Tätigkeit des Beschwer
deführers als Hilfsarbeiter gab
Dr.
Z._
eine Impulskontrollstörung, auf
fälliges Verhalten, emotionale Instabilität, fehlende emotionale Reife, Mangel an intellektueller Reife, schlechte Verhaltenssteuerung und antisoziales Verhalten an. Hilfreiche Ressourcen für die Ein
gliederung sah er keine (S. 4).
3.5
Die Beschwerdegegnerin unterbreitete die Akten
Dr.
med. E._
, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie,
Regionale
r
Ä
rztliche
r Dienst
(
RAD;
Urk.
14/45/3-
4
). Sie kam zum Schluss, mit der leichten Intelligenzminderung sei zwar ein dauerhafter Gesundheitsschaden ausgewiesen, aber aufgrund der frühe
ren langjährigen Arbeitstätigkeit könne aktuell nicht ohne weiteres eine Arbeits
unfähigkeit nachvollzogen werden. Der Arztbericht von
Dr.
Z._
weise Mängel auf.
Er attestiere dem Beschwerdeführer aufgrund von nicht nachvoll
ziehbaren Einschränkungen eine Arbeitsunfähigkeit von 100
%
, die absolut nicht nachvollziehbar sei.
Im Verlaufsbericht über die sozio- arbeits- und psychothe
rapeutische Behandlung vom 2
2.
Dezember 2014 werde der Beschwerdeführer als höflich und korrekt, gut in die Gruppe integriert, zunehmend selbstsicher, offen und emotional spürbar mit sehr guter Absprache- und Vertragsfähigkeit sowie guter Planungsfähigkeit von Aktivitäten und guter Fähigkeit zur Einhaltung von Regeln und Abläufen beschrieben.
Problematisch sei einzig das fehlende Problembewusstsein bezüglich Körperhygiene, Körpergewicht und deliktrelevan
tem Verhalten.
Als Ressource bestehe ein guter Kontakt zu einzelnen Familien
angehörigen.
4.
4.1
Der Versicherungsträger prüft die Begehren, nimmt die notwendigen Abklärun
gen von Amtes wegen vor und holt die erforderlichen Auskünfte ein (
Art.
43
Abs.
1 Satz 1 ATSG).
4.2
Die RAD
stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49
der Verordnung über die Invalidenversicherung (
IVV
)
beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich untersu
chen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.5).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht – ge
wissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwaltung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entscheiden haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdigen, wozu na
mentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzu
stellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
4.3
4.3
.1
Aufgrund der Akten ist erstellt, dass der Beschwerdeführer unter einer Persön
lichkeitsstörung und einer leichten Intelligenzminderung leidet (E. 3.2, E. 3.4).
Auch RAD-Ärztin
Dr.
E._
kam aufgrund der medizinischen Akten zum Schluss, dass ein dauerhafter Gesundheitssc
haden ausgewiesen sei (E. 3.5).
4.3.
2
Zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers äusserte sich nur sein behandelnder Psychiater
Dr.
Z._
, der von einer Arbeitsunfähigkeit
von 100
%
ausging (E.
3.4).
Entsprechend der im forensischen Gutachten zu beantwortenden Frage
stellung
en
, machte
Dr.
C._
bezüglich Arbeitsfähigkeit
keine Angaben (E. 3.2).
Dr.
E._
ist insoweit zuzustimmen, als dass
zwischen den
Angaben von
Dr.
Z._
zur Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers
und den Vorakten Diskrepanzen bestehen, mit denen sich
Dr.
Z._
in seinem knapp gehalte
nen Bericht nicht auseinandersetzt
e
und welche Zweifel an seinen Angaben we
cken
:
Aus dem IK-Auszug ergibt sich, dass der Beschwerdeführer von 19
80 bis 1998 einer
Erwerbstätigkeit
bei
der
Firma
Y._, F._
, nachgehen konnte (
Urk.
14/7/1-4). Im Teilbericht Arbeitsagogik des
B._
aus dem Jahr 2014 (E.
3.1
) w
u
rd
e
ein positives Bild des Verhaltens des Beschwerdeführers im Arbeitsumfeld gezeichn
et. Es w
u
rd
e
jedoch
– was in den Ausführungen von
Dr.
E._
unberücksichtigt bl
ieb
– auch
ein langsames Ar
beitstempo beschrieben und
darauf hingewiesen, dass
der Beschwerdeführer seine Arbeiten zwar im vorgegebenen Zeitfenster fertigstellen könne, dass es sich dabei jedoch nicht um Zeitvorgaben des ersten Arbeitsmarktes handle.
Die Tatsache, dass der Beschwerdeführer bis in die späten Neunzigerjahre trotz seiner leichten Intelligenzminderung
auf dem ersten Arbeitsmarkt bestehen konnte, lässt
– ent
gegen des Standpunkts der Beschwerdegegnerin -
nicht ohne weiteres auf seine heutige Arbeitsfähigkeit schliessen. Auch bei an sich gleich gebliebenem Gesund
heitszustand sind veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Aufgabenbe
reich möglich (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3).
Es sind auch strukturelle
Veränderungen
d
es Arbeitsmarktes zu berücksichtigen (Meyer/
Reichmuth
, Recht
sprechung des Bundesgerichts zum IVG,
Art.
28a N139).
Ein IQ unterhalb von 70 führt in der Regel zu einer verminderten Arbeitsfähigkeit. Auch bei einem IQ unter 70 ist jedoch stets eine objektive Beschreibung der Auswirkungen der fest
gestellten Intelligenzminderung der versicherten Person auf ihr Verhalten, die berufliche Tätigkeit, die normalen Verrichtungen des alltäglichen Lebens und das soziale Umfeld erforderlich. Zudem kommt es nicht nur auf die Höhe des IQ an, sondern es ist immer der Gesamtheit der gesundheitlichen Beeinträchtigungen Rechnung zu tragen (Urteil des Bundesgerichts 8C_608/2018 vom 1
1.
Februar 2019 E. 5.2 mit Hinweisen). Vorliegend
wäre
bei der Einschätzung der Arbeitsfä
higkeit insbesondere auch
dem
Zusammenspiel zwischen der Intelligenzminde
rung und der Persönlichkeitsstörung
Rechnung zu tragen
.
4.
4
Zusammenfassend ergibt sich, dass den vorhandenen medizinischen Akten keine verlässliche Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
des Beschwerdeführers
entnommen werden kann.
Die Beschwerdegegnerin beschränkt
e
sich darauf, aufzuzeigen, wes
halb auf die Einschätzung des behandelnden Psychiaters
Dr.
Z._
nicht abgestellt werden kann
.
Sie
hat den Sachverhalt
aber nicht weiter abgeklärt und bezüglich Arbeitsfähigkeit keine
valable
Entscheidungsbasis
geschaffen.
Wie auf
gezeigt (E. 4.3.2), bestehen durchaus
Hinweise darauf, dass der Beschwerdeführer aufgrund seines Gesundheitsschadens in seiner
Arbeitsfähigkeit
eingeschränkt ist
.
5.
5.
1
Wie dargelegt, befindet sich der Beschwerdeführer seit seiner Entlassung aus der Sicherheitshaft
aufgrund seiner Sozialgefährlichkeit
in einem äusserst strengen
strafrechtlichen Massnahme
n
regime (E. 3.3).
Es stellt sich
deshalb
die Frage, ob eine weitere Abklärung
der Arbeitsfähigkeit
im heutigen Zeitpunkt
geboten ist
.
5.2
5.2
.1
Bei der Invaliditätsbemessung kommt der allgemeinen Methode des Einkom
mensvergleichs gemäss
Art.
28a
Abs.
1 IVG in Verbindung mit Art. 16 ATSG grundsätzlich Vorrang zu. Insoweit die fraglichen Erwerbseinkommen ziffern
mässig nicht genau ermittelt werden können, sind sie indes nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände zu schätzen und die so gewonnenen Annähe
rungswerte miteinander zu vergleichen. Wird eine Schätzung vorgenommen, so muss diese nicht unbedingt in einer ziffernmässigen Festlegung von Annähe
rungswerten bestehen. Vielmehr kann auch eine Gegenüberstellung blosser Pro
zentzahlen genügen. Das ohne eine Invalidität erzielbare hypothetische Erwerbs
einkommen ist alsdann mit 100 % zu bewerten, während das Invalideneinkom
men auf einen entsprechend kleineren Prozentsatz veranschlagt wird, so dass sich aus der Prozentdifferenz der Invaliditätsgrad ergibt (sog. Prozentvergleich; Urteil des Bundesgerichts 8C_131/2011 vom 5. Juli 2011 E. 10.2.1 mit Hinweis auf BGE 114 V 310 E. 3a).
Der Invaliditätsgrad ist namentlich dann durch Prozentvergleich zu ermitteln, wenn Validen- und Invalideneinkommen sich nicht hinreichend genau oder nur mit unverhältnismässig grossem Aufwand bestimmen lassen und in letzterem Fall zudem angenommen werden kann, die Gegenüberstellung der nach Massgabe der im Einzelfall bekannten Umstände geschätzten, mit Prozentzahlen bewerteten hy
pothetischen Einkommen ergebe ein ausreichend zuverlässiges Resultat. Diese Berechnungsweise ist insbesondere anwendbar, wenn die konkreten Verhältnisse so liegen, dass die Differenz zwischen Validen- und Invalideneinkommen die für den Umfang des Rentenanspruchs massgebenden Grenzwerte von 70, 60, 50 und 40 % (Art. 28 Abs. 2 IVG) eindeutig über- oder unterschreitet (Urteil des Bundes
gerichts
9C_492/2018 vom 24. Januar 2019 E. 4.3.2 mit Hinweis auf Urteil
8C_333/2013 vom 11. Dezember 2013 E. 5.3 mit Hinweisen).
Sind indessen Validen- und Invalideneinkommen ausgehend vom gleichen Ta
bellenlohn zu berechnen, erübrigt sich deren genaue Ermittlung.
Diesfalls
ent
spricht der Invaliditätsgrad dem Grad der Arbeitsunfähigkeit unter Berücksichti
gung eines allfälligen Abzugs vom Tabellenlohn. Dies stellt keinen «Prozentver
gleich» dar, sondern eine rein rechnerische Vereinfachung (Urteil des Bundesge
richts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E. 4 unter Hinweis auf Urteil 9C_675/2016 vom 18. April 2017 E. 3.2.1).
5.
2.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung an
gepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnah
men müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt s
ein (BGE 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1,
134 V 322 E. 4.1).
Ist
mit überwiegender Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die versicherte Person die bisherige Tätigkeit unabhängig vom Eintritt der Invalidität nicht mehr ausgeübt hätte, kann das
Valideneinkommen
auf Grundlage der vom Bundesamt
für Statistik herausgegebenen Schweizerischen Lohnstrukturerhebung (LSE) be
rechnet werden, wobei die für die
Entlöhnung
im Einzelfall gegebenenfalls rele
vanten persönlichen und beruflichen Faktoren zu berücksichtigen
sind (BGE 139 V 28 E. 3.3.2;
Meyer/
Reichmuth
, Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 f. zu Art.
28a
).
5.
3
.
Dem Beschwerdeführer ist es gemäss Beschluss vom
6.
April 2017 des Bezirksge
richts
A._
(E. 3.3) verboten, seinen jeweiligen Wohnort ohne Begleitung zu verlassen.
Wie vom Beschwerdeführer ausgeführt
(
Urk.
1 S. 7
N.
25)
, ist dieses Verbot dahingehend zu verstehen, dass der
Beschwerdeführer
einer
Begleitung
für den Arbeitsweg
bedürfte
und
am Arbeitsort ohne Unterbruch
überwacht wer
den
müsste
.
Auch
eine gesunde Person
könnte
unter diesen Bedingungen
selbst bei ausgeglichener Arbeitsmarktlage
ihre
Arbeitsfähigkeit
auf dem ersten Arbeits
markt nicht umsetzen.
Von einer Arbeitsgelegenheit kann gemäss bundesgericht
licher Rechtsprechung dann nicht mehr gesprochen werden, wenn die zumutbare Tätigkeit nunmehr in so eingeschränkter Form möglich wäre, dass sie der ausge
glichene Arbeitsmarkt praktisch nicht kennt oder sie nur unter nicht realistischem Entgegenkommen eines durchschnittlichen Arbeitsgebers möglich wäre und das Finden einer entsprechenden Stelle daher von vorherein als ausgeschlossen er
scheint (Urteil des Bundesgerichts 8C_1050/2009 vom 2
8.
April
E. 3.3).
D
ie
Bei
ständin
des Beschwerdeführers ist gemäss einer bei den Akten liegenden Telefon
notiz vom
5.
November 2018 (
Urk.
14/43) der Ansicht, dass selbst Eingliede
rungsmassnahmen aufgrund des Massnahme
n
regimes nicht in Betracht
fallen würden
. Es trifft zwar
– wie geltend gemacht (
Urk.
19 S. 2)
– zu, dass
der
Be
schwerdeführer auch in der Fähigkeit, Selbstsorge zur tragen,
krankheitsbedingt
eingeschränkt ist
(
Urk.
20 S. 57)
und
deshalb
Betreuung bedarf. Die
spezifischen strafrechtlichen
Massnahmen, welche ihm eine Erwerbstätigkeit zumindest auf dem ersten Arbeitsmarkt auch im Gesundheitsfall nicht erlauben würden, sind jedoch einzig darauf ausgerichtet, seiner Sozialgefährlichkeit
,
der von ihm aus
gehenden
mittleren bis hohen Rückfallgefahr für sexuelle Handlungen mit Kin
dern (
Urk.
20 S. 66)
,
zu begegnen. Eine Behandlungskomponente haben diese Massnahmen – das
Gebot der dauernden Begleitung
ausserhalb seines Wohnorts – nicht.
Aus diesen Überlegungen ergibt sich, dass der Beschwerdefüh
r
er auch im Ge
sundheitsfall seit seiner Entlassung aus der Sicherheitshaft keinen Verdienst er
zielen könnte, dass sein
Valideneinkommen
somit
Fr.
0.
beträgt
.
Bei einem
Va
lideneinkommen
von
Fr.
0.
ergibt sich ungeachtet der Einschränkung in der Ar
beitsfähigkeit ein Invaliditätsgrad von 0
%
.
5.4
Zu erwähnen bleibt, dass dieses Ergebnis auch mit der Zielsetzung von
Art.
21
Abs.
4 ATSG im Einklang steht, der eine Sistierung von Geldleistungen mit Er
werbsersatzcharakter während eines Straf-
und
Massnahmevollzugs
vorsieht,
um
damit
eine Gleichbehandlung
von
invaliden
und
validen Person
en
zu gewährleis
ten, die durch den Freiheitsentzug ihr Einkommen verlier
en
.
Für die Sistierung ist rechtsprechungsgemäss einzig die Frage massgebend, ob der konkrete Vo
llzug eine Erwerbstätigkeit zulässt
oder nicht (vgl. BGE 137 V 154).
Der vorliegende Fall betrifft zwar die Zusprache einer Invalidenrente, doch ist dem Gleichbehand
lung
s
gebot
auch hier Rechnung
zu tragen und
zu berücksichtigen, dass eine ge
sunde Person unter dem Regime der betreffend den Beschwerdeführer angeord
neten Massnahme ebenfalls kein Erwerbseinkommen generieren könnte.
6.
Aufgrund dieser Überlegungen ist nicht zu beanstanden, dass die Beschwerde
gegnerin
mit der angefochtenen Verfügung vom 2
1.
März 2019 (
Urk.
2) einen Anspruch des Beschwerdeführers auf eine Invalidenrente verneinte, weshalb die Beschwerde abzuweisen ist.
7
.
7
.
1
Das Verfahren ist kostenpflichtig. Die Gerichtskosten
gemäss
Art. 69 Abs. 1
bis
IVG sind au
f Fr.
7
00.-- festzusetzen und
ausgangsgemäss
dem
Beschwerdeführer
auf
zuerlegen, infolge bewilligter unentgeltlicher Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen.
7
.
2
Rechtsanw
ältin
Nadja
Hirzel
ist nach Ermessen (vgl. Urk.
1
5
) mit Fr.
2
‘
2
00
.-- (in
klusive Barauslagen und Mehrwertsteuer) aus der Gerichtskasse zu entschädigen.
Das Gericht
erkennt
:
1.
Die
Beschwerde
wird abgewiesen.
2.
Die Gerichtskosten von
Fr.
700
.-- werden
dem Beschwerdeführer
auferlegt
, zufolge Ge
währung der unentgeltlichen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse genommen.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4 GSVGer hingewiesen.
3.
Die unentgeltliche Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers, Rechtsanwältin Nadja Hir
zel,
wird mit
Fr.
2’200
.-- (inkl. Barauslagen und MWSt) aus der Gerichtskasse ent
schä
digt.
Der Beschwerdeführer wird
auf die Nachzahlungspflicht gemäss § 16 Abs. 4
GSVGer hingewiesen.
4.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
-
Rechtsanwältin
-
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
-
Bundesamt für Sozialversicherungen
sowie an:
-
Gerichtskasse
5.