# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 4453f94b-b8b4-56c6-b956-627102e2b1ea
**Court:** AR_OG
**Chamber:** AR_OG_004
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** AR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A. A_ (geb. am XX.XX.1992) ist türkische Staatsangehörige. Am XX.XX.2015 heiratete sie
in der Türkei den türkischen Staatsangehörigen B_, welcher in der Schweiz
niederlassungsberechtigt ist. Nachdem A_ am 31. Januar 2016 in die Schweiz eingereist
war, erhielt sie die Aufenthaltsbewilligung und wohnte in der Folge bei ihrem Ehemann und
den Schwiegereltern in C_. Am 18. April 2017 verliess A_ die eheliche Wohnung und
zog zu ihrem Bruder nach Deutschland. Die Ehe mit B_ wurde am XX.XX.2018 in der
Türkei geschieden.
B. Am 17. November 2017 reichte A_ bei der Einwohnerkontrolle C_ ein Gesuch um
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung ein. Nach der Gewährung des rechtlichen Gehörs,
wobei sich A_ auf einen nachehelichen Härtefall berief, wies das Amt für Inneres,
Abteilung Migration, am 30. Mai 2018 das Gesuch ab und ordnete an, dass A_ bis
spätestens am 31. Juli 2018 die Schweiz zu verlassen habe. Zur Begründung wurde im
Wesentlichen ausgeführt, dass der Bewilligungsanspruch mit der Aufgabe der ehelichen
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Gemeinschaft erloschen sei und keine wichtigen Gründe vorlägen, welche einen Aufenthalt
von A_ in der Schweiz erforderlich machten.
C. Dagegen liess A_, vertreten durch Rechtsanwalt C_, mit Eingabe vom 22. Juni 2018
Rekurs beim Departement Inneres und Sicherheit erheben mit dem Antrag, die
angefochtene Verfügung aufzuheben und die Aufenthaltsbewilligung zu erteilen. Begründet
wurde der Rekurs im Wesentlichen damit, dass die Voraussetzungen eines nachehelichen
Härtefalls gegeben seien.
D. Mit Entscheid vom 25. Oktober 2018 wies das Departement Inneres und Sicherheit den
Rekurs ab. Gleichzeitig wurde A_ aufgefordert, die Schweiz bis spätestens 28. Februar
2019 zu verlassen.
E. Gegen diesen Entscheid liess A_ (im Folgenden: Beschwerdeführerin), neu vertreten
durch Rechtsanwalt AA_, mit Eingabe vom 22. November 2018 mit den eingangs
erwähnten Rechtsbegehren Beschwerde beim Obergericht erheben.
F. Mit Verfügung vom 11. Dezember 2018 gewährte das Obergericht der Beschwerdeführerin
eine Nachfrist bis zum 31. Januar 2019, um die Beschwerde zu ergänzen. Eine
entsprechende Eingabe der Beschwerdeführerin vom 1. Februar 2019 wies das
Obergericht mit Verfügung vom 5. Februar 2019 wegen Verspätung aus dem Recht.
G. Je mit Schreiben vom 6. Februar 2019 liessen sich das Amt für Inneres, Abteilung Migration
(im Folgenden: Vorvorinstanz), sowie das Departement Inneres und Sicherheit (im
Folgenden: Vorinstanz) zur Beschwerde mit den eingangs erwähnten Rechtsbegehren
vernehmen.
H. Mit Schreiben vom 26. Juni 2018 liess die Beschwerdeführerin mitteilen, dass sie und ihr
neuer Lebenspartner, von welchem sie ein Kind erwarte, am XX.XX.2019 geheiratet hätten.
I. Am 4. Juli 2019 fand die von der Beschwerdeführerin beantragte mündliche Verhandlung
statt. Diesbezüglich kann auf das Protokoll verwiesen werden.
J. Auf die Begründung der gestellten Anträge wird, soweit erforderlich, in den Erwägungen
näher eingegangen.
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## Considerations

Erwägungen
1. Die von Amtes wegen vorzunehmende Prüfung der Prozessvoraussetzungen ergibt, dass
diese sowohl hinsichtlich der Beschwerdeberechtigung als auch hinsichtlich der Form- und
Fristerfordernisse erfüllt sind. Die sachliche bzw. funktionale Zuständigkeit des
Obergerichts ergibt sich aus Art. 54 Abs. 1 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege
(VRPG, bGS 143.1), wonach das Obergericht zur Behandlung von Beschwerden gegen
letztinstanzliche Verfügungen der Verwaltungsbehörden zuständig ist. Die
Beschwerdeführerin ist als Adressatin des angefochtenen Rekursentscheides, mit dem ihre
Begehren abgewiesen wurden, formell beschwert. Auf die Beschwerde ist grundsätzlich,
aber unter folgenden Vorbehalten einzutreten:
1.1 Nicht eingetreten werden kann auf die Beschwerde, soweit die Beschwerdeführerin den
Antrag stellt, die Verfügung der Vorvorinstanz vom 30. Mai 2018 aufzuheben. Aufgrund des
Devolutiveffekts der Beschwerde ist diese Verfügung durch den Rekursentscheid ersetzt
worden. Vor dem Obergericht kann einzig dieser Entscheid angefochten werden, womit die
Verfügung vom 30. Mai 2018 kein taugliches Anfechtungsobjekt bildet (vgl. dazu BGE 134
II 142 E. 1.4; Urteil des Bundesgerichts 2C_432/2016 vom 26. Januar 2018 E. 1.1).
1.2 Nach Art. 33 Abs. 2 i. V. m. Art. 59 VRPG sind mit der Beschwerde zwar neue tatsächliche
Behauptungen und neue Beweismittel zulässig. Diese müssen sich jedoch auf den
Streitgegenstand des angefochtenen Entscheids beziehen. Daher ist es nicht zulässig, die
Beschwerde, auch wenn damit dieselbe Rechtsfolge wie mit dem verfahrensauslösenden
Rekurs bezweckt wird, auf neue Tatsachen abzustützen, die vom ursprünglich zu
beurteilenden Sachverhalt abweichen (MARCO DONATSCH in: Alain Griffel [Hrsg.],
Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 3. Aufl. 2014, N. 17
zu § 20). Soweit sich die Beschwerdeführerin mit Schreiben vom 26. Juni 2019 und an der
mündlichen Verhandlung vom 4. Juli 2019 neu auf ihre Schwangerschaft und die am
XX.XX.2019 geschlossene Ehe mit dem irakischen Staatsangehörigen D_ beruft,
welcher nach Angabe der Beschwerdeführerin in der Schweiz als Flüchtling anerkannt ist,
kann daher nicht auf die Beschwerde eingetreten werden. Dazu kommt, dass Art. 51 Abs. 1
des Asylgesetzes (AsylG, SR 142.31) den Ehegatten und minderjährigen Kindern von
anerkannten Flüchtlingen zwar das Recht auf Einbezug in die Flüchtlingseigenschaft
verleiht, wenn keine besonderen Umstände dagegen sprechen. Über die Gewährung des
Asyls kann nach Art. 6a AsylG jedoch einzig das Bundesamt für Migration befinden,
wogegen die Beschwerde an das Bundesverwaltungsgericht erhoben werden kann (Art.
105 AsylG). Infolge Fehlens der Entscheidkompetenz und Spruchbefugnis in Bezug auf den
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Flüchtlingsstatus der Beschwerdeführerin kann das Obergericht daher auch mangels
Zuständigkeit nicht auf diese neuen Tatsachenbehauptungen eintreten.
2. Bei der Beurteilung der hier vorliegenden Beschwerde ist die Kognition des Obergerichts
gemäss Art. 56 Abs. 1 VRPG darauf beschränkt, den angefochtenen Entscheid hinsichtlich
allfälliger Rechtsverletzungen zu überprüfen, wozu auch eine rechtsfehlerhafte Ausübung
des Ermessens zählt. Im Weiteren kann beurteilt werden, ob die Vorinstanzen den
Sachverhalt unrichtig oder unvollständig festgestellt haben. Die Überprüfung der
Angemessenheit ist dem Obergericht jedoch verwehrt (Art. 56 Abs. 1 VRPG e contrario).
3. Ausländische Ehegatten von Personen mit Niederlassungsbewilligung haben Anspruch auf
Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie u.a. mit diesen
zusammenwohnen (Art. 43 Abs. 1 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und
Ausländer und über die Integration, Ausländer- und Integrationsgesetz, AIG, SR 142.20).
Nach Auflösung der Ehe oder Familiengemeinschaft besteht der Anspruch auf
Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung weiter, wenn die Ehegemeinschaft mindestens
drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht (Art. 50 Abs. 1 lit. a AIG)
oder wenn wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz
erforderlich machen (Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG). Unbestritten ist, dass die eheliche
Gemeinschaft in der Schweiz keine drei Jahre gedauert hat, womit ein nachehelicher
Aufenthaltsanspruch der Beschwerdeführerin gestützt Art. 50 Abs. 2 lit. a AIG unabhängig
vom allfälligen Integrationserfolg entfällt. Nachfolgend gilt es jedoch zu prüfen, ob wichtige
persönliche Gründe im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG den weiteren Aufenthalt der
Beschwerdeführerin in der Schweiz erforderlich machen.
3.1 Bei Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG geht es darum, nacheheliche ausländerrechtliche Härtefälle bei
der Bewilligungsverlängerung nach der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft zu
vermeiden. Insofern bedarf es eines Bezugs des Härtefalls zur aufgelösten Ehe (MARC
SPESCHA, in: Spescha/Thür/Zünd/Bolzli/Hruschka [Hrsg.], Kommentar Migrationsrecht,
4. Aufl. 2015, N. 7 zu Art. 50 AIG). Verlangt wird dabei eine erhebliche Intensität der
Konsequenzen für das Privat- und Familienleben, die mit der Lebenssituation nach dem
Dahinfallen der abgeleiteten Anwesenheitsberechtigung verbunden sein muss (BGE 139 II
393 E. 6). Solche Gründe können namentlich vorliegen, wenn die Beschwerdeführerin
Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen wurde
oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint (Art. 50
Abs. 2 AIG).
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3.2 Die Vorinstanz kommt im angefochtenen Entscheid zum Schluss, dass der Druck, den die
Familie des Ehegatten ausgelöst habe, möglicherweise sehr gross gewesen sei. Dieser
Umstand könne aber nicht als wichtiger persönlicher Grund aufgeführt werden, um einen
weiteren Aufenthalt in der Schweiz zu rechtfertigen. Die Beschwerdeführerin sei in der
Schweiz noch nicht wirklich integriert, auch wenn sie sich ernsthaft bemühe. Es sei
nachvollziehbar, dass eine Rückkehr in die Heimat mit offensichtlich sehr konservativen
Strukturen durchaus Schwierigkeiten bieten könne. Die Beschwerdeführerin habe jedoch
24 Jahre ihres Lebens dort gelebt. Allein der Umstand, dass sie nun in Westeuropa einen
anderen Lebensstil erlebe und auch gelebt habe, führe nicht zu einer Unzumutbarkeit
bezüglich einer Rückkehr in die Heimat, auch wenn die Ehe zwischenzeitlich geschieden
sei. Die Beschwerdeführerin habe die Möglichkeit, in ihrer Heimat ihr Leben selber zu
gestalten, auch wenn dies zugegebenermassen deutlich schwieriger sein werde als in der
Schweiz.
3.3 Die Beschwerdeführerin macht geltend, im Scheidungsurteil werde ihr vorgeworfen, dass
sie Drogen konsumiert habe, obwohl es sich hierbei um Medikamente gegen ihre Epilepsie
handle. Die Beschwerdeführerin leide seit einiger Zeit an schweren gesundheitlichen
Einschränkungen, namentlich an psychischen Beschwerden, die im mutmasslichen
Zusammenhang mit der früheren Ehe stünden. Exemplarisch soll die frühere
Schwiegermutter die Beschwerdeführerin überwacht haben und sie soll vor allem
psychischer Gewalt in Form von Vorwürfen, Drogenmissbrauch etc. ausgesetzt gewesen
sein. Dies werde durch die Aussagen der Zeugen im türkischen Scheidungsprozess
bestätigt.
Der Arztbericht von Dr. med. E_ vom 28. Dezember 2018 bestätige, dass es der
Beschwerdeführerin aufgrund der dort herrschenden Zustände in der Türkei nur schwer
zugemutet werden könne, in ihrer Heimat zurückzukehren. Demzufolge fühle sich die
Patientin nicht in der Lage, in die Türkei zurückzukehren. In der Herkunftsfamilie erwarte
sie die Fortführung der Unterdrückung und Zwangsheirat mit einem türkischen Mann.
Zudem habe sie als geschiedene Frau in der ländlich-konservativen Gegend keine Chance
auf eine Anstellung auf dem Arbeitsmarkt. Als geschiedene Frau werde man dort einer
„Witwe“ gleichgestellt. Die erneute Integration in der Türkei sei somit stark erschwert.
Insbesondere der in der Türkei herrschende Kurdenkonflikt und der gegenüber der
Beschwerdeführerin geltend gemachte Drogenkonsum seien als erschwerende Umstände
anzusehen. Die Familie der Beschwerdeführerin stamme aus einer sehr ländlich und
konservativ geprägten Gegend. Die Heirat mit einem Iraker, die Schwangerschaft
ausserhalb der Ehe, und die gesundheitlichen Problematiken in Form von psychischen
Beschwerden stünden einer Rückkehr entgegen. Aufgrund des angeschlagenen
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Gesundheitszustands der Beschwerdeführerin würde bereits psychische Gewalt
ausreichen, um den Zustand zu destabilisieren. Folglich seien in der Türkei schwere
gesundheitliche Problematiken nicht ausgeschlossen, die aufgrund der dort herrschenden
Konflikte und der humanitären Katastrophe nicht behandelt werden können.
Zusammenfassend seien deutliche Anzeichen dafür gegeben, dass die Beschwerdeführerin
während ihrer Ehe Opfer physischer und psychischer Gewalt geworden sei und dass eine
Rückkehr in die Türkei aufgrund der dort herrschenden Zustände nicht möglich erscheine.
Damit seien die Voraussetzungen nach Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Art. 50 Abs. 2 AIG erfüllt.
Anzufügen gelte weiter, dass sich die Beschwerdeführerin immer um eine Arbeitsstelle und
das Erlernen von Deutsch bemüht habe. Die Vorinstanz hätte die genannten Punkte
berücksichtigen und abklären müssen, weshalb eine Verletzung des
Untersuchungsgrundsatzes vorliege.
4.
4.1 Für die Annahme eines nachehelichen Härtefalls kann auch psychische bzw. sozio-
ökonomische Druckausübung wie dauerndes Beschimpfen, Erniedrigen, Drohen und
Einsperren einen relevanten Grad an unzulässiger Oppression erreichen (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 2C_221/2011 vom 30. Juli 2011 E. 2). Häusliche Oppression bedeutet
systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle auszuüben (vgl. Urteil des
Bundesgerichts 2C_428/2012 vom 18. Mai 2012 E. 2.2.3). Die anhaltende, erniedrigende
Behandlung muss derart schwerwiegen, dass von der betroffenen Person bei
Berücksichtigung sämtlicher Umstände vernünftigerweise nicht erwartet werden kann, dass
sie einzig aus bewilligungsrechtlichen Gründen die Ehe aufrechterhält und in einer ihre
Menschenwürde und Persönlichkeit verneinenden Beziehung verharrt. Eine glaubhaft
gemachte oppressionsbedingte Aufhebung der Hausgemeinschaft soll für die betroffene
Person keine ausländerrechtlichen Nachteile zur Folge haben, wenn sie durch das
Zusammenleben in ihrer Persönlichkeit ernsthaft gefährdet wäre und ihr eine Fortführung
der ehelichen Gemeinschaft bei objektiver Betrachtungsweise nicht mehr zugemutet
werden kann (BGE 138 II 229 E. 3.2.2).
Die ausländische Person trifft bei den Feststellungen des entsprechenden Sachverhalts
eine weitreichende Mitwirkungspflicht (vgl. hierzu BGE 126 II 335 E. 2b/cc S. 342; BGE 124
II 361 E. 2b S. 365). Sie muss die eheliche Gewalt bzw. häusliche Oppression in geeigneter
Weise glaubhaft machen (Arztberichte oder psychiatrische Gutachten, Polizeirapporte,
Berichte/Einschätzungen von Fachstellen [Frauenhäuser, Opferhilfe usw.], glaubwürdige
Zeugenaussagen von weiteren Angehörigen oder Nachbarn etc.; vgl. auch die Weisungen
des Bundesamtes für Migration [BFM] zum Familiennachzug, Ziff. 6.15.3). Allgemein
gehaltene Behauptungen oder Hinweise auf punktuelle Spannungen genügen nicht; wird
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häusliche Gewalt in Form psychischer Oppression behauptet, muss vielmehr die
Systematik der Misshandlung bzw. deren zeitliches Andauern und die daraus entstehende
subjektive Belastung objektiv nachvollziehbar konkretisiert und beweismässig unterlegt
werden (BGE 138 II 229 E. 3.2.3).
4.2 Dasselbe gilt, soweit damit verbunden geltend gemacht werden soll, bei einer Rückkehr in
die Heimat erweise sich die soziale Wiedereingliederung als stark gefährdet. Auch hier
genügen allgemeine Hinweise nicht; die befürchtete Beeinträchtigung muss im Einzelfall
aufgrund der konkreten Umstände glaubhaft erscheinen. Nur in diesem Fall und beim
Bestehen entsprechender Beweisanträge, die nicht in antizipierter Beweiswürdigung
abgewiesen werden können, wobei aber allfälligen sachinhärenten besonderen
Beweisschwierigkeiten Rechnung zu tragen ist, rechtfertigt es sich, ein
ausländerrechtliches Beweisverfahren durchzuführen. (BGE 138 II 229 E. 3.2.3). Hat der
Aufenthalt nur kürzere Zeit gedauert und wurden keine engen Beziehungen zur Schweiz
geknüpft, lässt sich ein Anspruch auf weiteren Verbleib nicht begründen, wenn die erneute
Integration im Herkunftsland keine besonderen Probleme darstellt (BGE 139 II 393 E. 6).
Entscheidend ist, ob die persönliche, berufliche und familiäre Wiedereingliederung als stark
gefährdet zu gelten hat und nicht, ob ein Leben in der Schweiz einfacher wäre (Urteil des
Bundesgerichts 2C_216/2009 vom 20. August 2009 E. 3). Ein persönlicher, nachehelicher
Härtefall setzt aufgrund der konkreten Umstände eine erhebliche Intensität der
Konsequenzen für das Privat- und Familienleben der ausländischen Person voraus, die mit
ihrer Lebenssituation nach dem Dahinfallen der Anwesenheitsberechtigung verbunden ist
(BGE 137 II 345 E. 3.2.3).
4.3 Die Beschwerdeführerin macht in Bezug auf die häusliche Gewalt geltend, von ihrer
früheren Schwiegermutter überwacht worden und vor allem psychischer Gewalt in Form
von Vorwürfen, Drogenmissbrauch etc. ausgesetzt gewesen sein. Sie stützt sich dabei auf
die von ihr während des Beschwerdeverfahrens eingereichte Übersetzung des
Scheidungsurteil vom XX.XX.2018 des Dolmetschers F_ (act. 7/5). Im Scheidungsurteil
werde ihr vorgeworfen, dass sie Drogen konsumiert habe, obwohl es sich hierbei um
Medikamente gegen ihre Epilepsie handle. Diesbezüglich gilt es festzuhalten, dass es sich
bei der vermeintlichen „Droge“ gegen die Epilepsie wohl lediglich um einen
Übersetzungsfehler und nicht um einen systematischen Vorwurf der Familie des
ehemaligen Ehegatten handelt (vgl. dazu die qualitativ überzeugendere Übersetzung des
Scheidungsurteils des TF Übersetzungsbüros, act. 13/56, gemäss welchem die Beklagte
ohne Wissen des Klägers „Medikamente“ und nicht etwa Drogen einnimmt). Im Weiteren
würde der behauptete Vorwurf des Drogenmissbrauchs in seiner Intensität nicht
ausreichen, um als häusliche Gewalt im Sinne von Art. 50 Abs. 2 AIG qualifiziert zu
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werden. Daraus ergeben sich keine Anhaltspunkte, dass die Beschwerdeführerin einer
systematischen Misshandlung, mit dem Ziel Macht und Kontrolle über sie auszuüben,
unterworfen gewesen wäre. Dagegen spricht zudem, dass die Beschwerdeführerin
während der Ehe als Raumpflegerin gearbeitet und sie im September 2016 einen
Deutschkurs besucht hat (vgl. dazu die Lohnabrechnungen und Arbeitsverträge, act.
13/124 ff. und ihr Schreiben vom 3. Januar 2017 an die Vorvorinstanz, act. 13/122). Es ist
daher nicht davon auszugehen, dass sie während der Ehe isoliert war, ständig von der
Familie ihres Mannes überwacht und in ihrer Bewegungsfreiheit wesentlich eingeschränkt
wurde.
Im Weiteren kann aus den im Recht liegenden Arztberichten vom 28. Dezember 2018 (act.
16/7) und 10. Januar 2019 (act. 16/8) nicht geschlossen werden, dass die psychischen
Probleme der Beschwerdeführerin ausschliesslich auf die in die Schweiz gelebte Ehe mit
B_ zurückzuführen ist, zumal die Berichte diesbezüglich lediglich die Schilderungen der
Beschwerdeführerin wiedergeben. Vielmehr drängt sich die Annahme auf, dass der
Beschwerdeführerin zumindest im aktuellen Zeitpunkt vor allem die ungewisse
Aufenthaltssituation verbunden mit ihrer Schwangerschaft Mühe bereitet und sich diese
negativ auf ihre psychische Verfassung auswirkt. Zudem fällt auf, dass die ins Recht
gelegten Arztberichte nach der Trennung von ihrem ehemaligem Ehemann und
insbesondere nach Einleitung des ausländerrechtlichen Verfahrens bzw. erst während des
Beschwerdeverfahrens erstellt wurden. Somit bestand für die Vorinstanzen keine
Veranlassung, im Rahmen der Untersuchungsmaxime ein vertieftes ausländerrechtliches
Beweisverfahren durchzuführen, zumal diesbezüglich keine entsprechenden
Beweisanträge gestellt wurden.
Das Obergericht kommt aufgrund der Aktenlage zum Schluss, dass die Systematik der
Misshandlung bzw. deren zeitliches Andauern sowie die daraus entstandene subjektive
Belastung von der Beschwerdeführerin nicht objektiv nachvollziehbar konkretisiert und
beweismässig unterlegt wurden. Die physische und psychische Zwangsausübung und
deren Auswirkungen müssen von einer gewissen Konstanz bzw. Intensität sein (Urteil des
Bundesgerichts 2C_1072/2014 vom 9. Juli 2015 E. 2.2). Eine solche Zwangsausübung ist
hier nicht erkennbar, womit kein Mass einseitiger Oppression vorliegt, welches es
rechtfertigen würde, von einem nachehelichen Härtefall im Sinne von Art. 50 Abs. 1 lit. b i.
V. m. Abs. 2 AIG auszugehen.
4.4 Auch die Begründung der Beschwerdeführerin, dass ihre soziale Wiedereingliederung
wegen der Scheidung und der allgemeinen Ächtung geschiedener Frauen ihrer Heimat
stark gefährdet sei, überzeugt nicht. Diesbezüglich bringt sie lediglich vage und
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unbestimmte Ausführungen vor. Dass sie aufgrund ihrer Scheidung und in ihrer Heimat
stigmatisiert und ausgestossen bzw. einer Zwangsheirat ausgesetzt würde, vermag die
Beschwerdeführerin nicht hinreichend zu substanziieren, zumal einer Zwangsheirat die am
XX.XX.2019 geschlossene Ehe entgegenstehen dürfte. Allfälligen Repressalien ihrer
eigenen Familie könnte sie zudem durch eine Niederlassung in einem anderen Landesteil
begegnen. Den ins Recht gelegten ärztlichen Berichten ist zudem nicht zu entnehmen,
dass der Beschwerdeführerin keine adäquate Behandlung ihrer psychischer Probleme in
ihrer Heimat zur Verfügung steht. Wie bereits erwähnt, genügt für die Begründung eines
nachehelichen Härtefalls nicht, dass es für sie aus wirtschaftlicher Sicht einfacher wäre, in
der Schweiz zu bleiben. Der blosse Umstand, dass die Sicherheits- und Wirtschaftslage
hier besser ist als im Heimatstaat, bildet praxisgemäss keinen entsprechenden wichtigen
persönlichen Grund. Daran ändern auch die unbestrittenen Integrationsbemühungen der
Beschwerdeführerin nichts. Eine erfolgreiche Integration wäre zwar massgeblich im
Rahmen von Art. 50 Abs. 1 lit. AIG, genügt aber nicht für eine Bewilligung nach Art. 50 Abs.
1 lit. b AIG (Urteil des Bundesgerichts 2C_578/2011 vom 1. Dezember 2011 E. 3.3). Die
Rückkehr in Lebensverhältnisse, die im Herkunftsland allgemein üblich sind, stellt keinen
wichtigen persönlichen Grund dar, welcher einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz
rechtfertigt (vgl. die Urteile 2C_293/2017 vom 30. Mai 2017 E. 3.4; 2C_837/2016 vom
23. Dezember 2016 E. 4.3.2 und 2C_672/2015 vom 14. März 2016 E. 2.2).
4.5 Die Vorinstanzen kamen daher zutreffend zum Schluss, dass die Beschwerdeführerin aus
Art. 50 Abs. 1 lit. b in Verbindung mit Abs. 2 AIG keinen Aufenthaltsanspruch ableiten kann.
Ergänzend gilt es festzuhalten, dass das ausserehelich gezeugte Kind selbstredend nicht
unter Art. 50 Abs. 1 lit. b AIG fällt, da dieser einen Härtefall voraussetzt, der durch die
aufgelöste Ehe ausgelöst wurde.
5. In denjenigen Fällen, in denen es kein Recht auf Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung
gibt, räumt der Gesetzgeber den zuständigen Behörden einen Ermessenspielraum ein,
wobei sie jedoch in ihrer Entscheidung nicht völlig frei sind. Zu den Hauptgrundsätzen die
bei der Ausübung des freien Ermessens zu beachten sind, gehören das Verbot der Willkür
und der rechtsungleichen Behandlung sowie die Grundsätze der Verhältnismässigkeit und
von Treu und Glauben (MARC SPESCHA, a.a.O., N. 1 zu Art. 96 AuG). Art. 96 Abs. 1 AIG
hält die Grundlagen der Ermessensausübung fest, wonach die zuständigen Behörden bei
der Ermessensausübung die öffentlichen Interessen und die persönlichen Verhältnisse
sowie den Grad der Integration der Ausländerinnen und Ausländer zu berücksichtigen
haben.
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5.1 Das öffentliche Interesse an der Beendigung des Aufenthalts der Beschwerdeführerin liegt
in der von der Schweiz betriebenen restriktiven Einwanderungspolitik und dem Umstand,
dass der Aufenthaltszweck dahingefallen ist, bevor die Beschwerdeführerin eine gefestigte
Aufenthaltsberechtigung erworben hat (Urteil des Bundesgerichts 2C_1179/2013 vom
30. Dezember 2013 E. 3.2.1). Dieses öffentliche Interesse kann nur durch entsprechend
gewichtige private Interessen der Beschwerdeführerin aufgewogen werden. Die
Beschwerdeführerin wuchs in der Türkei auf, und sie lebte dort bis zum 30. Januar 2016.
Die 27-jährige Beschwerdeführerin hält sich damit erst seit relativ kurzer Zeit in der Schweiz
auf, wobei zudem mehr als ein Aufenthaltsjahr auf die aufschiebende Wirkung der
Rechtsmittel zurückzuführen ist. Zuvor hat sie ihr ganzes Leben in der Türkei verbracht,
weshalb keineswegs von einem langen und lebensprägenden Aufenthalt der
Beschwerdeführerin in der Schweiz gesprochen werden kann. Zwar kann nicht in Abrede
gestellt werden, dass sie sich um Integration in die schweizerischen Verhältnisse bemüht,
doch ist ihre soziale und berufliche Integration in der Schweiz nicht so weit fortgeschritten,
dass ihre Reintegration in der Türkei unsicher wäre. Dass sie aufgrund der Trennung vom
Vater ihres Kindes in ihrer Heimat stigmatisiert und ausgestossen würde, vermag die
Beschwerdeführerin nicht hinreichend zu substanziieren. Dies gilt auch in Bezug auf die
politische Lage in der Türkei sowie um blosse Vermutungen in Bezug auf die Repression,
die gegen Kurden nach deren Rückkehr in die Türkei ausgeübt werden könnte. Solch
allgemeine und unsubstanziierte Be-hauptungen sind nicht geeignet, eine konkrete
Gefährdung für den Beschwerdeführer persönlich aufzuzeigen (Urteil des Bundesgerichts
2C_108/2018 vom 28. September 2018 E. 5.4.4). Auch wenn die Wiedereingliederung der
Beschwerdeführerin im Heimatland mit Schwierigkeiten verbunden ist, kann deshalb die
Schlussfolgerung gezogen werden, dass ihrer Rückkehr keine unüberwindlichen
Hindernisse entgegenstehen (vgl. dazu auch E. 3.6).
5.2 In Anbetracht dieser Umstände ist nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanzen das
öffentliche Interesse am Widerruf der Aufenthaltsbewilligung höher als die privaten
Interessen der Beschwerdeführerin gewichtet haben. Eine rechtsfehlerhafte Ausübung des
vorinstanzlichen Ermessens ist damit keines ersichtlich.
6. Zusammenfassend ergibt sich damit, dass die Abweisung des Gesuchs um Verlängerung
der Aufenthaltsbewilligung der Beschwerdeführerin und ihre Wegweisung aus der Schweiz
zu Recht erfolgten. Die Beschwerde ist damit abzuweisen. Ob die am XX.XX.2019
geschlossene Ehe mit ihrem asylberechtigten Lebenspartner und mutmasslichen Vater des
gemeinsamen Sohnes einen allfälligen Aufenthaltsanspruch auslöst, wäre - wie oben
angetönt - erstinstanzlich vom Bundesamt für Migration zu prüfen (vgl. E. 1).
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7. Da die der Beschwerdeführerin durch die Vorinstanz angesetzte Frist zum Verlassen der
Schweiz schon lange abgelaufen ist, gilt es eine angemessene neue Ausreisefrist
anzusetzen (Art. 64d Abs. 1 AIG). Aufgrund der voraussichtlich anfangs September 2019
zu erwartenden Niederkunft und um einem allfälligen asylrechtlichen Verfahren Rechnung
zu tragen, erscheint im vorliegenden Fall eine grosszügige Ausreisefrist bis zum 30. März
2020 als gerechtfertigt. Sollte ein Weiterzug dieses Urteils an das Bundesgericht erfolgen
und Letzteres dem Rechtsmittel aufschiebende Wirkung verleihen, hat die
Beschwerdeführerin sich binnen zweier Monate ab dem Datum eines den
Wegweisungspunkt nicht ändernden bundesgerichtlichen Endentscheids aus der Schweiz
zu entfernen.
8. Nach Art. 19 Abs. 3 in Verbindung mit Art. 53 Abs. 1 VRPG ist im Beschwerdeverfahren vor
Obergericht gebühren- und kostenpflichtig, wer ganz oder teilweise unterliegt oder auf
dessen Rechtsmittel nicht eingetreten wird. Der Beschwerdeführerin ist ausgangsgemäss
eine Entscheidgebühr aufzuerlegen, wobei eine Gebühr von Fr. 1‘200.00 als angemessen
erscheint (Art. 4a des Gesetzes über die Gebühren in Verwaltungssachen (bGS 233.2). Auf
die Zusprechung einer Parteientschädigungen besteht kein Anspruch (Art. 53 Abs. 3
VRPG).
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