# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 17916521-7e49-40d7-9f99-21b853283fb4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Der im Jahre 1980 geborene
X._
reiste
im August
1997
aus dem
Y._
in die Schweiz ein, wo er im Jahre 2000 heiratete und mittlerweile Vater zweier Kinder ist (geboren Juni 2001 und Dezember 2002;
Urk.
11/4). Er verfügt über keine berufliche Ausbildung und war ab Juni 2000 erwerbstätig (
Urk.
11/8), zuletzt in der Zeit vom 1. Juni 2004 bis 28. Februar 2006 für die
Z._
als
Kommissionierer
(
Urk.
11/11).
Infolge psychischer Beschwerden und Probleme mit der linken Hüfte meldete sich der Versicherte am 20. Dezember 2006 bei der
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich
, IV-Stelle, zum Leistungsbezug an (
Urk.
11/4,
Urk.
11/13 S. 3). Mit Verfügung vom 26. November 2008 sprach die IV-Stelle dem Versicherten – ausgehend von einem Invaliditätsgrad von 48 % - ab 1. September 2006 eine
Viertelsrente
zu (
Urk.
11/34).
1.2
Im Rahmen einer amtlichen Revision liess die IV-Stelle den Versicherten orthopä
disch abklären (Gutachten vom 5. Mai 2009,
Urk.
1
1/40),
stellte mit Vorbescheid vom 25. Juni 2009 die Einstellung der
Rente in Aussicht (
Urk.
11/45) und hielt daran mit Verfügung vom 3. Dezember 2009 fest (
Urk.
11/63). Dagegen erhob der Vertreter des Beschwerdeführers am 15. Januar 2010 Beschwerde (
Urk.
11/68); im Rahmen des gerichtlichen Verfahrens hob die IV-Stelle die angefochtene Verfügung vom 3. Dezember 2009
am 20. Mai 2010
wiedererwägungsweise auf (
Urk.
11/82)
,
was am 28. Mai 2010 zur Abschreibung des Verfahrens führte (
Urk.
11/91).
In der Folge liess die IV-Stelle den Versicherten polydisziplinär abklären (
A._
-
Gutachten vom
20. Dezember 2010
,
Urk.
11/105) und stell
t
e mit Vorbescheid vom 20. Januar 2011 erneut die Einstellung der Rentenleistungen in Aussicht (
Urk.
11/109).
Am 24. Mai 2011 fand beim Regionalen Ärztlichen Dienst eine psychiatrische Untersuchung statt, welche
r
eine weitere psychiatrische Begut
achtung empfahl (
Urk.
11/128). Das entsprechende Gutachten von
Dr.
med.
B._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erging am 25. Ja
nuar 2012 (
Urk.
11/146). In der Folge wurde eine
Integrationspotentialabklä
rung
im
C._
durchgeführt, wobei weiterführende berufliche Abklärungen nicht als sinnvoll erachtet wurden (
Urk.
11/168).
Mit Vorbescheid vom
19. Februar 2013 stellte die IV-Stelle die Einstellung der Rentenleistungen
(wohl ab dem mit wiedererwägungsweise aufgehobenen Verfügung vom 3. Dezember 2009 festgelegten Zeitpunkt, mithin Ende Januar 2010)
bis zum 30. September 2012
in
Aussicht, bei Ausrichtung einer
Viertelsrente
ab 1. Oktober 2012 (IV-Grad von 49
%
,
Urk.
11/200). Mit
Schreiben vom 10. April 2013 wurde über die Notwendigkeit einer weiteren medizinischen Abklärung informiert (
Urk.
11/206). Das psychiatrische Gutachten von
Dr.
med.
D._
,
Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, erging am 11. Juni 2013 (
Urk.
11/209).
Mit Vorbescheid vom 29. Januar 2014 stellte die IV-Stelle die
gänzliche
Einstellung der Rente in Aussicht (
Urk.
11/228)
, wogegen der Versi
cherte Einwand erhob (
Urk.
11/233).
Mit Schreiben vom 13. August 2014 in
formierte die IV-Stelle über die Notwendigkeit einer erneuten psychiatrischen Abklärung (
Urk.
11/240), die entsprechende Zwischenverfügung erging am
9. September 2014 (
Urk.
11/244 =
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob der Vertreter des Versicherten am
15. Oktober 2014 Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Zwischenverfügung aufzuheben und festzustellen, dass die angekündigte psychiatrische Begutachtung eine unzuläs
sige „
second-opinion
“ darstelle, welcher sich der Beschwerdeführer nicht zu unterziehen habe; eventualiter seien bei
Dr.
D._
Rückfragen zu stellen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Beschwerdegegnerin. Weiter sei dem Beschwerdeführer die unentgeltliche Prozessführung zu bewilli
gen und es sei ihm in der Person des Unterzeichneten ein unentgeltlicher Rechtsbeistand zu bestellen (
Urk.
1 S. 2).
Mit Beschwerdeantwort vom 17. November 2014 beantragte die
Beschwerdegeg
nerin
unter Hinweis auf mehrere Stellungnahmen des Regionalen Ärztliches Dienstes (RAD)
sowie des Rechtsdienstes
die Abweisung der Be
schwerde (
Urk.
10).
Mit Verfügung vom
2.
Dezember 2014 wurde dem Beschwerdeführer die unent
geltliche Prozessführung gewährt und es wurde ihm Rechtsanwalt Rainer
De
e
cke
, Zug, als unentgeltlicher Rechtsvertreter für das vorliegende Verfahren be
stellt.
Weiter wurde der
beschwerdeführenden
Partei die Beschwerdeantwort vom 17. November 2014 zugestellt (
Urk.
13).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Anfechtungsgegenstand ist die Verfügung vom 9. September 2014 (Urk. 2), mit welcher die Beschwerdegegnerin an der Notwendigkeit einer weiteren psychiat
rischen
Begutachtung des Beschwerdeführers festgehalten hat. Hierbei handelt es
sich um
eine Zwischenverfügung im Sinne von Art. 55 Abs. 1 des Bundesgeset
zes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbin
dung mit Art. 5 Abs. 2 und Art. 46 des Bundesgesetzes über das
Verwaltungs
verfahren
(
VwVG
), welche bei Bejahung eines nicht wieder gutzumachenden Nachteils (Art. 46 Abs. 1
lit
. a
VwVG
; BGE 132 V 93 E. 6.1) grundsätzlich selb
ständig mit Beschwerde angefochten werden kann.
1.2
In BGE 137 V 210 hielt das Bundesgericht fest, dass die nicht sachgerechte Be
gutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken könne (BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7). Aus diesem Grund sei die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Rahmen
einer verfassungs- und konventionskonformen Auslegung für das erstinstanz
li
che Verfahren bei der Anfechtung einer umstrittenen Gutachtensanordnung zu bejahen.
1.3
D
ie für die Beurteilung des Leistungsanspruchs von Amtes wegen durchzuführen
den notwendigen Abklärungen im Sinne von Art. 43 ATSG
bein
halten dabei
nicht das Recht, eine
„
second
opinion
" zum bereits in einem Gut
achten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn
dem Versicherungsträger
dieser nicht passt. Dabei ergibt sich die Notwendigkeit der Anordnung eines weiteren Gutachtens aus der Beantwortung der Frage, ob bereits bei den Akten liegende Gutachten die inhaltlichen und beweismässigen Anforderungen an eine zu erstattende ärztliche Expertise erfüllen. Dies hängt entscheidend davon ab, ob sie für die Beantwortung der gestellten Fragen umfassend sind und in diesem Rahmen auf den erforderlichen allseitigen Abklärungen beruhen; die ge
klagten Beschwerden wiedergeben und sich damit auseinandersetzen, was vor allem bei psychogenen Fehlentwicklungen nötig ist; in Kenntnis der und gege
benenfalls in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
abgegeben worden sind; in der Darlegung der medizinischen Zustände, Entwicklungen und Zusammen
hänge einleuchten; und die Schlussfolgerungen der medizinischen Experten in einer Weise begründet sind, dass die Rechtsanwender sie kritisch nachvollziehen können
(Urteil des Bundesgerichts U 571/06 vom 29. Mai 2007 E. 4.2 mit wei
teren Hinweisen
).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Zwischenverfügung da
mi
t, dass das Gutachten von
Dr
.
D._
de
n
von der Rechtsprechung
aufge
stellten Kriterien an den Beweiswert einer Expertise
nicht entspreche, so dass zur Klärung der Sachlage ein Obergutachten erforderlich sei (
Urk.
2).
2.2
Demgegenüber machte der Vertreter des Beschwerdeführers im Wesentlichen geltend, dass sein Mandant während den letzten fünf Jahren drei Mal
verwal
tungsextern
begutachtet und einmal bei
m RAD persönlich untersucht worden sei. Dabei sei das Gutachten von
Dr.
D._
von
Dr.
E._
vom RAD expli
zit als umfassend und nachvollziehbar bezeichnet worden, so
dass die Anord
nung einer weiteren Begutachtung eine unzulässige
second-opinion
darstelle. Dass in der Folge ein weiterer Arzt des RAD das genannte Gutachten wieder kritisiert
habe
und stattdessen auf das
A._
-
G
utachten abstellen möchte, könn
e nicht als Grundlage für ein viertes Gutachten dienen; vielmehr sei der
Be
schwerdegegnerin
„RAD-Shopping“ und „Gutachter-Shopping“ vorzuwerfen. Insgesamt erfülle das Gutachten von
Dr.
D._
die von der Rechtsprechung geforderten Anforderungen, so dass sich weitere Abklärungen erübrigen wür
den.
3.
3.1
Da vorliegend allein in psychiatrischer Hinsicht weitere Abklärungen im Raume stehen, kann im Zuge der Zusammenfassung der medizinischen Akten auf eine Wiedergabe der somatischen Beschwerden verzichtet werden.
3.2
Die für das
A._
-
Gutachten vom
20. Dezember 2010
verantwortlichen Fachärzte
gingen
in psychiatrischer Hinsicht
mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit von den folgenden Diagnosen aus: Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0), anhaltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4). Ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit leide der Beschwerdeführer an einer posttraumatischen Belastungsstörung (
PTBS,
ICD-10 F43.1). Aufgrund der depressiven Störung sowie der
somatoformen
Schmerzstörung sei von einer Ar
beitsunfähigkeit von 20
%
auszugehen. Die Symptome der
PTBS
seien sehr
ge
ringgradig
ausgeprägt und würden die Arbeitsfähig
keit nicht einschränken (
Urk.
11
/105
/2-24
S. 1
1
f.).
3.3
Die für den Bericht des
F._
vom 17. Februar 2011 verantwortlichen Fachärzte diagnostizierten eine rezidivierende depressive Stö
rung, gegenwärtig (mindestens) mittelschwere Episode (ICD-10 F33.1), eine an
haltende
somatoforme
Schmerzstörung (ICD-10 F45.4) sowie eine posttrauma
tische Belastungsstörung, (mindestens) mittelschwere Ausprägung (ICD-10 F43.1). Sie könnten der Einschätzung der
A._
-
Gutachter
,
was den Schweregrad der Störungen und den Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit betreffe
,
nicht zustim
men. Es handle sich beim Beschwerdeführer um einen psychisch schwer belas
teten
Patienten und sie würden die Arbeitsfähigkeit in einer den psychischen Leiden ange
passten Tätigkeit auf 50
%
festsetzen (
Urk.
11/112).
3.4
Dr.
B._
hielt in seinem psychiatrischen Gutachten vom 25. Januar 2012 fest, dass mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit keine Diagnose gestellt wer
den könne. Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit leide der Beschwerde
führer an einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reaktion, ge
mischt, bei chronischem Schmerzsyndrom und psychosozialer Belastungssitua
tion (ICD-10 F43.22). Weiter sei ein Verdacht auf
Alkohol-Abhängigkeitssyn
drom
, gegenwärtiger Substanzgebrauch (ICD-10 F10.24) gegeben; anamnestisch liege ein Status nach pathologischem Spielen, aktuell angeblich remittiert
,
vor (ICD-10 F63.0). Aus rein psychiatrischer Sicht bestehe zum Zeitpunkt der Un
tersuchung k
eine Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
11
/146 S. 17 f.).
3.5
Dr.
D._
diagnostizierte in seinem Gutachten vom 11. Juni 2013
(
Urk.
11/209)
eine schw
ere und aufgrund der Dauer
chroni
fizierte
posttrauma
tische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) mit/bei mittelgradig depressiver Epi
sode mit somatischen Symptomen (ICD-10 F32.11)
, chronischer Schmerzstörung mit somatischen und psychischen Faktoren (ICD-10 F45.41) bei anamnestisch festgehaltener und möglicher anhaltender
somatoformer
Schmerzstörung (F45.4), einem Status nach pathologischem Spielen (ICD-10 F63.0) sowie einer Störung durch Alkohol, gegenwärtig abstinent (ICD-10 F10.20).
Bezüglich der Gewichtung wie auch der versicherungspsychiatrischen Relevanz stehe die posttraumatische Belastungsstörung im Zentr
um, die depressive Stö
rung könn
e heute auch als Ausdruck der PTBS verstanden werden. Die chroni
sche Schmerzstörung sei als Nebendiagnose zu verstehen, welche kaum wesent
liche Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit haben dürfte. Spätestens ab Okto
ber 2009 (Erstbeurteilung durch die
G._
)
dürfte eine posttraumatische Be
lastungsstörung im Sinne der heu
tigen
Symptomatik vor
gelegen haben
(S. 3
5 f.)
. Aktuell sei für sämtliche Tätigkeiten von einer voll
ständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen, wobei diese Einschätzung mindestens seit der
Inegrationsabklärung
im
C._
im Mai 2012 Gültigkeit habe, wahrscheinlich aber schon länger
(S. 38)
.
Therapeutisch sei eine stationäre
psychotraumatologische
Behandlung dringend angezeigt, etwa in der Klinik
H._
.
Dabei könnte auch die Medikamenten-Compliance verbessert werden. Prognostisch sei über die kommenden Jahre eine Aufhellung der Symptomatik sowie eine Verbesserung d
er Arbeitsfähigkeit zu erwarten
(
S. 3
9
).
4.
4.1
Dr.
D._
legt den medizinischen Sachverhalt grundsätzlich in einer schlüssi
gen und nachvollziehbaren Weise dar, insbesondere äussert er
sich ausführlich
zu den Vorgutachten.
So hielt er fest,
die für das
A._
-
Gutachten verantwortlichen Fachärzte
hätten sich
zur Auswirkung der PTBS auf die Arbeitsfähigkeit umfassend äussern müssen, da ihre Einschätzung vollends von jener der behandelnden Ärzte ab
weiche. Dabei genüge die Anmerkung nicht, dass „dieser Einschätzung keine Folge geleistet werden könne“. Weiter stelle sich die Frage, aufgrund welcher Befunde die
A._
-
Gutachter denn eine posttraumatische Belastungsstörung überhaupt
als ausgewiesen erachtet hätten
, wenn sie nämlich im Psychostatus
einen praktisch unauffälligen Versicherten
beschreiben würden. Bezüglich der Einschätzung von
Dr.
B._
sei anzumerken, dass die psychopathologische Beschreibung auf wenigen Zeilen sehr, sehr knapp ausgefallen sei und auf Grund dieser, die praktisch normal
ausgefallen sei
, eigentlich nicht mal die fest
gehaltene Diagnose einer Anpassungsstörung mit Angst und depressiver Reak
tion gemischt hätte diagnostiziert werden dürfen. Auch fehle eine kritische Dis
kussion der
mittlerweile sehr g
rossen Anzahl an Behandlungs- und
Verlaufsbe
richten
der behandelnden Ärzte, die von einer PTBS ausgehen würden
(vgl. etwa
Urk.
11/112)
. Weiter begründe
Dr.
B._
das Nichtvorliegen einer PTBS vor allem mit der Latenz, was der ICD-Beschreibung nicht gerecht werde. Diese umfasse auch Ausnahmen, die, wie aus der Forschung bekannt sei, gar nicht so selten seien. Auch mehrjährige – gar über Jahrzehnte – dauernde
Latenzen
seien keine Seltenheit, gerade bei Leuten aus Kriegsgebieten oder dem Holocaust
(
Urk.
11
/209 S. 36 f.).
4
.2
Die grundsätzliche Beweistauglichkeit des Gutachtens von
Dr.
D._
vermö
gen auch die neusten Einwände des RAD nicht in
Frage zu stellen. So weist med.
pract
.
I._
(
Psychiatrie und Psychotherapie,
RAD)
etwa auf unterschied
liche Schilderungen der traumatisierenden Erlebnisse und auf ein generell se
lektives Erinnerungsvermögen hin, weiter schaue der Beschwerdeführer regel
mässig Sendungen über den
Y._
,
was angesichts einer PTBS
nicht nachvoll
ziehbar sei
(Vermeidungsverhalten)
. Die Erhebung der Lebensumstände sei dabei derart, dass unklar sei, ob überhaupt eine mittelgradige Depression und eine PTBS
vorliege
.
Unklar sei weiter
,
wie ein Spielsüchtiger von der Spielsucht habe Abstand nehmen können, im Übrigen mangle es generell an einer Differenzie
rung der psychosozialen Belastungsfaktoren gegenüber einer eventuellen PTBS. Auch habe der Beschwerdeführer nach dem Trauma im
Y._
zwei Jahre Ge
schichte studiert, was schwerlich zu einem eventuellen Verdrängen passe, dar
über hinaus würden die Gründe für die Medikamenten-
Malcompliance
nicht hinterfragt (
Urk.
12/1 S. 2 f.).
4.3
Zu diesen Einwänden ist anzumerken, dass sich
Dr.
D._
im Rahmen der Beur
teilung der Inkonsistenzen bewusst war. So weist er etwa ausdrücklich auf die schwierige Erhebu
ng des Tagesablaufs hin (
Urk.
11
/209 S. 22), weiter auf die Tatsache, dass bei traumatisierten Patienten die unterschiedliche und inkonsis
tente Schilderu
ng keine Seltenheit sei (
Urk.
11
/209 S.
29). Ob sich die Ereignisse alle so zugetragen hätten, könne nicht gesagt werden, auf Grund der Schilde
rungen wie der Aktenlage könne aber davon ausgegangen werden. Zusammen
fassend müsse von einer mehrfachen Traumatisierung ausgegangen werden (Verlust des Vaters und der Mutter, Krieg, Tötung von Menschen des nahen Umfelds;
Urk.
11
/209 S. 30 oben). Dabei ist anzumerken, dass sich diese Ein
schätzung auch mit denjenigen der behandelnden Fachärzte deckt
(
Urk.
11
/209 S. 25
,
Urk.
11/112,
Urk.
11/190 S. 9 f.
). Klar ist auch die Aussage von
Dr.
D._
,
dass die PTBS aktuell im Zentrum der p
sychischen Beschwerden steh
e
und
die depressive Sym
pt
omatik als Ausdruck
dieser
verstanden werden
könne
(
Urk.
11
/209 S.
35). Zur Spiel- und Alkoholabhängigkeit weist
Dr.
D._
darauf hin, dass das Suchtverhalten sekundär zur Abwehr möglicher und im Untergrund schwelender Beschwerden der PTBS verstanden werden müsse
(
Urk.
11
/209 S. S. 44
, vgl. bezüglich Alkoholkonsum auch
Urk.
11/112
S. 2
).
Dabei ist anzumerken, dass bereits
Dr.
B._
im Januar 2012 keine
Spiel
sucht
mehr diagnostiziert hat.
Bezüglich der
Latenz
äussert sich
Dr.
D._
da
hingehend
, dass differentialdiagnostisch gar von einer komplexen
Persönlich
keitsstörung
beziehungsweise von einer andauernden
Persönlichkeitsverände
rung
nach Extrembelastung (ICD-10 F62.0) ausgegangen werden könne. Bis auf die Entfremdungsgefühle erfülle er sämtliche Kriterien dieser Diagnose, welche
es
im Auge zu behalten gelte
(
Urk.
11
/209 S.
34).
Weiter sei d
ie Medikamenten-
Malcompliance
im Strukturmangel des Beschwerdeführers zu sehen, aus diesem Grund sei auch dringend ein stationäres Setting zu empfehlen
(
Urk.
11
/209
S. 39). Diese Einschätzung deckt sich im Übrigen mit den
gemachten
Erfahrungen
im Rahmen
der ambulanten Behandlung am
F._
(
Urk.
11
/209 S. 25
,
Urk.
11/190 S. 9
).
4.4
Zusammenfassend stellt das Gutachten von
Dr
.
D._
grundsätzlich
eine
brauch
bare
Grundlage zur Einschätzung des medizinischen Sachverhalts dar.
Auch wenn
einer
IV-Stelle bei der Beurteilung der Frage, ob die Abklärungen vollständig
sind
, ein erheblicher Ermessensspielraum zusteht, so darf die Ein
holung eines Zweit
gutachtens (sog.
second
opinion
) doch nicht beliebig erfol
gen
(BGE 137 V 201 E. 3.3.1).
In Anbetracht der umfangreichen
Vorakten
sowie
der Qualität des Gutachtens von
Dr.
D._
erscheint die erneute psychiatrische Begutachtung
als
ni
cht zulässig.
Es steht der Beschwerdegegnerin indes frei, Er
gänzungsfragen (auch bei den Vorgutachtern) zu stellen.
5
.
Insgesamt führt dies in Gutheissung der Beschwerde zur Aufhebung der ange
fochtenen Zwischenverfügung vom 9. September 2014.
Da es vorliegend nicht um die Be
willigung oder Verweigerung von
Leistungen der
Invalidenversicherung geht, ist das Beschwerdeverfahren kostenlos (Art. 61
lit
. a ATSG in Verbindung mit Art. 69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die In
validenversicherung;
IVG).
Ausgangsgemäss ist die Beschwerdegegnerin zu verpflichten, dem Beschwerde
führer eine angemessene Prozessentschädigung zu bezahlen, welche in Anwen
dung von Art. 61
lit
. g ATSG, namentlich unter Berücksichtigung der Bedeu
tung der Streitsache und der Schwierigkeit des Prozesses
festzusetzen ist. Der Vertreter des Beschwerdeführers macht in seiner Honorarnote vom 1
0.
Dezember 2014 (
Urk.
16) einen Aufwand von 9.1 Stunden sowie eine
Bar
auslagenpauschale
von 3
%
geltend. Unter Berücksichtigung des
gerichtsübli
chen
Stundenansatzes von
Fr.
200.-- ergibt dies eine Entschädigung von
Fr.
2‘024.55
(inklusive Barauslagen und
Mehrwertsteuer)
, welche dem unent
geltlichen Rechtsvertreter auszurichten ist.