# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 112f6283-6418-40c7-9019-1cff2095e821
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend mehrfache Vergewaltigung etc.
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Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 1. November 2018 (DG180176)
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Anklage:
Die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft I des Kantons Zürich vom 23. Juli 2018
(Urk. 22) ist diesem Urteil beigeheftet.
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig
− der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnahmegerä-
te im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB;
− der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB.
2. Vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung wird der Beschuldigte freige-
sprochen.
3. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu
Fr. 20.–, unter Anrechnung der erstandenen Haft (230 Tage).
4. Die Geldstrafe wird vollzogen. Es wird vorgemerkt, dass die Geldstrafe
bereits vollumfänglich als durch erstandene Haft geleistet gilt.
5. Die mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 9. Juli
2018 beschlagnahmte Barschaft von Fr. 5'000.– wird definitiv beschlag-
nahmt und zur Deckung der auf den Beschuldigten fallenden Verfahrenskos-
ten verwendet. Ein allfälliger Restbetrag wird dem Beschuldigten zurücker-
stattet.
6. Folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
9. Juli 2018 beschlagnahmten Gegenstände werden dem Beschuldigten auf
Verlangen innert 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft herausgegeben, an-
sonsten sie vernichtet werden:
− 1 Mobiltelefon Huawei blau (A010'978'582) − 1 Mobiltelefon Switel (A010'978'593) − 1 iPad Air (A011 '007'060)
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− 1 Laptop 'acer' (bei KA-DED-DFE) − 1 USB Stick SanDisk (bei KA-DED-DFE) − 1 USB Stick Erntec (bei KA-DED-DFE) − 1 SIM Karte Lebara (bei KA-DED-DFE) − 1 Handy Samsung schwarz (bei KA-DED-DFE) − 1 Handy Samsung schwarz defekt (bei KA-DED-DFE)
7. Folgende mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom
9. Juli 2018 beschlagnahmten Gegenstände werden der Privatklägerin 2 auf
Verlangen innert 30 Tagen nach Eintritt der Rechtskraft herausgegeben, an-
sonsten sie vernichtet werden:
− 1 Damenslip weiss (A010'978'957) − 1 Büstenhalter (A010'978'968) − 1 Bettdecke (A010'978'979)
8. Es wird vorgemerkt, dass der Beschuldigte das Schadenersatzbegehren des
Privatklägers 1 im Umfang von Fr. 549.–, zuzüglich 5 % Zins ab 18. Juni
2018, anerkannt hat.
9. Die Privatklägerin 2 wird mit ihrem Genugtuungsbegehren auf den Zivilweg
verwiesen.
10. Rechtsanwältin lic. iur. Y._ wird für ihre Bemühungen als amtliche Ver-
teidigerin des Beschuldigten mit pauschal Fr. 30'000.– (inkl. MwSt. und Bar-
auslagen) entschädigt.
11. Rechtsanwalt lic. iur. X._ wird für seine Bemühungen als unentgeltlicher
Vertreter der Privatklägerin 2 mit pauschal Fr. 14'000.– (inkl. MwSt. und
Barauslagen) entschädigt.
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12. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 4'800.– ; die weiteren Auslagen betragen:
Fr. 4'200.– Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 560.– Kosten der Kantonspolizei Zürich Fr. 1'688.30 Gutachten / Expertisen Fr. 1'430.– Auslagen Untersuchung Fr. 30'000.– amtliche Verteidigung Fr. 14'000.– unentgeltliche Vertretung der Privatklägerin 2
13. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens, ausge-
nommen diejenigen der amtlichen Verteidigung sowie der unentgeltlichen
Vertretung der Privatklägerschaft, werden zu 1/10 dem Beschuldigten aufer-
legt und im Übrigen auf die Gerichtskasse genommen.
14. Die Kosten der amtlichen Verteidigung werden im Umfang von 1/10 einst-
weilen und im Übrigen definitiv auf die Gerichtskasse genommen; vorbehal-
ten bleibt eine Nachforderung gemäss Art. 135 Abs. 4 StPO im Umfang von
1/10. Die Kosten der unentgeltlichen Vertretung der Privatklägerschaft wer-
den definitiv auf die Gerichtskasse genommen.
15. Dem Beschuldigten werden Fr. 25'000.– als Genugtuung für Überhaft aus
der Gerichtskasse zugesprochen.
Berufungsanträge:
a) Des Vertreters der Privatklägerschaft:
(Urk. 91 S. 1)
" 1. Es sei der Beschuldigte in Abänderung von Disp.-Ziff. 1. und Aufhebung
von Disp.-Ziff. 2. des vorinstanzlichen Urteils zusätzlich wegen mehrfa-
cher Vergewaltigung schuldig zu sprechen.
2. Es sei der Beschuldigte in Abänderung von Disp.-Ziff. 3 f. des vorin-
stanzlichen Urteils angemessen zu bestrafen.
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3. Es sei in Abänderung von Disp.-Ziff. 6. des vorinstanzlichen Urteils die
beschlagnahmten Gegenstände einzuziehen.
4. Es sei in Aufhebung von Disp.Ziff. 9 der Berufungsbeklagte zu verpflich-
ten, der Berufungsklägerin eine Genugtuung von SFr. 30'000.– zuzüg-
lich Zins von 5% seit 20.11.17 zu bezahlen.
5. Es seien in Abänderung von Disp.-Ziff. 13-14 die Kosten für das gericht-
liche Verfahren und der Untersuchung dem Berufungsbeklagten aufzu-
erlegen.
6. Es sei in Aufhebung von Disp.-Ziff. 15. dem Berufungsbeklagten keine
Genugtuung zuzusprechen.
7. Es seien die Kosten des Berufungsverfahren dem Berufungsbeklagten
aufzuerlegen, eventualiter auf die Staatkasse zu nehmen."
b) Des Vertreters der Staatsanwaltschaft:
(Urk. 69, sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils.
c) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 92 S. 2, sinngemäss)
Abweisung der Berufung und Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils, unter
Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Privatklägerin.
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessuales
1. Gegenstand des Berufungsverfahrens
Mit Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 7. Abteilung, vom 1. November 2018 wurde
der Beschuldigte der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnah-
megeräte und der Sachbeschädigung schuldig gesprochen. Vom Vorwurf der
mehrfachen Vergewaltigung wurde er freigesprochen. Er wurde mit einer Geld-
strafe von 65 Tagessätzen zu Fr. 20.– bestraft unter Anrechnung von 230 Tagen
erstandener Haft. Es wurde der Vollzug der Geldstrafe angeordnet und vorge-
merkt, dass die Geldstrafe bereits vollumfänglich als durch Haft geleistet gelte.
Die beschlagnahmte Barschaft von Fr. 5'000.– wurde definitiv beschlagnahmt und
deren Verwendung zur Deckung der auf den Beschuldigten fallenden Verfahrens-
kosten angeordnet, unter Rückerstattung eines allfälligen Restbetrags an den Be-
schuldigten. Ferner wurde über beschlagnahmte Gegenstände und die Zivilforde-
rungen der Privatkläger entschieden und dem Beschuldigten eine Genugtuung für
Überhaft zugesprochen (Urk. 64).
Gegen das Urteil hat die Privatklägerin 2 fristgerecht Berufung angemeldet und
mit Eingabe vom 8. März 2019 die Berufungserklärung eingereicht (Urk. 66). Sie
beantragt Schuldspruch betreffend mehrfache Vergewaltigung, angemessene Be-
strafung des Beschuldigten, Einziehung der beschlagnahmten Gegenstände ge-
mäss Dispositiv-Ziffer 6, Zusprechung einer Genugtuung von Fr. 30'000.– zuzüg-
lich 5% Zins seit 20. November 2017 an sie, Absehen von der Zusprechung einer
Genugtuung an den Beschuldigten und Kostenauflage an den Beschuldigten
(Urk. 66).
Die Staatsanwaltschaft hat ausdrücklich (Urk. 69), der Beschuldigte und der Pri-
vatkläger 1 konkludent (Urk. 67 und 68/1+2), auf Anschlussberufung verzichtet.
Es ist daher davon Vormerk zu nehmen, dass das vorinstanzliche Urteil bezüglich
Dispositiv-Ziffern 1 (Schuldsprüche betreffend Verletzung des Geheim- oder Pri-
vatbereichs durch Aufnahmegeräte und Sachbeschädigung), 5 (Verwendung be-
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schlagnahmte Barschaft), 7 (Verwendung beschlagnahmte Gegenstände), 8 (Zi-
vilforderung Privatkläger 1) und 10-12 (Kostenfestsetzung) in Rechtskraft erwach-
sen ist.
2. Vorfragen
Mit Eingabe vom 27. April 2020 stellte die Privatklägerin 2 ein Gesuch um Wech-
sel in der Person der unentgeltlichen Rechtsvertretung (Urk. 78). Dieses Gesuch
wurde mit Verfügung vom 30. April 2020 abgewiesen (Urk. 79).
Die Privatklägerin 2 wurde in der Berufungsverhandlung vom 26. Juni 2020 als
Auskunftsperson einvernommen (Prot. II S. 16 ff.).
Am 23. Juni 2020 ging ein Bericht der Psychotherapeutin C._ betreffend die
Behandlung der Privatklägerin 2 ein (Urk. 84), welcher als Beweismittel zu den
Akten genommen wurde. Der Beschuldigte liess mit Eingabe vom 21. Juni 2020
ein Gesuch um Aktenbeizug stellen betreffend verschiedene gegen ihn hängige
Strafuntersuchungen (Urk. 85). Über diesen Antrag ist im Rahmen der Sachver-
haltserstellung zu entscheiden.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft IV des Kantons Zürich vom 23. Juli
2018 wird dem Beschuldigten vorgeworfen, er habe die Privatklägerin 2 im Zeit-
raum von 1. Januar 2017 bis längstens 20. November 2017 pro Monat mindes-
tens 15 Mal gegen ihren Willen zu Geschlechtsverkehr gezwungen. In mindestens
10 der 15 Male habe er sie geschlagen indem er ihr Faustschläge gegen den
Kopf im Haarbereich, gegen den Körper oder Fusstritte gegen die Oberschenkel
versetzt habe oder sie an den Haaren gezogen habe. Die anderen Male habe er
sie entweder massiv psychisch unter Druck gesetzt indem er ihr entweder gedroht
habe, private, zum Teil intime, Fotos an ihre Familienangehörigen zu schicken,
welche einem sehr konservativen Kulturkreis angehörten und nichts von ihrem
sexuellen Verhältnis zu ihm hätten wissen dürfen, oder mit Selbsttötung oder
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Selbstverletzung gedroht habe, mindestens einmal habe er ein Messer an seine
Pulsadern gehalten und gedroht, sich umzubringen, wenn sie ihn verlasse.
Beim letzten Vorfall am 20. November 2017 habe der Beschuldigte an der Woh-
nungstüre der Privatklägerin 2 geklopft, habe seinen Fuss in den Türspalt ge-
streckt als sie die Tür aufgemacht habe, sei in die Wohnung eingedrungen, habe
die Tür abgeschlossen und den Schlüssel an sich genommen. Er habe der Privat-
klägerin 2 vorgeworfen, sie habe einen anderen Mann gefunden und wolle ihn
verlassen. Er habe sie an den Haaren gepackt und hinter sich her gezerrt, habe
ihr mindestens zwei Faustschläge gegen den Kopf oben im Haarbereich und ge-
gen den Hinterkopf sowie mindestens eine Ohrfeige versetzt. Er habe sie an den
Kleidern gezerrt, habe ihr T-Shirt mit Spaghetti-Trägern zerrissen, habe sie aus-
gezogen und auf das Bett geworfen. Sie habe sich mit Händen und Füssen ge-
wehrt und gesagt, er solle sie in Ruhe lassen. Er habe ihre beiden Oberarme ge-
packt und mit den Knien gegen ihre Oberschenkel gedrückt. Mit ihrem einen
freien Bein habe sie versucht, in wegzustossen. Infolge seiner körperlichen Über-
legenheit habe sie sich nicht befreien können und sei es ihm gelungen, mit sei-
nem Penis vaginal ohne Kondom in sie einzudringen und in der Vagina zu ejaku-
lieren.
Der Beschuldigte bestreitet den Sachverhalt vollumfänglich, weshalb zu prüfen ist,
ob sich dieser aufgrund der vorliegenden Beweismittel erstellen lässt.
2. Sachverhaltserstellung
2.1. Beweismittel
2.1.1. Arztakten betreffend die Privatklägerin 2 und Berichte ihrer Psychothera-
peutin
a) Gutachten IRM zur körperlichen Untersuchung
Nach der Anzeigeerstattung wurde die Privatklägerin im Auftrag der Polizei am
22. November 2017 am Universitätsspital Zürich, Klinik für Gynäkologie, unter-
sucht. Am 14. Dezember 2017 erstattete das Institut für Rechtsmedizin ein Gut-
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achten über diese körperliche Untersuchung (Urk. 9/2). Es wurden keine Häma-
tome, Rötungen oder irgendwelche Verletzungen bei der Privatklägerin 2 festge-
stellt, insbesondere keine Verletzungen (z.B. Haltegriffverletzungen), welche auf
eine Gewalteinwirkung durch Dritte schliessen liessen (Urk. 9/2 S. 3). Im Genital-
und Analbereich fanden sich keine Verletzungen und keine auffälligen Sekretan-
tragungen, wobei darauf hingewiesen wurde, dass bei Frauen im geschlechtsfä-
higen Alter durch eine Penetration mit dem Penis oder Finger nicht zwingend
Schleimhautverletzungen auftreten müssen (Urk. 9/2 S. 3).
Wie sogleich darzulegen sein wird, hat die Privatklägerin 2 ausgesagt, der Be-
schuldigte habe ihr vor der Vergewaltigung mehrere Faustschläge gegen den
Kopf beim Haaransatz verpasst und habe sie nach der Vergewaltigung verprügelt.
Den gutachterlichen Feststellungen lassen sich zwar keine Hinweise für eine sol-
che Gewaltanwendung entnehmen, jedoch spricht das Fehlen von Verletzungen
für sich allein auch nicht gegen die Darstellung der Privatklägerin 2.
b) Ärztlicher Befund der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich
Gemäss dem ärztlichen Befund der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich vom
7. Februar 2018 befand sich die Privatklägerin 2 vom 23. Juni 2017 bis 6. Juli
2017 in stationärer Behandlung wegen einer schweren depressiven Episode mit
psychotischen Symptomen, möglicherweise auch mit einer posttraumatischen Be-
lastungsstörung überlappend (Urk. 9/5 S. 1). Zu Beginn der Behandlung habe ein
deutlich depressiver Zustand mit Verfolgungsideen und Suizidgedanken bestan-
den (Urk. 9/5 S. 1). Während der Behandlung habe die anfängliche Belastung
nachgelassen, die Verfolgungsideen seien verschwunden. Es hätten weiterhin
Albträume und Ängste in der Nacht bestanden und das Weitererleben traumabe-
zogener Inhalte. Ihre Stimmung habe sich verbessert, die Suizidalität habe deut-
lich nachgelassen, sodass sie mit Spitex-Unterstützung habe nach Hause entlas-
sen werden können.
Aufgrund dieses ärztlichen Befundes ist erstellt, dass bei der Privatklägerin 2 im
Juni/Juli 2017 eine schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen
diagnostiziert wurde und möglicherweise eine posttraumatische Belastungsstö-
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rung. Bezüglich der Ursache für diese Diagnose finden sich in diesem Befund
keine Ausführungen. Angesichts des Umstandes, dass die Privatklägerin 2 allein
mit ihren drei Kindern aus ihrem Heimatland geflohen ist, in welchem sie gegen
ihren Willen mit einem Bruder ihres verschollenen Ehemannes hätte verheiratet
werden sollen, und des auf der Flucht erlittenen sexuellen Missbrauchs können
die diagnostizierten Störungen allein schon durch die Flucht und die damit zu-
sammenhängenden Umstände sowie die Angst der Privatklägerin 2 vor der Be-
strafung durch ihre Familie erklärt werden. In diese Richtung weist denn auch der
Befund der Psychotherapeutin D._, auf welchen sogleich einzugehen ist. Die
im Sommer 2017 diagnostizierten psychischen Störungen stellen vor diesem Hin-
tergrund kein klares Indiz für seitens des Beschuldigten erlittene physische oder
psychische Gewalt dar.
c) Befunde der Psychotherapeutin D._
D._ hält in ihrem Befund vom 26. Februar 2018 fest, dass die Privatklägerin
2 sich seit dem 23. September 2016 in ihrer psychotherapeutischen Praxis in Be-
handlung befinde. Zuvor habe sie die Privatklägerin 2 von Mai 2015 bis Juli 2016
als Psychologin des Psychosozialen Dienstes der AOZ betreut. Die Privatklägerin
sei allein mit ihren drei Kindern auf dem Landweg vom E._ [Land im Mittleren
Osten] in die Schweiz geflüchtet. Sie zeige ausgeprägte Symptome einer Trauma-
folgestörung und wiederkehrende somatische Beschwerden. Ihre Behandlung be-
inhalte regelmässige psychotherapeutische Sitzungen. Gleichzeitig werde die Pri-
vatklägerin 2 durch den Psychiater mit Medikamenten, einem Neuroleptikum, be-
handelt und bekomme in Reserve Beruhigungsmittel, die sie bei Bedarf einneh-
men könne (Urk. 9/7 S. 2). Der psychische Gesundheitszustand der Privatklägerin
2 habe sich im Laufe der Behandlung nicht wesentlich stabilisiert, zeitweise sei
eine Verschlechterung eingetreten. Die Privatklägerin 2 habe über massiven fami-
liären Druck gesprochen, der auf sie als alleinstehende Frau ausgeübt werde,
über erlebte Gewalt in der Beziehung zu einem Mann, den sie hier in der Schweiz
kennengelernt habe und die massive Angst, ihre Familie könnte von dieser Be-
ziehung erfahren.
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In ihrem ergänzenden Befund vom 3. April 2018 hielt D._ fest, die Privatklä-
gerin 2 habe sich ab ca. Juni 2017 zunehmend zu Themen geöffnet, die sie ver-
sucht habe alleine mit sich auszumachen. Der familiäre Druck sei seit Beginn der
psychotherapeutischen Behandlung immer wieder Thema in den Sitzungen ge-
wesen. Ihr Vater verlange von ihr, dass sie wieder innerhalb der Familie bzw.
Schwiegerfamilie heirate. Sie werde für alles verantwortlich gemacht und erfahre
von ihren Eltern keine Unterstützung. Die Privatklägerin 2 habe immer wieder
über massive Ängste gesprochen, u.a. dass jemand private Fotos von ihr auf Fa-
cebook laden und ihre Familie diese sehen könnte, dass ihre Familie von der Be-
ziehung zu ihrem Exfreund in der Schweiz erfahren könnte oder von der sexuellen
Gewalt, die sie während der Flucht erlitten habe, weil sie für beides von der Fami-
lie bestraft werden könne (Urk. 9/10 S. 2).
Die Privatklägerin 2 habe ferner darüber erzählt, dass sie von ihrer Schwiegerfa-
milie bedroht werde, sie werde geächtet, weil sie mit den Kindern geflohen sei. Ab
Dezember 2017 sei die Bedrohung sehr akut geworden, da die Privatklägerin 2
erfahren habe, dass ihr Schwager über die vergangene Beziehung mit ihrem Ex-
Freund Bescheid wisse. Er habe gedroht, in die Schweiz zu kommen, sie zu töten
und ihre Tochter mitzunehmen, um sie zu verheiraten (Urk. 9/10 S. 2). Die Privat-
klägerin 2 habe ihr in früherer Zeit auch erzählt, dass sie von ihrer Familie unter
Druck gesetzt werde, ihren Cousin in der Schweiz zu heiraten. Dieser Cousin ha-
be ihr gegenüber Gewalt angewendet, worauf sie bei der Polizei eine Anzeige
eingereicht habe (Urk. 9/10 S. 2).
Ab ca. Oktober 2017 habe die Privatklägerin erzählt, dass ihr Ex-Freund sie im-
mer wieder bedränge, ihn zu heiraten und ihre Eltern über die Beziehung zu in-
formieren. Über ein Jahr lang habe sie versucht, die Beziehung zu ihm zu been-
den, worauf er mit Suizid gedroht habe. Während der Beziehung habe er sie im-
mer wieder geschlagen und auch sich selber verletzt. Als sie ungewollt schwan-
ger geworden sei, habe sie die Schwangerschaft abgebrochen, den Ex-Freund
darüber informiert und beschlossen, den Kontakt mit ihm abzubrechen. In der
Folge habe er sie weiter mit Telefonanrufen bedrängt und sich Eintritt in die Woh-
nung verschafft. Am 20. November 2017 sei der Ex-Freund wieder in die Woh-
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nung eingedrungen, habe sie mit dem Messer bedroht und sie vergewaltigt. Er
habe von ihr verlangt, gemeinsam zu ihren Eltern zu gehen und diese über ihre
Beziehung zu informieren. Er habe ihr gedroht, überall ihre Fotos zu zeigen, sollte
sie seiner Forderung nicht nachkommen (Urk. 9/10 S. 2).
In der Zeit vom Mai 2015 bis Juli 2016 habe sie die Privatklägerin 2 als Psycholo-
gin des Psychosozialen Dienstes der AOZ betreut (Urk. 9/7 S.1). In dieser Zeit
habe ihr die Privatklägerin 2 Verletzungen (Hämatome) gezeigt (Urk. 9/10 S. 3).
Bericht und Ergänzungsbericht der Psychotherapeutin sind klar abgefasst. Die
Darlegungen von D._ sind nachvollziehbar, und es besteht keine Veranlas-
sung, an der Glaubhaftigkeit ihrer Ausführungen zu zweifeln. Insbesondere be-
stehen keine Hinweise, dass sie aufgrund der therapeutischen Nähe zur Privat-
klägerin 2 ihre Ausführungen zu deren Gunsten angepasst haben könnte.
D._ hat nur in der Zeit von Mai 2015 bis Juli 2016 Verletzungen (Hämatome)
bei der Privatklägerin 2 gesehen, also in einem Zeitraum, welcher nicht von der
Anklage erfasst ist. Ferner hat die Privatklägerin 2 der Therapeutin nur von einer
Vergewaltigung (am 20. November 2017) erzählt. Der Beschuldigte sei in ihre
Wohnung eingedrungen, habe sie mit einem Messer bedroht und sie vergewaltigt.
Der nachfolgenden Zusammenfassung der Aussagen der Privatklägerin 2 ist zu
entnehmen, dass die Privatklägerin 2 mehrmals aussagte, der Beschuldigte habe
ein Messer auf seine Pulsadern gehalten und damit gedroht, sich selber umzu-
bringen. Dass er sie mit dem Messer bedroht habe, sagte sie nur einmal aus.
Diese Differenz zwischen den Ausführungen der Privatklägerin 2 und der Thera-
peutin ist jedoch nicht von grosser Bedeutung, ist doch ohne weiteres denkbar,
dass D._ sich nicht mehr genau an den Inhalt der Drohung mit dem Messer
erinnern konnte. Im Übrigen gibt die Therapeutin wieder, was ihr die Privatkläge-
rin 2 erzählt hat. Mit Ausnahme der angeklagten 150 Vergewaltigungen deckt sich
dies in weiten Teilen mit den Aussagen der Privatklägerin 2. Dies gilt insbesonde-
re bezüglich der von der Privatklägerin 2 geschilderten massiven Drucksituation
seitens ihrer Familie und ihrer Angst, die Familie könnte von ihrer Beziehung zum
Beschuldigten erfahren sowie der Drohung des Beschuldigten, private Fotos
überall zu zeigen.
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Zusammenfassend geben die Berichte der Psychotherapeutin wieder, was die
Privatklägerin 2 ihr erzählte. Die Berichte beschränken sich auf Wahrnehmungen
von D._ vom Hörensagen. Eigene Wahrnehmungen betreffend von der Pri-
vatklägerin 2 erlittene Verletzungen liegen seitens der Therapeutin für die fragli-
che Zeit nicht vor. Festzuhalten ist zudem, dass die Privatklägerin 2 ihrer Thera-
peutin nur von einer Vergewaltigung erzählte. Es war ihr gegenüber nicht die Re-
de von 15 Vergewaltigungen monatlich.
d) Berichte des Stadtspitals Triemli
Die bei den Akten liegenden Berichte des Stadtspitals Triemli (Urk. 9/11-24) be-
treffen Konsultationen der Privatklägerin 2 in der Zeit von Februar 2016 bis Okto-
ber 2017 und enthalten bei ihr gestellte Diagnosen wiederkehrender viraler Infekte
der oberen Atemwege, Flanken- und Bauchschmerzen sowie Harnwegsinfekte.
Ferner wird die Überweisung in die PUK dokumentiert, welche am 23. Juni 2017
erfolgte (Urk. 9/17; vgl. vorstehend lit. b) und der am 3. Oktober 2017 medikamen-
tös durchgeführte Schwangerschaftsabbruch (Urk. 9/23). Diesen ärztlichen Unter-
lagen können keine Hinweise auf erlittene Gewaltanwendung entnommen wer-
den.
e) Psychotherapeutischer Bericht C._
In ihrem dem Gericht am 23. Juni 2020 eingereichten Bericht vom 10. Juni 2020
(Urk. 84) hält die Psychologin C._ fest, dass die Privatklägerin 2 seit 22. Ok-
tober 2019 bei ihr in Behandlung sei. Sie beschreibt die Vorgeschichte der Flucht
der Privatklägerin 2 mit ihren Kindern aus dem E._ in die Schweiz sowie ihre
Situation bei Ankunft in die Schweiz. Betreffend die Beziehung zum Beschuldigten
gibt C._ wieder, was ihr die Privatklägerin 2 erzählte. Da die Privatklägerin 2
bei C._ erst seit 22. Oktober 2019 in Behandlung ist, konnte sie auch keine
eigenen Wahrnehmungen betreffend die angeklagten Vorfälle schildern. Sie stellt
jedoch fest, dass es typisch sei für eine PTBS (Posttraumatische Belastungsstö-
rung) das wichtigste Thema nicht zu Sprache zu bringen, es zu vermeiden, aus-
führlich über die seelischen und körperlichen Verletzungen zu sprechen (Urk. 84
S. 3 und S. 4). Die Privatklägerin 2 habe bereits in der ersten Therapiesitzung am
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22. Oktober 2019 von jenen Themen gesprochen, die sie in der ersten Therapie-
phase mit D._ noch nicht habe beim Namen nennen können, die erlebte
Gewalt, die vielen Vergewaltigungen und die bestehenden Ängste, nicht im Leben
Fuss fassen zu können (Urk. 84 S. 5).
Ausser der Erklärung von C._, wonach die Privatklägerin 2 wegen einer
PTBS ihrer damaligen Therapeutin D._ nichts von den zahlreichen Vergewal-
tigungen seitens des Beschuldigten erzählt habe, sind ihrem Bericht keine für die
Sachverhaltserstellung im vorliegenden Fall relevanten neuen Erkenntnisse zu
entnehmen. Ausserdem ist darauf hinzuweisen, dass die Privatklägerin 2 selber
eine andere Erklärung dafür abgab, dass sie D._ nicht von den zahlreichen
Vergewaltigungen erzählt habe. Sie führte aus, die Therapeutin hätte ihr bestimmt
zur Anzeigeerstattung geraten und es sei ihr Wunsch gewesen, die Sache unter
ihnen (gemeint unter sich und dem Beschuldigten) irgendwie zu Ende zu bringen
(Urk. 5/7 S. 7).
2.1.2. Wahrnehmungsbericht F._ (Urk. 1/4) und G._ (Urk. 1/5)
Die in den Akten liegenden Wahrnehmungsberichte der Polizisten F._ und
G._ betreffend die Vorfälle vom 29. und 30. Oktober 2017 wurden ohne
Wahrung der Teilnahmerechte des Beschuldigten verfasst. Ein solcher Wahr-
nehmungsbericht ist zulasten des Beschuldigten nur verwertbar, wenn er aus-
drücklich auf seine Teilnahme- bzw. Konfrontationsrechte verzichtet hat oder
wenn ihm ohne einen solchen Verzicht später Gelegenheit gegeben wird, sich
zum Wahrnehmungsbericht zu äussern und Ergänzungsfragen zu stellen (Daniel
Häring in BSK StPO Art. 146 N11; BGE 124 V 94; BGE 118 Ia 471). Die entspre-
chenden Berichte wurden dem Beschuldigten nicht vorgelegt (Urk. 4/3 S. 21). Sei-
tens des Beschuldigten liegt kein Verzicht auf seine Teilnahmerechte vor und es
wurde ihm keine Gelegenheit eingeräumt, Ergänzungsfragen zu stellen, weshalb
die Wahrnehmungsberichte nur zu seinen Gunsten verwertbar sind. Da sich dar-
aus keine Angaben zu Gunsten des Beschuldigten entnehmen lassen, ist nicht
weiter darauf einzugehen.
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2.1.3. Auswertung der Mobiltelefone des Beschuldigten und der Privatkläge-
rin 2
Auf die Fotos und Filme, welche die Auswertung der Mobiltelefone der Privatklä-
gerin 2 und des Beschuldigten hervorbrachte, ist im Rahmen der Würdigung der
Aussagen einzugehen. Bereits an dieser Stelle ist jedoch festzuhalten, dass auf-
grund der umfassenden Auswertung der Mobiltelefone der Nachweis des Ver-
sands von Fotos oder Filmen durch den Beschuldigten an Drittpersonen nicht er-
bracht werden konnte. Es kann auf die diesbezüglichen Feststellungen der
Staatsanwaltschaft in der Einstellungsverfügung vom 11. Oktober 2018 im Verfah-
ren gegen H._ verwiesen werden (Urk. 52/2 S. 3 Ziff. 5).
2.1.4. Aussagen Beschuldigter
2.1.4.1. Zusammenfassung
a) In der ersten polizeilichen Befragung vom 23. November 2017 bestritt der
Beschuldigte die Vorwürfe der Privatklägerin 2 und sagte aus, bis vor einer Wo-
che sei die Beziehung gut gelaufen (Urk. 4/1 S. 4). Ausser verbalen Auseinander-
setzungen und lauten Diskussionen, die eine normale Sache seien, habe es kei-
nen Streit gegeben (Urk. 4/1 S. 3).
Die Privatklägerin und er hätten gemeinsame Bilder gehabt. Sie habe zuerst
Bilder an ihre gemeinsamen Freunde geschickt, dann habe er gemeinsamen
Freunden Bilder verschickt. Sie habe von ihm ein Foto gemacht, als er geschlafen
habe, um seiner Familie zu zeigen, dass er schon eine Frau habe und sie für ihn
keine Braut suchen sollen (Urk. 4/1 S. 6). Es treffe nicht zu, dass er gedroht habe,
Bilder und Videos mit sexuellem Inhalt zu verschicken, wenn sie keinen Sex mit
ihm haben wolle (Urk. 4/1 S. 6).
Gestern habe die Privatklägerin 2 ihm gesagt, dass sie die Beziehung been-
den wolle. Sie wolle zur Polizei gehen, weil sie sich von ihm belästigt fühle
(Urk. 4/1 S. 7). Er habe zu ihr gehen wollen, um mit ihr zu reden, seine Kleider zu
holen und weil das Kind krank gewesen sei (Urk. 4/1 S. 6 f.). Als er bei ihr einge-
troffen sei, sei die Polizei schon vor Ort gewesen. Er sei festgenommen worden
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und habe nicht gewusst, aus welchem Grund. Es treffe nicht zu, dass er am Mor-
gen des Vortages bei der Privatklägerin 2 gewesen sei, sie an den Haaren gezo-
gen und zwei oder drei Faustschläge gegen den Kopf versetzt habe (Urk. 4/1 S. 7
f.). Es stimme auch nicht, dass er in der Küche ein Messer aus der Schublade
genommen habe und zu ihr gesagt habe, sie solle das Messer nehmen und ihn
umbringen. Vielmehr sei er beim Abwaschen gewesen und habe gesagt, sie solle
ihn nicht anlügen, sie solle direkt sagen, was sie wolle, sie könne ihn töten, aber
sie solle ihm die Wahrheit in die Augen sagen. Es sei besser, sie töte ihn als ihn
anzulügen (Urk. 4/1 S. 8).
Als die Privatklägerin 2 habe abtreiben wollen, habe er dies erst beim Arzt
erfahren. Dieser habe gesagt, dass der Vater auch entscheiden müsse. Er habe
gewollt, dass das Kind zur Welt komme, aber die Mutter habe entscheiden kön-
nen (Urk. 4/1 S. 9).
b) In der Hafteinvernahme vom 23. November 2017 bestätigte er, die Probleme
in der Beziehung hätten vor drei, vier Tagen angefangen. Davor sei alles tiptop
gelaufen, er sei zufrieden mit ihr gewesen, sie mit ihm (Urk. 4/2 S. 3). Erst vor
drei, vier Tagen habe die Privatklägerin 2 angefangen, Telefonate nicht mehr zu
beantworten, wirklich gesagt, dass sie die Beziehung nicht mehr wolle, habe sie
nicht (Urk. 4/2 S. 4).
Er habe ein gemeinsames Bild von ihr und ihm zusammen an afghanische
Bekannte verschickt, aber sie selber habe vor einem Jahr ein gemeinsames Foto
verschickt (Urk. 4/2 S. 4). Er habe von der Privatklägerin 2 keine unsittlichen Fo-
tos oder Filme hergestellt. Auf Vorhalt, dass die Privatklägerin 2 der Polizei ein
Foto gezeigt habe, auf welchem im Vordergrund sein Penis zu sehen sei und im
Hintergrund die schlafende Privatklägerin 2 mit einem Kind auf dem Schoss, er-
klärte er, sie beide hätten das aus Spass gemacht. Sie habe ihm auch ihre Nackt-
fotos aus Spass geschickt (Urk. 4/2 S. 5). Was sie gemacht hätten, sei einver-
nehmlich gewesen (Urk. 4/2 S. 5 F28). Auf Vorhalt, dass die Privatklägerin gesagt
habe, sie habe auf dem Foto geschlafen und sei nicht einverstanden gewesen,
antwortete er dann, das stimme, er sei auch nicht einverstanden gewesen, dass
sie von ihm Fotos mache. Ein Bild sei aber kein Grund (Urk. 4/2 F29). Ausser den
- 18 -
Fotos auf seinem Handy verfüge er über keine weiteren Fotos der Geschädigten.
Er kenne die Zahl unsittlicher Fotos der Privatklägerin 2 nicht, schätze sie auf 10
bis 15 (Urk. 4/2 S. 6). Es habe keine Androhungen mit der Verbreitung dieser Fo-
tos zur Erzwingung von Sex gegeben (Urk. 4/2 S. 6).
Der Beschuldigte bestritt, die Privatklägerin 2 am 21. November 2017 an
den Haaren gerissen, ihr Faustschläge gegen den Kopf gegeben zu haben und
gesagt zu haben, er werde sie zwingen, ihn zu heiraten. Er habe sie nicht unter
Druck gesetzt und nicht mittels Körpergewalt vergewaltigt. Er habe nicht die Tür
abgeschlossen und den Schlüssel an sich genommen (Urk. 4/2 S. 7). Er sei am
21. November 2017 mit dem Kind beim Arzt gewesen (Urk. 4/2 S. 8).
c) In der Einvernahme vom 27. April 2018 sagte der Beschuldigte aus, das ers-
te und das letzte Mal, dass er und die Privatklägerin sich geschlagen hätten, sei
März/April 2016 in der Asylunterkunft an der I._-Strasse in Zürich gewesen.
Sie habe ihm eine Ohrfeige gegeben und er habe ihr eine Ohrfeige gegeben (Urk.
4/3 S. 9). Es stimme nicht, dass er gewalttätig gegen die Privatklägerin 2 vorge-
gangen sei, er habe sie nicht geschlagen (Urk. 4/3 S. 10). Er habe ihr keine
Faustschläge verpasst, sie nicht an den Haaren gezerrt (Urk. 4/3 S. 11).
Er kenne die Eltern der Privatklägerin 2 nicht, habe diese noch nie gesehen.
Sie hätten nichts von der Beziehung gewusst. Er habe ihnen auch nichts darüber
erzählen wollen (Urk. 4/3 S. 12).
Er habe von der Privatklägerin Fotos in Kleidern gemacht. Sie habe ihm von
sich aus Nacktfotos geschickt. Es seien 20-30 Fotos gewesen, auf denen sie
ganz nackt gewesen sei, auf anderen Fotos habe sie nur einen BH getragen
(Urk. 4/3 S. 13). Er habe niemandem intime Fotos der Privatklägerin 2 geschickt.
Das Foto der Privatklägerin 2 im grünen BH habe sie selber kurz auf Facebook
gepostete und dann kurze Zeit später wieder gelöscht, um zu sagen, dass er es
gewesen sei (Urk. 4/3 S. 13 f.).
Er habe sich nie gewaltsam Zutritt zur Wohnung der Privatklägerin 2 ver-
schafft (Urk. 4/3 S. 22).
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Die Privatklägerin 2 habe gesagt, dass sie ein Kind von ihm wolle. Dann sei
sie schwanger geworden und habe abgetrieben (Urk. 4/3 S. 22). Sie habe ihm
gesagt, dass sie schwanger sei und habe ihm ein Ultraschallbild geschickt. Er ha-
be gesagt, dass er ein Kind wolle, dass dies kein Problem für ihn sei (Urk. 4/3 S.
23).
Er habe sie nie geschlagen und nie zum Sex gezwungen (Urk. 4/3 S. 23).
Sie hätten nur am Wochenende Sex gehabt, man würde nie auf 15 Mal pro Monat
kommen (Urk. 4/3 S. 24).
Auf Ergänzungsfrage seiner Verteidigerin sagte der Beschuldigte, es treffe
zu, dass er der Privatklägerin 2 ein Foto geschickt habe, auf welchem er Sex mit
einer anderen Frau gehabt habe. Es habe sich um einen Bordellbesuch gehandelt
und er habe ihr dieses Foto geschickt, weil die Privatklägerin 2 auf Facebook ge-
postet habe, dass sie mit einem anderen Mann zusammen sei und ihm gesagt
habe, sie habe einen Besseren gefunden (Urk. 4/3 S. 27).
d) In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 21. Juni 2018 sagte der
Beschuldigte aus, es sei mit der Privatklägerin 2 zu Streit gekommen, weil sie der
Überzeugung gewesen sei, dass er mit anderen Frauen Kontakt gehabt habe, sie
hätten darüber gestritten (Urk. 4/4 S. 2). Der ernsthafte Streit sei Ende 2017 ge-
wesen, bevor er verhaftet worden sei. Er sei bei Streit nie handgreiflich geworden.
Im Sommer 2016 habe ihm die Privatklägerin 2 eine Ohrfeige verpasst und er ha-
be ihr ebenfalls eine verpasst, das sei das erste und einzige Mal gewesen
(Urk. 4/4 S. 3).
Sexualverkehr habe es zwischen ihm und der Privatklägerin 2 nur Samstag
und Sonntag gegeben, weil dann die Kinder nicht zu Hause gewesen seien. Im
Normalfall sei er unter der Woche nicht bei der Privatklägerin 2 gewesen, nur,
wenn eines ihrer Kinder krank gewesen sei und sie ihn um Unterstützung gebeten
habe (Urk. 4/4 S. 3).
Auf Vorhalt der Aussage der Privatklägerin 2, dass er sich schon selber ge-
schlagen habe, einmal mit dem Haartrockner so fest, dass er Nasenbluten gehabt
- 20 -
habe, sagte der Beschuldigte, die Privatklägerin 2 lüge. Es treffe auch nicht zu,
dass er sich ein Messer an die Pulsadern gehalten und gedroht habe, sich umzu-
bringen (Urk. 4/4 S. 4).
Die Behauptung, dass er Fotos und Nachrichten an zwei Cousins der Privat-
klägerin 2 geschickt habe, treffe nicht zu. Er kenne niemanden von ihrer Ver-
wandtschaft und ihre Verwandtschaft kenne ihn nicht (Urk. 4/4 S. 4).
Er bestritt erneut, die Privatklägerin 2 durch Gewalt oder Druckausübung
(Drohung mit Übermittlung intimer Fotos an Verwandte oder Drohung, sich selber
umzubringen) zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben (Urk. 4/4 S. 6).
Auf die Frage nach dem Motiv der Privatklägerin 2 für eine Falschbelastung
erklärte der Beschuldigte, seiner Meinung nach sei der einzige Grund darin zu
sehen, dass sie davon ausgehe, dass er Fotos, auf welchen die Privatklägerin 2
nur im BH zu sehen sei, an ihre Verwandtschaft weitergeleitet habe, obwohl er ih-
re Verwandtschaft gar nicht kenne. Er habe keine Ahnung, wer diese Fotos an
wen weitergeleitet habe. Es könne sein, dass ein Fehler passiert sei. Die Kinder
hätten mit dem Natel gespielt, er wisse auch nicht, wie dieser Fehler habe passie-
ren können (Urk. 4/4 S. 7).
e) In der Schlusseinvernahme vom 9. Juli 2018 bestritt der Beschuldigte den
Anklagevorwurf der Vergewaltigungen und anerkannte denjenigen der Sachbe-
schädigung und der Verletzung des Geheim- oder Privatbereichs durch Aufnah-
megeräte (Urk. 4/5 S. 7).
f) Der Beschuldigte sagte in der Befragung vor Vorinstanz aus, bis zum
20. November 2017 habe er mit der Privatklägerin 2 eine sehr gute Beziehung
gehabt. Sie seien gemeinsam spazieren und einkaufen gegangen. Der einzige
Vorwurf, den sie ihm gemacht habe, sei die Verbreitung dieser Aufnahmen gewe-
sen, was aber nicht stimme (Prot. I S. 16). Es treffe nicht zu, dass er mit Gewalt in
die Wohnung der Privatklägerin 2 eingedrungen sei, sie habe ihm die Tür geöff-
net. An diesem Abend hätten sie keinen Geschlechtsverkehr gehabt, die Privat-
klägerin 2 habe gesagt, sie habe ihre Tage (Prot. I S. 16). Es stimme nicht, dass
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er gegen den Willen der Privatklägerin 2 den Geschlechtsverkehr vollzogen habe.
Dass er in der Zeit vom 1. Januar 2017 bis 20. November 2017 mindestens 15
Mal pro Monat gegen den Willen der Privatklägerin 2 den Geschlechtsverkehr
vollzogen habe, sei eine falsche Anschuldigung, sei gelogen (Prot. I S. 17). Eben-
falls gelogen sei, dass er die Privatklägerin 2 psychisch massiv unter Druck ge-
setzt habe mit der Drohung private, zum Teil intime, Fotos an das Familienumfeld
der Privatklägerin 2 zu senden oder der Drohung, sich selbst zu verletzen oder
sich selbst umzubringen, wenn sie keinen Sex mit ihm habe (Prot. I S. 18).
g) Anlässlich der Berufungsverhandlung äusserte sich der Beschuldigte einzig
zu seinen persönlichen Verhältnissen (Prot. II S. 12 ff.). In der Befragung zur Sa-
che machte er dagegen von seinem Aussageverweigerungsrecht gebraucht
(Prot. II S. 15).
2.1.4.2. Würdigung
Der Beschuldigte hat zwar aufgrund seiner Stellung im Verfahren ein legitimes In-
teresse daran, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Es
liegen jedoch keine Hinweise vor, welche an seiner allgemeinen Glaubwürdigkeit
zweifeln liessen.
Der Beschuldigte bestritt die Vorwürfe konstant über alle Einvernahmen hinweg.
Seine Aussagen sind über weite Teile knapp und pauschal ausgefallen. Sie be-
schränken sich im Kerngehalt auf eine Bestreitung der Vorwürfe. Die Konstanz
seiner Bestreitung stellt vor diesem Hintergrund kein besonderes Realitätskenn-
zeichen dar. Wie sogleich darzulegen ist, hat er auch widersprüchlich ausgesagt.
Zudem ist in seinen Aussagen eine Tendenz erkennbar, sich dem Stand der Er-
mittlungen anzupassen. In der ersten polizeilichen Einvernahme sagte er zuerst
aus, es habe keinen Streit mit der Privatklägerin 2 gegeben (Urk. 4/1 S. 1). Später
räumte er dann in der gleichen Einvernahme ein, dass er am Tag seiner Verhaf-
tung eine verbale Auseinandersetzung mit der Privatklägerin 2 gehabt habe und
sie gesagt habe, sie wolle die Beziehung beenden (Urk. 4/1 S. 7). Ferner ist da-
rauf hinzuweisen, dass er in der Hafteinvernahme vom 23. November 2017 zuerst
aussagte, er habe keine unsittlichen Aufnahmen von der Privatklägerin 2 ge-
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macht, um dann auf Vorhalt des Fotos der schlafenden Privatklägerin 2 mit Kind
und seinem erigierten Penis im Vordergrund zu erklären, sie hätten das aus
Spass gemacht, sie habe ihm auch aus Spass Nacktfotos von sich geschickt.
Weiter musste er einräumen, dass die Privatklägerin 2 auf der fraglichen Fotogra-
fie aufgenommen wurde während sie schlief, weshalb sie kaum einverstanden
sein konnte mit der Aufnahme (Urk. 4/2 S. 5). Schliesslich räumte er ein, er habe
ca. 10 bis 15 unsittliche Fotos der Privatklägerin 2 hergestellt (Urk. 4/2 S. 6). In
der Einvernahme vom 27. April 2018 erklärte er dann, die Privatklägerin 2 habe
selber Nacktfotos gemacht und ihm diese geschickt. Auf 20 bis 30 Fotos sei sie
ganz nackt, auf anderen habe sie nur einen BH getragen (Urk. 4/3 S. 12 f.). Er
sagte ferner aus, er habe keine Ahnung, wer diese Fotos, auf welchen die Privat-
klägerin 2 nur mit einem BH bekleidet ist, an wen weitergeleitet habe. Es könne
sein, dass ein Fehler passiert sei. Die Kinder hätten mit dem Natel gespielt, er
wisse auch nicht, wie dieser Fehler habe passieren können (Urk. 4/4 S. 7). Diese
implizierte Mutmassung, die Kinder könnten Fotos, auf welchen ihre Mutter nur im
BH bekleidet ist, an Dritte weitergeleitet haben, wirkt sehr seltsam und erweckt
den Eindruck einer Schutzbehauptung. In die gleiche Richtung weist seine Ver-
mutung, das Foto der Privatklägerin 2 im grünen BH habe diese selber kurz auf
Facebook gepostet und dann kurze Zeit später wieder gelöscht um zu sagen,
dass er es gewesen sei (Urk. 4/3 S. 13 f.). Es ist nicht einzusehen, weshalb die
Privatklägerin das tun sollte, insbesondere, wenn die Beziehung zwischen ihm
und ihr bis zur Anzeigeerstattung nach seiner Darstellung intakt gewesen sein
soll. Zudem wäre sie damit das Risiko eingegangen, dass jemand aus ihrem fami-
liären Umfeld das Bild genau in dem Moment anschaute, in welchem es auf Fa-
cebook zu sehen war. Aufgrund der Aktenlage, insbesondere den Angaben ihrer
Therapeutin D._ hatte die Privatklägerin 2 genau davor massive Angst und
kann ausgeschlossen werden, dass sie dies riskierte. Die Argumentation des Be-
schuldigten ist nicht schlüssig. Zu dem von ihm gezeichneten Bild einer intakten
Beziehung passt auch nicht, dass er auf Ergänzungsfrage seiner Verteidigerin
aussagte, es treffe zu, dass er der Privatklägerin 2 ein Foto geschickt habe, auf
welchem er Sex mit einer anderen Frau gehabt habe. Es habe sich um einen
Bordellbesuch gehandelt und er habe ihr dieses Foto geschickt, weil die Privat-
- 23 -
klägerin 2 auf Facebook gepostet habe, dass sie mit einem anderen Mann zu-
sammen sei und ihm gesagt habe, sie habe einen Besseren gefunden (Urk. 4/3 S.
27).
Angesichts der diversen Ungereimtheiten in seinen Aussagen ergeben sich Zwei-
fel an der Glaubhaftigkeit der Darstellung des Beschuldigten.
2.1.5. Aussagen Privatklägerin 2
2.1.5.1. Zusammenfassung
a) In der polizeilichen Befragung vom 22. November 2017 sagte die Privatklä-
gerin 2 aus, die Beziehung zum Beschuldigten sei seit über einem Jahr nicht
mehr gut. Sie habe ihm gesagt, dass sie ihn nicht mehr liebe und nicht mehr mit
ihm sein wolle. Weil er sie verprügelt habe und sie und ihre Kinder angeschrien
habe, habe sie nicht mehr mit ihm zusammen sein wollen. Er habe sie aber zu
dieser Beziehung gezwungen, indem er sie bedroht habe und Fotos von ihr auf
Facebook geladen habe. Jedes Mal, wenn sie ihn nicht mehr zu sich nach Hause
gelassen habe oder seine Anrufe nicht entgegen genommen habe, habe er via
Facebook Fotos von ihr an ihre Familie geschickt. Er habe viele private Fotos von
ihr und Filme und schicke diese an ihre Verwandten. Vor ca. 1 bis 2 Monaten sei
sie ungewollt von ihm schwanger geworden. Ungewollt bedeute, dass sie keinen
Kontakt mehr mit ihm haben wollte, aber wegen der Fotos die Beziehung mit ihm
habe weiterführen müssen (Urk. 5/1 S. 2). Sie habe eine Abtreibung machen las-
sen, der Beschuldigte sei einverstanden damit gewesen (Urk. 5/1 S. 3). Auf die
Frage, ob der Beschuldige sie zum Sex gezwungen habe, antwortete sie, er habe
sie dank den Fotos zum Sex und zu dieser Beziehung gezwungen (Urk. 5/1 S. 3).
Anschliessend wurde sie gefragt, ob der letzte Geschlechtsverkehr, welcher
nach ihrer Aussage vor ca. 3 bis 4 Tagen stattgefunden habe, freiwillig gewesen
sei. Darauf erklärte sie, sie möchte diese Beziehung nicht. Er mache seit zwei
Monaten vor ihrem Haus Lärm, wenn er zu ihr nach Hause kommen wolle, dass
sie gezwungen sei, ihn hereinzulassen (Urk. 5/1 S. 3). Von der Einvernehmenden
aufgefordert zu erklären, was sich am Vortag ereignet habe, erklärte sie, sie habe
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mit dem Beschuldigten in der Küche diskutiert. Sie habe ihm gesagt, dass sie ihn
nicht mehr liebe und dass er nicht mehr zu ihr kommen dürfe. Er habe sie an den
Kopfhaaren gezogen, zwei drei Faustschläge gegen den Kopf gegeben und ge-
sagt, am Ende müsse sie ihn heiraten, egal, was sie dagegen mache und ob sie
sich umbringe, er werde sie dazu zwingen, ihn zu heiraten. Sie habe ihm geant-
wortet, sie wolle ihn nicht heiraten. Sie nehme an, der Beschuldigte sei psychisch
krank, manchmal werde er so wild, dass er sowohl sie als auch sich selber schla-
ge (Urk. 5/1 S. 3). Der Beschuldigte habe ein Messer aus der Schublade genom-
men und habe zu ihr gesagt, sie solle ihn damit umbringen, er liebe sie, möchte
ihnen nicht wehtun, möchte sie nicht schlagen, wenn er wütend sei, könne er sich
in dem Moment nicht kontrollieren (Urk. 5/1 S. 3). Er habe sie dazu bringen wol-
len, dass sie für immer bei ihm bleibe, sie habe dies nicht gewollt.
Auf die Frage, ob er sie in den letzten drei Monaten geschlagen habe, führte
sie aus, der Beschuldigte habe sie in den letzten drei Monaten bei ihr zu Hause
geschlagen, da sie sich gegen Sex mit ihm gewehrt habe. Er habe sie mit dem
Kabel, mit der offenen Hand, mit der Faust geschlagen und ihr Fusstritte verpasst
(Urk. 5/1 S. 4). Als sie gefragt wurde, ob sie vom Beschuldigten vergewaltigt wor-
den sei, antwortete sie mit einer Gegenfrage, wie die Befragerin das meine
(Urk. 5/1 S. 5). Auf die Frage, ob sie wisse, was eine Vergewaltigung sei, antwor-
tete sie "Das jemand unter Anwendung von Gewalt mit jemandem Geschlechts-
verkehr hat. Ich denke mir es ist etwas gleiches, ich wollte keine sexuelle Bezie-
hung mehr mit ihm. Welche Rolle spielt es wenn man jemanden nicht lieben
möchte, wenn er frei kommt dann kann es sein, das er mich verprügelt und ich
verkrüppelt sein werde."(Urk. 5/1 S. 5). Zudem ergänzte sie, alle ihre Fotos seien
auf seinem Tablet und auf seinem Computer. Das Problem sei, dass er sie dank
dieser Fotos zum Sex zwinge, dies sei für sie Vergewaltigung (Urk. 5/1 S. 5). Sie
habe der Frauenärztin nicht gesagt, dass sie vergewaltigt worden sei und das
Kind deswegen nicht möchte.
Auf die Frage, warum es zum letzten sexuellen Kontakt gekommen sei, er-
widerte sie, der Beschuldigte habe sie dazu gezwungen, er habe sie schlagen
wollen und habe sie dazu gezwungen (Urk. 5/1 S. 5). Der Beschuldigte habe sich
- 25 -
trotz ihrer Gegenwehr in die Wohnung gedrängt, habe die Tür abgeschlossen und
den Schlüssel in seine Tasche genommen. Er habe gesagt, sie sei gezwungen,
mit ihm zusammen zu sein, habe sie in Richtung Schlafzimmer gezogen, habe
seine Kleider ausgezogen und habe ihr Spaghetti Trägershirt zerrissen, sei auf sie
zugekommen, habe ihre Hände gefasst und sie gegen das Bett gedrückt, so dass
sie auf dem Rücken gelegen sei. Sie habe noch die Periode gehabt, sei aber am
Ende der Regelblutung gewesen. Er habe Geschlechtsverkehr mit ihr gehabt. Er
habe gesagt, er wolle ein Kind von ihr und dieses Mal lasse er es nicht zu, dass
sie das Kind vernichte. Er wolle unbedingt ein Kind von ihr, damit sie dann für
immer bei ihm bleibe. Sie habe ihre Kleider nicht ausziehen wollen und habe ihm
ausdrücklich gesagt, dass die Beziehung fertig sei und sie keinen Sex mit ihm
wolle (Urk. 5/1 S. 6). Er habe sogar ihre Socken ausgezogen. Sie habe versucht,
ihn mit den Händen und Füssen ein paarmal weg zu stossen. Sie habe ihn dann
nicht mehr daran hindern können, da er ihre Hände gefasst und nach hinten ge-
drückt habe und eines seiner Beine zwischen ihren Beinen gehabt habe. Beim
Geschlechtsakt sei er wild und ein wenig brutal gewesen. Er habe ihr ständig ge-
sagt, dass sie ihm gehören würde solange sie am Leben sei (Urk. 5/1 S. 7).
Der Beschuldigte habe weitere Fotos, die er noch nicht gegen sie benützt
habe. Davor habe sie Angst. Ihre Eltern wüssten noch nichts von den Bildern und
ihrer Beziehung zum Beschuldigten. Wüssten sie es, würde sie grosse Probleme
bekommen. Es gehe um ihre Ehre, sie würden sie töten. Sie sei einmal verheira-
tet gewesen und habe drei Kinder. Aus Sicht der Afghanen dürfe sie nicht mehr
heiraten und sei dies sehr schlimm (Urk. 5/1 S. 9).
b) In der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme vom 15. Januar 2018 sagte die
Privatklägerin 2 aus, der Beschuldigte habe ihr grosse Probleme verursacht, in-
dem er private Fotos durch Facebook an die ganze Familie geschickt habe. Er
habe gewusst, dass er dadurch ihr Leben gefährde. Er habe sie regelrecht zum
Beischlaf gezwungen. Er habe sie immer zum Beischlaf gezwungen und habe
ständig ein Messer in seiner Hand gehabt, mit dem er sie bedroht habe. Nach
dem Beischlaf habe er sich selber das Messer auf die Pulsadern gehalten und
habe gedroht, dass er diese aufschneide, wenn sie sich von ihm trenne. Er sei
- 26 -
immer gewaltsam in ihre Wohnung gekommen und habe sie zum Sex gezwun-
gen. Als sie ihm gesagt habe, dass sie sich von ihm trennen werde, habe er mit
Selbstmord gedroht und gesagt, dass er zu ihren Eltern gehen werde und ihnen
alles erzählen werde und dass er Fotos auf Facebook laden werde. Er sei extrem
gewalttätig gewesen, habe sie immer wieder geschlagen und habe sie ständig
verprügelt. Mit Ausnahme ihrer Schwester habe niemand von ihrer Familie von ih-
rer Beziehung mit dem Beschuldigten gewusst. Durch die Fotos habe er sie stän-
dig zu Sex gezwungen (Urk. 5/2 S. 5).
Anfangs 2017 habe sie sich von ihm trennen wollen. Seither habe der Be-
schuldigte sie zu Sex gezwungen, das letzte Mal am 20. November 2017. Danach
habe er sie heftig zusammengeschlagen und verprügelt (Urk. 5/2 S. 6). Er habe
sie sehr viele Male zum Beischlaf gezwungen, sie könne keine Anzahl sagen
(Urk. 5/2 S. 6). Auf die Frage, ob es einmal oder mehrmals pro Monat vorgefallen
sei, antwortete sie, es sei mehrere Male pro Monat erfolgt und präzisierte auf
Nachfrage, ob es zwei Mal oder zehnmal pro Monat gewesen sei, es sei mehr als
15 Mal pro Monat gewesen (Urk. 5/2 S. 6). Jedes Mal sei es zu mehreren sexuel-
len Übergriffen pro Tag gekommen, dann habe sie ihn aus der Wohnung
schmeissen müssen (Urk. 5/2 S. 8).
Dazwischen sei sie einmal schwanger geworden. Er habe gewollt, dass sie
das Kind austrage. Im Sommer sei sie in der Frauenklinik stationiert gewesen, da
sie unter enormem psychischen Druck gestanden habe und suizidgefährdet ge-
wesen sei. Ihre Hausärztin habe sie in die Klinik gewiesen. Nach dem Austritt aus
der Klinik habe sie die Schwangerschaft abgebrochen. Danach habe er sich nicht
mehr blicken lassen, bis er dann am 29. Oktober spät in der Nacht wieder aufge-
taucht sei und einen solchen Lärm gemacht habe, dass sie auf die Strasse habe
hinuntergehen müssen. Ein vorbeifahrender Streifenwagen habe angehalten und
habe den Beschuldigten abgeführt. Er sei 20 Minuten später wieder erschienen
und sie habe die Polizei verständigen müssen (Urk. 5/2 S. 6 f.).
Der Beschuldigte habe sie sehr oft verprügelt und zusammengeschlagen.
Sie sei nicht in Behandlung gegangen, obwohl er sie physisch und psychisch ge-
foltert habe (Urk. 5/2 S. 7 f.).
- 27 -
Beim letzten erzwungenen Geschlechtsverkehr am 20. November 2017 sei
der Beschuldigte über das Toilettenfenster in die Wohnung gelangt. Sie habe ihn
aufgefordert, die Wohnung zu verlassen, habe ihn rausgeschmissen. Er sei aber
wieder gewaltsam in die Wohnung eingedrungen (Urk. 5/2S. 8 f.). Auf Vorhalt,
dass sie in einer früheren Einvernahme gesagt habe, der Beschuldigte habe an
der Tür geklopft und sie habe geöffnet, da sie auf einen Asylbewerber gewartet
habe, der ihre Tür hätte reparieren sollen, erklärte sie, sie habe etwas durchei-
nandergebracht. Es handle sich um zwei Vorfälle. Richtig sei, dass der Beschul-
digte beim letzten Mal an die Tür geklopft habe und sich in die Wohnung gedrängt
habe als sie die Tür geöffnet habe. Er habe die Tür hinter sich abgeschlossen und
habe den Schlüssel in seine Tasche gesteckt. Sie habe ihn aufgefordert, die
Wohnung zu verlassen. Es habe ein heftiges Wortgefecht gegeben. Er habe ge-
sagt, sie wolle sich von ihm trennen, weil sie einen anderen Mann habe und habe
gedroht, sich umzubringen. Er habe sie an den Haaren gepackt und hinter sich
her gezerrt. Sie habe gesagt, er solle aufhören, sie komme freiwillig. Dann sei es
zu einem sexuellen Übergriff gekommen. Er habe an ihren Kleidern gezerrt, ihr T-
Shirt mit Spaghettiträgern zerrissen, habe sie ausgezogen und sie gewaltsam
vergewaltigt (Urk. 5/2 S. 9 f.). Auf die Frage, wie der Beschuldigte habe merken
können, dass der Sexualverkehr gegen ihren Willen stattgefunden habe, erklärte
sie, der Beschuldigte habe gewusst, dass sie nicht mit ihm habe schlafen wollen.
Aber er habe sie entweder zusammengeschlagen oder habe einen heftigen Streit
mit ihr gehabt, habe gedroht, ihre Fotos weiterzuleiten, so sei es zu den Übergrif-
fen gekommen (Urk. 5/2 S. 10). Sie habe ihm bei jeder Begegnung gesagt, dass
sie sich endgültig von ihm trennen wolle und nicht mehr mit ihm schlafen wolle.
Sie habe sogar gesagt, sie werde ihn bei der Polizei anzeigen (Urk. 5/2 S. 11).
Am 20. November 2017 habe sie sich mit Händen und Füssen gewehrt, habe ge-
sagt, er solle sie in Ruhe lassen und gehen. Er habe sie auf das Bett geworfen
und habe ihre beiden Oberarme gepackt. Mit dem Knie habe er auf ihren Ober-
schenkel gedrückt. Sie habe versucht, ihn mit dem Bein wegzustossen. Sie habe
ihre Oberarme befreien können, aber er sei ihr überlegen gewesen, habe sie wie-
der festhalten können und habe sich auf sie geworfen. Er sei ohne Kondom vagi-
nal in sie eingedrungen und sei zum Samenerguss gekommen (Urk. 5/2 S. 11 f.).
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Als die Privatklägerin 2 gefragt wurde, wie es der Beschuldigte bei all diesen
Malen geschafft habe, sie zu Geschlechtsverkehr zu zwingen, antwortete sie zu-
erst, er habe sie erpresst, die privaten Fotos von ihr an ihre Familie weiterzuleiten
(Urk. 5/2 S. 13). Auf weiteres Nachfragen, ob er auch Gewalt gegen sie ange-
wendet habe, erklärte sie, er sei extrem gewalttätig gewesen, habe sie geschla-
gen, verprügelt, habe sie ständig belästigt (Urk. 5/2 S. 13). Er habe sie verprügelt,
um sie zu Sex zu zwingen. Dabei habe er sie mit Faustschlägen geschlagen, mit
Fusstritten traktiert, sie an den Haaren gezogen oder er habe ein Messer auf sei-
ne Pulsadern gelegt und gesagt, entweder schlafe sie mit ihm, oder er schneide
sich die Pulsadern auf. Sie habe ihn oft bei der Polizei anzeigen wollen, habe
aber Erbarmen mit ihm gehabt, da sie gewusst habe, dass er viele Probleme in
Afghanistan habe und bei Begehung einer Straftat nach Afghanistan ausgeschafft
würde. Sie habe ihn mehrmals angefleht, die Fotos zu löschen, er sei jedoch nicht
zu überzeugen gewesen, habe Fotos veröffentlicht und sie damit in Lebensgefahr
gebracht (Urk. 5/2 S. 13). Die sexuellen Übergriffe seien immer mit Gewalt beglei-
tet gewesen, darunter verstehe sie Belästigungen, Prügel, Vorwürfe für Untreue
(Urk. 5/2 S. 13 f.).
Sie sei im Laufe der Beziehung mit dem Beschuldigten mehrmals geschla-
gen oder getreten worden. Die Gewalttaten und Prügel hätten Ende 2016 begon-
nen und bis 20. November 2017 gedauert. Sie könne keine Anzahl nennen
(Urk. 5/2 S. 18). Auf die Frage, ob es 2 oder 3 Mal oder 30 Mal gewesen sei, ant-
wortete sie, es sei monatlich mindestens zu 15 sexuellen Übergriffen gekommen,
davon seien mindestens 10 oder 11 Male begleitet mit Schlägen und Prügel ge-
wesen. Sie habe oft Prellungen und Blutergüsse auf dem Körper gehabt, habe
diese aber nie ärztlich untersuchen lassen. Nur ihre Schwester wisse Bescheid,
dass die blauen Flecken und Prellungen von seinen Gewalttaten stammten
(Urk. 5/2 S. 18).
c) In der Einvernahme als Auskunftsperson vom 7. März 2018 wurde der Pri-
vatklägerin 2 vorgehalten, sie habe in der ersten Einvernahme ausgesagt, der
Beschuldigte habe sie am 20. November 2017 nach Erzwingung des Beischlafs
heftig zusammengeschlagen und verprügelt, anlässlich der Untersuchung durch
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den Arzt des IRM am 22. November 2017 seien keine Verletzungen festgestellt
worden (Urk. 5/4 S. 4). Darauf erklärte sie, der Beschuldigte sei am 20. November
2017 mit Gewalt in ihre Wohnung getreten und habe sie am Hauseingang an den
Haaren gepackt und bis zum Wohnzimmer gezerrt. An den Haaren könne man ja
nichts feststellen. Der Beschuldigte habe ihr Faustschläge gegen den Kopf ver-
setzt und Ohrfeigen verteilt, habe sie an den Kleidern gezerrt und auf das Bett
geworfen, habe sie an den Oberarmen gepackt. Es sei noch ein bis zwei Tage
etwas rot gewesen, bei der Untersuchung habe man keine Rötung mehr feststel-
len können (Urk. 5/4 S. 5). Am 20. November 2017 habe der Beschuldigte ihr
zwei- dreimal Faustschläge versetzt im Haarbereich oben am Kopf und an den
Hinterkopf. Sie habe starke Kopfschmerzen gehabt, ihr sei schwindlig und
schwarz vor den Augen geworden (Urk. 5/4 S. 5).
Die Privatklägerin 2 bestätigte, dass es in 10 der 15 Male pro Monat zu
Schlägen und Prügel gekommen sei. Der Beschuldigte habe ihr Faustschläge
immer gegen den Kopf und Fusstritte gegen ihre Oberschenkel versetzt als sie
am Boden gelegen sei. Wegen der Schläge und Tritte habe sie nur blaue Flecken
erlitten. Einmal habe er sie so heftig geohrfeigt, dass sie aus der Nase geblutet
habe. Sie habe nie sichtbare Verletzungen im Gesicht gehabt (Urk. 5/4 S. 6). Vor
dem Geschlechtsverkehr habe er sie verprügelt, bis sie eingewilligt habe. An-
schliessend habe er ihr Handy überprüfen wollen, mit wem sie Kontakt gehabt
habe, habe sie ausgefragt, wer zu Besuch gekommen sei und wen sie besucht
habe. Dann habe er sich dermassen aufgeregt, geweint und sich selber verletzt.
Das sei ab Anfang 2017 immer so gelaufen (Urk. 5/4 S. 6). Der Beschuldigte habe
ein Messer aus der Küche geholt und sich an die Pulsadern gehalten. Er habe mit
Selbstverletzung gedroht, sich selber aber nicht verletzt (Urk. 5/4 S. 8).
Die Privatklägerin 2 erklärte, der Beschuldigte habe eine private Aufnahme
auf Facebook veröffentlicht und allen ihren Verwandten geschickt, dadurch sei ihr
Leben gefährdet (Urk.5/4 S. 10). Von einem in Deutschland lebenden Cousin ha-
be sie erfahren, dass intime Fotos in fremde Hände gelangt seien. Viele Leute
seien im Besitz solcher Fotos, auch ihr Schwager und Schwiegervater in Afgha-
nistan und ein Schwager in Deutschland (Urk. 5/4 S. 15).
- 30 -
d) In der Einvernahme als Auskunftsperson vom 18. Juni 2018 bestätigte die
Privatklägerin 2, bei 10 oder 11 Malen der insgesamt 15 monatlichen sexuellen
Übergriffe vom Beschuldigten geschlagen worden zu sein. Die Schläge seien vor
und nach dem Geschlechtsverkehr erfolgt (Urk. 5/7 S. 4). Nach den sexuellen
Übergriffen habe er sie geschlagen, weil sie nicht auf seine Anrufe geantwortet
habe, ihm die Tür nicht aufgemacht habe. Er sei der Meinung gewesen, sie habe
einen anderen Freund und sei so wütend geworden, dass er sich selber und auch
sie geschlagen habe. Wenn sie gesagt habe, es sei fertig, gebe keine Beziehung
mehr zwischen ihnen, sei er wütend geworden und habe angefangen sich mit
dem Gegenstand, den er gerade in der Hand gehabt habe, zu schlagen und habe
gesagt, sie solle nie mehr sagen, es sei vorbei (Urk. 5/7 S. 4). Er habe sich selber
ganz fest geschlagen. Sie habe es nicht ausgehalten, dass er sich schlage und
habe ihn angefleht, ihre Wohnung zu verlassen, er solle so etwas nicht tun, er sol-
le weggehen (Urk. 5/7 S. 5).
Der Beschuldigte habe sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen, habe sie
geschlagen, an ihren Haaren gezogen oder sich selber geschlagen auf sehr
schlimme Art und Weise. Nur damit er sich selber habe beruhigen können, habe
sie sich zur Verfügung gestellt (Urk. 5/7 S. 6). Er habe sich mit den eigenen Hän-
den geschlagen, sogar einmal mit dem Haartrockner so fest, dass dieser in Stü-
cke zerbrochen sei. Sie habe ihn angefleht, er solle so etwas nicht tun, sich sogar
auf seine Füsse geworfen. Er habe immer erwidert, er werde sich umbringen, er
könne sich nicht von ihr trennen, er könne dieses Haus nicht verlassen. Ein-
zweimal habe er sich verletzt, als er sich selber geschlagen habe. Einmal habe er
mit der Faust in die Wand geschlagen und habe während einer Woche Schmer-
zen und eine Schwellung gehabt. Einmal habe er Nasenbluten bekommen, als er
sich mit dem Haartrockner ganz fest ins Gesicht und auf den Kopf geschlagen
habe (Urk. 5/7 S. 6).
Auf Vorhalt des Berichtes Ihrer Psychotherapeutin D._, gemäss wel-
chem sie der Therapeutin nichts von den monatlich mindestens 15 Vergewalti-
gungen im Jahre 2017 erzählt habe, sondern nur von der Vergewaltigung vom 20.
November 2017, erklärte die Privatklägerin 2, sie habe in ihrer Therapie eigentlich
- 31 -
nie über den Beschuldigten gesprochen, weil die Therapeutin ihr bestimmt zur
Anzeigeerstattung geraten hätte und es ihr Wunsch gewesen sei, die Sache unter
ihnen irgendwie zu Ende zu bringen. Sie habe Angst gehabt, vor der Verwandt-
schaft ihre Ehre zu verlieren, Angst davor, dass die Fotos überall verteilt würden.
Der Beschuldigte habe seine Verlobung aufgelöst. Die Brüder seiner Verlobten
seien damit nicht einverstanden gewesen und hätten gegenüber dem Beschuldig-
ten Drohungen ausgesprochen.
e) In der Befragung in der Berufungsverhandlung sagte die Privatklägerin zu-
sammengefasst aus, sie sei vom Beschuldigten in dieser Zeit wirklich oft verge-
waltigt worden. Sie habe Angst um ihre Kinder und um ihr eigenes Leben gehabt.
Er habe sie mit dem Messer bedroht und geschlagen. Sein Sexualtrieb sei sehr
stark gewesen. Er habe sie manchmal auch 4-5 Mal am Tag vergewaltigt, wobei
er sie geschlagen und ihr gedroht hatte und sie nicht mehr losgelassen habe, bis
er bekommen habe, was er wollte. Die von ihr in früheren Einvernahmen angege-
benen 15 Vergewaltigungen pro Monat seien eine Schätzung gewesen, weil die
Polizei unbedingt eine konkrete Zahl habe hören wollen. Tatsächlich seien es
aber viel mehr Vergewaltigungen gewesen. Er habe ihr gedroht, dass er ihren El-
tern von ihrer Beziehung erzählen würde. Sie habe Angst gehabt, dass diese sie
dann umbringen lassen würden, weil eine derartige Beziehung in Afghanistan als
unsittlich gelte. Sie sei die ganze Zeit unter Druck gestanden. Er habe sie keinen
Moment mehr in Ruhe gelassen und sei ständig bei ihr in der Wohnung gewesen.
Der Beschuldigte habe schliesslich "Nacktfotos" von ihr auf dem Internet veröf-
fentlicht bzw. er habe solche Fotos an Verwandte geschickt. Sie habe jedenfalls
das Foto, dass sie mit ihrem Kind schlafend und davor den Penis des Beschuldig-
ten zeige, ca. 1-2 Tage vor der Anzeigeerstattung von einem Cousin zugeschickt
bekommen. Da habe sie sich gedacht, nun, da die Fotos bereits im Kreise ihrer
Familie kursieren würden, müsse die Polizei vom Ganzen erfahren. Deshalb habe
sie sich in diesem Zeitpunkt zur Anzeige entschlossen (Prot. II S. 16 ff.).
2.1.5.2. Würdigung
a) Glaubwürdigkeit
- 32 -
Die Privatklägerin 2 hat aufgrund ihrer Verfahrensstellung und der geltend ge-
machten Genugtuungsforderung ein Interesse an einem für sie günstigen Verfah-
rensausgang. Diesem Umstand ist bei der Würdigung ihrer Aussagen Rechnung
zu tragen.
b) Aussagenwürdigung
Die Vorinstanz hat die bei der Aussagenwürdigung anwendbaren Grundsätze zu-
treffend dargelegt. Es kann vorab darauf verwiesen werden (Urk. 64 S. 8).
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Aussagen der Privatklägerin 2 weitgehend
pauschal ausgefallen sind und einen geringen Detaillierungsgrad aufweisen.
Emotionale Beteiligung, Beschreibung von Gefühlen der Ohnmacht, Demütigung
oder ähnliche Gefühle sind in ihren Aussagen kaum zu erkennen, zumindest
nicht, was das Kerngeschehen der Vergewaltigungen betrifft. Bereits die Vorin-
stanz hat zutreffend darauf hingewiesen, dass sie die zahlreichen Vergewaltigun-
gen undifferenziert beschrieben hat, die Beschreibungen ungenau erfolgten und
nicht mit äusseren Umständen verflochten wurden (Urk. 64 S.17 f.). Ferner erfolg-
ten ihre Aussagen nicht spontan, vielmehr erst auf Nachfragen. Als Beispiel dafür
kann die erste Einvernahme vom 22. November 2017 dienen, in welcher die Pri-
vatklägerin von sich aus keine Vergewaltigung schilderte. Erst auf die Frage, ob
der Beschuldigte sie zum Sex gezwungen habe, erklärte sie, er habe sie dank der
Fotos zum Sex und zu dieser Beziehung gezwungen (Urk. 5/1 S. 3). Als sie ge-
fragt wurde, ob der Beschuldigte sie in den letzten drei Monaten geschlagen ha-
be, führte sie aus, er habe sie mit dem Kabel, mit der offenen Hand geschlagen
und ihr Fusstritte verpasst, da sie sich gegen Sex mit ihm gewehrt habe (Urk. 5/1
S. 4). Diese Aussage deutet auf Gewaltanwendung im Hinblick auf die Erzwin-
gung von Geschlechtsverkehr hin. Die Privatklägerin 2 wurde denn auch weiter
gefragt, ob sie vom Beschuldigten vergewaltigt worden sei, worauf sie mit der
Gegenfrage antwortete, wie die Befragerin dies meine. Auf die weitere Frage, der
Polizeibeamtin, ob sie wisse, was eine Vergewaltigung sei, erklärte die Privatklä-
gerin, das sei, wenn jemand unter Anwendung von Gewalt mit jemandem Ge-
schlechtsverkehr habe und sie denke, es sei etwas gleiches, sie habe keine se-
xuelle Beziehung mit ihm mehr gewollt. Das Problem sei, dass er sie dank dieser
- 33 -
Fotos zum Sex zwinge und das sei für sie Vergewaltigung (Urk. 5/1 S. 5). Diese
eher diffuse Erklärung deutet entgegen der vorgängigen Aussage betreffend die
erlittenen Schläge und Fusstritte darauf hin, dass die Privatklägerin 2 nicht durch
Gewaltanwendung zum Geschlechtsverkehr gezwungen wurde, vielmehr Druck-
ausübung im Zusammenhang mit privaten/intimen Fotos im Vordergrund stand.
Auf die konkrete Frage, weshalb es zum letzten sexuellen Kontakt zum Beschul-
digten gekommen sei, antwortete sie, der Beschuldigte habe sie dazu gezwun-
gen, er habe sie schlagen wollen. Schliesslich schilderte sie, der Beschuldigte
habe beim letzten Geschlechtsverkehr ihr Spaghetti-Trägershirt zerrissen. Sie ha-
be gesagt, sie wolle keinen Sex mit ihm und habe versucht, ihn mit Händen und
Füssen weg zu stossen. Sie habe ihn nicht daran hindern können, da er ihre
Hände gefasst und nach hinten gedrückt habe und eines seiner Beine zwischen
ihren Beinen gehabt habe. Dieses schwankende unspontane Aussageverhalten
und die erst auf konkretes Nachfragen geltend gemachte Gewaltanwendung las-
sen aufhorchen und sprechen nicht für die Glaubhaftigkeit der Darstellung der
Privatklägerin 2. Dieser Eindruck wird ferner dadurch verstärkt, dass die Privat-
klägerin an der Berufungsverhandlung neu auch angab, dass sie der Beschuldigte
zudem zwungen habe, Medikamente mit dämpfender und sedierender Wirkung zu
nehmen. Sie habe pro Tag bis zu drei "Temesta", ein Psychopharmaka mit dämp-
fender bzw. sedierender Wirkung, nehmen müssen, damit er bekommen konnte,
was er wollte (Prot. II S. 24). Insgesamt ist neben den inkonsistenten Aussagen
der Privatklägerin somit auch eine zunehmende Aggravation der Vorwürfe fest-
stellbar.
In der zweiten Einvernahme vom 15. Januar 2018 zeigt sich dann in den Aussa-
gen der Privatklägerin 2 eine deutliche Tendenz zu Übertreibungen. Sie sagte
aus, der Beschuldigte habe sie immer zu Beischlaf gezwungen und habe ständig
ein Messer in der Hand gehabt, er sei extrem gewalttätig gewesen, habe sie im-
mer wieder geschlagen und habe sie ständig verprügelt (Urk. 5/2 S. 5). Auf ent-
sprechende Nachfrage erklärte sie schliesslich, von den ca. 15 Vergewaltigungen
pro Monat seien 10 - 11 von Schlägen und Prügel begleitet gewesen (Urk. 5/2
S. 18). Demgegenüber erklärte sie anlässlich der Berufungsverhandlung auf die
identische Frage hin, der Beschuldigte habe sie bei jeder Vergewaltigung ge-
- 34 -
schlagen und gegen Schluss auch mit dem Messer gedroht. Sie habe immer
blaue Flecken gehabt (Prot. II S. 25). Der Beschuldigte habe sie regelrecht gefol-
tert, aber sie sei deshalb nie in Behandlung gewesen (Urk. 5/2 S. 2). Die Berichte
der Konsultationen im Triemlispital enthalten keine Feststellungen betreffend Ver-
letzungen oder Hämatome bei der Privatklägerin 2, was bei ständigem Verprü-
geltwerden eher erstaunt, insbesondere nachdem die Privatklägerin 2 behauptet,
diese Prügel hätten auch immer wieder zu sichtbaren blauen Flecken geführt.
Auch bei der Untersuchung durch das IRM am 22. November 2017 wurden keine
Verletzungen oder Hämatome festgestellt, obwohl die Privatklägerin ausgesagt
hatte, der Beschuldigte habe sie nach der Vergewaltigung am 20. November 2017
verprügelt. Die Anzahl Vergewaltigungen pro Monat konnte die Privatklägerin 2
nicht von sich aus nennen, sie beschränkte sich auf die Aussage, es sei sehr viele
Male gewesen, es sei mehrere Male pro Monat erfolgt. Erst auf Nachfragen, ob es
zwei Mal oder zehn Mal pro Monat gewesen sei, erklärte sie, es sei mehr als 15
Mal pro Monat gewesen, ohne auch nur ansatzweise zu erklären, wie sie auf die-
se Zahl kam (Urk. 5/2 S. 6). Anlässlich der Berufungsverhandlung auf diesen Um-
stand angesprochen, erklärte die Privatklägerin 2, der Staatsanwalt habe unbe-
dingt eine Zahl hören wollen, da habe sie dann halt 15 gesagt, es seien aber tat-
sächlich viel mehr Taten gewesen (Prot. II S. 21). Auch wenn man ihre Erklärung
mitberücksichtigt, dass es zu mehreren sexuellen Übergriffen pro Tag gekommen
sei (Urk. 5/2 S. 8; Prot. II S. 21), erscheint die massive Zahl von 150 Vergewalti-
gungen über den Anklagezeitraum von über 10 Monaten doch als ausseror-
dentlich hoch und würde einer näheren Erklärung bedürfen, zumal die Privatklä-
gerin 2 und der Beschuldigte auch getrennte Wohnsitze hatten (Urk. 5/2 S. 3).
Zwar gab die Privatklägerin 2 in der Befragung durch das Obergericht diesbezüg-
lich an, der Beschuldigte sei praktisch immer in ihrer Wohnung gewesen, obwohl
er eine eigene Wohnung gehabt habe. Entsprechend hätten sich sämtliche Ver-
gewaltigungen bei ihr zu Hause ereignet (Prot. II S. 22; Urk. 5/2 S. 8). Das bereits
erwähnte schwankende und unspontane Aussageverhalten der Privatklägerin tritt
dann aber auch hier zum Vorschein, gab sie doch nur kurze Zeit später in der
obergerichtlichen Einvernahme auf entsprechende Nachfrage hin, ob sie auch
mal beim Beschuldigten zu Hause gewesen sei, an, sie sei hin und wieder auch
- 35 -
bei ihm gewesen, wobei sie einmal auch dort von ihm vergewaltigt worden sei
(Prot. II S. 24). Sodann erschiene es zwar – bei einer über einen längeren Zeit-
raum verteilten grossen Anzahl von gleichartigen Übergriffen – noch nachvoll-
ziehbar, dass es dem Opfer schwer fällt, sich auf eine exakte Zahl der Übergriffe
festzulegen. Dass das Opfer sich – wie in casu die Privatklägerin 2 – dann aber
bei der Schätzung der Übergriffe auf eine deutlich zu tiefe Zahl festlegen würde,
ohne entsprechende Vorbehalte zu machen, obwohl es in Tat und Wahrheit "viel
mehr" gewesen sei, ist nicht nachvollziehbar. Schwer nachvollziehbar ist auch,
dass die Privatklägerin 2 diese zahllosen Übergriffe gegenüber ihrer Therapeutin
nicht erwähnte, dieser vielmehr nur von der Vergewaltigung vom 20. November
2017 erzählte (vgl. dazu auch nachfolgend S. 37). Insgesamt erscheinen die Aus-
sagen der Privatklägerin betreffend die Anzahl der Vergewaltigungen und die
ständigen Prügel Ausdruck einer Tendenz zur Übertreibung zu sein.
Die einzige Vergewaltigung, zu welcher die Privatklägerin 2 detaillierte Aussagen
machte, ist diejenige vom 20. November 2017. Den Ablauf schilderte sie insoweit
gleichbleibend, als sie erklärte, der Beschuldigte habe ihr T-Shirt zerrissen, sie
auf das Bett geworfen, an den Oberarmen oder an den Händen gepackt und mit
dem Knie gegen einen Oberschenkel gedrückt, sie habe nur ein Bein frei gehabt
und habe damit versucht, ihn wegzustossen (Urk. 5/1 S. 6; Urk. 5/2 S. 10 ff.).
Während sie bei der ersten Einvernahme nichts davon erzählte, dass der Be-
schuldigte sie im Zusammenhang mit der letzten Vergewaltigung geschlagen ha-
be, sagte sie in der zweiten Einvernahme aus, der Beschuldigte habe sie nach
dem letzten erzwungenen Beischlaf vom 20. November 2017 heftig zusammen-
geschlagen und verprügelt (Urk. 5/2 S. 6). Dass bei der Untersuchung durch das
IRM am 22. November 2017 keine Verletzungen festgestellt wurden, wurde be-
reits vorstehend erwähnt und stützt die Darstellung der Privatklägerin 2 nicht. Auf
entsprechenden Vorhalt modifizierte die Privatklägerin 2 in der Einvernahme vom
7. März 2018 ihre Aussage dahingehend, dass der Beschuldigte sie vor der Ver-
gewaltigung an den Haaren ins Wohnzimmer gezerrt habe, ihr dabei Faustschlä-
ge gegen den Kopf versetzt und Ohrfeigen verteilt habe, sie an den Kleidern ge-
zerrt und auf das Bett geworfen habe. Er habe sie an den Oberarmen gepackt. Es
sei noch ein bis zwei Tage etwas rot gewesen, bei der Untersuchung habe man
- 36 -
keine Rötung mehr feststellen können (Urk. 5/4 S. 5). Im Widerspruch zur vor-
gängigen Einvernahme sagte sie nun neu aus, dass die Faustschläge vor dem
Beischlaf erfolgt seien. Widersprüchliche Aussagen in diesem Kernbereich lassen
ebenfalls Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der Privatklägerin auf-
kommen.
Ein weiterer Widerspruch findet sich prima vista in den Aussagen der Privatkläge-
rin 2 betreffend die Frage, wie der Beschuldigte bei der letzten Vergewaltigung
vom 20. November 2017 in ihre Wohnung gelangte. In der Einvernahme vom
22. November 2017 hatte sie ausgesagt, ihre Wohnungstür sei kaputt gewesen
und sie habe auf einen Asylbewerber gewartet, der die Tür hätte reparieren sol-
len. Als es an der Tür geklopft habe, habe sie geöffnet. Der Beschuldigte sei
draussen gestanden, habe seinen Fuss in die Tür gestellt, habe sich gegen ihren
Widerstand hineingedrängt, habe die Tür abgeschlossen und den Schlüssel in
seine Tasche genommen (Urk. 5/1 S. 5 f.). In der Einvernahme vom 15. Januar
2018 sagte sie im Widerspruch dazu aus, der Beschuldigte sei am Tag des letz-
ten erzwungenen Geschlechtsverkehrs durch das Toilettenfenster im Hinterhof in
die Wohnung gelangt, während sie die Kinder zur Schule gebracht habe. Als sie
in die Wohnung zurückgekehrt sei, habe er sich in der Wohnung befunden
(Urk. 5/2 S. 8). Auf Vorhalt, dass sie bei der Polizei zu Protokoll gegeben habe,
sie habe auf einen Asylbewerber gewartet, der die Tür hätte reparieren sollen, es
jedoch der Beschuldigte gewesen sei, der dann an die Tür geklopft habe und sich
gegen ihren Willen in die Wohnung gedrängt habe, erklärte sie, sie habe zwei
Vorfälle durcheinander gebracht. Der Beschuldigte habe sich am Montag, 20. No-
vember 2017, als es zum letzten sexuellen Übergriff gekommen sei, in die Woh-
nung hineingedrängt, habe die Tür abgeschlossen und den Schlüssel in die Ta-
sche gesteckt. Am Dienstag sei der Beschuldigte durch das WC-Fenster im Hin-
terhof in die Wohnung gekommen (Urk. 5/2 S. 9 f.). Durch diese Ausführungen
der Privatklägerin 2 wird der Widerspruch geklärt. In der Einvernahme vom
7. März 2018 bestätigte sie ihre diesbezüglichen Aussagen (Urk. 5/4 S. 21)
In der Einvernahme vom 22. November 2017 sagte sie bezüglich des Einsatzes
eines Messers aus, der Beschuldigte habe am Vortag ein Messer aus der Schub-
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lade genommen und habe gesagt, sie solle ihn umbringen (Urk. 5/1 S. 3). Auf die
Frage, ob sie vom Beschuldigten jemals mit einer Waffe bedroht worden sei, sag-
te sie in dieser Einvernahme aus, er habe bei einem Streit vor ca. 3 Monaten sich
selbst mit dem Messer verletzen wollen (Urk. 5/1 S. 8). Demgegenüber erklärte
sie in der nächsten Einvernahme vom 15. Januar 2018, der Beschuldigte habe sie
immer zum Beischlaf gezwungen, und habe ständig ein Messer in seiner Hand
gehabt, damit habe er sie bedroht. Nach dem Beischlaf habe er sich selber das
Messer auf seine Pulsadern gehalten und gedroht, diese aufzuschneiden, wenn
sich von ihm trenne (Urk. 5/2 S. 5).
Auf Vorhalt, dass sie ihrer Therapeutin nichts von den 15 Vergewaltigungen mo-
natlich erzählt habe, erklärte die Privatklägerin, sie habe nicht davon erzählt, da
die Therapeutin ihr bestimmt empfohlen hätte, eine Anzeige zu erstatten und es
ihr Wunsch gewesen sei, sich Mühe zu geben, dass die Sache unter ihnen ir-
gendwie zu Ende komme (Urk. 5/7 S. 7). Diese Erklärung der Privatklägerin 2 er-
scheint angesichts der gemäss ihrer Darstellung sehr grossen Anzahl Vergewalti-
gungen, der erlittenen Prügel und der physischen und psychischen Folter nicht
leicht nachvollziehbar, wäre doch zu erwarten, dass die Privatklägerin 2 sich bei
einem so grossen Leidensdruck an ihre Therapeutin als Vertrauensperson ge-
wendet hätte. Anlässlich der Berufungsverhandlung erklärte sie dann erstmals,
sie habe der Therapeutin nichts sagen können, weil der Beschuldigte sie stets bis
vor die Türe der Praxis begleitet habe, ihr vorgeschrieben habe, was sie sagen
dürfe und was nicht, und sie insbesondere auch direkt kontrolliert habe, indem er
über einen während der Therapiesitzung im Verborgenen aktiv mitlaufenden Anruf
auf ihrem Handy in ihrer Tasche habe mithören können, was die Privatklägerin mit
ihrer Therapeutin besprochen habe (Prot. II S. 20). Dieser späte Wechsel im Aus-
sageverhalten ist kaum erklärbar und spricht entsprechend gegen die Glaubhaf-
tigkeit dieser Aussage. Es entsteht unweigerlich der Eindruck, dass die Privatklä-
gerin ihre Aussagen ergänzte, als sie erkannte, dass ihre frühere Antwort das Ge-
richt offenbar nicht überzeugt hatte.
Die bei den Akten liegenden Fotos, auf welchen der Beschuldigte und die Privat-
klägerin 2 zusammen zu sehen sind und welche gemäss übereinstimmender
- 38 -
Aussage des Beschuldigten und der Privatklägerin 2 im Sommer 2017 entstanden
sind (Urk. 4/3 S. 17 f. und entsprechende beiliegende Fotos S. 58-61 und Urk. 5/7
S. 17), erwecken den Eindruck, dass das abgebildete Paar glücklich ist. Auf Vor-
halt dieses Eindrucks erklärte die Privatklägerin 2, sie sei zum Lächeln gezwun-
gen worden, sei gezwungen worden, zu tun, was er wolle. Wenn sie nicht mitge-
macht hätte, hätte der Beschuldigte diese Fotos nach Deutschland, Basel, Luzern
und Österreich verteilt (Urk. 5/7 S. 17). Dass die Fotos der beiden als Paar und
der Film, auf welchem die Privatklägerin 2 und der Beschuldigte sich im Zug innig
küssen (Urk. 4/3 Beilage Fotos S. 58-61), nicht mit den behaupteten zahlreichen
Vergewaltigungen in dieser Zeit vereinbar sind, anerkennt auch die Privatklägerin
2. Für ihre Erklärung, dass sie auch zu diesen Aufnahmen gezwungen worden
sei, finden sich auf den Aufnahmen keine Anhaltspunkte, diese wirken sehr au-
thentisch. Auf jeden Fall sind diese Bilder nicht geeignet, die Darstellung der Pri-
vatklägerin 2 zu stützen.
c) Motiv für eine Falschbelastung
Die Erklärung der Privatklägerin 2 dafür, dass sie sich gegen die sexuellen Über-
griffe nicht habe zur Wehr setzen können, weil sie Angst gehabt habe, der Be-
schuldigte würde intime Bilder ihren Angehörigen zukommen lassen, erscheint ei-
nerseits als plausibel. Damit in Einklang würde stehen, dass sie Anzeige erstatte-
te, nachdem sie in der Nacht vor der Anzeigeerstattung davon Kenntnis erlangte,
dass der Beschuldigte Bilder an andere Personen geschickt habe. Andererseits
ist auch die These der Verteidigung nicht von der Hand zu weisen, wonach die
Privatklägerin 2 (fälschlicherweise) überzeugt davon sei, dass der Beschuldigte
intime Bilder veröffentlicht und sie damit in Lebensgefahr gebracht habe, wofür sie
sich rächen wolle (Urk. 50 S. 11 f.). Für ein solches Rachemotiv könnte sprechen,
dass die Privatklägerin 2 nach ihrer Darstellung am Tag vor der Anzeige erfahren
hat, dass der Beschuldigte intime Bilder von ihr veröffentlicht hat, ihn damit kon-
frontiert und mit ihm gestritten hat (Urk. 5/4 S. 23 f.). Vor dem Hintergrund der do-
kumentierten Angst der Privatklägerin vor der Reaktion ihrer Verwandten und des
grossen auf sie lastenden Drucks kann Rache als Motiv für eine Falschbelastung
des Beschuldigten nicht a priori ausgeschlossen werden. Wie es sich damit ver-
- 39 -
hält, braucht jedoch nicht weiter abgeklärt zu werden. Entscheidend ist das Er-
gebnis der Würdigung der Aussagen der Privatklägerin 2. Wie eben ausgeführt,
bestehen an der Glaubhaftigkeit ihrer Aussagen erhebliche Zweifel.
2.1.6. Aussagen der Auskunftsperson J._
Die Aussagen von J._ in der polizeiliche Einvernahme vom 3. Mai 2018 sind
mangels Wahrung der Teilnahmerechte des Beschuldigten nur zu dessen Guns-
ten verwertbar. Die Auskunftsperson kennt den Beschuldigten seit 2011. Sie sei-
en nicht sehr eng befreundet, hätten aber ab und zu telefonischen und persönli-
chen Kontakt. Die Privatklägerin 2 habe er ein oder zweimal gesehen und ein
paar Mal mit ihr telefoniert. Die Auskunftsperson konnte keine Angaben über die
Beziehung zwischen der Privatklägerin 2 und dem Beschuldigen machen. Er er-
klärte, weder der Beschuldigte noch die Privatklägerin 2 hätten mit ihm über ihre
Beziehung gesprochen, das sei deren Privatsache. Der Beschuldigte habe ihm
nie eine Foto der Privatklägerin 2 gezeigt (Urk. 6/1 S. 8).
Den Aussagen der Auskunftsperson J._ sind keine für die Sachverhaltser-
stellung dienlichen Hinweise zu entnehmen.
2.2 Fazit Beweiswürdigung
Im Wesentlichen stehen sich als Beweismittel die Aussagen der Privatklägerin 2
und diejenigen des Beschuldigten gegenüber.
Die Aussagen des Beschuldigten sind wenig glaubhaft. Sie sind pauschal ausge-
fallen, beinhalten einige Widersprüche und zeugen von der Tendenz sich dem
Stand der Ermittlungen anzupassen.
Auch die Aussagen der Privatklägerin weisen einen geringen Detaillierungsgrad
und zahlreiche Widersprüche auf. Ihr anfänglich diffuses Aussageverhalten betref-
fend die Definition von Vergewaltigung, ihre Tendenz zu Pauschalisierung und
Übertreibung und die kaum vorhandenen Schilderung ihrer Emotionen im Zu-
sammenhang mit den Vergewaltigungen lassen erhebliche Zweifel an der Glaub-
haftigkeit ihrer Darstellung aufkommen. Ausserdem ist schwer nachvollziehbar,
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dass die Privatklägerin 2 ihrer Therapeutin nicht von den angeklagten 150 Verge-
waltigungen erzählt hat, wobei sich ihre nachträglichen Erklärungsversuche dies-
bezüglich als wenig glaubhaft erweisen. Auffällig ist auch, dass weder die Thera-
peutin Verletzungen bei der Privatklägerin 2 feststellte, noch solche bei den Kon-
sultationen im Triemlispital oder bei der Untersuchung durch das IRM festgestellt
wurden, obwohl sie gemäss ihrer Darstellung häufig vom Beschuldigten verprü-
gelt worden sei.
Insgesamt bestehen erhebliche Zweifel an der Glaubhaftigkeit der Aussagen der
Privatklägerin 2. In Anbetracht dieses Ergebnisses, das auf den im vorliegenden
Verfahren erhobenen Beweismitteln basiert, erübrigt es sich, auf die vom Be-
schuldigten kurz vor der Berufungsverhandlung eingereichten Aktenauszügen aus
anderen Strafverfahren, welche die Privatklägerin gegen den Beschuldigten initi-
iert habe (vgl. Urk. 85 und 86/1-7), einzugehen, wurden diese doch vom Beschul-
digten eingereicht, um die Glaubwürdigkeit der Privatklägerin in Zweifel zu ziehen.
Gleichsam sind vor diesem Hintergrund – entgegen den diesbezüglichen Anträ-
gen der Privatklägerin 2 (Prot. II S. 30 f.) – aber auch weder Gründe dafür ersicht-
lich, die Akten aus dem Recht zu weisen, noch die vollständigen Akten aus diesen
Verfahren beizuziehen.
Im Ergebnis ist der Beschuldigte dem Grundsatz in dubio pro reo folgend vom
Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung im Sinne von Art. 190 Abs. 1 StGB frei-
zusprechen.
III. Sanktion und Vollzug
1. Sanktion
Die vorinstanzlichen Schuldsprüche betreffend Verletzung des Geheim- oder Pri-
vatbereichs durch Aufnahmegeräte im Sinne von Art. 179quater Abs. 1 StGB und
der Sachbeschädigung im Sinne von Art. 144 Abs. 1 StGB sind in Rechtskraft er-
wachsen.
Für den Fall eines Freispruchs betreffend den Vorwurf der mehrfachen Vergewal-
tigung wurde die Strafzumessung von keiner Seite angefochten. Die Strafzumes-
- 41 -
sung durch die Vorinstanz ist denn auch in keiner Weise zu beanstanden. Die all-
gemeinen Grundsätze für die Strafzumessung wurden zutreffend dargelegt
(Urk. 64 S. 36 ff.).
Die Tatschwere für das schwerste Delikt der Verletzung des Geheim- und Privat-
bereichs durch Aufnahmegeräte wurde von der Vorinstanz mit zutreffender Be-
gründung als noch leicht bewertet. Die auf 50 Tagessätze festgelegte Einsatzstra-
fe erscheint als angemessen (Urk. 64 S. 38).
Diese Einsatzstrafe erhöhte die Vorinstanz mittels Asperation für das Delikt der
Sachbeschädigung auf 60 Tagessätze, was angesichts des sehr leichten Ver-
schuldens des Beschuldigten bezüglich dieser aus einer Ausnahmesituation her-
aus begangenen Tat ebenfalls als angemessen erscheint.
Im Rahmen der Täterkomponente hat die Vorinstanz zwei nicht einschlägige Vor-
strafen straferhöhend und das Geständnis strafmindernd berücksichtigt. Ihre stär-
kere Gewichtung der Vorstrafen gegenüber dem Geständnis und damit eine Er-
höhung der Strafe um 5 Tagessätze ist ebenfalls nicht zu beanstanden (Urk. 64
S. 39).
Die unangefochten gebliebene Sanktion von 65 Tagessätzen Geldstrafe trägt al-
len für die Strafzumessung relevanten Faktoren angemessen Rechnung. Die von
der Vorinstanz auf Fr. 20.– festgesetzte Tagessatzhöhe berücksichtig die knap-
pen finanziellen Verhältnisse und ist ebenfalls zu bestätigen. Der Beschuldigte ist
daher mit einer Geldstrafe von 65 Tagessätzen zu Fr. 20.– zu bestrafen unter An-
rechnung von 230 Tagen erstandener Haft.
2. Vollzug
Die Vorinstanz hat den Vollzug der Geldstrafe angeordnet unter Hinweis auf die
Vorstrafen des Beschuldigten und festgehalten, dass die Geldstrafe durch die er-
standene Haft bereits vollständig geleistet wurde. Dies blieb seitens des Beschul-
digten unangefochten und ist zu bestätigen.
IV. Herausgabe beschlagnahmter Gegenstände
- 42 -
Die Vorinstanz hat die Herausgabe der mit Verfügung der Staatsanwaltschaft IV
des Kantons Zürich vom 9. Juli 2018 beschlagnahmten Mobiltelefone, iPad, Lap-
top USB-Sticks und SIM-Kare an den Beschuldigten angeordnet. Die Privatkläge-
rin 2 liess die Einziehung dieser Gegenstände beantragen (Urk. 66 S. 1). Auch in
diesem von der Privatklägerin 2 angefochtenen Punkt ist das vorinstanzliche Ur-
teil infolge Freispruchs vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung zu bestäti-
gen.
V. Genugtuungsbegehren der Privatklägerin 2
Der Beschuldigte ist vom Vorwurf der mehrfachen Vergewaltigung freizusprechen
und die Genugtuungsforderung der Privatklägerin 2 ist nicht spruchreif. In Bestäti-
gung des vorinstanzlichen Urteils ist die Privatklägerin 2 daher mit ihrem Genug-
tuungsbegehren auf den Zivilweg zu verweisen (Art. 126 Abs. 2 lit. d StPO).
VI. Kosten- und Entschädigungsfolgen
a) Die Privatklägerin 2 unterliegt mit ihrer Berufung und das vorinstanzliche Ur-
teil wird vollumfänglich bestätigt. Ausgangsgemäss ist daher die vorinstanzliche
Kostenregelung (Dispositiv-Ziffern 13 und 14) zu bestätigen (Art. 426 Abs. 1
StPO). Die Kosten des Berufungsverfahrens, inklusive derjenigen der amtlichen
Verteidigung und der Rechtsverbeiständung der Privatklägerin 2, sind vollumfäng-
lich auf die Gerichtskasse zu nehmen unter Hinweis darauf, dass der Privatkläge-
rin 2 die unentgeltliche Rechtspflege gewährt wurde (Urk. 12/4).
b) Der Beschuldigte hat 230 Tage Haft erstanden. Davon werden 65 Tage an
die heute auszufällende Strafe angerechnet. Für die Überhaft von 165 Tagen hat
die Vorinstanz dem Beschuldigten eine Genugtuung von Fr. 25'000.– zugespro-
chen, was unangefochten blieb und zu bestätigen ist.
c) Die amtliche Verteidigerin ist aus der Gerichtskasse zu entschädigen
(Art. 135 Abs. 1 StPO). Der mit Kostennote vom 26. Juni 2020 (Urk. 94) geltend
gemachte Aufwand (inkl. Barauslagen) erscheint angemessen und steht im Ein-
klang mit den Ansätzen der Anwaltsgebührenverordnung. Rechtsanwältin lic. iur.
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Y._ ist entsprechend für ihre Tätigkeit als amtliche Verteidigerin im Beru-
fungsverfahren mit gerundet Fr. 13'645.– zu entschädigen.
d) Der unentgeltliche Vertreter der Privatklägerin 2 ist ebenfalls aus der Ge-
richtskasse zu entschädigen (Art. 138 Abs. 1 StPO i.V.m. Art. 135 Abs. 1 StPO
sowie § 2 ff. AnwGebV). Der mit Kostennote vom 26. Juni 2020 (Urk. 93) geltend
gemachte Vertretungsaufwand erscheint angemessen. Rechtsanwalt lic. iur.
X._ ist entsprechend für seine Tätigkeit als unentgeltlicher Rechtsvertreter
der Privatklägerin 2 im Berufungsverfahren mit gerundet Fr. 6'300.– zu entschädi-
gen.