# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d27c43af-966b-428e-852c-5218daa75145
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
A._, geb. 1999, stammt aus Mali. Er reichte am 10. September 2015 ein Asylgesuch
ein. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) wies das Asylgesuch mit Verfügung vom
8. Dezember 2016 ab und wies ihn aus der Schweiz weg. Eine dagegen erhobene
Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 6. April 2017 ab,
worauf A._ unbekannten Aufenthalts war. Am 17. Mai 2019 ersuchte A._ das SEM
erfolglos um Wiedererwägung des ablehnenden Asylentscheids. Die dagegen erhobene
Beschwerde wies das Bundesverwaltungsgericht mit Entscheid vom 10. Juli 2019 ab.
Auf ein Gesuch um Unterbreitung als Härtefall trat das Migrationsamt des Kantons
St. Gallen am 29. September 2021 nicht ein.
B.
Mit Haftbefehl vom 10. März 2022 wurde A._ gestützt auf Art. 77 des Bundesgesetzes
über die Ausländerinnen und Ausländer und die Integration (SR 142.20, AIG) für
maximal 60 Tage in Ausschaffungshaft versetzt (Festnahme am 15. März 2022). Die
zuständige Einzelrichterin der Verwaltungsrekurskommission bestätigte mit Entscheid
vom 16. März 2022 den Haftbefehl gegen A._ bis 13. Mai 2022. Nachdem A._ am
17. März 2022 den Abflug nach Mali verweigert hatte, gelangte er am 24. März 2022
hiergegen an das Verwaltungsgericht. Dieses wies die Beschwerde mit Entscheid vom
21. April 2022 ab (Verfahren B 2022/64). Das Verwaltungsgericht ging davon aus, dass
bei A._ (Beschwerdeführer) die Voraussetzungen für die Anordnung der
Ausschaffungshaft für die Dauer von 60 Tagen nach Art. 77 AIG erfüllt seien und seine
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 3/4
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Festhaltung verhältnismässig sei. Am 6. Mai 2022 wurde A._ aus der
Ausschaffungshaft entlassen.
C.
Das Bundesgericht hiess die vom Beschwerdeführer gegen den Entscheid des
Verwaltungsgerichts vom 21. April 2022 erhobene Beschwerde am 23. November 2022
teilweise gut, hob den angefochtenen Entscheid auf und stellte fest, dass die
Inhaftierung des Beschwerdeführers (Ausschaffungshaft nach Art. 77 AIG)
widerrechtlich erfolgt sei, weil der Vollzug der Wegweisung bei der Anordnung der
Ausschaffungshaft nach Art. 77 AIG nicht als absehbar habe gelten können. Es wies
die Angelegenheit zur Neuregelung der Kosten- und Entschädigungsfrage in den
kantonalen Verfahren an das Verwaltungsgericht zurück.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Das Bundesgericht hat den verwaltungsgerichtlichen Entscheid B 2022/64 vom
21. April 2022 aufgehoben und festgestellt, die ausländerrechtliche Inhaftierung des
Beschwerdeführers nach Art. 77 AIG sei widerrechtlich erfolgt. Damit wäre – auch
wenn das Bundesgericht die Beschwerde nur teilweise gutgeheissen hat – dem
Begehren des Beschwerdeführers in den kantonalen Verfahren, er sei aus der Haft zu
entlassen, zu entsprechen gewesen. Damit ist der Beschwerdeführer bei der
Kostenverlegung in den kantonalen Verfahren als vollumfänglich obsiegend zu
behandeln, und ihm steht eine volle ausseramtliche Entschädigung zu. Die
Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers hat im Beschwerdeverfahren vor
Verwaltungsgericht ein Honorar von CHF 1'848 (5.49 Stunden à CHF 220,
5.82 Stunden à CHF 110) sowie Barauslagen von CHF 16.30 geltend gemacht (act. 3/9)
was als angemessen bezeichnet werden kann. Ein begründeter Antrag auf
Mehrwertsteuer wurde nicht gestellt (Art. 29 der Honorarordnung, sGS 963.75, HonO).
Kostenpflichtig ist der Staat (Migrationsamt).
Im vorinstanzlichen Verfahren war der Beschwerdeführer hingegen nicht vertreten,
weshalb dafür keine ausseramtliche Entschädigung zuzusprechen ist. Amtliche Kosten
fielen weder im Beschwerde- noch im vorinstanzlichen Verfahren an.
2.
Für den vorliegenden Entscheid sind weder amtliche Kosten zu sprechen und zu
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 4/4
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
erheben (Art. 97 des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP)
noch ausseramtliche Kosten zu entschädigen (Art. 98 VRP in Verbindung mit Art. 107
Abs. 1 lit. f der Schweizerischen Zivilprozessordnung, SR 272, ZPO).