# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6f0561bf-a829-447b-88fc-a100ae354b05
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

unter dem Regime des Öffentlichkeitsprinzips (Art. 60 KV) im Zweifelsfall Transparenz vor Geheimhaltung geht, sollen Interessierte sich - auf entsprechendes Gesuch hin - ein Bild über die Verwendung öffentlicher Mittel machen und gegebenenfalls entsprechende Vergleiche anstellen können. Ein öffentliches Interesse im erwähnten Sinn ist somit zu bejahen. Hinsichtlich der Frage, ob dieses öffentliche Interesse bzw. ein daraus abgeleitetes (inhaltlich übereinstimmendes) schutzwürdiges Interesse der Beschwerdeführerin an der Datenbekanntgabe das private Interesse der Pächter an der Geheimhaltung ihrer Personendaten zu überwiegen vermag (vgl. Art. 11 Abs. 1 lit. d und e DSG), hält das Verwaltungsgericht fest, grundsätzlich werde eine Informationsmassnahme als zumutbar erachtet, wenn es insbesondere aufgrund der Natur der betreffenden Daten und des jeweiligen Sachzusammenhangs als unwahrscheinlich erscheine, dass die betroffene Person aufgrund der Veröffentlichung einen Nachteil erleide, der schwerer wiege als eine bloss geringfügige Beeinträchtigung. Vorliegend können sich die Pächter nicht zu Recht auf ihr Geheimhaltungsinteresse bzw. ihre Privatsphäre berufen, wenn Transparenzgründe und Vertrauensbildung eine Pächterbekanntgabe erforderlich machen und auch rechtfertigen. Das private Interesse der Pächter an der Nichtbekanntgabe ihrer Namen und Adressen erscheint beim geschilderten Sachverhalt von nicht sehr grossem Gewicht und in diesem Sinn nicht schützenswert. Es vermag daher das öffentliche Interesse an der Datenbekanntgabe nicht zu verdrängen (Verwaltungsgericht, B 2015/273). Entscheid vom 27. April 2016
Besetzung
Präsident Eugster; Verwaltungsrichter Linder, Heer, Bietenharder, Zindel;
Gerichtsschreiber Schmid
Verfahrensbeteiligte
Obersee Nachrichten AG, Hauptstrasse 5, 8640 Rapperswil SG,
Beschwerdeführerin,
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. Christian Lörli, Muri Rechtsanwälte AG,
Schmidstrasse 9, 8570 Weinfelden,
gegen
Linthkommission, Herr Regierungsrat Willi Haag, Präsident, Lämmlisbrunnenstrasse
54, 9001 St. Gallen,
Vorinstanz,
Das Linthwerk
Linthverwaltung, Tellstrasse 1, 8853 Lachen,
Beschwerdebeteiligte,
Gegenstand
Auskunft nach Öffentlichkeitsgesetz
Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Mit zwei Schreiben vom 22. Dezember 2014 ersuchte Bruno Hug, Obersee
Nachrichten AG, Rapperswil, die Linthkommission, Lachen, um Beantwortung von
Fragen betreffend den Linthingenieur Markus Jud und das Pachtland des Linthwerks
(Inhalt der Fragen wiedergegeben in act. G 9/4 S. 1-3). In der Verfügung vom 18. März
2015 zuhanden des Rechtsvertreters der Obersee Nachrichten AG, Rechtsanwalt lic.
iur. Christian Lörli, Weinfelden, nahm die Linthkommission zu den in ihrem
Zuständigkeitsbereich liegenden Fragen zum Linthingenieur Stellung. Die in den
Zuständigkeitsbereich der Linthverwaltung fallenden Fragen zum Pachtland Linthwerk
überwies sie der letzteren zuständigkeitshalber. Die gegen diese Verfügung von der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Obersee Nachrichten AG eingereichte Beschwerde wies das Verwaltungsgericht mit
Entscheid B 2015/56 vom 23. September 2015 ab.
b. Mit Verfügung vom 19. Mai 2015 zuhanden des Rechtsvertreters der Obersee
Nachrichten AG hatte die Linthverwaltung zwischenzeitlich Stellung genommen zu den
Fragen 1-8 zum Pachtland Linthwerk. Hinsichtlich des Begehrens um Zusendung einer
Landverpachtungs-Liste des Linthwerks vor und nach Linth 2000 (Stand des Jahres
2005 bzw. Februar 2014) verwies sie auf Art. 11 Abs. 1 des Datenschutzgesetzes (sGS
142.1; DSG), wonach eine Datenbekanntgabe nur unter Einschränkungen möglich sei.
Die Einholung der Zustimmung aller (rund 80) Pächter zur Herausgabe ihrer
Personendaten verursache einen unzumutbaren Aufwand im Sinn von Art. 6 Abs. 2 lit.
e des Gesetzes über das Öffentlichkeitsprinzip der Verwaltung (sGS 140.2;
Öffentlichkeitsgesetz, ÖffG), weshalb die Personendaten aus den zuzustellenden
Dokumenten zu entfernen bzw. unkenntlich zu machen seien. Die Linthverwaltung
stellte die Listen der Landverpachtungen am Linth- und Escherkanal bezüglich
Parzellen, Parzellengrössen, Dammteile, Pachtzinsen je Quadratmeter sowie Pläne, aus
denen die Lage der verpachteten Grundstücke ersichtlich waren, in anonymisierter
Form (ohne personenbezogene Daten) zu (act. G 9/4 und G 9/5 mit Beilagen 1-4).
c. Den gegen diese Verfügung von Rechtsanwalt Lörli für die Obersee Nachrichten AG
erhobenen Rekurs vom 2. Juni 2015 (act. G 9/1) wies die Linthkommission mit
Entscheid vom 11. September 2015 ab, soweit sie darauf eintrat (act. G 2.1).
B.
a. Gegen diesen Rekursentscheid erhob Rechtsanwalt Lörli für die Obersee
Nachrichten AG mit Eingabe vom 13. Oktober 2015 Beschwerde mit den
Rechtsbegehren, der Entscheid sei aufzuheben (Ziff. 1) und die Linthverwaltung sei zu
verpflichten, die Namen und Adressen der Pächter der von ihr verpachteten
Grundstücke vor und nach Linth 2000 offenzulegen (Ziff. 2). Alles unter Kosten- und
Entschädigungsfolge zulasten der Vorinstanz (Ziff. 3).
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
b. Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 8. Dezember 2015
Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten sei. Zur Begründung verwies sie
auf den angefochtenen Entscheid und äusserte sich ergänzend zu den Vorbringen in
der Beschwerde (act. G 8).
c. Mit Replik vom 11. Januar 2016 bestätigte die Beschwerdeführerin ihren Standpunkt
(act. G 11).
d. Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten in den Eingaben des vorliegenden

## Considerations

Verfahrens wird, soweit für den Entscheid relevant, in den nachstehenden Erwägungen
eingegangen.
Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Nach Art. 4 Abs. 2 der interkantonalen Vereinbarung zwischen den Kantonen
Glarus, Schwyz, St Gallen und Zürich über das Linthwerk (sGS 734.331;
Linthkonkordat) können Verfügungen der Organe des Linthwerkes mit Beschwerde
beim Verwaltungsgericht des Kantons St. Gallen angefochten werden, soweit diese
Vereinbarung nichts anderes vorsieht. Angefochten ist vorliegend ein Entscheid der
Linthkommission, womit die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts gegeben ist. Nach
Art. 4 Abs. 1 des Linthkonkordats ist das Recht des Kantons St. Gallen anwendbar,
soweit das Linthkonkordat nichts anderes bestimmt. Nach Art. 18 Abs. 2 des ÖffG ist
für den Rechtsschutz das Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons St. Gallen (sGS
951.1; VRP) anwendbar. Die Beschwerde gegen den Entscheid vom 11. September
2015, welcher der Beschwerdeführerin unbestritten am 29. September 2015
zugegangen war, wurde am 13. Oktober 2015 (Poststempel) rechtzeitig innerhalb der
Frist von vierzehn Tagen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 VRP) eingereicht. Sie
enthält eine Darstellung des Sachverhalts und eine Begründung (Art. 64 in Verbindung
mit Art. 48 Abs. 1 VRP). Nach Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP ist zur
Beschwerde legitimiert, wer an der Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des
Entscheids ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartut. Als Verfügungsadressatin ist
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Beschwerdeführerin in ihren eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen. Auf die
Beschwerde ist einzutreten.
2.
2.1. Gemäss Art. 60 Abs. 1 der Kantonsverfassung (KV; sGS 111.1) informieren die
Behörden von sich aus oder auf Anfrage über ihre Tätigkeit, soweit keine öffentlichen
oder schützenswerten privaten Interessen entgegenstehen. Die
Informationsverbreitung und den Zugang zu amtlichen Informationen regelt gemäss
Abs. 2 von Art. 60 KV das Gesetz (ÖffG). Das in Art. 60 Abs. 1 KV und Art. 1 ÖffG
statuierte Öffentlichkeitsprinzip dient der Transparenz der Verwaltung und soll das
Vertrauen des Bürgers in die staatlichen Institutionen und ihr Funktionieren fördern; es
bildet zudem eine wesentliche Voraussetzung für eine sinnvolle demokratische
Mitwirkung am politischen Entscheidfindungsprozess und für eine wirksame Kontrolle
der staatlichen Behörden. Die Interessierten sollen von sich aus, ohne den Nachweis
eines schutzwürdigen Interesses, um Information nachsuchen können (VerwGE B
2013/241 vom 19. Februar 2015, E. 3.2.1 mit Hinweisen). In diesem Sinn sieht Art. 5
ÖffG vor, dass jede Person, ohne dass sie ein besonderes Interesse geltend machen
muss, nach Massgabe dieses Erlasses ein Recht auf Information über die Tätigkeit des
öffentlichen Organs und Zugang zu amtlichen Dokumenten hat (Art. 5 ÖffG). Aus der
allgemeinen Auskunftspflicht der Verwaltung über ihre Tätigkeit (Art. 8 ÖffG) lassen sich
dabei keine weitergehenden Informationsansprüche ableiten, als sich schon aus Art. 5
lit. a ÖffG ergeben. Wenn somit ein Informationsanspruch aufgrund der letztgenannten
Bestimmung nicht gegeben ist, so ergibt sich ein solcher auch nicht aus Art. 8 ÖffG
(vgl. VerwGE B 2015/56 vom 23. September 2015, E. 3.2.3). Als amtliches Dokument
im Sinn des Gesetzes gilt nach Art. 12 ÖffG jede Aufzeichnung, die auf einem
beliebigen Datenträger enthalten ist (lit. a), sich im Besitz eines öffentlichen Organs
befindet, von dem sie stammt oder dem sie mitgeteilt worden ist (lit. b), die Erfüllung
einer Staatsaufgabe betrifft (lit. c) und nicht ausschliesslich zum persönlichen
Gebrauch bestimmt ist (lit. d).
2.2. Bei der Linthverwaltung handelt es sich um ein öffentliches Organ im Sinn von
Art. 1 Abs. 2 lit. b ÖffG. Streitig ist, inwiefern die Beschwerdeführerin gegenüber der
Linthverwaltung Anspruch auf Bekanntgabe der Namen und Adressen der Pächter der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
von ihr verpachteten Grundstücke vor und nach Linth 2000 hat. Das ÖffG nennt
öffentliche oder schützenswerte private Interessen, welche einer solchen Information
unter Umständen entgegenstehen, in nicht abschliessender Weise ("...
insbesondere..."; Art. 6 Abs. 2 und 3 ÖffG). Sodann zählt es Informationen auf, welche
vom Recht auf Informationszugang ausgenommen sind (Art. 7). Einer Bekanntgabe
entgegenstehende öffentliche Interessen liegen unter Umständen dann vor, wenn die
Datenbekanntgabe die Stellung des öffentlichen Organs in Verhandlungen schwächen,
die Beziehungen zu anderen Gemeinwesen beeinträchtigen oder die Wirksamkeit von
behördlichen Massnahmen vereiteln bzw. herabsetzen könnte oder einen
unverhältnismässigen Aufwand verursachen würde (vgl. die nicht abschliessende
Aufzählung in Art. 6 Abs. 2 Öffentlichkeitsgesetz sowie Botschaft und Entwurf der
Regierung vom 21. März 2013 zum Informationsgesetz, S. 13 zweiter Absatz [ABl 2013,
1474 ff.]). Entgegenstehende schützenswerte private Interessen können im Fall einer
durch die Bekanntgabe hervorgerufenen Beeinträchtigung von Persönlichkeitsrechten
bestehen (vgl. dazu die nicht abschliessende Aufzählung in Art. 6 Abs. 3 ÖffG).
2.3. Unbestritten ist vorliegend die Verfügbarkeit der Listen mit den Namen der 80
Pächter, Parzellennummern, Parzellengrössen und Pachtzinsen pro m sowie der
Pläne, auf denen die verpachteten Grundstücke eingezeichnet sind. Der
Beschwerdeführerin wurden diese Unterlagen - zusammen mit einem Bericht vom 16.
September 2014 über die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft und Linthwerk
(act. G 9/4 Beilage 5) - mit der angefochtenen Verfügung am 19. Mai 2015 in
anonymisierter Form zugestellt (act. G 9/4 und 9/5 mit Beilagen). Zu klären ist, ob bzw.
inwiefern die Bekanntgabe der Namen und Adressen der Pächter der Linth-
Grundstücke zum einen öffentliche Interessen im geschilderten Sinn oder zum anderen
die Persönlichkeitsrechte der Betroffenen tangieren würde. Hinsichtlich der letzteren ist
zu prüfen, inwiefern diese - im konkreten Sachzusammenhang - als schützenswert im
Sinn von Art. 6 Abs. 3 ÖffG erscheinen. Nachdem einerseits das ÖffG den Zugang zu
amtlichen Dokumenten gewährleistet, das DSG diesem Zugang jedoch Grenzen setzt,
sind gemäss Art. 2 Abs. 2 ÖffG die Voraussetzungen für eine Datenbekanntgabe nach
dem DSG zu beachten. Bei Namens- und Adressangaben handelt es sich um
Personendaten, nicht jedoch um besonders schützenswerte Daten im Sinn von Art. 1
Abs. 1 lit. d DSG (vgl. die dortige Aufzählung von Sachverhalten). Nach Art. 11 Abs. 1
DSG ist die Bekanntgabe solcher Daten zulässig, wenn ein wesentliches öffentliches
2
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Interesse besteht, welches das schutzwürdige Interesse der betroffenen Person an der
Geheimhaltung der Personendaten überwiegt (lit. d) oder wenn die Empfängerin ein
schutzwürdiges Interesse glaubhaft macht, welches das schutzwürdige Interesse der
betroffenen Person an der Geheimhaltung der Personendaten überwiegt (lit. e).
2.4. Die Vorinstanz führte im angefochtenen Entscheid mit Hinweis auf Botschaft
und Entwurf der Regierung vom 21. März 2013 zum Informationsgesetz (ABl 2013,
1474 ff., Ziff. 4.1) aus, immer wenn es sich um Personendaten im Sinn von Art. 1 lit. a
DSG handle, gehe das DSG vor und gelte ausschliesslich, es sei denn, die
Personendaten seien anonymisiert und damit als solche nicht mehr erkennbar. Ein
Anspruch auf Anonymisierung bestehe allerdings nicht. Für eine Offenlegung der
Namen und Adressen der Pächter sei nicht das ÖffG, sondern das DSG massgebend.
Die Pächter hätten ein schutzwürdiges Interesse an der Geheimhaltung dieser Daten.
Daran ändere auch der Einwand der Beschwerdeführerin nichts, dass einigen Pächtern
keine neuen Flächen mehr verpachtet worden seien. Der Einwand, wonach während
der Pachtdauer aufgrund der persönlichen Bewirtschaftungspflicht die Pächterstellung
gegenüber Dritten nicht verheimlicht werden könne, möge teilweise zutreffen, ändere
jedoch nichts daran, dass die privaten Interessen der Pächter grundrechtlich geschützt
seien. Die Vorinstanz sei ihrer Pflicht zur aktiven und passiven Information
nachgekommen. Die Beschwerdeführerin verfüge über sämtliche Unterlagen. Die
Identität der einzelnen Pächter sei während der Dauer des Pachtverhältnisses für Dritte
erkennbar. Es sei daher kein wesentliches öffentliches Interesse ersichtlich, welches
das Geheimhaltungsinteresse der Pächter überwiege. Eine Herausgabe der
Pachtverträge ohne Anonymisierung käme nur in Frage, wenn die Pächter ihre
ausdrückliche Einwilligung (Art. 11 Abs. 1 lit. b DSG) erteilen würden. Dies sei nicht der
Fall. Bei der Einholung der Bewilligung der Pächter durch die Vorinstanz wäre ein
Vernehmlassungsverfahren unter den über 80 Pächtern durchzuführen, was einen nicht
unerheblichen Aufwand nach sich ziehen würde. Ein derartiges
Vernehmlassungsverfahren wäre angesichts dessen, dass nur ein geringes öffentliches
Interesse an der Bekanntgabe der Personendaten bestehe, unverhältnismässig im Sinn
von Art. 6 Abs. 2 ÖffG. Im Weiteren wäre mit Widerstand der Pächter zu rechnen,
weshalb die Beschwerdeführerin hieraus keine zusätzlichen Erkenntnisse erhalten
könnte. Ein gewisses schutzwürdiges Interesse an jeglichen Personendaten sei der
Beschwerdeführerin aufgrund ihrer journalistischen Tätigkeit zwar nicht abzusprechen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Allerdings vermöge im vorliegenden Fall ihr schutzwürdiges Interesse (im Sinn von Art.
11 Abs. 1 lit. e DSG) dasjenige der betroffenen Pächter an der Wahrung ihrer
Persönlichkeitsrechte nicht zu überwiegen (act. G 2.1 S. 6-10).
2.5. Die Beschwerdeführerin führt zur Begründung ihres Antrages unter anderem
aus, die Offenlegung der geforderten Daten sei für die betroffenen Personen mit
keinem ersichtlichen Nachteil verbunden, da es den Pächtern während der Pachtdauer
nicht möglich sein werde, ihre Pächterstellung gegenüber Dritten zu verheimlichen. Die
Vorinstanz habe verkannt, dass das schutzwürdige Interesse der Pächter als äusserst
gering zu gewichten sei. Die Tatsache, dass einige Pächter nach dem Projekt „Linth
2000“ weiterhin berücksichtigt worden seien, andere Pächter jedoch unberücksichtigt
geblieben seien und stattdessen mit neuen Pächtern Verträge abgeschlossen worden
seien, spreche für ein erhebliches öffentliches Interesse an der Transparenz der
Pachtvergaben. Die Vorinstanz gehe zu Unrecht davon aus, dass die Offenlegung der
Pachtzinsen in anonymisierter Form ausreiche, um das öffentliche Interesse an der
Offenlegung der Namen und Adressen der Pächter zu befriedigen. Neben dem
öffentlichen Interesse habe auch die Beschwerdeführerin ein schutzwürdiges Interesse,
das eine Bekanntgabe der geforderten Daten rechtfertige. Als grösste Zeitung am
Obersee sei sie den Lesern verpflichtet und sichere den gesellschaftlich notwendigen
Diskurs. Aus dem Umstand, dass die Privatsphäre zu respektieren sei, sofern das
öffentliche Interesse nicht das Gegenteil verlange, lasse sich nicht ableiten, dass die
persönlichen Interessen der Pächter das Informationsinteresse der Beschwerdeführerin
überwiegen würden. Das öffentliche Interesse an der Transparenz der Pachtvergabe
und das schützenswerte Interesse der Beschwerdeführerin würden das Interesse der
Pächter an einer Nichtbekanntgabe ihrer Daten überwiegen (act. G 1).
3.
3.1.
3.1.1. Einer Bekanntgabe der Namen und Adressen der Pächter entgegenstehende
öffentliche Interessen wären unter Umständen wie erwähnt dann zu bejahen, wenn die
Datenbekanntgabe einen unverhältnismässigen Aufwand verursachen würde (Art. 6
Abs. 2 lit. e ÖffG). In der Botschaft zum ÖffG wurde hierzu ausgeführt, dass die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Behörde, wenn sie einem Gesuch um Information unter Berufung auf diese
Bestimmung nicht stattgeben wolle, den Zugang erst verweigern werde, wenn es nach
dem Grundsatz der Verhältnismässigkeit ausgeschlossen sei, an Stelle einer Nicht-
Information den Informationsumfang zu beschränken oder die Information auf andere
Weise als verlangt zu gewähren. Von der Einschränkung nach Art. 6 Abs. 2 lit. e ÖffG
sei demgemäss nur mit grosser Zurückhaltung Gebrauch zu machen. Die Bestimmung
wolle insbesondere «fishing expeditions» oder umfangreichen Recherche-Aufträgen
einen Riegel schieben. Das Informationsgesetz (ÖffG) solle nicht dazu dienen,
Forschungsarbeiten von Privaten an öffentliche Organe zu delegieren (ABl 2013, 1488).
3.1.2. Die Bearbeitung von Personendaten - darunter fällt auch deren Bekanntgabe
(Art. 1 Abs. 1 lit. e DSG) - ist aus datenschutzrechtlicher Sicht unter anderem dann
zulässig, wenn dafür eine Rechtsgrundlage (Erlass mit allgemein verbindlichen
Bestimmungen, insbesondere Gesetz und Verordnung; Art. 1 Abs. 1 lit. k DSG) besteht
oder die Bearbeitung zur Erfüllung einer gesetzlichen Aufgabe erforderlich ist (Art. 5
Abs. 1 DSG). Die von der Vorinstanz als nötig erachtete Einwilligung der betroffenen
Personen bzw. ein entsprechendes Vernehmlassungsverfahren (vgl. act. G 2.1 S. 9) ist
somit bei „gewöhnlichen“ Personendaten - im Gegensatz zu besonders
schützenswerten Daten und Persönlichkeitsprofilen (Art. 5 Abs. 2 lit. c DSG) - nicht
Voraussetzung für eine Datenbekanntgabe, soweit die Bedingung von Art. 5 Abs. 1
DSG eingehalten ist. Konkret besteht für die Datenbekanntgabe eine Rechtsgrundlage
im ÖffG, und sie ist zur Erfüllung der dort statuierten gesetzlichen Aufgabe erforderlich.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die von der Vorinstanz diskutierte Frage, ob die
Einholung der Einwilligung der Pächter bzw. die Durchführung eines
Vernehmlassungsverfahrens einen unverhältnismässigen Aufwand im Sinn von Art. 6
Abs. 2 ÖffG bedeuten würde (act. G 2.1 S. 9), nicht, weil es keiner solchen
Pächterzustimmung bedarf. Überdies dürfte auch die Anonymisierung der am 19. Mai
2015 der Beschwerdeführerin zugestellten Informationen einen gewissen Aufwand
verursacht haben; hier stellte sich die Vorinstanz jedoch nicht auf den Standpunkt,
dass dieser Aufwand unverhältnismässig sei.
3.2.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3.2.1. Vom Recht auf Informationszugang ausgenommen sind Informationen und
Dokumente, soweit das Gemeinwesen am wirtschaftlichen Wettbewerb teilnimmt und
nicht hoheitlich handelt (Art. 7 Abs. 1 lit. c ÖffG). Hier ist das öffentliche Organ, das für
das Gemeinwesen handelt, einem Privatrechtssubjekt gleichgestellt. Eine
Verpflichtung, über solche Tätigkeiten zu informieren, besteht nicht; das Gemeinwesen
soll durch die Verbreitung von Informationen oder durch Gewährung des Zugangs zu
Informationen im Vergleich zu den anderen Marktteilnehmenden weder bevorzugt noch
benachteiligt werden. So soll das Gemeinwesen beispielsweise
Kalkulationsgrundlagen, Lohnübersichten, Vereinbarungen mit Lieferanten und andere
Dokumente in einem Beschaffungs- oder Angebotsverfahren ebenso wenig offenlegen
müssen wie seine privatrechtlichen Konkurrenten (Botschaft zum Informationsgesetz;
ABl 2013, 1490). - Die Vorinstanz führt in der Vernehmlassung aus, das Linthwerk sei
interessiert, Pachtland abzugeben, denn mit der Bewirtschaftung werde die Umgebung
des Linthwerks gepflegt. Vor diesem Hintergrund stünden einerseits die Pächter unter
sich im Wettbewerb, anderseits aber auch das Linthwerk mit den Pächtern, da das
Linthwerk nicht nur Pachtzinsen erhalte, sondern auch eine Bewirtschaftungsleistung
aufgrund der Pachtverträge. Somit liege kein hoheitliches Handeln vor, sondern eine
privatrechtliche Tätigkeit in der Form der Verpachtung vor. Über derartige Verhältnisse
dürften Auskünfte und Aktenvorlagen gestützt auf Art. 7 Abs. 1 lit. c ÖffG verweigert
werden. Dabei spiele es keine Rolle, dass ein Bewirtschafter von Pachtflächen allenfalls
bundesrechtlich auszurichtende Direktzahlungen erhalte. Würde derselbe Pächter
irgendeine Pachtfläche bewirtschaften, hätte er bezüglich der Direktzahlungen
dieselben Voraussetzungen zu erfüllen, um Beiträge zu erhalten (act. G 11 S. 3).
3.2.2. Die Pachtverträge werden vom Linthwerk als öffentlich-rechtliche Anstalt (Art. 1
Linthkonkordat) abgeschlossen. Dabei handelt es sich um privatrechtliche
Pachtverträge im Sinne von Art. 275 ff. des Obligationenrechts (OR; SR 220) und des
Bundesgesetzes vom 4. Oktober 1985 über die landwirtschaftliche Pacht (LPG; SR
221.213.2). Der Entscheid eines Verpächters, mit einem bestimmten Pächter einen
Pachtvertrag abschliessen oder nicht abschliessen zu wollen, ist grundsätzlich eine
zivilrechtliche Frage. Nach der Rechtsprechung ist jedoch der Entscheid, mit dem ein
Gemeinwesen über die Benützung von öffentlichen Sachen befindet, eine öffentlich-
rechtliche Frage (BGer 2C_484/2008 vom 9. Januar 2009, in BGE 135 II 49 nicht publ.
E. 1.2), auch wenn die Zurverfügungstellung auf dem Wege eines privatrechtlichen
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22112+II+35%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-II-49%3Ade&number_of_ranks=0#page49
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Vertrags erfolgt (BGer 1C_312/2010 vom 8. Dezember 2010 E. 1.2 und E. 3.4; vgl. BGE
127 I 84 E. 4a). Die Verwaltung des Finanzvermögens geschieht demgegenüber nicht
hoheitlich, sondern auf dem Wege des Privatrechts (BGE 97 II 371 E. 3c S. 377 f.; BGer
2C_167/2012 vom 1. Oktober 2012 E. 4.2; vgl. auch BGE 126 I 250 E. 2c und d S. 254
f.; BGer 5A_550/2011 vom 24. Oktober 2011 E. 2; Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines
Verwaltungsrecht, 6. A. 2010, S. 538 f.). Das gilt namentlich auch für die Verpachtung
von Landwirtschaftsland durch eine Gemeinde (BGE 112 II 35 E. 2 S. 37; vgl. auch
Urteil 4A_551/2008 vom 12. Mai 2009 E. 1.1) oder für Verfügungsgeschäfte über Land
einer Korporation (vgl. BGE 131 I 45).
3.2.3. Ein wesentlicher Aufgabenbereich des Linthwerks besteht darin, den
Hochwasserschutz in der Linthebene sicherzustellen (Art. 1 Abs. 2 Linthkonkordat).
Die Tätigkeit untersteht dem VRP (Art. 4 Lindthkonkordat). Zu den Aufgaben der
Organe des Linthwerks gehört es, den Zustand der Anlagen des Linthwerks zu
überwachen und Massnahmen zu deren Erhaltung zu ergreifen (vgl. Art. 10 Abs. 1 lit. a
Linthkonkordat). Die Entwicklung der zum Linthwerk gehörenden Wiesen
(Pflanzengesellschaften) dauert Jahrzehnte und erfordert eine gleichbleibende
Bewirtschaftung (act. G 9/4 Beilage 5 S. 2). Die Linthkommission lässt sich jährlich im
Jahressicherheitsbericht über den Zustand der Pachtflächen berichten (act. G 9/4
Beilage 5 S. 6). Es ist somit davon auszugehen, dass auch die Verwaltung des Landes
des Linthwerks (vgl. dazu act. G 9/4 und 9/5 Beilagen) im Bereich des Linth- und
Escherkanals im Wesentlichen dem Anlagenerhalt dient und in diesem Sinn eine
öffentlich-rechtliche Aufgabe darstellt. Das Pachtland dient mithin der Erfüllung der
öffentlich-rechtlichen Aufgabe des Linthwerks. Die Statuierung einer Ausnahme im Sinn
von Art. 7 Abs. 1 lit. c ÖffG fällt damit bereits aus diesem Grund ausser Betracht. Hinzu
kommt, dass ein wirtschaftlicher Wettbewerb des Linthwerks mit anderen Verpächtern
insofern nicht stattfindet, als ihr Pachtland - wie offenbar auch dasjenige der
Ortsgemeinde Benken (act. G 12) - begehrt bzw. die Nachfrage danach grösser als das
Angebot ist (act. G 2.3 S. 6). Das grosse Interesse der Bewirtschafter an
Pachtverträgen ist dabei vorab in den namhaften Direktzahlungen der
Eidgenossenschaft begründet (act. G 9/4 Beilage S. 5); der Nachfrageüberhang ist
mithin nicht marktbedingt. Vor diesem Hintergrund kann Art. 7 Abs. 1 lit. c ÖffG konkret
nicht zur Anwendung kommen. Aus denselben Gründen ist die Ausnahme vom
http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22112+II+35%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-84%3Ade&number_of_ranks=0#page84 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22112+II+35%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F127-I-84%3Ade&number_of_ranks=0#page84 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22112+II+35%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F97-II-371%3Ade&number_of_ranks=0#page371 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22112+II+35%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F126-I-250%3Ade&number_of_ranks=0#page250 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22112+II+35%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F112-II-35%3Ade&number_of_ranks=0#page35 http://relevancy.bger.ch/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=%22112+II+35%22&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F131-I-45%3Ade&number_of_ranks=0#page45
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Geltungsbereich des DSG gemäss Art. 2 Abs. 2 lit. a DSG auf die Pächterliste des
Linthwerks ebenfalls nicht anwendbar.
3.3.
3.3.1. Aus den der Beschwerdeführerin zugestellten Unterlagen sind sowohl für den
Linth- als auch für den Escherkanal sämtliche Parzellen, Flächen, Dammteile und
Pachtzinsen ersichtlich. Die beigelegten Pläne zeigen die Lagen der verpachteten
Grundstücke auf (act. G 9/4 und 9/5 mit Beilagen). Zu prüfen ist, ob der gesetzlichen
Aufgabe, welche dem ÖffG zugrunde liegt, mit der Bekanntgabe von anonymisierten
Daten an die Beschwerdeführerin Genüge getan ist (Standpunkt der Vorinstanz; act. G
8 S. 3), oder ob es hierfür personenbezogener Daten bedarf (Standpunkt der
Beschwerdeführerin).
3.3.2. Die Vergabe von Pachtland durch die Linthkommission ist eine komplexe
Angelegenheit, bei welcher sich Unstimmigkeiten ergeben, wenn sich nicht (mehr)
berücksichtigte Pachtinteressenten benachteiligt fühlen bzw. diesbezüglich
ungerechtfertigte Ungleichbehandlungen bei der Zuteilung des Pachtlandes vermuten
(vgl. dazu act. G 9/4 Beilage 5 S. 3-6). Unbestritten ist sodann, dass den Pächtern
finanzielle Vorteile entstehen, weil die Eidgenossenschaft für die Bewirtschaftung
extensiv genutzter Flächen Direktzahlungen ausrichtet (act. G 2.2 Beilage 3 S. 3 f.; G
11 S. 3). Im Bericht vom 16. September 2014 wurde ausgeführt, die Neuzuteilung der
Pachtflächen habe sowohl die Kriterien der Linthkommission (Hofnähe, Alter, bisherige
Pächter, nicht Minimum an betrieblichen Ökoflächen am Linthwerk) als auch die neu
geschaffenen Zu- und Wegfahrten (keine Fahrten über Nachbarpachten) und
schriftliche Abmachungen berücksichtigt und sei in Zusammenarbeit mit
landwirtschaftlichen Fachstellen (Direktzahlungen GL) und der Ortsgemeinde Benken
(grösste Landverpächterin in der unteren Linthebene) erfolgt (act. G 9/4 Beilage 5 S. 4).
Für die Begründung des Zuteilungsentscheids wurde teilweise auch auf persönliches
Wissen, Erfahrung und Engagement von einzelnen Personen verwiesen (act. G 9/4
Beilage 5 S. 5 f.). Mit Blick auf diese Gegebenheiten ist festzuhalten, dass
grundsätzlich auch die Identität der berücksichtigten Pächter bekannt sein muss, um
die Handhabung der - teilweise auf die Person des Pächters bzw. auf den von ihm
bewirtschafteten Hof bezogenen - Kriterien für die Zuteilung der Pachtgrundstücke
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
vollständig transparent und für Aussenstehende nachvollziehbar zu machen. Für die
Anforderung solcher Informationen bedarf es überdies wie erwähnt keines Nachweises
eines schutzwürdigen Interesses (vorstehende E. 2.1). Die weitere Frage, ob die
Vorinstanz verpflichtet wäre, das Dokument mit einer veränderten Anonymisierung
„umzuarbeiten“ (act. G 8 S. 3), stellt sich unter diesen Umständen nicht, weil - soweit
die weiteren Voraussetzungen erfüllt sind (nachstehende E. 3.4 und 3.5) - die
Anonymisierung einfach wegzulassen ist.
3.4. Ein öffentliches Interesse an der Offenlegung der Namen und Adressen der
Pächter im Sinn von Art. 11 Abs. 1 lit. d DSG ist in Anbetracht der in E. 3.2 und 3.3
geschilderten Gegebenheiten insofern gegeben, als eine solche Datenbekanntgabe
ihrerseits dem Allgemeininteresse an der Offenlegung der Verwendung öffentlicher
Mittel - dazu gehört auch die Verpachtung von Grundstücken - dient.
Zuteilungsentscheide sollen gestützt auf transparent erscheinende Grundlagen gefällt
werden. Dabei geht es wie erwähnt um die Bewahrung des Vertrauens der von den
Zuteilungsentscheiden Betroffenen in den Staat (vgl. vorstehende E. 2.1). Zwar lässt
sich die Identität der Pächter während der Pachtdauer aufgrund der persönlichen
Bewirtschaftungspflicht gegenüber Aussenstehenden nicht verbergen, womit eine
(teilweise) Offenlegung bereits aus den faktischen Gegebenheiten resultiert. Eine
vollständige Transparenz ist damit jedoch insofern nicht gewährleistet, als es um eine
grosse Anzahl von Pächtern und ein relativ grossräumiges Pachtgebiet geht. Das ÖffG
ermöglicht es gerade, dass die an einer Auskunft interessierte Person nicht anhand von
eigenen Recherchen auf den betreffenden Grundstücken die gewünschten Daten
erhältlich machen muss, sondern diese mit einem entsprechenden Gesuch bei der
zuständigen Stelle anfordern kann. Nachdem eine Informationslieferung wie erwähnt
vertrauensbildenden Charakter hat und unter dem Regime des Öffentlichkeitsprinzips
(Art. 60 KV) im Zweifelsfall Transparenz vor Geheimhaltung geht (Botschaft und Entwurf
der Regierung, a.a.O., Ziff. 4.1 mit Hinweis auf VerwGE B 2010/123, E. 2.3), sollen
Interessierte sich - auf entsprechendes Gesuch hin - ein Bild über die Verwendung
öffentlicher Mittel machen und gegebenenfalls entsprechende Vergleiche anstellen
können. Ein öffentliches Interesse im erwähnten Sinn ist vorliegend somit zu bejahen.
3.5. Damit bleibt die Frage zu beantworten, ob dieses öffentliche Interesse bzw.
ein daraus abgeleitetes (inhaltlich übereinstimmendes) schutzwürdiges Interesse der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Beschwerdeführerin an der Datenbekanntgabe das private Interesse der Pächter an der
Geheimhaltung ihrer Personendaten zu überwiegen vermag (vgl. Art. 11 Abs. 1 lit. d
und e DSG). Grundsätzlich wird eine Informationsmassnahme als zumutbar erachtet,
wenn es insbesondere aufgrund der Natur der betreffenden Daten und des jeweiligen
Sachzusammenhangs als unwahrscheinlich erscheint, dass die betroffene Person
aufgrund der Veröffentlichung einen Nachteil erleidet, der schwerer wiegt als eine bloss
geringfügige Beeinträchtigung (vgl. S.C. Brunner, Persönlichkeitsschutz bei der
behördlichen Information der Öffentlichkeit von Amtes wegen, ZBl 2010, 595 ff., 618).
Vorliegend können sich die Pächter nicht zu Recht auf ihr Geheimhaltungsinteresse
bzw. ihre Privatsphäre berufen, wenn Transparenzgründe und Vertrauensbildung
(vorstehende E. 3.4) eine Pächterbekanntgabe erforderlich machen und auch
rechtfertigen. Weitere schützenswerte Privatinteressen im Sinn von Art. 6 Abs. 3 ÖffG
(etwa das Vorliegen von Berufs- oder Geschäftsgeheimnissen) sind weder aus den
Akten ersichtlich noch werden solche geltend gemacht. Das private Interesse der
Pächter an der Nichtbekanntgabe ihrer Namen und Adressen erscheint beim
geschilderten Sachverhalt von nicht sehr grossem Gewicht und in diesem Sinn nicht
schützenswert. Es vermag daher das öffentliche Interesse an der Datenbekanntgabe
nicht zu verdrängen. Dies umso weniger, als - wie bereits mehrfach zur Sprache kam -
nicht erkennbar ist, auf welche Weise sich die Identität der Pächter während der
Pachtdauer gegenüber Personen, welche sich für diese Gegebenheiten interessieren,
wirksam verheimlichen liesse.
4.
4.1. Im Sinn der vorstehenden Erwägungen ist die Beschwerde gutzuheissen und
die Beschwerdebeteiligte anzuweisen, die Namen und Adressen der Pächter der von
ihr verpachteten Grundstücke in der Weise offenzulegen, dass der Beschwerdeführerin
die mit der Verfügung vom 19. Mai 2015 zugestellten Daten (Listen der
Landverpachtung; Beilagen 1 bis 4 der Verfügung) in nicht anonymisierter Form
zugänglich gemacht werden.
4.2. Dem Verfahrensausgang entsprechend gehen die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens zulasten der Beschwerdebeteiligten (Art. 95 Abs. 1 VRP in
Verbindung mit Art. 19 Abs. 2 und 3 ÖffG). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.-- ist
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/17
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
angemessen (Art. 7 Ziff. 222 Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12); auf die Erhebung
wird verzichtet (Art. 95 Abs. 3 VRP). Der Beschwerdeführerin wird der geleistete
Kostenvorschuss von Fr. 1‘500.-- zurückerstattet.
4.3. Die Beschwerdeführerin hat Anspruch auf ausseramtliche Entschädigung
zulasten der Beschwerdebeteiligten (Art. 98bis VRP). Ihr Rechtsvertreter hat keine
Kostennote eingereicht. Folglich ist die Entschädigung nach Ermessen festzusetzen.
Eine Entschädigung von Fr. 2'000.-- (zuzüglich Barauslagen von Fr. 80.-- [4%]) für das
Beschwerdeverfahren erscheint als angemessen (Art. 22 Abs. 1 lit. b der
Honorarordnung für Rechtsanwälte und Rechtsagenten, sGS 963.75, HonO). Die
Mehrwertsteuer wird grundsätzlich dazu gerechnet (Art. 29 HonO). Da die
Beschwerdeführerin aber selber mehrwertsteuerpflichtig ist, kann sie die der
Honorarrechnung ihres Anwalts belastete Mehrwertsteuer als Vorsteuer in Abzug
bringen. Daher muss die Mehrwertsteuer bei der Bemessung der ausseramtlichen
Entschädigung nicht zusätzlich berücksichtigt werden (R. Hirt, Die Regelung der
Kosten nach st. gallischen Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen 2004, S. 194; vgl.
statt vieler VerwGE B 2013/206 vom 3. Dezember 2013, E. 3).