# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 1cc90f3b-22a9-4def-b06b-97acb9bd9ce5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1976, reiste im Jahr 1995 in die Schweiz ein und arbeitete einige Jahre als Bodenleger. Bei einer Hilfsarbeit im Gartenbau stürzte er am 17. Mai 2001 von einer Lieferwagenrampe direkt auf den Rücken mit Aufprall mit dem Schädel und zog sich einen inkompletten Berstungsbruch (BWK 12; Typ A3.1.1) und eine Schädelkontusion frontal rechts zu (Urk. 6/2 und 6/5). Aufgrund der darauffolgenden, anhaltenden Arbeitsunfähigkeit meldete sich der Versi
cherte am 10. Dezember 2002 bei der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, zum Bezug von Leistungen der Invalidenversicherung an (Urk. 6/29). Mit Entscheid vom 20. Juni 2008 wies die IV-Stelle das Gesuch aus
gehend von einem Invaliditätsgrad von 9 % ab (Urk. 6/101).
1.2
Auf eine am 20. August 2008 gemachte Neuanmeldung trat die IV-Stelle am 23. Februar 2009 nicht ein (Urk. 6/126). Am 30. Oktober 2009 gelangte
X._
wiederum an die IV-Stelle und machte eine erhebliche Verschlechterung der psychischen Gesundheit geltend (Urk. 6/128). Die IV-Stelle liess im Rahmen medizinischer Abklärungen ein psychiatrisches Gutachten erstellen (Urk. 6/144) und wies mit Verfügung vom 16. Juni 2011 das Leistungsbegehren bei einem unverändertem Invaliditätsgrad von 9 % ab (Urk. 6/172). Die dagegen erhobene Beschwerde vom 3. August 2011 (vgl. Urk. 6/176 und 6/177) wurde vom Sozial
versicherungsgericht des Kantons Zürich mit Urteil IV.2011.00796 vom 22. November 2012 in dem Sinne gutgeheissen, dass die angefochtene Verfügung aufgehoben und die Sache für ergänzende medizinische Abklärungen an die IV
Stelle zurückgewiesen wurde (Urk. 6/204). Diese gab daraufhin bei der
Y._
(MEDAS)
Y._
AG ein psychiatrisches und rheuma
tologisches Gutachten in Auftrag (Urk. 6/212), welches am 17. Juli 2013 erstattet wurde (Urk. 6/214). Mit Verfügung vom 27. November 2013 verneinte die IV
Stelle bei nicht massgeblicher Veränderung des Gesundheitszustandes und einem Invaliditätsgrad von 10 % einen Rentenanspruch des Versicherten (Urk. 6/230). Die dagegen erhobene Beschwerde vom 14. Januar 2014 (Urk. 6/233/3-14) wies das Sozialversicherungsgericht mit Urteil IV.2014.00052 vom 23. September 2014 ab (Urk. 6/240), woraufhin der Versicherte an das Bundesgericht gelangte (Urk. 6/241). Dieses wies die Beschwerde mit Urteil 8C_818/2014 vom 11. Februar 2015 ab (Urk. 6/242).
1.3
Am 3. Mai 2017 meldete sich
X._
unter Hinweis auf Schmerzen und eine psychische Erkrankung wiederum bei der Invalidenversicherung an (Urk. 6/251). Die IV-Stelle verfügte am 23. Februar 2018 ein Nichteintreten (Urk. 6/272), welcher Entscheid nicht angefochten wurde.
Mit Anmeldung vom 1. November 2019 wandte sich
X._
unter Beilage eines Berichts der Hausärztin und der
Z._
(
Z._
; Urk. 6/273) erneut an die IV-Stelle und verwies für sein Leistungsgesuch auf Rückenbeschwerden und eine psychische Erkrankung (Urk. 6/274). Nach durchgeführtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/277) trat die IV-Stelle mit Verfü
gung vom 15. Januar 2020 auf das neue Leistungsbegehren nicht ein (Urk. 6/278 = Urk. 2).
2.
Dagegen liess
X._
am 12. Februar 2020 Beschwerde erheben und beantragen, die Verfügung vom 15. Januar 2020 sei aufzuheben, die Beschwer
degegnerin sei zu verpflichten, auf das Leistungsgesuch einzutreten und ihm die gesetzlichen Leistungen zu gewähren; überdies sei die Angelegenheit zur gesetzes
konformen materiellen Prüfung an die Vorinstanz zurückzuweisen (Urk. 1 S. 2). Die IV-Stelle schloss am 16. März 2020 auf Abweisung der Beschwerde (Urk. 5). Mit Eingabe vom 12. Juni 2020 erstattete der Beschwerdeführer seine Replik und hielt darin an seinen Anträgen fest (Urk. 10). Am 5. August 2020 verzichtete die Beschwerdegegnerin auf eine Duplik (Urk. 13), was dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom 11. August 2020 zur Kenntnis gebracht wurde (Urk. 14).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
#Beginn
DOCVARIABLE mdSNAME
IV190010
<
DOCVARIABLE mdLNAME
Invaliditätsbegriff bei Erwerbstätigen, Gesetzestext
< letzte Revision:
DOCVARIABLE mdLASTREV
10.2019
#
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des
Bundesgesetz
es
über den Allge
meinen Teil des
Sozialversicherungsrechts, ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähig
keit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
#Ende
DOCVARIABLE mdSNAME
IV190010
#
1.2
#Beginn
DOCVARIABLE mdSNAME
IV191050
<
DOCVARIABLE mdLNAME
Neuanmeldung, Eintretensfrage und materielle Prüfung (Art. 87 IVV)
< letzte Revision:
DOCVARIABLE mdLASTREV
04.2019
#
Wurde eine Rente wegen eines zu geringen Invaliditätsgrades verweigert, so wird nach Art. 87 Abs. 3 der Verordnung über die Invalidenversicherung (IVV) eine neue Anmeldung nur geprüft, wenn die Voraussetzungen gemäss Abs. 2 dieser Bestimmung erfüllt sind. Danach ist im Neuanmeldungsgesuch glaubhaft zu machen, dass sich der Grad der Invalidität der versicherten Person in einer für
den Anspruch erheblichen Weise geändert hat. Ergibt die Prüfung durch die Ver
waltung, dass
die Vorbringen
der versicherten Person nicht glaubhaft sind, so erledigt sie das Gesuch ohne weitere Abklärungen durch Nichteintreten.
1.3
Die
Eintretensvoraussetzung
des Glaubhaftmachens soll verhindern, dass sich die Verwaltung immer wieder mit gleichlautenden und nicht näher begründeten, mit
hin keine Veränderung des Sachverhalts darlegenden Rentengesuchen befassen muss (BGE 133 V 108 E. 5.3.1).
Dies gilt auch für eine erneute Anmeldung nach einer vorangegangenen, aber befristeten Rentenzusprache (BGE 133 V 263 E. 6.1; siehe auch Frey/Mosimann/Bollinger [Hrsg.], AHVG/IVG Kommentar, 2018, Mosimann, N 20 zu Art. 17 ATSG).
Hingegen kann diese
Eintretensvorschrift
nicht dahingehend ausgelegt werden, dass die glaubhaft zu machende Änderung gerade jenes Anspruchselement betreffen muss, welches die Verwaltung der früheren rechtskräftigen Leistungs
abweisung zugrunde legte. Vielmehr muss es genügen, wenn die versicherte Per
son zumindest die Änderung eines Sachverhalts aus dem gesamten für die Ren
tenberechtigung erheblichen Tatsachenspektrum glaubwürdig dartut. Trifft dies zu, ist die Verwaltung verpflichtet, auf das neue Leistungsbegehren einzutreten und es in tatsächlicher (wie selbstverständlich auch in rechtlicher) Hinsicht all
seitig zu prüfen (BGE 117 V 198 E. 3a und E. 4b; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 71 E. 2.2).
Beim Entscheid über die Glaubhaftmachung
wird die Verwaltung unter anderem zu berücksichtigen haben, ob die frühere Verfügung nur kurze oder schon längere Zeit zurückliegt, und dementsprechend an die Glaubhaftmachung höhere oder weniger hohe Anforderungen stellen. Insofern steht ihr ein gewisser Beurteilungs
spielraum zu, den das
nachfolgende
Gericht grundsätzlich zu respektieren hat.
1.4
#Beginn
DOCVARIABLE mdSNAME
IV191860
<
DOCVARIABLE mdLNAME
Beweismass, Glaubhaftmachen einer Änderung bei Revision und Neuanmeldung
< letzte Revision:
DOCVARIABLE mdLASTREV
05.2019
#
Mit dem Beweismass des Glaubhaftmachens im Sinne des Art. 87 Abs. 2 und 3 IVV sind herabgesetzte Anforderungen an den Beweis verbunden: Die Tatsachen
änderung muss nicht nach dem im Sozialversicherungsrecht sonst üblichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 126 V 353 E.
5b) erstellt sein. Es genügt, dass für das Vorhandensein des geltend gemachten rechtser
heblichen Sachumstandes wenigstens gewisse Anhaltspunkte bestehen, auch wenn durchaus noch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, bei eingehender Abklä
rung werde sich die behauptete Änderung nicht erstellen lassen. Erheblich ist eine Sachverhaltsänderung, wenn angenommen werden kann, der Anspruch auf eine (höhere) Invalidenrente sei begründet, falls sich die geltend gemachten Umstände als richtig erweisen sollten (Urteil des Bundesgerichts 8C_844/2012 vom 5. Juni 2013 E. 2.3; vgl. auch BGE 130 V 64 E. 5.2, 130 V 71 E. 2.2)
.
.
[
Intern: Weitere Textbausteine zu Neuanmeldung/Revisionsgesuch: IV191050, IV191060, IV191090, IV191100.]
#Ende
DOCVARIABLE mdSNAME
IV191860
#
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin stellte sich in der angefochtenen Verfügung auf den Standpunkt, dass in dem vom Beschwerdeführer eingereichten Austrittsbericht der
Z._
vom 3. Juli 2019 zwar die neue Diagnose einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) gestellt worden sei, dass diese Diagnose aber nicht nachvollziehbar sei. Eine solche Störung zeige sich innerhalb von sechs Monaten nach einem Trauma. Der gesundheitliche Zustand sei somit unverändert (Urk. 2).
2.2
Demgegenüber machte der Beschwerdeführer in seiner Beschwerde zusammen
gefasst geltend, seit der letzten materiell rechtlichen Prüfung des Leistungsan
spruchs in der Verfügung vom 27. November 2013 seien sechs Jahre vergangen, so dass an die Glaubhaftmachung keine hohen Anforderungen gestellt werden dürften (Urk. 1 S. 6). Gegenüber den Erkenntnissen des damals relevanten
Y._
Gut
achtens seien drei neue Diagnosen gestellt worden, so eine rezidivierende depressive Störung mit aktuell mittelgradiger Episode, eine PTBS sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (Urk. 1 S. 9). Beim Vergleich mit der Symptomatik sowie den Diagnosen aus dem Jahr 2013 ergebe sich eine deutliche Verschlechterung der psychopathologischen Befundlage. So seien etwa die Konzentrations- und Merkfähigkeit inzwischen stark eingeschränkt. Die Affekti
vität sei nicht mehr nur über Strecken dysphorisch, sondern es bestehe eine dauernde niedergeschlagene, traurige, oft hoffnungslose Stimmungslage, die kaum auslenkbar sei. Neu bestünden Ängste, das Haus alleine zu verlassen, zudem sei der Affekt nur herstellbar, wenn er über sein Leiden befragt werde (Urk. 1 S. 11). Aufgrund einer starken Fokussierung auf die Beschwerden und der Ver
stärkung bei psychischer Belastung sei zudem die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung gestellt worden. Während bei der Begutachtung durch die Ärzte des
Y._
von deutlichen Hinweisen auf Aggravation und Inkonsistenzen gesprochen worden sei, fänden sich nun keine Hinweise mehr auf Aggravation. Vielmehr lägen nun testpsychologisch verifizierte Befunde vor, was ebenfalls eine Veränderung darstelle (Urk. 1 S. 12 f.). Der Beschwerdeführer kam zum Schluss, dass bei drei neuen Diagnosen nicht mehr von einer Arbeitsfähigkeit von 80 bis 100 % ausgegangen werden könne (Urk. 1 S. 13). Die Beschwerdegegnerin habe eine Veränderung nur unter dem Punkt der PTBS und damit punktuell überprüft. Entgegen der Ansicht der Beschwerdegegnerin könne eine PTBS auch mit mehr
jähriger Verzögerung auftreten, so dass die sechsmonatige Latenzzeit kein abso
lutes Ausschlusskriterium bilde. Ferner habe die Beschwerdegegnerin eine Ver
schlechterung hinsichtlich der depressiven Symptomatik und der anhaltenden somatoformen Schmerzstörung gar nicht geprüft und damit ihre Untersuchungs
pflicht, die in reduziertem Mass auch bei einer Neuanmeldung gelte, verletzt (Urk. 1 S. 14). Die neuen Befunde und die
Verschlechterung seien sodann von neuen Ärzten, nämlich der
Z._
, festgestellt worden (Urk. 1 S. 15).
2.3
Die Beschwerdegegnerin führte in der Beschwerdeantwort vom 16. März 2020 aus, dass aus den mit der Anmeldung eingereichten Berichten keine Hinweise hervorgehen würden, dass sich der Gesundheitszustand sowie die Arbeitsfähigkeit verschlechtert hätten. Zwar fände sich neu die Diagnose einer PTBS, welche jedoch auf den im Jahr 2001 erlittenen Arbeitsunfall zurückgeführt werde. Anhaltspunkte, wonach die Symptome der PTBS erst nach dem 27. November 2013 aufgetreten wären, fänden sich im Bericht der
Z._
nicht. Bereits in den damaligen Berichten der behandelnden Ärzte sei die Differentialdiagnose einer andauernden Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung in Erwägung gezogen worden. Auch die beiden anderen Diagnosen einer somatoformen Schmerzstörung sowie einer schweren depressiven Episode seien damals bereits aufgeführt worden und es sei festgehalten worden, dass der Beschwerdeführer nicht arbeitsfähig sei (Urk. 5).
2.4
In seiner Replik vom 12. Juni 2020 betonte der Beschwerdeführer, dass für die Glaubhaftmachung einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes der psychopathologische Befund und der Schweregrad der Symptomatik sowie die damit verbundenen Funktionseinschränkungen entscheidend seien (Urk. 10 S. 2). Zum Vergleich sei auf den medizinischen Sachverhalt abzustellen, wie er sich im Zeitpunkt der leistungsabweisenden Verfügung vom 27. November 2013 präsen
tiert habe. Diese Verfügung habe auf dem Gutachten der
Y._
AG basiert. In diesem habe sich – im Gegensatz zum aktuellen Bericht der
Z._
- das Bild einer chronifizierten mittelschweren Depression sowie einer somatoformen Schmerz
störung nicht erhärten lassen (Urk. 10 S. 3). Die Beschwerdegegnerin habe über
dies den Umstand, dass der Beschwerdeführer am 22. Mai 2019 aufgrund der Verschlechterung seines Gesundheitszustandes habe hospitalisiert werden müssen, gänzlich ausser Acht gelassen. Insgesamt entstehe der Eindruck, dass sich die Beschwerdegegnerin nicht die Mühe gemacht habe, sich mit sämtlichen relevanten Befunden auseinanderzusetzen (Urk. 10 S. 4).
2.5
Strittig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin zu Recht nicht auf das neue Leistungsbegehren des Beschwerdeführers vom 1. November 2019 eingetreten ist, beziehungsweise ob dieser glaubhaft gemacht hat, dass sich sein Gesundheits
zustand seit Erlass der in Rechtskraft erwachsenen Verfügung vom 27. November 2013 (Urk. 6/230) in anspruchserheblicher Weise verschlechtert hat.
3
.
<weitgehend übernommen aus IV.2014.00052, mit einigen Anpassungen
sowie Ergänzungen hinsichtlich der konkreten Diagnosen, der Arbeitsfähigkeit, der Befunde und beklagten Beschwerden
>
3.1
Massgeblich für die Beurteilung des Gesundheitszustandes im vergleichsrele
vanten Zeitpunkt der leistungsabweisenden Verfügung vom 27. November 2013 war die rheumatologische und psychiatrische Untersuchung des Beschwerde
führers vom 20. Juni 2013 durch die Gutachter der
Y._
AG (Urk. 6/214). Die Einschätzung der dortigen Gutachter war für das Sozialversicherungsgericht in seinem Urteil vom 23. September 2014 entscheidend, worin es keine relevante Veränderung des Gesundheitszustandes gegenüber der Situation von 2008 fest
gestellt hat. Das Gericht setzte sich vor allem ausführlich mit der in einigen Punkten abweichenden Einschätzung des psychiatrischen Privatgutachters des Beschwerdeführers Dr. med.
A._
und dessen Gutachten vom 31. Mai 2014 (Urk. 6/238/13) auseinander; die Gesamteinschätzung des Sozialversicherungs
gerichts wurde danach vom Bundesgericht im Urteil vom 11. Februar 2015 bestätigt (Urk. 6/242).
3.2
Der Beschwerdeführer klagte damals in der psychiatrischen Begutachtung über ständige Schmerzen im ganzen Körper von starker Ausprägung. Seit dem Unfall gehe es ihm psychisch schlecht. Die Stimmung sei depressiv, oft denke er an Suizid und vor etwa zwei Jahren habe er einmal in suizidaler Absicht Tabletten eingenommen (Urk. 6/214/15). Er fühle sich hoffnungslos, perspektivlos und habe jegliche Ziele verloren. Er erlebe sich antriebsarm, lustlos, sei oft müde und erschöpft sowie reizbar. Weiter leide er unter schmerzassoziierten Ein- und Durchschlafstörungen. Das Konzentrationsvermögen sei ausgesprochen gering und das Gedächtnis schlecht geworden. Es gebe nichts, was ihm Freude bereite, und er möge nicht mit Bekannten und Freunden kommunizieren (Urk. 6/214/14 f.).
Der Beschwerdeführer sei im Kontaktverhalten eher zurückhaltend gewesen und habe demonstrativ leidend gewirkt, der Rapport sei beschwerdefixiert gewesen. Das Explorationsgeschehen sei aufmerksam und
attent
verfolgt worden, erst gegen Ende der Exploration habe das Konzentrationsvermögen leicht nachge
lassen. Es sei dem Beschwerdeführer schwergefallen, sich aus der demonstrierten Leidensfixierung zu lösen und sich auch auf andere Gesprächsinhalte rasch ein
zustellen. Der formale Gedankengang sei zäh und gelegentlich leicht depressiv gehemmt gewesen. Eine durchgehende, depressive Denkhemmung habe sich aber nicht gezeigt. Die Merkfähigkeit und das Gedächtnis hätten keine Defizite aufge
wiesen. Die Willenskräfte des Beschwerdeführers seien strukturiert und zielge
richtet gewesen. Sein Verhalten zeige klar eine Willenssteuerung des demonstra
tiv vorgetragenen Leidensbildes mit histrionischen Zügen. Insgesamt habe er psychomotorisch angespannt gewirkt, wobei Gestik und Mimik sehr ausdrucks
reich gewesen seien. In der emotional-affektiven Schwingungsfähigkeit habe der
Beschwerdeführer eingeengt gewirkt. Die Affektlage sei über Strecken dyspho
risch, teilweise depressiv gedrückt gewesen. Eine durchgehende Depressivität lasse sich nicht ausmachen. Ein ausgewiesener sozialer Rückzug in allen Lebens
bereichen bestehe nicht. Weiter seien die Urteils- und Kritikfähigkeit ausreichend erhalten. Der Beschwerdeführer erlebe sich jedoch subjektiv vollständig invalidi
siert und leistungsinsuffizient. Auch sei keine Veränderungsmotivation erkenn
bar gewesen (Urk. 6/214/19).
Zusammenfassend wurde aus psychiatrischer Sicht festgehalten, dass der Beschwerdeführer anlässlich der psychiatrischen Exploration ein Ganzkörper-Schmerzsyndrom beklagt habe, das sich nach einem Arbeitsunfall mit einer BWK 12-Kompressionsfraktur und operativer Versorgung des Bruches eingestellt habe. Der Beschwerdeführer habe ein demonstrativ klagsames Zustandsbild präsentiert. Er habe das Bild einer histrionisch getönten Schmerzfehlverarbeitung und Selbst
limitierung gezeigt. Es seien zahl
reiche Inkonsistenzen zwischen dem Befund und den angegebenen Beschwerden auszumachen gewesen. Das Verhalten des Beschwerdeführers habe sich als ein
drücklich demonstrativ, aber bewusstseins
nah gesteuert erwiesen (Urk. 6/214/20 f.). Die Diagnose einer anhaltenden soma
toformen Schmerzstörung könne nicht bestätigt werden. Es mangle an einem engen Zusammenhang zwischen der Entwicklung des Schmerzsyndroms einer
seits und einer ausgeprägten psychoso
zialen Belastungssituation oder einem schwerwiegenden innerseelischen Konflikt andererseits. Die aktuell bestehende psychosoziale Belastungssituation sei sekundär, das heisse nach der Entwicklung des Schmerzsyndroms entstanden. Sie könne nicht als Beleg für eine schwer
wiegende Belastung als Auslöser der Entwicklung eines somatoformen Schmerzsyndroms angenommen werden (Urk. 6/214/21 und 6/214/23).
Die vom Beschwerdeführer vorgetragenen Beschwerden müssten, wie bereits früher
psychiatrischerseits
festgestellt worden sei, als Ausdruck einer ausgepräg
ten Aggravation und dysfunktionalen histrionisch getönten Symptomver
arbeitung ohne eigenen psychischen Krankheitswert betrachtet werden. Auch die von den behandelnden Ärzten im Psychiatriezentrum
B._
benannte chronifizierte Depression mittelgradiger Ausprägung lasse sich mit den psycho
pathologischen Befunden nicht erhärten. Nur wenn man die subjektiv vom Beschwerdeführer vorgetragenen Beschwerden und Beeinträchtigungen zugrunde legen würde, könnte man zu dieser Diagnose gelangen. Mit Blick auf die Inkon
sistenzen auf der Befundebene sowie das demonstrative Verhalten des Beschwerdeführers lasse sich eine depressive Störung von mittelgradiger oder gar schwerer Ausprägung nicht bestätigen. Aktuell könne man allenfalls das Bild einer leichten depressiven Symptomatik, wohl bei rezidivierender depressiver
Störung (Urk. 6/214/23), ausmachen, welches jedoch für die Arbeitsfähigkeit keine Relevanz habe. Auch die in der Vergangenheit diskutierte Diagnose einer anhaltenden Persönlichkeitsänderung nach einer Extrembelastung könne nicht aufrechterhalten werden. Aus rein psychiatrischer Optik sei der Beschwerdeführer daher medizinisch-theoretisch in der Lage, sowohl die zuletzt ausgeübte Tätigkeit wie auch jegliche andere Tätigkeit, die seinem körperlichen Belastungsprofil ent
spräche, zu verrichten (Urk. 6/214/21 und 6/214/23 f.).
Ferner wurde bemerkt, dass die Laborwerte einer am 20. Juni 2013 beim Beschwerdeführer entnommenen Blutprobe gezeigt hätten, dass die angegebenen Psychopharmaka nicht und die Analgetika unterdosiert beziehungsweise eben
falls nicht (Tramadol) eingenommen worden seien, weshalb Zweifel an der Compliance des Beschwerdeführers bestünden (Urk. 6/214/20 und 6/214/35).
3.3
Im Rahmen der rheumatologischen Untersuchung des Beschwerdeführers durch den Facharzt der
Y._
AG hielt dieser eine weitgehend intakte Funktion der Hals- und Lendenwirbelsäule fest, einzig im thorakolumbalen Übergang könne eine Bewegungsrestriktion festgestellt werden, neurologische Auffälligkeiten seien keine vorhanden. Es wurden die Diagnosen eines
chronifizierten
thorakospondy
logenen
und
lumbospondylogenen
Schmerzsyndroms nach einer Berstungsfraktur BWK 12 und Spondylodese Th11/12 mit Beckenspan am 15. Mai 2002 wegen Pseudarthrose und eines chronifizierten Weichteilschmerzsyndroms mit deutlicher Dekonditionierung gestellt, die Auswirkungen auf die Arbeits
fähigkeit in der letzten Tätigkeit hätten (Urk. 6/214/23). Als Plattenleger sei der Beschwerdeführer zu 100 % arbeitsunfähig. Vom Bewegungsapparat her sei ihm jedoch eine dem Leiden angepasste rückenschonende Arbeitstätigkeit während 8 1⁄2 Stunden pro Tag zumutbar. Allenfalls bestehe zu Beginn eine Leistungsein
busse von 20 % infolge einer allgemeinen Dekonditionierung, die aber medizi
nisch-theoretisch innert sechs Monaten durch ein entsprechendes Kraftausdauer
training beziehungsweise durch eine Kreislaufaktivierung korrigierbar sei (Urk. 6/214/22).
3.4
Die MEDAS-Gutachter führten zusammengefasst folgende Diagnosen mit Aus
wirkung auf die Arbeitsfähigkeit auf (Urk. 6/214/23):
-
Chronifiziertes
thorakospondylogenes
und
lumbospondylogenes
Schmerz
syndrom nach Berstungsfraktur BWK 12 und Spondylodese Th11/12 mit Beckenspan am 15. Mai 2002 wegen Pseudoarthrose nach Erstversorgung mit Fixateur extern Th11-L1 am 18. Mai 2001
-
Weichteilschmerzsyndrom, chronifiziert und mit deutlicher Dekon
ditionierung
Ohne Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit blieben die:
-
Anhaltende, leichte depressive Symptomatik, wohl bei rezidivierender depressiver Störung (ICD-10 F33.0) sowie eine
-
Dysfunktionale, histrionisch geprägte Schmerzverarbeitung mit Aggrava
tion bei histrionischer Persönlichkeitsprägung (ICD-10 Z73.1)
Als zusammengefasstes Belastungsprofil beider Disziplinen stellten die Gutachter fest, eine Tätigkeit sollte kein repetitives Tragen und Anheben von Gewichten über 7 kg beinhalten, repetitives Bücken und Aufrichten sowie monotones Vor
neneigen des Rumpfes sollten vermieden werden, ebenso Arbeiten, bei denen es zu hohen Vibrations- und Schlageinwirkungen auf den Oberkörper komme oder bei denen in Kauerposition gearbeitet werden müsse. Ansonsten sei der Versi
cherte im Stande, alle dem Ausbildungs- und Kenntnisstand entsprechenden Tätigkeiten einfacher und durchschnittlicher geistiger Art mit einfachem Ver
antwortungsbereich auszuführen. Dabei bestehe eine Arbeitsfähigkeit in der Grössenordnung von 80 %, welche bei Rekonditionierung binnen sechs Monaten auf 100 % steigerbar sei (Urk. 6/214/25).
4.
Der Beschwerdeführer stützte seine Neuanmeldung auf den Austrittsbericht der
Z._
vom 3. Juli 2019 (Urk. 6/273/2-6). Der leitende Arzt Dr. med.
C._
sowie der Psychologe
lic
. phil.
D._
berichteten über den Aufenthalt des Beschwerde
führers vom 22. Mai bis 2. Juli 2019 im Rahmen einer stationären Trauma
therapie. Einleitend beschrieben die Fachpersonen den Beschwerdeführer als klagsam und sehr leidend wirkend, seit einem Arbeitsunfall 2001 mit einem Sturz aus etwa fünf Metern Höhe traumatisiert mit andauernden körperlichen Schmerzen, depressiver Symptomatik und Hoffnungslosigkeit bezüglich einer Verbesserung des Zustandsbildes. Derzeit bestünden starke Spannungen in der Familie aufgrund finanzieller Sorgen und Schuldgefühlen gegenüber der hart arbeitenden und alleine verdienenden Ehefrau und ohne Unterstützung durch das Sozialamt (Urk. 6/273/2). Der Beschwerdeführer habe seither ständig Erinne
rungen an den Sturz, die Bilder würden sich täglich wiederholen. Eine Notfallbe
handlung nach erlittenem Priapismus sei für ihn sehr traumatisch gewesen. Er sei seit vielen Jahren in der
E._
in Behandlung und seit 2016 würde die Therapie zunehmend spezifisch
traumatherapeutisch
erfolgen, bisher jedoch nicht den gewünschten Erfolg zeigen. Hinderlich erwiesen sich ein starkes Ver
meidungsverhalten und eine gewisse Fixierung auf die Schmerzproblematik. Der Beschwerdeführer
klage
über ständige Schmerzen, vor allem im Rücken und fühle sich kraft- und lustlos. Er schlafe nachts kaum und habe Angst vor dem Einschla
fen, da vor allem nachts die Bilder vom Unfall kämen. Zu Hause könne er sich auf fast nichts konzentrieren, die Mitarbeit im Haushalt sei unmöglich. Ferner verlasse er das Haus alleine kaum noch. Der Unfall habe sein Leben völlig verän
dert (Urk. 6/273/3).
Die Fachpersonen der
Z._
diagnostizierten eine rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (ICD-10 F33.1), eine PTBS (ICD-10 F43.1) sowie eine anhaltende somatoforme Schmerzstörung (ICD-10 F45.40). Im Befund habe der Beschwerdeführer das Leiden und die Schmerzen stark demonstriert. Er sei offen und zugewandt, aber inhaltlich stark auf das Leiden und den Krankheitsverlauf eingeschränkt. Konzentrations- und Merkfähigkeits
störungen
würden anamnestisch
vorliegen. Sofern man in seinem Leid mit
schwinge, sei der affektive Kontakt gut herstellbar. Zeitweise wirke der Beschwer
deführer unterschwellig gereizt. Seine Stimmungslage sei depressiv niederge
schlagen, traurig sowie oft hoffnungslos und zudem kaum auslenkbar. Gemäss den Fachpersonen
bestünden
ein starker sozialer Rückzug, ferner Ängste, das Haus alleine zu verlassen, Ängste vor dem Einschlafen und Grübeln und ständiges Wiederholen des Leids und der Schmerzen. Auch genaueres Nachfragen führe nicht zu spezifischeren Angaben hinsichtlich der Schmerzen. Hinweise für Wahn- und Sinnestäuschungen lägen nicht vor, jedoch Symptome einer PTBS mit
Hyperarousal
mit Schreckhaftigkeit, Intrusionen, Gefühlen der emotionalen Taubheit und Zukunftslosigkeit (Urk. 6/273/3). Testdiagnostisch lägen Hinweise für eine PTBS und eine schwere depressive Symptomatik vor (Urk. 6/273/3-4).
Während des stationären Aufenthaltes auf der Spezialstation für Traumafolge
störungen habe der Beschwerdeführer an einem intensiven und interdisziplinären Behandlungsprogramm teilgenommen, welches Einzel- und Gruppenpsycho
therapie sowie Kunst-, Ergo-, Bewegungs-, Physio- und Milieutherapie umfasst habe (Urk. 6/273/4). Die Fachpersonen hielten im Austrittsbericht fest, der Beschwerdeführer habe seit Beginn der Behandlung sehr klagsam bezüglich der Symptomatik und der Krankengeschichte imponiert. Die Inhalte der Psycho
edukation zu Traumafolgestörungen und Schmerzstörungen seien nur teilweise aufgenommen und verstanden worden, möglicherweise auch wegen Ein
schränkungen im Bereich
Konzentration und Gedächtnis. Eine Konfrontation des Unfallereignisses mit EMDR habe wegen Verständnisproblemen bezüglich
des Interventionsverfahrens abgebrochen werden müssen, so dass die Bearbeitung durch prolongierte Exposition erfolgt sei. Dabei habe sich im Moment des Falls eine starke Schreckreaktion gezeigt, so dass der Beschwerdeführer bei jedem Durchgang habe
reorientiert
werden müssen. Er habe im Verlauf von einer leich
ten Habituation der Angst berichtet. Zum Schluss sei der Beschwerdeführer stimmungsmässig aufgehellt wahrgenommen worden; diese Ansicht habe er selbst jedoch nur ansatzweise teilen können (Urk. 6/273/4).
In ihrer Beurteilung fassten die Fachpersonen der
Z._
zusammen, dass der Beschwerdeführer an einer depressiven Störung mit zahlreichen Symptomen im Bereich der Aktionshemmung, Energiemangel und Interesselosigkeit bei niederer Stimmungslage leide. Zudem bestünden Symptome aus allen Clustern einer PTBS
mit Intrusionen zum Unfallereignis,
Hyperarousal
in Form von Schlafstörungen und Vermeidung von Gedanken an den Unfall und die Operation im Zusammen
hang mit dem Priapismus. Der Beschwerdeführer erscheine geradezu erstarrt in der Sekunde des Unfalls, aus der er sich kaum lösen könne. Die somatoforme Schmerzstörung sei bereits vordiagnostiziert und übernommen worden, zumal während des Aufenthaltes eine starke Fokussierung auf die Schmerzen beobachtet worden sei und deren Verstärkung oft mit psychischer Belastung einhergegangen sei. Beim Beschwerdeführer scheine es zahlreiche Gründe zu geben, alte Muster nicht durchbrechen zu können. In Anbetracht des beständigen Wunschdenkens, fast ausschliesslich durch externe Interventionen gesund zu werden, sei auch längerfristig nicht mit einer Besserung des Zustandsbildes zu rechnen (Urk. 6/273/5).
5.
5.1
Zum Eintritt in die stationäre Behandlung in der
Z._
war es gemäss den Ärzten nicht wegen einer Krisenintervention gekommen, sondern zur Behandlung der
gemäss den Klinikärzten - bereits stark chronifizierten Krankheit und dies durch die Überweisung der behandelnden Ärztin des Psychiatriezentrums
B._
(Urk. 6/273/3).
Die Fachpersonen der
Z._
äusserten sich dabei nicht zur Frage einer Veränderung respektive Verschlechterung des Gesundheitszustandes, sondern berichteten über den Status des Beschwerdeführers bei Ein- und Austritt. Dabei nahmen sie Bezug auf das Unfallereignis von 2001 sowie auf die Operation infolge des medikamen
tösen Priapismus im Jahr 2010, welchen Ereignissen sie traumatisierende Folgen für den Beschwerdeführer zuschrieben und den Beschwerdeführer entsprechend zu therapieren versuchten (Urk. 6/273/4).
Die Diagnose einer PTBS tauchte jedoch nicht erst innerhalb der letzten Jahre auf, sie war vielmehr schon in den Jahren davor Diskussionsthema. Schon im Bericht des
S
pitals
F._
vom 16. August 2006 wurde der Verdacht auf eine
residuelle
PTBS erwähnt (Urk. 6/80/4). Im Privatgutachten des Beschwerde
führers von Dr.
A._
vom 31. Mai 2014 wurde die Oberärztin des Psychiatriezentrums
B._
, Dr. med.
G._
, zitiert, die Dr.
A._
gegenüber in einem Gespräch dargetan habe, der Beschwerdeführer spreche perseverierend davon, dass ihm der Unfall nicht aus dem Kopf gehe, das typische Bild einer posttraumatischen Belastungsstörung sei jedoch nicht vorhanden (Urk. 6/238/26). Dr.
A._
untersuchte den Beschwerdeführer bewusst durch genaueres, teil
weise auch konfrontatives Nachfragen zum Unfallhergang und der initialen Krankengeschichte. Dabei und auch im Zusammenhang mit den akutpsychiatri
schen Hospitalisationen stellte er beim Beschwerdeführer ein
Hyperarousal
mit
vermehrtem Schwitzen, Atemnot und Tachykardie und einem leicht dissoziativen Zustand fest. Dennoch stellte er keine Diagnose einer PTBS (Urk. 6/238/30 f.), sondern subsumierte dessen Zustände zusammen mit anderen psychiatrischen Befunden unter die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, mittel
gradig bis schwergradig mit somatischem Syndrom (ICD-10 F33.21). Dieser auf
fällige psychische Zustand wurde im Austrittsbericht der
Z._
erwähnt. Es wurde festgehalten, dass der Beschwerdeführer insbesondere auch deswegen seit vielen Jahren in der
E._
in Behandlung stehe und seit 2016 auch zunehmend spezi
fisch
traumatherapeutisch
(Urk. 6/273/3). Dieser Befund führte die Fachpersonen der
Z._
zusammen mit einer Testung zur Diagnose der PTBS (Urk. 6/273/4).
Diese Darlegungen zeigen, dass dieser Sachverhalt nicht neu, sondern hinlänglich bekannt ist, in der Vergangenheit bereits ärztlicherseits diskutiert, therapiert und gewürdigt wurde, allerdings nicht mit der immer gleichen Diagnosebezeichnung. Dies ist jedoch nicht relevant, vielmehr ist entscheidend, dass damit von keiner neu entdeckten oder neu eingetretenen Gesundheitsschädigung auszugehen ist.
5.2
Der Beschwerdeführer machte geltend, die in der
Z._
erhobenen Befunde würden - im Vergleich zu denjenigen in der
Y._
AG - eine Verschlechterung klar auf
zeigen (Urk. 1 S. 7 f. und S. 9 f.). Er verkennt dabei jedoch, dass die
Y._
-Gutachter ihre Einschätzung objektiv und nicht gestützt auf die subjektiven Angaben des Beschwerdeführers widergaben und explizit festhielten, dass gerade die von der
Behandlerin
gestellte Diagnose einer mittelgradigen oder sogar schweren Depression nur gestellt werden könnte, wenn den subjektiv vorge
tragenen Beschwerden und Beeinträchtigungen gefolgt werden würde (Urk. 6/214/23). Die übrigen von den Fachpersonen der
Z._
gestellten Diagnosen wurden in gleicher beziehungsweise aus dem gleichen Beschwerdebild stammen
der Form bereits durch die Gutachter der
Y._
AG geprüft und nach der Explo
ration des Beschwerdeführers verneint. So kamen sie zum Schluss, dass die aus dem Formenkreis der PTBS stammende Diagnose einer anhaltenden Persönlich
keitsänderung nach Extrembelastung (vgl. Urk. 6/182) nicht aufrechterhalten werden könne (Urk. 6/214/23). Ferner könne die Diagnose einer anhaltenden somatoformen Schmerzstörung nicht bestätigt werden.
Die lediglich stichwortartig aufgeführten Befunde der
Z._
(Urk. 6/273/3) basieren in weiten Teilen auf den Angaben des Beschwerdeführers. So wurden etwa die sehr stark schwankenden Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen lediglich anamnestisch erhoben, gleiches gilt für die geschilderten Ängste und den sozialen Rückzug. Die Befunde weisen im Vergleich zu den Schilderungen des Beschwerde
führers im Vergleichszeitpunkt keine erheblichen Änderungen auf. Die geklagten Schlafstörungen wurden bereits im Vorverfahren erhoben (Urk. 6/214/14), ebenso schilderte der Beschwerdeführer bereits damals einen sozialen Rückzug, Erschöpfung, Müdigkeit und Hoffnungslosigkeit sowie
Suizidgedanken, welche 2013 zu einem stationären Aufenthalt geführt hatten (Urk. 6/214/13-15 und 6/226/2). Auffallend ist, dass die Fachpersonen der
Z._
darauf hinwiesen, dass der Beschwerdeführer sein Leiden und die Schmerzen stark demonstriert habe und im Wunschdenken verharre, durch externe Interventionen gesund zu werden. Dies stimmt mit der Einschätzung der
Y._
Gutachter überein, welche einen leidensbetonten und beschwerde
fixierten sowie demonstrativ leidenden Beschwerdeführer beschrieben (Urk. 6/214/18-19). Dies alles lässt eine objektive Verschlechterung des Gesundheitszustandes nicht glaubhaft erscheinen.
Zur depressiven Symptomatik bleibt anzumerken, dass diese im Rahmen einer rezidivierenden depressiven Störung im Sinne von ICD-10 F33, wie sie auch im Gutachten der
Y._
AG als damals leichte Episode im Sinne von ICD-10-F33.0 erwähnt worden war, definitionsgemäss in schwankenden Episoden verläuft (vgl. Internationale Klassifikation psychischer Störungen, ICD-10 Kapitel V [F], 10. Auflage, S. 176). Dies geht auch aus dem
Z._
-Bericht hervor, wo nun eine «gegenwärtig» mittelgradige Episode (F33.1) festgehalten wurde, gleichwohl sich das Stimmungsbild des Beschwerdeführers bei Austritt bereits aufgehellter präsentiert habe und er kontaktfreudiger geworden sei. Schon früher - so anläss
lich der Begutachtung durch Dr.
A._
2014 - war ebenfalls von mittelgradi
gen Episoden bis zu einer schweren Ausprägung mit somatischem Syndrom die Rede (Urk. 6/238/13), welcher Darstellung – wie im Urteil des Gerichts dargelegt wurde – nicht gefolgt werden konnte. Damit ist auch in dieser im
Z._
-Bericht gestellten Diagnose keine relevante Verschlechterung auszumachen.
5.3
Wie die Fachleute der
Z._
ausführten, wurde die Diagnose einer somatoformen Schmerzstörung (ICD-10 F45.40) aus den
Vorakten
übernommen (Urk. 6/273/5). Sie nahmen damit diese Diagnose wieder auf, die durch die Gutachter der
Y._
AG in Auseinandersetzung mit den bereits damals vorhandenen, anders lauten
den Berichten der
E._
(Urk. 6/162) und der
E._
, Psychiatriezentrum
B._
(Urk. 6/168), als
nicht zutreffend
verneint worden war, was vom Gericht in seinem Urteil in der Folge als überzeugend eingestuft wurde. Mit der Begründung im
Z._
-Bericht allein, es habe während des Aufent
halts eine starke Fokussierung auf die Schmerzen beobachtet werden können und sie seien oft mit einer psychischen Belastung einhergegangen (Urk. 6/273/5), zeigen die
Z._
-Ärzte jedoch auch bei dieser Diagnosestellung keinerlei Neu
erungen hinsichtlich des geklagten Ausmasses oder der Beschwerden dieser Stö
rung auf. Es ist vielmehr wieder von einer anderen Betrachtungsweise des gleichen Beschwerdebildes auszugehen und eine wesentliche Veränderung damit nicht glaubhaft gemacht.
Auch die Ärzte der
Z._
beschrieben den Beschwerdeführer in ihrem kurzen Bericht als jemanden, der sehr klagsam auftrat und die Schmerzen stark demonstrierte. In der Ausdrucksweise war er logorrhoisch und inhaltlich stark auf
das Leiden und den Krankheitsverlauf eingeschränkt (Urk. 6/273/3). Damit zeigte er ein ähnliches Bild wie anlässlich der Begutachtung durch die
Y._
AG. Auch sein Privatgutachter Dr.
A._
hatte von monotonen und redundanten Klagen des Beschwerdeführers berichtet, er hatte diese jedoch – anders als die Gutachter der
Y._
AG - keiner Bewusstseinsnähe und damit keinem
aggravatorischen
Verhalten, sondern einer krankhaften dysfunktionalen Krankheitsbewältigung zugeschrieben. Das hiesige Gericht befasste sich ausführlich mit diesen unter
schiedlichen Auffassungen des Auftretens des Beschwerdeführers in seinem Urteil vom 23. September 2014 und folgte in der Einschätzung den Gutachtern der
Y._
AG (vgl. Urk. 6/240/17 f.). Die Tatsache somit, dass die
Z._
-Ärzte nun dieses ähnliche Verhalten des Versicherten nicht als
aggravatorisch
einstuften, sich vielmehr nicht weiter damit befassten, lässt unter den beschriebenen Umständen ebenfalls keine wesentliche Änderung glaubhaft machen.
5.4
Sodann fanden bereits mehrfach stationäre Aufenthalte statt, so etwa zweimal im Jahr 2010 sowie einmal in den Jahren 2012 und 2013, was die Gutachter der
Y._
AG in ihrer Beurteilung berücksichtigt hatten (Urk. 6/214/10-11 und Urk. 6/223).
Wie gesagt, erfolgte dieser neue Aufenthalt wiederum aufgrund eines Therapieversuches; insofern lässt sich allein aus dem Ereignis eines weiteren stationären Aufenthaltes keine massgebende Verschlechterung des Gesundheits
zustandes herauslesen (vgl. Urk. 10 S. 4).
5.5
Überdies äusserten sich die Fachpersonen der
Z._
weder zu den funktionellen Auswirkungen ihrer erhobenen Befunde noch zur Leistungsfähigkeit und Arbeits
fähigkeit des Beschwerdeführers, so dass eine massgebende Verschlechterung mit Auswirkung auf den Invaliditätsgrad nicht genügend glaubhaft gemacht wurde. Die
Z._
-Fachpersonen schlossen ihre Beurteilung mit der Einschätzung, dass in Anbetracht des Wunschdenkens nach Genesung durch vordergründig externe Interventionen längerfristig nicht mit einer Besserung des Zustandsbildes zu rechnen sei. Damit bestätigt sich das subjektive Krankheitserleben des Beschwerde
führers mit starkem Demonstrieren von Leid und Schmerzen, wie es sich bereits anlässlich der Begutachtung im Sommer 2013 gezeigt hatte – etwa indem die Gutachter von einer fehlenden Veränderungsmotivation sprachen (Urk. 6/214/19).
5.6
Zusammengefasst ist es dem Beschwerdeführer nicht gelungen, eine massgebende Verschlechterung seines Gesundheitszustandes mit Auswirkung
auf den Invalidi
tätsgrad
glaubhaft zu machen. Die Beschwerde ist
somit
abzuweisen.
6.
Da es um die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrens
aufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von Fr. 200.-- bis
Fr. 1‘000.-- festzulegen (Art. 69 Abs. 1
bis
des
Bundesgesetz
es
über
die Invaliden
versicherung, IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind die Kosten dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuer
legen.