# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** bffabfd3-f76c-4d68-a5c8-fa60a43e98f8
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1985, war seit 2
4.
Januar
2011 beim Y._
als Zirkusmitarbeiterin angestellt und in dieser Funk
tion bei der
Solida
Versicherungen AG (nachfolgend:
Solida
) gegen die Folgen von Unfällen versichert (
Urk.
10/A1). Mit Schadenmeldung vom 2
2.
Juli 2014 (
Urk.
10/A1) meldete die Versicherte einen Unfall
anlässlich dessen sie
am 1
6.
Juli 2014 eine psychische Beeinträchtigung erlitten
habe
(
Urk.
10/A1.1).
Die
Solida
erbrachte V
ersicherungsleistungen und liess die Versicherte psychiatrisch begut
achten (Gutachten vom 1
6.
September 2016;
Urk.
10/M
13).
Mit Verfügung vom 1
8.
Juli 2018 (
Urk.
10/
A
79)
stellte die
Solida
die bisher erbrachten Leistungen per 3
1.
Januar 2019 ein und sprach der Versicherten eine Integritätsentschädigung von 30
%
zu. Nach Eingang der dagegen am 1
3.
August 2018 erhobenen (
Urk.
10/A84)
und am 2
7.
September 2018 (
Urk.
10/A86) ergänz
ten Einsprache sistierte die
Solida
am
3.
Oktober 2018 das
Einspracheverfahren
formlos und erbrachte weitere Heilbehandlungsleistungen (
Urk.
10/A89). Am 1
4.
Februar 2019
(
Urk.
10/A102), 1
9.
März 2019 (
Urk.
10/A107.3)
und 1
6.
Okto
ber 2019 (
Urk.
10/A109)
erging eine Stellungnahme der Versicherten
.
1.2
Mit Verfügung vom
2.
Dezember 2020
(
Urk.
10/A112)
zog
die
Solida
ihre Verfü
gung vom 1
8.
Juli 2018 in Wiedererwägung und verpflichtete die Versicherte, bis zum
4.
Januar 20
2
1 ihre Bereitschaft zur Durchführung einer stationären Mass
nahme mitzuteilen. Für den Fall der Verweigerung werde aufgrund der Akten entschieden, wobei die Leistungen auf der Grundlage jenes Gesundheitszustandes festgelegt würden, der bei mutmasslich zu erwartendem Erfolg dieser Massnahme bestehen würde.
Dagegen erhob die Versicherte am 1
4.
Januar 2021 Einsprache (
Urk.
10/A115). Mit Verfügung vom 3
0.
März 2021 (
Urk.
10/A119) nahm die
Solida
die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens bei
Dr.
med. Z._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, oder
Dr.
med. A._
, Fach
arzt für Psychiatrie und Psychotherapie, in Aussicht.
Dazu äusserte sich die Ver
sicherte am 2
8.
April 2021 (
Urk.
10/A122) und schlug im Sinne eines Eini
gungs
verfahrens
zwei
andere
Gutachter und eine andere Gutachterin
vor. Weiter äusserte sie sich zum vorgesehenen Fragekatalog.
Mit Verfügung vom
7.
Oktober 2021 (
Urk.
10/A125
=
Urk.
2
) beauftragte die
Solida
Dr.
med. A._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, mit der psychiatrischen Begutachtung und hielt im Wesentlichen an ihrem Fragen
katalog fest.
2.
Am
5.
November 2021 erhob die Versicherte Beschwerde gegen die Verfügung vom
7.
Oktober 2021 (
Urk.
2) und beantragte, es sei die Ernennung von
Dr.
med. A._
als Gutachter im vorliegenden Verfahren aufzuheben und die Beschwerdegegnerin anzuweisen, die Vergabe des Gutachtensauftrages unter Wahrung ihrer Verfahrensrechte zu bestimmen. Weiter seien die von ihr vorge
schlagenen Änderungen der Fragen im Rahmen des Gutachtensauftrages zu be
rücksichtigen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom
2
7.
Januar 2022 (
Urk.
9) beantragte die Beschwerdegegnerin die Abweisung der Beschwerde, was der Beschwerdeführerin am
7.
Februar 2021 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
11).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) und der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV) in Kraft getre
ten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. De
zember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nachfolgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Bei der angefochtenen Verfügung
handelt es sich um eine verfahrensleitende Ver
fügung (Zwischenverfügung), gegen welche keine Einsprache erhoben werden kann (Art. 52 Abs. 1
ATSG
), dafür aber Beschwerde beim zuständigen Versiche
rungsgericht, sofern ein nicht wiedergutzumachender Nachteil
resultiert (Art. 56 Abs. 1 ATSG).
Gemäss
der bundesgerichtlichen Rechtsprechung (BGE 137 V 210) ist in den Bereichen der Invaliden- und der Unfallversicherung (BGE 138 V 318 E. 6.1) eine Begutachtung bei Uneinigkeit durch eine beim kantonalen Versiche
rungsgericht anfechtbar
e Zwischenverfügung anzuordnen
, womit die Beschwer
demöglichkeit an das hiesige Gericht gegeben ist.
1.3
B
ei Anordnungen von medizinischen Gutachten und der Bezeichnung von Gut
achtern sind die Anfechtbarkeitsvoraussetzungen des nicht wieder gutzumachen
den Nachteils für das ersti
nstanzliche Beschwerdeverfahren
gegeben (BGE 141 V 330 E. 5.2, BGE 139 V 339 E. 4.4, BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7).
Bei Beschwerden gegen eine Verfügung über Zusatzfragen muss ein irreparabler Nachteil im Sinne von Art. 46 Abs. 1
lit
. a
des
Bundesgesetz
es
über das Verwal
tungsverfahren (
VwVG
)
nachgewiesen sein. Die rechtssuchende Partei hat diesen Nachteil darzulegen und er ist vom Gericht als
Eintretensvoraussetzung
zu prüfen (BGE 141 V 330 E. 8.2).
1.4
Wird eine Begutachtung verfügungsweise angeordnet, so kann die versicherte Person materielle Einwendungen gegen eine Begutachtung an sich (etwa mit dem Einwand, es handle sich um eine unnötige «
second
opinion
»), gegen Art oder Umfang der Begutachtung (beispielsweise betreffend die Auswahl der medizini
schen Disziplinen) oder gegen bezeichnete Sachverständige (etwa betreffend deren Fachkompetenz) erheben (BGE 138 V 271 E. 1.1, BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7).
1.5
Bei mono- und
bidisziplinären
Begutachtungen ist im Falle aller zulässigen Ein
wendungen konsensorientiert vorzugehen. Erst wenn eine
Einigung
ausbleibt, ergeht eine (einheitliche) Zwischenverfügung über die Beweisvorkehr an sich (Notwendigkeit einer Begutachtung, Beschränkung auf eine oder zwei Fachdis
ziplinen, Bezeichnung der Disziplinen) und die Person der Gutachter (BGE 139 V 349 E. 5.2.2.3, Urteil des Bundesgerichts 9C_560/2013 vom 6. September 2013 E. 2.3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Zwischenverfügung (
Urk.
2) wie folgt: Die Beschwerdeführerin habe keine konkrete
n
oder triftige
n
Ablehnungs- oder
Ausstandsgründe
im Sinne von
Art.
44 ATSG gegen die Gut
achter genannt. Sie bringe lediglich pauschal vor, die beiden Gutachter würden sich mit
Traumaereignissen
und deren Folgen nicht auskennen, da sie über keine eigene Homepage verfügten und sich keine entsprechenden Publikationen finden liessen. Die in Aussicht genommenen Gutachter verfügten jedoch über eine lang
jährige Erfahrung bei der Würdigung der gesundheitlichen Folgen von
Trauma
ereignissen
. Es liege somit kein Grund vor, um von der Anordnung der psychiatri
schen Begutachtung bei
Dr.
Z._
oder
Dr.
A._
abzusehen. Als Gutachter werde
Dr.
A._
ernannt (S. 6 f.
lit
. b)
. Den Änderungswünschen betreffend Fra
gen könne in zwei Fällen
teilweise
entsprochen werden, die restlichen würden abgelehnt (S. 7 f.).
In ihrer Beschwerdeantwort (
Urk.
9) hielt die Beschwerdegegnerin fest, triftige Gründe für die Ablehnung eines Gutachters seien insbesondere im Fall von
Aus
schliessungs
- oder Ablehnungsgründen zu bejahen, wobei ein hoher Massstab an die Unparteilichkeit von Sachverständigen gelegt werde. Ebenfalls bejaht werden könne ein triftiger Grund, wenn ein Gutachter nicht die erforderliche Fachkom
petenz habe oder aus persönlichen Gründen als ungeeignet erscheine. Das Eini
gungsverfahren komme nur zur Anwendung, wenn triftige
Ablehnungsgründe vorlägen. Die versicherte Person habe kein Recht auf einen Sachverständigen ihrer Wahl. Es bleibe der Versicherung also unbenommen, mangels triftigen Ablehnungsgründen am vorgeschlagenen Sachverständigen festzuhalten. Vorlie
gend seien keine triftigen Ablehnungsgründe geltend gemacht worden. Im Gegenteil habe die Beschwerdeführerin sogar ausdrücklich festgehalten, es lägen keine
Ausstandsgründe
vor (S. 6
Ziff.
16 ff.). Ein erfahrener und als Gutachter tätiger Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie wie
Dr.
A._
habe zweifels
ohne die notwendige Fachkompetenz für die Begutachtung von posttraumati
schen Belastungsstörungen (PTBS). Eine explizite und öffentlich proklamierte Spezialisierung auf das Beschwerdebild der PTBS sei dafür nicht notwendig. Im Übrigen lasse sich auch für die von der Beschwerdeführerin vorgeschlagenen Gutachter keine Spezialisierungsangabe finden (S. 7
Ziff.
23-24). Weiter sei der Fragenkatalog aus näher genannten Gründen rechtens (S. 7
Ziff.
28 ff.).
2.2
Dem hielt die Beschwerd
eführerin entgegen (
Urk.
1), sie
habe ein schweres, furchtbares Trauma erlebt, das ihr bisheriges Leben vollkommen aus der Bahn geworfen habe. Ihre Beziehung zu Ärzten und Therapeuten sei aktenkundig oft
mals mit Schwierigkeiten verbunden und von Zweifeln geprägt gewesen.
Ihre Krankengeschichte von PTBS und Persönlichkeitsstörungen sei komplex und vielschichtig. Gerichtsnotorisch würden bei einer solch komplexen Persönlichkeit von verschiedenen Psychiatern verschiedene Diagnosen gestellt beziehungsweise falle die Bandbreite der Einschätzungen oft sehr weit aus. Dabei sei für die versi
cherungsrechtliche Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht die Diagnose im engeren Sinn von Belang, sondern es müssten vielmehr deren Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit ermittelt werden. Wenn nun vor diesem komplizierten Hin
tergrund postuliert werde, dass die Begutachtung durch einen auf PTBS speziali
sierten Gutachter vorgenommen werde, so habe dies gute, nicht zuletzt auch ver
fahrensökonomische Gründe. Wenn das Gutachten von einem spezialisierten Gutachter erstattet werde, so falle die Akzeptanz bei allen Beteiligten mit Sicher
heit höher aus, als wenn es von jemandem komme, von dem man led
i
glich wisse, dass es sich um einen psychiatrischen Facharzt handle. Die von ihr vorgeschla
genen Gutachterinnen verfügten übe
r eine solche Qualifikation (S.
6
f.
Ziff.
13-14). Es sei ihr bewusst, dass es keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch
auf Begutachtung durch eine auf PTBS spezialisierte Gutachterin gebe. Aber wenn man die bundesgerichtlich geforderte Chancengleichheit ernst nehme, so sei nicht nachvollziehbar, weshalb die Beschwerdegegnerin einseitig und ohne jede Rück
sprache
Dr.
A._
bevorzuge, über welchen ausser seinem Namen und seiner Fachrichtung nichts in E
rfahrung zu bringen sei (S. 8
Ziff.
17). Die vollkommen einseitige Vergabe des Gutachtensauftrages und Bevorzugung von
Dr.
A._
gegen qualifiziertere Gutachter ohne sachliche Begründung oder Überprüfung ihres Vorschlages und ohne wenigstens den Versuch einer Einigung entspreche nicht den Vorgaben des Bundesgerichts (S. 8 f.
Ziff.
18
)
.
Was den Fragenkatalog angehe, so habe sie mit Erstaunen festgestellt, dass dieser über 60 Fragen enthalte. Umso unverständlicher sei die Weigerung der Beschwer
degegnerin, die wenigen Änderungsvorschläge zu übernehmen (S. 9
Ziff.
19). Ihre Änderungsvorschläge seien weder suggestiv noch rechts- oder sachfremd. Im Gegenteil bezweckten sie, genauere Antworten auf die Grundfragen zu ermögli
chen und Missverständnissen vorzubeugen. Es sei deshalb kein rechtsgültiger Grund ersichtlich, weshalb die Vorschl
äge nicht zugelassen würden (S.
9
Ziff.
21
f.).
2.3
Streitig und zu prüfen ist die Rechtmässigkeit der Ernennung von
Dr.
A._
als Gutachter sowie der Ablehnung der Änderungswünsche der Beschwerdeführerin bezüglich der Gutachtensfragen. Auf letztere wird im Rahmen der Erwägungen näher eingegangen (vgl. nachfolgend E
. 3
).
3.
3.1
In BGE 141 V 330 entschied das Bundesgericht, dass die versicherte Person, die gegen einen Zwischenentscheid betreffend die Zulassung von Zusatzfragen Beschwerde erhebt, einen nicht wiedergutzumachenden Nachteil nachzuweisen hat. D
as Gericht hat diesen als
Eintretensvoraussetzung
zu prüfen (E. 8.2-8.3).
3.2
Die Gutachtensfragen finden sich im Anhang von
Urk. 2.
Die von der Beschwer
deführerin gewünschten
Zusätze
sind
nachfolgend
unterstrichen.
3.3
3.3.1
Die B
eschwerdeführerin macht geltend
, die
Frage 2.1 solle wie folgt lauten: «Ist die geltend gemachte Gesundheitsschädigung mit überwiegender Wahrschein
lichkeit zumindest teilweise
conditio
sine qua non
Folge des Unfall
ereignisses vom 1
6.
Juli
2014?»
.
Dazu hielt die Beschwerdeführerin fest, der Zusatz sei zur Präzisierung eingefügt worden, damit in der Folge keine Missverständnisse entstünden. Ein möglichst genauer Kausalzusammenhang zwischen Unfall-Gesundheitsfolgen sei auch im Interesse der Beschwerdegegnerin, wie auch der
sehr ausführliche Fragenkatalog belege. Weshalb diese Präzisierung nicht zu
lässig sein solle, sei nicht ersichtlich (
Urk.
1 S. 10).
3.3.2
Frage 2.8, welche wie folgt lautet: «Wenn der Status quo ante bzw. sine noch nicht erreicht sein sollte, ist mit der Erreichung dieses zu rechnen? Wenn ja,
wann?»
solle folgendermassen geändert werden (
Urk.
1 S. 10 unten f.):
«Hätten die vorbestehenden, unfallfremden Faktoren ohne das Unfallereignis vom 1
6.
Juli 2014 von sich aus zu den heute geklagten Beschwerden und Befunden geführt? Wenn ja, ab welchem Zeitpunkt und in welchem
Au
smass?»
.
Die Beschwerdegegnerin habe diesen Vorschlag neu als Frage
Ziff.
2.5 aufgenommen. Dennoch sei Frage 2.8 zu streichen, da sie nur als sehr spekulative Prognose zu beantworten sei (
Urk.
1 S. 11).
3.3.3
Fragen 4.2 und 5.2 seien wie folgt zu ergänzen (
Urk.
1 S. 11): «Können Aussagen gemacht werden über soziale Belastungen,
welche nicht Folgen des Unfallereig
nisses sind
und welche direkt negative funktionelle Folgen zeitigen (wie z.B. Erwerbslosigkeit, andere belastende Lebenslagen
)?»
.
Die Beschwerdegegnerin behaupte, ein Kausalzusammenhang zwischen Unfallereignis und sozialen Belas
tungen sei weder geboten noch notwendig. Dem sei zu widersprechen; wenn soziale Belastungen als Folge eines Unfalls zu qualifizieren seien, wie beispiels
weise finanzielle Probleme, weil keiner Tätigkeit mehr nachgegangen werden könne, so sei das versicherungsrechtlich anders zu qualifizieren als wenn die finanziellen Verhältnisse auch ohne Unfall vorhanden wären. Um Streitigkeiten hierüber vorzubeugen, sei es sinnvoll, die Fragen möglichst präzise zu stellen, was mit dem vorgeschlagenen Zusatz bezweckt werde.
3.3.4
Die Fragen 6.4 und
6.6 seien wie folgt zu ändern (S. 11 unten f.): «6.4 Welche Aussagen können in Bezug auf die Inanspruchnahme oder Vernachlässigung von therapeutischen Optionen gemacht werden (ausführliche
und kritische
Beurtei
lung
)?»
. «6.6 Begründung
und
kritische
Würdigung
?»
. Es solle davon ausgegan
gen werden, dass ein Gutachter auch ohne den Zusatz «kritisch» gewissenhaft seiner Aufgabe nachkomme und nicht etwa «unkritisch». Damit sei diese Präzi
sierung überflüssig. Auf der anderen Seite gebiete die Rücksichtnahme auf den Verständnishorizont von Versicherten, dieses «kritisch» zu streichen, da es von ihnen aus dem alltäglichen Gebrauch von «kritisch» kommend auch als tadelnd oder bedrohlich empfunden werden könne (S. 12).
3.3.5
Fragen 7.2
lit
. f und g lauten wie folgt (vgl. Anhang
Urk.
2):
«Welche prognostischen Aussagen können in Bezug auf die weitere Entwicklung der Gesundheitsschädigung und der Leistungsfähigkeit gemacht werden? Ist noch eine Anpassung/Angewöhnung an die Unfallfolgen zu erwarten, gegebenenfalls wann und in welchem Ausmass bewirkt diese eine Verbesserung der Arbeits
fähigkeit (Abgrenzung krankheits- und unfallbedingter Anteile
)?»
.
«Wie gross schätzen Sie insgesamt die Arbeitsunfähigkeit in einer optimal ange
passten Tätigkeit, bezogen auf ein 100
%
-Pensum, wenn die versicherte Person sich einer stationären Therapie unterzogen hätte (Abgrenzung krankheits- und unfallbedingter Anteile
)?»
.
Dazu führte die Beschwerdeführerin aus (
Urk.
1 S. 12 f.), die Fragen 7.2
lit
. f und g seien nicht zulässig, da sie eine zukünftige Entwicklung beträfen, welche naturgemäss nicht mit Sicherheit beantwortet werden könne. Die Fragen seien nur spekulativ zu beantworten. Angesichts des sehr umfangreichen Fragenkata
logs werde davon ausgegangen, dass die notwendigen Informationen auch ohne Beantwortung dieser Fragen vorliegen sollten. Insbesondere die zweite Frage sei auch manipulativ, denn sie impliziere, dass ein stationärer Aufenthalt die Arbeitsfähigkeit erhöht hätte, was nicht ernsthaft bewiesen werden könne. Falls das Gericht erachte, dass die Fragen dennoch zulässig seien, werde folgender Zusatz beantragt: «Mit welcher Wahrscheinlichkeit trifft die Prognose/Vermutung
zu?»
.
Zusammenfassend hielt die Beschwerdeführerin fest, dass die beantragten
Ände
rungen der Präzisierung dienten oder um Missverständnissen vorzubeugen und so zur Klärung des medizinischen Sachverhaltes beitragen würden (S. 13).
4.
4.1
Die Beschwerdeführerin verweist zur Begründung ihrer Änderungswünsche mehrfach auf BGE 141 V 330 (vgl. S. 9 f.
Ziff.
20, S. 10
Ziff.
21, S. 13
Ziff.
23). Sie bringt jedoch keine Begründung vor,
inwiefern sie einen - wie
im genannten BGE
als Voraussetzung für das Eintreten auf eine entsprechende Beschwerde fest
gelegten -
nicht wiedergutzumachenden Nachteil
erleidet, wenn ihren Ände
rungswünschen nicht entsprochen wird
. Ein solcher ist denn aus ihren Vorbrin
gen auch nicht ersichtlich. Sie selbst weist darauf hin, dass ihre Änderungen der Präzisierung dienen, oder um Missverständnissen vorzubeugen (vgl. vorstehend E. 3.3.5). Diesem Anliegen kann jedoch, sofern erforderlich, ohne Weiteres im Rahmen von nach Erstattung des
Gutachtens
zu stellenden Präzisierungsfragen
entsprochen werden
.
Es gilt zu beachten,
dass es den Versicherten offen
steht, die abgelehnten Fragen nach Vorlage der Begutachtung erneut zu unterbreiten.
Erweisen sich solche Fragen, auch seitens der Verwaltung, entgegen der Beurtei
lung vor der Begutachtung als zur Klärung des
entscheidwesentlichen
Sachver
halts als notwendig, gibt es keinen Grund, sie
nicht
nachträglich
noch zu stellen
(BGE 141 V 330 E. 8.1)
. S
ollte
sich zu einem spät
eren Zeitpunkt erweisen, dass
noch weiterhin Klärungsbedarf bestünde,
liessen
sich
allfällige Lücken nachträg
lich
noch
schliessen
.
4.2
Da die Beschwerdeführerin
nach dem Gesagten
einen nicht wiedergutzumachen
den Nachteil nicht nachzuweisen vermag, ist i
n diesem Punkt auf die Beschwerde nicht einzutreten.
5.
5.1
Es ist
unbestritten, dass nach Bekanntgabe der Gutachter
und
nach dem erhobe
nen Einwand gegen die Gutachter kein
Einigung
s
versuch erfolgte
.
5.2
Die Befugnis, Gegenvorschläge zu in Aussicht genommenen Gutachtern vorzu
bringen, stärkt die Stellung der Partei, da sich aus dem Anspruch auf rechtliches Gehör lediglich ergibt, dass die Partei sich zur vorgesehenen sachverständigen Person äussern kann. Soweit die Partei Gegenvorschläge macht, hat der Versi
cherungsträger – falls der zunächst vorgeschlagene Sachverständige abgelehnt werden kann – diese Vorschläge unvoreingenommen zu prüfen. Dies hebt jedoch nicht die Zuständigkeit des Versicherungsträgers auf, die sachverständige
Person zu bestimmen; nach der Rechtsprechung besteht nämlich kein Recht der Partei auf einen Sachverständigen ihrer Wahl (
Kieser
, Kommentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts ATSG,
4.
Auflage,
Art.
44 N 51 mit Hinweisen). Die Beschwerdeführerin räumt denn auch ein, es sei ihr bewusst, dass es keinen rechtlich durchsetzbaren Anspruch auf Begutachtung durch eine auf PTBS spezialisierte Gutachterin gebe (vgl. vorstehend E. 2.2).
5.3
Indem die Beschwerdeführerin geltend machte, den vorgeschlagenen Gutachtern
Dr.
Z._
und
Dr.
A._
fehle es an einer Spezialisierung bezüglich posttrauma
tischen Belastungsstörungen (vgl. vorstehend E. 2.2),
stellt sie
deren
Fachkompe
tenz
in Frage
(vgl. vorstehend E. 1.4).
Es ist zu prüfen, ob
damit eine zulässige Einwendung im Sinne der Rechtsprechung vorliegt (vgl. vorstehend E. 1.3)
, mit
hin, ob bei
jeglichen Vorbringen
bezüglich Fachkompetenz ein
triftiger
Grund vorliegt, um ein Einigungsverfahren durchzuführen.
5.4
Dr.
A._
verfügt über den Eidgenössischen Weiterbildungstitel als Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und eine Berufsausübungsbewilligung (vgl. medregom.admin.ch, abgerufen am
5.
April 2022). Zudem ist er zertifizierter Medizinischer Gutachter Swiss Insurance
Medicine
(SIM) und Vertrauensarzt der
Schweizerischen Gesellschaft für V
ertrauens- und Versicherungsärzte
(SGV; vgl.
Zertifizierte Fachpersonen SIM;
swiss-insurance-medicine.ch
; abgerufen am
5.
April 2022
)
. Er erfüllt damit ohne Weiteres die Anforderungen an die fachliche Qualifikation zur
psychiatrischen
Begutachtung der Beschwerdeführerin und ist somit grundsätzlich
auch
befähigt, eine PTBS zu beurteilen. Die Rüge der Beschwerdeführerin zielt bei näherer Betrachtung auf eine Frage der Beweiswür
digung ab, die jedoch erst nach Erstattung des Gutachtens zu beurteilen ist. Zudem ist fraglich, ob sich die Festlegung einer weiteren Spezialisierung inner
halb der gegebenen fachlichen Qualifikation mit
dem Erfordernis
einer ergebnis
offenen Expertise vereinbaren lässt.
Es ist festzuhalten, dass nicht jegliche Einwände bezüglich der fachlichen Qualifikation als zulässige Einwände gelten können. Mithin ist
kein Grund für eine Ablehnung von
Dr.
A._
gegeben und damit
ein triftiger Grund für ein Einigungsverfahren zu verneinen.
5.5
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Beschwerdegegnerin vorliegend ihrer Obliegenheit der Prüfung der Gegenvorschläge nachgekommen ist und eine anfechtbare Zwischenverfügung erlassen
hat. Ein Einigungsversuch war nach dem Gesagten nicht vorzunehmen.
Die angefochtene Zwischenverfügung erweist sich damit als rechtens. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde, soweit darauf einzutreten ist.