# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 800699dc-0178-53ce-97ed-782b7b3cf44b
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Mit Gesamtentscheid vom 3. Juli 2013 bewilligte das Regierungsstatthalteramt
Seeland den Umbau eines Bauernhauses auf der Parzelle Gals Grundbuchblatt
Nr. D._. Das Vorhaben umfasste unter anderem die Erstellung von vier
Wohnungen sowie die Erstellung einer Tiefgarage mit acht Autoabstellplätzen.
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2. Im Frühling 2016 meldeten die Beschwerdeführenden der Baupolizeibehörde der
Gemeinde Gals, auf der Parzelle Nr. D._ werde ohne Bewilligung ein oberirdischer
Parkplatz erstellt. Anlässlich einer Besichtigung am 6. April 2016 wiesen Vertreter der
Gemeinde die Beschwerdegegnerin darauf hin, dass die Erstellung eines Parkplatzes
baubewilligungspflichtig sei und ein nachträgliches Baugesuch eingereicht werden könne.
Die Beschwerdegegnerin reichte am 12. April 2016 ein nachträgliches Baugesuch für einen
Parkplatz auf der Stockwerkeigentumsparzelle Gals Grundbuchblatt Nr. D._-4
sowie ein Ausnahmegesuch zur Unterschreitung des Strassenabstandes ein. Die
Beschwerdeführenden erhoben am 12. Mai 2016 fristgerecht Einsprache. Mit Entscheid
vom 25. August 2016 erteilte die Gemeinde die Baubewilligung.
3. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 19. September 2016 Beschwerde
bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie stellen
folgende Rechtsbegehren:
1. Der Bauentscheid der Baubewilligungsbehörde der Gemeinde Gals sei
aufzuheben und dem Bauvorhaben der Bauabschlag zu erteilen. Gleichzeitig
sei die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustands zu verlangen und
hierfür eine neue Frist anzusetzen.
2. Eventualiter sei der Bauentscheid der Gemeinde Gals aufzuheben und die
Sache zur Neubeurteilung mit verbindlichen Anordnungen an die Vorinstanz
zurückzuweisen.
Die Beschwerdeführenden machen geltend, mit der Bewilligung des umstrittenen
Parkplatzes werde die zulässige Anzahl Parkplätze überschritten. Es lägen auch
keine Ausnahmegründe für die Unterschreitung des Strassenabstandes vor und mit
der Erteilung der Ausnahme würden nachbarliche Interessen verletzt. Die Vorinstanz
habe zudem den angefochtenen Entscheid ungenügend begründet und damit ihren
Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt. Weiter habe die Vorinstanz zu Unrecht die
Denkmalpflege nicht konsultiert. Das Gebäude auf der Parzelle Nr. D._ sei
ein K-Objekt und liege in einem Ortsbildschutzperimeter. Aus diesem Grund sei es
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auch unzulässig, dass die Vorinstanz eine Baubewilligung ohne Publikation erteilt
habe.
4. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten der Gemeinde Gals ein. Zudem edierte es
die Akten des Baubewilligungsverfahrens bbew 98/2012 des Regierungsstatthalteramtes
Seeland.
Die Gemeinde hielt in ihrer Stellungnahme fest, sie habe die Kantonale Denkmalpflege
angefragt, diese habe sich aber nicht zum Vorhaben geäussert. Es sei eine
Einigungsverhandlung durchgeführt und damit den Beschwerdeführenden in genügender
Weise das rechtliche Gehör gewährt worden. Die Gemeinde Gals sei eine ausgeprägte
Pendlergemeinde mit einer schlechten Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Es habe
zunehmend zu wenige Parkplätze. Die nach BauV2 zulässigen Parkplätze seien für die
Liegenschaft auf der Parzelle Nr. D._ nicht ausreichend. Es lägen daher
besondere Gründe nach Art. 54 BauV vor.
Die Beschwerdegegnerin liess sich nicht vernehmen. Die Beschwerdeführenden reichten
am 8. November 2016 eine Replik zur Stellungnahme der Gemeinde ein.
Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden
Erwägungen näher eingegangen.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG 721.1)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
a) Bauentscheide können nach Art. 40 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit
Baubeschwerde bei der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit für die Beurteilung
der Beschwerde zuständig.
b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 40 Abs. 2 BauG). Die
Beschwerdeführenden, deren Einsprache abgewiesen wurde, sind durch den
vorinstanzlichen Entscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf
die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist einzutreten.
2. Rechtliches Gehör
a) Die Beschwerdeführenden rügen, der angefochtene Entscheid würdige die
wesentlichen Einsprachegründe nicht. Die Erwägungen der Gemeinde genügten den
gesetzlichen Anforderungen an eine Begründung nicht. Das rechtliche Gehör sei daher
verletzt.
b) Der Anspruch auf rechtliches Gehör nach Art. 26 Abs. 2 KV4 und Art. 21 ff. VRPG5
gibt den Parteien das Recht, sich zur Sache zu äussern, erhebliche Beweise beizubringen,
Einsicht in die Akten zu nehmen, mit erheblichen Beweisanträgen gehört zu werden und an
der Erhebung wesentlicher Beweise entweder mitzuwirken oder sich zumindest zum
Beweisergebnis zu äussern. Der Anspruch auf rechtliches Gehör verlangt zudem, dass die
Behörde die Vorbringen der in ihrer Rechtsstellung Betroffenen sorgfältig prüft und beim
Entscheid berücksichtigt. Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihre Verfügung zu
begründen (Art. 52 Abs. 1 Bst. b VRPG). Eine Begründung muss so abgefasst sein, dass
die Betroffenen die Verfügung sachgerecht anfechten können. Es müssen wenigstens kurz
die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf
3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721) 4 Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993 (KV; BSG 101.1) 5 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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die sich ihr Entscheid stützt. Die Behörde muss jedoch nicht auf jedes Argument der
Parteien eingehen; es genügt, wenn sie sich mit den wesentlichen Gesichtspunkten
auseinandergesetzt hat.6
c) Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid die Grundlagen ihrer Entscheidung
begründet. Sie führt insbesondere aus, es sei ihr ein Anliegen, dass genügend Parkplätze
auf Privatgrundstücken erstellt werden. Eine Parkplatzberechnung nach BauV sei nicht
notwendig; die Gesetzgebung lege nicht fest, wie viele Besucherparkplätze zulässig seien.
Die Vorinstanz machte zudem auch Ausführungen zu der Rüge der Beschwerdeführenden,
der Parkplatz liege an einer Sackgasse und bei den unumgänglichen Wendemanövern
müssten Grundstücke der Nachbarn befahren werden. Ebenfalls ging sie auf die Themen
Ortsbildschutz und Denkmalpflege ein. Die Gemeinde hat sich zwar nicht mit jeder
einzelnen Einspracherüge der Beschwerdeführenden auseinandergesetzt, sie hat mit ihren
Ausführungen aber zumindest zu erkennen gegeben, von welchen Überlegungen sie sich
hat leiten lassen. Die Begründung ihres Entscheides ermöglichte es den
Beschwerdeführenden, diesen sachgerecht anzufechten. Die Vorinstanz ist daher der
Begründungspflicht genügend nachgekommen, der Anspruch auf rechtliches Gehör der
Beschwerdeführenden wurde nicht verletzt.
3. Parkplatz
a) Die Beschwerdeführenden rügen, mit der Bewilligung eines zusätzlichen Parkplatzes
auf der Parzelle Nr. D._ werde die maximal zulässige Anzahl der Parkplätze
überschritten.
b) Die zulässige Anzahl der Abstellplätze für Motorfahrzeuge wird vom kantonalen
Baurecht festgelegt. Die Art. 16 ff. BauG regeln die Grundsätze und halten unter anderem
fest, dass eine ausreichende Zahl an Parkplätzen zu schaffen ist, überdimensionierte
Flächen aber zu verhindern sind (Art. 17 Abs. 1 BauG). Die Bemessung der Parkflächen
hat der Regierungsrat in den Art. 49 ff. BauV umschrieben: Gemäss Art. 50 Abs. 1 BauV
wird die Anzahl der Abstellplätze für Motorfahrzeuge durch eine Bandbreite begrenzt;
innerhalb dieser Bandbreite legen die Gesuchstellenden die Anzahl fest. Die Bandbreite
6 BVR 2013 S. 443 E. 3.1.1; Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 52 N. 5
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umfasst insbesondere auch die Abstellplätze für Beschäftigte, Besucher und Behinderte
(Art. 50 Abs. 2 BauV). Bei der Wohnnutzung ist die Bandbreite abhängig von der Anzahl
der Wohnungen (Art. 51 BauV).
c) Im Baubewilligungsverfahren betreffend den Umbau des Bauernhauses auf der
Parzelle Nr. D._ in ein Wohngebäude mit vier Wohnungen bewilligte das
Regierungsstatthalteramt Seeland 2013 acht Parkplätze.7 Dies entsprach der Maximalzahl
gemäss der bis 31. Juli 2014 in Kraft gewesenen Fassung von aArt. 51 BauV, wonach die
Bandbreite bei vier Wohnungen über 120 m2 vier bis acht Abstellplätze für Motorfahrzeuge
umfasste. Gemäss der heute geltenden und vorliegend anwendbaren Fassung von Art. 51
BauV ist die Bandbreite unabhängig von der Grösse der Wohnung und beträgt bei
Gebäuden ab vier Wohnungen 0.5 bis 2 Abstellplätze pro Wohnung (Art. 51 Abs. 2 BauV).
Dies ergibt für das Gebäude auf der Parzelle Nr. D._ eine Bandbreite von zwei bis
acht Abstellplätzen. Die auf dem Grundstück maximal zulässige Anzahl Autoabstellplätze
beträgt somit unverändert acht. Darin sind die Besucherparkplätze bereits enthalten (vgl.
Art. 50 Abs. 2 BauV).
Die 2013 bewilligten acht Parkplätze in der Einstellhalle wurden unbestrittenermassen
erstellt. Die obere Grenze der Bandbreite ist damit bereits erreicht. Mit dem zusätzlich im
Aussenbereich neu erstellen, neunten Parkplatz wird die Bandbreite überschritten.
d) Wenn besondere Verhältnisse vorliegen, kann gemäss Art. 54 BauV von der
Bandbreite abgewichen werden. Besondere Verhältnisse sind gegeben, wenn das
Vorhaben deutlich über- oder unterdurchschnittlich ist, etwa im Anteil des motorisierten
Individualverkehrs bei Schichtbetrieb, in der Anzahl Arbeitsplätze im Verhältnis zur
Geschossfläche bei industriellen Produktionsbetrieben und Lagerhallen oder in der
Eignung des öffentlichen Verkehrs für seine Erschliessung. Von der gesetzlichen
Bandbreite soll aber nicht leichthin abgewichen werden, da gewisse Abweichungen vom
Durchschnittlichen bereits durch die Bandbreiten aufgefangen werden.8 Nur deutliche
7 Gesamtbauentscheid vom 3. Juli 2013, bbew 98/2012, S. 4 und bewilligter Plan Untergeschoss vom 29. April 2013 8 Vortrag der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern an den Regierungsrat betreffend Änderung der Bestimmungen der Bauverordnung über die Abstellplätze für Fahrzeuge vom 8. November 1999, Art. 51, S. 13
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Abweichungen rechtfertigen eine Korrektur.9 Infrage kommt dies etwa bei einer besonders
schlechten oder guten Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr.
Die Gemeinde Gals wird durch Busse erschlossen. Das Gebäude, in dem die
Beschwerdegegnerin wohnt, befindet sich etwa 100 m von der Bushaltestelle "E._"
entfernt. Von dort verkehren Busse nach Le Landeron, Erlach und Ins. Die Busfahrt nach
Le Landeron dauert je nach Verbindung zwischen 7 und 9 Minuten. Der erste Bus in diese
Richtung fährt wochentags um 6:04 Uhr, an den Wochenenden um 07:55 Uhr. Die letzte
Verbindung zurück hält in Gals um 23:16 Uhr. Von Le Landeron aus bestehen
Zugverbindungen nach Biel und Neuenburg. Die Busfahrt Gals - Erlach dauert 16 Minuten;
die ersten Busse in Richtung Erlach fahren an Werktagen um 6:21 Uhr und an
Wochenenden um 7:55 Uhr. In der Gegenrichtung hält der letzte Bus um 23:16 in Gals.
Nach Ins dauert die schnellste Busverbindung 12 Minuten. Auch hier bestehen
Verbindungen zwischen 6:21 Uhr und 23:16; in der Samstagnacht hält der letzte Bus aus
Ins sogar erst um 01:06 in Gals. Von Ins aus fahren Züge nach Bern und Neuenburg. Bei
den schnellsten Verbindungen Gals - Neuenburg beträgt die Reisezeit 32 Minuten, bei
jenen nach Bern 41 Minuten. Morgens und gegen Abend bzw. in jenen Zeiten, in denen
Schüler und Pendler reisen, bestehen halbstündliche Verbindungen nach Bern und
Neuenburg. Gemäss Geoportal des Kantons Bern hat Gals eine ÖV-Güteklasse E. Damit
ist die Gemeinde zwar nicht so gut erschlossen wie städtische Gebiete. Für eine ländliche
Gemeinde liegt ihre Erschliessung aber nur wenig unter dem Durchschnitt. Es gibt im
Perimeter der Regionalen Verkehrskonferenz Biel-Seeland-Berner Jura (RVK 2) 37
Gemeinden, die schlechter erschlossen sind als Gals.10 Die Erschliessung der Gemeinde
Gals mit dem öffentlichen Verkehr ist daher keinesfalls besonders schlecht im Sinne von
Art. 54 BauV. Es liegt somit keine deutliche Abweichung vom Durchschnitt vor, welche ein
Abweichen von der Bandbreite für Autoabstellplätze rechtfertigen würde.
e) Mit dem hier umstrittenen Parkplatz wird die zulässige Anzahl an Abstellplätzen für
Motorfahrzeuge überschritten. Es bestehen keine besonderen Verhältnisse nach Art. 54
BauV, die ein Abweichen von der Bandbreite zulassen würden. Der Parkplatz kann nicht
bewilligt werden. Dem nachträglichen Baugesuch ist daher der Bauabschlag zu erteilen.
9 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, Band I, 4. Aufl. 2013, Art. 16-18 N. 16; VGE 100.2008.23231 vom 2. Juli 2008, E. 4.4. 10 Vgl. die Darstellungen und Zahlen in "Angaben zur Erschliessung der Gemeinden im Kanton Bern nach Erschliessungsgüteklassen gemäss kantonalem Richtplan (Massnahmeblatt B_10)" vom 21.10.2015, einsehbar unter www.bve.be.ch, Rubriken Mobilität und Verkehr / öffentlicher Verkehr / Zahlen und Fakten
http://www.bve.be.ch
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f) Bei diesem Ausgang des Verfahrens erübrigt es sich, die übrigen Rügen der
Beschwerdeführenden zu prüfen.
4. Wiederherstellung / Rückweisung
a) Wird in einem nachträglichen Baugesuch der Bauabschlag erteilt, ist zugleich über
die Wiederherstellung des rechtmässigen Zustandes bzw. die Beseitigung des
widerrechtlich herbeigeführten Sachverhaltes zu entscheiden (Art. 46 Abs. 2 Bst. e BauG).
Die Wiederherstellungsanordnung muss im öffentlichen Interesse liegen, verhältnismässig
sein und darf den Vertrauensgrundsatz nicht verletzen. Eine
Wiederherstellungsmassnahme ist verhältnismässig, wenn sie geeignet ist, das
angestrebte Ziel zu erreichen, nicht weiter geht, als zur Herstellung des rechtmässigen
Zustands nötig ist und die Belastung für die pflichtige Person in einem vernünftigen
Verhältnis zum verfolgten Ziel steht.11
b) Der ohne Bewilligung bereits erstellte Parkplatz verstösst gegen die Vorschriften der
Baugesetzgebung über die zulässige Zahl der Autoabstellplätze. Da das Interesse an der
Einhaltung der baurechtlichen Bestimmungen und an der konsequenten Verhinderung von
Bauten, die der baurechtlichen Ordnung widersprechen, generell gross ist, besteht
vorliegend ein öffentliches Interesse an der Wiederherstellung des rechtmässigen
Zustandes.12 Die Beschwerdegegnerin hat sich zudem weder auf den Vertrauensgrundsatz
berufen noch geltend gemacht, sie habe gutgläubig gehandelt. Für beides gibt es auch
keine Anhaltspunkte. Gutgläubig kann eine Bauherrschaft nur sein, wenn sie bei
zumutbarer Aufmerksamkeit und Sorgfalt annehmen durfte, sie sei zur Bauausführung oder
Nutzung berechtigt, beispielsweise aufgrund einer mangelhaften Bewilligung oder Auskunft
von der zuständigen Stelle. Auf guten Glauben kann sich dagegen nicht berufen, wer
fahrlässig handelte. Es wird allgemein vorausgesetzt, dass die Bewilligungspflicht für
Bauvorhaben bekannt ist. Wer bauen oder nutzen will, muss sich um die Zulässigkeit
seines Tuns kümmern und sich bei den Behörden nach der Bewilligungspflicht
11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 9; BVR 2013 S. 85 E. 5.1 12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9a
RA Nr. 110/2016/136 9
erkundigen.13 Die Beschwerdegegnerin kann daher nicht als gutgläubig gelten. Zudem ist
ihr ein Verzicht auf den erstellten Parkplatz auch zumutbar: Sie verfügt gemäss eigenen
Angaben für sich und ihre beiden erwachsenen Kinder, die mit ihr in der gleichen Wohnung
wohnen, bereits über drei Parkplätze und die Kosten für die Erstellung des Parkplatzes
waren mit einer Bausumme von 5'000.– gering.
Aus diesen Gründen ist eine Wiederherstellungsanordnung zu erlassen. Allerdings muss
unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismässigkeit näher geprüft werden, welche
Massnahmen zur Beseitigung des rechtswidrigen Zustandes geeignet und erforderlich
sind. Je nach Lage und Ausführung des Abstellplatzes kommen verschiedene
Anordnungen in Betracht; diesfalls wäre die mildeste Massnahme anzuordnen. So könnte
es unter Umständen ausreichen, ein Benützungsverbot zu erlassen und die Nutzung der
umstrittenen Fläche als Autoabstellplatz durch das Aufstellen von grossen Pflanzkübeln
oder Blocksteinen zu verhindern. Es könnte aber auch sein, dass solche Massnahmen
nicht geeignet sind, weil beispielsweise die Sicht für die Strassennutzer eingeschränkt wird.
Aufgrund der nur rudimentären Planunterlagen in den Vorakten ist es der
Beschwerdeinstanz ohne zusätzliche Abklärungen nicht möglich, eine konkrete, geeignete
und verhältnismässige Wiederherstellungsanordnung zu verfügen. Die Sache wird daher
an die ortskundige Baupolizeibehörde der Gemeinde zurückgewiesen (Art. 72 Abs. 1
VRPG). Diese hat zu prüfen, welche Massnahmen zur Beseitigung des rechtswidrigen
Zustandes geeignet und erforderlich sind, und die entsprechenden
Wiederherstellungsmassnahmen zu verfügen. Dabei hat sie zu beachten, dass die
Wiederherstellungsverfügung nicht nur an die Bauherrin, sondern auch an den oder die
Grundeigentümer adressiert werden sollte.
5. Verfahrenskosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegt die Beschwerdegegnerin. Sie hat die
Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden bestimmt auf eine
13 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, a.a.O., Art. 46 N. 9b
RA Nr. 110/2016/136 10
Pauschalgebühr von Fr. 600.– (Art. 103 Abs. 2 VRPG in Verbindung mit Art. 19 Abs. 1
GebV14).
b) Die unterliegende Partei hat der Gegenpartei die Parteikosten zu ersetzen, sofern
nicht deren prozessuales Verhalten oder die besonderen Umstände eine andere Teilung
oder Wettschlagung gebieten oder die Auflage der Parteikosten an das Gemeinwesen als
gerechtfertigt erscheint (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Privaten, welche bei aufwendigen
Verfahren ihren Prozess selber führten, kann eine angemessene Parteientschädigung
zuerkannt werden. Vorliegend wird dies weder geltend gemacht, noch handelt es sich um
ein aufwendiges Verfahren. Es werden keine Parteikosten gesprochen.
c) Laut Art. 52 BewD trägt die Baugesuchstellerin die amtlichen Kosten des
Baubewilligungsverfahrens und zwar auch im Falle eines Bauabschlags. Die Kosten für
das erstinstanzliche Baubewilligungsverfahren belaufen sich laut Entscheid vom
25. August 2016 auf Fr. 373.–. Diese Kosten hat trotz Aufhebung des erstinstanzlichen
Entscheides die Beschwerdegegnerin zu bezahlen.