# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7903760b-8ed6-44d1-9ee9-df809ea36658
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Mit Vertrag vom 14. September 2005 wurde X. per 1. Januar 2006 auf unbestimmte Zeit bei der „Y.“ als Abteilungsleiter in der Werkstätte Chur eingestellt. Sein Pensum belief sich auf 100%, wofür er in der Gehaltsklasse 10/Stufe 16 einen Monatslohn von Fr. 5'597.– (inkl. 13. Monatslohn) erhielt (act. Vi kB 4).
B. Am 22., 23. und 27. Juni 2006 schlossen die Y. und X. einen Weiterbildungsvertrag (act. Vi kB 5), damit sich X. von Januar 2007 bis Mai 2009 am Institut für Arbeitsagogik (IfA, 6208 Oberkirch) zum Arbeitsagogen weiterbilden konnte. Gemäss dieser Vereinbarung übernahm die Y. die Schulgeldkosten vollumfänglich und die Reise-, Unterkunfts-, Verpflegungs- sowie Lehrmittelkosten zur Hälfte. Zudem unterstützte die Y. die Weiterbildung durch die Anrechnung von maximal 76 Tagen Abwesenheit als Arbeitszeit. Betreffend Kostenrückerstattung wurde vereinbart, dass der Mitarbeiter bei vorzeitigem Abbruch resp. bei Kündigung während oder nach der Weiterbildung die von der Arbeitgeberin bezahlten Kosten gemäss Punkt 3.4 des Reglementes Aus-, Fort- und Weiterbildung rückzuerstatten habe (Ziff. 5 des Weiterbildungsvertrages). Auf dieses Reglement (act. Vi kB 6) wurde bereits im Arbeitsvertrag Bezug genommen. Das Arbeitspensum von X. wurde in der Folge auf 80% reduziert (vgl. act. Vi kB 9). Im Mai 2009 schloss X. seine Ausbildung zum Arbeitsagogen erfolgreich ab.
C. Am 21. und 29. Januar 2010 wurde der Arbeitsvertrag zwischen der Y. und X. geändert. Per 1. Januar 2010 wurde er von der bisherigen Lohnklasse/Lohnstufe 13/17 in die Lohnklasse/Lohnstufe 14/17 umgestuft. Damit erhöhte sich sein Monatslohn von Fr. 5'600.– auf Fr. 5'915.– (act. Vi kB 9).
D. Am 29. Januar 2010 meldete der Leiter der Werkstätte, A., X. aufgrund immer wieder auftretender kurzer Absenzen und massivem Unwohlsein bei der Arbeit, bei der IV-Stelle der Sozialversicherungsanstalt des Kantons Graubünden zur Früherfassung an (act. Vi kB 10). Als Beginn der Arbeitsunfähigkeit wurde der Juli 2008 eingetragen, als Grund der Arbeitsunfähigkeit eine schwere Depression. Dieses Formular wurde am 1. Februar 2010 von X. unterschrieben. Am 19. und 25. März 2010 unterzeichneten X. (versicherte Person), A. (Leiter Werkstätte Y.), B. (Job-Coach, extern) und C. (Vertreter der IV-Stelle) eine Zielvereinbarung (act. Vi kB 11). In dieser wird als Eingliederungsziel der Arbeitsplatzerhalt von X. in der Y.-Werkstätte Chur genannt. Dazu wurde ein externes Job-Coaching vom 16.
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März 2010 bis zum 31. August 2010 vereinbart. Am 11. Mai 2010 notierte C. im Verlaufsprotokoll Eingliederung (act. Vi kB 14), dass A. sich entschieden habe, das Job-Coaching abzubrechen.
E. Am 27. Mai 2010 wurde X. von der Y. auf den 31. August 2010 gekündigt. Gleichzeitig wurde ihm ein neuer Arbeitsvertrag angeboten, der eine Anstellung als Mitarbeiter in der Werkstätte Chur mit einem Pensum von 80% vorsah. Die Position als Angestellter statt wie bisher als Leiter bedeutete einen um etwa Fr. 2'000.– niedrigeren Monatslohn. Den neuen Arbeitsvertrag unterzeichnete X. nicht. Mit Wirkung vom 1. Juni 2010 bis Ende November 2010 wurde X. 100% arbeitsunfähig geschrieben (act. Vi kB 17). Mit der provisorischen (23. November 2010; act. Vi kB 18) und der definitiven Lohnabrechnung (24. Dezember 2010; act. Vi kB 19) machte die Y. eine „Rückforderung Weiterbildungskosten 25%“ in Höhe von Fr. 4'405.– als Lohnabzug geltend.
F. Am 1. April 2011 reichte X. (nachfolgend: Kläger) ein Schlichtungsgesuch gegen die Y. beim Vermittleramt Plessur ein. Die Parteien erzielten an der Schlichtungsverhandlung vom 10. Mai 2011 keine Einigung, weshalb ihnen der Vermittler gleichentags eine Klagebewilligung ausstellte (act. Vi kB 3). Diese enthielt folgende Rechtsbegehren:
Rechtsbegehren der Klägerschaft:
„1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger Fr. 4'405.– zuzüglich 5% Zins seit 1. Dezember 2010 zu bezahlen.
2. Das Arbeitszeugnis vom 30.11.2010 sei wie folgt zu ändern: Streichung zweitletzter Absatz und ersetzen mit folgendem Wortlaut: ‚Aufgrund von Veränderungen in den Strukturen der Y. wurde das Arbeitsverhältnis im gegenseitigen Einvernehmen per 30. November 2010 aufgelöst.’
3. Unter vermittleramtlicher, gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten der Beklagten.“
Rechtsbegehren der Beklagtschaft:
„1. Abweisung der Klage.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zu Lasten der Klägerschaft.“
G. Mit Eingabe vom 7. Juni 2011 (Datum des Poststempels) reichte der Kläger seine Klageschrift beim Bezirksgericht Plessur ein. Er stellte folgendes Rechtsbegehren:
„1. Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger CHF 4'405.- zuzüglich 5% Zins seit 01.01.2010 zu bezahlen.
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2. Unter vermittleramtlicher, gerichtlicher und aussergerichtlicher Kosten- und Entschädigungsfolge, zusätzlich gesetzlicher Mehrwertsteuer, zulasten der Beklagten.“
In der Klageschrift wurde im Wesentlichen geltend gemacht, dass sich die Strukturen der Beklagten verändert hätten. Der Kläger sei an der Arbeitsstelle zunehmend gemobbt worden, insbesondere durch seinen neuen Vorgesetzten sowie seine neue Stellvertreterin. Noch am 29. Januar 2010 habe die Y. (nachfolgend: Beklagte) den Kläger aufgrund seiner guten Arbeitsleistungen in eine höhere Lohnklasse eingestuft. Im Rahmen einer Frühintervention hätten sich der Kläger und der von der IV gestellte Job-Coach nach Kräften bemüht, die Vorstellungen der Beklagten zu erfüllen. Diese habe jedoch nichts dazu beigetragen, die Zielvereinbarung mit der IV zu erfüllen. Dadurch habe sie sowohl die von beiden Parteien unterzeichnete Zielvereinbarung wie auch ihre Treuepflicht gegenüber dem Kläger verletzt. Sodann habe die Beklagte in einem Zeitpunkt die Kündigung ausgesprochen und eine Änderungskündigung angeboten, der für den Kläger völlig überraschend kam. Zudem habe er sich zu dieser Zeit – wie der Beklagten, insbesondere deren Leitern sehr wohl bekannt gewesen sei – in einer aufgrund der Mobbing-Attacken delikaten gesundheitlichen Situation befunden. Er habe sich kurz darauf, mit Wirkung ab dem 1. Juni 2010, zu 100% arbeitsunfähig schreiben lassen müssen. Der in der Lohnabrechnung vom 24. Dezember 2010 belastete Abzug von 25% der Weiterbildungskosten in Höhe von Fr. 4'405.– sei ihm niemals mitgeteilt worden. Eine Vorwarnung hätte jedoch erfolgen müssen, weshalb der vorgenommene Abzug i.c. unzulässig gewesen sei. Die an der Hauptverhandlung als wahrer Kündigungsgrund vorgebrachte Ansicht, dem Kläger fehle das nötige Rüstzeug zum Abteilungsleiter, sei absolut unglaubwürdig, habe der Kläger doch seit Januar 2006 in dieser Position gearbeitet und ab Januar 2010 für seinen Einsatz sogar eine Lohnerhöhung erhalten. A. habe gemäss dem Verlaufsprotokoll (act. Vi kB 14) nur einem mehr oder weniger unbeteiligten Eingliederungsberater der IV mitgeteilt, warum er die Kooperation mit dem Job-Coach abbreche: Er habe anhand von Gesprächen erfahren, dass die Klienten gewisse Dinge mitbekommen hätten und deswegen verunsichert seien. Eine Kündigung stehe zum jetzigen Zeitpunkt nicht im Raum; der Kläger mache seinen Job grundsätzlich sehr gut, es gebe allerdings zwei, drei Punkte, an denen er arbeiten müsse. Der Kläger halte die zwei Wochen später erfolgte Kündigung daher für nicht nachvollziehbar. Weil die Kündigung unbegründet und die Weiterbildung einzig im Interesse der Beklagten gewesen sei, komme eine Rückerstattungspflicht zulasten des Klägers nicht in Frage. Ziff. 5 des Weiterbildungsvertrages spreche sinngemäss eindeutig von einer Kündigung
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durch den Arbeitnehmer selber; eine allfällige Unklarheit im Wortlaut müsse sich der Arbeitgeber als Verfasser des Vertrages anrechnen lassen.
H. Am 29. August 2011 (Datum des Poststempels) reichte die Beklagte die Klageantwort ein, in der sie folgendes Rechtsbegehren stellte:
„1. Die Klage sei abzuweisen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten des Klägers.“
In der Begründung führte sie im Wesentlichen aus, dass sich die Rückforderung eines Viertels der von der Beklagten bezahlten Weiterbildungskosten auf Ziff. 5 des Weiterbildungsvertrages stütze (act. Vi kB 5). Dieser Vertrag verweise ausdrücklich und unmittelbar über den Unterschriften der Parteien auf das Reglement Aus-, Fort- und Weiterbildung (act. Vi kB 6). In beiden Dokumenten sei für den Fall einer Kündigung innert zwei Jahren seit Abschluss der Weiterbildung eine Rückerstattung der Weiterbildungskosten durch den Arbeitnehmer vorgesehen. Dabei werde nicht unterschieden, ob die Kündigung durch den Arbeitnehmer oder durch den Arbeitgeber erfolgt sei. Die Kündigung sei nicht grundlos oder ungerechtfertigt erfolgt; insbesondere habe kein Mobbing am Arbeitsplatz stattgefunden. Vielmehr habe sich der Kläger u.a. gegenüber seinem Vorgesetzten sehr empfindsam gezeigt und sich immer wieder über den Arbeitsanfall und die Belastung mit administrativen Arbeiten beklagt. Die Lohnerhöhung im Januar 2010 (act. Vi kB 9) sei erfolgt, weil der Kläger ab Juli 2009 eine neue Mitarbeiterin zu betreuen und damit mehr Verantwortung übernommen hatte. Diese Mitarbeiterin sei eingestellt worden, um ihn zu entlasten. Trotzdem hätten sich die Absenzen gehäuft; der Kläger habe auf Forderungen der Beklagten stets abwehrend reagiert und mit Krankheit gedroht. Er habe sich unter (wirtschaftlichen) Druck gesetzt gefühlt und nicht erkannt oder erkennen können, dass die Beklagte die ihr übertragenen Aufträge ihrerseits möglichst rationell abzuwickeln hat. Aufgrund der zunehmenden Absenzen habe die Beklagte den Kläger mit dessen Einverständnis Anfang Februar 2010 bei der Invalidenversicherung für Frühinterventionsmassnahmen angemeldet. Der Kläger habe sein Verhalten jedoch nicht verändert und sei als Abteilungsleiter nicht mehr geeignet gewesen. Die Beklagte habe versucht, dem Kläger deswegen eine Position ohne Führungsverantwortung und administrative Aufgaben anzubieten und ihm dadurch eine Stelle zu erhalten. Sie habe ihre Treupflicht daher nicht verletzt. Der Kläger habe sodann keine spezifische Krankheit nachgewiesen. Deshalb sei der Stellenverlust nicht auf gesundheitliche Gründe zurückzuführen, sondern vom Kläger selber zu verantworten.
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I. Am 4. Oktober 2011 erliess der Einzelrichter in Zivilsachen am Bezirksgericht Plessur eine Beweisverfügung (act. Vi II.1), in der er act. Vi kB 7–9, 13 und 14 sowie act. Vi bB 4–8 als Beweismittel zuliess. Hinsichtlich act. Vi kB 15 und 16 erfolgte keine Beweisabnahme. Zur Hauptverhandlung vom 21. Oktober 2011 wurde mit prozessleitender Verfügung vom 8. September 2011 vorgeladen (act. Vi VI.3). Im Anschluss an die Hauptverhandlung erkannte der Einzelrichter des Bezirksgerichts Plessur was folgt:
„1. Die Klage wird abgewiesen.
2.a) Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 3'000.00 (Entscheidgebühr) gehen zu Lasten der Gerichtskasse.
b) Die klagende Partei hat die beklagte Partei mit CHF 3'537.45 (inkl. Barauslagen und MwSt.) aussergerichtlich zu entschädigen.

## Considerations