# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** df767390-7eeb-4274-80bf-6154f5629e33
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1973, war seit 1999 als Pflegeassistentin beim Spital
Y._
beschäftigt und damit bei der
BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich
vorsorgeversichert.
Wegen Rückenbesch
w
erden war sie als
Pflegeassis
tentin
seit dem 1
4.
März 2002 nicht mehr arbeitsfähig, worauf die Arbeitgeberin das Arbeitsverhältnis per 3
1.
Oktober 2003 auflöste (Kündigungsschreiben vom
7.
Juli 2003, Urk.
26
/20).
Die Beamtenversicherungskasse das Kantons Zürich (heute:
BVK
Personalvor
sorge
des Kantons Zürich
) richtete ab dem 1. Juli 2003 (Beendigung Lohnfort
zahlung) eine Invaliden- und Kinderrente aus beruflicher Vorsorge sowie einen Überbrückungszuschuss aus (Schreiben vom
5.
und 30. März 2004, Urk. 2/2-3).
Die
Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, bei welcher sich
X._
bereits
am
1
9.
März 2002
für berufliche Massnahmen
angemeldet hatte (Urk.
26
/21)
,
übernahm
ab dem 2
8.
Februar 2006
eine mehrjährige Umschulung im Bürobereich, welche
X._
am
1
5.
Februar 2009 mit einem Handelsdiplom abschloss (Urk.
26
/180-183).
1.2
Mit Entscheid vom 3
0.
April 2013 (Prozess-Nr.
IV.2010.00315
, Urk.
26
/262) bejahte das hiesige Gericht den Anspruch der Versicherten auf
Wartezeittaggel
der
ab 23.
September 200
3.
In der Folge sprach die IV-Stelle mit verschiedenen Verfügungen Wartezeittaggelder für den Zeitraum
vom
23.
September 2003 bis 2
8.
Februar 2006
zu
(Urk. 26/264-265, Urk. 26/269 und Urk. 26/278)
.
Die von der BVK an die Versicherte ausbezahlten
Überbrückungs
zuschüsse
von monat
lich Fr. 1'757.55 (Urk. 2/3) verrechnete die IV-Stelle auf Antrag der BVK
mit dem
Wartezeittageldanspruch
und überwies den Gesamtbetrag von Fr.
49'680.10
an die BVK (vgl. Urk.
26
/274-277 und Urk. 1 S. 7 Ziffer 18).
Mit Schreiben vom 2
7.
November 2013 teilte die BVK
X._
mit, zufolge der rückwirkend a
usgerichteten
Wartezeittagelder
liege die Summe ihrer Ein
künfte
(nach Verrechnung der Überbrückungsrente mit den Nachzahlungen der IV)
für den Zeitraum 2
3.
September 2003 bis 2
8.
Februar 2006
um den Betrag von Fr.
56'348.50
über 100 % des Totals des in diesem Zeitraum mutmasslich entgangenen Verdienstes, weshalb sie in diesem Umfang überentschädigt sei und die
zu viel
erhaltenen Leistungen zurückzu
erstatten habe (Urk. 2/19
und 2/23
).
Im kasseninternen
Einsprach
e
verfahren
bestätigte die BVK die Rückfo
r
derung, lehnte einen Erlass ab,
setzte der Versicherten eine Zahlungsfrist bis 3
1.
März 2014 und machte sie darauf aufmerksam, dass bei Nicht
zahlung
ohne Weiteres der Verzug eintr
ete (
Einspracheentscheid
vom 6.
März 2014, Urk. 2/28). Die Versicherte leistete keine Zahlung
, worauf die BVK die Betrei
bung einleitete
. Dagegen erhob die
Versicherte Rechtsvorschlag (Zahlungsbefehl Nr.
Z._
des Betreibungsamtes
A._
vom 1
4.
Mai 2014, Urk. 2/30).
2.
2.1
Mit Eingabe vom 2
7.
Mai 2014 (Urk. 1) erhob der Kanton Zürich, handelnd durch
die
BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich
(heute:
BVK
Personalvor
sorge
des Kantons Zürich
), Klage gegen
X._
mit dem Rechtsbegehren:
"1.
Die Beklagte sei zu verpflichten, dem Kläger CHF 56'348.50 nebst 5 % Zins seit
1.
April 2014 zu bezahlen.
2.
Es sei dem Kläger in der Betreibung Nr.
Z._
des Betreibungsamtes
A._
(Zahlungs
befehl vom 1
4.
Mai 2014) vollumfänglich
Rechtsöffnung zu erteilen.
Alles unter evtl. Kosten und Entschädigungsfolgen zulasten der Beklagten."
2.2
Nachdem die Beklagte am Sitz des hiesigen Gerichts Einsicht in die Akten genom
men hatte (Urk.
4)
,
beantragte sie mit einer eigenen Eingabe vom
7.
Juli 2014 (Urk. 7) die unentgeltl
i
che
Prozessführung und die Bewilligung einer unentgeltlichen Rechtsvertretung in der Person von Rechtsanwalt Ralph
Strässle
, Dietikon. Das Gesuch wies das hiesige Gericht mit Verfügung vom 21. August 2014 mangels Substantiierung ab (Urk. 11). Die am 2
8.
August 2014 neu mandatierte Rechtsvertreterin beendete das Mandat nach Einsicht in die Akten am 1
6.
September 2014 wieder (Urk. 13-17).
Am
1.
Oktober
2014
(Poststempel)
reichte die Beklagte
persönlich
eine
Klageant
wort
mit folgendem Rechtsbegehren ein (Urk. 18):
"1.
Es sei der Versicherten die BVK Ren
t
e
unter Berücksichtigung der nachfolgenden Begründun
gen neu zu berechnen.
2.
Es seien der Versicherten die Taggelder der IV-Stelle unter Berücksichtigung der nachfolgen
den Begründungen neu zu berechnen.
3.
Es sei der Versicherten eine BVK Rente gestützt auf eine Grad von mindestens 25 % zuzuspre
chen.
4.
Es seien der Versicherten die Kosten für Betreibungseröffnung und Löschen aus den
Betrei
bungsregistern
durch BVK zu übernehmen.
5.
Es sei der Versicherten der abgezogene Überbrückungszuschuss zu retournieren.
6.
Es sei die Verjährung seit Jahr 2006 einzustellen.
7.
Es sei der Versicherten die BVK Rente für Monat März 2009 und von Oktober 2009 bis zum Abschluss d
es KV im Juli 2011 auszuzahlen.
Alles unter evtl. Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten der Kläger."
Mit Poststempel vom gleichen
Tag ging beim Gericht auch
die
Klageantwort von Rechtsanwalt
Strässle
ein, der im Namen und im Auftrag der Klägerin fol
gendes Rechtsbegehren stellte
(Urk. 20)
:
"
1.
Es sei die Klage der Forderung abzuweisen und die Betreibung Nr.
Z._
des
Betreibungs
amtes
A._
(Zahlungsbefehl vom 1
4.
Mai 2014) aufzuheben.
2.
Event
ualiter: Es sei sowohl die von d
er Klägerin bereits in Verrechnung gebrachte Forde
rung in Höhe von
Fr.
49'680.10 (Überbrückungszu
schuss), als auch jene über Fr.
56'348.50 (Überentschädigung) neu zu berechnen.
3.
Es sei der Beklagten die unentgeltli
che Rechtspflege zu bewilligen.
4.
Alles unter Kosten und Entschädigungsfolgen (zzgl.
Mwst.
) zulasten der Klägerin."
Am
7.
Oktober 2014 zog das Gericht die Akten der Invalidenversicherung bei (Urk.
26
/
1-282).
Mit Replik vom 2
8.
Oktober 2014 hielt die Klägerin an ihrem Rechtsbegehren fest (Urk. 29). Mit der Anordnung der Duplik (Verfügung vom 1
4.
November 2014, Urk. 31) wies das Gericht zugleich das Gesuch um unentgeltliche
Rechts
vertretung
mangels Erfolgsaussichten für die Beklagte
ab
.
Das Bundesgericht hob
diese Verfügung auf Beschwerde der Beklagten hin auf, soweit es darauf eintrat (Urteil vom
9.
Juli 2015, Urk. 39). Mit Verfügung vom 4. August 2015 (Urk. 40) wurde der neue Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Thomas Laube, zum unentgeltlichen Rechtsvertreter bestellt und erneut Frist zur Duplik angesetzt. Mit der am
9.
Oktober 2015 erstatteten Duplik (Urk. 44) liess die Beklagte fol
gende Anträge stellen:
"1.
Auf die Klage sei nicht einzutreten.
2.
Eventuell: Die Klage sei, soweit eventuell auf sie einzutreten ist, abzuweisen.
3.
Dementsprechend sei die Betreibungsnummer
Z._
des Betreibungsamtes
A._
(Zah
lungsbefehl vom 1
4.
Mai 2014) aufzuheben.
4.
Es sei der Beklagten die unentgeltliche Rechtspflege zu bewilligen und es sei der unterzeich
nende Rechtsanwalt als unentgeltlicher Rechtsvertreter einzusetzen (bereits erfolgt).
Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Klägerin."
Die Duplik samt Beilagen (Urk.
45/1-9) wurde der Klägerin am 1
6.
Oktober 2015 zugestellt (Urk. 46).
3.
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Akten wird, soweit erfor
derlich, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Streitgegenstand des vorliegenden Verfahrens bildet
eine
Rückforderung
, wel
che durch Nachzahlungen der Invalidenversicherung
im Zeitraum vom
23.
September
2003 bis 28.
Februar 2006
entstanden war
.
Die Beklagte bean
tragte in ihrer persönlichen Klageantwort
(vgl. Urk. 18)
u.a.
eine
Neub
e
r
ech
nung
der IV-Taggelder, eine Rente der Klägerin von 25 % sowie eine
Rente der
Klägerin
für
März 2009 und von Oktober 2009 bis Juli 201
1.
Bei diesen Anträ
gen handelt es sich formell um Widerklagen gemäss Art. 14
der Zivilprozess
ordnung (ZPO).
Duplikando
liess
die Beklagte
durch ihren neuen Rechtsvertreter
Nichteintreten auf die Klage, eventualiter deren Abweisung
beantragen
(
Urk. 44
)
, ohne
auf
die früher gestellten Widerklage-Anträge einzugehen
. Damit ist davon auszugehen, dass die Beklagte an den Widerklagen nicht
festhält
.
2.
2.1
Die Klägerin hat die gesetzlichen (
Art.
35a des Bundesgesetzes über die
berufli
che
Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge [BVG]
)
und reglementari
schen (
Statuten der Versicherungskasse für das Staatspersonal vom 2
2.
Mai 1996 in der ab
1.
September 2001 bzw.
1.
Januar 2002 in Kraft gestandenen Fassung
(
nachfolgend
:
BVK-Statuten)
Grundlagen der Rückforderung eingehend dargelegt, worauf verwiesen werden kann
(Urk. 1 S. 8 f.)
.
Zu ergänzen ist,
dass
die BVK-Statuten eine Kürzung der
Invalidenleistungen
vorsehen
,
soweit
diese
zusammen mit anderen anrechenbaren Einkünften 100
%
des mutmass
lich ent
gangenen Bruttoverdienstes übersteigen
(
Art.
57 Abs. 1 BVK-Statuten).
2.2
Nach der Berechnung
der Klägerin beläuft sich die Überentschädigung auf Fr. 56'348.50 (Urk. 1 S. 6 und S. 12 f.). Demgegenüber resultiert
aus
der Berech
nung der Beklagten
eine Unterentschädigung von
Fr. 24'604.90 (Urk. 44 S. 6 f.)
.
Diese unterschiedliche
n
Ergebnisse kommen zustande, obwohl beide Berech
nungen auf denselben, für die Überentschädigung relevanten Ausgangswerten (Leistungen der IV [Urk. 26/274-27
7
] und der BVK [2/2-3] für den Zeitraum 23. September 2003 bis 2
8.
Februar 2006) beruhen und in
masslicher
Hinsicht nicht bestritten sind.
2.3
Die nachfolgende Tabelle zeigt die Zahlungsflüsse (
Werte brutto
, vgl. auch nach
folgend E. 2.
4
) zwischen der Invalidenversicherung (IV), der Klägerin (BVK) und der Beklagte
n
(
vP
):
Jahr
Beteiligte
IV
BVK
vP
2003
IV
Zahlung an BVK
-5'741.35
5'741.35
Zahlung an
vP
-14'788.65
14'788.65
Total Zahlungen IV
-20'530.00
BVK
Zahlung an
vP
-12'052.35
12'052.35
erhalten von IV
-5'741.35
5'741.35
Total Zahlung an
vP
-6'311.00
vP
erhalten von IV
-14'788.65
14'788.65
erhalten von BVK
-12'052.35
12'052.35
Total erhalten von IV und BVK
26'841.00
Nachzahlungsanspruch IV
20'530.00
Summe der Zahlungen IV und BVK abzüglich Nachzahlungsanspruch IV
= Überentschädigung
-6'311.00
6'311.00
2004
IV
Zahlung an BVK
-21'090.60
21'090.60
Zahlung an
vP
-54'049.20
54'049.20
Total Zahlungen IV
-75'139.80
BVK
Zahlung an
vP
-44'274.00
44'274.00
erhalten von IV
-21'090.60
21'090.60
Total Zahlung an
vP
-23'183.40
vP
erhalten von IV
-54'049.20
54'049.20
erhalten von BVK
-44'274.00
44'274.00
Total erhalten von IV und BVK
98'323.20
Nachzahlungsanspruch IV
75'139.80
Summe der Zahlungen IV und BVK abzüglich Nachzahlungsanspruch IV
= Überentschädigung
-23'183.40
23'183.40
2005
IV
Zahlung an BVK
-21'090.60
21'090.60
Zahlung an
vP
-53'843.90
53'843.90
Total Zahlungen IV
-74'934.50
BVK
Zahlung an
vP
-44'274.00
44'274.00
erhalten von IV
-21'090.60
21'090.60
Total Zahlung an
vP
-23'183.40
vP
erhalten von IV
-53'843.90
53'843.90
erhalten von BVK
-44'274.00
44'274.00
Total erhalten von IV und BVK
98'117.90
Nachzahlungsanspruch IV
74'934.50
Summe der Zahlungen IV und BVK abzüglich Nachzahlungsanspruch IV
= Überentschädigung
-23'183.40
23'183.40
2006
IV
Zahlung an BVK
-1'757.55
1'757.55
Zahlung an
vP
-10'149.85
10'149.85
Total Zahlungen IV
-11'907.40
BVK
Zahlung an
vP
-5'428.25
5'428.25
erhalten von IV
-1'757.55
1'757.55
Rest Zahlung an
vP
-3'670.70
vP
erhalten von IV
-10'149.85
10'149.85
erhalten von BVK
-5'428.25
5'428.25
Total erhalten von IV und BVK
15'578.10
Nachzahlungsa
nspruch IV
11'907.40
Summe der Zahlungen IV und BVK abzüglich Nachzahlungsanspruch IV
= Überentschädigung
-3'670.70
3'670.70
Zusammenfassung Überentschädigung 2003-2006
Jahr
effektive Zahlun
gen von IV und BVK an
vP
Anspruch der
vP
auf Nachzahlung der IV
mutmasslich entgan
gener Verdienst
2003
26'841.00
20'530.00
18'713.10
2004
98'364.20
75'180.80
69'360.75
2005
98'117.90
74'934.50
70'054.35
2006
15'578.10
11'907.40
11'225.05
Total
238'901.20
182'552.70
169'353.25
Ermittlung der Überentschädigung
Summe der mutmasslich entgangenen Ver
dienste
-
169'353.25
Nachzahlungsanspruch
182'552.70
IV-Nachzahlung übersteigt
mut
-
mass
lich
entgangenen Verdienst um:
13'199.45
Der IV-Nachzahlungsanspruch übersteigt in jedem Jahr den
mutmasslich
entgangenen
Verdienst. Damit entfällt eine Leistungspflicht der Klägerin (BVK). Diese ist daher
berechtigt, sämtliche Leistungen zurückzufordern, die sie erbracht hat und für die sie nicht bereits durch die Invalidenversicherung mit
tels Drittauszahlung schadlos gehalten wurde.
Summe Zahlungen
IV + BVK an
vP
238'901.20
Nachzahlungsanspruch
182'552.70
Überentschädigung
56'348.50
Wie die vorstehende tabellarische Aufstellung zeigt
, ist die
Überentschädigungs
berechnung
der Klägerin korrekt und
die Rückforderung
in der Höhe von Fr.
56'348.50
nicht zu beanstanden.
2.4
Die Berechnung der Beklagten
(Urk. 44 S. 6 f.)
weist folgende Fehler auf:
a)
D
er
von der Klägerin verwendete
mutmasslich entgangene Verdienst
ent
spricht dem
Valideneinkommen
, wie es von der IV im Jahr 2009 festgelegt (Urk. 26/212) und vom hiesi
gen Gericht im Entscheid vom 6.
Februar 2012 bes
tätigt wurde (Urk. 3/10, E. 2.2.4). Es basiert auf dem
gesamten
, auch das Nebeneinkommen berücksichtigende
n
Einkommen
der Beklag
t
en im Jahr
2000
von
Fr.
65‘677.--
(vgl. IK-Auszug, Urk. 26/8)
.
b)
Die Leistungen der IV
setzt
die Beklagte lediglich im Umfang der
Nettoaus
zahlung
in ihre Berechnung ein
. Der mutmassliche entgangene Verdienst ist
indessen
ein Bruttolohn
(entspricht hier dem
Valideneinkommen
)
, somit
muss
auch d
ie als Erwerbsersatz ausgerichtete Leistung der IV mit dem Bruttowert berücksichtigt werden.
c)
Die Beklagte vergisst bei ihrer Berechnung, dass
die Klägerin ihr gegenüber
,
auch nach der Verrechnung mit der IV
,
immer noch den gesamten Betrag geleistet hat (zurückbezahlt an die Klägerin hat die IV, nicht die Beklagte). Demzufolge ist in ihrer Berechnung unter "Leistungen der BVK"
(vgl. Urk. 44 S. 8)
die
gesamte Leistung der Klägerin einzusetzen.
2.5
Anzumerken bleibt Folgendes:
Die
Nachzahlungen der IV übersteigen
das Total der mutmasslich entgangenen Verdienste um Fr.
13'199.4
5.
Selbst wenn man in die Überentschädigungsberechnung die Netto-Werte der
IV-
Nachzahlung ein
setzt, ergibt sich immer noch ein Überschuss zugunsten der Beklagten
im Umfang von rund Fr. 2
'
000.--.
3.
Strittig ist weiter, ob die Rückforderung der von der Klägerin erbrachten und nicht mit der IV-Nachzahlung verrechneten Leistung
en
verjährt bzw. verwirkt
sind
(vgl. Urk. 1 S. 10 bzw. Urk. 44 S. 4)
.
3.1
Das Bundesgericht hat im Urteil 8C_171/2013 vom 2
2.
Oktober 2013 E. 4.4.1
unter Verweis auf BGE 127 V 484
(betreffend die
Rückforderung
von Taggel
dern der Arbeitslosenversicherung nach rückwirkender
Zusprechung einer Rente der Invalidenversicherung
)
seine
bisherige Rechtsprechung
bestätigt, wonach die absolute Verjährungsfrist von fünf Jahren erst dann zu laufen beginnt, wenn die Leistungen der anderen Sozialversicherung rechtskräftig festgesetzt sind.
Dazu führte das Bundesgericht aus, d
ie absolute Verjährungsfrist von fünf Jahren, welche in der wörtlichen Gesetzesauslegung ab effektiver Zahlung der Leistung zu laufen beginne, sei
typischerweise auf Situationen zugeschnitten ist, in denen im Moment der Leistungszahlung deren Unrechtmässigkeit bereits existierte
.
Anders
verhalte
es sich, wenn die Rückerstattung aufgrund einer nachträglichen (rückwirkenden) Leistungserbringung durch
eine andere Sozial
versicherung
erfolgt
sei
.
Die Unrechtmässigkeit des Leistungsbezugs als eigentli
che
ratio
der
Rückerstattungspflicht existiere
diesfalls
erst in jenem Zeitpunkt (ex
nunc
), in welchem die tatbestandsmässigen Voraussetzungen der - nach den einschlägigen Gesetzesbestimmungen vorzunehmenden - Leistungskoordination festst
ünden
.
3.2
Analog
verhält es s
ich im vorliegenden Fall. D
ie IV-Stelle
hat
der
Beklagten
mit Verfügungen vom 1., 4., 11., und 2
2.
Oktober 2013 Wartezeittaggelder für den Zeitraum vom 2
3.
September 2003 bis 2
8.
Februar 2006 (Urk. 26/264-265, Urk. 26/269 und Urk. 26/278
) zugesprochen. Mit Zustellung dieser Verfügung erhielt die Klägerin Kenntnis von der Nachzahlung und ihrem
Rückforderungs
anspruch
, womit nach dem Gesagten
die fünfjährige absolute Verwirkungsfrist
nach
Art.
35a
Abs.
2 BVG
für die - dadurch begründete - Rückforderung
der erbrachten Invalidenleistungen zu laufen begann. Mit dem Betreibungsbegehren vom 1
4.
Mai 2014 bzw. der vorliegenden Klage ist selbstredend auch die ein
jährige relative Verjährungsfrist eingehalten. Es ist der Beklagten unbenommen, die eindeutige
und - wie vorstehend dargelegt - erst kürzlich
wieder
bestätigte Auslegung des Bun
desgerichts als gesetzeswidrig zu erklären (Urk. 44 S. 12 Ziffer 20.2). Für das Gericht besteht deswegen kein Anlass,
die Frage anders zu entscheiden
.
4.
Die Klägerin hat einen Erlass
gemäss § 59 Abs. 3 ihrer Statuten
bereits mit inter
nem
Einspracheentscheid
vom 6.
März 2014 abgelehnt (Urk. 2/28). Daran hielt sie auch in der Klageschrift fest (Urk. 1 S.13). Die Beklagte hat hierzu kei
nen formellen Antrag gestellt. Sie hat indessen darauf hingewiesen, sie wäre niemals in der Lage, einen Betrag von Fr. 56'000.-- zurückzuzahlen, was sinn
gemäss als implizites Erlassgesuch interpretiert werden kann.
4.1
Werden Leistungen durch gleich hohe, unter anderem Titel geschuldete ersetzt
,
besteht lediglich ein anderer Rechtsgrund
für die geschuldeten Leistungen und
das Vermögen des Rückerstattungspflichtigen erfährt keine Veränderung, die zu einem Härtefall
führt (BGE 122 V 221 E. 5c). Einzig aus reglementarischen Gründen (kein direktes Forderungsrecht hinsichtlich Rentenleistungen, während hinsichtlich der
Überbrückungszusch
üsse
ein solches besteht
, vgl. Urk. 1 S. 13
) konnte die Klägerin die Rentenzahlungen nicht mit der Nachzahlung der IV verrechnen. Materiell wäre der Verrechnungstatbestand - wie bei
m
Überbrü
ckungszuschuss
- ohne Weiteres gegeben gewesen
(gleichartige Leistungen für den gleichen Zeitraum)
.
Die Verrechnung des Überbrückungszuschusses
hat die Beklagte nie beanstandet.
Bereits aus diesem Grund kommt ein Erlass zum vornherein nicht in Betracht, wie auch die
Klägerin
zu Recht ausführte (Urk. 1 S. 13).
4.2
Selbst wenn ein Erlass zu prüfen wäre, müsste der gute Glaube
in Form des man
gelnden Unrechtsbewusstseins
(BGE 122 V 221 E. 3)
verneint werden.
Der Beklagten musste
aufgrund des Verfahrens um die
Wartezeittagelder
(Prozess-Nr.
IV.2010.00315
, Urk. 26/262)
bewusst sein, dass allfällige
Wartezeittagelder
der Invalidenversicherung sich mit
den bereits erfolgten Leistungen der Klägerin überschneiden würden und sie daher doppelt entschädigt wäre
.
Spätestens aber mit
Erläuterung
der Überentschädigungsberechnung und der Rückforderung
durch die Klägerin im Schreiben
vom
5.
Dezember 2013 (Urk. 2/23)
wusste sie, dass mit der Nachzahlung der Invalidenversicherung eine Doppelzahlung ent
standen war
. Trotz dieses Wissens hat die Klägerin
- statt Rückstellungen zu tätigen -
kurz nach der Ausrichtung der Rentennachzahlu
ng grosse Geldbeträge von ihren Bankkonten abgezogen
, so etwa am 1
3.
Januar 2014 vom
B._
-Konto
Fr. 50'000.--
und am
7.
Februar 2014 Fr. 37'650.-- vom
C._
-Konto
(
vgl.
Urk.
2/27/
8
)
,
um damit angebliche Schulden zu tilgen (Urk. 20 S. 7). Unter diesen Umständen kann sich die Beklagte nicht darauf berufen, sie hätte die anfangs 2014 getätigten Vermögensentäusserungen in gutem Glauben getä
tigt. Damit ist ein Erlass auch aus diesem Grund ausgeschlossen und eine grosse Härte (zum heutigen Zeitpunkt) ist nicht zu prüfen.
5.
Zusammenfassend ist die Beklagte
für den Zeit
raum 2
3.
September 2003 bis 28.
Februar 2006 im Betrag von Fr.
56'348.50
überentschädigt. Die Rückforde
rung in diesem Umfang samt Verzugszins von 5 % (Art. 104 Abs. 1 des Obliga
tionenrechts) seit
1.
April 2014 ist somit rechtens. Die Forderung ist nicht ver
jährt und ein Erlass kommt nicht in Frage. In diesem Sinne ist die Klage gutzu
heissen und dem Kläger
in der Betreibung Nr.
Z._
des Betreibungsamtes
A._
(Zahlungsbefehl vom 1
4.
Mai 2014
, Urk. 2/30
) Rechtsöffnung zu erteilen
.
6.
Der unentgeltliche Rechtsvertreter, Rechtsanwalt Thomas Laube, Zürich,
ist für seine Aufwendungen mit
Fr. 1'200.-- (inkl. Barauslagen und
MWSt
) zu entschä
digen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Rechtsvertreter die falsche, metho
dische Fehlüberlegungen enthaltende eigene
Überentschädigungsbe
rechnung
der Beklagten (Urk. 18) nicht nur ungeprüft übernommen (vgl. Urk. 44 S. 3 Zif
fer 4.1), sondern diese mit der aktenwidrigen Hinzurechnung eines Nebenver
dienstes (vgl. vorstehend E. 2.4a) zu Gunsten der Beklagten
noch
"verbessert" hat
(vgl. Urk. 44 S. 7)
.
Diese
s Vorgehen grenzt an mutwillige Prozessführung, weshalb die diesbezüglichen Aufwendungen
im Rahmen der unentgeltlichen Rechtsvertretung nicht von der Gerichtskasse übernommen werden
können
.