# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 17602bdc-b157-5b32-a99e-56cecc17aa9b
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Dr.
med.
dent
.
X._
, deutscher Staatsbürger
, geboren 1947, ist in Deutsch
land
wohnhaft.
Dort
ist er als
Zahnarzt
für Kieferorthopädie
tätig
(vgl.
Urk.
3/7)
. Seit
1.
Oktober 2011 praktiziert er (teilzeitlich) auch in der Schweiz
bei der
Y._
.
Für diese Tätigkeit meldete er sich bei der
Ausgleichskasse
M
edisuisse
als
Selbständigerwerbender
an (
Urk.
7/1). Da er
damals in Deutschland (noch) in einem Angestelltenverhältnis tätig war,
erfolgte die Versicherung
s
unterstellung in Deutschland (
Urk.
7/2-3).
Am
1.
April 2013 nahm
Dr.
med.
dent
.
X._
in der Schweiz zusätzlich eine Tätigkeit als
unselbständigerwerbender
Za
hnarzt
bei der
Z._
auf (
Urk.
7/4). Dies meldete er
der
Medi
suisse
und teilte ihr gleichzeitig mit
, dass er in Deutschland seit
1.
Mai 2012 nicht mehr als unselbständig-, sondern nunmehr als
selbständ
igerwerbender
Zahnarzt tätig sei
(
Urk.
7/4-
5).
Vor dem Hintergrund, dass a
ufgrund der
per
1.
Apri
l 2013 erfolgten Anstellung
die Versicherungs
un
terstellung von Deutschland auf
die Schweiz übergegangen
wäre, stimmte am
9.
Januar 2014
das Bundesamt für Sozialversicherungen
(BSV)
einer Ausnahme
vereinbarung zu, gemäss welcher
Dr.
med.
dent
.
X._
für den Zeitraum vom
1.
April 2013 bis zum 3
1.
Dezember 2015
von den schweizerischen Rechts
vorschriften über Soziale Sicherheit befreit wurde
. Indes
wurde darauf hingewie
sen, dass keine weitere Verlängerung möglich sein werde (
Urk.
7/8
).
Zwischen
zeitli
ch, am
7.
November 2013, hatte
die
Medisuisse
Kenntnis von einem (unda
tierten) Schreiben von
Dr.
med.
dent
.
X._
an seinen deutschen Versiche
rungsträger
erhalten
, worin er erklärte, dass sich ab
1.
Januar
2013 sein Status bei der
Y._
von «selbständig» in «angestellt» geändert habe, da die Praxis, in der er tätig sei, in eine AG umgeändert worden sei (
Urk.
7/7,
inbs
.
Urk.
7/7/7).
Im April 2016 leitete die
Medisuisse
eine Abklärung der sozialversicherungsrecht
lichen Unterstellung ein (
Urk.
7/9). In deren Rahmen erklärte
Dr.
med.
dent
.
X._
, dass er nach vor in Deutschland als
selbständigerwerbender
Zahnarzt tätig sei. Zudem sei er in der Schweiz noch bei der
Y._
im Nebenerwerb tätig. Aus der
Erwerbstätigkeit in Deutschland habe er im 2016 ein Einkommen von Euro 60'000.-- respektive
Fr.
65'000.-- generiert (
Urk.
7/10). Mit Schreiben vom 2
9.
Juni 2016 teilte die
Medisuisse
ihm mit, dass er ab
1.
Januar 2016 für die Gesamtheit der Erwerbseinkünfte in der Schweiz sozialversicherungsunter
stellt und abgabepflichtig sei (
Urk.
7/13).
In der Folge stellte
Dr.
med.
dent
.
X._
beim BSV
ein neuerliches Gesuch um Befreiung von den schweizerischen Rechtsvorschriften über Soziale Sicherheit, welches am 2
1.
November 2016 ab
gelehnt wurde (
Urk.
7/16-17).
Am 2
4.
Januar 2017 erliess die
Medisuisse
eine (provisorische) Beitragsverfügung für das Jahr 2016 basierend auf einem Einkommen von
Fr.
65'000.--, gestützt auf die Selbstdeklaration von
Dr.
med.
dent
.
X._
(
Urk.
7/22/5-6,
vgl. auch
Urk.
7/7-8). Die dagegen erhobene Einsprache (
Urk.
7/22/1-4) wies die
Medisuisse
m
it Entscheid vom 1
4.
November 20
17 ab (
Urk.
2).
2.
Gegen diesen
Einspracheentscheid
erhob
Dr.
med.
dent
.
X._
am
8.
Januar 2018 Beschwerde und beantragte, es seien von ihm in der Schweiz keine sozial
versicherungsrechtlichen Beiträge zu erheben (
Urk.
1 S. 2). Die
Medisuisse
schloss in der Beschwerdeantwort vom 2
1.
Februar 2018 auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6). Im Rahmen des zweiten Schriftenwechsels hielten die Pa
rteien mit Replik vom 2
2.
Juni
2018 respektive mit Duplik vom 2
0.
Juli 2018 an ihren Anträgen fest (
Urk.
14, 18). Mit Eingabe vom
2
8.
August 2018 liess sich der Beschwerde
führer nochmals zur Sache vernehmen (
Urk.
20), was der Beschwerdegegnerin zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
22).
Die Einzelrichterin

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
Da der Streitwert
Fr.
20’000.-- nicht übersteigt, fällt die
Beurteilung der Be
schwerde
in die einzelrichterliche Zuständigkeit (
§
11
Abs.
1 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht
,
GSVGer
).
2.
1.
Streitig
beziehungsweise
vorliegend einzig zu beurteilen
ist
, ob der Beschwerdeführer
für das Beitragsjahr 2016 (
Urk.
2, 7/22/5-6)
für die Gesamtheit seiner Erwerbseinkünfte in der Schweiz
beitragspflichtig ist.
2.2
Der Beschwerdeführer
macht geltend, das
BSV
habe ih
n
mit Schreiben vom
9.
Januar 2014 für den Zeitraum
vom
1.
August 2013 bis 3
1.
Dezember 2015 von der Anwendung der schweizerischen Rechtsvorschriften über Sozia
le Sicherheit befreit
. Dass diese Ausnahme ab
1.
Januar 2016 nicht mehr bewilligt worden sei, stelle einen Ermessensmissbrauch dar. Letztlich komme dies einem Berufsverbot gleich (
Urk.
1 S. 7)
. Die ursprüngliche Bewilligung sei unter Verweis auf sein Alter erfolgt. Daran habe sich nichts geändert (
Urk.
1 S. 7)
.
Dass er nun auf seinen Einkünften
, auch auf jenen, die er in Deutschland erziele, Abgaben
bezahlen müsse, führe zu einer Doppelbelastung
(
Urk.
1 S. 7 und 10)
. Hinzu komme, dass er in der Schweiz gar keine Rentenansprüche erlangen mehr könne (
Urk.
1 S. 7).
Was seine Tätigkeit bei der
Y._
anbelange, sei diese als
selbständig
erwerbende
zu qualifizieren (
Urk.
1 S. 8
,
Urk.
14 S. 3
).
Zudem übe
er in Deutsch
land eine gleich gelagerte Tätigkeit aus. Dort gelte er als
selbständigerwerbend
. Dies habe daher auch für die Schweiz zu gelten (
Urk.
1 S. 9,
Urk.
20 S. 1 f.).
2.
3
Die
Medisuisse
stellt sich auf den Standpunkt, dass die Nichterne
uerung der Be
willigung durch das BSV
nicht zu beanstanden sei (
Urk.
2
S. 2
,
Urk.
6 S. 2
). Eine Doppelbelastung liege nicht vor, da die Einkommen des Beschwerdeführers nur ein einziges Mal, nämlich in der
Schweiz, belastet würden (
Urk.
2
S. 2
,
Urk.
6 S. 3
).
In Bezug auf die Tätigkeit bei der
Y._
liege eine unselbständige Erwerbstätigkeit vor. Der Beschwerdeführer habe sich
denn auch in der Vergan
genheit jahrelang als Arbeitnehmer der
Y._
bezeichnet
(
Urk.
2
S. 2,
Urk.
6 S. 2
,
Urk.
18 S. 2
).
3
.
3
.1
Es liegt offensichtlich ein grenzüberschreitender Sachverhalt vor.
3
.2
Nach
Art.
1
Abs.
1 des auf der Grundlage von
Art.
8 des Abkommens vom 2
1.
Juni 1999 zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedstaaten andererseits über die Frei
zügigkeit (FZA) ausgearbeiteten und Bestandteil des Abkommens bildenden (
Art.
15 FZA) Anhangs II FZA (in der bis 3
1.
März 2012 geltenden Fassung) in Verbindung mit Abschnitt A dieses Anhangs wenden die Vertragsparteien unter
einander insbesondere die Verordnungen (EWG) Nr. 1408/71 des Rates vom 1
4.
Juni 1971 zur Anwendung der Systeme der sozialen Sicherheit auf Arbeit
nehmer und Selbstständige sowie deren Familienangehörige, die innerhalb der Gemeinschaft zu- und abwandern (nachfolgend VO Nr. 1408/71), und (EWG) Nr. 574/72 des Rates vom 2
1.
März 1972 über die Durchführung der Verordnung (EWG) Nr. 1408/71 oder gleichwertige Vorschriften an
.
Mit Wirkung auf
1.
April 2012 sind diese beiden Rechtsakte durch die Verord
nungen (EG) Nr. 883/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 2
9.
April 2004 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicher
heit (nachfol
gend: VO Nr. 883/
04) sowie (EG) Nr. 987/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 1
6.
September 2009 zur Festlegung der Modalitäten für die Durch
führung der Verordnung (EG) Nr. 883/2004 über die Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit (nachfolgend: VO Nr. 987
/
09) abgel
öst worden (BGE 143 V 52 E. 6.1,
BGE 141 V 246 E. 2.1).
3
.3
Diese neuen Verordnungen - in der seit
1.
Januar 2015 geltenden Fassung (somit einschliesslich der Änderung gemäss Verordnung [EU] Nr. 465/2012 des Europä
ischen Parlaments und des Rates vom 2
2.
Mai 2012 zur Änderun
g der Verord
nung [EG] Nr. 883/
04 zur Koordinierung der Systeme der sozialen Sicherheit un
d der Verordnung [EG] Nr. 987/
09 zur Festlegung der Modalitäten für die Durch
führun
g der Verordnung [EG] Nr. 883/04
) - sind auf den hier zu beurteilenden Fall in zeitlicher, persönlicher und sachlich
er Hinsicht anwendbar (vgl. auch
BGE 144 V 127 E. 4.2 mit weiteren Hinweisen).
3
.4
3
.4
.1
Titel II der VO Nr. 883/
04 (
Art.
11-16) enthält allgemeine Kollisionsregeln zur Bestimmung der anzuwenden
den
Rechtsvorschriften. Dabei l
egt
Art.
11
Abs.
1 VO Nr. 883/
04 den kollisionsrechtlichen Grundsatz der Einheitlichkeit der an
wendbaren Rechtsvorschriften in dem Sinne fest, dass für jede betroffene Person die Rechtsvorschriften nur eines Mitgliedstaats massgebend sind.
3
.4
.2
Eine Person, die gewöhnlich in verschiedenen Mitgliedstaaten eine Beschäftigung und eine selbstständige Erwerbstätigkeit ausübt, unterliegt den Rechtsvorschrif
ten des Mitgliedstaats, in dem sie eine Beschäftigung ausübt, oder, wenn sie eine solche Beschäftigung in zwei oder mehr Mitgliedstaaten ausübt, den nach
Art.
13
Absatz 1 bestimmten Rechtsvorschriften
(
Art.
13
Abs.
2
VO 883/04).
Eine Person, die gewöhnlich in zwei oder mehr Mitgliedstaaten eine selbststän
dige Erwerbstätigkeit ausübt, unterliegt den Rechtsvorschriften des Wohnmit
gliedstaats, wenn sie dort einen wesentlichen Teil ihrer Tätigkeit ausübt (
lit
. a) oder den Rechtsvorschriften des Mitgliedstaats, in dem sich der Mittelpunkt ihrer Tätigkeiten befindet, wenn sie nicht in einem der Mitgliedstaaten wohnt, in denen sie einen wesentlic
hen Teil ihrer Tätigkeit ausübt (
Art.
13
Abs.
3 VO 883/04).
3
.4.3
Für die Anwendung der
Art.
13
Abs.
2
und
Art.
13
Abs.
3
VO 883/04
sind unter «Beschäftigung» (also eine Tätigkeit im Lohn- oder Gehaltsverhältnis) bezie
hungsweise «selbständiger Erwerbstätigkeit» diejenigen Tätigkeiten zu verstehen, die im Rahmen der Rechtsvorschriften über die soziale Sicherheit des Mitglied
staats, in dessen Gebiet die Tätigkeit ausgeübt wird, als solche angesehen werden. Es bestehen mithin keine vertragsautonomen Definitionen im Sinne einer eigen
ständigen gemeinschaftsrechtlichen Bedeutung, sondern es sind die Begriffsbe
stimmungen im jeweiligen Landesrecht massgeblich (vgl. BGE 138 V 533 E. 5.2, Bundesgerichtsurteil 9C_560/15 vom 1
5.
April 2016 E.
3.3.1
betreffend die - in
haltl
ich mit
Art.
13
Abs.
2 und 3
VO 883/04 soweit id
entischen -
Art.
14a und 14c
VO 1408/71
; vgl. ferner Bundesgerichtsurteil 9C_539/18 vom 2
9.
Januar 2019 E. 2.2
i.f
.
).
3.4.4
Art.
16
Abs.
1 VO
883/
04 sieht vor, dass
z
wei oder mehr Mitgliedstaaten, die zuständigen Behörden dieser Mitgliedstaaten oder die von diesen Behörden be
zeichneten Einrichtungen
im Interesse bestimmter Personen oder Personengrup
pen
im gemeinsamen Einvernehmen Ausnahmen von den Artikeln 11-15 vorse
hen
können
.
4.
4.1
Art.
16
V0 883/04 soll nicht faktisch die Möglichkeit einer Rechtswahl einräu
men
.
Anwendung findet diese Bestimmung insbesondere bei Entsendeverhäl
tnis
sen im Sinne von
Art.
12
VO 883/04, wenn von vornher
e
in absehbar ist, dass die Tätigkeit in einem anderen Mitgliedstaat den für eine Befreiung von einer Versi
cherungsunterstellung in jenem Staat höchstzulässigen Zeitraum von 24 Monate übersteigt
. In
solchen Fällen soll
Art.
16
VO 883/04
eine sac
hgerechte Zuordnung ermöglichen
(
Steinmeyer
, Europäisches Sozialrecht, in: Fuchs [Hrs
g.], Europäi
sches Sozialrecht,
7.
Aufl. 2017, S. 255).
4.2
Ein Anspruch auf eine Ausnahmeverei
nbarung im Sinne von
Art.
16
VO 883/04 besteht nicht. Es ist zwar richtig, dass das BSV
die mit Schreiben vom
9.
Januar 2014 gewährte Befreiung von der Versicherungsunterstellung in der Schweiz bis 3
1.
Dezember 2015
mit dem
Alter des Beschwerdeführer
s begründete
. Gleichzei
tig wie
s es
darauf hi
n, dass
k
eine
Verlängerung
gewährt würde
(
Urk.
7/8).
Vor diesem Hintergrund ist nicht zu beanstanden, dass das BSV am 2
1.
November 2016 im angekündigten Sinne entschied und eine wei
tere Befreiung
der Ver
sicherungsunterstellung ab
1.
Januar 2016 ablehnte, auch wenn im Rahmen der erstmaligen Beurteilung aufgrund des Alters anders entschieden w
o
rde
n war
. Der vom Beschwerdeführer erhobene Vorwurf des Ermessensmissb
rauchs ist abwegig.
Art.
16
VO 883/04 will keine freie Rechtswahl ermöglichen.
Der Beschwerdefüh
rer will mit der Ausnahmegenehmigung permanent die Bes
timmungen von
Art.
11 bis 15
VO 883/04 umgehen. Dies ist aber nicht der Si
nn von
Art.
16
VO 883/0
4.
Vielmehr sollen damit vorübergehende Abweichungen
von
kollisions
rechtlichen Grundätzen ermöglicht werden, wie dies bei Entsendungen der Fall ist, die zwar befristet sind, aber die Dauer von 24 Monaten übersteigen.
4.3
Nicht ersichtlich ist, inwiefern die Verweigerung der weiteren Befreiung von der Versicherungsunterstellung einem Berufsverbot gleichkommen soll.
Der Be
schwerdeführer generiert den überwiegenden Teil seines Einkommens aus seiner (selbständigen) Tätigkeit in Deut
schland (vgl.
Urk.
7/16/
1). Die mit Verfügung vom 2
4.
Januar 2017 auf diesem Ei
nkommen berechneten
Beiträge für das Jahr 2016 betrugen
Fr.
5'142.20 (
Urk.
3/4
=
Urk.
7/22/5-6
). Sie sind zwar proviso
risch.
Die definitive Festlegung dürfte
aber nicht wesentlich höher liegen. Bei Beiträgen
in d
ieser Höhe kann keineswegs
von einem unzulässigen Eingriff in die Wirt
schaftsfreiheit oder gar von einem
faktischen
Berufsverbot gesprochen werden.
5.
5
.1
In Anwendung der allgemeinen kollisionsrechtlichen Grundsätze muss
somit zu
nächst nach schweizerische
m
Recht entschieden werden, ob die durch den
Be
schwerdeführer in der Schweiz
erzielten Einkünfte aus selbstständiger oder un
selbstständiger Erwerbstätigkeit stammen. Erst dadurch lässt sich die zutreffende Kollisionsnorm und folglich das anwendbare Recht ermitteln (BGE 139 V 297
E. 2.3
)
. Ist nämlich die entsprechende Erwerbstätigkeit als
un
selbstständige zu qua
lifizieren, hat auf Grund vo
n
Art.
13
Abs.
3 VO 883/04
eine Unterstellung unter die Rechtsordnung der Schweiz als desjenigen Staates zu erfolgen, in welchem der Beschwerdeführer die unselbstständige Tätigkeit ausübt. Ist hingegen, wie vom Beschwerdeführer geltend gemacht, sowohl in der Schwei
z als auch in Deutschland von selbstständigen
Erwerbstätigkeiten auszugehen,
ist er gestützt auf
Art.
13
Abs.
2 VO 883/04
dem Recht des Wohnsitzstaats
, also Deutschlands,
zu unterstellen
.
Da die Qualifikation der Erwerbstätigkeit nach schweizerischem Recht zu erfolgen hat, ist unerheblich, wie die vom Beschwerdeführer in Deutsch
land ausgeübte Tätigkeit als Zahnarzt aus dortiger Sicht eingeordnet wird (vgl. BGE 138 V 533 E. 5.2, Bundesgerichtsurteil 9C_560/15 vom 1
5.
April 2016 E. 3.3.1).
5.
2
Nach der Rechtsprechung beurteilt sich die Frage, ob im Einzelfall selbständige oder unselbständige Erwerbstätigkeit vorliegt, nicht aufgrund der Rechtsnatur des Vertragsverhältnisses zwischen den Parteien. Entscheidend sind vielmehr die wirtschaftlichen Gegebenheiten. Die zivilrechtlichen Verhältnisse vermögen da
bei allenfalls gewisse Anhaltspunkte für die AHV-rechtliche Qualifikation zu bie
ten, ohne jedoch ausschlaggebend zu sein. Als unselbständig erwerbstätig ist im Allgemeinen zu betrachten, wer von einem Arbeitgeber in betriebswirtschaftli
cher bzw. arbeitsorganisatorischer Hinsicht abhängig ist und kein spezifisches Unternehmerrisiko trägt. Aus diesen Grundsätzen allein lassen sich indessen noch keine einheitlichen, schematisch anwendbaren Lösungen ableiten. Die Vielfalt der im wirtschaftlichen Leben anzutreffenden Sachverhalte zwingt dazu, die beitrags
rechtliche Stellung einer erwerbstätigen Person jeweils unter Würdigung der ge
samten Umstände des Einzelfalles zu beurteilen. Weil dabei vielfach Merkmale beider Erwerbsarten zu Tage treten, muss sich der Entscheid oft danach richten,
welche dieser Merkmale im konkreten Fall überwiegen (BGE
144 V 111 E. 4.2 mit Hinweisen).
6
.
6
.1
Die Gesundheitsdirektion de
s Kantons
Zürich erteilte dem Beschwerdeführer
am 2
2.
November 2011
eine bis zum 2
1.
September 2017
befristete
Bewilligung zur selbständigen Berufsausübung zum Zahnarzt (
Urk.
7/1/7 =
Urk.
7/23/1). Gemäss damals geltender
Praxis der Gesundheitsdirektion war es so, dass in einer ambu
lanten zahnärztlichen Institution
,
organisiert in der Rechtsf
orm einer AG oder einer GmbH
,
nur die zahnärztliche Leitung über eine Berufsausübungsbewilli
gung verfügen durfte. Die übrigen Zahnärzte waren nur als Assistenzzahnärzte zugelassen (
Urk.
15).
Mit Verfügung vom 2
0.
Dezember 2013 bewilligte die Ge
sundheitsdirektion der
Y._
deshalb
die Beschäftigung des Beschwer
deführers
nur
unter fachlicher Verantwortung der zahnärztlichen Leitung
(sog. Assistenzbewilligung)
. Explizit hielt sie fest, dass dem Beschwerdeführer im Rah
men dieser Bewilligung die zahnärztliche Tätigkeit in eigenem Namen und auf eigene Rechnung nicht gestattet sei (
Urk.
7/11).
6
.2
Dementsprechend gestalteten die
Y._
und
der Beschwerdeführer ihr Vertragsv
erhältnis in Form eines Arbeitsverhältnisses aus. Die erwähnte Praxis gab die Gesundheitsdirektion per
1.
September 2015
zwar
auf (
Urk.
15
S. 1
). Da
von hatte
n
die
Y._
und der Beschwerdeführer jedoch keine Kenntnis (vgl.
Urk.
15 S. 2).
Eine Anpassung des bis 3
1.
Dezember 2018 befristeten Ar
beitsvertrags fand
denn auch
nicht statt
(
Urk.
7/22/14). Im Fragebogen zu H
ä
nden der
Medisuisse
vom 2
5.
Juni 2013 und in der Korrespondenz mit der deutschen Verbindungsstelle vom 1
5.
Dezember 2013 un
d 2
4.
Januar 2017 qualifizierte
sich der Beschwerdeführer in Hinblick auf die Tätigkeit bei der
Y._
stets
als
Unselbstän
digerwerbender
(
Urk.
7/6/6,
7/25/4).
6
.3
Soweit der Beschwerdeführer im vorliegenden Verfahren ge
lt
end macht, dass zwar formell
ein Angestelltenverhältnis deklariert worden sei, jedoch sowohl die
Y._
als der Beschwerdeführer von einer selbständigen Tätigkeit aus
gegangen seien (
Urk.
1 S. 8), ist er nicht zu hören. Im Arbeitsvertrag vom 1
5.
De
zember 2013, mit welchem das Vertragsverhältnis zwischen die
sen beiden Par
teien geregelt wird
(
Urk.
7/22/9-15
=
Urk.
7/
25/7-13
), überwiegen die Merkmale einer unselbs
tändigen Erwerbstätigkeit klar. So werden ein fixes Arbeitspensum von 10
%
(
Ziff.
3.1)
,
eine
fixe Arbeitszeit mit 8 Stunden pro Woche (bei einem Arbeitspensum von 10
%
), welche sich nach den Öff
nungszeiten und den Kunden der Zahnarztp
raxis richtet (
Ziff.
3.2),
ein
e
Treuepflicht (
Ziff.
3.3), ein
Verbot
von
Kundenabwerbung unter Androhung einer Konventionalstrafe
im
Widerhand
lungsfall (
Ziff.
3.4 und 3.5),
ein
Lohn und
eine
Lohnfortzahlungspflicht (
Ziff.
4),
ein
Ferienanspruch (
Ziff.
5) und
eine
einmonatige Kündigungsfrist trotz Befris
tung des Arbeitsverhältnisses (
Ziff.
6)
statuiert
.
Demgegenüber fallen die Merk
male, die für eine selbständige Tätigkeit sprechen, nicht massgebli
ch ins Gewicht. Vereinbart ist
ein Provisionslohn. Als Bruttolohn erhält der Beschwerdeführer 33
%
des Nettoums
atzes pro Monat, welcher auf den
von den Patienten effektiv bezahlte
n
zahnärztlich
e
n
Leistungen basiert
(
Ziff.
4.1). Das Inkassorisiko trägt so
mit der Beschwerdeführer.
Dieses erschöpft sich jedoch darin
, dass geleistete Ar
beit nicht oder nicht vollständig entschädigt wird
. Ein Risiko, darüber hinaus Kosten tragen zu müssen
,
besteht nicht.
Insbesondere hat
d
er
Beschwerdeführer
keinen fixen
Infra
strukturkostenbeitrag zu entrichten (vgl. dazu auch BGE 144 V 111 E. 6.2.2).
Entgegen seiner Ansicht vermag er
sodann
aus
dem Umstand, dass er für
die Reisekosten
selber aufkommen muss
, nichts zu seinen Gunsten abzu
leiten
(
Urk.
1 S. 9).
Solch
es entspricht in der Schweiz
der Regel.
Arbeitsorganisa
torisch ist der Beschwerdeführer sehr wohl weisungsgebunden, was er in der Be
schwerde zu verkennen scheint
(
Urk.
1 S. 9)
. Dass
dies
in fachlicher Hinsicht
anders ist
(
Urk.
1 S. 9), liegt
aufgrund seiner Spezialisierung
auf der Hand
und spricht nicht gegen ein Arbeitsverhältnis.
Schliesslich hat die
Verabgabung
der deutschen Sozialversicherungsbeiträge nichts mit der Tätigkeit bei der
Y._
zu tun, wesha
lb die
Klausel im Arbeitsvertrag, wonach der Beschwerdeführer
dafür verantwortlich ist
(
Ziff.
8
; vgl. ferner
Urk.
1 S. 9
)
,
nichts an vorliegender Beurteilung ändert.
6.4
Darüber hinaus ist festzuhalten, dass keine unzumutbare Doppelbelastung im Sinne von
Art.
1a
Abs.
2 Bst. b AHVG vorliegt.
Die Normen der V0 883/04 ver
hindern eine solche. So ist der Beschwerdeführer für seine Einkünfte in der Schweiz, aber nicht in Deutschland beitragspflichtig. Hingegen trifft es zu, dass in der Schweiz nach Erreichen des Rentenalters die Beitragspflicht vorbehältlich des Rentnerfreibetrags fortbesteht, ohne dass dies im Falle des Beschwerdeführers einen Rentenanspruch begründet. Dies
ist jedoch eine
Konsequenz der bestehen
den Rechtslage.
6.5
Nach dem Gesagten ist
die Tätigkeit des Beschwerdeführers bei der
Y._
als unselbständige Erwerbstätigkeit zu qualifizieren. Aufgrund von
Art.
13
Abs.
3 VO 883/04 hat
damit
die Versicherungsunterstellung in der Schweiz zu erfolgen. Dies führt zur Abweisung der Beschwerde.