# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2e35e015-7f94-4980-ba85-c4da605f7d27
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
M._ ist die Tochter von A._ und B._. Sie besuchte im Schuljahr 2021/2022 die fünfte
Klasse (001_) der Primarschule im Schulhaus Y._ in X._. Mit Verfügung vom
17. November 2021 ordnete der Primarschulrat X._ für die Schülerinnen und Schüler
der Klasse 001_ ab sofort bis auf Weiteres eine Maskentragpflicht in sämtlichen
Schulräumlichkeiten an, da mehrere Kinder der Klasse krankheitshalber fehlten und die
Ergebnisse der Tests auf Covid-19 noch ausstehend waren. Einem allfälligen Rekurs
wurde die aufschiebende Wirkung entzogen.
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B.
A._ und B._ erhoben gegen die Verfügung des Primarschulrats X._ vom
17. November 2021 mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 22. November 2021 beim
Bildungsdepartement des Kantons St. Gallen Rekurs mit dem Antrag, die angefochtene
Verfügung sei aufzuheben. Mit E-Mail vom 22. November 2021 teilte der Schulleiter
den Eltern mit, die Maskentragpflicht für die Klasse 001_ sei beendet, nachdem die
Testergebnisse der erkrankten Schüler negativ auf Covid-19 ausgefallen seien. Mit
Schreiben vom 13. Dezember 2021 hob der Primarschulrat X._ die Verfügung vom
17. November 2021 auf. Mit Entscheid vom 11. April 2022 schrieb das
Bildungsdepartement den Rekurs zufolge Gegenstandslosigkeit ab (Dispositivziffer 1);
auf die Erhebung amtlicher Kosten wurde verzichtet (Dispositivziffer 2), ausseramtliche
Kosten wurden nicht entschädigt (Dispositivziffer 3).
C.
Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 7. Mai 2022 sowie Ergänzung vom 18. Mai
2022 erhoben A._ und B._ (Beschwerdeführer) für ihre Tochter M._ gegen den
Entscheid des Bildungsdepartements (Vorinstanz) vom 11. April 2022 Beschwerde
beim Verwaltungsgericht. Sie beantragen die Aufhebung von Dispositivziffer 3 des
angefochtenen Entscheids sowie die Rückweisung an die Vorinstanz zwecks
Zusprechung einer ausseramtlichen Entschädigung, unter Kosten- und
Entschädigungsfolge inkl. Mehrwertsteuer. Mit Vernehmlassung vom 1. Juni 2022
beantragte die Vorinstanz unter Verweis auf ihren Entscheid die kostenfällige
Abweisung der Beschwerde. Die Primarschulgemeinde X._ (Beschwerdegegnerin)
verzichtete mit Schreiben vom 8. Juni 2022 auf eine Vernehmlassung. Die
Beschwerdeführer verzichteten auf eine weitere Stellungnahme.
Auf die Vorbringen der Verfahrensbeteiligten, die angefochtene Verfügung und die
Akten ist – soweit erforderlich – in den nachstehenden Erwägungen einzugehen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1.
Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59 Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, VRP). Als gesetzliche Vertreter
(vgl. Art. 304 Abs. 1 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, SR 210, ZGB) sind die
Eltern von M._ zur Ergreifung des Rechtsmittels sowohl in eigenem als auch im
Namen ihrer Tochter legitimiert (Art. 64 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP; BGer
bis
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2C_433/2011 vom 1. Juni 2012 E. 1.2; VerwGE B 2014/247 vom 30. Juni 2015 E. 1.2).
Da die Vorinstanz im angefochtenen Entscheid die Eltern als Rekurrenten bezeichnet
hat und dies in der Beschwerde nicht moniert wurde, werden auch im vorliegenden
Verfahren die Eltern als Beschwerdeführer bezeichnet. Die Beschwerdeeingabe vom 7.
Mai 2022 erfolgte rechtzeitig und erfüllt zusammen mit der Ergänzung vom 18. Mai
2022 formal und inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit
Art. 47 Abs. 1 und Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP). Auf die Beschwerde ist somit einzutreten.
2.
Angefochten ist der im Rahmen der Abschreibungsverfügung vom 11. April 2022
ergangene ablehnende Entscheid der Vorinstanz über die Zusprechung einer
ausseramtlichen Entschädigung an die Beschwerdeführer. Diese machen im
Wesentlichen geltend, gemäss Vorinstanz hätten sich im Rekursverfahren weder in
tatsächlicher noch rechtlicher Hinsicht nicht einfach zu beantwortende Fragen gestellt.
Dies treffe jedoch nicht zu, da die Beschwerdegegnerin für den Erlass der Verfügung
auf eine Vorlage der Vorinstanz habe zurückgreifen müssen und die Anordnung der
Maskenpflicht mit dem Kantonsarztamt abgesprochen worden sei. Die Fragen nach der
Zuständigkeit der Beschwerdegegnerin zur Anordnung einer Maskentragpflicht wie
auch nach den gesetzlichen Grundlagen seien nicht einfach zu beantworten gewesen,
zumal der in der Verfügung erwähnte Regierungsbeschluss nicht öffentlich zugänglich
gewesen und entgegen jenem Beschluss in der Klasse 001_ kein einziges Kind positiv
auf Covid-19 getestet worden sei. Die Beschwerdeführer seien daher für die
Rekurserhebung auf die Vertretung durch einen Rechtsanwalt angewiesen gewesen.
Die gegenteilige Beurteilung durch die Vorinstanz sei geradezu unhaltbar. Es treffe
auch nicht zu, dass die Betroffenheit von M._ gering gewesen sei. Die Pflicht,
während des gesamten Schultages eine Maske zu tragen, könne nicht als Bagatelle
bezeichnet werden, sondern sei ein Eingriff in die persönliche Freiheit des damals
neunjährigen Kindes gewesen. Im Zeitpunkt der Rekurserhebung sei nicht
vorhersehbar gewesen, dass die Verfügung widerrufen werden würde. Der gesamte
Aufwand sei bereits entstanden gewesen.
2.1.
Die Vorinstanz schrieb das Verfahren gestützt auf Art. 57 VRP wegen
Gegenstandslosigkeit ab. Sie erwog, die Beschwerdegegnerin habe die von den
Beschwerdeführern angefochtene Verfügung vom 17. November 2021 am
13. Dezember 2021 formell widerrufen, womit der Streitgegenstand weggefallen und
den Anträgen der Beschwerdeführer vollumfänglich entsprochen worden sei.
2.2.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 5/7
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Unabhängig von einem allfälligen Rechtsschutzinteresse sei das Verfahren damit
gegenstandlos geworden. In der Frage der Kostenverlegung sei die
Beschwerdegegnerin die unterliegende Partei, wobei auf die Erhebung amtlicher
Kosten verzichtet werde. Da sich im Rekursverfahren weder in tatsächlicher noch
rechtlicher Hinsicht nicht einfach zu beantwortende Fragen gestellt hätten, bestehe
kein Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung. Zudem sei die Betroffenheit als
gering zu bewerten, da in der Klasse 001_ bereits seit 22. November 2021 keine
Masken mehr getragen worden seien (act. 2).
Gemäss Art. 98 Abs. 2 VRP besteht im Rekursverfahren kein unbedingter Anspruch auf
ausseramtliche Entschädigung, sondern nur, soweit eine Entschädigung aufgrund der
Sach- und Rechtslage als notwendig und angemessen erscheint. Die Frage der
Notwendigkeit einer rechtskundigen Vertretung im Rekursverfahren beurteilt sich im
Wesentlichen nach den gleichen Grundsätzen, die das Bundesgericht zur Frage der
Bestellung eines unentgeltlichen Vertreters entwickelt hat. Danach ist eine Vertretung
im Rekursverfahren notwendig, wenn es sich um eine in tatsächlicher oder rechtlicher
Hinsicht komplexe Streitsache handelt, die Prozessführung die Fähigkeiten des
Vertretenen übersteigt und die Streitsache für ihn eine erhebliche Bedeutung hat. In
Bagatellfällen mit geringer Betroffenheit wird die Notwendigkeit einer rechtskundigen
Vertretung verneint, selbst wenn die Streitsache in tatsächlicher und/oder rechtlicher
Hinsicht nicht als einfach bezeichnet werden kann (Cavelti/ Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 845; R. Hirt, Die
Regelung der Kosten nach st. gallischem Verwaltungsrechtspflegegesetz, St. Gallen
2004, S. 161 f, mit Hinweisen.). Den Behörden kommt bei der Verlegung und
Bemessung von amtlichen und ausseramtlichen Kosten ein erheblicher
Ermessensspielraum zu. Die Ermessenskontrolle ist dem Verwaltungsgericht im
Beschwerdeverfahren verwehrt (Art. 61 Abs. 1 und 2 VRP, vgl. VerwGE B 2018/75 vom
21. März 2019 E. 4.2 und 4.3). Das Verwaltungsgericht ist daher nur zur
Rechtskontrolle befugt und kann einen Kostenspruch der Vorinstanz nur aufheben,
wenn er auf einer Über- oder Unterschreitung bzw. einem Missbrauch des Ermessens
beruht (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 848).
2.3.
Die Beschwerdegegnerin ordnete mit Verfügung vom 17. November 2021 für die
Schulklasse 001_ ab sofort bis auf Weiteres eine Maskentragpflicht in sämtlichen
Schulräumlichkeiten an. Dagegen erhoben die Beschwerdeführer mit Eingabe ihres
Rechtsvertreters vom 22. November 2021 Rekurs an die Vorinstanz. Am 22. November
2.4.
© Kanton St.Gallen 2023 Seite 6/7
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3.
Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens den Beschwerdeführern aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
2021 informierte der Schulleiter die Eltern per Mail, dass die Testergebnisse der
erkrankten Schülerinnen und Schüler negativ ausgefallen seien und die
Maskentragpflicht in der Klasse 001_ ab sofort (Mittag) aufgehoben sei (act. 9/3a.1).
Die Kinder der Klasse 001_, darunter auch M._, trugen danach keine Masken mehr
im Unterricht, womit in tatsächlicher Hinsicht kein Eingriff mehr vorlag.
Dass die Verfügung vom 17. November 2022 trotz der Formulierung im Dispositiv ("bis
auf Weiteres") nicht unbeschränkt lange gelten würde, ging aus den Erwägungen der
angefochtenen Verfügung wie auch dem E-Mail des Schulleiters vom 17. November
2021 hervor, wonach die Maskentragpflicht vorläufig bis zum Vorliegen der
Testergebnisse der erkrankten Schülerinnen und Schülern gelte (act. 2, E. 3, und act.
9/3). Es war daher bereits im Verfügungszeitpunkt absehbar, dass die Verfügung nach
Vorliegen der Testresultate – die notorischerweise innert weniger Tage zu erwarten
waren – entweder aufgehoben werden würde, wie es konkret auch geschah, oder bei
Bestätigung von Covid-19 in mindestens zwei Fällen durch eine neue Verfügung, die
wiederum hätte angefochten werden können, ersetzt werden würde. Der Verfügung der
Beschwerdegegnerin vom 17. November 2022 kam daher von Vornherein keine
erhebliche Bedeutung zu, auch wenn die Beschwerdeführer dies aus ihrer subjektiven
Sicht anders empfanden. Ob es sodann besonderer Rechtskenntnisse bedurfte, um die
Zuständigkeit der Beschwerdegegnerin, das Fehlen der Voraussetzungen für die
Anordnung der Maskentragpflicht sowie die Verhältnismässigkeit der Massnahme zu
bestreiten, erscheint fraglich, kann aber letztlich offen bleiben. Denn im konkreten Fall
ist gerichtsnotorisch, dass die Beschwerdeführerin als im Verwaltungsrecht selbständig
tätige Rechtsanwältin jedenfalls über Rechtskenntnisse verfügt. Im Übrigen ging aus
den Erwägungen der Verfügung selbst hervor, dass die Voraussetzungen für eine
Maskentragplicht gemäss Regierungsbeschluss – namentlich der Nachweis, dass in
der Klasse zwei oder mehr Personen positiv auf Covid-19 getestet worden sind –
vorliegend nicht erfüllt waren.
Die Vorinstanz hat daher ihr Ermessen nicht überschritten, wenn sie die Notwendigkeit
einer anwaltlichen Vertretung im Rekursverfahren und damit einen Anspruch der
Beschwerdeführer auf ausseramtliche Entschädigung trotz Widerrufs der
angefochtenen Verfügung durch die Beschwerdegegnerin verneinte. Die Beschwerde
ist somit abzuweisen.
2.5.
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Entscheidgebühr von CHF 1'000 ist angemessen (Art. 7 Ziff. 222
Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Der geleistete Kostenvorschuss von
CHF 2'000 ist daran anzurechnen und im Umfang von CHF 1'000 zurückzuerstatten.
Ausseramtliche Kosten der Beschwerdeführer sind bei diesem Ausgang nicht zu
entschädigen (Art. 98 Abs. 1 und 98 VRP). Auch der Vorinstanz steht kein
Kostenersatz zu (vgl. VerwGE B 2017/59 vom 23. März 2018 E. 7 mit Hinweis auf R.
Hirt, a.a.O., S. 176 ff.).