# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 72b3aaf0-2dfc-46cb-8952-9d95859c336e
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

des massgeblichen Sachverhalts durch Dr. med. R._ die Beurteilung
von Dr. med. M._ nicht derart zu erschüttern, dass von der
Einschätzung abzuweichen wäre, wonach der Beschwerdeführer in einer
adaptierten Tätigkeit ab dem 22. März 2018 zu 100 % (im ersten
Arbeitsmarkt) arbeitsfähig sei. Schliesslich wandte sich die
Beschwerdegegnerin auch gegen die vom Beschwerdeführer behauptete
Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt und hielt
fest, dass das tatsächlich erzielte Einkommen von Fr. 6'193.80 (im zweiten
Arbeitsmarkt) nicht massgebend sei, weil die verbliebene Arbeitsfähigkeit
nicht in zumutbarer Weise voll ausgeschöpft werde.
9. Am 5. Juli 2019 replizierte der Beschwerdeführer und hielt an den
gestellten Rechtsbegehren fest. Ausserdem vertiefte er seine
Argumentation und reichte eine Honorarnote ein.
10. Die Beschwerdegegnerin duplizierte am 17. Juli 2019 und hielt ebenfalls
an ihren gestellten Rechtsbegehren fest. Punktuell entgegnete sie den
Ausführungen in der Replik des Beschwerdeführers. Ausserdem erachtete
sie den in der Honorarnote vom 5. Juli 2019 geltend gemachten
Vertretungsaufwand (35.25 Stunden und Spesen/Barauslagen im Betrag
von Fr. 631.80) als erheblich zu hoch und kritisierte den verrechneten
Stundenansatz von Fr. 280.-- pro Stunde.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften, die
angefochtene Verfügung vom 15. April 2019 sowie die weiteren Akten wird,
sofern erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
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## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Die vorliegende Beschwerde richtet sich gegen die Verfügung der IV-Stelle
des Kantons Graubünden vom 15. April 2019. Eine solche Anordnung, die
laut Bundesrecht der Beschwerde an das Versicherungsgericht am Ort der
verfügenden IV-Stelle unterliegt, kann beim Verwaltungsgericht des
Kantons Graubünden als das örtlich und sachlich zuständige
Versicherungsgericht angefochten werden (vgl. Art. 49 Abs. 2 lit. a des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRG; BR 370.100] i.V.m.
Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung
[IVG; SR 831.20] sowie Art. 57 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen
Teil des Sozialversicherungsrechts [ATSG; SR 830.1]). Als formeller und
materieller Verfügungsadressat ist der Beschwerdeführer von der
angefochtenen Verfügung unmittelbar betroffen und hat ein
schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung. Er ist somit
zur Beschwerdeerhebung legitimiert (Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59
ATSG). Die Beschwerde wurde zudem frist- und formgerecht eingereicht
(Art. 1 Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 60 Abs. 1 und 2 ATSG, Art. 39 Abs. 1 ATSG
sowie Art. 61 lit. b ATSG). Darauf ist somit einzutreten.
2. Vorliegend ist streitig, ob dem Beschwerdeführer auch über den 30. Juni
2018 hinaus eine Invalidenrente zusteht. Unbestritten ist hingegen der
Anspruch des Beschwerdeführers auf eine ganze Invalidenrente für den
Zeitraum vom 1. Juli 2017 bis zum 30. Juni 2018, das Valideneinkommen
von Fr. 68'846.05 per 2018 sowie die vollständige Arbeitsunfähigkeit in der
angestammten Tätigkeit. Nachfolgend ist zu prüfen, ob die
Beschwerdegegnerin zu Recht auf die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
von RAD-Arzt P._ vom 17. Mai 2018 – insbesondere gestützt auf die
psychiatrische Beurteilung von Dr. med. M._ vom 6. April 2018 sowie
das neuropsychologische Gutachten von Dr. phil. N._ vom 28. März
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2018 – abgestellt hat bzw. im Gutachten von Dr. med. R._ vom
14. Januar 2019 – wiederum gestützt auf die Stellungnahmen der RAD-
Ärzte Dr. med. M._ und P._ vom 14. März 2019 – zu Recht
keinen Grund gesehen hat, um von der Arbeitsfähigkeitseinschätzung in
einer adaptierten Tätigkeit (überschaubar, eher repetitiv ohne erheblichen
Produktionsdruck) von 100 % ab dem 22. März 2018 abzuweichen.
3.1. Um beurteilen zu können, ob sich der Gesundheitszustand eines
Versicherten in anspruchserheblicher Weise geändert hat oder wie sich
dieser im massgebenden Zeitpunkt darstellt, sind die Verwaltung und das
im Beschwerdefall angerufene Gericht auf Unterlagen angewiesen, die
ärztliche und gegebenenfalls andere Fachleute zur Verfügung stellen.
Dabei besteht die Aufgabe des Arztes darin, den Gesundheitszustand zu
beurteilen und − wenn nötig − seine Entwicklung im Laufe der Zeit zu
beschreiben, d.h. mit den Mitteln fachgerechter ärztlicher Untersuchung
unter Berücksichtigung der subjektiven Beschwerden, Befunde zu erheben
und gestützt darauf eine Diagnose zu stellen. Hiermit erfüllt der Arzt seine
originäre Aufgabe, wofür die Verwaltung und im Streitfall das Gericht nicht
kompetent sind. Bei der Folgenabschätzung der erhobenen
gesundheitlichen Beeinträchtigungen für die Arbeitsfähigkeit kommt dem
Arzt hingegen keine abschliessende Beurteilungskompetenz zu. Vielmehr
nimmt er zur Arbeitsunfähigkeit Stellung, d.h. er gibt eine Schätzung ab,
welche er aus seiner Sicht so substanziell wie möglich begründet. Die
ärztlichen Auskünfte sind sodann eine wichtige Grundlage für die
Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen dem Versicherten konkret
noch zugemutet werden können (vgl. BGE 140 V 193 E.3.2, 134 V 231
E.5.1, 132 V 93 E.4 und 125 V 256 E.4).
Das Bundesrecht schreibt nicht vor, wie die einzelnen Beweismittel zu
würdigen sind. Für das gesamte Verwaltungs- und
Verwaltungsgerichtsbeschwerdeverfahren gilt der Grundsatz der freien
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Beweiswürdigung. Danach haben Versicherungsträger und
Sozialversicherungsgerichte die Beweise frei, d.h. ohne Bindung an
förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen.
Für das Beschwerdeverfahren bedeutet dies, dass das Gericht alle
Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen
und danach zu entscheiden hat, ob die verfügbaren Unterlagen eine
zuverlässige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruchs gestatten.
Insbesondere darf es bei einander widersprechenden medizinischen
Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial
zu würdigen und die Gründe anzugeben, warum es auf die eine und nicht
auf die andere medizinische These abstellt (siehe BGE 143 V 124 E.2.2.2
und 125 V 351 E.3a). Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist
entscheidend, ob der Bericht für die streitigen Belange umfassend ist, auf
allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden
berücksichtigt, in Kenntnis der Vorakten (Anamnese) abgegeben worden
ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation
einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind
(siehe BGE 134 V 231 E.5.1, 125 V 351 E.3a; Urteile des Bundesgerichts
9C_548/2019 vom 16. Januar 2020 E.3.2 und 8C_610/2018 vom 22. März
2019 E.2.2.1). Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich
somit weder die Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der
eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder
Gutachten (siehe BGE 125 V 351 E.3a, 122 V 157 E.1c m.H.). Dennoch
hat es die Rechtsprechung mit dem Grundsatz der freien Beweiswürdigung
als vereinbar erachtet, in Bezug auf bestimmte Formen medizinischer
Berichte und Gutachten Richtlinien für die Beweiswürdigung aufzustellen
(siehe BGE 125 V 351 E.3b, 118 V 286 E.1b, 112 V 30 E.1a m.H.). So
kommt den Berichten und Gutachten versicherungsinterner Ärzte ein
ungeschmälerter Beweiswert zu, sofern sie als schlüssig erscheinen,
nachvollziehbar begründet sowie in sich widerspruchsfrei sind und keine
Indizien gegen ihre Zuverlässigkeit bestehen (siehe BGE 137 V 210
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E.1.2.1, Urteil des Bundesgerichts 8C_839/2016 vom 12. April 2017 E.3.1
f.). Die Tatsache allein, dass der befragte Arzt in einem
Anstellungsverhältnis zum Versicherungsträger steht, lässt nicht schon auf
mangelnde Objektivität und auf Befangenheit schliessen. Es bedarf
vielmehr besonderer Umstände, welche das Misstrauen in die
Unparteilichkeit der Beurteilung objektiv als begründet erscheinen lassen.
Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztberichten im
Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des
Gutachters allerdings ein strenger Massstab anzulegen (vgl. zum Ganzen
BGE 125 V 351 E.3b/ee, 122 V 157 E.1c). Bestehen auch nur geringe
Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen
ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen
(siehe BGE 139 V 225 E.5.2, 135 V 465 E.4.3.2 und 4.4; Urteile des
Bundesgerichtes 8C_699/2018 vom 28. August 2019 E.3, 9C_415/2017
vom 21. September 2017 E.3.2, 8C_452/2016 vom 27. September 2016
E.4.2.2 f., 8C_245/2011 vom 25. August 2011 E.5.3). In Bezug auf Berichte
von Hausärzten bzw. behandelnden Ärzten darf und soll der Richter auch
der Erfahrungstatsache Rechnung tragen, dass Hausärzte mitunter im
Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen
eher zu Gunsten ihrer Patienten aussagen (siehe BGE 135 V 465 E.4.5;
BGE 125 V 351 E.3b/cc). Insbesondere lässt es die unterschiedliche Natur
von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person
einerseits und der Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten
fachmedizinischen Experten (vgl. dazu BGE 124 I 170 E.4) andererseits
nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen
und zum Anlass für weitere Abklärungen zu nehmen, wenn die
behandelnden Arztpersonen zu anderslautenden Einschätzungen
gelangen. Vorbehalten bleiben immerhin die Fälle, in denen sich eine vom
(amtlichen) Gutachten abweichende Beurteilung aufdrängt, weil die
Berichte der behandelnden Ärzte wichtige – nicht rein der subjektiven
Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der
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Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (siehe Urteile
des Bundesgerichts 8C_317/2019 vom 30. September 2019 E.2.3,
8C_379/2019 vom 21. August 2019 E.2.2 und 8C_835/2018 vom 23. April
2019 E.3).
3.2. Der Beschwerdeführer kritisiert die psychiatrische RAD-Abklärung vom
22. Februar 2018 durch Dr. med. M._, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie sowie zertifizierter medizinischer Gutachter SIM, bzw.
dessen Bericht vom 6. April 2018 als mangelhaft. Dasselbe gilt nach
Ansicht des Beschwerdeführers auch für das neuropsychologische
Gutachten von Dr. phil. N._, Fachpsychologe FSP und
Neuropsychologe SVNP, und Dr. med. O._, Fachärztin für Psychiatrie
und Psychotherapie sowie zertifizierte medizinische Gutachterin SIM, vom
28. März 2018. Darin wurde dem Beschwerdeführer (im ersten
Arbeitsmarkt) für eine adaptierte Tätigkeit (überschaubar, eher repetitiv
ohne erheblichen Produktionsdruck) jeweils eine Arbeitsfähigkeit von
100 % (ab dem 22. März 2018) attestiert (siehe IV-act. 31 S. 25 f. und IV-
act. 32 S. 10 f.). Der Beschwerdeführer führt dazu aus, dass im Hinblick auf
die Einschätzung der Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit bzw. der
Beurteilung der Funktionsfähigkeit bei einer erwerblichen Tätigkeit
(unaufgelöste) Diskrepanzen bestünden zwischen den Gutachten von
Dr. med. M._ und Dr. phil. N._ einerseits und dem (privat seitens
des Beschwerdeführers eingeholten) Gutachten von Dr. med. R._,
Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, vom 14. Januar 2019, dem
Arztbericht von Dr. med. B._, ebenfalls Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie, vom 15. Februar 2017 sowie dem Bericht von Dr. phil.
F._, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, MAS in
Psychotraumatologie UNIZH, zertifizierter Gutachter SIM, und lic. phil.
G._, Neuropsychologin, Psychologin FSP, vom 1. September 2016
andererseits. Ausserdem habe sich Dr. med. R._ in seinem Gutachten
vom 14. Januar 2019 mit den Gutachten von Dr. med. M._ und
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Dr. phil. N._ auseinandergesetzt und verschiedene Mängel
festgestellt. Namentlich kritisiere Dr. med. R._ zu Recht eine zu kurze
Untersuchungszeit, eine Nichtberücksichtigung von verschiedenen
bedeutsamen Kriterien sowie das Fehlen einer ganzheitlichen Sichtweise
auf die Problematik. Schliesslich sei das Gutachten von Dr. med. R._
nicht nur das aktuellste, sondern auch das gründlichste.
Der Beschwerdeführer stellt sich betreffend das der Invaliditätsbemessung
zugrundeliegende Invalideneinkommen auf den Standpunkt, dass unter
Berücksichtigung seiner Leistungen in der teilzeitlich ausgeübten
Erwerbstätigkeit im zweiten Arbeitsmarkt, im ersten Arbeitsmarkt von einer
vollständigen Arbeitsunfähigkeit auszugehen sei. Werde das
Valideneinkommen dem tatsächlich im Jahr 2018 erwirtschafteten
Einkommen aus der Tätigkeit im geschützten Rahmen gegenübergestellt,
resultiere ein Invaliditätsgrad von 85.5 %. Im Gutachten beschreibe
Dr. med. R._ seine Einschränkungen infolge der
Gedächtnisstörungen, die selbst in einem geschützten Rahmen zu einer
relevanten Leistungsminderung führten, ausführlich und komme
gesamthaft beurteilt auf eine Restarbeitsfähigkeit im Bereich von 20 bis
40 %. Weil eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt für den Beschwerdeführer
illusorisch sei und er selbst im zweiten Arbeitsmarkt nur mit grössten
Schwierigkeiten eine Beschäftigung finden würde, sei ein Invaliditätsgrad
von 80 % angemessen.
3.3. Die Beschwerdegegnerin stellt sich hingegen auf den Standpunkt, dass
Dr. med. R._ mit Blick auf eine adaptierte Tätigkeit nicht zu einer
grundsätzlich anderen Entscheidung als Dr. med. M._ komme,
gingen doch beide von einer grundsätzlichen Arbeitsfähigkeit aus. Zudem
erachteten sie überstimmend die erheblichen Gedächtnisstörungen bzw.
neurokognitiven Einschränkungen als massgebend für die
Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit, stellten dieselben Diagnosen und
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befanden den Beschwerdeführer in der angestammten Tätigkeit als
vollständig arbeitsunfähig. Allerdings stelle Dr. med. R._ die
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt in
Frage. Demgegenüber komme der ausgewiesene Fachexperte Dr. phil.
N._ nach einer umfangreichen Abklärung zum Schluss, dass unter
bestimmten Bedingungen eine adaptierte Arbeitsfähigkeit gegeben sei.
Dr. med. R._ nehme nur eine Andersbeurteilung eines im
Wesentlichen gleichen Gesundheitszustandes vor. Der monodisziplinäre
RAD-Abklärungsbericht von Dr. med. M._ vom 6. April 2018 stelle
einen Gesamtwert der Arbeitsfähigkeit dar, basiere auf der Vorgeschichte,
den bisherigen Akten – insbesondere dem neuropsychologischen
Gutachten von Dr. phil. N._ vom 28. März 2018 – sowie einer
persönlichen psychiatrischen Untersuchung des Beschwerdeführers und
erscheine im Ergebnis schlüssig, nachvollziehbar und widerspruchsfrei.
Das Gutachten von Dr. med. R._ vermöge den Abklärungsbericht von
Dr. med. M._ vom 6. April 2018 nicht derart zu erschüttern, dass
davon abzuweichen wäre. Hinsichtlich der diskrepanten Einschätzung der
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit sei darauf hinzuweisen, dass
sich widersprechende Arbeitsfähigkeitseinschätzung von verschiedene
Ärzten nicht ungewöhnlich seien. So sage Dr. med. R._ als privat
bestellter Gutachter eher zu Gunsten des Beschwerdeführers aus und
liefere eine Einschätzung, welche sich auch an IV-fremden Faktoren
orientiere. Demgegenüber sei Dr. med. M._ vom RAD darauf
spezialisiert, den Gesundheitszustand des Beschwerdeführers und die IV-
rechtliche Arbeitsfähigkeit objektiv und rechtsgleich zu beurteilen. Aus den
von Dr. med. M._ und Dr. phil. N._ erhobenen Befunden und
gestellten Diagnosen ergebe sich nachvollziehbar, dass der
Beschwerdeführer in einer adaptierten Tätigkeit trotz gesundheitlicher
Beschwerden seit dem 22. März 2018 zu 100 % auf dem ersten
Arbeitsmarkt arbeitsfähig sei. Zudem habe sich Dr. med. M._ mit dem
Gutachten von Dr. med. R._ in seiner Stellungnahme vom 14. Januar
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2019 auseinandergesetzt und nachvollziehbar aufgezeigt, weshalb der
Einschätzung von Dr. med. R._ betreffend die attestierte
Unverwertbarkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht gefolgt werden könne.
Auch ändere der Umstand, dass die monodisziplinäre RAD-Abklärung
"lediglich" 75 Minuten gedauert habe, nichts an deren Beweiswert. Der
notwendige Zeitrahmen für eine Untersuchung lasse sich nicht allgemein
gültig festlegen und über die Akten erschlössen sich dem Arzt häufig so
viele Gesichtspunkte, dass der in der Untersuchung gewonnene Eindruck
vor allem bestätigend wirke. Auch vorliegend habe Dr. med. M._
seine Einschätzung nicht nur auf die eigene Exploration, sondern auch auf
anamnestische Daten und andere Elemente, namentlich auf das
neuropsychologische Gutachten von Dr. phil. N._, gestützt, welche
nicht in mehreren ausgedehnten Explorationsgesprächen von Grund auf
neu hätten erarbeitet werden müssen.
Zur Kritik an der Bestimmung des Invalideneinkommens hält die
Beschwerdegegnerin fest, dass der Beschwerdeführer trotz seiner
(unbestrittenen) gesundheitlichen Beschwerden in einer adaptierten, also
einer kognitiv einfachen, überschaubaren repetitiven Tätigkeit ohne
Produktionsdruck, ab dem 22. März 2018 zu 100 % arbeitsfähig sei. Um
solche Tätigkeiten handle es sich typischerweise im Kompetenzniveau 1
und der nach Art. 7 ATSG massgebende ausgeglichene Arbeitsmarkt
umfasse auch Nischenarbeitsplätze, also Stellen- und Arbeitsangebote,
bei welchem gesundheitlich beeinträchtigte Personen mit einem sozialen
Entgegenkommen vonseiten des Arbeitgebers rechnen könnten.
Dementsprechend sei es dem Beschwerdeführer zumutbar, die 100%ige
Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
wirtschaftlich zu verwerten. Gestützt auf die LSE 2014, Tabelle TA1,
Kompetenzniveau 1, Zeile "Total" Männer, lasse sich per 2018 ein
Invalideneinkommen von Fr. 68'497.89 ermitteln. Selbst bei der
Anerkennung eines maximal zulässigen, leidensbedingten Abzuges von
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25 % resultiere beim unbestritten gebliebenen Valideneinkommen von
Fr. 68'846.05 ein rentenausschliessender Invaliditätsgrad von 25.38 %,
womit zu Recht festgestellt worden sei, dass der Beschwerdeführer ab
dem 1. Juli 2018 keinen Rentenanspruch mehr habe. Das tatsächlich
erzielte Einkommen von Fr. 6'193.80 (im zweiten Arbeitsmarkt) sei
hingegen für die Bestimmung des Invalideneinkommens nicht
massgebend, weil gemäss Rechtsprechung das Invalideneinkommen nur
dann mit dem tatsächlich erzielten Lohn gleichgesetzt werden dürfe, wenn
– kumulativ – besonders stabile Verhältnisse eine Bezugnahme auf den
allgemeinen Arbeitsmarkt praktisch erübrige und die versicherte Person
eine Tätigkeit ausübe, von der anzunehmen sei, dass sie darin die ihr
verbliebene Restarbeitsfähigkeit voll ausschöpfe und das Einkommen der
Arbeitsleistung angemessen und nicht als Soziallohn erscheine.
Vorliegend schöpfe der Beschwerdeführer die verbliebene
Restarbeitsfähigkeit offensichtlich nicht in zumutbarer Weise voll aus.
3.4. Vorliegend erfolgte die psychiatrische Abklärung durch Dr. med. M._
vom RAD, womit grundsätzlich von einem medizinischen Bericht eines
versicherungsinternen Spezialarztes für Psychiatrie auszugehen ist. Das
neuropsychologische Gutachten von Dr. phil. N._ (mitunterzeichnet
von Dr. med. O._) wurde im Rahmen der monodisziplinären RAD-
Abklärung eingeholt (siehe IV-act. 24 ff. und 31 f.). Dr. med. R._ übte
in seinem Gutachten vom 14. Januar 2019 – namentlich gestützt auf die
ihm vorliegenden Akten, eine dreistündige Exploration des
Beschwerdeführers am 14. November 2018, die fremdanamnestischen
Angaben der Lebenspartnerin des Beschwerdeführers vom 4. Dezember
2018 und des aktuellen "Arbeitgebers" vom 6. Dezember 2018, den
Verlaufsbericht des Wohnheimes S._ vom 6. November 2018 und die
Arbeitsbestätigung vom 10. August 2018 des geschützten Arbeitsplatzes in
Y._– Kritik am monodisziplinären RAD-Abklärungsbericht von
Dr. med. M._ vom 6. April 2018 und am neuropsychologischen
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Gutachten von Dr. phil. N._ vom 28. März 2018. Letzteres stellte eine
wesentliche Grundlage für die Beurteilung von Dr. med. M._ dar
(siehe dazu IV-act. 32 S. 1 und 8 ff.). Zwar ist der Beschwerdegegnerin
darin beizupflichten, wenn sie eine ausgewiesene Verschlechterung des
Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers im Verlaufe des Jahres
2018 verneint. Denn sowohl aufgrund der im Wesentlichen
übereinstimmenden diagnostischen Einordnung des
Gesundheitsschadens des Beschwerdeführers durch Dr. med. M._
und Dr. med. R._ (Alkoholabhängigkeitssyndrom bzw. Status nach
schwerer Alkoholabhängigkeit [ICD-10 F10.2] sowie Störung durch
Alkohol, amnestisches Syndrom, bzw. alkoholbedingtes amnestisches
Syndrom mit zusätzlichen Symptomen im Sinne einer Affektverflachung,
einer Antriebsarmut und raschen Ermüdbarkeit seit mindestens Juli 2016
[ICD-10 F10.6]) als auch der übereinstimmend attestierten vollständigen
Arbeitsunfähigkeit in der angestammten leitenden Tätigkeit in der
Hotellerie/Gastronomie seit (mindestens) Juli 2016, ergibt sich keine
ausgewiesene, zwischenzeitliche Verschlechterung des
Gesundheitszustandes bzw. dessen erwerblichen Auswirkungen. Dr. med.
M._ und Dr. med. R._ sind sich auch darin einig, dass die
(adaptierte) Arbeitsfähigkeit vornehmlich durch die neurokognitiven
Einschränkungen beeinträchtigt wird. Ausserdem besteht ihrer Ansicht
nach beim Beschwerdeführer ein indifferenter Umgang bzw. eine
wesentliche Affektarmut bei seinem doch belastenden Schicksal und
ausgeprägten Funktionsverlusten bzw. dem beruflichen Abstieg von einer
Führungsfunktion in der Hotellerie zu einer einfachen Tätigkeit im
geschützten Rahmen (siehe zum Ganzen siehe IV-act. 32 S. 9 ff. und IV-
act. 49 S. 18 ff.). Der Beschwerdegegnerin ist zudem darin beizupflichten,
dass die monodisziplinäre RAD-Abklärung ihren Beweiswert nicht einzig
deswegen verliert, weil die Exploration nur 75 Minuten gedauert hat. So
wurde darin die neuropsychologische Abklärung durch Dr. phil. N._,
welche ihrerseits vier Stunden gedauert hat, mitberücksichtigt und Dr. med.
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M._ konnte sich auf weitere aktenkundige medizinische Berichte
stützen (siehe IV-act. 31 S.1 und IV-act. 32 S. 1 ff.). Dr. med. R._
kritisierte im Übrigen auch nicht direkt die absolute Dauer der
psychiatrischen Exploration an sich, sondern erwähnte im Zusammenhang
mit der Dauer der Untersuchungen durch Dr. med. M._ und Dr. phil.
N._ vor allem, dass die gemäss neuropsychologischem Gutachter
beim Beschwerdeführer nicht feststellbare Ermüdung nach drei Stunden
wohl auf eine einmalige Leistung im Sinne einer besonderen
Leistungsbereitschaft für diese Untersuchungssituation zurückzuführen
sei, wobei dies ansonsten bei andauernder Belastungen (in einer
Erwerbstätigkeit) nicht mehr gelingen würde (siehe IV-act. 49 S. 21). In
diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass Dr. phil. N._
zumindest eine leichtgradig verminderte Daueraufmerksamkeit attestiert
und daraus das Erfordernis eines verminderten Produktionsdruckes für
eine leidensangepasste Tätigkeit ausgewiesen hat (siehe IV-act. 31 S. 21,
23 und 25).
3.5. Das Gutachten von Dr. med. R._ vom 14. Januar 2018 erfüllt, wie
nachstehend noch dargelegt wird, die von der höchstrichterlichen
Rechtsprechung an den Beweiswert eines medizinischen Berichts
gestellten Anforderungen, weshalb ihm grundsätzlich Beweiskraft
zukommt. Die Herkunft eines Beweismittels ist für den Beweiswert, wie
bereits in der vorstehenden Erwägung 3.1 erwähnt, nicht alleine
massgebend (vgl. BGE 125 V 351 E.3a, 3b/dd und 3c, 122 V 157 E.1c
m.H.). Die von der Beschwerdegegnerin erwähnte Rechtsprechung zu den
Beweiswürdigungsgrundsätzen betreffend Berichte von behandelnden
(Haus-)Ärzten (siehe BGE 125 V 351 E.3b/cc; Urteile des Bundesgerichts
8C_60/2020 vom 8. April 2020 E.3.2 und 8C_29/2018 vom 6. Juli 2018
E.3.2.2) bezieht sich nicht spezifisch auf von privater Seite her eingeholte
Gutachten von nicht behandelnden Fachpersonen, womit die
Ausführungen von Dr. med. R._ gestützt darauf nicht ohne weiteres
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als unbeachtlich beurteilt werden können. Vielmehr ist in Berücksichtigung
der anerkannten Beweiswürdigungsgrundsätze danach zu fragen, ob das
Gutachten von Dr. med. R._ die Schlussfolgerungen von Dr. med.
M._ und Dr. phil. N._ bzw. die darauf gestützte Beurteilung von
RAD-Arzt P._ derart zu erschüttern vermag, dass davon abzuweichen
wäre (vgl. dazu BGE 125 V 351 E.3b/dd und 3c; Urteile des Bundesgerichts
8C_909/2017 vom 26. Juni 2018 E.4 und 8 f. und 8C_892/2014 vom
23. April 2015 E.2; Urteil des Verwaltungsgerichts des Kantons
Graubünden [VGU] S 15 114 vom 11. Oktober 2016 E.3d).
3.5.1. Dr. med. R._ hat sich in seiner Beurteilung in Kenntnis der
wesentlichen medizinischen Vorakten (siehe IV-act. 49 S. 4 ff. und auch IV-
act. 32 S. 2 ff.) ausführlich mit den gesundheitlichen Einschränkungen des
Beschwerdeführers und mit seiner Vor- bzw. Krankheitsgeschichte (inkl.
fremdanamnestischer Auskünfte) sowie mit seiner aktuellen Wohn- und
Arbeitssituation auseinandergesetzt und seine Schlussfolgerungen
gestützt auf die eigene Exploration am 14. November 2018, einschliesslich
einer Befunderhebung, getroffen (siehe IV-act. 49 S. 11 ff.). Die
Ausführungen in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge,
insbesondere die Herleitung der Diagnosen mit Ausführungen zu den mit
der Alkoholabhängigkeit in Verbindung stehenden Hirnatrophie und den
deutlichen neuropsychologischen Defiziten, sind einleuchtend (siehe IV-
act. 49 S. 18 ff.). Zudem sind die daraus gezogenen Schlussfolgerungen
zum Gesundheitszustand sowie zur versicherungsrechtlich relevanten
Einschätzung der Arbeitsfähigkeit, welche sich an den Standardindikatoren
orientiert und sich plausibel von derjenigen in der psychiatrischen und
neuropsychologischen Begutachtung durch Dr. med. M._ und Dr. phil.
N._ abgrenzt, nachvollziehbar begründet (siehe IV-act. 49 S. 18 ff.).
Mit Blick auf die grundsätzlich bei allen psychischen Gesundheitsschäden,
inkl. bei primären Abhängigkeitssyndromen bzw.
Substanzkonsumstörungen (siehe dazu BGE 145 V 215 E.6, 143 V 418 E.6
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ff.) vorzunehmenden Prüfung der Standardindikatoren gemäss BGE 141 V
281 ist anzuführen, dass Dr. med. R._ namentlich eine medizinische,
eine Arbeits-, Sozial-, Suchtstoff- und Fremdanamnese sowie einen
detaillierten Tagesablauf erhoben hat. Daneben führte er verschiedene
Testungen (Beck-Depressionsinventar, ein Montreal Cognitive
Assessment [MoCa-Test], Zahlenverbindungstest und eine Laboranalyse
der am 14. November 2018 entnommenen Blutproben) durch. Zudem hielt
er Beobachtungen des Verhaltens und der äusseren Erscheinung sowie
den psychopathologischen Status im Gutachten fest (siehe IV-act. 49 S. 11
ff.). Hinsichtlich des diagnostizierten Alkoholabhängigkeitssyndroms (ICD-
10 F10.2) ist zu bemerken, dass sich aus den Akten eine seit längerem
bestehende Abstinenz ergibt, anlässlich der medizinischen Abklärungen
keine Hinweise auf einen fortgesetzten Alkoholmissbrauch gefunden
wurden (siehe IV-act. 32 S. 9 und IV-act. 49 S. 14 und 25) und Dr. med.
R._ explizit einen "Staus nach schwerer Alkoholabhängigkeit (ICD-10
F10.2)" diagnostiziert hat. Insofern durfte Dr. med. R._ – in
Übereinstimmung mit Dr. med. M._ – im Rahmen des strukturierten
Beweisverfahrens zu Recht von keinen akuten Auswirkungen des
Alkoholabhängigkeitssyndroms ausgehen und seinen Fokus auf die
funktionellen Auswirkungen eines alkoholbedingten amnestischen
Syndroms mit zusätzlichen Symptomen im Sinne einer Affektverflachung,
einer Antriebsarmut und einer raschen Ermüdbarkeit beim
Beschwerdeführer legen. Bei der Beurteilung und Einordnung dieser
Beschwerden und der Befunde sowie der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit
nahm Dr. med. R._ in der Sache immer wieder Bezug auf Indikatoren
aus der Hauptkategorie des funktionellen Schweregrads gemäss BGE 141
V 281, wie namentlich die Indikatoren "Ausprägung der diagnoserelevanten
Befunden" und "Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz"
aus dem Komplex Gesundheitsschädigung (siehe dazu IV-act. 49 S. 11 f.,
14 ff., 18 ff.). Zu letzterem Indikator hielt Dr. med. R._ fest, dass der
Beschwerdeführer bereits sehr ausgiebig therapiert worden sei und lange
- 22 -
polyvalente therapeutische Unterstützung erhalten habe, um die Folgen
des amnestischen Syndroms zu minimieren, welche teils zu
Verbesserungen bei leider teilweise auch unveränderten, deutlichen
Problemen hinsichtlich des Gedächtnisses geführt habe. Übereinstimmend
mit Dr. med. M._ und Dr. phil. N._ wurde das Bestehen von
unausgeschöpften Therapieoptionen verneint (siehe IV-act. 31 S. 26, IV-
act. 32 S. 11 und IV-act. 49 S. 20). Zudem beleuchtete Dr. med. R._
die Komplexe "Persönlichkeit" und "Sozialer Kontext" insofern, als dass er
eine biografische, erwerbliche und soziale Anamnese sowie eine
Fremdanamnese bei der Lebenspartnerin des Beschwerdeführers erhoben
und gewürdigt hat (siehe IV-act. 49 S. 12 f., 15, 17). Hinsichtlich
Komorbidität wies er namentlich auf die Notwendigkeit einer gesamthaften
Betrachtung der neuropsychologischen und psychiatrischen
Einschränkungen hin (siehe IV-act. 49 S. 22). Zur Kategorie Konsistenz
führte Dr. med. R._ wie bereits erwähnt aus, dass keine
unausgeschöpften Therapieoptionen bestünden und der
Beschwerdeführer sich in seinen beiden Arbeitsorten sehr motiviert zeige.
Trotzdem bestünden sehr deutliche Leistungseinschränkungen, wofür
keine invaliditätsfremden Begründungen ersichtlich seien, sondern auf dem
Zusammenwirken von verschiedenen neuropsychologischen und
psychischen Einschränkungen des Beschwerdeführers basierten (siehe IV-
act. 49 S. 22). Einschränkungen im Bereich des Antriebes werden denn
auch durch den Bericht des Wohnheims S._ vom 6. November 2018
bestätigt. Danach benötigt der Beschwerdeführer immer wieder
Anregungen durch das Betreuungsteam, insbesondere auch für soziale
Aktivitäten (siehe IV-act. 49 S. 15 und 25). Dazu ist anzumerken, dass auch
Dr. med. M._ keine Hinweise auf Inkonsistenzen oder
Unplausibilitäten beim Beschwerdeführer erkennen konnte. Vielmehr neige
dieser eher dazu, seine Einschränkungen zu bagatellisieren als sie zu
dramatisieren (siehe IV-act. 32 S. 10).
- 23 -
3.5.2. Überdies ist das Gutachten von Dr. med. R._ für die streitigen Belange
umfassend. Er legt in schlüssiger und nachvollziehbarer Weise dar, dass
die – im neuropsychologischen Gutachten, im Psychostatus und anhand
fremdanamnestischer Auskünfte – beschriebenen Angaben zu den
Arbeitsleistungen eindrücklich zeigten, dass die erheblichen
Gedächtnisstörungen des Beschwerdeführers für seine Leistung am
Arbeitsplatz sehr entscheidend seien. Auch bei repetitiven Arbeiten müsse
er jedes Mal wieder von Neuem in die Arbeit eingeführt werden, was für
den Arbeitgeber einen unzumutbaren Aufwand darstelle. Daneben bestehe
durch die komplexe Störung mit Verminderung des Antriebs und der
Affektverflachung auch eine eingeschränkte Reagibilität, welche es ihm
verunmögliche, Schwierigkeiten im Arbeitslablauf spontan anzugehen und
selbstständig zu lösen. Hier sei er auf viel Unterstützung angewiesen ohne
die er in Blockaden hängen bleibe. Zudem seien die Leistungsfähigkeit und
-geschwindigkeit durch die reduzierte Arbeitsgeschwindigkeit
eingeschränkt. Letzteres müsse wohl auf die Summe der diversen leichten
bis mittelschweren kognitiven Einschränkungen zurückgeführt werden.
Schliesslich bestehe, wie verschiedentlich fremdanamnestisch ebenfalls
deutlich geschildert, eine deutliche erhöhte und rasche Ermüdbarkeit,
welche eine sinnvolle Arbeitsleistung über drei Stunden hinaus praktisch
verunmögliche (siehe IV-act. 49 S. 18 f.). Gestützt darauf führte Dr. med.
R._ – übereinstimmend mit Dr. med. M._ und RAD-Arzt P._
– überzeugend aus, dass der Beschwerdeführer in seiner bisherigen
Tätigkeit als Hoteldirektor und Weinhändler zu 100 % arbeitsunfähig sei.
Eine leidensadaptierte Tätigkeit erachtete Dr. med. R._ zwar als
grundsätzlich zumutbar. Allerdings zeigten die Schwierigkeiten in den
laufenden Arbeitsbemühungen (ohne objektivierbare Hinweise auf eine
mangelhafte Mitwirkung) deutlich, dass der Beschwerdeführer mit seinen
erheblichen Gedächtnisdefiziten einem Arbeitgeber auf dem ersten
Arbeitsmarkt nicht mehr wirklich zugemutet werden könne. Er sei nicht in
der Lage, neue Arbeitsprozesse dauerhaft zu erlernen. Vielmehr müsse er
- 24 -
immer wieder praktisch neu in diese eingeführt werden. Bei kleinsten
unvorhergesehenen Problemen träten Blockaden auf. Wie im Bericht von
Y._ beschrieben, bestünden die Leistungseinschränkungen in den
verschiedensten Arbeitsbereichen. Ebenso führe die erhöhte Ermüdbarkeit
im (Tages-)Verlauf auch bei einfachen Arbeiten zu einer nicht mehr
tolerierbaren Fehlerhaftigkeit. Entsprechend könne kein Arbeitsplatzprofil
beschrieben werden, das eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt
längerfristig möglich und realistisch erscheinen lasse (siehe IV-act. 49
S. 19 und 22). Damit übereinstimmend führte Herr T._ von der
U._ GmbH, welcher sich auch im Vorstand des Trägervereins des
Wohnheims S._ und Y._ engagiert, anlässlich des Telefonats
vom 6. Dezember 2018 mit Dr. med. R._ aus, dass der
Beschwerdeführer über einen hohen, täglichen und in den letzten sechs
Monaten gleichbleibenden Anleitungsaufwand bei der Erledigung von
einfachen treuhänderischen Arbeiten benötige und eine im Vergleich zu
einem gesunden Arbeitnehmer um ca. 30 bis 50 % verlangsamte
Arbeitsleistung aufweise. Zudem geschehe es recht häufig (ca. ein- bis
zweimal pro Morgen), dass es zu Blockaden komme. Dabei hole sich der
Beschwerdeführer auch nicht selbständig Hilfe, sondern man müsse ihn
wieder aus dieser Blockade herausholen, womit keine längere selbständige
Arbeit des Beschwerdeführers gelinge. Bei Versuchen, dem
Beschwerdeführer leicht veränderte neue Aufgaben aufzutragen, müssten
ihm diese mindestens drei- bis viermal erklärt werden, wobei sich der
Aufwand auch bei einer erneuten, ähnlichen Arbeitsvergabe nicht
verringere. Die Versuche, zusätzlich zu den drei Stunden am Vormittag die
Arbeitszeit auf den Nachmittag zu erweitern, seien gescheitert, weil die
Konzentration des Beschwerdeführers nicht mehr in hinreichendem Masse
gegeben gewesen und die Fehlerhäufigkeit gestiegen sei bzw. die
Arbeitsgeschwindigkeit weiter abgenommen habe. Gemäss Aussage von
Herr T._ hätte er dem Beschwerdeführer bei tatsächlichem Bedarf im
- 25 -
Betrieb für die Leistung eines gesunden Arbeitnehmers schon längst
wieder kündigen müssen.
3.5.3. Insofern erscheint es nachvollziehbar und schlüssig, wenn Dr. med.
R._ mit Blick auf die funktionelle Leistungsfähigkeit des
Beschwerdeführers ausführt, in den laufenden Tätigkeiten in Y._ (40
bis 50 % Pensum mit Einsätzen à vier bis acht Stunden an drei Tagen) bzw.
in der U._ GmbH (zwei Vormittage [09:00 bis 12 Uhr] pro Woche)
würde eine verlangsamte Arbeitsleistung und vermehrte Notwendigkeit von
Anleitung beschrieben, welche eine grundsätzliche Reduktion der
Leistungsfähigkeit auf noch 50 bis 70 % bedinge. Ebenfalls zeigten sich bei
längeren Arbeitsdauern, auch bei einfachen Tätigkeiten, rasche
Leistungsverluste, die bei etwas anspruchsvolleren Arbeiten so massiv
seien, dass sie langdauernde Pausen erforderten (mind. 1.5 Std.), so dass
noch einmal von einer deutlichen Einschränkung der möglichen Arbeitszeit
pro Tag ausgegangen werden müsse. Auch diesbezüglich müsse mit einer
ca. 50%igen Einschränkung gerechnet werden, so dass in der Summe eine
Restarbeitsfähigkeit von (maximal) 20 bis 40 % bestehe (siehe zum
Ganzen IV-act. 49 S. 17, 22 und 24; Akten des Beschwerdeführers [Bf-
act.] 6).
3.5.4. Zur abweichenden Einschätzung durch Dr. med. M._ und Dr. phil.
N._ äusserte sich Dr. med. R._ dahingehend, dass mangels
einer erhobenen Fremdanamnese die auf Ermüdungserscheinungen
zurückzuführende Leistungseinbussen nach längerer Arbeitstätigkeit
unberücksichtigt geblieben und diese anlässlich der (einmaligen)
neuropsychologischen Untersuchung vom 22. März 2018 nicht
reproduzierbar gewesen seien. Zudem würden die neuropsychologischen
Defizite nicht genügend in integrierter Art und Weise berücksichtigt. Auch
die psychiatrische Beurteilung durch Dr. med. M._ lasse eine
integrative Beurteilung der neuropsychologischen Defizite mit weiteren
- 26 -
psychischen Defiziten vermissen und es fehle eine ganzheitliche, auch auf
fremdanamnestischen Angaben beruhende Sicht auf die Problematik.
Dr. med. R._ weist zu Recht auf entscheidende Mängel bei den
gutachterlichen Einschätzungen von Dr. med. M._ und Dr. phil.
N._ hin. Dazu gehört insbesondere der Umstand, dass sich weder
Dr. med. M._ noch RAD-Arzt P._ im Bericht vom 6. April 2018, in
der Abschlussbeurteilung vom 17. Mai 2018 und in den jeweiligen
Stellungnahmen vom 14. März 2019 zum Gutachten von Dr. med. R._
mit fremdanamnestischen Angaben über die Wohn- und
Beschäftigungssituation des Beschwerdeführers auseinandergesetzt
haben. Dabei handelt es sich bei den Tätigkeiten in Y._ im
geschützten Rahmen und in der U._ GmbH (Allrounder mit einfachen
administrativen, Reinigungs-, Sortier- und Transporttätigkeiten bzw.
einfachere, repetitive treuhänderische Arbeiten wie einfache Einträge und
Buchungen von Rechnungen) mit einem zumindest sehr wohlwollenden
Arbeitgeber nicht um offensichtlich ungenügend adaptierte Tätigkeiten
gemäss dem von Dr. med. M._ und Dr. phil. N._ aufgestellten
Belastungsprofil für eine adaptierte Tätigkeit (überschaubare, eher
repetitive Arbeiten ohne erheblichen Produktionsdruck). Dr. med. R._
erwähnte dazu, dass gerade bei einem amnestischen Syndrom davon
ausgegangen werden müsse, dass die Angaben des Exploranden
unvollständig seien und infolge einer Kurzzeitgedächtnisstörung die
aktuelle Situation nicht vollständig wiedergegeben werden könne. Auch
könne der Beschwerdeführer das Ausmass seiner Einschränkungen nicht
vollständig erfassen, weshalb eine Ergänzung der Befunde mit
fremdanamnestischen Angaben von grosser Bedeutung sei. Ausserdem
beschreibe Dr. med. M._ zwar eine affektive Verflachung und
Verarmung, beurteile diese aber im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit (in
einer adaptierten Tätigkeit) als wenig relevant. Dies treffe so aber nicht zu,
wenn die weiteren ergänzenden Aspekte der Antriebsarmut und raschen
Ermüdbarkeit in Betracht gezogen würden. Diese verschiedenen
- 27 -
Teilaspekte, welche je für sich genommen tatsächlich nicht so massgebend
wäre, führten in der Summe und ihrer gegenseitigen Beeinflussung sehr
wohl zu einer deutlichen Einschränkung der Arbeitsfähigkeit (auch in einer
adaptierten Tätigkeit).
3.5.5. Somit ist festzustellen, dass es an einer nach der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung nicht ohne weiteres auszublendenden Würdigung der
Ergebnisse von Eingliederungsversuchen und beruflichen Abklärungen
(vgl. dazu Urteile des Bundesgerichts 8C_30/2020 vom 6. Mai 2020
E.5.2.1, 9C_534/ 2018 vom 15. Februar 2019 E.2.2, 8C_563/2018 vom
14. November 2018 E.6.1.1 und 8C_48/2018 vom 27. Juni 2018 E.4.3.1)
seitens der Beschwerdegegnerin fehlt, auch wenn der
Eingliederungsversuch bzw. die Tätigkeit in Y._ und bei der U._
GmbH in einem (eher) geschützten Umfeld nicht im Rahmen einer von der
Beschwerdegegnerin gewährten beruflichen Eingliederungsmassnahme
erfolgte. Ausserdem erachtete es Dr. med. R._ im zwar ausführlichen,
detaillierten und über weite Strecken auch nachvollziehbaren
neuropsychologischen Gutachten von Dr. phil. N._ vom 28. März
2018 als störend, dass "T-Werte" im Bereich von 56.7 bis 62.8 Punkte
bereits als überdurchschnittlich bezeichnet worden seien, obwohl sie
(gemäss der im Gutachten selbst enthaltenen Tabelle) lediglich der oberen
Norm entsprächen. Beispielhaft nannte Dr. med. R._ die Resultate der
handlungsbezogenen und verbal bezogenen Intelligenz sowie die
"Wachheit mit vorgegebenem Warnton". Zudem bemängelte Dr. med.
R._ eine fehlende Integration der verschiedenen Befunde: Sie blieben
ungewichtet und im Hinblick auf die Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten
Tätigkeit werde den schwächsten Leistungen, gerade im Bereich des
Gedächtnisses sowie des Arbeitsgedächtnisses, welche für die
Leistungsfähigkeit (in erwerblicher Hinsicht) eine entscheidende Rolle
spielten, viel zu wenig Beachtung geschenkt. Zudem ist darauf
hinzuweisen, dass Dr. phil. N._ die von ihm erhobenen Testresultate
- 28 -
lediglich im Vergleich zu den Resultaten der neuropsychologischen
Abklärung vom 31. August 2016 gemäss Bericht vom Dr. phil. F._ und
lic. phil. G._ vom 1. September 2016 beurteilte (siehe IV-act. 31
S. 21), sich aber nicht zur testpsychologischen Untersuchung vom
16. Februar 2017 zur Ermittlung eines neurokognitven Leistungsprofil
gemäss Bericht von lic. phil. V._ und PD Dr. Dr. Dipl. Psych. W._
vom 20. März 2017 (siehe IV-act. 17) äusserte, obwohl die Untersuchung
vom 16. Februar 2017 im Aktenauszug erwähnt wird. Im erwähnten
Aktenauszug gab Dr. phil. N._ denn auch, übereinstimmend mit
Dr. med. R._, wieder, dass beim verbalen Lernen und der
mittelfristigen verbalen Mnestik deutliche Einbussen bestünden (siehe IV-
act. 17 S. 4 und IV-act. 49 S. 6). Immerhin gelangte Dr. phil. N._ zum
Ergebnis, dass vor allem beim verbalen und visuellen Arbeitsgedächtnis
Einschränkungen bestünden, welche eine überschaubare und unverändert
auszuübende Erwerbstätigkeit erforderten (siehe IV-act. 31 S. 14, 21, 23
und 25). Zum eingeschränkten verbalen Arbeitsgedächtnis passen die von
Dr. med. R._ gestützt auf die fremdanamnestischen Angaben aus der
erwerblichen Tätigkeit des Beschwerdeführers in einem (eher) geschützten
Rahmen gemachten Aussagen über den Bedarf an wiederholter Instruktion
und Überwachung in der Ausführung von (einfachen repetitiven)
Tätigkeiten. Inwiefern diese Einschränkungen dennoch mit der Feststellung
einer uneingeschränkten Arbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit
durch Dr. phil. N._ vereinbar sein sollen, vermag die
Beschwerdegegnerin nicht darzulegen und ist auch nicht aus dem
neuropsychologischen Gutachten von Dr. phil. N._ vom 28. März
2018 oder den Beurteilungen der RAD-Ärzte Dr. med. M._ und
P._ ersichtlich.
3.6. Bei diesem Ergebnis kann somit der Beurteilung der Beschwerdegegnerin,
wonach der Beschwerdeführer in einer adaptierten, also einer
überschaubaren, eher repetitiven Erwerbstätigkeit ohne erheblichen
- 29 -
Produktionsdruck ganztägig während (mindestens) 8 Stunden zu 100 %
arbeitsfähig sein soll, nicht gefolgt werden. Andererseits erfüllt das
Gutachten von Dr. med. R._ vom 14. Januar 2019 – wie in den
vorstehenden Erwägungen 3.5 ff. dargelegt – die
rechtsprechungsgemässen Anforderungen (siehe dazu vorstehende
Erwägung 3.1) an eine beweiswertige medizinische
Entscheidungsgrundlage vollumfänglich. Daher rechtfertigt es sich
vorliegend ohne weitere Abklärungen, darauf abzustellen. Die von Dr. med.
R._ attestierte Arbeitsunfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit steht
im Übrigen – neben der unbestrittenen vollständigen Arbeitsunfähigkeit in
der angestammten (Führungs-)Tätigkeit – auch mit der weiteren
medizinischen Aktenlage, ausgenommen die Berichte und Einschätzungen
durch die RAD-Ärzte Dr. med. M._ und P._ sowie Dr. phil.
N._, im Einklang. Dabei handelt es sich namentlich um die Berichte
von Dr. med. B._ vom 15. Februar 2017 und Dr. phil. F._ vom
1. September 2016 (siehe IV-act. 8 S.1 ff und 7 ff.). Ob die von Dr. med.
R._ attestierte Arbeitsfähigkeit im Sinne einer Unverwertbarkeit der
Arbeitsfähigkeit im ersten Markt zu verstehen ist oder immerhin eine
Restarbeitsfähigkeit von durchschnittlich noch 30 % in einer adaptierten
Tätigkeit darstellt, ist, wie nachstehend aufgezeigt wird, nicht entscheidend.
3.7. Zur Berechnung des Invaliditätsgrades ist darauf hinzuweisen, dass jeweils
die im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung aktuellsten Tabellen der
Schweizerischen Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik
(LSE) zu verwenden gewesen wären (siehe Urteil des Bundesgerichts
9C_15/2018 vom 2. Juli 2018 E.4.2, 9C_414/2017 vom 21. September
2017 E.4.2 und 9C_699/2015 vom 6. Juli 2016 E.5.2). Die angefochtene
Verfügung datiert auf den 15. April 2019 und zog für die Berechnung der
Vergleichseinkommen die Tabelle TA1 der LSE 2014 heran. Die Tabelle
TA1 der LSE 2016 wurde hingegen bereits am 26. Oktober 2018
veröffentlich (vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_829/2019 vom 6. März
- 30 -
2020 E.3.2), womit die Tabelle TA1 der LSE 2016 hätte angewendet
werden müssen. Dementsprechend ist die Bestimmung des
Invaliditätsgrades gestützt auf die Werte der Tabelle TA1 der LSE 2016
vorzunehmen. Dabei wendet sich der Beschwerdeführer nicht gegen die
Bemessung des Valideneinkommens gestützt auf die Tabelle TA1, Zeile
45-96 "Sektor 3 Dienstleistungen", Kompetenzniveau 2. In Anwendung der
LSE 2016 beträgt somit das Valideneinkommen per 2018 Fr. 67'040.45
(Fr. 5'312.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.003995 x 1.004824). Die
Restarbeitsfähigkeit in einer adaptierten Tätigkeit wird von Dr. med.
R._ für den Fall, dass überhaupt noch von einer Verwertbarkeit im
ersten Arbeitsmarkt ausgegangen werden kann, mit 20 bis 40 % geschätzt
– auf Basis der in einem geschützten Rahmen infolge verlangsamter
Arbeitsleistung und vermehrter Notwendigkeit von Anleitung mit 50 bis
70 % bezifferten Leistungsfähigkeit, welche wiederum wegen der raschen
Ermüdbarkeit mit signifikant zunehmender Fehlerhäufigkeit um ca. weitere
50 % zu reduzieren ist. Dies ist, wie vorstehend ausführlich dargelegt,
nachvollziehbar und schlüssig, womit es sich vorliegend rechtfertigt auf
eine maximale Restarbeitsfähigkeit von 30 % in adaptierter Tätigkeit zu
erkennen. Dementsprechend beträgt das Invalideneinkommen per 2018
Fr. 20'218.15 (Fr. 5'340.-- x 12 : 40 x 41.7 x 1.003995 x 1.004824 x 0.3).
Bei einer Einkommenseinbusse von Fr. 46'822.30 resultiert ohne
Berücksichtigung eines Leidensabzuges ein Invaliditätsgrad von gerundet
70 % (Fr. 46'822.30 : Fr. 67'040.45 x 100 = 69.84 %; vgl. zum Runden:
BGE 130 V 121 E.3). Damit besteht gemäss Art. 28 Abs. 2 IVG auch über
den 30. Juni 2018 hinaus ein Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
Insofern kann offengelassen werden, ob die Einschätzung von Dr. med.
R._ nicht gar im Sinne einer Unverwertbarkeit der Restarbeitsfähigkeit
in einer adaptierten Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt zu verstehen ist, womit
von einer entsprechenden Arbeitsunfähigkeit von 100 % für solche
Tätigkeiten hätte ausgegangen werden müssen.
- 31 -
4. Bei diesem Ergebnis ist die Beschwerde gutzuheissen und die
angefochtene Verfügung vom 15. April 2019 insoweit aufzuheben, als dass
der Anspruch des Beschwerdeführers auf eine ganze Invalidenrente per
30. Juni 2018 befristet wurde. Der Beschwerdeführer hat auch für den
Zeitraum ab dem 1. Juli 2018 Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
5. Gemäss Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das Beschwerdeverfahren – in
Abweichung von Art. 61 lit. a ATSG – bei Streitigkeiten um die Bewilligung
oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung vor dem
kantonalen Versicherungsgericht kostenpflichtig. Die Kosten werden nach
dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert im Rahmen von
Fr. 200.-- bis Fr. 1ꞌ000.-- festgelegt. Infolge des Ausgangs des
Beschwerdeverfahrens, sind die Gerichtskosten von Fr. 700.-- demnach
der Beschwerdegegnerin zu überbinden (vgl. Art. 73 Abs. 1 VRG).
6. Der Beschwerdeführer hat gestützt auf Art. 61 lit. g ATSG Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten zu Lasten der unterliegenden
Beschwerdegegnerin. Die Bemessung der Entschädigung erfolgt ohne
Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache und nach
der Schwierigkeit des Prozesses, wobei der zeitliche Aufwand der
Rechtsvertretung regelmässig durch die Schwierigkeit des Prozesses
mitbestimmt wird. Im Übrigen wird die Bemessung der Parteientschädigung
gemäss Art. 61 Satz 1 ATSG nach dem kantonalen Recht bestimmt (siehe
Urteile des Bundesgerichts 9C_321/2018 vom 16. Oktober 2018 E.6.1 und
9C_688/2009 vom 19. November 2009 E.3.1.1 f.). Gemäss Art. 78 VRG
i.V.m. Art. 2 der Verordnung über die Bemessung des Honorars der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte (Honorarverordnung, HV;
BR 310.250) wird die Parteientschädigung nach Ermessen des Gerichts
festgesetzt, wobei es grundsätzlich von dem in der Honorarnote geltend
gemachten (und als angemessen zu betrachtenden) Aufwand sowie dem
(üblichen) Stundenansatz ausgeht. Der Rechtsvertreter des
- 32 -
Beschwerdeführers reichte am 5. Juli 2019 eine Honorarnote im Betrag von
Fr. 11'310.45 (35.25 Stunden à Fr. 280.--, Fr. 631.80 Spesen und
Barauslagen sowie 7.7 % MWST) ein. Die Beschwerdegegnerin kritisiert
diese Honorarnote als erheblich zu hoch, zumal die einzelnen
Aufwandspositionen für das Honorar sowie die Spesen und Barauslagen in
der Honorarnote überhaupt nicht spezifiziert würden und der
Beschwerdeführer bereits im vorinstanzlichen Verfahren durch denselben
Rechtsvertreter vertreten worden sei (siehe IV-act. 38). Der
Beschwerdeführer bzw. sein Rechtsvertreter reichte keine
Honorarvereinbarung über den geltend gemachten Stundenansatz von
Fr. 280.-- ein, womit praxisgemäss ohnehin nur ein Stundenansatz von
Fr. 240.-- zu vergüten wäre (siehe VGU S 19 43 vom 28. Mai 2020 E.7.2
m.H.). Der für das vorliegende Verfahren geltend gemachte
Vertretungsaufwand von 35.25 Stunden sowie der Betrag von Fr. 631.80
für Spesen und Barauslagen erweisen sich für eine Beschwerde im Umfang
von sechs Seiten und eine Replik von fünf Seiten als ausserordentlich
hoch. Zudem wurden weder der zeitliche Aufwand noch die Spesen und
Barauslagen näher aufgeschlüsselt. Damit kann die gemäss Art. 2 Abs. 2
Ziffer 2 HV erforderliche Prüfung der Honorarnote auf deren
Angemessenheit und Erforderlichkeit für die Prozessführung nicht
vorgenommen werden, womit die Parteientschädigung ermessenweise
und pauschal auf Fr. 3'500.-- (Spesen/Barauslagen und 7.7 % MWST
enthalten) festzulegen ist.