# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 9eb80c06-1520-4325-ba0d-57f72dc199ec
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Der 1972 geborene
X._
war zuletzt von
1998
b
is
März 2020
als S
ervicemitarbeiter
in einem Restaurant tätig
(Urk. 6/5
Ziff. 5.4
, Urk. 6/20)
. Am 1.
April 2020 meldete er sich
unter Hinweis auf
Rücken- und Kniebeschwerden, einen Nabelbruch und vermehrtes Schwitzen
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (Urk.
6/5
). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle, tätigte medizinische und erwerbliche Abklärungen und
teilte dem Beschwerdeführer
am 1.
Juli 2020 (Urk. 6/15)
mit, die Eingliederungsberatung werde abgeschlossen.
Nach durchgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk. 6/35, Urk. 6/37
) wies sie das Leistungsbegehren mit Verfügung vom
8. März 2021 (Urk. 6/42
=
Urk.
2) ab.
2.
Der Versicherte erhob am
23. März 2021
Beschwerde gegen die Verfügung vom
8. März 2021
(
Urk.
2) und beantragte,
diese sei aufzuheben und es sei ihm rück
wirkend eine angemessene Invalidenrente zuzusprechen (Urk. 1 S. 2
) oder es sei ein polydisziplinäres Gutachten einzuholen (Urk. 1 S. 7).
Am
10. Mai 2020
(
U
rk.
5
) beantragte die IV-Stelle die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom
11. Mai 2021
zur Kenntnis gebracht wurde (Urk.
7
).
Am 18. August 2021 (Urk. 8) reichte der Beschwerdeführe
r
weitere Arztberichte ein (Urk. 9),
welche der Beschwerdegegnerin am 2
0.
August 2021 zur Kenntnis gebracht wurden (Urk. 10).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Rege
lungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
Anspruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betä
tigen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen
wieder herstellen
, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 40 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2 IVG).
1.4
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene leist
ungsabweisende Verfügung vom 8. März
202
1
(Urk. 2) damit, dass
der Beschwerdeführer seine angestammte Tätigkeit als Servicekraft in der Gastronomie nicht mehr ausüben könne (S. 1). Für eine näher umschriebene angepasste Tätigkeit (S. 2 oben) bestehe aber eine 80%ige Arbeitsfähigkeit.
Es ergebe sich ein rentenausschlies
sender Invaliditätsgrad von
17 % (S. 2 Mitte).
Der
Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
habe sich bei seiner Beurteilung auf die Berichte der Rehaklinik
Y._
gestützt
(Urk. 5 Ziff. 4)
.
Deren
Berichte seien aussagekräftig und es könne auf sie abgestützt werden (
Ziff.
5). Es liege somit eine ausreichend klare Sachlage vor, weshalb
die Anordnung
eines polydisziplinären Gutach
tens nicht notwendig sei (Ziff.
6).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
es sei nicht ausgewiesen, dass er in einer leidensangepassten Tätigkeit noch zu 80 % arbeitsfähig
sei
(
S. 4
Ziff. 6.1).
Die Abklärungen der Rheumaklinik der Universi
tätsklinik
Z._
und der Rehaklinik
Y._
führten hinsichtlich der Beurtei
lung der Arbeitsfähigkeit in einer leidensangepassten Tätigkeit zu deutlich diver
gierenden Resultaten. Der langjährige Hausarzt habe deshalb zurecht eine polydisziplinäre Begutachtung verlangt (S. 6 Ziff. 6.2). Der Vollständigkeit halbe
r
sei der Beurteilung des RAD entgegenzuhalten, dass die
wegen
der
täglich 5 bis 6 Mal nötigen
Se
lbstkatheterisierung
verbundene
Notwendigkeit zusätzlicher Pausen von insgesamt zirka zwei Stunden pro Tag nicht einem Anteil von 20 %, sondern von 25
% eines Arbeitstages ausmache
(S. 6 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist ein Rentenanspruch des Beschwerdeführers.
3.
3.1
Die Ärzte der
Universitätsklinik
Z._
berichteten mit
Austrittsbericht
vom 5. Mai 2020
(
Urk. 6/12/10-16) über eine
Hospitalisation
des Beschwerdeführers vom
5.
bis 1
9.
Mai 2020 (S. 1), und nannten folgende, hier gekürzt aufgeführte Diagnosen (S. 1 f.):
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom rechtsbetont, Erstmani
festation (EM) zirka 2005
-
schwerer Vitamin D-Mangel, Erstdiagnose (ED) April 2020
-
neurophysiologisch kein Anhalt für Polyneuropathie oder
Myopathie
im März 2020
-
Blasenfunktionsstörung unklarer Ätiologie, EM zirka 2003
-
Verdacht auf depressive Entwicklung mit Angststörung, ED Mai 2020
-
Hyperhidrosis unklarer Ätiologie, EM zirka 2003
-
erektile Dysfunktion
-
Chondropathia
patellae
beidseits mit
Insertionstendinopathie
der
Quadri
cepssehne
beidseits
, ED März 2020
Bezüglich der Arbeitsfähigkeit werde aus medizinisch-theoretischer Sicht zum aktuellen Zeitpunkt ein Pensum von 30 bis 50 % verteilt auf 5 Tage mit wechsel
belastender Tätigkeit sowie Heben von Lasten bis maximal 5 kg als zumutbar erachtet. Längeres Stehen oder Gehen seien zu vermeiden. Falls möglich, werde während der Rehabilitation in
Y._
um eine genauere Evaluation der Arbeits
fähigkeit gebeten
(S.
6 oben). Unter
Prozedere
wurde ausgeführt, die Physio
therapie sei fortzuführen,
allenfalls
könne eine
erneute Infiltration
der Nerven
wurzel L5 links evaluiert werden
und
eine
ambulante psychiatrische Betreuung
wohnortsnahe sei aufzunehmen. Des Weiteren
werde um
die
Beurteilung
der Arbeitsfähigkeit während der Rehabilitation in
Y._
gebeten
, die Opiatthe
rapie sei langsam auszuschleichen, die
Vit
-D-Substitution und laborchemische Nachkontrolle habe in zwei bis drei Monaten zu erfolgen und der Beschwerde
führer werde für eine neurourologische Verlaufskontrolle direkt aufgeboten
(S. 7 oben)
.
Die Ärzte der Universitätsklinik
Z._
nannten
mit Bericht vom 28. Mai 2020 (Urk. 6/12/7-9
)
folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (Ziff. 2.5):
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom rechtsbetont, EM zirka 2005
-
Chondropathia
patellae
beidseits mit
Insertionstendinopathie
der
Quadri
cepssehne
beidseits, ED März 2020
-
neurogene Harnblasen-, Sexual- und Darmfunktionsstörung
Sie führten aus
, während der
Hospitalisation
vom
5.
bis 1
9.
Mai 2020 sei ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis für eine vollständige Arbeitsunfähigkeit ausgestellt worden (Ziff. 1.3). Der Beschwerdeführer arbeite seit 30 Jahren
in der Gastro
nomie als Servicea
ngestellter und sei im Rahmen dieses Berufes vor allem
in stehender
und gehender Tätigkeit engagiert, was jeweils seine Beschwerden provoziere. Somit sei
die Wiederaufna
hme einer 100%igen Tätigkeit in diesem angestammten Beruf wenig wahrscheinlich. Bei einer wechselbelastenden Tätig
keit sei der Beschwerdeführer aber zu mindestens 30 bis 50 % arbeitsfähig (Ziff. 2.7).
Zur Arbeitsfähigkeit in einer angepassten Tätigkeit wurde ausgeführt, es sei keine detaillierte Aussage möglich (Ziff. 4.2).
3.2
Die Ärztinnen der
Rehaklinik
Y._
, nannten mit provisorischem
Kurzbericht vom 2
2.
Juni 20
20 (
Urk. 6/14) folgende, hier gekürzt aufgeführte
Diagnosen
(S. 1)
:
-
chronisches
lumbovertebrales
S
chmerzsyndrom rechtsbetont
bei Segmentdegeneration L4-S1 mit rezidivierend aktivierten tieflumbalen
Spondylarthrosen
und Diskushernie L4/5 mit Irritation
rezessal
L5 links
-
Blasenfunktionsstörung unklarer Ätiologie, EM
zirka
2
003
-
H
yperhidrosis unklarer Ätiologie, EM
zirka 2003
-
Chondropathia
patellae
beidseits
mit
Insertionstendinopathie
der
Quadri
cepssehne
beidseits, ED März 2020
-
schwerer Vitamin D-Mangel, Erstdiagnose (ED) April 2020
-
Angst und depressive Störung gemischt (
ICD-10 F41.2)
Es sei eine erhebliche Symptomausweitung beobachtet worden. Die Resultate der physischen Leistungstests seien deshalb für die Beurteilung der zumutbaren körperlichen Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Das
Ausmass der demons
trierten physischen Einschränkungen lasse sich mit den objektivierbaren patho
logischen Befunden
der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen
nur zu
m
Teil erklären
. Die festgestellte psychische Störung begründe aktuell
keine arbeitsrelevante Leistungsminderung
(S. 2 Mitte). D
ie angesta
mmte Tätigkeit
als Serviceangestellter
sei nicht mehr zumutbar
. Die Anforderungen seien zu hoch. Eine angepasste Tätigkeit sei ganztags zumutbar
mit Pausen von insgesamt
zirka
2 Stunden pro Tag wegen
Selbstkatheterisierung
(S. 2 unten)
.
3.3
Die Ärzte der Universitätsklinik
Z._
berichteten am 3.
Juli 2020 (Urk. 6/22, Urk. 6/24, Urk. 6/26) über eine
gleichentags durchgeführte
neuro-
urologische Untersuchung,
und nannten folgende Diagnosen
(
Urk. 6/22, Urk. 6/24):
-
neurogene Harnblasen-, Sexual- und Darmfunktionsstörung bei Diagnose 2 (EM 2003)
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom rechtsbetont (EM 2005)
-
schwerer Vitamin D-Mangel,
ED
April 2020
-
Hyperhidrosis unklarer Ätiologie, EM zirka 2003
-
Chondropathia
patellae
beidseits mit
Insertionstendinopathie
der
Quadri
cepssehne
beidseits, ED März 2020
In der
Urethro
-Zystoskopie/Harnblasenspülzytologie zeige sich eine ausgeprägte
Trabekulierung
ohne Hinweise auf Malignität.
Es sei eine video-
urodynamische
Untersuchung geplant (
Urk. 6/24
).
3.4
Die Ärzte der
Rehaklinik
Y._
nannten mit
Austrittsbericht
vom 8. Juli
2020 (
Urk. 6/18) dieselben Diagnosen wie mit Bericht vom 2
2.
Juni
2020 (
S. 1 f., vgl. vorstehend E. 3.2). Der Bes
chwerdeführer
habe
sich vom 2.
bis 22. Juni 2020 in der Rehaklinik
Y._
auf
gehalten
(vgl. S. 1 Mitte).
Der Bericht entspricht
inhaltlich
weitgehend
dem
Kurzaustrittsbericht
vom 2
2.
Juni 2020 (vgl. vorste
hend E. 3.2)
auch hinsichtlich der Arbeitsfähigkeitseinschätzung, wonach eine leichte bis mittelschwere angepasste Tätigkeit ganztags mit insgesamt circa 2 Stunden Pausen pro Tag zur
Selbst
k
atheterisierung
zumutbar sei (S. 3 oben)
. Zudem führten
die Ärzte
aus, das Hauptziel der Reha
bilitation
sei die medizini
sche Beurteilung der Belastbarkeit und Zumutbarkeit
gewesen
(S.
3 Mitte). Während der Rehabilitation sei eine psychosomatische Abklärung durch
Dr.
phil.
A._
erfolgt. Der 48-jährige Patient habe während der Exploration eine deprimiert-ängstliche, von Zukunftssorgen, innerlicher Unruhe, Scham- und Schuldgefühlen gekennzeichnete Grundstimmung gezeigt. Zudem habe er Schlaf
probleme, sozialen Rückzug in der Familie, vegetative Symptome wie Schwitzen und Zittern im Rahmen der biopsychosozialen Belastungssituation geschildert. Aufgrund der medizinisch-urologischen Probleme sei der Beschwerdeführer ängstlich-bedacht darauf, keine weiteren peinlichen
Situationen
zu erleben. Auffällig sei sein Gangbil
d gewesen. Insgesamt sei aktuell
die Diagnose Angst und depressive Störung gemischt zu stellen (
S. 3 unten
).
In somatischer Hinsicht wurde ausgeführt, gesamthaft betrachtet könne man aufgrund der Diagnosen, klinischen und radiologischen Befunde die geltend gemachten Beschwerden und Funktionseinschränkungen sowohl in ihrer Lokalisation, als auch in der Intensität zwar teils in ihrer Lokalisation, jedoch nicht in ihrer Intensität gänzlich erklären. Das Beschwerdebild dürfte zumindest zu einem gewissen Anteil durch ein dys
funktional gefärbtes Umgangs- und Bewältigungsmuster der Beschwerden teil
weise auf dem Boden der oben dargelegten psychischen Problematik überlagert sein (S. 4 oben). Der Beschwerdeführer habe einen erschwerten Umgang mit den Schmerzen gezeigt. Er habe die Schmerzen stets sehr auffällig präsentiert und habe Schwierigkeiten, lösungsorientiert vorzugehen (S. 4 unten).
3.5
Dr.
med.
B._
, Fachärztin für Urologie und für Chirurgie, Regionaler Ärztlicher Dienst (RAD), nannte mit Stellungnahme vom 27. Juli 2020 (Urk. 6/34/5-7) folgende Diagnosen mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit (S. 2):
-
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom rechtsbetont
-
chronische Knieschmerzen beidseits
-
erhebliche Symptomausweitung mit teils inkonsistenten Untersuchungs
ergebnissen, psychosoziale Belastungssituation
-
laut Aktenlage neurogene Harnblasenentleerungsstörung
Vom
2.
bis 3
1.
März 2020 habe in der bisherigen Tätigkeit als Serviceangestellter in einem Restaurant eine 50%ige Arbeitsunfähigkeit bestanden, ab dem
1.
April 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. In einer
(näher umschriebenen, vgl. S. 3
Mitte) angepassten Tätigkeit bestehe
vom
1.
bis zum 31.
März 2020 eine 100%ige Arbeitsfähigkeit mit 20%iger Leistungsminderung (entsprechend Arbeitsfähigkeit von 80 %) aufgrund erhöhter Pausenzeiten zwecks Katheterismus und erforder
lichem Positionswechsel. Ein Zeitraum
von 2 Stunden Zusatzpausen sei
für einen im Einmalkatheterismus versierten Versicherten definitiv nicht notwendig, in der Regel seien arbeitsübliche Pausen hierfür ausreichend
. Ab dem 1.
April 2020 sei es zu diversen Abklärungen gekommen, teilweise unter stationären Bedingungen mit 100%iger Arbeitsunfähigkeit auch für eine Verweistätigkeit. Nach Abschluss der
Rehamassnahmen
in der Rehaklinik
Y._
am 2
3.
Juni 2020 gelte erneut eine 100%ige Arbeitsfähigkeit abzüglich der 20%igen Leistungsminderung, ent
sprechend einer Arbeitsfähigkeit von 80 %
(S.
3
oben).
3.6
Die Ärzte der
Universitätsklinik
Z._
berichteten am
29. Juli 2020
(Urk.
6/30/4-6
)
über eine neuro-urologische U
ntersuchung vom 23.
Juli 2020 und führten aus, es sei eine problemlose Applikation von
Botulinum
-A-Toxin-Injek
tionen (300 E Botox) in den
Detrusor
bei
urodynamisch
nachgewiesener neuro
gener
Detrusorüberaktivitätsinkontinenz
appliziert worden. Die Intervention sei vom Beschwerdeführer gut vertragen worden (S. 2).
Unter Prozedere wurde ausgeführt, das etablierte Harnblasenmanagement mit Harnblasenentleerung über den intermittierenden Selbstkatheterismus orientierend an Zielurinvolumina von 350-550 ml
sei weiterzufü
h
ren. In 6 Wochen sei eine
urodynamische
Verlaufskontrolle geplant (S. 3 oben).
3.7
Dr.
med.
C._
, Facharzt für
Chirurgie
, Spital
D._
, berichtete mit
Operationsbericht
vom 18. August 20
20
(Urk. 6/30/2-3)
über ein
Laparosko
pisches
intraperitoneale
s
Onlay-Mesh
(
IPOM
)
vom 1
7.
August 2020
und nannte als Diagnose eine symptomatische
Umbilikalhernie
(S. 1)
.
Zudem führte er aus, der Beschwerdeführer dürfe für 4 Wochen postoperativ keine
schweren Lasten
heben (S. 2).
3.8
Dr.
B._
führte mit
Stellungnahme
vom 25. November 2020 (Urk. 6/34/8) aus, bezügl
i
ch des symptomatischen Nabelbruchs sei am 1
7.
August 2020 eine Operation erfolgt.
Die bevorstehende Operation sei dem RAD bekannt gewesen und verbessere die medizinische Ausgangslage, sie verschlechtere sie nicht.
Unter Bezugnahme auf den
Bericht über
die
neuro-urologische Untersuchung
vom 23. Juli 2020
wurde ausgeführt, bereits 2011 sei versucht worden, die Überak
tivität der Harnblase durch den Einsatz von Botox zu dämpfen. Dieses Verfahren sei nun erneut angewandt worden. Über das Ergebnis der Kontrolluntersuchung nach Ablauf von 6 Wochen liegen dem RAD keinerlei Befunde vor. Bei Anspre
chen auf die Behandlung dürfte auch dies einer Verbesserung gleichkommen. Anhand der vorgelegten Befunde sei eine Verschlechterung der medizinischen Ausgangslage nicht ausgewiesen.
3.9
Dr.
med.
E._
, Hausarzt, führte
mit Bericht vom 18. Dezember 2020 (Urk. 6/40) aus, es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und eine schlechte Prognose für eine Arbeitsaufnahme. Eine IV-Berentung sei indiziert. Der Beschwerdeführer hoffe stark auf eine Invalidenrente.
Dr.
E._
führte mit Bericht vom 2
1.
Dezember 2020
(
Urk. 6/39) aus, der Beschwerdeführer könne keine Arbeit durchführen.
Es werde
um eine
Neubeur
teilung
durch einen Vertrauensarzt im Bereich Wirbelsäule und Orthopädie
gebe
ten
.
3.10
Frau
F._
,
Psychotherapeutin,
führte mit undatiertem Bericht (Urk. 6/40/2 f.) aus, sie behandle den Beschwerdeführer seit
1.
Juli 2020 und nannte folgende Diagnosen (S. 1):
-
Angst und depressive Störung gemischt
(ICD-1
0 F41.2)
-
undifferenzierte Somatisierungsstörung
(ICD-10 F45.1)
Der Beschwerde
führer
komme rege
l
mässig in wöchentlichen Abständen in die ambulante psychotherapeutische Behandlung. Dabei gehe es vorerst um die psychosoziale Unterstützung, die Stabilisierung des Beschwerdeführers und die Angstbewältigung (S. 2). Angaben zur Arbeitsfähigkeit wurden keine gemacht.
3.11
Dr.
B._
nahm mit
Stellungnahme
vom 28. Januar 20
20 (
Urk. 6/41/2-3) zu den Berichten des Hausarztes und der Psychotherapeutin des Beschwerdeführers Stel
lung. Zusammengefasst würden sich keine neuen Aspekte ergeben (S. 2).
3.12
Nach Verfügungserlass wurde
n
der
Bericht über ein
MRI vom 28.
Juli 2021 (Urk. 9/1)
und
der
Bericht
der Ärzte der Universitätsklinik
Z._
vom
9.
August 2021 (Urk. 9/2)
eingereicht
. In letzterem wurde
über
die
Wirbelsäulen-Sprech
stunde vom 28. Juli 2021
berichtet
und folgende
, hier gekürzt aufgeführte
Diag
nosen
genannt
(S. 1 f.):
-
chronische
rechtsbetonte Lumbalgie
(EM 2005)
-
neurogene Harnblasen-, Sexual- und Darmfunktionsstörung (EM 2003)
-
schwerer Vitamin D-Mangel, ED April 2020
-
Chondropathia
patellae
beidseits mit
Insertionstendinopathie
der
Quadri
cepssehne
beidseits, ED März 2020
-
Hyperhidrosis unklarer Ätiologie, EM 2003
Bildgeberisch
fänden sich im MRI der Lendenwirbelsäule (LWS) eine Diskus
extrusion paramedian links mit
rezessaler
Kompression der L5-Nervenwurzel links sowie eine fortgeschrittene Facettengelenksarthrose L4-S
1.
Eine
Spondylodes
e
L4-S1 sei möglich.
Bei therapieresistenter Lumbalgie sei eine
Spon
dylodese
L4-S1 möglich.
Prognostisch sei bei seit mehreren Jahren vorhandenen Beschwerden postoperativ mit einer teilweisen Rückbildung zu rechnen
(S. 2 f.)
.
4.
4.1
Unstreitig und gestützt auf die Akten ausgewiesen ist, dass der Beschwerdeführer in der zuletzt ausgeübten Tätigkeit
als
Service
mitarbeiter
in der Gastro
nomie
voll
ständig arbeitsunfähig ist (vorstehend E. 2).
Streitig ist hingegen, in welchem Umfang
der Beschwerdeführer
in einer behinderungsangepassten Tätigkeit arbeitsfähig ist.
4.2
Die Ärzte der Universitätsklinik
Z._
erachteten ein Pensum von mindestens 30 bis 50
%
für eine wechselbelastende Tätigkeit mit Heben von Lasten bis maximal 5 kg als zumutbar, baten aber gleichzeitig um eine genauere Evaluation der Arbeitsfähigkeit während der Rehabilitation in
Y._
(vgl. vorstehend E. 3.1).
Die Ärzte der Rehaklinik
Y._
erwogen in ihrem Bericht, eine angepasste Tätigkeit sei ganztags zumutbar mit Pausen von insgesamt zirka 2 Stunden pro Tag wegen
Selbstkatheterisierung
(vorstehend E. 3.2).
Sie beobachteten
eine erhebliche Symptomausweitung. Die Resultate der physischen Leistungstests
waren
deshalb für die Beurteilung der zumutbaren körperlichen Belastbarkeit nur teilweise verwertbar. Das Ausmass der demonstrierten physischen Einschränkun
gen
liess
sich mit den objektivierbaren pathologischen Befunden der klinischen Untersuchung und bildgebenden Abklärung sowie den Diagnosen nur zu
m
Teil erklären.
In psychischer Hinsicht hielten sie fest, d
ie festgestellte psychische Störung begründe aktuell keine arbeitsrelevante Leistungsminderung
.
Die behandelnde Psychotherapeutin machte keine Angaben zur Arbeitsfähigkeit (vorstehend E. 3.10).
Der Hausarzt
Dr.
E._
sprach sich für eine IV-Berentung aus. Es bestehe eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit und eine schlechte Prognose für eine Arbeitsauf
nahme. In einem anderen Bericht erachtete er eine Neubeurteilung durch einen Vertrauensarzt im Bereich Wirbelsäule und Orthopädie als notwendig
(vorstehend E. 3.9)
.
Die RAD-Ärztin Dr.
B._
nahm
weitgehend auf
die
Bericht
e
der Ärzte der Rehaklinik
Y._
Bezug u
nd hielt fest, der Beschwerdef
ührer leide an einem chronischen
lumbovertebralen
Schmerzsyndrom rechtsbetont, chronischen Knie
schmerzen beidseits und an einer neurogenen Harnblasenentleerungsstörung, wobei sie diesen Diagnosen Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit zusprach. Zudem erkannte sie, dass eine erhebliche Symptomausweitung mit teils inkonsis
tenten Untersuchungsergebnissen sowie eine psychosoziale Belastungssituation bestand. Sie kam zum Schluss, in einer
näher umschriebene
n
angepasste
n
Tätig
keit
bestehe
vom
1.
bis zum 3
1.
März 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit mit 20%iger Leistungsminderung (entsprechend
einer
Arbeitsfähigkeit von 80
%
) aufgrund erhöhter Pausenzeiten zwecks Katheterismus und erforderlichem Posi
tionswechsel. Nach Abschluss der
Rehamassnahmen
in der Rehaklinik
Y._
am 2
3.
Juni 2020 gelte erneut eine 100%ige Arbeitsfähigkeit abzüglich der 20%igen Leistungsminderung, entsprechend einer Arbeitsfähigkeit von 80
%
(vorstehend E. 3.5).
4.3
Die regionalen ärztlichen Dienste (RAD) stehen den IV-Stellen zur Beurteilung der medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs zur Verfügung. Sie setzen die für die Invalidenversicherung nach Art. 6 ATSG massgebende funk
tionelle Leistungsfähigkeit der Versicherten fest, eine zumutbare Erwerbstätigkeit oder Tätigkeit im Aufgabenbereich auszuüben. Sie sind in ihrem medizinischen Sachentscheid im Einzelfall unabhängig (Art. 59 Abs. 2
bis
IVG). Nach Art. 49 IVV beurteilen die RAD die medizinischen Voraussetzungen des Leistungsanspruchs. Die geeigneten Prüfmethoden können sie im Rahmen ihrer medizinischen Fach
kompetenz und der allgemeinen fachlichen Weisungen des Bundesamtes frei wählen (Abs. 1). Die RAD können Versicherte bei Bedarf selber ärztlich unter
suchen. Sie halten die Untersuchungsergebnisse schriftlich fest (Abs. 2; Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweis auf BGE 135 V 254 E. 3.3.2).
Die Funktion interner RAD-Berichte besteht darin, aus medizinischer Sicht
gewissermassen als Hilfestellung für die medizinischen Laien in Verwal
tung und Gerichten, welche in der Folge über den Leistungsanspruch zu entschei
den haben – den medizinischen Sachverhalt zusammenzufassen und zu würdi
gen, wozu namentlich auch gehört, bei widersprüchlichen medizinischen Akten eine Wertung vorzunehmen und zu beurteilen, ob auf die eine oder die andere Ansicht abzustellen oder aber eine zusätzliche Untersuchung vorzunehmen sei. Sie würdigen die vorhandenen Befunde aus medizinischer Sicht (Urteil des Bundesgerichts 9C_406/2014 vom 31. Oktober 2014 E. 3.5 mit Hinweisen).
Der Beweiswert von RAD-Berichten nach Art. 49 Abs. 2 IVV ist mit jenem exter
ner medizinischer Sachverständigengutachten vergleichbar, sofern sie den praxisgemässen Anforderungen an ein ärztliches Gutachten (
BGE 134 V 231
E. 5.1) genügen und die Arztperson über die notwendigen fachlichen Qualifi
kationen verfügt (
BGE 137 V 210
E. 1.2.1).
Soll ein Versicherungsfall ohne Einholung eines externen Gutachtens entschieden werden, so sind an die Beweis
würdigung strenge Anforderungen zu stellen. Bestehen auch nur geringe Zweifel an der Zuverlässigkeit und Schlüssigkeit der versicherungsinternen ärztlichen Feststellungen, sind ergänzende Abklärungen vorzunehmen (BGE 145 V 97 E. 8.5, 142 V 58 E. 5.1 mit Hinweisen).
4.4
Die Einschätzung de
r
RAD-Ärztin Dr.
B._
entspricht den allgemein beweis
rechtlichen Anforderungen an einen ärztlichen Bericht, auch wenn Dr.
B._
den Beschwerdeführer
selbst nicht untersucht hat.
Ihrer
Stellungnahme liegen
aber sämtliche medizinischen Akten
zugrunde. Ihre
Argumentation ist schlüssig und nachvollziehbar. Es ist insbesondere nachvollziehbar begründet, dass in einer näher umschriebenen angepassten Tätigkeit
eine
100%ige Arbeitsunfähigkeit mit 20%iger Leistungsminderung (entsprechend
einer
Arbeitsfähigkeit von 80
%
)
besteht
.
Dr.
B._
stellte weitgehend auf die Berichte der Ä
rzte der Rehaklinik
Y._
(vgl. vorstehend E. 3.2 und 3.4)
ab. Die
Ärzte der Rehaklinik
Y._
setzten sich im Rahmen
der stationären Rehabilitation
des Beschwerdeführers vom
2.
bis 2
2.
Juni 2020
umfassend
mit der medizinischen Beurteilung der Belastbarkeit und Zumutbarkeit auseinander
und deren Berichte erfüllen die beweisrechtlichen Anforderungen an einen Bericht (vgl. vorstehend E. 1.4). Es kann deshalb für die somatischen und psychischen Beschwerden auf die Einschätzung der Rehaklinik
Y._
abgestellt werden. Zwar weicht deren Einschätzung von derjenigen der Ärzte der Universitätsklinik
Z._
ab, aber letztere ersuchten explizit um eine durch die Rehaklinik
Y._
noch vorzunehmende Einschätzung. Ausserdem wurde durch die Ärzte der Universitätsklinik
Z._
eine mindestens 30-50%ige Arbeitsfähigkeit festgehalten
(vgl. vorstehend E. 3.1, Bericht vom 2
8.
Mai 2020)
, womit sie eine auch höhere Einschätzung der Arbeitsfähigkeit
als
möglich erach
teten.
Die Ärzte der Rehaklinik
Y._
zeigten
entgegen den Ausführungen des Beschwerdeführers (vgl. Urk. 1 S. 5 Mitte)
auch umfassend auf,
dass
aufgrund der Diagnosen, klinischen und radiologischen Befunde die geltend gemachten Beschwerden und Funktionseinschränkungen sowohl in ihrer Lokalisation, als auch in der Intensität zwar teils in ihrer Lokalisation, jedoch nicht in ihrer Inten
sität gänzlich
erklärt werden könnten
. Das Beschwerdebild dürfte zumindest zu einem gewissen Anteil durch ein dysfunktional gefärbtes Umgangs- und Bewäl
tigungsmuster der Beschwerden teilweise auf dem Boden der oben dargelegten psychis
chen Problematik überlagert sein
. Der Beschwerdeführer
zeigte
einen erschwerten Umgang mit den Schmerzen. Er
präsentierte
die Schmerzen stets sehr auffällig und
hatte
Schwierigkeiten, lösun
gsorientiert vorzugehen (
vgl.
vorste
hend E. 3.4)
.
Soweit die RAD-Ärztin von der Beurteilung der Arbeitsfähigkeit der Ärzte der Rehaklinik
Y._
in Bezug auf die erforderliche Zeit für die
Selbstkatheterisie
rung
abwich, legte sie
nachvollziehbar dar, dass e
in Zeit
raum von 2 Stunden Zusatzpausen, wie von den Ärzten der Rehaklinik
Y._
festgehalten worden ist,
für einen im Einmalkatheterismus versierten Versicherten nicht notwendig
ist und
in der Regel arbeitsübliche Pausen hierfür ausreichend
sind (vgl. vorstehend E. 3.5).
Dies erscheint überzeugend und nachvollziehbar, weshalb darauf abzu
stellen ist.
Die Beurteilung des Hausarztes
Dr.
E._
(vgl. vorstehend E. 3.9)
, wonach der Beschwerdeführer vollständig arbeitsunfähig sei,
ist
hingegen
mit Zurückhaltung zu würdigen, denn
seine Stellung
na
hmen zeigen, dass
Hausärzte
so
wie
regel
mässig
behandelnde Arztpersonen beziehungsweise Therapiekräfte mitunter im Hinblick auf ihre auftragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Patientinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc).
Dieser Erfahrungstatsache hat das Gericht
insbesondere deshalb
Rechnung zu tragen,
da
Dr.
E._
, der – soweit ersichtlich über keinen Fach
arzttitel verfügt
–
aktenwidrig festhielt, dass die stationäre Rehabilitation in
Y._
nach wenigen Tagen beendet worden sei (
Urk.
6/40/1), obwohl diese 20 Tage gedauert hat (vgl.
Urk.
6/18/1).
Zudem hielt er
fest, dass
eine IV-Berentung indiziert sei
beziehungsweise, dass
der Beschwerdeführer stark auf eine Invali
denrente
hoffe,
was
erkennen
lässt
, dass
Dr.
E._
die subjektive Einschätzung des Beschwerdeführers uneingeschränkt übernommen hat
.
Schliesslich kann der Beschwerdeführer auch aus dem erst im Beschwerdeverfahren eingereichten Bericht der
Ärzte der Universitätsklinik
Z._
vom
9.
August 2021 (Urk. 9/2) über
die
Wirbelsäulen-Sprechstunde vom 28. Juli 2021 nichts zu seinen Gunsten ableiten. So wurde der Bericht erst rund
fünf
Monate nach Verfügungserlass verfasst.
Für die Beurteilung der Gesetzmässigkeit der angefochtenen Verfügung oder des
Einspracheentscheides
ist für das Sozialversicherungsgericht in der Regel der Sachverhalt massgebend, der zur Zeit des Erlasses des angefochtenen Verwal
tungsaktes gegeben war. Tatsachen, die jenen Sachverhalt seither verändert haben, sollen im Normalfall Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden (BGE 130 V 138 E. 2.1 mit Hinweis).
Nichts desto trotz ist diesbezüglich
festzuhalten, dass
ein
chronisches
lumbovertebrales
Schmerzsyndrom rechts
betont bei Segmentdegeneration L4-S1 mit rezidivierend aktivierten tieflumbalen
Spondylarthrosen
und Diskushernie L4/5 mit Irritation
rezessal
L5 links
bezie
hungsweise Facettengelenksarthrosen bereits in den Berichten der Rehaklinik
Y._
vom
Juni/
Juli 2020 (vgl. vorstehend E. 3.2 und 3.4,
Urk.
6/18/1) sowie der Universitätsklinik
Z._
vom Mai 2020
(
vgl. 6/12/10
) aufgeführt wurden.
Zudem geht
aus dem Bericht
keine Beurteilung der Arbeitsfähigkeit hervor und
es
wurde davon ausgegangen, dass eine
Spondylodese
L4-S1 zu einer teilweisen Rückbildung der Beschwerden führen könnte.
Ferner wurden keine fixen Verlaufskontrollen geplant (
Urk.
9/2 S. 3), sodass die Berichte der Universitäts
klinik
Z._
vom Juli und August 2021
insgesamt
vorliegend für den mass
gebenden Zeitraum
keinen Anlass geben, von der Einschätzung der Rehaklinik
Y._
abzuweichen.
Soweit
aus den eingereichten Berichten sowie
nach statt
gehabter Operation im November 2021 (vgl.
Urk.
8)
eine Veränderung
eingetreten ist,
soll
diese
Gegenstand einer neuen Verwaltungsverfügung bilden
.
4.5
In psychischer Hinsicht
liegt mit der Einschätzung der Rehaklinik
Y._
eben
falls
eine ausreichende medizinische Beurteilung vor, weshalb diesbezüglich keine weiteren Abklärungen nötig sind
. So wurden
im Bericht der Psychothera
peutin
(vorstehend E. 3.10)
dieselben Diagnosen gestellt, keine Verschlechterung erwähnt und keine
Arbeitsunfähigkeit
attestiert. Der Bericht der Psychologin ist daher kein Anlass oder Hinweis, dass ein die
Arbeitsfähigkeit
beeinträchtigender psychischer Gesundheitsschaden vorliegt, welcher genauerer Abklärung bedürfte.
Aus Gründen der Verhältnismässigkeit kann dort von einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 abgesehen werden, wo es nicht nötig oder auch gar nicht geeignet ist. Ein Beweisverfahren bleibt daher entbehrlich, wenn im Rahmen beweiswertiger fachärztlicher Berichte (vgl. BGE 125 V 351) eine Arbeitsunfähigkeit in nachvollziehbar begründeter Weise verneint wird und allfälligen gegenteiligen Einschätzungen mangels fachärztlicher Qualifikation oder aus anderen Gründen kein Beweiswert beigemessen werden kann (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. BGE 143 V 418 E. 7.1). Insbesondere in Fällen, in welchen nach der Aktenlage überwiegend wahrscheinlich von einer bloss leichtgradigen depressiven Störung auszugehen ist, die nicht schon als
chronifiziert
gelten kann und auch nicht mit Komorbiditäten einhergeht, bedarf es in aller Regel keines strukturierten Beweisverfahrens (BGE 143 V 409 E. 4.5.3; vgl. Urteil des Bundes
gerichts 9C_580/2017 vom 16. Januar 2018 E. 3.1).
Da eine Arbeitsunfähigkeit aus psychischen Gründen nachvollziehbar und schlüssig verneint wurde, kann vorliegend auf ein strukturiertes Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 verzichtet werden.
4.6
Der medizinische Sachverhalt ist somit dahingehend erstellt, dass
der Beschwerdeführer
seit
März 2020
in der bisherigen Ar
beitstätigkeit
vollstän
dig
arbeits
un
fähig ist und
ihm
in einer behinder
ungsangepassten Tätigkeit eine 8
0%ige Arbeitstätigkeit zumutbar ist
.
D
er Sachverhalt
lässt sich
dabei
anhand der vorliegenden Akten soweit ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem erforderlichen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_721/2019 vom 27. Mai 2020 E. 3 mit Hinweisen). Von weite
ren Abklärungen sind keine anderen
entscheidrelevanten
Erkenntnisse zu erwar
ten, weshalb davon abzusehen ist (
antizipierte
Beweiswürdigung; BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3, 124 V 90 E. 4b).
5.
5.1
Es bleibt damit die Prüfung der erwerblichen Auswirkungen vorzunehmen.
Die Anmeldung de
s
Beschwerdeführer
s
ging am
1.
April 2020
bei der Beschwer
degegnerin ein
(vgl. Aktenverzeichnis zu
Urk.
6/5
), womit ein Rentenanspruch grundsätzlich frühestens am
1.
Oktober
2020
entstehen konnte (
Art.
29
Abs.
1 und 3 IVG).
Gemäss RAD-Ärztin begann am
2.
März 2020 eine 50%ige Arbeits
unfähigkeit, ab dem
1.
April 2020 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit. Das Warte
jahr begann vorliegend somit am
2.
März
202
0.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditätsgrad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommens
vergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothe
tischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdifferenz der Invali
ditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Einkommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
5.2
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung ist für die Ermittlung des
Validen
einkommens
entscheidend, was die versicherte Person im Zeitpunkt des frühest
möglichen Rentenbeginns nach dem Beweisgrad der überwiegenden Wahrschein
lichkeit als Gesunde tatsächlich verdient hätte. Dabei wird in der Regel am zuletzt erzielten, nötigenfalls der Teuerung und der realen Einkommensentwicklung angepassten Verdienst angeknüpft, da es empirischer Erfahrung entspricht, dass die bisherige Tätigkeit ohne Gesundheitsschaden fortgesetzt worden wäre. Ausnahmen müssen mit überwiegender Wahrscheinlichkeit erstellt sein (BGE 145 V 141 E. 5.2.1, 139 V 28 E. 3.3.2, 135 V 58 E. 3.1, 134 V 322 E. 4.1).
5.3
Für die Bemessung des
Valideneinkommens
stellte die Beschwerdegegnerin auf die Angaben der Arbeitgeberin ab
(vgl.
Urk.
6/20 S. 5 Ziff. 5.1
), wonach
der Beschwerdeführer
in
seiner
angestammten Tätigkeit in einem Pensum
von 100 %
im Jahr
2020
ein Einkommen von
Fr.
65’130.-- erzielte (Urk. 6/33 S. 1
, Urk. 2 S.
2 Mitte)
.
Dies
wurde
vom Beschwerdeführer nicht bestritten
und
gibt zu keinen Beanstandungen Anlass.
5.4
Für die Bestimmung des Invalideneinkommens können nach der Rechtsprechung Tabellenlöhne gemäss den vom Bundesamt für Statistik periodisch herausge
gebenen Lohnstrukturerhebungen (LSE) herangezogen werden (BGE 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2, 129 V 472 E. 4.2.1). Dabei sind grundsätzlich die im Verfügungszeitpunkt aktuellsten veröffentlichten Tabellen der LSE zu verwenden (BGE 143 V 295 E. 4.1.3; zur Verwendung der aktuellsten statistischen Daten bei Rentenrevisionen vgl. BGE 143 V 295 E. 4.2.2, 142 V 178 E. 2.5.8.1, 133 V 545 E. 7.1). Die Verwendung der Tabellenlöhne ist subsidiär, das heisst deren
Beizug
erfolgt nur, wenn eine Ermittlung des Invalideneinkommens aufgrund und nach Massgabe der konkreten Gegebenheiten des Einzelfalles nicht möglich ist (vgl. BGE 142 V 178 E. 2.5.7, 139 V 592 E. 2.3, 135 V 297 E. 5.2; vgl. auch Meyer/
Reichmuth
,
Bundesgesetz über die Invalidenversicherung, 3. Auflage 2014,
Rn
55 und 89 zu Art. 28a, mit weiteren Hinweisen auf die Rechtsprechung).
5.5
Wird das Invalideneinkommen auf der Grundlage von statistischen Durch
schnittswerten ermittelt, ist der entsprechende Ausgangswert (Tabellenlohn) allenfalls zu kürzen. Damit soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass persönliche und berufliche Merkmale, wie Art und Ausmass der Behinderung, Lebensalter, Dienstjahre, Nationalität oder Aufenthaltskategorie und Beschäfti
gungsgrad Auswirkungen auf die Lohnhöhe haben können (BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
). Aufgrund dieser Faktoren kann die versicherte Person die verbliebene Arbeitsfähigkeit auch auf einem ausgeglichenen Arbeitsmarkt möglicherweise nur mit unterdurchschnittlichem erwerblichem Erfolg verwerten. Der Abzug soll aber nicht automatisch erfolgen. Er ist unter Würdigung der Umstände im Einzelfall nach pflichtgemässem Ermessen gesamthaft zu schätzen und darf 25 % nicht übersteigen (vgl. BGE 135 V 297 E. 5.2, 134 V 322 E. 5.2 und 126 V 75 E. 5b/
aa
-cc). Die Rechtsprechung gewährt insbesondere dann einen Abzug auf dem Invalideneinkommen, wenn eine versicherte Person selbst im Rahmen körperlich leichter Hilfsarbeitertätigkeit in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt ist (BGE 126 V 75 E. 5a/
bb
). Zu beachten ist jedoch, dass allfällige bereits in der Beurteilung der medizinischen Arbeitsfähigkeit enthaltene gesundheitliche Einschränkungen nicht zusätzlich in die Bemessung des leidensbedingten Abzugs einfliessen und so zu einer doppelten Anrechnung desselben Gesichtspunkts führen dürfen (BGE 146 V 16 E. 4.1 mit Hinweisen).
Nach ständiger Rechtsprechung darf das (kantonale) Sozialversicherungsgericht sein Ermessen, wenn es um die Beurteilung des Tabellenlohnabzuges gemäss BGE 126 V 75 geht, nicht ohne triftigen Grund an die Stelle desjenigen der Verwaltung setzen; es muss
sich
auf Gegebenheiten abstützen können, welche seine abweichende Ermessensausübung als naheliegender erscheinen lassen (BGE 137 V 71 E. 5.2 und 126 V 75 E. 6). Wurde bei der Festsetzung der Höhe des Abzugs vom Tabellenlohn ein Merkmal oder ein bestimmter Aspekt eines Merkmals zu Unrecht nicht berücksichtigt oder zu Unrecht berücksichtigt, hat die Beschwerdeinstanz den Abzug gesamthaft neu zu schätzen (vgl. Urteile des Bundesgerichts 9C_808/2015 vom 29. Februar 2016 E. 3.4.3 und
8C_113/2015 vom 26. Mai 2015 E. 3.2
).
5.6
Der Beschwerdeführer ist nicht mehr erwerbstätig. Folglich stellte die Beschwer
degegnerin zur Ermittlung des Invalideneinkommens zu Recht auch auf die Tabellenlöhne gemäss LSE ab, nämlich auf das von Männern für einfache Tätig
keiten körperlicher oder handwerklicher Art durchschnittlich erzielte Einkommen in der Höhe von
Fr.
5'417.-- (Lohnstrukturerhebung (LSE) 2018, TA1_triage_skill_level, Total Männer, Kompetenzniveau 1) und errechnete per
2020
in angepasster Tätigkeit ein hypothetis
ches Invalideneinkommen von Fr.
67’436
.
-- (vgl.
Urk.
6/33)
. Der Beschwerdeführer ist unter Berücksichtigung seines Belastungsprofils 80
% arbeitsfähig, womit ein hypothetisches Invaliden
einkommen von Fr.
53'948.80
resultierte.
Der
Beschwerdeführer
erhob
keine Einwände gegen das so bestimmte Invalideneinkommen.
5.
7
Der Vergleich des hypoth
etischen Invalideneinkommens (
Fr.
53'948.80)
mit dem hypothetischen
Validene
inkommen
(
Fr.
65’130.--
) ergibt eine
Erwerbseinbusse von
Fr.
11'181.20
und damit einen Invaliditätsgrad von rund
17
%.
Die Beschwerdegegnerin gewährte keinen Leidensabzug.
Selbst wenn vorliegend
der
maximal mögliche
Leidensabzug von 25
%
gewährt werden würde, resultierte kein rent
enbegründender Invaliditätsgrad.
So würde das hypothetische Invaliden
einkommen
Fr.
40'461.60
betragen, womit bei einem hypothet
ischen
Validen
einkommen
von Fr. 65’130.--
eine Erwerbseinbusse von
Fr. 24'668.40
und damit ein Invaliditätsgrad von gerundet
38
% resultierte.
Aus diesem Grund kann die Frage eines zu gewährenden leidensbedingten Abzugs
offen gelassen
werden.
5.
8
Nach dem Gesagten besteht kein Anspruch auf e
ine Rente. Die angefochtene Ver
fügung erweist sich demnach als rechtens, was zur Abweisung der Beschwerde führt. Bei einer Verschlechterung der gesundheitlichen Situation steht es
dem
Beschwerdeführer
frei, mit einem Revisionsgesuch eine Verschlechterung geltend zu machen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr. 700.-- anzusetzen. Entsprechend dem Ausgang des Verfahrens sind sie dem unterliegenden Beschwerdeführer aufzuerlegen.