# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 831e7bc4-d918-4072-a251-b0c03e6fe609
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
Die 1984 geborene
X._
, kaufmännisch
e
Angestellte
mit Eidgenös
sischem
Fähigkeitsausweis
, war zuletzt vom 1
3.
April 2015 bis 3
1.
März 2016 als
kaufmännische Allrounderin, Buchhaltung und Personalwesen,
bei der
Y._
GmbH angestellt; letzter effektiver Arbeitstag war der
5.
Januar 2016 (
Urk.
7/16). Am 2
2.
März 2016 meldete sie sich unter Hinweis auf eine
somatoforme autonome Funktionsstörung sowie
eine
Panik- und rezidivie
rende depressive Störung bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/6). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
zog Auszüge aus dem Individuellen Konto (
Urk.
7/1-4
)
sowie die Akten der Krankentaggeld
versicherung bei (
Urk.
7/
12/1-17)
und
lud die Versicherte zu einem persönlichen Gespräch ein (
Urk.
7/17 f.).
Auf entsprechendes Zusatzg
esuch (U
rk.
7/26) erteilte ihr die IV-Stelle i
m November 201
6
Kostengutsprache für eine Laufbahnberatung (vgl.
Mitteilung vom
9.
November 2016,
Urk.
7/29);
ebe
nso für ein Job Coaching als
Unterstützung bei der Stelle
nsuche (vgl. Mitteilung vom 16.
Januar 2017,
Urk.
7/32
).
Alsdann wurde der Versicherten für die Dauer vom 1
0.
April bis
7.
Oktober
2017
ein
Arbeitsversuch
als HR Assistentin
bei der
Kosmetikf
irma
Z._
SA
gewährt, zuzüglich eines Taggeldes
(
vgl. Mitteilung vom 3
1.
März 2017 und
Verfügung vom 1
0.
April 2017,
Urk.
7/37 ff.;
vgl.
auch
Protokoll der Eingliederungsberatung, U
rk.
7/64/2;). A
uf Wunsch der Versicher
ten
wurde der Arbeitsversuch
per Ende S
eptember 2017 vorzeitig beendet
(vgl. Mitteilung vom 2
2.
September 2017,
Urk.
7/55; vgl. auch den Abschlussbericht über das Job Coaching vom 2
4.
Oktober 2017,
Urk.
7
/56). Bei der weiteren Stellensuche wurde sie
fortan durch die Krankentaggeldversicherung
unterstützt (vgl.
Urk.
7/56/3,
Urk.
7/60
; vgl. auch den Assessmentbericht der
A._
AG vom 1
6.
Oktober 2017, Urk. 7/58/1-5
), woraufhin die IV-Stelle ihre Einglie
derungsbemühungen
mit
Mitteilung vom 1
4.
November 2017
einstellte
(vgl.
Urk.
7/62).
Im Hinblick auf die Rentenprüfung tätigte
die IV-Stelle
weitere Abklärungen. Insbesondere veranlasste
sie
das
polydisziplinäre (Allgemeine Inne
re
Medizin/Psychiatrie/Neurologie) Gutachten des Zentrums
B._
vom
4.
Dezember 2018 (
Urk.
7/93/1-44, mit Ergänzung vom 2
9.
Januar 2019,
Urk.
7/99). Am 1
5.
Februar 2019
forderte die I
V-Stelle die Versicherte unter
Hinweis auf ihre gesetzliche Mitwirkungspflicht und deren Säumnisfolgen auf,
sich zur Verbesserung ihres Gesundheitszustandes den – näher
bezeichneten –
medizinischen
Massnahmen zu unterziehen (Urk.
7/101)
. Dagegen erhoben die Versicherte und
die behandelnde med.
pract
.
C._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
Einwände
(vgl.
Urk.
7/103 ff.)
. Daraufhin
erachtete die IV-Stelle weitere Abklärungen als not
wendig und
veranlasste
das psychiatrische G
utachten
von
Dr.
med.
D._
, Fachärztin FMH für Psychiatrie und Psychotherapie
,
vom 2
0.
März
2020 (
Urk.
7/126/1-81, mit Er
gänzung vom
3.
April 2020, Urk.
7/131; vgl. auch
Urk.
7/117).
Gestützt darauf und n
ach durgefüh
rtem
Vorbescheidverfahren
(Urk.
7
/
137,
Urk.
7/147,
Urk.
7/150) lehnte die
IV-Stelle einen Leistungsanspruch
der Versicherten mit Verfügung vom
4.
Oktober 2021 ab (
Urk.
2).
2.
Dagegen erhob
X._
am
8.
November 2021 Beschwerde und beantra
gte, es sei ihr in Aufhebung der angefochtenen Verfügung
vom
4.
Oktober 2021 eine IV-Rente auf Basis einer zumindest 50%igen Invalidität zuzusprechen. Zudem seien berufliche Massnahmen zu prüfen. Eventualiter seien weitere Abklärungen vorzunehmen (
Urk.
1 S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 1
5.
Dezember 2021 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), was der Beschwerdeführerin am 1
6.
Dezember 2021 zu
r Kenntnis gebracht wurde (Urk.
9).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Am 1. Januar 2022 sind die geänderten Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG), der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSV), des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) sowie der Verordnung über die Invaliden
versicherung (IVV) in Kraft getreten.
In zeitlicher Hinsicht sind
vorbehältlich besonderer übergangsrechtlicher Regelungen
grundsätzlich diejenigen Rechtssätze massgebend, die bei Erfüllung des rechtlich zu ordnenden oder zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben (BGE 146 V 364 E. 7.1, 144 V 210 E. 4.3.1, je mit Hinweisen). Da ferner das Sozialversicherungsgericht bei der Beurteilung eines Falles in der Regel auf den bis zum Zeitpunkt des Erlasses der streitigen Verfügung beziehungsweise des streitigen
Einspracheentscheids
eingetretenen Sachverhalt abstellt (BGE 144 V 210 E. 4.3.1, 132 V 215 E. 3.1.1, je mit Hinweisen), sind vorliegend die bis 31. Dezember 2021 gültig gewesenen Rechtsvorschriften anwendbar, die nach
folgend auch in dieser Fassung zitiert werden.
1.2
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 ATSG). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommenden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurtei
lung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.3
1.3.1
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V 396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne Weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V 215 E. 5.3.2, 143 V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Gemäss BGE 143 V 418 sind grundsätzlich sämt
liche psychischen Erkrankungen einem strukturierten Beweisverfahren nach BGE 141 V 281 zu unterziehen (E. 7.2; vgl. BGE 143 V 409 E. 4.5.1). Diese Abklärungen enden laut Bundesgericht stets mit der Rechtsfrage, ob und in welchem Umfang die ärztlichen Feststellungen anhand der nach BGE 141 V 281 rechtserheblichen Indikatoren auf Arbeitsunfähigkeit schliessen lassen (BGE 143 V 418 E. 7.1; vgl. BGE 144 V 50 E. 4.3).
1.3.2
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen
im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt systematisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
Im Rahmen des strukturierten Beweisverfahrens ist davon abzusehen, einzelne Beschwerden und Störungen ohne Einzelfallprüfung wegen grundsätzlich fehlen
der invalidenversicherungsrechtlicher Relevanz auszuscheiden (vgl. BGE 143 V 418 E. 8.1). Indes gilt unverändert, dass ein invalidisierender psychischer Gesund
heitsschaden nur gegeben sein kann, wenn das klinische Beschwerdebild nicht einzig in psychosozialen und soziokulturellen Umständen seine Erklärung findet, sondern davon psychiatrisch unterscheidbare Befunde umfasst (Urteil des Bundesgerichts 9C_732/2017 vom 5. März 2018 E. 4.3.1).
1.4
Um den Invaliditätsgrad bemessen zu können, ist die Verwaltung (und im Beschwerdefall das Gericht) auf Unterlagen angewiesen, die ärztliche und gegebenenfalls auch andere Fachleute zur Verfügung zu stellen haben. Aufgabe des Arztes oder der Ärztin ist es, den Gesundheitszustand zu beurteilen und dazu Stellung zu nehmen, in welchem Umfang und bezüglich welcher Tätigkeiten die versicherte Person arbeitsunfähig ist. Im Weiteren sind die ärztlichen Auskünfte eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Frage, welche Arbeitsleistungen der versicherten Person noch zugemutet werden können (BGE 132 V 93 E. 4 mit Hinweisen; vgl. auch BGE 140 V 193 E. 3.2 mit Hinweisen).
1.5
UV170510
Beweiswert eines Arztberichts
01.2021
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist entscheidend, ob dieser für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Darlegung der medizinischen Zusammenhänge und in der Beurteilung der medizinischen Situation einleuchtet und ob die Schluss
folgerungen der Experten begründet sind (BGE 134 V 231 E. 5.1, 125 V 351 E. 3a mit Hinweis).
2.
2.1
Im angefochtenen Entscheid erwog die Beschwerdegegnerin, es liege kein invali
disierender Gesundheitsschaden vor; Auslöser der Arbeitsunfähigkeit seien
IV-fremde Faktoren. Mithin bestehe kein Anspruch auf IV-Leistungen (
Urk.
2).
2.2
Dagegen wandte die Beschwerdeführerin ein
, beim psychiatrischen Gutachten von
Dr.
D._
handle es sich um eine unzulässige «
second
opinion
». Das
B._
-Gutachten sei von
RAD-Arzt
Dr.
I._
grundsätzlich als beweiskräftig
taxiert worden.
Zudem sei d
as
Gutachten von
Dr.
D._
einspracheweise
detailliert und
begründet kritisiert worden. Dar
auf
werde
auch
beschwerdeweise verwiesen
. Mit dieser Kritik habe sich der RAD nicht
auseinandergesetzt. Die b
eha
ndeln
den Fachärzte und
B._
-Gutachter
hätten psychiatrische Diagnosen gestellt, welche gemäss med.
pract
.
C._
zu einer 80%igen Arbeitsunfähigkeit führten. Zudem sei das Wartejahr erfüllt. Mithin habe die Beschwerdeführerin zumindest einen befristeten Rentenanspruch. Ausserdem seien erneut berufliche Massnahmen durchzuführen; die bisher durchgeführten seien nicht am fehlenden Wille der Beschwerdeführerin, sondern aus gesundheitlichen Gründen gescheitert (
Urk.
1).
3.
3.1
Im
B._
-Gutachten vom
4.
Dezember 2018 diagnostizierten die beurteilenden Fachärzte eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung mit Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Ohne Auswirkungen
auf die Arbeitsfähigkeit hielten
sie (1) eine Panikstörung, (2)
eine
depressive Episode, gegenwärtig leicht
gradig ausgeprägt, (3) Cannabis-A
busus mit schädlichem Gebrauch, (4) B
enzodiaz
epin-A
busus mit schädlichem Gebrauch im Sinne von der Panikstörung, (5) Kopf
schmerzen vom Spannungstyp mit episodischem Auftreten, (6) Endometriose ASRM I mit S
tatus nach Entfernung einer Ova
r
i
alzyste und Dys
menorrhoe, (7) Nikotinabusus sowie
(8) Übergewicht
fest
(
Urk.
7/93/5).
In allgemeinmedizinischer
Hinsicht
hätten sich keine Erkrankungen mit Auswir
kungen auf die Arbeitsfähigkeit ergeben; die neurologis
che Untersuchung
habe ebenso
durchwegs unauffällige Befunde
,
ohne Hinweise auf eine peripher-neurogene Läsion ergeben (
Urk.
7/93/22,
Urk.
7/93/28).
Gegenüber der
psychiatrischen Gutachter
in
habe die Beschwerdeführerin Ein- und Durchschlafprobleme berichtet. Zudem sei sie immer wieder traurig und habe Bauchweh. Bauchweh und Übelkeit kenne sie seit i
hrer Kindheit. Ab und zu bestünden
ein Dr
uckgefühl hinter der Stirn und
Nackenverspannungen. Bei Panikattacken verspüre sie immer wieder ei
n Druckgefühl auf der Brust und
das Gefühl
,
nicht mehr atmen zu können. Panikattacken kenne sie seit ihrer Jugend.
Nach der
A
blösung von der Mutter seien die Symptome besser geworden
. Die Panikattacken hätten sich
in letzter Zeit
verstärkt
. Zu einer Zustandsverschlech
terung sei es 2015 gekommen, während ihrer Arbeit bei der Firma
Y._
.
Aktuell nehme sie als Pharmakotherapie
Zoloft
50 mg (1-0-0) sowie
Xanax
05
r
etard
resp.
1 mg bei Bedarf
ein. Zudem rauche sie gelegentlich Cannabis zur Beruhigung und Betäubung. Gegen 07.00 Uhr stehe sie
auf. Den Tag verbringe sie mit F
ernsehen,
H
inlegen,
E
ssen,
S
chlafen und erneutes
F
ernsehen im Wechsel. Einmal pro Woche gehe si
e einkaufen und zur ambulanten Psychot
herapie.
Den Haushalt teile sie sich auf, wobei sie selten koche
. Viel eher ernähre sie sich von Sandwiches, Fertigprodukten und aufgewärmten Tiefkühlsachen
. Derzeit mache sie keinen Sport. Früher sei sie zwei- bis dreimal ins Fitness gegangen. Ab und zu höre sie eine Meditation. Sie pflege sich nur, wenn sie hinausgehe; zu Hause bleibe sie ungeduscht und putze sich auch die Zähne nicht
(
Urk.
7/93/31 f.
,
Urk.
7/93/36 f.
).
In biographischer Hinsicht habe die Beschwerdeführerin ausge
führt, si
e sei an verschiedenen Orten in den Kantonen
E._
und
F._
aufgewachsen. Die Ursachen der Umzüge seien ihr nic
ht bekannt;
die Mutter habe immer wieder den Ort gewechselt. Ihren leiblichen Vater habe sie
mit 27 Jahren kennengelernt;
erst anlässlich der Auswanderung ihrer Mutter 2005 habe sie von der Gemeinde
von ihm
Kenntnis
erhalten. Sie habe immer ein komisches Gefühl gehabt, dass etwas mit ihrer Herkunft nicht stimme. Ihren l
eiblichen Vater sehe sie ca. drei
Mal pro Jahr
. Dieser lebe im Kanton
G._
und habe noch zwei weitere Kinder.
Ihre Mutter habe nie gearbeitet;
seit ihrem 2
5.
Lebensjahr habe die Beschwerdeführerin keinen Kontakt mehr zu ihr. Als sie dreijährig gewesen sei, habe sich die Mutter einen neuen Mann gesucht und mit diesem zwei weitere Kinder bekommen; beide Halbgeschwister hätten psychische Probleme und zur Halbschwester bestehe derzeit kein Kontakt. Ihren Halbbruder würde sie ca. 1-2 Mal monatlich sehen. 2005 sei die Mutter zu den Zeugen Jehovas nach
H._
gegangen und 2010 zurück in die Schweiz gekommen. Als Bezugsperson in der Kindheit habe die Beschwerdeführerin ihre Grossmutter väterlicherseits genannt. Als sie neunjährig
gewesen sei, sei diese
gestorben. Ihre Mutter habe dann so getan, als hätte sich die Beschwerdeführerin die Grossmutter nur eingebildet
. In der Schule habe sie wegen Übelkeit und Erbrechen oft gefehlt, aber dennoch immer gute Noten gehabt. Der schulpsychologische Dienst sei
wegen de
r
häufigen Absenzen
nie kontaktiert worden
. Während der Lehre sei sie auch viel krank gewesen. Sie habe Übelkeit und Erbrechen gehabt und es sei zu vielen Fehltagen gekommen. Mit 21 Jahren habe sie die Wohnung ihrer Mutter anlässlich deren Auswanderung übernommen. Danach habe sie mit einer Freundin eine WG gegründet
. Einmal habe sie eine längere Partnerschaft gehabt. Weiter gäbe es zwei Freundinnen
,
mit denen sie regelmässig
telefoniere, schreibe oder sich gelegentlich treffe. Früher habe sie mehr Freundinnen gehabt. Seit sie mehr Probleme habe, seien die Freundschaften weniger gewesen. Zuletzt habe sie im Rahmen eines Arbeitsversuches bei
Z._
gearbeitet. Anfänglich habe es ihr gefallen. Es sei dann aber zu Konflikten mit ihrer Chefin gekommen und sie habe si
ch
wie ein kleines Kind behandelt gefühlt. Sie habe «Bimbo-Arbeiten» bekom
men. Dabei hätte sie lieber selbständig gearbeitet und Verantwortung übernommen
(
Urk.
7/93/33 ff.)
.
In objektiver Hinsicht
habe sich die Beschwerdeführerin freundlich, adäquat und gepflegt präsentiert. Ihr
Denken
sei
geordnet, logisch und fr
ei von Denkstörun
gen
; a
uf Themenwechsel habe die Beschwerdeführerin
adäquat reagieren können.
Sie habe sich
mit unauffälliger Mimik und Gestik
problemlos ausdrücken
sowie offen und gut über sich Auskunft geben
können
.
Ihre
emotionale Schwingungs
fähigkeit
sei etwas herabgesetzt,
der Affekt
ansonsten unauffällig
gewesen
; ebenso die Psychomotorik
, Konzentrations-, Aufmerksamkeit- und Merkfähig
keit
. Es hätten sich keine Hinweise auf Zwänge oder Ängste im engeren Sinne ergeben. Die Beschwerdeführerin habe allerdings finanzielle Sorgen, Zukunfts
ängste und Panikattacken berichtet; zudem abendliches Grübeln, Schlafstörun
gen, Libidoverlust, Vermeidungsverhalten, Übelkeit, Erbrechen sowie
einen sozialen
Rückzug
(
Urk.
7/93/37 f.).
Die
psychiatrische Gutachter
in
kam zum Schluss, es liege eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung vor. Die Kindheit der Beschwerdeführerin sei geprägt gewesen von einer für sie emotional schwierigen Situation mit zahl
reichen Wechseln und wiederholten Beziehungsabbrüchen. E
s sei zu einer Fehlentwicklung mit emotionaler
Deprivation gekommen und die Beschwerde
führerin habe schon früh mit psychosomatischen Symptomen wie Bauchsch
mer
zen und Übelkeit reagiert. Zudem
sei
es
zu Fehltagen in der
Schule gekommen, wobei
s
eitens der Schulbehörde
diesbezüglich
nie Abklärungen stattgefunden hätten
.
Nach dem Auswandern der Mutter und
nach der
Trennun
g von den Halb
geschwistern und dem
Erziehvater sei es zu einer gewissen Beruhigung gekommen. Die Beschwerdeführerin habe ihre Lehre absolviert und sich befreit gefühlt.
Es werde hier angenommen, dass die Situation bis zur Auswanderung der Mutter emotional belastend gewesen und es zu einer Fehlentwicklung gekommen sei.
Durch Konflikte am Arbeitsplatz sei es zu einer Reaktivierung der unverarbeiteten Kindheitserlebnisse gekommen. Wahrscheinlich habe die Beschwerdeführerin primär psychosomatisch, dann depressiv-ängstlich reagiert. Seit 2013 werde sie ambulant behandelt;
von 2016 bis 2017 hätten stationäre und tagesklinische Behandlungen stattgefunden
. Zudem
sei
eine medikamentöse Therapie m
it
Zoloft
und Trittico installiert worden
. Nach einem Arbeitsversuch habe die
Beschwerdeführerin erneut dekompensiert; es sei quasi wieder zu
einer Reaktivierung von
Kindheitserlebnissen gekommen. Die Beschwerdeführerin habe sich nicht wahrgenommen, unterfordert und von der Chefin schikaniert gefühlt. Sie habe den Arbeitsversuch vorzeitig abgebrochen. Die Beschwerdefüh
rerin vermeide grundsätzlich alle Situationen, die ihr Angst machten. Sie habe auch Mühe mit sozialen Kontakten. So vermeide sie soziale und berufli
che Akti
vitäten, welche
zwischenmenschliche K
onta
kte voraussetz
t
en. Dies aus Furcht vor Kritik und
Ablehnung oder aufgrund von Konflikten. Die Beschwerdeführerin sei hier nicht in der Lage, adäquat zu reagieren und eigen
e
Anteile zu erkennen. S
ie stelle sich einen Arbeitsplatz mit harmonischen, wohlwollenden Mitarbeitern und Vorgesetzten vor. Bei Konfrontationen reagiere die Beschwerdeführerin mit Angst und Anpassungsschwierigkeiten. Dabei zeige sie etwas rigide Züge und habe geäussert, dass alle Änderungen bei ihr Angst auslösten. Durch Grübeln komme es zum Hineinsteigern in die Angst und damit Panikattacken. Nebst der Persön
lichkeitsstörung bestehe eine leichtgradige depressive Symptomatik. Die einzelnen Diagnosen würden sich überschneiden, wobei sich letztendlich die Persönlichkeitsstörung auf die Arbeitsfähigkeit auswirke (
Urk.
7/93/38 ff.)
.
Im Rahmen der interdisziplinären Konsensbeurteilung hielten die Gutachter fest,
p
rimär liege eine emotionale Fehlentwicklung vor, die zu einer ängstlich-vermei
denden Persönlichkeitsstörung geführt habe; bei der Persönlichkeitstestung hätten sich deutlich erhöhte Werte für Selbstunsicherheit, Dependenz, Zwanghaf
tigkeit, Depressivität, Paranoia und
Schizotypie
ergeben. Die Persönlichkeits
störung sei
in der Kindheit und Jugend
laviert
(richtig: larviert)
gewesen durch die psychosomatischen Beschwerden. D
ie gut aus- und verschiedentlich weiter
gebildete Beschwerdeführerin traue sich wenig zu und habe hohe Anforderungen an die Harmonie.
Bei interpersonellen Konflikten oder Disharmonie am Arbeits
platz komme es zu Ängsten bis hin zu
Panik und Vermeidungsverhalten
,
wobei die Beschwerdeführerin
über
keine innere Stabilität
verfüge und
Probleme teilweise paranoid
verarbeite
. Es komme zu Kränkungen und zum Scheitern am Arbeitsplatz.
Problemen weiche sie aus statt diese konstruktiv anzugehen.
Reaktiv sei es zu einer depressiven Entwicklung gekommen. Bis auf die Konflikte am Arbeitsplatz sei die berufliche Entwicklung unauffällig.
In einem guten Arbeits
verhältnis sei die Beschwerdeführerin mit entsprechender Hilfestellung in der Anfangsphase durchaus in der Lage, einer Arbeitstätigkeit nachzugehen
. Im Rahmen einer kaufmännischen Tätigkeit bestehe aus psychischen Gründen derzeit eine 50%ige Arbeitsfähigkeit; eine Steigerung auf 100
%
sollte innerhalb eines Dreivierteljahres möglich sein. Die Beschwerdeführerin brauche Hilfe beim Finden einer A
rbeitsstelle sowie wohlwollende Begleitung
bei der Einarbeitung
(
Urk.
7/93/3
f
f.)
. Zudem
sei
eine Intensivierung der ambulanten
Psychotherapie indiziert und
der Aufenthalt in einer Tage
s
klinik noc
hmals in Betracht zu ziehen
; ebenso die Erhöhung des Medikaments
Zoloft
. In Anbetracht der körperlichen Dekonditionierung seien auch körperliche Ak
tivitäten zu etablieren. Dies gelte auch für
eine Tag
esstruktur. Vorteilig seien zudem
kreative Ausdrucksformen wie Schreiben, Musik und Bewegungstherapie. Der Cannabiskonsum sei zu sistieren (
Urk.
7/93/7).
3.2
RAD-Arzt
Dr.
med.
I._
, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychiatrie
,
hielt
mit
undatiert
er
Stellungnahme
zum
B._
-Gutachten
fest, die
langjährige Berufs
anamnese, die
beschriebene Interaktion sowie der Befund erschienen schwer vereinbar mit der diagnostizierten Persönlichkeitsstörung.
D
ie
psychiatrische
B._
-Gutachter
in
sei
daher aufzufordern, die Diagnose unter diesen Gesichts
punkten ausführlich zu begründen. Unter Berücksichtigung der Angaben der Beschwerdeführerin zu ihrem Cannabiskonsum sei zudem d
arzulegen, weshalb ein Cannabis-A
busus mit schädlichem Gebrauch und keine Cannabisabhängig
keit mit ständigem Substanzkonsum diagnostiziert worden sei (
Urk.
7/136/7).
3.3
Auf entsprechende Rückfragen der IV-Stelle
(vgl.
Urk.
7/95/1)
führte
die
begutachtende Psychiaterin des
B._
am 29. Januar 2019 aus, es hätten sich bereits in der Kindheit Schwierigkeiten mit ängstlich vermeidenden Anteilen im Sinne von Fehlzeiten wegen primär psychosomatischen Symptomen gezeigt. Nach einer Phase der Stabilität und Absolvierung einer dreijährigen KV-Lehre mit Abschluss 2013
(richtig: 2003)
habe die Beschwerdeführerin verschiedentlich als Sachbearbeiterin gearbeitet, bis ihr die zuletzt innegehabte Stelle wegen diverser gesundheitlicher Absenzen per April 2016 gekündigt worden sei. Die Arbeitsanamnese zeige häufige
Wechsel, wobei die
Beschwerdeführerin berichtet habe,
es
sei
immer wieder
zu Schwierigkeiten gekommen
. Während de
r Lehrzeit habe es wegen psychosomat
ischen
Symptome
n (Ü
belkeit und Erbrechen) Fehltage
gegeben. Die psychosomatische Symptomatik sei der ängstlich-verm
eidende
n
Persönlichkeitsstruk
tur der Beschwerdeführerin zuzuordnen. In der Regel könnten Betroffene lange Zeit gut arbeiten. Im Verlauf des Berufslebens sei
es
bei der Beschwerdeführerin
zu
einer zunehmenden Dekompensation und
Aus
schöpfung der persönlichen Ressourcen
gekommen. M
ittlerweile
habe sie so wenig Ressourcen, dass sie Mühe habe
, sich an einem neuen Arbeitsplatz
zu integrieren. Die Beschwerdeführerin selbst beschreibe ihren Zust
and als „zwischenmenschliche
Überforderung".
Sie
sei
bei der Arbeit an interpersonellen Konflikten
gescheitert
, was zu einer ängstlichen
und depressiven Reaktion sowie
Vermeidungsverhalten
geführt habe; auch der
Arbei
tsversuch sei
wegen Schwierigkeiten mit ihrer Chefin
gescheitert
. Zusätzlich
würden
die subjektiven Ansprüche an
einen Arbeitsplatz mit der realen Arbeitswelt
kollidieren
.
Die
ICD-Kriterien einer Abhängigkeit
seien
in
Bezug auf
den
Cannabis
konsum
nicht erfüllt. Insbesondere fehle
es am starken Wunsch resp. Zwang,
Cannabis zu konsumieren
. Auch ver
nach
lässige die Beschwerdeführerin
dadurch
keine ande
ren Interessen
und
ergäben sich keine Hinweise auf eindeutige schädliche Folgen ihres Konsums
(
Urk.
7/99/1 ff.)
.
3.4
Auf erneuten Vorhalt kam
RAD-Arzt
Dr.
I._
mit Stellungnahme
vom
8
.
Februar 2019 zum Schluss, das
B._
-Hauptgutachten sowie die ergänzenden Ausführungen seien bezüglich
der diagnostizierten
Persönlichkeitsstörung vor dem Hintergrund einer jahrelangen Arbeitstätigkeit
weiterhin
nur teilweise plausibel. Dasselbe gelte für die ergänzenden Ausführungen zum Cannabis
konsum.
Zudem habe die Gutachterin keinen klaren Verlauf der Arbeitsunfähig
keit angegeben. Abgesehen von diesen Punkten könne auf das Gutachten abgestellt werden. Zur Verbesserung des Gesundheitszustandes seien
die
-
näher b
ezeichneten
-
medizinischen Massnahmen
dringend empfehlenswert (
Urk.
7/136/8 f
.).
3.5
In ihren
Schreiben vom 2
6.
Mai 2019 und
2.
Dezember 2019 (Eingangsdatum) erhob die seit 2013 behandelnde med.
pract
.
C._
verschiedentlich
Einwände gegen
das
B._
-Gutachten.
Dieses sei insgesamt nicht aussagekräftig; in der Befunderhebung würden die bereits bekannten
biographischen Daten wiederholt und im Rahmen der Beurteilung verblieben die Aussagen vage. Es fehle an einer ausdrücklichen Beurteilung des Gesundheitsschadens im Sinne von Schwere und Ausprägung der objektiven Befunde.
Zudem würden die
Erscheinungsformen der Gesundheitsschädigung
nicht
dargestellt
, etwa durch detaillierte Aussagen zu den Be
einträchtigungen und vorhandenen
Ressourcen mittels Funktionsniv
eau nach Mini-ICF-APP. Es
fehle
auch
an einer eindeutigen Arbeitsfähigkeitsbeurteilung. Insbesondere hätten
die Gutach
ter nicht herausgearbeitet
, auf welche Ressourcen sich die Beschwerdeführerin bei der ihr attestierten Teilarbeitsfähigkeit abstützen könnte. Alsdann sei
die am
1
5.
Februar 2019 aufer
legte Schadenminderungs
pflicht [vgl.
Urk.
7/101]
– aus den näher umschriebenen Gründen – weder zweck
mässig noch zielführend. Zielführend seien vielmehr
therapeutische und soziale Massnahmen wie eine IV
-Berentung
und
ein
geschützter Arbeitsplatz
im Umfang
von
täglich 2 bis 2.5 Stunden. Solche äusseren Ressourcen würden auch
die Nachhaltigkeit der Psychotherapie und Weiterentwicklung der Beschwerdeführe
r
i
n gewährleisten
;
o
hne
diese sei
mit einer weiteren Verschlechterung des psychischen und physischen Zustandes und mit einer weiteren sozialen Desintegration zu rechnen.
Aktuell [Dezember 2019]
arbeite die Beschwerdefüh
rerin als Mittagstischbetreuerin in einem Hort, zusätzlich betreue sie ein Klein
kind in einer Familie. Diese Tätigkeiten machten ihr grosse Freude. Es sei ihr Wunsch, in diesem Bereich eine entsprechende Ausbildung zu absolvieren.
Aus der
Krankheitsgeschichte we
rd
e schliesslich
deutlich, dass die vorangehende
,
schwerwiegende
Gesundheitsstörung zum sporadischen G
ebrauch von Cannabis geführt habe. Dies
im Sinne
eines dysfunktionalen Selbstheilungsversuches,
um Kontrolle und
Spannungsreduktion zu erlangen
sowie zur
Verdrängung von
negativen Gefühlen. Die Einnahme eines
Benzodiazepin
präparats
, hier
Xanax
,
beschränke
sich auf
Notfallsituationen
(Urk.
7/104,
Urk.
7/116
).
Mit Schreiben vom
4.
März 2019 erhob auch die Beschwerdeführerin Einwände gegen die auferlegte Schadenminderungspflicht
und führte dabei im Wesentlichen aus,
eine erneute teilstationäre psychiatrische Behandlung sei
aus ihrer Sicht ein Rück
schritt. Vielmehr wünsche sie sich einen sanften Wiedereinstieg ins Berufsleben (
Urk.
7/103).
3.6
Auf erneute Vorlage hielt RAD-Arzt
Dr.
I._
am
5.
Dezember 2019
fest,
weitere
berufliche Massnahmen machten derzeit keinen Sinn. Da die gutachterliche Diagnostik zudem weiterhin nicht überzeuge, empfehle sich eine psychiatrische Begutachtung mit folgenden Zusatzfragen:
-
Welche Diagnosen stellen Sie?
;
-
Welche medizinischen Massnahmen empfehlen Sie?
;
-
Welche Eingliederungsmassnahmen empfehlen Sie?
(
Urk.
7/136/12).
3.7
Im daraufhin veranlassten psychiatrischen Gutachten vom 1
6.
März 2020
stellte
Dr.
D._
folgende Diagnosen
(
Urk.
7/126/58
)
:
-
Rezidivierende depressive Störung, wiederkeh
rend
in psychosozialen Bel
astu
ngssituationen, gegenwärtig bis auf neurasthenische Rest
beschwerden remittiert (ICD-10: F33.4; F48.0)
-
jetzige/letzte
Episode ausgelöst durch Probleme in Verbindung mit
Berufstätigkeit, nicht
zu
sagende Arbeit
und Differenzen mit schwieriger Chefin
/Arbei
tgeberin (ICD-10; Z56);
-
aktuell weiterhin anhalt
ende
psychosoziale Belastungssituation (Probleme mit
Bezug auf Berufst
ätigkeit/Arbeitslosigkeit; Proble
me mit Bezug auf die wirtschaftlichen Verhältnisse,
ICD-10: Z56, Z 59) und
-
dadurch unterhal
tene somato
forme autonome
Funktionsstörung
des oberen Gastro
i
ntestinaltrakts (ICD-10: F45.3I) sowie dadurch bedeu
tsame
-
akzentuierte Persön
lic
hkeitszüge (ICD-10; Z73.1)
Ohne Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit hielt sie (1) eine iatrogene
low
dose
Benzodiazepinabhängigkeit
(ICD-10: F13.25) sowie (2) ein
en
Cannabis-Abusus (ICD-10: F12.1) fest (
Urk.
7/126/58).
Die Besc
hwerdeführerin habe berichtet, s
ie stehe meist zwischen 07.00 Uhr und 08.00 Uhr auf und versuche, zwischen 21.00 Uhr und 22.00 Uhr ins Bett zu gehen. Dort schlafe sie meist auch gut ein, es sei denn, es belaste sie gedanklich etwas. Nach dem Aufstehen füttere sie die Katze und nehme ein leichtes Frühstück ein.
Danach spiele sie mit der Katze un
d schaue fern. Später bereite sie die Haupt
mahlzeit zu;
oft Pasta mit Sauce oder ein Fertiggericht. Früher habe sie gut und gern gekocht. D
as tue sie seit 2015 k
aum mehr. Einmal pro Woche fahre sie mit
dem
Auto einkaufen. Wenn sie einen K
ita
«
Sp
ringer-Einsatz» habe
,
fahre sie eben
falls mit dem Auto dorthin. Sie bewerbe sich
weiterhin ständig und werde auch zu
Vorstellungsgespräch
en eingeladen
. Seit 2-3 Jahren widme sie sich auch einigen neuen Hobbies:
Comicszeichnen
, Schreiben – beides habe sie in Onlin
e
kursen 2018 bzw. 2019 gelernt. S
ie schrei
b
e
täglich, um ihre Gefühle zu sortieren. Sie fasse ihre Gedanken auch in einem eigenen Blog sowie auf Facebook zusam
men; dadurch erhalte man Rückmeldungen und stelle fest, dass man nicht alleine auf der Welt sei. Putzen tue sie auch, aber nicht mehr so regelmässig wie früher. Die Selbstpflege habe sie nie vernachlässigt. Abends nehme sie erneut eine kleine Mah
lzeit ein, spiele mit der Katze und
schaue fern. Ausserdem mache sie zum Einschlafen Yoga oder höre eine Meditation
. In zwischenmenschlicher Hinsicht bestünden zwei Freundschaften. Zudem seien i
hr auch ihre Halbgeschwister sehr wichtig;
diese
treffe sie
alle 1-2 Wochen, meist für ein gemeinsames Essen im Restaurant. Auch mit ihren Freundinnen habe sie Treffen. Allerdings sage sie diese oft ab und
sie tausche sich über
Whatsapp
mit ihnen aus. Die letzte Partnerschaft mit einem Mann liege 5 Jahre zurück. Ihre wichtig
s
ten Bezugsper
sonen seien ihre Halbgeschwister und ihre Psychiaterin. Sie würde gern mehr unternehmen, et
wa ausgehen, Ferien machen, ein Aquafit-Abonnement lösen;
aus finanziellen Gründen sei dies
indes
nicht möglich. Alle 2-3 Monate rauche sie einen Joint
. Als Medikation nehme sie
Zoloft
50 mg (0-0-0-1) sowie 2 Mal pro Woche
Xanax
0.5 mg
retard
,
alternieren
d
mit
Xanax
1 mg nach Bedarf
(
Urk.
7/
45 f
.)
.
Anlässlich der dreistündigen Exploration habe sich die Beschwerdeführerin freundlich, korrekt und kooperierend präsentiert. Es h
abe sich ein sehr lebhaftes Gespräch entwickelt, anlässlich welchem diese gut eigenstrukturiert, mit Liebe fürs Detail, hohem Mitteilungsbedürfnis, lebhafter Mimik, hohe
r
emotionaler Anteilnahme
, guter Gedächtnisleistung und ohne mnestische S
t
ö
r
ungen
nachvollziehbar berichtet habe.
Aufgefallen sei zudem, dass die Konzentration, Frische und Mitteilungsbereitschaft der Beschwerdeführerin innert der dreistün
di
gen Untersuchung in keinerlei Wei
se nachgelassen habe. Ihre Denkweise sei auch nicht etwa eingeschränkt, sondern
breitspektrisch
auf allen Ebenen. Aller
dings mal
e
die Beschwerdeführerin mit Vorliebe die ihr dramatisch erscheinenden Ereignisse aus. Nega
tive Gedanken, etwa
an frustrierende Erlebnisse mit ihrer Mutter
,
würde sie 2-3 Mal im Monat mit einem Joint betäuben. Weiter sei die Beschwerdeführerin fähig, einen Perspekt
ivenwechsel vorzunehmen
,
und
scheine
damit
auch nicht
rigide (im Sinne einer Persönlichkeitsstörung) in ih
ren Ansich
ten und Annahmen
erstarrt. Alsdann weise
sie
relativ gute introspektive F
ähigkeiten auf
; die Beschwerdeführerin
sei therapieerfahren und
im Auftritt durchaus sthenisch und selbstsicher. Damit kontrastiere, dass sie doch immer wieder – einmal auch unter Tränen - kundgetan habe, ihr Leben nicht mehr im Griff zu haben, gar nicht mehr zu mögen
und sich selbst nicht wiederzu
erkennen. Dabei habe sie auch immer wieder Kritik
an Dritten geäussert, auch an der
IV-Stelle mit ihren «Plagereien». Eine zentrale Selbstwertthematik und das Bedürfnis, durch Leistung und Hilfsbereitschaft Anerkennung, Respekt, Zuwendung und Liebe zu bekommen, seien hie und da spürbar
.
Herausford
ernde Fragen seien
geschickt pariert worden oder die Beschwerdeführerin habe innegehalten, überlegt und dabei sehr authentisch gewirkt. Im sozial- interaktionellen Umgang sei der affektive Rapport absolut adäquat
. Die Beschwerdeführerin verfüge über das ganze Spektrum der Emotionen. Streckenweise habe sie dysphorisch gewirkt, vor allem bei der Thematisierung der als ungerecht erlebten Haltung der IV und bestimmten Integrationsfachbeteiligten. Insgesamt seien ihre Angaben und Emotionen indes ausnahmslos normalpsychologisch nachvollziehbar. Eine durchgehende, basale Dysphorie als Grun
dstimmung sei nicht erkennbar und d
ie Intelligenz geschätzt im Normbereich.
Weiter habe die Beschwerdeführerin schwerpunktmässig seit der Kindheit im Alter von 7-8 Jahren wiederkehrende Attacken mit Unwohlsein im Sinne von tiefer Traurigkeit mit Nausea und gelege
ntlichem Erbrechen
berichtet. Dies im Kontext von Leistungs-, Kränkungs- und Verlassenheitsängsten bzw.
bei
Frustration der eigenen Bedürfnisse. Zudem habe sie eine Störung der Vitalität beklagt bzw. rasche intellektuelle und körper
liche Erschöpfung. Im selektiven Kreis mit ihren zwei Halbgeschwistern und zwei Freundinnen sei die Beschwerdeführerin sozial aktiv. Im gutachterl
ichen Setting habe sie
als dur
chaus gern und interessiert i
nteragieren
d gewirkt.
Psychometrisch
habe die Beschwerdeführerin
in der Hamilton Depressionsskala sowie Montgomery Depressionsskala insgesamt 6 resp. 10 Punkte erreicht, womit
eine klinische
Depre
ssion auszuschliessen sei
. Mit den erreichten 4 Punkten in der Hamilton
Anxiety
Rating
Scale
bestehe auch keine klinisch relevante Angstsymp
tomatik. Die im Serumspiegel nachgewiesenen Medikamentenwirkstoffe (
Zoloft
,
Xanax
) figurierten im (tief-)therapeutischen Bereich (
Urk.
7/47 ff.).
Dr.
D._
kam zum Schluss, die prägenden Familienverhält
n
isse mit unsicheren Bindungsverhältnissen hätten offenbar seit
dem
7
.
-
8.
Altersjahr psychosomatisch gebundene Ängste mit (Dauer-)Nausea und Brechattacken im Sinne einer somatoformen autonomen Funktionsstörung des oberen Gastrointestinaltraktes ausgelöst. Zudem habe die Beschwerdefü
hrerin früh Leistungsorientierung
, hohe Selbstansprüche und Strenge mit sich selbst sowie Hoffnung auf Zuwendung durch Leistung und Hilfsbereitschaft internalisiert. Auch wenn diese Bedingun
gen
sicherlich zu einer gestörten Fähigkeit zur Selbstregulation im Sinne einer
Neurotisierung
geführt hätten, seien anlässlich der Begutachtung doch gut gefestigte Selbst – und Objekt
konzepte (und damit nachweislich keine Persön
lichkeitsstörung)
fest
stellbar gewesen. Alsdann habe die Beschwerdeführerin trotz
gastrointestinaler
Somatisierung und
dadurch häufigen
Absenzen, welche nie zu schul- oder kinderärztlichen Abklärungen geführt hätten, eine regelrechte Schul- und Berufsausbildung absolviert. Dabei habe sie sich ab Sekundaralter selbst als regelrecht aufblühend beschrieben, es sei «ein Vorhang aufgegangen» und sie habe angefangen, am Leben zu partizipieren. Mit 21 Jahren habe sie den Kontakt zur Mutter schliesslich abgebrochen. Wenn sie später im Berufs- und Beziehungs
leben interak
tionelle Probleme bekommen habe, s
o die Beschwerdeführerin, dann stets mit Menschen, die sie an ihre Mutter bzw. deren respektlosen und entwer
tenden Umgang erinnert hätten.
Nach dem Lehrabschluss habe die Beschwerde
führerin eine durchaus karriere- und entwicklungsorientierte Laufbahn verfolgt, mit mehreren kaufmännischen Weiterbildungen (u.a. im Projekt- und Personal
wesen). Auf der Beziehungsebene habe sie mehrere normvariante Erfahrungen, u.a. in einer 5-jährigen Beziehung gemacht. In den ersten zehn Berufsjahren habe die Beschwerdeführerin ihre Stellen jeweils nach 2.5 bis 3.5 Jahren gewechselt, dies bei durchaus guter beruflicher Zufriedenheit – auch wenn sie retrospektiv bekundet habe, mit ihren vielen, auch ausserberuflichen Aktivitäten inkl. Fitness habe sie nur funktioniert – und aus normalpsychologisch nachvollziehbaren Gründen (berufliche Weiterentwicklung, zu langer Arbeitsweg, Umstrukturierun
gen). Berufliche Schwierigkeiten mit verminderter Belastungs- und Konflikt
fähigkeit könnten keinesfalls als durchgehendes, grundsätzliches (un
d folglich
pathologisches) Interaktionsmuster festgestellt werden
. Solche seien erst recht spät ab 2013 schleichend aufgetreten; bis 2015 bestünden zudem keinerlei Hinweise auf abgrenzbare psychische Störungen resp. krankheitswertige Epi
soden, geschweige denn zur Arbeitsunfähigkeit führende psychische Krank
heiten. Die 2015 bis anfangs 2017 durchgeführten ambulanten, stationären und teilstationären sowie medikamentösen Therapien hätten zu einer Remission der Nausea und Erbrechen geführt. Von Januar bis September 2017 seien IV-gestützt Integrationsmassnahmen durchgeführt worden.
Dabei seien
von Anfang an nicht gesundheitsrelevante Aspekte als behindernd und verz
ögernd dokumentiert worden
. So habe die Beschwerdeführerin an potentielle Arbeitgeber hohe Ansprüche gestellt und sei «wählerisch» gewesen, was aus gutachterlicher Sicht keiner psychiatrischen Störung zugeordnet werden könne
. Alsdann sei der Arbeitsversuch augenscheinlich nicht nur an der gewissen Kränkbarkeit und Frustrationsintoleranz der Beschwerdeführerin gescheitert, sondern in ebenso grossem Ausmass an
unglücklichen Betriebskontextfaktoren bzw. als normal
psychologisch nachvollziehbar Folge von Konflikthaftigke
it; in ihrem Team sei auch ein
anderer Mitarbeiter psy
chisch erkrankt. Weiter habe sich
die Beschwer
deführerin vom Lohn und Inhalt der Aufgaben ungenügend
gewertschätzt
gefühlt. Demgegenüber seien von der Integrationsfachperson auch Ressourcen genannt worden, die gutachterlich bestätigt werden könnten. So etwa Offenheit, Motivation, Aufgeschlossenheit sowie das angenehme Auftreten und
die
Fähig
keit der Beschwerdeführerin, sich gut zu präsentieren. Die Beschwerdeführerin habe die im September 2017 angebotene Festanstellung der «
Z._
» abgelehnt, da sie mit den Lohnvorstellungen und Arbeitsinhalten nicht einver
standen g
e
wesen sei; zwei Wochen später sei der Arbeitsversuch auf Anraten der Psychiaterin vorzeitig abgebrochen worden. Letztere habe der Beschwerdeführe
rin ab dem 2
1.
September 2017 eine 100%ige Arbeitsunfähigkeit attestiert, nachdem
ein Vorstellungsgespräch bei einer anderen Firma negativ verlaufen sei
(
Urk.
7/126/50 ff.)
.
Anlässlich der aktuellen Untersuchung habe kein schweres oder offensichtliches psychisches Leiden und mangels offensichtlicher interaktuellen Störungen und Persönlichkeitsdefiziten insbesondere keine Persönlichkeitsstörung festgestellt werden können.
Demgegenüber sei
en
bei gewisser effektorientierter Darstellung histrionische Anteile unverkennbar, vor allem auch eine narzisstisch angehauchte Sehnsucht nach Anerkennung.
Der Cannabiskonsum bestehe seit dem 12
.
Alters
jahr und werde in den letzten zwei Lebensjahren regulierend gegen belastendes Gedankenkreisen eingesetzt. Die – näher beschriebenen - ICD-Kriterien einer Sucht resp. Ab
hängigkeit seien nicht erfüllt
. Alsdann sei die Beschwerdeführerin
ich-stark und selbstsicher aufgetreten und habe
sthenisch eigene Ansichten und Analysen
vertreten
. Die Stimmung sei normalpsychologisch variabel und die Affektlage theme
nadäquat flexibel. Mithin verfüge
die Beschwerdeführerin über das ga
nze Spektrum der Gefühle
. D
epressionstyp
ische Kognitionen bzw. formale oder inhaltliche Denkstörungen hätten
indes
nicht bestanden; ebenso wenig Ängste oder Befürchtungen oder Suizidalität. Eine aktuelle klinische Depression oder Angststörung werde auch psychometrisch durch die gegenwärtig tiefe Score auf der Hamilton- und MADRAS-Affektskala widerlegt
.
Angesichts der narziss
tisch-histrionischen
N
eurotisierung
könne höchsten
s davon ausgegangen werden, dass belastende Umstände, w
ie Uneinigkeit mit einer Chefin und
Unzufr
iedenheit mit Arbeitsumständen (Lohn, Arbeitsinhalte
, Umgangsstil am Arbeitsplatz
)
,
ihre
akzentuierte
n
Persönlichkeitszüge allenfalls bedeutsam machen könnten. Eine Persönlichkeitsstörung
liege indessen nicht vor. Eine
s
olche
hätte
als rigides, überdauerndes Phänomen auch anlässlich einer inten
siven Begutachtung ans Licht tret
en
müssen
.
Die im Selbsterleben zentrale anhaltende Hauptbeschwerde sei
(auch) heute eine gestörte Vitalität, die als neurasthenische (Residua
l-)Beschwerde zu bezeichnen sei; bei der Neurasthenie stehe definitionsgemäss das subjektive Erleben ungenügender Vitalität sowie eines Erschöpfungsgefühls im Vordergrund. Ein somati
sches Korrelat hierfür existier
e nicht.
Zudem liege eine - seit der Kindheit bestehende - somatoforme Funktionsstörung des oberen Gastrointestinaltraktes vor
(
Urk.
7/126/50 ff.).
Dr.
D._
führte weiter aus, d
ie lediglich mild ausgeprägten neurasthenischen Restbeschwerden sei
en
adäquat therapiert. Zudem stünden hier psychosoziale Belastungsfaktoren
(Fürsorgeabhängigkeit, anhaltende Arbeitslosigkeit, enttäuschende Bewerbungsverfahren)
im Vordergrund. Die Persönlichkeits
struktur der Beschwerdeführerin
sei
– wenn auch neurotisch
–
normvariant.
Sie sei
– wenn auch selektiv -
sozial interagierend und
verfüge über unterstützende Bezugspersonen (Halbgeschwister/Freundinnen); allfällig reduzierte Freizeitakti
vitäten fussten nach eigenen Angaben auf pekuniären Schwierigkeiten
(Fürsor
geabhängigkeit)
.
Alsdann bewerbe sich die
normal
intelligent und gut ausgebil
dete Beschwerdeführerin regelmässig auf Stellen.
Wesentliche Einschränkungen bestünden auch nicht im Haushaltsbereich.
Weiter sei die Beschwerdeführerin vielseitig interessiert. Ihr Problembewusstsein
und ihre psychiatrische Belastungsmoti
vation stellten
ebenfalls
positive prognostische Faktoren dar, um auch zukünftige Belastungen anzugehen.
Die Persistenz, mit der die Beschwerde
führerin und ihre Psychiaterin eine Intensivierung der medizinischen Mass
nahmen ablehnten
,
sei nachvollziehbar; ein schweres, psychisches Leiden, welche erneut intensivere Behandlungsmassnahmen erfordere, liege nicht vor (
Urk.
7/126/61 ff.
, Urk.
7/126/65
).
Nach dem Gesagten
bestehe
eine lediglich milde Störung (vgl.
Urk.
7/126/61)
. Unter Berücksichtigung der psychosozialen B
elastungsfaktoren resul
tiere daraus eine
höchstens 50%ige Arbeitsunfähigkeit. Die Wiederherstellung der vollständi
gen Arbeitsfähigkeit sei von der Entwicklung dieser Faktoren abhängig (
Urk.
7/126/65 f.).
Auf entsprechende Rückfrage führte
Dr.
D._
am 3
1.
März 2020
schliesslich
aus, in retrospektiver Hinsicht sei die Beschwerdeführerin für sämtliche Tätigkei
ten vom 1
4.
Dezember 2015 bis
5.
Januar 2016 zu 50
%
, vom
6.
Januar 2016 bis
9.
Januar 2017 zu 100
%
, vom 1
0.
Januar 2017 bis 2
0.
September 2017 zu 50
%
und vom 2
1.
September 2017 bis 3
1.
Dezember
2017
zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen (
Urk.
7/131).
4.
4.1
Unter den Parteien besteht zu Recht Einigkeit darüber, dass bei der Bes
chwerde
führerin kein somatisch objektivierbarer
Gesundheitsschaden vorliegt.
In psychiatrischer Hinsicht ist vorab
die Rüge der Beschwerdeführerin zu prüfen,
dass es sich
beim eingeholten
psychiatrischen
Gutachten
von
Dr.
D._
vom 1
6.
März 2020
um eine in unzulässiger Weise eingeholte «
second
opinion
»
handle
, welche nicht berücksic
htigt werden dürfe (Urk. 1 S. 3
).
4.2
Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang
zunächst
, dass der Versicherungs
träger laut dem in Art. 43 Abs. 1 ATSG statuierten Untersuchungsgrundsatz verpflichtet ist, die notwendigen Abklärungen von Amtes wegen vorzunehmen und die erforderlichen Auskünfte einzuholen. Die Verfahrensleitung liegt dabei beim Versicherungsträger, dessen Ermessensspielraum in Bezug auf Notwendig
keit, Umfang und
Zweckmässigkeit
von medizinischen Erhebungen
gross
ist. Gestützt auf den Untersuchungsgrundsatz ist der Sachverhalt soweit zu ermitteln, dass über den Leistungsanspruch zumindest mit dem Beweisgrad der überwie
genden Wahrscheinlichkeit entschieden werden kann (Urteil des Bundesgericht 9C_57/2019 vom 7. März 2019 E. 3.2).
Die für die Beurteilung des Leistungs
anspruchs von Amtes wegen durchzuführenden Abklärungen im Sinne von
Art.
43 ATSG beinhalten indessen rechtsprechungsgemäss nicht das Recht des Versicherungsträgers, eine "
second
opinion
" zu dem bereits in einem Gutach
ten festgestellten Sachverhalt einzuholen, wenn dieser nicht s
einen Vorstellungen entspricht (BGE 141 V 330
E. 5.2 S. 339;
138 V 271
E. 1.1 S. 274 f.).
Ob sich weitere Abklärungen in der Form einer erneuten Begutachtung rechtfer
tigen, hängt davon ab, inwieweit ein bereits vorliegendes Gutachten die
praxis
gemässen
inhaltlichen und
beweismässigen
Anforderungen erfüllt (Urteil des Bundesgericht 9C_57/2019 vom 7. März 2019 E. 3.2
mit weiteren Hinweisen
).
4.3
Weder
im
psychiatrischen
B._
-Teilg
utachten noch im Rahmen der
ergänzenden A
usführungen
hat die begutachtende Psychiaterin ihre
Schlussfolgerungen und
Diagnosen hinreichend begründet
. Insbesondere
liess
sie
mit Bezug auf die postulierte Persönlichkeitsstörung
jegliche Auseinandersetzung
mit
den
Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems
vermissen
und stehen ihre
Diagnosen im Widerspruch
z
u
m
unauffällige
n, objektiven Untersuchungsb
efund
(vgl.
Ziff.
4.3 im psychiatrischen Teilgutachten,
Urk.
7/93/37
).
Von
lege artis erhobenen Diagnosen
kann damit
nicht
die Rede sein (vgl. E. 1.3.1)
.
Auch
mit ihren
Ausführungen
unter
Ziff.
7 „Medizinische und versicherungsmedizinische
Beurteilung
“
vermochte die psychiatrische
B._
-Gutachter
in
die
gestellten Diag
nosen
nicht
hinreichend zu plausibilisieren
(vgl.
Urk.
7/93/38).
Im Gegenteil fallen vage Formulierungen und
teilweise auf
Annahmen
beruhende Herleitungen
auf.
Darüber hinaus wies
RAD-
Arzt Dr.
I._
darauf hin, dass
die diagnostizierte Persönlichkeitsstörung auch im Widerspruch zur langjährigen Arbeitstätigkeit der Beschwerdeführerin steht (vgl.
Urk.
7/136/8). Er
erachtet
e
die Diagnose einer Persönlichkeitsstörung auch nach Einsicht in
die ergänzende Stellungnahme der
psychiatrischen
B._
-
Gutachterin
weiterhin als nicht
überzeugend (vgl. vorne E. 3.4
). Somit
bestehen erhebliche
Zweifel an
der diagnostizierten
Persönlich
keitsstörung, welche trotz Einholung einer ergänzenden Stellungnahm
e nicht geklärt werden konnten.
K
ommt hinzu, dass das
B._
-G
utachten
eine einlässliche Auseinandersetzung mit den im Regelfall anzuwendenden Standardkriterien vermissen lässt (vgl. E. 1.3.1 f.).
Hervorzuheben
ist
schliesslich
auch
, dass
med.
pract
.
C._
und
Dr.
D._
im Einklang mit
RAD-Arzt
Dr.
I._
substan
zielle Kritik
gegen
das psychiatrische
B._
-Gutachten
erhobe
n (vgl.
Urk.
7/104,
Urk.
7/116, Urk.
7/126/62 ff
.
) und insoweit
auch
keine ärztlichen Differenzen darüber bestehen, dass
dieses
den
Anforderungen an eine beweistaugliche Ents
cheidungsgrundlage nicht standzuhalten vermag
.
4.4
Zusammenfassend
liessen
sich
die
psychische Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Beschwerdeführerin
gestützt auf das psychiatrische
B._
-
Teilgutachten
vom
4.
Dezember 2018
und
die ergänzende Stellungnahme vom 2
9.
Januar 2019
nicht zuverlässig beurteilen
. Diesbezüglich erwies
sich der medizinische Sachverhalt als ungenügend abgeklärt. Vor diesem Hintergrund
vermögen
die Gründe, welche die Beschwerdegegnerin für die Notwendigkeit einer weiteren
psychiatrischen
Begut
achtung anführt
(vgl. auch
Urk.
7/117)
,
zu überzeugen
und erweist sich d
er Vorwurf einer unzulässigen
sog. „
second
opinion
“
als unbegründet.
Daran ändert – entgegen der Beschwerdeführerin
(
Urk.
1)
– freilich auch nichts, wenn RAD-Arzt
Dr.
I._
zum Schluss kam, abgesehen von den unter E. 3.2 und E. 3.4 zitierten Vorbehalten könne auf das
B._
-Gutachten abgestellt werden (
Urk.
7/136/7);
gestützt auf das
B._
-Gutachten
ist unter den
Parteien zu R
echt unbestritten
, dass in somatischer Hinsicht kein invalidisierender Gesundheits
schaden
besteht
(vgl. E. 4.1)
. Entsprechend wurde
n
auch lediglich
in
psychiat
rische
r Hinsicht
weitere A
bklärungen veranlasst.
5
.
5
.1
Das
psychiatrische
Gutachten
von
Dr.
D._
vom
1
6.
März 2020
erging in Kenntnis und in Auseinandersetzung mit den
Vorakten
und den beklagten Beschwerden sowie gestützt auf die
dreistündige klinische Untersuchung
vom 4.
Dezember 2018
. Es leuchtet in der Darlegung der medizinischen Situation und Zusammenhänge ein und ist hinsichtlich der im Einklang mit der objektiven
Befundlage gestellten Diagnosen
schlüssig.
Alsdann
hat
Dr.
D._
zu den
Vorakten
differenziert Stellung bezogen und – soweit Diskrepanzen bestanden – ihre
abweichende Einschätzung plausibel begründet.
Insbesondere
ha
t sie
unter Bezugnahme auf die einschlägigen ICD-Kriterien ausführlich
und überzeugend dargetan, weshalb
aus
ihrer Sicht eine Persönlichkeitsstörung ni
cht diagnostiziert werden kann
(vgl. insbesondere
Urk.
7/126/62 ff.)
.
Dabei ist auch hervorzuheben, dass
Persönlichkeitsstörungen aufgrund klinischer psychiatrischer Untersuchun
gen klar diagnostiziert werden können (vgl. BGE 139 V 547 E. 7.1.4; vgl.
Rz
1003 des Kreisschreibens des Bundesamtes für Sozialversicherungen [BSV] über die Schlussbestimmungen der Änderung vom 18. März 2011 des IVG [KSSB] in der ab 1. Januar 2016 gültigen Fassung
), weshalb sie
rechtsprechungsgemäss
auch
nicht zu den pathogenetisch-ätiologisch unklaren
syndromalen
Beschwerdebil
dern ohne nachweisbare organische Grundlage
zählen.
Mithin
erweist sich das
Gutachten von
Dr.
D._
als beweistauglich und
es
kann grundsätzlich darauf abgestellt werden.
5.2
Weiter
erhellt aus dem Gutachten
von
Dr.
D._
, dass
d
ie r
ez
idivierende depressive Störung
bis auf neurasthenische Restbeschwerden remittiert
war
; die Stimmung der Beschwerdeführerin
war
normalpsychologisch variabel und die Affektlage themenadä
quat flexibel. Depressionstyp
ische Kognitionen bzw. formale oder inhaltliche Denk
störungen ergaben sich ebenso wenig
wie Ängste, Befürchtungen oder Suizidalität. Dam
it konkordant erbrachte
n auch die psycho
metrischen Erhebungen keine Hinweise auf eine
aktuelle
k
linische Depression oder Angststörung (vgl.
Urk.
7/126/56).
Alsdann fällt
die Ausprägung der psy
chischen diagnoserelevanten Befunde
nicht stark ins Gewicht
;
die
neurasthe
nischen Restbeschwerden
waren
mild ausgepräg
t
und
adäquat therapiert.
Dr.
D._
wies
darauf hin, dass
auch
in
den
psychiatrischen
V
orakten
, insbe
sondere auch
im Vorgutachten,
keine
schwere
n
psychopathologische
n
Befunden erhoben
worden waren
(vgl.
Urk.
7/126/56).
Erwähnenswert ist ferner
, dass die Beschwerdeführerin
ihren Zustand
gegenüber der psychiatrischen
B._
-Gutachterin
als „zwischenmenschliche Überforderung"
beschrieb
.
Weiter
– so
Dr.
D._
–
verfügt
e
die
Beschwerdeführerin
über eine
normvariant
e Persön
lichkeitsstruktur.
Daran ändern auch die festgestellten a
kzentuierte
n
Persönlich
keitszüge
nichts; diese
fallen
a
ls solche
nicht unter den Begriff des rechtserhebli
chen Gesundheitsschadens
(vgl.
Urteil des Bundesgerichts 8C_558/2015 vom 22. Dezember 2015 E. 4.2.4 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1)
.
Dasselbe gilt
für
Diagnosen aus der Z-Kategorie (Kapitel XXI) des ICD-10 Systems (Urteil des Bundesgerichtes 9C_894/2015 vom 25. April 2016 E. 5.1 mit Hinweis auf 9C_537/2011 vom 28. Juni 2012 E. 3.1 mit weiteren Hinweisen).
Die
somatoforme autonome Funktionsstörung des oberen Gastro
intestinaltrakts
war
seit der Kindheit
vorbestehend und
die
Schul- und Berufs
ausbildung
der Beschwerdeführerin
verblieb
davon unbeschadet.
Entsprechend gab diese
an, sie
habe ungeachtet der
Fehltage stets gute Schulleistungen erbracht.
Nebst einer 200
3 absolvierten Berufsausbildung
als kaufmännisch Angestellte
verfügt
die Beschwerdeführerin
üb
er diverse Weiterbildungen (u. a. Sachbearbeiterin Personalwesen, Höheres Wirtschaftsdiplom, Projektleiterin, Projektassistentin und Lehrgang für Berufsbildnerinnen) und breite gestreute Berufserfahrung (vgl. den Assessmentbericht vom 1
6.
Oktober 2017,
Urk.
7/58/2 f.)
,
wobei sich auch ihr
berufliche
r
Werdegang
jedenfalls bis 2013 unproblema
tisch gestaltete
.
Vor diesem Hintergrund kam Dr.
D._
zu
r
nachvollziehbaren
Feststellung
, die Beschwerdeführerin habe eine karriere- und entwicklungsorien
tierte Laufbahn verfolgt.
Dazu passend wurde
letztere
auch im Rahmen des Arbeitsversuchs für
ihre fachliche
Kompetenz und
Leistung
von der Vorgesetzten gelobt (vgl. Abschlussbericht des Job Coachings vom 2
4.
Oktober 2017,
Urk.
7/56/3; vgl. ausserdem das Protokoll der Eingliederungsberatung,
Urk.
7/64/
2 und
Urk.
7/64/
10)
. I
nwie
weit der A
rbeitsversuch tatsächlich aus
gesundheitlichen Gründen
scheiterte,
ist ohnehin fraglich (vgl.
etwa
Urk.
7/64/11, wonach die Beschwerdeführerin die Lohnvorstellung der Arbeitgeberin als zu tief und die ihr übertragenen Aufgaben als zu
wenig anspruchsvoll bemängelte; vgl. auch
Urk.
7/64/3, wonach die
Pensumsteigerung
aus Sicht der Eingliederungs
beraterin hätte vollz
o
gen werden können, wenn die Beschwerdeführerin mehr Bereitschaft gezeigt hätte, an ihrer Haltung und Einstellung zu arbeiten
)
. Die dabei dokumentierten Schwierigkeiten der Beschwerdeführerin können
aus gutachterlicher Sicht
von
Dr.
D._
jedenfalls
keiner psychiatrischen Störung
zugeordnet werden.
A
us den Protokollen
der Eingliederungsberatung
erhellt
ausserdem
, dass
sich
der gewählte Betrieb
infolge der betrieblichen
Umstruktu
rierung und dadurch De
stabilisierung der Führungsstrukturen
für einen Reinteg
rationsversuch
als ungeeignet erwies
(vgl.
Urk.
7/64/4)
.
Zu vermerken ist weiter, dass sich d
ie Beschwerdeführerin
anlässlich der Exploration
sthenisch,
ich-stark, selbstsicher und
hoch wachsam präsentiert
e
; anlässlich der
drei
stündigen Explo
ration liess
ihre
hochgradige Konzentration
nicht nach
. Die dazu diskrepante
n Aussagen
der Beschwerdeführerin
,
wonach sie (
auch intellektuell
) rasch ermüde,
konnten
mithin nicht objektiviert werden.
In sozialer Hinsicht
berichtete
die Beschwerdeführerin
gegenüber Dr.
D._
und im Rahmen des Assessments übereinstimmend, dass sie
– wenn auch selektiv -
sozial interagiert
e
und über sie
unterstützende Bezugspersonen (Halbgeschwister/Freundinnen)
verfüg
e
(vgl.
E.
3.7;
Urk.
7/58/3
)
; allfällig reduzierte Freizeitaktivitäten fussten nach
ihren
eigenen Angaben auf
wirtschaftlichen
Schwierigkeiten (Fürsorgeabhängigkeit). A
lsdann
arbeite
te
die Beschwerdeführerin
jedenfalls seit Dezember 2019
als Mittag
stischbetreuerin
auf Abruf
in einem Hort und
betreu
te zudem
ein Kleinkind
in einer Familie.
Offenbar traute sie sich in diesem Bereich auch eine neue Ausbildung zu, was ebenfalls gegen das Vorliegen wesentlicher Einschränkungen spricht, insbesondere auch gegen die berichtete rasche (intellektuelle) Ermüdbar
keit.
Zudem
war sie stets in der Lage, sich
auf
neue
Stellen
zu bewerben
.
Nach eigenen Angaben hat sie sich «ständig und überall» im KV Bereich sowie im Bereich der Kinderbetreuung beworben (vgl.
Urk.
7/126/24).
Wesen
tliche Einschränkungen bestanden
auch nicht im Haushaltsbereich
oder bei der Betreu
ung ihrer Katze
.
Alsdann
ging
die Beschwerdeführerin (auch
neuen) kreativen Hobbies (Comic
zeichnen, Schreiben) nach
und bewirtschaftete einen eigenen Blogg
(
Urk.
7/126/61 ff.,
Urk.
7/126/65).
Sie gab an,
täglich
zu schreiben
, um ihre Gefühle zu sortieren.
Damit verfüg
e
die Beschwerdeführerin a
ugenscheinlic
h über intakte
Coping-Strategien. Zudem machte
sie zum Einschlafen Yoga oder hör
t
e eine Meditation
.
Im Rahmen des Assessments gab
die Beschwerdeführerin ferner an, sie gehe ins
Aqua Fitness, häkle
«
und noch einiges mehr»; damit habe sie sich eine gute Tagesstruktur aufbauen können (
Urk.
7/58/3).
Insgesamt ergeben sich damit unter Berücksichtigung der im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren
(vgl. E. 1.3.2
)
keine erheblichen funktionellen Auswirkungen der medizinisch festg
estellten Diagnosen
.
Darüber hinaus
wies
Dr.
D._
wiederholt auf psychosoziale Be
l
a
stungsfaktor
en
(Fürsorgeabhängigkeit, anhaltende Arbeits
losigkeit, enttäuschende Bewerbungsverfahren)
hin und hielt gar ausdrücklich fest, diese stünden im Vordergrund und seien der hauptunterhaltende Faktor für die anhaltende Arbeitsunfähigkeit (
Urk.
7/126/6
6
).
Damit ist bereits gesagt, dass
das psychische Leiden
und deren Bewältigung massgeblich durch invaliditäts
fremde Faktoren verursacht resp. behindert wird, wofür die In
validenversicherung nicht einzu
stehen hat (vgl. E. 1.2, E.1.3).
Im Übrigen kamen die
psychiatrischen G
utachter übereinstimmend zum Schluss, dass jedenfalls keine (lang-)andauernde Arbeitsunfähigkeit bestand.
5
.3
Das überzeugende Gutachten
von
Dr.
D._
vermag auch nicht durch die
einwandweise
dagegen
erhobene Kritik der Beschwerdeführerin
vom 1
9.
Februar 2021
(
Urk.
7/150)
in Zweifel gezogen zu werden.
Dass
Dr.
D._
nicht herge
leitet hat, welche F
unktionseinschränk
ungen aus der Psychopathologie bzw.
aus
den Diagnosen
resultieren könnten (vgl.
Ziff.
8), ist nicht zu beanstanden, sondern logische Konsequenz dessen, dass sie im Wesentlichen eine – bis auf neurasthenische Restbeschwerden - remittierte rezidivierende depressive Störung diagnostiziert hat.
Im Übrigen
hat
Dr.
D._
ausdrücklich und wiederholt darauf hingewiesen, dass die (vorübergehenden) Einschränkungen auf psychoso
ziale Belastungsfaktoren (und nicht auf eine aktuelle bestehende Psychopatholo
gie)
zurückzuführen sind (vgl.
Urk.
7/126/58 f.)
.
Die Einwände und Vorbringen im
Zusammenhang mit der von
Dr.
D._
festgestellten
«
narzistisch
histrio
nische
Neurotisierung
»
(vgl.
Urk.
7/150
Ziff.
8 und 15) gehen von Vornherein ins Leere
; wie unter E. 5.2
bereits
erläutert
,
fallen
akzentuierte P
ersönlichkeitszüge
als solche nicht unter den Begriff des rechts
erheblichen Gesundheitsschadens
.
Alsdann hat
Dr.
D._
– entgegen der Beschwerdeführerin (vgl. 7/150
Ziff.
8,
10
und 18
) -
nicht lediglich die «Krankheitssymptome im engeren Sinn» unter
sucht, sondern eine ausführliche Fam
ilien-,
Berufs
- und Krankheits
anamnese durchgeführt (vgl.
Urk.
7/126/25 ff.,
Urk.
7/150
Ziff.
8)
und die dabei getätigten Aussagen der Beschwerdeführerin im Rahmen ihrer Beurteilung gewürdigt (vgl.
Urk.
7/126/61).
Mit den
in methodischer Hi
nsicht erhobenen Einwänden ist die Beschwerdeführerin ebenfalls nicht zu hören
(
Urk.
7/150
Ziff.
9)
.
Insbesondere kommt der Expertin bezüglich der Wahl der Untersuchungsmethoden e
in weiter Ermessensspielraum zu und
ist nicht zwingend notwendig, dass fremdanamnes
tische Angaben einge
holt (oder Zusatzuntersuchungen
angeordnet
)
werden (vgl. Urteile des Bundesgerichts 8C_660/2013 vom 15. Mai 2014 E. 4.2.3, 8C_602/2013 vom 9. April 2014 E. 3.2 und 9C_275/2014 vom 21. August 2014 E. 3).
Im Übrigen erfolgte die psychometrische Untersuchung und Auswertung nicht «rein subjektiv», sondern
gestützt auf die psychopathologischen B
efunde sowie
Befra
gung der Beschwerdeführerin (vgl.
Urk.
7/126/48).
Allein der
Umstand, dass die Beschwerdeführerin seit 2015 eine antidepressive Medikation einnimmt, vermag
die im Einklang mit den aktuellen Untersuchungse
rgebnisse
n festgestellte Remission der
rezidivierende
n
depressive
n Episode nicht in Frage zu stellen
(vgl.
Urk.
7/150
Ziff.
14).
Die darüber hinaus gegen das Gutachten von
Dr.
D._
erhobene Kritik
erweis
t
sich als offensichtlich
unbehelflich
; Weiterung dazu erübrigen sich.
H
ervorzuheben
bleibt immerhin
, dass
letztlich immer die Frage der funktionellen Auswirkungen einer Störung
entscheidend ist und diese
im Rahmen des Sozial
versicherungsrechts abschliessend nur aus juristischer Sicht beantwortet werden kann.
Unter Hinweis auf
das unter E. 5.2 Gesagte bleibt
deshalb
für sich allein
auch unbeachtlich, wenn
bei der
Beschwerdeführerin etwa noch
Triggerreize
bestehen
sollten
(
Ziff.
17
), die häufigen Schulabwesenheiten
den Schulbehörden
lediglich
infolge wiederholter Umzüge nicht aufgefallen sein mögen und die Beschwerdeführerin seit
2013 resp.
2015 eine
Psycho- resp. Psychop
h
armakothe
rapie
wahr- resp. einnahm
(
Urk.
7/150
Ziff.
14
,
Ziff.
20 und
Ziff.
22
).
5.4
Endlich lässt sich auch aus der erstmals im Beschwerdeverfahren zu den Akten gegebenen
Stellungnahme von med.
pract
.
C._
vom
6.
Januar 2021
(Urk.
3/4
)
nichts zum Vorteil der Beschwerdeführerin ableiten.
Die darin gegen das Gutach
ten von
Dr.
D._
erhobene Kritik deckt sich inhaltlich
weitestgehend
mit der
Einwandbegründung
der Beschwerdeführerin vom 1
9.
Februar 2021
(vgl. E. 5.3)
. Im
Übrigen
breitete
med.
pract
.
C._
unter Darlegung
allgemeine
r, fachpsy
chiatrischer
Exkurse
erneut biographische Begeben
heiten/
Erlebnisse der Beschwerdeführerin
aus
und
legte dar
, weshalb aus ihrer Sicht erneut Eingliede
rungsmassnahmen durchzuführen seien.
Darüber hinaus
liess
med.
pract
.
C._
– ungeachtet
ihrer gleichlautenden
Kritik an das Gutachten von
Dr.
D._
(vgl.
Urk.
3/4 S. 20 –
ihrerseits eine hinreichend nachvollziehbare Begründung für die postulierte 80%ige Arbeitsunfähigkeit vermissen. Vielmehr verblieben ihren Ausführungen
diesbezüglich
vage, unkonkret un
d nicht objektivierbar. Hielt sie
dazu
doch lediglich fest
, das Verhalten der Beschwerdeführerin sei «tief
greifend und in vielen Situationen unpassend und unflexibel»
und
es bestünden ein «deutliches subjektives L
eiden» sowie
«deutliche Einschränkungen der sozialen und beruflichen Leistungen» (
Urk.
3/4 S. 24)
.
Zusammen mit
Dr.
D._
ist schliesslich auch festzuhalten, dass die Vehemenz, mit welche
r
die Beschwerdeführerin u
nd
pract
. med.
C._
eine Intensivierung der medizi
nischen Massnahmen ablehnten,
ebenfalls
gegen ein
schweres
, psychisches Leiden
spricht
(
vgl. E. 3.5
;
Urk.
7/126/61 f.
).
5.5
Nach dem Gesagten
ist gestützt auf
das
aufschlussreiche und beweisbildende
psychiatrische Gutachten von
Dr.
D._
mit dem im Sozialversicherungsrecht massgebenden Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass
bei der Beschwerdeführerin kein invalidisierender Gesundheitsschaden
vorliegt
.
Damit besteht – entgegen der Beschwerdeführerin – auch kein weiterer Abklä
rungsbedarf (antizipierte Beweiswürdigung; vgl. BGE 144 V 361 E. 6.5, 136 I 229 E. 5.3 je mit Hinweisen).
Folglich hat die Beschwerdegegnerin einen IV-Leistungsanspruch zu Recht verneint.
6.
Die angefochtene Ver
fügung erweist sich als rechtens und die Be
schwerde ist entsprechend abzuweisen.
7
.
Die Kost
en des Verfahrens sind auf Fr. 8
00.-- festzulegen und ausgangsgemäss von der Beschwerdeführerin zu tragen (Art. 69 Abs. 1
bis
IVG).