# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fd30beab-0a71-4985-b31a-58f321a93d2a
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_007
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt
A.a. B._ wohnt in O1._ und führt unter der Firma "D._" ein Einzelunternehmen im Bereich Vermögensverwaltung. Ab dem Jahr 1998 unterhielt er eine Geschäftsbeziehung zu den in Deutschland wohnhaften Ehegatten F._ und G._. Das verwaltete Vermögen betrug durchschnittlich CHF 4.8 Mio. und war ab August 2005 durch eine Einmaleinlage von rund CHF 3 Mio. in eine anteilsgebundene Lebensversicherung ("I._") bei der H._ auf den Bermudas eingebracht. Neben der Vermögensverwaltung erbrachte B._ für die Ehegatten FG._ Treuhanddienstleistungen im Zusammenhang mit einer Liegenschaft und einer Yacht in O2._.
A.b. Im Jahr 2010 eröffneten die deutschen Steuerbehörden gegen die Ehegatten FG._ ein Steuerstrafverfahren, in dessen Zuge die Ehegatten FG._ Nach- und Strafsteuern in der Höhe von rund CHF 2.6 Mio. bezahlen mussten. In diesem Zusammenhang transferierte B._ das Wertschriftendepot der Ehegatten FG._ von der C._ zur L._, wobei am 18. Oktober 2010 ein neuer Vermögensverwaltungsvertrag abgeschlossen wurde.
A.c. Weiter unterhielten die Ehegatten FG._ ein Wertschriftendepot bei der M._, dessen Verwaltung sie ab 9. Juli 2010 ebenfalls B._ anvertrauten. Am 27. Juni 2015 übernahm B._ ein weiteres Konto der Ehegatten FG._ bei der M._ zur Verwaltung.
A.d. Am 26. September 2015 traten die Ehegatten FG._ ihre auftragsrechtlichen Ansprüche gegen B._ auf Rechenschaftsablegung und Herausgabe an die A._ AG ab, ein auf die Durchsetzung von Rückerstattungsansprüchen gegen Schweizer Banken und Versicherungen spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in O3._. Am 21. Oktober 2015 kündigte B._ den Vertrag mit den Ehegatten FG._.
B. Am 25. Januar 2016 reichte die A._ AG gegen B._ bei der Schlichtungsbehörde Maloja ein Schlichtungsgesuch ein. Nachdem an der Schlichtungsverhandlung vom 10. März 2016 keine Einigung erzielt werden konnte, stellte der Vermittler am 29. April 2016 die Klagebewilligung aus.
C. Am 16. August 2016 klagte die A._ AG beim damaligen Bezirksgericht Maloja (heute: Regionalgericht Maloja) mit folgendem Rechtsbegehren:
1. Der Beklagte sei unter Androhung von Art. 292 StGB zu verpflichten, der Klägerin umfassend Rechenschaft über seine Tätigkeit als Beauftragter von Frau Prof. Dr. F._ sowie Herrn Prof. Dr. G._ seit dem 01.01.2005 bis zum 21.10.2015 abzugeben und
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insbesondere sämtliche Aufzeichnungen, Bücher und Belege herauszugeben, welche über die von ihm in Zusammenhang mit der Verwaltung des Vermögens von Frau Prof. Dr. F._ sowie Herrn Prof. Dr. G._ seit dem 01.01.2005 bis zum 31.12.2010 bezogenen Honoraransprüche und Provisionen (Retrozessionen), über sämtliche vom Beklagten getätigten Barbezüge und weitere erhaltene Vermögenswerte sowie über deren Verwendung, umfassend Aufschluss zu geben.
2. Es sei der Beklagte zu verpflichten, der Klägerin sämtliche von ihm in Zusammenhang mit seiner Tätigkeit als Beauftragter von Frau Prof. Dr. F._ sowie Herrn Prof. Dr. G._ seit dem 01.01.2005 bis zum 21.10.2015 vereinnahmten Provisionen (Retrozessionen) der C._ AG bzw. anderen Vertragsbanken herauszugeben, und es sei der Beklagte überdies zu verpflichten, der Klägerin sämtliche von ihm als Beauftragter von Frau Prof. Dr. F._ sowie Herrn Prof. Dr. G._ erlangten Vermögenswerte, über deren auftragsgemässe Verwendung und/oder Weiterleitung der Beklagte keine Rechenschaft ablegen kann, zurückzuerstatten bzw. zu bezahlen, und zwar in der Höhe des nach erfolgter Rechenschaftsablegung des Beklagten festgestellten Herausgabeanspruchs, mindestens jedoch in der Höhe von CHF 77'695.90, zuzüglich Zins ab Datum der Klageeinleitung.
3. Es sei in der Betreibung Nr. E._ des Betreibungsamtes Oberengadin/Bergell der Rechtsvorschlag aufzuheben und es sei der Klägerin die definitive Rechtsöffnung im Umfang der Gutheissung der vorliegenden Klage zu bewilligen.
4. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zuzüglich 8 % MWST) zu Lasten des Beklagten.
D. B._ beantragte mit Klageantwort vom 29. September 2016 die kostenfällige Abweisung der Klage, soweit darauf eingetreten werden könne.
E. In der Replik stellte die A._ AG zusätzlich zu den genannten Klageanträgen Ziff. 1-3 das folgende Eventualbegehren:
1. Der Beklagte sei zu verurteilen, der Klägerin Auskunft zu erteilen über alle direkten und indirekten Vorteile, insbesondere über sämtliche Vergütungen und geldwerten Leistungen, welche der Beklagte in der Zeit vom 01.01.2005 bis zum 31.12.2010 für das ihm erteilte Vermögensverwaltungsmandat, lautend auf Prof. Dr. F._ und Prof. Dr. G._, oder auf einen von ihnen, erhalten hat. Die Auskunft sei durch umfassende Abrechnung zu erteilen, die insbesondere die Berechnungsweise, die Höhe und den Erhalt der vorstehend genannten Vergütungen und geldwerten Leistungen enthält, durch Urkunden, soweit möglich, zu belegen.
2. Der Beklagte sei zu verurteilen, der Klägerin Auskunft zu erteilen über die Geschäftsbeziehung zwischen ihm und Prof. Dr. F._ und Prof. Dr. G._, durch Herausgabe folgender Unterlagen:
- Vermögensverwaltungsvertrag inklusive aller Nebenabreden und der zur Vertragsbeendigung geltenden Allgemeinen Vertragsbedingungen
- Vollmachten, die dem Beklagten durch Prof. Dr. F._ und Prof. Dr. G._ oder einen von ihnen erteilt wurden
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- Kontenverträge und/oder Depotverträge mit Finanzinstituten, die Namens und im Auftrag von Prof. Dr. F._ und Prof. Dr. G._ oder einen von ihnen geschlossen wurden, nebst der zur Vertragsbeendigung geltenden allgemeinen Vertragsbedingungen
- Anlageberatungsverträge mit Finanzinstituten, die Namens und im Auftrag von Prof. Dr. F._ und Prof. Dr. G._ oder einen von ihnen geschlossen wurden, nebst den zur Vertragsbeendigung geltenden allgemeinen Vertragsbedingungen
- Kopie der Dokumente, die zur Identifizierung von Prof. Dr. F._ und Prof. Dr. G._ gedient haben
- Für den Fall der Feststellung der wirtschaftlich berechtigten Person, die schriftliche Erklärung von Prof. Dr. F._ und Prof. Dr. G._ über die Identität der wirtschaftlich berechtigten Person
- Kontoauszüge oder Vermögensübersichten, jeweils zum 31.12. des jeweiligen Jahres für den Zeitraum vom 01.01.2005 bis 31.12.2010, bezüglich des durch den Beklagten für Prof. Dr. F._ und Prof. Dr. G._ oder einem von ihnen direkt oder indirekt verwalteten Vermögens
- Unterlagen über Abreden oder Instruktionen von Prof. Dr. F._ und Prof. Dr. G._ oder einen von ihnen über die Verwaltung des Vermögens, insbesondere im Zusammenhang mit der Disposition oder Dispositionsbefugnis über das verwaltete Vermögen
- Kunden- und Risikoprofil, das von Prof Dr. F._ und Prof Dr. G._ erstellt wurde
- Dokumentation über die Umsetzung der Aufklärungs- und Informationspflichten, insbesondere im Hinblick auf die Einbringung des Vermögens in die I._ bei der H._, Policen Nummer J._ oder K._ und die darin erfolgte Vermögensanlage
- Versicherungsvertrag, I._ bei der C._., Policen Nummer J._ oder K._ nebst den zur Vertragsbeendigung geltenden allgemeinen Vertragsbedingungen
3. Die beklagte Partei sei zu verurteilen, an die Klägerin einen nach Auskunftserteilung gemäss Ziffer 1 noch genau zu beziffernden Betrag (mindestens CHF 50'000) zu zahlen.
4. Der Rechtsvorschlag in der Betreibung Nr. E._ (Zahlungsbefehl des Betreibungsamtes Oberengadin/Bergell) sei aufzuheben.
5. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge der beklagten Partei.
F. Mit Duplik vom 10. Januar 2017 bestätigte B._ sein in der Klageantwort gestelltes Rechtsbegehren.
G. Am 18. Oktober 2017 erging eine Beweisverfügung, mit der die Einvernahme von Zeugen und die Edition von Urkunden aus den Händen von B._ und der C._ AG angeordnet wurden.
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H. Am 4. Dezember 2018 fand vor dem Regionalgericht die Hauptverhandlung statt. Gleichentags fällte das Regionalgericht folgenden Entscheid, den es am 30. April 2019 schriftlich eröffnete:
1. Das Begehren der Klägerin auf umfassende Rechenschaftsablegung und Herausgabe sämtlicher Aufzeichnungen, Bücher und Belege im Zusammenhang mit der Verwaltung des Vermögens durch den Beklagten für die Zedenten wird zufolge Gegenstandslosigkeit abgeschrieben.
2. Im Übrigen wird die Klage abgewiesen.
3. Die Gerichtskosten in Höhe von CHF 8'000.00 gehen im Umfang von CHF 6'000.00 zu Lasten der Klägerin und werden mit dem von ihr geleisteten Kostenvorschuss von CHF 8'000.00 verrechnet.
Die Klägerin ist im Umfang von CHF 2'000.00 berechtigt, auf den Beklagten Regress zu nehmen.
4. Die Klägerin hat den Beklagten ausseramtlich im Betrag von CHF 11'636.60, inkl. Auslagen und Mehrwertsteuer, zu entschädigen.

## Considerations