# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d07e8b5f-cb64-4b81-950f-5abceb16b4ad
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_006
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. Mit Entscheid des Bezirksgerichts Plessur vom 3. Mai 2013 wurde die Ehe zwischen X._ und Y._ geschieden. Die aus der Ehe hervorgegangenen Kinder A._, geboren am _2005, und B._, geboren ab _2007, wurden unter die Obhut und alleinige elterliche Sorge der Mutter gestellt. Dem Vater wurde ein gerichtsübliches Besuchsrecht eingeräumt, wonach er seine beiden Töchter an jedem zweiten Wochenende jeweils von Freitag- bis Sonntagabend zu sich auf Besuch und für die Dauer von 3 Wochen (bis zum Oberstufeneintritt von B._) bzw. 2 Wochen (nach deren Oberstufeneintritt) zu sich in die Ferien nehmen darf.
B.1. Y._ teilte der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) Nordbünden am 7. Juni 2013 telefonisch mit, dass Schwierigkeiten hinsichtlich der Ausübung des Besuchsrechts aufgetreten seien und er seine beiden Töchter seit acht Monaten nicht mehr gesehen habe (vgl. Akten KESB act. 1). Die KESB nahm diese Mitteilung als Gefährdungsmeldung entgegen und eröffnete daraufhin am 11. Juni 2013 ein Abklärungsverfahren gestützt auf Art. 57 EGzZGB (vgl. Akten KESB act. 2/3).
B.2. Am 2. August 2013 fand ein erstes Gespräch zwischen der Mitarbeiterin der KESB Nordbünden, C._, und den Eltern von A._ und B._, Y._ und X._, statt. Anlässlich dieses Gesprächs äusserte der Vater den Wunsch, wieder Kontakt zu seinen Kindern aufzubauen. Er habe seine Töchter letztmals im September 2012 bei sich zu Besuch gehabt. An jenem Besuchswochenende hätten sie sich mit seinen Eltern bzw. den Grosseltern der Mädchen getroffen. Aus dem weiteren Gesprächsverlauf ergab sich, dass das Verhältnis zwischen den Eltern von Y._ und jenen von X._ stets durch Streitereien geprägt und dieser Umstand insbesondere mit ein Grund für die Trennung gewesen sei. X._ erklärte, dass die Kinder seit dem besagten Besuchswochenende jedenfalls nicht mehr zum Vater möchten. Zuvor seien sie jeweils gerne bei ihm gewesen und die Besuchskontakte hätten gut funktioniert (vgl. Akten KESB act. 7).
B.3. In der Folge wurden begleitete Besuchskontakte durch eine Fachstelle oder Besuche im Beisein der Mutter thematisiert, um den Kontakt zwischen Vater und Kindern langsam wiederherzustellen. Als Y._ einen Kontaktversuch unternahm und seine ältere Tochter A._ an ihrem 8. Geburtstag anrief, sei er
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von dieser jedoch wüst beschimpft worden. Sie habe ihn „Arschloch“ genannt und gesagt, dass sie nichts mehr von ihm wissen wolle (vgl. Akten KESB act. 9-11).
B.4. Alsdann zog die KESB die Möglichkeit in Betracht, eine Beistandschaft in Besuchsrechtsangelegenheiten zu errichten. Y._ wurde von der KESB hierzu am 6. September 2013 persönlich angehört. Er erklärte, sich in der gegebenen Situation hilflos zu fühlen und sowohl mit begleiteten Besuchen als auch mit einer Besuchsrechtsbeistandschaft einverstanden zu sein, sofern er nur seine Kinder baldmöglichst wieder sehen könne (vgl. Akten KESB act. 14).
C. Am 19. Oktober 2013 fand über die Fachstelle KJBE (Kinder und Jugendliche betreuen, begleiten, bestärken) in deren Räumlichkeiten in O.1_ erstmals ein begleiteter Besuch von zwei Stunden statt, wobei der Vater A._ und B._ in Anwesenheit der Betreuerin D._ sehen konnte und die Mutter bei der Übergabe der Kinder zugegen war. Nachdem am 3. November 2013 erneut ein solch begleiteter Besuch durchgeführt wurde, erhielt die KESB Nordbünden von D._ die Rückmeldung, dass A._ und B._ ihrer Beurteilung nach auf massive Weise durch die Mutter instrumentalisiert würden und beide verhaltensauffällig seien (vgl. Akten KESB act. 25). Auch während des weiteren begleiteten Besuchstags vom 16. November 2013 hätten sich die Kinder gegenüber dem Vater ablehnend verhalten, A._ sei frech geworden und habe ihm Vorwürfe gemacht, während B._ schweigsam gewesen sei oder die Worte ihrer Schwester nachgeplappert habe (vgl. Akten KESB act. 26). Die Mutter stellte sich anlässlich eines Beurteilungsgesprächs mit D._ und C._ bezüglich der begleiteten Besuche auf den Standpunkt, dass die Kinder nach wie vor keinen Kontakt mit dem Vater möchten und sie dies auch nicht ändern könne (vgl. Akten KESB act. 29).
D. C._ von der KESB Nordbünden teilte X._ mit Schreiben vom 29. November 2013 mit, dass ihr Handlungsspielraum im Rahmen des eröffneten Abklärungsverfahrens ausgeschöpft sei, weshalb nun die Absicht bestehe, eine Besuchsrechtsbeistandschaft zu errichten (vgl. Akten KESB act. 28). Hierzu wurde X._ am 10. Dezember 2013 von der KESB angehört. Die Eltern wurden sodann mittels Schreiben vom 12. Dezember 2013 zur Behördensitzung vom 28. Januar 2014 vorgeladen, anlässlich welcher nicht nur über die Errichtung einer Beistandschaft, sondern auch darüber, ob zusätzlich ein interventionsorientiertes Gutachten bei der Kinder- und Jugendpsychiatrie (kjp) Graubünden einzuholen sei, entschieden werde (vgl. Akten KESB act. 33/34).
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E. Ab dem 21. Dezember 2013 fanden jeweils alle zwei Wochen - auf Vorschlag der Mutter hin sowie in ihrem Beisein - private, das heisst nicht über die Fachstelle KJBE, sondern durch die Eltern organisierte Besuchskontakte zwischen dem Vater und den Töchtern statt.
F.1. Anlässlich der Behördensitzung vom 28. Januar 2014, an welcher sowohl der Vater als auch die Mutter mit ihrem Rechtsbeistand Dr. iur. Hans-Martin Allemann teilnahmen, hielt Ersterer eine Beistandschaft sowie Abklärungen der kjp Graubünden für sinnvoll, während Letztere diese Massnahmen ablehnte und nicht für notwendig erachtete (vgl. Akten KESB act. 43). X._ gab der Behörde in diesem Zusammenhang ein vom 22. Januar 2014 datierendes Arztzeugnis von Dr. med. E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie, der gemäss eigenen Angaben sowohl X._ als auch A._ und B._ zu diversen Konsultationen empfangen habe, zu den Akten. Dr. E._ führte darin aus, die Kinder würden bestätigen, dass die Mutter ihre Beziehung zum Vater nicht zu unterbinden versuche, sondern sie diese Beziehung im Gegenteil aktiv fördere. Des Weiteren empfahl er die Weiterführung der von beiden Elternteilen eingeleiteten privaten Besuchspraxis für die nächsten zwei bis drei Jahre, zumal sich die über die Fachstelle angebotene Betreuung und Begleitung überhaupt nicht bewährt habe und die Kinder zu traumatisieren drohte (vgl. Akten KESB act. 43.2).
F.2. Mit Schreiben vom 30. Januar 2014 teilte die KESB den Beteiligten mit, dass vorerst auf die Errichtung einer Beistandschaft sowie die Anordnung eines Gutachtens verzichtet werde. Der Verzicht auf Kindesschutzmassnahmen wurde mit der Kooperationsbereitschaft der Mutter und der derzeit stattfindenden  Besuchskontakte begründet. Das Abklärungsverfahren werde jedoch weitergeführt und die Eltern würden während einer dreimonatigen Versuchs- und Beobachtungsphase aufgefordert, die Besuchskontakte zeitlich schrittweise zu erweitern, die Begleitung der Mutter abzubauen und schliesslich eine schriftliche Rückmeldung über den Verlauf zuhanden der Behörde einzureichen (vgl. Akten KESB act. 45).
F.3. Y._ gab seine Rückmeldung mit E-Mail vom 13. Mai 2014 dahingehend ab, dass sich die Besuchskontakte zwar verbessert hätten, aber stets noch gewisse Anfangsschwierigkeiten bestünden und A._ und B._ erst nach einer gewissen Zeit ihm gegenüber aufgeschlossener werden würden. Die Kontakte hätten nie ohne die Mutter stattgefunden, was im Verhalten der Mädchen spürbar gewesen sei. Das Ziel, die Präsenz der Mutter abzubauen,
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müsse seines Erachtens durch weitere Massnahmen stärker gefördert werden. X._ lehne Besuchskontakte ohne ihr Beisein mit der Begründung ab, dass die Kinder dies nicht wollen würden (vgl. Akten KESB act. 50).
G.1. An der auf den 24. Juni 2014 angesetzten Behördensitzung nahmen die beiden Eltern mit ihren jeweiligen Rechtsvertretern - X._ mit Rechtsanwalt Dr. iur. Hans-Martin Allemann und Y._ mit Rechtsanwältin lic. iur. Claudia Weber - teil und äusserten sich zur Anordnung eines interventionsorientierten Gutachtens sowie einer Weisung zur Zusammenarbeit mit der kjp Graubünden. X._ sprach sich gegen einen den Kindern fremden Gutachter aus und schlug vielmehr vor, dass die Therapie bei Dr. med. E._ weitergeführt werden solle, um die bestehenden Widerstände und Ängste der Kinder in Zusammenhang mit den Besuchskontakten zu überwinden. Y._ erachtete Dr. E._ nicht als neutral und befürwortete stattdessen eine Zusammenarbeit mit der kjp Graubünden, wobei er eine diesbezügliche Weisung nicht zwingend für notwendig hielt (vgl. Akten KESB act. 60.1).
G.2. Mit Schreiben, welches ebenfalls vom 24. Juni 2014 datierte, liess X._ beantragen, dass die Begehren von Y._ abzuweisen seien und weder eine interventionsorientierte Begutachtung der Kinder noch eine andere Massnahme anzuordnen und auch keine Weisung betreffend Zusammenarbeit der Eltern mit einem Gutachter zu erteilen sei. Zudem ersuchte sie um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege und um Einsetzung von Rechtsanwalt Dr. iur.  Allemann als unentgeltlichen Rechtsbeistand (vgl. Akten KESB act. 61).
G.3. Die KESB informierte die Eltern mit Schreiben vom 26. Juni 2014 darüber, dass die Behörde F._, leitender Psychologe Forensik der kjp Graubünden, als Gutachter einsetzen und ihn beauftragen werde, über A._ und B._ ein interventionsorientiertes Gutachten zur bestehenden Besuchsrechtsproblematik zu erstellen und entsprechende Empfehlungen für das weitere Vorgehen abzugeben (vgl. Akten KESB act. 63/64).
G.4. X._ lehnte F._ in ihrer Stellungnahme vom 2. Juli 2014 als Gutachter ab. Dieser sei nicht qualifiziert, ein kompetentes Gutachten zu erstellen und die psychologischen Hintergründe der ablehnenden Haltung der Kinder ihrem Vater gegenüber zu erfassen. Dafür benötige es einen Therapeuten wie Dr. med. E._ und nicht einen forensischen Psychologen. Sofern ein Gutachter einzusetzen sei, sei dies Dr. E._. Indessen erscheine es im Interesse der Kinder vielmehr als richtig, Dr. E._ lediglich mit der Berichterstattung
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gegenüber der KESB zu beauftragen; eine zusätzliche Begutachtung sei nicht erforderlich. Ferner verfüge die kjp Graubünden infolge häufiger Auftragsvergabe durch die KESB ohnehin nicht über die nötige Unabhängigkeit und Neutralität (vgl. Akten KESB act. 66).
H. Die KESB Nordbünden ordnete mit Entscheid der Kollegialbehörde vom 8. Juli 2014, mitgeteilt am 11. Juli 2014, was folgt an:
„1.a. Der Antrag von Rechtsanwalt Allemann betreffend Einsetzung von Dr. med. E._ als Gutachter wird abgewiesen.
b. Die Kinder- und Jugendpsychiatrie Graubünden (kjp GR) wird beauftragt, über A._ und B._ ein interventionsorientiertes Gutachten (Teile I und II) gemäss Fragenkatalog im Anhang zu erstellen.
2. Die Verfahrenskosten für diesen Entscheid werden auf Fr. 1'050.-- festgesetzt und vorläufig beim Verfahren belassen.

## Considerations