# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 62e97639-a666-485f-9a50-c27e6c8a953d
**Court:** BE_SRK
**Chamber:** BE_SRK_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

den Akten entnommen:
A. A._ (Rekurrent) leistete im Jahr 2016 für seine drei Kinder, B._ (2014; Mutter: C._) und die Zwillinge D._ und E._ (2005; Mutter:
F._) sowie für F._ (Mutter der Zwillinge und geschiedene Ehefrau)
Unterhaltszahlungen. Die Unterhaltsbeiträge wurden gerichtlich festgelegt. In der
Steuererklärung pro 2016 machte der Rekurrent bezahlte Unterhaltsbeiträge von total
CHF 35'000.-- geltend. Weiter machte der Rekurrent für die Zwillinge je den hälftigen
Kinderabzug, infolge gemeinsamer elterlicher Sorge, und Kinderdrittbetreuungskosten von je
CHF 366.-- geltend.
B. Mit Verfügungen vom 10. Oktober 2017 veranlagte die Steuerverwaltung des Kantons Bern, _ (Steuerverwaltung), den Rekurrenten bei den kantonalen Steuern auf ein
steuerbares Einkommen von CHF 30'407.-- und bei der direkten Bundessteuer auf ein solches
von CHF 38'707.--. Das steuerbare Vermögen wurde auf CHF 4'727.-- festgesetzt. Dabei wich
die Steuerverwaltung insofern von der Selbstschatzung des Rekurrenten ab, als dass sie die
geltend gemachten Kinderdrittbetreuungskosten und den hälftigen Kinderabzug nicht zum
Abzug zuliess. Weiter kam beim Rekurrenten der Alleinstehendentarif zur Anwendung. Zur
Begründung brachte sie vor, dass der Kinderabzug jenem Elternteil zustünde, welcher die
Unterhaltsbeiträge zu versteuern habe.
C. Dagegen erhob der Rekurrent am 7. November 2017 Einsprache. Er brachte vor, dass das Zivilgesetzbuch im Jahr 2014 dahingehend geändert worden sei, als dass grundsätzlich
das gemeinsame Sorgerecht unabhängig vom Zivilstand der Eltern gelte. Das bernische
Steuergesetz widerspiegle die erfolgte Änderung bezüglich der aufgeteilten Betreuung jedoch
nicht und verstosse damit gegen übergeordnetes Recht. Obwohl die Unterhaltsbeiträge durch
ihn bezahlt würden, übernehme er doch wesentliche Betreuungsanteile der Kinder. Die
Kinderbetreuung sei seit der Scheidung vom _ so aufgeteilt, dass die Zwillinge jede
Woche von Donnerstagnachmittag bis Samstagabend bzw. jede zweite Woche sogar bis
Sonntagabend bei ihm leben würden und damit sein Betreuungsanteil 50 % betrage. Mit
Schreiben vom 10. November 2017 teilte die Steuerverwaltung dem Rekurrenten mit, dass bei
gemeinsamer elterlicher Sorge die Elternteile je den hälftigen Kinderabzug beanspruchen
könnten, sofern keine Abzüge für Unterhaltszahlungen an die Kinder geltend gemacht würden,
was vorliegend nicht zutreffe. Sodann stehe der Elterntarif bei getrennt lebenden Eltern von
minderjährigen Kindern dem Elternteil zu, welches die Unterhaltszahlungen erhalte.
Entsprechend würden die Veranlagungsverfügungen in diesen Punkten bestätigt. Einzig die
geltend gemachten Kosten der Kinderdrittbetreuung von CHF 366.-- pro Kind könnten
berücksichtigt werden. Dem Rekurrenten wurde Gelegenheit zur Stellungnahme eingeräumt,
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wovon er mit Eingabe vom 6. Dezember 2017 Gebrauch machte. Darin führte er aus, dass vor
dem Hintergrund des neuen Familienrechts das bernische Steuergesetz vom 21. Mai 2000 nicht
mehr haltbar sei. Am 12. Dezember 2017 teilte die Steuerverwaltung dem Rekurrenten mit,
dass die Veranlagung nach bernischem und eidgenössischem Steuergesetz vorgenommen
werde und nicht nach der "Konferenz der Kantone für Kindes- und Erwachsenenschutz",
weshalb sie an ihrem Entscheid festhalte. Mit Einspracheentscheiden vom 6. Februar 2018
hiess die Steuerverwaltung die Einsprache des Rekurrenten insofern gut, als dass sie die
Kinderdrittbetreuungskosten zum Abzug zuliess. Weitergehend wurde die Einsprache
abgewiesen mit Verweis auf die Schreiben vom 10. November 2017 und 12. Dezember 2017.
D. Gegen die Einspracheentscheide hat der Rekurrent mit Eingaben vom 4. März 2018 und 14. März 2018 Rekurs und sinngemäss Beschwerde bei der Steuerrekurskommission des
Kantons Bern (Steuerrekurskommission) erhoben und die Gewährung des Elterntarifs sowie
des hälftigen Kinderabzugs für seine beiden Söhne D._ und E._ beantragt.
Eventualiter beantragt er den ganzen Unterstützungsabzug für die beiden Kinder. Ferner hat er
ein Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege eingereicht. Zur Begründung verweist er zur
Hauptsache auf seine Einsprache vom 7. November 2017 und das Schreiben an die
Steuerverwaltung vom 6. Dezember 2017 (vgl. Bst. C hiervor).
E. Am 27. März 2018 hat sich die Steuerverwaltung vernehmen lassen und die kostenpflichtige Abweisung von Rekurs und Beschwerde beantragt. Sie hält fest, dass bei
getrennt lebenden Eltern je der hälftige Kinderabzug gewährt wird, wenn die Kinder unter
gemeinsamer elterlicher Sorge stehen und keine Unterhaltszahlungen für die Kinder geltend
gemacht werden. Gemäss Rechtsprechung gelte dieses Kumulationsverbot auch dann, wenn
die elterliche Sorge gemeinsam ausgeübt werde und die Kinder alternierend von beiden
Elternteilen betreut würden. Entsprechend lasse weder das bernische Steuergesetz noch die
Rechtsprechung betreffend die direkte Bundessteuer zu, dass dem Rekurrenten zusätzlich zum
Abzug der Unterhaltsbeiträge für die Kinder noch der hälftige Kinderabzug gewährt werde. Der
Einwand des Rekurrenten, dass das bernische Steuergesetz die Änderungen des
Zivilgesetzbuchs vom 1. Juli 2014 nicht widerspiegle und damit gegen übergeordnetes Recht
verstosse, führe zu keinem anderen Ergebnis. Dies zumal das Steuerharmonisierungsgesetz
das im bernischen Recht verankerte Kumulationsverbot nicht verbiete. Vielmehr lasse eben
auch das Bundessteuerrecht dieses zu. Soweit der Rekurrent eventualiter den
Unterstützungsabzug für seine beiden Kinder beantrage, könne ihm ebenfalls nicht gefolgt
werden. Der Unterstützungsabzug könne nicht zusätzlich zum Abzug für
Kinderunterhaltsbeiträge zugelassen werden, es sei denn die steuerpflichtige Person trage
zusätzliche Kosten infolge Behinderung oder dauernder Pflegebedürftigkeit der Kinder. Dies sei
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vorliegend nicht der Fall. Schliesslich könne dem Rekurrenten auch der Elterntarif nicht gewährt
werden, da dieser bei Trennung, Scheidung oder Konkubinat nur bei einem der beiden
Elternteile berücksichtigt werden könne. Sodann stehe der Elterntarif immer jenem Elternteil zu,
welches Unterhaltszahlungen für die Kinder erhalte.
F. Mit Schreiben vom 18. April 2018 hat der Rekurrent zur Vernehmlassung der Steuerverwaltung Stellung genommen. Er bringt vor, dass die in der Vernehmlassung zitierten
Kreisschreiben und Urteile alle vor der Revision des Zivilgesetzbuchs vom 1. Juli 2014 erfolgt
seien. Auf die weiteren Ausführungen des Rekurrenten wird, sofern entscheidrelevant, in den
nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.
G. Die Eidgenössische Steuerverwaltung hat sich nicht vernehmen lassen.
Auf den Inhalt der einzelnen Rechtsschriften wird, soweit für die vorliegenden Entscheide von
Bedeutung, in den nachfolgenden Erwägungen näher eingegangen.

## Considerations

Die Steuerrekurskommission zieht in Erwägung:
1. Einspracheentscheide der Steuerverwaltung betreffend die Einkommens- und Vermögensveranlagung können bei der Steuerrekurskommission durch Rekurs bzw.
Beschwerde angefochten werden (Art. 195 ff. des Steuergesetzes vom 21. Mai 2000 [StG; BSG
661.11] und Art. 140 des Bundesgesetzes vom 14. Dezember 1990 über die direkte
Bundessteuer [DBG; SR 642.11] i.V.m. Art. 9 der Verordnung vom 18. Oktober 2000 über den
Vollzug der direkten Bundessteuer [BStV; BSG 668.11]). Die Steuerrekurskommission ist
deshalb sachlich und örtlich zuständig. Der Rekurrent ist im vorinstanzlichen Verfahren mit
seinen Anträgen nicht durchgedrungen. Er ist daher beschwert und zur Anfechtung befugt (Art.
195 Abs. 2 StG und Art. 140 ff. DBG i.V.m. Art. 3 BStV i.V.m. Art. 86 und 65 des Gesetzes vom
23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG; BSG 155.21]). Auf die form- und
fristgerecht eingereichte Eingabe ist deshalb einzutreten.
Da der Streitwert unter CHF 10'000.-- liegt, fallen die vorliegenden Entscheide in die
einzelrichterliche Zuständigkeit (Art. 70 Abs. 4 Bst. c des Gesetzes vom 11. Juni 2009 über die
Organisation der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft [GSOG; BSG 161.1]).
2. Vorliegend strittig und zu beurteilen ist, ob dem Rekurrenten für das Steuerjahr 2016 der hälftige Kinderabzug sowie die damit zusammenhängenden Abzüge zu gewähren sind. Weiter
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zu prüfen ist, ob der Verheiratetentarif bzw. Elterntarif beim Rekurrenten zur Anwendung
gelangt.
3. Der Kinderabzug (und somit auch die übrigen vom Kinderabzug abhängigen Abzüge, wie der Versicherungsabzug, der Kinder-Haushaltsabzug und der Vermögensabzug) stehen bei
geschiedenen oder getrennt lebenden Elternteilen jenem Elternteil voll zu, welcher das
minderjährige Kind betreut. Werden die Eltern getrennt besteuert, so wird der Kinderabzug
hälftig aufgeteilt, wenn das Kind unter gemeinsamer elterlicher Sorge steht und keine
Unterhaltszahlungen für das Kind geltend gemacht werden (Art. 40 Abs. 3 Bst. a StG und Art.
35 Abs. 1 Bst. a DBG). Die hälftige Aufteilung des Kinderabzugs erfolgt seit Längerem gemäss
kantonaler Praxis bei getrennt zu besteuernden Eltern, welche die elterlicher Sorge gemeinsam
ausüben, sofern keine Unterhaltszahlungen gemäss Art. 38 Abs. 1 Bst. c StG bzw. Art. 33
Abs. 1 Bst. c DBG geltend gemacht werden. Bei der direkten Bundessteuer wurde die hälftige
Gewährung des Kinderabzugs lange abgelehnt und erst per 1. Januar 2011 eingeführt. Aus
Gründen der Rechtssicherheit wurde diese Bestimmung mit der Revision 2011 ebenfalls explizit
ins StG aufgenommen (Leuch/Schlup Guignard, Praxiskommentar zum Berner Steuergesetz,
Band 1, Artikel 1 bis 125, 2014, N. 18. zu Art. 40 StG, mit Hinweisen). Gemäss dem klaren
Wortlaut des Gesetzes – sowohl auf kantonaler Ebene (Art. 40 Abs. 3 Bst. a StG) wie auch auf
Bundesebene (Art. 35 Abs. 1 Bst. a DBG) – ist der hälftige Kinderabzug bei gemeinsamer
elterlicher Sorge ausgeschlossen, wenn bezahlte Kinderunterhaltsbeiträge geltend gemacht
werden. Diesbezüglich gilt ein Kumulationsverbot, welches es ausschliesst, gleichzeitig den
Abzug von Kinderunterhaltsbeiträgen und den Sozialabzug zu gewähren. Damit findet das seit
längerem gemäss kantonaler Steuergesetzgebung herrschende Kumulationsverbot auch für die
direkte Bundessteuer Anwendung (BGer 2C_437/2010 vom 11.10.2010, E. 2.3; BGer
2C_835/2009 vom 7.5.2010, E. 3.4; VGE 100 2009 420 vom 13.8.2010, in NStP 2010 S. 77 E.
3.6.2; VGE 100 2014 337/338 vom 1.6.2015, E. 3.1; RKE 100 2016 398 vom 4.5.2017, E. 5 ff.,
nicht publiziert; Baumgartner/Eichenberger in: Kommentar zum Schweizerischen Steuerrecht,
Bundesgesetz über die direkte Bundessteuer [DBG], 3. Aufl., 2017, N. 19b zu Art. 35 DBG; vgl.
auch Kreisschreiben Nr. 30 der ESTV vom 21.12.2010 – 2. Auflage, 2014, Ziff. 10.2, 14.5.1 f.).
Das Kumulationsverbot wird sodann im bernischen Steuerrecht in Art. 40 Abs. 4 StG (erneut)
ausdrücklich festgehalten. Anzumerken ist, dass diese Bestimmung noch aus der Zeit vor dem
1. Januar 2011 stammt und dazumal das bernische Steuerrecht (gleich wie das DBG) die
hälftige Aufteilung des Kinderabzugs noch nicht explizit vorsah (vgl. dazu aArt. 40 Abs. 3 Bst. a
StG in der [ursprünglichen] Fassung vom 21.5.2000 [BAG 00-124] sowie Art. 40 StG in der
Fassung vom 23.3.2010 [BAG 10-113]).
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3.1 Die Anwendung des Kumulationsverbots erscheint denn auch sachlich gerechtfertigt. So handelt es sich beim Kinderabzug und den Folgeabzügen um Sozialabzüge. Bei diesen
sog. Sozialabzügen stehen die familiären Verhältnisse der Steuerpflichtigen und die mit diesen
verbundenen zivilrechtlichen Lasten im Vordergrund. Anders als die Regelung der übrigen
Abzüge ist jene der Sozialabzüge nicht bundesrechtlich harmonisiert worden, sodass diese von
den Kantonen frei bestimmt werden können (vgl. Art. 9 Abs. 4 des Bundesgesetzes vom
14. Dezember 1990 über die Harmonisierung der direkten Steuern der Kantone und Gemeinden
[StHG; SR 642.14]; VGE 100 2015 239/240/254/255 vom 21.3.2016, E. 3.1; vgl. Botschaft vom
20.5.2009 zum Bundesgesetz über die steuerliche Entlastung von Familien mit Kindern,
BBl 2009 4729, 4741 Ziff. 1.1.5.1). Die durch die Leistung von Kinderunterhaltsbeiträgen
geschaffene Umverteilung der Mittel geht vor und es wäre systemwidrig, den Abzug von
Unterhaltszahlungen für Kinder mit dem Kinderabzug zu kumulieren (BGer 2C_580/2009 vom
1.4.2010, in StR 2010 S. 668 E. 4.1; BGer 2C_835/2009 vom 7.5.2010, E. 3.4). Auch wenn
durch diese schematische Zuteilung des Kinderabzugs keine absolute Gleichheit erreicht wird,
ist dies nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zulässig. Das Bundesgericht hat dabei
erwogen, die Sozialabzüge (und auch Steuertarife) bezweckten, die Steuerlast schematisch
den besonderen persönlich-wirtschaftlichen Verhältnissen jeder Kategorie von Steuerpflichtigen
entsprechen zu lassen. Dadurch werde dem Grundsatz der Besteuerung nach der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Rechnung getragen (Art. 127 Abs. 2 Bundesverfassung [BV;
SR 101]; ebenso Art. 104 Abs. 1 der Verfassung des Kantons Bern vom 6. Juni 1993
[Kantonsverfassung; BSG 101.1]). Angesichts der Vielzahl von möglichen Lebenssituationen,
die geregelt werden müssten, seien die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen
gezwungenermassen von einem gewissen Schematismus geprägt, was jedoch mit den in Art.
127 BV (sowie Art. 104 Kantonsverfassung) verankerten Grundsätzen durchaus vereinbar sei.
Aus Praktikabilitätsgründen sei es nicht möglich, jede steuerpflichtige Person mathematisch
genau gleich zu behandeln. Der Gesetzgeber dürfe deshalb schematische Lösungen wählen,
solange diese nicht ganz allgemein für eine bestimmte Kategorie von Steuerpflichtigen zu einer
deutlich höheren Steuerlast oder einer systematischen Ungleichbehandlung führen würden.
Zudem könnten die verschiedenen Lebensumstände nur bedingt verglichen werden, so dass
das Risiko bestehe, neue Ungleichheiten zu schaffen (BGE 133 II 305, in Pra 97/2008 Nr. 39 E.
5.1; BGer 2C_3/2008 vom 18.4.2008, E. 2.2; BGer 2C_835/2009 vom 7.5.2010, E. 3.2; VGE
100 2009 420 vom 13.8.2010, in NStP 2010 S. 77 ff. E. 3.6.1, jeweils mit Hinweisen;
Richner/Frei/Kaufmann/Meuter, Handkommentar zum DBG, 3. Aufl., 2016, N. 27 zu Art. 35
DBG).
3.2 Vorliegend geht aus den Akten hervor, dass der Rekurrent in der Steuererklärung pro 2016 bezahlte Unterhaltsbeiträge von CHF 35'000.-- geltend gemacht hat (pag. 5). Davon
http://relevancy.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE-133-II-305&lang=de&zoom=OUT&system=clir
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entfallen monatlich je CHF 600.-- auf die minderjährigen Zwillinge D._ und
E._, für welche der Rekurrent je den hälftigen Kinderabzug beansprucht (pag. 8 sowie
Rekurs- und Beschwerdeschrift vom 4.3.2018, Beilage, Scheidungsurteil vom 23.2.2016). Da
der Rekurrent demzufolge unbestrittenermassen Unterhaltszahlungen für seine Kinder geleistet
hat und diese als Abzug in der Steuererklärung geltend gemacht hat, besteht kein Anspruch auf
den (hälftigen) Kinderabzug sowie den damit einhergehenden weiteren Abzügen. Daran ändert
nichts, dass die beiden Söhne im Jahr 2016 auch vom Rekurrenten betreut wurden bzw. jeweils
von Donnerstagnachmittag bis Samstagabend bzw. jede zweite Woche sogar bis
Sonntagabend beim Rekurrenten wohnten. Ebenfalls ändert daran die per 1. Juli 2014 erfolgte
Änderung des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB; SR 210) nichts (gemeinsame
elterliche Sorge als Regelfall gemäss Art. 296 Abs. 2 ZGB; vgl. dazu auch die sinngemässen
Ausführungen in BGE 133 II 305, in Pra 97/2008 Nr. 39 E. 9.1 betreffend Einführung der
gemeinsamen elterlichen Sorge bei geschiedenen oder getrennt lebenden bzw. nicht
verheirateten Elternteilen im ZBG per 1.1.2000 sowie Botschaft zum Bundesgesetz über die
steuerliche Entlastung von Familien mit Kindern vom 20.5.2009, BBl 2009 4766 [zu Art. 213
Abs. 1 Bst. a DBG]). Da die Voraussetzungen für die Gewährung des ganzen bzw. anteilsmässigen Kinderabzugs fehlen, können auch die weiteren, daran anknüpfenden Abzüge,
nicht zugestanden werden.
4. Verwitwete, gerichtlich oder tatsächlich getrennt lebende, geschiedene und ledige steuerpflichtige Personen, die mit Kindern oder unterstützungsbedürftigen Personen im
gleichen Haushalt zusammenleben und deren Unterhalt zur Hauptsache bestreiten, werden
zum günstigeren Elterntarif (direkte Bundessteuer) bzw. Verheiratetentarif (kantonale Steuern)
besteuert (Art. 36 Abs. 2bis DBG bzw. Art. 42 Abs. 1 StG). Der Elterntarif bzw. Verheiratetentarif
kann bei Trennung, Scheidung oder Konkubinat jeweils nur einem der beiden Elternteile
gewährt werden, da die damit einhergehende steuerliche Entlastung für das gleiche Kind nur
einmal zur Verfügung steht (BGer 2C_3/2008 vom 18.4.2008, E. 2.2 und 2.4; BGE 133 II 305, in
Pra 97/2008 Nr. 39 E. 6.8). Üben die Eltern die Obhut über minderjährige Kinder alternierend
aus und werden gleichzeitig Unterhaltszahlungen für die Kindern an einen der Elternteile
bezahlt, ist gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung davon auszugehen, dass der
Unterhaltszahlungen empfangende Elternteil zur Hauptsache für den Unterhalt der Kinder
aufkommt, und zwar auch dann, wenn die Kinder je hälftig von den Eltern betreut werden. Der
Verheiratetentarif steht diesfalls immer dem Unterhaltszahlungen empfangenden Elternteil zu.
Die Höhe der geleisteten Unterhaltszahlungen spielt dabei keine Rolle (BGer 2C_892/2016 vom
23.6.2017, in StR 72/2017 S. 913 E. 6.4; BGer 2C_3/2008 vom 18.4.2008, E. 2.2 und 2.4 f.;
BGE 133 II 305, in Pra 97/2008 Nr. 39 E. 8.4 und 9.1; vgl. auch Baumgartner/Eichenberger,
a.a.O., N. 36i ff. zu Art. 36 DBG; Kästli/Schlup Guignard, Praxiskommentar zum Berner
http://relevancy.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE-133-II-305&lang=de&zoom=OUT&system=clir http://relevancy.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE-133-II-305&lang=de&zoom=OUT&system=clir http://relevancy.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE-133-II-305&lang=de&zoom=OUT&system=clir
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Steuergesetz, Band 1, Artikel 1 bis 125, 2014, N. 6 zu Art. 42 StG; vgl. auch Kreisschreiben Nr.
30 der ESTV vom 21.12.2010 – 2. Auflage, 2014, Ziff. 14.3.3 und 14.5.3). Das Bundesgericht
sieht in dieser schematischen Zuteilung des Elterntarifs keine Verletzung des Grundsatzes der
Besteuerung nach der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und des Gleichbehandlungsgebots
(BGE 133 II 305, in Pra 97/2008 Nr. 39 E. 5.1). Da der Rekurrent, wie bereits ausgeführt, im
Jahr 2016 für seine beiden Söhne Unterhaltszahlungen an die Ex-Ehefrau entrichtet hat, ist ihm
der Verheiratetentarif bzw. Elterntarif folglich zu Recht nicht gewährt worden.
5. Im Fall der Verweigerung des hälftigen Kinderabzugs für seine Kinder verlangt der Rekurrent den vollen Unterstützungsabzug. Bei den Kantons- und Gemeindesteuern kann die
steuerpflichtige Person für Leistungen an unterstützungsbedürftige erwerbsunfähige Personen
im Steuerjahr 2016 CHF 4'600.-- abziehen, wenn sie mindestens in der Höhe des Abzugs an
deren Unterhalt beigetragen hat (Art. 40 Abs. 5 StG). Bei der direkten Bundessteuer können
CHF 6'500.-- für jede erwerbsunfähige oder beschränkt erwerbsfähige Person abgezogen
werden, an deren Unterhalt die steuerpflichtige Person mindestens in der Höhe des Abzugs
beiträgt (Art. 35 Abs. 1 Bst. b DBG). Bei minderjährigen Kindern ist jedoch die Kumulation von
Unterstützungsabzug und dem Abzug für Kinderunterhaltsbeiträge ausgeschlossen
(BGE 133 II 305, in Pra 97/2008 Nr. 39 E. 9.2). Diesbezüglich hat das Bundesgericht
hinsichtlich der direkten Bundessteuer (aArt. 213 Abs. 1 Bst. b DBG) festgehalten, dass der
Gesetzgeber dem Elternteil, der Unterhaltszahlungen für seine minderjährigen Kinder bezahlt
und diese steuerlich abziehen kann, keine weiteren steuerlichen Entlastungen gewähren wollte;
dies schliesse auch den Unterstützungsabzug aus, wenn Unterhaltszahlungen für minderjährige
Kinder geleistet werden (Kumulationsverbot; vgl. dazu auch BGE 133 II 305, in Pra 97/2008
Nr. 39 E. 6.8 f. mit Hinweisen). Hinsichtlich der kantonalen Steuern ist festzuhalten, dass der
Unterstützungsabzug von CHF 4'600.-- geltend gemacht werden kann für Leistungen an
unterstützungsbedürftige erwerbsunfähige Personen, sofern die steuerpflichtige Person
mindestens in der Höhe des Abzugs an deren Unterhalt beiträgt. Der gleiche Abzug ist zulässig
für Leistungen an Nachkommen und die Eltern, die dauernd pflegebedürftig oder auf Kosten der
steuerpflichtigen Person in einer Anstalt oder an einem Pflegeplatz versorgt sind, sowie für die
Mehrkosten, die für behinderte Nachkommen entstehen (Art. 40 Abs. 5 StG). Gestützt auf den
Gesetzeswortlaut und unter Berücksichtigung der Ausgestaltung der Sozialabzüge ist davon
auszugehen, dass der kantonale Gesetzgeber für Kinder in erster Linie die Sozialabzüge
gemäss Art. 40 Abs. 3 StG vorgesehen hat, wenn diese minderjährig oder in der beruflichen
Ausbildung sind. Den Unterstützungsabzug wollte er nur ausnahmsweise zusätzlich zu den
Kindersozialabzügen zugestehen, nämlich dann, wenn für diese Kinder gewisse gesetzlich
umschriebene, ausserordentliche Auslagen erwachsen; in allen anderen Konstellationen sollte
der Unterstützungsabzug für sie hingegen ausgeschlossen sein. Werden nicht
http://relevancy.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE-133-II-305&lang=de&zoom=OUT&system=clir http://relevancy.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE-133-II-305&lang=de&zoom=OUT&system=clir http://relevancy.bger.ch/cgi-bin/JumpCGI?id=BGE-133-II-305&lang=de&zoom=OUT&system=clir
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Kindersozialabzüge, sondern die für die Kinder geleisteten Unterhaltszahlungen abgezogen,
müssen die gleichen Regeln zur Anwendung gelangen (der Abzug für Kinderunterhaltsbeiträge
geht den Kindersozialabzügen vor, Art. 40 Abs. 4 StG). Der Unterstützungsabzug könnte
diesfalls nur gewährt werden, wenn die steuerpflichtige Person zusätzliche Kosten wegen einer
körperlichen oder geistigen Behinderung oder einer dauernden Pflegebedürftigkeit des Kindes
bzw. wegen einem Aufenthalt des Kindes in einer Anstalt oder an einem Pflegeplatz zu tragen
hätte (VGE 100 2014 337/338 vom 1.6.2015, E. 3.3; RKE 100 2009 10378 vom 19.6.2012,
E. 6.2, nicht publiziert), was vorliegend nicht der Fall ist. Folglich ist ihm der
Unterstützungsabzug (zusätzlich zum Abzug der geleisteten Unterhaltsbeiträge) sowohl bei den
kantonalen Steuern als auch bei der direkten Bundessteuer zu verweigern.
6. Bei diesem Ausgang des Verfahrens wird der Rekurrent grundsätzlich kostenpflichtig und hat die gesamten Verfahrenskosten zu tragen einschliesslich allfälliger Auslagen für Gutachten
oder andere externe Kosten (Art. 144 Abs. 1 und 5 DBG sowie Art. 200 Abs. 1 StG i.V.m. Art. 1,
2, 53, 58 und 59 des Dekrets vom 24. März 2010 betreffend die Verfahrenskosten und die
Verwaltungsgebühren der Gerichtsbehörden und der Staatsanwaltschaft
[Verfahrenskostendekret, VKD; BSG 161.12]). Wenn besondere Verhältnisse es rechtfertigen,
kann jedoch von einer Kostenauflage abgesehen werden (Art. 200 Abs. 3 StG). Insofern ist zu
bemerken, dass der Rekurrent bereits in der Einsprache vom 7. November 2017 diese mit der
per 1. Juli 2014 erfolgten Änderung des ZBG begründet hat (pag. 14 f.). Auch in seiner Eingabe
vom 6. Dezember 2017 hat er erneut in gleicher Weise argumentiert (pag. 24). Die
Steuerverwaltung ist darauf weder mit Schreiben vom 10. November 2017 (pag. 17) noch mit
jenem vom 12. Dezember 2017 (pag. 25) eingegangen. Im Schreiben vom 12. Dezember 2017
führte sie lediglich aus, dass die Veranlagung nach dem bernischen und eidgenössischen
Steuerrecht vorgenommen werde und nicht nach der "Konferenz der Kantone für Kindes- und
Erwachsenenschutz". Erst im Verlauf des vorliegenden Rekurs- und Beschwerdeverfahrens hat
die Steuerverwaltung in der Vernehmlassung vom 27. März 2018 entsprechend Stellung
genommen. Für den Rekurrenten als Laien war es damit im Einspracheverfahren nicht leicht
möglich, die diesbezüglichen Argumente der Steuerverwaltung zu prüfen und das Prozessrisiko
abzuwägen. Aufgrund der speziellen Verhältnisse rechtfertigt es sich somit ausnahmsweise von
der Auferlegung von Verfahrenskosten abzusehen. Das Gesuch um Erteilung der
unentgeltlichen Rechtspflege ist somit gegenstandslos geworden und vom
Geschäftsverzeichnis abzuschreiben (vgl. Art. 39 Abs. 1 VRPG). Es werden keine Parteikosten
gesprochen (Art. 200 Abs. 4 StG sowie Art. 144 Abs. 4 DBG i.V.m. Art. 64 Abs. 1 des
Bundesgesetzes vom 20. Dezember 1968 über das Verwaltungsverfahren [VwVG;
SR 172.021]).
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