# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** d53267d4-833e-495f-a361-6f071252b147
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2010
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X. wurde am _ in A. geboren. Er wuchs anfänglich bei seinen Eltern auf, welche sich scheiden liessen, als er drei bis vier Jahre alt war. Seine ältere Schwester starb, als sie 13 Monate alt war. X. besuchte die Primarschule und die Realschule in B. und absolvierte das zehnte Schuljahr in C.. Seit August 2008 besucht er die D. in E.. Er absolviert dort die kaufmännische Ausbildung, welche seine Mutter finanziert. X. leidet an einer Leberkrankheit und erhielt mit sechs Monaten bereits eine neue Leber. Als Folge der Krankheit hat er im Moment Probleme mit dem Blutdruck und den Nieren und leidet unter einer Muskelschwäche. Er muss regelmässig Medikamente einnehmen und sich vom Arzt behandeln lassen. X. erhält eine monatliche Invalidenversicherungsrente von Fr. 600.-, welche seine Mutter verwaltet und ihm Fr. 500.- pro Monat als Sackgeld gibt. Er hat weder Vermögen noch Schulden.
X. ist im Schweizerischen Zentralstrafregister nicht verzeichnet. Bei der Polizei ist er gemäss Leumundsbericht vom 2. Oktober 2009 bis auf den vorliegenden Fall nicht negativ aufgefallen. Er ist beim Betreibungsamt, beim Sozialdienst sowie bei der Vormundschaftsbehörde des Kreises B. nicht aktenkundig.
B. Die Staatsanwaltschaft eröffnete mit Verfügung vom 20. November 2008 gegen X. eine Strafuntersuchung wegen Angriffs (Art. 134 des Schweizerischen Strafgesetzbuches [StGB; SR 311.0]). Am 29. Januar 2009 überwies die Staatsanwaltschaft Graubünden den Fall an das Kreisamt B. und stellte einen Mandatsantrag bei Verbrechen und Vergehen.
Mit Strafmandat vom 31. März 2009, mitgeteilt am 2. April 2009, erkannte der Kreispräsident B. X. des Angriffs gemäss Art. 134 StGB für schuldig und bestrafte ihn mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je Fr. 10.- sowie mit einer Busse von Fr. 100.-. Gegen dieses Strafmandat erhob X. am 14. April 2009 frist- und formgerecht Einsprache. In der Folge überwies der Kreispräsident B. die Akten der Staatsanwaltschaft Graubünden zur Durchführung des ordentlichen Verfahrens.
Die Staatsanwaltschaft Graubünden klagte X. am 4. Februar 2010 des Angriffs gemäss Art. 134 StGB an. Der Anklageschrift liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
„Am 13. September 2008 befanden sich X., F. und G. zusammen mit H. in der Disco I. in B., welche sie nach 03.00 Uhr verliessen, um nach Hause zu gehen. Auf dem Nachhauseweg gingen sie hinter J. und K. her, welche mit zwei Begleiterinnen unterwegs waren. Zuerst gingen die beiden Gruppen
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hintereinander ein Stück des Weges und sprachen auch miteinander. Mit der Zeit begannen X. und seine Kollegen die Gruppe mit J. anzupöbeln, wobei insbesondere K. mit dem Ausdruck „Emo“ betitelt wurde. Die Gruppe mit J. liess die Gruppe mit X. passieren, worauf die Gruppe mit X. wieder auf die andere Gruppe wartete, diese vorbeigehen liess und anschliessend hinter dieser herging. G. wies in der Folge X. an, sich zu J. und K. zu begeben, um sie zu provozieren, da G. danach insbesondere K. schlagen wollte. X. befolgte die Anweisung von G.. Er begab sich in die Nähe von J. und K. und rief ihnen auf dem weiteren Weg immer wieder die Worte „Emo“, „Punk“ oder „Gangster“ nach. In der Folge wurde J. wütend, schrie X. an oder schubste ihn zurück. Daraufhin begab sich F. zu J. und erteilte diesem eine Ohrfeige. G. begab sich gleichzeitig zu K. und schlug ihm mit der Faust ins Gesicht, so dass K. auf die Strasse torkelte, diese überquerte und bewusstlos auf dem Trottoir liegen blieb.
Danach rannten G., F., H. und X. weg.
Gemäss einem Arztbericht vom 26. September 2008 erlitt K. durch den Faustschlag von G. Schwindel bei Zustand nach Tätlichkeit. Gemäss seinen Aussagen vom 24. September 2008 erlitt er eine Hirnerschütterung und befand sich drei Tage lang im Spital.
Der Angeklagte bestreitet, dass er von G. nach vorne geschickt wurde, um K., J. und deren Begleiterinnen zu provozieren. Zwar will er mit K. über „Emos“, „Punks“ oder „Gangster“ gesprochen, ihn und seine Kollegen jedoch nicht provoziert haben.“
C. Am 15. April 2010 fand die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgerichtsausschuss Plessur statt. Anwesend waren der Angeklagte und sein privater Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. HSG Hermann Just, sowie auf Seiten der Anklagebehörde die Untersuchungsrichterin lic. iur. Bettina Ott, welche die Anklage mündlich vertrat. Auf Fragen des Vorsitzenden zu den persönlichen Verhältnissen führte der Angeklagte aus, dass die Schule in E. zu streng gewesen sei, weshalb er diese beendet habe. Übergangsweise arbeite er nun im L. in B., wo er ab August 2010 eine von der Invalidenversicherung unterstützte Lehre im kaufmännischen Bereich absolvieren werde. Nach dem Lehrabschluss würde er gerne in einer Bank arbeiten. Er erhalte von der Invalidenversicherung ein Taggeld von Fr. 34.-, wovon ihm seine Mutter monatlich Fr. 500.- als Sackgeld auszahle. Gesundheitlich gehe es ihm gut. Daraufhin erhielt der Angeklagte die Gelegenheit, sich zur ihm zur Last gelegten Tat zu äussern. Er könne sich nicht mehr daran erinnern, was G. ihm gesagt habe und ob dieser ihn zur anderen Gruppe geschickt habe, damit es zu einer Schlägerei komme. Dass G. die Absicht gehabt habe, zu „schlägeln“, glaube er nicht. Weiter erklärte der Angeklagte, dass er sich nur nach vorn zur anderen Gruppe begeben habe, um herumzublödeln und keineswegs in der Absicht, eine Schlägerei zu provozieren. Er habe sich zuerst mit J., anschliessend mit K. ganz normal unterhalten. Dabei habe er die Worte „Emo“, „Punk“ oder „Gangster“ fallen lassen. Dann habe die Schlägerei begonnen, wobei
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er nicht mitbekommen habe, wie G. K. spitalreif geschlagen habe. In Bezug auf den Alkoholpegel an jenem Abend führte der Angeklagte aus, von seiner Gruppe seien alle alkoholisiert gewesen. Sie hätten aber noch gewusst, was sie sagten und hätten geradeaus gehen können.
Die Untersuchungsrichterin lic. iur. Bettina Ott stellte und begründete folgende Anträge:
„1. X. sei des Angriffs gemäss Art. 134 StGB schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er mit einer bedingten Geldstrafe von 20 Tagessätzen à Fr. 30.-- und einer Busse von Fr. 500.-- zu bestrafen, Probezeit 2 Jahre. Als Ersatzfreiheitsstrafe sei eine solche von 10 Tagen anzusetzen.
3. Kostenfolge gemäss Gesetz.“
Der Verteidiger des Angeklagten beantragte einen Freispruch. In seinem Schlusswort bedauerte der Angeklagte den Vorfall in jener Nacht und erklärte, das Ganze sei ein Blödsinn gewesen.
D. Mit Urteil vom 15. April 2010, mitgeteilt am 2. Juli 2010, erkannte der Bezirksgerichtausschuss Plessur wie folgt:
„1. X. ist schuldig des Angriffs gemäss Art. 134 StGB.
2. Dafür wird X. mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à CHF 10.00 sowie einer Busse von CHF 200.00 bestraft.
3. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
4. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 2 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit X. dieselbe schuldhaft nicht bezahlt.
5. Die Kosten des Verfahrens von CHF 3'793.00 (Untersuchungskosten der Staatsanwaltschaft Graubünden von CHF 2'293.35 und Gerichtskosten von CHF 1'500.00) gehen zu Lasten von X..
Die Kosten des Kreisamtes B. von CHF 300.00 gehen ebenfalls zu Lasten von X. und sind innert 30 Tagen direkt ans Kreisamt B. zu bezahlen.
X. schuldet dem Bezirksgericht Plessur folglich total CHF 3'993.00 (Busse: CHF 200.00; Verfahrenskosten: CHF 3'793.00). Dieser Betrag ist innert 30 Tagen seit Zustellung des Urteils auf das PC-Konto -3 des Bezirksgerichtes Plessur zu überweisen.

## Considerations