# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 06b57bff-4772-4625-82e7-73e83ecd4f88
**Court:** ZH_BRK
**Chamber:** ZH_BRK_001
**Year:** 2022
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
A.
Mit Beschlüssen vom 19. Dezember 2019 erteilte der Bauausschuss X der
Y AG die baurechtlichen Bewilligungen für insgesamt zwei Mobilfunk-Anten-
nenanlagen auf den Grundstücken Kat.-Nrn. 1 und 2 an der T.-Strasse bzw.
B.-Strasse in X.
B.
Gegen den Entscheid betreffend die auf dem Grundstück Kat.-Nr. 1 geplan-
ten Anlage erhoben DK und weitere Personen mit gemeinsamer Eingabe
vom 21. Januar 2020 rechtzeitig Rekurs beim Baurekursgericht des Kantons
Zürich.
Sodann erhob DK mit Eingabe vom 22. Januar 2020 ebenfalls rechtzeitig
Rekurs gegen den Entscheid betreffend die auf dem Grundstück Kat.-Nr. 2
geplante Anlage.
Die Rekurse wurden unter den G.-Nrn. R4.2020.00018 und R4.2020.00020
anhand gengenommen.
Die Rekurrierenden beider Verfahren beantragten in materieller Hinsicht je-
weils die Aufhebung der angefochtenen Entscheide sowie in formeller Hin-
sicht die Sistierung der Rekursverfahren; dies unter gesetzlichen Kosten-
und Entschädigungsfolgen.
C.
Mit Präsidialverfügungen vom 5. Februar 2020 wurden die Sistierungsan-
träge abgewiesen. Auf die dagegen erhobenen Beschwerden der damaligen
Rekurrierenden trat das Verwaltungsgericht nicht ein (VB.2020.00091 und
VB.2020.00092 vom 6. April 2020).
D.
Mit Beschluss vom 16. Juli 2020 wies das Baurekursgericht die Rekurse un-
ter Vereinigung der beiden Verfahren ab (BRGE IV Nrn. 0109-0110/2020)
R4.2021.00056 Seite 3
Hiergegen erhob DK Beschwerde an das Verwaltungsgericht und beantragte
unter anderem die Aufhebung dieses Entscheids.
E.
Das Verwaltungsgericht hiess die Beschwerde von DK mit Entscheid vom
15. Januar 2021 (VB.2020.00544) teilweise gut und hob den vorgenannten
Entscheid des Baurekursgerichts auf. Die Sache wurde im Sinne der Erwä-
gung des Verwaltungsgerichtsentscheids an das Baurekursgericht zur wei-
teren Sachabklärung und Neubeurteilung – unter allfälliger Einholung eines
Amtsberichts bei der Fachstelle nichtionisierender Strahlung (NIS-
Fachstelle) – zurückgewiesen.
F.
Mit Verfügungen vom 27. April 2021 nahm das Baurekursgericht von der
Rückweisung der Akten durch das Verwaltungsgericht Vormerk und setzte
die Rekursverfahren unter den G.-Nrn. R4.2021.00056 und R4.2021.00057
unter Aufnahme von DK als Rekurrent ins Rubrum fort. Gleichzeitig wurde
die NIS-Fachstelle der Stadt X ersucht, dem Baurekursgericht – unter Bei-
lage der Kostenrechnung – einen schriftlichen Amtsbericht über die folgen-
den Fragen zu erstatten:
" 1. Erfasst die rechnerische Prognose in den Standortdatenblättern mit den angegebenen Neigungswinkeln bzw. Neigungswinkelbereichen bei den beiden Anlagen die Variabilität adaptiver Antennen – soweit  – umhüllend?
2. Wenn ja: Wie ist dies damit zu vereinbaren, dass die Antennen mit dem bezüglich 5G-Technologie relevanten Frequenzband von 3'600 MHz  festen Neigungswinkel 0 und nur die Antennen für die unteren  jeweils über einen Winkelbereich aufweisen (Zusatzblatt 2), wobei alle Antennendiagramme gleichzeitig den Vermerk "tilt  0" enthalten?
3. Liegt der rechnerischen Prognose gemäss den Standortdatenblättern eine Worst-Case-Betrachtung zugrunde?"
Ferner wurde die private Rekursgegnerin verpflichtet, der NIS-Fachstelle der
Stadt X sowie dem Baurekursgericht die den umhüllenden Antennendia-
grammen zugrundeliegenden Einzeldiagramme einzureichen.
R4.2021.00056 Seite 4
G.
Mit Eingaben vom 10. Mai 2021 legte die private Rekursgegnerin die Anten-
nendiagramme in elektronischer Form (auf einem Datenträger) ins Recht.
H.
Mit Eingaben vom 7. Juni 2021 reichte die NIS-Fachstelle der Stadt X den
von der kantonalen NIS-Fachstelle (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft
[AWEL]) verfassten Amtsbericht vom 31. Mai 2021 ins Recht.
I.
Der mit Präsidialverfügungen vom 15. Juni 2021 hierzu eingeladene Rekur-
rent nahm mit Eingaben vom 14. Juli 2021 innert erstreckter Frist zum Amts-
bericht Stellung und beantragte die Aufhebung der Baubewilligungen unter
Entschädigungsfolge zulasten der Rekursgegner.
J.
Die private Rekursgegnerin nahm mit Eingaben vom 9. August 2021 Stellung
zu den Eingaben des Rekurrenten und schloss auf Abweisung des Rekur-
ses, unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zulasten des Rekurrenten.
Die Vorinstanz verzichtete mit Eingabe vom 30. Juli 2021 ausdrücklich auf
die Erstattung einer Stellungnahme zu den Eingaben des Rekurrenten.
K.
Auf die Vorbringen der Parteien wird, soweit für den Entscheid erforderlich,
in den nachfolgenden Erwägungen Bezug genommen.

## Considerations

Es kommt in Betracht:
R4.2021.00056 Seite 5
1.
Der Rekurrent erhebt in beiden Verfahren dieselben Rügen. Die Rekursver-
fahren G.-Nrn. R4.2021.00056 und R4.2021.00057 sind daher aus prozess-
ökonomischen Gründen zu vereinigen.
2.
Der Rekurrent DK ist Bewohner der Liegenschaft Kat.-Nr. 3, welches sich in
den jeweiligen gemäss bundesgerichtlicher Definition rechtsmittelberechtig-
ten Umkreisen der strittigen Kommunikationsanlagen befindet (s. S. 5 der
Standortdatenblätter). Der Rekurrent ist damit mehr als irgendwelche Dritte
oder die Allgemeinheit in seinen eigenen Interessen betroffen sowie auf-
grund seiner Rügen im Sinne von § 338a des Planungs- und Baugesetzes
(PBG) rechtsmittellegitimiert. Da auch die übrigen Prozessvoraussetzungen
erfüllt sind, ist auf die Rekurse einzutreten.
3.
Das Baugrundstück Kat.-Nr. 1 liegt in der Zentrumszone Z5 gemäss Bau-
und Zonenordnung der Stadt X (BZO) sowie im Perimeter des Gestaltungs-
plans "S." und ist mit einem mehrgeschossigen Gebäude überstellt. Auf des-
sen Flachdach soll nach den Plänen der privaten Rekursgegnerin eine Mo-
bilfunk-Antennenanlage erstellt werden. Die Antennen sollen in den Azimu-
ten (Abweichung in Grad von Norden) von 70° und 190° auf den Frequenz-
bändern 700-900, 1'400-2'600 und 3'600 MHz senden.
Die zweite strittige Mobilfunk-Antennenanlage soll auf dem Flachdach des
mehrgeschossigen Gebäudes auf dem der Zentrumszone Z4 zugewiesenen
Grundstück Kat.-Nr. 2 errichtet werden. Die Antennen dieser Anlage sollen
in den Azimuten von 45°, 190° und 300° ebenfalls auf den Frequenzbändern
700-900, 1'400-2'600 und 3'600 MHz senden.
4.1.
Strittig sind verschiedene Verstösse gegen immissionsrechtliche Vorschrif-
ten. Bevor im Einzelnen auf die Rügen eingegangen wird, ist zunächst grund-
legend Folgendes festzuhalten:
R4.2021.00056 Seite 6
Der Schutz der Umwelt vor nichtionisierender elektromagnetischer Strahlung
wird im Umweltschutzgesetz (USG) sowie in der Verordnung über den
Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV) geregelt. Das Bundesamt für
Umwelt (BAFU) konkretisierte die NISV mit Vollzugsempfehlungen (Mobil-
funk- und WLL-Basisstationen, Vollzugsempfehlung zur NISV,
BUWAL/BAFU, Bern 2003 [Vollzugsempfehlung zur NISV]) und diversen
diesbezüglichen Nachträgen (etwa mit dem Nachtrag vom 23. Februar 2021
betreffend adaptive Antennen [Bundesamt für Umwelt BAFU, Adaptive An-
tennen, Nachtrag vom 23. Februar 2021 zur Vollzugsempfehlung NISV,
fortan: Nachtrag zur Vollzugsempfehlung zur NISV]).
Die NISV regelt die Begrenzung von nieder- und hochfrequenten Strah-
lenemissionen, welche durch den Betrieb ortsfester Anlagen wie z.B. Mobil-
funk-Basisstationen erzeugt werden (Art. 2 Abs. 1 lit. a NISV). Es wurden,
wie im genannten Bundesgesetz vorgeschrieben, Immissionsgrenzwerte
und in Umsetzung des gesetzlichen Vorsorgeprinzips zudem Anlagegrenz-
werte festgelegt. Der NISV liegt das Konzept der technologieunabhängigen
Festlegung von Immissions- und Anlagegrenzwerten zugrunde. Es wird nicht
nach der Technologie bzw. dem Funkdienst unterschieden, sondern es gel-
ten je nach Sendeleistung der Anlage und Frequenz unterschiedliche Grenz-
werte (vgl. Benjamin Wittwer, Bewilligungen von Mobilfunkanlagen, 2. Aufl.,
Zürich 2008, S. 55). Die entsprechenden Grenzwerte sind damit von allen
Mobilfunkanlagen mit einer Gesamtstrahlungsleistung von über 6 WERP –
und vorliegend mithin von sämtlichen geplanten Antennen – zwingend ein-
zuhalten (Anhang 1 Ziff. 61 NISV).
Für die Beurteilung der Einhaltung der Grenzwerte gilt gemäss Anhang 1
Ziff. 63 Abs. 1 NISV als massgebender Betriebszustand der maximale Ge-
sprächs- und Datenverkehr bei maximaler Sendeleistung. Mit der per 1. Juni
2019 in Kraft getretenen Fassung der NISV wurde diese Bestimmung dahin-
gehend ergänzt, dass bei adaptiven Antennen die Variabilität der Senderich-
tungen und der Antennendiagramme berücksichtigt wird, was in der seit 1.
Januar 2022 geltenden Fassung der NISV näher präzisiert wurde (Zulässig-
keit der Anwendung eines Korrekturfaktors KAA bei gleichzeitiger Ausstattung
mit einer automatischen Leistungsbegrenzung gemäss Anhang 1 Ziff. 63
Abs. 2 und 3 NISV). Sendeantennen sind in diesem Sinne adaptiv, wenn sie
so betrieben werden, dass ihre Senderichtung oder ihr Antennendiagramm
automatisch in kurzen zeitlichen Abständen angepasst wird (Anhang 1 Ziff.
62 Abs. 6 NISV).
R4.2021.00056 Seite 7
4.2.
Die Immissionsgrenzwerte (IGW) gelten an allen Orten, wo sich Menschen
normalerweise aufhalten können. Dies jedoch nicht permanent, sondern je-
weils nur für kürzere Dauer (OKA; Art. 13 Abs. 1 NISV). Das gilt beispiels-
weise für Passanten auf Strassen oder bei einem Aufenthalt in Lagerräumen.
Die Immissionsgrenzwerte basieren auf den Empfehlungen bzw. Richtlinien
der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie weiterer Fachgremien.
Die Anlagegrenzwerte (AGW) gehen erheblich über den Schutzumfang der
Immissionsgrenzwerte hinaus. Sie verlangen in Konkretisierung der Bestim-
mung von Art. 4 Abs. 1 NISV über die vorsorgliche Emissionsbegrenzung an
Orten mit empfindlicher Nutzung (OMEN), welche in Art. 3 Abs. 3 NISV defi-
niert werden, durchschnittlich um den Faktor 10 tiefere elektrische Feldstär-
ken. Als OMEN gelten nach dieser Bestimmung insbesondere Räume in Ge-
bäuden, in denen sich Menschen regelmässig während längerer Zeit aufhal-
ten (Wohn- und Schlafräume, permanente Arbeitsplätze etc.) oder raumpla-
nungsrechtlich festgesetzte Kinderspielplätze. Die Anlagegrenzwerte bewe-
gen sich frequenzabhängig im Bereich zwischen 4 und 6 V/m. Für die hier in
Frage stehenden Basisstationen, die in den erwähnten Frequenzbereichen
700-900, 1'400-2'600 und 3'600 MHz senden sollen, gilt gemäss Anhang 1
Ziff.64 lit. c NISV ein maximal zulässiger Anlagegrenzwert von 5 V/m.
5.1.
Zunächst ist im Wesentlichen strittig, ob die rechnerische Prognose in den
Standortdatenblättern auf umhüllenden Antennendiagrammen basiert. Der
Rekurrent bestreitet dies und hält überdies dafür, dass nicht festgestellt wer-
den könne, ob die Anlagegrenzwerte bei allen OMEN eingehalten seien.
5.2.
Das Verwaltungsgericht hat im erwähnten Rückweisungsentscheid festge-
halten, dass gemäss den Standortdatenblättern die Antennen mit dem be-
züglich 5G-Technologie relevanten Frequenzband von 3'600 MHz einen fes-
ten Neigungswinkel 0 aufwiesen. Zudem enthielten alle Antennendiagramme
den Vermerk "tilt electrical 0", obwohl die Antennen für die unteren Frequenz-
bänder jeweils gemäss den Zusatzblättern 2 über einen Winkelbereich von
einigen wenigen Grad verfügen würden. Diese Angaben würden die An-
nahme nahelegen, dass die Antennendiagramme einer herkömmlichen An-
R4.2021.00056 Seite 8
lage mit einer (nahezu) waagrechten Hauptstrahlrichtung entsprechen wür-
den. Es sei erklärungsbedürftig, wie damit die Strahlenbelastung aus dem
Beamforming bzw. der Variabilität adaptiver Antennen umhüllend erfasst
sein soll. Insofern erachtete das Verwaltungsgericht die Sachverhaltsannah-
men in der Baubewilligung als nicht rechtsgenüglich erstellt (VB.2020.00544
vom 15. Januar 2021, E. 4.5 und 4.7).
Zur ergänzenden Sachverhaltsermittlung wurde in den vorliegenden (fortge-
setzten) Rekursverfahren deshalb – wie einleitend dargelegt – die NIS-
Fachstelle der Stadt X ersucht, dem Baurekursgericht einen schriftlichen
Amtsbericht über die erwähnten Fragen (Prozessgeschichte lit. G) zu erstat-
ten.
In dem – stellvertretend von der kantonalen NIS-Fachstelle erstatteten – vom
31. Mai 2021 datierenden Amtsbericht wurde die erste Frage, ob die rechne-
rische Prognose in den Standortdatenblättern mit den angegebenen Nei-
gungswinkeln bzw. Neigungswinkelbereichen bei den beiden Anlagen die
Variabilität adaptiver Antennen – soweit eingesetzt – umhüllend erfasse, wie
folgt beantwortet:
" Ja, dies ist eine Vorgabe des Bundesamts für Umwelt (BAFU). Die beige-
legten Antennendiagramme berücksichtigen für jede Senderichtung den
maximal möglichen Antennengewinn, oder anders ausgedrückt, sie um-
hüllen alle Einzeldiagramme für die vorgesehenen horizontalen und verti-
kalen Senderichtungen. Diese Einzeldiagramme können sehr unter-
schiedlich sein: Es kann z.B. nur ein einziger Strahlkegel ("Beam") gebil-
det werden, der in eine bestimmte Richtung abgestrahlt werden kann, o-
der es können mehrere Strahlen gleichzeitig in verschiedene Richtungen
abgestrahlt werden. Bei den umhüllenden Antennendiagrammen adapti-
ver Antennen ist zudem berücksichtigt, dass Beams in Richtungen, die
stark von der Hauptstrahlrichtung abweichen, weniger stark gebündelt
sind und einen kleineren Antennengewinn aufweisen (vgl. Kap. 3.3.5 "An-
tennendiagramme für adaptive Antennen", Nachtrag vom 23. Februar
2021 zur Vollzugsempfehlung zur Verordnung über den Schutz vor nicht-
ionisierender Strahlung [NISV] für Mobilfunk- und WLL-Basisstationen,
BUWAL 2002)."
Für den Fall, dass die erste Frage bejaht würde, wurde vom Baurekursgericht
die Frage gestellt, wie es damit zu vereinbaren sei, dass die Antennen mit
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dem bezüglich 5G-Technologie relevanten Frequenzband von 3'600 MHz ei-
nen festen Neigungswinkel 0 und nur die Antennen für die unteren Frequenz-
bänder jeweils über einen Winkelbereich verfügen würden (Zusatzblatt 2),
wobei alle Antennendiagramme gleichzeitig den Vermerk "tilt electrical 0"
enthielten. Dem Amtsbericht ist hierzu Folgendes zu entnehmen:
" Der adaptive Antennentyp Air 6488B43 verfügt nicht über die Möglichkeit
der elektrischen Tilt-Einstellung; die horizontale und vertikale Auslenkung
der Beams wird einzig durch das "Beamforming" erzeugt und liegt immer
innerhalb des umhüllenden Antennendiagramms. Die Angabe für den
elektrischen Tilt der adaptiven Antennen im Zusatzblatt 2 von "0" ist in
diesem Sinn (i.e. "keine Tilt-Einstellung möglich") zu verstehen.
Hingegen verfügen die konventionellen Antennen in den unteren sum-
mierten Frequenzbändern über die Möglichkeit einer elektrischen Tilt-Ein-
stellung. Da für die Erzeugung der entsprechenden umhüllenden Anten-
nendiagramme alle vertikalen Einzeldiagramme zunächst auf 0° rotiert
wurden, wird für die rechnerische Prognose das gesamte umhüllende Di-
agramm für jeden OMEN im Rahmen des im Zusatzblatt 2 beantragten
vertikalen Tilt-Bereichs so gedreht, dass der OMEN mit dem grösstmögli-
chen Antennengewinn (bzw. der kleinsten Richtungsdämpfung) berechnet
wird."
Schliesslich hat das Bauerkursgericht die Frage gestellt, ob der rechneri-
schen Prognose gemäss den Standortdatenblättern eine Worst-Case-Be-
trachtung zugrunde liege. Die kantonale NIS-Fachstelle beantwortet diese
Frage folgendermassen:
" Ja, sowohl für die adaptiven, als auch für die konventionellen Antennen
wurde eine Worst-Case-Betrachtung durchgeführt.
lm konventionellen Bereich wurde, wie oben ausgeführt, für jeden OMEN
die vertikale Tilt-Einstellung mit der kleinstmöglichen Richtungsdämpfung
zugrunde gelegt. Damit wird am OMEN die grösstmögliche Strahlenbelas-
tung berechnet. Jede andere Antenneneinstellung (im Rahmen des bean-
tragten vertikalen Tilt-Bereichs im Zusatzblatt 2) würde zu einer höheren
Richtungsdämpfung und damit zu einer geringeren berechneten Strahlen-
belastung am OMEN führen.
R4.2021.00056 Seite 10
Für die adaptiven Antennen ist zu berücksichtigen, dass die unterschied-
lichen Antennendiagramme, die den umhüllenden Diagrammen zugrunde
liegen, nicht alle gleichzeitig auftreten können. lm Rahmen einer Worst-
Case-Beurteilung wird aber davon ausgegangen, dass immer alle mögli-
chen Strahlrichtungen gleichzeitig mit maximaler Sendeleistung aktiviert
sind. Damit überschätzen die Berechnungen basierend auf den umhüllen-
den Diagrammen die in der Realität auftretende Strahlung an den umlie-
genden OMEN deutlich (vgl. Kap. 5.4 "Berücksichtigung umhüllender An-
tennendiagramme bei der Prognose der Strahlung adaptiver Antennen ge-
mäss Vollzugsempfehlung zur NISV", Erläuterungen zu adaptiven Anten-
nen und deren Beurteilung gemäss der Verordnung über den Schutz vor
nichtionisierender Strahlung [NISV] vom 23.02.2021); die reale Strahlen-
belastung am OMEN liegt damit sicher unter der so berechneten."
In tatsächlicher Hinsicht ist somit erstellt, dass die Antennendiagramme ge-
mäss den Standortdatenblättern der beiden Anlagen die Variabilität adapti-
ver Antennen jeweils umhüllend erfassen. Aus dem Amtsbericht ergibt sich
ferner, dass die Angabe in den Standortdatenblättern "tilt electrical 0" nicht
bedeutet, dass die Antennendiagramme denjenigen einer herkömmlichen
Anlage mit einer (nahezu) waagrechten Hauptstrahlrichtung entsprechen.
Diese Angaben führen mithin nicht dazu, dass an der umhüllenden Erfas-
sung der Strahlenbelastung aus dem Beamforming bzw. der Variabilität
adaptiver Antennen zu zweifeln wäre. Schliesslich steht fest, dass der ange-
fochtenen Bewilligung eine "Worst-Case"-Betrachtung zugrunde liegt, wie
dies einer anerkannten Beurteilungsmethode in Bezug auf adaptive Anten-
nen entspricht (vgl. VB.2021.00047 und VB.2021.00048 vom 3. Juni 2021).
Was der Rekurrent gegen den Amtsbericht vorbringt, überzeugt nicht; hierzu
im Einzelnen was folgt.
5.3.1.
Der Rekurrent moniert, dass die zweite Frage falsch beantwortet worden sei,
da im Zusatzblatt 2 für die adaptiven Antennen entweder ein Winkelbereich
bis mindestens -20° beantragt werden müsse oder das Antennendiagramm
dieser Antennen bis auf -40° hinunter keinerlei Dämpfung aufweisen dürfe.
Andernfalls seien im Worst-Case sämtliche OMEN mit zu tiefen Werten be-
rechnet worden.
R4.2021.00056 Seite 11
Diesbezüglich ist festzuhalten, dass es sich bei den im Zusatzblatt 2 von
Standortdatenblättern jeweils angegebenen Winkeln um die mechanische
Ausrichtung ("Neigbarkeit") der Antenne (sog. "mechanischer down tilt") han-
delt bzw. um die elektrisch gesteuerte Abweichung der vertikalen Haupt-
strahlrichtung von der mechanischen Ausrichtung (sog. "elektrischer down
tilt"). Angegeben wird im Zusatzblatt 2 zudem der gesamte Neigungswinkel
als Summe von mechanischem und elektrischem Neigungswinkel (Vollzugs-
empfehlung zur NISV, S. 36). In den Antennendiagrammen (Strahlungsdia-
grammen) wird hingegen die Strahlungscharakteristik einer Antenne er-
kenntlich gemacht. Das Antennendiagramm gibt Auskunft über die Richtwir-
kung einer Antenne (Intensität der Strahlung in Abhängigkeit des Winkels zur
Hauptstrahlrichtung), d.h. sie gibt gewissermassen an, wie sich die Strahlung
im Raum verteilt bzw. in welchem Raumwinkel sie sich konzentriert. Aus dem
Antennendiagramm lässt sich die Abschwächung gegenüber der Haupt-
strahlrichtung, üblicherweise in Einheiten von dB herauslesen (Vollzugsemp-
fehlung zur NISV, S. 24).
Vor diesem Hintergrund erschliesst es sich nicht, weshalb im Zusatzblatt 2
für die adaptiven Antennen just ein Winkelbereich bis mindestens -20° bean-
tragt werden müsste oder weshalb das Antenenndiagramm dieser Antennen
bis auf -40° keinerlei Dämpfung aufweisen dürfe.
5.3.2.
Nach der Auffassung des Rekurrenten ebenfalls falsch beantwortet worden
sei die dritte Frage. Das Antennendiagramm der adaptiven Antennen würde
im 3'600 MHz-Band in den ursprünglichen Projektunterlagen nicht den Ab-
senkmöglichkeiten der Datenbeams von bis zu 40° aus der Horizontalen ent-
sprechen. Dieses Diagramm weise bereits bei -22° aus der Horizontalen ei-
nen Dämpfungsfaktor von 6 dB oder Faktor 4 auf, während in den von der
Y AG gelieferten Einzeldiagrammen (z.B. auf S. 788) bei -22° ein solcher von
Null zu sehen sei.
Zu beachten ist, dass die – die umhüllenden Antennendiagramme bildenden
– Einzeldiagramme unterschiedliche Antennengewinne aufweisen (s. "Gain"
in den Legenden zu den Einzeldiagrammen). Beim Antennengewinn handelt
es sich um einen Wert, mit welchem die in eine bestimmte Richtung gebün-
delte Energie im Verhältnis zu einem Referenzstrahler, im vorliegenden Fall
zu einem (fiktiven) isotropen Kugelstrahler, welcher über einen Gewinn von
0 dB verfügt, ausgedrückt wird (vgl. die Einheit dBi in den Legenden zu den
R4.2021.00056 Seite 12
Einzeldiagrammen [i steht für isotrop]; zum Ganzen Alois Krischke, Rotham-
mels Antennenbuch, 12. Aufl., Baunatal 2001, S. 78 f. und 82). Werden nun
die jeweils auf einen Referenzstrahler bezogenen Einzeldiagramme mit un-
terschiedlichen Gewinnen übereinandergelegt, d.h. in ein und demselben
(umhüllenden) Diagramm dargestellt, kann konsequenterweise bspw. eine
Antenne mit einem geringeren Gewinn nicht über dieselbe Richtungsab-
schwächung verfügen wie eine "stärkere" (d.h. einen höheren Gewinn auf-
weisende und mithin in eine bestimmte Richtung mehr Energie bündelnde)
Antenne.
Die private Rekursgegnerin legt schlüssig dar, dass in diesem Fall, d.h. beim
Übereinanderlegen der Einzeldiagramme, den unterschiedlich hohen Anten-
nengewinnen insoweit Rechnung zu tragen ist, als die Einzeldiagramme im
Verhältnis der Antennengewinne zueinander skaliert werden müssen. Mas-
sgebend ist der grösste für einen Beam ausgewiesene Antennengewinn (vgl.
act. 6, S. 5 f. und act. 20, S. 3 [in beiden Dossiers]). Aus dem Umstand, dass
im umhüllenden Diagramm bei -22° (ausgehend von der Horizontalen) ein
Dämpfungswert von 6 dB ausgewiesen ist, während bei dem vom Rekurren-
ten beispielhaft genannten Einzeldiagramm bei -22° ein solcher von 0 dB
herauszulesen ist, kann mithin nicht auf fehlerhafte Angaben geschlossen
werden. Im Übrigen hält auch die kantonale NIS-Fachstelle vorbehaltlos fest,
dass die beigelegten Antennendiagramme für jede Senderichtung den maxi-
mal möglichen Antennengewinn berücksichtigen oder anders ausgedrückt,
dass die Antennendiagramme alle Einzeldiagramme für die vorgesehenen
horizontalen und vertikalen Senderichtungen umhüllend erfassen.
5.4.