# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 913751f4-3c7d-5a88-9028-49711708e7c1
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner betreibt einen Landwirtschaftsbetrieb am J._weg in
Lyss. Mangels Entwicklungspotential an diesem Standort beabsichtigt er, seinen Betrieb
auszusiedeln und zusammen mit zwei anderen Landwirten eine
Betriebszweiggemeinschaft Milchproduktion zu gründen. Erste Standortabklärungen
erfolgten im Jahr 2006 und das Ergebnis floss in die Ortsplanungsrevision der Gemeinde
Lyss ein. Im November 2013 stellte der Beschwerdegegner eine Voranfrage. Gestützt auf
das Ergebnis wurde das Projekt überarbeitet. Am 16. Juli 2015 reichte der
Beschwerdegegner bei der Gemeinde Lyss ein vom 3. Juli 2015 datierendes Baugesuch
ein für den Neubau einer landwirtschaftlichen Siedlung, bestehend aus einem
Laufstallgebäude für circa 80 Milchkühe und das dazugehörende Jungvieh, einer
Remise/Lagerhalle sowie einem Gebäude mit einer Betriebsleiter- und einer
Angestelltenwohnung auf Parzelle Lyss Grundbuchblatt Nr. M._. Die Parzelle liegt
in der Landwirtschaftszone. Das Vorhaben benötigt eine Ausnahmebewilligung für die
Überschreitung der maximalen Silohöhe. Da die Gemeinde Lyss Grundeigentümerin der
Bauparzelle ist, überwies sie das Gesuch zuständigkeitshalber dem
Regierungsstatthalteramt Seeland. Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden Einsprache. Da das Amt für Gemeinden und Raumordnung (AGR)
die Zonenkonformität der Angestelltenwohnung verneinte, reichte der Beschwerdegegner
mit Schreiben vom 17. Dezember 2015 eine Projektänderung ein. Er verkleinerte das
Wohnhaus und beantragte neu die Bewilligung einer Betriebsleiterwohnung mit einer
Bruttogeschossfläche (BGF) von 180 m2 und eines Studios für einen Angestellten mit einer
BGF von 20 m2. Da das geänderte Projekt anrechenbare Raumreserven enthielt, verneinte
das AGR in seiner Stellungnahme vom 22. Januar 2016 die Zonenkonformität. Es empfahl,
die BGF auf das zulässige Mass zu reduzieren und die Empfehlungen der Kommission zur
Pflege der Orts- und Landschaftsbilder (OLK) aus dem Voranfrageverfahren umzusetzen.
Mit Schreiben vom 20. März 2016 reichte der Beschwerdegegner eine weitere
Projektänderung (datierend vom 18. März 2016) ein. Mit Verfügung vom 20. Mai 2016
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bejahte das AGR die Zonenkonformität des Vorhabens. Mit Gesamtentscheid vom
4. Januar 2017 erteilte das Regierungsstatthalteramt Seeland die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 6. Februar 2017 Beschwerde bei
der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die
Aufhebung des Gesamtentscheides vom 4. Januar 2017 und das Nichteintreten auf das
Baugesuch. Eventuell sei das Baugesuch abzuweisen. Zur Begründung machen sie
insbesondere geltend, das Bauvorhaben habe eine industrielle Milchproduktion und
Tierzucht zum Gegenstand. Eine solche Aussiedlung könne nicht in einem
Baubewilligungsverfahren beurteilt werden. Zudem sei die Bauparzelle nicht genügend
erschlossen und das Vorhaben gehe über eine innere Aufstockung hinaus. Es sei
bodenunabhängig und deshalb nicht zonenkonform. Im Übrigen würden dem Bauvorhaben
insbesondere die Interessen des Landschaftsschutzes entgegenstehen und die
Voraussetzungen für die Erteilung einer Ausnahmebewilligung für das Erstellen von vier 25
m hohen Hochsilos seien nicht gegeben. Zudem sei die Erschliessung über den
K._weg ungenügend.
3. In seiner Stellungnahme vom 21. Februar 2017 beantragt das
Regierungsstatthalteramt Seeland die Abweisung der Beschwerde, soweit darauf
einzutreten sei. Es verweist auf die Erwägungen im angefochtenen Entscheid.
In seiner Stellungnahme vom 23. Februar 2017 beantragt das AGR die Abweisung der
Beschwerde. Es verweist auf seinen Entscheid betreffend Bauvorhaben ausserhalb des
Baugebietes und verzichtet auf eine weitere Stellungnahme.
In seiner Beschwerdeantwort vom 9. März 2017 beantragt der Beschwerdegegner die
Abweisung der Beschwerde, soweit überhaupt darauf einzutreten sei. Es sei fraglich, ob
die Beschwerdeführenden legitimiert seien. Ihre Liegenschaften befänden sich ungefähr
300 m vom Bauvorhaben entfernt. Zudem sei mehr als fraglich, ob die
Beschwerdeführenden 3-6 überhaupt eine Sichtverbindung zum Baugrundstück hätten.
Selbst bei Sichtverbindung drohe durch das Bauvorhaben keine deutlich wahrnehmbare
und nachteilige Störung. Die Beschwerdeführenden seien auch nicht von Immissionen aus
dem Bauvorhaben betroffen. Für das Bauvorhaben sei keine Planungspflicht angezeigt
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oder vorgeschrieben. Die stattliche Grösse des Betriebs ändere nichts an der
Zonenkonformität. Die Mehrhöhe der Silos könne im Rahmen einer Ausnahmebewilligung
geprüft werden. Die Standortevaluation habe im Rahmen der Ortsplanungsrevision 2013
stattgefunden. Um den Neubau des Landwirtschaftsbetriebs zu ermöglichen, sei die
Landschaftsschonzone aufgehoben und der fragliche Standort der reinen
Landwirtschaftszone zugewiesen worden. Die Rechtmässigkeit der Aufhebung der
Landschaftsschonzone hätte im Rahmen der Ortsplanungsrevision vorgebracht werden
müssen. Die Aussiedlung ermögliche es, die langfristige Existenz von
Landwirtschaftsbetrieben zu sichern. Sie entspreche dem Grundsatz der Trennung von
Bau- und Nichtbaugebiet. Die Beanspruchung von Fruchtfolgeflächen sei ein notwendiges
Übel. Mit circa 50 Hektaren landwirtschaftlicher Nutzfläche verfüge der Betrieb des
Beschwerdegegners über ausreichend betriebseigene Fläche, um sein Futter zu
produzieren. Der Betrieb sei deshalb aufgrund seiner bodenabhängigen Produktion
zonenkonform. Weitere Ausführungen zur inneren Aufstockung und zu den
Intensivlandwirtschaftszonen würden sich erübrigen. Das Bauvorhaben umfasse nur
Bauten und Anlagen, die für die Bewirtschaftung nötig seien. Da der Sohn den Betrieb
dereinst übernehmen möchte, sei sichergestellt, dass der Betreib längerfristig bestehen
könne. Der K._weg genüge für die Erschliessung des neuen
Landwirtschaftsbetriebs. Bei Einhaltung der Normhöhe müssten circa acht bis zehn Silos
erstellt werden. Dies würde nicht nur mehr Fruchtfolgefläche verschlingen, sondern auch
die Landschaft stärker beeinträchtigen. Aufgrund der betrieblichen und örtlichen
Gegebenheiten lägen besondere Verhältnisse vor, die die Erteilung der Ausnahme
rechtfertigen würden.
In ihrer Stellungnahme vom 8. März 2017 beantragt die Gemeinde die Abweisung der
Beschwerde, soweit darauf eingetreten werden könne. Den Beschwerdeführenden fehle
die erforderliche besondere Beziehungsnähe zum Streitgegenstand. Das Vorhaben sei
nicht planungspflichtig. Die überwiegende Abdeckung des Futterbedarfs sei gewährleistet.
Die Silos hätten zum Zweck, das auf dem Betriebsgelände produzierte Futter haltbar zu
machen. Der K._ diene bereits heute als Zufahrt für die landwirtschaftliche
Bewirtschaftung in der Umgebung des Vorhabens. Er werde die wenigen Mehrfahrten, mit
denen aufgrund des geplanten Vorhabens zu rechnen sei, ohne weiteres verkraften
können. Der Bedarf für die Aussiedlung ergebe sich aufgrund der Tatsche, dass der
Betrieb des Beschwerdegegners heute bereits von Bauland praktisch umschlossen sei und
kein Entwicklungspotential mehr habe.
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4. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, gab den
Beschwerdeführenden Gelegenheit, zur bestrittenen Beschwerdelegitimation Stellung zu
nehmen. Auf die Rechtsschriften und die Vorakten wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Form und Frist
a) Der Entscheid des Regierungsstatthalteramts ist ein Gesamtentscheid im Sinne von
Art. 9 KoG2. Er ist gestützt auf Art. 11 Abs. 1 KoG in Verbindung mit Art. 5 Abs. 1 KoG mit
Baubeschwerde nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 bei der BVE anfechtbar. Die BVE ist somit zur
Beurteilung der Beschwerde zuständig.
b) Die Beschwerde ist innert der Rechtsmittelfrist eingereicht worden (Art. 40 Abs. 1
BauG i.V.m. Art. 41 Abs. 2 VRPG4). Sie enthält einen Antrag und eine Begründung (Art. 32
Abs. 2 VRPG). Die Unterschrift wurde innert der Nachfrist verbessert (Art. 33 Abs. 2
VRPG).
2. Einsprache- und Beschwerdelegitimation
a) Nach Art. 40 Abs. 2 BauG in Verbindung mit Art. 35 Abs. 2 Bst. a BauG sind zur
Beschwerde Personen befugt, die durch das Bauvorhaben unmittelbar in ihren eigenen
schutzwürdigen Interessen betroffen sind. Diese Interessen können rechtlicher oder
tatsächlicher Natur sein. Es braucht aber eine besondere Betroffenheit, eine besonders
nahe Beziehung zur Streitsache. Es ist erforderlich, dass die Einsprecherinnen und
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0) 4 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21)
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Einsprecher persönlich vom Bauvorhaben in höherem Mass als die Allgemeinheit berührt
werden.5 Sie müssen über eine spezifische Beziehungsnähe zur Streitsache verfügen und
einen praktischen Nutzen aus der Aufhebung oder Änderung des angefochtenen
Entscheids ziehen. Die Nähe der Beziehung zum Streitgegenstand muss bei Bauprojekten
insbesondere in räumlicher Hinsicht gegeben sein.6
Umstritten ist, ob diese Voraussetzungen erfüllt sind. Die Beschwerdeführenden
begründen ihre Einsprache- und Beschwerdelegitimation im Wesentlichen damit, dass ihre
Liegenschaften weniger als 300 m vom Bauprojekt entfernt liegen würden. Von ihren höher
gelegenen Liegenschaften aus hätten sie freie Sicht auf das gesamte Bauprojekt. Die
Beschwerdelegitimation sei deshalb bereits aufgrund der räumlichen Nähe gegeben. Heute
sei der Standort unbebaute Grünfläche. Bis zur letzten Ortsplanungsrevision habe sich der
fragliche Teil der Parzelle Nr. M._ in der Landschaftsschutzzone befunden. Nun
solle in diesem Gebiet ein industrieller Landwirtschaftsbetrieb erstellt werden. Zudem sei
eine Ausnahmebewilligung für das Erstellen von vier aneinandergebauten Hochsilos mit
einer Höhe von je 25 m und einem Durchmesser von je 6.5 m erteilt worden. Dies sei
praktisch doppelt so hoch wie gesetzlich zulässig. Die Silos seien frei einsehbar und
ergäben aufgrund ihrer Dimension eine deutlich wahrnehmbare und nachteilige Störung
der direkten Sichtverbindung. Zudem könne der K._ nicht als genügende
Erschliessung für einen nahezu industriellen Landwirtschaftsbetrieb mit 80 Milchkühen und
deren Jungvieh gelten. Es handle sich um eine schlecht fundierte Strasse, auf der zwei
Personenwagen nicht kreuzen könnten. Zudem bestehe auf dem K._ ab den
bestehenden Schrebergärten bis zum geplanten Neubau ein Fahrverbot über 3.5 t. Der
Landwirtschaftsverkehr werde deshalb nicht über den K._weg, sondern über den
N._ erfolgen und direkt vor den Liegenschaften der Beschwerdeführenden
durchführen. Es sei deshalb mit einer massiven Verkehrszunahme zu rechnen. Die Nähe
der Beziehung zum Streitgegenstand sei deshalb insbesondere aufgrund der räumlichen
und örtlichen Gegebenheiten gegeben. Durch das Bauvorhaben drohe eine deutlich
wahrnehmbare und nachteilige Störung. Die Dimension des Vorhabens sei für einen
schweizerischen Landwirtschaftsbetrieb ausserordentlich gross. Verstärkt werde all dies
durch die Ausnahmebewilligung für die vier Hochsilos. Diese werde für die
Beschwerdeführenden quasi als Wand wahrnehmbar sein.
5 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 3. Aufl., Band I, Bern 2007, Art. 35/35a N. 16 6 BGer 1C_246/2011 vom 1. Februar 2012 E. 2.2
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b) Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung sind Personen, die in der Umgebung
eines Bauvorhabens wohnen, zur Beschwerdeführung legitimiert, wenn sie mit Sicherheit
oder zumindest grosser Wahrscheinlichkeit durch Immissionen (Lärm, Staub,
Erschütterungen, Licht oder andere Einwirkungen) betroffen werden, die der Bau oder
Betrieb der fraglichen Anlage hervorruft. Bei weiträumigen Einwirkungen kann ein grosser
Kreis von Personen zur Beschwerdeführung legitimiert sein, etwa beim Betrieb eines
Flughafens oder einer Schiessanlage. Als wichtiges Kriterium zur Beurteilung der
Betroffenheit dient in der Praxis die räumliche Distanz zum Bauvorhaben bzw. zur Anlage.
Die Rechtsprechung bejaht in der Regel die Legitimation von Nachbarn, deren
Liegenschaften sich in einem Umkreis von bis zu rund 100 m befinden. Bei grösseren
Entfernungen muss eine Beeinträchtigung aufgrund der konkreten Gegebenheiten
glaubhaft gemacht werden. Dabei darf nicht schematisch auf einzelne Kriterien wie Distanz
zum Vorhaben, Sichtverbindung usw. abgestellt werden, sondern es ist eine
Gesamtwürdigung anhand der konkreten Verhältnisse erforderlich. Die Legitimation ergibt
sich nicht allein aus der räumlichen Nähe, sondern aus der daraus herrührenden
besonderen Betroffenheit.7 Diese ist umso weniger offensichtlich, je grösser die Entfernung
zwischen dem Baugrundstück und den Liegenschaften der Einsprecherinnen und
Einsprecher ist. Bei grösseren Distanzen müssen deshalb konkrete Interessen vorliegen
und dargetan werden, die durch das Bauprojekt beeinträchtigt werden könnten und denen
ein gewisses Gewicht zukommt, das es rechtfertigt, eine Betroffenheit zu bejahen, die
grösser ist als diejenige der Allgemeinheit. Dabei genügt eine direkte Sichtverbindung oder
eine minimale Beeinträchtigung der Aussicht nicht.8 Ideelle Beeinträchtigungen müssen in
der Regel ein ungleich stärker störendes Mass annehmen als materielle Immissionen wie
Lärm, Erschütterungen oder Luftverunreinigungen, damit die Legitimation bejaht werden
kann. Allein aus dem Umstand, dass sich jemand an einer baulichen Veränderung im
Blickfeld oder in der Umgebung eines Grundstücks stört, entsteht noch keine genügende
besondere Beziehungsnähe.9 Eine solche kann zwar auch von einer ästhetischen
Beeinträchtigung herrühren, wenn eine direkte Sichtverbindung vom Nachbargrundstück
auf das in Frage stehende Bauvorhaben besteht. Selbst bei gegebenem Sichtkontakt führt
jedoch nicht jede bauliche Veränderung im Blickfeld oder in der Umgebung zu einer
besonderen Beziehungsnähe der Nachbarinnen und Nachbarn. Die mögliche
7 BGE 140 II 214 E. 2.3, mit weiteren Hinweisen 8 BGer 1C_124/2016 vom 7. Juli 2016 E. 3.3.1 9 BGer 1A.266/2006 vom 25. April 2007 E. 4.1, mit Hinweis auf ZBl 96/1995 S. 527 E. 2c
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Beeinträchtigung muss deutlich wahrnehmbar sein und objektiv betrachtet als ein Nachteil
empfunden werden.10 Wird die Einsprache- und Rechtsmittelbefugnis aus den Immissionen
des Zubringerverkehrs abgeleitet, so müssen diese für die Beschwerdeführenden deutlich
wahrnehmbar sein, damit sie zur Beschwerde legitimiert sind. In Grenzfällen besteht ein
Beurteilungsspielraum, bei dessen Ausübung einerseits eine kaum mehr zu begrenzende
Öffnung des Beschwerderechts zu vermeiden ist und andererseits die Schranken auch
nicht zu eng gezogen werden dürfen, um nicht die vom Gesetzgeber gewollte Überprüfung
der richtigen Rechtsanwendung in Fällen, in denen der Beschwerdeführer ein aktuelles und
schützenswertes Interesse besitzt, auszuschliessen. Das Bundesgericht prüft die
Legitimationsvoraussetzungen jeweils in einer Gesamtwürdigung anhand der im konkreten
Fall vorliegenden tatsächlichen Verhältnisse. Es stellt nicht schematisch auf einzelne
Kriterien (wie z.B. Distanz zum Vorhaben, Sichtverbindung etc.) ab.11
c) Die Liegenschaften der Beschwerdeführenden befinden sich in einer Bauzone am
Siedlungsrand von Lyss. Diese ist im Norden, Osten und Süden von einer
Landwirtschaftszone umgeben. Die Beschwerdeführenden haben heute Sicht auf
unüberbautes, landwirtschaftlich genutztes Land mit den L._ in der Zone für Sport-
und Freizeitanlagen (ZSF) sowie dem Wald im Hintergrund. Angrenzend an die
L._ soll die landwirtschaftliche Siedlung des Beschwerdegegners erstellt werden.
Die Beschwerdeführenden 1 und 2 haben unbestritten Sichtkontakt zum Bauvorhaben. Ihre
Liegenschaft grenzt jedoch nicht direkt an die Bauparzelle, sondern befindet sich in einer
Entfernung von etwa 225 m von deren Grundstücksgrenze entfernt. Dazwischen liegen der
N._weg und landwirtschaftlich genutzte Parzellen. Die Distanz zwischen dem
Wohnhaus der Beschwerdeführenden 1 und 2 und dem geplanten nächstgelegenen
Gebäude des Beschwerdegegners (Remise/Lagerhalle) beträgt gut 285 m, der geplante
Laufstall mit den Silos ist rund 300 m entfernt. Ob auch die Beschwerdeführenden 3-6
Sichtkontakt zum Bauvorhaben haben, ist umstritten, kann aber offengelassen werden.
Ihre Liegenschaften befinden sich jedenfalls noch weiter vom Baugrundstück entfernt als
diejenige der Beschwerdeführenden 1 und 2. Die Entfernung der Bauparzelle zu den
Liegenschaften der Beschwerdeführenden ist mehr als zwei- bzw. dreimal grösser als die
Distanz, bis zu der nach der Faustregel des Bundesgerichts die für die Bejahung der
Legitimation erforderliche Beziehungsnähe in der Regel erreicht wird. Bei solchen
Distanzen müssen konkrete Interessen vorliegen und dargetan werden, die durch das
10 VGE 2014/129 vom 23. April 2015 E. 2.2, mit Hinweisen 11 BGE 136 II 281 E. 2.3.2
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Bauprojekt beeinträchtigt werden könnten. Diesen muss zudem ein gewisses Gewicht
zukommen, das es rechtfertigt, eine Betroffenheit zu bejahen, die grösser ist als diejenige
der Allgemeinheit. Allein der Umstand, dass eine direkte Sichtverbindung besteht, genügt
ebenso wenig wie eine geringfügige Beeinträchtigung der Aussicht. Wie das Bundesgericht
in diesem Zusammenhang festhält, hiesse anders entscheiden, einem Eigentümer eines
höher gelegenen Grundstücks an einer Hanglage das Recht einzuräumen, gegen jede
bauliche Veränderung an einer tiefer gelegenen Liegenschaft einzusprechen. Dies könne
offensichtlich nicht der Sinn einer wohlverstandenen öffentlich-rechtlichen Einsprache- und
Beschwerdebefugnis sein.12 Deshalb verneinte das Bundesgericht in einem
Beschwerdeverfahren betreffend die Erweiterung und Sanierung eines Betagten-Zentrums
die Beschwerdelegitimation eines Einsprechers, der je nach Sachverhaltsdarstellung
120 m oder 210 m vom Bauvorhaben entfernt Stockwerkeigentum hatte.13 Ebenso
bestätigte es den Nichteintretensentscheid der Vorinstanz in einem Beschwerdeverfahren
betreffend die Einzonung von Grundstücken in eine Sonderbauzone Gemüse- und
Gartenbau. In diesem Fall wandten sich die Beschwerdeführer, deren Liegenschaft sich in
einer Entfernung von mindestens 320 m befand, in erster Linie gegen die Beeinträchtigung
ihrer Aussicht durch unästhetische Gewächshäuser.14
d) Soweit die Beschwerdeführenden Einwände gegen die im Rahmen der letzten
Ortplanungsrevision erfolgte (teilweise) Entlassung der Parzelle Nr. M._ aus dem
Landschaftsschongebiet erheben, kann von vornherein nicht auf die Beschwerde
eingetreten werden, da diese Rügen ausserhalb des Streitgegenstands liegen. Im Übrigen
begründen sie ihre besondere Betroffenheit hauptsächlich mit dem Umstand, dass sie die
landwirtschaftliche Siedlung sehen können. Sie machen weder geltend noch ist ersichtlich,
dass das Bauvorhaben aufgrund seiner Dimension oder Ausgestaltung nachteilige
Auswirkungen auf den Charakter des Wohnquartiers oder die Liegenschaften der
Beschwerdeführenden haben könnte. Aufgrund der grossen Distanz kann ausgeschlossen
werden, dass es bezüglich der Liegenschaften der Beschwerdeführenden negative
Auswirkungen auf das Erscheinungsbild haben oder zu einer erhöhten Einsehbarkeit oder
zu Lichtentzug führen wird. Allein das Vorhandensein einer Sichtverbindung zum
Baugrundstück vermag die erforderliche nahe Raumbeziehung nicht zu begründen. Die
geplanten Bauten werden die Aussicht der Beschwerdeführenden bereits aufgrund der
12 BGer 1C_124/2016 vom 7. Juli 2016 E. 3.3.1 13 Vgl. BGer 1C_124/2016 vom 7. Juli 2016 14 Vgl. BGer 1A.266/2006 vom 25. April 2007
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Distanz wenn überhaupt bloss marginal einschränken. Zudem kommen sie nicht in direkter
Linie vor die Liegenschaften der Beschwerdeführenden zu stehen, sondern nach links
versetzt. Sie werden daher nicht im Zentrum des Sichtfeldes in Erscheinung treten.
Ausserdem wird die Fernsicht der Beschwerdeführenden durch den Wald begrenzt, der
sich im Hintergrund der geplanten Bauten befindet. Selbst unter der Berücksichtigung des
Umstandes, dass die geplanten vier Silos eine beträchtliche Höhe aufweisen werden, wird
die landwirtschaftliche Siedlung aus einer Distanz von rund 300 m vor dem Hintergrund
des Waldes nur untergeordnet in Erscheinung treten. Von einer die Aussicht der
Beschwerdeführenden versperrenden "Mauer" kann daher keine Rede sein. Im Übrigen
stellt eine landwirtschaftliche Siedlung mit Hochsilos in einer Landwirtschaftszone keinen
Fremdkörper dar. Von einer besonderen visuellen oder ästhetischen Beeinträchtigung der
Liegenschaften der Beschwerdeführenden kann deshalb nicht gesprochen werden.
Insbesondere liegt keine Situation vor, die mit der im Entscheid 1C_2/2010 vom 23. März
2010 zu beurteilenden vergleichbar wäre, wo es um den Verlust des noch freien Ausblicks
auf einen See durch eine Hochbaute auf dem Nachbargrundstück ging. Es ist deshalb nicht
ersichtlich und wird von den Beschwerdeführenden auch nicht dargetan, inwiefern unter
diesen Umständen die blosse Sichtbarkeit der landwirtschaftlichen Siedlung die Interessen
der Beschwerdeführenden in ästhetischer Hinsicht beeinträchtigen könnten. Die
Beschwerdeführenden machen zudem weder geltend noch ist ersichtlich, dass sie von
Lärm- oder Geruchsimmissionen aus dem Landwirtschaftsbetrieb selber besonders
betroffen wären. Es liegt deshalb auch keine mit der im Entscheid 1C_198/2012 vom 26.
November 2012 vergleichbaren Situation vor, wo die Beschwerdelegitimation eines
Einsprechers bejaht wurde, dessen Haus über 200 m von einem Bauernbetrieb entfernt
lag, weil eine Sichtverbindung bestand und nicht ausgeschlossen werden konnte, dass das
Bauprojekt Geruchsimmissionen verursacht, die zumindest bei Westwind auf der
Liegenschaft der Beschwerdeführer noch wahrnehmbar seien.
e) Die Beschwerdeführenden leiten ihre Einsprache- und Beschwerdelegitimation
ausserdem aus den Immissionen des Zubringerverkehrs ab. Sie machen geltend, der
Landwirtschaftsverkehr werde nicht über den K._weg, sondern über den
N._ erfolgen und direkt vor den Liegenschaften der Beschwerdeführenden
durchführen. Es sei deshalb mit einer massiven Verkehrszunahme zu rechnen. Die
Erschliessung des Baugrundstücks erfolgt gemäss den Vorakten über den
K._weg. Dieser ist im Eigentum der Gemeinde und verbindet das Baugrundstück
auf dem kürzesten Weg mit dem übergeordneten Strassennetz. Bis zum übergeordneten
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Strassennetz (O._strasse) beträgt die Fahrstrecke etwa 1.2 km. Demgegenüber
ist der Weg über den namenlosen Feldweg und den N._ bis zum übergeordneten
Strassennetz deutlich länger und umständlicher. Der K._weg ist mit einem
Schwarzbelag befestigt und weist bis zu den L._ eine Breite von mindestens 4.20
m auf. Das kurze Strassenstück zwischen den L._ und der Einfahrt zum
Baugrundstück ist auf einer Breite von 3.00 m ausgebaut.15 Wie sich den von den
Beschwerdeführenden eingereichten Fotos entnehmen lässt, gilt die
Gewichtsbeschränkung auf dem fraglichen Strassenstück nicht für land- und
forstwirtschaftliche Fahrzeuge. Gemäss den Angaben der Gemeinde dient der
K._weg bereits heute als Zufahrt für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung in der
Umgebung des Bauvorhabens und funktioniert problemlos. Aufgrund der örtlichen Situation
ist deshalb davon auszugehen, dass der Zulieferverkehr wie geplant über den
K._weg abgewickelt wird. Zudem ist nur mit wenigen Fahrten für die
Futterlieferung und Milchabholung zu rechnen. Es dürfte sich um weniger als eine Fahrt
pro Tag handeln. Es kann deshalb ausgeschlossen werden, dass die Verkehrsimmissionen
wegen des Betriebs des Beschwerdegegners im Bereich der Liegenschaften der
Beschwerdeführenden merklich zunehmen werden.
f) Zusammenfassend steht fest, dass die Beschwerdeführenden angesichts der
grossen Distanz zwischen ihren Liegenschaften und dem Bauvorhaben allein aufgrund der
Sichtverbindung nicht mehr als die Allgemeinheit vom Bauvorhaben betroffen sind.
Immissionen aus Bau und Betrieb bzw. aus dem Zufahrtsverkehr sind keine zu erwarten.
Den Beschwerdeführenden fehlt deshalb die für die Einsprache- und
Beschwerdelegitimation erforderliche Beziehungsnähe. Auf ihre Beschwerde kann aus
diesen Gründen nicht eingetreten werden.
3. Kosten
a) Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden. Sie
haben deshalb die Verfahrenskosten zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese werden
15 Vgl. dazu Stellungnahme der Baupolizeibehörde vom 22. Oktober 2015 zu den Einsprachen, Vorakten pag. 109
RA Nr. 110/2017/18 12
bestimmt auf eine Pauschalgebühr von Fr. 600.00 (Art. 103 Abs. 2 VRPG i.V.m. Art. 19
Abs. 1 GebV16). Die Beschwerdeführenden haften solidarisch für den ganzen Betrag.
b) Die Beschwerdeführenden haben zudem dem Beschwerdegegner die Parteikosten
zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote der Anwälte des Beschwerdegegners
gibt zu keinen Bemerkungen Anlass. Die Beschwerdeführenden haben somit dem
Beschwerdegegner die Parteikosten von Fr. 6'075.00 zu ersetzen.