# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c202db3a-1721-41da-9515-f5e11bd6a0ac
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _ 1960 in O.1_ geboren, wo er zusammen mit zwei Brüdern bei seinen Eltern aufwuchs. In O.1_ besuchte er auch sämtliche Schulen. Nach der Maturität absolvierte er an der ETH in Zürich ein Chemiestudium, wobei er später zusätzlich ein Diplom als Lebensmittelchemiker erwarb. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Informatiker arbeitet X._ seit dem _ 1993 im Kantonalen Laboratorium O.2_ als Lebensmittelchemiker und Informatiker. Er ist im Jahr rund 35'000 km mit dem Auto unterwegs, namentlich auf dem Arbeitsweg und im Aussendienst. Sein Einkommen bewegt sich im Bereich von CHF 130'000.00 jährlich. X._ ist geschieden und Vater von im Jahr 1996 geborenen Zwillingsmädchen. Er unterstützt seine Töchter mit monatlich CHF 1'500.00 und CHF 800.00.
B. X._ ist weder im schweizerischen Zentralstrafregister noch im Register für Administrativmassnahmen (ADMAS) verzeichnet.
C. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend: Staatsanwaltschaft) vom 19. September 2016, mitgeteilt gleichentags, wurde X._ der groben Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig erklärt. Dafür wurde er mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 200.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, sowie mit einer Busse von CHF 1'200.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise mit einer Freiheitsstrafe von 6 Tagen, bestraft, wobei ihm auch die Verfahrenskosten auferlegt wurden. Gegen diesen Strafbefehl liess X._ am 20. September 2016 durch seinen privaten Verteidiger Einsprache erheben.
D. Nach Prüfung der Akten und in Anwendung von Art. 309 StPO eröffnete die Staatsanwaltschaft mit Verfügung vom 6. Oktober 2016 gegen X._ eine Strafuntersuchung wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 90 Abs. 2 SVG.
E. Mit Parteimitteilung vom 19. Juni 2017, mitgeteilt am 20. Juni 2017, gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die Strafuntersuchung gegen X._ abgeschlossen sei. Auf Grund der tatsächlichen und rechtlichen Verhältnisse wurde die Anklageerhebung beim Gericht gemäss Art. 324 ff. StPO wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln in Aussicht gestellt und eine Frist von zehn Tagen eingeräumt, um allfällige Beweisanträge zu stellen. Mit Schreiben vom 18. Juli
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2017 liess X._ in der Folge beantragen, die Beifahrerin A._ als Zeugin einzuvernehmen. Diesem Antrag gab die Staatsanwaltschaft statt.
F. Die Staatsanwaltschaft erhob mit Anklageschrift vom 8. September 2017, mitgeteilt am 11. September 2017, beim Regionalgericht Prättigau/Davos gegen X._ wegen grober Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG Anklage. Der Anklageschrift liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
Der Beschuldigte fuhr am Sonntag, 01. März 2015, um 15.52 Uhr, mit dem Personenwagen von A._, einem VW Golf VI, Kontrollschild _, auf der A28 vom Anschlusswerk O.3_ Ost in Richtung Anschlusswerk O.3_ West. Unmittelbar nach dem Ende der Sicherheitslinie nach dem Anschlusswerk O.3_ Ost begann er den Personenwagen Honda , Kontrollschild _, der eine Geschwindigkeit von 60 km/h innehatte, mit einer maximalen Geschwindigkeit von 85 km/h zu überholen. Bei Beginn des Überholmanövers betrug die maximale Sichtweite für den Beschuldigten in der langgezogenen, unübersichtlichen Rechtskurve ab Ende Sicherheitslinie ca. 345 m. Das Überholmanöver schloss er ca. 270 m nach dem Ende der Sicherheitslinie bzw. dem Ende des Überholverbots und somit nach rund drei Vierteln der maximalen Sichtweite ab. Das entgegenkommende Fahrzeug der Kantonspolizei Graubünden, welches der sich auf das Überholmanöver konzentrierende Beschuldigte nicht wahrgenommen hatte, war beim Abschluss des Überholmanövers noch ca. 50 m von ihm entfernt. Der Beschuldigte vollzog das Überholmanöver, ohne bei dessen Beginn die Gewissheit gehabt zu haben, rechtzeitig und ohne Behinderung anderer Fahrzeuge wieder auf seine Fahrspur einbiegen zu können. Durch sein grob sorgfaltswidriges Verhalten setzte der Beschuldigte nicht nur sich, sondern auch weitere Verkehrsteilnehmer in vorhersehbarer Weise enormen Gefahren aus.
G. Das Regionalgericht Prättigau/Davos lud mit prozessleitender Verfügung vom 6. Oktober 2017 zur Hauptverhandlung vor. Am 16. Oktober 2017 stellte der Verteidiger von X._ die Beweisanträge, auf der A28 einen Augenschein durchzuführen und die Beifahrerin A._ als Zeugin einzuvernehmen. Die Staatsanwaltschaft beantragte in ihrem Schreiben vom 24. Oktober 2017 die Abweisung der Anträge. Mit Verfügung vom 25. Oktober 2017 wies die verfahrensleitende Richterin die Beweisanträge ab.
H. Die Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Prättigau/Davos fand am 7. Dezember 2017 statt. An dieser nahm X._ in Begleitung seines privaten Verteidigers, Rechtsanwalt lic. iur. Hans-Peter Sorg, teil. Die Staatsanwaltschaft wurde durch Staatsanwalt lic. iur. Guido Theiler vertreten. Anlässlich der Verhandlung wiederholte der Verteidiger von X._ seine bereits zuvor gestellten Beweisanträge, wobei das Gericht diese abwies. Die Parteien stellten die folgenden Schlussanträge:
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Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden:
1. X._ sei der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG schuldig zu sprechen.
2. Dafür sei er zu verurteilen
- zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 200.00.
- Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.
- zur Bezahlung einer Busse von Fr. 1'200.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 6 Tagen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.
Anträge beschuldige Person:
1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Die Verfahrenskosten seien auf die Staatskasse zu nehmen.
3. Dem Beschuldigten sei eine angemessene Entschädigung, in Höhe seiner nachgewiesenen Anwaltskosten, sowie als Ersatz für seine Umtriebe CHF 1'200.00 zuzusprechen.
I. Gegen das am 7. Dezember 2017 gefällte, dem Beschuldigten gleichentags mündlich eröffnete und den Parteien am 11. Dezember 2017 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Regionalgerichts Prättigau/Davos meldete X._ am 19. Dezember 2017 Berufung an, woraufhin das Regionalgericht das schriftlich begründete Urteil am 19. Februar 2018 mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:
1. X._ ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG.
2. Dafür wird X._ bestraft mit
a) einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 200.00. Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
b) einer Busse von CHF 1'200.00. Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 6 Tage. Sie tritt an Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
3. Die Kosten des Verfahrens von CHF 8'474.50 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 3'274.50, Gerichtsgebühr CHF 5'200.00) gehen zu Lasten von X._.
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4. X._ schuldet dem Regionalgericht Prättigau/Davos folglich:
Busse CHF 1'200.00
Verfahrenskosten CHF 8'474.50
Total CHF 9'674.50

## Considerations