# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 244e9013-d90a-5b69-a637-539acff887c9
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** Public
**Law Sub-area:** $law_sub_area

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Beschwerdegegnerin reichte am 19. Oktober 2015 bei der Gemeinde Schüpfen
ein Baugesuch ein für den Neubau einer Mobilfunkanlage auf der Liegenschaft
N._strasse 24 mit einem 7 m hohen Mast auf dem bestehenden Silo und
entsprechender technischer Einrichtung auf dem Dach. Die Bauparzelle Schüpfen
Grundbuchblatt Nr. O._ liegt im Perimeter der Überbauungsordnung Nr. 9
"Gewerbezone P._". Die Liegenschaft gehört zur Baugruppe B und ist im
Bauinventar als erhaltenswertes K-Objekt eingetragen. Gegen das Bauvorhaben erhoben
unter anderen die Beschwerdeführenden Einsprache. Mit Gesamtentscheid vom 17. März
2016 erteilte das Regierungsstatthalteramt Seeland die Baubewilligung.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 14. April 2016 in einer
gemeinsamen Eingabe Beschwerde bei der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des
Kantons Bern (BVE) ein. Sie beantragen die Aufhebung des Gesamtentscheids vom
17. März 2016 und die Erteilung des Bauabschlags. Die Beschwerdegegnerin sei zudem
anzuhalten, mit anderen Mobilfunkbetreiberinnen zwecks gemeinsamer Nutzung
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bestehender Anlagen zu kollaborieren. Im Falle der Erteilung einer Baubewilligung sei die
Beschwerdegegnerin zu verpflichten, vorsorglich eine Haftpflichtversicherung mit
ausreichender Deckung vorzuweisen, sofern sich die Befürchtungen bezüglich
gesundheitlicher Auswirkungen in Zukunft bewahrheiten sollten.
3. Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet1, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Gleichzeitig räumte es den
Beschwerdeführenden eine kurze Nachfrist ein, ihre nicht von allen unterschriebene
Beschwerde zu verbessern. Mit Schreiben vom 23. April 2016 reichten die
Beschwerdeführenden eine von allen unterschrieben Beschwerde nach. Die Gemeinde
Schüpfen, die Beschwerdegegnerin und das Regierungsstatthalteramt Seeland beantragen
in ihren Eingaben vom 4., 9. und 23. Mai 2016 die Abweisung der Beschwerde, soweit
darauf einzutreten sei. Auf die Rechtsschriften und Vorakten wird, soweit für den Entscheid
wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Eintreten
a) Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG2. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann
er – unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG3 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig.
1 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (OrV BVE; BSG 152.221.191) 2 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 3 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721)
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b) Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchsteller, die Einsprecher im Rahmen ihrer
Einsprachegründe und die zuständige Gemeindebehörde (Art. 10 KoG in Verbindung mit
Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Einsprachen der Beschwerdeführenden wurden abgewiesen,
womit sie formell beschwert sind. Der maximale Abstand, bis zu dem die Berechtigung zur
Einsprache gegeben ist, beträgt gemäss Standortdatenblatt vom 16. November 2015
933 m. Dass sich die Liegenschaften der Beschwerdeführenden innerhalb dieses
Perimeters befinden, ist unbestritten. Damit sind die Beschwerdeführenden auch materiell
beschwert. Sie sind daher zur Beschwerdeführung legitimiert. Auf ihre form- und
fristgerecht eingereichte Beschwerde ist grundsätzlich einzutreten.
c) Soweit die Beschwerdeführenden allerdings pauschal auf ihre Einsprachen
verweisen, stellt dies keine rechtsgenügliche Begründung dar. Auf Rügen aus den
Einsprachen, die in der Beschwerde nicht weiter begründet werden, kann daher nicht
eingetreten werden.4 Ob auch auf weitere Rügen nicht eingetreten werden kann, wird –
sofern notwendig – im Rahmen der materiellen Erwägungen geprüft.
2. Verfahrensfehler
a) Die Beschwerdeführenden rügen verschiedene Verfahrensfehler. Das
Standortdatenblatt sei während der Auflagefrist ausgewechselt worden und daher nicht die
vollen 30 Tage aufgelegen. In das ursprüngliche Standortdatenblatt hätten die
Beschwerdeführenden keine Einsicht erhalten. Zudem enthalte das Standortdatenblatt
keinen Situationsplan, wie dies die NISV5 vorschreibe. Weiter sei die Profilierung der
geplanten Mobilfunkantenne mangelhaft gewesen. Schliesslich machen die
Beschwerdeführenden eine Verletzung von Art. 29 Abs. 1 und 2 BV6 geltend. Dies weil die
Begründung des vorinstanzlichen Entscheids nicht neutral abgefasst sei und unzureichend
auf ihre Argumente eingehe.
b) Sofern das Bauvorhaben in seinen Grundzügen gleich bleibt, sind Projektänderungen
während dem Baubewilligungsverfahren jederzeit möglich (vgl. Art. 43 Abs. 1 und 2
4 Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 32 N. 15 5 Verordnung des Bundesrates vom 23. Dezember 1999 über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung (NISV; SR 814.710) 6 Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom 18. April 1999 (BV; SR 101)
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BewD7). Dies gilt auch für das Auswechseln des Standortdatenblatts. Dass dadurch der
Rahmen einer Projektänderung gesprengt worden wäre, wird von den
Beschwerdeführenden nicht geltend gemacht. Dies ist auch nicht der Fall, im Gegenteil: Da
lediglich ein fehlerhafter Ausdruck korrigiert wurde, liegt nicht einmal eine Projektänderung
vor, das Projekt wurde mit dem neuen Standortdatenblatt nicht geändert.
Dass die Auswechslung des Standortdatenblatts während der Auflagefrist erfolgt ist und
das neue Standortdatenblatt daher nicht 30 Tage aufgelegen ist, spielt dabei keine Rolle,
die Beschwerdeführenden haben dadurch keinen Nachteil erlitten. Entscheidend ist
lediglich, dass die Beschwerdeführenden vom neuen Standortdatenblatt Kenntnis erhalten
haben und sich dazu äussern konnten. Davon ist auszugehen. Die Beschwerdeführenden
bemängeln, dass sie keine Einsicht in das ursprüngliche Standortdatenblatt erhalten
haben. Dass sie keine Einsicht in das neue Standortdatenblatt vom 16. November 2015
erhalten haben, machen sie nicht gelten. Der Beschwerdeführer 2 hat in seiner Einsprache
vom 29. November 2015 denn auch eine Kopie aus diesem neuen Standortdatenblatt
beigelegt. In Bezug auf das rechtliche Gehör ist nur die Kenntnis der letztlich bewilligten
Unterlagen relevant, dass die Einsprecher auch Kenntnis von allen alten, nicht mehr
gültigen Unterlagen haben müssen, wird nicht verlangt. Im Übrigen wurde den
Beschwerdeführenden im Beschwerdeverfahren eine Kopie des alten Standortdatenblatts
vom 14. Oktober 2015 zugestellt. Dazu geäussert haben sich die Beschwerdeführenden
nicht.
c) Das Standortdatenblatt muss einen Situationsplan enthalten, der die Angaben nach
Buchstabe c darstellt (Art. 11 Abs. 2 Bst. d NISV). Das Standortdatenblatt vom
16. November 2015 enthält gemäss dem Beilagenverzeichnis auf Seite 6 einen solchen
Situationsplan in der Beilage. Tatsächlich finden sich in der Beilage zwei Situationspläne
vom 14. Oktober 2015, beide wurden vom beco zusammen mit dem Standortdatenblatt am
23. November 2015 abgestempelt. Die Rüge der Beschwerdeführenden, das
Standortdatenblatt enthalte keinen Situationsplan, ist somit unbegründet. Im Übrigen wurde
ihnen im Beschwerdeverfahren je eine Kopie der beiden Situationspläne zugestellt. Dazu
geäussert haben sich die Beschwerdeführenden nicht.
7 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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d) Die Gesuchstellenden haben zugleich mit der Baueingabe die äusseren Umrisse des
Bauvorhabens im Gelände abzustecken und durch Profile kenntlich zu machen (Art. 16
Abs. 1 BewD). Aus Art. 16 Abs. 3 BewD ergibt sich, dass die Profile die genügende
Orientierung der Nachbarn und der Öffentlichkeit gewährleisten sollen. Auf dem Foto in der
Beilage 2 der Beschwerde ist das von der Beschwerdegegnerin erstellte Profil ersichtlich.
Das Profil gibt Auskunft über Standort und Höhe der geplanten Mobilfunkantenne. Mehr
wird nicht verlangt. Wer sich ein Bild von den Einzelheiten machen will, muss Einsicht in
die Akten nehmen.8 Das Bauvorhaben wurde somit korrekt profiliert. Abgesehen davon ist
nicht erkennbar, welchen Nachteil die Beschwerdeführenden durch die angeblich
mangelhafte Profilierung erlitten hätten.
Unter diesen Umständen braucht nicht geprüft zu werden, ob auf die Rüge der
mangelhaften Profilierung aufgrund der Rügenbeschränkung in Art. 40 Abs. 2 BauG
überhaupt eingetreten werden kann. Im Übrigen erwähnen die Beschwerdeführenden in
diesem Zusammenhang auch Art. 43 Abs. 2 Bst. b BauG. Diese Bestimmung ist im
vorliegenden Fall jedoch nicht einschlägig.
e) Inwiefern im vorinstanzlichen Verfahren Verfahrensgarantien verletzt worden wären,
ist nicht erkennbar. Der angefochtene Entscheid setzt sich insbesondere mit allen
wesentlichen Einspracherügen auseinander und ist somit genügend begründet. Auch sonst
weist die Begründung der Vorinstanz keine Mängel auf, die Begründung erweckt
insbesondere nicht den Anschein einer Befangenheit der Vorinstanz. Daran vermag auch
ein Schreibfehler beim Namen eines Einsprechers nichts zu ändern, zumal in Erwägung 7
zunächst korrekt "B._" und erst weiter unten fälschlicherweise "Q._" steht.
Weiter war die Vorinstanz nicht verpflichtet, bei den Beschwerdeführenden Rückfrage
betreffend ihren Einsprachen zu nehmen. Von den Beschwerdeführenden wird auch nicht
dargelegt, welchen Anlass die Vorinstanz zu einer solchen Rücksprache gehabt hätte.
Zudem hatten die Beschwerdeführenden auch keinen Anspruch auf Durchführung einer
Einspracheverhandlung. Gemäss Art. 34 Abs. 1 BewD ist die Baubewilligungsbehörde
nicht zur Durchführung einer solchen Verhandlung verpflichtet ("kann"). Schliesslich ist es
nicht unstatthaft, dass die Vorinstanz von den Beschwerdeführenden gerügte formelle
Mängel durch die Beschwerdegegnerin hat beseitigen lassen. Dies entspricht vielmehr
8 Zaugg/Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 34 N. 20
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einer pflichtgemässen Verfahrensführung. Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass
die Rügen betreffend Verfahrensfehlern unbegründet sind.
3. Bedürfnisnachweis
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die geplante Mobilfunkanlage brauche
es nicht. Sie diene lediglich der Gewinnsteigerung und nicht der vom FMG9 gesetzlich
geforderten Grundversorgung. Zudem sei eine Koordination mit anderen Anbietern zwecks
gemeinsamer Nutzung bestehender Anlagen möglich.
b) Die geplante Mobilfunkanlage soll in der Bauzone erstellt werden. Die
Zonenkonformität der Anlage ist unbestritten. Für Mobilfunkanlagen innerhalb der Bauzone
sieht das Bundesrecht weder einen Bedürfnisnachweis noch eine umfassende
Interessenabwägung mit der Prüfung von Alternativstandorten vor.10 Auch aus dem
kantonalen und kommunalen Recht ergeben sich hier keine solchen Anforderungen. Die
Planung der Mobilfunknetze und die Auswahl geeigneter Standorte ist grundsätzlich Sache
der Mobilfunkbetreiberinnen. Sofern die Mobilfunkanlage den bau- und planungsrechtlichen
sowie den übrigen im Bewilligungsverfahren zu prüfenden Vorschriften entspricht (vgl.
Art. 2 BauG), besteht innerhalb der Bauzone ein Anspruch auf Erteilung der
Baubewilligung. Dabei kann von den Mobilfunkbetreiberinnen prinzipiell keine Koordination
mit den anderen Anbieterinnen verlangt werden.
Auch aus der bundesrechtlichen Konzession der Beschwerdegegnerin kann keine solche
generelle Koordinationspflicht abgeleitet werden. Gestützt auf Art. 36 Abs. 2 und 3 FMG
können die Anbieterinnen von Fernmeldediensten zwar aus Gründen des öffentlichen
Interesses, namentlich um den Anliegen der Raumplanung, des Landschafts-, Heimat-,
Umwelt, Natur- und Tierschutzes oder technischen Schwierigkeiten Rechnung zu tragen,
dazu verpflichtet werden, Dritten die Mitbenutzung ihrer Fernmeldeanlagen und
Sendestandorte zu gestatten oder Fernmeldeanlagen und Sendestandorte gemeinsam zu
installieren und zu nutzen. Solche öffentlichen Interessen sind hier jedoch nicht betroffen.
Insbesondere wird der Immissionsschutz betreffend nichtionisierender Strahlung durch die
NISV-Grenzwerte abschliessend geregelt (vgl. unter Erwägung 4.b).
9 Fernmeldegesetz vom 30. April 1997 (FMG; SR 784.10) 10 BGer 1C_685/2013 vom 6. März 2015 E. 2.1
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c) Eine weitergehende Pflicht zur generellen Koordination der Standorte besteht somit
nicht. Der Antrag der Beschwerdeführenden, die Beschwerdegegnerin sei anzuhalten, mit
anderen Anbietern zwecks gemeinsamer Nutzung bestehender Anlagen zu kollaborieren,
wird daher abgewiesen.
4. Immissionen
a) Die Beschwerdeführenden machen gesundheitsschädliche Immissionen geltend.
Neuere Studien würden belegen, dass Mobilfunkstrahlung biologische Vorgänge in
lebendigen Organismen beeinflussen könnten. Die Grenzwertempfehlungen, auf die sich
auch die schweizerischen Grenzwerte richteten, seien daher aus heutiger Sicht untragbar.
Deshalb müsse die Baubewilligung gestützt auf Art. 1 Abs. 2 USG11 verweigert werden.
Massgeblich für die Berechnung im Standortdatenblatt sei im Übrigen nicht eine vom
Mobilfunkbetreiber frei wählbarer Wert, sondern die maximal mögliche Sendeleistung der
eingesetzten Antenne. Zudem müsse auch die Messunsicherheit beachtet werden, diese
betrage +/- 45 %. Unter Berücksichtigung dieser Umstände würden die NISV-Grenzwerte
überschritten. Schliesslich lasse sich die Einhaltung der Grenzwerte ohnehin nicht
kontrollieren, das Qualitätssicherungssystem sei untauglich.
b) Die in der NISV für Mobilfunkanlagen festgelegten Grenzwerte sind nach der
Rechtsprechung des Bundesgerichts gemäss bisherigem Wissensstand verfassungs- und
gesetzeskonform. Unter Bezugnahme auf verschiedene Studien und Berichte hat das
Bundesgericht festgestellt, auch neuere Forschungen hätten keine wissenschaftlich
genügenden Studien hervorgebracht, welche einen hinreichenden Zusammenhang
zwischen der Exposition durch Mobilfunkbasisstationen und schädlichen oder lästigen
Einwirkungen herstellen würden. Es sei in erster Linie Sache der zuständigen
Fachbehörden, in diesem Bereich die internationale Forschung sowie die technische
Entwicklung zu verfolgen und gegebenenfalls eine Anpassung der Grenzwerte der NISV zu
beantragen. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) sei dieser Aufgabe bisher
nachgekommen. Dass das BAFU die jüngste Forschung in diesem Bereich aufmerksam
verfolgt und bewertet, zeige auch der von ihm herausgegebene und auf seiner Internetseite
11 Bundesgesetz vom 7. Oktober 1983 über den Umweltschutz (Umweltschutzgesetz, USG; SR 814.01)
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abrufbare aktualisierte Bericht "Strahlung von Sendeanlagen und Gesundheit" vom 16.
Oktober 2013.12
Zwar belegen gemäss den Beschwerdeführenden neuere Studien, dass
Mobilfunkstrahlung biologische Vorgänge in lebendigen Organismen beeinflussen kann.
Damit ist aber nicht dargetan, dass die aktuellen Grenzwerte nicht ausreichend Schutz
bieten. Gerade weil bezüglich Schädlichkeit von Mobilfunkstrahlung nach wie vor
Unsicherheit besteht, wurden neben den Immissionsgrenzwerten zusätzlich vorsorgliche
Emissionsbegrenzungen angeordnet (Art. 4 NISV). Demnach muss an Orten mit
empfindlicher Nutzung nicht bloss der Immissionsgrenzwert, sondern der rund zehnmal
strengere Anlagegrenzwert eingehalten werden (Anhang 1 Ziff. 61 ff. NISV). Dieser soll das
Risiko schädlicher Wirkungen, die zum Teil erst vermutet werden und noch nicht absehbar
sind, möglichst gering halten. Die Einwände der Beschwerdeführenden sind daher kein
Anlass, von der Einschätzung des Bundesgerichts abzuweichen, wonach die in der NISV
für Mobilfunkanlagen festgelegten Grenzwerte nach heutigem Wissensstand verfassungs-
und gesetzeskonform sind.
Anwendbar sind damit einzig die Immissions- und Anlagegrenzwerte aus der NISV. Diese
Regelung in der NISV ist abschliessend und es besteht kein Spielraum für zusätzliche
Beschränkungen.13 Aus dem Standortdatenblatt vom 16. November 2015 geht hervor, dass
diese Grenzwerte vorliegend eingehalten sind. Dies wurde vom beco als zuständiger
kantonaler Fachbehörde in seinem Amtsbericht vom 23. November 2015 bestätigt. Auch
die Beschwerdeführenden machen keine Überschreitung der NISV-Grenzwerte geltend.
Somit ist das Bauvorhaben hinsichtlich der nichtionisierenden Strahlung bewilligungsfähig.
c) Dass das Standortdatenblatt nicht von der maximal möglichen Sendeleistung der
eingesetzten Antenne ausgeht, ist nicht zu beanstanden. Entscheidend ist vielmehr die
maximale Sendeleistung, mit der die Gesuchstellerin die Anlage betreiben will. Die
rechnerische Prognose im Standortdatenblatt soll die Nachbarschaft vor tatsächlichen und
nicht vor theoretischen Strahlenbelastungen schützen. Allerdings darf die Gesuchstellerin
die Anlage dann auch nur mit der bewilligten Sendeleistung betreiben. Will sie über diese
hinausgehen, so bedarf es dafür eines neuen Baugesuchs.
12 BGer 1C_340/2013 vom 4. April 2014 E. 3.3 13 BGE 138 II 173 E. 5.1; BGE 126 II 399 E. 3
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d) Sichergestellt wird die Einhaltung der bewilligten Sendeleistung mit dem
sogenannten Qualitätssicherungssystem (QS-System). Die Netzbetreiber sind verpflichtet,
dieses System zur Gewährleistung der Einhaltung der NISV-Grenzwerte zu betreiben. Das
Bundesgericht und das Verwaltungsgericht haben mehrfach bestätigt, dass dieses QS-
System den Anforderungen an eine wirksame Kontrolle der bewilligten Sendeleistung und
an die Einhaltung der immissionsrechtlichen Grenzwerte genügt.14 Die Kritik der
Beschwerdeführenden an diesem System ist daher unbegründet.
e) Schliesslich führt auch die Messunsicherheit bei Abnahmemessungen von +/- 45 %
nicht zu einer Überschreitung der NISV-Grenzwerte. Diese Messunsicherheit muss
gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung bei der rechnerischen Prognose hinsichtlich
der Einhaltung des Anlagegrenzwerts im Standortdatenblatt nicht berücksichtigt werden.
Dies würde auf eine Verschärfung des Anlagegrenzwertes hinauslaufen.15
Relevant wird eine Messunsicherheit überhaupt erst dann, wenn Messungen stattfinden.
Dies ist namentlich bei der Abnahmemessung von Mobilfunkanlagen der Fall. Dabei wird
die rechnerische Prognose aus dem Standortdatenblatt nach Inbetriebnahme der
Mobilfunkanlage mit Messungen überprüft. Das Bundesgericht hat gestützt auf einen
Amtsbericht des Eidgenössischen Instituts für Metrologie (METAS) vom 11. Juni 2014
bestätigt, dass eine erweiterte Messunsicherheit von +/- 45 % nach wie vor dem Stand der
Technik entspricht.16 Die Rüge betreffend Immissionen erweist sich demnach als
unbegründet.
5. Wertverminderung von Liegenschaften
a) Die Beschwerdeführenden machen geltend, die Errichtung der Mobilfunkanlage führe
zu einer Wertverminderung ihrer Liegenschaften. Dabei handelt es sich um eine
privatrechtliche Frage, die nicht Gegenstand des Baubewilligungsverfahrens bilden kann.
Im Baubewilligungsverfahren wird ein Bauvorhaben nur auf seine Übereinstimmung mit
den öffentlichrechtlichen Vorschriften geprüft (vgl. Art. 2 Abs. 1 BauG). Für die
14 BGer 1C_685/2013 vom 6. März 2015 E. 7.4 mit weiteren Hinweisen; BVR 2007 S. 126 E. 5.5.6 mit weiteren Hinweisen 15 BGer 1C_132/2007 vom 30. Januar 2008 E. 4.5 f. 16 BGer 1C_122/2014 vom 23. Oktober 2014 E. 6
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Durchsetzung allfälliger privatrechtlicher Forderungen sind die Beschwerdeführenden auf
den zivilrechtlichen Weg verwiesen. Auf diese Rüge kann daher nicht eingetreten werden.
b) Die Beschwerde erweist sich demnach als unbegründet. Sie wird abgewiesen, soweit
auf sie eingetreten werden kann. Der Gesamtentscheid des Regierungsstatthalteramtes
Seeland vom 17. März 2016 wird bestätigt.
c) Für den Fall einer Bewilligungserteilung beantragen die Beschwerdeführenden, die
Beschwerdegegnerin sei zu verpflichten, eine Haftpflichtversicherung zur Deckung
allfälliger zukünftiger gesundheitlicher Schäden vorzuweisen. Für eine solche Verpflichtung
besteht jedoch keine rechtliche Grundlage, auch die Beschwerdeführenden nennen keine
solche. Daher wird dieser Antrag ebenfalls abgewiesen.
6. Kosten
a) Die Verfahrenskosten im Beschwerdeverfahren bestehen aus einer Pauschalgebühr
(Art. 103 Abs. 1 VRPG17). Für Entscheide in einer Verwaltungsjustizsache wird eine
Pauschalgebühr von Fr. 200.-- bis Fr. 4'000.-- je Beschwerde erhoben (Art. 19 Abs. 1
i.V.m. Art. 4 Abs. 2 GebV18). Die gesamte Pauschalgebühr kann angemessen erhöht
werden, wenn mehrere Parteien gemeinsam Beschwerde führen (Art. 20 Abs. 2 GebV). In
Anwendung dieser Bestimmungen wird die Pauschale auf Fr. 2'800.-- festgelegt.
Bei diesem Ausgang des Verfahrens unterliegen die Beschwerdeführenden und sie haben
daher die Verfahrenskosten von Fr. 2'800.-- zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Sie haften
solidarisch für den gesamten Betrag.
b) Die unterliegenden Beschwerdeführenden haben der obsiegenden
Beschwerdegegnerin die Parteikosten zu ersetzen (Art. 108 Abs. 3 VRPG). Die Kostennote
des Parteianwalts der Beschwerdegegnerin beläuft sich auf Fr. 3'559.70 (Honorar:
Fr. 3'200.--, Auslagen: Fr. 96.--, Mehrwertsteuer: Fr. 263.70). Die Beschwerdegegnerin ist
17 Gesetz vom 23. Mai 1989 über die Verwaltungsrechtspflege (VRPG; BSG 155.21) 18 Verordnung vom 22. Februar 1995 über die Gebühren der Kantonsverwaltung (Gebührenverordnung, GebV; BSG 154.21)
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mehrwertsteuerpflichtig19 und kann somit die von ihrem Rechtsvertreter auf sie überwälzte
Mehrwertsteuer in ihrer eigenen Mehrwertsteuerabrechnung als Vorsteuer abziehen. Nach
Praxis des Verwaltungsgerichts ist deshalb die in der Kostennote der Parteianwälte der
Beschwerdegegnerin aufgeführte Mehrwertsteuer bei der Bestimmung des
Parteikostenersatzes nicht zu berücksichtigen.20 Die Beschwerdeführenden haben der
Beschwerdegegnerin daher die Parteikosten in der Höhe von Fr. 3'296.-- (inkl. Auslagen)
zu bezahlen. Sie haften solidarisch für den gesamten Betrag.