# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 66004303-ab56-549a-98d0-09f1b778d5c6
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1971, meldete sich am 2
1.
März 2007
unter Hinweis auf
eine
Pancolitis
ulcerosa
sowie Osteoporose
bei der Invalidenversicherung zum Leis
tungsbezug an (Urk. 7/4). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
holte unter anderem bei der
Y._
,
Z._
, ein polydis
zi
plinäres Gutachten ein, das am 1
7.
Juni 2009 erstattet wurde (Urk. 7/53
). In der Folge
verneinte
sie
mit Verfügung vom
2
3.
Dezember 2009
einen Anspruch auf eine Invalidenrente
(Urk.
7/61
).
Nachdem der Versicherte Beschwerde erhoben hatte (
Urk.
7/67/3-16)
,
wurden die Parteien
vom Sozialversicherungsgericht
auf den 2
6.
Mai 2010 zur Referenten
audienz und Vergleichsverhandlung vorgeladen (
Urk.
7/70). Anlässlich dieser Ver
handlung schlossen die Parteien einen Vergleich (vgl.
Urk.
7/75). Gestützt
auf den rechtskräftigen Vergleich
auferlegte
die IV-Stelle dem Versicherten
am 2
2.
November 2010 eine Schadenminderungspflicht (
Urk.
7/81) und sprach ihm
mit
Verfügung vom
1
7.
Februar 2011 eine halbe Rente ab
1.
Mai 2008 zu (
Urk.
7/89 und
Urk.
7/83).
Mit Schreiben vom
6.
Oktober 2011
teilte die IV-Stelle dem Versicherten mit, der Rentenanspruch sei unverändert (
Urk.
7/99).
1.2
Am 2
9.
August 2013 machte der Versicherte eine Verschlechterung des Gesund
heitszustandes geltend (
Urk.
7/105). In der Folge holte
die IV-Stelle unter ande
rem beim
A._,
ein polydisziplinäres Gutachten ein, das am
2
0.
Juni 2014
erstattet wurde (Urk.
7/117
).
Mit Vorbescheid vom
1.
April 2015 (
Urk.
7/139) wurde die Einstellung der Invalidenrente in Aussicht
ge
stellt. Nachdem der Versicherte Einwände erhoben hatte (
Urk.
7/140;
Urk.
7/144
;
Urk.
7/170
)
, teilte die IV-Stelle m
it Schreiben vom
3
1.
Juli 2018
mit, sie
erachte eine umfassende medizinische Untersuchung als notwendig (Urk. 7/188
).
Mit Mit
teilung vom 1
7.
September 2018 (
Urk.
7/192) wurde die Begutachtung durch die MEDAS
B._
(Allgemeine Innere Medizin:
Dr.
med.
C._
; Psychiatrie und Psychotherapie: Prof.
Dr.
med.
D._
; Rheumatologie:
Dr.
med.
E._
) bekannt gegeben. Der Versicherte
wünscht
e mit Schreiben vom
1.
Okto
ber 2018 (
Urk.
7/199) weitere Auskünfte zur Gutachterstelle.
Die IV-Stelle hielt am 1
6.
Oktober 2018 (
Urk.
7/202) fest, dass
sich
aus den gewünschten Informa
tionen kein formeller
Ausstandsgrund
der Gutachter ableiten lasse.
Mit Eingabe vom 2
9.
Oktobe
r 2018 (
Urk.
7/204) verlangte der Versicherte
den Erlass einer anfechtbaren Zwischenve
rfügung, falls seinem Wunsch nicht
entsprochen werde. Mit Zwischenverfügung vom 1
0.
Dezember 2018 (
Urk.
7/208) hielt die IV-Stelle
an der Abklärungsstelle fest.
2.
Der
Versicherte erhob am
2
4.
Januar 2019
Beschwerde
gegen die Verfügung vom
1
0.
Dezember 2018
(
Urk.
2) und beantragte, diese sei aufzuheben und
das Ver
fahren sei an die IV-Stelle zurückzuweisen, damit diese zunächst ihre Abklä
rungen über die Begutachtungspraxis der MEDAS
B._
durchführe und erst da
nach eine Zwischenverfügung betreffend die Gutachterstelle erlasse (Urk.
1 S. 2
oben
).
Die IV-Stelle beantragte mit Beschwerdeantwort vom
1.
März 2019
(
Urk.
6
) die Abweisung der Beschwerde. Dies wurde dem Beschwerdeführer
mit Verfügung vom 2
0.
März 2019
zur Kenntnis gebracht (
Urk.
8
).
Gleichzeitig wurde festge
hal
ten, dass über den Antrag auf unentgeltliche Rechtsvertretung (
Urk.
1 S. 2 Mitte) zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werde.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Zwischenverfügungen können gemäss
Art.
55
Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) in Verbindung mit
Art.
5
Abs.
2 und
Art.
46 des Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (VwVG
) bei Bejahung eines nicht
wieder
gutzumachenden
Nachteils (
Art.
46
Abs.
1
lit
. a VwVG) unter Erhebu
ng aller gesetzlich vorgesehener
Rügen recht
licher und tatsächlicher Natur angefochten werden. Bei der Beurteilung des Merkmals des nicht wieder gutzumachenden Nachteils im Kontext der Gutachten
anordnung ist die
Eintretensvoraussetzung
des nicht wieder gutzumachenden Nachteils für das erstinstanzliche Beschwerdeverfahren zu bejahen, zumal die nicht sachgerechte Begutachtung in der Regel einen rechtlichen und nicht nur einen tatsächlichen Nachteil bewirken wird.
Beschwerdeweise geltend gemacht werden können materielle Einwendungen beispielsweise des Inhalts, die in Aus
sicht genommene Begutachtung sei nicht notwendig, weil sie - mit Blick auf einen bereits umfassend abgeklärten Sachverhalt - bloss ein
er
«
second
opinion
»
entspräche
. Nach wie vor gerügt werden können (personenbezogene)
Ausstands
gründe
. Nicht gehört werden kann indessen das Vorbringen, die Abgeltung der Gutachten aus Mitteln der Invalidenversicherung führe zu einer Befangenheit der MEDAS
(BGE 137 V 210 E. 3.4.2.7)
.
1.2
Nach der Rechtsprechung gelten für Sachverständige grundsätzlich die gleichen Ausstands- und Ablehnungsgründe, wie sie für Richter vorgesehen sind. Danach ist Befangenheit anzunehmen, wenn Umstände vorliegen, die geeignet sind, Miss
trauen in die Unparteilichkeit zu erwecken. Bei der Befangenheit handelt es sich allerdings um einen inneren Zustand, der nur schwer bewiesen werden kann. Es braucht daher für die Ablehnung nicht nachgewiesen zu werden, dass die sach
verständige Person tatsächlich befangen ist. Es genügt vielmehr, wenn Umstände vorliegen, die den Anschein der Befangenheit und die Gefahr der Voreinge
nommenheit zu begründen vermögen. Bei der Beurteilung des Anscheins der Befangenheit und der Gewichtung solcher Umstände kann jedoch nicht auf das subjektive Empfinden einer Partei abgestellt werden. Das Misstrauen muss viel
mehr in objektiver Weise als begründet erscheinen. Im Hinblick auf die erhebliche Bedeutung, welche den Arztgutachten im Sozialversicherungsrecht zukommt, ist an die Unparteilichkeit des Gutachters ein strenger Massstab anzusetzen (BGE 132 V 93 E. 7.1, 120 V 357 E. 3).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin hielt im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) fest, die vom Beschwerdeführer gewünschten Informationen - welche ganz allgemein die Gut
achterstelle als Institut betreffen - seien nicht geeignet, eine Befangenheit der einzelnen dort tätigen Gutachter geltend zu machen.
Gutachterstellen als solche könnten nicht befangen sein (S. 2 oben).
2.2
Der Beschwerdeführer machte in der Beschwerde (
Urk.
1) geltend, dass er gestützt auf die aktuelle bundesgerichtliche Rechtsprechung Informationen über die bis
herige Begutachtungspraxis der MEDAS
B._
verlangt habe (S. 3 Mitte).
Es sei ihm nicht möglich, seine Verfahrensrechte betreffend die Geltendmachung von
Ausstandsgründen
wahrzunehmen, bevor er nicht darüber informiert worden sei, was für Gutachten die MEDAS
B._
in den letzten Jahren abgeliefert habe. Erst wenn er über diese Informationen verfüge, könne er beurteilen, ob sich aus einer allzu einseitigen Begutachtungspraxis allenfalls Ablehnungsgründe gegen die MEDAS-Gutachter ergäben. Dabei handle es sich durchaus um formelle
Aus
standsgründe
. Ein Gutachter, der regelmässig und immer für die Interessen einer Partei entscheide, erwecke den Anschein der Befangenheit und müsse in den Ausstand treten (S. 8 Mitte).
2.3
Str
i
t
tig und zu prüfen ist, ob die Beschwerdegegnerin
– ohne die Informationen zur Begutachtungspraxis abzuwarten
respektive diese vorgängig zur Verfügung zu stellen
–
zu Recht an der Begutachtung d
urch die
MEDAS
B._
festhielt, wobei die Notwendigkeit einer Begutachtung an sich nicht in Frage steht.
3.
3.1
Der Beschwerdeführer machte geltend, dass eine versicherte Person einen grundsätzlichen Informationsanspruch habe zu erfahren, wie eine bestimmte Gut
achterstelle in der Vergangenheit ihre Begutachtungen durchgeführt habe und zu welchen Resultaten sie jeweils gekommen sei. Dabei stützte er sich auf BGE 144 I 17
0.
Diesem Urteil lag der Sachverhalt zugrunde, dass ein Versicherter gestützt auf die Öffentlichkeitsgesetzgebung von der IV-Stelle Solothurn Auskünfte zu den Gutachten von zwei bestimmten Ärzten verlangte.
Dabei
führte das Bundes
gericht
unter anderem Folgendes
aus
:
«
Die hier fragliche gutachterliche Beschei
nigung von
Arbeits
(
un
)
fähigkeit
ist invalidenversicherungsrechtlich für den Leis
tungsansprecher von Bedeutung. Ob es für einen Gutachter eine Tendenz gibt, Arbeitsunfähigkeit eher zurückhaltend oder grosszügig anzuerkennen, ist daher auch für die davon betroffenen Personen von Belang. Ob eine solche Tendenz aus
sagekräftig ist und ob sich daraus auch rechtliche Folgerungen ziehen lassen, ist zwar eine Frage, die erst im einzelnen Leistungsverfahren und nicht in dem
jenigen um Dokumentenzugang definitiv zu beantworten ist. Erscheint ein Doku
ment aber geeignet, darüber Auskunft zu erteilen, lässt sich ein schutzwürdiges Interesse an einer Einsichtnahme nicht verneinen, sofern der betroffene Leis
tungsansprecher
konkret mit dem Einsatz eines bestimmten Gutachters
in seinem Fall rechnen muss. Die entsprechende Erkenntnis ist mit Blick darauf nicht nur von theoretischem, sondern durchaus von praktischem und unter Umständen sogar von rechtlichem Nutzen
»
(BGE 144 I 170 E. 7.6).
Im zitierten Bundesgerichtsentscheid ging es somit um die Frage, ob dem Ver
sicherten Informationen zu den Gutachten von bestimmten Ärzten gewährt werden.
Dazu ist einerseits f
estzuhalten,
dass
nur
das Recht auf Informationen
strittig war
. Dies ist vorliegend nicht der Fall. Die Beschwerdegegnerin hielt mit Schreiben vom
4.
Oktober 2018 (
Urk.
7/200)
fest, dass sie
die entsprechenden Abklärungen vornehmen werde.
Andererseits wurden im zitierten Entscheid
Infor
mationen zu
Gutachten von bestimmten Ärzten
, nicht aber einer Gutachter
stelle als solchen
, angefordert
.
3.2
Gemäss
Kreisschreiben über das Verfahren in der Invalidenversicherung (
KSVI
, Stand
1.
Januar 2018
)
Rz
2077.10
kann die versicherte Person folgende formelle und materielle Einwände geltend machen:
-
Die begutachtende Person hat in der Sache ein persönliches Interesse;
-
Die begutachtende Person ist mit einer Partei in gerader Linie oder in der Seitenlinie bis zum dritten Grade verwandt oder verschwägert oder durch Ehe, Verlobung oder Kindesannahme verbunden;
-
Die begutachtende Person ist aus anderen Gründen in der Sache befangen;
-
Der begutachtenden Person fehlt es an der nötigen Fachkompetenz;
-
Es ist ein Gutachten aus einer anderen medizinischen Fachrichtung not
wendig;
-
Der Sachverhalt ist genügend abgeklärt und die Einholung eines neuen Gutachtens ist nicht notwendig.
Vorliegend wurde der Einwand der Befangenheit «aus anderen Gründen» in Erwä
gung gezogen. Der Beschwerdeführer machte geltend, eine sehr einseitige Begut
achtungspraxis, beispielsweise wenn eine Gutachterstelle sämtliche begutach
ten
den Personen als arbeitsfähig einschätze, könne einen formellen
Ausstandsgrund
darstellen (vgl.
Urk.
1 S. 4 unten).
Dann würden Umstände vorliegen, die den Anschein von Befangenheit erwecken (
Urk.
1 S. 6 Mitte).
3.3
Gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung führen unter
dem Gesichtspunkt der wirtschaftlichen Abhängigkeit der regelmässige Beizug eines Gutachters oder einer Begutachtungsinstitution durch den Versicherungsträger, die Anzahl der beim selben Arzt in Auftrag gegebenen Gutachten und Berichte sowie das daraus resultierende Honorarvolumen für sich allein genommen nicht zum Ausstand. Hinsichtlich der MEDAS als Institution gilt sinngemäss ohnehin, dass sich ein
Ausstandsbegehren
stets nur gegen Personen und nicht gegen Behörden richten kann; nur die für eine Behörde tätigen Personen, nicht die Behörde als solche, können befangen sein
(
BGE 137 V 210 E. 1.3.3
mit Hinweisen).
3.4
Vorliegend
wurden keine spezifischen
Ausstandsgründe
gegen die einzelnen,
in der Mitteilung
der Beschwerdegegnerin vom
1
7.
September 2018 (
Urk.
7/192)
bereits bekannt gegebenen und mit der Begutachtung betrauten Sachver
stän
digen
genannt
. Auch wurden keine Umstände
substantiiert
vorgebracht, die
den Anschein von Befangenheit dieser einzelnen Personen zu
begründen vermögen
.
Vielmehr richtet sich die
Beschwerde sowohl bezüglich der gestellten Anträge als auch deren Begründung ausdrücklich und ausschlie
sslich gegen die Institution MEDAS
B._
.
Die Beschwerdegegnerin hat zu
R
echt festgehalten, dass aus den
vom Beschwerdeführer angeforderten Informationen über die Begutach
tungs
pr
axis der
Medas
B._
nicht eine Befangenheit der einzelnen dort tätigen Gutachter abgeleitet werden kann.
Und e
in
Ausstandsbegehren
gegen die
Institution
MEDAS
B._
als solche
ist
von vornherein ausgeschlossen.
Damit erweist sich der angefochtene Entscheid als rechtens, weshalb die dagegen erhobene Be
schwer
de abzuweisen ist.
4.
4.1
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von Leistungen der Invalidenversicherung geht, ist das Beschwerdeverfahren - in Abweichung von
Art.
69
Abs.
1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) - gemäss
Art.
61
lit
. a ATSG kostenlos.
Damit erweist sich das Gesuch des Beschwerdeführers um unentgeltliche Pro
zessführung (
Urk.
1 S. 2 Mitte) als gegenstandslos.
4.2
Nach Gesetz und Praxis sind in der Regel die Voraus
setzungen für die Bewilligung der unentgeltlichen
Verbeiständung
erfüllt, wenn der Prozess nicht aussichtslos, die Partei bedürftig und die anwaltliche
Verbeistän
dung
notwendig oder doch geboten ist (BGE 103 V 46, 100 V 61, 98 V 115).
Als aussichtslos sind nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung Prozess
be
gehren anzusehen, bei denen die Gewinnaussichten (ex ante betrachtet) beträcht
lich geringer sind als die Verlustgefahren und die deshalb kaum als ernsthaft bezeichnet werden können. Dagegen gilt ein Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Ge
winnaussichten und Verlustgefahren ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend ist, ob eine Partei, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger Überlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess, den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen können, weil er sie nichts kostet (BGE 133 III 614 E. 5 mit Hinweisen).
Angesichts
der klaren bundesgerichtlichen Rechtsprechung, wonach sich ein
Aus
standsbegehren
stets nur gegen Personen und nicht gegen Behörden richten kann
(vorstehend
e
E.
3
.3
)
,
muss die Beschwerde als
aussichtslos bezeichnet werden
.
Somit ist
das Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtsvertretung abzu
weisen
.