# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5a72dcb1-b857-449b-bcaa-d276e31aa7a5
**Court:** CH_BSTG
**Chamber:** CH_BSTG_001
**Year:** 2017
**Language:** de
**Jurisdiction:** CH / Federation
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
A. Am 23. März 2017 erliess die Bundesanwaltschaft (BA) einen Strafbefehl gegen
die B. SA wegen Vorliegens eines Organisationsmangels des Unternehmens im
Zusammenhang mit der Bestechung fremder Amtsträger (Art. 102 Abs. 2 i.V.m.
Art. 322septies StGB).
B. Am 6. April 2017 erhob A., der nach Angaben der BA in einem anderen von ihr
geführten Verfahren (SV.16.1896-MAD) beschuldigt wird, Einsprache gegen den
erwähnten Strafbefehl.
C. Am 1. September 2017 übermittelte die Bundesanwaltschaft die Einsprache von
A. der Strafkammer des Bundesstrafgerichts zur Beurteilung und beantragte, auf
die Einsprache sei nicht einzutreten, unter Kostenfolge zu Lasten des Einspre-
chers.
D. Mit Eingabe vom 5. September 2017 liess A. durch seine Rechtsvertreter die
Rückweisung der Sache an die Bundesanwaltschaft zur Durchführung des Ver-
fahrens gemäss Art. 355 Abs. 1 StPO beantragen. Diese Eingabe wurde der
Bundesanwaltschaft zur Kenntnis zugestellt.

## Considerations

Der Einzelrichter erwägt:
1. Gegen den Strafbefehl können u.a. die beschuldigte Person und weitere Be-
troffene bei der Staatsanwaltschaft innert 10 Tagen schriftlich Einsprache erhe-
ben (Art. 354 Abs. 1 StPO). Ohne gültige Einsprache wird der Strafbefehl zum
rechtskräftigen Urteil (Art. 354 Abs. 3 StPO). Wird Einsprache erhoben, so nimmt
die Staatsanwaltschaft die weiteren Beweise ab, die zur Beurteilung der Einspra-
che erforderlich sind (Art. 355 Abs. 1 StPO). Nach Abnahme allfälliger weiterer
Beweise entscheidet die Staatsanwaltschaft gemäss Art. 355 Abs. 3 StPO, ob
sie am Strafbefehl festhält (lit. a), das Verfahren einstellt (lit. b), einen neuen
Strafbefehl erlässt (lit. c) oder Anklage beim erstinstanzlichen Gericht erhebt
(lit. d).
Entschliesst sich die Staatsanwaltschaft, am Strafbefehl festzuhalten, so über-
weist sie die Akten unverzüglich dem erstinstanzlichen Gericht zur Durchführung
des Hauptverfahrens. Der Strafbefehl gilt als Anklageschrift (Art. 356 Abs. 1
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StPO). Das erstinstanzliche Gericht entscheidet über die Gültigkeit des Strafbe-
fehls und der Einsprache (Art. 356 Abs. 2 StPO).
2. Die BA geht davon aus, dass A. als verfahrensunbeteiligte Person nicht zur Ein-
sprache legitimiert sei. Sie führt aus, das Gesetz regle nicht, wie vorzugehen sei,
wenn die Staatsanwaltschaft mit einer Einsprache einer nicht berechtigten Per-
son konfrontiert sei, auf welche hin sie (noch) keine Anklage zu erheben ge-
denke. Aus Sicht der BA sei die Frage der Gültigkeit der Einsprache einer ver-
fahrensunbeteiligten Person in einem Verfahren nach Art. 390 StPO (betreffend
schriftliches Rechtsmittelverfahren) analog zu entscheiden. Im Falle der Feststel-
lung der Ungültigkeit der Einsprache werde der Strafbefehl aufgrund des Ver-
zichts der beschuldigten Person auf eine Einsprache rechtskräftig. Im Falle der
Bejahung der Gültigkeit der Einsprache sei gemäss Art. 355 StPO vorzugehen.
3. Dieser Auffassung kann nicht gefolgt werden. Das Gesetz regelt den Verfahrens-
gang nach erfolgter Einsprache abschliessend in Art. 355 und 356 StPO (Urteil
des Bundesgerichts 6B_756/2014 vom 16. Dezember 2014 E. 2); für eine ana-
loge Anwendung von Art. 390 StPO besteht somit kein Raum. Das Gericht kann
demnach über die Gültigkeit der Einsprache erst entscheiden, nachdem sich die
Staatsanwaltschaft dazu entschlossen hat, am Strafbefehl festzuhalten, und die
vollständigen Akten (Art. 329 Abs. 1 lit. a StPO) zur Durchführung des Hauptver-
fahrens dem Gericht überwiesen hat. Dies ist vorliegend nicht geschehen. In der
gegebenen Konstellation ist die Strafkammer des Bundesstrafgerichts sachlich
nicht zuständig, über die Gültigkeit der Einsprache zu entscheiden. Auf den dies-
bezüglichen Antrag der BA kann folglich nicht eingetreten werden.
4. Der Antrag von A. auf Rückweisung der Sache an die Bundesanwaltschaft zur
Durchführung des Verfahrens gemäss Art. 355 Abs. 1 StPO ist aufgrund des vor-
stehend Dargelegten obsolet.
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