# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 567ea69d-44f7-4d1c-9e1b-bc3e88c82648
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _1952 in O.1_ geboren, wo sie mit drei Geschwistern bei ihren Eltern aufwuchs. In O.1_ besuchte sie auch die Primar- und Realschule. Bis 1973 arbeitete sie danach im Service in O.2_ und kehrte dann nach O.1_ zurück. 1977 heiratete sie A._. Aus der Ehe entsprangen vier Kinder (geboren 1977, 1979, 1980 und 1984). Gemäss ihren Angaben ist X._ pensioniert. Sie erhält eine AHV-Rente und arbeitet als Hauswartin. Dabei verdient sie etwa Fr. 300.00 im Monat. Die Schulden belaufen sich auf ca. Fr. 10'000.00.
Im Schweizerischen Strafregister ist X._ wie folgt verzeichnet:
 07.03.2006 Kreispräsident Davos: Vergehen gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel (mehrfache Begehung), Art. 19 Abs. 1 aBetmG, Gefängnis 90 Tage, bedingt vollziehbar, Probezeit 2 Jahre, Busse Fr. 500.00;
 25.05.2009 Kreispräsident Davos: Vergehen gegen das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel (mehrfache Begehung), Art. 19 Abs. 1 aBetmG, Geldstrafe 150 Tagessätze zu Fr. 20.00, bedingt vollziehbar, Probezeit 3 Jahre, Busse Fr. 200.00.
B. B._ stellte am 15. April 2014 Strafantrag gegen X._ und erklärte, sich am Verfahren als Zivil- und Strafklägerin zu beteiligen. C._ verzichtete bereits am 17. März 2014 darauf, sich im Strafverfahren als Straf- und Zivilkläger zu beteiligen. Am 30. September 2015 zog B._ gegenüber dem Bezirksgericht Prättigau/Davos die Beteiligung als Zivilklägerin zurück. Formal ist sie damit noch als (Privat-) Strafklägerin am Verfahren beteiligt.
C. Mit Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend Staatsanwaltschaft) vom 1. Oktober 2014, mitgeteilt am 13. Oktober 2014, wurde X._ schuldig erklärt der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB. Dafür wurde sie bestraft mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je Fr. 30.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, sowie mit einer Busse von Fr. 200.00, bei schuldhafter Nichtbezahlung ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von sechs Tagen, alles unter Kostenfolge zu Lasten von X._. Die Staatsanwaltschaft legte ihrem Strafbefehl den folgenden Sachverhalt zu Grunde:
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"Nachdem A._ am Abend des 15. März 2014 Suizidabsichten geäussert hatte, ordnete der zuständige Bezirksarzt eine fürsorgerische Unterbringung des Genannten an. Dieser zeigte sich anfänglich kooperativ und stieg beim Bahnhof in O.1_ freiwillig in das von der Kantonspolizistin B._ gelenkte zivile Polizeifahrzeug ein. Ein zweiter Kantonspolizist, C._, nahm auf dem Rücksitz neben A._ bzw. hinter B._ Platz. Auf Wunsch von A._ brachte man vor der Klinikeinlieferung noch zwei mitgeführte Plastiktaschen an dessen Wohnadresse in O.1_, Dorfstrasse 29. Nachdem das Polizeifahrzeug mit den drei Insassen gegen 20.45 Uhr dort angekommen war und B._ X._ über das geplante weitere Vorgehen informiert hatte, begab die Beschuldigte sich sogleich zum Dienstfahrzeug, öffnete die hintere rechte Fahrzeugtüre und versuchte, ihren Ehemann aus dem Auto zu ziehen. Der noch im Fahrzeug sitzende C._ versuchte, dies zu verhindern, worauf X._ mit der Hand auf den Kopf des Polizeifunktionärs einschlug. Gleichzeitig versuchte B._, X._ vom Fahrzeug wegzubringen. Dabei wurde sie von der um sich schlagenden Beschuldigten an der Wange getroffen.
Schliesslich gelang es den beiden Polizeifunktionären, X._ zu arretieren. Dabei zog sich diese eine Ellenbogenfraktur sowie eine Schürfung im Gesicht zu. Diese Verletzung der Beschuldigten während der Tat ist bei der Strafzumessung zu berücksichtigen."
D. Gegen diesen Strafbefehl erhob X._ am 24. Oktober 2014 Einsprache. Am 18. Dezember 2014 verfügte die Staatsanwaltschaft nach Prüfung der Akten und in Anwendung von Art. 309 StPO die Eröffnung einer Strafuntersuchung gegen X._ wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 StGB.
E. Am 13. April 2015, mitgeteilt am 17. April 2015, verfügte die Staatsanwaltschaft gestützt auf Art. 355 Abs. 3 lit. a und Art. 356 Abs. 1 StPO die Überweisung des Strafbefehls ans Bezirksgericht Prättigau/Davos. Zudem teilte sie mit, dass die Staatsanwaltschaft am Strafbefehl festhalte und die Akten dem erstinstanzlichen Gericht zur Durchführung des Hauptverfahrens überweise, wobei der Strafbefehl gemäss Art. 356 Abs. 1 StPO als Anklageschrift gelte. Gleichentags erging auch der Schlussbericht der Staatsanwaltschaft im Sinne von Art. 326 Abs. 2 StPO.
F. Die Hauptverhandlung vor dem Bezirksgericht Prättigau/Davos fand am 1. Oktober 2015 statt. X._ war dazu persönlich erschienen. Sie wurde von ihrem privaten Verteidiger Rechtsanwalt lic. iur. Fortunat L. Schmid begleitet. Die Staatsanwaltschaft war nicht zugegen. Die Parteien stellten die folgenden Schlussanträge:
"Anträge Staatsanwaltschaft Graubünden:
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1. X._ sei schuldig der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
2. X._ sei mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 30.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von zwei Jahren, zu bestrafen.
3. X._ sei mit einer Busse von CHF 200.00 zu bestrafen. Bei schuldhafter Nichtbezahlung trete an Stelle der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe von 6 Tagen.
4. Die Kosten des Verfahrens seien X._ aufzuerlegen."
"Anträge beschuldigte Person:
1. Die Beklagte sei freizusprechen.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des Staates."
G. Gegen das am 1. Oktober 2015 mündlich eröffnete und am 2. Oktober 2015 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Prättigau/Davos meldete die Staatsanwaltschaft am 5. Oktober 2015 Berufung an, woraufhin das Bezirksgericht Prättigau/Davos das begründete Urteil am 11. Januar 2016 mitteilte. Darin erkannte es wie folgt:
"1. X._ wird von der Anklage der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB freigesprochen.
2. Die Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden in Höhe von CHF 1'326.50 gehen zu Lasten des Kantons Graubünden.
3. Die Gerichtsgebühr in Höhe von CHF 2'400.00 geht zu Lasten der Bezirksgerichtskasse Prättigau/Davos.
4. X._ wird gestützt auf Art. 429 Abs. 1 lit. a StPO mit pauschal CHF 5'550.00 (inkl. Spesen und Mehrwertsteuer) aus der Bezirksgerichtskasse Prättigau/Davos entschädigt.
5. Die Partei, die Berufung angemeldet hat (= vorliegend die Staatsanwaltschaft), hat dem Kantonsgericht von Graubünden, Poststrasse 14, 7002 Chur, innert 20 Tagen seit Zustellung dieses begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung einzureichen. Darin ist anzugeben, ob dieses Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen angefochten wird, welche Abänderungen des Urteils verlangt und welche Beweisanträge gestellt werden (Art. 399 Abs. 3 StPO).
6. Ferner kann mit der Berufung nur geltend gemacht werden, dieses Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des Sachverhaltes sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung. Neue Behauptungen und Beweise können nicht vorgebracht werden (Art. 398 Abs. 4 StPO).
7. Sollte die Staatsanwaltschaft nur Teile dieses Urteils anfechten, hat sie in der Berufungserklärung verbindlich anzugeben, auf welche der in Art. 399 Abs. 4 StPO genannten Teile sich ihre Berufung beschränkt.
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8. (Mitteilung)."
H. Mit Berufungserklärung vom 18. Januar 2016 stellte die Staatsanwaltschaft die folgenden Anträge:
"1. Ziff. 1, 2, 3 und 4 des angefochtenen Urteils seien aufzuheben.
2. X._ sei schuldig zu sprechen der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB.
3. Dafür sei sie mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je CHF 30.00, bedingt aufgeschoben bei einer Probezeit von 2 Jahren, und mit einer Busse von CHF 200.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 6 Tagen, zu bestrafen.
4. Kostenfolge sei die gesetzliche."
I. Mit Schreiben des Vorsitzenden der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden vom 9. Mai 2016 wurde Rechtsanwalt lic. iur. Fortunat L. Schmid gestützt auf Art. 132 Abs. 1 lit. b StPO und Art. 130 lit. d StPO, beginnend ab 4. Mai 2016, als amtlicher Verteidiger von X._ bestellt.
J. Die Hauptverhandlung vor der I. Strafkammer des Kantonsgerichts von Graubünden fand am 23. August 2016 statt. Anwesend waren X._ mit ihrem amtlichen Verteidiger, Rechtsanwalt lic. iur. Fortunat L. Schmid, und der Erste Staatsanwalt, lic. iur. D._, welcher an den Rechtsbegehren gemäss Berufungserklärung festhielt.
K. Auf das Ergebnis der persönlichen Befragung von X._ durch den Vorsitzenden der I. Strafkammer, auf die weitere Begründung der Anträge anlässlich der mündlichen Berufungsverhandlung sowie auf die Ausführungen im angefochtenen Urteil und in den Rechtsschriften wird, soweit erforderlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
II. Erwägungen
1. a) Die Berufung ist zulässig gegen Urteile erstinstanzlicher Gerichte, mit denen das Verfahren ganz oder teilweise abgeschlossen worden ist (vgl. Art. 398 Abs. 1 StPO). Die Berufung bezieht sich somit auf Entscheide, in denen über Straf- und Zivilfragen materiell befunden wird (vgl. Art. 80 Abs. 1 Satz 1 StPO), in erster Linie auf Urteile, die auf Verurteilung oder Freispruch lauten und der Fall vor der ersten Instanz damit abgeschlossen wird (vgl. Luzius Eugster, in: Niggli/Heer/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar zur Schweizerischen Strafprozessordnung, 2. Aufl., Basel 2014, N. 2 zu Art. 398 StPO [zit. Basler
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Kommentar zur StPO]). Gemäss Art. 399 Abs. 1 StPO ist die Berufung dem erstinstanzlichen Gericht innert zehn Tagen seit Eröffnung des Urteils schriftlich oder mündlich zu Protokoll anzumelden, worauf das erstinstanzliche Gericht die Anmeldung nach Ausfertigung des begründeten Urteils zusammen mit den Akten dem Kantonsgericht als Berufungsinstanz übermittelt (vgl. Art. 399 Abs. 2 StPO, Art. 22 des Einführungsgesetzes zur Schweizerischen Strafprozessordung [EGzStPO; BR 350.100]). Nach Art. 399 Abs. 3 StPO reicht die Partei, die Berufung angemeldet hat, dem Kantonsgericht innert 20 Tagen seit der Zustellung des begründeten Urteils eine schriftliche Berufungserklärung ein, worin sie anzugeben hat, ob sie das Urteil vollumfänglich oder nur in Teilen anficht (lit. a), welche Abänderungen des erstinstanzlichen Urteils sie verlangt (lit. b) und welche Beweisanträge sie stellt (lit. c).
b) Gegen das am 1. Oktober 2015 gefällte und am 2. Oktober 2015 ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Bezirksgerichts Prättigau/Davos meldete die Staatsanwaltschaft am 5. Oktober 2015 die Berufung an (vgl. act. A.1). Nach Mitteilung des begründeten Urteils am 11. Januar 2016 reichte die Staatsanwaltschaft fristgerecht am 18. Januar 2016 ihre Berufungserklärung ein (vgl. act. A.2). Die Staatsanwaltschaft ist zum Ergreifen der Berufung ohne weiteres legitimiert (vgl. Art. 381 Abs. 1 StPO). Die übrigen Prozessvoraussetzungen geben zu keinen weiteren Bemerkungen Anlass, weshalb auf die frist- und formgerecht eingereichte Berufung einzutreten ist.
2. Als Berufungsinstanz kann das Kantonsgericht das erstinstanzliche Urteil in allen angefochtenen Punkten umfassend überprüfen (vgl. Art. 398 Abs. 2 StPO). Der Hinweis im Dispositiv des angefochtenen Urteils (Ziffer 6) auf Art. 398 Abs. 4 StPO, wonach sich die Berufung auf die Rüge von willkürlicher Sachverhaltsfeststellungen und/oder Rechtsfehlern beschränken müsse, ist unzutreffend, weil es im vorliegenden Fall nicht um die Beurteilung einer Übertretung geht. Nachdem sowohl die Staatsanwaltschaft wie auch die Verteidigung die Unrichtigkeit der entsprechenden Rechtsbelehrung erkannt haben und in ihren Vorträgen stillschweigend von einer vollen Kognition der Berufungsinstanz ausgegangen sind, bleibt der entsprechende Fehler ohne prozessuale Folgen. Die Berufung ist somit ein vollkommenes Rechtsmittel, mit welchem erstinstanzliche Urteile in sachverhaltsmässiger wie auch in rechtlicher Hinsicht mit freier Kognition überprüft werden können (vgl. Niklaus Schmid, Schweizerische Strafprozessordnung, Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich 2013, N. 1 zu Art. 398 StPO [zit. Praxiskommentar]; Markus Hug/Alexandra Scheidegger, in: Donatsch/Hans-jakob/Lieber [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen
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Strafprozessordnung [StPO], 2. Aufl., Zürich 2014, N. 14 zu Art. 398 StPO [zit. Donatsch/Hans-jakob/Lieber]). Das Berufungsgericht überprüft das erstinstanzliche Urteil grundsätzlich nur in den angefochtenen Punkten (vgl. Art. 404 Abs. 1 StPO). Die nicht angefochtenen Punkte sind rechtskräftig geworden und stehen damit nicht länger zur Diskussion (vgl. Luzius Eugster, in: Basler Kommentar zur StPO, a.a.O., N. 3 zu Art. 404 StPO). Tritt das Berufungsgericht auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil, welches das erstinstanzliche ersetzt (vgl. Art. 408 StPO). Weist das erstinstanzliche Verfahren aber Mängel auf, die im Berufungsverfahren nicht geheilt werden können, so hebt das Berufungsgericht das angefochtene Urteil auf und weist die Sache zur Durchführung einer neuen Hauptverhandlung und zur Fällung eines neuen Urteils an das erstinstanzliche Gericht zurück (vgl. Art. 409 Abs. 1 StPO). Im vorliegenden Fall kann indessen das Berufungsgericht – wie sich aus den nachstehenden Erwägungen ergibt – selber ein Urteil fällen.
3. Das rechtliche Gehör nach Art. 29 Abs. 2 BV verlangt, dass die Behörde die Vorbringen des vom Entscheid in seiner Rechtsstellung Betroffenen auch tatsächlich hört, prüft und in der Entscheidfindung berücksichtigt (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.1; BGE 124 I 49 E. 3a; BGE 124 I 241 E. 2, je mit Hinweisen). Daraus folgt die Verpflichtung der Behörde, ihren Entscheid zu begründen. Dabei ist es nicht erforderlich, dass sie sich mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzt und jedes einzelne Vorbringen ausdrücklich widerlegt. Vielmehr kann sie sich auf die für den Entscheid wesentlichen Punkte beschränken. Die Begründung muss so abgefasst sein, dass sich der Betroffene über die Tragweite des Entscheids Rechenschaft geben und ihn in voller Kenntnis der Sache an die höhere Instanz weiterziehen kann. In diesem Sinne müssen wenigstens kurz die Überlegungen genannt werden, von denen sich die Behörde hat leiten lassen und auf die sich ihr Entscheid stützt (vgl. BGE 136 I 229 E. 5.1; BGE 134 I 83 E. 4.1, mit Hinweisen). Im Rechtsmittelverfahren kann das Gericht gemäss Art. 82 Abs. 4 StPO für die tatsächliche und rechtliche Würdigung des angeklagten Sachverhaltes auf die Begründung der Vorinstanz verweisen. Das Bundesgericht führte im Zusammenhang mit Art. 82 Abs. 4 StPO in BGE 141 IV 244 aus, dass aus einem Entscheid klar hervorgehen müsse, von welchem festgestellten Sachverhalt das Gericht ausgegangen sei und welche rechtlichen Überlegungen es angestellt habe. Von der Möglichkeit, auf die Begründung der Vorinstanz zu verweisen, sei zurückhaltend Gebrauch zu machen. Ein Verweis komme bei strittigen Sachverhalten und in Bezug auf die rechtliche Subsumtion nur dann in
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Frage, wenn die Rechtsmittel-instanz den vorinstanzlichen Erwägungen (vollumfänglich) beipflichte.
4. Das Gericht würdigt die Beweise gemäss Art. 10 Abs. 2 StPO frei nach seiner aus dem gesamten Verfahren gewonnenen Überzeugung. Beim Vorliegen verschiedener Beweismittel verbietet der Grundsatz der freien Beweiswürdigung eine Rangordnung (vgl. Niklaus Schmid, Praxiskommentar, a.a.O., N. 5 zu Art. 10 StPO). Vielmehr schliesst der strafprozessuale Grundsatz der Ermittlung der materiellen Wahrheit eine Bindung an die Anträge und Vorlagen der Parteien aus (vgl. ZR 90 1991 Nr. 30). Insbesondere sind Aussagen von Zeugen, Auskunftspersonen und Angeklagten vollgültige Beweismittel mit derselben Beweiseignung. Auch wenn der Angeklagte am Verfahren direkt beteiligt ist, stellt seine Aussage gleichwohl ein Beweismittel dar und sind seine Aussagen richterlich auf ihre materielle Richtigkeit hin zu würdigen. Bei der Beweiswürdigung ist nicht die Form, sondern der Gesamteindruck, das heisst die Art und Weise der Bekundung sowie die Überzeugungskraft der Beweismittel im Einzelfall entscheidend (vgl. Robert Hauser/Erhard Schweri/Karl Hartmann, Schweizerisches Strafprozessrecht, 6. Aufl., Basel 2005, § 54, N. 5), wobei nicht in erster Linie die Glaubwürdigkeit des Aussagenden, sondern vielmehr die Glaubhaftigkeit seiner konkreten Aussage im Vordergrund steht. Als Kennzeichen wahrheitsgetreuer Aussagen sind dabei die innere Geschlossenheit und Folgerichtigkeit in der Darstellung des Geschehens sowie die konkrete und anschauliche Wiedergabe des Erlebten zu werten (vgl. im Detail: Friedrich Arntzen/Else Michaelis-Arntzen, Psychologie der Zeugenaussage, System der Glaubwürdigkeitsmerkmale, 3. Aufl., München 1993). Die Schilderung des Vorfalles in so charakteristischer Weise, wie sie nur von demjenigen zu erwarten ist, der den Vorfall selbst erlebt hat, ist ein weiteres Kennzeichen für die Richtigkeit der Deposition. Die Konstanz in der Aussage bei verschiedenen Befragungen sowie die unvorteilhafte Darstellung der eigenen Rolle sprechen ebenfalls für die Korrektheit einer Aussage. Bei wahrheitswidrigen Depositionen fehlen diese Kennzeichen regelmässig. Als Indizien für bewusst oder unbewusst falsche Bekundungen gelten Unstimmigkeiten oder grobe Widersprüche in den eigenen Aussagen, Zurücknahme, erhebliche Abschwächungen oder Übersteigerungen im Verlaufe mehrerer Einvernahmen, unklare, verschwommene oder ausweichende Antworten und gleichförmige, eingeübt wirkende Aussagen. Mehrere Indizien, die, einzeln betrachtet, immer nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auf die Täterschaft oder die Tat hinweisen, können zusammen vollen Beweis und volle
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Überzeugung bringen und jeden vernünftigen Zweifel ausschliessen. In diesem Fall sind sie nicht einzeln, sondern in ihrer Gesamtheit zu würdigen (vgl. Urteil des Bundesgerichts 1P.87/2002 vom 17. Juni 2002 E. 3.4).
5. Die Vorinstanz sprach die Berufungsbeklagte von der Anklage der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte gemäss Art. 285 Ziff. 1 Abs. 1 StGB frei. Sie begründete ihren Freispruch unter anderem damit, dass die Verfügung des Bezirksarztes nichtig sei, da er A._ gar nicht untersucht und angehört, ihn aber dennoch für sechs Wochen eingewiesen habe. Aufgrund der nichtigen Verfügung liege keine Amtshandlung im Rechtssinne vor, was wiederum die Tatbestandsmässigkeit ausschliesse. Die Berufungsklägerin führte aus, dass die Polizei gemäss Art. 15 Abs. 1 lit. a des Polizeigesetzes des Kantons Graubünden (PolG; BR 613.000) verpflichtet gewesen sei, A._ in Gewahrsam zu nehmen, um ihn einer geeigneten Einrichtung zuzuführen. Die polizeiliche Überführung von A._ in die psychiatrische Klinik sei daher zu Recht bzw. im Rahmen einer rechtmässigen Amtshandlung erfolgt. Man habe an jenem Abend eine Person vor sich gehabt, die stark betrunken, möglicherweise psychisch gestört, gewesen sei und klare Suizidabsichten geäussert habe. Eine fürsorgerische Einweisung in eine psychiatrische Klinik sei in dieser Situation daher angezeigt gewesen. Einerseits, um eine medizinische Überwachung sicherzustellen, andererseits, um eine mögliche psychische Störung von psychologischen und psychiatrischen Fachpersonen zeitnah abklären zu können. Die Einweisung sei zwar verfahrensrechtlich nicht korrekt erfolgt, materiell sei sie gerechtfertigt und nicht nichtig gewesen, zumal sie von einer sachlich und örtlich zuständigen Person angeordnet worden sei.
6. Es stellt sich somit die Frage der Rechtmässigkeit der Amtshandlung. Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe wird gemäss Art. 285 Ziff. Abs. 1 StGB bestraft, wer eine Behörde, ein Mitglied einer Behörde oder einen Beamten durch Gewalt oder Drohung an einer Handlung, die innerhalb ihrer Amtsbefugnisse liegt, hindert, zu einer Amtshandlung nötigt oder während einer Amtshandlung tätlich angreift.
a) Schutzobjekt der Bestimmung ist die öffentliche Gewalt und die körperliche Integrität des öffentlichen Funktionärs bei der Verrichtung amtlicher Aufgaben (vgl. Stefan Flachsmann, in: Donatsch [Hrsg.], StGB Kommentar, 18. Aufl., Zürich 2010, N. 6 zu Art. 285 StGB mit Verweis auf BGE 110 IV 92). Als Amtshandlung gilt jede Tätigkeit eines Beamten oder Behördenmitgliedes in seiner  Funktion. Die Amtshandlung verliert ihren strafrechtlichen Schutz
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allerdings, wenn sie nichtig ist, das heisst, wenn sie an einem schweren materiellen und/oder formellen Rechtsmangel leidet (vgl. BGE 98 IV 44; 104 Ia 176; 115 Ia 4). Stefan Heimgartner führt unter Verweisung auf weitere Autoren dazu im Basler Kommentar (vgl. Stefan Heimgartner, in: Niggli/Wiprächtiger [Hrsg.], Basler Kommentar, Strafrecht II, Art. 111-392 StGB, 3. Aufl., Basel 2013) in den Vorbemerkungen zu Art. 285 aus: N. 18: "Leidet die Handlung an einem Nichtigkeitsgrund, liegt keine Amtshandlung im Rechtssinne vor, was bereits die Tatbestandsmässigkeit ausschliesst. Für die Beurteilung der Frage, ob Nichtigkeit vorliegt, sollen gemäss h.L. die Kriterien des öffentlichen Rechts massgebend sein. Nichtigkeit besteht gemäss der dort vorherrschenden Evidenztheorie beim Vorliegen eines schwerwiegenden Mangels, der offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist. Zudem darf die Nichtigkeit die Rechtssicherheit nicht ernsthaft gefährden...Unerheblich bleibt, ob der Beamte die Nichtigkeit erkannt hat." N. 19: "Das Vorliegen eines offensichtlichen, besonders schweren Mangels sollte daher zur Annahme der Nichtigkeit der "Amtshandlung" ausreichen...Bei der Beurteilung der Frage, ob ein Mangel genügend gravierend ist, sollte insbesondere auf die Schwere des Eingriffs in Freiheitsrechte und Rechtsgüter abgestellt werden. "Amtshandlungen", die wegen fehlender gesetzlicher Grundlage oder offensichtlicher Unverhältnismässigkeit gegen die Verfassung (Art. 36 BV) verstossen, müssten demzufolge als nichtig qualifiziert werden." N. 25: "Ist eine Amtshandlung nichtig, fällt eine Bestrafung nach Art. 285 f. ausser Betracht. Der Schutz der physischen Integrität und der Freiheit des Beamten durch die allgemeinen Tatbestände bleibt insoweit unberührt, als die Handlungen des Täters nicht als Notwehr, Notstand oder Wahrung berechtigter Interessen gerechtfertigt sind." In BGE 137 I 273 E. 3.1 fasste das Bundesgericht seine Rechtsprechung zur Nichtigkeit von Verwaltungsakten wie folgt zusammen: "Nichtigkeit, d.h. absolute Unwirksamkeit, einer Verfügung wird nur angenommen, wenn sie mit einem tiefgreifenden und wesentlichen Mangel behaftet ist, wenn dieser schwerwiegende Mangel offensichtlich oder zumindest leicht erkennbar ist und wenn zudem die Rechtssicherheit durch die Annahme der Nichtigkeit nicht ernsthaft gefährdet wird. Inhaltliche Mängel haben nur in seltenen Ausnahmefällen die Nichtigkeit einer Verfügung zur Folge; erforderlich ist hierzu ein ausserordentlich schwerwiegender Mangel. Als Nichtigkeitsgründe fallen hauptsächlich funktionelle und sachliche Unzuständigkeit einer Behörde sowie schwerwiegende Verfahrensfehler in Betracht (wie z.B. der Umstand, dass der Betroffene keine Gelegenheit hatte, am Verfahren teilzunehmen). Fehlt einer Verfügung in diesem Sinne jegliche Rechtsverbindlichkeit, so ist das durch jede Behörde, die mit der Sache befasst ist, jederzeit und von Amtes wegen zu
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beachten (vgl. u.a. BGE 136 II 489 E. 3.3 S. 495 f.; BGE 133 II 366 E. 3.1 und 3.2 S. 367; BGE 132 II 342 E. 2.1 S. 346; BGE 130 III 430 E. 3.3 S. 434; BGE 129 I 361 E. 2.1 S. 363 f.; BGE 127 II 32 E. 3g S. 47 f.; ASA 73 S. 299 E. 2; 70 S. 529 E. 4b/aa; 65 S. 918 E. 2; StE 2010 B 92.8 Nr. 15 E. 2.3; StR 64/2009 S. 581 E. 2.1; RDAF 2006 I S. 139 E. 2.2; RDAT 1996 I Nr. 49 S. 137 E. 5; mit weiteren Hinweisen)."

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