# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 023a729f-d17d-4eb4-9867-e1c47783a665
**Court:** GR_KG
**Chamber:** GR_KG_004
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat sich ergeben:
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I. Sachverhalt
A. X._ wurde am _ 1959 als Sohn der A._ und des B._ in O.1_ geboren. Zurzeit arbeitet er als Aussendienstmitarbeiter bei der C._ und generiert gemäss Auskünften der Steuerverwaltung des Kantons Graubünden betreffend die Steuerperiode 2014 ein jährliches Nettoeinkommen von CHF 52'255.00, was einem monatlichen Nettoeinkommen von etwa CHF 4'355.00 entspricht.
B. Im Schweizerischen Zentralstrafregister und im SVG-Massnahmenregister ist X._ nicht verzeichnet.
C. Die Staatsanwaltschaft Graubünden (nachfolgend Staatsanwaltschaft) eröffnete am 30. März 2016 eine Strafuntersuchung gegen X._ wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG (vgl. StA act. 11). Anlässlich dieser Strafuntersuchung führte der zuständige Staatsanwalt am 30. Juni 2016 im Beisein von X._ als Beschuldigter in Begleitung seines privaten Verteidigers sowie des Zeugen D._ und einem Sachbearbeiter an der Örtlichkeit des Überholmanövers in O.2_ einen Augenschein durch.
D. Die Staatsanwaltschaft teilte X._ am 4. August 2016 mit, dass die Strafuntersuchung abgeschlossen sei. Gleichzeitig wurde die Anklageerhebung beim Gericht gemäss Art. 324 ff. StPO wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG sowie wegen Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG und Art. 32 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG in Aussicht gestellt und eine Frist von zehn Tagen eingeräumt, um allfällige Beweisanträge zu stellen.
E. Am 8. Dezember 2016, mitgeteilt am 12. Dezember 2016, erging die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Graubünden. Der Anklageschrift liegt folgender Sachverhalt zugrunde:
Grobe Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG und der Verletzung der Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG
Am _ 2015 war die Südspur der A _ zwischen der Rechtskurve vor der O.3_ bis Höhe nordöstliches Ende des O.2_stausees von der Nordspur durch eine Leitlinie (6.03) getrennt. Nach dieser Rechtskurve folgt die O.3_ bzw. eine längere Gerade, die in eine unübersichtliche Linkskurve verläuft. Die Strasse ist 6.70 m breit und weist dort eine
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Steigung von 6 - 7% auf. Die Fahrspuren sind in diesem Bereich beidseits durch Leitplanken und das Brückengeländer begrenzt. Die Höchstgeschwindigkeit war damals in beiden Fahrtrichtungen mit 100 km/h signalisiert. Die Distanz zwischen der 1. und der 2. Schwelle der O.3_ beträgt 125.5 m, während die Distanz von der 2. Schwelle der O.3_ bis zu dem Brückenkordon, wo die Autostrasse über die Kantonsstrasse _ führt, 120 m beträgt. Nach der O.3_ bzw. vor der Überführung über die Kantonsstrasse befindet sich rechterhand der Südspur ein . Die Sichtdistanz von dem frühestmöglichen Beginn des Überholmanövers in dieser Rechtskurve bis in die unübersichtliche Linkskurve beträgt unter Berücksichtigung des im Zusammenhang mit dem Augenschein berechneten toten Winkels rund 356 m (383 m - 27 m = 356 m).
Am 13. November 2015 fuhr der Beschuldigte mit seinem Personenwagen E._, Kontrollschild GR _, auf der Nordspur der Autostrasse _ von O.4_ in Richtung O.2_. Nach dem _tunnel schloss er auf eine Kolonne von mehreren Fahrzeugen auf. Die Kolonne wurde von einem Sattelschlepper angeführt, welchem ein blauer Personenwagen der Marke BMW mit _ Kontrollschildern folgte. An dritter Stelle fuhr der Polizeibeamte D._ mit dem Dienstfahrzeug und hinter diesem fuhren ein weisser und grauer Personenwagen. In der Folge setzte X._ um ca. 12.10 Uhr, rund 63 m unterhalb der 1. Schwelle der O.3_, Gemeinde O.2_, in der oben erwähnten Rechtskurve zum Überholen dieser Kolonne an, die zu diesem Zeitpunkt mit ca. 40 km/h unterwegs war. Um alle Fahrzeuge dieser Kolonne korrekt überholen zu können, reichte die Sichtdistanz, die dem Beschuldigten zur Verfügung stand, nicht aus. In der Folge beschleunigte er beim Überholen sein Fahrzeug auf 120 km/h und überschritt damit bewusst die damals dort geltende Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h. Nachdem X._ vier Personenwagen und dieses Sattelmotorfahrzeug überholt hatte, bog er im Bereich des SOS- Ausstellplatzes bzw. unmittelbar vor der Vorwegweisertafel Anschluss O.2_ und somit nach rund 290 m (Überholweg) mit seinem Personenwagen GR _ wieder auf die rechte Fahrspur zurück. Gegenverkehr herrschte zum Zeitpunkt des Überholmanövers keiner. Der Beschuldigte führte sein Überholmanöver aus, obwohl er bei Beginn seines Überholmanövers in dieser Rechtskurve die Strasse wegen der rechtsseitigen Leitplanke bzw. des Brückengeländers nur eingeschränkt überblicken konnte und für ihn aufgrund der vorausfahrenden Personenwagen und der die Sicht nach vorne zusätzlich einschränkenden Grösse des Sattelschleppers notwendige Raum nicht einsehbar war und er die Gewissheit, wieder rechtzeitig auf die Normalspur zurückfahren zu können, nicht hatte. Beim Entscheid an der fraglichen Stelle vier Personenwagen und einen Sattelschlepper zu überholen, zog der Beschuldigte aus grober Pflichtwidrigkeit nicht in Betracht, dass er mit seinem Verhalten in vorhersehbarer Weise eine gefährliche Verkehrssituation und eine ernsthafte Gefahr für die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer, insbesondere die Insassen der überholten Fahrzeuge, schaffen würde.
F. Das Bezirksgericht Hinterrhein (ab 1. Januar 2017 Regionalgericht Viamala) lud mit prozessleitender Verfügung vom 15. Dezember 2016 zur
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Hauptverhandlung vor. Gleichzeitig wurde den Parteien eine Frist bis am 23. Januar 2017 angesetzt, um Beweisanträge zu stellen und zu begründen.
G. In der Folge liess X._, vertreten durch Rechtsanwalt Dr. iur. Christian Schreiber, mit Eingabe vom 9. Januar 2017 folgenden Beweisantrag stellen (vgl. RG act. III.1):
Die Berechnung des Überholweges sei entsprechend dem beigelegten act. 4 der Staatsanwaltschaft mit folgenden Werten anzustellen:
- Geschwindigkeit des überholenden Fahrzeuges 120 km/h - Fahrzeugabstände 10m - Geschwindigkeit der überholten Fahrzeuge 20 km/h - Anzahl der überholten PW's 3 bzw. 4 - Einsehbare Strecke 382 m bzw. 356 m - Geschwindigkeit Gegenverkehr 100 km/h.
H. Am 27. Januar 2017 lehnte der Präsident des Regionalgerichts Viamala in Anwendung von Art. 331 StPO diesen Beweisantrag mit Verweis auf die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft ab. Er hielt fest, dass das Gericht bei Bedarf in das Beweisverfahren zurückkehren könne.
I. Die Hauptverhandlung vor dem Regionalgericht Viamala fand am 21. März 2017 statt. Anwesend waren X._ als Beschuldigter in Begleitung seines privaten Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. iur. Christian Schreiber, sowie die Staatsanwaltschaft. Die Parteien stellten die folgenden Anträge (Art. 346 Abs. 1 StPO).
Anträge der Staatsanwaltschaft Graubünden:
1. X._ sei schuldig zu sprechen der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG und der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.
2. Dafür sei er zu verurteilen:
a) Zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 90.00. Der Vollzug der Geldstrafe sei aufzuschieben unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren.
b) Zur Bezahlung einer Busse von CHF 1'060.00, ersatzweise zu einer Freiheitsstrafe von 11 Tagen.
3. Kostenfolge sei die gesetzliche.
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Anträge von X._:
1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe freizusprechen.
2. Die Kosten gehen zulasten des Staates, der den Beschuldigten ausseramtlich angemessen zu entschädigen hat.
J. Gegen das am 21. März 2017 gefällte, gleichentags mündlich eröffnete und ohne schriftliche Begründung mitgeteilte Urteil des Regionalgerichts Viamala meldete X._ (nachfolgend: Berufungskläger) nach der mündlichen Eröffnung des Urteilsdispositivs am 3. April 2017 Berufung an. Daraufhin teilte das Regionalgericht Viamala den Parteien am 9. August 2017 das begründete Urteil mit. Darin erkannte es wie folgt:
1. X._ ist schuldig der groben Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 35 Abs. 2 und 4 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 2 SVG und der Verletzung von Verkehrsregeln gemäss Art. 27 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 90 Abs. 1 SVG.
2. a) Dafür wird X._ mit einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je CHF 90.00 bestraft.
c) Der Vollzug der Geldstrafe wird unter Ansetzung einer Probezeit von 2 Jahren aufgeschoben.
3. a) Zudem wird X._ mit einer Busse von CHF 1'000.00 bestraft.
b) Die Ersatzfreiheitsstrafe für die Busse beträgt 10 Tage. Sie tritt an die Stelle der Busse, soweit dieselbe schuldhaft nicht bezahlt wird.
4. Die Kosten des Verfahrens von CHF 8'756.00 (Untersuchungsgebühren und Auslagen der Staatsanwaltschaft Graubünden CHF 2'756.00, Gerichtsgebühren CHF 6'000.00) gehen zu Lasten von X._.

## Considerations