# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 907cd225-cdf8-4070-9ea1-3d89bfe5ce5f
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_001
**Year:** 2014
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

möglich gewesen sei, sich zum Sachverhalt zu äussern. Der Sachverhalt
sei daher insofern unvollständig abgeklärt, was eine Verletzung des
rechtlichen Gehörs darstelle. Aufgrund des massiven Drucks mit
Gewaltandrohung durch den Ehemann habe sie dessen Drängen
nachgegeben und sei im Juli 2012 ohne ihren Sohn vorübergehend in die
Türkei gereist. Es liege keine freiwillige Trennung vor. Sie habe zuvor
Schläge, Drohungen, Beschimpfungen und Nötigungen durch den
Ehemann ertragen müssen. Aus Angst vor dem Ehemann habe sie sich
nicht an die Behörden gewandt. Es liege ein wichtiger Grund gemäss Art.
50 Abs. 2 AuG vor.
13. Am 3. Februar 2013 reichte die Beschwerdeführerin dazu noch ein
ärztliches Attest vom 19. Januar 2013 ein.
14. Am 8. Februar 2013 beantragte das AMZ dem Departement die
Abweisung der Beschwerde. Die Beschwerdeführerin habe sich
gegenüber dem AMZ trotz Aufforderung dazu nicht vernehmen lassen.
Wenn in der Verwaltungsbeschwerde der Vorwurf der Verletzung des
rechtlichen Gehörs sowie einer unvollständigen Sachverhaltsfeststellung
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gemacht werde, so sei dies trölerisch und rechtsmissbräuchlich. Die
behauptete häusliche Gewalt durch den Ehemann sei auch in keiner
Weise nachgewiesen. Zudem würde häusliche Gewalt das Opfer einzig
vor einem Bewilligungsentzug schützen, sie stelle jedoch keinen Grund
dar, eine solche zu erteilen. Die Beschwerdeführerin wohne ferner in
Y._, weshalb der Kanton Graubünden von Beginn weg nicht für eine
Bewilligungserteilung zuständig sei. Bei der Beantragung der Bewilligung
habe die Beschwerdeführerin zusätzlich den Nachweis der notwendigen
finanziellen Mittel zu erbringen, um die Gefahr zukünftiger
Inanspruchnahme von Fürsorgeleistungen aus der Welt zu schaffen.
15. Am 26. Februar 2013 reichte die Beschwerdeführerin dazu noch ein
Schreiben des Sohnes und des Schwagers beim Departement ein.
16. Mit Verfügung vom 5./6. März 2013 wies das Departement (DJSG) die
fragliche Beschwerde ab. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs
verneinte es. Am 4. Dezember 2012 habe das AMZ die
Beschwerdeführerin nachweislich per Einschreiben an die Wohnadresse
ihres Schwagers in Y._ aufgefordert, sich bis zum 13. Dezember
2013 zum Sachverhalt zu äussern. Es sei nicht ersichtlich, weshalb sie
sich (nicht) hätte äussern können. Aktuell sei kein gültiges Gesuch um
Familiennachzug hängig, auf welches sich die Beschwerdeführerin
berufen könnte. Aber selbst wenn ein solches vorliegen würde, könnte es
der Beschwerdeführerin nicht erteilt werden, da sie unbestrittenermassen
schon längere Zeit nicht mehr mit ihrem Ehemann zusammenlebe.
Deshalb sei ihr Anspruch nach Art. 42 Abs. 1 AuG erloschen. Eine
Bewilligungserteilung gestützt auf Art. 50 Abs 1 lit. a und 50 Abs. 2 AuG
falle für das Departement ebenfalls ausser Betracht, weil es der
Beschwerdeführerin nicht gelungen sei, darzustellen, dass sie Opfer
häuslicher Gewalt (häuslicher Oppression) geworden sei; die allgemein
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gehaltenen Behauptungen genügten nicht. Bei der Feststellung des
Sachverhaltes treffe die Beschwerdeführerin eine Mitwirkungspflicht, doch
diese lege nicht einmal ansatzweise dar, wie und zu welchen Zeitpunkten
solche angeblichen Angriffe in der relevanten Zeitdauer vom September
2011 bis Juli 2012 stattgefunden hätten. Der Arztbericht vom 19. Januar
2013 gebe lediglich die Behauptungen der Beschwerdeführerin wieder;
dasselbe gelte für die Attestation des „Centre de Consultation LAVI“.
Auch das Schreiben des gemeinsamen Sohnes sei zu allgemein
gehalten; zudem relativierte das Departement den Einwand, die
Beschwerdeführerin sei nur aufgrund massiver Gewaltandrohung im Juli
2012 aus der Schweiz ausgereist; auch wenn ihr Ehemann sie am 18. Juli
2012 bei der Einwohnerkontrolle X._ abgemeldet habe. Der
Ehemann habe bereits zwölf Tage später wieder ein Gesuch um
Familiennachzug gestellt; es erscheine als widersprüchlich, wenn die
Beschwerdeführerin nach dem Erlebten wieder zum Ehemann hätte
zurückkehren wollen; ein Hinweis auf den Sohn als Grund dafür fehle
jedenfalls. Auch wäre es naheliegender gewesen, wenn die
Beschwerdeführerin im Juli 2012 zu ihrem Schwager nach Y._
gefahren wäre anstatt in die Türkei auszureisen. Es mute ausserdem
merkwürdig an, wenn die Beschwerdeführerin weder eine Strafanzeige
gegen den Ehemann eingereicht noch Eheschutzmassnahmen beantragt
habe. Für das Departement stehe fest, dass die Beschwerdeführerin nicht
glaubhaft habe darlegen können, dass sie Opfer häuslicher Gewalt
(häuslicher Oppression) geworden sei, weshalb kein ausländerrechtliches
Verfahren durchzuführen sei. Soweit die Beschwerdeführerin ihren
Bewilligungsanspruch auf die Beziehung zu ihrem Sohn abstützen wolle
(Art. 8 Ziff. 1 EMRK, Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG), hätte sie über eine intakte
und enge Beziehung zum Kind verfügen müssen. Eine solche enge
familiäre Beziehung verneine das Departement aber aufgrund der
Tatsache, dass die Beschwerdeführerin im Juli 2012 freiwillig und ohne
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Sohn aus der Schweiz ausgereist sei. Als sie im September 2012 wieder
in die Schweiz zurückgekehrt sei, habe sie nicht mehr mit dem Sohn in
X._ zusammengelebt, sondern sei zum Schwager nach Y._
gezogen. Nachdem das Vorliegen häuslicher Gewalt nicht glaubhaft
gemacht worden sei, sei dieser Schritt nicht nachvollziehbar. Im Übrigen
lege die Beschwerdeführerin auch nicht dar, inwiefern sie eine enge
Beziehung zu ihrem Sohn pflege. Vor dem Hintergrund des nur kurzen
Aufenthalts der Beschwerdeführerin in der Schweiz sei nicht ersichtlich,
inwiefern ihr die Rückkehr in die Türkei besondere Probleme bereiten
könnte.
17. Am 15. März 2013 verlangte die Beschwerdeführerin zivilrechtlich beim
Bezirksgericht Z._ die Anordnung von Eheschutzmassnahmen.
18. Mit superprovisorischem Entscheid vom 18. März 2013 übertrug der
Einzelrichter am Bezirksgericht Z._ die Obhut über den
gemeinsamen Sohn der Mutter (Beschwerdeführerin) und teilte ihr
gleichzeitig auch die eheliche Wohnung zur alleinigen Benützung zu.
Weiter verpflichtete der Einzelrichter den Ehemann, die Wohnung bis
spätestens am 21. März 2013 zu verlassen; zudem sprach er gegen den
Ehemann ein Annäherungsverbot gegenüber der Ehefrau
(Beschwerdeführerin) und dem gemeinsamen Sohn für eine Distanz von
unter 50 Metern aus sowie ein Aufenthaltsverbot im Umkreis von 100
Metern zur Wohnung. Überdies reichte die Ehefrau noch Strafanzeige
gegen den Ehemann wegen häuslicher Gewalt (Körperverletzungs-,
Ehrverletzungs- und Freiheitsdelikte) ein.
19. Mit Beschwerde vom 8. April 2013 verlangte die Beschwerdeführerin beim
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden die Aufhebung der Ziff. 1-3
des Dispositivs der angefochtenen Verfügung des Departements sowie
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die Verlängerung bzw. Erteilung der Aufenthaltsbewilligung, die Erteilung
der aufschiebenden Wirkung und die Gewährung der unentgeltlichen
Rechtspflege sowohl für das vorinstanzliche Verfahren als auch für
dasjenige vor Verwaltungsgericht unter Beiordnung von RA Rindlisbacher
als amtlichen Anwalt, eventualiter sei der Ehemann der
Beschwerdeführerin zu verpflichten, ihr einen Prozesskostenvorschuss im
Umfang von Fr. 6‘000 zu leisten. Die Beschwerdeführerin hielt darin
fest, dass sie immer noch im Besitz eines Aufenthaltsrechts im Sinne von
Art. 42 AuG sei bzw. – sofern das nicht so sei – einen Anspruch auf
Aufenthalt im Sinne von Art. 50 AuG habe und sich zusätzlich auf den
Schutz des Familienlebens berufen könne.
20. Das Departement (Beschwerdegegner) schliesst in seiner
Vernehmlassung vom 19. April 2013 auf Abweisung der Beschwerde und
des Gesuchs um unentgeltliche Rechtspflege; gegen die Erteilung der
aufschiebenden Wirkung habe es hingegen nichts einzuwenden (die
aufschiebende Wirkung wird sodann am 22. April 2013 vom
Instruktionsrichter erteilt). Das Departement bemängelt, dass die
Behauptungen der Beschwerdeführerin bezüglich eingeleitetes
Eheschutzverfahren und der Strafanzeige nicht dokumentiert seien;
ebenso wenig sei nachgewiesen, dass sie Opfer ehelicher Gewalt
geworden sei. Weiter ortet es Wiedersprüche bezüglich
Ausbildungssituation und Wohnadresse des Sohnes. Was schliesslich die
Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege betrifft, so verweist das
Departement auf die unvollständige Dokumentation des Gesuchs
(Bedürftigkeit der Beschwerdeführerin nicht erstellt; Zahlen über das
Einkommen oder das Vermögen des Ehemannes fehlten).
21. Am 24. April 2013 reichte das Bezirksgericht Z._ die edierten
Dossiers des Eheschutzverfahrens und Gesuchs um unentgeltliche
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Rechtspflege (URP) betreffend die Eheleute bzw. die Beschwerdeführerin
beim Verwaltungsgericht ein.
22. Mit ihrer Replik vom 13. Mai 2013 reichte die Beschwerdeführerin noch
eine Vereinbarung der Eheleute vom 18. März 2013 ein. Diese
Vereinbarung sei nicht vollstreckbar und deshalb auch vor Gericht nicht
genehmigungsfähig. Der Rechtsvertreter der Beschwerdeführerin habe
deswegen mit Eingabe vom 11. April 2013 um Durchführung einer
Eheschutzverhandlung unter Beizug einer/s Dolmetschers/in ersucht.
23. Der Beschwerdegegner (DJSG) duplizierte mit Eingabe vom 21. Mai
2013, ohne in der Streitsache jedoch etwas Neues vorzubringen.
24. Die Hauptverhandlung im zivilrechtlichen Eheschutzverfahren fand am
20. Juni 2013 in X._ statt. Am 21. Juni übermittelte das
Bezirksgericht Z._ dem Verwaltungsgericht den Entscheid i.S.
Eheleute A._ und B._. Im Rahmen dieser Verhandlung gelang
es den Parteien, eine Einigung zu erzielen. Diese neue
Trennungsvereinbarung sieht im Wesentlichen vor, die elterliche Obhut
über den gemeinsamen Sohn der Mutter zuzuteilen bei gemeinsamer
elterlicher Sorge; auf die Regelung eines Besuchsrechts wurde
angesichts des Alters des Sohnes verzichtet; die eheliche Wohnung
wurde der Ehefrau und dem Sohn zur vorläufigen Benutzung während der
Trennung zugewiesen, wobei festgestellt wurde, dass der Ehemann diese
bereits verlassen hatte. Für die Dauer des Getrenntlebens wurde der
Ehemann verpflichtet, der Ehefrau einen monatlichen Unterhaltsbeitrag
von Fr. 750.-- und für den Sohn einen solchen von Fr. 1‘250.--
auszurichten. Das Gericht genehmigte in der Folge diese Vereinbarung
und bewilligte für beide Parteien die unentgeltliche Rechtspflege.
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25. Der zuständige Instruktionsrichter des Verwaltungsgerichts stellte den
Parteien sodann den Entscheid des Bezirksgerichts Z._ am 25. Juni
2013 zu und gab ihnen Gelegenheit zur Einreichung einer Stellungnahme.
26. Mit Eingabe vom 26. Juni 2013 hielt das Department (Beschwerdegegner)
fest, dem Entscheid sei nirgends zu entnehmen, dass die Ehefrau Opfer
ehelicher Gewalt geworden sei, weshalb ein Anspruch auf Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs. 1 lit. b nicht geltend
gemacht werden könne. Das Departement schloss daher weiterhin auf
Abweisung der Beschwerde, ergänzte aber, dass die Verfügungen des
AMZ sowie des Departementes (DJSG) zum Zeitpunkt ihres Erlasses in
jedem Fall korrekt gewesen seien, was im Falle einer allfälligen
Gutheissung der Beschwerde angesichts der jüngsten Entwicklung bei
der Kostenverteilung zu berücksichtigen wäre. Auch das abgewiesene
Gesuch um Gewährung der unentgeltlichen Rechtspflege (URP) im
Verfahren vor dem Departement wäre infolge Aussichtslosigkeit zu
bestätigen.
27. Die Beschwerdeführerin hielt in ihrer Stellungnahme vom 1. Juli 2013 fest,
dass erst die anlässlich der gerichtlichen Anhörung ausgehandelte
Vereinbarung habe genehmigt werden können. Weiter wies sie darauf
hin, dass sie zwar verschiedene Stellenangebote erhalten habe (z.B.
Reinigung von Hotelzimmern), die potentiellen Arbeitgeber aber alle das
Vorliegen einer Aufenthaltsbewilligung verlangt hätten. Was den Sohn
betreffe, so befinde sich dieser in einem Ausbildungsverhältnis, wo er
monatlich Fr. 1‘500.-- verdiene.
Auf die weiteren Vorbringen der Parteien in den Rechtsschriften und in
ihren weiteren Eingaben wird, soweit für die Entscheidung von
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Bedeutung, im Rahmen der nachfolgenden Erwägungen noch näher
eingegangen.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Anfechtungsobjekt ist vorliegend die Verfügung vom 5. März 2013, worin
das Departement (Beschwerdegegner) die Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung an die Beschwerdeführerin im Rahmen des
Familiennachzugs ablehnte und damit den vorinstanzlichen Entscheid
(AMZ) vom 19. Dezember 2012 bestätigte. Strittig und zu klären ist, ob
diese Bewilligungsverweigerung zu Recht erfolgt ist oder ob ein Anspruch
auf die Erteilung der Aufenthaltsbewilligung gestützt auf das
Bundesgesetz über die Ausländer/-Innen (Ausländergesetz [AuG]; SR
142.20) und der Verordnung über Zulassung, Aufenthalt und
Erwerbstätigkeit (VZAE; SR 142.201) bestanden hätte.
2. a) Gemäss Art. 42 Abs. 1 AuG haben ausländische Ehegatten und ledige
Kinder unter 18 Jahren von Schweizerinnen und Schweizern Anspruch
auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung, wenn sie mit
diesem zusammenwohnen.
Bei Auflösung der Familiengemeinschaft bestimmt Art. 50 AuG was folgt: 1Nach Auflösung der Ehe oder der Familiengemeinschaft besteht der Anspruch des Ehegatten und der Kinder auf Erteilung und Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach den Artikeln 42 und 43 weiter, wenn: a. die Ehegemeinschaft mindestens drei Jahre bestanden hat und eine erfolgreiche Integration besteht; oder b. wichtige persönliche Gründe einen weiteren Aufenthalt in der Schweiz erforderlich machen. 2Wichtige persönliche Gründe nach Absatz 1 Buchstabe b können namentlich vorliegen, wenn die Ehegattin oder der Ehegatte Opfer ehelicher Gewalt wurde oder die Ehe nicht aus freiem Willen geschlossen hat oder die soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheint.
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In Ergänzung und Präzisierung von Art. 50 Abs. 1 und 2 AuG wird
überdies in Art. 77 Abs. 6 und 6bis VZAE noch ausdrücklich festgehalten: 6Als Hinweise für eheliche Gewalt gelten insbesondere: a. Arztzeugnisse; b. Polizeirapporte; c. Strafanzeigen; d. Massnahmen im Sinne von Art. 28b des Zivilgesetzbuches; oder e. entsprechende strafrechtliche Verurteilungen. 6bis Bei der Prüfung der wichtigen persönlichen Gründe nach [...] sowie Artikel 50 Absatz 1 Buchstabe b AuG werden die Hinweise und Auskünfte von spezialisierten Fachstellen mit berücksichtigt.
Aufgrund dieser rechtlichen Vorgaben und der dazu ergangenen
Rechtsprechung gilt es nun über die Aufenthaltsbewilligung zu
entscheiden.
b) Zuerst gilt es festzuhalten, dass ein (abgeleiteter) Anspruch auf
Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 42 Abs. 1 AuG im konkreten Fall
schon deshalb ausser Betracht fällt, weil die fraglichen Eheleute
nachweislich seit geraumer Zeit nicht mehr zusammenwohnen. Aufgrund
der gerichtlichen Trennung der Ehegatten – welche mit dem
superprovisorischen Massnahmenentscheid vom 18. März 2013 des
Einzelrichters am Bezirksgericht Z._ und dem Gerichtsentscheid im
zivilrechtlichen Eheschutzverfahren vom 25. Juni 2013 des
Bezirksgerichts Z._ aktenkundig belegt ist – kann die
Beschwerdeführerin keinen Anspruch (mehr) auf eine
Aufenthaltsbewilligung infolge Heirat mit einem Schweizer im Rahmen
des Familiennachzugs nach Art. 42 Abs. 1 AuG ableiten, da es ihr dafür
bereits am gesetzlichen Erfordernis des ehelichen Zusammenwohnens
fehlt (vgl. BGE 136 II 113 E.3.3; PVG 2010 Nr. 5). Damit erübrigt sich
auch die Frage, ob der Ehemann die Beschwerdeführerin – ohne ihr
Wissen und Einverständnis – überhaupt rechtsgültig abmelden konnte.
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c) Zu klären und zu entscheiden bleibt aber noch, ob die
Beschwerdeführerin einen eigenständigen Anspruch auf Verlängerung
der Jahresaufenthaltsbewilligung nach Art. 50 AuG in Verbindung mit Art.
77 ZVAE gehabt hätte. Die Voraussetzungen für einen solchen Anspruch
wurden erst kürzlich in einem wegweisenden Urteil des Bundesgerichts
(BGE 138 II 229) exemplarisch in der Erwägung 3 (E.3.1 bis E.3.2.3 mit
zahlreichen weiteren Hinweisen auf die aktuelle Judikatur und Literatur)
umschrieben: Im besagten Urteil wurde betont, dass der
Bewilligungsanspruch fortbestehe, wenn "wichtige persönliche Gründe"
einen weiteren Aufenthalt der betroffenen Person in der Schweiz
erforderlich machten. Dies könne gemäss Art. 50 Abs. 2 AuG namentlich
dann der Fall sein, wenn die ausländische Person mit abgeleitetem
Aufenthaltsrecht Opfer ehelicher Gewalt geworden sei oder falls ihre
soziale Wiedereingliederung im Herkunftsland stark gefährdet erscheine.
Bei der Beurteilung der wichtigen persönlichen Gründe seien alle Aspekte
des Einzelfalls mitzuberücksichtigen. Häusliche Gewalt bedeute dabei die
systematische Misshandlung mit dem Ziel, Macht und Kontrolle
auszuüben und nicht eine einmalige Ohrfeige oder eine verbale
Beschimpfung im Verlauf eines eskalierenden Streits. Eine glaubhaft
gemachte oppressionsbedingte Aufhebung der Hausgemeinschaft dürfe
für die betroffene Person keine ausländerrechtlichen Nachteile zur Folge
haben, falls sie durch das Zusammenleben in ihrer Persönlichkeit
ernsthaft gefährdet wäre und ihr eine Fortführung der ehelichen
Gemeinschaft bei objektiver Betrachtungsweise nicht mehr zumutbar
wäre. Um den Schutzpflichten des Staates in solchen Fällen gerecht zu
werden, sei extra die ein selbständiges Anwesenheitsrecht begründende
Regelung laut Art. 50 Abs. 1 lit. b i.V.m. Abs. 2 AuG geschaffen worden.
Die ausländische Person treffe bei der Ermittlung des massgebenden
Sachverhalts eine weitreichende Mitwirkungspflicht. So sei es an ihr, die
eheliche Gewalt bzw. häusliche Oppression in geeigneter Weise
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zumindest glaubhaft zu machen (z.B. mittels Arztattesten, psychiatrischer
Gutachten, Polizeirapporten, Berichten/Einschätzungen von Fachstellen
[Frauenhäuser oder Opferhilfestellen], vertrauenswürdigen
Zeugenaussagen usw.).
d) Vorliegend ist zudem Art. 77 Abs. 6 bzw. Abs. 6bis VZAE von Bedeutung.
Nach Auffassung des Gerichts ist die häusliche Gewalt und häusliche
Oppression genügend erstellt, insbesondere durch die glaubwürdige
Darstellung des Sohnes der Beschwerdeführerin vom 15. Januar 2013
(vgl. BF-act. 5) sowie den Bericht der Psychiater und Psychotherapeuten
Dres. med. C._ und D._ vom 19. Januar 2013 (BF-act. 9),
welcher qualitativ dem nach Art. 77 Abs. 6 lit. a VZAE verlangten
Arztzeugnis entsprechen dürfte. Von etwas geringerer Beweiskraft
erscheint dem Gericht hingegen der Bericht des Centre de Consultation
LAVI (Opferhilfe-Beratungsstelle) vom 1. Februar 2013 (BF-act. 8);
immerhin handelt es sich bei dieser aber um eine Fachstelle im Sinne von
Art. 77 Abs. 6bis VZAE. Nicht nachvollziehbar ist für das Gericht jedoch die
These, wonach die Beschwerdeführerin freiwillig – unter Zurücklassung
ihres Sohnes in der Schweiz - zurück in die Türkei gereist sei und es ihre
eigene freie Entscheidung gewesen sein soll, bei der Wiedereinreise bzw.
Rückkehr in die Schweiz anstatt in die Region X._ nach Y._ zur
Familie des Schwagers zu ziehen. Diese Darstellung widerspricht jeder
Logik und menschlichen Erfahrung, war die Beschwerdeführerin doch für
ihren damals 15 1⁄2-jährigen Sohn bis zur Einreise in die Schweiz im
September 2011 ganz allein – und somit ohne Kindsvater – für das Wohl
und die Erziehung des in der Türkei aufgewachsenen Sohnes besorgt.
Dieser Umstand spricht für eine sehr enge Beziehung zwischen der
Beschwerdeführerin und ihrem Sohn; ganz im Gegensatz zu derjenigen
zwischen Kindsvater und Sohn. Für das geschilderte Verhalten der
Beschwerdeführerin nach ihrer Rückkehr in die Schweiz gibt es nach
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Ansicht des Gerichts nur eine vernünftige und einleuchtende Erklärung,
nämlich dass sie der systematischen Gewaltanwendung und der
psychischen Druckausübung des Ehegatten aus dem Wege gehen wollte
und daher notgedrungen andernorts eine neue Bleibe suchte und beim
Bruder des Ehemanns fand, während ihr Sohn ausbildungs- und
berufsbedingt zunächst weiterhin beim Vater in X._ bleiben musste.
Mit der nachträglichen Einreichung der Strafanzeige am 18. März 2013
wegen Körperverletzungs-, Ehrverletzungs- und Freiheitsdelikten bei der
Staatsanwaltschaft Graubünden und den superprovisorischen
Massnahmen betreffend Eheschutz des Einzelrichters am Bezirksgericht
Z._ vom 18. März 2013 (mit Annäherungsverbot für den
gewalttätigen Ehemann etc.) werden die Angaben der
Beschwerdeführerin und ihres Sohnes noch amtlich untermauert und
inhaltlich bestätigt. Bei dieser Faktenlage sowie insbesondere dem
gelungenen Nachweis der Beschwerdeführerin für das Bestehen
häuslicher Gewalt bzw. häuslicher Oppression
(Unterdrückung/Erniedrigung) durch den Ehegatten fällt die gegenteilige
Argumentationsweise des Beschwerdegegners jedoch in sich zusammen.
Oder mit anderen Worten: Es kann keine Rede von einer freiwilligen
Ausreise der Beschwerdeführerin in die Türkei sein (Abmeldung durch
Ehemann erfolgt); ebenso ist der Aufenthaltsort in Y._ nach der
Rückkehr in die Schweiz nicht in eigener Regie und aus freien Stücken
von der Beschwerdeführerin so gewählt worden, sondern eindeutig durch
die Angst und die Furcht der Beschwerdeführerin vor erneuten
Übergriffen des gewaltbereiten Ehegatten geprägt gewesen
(Notlage/Fremdbestimmung bezüglich Aufenthalt bei Schwager); und vor
allem hat die Beschwerdeführerin die bisher während 15 1⁄2 Jahren allein
bewerkstelligte Betreuung und Erziehung ihres Sohnes bestimmt nicht
freiwillig dem Ehemann überlassen, als sie (zumindest vor-übergehend)
aus der Schweiz wieder in die Türkei zurückkehrte. Aus diesen
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fragmentarischen Zeit- und Sachereignissen drängt sich im Gegenteil
vielmehr der Schluss auf, dass sich die Beschwerdeführerin in einer
grossen Zwangslage befunden hat und persönlich äusserst verzweifelt
gewesen sein muss. In Würdigung dieser Gesamtsituation ist das Gericht
deshalb zur Überzeugung gelangt, dass vorliegend ein wichtiger
persönlicher Grund für einen weiteren Verbleib in der Schweiz im Sinne
von Art. 50 Abs. 1 lit. b AuG bejaht werden kann.
e) Dieser Gesamtbeurteilung kann hier umso mehr zugestimmt werden, als
mit dem Massnahmenentscheid im Eheschutzverfahren vom 20./21. Juni
2013 bestimmt wurde, dass die Obhut über den gemeinsamen Sohn der
Beschwerdeführerin zugeteilt werde und ihr sowie ihrem Sohn auch die
eheliche Wohnung zur alleinigen Benützung während der Trennung
zugewiesen werde. Mit den ebenfalls zugesprochenen
Unterhaltsbeiträgen von total Fr. 2‘000.-- pro Monat sowie dem
Einkommen des Sohnes von Fr. 1‘500.-- pro Monat darf auch die
Lebensexistenz der Beschwerdeführerin und ihres Sohnes als gesichert
betrachtet werden. Eine weitere Prüfung eines Anspruches der
Beschwerdeführerin auf eine Aufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 8
Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK; Achtung des
Privat- und Familienlebens) erübrigt sich – obwohl prima vista klarerweise
zu bejahen – damit von selbst.
3. a) Zusammengefasst ergibt sich, dass die Beschwerdeführerin einen
Anspruch auf eine Jahresaufenthaltsbewilligung gestützt auf Art. 50 Abs.
1 lit. b in Verbindung mit Art. 50 Abs. 2 AuG sowie Art. 77 Abs. 6 und 6bis
VZAE hat. Die angefochtene Verfügung vom 5. März 2013 ist demnach
nicht rechtens und aufzuheben, was zur Gutheissung der Beschwerde
vom 8. April 2013 und zur Rückweisung der Sache zwecks Erteilung der
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nachgesuchten Aufenthaltsbewilligung durch die dafür zuständige Vor-
instanz (AMZ) führt.
b) Bei diesem Ausgang des Verfahrens werden die Gerichtskosten
ermessensweise gestützt auf Art. 73 Abs. 1 des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100) dem Beschwerdegegner
auferlegt.
c) Das Gesuch um unentgeltliche Rechtspflege (URP) wird bei diesem
Verfahrensausgang hinfällig, da der anwaltlich vertretenen und
obsiegenden Beschwerdeführerin gestützt auf Art. 78 Abs. 1 VRG eine
aussergerichtliche Entschädigung zusteht. Für das Beschwerdeverfahren
vor dem Verwaltungsgericht kann dabei auf die Honorarnote vom 20. Juli
2013 in der Höhe von Fr. 6‘214.40 (zusammengesetzt aus:
Arbeitsaufwand 21 h 30 Min. zu Fr. 250.-- [=Fr. 5‘375.--] plus Barauslagen
[=Fr. 115.20] und 8 % Mehrwertsteuer auf Fr. 5‘490.20 [=Fr. 439.20], plus
Übersetzungskosten [Fr. 285.--]) und für das Beschwerdeverfahren vor
dem Beschwerdegegner auf die Honorarnote vom 5. März 2013 in der
Höhe von Fr. 3‘418.50 (gegliedert in: Aufwand 13 h 15 Min. zu Fr. 230.--
[=Fr. 3‘047.50] plus Barauslagen [=Fr. 117.80] sowie 8 % Mehrwertsteuer
auf Fr. 3‘165.30 [=Fr. 253.20]) abgestellt und diese unverändert
übernommen werden. Der Beschwerdegegner hat die
Beschwerdeführerin demnach mit Fr. 6‘214.40 für das Verfahren vor
Verwaltungsgericht und mit insgesamt Fr. 3‘418.50 für das vorinstanzliche
Verfahren (AMZ/DJSG) zu entschädigen.