# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** fc54ebfa-9340-4492-ad1b-964bd5355402
**Court:** SG_VB
**Chamber:** SG_VB_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

Sachverhalt
A.
a) A._ ist Eigentümer von Grundstück Nr. 001, Grundbuch
Z._, an der H._strasse im zur Politischen Gemeinde Z._ gehö-
renden Dorf Y._. Das Grundstück liegt gemäss geltendem Zonen-
plan der Gemeinde Z._ vom 22. Dezember 1998 in der Wohn- und
Gewerbezone (WG3). Es ist mit einem Wohngebäude (Vers.-Nr. 010)
und einem Nebengebäude (Vers.-Nr. 011) überbaut.
b) Nördlich des Grundstücks Nr. 001 befindet sich das Grundstück
Nr. 002, Grundbuch Z._, welches im Eigentum der Politischen Ge-
meinde Z._ steht und über direkten Zugang zum B._see verfügt.
Auf dem Grundstück betreibt die Politische Gemeinde das Freibad
"C._". Das Freibad verfügt über ein Seebad, ein Nichtschwimmer-
und Planschbecken, eine Spielwiese, einen Kiosk und ein kleines Res-
taurant. Sodann stellt die Politische Gemeinde auf dem Grundstück
mehrere Trockenplätze für Boote sowie eine Slipanlage zum Ein- und
Auswassern zur Verfügung. Ebenfalls auf dem Grundstück befindet
sich ein Boots- und Badehaus (Vers-Nr. 012), für welches die Politi-
sche Gemeinde Z._ zugunsten einer Privatperson eine Personal-
dienstbarkeit eingeräumt hat. Die verschiedenen Bauten und Anlagen
sind über gekieste Wege unterschiedlicher Breite miteinander verbun-
den. Das Grundstück selbst wird von Osten her über die klassierte Ge-
meindestrasse 3. Klasse mit dem Namen "C._" erschlossen. Weiter
besteht auf dem Grundstück Nr. 003 ein Fussweg, welcher das Grund-
grundstück Nr. 002 mit der H._strasse (Kantonsstrasse, 2. Klasse)
verbindet. Der Fussweg ist nicht klassiert, jedoch besteht eine Perso-
naldienstbarkeit zu Gunsten der Politischen Gemeinde Z._.
B.
a) Mit E-Mail vom 21. Februar 2020 wandte sich A._ an die
Politische Gemeinde Z._ und stellte sich auf den Standpunkt, dass
die bestehenden Wege nördlich und östlich des Grundstücks Nr. 001
aufgrund des grösseren Nutzerkreises klassiert werden müssten.
b) Mit Beschluss vom 23. März 2020 lehnte der Gemeinderat Z._
die Einleitung eines Strassenplanverfahrens bezüglich der beiden
Kieswege auf den Grundstücken Nrn. 002 und 003 ab. Der Gemein-
derat erwog, dass der Kiesweg auf Grundstück Nr. 002 ausschliesslich
dem Zugang zum Freibad diene. Die Wege würden nicht der Erschlies-
sung weiterer Grundstücke dienen, so dass eine Klassierung dersel-
ben gemäss gängiger Praxis auch nicht nötig sei. Die Benutzung des
Fusswegs über das Grundstück Nr. 003 sei bereits durch eine Dienst-
barkeit sichergestellt. Eine weitergehende Sicherstellung sei nicht nö-
tig.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 98/2020), Seite 3/9
C.
Gegen diesen Beschluss erhob A._ mit Schreiben vom 12. April
2020 Rekurs beim Baudepartement. Es werden folgende Anträge ge-
stellt:
1. Auf dem Grundstück Nr. 002 (Badeanlage C._, Ei-
gentümerin Politische Gemeinde Z._) sei der  Eintrag im Vermessungswerk der Gemeinde Z._ strassenrechtlich festzulegen mit einem  1. Klasse.
2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten der Gemeinde Z._.
Zur Begründung wird geltend gemacht, dass der Kiesweg das Freibad
und weitere seebezogene Tätigkeiten erschliesse, die offensichtlich
über die reine Nutzung als Freibad hinausgehen würden. In der amtli-
chen Vermessung sei denn auch im vorderen Teil der Weg breiter ver-
messen und nach dem Wendeplatz für die Zulieferung für das Restau-
rant verjünge sich der Weg. Die amtliche Vermessung sei richtig erfolgt
und spiegle die tatsächliche Nutzung des Grundstücks Nr. 002 wieder.
Sodann würden über die Wege auch 50 Trocken-Bootsplätze samt
Slipanlage und eine private Pfahlbaute erschlossen. Dem Rekurrenten
gehe es nicht darum, die heutige Nutzung zu verhindern. Er verlange
nur, dass die richtige und genaue Aufnahme in der amtlichen Vermes-
sung auch eine rechtliche Bindungswirkung erhalte, damit die Nach-
barn von gesicherten Grundlagen bei der Bauplanung ausgehen könn-
ten.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 12. Mai 2020 beantragt die Vorinstanz
den Rekurs abzuweisen, sofern überhaupt darauf eingetreten werden
könne. Zur Begründung wird geltend gemacht, dass der Rekurrent im
Rekurs nur noch die Klassierung des Kieswegs von Nordwesten her
über das Grundstück Nr. 002 verlange. Der Fussweg über das Grund-
stück Nr. 003 sei nicht mehr Verfahrensgegenstand. Der Gemeinderat
stelle sich weiterhin auf den Standpunkt, dass der Kiesweg von Nord-
westen einzig der Erschliessung des Grundstücks Nr. 002 diene und
daher keine Klassierung notwendig sei. Der Zubringerdienst zum Frei-
bad und zur Slipanlage sei nur mit Bewilligung des Gemeinderates
möglich. Ansonsten herrsche ein allgemeines Fahrverbot. Der Zugang
sei somit nachweislich nicht für jedermann möglich. Die vom Rekur-
renten vermisste Planungssicherheit bezüglich seiner Liegenschaft
liege ebenfalls nicht vor. Bauvorhaben auf dem Grundstück Nr. 001
hätten gegenüber dem Grundstück Nr. 002 den ordentlichen Grenzab-
stand einzuhalten.
b) Mit Amtsbericht vom 9. Juni 2020 führt das kantonale Tiefbau-
amt (TBA) aus, dass zu unterscheiden sei, ob eine Strasse bzw. ein
Weg der Fein- oder Groberschliessung diene oder aber eine grund-
stücksinterne Hauszufahrt darstelle. Zufahrten und Zugänge auf den
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 98/2020), Seite 4/9
einzelnen Grundstücken würden nicht mehr zur Feinerschliessung ge-
hören und könnten demgemäss auch nicht dem Gemeingebrauch ge-
widmet werden. Der Kiesweg auf dem Grundstück Nr. 002 gehöre ver-
mutungsweise nicht mehr zur Feinerschliessung, weil das Grundstück
bereits über die Gemeindestrasse "C._" (3. Klasse) hinreichend er-
schlossen sei. Sodann sei zu beachten, dass der Politischen Ge-
meinde bezüglich der Öffentlicherklärung von Strassen und Wegen ein
grosses Ermessen zukomme.
c) Mit Eingabe vom 25. Juli 2020 nimmt der Rekurrent zur Ver-
nehmlassung der Vorinstanz und zum Amtsbericht des TBA Stellung.
Der Rekurrent wiederholt, dass er sich nicht an der aktuellen Nutzung
störe. Störend sei lediglich, dass die Anstösser keine Planungssicher-
heit für eigene Projekte hätten. Die Gemeinde verhalte sich wider-
sprüchlich, wenn sie öffentlich-rechtliche Signalisationen aufstelle und
gleichzeitig behaupte, dass es sich um einen Privatweg handle. Die
Zufahrt zum Freibad sei sodann nie bewilligt worden, andernfalls wäre
ein Wendeplatz für Fahrberechtigte und LKW-Zulieferer gefordert ge-
wesen. Die Sicherheit der Fussgänger beim Ausgang des Freibads sei
ebenfalls nicht gegeben. Der Zugang zur Slipanlage sei öffentlich und
deshalb auch konzessioniert worden. Die zahlreichen Nutzer und Zu-
lieferer, Ver- und Entsorger hätten keine Bewilligung des Gemeinde-
rates. Der Betreiber des Freibads würde die Vorgaben nicht umsetzen.
Die Eigentümerin des Seehauses sei sodann nicht Pächterin, sondern
Grundeigentümerin. Das Freibad stehe im Verwaltungsvermögen, was
klar eine Allgemeinnutzung bekräftige. Die Widmung für den Gemein-
gebrauch sei nur die eine Sache, die tatsächliche Nutzung, die dieser
Widmung gleichkomme, sei identisch zu handhaben.
E.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

## Considerations

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Die Zuständigkeit des Baudepartementes ergibt sich aus
Art. 43bis des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege (sGS 951.1;
abgekürzt VRP).
1.2 Die Frist- und Formerfordernisse von Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
VRP sind erfüllt. Fraglich ist, ob die Rekursberechtigung nach
Art. 45 VRP gegeben ist.
1.2.1 Gemäss Art. 12 Abs. 1 des Strassengesetzes (sGS 732.1; ab-
gekürzt StrG) führt die politische Gemeinde einen Plan über die unter
ihrer Hoheit stehenden Strassen mit Angabe der Einteilung. Gemäss
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 98/2020), Seite 5/9
Art. 7 StrG legt der Gemeindestrassenplan den Umfang des Strassen-
netzes fest (Abs. 1), wobei die Strassen und Wege je in drei – in Art.
8 und 9 StrG konkretisierte – Klassen eingeteilt werden (sog. Klassie-
rung, Abs. 2). Nach Art. 14 StrG wird die Einteilung von Strassen ge-
ändert, wenn Bedeutung oder Zweckbestimmung es erfordert (Abs. 1);
wer ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartut, kann der politischen
Gemeinde nach zehn Jahren seit rechtsgültiger Einteilung eine Ände-
rung beantragen (Abs. 3). Sind die Voraussetzungen von Art. 14 Abs.
3 StrG erfüllt, darf die zuständige Behörde das Eintreten auf ein Ände-
rungsgesuch nicht ablehnen. Die materielle Prüfung des Gesuchs
setzt deshalb voraus, dass die Strasse bzw. der Weg, deren Umklas-
sierung beantragt wird, seit mehr als zehn Jahren rechtskräftig einge-
teilt ist. Der Anspruch auf materielle Prüfung verlangt zudem, dass der
Gesuchsteller ein schutzwürdiges Interesse dartut (VerwGE B
2019/75 vom 27. Februar 2020 Erw. 3.1).
1.2.2 Das Gebiet "C._" wurde zuletzt im Rahmen des Gesamtstras-
senplans der Politischen Gemeinde Z._ vom 22. August 1995 beur-
teilt. Hierbei wurde die Strasse "C._" als Gemeindestrasse 3. Klasse
klassiert. Zu diesem Zeitpunkt bestand bereits das Freibad "C._"
samt den Wegen, um deren Klassierung der Rekurrent ersucht. Damit
ist der Gesamtstrassenplan seit mehr als zehn Jahren rechtskräftig.
Eine Änderung der Verhältnisse liegt demgegenüber nicht vor und wird
vom Rekurrenten auch nicht geltend gemacht.
1.2.3 Zu prüfen bleibt, ob ein schutzwürdiges Interesse für die bean-
tragte Klassierung besteht. Die Rechtsmittelinstanz prüft von Amtes
wegen, ob die Rekursberechtigung gegeben ist. Dabei obliegt es je-
doch grundsätzlich der Partei, in ihrer Begründung darzulegen, woraus
sich ihre Legitimation ergibt (GEISSER/ZOGG, in: Rizvi/Schindler/Cavelti
[Hrsg.], Praxiskommentar zum Gesetz über die Verwaltungsrechts-
pflege, Zürich/St.Gallen 2020, Art. 45 N 3). Der Begriff des schutzwür-
digen Interesses erfährt im Strassengesetz keine eigenständige Um-
schreibung. Auch aus der Botschaft des Regierungsrates vom 28. Mai
1986 ergeben sich keine Hinweise darauf, wie der Begriff zu verstehen
ist (Strassengesetz und Grossratsbeschluss über den Strassenplan,
Botschaft und Entwürfe des Regierungsrates vom 28. Mai 1986, in:
ABl 1986 S. 1585 ff., S. 1637). Er ist deshalb mit Blick auf die tatsäch-
lichen und rechtlichen Auswirkungen der Einteilung einer Strasse für
die betroffenen Grundeigentümer auszulegen und anzuwenden. Zu
berücksichtigen ist dabei, dass das schutzwürdige Interesse im Sinn
der Rechtsmittelbefugnis, wie es Art. 45 Abs. 1 VRP voraussetzt, be-
reits dann dargetan ist, wenn mit einem allfälligen Erfolg ein tatsächli-
cher wirtschaftlicher, ideeller oder materieller Nachteil abgewendet
werden kann und die angefochtene Verfügung oder der angefochtene
Entscheid die tatsächliche Interessenstellung des Betroffenen mehr
berührt als irgendeinen Dritten oder die Allgemeinheit (VerwGE
B 2019/75 vom 27. Februar 2020 Erw. 3.2).
1.2.4 Der Rekurrent beantragt, dass der Kiesweg nördlich seines
Grundstücks als Gemeindeweg 1. Klasse zu klassieren sei, damit "die
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 98/2020), Seite 6/9
richtige und genaue Aufnahme in der amtlichen Vermessung auch
eine rechtliche Bindungswirkung erhalte, damit die Nachbarn von ge-
sicherten Grundlagen bei der Bauplanung ausgehen können"
(Rekursschreiben vom 12. April 2020, S. 2). Der Rekurrent macht sinn-
gemäss ein Feststellungsinteresse geltend. Nach der Praxis ist das
Feststellungsinteresse insbesondere gegeben, wenn eine Unklarheit
über den Bestand oder Umfang öffentlich-rechtlicher Befugnisse oder
Pflichten besteht (CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbarkeit im
Kanton St.Gallen, St.Gallen 2003, Rz. 560). Inwiefern Unklarheit be-
stehen soll, ist nicht ersichtlich. Aus dem Gesamtstrassenplan geht
eindeutig hervor, dass es sich beim Kiesweg nördlich des rekurrenti-
schen Grundstücks nicht um einen klassierten Weg handelt. Entspre-
chend besteht auch keine Planungsunsicherheit hinsichtlich der Be-
bauungsmöglichkeit der Grundstücke.
1.2.5 Ebenfalls unklar ist, welchen Vorteil der Rekurrent hätte, wenn
der Kiesweg als Gemeindeweg 1. Klasse eingeteilt werden würde. Der
Unterhalt der Wege erster Klasse obliegt der politischen Gemeinde
(Art. 9 Abs. 1 i.V.m. Abs. 3 Bst. b und Art. 54 Abs. 1 Bst. a StrG). Im
vorliegenden Fall liegt der Kiesweg, dessen Klassierung beantragt
wird, nicht auf dem Grundstück des Rekurrenten, sondern auf dem
Nachbarsgrundstück. Damit trifft den Rekurrenten – unabhängig von
der Klassierung – keine Unterhaltspflicht (vgl. VerwGE B 2019/75 vom
27. Februar 2020 Erw. 3.1; VerwGE B 2019/210 vom 25. Juni 2020
Erw. 3.1). Die beantragte Klassierung dient ebenfalls nicht der Er-
schliessung des rekurrentischen Grundstücks. Worin also das schutz-
würdige Interesse des Rekurrenten bestehen soll, ist unklar. Die Vo-
rinstanz erwägt zwar im angefochtenen Entscheid, dass sich im Fall
einer Klassierung die Bebaubarkeit der Grundstücke Nrn. 003 und 001
ändern würde. Hierauf geht der Rekurrent jedoch mit keinem Wort ein.
Mehr noch kritisiert er die "ungefragte Bemerkung" der Vorinstanz, wo-
nach der Rekurrent den ordentlichen Grenzabstand einzuhalten habe.
Mit seiner Hauptkritik – wonach der Gesamtstrassenplan nicht mit der
tatsächlichen Nutzung übereinstimme – und den vielzähligen weiteren
Vorbringen (Einhaltung der Dienstbarkeit, Signalisierung, Wendeplatz
für LKW, Sicherheit der Besucher, hinreichende Erschliessung des
Freibads) macht der Rekurrent das öffentliche Interesse an der korrek-
ten Anwendung des Strassengesetzes geltend. Die kantonale Praxis
verneint jedoch die Legitimation, sofern lediglich das öffentliche Inte-
resse an der korrekten Anwendung des Bau- und Planungsrechts gel-
tend gemacht wird (vgl. GEISSER/ZOGG, a.a.O., N 11 zu Art. 45).
1.3 Da der Rekurrent lediglich öffentliche Interessen geltend macht,
fehlt es an einem eigenen schutzwürdigen Interesse im Sinn von
Art. 14 Abs. 3 StrG. Die Vorinstanz hätte auf das Gesuch des Rekur-
renten somit gar nicht erst eintreten müssen. Bereits aus diesem
Grund ist der Rekurs abzuweisen.
2.
Im Übrigen wäre der Rekurs auch aus materiellen Gründen abzuwei-
sen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 98/2020), Seite 7/9
2.1 Wege werden als Strassen im Sinn des Strassengesetzes be-
handelt, soweit keine besonderen Bestimmungen gelten (Art. 1 Abs. 2
StrG). Strassen werden nach der geplanten Zweckbestimmung in ver-
schiedene Klassen eingeteilt: Für den örtlichen und überörtlichen Ver-
kehr sind nach Art. 8 Abs. 1 StrG Gemeindestrassen erster Klasse
vorgesehen. Diese stehen dem allgemeinen Motorfahrzeugverkehr of-
fen. Gemeindestrassen zweiter Klasse dienen der Groberschliessung
des Baugebiets und der Erschliessung grösserer Siedlungsgebiete
ausserhalb des Baugebiets. Sie stehen dem allgemeinen Motorfahr-
zeugverkehr regelmässig offen (Art. 8 Abs. 2 StrG). Gemeindestras-
sen dritter Klasse dienen dagegen der übrigen untergeordneten Er-
schliessung sowie der Land- und Forstwirtschaft. Sie stehen dem all-
gemeinen Motorfahrzeugverkehr nicht offen (Art. 8 Abs. 3 StrG). Ge-
meindestrassen dritter Klasse sind die niedrigste Kategorie öffentlicher
Strassen und eine Auffangklasse. Alle öffentlichen Strassen, die nicht
zwingend einer höheren Klasse zuzuordnen sind, gehören folglich zu
den Gemeindestrassen dritter Klasse; sie dienen der Feinerschlies-
sung. Auf Wege erster Klasse werden die Vorschriften über die Ge-
meindestrassen erster Klasse sachgemäss angewendet. Bei Wegen
zweiter und dritter Klasse finden die Bestimmungen über die Gemein-
destrassen dritter Klasse sachgemäss Anwendung (Art. 9 Abs. 3
StrG). Die Feinerschliessung umfasst den Anschluss der einzelnen
Grundstücke an die Hauptstränge der Erschliessungsanlagen. Die
Hauszugänge und -zufahrten auf den Baugrundstücken selbst zählen
indessen nicht mehr zur Feinerschliessung (GVP 2011 Nr. 21). Für die
Frage der Öffentlicherklärung einer Erschliessungsanlage ist damit ne-
ben der Abgrenzung zur Groberschliessung insbesondere die Unter-
scheidung zur privaten Hauszufahrt wichtig.
2.2 Eine blosse Hauszufahrt liegt vor, wenn ein einzelnes Baugrund-
stück bereits direkt an eine öffentliche Strasse angrenzt und die zu
erstellende Erschliessungsanlage (Zufahrt, Vorplatz o.ä.) erkennbar
der privaten Nutzung vorbehalten ist (vgl. GVP 2001 Nr. 98). Dabei
spielt es keine Rolle, wenn sich auf dem einzelnen Grundstück mehr
als ein Gebäude (Ein- und/oder Mehrfamilienhäuser, unabhängig der
Eigentumsverhältnisse am Gebäude, z.B. Stockwerkeigentum) und
damit eine Vielzahl von Wohneinheiten befinden; die Eigentümer
haben sich in diesen Fällen privatrechtlich zu organisieren (Hausord-
nung, Stockwerkeigentümer-Reglement). Aufgrund der Tatsache,
dass der Verkehr innerhalb eines einzigen Privatgrundstücks stattfin-
det, besteht in der Regel keine Notwendigkeit an einer Öffentlicherklä-
rung der internen Erschliessung (Hauszufahrt). Ausnahmen von dieser
Regel können angezeigt sein, wenn über die beschriebene grund-
stücksinterne Zufahrtsstrasse zu den Garagen, Aussenparkplätzen
oder zur Tiefgarageneinfahrt hinaus ein eigenes Wegnetz zwischen
den angrenzenden öffentlichen Strassen und den Hauszugängen be-
steht. In solchen Fällen kann die Planungsbehörde ein öffentliches In-
teresse an der rechtlichen Sicherstellung der Zufahrten und Zugänge
in Betracht ziehen und deshalb eine Öffentlicherklärung des oberirdi-
schen Strassen- und Wegnetzes für notwendig befinden
(vgl. VerwGE B 2014/16 vom 30. Juni 2015 Erw. 2.1).
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 98/2020), Seite 8/9
2.3 Das Grundstück Nr. 002 ist über die klassierte Gemeindestrasse
"C._" (3. Klasse) strassenmässig erschlossen. Diese stellt die Fei-
nerschliessung dar. Der Weg, dessen Klassierung der Rekurrent ver-
langt, verläuft dagegen innerhalb des Grundstücks Nr. 002. Die Wege
auf dem Grundstück Nr. 002 dienen denn auch nur der grundstücksin-
ternen Erschliessung und sind nicht etwa Bestandteil eines übergeord-
neten Strassen- bzw. Wegnetzes (vgl. VerwGE B 2014/16 vom
30. Juni 2015 Erw. 2.2; VerwGE B 2009/30 vom 3. Dezember 2009
Erw. 4.2). Als solche gehören sie nicht zur Feinerschliessung (VerwGE
B 2018/185 vom 24. Januar 2019 Erw. 5.2; GVP 2011 Nr. 21). Damit
fehlt es im vorliegenden Fall an einem öffentlichen Interesse für die
beantragte Klassierung. Auch aus diesem Grund wäre der Rekurs ab-
zuweisen.
3.
Zusammenfassend ergibt sich, dass der Rekurrent an der beantragten
Klassierung kein eigenes schutzwürdiges Interesse hat und die
Vorinstanz deshalb auf das Gesuch gar nicht hätte eintreten müssen.
Ohnehin besteht an der beantragten Klassierung kein öffentliches In-
teresse. Der Rekurs erweist sich deshalb – selbst wenn der Rekurrent
legitimiert gewesen wäre – als unbegründet und ist abzuweisen.
4.
4.1 Nach Art. 95 Abs. 1 VRP hat in Streitigkeiten jener Beteiligte die
Kosten zu tragen, dessen Begehren ganz oder teilweise abgewiesen
werden. Die Entscheidgebühr beträgt Fr. 3'000.– (Nr. 20.13.01 des
Gebührentarifs für die Kantons- und Gemeindeverwaltung,
sGS 821.5). Dem Ausgang des Verfahrens entsprechend sind die
amtlichen Kosten dem Rekurrenten zu überbinden.
4.2 Der vom Rekurrenten am 28. April 2020 geleistete Kostenvor-
schuss von Fr. 1'800.– ist anzurechnen.
5.
Der Rekurrent stellt ein Begehren um Ersatz der ausseramtlichen Kos-
ten.
5.1 Im Rekursverfahren werden ausseramtliche Kosten entschädigt,
soweit sie auf Grund der Sach- und Rechtslage notwendig und ange-
messen erscheinen (Art. 98 Abs. 2 VRP). Die ausseramtliche Entschä-
digung wird den am Verfahren Beteiligten nach Obsiegen und Unter-
liegen auferlegt (Art. 98bis VRP). Die Vorschriften der Schweizerischen
Zivilprozessordnung (SR 272) finden sachgemäss Anwendung
(Art. 98ter VRP).
5.2 Da der Rekurrent mit seinen Anträgen unterliegt, hat er von
vornherein keinen Anspruch auf eine ausseramtliche Entschädigung.
Sein Begehren ist deshalb abzuweisen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 98/2020), Seite 9/9