# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 45bd1969-4e16-4620-ad5f-545b7b913f16
**Court:** GR_VG
**Chamber:** GR_VG_003
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** GR / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

I. Sachverhalt:
1. A._, geboren 1965, machte eine Lehre als Verkäuferin in einer
Papeterie und arbeitete danach rund zehn Jahre lang als solche und als
Kassiererin bei diversen Arbeitgebern. Ab dem Jahr 1994 arbeitete sie als
selbstständige Masseurin. Dabei erzielte sie ein durchschnittliches
jährliches Einkommen von rund CHF 23'000.--. Ab Mai 2017 war sie
zusätzlich bei der B._ AG als Briefausträgerin angestellt, das
Arbeitspensum lag bei rund 10 %. Im September 2017 begab sie sich in
psychiatrische Behandlung und am 18. Dezember 2017 erlitt sie einen
Zusammenbruch. In der Folge wurde sie bis auf Weiteres zu 100 %
krankgeschrieben. Der behandelnde Psychiater Dr. med. C._
diagnostizierte ein Erschöpfungssyndrom mit Angst und depressiver
Reaktion sowie eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit ängstlich
vermeidenden, emotional instabilen und anankastischen Zügen. Für die
Zeit ab dem 22. Mai 2018 reduzierte Dr. med. C._ die
Arbeitsunfähigkeit auf 80 %. Ende Mai 2018 beendete A._ die
Behandlung bei ihm. Ihre Tätigkeit als selbstständige Masseurin nahm sie
in einem sehr beschränkten Umfang wieder auf.
2. Am 3. Mai 2018 meldete sich A._ bei der IV-Stelle des Kantons
Graubünden zum Bezug von Leistungen an. Die IV-Stelle tätigte
erwerbliche und medizinische Abklärungen und führte am 23. Mai 2018
und am 23. Oktober 2018 Evaluationsgespräche durch.
3. Ab dem 11. Juni 2018 war A._ in Behandlung bei der praktischen
Ärztin Dr. med. D._. Diese diagnostizierte einen
Erschöpfungszustand unklarer Ursache und attestierte weiterhin eine
80%ige Arbeitsunfähigkeit. Ab dem 18. April 2019 wurde A._ vom
Psychiater Dr. med. E._ behandelt. Dieser diagnostizierte eine
Neurasthenie mit Schwergewicht auf gesteigerter Ermüdbarkeit nach
geistiger Anstrengung im Wechsel mit gesteigerter Ermüdbarkeit nach
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körperlicher Anstrengung sowie eine ängstlich vermeidende
Persönlichkeitsstörung. Auch er attestierte eine Arbeitsunfähigkeit von 80
%, hielt dabei aber zunächst eine langsame Steigerung auf ein
Arbeitspensum von 50 % für möglich.
4. Am 23. August 2019 teilte die IV-Stelle A._ mit, dass aufgrund ihres
momentanen Gesundheitszustandes keine beruflichen Massnahmen
möglich seien. Im Frühjahr 2020 verbesserte sich der Gesundheitszustand
und die Arbeitsfähigkeit stieg kontinuierlich bis auf 50 %. Auf Empfehlung
von Dr. med. E._ wurden in dieser Phase erneut berufliche
Massnahmen geprüft. Im Juni 2020 sank die Arbeitsfähigkeit dann aber
drastisch auf 20 % im zweiten Arbeitsmarkt und berufliche Massnahmen
wurden erneut verworfen.
5. Mit Bericht vom 5. Juni 2020 gab Dr. med. E._ an, der
Gesundheitszustand sei nun stationär, die Prognose betreffend den ersten
Arbeitsmarkt sei ungünstig und die bisherige Tätigkeit sei nicht mehr
zumutbar. Eine adaptierte Tätigkeit in einem geschützten Rahmen sei an
zwei Stunden pro Tag zumutbar. Der Regionale Ärztliche Dienst (RAD)
stützte sich in seinem Abschlussbericht vom 8. Juni 2020 vollumfänglich
auf diesen Bericht.
6. Am 20. November 2020 liess die IV-Stelle bei A._ eine
Haushaltabklärung durchführen, welche keine relevanten
Einschränkungen ergab. Der RAD plausibilisierte den entsprechenden
Abklärungsbericht am 9. Dezember 2020.
7. Mit Vorbescheid vom 21. Dezember 2020 informierte die IV-Stelle
A._, dass sie beabsichtige, ihr für die Zeit vom 1. Dezember 2018 bis
zum 30. April 2020 und ab dem 1. Juli 2020 eine Viertelsrente
auszurichten. Die IV-Stelle hatte zur Ermittlung des Invaliditätsgrads die
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gemischte Methode angewendet und Erwerb und Aufgabenbereich je zu
50 % gewichtet.
8. Mit Einwand vom 4. Januar 2021 beantrage A._ sinngemäss die
Zusprache einer höheren Rente. Sie machte im Wesentlichen geltend, es
bestehe ein Widerspruch zwischen dem tiefen Rentenanspruch und der
Tatsache, dass die IV-Stelle berufliche Massnahmen nicht für möglich
halte. Sie sei bei der Berentung unverhältnismässig tief eingestuft worden.
Sie arbeite eine bis zwei Stunden pro Tag als Masseurin und brauche
dafür bereits ihre gesamte Kraft und Energie.
9. Mit zwei Verfügungen vom 22. Februar 2021 hielt die IV-Stelle an ihrem
Vorbescheid fest. Die eine Verfügung betraf die Nachzahlung der Rente
für den Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis am 30. April 2020, die andere
Verfügung betraf den Rentenanspruch ab dem 1. Juli 2020. Gegen diese
Verfügungen erhob A._ am 17. März 2021 Beschwerde an das
Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden. Sie beantragte, die
angefochtenen Verfügungen seien aufzuheben, die Rente sei neu zu
berechnen und es sei ihr eine ganze Rente zuzusprechen. Zur
Begründung machte sie im Wesentlichen geltend, der Invaliditätsgrad sei
nicht mit der gemischten Methode zu berechnen. Sie habe ihr ganzes
Berufsleben versucht, mit einem Pensum von 100 % zu arbeiten, sie sei
dazu aber aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage gewesen. Sie
habe ihre Erwerbstätigkeit zu keinem Zeitpunkt willentlich auf 50 %
reduziert, um mehr Zeit für Freizeit und Haushalt zur Verfügung zu haben.
Sie sei neben der Erwerbstätigkeit nie in der Lage gewesen, einer
Freizeittätigkeit, einer politischen Tätigkeit oder einer freiwilligen Arbeit
nachzugehen.
10. Die IV-Stelle beantragte in ihrer Vernehmlassung vom 7. Mai 2021 die
Abweisung der Beschwerde. Sie verwies auf die Begründung der
angefochtenen Verfügungen und ergänzte, die Beschwerdeführerin sei
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vor der psychischen Dekompensation jahrelang im Umfang von 50 %
erwerbstätig gewesen, so dass anzunehmen sei, dass sie heute ohne
Gesundheitsschaden ebenfalls zu 50 % erwerbstätig wäre. Es möge zwar
zutreffen, dass die Beschwerdeführerin seit jeher an psychischen
Beschwerden gelitten habe, aber aufgrund der Akten sei davon
auszugehen, dass diese Beschwerden erst seit Dezember 2017 einen
Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit gehabt hätten. Eine ärztlich in Echtzeit
attestierte Arbeitsunfähigkeit bestehe erst seit diesem Zeitpunkt.
11. Mit Schreiben vom 20. Mai 2021 verzichtete die Beschwerdeführerin auf
eine Replik.
Auf die weiteren Ausführungen in den angefochtenen Verfügungen und in
den Rechtsschriften sowie auf die im Recht liegenden Beweismittel wird,
soweit erforderlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

II. Das Gericht zieht in Erwägung:
1. Nach Art. 69 Abs. 1 lit. a des Bundesgesetzes über die
Invalidenversicherung (IVG; SR 831.20) sind Verfügungen der kantonalen
IV-Stellen direkt vor dem Versicherungsgericht am Ort der IV-Stelle
anfechtbar. Vorliegend stellen die angefochtenen Verfügungen der IV-
Stelle des Kantons Graubünden vom 22. Februar 2021 (Akten der IV-Stelle
[IV-act.] 103 und 106) taugliche Anfechtungsobjekte für ein Verfahren vor
dem Verwaltungsgericht des Kantons Graubünden dar. Die sachliche
Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ergibt sich aus Art. 57 des
Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts
(ATSG; SR 830.1) in Verbindung mit Art. 49 Abs. 2 lit. a des Gesetzes über
die Verwaltungsrechtspflege (VRG; BR 370.100). Als Adressatin der
strittigen Verfügungen ist die Beschwerdeführerin berührt und weist ein
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schutzwürdiges Interesse an deren Aufhebung oder Änderung auf (Art. 1
Abs. 1 IVG i.V.m. Art. 59 ATSG). Auf die im Übrigen frist- und formgerecht
eingereichte Beschwerde (Art. 60 und Art. 61 ATSG) ist somit einzutreten.
2. Streitig und zu prüfen ist, ob die IV-Stelle der Beschwerdeführerin zu Recht
für den Zeitraum vom 1. Dezember 2018 bis zum 30. April 2020 und für die
Zeit ab dem 1. Juli 2020 eine Viertelsrente zugesprochen hat. Uneinig sind
sich die Parteien bei der Statusfrage bzw. der Frage, ob der Invaliditätsgrad
nach der gemischten Methode oder der Methode des
Einkommensvergleichs vorzunehmen sei. Einig sind sich die Parteien in
Bezug auf den Rentenbeginn per 1. Dezember 2018. Unstreitig ist sodann,
dass die Berichte der Dres. med. C._ (IV-act. 20, 28 S. 4, 28 S. 8),
D._ (IV-act. 36) und E._ (IV-act. 55, 65, 76, 87) eine taugliche
Grundlage für die Festlegung der Arbeitsfähigkeit und der
leidensangepassten Tätigkeiten darstellen. Unbestritten ist schliesslich der
Bericht zur Haushaltabklärung vom 20. November 2020, welcher eine
Einschränkung von 0 % im Aufgabenbereich ergab (IV-act. 82).
Für die Beantwortung der streitigen Fragen ist der Sachverhalt zu
berücksichtigen, der sich bis zum Erlass der angefochtenen Verfügungen
am 22. Februar 2021 verwirklicht hat und anwendbar sind in zeitlicher
Hinsicht grundsätzlich diejenigen materiellen Rechtssätze, die bei der
Erfüllung des zu Rechtsfolgen führenden Tatbestandes Geltung haben
(BGE 132 V 215 E.3.1.1; Urteil des Bundesgerichts 9C_663/2018 vom 12.
Februar 2019 E.4). Massgeblich ist der im Sozialversicherungsrecht
übliche Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit (BGE 144 V
427 E.3.2).
3. Als Invalidität gilt die durch einen körperlichen oder geistigen
Gesundheitsschaden als Folge von Geburtsgebrechen, Krankheit oder
Unfall verursachte, voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde
Erwerbsunfähigkeit oder Unmöglichkeit, sich im bisherigen
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Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 4 IVG i.V.m. Art. 8 ATSG). Gemäss
Art. 28 Abs. 2 IVG hat die versicherte Person bei einem Invaliditätsgrad
von mindestens 40 % Anspruch auf eine Viertelsrente, ab 50 % auf eine
halbe Rente, ab 60 % auf eine Dreiviertelsrente und ab 70 % auf eine
ganze Rente. Bei erwerbstätigen Personen erfolgt die Bemessung der
Invalidität aufgrund eines Einkommensvergleichs (Art. 28a Abs. 1 IVG
i.V.m. Art. 16 ATSG). Dabei wird das Erwerbseinkommen, das die
versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der
medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen
durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei ausgeglichener Arbeitslage erzielen
könnte (Invalideneinkommen), in Beziehung gesetzt zum
Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte, wenn sie nicht invalid
geworden wäre (Valideneinkommen). Bei Nichterwerbstätigen wird darauf
abgestellt, in welchem Masse sie unfähig sind, sich im bisherigen
Aufgabenbereich zu betätigen (Art. 28a Abs. 2 IVG). Diese Methode wird
Betätigungsvergleich oder spezifische Methode genannt. Als
Aufgabenbereich der im Haushalt tätigen Versicherten gilt dabei die
übliche Tätigkeit im Haushalt sowie die Pflege und Betreuung von
Angehörigen (Art. 27 der Verordnung über die Invalidenversicherung [IVV;
SR 831.201]). Bei Teilerwerbstätigen schliesslich kommt die gemischte
Methode zur Anwendung, eine Kombination von Einkommens- und
Betätigungsvergleich (Art. 28a Abs. 3 IVG).
4. Die Statusfrage, mithin die Frage, ob eine Versicherte bei der
Invaliditätsbemessung als Erwerbstätige, Teilerwerbstätige oder als
Nichterwerbstätige einzustufen ist, ergibt sich aus der Annahme, was die
Versicherte bei im Übrigen unveränderten Umständen täte, wenn keine
gesundheitliche Beeinträchtigung bestünde. Entscheidend ist nicht,
welches Ausmass der Erwerbstätigkeit der versicherten Person im
Gesundheitsfall zugemutet werden könnte, sondern in welchem Pensum
sie hypothetisch erwerbstätig wäre. Dabei sind die persönlichen,
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familiären, sozialen und erwerblichen Verhältnisse ebenso wie allfällige
Erziehungs- und Betreuungsaufgaben gegenüber Kindern, das Alter, die
beruflichen Fähigkeiten und die Ausbildung sowie die persönlichen
Neigungen und Begabungen zu berücksichtigen (BGE 141 V 15 E.3.1, 133
V 504 E.3.3, 125 V 146 E.2c; Urteil des Bundesgerichts 8C_526/2020 vom
31. Oktober 2020 E.3.2). Die Beantwortung der Statusfrage erfordert
zwangsläufig eine hypothetische Beurteilung, die auch hypothetische
Willensentscheidungen der versicherten Person zu berücksichtigen hat.
Derlei ist einer direkten Beweisführung wesensgemäss nicht zugänglich
und muss in aller Regel aus äusseren Indizien erschlossen werden (Urteil
des Bundesgerichts 8C_526/2020 vom 31. Oktober 2020 E.3.3).
Vorliegend hat die IV-Stelle den Invaliditätsgrad anhand der gemischten
Methode ermittelt. Sie ging davon aus, dass die Beschwerdeführerin im
Gesundheitsfall zu 50 % erwerbstätig und zu 50 % im Aufgabenbereich
tätig wäre. Die Beschwerdeführerin ist demgegenüber der Ansicht, sie
wäre im Gesundheitsfall zu 100 % erwerbstätig, so dass ihr
Invaliditätsgrad mit der Methode des Einkommensvergleichs zu ermitteln
sei.
4.1. In den angefochtenen Verfügungen begründete die IV-Stelle ihre
Sichtweise damit, dass die Beschwerdeführerin anlässlich der
Haushaltabklärung angegeben habe, dass sie ohne die gesundheitliche
Einschränkung drei bis vier Behandlungen pro Tag durchführen würde.
Dies vermag nicht zu überzeugen. Die IV-Stelle hat die Aussagen der
Beschwerdeführerin zur hypothetischen Tätigkeit im Gesundheitsfall nicht
richtig wiedergegeben. Denn im Bericht zur Haushaltabklärung vom 20.
November 2020 ist festgehalten: "Frau A._ meint, sie hätte als es ihr
noch besser ging drei bis vier Behandlungen pro Tag durchführen können
(...). Ich weise sie darauf hin, dass sie gemäss IK-Auszug dieses
Arbeitspensum wohl nie erreicht hat. Sie kann nicht sagen, wie sie arbeiten
würde, wenn sie gesund wäre, sie sei nie gesund gewesen, meint sie. (...)
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Wenn sie nicht gesundheitliche Einschränkungen hätte, müsste sie
zumindest CHF 3'500.-- pro Monat erwirtschaften, da sie CHF 3'100.--
Fixkosten pro Monat habe" (IV-act. 82 S. 2). In Übereinstimmung mit
dieser Aussage gegenüber der Abklärungsperson liess die
Beschwerdeführerin im Formular "Bestätigung der Erwerbstätigkeit bei
Gesundheit" vom 20. November 2020 denn auch die Felder für die
hypothetische Arbeitszeit ohne Gesundheitsschaden leer und gab
lediglich an, sie hätte im Gesundheitsfall mit Massagen oder einer anderen
Tätigkeit seit 1994 aus finanziellen Gründen so viel gearbeitet, dass sie
mindestens CHF 3'500.-- pro Monat verdient hätte (IV-act. 79). In den
Akten finden sich keine verlässlichen (Pensums-)Angaben, welche
erklären würden, ob die Beschwerdeführerin mit den vorerwähnten
Aussagen eine Voll- oder Teilzeitstelle beschrieb. Mangels solcher
konkreter Hinweise wird auf die Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes
für Statistik abgestellt (LSE 2018). Dabei ist die Tätigkeit der
Beschwerdeführerin Ziffer 96 der Tabelle TA1 zuzuordnen ("Sonstige
persönliche Dienstleistungen"; siehe dazu https://www.kubb-
tool.bfs.admin.ch/de/code/960402?q=massage, zuletzt besucht am
26. Oktober 2021, und Ausführungen zur Ausbildungsbiografie in der
nachfolgenden Erwägung 4.2.2; vgl. ferner IV-act. 110). Für das
Kompetenzniveau 1 findet sich so ein standardisierter Monatslohn von
CHF 3'900.--. Gemessen an diesem Wert entspricht das von der
Beschwerdeführerin für den Gesundheitsfall geltend gemachte
Monatseinkommen von CHF 3'500.-- einem Teilzeitpensum von rund 90
%.
Ferner beantwortete die Beschwerdeführerin im Fragebogen für
Selbstständigerwerbende vom 9. Mai 2018 die Frage nach der üblichen
Arbeitszeit vor der Erkrankung nur annäherungsweise. Sie gab weder die
Arbeitszeit noch das Arbeitspensum an, und schrieb stattdessen, sie habe
nicht die ganze Arbeitszeit festgehalten, nur die Massagetermine, nicht
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jedoch die Buchhaltung, Werbung, Wäsche und Reinigung (IV-act. 13 S.
1). In diesem Fragebogen machte sie zudem geltend, ohne
gesundheitliche Probleme würde sie CHF 4'660.-- pro Monat verdienen
(IV-act. 13 S. 3). Diese Angabe erscheint angesichts des vorerwähnten
Referenzwertes aus der LSE von CHF 3'900.-- zwar nicht realistisch,
spricht aber für eine Erwerbstätigkeit in einem hohen Pensum. Entgegen
der Ansicht der IV-Stelle lässt sich demnach eine nur 50%ige
Erwerbstätigkeit im Gesundheitsfall mit den Aussagen der
Beschwerdeführerin zum hypothetischen Arbeitspensum im
Gesundheitsfall nicht begründen.
4.2. In ihrer Vernehmlassung korrigierte die IV-Stelle die Begründung zur
Statusfrage dahingehend, dass die Beschwerdeführerin vor der
psychischen Dekompensation jahrelang im Umfang von 50 % erwerbstätig
gewesen sei, als selbstständige Masseurin und als Briefzustellerin,
woraus geschlossen werden könne, dass sie ohne die gesundheitlichen
Einschränkungen heute wie in den Jahren vor der psychischen
Dekompensation zu 50 % erwerbstätig wäre. Richtig an dieser
Begründung ist, dass die Lebensumstände der versicherten Person vor
dem Eintritt der Invalidität Ausgangspunkt für die Beurteilung der
Statusfrage sind. Diese Lebensumstände werden deshalb nachfolgend im
Detail untersucht.
4.2.1. Die Beschwerdeführerin absolvierte eine Lehre als Verkäuferin in einer
Papeterie und hatte in den zehn folgenden Jahren verschiedene, meist
relativ kurzdauernde Arbeitsverhältnisse als Kassiererin oder Verkäuferin
inne (Lebenslauf, IV-act. 12). Der Monatslohn lag dabei gemäss dem
Auszug aus dem Individuellen Konto (IK) bei der AHV-Ausgleichskasse
stets zwischen rund CHF 1'500.-- und CHF 2'600.--, der durchschnittliche
Monatslohn betrug rund CHF 2'100.-- (IV-act. 84). Damit findet sich im IK-
Auszug für keinen einzigen Arbeitsmonat ein Einkommen, welches dem
Lohn für eine 100%ige Anstellung als Verkäuferin oder Kassiererin
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entsprechen würde. Gemäss der LSE 2018, Wirtschaftszweig Ziffer 47,
liegt der standardisierte Monatslohn der Frauen im Detailhandel im
Kompetenzniveau 2 bei CHF 4'511.--. Setzt man das von der
Beschwerdeführerin in den Jahren 1984 bis 1993 durchschnittlich erzielte
Monatseinkommen von CHF 2'100.--, aufindexiert auf CHF 2'834.--
(Nominallohnindex des Bundesamtes für Statistik, Tabelle T1.93, 1993 bis
2018) in Bezug zu diesem LSE-Tabellenlohn, so ergibt sich ein
Arbeitspensum von 63 %. Die Aussage der Beschwerdeführerin beim
Evaluationsgespräch, sie sei vor der Aufnahme der Massagetätigkeit
immer zu 100 % angestellt gewesen (IV-act. 23 S. 1), kann deshalb nicht
als glaubhaft gewertet werden.
4.2.2. Im Alter von 28 Jahren gab die Beschwerdeführerin ihren gelernten Beruf
auf und arbeitete rund ein Jahr lang auf einem Bauernhof. Im Jahr 1994
begann sie ihre selbstständige Erwerbstätigkeit als Masseurin. Hierfür
hatte sie 1991 einen Massage-Grundkurs absolviert (IV-act. 11 S. 1),
später folgten ein Kurs in manueller Lymphdrainage (IV-act. 11. S. 3) und
ein Lehrgang in Klassischer Massage (IV-act. 11 S. 2). Gemäss IK-Auszug
erwirtschaftete die Beschwerdeführerin in den Jahren 1995 bis 2016 ein
durchschnittliches Jahreseinkommen von rund CHF 23'000.--. Das tiefste
Einkommen lag bei CHF 15'900.-- im Jahr 2001, das höchste bei
CHF 30'717.-- im Jahr 1992 (IV-act. 84). Das durchschnittliche
Monatseinkommen in den Jahren 1995 bis 2016 lag demnach bei rund
CHF 1'900.--. Dieses relativ tiefe Einkommen ist auch in den
Steuerunterlagen der Jahre 2012 bis 2017 dokumentiert (IV-act. 14). Setzt
man dieses Einkommen, aufindexiert auf CHF 2'201.-- (Nominallohnindex,
Tabelle T1.93, 2005 bis 2018), ins Verhältnis zum Tabellenlohn von CHF
3'900.-- (vgl. oben Erwägung 4.1), so ergibt sich ein Arbeitspensum von
rund 56 %. Die Beschwerdeführerin selber umschrieb ihr Arbeitspensum
vor der Erkrankung in der Anmeldung mit 100 % (IV-act. 4 S. 6). Dem kann
angesichts der tiefen Einkommen auch in Berücksichtigung ihrer
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vorübergehenden Tätigkeit bei der B._ AG im Umfang von rund 10 %
nicht gefolgt werden.
4.3. Es hat sich gezeigt, dass die Beschwerdeführerin in der Phase als
angestellte Verkäuferin und Kassiererin von 1984 bis 1993 zu rund 63 %
erwerbstätig war, in der Phase als selbständig erwerbende Masseurin von
1994 bis 2016 zu etwa 56 %. Zu klären sind nun die Gründe für diese
beschränkte Erwerbstätigkeit. Dabei fallen Betreuungspflichten zum
Vornherein nicht in Betracht. Die Beschwerdeführerin ist unverheiratet, hat
keine Kinder und macht nicht geltend, sie habe gegenüber ihren Eltern
oder anderen Verwandten Betreuungsaufgaben wahrgenommen. Die IV-
Stelle ist der Ansicht, die Beschwerdeführerin habe ihr Arbeitspensum
freiwillig reduziert, um mehr Freizeit zu haben. Die Beschwerdeführerin
hingegen macht geltend, sie habe ihr ganzes Berufsleben versucht, in
einem Pensum von 100 % zu arbeiten, sei dazu aber aus gesundheitlichen
Gründen nicht in der Lage gewesen. Auch als Masseurin habe sie immer
das Ziel gehabt, in einem vollen Pensum zu arbeiten. Der Beruf als
Masseurin habe sie physisch und psychisch gefordert. Sie habe nicht so
viele Massagen anbieten können, wie sie es sich gewünscht hätte.
Zwischen den einzelnen Behandlungen habe sie Abstand und längere
Erholungsphasen gebraucht. Trotz der vermehrten Pausen habe ihre
Energie abgenommen und habe sich ein Erschöpfungszustand eingestellt.
Sie habe ihre Erwerbstätigkeit zu keinem Zeitpunkt willentlich auf 50 %
reduziert, um mehr Zeit für Freizeit und Haushalt zur Verfügung zu haben.
Sie sei schlichtweg nicht in der Lage gewesen, ihr Pensum über 50 % zu
erhöhen. Sie sei aber auch nicht in der Lage gewesen, neben der
Erwerbstätigkeit einer Freizeitbeschäftigung, einer politischen Tätigkeit
oder einer freiwilligen Arbeit nachzugehen.
4.3.1. Macht eine versicherte Person – wie vorliegend – im Zusammenhang mit
der Statusfrage geltend, sie habe das Arbeitspensum bereits früher aus
gesundheitlichen Gründen reduziert, so ist in einem ersten Schritt zu
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prüfen, ob dafür echtzeitliche Arztberichte zur Verfügung stehen (Urteil
des Bundesgerichts 8C_753/2018 vom 4. Februar 2019 E.5.3.2). Im
vorliegenden Fall gibt es bei den Akten keine Arztberichte, welche eine
Arbeitsunfähigkeit der Beschwerdeführerin in der Zeit vor dem
Zusammenbruch am 18. Dezember 2017 echtzeitlich dokumentieren
würden.
4.3.2. Die IV-Stelle ist der Ansicht, die von der Beschwerdeführerin behauptete
Reduktion des Arbeitspensums aus gesundheitlichen Gründen könne nur
mit echtzeitlichen ärztlichen Unterlagen bewiesen werden. Dies trifft in
dieser Absolutheit nicht zu. Die IV-Stelle beruft sich auf die
bundesgerichtliche Rechtsprechung und zitiert, der Zeitpunkt des Eintritts
der Arbeitsunfähigkeit müsse gegenüber der Invalidenversicherung
grundsätzlich echtzeitlich nachgewiesen sein und dieser Nachweis dürfe
nicht durch nachträgliche Annahmen und spekulative Überlegungen
ersetzt werden (Urteile des Bundesgerichts 9C_950/2008 vom 18. März
2009 E.3.3, 9C_368/2008 vom 11. September 2008 E.2, 9C_96/2008 vom
11. Juni 2008 E.2.2). Dabei verkennt die IV-Stelle, dass diese
Rechtsprechung nicht in direktem Zusammenhang mit der Statusfrage
steht, sondern sich auf die Frage des Beginns des Rentenanspruchs
bezieht. Hinzu kommt, dass das Bundesgericht die von der IV-Stelle
referenzierte Praxis in jüngerer Zeit differenziert hat. Demnach erfordert
der rechtsgenügliche Nachweis einer relevanten Einbusse an
funktionellem Leistungsvermögen sogar im Zusammenhang mit dem
Rentenbeginn nicht zwingend eine echtzeitlich ärztlich attestierte
Arbeitsunfähigkeit, wenn sich der Gesundheitsschaden bereits früher
negativ auf das Leistungsvermögen ausgewirkt hat und dies in
echtzeitlichen Dokumenten festgehalten wurde (z.B. gesundheitlich
bedingte Arbeitsausfälle, Leistungsabfall mit entsprechender Feststellung,
Ermahnung durch den Arbeitgeber; vgl. Urteile des Bundesgerichts
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9C_517/2020 vom 28. Januar 2021 E.3.2 und 9C_765/2018 vom 6. Mai
2019 E.3.3.1).
Für den vorliegenden Fall bedeutet dies, dass anhand sämtlicher
vorliegender Informationen zu prüfen ist, ob der Entscheid der
Beschwerdeführerin für eine Teilzeittätigkeit vor dem 18. Dezember 2017
objektiv betrachtet gesundheitlich bedingt war. Aktenkundig sind folgende
ärztliche Beurteilungen:
Dr. med. C._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
behandelnder Arzt von Mitte September 2017 bis Ende Mai 2018:
Am 7. Juni 2018 berichtete Dr. med. C._, die Beschwerdeführerin
leide an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung mit schizoiden,
emotional instabilen, anankastischen und ängstlich-vermeidenden
Anteilen und Zügen (ICD 10: F61.0) sowie an einer Neurasthenie (ICD 10:
F48.0; IV-act. 28 S. 8). Vor dem Behandlungsbeginn bei ihm sei sie von
keinem anderen Arzt für die von ihm diagnostizierten psychischen
Krankheiten behandelt worden (IV-act. 20). Der von ihm ab dem 18.
Dezember 2017 attestierten Arbeitsunfähigkeit liege eine
Dekompensation des seit Kindheit bestehenden, sehr fragilen
Störungshabitus zu Grunde, mit nun deutlicher Verstärkung der
neurasthenischen Symptomatik auf dem Hintergrund einer breit
gefächerten Störung der Persönlichkeit. Die Beschwerdeführerin habe
sich immer am Rand des Existenzminimums bewegt, im Überlebenskampf
und in fortwährender Selbstüberforderung. Seit August 2017 habe sich der
Zustand zunehmend verschlechtert in Form von immer mehr sich
ausweitender seelischer Instabilität, zunehmenden Schlaf- und
Konzentrationsstörungen sowie zunehmendem Einbrechen der
Leistungsfähigkeit, welche immer schon schwach gewesen sei (IV-act. 28
S. 8). Anerkennend müsse gesagt werden, dass sich die
Beschwerdeführerin trotz ihrer psychischen Defizite und ihrer hohen
Vulnerabilität tapfer hindurch gekämpft habe, um ihr Leben zu bewältigen.
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Ein Zusammenbruch, wie er im Herbst 2017 geschehen sei, habe ständig
wie ein Damoklesschwert über ihrem Leidensweg gehangen (IV-act. 28
S. 10). Der quälende Zustand der Beschwerdeführerin bestehe bereits seit
Kindheit und habe sich im Erwachsenenalter immer mehr verstärkt (IV-act.
28 S. 11).
Dr. med. E._, Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie,
behandelnder Arzt ab April 2019:
Mit Bericht vom 9. August 2019 führte Dr. med. E._ aus, es lägen eine
Neurasthenie mit Schwergewicht auf gesteigerter Ermüdbarkeit nach
geistiger Anstrengung im Wechsel mit gesteigerter Ermüdbarkeit nach
körperlicher Anstrengung (ICD 10: F 48.0) und eine ängstlich-
vermeidende Persönlichkeitsstörung (ICD 10: F60.6) vor (IV-act. 55 S. 4).
Die Beschwerdeführerin habe bereits vor der Dekompensation im
Dezember 2017 wiederholt Phasen der Überforderung erlebt, sei aber
erstmals im Dezember 2017 durch Dr. med. C._ aus psychischen
Gründen krankgeschrieben worden. Gemäss ihrer eigenen Angabe sei die
Beschwerdeführerin zunehmend erschöpft gewesen, beginnend bereits
viele Monate vor der Krankschreibung (IV-act. 55 S. 3). Aus der Anamnese
heraus sei ersichtlich, dass die Beschwerdeführerin bislang zu keinem
Zeitpunkt ihres Lebens eine tatsächlich volle Arbeitsfähigkeit besessen
habe (IV-act. 55 S. 5).
Diese überzeugenden und nachvollziehbaren medizinischen
Feststellungen der Dres. C._ und E._ werden von keiner
medizinischen Fachperson in Frage gestellt. Vielmehr wird die
fachpsychiatrisch festgestellte Persönlichkeitsstörung neben einem
Erschöpfungszustand mit depressiven Episoden auch in der
Abschlussbeurteilung des Regionalen Ärztlichen Dienstes (RAD) vom 8.
Juni bzw. vom 9. Dezember 2020 anerkannt (IV-act. 109 S. 19 f.).
Persönlichkeitsstörungen treten definitionsgemäss meist in der Kindheit
oder der Adoleszenz in Erscheinung, bestehen während des
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Erwachsenenalters weiter und gehen meistens mit deutlichen
Einschränkungen der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit einher
(DILLING/MOMBOUR/SCHMIDT, Internationale Klassifikation psychischer
Störungen, ICD-10 Kapitel V (F), Klinisch-diagnostische Leitlinien,
9. Auflage 2014, S. 274 ff.). Entgegen der Ansicht der IV-Stelle legten die
Dres. C._ und E._ ihrer Diagnose nicht nur die anamnestischen
Angaben der Beschwerdeführerin zu Grunde, sondern in der gebotenen
Weise auch ausführliche eigene Erhebungen des Psychostatus (IV-act. 28
S. 8 f. und 55 S. 4). Es sind daher keine Gründe ersichtlich, weshalb nicht
auf diese übereinstimmenden fachärztlichen Einschätzungen abzustellen
und davon auszugehen wäre, dass die Beschwerdeführerin seit Beginn
ihres Arbeitslebens wegen ihrer Persönlichkeitsstörung mit besonderen
psychischen Herausforderungen konfrontiert war. Die
Persönlichkeitsstörung beeinträchtigte die Beschwerdeführerin mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit schon vor der psychischen
Dekompensation im Dezember 2017 in der Ausgestaltung ihrer
Arbeitstätigkeit. Dass die psychischen Probleme Grund für die Reduktion
des Arbeitspensums waren, ist deshalb naheliegend und plausibel.
4.3.3. Bei den Eingliederungsbemühungen der IV-Stelle zeigte sich, dass die
Beschwerdeführerin darum kämpfte, trotz ihrer psychischen Probleme
soweit wie möglich erwerbstätig zu sein und ihren Lebensunterhalt selber
zu verdienen. Ihre Grundhaltung war offen und kooperativ (IV-act. 23, 41,
57 und 71). Die Behandlung bei Dr. med. C._ brach sie ab, als sie
den Eindruck hatte, er schätze ihre psychischen Probleme als zu
tiefgreifend ein. Gegenüber dem IV-Berufsberater gab sie dazu an, sie
konzentriere sich nun darauf, gesund zu werden, obwohl ihr Arzt dies
anders sehe und meine, sie sei noch krank und könne nicht arbeiten (IV-
act. 23 S. 2). Sie zeigte wenig Krankheitseinsicht und war mit der
attestierten sehr geringen Arbeitsfähigkeit nicht einverstanden (IV-act. 41
S. 1). Dies führte dazu, dass ihr geraten werden musste, ihre verbleibende
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Arbeitsfähigkeit nicht übermässig zu strapazieren (IV-act. 23 S. 2). Sie war
der Ansicht, nach einer Erholungszeit "würde ihre Energie wiederkommen
und sie könne dann wieder voll arbeiten" (IV-act. 41 S. 2). Entsprechend
gab sie beim Evaluationsgespräch vom 23. Oktober 2018 an, sie möchte
keine Rente (IV-act. 41 S. 2). In diesem Sinne wurde der
Beschwerdeführerin denn auch von Seiten der
Eingliederungsfachpersonen attestiert, dass sie eine hohe Motivation
habe und unbedingt "leisten" möchte (IV-act. 71 S. 2) bzw. sehr gewillt sei,
"mehr Leistung" zu erreichen (IV-act. 71 S. 3). Im Case Report findet sich
ein ähnlicher Vermerk, wonach Dr. med. E._ gegenüber dem RAD
anlässlich eines Telefongesprächs mehrfach die Motivation und den
unbedingten Wunsch der Beschwerdeführerin betont habe, weiterhin
einem Erwerb nachgehen zu wollen (IV-act. 109 S. 8). Aus alldem lässt
sich schliessen, dass die Beschwerdeführerin vor der Dekompensation
vom 18. Dezember 2017 die ihr zur Verfügung stehende Energie mit
überwiegender Wahrscheinlichkeit weitgehend in ihre Arbeit investierte.
Es bestätigt sich mit anderen Worten, dass die Reduktion des
Arbeitspensums aus gesundheitlichen Gründen erfolgt war.
4.3.4. Die Aussagen der Beschwerdeführerin sind darin konsistent, dass sie in
ihrem gesamten Arbeitsleben aus psychischen Gründen limitiert war. So
gab sie zum Beispiel mit Schreiben vom 28. Mai 2018 unter dem Titel "Wie
es zur Krankschreibung kam" an, dass sie das Jahr 2017 als sehr
anspruchsvoll erlebt habe. Dass ihr sehr wenig Energie zur Verfügung
stehe, kenne sie von Kindsbeinen an. Zu diesen alltäglichen
Herausforderungen seien aber noch diverse Schwierigkeiten
hinzugekommen, was ihr dann alles zusammen die letzte Kraft geraubt
habe (IV-act. 27). Als weiteres Beispiel sei erwähnt, dass sie bei der
Haushaltabklärung erklärte, sie sei nie gesund gewesen (IV-act. 82 S. 3).
Nur scheinbar im Widerspruch dazu steht die Angabe der
Beschwerdeführerin, wonach sie stets versucht habe, zu 100 %
- 18 -
erwerbstätig zu sein. In dieser Angabe zeigt sich ein Wunschdenken und
die bereits in der vorstehenden Erwägung erwähnte geringe Einsicht in
ihren Krankheitszustand. Dies bestätigt denn auch der Bericht von Dr.
med. C._ vom 7. Juni 2018. Darin steht explizit, die
Krankheitseinsicht der Beschwerdeführerin sei eher nicht vorhanden, so
dass es passieren könne, dass sie sich überschätze und weiterhin
versuche, irgendwie durchzukommen, was aber sicherlich auf Kosten ihrer
psychischen und physischen Gesundheit gehen würde (IV-act. 28 S. 4).
Dr. med. C._ beschrieb anschaulich, wie die Beschwerdeführerin ihr
Kranksein schon vor der Dekompensation stets verdrängt und trotz ihrer
psychischen Defizite und ihrer hohen Vulnerabilität tapfer gekämpft hatte,
wobei sie sich stets am Rande der Überforderung bewegt hatte (IV-act. 28
S. 10).
4.4. Relevant für die Statusfrage sind schliesslich auch die finanziellen
Verhältnisse und die Lebensumstände. Die Beschwerdeführerin ist
alleinstehend und hat keine Unterhaltsverpflichtungen gegenüber anderen
Personen. Sie pflegte vor der psychischen Dekompensation einen sehr
bescheidenen Lebensstil, den sie mit ihrem doch recht tiefen Einkommen
stets selber finanzieren konnte. Nach der allgemeinen Lebenserfahrung
ist anzunehmen, dass sie sich nicht mit einem solchen Leben am
Existenzminimum arrangiert hätte, wenn sie gesund gewesen wäre.
Angesichts der gesamten Umstände erscheint für den Gesundheitsfall ein
Arbeitspensum von 90 % als wahrscheinlich. Hierfür spricht den auch ihre
Aussage, dass sie im Gesundheitsfall mindestens CHF 3'500.-- verdienen
würde (vgl. vorne Erwägung 4.1).
4.5. Es hat sich gezeigt, dass die Aussagen der Beschwerdeführerin zur
Arbeitstätigkeit im Gesundheitsfall für eine Erwerbstätigkeit in einem
hohen Pensum bzw. von 90 % sprechen (siehe Erwägung 4.1 hiervor).
Weiter hat sich – insbesondere gestützt auf die Einschätzung der Dres.
C._ und E._ (vgl. vorne Erwägung 4.3.2) – ergeben, dass mit
- 19 -
überwiegender Wahrscheinlichkeit die seit der Kindheit bestehende
Persönlichkeitsstörung der Grund für die reduzierte Erwerbstätigkeit als
Verkäuferin und Kassiererin und als selbstständigerwerbende Masseurin
war. Demzufolge ging die IV-Stelle in den angefochtenen Verfügungen zu
Unrecht davon aus, dass die Beschwerdeführerin im Gesundheitsfall nur
zu 50 % erwerbstätig wäre. Vielmehr ist davon auszugehen, dass sie zu
90 % erwerbstätig und nur zu 10 % im Aufgabenbereich tätig wäre.
Abgesehen von ihrer psychischen Erkrankung sind keinerlei Gründe dafür
ersichtlich, weshalb sie sich mit einem auf 50 % reduzierten
Arbeitspensum und mit einem entsprechend geringen Einkommen hätte
arrangieren wollen. Entgegen der Ansicht der Beschwerdeführerin hat die
IV-Stelle demnach den Invaliditätsgrad zu Recht mit der gemischten
Methode bemessen. Allerdings war die Gewichtung der Bereiche falsch.
Statt im Verhältnis 50 zu 50 sind Erwerb und Aufgabenbereich mit 90 zu
10 zu gewichten.
5. Nachfolgend wird der Invaliditätsgrad der Beschwerdeführerin unter
Anwendung der korrigierten Gewichtung neu berechnet. In einem ersten
Schritt werden für den Bereich Erwerb und für den Aufgabenbereich
gesondert Teilinvaliditätsgrade festgelegt. Danach werden diese
Teilinvaliditätsgrade im Verhältnis 90 zu 10 gewichtet und
zusammengeführt.
Der Teilinvaliditätsgrad für den Aufgabenbereich liegt
unbestrittenermassen bei 0 %, da anlässlich der Haushaltabklärung vom
20. November 2020 in überzeugender und nachvollziehbarer Weise keine
relevante Einschränkung festgestellt wurde (IV-act. 82 S. 7).
Zur Bestimmung des Teilinvaliditätsgrades im Bereich Erwerb wird
gemäss Art. 16 ATSG das Erwerbseinkommen, das die versicherte
Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung allfälliger
Eingliederungsmassnahmen durch eine zumutbare Tätigkeit bei
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ausgeglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (Invalideneinkommen),
in Beziehung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie erzielen könnte,
wenn sie nicht invalid geworden wäre (Valideneinkommen). Dieser
Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die
beiden hypothetischen Einkommen ziffernmässig möglichst genau
ermittelt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der
Einkommensdifferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (Urteil des
Bundesgerichts 8C_148/2017 vom 19. Juni 2017 E.4).
5.1. Die IV-Stelle hat das Valideneinkommen gestützt auf die LSE ermittelt. Die
Beschwerdeführerin beanstandet dies zu Recht nicht. Für das
Vergleichsjahr 2020 ergibt sich so ein Valideneinkommen von CHF
49'278.10 (LSE 2018, Tabelle TA1, Sektor Dienstleistungen, Ziffer 96
"Sonstige persönliche Dienstleistungen", Kompetenzniveau 1, Frauen,
normale Wochenarbeitszeit 41.7, Nominallohnentwicklung für 2018 und
für 2019 0.5 % = CHF 3'900.-- : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.005 x 12).
5.2. Beim Invalideneinkommen stellt die Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit
den zentralen Faktor dar. Vorliegend kann diesbezüglich auf die
unbestritten gebliebenen Angaben der Dres. D._ und E._
abgestellt werden (Case Report, IV-act. 109 S. 20 f.). Diesen ärztlichen
Beurteilungen hat die IV-Stelle zu Recht uneingeschränkten Beweiswert
beigemessen. Relevant ist die Zeit nach Ablauf der einjährigen Wartezeit
(Art. 28 Abs. 1 lit. b IVG) am 1. Dezember 2018. Ab diesem Zeitpunkt lag
die Arbeitsfähigkeit sowohl in der angestammten Tätigkeit als Masseurin
als auch in einer adaptieren Tätigkeit zunächst bei 20 % (Dr. med.
D._, IV-act. 36 S. 4 und 8). Vom 8. Februar 2019 bis zum 31. März
2019 verbesserte sich die Arbeitsfähigkeit für kurze Zeit auf 30 % (Dr. med.
D._, IV-act. 55 S. 2), ab dem 1. April 2019 lag sie wieder bei 20 %
(Dr. med. E._, IV-act. 55 S. 2 und 7, IV-act. 65 S. 3). Im Frühjahr 2020
verbesserte sich die gesundheitliche Situation erneut. Ab dem 1. Februar
2020 war die Beschwerdeführerin zu 30 % arbeitsfähig, ab dem 1. März
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2020 zu 40 % und ab dem 1. April 2020 zu 50 % (Dr. med. E._, IV-
act. 109 S. 21). Mit Bericht vom 5. Juni 2020 stellte Dr. med. E._ dann
aber fest, dass die bisherige Tätigkeit als Masseurin nicht mehr zumutbar
sei und dass nur noch eine Arbeitsfähigkeit von 20 % im geschützten
Rahmen vorliege (IV-act. 76 S. 3 f.). Dabei blieb es in der Folge.
5.3. Zu beachten ist des Weiteren, dass rechtsprechungsgemäss bei einer
(erstmaligen) rückwirkenden Zusprechung einer abgestuften und/oder
befristeten Invalidenrente die für die Rentenrevision geltenden Art. 17 Abs.
1 ATSG und Art. 88a IVV über die Änderung des Leistungsanspruchs bei
einer Verbesserung oder Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit analog
anzuwenden sind (siehe BGE 133 V 263 E.6.1, 131 V 164 E.2.2, 125 V
413 E.2d; Urteil des Bundesgerichts 8C_542/2019 vom 4. Dezember 2019
E.3.2). Dementsprechend richtet sich der Wechsel bei gleichzeitiger
Verfügung über eine ganze und eine sie ablösende tiefere Invalidenrente
nach Art. 88a Abs. 1 IVV. Diese Bestimmung sieht vor, dass eine
Verbesserung der Erwerbsfähigkeit für die Herabsetzung oder Aufhebung
einer Rente von dem Zeitpunkt an zu berücksichtigen ist, in dem
angenommen werden kann, dass sie voraussichtlich längere Zeit dauern
wird. Sie ist in jedem Fall zu berücksichtigen, nachdem sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat und voraussichtlich
weiterhin andauern wird. Eine Verschlechterung der Erwerbsfähigkeit ist
gemäss Art. 88a Abs. 2 IVV zu berücksichtigen, sobald sie ohne
wesentliche Unterbrechung drei Monate gedauert hat.
Im vorliegenden Fall hat die IV-Stelle die nur rund einen Monat lang
dauernde Verbesserung des Gesundheitszustandes im Frühjahr 2019
demnach zu Recht zum Vornherein nicht berücksichtigt. Ob die
Verbesserung des Gesundheitszustands im Frühjahr 2020 zu
berücksichtigen ist, hängt davon ab, inwieweit sie sich auf den
Rentenanspruch auswirkt (siehe unten Erwägung 5.9). Ab dem 5. Juni
2020 bestand gemäss Dr. med. E._ nur noch eine 20%ige
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Arbeitsfähigkeit im zweiten Arbeitsmarkt, mithin anders als zuvor keinerlei
Arbeitsfähigkeit im ersten Arbeitsmarkt mehr. Diese anhaltende
Verschlechterung ist gemäss 88a Abs. 2 IVV nach drei Monaten, mithin ab
dem 1. September 2020 zu berücksichtigen, falls sie rentenbeeinflussend
ist. Es liegen somit verschiedene Phasen mit unterschiedlicher
Arbeitsfähigkeit vor, für welche die Invalideneinkommen nachfolgend
gesondert zu ermitteln sind.
5.4. Die erste Phase dauerte vom 1. Dezember 2018 bis zum 31. Januar 2020.
Für diese Phase ist von einer Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von
20 % auszugehen. Für das diesbezügliche Invalideneinkommen stellte die
IV-Stelle auf den Wert von CHF 4'371.-- ab und machte einen
Leidensabzug von 10 % (LSE 2018, Tabelle TA1, Kompetenzniveau 1,
Frauen). Dies wird von der Beschwerdeführerin zu Recht nicht
beanstandet. Unter Berücksichtigung der normalen Wochenarbeitszeit
von 41.7 Stunden und der Nominallohnentwicklung von 0.5 % für 2018
und für 2019 ergibt sich ein Invalideneinkommen von CHF 9'941.30 (CHF
4'371.-- : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.005 x 12 x 0.9 x 0.2).
5.5. Für die Zeit vom 1. Februar 2020 bis zum 29. Februar 2020 ist von einer
Arbeitsfähigkeit in adaptierter Tätigkeit von 30 % auszugehen. In
Anwendung der in der vorstehenden Erwägung beschriebenen
Berechnungsmethode ergibt sich demnach ein Invalideneinkommen von
CHF 14'911.95 (CHF 4'371.-- : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.005 x 12 x 0.9 x 0.3).
Vom 1. März 2020 bis zum 31. März 2020 lag die Arbeitsfähigkeit in
adaptierter Tätigkeit bei 40 %. Somit ergibt sich ein Invalideneinkommen
von CHF 19'882.60 (CHF 4'371.-- : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.005 x 12 x 0.9 x
0.4).
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Vom 1. April 2020 bis zum 4. Juni 2020 war die Beschwerdeführerin zu
50 % arbeitsfähig. Das Invalideneinkommen in dieser Zeit liegt bei
CHF 24'853.25 (CHF 4'371.-- : 40 x 41.7 x 1.005 x 1.005 x 12 x 0.9 x 0.5).
5.6. Seit dem 5. Juni 2020 besteht wie erwähnt keine Arbeitsfähigkeit im ersten
Arbeitsmarkt mehr, sondern nur noch eine 20%ige Arbeitsfähigkeit in
geschütztem Rahmen. Nach der Rechtsprechung liegt eine vollständige
Erwerbsunfähigkeit vor, wenn es – wie vorliegend - an einer
wirtschaftlichen Verwertbarkeit der Resterwerbsfähigkeit auf dem
ausgeglichenen ersten Arbeitsmarkt fehlt (Urteil des Bundesgerichts
9C_277/2016 vom 15. März 2017 E.4.3). Für die Zeit ab dem 5. Juni 2020
liegt das Invalideneinkommen demnach bei CHF 0.
5.7. Im Bereich Erwerb ist die Beschwerdeführerin demnach wie folgt
eingeschränkt:
Zeitraum 
Einschränkung
1. Dez. 2018 – 31. Jan. 2020 CHF 49'278.10 CHF 9'941.30 79.83 %
1. Feb. 2020 – 29. Feb. 2020 CHF 49'278.10 CHF 14'911.95 69.74 %
1. März 2020 – 31. März 2020 CHF 49'278.10 CHF 19'882.60 59.65 %
1. April 2020 – 4. Juni 2020 CHF 49'278.10 CHF 24'853.25 49.57 %
Ab dem 5. Juni 2020 CHF 49'278.10 CHF 0 .-- 100 %
5.8. Im Aufgabenbereich ist die Beschwerdeführerin unbestrittenermassen
nicht eingeschränkt. Gewichtet man diesen Bereich gemäss dem Ergebnis
der Statusfrage mit 10 % und den Bereich Erwerb mit 90 % (vgl. vorne
Erwägung 4.5), so ergeben sich folgende Invaliditätsgrade:
Zeitraum Erwerb, 90 % Aufgabenbereich, 10 %
Invaliditätsgrad
1. Dez. 2018 – 31. Jan. 2020 71.85 % 0 % 71.85 %
1. Feb. 2020 – 29. Feb. 2020 62.77 % 0 % 62.77 %
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1. März 2020 – 31. März 2020
53.69 % 0 % 53.69 %
1. April 2020 – 4. Juni 2020 44.61 % 0 % 44.61 %
Ab dem 5. Juni 2020 90 % 0 % 90 %
5.9. Nach der Rechtsprechung sind die ermittelten Werte für den
Invaliditätsgrad nach den anerkannten Regeln der Mathematik auf ganze
Werte auf- oder abzurunden (BGE 130 V 212 E.3.2, Urteil des
Bundesgerichts 8C_575/2018 vom 30. Januar 2019 E.7.1). Für die Zeit
vom 1. Dezember 2018 bis zum 31. Januar 2020 liegt der Invaliditätsgrad
demnach bei 72 %, für den Monat Februar 2020 bei 63 %, für den Monat
März 2020 bei 54 %, für die Zeit vom 1. April 2020 bis zum 4. Juni 2020 bei
45 % und für die Zeit ab dem 5. Juni 2020 bei 90 %. Wie bereits erwähnt,
besteht ab einem Invaliditätsgrad von 40 % Anspruch auf eine
Viertelsrente, ab 50 % Anspruch auf eine halbe Rente, ab 60 % auf eine
Dreiviertelsrente und ab 70 % auf eine ganze Rente (Art. 28 Abs. 2 IVG,
vgl. vorne Erwägung 3). Demzufolge hat die Beschwerdeführerin ab dem
1. Dezember 2018 bei einem Invaliditätsgrad von 72 % Anspruch auf eine
ganze Invalidenrente. Dieser Anspruch dauert bis zum 30. April 2020. Ab
diesem Zeitpunkt greift – mit der dreimonatigen Verzögerung gemäss Art.
88a IVV (vgl. vorne Erwägung 5.3) – die Verbesserung des
Gesundheitszustandes. Ab dem 1. Mai 2020 besteht deshalb ein Anspruch
auf eine Dreiviertelsrente bei einem Invaliditätsgrad von 63 % und ab dem
1. Juni 2020 ein Anspruch auf eine halbe Invalidenrente bei einem
Invaliditätsgrad von 54 %. Die Verbesserung des Gesundheitszustandes
ab dem 1. April 2020 schlägt sich nicht im Rentenanspruch nieder, dauerte
sie doch nur bis zum 5. Juni 2020, mithin nur gut zwei Monate. Die
Verschlechterung des Gesundheitszustandes ab dem 5. Juni 2020 wird für
Rentenanspruch ab dem 1. September 2020 wirksam. Ab diesen Zeitpunkt
hat die Beschwerdeführerin bei einem Invaliditätsgrad von 90 % erneut
Anspruch auf eine ganze Invalidenrente.
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6. Die angefochtenen Verfügungen erweisen sich somit als rechtswidrig. Sie
werden aufgehoben und der Beschwerdeführerin wird vom 1. Dezember
2018 bis zum 30. April 2020 eine ganze Invalidenrente zugesprochen, vom
1. Mai 2020 bis zum 31. Mai 2020 eine Dreiviertelsrente, vom 1. Juni 2020
bis zum 31. August 2020 eine halbe Invalidenrente und ab dem 1.
September 2020 wiederum eine ganze Invalidenrente.
7. Gemäss Art. 61 lit. fbis ATSG in Verbindung mit Art. 69 Abs. 1bis IVG ist das
Beschwerdeverfahren bei Streitigkeiten über die Bewilligung oder die
Verweigerung von IV-Leistungen vor dem kantonalen Versicherungsgericht
kostenpflichtig. Die Kosten werden nach dem Verfahrensaufwand und
unabhängig vom Streitwert im Rahmen von CHF 200.-- bis CHF 1'000.--
festgelegt. Vorliegend werden die Kosten auf CHF 700.-- festgesetzt. Sie
sind von der IV-Stelle zu übernehmen, da sie im Sinne von Art. 73 Abs. 1
VRG als unterliegende Partei zu qualifizieren ist. Die Beschwerdeführerin
dringt mit ihrem Antrag auf Zusprache einer ganzen Rente zwar nicht
vollständig aber doch weitgehend durch und es ist eine deutliche Korrektur
der angefochtenen Verfügungen zu ihren Gunsten vorzunehmen (vgl. Urteil
des Verwaltungsgerichts des Kantons Graubünden S 19 72 vom 9. Juni
2020 E.9).
8. Gemäss Art. 61 lit. g ATSG hat die obsiegende Beschwerde führende
Person hat Anspruch auf Ersatz der Parteikosten. Vorliegend wird die
Beschwerdeführerin zwar von der F._ unterstützt, es besteht
indessen kein Vertretungsverhältnis und entsprechend kein Anspruch auf
Ersatz der Parteikosten.