# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 79ad4990-2d0b-49e8-ad41-5baa27c88d6a
**Court:** SG_VB
**Chamber:** SG_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

Sachverhalt
A.
a) Die A._ AG, Y._, ist Eigentümerin von Grundstück Nr. 001,
Grundbuch Y._, an der H._strasse in Y._, welches mit einem
Industriegebäude (Vers.-Nr. 001) überbaut ist. Östlich grenzt daran
das weitgehend unbebaute Grundstück Nr. 002. Diese beiden Grund-
stücke liegen gemäss geltendem Zonenplan der Stadt Y._ in der
Gewerbe- und Industriezone. Nördlich davon befinden sich die Grund-
stücke Nrn. 003 und 004, welche der viergeschossigen Wohnzone
(W4) zugeteilt sind und – wie das Grundstück Nr. 002 – im Eigentum
der B._ AG, Y._, stehen. Das Grundstück Nr. 003 ist mit einem
Geschäftshaus (Vers.-Nr. 002) überbaut.
[...Plan...]
Übersicht Grundstücke
(Quelle: Geoportal SG)
b) Westlich der vorerwähnten Grundstücke verläuft die
H._strasse (Kantonsstrasse). Davon zweigt eine Zufahrtsstrasse
(Strassennummer 001) ab, die gemäss Gemeindestrassenplan der
Stadt Y._ als Gemeindestrasse dritter Klasse eingeteilt ist.
[...Plan...]
Übersicht Strassenklassierung
(Quelle: Geoportal SG)
c) Auf dem Grundstück Nr. 003 befinden sich entlang der südlichen
Grundstückgrenze und anschliessend an die Gemeindestrasse neun
Parkplätze. Darüber hinaus steht dem jeweiligen Eigentümer des
Grundstücks Nr. 003 gestützt auf eine – zwischen den Parteien zivil-
rechtlich umstrittene – Dienstbarkeit ein Benützungsrecht an fünf Park-
plätzen zu. Diese befinden sich auf Grundstück Nr. 001 auf der nördli-
chen Seite des dortigen Gebäudes. Aktuell wird die fragliche Fläche
nicht als Parkierungsfläche genutzt.
[...Plan...]
Übersicht Parkplatzsituation
(Quelle: Plan gem. Dienstbarkeit)
B.
a) Die B._ AG machte mit Schreiben vom 9. April 2015 bei der
Stadt Y._ zusammengefasst geltend, ihr komme gestützt auf eine
Dienstbarkeit ein Parkplatzbenützungsrecht auf Grundstück Nr. 001
zu. Die Zufahrt zu diesen Parkplätzen sei mit der bestehenden Stras-
sensituation nicht möglich. Deshalb stellte die B._ AG einen Antrag
auf Verlängerung der Strasse bzw. der Klassierung (gemeint: in west-
liche Richtung bis zu den fünf Parkplätzen auf Grundstück Nr. 001).
Mit Schreiben vom 23. Dezember 2015 ergänzte die B._ AG ihren
Antrag dahingehend, dass für die Zufahrtsstrasse (Gemeindestrasse
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 58/2019), Seite 3/14
3. Klasse) ein Unterhaltsperimeter festzulegen sei. Dies, nachdem die
A._ AG auf ihrem Grundstück Nr. 001 die Strassenflächen mit ei-
nem neuen Belag versehen hatte, obwohl gemäss Auffassung der
B._ AG kein Unterhaltsbedarf bestanden haben soll.
b) Die Stadt Y._ führte in der Folge einen Augenschein vor Ort
durch. Anschliessend schlug sie hinsichtlich der Unterhaltskosten der
betroffenen Strassenflächen einen Unterhaltsperimeter sowie hin-
sichtlich der Linienführung eine Anpassung der Zufahrtsstrasse (Ge-
meindestrasse 3. Klasse) vor. Daraus resultierte jedoch keine Eini-
gung. Vielmehr liess die A._ AG bei der Stadt Y._ mit Schreiben
vom 20. Dezember 2016 sinngemäss beantragen, es sei der nördli-
che, entlang der Grundstücksgrenze zu Grundstück Nr. 003 verlau-
fende Teil der Zufahrtsstrasse (Gemeindestrasse 3. Klasse) aus der
Klassierung zu entlassen und aus dem Gemeindestrassenplan zu
streichen. Mit Schreiben vom 5. Januar 2018 ersuchte die A._ AG
die Stadt Y._ um Erlass einer diesbezüglichen Verfügung und die
B._ AG erneuerte mit Schreiben vom 16. Januar und 28. September
2018 ihren Antrag auf Verlängerung der Klassierung in östliche Rich-
tung.
[...Plan...]
Übersicht zu Parteianträgen
(Quelle: Plan zu Schreiben vom 20. Dezember 2016)
c) Der Stadtrat Y._ traf anlässlich seiner Sitzung vom 7. Novem-
ber 2018 folgenden Beschluss:
1. Der Antrag der A._ AG, das klassierte Strassenteil-
stück entlang der Grenze zu Grundstück Nr. 003,  der Einfahrtsbereich, [sei] aus dem  zu entlassen, wird abgelehnt.
2. Der Antrag der B._ AG, das klassierte  entlang der Grenze zu Grundstück Nr. 003 [sei] bis zur östlichen Grenze des Grundstücks Nr. 001 zu verlängern, wird abgelehnt.
3. Die geänderte Linienführung der klassierten  nach der Einmündung entlang der westlichen Parkplätze auf Grundstück Nr. 001 wird gemäss Plan Nr. S 18.59.01 genehmigt.
4. Für die Gemeindestrasse 3. Klasse "H._strasse [...], Stichstrasse (Nr. 001)" wird der Unterhaltsperimeter gemäss Erwägung Ziffer 6, lit. h erlassen.
5. Das Departement Bau, Umwelt und Verkehr wird , für die geringfügige Verlegung der  das Planverfahren und für den  gemäss Beschluss Ziffer 4 das  durchzuführen, sofern die Parteien der  nicht unterschriftlich zustimmen.
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 58/2019), Seite 4/14
Den Verzicht auf eine Anpassung der Klassierung des fraglichen
Strassenabschnitts im Sinn der A._ AG begründete der Stadt-
rat Y._ zusammengefasst damit, dass sich die Verhältnisse seit der
öffentlichen Widmung bzw. dem Planverfahren im Jahr 1996 nicht ge-
ändert hätten. Weder habe das Verkehrsaufkommen zugenommen,
noch habe das Strassenteilstück eine neue Funktion erhalten. Die
Strasse erschliesse die Wohn- und Geschäftseinheiten und nament-
lich deren Parkplätze für die Geschäftskunden auf den Grundstücken
Nrn. 001 und 003. Ausserdem erwog der Stadtrat Y._, die Stichstra-
sse erfülle die an sie gestellten Anforderungen. Das von der A._ AG
ins Feld geführte Quergefälle sei für die Strasse mit der Funktion der
Erschliessung der Parkplätze auf Grundstück Nr. 003 und zum nord-
östlichen Bereich des Grundstücks Nr. 001 mit Ausnahme von
Schnee- und Eisverhältnissen unproblematisch. Unbestritten bestehe
in der Winterzeit ein erhöhter Unterhaltsbedarf bei Schnee und Eis-
glätte im Bereich des Quergefälles. Dieser Zustand bestehe indes be-
reits seit über 20 Jahren.
Die Ablehnung des Antrags der B._ AG auf Verlängerung der Klas-
sierung begründete der Stadtrat Y._ damit, dass die Zufahrt zu den
fünf Parkplätzen im Parkplatzbenützungsrecht inbegriffen und damit
dienstbarkeitsrechtlich sichergestellt sei. Öffentlich-rechtlich bestehe
kein Interesse an der Widmung zum Gemeingebrauch des noch nicht
klassierten Teilstücks.
C.
Gegen diesen Beschluss erhob die A._ AG, vertreten durch Dr. Bet-
tina Deillon, Rechtsanwältin, St.Gallen, mit Schreiben vom 10. Dezem-
ber 2018 Rekurs beim Baudepartement. Mit Rekursergänzung vom
14. Januar 2019 werden folgende Anträge gestellt:
1. Die Ziffn. 1, 4 und 5 des Beschlusses des Stadtrates
vom 7. November 2018 seien aufzugehen.
2. Das auf Grundstück Nr. 001 gelegene klassierte Strassenstück entlang der südlichen Grenze zu Grundstück Nr. 003, ausgenommen der  bis und mit dem Abzweiger Richtung Süden, sei aus dem Gemeindestrassenplan zu entlassen.
3. Unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Zur Begründung wird im Wesentlichen geltend gemacht, die Klassie-
rung einer Fläche als öffentliche Strasse sei nur dann gerechtfertigt,
wenn an deren Bau sowie deren Weiterbestand ein öffentliches Inte-
resse bestehe. Das streitige Teilstrassenstück auf Grundstück Nr. 001
erschliesse kein einziges Grundstück und auch keine grössere Anzahl
Wohneinheiten, sondern diene einzig der Zufahrt zu acht Parkplätzen.
Am Fortbestand der öffentlichen Klassierung des Teilstrassenstücks
bestehe allenfalls ein privates Interesse der Rekursgegnerin, aber kein
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 58/2019), Seite 5/14
genügendes öffentliches Interesse. Ein öffentliches Interesse an der
Klassierung habe gar nie bestanden, auch im Zeitpunkt der Klassie-
rung im Jahr 1996 nicht. Hinsichtlich der Festlegung eines Unterhalts-
perimeters lässt die Rekurrentin ausführen, dass sie sich nicht grund-
sätzlich gegen diese Festlegung wehre. Jedoch erachtet sie eine An-
passung der Berechnung als erforderlich.
D.
a) Mit Vernehmlassung vom 28. Januar 2019 beantragt die
Vorinstanz die kostenfällige Abweisung des Rekurses. Zur Begrün-
dung verweist sie im Wesentlichen auf ihren Entscheid vom 7. Novem-
ber 2018.
b) Mit Vernehmlassung vom 31. Januar 2019 beantragt die Re-
kursgegnerin, vertreten durch lic.oec.HSG Thomas Frey, Rechtsan-
walt, St.Gallen, den Rekurs unter Kostenfolge abzuweisen, soweit da-
rauf einzutreten sei. Zur Begründung macht sie namentlich geltend,
mit dem streitgegenständlichen Strassenzug würden insbesondere di-
verse Parkflächen erschlossen, die ihr zur Verfügung stünden. Stras-
sen würden aufgehoben, wenn sie ihre Bedeutung verloren hätten. Die
tatsächlichen und rechtlichen Interessen hätten sich seit Inkrafttreten
des Teilstrassenplans M._ nicht geändert. Mangels Änderung der
Verhältnisse sei der Rekurs von vornherein abzuweisen. Der in Frage
stehende Strassenzug könne ausserdem auch aufgrund der Interes-
senlagen nicht aus dem Strassenverzeichnis entlassen werden.
c) Mit Amtsbericht vom 22. März 2019 führt das kantonale Tiefbau-
amt (TBA) aus, die Erschliessungsstrasse "H._strasse [...], Stich-
strasse" sei seit 1996 rechtskräftig als Gemeindestrasse 3. Klasse
(Nr. 001) eingeteilt. Durch den südlichen Bogen der Gemeindestrasse
Nr. 001 werde eine grosse Zahl von Parkplätzen auf der Parzelle
Nr. 001 erschlossen. Zusätzlich werde eine Tiefgarage erschlossen.
Ausserdem bestehe der heutige Ausbaustandard (u.a. stellenweise
Quergefälle von 8 – 10%) seit der öffentlichen Widmung im Jahr 1996.
Im Winter bestehe ein erhöhter Unterhaltsbedarf bei Schnee und Eis-
glätte im Bereich des erhöhten Quergefälles. Trotz dieser Einschrän-
kung im Winter erfülle die Stichstrasse die an eine Gemeindestrasse
3. Klasse gestellten Anforderungen.
E.
a) Das Baudepartement führte am 9. Mai 2019 in Anwesenheit der
Verfahrensbeteiligten einen Augenschein durch.
b) Mit Eingabe vom 23. Mai 2019 liess sich die Rekurrentin zum
Augenscheinprotokoll vernehmen. Gleichzeitig äusserte sie sich zu
den Vernehmlassungen der Vorinstanz und der Rekursgegnerin sowie
zum Amtsbericht des TBA. Mit Eingabe vom 4. Juni 2019 reicht die
Rekursgegnerin ihrerseits eine Stellungnahme zum
Augenscheinprotokoll ein, gefolgt von einer Stellungnahme samt
Kostennote vom 11. Juni 2019 zur rekurrentischen Eingabe vom
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 58/2019), Seite 6/14
23. Mai 2019. Dazu nimmt wiederum die Rekurrentin mit Schreiben
vom 24. Juni 2019 Stellung.
c) Mit Eingabe vom 4. Juli 2019 reicht die Rekursgegnerin einen
Entscheid der Einzelrichterin des Kreisgerichtes Y._ vom 5. März
2019 betreffend Bestand einer Dienstbarkeit hinsichtlich der fünf
Parkplätze auf Grundstück Nr. 001 ein. Dem Entscheid könne
entnommen werden, dass auch die Zivilrichterin der Auffassung sei,
dass wenn der ursprüngliche Zweck der Dienstbarkeit in der
tatsächlichen Parkplatzbenutzung liege, dann auch die davor zu
befahrende Fläche mitumfasst gewesen sein müsse. Mit Email vom
22. Juli 2019 lässt die Rekurrentin mitteilen, dass der kreisgerichtliche
Entscheid vom 5. März 2019 nicht rechtskräftig sei und sie ein
Rechtsmittel dagegen einreichen werde. Für das Rekursverfahren sei
der Entscheid ohne Belang.
d) Mit Schreiben vom 15. August 2019 und auf entsprechende
Nachfrage des verfahrensleitenden Sachbearbeiters reicht der
Rechtsvertreter der Rekursgegnerin seine Kostennote vom 11. Juni
2019 nochmals ein. Zum darin geltend gemachten Honorar äusserten
sich die Parteivertreter mit Emails vom 16. und 19. August 2019.
F.
Auf die weiteren Ausführungen der Verfahrensbeteiligten in den vor-

## Considerations

genannten Eingaben wird – soweit erforderlich – in den Erwägungen
eingegangen.
Erwägungen
1.
1.1 Gemäss Art. 43bis Abs. 1 Bst. a des Gesetzes über die Verwal-
tungsrechtspflege (sGS 951.1; abgekürzt VRP) können Verfügungen
und Entscheide der obersten Verwaltungsbehörde einer öffentlich-
rechtlichen Körperschaft mit Rekurs beim zuständigen Departement
angefochten werden, sofern nicht der Weiterzug an die Verwaltungs-
rekurskommission, an das Versicherungsgericht oder an die Regie-
rung offensteht. Verfügungen sind hoheitliche Anordnungen im Einzel-
fall, die sich auf öffentliches Recht stützen und ein Rechtsverhältnis in
verbindlicher Weise regeln (CAVELTI/VÖGELI, Verwaltungsgerichtsbar-
keit im Kanton St.Gallen, St.Gallen 2003, Rz. 536 mit Hinweisen).
1.1.1 Die Ziffern 1 und 2 des angefochtenen vorinstanzlichen Be-
schlusses haben die Entlassung eines Teilstrassenstücks aus der
Klassierung beziehungsweise die Verlängerung dieser Klassierung
zum Gegenstand. Die Vorinstanz entschied hoheitlich und verbindlich
über die diesbezüglichen Anträge der Rekurrentin und der Rekursgeg-
nerin. Ausserdem bildet Grundlage des Entscheids das Strassenge-
setz (sGS 732.1; abgekürzt StrG) und damit öffentliches Recht. Mit
Entscheid des Baudepartementes SG (Nr. 58/2019), Seite 7/14
den Ziffern 1 und 2 des angefochtenen Beschlusses liegt ohne weite-
res ein tauglicher Anfechtungsgegenstand vor. Zur Behandlung des
Rekurses, der sich auch gegen Ziffer 1 des vorinstanzlichen Beschlus-
ses richtet, ist ausserdem das Baudepartement sachlich zuständig,
(vgl. Art. 25 Abs. 1 Bst. a des Geschäftsreglements der Regierung und
der Staatskanzlei [sGS 141.3; abgekürzt GeschR]). Entsprechend lau-