# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 5b7df7fc-faa2-448e-84b1-e0eef8c2ad36
**Court:** ZH_HG
**Chamber:** ZH_HG_001
**Year:** 2018
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Forderung
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Rechtsbegehren:
(act. 1 S. 2)
"1. Es sei die Beklagte zu verpflichten, der Klägerin 1 für Todesfall- und Bestattungskosten den Betrag von Fr. 28'696.80, für den Sachschaden den Betrag von CHF 1'300.-- sowie eine  Genugtuung, mindestens jedoch Fr. 65'000.--, alles  Schadenszinsen von 5 % seit 9. Juni 2010, zu bezahlen.
2. Es sei die Beklagte zu verpflichten, den Klägerin 2 - 5 je eine  Genugtuung, mindestens jedoch je Fr. 35'000.--  Schadenszinsen von 5 % seit 9. Juni 2010, zu bezahlen.
3. Alles unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWSt)  der Beklagten."
Sachverhalt und Verfahren
A. Sachverhaltsübersicht
a. Parteien und ihre Stellung
Bei der Klägerin 1 handelt es sich um eine Privatperson. Sie war die Ehefrau
des bei einem Motorradunfall tödlich verunglückten G._. Die Kläger 2-5 sind
die gemeinsamen Kinder der Klägerin 1 und von G._. Sämtliche Kläger ha-
ben ihren Wohnsitz in H._. Bei der Beklagten handelt es sich um eine Versi-
cherungsgesellschaft mit Sitz in Zürich.
b. Prozessgegenstand
Gegenstand des Verfahrens ist ein Motorradunfall, der sich am tt.mm.2010
auf der Gotthardstrasse Richtung Norden ereignet hat. Dabei ist der Lenker des
Motorrads, G._, ums Leben gekommen. Für das Motorrad, ein Mietfahrzeug,
bestand bei der Beklagten eine Haftpflichtversicherung.
Die Kläger stellen sich im Wesentlichen auf den Standpunkt, dass die Be-
klagte als Versicherung für ihren Schaden einzustehen habe. Demgegenüber hält
die Beklagte fest, dass den verstorbenen Lenker ein schweres Selbstverschulden
getroffen haben soll, weshalb ihre Haftung entfalle.
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B. Prozessverlauf
Mit Eingabe vom 30. Juni 2014 (Datum Poststempel) machten die Kläger die
vorliegende (Teil-)Klage mit obgenannten Rechtsbegehren beim hiesigen Han-
delsgericht anhängig (act. 1). Nachdem die Kläger den mit Verfügung vom 2. Juli
2014 einverlangten Kostenvorschuss von CHF 15'000.– geleistet haben (act. 4;
act. 6), wurde der Beklagten Frist zur Erstattung der Klageantwort angesetzt
(act. 9). Die Klageantwort der Beklagten ist am 16. Oktober 2014, innert ange-
setzter Frist, eingegangen (act. 11). Am 26. Februar 2015 fand eine Vergleichs-
verhandlung statt, an welcher sämtliche Parteien vertreten waren (Prot. S. 6 ff.).
In der Sache fanden die Parteien keine Einigung, kamen aber überein, dass vor
Durchführung eines zweiten Schriftenwechsels eine Oberexpertise eingeholt wer-
den solle. Ihnen wurde daher Frist angesetzt, um dem Gericht Fragen an den Ex-
perten sowie Gutachtervorschläge einzureichen (Prot. S. 7 f.).
Mit Eingaben vom 27. März 2015 (Kläger, act. 19) bzw. vom 30. März 2015
(Beklagte, act. 21) legten die Parteien ihre Fragen an den Obergutachter vor. In-
nert angesetzter Frist (act. 23) hielt die Beklagte sodann fest, keine Einwände ge-
gen den von klägerischer Seite vorgeschlagenen Gutachter Prof. Dr.-Ing. I._
zu haben (act. 26). Dieser wurde mit Verfügung vom 13. Mai 2015 zum Oberex-
perten ernannt (act. 27). Mit Schreiben vom 7. Juli 2015 erfolgte die schriftliche
Instruktion des Experten (act. 35). Den für die Erstellung des Gutachtens einver-
langten Kostenvorschuss von CHF 12'000.– leisteten die Parteien fristgerecht
(act. 37; act. 39/1+2). Auf Begehren des Gutachters (act. 43) wurden sodann die
Akten der Kantonspolizei Uri beigezogen (act. 44; act. 46-48). Am 9. Dezember
2015 erstattete der Oberexperte Prof. Dr.-Ing. I._ das Gutachten (act. 50).
Nachdem die Parteien mitteilten, dass die Durchführung einer zweiten Ver-
gleichsverhandlung vorerst keinen Sinn ergebe, wurde mit Verfügung vom 6. April
2016 ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet und den Klägern Frist zur Replik
angesetzt (act. 55). Die Kläger erstatteten ihre Replik mit Eingabe vom 9. Juni
2016 (act. 57). Innert angesetzter Frist (act. 59) erstattete die Beklagte die Duplik
(act. 61). Mit Verfügung vom 4. Oktober 2016 wurde der Klägerin sodann Frist
angesetzt um zu den darin enthaltenen Noven Stellung zu nehmen (act. 63). Mit
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Eingabe vom 11. November 2016 erging fristgerecht eine entsprechende Stel-
lungnahme der Kläger (act. 66). Diese wurde der Beklagten am 29. November
2016 zugestellt (Prot. S. 23). Weitere Eingaben ergingen nicht. Am 30. Mai 2017
fand eine zweite Vergleichsverhandlung statt, an welcher wiederum sämtliche
Parteien vertreten waren. Die Vergleichsgespräche führten zu keiner Einigung
(Prot. S. 25 f.).
Mit Verfügung vom 6. Dezember 2017 wurde den Parteien Frist angesetzt,
um zu erklären, ob sie - unter Vorbehalt der Durchführung eines Beweisverfah-
rens - auf die Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung verzichten
(act. 70). Während die Kläger ihren Verzicht mit Eingabe vom 14. Dezember 2017
bekannt gaben (act. 72), verlangte die Beklagte mit Eingabe vom 22. Dezember
2017 die Durchführung einer mündlichen Hauptverhandlung (act. 73). Die Haupt-
verhandlung fand am 5. April 2018 statt (Prot. S. 30 ff.).
Der Prozess erweist sich als spruchreif, weshalb ein Urteil zu fällen ist
(Art. 236 Abs. 1 ZPO). Auf die einzelnen Parteivorbringen sowie auf die Akten ist
in den nachfolgenden Erwägungen einzugehen, soweit sich dies zur Entscheid-
findung als notwendig erweist.

## Considerations

Erwägungen
1. Formelles
1.1. Prozessvoraussetzungen
Die örtliche und sachliche Zuständigkeit des Handelsgerichts des Kantons
Zürich wurde ausdrücklich anerkannt (act. 11 zu Ziff. 1 und 2) und ist gegeben
(Art. 10 Abs. 1 lit. b ZPO; Art. 6 Abs. 2 und 3 ZPO i.V.m. § 44 GOG). Die weiteren
Prozessvoraussetzungen (Art. 59 ZPO) sind ebenfalls erfüllt und geben keinen
Anlass zu zusätzlichen Ausführungen.
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1.2. Teilklage
Die Kläger erheben eine Teilklage (act. 1 Rz. 3). Sie beschränken die Klage
auf die Todesfall- und Bestattungskosten, den Sachschaden und die Genugtu-
ungsforderungen der Kläger (act. 1 S. 27). Dies ist in Anwendung von Art. 86 ZPO
zulässig.
1.3. Stellungnahme zu den Dupliknoven
Mit Eingabe vom 11. November 2016 (act. 66) erstatteten die Kläger eine
Stellungnahme zu echten Noven. Sie halten fest, dass sie sich darin mit neuen
Argumenten der Beklagten in der Duplik sowie mit den ins Recht gelegten Stel-
lungnahmen von J._ und der K._ AG (fortan: K._ AG) auseinan-
dersetzten (act. 66 Rz. 6 ff.).
Die bundesgerichtliche Rechtsprechung gewährt den Parteien gestützt auf
Art. 6 Abs. 1 EMRK und Art. 29 BV ein unbedingtes Replikrecht (BGE 138 I 484
E. 2.1). Dieses umfasst das Recht, zu jeder Eingabe der Gegenpartei unaufgefor-
dert Stellung zu nehmen, unabhängig davon, ob diese neue Tatsachen oder Be-
hauptungen enthält. Das Replikrecht kann unabhängig von einer Fristansetzung
des Gerichts ausgeübt werden. Die Anordnung eines weiteren Schriftenwechsels
ist nicht erforderlich (Urteil des Bundesgerichts vom 16. Dezember 2015,
5A_553/2015 E. 4.1.1). Auch steht die Möglichkeit, sich an einer allfälligen Haupt-
verhandlung zu den Ausführungen der Gegenpartei zu äussern, dem Replikrecht
nicht entgegen.
Die Duplik wurde den Klägern unter gleichzeitiger Ansetzung einer Frist zur
Stellungnahme mit Verfügung vom 4. Oktober 2016 zugestellt (act. 63). Fristge-
recht erging am 11. November 2017 ihre Stellungnahme (act. 66). Diese ist ent-
sprechend im vorliegenden Verfahren zu berücksichtigen.
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2. Haftung der Beklagten
2.1. Unbestrittener Sachverhalt
Unbestritten ist, dass G._, geboren am tt. Oktober 1964, am
tt.mm.2010 im L._ Zürich, M._ (Einzelfirma), für einen Tag das Motorrad
"Buell XB12 Scg Light Low" mit der Kontrollschildnummer ZH ... gemietet hat. Für
dieses Motorrad hat der Halter desselben, M._, bei der Beklagten eine Haft-
pflichtversicherung abgeschlossen (act. 1 Ziff. 4.1; act. 11 zu Ziff. 4.1).
Ebenfalls unbestritten ist, dass es im Verlauf der durch G._ in der Folge
gemeinsam mit N._ unternommenen Motorradtour gleichentags um ca. 13:45
Uhr zu einem Unfall gekommen ist. Dieser ereignete sich in Göschenen auf der
Gotthardstrasse Richtung Norden im Gebiet Häderlisbrücke. Dabei geriet
G._, der das gemietete Motorrad lenkte, in einer Linkskurve zu weit nach
rechts und prallte gegen einen ausserhalb der Fahrbahn liegenden Felskopf. Dies
führte dazu, dass G._ mit dem Motorrad zu Fall gekommen ist und auf die
Gegenfahrbahn geschleudert wurde. Aufgrund der beim Unfall zugezogenen Ver-
letzungen, u.a. einer schweren Schädelverletzung, ist G._ noch auf der Un-
fallstelle verstorben (act. 1 Ziff. 4.1; act. 11 zu Ziff. 4.1).
2.2. Darstellung der Parteien
2.2.1. Kläger
In ihrer Klage führen die Kläger aus, G._ sei mit angepasster Ge-
schwindigkeit und ohne Überschreitung der erlaubten Höchstgeschwindigkeit un-
terwegs gewesen. Die Aussage von O._, G._ habe die Höchstge-
schwindigkeit deutlich überschritten, sei in sich widersprüchlich und nicht nach-
vollziehbar. Ein von der Staatsanwaltschaft Uri eröffnetes Strafverfahren gegen
G._ sei eingestellt worden und eine vom Universitätsspital Zürich durchge-
führte Blutalkoholanalyse negativ ausgefallen. Die Staatsanwaltschaft Uri sei auf-
grund der Spurenbilder, der Beschädigungen und der Endlage nicht von einer
überhöhten Geschwindigkeit ausgegangen. Sie habe den Unfall mit hoher Wahr-
scheinlichkeit auf einen Fahrfehler zurückgeführt. N._, der mit G._ un-
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terwegs war, habe ebenfalls bestätigt, dass sie stets mit angemessenen Ge-
schwindigkeiten unterwegs gewesen seien. Schliesslich habe auch das Gutach-
ten des Forensischen Instituts Zürich (fortan: FOR) keinen Hinweis auf eine über-
höhte Geschwindigkeit ergeben. Der Unfall sei aufgrund eines einfachen Fehlers
oder eines technischen Defekts geschehen und nicht auf ein grobes Selbstver-
schulden zurückzuführen (act. 1 Ziff. 4.2 ff.).
In ihrer Replik halten die Kläger an ihrem Standpunkt fest. Aus dem einge-
holten Obergutachten ergebe sich, dass G._ die erlaubte Höchstgeschwin-
digkeit von 80 km/h eingehalten habe. Auch halte es fest, dass aus technischer
Sicht ein Nachweis, dass er die Kurve zu schnell gefahren sei, nicht möglich sei.
Das Gutachten bestätige dabei verschiedentlich die Zahlen des klägerischen Par-
teigutachtens. Schliesslich könne dem Gutachten entnommen werden, dass die
Unfallursache nicht konkret angegeben werden könne, wahrscheinlich komme ein
Fahrfehler in Betracht, ein solcher werde aber nicht belegt. Nicht auszuschliessen
sei, dass Zufall eine Rolle gespielt habe (act. 57 Rz. 22 ff.). Die gefahrene Ge-
schwindigkeit von G._ sei angemessen gewesen. Besondere Umstände, die
eine weitere Reduktion der Geschwindigkeit erfordert hätten, würden nicht darge-
legt und hätten keine vorgelegen. Ein Fahrfehler könne ebenfalls nicht in genü-
gender Weise bewiesen werden. Eine elementare Sorgfaltspflichtverletzung, wie
sie für ein Entfallen der Haftung erforderlich wäre, könne nicht erstellt werden.
Wenn von einem Fahrfehler ausgegangen werde, könne dies lediglich als leichte
Fahrlässigkeit qualifiziert werden. Zudem gelinge der Beklagten auch der Beweis
der einwandfreien Beschaffenheit des Fahrzeugs nicht. Damit entfalle die Haftung
der Beklagten nicht, und es gebe auch keine Gründe für eine Haftungsermässi-
gung (act. 57 Rz. 40 ff.). Schliesslich könne ein allfälliger leichter Fahrfehler von
G._ oder eine leicht höhere als die angemessene Geschwindigkeit lediglich
ein sehr leichtes Selbstverschulden darstellen, welches weit weniger als 10%
ausmache. Eine Haftungsermässigung ergebe sich daraus nicht (act. 57
Rz. 50 ff.).
In ihrer Stellungnahme zur Duplik führen die Kläger aus, dass J._ auf-
grund dessen Qualifikationen nicht die Stellung eines Experten hinsichtlich der
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Fahrweise von G._ zukommen könne. Dessen Stellungnahme beruhe auf ei-
ner kürzlich erfolgten Besichtigung und Befahrung des Unfallortes, wobei die
Strecke seit dem Unfall verändert worden sei. Sie gehe sodann von diversen um-
strittenen Parteibehauptungen aus, welche mit Pauschalaussagen vermischt wür-
den. Insgesamt sei die Stellungnahme nicht geeignet, die Oberexpertise zu relati-
vieren (act. 66 Rz. 19 ff.). Inwiefern die ergänzende Stellungnahme der K._
AG relevant sei, sei für die Kläger nicht ersichtlich (act. 66 Rz. 27 ff.).
2.2.2. Beklagte
Die Beklagte bestreitet in ihrer Klageantwort die Darstellung der Kläger. Es
könne auf die Aussagen von O._ abgestellt werden, ausserdem seien die
von den Klägern gezogenen Schlüsse aus den übrigen offerierten Beweismitteln
nicht dazu geeignet, eine angepasste Fahrweise und Geschwindigkeit zu belegen
(act. 11 zu Ziff. 4.3 ff.). Gestützt auf die Aussage von O._ stellt sich die Be-
klagte auf den Standpunkt, dass G._ jedenfalls zu schnell unterwegs gewe-
sen sei. Dies ergebe sich auch aus dem Gutachten der K._ AG, welches ei-
ne deutlich höhere Kollisionsgeschwindigkeit ausweise als dasjenige des Forensi-
schen Instituts Zürich. Dieses Gutachten berücksichtige auch die Querbeschleu-
nigung, die gerade bei einem ungeübten Motorradfahrer wesentlich sei. Die Be-
klagte würdige die Fahrfehler als grobfahrlässig. G._ habe die Geschwindig-
keit nicht den Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen angepasst. Er sei mit
übersetztem Tempo in die Linkskurve gefahren, so dass er das Motorrad nicht auf
der Spur habe halten können und die Herrschaft über das Fahrzeug verloren ha-
be. Dazu komme, dass er als ungeübter Fahrer gelte, dem die örtlichen Verhält-
nisse unbekannt gewesen seien (act. 11 Ziff. 4.11 ff.).
Die Beklagte bleibt auch in der Duplik dabei, dass der Motorradunfall auf ein
grobes Verschulden des verstorbenen G._ zurückzuführen sei. Das Ober-
gutachten beruhe auf einer rein technischen Beurteilung, weshalb es die Kernfra-
ge, nämlich jene nach dem Fahrverhalten von G._, nicht beantworten könne.
Die Beklagte habe durch J._ eine eigene Analyse der Gründe für den Unfall
erstellen lassen. Dieser halte fest, dass es sich beim Unfallfahrzeug um eine
sportlich getrimmte Maschine gehandelt habe, die sportlich ambitionierte Fahrer
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anziehe und zum schnellen, aggressiven Fahren verleite. Bei der Beurteilung des
Unfalls sei neben den technischen Aspekten die Erfahrung des Fahrers, die
Gruppendynamik und die Wirkung der Umgebung mit einzubeziehen. Dabei hand-
le es sich gemäss J._ um eine gefährliche Kurve, die von einem geübten
Fahrer mit bis zu 70 km/h befahren werden könne; mittlerweile sei auch die signa-
lisierte Höchstgeschwindigkeit an der fraglichen Stelle auf 60 km/h reduziert wor-
den. J._ gehe davon aus, dass G._ aufgrund der morgendlichen Fahrt
über rund 180 km zum Unfallort die eigenen Fahrkünste überschätzt habe. Der
Verlauf der Kurvenfahrt sei aufgrund der zu hohen Geschwindigkeit ausser Kon-
trolle geraten und G._ sei von der Ideallinie abgekommen. Er habe wohl be-
merkt, dass er zu schnell unterwegs sei und habe abgebremst. Da alleine die
technische Analyse keine präzisere Aussage machen könne, sei auch diese prak-
tische Sicht in die Würdigung einzubeziehen (act. 61 Ziff. C.1 ff.). Zu einer Haf-
tungsermässigung macht die Beklagte keine weiteren Ausführungen (act. 61 zu
B).
Im Rahmen ihres ersten Parteivortrages in der Hauptverhandlung hat die
Beklagte ergänzend vorgebracht, dass aus der Kollision mit dem Felsblock aus-
serhalb der Fahrbahn darauf geschlossen werden könne, dass G._ sein
Fahrzeug nicht beherrscht habe. Für die Kollision bestehe kein anderer vernünfti-
ger Grund. Dies stelle ein Nichtbeherrschen des Fahrzeuges und damit eine ob-
jektive Regelwidrigkeit dar. Daraus könne wiederum auf eine nicht angepasste
Geschwindigkeit und entsprechend auf ein schweres Selbstverschulden ge-
schlossen werden (act. 79 S. 6; Prot. S. 31).
2.3. Rechtliches
2.3.1. Haftungsgrundlage
Die Haftung von Haltern von Motorfahrzeugen für Schäden, die auf deren
Betrieb zurückzuführen sind, richtet sich nach den Art. 58 ff. SVG. Dabei statuiert
Art. 58 Abs. 1 SVG eine Kausalhaftung für Motorfahrzeughalter, wenn der Scha-
den durch den Betrieb des Fahrzeuges entstanden ist. Halter eines Fahrzeugs ist
die Person, in deren Interesse bzw. auf deren Rechnung und Gefahr der Betrieb
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des Motorfahrzeugs erfolgt und die über das Fahrzeug und dessen Benutzer das
unmittelbare Verfügungs- bzw. Bestimmungsrecht hat (THOMAS PROBST, in: NIG-
GLI/PROBST/WALDMANN, Basler Kommentar Strassenverkehrsgesetz, Basel 2014,
N 225 ff. zu Art. 58 SVG m.w.H.; vgl. auch ROLAND BREHM, Motorfahrzeughaft-
pflicht, Bern 2008, N 58 ff.). Halter eines gemieteten Motorfahrzeuges ist in aller
Regel der Vermieter, da dessen Interesse höher zu gewichten ist, als dasjenige
des Mieters an der einmaligen Fahrt (PROBST, a.a.O., N 227 zu Art. 58 SVG;
BREHM, a.a.O., N 80 f.).
2.3.2. Haftungsbefreiung und Haftungsreduktion
Die Haftungsbefreiung nach Art. 59 Abs. 1 SVG setzt voraus, dass der Mo-
torfahrzeughalter einen dreifachen Beweis erbringt. Er muss beweisen, dass der
Unfall durch höhere Gewalt oder grobes Selbstverschulden des Geschädigten
oder grobes Verschulden eines Dritten verursacht worden ist. Weiter hat er zu
beweisen, dass ihn kein Verschulden trifft. Schliesslich obliegt ihm auch der Be-
weis, dass keine fehlerhafte Beschaffenheit des Fahrzeugs zum Unfall beigetra-
gen hat (BREHM, a.a.O., N 398; PROBST, a.a.O., N 9 ff. zu Art. 59 SVG; WALTER
FELLMANN, Schweizerisches Haftpflichtrecht, Band II, Bern 2013, N 666 ff.). Miss-
lingt einer dieser Beweise haftet der Halter für den Schaden. Liegt seitens des
Geschädigten ein Verschulden vor, das eine Mitursache für den Schaden dar-
stellt, führt dies zu einer Haftungsermässigung. Eine Reduktion erfolgt sowohl bei
leichtem als auch bei mittlerem Selbstverschulden (PROBST, a.a.O., N 42 ff. zu
Art. 59 SVG). Die Ersatzpflicht ist durch das Gericht in Würdigung sämtlicher Um-
stände festzulegen, wobei als Kriterien die Betriebsgefahr und das Verschulden
der Beteiligten im Vordergrund stehen (PROBST, a.a.O., N 45 ff. zu Art. 59 SVG).
Die Haftungsordnung des SVG beruht auf dem Gedanken, dass die Be-
triebsgefahr des Motorfahrzeugs für sich allein eine hinreichende Haftungsgrund-
lage setzt, wenn ihretwegen ein Schaden entsteht. Die Entlastung von der Halter-
haftung wegen Unterbrechung des adäquaten Kausalzusammenhangs zufolge
höherer Gewalt, groben Verschuldens des Geschädigten oder eines Dritten er-
scheint als Ausnahme von der Regel und ist daher grundsätzlich strengen Anfor-
derungen zu unterstellen. Voraussetzung für eine Entlastung im Sinne von Art. 59
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Abs. 1 SVG ist ein Drittverschulden, das so sehr überwiegt, dass die Beteiligung
des Halterfahrzeugs, also dessen Betriebsgefahr nicht ins Gewicht fällt und des-
halb als adäquate Ursache ausgeschaltet wird (FELLMANN, Band II, a.a.O,
N 640 ff. m.w.H.; BREHM, a.a.O., N 425 ff.).
2.3.3. Verschulden
Der Verschuldensbegriff des SVG entspricht demjenigen von Art. 41 OR
(BREHM, a.a.O., N 14 und N 428). Im Strassenverkehr kommt dabei in der Regel
nur fahrlässiges Verhalten in Frage, wobei zwischen leichtem, mittlerem und
schwerem Verschulden zu unterschieden ist (FELLMANN, Band II, a.a.O., N 512).
Grobe Fahrlässigkeit und damit ein schweres Verschulden liegt vor, wenn die
elementarsten Vorsichtsgebote missachtet werden. Dabei genügt, wenn der Be-
troffene das Risiko hätte erkennen müssen (ROLAND BREHM, Berner Kommentar,
Obligationenrecht, Die Entstehung durch unerlaubte Handlung, Art. 41-61 OR, 4.
Aufl., Bern 2013, N 197a f. zu Art. 41 OR; WALTER FELLMANN/ANDREA KOTTMANN,
Schweizerisches Haftpflichtrecht, Band I, Bern 2012, N 563). Wird diese Intensität
nicht erreicht, so ist abhängig von den konkreten Umständen von einem mittleren
oder leichten Verschulden auszugehen (BREHM, BK, a.a.O., N 198 ff. zu Art. 41
OR; FELDMMANN/KOTTMANN, a.a.O., N 565 f.).
2.3.4. Beweismass
Der Beweis gilt als erbracht, wenn das Gericht vernünftigerweise und nach
objektiven Gesichtspunkten von der Wahrheit der rechtserheblichen Tatsachen-
behauptung überzeugt ist. Die Verwirklichung der Tatsache braucht indessen
nicht mit Sicherheit festzustehen, sondern es genügt, wenn allfällige Zweifel als
unerheblich erscheinen. Nicht ausreichend ist dagegen, wenn bloss eine über-
wiegende Wahrscheinlichkeit besteht, dass sich die behauptete Tatsache verwirk-
licht hat. Ausnahmen von diesem Beweismass, dem sogenannten Regelbeweis-
mass, in denen eine überwiegende Wahrscheinlichkeit oder ein blosses Glaub-
haftmachen als ausreichend betrachtet wird, ergeben sich einerseits aus dem
Gesetz selbst und sind andererseits durch Rechtsprechung und Lehre herausge-
arbeitet worden (Urteil des Bundesgerichts vom 8. Juli 2003, 4C.332/2002, E. 3).
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Der Wortlaut der Gesetzesbestimmung von Art. 59 SVG enthält keine Anhalts-
punkte dafür, dass hinsichtlich der verschiedenen vom Halter zu erbringenden
Entlastungsbeweise eine Ausnahme vom Regelbeweismass gelten soll (Urteil des
Bundesgerichts vom 8. Juli 2003, 4C.332/2002, E. 3.1 mit Hinweisen).
Das Bundesgericht hat zudem festgehalten, dass unter Umständen bei Ver-
kehrsunfällen das in der Lehre teilweise statuierte Beweismass des Anscheins-
beweises zur Anwendung kommen kann (Urteil des Bundesgerichts vom 10. Ok-
tober 2016, 4A_262/2016, E. 4.4.2.2). Vorausgesetzt wird dafür ein nach der all-
gemeinen Lebenserfahrung gleichförmiger Vorgang oder Zustand, welcher den
Zusammenhang zwischen zwei Tatbestandsmerkmalen stringent aufdrängt. Ab-
weichendes muss ausserhalb jeder vernünftigen Betrachtungsweise liegen, eine
bloss überwiegende Wahrscheinlichkeit ist nicht genügend (HANS PETER WALTER,
in: HAUSHEER/WALTER, Berner Kommentar, Einleitung und Personenrecht, Art. 1-9
ZGB, Bern 2012, N 79 ff. zu Art. 8 ZGB; HANS PETER WALTER, Der Anscheinsbe-
weis im Haftpflichtrecht, in: FUHRER/CHAPPUIS, Haftpflicht- und Versicherungs-
recht, Liber amicorum Roland Brehm, Bern 2012, S. 447 ff., S. 452 f.). Wie das
Bundesgericht festgehalten hat, wendet der Anscheinsbeweis aber weder die
Beweislast, noch bestimmt er das Beweismass. Er verschiebt lediglich das Be-
weisthema (a.a.O.). Der Anscheinsbeweis kann jedoch lediglich als Ausnahme
zur Anwendung kommen, wobei hinsichtlich der Frage der einzig vernünftigen Er-
klärung ein strenger Massstab anzusetzen ist.
2.3.5. Beweislast
Wie ausgeführt handelt es sich bei der Haftung des Halters nach Art. 58
SVG um eine strenge Kausalhaftung. Ein eigentlicher Beweis des Unfallhergangs
ist demnach nicht erforderlich. Soweit sich die Beklagte auf die Anwendbarkeit
von Art. 59 Abs.1 und Abs. 2 SVG beruft, obliegt ihr der Beweis der entsprechen-
den Voraussetzungen. Dafür hat sie zu beweisen, dass den verstorbenen
G._ ein Selbstverschulden trifft, sie bzw. den bei ihr versicherten Vermieter
kein Verschulden trifft und dass keine fehlerhafte Beschaffenheit des bei ihr versi-
cherten Fahrzeugs den Unfall verursacht hat. Ein Verschulden des Verstorbenen
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hat die Beklagte sodann auch für eine allfällige Haftungsreduktion nach Art. 59
Abs. 2 SVG zu beweisen.
2.4. Würdigung
2.4.1. Haftungsgrundlage
Der Unfallhergang ist im Wesentlichen unbestritten geblieben. Fest steht,
dass G._ am Morgen des tt.mm.2010 ein Motorrad gemietet hat und in der
Folge gemeinsam mit N._ eine Motorradtour unternommen hat. Der hier re-
levante Unfall ereignete sich am tt.mm.2010 um ca. 13:45 Uhr zwischen Ander-
matt und Göschenen in der Nähe der Häderlinsbrücke. In einer Links-Rechts-
Kombination ist G._ zu weit nach rechts gelangt und gegen einen rechts
ausserhalb der Fahrbahn liegenden Felskopf geprallt. Dabei ist er mit dem Motor-
rad gestürzt und auf die Gegenfahrbahn gerutscht. G._ ist noch auf der Un-
fallstelle verstorben (act. 1 Rz. 4.1; act. 11 zu Ziff. 4.1; act. 50 S. 4; act. 28 Ziff. 2).
Der zu beurteilende Todesfall resultiert damit unbestrittenermassen aus dem
Betrieb des gefahrenen Motorrads (weitere Fahrzeuge waren nicht beteiligt), wo-
mit für die Haftung der Beklagten Art. 58 SVG anwendbar ist.
2.4.2. Grundsätzliche Haftung der Beklagten (Haltereigenschaft)
Für den Schaden haftet in Anwendung von Art. 58 Abs. 1 SVG in erster Linie
der Halter des Motorfahrzeugs. Beim Unfallfahrzeug handelt es sich um das Mo-
torrad Buell XB 12S mit der Kontrollschildnummer ZH ... (act. 50 S. 4; act. 48/6
S. 2). Dabei handelt es sich um ein Mietfahrzeug, welches der Verstorbene glei-
chentags beim L._ Zürich, M._, gemietet hat (act. 3/2). M._ war der
Eigentümer des Fahrzeugs und als Vermieter auch der Halter desselben. Gründe,
weshalb von dieser Regel (vorne E. 2.3.1) abzuweichen wäre, bringen die Partei-
en keine vor. Es ist auch nicht ersichtlich, weshalb gerade vorliegend das Interes-
se des Mieters am Betrieb des Fahrzeugs höher zu gewichten wäre als dasjenige
des Vermieters. Immerhin wurde als Mietdauer gemäss Vertrag nur ein Tag fest-
gelegt (act. 3/2 S. 1). Als Haftpflichtversicherung für das Motorrad (act. 1 Ziff. 4.1;
act. 11 zu Ziff. 4.1; act. 48/6 S. 2) hat die Beklagte damit für den Schaden einzu-
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stehen (Art. 65 Abs. 1 SVG), soweit sie sich nicht - wie erwähnt - gestützt auf
Art. 59 Abs. 1 SVG von der Haftung befreien kann.
2.4.3. Kein Verschulden des Halters
Dem Halter, M._, kann für den zu beurteilenden Unfall unbestrittener-
massen kein Verschulden vorgeworfen werden. Dies wird auch von keiner Seite
vorgebracht.
2.4.4. Keine fehlerhafte Beschaffenheit des Fahrzeugs
Die Kläger bestreiten den einwandfreien Zustand des Unfallfahrzeugs. Sie
stellen sich auf den Standpunkt, dass dies durch die Beklagte zu beweisen wäre,
was ihr nicht gelinge (act. 1 Ziff. 4.10; act. 57 Rz. 19 und Rz. 49).
Die Beklagte verweist zu Recht auf den Rapport der Kantonspolizei Uri
(act. 61 zu Ziff. 49a f.). Darin sind keine Mängel am Unfallfahrzeug verzeichnet
(act. 62/6 S. 2; act. 48/6 S. 3; act. 48/37). Hinzu kommt, dass G._ bei der
Miete des Fahrzeugs den einwandfreien Zustand bescheinigt hat (act. 3/2 S. 2).
Zudem bringt die Beklagte richtigerweise vor, dass G._ vor dem Unfall be-
reits mehrere Stunden mit demselben Motorrad unterwegs war (act. 61 zu
Ziff. 49c). Wenn sich dieses tatsächlich in einem unzulänglichen Zustand befun-
den hätte, hätte sich dies bereits früher bemerkbar gemacht, was zumindest dem
Begleiter, N._, bekannt gewesen wäre.
Unter diesen Umständen vermag das pauschale Bestreiten der Mängelfrei-
heit durch die Kläger nicht genügen, um den Beweis der Beklagten zu erschüt-
tern.
2.4.5. Verschulden des Lenkers
Zentraler Streitpunkt des vorliegenden Verfahrens ist, ob dem verstorbenen
Lenker, G._, ein Verschulden am erlittenen Unfall angelastet werden kann.
Für die Beurteilung des relevanten Verhaltens des Lenkers G._ steht in ers-
ter Linie das gerichtlich angeordnete Obergutachten von Prof. Dr.-Ing. I._ zur
Verfügung (act. 50). Daneben liegen von beiden Seiten Parteigutachten (act. 3/8;
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act. 12/2; act. 62/5) sowie die Akten der Kantonspolizei und der Staatsanwalt-
schaft Uri (act. 48) vor. Zudem rufen die Parteien verschiedene Zeugen auf, wel-
che die Fahrweise von G._ beurteilen sollen.
Die Beklagte äussert sich zu einem haftungsreduzierenden leichteren Ver-
schulden nicht (act. 61 zu B). Dies schadet der Beklagten nicht. Die Behauptun-
gen hinsichtlich des Verschuldens von G._ wurden aufgestellt. Die Beurtei-
lung, ob dieses Verschulden als schwer, mittel oder leicht einzuordnen ist, stellt
eine Rechtsfrage dar und obliegt entsprechend ohnehin dem Gericht. Soweit die
Behauptungen zu einem geringeren Verschulden in den Rechtsschriften enthalten
sind, sind sie in die Würdigung der Umstände gemäss Art. 59 Abs. 2 SVG mit ein-
zubeziehen.
2.4.5.1. Kollisionsgeschwindigkeit
Hinsichtlich der Kollisionsgeschwindigkeit liegen verschiedene Behauptun-
gen vor. Vorab ist auf das Gutachten von Prof. Dr.-Ing. I._ zu verweisen.
Dieser führt nach eingehender Berechnung aus, dass die Kollisionsgeschwindig-
keit zwischen 63.5 und 80 km/h betragen habe (act. 50 S. 14 und S. 20). Demge-
genüber errechnete das FOR im Auftrag der Kläger eine Kollisionsgeschwindig-
keit von 54 bis 64 km/h (act. 3/8 S. 5) und die K._ AG im Parteigutachten der
Beklagten eine solche von 73 bis 90 km/h (act. 12/2 S. 6). Da es sich bei den
Gutachten des FOR und der K._ AG um Parteigutachten und damit lediglich
um Parteibehauptungen handelt, ist für die Bestimmung der Kollisionsgeschwin-
digkeit ohne Weiteres das gerichtliche Gutachten beizuziehen. Dieses ist sorgfäl-
tig und nachvollziehbar ausgearbeitet worden. Daran vermag auch die Kritik der
Beklagten, gestützt auf eine Stellungnahme der K._ AG, nichts ändern
(act. 61 zu Ziff. 25). Daraus wird einzig ersichtlich, dass der gerichtliche Gutachter
teilweise leicht andere Annahmen hinsichtlich der relevanten Geschwindigkeits-
änderungen getroffen hat, als die von Seiten der Parteien beauftragten Experten.
Dies kann nicht bemängelt werden, zumal anders eine Berechnung gar nicht
möglich ist. So besteht keine Möglichkeit, den konkreten Unfall im Rahmen einer
Versuchsanordnung exakt gleich nachzustellen, zumal verschiedene Faktoren
unbekannt sind. Vielmehr hat ein Experte mit einer Annäherung und damit auch
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mit Annahmen zu arbeiten. Diese werden vom gerichtlich bestellten Gutachter
schlüssig und nachvollziehbar erörtert. Alleine, weil diese nicht der Meinung einer
Partei entsprechen, sind diese nicht falsch. Vielmehr ist das Gutachten in sich
nachvollziehbar begründet, und es ist darauf abzustellen. Daran könnte auch eine
Zeugeneinvernahme der Parteigutachter (offeriert in act. 1 Rz. 4.8) nichts ändern,
womit auf diese verzichtet werden kann.
Damit kann eine Kollisionsgeschwindigkeit von zwischen 63.5 und 80 km/h
belegt werden. Unter Berücksichtigung der Beweislast - zu Gunsten der hier nicht
beweisbelasteten Kläger - gelingt es der Beklagten nicht, zu beweisen, dass
G._ mit mehr als 63.5 km/h mit dem Felsblock kollidiert ist; von diesem Wert
ist auszugehen.
2.4.5.2. Gefahrene Geschwindigkeit
Zutreffend ist, dass das gerichtliche Gutachten keine Aussage zur vor der
Kollision gefahrenen Geschwindigkeit machen kann (act. 61 zu Ziff. 24 ff.). Im-
merhin scheint möglich, dass der Verunfallte, vor der Kollision noch gebremst hat,
oder dies zumindest versucht hat. Diesen Beweis hätte die Beklagte zu erbringen,
die eine höhere gefahrene Geschwindigkeit als die nachgewiesene Kollisionsge-
schwindigkeit behauptet. Aufgrund der vorgefundenen Situation nach dem Unfall
kann ihr dies nicht gelingen. So sind auf der Strasse vor dem Kollisionspunkt kei-
ne Bremsspuren ersichtlich. Es gibt auch keine weiteren Hinweise auf ein Brem-
sen des Verstorbenen. Insbesondere kann dies aus der Aussage von O._
nicht hergeleitet werden. Dieser sagt zwar aus, dass er denke, G._ habe
versucht zu bremsen, dies schliesst er aber alleine daraus, dass der Verstorbene
gerade auf die Steingruppe zugefahren sei (act. 3/6 Frage 3). Eine konkrete Aus-
sage dazu konnte er jedoch nicht machen. Auch gab er an, keine Bremsgeräu-
sche gehört zu haben (act. 3/6 Frage 11). Damit kann es der Beklagten aber nicht
gelingen, zu beweisen, dass G._ unmittelbar vor der Kollision tatsächlich
noch gebremst hat und damit auch nicht, dass er schneller unterwegs gewesen
wäre, als dies der Gutachter ermittelt hat.
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Als weiteres Beweismittel für die übersetzte Geschwindigkeit nennt die Be-
klagte die aktenkundige Befragung von O._. Dieser habe angegeben, dass
G._ zwischen 100 km/h und 120 km/h unterwegs gewesen sei (act. 11 zu
Ziff. 4.3 und Ziff. 4.11). Diese Aussage hat O._ tatsächlich so gemacht
(act. 48/8 Frage 6). Allerdings basierte seine Antwort auf die Frage, mit welcher
Geschwindigkeit G._ gefahren sei, auf seinem persönlichen Empfinden und
stellt damit einer reine Schätzung dar. Eine eigentliche Messung, die einen ver-
wertbaren Beweis darstellen würde, hat O._ nicht vornehmen können. Seine
Schätzung der Geschwindigkeit von G._ ist unter Berücksichtigung seiner
gesamten Aussage zu würdigen. Unbestritten ist, dass G._ O._ in einer
Kurve kurz vor dem Unfall überholt hat. Weiter führt O._ aus, dass er nach
der Kurve bereits rund 200 m hinter G._ zurückgefallen sei (act. 3/6 Frage 3).
Im Zeitpunkt der Kollision von G._ gibt er seine Distanz mit noch rund 100 m
an (act. 3/6 Frage 10). Zwar kann - wie auch bei der Geschwindigkeit - nicht un-
besehen von den vom Zeugen angegebenen Distanzen ausgegangen werden, al-
lerdings lässt sich aus der Aussage zumindest ableiten, dass der Zeuge zwischen
der Kurve und dem Unfall von G._ den Abstand zwischen den beiden Motor-
radfahrern auf rund die Hälfte reduziert hat. Dies bedeutet aber, dass O._
nach der Kurve schneller unterwegs war als der Verunfallte, nur so lässt sich die-
se Verringerung des Abstands erklären. Wird in Betracht gezogen, dass O._
schätzt, dass er zwischen 60 km/h und 80 km/h schnell unterwegs gewesen sei
(act. 3/6 Frage 5) - welche Schätzung einfacher ist und mit dem eigenen Tacho-
meter verglichen werden kann -, lässt sich daraus schliessen, dass der Verunfall-
te eher im Bereich der vom Gutachter errechneten 63.5 km/h bis 80 km/h unter-
wegs gewesen ist, als mit den von O._ angegebenen 100 km/h bis 120 km/h,
auch dann wenn die von O._ genannte Beschleunigung berücksichtigt wird.
Die genannte Geschwindigkeit hat G._ wohl höchstens beim Überholvorgang
selbst erreicht, also weit vor dem Unfall. Damit lässt sich auch aus der Aussage
von O._ kein Beweis für eine höhere Ausgangsgeschwindigkeit des Verstor-
benen herleiten.
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2.4.5.3. Angemessenheit der Geschwindigkeit
Somit bleibt zu prüfen, ob es sich bei den nachgewiesenen 63.5 km/h um
eine angemessene Geschwindigkeit gehandelt hat. Dabei ist zu berücksichtigen,
dass bei einer übersetzten Geschwindigkeit nicht automatisch ein schweres Ver-
schulden anzunehmen ist. Dies hängt von der Bedeutung der Überschreitung der
Geschwindigkeitsbegrenzung und den gesamten Umständen ab (BREHM, a.a.O.,
N 452 f.). Gleichzeitig ist alleine das Einhalten der signalisierten Höchstgeschwin-
digkeit kein Beweis für eine angemessene Geschwindigkeit. Diese darf nur bei
günstigen Verhältnissen ausgefahren werden (ANDREAS ROTH, in: NIG-
GLI/PROBST/WALDMANN, BSK SVG, a.a.O., N 24 f. zu Art. 32 SVG).
Die signalisierte Höchstgeschwindigkeit an der Unfallstelle lag im damaligen
Zeitpunkt bei 80 km/h. Wie gezeigt, bedeutet dies nicht, dass eine solche Ge-
schwindigkeit auch jederzeit ausgefahren werden kann. Gemäss Polizeirapport
hat sich der Unfall um 13:46 Uhr ereignet, also kurz nach dem Mittag. Der Himmel
war bewölkt, die Strasse trocken. Geregnet hat es nicht (act. 48/6). Aufgrund die-
ser Angaben sind die Verhältnisse bei der Unfallfahrt geradezu als optimal zu be-
urteilen - was soweit auch die Beklagte bestätigt (act. 61 zu Ziff. 48). Angesichts
der Tageszeit am frühen Nachmittag im Frühsommer, muss von guten Lichtver-
hältnissen ausgegangen werden. Weiter konnte der Lenker aufgrund des bewölk-
ten Himmels nicht geblendet werden. Schliesslich war die Strasse trocken. Es
herrschten damit Bedingungen, die eine Fahrt an der Grenze zur Höchstge-
schwindigkeit erlauben würden.
Zu berücksichtigen ist sodann die im Gutachten von Prof. Dr.-Ing. I._
enthaltene Analyse der möglichen Ursachen des Unfalls. Mittels einer Simulati-
onsberechnung konnte der Gutachter eine mögliche Kurvenfahrt darstellen. Zwar
führt der Gutachter zu Recht aus, dass damit die Fahrt des Verunfallten nicht be-
wiesen werden könne, doch lassen sich daraus trotzdem wichtige Erkenntnisse
gewinnen. So hat der Gutachter mit der Simulation berechnet, dass bei optimaler
Kurvenfahrt auf der Höhe der Unfallstelle ein Tempo von rund 66 km/h möglich
gewesen wäre (act. 50 S. 15 ff.). Die von den Klägern behauptete mögliche Ge-
schwindigkeit von 100 km/h (act. 1 Rz. 4.9) ist angesichts des Gutachtens nicht
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nachvollziehbar, selbst wenn dies der als Zeuge angerufene Polizist bestätigen
würde. Eine Einvernahme erübrigt sich entsprechend. Auch so lag die nachweis-
lich gefahrene und zu Lasten der Beklagten anzunehmende Geschwindigkeit von
63.5 km/h unter der an der Unfallstelle möglichen Geschwindigkeit. Somit kann -
so auch der Gutachter (act. 50 S. 16) - nicht bewiesen werden, dass G._
beim Unfall mit einer generell überhöhten und damit nicht angepassten Ge-
schwindigkeit unterwegs gewesen wäre. Dies kann folglich für sich kein Selbst-
verschulden darstellen.
Die zum Gegenbeweis offerierte Befragung von N._ (act. 1 Rz. 4.7) ist
nicht dazu geeignet, eine angemessene Geschwindigkeit zu belegen. Dieser ist
im Unfallzeitpunkt unbestrittenermassen vor G._ gefahren und konnte ent-
sprechend nicht sehen, wie und mit welcher Geschwindigkeit dieser gefahren ist.
Eine Aussage dazu, wie sich die beiden an jenem Tag allgemein verhalten haben
sollen, kann zur Klärung der Unfallursache ohnehin nichts beitragen.
Aus der Tatsache, dass die signalisierte Höchstgeschwindigkeit später auf
60 km/h reduziert worden ist, lässt sich nichts zu Lasten von G._ ableiten.
Diese Reduktion ist - wie dies der gerichtliche Gutachter auch festhält (act. 50
S. 5 f.) - mit baulichen Massnahmen einhergegangen. Hinzu kommt, dass ein
Fahrzeuglenker grundsätzlich darauf vertrauen darf, dass die signalisierte
Höchstgeschwindigkeit für die entsprechende Strecke angemessen ist. Bei guten
Bedingungen kann daher schon deshalb kein schweres Verschulden angenom-
men werden.
2.4.5.4. Fahrfehler
In ihrer Duplik bringt die Beklagte weiter vor, dass aufgrund der technischen
Analysen von Prof. Dr.-Ing. I._ und der K._ AG einzig ein Fahrfehler
oder allenfalls eine Fehleinschätzung für den Unfall ursächlich sei. Der Unfallher-
gang könne damit einzig aufgrund praktischer Erfahrung und Analyse vor Ort ge-
klärt werden. Gestützt auf die Stellungnahme von J._ geht die Beklagte da-
von aus, dass G._ mit unangemessener Geschwindigkeit unterwegs gewe-
sen sei, dadurch von der Ideallinie abgekommen sei und im Zuge von Korrek-
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turmanövern die Herrschaft über des Motorrad verloren habe (act. 61 Ziff. C.7).
Das daraus resultierende Selbstverschulden wiege derart gravierend, dass es als
alleinige Ursache des Unfalls zu gelten habe (act. 61 zu Ziff. 48).
Zutreffend ist, dass sich in den Akten verschiedentlich Hinweise darauf fin-
den, dass der Unfall wahrscheinlich auf einen Fahrfehler zurückzuführen sei. Auf
diesen Standpunkt stellen sich etwa die Staatsanwaltschaft Uri (act. 3/7; act. 48),
der gerichtliche Gutachter (act. 50 S. 21), die Beklagte, teilweise unter Bezug-
nahme auf J._ (act. 11 Ziff. 5.2; act. 61, Ziff. C.6a ff.), und nicht zuletzt auch
die Kläger - zumindest in ihrer Klage (act. 1 Ziff. 4.5 und Ziff. 5.4). Allerdings
ergibt sich aus den vorliegenden Akten nicht, welcher Art der potentielle Fehler
von G._ gewesen sein soll. Exemplarisch ist dafür auf die Aufzählung des
Gutachters zu verweisen, der verschiedene typische Unfallursachen im Zusam-
menhang mit Kurvenfahrten - insbesondere auch Fahrfehler - aufzählt (act. 50
S. 15). Bei der Beantwortung der Fragen hält er aber klar fest, dass die konkrete
Fahrweise nicht beurteilt werden könne, da sie nicht bekannt sei (act. 50 S. 21).
Die erwähnte Aufzählung zeigt aber, dass die verschiedenen möglichen Fehler
und weiteren Ursachen, hinsichtlich des Verschuldens deutliche Unterschiede be-
inhalten. Ohne konkrete Kenntnis der tatsächlich erfolgten Fehler ist eine Beurtei-
lung des Verhaltens auch für das Gericht nicht möglich.
Daran vermag auch die Stellungnahme von J._ nichts zu ändern. Die
Beklagte versucht zu suggerieren, dass darin der tatsächliche Vorfall wiederge-
geben wird (act. 61 Ziff. C.5 ff.). Dem ist jedoch nicht so. Die Stellungnahme stellt
eine reine Parteibehauptung dar. Auch wenn es sich bei J._ um einen lang-
jährigen Motorradfahrer, ehemaligen Polizeibeamten und selbständigen Scha-
denexperten handelt, ist er kein Experte im Sinne von Art. 183 ZPO, zumal er ein-
seitig von der Beklagten beauftragt worden ist. Entsprechend kommt seiner Ein-
schätzung auch keine erhöhte Beweiskraft zu. Bei den Ausführungen von J._
handelt es sich einerseits um reine Mutmassungen und andererseits um allge-
meine Hinweise. Dieser hat den Verunfallten weder gekannt, noch war er am frag-
lichen Tag an der Unfallstelle zugegen. Die Ausführungen zum Motorrad und zur
Strecke sind zwar naheliegend, doch kann alleine aus der Wahl des Fahrzeugs
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oder der Strecke kein schweres Verschulden hergeleitet werden. Insbesondere
darf nicht alleine aufgrund des gemieteten Motorrads auf eine bestimmte Fahr-
weise geschlossen werden. Auch die Ausführungen zur möglichen Geschwindig-
keit in der Kurve vermögen keinen Beweis für ein schweres Selbstverschulden
darstellen. Es erscheint zwar nachvollziehbar - und deckt sich soweit auch mit
dem Gutachten (act. 50 S. 15 ff.) - dass ein Befahren der Kurve mit bis zu
70 km/h nur für einen geübten Fahrer möglich sein soll (act. 61 Ziff. C.5b). Solan-
ge der Verstorbene aber mit einer Geschwindigkeit unterwegs gewesen ist, bei
der die Kurve unfallfrei gefahren werden kann, kann ihm kein grobes Verschulden
angelastet werden. Ein geringeres Verschulden, aufgrund einer allfälligen Selbst-
überschätzung reicht aber nicht aus, um die Beklagte von ihrer Haftung zu befrei-
en. Die übrigen Erkenntnisse von J._ zur Unfallfahrt von G._ sind reine
Vermutungen, welche für sich keinen Beweis des Unfallhergangs darstellen kann.
Daran könnte auch eine Befragung von J._ als Zeugen (offeriert in act. 61
Ziff. C.7) nichts ändern. Bei diesem Ergebnis kann sodann offen gelassen werden
- was die Kläger bestreiten (act. 66 Rz. 19 ff.) - ob J._ als Experte überhaupt
geeignet ist.
Es kann der Beklagten damit nicht gelingen, anhand eines konkreten Fahr-
fehlers ein Verschulden von G._ zu beweisen, das derart gravierend wäre,
dass dadurch ihre Haftung entfallen würde.
2.4.5.5. Nichtbeherrschen des Fahrzeugs
Die Beklagte beruft sich sodann auf einen Anscheinsbeweis, welcher durch
die Kollision mit dem Felsblock neben der Strasse erbracht sei. Die Kollision kön-
ne nur damit erklärt werden, dass der Verstorbene die Herrschaft über sein Fahr-
zeug verloren habe, was wiederum vernünftigerweise nur mit einer unangepass-
ten Geschwindigkeit erklärt werden könne. Damit sei der Beweis des Verschul-
dens erbracht (act. 79 S. 6; Prot. S. 31). Dieser Argumentation kann nicht gefolgt
werden. Zwar ist gerade noch nachvollziehbar, dass aus der Kollision auf einen
Kontrollverlust geschlossen werden soll, zumal nicht von einer freiwilligen Kollisi-
on ausgegangen werden kann. Selbst dann kann aber nicht daraus gefolgert wer-
den, welche Ursachen diesem Kontrollverlust zu Grunde gelegen haben, zumal
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nicht von einer generell überhöhten Geschwindigkeit ausgegangen werden kann
(vgl. vorne E. 2.4.5.3). Die Beklagte versucht dies auch gar nicht, sondern
schliesst direkt auf ein schweres Selbstverschulden (act. 79 S. 6). Die vom Gut-
achter aufgeführten möglichen Fahrfehler - für welche er selbst eine Wahrschein-
lichkeit von mindestens 50% angibt, also nicht ausschliesst, dass noch andere
Gründe in Frage kommen (act. S. 15 f.) - sind aber verschiedenster Art. Abhängig
vom konkreten Fehler müsste auch das Verschulden des Verstorbenen anders
bewertet werden. Daraus ergibt sich, dass die Beklagte aus einem anscheinend
vorgelegenen Nichtbeherrschen des Motorrads nichts zu ihren Gunsten ableiten
kann.
2.4.5.6. Weitere verschuldensrelevante Umstände
In die Beurteilung des Verschuldens des verstorbenen G._ sind auch
weitere Aspekte, die mit der fraglichen Fahrt in einem Zusammenhang stehen, mit
einzubeziehen.
Im Zentrum steht die Fahrerfahrung des Verstorbenen. Die Beklagte macht
geltend, dass dieser als ungeübter Lenker anzusehen sei (act. 11 Ziff. 4.15;
act. 61 Ziff. C.4a), während sich die Kläger auf den Standpunkt stellen, er sei seit
1989 im Besitz des entsprechenden Fahrausweises gewesen und habe längere
Zeit über ein eigenes Motorrad verfügt (act. 59 Rz. 78). Dass G._ bereits seit
dem 29. Dezember 1989 über einen Fahrausweis verfügte, ist nicht bestritten und
durch die im Recht liegende Kopie seines deutschen Führerscheins (act. 58/76)
belegt. Dies kann für die Beurteilung der Fahrerfahrung jedoch nicht entscheidend
sein. Vielmehr ist auch die konkrete, insbesondere aktuelle Fahrpraxis zu berück-
sichtigen, die mehr über die praktische Erfahrung aussagen kann. Hierbei ist auf
die Darstellung der Beklagten abzustellen, wonach der Verstorbene in den letzten
10 Jahren vor dem Unfall lediglich drei Mal ein Motorrad gemietet habe (act. 61
Ziff. C.4a). Diese Ausführungen basieren auf einer Aussage der Klägerin 1, die
diese kurz nach dem Unfall, im Rahmen einer ersten Besprechung mit der Sach-
bearbeiterin der Klägerin, P._, gemacht hat und von letzterer so protokolliert
wurde (act. 62/7). Auch wenn der Inhalt dieses Protokolls eine Parteibehauptung
darstellt, basiert dieser auf der Aussage der Gegenseite und erreicht deshalb eine
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erhöhte Glaubwürdigkeit. Insbesondere machte die Klägerin 1 dieselbe Aussage
gegenüber der Kantonspolizei Uri im Rahmen eines Telefongesprächs vom
14. Juni 2010 (act. 48/1 Ziff. 3; act. 48/6 S. 6). Die Kläger bestreiten denn auch
nicht substantiiert, dass G._ in den letzten Jahren vor dem Unfall nur höchst
selten mit einem Motorrad gefahren sei. Sie verweisen einzig auf das Datum der
Erteilung des Fahrausweises und den Besitz eines Motorrades. Konkrete Anga-
ben zur Fahrpraxis - etwa zum Zeitraum, in welchem G._ Eigentümer eines
Motorrads gewesen sein soll - machen sie dagegen nicht. Die pauschalen Aus-
führungen der Kläger können die Darstellung der Beklagten nicht erschüttern.
Damit ist nachgewiesen, dass G._ in den zehn Jahren vor dem Unfall ledig-
lich drei Mal mit gemieteten Motorrädern gefahren ist, womit er - auch wenn er be-
reits seit 20 Jahren über den entsprechenden Führerschein verfügte - als unerfah-
rener Fahrer anzusehen ist. Für sich stellt dies allerdings ebenfalls kein Verschul-
den dar.
Weiter ist das Unfallfahrzeug zu berücksichtigen. Dabei handelt es sich um
ein Mietfahrzeug. Dies alleine zeigt bereits, dass der Fahrer das Fahrzeug nicht
besonders gut gekannt haben kann. Er hat es erst an jenem Tag für wenige Stun-
den gefahren. Beim Motorrad handelt es sich unbestrittenermassen um ein Mo-
dell, welches eine hohe Beschleunigung erreichen kann. Auch ergibt sich aus den
verfügbaren Angaben, dass es sich um eine relativ starke Maschine handelt, die
für sportliches, aggressives Fahren geeignet ist (act. 60 S. 10 Rz. 3; act. 66
Rz. 50). Auch wenn daraus keine Schlüsse auf die Fahrweise des Verstorbenen
gezogen werden können, so ist doch festzuhalten, dass er mit der Anmiete eines
solchen, ihm unbekannten Motorrads angesichts seiner eigenen Fahrpraxis ein
höheres Risiko eingeht als der durchschnittliche Motorradfahrer.
Schliesslich ist die Fahrweise von G._ zu berücksichtigen, die von der
Beklagten als Verschuldenselement genannt wird (act. 61 Rz. C.6). Dabei ist zu
beachten, dass aus der Tatsache, dass es zu einem tödlichen Unfall gekommen
ist, weder auf konkrete Fahrfehler noch auf die allgemeine Fahrweise des Ver-
storbenen Rückschlüsse gezogen werden können (vgl. auch vorne E. 2.4.5.5.).
Eine solche Auslegung hätte zur Folge, dass bei Selbstunfällen stets ein Ver-
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schulden des Betroffenen vermutet werden müsste, was der Konzeption der Haf-
tungsnormen von Art. 58 f. SVG widerspricht. Vielmehr kann lediglich in Betracht
gezogen werden, was nachweislich vorgefallen ist (in diesem Sinne auch FELL-
MANN, Band II, a.a.O., N 647). Nicht ins Gewicht fallen dürfen demnach die mut-
masslichen Fahrfehler, die nicht konkret eruiert werden können. Hingegen ist zu
berücksichtigen, dass der Verstorbene in einer Kurve kurz vor dem Unfallort einen
anderen Motorradfahrer, O._, überholt hat. Ein Überholmanöver beinhaltet
immer gewisse Risiken. Gerade im Verlauf einer - wie allgemein bekannt im vor-
liegenden Fall - kurvigen Bergstrecke ist ein Überholen nicht einfach zu bewerk-
stelligen. Da dieses bedingt, dass schneller gefahren wird als das zu überholende
Fahrzeug, ist damit immer ein - je nach Geschwindigkeit der beiden Fahrzeuge
nicht unerhebliches - Beschleunigen und Verlangsamen erforderlich. Gerade auf
einer kurvenreichen Strecke - die ohnehin als anspruchsvoll angesehen werden
muss - besteht dabei das Risiko, dass die nächste Kurve nicht optimal angefahren
werden kann. Hinzu kommt im vorliegenden Fall, dass dem Verstorbenen keine
besondere Kenntnis der Strecke angerechnet werden kann. Zumindest mit dem
Motorrad kann er die Strecke in den letzten Jahren - entsprechend seiner Fahr-
praxis - nicht in einer Häufigkeit befahren haben, die ein solches Wissen voraus-
setzen würde.
Nicht zu beachten sind die von der Beklagten ins Spiel gebrachte Gruppen-
dynamik und die äusseren Eindrücke (act. 61 Ziff. C.4b f.). Die Beklagte macht
unter diesen Titeln verschiedene allgemeine Ausführungen, die jedoch nicht ge-
eignet sind, die konkrete Situation darzulegen. Es ergibt sich denn auch nicht
schlüssig, was dem Verstorbenen konkret vorgeworfen werden soll.
2.4.5.7. Gesamtbetrachtung
Wie gezeigt, kann für sich alleine keines dieser oben dargelegten Elemente
ein für einen Haftungsausschluss relevantes Verschulden des Verstorbenen
nachweisen. Werden die einzelnen Aspekte in einer Gesamtbetrachtung zusam-
mengeführt, ergibt dies jedoch ein anderes Bild. Bei G._ handelte es sich um
einen Motorradfahrer mit geringer Fahrpraxis. Auch wenn er bereits seit zwei
Jahrzehnten über einen Führerschein der entsprechenden Kategorie verfügte, hat
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er in den zehn Jahren vor dem Unfall nur vereinzelt ein Motorrad gelenkt. In die-
ser Situation erscheint bereits heikel, dass er ein Motorrad mit den Spezifikatio-
nen des gefahrenen anmietet. Ein Verschulden ist darin jedoch nicht zu sehen. Al-
lerdings wäre G._ verpflichtet gewesen, seinen Fahrstil sämtlichen Umstän-
den anzupassen. Konkret wäre beim Befahren einer anspruchsvollen und ihm
nicht bekannten Strecke mit einem unbekannten Motorrad zu erwarten gewesen,
dass die Geschwindigkeit reduziert und insbesondere die erlaubte Höchstge-
schwindigkeit nicht ausgefahren wird. Auch wäre es in dieser Situation zu unter-
lassen, andere Verkehrsteilnehmer zu überholen, wenn nicht eindeutig ersichtlich
ist, dass das Überholmanöver ohne Folgen abgeschlossen werden kann. Vorlie-
gend hatte das Überholen zumindest indirekt zur Folge, dass der Verstorbene vor
der Unfallstelle mit einem Tempo unterwegs gewesen ist, das gemessen an sei-
ner Fahrpraxis an der oberen Grenze war.
So führt der gerichtliche Gutachter aus, dass ein geübter Fahrer die Stelle
mit 66 km/h passieren könne. Bei der Einfahrt der Kurve sei gar eine Geschwin-
digkeit von 70 km/h möglich (act. 50 S. 15 f.). Auch wenn die konkreten Fähigkei-
ten von G._ nicht mehr eruiert werden können, ist aufgrund der vorgenann-
ten Umstände erstellt, dass er offensichtlich nicht über die Praxiserfahrung verfüg-
te, die für ein solches Tempo am fraglichen Ort erforderlich gewesen wäre. Er wä-
re gehalten gewesen, vor dieser Kurve sein Tempo - unabhängig vom Überhol-
manöver - so weit zu reduzieren, dass er die Kurvenkombination problemlos be-
fahren kann. Dies hat er nicht gemacht. Darin ist ein Verschulden des Verstorbe-
nen zu erkennen.
Auch in ihrer Gesamtheit vermögen die genannten Elemente jedoch nicht
dazu führen, dass der Kausalzusammenhang zwischen der Betriebsgefahr und
dem Schaden unterbrochen würde. Dies würde ein Verschulden erfordern, wel-
ches deutlich über das Eingehen erhöhter Risiken und die Verkettung unglückli-
cher Umstände ausgehen würde. Ein solches kann dem Verstorbenen aber auch
in der Kombination der gesamten Umstände nicht vorgeworfen werden.
Das Verschulden des Verstorbenen, insbesondere aufgrund der nicht an
seine Fahrpraxis und dem ihm unbekannten Motorrad angepassten Geschwindig-
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keit und dem Überholen auf der anspruchsvollen, kurvigen Strecke, ist noch als
leicht einzustufen. Insbesondere ist ihm zu Gute zu halten, dass er (zumindest
soweit dies noch eruiert werden kann) keine generell überhöhte Geschwindigkeit
gefahren ist. Dabei darf ein Verkehrsteilnehmer grundsätzlich darauf vertrauen,
dass die Strecke bei dieser Geschwindigkeit bewältigt werden kann. Es kann dem
Verstorbenen demnach nicht vorgeworfen werden, dass er - bei wie ausgeführt
optimalen Verhältnissen - bewusst zu schnell gefahren wäre. Vielmehr hatte er
lediglich eine Geschwindigkeit, die hinsichtlich seiner persönlichen Kenntnisse ge-
ringfügig zu hoch war. Dies erlaubt lediglich eine geringe Reduktion der Haftung
der Beklagten.
Weiter ist in Betracht zu ziehen, dass im vorliegenden Verfahren einzig die
Todesfallkosten und die Genugtuung für die hinterbliebene Ehefrau und die Kin-
der des Verstorbenen im Streit stehen. Dabei handelt es sich um Beträge, die nur
einen geringen Anteil am gesamten finanziellen Interesse der Kläger ausmachen
(insbesondere im Vergleich zum Versorgerschaden, act. 1 Rz. 12 ff.; vgl. dazu
PROBST, a.a.O., N 43 zu Art. 59 SVG), aber aufgrund der Betroffenheit für die
Kläger eine grosse Bedeutung haben. Wird auch dies in die Beurteilung mit ein-
bezogen, erscheint eine Reduktion der Haftung der Beklagten aufgrund des
Selbstverschuldens des Verstorbenen um 10% angemessen.
2.4.6. Zusammenfassung
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass dem verstorbenen G._ im
Rahmen des erlittenen tödlichen Unfall nur ein geringes Selbstverschulden ange-
lastet werden kann und muss.
Ein grobes Selbstverschulden liegt dabei nicht vor. Die nachweisbare Ge-
schwindigkeit von 63.5 km/h lag sowohl im Rahmen der geltenden Geschwindig-
keitsbegrenzung als auch in einem Bereich, in dem eine unfallfreie Fahrt möglich
gewesen wäre. Die weiteren konkreten Umstände und Ursachen der Unfallfahrt
können nicht mehr rechtsgenügend nachgewiesen werden. Wie auch das gericht-
liche Gutachten ausführt, ist der Unfall wahrscheinlich auf einen Fahrfehler des
Verstorbenen zurückzuführen (act. 50 S. 16). Welcher Art dieser Fehler war, lässt
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sich heute nicht mehr eruieren. Alleine aufgrund von Mutmassungen und Annah-
men kann jedoch kein Beweis über ein grobes Selbstverschulden geführt werden.
Die Beklagte kann sich folglich nicht von ihrer Haftung befreien.
Aufgrund des Zusammenspiels zwischen praktischer Fahrerfahrung, Kennt-
nis von Motorrad und Strecke, Fahrverhalten und Geschwindigkeit ist dem Ver-
storbenen ein geringes Verschulden anzulasten. Dies hat in Anwendung von
Art. 59 Abs. 2 SVG eine Reduktion der Haftung um 10% zur Folge.
2.5. Fazit
Insgesamt ist festzuhalten, dass dem verstorbenen G._ ein geringes
Verschulden am erlittenen Unfall vorgeworfen werden muss. Der Beklagten ge-
lingt aber der Beweis eines schweren Verschuldens, welches den Kausalzusam-
menhang unterbrechen würde, nicht. Das als leicht einzustufende Verschulden
rechtfertigt im konkreten Fall eine Reduktion der Haftung der Beklagten um 10%.
Die Beklagte hat folglich im Umfang von 90% für den Schaden der Kläger einzu-
stehen.
3. Höhe
3.1. Ausgangslage
Vorliegend handelt es sich um eine Teilklage, mit welcher die Kläger die To-
desfall- und Bestattungskosten, Schadenersatz für den Sachschaden und jeweils
eine Genugtuung geltend machen.
3.2. Todesfall- und Bestattungskosten sowie Sachschaden
Unter dem Titel Todesfall- und Bestattungskosten machen die Klägerin 1
Kosten von insgesamt CHF 28'969.80 geltend (act. 1 Rz. 9.2 f.). Die Beklagte hält
zwar fest, dass die Höhe einzelner Positionen Fragen aufwerfe, sie die Kosten
aber nicht bestreite (act. 11 zu Ziff. 9). Als Sachschaden werden insgesamt
CHF 1'300.– eingeklagt (act. 1 Rz. 10). Auch diese Positionen werden von der
Beklagten nicht bestritten, auch wenn sie eine Haftung dafür in Frage stellt
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(act. 11 zu Ziff. 10). In den zweiten Rechtsschriften haben sich die Parteien zu
diesen Positionen nicht mehr geäussert.
Nachdem die von der Klägerin 1 geltend gemachten Schadenspositionen
ausdrücklich nicht bestritten werden, sind diese als anerkannt anzusehen. Auch
wenn die Beklagte Fragen nach der Höhe bzw. der grundsätzlichen Ersatzpflicht
für einzelne Positionen aufwirft, ist es im Rahmen der Dispositionsmaxime, die
vorliegend zur Anwendung kommt, nicht Sache des Gerichts, dies ohne konkrete
Bestreitungen zu prüfen. Demnach sind der Klägerin 1 die beiden Beträge im Um-
fang der festgelegten Haftungsquote von 90% (vorne E. 2.5) zuzusprechen. Dies
ergibt für die Todesfall- und Bestattungskosten einen Betrag von CHF 26'072.82
(CHF 28'969.80 x 90%) und für den Sachschaden einen Betrag von CHF 1'170.–
(CHF 1'300.– x 90%).
3.3. Genugtuung
3.3.1. Parteistandpunkte
3.3.1.1. Kläger
Die Kläger, als Ehefrau (Klägerin 1) bzw. Kinder (Kläger 2-5) des verstorbe-
nen G._, machen einen Anspruch auf eine angemessene Genugtuung gel-
tend. Für die Klägerin 1 liege die Basisgenugtuung bei CHF 30'000.– bis
CHF 50'000.–. Die Klägerin 1 und G._ hätten eine sehr harmonische Ehe ge-
führt. Auch wenn er seinen Wohnsitz anfänglich in Deutschland gehabt habe, ha-
be er häufig im ehelichen Haus in H._ gearbeitet. Die Geburt der vier Söhne
habe das Familienglück komplettiert. Um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu
können, habe er eine neue Stelle in der Schweiz gesucht, welche er ab dem
1. Juli 2010 hätte antreten wollen. G._ sei stolz gewesen auf seine Söhne
und habe zahlreiche Aktivitäten mit der Familie unternommen. Die harmonische
Ehe sei durch den Unfall vom tt.mm.2010 abrupt zerstört worden. Die Klägerin 1
sei von einem Tag auf den anderen alleinverantwortlich für die Erziehung gewe-
sen und aufgrund der fehlenden Sozialversicherungsleistungen seien grosse fi-
nanzielle Sorgen zur Trauer hinzugekommen. Daher rechtfertige sich die Erhö-
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hung der Basisgenugtuung auf mindestens CHF 65'000.–. Die Basisgenugtuung
für die Kläger 2-5 betrage CHF 10'000.– bis CHF 30'000.–. G._ sei ein Fami-
lienmensch gewesen, der mit den Söhnen viel Zeit verbracht habe. Er habe tat-
kräftig an der Erziehung der Kinder mitwirken wollen. Mit dem Tod hätten die noch
kleinen Knaben ihre männliche Bezugsperson verloren. Es rechtfertige sich daher
eine Erhöhung der Genugtuung auf mindestens CHF 35'000.– pro Kind (act. 1
Rz. 13.1 f.).
Replicando bringen die Kläger vor, die zahlreichen Liebesbekundungen zwi-
schen der Klägerin 1 und G._ seien sinnbildlich für die grosse Liebe, Zunei-
gung und den gegenseitigen Respekt. Der in der Todesnacht verfasste Brief der
Klägerin 1 zeige eindrücklich, wie nahe sich die beiden gestanden hätten. Es sei
entsprechend von einer besonderen Intensität der zerstörten ehelichen Beziehung
auszugehen. Die Klägerin 1 sei bis heute keine neue Partnerschaft eingegangen.
Der plötzliche Tod des Partners habe auch den Verlust des Vaters der gemein-
samen Kinder bedeutet, womit die Klägerin 1 die enorme Belastung der alleinigen
Verantwortung für vier Kinder zu tragen habe. Schliesslich sei zu berücksichtigen,
dass der Verstorbene der Versorger der Familie gewesen sei, weshalb zur emoti-
onalen Belastung auch wirtschaftliche Verlustängste kämen. Den Klägern 2-5
werde es durch den Unfalltod verwehrt, eine innige Beziehung zu ihrem Vater
aufzubauen und mit ihm als Vorbild aufzuwachsen. Gerade für Söhne sei es wich-
tig, eine Vaterfigur zu haben. Auch kämen sie nicht in den Genuss, den Umgang
zwischen ihren Eltern zu erleben, was für ihre Beziehungsfähigkeit förderlich ge-
wesen wäre (act. 57 Rz. 55 f.).
3.3.1.2. Beklagte
Die Beklagte bestreitet die genannten Basisgenugtuungen im Grundsatz
nicht. Hinsichtlich der Klägerin 1 erkenne sie keine Faktoren, die über die einem
plötzlichen Ableben des Ehemannes ohnehin innewohnende Tragik hinausgehen
würden. Über die Widersprüche hinsichtlich der beruflichen Situation und dem pri-
vaten Engagement des Verstorbenen könne nicht hinweggesehen werden. Es sei
angesichts des behaupteten Versorgerschadens nicht sehr glaubwürdig, wenn
ausgeführt werde, der Verstorbene habe sich überdurchschnittlich viel Zeit für die
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Familie genommen. Für die Klägerin 1 halte sie eine Genugtuung von
CHF 35'000.– für angemessen. Bei der Genugtuung für die Kläger 2-5 sei zu be-
rücksichtigen, dass diese die Beziehung zu ihrem Vater noch nicht derart lange
gelebt hätten. Angemessen seien CHF 20'000.– pro Kind (act. 11 Ziff. 13.1 f.).
In ihrer Duplik hält die Beklagte an ihrer Darstellung fest und verzichtet aus
Pietätsgründen zu weiteren Ausführungen zu den tatsächlichen Grundlagen
(act. 61 zu C).
3.3.2. Rechtliches
Gemäss Art. 47 OR, der nach Art. 62 Abs. 1 SVG auch bei Verkehrsunfällen
zur Anwendung kommt (PROBST, a.a.O., N 5 zu Art. 62 SVG), kann das Gericht
den Angehörigen des Getöteten unter Würdigung der besonderen Umstände eine
angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen. Der Zweck der Genug-
tuungssumme besteht darin, durch eine schadenersatzunabhängige Geldleistung
einen gewissen Ausgleich für den erlittenen physischen und/oder seelischen
Schmerz zu schaffen (BREHM, BK, a.a.O., N 9 zu Art. 47 OR).
Bemessungskriterien für Genugtuungsansprüche von Angehörigen sind vor
allem der Verwandtschaftsgrad, das Vorliegen eines gemeinsamen Haushalts und
das tatsächliche Nähegefühl (HARDY LANDOLT, Zürcher Kommentar, Obligationen-
recht, Die Entstehung durch unerlaubte Handlung, Art. 45-49 OR, Zürich 2007,
N 426 ff.). Zudem sind bei der Bestimmung des Genugtuungsbetrags etwa die Art
und Schwere des Eingriffs sowie die Intensität und Dauer der Auswirkungen auf
die Persönlichkeit der Angehörigen zu berücksichtigen (LANDOLT, a.a.O., N 448 ff.
zu Art. 47 OR m.w.H.). Die Höhe der Summe, die als Abgeltung erlittener Unbill in
Frage kommt, lässt sich naturgemäss nicht errechnen, sondern nur abschätzen
(BGE 132 II 117 E. 2.2.2.).
Nach den allgemeinen Regeln von Art. 8 ZGB sind die Kläger für die vorste-
henden Bemessungskriterien beweisbelastet.
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3.3.3. Würdigung
3.3.3.1. Klägerin 1
Unbestritten ist, dass der Klägerin 1 als Ehefrau des verstorbenen G._
ein Anspruch auf eine Genugtuung zusteht. Ebenfalls unbestritten und zutreffend
ist, dass die Basisgenugtuung für den Verlust des Ehepartners zwischen
CHF 30'000.– und CHF 50'000.– beträgt (LANDOLT, a.a.O., N 439 ff. zu Art. 47).
Aus den Ausführungen der Kläger ergibt sich, dass das Ehepaar
A._G._ eine sehr harmonische Beziehung gelebt hat. Davon zeugen
auch die zahlreichen eingereichten Briefe, die zwischen den Ehepartnern ausge-
tauscht worden sind (act. 58/61-75). Weiter ist zu berücksichtigen, dass das Ehe-
paar A._G._ vier gemeinsame Kinder hat, welche die Klägerin 1 nach
dem Tod des Partners alleine betreuen musste und muss. Die Familie hat zudem
ihren Hauptversorger verloren, was sich auch auf die emotionale Belastung aus-
wirkt. Unter Berücksichtigung der genannten Umstände ist die Genugtuung für die
Klägerin 1 an der oberen Grenze der Basisgenugtuung festzulegen. Immerhin
ergibt sich aus den Ausführungen, dass der Tod von G._ für die Klägerin ei-
ne überdurchschnittliche Härte darstellt. Elemente welche eine über den üblichen
Rahmen hinausgehende Genugtuung rechtfertigen würden, bestehen nicht. Ins-
besondere stellt der Verlust des Lebenspartner immer eine besonders tragische
Situation, dies ist bei den Basisbeträgen bereits berücksichtigt.
Entsprechend ist die Genugtuung für die Klägerin 1 auf CHF 50'000.– fest-
zusetzen. Davon hat die Beklagte - wie gezeigt (vorne E. 2.5) - 90% zu leisten.
Dies ergibt eine Genugtuung von CHF 45'000.–.
3.3.3.2. Kläger 2-5
Auch hinsichtlich der Kläger 2-5 ist unbestritten, dass diese für den Verlust
des Vaters Anspruch auf eine Genugtuung haben, wobei die Basisgenugtuung
zwischen CHF 10'000.– bis CHF 30'000.– liegt (LANDOLT, a.a.O., N 439 ff. zu
Art. 47 OR).
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Zu berücksichtigen ist, dass der Verstorbene gemäss - nicht substantiiert
bestrittener - Darstellung der Kläger viel Zeit mit seiner Familie verbracht hat. Da-
bei haben die vier Söhne bereits in jungem Alter ihre männliche Bezugsperson
verloren, was Einfluss auf ihre Entwicklung hat. Dass sie angesichts ihres Alters
die Beziehung noch nicht derart lange gelebt haben, mag zwar zutreffen, wird
aber durch die Tatsache, dass sie gerade keine Möglichkeit haben, diese Bezie-
hung jemals aus- bzw. aufzubauen, ausgeglichen. Auch hinsichtlich der Kläger 2-
5 sind allerdings keine Aspekte ersichtlich, die dem vorliegenden Fall eine Tragik
geben würden, die über die mit dem Verlust eines Elternteils ohnehin verbundene
besondere Tragik ausgehen würde. Ein Überschreiten der Basisgenugtuung ist
daher nicht angezeigt. Immerhin rechtfertigt sich aufgrund des Gesagten, die Ge-
nugtuung im oberen Bereich der Basisgenugtuung festzulegen.
Zusammenfassend erscheint für die Kläger 2-5 eine Genugtuung von je
CHF 25'000.– den gesamten Umstände angemessen. Entsprechend ihrer Haf-
tungsquote von 90% (vgl. vorne E. 2.5) ist die Beklagte zu verpflichten, den Klä-
gern 2-5 eine Genugtuung von je CHF 22'500.– zu bezahlen.
3.4. Zins
Die Kläger machen hinsichtlich ihrer Schadenspositionen einen Zins zu 5%
seit tt.mm.2010 geltend (act. 1 S. 2). Die Beklagte äussert sich dazu nicht.
Für den Schadenersatz ist der Zins ab dem Zeitpunkt geschuldet in dem der
Schaden eintritt (LANDOLT, a.a.O., N 204 f. vor Art. 45/46 OR). Die Genugtuung ist
nach gängiger Rechtsprechung ab dem Tag des schädigenden Ereignisses zu
verzinsen (LANDOLT, a.a.O., N 201 vor Art. 47/49 OR, m.w.H.).
Die Klägerin 1 legt nicht dar, wann ihr die Todesfall- und Bestattungskosten
angefallen sind. Selbst wenn sich dies aus den eingereichten Beilagen ergeben
würde, ist es nicht Aufgabe des Gerichts, die relevanten Daten daraus zusam-
menzusuchen. Dasselbe gilt für den Selbstbehalt Vollkasko F'._, den die
Klägerin 1 unter dem Titel Sachschaden geltend macht. Mangels substantiierter
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Darstellung eines früheren Zinsenlaufs ist der Klägerin 1 für diese Positionen erst
ab Einreichung der Klage Zins zuzusprechen.
Hinsichtlich des Kleiderschadens und des Schadens am Helm fehlt es zwar
ebenfalls an einer Darstellung des Eintritts des Schadens. Allerdings ist aus der
Begründung unbestritten ersichtlich, dass der Sachschaden durch den Unfall und
damit im gleichen Zeitpunkt entstanden ist. Entsprechend ist diese Forderung
(90% von CHF 800 = CHF 720.–) ab dem Unfallzeitpunkt zu verzinsen.
Schliesslich ist für die Genugtuungssummen ein Zins ab dem Unfallzeitpunkt
geschuldet. Dies wird von der Beklagten nicht bestritten.
3.5. Fazit
Die Beklagte ist im Umfang ihrer Haftungsquote zu verpflichten die Ausge-
wiesenen Schadenspositionen anteilsmässig zu bezahlen. Dies ergibt für die To-
desfall- und Bestattungskosten eine Forderung von CHF 26'072.82 nebst Zins zu
5% seit 30. Juni 2014 und für den Sachschaden einen klägerischen Anspruch von
CHF 1'170.–, nebst Zins zu 5% auf CHF 720.– seit tt.mm.2010 sowie Zins zu 5%
auf CHF 450.– seit 30. Juni 2014. Zudem steht der Klägerin 1 eine Genugtuung
von CHF 45'000.– und den Klägern 2-5 eine solche von je CHF 22'500.– zu, je-
weils nebst Zins zu 5% seit tt.mm.2010.
4. Zusammenfassung der Tat- und Rechtsfragen
Gegenstand des vorliegenden Verfahrens ist die Beurteilung der finanziellen
Folgen eines tödlich verlaufenen Motorradunfalls. Dabei handelt es sich um eine
Teilklage, die sich auf bestimmte Schadenspositionen beschränkt.
Unbestritten ist, dass die Beklagte als Haftpflichtversicherung des Halters
des Unfallfahrzeugs nach Art. 58 SVG im Grundsatz für den Schaden der hinter-
bliebenen Ehefrau (Klägerin 1) und der Kinder (Kläger 2-5) des verstorbenen Mo-
torradlenkers einzustehen hat (E. 2.4.2).
Die Beklagte macht geltend, gestützt auf Art. 59 Abs. 1 SVG von der Haf-
tung befreit zu sein. Es gelingt ihr allerdings nicht, ein schweres Verschulden des
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Verstorbenen zu beweisen, welches eine Haftung entfallen lassen würde. Dem
verstorbenen Lenker kann aber aufgrund sämtlicher Umstände ein leichtes Ver-
schulden vorgeworfen werden, welches gestützt auf Art. 59 Abs. 1 SVG eine Re-
duktion der Haftung um 10% rechtfertigt (E. 2.4.5).
Im Quantitativ bestreitet die Klägerin weder die Todesfall- und Bestattungs-
kosten noch den Sachschaden. Entsprechend ist sie zur Zahlung von
CHF 26'072.82 und von CHF 1'170.– zu verpflichten. Die Höhe der jeweils ge-
schuldeten Genugtuungen wurde von der Beklagten bestritten. Unter Berücksich-
tigung sämtlicher Aspekte sowie der Haftungsquote der Beklagten ist für die Klä-
gerin 1 eine Genugtuung von CHF 45'000.– und für die Kläger 2-5 eine solche
von jeweils CHF 22'500.– angemessen (E. 3).
Im genannten Umfang ist die Klage gutzuheissen, im Mehrbetrag ist sie ab-
zuweisen.
5. Kosten- und Entschädigungsfolgen
5.1. Streitwert
Der Streitwert wird durch das Rechtsbegehren bestimmt (Art. 91 Abs. 1
ZPO). Vorliegend beantragen die Kläger insgesamt die Zusprechung von
CHF 234'996.80. Dieser Streitwert ist für die Bemessung der Gerichtsgebühr und
der Parteientschädigung massgebend.
5.2. Gerichtskosten
Die Gerichtsgebühr für das vorliegende Verfahren ist unter Berücksichtigung
des am Streitwert gemessen überdurchschnittlichen Aufwands des Gerichts, ins-
besondere auch im Zusammenhang mit dem Gutachten und der Durchführung
zweier Vergleichsverhandlungen, in Anwendung von § 4 Abs. 1 und 2 GebV OG
auf rund 120% der Grundgebühr festzusetzen.
Weiter wurde für die Beweisführung ein Gutachten in Auftrag gegeben
(act. 27; act. 31; act. 35; act. 50). Die dabei entstandenen Kosten (CHF 9'757.50;
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act. 51) sind als Kosten der Beweiserhebung ebenfalls Teil der Gerichtskosten
(Art. 95 Abs. 1 lit. c ZPO) und von den Parteien zu tragen.
Bei der Verteilung der Kosten kommt vorab Art. 106 ZPO zur Anwendung,
wonach die Parteien diese nach Obsiegen und Unterliegen zu tragen haben. Al-
lerdings steht es im Ermessen des Gerichts, in besonderen Fällen die Kosten in
Anwendung von Art. 107 ZPO nach Ermessen zu verteilen, insbesondere wenn
die Klage zwar grundsätzlich, aber nicht in der Höhe der Forderung gutgeheissen
wurde und diese Höhe vom gerichtlichen Ermessen abhängig oder die Beziffe-
rung des Anspruchs schwierig war (Art. 107 Abs. 1 lit. a ZPO). Häufiges Beispiel
hierfür ist der Haftpflichtprozess, wenn sowohl die Haftung als auch das Quantita-
tiv umstritten sind.
Vorliegend stellen die Genugtuungssummen für die verschiedenen Kläger
den überwiegender Teil der Klage dar. Hier steht dem Gericht ohnehin ein gros-
ses Ermessen zu. Die Verteilung der Gerichtskosten nach der Haftungsquote
drängt sich vorliegend nicht auf.
Die Beklagte hat den klaren Antrag gestellt, die Klage sei abzuweisen
(act. 11 S. 2; act. 61 S. 2), und zwar gänzlich. Sie dringt damit nicht durch. Die
Kläger obsiegen damit nicht nur im Grundsatz, sondern mehrheitlich. Das Obsie-
gen im Grundsatz und beim Quantitativ im überwiegenden Ausmass muss ge-
genüber der allgemeinen Verteilungsregel als massgebender Korrekturfaktor be-
rücksichtigt werden (HANS SCHMID, in: OBERHAMMER/DOMEJ/HAAS, Kurzkommentar
ZPO, 2. Aufl., Basel 2014, N 2 zu Art. 107 ZPO; u.a. Urteile des Handelsgerichts
des Kantons Zürich vom 26. Januar 2016, HG120057 E. 9.1 [auch in plädoyer
3/16 S. 58] und vom 23. November 2016, HG060245 E.V.).
Damit ist die Beklagte als alleine kostenpflichtig zu erklären.
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5.3. Parteientschädigungen
Die Höhe der Parteientschädigung wird nach der Anwaltsgebührenverord-
nung vom 8. September 2010 (AnwGebV) festgesetzt. Da sich sämtliche Kläger
durch dieselben Rechtsvertreter haben vertreten lassen, ist die Parteientschädi-
gung gesamthaft zu berechnen. Entsprechend obiger Kostenverteilung ist den
Klägern eine volle Parteientschädigung zuzusprechen. In Anwendung von § 4
Abs. 1 und 2 sowie von § 11 AnwGebV ist die Parteientschädigung auf
CHF 27'000.– festzulegen.
Das Handelsgericht erkennt:
1. a) Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin 1 für Todesfall- und Bestat-
tungskosten sowie für Sachschaden CHF 27'242.82 nebst Zins zu 5%
auf CHF 720.– seit tt.mm.2010 sowie auf CHF 26'522.82 seit 30. Juni
2014 zu bezahlen.
b) Die Beklagte wird verpflichtet, der Klägerin 1 eine Genugtuung von
CHF 45'000.– nebst Zins zu 5% seit tt.mm.2010 zu bezahlen.
c) Die Beklagte wird verpflichtet, den Klägern 2-5 je eine Genugtuung von
CHF 22'500.– nebst Zins zu 5% seit tt.mm.2010 zu bezahlen.
d) Im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen.
2. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf CHF 17'000.–.
Die weiteren Kosten (Gutachten) betragen CHF 9'757.50.
3. Die Kosten werden der Beklagten auferlegt.
Die Gerichtsgebühr wird vorab zwar aus dem Kostenvorschuss der Kläger
bezogen. Für die der Beklagten auferlegten Kosten wird den Klägern das
Rückgriffsrecht auf die Beklagte eingeräumt.
Die Kosten für die Beweiserhebung werden im Umfang von CHF 6'000.– aus
dem diesbezüglichen Vorschuss der Beklagten gedeckt und im Umfang von
CHF 3'757.50 vorab aus dem dafür geleisteten Vorschuss der Kläger bezo-
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gen. Dafür wird den Klägern das Rückgriffsrecht auf die Beklagte einge-
räumt.
4. Die Beklagte wird verpflichtet, den Klägern eine Parteientschädigung von
CHF 27'000.– zu bezahlen.
5. Schriftliche Mitteilung an die Parteien.
6. Eine bundesrechtliche Beschwerde gegen diesen Entscheid ist innerhalb
von 30 Tagen von der Zustellung an beim Schweizerischen Bundesgericht,
1000 Lausanne 14, einzureichen. Zulässigkeit und Form einer solchen Be-
schwerde richten sich nach Art. 72 ff. (Beschwerde in Zivilsachen) oder
Art. 113 ff. (subsidiäre Verfassungsbeschwerde) in Verbindung mit Art. 42
und 90 ff. des Bundesgesetzes über das Bundesgericht (BGG). Der Streit-
wert beträgt CHF 234'996.80.