# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 74ba55f9-fd59-4ad0-b783-16047b016aad
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2012
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ Am 28. Oktober 2008 meldete ein Landwirt der Polizeistation X., dass er bei seiner
Scheune ein Vogelhäuschen mit einer versteckten Digitalkamera gefunden habe. Er
übergab das Vogelhäuschen samt eingeschalteter Digitalkamera Polizeibeamten. Die
Überprüfung der gespeicherten Fotos ergab, dass unzählige Aufnahmen von der
Rückseite der Liegenschaft gemacht worden waren. Es bestand Grund zur Annahme,
dass der Tierschützer Erwin Kessler damit nachweisen wollte, dass der Landwirt seinen
Kühen den gesetzlich vorgeschriebenen Auslauf im Freien nicht gewährt hatte.
Am 2. Januar 2009 erstattete der Verein gegen Tierfabriken Schweiz (kurz: VgT)
Anzeige bei der Anklagekammer und stellte die Rechtsbegehren, es sei festzustellen,
dass das Löschen von Fotoaufnahmen auf der Speicherkarte der Fotokamera des VgT
durch die Polizeistation X. rechtswidrig erfolgt sei, ebenso wie das vor diesem Löschen
erfolgte heimliche Abspeichern von angeblich 522 Fotoaufnahmen auf einer CD. Am
31. März 2009 eröffnete die Anklagekammer ein Strafverfahren gegen zwei
Polizeibeamte wegen Verdachts des Amtsmissbrauchs und schrieb die Anzeige zufolge
Gegenstandslosigkeit ab. In der Folge hob das Untersuchungsamt St. Gallen die
Strafverfahren auf. Am 27. Januar 2010 trat die Anklagekammer auf eine Beschwerde
des VgT gegen die Aufhebung der Strafuntersuchung gegen einen der beiden
Polizeibeamten mangels Legitimation nicht ein, stellte aber fest, dass das Abspeichern
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der Fotoaufnahmen sowie das Löschen der Speicherkarte durch die Kantonspolizei
rechtswidrig erfolgt seien.
B./ Am 2. März 2010 erstattete der VgT, vertreten durch Rechtsanwalt lic. iur. R., St.
Gallen, der Disziplinarkommission der st. gallischen Staatsverwaltung Anzeige gegen
den fraglichen Beamten der Kantonspolizei und stellte den Antrag, gegen diesen seien
angemessene Disziplinarmassnahmen zu verfügen. Am 23. Dezember 2011 ersuchte
der VgT den Generalsekretär des Sicherheits- und Justizdepartements um Orientierung
über den Ausgang des Disziplinarverfahrens. Dem Schreiben lag ein Schreiben des
Präsidenten der Disziplinarkommission an die Staatsanwaltschaft des Kantons St.
Gallen vom 7. Mai 2009 bei. Daraus geht hervor, dass am 5. Mai 2009 gegen den
Polizeifunktionär eine Disziplinaruntersuchung angeordnet worden war. Am 10. Januar
2012 bestätigte der Generalsekretär des Sicherheits- und Justizdepartements dem
Rechtsvertreter des VgT, dass das Disziplinarverfahren gegen den fraglichen Beamten
der Kantonspolizei mit Verfügung abgeschlossen worden sei. Er teilte zudem mit, aus
Gründen des Amtsgeheimnisses und des Persönlichkeitsschutzes des
Polizeifunktionärs sei es nicht möglich, darüber hinaus Angaben über die Erledigung
der Angelegenheit zu machen. Nachdem der VgT um eine anfechtbare Verfügung
ersucht hatte, wies das Sicherhits- und Justizdepartement das Gesuch betreffend
Orientierung über die Erledigung der Disziplinaranzeige am 16. Januar 2012 ab.
C./ Am 6. Februar 2012 erhob der VgT, vertreten durch Rechtsanwalt lic.iur. R., St.
Gallen, gegen die Verfügung des Sicherheits- und Justizdepartements vom 16. Januar
2012 Beschwerde beim Verwaltungsgericht. Er stellte das Rechtsbegehren, die
angefochtene Verfügung sei aufzuheben und das Sicherheits- und Justizdepartement
sei anzuweisen, den VgT über den Ausgang des gegen den Beamten der
Kantonspolizei geführten Disziplinarverfahrens ins Bild zu setzten. Nachdem die
Beschwerde am 12. März 2012 begründet worden war, nahm das Sicherheits- und
Justizdepartement am 26. März 2012 Stellung und beantragte, die Beschwerde sei
abzuweisen. Der Eingabe lag zur Orientierung u.a. die Verfügung des Sicherheits- und
Justizdepartements bei, mit welcher das Disziplinarverfahren betreffend den fraglichen
Polizeifunktionär am 29. Oktober 2010 abgeschlossen worden war. In der Folge wurde
dem Rechtsvertreter des VgT mitgeteilt, diese Verfügung werde nicht ausgehändigt.
Das Verwaltungsgericht werde darüber zu befinden haben, ob der VgT zu Recht über
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den Ausgang des Disziplinarverfahrens nicht ins Bild gesetzt worden sei. Der VgT
machte am 5. April 2012 von der Möglichkeit Gebrauch, sich zu neuen tatsächlichen
und rechtlichen Argumenten zu äussern.

## Considerations

Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Sodann ist
der VgT zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit
Art. 45 Abs. 1 VRP). Im Weiteren erfüllen die Beschwerdeeingabe vom 6. Februar 2012
und ihre Ergänzung vom 12. März 2012 die gesetzlichen Anforderungen in zeitlicher,
sachlicher und inhaltlicher Hinsicht (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 und 2 VRP).
Auf die Beschwerde ist einzutreten.
2. Der Beschwerdeführer beantragt, bei der st. gallischen Anwaltskammer sei eine
Amtsauskunft einzuholen und es seien Unterlagen zu den in den letzten fünf Jahren
abgeschlossenen Disziplinarverfahren gegen Funktionäre der Kantonspolizei zu
edieren.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör gebietet, dass rechtzeitig und formrichtig
angebotene Beweismittel abzunehmen sind, es sei denn, diese betreffen eine nicht
erhebliche Tatsache oder seien offensichtlich untauglich, über die streitige Tatsache
Beweis zu erbringen (BGE 124 I 242 E. 2; 117 Ia 268 E. 4b).
Im vorliegenden Fall ergeben sich die rechtserheblichen Tatsachen aus den Akten,
weshalb auf die Abnahme der beantragten Beweise verzichtet werden kann.
3. Der Beschwerdeführer macht geltend, mit verfahrensleitender Verfügung im Rahmen
des Beschwerdeverfahrens sei sein rechtliches Gehör verletzt worden, weil ihm die von
der Vorinstanz eingereichte Verfügung vom 29. Oktober 2010 betreffend den Abschluss
des Disziplinarverfahrens nicht zur Kenntnis gebracht worden sei. Er begründet dies
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damit, Geheimakten gebe es im Verfahren vor Verwaltungsgericht nicht bzw.
Prozessakten würden der Gegenpartei ungeachtet des Inhalts zur Einsicht offenstehen.
Das Sicherheits- und Justizdepartment hat dem Rechtsvertreter des VgT am
10. Januar 2012 bestätigt, dass das Disziplinarverfahren gegen den fraglichen Beamten
der Kantonspolizei mit einer Verfügung abgeschlossen worden sei. Streitgegenstand im
Beschwerdeverfahren ist, ob der VgT als Erstatter der Anzeige Anspruch darauf habe,
über den Inhalt dieser Verfügung ins Bild gesetzt zu werden. Die Verfügung vom
29. Oktober 2010 hätte im Rahmen der Verfahrensleitung somit gar nicht ausgehändigt
werden dürfen, da das Beschwerdeverfahren damit gegenstandslos geworden wäre.
Demzufolge ist dem Rechtsvertreter des VgT am 2. April 2012 mit Recht mitgeteilt
worden, das Verwaltungsgericht werde darüber zu befinden haben, ob der VgT über
den Ausgang des Disziplinarverfahrens orientiert werden müsse. Hinzu kommt, dass
die Beteiligten gemäss Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 16 Abs. 1 VRP nur insoweit
einen Anspruch auf Einsicht in die Akten haben, als nicht wichtige öffentliche oder
schutzwürdige private Interessen entgegenstehen.
Der Vorwurf, im Rahmen des Verfahrens vor Verwaltungsgericht sei eine
Gehörsverletzung erfolgt, erweist sich somit als unbegründet.
4. Der Beschwerdeführer beruft sich darauf, nach der Praxis der st. gallischen
Anwaltskammer, die ihre Grundlage in Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung (SR 101,
abgekürzt BV) bzw. in der dazu ergangenen Rechtsprechung habe, werde das
Interesse desjenigen, der Anzeige erstattet, wenigstens über den Ausgang des
Disziplinarverfahrens orientiert zu werden, höher gewichtet als das Interesse des
betroffenen Rechtsanwalts und es gebe keinen sachlichen Grund, die Berufsgruppe
der Polizeifunktionäre anders zu behandeln. Dieser "Mittelweg" zwischen
Informationspflicht und völliger Verweigerung der Information müsse auch im
vorliegenden Fall begangen werden, zumal es einem fundamentalen öffentlichen
Interesse entspreche, dass sich Mitarbeiter der Kantonspolizei rechtskonform verhalten
würden. Selbst wenn hinsichtlich Transparenz bei Polizeifunktionären eine
einzelfallbezogene Abwägung sich entgegenstehender Interessen erforderlich sein
sollte, sei im vorliegenden Fall zu berücksichtigen, dass es um eine Information gehe,
die einen direkten Bezug zur öffentlichen Stellung des Polizeifunktionärs habe bzw.
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dass seine Privatsphäre nicht tangiert werde. Sodann bestehe ein besonderes
Informationsinteresse der Öffentlichkeit, weil es um illegale Vorgänge innerhalb der
Polizei gehe.
4.1. Der Beschwerdeführer verlangt als Erstatter der Anzeige Einsicht in das Dispositiv
der Verfügung vom 29. Oktober 2010, mit welcher das Disziplinarverfahren
abgeschlossen worden ist, mithin partielle Akteneinsicht.
4.1.1. Nach Art. 24 des Disziplinargesetzes (sGS 161.3, abgekürzt DG) wird das VRP
sachgemäss angewendet, soweit dieses Gesetz nichts anderes bestimmt. Als
Verwaltungsverfahren ist die Disziplinarrechtspflege nicht publikums-, sondern insofern
parteiöffentlich, als die Verfahrensbeteiligten Anspruch auf Akteneinsicht und
Gewährung der übrigen Elemente des rechtlichen Gehörs haben (Cavelti/Vögeli,
Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen 2003, Rz. 1012). Der
Beschwerdeführer erklärt, dass er im Rahmen des zur Diskussion stehenden
Disziplinarverfahrens nie Parteistellung und umfassende Akteneinsicht beansprucht
habe. Als Betroffener im Sinne eines Dritten mit überwiegenden schutzwürdigen
Interessen habe er aber Anspruch darauf, über den Ausgang des Disziplinarverfahrens
ins Bild gesetzt zu werden.
4.1.2. Nach Art. 25 Abs. 1 VRP ist die Verfügung den Betroffenen zu eröffnen, wobei
als Betroffene auch Dritte gelten, deren eigene schutzwürdige Interessen durch die
Verfügung berührt werden. Nach Art. 45 Abs. 1 VRP ist zur Erhebung eines Rekurses
sodann nur berechtigt, wer an der Änderung oder Aufhebung der Verfügung oder des
Entscheids ein eigenes schutzwürdiges Interesse dartut. Gegen behördliches Handeln
soll deshalb grundsätzlich nur einschreiten können, wer selbst davon betroffen ist. Die
Rechtsmittelbefugnis wird verneint, wenn jemand mit der Prozessführung nicht eigene,
sondern Interessen Dritter oder Allgemeininteressen verfolgt (Cavelti/Vögeli, a.a.O.,
Rz. 387/388). Voraussetzung für den Zugang zum Verfahren ist sodann der Nachweis
eines materiellen oder ideellen Nachteils. Damit soll die Popularbeschwerde
ausgeschlossen werden (Cavelti/Vögeli, a.a.O., Rz. 390).
4.1.3. Aus Art. 29 Abs. 2 BV wird ein Anspruch auf Akteneinsicht ausserhalb eines
hängigen Verfahrens hergeleitet. Er ist von einem besonders schutzwürdigen Interesse
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abhängig. Dieses kann sich aus der Betroffenheit in einem spezifischen Freiheitsrecht,
aus einer speziellen Sachnähe oder im Hinblick auf ein Verfahren ergeben. Sodann
findet das Einsichtsrecht seine Grenzen an entgegenstehenden öffentlichen oder
privaten Interessen (G. Steinmann, in: Ehrenzeller/Mastronardi/Schweizer/Vallender
(Hrsg.), St. Galler Kommentar BV, 2. Aufl., St. Gallen/Zürich 2008, N 29 zu Art. 29 BV,
Kölz/Häner, Verwaltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 2. Aufl.,
Zürich 1998, N 132). Ein schutzwürdiges Interesse kann namentlich vorliegen, wenn die
Einsichtnahme in die Akten der eigenen Person beantragt wird oder ein in Aussicht
genommenes Verfahren nur in Kenntnis der Akten eingeleitet werden kann (Cavelti/
Vögeli, a.a.O., Rz. 1137).
4.1.4. Nach der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zu Art. 48 Abs. 1 des
Bundesgesetzes über das Verwaltungsverfahren (SR 172.021, abgekürzt VwVG) und
Art. 89 des Bundesgerichtsgesetzes (SR 173.110, abgekürzt BGG) setzt die
Beschwerdelegitimation eines Dritten, der nicht Verfügungsadressat ist, voraus, dass er
durch den erlassenen Entscheid stärker als ein beliebiger Dritter betroffen ist und in
einer besonderen, beachtenswerten, nahen Beziehung zur Streitsache steht. Neben der
spezifischen Nähe zur Streitsache muss der Beschwerdeführer einen praktischen
Nutzen aus einer allfälligen Aufhebung oder Änderung des angefochtenen Entscheids
ziehen, d.h. seine Situation muss durch den Ausgang des Verfahrens in relevanter
Weise beeinflusst werden können. Ein bloss mittelbares oder ausschliesslich
allgemeines öffentliches Interesse begründet - ohne Beziehungsnähe zur Streitsache -
keine Parteistellung. Dies schliesst aber nicht aus, dass Private an der Durchsetzung
des objektiven Rechts ein besonderes schutzwürdiges Interesse haben, das über das
Allgemeininteresse an der richtigen Rechtsanwendung hinausgeht und eine
Parteistellung begründen kann (BGer 2C_762/2010 vom 2. Februar 2011 E. 4.1 mit
zahlreichen Hinweisen und E. 4.2.3). Derjenige, der bei einer Aufsichtsbehörde Anzeige
einreicht, erwirkt aber allein hierdurch noch kein schutzwürdiges Interesse im Sinn von
Art. 48 Abs. 1 VwVG und Art. 89 Abs. 1 BGG (BGer 2C_762/2010 vom 2. Februar 2011
E. 4.3.2 mit zahlreichen Hinweisen). Das gilt jedenfalls dann, wenn es dem Anzeiger nur
darum geht, dass ein Disziplinarverfahren eröffnet oder eine Disziplinarsanktion
ausgefällt wird. Auch der Dritte, der mittelbar durch eine Disziplinarmassnahme einen
faktischen Nachteil erleidet, ist nicht legitimiert, so der Klient eines Anwalts, wenn er
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infolge einer gegen den Anwalt ausgesprochenen Disziplinarmassnahme einen anderen
Vertreter suchen muss (BGE 135 II 151 E. 6.2).
4.1.5. Um sein Informationsinteresse zu begründen, bringt der Beschwerdeführer keine
eigenen schutzwürdigen Interessen, sondern nur allgemeine Interessen vor. Er macht
geltend, es entspreche einem fundamentalen öffentlichen Interesse, dass sich
Polizeifunktionäre an die Rechtsordnung halten würden. Sodann sei ein
Disziplinarverfahren nicht nur ein polizeiinterner Reinigungsvorgang. Es gehe auch
darum, durch schuldhaftes Verhalten von Polizeifunktionären eingetretene
Funktionsstörungen im täglichen Integrationsprozess der staatlichen Gemeinschaft zu
beseitigen und den Betroffenen eine faire und zügige Klärung der ihnen angelasteten
Vorwürfe zu verschaffen. Deshalb habe die Öffentlichkeit ein besonderes Interesse an
der Offenlegung des Ausgangs von Disziplinarverfahren die im Zusammenhang mit
Polizeifunktionären geführt werden.
Disziplinarische Massnahmen sind administrative Massnahmen und somit keine Strafen
im Rechtssinn. Sie dienen der Aufrechterhaltung der Ordnung sowie der Wahrung des
Ansehens und der Vertrauenswürdigkeit der Verwaltung und der Justiz. Sie sollen
bewirken, dass diejenigen Personen, die dem Disziplinarrecht unterstehen, ihre
Pflichten erfüllen (Häfelin/Müller/Uhlmann, Allgemeines Verwaltungsrecht, 6. Aufl.,
Zürich 2010, Rz. 1192; vgl. auch ABl 1972, S. 1397). Das Disziplinarrecht ist somit nicht
darauf ausgerichtet, einem gegebenenfalls vorhandenen Interesse der Öffentlichkeit,
darüber ins Bild gesetzt zu werden, wie die Disziplinargewalt in einem konkreten Fall
ausgeübt wird, Rechnung zu tragen. Im konkreten Fall vermag der Beschwerdeführer
jedenfalls kein besonders schutzwürdiges individuelles Interesse daran nachzuweisen,
über den Ausgang des Disziplinarverfahrens informiert zu werden. In Betracht fällt
weiter, dass ihm bekannt ist, dass die Anklagekammer das Verhalten des Beamten der
Kantonspolizei als rechtswidrig qualifiziert hat und dass das Disziplinarverfahren mit
einer Verfügung abgeschlossen worden ist. Hinzu kommt, dass Disziplinarmassnahmen
strafähnlichen Charakter haben. Sie tangieren die Persönlichkeitsrechte des
Betroffenen in besonderem Mass. Dementsprechend gehören Angaben über
disziplinarische Verfahren und Sanktionen zu den besonders schützenswerten
Personendaten (Art. 1 lit. b Ziff. 4 des Datenschutzgesetzes, sGS 142.1, abgekürzt
DSG). Die Bekanntgabe derartiger Daten ist an strenge Voraussetzungen geknüpft. Sie
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ist nur zulässig, wenn das Gesetz die Bekanntgabe vorsieht oder die betroffene Person
eingewilligt hat oder die Bekanntgabe im Interesse der betroffenen Person liegt und
deren Einwilligung nicht eingeholt werden kann (Art. 13 Abs. 1 DSG). Selbst wenn der
Beschwerdeführer ein eigenes schutzwürdiges Interesse an der Kenntnisnahme des
Inhalts der Verfügung vom 29. Oktober 2010 hätte, würde das persönliche Interesse
des Beamten der Kantonspolizei an der Wahrung seiner Persönlichkeitsrechte
gegenüber dem Informationsinteresse des Beschwerdeführers somit überwiegen.
4.1.6. An dieser Beurteilung ändert nichts, dass der Beschwerdeführer geltend macht,
die st. gallische Anwaltskammer gewichte das Interesse desjenigen, der eine Anzeige
eingereicht habe, an der Kenntnisnahme des Ausgangs des Disziplinarverfahrens höher
als das Interesse des betroffenen Rechtsanwalts. In Betracht fällt vorab, dass die st.
gallische Anwaltskammer kein Organ der Vorinstanz ist, weshalb keine rechtsungleiche
Behandlung des Beschwerdeführers vorliegen kann (Häfelin/Müller/Uhlmann, a.a.O.,
Rz. 508 mit Hinweisen). Sodann beruht das Disziplinarrecht bezüglich einer Anwältin
oder eines Anwalts auf einer anderen Rechtsgrundlage als dasjenige bezüglich eines
Mitarbeiters der Staatsverwaltung, und es werden damit unterschiedliche Zwecke
verfolgt. Bei der Disziplinaraufsicht nach dem Bundesgesetz über die Freizügigkeit der
Anwältinnen und Anwälte (SR 935.61) steht der Schutz des rechtsuchenden Publikums
im Vordergrund, während das Disziplinarverfahren gemäss DG, wie ausgeführt, in
erster Linie der Sicherstellung des ordnungsgemässen Verwaltungsbetriebs dient. Das
Publikumsinteresse bei Disziplinarmassnahmen gegen Anwältinnen und Anwälte ist
zufolge des Schutzes des Publikums somit weit höher zu gewichten als im Fall eines
Disziplinarverfahrens gegenüber einem Mitarbeiter der Staatsverwaltung.
Dementsprechend begründet die Einreichung einer Anzeige, wie ausgeführt, für sich
allein kein eigenes schutzwürdiges Interesse daran, von der Art und Weise, wie das
Verfahren abgeschlossen worden ist, in Kenntnis gesetzt zu werden.
4.2. Mit der Replik vom 5. April 2010 macht der Beschwerdeführer sodann geltend, die
Vorinstanz räume in ihrer Vernehmlassung ein, dass das zur Diskussion stehende
Disziplinarverfahren strafrechtlichen Charakter habe. Aus diesem Grund habe er
gestützt auf den in Art. 6 Ziff. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR
0.101, abgekürzt EMRK) verankerten Öffentlichkeitsgrundsatz Anspruch darauf, über
den Ausgang des Disziplinarverfahrens orientiert zu werden.
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Gemäss Art. 6 Ziff. 1 EMRK sind Urteile in Verfahren, in denen über die Stichhaltigkeit
einer strafrechtlichen Anklage entschieden wird, öffentlich zu verhandeln. Auch Art. 14
Abs. 1 des UNO-Pakts II (SR 0.103.3) verlangt im Grundsatz, dass jedes Urteil in einer
Strafsache öffentlich zu verkünden sei. Schliesslich ist der Grundsatz der Öffentlichkeit
von Gerichtsverhandlungen in Art. 30 Abs. 3 BV und in Art. 60 Abs. 1 der
Kantonsverfassung (sGS 111.1, abgekürzt KV) verankert. Der Öffentlichkeitsgrundsatz
bedeutet eine Absage an jegliche Form der Kabinettsjustiz. Er soll den Personen, die
am Prozess beteiligt sind, eine korrekte Behandlung gewährleisten. Der
Öffentlichkeitsgrundsatz will der Allgemeinheit aber auch ermöglichen, festzustellen,
wie das Recht verwaltet und die Rechtspflege ausgeübt wird, und liegt insoweit im
öffentlichen Interesse (BGE 133 I 107 E. 8.1 mit Hinweisen).
Im vorliegenden Fall steht nicht der Ausgang eines Strafverfahrens, sondern derjenige
eines Disziplinarverfahren zur Diskussion. Daran ändert nichts, dass
Disziplinarmassnahmen strafähnlichen Charakter haben. Art. 6 Ziff. 1 EMRK gilt in der
Regel aber nicht für Disziplinarverfahren, weil es einem Staat freisteht, einen
bestimmten Sachverhalt auch disziplinarisch zu würdigen. Insbesondere können
Mitglieder besonderer Institutionen (Schulen, Gefängnisse) oder Berufsgattungen
(Rechtsanwälte, Ärzte, Beamte) bestimmten Verhaltensregeln unterstellt werden, ohne
dass Disziplinarsanktionen die Anwendung der Garantien des Art. 6 EMRK bedingen
(M.E. Villiger, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention, 2. Aufl., Zürich
1999, Rz. 400). In Betracht fällt weiter, dass es sich bei der Disziplinarkommission bzw.
bei der Vorinstanz nicht um eine richterliche Behörde im Sinn der EMRK bzw. von
Art. 30 Abs. 1 BV handelt (vgl. dazu BGE 126 I 230 ff.).
Es ergibt sich somit, dass sich der Beschwerdeführer bezüglich seines Anliegens nicht
auf Art. 6 Ziff. 1 EMRK berufen kann.
4.3. Schliesslich nimmt der Beschwerdeführer Bezug auf das Urteil des
Verwaltungsgerichts VerwGE B 2010/123 vom 16. Dezember 2010, abrufbar unter
www.gerichte.sg.ch, und leitet daraus ab, er habe Anspruch auf Bekanntgabe des
Ausgangs des Disziplinarverfahrens. Damit hat das Verwaltungsgericht auf der
Grundlage von Art. 60 Abs. 1 KV entschieden, ein Begehren um Einsicht in einen
Umweltverträglichkeitsbericht über eine Kantonsstrasse dürfe - vorbehältlich
http://www.gerichte.sg.ch/
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überwiegender privater oder öffentlicher Interessen, die eine Geheimhaltung erfordern -
nicht mit der Begründung abgewiesen werden, die Einsicht werde erst später bei der
öffentlichen Auflage des Strassenprojekts gewährt. Nach Art. 60 Abs. 1 KV informieren
die Behörden von sich aus oder auf Anfrage über ihre Tätigkeit, soweit keine
öffentlichen oder schützenswerten privaten Interessen entgegenstehen. Zutreffend ist,
dass das Verwaltungsgericht im genannten Urteil festgestellt hat, es widerspreche dem
dem Öffentlichkeitsprinzip zugrundeliegenden Gedanken, dass es heute angesichts der
rudimentären Bestimmungen im Staatsverwaltungs- und Gemeindegesetz
grundsätzlich dem Belieben der zuständigen Behörde anheimgestellt sei, wann und in
welcher Form sie über ihre Tätigkeit informiere. Dementsprechend hat das Gericht
ausgeführt, bis zum Vorliegen entsprechender gesetzlicher Regelungen seien die
Behörden gehalten, Einsichtsbegehren im Lichte der genannten Grundsätze zu
behandeln und die bestehenden Regelungen entsprechend zu handhaben,
insbesondere wenn die Einsicht begehrende Person unbestrittenermassen in ihren
rechtlich geschützten Interessen betroffen sei (E. 2.5.). Im vorliegenden Fall hat der
Beschwerdeführer bezüglich des Ausgangs des Disziplinarverfahrens aber kein eigenes
rechtlich geschütztes Informationsinteresse, abgesehen davon, dass der Bekanntgabe
des Verfahrensausgangs rechtlich geschützte private Interessen des Polizeifunktionärs
entgegenstehen. Im Weiteren besteht kein Grund zur Annahme, der angefochtene
Entscheid beruhe auf unsachlichen "rechtspolitisch auf den Beschwerdeführer"
bezogenen Überlegungen.
5. Zusammenfassend ergibt sich, dass die Beschwerde abzuweisen ist. Der
Beschwerdeführer hat als Anzeiger im konkreten Fall keinen Anspruch darauf, über den
Ausgang des Disziplinarverfahrens informiert zu werden.
5.1. Der Beschwerdeführer stellt den Antrag, für den Fall, dass die Beschwerde
abgewiesen werde, seien ihm die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens aus
Billigkeitsgründen zu erlassen. Er begründet dies damit, nicht zuletzt aufgrund der
Verletzung des rechtlichen Gehörs habe Veranlassung bestanden, beim
Verwaltungsgericht Beschwerde zu hergeben.
Nach Art. 97 VRP kann die Behörde auf Kostenvorschüsse und auf die Erhebung
amtlicher Kosten verzichten, wenn die Umstände es rechtfertigen. Die weite
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Formulierung lässt einen dem Einzelfall angepassten Verzicht auf die Erhebung der
amtlichen Kosten zu. Ob zu verzichten ist, hat die Behörde nach pflichtgemässem
Ermessen zu entscheiden. Ein Anspruch besteht nicht. Art. 97 VRP könnte
grundsätzlich eine Grundlage sein, um ideelle Organisationen von der Kostentragung
zu befreien. Darin allein wurde indessen bisher kein besonderer Umstand im Sinn von
Art. 97 VRP erblickt (R. Hirt, Die Regelung der Kosten nach st. gallischem
Verwaltungsrechtspflegegesetz, Diss. St. Gallen 2004, S. 111 und 115 mit Hinweisen).
In Betracht fällt weiter, dass der Beschwerdeführer keine Veranlassung hatte, zufolge
einer Verletzung des rechtlichen Gehörs Beschwerde beim Verwaltungsgericht zu
erheben, abgesehen davon, dass eine solche auch im Rahmen des
verwaltungsgerichtlichen Verfahrens nicht erfolgt ist (vgl. Ziff. 3 hievor). Demzufolge
sind die amtlichen Kosten des Beschwerdeverfahrens dem Beschwerdeführer
aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine Entscheidgebühr von Fr. 1'500.-- ist
angemessen (Art. 7, Ziff. 222 der Gerichtskostenverordnung, sGS 941.12). Sie wird mit
dem geleisteten Kostenvorschuss in gleicher Höhe verrechnet.
Ausseramtliche Entschädigungen sind nicht zuzusprechen (Art. 98 Abs. 1 in
Verbindung mit Art. 98bis VRP).
Demnach hat das Verwaltungsgericht