# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 19e01733-2544-4c7f-b299-a64983eeb840
**Court:** SG_VGN
**Chamber:** SG_VGN_001
**Year:** 2007
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

hat das Verwaltungsgericht festgestellt:
A./ P. W.-X., geboren 4. Februar 1969, ist thailändische Staatsangehörige. Sie reiste
am 14. November 2002 mit einem Besuchervisum in die Schweiz ein und heiratete am
6. Juni 2003 in Winterthur den niedergelassenen deutschen Staatsbürger A. W.,
geboren 1950. In der Folge erteilte ihr das Migrationsamt des Kantons Zürich im
Rahmen des Familiennachzugs eine bis 5. Juni 2008 gültige Aufenthaltsbewilligung EG/
EFTA. Am 17. Januar 2004 trennten sich die Eheleute W.-X.. Am 1. Februar 2006 zog
die Ehefrau in den Kanton St. Gallen. Mit Urteil des Bezirksgerichts Winterthur vom 10.
Juli 2006 wurde die Ehe geschieden.
Mit Verfügung vom 24. Oktober 2006 widerrief das Ausländeramt des Kantons St.
Gallen die Aufenthaltsbewilligung von P. W.-X.. Zur Begründung wurde im
wesentlichen angeführt, die Ehe mit A. W. habe rund drei Jahre gedauert, wovon
lediglich neun Monate in ehelicher Gemeinschaft gelebt worden seien. Aufgrund des
kurzen Aufenthalts in der Schweiz sei der Ehefrau die Rückkehr in die Heimat
zuzumuten.
B./ Gegen die Verfügung des Ausländeramts erhob P. W.-X. durch ihren
Rechtsvertreter Rekurs, der vom Justiz- und Polizeidepartement mit Entscheid vom 16.
Mai 2007 abgewiesen wurde.
C./ Mit Eingabe ihres Rechtsvertreters vom 30. Mai 2007 erhob P. W.-X. Beschwerde
beim Verwaltungsgericht mit dem Antrag, der Rekursentscheid vom 16. Mai 2007 und
die Verfügung des Ausländeramts vom 24. Oktober 2006 seien aufzuheben und es sei
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
festzustellen, dass auf einen Widerruf der Aufenthaltsbewilligung EG/EFTA verzichtet
werde, unter Kosten- und Entschädigungsfolge. Ausserdem beantragte sie, es sei ihr
die unentgeltliche Rechtspflege und Rechtsverbeiständung zu bewilligen und es sei der
Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen. Die zur Begründung
vorgebrachten Ausführungen werden, soweit wesentlich, in den nachstehenden

## Considerations

Erwägungen dargelegt und gewürdigt.
Am 4. Juni 2007 teilte das Verwaltungsgericht der Beschwerdeführerin mit, die
Beschwerde habe von Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung und über das
Begehren um unentgeltliche Prozessführung werde nach Einholen der Akten
entschieden.
Die Vorinstanz schliesst in ihrer Vernehmlassung vom 13. Juni 2007 unter Hinweis auf
die Erwägungen des angefochtenen Entscheids sowie die Akten auf kostenfällige
Abweisung der Beschwerde.
Am 18. Juli 2007 heiratete die Beschwerdeführerin den Schweizer Bürger Pascal D.
Gleichentags meldete sie sich auf dem Einwohneramt W. ab und zog nach O. Kanton
Zürich, dem Wohnort des Ehemannes.
Darüber wird in Erwägung gezogen:
1. Die sachliche Zuständigkeit des Verwaltungsgerichts ist gegeben (Art. 59bis Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege, sGS 951.1, abgekürzt VRP). Die
Beschwerdeführerin ist grundsätzlich zur Ergreifung des Rechtsmittels legitimiert (Art.
64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Die Beschwerdeeingabe vom 30. Mai
2007 wurde rechtzeitig eingereicht und entspricht formal und inhaltlich den
gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und Art. 48
Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten. Nicht einzutreten ist hingegen
auf den Antrag, es sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Streitgegenstand ist der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung. Die Beschwerde hat von
Gesetzes wegen aufschiebende Wirkung (Art. 64 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 51 Abs.
1 VRP). Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid einer allfälligen Beschwerde
die aufschiebende Wirkung nicht entzogen. Somit trat der Suspensiveffekt von
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Gesetzes wegen ein. Nicht einzutreten ist ferner auf den Antrag, es sei festzustellen,
dass auf einen Widerruf der Bewilligung verzichtet werde. Die Beschwerdeführerin hat
die Möglichkeit, ein Gestaltungsurteil zu erwirken, mit dem die angefochtene Verfügung
sowie der angefochtene Rekursentscheid aufgehoben werden, weshalb kein Raum für
ein Feststellungsurteil bleibt.
Anfechtungsobjekt ist der Entscheid über den Widerruf der bis 5. Juni 2008 gültigen
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA. Diese wurde aufgrund der Heirat mit dem deutschen
Staatsbürger A. W. erteilt. Diese Ehe wurde am 10. Juli 2006 geschieden. Ob die
Beschwerdeführerin nach der Heirat des Schweizers Pascal D. und dem Wegzug in
den Kanton Zürich eine Aufenthaltsbewilligung zum Verbleib beim Schweizer Ehemann
gestützt auf Art. 7 Abs. 1 des Bundesgesetzes über Aufenthalt und Niederlassung der
Ausländer (SR 142.20, abgekürzt ANAG) beantragt hat, geht aus den Akten nicht
hervor. Die Beschwerdeführerin machte weder dem Ausländeramt noch dem
Verwaltungsgericht eine entsprechende Mitteilung. Auf weitere Abklärungen kann im
vorliegenden Fall aber verzichtet werden. Der derzeitige Ehemann ist Schweizer
Bürger, weshalb sich ein allfälliges Aufenthaltsrecht der Beschwerdeführerin in der
Schweiz nicht auf die bisherige EG/EFTA-Aufenthaltsbewilligung stützen kann. Die
Beschwerdeführerin hat in ihrem Wohnkanton eine Bewilligung nach Art. 7 Abs. 1
ANAG zu beantragen. Damit fragt sich, inwiefern die Beschwerdeführerin zur
Anfechtung des Widerrufs der EG/EFTA-Bewilligung noch ein schutzwürdiges Interesse
hat. Diese Frage kann indessen offen bleiben, da der Widerruf rechtmässig ist, wie aus
den nachstehenden Erwägungen hervorgeht.
2. Nach Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG kann die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden,
wenn eine mit ihr verbundene Bedingung nicht erfüllt wird. Die vom Ausländer im
Bewilligungsverfahren übernommenen Verpflichtungen und abgegebenen Erklärungen,
besonders über den Zweck des Aufenthalts, gelten als ihm auferlegte Bedingungen
(Art. 10 Abs. 3 der Vollziehungsverordnung zum ANAG, SR 142.201; abgekürzt ANAV).
2.1. Die Beschwerdeführerin kreuzte in ihrem Gesuch um Erteilung einer
Aufenthaltsbewilligung die Rubrik "nichterwerbstätig" an und gab als Aufenthaltszweck
ausdrücklich den Vermerk "Verbleib beim Ehemann" an. Wie die Vorinstanz zutreffend
ausführt, wurde auch im Ausländerausweis der Beschwerdeführerin als
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Aufenthaltszweck der Verbleib beim Ehegatten vermerkt. Die Beschwerdeführerin
übernahm somit die Verpflichtung, mit dem Ehemann zusammen zu wohnen, weshalb
der Verbleib beim Ehemann zu Recht als auferlegte Bedingung im Sinn von Art. 10 Abs.
3 ANAV qualifiziert wurde. Was in der Beschwerde dagegen vorgebracht wird, ist nicht
stichhaltig. Im Schrifttum wird zwar die Auffassung vertreten, der Widerrufsgrund nach
Art. 9 Abs. 2 lit. b ANAG sei "ausgesprochen problematisch" bzw. es sei "äusserst
stossend", an die Auflösung der ehelichen Gemeinschaft ausländerrechtliche
Sanktionen zu knüpfen (vgl. Spescha/Streuli, Kommentar zum Ausländerrecht, 2. Aufl.,
Zürich 2001, S. 42). Um eine herrschende Lehrmeinung handelt es sich dabei aber
nicht (vgl. A. Zünd, in: Uebersax/Münch/Geiser/Arnold, Ausländerrecht, Basel 2002, Rz.
6.18, wo die entsprechende Praxis nicht kritisiert wird). Im übrigen entspricht es einem
gewichtigen öffentlichen Interesse, dass ausländische Personen, denen eine
Aufenthaltsbewilligung ausschliesslich aus familiären Gründen erteilt wurde, das Land
wieder verlassen, wenn die Voraussetzungen für die Erteilung der Bewilligung nach
kurzer Aufenthaltsdauer wegfallen (VerwGE B 2006/52 vom 8. Juni 2006 i.S. A.R. mit
Hinweis auf VerwGE B 2004/163 vom 25. Januar 2005 i.S. D.H. und VerwGE B
2003/154 vom 16. März 2004 i.S. H.J., publ. in: www.gerichte.sg.ch). Nicht stichhaltig
ist im weiteren der Einwand, es seien die Rechtsfolgen des Wegfalls der Bedingung
oder des Aufenthaltszwecks anzudrohen, damit der Aufenthaltszweck rechtsgültig zur
Bedingung nach Art. 5 Abs. 1 ANAG werden könne. Eine solche Vorschrift enthalten
weder das ANAG noch die ANAV, und die von der Beschwerdeführerin zitierten
Autoren erachten es lediglich als "problematisch", wenn die gesuchstellende Person
auf dem Formular nicht auf die Rechtsfolge hingewiesen wird (Spescha/Streuli, a.a.O.,
S. 32).
Aus dem Gesagten folgt, dass die Vorinstanz zu Recht einen Widerrufsgrund nach Art.
9 Abs. 2 lit. b ANAG angenommen hat.
2.2. Die Beschwerdeführerin war mit einem niedergelassenen deutschen
Staatsangehörigen verheiratet. Damit konnte sie sich grundsätzlich auf Art. 7 lit. d des
Freizügigkeitsabkommens zwischen der Schweizerischen Eidgenossenschaft einerseits
und der Europäischen Gemeinschaft und ihren Mitgliedern andererseits (SR
0.142.112.681, abgekürzt FZA) sowie auf Art. 3 Abs. 1 und 2 des Anhangs I zum FZA
berufen, um aus dem Anwesenheitsrecht ihres Ehemannes ein Recht auf Aufenthalt
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
abzuleiten. Dieser Anspruch galt während der gesamten Dauer des formellen Bestands
der Ehe (BGE 130 II 113 E. 8.3, S. 129). Art. 3 des Anhangs I zum FZA bezweckt
primär, dem EU-Bürger die Freizügigkeit zu erleichtern, nicht aber, einem
Drittstaatsangehörigen sogar bei Wegfall der Nachzugsgrundlage weiterhin ein
selbständiges und bis zum nächsten Entscheid über die (Nicht)-Verlängerung der
Aufenthaltsbewilligung unantastbares Anwesenheitsrecht zu verschaffen. Art. 23 der
Verordnung über die schrittweise Einführung des freien Personenverkehrs (SR 142.203)
sieht denn auch ausdrücklich vor, dass EG/EFTA-Bewilligungen widerrufen werden
können, wenn die Voraussetzungen für ihre Erteilung nicht mehr erfüllt sind, und zwar
ohne dass zusätzliche Gründe hiefür bestehen müssen (BGE 2A.538/2006 vom 4.
Dezember 2006 mit Hinweis auf BGE 2A.131/2005 vom 14. September 2005).
Nachdem die Ehe der Beschwerdeführerin mit dem Niedergelassenen A. W.
geschieden wurde, ist die Voraussetzung für die Erteilung einer Bewilligung EG/EFTA
nicht mehr erfüllt, weshalb auch nach der dargelegten bundesgerichtlichen
Rechtsprechung ein Widerrufsgrund besteht. Da die im Schrifttum geäusserte
Auffassung, wonach der Wegfall der familiären Voraussetzungen der
Bewilligungserteilung keinen Widerrufsgrund darstelle, nicht als herrschende Meinung
bzw. Lehrmeinung betrachtet werden kann, ist es im Lichte der bundesgerichtlichen
Rechtsprechung auch nicht zu beanstanden, dass die Vorinstanz im angefochtenen
Entscheid nicht weiter auf die Argumentation der Beschwerdeführerin eingegangen ist.
Der Anspruch auf rechtliches Gehör bzw. auf Begründung eines Entscheids bedeutet
nicht, dass auf jedes einzelne Argument detailliert einzugehen ist; es genügt, wenn die
entscheidende Behörde die Gründe für ihre Verfügung vollständig und schlüssig
anführt (vgl. Cavelti/Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, St. Gallen
2003, Rz. 1054).
2.3. Inwiefern der Widerruf der Aufenthaltsbewilligung verhältnismässig ist, ist im
folgenden zu prüfen. Nach der Praxis werden Aufenthaltsbewilligungen in gewissen
Fällen zwar auch nach der Auflösung der Ehe bzw. der ehelichen Gemeinschaft
verlängert. Als massgebend werden dabei nach den Weisungen des Bundesamts für
Migration (Ziff. 654) unter anderem die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz, die
persönlichen Beziehungen zur Schweiz, insbesondere wenn Kinder vorhanden sind, die
berufliche Situation, die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage sowie das persönliche
Verhalten und der Integrationsgrad betrachtet. Zu berücksichtigen sind ferner die
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Umstände, die zur Auflösung der Ehe geführt haben. Nach der ständigen Praxis des
Ausländeramts wird im Einklang mit den Weisungen des Bundes bei einer Dauer der
ehelichen Gemeinschaft von fünf Jahren und mehr in der Regel eine
Jahresaufenthaltsbewilligung nicht mehr widerrufen (ABl 2001, S. 32). Bei den
erwähnten Weisungen des Bundesamts für Migration handelt es sich, wie die
Beschwerdeführerin zutreffend geltend macht, um eine Verwaltungsverordnung. Diese
regelt aber keinen Widerruf von Bewilligungen ohne formelle gesetzliche Grundlage.
Die formelle gesetzliche Grundlage für den Widerruf findet sich in Art. 9 Abs. 2 lit. b
ANAG. Mit der Verwaltungsverordnung wird lediglich eine einheitliche Anwendung des
Gesetzes gewährleistet, wobei nach einer gewissen Dauer der Ehe aus
Verhältnismässigkeitsüberlegungen auf einen Widerruf der Aufenthaltsbewilligung nach
der Auflösung der ehelichen Gemeinschaft verzichtet wird.
Die Beschwerdeführerin reiste am 14. November 2002 im Alter von 33 Jahren in die
Schweiz ein. Sie verbrachte somit den grössten Teil ihres Lebens in Thailand. Wie die
Vorinstanz mit Hinweis auf BGE 124 II 113 zutreffend festhält, stellt eine erzwungene
Ausreise nach einer Aufenthaltsdauer von weniger als fünf Jahren in aller Regel keine
Härte dar. Im vorliegenden Fall dauerte die eheliche Gemeinschaft mit A. W. weniger
als ein Jahr und damit nur sehr kurze Zeit. Auch die Dauer des formellen Bestands der
Ehe betrug erheblich weniger als fünf Jahre. Zudem blieb die Ehe kinderlos. Auch ist
aus den Umständen, die zur Trennung der Ehe geführt haben, kein Grund für einen
Verzicht auf einen Widerruf der Aufenthaltsbewilligung ersichtlich. Insbesondere liegen
keine Anhaltspunkte vor, und es wird in der Beschwerde auch nicht geltend gemacht,
dass ein weiterer Verbleib der Beschwerdeführerin beim Ehemann unzumutbar war.
Die Beschwerdeführerin beruft sich auf ihre persönlichen Beziehungen zur Schweiz, auf
ihre berufliche Stabilität sowie auf die Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation sowie auf
ihr Verhalten und ihre Integration. Zum Nachweis ihrer Ausführungen hat sie
verschiedene Personen als Zeugen angerufen. Auf weitere Beweiserhebungen kann im
vorliegenden Fall aber verzichtet werden. Die tatsächlichen Ausführungen in Abschnitt
B/1 - 5 der Beschwerdeschrift wurden von der Vorinstanz nicht bestritten oder in Frage
gestellt und können als erwiesen angenommen werden. Es ist glaubhaft, dass sich die
Beschwerdeführerin in der Schweiz ein soziales Netz aufgebaut hat, mit ihren
Bekannten in der Freizeit viel unternimmt und ihre Kontakte mit Freunden und der
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Familie in Thailand nicht mehr intensiv pflegt. Es ist aber nicht ersichtlich, weshalb die
Beschwerdeführerin ihre Kontakte mit Personen und namentlich mit
Familienangehörigen im Heimatstaat nicht wieder intensivieren kann. Insbesondere
geht aus der Darstellung der Beschwerdeführerin hervor, dass Familienangehörige in
Thailand leben, was eine Rückkehr in den Herkunftsstaat erheblich erleichtert.
Fest steht weiter, dass sich die Beschwerdeführerin als Arbeitnehmerin bewährt hat
und ihr gute Arbeitszeugnisse ausgestellt wurden. Allerdings ist die Feststellung der
Vorinstanz nicht zu beanstanden, die Beschwerdeführerin übe keine qualifizierte
Berufstätigkeit aus, welche in wirtschaftlicher oder arbeitsmarktlicher Hinsicht ein
Absehen von einem Widerruf der Aufenthaltsbewilligung rechtfertigen würde. Die
Beschwerdeführerin arbeitet gemäss Angaben ihrer Arbeitgeberin als
Produktionsmitarbeiterin, wobei in der Arbeitsbestätigung ihr ausgeprägtes manuelles
Geschick erwähnt wird. Es handelt sich offenbar nicht um eine Tätigkeit, die eine
Berufsausbildung oder anderweitige besondere Qualifikationen erfordert. Unter diesen
Umständen bestehen weder aus wirtschaftlicher noch aus arbeitsmarktlicher Hinsicht
gewichtige Gründe für ein Absehen von einem Widerruf der Bewilligung, selbst wenn es
im Einzelfall für die Arbeitgeberin mitunter schwierig ist, für eine gut eingearbeitete
Person eine adäquate Nachfolgerin zu finden.
Fest steht weiter, dass sich die Beschwerdeführerin bisher unbescholten verhielt und
sich durch den Besuch eines Sprachkurses aktiv um Integration bemühte. Allerdings
wird von jeder ausländischen Person erwartet, dass sie sich um Integration bemüht
und klaglos verhält. Die Bemühungen um Integration sind aber zugunsten der
Beschwerdeführerin zu berücksichtigen.
2.4. Zusammenfassend gelangt das Verwaltungsgericht zum Schluss, dass der
Widerruf der Aufenthaltsbewilligung aufgrund der kurzen Aufenthaltsdauer in der
Schweiz bzw. der kurzen Dauer der ehelichen Gemeinschaft, der Kinderlosigkeit der
Ehe und des Fehlens überdurchschnittlicher Schwierigkeiten im Falle einer Rückkehr in
den Herkunftsstaat sowie des Fehlens wirtschaftlicher und arbeitsmarktlicher Gründe
für eine Verlängerung des Aufenthaltsbewilligung verhältnismässig ist und nicht als
rechtswidrig betrachtet werden kann. Die Beschwerde ist daher als unbegründet
abzuweisen, soweit darauf einzutreten ist.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/10
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
3. Die Beschwerdeführerin beantragt die unentgeltliche Rechtspflege und
Rechtsverbeiständung. Diese wird gewährt, wenn die Gesuchstellerin bedürftig ist,
wenn das von ihr angestrebte Verfahren nicht aussichtslos und der Entscheid von
erheblicher Tragweite ist (Art. 99 VRP in Verbindung mit 281 Abs. 2 lit. a des
Zivilprozessgesetzes, sGS 961.2; Art. 29 Abs. 3 der Bundesverfassung, SR 101).
Aussichtslos sind nach der Rechtssprechung solche Begehren, bei denen die
Gewinnaussichten beträchtlich geringer sind als die Verlustgefahren. Dagegen gilt ein
Begehren nicht als aussichtslos, wenn sich Gewinnaussichten und Verlustgefahren
ungefähr die Waage halten oder jene nur wenig geringer sind als diese. Massgebend
ist, ob eine Partei, die selber über die nötigen Mittel verfügt, sich bei vernünftiger
Ueberlegung zu einem Prozess entschliessen würde; eine Partei soll einen Prozess,
den sie auf eigene Rechnung und Gefahr nicht führen würde, nicht deshalb anstrengen
können, weil er sie nichts kostet (vgl. statt vieler BGE 128 I 236 und 129 I 135 f.).
Nach der Scheidung von A. W. lag der Entscheid über den Widerruf der
Aufenthaltsbewilligung im Ermessen der Verwaltung. Aufgrund der auf die
Rechtskontrolle beschränkten Kognition des Verwaltungsgerichts (Art. 61 Abs. 1 und 2
VRP) muss die Beschwerde aufgrund der klaren gesetzlichen Grundlage für einen
Widerruf der Bewilligung, der kurzen Aufenthaltsdauer in der Schweiz sowie des
Fehlens persönlicher Umstände, welche die Rückkehr als Härte erscheinen liessen, als
aussichtslos betrachtet werden. Folglich ist das Gesuch um unentgeltliche
Rechtspflege und Rechtsverbeiständung abzuweisen.
4./ Dem Verfahrensausgang entsprechend sind die amtlichen Kosten des
Beschwerdeverfahrens der Beschwerdeführerin aufzuerlegen (Art. 95 Abs. 1 VRP). Eine
Entscheidgebühr von Fr. 2'000.-- ist angemessen (Ziff. 382 Gerichtskostentarif, sGS
941.12).
Ausseramtliche Kosten sind nicht zu entschädigen (Art. 98bis VRP).