# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 2a96e526-be7a-52c2-988e-383a17b4c4bb
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Der Beschwerdegegner reichte am 26. September 2018 bei der Gemeinde Lengnau
(BE) ein Baugesuch ein für einen Teil-Abbruch und die Aufstockung mit Umbau in ein
Dreifamilienwohnhaus des bestehenden Betriebsgebäudes mit Carport (neu für vier Autos)
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auf Parzelle Lengnau (BE) Grundbuchblatt Nr. E._. Die Parzelle liegt in der
Wohnzone 2-geschossig (W2). Gegen das Bauvorhaben erhoben unter anderen die
Beschwerdeführenden – Stockwerkeigentümer der südlichen Nachbarparzelle Nr.
G._1 – Einsprache.
Mit Gesamtentscheid vom 5. Februar 2019 erteilte die Gemeinde Lengnau (BE) die
Baubewilligung. Sie wies sämtliche Einsprachen ab. Bezüglich der Einsprachepunkte der
Beschwerdeführenden entschied sie, dass diese "in eine Rechtverwahrung umgewandelt
und hiermit als Rechtsverwahrung angemerkt" werden.
2. Dagegen reichten die Beschwerdeführenden am 1. März 2019 Beschwerde bei der
Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion des Kantons Bern (BVE) ein. Sie verlangen, dass die
in ihrer Einsprache bzw. Beschwerde vorgebrachten Punkte zufriedenstellend gelöst
werden statt diese als Rechtsverwahrung vorzumerken. Sie beschweren sich insbesondere
über die bestehende Böschung und die auf der Grenze stehende Mauer aus Natursteinen
und Eisenbahnschwellen. Weiter verlangen sie eine Erschliessung über den
F._weg, da sie ihre private Zufahrtsstrasse nicht zur Verfügung stellen wollen.
Zudem wünschen sie eine Lösung bezüglich Unterhaltsarbeiten insbesondere an
Sträuchern und dem Steingarten entlang der Parzellengrenze.
3. Das Rechtsamt, das die Beschwerdeverfahren für die BVE leitet2, führte den
Schriftenwechsel durch und holte die Vorakten ein. Die Gemeinde und der
Beschwerdegegner sind der Ansicht, bei den in der Einsprache vorgebrachten Punkten
handle es sich um zivilrechtliche Ansprüche, weshalb diese zu Recht als
Rechtsverwahrung vorgemerkt worden seien.3 Auf die Rechtsschriften wird, soweit für den
Entscheid wesentlich, in den nachfolgenden Erwägungen eingegangen.
1 Gemäss dem Grundstückdaten-Informationssystem GRUDIS umfasst die Parzelle Nr. G._ neu auch das Grundstück Nr. K._, welches am 30. Mai 2017 geschlossen wurde. Der von der Gemeinde gestempelte Situationsplan gibt diesbezüglich nicht die aktuelle Situation wieder. 2 Art. 7 der Verordnung vom 18. Oktober 1995 über die Organisation und die Aufgaben der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (Organisationsverordnung BVE, OrV BVE; BSG 152.221.191) 3 Vgl. dazu auch die Stellungnahme des Beschwerdegegners vom 10. Januar 2019 (Beschwerdebeilage 6)
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## Considerations

II. Erwägungen
1. Prozessvoraussetzungen
Angefochten ist ein Gesamtentscheid nach Art. 9 KoG4. Laut Art. 11 Abs. 1 KoG kann er –
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden – nur mit dem Rechtsmittel
angefochten werden, das für das Leitverfahren massgeblich ist. Das Leitverfahren ist im
vorliegenden Fall das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Bauentscheide
können nach Art. 40 Abs. 1 BauG5 innert 30 Tagen seit Eröffnung mit Baubeschwerde bei
der BVE angefochten werden. Die BVE ist somit zur Beurteilung der Beschwerde gegen
den Gesamtentscheid zuständig. Zur Beschwerde befugt sind die Baugesuchstellerinnen,
die Baugesuchsteller, die Einsprecherinnen, die Einsprecher und die zuständige
Gemeindebehörde (Art. 10 KoG i.V.m. Art. 40 Abs. 2 BauG). Die Beschwerdeführenden,
deren Einsprache abgewiesen bzw. als Rechtverwahrung vorgemerkt wurde, sind durch
den vorinstanzlichen Gesamtentscheid beschwert und daher zur Beschwerdeführung
legitimiert. Auf die form- und fristgerecht eingereichte Beschwerde ist deshalb unter
Vorbehalt der nachfolgenden Erwägung einzutreten.
2. Gegenstand des Verfahrens
a) In Ziffer 2 der Beschwerde (in Verbindung mit Ziff. 1 der Einsprache) monieren die
Beschwerdeführenden, der Abschluss an Parzelle Nr. G._ sei aus den
Schnittplänen nicht ersichtlich. Auf der Parzellengrenze seien teilweise Natursteine sowie
umweltbelastende und morsche Eisenbahnschwellen verbaut. Weil keine Entwässerung
oberhalb der Eisenbahnschwellen sowie Natursteine ausgeführt worden seien, hätten sie
nach einem starken Gewitter Humus und Steine vom neu angelegten Steingarten bei ihnen
auf dem Vorplatz. Sie würden nicht akzeptieren, dass sie den Humus sowie die
heruntergerollten Steine aufräumen müssten. Die Beschwerdeführenden verlangen einen
neuen gemäss dem Reglement zugelassenen Abschluss zur Parzelle G._ mit
einer maximalen Höhe von 1 m entlang der Parzellengrenze.
4 Koordinationsgesetz vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) 5 Baugesetz vom 9. Juni 1985 (BauG; BSG 721.0)
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b) Der Beschwerdegegner reichte mit der Beschwerdeantwort ein Foto bzw. einen
Detailplan zu dieser Grenzmauer und der Böschung ein. Daraus wird ersichtlich, dass auf
der Südseite der Parzellen Nrn. H._ und E._ eine mit Steinchen bedeckte
Böschung besteht. Diese findet ihren Abschluss in einer Blocksteinmauer bzw. ab ca. der
Höhe der Nachbarparzelle in einer Mauer, welche vermutlich aus Eisenbahnschwellen
besteht. Gemäss dem eingereichten Detailplan misst die als bestehend bezeichnete
Blocksteinmauer etwas weniger als 1.20 m. Die dahinterliegende Böschung erreicht bei
einem Grenzabstand von ca. 2.70 m eine Höhe von 3 m. In den Plänen zum Baugesuch
werden die Böschung und das Terrain als bestehend bezeichnet.
Diese Rügen der Beschwerdeführenden betreffen damit eine bereits bestehende Böschung
mit Stützmauer und nicht das mit dem angefochtenen Bauentscheid bewilligte Vorhaben.
Zudem befindet sich die Böschung mit Stützmauer auf zwei Parzellen (Nrn. E._
und H._, beide im Eigentum des Beschwerdegegners). Das aktuelle Bauvorhaben
betrifft jedoch nur die Parzelle Nr. E._. Die diesbezüglichen Rügen gehen über
das hinaus, was die Vorinstanz im angefochtenen Bauentscheid geregelt hat und liegen
damit ausserhalb des Streitgegenstandes. Insoweit kann deshalb nicht auf die Beschwerde
eingetreten werden. Inhaltlich handelt es sich bei den fraglichen Rügen um eine
baupolizeiliche Anzeige. Ziffer 2 der Eingabe vom 1. März 2019 in Verbindung mit Ziffer 1
der Einsprache wird der Gemeinde als zuständige Baupolizeibehörde (vgl. Art. 45 BauG)
weitergeleitet.6 Die Gemeinde hat diese Eingabe als baupolizeiliche Anzeige nach Art. 46
BauG entgegenzunehmen. Sie hat mindestens zu prüfen, ob ein unrechtmässiger Zustand
besteht und falls ja, ob die Wiederherstellung zu verfügen ist. 7 Soweit die Böschung nicht
bereits bewilligt wurde, hat sie dabei insbesondere Art. 415 des Gemeindebaureglements,
wonach Terrainveränderungen so zu gestalten sind, dass sie die bestehende Umgebung
nicht beeinträchtigen und ein natürlicher Übergang zu den Nachbargrundstücken entsteht,
sowie allenfalls die BSIG-Weisungen zu Böschungen und Stützmauern zu
berücksichtigen.8 Den Beschwerdeführenden ist Gelegenheit zur Teilnahme als Partei am
baupolizeilichen Verfahren zu geben (vgl. Art. 46 Abs. 2 Bst. a BauG).
6 Vgl. zum Vorgehen: Entscheid RA Nr. 140/2012/4 vom 11. September 2012, E. 2c sowie Urteil des Bundesverwaltungsgerichts A-4898/2011 vom 20. Februar 2012, E. 2.1 7 Vgl. auch Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 46 N. 2 8 Bernische Systematische Information Gemeinden (BSIG) Nr. 7/721.0/10.1, Baubewilligungsverfahren, Empfehlungen zur Behandlung einiger Sonderfälle von baubewilligungspflichtigen Vorhaben, Ziff. 4.3.3 sowie Anhang II dazu (abrufbar unter: <www.bsig.jgk.be.ch>)
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3. Einspracheverhandlung
a) Die Beschwerdeführenden bringen vor, es habe keine Einigungsverhandlung
stattgefunden.
b) Gemäss Art. 34 Abs. 1 BewD9 kann die Baubewilligungsbehörde eine
Einigungsverhandlung durchführen, sofern die Beteiligten nicht darauf verzichten. Aus der
„Kann“-Formulierung ergibt sich, dass es im Ermessen der Bewilligungsbehörde steht, ob
sie eine Einigungsverhandlung durchführt oder nicht. Die Parteien haben keinen Anspruch
auf die Durchführung einer Einigungsverhandlung.
c) Die Gemeinde war daher nicht verpflichtet, eine Einigungsverhandlung
durchzuführen. Diesbezüglich wird die Beschwerde abgewiesen.
4. Umwandlung in Rechtsverwahrung
a) Bezüglich der Einsprachepunkte 4 und 5 sind die Beschwerdeführenden mit einer
Umwandlung in eine Rechtsverwahrung einverstanden. Bezüglich drei von fünf
Einsprachepunkten sind sie hingegen nicht einverstanden mit der Umwandlung und
verlangen eine für alle Parteien zufriedenstellende Lösung. Die Rüge in Bezug auf die
Ausgestaltung der Böschung mit Stützmauer ist baupolizeilicher Natur (vgl. Ziffer 1 hievor).
Die weiteren Rügen betreffen die Instandsetzung der An- und Abschlüsse (Asphaltbelag
usw.) entlang der Parzellengrenze nach den Bauarbeiten, die Erschliessung der Baustelle
über die Parzellen Nrn. H._/I._ (recte: J._) oder den
F._weg statt über ihren neu erstellten Privatweg auf Parzelle Nr. G._
sowie aus ihrer Sicht notwendige Unterhaltsarbeiten entlang der Parzellengrenze
(insbesondere Zurückschneiden von Pflanzen und den "Steingarten" betreffend). Die
Beschwerdeführenden bringen zudem vor, die Gemeinde habe sie nicht aufgefordert, die
Einsprache in eine Rechtsverwahrung umzuwandeln.
b) Dem angefochtenen Entscheid Ziffer. 5.1 kann entnommen werden, dass die
Erschliessung der vom Bauvorhaben betroffenen Liegenschaft über den F._weg
9 Dekret vom 22. März 1994 über das Baubewilligungsverfahren (Baubewilligungsdekret, BewD; BSG 725.1)
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erfolgt. Es bestehen daher keine Anhaltspunkte dafür, dass die Privatstrasse der
Beschwerdeführenden für den Baustellenverkehr benützt werden sollte. Soweit es
diesbezüglich zu Streitigkeiten kommen sollte, wären diese privatrechtlicher Natur.
Gleiches gilt für die Regelung von Unterhaltsarbeiten/Instandsetzung der An- und
Abschlüsse bzw. einem allfälligen Kapprecht der Beschwerdeführenden (vgl. insb. Art. 687
Abs. 1 ZGB10). Die Einhaltung solcher zivilrechtlicher Vorschriften und Vereinbarungen sind
im Baubewilligungsverfahren nicht zu prüfen. Für deren Durchsetzung sind die Betroffenen
auf den Zivilweg zu verweisen.11 Die Gemeinde hat die Einwände der
Beschwerdeführenden daher zu Recht als Rechtsverwahrung vorgemerkt (Art. 32 BewD).12
Die Beschwerde wird daher diesbezüglich abgewiesen.
5. Kosten
a) Die Verfahrenskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt, es sei denn, das
prozessuale Verhalten einer Partei gebiete eine andere Verlegung oder die besonderen
Umstände rechtfertigten, keine Verfahrenskosten zu erheben (Art. 108 Abs. 1 VRPG).
b) Aufgrund des geringen Verfahrensaufwandes rechtfertigt es sich, vorliegend keine
Verfahrenskosten zu erheben.
c) Die Verfahrensparteien sind nicht anwaltlich vertreten und die Gemeinde hat keinen
Anspruch auf Parteikostenersatz (Art. 104 Abs. 4 VRPG). Parteikosten werden deshalb
keine gesprochen.
10 Schweizerisches Zivilgesetzbuch vom 10. Dezember 1907 (ZGB; SR 210) 11 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 2 N. 4a 12 Aldo Zaugg/Peter Ludwig, Kommentar zum Baugesetz des Kantons Bern, 4. Aufl., Band I, Bern 2013, Art. 35-35c N. 5
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