# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 0c012231-48de-46b8-8b30-22c6450719df
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
Die 1992 geborene
X._
litt seit
ihrer
Geburt an einer Sprach
erwerbsstörung (Urk. 9/5).
Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle,
sprach der Versicherten aus
diesem Grund für den Zeitraum von Oktober 1996 bis
Juli 2003
Leistungen der Invalidenversicherung (Son
derschul
massnahmen,
Sprachheilbehandlungen
sowie medizinische Massnahmen
) zu
(Urk. 9/
6
,
9/8, 9/11, 9/13, 9/15, 9/19
und
9/20
).
Nachdem die Versicherte eine
Attestausbildung
zur
Hauswirtschaftspraktikerin
EBA
abgebrochen
(Urk. 9/
22, 9/54 S. 1
)
und eine Schnupperlehre absolviert hatte (Urk. 9/27), gab di
e IV-Stelle bei Dr. phil. Z._
, Fachpsychologe für Neuropsychologie FSP, Fachpsy
chologe für Kinder und Jugendliche FSP, ein
neuropsychologisches
Gutachten in Auftrag; Dr.
Z._
erstattete sein Gutachten am
22
. Januar 2010
(
Urk. 9/51
)
.
Gestützt darauf erteilte die IV-Stelle
am
28. Januar 2010
(Urk. 9/52
; vgl. auch Mitteilung vom 15. Juli 2010 [Urk. 9/66]
)
Kostengutsprache für
eine erstmalige berufliche Ausbildung zur Floristin
PrA
INSOS
, welche die Versicherte
im Januar 2012
abschloss (
Urk. 9/
70
, 9/
76
)
,
und sprach ihr
für diese Zeit
ein Taggeld zu (Urk. 9/64)
.
Mit Vorbescheid vom 28. Februar 2012 (Urk. 9/82, 9/83) stellte die IV-Stelle der Versicherten
bei einem Invaliditätsgrad von 60 %
eine
Dreiviertelsrente
in Aus
sicht.
Während
sie
der Versicherten mit Verfügung vom 20. August
2012 (Urk. 9/
104) eine ganze Invalidenrente zusprach, hielt sie
in den Erwägungen
(Verfügungsteil
2;
Urk. 9/91)
am
Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
bei einem Invaliditäts
grad von 60 % fest.
Mit Schreiben vom 25. Juli 2014 (Urk. 9/125) lehnte die IV-Stelle das Gesuch
der Versicherten
um berufliche Massnahmen (Weiteraus
bil
dung) ab.
1.2
Mit
Vorbescheid
vom 28. März 2018 (Urk. 9/135) stellte die IV-Stelle in Aussicht, sie werde die
der
Versicherte
n
zu viel ausbezahlte
n Rentenleistungen vom 1. April 2013 bis 31. März 2018 im Umfang von Fr. 23'439.-- zurück
fordern, da ihr fälschlicherweise anstelle einer
Dreiviertelsrente
eine ganze Rente ausbezahlt worden sei.
Mit
Verfügung vom 28. März 2018 (Urk. 9/136) bestätigte die IV-Stelle den Anspruch der Versicherten auf eine
Dreiviertelsrente
.
Mit Schreiben vom 9. April 2018
(Urk. 9/140)
ersuchte die Versicherte um Erlass der Rückerstattung
. Am 14. Juni 2018 erliess die IV-Stelle wie angekündigt die Verfügung, mit welcher die Versicherte zur Rückerstattung der zu viel aus
bezahlten Rentenleistungen von Fr. 23'439.-- verpflichtet wurde (Urk. 9/146
; vgl.
auch
Urk. 9/149
).
Mit Verfügung
(richtig: Vorbescheid)
vom 15. April
2019
(Urk. 9/163) stellte die IV-Stelle die Abweisung des
Erlassgesuch
es in Aussicht, mit Verfügung vom 6. Juni 2019 (Urk. 2 [= Urk. 9/16
4
]) wies sie das Erlassgesuch
ab.
2.
Mit Eingabe vom 1. Juli 2019 (Urk. 1)
erhob
die Beschwerdeführerin
gegen die
Verfügung vom 6. Juni 2019 Beschwerde
beim hiesigen Sozialversiche
rungsge
r
icht
und ersuchte
um Erlass der Rückerstattung.
Die IV-Stelle schloss mit Be
schwer
deantwort vom 16. September 2019 (Urk. 8)
auf Abweisung der Beschwer
de.
Die Beschwerdeführerin reichte innert der mit gerichtlicher Verfügung vom 17. September 2019 (Urk. 10) angesetzten Frist ihre
Replik vom 10. Oktober 2019 (Urk. 11) zu den Akten; mit Eingabe vom 21. November 2019 (Urk. 13) reichte die IV-Stelle ihre Duplik zu den Akten.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss Art. 25 Abs. 1
Satz 1
des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (ATSG) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zu
rückzuerstatten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstatten, wenn
eine
grosse Härte vorliegt
(Satz 2)
.
1.2
Ein g
utgläubiger Bezug einer Sozialversicherungsleistung liegt vor, wenn das Bewusstsein über den unrechtmässigen Leistungsbezug fehlt, sofern dieses Fehlen in einer objektiven Betrachtungsweise unter den konkreten Umständen ent
schuldbar ist (
Kieser
, ATSG
-Kommentar
, 4.
Aufl.
, 2020
, N 65 zu Art. 25 ATSG
).
Der gute Glaube als Erlassvoraussetzung ist dabei nicht schon mit der Unkenntnis des Rechtsmangels gegeben; vielmehr darf sich der Leistungsempfänger nicht nur keiner böswilligen Absicht, sondern auch keiner groben Nachlässigkeit schuldig gemacht haben. Die rückerstattungspflichtige Person kann sich folglich auf den guten Glauben berufen, wenn ihr fehlerhaftes Verhalten nur leicht fahrlässig war
, nicht aber bei arglistiger oder grobfahrlässiger Melde- oder Auskunfts
pflicht
ver
letzung
(BGE 138 V 218 E. 4).
Das Mass der erforderlichen Sorgfalt beurteilt sich nach einem objektiven Mass
stab, wobei das dem Betroffenen subjektiv Mögliche und Zumutbare (Urteils
fähigkeit, Gesundheitszustand, Bildungsgrad
usw.
) nicht ausgeblendet werden darf
(
BGE 138 V 218 E. 4
).
Ob eine rückerstattungspflichtige Person gutgläubig ist, muss in jedem Einzelfall anhand der konkreten Umstände abgeklärt werden
(Urteil
des Bundesgerichts 8C_269/2009 vom
13. November
2009 E. 5.2.1)
. Rechtsprechungsge
mäss ist dabei hinsichtlich der Überprüfungsbefugnis des Gericht
e
s zwischen dem guten Glau
ben als fehlendem Unrechtsbewusstsein und der Frage, ob sich jemand unter den gegebenen Umständen auf den guten Glauben berufen kann oder ob er bei zu
mutbarer Aufmerksamkeit den bestehenden Rechtsmangel hätte erkennen sollen, zu unterscheiden
(Urteil des Bundesgerichts 8C_670/2014 vom 30. Dezember 2014
E. 4.2
).
1.3
Eine grosse Härte im Sinne von Art. 25 Abs. 1 ATSG liegt gemäss Art. 5 Abs. 1
der Verordnung über den Allgemeinen Teil des Sozialversicherungsrechts (
ATSV
)
vor, wenn die vom Bundesgesetz vom 19. März 1965 über die Ergänzungsleis
tungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG) anerkannten
Ausgaben und die zusätzlichen Ausgaben nach Art. 5 Abs.
4 ATSV die nach ELG anrechenbaren Einnahmen übersteigen. Für die Berechnung der anerkannten Ausgaben (und des allenfalls hinzuzurechnenden Vermögensteils) gelten die Regeln gemäss Art. 5 Abs. 2 und 3 ATSV. Massgebend sind die wirtschaftlichen Verhältnisse, wie sie im Zeitpunkt vorliegen, in welchem über die Rückforderung rechtskräftig entschieden ist (vgl. Art. 4
Abs.
2 ATSV).
2.
2.1
Die IV-Stelle
begründete
in der
angefochtenen Verfügung (Urk. 2)
die Abweisung des Erlassgesuches mit dem bei der Beschwerdeführerin fehlenden guten Glauben, welcher
neben
dem Vorliegen einer grossen Härte für den Erlass der Rücker
stattung
kumulativ
vorausgesetzt
werde
.
Angesichts des Umstandes, dass im Vor
bescheid ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
in Aussicht gestellt, im ersten Teil der Verfügung hingegen ein Anspruch auf
eine
ganze Invalidenrente und im Verfügungsteil 2 wiederum ein Anspruch auf eine
Dreiviertelsrente
festgehalten worden war, hätte die Beschwerdeführerin zumindest stutzig werden sollen.
Da
durch, dass sie die Angaben in der Verfügung, welche in wesentlichen Punkten vom Vorbescheid abgewichen sei, nicht hinterfragt habe, habe sie ihre Sorgfalts
pflicht verletzt, weshalb nicht von einem gutgläubigen Leistungsbezug auszu
gehen sei.
In ihrer Vernehmlassung vom 16. September 2019 (Urk. 8) führte die IV-Stelle
aus, sofern eine Leistungsbezügerin ihrer Sorgfaltspflicht nicht nachkommen kö
nne, müsse
sie sich Hilfe holen. Die Beschwerdeführerin habe sich aufgrund ihrer Beeinträchtigungen im Klaren darüber sein müssen, dass sie Verfügungen der IV-Stelle nur in begrenztem Masse verstehen könne und sich entsprechend Hilfe holen müsse, was ihr unter Berücksichtigung aller subjektiven Kompo
nen
ten zumutbar gewesen sei. Indem sie dies
unterlassen habe
, müsse ihr der gute Glaube abgesprochen werden.
In ihrer
Duplik
vom 21. November 2019 (Urk. 13)
hielt die IV-Stelle
schliesslich
fest, dass zum Zeitpunkt des
Aktenbeizuges
durch die Pro
Infirmis
erst der Vor
bescheid vorgelegen
habe
, die Beschwerdeführerin die definitive Verfügung vom 20. August 2012 aber von keinem Dritten habe überprüfen lassen. Dies sei nicht nachvollziehbar, ze
ige doch der
Beizug
der Pro
Infi
rmis
während des Verfahrens
, dass sich die Beschwerdeführerin nicht in der Lage gesehen habe, die Dokumente der IV-Stelle zu verstehen beziehungsweise zu prüfen.
Indem sie die Prüfung durch eine Drittperson unterlassen habe, habe sie ihre Sorgfaltspflicht verletzt.
2.2
Die Beschwerdeführerin argumentierte, dass sich die geforderte Sorgfalt, welche sie zu einem klärenden Anruf bei der IV-Stelle hätte veranlassen müssen, recht
sprechungsgemäss zwar nach einem objektiven Massstab beurteile, jedoch das dem Betroffenen subjektiv Mögliche und Zumutbare zu berücksichtigen sei, was die IV-Stelle nicht getan habe. Ihr Intelligenzquotient liege bei 68, was im Bereich einer leichten geistigen Behinderung liege;
bei ihr bestünden deutliche Einschrän
kungen im Sprachverständnis, was auch das Leseverständnis umfasse. Dass sie
vor diesem Hintergrund
den Fehler der IV-Stelle hätte erkennen können, sei folglich widerlegt, weshalb der gute Glaube zu bejahen sei (Urk. 1).
In ihrer Replik
vom 10. Oktober 2019
(Urk. 11)
hielt
die Beschwerdeführerin
fest, sie habe keine Veranlassung gehabt, bei der IV-Stelle aufgrund der Verfügung irgendeine Nachfrage zu stellen. Sie habe am 31. Mai 2012 die
Pro
Infirmis
ermächtigt,
Einsicht in die Akten
zu nehmen
,
und dadurch eine Drittperson beigezogen, damit diese die Verfügung vom 14. Mai 2012 überprüfe. Ihr könne kein grobfahrlässiges
, den guten Glauben ausschliessendes
Verhalten vorge
worfen werden, wenn sie nicht auch noch die Verfügung vom 20. August 2012 habe überprüfen lassen.
3.
3.1
Vorliegend ist zunächst zu prüfen, ob
das
Verhalten
der Beschwerdeführerin
grobfahrlässig
war
, ihr also der gute Glaube abgesprochen werden muss, weil sie die
unter den konkreten Umständen gebotene Aufmerksamkeit vermissen liess
und dadurch die Ausrichtung der unrechtmässig bezogenen
ganzen Invaliden
rente
anstelle der
Dreiviertelsrente
nicht verhindert hat
; v
on einer böswilligen Absicht geht
die IV-Stelle
nicht aus.
3.2
Die IV-Stelle stellte
der Beschwerdeführerin
mit Vorbescheid
vom
28. Februar 2012
(
Urk. 9/83
) die Ausrichtung einer
Dreiviertelsrente
in Aussicht. Die
knapp sechs Monate später
ergangene
Verfügung
vom 20. August 2012
bestätigte
im Verfügungsteil 2 (Urk.
9/91 S. 2
)
einerseits den Anspruch auf eine
Dreiviertels
rente
,
hielt
andererseits aber auch den Anspruch auf eine ganze Rente
fest
(Urk. 9/104 S. 1)
.
Wie aus den Akten hervorgeht, leidet die Beschwerdeführerin an einer
Sprach
erwerbsstörung
(
Urk. 9/5
)
.
Aus dem Gutachten von Dr.
Z._
vom 22. Januar 2010 (Urk. 9/51)
ist ersichtlich,
dass
sich
die Störung unter anderem
in einem verminderten
schriftlichen Sprachverständnis
und
in einem verminderten
Wort
schatz
zeigt
.
Dr.
Z._
hielt fest,
die Messung der Testintelligenz
habe
einen Verbal-Intelligenzquotienten von 68
, einen Handlungs-Intelligenzquotienten von 68 und einen Gesamt-Intelligenzquotienten von 66
ergeben
.
D
as Verständnis von kurzen, selbst gelesenen Texten
sei zudem
in qualitativer Hinsicht beeinträchtigt und verlangsamt
(S. 10)
.
Betroffen sei
weiter
auch das abstrahierende, analy
sie
rende und abstrakt-induktive Denken; so könne die Beschwerdeführerin a
us vor
gegebenen Inhalten,
insbesondere
wenn diese wenig anschaulich seien, nur schw
er allgemeine Eigenschaften abstrahieren, das Wesentliche und Zusammen
hänge würden nicht erkannt
und
es falle ihr schwer, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und sich auf das Wesentliche zu beschränken (S. 11).
Insgesamt zeig
t
e
n sich multiple neuropsychologische Defizite und
ein unterdurch
schnitt
li
ches kognitives Leistungsvermögen im Ausmass einer ausgeprägten Lernbe
hin
derung (S. 11).
3.3
Der Vorbescheid der IV-Stelle
(Urk. 9/83)
umfasste drei
A4-
Seiten, die Verfügung
deren
fünf
(Urk. 9/91 und 9/104)
.
Beide Dokumente führten neben den
gesetz
lichen Grundlagen für einen Rentenanspruch
auch
die Bemessung der Invalidität
auf
, das Abklärungsergebnis
einschliesslich
der Berechnung des Invaliditäts
gra
des, Hinweise zur Meldepflicht sowie
die eigentliche Verfügungsformel; die erste
n beiden
Seite
n
der Verfügung (Urk. 9/104) zeigte
n
zudem
die Berechnungsgrund
lagen sowie die Angaben zur monatlichen Rentenleistung und den Auszah
lungs
modalitäten auf
und
hielten
–
optisch
in keiner Weise
hervorgehoben
–
den An
spruch auf eine ganze Invalidenrente fest
.
Folglich enthielten beide Dokumente sehr viel Text und Zahlen
mit umfang
rei
chen
und detaillierten
Informationen
, so dass unter Berücksichtigung der ge
sundheitlichen Einschränkungen der Beschwerdeführerin und der schulischen
sowie beruflichen
(
Aus
)B
ildung zweifelhaft ist, ob von ihr erwartet werden konnte
, dass sie selbst unter Aufwendung der ihr zumutbaren und möglichen Auf
merk
samkeit den Fehler der
IV-Stelle hätte erkennen müssen oder
Zweifel
an der Richtigkeit der Verfügung haben und sich deswegen bei der IV-Stelle weiter
hätte
erkundigen müssen.
Letzteres
gilt umso mehr, als die Beschwerdeführerin den
(korrekten)
Vorbescheid
vom 28. Februar 2012 (Urk. 9/83)
durch
die
Pro
Infirmis
Zürich
(
Urk. 9/
101
)
hatte prüfen lassen und so
,
im Wissen um ihre
Einschrän
kungen,
ihrer Sorgfaltspflicht nachgekommen war
,
eine Prüfung durch einen Dritten
also
nicht gänzlich unterlassen hatte
. Der Umstand, dass sie im Anschluss daran auf die Richtigkeit der von der IV-Stelle
knapp
sechs Monate später
erlassenen Verfügung
(Urk. 9/91 und 9/104)
vertraut
hatt
e,
vermag vor diesem Hintergrund keine grobfahrlässige, sondern
bloss
eine leicht fahrlässige
Sorg
faltsp
flichtverletzung zu begründen.
3.4
Im Übrigen
führt
vor dem Hintergrund der gesundheitlichen Einschränkungen
und der Bildung
der Beschwerdeführerin
auch das Argument der IV-Stelle, die
Verfügung
weiche
in wesentlichen Punkten vom Vorbescheid
ab
, weshalb die Beschwerdeführerin hätte stutzig werden sollen
(Urk. 2 S. 2)
,
zu keinem anderen Ergebnis
, zumal sich d
ie
ersten beiden Seiten
der Verfügung (Urk. 9/104)
auf
grund ihres Inhaltes
(
Berechnungsgrundlagen, Angaben zur Rentenleistung, zur Abrechnung sowie zur Auszahlung derselben
)
und ihrer Ausgestaltung als Brief
zwangsläufig
vom Vorbescheid (Urk. 9/83)
unterscheiden
. Dieser Umstand allein ist noch
kein Grund, die Richtigkeit der Verfügung
zu bezweifeln
.
Darüber hinaus
sind der Vorbescheid
(Urk. 9/83)
sowie
der Verfügungsteil 2
(Urk. 9/
91
)
inhaltlich
und optisch
nahezu
identisch.
Die von der IV-Stelle ange
sprochenen wesentlichen Punkte
bestehen
folglich
in einem einzigen
,
optisch nicht hervorgehobenen Satz
–
unterhalb
der
Berech
nungsgrundlagen
–
wonach die Beschwerdeführerin Anspruch auf eine ganze Invalidenrente habe.
Aufgrund
des weiteren Inhaltes der Verfügung
unterhalb de
s
fett
formatierten
T
itels
«wir entscheiden deshalb»
–
den Angaben zur Renten
leistung, zur Abrechnung und zur Auszahlung
–
hätte die Beschwerdeführerin
von vornherein
nicht
skeptisch
werden
müssen
, da
daraus für
sie
weder
ersicht
lich
noch überprüfbar
war, dass ihr fälschlicherweise eine ganze Rente ausbezahlt würde
;
diesbezüglich
wurden
keine
(
auch keine
abweichende
n
)
Ausführungen im Vorbescheid
gemacht
.
3.
5
Nach dem Gesagten
kann der Beschwerdeführerin keine grob
fahrlässige
Sorg
faltsp
flichtverletzung vorgeworfen werden
,
weshalb sie sich hinsichtlich der
fälschlicherweise
als ganze
Rente
ausbezahlte
n
Dreiviertel
s
rente
im guten Glauben befand.
Folglich hat sie den von ihr zurückgeforderten Betrag nicht zurückzuerstatten, wenn dies für sie eine grosse Härte
bedeutet
.
Diese zweite
, kumulativ zu erfüllende
Erlassvoraussetzung der grossen
(
wirt
schaftlichen
)
Härte wurde von der IV-Stelle in der angefochtenen Verfügung vom
6. Juni 2019
(Urk.
2 S.
2
) nicht geprüft. Die Sache ist daher an die IV-Stelle zu
rückzuweisen, damit sie das Kriterium der grossen Härte prüfe und
alsdann
erneut entscheide.
4.
Da es vorliegend nicht um die Bewilligung oder Verweigerung von
L
eistungen
der Invalidenversicherung
geht, ist das Verfahren
– in Abweichung von Art. 69 Abs. 1
bis
des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) – gemäss Art. 61
lit
. a ATSG
kostenlos.