# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 3c5da034-91a8-4b4b-89f0-a79b6ae35e2a
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2013
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend eventualvorsätzliche grobe Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Einzelgerichtes des Bezirkes Winterthur vom 28. September 2012 (GB120014)
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Anklage/Strafbefehl:
Der Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur / Unterland vom 13. Juli 2012
ist diesem Urteil beigeheftet (Urk. 20).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Beschuldigte ist schuldig der eventualvorsätzlichen groben Verletzung
der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 in Verbindung mit Art. 35
Abs. 1 SVG, Art. 8 Abs. 3 VRV und Art. 36 Abs. 5 VRV.
2. Der Beschuldigte wird bestraft mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu
je Fr. 70.– entsprechend Fr. 2'800.–.
3. Die Geldstrafe ist zu bezahlen.
4. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf:
Fr. 1'800.00 ; die weiteren Kosten betragen:
Fr. 900.00 Gebühr Strafuntersuchung
Fr. 2'700.00
Wird auf eine schriftliche Begründung des Urteils verzichtet, so reduziert
sich die Gerichtsgebühr um einen Drittel.
5. Die Kosten der Untersuchung und des gerichtlichen Verfahrens werden dem
Beschuldigten auferlegt.
Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 55 S. 1 f.)
1. Der Beschuldigte sei freizusprechen.
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2. Eventuell sei der Beschuldigte der fahrlässigen Tatbegehung schuldig
zu sprechen und dafür mit einer Geldstrafe von weniger als 40 Tages-
sätzen zu bestrafen.
3. Unter ausgangsmässiger Regelung der Kosten- und Entschädigungs-
folgen.
b) Der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland:
(Urk. 51)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
_

## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Winterthur, Einzelgericht Strafsachen, vom
28. September 2012 wurde der Beschuldigte der eventualvorsätzlichen groben
Verletzung der Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 in Verbindung mit
Art. 35 Abs. 1 SVG, Art. 8 Abs. 3 VRV und Art. 36 Abs. 5 VRV schuldig gespro-
chen und mit einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je Fr. 70.– bestraft; der
Vollzug der Strafe wurde nicht aufgeschoben (Urk. 37).
2. Gegen das mündlich eröffnete Urteil liess der Beschuldigte mit Eingabe vom
1. Oktober 2012 beim erstinstanzlichen Gericht fristgerecht Berufung anmelden
(Urk. 39). Das vollständig begründete Urteil wurde von der Staatsanwaltschaft am
10. und vom Verteidiger des Beschuldigten am 17. Dezember 2012 entgegenge-
nommen (Urk. 42). Mit Eingabe vom 27. Dezember 2012 liess der Beschuldigte
innert der zwanzigtägigen Frist von Art. 399 Abs. 3 StPO die Berufungserklärung
einreichen (Urk. 47). Das erstinstanzliche Urteil wird in allen Punkten (Ziffern 1 bis
5 des Urteilsdispositivs) angefochten. Der Beschuldigte lässt ausführen, er sei
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freizusprechen; eventuell sei er der fahrlässigen Tatbegehung schuldig zu spre-
chen und dafür mit einer Geldstrafe von weniger als 40 Tagessätzen zu bestrafen.
Mit einem schriftlichen Verfahren sei er einverstanden (Urk. 47 S. 2).
3. Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland beantragte mit Eingabe vom
18. Januar 2013 Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils und verzichtete darauf,
Beweisanträge zu stellen (Urk. 51). Ferner teilte sie am 22. Januar 2013 per
Email mit, dass sie mit der Durchführung des schriftlichen Verfahrens einverstan-
den sei (Urk. 52).
4. Mit Präsidialverfügung vom 22. Januar 2013 wurde das schriftliche Verfah-
ren angeordnet und dem Beschuldigten Frist angesetzt, die Berufungsanträge zu
stellen und zu begründen sowie letztmals Beweisanträge zu stellen (Urk. 53). Mit
Eingabe vom 13. Februar 2013 liess der Beschuldigte rechtzeitig die Berufungs-
begründung einreichen mit den eingangs erwähnten Anträgen; Beweisanträge
liess er keine stellen (Urk. 55). Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland ver-
zichtete auf Stellungnahme bzw. die Einreichung einer Berufungsantwort
(Urk. 60), und auch die Vorinstanz verzichtete auf Vernehmlassung (Urk. 61). Das
Verfahren erweist sich demnach als spruchreif.
5. Die Verteidigung macht sinngemäss eine Verletzung des Anklagegrundsat-
zes geltend. Sie führt zusammengefasst aus, gemäss dem Anklagegrundsatz
könne eine Person nur wegen eines in der Anklageschrift genau umschriebenen
Sachverhalts verurteilt werden (Art. 9 StPO). Massgeblich für die gerichtliche Be-
urteilung sei ausschliesslich der in der Anklageschrift umschriebene Sachverhalt.
Der Beschuldigte könne nicht auf Grund von Beweisen, welche einen anderen
Sachverhalt belegen, verurteilt werden. Die Anklageschrift beschreibe kein
Rechtsüberholmanöver in einem Zug, sondern sie mache geltend, der Berufungs-
kläger sei "weiter vorne", also nicht "unmittelbar anschliessend" oder auch nur
"anschliessend" wieder auf die zweite Überholspur eingebogen. Dies lasse sich
wohl mit der Darstellung des Berufungsklägers, nicht aber mit den Zeugenaussa-
gen B._ und C._ in Übereinstimmung bringen. Im ersten Strafbefehl
vom 27. Februar 2012 habe die Anklagebehörde denn auch eine andere Um-
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schreibung gewählt, nämlich dass der Beschuldigte "anschliessend" wieder auf
die zweite Überholspur eingebogen sei (Urk. 55 S. 2).
Aus den Ausführungen der Verteidigung wird nicht ganz klar, inwiefern sie eine
Verletzung des Anklageprinzips beanstandet. Soweit sie vorbringt, die Anklage
beschreibe kein Rechtsüberholen im Sinne von Ausschwenken, Rechtsvorbeifah-
ren und Wiedereinbiegen, könnte eine Verletzung der Umgrenzungsfunktion des
Anklageprinzips vorliegen. Die Anklage dient (im Rahmen der Umgrenzungsfunk-
tion) zur Bestimmung des Prozessgegenstandes. Dies besagt, dass das Gericht
an die eingeklagte Tat gebunden ist und dass die Anklage der beschuldigten Per-
son die ihr zur Last gelegten Delikte so präzise zu umschreiben hat, dass die
Vorwürfe genügend konkretisiert sind (BGE 133 IV 235 E. 6.3). Mit der vorliegen-
den Anklage wird eindeutig ein Rechtsüberholen im Sinne von Ausschwenken,
Rechtsvorbeifahren und Wiedereinbiegen angeklagt. Dies zeigt sich deutlich da-
ran, dass diese drei Elemente in der Anklageschrift mittels Fettdruck hervorgeho-
ben sind. Im Übrigen wird sodann – ebenfalls mittels Fettdruck – festgehalten,
dass der Beschuldigte damit zumindest diesen Personenwagen rechts überholt
habe. Eine Verletzung der Umgrenzungsfunktion des Anklageprinzips ist demge-
mäss nicht ersichtlich.
Als Informationsfunktion vermittelt die Anklage der beschuldigten Person die für
die Verteidigung notwendigen Informationen (BGE 133 IV 235 E. 6.2). Der Be-
schuldigte muss in allen Einzelheiten über die Art und den Grund der gegen ihn
erhobenen Beschuldigungen in Kenntnis gesetzt werden. Es geht um den Schutz
der Verteidigungsrechte und den Anspruch auf rechtliches Gehör. Die angeklagte
Person muss wissen, wessen sie beschuldigt ist, damit sie ihre Verteidigung vor-
bereiten kann (RIKLIN, StPO-Kommentar, Zürich 2010, N 3 zu Art. 9, mit weiteren
Hinweisen). Indem, wie soeben dargelegt, aus der Anklageschrift deutlich hervor-
geht, was dem Beschuldigten vorgeworfen wird, nämlich ein Rechtsüberholen mit-
tels Ausschwenken, Rechtsvorbeifahren und Wiedereinbiegen, ist auch die Infor-
mationsfunktion der Anklageschrift erfüllt. Die Ausführungen des Beschuldigten
und die Berufungsbegründung der Verteidigung zeigen im Übrigen, dass sowohl
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der Verteidiger als auch der Beschuldigte den Anklagevorwurf auch tatsächlich
richtig verstanden haben (vgl. Urk. 16; Urk. 55).
Soweit die Verteidigung eine Verletzung des aus dem Anklagegrundsatz abgelei-
teten Immutabilitätsprinzips geltend machen will, ist auch dieser Einwand nicht zu
hören. Das Immutabilitätsprinzip besagt, dass ab einem bestimmten Verfahrens-
zeitpunkt die Anklage durch die Staatsanwaltschaft grundsätzlich nicht mehr ver-
ändert und nicht mehr zurückgezogen werden kann. Der Beschuldigte hat dann
Anspruch auf einen materiellen Entscheid (RIKLIN, StPO-Kommentar, a.a.O., N 7
zu Art. 9). Im Rahmen des Strafbefehls- und des anschliessenden Einsprachever-
fahrens ist die Staatsanwaltschaft an ihren ursprünglichen Strafbefehl nicht ge-
bunden und das Verbot der reformatio in peius gilt nicht (RIKLIN, StPO-Kommen-
tar, a.a.O., N 4 zu Art. 355). Sie hat die Möglichkeit, nach einer Einsprache gegen
einen Strafbefehl und der allfälligen Abnahme weiterer Beweise (Art. 354 und
Art. 355 Abs. 1 StPO) entweder am (ursprünglichen) Strafbefehl festzuhalten, das
Verfahren einzustellen, einen neuen Strafbefehl zu erlassen oder Anklage beim
erstinstanzlichen Gericht zu erheben (Art. 355 Abs. 3 StPO). Indem die Staatsan-
waltschaft im vorliegenden Fall im ersten Strafbefehl vom 27. Februar 2012 eine
andere Umschreibung als im Strafbefehl vom 13. Juli 2012 wählte, wird das Im-
mutabilitätsprinzip somit nicht verletzt.
II. Sachverhalt
1. Anklagevorwurf
Im Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland vom 13. Juli 2012, der
den Strafbefehl vom 27. Februar 2012 ersetzt und als Anklageschrift gilt (Art. 356
Abs. 1 StPO), wird dem Beschuldigten vorgeworfen, am Freitag, 3. Februar 2012,
ca. 06.34 Uhr, seinen Personenwagen "Mercedes-Benz ...", ... [Autokennzei-
chen], auf der Autobahn A1 in Richtung Zürich gelenkt zu haben, wobei er im
dreispurigen Bereich des Autobahnkilometers ..., im Gemeindegebiet von ...,
nachdem er auf der zweiten Überholspur einem unmittelbar vorausfahrenden
Personenwagen mit einer Geschwindigkeit von ca. 100 km/h gefolgt war, auf die
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weitgehend freie erste Überholspur ausgeschwenkt, am erwähnten, langsamer
fahrenden Personenwagen rechts vorbeigefahren, dann auf ca. 120 km/h be-
schleunigt zu haben, und weiter vorne wieder auf die zweite Überholspur einge-
bogen zu sein, womit er zumindest diesen Personenwagen rechts überholt habe,
was er, auf dem Weg zur Arbeit, bei seinem Tun alles gewusst oder gebilligt oder
zumindest als ernstlich möglich bewusst in Kauf genommen habe. Durch dieses
unerlaubte Rechtsüberholen bzw. Rechtsvorbeifahren auf der Autobahn habe der
Beschuldigte für alle anderen Verkehrsteilnehmer, insbesondere für den Lenker
und allfällig weitere Insassen des erwähnten Personenwagens, eine ernstliche
Gefahr mit, angesichts der auf Autobahnen gefahrenen hohen Geschwindigkei-
ten, erheblichen Folgen für deren Gesundheit geschaffen. Durch sein Verhalten
habe er die erhöhte Gefahr eines Unfalles verursacht, zumal andere Fahrzeug-
lenker auf der Autobahn nicht damit hätten rechnen müssen, von einem anderen
Fahrzeugführer rechts überholt zu werden, deshalb von einem solchen Manöver
überrascht und zu einem reaktionsbedingten Folgeverhalten hätten geführt wer-
den können, welches wiederum, vor allem bei dem damals herrschenden regen
Verkehrsaufkommen bei Nacht, zu einer Gefahr für Dritte werden und erhebliche
Folgen hätte haben können, was er durch sein Verhalten zumindest in Kauf ge-
nommen habe (Urk. 20 S. 2 f.).
2. Bestrittener/unbestrittener Sachverhalt
Der Sachverhalt ist insofern unbestritten, als der Beschuldigte stets bestätigt hat,
zum besagten Zeitpunkt mit seinem Fahrzeug auf der Autobahn A1 in Fahrtrich-
tung Zürich vom zweiten Überholstreifen auf den ersten Überholstreifen gewech-
selt zu haben (Urk. 16 S. 11; Urk. 35 S. 4; Urk. 36 S. 1). Der Beschuldigte bestrei-
tet jedoch, an einem langsamer fahrenden Personenwagen rechts vorbeigefahren
zu sein bzw. rechts überholt zu haben und wieder auf die linke Spur gefahren zu
sein (Urk. 16 S. 10 ff.; Urk. 35 S. 4); nicht bestritten wird von ihm, dass er mit ei-
ner Geschwindigkeit von ca. 120 km/h auf dem ersten Überholstreifen gefahren
ist (Urk. 16 S. 10).
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3. Beweismittel
Als Beweismittel liegen neben den Vorbringen des Beschuldigten (Urk. 16) die
Zeugenaussagen zweier Polizeibeamter, B._ und C._, vor (Urk. 12 und
14), welche den Beschuldigten in einem zivilen Dienstwagen auf der inkriminier-
ten Fahrt beobachten konnten. Der Polizeibeamte B._ hat am 6. Februar
2012 ausserdem einen Polizeirapport (Urk. 1) sowie im Beisein des Beschuldigten
am 3. Februar 2012 ein Polizeiprotokoll (Urk. 2) erstellt; zudem liegt eine (Teil-
)Aufzeichnung der Fahrt des Beschuldigten auf DVD (Urk. 3) im Recht. Diese
Beweismittel werden ebenfalls in die Beweiswürdigung einzubeziehen sein.
4. Grundsätze der Sachverhaltserstellung und der Beweiswürdigung
Das Gericht legt seinem Urteil denjenigen Sachverhalt zugrunde, den es nach
seiner freien, aus der Hauptverhandlung und den Untersuchungsakten geschöpf-
ten Überzeugung als verwirklicht erachtet (Art. 10 Abs. 2 StPO).
Eine strafrechtliche Verurteilung kann nur erfolgen, wenn die Schuld des Be-
schuldigten mit hinreichender Sicherheit erwiesen ist. Es darf namentlich kein
vernünftiger Zweifel darüber bestehen, dass sich der dem Beschuldigten in der
Anklageschrift vorgeworfene Tatbestand tatsächlich verwirklicht hat. Dies bedingt,
dass das Gericht eine persönliche Gewissheit erhält. Nicht ausreichend ist, wenn
die vorliegenden Beweise objektiv klar auf eine Schuld des Beschuldigten hindeu-
ten, das Gericht aber persönlich nicht zu überzeugen vermögen. Allfällige abstrak-
te theoretische Zweifel sind nicht massgebend, weil solche immer möglich sind
und absolute Gewissheit nicht verlangt werden kann. Es muss ausreichen, wenn
vernünftige Zweifel an der Schuld des Beschuldigten ausgeschlossen werden
können.
Die blosse Wahrscheinlichkeit vermag einen Schuldspruch nicht zu begründen.
Nur wenn sich das Gericht nach Erschöpfung aller Erkenntnisquellen weder von
der Existenz noch von der Nichtexistenz der beweisbedürftigen Tatsachen zu
überzeugen vermag, kommt der den Beschuldigten begünstigende Grundsatz "in
dubio pro reo" zur Anwendung. Hat das Gericht also erhebliche und nicht zu un-
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terdrückende Zweifel (d.h. solche, die sich nach der objektiven Sachlage aufdrän-
gen), so muss es den Beschuldigten freisprechen.
Stützt sich die Beweisführung im Wesentlichen auf die Aussagen von Beteiligten,
so sind diese frei zu würdigen. Steht Aussage gegen Aussage, ist anhand sämtli-
cher Umstände, die sich aus den Akten ergeben, zu untersuchen, welche Sach-
darstellung überzeugend ist, wobei es vorwiegend auf den inneren Gehalt der
Aussagen ankommt, verbunden mit der Art und Weise, wie die Angaben erfolgen.
Es darf aber nicht einfach auf die Persönlichkeit oder die allgemeine Glaubwür-
digkeit des Aussagenden abgestellt werden. Massgebend ist die Glaubhaftigkeit
der konkreten, im Prozess relevanten Aussagen. Diese sind einer Analyse bzw.
kritischen Würdigung zu unterziehen, wobei insbesondere auf das Vorhandensein
von sogenannten Realitätskriterien Gewicht zu legen ist (BENDER, Die häufigsten
Fehler bei der Beurteilung von Zeugenaussagen, SJZ 81, S. 53 ff.).
5. Aussagen des Beschuldigten
Die Vorinstanz hat die Ausführungen des Beschuldigten im Polizeirapport, der
staatsanwaltschaftlichen Einvernahme sowie anlässlich der erstinstanzlichen
Hauptverhandlung korrekt zusammengefasst (Urk. 45 S. 4 ff.).
Hinsichtlich der Glaubwürdigkeit des Beschuldigten wurde im angefochtenen Ent-
scheid zutreffend erwogen, dass ihn keine Pflicht trifft, zu seiner Überführung bei-
zutragen, und er namentlich nicht der Wahrheitspflicht unterliegt. Zu betonen ist
aber, dass der Beschuldigte zwar ein – insofern legitimes – Interesse daran ha-
ben könnte, die Geschehnisse in einem für ihn günstigen Licht darzustellen. Seine
Aussagen sind aber nicht mit besonderer Vorsicht zu würdigen, sondern ent-
scheidend ist die Glaubhaftigkeit seiner Aussagen. Der allgemeinen Glaubwürdig-
keit eines Zeugen respektive einer einvernommen Person im Sinne einer dauer-
haften personalen Eigenschaft kommt nämlich kaum mehr relevante Bedeutung
zu. Weitaus bedeutender für die Wahrheitsfindung als die allgemeine Glaubwür-
digkeit ist die Glaubhaftigkeit der konkreten Aussage (BGE 6B_692/2011 vom
9. Februar 2012 E. 1.4; BGE 133 I 33 E. 4.3, je mit Hinweisen).
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In Würdigung der Aussagen des Beschuldigten hat die Vorrichterin zutreffend
festgestellt, dass dessen konstante und insofern konsequente Bestreitung des
Vorwurfs bezüglich des Rechtsüberholens durch Ausschwenken, Überholen und
Wiedereinbiegen in einem Zug wenig Raum für Widersprüche lässt (Urk. 45 S. 6).
Dem ist beizupflichten.
6. Aussagen der Zeugen B._ und C._
Die Vorrichterin hat die Aussagen der Zeugen B._ und C._ korrekt zu-
sammengefasst und festgestellt, dass deren Aussagen zu Lasten des Beschuldig-
ten verwertet werden können, da der Beschuldigte an den entsprechenden Zeu-
geneinvernahmen teilnahm und die Möglichkeit hatte, ihnen Ergänzungsfragen zu
stellen (Urk. 12 S. 6; Urk. 14 S. 6). Auf die diesbezüglichen Ausführungen im an-
gefochtenen Entscheid kann zur Vermeidung unnötiger Wiederholungen verwie-
sen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
Der Beschuldigte äusserte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der beiden Zeugen, in-
dem er einwendete, sie hätten sich absprechen können (Urk. 16 S. 15). Die Vor-
instanz hielt zutreffend fest, dass beide auf die Straffolgen von Art. 307 StGB hin-
gewiesen wurden (vgl. Urk. 12 S. 1; Urk. 14 S. 1), weshalb nicht leichthin ange-
nommen werden könne, dass sie sich abgesprochen und hernach wissentlich und
willentlich falsch ausgesagt hätten. Der Hinweis auf Art. 307 StGB allein begrün-
det zwar noch keine erhöhte Glaubwürdigkeit, doch sind auch keine Einschrän-
kungen derselben ersichtlich. Eine irgendwie geartete Beziehung zum Beschul-
digten oder ein Interesse am Verfahrensausgang ist bei keinem der beiden Zeu-
gen erkennbar. Auch dies wird im vorinstanzlichen Entscheid richtig ausgeführt
(Urk. 45 S. 8). Dass die Polizeibeamten ihren beruflichen Werdegang mit einer
gegenseitigen Absprache und einer darauf folgenden falschen Zeugenaussage zu
Lasten eines ihnen persönlich unbekannten Automobilisten aufs Spiel setzen
würden, ist nicht anzunehmen. Der Beschuldigte kann somit aus dem Einwand,
wonach sich die Zeugen hätten absprechen können, nichts zu seinen Gunsten
ableiten. Zudem ist zu bedenken, dass für Polizeibeamte eines Verkehrszugs (vgl.
Urk. 12 S. 3; Urk. 14 S. 3) ein solches Vorkommnis nicht ungewöhnlich ist und sie
deshalb, insbesondere der Beifahrer C._, nachdem er auf den Beschuldigten
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bzw. dessen Fahrzeug aufmerksam geworden war, das Manöver des Beschuldig-
ten genau beobachtet haben werden. Es ist daher mit der Vorinstanz davon aus-
zugehen, dass keine Anhaltspunkte ersichtlich sind, die Glaubwürdigkeit der Zeu-
gen B._ und C._ in Zweifel zu ziehen.
Die Vorinstanz setzte sich sorgfältig und fundiert mit der Glaubhaftigkeit der Zeu-
genaussagen der Polizeibeamten B._ und C._ auseinander (Urk. 45
S. 9). Den diesbezüglichen Erwägungen kann vollumfänglich beigepflichtet wer-
den. Ergänzend ist festzuhalten, dass beide Zeugen um eine sachliche Darstel-
lung bemüht waren, was sich daran zeigt, dass sie den Beschuldigten nicht über-
mässig belasten und auch Entlastendes zu Protokoll gaben. So zögerten sie bei-
spielsweise nicht jeweils anzugeben, wenn sie sich an etwas nicht mehr zu erin-
nern vermochten (Urk. 12 S. 3; Urk. 14 S. 3 und S. 5). Gründe an der Glaubhaf-
tigkeit ihrer Angaben zu zweifeln, sind nicht ersichtlich; die beiden Polizeibeamten
machten insbesondere weder unklare, noch verschwommene, noch gleichförmige
Aussagen, die als Indizien für bewusst oder unbewusst falsche Aussagen gelten
könnten. Widersprüche sind ebenfalls nicht auszumachen. Zusammenfassend ist
mit der Vorrichterin davon auszugehen, dass die Aussagen der beiden Polizeibe-
amten glaubhaft sind (vgl. Urk. 45 S. 10).
7. Videoaufnahme (DVD)
Von einem Teil der inkriminierten Fahrt wurde eine Videoaufzeichnung erstellt.
Diese wurde dem Beschuldigten vorgespielt und er hatte Gelegenheit, sich dazu
zu äussern (vgl. Urk. 16 S. 7). Die Verteidigungsrechte des Beschuldigten ge-
mäss Art. 147 Abs. 1 StPO wurden also gewahrt und die Videoaufnahme kann zu
Lasten des Beschuldigten verwendet werden.
Auf der Aufnahme ist zu sehen, dass der Beschuldigte im dreispurigen Bereich
der Autobahn auf der ersten Überholspur langsam rechts an einem Fahrzeug auf
der zweiten Überholspur vorbeifährt. Das Rechtsüberholen durch Ausschwenken,
Überholen und Wiedereinbiegen ist auf der Videoaufnahme nicht ersichtlich; man
sieht nur das Vorbeifahren (Urk. 3).
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Die Vorinstanz hat zutreffend festgestellt, dass beide Polizeibeamten anlässlich
ihrer Zeugeneinvernahmen bestätigten, dass es sich beim Fahrer des rechts vor-
beifahrenden Fahrzeuges um den Beschuldigten handelte, und der Beschuldigte
diese Tatsache in keiner Weise bestritt (Urk. 45 S. 10). Darauf kann verwiesen
werden (Art. 82 Abs. 4 StPO).
8. Polizeiprotokoll
Das vom Polizeibeamten B._ am 3. Februar 2012 erstellte Protokoll wurde
vom Beschuldigten unterzeichnet (vgl. Urk. 2 S. 2). Anlässlich seiner Einvernah-
me machte er allerdings geltend, er habe nicht gelesen, was er unterschrieben
habe, er habe einfach einen "Chribel" gemacht. Er habe unterschreiben müssen,
damit er habe gehen können (Urk. 16 S. 5). Da dem Beschuldigten im Rahmen
seiner Einvernahme vom 3. April 2012 das Protokoll vorgehalten wurde und er
Gelegenheit hatte, dieses einzusehen und sich dazu zu äussern, kann es ohne
Weiteres zur Erstellung des Anklagesachverhaltes herangezogen werden (vgl.
Art. 147 Abs. 1 StPO).
Im Polizeiprotokoll wird festgehalten, dass es zum Zeitpunkt des dem Beschuldig-
ten vorgeworfenen Anklagesachverhaltes Nacht gewesen sei; das Verkehrsauf-
kommen sei stark gewesen (Urk. 2 S. 1). Dasselbe ergibt sich auch aus dem Poli-
zeirapport (Urk 1 S. 2), der einen Amtsbericht (im Sinne von Art. 195 Abs. 1
StPO) darstellt und als Beweismittel verwendet werden kann. Weitere relevante
Umstände, die zur Erstellung des Sachverhaltes dienen, lassen sich (neben den
Aussagen des Beschuldigten) dem Polizeiprotokoll nicht entnehmen.
9. Fazit
Bei einer Gesamtwürdigung der Beweislage bestehen letztlich keine unüberwind-
baren Zweifel daran, dass sich der Sachverhalt so zugetragen hat, wie er in der
Anklageschrift bzw. dem Strafbefehl vom 13. Juli 2012 beschrieben wird. Der An-
klagesachverhalt ist demzufolge als erstellt zu betrachten.
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III. Rechtliche Würdigung
1. Rechtsüberholen
Gemäss Art. 35 Abs. 1 SVG ist links zu überholen, woraus ein Verbot des Rechts-
überholens folgt. Die Vorinstanz hat zutreffend ausgeführt, dass nach bundesge-
richtlicher Rechtsprechung ein Überholen vorliegt, wenn ein schnelleres Fahrzeug
ein in gleicher Richtung langsamer vorausfahrendes einholt, an ihm vorbeifährt
und vor ihm die Fahrt fortsetzt, wobei weder das Ausschwenken noch das Wie-
dereinbiegen eine notwendige Voraussetzung des Überholens bildet (SCHAFFHAU-
SER, Grundriss des schweizerischen Strassenverkehrsrechts, Band I, 2. Aufl.,
Bern 2002, N 708 f.). Sodann legte die Vorinstanz dar, dass Art. 8 Abs. 3 Satz 1
VRV allgemein und Art. 36 Abs. 5 lit. a VRV besonders auf Autobahnen beim
Fahren in parallelen Kolonnen eine Ausnahme vom Verbot des Rechtsüberholens
vorsehen, in der Weise, dass das Rechtsvorbeifahren an anderen Fahrzeugen
gestattet ist, und wies darauf hin, dass gemäss Art. 8 Abs. 3 Satz 2 VRV das
Rechtsüberholen durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen ausdrücklich unter-
sagt ist. Beim Fahren in parallelen Kolonnen auf Autobahnen dürfe deshalb in
keinem Falle durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen rechts überholt werden.
Blosses Rechtsvorbeifahren an anderen Fahrzeugen unter Wechsel des Fahr-
streifens, wenn dies ohne Behinderung des übrigen Verkehrs möglich sei, sei hin-
gegen gestattet. Diesen Ausführungen der Vorinstanz (Urk. 45 S. 12) kann voll-
umfänglich beigepflichtet werden.
Nicht blosses Vorbeifahren, sondern ein Überholen durch Ausschwenken nach
rechts und Wiedereinbiegen nach links liegt jedenfalls dann vor, wenn das Aus-
schwenken, das Vorbeifahren an einem oder bloss wenigen Fahrzeugen und das
anschliessende Wiedereinbiegen in einem Zug erfolgten; also etwa dann, wenn
ein Fahrzeuglenker die Lücken in parallelen Kolonnen so ausnützt, dass er nur
um zu überholen kurz auf der rechten Fahrbahn fährt und gleich wieder links ein-
biegt (BGE 115 IV 244 E. 3b; BGE 126 IV 192 E. 2a). Der Beschuldigte fuhr auf
dem zweiten Überholstreifen und schwenkte in der Folge auf die erste Überhol-
spur aus, er fuhr an einem langsamer fahrenden Personenwagen rechts vorbei,
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beschleunigte auf ca. 120 km/h und bog weiter vorne wieder auf die zweite Über-
holspur ein. Der Verteidiger macht dazu geltend, ein Rechtsüberholmanöver mit
Ausschwenken und Wiedereinbiegen in einem Zug liege gemäss Anklageschrift
nicht vor (Urk. 55 S. 3). Dem ist grundsätzlich beizupflichten; die Anklageschrift
wirft dem Beschuldigten vor, "weiter vorne" wieder auf die zweite Überholspur
eingebogen zu sein (Urk. 20 S. 2). Allerdings beschreiben beide Zeugen den
Überholvorgang übereinstimmend dahingehend, dass der Begriff "weiter vorne"
gleichbedeutend mit dem Ausdruck "in einem Zug" zu verstehen ist. Der Zeuge
B._ führte aus, nachdem der Beschuldigte rechts am zuvor vorausfahrenden
Personenwagen vorbeigefahren sei, habe er nachher wieder auf den zweiten
Überholstreifen gewechselt, und er verneinte die Frage, ob der Beschuldigte nach
dem Überholmanöver einige Zeit auf der ersten Überholspur geblieben sei
(Urk. 14 S. 4 f.). Der Zeuge C._, der Beifahrer, gab an, sie hätten das Fahr-
zeug (des Beschuldigten) schliesslich angehalten und dessen Lenker kontrolliert,
da er nach dem Rechtsvorbeifahren auf die zweite Überholspur gewechselt habe
(Urk. 14 S. 4). Sodann führte er aus, der Beschuldigte habe auf die erste Über-
holspur gewechselt, sei langsam am anderen Fahrzeug rechts vorbeigefahren
und dann vor diesem wieder auf die zweite Überholspur gebogen. Er sei nicht mi-
nutenweise auf der ersten Überholspur geblieben (Urk. 14 S. 5). Beide Zeugen
beschreiben übereinstimmend, dass der Beschuldigte nach dem Vorbeifahren
wieder auf die zweite Überholspur gewechselt hat – sie verwenden die Begriffe
nachher, nach und dann – und verneinen, dass er noch längere Zeit auf der ers-
ten Überholspur geblieben sei. Aufgrund dieser Zeugenaussagen muss die von
der Staatsanwaltschaft gewählte Formulierung "weiter vorne" dahingehend ver-
standen werden, dass der Beschuldigte das Überholmanöver mit Ausschwenken,
Vorbeifahren und anschliessendem Wiedereinbiegen in einem Zug durchgeführt
hat. Das Verhalten des Beschuldigten ist als ein Manöver anzusehen. Dass die
beiden Zeugen nicht von sich aus, sondern erst auf Nachfrage der Assistenz-
Staatsanwältin die Umschreibung "in einem Zug" gewählt bzw. bestätigt haben
(vgl. Urk. 12 S. 5; Urk. 14 S. 5), steht dem nicht entgegen. Der Beschuldigte hat
gemäss der Videoaufnahme und den Zeugenaussagen nämlich nicht merklich
beschleunigt, sondern ist einfach ein paar km/h schneller bzw. langsam rechts an
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einem weiteren Personenwagen vorbeigefahren (Urk. 12 S. 4; Urk. 14 S. 4 und
S. 5). Dies bedeutet, dass es sich um ein länger dauerndes Manöver gehandelt
haben muss, da der Geschwindigkeitsunterschied zwischen den beiden Perso-
nenwagen klein war. Es ist deshalb bezüglich des Fahrstreifenwechsels nachvoll-
ziehbar, dass die Anklage nicht von "in einem Zug", sondern einfach von "weiter
vorne" spricht. Gestützt auf diese Erwägungen ist mit der Vorinstanz davon aus-
zugehen, dass der Beschuldigte auf einer Autobahn nicht nur an einem anderen
Fahrzeug rechts vorbeigefahren ist, sondern ausgeschwenkt, rechts vorbeigefah-
ren und wieder auf die linke Fahrspur eingebogen ist, was gemäss Art. 8 Abs. 3
VRV ausdrücklich untersagt ist. Objektiv sind damit die Voraussetzungen des
verbotenen Rechtsüberholens auf der Autobahn gegeben.
Dass sich bei diesem Ergebnis die Frage, ob Kolonnenverkehr geherrscht hat, er-
übrigt, hat die Vorinstanz bereits festgestellt (Urk. 45 S. 12 f.). Diesen Erwägun-
gen kann vollumfänglich beigepflichtet werden. Immerhin wäre auch fraglich, ob
überhaupt Kolonnenverkehr im Sinne von Art. 8 Abs. 3 VRV herrschen kann,
wenn die Fahrzeuge mit Geschwindigkeiten von 100 km/h bis 120 km/h unter-
wegs sein können, wie dies – unbestrittenermassen – beim Beschuldigten der Fall
war.
2. Tatbestand der groben Verletzung der Verkehrsregeln (Art. 90 Ziff. 2 aSVG)
Am 1. Januar 2013 trat die neue Fassung von Art. 90 SVG in Kraft. Gemäss Art. 2
Abs. 2 StGB ist neues Recht anwendbar, wenn es für den Täter das mildere ist.
Inhaltliche Änderungen von Ziffern 1 und 2 (bzw. neu Absätzen 1 und 2) von
Art. 90 SVG sind nicht auszumachen, weshalb das neue Recht nicht das mildere
ist. Es findet daher die alte Fassung von Art. 90 SVG Anwendung.
Eine Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 1 aSVG erfüllt dann
die qualifizierten Tatbestandsmerkmale von Art. 90 Ziff. 2 aSVG, wenn sie grob ist
und der Täter dadurch eine ernstliche Gefahr für die Sicherheit anderer hervorruft
oder in Kauf nimmt (GIGER, Kommentar Strassenverkehrsgesetz, 7. Aufl., Zürich
2008, N 10 zu Art. 90).
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2.1 Objektiver Tatbestand
Die Voraussetzungen für die Annahme einer groben Verkehrsregelverletzung
wurden von der Vorinstanz in zutreffender Weise dargelegt. Vorab kann deshalb
auf die entsprechenden Erwägungen verwiesen werden (Urk. 45 S. 13; Art. 82
Abs. 4 StPO). Wie die Vorinstanz sodann zu Recht festgehalten hat, ist das
Rechtsüberholen auf der Autobahn gemäss konstanter bundesgerichtlicher
Rechtsprechung grundsätzlich als grobe Verletzung von Verkehrsregeln im Sinne
von Art. 90 Ziff. 2 aSVG einzustufen. Das Verbot des Rechtsüberholens gilt als
eine für die Verkehrssicherheit objektiv wichtige Vorschrift, deren Missachtung ei-
ne erhebliche Gefährdung der Verkehrssicherheit mit beträchtlicher Unfallgefahr
nach sich zieht und damit objektiv schwer wiegt. Wer auf der Autobahn fährt,
muss sich darauf verlassen können, dass er nicht plötzlich rechts überholt wird.
Das Rechtsüberholen auf der Autobahn, auf der hohe Geschwindigkeiten gefah-
ren werden, stellt eine erhöhte abstrakte Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer
dar (BGE 6B_211/2011, E. 3.3 mit weiteren Hinweisen).
Dies gilt auch für den vorliegenden Fall. Zu betonen ist, dass eine für die Erfüllung
des Tatbestandes von Art. 90 Ziff. 2 aSVG vorausgesetzte ernstliche Gefahr für
die Sicherheit anderer nicht erst bei einer konkreten, sondern bereits bei einer er-
höhten abstrakten Gefährdung vorliegt. Diese setzt die naheliegende Möglichkeit
einer konkreten Gefährdung oder Verletzung voraus (BGE 6B_211/2011, E. 3.1
mit weiteren Hinweisen). Dementsprechend ist nicht erforderlich, dass vorliegend
Anhaltspunkte dafür bestanden, dass der vom Beschuldigten überholte Perso-
nenwagen tatsächlich auf die erste Überholspur wechseln wollte. Für die Annah-
me einer erhöhten abstrakten Gefahr ist vielmehr ausschlaggebend, dass sich auf
der linken Fahrspur neben dem Beschuldigten ein Fahrzeug befand, dessen Len-
ker aufgrund des Rechtsüberholverbots nicht damit rechnen musste, dass der
Beschuldigte rechts an ihm vorbeifuhr. Hätte dieser Fahrzeuglenker von der zwei-
ten Überholspur nach rechts auf die erste Überholspur wechseln wollen, wäre er
durch das unerwartete Herannahen des Personenwagens des Beschuldigten
überrascht worden, was ihn zu einer Fehlreaktion hätte verleiten können. Das
Fahrmanöver des Beschuldigten hätte dazu führen können, dass das sich auf der
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zweiten Überholspur befindende Fahrzeug unvermittelt hätte bremsen oder aus-
weichen müssen, was die konkrete Gefahr einer Kollision heraufbeschwören oder
gar zu einer Kollision hätte führen können. Mit seinem Verhalten hat der Beschul-
digte somit zweifellos eine erhöhte abstrakte Gefahr geschaffen. Eine bloss all-
gemeine, abstrakte Möglichkeit einer Gefährdung ist im Übrigen nur dann mit Si-
cherheit anzunehmen, wenn keine anderen Verkehrsteilnehmer vom Verhalten
des fehlbaren Fahrzeuglenkers betroffen werden können (BGE 118 IV 285 E. 3b).
Dies trifft vorliegend jedoch nicht zu. Eine erhebliche Gefährdung der anderen
Verkehrsteilnehmer ergab sich schliesslich dadurch, dass zum Tatzeitpunkt um
6.34 Uhr an einem Freitagmorgen im Berufsverkehr auf der Strecke ... - Zürich
reges Verkehrsaufkommen herrschte und der Beschuldigte mit einer Geschwin-
digkeit von gut 100 km/h unterwegs war. Es liegt somit objektiv eine grobe Ver-
kehrsregelverletzung im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 aSVG vor.
2.2 Subjektiver Tatbestand
Subjektiv erfordert der Tatbestand von Art. 90 Ziff. 2 aSVG ein rücksichtsloses
oder sonst schwerwiegend verkehrswidriges Verhalten, d.h. ein schweres Ver-
schulden, bei fahrlässigem Handeln mindestens grobe Fahrlässigkeit. Diese ist
immer zu bejahen, wenn der Täter sich der allgemeinen Gefährlichkeit seiner ver-
kehrswidrigen Fahrweise bewusst ist (BGE 131 IV 133 E. 3.2; BGE 123 IV 88
E. 4a; Urteil des Bundesgerichts 6S.139/2005 vom 24. Juni 2005, E. 1).
Der Beschuldigte lässt eventualiter beantragen, ihn der fahrlässigen Tatbegehung
schuldig zu sprechen. Er habe stets ausgeführt, er sei sich nicht bewusst gewe-
sen, ein anderes Fahrzeug rechts überholt zu haben (Urk. 55 S. 3).
Direkter Vorsatz liegt vor, wenn die Tat mit Wissen und Willen ausgeführt wird
(Art. 12 Abs. 2 Satz 1 StGB). Vorsätzlich handelt indessen bereits, wer die Ver-
wirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt (Art. 12 Abs. 2 Satz 2
StGB). Eventualvorsatz liegt nach ständiger Rechtsprechung und der gestützt da-
rauf eingeführten Legaldefinition in Art. 12 Abs. 2 Satz 2 StGB vor, wenn der Tä-
ter die Verwirklichung eines Tatbestandes zwar nicht mit Gewissheit voraussieht,
aber doch für ernsthaft möglich hält, und die Erfüllung des Tatbestandes für den
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Fall, dass sie eintreten sollte, in Kauf nimmt, sich damit abfindet, mag sie ihm
auch unerwünscht sein (BGE 134 IV 26 E. 3.2.2). Für den Nachweis des Vorsat-
zes kann sich das Gericht – soweit der Täter nicht geständig ist – regelmässig nur
auf äusserlich feststellbare Indizien und auf Erfahrungsregeln stützen, die ihm
Rückschlüsse von den äusseren Umständen auf die innere Einstellung des Täters
erlauben. Zu den äusseren Umständen, aus denen der Schluss gezogen werden
kann, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen, zählt
namentlich die Grösse des dem Täter bekannten Risikos der Tatbestandsverwirk-
lichung und die Schwere der Sorgfaltspflichtverletzung. Je grösser dieses Risiko
ist und je schwerer die Sorgfaltspflichtverletzung wiegt, desto eher darf gefolgert
werden, der Täter habe die Tatbestandsverwirklichung in Kauf genommen (Urteil
des Bundesgerichtes 6S.133/2007 vom 11. September 2008 E. 2.4).
Der Beschuldigte als vorbelasteter Fahrer (vgl. Urk. 4/5; Urk. 33; Urk. 63) kannte
das Verbot des Rechtsüberholens (Urk. 16 S. 11). Er hat, nachdem er zu einem
vor ihm fahrenden Auto aufgeschlossen hatte, von der zweiten auf die erste
Überholspur gewechselt und beschleunigte auf der ersten Überholspur (Urk. 16
S. 11). Zudem führte er aus, auf diesem Autobahnabschnitt sei es hell wie auf
dem Flughafen (Urk. 16 S. 8). Es ist deshalb nicht anzunehmen, dass er das links
von ihm auf der zweiten Überholspur fahrende Fahrzeug nicht gesehen hat. Die
Aussage des Beschuldigten, dass er nicht realisiert habe, dass er rechts überhole
(Urk. 16 S. 10; vgl. auch Urk. 55 S. 3 f.), ist aus diesen Gründen nicht glaubhaft
und als Schutzbehauptung zu qualifizieren. Diesbezüglich handelte der Beschul-
digte direktvorsätzlich.
Beim Rechtsüberholen nahm der Beschuldigte die damit einher gehende starke
Gefährdung der überholten und weiterer Fahrzeuglenker in Kauf. Es herrschte an
jenem Freitagmorgen um 6.34 Uhr morgendlicher Berufsverkehr mit entsprechend
regem Verkehrsaufkommen (Urk. 1). Diesbezüglich liegt Eventualvorsatz vor, wie
bereits die Vorinstanz zutreffend ausgeführt hat.
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3. Fazit
Der Beschuldigte ist somit der eventualvorsätzlichen groben Verletzung der Ver-
kehrsregeln im Sinne von Art. 90 Ziff. 2 aSVG in Verbindung mit Art. 35 Abs. 1
SVG und Art. 8 Abs. 3 VRV schuldig zu sprechen.
Art. 36 Abs. 5 VRV sieht eine Ausnahme vom Verbot des Rechtsüberholens auf
Autobahnen und Autostrassen vor. Indem der Beschuldigte gegen das Verbot des
Rechtsüberholens (durch Ausschwenken und Wiedereinbiegen) verstösst, verletzt
er die Bestimmung von Art. 36 Abs. 5 VRV nicht. Diese Bestimmung ist auf den
vorliegenden Fall nicht anzuwenden. Der Beschuldigte ist deshalb nicht des
Verstosses gegen Art. 36 Abs. 5 VRV schuldig zu sprechen (vgl. BGE 115 IV 244
E. 3b).
IV. Strafzumessung und Vollzug
1. Strafrahmen
Die Vorinstanz hat den Strafrahmen korrekt abgesteckt. Um unnötige Wiederho-
lungen zu vermeiden, kann vorab auf die diesbezüglichen Erwägungen im ange-
fochtenen Entscheid verwiesen werden (Urk. 45 S. 15 f.). Zu ergänzen ist, dass,
nachdem die Anklagebehörde weder (selbständig) Berufung noch Anschlussberu-
fung erhoben hat (Urk. 51), der angefochtene Entscheid nicht zum Nachteil des
Beschuldigten abgeändert werden darf (Verbot der reformatio in peius; Art. 391
Abs. 2 StPO).
2. Verschulden
Innerhalb des festgelegten Strafrahmens misst das Gericht die Strafe nach dem
Verschulden des Täters zu. Es berücksichtigt das Vorleben und die persönlichen
Verhältnisse sowie die Wirkung der Strafe auf dessen Leben (Art. 47 Abs. 1
StGB). Das Verschulden wird nach der Schwere der Verletzung oder Gefährdung
des betroffenen Rechtsguts, nach der Verwerflichkeit des Handelns, den Beweg-
gründen und Zielen des Täters sowie danach bestimmt, wie weit der Täter nach
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den inneren und äusseren Umständen in der Lage war, die Gefährdung oder Ver-
letzung zu vermeiden (Art. 47 Abs. 2 StGB). Ausgangspunkt bei der Strafzumes-
sung ist die objektive Tatschwere, d.h. die Schwere der Verletzung oder Gefähr-
dung des betroffenen Rechtsguts bzw. der schuldhaft verursachte Erfolg. Ebenso
massgeblich ist die subjektive Tatschwere, die sich aus der Intensität des delikti-
schen Willens sowie den Beweggründen für die Tat ergibt. Mit zu berücksichtigen
sind schliesslich das Vorleben und die persönlichen Verhältnisse des Täters.
2.1 Tatkomponente
Zur objektiven Tatschwere ist auszuführen, dass der Beschuldigte bei regem Ver-
kehrsaufkommen und trotz der hohen Geschwindigkeiten, mit denen sich Fahr-
zeuge auf der Autobahn bewegen, rechts überholte und dadurch eine erhebliche
Gefährdungssituation für sich und andere Verkehrsteilnehmer schuf. Im Falle ei-
ner Fehlreaktion des von ihm überholten Fahrzeuglenkers hätte sein Verhalten
gravierende Folgen haben können, namentlich, wenn es zu einer Kollision mit
entsprechenden Körperverletzungen und Schäden gekommen wäre. Immerhin ist
auch zu berücksichtigen, dass aus seinem Fehlverhalten weder ein Unfall resul-
tierte noch sich eine konkrete Gefährdung ergab. Allerdings war er bei feuchter
Fahrbahn und Minustemperaturen unterwegs. Im Rahmen der groben Verkehrs-
regelverletzung wiegt das objektive Tatverschulden deshalb noch leicht.
Zu den Beweggründen des Beschuldigten hat sich die Vorinstanz bereits ausführ-
lich geäussert. Den diesbezüglichen Erwägungen kann zugestimmt werden. Er-
gänzend ist anzuführen, dass die aus dem Verhalten des Beschuldigten zum
Ausdruck kommende Rücksichts- bzw. Gedankenlosigkeit gegenüber fremden
Rechtsgütern durch die Qualifikation als grobe Verkehrsregelverletzung abgegol-
ten ist. Das subjektive Tatverschulden ist daher ebenfalls als noch leicht einzustu-
fen.
Die Vorinstanz ist deshalb zurecht von einem noch leichten Gesamtverschulden
ausgegangen und hat (für die Tatkomponente) eine Einsatzstrafe von 30 Tages-
sätzen festgesetzt (Urk. 45 S. 17).
- 21 -
2.2 Täterkomponente
Zum Vorleben und den persönlichen Verhältnissen des Beschuldigten kann auf
die Ausführungen im angefochtenen Entscheid und die Akten verwiesen werden
(Urk. 45 S. 17 f.; Urk. 35 S. 1; Urk. 16 S. 3 f.; Urk. 4/6). Zu ergänzen ist, dass der
Beschuldigte ledig ist und keine Kinder hat. Aus der Biographie und den persönli-
chen Verhältnissen des Beschuldigten ergeben sich keine Anhaltspunkte, die für
die Strafzumessung von Relevanz wären.
Gemäss aktuellem Strafregisterauszug vom 2. April 2013 weist der Beschuldigte
zwei Vorstrafen wegen Verstössen gegen das Strassenverkehrsrecht auf. Mit
Strafbefehl vom 20. Oktober 2006 wurde er vom Presidente del circolo di Rovere-
do wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln mit einer Busse von Fr. 700.–
bestraft. Das Bezirksamt Frauenfeld verurteilte den Beschuldigten wegen Fahrens
in fahrunfähigem Zustand (qualifizierte Blutalkoholkonzentration) zu einer Geld-
strafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 120.– unbedingt (Urk. 63). Die Vorrichterin be-
rücksichtigte ausserdem – gemäss Strafregisterauszug vom 19. September 2012
(Urk. 33) – eine Strafe des Bezirksgerichts Bülach vom 29. August 2002, mit wel-
cher der Beschuldigte wegen mehrfacher grober Verletzung der Verkehrsregeln
zu einer Gefängnisstrafe von 45 Tagen sowie einer Busse von Fr. 1'000.– verur-
teilt wurde. Diese Strafe wurde inzwischen aus dem Strafregister entfernt (vgl.
Urk. 63) und darf dem Beschuldigten gemäss Art. 369 Abs. 7 StGB grundsätzlich
nicht mehr entgegengehalten werden, was bedeutet, dass im Regelfall keine
Rechtsfolgen an dieses Urteil mehr geknüpft werden dürfen (DONATSCH/HUG/
WEDER/ FLACHSMANN, Kommentar Schweizerisches Strafgesetzbuch, 18. Aufl.,
Zürich 2010, N 17 zu Art. 369). Es stellt sich hier aber die Frage, ob der Beschul-
digte durch die Erhebung der Berufung besser gestellt werden soll, indem im Be-
rufungsverfahren die zwischen erst- und zweitinstanzlichen Verfahren entfernte
Vorstrafe nicht mehr berücksichtigt werden kann. Für die Ausfällung einer Zusatz-
strafe im Sinne von Art. 49 Abs. 2 StGB hat das Bundesgericht entschieden, dass
für die Frage, ob überhaupt eine Zusatzstrafe ausgefällt werden kann, der Zeit-
punkt der Ausfällung des erstinstanzlichen Urteils massgebend ist und nicht eine
rechtskräftige Verurteilung vorliegen muss; für später begangene Delikte kommt
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in diesem Fall keine Zusatzstrafe in Betracht (BGE 129 IV 113 E. 1.3). Durch das
Ergreifen eines Rechtsmittels kann der Beschuldigte gleichsam nicht von der An-
wendung von Art. 49 Abs. 2 StGB profitieren. Gleiches muss auch für die Berück-
sichtigung von Vorstrafen, die im Zeitpunkt des zweitinstanzlichen Urteils entfernt
wurden, gelten. Im vorliegenden Verfahren ist daher auch die von der Vorinstanz
berücksichtigte Strafe des Bezirksgerichts Bülach vom 29. August 2002 in die
Strafzumessung einzubeziehen. Diese Strafe fällt allerdings nur noch leicht straf-
erhöhend ins Gewicht.
Die Vorinstanz hat zutreffend festgehalten, dass der automobilistische Leumund
des Beschuldigten aufgrund von fünf Administrativmassnahmen stark getrübt ist
(Urk. 45 S. 19; Urk. 34). Dieser Umstand sowie die drei einschlägigen Vorstrafen
sind deutlich straferhöhend zu veranschlagen.
Weitere Straferhöhungs- oder Strafminderungsgründe sind keine ersichtlich.
3. Anzahl Tagessätze
Angesichts der dargelegten Umstände – erhebliche Straferhöhung aufgrund der
einschlägigen Vorstrafen sowie des getrübten automobilistischen Leumunds; kei-
ne Strafminderungsgründe – ist eine deutliche Erhöhung der Einsatzstrafe von 30
Tagessätzen angezeigt. Die von der Vorinstanz ausgefällte Geldstrafe von 40 Ta-
gessätzen erscheint als zu tief. Eine Geldstrafe von ca. 60 Tagessätzen wäre an-
gemessen. Aufgrund des Verbots der reformatio in peius fällt eine höhere Strafe
aber ausser Betracht. Die im erstinstanzlichen Entscheid ausgefällte Geldstrafe
von 40 Tagessätzen ist demnach auch für das Berufungsverfahren zu bestätigen.
4. Höhe des Tagessatzes
Ausgangspunkt für die Tagessatzberechnung ist das Einkommen, welches dem
Täter durchschnittlich an einem Tag zufliesst. Dabei bleibt belanglos, aus welcher
Quelle dieses Einkommen stammt. Abzuziehen ist, was gesetzlich geschuldet ist
oder dem Täter wirtschaftlich nicht zufliesst, so etwa die laufenden Steuern, obli-
gatorische Versicherungsbeiträge sowie Unterhalts- und Unterstützungsbeiträge,
soweit der Verurteilte diesen tatsächlich nachkommt. Nicht zu berücksichtigen
- 23 -
sind Schulden sowie Ausgaben für die Grundbedürfnisse wie beispielsweise die
Wohnkosten. Solchen Positionen kann im Rahmen der Berücksichtigung des
Existenzminimums mit einem pauschalen Abzug Rechnung getragen werden
(BGE 134 IV 60 E. 6.).
Um unnötige Wiederholungen zu vermeiden, kann bezüglich der finanziellen Ver-
hältnisse auf die entsprechenden Ausführungen im angefochtenen Entscheid so-
wie das vom Beschuldigen eingereichte Datenerfassungsblatt verwiesen werden
(Urk. 45 S. 18; Urk. 50). Aus dem eingereichten Lohnausweis für das Jahr 2012
ergibt sich ein monatliches Nettoeinkommen inklusive einem "Weihnachts-
geld/Sonderzulage" von Fr. 7'276.30 (Urk. 56/3). Da davon auszugehen ist, dass
der Beschuldigte dieses Weihnachtsgeld/Sonderzulage nicht regelmässig und
nicht in dieser Höhe erhält, ist für die weitere Berechnung des Tagessatzes ein
monatlicher Nettolohn von Fr. 6'500.– einzusetzen. Von diesem Betrag sind (ge-
schätzt) Fr. 400.– für die Krankenkassenprämien abzuziehen. Sodann sind die
Steuerbelastung sowie die Berufsauslagen in Abzug zu bringen; die Steuerbelas-
tung betrug gemäss der provisorischen Steuerberechnung für das Jahr 2011 mo-
natlich ca. Fr. 600.– (vgl. Urk. 59/1); die Berufsauslagen beliefen sich im Jahr
2011 auf Fr. 8'250.– (monatlich Fr. 687.50). Wie bereits erwähnt bleiben gemäss
bundesgerichtlicher Rechtsprechung die Miet- und Hypothekarzinsen sowie Ab-
zahlungs- und Leasingverpflichtungen unberücksichtigt (BGE 134 IV 60 E. 6.4).
Das strafrechtliche Nettoeinkommen des Beschuldigten beläuft sich somit auf ca.
Fr. 4'800.– monatlich.
In Anbetracht der wirtschaftlichen Verhältnisse des Beschuldigten ist die Höhe
des Tagessatzes von der Vorderrichterin mit Fr. 70.– eher tief angesetzt worden.
Einer Erhöhung steht heute indes das Verschlechterungsverbot (Art. 391 Abs. 2
StPO) entgegen, weshalb der Tagessatz von Fr. 70.– zu bestätigen ist.
5. Strafe
Gesamthaft betrachtet ist der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 40 Tagessät-
zen zu Fr. 70.– zu bestrafen.
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6. Vollzug
Die Vorinstanz hat die Voraussetzungen für den Aufschub des Vollzugs einer
Geldstrafe dargelegt (Urk. 45 S. 19 f.); auf diese Ausführungen kann verwiesen
werden. Sie kam zum Schluss, dass angesichts der drei Vorstrafen, die alle auf
Verkehrsdelikte zurückzuführen seien, der Uneinsichtigkeit sowie des getrübten
automobilistischen Leumunds des Beschuldigten nicht mehr von einer günstigen
Prognose ausgegangen werden könne (Urk. 45 S. 20). Diesen Erwägungen kann
beigepflichtet werden. An dieser Beurteilung ändert auch der Umstand, dass mitt-
lerweile nur noch zwei Vorstrafen auf dem Strafregisterauszug erscheinen
(Urk. 63), nichts. Ergänzend ist festzuhalten, dass selbst die Bestrafung mit einer
unbedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu Fr. 120.– (insgesamt Fr. 7'200.–)
im Jahr 2008 den Beschuldigten offenbar nicht vor weiterer Delinquenz abgehal-
ten hat. Der bedingte Strafvollzug kann dem Beschuldigten somit nicht gewährt
werden. Der Beschuldigte hat die Geldstrafe zu bezahlen.
V. Kosten- und Entschädigungsfolgen
Bei diesem Ausgang des Verfahrens ist die erstinstanzliche Kostenregelung (Dis-
positivziffern 4 und 5) zu bestätigen.
Gemäss Art. 428 Abs. 1 StPO tragen die Parteien die Kosten des Rechtsmittel-
verfahrens nach Massgabe ihres Obsiegens oder Unterliegens. Der Beschuldigte
unterliegt mit seinen Anträgen vollumfänglich, weshalb ihm die gesamten Kosten
des Berufungsverfahrens aufzuerlegen sind.