# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 611dfdfa-84c9-486f-81f2-8c97d54f4756
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
X._
, geboren 1951, ist bei der
Atupri
Krankenkasse (nachstehend: Kasse) obligatorisch krankenversichert (
Urk.
6/9). Im Dezember 2013 wurde er in
der
Y._
medizinisch behandelt (
Urk.
6/1.1), wofür er am 19. Dezember 2013 per Kreditkarte 28‘872.-- Dominikanische Pesos bezahlte (
Urk.
6/1). Die Kasse vergütete ihm am 20. Februar 2014
(vgl.
Urk.
6/3)
Fr.
534.-
-
, wovon sie
Franchise und Selbstbehalt
abzog
(
Urk.
6/2
)
. Der Versicherte machte am 5.
März 2014 geltend, gemäss der von ihm bei
ge
legten Abrechnung des Kreditkartenunternehmens seien ihm
Fr.
578.25 belastet worden (
Urk.
6/3). Die Kasse
hielt mit Verfügung vom 28. April 2014 fest, die Bearbeitungskosten de
s
Kreditkarten
unternehmens
in der Höhe von
Fr.
44.25 würden nicht über
nommen (
Urk.
6/6). Mit
Einspracheentscheid
vom
2.
September 2014 (
Urk.
6/8 =
Urk.
2) hielt sie daran fest, dass sie
Fr.
44.25 (nunmehr
Fr.
35.70 Währungsdif
ferenz und
Fr.
8.55 Kreditkarten-Bearbeitungsgebühr) nicht übernehme (S. 4
Ziff.
2).
2.
Gegen den
Einspracheentscheid
vom
2.
September 2014 (
Urk.
2) erhob der Versi
cherte am 26. September 2014 Beschwerde und beantragte, die Kasse sei zu verpflichten, ihm
Fr.
44.25 abzüglich Selbstbehalt von 10
%
nachzuvergüten
(
Urk.
1 S. 1).
Die Kasse beantragte mit Beschwerdeantwort vom 4. November 2014 (
Urk.
5) die Abweisung der Beschwerde, was dem Beschwerdeführer am 5. November 2014 zur Kenntnis gebracht wurde (
Urk.
7).
Der Einzelrichter

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Gemäss
Art.
25
Abs.
1 des Bundesgesetzes über die Krankenversicherung (KVG)
übernimmt
die obligatorische Krankenpflegeversicherung
(OKP)
die Kos
ten für die Leistungen, die der Diagnose oder Behandlung einer Krankheit und ihrer Folgen dienen. Diese Leistungen umfassen gemäss
Art.
25
Abs.
2 KVG unter anderem die Untersuchungen und Behandlungen, die ambulant, stationär oder in einem Pflegeheim, sowie die Pflegeleistungen, die in einem Spital von Ärzten oder Ärztinnen,
Chiropraktoren
oder
Chiropraktorinnen
oder auf deren Anordnung oder in deren Auftrag durchgeführt werden (
lit
. a).
1.2
Gemäss
Art.
34
Abs.
2 KVG kann der Bundesrat bestimmen, dass die
OKP
die Kosten von Leistungen unter anderem nach
Art.
25
Abs.
2 KVG übernimmt, die aus medizinischen Gründen im Ausland erbracht werden.
1.3
Der Bundesrat hat
Art.
36
Abs.
2 Satz 1 der
Verordnung über die Krankenversi
cherung (KVV)
wie folgt formuliert:
Die obligatorische Krankenpflegeversicherung übernimmt die Kosten von Be
handlungen, die in Notfällen im Ausland erbracht werden.
Art.
36
Abs.
4 KVV statuiert sodann - hier nicht zum Zuge kommende - Obergren
zen für die Kostenübernahme von Auslandsbehandlungen.
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin
führte
im angefochtenen Entscheid (
Urk.
2) aus,
sie habe zur Ermittlung des Wechselkurses den Währungsrechner
Oanda
verwendet (vgl.
Urk.
6/2.1), der innerhalb eines 24-Stunden-Zeitraums auf dem Dollar-Ta
geskurs basiere. Damit sei ein gleichbleibendes Mass an Genauigkeit und Ob
jektivität gewährleistet. Es gebe keine ‚natürlichen‘ Wechselkurse, jedes Land, jeder Händler und jede Einrichtung lege eigene Geld- und Briefkurse fest (S. 3
Ziff.
9). Ferner seien Kreditkarten-Bearbeitungsgebühren von der
OKP
nicht ge
deckt (S. 3
Ziff.
10).
In der Beschwerdeantwort (
Urk.
5) wies sie sodann auf die Regelung in
Art.
84
Abs.
1 des
Obligationenrecht
s
(
OR
)
hin, dies inklusive der Lehrmeinung, der an
gemessene Wechselkurs sei im Einzelfall, unter Auslegung der
Vertragsum
stände
und unter Berücksichtigung des Wesens der Transaktion, zu suchen (S. 2 f.
Ziff.
4). Ferner machte sie geltend, der vom Kreditkartenunternehmen ver
wendete Kurs (0.0220205) liege sowohl über dem maximalen Geldkurs (0.02096) als auch über dem maximalen Briefkurs (0.02137) des 1
9.
Dezember 2013 (S. 3
Ziff.
7).
2.2
Der Beschwerdeführer stellte sich demgegenüber auf den Standpunkt (
Urk.
1),
es sei unklar, auf welches Datum hin die Umrechnung durch die Beschwerdefüh
rerin erfolgt sei (S. 1), es gebe keinen plausiblen Grund, ausgerechnet den Währungsrechner
Oanda
anzuwenden, dessen
Kurse
für
Durchschnittskonsu
menten
gar nicht realisierbar seien, sondern die Verhältnisse im Interbanken
sektor beschrieben (S. 1 unten). Zur Kreditkarten-Bearbeitungsgebühr wies er darauf hin, dass in der Schweiz derzeit
Fr.
1.85 pro Einzahlungsschein verrech
net würden und dieser Betrag in den Arztrechnungen stillschweigend eskomp
tiert (im Voraus eingerechnet) sei (S. 2 oben).
2.3
Strittig und zu prüfen ist, in welchem Umfang der Beschwerdeführer Anspruch auf Kostenvergütung hat.
3.
3.1
Aufgrund der Akten lässt sich eine vermeintliche Unklarheit beseitigen, nämlich das Datum, auf welches die Beschwerdegegnerin die Umrechnung vorgenom
men hat. Gemäss dem in den Akten befindlichen Ausdruck (
Urk.
6/2.1) wurde der Betrag bezogen auf den 1
8.
Dezember 2013 umgerechnet. Dabei wurde der Kurs für den Verkauf von Dominikanischen Pesos verwendet (womit
Fr.
534.016
resultierten); wäre der Kurs für den Kauf der Fremdwährung verwendet worden, hätten
Fr.
455.723 resultiert.
3.2
Die genannte Abrechnung ist mehrfach bemerkenswert. So ist nicht ersichtlich, warum der Verkaufskurs und nicht der Kaufkurs angewendet wurde, bestand die für die Umrechnung massgebende Transaktion doch darin, dass mit Schweizer Franken Fremdwährung gekauft werden musste, um die in Fremdwährung aus
gestellte Rechnung zu begleichen.
Noch weniger vermag das für die Umrechnung gewählte Datum (1
8.
Dezember 2013) einzuleuchten, liegt es doch noch vor dem Tag der Bezahlung der Rech
nung, die am 1
9.
Dezember 2013 erfolgte (
Urk.
6/1). Die Belastung durch das Kreditkartenunternehmen dürfte noch einmal einige Tage später erfolgt sein; wann genau, lässt sich nicht
sagen, befindet sich doch die vom Beschwerde
führer am
5.
März 2014 (
Urk.
6/3) als Beilage erwähnte Abrechnung des
Kredit
kartenunternehmens
nicht in den von der Beschwerdegegnerin eingereichten Akten.
3.3
Die gesetzliche Regelung geht dahin, dass die
OKP
die Kosten von aus medizini
schen Gründen im Ausland erbrachten Leistungen übernimmt (vorstehend
E. 1.2), und zwar gemäss der Konkretisierung auf Verordnungsstufe solche, die in Notfällen erbracht werden (vorstehend E. 1.3).
Dass
es sich vorliegend um eine solche Notfall-Behandlung im Ausland gehan
delt hat, ist nicht strittig, womit auch der grundsätzliche Anspruch des Be
schwerdeführers auf Kostenübernahme feststeht.
3.4
Es bleibt zu klären, was unter der Formulierung „übernimmt die Kosten“ zu ver
stehen ist.
Die Höhe der Kosten ergibt sich aus der Rechnungsstellung des Leistungserbrin
gers; die entsprechende Rechnung muss bezahlt werden. Für das Tragen dieser Kosten kommen die Versicherten und die OKP in Frage. Wenn nun die Verord
nung vorschreibt, dass es in Fällen wie dem vorliegenden die OKP ist, welche „die Kosten“ übernimmt, so kann damit aus Gründen der Logik nur der Betrag gemeint sein, der dem Versicherten belastet wurde
, denn andernfalls hätte er ei
nen Teil der Kosten zu tragen, obwohl die Vorschrift dahin lautet, dass nicht er, sondern die OKP die Kosten übernimmt.
3.5
Sodann bleibt zu bedenken, dass die Bezahlung in Fremdwährung unter Verwen
dung einer Kreditkarte - mit anschliessender Belastung des umgerech
neten Betrags und einer Bearbeitungsgebühr in Schweizer Franken - die heute gängige Praxis darstellen dürfte, dies weil sie im Ausland mehr Sicherheit bietet
als das Mitführen von Bargeld (das möglicherweise zu einem von lokalen Be
sonderheiten abhängigen Wechselkurs erworben wurde).
Im hier interessierenden Zusammenhang hat die gewählte Zahlungsmethode überdies den Vorteil, dass klar dokumentiert wird, an welchem Datum der
Leis
tungserbringer
welchen Betrag (zugesagt) erhalten hat.
3.6
Zusammengefasst ist festzuhalten, dass - wenn der ausländische
Leistungserbrin
ger
in Fremdwährung mittels Kreditkarte bezahlt wurde -
„die
Kosten“ laut
Art.
36
Abs.
2 Satz KVV dem
Betrag
entsprechen
, der dem Versi
cherten vom Kreditkartenunternehmen belastet wurde. Vorbehalten bleibt der Fall von diesbezüglichen Unregelmässigkeiten, die auf missbräuchliches Ver
halten schliessen lassen würden.
Der genannte Vorbehalt kommt vorliegend - da keinerlei entsprechenden
An
-
halts
punkte
bestehen - nicht zum Tragen.
Dies führt zum Schluss, dass der Beschwerdeführer Anspruch darauf hat, dass die ihm entstandenen Kosten von
Fr.
578.25 (abzüglich Franchise und Selbstbe
halt) von der Beschwerdegegnerin übernommen werden.
Mit dieser Feststellung ist die Beschwerde gutzuheissen und es ist der angefoch
tene Entscheid aufzuheben.
und erkennt:
1.
In Gutheissung der Beschwerde wird der
Einspracheentscheid
der
Atupri
Krankenkasse vom
2.
September 2014 mit der Feststellung aufgehoben, dass dem Beschwerdeführer
Fr.
578.25 statt
Fr.
534.-- zu vergüten sind.
2.
Das Verfahren ist kostenlos.
3.
Zustellung gegen Empfangsschein an:
X._
Atupri
Krankenkasse
Bundesamt für Gesundheit
4.