# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 6f38d49d-a988-4d58-b790-68f5134403c4
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2020
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1965,
reiste am
2.
August 1999 in die Schweiz ein und
beantragte Asyl. A
m
6.
Juli 2001
erhielt er
den Status eines vorläufig aufgenom
menen Ausländers (
Urk.
7/3).
Der diplomierte Laborant und
ausgebildete Kondi
tor war
in der Folge
bis am 3
0.
April 2003 bei der
Y._
als Betriebsmitarbeiter tätig (
Urk.
7/
2/4
,
Urk.
7/5/1)
. Die Arbeitgeberin löste das Arbeitsverhältnis mit dem Versicherten auf, nachdem das Migrationsamt des Kantons Zürich ihm nach Abschluss des Asylverfahrens eine Ausreisefrist bis zum 3
0.
April 2003 angesetzt hatte (
Urk.
7/5/1,
Urk.
7/5/6).
Am
1
5.
März 2004
mel
dete er sich
unter Hinweis auf starke Kopfschmerzen, Schmerzen in de
r
rechten Seite
(Bein und Arm)
und anfallsweises
Zittern am ganzen Körper seit einer Gehirnerschütterung im
März
2002 sowie einer zunehmenden starken Depressi
vität
seit Mai 2003
bei der Invalidenversicherung zum Leistungsbezug an (
Urk.
7/2). Die Sozialversicherungsanstalt des Kantons Zürich, IV-Stelle
, holte in der Folge neben Berichten der ehemaligen Arbeitgeber (
Urk.
7/5,
Urk.
7/11) und einem IK-Auszug (
Urk.
7/6) diverse Berichte der behandelnden Ärzte (
Urk.
7/7,
Urk.
7/12-15) ein. Mit Verfügung vom
1
7.
Dezember 2004 sprach sie dem
Versi
cherten
ab
1.
Dezember 2004
bei einem Invaliditätsgrad von 100
%
eine ganze Rente der Invalidenversicherung zu (
Urk.
7/19).
Ab dem
7.
Juli 2005 war der Beschwerdeführer 15 Stunden pro Woche bei der Stiftung
Z._
an einem geschützten Arbeitsplatz tätig (
Urk.
7/21).
Im Rahmen von
in den Jahren 2005 (
Urk.
7/
20 ff.), 2008 (
Urk.
7/33
ff.
) und 2012 (
Urk.
7/47
ff.
) von Amtes wegen durchgeführten
Revisionsver
f
ahren
tätigte die IV-Stelle jeweils erwerbliche und medizinische Ab
klärungen und teilte dem Versicherten in der Folge mit, er habe unver
ändert Anspruch auf eine ganze Invalidenr
ente (
Urk.
7/25,
Urk.
7/38,
Urk.
7/50).
Am 2
3.
Januar 2016 leitete die IV-Stelle erneut ein Revisionsverfahren ein (
Urk.
7/52) und holte neben einem Arbeitgeberbericht (
Urk.
7/53), einem IK-Auszug (
Urk.
7/57) und Berichten der behandelnden Ärzte (
Urk.
7/56
,
Urk.
7/58 ff.) ein
polydisziplinäres Gutachten des
Zentrums A._
, in den Fachrichtungen Allgemeine Innere Medizin, Neuro
logie, Psychiatrie und Psychotherapie sowie Orthopädische Chirurgie und Trau
matologie des Bewegungsapparates ein (
Urk.
7/164), welches am 1
7.
November 2016 erstattet wurde (
Urk.
7/176).
In der Folge stellte die IV-Stelle dem Versi
cherten mit Vorbescheid vom
4.
April 2018 die
wiedererwägungsweise Aufhe
bung der Verfügung vom 1
7.
Dezember 2004 und die Einstellung der ganzen Invalidenrente ab Ende des auf die Zustellung der Verfügung folgenden Monats in Aussicht (
Urk.
7/187), wogegen der Versicherte Einwand erhob (
Urk.
7/188,
Urk.
7/198)
. Mit Verfügung vom 2
4.
Juli 2018 entschied die IV-Stelle im ange
kündigten Sinne (
Urk.
7/201
=
Urk.
2
).
2.
Hiergegen erhob der
Versicherte
, vertreten durch Rechtsanwältin Ljubica
Jovovic
, am 2
3.
August 2018 Beschwerde mit den
Rechtsbegehren
, es sei die Verfügung der Beschwerdegegnerin vom 2
4.
Juli 2018 aufzuheben und
es sei
ihm weiterhin eine ganze Invalidenrente auszurichten
, eventualiter sei
die Verfügung aufzuhe
ben und
es sei
ihm mindestens eine Invalidenrente von 50
%
auszurichten. Ferner beantrag
te er in formeller Hinsicht, es
sei
ihm
die unentgeltliche Rechtspflege zu gewähren sowie
Rechtsanwältin
Ljubica
Jovovic
als unentgeltliche
Rechtsbei
ständin
zu bestellen (
Urk.
1).
Der Beschwerde legte
er
verschiedene ärztliche
Bericht
e bei (
Urk.
3/
5-
7).
Mit Beschwerdeantwort vom
1.
Oktober 2018 schloss die Beschwerdegegnerin auf Abweisung der Beschwerde (
Urk.
6), worüber der Beschwerdeführer mit Verfügung vom 1
0.
Oktober 2018 in Kenntnis gesetzt wurde. Gleichzeitig wurde ihm - nachdem
ergänzende Unterlagen zu seinen fi
nanziellen Verhältnissen eingeholt worden waren (
Urk.
8
-10)
-
die unentgeltli
che Prozessführung gewährt und Rechtsanwältin Ljubica
Jovovic
als unentgelt
liche Rechtsvertreterin bestellt (
Urk.
11)
. Diese reichte
am 1
7.
Oktober
2018 ihre Honorarnote
(
Urk.
12,
Urk.
13)
und a
m
2.
Dezember 2019 sowie am 2
8.
März 2020 Berichte über stationäre Aufenthalte
des Beschwerdeführers
in der
Klinik
B._
ein (
Urk.
15-16,
Urk.
21-22)
,
letztere wurden
der Beschwerdegegne
rin zur Stellungnahme zugestellt (
Urk.
17,
Urk.
23), worauf diese
jedoch
verzich
tete (
Urk.
19,
Urk.
24).
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1
des Bundesgesetzes über den Allge
meinen Teil
des Sozialversicherungsrechts; ATSG
). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Beeinträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit verursachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kom
menden ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beurteilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesundheitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfähigkeit
liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
1.2
Bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 40 % besteht Anspruch auf eine
Vier
telsrente
, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 50 % auf eine halbe Rente, bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 60 % auf eine
Dreiviertelsrente
und bei einem Invaliditätsgrad von mindestens 70 % auf eine ganze Rente (
Art.
28
Abs.
2
des Bundesgesetzes
über die Invalidenversicherung; IVG
).
1.3
Ändert sich der Invaliditätsgrad eines Rentenbezügers erheblich, so wird die Rente von Amtes wegen oder auf Gesuch hin für die Zukunft entsprechend erhöht, her
abgesetzt oder aufgehoben (
Art.
17
Abs.
1 ATSG). Anlass zur Rentenrevision gibt jede wesentliche Änderung in den tatsächlichen Verhältnissen seit Zusprechung der Rente, die geeignet ist, den Invaliditätsgrad und damit den Rentenanspruch zu beeinflussen. Insbesondere ist die Rente bei einer wesentlichen Änderung des Gesundheitszustandes revidierbar. Weiter sind, auch bei an sich gleich gebliebe
nem Gesundheitszustand, veränderte Auswirkungen auf den Erwerbs- oder Auf
gabenbereich von Bedeutung (BGE 141 V 9 E. 2.3, 134 V 131 E. 3). Ferner kann ein Revisionsgrund unter Umständen auch in einer wesentlichen Änderung hin
sichtlich des für die Methodenwahl massgeblichen (hypothetischen) Sachverhalts bestehen (BGE 144 I 28 E. 2.2, 130 V 343 E. 3.5, 117 V 198 E. 3b, je mit Hinwei
sen). Hingegen ist die lediglich unterschiedliche Beurteilung eines im Wesentli
chen gleich gebliebenen Sachverhalts im revisionsrechtlichen Kontext unbeacht
lich (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
Liegt in diesem Sinne ein Revisionsgrund vor, ist der Rentenanspruch in rechtli
cher und tatsächlicher Hinsicht umfassend («allseitig») zu prüfen, wobei keine Bindung an frühere Beurteilungen besteht (BGE 141 V 9 E. 2.3 mit Hinweisen).
1.4
Die Annahme eines psychischen Gesundheitsschadens im Sinne von Art. 4 Abs. 1 IVG sowie Art. 3 Abs. 1 und Art. 6 ATSG setzt eine psychiatrische, lege artis auf die Vorgaben eines anerkannten Klassifikationssystems abgestützte Diagnose voraus (vgl. BGE 145 V 215 E. 5.1, 143 V 409 E. 4.5.2, 141 V 281 E. 2.1, 130 V
396 E. 5.3 und E. 6). Eine fachärztlich einwandfrei festgestellte psychische Krank
heit ist jedoch nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit dem Vorliegen einer Invalidität. In jedem Einzelfall muss eine Beeinträchtigung der Arbeits- und Erwerbsfähigkeit unabhängig von der Diagnose und grundsätzlich unbesehen der Ätiologie ausgewiesen und in ihrem Ausmass bestimmt sein. Entscheidend ist die nach einem weitgehend objektivierten Massstab zu beurteilende Frage, ob es der versicherten Person zumutbar ist, eine Arbeitsleistung zu erbringen (BGE 145 V
215 E. 5.3.2, 143
V 409 E. 4.2.1, 141 V 281 E. 3.7, 139 V 547 E. 5.2, 127 V 294 E. 4c; vgl. Art. 7 Abs. 2 ATSG).
Die für die Beurteilung der Arbeitsfähigkeit bei psychischen Erkrankungen im Regelfall beachtlichen Standardindikatoren (BGE 143 V 418, 143 V 409, 141 V 281) hat das Bundesgericht wie folgt syste
matisiert (BGE 141 V 281 E. 4.3.1):
-
Kategorie «funktioneller Schweregrad» (E. 4.3)
-
Komplex «Gesundheitsschädigung» (E. 4.3.1)
-
Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde (E. 4.3.1.1)
-
Behandlungs- und Eingliederungserfolg oder -resistenz (E. 4.3.1.2)
-
Komorbiditäten (E. 4.3.1.3)
-
Komplex «Persönlichkeit» (Persönlichkeitsdiagnostik, persönliche Res
sourcen, E. 4.3.2)
-
Komplex «Sozialer Kontext» (E. 4.3.3)
-
Kategorie «Konsistenz» (Gesichtspunkte des Verhaltens, E. 4.4)
-
gleichmässige Einschränkung des Aktivitätenniveaus in allen vergleich
baren Lebensbereichen (E. 4.4.1)
-
behandlungs- und eingliederungsanamnestisch ausgewiesener Leidens
druck (E. 4.4.2)
Beweisrechtlich entscheidend ist der verhaltensbezogene Aspekt der Konsistenz (BGE 141 V 281 E. 4.4; vgl. Urteil des Bundesgerichts 8C_604/2017 vom 1
5.
März 2018 E. 7.4).
1.5
Versicherungsträger und das Sozialversicherungsgericht haben den Sachverhalt von Amtes wegen festzustellen und die Beweise frei, das heisst ohne Bindung an förmliche Beweisregeln, sowie umfassend und pflichtgemäss zu würdigen. Sie haben alle Beweismittel, unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden, ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverläs
sige Beurteilung des streitigen Rechtsanspruches gestatten. Insbesondere dürfen sie bei einander widersprechenden medizinischen Berichten den Prozess nicht erledigen, ohne das gesamte Beweismaterial zu würdigen und die Gründe anzu
geben, warum sie auf die eine und nicht auf die andere medizinische These ab
stellen (BGE 125 V 351 E. 3a).
Hinsichtlich des Beweiswertes eines Arztberichtes ist also entscheidend, ob er für die streitigen Belange umfassend ist, auf allseitigen Untersuchungen beruht, auch die geklagten Beschwerden berücksichtigt, in Kenntnis der
Vorakten
(Anamnese) abgegeben worden ist, in der Beurteilung der medizinischen Zusammenhänge und Situation einleuchtet und ob die Schlussfolgerungen des Experten begründet sind. Ausschlaggebend für den Beweiswert ist grundsätzlich somit weder die Her
kunft
eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag gegebenen Stellungnahme als Bericht oder Gutachten (BGE 134 V 231 E. 5.1; 125 V 351 E. 3a).
2.
2.1
Die Beschwerdegegnerin begründete die angefochtene Verfügung dahingehend, dass einerseits ein Revisionsgrund vorliege, da sich der psychische Gesundheits
zustand des Beschwerdeführers seit der rentenzusprechenden Verfügung vom 1
7.
Dezember 2004 verbessert habe. Andererseits sei auch ein Wiedererwägungs
grund gegeben, da der Sachverhalt im Jahr 2004 nicht vollständig abgeklärt wor
den und damit der Untersuchungsgrundsatz verletzt worden sei. Aufgrund dieser
Rückkommenstitel
sei der Rentenanspruch ohne Bindung an frühere Beurteilun
gen umfassend zu prüfen
(
Urk.
2 S. 2 f.)
.
Das
A._
-Gutachten vom 1
7.
Nove
mber 2016 habe ergeben, dass dem
Beschwerdeführer aus orthopädisch-traumatologischer Sicht die angestammte
Tätigkeit nicht mehr möglich
, eine angepasste Tätigkeit jedoch zu 100
%
zumut
bar sei. Aus psychiatrischer Sicht sei die Arbeitsfähigkeit
gemäss der Expertise
gestützt auf die Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung auf dem all
gemeinen Arbeitsmarkt zu 50
%
eingeschränkt
(
Urk.
2 S. 3)
. Aufgrund der fehlenden Ausschöpfung der Therapiemöglichkeiten und de
r
vorhandenen Res
sour
cen
könne auf die durch den psychiatrischen Gutachter attestierte Arbeits
unfä
higkeit jedoch nicht abgestellt werden, der Beschwerdeführer sei in einer ange
passten Tätigkeit zu 100
%
arbeitsfähig. Der Einkommensvergleich
ergebe
keine Erwerbseinbusse,
weshalb
kein Anspruch mehr auf eine Invalidenrente
bestehe
(
Urk.
2 S. 2 f.).
2.2
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor,
ein Wiedererwägungsgrund sei nicht gegebe
n, da der Sachverhalt zum Zeitpunkt der rentenzusprechenden Verfügung mittels diverser Berichte
der behandelnden Ärzte ausreichend abgeklärt un
d kor
rekt gewürdigt worden sei (
Urk.
1 S. 4 ff.)
.
Ferner sei auch kein Revisionsgrund gegeben, da
gemäss Stellungnahme des behandelnden Psychiaters weiterhin das Vollbild einer posttraumatischen Belas
tungsstörung vorliege und nicht nachvollziehbar sei, dass er ausserhalb eines geschützten Rahmens überhaupt arbeitsfähig sein sollte. Die Therapiefrequenz und die Dosierung des Antidepressivums seien aufgrund von Erfolglosigkeit reduziert worden,
Leidensdruck sei auch gemäss Gutachten vorhanden und aus der Bedeutung der Familie als Ressource könne nicht auf die Arbeitsfähigkeit geschlossen werden (
Urk.
1 S. 9 ff.).
Sollte wider Erwarten die volle Arbeitsunfähigkeit nicht bestätigt werden, sei auf
grund des Gutachtens und in Übereinstimmung mit der Einschätzung des Regional
ärztlichen Dienstes (RAD) von einer Arbeitsfähigkeit von 50
%
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszugehen. Die Beschwerdegegnerin setze sich mit der Annahme einer Arbeitsfähigkeit von 100
%
zu Unrecht und in einer nicht nach
vollziehbaren Art und Weise über diese Beurteilungen hinweg (
Urk.
1 S. 12 f.).
2.3
Strittig und zu prüfen ist
die Einstellung der Rente des Beschwerdeführers und im Besonderen
, ob
sich
sein
Gesundheitszustand in
invalidenvers
icherungsrecht
lich massgeblicher Weise verbessert hat,
so dass die Beschwerdegegnerin
seinen
Rentenanspruch
ohne Bindu
ng an frühere Beurteilungen
umfassend neu prüfen konnte.
Massgeblicher Vergleichszeitpunkt ist unbestrittenermassen die renten
zusprechende Verfügung vom
1
7.
Dezember 2004, da in den darauffolgenden Revisionsverfahren, die jeweils mit informellen Mitteilungen abgeschlossen wur
den, nur einzelne Berichte der behandelnden Ärzte eingeholt wurden, wobei es sich nicht um eine rechtskonforme Sachverhaltsabklärung und Beweiswürdigung handelt
(BGE 133 V 108 E. 5.4
).
Rechtsprechungsgemäss bildet die hier angefoch
tene Verfügung vom
2
4.
Juli 2018 die zeitliche Grenze der richterlichen Überprü
fungsbefugnis (BGE 132 V 215 E. 3.1.1 mit Hinweisen), so dass die im Beschwer
deverfahren eingereichten ärztlichen Berichte,
soweit sie
sich lediglich zur Entwicklung des Gesundheitszustandes nach diesem Zeitpunkt äussern (
Urk.
16,
Urk.
22)
,
vorliegend nicht zu berücksichtigen sind.
3.
3.1
3.1
.1
Die rentenzusprechende Verfügung vom 1
7.
Dezember 2004 beruhte im Wesent
lichen auf der folgenden medizinischen Aktenlage:
3
.1
.2
Dr.
med.
C._
,
Oberarzt
,
und
Dr.
med. D._
, Assistenzärztin, beide von der psychiatrischen Klinik
B._
,
stellten
im Bericht vom
1
5.
April 2004
d
ie Diagnosen einer
p
osttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1) und einer
mediolateralen
Diskushernie HWK 6/7 mit Wurzelkompres
sionssyndrom C7 rechts und berichteten
, der Beschwerdeführer befinde sich seit dem 1
6.
Dezember 200
3 in stationärer Behandlung, aus psychiatrischer Sicht
sei er
seit diesem Zeitpunkt
zu
100
%
arbeitsunfähig
. Unter konsequenter Therapie könne eine Besserung der Arbeitsfähigkeit eintreten, prognostisch sei derzeit noch nicht abzuschätzen, wann dies der Fall sein werde (
Urk.
7/7/1).
Der
Beschwerde
führer sei derzeit im Rahmen der feststehenden posttraumatischen Belastungsstö
rung mit begleitender
depressiver Komponente in seinem Konzentrations- und Auffassungsvermögen sow
ie der Anpassungsfähigkeit und B
elastbarkeit einge
schränkt im Sinne einer Verlangsamung und erhöhten Ablenkbarkeit. Die Belast
barkeit sei
zusätzlich durch die bestehende
Affektlabilität eingeschränkt (
Urk.
7/7/5
).
3
.1
.3
Im Bericht vom 2
8.
Juni 2004 stellte
Dr.
E._
, Facharzt für Allgemeine Medizin
,
die D
iagnosen chronischer Schmerzen i
m Bereich der rechten Schul
ter/Hand bei Ra
dikulopathie C7 bei Diskusherni
e C6/
7 rechts, einer depressiven Anp
assungsstörung mit ausgeprägter depressiver Symptomatik, Angstanfällen und latenter Suizidalität sowie einem Status nach gastrointestinaler Blutung auf NSA. Der Zustand des Beschwerdeführers habe sich seit Beginn der Arbeitsunfä
higkeit progredient verschlechtert, dies trotz diverser diagnostischer und thera
peutischer Massnahmen (
Urk.
7/12/5). Er sei im Augenblick sicher nicht arbeits
fähig und werde dies vermutlich angesichts des chronischen Verlaufs auch auf längere Sicht bleiben (
Urk.
7/12/6).
3
.1
.4
Dr.
med.
F._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Bericht vom
3.
September 2004 im Wesentlichen die Verdachts
diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung (ICD-10 F43.1
)
, Differen
tialdiagnose depressive Anpassungsstörung mit Angstanfällen und zeitweise latenter Suizidalität (ICD-10 F43.22) bei bis vor kurzem (7/2004) drohender Aus
weisung nach Kosovo. Der Beschwerdeführer sei seit mindestens September 2003 bis zum Berichtszeitpunkt zu 80-100
%
arbeitsunfähig (
Urk.
7/13/5). Die Entste
hung der psychiatrischen Störung sei unter anderem durch die drohende Auswei
sung mitausgelöst worden, wohl im Sinne einer Retraumatisierung oder Anpas
sungsstörung. Da diese Bedrohung auf a
bsehbare Zeit nicht mehr vorhanden sei
, bestehe die Hoffnung, dass die psychische Störu
ng noch nicht chronifiziert
und im Verlauf der nächsten sechs bis zwölf Monate zumindest wieder eine Teil
arbeitsfähigkeit erreichbar sei
. Obwohl der Beschwerdeführer seit längerer Zeit zu 80-100
%
arbeitsunfähig sei, bestehe aus psychiatrischer Sicht
die Gefahr, dass eine volle
Berentung die Störung eher aufrechterhalte (
Urk.
7/13/7).
3
.1
.5
In somatischer Hinsicht diagnostizierte
Dr.
med.
G._
, Fachärztin für Neurologie
,
im Bericht vom 1
6.
September 2004 eine chronische Schmerzstörung im Bereich des rechten Arms. Der Beschwerdeführer verspüre Schmerzen im rech
ten Arm im Bereich des
Coracoids
und des Handgelenkes. Gelegentlich schlafe die rechte Hand ein. Intermittierend trete ein starkes Zittern im rechten Arm und neu auch im rechten Bein auf. Gelegentlich habe er krampfartige Schmerzen im Bereich des rechten Unterarms (
Urk.
7/14/2). Der Neurostatus sei praktisch un
auffällig, sie könne keine radikulären Ausfälle C7 mehr finden. Aus ih
r
er Sicht seien die
motorischen Beschwerden funktionell. Somit bestehe aus neurologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit, eine solche müsste allenfalls psychiatrisch begründet werden (
Urk.
7/14/3)
.
3
.1
.6
Die behandelnden Ärzte der psychiat
r
ischen Klinik
B._
führten im Verlaufs
bericht vom 1
3.
Oktober 2004 aus, der Beschwerdeführer habe sich bis zum 2
3.
April 2004 in stationärer Behandlung befunden
.
Im Verlauf der Behandlung sei
en
eine Stimmungsstabilisierung,
eine
bessere Belastbarkeit und eine Abnahme der impulsiven Durchbrüche eingetreten. In den letzten drei Wochen des Aufent
haltes sei im Rah
men der Arbeitstherapie ein Bela
stungsversuch mit täglich drei- bis vierstündiger Arbeit in der Klinikküche durchgeführt worden. Der Beschwer
deführer habe sich sehr motiviert gezeigt, habe zwar zeitweise über verstärkte Schmerzen i
m rechten Arm geklagt
,
aber drei Stunden täglich leichte körpe
rliche Arbeit in der Küche verr
ichten können und dadurch an Selbstvertrauen gewon
nen. Er sei am 2
3.
April 2004 in gebessertem Zustand nach Hause entlassen wor
de
n. Bis zu diesem Zeitpunkt sei
er zu 100
%
arbeitsunfähig gewesen, bezüglich des weiteren Verlaufs des Zustandsbildes sei der behandelnde Psychiater zu kon
taktieren (
Urk.
7/15/3
, vgl. auch Austrittsbericht vom 2
3.
April 2004
,
Urk.
3/4
).
3
.1
.7
RAD-Arzt
Dr.
med.
H._
, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie,
führte in
seiner Aktenbeurteilung vom 29.
Oktober 2004 aus, im Arztzeugnis der Klinik
B._
werde keine posttraumatische Belastungsstörung ausgewiesen, da nach ICD-10 viele weitere Kriterien erfüllt sein müssten. Die traumatischen Kriegserlebnisse hätten bereits bei der Einreise bestanden und seien in den Jahren 1999 bis 2000 behandelt worden. Im Arztzeugnis des behandelnden Psychiaters würden viele soziokulturelle und psychosoziale Umstände aufgelistet, die ent
sprechend dem Finalitätsprinzip einen Gesundheitsschaden zur Folge haben könnten
,
aber nicht zwangsläufig einen kausalen Zusammenhang mit der Arbeitsunfähigkei
t/Erwerbsunfähigkeit begründete
n. Der Beschwerdeführer werde als im geschützten Rahmen ar
beitsfähig erachtet.
T
rotz einige
r
Vorbehalte
sei jedoch
aufgrund der Zusammenhänge die depressive Entwicklung als Gesund
heitsschaden im Sinne von
Art.
4 IVG mit 100%
iger
Arbeitsunfähigkeit seit Dezember 2003 und seither anhaltender Invalidität
an
zu
erkennen
. Weitere Ab
klärungen würden den Erkenntnisgewinn betreffend den medizinischen Sachver
halt nicht erhöhen (
Urk.
7/16/3).
3.2.
3.2.1
Im Rahmen des aktuellen Revisionsverfahrens wurden im
Wesentlichen folgende ärztliche
Stellungnahmen zu den Akten genommen:
3.2.2
Dr.
F._
berichtete am 1
5.
März 2016, der Gesundheitszustand des Besch
w
erde
führers sei stationär
,
und
er
stellte folgende psychiatrischen Diagnosen (
Urk.
7/56/3):
-
c
hronifizierte posttraumatische Belastungsstörung (ICD-10 F43.1)
-
r
ezidivierende depressive Störung, gegenwärtig leichte Episode (ICD-10 F33.0)
-
Verdacht auf andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung und langandauernder psychischer und körperlicher Erkra
n
kung (ICD-10 F62.0/1)
Der psychopathologische Befund sei weitgehend unverändert. Der Beschwerde
führer sei weiterhin nur im geschützten Rahmen arbeitsfähig, täglich drei Stun
den
,
im Wechsel eine halbe Stunde stehend und eine halbe Stunde sitzend (Urk.7/56/3).
3.2.
3
Dr.
med.
I._
, Facharzt für Allgemeine Innere Medizin,
erhob
im Ver
laufsbericht vom
9.
April 2016
ebenfalls
einen stationären Gesundheitszustand und stellte folgende Diagnosen (
Urk.
7/58/5):
-
l
arvierte Depression mittelgradig
-
d
egeneratives Wirbelsäulensyndrom und Spinalkanalstenose
-
Zustand nac
h Umstellungsosteotomie Knie li
nks und sekundärem Weichteilin
fekt
-
Hypertonie und A
dipositas, BPH
-
Gonarthrose beidseits
Er führte aus, das Ressourcenprofil könne nicht beurteilt werden, er bitte um die Durchführung eines Gutachtens
(
Urk.
7/58/5).
3.2.
4
Im am 1
7.
November
2016 erstatteten polydisziplinären Gutachten der
A._
stellten die Gutachter fol
gende Diagnosen mit Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/176/20):
-
d
egenerative Veränderungen der HWS mi
t
Diskusprotr
usionen
und mittel
schwerer Spinalkanalstenose des unteren HWS-Abschnittes
-
Arthrose des linken Kniegelenkes mit Status nach Umstellungsosteotomie
-
Arthrose des rechten Kniegelenkes
-
r
ezidivierende depressive Störung, derzeit leichte Episode (ICD-10 F33.0)
Ferner diagnostizierten die Gutachter folgende gesundheitlichen Störungen ohne Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit (
Urk.
7/176/20):
-
g
eringgradiges
Impingementsyndrom
des rechten Schultergelenkes mit nur
endgradiger Bewegungseinschränk
ung
-
Angst und depressive Störung gemischt (ICD-10
F41.2
)
-
Kombinationskopfschmerz (Spannungskopfschmerzen, Analgetika-induzierter Kopfschmerz, Migränekopfschmerz)
-
Hypertonie, medikamentös gut eingestellt
-
Adipositas (BMI 33 kg/m
2
)
-
Status nach Leistenhernien- und Hodenoperation links
-
b
enigne Prostatahyperplasie wahrscheinlich, behandelt
-
Urtikaria, wahrscheinlich allergischer Ursache
Gemäss
Dr.
med.
J._
, Fach
a
rzt für orthopädische Chirurgie und Trauma
tologie des Bewegungsapparates
,
gab der Beschwerdeführer im Rahmen der orthopädisch-traumatologischen Untersuchung Schmerzen der Hals- und der Lendenwirbelsäule, des rechten Schultergelenkes, beider Kniegelenke sowie der linken Leiste an, die im Wesentlichen seit einem Unfall im Jahr 2002 bestünden (
Urk.
7/176/39 f.). Bei der klinischen Untersuchung hätten die vom Beschwerde
führer vorgetragenen, als erheblich und invalidisierend beschriebenen Beschwer
de
n
nicht in Gänze objektiviert werden können (
Urk.
7/176/40).
Dr.
med.
K._
, Facharzt für Innere Medizin und Onkologie, konnte anlässlich der internistischen Begutachtung keine Diagnosen mit Einfluss auf die A
rbeitsfä
higkeit stellen (
Urk.
7/
176/52). Die Arbeitsfähigkeit in der bisherigen und in einer Verweistätigkeit sei aus internistischer Sicht uneingeschränkt (
Urk.
7/176/53).
Dr.
med.
L._
, Facharzt für Psychiatrie
und Psychotherapie sowie Neurolo
gie
, legte dar, der Beschwerdeführer leide seit den Kriegserlebnissen im Kosovo unter vermehrter Ängstlichkeit und Reizbarkeit, was immer wieder zu Problemen im Zusammenleben der Familie führe. Die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung seien derzeit nicht vollständig erfüllt.
Es würden weder Disso
ziationen noch manifeste Nachhallerinnerungen ange
ge
ben, auch die belastenden Ereignisse aus den Kriegstagen könnten vom Beschwerdeführer ohne wesentliche affektive und psychomotorische Anspannung geschildert werden. Die Albträume seien offenbar im Verlauf rückläufig, traumatische Erlebni
sse würden nur spora
disch
wahrgen
ommen, eindeutige Depersonalisat
ionen
oder Interessenlosigkeit lägen
nicht vor. Im Vordergrund stünden übermässige
Besorgnis
, Schreckhaf
tigkeit, Reizbarkeit sowie immer wiederkehrende traurige Verstimmungen, die 2003 zu einem Suizidversuch geführt hätten, damals sei eine stationäre Behand
lung notwendig gewesen. Nach Angaben der Klinik
B._
hätten damals deut
liche Hinweise auf eine posttraumatische Belastungsstörung bestanden. Aktuell ergebe sich das Bild einer leichtgradigen Depression mit dem Gefühl der Hilflo
sigkeit und mangelndem Vertrauen in die Selbstwirksamkeit. Daneben bestünden viele körperliche Beschwerden im Sinne eines chronischen Schmerzsyndroms, die im Rahmen der depressiven Störung zu sehen seien (
Urk.
7/176/62).
Dr.
L._
, der als Facharzt für Neurologie
auch
die neurologische Begutachtung durchführte,
hielt im entsprechenden Teilgutachten fest
, der Beschwerdeführer
leide
seit einem Sturz mit
Kollaps
im Jahr 2002 unt
er anhaltenden Schmerzen im Nack
en und entlang der übrigen Wirbelsäule mit Druckschmerz im Bereich der zervikalen paravertebralen Muskulatur sowie Bewegungseinschränkungen, ferner habe er chronische Kopfschmerzen, die an mehr als 10 bis 15 Tagen im Monat zu
Kopfschmerzattacken mit Schwindel und Übelkeit führten, im Sinne einer chro
nischen Migräne, daneben bestehe eine Analgetika-
induzierte Kopfschmerz
komponente
bei täglichem Gebrauch von Ibuprofen und
Novalgin
. Der neurolo
gische Untersuchungsbefund deute in Übereinstimmung mit den Vorbefunden auf eine chronische Irritation der Radix C7 rechts hin, wobei eine eindeutige Radi
kulopathie oder zervikale Myelopathie nicht vorliege und die Veränderungen im MRI der Halswirbelsäule offenbar seit Jahren unverändert vorhanden seien.
Die Beschwerden würden zu keiner qualitativen Beschränkung der Arbeitsfähigkeit führen. Ansonsten ergäben sich keine Hinweise für weitergehende neurologisch begründbare Minderungen der Arbeitsfähigkeit. Diese betrage aus neurologischer Sicht 100
%
(
Urk.
7/176/71 f.).
Im polydisziplinären Konsens kamen die Gutachter zum Schluss, dem Beschwer
deführer könne die bisherige Tätigkeit als Bäcker/Konditor
a
ufgrund der auf orthopädisch-traumatologischem Fachgebiet festgestellten Erkrankungen nicht abverlangt werden. Die Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit sei aus orthopädisch-traumatologischer Sicht
quantitativ
nicht eingeschränkt, aus psychiatrischer Sicht sei sie aufgrund der affektiven Störung auf 50
%
limitiert (
Urk.
7/176/21). Der
Beschwerdeführer sei
nur noch in der Lage, körperlich leichte Tätigkeiten auszuführen. Dies bedeute, dass er Gewichte von bis zu 10 kg heben und tragen könne. Es müsse sich um eine überwiegend sitzende Tätigkeit handeln mit der Möglichkeit von selbst gewählten Positionswechseln. Es sollten keine Tätigkeiten unter besonderem Zeitdruck wie zum Beispiel Akkord- oder Fliess
bandarbeiten durchgeführt werden, keine Tätigkeiten, die mit häufigem Bücken oder Knien oder Zwangshaltungen verbunden seien. Tätigkeiten auf Gerüsten oder Leitern oder unter Witterungs- sowie Kälte- oder Hitzeeinwirkung seien ebenfalls nicht möglich. Aus strikt psychiatrischer Sicht sei der Beschwerdeführer nicht in der Lage, unter Zeitdruck zu arbeiten sowie Schichtdienst oder Arbeiten mit Publikumsverkehr zu leisten (
Urk.
7/176/21).
3.2.
5
RAD-Arzt
Dr.
med.
M._
, Facharzt für Chirurgie
,
schloss am
7.
Dezember 2016
,
das Gutachten der
A._
vom 1
7.
November 2016 sei aus
führlich, die vorliegenden Akten würden diskutiert und die klinischen Untersu
chungen lägen vor. Die Diagnosen und Befunde seien plausibel und nachvoll
ziehbar, es könne auf das Gutachten abgestellt werden (
Urk.
7/185/4).
3.2.
6
In seiner Stellungnahme
vom 1
6.
Mai 2018
zum Vorbe
scheid der Beschwerde
gegnerin hie
lt
Dr.
F._
fest, dass der begutachtende
Dr.
L._
seine Einschätzung der Arbeitsfähigkeit nicht begründe und insbesondere versäumt habe
,
bei ihm oder beim jetzigen Arbeitgeber eine Fremdanamnese einzuholen. Der Gutachter
beschreibe sodann ein typisches Vermeidungsverhalten und flashbackartige Gefühlszustände des Beschwerdeführers, stelle jedoch im Widerspruch dazu fest, es bestünde kein wesentliches Vermeidungsverhalten (
Urk.
3/5/2). Zusammenfas
send sei festzuhalten, dass trotz phasenweise weniger Albträume diese, wie auch das Vermeidungsverhalten fortbestünden, also weiterhin das Vollbild einer post
traumatische
n Belastungsstörung vorliege. Der Beschwerdeführer
sei entspre
chenden Kriegstraumata ausgesetzt gewesen, es bestünden heute noch anhaltende Erinnerungen an das traumatische Erlebnis in Form von Nachhallerinnerungen, Flashbacks und Albträumen. Ferner liege eindeutig das Vermeidungsverhalten
,
(richtig: keine)
Nachrichtensendungen zu schauen
,
um nicht an
Traumaerlebnisse
erinnert zu werden
,
vor
. Des Weiteren leide er unter anhaltenden Symptomen einer psychischen Sensitivität (Übererregbarkeit), nämlich zeitweisen Ein- und Durchschlafstörungen, erhöhter Schreckhaftigkeit,
Hypervigilanz
sowie Reizbar
keit und Wutausbrüchen
,
die auch vom Gutachter beschrieben würden (
Urk.
3/5/3).
3.2.
7
In seiner Stellungnahme
vom 1
4.
August 2018
zur Verfügung der Beschwerde
gegnerin vom 2
4.
Juli 2018 führte
Dr.
F._
aus, dass es sich bei der Feststellung des Gutachters, die Therapiebemühungen seien ungenügend
,
um eine Fehlein
schätzung handle, da zunächst eine intensive psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung mit entsprechender Medikation durchgeführt worden sei, die depres
sive Störung dann jedoch aufgrund der weitgehend erfolglosen therapeutischen Bemühungen als therapieresistent habe eingestuft werden
müssen, weshalb die Therapiefrequ
enz allmählich auf monatliche Sitzungen reduziert und das Antide
pressivum lediglich noch zur Behandlung der Schlafstörungen eingesetzt
worden sei. Des Weiteren werde
auf invaliditätsfremde Faktoren hingewiesen, aufgrund des langjährigen negativen Verlaufs sei jedoch davon auszugehen, dass diese über mehrere Jahre wirksamen Faktoren erheblich zur Chronifizierung der ps
ychischen Störung beigetragen hätt
en, das heisst einen invalidisierenden Gesundheitsscha
den mitverursacht hätten. Die
Behauptung
des fehlenden
Leidens
drucks
w
ider
spreche sodann sowohl seinen
eigenen Feststellungen als auch denjenigen des Gutachters (
Urk.
3/6/2).
3.2.
8
Dr.
med.
N._
, Oberarzt am
Muskulo
-Skelettal Zentrum der
Klinik O._
,
diagnostizierte in seinem Bericht vom 2
0.
August 2018
medialbetonte
Gonarthrose
n
beidseits,
Coxarthrose
beidseits auf Grundlage eines gemischten
Impingements
beidseits sowie ein grosses Os
acetabuli
rechts (
Urk.
3/7/1). Er sei der Ansicht, der Beschwerdeführer sei für eine laufende, stehende oder belastende respektive kniende, kauernde oder kriechend
e
Tätigkeit nicht geeignet (
Urk.
73/7/2).
4.
4.1
4.1.1
Die Beschwerdegegnerin
stützte sich für die Beurteilung des Gesundheitszustan
des des Beschwerdeführers
im Zeitpunkt des Erlasses der angefochtenen Verfü
gung vom 2
4.
Juli 2018 im Wesentlichen
auf das
A._
-Gutachten vom 1
7.
November 2016
(Urk. 7/176
;
vgl. Urk. 2).
Es ist daher vorab auf dessen
Beweiswert
einzugehen.
4.1.2
Die Expertise beruht auf umfassenden orthopädischen, internistischen, psychia
trischen sowie neurologischen Abklärungen und wurde in detaillierter Kenntnis der
Vorakten
erstellt (
Urk.
7/176/3 ff.). Der Beschwerdeführer konnte gegenüber den einzelnen Gutachtern seine aktuellen Beschwerden schildern und wurde von diesen jeweils - soweit fachspezifisch erforderlich - eingehend befragt. Er konnte sich insbesondere auch zu verschiedenen Themenbereichen wie dem beruflichen Werdegang und dem gewöhnlichen Tagesabla
uf äussern (
Urk.
7/176/34 ff., 7/176/49
ff., 7/176/56 ff. und 7/176/67
ff.). Die geklagten Leiden fanden darüber hinaus im Rahmen der Feststellung der Diagnosen Berücksichtigung, wobei sowohl diese als auch die aus medizinischer Sicht resultierenden Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit dargelegt und erläutert wurden (
Urk.
7/176/39 f.
, 7/176/62 ff. und 7/176/71 f.
). Soweit notwendig erfolgte ausserdem eine Aus
einandersetzung mit vorangegangenen ärztlichen Beurteilungen (
Urk.
7/176/41
f., 7/176/64 und 7/176/72
). Gesamthaft erfüllt das polydisziplinäre
A._
-Gutachten somit die formellen Kriterien für eine beweiswerte medizinische Expertise (vgl. E
. 1.5).
4.1.3
Der Beschwerdeführer berief sich hingegen auf die Stellungnahme von
Dr.
F._
vom 1
6.
Mai 2018 (
Urk.
1 S. 10
), in der
dieser ausführte, dass auf d
as
psychiatri
sche
A._
-Teilgutachten
nicht abgestellt werden könne, da
Dr.
L._
einerseits keine Fremdanamnese eingeholt habe und andererseits vom Beschwerdeführer geschilderte Symptome
- insbesondere sein Vermeidungsverhalten -
in wider
sprüchlicher Weise nicht in seine Beurteilung einbezogen habe
und dadurch fälschlicherweise auf ein nicht vorliegendes Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung schliesse
(
Urk.
3/5 S. 2
).
Dazu ist auszuführen, dass
Dr.
L._
anlässlich der Anamnese aufnahm, dass der Beschwerdeführer im Fernsehen keine Berichte über den Syrienkrieg ansehen könne und dass Sirenenlärm von der Strasse ihn erschüttere und Stressgefühl
e und Erinnerungen auslöse, das
selbe gelte für Rettungsfahrzeuge in Filmen (
Urk.
7/176/59). Entgegen der Stellung
nahme von
Dr.
F._
liess er diese Angaben für seine Beurteilung nicht ausser Acht, sondern verneinte lediglich ein wesentliches Vermeidungsverhalten, was ange
sichts de
s
Umstands
, dass der Beschwerdeführer angab
,
ohnehin am liebsten Sportsendungen zu sehen und als
beispielhafte durch
Sirenenlärm
ausgelöste
Erinnerung seinen
Sturz in der Badewanne und nicht
etwa
die Kriegsereignisse erwähnte (
Urk.
7/176/59), als nachvollziehb
ar erscheint. Ferner befragte
Dr.
L._
den Beschwerdeführer auch zu seinen lebhaften Träumen und schloss ge
stützt auf dessen Angabe
,
er
könne
sich an den
Inhalt
seiner Träume
jeweils nicht erinnern
und
angesichts
der
Verneinung von
eigentlich
en
Nachhall
erinnerungen an die Kriegsereignisse ode
r an belastende Ereignisse
(
Urk.
7/176/56)
schlüssig
auf rückläufige Albträume mit nur sporadischer Wahr
nehmung traumatischer Ereignisse (
Urk.
7/176/62). Der Vorwurf, dass
Dr.
L._
vom Beschwerdeführer geschilderte Symptome ausser
A
cht gelassen habe, ist
demnach
unbegründet. Dass er
keine fremdanamnest
ischen Auskünfte eingeholt hat, steht der Beweiskraft seiner
Beurteilung ebenfalls nicht entgegen, denn eine Fremdanamnese ist keineswegs zwingend, sondern liegt im Ermessen der Exper
ten. Die versicherte Person hat darauf keinen Rechtsanspruch
(Urteil des Bundes
ger
ichts
9C_263/2013 vom 2
8.
November 2013 E. 5.3 mit Hinweis).
Die Stellung
nahme von
Dr.
F._
vermag somit den Beweiswert des psychiatrischen
Teils des
A._
-Gutachte
ns
nicht zu erschüttern.
4.2
Zu klären bleibt, ob gestützt auf das
A._
-Gutachten auf eine wesentliche Bes
ser
ung des Gesundheitszustandes des Beschwerdeführers
im relevanten Zeitraum
und somit auf einen Revisionsgrund im Sinne von
Art.
17
Abs.
1 ATSG geschlos
sen werden kann (vgl.
E. 1.3).
Dr.
L._
stellte
im psy
chiatrischen Teilgutachten
fest
,
die behandelnden Ärzte der Klinik
B._
, wo sich der Beschwerdeführer im Jahr 2003/2004 in statio
närer Behandlung bef
unden hatte
,
hätten
damals deutliche Hinweise für eine posttraumatische Belas
tungsstörung festgestellt
. Derzeit seien die Kriterien einer posttraumatischen Belastungsstörung
hingegen
nicht vollständig erfüllt.
In der Folge setzte
Dr.
L._
sich mit diesen Kriterien auseinander und legte schlüssig dar, welche davon nicht und insbesondere auch welche nicht mehr oder
lediglich
in geringerem Masse erfüllt seien (
Urk.
7/176/62
, vgl. vorstehende E. 3.2.
4
). Darauf abgestützt kam er zu
m
Schluss, a
ktuell ergebe sich das Bild einer leicht
gradigen Depression mit dem Gefühl der Hilflosigkeit und mangelndem Vertrauen in die Selbstwirksamkeit
(
Urk.
7/176/62).
Ferner
führte
Dr.
L._
aus
, dass die
in den letzten Jahren
eingetretene Stabilisierung des psychischen Zustandes
, ohne die Notwendigkeit einer erneuten stationären Kriseni
ntervention und bei nieder
schwe
lliger ambulanter
psychiatrischer
Behandlung ab dem Gutachtenszeitpunkt
zu einer Belastbarkeit des Beschwerdeführers von 50
%
auf dem allgeme
inen Arbeitsmarkt geführt habe
(
Urk.
7/176/65).
Es kann mithin von einer massgebli
chen Verbesserung des psychischen Gesundheitszustandes
im beurteilungsrele
vanten Zeitraum
ausgegangen werden.
Der Beschwerdeführer brachte dagegen vor, dass gemäss dem behandelnden Psy
chiater
Dr.
F._
weiterhin das Vollbild einer posttraumatischen Belastungsstörung vorliege und nicht nachvollziehbar sei, wie er ausserhalb eines geschützten Arbeitsplatzes arbeitsfähig sein solle (
Urk.
1 S. 10).
Wie die Beschwerdegegnerin richtig anmerkte
,
ist in Bezug auf Berichte von behandelnden Arztpersonen auf die Erfahrungstatsache hinzuweisen, dass diese mitunter im Hinblick auf ihre auf
tragsrechtliche Vertrauensstellung in Zweifelsfällen eher zu Gunsten ihrer Pati
entinnen und Patienten aussagen (BGE 135 V 465 E. 4.5, 125 V 351 E. 3b/cc). Dies bedeutet jedoch nicht, dass diesen Berichten keinerlei Beweiswert zuzumes
sen ist
-
die einen längeren Zeitraum abdeckende und umfassende Behandlung kann oft wertvolle Erkenntnisse zeitigen - doch lässt es die unterschiedliche Natur von Behandlungsauftrag der therapeutisch tätigen (Fach-)Person einerseits und Begutachtungsauftrag des amtlich bestellten fachmedizinischen Experten ander
seits (BGE 124 I 170 E. 4) nicht zu, ein Administrativ- oder Gerichtsgutachten stets in Frage zu stellen und zum Anlass weiterer Abklärungen zu nehmen, wenn die behandelnden Arztpersonen
beziehungsweise
Therapiekräfte zu anderslauten
den Einschätzungen gelangen. Vorbehalten bleiben Fälle, in denen sich eine ab
weichende Beurteilung aufdrängt, weil die anderslautenden Einschätzungen wichtige – und nicht rein subjektiver Interpretation entspringende – Aspekte benennen, die bei der Begutachtung unerkannt oder ungewürdigt geblieben sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_677/2014 vom 2
9.
Oktober 2014 E. 7.2 mit Hin
weisen, u.a. auf SVR 2008 IV Nr. 15 S. 43 E. 2.2.1 [I 514/06])
. Solche Gesichts
punkte sind der Stellungnahme von
Dr.
F._
nicht zu entnehmen.
Die gemäss seinen Ausführungen
zur Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung führenden
Symptome wurden von
Dr.
L._
-
wie bereits erwähnt
- bei der
Beurteilung des Gesundheitszustandes berücksichtigt
,
Dr.
F._
gewichtete sie lediglich anders.
Gegen die vom Gutachter geschilderte Verbesserung der Arbeits
fähigkeit brachte
Dr.
F._
sodann keine objektiv nachvollziehbaren Argumente vor, sondern führte lediglich aus, es sei nicht nachvollziehbar, wie der Beschwer
deführer mit den auch vom Gutachter beschriebenen massiven psychischen Beeinträchtigungen ausserhalb des geschützten Arbeitsrahmens arbeitstätig sein solle (
Urk.
3/5 S. 3).
5.
5.1
Nach dem Gesagten hat sich der psychische G
esundheitszustand des Beschwer
deführers
seit der erstmaligen Rentenzusprechung wesentlich gebessert, weshalb ein Revisionsgrund vorliegt
.
Ob darüber hinaus
- wie die Beschwerdegegnerin geltend macht -
auch ein Wiedererwägungsgrund gegeben ist, kann bei dieser
Ausgangslage offen bleiben, da
der Rentenanspruch
ohnehin ohne Bindung an frühere Beurteilungen
in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht umfassend zu prü
fen ist
(vgl. E. 1.
3
)
.
5.2
In somatischer Hinsicht stellten die Gutachter fest, dass dem Beschwerdeführer die Tätigkeit als Bäcker/Konditor nicht mehr zumutbar sei. Die Arbeitsfähigkeit in einer leidensadaptierten Tätigkeit sei jedoch zu 100
%
erhalten.
Das von den Gutachtern formulierte Belastungsprofil
(
Urk.
7/176/21,
vgl.
vorstehende
E.
3.
2.4
)
wird nachvollziehbar und schlüssig mit den festgestellten gesundheitlichen Beschwerden begründet.
Der
Beschwerdeführer bestreitet es
lediglich mit dem Hinweis auf den Bericht von
Dr.
N._
(
Urk.
1 S.
11
)
. Zwar wurde die dort
- offenbar
gestützt auf eine Röntgenuntersuchung vom 2
5.
Juni 2018
-
diagnosti
zierte
beginnende
Hüftarthrose
(
Urk.
3/7
)
im
A._
-
Gutachten tatsächlich nicht
erwähnt
(vgl.
Urk.
7/176/20
)
,
das von
Dr.
N._
unter Einschluss der Hüftarth
rose
festgelegte Belastungsprofil enthält jedoch keine von den Gutachtern nicht
berücksichtigten Einschränkungen.
Es ist daher
in somatischer Hinsicht
auf die Arbeitsfähigkeitsbeurteilung im polydisziplinären Gutachten abzustellen.
5.3
Uneinigkeit besteht hingegen bezüglich der Frage, ob auf die von
Dr.
L._
in psychiatrischer Hinsicht festgelegte Arbeitsfähigkeit von 50
%
abgestellt werden kann.
Dies ist
anhand des vom Bundesgericht prinzipiell für sämtliche psychi
schen Leiden für anwendbar erklärten strukturierten Beweisverfahrens gemäs
s BGE 141 V 281 zu prüfen (vgl.
E. 1.4)
, nachdem sich a
ufgrund der Anamnese und des psychopathologischen Befunds keine Hinweise für Aggravation oder Simula
tion
ergaben
(
Urk.
7/176/62).
Dr.
L._
berücksichtigte bei seiner Beurteilung der Arbeitsfähigkeit des Beschwerdeführers die massgeblichen Indikatoren. Hin
sichtlich der Ausprägung der diagnoserelevanten Befunde kam er gestützt auf die im Vordergrund stehenden Symptome von Traurigkeit, Impulsivität sowie über
mässiger Besorgnis und Rückzugstendenz, die immer wieder
exazerbierten
, zum Schluss, es liege eine leichtgradige bis mittelgradige depressive Symptomatik vor (
Urk.
7/176/63). Dieser Diagnose ist ein leichter bis mittlerer Schweregrad inhä
rent.
In Bezug auf den Indikator des Behandlungserfolgs
beziehungsweise
der Behand
lungs
resistenz ging
Dr.
L._
aufgrund der
nur monatlich stattfindenden psy
chotherapeutischen Interventionen und der bisherigen antidepressiven Behand
lung davon aus, dass
für eine mittelschwere Depression
keine ausreichende Behandlung
durchgeführt worden sei
und
insofern nicht von einer
Therapie
resistenz
gesprochen werden könne
(
Urk.
7/176/63). Der behandelnde
Dr.
F._
brachte dagegen vor, dass die Therapiefrequenz und die Dosis des Antidepressi
vums gerade wegen des fehlenden Erfolgs dieser Bemühungen re
duziert worden seien (
Urk.
3/6 S. 2
).
Dies
erscheint einerseits einleuchtend, andererseits führte
Dr.
F._
jedoch auch mehrfach aus, dass aufgrund der erheblichen Sprachbarriere eine differenzierte psychotherapeutische Behandlung kaum möglich sei (
Urk.
7/22/6
,
Urk.
7/35/3
),
womit
an seiner Beurteilung der Therapieresistenz gewisse Zweifel
entstehen
.
Eine vollumfängliche Therapieresistenz ist daher
nicht ausgewiesen
.
Hinsichtlich des Indikators des Eingliederungserfolgs
ist zwar positiv zu werten, dass der Beschwerdeführer seit dem Jahr 2005 in geschütztem Rahmen teilzeitig arbeitet, wie
Dr.
L._
ausführte, hat der
Beschwerdeführer jedoch aus
Angst vor der Angst zu versagen keinerlei Anstrengungen unternommen, das bisherige Arbeitspensum zu erhöhen, woraus sich keine Hinweise für eine manifeste Ein
glied
erungsresistenz erg
e
b
en
(
Urk.
7/176/63
)
.
Störungen fallen unabhängig von ihrer Diagnose bereits dann als rechtlich bedeutsame Komorbiditäten in Betracht, wenn ihnen im konkreten Fall ressour
cenhemmende Wirkung beizumessen ist (BGE 143 V 418 E. 8.1).
Dr.
L._
sah
Hinweise für körperliche Komorbiditäten, die im Sinne eines Circulus
Vitiosus
die psychischen Beschwerden mit negativen Kognitionen verstärken würden (
Urk.
7/176/63). Es liegen somit massgebliche Komorbiditäten vor.
Bezüglich des Indikators der Persönlichkeit ist vorab festzuhalten, dass
Dr.
L._
keine Persönlichkeitsstörung diagnostizierte. Er hielt jedoch fest, dass der Beschwerdeführer
den Eindruck mache,
aufgrund seiner emotionalen Instabilität mit Reizbarkeit und Impulsivität einerseits und Ängstlichkeit andererseits in einer schwierigen Situation
z
u sein
(
Urk.
7/176/63).
Insgesamt
ist
davon auszugehen
,
dass die Persönlichkeit des Beschwerdeführers den Umgang mit seinen
gesund
heitlichen Beschwerden und die berufliche Eingliederung eher erschwert als begünstigt.
In Bezug auf den Indikator
«
sozialer Kontext
»
hielt
Dr.
L._
einerseits einen Rückzug in den familiären Kreis fest, obwohl der Beschwerdeführer den Kontakt zu Arbeitskollegen und zur Einrichtung der Werkstatt gut aufrechterhalten könne.
Andererseits seien
die Kontakte zur Mutter in der Heimat und zu den Bekannten dort offenbar möglich, so dass die geschilderte soziale I
solation bei entsprechen
der Motivation überwunden werden könne (
Urk.
7/176/63).
Mit Blick auf den
soziale
n
Kontext
verfügt
d
er
Beschwerdeführer
somit
über
gewisse Ressourcen, insbesondere die Unterstützung durch seine Familie, die es sogar möglich machte, dass der Beschwerdeführer zweiwöchige Ferien
in der alten Heimat
verbringen konnte.
Im Hinblick auf die beweisrechtlich entscheidende Kategorie der Konsistenz stellte
Dr.
L._
fest, der Beschwerdeführer zeige sowohl im häuslichen Milieu als auch in der Werkstatt ein maladaptives, auf Schonung ausgerichtetes Verhal
ten aus Angst,
seinen Gesundheitszustand zu verschlechtern (
Urk.
7/176/64). Der vom Beschwerdeführer geschilderte eingeschränkte Tagesablauf mit Arbeiten in der Werkstatt, Spaziergängen und Fernsehen, ohne andere Freizeitbeschäftigun
gen
(
Urk.
7/176/56)
stimmt damit überein
.
Aus der stationären Behandlung von 2003 bis 2004 sowie der
regelmässigen
am
bulanten Behandlung durch den Psychiater und Psychotherapeuten schloss
Dr.
L._
auf einen anhaltenden Leidensdruck mit dem Wunsch, die Situation zu verbessern, wobei die Anstrengungen aber noch ausbau
fähig erscheinen wür
den (
Urk.
7
/176/64). Es ist somit zumindest ein gewisser Leidensdruck ausgewie
sen.
In Anbetracht der leicht- bis mittelgradig
ausgeprägten Befunde,
der bereits seit langer Zeit bestehenden Störung mit
gewissen
Hinweisen auf Therapieresistenz und
de
s
wesentlich reduzierten
Aktivitätsniveau
s
im privaten Lebensbereich
bei somatischen Komorbiditäten
lässt sich die gutachterlich angegebene Einschrän
kung der Arbeitsfähigkeit um 50
%
auch mit Blick auf die Standardindikatoren nachvollziehen.
Dies ist
auch
im Lichte der
teilweise vorhandenen Ressourcen und der fehlenden Integrationsbemühungen
nicht zu beanstanden.
Weder
der Umstand, d
ass der Beschwerdeführer in der Lage war, zweiwöchige Ferien mit seiner Familie zu verbringen,
noch
d
ass er
Kontakte zur Arbeitskollegen in der geschützten Werkstatt pflegt und selbständig mit dem Bus dorthin fährt, spazie
ren geht, Fernsehen schaut und kleine Einkäufe selber erledigt (
Urk.
2 S. 4)
, steht
der gutachterlichen Einschätzung entgegen, zumal die fachärztlich attestierte Arbeitsunfähigkeit von 50
%
ein gewisses Mass an (Freizeit-) Aktivitäten zulässt (vgl. Urteil
des Bundesgerichts
9C_658/2018 vom 1
1.
Januar 2019 E. 4.4.1 in
fine
mit Hinweis).
Schliesslich
ist in Erinnerung zu rufen, dass die ärztliche Beurtei
lung - von der Natur der Sache her unausweichlich - Ermessenszüge aufweist, die auch den Rechtsanwender begrenzen (BGE 145 V 361 E.
4.3, mit Hinweisen).
Insgesamt resultiert anhand des psychia
trischen Teilgutachtens
das für die An
nahme einer rechtlich relevanten psychischen Funktionseinbusse erforderliche stimmige Gesamtbild (vgl. BGE 143 V 418 E. 6). An einem triftigen Grund für ein Abweichen fehlt es. Daher kann auf die im angefochtenen Entscheid festgestellte, aus psychischer Sicht uneingeschränkte Arbeitsfähigkeit nicht abgestellt werden. Es ist stattdessen, der gutachterlichen Einschätzung folgend, von einer Arbeits
unfähigkeit von 50
%
für angepasste Tätigkeiten
ab Gutachtensdatum (
Urk.
7/176/23)
auszugehen.
6.
6.1
Es bleibt, die
erwerblichen Auswirkungen der festgestellten Einschränkung der Arbeitsfähigkeit zu prüfen.
Bei erwerbstätigen Versicherten ist der Invaliditäts
grad gemäss Art. 16 ATSG in Verbindung mit Art. 28a Abs. 1 IVG aufgrund eines Einkommensvergleichs zu bestimmen. Dazu wird das Erwerbseinkommen, das die versicherte Person nach Eintritt der Invalidität und nach Durchführung der medizinischen Behandlung und allfälliger Eingliederungsmassnahmen durch eine ihr zumutbare Tätigkeit bei aus
geglichener Arbeitsmarktlage erzielen könnte (sog. Invalideneinkommen), in Bezie
hung gesetzt zum Erwerbseinkommen, das sie er
zielen könnte, wenn sie nicht in
valid geworden wäre (sog.
Valideneinkommen
). Der Einkommensvergleich hat in der Regel in der Weise zu erfolgen, dass die beiden hypothetischen Erwerbseinkommen ziffernmässig möglichst genau ermit
telt und einander gegenübergestellt werden, worauf sich aus der Einkommensdif
ferenz der Invaliditätsgrad bestimmen lässt (sog. allgemeine Methode des Ein
kommensvergleichs; BGE 130 V 343 E. 3.4.2, 128 V 29 E. 1).
6.2
Die Beschwerdegegnerin berechnete gestützt auf die statistischen Durchschnitts
werte der Schweizerischen Lohnstrukturerhebung 2014
(
Monatlicher Bruttolohn nach Wirtschaftszweigen, Kompetenzniveau und Geschlecht, Privater Sektor
, Ziffer 10-11, Kompetenzniveau 2) ein hypothetisches
Valideneinkommen
von
Fr.
66'883.25 (
Urk.
7/186/4). Dies ist angesichts der Tatsache, dass der Beschwer
deführer eine Ausbildung als Bäcker/Konditor absolviert hat und bis zum Eintritt des Gesundheitsschadens in diesem Bereich tätig war, wobei seine letzte Anstel
lung aus invaliditätsfremden Gründen
beendigt worden war (vgl.
Urk.
7/5/1), nicht zu beanstanden. Ebenso hat die Beschwerdegegnerin bei der Berechnung des Invalideneinkommens korrekt auf den statistischen Durchschnittslohn für Hil
f
stätigkeiten (
Monatlicher Bruttolohn nach Wirtschaftszweigen, Kompetenz
niveau und Geschlecht, Privater Sektor
, Total
, Kompetenzniveau 1) abgestellt und gestützt darauf ein Invalideneinkommen von
Fr.
67'454.
70
berechnet (
Urk.
7/186/4). Dieses ist jedoch
noch
an die zumutbare Arbeitstät
igkeit des Beschwerdeführers von 50
%
anzupassen und entsprechend auf
Fr.
33'727.35 (
Fr.
67'454.
70
/ 2) festzulegen.
Ein zusätzlicher leidensbedingter Abzug wurde von der Beschwerdegegnerin nicht vorgenommen
und vom Beschwerdeführer auch nicht
geltend gemacht
. Da keine persönlichen oder beruflichen Merkmale ersichtlich sind, aufgrund derer der Beschwerdeführer negative Auswirkungen auf die Lohnhöhe zu gewärtigen hätte (vgl. BGE 124 V 321 E. 3b/
aa
)
, ist dies nicht zu beanstanden
.
Es resultiert somit
ein Invaliditätsgrad von gerundet 50
%
(100 - [100 /
Fr.
66'883.25 x
Fr.
33'727.35]
= 49.57
%
;
zu den Ru
ndungsregeln vgl. BGE 130 V 121
).
6.3
Nach dem Gesagten ist die
angefochtene
Verfügung
in
teilweiser
Gutheissung der Beschwerde
aufzuheben und es ist festzustellen
,
dass der
Beschwerdeführer
ab
1.
September 2018
– dem ersten Tag des zweiten der Zustellung der Verfügu
ng vom 2
4.
Juli 2018
folgenden Monats (vgl.
Art.
88
bis
Abs.
2
lit
. a Verordnung über die Invalidenversicherung, IVV)
-
Anspruch auf eine halbe Rente der Invaliden
versicherung hat.
7.
7.1
Der Streitgegenstand des Verfahrens betrifft die Bewilligung oder Verweigerung von Versicherungsleistungen. Das Verfahren ist daher kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streit
wert festzulegen (
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG
) und ermessensweise auf
Fr.
1’0
00.-- anzusetzen. Ausgangsgemäss sind die Gerichtskosten der Beschwerdegegnerin auf
zuerlegen.
7.2
Der unent
geltlichen Rechtsvertreterin des Beschwerdeführers
, Rech
tsanwältin Ljubica
Jovovic
, steht eine Prozessentschädigung zu, welche nach
Art.
61
lit
. g ATSG in Verbindung mit
§
34 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht ohne Rücksicht auf den Streitwert nach der Bedeutung der Streitsache, nach der Schwierigkeit des Prozesses, dem Zeitaufwand und den Barauslagen festzusetzen ist.
In d
er Honorarnote vom 23. Dezember 2019 (Urk.
13
) machte
Rechtsanwältin
Jovovic
einen Aufwand von 13.3
Stunden à
Fr.
220.–
-
zuz
üglich Barauslagen von Fr. 12.50
und M
ehrwertsteuer von 7.7 % geltend
.
Der Aufwand für das Ver
fassen der Beschwerdeschrift von insgesamt 10 Stunden (inkl. Aktenstudium)
er
scheint unter Berücksichtigung des Umstands
, dass Rechtsanwältin
Ljubica
Jovov
ic
den Beschwerdeführer bereits im
Verwaltungsverfahren
vertreten hat und die
Argumentation in der
Beschwerdeschrift in m
ehreren Abschnitten
dem Ein
wand vom
2
0.
Juni 2018
(
Urk.
7/
198
) entspricht
,
als zu hoch
und ist auf ange
messene 7
Stunden zu reduzieren
.
Damit reduziert sich der zu entschädigende Aufwand
gesamthaft
auf
10.3 Stunden. Zusammen mit den Auslagen von
Fr.
12.50 und der Mehrwertsteuer von 7
.
7
%
auf Honorar und Barauslagen ist d
ementsprechend die Beschwerdegegnerin zu verpf
lichten, dem Beschwerdefüh
rer
eine Proze
ssentschädigung von
gerundet
Fr.
2'454.
--
(inklusive Barauslagen
und Mehrwertsteuer) zu bezahlen
,
wobei die Bes
chwerdegegnerin diese direkt der
unentgeltlichen Rechtsvertreter
in
des obsiegenden Beschwerdeführers zu bezah
len hat (vgl. Urteil des Bundesgerichts 4A_170/2018 vom 2
0.
Juni 2018 E. 1.3 mit Hinweisen).