# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7a0a7fc2-0507-4ffa-b59a-0dd238504753
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2021
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Sachverhalt:
1.
1.1
X._
, geboren 1974, wurde mit Verfügung der Sozialversicherungs
anstalt des Kanton Zürich, IV-Stelle, vom 16.
Juni 2011 mit Wirkung ab 1.
März 2009 eine ganze
Invalidenrente zugesprochen
. Mit Verfügung
en
vom 19.
Septem
ber 2012 und vom 6.
Februar 2014 sprach
sie dem Versicherten nach der Geburt seiner Kinder jeweils eine entsprechende
Ki
nderrente zu (vgl. Urk. 17/5-10 S. 2 Ziff. 1.1).
1.2
Mit Verfügung vom 2.
Oktober 2015
sistierte d
ie
IV-Stelle
die bisherige Invali
denrente per sofort respektive per Ende September 201
5 und
entzog einer allfällig gegen diese
Verfügung
gerichteten Beschwerde die aufschiebende Wirkung
(Urk. 17/52-58).
Mit Vorbescheid vom 12. Oktober 2018 (Urk. 17/63-67) stellte die IV-Stelle dem Versicherten in Aussicht,
die Verfügung vom 16.
Juni 2011
und damit
die Rente in prozessua
ler Revision rückwirkend per 1.
März 2009
aufzuheben sowie die für die Zeit vom 1. Oktober 2013 bis 30.
September 2015 zu Unrecht bezogene
n
Renten
mit separater Verfügung
zurückzufordern
. Am
14.
Dezember 2018 (Urk.
17/69-74)
verfügte die IV-Stelle in diesem Sinne
.
Die dagegen
erhobene Beschwerde wies das hiesige Gericht mit Urteil vom 11.
Mai 2020 (Verfahren IV.2019.00070) ab, welches das Bundesgericht mit Urteil 8C_396/2020 vom 30.
Juli 2020 (Urk.
17/19-25)
schützte
.
1.3
Zwischenzeitlich hatte die IV-Stelle den Versicherten mit Verfügung vom 21. Februar 2019 verpflichtet,
ihr die vom 1.
Oktober 2013 bis 30.
September 2015 zu Unrecht ausbezahlten Rentenbeträge in der Höhe von insgesamt Fr.
74’221.
--
zurückzuerstatten
(Verfügung nicht in den Akten)
.
Die dagegen erhobene Beschwerde hiess das hiesige Gericht mit Urteil vom 22. Mai 2019 (Ver
fahren IV.2019.00211; Urk. 17/5-10) in dem Sinne gut, als
es
die angefochtene Verfügung vom 2
1.
Februar 2019
aufhob
und die Sache an die IV-Stelle zurück
w
ies, damit diese ein
Vorbescheidverfahren
durchführe und hernach neu verfüge
.
1.4
Mit Vorbescheid vom 5. März 2021 (Urk. 17/29) stellte die Ausgleichskasse Zürcher Arbeitgeber (AZA) die Rückforderung der für die Zeit vom 1. Oktober 2013 bis 30. September 2015 ausgerichteten Rentenleistungen in der Höhe von Fr. 74'221.-- in Aussicht. Nach Einwand des Versicherten vom 9. März 2021 (Urk. 17/31) erliess die IV-Stelle am 6. Mai 2021 (Urk. 2) eine entsprechende Rückforderungsverfügung.
2.
Gegen die Rückforderungsverfügung vom 6. Mai 2021 erhob der Versicherte am 3. Juni 2021 (Urk. 1) Beschwerde und beantragte, es sei die angefochtene Verfü
gung
aufzuheben und festzustellen, dass kein Rückforderungsanspruch bestehe (S. 2). Mit Beschwerdeantwort vom 13. September 2021 (Urk. 6) verwies die IV-Stelle auf die beigelegte Stellungnahme der AZA vom 5. August 2021 (Urk. 7) mit Antrag auf Abweisung der Beschwerde. Am 23. September 2021 (Urk. 10) hielt der Beschwerdeführer
replicando
an seinem Rechtsbegehren fest (S. 1).
Mit Duplik vom 1. November 2021 (Urk. 12) verwies die IV-Stelle auf die beigelegte Stellung
nahme der AZA vom 21. Oktober 2021 (Urk. 13), worin am Antrag auf Abweisung der Beschwerde festgehalten wurde. Dies wurde dem Beschwerde
führer mit Verfügung vom 2. November 2021 (Urk. 14) zur Kenntnis gebracht.
Am 24.
November 2021 (Urk.
16) reichte die IV-Stelle die Verfahrensakten (Urk.
17) nach.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Der Beschwerdeführer brachte unter anderem vor, die Beschwerdegegnerin habe
es erneut versäumt, einen Vorbescheid zu erlassen (vgl. Urk. 1 S. 6 Mitte) respek
tive sei dieser durch die Ausgleichskasse und damit von einer unzuständigen Behörde erlassen worden, weshalb er keinerlei Rechtswirkung entfalte (vgl. Replik; Urk. 10 S. 2 unten). Demgegenüber stellte sich die IV-Stelle mit Verweis auf die von der AZA verfassten Stellungnahmen vom 5. August 2021 (Urk. 7) und vom 21. Oktober 2021 (Urk. 13) auf den Standpunkt (vgl. Urk. 6 und Urk. 12), dass durch den Erlass des Vorbescheides durch die AZA das
Vorbescheidverfahren
nicht versäumt worden sei (Urk. 7 S. 2, Urk. 13 S. 2).
Soweit sich der Beschwerdeführer in diesem Zusammenhang auf einen neuer
lichen schwerwiegenden Verfahrensfehler, welcher einer Heilung nicht zugäng
lich sei, beruft (Urk. 1 S. 6), gilt Folgendes:
1.2
Der Vorbescheid vom 5. März 2021 (Urk. 7/29), mit welchem die Rückforderung für die zu Unrecht bezogenen Renten in der Zeit vom 1. Oktober 2013 bis 30. September 2015 in Aussicht gestellt wurde, wurde nicht von der eigentlich zuständigen IV-Stelle (vgl. zur Zuständigkeit zur Rückforderung:
K
ieser, ATSG-Kommentar, 4
.
Aufl. 20
20, N 49 zu Art. 25
ATSG
), sondern durch die AZA erlas
sen. Damit wurde die Rückforderung zwar durch eine sachlich unzuständige Amtsstelle vorbeschieden, dies führt unter den vorliegenden Umständen jedoch nicht zur Nichtigkeit, liegt doch kein besonderer schwererer Mangel vor.
Mit Urteil 9C_320/2014 vom 29. Januar 2015 sprach sich das Bundesgericht dafür aus, dass selbst bei einer Rückerstattungsverfügung - nicht also dem vorausge
gangenen Vorbescheid wie vorliegend - der Erlass durch eine zwar sachlich unzuständige, jedoch mit der IV-Stelle engverknüpfte Amtsstelle nicht zu deren Nichtigkeit führt (E. 4.2). Der Vorbescheid wurde von der AZA erlassen, welche der Schweizerischen Vereinigung der Verbandsausgleichskassen angeschlossen ist und zusammen mit den kantonalen Ausgleichskassen für den verankerten dezentralen Vollzug der Invalidenversicherung sorgt (vgl
.
https://aza.ch/aza/
[besucht am 2. Dezember 2021]). Zu den Aufgaben der Ausgleichskassen gehören unter anderem die Berechnung und Auszahlung der Renten (Art. 60 des
Bundes
gesetz
es
über die Invalidenversicherung
[IVG], Art. 44 der
Verordnung ü
ber die Invalidenversicherung [
IVV
]). Sie führen denn auch für die IV-Stelle eine eigene Rechnung, worin unter anderem die Beiträge und Leistungen der versicherten Person verbucht sind (Art. 54 IVV). Anders als im Fall der Verfügung einer mit der Sache in keiner Weise befassten Behörde, zum Beispiel des kantonalen Raum
planungsamtes oder des kommunalen Bauamtes, handelt es sich bei der Aus
gleichskasse um eine Amtsstelle, die sich mit ähnlichen Aufgaben (Renten, Hilf
losenentschädigungen, etc.) in einem verwandten Sozialversicherungszweig zu befassen hat. Die Voraussetzungen, unter denen die Rechtsprechung eine Nich
tigkeit annimmt, sind hier nicht gegeben, zumal im Unterschied zum angeführten Bundesgerichtsentscheid nicht die eigentlich angefochtene Verfügung vom 6. Mai 2021 (Urk. 2), welche den vorliegend zu behandelnden Anfechtungs
gegenstand bildet und korrekterweise von der IV-Stelle verfügt wurde, sondern lediglich der vorausgehende Vorbescheid von einer sachlich unzuständigen Behörde erlassen wurde.
1.3
Hinzukommt, dass der Sinn und Zweck des
Vorbescheidverfahrens
darin besteht, eine unkomplizierte Diskussion des Sachverhaltes zu ermöglichen und dadurch die Akzeptanz des Entscheides bei den Versicherten zu verbessern (Urteil des Bundesgerichts 8C_668/2018 vom 13. Februar 2019 E. 4.1). Der Vorbescheid dient der Wahrung des rechtlichen Gehörs (Art. 57a Abs. 1). Die Nichtdurch
führung des
Vorbescheidverfahrens
würde denn auch nach den Grundsätzen über die Verletzung des rechtlichen Gehörs sanktioniert (vgl. Urs Müller, Das Verwal
tungsverfahren in der Invalidenversicherung, Zürich 2010
Rz
. 2061 mit Verweis auf BGE 116 V 182). Dieses kann vorliegend jedoch als gewahrt erachtet werden. Indem der Beschwerdeführer den zwar fälschlicherweise von der unzuständigen Amtsstelle aber inhaltlich begründet erlassenen Vorbescheid erhielt, stand ihm die Möglichkeit offen, sich vor Erlass der nachfolgenden Verfügung mit dem Ein
wand inhaltlich sachgerecht zur Sache zu äussern. Darüber hinaus war ihm der Inhalt bereits durch die ursprüngliche Verfügung vom 21. Februar 2019, welche mit Urteil des hiesigen Gerichts vom 22. Mai 2019 (Verfahren IV.2019.00211; Urk. 17/5-10) zur
Durchführung eines ordentlichen
Vorbescheidverfahrens
auf
gehoben worden war, bekannt. Bezeichnenderweise verzichtete der Beschwerde
führer denn auch darauf, im
Einwandverfahren
die sachliche Unzuständigkeit der Ausgleichskasse geltend zu machen (Urk. 17/31).
1.4
Nach dem Gesagten liegt weder eine Nichtigkeit des Vorbescheides vom 5. März 2021 (Urk. 7/29) vor (E. 1.2), noch ist von einer Verletzung des rechtlichen Gehörs auszugehen (E. 1.3).
2.
Gemäss Art.
25 Abs.
1 des Bundesgesetzes über den Allgemeinen Teil des Sozial
versicherungsrechts (ATSG) sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzu
erstatten.
Der Rückforderungsanspruch erlischt mit dem Ablauf eines Jahres (gemäss der bis zum 31.
Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung) beziehungsweise mit dem Ablauf dreier Jahre (gemäss der seit 1.
Januar 2021 in Kraft getretenen Fassung), nachdem die Versicherungseinrichtung davon Kenntnis erhalten hat, spätestens aber mit dem Ablauf von fünf Jahren nach der Entrichtung (gemäss der bis zum 3
1.
Dezember 2020 in Kraft gewesenen Fassung)
respektive
seit der
Auszahlung (gemäss der seit 1.
Januar 2021 in Kraft getretenen Fassung) der ein
zelnen Leistung (Art.
25 Abs.
2 ATSG).
Wird der Rückerstattungsanspruch aus einer strafbaren Handlung hergeleitet, für welche das Strafrecht eine längere Ver
jährungsfrist vorsieht, so ist diese Frist massgebend.
3.
3.1
Die Beschwerdegegnerin begründete ihren Rückforderungsentscheid vom 6.
Mai 2021 (Urk.
2) damit, dass mit
dem
Urteil des Bundesgerichts vom 30.
Juli 2020 die Beschwerde gegen den Entscheid des
hiesigen Gerichts
vom 11.
Mai 2020 abgewiesen worden sei.
Gemäss Art. 25 ATSG müssten zu Unrecht ausgerichtete Leistungen zurückgefordert werden. Aus diesem Grund werde die Rückerstattung über total Fr. 74'221.-- verfügt
(1.
Oktober bis 31.
Dezember 2013: 3 x Fr.
2'447.-
; 1.
Januar bis 3
1.
Dezember 2014: 12 x Fr.
3'146.--;
1.
Januar bis 30.
September 2016: 9 x Fr.
3'159.--; Verzugszinszahlung von Juni 2011: Fr.
697.--).
Mit der Rückerstattungsverfügung vom 21.
Februar 2019 sei die Frist gewahrt und die Rückforderung über Fr.
74'221.-- nicht verjährt.
3.2
Der Beschwerdeführer stellt sich demgegenüber in seiner Beschwerde
(Urk. 1)
auf den Standpunkt, die fünfjährige absolute
und
die einjährige relative Verwir
kungsfrist für die Rückforderung seien nicht gewahrt.
Die fünfjährige absolute Frist
für die Rückforderung der vom 1. Oktober 2013 bis 30. September 2015 aus
gerichteten Rentenbetreffnisse sei bereits am 30. September 2020 abgelaufen.
Die relative einjährige Frist
könne sodann
nur gewahrt
werden
, wenn der Entscheid über die Rückforderung frist- und formgerecht eröffnet werde. Die Rückerstat
tungsverfügung vom 21.
Februar 2019 sei indes nicht formgerecht erfolgt, habe es die Beschwerdegegnerin
doch
versäumt, vorab ein
en
Vorbescheid zu erlassen, was das
hiesige Gericht
mit Urteil vom 22.
Mai 2019 festgestellt habe. Abgesehen davon setze die Rückforderung einer Leistung den Nachweis der Unrechtmässig
keit voraus. Im Zeitpunkt der R
ückerstattungsverfügung vom 21.
Februar 2019 habe diese noch gar nicht festgestanden, sondern erst mit dem Urteil des Bundes
gerichts vom 30.
Juli 2020
(S.
4-7).
3.3
Mit
der
Beschwerdeantwort (Urk.
6) verwies die Beschwerdegegnerin auf die von ihr miteingereichte Stellungnahme der AZA vom 5.
August 2021 (Urk.
7). Darin wurde unter anderem geltend gemacht, dass mit der Rückerstattungsverfügung vom 21.
Februar 2019 die Verwirkungsfrist g
ewahrt worden sei. So sei das hiesige Gericht in seinem Urteil vom 22. Mai 2019 nicht von deren Nichtigkeit ausge
gangen. Die Verfügung sei formgerecht erlassen worden, jedoch mangelhaft gewesen, weil mangels Vorbescheid das rechtliche Gehör nicht gewährt worden sei (S. 1 f.).
3.4
Replicando
brachte der Beschwerdeführer vor (Urk.
10), das
hiesige Gericht sei im Urteil vom 22.
Mai 2019
zum Schluss gelangt, die Verfügung
vom 21.
Februar 2019
leide unter einem derart schwerwiegenden formellen Mangel (Verletzung des rechtlichen Gehörs), dass eine Heilung ausgeschlossen sei. Folgerichtig habe es festgestellt, dass es ihm wegen des
Formfehlers verwehrt
gewesen sei
, die Sache materiell
-
rechtlich zu beurteilen.
Es liege somit ein typischer Anwendungsfall einer nichtigen Verfügung vor.
Die Frage der Nichtigkeit der Verfügung vom 21. Februar 2019 habe das hiesige Gericht im Urteil vom 22. Mai 2019 überhaupt nicht geprüft, weder ausdrücklich noch sinngemäss.
Ferner brachte der Beschwer
deführer vor, im Zeitpunkt des Erlasses der Verfügung vom 21. Februar 2019 seien die Rückforderungsansprüche für die Renten Oktober 2013 bis 24. Februar 2014 ohnehin verwirkt gewesen, weil bezüglich dieser Ansprüche die absolute Frist von fünf Jahren ohnehin abgelaufen gewesen sei (S. 1 f.).
3.
5
Duplicando
(Urk.
12) verwies die Beschwerdegegnerin auf die von ihr mitein
gereichte Stellungnahme der AZA vom 21.
Oktober 2021 (Urk.
13). Darin wurde
unter anderem geltend gemacht, dass
die Verwirkungsfrist bereits mit dem Vor
bescheid vom 12. Oktober 2018 gewahrt worden sei (S. 1 f.).
4.
4.1
Mit dem Bundesgerichtsurteil 8C_396/2020 vom 30.
Juli 2020 (Urk.
7/19-25) steht die Rechtmässigkeit der
rückwirkenden Rentenaufhebung in Sinne einer prozessualen Revision für die
ab 1. März 2009
bezogene Rente fest. Nachdem zu Unrecht bezogene Renten
leistungen
gemäss
Art.
25 Abs.
1 ATSG - vorbehältlich des Erlasses – grun
dsätzlich zurückzuerstatten sind, bleibt damit einzig zu prüfen, ob die
geltend gemachte
Rückforderung
der vom 1. Oktober 2013 bis 30. Oktober 2015 entrichteten Renten
als verwirkt zu gelten hat.
4.2
Im Zusammenhang mit der Rückforderung infolge einer Rentenaufhebung betrachtet das Bundesgericht in der Regel die Rechtskraft der Rentenaufhebung als fristauslösendes Moment für den Beginn der relativen einjährigen Verwir
kungs
frist (Urteil 8C
_580/2018 vom 9. Januar 2019 E.
4.2 mit Hinweisen).
Der Erlass des Vorbescheids gilt als fristwahrend (BGE 133 V 579 E. 4.3.1). Da die
Rechts
kraft der
rückwirkenden
Rentenaufhebung
vorliegend erst mit dem Bundes
gerichtsurteil vom 30. Juli 2020 vorlag, hat die Beschwerdegegnerin mit Erlass des Vorbescheids vom 5. März 2021 die relative Verwirkungsfrist gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG jedenfalls gewahrt.
Zu prüfen bleibt im Folgenden die Wahrung der absoluten Verwirkungsfrist, wobei die fünfjährige Verwirkungsfrist gemäss Art. 25 Abs. 2 ATSG und nicht eine längere Verjährungsfrist, welche das Strafrecht vorsieht, zum Tragen kommt (vgl. E. 2), nachdem der Beschwerdeführer mit rechtskräftigem Strafurteil des Bezirksgerichts Uster zwar diverser Straftaten für schuldig befunden wurde, nicht aber solcher im Zusammenhang mit Versicherungsleistungen (vgl. dazu: Sach
verhalt im Urteil IV.2019.00070 vom 11. Mai 2020).
5.
5.1
Bei den Fristen nach Art.
25 Abs.
2 ATSG handelt es sich um von Amtes wegen zu berücksichtigende Verwirkungsfristen (BGE 14
2 V 20 E. 3.2.2 mit Hinweisen), die im Bereich der Invalidenversicherung grundsätzlich mit dem Erlass des Vor
bescheids betreffend die Rückforderung gewahrt werden (SVR 2011 IV Nr. 52; Urteil des Bundesgerichts 9C_340/2020 vom 29. März 2021 E. 2.1 mit Hinweis). Auch muss die Rückerstattungsforderung im Grundsatz beziffert werden (SVR 2011 IV Nr. 52; Urteil des Bundesgerichts 8C_699/2010 vom 8. Februar 2011 E. 5.1).
5.2
Bei Massgeblichkeit des Vorbescheids vom 5. März 2021 für die Frage der Frist
wahrung wäre die absolute
fünjährige
Verwirkungsfrist für die Rückforderung der Rentenbetreffnisse vom 1. Oktober 2013 bis 30. September 2015 bereits verwirkt. Jedoch stellte die Beschwerdegegnerin dem Beschwerde
führer mit Vorbescheid
vom 12. Oktober 2018 (Urk. 17/63-67) nicht nur in Aus
sicht,
die Verfügung vom 16.
Juni 2011
und damit
die Rente in prozessua
ler Revision rückwirkend per 1.
März 2009
aufzuheben; vielmehr wurde darin auch festge
halten, dass aufgrund der Meldepflichtverletzung die zu Unrecht bezogenen Renten vom 1. Oktober 2013 bis zum 30. September 2015 zurückgefordert würden und der Beschwerdeführer eine separate Verfügung über den Betrag erhalte. Dies genügt gemäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung zur Fristwah
rung: Massgeblich für die fristwahrende Handlung ist nicht notwendigerweise der Rückforderungsvorbescheid, sondern es genügt dafür auch der Vorbescheid im Verfahren über den materiellen Rentenanspruch, wenn darin bei einer rückwir
kenden Aufhebung einer Rente der Zeitraum und damit die zurückerstattenden Rentenleistungen genügend bestimmt sind (Urteil des Bundesgerichts 8C_601/2016 vom 29. November 2016 E. 7.2.2). Dies ist vorliegend der Fall (Rückerstattung der bezogenen Rentenleistungen «vom 1. Oktober 2013 bis 30. September 2015»).
Demnach erübrigen sich Weiterungen zur fristwahrenden Wirkung der Rücker
stattungsverfügung vom 21. Februar 2019 (vgl. E. 3.1-4). Auch spielt es - ent
gegen der Ansicht des Beschwerdeführers (E. 3.2) - keine Rolle, dass erst mit
Bundesgerichtsurteil 8C_396/2020 vom 30.
Juli 2020 (Urk.
7/19-25)
rechtskräftig über die materielle Rückforderung entschieden worden war, denn die Rückfor
derung ist rechtsprechungsgemäss nicht auf rechtskräftig festgelegte Leistungen beschränkt (Urteil des Bundesgerichts 9C_569/2019 vom 8. November 2019 E. 3.2 mit Hinweis auf Urteil 8C_280/2018 vom 9. Januar 2019 E. 4.2). Andernfalls könnte durch rein prozesstechnisches Vorgehen jegliche Rückforderung unter
laufen werden, indem in der materiellen Sache ein definitiver, rechtskräftiger Entscheid über den Zeithorizont der absoluten Verwirkungsfrist von fünf Jahre hinaus verzögert würde.
5.3
Nach dem Gesagten ist mit dem Vorbescheid vom 12. Oktober 2018 (Urk. 7/63-67) die absolute Verwirkungsfrist hinsichtlich der Rückforderung über die Leis
tungen der Renten vom 1. Oktober 2013 bis 30. September 2015 gewahrt, soweit die Renten innert fünf Jahren nach Zustellung des Vorbescheids erstattet wurden. Ausbezahlt werden Renten in der Regel bis zum 20. Tag des entsprechenden Monates (vgl. Art.
82 Abs.
1 IVV in Verbindung mit Art.
72
der Verordnung über die Alters- und Hi
nterlassenenversicherung,
AHVV).
Der Auszahlungszeitpunkt der Leistung ist für die Rückforderungsfrist von fünf Jahren entscheidend (E. 2; Urteil des Bundesgerichts
9C_34/2018 vom
4.
Dezember 2018 E. 1.1
mit Hinwei
sen). Die Auszahlung der Renten durch die AZA erfolgt jeweils am 2. oder 3. des jeweiligen Monats, so auch im Oktober 2013 (Urk. 18).
Entsprechend ist der Rückerstattungsanspruch bezüglich der Rentenbetreffnisse November 2013 bis September 2015 nicht verwirkt. Was den Rückerstattungs
anspruch bezüglich der im Oktober 2013 ausbezahlten Rente im Betrag von Fr. 2'447.-- anbelangt, erfolgte die Auszahlung spätestens am 3. Oktober 2013, was die Verwirkung des Rückerstattungsanspruchs in diesem Umfang nach sich zieht.
In masslicher Hinsicht
ist
die
Rückforderung
für die zu Unrecht ausbezahlten Renten - abgesehen vom Vorbringen der Verwirkung (vgl. E. 3.2, E. 3.4, E. 5.2 vorstehend) - grundsätzlich un
bestritten und aufgrund der Akten ausgewiesen
(vgl. Urk. 2, Urk.
7/
59-62)
.
Hingegen beschlägt die in der Rückforderungsverfügung aufgeführte Verzugs
zinszahlung von Juni 2011 in der Höhe von Fr. 697.-- (vgl. Urk. 2 S. 1 Mitte) eine dem Beschwerdeführer anlässlich der ursprünglichen
Rentenzusprache
vom
16.
Juni 2011
für die rückwirkenden Leistungen ab 1. März 2009 ausgerichtete Verzugszinszahlung, welche ihm vor dem 12. Oktober 2013 ausgerichtet worden ist und deren Rückforderung daher verwirkt ist (E. 2).
Damit reduziert sich der Rückforderungsbetrag um die Verzugszinszahlung von Juni 2011 im Umfang von Fr. 697.-- und den verwirkten Rückerstattungs
anspruch betreffend die Rentenzahlung für Oktober 2013 von Fr. 2'447.--. Zusammengefasst ist der angefochtene Entscheid in teilweiser Gutheissung der Beschwerde dahingehend abzuändern, als festzustellen ist, dass der Beschwerde
führer zu Unrecht ausgerichtete Rentenleistungen vom 1. November 2013 bis 30. September 2015 im Betrag von Fr. 71’077.-- zurückzuerstatten hat. Im Übri
gen ist die Beschwerde abzuweisen.
6.
Da es im vorliegenden Verfahren um die Bewilligung oder Verweigerung von IV-Leistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem Verfahrensaufwand und unabhängig vom Streitwert festzulegen (Art.
69 Abs.
1
bis
IVG) und auf Fr.
800.-- festzusetzen. Ausgangsgemäss sind sie dem Beschwerdeführer
, der lediglich in marginalem Umfang obsiegt, wobei der Rück
erstattungsanspruch der Beschwerdegegnerin im Grundsatz bejaht und fast voll
umfänglich als nicht verwirkt beurteilt wird (E. 5.3 vorstehend),
aufzuerlegen.
Von einem wesentlichen Prozesserfolg kann hierbei nicht gesprochen werden. Entsprechend ist auch auf die Zusprache einer reduzierten Parteientschädigung zu verzichten (vgl. Urteil des Bundesgerichts 9C_254/2018 vom 6. Dezember 2018 E. 3.3).