# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 108c463c-36ef-5e07-a0ad-2e3bc716eb5e
**Court:** BE_VB
**Chamber:** BE_VB_001
**Year:** 2006
**Language:** de
**Jurisdiction:** BE / Espace_Mittelland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** Urban Planning and Environmental

## Facts

I. Sachverhalt
1. Die Stadt Bern reichte am 28. Februar 2005 das Baugesuch ein für den Abbruch der
bestehenden Gleisanlage und Haltestellen sowie die Sanierung und Umgestaltung des
2
Bahnhofplatzes und Bubenbergplatzes (Erneuerung Gleisanlage, Fahrbahn,
Werkleitungen, Haltestellen und Überdachungen [Baldachin]; Abbruch und Umgestaltung
Christoffelunterführung: Erneuerung Ladenpassage, Anlieferung, Treppenaufgänge,
Haustechnikanlage). Das Baugesuch wurde publiziert. Es gingen zahlreiche Einsprachen
ein. Im Anschluss an die Einspracheverhandlungen änderte die Stadt Bern das Projekt am
16. Dezember 2005 in mehreren Punkten. Insbesondere wurde der so genannte Baldachin
soweit verkürzt, dass er im Norden gegen das Bahnhofgebäude nicht mehr die
Nordfassade der Heiliggeistkirche überragt. Zudem stellte die Stadt Bern ein Gesuch für
eine Ausnahmebewilligung für die Anlieferung für die Christoffelunterführung via
Schwanengasse. Das abgeänderte Vorhaben wurde erneut öffentlich aufgelegt. Der
Regierungsstatthalter holte die notwendigen Fachberichte ein. Am 9. März 2006 wurde das
Projekt nochmals in einem kleinen Punkt angepasst.
Der Regierungsstatthalter beauftragte Herrn Professor E._ ein Gutachten
abzufassen bezüglich der Einfügung des Baldachins in das bestehende Ortsbild,
insbesondere bezüglich der Heiliggeistkirche und des Burgerspitals. Die Parteien konnten
sich zu diesem Gutachten äussern. Anschliessend beantwortete der Gutachter ergänzende
Fragen. Am 29. März 2006 nahm das Bauinspektorat der Stadt Bern abschliessend
Stellung und beantragte dem Regierungsstatthalter, die eingereichten Einsprachen
abzuweisen und für das Bauvorhaben unter Vorbehalt bestimmter Bedingungen und
Auflagen eine Ausnahmebewilligung nach Art. 28 des Baugesetzes vom 9. Juni 1985
(BauG, BSG 721.0) und die Gesamtbewilligung zu erteilen.
Der Regierungsstatthalter von Bern fällte den Gesamtbauentscheid am 10. April 2006. Er
erteilte für das Vorhaben die Baubewilligung und die Ausnahmebewilligung nach Art. 28
BauG (Ziffer 1.1. und 1.3). Für den Baldachin in der heutigen Form erteilte er – mit
Ausnahme der für die Befestigung der Fahrleitungen erforderlichen Stützen und
Aufhängevorrichtungen – den Bauabschlag (Ziffern 1.2). Er kam zusammenfassend zu
folgendem Schluss: In Anbetracht des Umstandes, dass der geplante Baldachin zwischen
den geschützten Bauten Heiliggeistkirche und Burgerspital somit an einer Stelle gebaut
werden soll, die aufgrund der bestehenden kantonalen und kommunalen Vorschriften den
höchstmöglichen Schutz verdiene, müssten gewichtige ebenfalls öffentliche Interessen
vorliegen, die einen Eingriff in die geschützte Situation rechtfertigen würden. Das
öffentliche Interesse an der Erstellung eines neuen Eingangstores sei nicht genügend,
einen Verstoss gegen Art. 10b Abs. 1 letzter Satz BauG zu rechtfertigen. Zudem könne der
3
Baldachin so entworfen werden, dass die wichtigsten Einwände aus denkmalpflegerischer
Sicht entkräftet werden könnten (Beschränkung auf den Bahnhofplatz).
2. Die Stadt Bern führt gegen die Verweigerung der Baubewilligung für den Baldachin
Beschwerde und beantragt, die Ziffer 1.2 des Gesamtbauentscheides vom 10. April 2006
aufzuheben und die mit Projektänderung vom Dezember 2005 beantragte Baubewilligung
für den Baldachin zu erteilen. Sie rügt, dass der rechtserhebliche Sachverhalt teilweise
unrichtig oder unvollständig sowie die Rechtsgrundlagen nicht richtig ermittelt worden seien
und dass deshalb die Zulässigkeit des Baldachins rechtsfehlerhaft beurteilt worden sei.
Der Regierungsstatthalter von Bern beantragt, die Beschwerde sei abzuweisen, soweit
darauf eingetreten werden könne. Eventuell sei ein Obergutachten zur Frage der
Denkmalverträglichkeit des Baldachins bei der Eidgenössischen
Denkmalpflegekommission oder bei einer anderen gerichtlich zu bestimmenden
Fachinstanz einzuholen und gestützt darauf die Denkmalverträglichkeit des Baldachins neu
zu beurteilen. Die Kirchgemeinde B._ und die Kirchgemeinde D._ stellen
ebenfalls den Antrag, die Beschwerde abzuweisen, soweit darauf einzutreten sei.
Das Rechtsamt, welches die Beschwerdeverfahren für die Bau-, Verkehrs- und
Energiedirektion (BVE) leitet, edierte bei der Stadt Bern und beim Bundesamt für Kultur
Akten betreffend die Altstadt von Bern als „World Heritage“ der United Nations Educational,
Scientific and Cultural Organisation (UNESCO), ersuchte die Stadt Bern und den
Regierungsstatthalter um die Zustellung weiterer Akten betreffend den Baldachin und
räumte beiden Behörden die Gelegenheit ein, Aussagen in ihren Rechtsschriften genauer
zu begründen und zu belegen. Die Kirchgemeinde D._ wurde zudem ersucht, ihre
Beschwerdelegitimation zu begründen. Die Parteien konnten zum Beweisergebnis Stellung
nehmen und Schlussbemerkungen einreichen.
3. Die Stimmberechtigten der Stadt Bern haben am 5. Juni 2005 in einer
Variantenabstimmung den Kredit für den neuen Bahnhofplatz in der Variante Baldachin mit
63 % Ja–Stimmen angenommen. Die Variante mit Einzeldächer fand keine Mehrheit.
4
Gegen den Gesamtbauentscheid des Regierungsstatthalters von Bern vom 10. April 2006
ist eine weitere Beschwerde eingereicht worden. Die Beschwerdeführenden rügen darin
indessen nicht den Baldachin, sondern die Erschliessungsanlagen in der Schwanengasse.

## Considerations

II. Erwägungen
1. Die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion (BVE) prüft die
Eintretensvoraussetzungen von Amtes wegen.
a) Der Regierungsstatthalter von Bern hat einen Gesamtentscheid nach Art. 9 des
Koordinationsgesetzes vom 21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) gefällt. Dieser kann,
unabhängig von den geltend gemachten Einwänden, einzig mit dem für das Leitverfahren
massgeblichen Rechtsmittel angefochten werden (Art. 11 Abs. 1 KoG). Leitverfahren ist
das Baubewilligungsverfahren (Art. 5 Abs. 1 KoG). Nach Art. 40 des Baugesetzes vom 9.
Juni 1985 (BauG, BSG 721.0) können Entscheide, welche in diesem Verfahren ergangen
sind, bei der BVE angefochten werden. Die Beschwerdebefugnis richtet sich im
koordinierten Verfahren nach der besonderen Gesetzgebung (Art. 10 KoG).
b) Die Beschwerdeführerin ist als Baugesuchstellerin zur Beschwerde gegen den
Bauabschlag befugt (Art. 40 Abs. 2 BauG).
Partei im Beschwerdeverfahren ist auch, wer bereits vor der Vorinstanz Parteirechte
ausübte und dies weiterhin tun will (Art. 12 Abs. 2 Bst. a des Gesetzes über die
Verwaltungsrechtspflege vom 23. Mai 1989, VRPG; BSG 155.21; vgl. auch Art. 40 Abs. 2
BauG). Beide Beschwerdegegnerinnen haben im Baubewilligungsverfahren Einsprache
erhoben und sich damit als Partei konstituiert. Beide haben erklärt, sich auch als Partei am
Beschwerdeverfahren zu beteiligen. Die Beschwerdegegnerin 1 ist Grundeigentümerin der
Parzelle Gbbl. Nr. F._, auf der sich die Heiliggeistkirche befindet. Sie ist deshalb
durch das Bauvorhaben unmittelbar in eigenen schutzwürdigen Interessen betroffen (Art.
35 Abs. 2 Bst. a BauG; vgl. auch Art. 38 Abs. 1 Bst. a des Gesetzes über die
Denkmalpflege vom 8. September 1999, Denkmalpflegegesetz, DPG; BSG 426.41). Die
Beschwerdegegnerin 2 bringt vor, sie sei in ihren eigenen schutzwürdigen Interessen
betroffen. Sie begründet diese Betroffenheit mit folgenden Argumenten: Sie sei eine
5
Körperschaft des öffentlichen Rechts und zur Wartung der ihr von der
Gesamtkirchgemeinde zur Benutzung zugewiesenen Heiliggeistkirche zuständig. Ihr
Exekutivorgan entscheide über die Benützung der Liegenschaften und Orgeln. Es sei
zuständig für den „Betrieb“ der Kirche (u.a. Gottesdienste, Konzerte und andere kulturelle
Veranstaltungen). In die Kompetenz ihres Exekutivorgans falle auch die Abwehr
unberechtigter Eingriffe inner- und ausserhalb der Kirche. Die Beschwerdegegnerin 2
macht nicht geltend, sie habe die Heiliggeistkirche von der Beschwerdegegnerin 1 gemietet
oder gepachtet. Indessen bestehen gestützt auf das Organisationsrecht der beiden
Kirchgemeinden dennoch bestimmte Rechte und Pflichten der Beschwerdegegnerin 2,
welche eine hinreichende Betroffenheit für eine Beschwerdelegitimation begründen.
c) Die Beschwerdeführerin beantragt nur die Aufhebung von Ziffer 1.2 des
Gesamtbauentscheides vom 10. April 2006. Streitgegenstand und damit auch Gegenstand
des vorliegenden Beschwerdeverfahrens ist somit allein die Verweigerung der
Baubewilligung für den Baldachin.
d) Die übrigen Eintretensvoraussetzungen sind erfüllt. Auf die Beschwerde ist
einzutreten.
2. Umstritten ist, ob der Baldachin die Ästhetikvorschriften einhält, insbesondere ob er die benachbarten Baudenkmäler (Burgerspital und Heiliggeistkirche) beeinträchtigt.
a) Nach Art. 9 Abs. 1 BauG dürfen Bauten und Anlagen die Orts- und Strassenbilder
nicht beeinträchtigen. Für Baudenkmäler wird in Art. 10b BauG das
Beeinträchtigungsverbot ausdrücklich normiert: Baudenkmäler dürfen durch
Veränderungen in ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden (so genannter
Umgebungsschutz). Die Gemeinden sind befugt, eigene Ästhetikvorschriften zu erlassen,
die über die kantonalen Vorschriften hinausgehen (Art. 9 Abs. 3 BauG). Solche
Vorschriften müssen aber, um eine selbständige Bedeutung zu haben, konkreter gefasst
sein als die kantonalen; sie dürfen Letztere nicht nur allgemein anders umschreiben (BVR
2006 S. 145 E. 2.1).
Die Gemeinde Bern hat in Art. 11 Abs. 1 der Bauordnung vom 1. Januar 2003
(Bauordnung, BO, 721.1) eine allgemeine Ästhetikvorschrift erlassen, die ein positives
6
Einfügungsgebot beinhaltet. Dieses geht über die Anforderungen von Art. 9 Abs. 1 BauG
hinaus (VGE 21724 vom 23.04.2004 E. 4.3 i.S. O.). Nach dieser Vorschrift sind Bauten,
Teile von solchen und bauliche Einrichtungen, die sich in ihrer Erscheinung nicht in das
Stadt-, Quartier- und Strassenbild einfügen oder die Einheitlichkeit der wesentlichen
Merkmale der betreffenden Siedlung nicht wahren, unzulässig. Der Baldachin ist im
Perimeter der oberen Altstadt geplant (vgl. Bauklassenplan von 1955). Für die Altstadt hat
die Gemeinde Bern die allgemeine Ästhetikvorschrift in Art. 122 Abs. 1 BO konkretisiert:
Bei allen baulichen Massnahmen sowie öffentlichen Einrichtungen im Strassenraum ist
dem Charakter der Altstadt in besonderem Masse Rechnung zu tragen. Für die
Bauparzelle gilt deshalb ein qualifiziertes Einfügungsgebot. Bei der Auslegung und
Anwendung dieser kommunalen Ästhetikbestimmungen kann sich die Gemeinde Bern auf
die Gemeindeautonomie berufen (BVR 2005, S. 443 E. 3.3). Diese Autonomie gilt jedoch
nur für die kommunalen Ästhetikbestimmungen und nicht auch für die kantonalen und
bundesrechtlichen Schutzbestimmungen.
b) In einem nächsten Schritt ist zur Beurteilung des qualifizierten städtebaulichen
Einfügungsgebots der Gemeinde und des kantonalen Beeinträchtigungsverbots der
Denkmalschutzbestimmungen das Schutzniveau festzustellen, das für die Bauparzelle
sowie die benachbarten Gebäude gilt.
Internationaler Schutz: Die Altstadt von Bern bis zum Hirschengraben wurde mit Beschluss
des „World Heritage Committee“ der UNESCO am 9. Dezember 1983 gestützt auf das
Kriterium C III („to bear a unique or at least exceptional testimony to a cultural tradition or to
a civilization which is living or which has disappeared”1) mit folgender Begründung zum
„World Heritage“2 erklärt. 3
„While taking account of the significant modification that have been made since it foundation in the 12th Century, the Committee considered that it constituted a positive example of how a medieval urban structure can be adapted to fulfill functions which are increasingly complex, notably the function of a capital city of a modern State.
Der Bahnhof- und Bubenbergplatz sowie die Heiliggeistkirche und das Burgerspital liegen
innerhalb des Perimeters des “World Heritage” (Nomination to the World Heritage List
submitted by Switzerland, 20.12.1982; vgl. auch Office fédéral de la Culture, Rapport
périodique de la Suisse, 16.10.2005, p. 22).
1 http://whc.unesco.org/en/criteria/ 2 http://whc.unesco.org/en/list/267 3 http://whc.unesco.org/archive/repcom83.htm
http://whc.unesco.org/en/criteria/ http://whc.unesco.org/en/list/267 http://whc.unesco.org/archive/repcom83.htm
7
Bundesrechtlicher Schutz: Die Altstadt von Bern vom Zeitglockenturm bis und mit
Burgerspital, das Burgerspital selbst und die Heiliggeistkirche sind im Bundesinventar der
schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung (ISOS) enthalten (Verordnung über
das Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz vom 9. September 1981,
Anhang: Kantonsteil Mittelland, VISOS, SR 451.12; ISOS, Kanton Bern, Amtsbezirk Bern,
BE 3, Bern 1984; vgl. auch ISOS, Kanton Bern, Band 3, Bern Stadt, 2005, veröffentlicht
September 2006, S. 67). Dieses Gebiet und diese Einzelbauten sind der
Aufnahmekategorie A zugewiesen. Diese lautet wie folgt: „Ursprüngliche Substanz von
Bauten und Freiräumen mit ausgeprägten epochenspezifischen oder regionaltypischen
Merkmalen als Ganzheit vorhanden.“ Dieser Kategorie entspricht das Erhaltungsziel A mit
folgendem Wortlaut: „Erhalten der Substanz. Integrales Erhalten aller Bauten, Anlageteile
und Freiräume, Beseitigen störender Eingriffe.“ Das ISOS ist aufgrund der
bundesstaatlichen Kompetenzausscheidung im Bereich des Natur- und Heimatschutzes
und nach der ausdrücklichen Vorschrift von Art. 6 Abs. 2 des Bundesgesetzes über den
Natur- und Heimatschutz vom 1. Juli 1996 (NHG, SR 451) nur bei der Erfüllung von
Bundesaufgaben unmittelbar verbindlich. Die Verweigerung einer Baubewilligung nach
kantonalem Recht ist keine Erfüllung einer Bundesaufgabe (vgl. dazu URP 2005, S. 680 E.
3a). Daran ändert nichts, dass beim Bau des Baldachins wegen den Fahrleitungen für den
öffentlichen Verkehr auch rein technische Normen des Eisenbahnrechts des Bundes zu
beachten sind. Nicht jede Anwendung von Bundesrecht zu Lasten des Natur– und
Heimatschutzrechts ist als eine Erfüllung von Bundesaufgaben im Sinne von Art. 2 NHG zu
verstehen. Vielmehr bedarf es einer Entscheidung, die in Erfüllung von Bundesaufgaben
ergeht und bei deren Fällung die Interessen des Natur– und Heimatschutzes zu wahren
sind (vgl. dazu BGE 100 Ib 445 E. 3; ZBl 1995 S. 144 E. 2a). Dies trifft etwa zu für
Mobilfunkantennen (Verpflichtung zur Erbringung einer Dienstleistung gestützt auf eine
Konzession) und Zivilschutzbauten (gesetzliche Verpflichtung; BGE 131 II 545 E. 2.2). Der
umstrittene Baldachin dagegen wird nicht in Erfüllung einer bundesrechtlichen
Verpflichtung erstellt. Daraus folgt aber nicht, dass dem ISOS vorliegend keine
Verbindlichkeit zukommt. Der Kanton Bern hat das ISOS im Richtplan ausdrücklich als
Grundlageninformation bezeichnet, die in der Planung umzusetzen ist. Das ISOS als
anderes Inventar im Sinne von Art. 13e der Bauverordnung vom 6. März 1985 (BauV; BSG
721.1) gilt daher für die Behörden von Kanton und Gemeinden auch im
Baubewilligungsverfahren zumindest als Empfehlung und ist entsprechend bei der
8
Beurteilung des hier umstrittenen Projekts zu berücksichtigen (VGE 21841 vom 22.09.2004
i.S. S. AG). Für das Burgerspital gilt zudem gestützt auf Bundesrecht eine durch
Grunddienstbarkeit gesicherte Verpflichtung der Eigentümerin, ohne Genehmigung des
Bundes alle Veränderungen am Denkmal zu unterlassen (Verpflichtungsschein und
Dienstbarkeitsvertrag vom 13.4.1984; vgl. auch Art. 13 Abs. 3 NHG). Für die
Aussenrenovation der Heiliggeistkirche ist ein Beitragsgesuch beim Bund hängig.
Kantonaler Schutz: Der Kanton Bern hat die Heiliggeistkirche und das Burgerspital mit
RRB Nr. 5314 vom 24. November 1908 in das kantonale Inventar der Kunstaltertümer
aufgenommen: „Die Heiliggeistkirche in ihrer heutigen Gestalt mit allen ihren Pertinenzien4.“ (Nr. 21); „Das Burgerspital in seiner äusseren, 1734 bis 1742 erhaltenen Gestalt mit dem Brunnen im Hofe.“ (Nr. 26).
Heute gilt für unbewegliche Denkmäler die Baugesetzgebung, soweit das Gesetz über die
Denkmalpflege vom 8. September 1999 (Denkmalpflegegesetz, DPG; BSG 426.41) keine
besonderen Vorschriften enthält (Art. 1 Abs. 2 und Art. 4 Abs. 1 i. V. m. Art. 39 Abs. 1
DPG). Dies ist vorliegend nicht der Fall. Das Burgerspital und die Heiliggeistkirche sind so
genannte K–Objekte, d.h. für sie gilt das Inventar der Stadt Bern als Inventar des Kantons
und zwar mit der kantonalen Bewertung als schützenswert (vgl. dazu Art 13 Abs. 3 BauV;
Genehmigungsbeschluss des Kantonalen Amtes für Kultur vom 12. August 1996).
Schützenswerte Baudenkmäler dürfen – wie bereits erwähnt – durch Veränderungen in
ihrer Umgebung nicht beeinträchtigt werden (Art. 10b Abs. 1 BauG). Die Beschreibung im
Inventar lautet für das Burgerspital: „Ausgedehnteste und bedeutendste alte Spitalanlage
der Schweiz“ und für die Heiliggeistkirche: „Wichtigster protestantischer Kirchenbau der
Schweiz“ (Inventar der oberen Altstadt 1984, Überarbeitung Juni 1994, S. 89 und 320).
Kommunaler Schutz: Nach Art. 127 Abs. 1 BO können die in das kommunale Inventar
aufgenommenen Gebäude und Gebäudegruppen der oberen Altstadt ganz oder teilweise
den Schutzbestimmungen für die untere Altstadt nach Art. 128 bis 130 BO unterstellt
werden. Sowohl die Heiliggeistkirche wie das Burgerspital sind als ganzes Gebäude
geschützt und jenen Schutzbestimmungen unterstellt worden (Inventar der oberen Altstadt
1985, Überarbeitung Juni 1994, S. 89 und 320). Das heisst, das historische Stadtbild und
damit auch das Burgerspital und die Heiliggeistkirche mit ihrer Umgebung sind in ihrer
4 Pertinenz: Zubehör im Rechtssinn. Sache oder Recht als rechtlicher Bestandteil einer anderen Sache (http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~cd2/drw/e/pe/rtin/pertinenz.htm).
9
Eigenart zu erhalten. Sie dürfen in ihrer Erscheinung weder durch Neubauten noch durch
An- und Umbauten oder Renovationen beeinträchtigt werden (Art. 128 Abs. 1 BO).
Insbesondere zu erhalten sind die Fassaden, die gegen öffentliche Verkehrs- oder
Parkanlagen gerichtet oder von solchen Anlagen aus sichtbar sind sowie historisch und
architektonisch wertvolle Rückfassaden und Bauteile (Art. 129 Abs. 1 Bst. b und d BO).
Eine wegen des baulichen Zustandes erforderliche Erneuerung von Bauteilen ist so
auszuführen, dass die Gliederung, die Höhe und Breite der Fassaden sowie die
Dachgestaltung das bisherige Altstadt- und Strassenbild nicht beeinträchtigen (Art. 129
Abs. 3 BO).
Das umstrittene Bauvorhaben hat somit dem qualifizierten Einfügungsgebot nach Art. 11
und 122 BO zu entsprechen und darf auch das Burgerspital und die Heiliggeistkirche sowie
das historische Stadtbild nicht beeinträchtigen. Für die Einordnung in das Stadtbild ist
insbesondere die Gestaltung und Anordnung folgender Elemente massgebend: Standort,
Stellung und Form (Baukubus und Dach) der Baute; Gliederung der Aussenflächen
(Fassaden und Dach); Material und Farbe; Aussenraum, insbesondere die Begrenzung
gegenüber dem Strassenraum (Art. 11 Abs. 2 BO). Eine Beeinträchtigung ist gegeben,
wenn ein Bauvorhaben einen Gegensatz zur bestehenden Überbauung schafft, der
erheblich stört (BVR 2006 S. 145 E. 2.1).
3. Die Vorinstanz hat mit Einverständnis der Parteien bei Herrn Prof. Dr. E._
ein Gutachten in Auftrag gegeben.
a) Der Gutachter kam zusammenfassend zu folgenden Schlüssen: „Das von seinen Verfassern „Baldachin“ genannte Bauwerk fügt sich in das bestehende Ortsbild und vor allem auch in Bezug auf die prominenten Baudenkmale „Heiliggeistkirche“ und „Burgerspital“ nicht günstig ein, sondern wird sich mit Sicherheit störend auf Wahrnehmung und Wirkung des denkmalpflegerischen Kontextes auswirken. Die städtebaulichen, architektonischen und funktionalen Grundannahmen und die sehr geringen, offensichtlich kaum angestellten denkmalpflegerischen Rücksichten des Projektes machen nachbessernde Massnahmen schwierig und wenig Erfolg versprechend. Unter dieser Einschränkung bietet sich dennoch die Reduktion des Bauwerks, allerdings nur als Symptombekämpfung, an. Eine genaue Analyse des historischen Kontextes einerseits und der Grundprinzipien des Neubauentwurfs andererseits lassen den sicheren Schluss zu, dass hier auf hohem architektonischem Niveau der gänzlich falsche Weg eingeschlagen wurde.“
Er begründet dies mit folgenden Argumenten: Im Zusammenhang mit dem neuen
Bahnhofplatz und dem „Baldachin“ sei insbesondere die Überlieferung der vollständigen
mittelalterlichen Gradierung von Plätzen, Hauptgassen, Quergassen und öffentlichen
10
Fussgängerdurchgängen von Bedeutung. Den grossen Berner „Querplätzen“ komme eine
zentrale historische Bedeutung und eine wesentliche aktuelle Aufgabe in der Gliederung
des Stadtkörpers und der Aufnahme wichtiger Funktionen zu. Anders als beim
Kornhausplatz und dem Waisenhausplatz sei dies heute beim Bahnhofplatz nicht mehr
unmittelbar erlebbar. Er schöpfe seine städtebaulichen Möglichkeiten heute nicht aus. Der
Grundgedanke des jetzt vorliegenden Projekts, seine verkehrlichen Funktionen zu ordnen,
ihnen neue Gestalt in der Fläche zu geben und diese neue Gestalt auch dreidimensional
zu unterstreichen und zu interpretieren, liege deshalb zunächst auf der Hand. Die jüngere
Geschichte des Bahnhofplatzes dürfe dabei anregend zur Rate gezogen werden. Der
jetzige städtebauliche Aggregatzustand mit freiem Bahnhofplatz, abgebrochenem
Christoffelturm und als Solitär auf der Platzfläche stehender Heiliggeistkirche stelle jedoch
längst einen historisch gewachsenen Zustand dar, an dessen Veränderung
denkmalpflegerische Vorsicht und architektonische Qualität angelegt werden müsste. Der
Hauptgedanke des Entwurfs sei an sich einfach und nachvollziehbar: In einem ersten
Schritt werde durch die Neuordnung des Verkehrs der Bahnhofplatz wieder zur
Verfügungsfläche für vielfältige Fussgängerbeziehungen gemacht. Die Heiliggeistkirche
werde vom tangentialen Fahrverkehr befreit und zunächst zum freien Solitär auf der neuen
Platzfläche. Der zweite Schritt bestehe darin, diesen frei geräumten Platz als Baufläche für
den Baldachin zu benutzen.
Indessen müsse die Frage erlaubt sein, ob bei einem solchen Gewinn an öffentlicher
städtischer Verfügungsfläche mit einem Bauwerk wie dem Baldachin, der zumindest für die
Wirksamkeit von Heiliggeistkirche und Burgerspital eine Bedrohung darstelle, ein richtiger
Weg in der Ausnützung dieser Fläche gemacht werde. In Grösse und Materialisierung solle
hier etwas entstehen, was die Aufmerksamkeit auf sich ziehen solle. Die Nähe und
Höhenentwicklung zur Heiliggeistkirche sei bedenklich. Mit den höheren Teilen seiner
Wellenform erreiche der geplante Neubau fast die Höhe des Hauptgesimses der
Heiliggeistkirche und damit die städtebauliche Bezugslinie dieses Bauwerks, die für die
Zuordnung neuer Eingriffe zu diesem Baudenkmal entscheidend sei. Der Baldachin setze
mit seiner modischen Form einen momentanen Reiz, obwohl neue Architektur an diesem
Ort, von dieser Grösse und von diesen Kosten als permanentes architektonisches
Stadtelement gültig bleiben müsse. Kritisch zu werten seien die biomorphen, d.h. der
Biologie entlehnten Formen, für die die Verfasser keine Erklärung fänden. Die
Denkmalpflege müsse an diesem Ort für den Beitrag moderner Architektur einen
sensibleren Dialog mit der historischen Situation fordern. Diese denkmalpflegerischen
11
Interessen beschränkten sich nicht auf die Belange von Heiliggeistkirche und Burgerspital.
Genauso wichtig sei die Erlebbarkeit der Topographie, die für die mittelalterliche
Stadtgründung auf ihrem Berggrat konstituierend sei. Die kontinuierliche Öffnung des
städtischen Raumes über die kleine Schanze und die unsichtbare Aare hinweg auf den
südlich gelegenen Hügelzug werde durch den Baldachin abgeriegelt.
Zusammenfassend ist festzuhalten: Der Gutachter erachtet es als richtig, den Bahnhofplatz
entsprechend seinen Funktionen als Verkehrsfläche neu zu ordnen, ihm eine neue Gestalt
als Fläche zu geben und diese Gestalt auch dreidimensional zu interpretieren und zu
unterstreichen. Die dreidimensionale räumliche Gestaltung kann im Interesse eines
klimatischen Schutzes der Fussgängerbewegungen auch in Form einer Bedachung
erfolgen. Dabei ist aber eine dialogische Rücksichtnahme unentbehrlich. Die
Neugestaltung des Platzes und seiner allfälligen Überdachung hat mit ihren Elementen auf
die architektonische Sprache der Umgebung und die umliegenden Baudenkmäler zu
antworten. In Rahmen dieses Dialogs ist auch der älteren und der jüngeren Vergangenheit
angemessen Rechnung zu tragen. Der Gutachter vermisst vor allem diesen Dialog und
kritisiert die Dominanz und die Wirkung des geplanten Baldachins auf die geschützte
Heiliggeistkirche. Seine Kritik richtet sich gegen die nur momentan gültige Form des
Baldachins, seine Höhe im Verhältnis zur Heiliggeistkirche und seine Grösse und
Materialisierung.
b) Die Beschwerdeführerin, ihre zuständigen Fachstellen und die Denkmalpflege des
Kantons Bern konnten zum Gutachten von Herrn Prof. E._ Stellung nehmen:
 Die Denkmalpflege des Kantons Bern äusserte sich wie folgt: Der Gutachter prüfe die
Verträglichkeit des voluminösen Bauwerks mit dem Bahnhofplatz, dessen heutige
Raumform richtigerweise als historisch gesetzt bezeichnet werde, und mit den zwei seit
100 Jahren unter kantonalem Schutz stehenden Bauwerken von nationaler Bedeutung,
der Heiliggeistkirche und dem Burgerspital. Er stelle fest, dass das neue Bauwerk
sowohl den städtischen Raum wie auch die beiden Einzelbauwerke beeinträchtige. Die
Denkmalpflege habe dem Gutachten nichts beizuführen.
 Die Denkmalpflege der Stadt Bern nahm wie folgt Stellung: Das Gutachten nehme eine
korrekte Würdigung des geplanten Vorhabens vor, prüfe dessen Auswirkungen auf
Stadtraum und Umgebung von Heiliggeistkirche und Burgerspital. Es komme zu einer
nachvollziehbaren Schlussfolgerung. Sowohl die Denkmalpflege wie die
12
Denkmalpflegekommission respektierten jedoch den Volksentscheid zum Bau des
Baldachins, weshalb für sie klar sei, dass nur noch Detailkorrekturen am Projekt
vorgenommen werden könnten. – Nachdem der Baldachin im Norden soweit verkürzt
worden war, dass er nicht mehr über die Nordfront der Heiliggeistkirche hinausragt,
erklärte die Denkmalpflege am 9. März 2006, in Berücksichtigung des
Volksentscheides akzeptiere sie das Projekt in dieser überarbeiteten Form.
 Die durch das Tiefbauamt handelnde Stadt Bern holte die zwei folgenden Meinungsäus
 serungen ein und stellte den Antrag, nicht auf das Gutachten von Herrn E._
einzutreten:
Herr Prof. G._, Architekt, äusserte sich namens der Planergemeinschaft Neuer
Bahnhofplatz Bern wie folgt: Das Projekt beeinträchtige die benachbarten historischen
Bauten nicht, spiele den Bahnhofplatz als Gemeinschaftsbereich frei und vermeide es,
den durch die neue Verkehrsführung gewonnenen Raum mit Kleinbauten zu verstellen.
Die Fragestellung und Methodik des Gutachtens werde nicht in Frage gestellt. Seine
Interpretation des Bahnhofplatzes sei aber nicht zwingend. Der Bahnhofplatz sei nicht
historisch gewachsen und die Heiliggeistkirche stehe nicht als Solitär auf dem Platz,
sondern sei als Gassenkirche geplant worden. Die Planergemeinschaft legt
anschliessend die wichtigsten Gedanken dar, die bei der Erarbeitung des Projekts
wegleitend waren: Im Rahmen eines einheitlichen Entwurfes sollte vor dem Bahnhof
ein Platz sowie ein Weg im Stadtraum, nämlich vom Bahnhof zu den Tramhaltestellen,
geschaffen und der Bubenbergplatz gegen die Stadt hin mit einem Tor konsolidiert
werden. Das Aussehen des Baldachins sei weder zufällig noch künstlerisch gewollt,
sondern das Resultat von städtebaulichen, räumlichen und konstruktiv-technischen
Überlegungen. Der Baldachin verleihe dem neuen Bahnhofplatz als wandloses Nicht-
Gebäude seinen besonderen Charakter. Der Blick des Gutachters sei gebannt auf den
Baldachin als Objekt fixiert und blende dessen Rolle im stadträumlichen Kontext aus.
H._, Archäologischer Dienst des Kanton Bern, erläuterte die Entstehung des
Bahnhofplatzes und zog folgenden Schluss für die aktuelle Diskussion: Es könne zu
keiner historischen Zeit von einem Platz gesprochen werden. Erst recht könne nicht
davon gesprochen werden, der Baldachin käme einem Abbruch der Barockbauten
gleich. Ein Schutzdachbau wie der Baldachin dürfe durchaus eine gewisse Präsenz auf
dem Platz haben. Die weitgehend transparente Architektur spiele mit der Welle die
Hauptachse West–Ost frei und betone sie, ohne sich mit dem verlorenen
Christoffelturm anzubiedern.
 Am 20. Februar 2006 reichte die Gemeinde Bern ein Gutachten von Frau I._,
13
Kunsthistorikerin, Basel, ein. Frau I._ kam zum Schluss, eine materielle und
ideelle Beeinträchtigung der baukünstlerisch und denkmalpflegerisch wertvollen
Substanz der Heiliggeistkirche und des Burgerspitals sei nicht zu befürchten. In ihrem
Gutachten legt Frau I._ ausführlich die historische Entwicklung des
Bahnhofplatzes dar, klärt die städtebauliche Funktion des Projekts und stellt fest, dass
dieses durch die Verringerung und Konzentration der heute weit verstreuten Elemente
der Infrastruktur eine Beruhigung der Situation herbeiführe. Das neue Element des
Baldachins werde bei allen offensichtlichen Bemühungen um Leichtigkeit und
Durchlässigkeit der architektonischen Gestaltung als Bauwerk und als neues Element
in Erscheinung treten. Entscheidend für die Zuträglichkeit des Neubaus seien Fragen
der genauen Positionierung und der Proportion. Und hier das richtige Mass zu ermitteln
sei Aufgabe der Fachleute aus Architektur und Denkmalpflege.
c) Die Vorinstanz hat das Gutachten von Herrn Prof. E._ in Anwendung von Art.
19 Abs. 1 Bst. g VRPG in Auftrag gegeben. Zieht die Behörde mangels eigener
Fachkenntnisse einen Experten bei, so ist sie zwar grundsätzlich in der Würdigung des
Gutachtens frei. Weicht sie jedoch von den Folgerungen des Gutachters ab, so hat sie dies
zu begründen. Dabei darf sie nicht ohne triftige Gründe in Fachfragen ihre eigene Meinung
anstelle derjenigen des Experten setzen (BGE 101 V 129 E. 3a; vgl. auch
Merkli/Aeschlimann/Herzog, Kommentar zum bernischen VRPG, 1997, Art. 19 N. 8, sowie
BVR 1998 S. 440, E. 3d). Andererseits rechtfertigt der Umstand allein, dass eine
Stellungnahme von einer Partei eingeholt und in das Verfahren eingebracht wird, nicht
Zweifel an ihrem Beweiswert. Ausschlaggebend für diesen ist grundsätzlich weder die
Herkunft eines Beweismittels noch die Bezeichnung der eingereichten oder in Auftrag
gegebenen Stellungnahme, sondern dessen Inhalt. Die Behörde hat alle Beweismittel,
unabhängig davon, von wem sie stammen, objektiv zu prüfen und danach zu entscheiden,
ob die verfügbaren Unterlagen eine zuverlässige Beurteilung des streitigen
Rechtsanspruchs gestatten (vgl. dazu BGE 122 V 157 E. 1c). Entgegen der Auffassung der
Vorinstanz sind somit alle in den Akten liegenden Stellungnahmen frei zu würdigen.
d) Die Würdigung des Gutachtens und der entsprechenden Stellungnahme ist auf dem
Hintergrund dieser Anforderungen sowie des qualifizierten städtebaulichen
Einfügungsgebots nach Art. 11 und 122 BO und des Beeinträchtigungsverbots der
Denkmalschutznormen von Art. 10b Abs. 1 BauG, Art. 128 Abs. 1 und Art. 129 Abs. 1 Bst.
b BO vorzunehmen.
14
Der Gutachter bestreitet nicht, dass eine Überdachung des Bahnhofplatzes möglich ist.
Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die Form des Baldachins, seine Höhe im
Verhältnis zur Heiliggeistkirche und seine Grösse und Materialisierung. Zudem vermisst er
eine dialogische Rücksichtnahme des Baldachins auf den vorhandenen Kontext. Der
Baldachin antwortet nicht auf die architektonische Sprache der Umgebung und die
umliegenden Baudenkmäler. In Rahmen dieses Dialogs ist auch der älteren und der
jüngeren Vergangenheit angemessen Rechnung zu tragen.
Zu prüfen ist, ob die in Erwägung 3b zitierten Stellungnahmen geeignet sind, das
Gutachten E._ in Frage zu stellen. Dabei ist vorweg festzuhalten, dass weder die
kantonale noch die städtische Denkmalpflege in ihren Stellungnahmen das umstrittene
Projekt umfassend würdigen. Sie begnügen sich weitgehend mit der Feststellung, dass das
Gutachten schlüssig sei. Diese Stellungnahmen können deshalb nicht als eigenständige,
substantielle Fachmeinungen gelten, vermögen aber das Gutachten E._ auch
nicht in Frage zu stellen. Näher zu prüfen sind die übrigen drei Stellungnahmen. Herr
Gutscher nimmt vor allem aus historischer Sicht Stellung. Er äussert sich auch zur Wirkung
eines Schutzdaches und der Welle des Baldachins über der Hauptachse Ost-West. Er
kommt zum Schluss, dass der Baldachin aus dieser Sicht vertretbar sei. Der Baldachin
betone mit seiner Welle gerade die historisch wichtige Hauptachse, die durch die
Spitalgasse und den Bubenbergplatz gebildet werde. Auch Frau Prof. I._ vertritt
gestützt auf eine ausführliche historische Rekonstruktion der Entwicklung des
Bahnhofplatzes die Meinung, eine Beeinträchtigung der Heiliggeistkirche und des
Burgerspitals sei nicht zu befürchten. Sie relativiert diesen Schluss indessen wieder mit
dem Hinweis, die Fragen der Positionierung und der Proportion des Baldachins seien von
den Fachleuten zu beantworten. Herr Prof. G._ hat sich am ausführlichsten mit
dem Gutachten auseinandergesetzt. Zu Beginn kommt er analog der Stellungnahmen
H._ und I._ zum Schluss, dass die heutige Situation auf dem
Bahnhofplatz nicht historisch gewachsen sei. Auch sei die Heiliggeistkirche nicht als
Solitär, sondern als Gassenkirche geplant worden. Anschliessend begründet er den
umstrittenen Baldachin mit den Gedanken, die bei seiner Projektierung wegleitend
gewesen seien. Es solle damit ein Ganzes entwickelt werden, ein Platz und ein Weg im
Stadtraum geschaffen und beides mit einem Tor konsolidiert werden. Weiter erklärte er das
Aussehen des Baldachins mit seinen funktionellen und technischen Anforderungen. Dieses
sei weder zufällig noch allein künstlerisch gewollt, sondern Resultat von städtebaulichen,
15
räumlichen und konstruktiv-technischen Überlegungen. Der Erklärungswert dieser
Argumentation ist mindestens gleich überzeugend wie diejenige des Gutachters. Dass
diese Stellungnahme stärker aus der städtebaulichen Sicht argumentiert als der Gutachter,
der vor allem denkmalpflegerische Aspekte betont, ist nicht zu beanstanden, denn beide
Gesichtspunkte sind bei der Beurteilung des umstrittenen Projekts relevant (vgl. dazu E. 2
am Schluss und E. 3d zu Beginn). Als Zwischenergebnis ist deshalb festzuhalten: In
Würdigung sowohl des Gutachtens wie auch der Stellungnahmen, die dazu abgegeben
wurden, sprechen ungefähr gleich viele Argumente für wie gegen den Baldachin.
4. Ein Entscheid über eine Denkmalschutzmassnahme darf nicht nur im Interesse eines
begrenzten Kreises von Fachleuten getroffen werden. Er muss auch von einem grösseren Teil der Bevölkerung bejaht werden, um Anspruch auf eine gewisse Allgemeingültigkeit erheben zu können (vgl. dazu BGE 120 Ia 270 E. 4 mit Hinweis). In diesem Sinn ist zu
prüfen, welche Bedeutung der Gemeindeabstimmung vom 5. Juni 2005 zukommen kann.
a) Mit der Abstimmung vom 5. Juni 2005 unterbreitete der Stadtrat von Bern den
Stimmberechtigten zwei Kreditbeschlüsse über zwei Varianten für das Projekt Neuer
Bahnhofplatz Bern. Die Variante I sah vor, dass der zentrale Teil des Bahnhofplatzes von
einer leichten Glaskonstruktion, dem Baldachin, überspannt wird. In der Variante II waren
die Treppenaufgänge aus der Unterführung sowie die Tram- und Bushaltestellen mit
Einzeldächern versehen. Der Stadtrat empfahl beide Varianten zur Annahme; bei der
Stichfrage empfahl der Stadtrat, der Variante I den Vorzug zu geben (Botschaft des
Stadtrats an die Stimmberechtigten zur Abstimmung vom 5. Juni 2005, S. 19 ff.). Die
Stimmberechtigten hiessen die Variante Baldachin mit 63% Ja-Stimmen gut, wogegen die
Variante II keine Mehrheit fand.
b) In der Lehre ist anerkannt, dass das Finanzreferendum die Funktion des so
genannten Verwaltungsreferendums übernehmen kann. Das Verwaltungsreferendum ist
das Recht eines politischen Staatsorgans, des Parlaments oder des Volks, mittels eines
Mehrheitsbeschlusses über einen Verwaltungsakt zu entscheiden (vgl. dazu Alfred Kölz,
Ausbau des Verwaltungsreferendums?, SJZ 1981, S. 53 ff., S. 55 f.). Obwohl die
Stimmberechtigten der Gemeinde Bern am 5. Juni 2005 nur über die Finanzierung des
Projekts „Neuer Bahnhofplatz Bern“ abgestimmt haben, kann dieser demokratische
Mitbestimmungsakt auch als eine Willensäusserung zu sachlichen Fragen, insbesondere
16
zur Frage, ob der Baldachin mit den Ästhetikbestimmungen und den
Denkmalschutzvorschriften vereinbar ist oder nicht, angesehen werden. Voraussetzung
dazu ist allerdings, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihren Entscheid auf der
Grundlage einer umfassenden Information treffen konnten. Umfassende und sachliche
Information in Bezug auf die Rahmenbedingungen sowie über die positiven wie auch über
die negativen Auswirkungen des Projekts sind notwendig. Solche Informationen haben vor
allem die Behörden in den offiziellen Abstimmungsunterlagen zu liefern. Sie können kurz
sein. Ergänzend dazu kann auch den Massenmedien eine Informationsfunktion zukommen
(vgl. dazu z.B. Pierre Tschannen, Stimmrecht und politische Verständigung,
Basel/Frankfurt a. M. 1995, S. 102 ff.; Daniel Kolb, Grossprojekte als Demokratieproblem,
Zürich 1999, S. 160 ff.).
c) Die Beschwerdeführerin macht geltend, die Stimmberechtigten hätten nach einer
langjährigen Entscheidfindung und einer langjährigen politischen Auseinandersetzung der
umfassenden Sanierung und Neugestaltung des Bahnhofplatzes zugestimmt. Die
denkmalpflegerischen Fragen seien im Vorfeld der Abstimmung auch in den Medien
thematisiert worden.
Eine Rekonstruktion dieser Geschichte aufgrund der Akten ergibt folgendes Bild: Im Jahre
2001 führte die Gemeinde einen Projektwettbewerb Bahnhofplatz Bern durch. Das
Siegerprojekt sah bereits ein Dach über dem neu gestalteten Bahnhofplatz vor. Dieses
Dach war aber mit dem später entworfenen Baldachin nicht vergleichbar. 2002 bewilligten
die Stimmberechtigten einen Kredit für die Projektierung des Vorhabens. Auf das geplante
Glasdach wurde verzichtet. Im Herbst 2002 bezeichnete der Gemeinderat das neue
Gestaltungskonzept „Baldachin“ als wegleitend für die Weiterprojektierung. Anlässlich einer
Sitzung vom 10. Dezember 2002 beurteilte der Vertreter der städtischen Denkmalpflege
den vorgeschlagenen Baldachin als unproblematisch. In der Folge zeigte die öffentliche
Diskussion, dass die Dachgestaltung zu einem problematischen Punkt des Projekts
geworden war. Die Denkmalpflegekommission der Stadt Bern nahm in der Folge an ihrer
Sitzung vom 17. März 2004 zum Baldachin Stellung: Sie stellte fest, dass das vorgesehene
Dach eine erhebliche Beeinträchtigung des Burgerspitals, vor allem aber der
Heiliggeistkirche bedeute. Sie verlangte, dass das Projekt auch dem Bundesamt für Kultur
zur Prüfung einzureichen sei. Dieses Amt äusserte sich am 24. Dezember 2004 wie folgt:
Der Überdachung des Platzes könne es nicht zustimmen. Diese beeinträchtige das
Ensemble von Heiliggeistkirche und Burgerspital. Die räumliche Qualität des
17
Bahnhofplatzes werde wesentlich durch das Gegenüber der zwei Baudenkmäler bestimmt.
Diese Beziehung durchtrenne der Baldachin in seiner vorgesehenen Ausdehnung. Es sei
deshalb der Auffassung, dass insbesondere im nördlichen Teil des Platzes auf die
Überdachung zu verzichten sei. Die Beschwerdeführerin macht geltend, wie sich aus dem
Schreiben ergebe, habe vorgängig eine Besprechung mit dem Bundesamt für Kultur
stattgefunden. Dabei hätten die Vertreter dieses Amtes festgehalten, den Vorbehalten
gegen das Projekt sei dann nicht weiter Rechnung zu tragen, wenn sich die
Stimmberechtigten der Stadt Bern zugunsten des Vorhabens entscheiden sollten. Es kann
offen bleiben, ob das Bundesamt für Kultur diese Einschränkung tatsächlich gemacht hat
oder nicht. Im Brief vom 24. Dezember 2004 finden sich jedenfalls keine Anhaltspunkte
dafür. Selbst wenn sie erfolgt sein sollte, könnte sie im vorliegenden Zusammenhang keine
Rolle spielen, denn hier ist allein relevant, welche Abklärungen und Diskussionen im
Vorfeld der Abstimmung vom 5. Juni 2005 bezüglich der Vereinbarkeit des Baldachins mit
den kommunalen Ästhetikbestimmungen und den Denkmalschutzvorschriften erfolgten und
ob die Stimmberechtigten hinreichend informiert wurden oder sich hinreichend informieren
konnten. Die Stimmberechtigten wurden in der Abstimmungsbotschaft über die
Stellungnahmen der Fachinstanzen nicht orientiert. In der Botschaft findet sich nur
folgender Satz zum Verhältnis Baldachin und Denkmalschutz: „Mit der transparenten Gestaltung [des Baldachins] wurde bewusst darauf geachtet, dass Burgerspital und Heiliggeistkirche gut sichtbar bleiben und ihre Wirkung als hervorragende historische Bauwerke nicht geschmälert wird.“ (S. 24)
Auf Aufforderung hin hat die Beschwerdeführerin verschiedene Medienberichte zu den
Akten gereicht, die sich im Vorfeld der Abstimmung auf jenes Thema beziehen: In der
Berner Zeitung vom 25. Mai 2005 legte der Denkmalpfleger des Kantons ausführlich seine
Beurteilung dar und vertrat die Meinung, mit dem grossen Glasdach werde der neu
gewonnene Platz wieder gefüllt; er kritisierte auch die „amorphe Form“ und bezeichnete
diese als „undiszipliniert“. Entgegen der Aussage in der Abstimmungsbotschaft
beeinträchtige das Dach die historischen Bauten empfindlich. An einer öffentlichen
Diskussion meinte ein Stadtrat, das Glasdach verletze die kantonalen
Denkmalpflegevorschriften (Bund vom 11. Mai 2005). Darauf entgegnete – immer gemäss
Bericht im Bund vom 11. Mai 2005 – die zuständige Gemeinderätin, die Bausubstanz der
umliegenden schützenswerten Gebäude, etwa der Heiliggeistkirche, werde nicht tangiert.
Wie jedes andere Gesetz sei das Denkmalpflegegesetz aber der Auslegung unterworfen,
es gebe verschiedene Einschätzungen. Jene Behauptung könne letztlich nur in einem
juristischen Verfahren geklärt werden.
18
Diese Geschichte zeigt, dass die Stimmberechtigten in der Abstimmungsbotschaft zwar nur
sehr knapp über die Frage der Vereinbarkeit des Baldachins mit den Denkmalschutz- und
den städtebaulichen Ästhetikvorschriften informiert wurden. Da indessen bei dieser Frage
auch Wertungen mitspielen und den Behörden immer auch ein bestimmter
Beurteilungsspielraum zusteht, ist die kurze Information trotz der vorgängigen negativen
Stellungnahmen der Fachstellen des Bundes und der Stadt nicht zu beanstanden. Dies
umso weniger, als während längerer Zeit vor der Abstimmung die Frage der Überdachung
des Bahnhofplatzes in der Öffentlichkeit diskutiert und unmittelbar vor dem Volksentscheid
auch in den Medien die Verträglichkeit des geplanten Baldachins mit dem Denkmalschutz
thematisiert wurde. Allein gestützt auf das Ergebnis der Abstimmung kann jedoch nicht
gesagt werden, der Baldachin beeinträchtige die benachbarten Denkmäler nicht und sei mit
Blick auf die städtebaulichen Ästhetikvorschriften unbedenklich. Das Abstimmungsergebnis
ist nur ein weiteres massgebendes Element, das im vorliegenden Fall mehr für den
Baldachin als gegen ihn spricht.
5. Schliesslich ist zu prüfen, ob überwiegende öffentliche Interessen für den Baldachin sprechen.
Anders als ein privates Bauvorhaben, kann der umstrittene Baldachin auch im öffentlichen
Interesse liegen. Die relevanten öffentlichen Interessen bestehen vor allem darin, die
Fussgängerinnen und Fussgänger auf dem Bahnhofplatz, an den Haltestellen des
öffentlichen Verkehrs im Bereich südwestlich der Heiliggeistkirche sowie die
Treppenaufgänge aus den Unterführungen vor Witterungseinflüssen zu schützen. Der
Gutachter E._ sieht zur Erfüllung dieser Interessen andere Möglichkeiten als den
umstrittenen Baldachin, insbesondere die Aufteilung in mehrere Baukörper, die den
räumlichen Gegebenheiten besser angepasst wären, statt sie zu dominieren. Die Variante
mit den Einzeldächern schöpfe diese Möglichkeiten nicht aus. Dem entgegnet Herr Prof.
G._: Eine Aufteilung in einzelne Bauteile würde ein in allen Bereichen anderes
Konzept nach sich ziehen, wobei das Überstellen des Bahnhofplatzes mit Dächlein und
Häuslein keine Lösung darstelle und lediglich die benachbarten Baudenkmäler
verunstalten würde. Den genannten öffentlichen Interessen kann mit einem einzigen Dach
besser entsprochen werden als mit zahlreichen Einzeldächern, die zudem, sollen sie einen
wirksamen Witterungsschutz bieten, von einer gewissen Ausdehnung sein müssen. Die
19
Summe dieser Einzeldächer kann durchaus zu einer viel heterogeneren und damit
störenderen Wirkung führen als der umstrittene Baldachin. Deshalb sprechen auch die
öffentlichen Interessen für diesen und nicht gegen ihn.
6. Eine Gesamtbeurteilung der verschiedenen geprüften Aspekte ergibt folgenden Schluss: Der umstrittene Baldachin muss das qualifizierte Einfügungsgebot der Gemeinde
Bern erfüllen und darf das denkmalpflegerisch motivierte Beeinträchtigungsverbot nicht
verletzen. Dieses Beeinträchtigungsverbot gilt vor allem mit Blick auf die Heiliggeistkirche
und das Burgerspital, die beide unter dem Schutz von Bund, Kanton und Gemeinde
stehen. Das Gutachten E._ kommt zum Schluss, dass der Baldachin sich in das
bestehende Ortsbild und vor allem auch in Bezug auf die genannten Baudenkmäler nicht
günstig einfügt, sondern sich störend auf die Wahrnehmung und Wirkung des
denkmalpflegerischen Kontextes auswirken wird. Die Stellungnahmen H._ und
I._ und vor allem diejenige von G._ vermögen das Gutachten E._
gestützt auf andere, insbesondere historische und städtebauliche Gesichtspunkte insoweit
in Frage zu stellen, als in Würdigung aller Fachmeinungen ungefähr gleich viele Argumente
für wie gegen den Baldachin sprechen. Die Variantenabstimmung vom 5. Juni 2005 über
den Kredit für das Projekt Neuer Bahnhofplatz Bern, in welcher eine Mehrheit der
Stimmberechtigten für den Kredit mit Baldachin gestimmt hat, kann als relevante
Meinungsäusserung der Allgemeinheit zur Frage der Erfüllung des städtebaulichen
Einfügungsgebots und der Einhaltung des Beeinträchtigungsverbots der
Denkmalschutzbestimmungen anerkannt werden. Und schliesslich fallen auch die
berechtigten öffentlichen Interessen, vor allem an einem umfassenden Witterungsschutz, in
die Waagschale für den umstrittenen Baldachin. Aus diesen Gründen widerspricht der
Baldachin den massgebenden Ästhetik- und Denkmalschutzvorschriften nicht.
Klarzustellen ist jedoch Folgendes: Die Gemeinde Bern hat in ihren Schlussbemerkungen
erklärt, sie wolle den Baldachin in Kenntnis des Welterbestatus ihrer Altstadt unabhängig
von allfälligen Diskussionen im Kreis der Organe des Weltkulturerbes realisieren. Bei
dieser Aussage ist die Beschwerdeführerin zu behaften. Es liegt in ihrer Verantwortung zu
entscheiden, ob sie den Baldachin auch ohne Orientierung und Konsultation der
zuständigen Organe der UNESCO verwirklichen will und ob sie damit das Risiko einer
Infragestellung des Status der Altstadt von Bern als Weltkulturerbe eingehen will oder
nicht.
20
7. Die Vorinstanz wendet ein, der Baldachin könne auch deshalb nicht bewilligt werden,
weil die Zustimmung der zuständigen städtischen Fachinstanz nach Art. 17 Abs. 1 des Gesetzes über die Denkmalpflege vom 8. September 1999 (Denkmalpflegegesetz, DPG;
BSG 426.41) nicht vorliege.
Nach Art. 39 Abs. 1 DPG gelten alle Objekte, die gestützt auf das Gesetz vom 16. März
1902 über die Erhaltung der Kunstaltertümer und Urkunden in das Inventar der
Kunstaltertümer aufgenommen worden sind, als unter Schutz gestellt nach den
Vorschriften des DPG. Die Veränderung eines unter Schutz gestellten unbeweglichen
Denkmals ist nur zulässig, wenn die Fachstelle der zuständigen Direktion die
entsprechende Bewilligung erteilt (Art. 17 Abs. 1 DPG). Im Bewilligungsverfahren für die
Veränderung eines Objektes nach Art. 39 Abs. 1 DPG findet das Koordinationsgesetz vom
21. März 1994 (KoG; BSG 724.1) keine Anwendung. Daraus folgt, dass in einem solchen
Fall die Fachstelle und nicht die Baubewilligungsbehörde verfügt (Heidi Walther Zbinden,
im KPG Bulletin 1+2, 2003 April, S. 44).
Nach dem klarem Wortlaut von Art. 17 Abs. 1 DPG ist die Zustimmung nur notwendig,
wenn ein unter Schutz gestelltes unbewegliches Denkmal verändert wird. Aus den
Materialien ergibt sich keine andere Regelungsabsicht. Insbesondere wollte man damit
nicht einen generellen Umgebungsschutz einführen (vgl. dazu Vortrag des
Regierungsrates an den Grossen Rat zum Gesetz über die Denkmalpflege, S. 13). Mit
RRB 5314 vom 24. November 1908 sind das Burgerspital und die Heiliggeistkirche nur als
„Gebäude“ unter Schutz gestellt worden. Ein Umgebungsschutz im Sinne der
Baugesetzgebung wurde nicht verfügt. Durch den Baldachin werden die beiden Gebäude
nicht verändert. Deshalb ist eine Zustimmung nach Art. 17 Abs. 1 DPG nicht notwendig. Im
Übrigen könnte man sich fragen, ob der Vorbehalt nach Art. 39 Abs. 1 DPG im
Beschwerdeverfahren überhaupt gilt, denn das Gesetz spricht nur vom
„Bewilligungsverfahren“. Es lässt sich deshalb die Auffassung vertreten, dass – wie z.B. im
Falle der Ausnahmebewilligungen nach Art. 24 RPG – dieser Vorbehalt für das
Beschwerdeverfahren nicht gilt und dass demzufolge die BVE die Zustimmung nach Art. 17
DPG im Gesamtentscheid erteilen könnte, allerdings nur nach Einholung eines
Amtsberichts der kantonalen Denkmalpflege.
21
8. Die Beschwerdeführerin obsiegt. Die Beschwerdegegnerinnen haben die Abweisung
der Beschwerde beantragt. Deshalb haben sie die Kosten dieses Verfahrens zu tragen (Art. 108 Abs. 1 VRPG). Diese betragen pauschal Fr. 1'400.-- (Art. 103 Abs. 1 VRPG).
Parteikosten sind keine zu sprechen (Art. 104 Abs. 3 VPRG).