# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** c6d34f61-3baf-4483-8667-18604e14c4c5
**Court:** ZH_SVG
**Chamber:** ZH_SVG_001
**Year:** 2015
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** 

## Facts

Sachverhalt:
1.
X._
, geboren 1978,
ist Staatsbürger von
Y._
und reiste am 1
4.
Januar 2008 in die Schweiz ein
(
Urk.
9/3)
. Am 1
9.
Mai 2014 meldete er sich
bei der Eidgenössischen Invalidenversicherung
wegen eines Diabetes Mellitus
für
die berufliche Integration und zum Rentenbezug an (
Urk.
9/2). Die
Sozialver
siche
rungsanstalt
des Kantons Zürich,
IV-Stelle, nahm
daraufhin
erwerbliche und medizinische Abklärungen vor (
Urk.
9/6,
Urk.
9/8). Mit Vorbescheid vom
1.
Septem
ber 2014 stellte sie dem Versicherten die Abweisung des
Leistungsbe
gehrens
in Aussicht, da bei ihm keine Befunde vorlägen, die einen
invaliden
ver
sicherungsrechtlich
relevanten Gesundheitsschaden rechtfertigten (
Urk.
9/10)
,
und entschied mit Verfügung vom 2
3.
Oktober 2014 im Sinne ihres Vorbe
scheids (
Urk.
2).
2.
Hiergegen erhob der Versicherte am 2
1.
November 2014 Beschwerde und bean
tragte, dass ihm eine Invalidenrente zugesprochen werde. Eventualiter bean
tragte er eine Rückweisung
an die Verwaltung
für weitere Abklärungen. Zudem stellte er den Antrag, ihm seien für das Beschwerdeverfahren keine Kosten auf
zuerlegen oder ihm sei die unentgeltliche Prozessführung zu bewilligen (
Urk.
1). Am
9.
Januar 2015 schloss die IV-Stelle in der Beschwerdeantwort auf Abwei
sung der Beschwerde.
Dabei führte sie aus, dass selbst wenn ein Versicherungs
fall eingetreten sei, dies einige Jahre vor der Einreise in die Schweiz der Fall gewesen wäre, weshalb der Versicherte die versicherungsmässigen Vorausset
zungen nicht erfüllen könne (
Urk.
8). Mit Verfügung vom 1
5.
Januar 2015 wurd
e dem Versicherten die unentgeltliche Prozessführung bewilligt und ein zweiter Schriftenwechsel angeordnet (
Urk.
10). Der Versicherte reichte keine Replik ein, was der Beschwerdegegnerin mit Schreiben vom 2
5.
Februar 2014 mitgeteilt wurde (
Urk.
12).
Auf die Vorbringen der Parteien und die eingereichten Unterlagen wird, soweit erforderlich, in den
nachfolgenden
Erwägungen eingegangen.
Das Gericht

## Considerations

zieht in Erwägung:
1.
1.1
Die Beschwerdegegnerin hat in der Beschwerdeantwort eine substituierte Begrün
dung vorgebracht. S
ie brachte neu
vor, der Beschwerdeführer erfülle die ver
sicherungsmässigen Voraussetzungen zum Bezug von Leistungen der Invaliden
versicherung nicht. Der Beschwerdeführer hatte Gelegenheit, mit einer Replik zur
andern Begründung der angefochtenen Verfügung Stellung zu nehmen. Damit
sind die von der Beschwerdegegnerin neu vorgebrachten Argumente zu berück
sichtigen.
1.
2
Laut
Art.
24
Ziff.
1
lit
.
b/
ii des Abkommens über die Rechts
s
tellung der Flücht
linge (Flüchtlingskonvention) gewähren die vertragsschliessenden Staaten den
sich
recht
mässig auf ihrem Gebiet aufhaltenden Flüchtlingen die gleiche Be
hand
lung wie Einheimischen mit Bezug auf die soziale Sicherheit
(unter ande
rem die gesetzlichen Bestimmungen über die Invalidität)
, vorbehältlich der be
sonderen durch die Landesgesetzgebung des Aufenthaltslandes vorgeschriebe
nen Bestim
m
ungen, die Leistungen oder Teilleistungen ausschliesslich aus öf
fentlichen
Mitteln vorsehen, sowie Zuwendungen an Personen, die die Bedin
gungen für die
Auszahlung einer normalen Rente nicht erfüllen.
Mit Blick auf diese
Flücht
lingskonvention
hat der Gesetzgeber den Bundesbeschluss über die Recht
s
stell
ung der Flüchtlinge und Staatenlosen in der Alters-, Hinterlassenen- und Inva
lidenversicherung erlassen (
FlüB
). Nach alter Rechtsprechung war die Anwen
dung
des
FlüB
auf diejenigen Flüchtlinge beschränkt, die in der Schweiz Asyl erhalten ha
tt
en (BGE 115 V 4 E.
2a). Mit BGE 139 II 1
E.
4.3
hat das Bun
des
gericht jedoch entschieden, dass sich gemäss
Art.
59 des Asylgesetzes auch ein vorläufig aufgenommener Flüchtling auf
d
en
FlüB
berufen kann.
Dabei ist zu
beachten, dass es zwei Formen der vorläufigen Aufnahme gibt, nämlich ei
ner
seits
die vorläufige Aufnahme von Ausländern ausserhalb eines
Asylverfah
rens
und
von abgewiesenen Asylbewerbern ohne Flüchtlingseigenschaft sowie anderers
eit
s die vorläufige Aufnahme als Flüchtling (vgl. BGE 121 V
251 E 3b).
Die Be
stim
mungen des
FlüB
sind aber
nur
anwendbar,
wenn
eine Person als Flücht
ling
anerkannt worden ist (Flüchtling
sstatus; Bewilligung F mit Hinweis „Flüchtling
“, vgl. Mitteilung
en
des Bundesamtes für Sozialversicherungen an die
AHV-Aus
gleichskasse
n
und EL-Durchführungsstellen Nr. 327 vom 2
8.
März 2013).
Der Ver
sicherte ist gemäss seine
r Bewilligung F
als Ausländer und nicht als Flücht
ling vorläufig aufgenommen
worden (
Urk.
9/3)
, weshalb d
er
FlüB
nicht zur An
wendung gelangt.
1.
3
Ein Sozialversicherungsabkommen zwischen
Y._
, dem Heimatstaat des Ver
sicherten, und der Schweiz besteht nicht (vergleiche zu den bestehenden Staats
verträgen im Bereich der Alters-, Hinterlassenen
-
und Invalidenversicherung SR 0.831.1 und SR 0.831.2).
Dami
t richtet sich der Leistungsanspruch des Versi
cherten ausschliesslich nach schweizerischem Recht.
Art.
6
Abs.
2 des Bundes
gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG) bestimmt, dass ausländische Staatsangehörige
in Bezug auf Leistungen der Invalidenversicherung
nur an
spruchsberechtigt sind, solange sie ihren Wohnsitz und gewöhnlichen Aufent
halt in der Schweiz haben und sofern sie bei Eintritt der Invalidität während mindestens eines vollen Jahres Beiträge geleistet oder sich ununterbrochen
während zehn Jahren in der Schweiz aufgehalten haben. In Bezug auf den Rentenanspruch enthält
Art.
36
Abs.
1 IVG weitere Anspruchsvoraussetzungen. Danach haben Versicherte, die bei Eintritt der Invalidität während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet haben, Anspruch auf eine ordentliche Rente der Invalidenversicherung.
1.4
Gemäss
Art.
4
Abs.
2
IVG
gilt die Invalidität als eingetreten, sobald sie die für die Begründung des Anspruchs auf die jeweilige Leistung erforderliche Art und Schwere erreicht hat. Im Falle einer Rente gilt die Invalidität in dem Zeitpunkt als eingetreten, in dem der Anspruch nach
Art.
28
Abs.
1 IVG entsteht.
An
spruch auf eine Rente haben gemäss
Art.
28
Abs.
1 IVG Versicherte, die:
a.
ihre Erwerbsfähigkeit oder die Fähigkeit, sich im Aufgabenbereich zu betäti
gen, nicht durch zumutbare Eingliederungsmassnahmen wieder herstellen, erhalten oder verbessern können;
b.
während eines Jahres ohne wesentlichen Unterbruch durchschnittlich mindes
tens 40 % arbeitsunfähig (
Art.
6 ATSG) gewesen sind; und
c.
nach Ablauf dieses Jahres zu mindestens 4
0 % invalid (
Art.
8 ATSG) sind.
1.
5
Invalidität ist die voraussichtlich bleibende oder längere Zeit dauernde ganze
oder teilweise Erwerbsunfähigkeit (Art. 8 Abs. 1 des Bundesgesetzes über das All
gemeine Sozialversicherungsrecht [ATSG]). Erwerbsunfähigkeit ist der durch Be
e
inträchtigung der körperlichen, geistigen oder psychischen Gesundheit ver
ur
sachte und nach zumutbarer Behandlung und Eingliederung verbleibende ganze oder teilweise Verlust der Erwerbsmöglichkeiten auf dem in Betracht kommen
den ausgeglichenen Arbeitsmarkt (Art. 7 Abs. 1 ATSG). Für die Beur
teilung des Vorliegens einer Erwerbsunfähigkeit sind ausschliesslich die Folgen der gesund
heitlichen Beeinträchtigung zu berücksichtigen. Eine Erwerbsunfä
higkeit liegt zudem nur vor, wenn sie aus objektiver Sicht nicht überwindbar ist (Art. 7 Abs. 2 ATSG).
2.
2.1
Die Augenklinik des
Z._
hielt im
Bericht vom
5.
August 2014
als Diagnose mit Auswirkung auf die Arbeitsfähigkeit einen
Diabetes mel
litus mit nicht proliferativer diabetischer Retinopathie
(aktuell: minimalst per
sistierendes
zystoides
Makula
ö
dem
)
, proliferativer diabetischer Retinopathie mit
diabetischer
Makulopathie
(aktuell: rückläufiges
zystoides
Makulaödem
)
und mit
Cataracta
senilis
(bestehend seit ungefähr zwanzig Jahren anamnestisch)
fest. Bei der Erstvorstellung im Jahr 2009 sei die vorhandene Sehkraft bereits seit zehn Jahren stabil gewesen und habe sich nicht weiter verschlechtert. Aktu
ell
sei aus
ophthalmologischer Sicht keine Arbeitsunfähigkeit
zu attestieren
. Je nach
Jobprofil sei der Versicherte jedoch aus ophthalmologischer Sicht nicht arbeits
fähig. Beim Versicherten bestehe eine beidseitige anatomisch nicht aus
reichend
erklärte
Visusminderung
. Zur
detaillierten
Stellungnahme betreffend die Arbeits
fähigkeit werde eine weiterführende
Abklärung unter
Beizug
eines Dolmetschers empfohlen (
Urk.
9/8).
Der behandelnde Arzt
Dr.
med.
A._
, Facharzt für Allgemeine Medizin und Notfallmedizin, führte am 2
0.
Februar 2014 aus, der Versicherte leide seit 1999 an einem Diabetes mellitus und die Arbeitsfähigkeit sei nicht genau beurteilbar (
Urk.
9/1/2).
Der
Versicherte selbst gab in seiner Anmeldung
bei der Invalidenversicherung
vom 1
9.
Mai 2014 an, seine gesund
heitliche Beeinträchtigung bestehe seit dem Jahr 1996
und
nannte
als behan
delnde Ärzte
Dr.
A._
und die Augenklinik des
Z._
an
(
Urk.
9/2).
Weiter reichte der
Versicherte mit seiner Beschwerde den erwähn
ten Arztbericht der Augenklinik des
Z._
ein, wel
cher sich bereits in den Akten der IV-Stelle befand (
Urk.
3)
.
Es bestehen somit keine
Hinweise auf andere
möglicherweise
die Arbeitsfähigkeit einschränkende
gesund
heitliche
Beschwerden
als die mit dem Diabetes mellitus in Zusammen
hang stehenden Augenbeschwerden.
Diese
vorhandene
gesundheitliche Beein
trächti
gung war bei der Einreise in die Schweiz im Jahr 2008 (
Urk.
9/3) bereits
vor
handen
(
Urk.
9/1/2,
Urk.
9/2,
Urk.
9/8)
2.2
Der Versicherte zahlte in der Schweiz nie AHV-Beiträge ein (
Urk.
9/6). Da der Versicherte im Zeitpunkt eines allfälligen Eintritts des Versicherungsfalls somit
nicht während mindestens drei Jahren Beiträge geleistet hatte, verfügt er mangel
s
erfüllter Beitragszeiten über keinen Anspruch auf eine ordent
liche Invaliden
rente
(vgl.
Art.
36
Abs.
1 IVG)
.
Gemäss
Art.
39
Abs.
3 IVG haben Ausländer und Staatenlose dann
Anspruch auf
eine
ausserordentliche
Invali
denr
ente
,
wenn sie
als Kinder die Voraussetz
ungen von
Art.
9
Abs.
3 IVG erfüllt habe
n
.
Art.
9
Abs.
3 IVG sieht unter be
stim
mten Bedingungen einen Anspruch auf
Eingliederungsmassnahmen
für
a
us
ländische Staatsangehörige mit Wohn
sitz und gewöhnlichem Aufenthalt (Art. 13 ATSG) in der Schweiz
vor
, die das 2
0.
Altersjahr noch nicht vollendet haben
. Der Ver
sicherte
reiste
jedoch
im Alter von 30 Jahren in die Schweiz ein (
Urk.
9/3), wes
halb er die Voraussetzungen von
Art.
39
Abs.
3 in Verbindung mit
Art.
9
Abs.
3 IVG nicht erfüllt
.
Deshalb kann auch
kein Anspruch auf eine
ausserordentliche
Invalidenrente besteh
en
.
Die Beschwerde ist somit abzuweisen.
3.
Da es um die Bewilligung oder
Verweigerung von Versicherungsleistungen geht, ist das Verfahren kostenpflichtig. Die Gerichtskosten sind nach dem
Verfahrens
aufwand
und unabhängig vom Streitwert im Rahmen der gesetzlichen Vorgabe
(
Art.
69
Abs.
1
bis
IVG) auf
Fr.
600.-- anzusetzen. Die Kosten sind dem unterlie
genden Beschwerdeführ
er aufzuerlegen, infolge der ihm
gewährten unentgeltli
chen Prozessführung jedoch einstweilen auf die Gerichtskasse zu nehmen. Der Beschwerdeführer ist darauf hinzuweisen, dass e
r
laut
§
16
Abs.
4 des Gesetzes über das Sozialversicherungsgericht zur Nachzah
lung verpflichtet ist, sobald
e
r
dazu in der Lage ist.