# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 7266ff6b-99f4-45bf-9c6a-e35bbe832e62
**Court:** AG_SVWG
**Chamber:** AG_SVWG_001
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** AG / Northwestern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Gericht entnimmt den Akten:
A.
Der Kanton Aargau (Gesuchsteller) realisiert den Bau eines Gehwegs, ei-
ner Bushaltestelle und einer Lärmschutzwand B (Q. IO K 247). Die Projekte
wurden mit Beschlüssen des Regierungsrats vom 5. September 2012 und
vom 11. Februar 2015 genehmigt (RRB Nr. 2015-000128 und RRB Nr.
2012-001199). Gleichzeitig wurde das Enteignungsrecht erteilt (vgl. § 132
Abs. 1 lit. b des Gesetzes über Raumentwicklung und Bauwesen [BauG;
SAR 713.100] vom 19. Januar 1993 und § 8 Abs. 1 des Dekrets über den
Bau, den Unterhalt und die Kostenverteilung bei Kantonsstrassen [Kan-
tonsstrassendekret, KSD; SAR 715.120] vom 20. Oktober 1971).
B.
Die Rechtserwerbe konnten mit den vom Projekt betroffenen Grundeigen-
tümern, abgesehen von zwei Ausnahmen, vertraglich geregelt werden. Mit
Eingaben vom 6. November 2014 resp. vom 6. Juli 2015 ersuchte das De-
partement Bau, Verkehr und Umwelt (nachfolgend: BVU) um Genehmigung
der zustande gekommenen Verträge und um Einleitung der Enteignungs-
verfahren für die offenen Rechtserwerbe sowie im Verfahren betreffend
Rechtserwerb für Gehweg und Bushaltestelle um vorzeitige Besitzeinwei-
sung.
C.
Bezüglich der Lärmschutzwand wies der Präsident des Spezialverwal-
tungsgerichts, Abteilung Kausalabgaben und Enteignungen (nachfolgend:
SKE), den Stadtrat Q. mit Einschreiben vom 12. Dezember 2014 an, die
Enteignungsakten vom 2. Januar 2015 bis 3. Februar 2015 auf der Ge-
meindekanzlei zur Einsichtnahme zur Verfügung zu halten. Die betroffenen
Grundeigentümer würden direkt angeschrieben und zur Einreichung von
Begehren nach § 152 Abs. 1 BauG aufgefordert (vgl. im Detail 4-
AV.2014.42).
D.
Die A.-Anstalt (nachfolgend: Gesuchsgegnerin) ist Eigentümerin der Par-
zelle aaa im Halte von 557 m2. Sie ist von beiden Bauvorhaben betroffen.
Für das Projekt Gehweg und Bushaltestelle sollten anfänglich 13 m2 abge-
treten und 33 m2 vorübergehend beansprucht werden. Für das Projekt
Lärmschutzwand sollte auf der Parzelle der Gesuchsgegnerin eine Dienst-
barkeit (Baurecht für eine Lärmschutzwand von 13 m2) errichtet und 250
m2 vorübergehend beansprucht werden.
E.
Am 27. August 2015 stellte der Gesuchsteller ein Begehren um Ausdeh-
nung der Enteignung auf die gesamte Parzelle aaa. Er stellte folgende An-
träge:
- 3 -
"1. Die Enteignung ist auf die gesamte Liegenschaft LIG Q. / aaa, im Halte von 557 m2 auszudehnen.
2. Der Staat Aargau ist als neuer Grundeigentümer bei LIG Q. / aaa im Grundbuch einzutragen.
3. Es sei bei LIG Q. / aaa folgende Dienstbarkeit einzutragen: Last:  für eine Lärmschutzwand mit Unterhaltsregelung zugunsten Staat Aargau
4. Die beiden beim Spezialverwaltungsgericht, Abteilung  und Enteignungen eingereichten Begehren (4-AV.2015.17 und 4-AV.2014.42) sind infolge Einreichung dieses Begehrens auf  der Enteignung betr. LIG Q. / aaa hinfällig und können somit abgeschrieben werden.
5. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen zu Lasten des ."
F.
Bezüglich des Gehwegs und der Bushaltestelle wurde der Stadtrat mit Ein-
schreiben vom 28. August 2015 aufgefordert, die Enteignungsakten vom
7. September 2015 bis 6. Oktober 2015 auf dem Stadtbauamt aufzulegen.
Zudem wurde die Auflage am 3. September 2015 im D-Anzeiger und am 4.
September 2015 im Amtsblatt öffentlich publiziert. Darin teilte der Präsident
des SKE der Gesuchsgegnerin mit, dass ein Enteignungsverfahren einge-
leitet werde und allfällige Begehren innert Frist bei der Stadtverwaltung ein-
zureichen seien. Zudem beantrage der Gesuchsteller die vorzeitige Besitz-
einweisung (vgl. im Detail
4-AV.2015.17).
G.
Innert der Auflagefrist stellte die Gesuchsgegnerin keine Begehren, wes-
halb das SKE den Kanton Aargau mit Präsidialverfügung vom 15. Oktober
2015 ermächtigte, per 30. Oktober 2015 vorzeitig den Besitz an der Par-
zelle aaa zu ergreifen. Das Dispositiv der Präsidialverfügung vom 15. Ok-
tober 2015 wurde am 22. Oktober 2015 im D-Anzeiger und am 23. Oktober
2015 im Amtsblatt öffentlich publiziert (vgl. im Detail 4-EV.2015.31).
H.
Am 6. April 2016 hat das SKE den Fall in der besonderen Verfahren vorbe-
haltenen 5er-Besetzung (vgl. § 3 Abs. 5 des Gerichtsorganisationsgeset-
zes [GOG; SAR 155.200] vom 6. Dezember 2011) beraten und das nach-
folgende Urteil gefällt.

## Considerations

Das Gericht zieht in Erwägung:
- 4 -
1.
1.1.
Die Projektbewilligungen mit Erteilung der Enteignungstitel liegen vor (A.).
Die Auflagen haben ordnungsgemäss stattgefunden (C. und F.).
1.2.
Der Kanton Aargau ist als Enteigner befugt, Verfahren der formellen Ent-
eignung einleiten zu lassen (§ 151 BauG).
1.3.
Die Gesuchsgegnerin ist eine liquidierte juristische Person, welche ihren
Sitz im Ausland hatte (S.). Eine Vertretung in der Schweiz und/oder ein
Zustelldomizil sind nicht bekannt. Die Zustellungen müssen daher durch
öffentliche Publikation im Amtsblatt des Kantons erfolgen (§ 15 Abs. 3 des
Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege [VRPG, SAR 271.200] vom
4. Dezember 2007). Dies wurde bereits für die Auflage der Enteignungsak-
ten im Projekt Bushaltestelle/Gehweg und für die Ermächtigung zur vorzei-
tigen Besitzergreifung so gehandhabt (Sachverhalt F. und G.).
Verfügt eine im Grundbuch als Eigentümerin eingetragene juristische Per-
son oder andere Rechtsträgerin nicht mehr über die vorgeschriebenen Or-
gane, so kann jede Person, die ein schutzwürdiges Interesse hat, oder das
Grundbuchamt am Ort des Grundstücks dem Gericht beantragen, die er-
forderlichen grundstücksbezogenen Massnahmen anzuordnen (Art. 666b
des Zivilgesetzbuches [ZGB; SR 210] vom 10. Dezember 1907). Ein ent-
sprechendes Begehren wurde vom Gesuchsteller am 19. Dezember 2014
an das Bezirksgericht Q. gerichtet. Seither ist das Verfahren dort hängig.
Aufgrund der zeitlichen Dringlichkeit (Inbetriebsetzung der Bushaltestelle
auf den Fahrplanwechsel von Mitte Dezember 2015) wurde in Absprache
mit dem geschäftsführenden Bezirksgerichtspräsidenten von Q. das in den
folgenden Erwägungen (Erw. 2. ff.) dargelegte Vorgehen beschlossen.
1.4.