# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 12ab500e-1e08-4c47-a9c5-fbfb85f73aed
**Court:** ZH_OG
**Chamber:** ZH_OG_002
**Year:** 2016
**Language:** de
**Jurisdiction:** ZH / Zürich
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

betreffend Verletzung der Verkehrsregeln
Berufung gegen ein Urteil des Bezirksgerichtes Zürich, 10. Abteilung - Ein-
zelgericht, vom 8. Juni 2016 (GC160215)
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Anklage:
Der Strafbefehl des Stadtrichteramtes der Stadt Zürich vom 17. Juni 2015 ist die-
sem Urteil beigeheftet (Urk. 2).
Urteil der Vorinstanz:
1. Der Einsprecher ist schuldig des Überfahrens der Sicherheitslinie und Über-
holens im Kolonnenverkehr, ohne die Gewissheit zu haben, ohne Behinde-
rung anderer Fahrzeuge wieder einbiegen zu können, im Sinne von Art. 90
Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27 Abs. 1 SVG, Art. 35 Abs. 2 und Abs. 3
SVG sowie Art. 73 Abs. 6 lit. a SSV.
2. Der Einsprecher wird bestraft mit einer Busse von Fr. 300.–.
3. Bezahlt der Einsprecher die Busse schuldhaft nicht, so tritt an deren Stelle
eine Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen.
4. Die Entscheidgebühr wird festgesetzt auf Fr. 600.–. Allfällige weitere Ausla-
gen bleiben vorbehalten.
5. Die Gerichtskosten werden dem Einsprecher auferlegt. Über diese Kosten
stellt die Gerichtskasse Rechnung.
Die Kosten des Stadtrichteramtes Zürich im Betrag von Fr. 830.– (Fr. 330.–
Kosten gemäss Strafbefehl Nr. 2015-034-678 vom 17. Juni 2015 sowie
Fr. 500.– Untersuchungskosten) werden dem Einsprecher auferlegt. Diese
Kosten sowie die Busse von Fr. 300.– werden durch das Stadtrichteramt
Zürich eingefordert.
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Berufungsanträge:
a) Der Verteidigung des Beschuldigten:
(Urk. 36 S. 2)
" 1. Der Beschuldigte sei von Schuld und Strafe vollumfänglich ; eventualiter sei die Sache zur neuen Entscheidung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
2. Die Kosten des Berufungsverfahrens, des erstinstanzlichen  und der stadtrichteramtlichen Untersuchung seien auf die Gerichtskasse zu nehmen bzw. dem Stadtrichteramt zur  zu überlassen.
3. Der Beschuldigte sei für die entstandenen anwaltlichen  zu entschädigen."
b) des Stadtrichteramtes:
(Urk. 41, sinngemäss)
Bestätigung des vorinstanzlichen Urteils
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## Considerations

Erwägungen:
I. Prozessgeschichte und Prozessuales
1.1. Mit Urteil des Bezirksgerichts Zürich, 10. Abteilung – Einzelgericht, vom
8. Juni 2016 wurde der Beschuldigte A._ zusammenfassend wegen mehrfa-
cher Übertretung von Verkehrsvorschriften zu einer Busse von Fr. 300.– verurteilt.
Ferner wurde entschieden, dass an deren Stelle eine Ersatzfreiheitsstrafe von
3 Tagen trete, wenn der Beschuldigte diese Busse schuldhaft nicht bezahle.
Schliesslich befand die Vorinstanz über die Kostenfestsetzung und -auflage
(Urk. 27 S. 14 f.).
1.2. Gegen dieses Urteil meldete der Beschuldigte mit Eingabe vom 15. Juni
2016 rechtzeitig Berufung an (Urk. 23). Am 8. August 2016 ging bei der hiesigen
Kammer fristgerecht die Berufungserklärung ein (Urk. 28, datiert vom 5. August
2016; vgl. auch Urk. 26/2). Das Stadtrichteramt Zürich verzichtete nach Erhalt der
Berufungserklärung des Beschuldigten auf eine Anschlussberufung (Urk. 29, 30/2
und 31). Beweisergänzungen wurden keine beantragt. Mit Beschluss vom 30. Au-
gust 2016 wurde das schriftliche Verfahren angeordnet und dem Beschuldigten
Frist angesetzt, um seine Berufungsanträge zu stellen und zu begründen (Urk.
32). Am 26. September 2016 gingen bei der hiesigen Kammer die Berufungsan-
träge und deren Begründung fristgerecht ein (Urk. 36, datiert vom 23. September
2016; vgl. auch Urk. 33/1) und wurden an das Stadtrichteramt Zürich sowie die
Vorinstanz zugestellt (Urk. 38 f.). Mit Eingabe vom 30. August 2016 reichte der
Beschuldigte das ausgefüllte Datenerfassungsblatt mit diversen Beilagen betref-
fend seine finanziellen Verhältnisse ein (Urk. 34 f.). Die Vorinstanz verzichtete am
29. September 2016 auf eine Vernehmlassung und das Stadtrichteramt Zürich mit
Eingabe vom 3. Oktober 2016 auf eine Berufungsantwort (Urk. 41 f.). Damit er-
weist sich das vorliegende Verfahren als spruchreif.
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1.3. Die Berufung hat im Umfang der Anfechtung aufschiebende Wirkung
(Art. 402 StPO). E contrario erwachsen die nicht von der Berufung erfassten
Punkte in Rechtskraft (SCHMID, StPO-Praxiskommentar, 2. Aufl., Zürich/St. Gallen
2013, N 1 zu Art. 402; vgl. auch Art. 437 StPO). Das Berufungsgericht überprüft
somit das erstinstanzliche Urteil nur in den angefochtenen Punkten (Art. 404
Abs. 1 StPO). Der Beschuldigte beantragte einen Freispruch von jeglicher Schuld
(Urk. 36 S. 2). Insofern ist das vorinstanzliche Urteil in allen Punkten zu überprü-
fen.
2. Bilden allerdings – wie im vorliegenden Fall – ausschliesslich Übertretungen
Gegenstand des erstinstanzlichen Hauptverfahrens, so kann mit der Berufung nur
geltend gemacht werden, das Urteil sei rechtsfehlerhaft oder die Feststellung des
Sachverhaltes sei offensichtlich unrichtig oder beruhe auf einer Rechtsverletzung.
Neue Behauptungen und Beweise können nicht vorgebracht werden (Art. 398
Abs. 4 StPO).
2.1. Betreffend den Sachverhalt hat das Berufungsgericht konkret nur zu prüfen,
ob dieser durch die Vorinstanz offensichtlich unrichtig, d.h. willkürlich, festgestellt
wurde. Relevant sind dabei klare Fehler bei der Sachverhaltsermittlung, wie na-
mentlich Versehen, Irrtümer oder offensichtliche Diskrepanzen zwischen der sich
aus den Akten sowie der Hauptverhandlung ergebenden Beweislage auf der ei-
nen und der Urteilsbegründung auf der anderen Seite. Weiter in Betracht kommen
insbesondere Fälle, in denen die gerügte Sachverhaltsfeststellung auf einer Ver-
letzung von Bundesrecht, in erster Linie von Verfahrensvorschriften der StPO
selbst, beruht. Gesamthaft gesehen sind Konstellationen relevant, die als willkür-
liche Sachverhaltserstellung zu qualifizieren sind (vgl. SCHMID, a.a.O., N 12 f. zu
Art. 398; BSK StPO - EUGSTER, N 3 zu Art. 398 StPO; Urteil BGer vom 6. März
2012 [6B_696/2011], E. 2.1). Willkür bei der Beweiswürdigung liegt vor, wenn der
angefochtene Entscheid offensichtlich unhaltbar ist oder mit der tatsächlichen Si-
tuation in klarem Widerspruch steht. Dass eine andere Lösung oder Würdigung
ebenfalls vertretbar erscheint oder gar vorzuziehen wäre, genügt nicht
(vgl. BGE 134 I 140 E. 5.4 mit Hinweisen). Das Berufungsgericht darf und muss
sich in Sachverhaltsfragen auf eine Willkürprüfung beschränken und hat keine er-
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neute Beweiswürdigung vorzunehmen (vgl. Urteil BGer vom 6. März 2012
[6B_696/2011], E. 4.1).
2.2. Weiter wird das angefochtene Urteil auf Rechtsverletzungen bei der durch
die Vorinstanz vorgenommenen rechtlichen Würdigung überprüft. Dabei liegt kei-
ne Einschränkung der Überprüfungsbefugnis vor; sämtliche Rechtsfragen sind mit
freier Kognition zu prüfen, und zwar nicht nur materiellrechtliche, sondern auch
prozessuale (vgl. HUG, in: DONATSCH/HANSJAKOB/LIEBER, Kommentar zur StPO,
2010, N 23 zu Art. 398).
3. Somit ist im Folgenden zu überprüfen, ob die vom Beschuldigten vorge-
brachten Beanstandungen von der oben dargelegten Überprüfungsbefugnis ge-
deckt sind, und gegebenenfalls, ob das vorinstanzliche Urteil auf willkürlicher
Sachverhaltsfeststellung oder auf Rechtsverletzungen beruht.
II. Sachverhalt
1. Der inkriminierte Sachverhalt kann dem angehängten Strafbefehl des Stadt-
richteramtes Zürich vom 17. Juni 2015 (Urk. 2) sowie dem Urteil der Vorinstanz
(Urk. 27 S. 3 f.) entnommen werden.
2. Die Vorinstanz kam in Würdigung der zur Verfügung stehenden Beweise zur
Erkenntnis, dass der inkriminierte Sachverhalt erstellt sei (Urk. 27 S. 4 ff.). Dabei
konnte sie sich neben den Aussagen des Beschuldigten (Urk. 11; Prot. I S. 4 f.)
auf die vom Polizeibeamten B._ rapportierten Feststellungen (Urk. 1) sowie
auf dessen Zeugenaussage (Urk. 12) stützen, die sie allesamt zusammengefasst
und korrekt wiedergegeben hat (Urk. 27 S. 8 - 10). Hierauf kann zur Vermeidung
von Wiederholungen vorab verwiesen werden (Art. 82 Abs. 4 StPO). Den Akten
liegen des Weiteren sowohl dem Beschuldigten als auch dem Zeugen B._
anlässlich der jeweiligen stadtrichterlichen Einvernahme vom 10. März 2016 vor-
gehaltene Übersichtspläne der Tatörtlichkeit bei (Urk. 11 Anhang; Urk. 12 An-
hang). Der Zeuge B._ reichte schliesslich anlässlich der genannten Einver-
nahme in Anwesenheit des Beschuldigten eine "Geschäftsliste" von allen am
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7. Mai 2015 zwischen 15.17 Uhr und 16.14 Uhr an der Tatörtlichkeit erfassten
Verzeigungen ein (Urk. 12 Anhang).
3. Der Beschuldigte macht in der Berufungserklärung vom 5. August 2016 und
seiner Berufungsbegründung vom 23. September 2016 zusammenfassend gel-
tend, dass das vorinstanzliche Urteil in mehreren Punkten auf einer offensichtlich
unrichtigen und auf Rechtsverletzung beruhenden Sachverhaltsfeststellung grün-
de (Urk. 28 S. 2; Urk. 36 S. 2). Nach wie vor gesteht er zwar ein, am 7. Mai 2012
sein Motorrad auf der Rämistrasse stadtauswärts gelenkt und auf Höhe der
Rämistrasse 100 um ca. 15.52 Uhr ein Fahrzeug von links überholt zu haben.
Er bestreitet aber weiterhin, dass er mehrere Fahrzeuge überholt und dabei die
Sicherheitslinie überfahren habe. Im Folgenden ist auf die einzelnen Rügepunkte
einzugehen.
3.1. Der Beschuldigte lässt beanstanden, dass die Vorinstanz unter Verletzung
des Grundsatzes "in dubio pro reo" und des Willkürverbots auf die Angaben des
Polizeibeamten B._ im Polizeirapport vom 8. Mai 2015 und anlässlich seiner
Zeugeneinvernahme vom 10. März 2016 abgestellt habe. Der Zeuge habe sich
anlässlich der stadtrichterlichen Einvernahme an den konkreten Vorfall nicht mehr
erinnern können, so dass die im Polizeirapport festgehaltene Sachverhaltsum-
schreibung nicht habe bestätigt werden können. Dies sei entgegen der Vorinstanz
auch nicht mit einer allgemein gefassten Beschreibung des Standardprozederes
bei solchen Kontrollen, welche der Zeuge anlässlich seiner stadtrichterlichen Ein-
vernahme abgegeben habe, rechtsgenügend erfolgt. Nichtsdestotrotz habe die
Vorinstanz dem Polizeirapport und den Zeugenaussagen von B._ zu hohe
Beweiskraft beigemessen und sei willkürlich zum Schluss gekommen, dass des-
sen Aussagen als Zeuge glaubhaft seien, obwohl er den konkreten Sachverhalts-
ablauf überhaupt nicht mehr habe beschreiben können (Urk. 28 S. 3; Urk. 36 S. 4,
8 f.; so auch vor Vorinstanz, vgl. Urk. 19 S. 3).
Der Verteidigung ist zwar darin zuzustimmen, dass der Zeuge B._ an-
lässlich seiner stadtrichterlichen Einvernahme das Verhalten des Beschuldigten
am Tattag nicht konkret beschreiben konnte. Er konnte sich im Detail nicht mehr
daran erinnern. Der Verteidiger scheint allerdings auszublenden, dass es sich bei
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einem Polizeirapport um eine von der Polizei als Strafverfolgungsbehörde zu-
sammengetragene Akte handelt, mithin um ein zulässiges Beweismittel (Art. 12
lit. a StPO, Art. 15 StPO, Art. 100 Abs. 1 lit. b StPO und Art. 139 Abs. 1 StPO;
vgl. Urteil BGer vom 19. Mai 2014 [6B_1057/2013], E. 2.3 m.w.H.). Dies gilt umso
mehr bei Massendelikten wie dem vorliegenden. Ferner lässt die Verteidigung
auch unberücksichtigt, dass der Zeuge B._ in der genannten stadtrichter-
lichen Einvernahme sinngemäss bestätigte, den im Rapport gegen den Beschul-
digten vermerkten Sachverhalt so auch beobachtet zu haben. Mehrmals betonte
er, dass er das nicht so rapportiert hätte, wenn er dies selber nicht auch gesehen
hätte (Urk. 12 Nr. 7 und 10). Bei dieser Einvernahme war der Beschuldigte anwe-
send und konnte von seinem Anspruch auf rechtliches Gehör, insbesondere von
seinem Recht auf Konfrontation und auf Stellen von Ergänzungsfragen uneinge-
schränkt Gebrauch machen. Der vom Zeugen B._ erstellte Polizeirapport
vom 8. Mai 2015 ist damit mit der in Anwesenheit des Beschuldigten durchgeführ-
ten Zeugeneinvernahme von B._ und der dabei erfolgten Bestätigung dessen
Wahrheitsgehaltes uneingeschränkt verwertbar und voll beweiskräftig (vgl. Urteil
BGer vom 3. März 2014 [6B_510/2013], E. 1.3.2). Deshalb durfte die Vorinstanz
auf die darin gemachten Ausführungen von B._ abstellen, ohne den Grund-
satz in dubio pro reo, den Anspruch auf ein faires Verfahren und das Willkürverbot
zu verletzen. Verdeutlichend sei darauf hinzuweisen, dass die Vorinstanz dabei in
Bezug auf das darin rapportierte Geständnis des Beschuldigten zu dessen Guns-
ten von einem Missverständnis ausging (Urk. 27 S. 9).
Dass der Zeuge B._ anlässlich der stadtrichterlichen Einvernahme nur
noch das Standardprozedere beschreiben konnte, vermag – entgegen dem Ver-
teidiger – an dieser Erkenntnis nichts zu ändern. So handelt es sich beim vorge-
worfenen Fehlverhalten des Beschuldigten – wie die Vorinstanz zu Recht feststell-
te (Urk. 27 S. 8 f.) – um ein anlässlich einer routinemässigen Verkehrskontrolle
entdecktes Massendelikt. Der Zeuge B._ musste an der Tatörtlichkeit allein
an diesem Tattag ca. innerhalb nur einer Stunde zusammen mit seinem Kollegen
fünf gleiche Verkehrsübertretungen verzeigen. Der Polizeirapport wurde tags
darauf am 8. Mai 2015 erstellt, also tatnah. Die darin gemachten Angaben sind
in Bezug auf das Überfahren der Sicherheitslinie sowie das vorgeworfene vor-
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schriftswidrige Überholmanöver eindeutig und klar abgefasst. Als Zeuge einver-
nommen wurde der rapportierende Polizeibeamte B._ erst am 10. März
2016, d.h. knapp ein Jahr nach der rapportierten Wahrnehmung dieses Massen-
delikts. Unter diesen Umständen ist es durchaus verständlich, dass er sich knapp
ein Jahr nach der Tat nicht mehr an den konkreten Einzelfall erinnern und statt-
dessen nur das Standardprozedere beschreiben konnte. Es ist gerichtsnotorisch,
dass die Erinnerung umso besser ist, je kürzer ein Ereignis zurückliegt (Urteil
BGer vom 26.04.2012 [6B_132/2012], E. 2.4.2). Dies macht seine Aussage gera-
de authentisch und realitätsnah. Im Übrigen ist ohnehin allein entscheidend, dass
der Zeuge B._ die wahrheitsmässige Erstellung seines Polizeirapports in
Anwesenheit des Beschuldigten mehrmals bestätigte und sich die Schilderung
des Standardprozederes mit den darin festgehaltenen Beobachtungen deckt.
Die Verteidigung bringt in diesem Zusammenhang weiter vor, dass die Vor-
instanz im Ergebnis die Aussage des Zeugen B._ derjenigen des Beschul-
digten vorgezogen habe, obwohl sie beide als gleichwertig gewürdigt habe. Dem
kann nicht beigepflichtet werden. Die Vorinstanz kam vielmehr zum Schluss, dass
die Belastungen des Zeugen gesamtheitlich, d.h. auch unter Berücksichtigung der
höheren Glaubwürdigkeit des Zeugen, uneingeschränkt glaubhaft seien, während
sie die Aussagen des Beschuldigten, dessen Glaubwürdigkeit zutreffend als ein-
geschränkt gewürdigt wurde, (nur) als grundsätzlich glaubhaft erachtete (Urk. 27
S. 8 f., 11). Diese Erwägungen überzeugen. Wenngleich nämlich die Depositio-
nen des Beschuldigten mehrheitlich widerspruchsfrei sind und er den Sachverhalt
vorbehältlich des Überfahrens der Sicherheitslinie sowie des Überholens mehre-
rer Fahrzeuge anerkennt, vermögen sie unter Berücksichtigung seiner einge-
schränkten Glaubwürdigkeit keine von der Darstellung des Polizeibeamten abwei-
chende Überzeugung zu schaffen bzw. ernsthafte Zweifel daran zu begründen. Im
Ergebnis stellte die Vorinstanz damit willkürfrei auf die Aussagen des Zeugen
B._ ab.
3.2. Die Verteidigung bringt weiter vor, dass die vorinstanzliche Erwägung, wo-
nach der Polizeirapport die konkreten, eigenen Beobachtungen des Zeugen
B._ festhalte, aktenwidrig und willkürlich sei. Der Zeuge B._ habe näm-
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lich eingeräumt, dass der im Polizeirapport geschilderte Sachverhalt auf einem
"copy and paste"-Verfahren basiere. Somit könne eben gerade nicht zweifelsohne
festgestellt werden, dass B._ denjenigen Sachverhalt im Polizeirapport do-
kumentiert habe, den er unmittelbar selbst wahrgenommen habe, zumal Letzteres
im Rapport selbst nicht explizit so festgehalten worden sei und es durchaus nahe-
liegend sei, dass B._ beim "Kopieren des Textes" etwas durcheinander ge-
bracht haben könne (Urk. 28 S. 3 f.; Urk. 36 S. 3; so bereits auch vor Vorinstanz:
Urk. 19 S. 3).
Dass der Zeuge den im Polizeirapport umschriebenen Sachverhalt nicht neu
verfasste, sondern stattdessen einen in einem gleichgelagerten Fall bereits ver-
fassten Sachverhaltstext kopierte und in den Polizeirapport vom 8. Mai 2015 ein-
fügte, ist zwar richtig. Dies hat der Zeuge selber eingeräumt. Bei diesem Vorge-
hen handelt es sich allerdings nicht um einen unüblichen Vorgang beim Umgang
mit Massendelikten der vorliegenden Art. Allein daraus kann entgegen der Vertei-
digung mitnichten darauf geschlossen werden, dass der Zeuge als Polizeibeamter
wahrheitswidrig eine tatbestandliche Beobachtung bzw. einen tatbestandlichen
Sachverhalt rapportiert, den er selber nicht wahrgenommen hat. Einmal mehr ist
in diesem Zusammenhang hervorzuheben, dass der Zeuge anlässlich seiner
stadtrichterlichen Einvernahme glaubhaft angab, dass nur dann rapportiert werde,
wenn man sehe, dass jemand die Sicherheitslinie an der Tatörtlichkeit überfahre
(Urk. 12 Nr. 7, 10). Es besteht keinerlei Anlass, an der Glaubhaftigkeit dieser
Aussage zu zweifeln. Es ist kein Interesse des Zeugen B._ erkennbar, den
Beschuldigten mit einer unwahren Angabe zu Unrecht zu belasten. Auch gibt es
keine Anhaltspunkte dafür, dass der Zeuge etwas durcheinander gebracht haben
könnte. Die Vorinstanz ist somit willkürfrei davon ausgegangen, dass der Zeuge
bei der Rapportierung seine eigenen Beobachtungen festhielt (vgl. Urk. 27 S. 9).
Eine aktenwidrige Erwägung ist nicht erkennbar.
3.3. Die Verteidigung rügt sodann die vorinstanzliche Feststellung, dass die Sicht
des Zeugen B._ nicht eingeschränkt gewesen sei, weil es hierfür keine An-
haltspunkte gäbe. Dies sei offensichtlich unrichtig. So ergäbe sich explizit aus den
Aussagen des Beschuldigten, welche die Vorinstanz als grundsätzlich glaubhaft
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gewürdigt habe, ein entsprechender Anhaltspunkt. Gemäss den Aussagen des
Beschuldigten sei B._, bevor er ihn angehalten habe, nicht am üblichen Be-
obachtungsstandort positioniert gewesen. Daraus ergäbe sich, dass er den Be-
schuldigten bzw. dessen Fehlverhalten überhaupt nicht habe sehen können. Die
Vorinstanz habe damit die Aussagen des Beschuldigten willkürlich ausser Acht
gelassen (Urk. 28 S. 4; Urk. 36 S. 5 f., m.H. auf Urk. 27 S. 9).
Dass die Glaubhaftigkeit der Aussagen von B._ – entgegen der Be-
hauptung der Verteidigung – höher als diejenige des Beschuldigten ist, wurde be-
reits erwogen. Ebenso wurde schon festgestellt, dass deshalb auf die Aussagen
von B._ abzustellen ist (vgl. oben E. II.3.1). B._ sagte diesbezüglich
explizit folgendes aus: "Ich sehe jeden, der dort eine Übertretung begeht, sonst
rapportiere ich nicht." (vgl. Urk. 12 Nr. 10). Da der Zeuge B._ gegen den Be-
schuldigten rapportierte (Urk. 1), muss er den Beschuldigten – ausgehend von der
genannten glaubhaften Aussage – beim fehlerhaften Überholmanöver und dem
Überfahren der Sicherheitslinie gesehen haben. Allein das ist entscheidend und
nicht, wo sich der Zeuge genau befand. Die beanstandete Feststellung des Vor-
derrichters ist damit weder offensichtlich unrichtig noch willkürlich. Im Gegenteil
deckt sie sich sogar mit der Aktenlage. So gab der Beschuldigte selbst anlässlich
seiner stadtrichterlichen Einvernahme an, dass B._ ihm anlässlich seiner
Anhaltung mit den Händen diejenige Distanz gezeigt habe, um welche er die Si-
cherheitslinie überfahren habe (Urk. 11 S. 2), was B._ nicht hätte tun kön-
nen, wenn er das fehlerhafte Überholmanöver überhaupt nicht gesehen hätte.
3.4. Schliesslich macht der Beschuldigte geltend, dass die vorinstanzliche Erwä-
gung, wonach es aufgrund der faktischen Gegebenheiten überhaupt nicht möglich
gewesen sei, ein Überholmanöver mit genügendem seitlichen Abstand innerhalb
der Fahrbahn durchzuführen, offensichtlich unrichtig sei. Sie stelle eine krasse
Missachtung des Grundsatzes "in dubio pro reo" dar und verletze den Anspruch
des Beschuldigten auf rechtliches Gehör sowie das Immutabilitätsprinzip (Urk. 36
S. 6 - 8; Urk. 28 S. 4 - 7).
Die Vorinstanz vermochte in ihrer Beweiswürdigung – entgegen den Ausfüh-
rungen der Verteidigung – willkürfrei und überzeugend aufzuzeigen, dass die fak-
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tischen Gegebenheiten an der Rämistrasse (ca. auf Höhe der Liegenschaft 100)
ein Überholmanöver von mehreren Autos ohne Überfahren der Sicherheitslinie
nicht zuliessen (Urk. 27 S. 10 f.). So folgerte der Vorderrichter gestützt auf die im
Recht liegenden Übersichtsaufnahmen des Tatortes und die glaubhaften Aussa-
gen des Zeugen B._ schlüssig und zutreffend, dass die Rämistrasse an der
Stelle, wo der Beschuldigte das Überholmanöver vornahm, hierfür zu schmal sei.
Die Vorinstanz ging dabei sogar zu Gunsten des Beschuldigten davon aus, dass
er das Überholmanöver – wie von ihm behauptet – kurz nach dem ersten Fuss-
gängerstreifen vornahm, wo die gesamte Fahrbahnbreite (inkl. Fahrradstreifen)
unbestrittenermassen ca. 4 m betrug (vgl. Urk. 28 S. 5). Hiervon sei die Breite des
Fahrradstreifens von ca. 1 m abzuziehen, da davon auszugehen sei, dass ein Au-
tofahrer bei rechtskonformem Verhalten den Radstreifen nicht benutze, d.h. nicht
ganz rechts auf der Strasse fahre. Dem ist – entgegen den konkret hiergegen
vorgebrachten Einwänden der Verteidigung (Urk. 36 S. 7) – vollumfänglich zuzu-
stimmen. So ergibt sich aus Art. 46 Abs. 1 SVG und Art. 40 Abs. 3 VRV, dass
selbst die mit einer unterbrochenen Linie abgegrenzten Radstreifen grundsätzlich
Radfahrern vorbehalten sind (vgl. Art. 1 Abs. 7 VRV) und eben nur ausnahms-
weise von Fahrzeugen befahren werden dürfen; nämlich nur dann, wenn sie den
Fahrradverkehr dadurch nicht behindern. Radfahrer geniessen auf Radstreifen
das Vortrittsrecht gegenüber Fahrzeugen (GIGER, SVG-Kommentar, N 1 zu Art.
46 Abs. 1 SVG; vgl. Art. 40 Abs. 4 VRV). Von der Einhaltung dieser Grundsätze
durch die am Tattag auf der genannten Fahrbahn fahrenden Autos muss – mit der
Vorinstanz – unter Verweis auf den Vertrauensgrundsatz gemäss Art. 26 SVG
ausgegangen werden. Wenn die Vorinstanz nun – unter Abzug der Breite der
Fahrradbahn – feststellt, dass bei einer Fahrbahnbreite von ca. 3 m das Überho-
len von mindestens zwei, in einer rollenden Kolonne stehenden Fahrzeugen ohne
Überfahren der Sicherheitslinie beinahe unmöglich sei, so ist dies weder willkür-
lich noch verletzt es den Grundsatz "in dubio pro reo". Dieses Erkenntnis wäre im
Übrigen auch unabhängig von der Lenkerbreite des vom Beschuldigten gefahre-
nen Motorrades haltbar, weshalb die diesbezüglichen Ausführungen der Verteidi-
gung unbehelflich sind. Es bleibt schliesslich darauf hinzuweisen, dass sich die
Rügen der Verteidigung zur vorinstanzlichen Würdigung der Übersichtsaufnah-
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men (Urk. 36 S. 6 f.) in einer appellatorischen Kritik erschöpfen. Die Verteidigung
legt nämlich ihren diesbezüglichen Schlussfolgerungen lediglich ihre eigene Wür-
digung dieses Beweismittels zugrunde. Darauf ist nicht einzugehen.
4. Damit beruht die vorinstanzliche Sachverhaltserstellung weder auf Fehlern
noch auf Rechtsverletzungen. Die entsprechenden Feststellungen sind ferner
haltbar und stehen mit der tatsächlichen Situation in keinem Widerspruch. In
Übereinstimmung mit der Vorinstanz ist der inkriminierte Sachverhalt somit er-
stellt.
III. Rechtliche Würdigung
Die Vorinstanz sprach den Beschuldigten der einfachen Verkehrsregel-
verletzung im Sinne von Art. 90 Abs. 1 SVG in Verbindung mit Art. 27
Abs. 1 SVG, Art. 35 Abs. 2 und Abs. 3 SVG sowie Art. 73 Abs. 6 lit. a SSV
(Urk. 27 S. 14) schuldig. Der Beschuldigte hat sich weder vor Vorinstanz noch im
Berufungsverfahren zur rechtlichen Würdigung (auch nicht eventualiter) geäussert
(vgl. Urk. 19; Urk. 28; Urk. 36).
Die rechtliche Würdigung des Vorderrichters ist nicht zu beanstanden. Es
kann in zustimmender Weise hierauf verwiesen werden (Urk. 27 S. 12; Art. 82
Abs. 4 StPO). Der vorinstanzliche Schuldspruch ist somit zu bestätigen.
IV. Strafe
1. Die Vorinstanz befand eine Busse von Fr. 300.– für angemessen (Urk. 27
S. 12 f.). Der Beschuldigte ging weder in seiner Berufungserklärung noch in deren
Begründung auf die von der Vorinstanz ausgefällte Bussenhöhe ein.
2. Die Vorinstanz hat korrekt dargelegt, dass gestützt auf Art. 90 Abs. 1 SVG
eine Busse auszusprechen ist, welche gemäss Art. 106 Abs. 1 StGB maximal
Fr. 10'000.– betragen kann. Ebenso richtig ist die Erwägung, dass die Strafe in-
nerhalb des Strafrahmens nach den Verhältnissen des Täters so zu bemessen ist,
dass dieser die Strafe erleidet, die seinem Verschulden angemessen ist (Urk. 27
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S. 12). Nachfolgend ist zu prüfen, ob die von der Vorinstanz ausgesprochene
Höhe der Busse diesen Vorgaben entspricht.
3. Mit äusserst knapper Begründung kam die Vorinstanz zum Schluss, dass
das Verschulden des Beschuldigten als nicht mehr leicht zu qualifizieren sei.
Weshalb sie trotz dieser Einschätzung so tief im unteren Bereich des möglichen
Strafrahmens von bis zu Fr. 10'000.– blieb, ist nicht ganz nachvollziehbar. Im Er-
gebnis erscheint jedoch die von der Vorinstanz festgelegte Bussenhöhe von
Fr. 300.– angemessen, ist doch das Tatverschulden gesamthaft als sehr leicht
einzustufen. Das verkehrswidrige Verhalten dauerte nämlich nur kurz, es entstan-
den weder Sach- noch Personenschaden. In subjektiver Hinsicht handelte der
Beschuldigte mit direktem Vorsatz, sodass die subjektive Tatschwere die objekti-
ve Schwere der Tat nicht zu relativieren vermag. Es liegen weder straferhöhende
noch -mindernde Täterkomponenten vor. Der Beschuldigte hat keine Vorstrafen,
ist nicht geständig und weder einsichtig noch reuig. Zu berücksichtigen bleibt
schliesslich, dass der Beschuldigte ein monatliches Nettoeinkommen von
Fr. 1'200.– hat, von seinem Vater Unterhaltsbeiträge in Höhe von Fr. 397.– erhält
und über ein liquides Vermögen von ca. Fr. 5'000.– verfügt (Urk. 35/1-6).
Aus all diesen Gründen ist der Beschuldigte – in Übereinstimmung mit der
Vorinstanz – mit einer Busse von Fr. 300.– zu bestrafen.
4. Gemäss Art. 106 Abs. 2 StGB ist für den Fall der schuldhaften Nichtbezah-
lung der Busse eine Ersatzfreiheitsstrafe zu bestimmen. Diese ist nach den Ver-
hältnissen des Täters so zu bemessen, dass sie seinem Verschulden angemes-
sen ist (Art. 106 Abs. 3 StGB), wobei dem Gericht bei der Bemessung ein weiter
Ermessensspielraum zusteht (BGE 134 IV 60 E. 7.3.3). Praxisgemäss ist von
einem Umwandlungssatz von Fr. 100.– pro Tag auszugehen. Die von der Vor-
instanz festgesetzte Ersatzfreiheitsstrafe von 3 Tagen erweist sich somit als an-
gemessen.
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V. Kosten
Ausgangsgemäss ist das vorinstanzliche Kostendispositiv (Ziff. 4 und 5) zu be-
stätigen (Art. 426 Abs. 1 StPO). Da der Beschuldigte im Berufungsverfahren mit
seinem Antrag auf Freispruch unterliegt, sind ihm die Kosten dieses Verfahrens
aufzuerlegen (Art. 428 Abs. 1 StPO).