# Swiss Legal Decision

**Decision ID:** 35090b33-8dfa-5fe8-847e-5b815c742a6e
**Court:** SG_VG
**Chamber:** SG_VG_001
**Year:** 2019
**Language:** de
**Jurisdiction:** SG / Eastern_Switzerland
**Law Area:** $law_area
**Law Sub-area:** nan

## Facts

Das Verwaltungsgericht stellt fest:
A.
a. Der am 24. Februar 1975 geborene X._ ist (nord)mazedonischer Staatsangehöriger
und hielt sich im Jahr 1994 zu Erwerbszwecken illegal in der Schweiz auf. Er wurde am
5. Oktober 1994 nach Mazedonien ausgeschafft und mit einem zweijährigen
Einreiseverbot belegt (act. Migrationsamt von X._ [nachfolgend: MA] 83 ff.).
b. Am 5. November 2013 heiratete X._ die slowakische Staatsangehörige Y._,
geboren am 27. März 1987, in Mazedonien. Die Ehefrau reiste am 1. Oktober 2014 in
die Schweiz ein, um einer Erwerbstätigkeit nachzugehen. Sie verfügt über eine
Aufenthaltsbewilligung EU/EFTA mit Gültigkeit bis am 19. April 2020. X._ reiste am
29. Juni 2015 als Tourist in die Schweiz ein und erhielt am 13. Juli 2015 im Rahmen
des Familiennachzuges seiner Ehegattin eine bis am 12. Juli 2020 gültige
Aufenthaltsbewilligung.
c. Aus einer früheren Beziehung hat X._ zwei Kinder, eine Tochter namens B._
(geboren 2002) und einen Sohn C._ (geboren 2004). Die beiden Kinder reisten am
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 3/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
25. Mai 2016 als Touristen zu ihrem Vater in die Schweiz ein und erhielten am 22. Juli
2016 im Rahmen des Familiennachzuges zum Vater eine Aufenthaltsbewilligung.
d. Die Ehegatten X./Y._ wohnen in W._. X._ arbeitet seit dem 1. September 2015 bei
der K._ in Z._ als Plattenleger. Im Verlaufe der Abklärungen betreffend das
Familiennachzugsgesuch für die beiden Kinder wurde bekannt, dass die Ehefrau seit
dem 1. Mai 2016 einer Erwerbstätigkeit in einem 50% Pensum im L._ nachging. Sie
arbeitete bei ihrer Schwester im Restaurant E._ in U._ und fuhr eigenen Angaben
zufolge wegen der grossen Entfernung und der unregelmässigen Arbeitstage in der
Freizeit nach W._ zurück (act. MA 58f.). Aufgrund dieser Erkenntnisse bat das
Migrationsamt die örtlich zuständige Polizeistation um diskrete Umfeldabklärungen, da
der Verdacht auf eine Scheinehe bestehe. Im Bericht vom 2. März 2017 hielt die Polizei
fest, dass der Briefkasten und die Türglocke mit dem Namen der beiden Ehepartner
angeschrieben seien. Bei den Kontrollen seien jedoch keine Personen angetroffen
worden. In der Folge wurden die beiden Ehepartner am 25. Juli 2017 je voneinander
getrennt polizeilich befragt. Bei verschiedenen Fragen gaben die Ehepartner
voneinander abweichende Antworten (so etwa bezüglich Trauung, Namen
Schwiegereltern, Konfession, usw., act. MA 127 - 154).
e. Aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse und unter Würdigung der Indizien kam das
Migrationsamt mit Schreiben vom 19. Juni 2017 zum Schluss, es liege eine Scheinehe
vor, welche lediglich zur Umgehung der ausländerrechtlichen Vorschriften eingegangen
worden sei. Im Rahmen des rechtlichen Gehörs nahm die Rechtsvertreterin von X._
mit Schreiben vom 27. Juli 2017 zu den Vorwürfen Stellung und reichte diverse Fotos
der Trauung, von Ferienaufenthalten und aus der Freizeit ein, aufgrund derer der
Vorwurf der Scheinehe in Abrede gestellt wurde.
B. Mit Verfügung vom 4. Januar 2018 widerrief das Migrationsamt die
Aufenthaltsbewilligungen von X._ und den beiden Kindern und wies alle drei an, die
Schweiz innert 60 Tagen nach Rechtskraft der Verfügung zu verlassen. Zur
Begründung führte es im Wesentlichen an, es müsse davon ausgegangen werden,
dass X._ und Y._ eine Scheinehe eingegangen seien. Damit sei ein Widerrufsgrund
gegeben. Selbst wenn das Vorliegen einer Scheinehe verneint werden müsste, würde
sich die Berufung auf die Ehe letztlich als rechtsmissbräuchlich erweisen, weil keine
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 4/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
eheliche Gemeinschaft mehr vorliege. Die eheliche Gemeinschaft in der Schweiz habe
jedenfalls keine drei Jahre angedauert, weshalb er – und die im Rahmen des
Familiennachzugs erteilten Aufenthaltsbewilligungen der Kinder – keine Ansprüche auf
Beibehalt der Aufenthaltsbewilligung geltend machen könne. Die Rückkehr in sein
Heimatland sei X._ und seinen Kindern zumutbar, zumal er sich erst seit Juni 2015
(bzw. die Kinder seit 25. Mai 2016) in der Schweiz aufhalten würden. Den grössten Teil
seines Lebens hätten er wie auch die beiden Kinder im Heimatland verbracht und er
pflege mit der dort ansässigen Familie weiterhin intensive Kontakte. Den gegen die
abschlägige Verfügung von X._ und den beiden Kindern erhobenen Rekurs wies das
Sicherheits- und Justizdepartement mit Entscheid vom 11. Februar 2019 ab.
C. X._ und seine Kinder (Beschwerdeführer) reichten am 27. Februar 2019 vertreten
durch ihre Rechtsvertreterin Beschwerde gegen den Entscheid des Sicherheits- und
Justizdepartements (Vorinstanz) beim Verwaltungsgericht ein mit dem Rechtsbegehren,
der Entscheid der Vorinstanz sei aufzuheben und vom Widerruf der
Aufenthaltsbewilligungen sei abzusehen; alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge.
Die Vorinstanz beantragte in der Vernehmlassung vom 25. März 2019 die Abweisung
der Beschwerde und verwies zur Begründung auf die Erwägungen des angefochtenen
Entscheids.
Auf die Ausführungen der Verfahrensbeteiligten zur Begründung ihrer Anträge und die
Akten wird, soweit wesentlich, in den Erwägungen eingegangen.

## Considerations

Darüber zieht das Verwaltungsgericht in Erwägung:
1. Das Verwaltungsgericht ist zum Entscheid in der Sache zuständig (Art. 59 Abs. 1
des Gesetzes über die Verwaltungsrechtspflege; sGS 951.1, VRP). Die Beschwerde
wurde mit Eingabe vom 27. Februar 2019 rechtzeitig erhoben und erfüllt formal wie
inhaltlich die gesetzlichen Anforderungen (Art. 64 in Verbindung mit Art. 47 Abs. 1 und
Art. 48 Abs. 1 VRP). Als gesetzlicher Vertreter (vgl. Art. 304 Abs. 1 des Schweizerischen
Zivilgesetzbuches; SR 210, ZGB) ist der Beschwerdeführer zur Ergreifung des
Rechtsmittels auch im Namen der beiden Kinder befugt (vgl. B 2017/247 vom
25. Juni 2018, www.gerichte.sg.ch). Sowohl der Beschwerdeführer selbst als auch die
bis
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 5/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
beiden Kinder sind Adressaten des angefochtenen Entscheids und ist damit als im
Rekursverfahren Unterlegene zur Ergreifung des Rechtsmittels berechtigt (Art. 64 in
Verbindung mit Art. 45 Abs. 1 VRP). Auf die Beschwerde ist daher einzutreten.
2. Mit der am 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Revision des (vormaligen)
Ausländergesetzes (Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer; AuG),
welches neu Bundesgesetz über die Ausländerinnen und Ausländer und über die
Integration (AIG, SR 142.20) heisst, erfuhr das Gesetz einige – für die vorliegende
Streitsache indes nicht massgebende – Anpassungen. Art. 126 Abs. 1 AIG bestimmt,
dass auf Gesuche, die vor dem Inkrafttreten des AIG eingereicht worden sind, das
bisherige Recht anwendbar bleibt. Das Verfahren richtet sich demgegenüber nach dem
neuen Recht (Art. 126 Abs. 2 AIG). Da die Überprüfung der Scheinehe im Rahmen des
Gesuchs um Familiennachzug der Kinder vom 27. Mai 2016 zu diesem Zeitpunkt
startete, ist die Angelegenheit nach dem bis zum 31. Dezember 2018 geltenden
Ausländergesetz (AuG) in der Fassung vom 1. Oktober 2015 zu beurteilen.
3. Die Vorinstanz stützt sich im Wesentlichen auf die Befragungsprotokolle der
Ehegatten vom 25. April 2017 (act. MA 126 ff.) und die daraus gewonnenen
Erkenntnisse und gewichtigen Indizien. Der Beschwerdeführer behauptet, dass diese
Protokolle nicht verwertet werden dürfen, weil die falschen Angaben der Ehepartner auf
Zwang und Druck während der Befragung beruhen würden. Die Polizei habe die beiden
Ehepartner als beschuldigte Personen einvernommen, obwohl kein Strafverfahren
gegen sie hängig gewesen sei. Trotz Hinweis des Migrationsamtes habe die
Kantonspolizei sie auf das Aussageverweigerungsrecht hingewiesen und nicht
angemerkt, dass die Befragung im Auftrag des Migrationsamtes durchgeführt werde.
Darin sei eine rechtswidrige Beweisbeschaffung zu erblicken, weshalb die Protokolle
denn auch nicht verwertet werden dürften. Dies umso weniger, als der
Beschwerdeführer zwar auf einen Dolmetscher verzichtet habe, jedoch nicht sehr gut
deutsch spreche und Mühe habe, Sachverhalte im Detail wiederzugeben. Des Weiteren
habe er das Protokoll weder durchgelesen noch visiert.
3.1. Vorab ist demnach zu klären, ob das Befragungsprotokoll vom 25. April 2017
verwertet werden darf. Im Verwaltungsverfahren gilt der Untersuchungsgrundsatz.
Grundsätzlich muss die Migrationsbehörde das Vorliegen einer Scheinehe nachweisen.
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 6/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Dazu hat sie den Sachverhalt von Amtes wegen möglichst zuverlässig abzuklären. Der
Untersuchungsgrundsatz wird indes durch die Mitwirkungspflichten der Parteien
relativiert (vgl. Art. 90 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Ausländer und
über die Integration, SR 142.20, AuG, in der ab 1. Januar 2019 gültigen Fassung).
Diese kommen naturgemäss bei Tatsachen zum Tragen, die eine Partei besser kennt
als die Behörden und die ohne ihre Mitwirkung gar nicht oder nicht mit vernünftigem
Aufwand erhoben werden können (BGer 2C_981/2017 vom 18. Februar 2019 E. 3.1,
2C_292/2017 vom 8. März 2018 E. 4.2). Die Mitwirkungspflicht gemäss Art. 90 AuG
verpflichtet die betroffenen Ausländerinnen und Ausländer an der Feststellung des für
die Anwendung des Ausländergesetzes massgebenden Sachverhalts mitzuwirken,
wobei sie insbesondere zutreffende und vollständige Angaben über die für die
Regelung des Aufenthalts wesentlichen Tatsachen machen müssen (lit. a). Nach
bundesgerichtlicher Rechtsprechung kommt daher dem strafprozessualen
Schweigerecht im Verwaltungsverfahren in aller Regel keine direkte Bedeutung zu. Eine
Ausnahme besteht lediglich dann, wenn bei den Sachverhaltsermittlungen im
Verwaltungsverfahren Zwang oder Druck ausgeübt wird und die Möglichkeit besteht,
die auf diesem Wege gewonnenen Informationen in einem laufenden Strafprozess
gegen dieselbe Person zu verwenden. Die Mitwirkungspflicht gemäss Art. 90 AuG stellt
in aller Regel daher keinen Zwang oder Druck dar (BGer 2C_595/2017 vom 13. April
2018 E. 4, 2C_118/2017 vom 18. August 2017 E. 3.3). Die Parteibefragungen sowie die
Anhörungen der Partner oder von Bekannten sind rechtsprechungsgemäss ein
taugliches und sachdienliches Beweismittel für die Abklärung eines Verdachts auf eine
Scheinehe (BGer 2C_868/2015 vom 27. Januar 2016 E. 3.5.1).
3.2. Weil hinreichend Indizien für die Möglichkeit des Vorliegens einer Scheinehe
ersichtlich waren, war das Migrationsamt im Zuge der notwendigen
Sachverhaltsermittlung und Beweismittelerhebung nach Art. 12 Abs. 1 VRP befugt, die
Stadtpolizei W._ mit einer Befragung der Ehepartner zu beauftragen. Obwohl das
Migrationsamt die Stadtpolizei im Schreiben vom 30. März 2017 darauf aufmerksam
gemacht hatte, dass der Hinweis betreffend Aussageverweigerungsrecht im
Verwaltungsverfahren nicht notwendig sei, wurden anlässlich der Befragung sowohl
der Beschwerdeführer als auch seine Ehefrau auf das Aussageverweigerungsrecht
hingewiesen (act. MA 126 und 141). Daraus kann der Beschwerdeführer indes nichts
zugunsten seiner Anliegen ableiten. Aufgrund der Mitwirkungspflicht nach Art. 90 AuG
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 7/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
waren sowohl er als auch seine Ehegattin verpflichtet, wahrheitsgetreue Angaben zu
machen. Weder aus dem Protokoll noch aus den Ausführungen des
Beschwerdeführers in der Beschwerdeschrift ergeben sich Hinweise, dass während der
Befragung auf die Befragten Zwang oder Druck ausgeübt wurde. Ebenso wenig ist
ersichtlich, dass der Beschwerdeführer und die Ehegattin angehalten worden sein
könnten, sich gegenseitig zu belasten. Eine Verletzung des rechtlichen Gehörs des
Beschwerdeführers ist, nachdem ihm unbestrittenermassen die Möglichkeit gegeben
wurde, das Befragungsprotokoll durchzulesen und dazu Stellung zu nehmen, nicht
ersichtlich. Entgegen seiner Darstellung im Beschwerdeverfahren las er das Protokoll
auch durch. Jedenfalls versah das Protokoll mit einer Anmerkung bei der Frage 5 und
bestätigte dieses auch unterschriftlich. Im Übrigen konnte er in seinem Schreiben vom
27. Juli 2017 zu den Protokollen Stellung nehmen. Auf einen Übersetzer verzichtete der
Beschwerdeführer freiwillig. Dem Protokoll ist auch nichts zu entnehmen, das den
Schluss zuliesse, er hätte der Befragung nicht folgen können. Vielmehr beantwortete er
jede Frage. Bei dieser Sachlage steht fest, dass das Migrationsamt die Beweismittel in
rechtlich zulässiger Art und Weise, mithin nicht rechtswidrig erhob und daher denn
auch darauf abstellen durfte.
4.
4.1. Gemäss Art. 3 Abs. 1 Anhang I des Abkommens zwischen der Schweizerischen
Eidgenossenschaft einerseits und der Europäischen Gemeinschaft und ihren
Mitgliedstaaten andererseits über die Freizügigkeit (SR 0.142.112.681, FZA) haben die
Familienangehörigen einer Person, die Staatsangehörige einer Vertragspartei ist und
ein Aufenthaltsrecht hat, das Recht, bei ihr Wohnung zu nehmen. Es handelt sich dabei
um ein abgeleitetes Aufenthaltsrecht des Ehegatten, das dazu bestimmt ist, durch
Ermöglichung des gemeinsamen Familienlebens die Wirksamkeit der Freizügigkeit der
EU-Angehörigen sicherzustellen und das nur so lange dauert, als das originäre
Aufenthaltsrecht des EU-Angehörigen besteht (BGE 144 II 1 E. 3.1, BGE 139 II 393 E.
2.1). Der Beschwerdeführer erlangte seine Aufenthaltsbewilligung im Rahmen des
Familiennachzuges aufgrund seiner Ehe mit einer EU-Staatsangehörigen und dem
damit verbunden Recht, bei ihr Wohnung zu nehmen. Gestützt auf das
Freizügigkeitsrecht hat er grundsätzlich einen Anspruch auf die Bewilligung unter dem
Vorbehalt des Rechtsmissbrauchs. Die beiden Kinder des Beschwerdeführers erhielten
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_873%2F2013&rank=0&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-II-393%3Ade&number_of_ranks=0&azaclir=clir#page393
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 8/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
ihre Aufenthaltsbewilligungen wiederum gestützt auf das (abgeleitete) Aufenthaltsrecht
des Vaters.
4.2. Die Bewilligungsvoraussetzungen entfallen bei der rechtsmissbräuchlichen
Berufung auf eine inhaltsleere (Schein-)Ehe. Diesfalls entfällt der Zweck, zu welchem
das (abgeleitete) Aufenthaltsrecht erteilt wurde, weshalb gestützt auf Art. 23 Abs. 1 der
Verordnung über die Einführung des freien Personenverkehrs (SR 142.203, VEP) und
Art. Art. 62 Abs. 1 lit. a AuG die Aufenthaltsbewilligung widerrufen werden kann, da das
Freizügigkeitsabkommen diesbezüglich keine eigenen abweichenden Bestimmungen
enthält (vgl. Art. 2 Abs. 2 AuG). Nach Art. 62 Abs. 1 lit. a AuG liegt ein Widerrufsgrund
vor, wenn der Ausländer im Bewilligungsverfahren falsche Angaben macht oder
wesentliche Tatsachen verschwiegen hat. Falsche Angaben oder Verschweigen
wesentlicher Tatsachen im Sinne von Art. 62 lit. a AuG liegen insbesondere dann vor,
wenn die Behörde über den fehlenden Willen zur Aufnahme einer tatsächlichen
ehelichen Lebensgemeinschaft getäuscht wird (Schein- oder Ausländerrechtsehe, BGE
135 II 1 E. 4.2, BGer 2C_403/2018 vom 19. Februar 2019 E. 3, 2C_1012/2017 vom
28. Mai 2018 E. 2.2).
4.3. Eine Scheinehe liegt nicht bereits dann vor, wenn auch ausländerrechtliche Motive
den Eheschluss beeinflusst haben. Erforderlich ist vielmehr, dass der Wille zur Führung
der Lebensgemeinschaft im Sinne einer auf Dauer angelegten wirtschaftlichen,
körperlichen und spirituellen Verbindung zumindest bei einem der Ehepartner fehlt
(BGer 2C_1077/2017 vom 8. Januar 2019 E. 4.1, 2C_292/2017 vom 8. März 2018
E. 4.2). Ob eine Scheinehe geschlossen wurde bzw. ob die Ehe bloss formell besteht,
entzieht sich in der Regel dem direkten Beweis und ist nur durch Indizien zu erstellen
(BGE 130 II 113 E. 10.2 und 10.3 mit Hinweisen). Solche Indizien können äussere
Gegebenheiten, aber auch innere, psychische Vorgänge betreffen (Wille der
Ehegatten). Zu diesen Indizien zählen namentlich folgende Umstände: Die Tatsache,
dass die nachzuziehende Person von einer Wegweisung bedroht ist oder ohne Heirat
keine Aufenthaltsbewilligung erlangen kann; das Vorliegen eines erheblichen
Altersunterschieds zwischen den Ehegatten; die Umstände des Kennenlernens und der
Beziehung, so etwa eine kurze Bekanntschaft vor der Heirat oder geringe Kenntnisse
eines Ehegatten über den anderen; die Vereinbarung einer Bezahlung für die Heirat; die
Tatsache, dass die Ehegatten nie eine Wohngemeinschaft aufgenommen haben (BGer
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 9/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
2C_782/2018 vom 21. Januar 2019 E. 3.2.2, 2C_279/2017 vom 25. September 2017 E.
3.1). Dass eine Scheinehe vorliegt, darf dabei nicht leichthin angenommen werden,
insbesondere wenn auf der Basis von Indizien auf eine Scheinehe geschlossen wird.
Letztere müssen klar und konkret sein (BGer 2C_981/2017 vom 18. Februar 2019 E.
3.1, und 2C_292/2017 vom 8. März 2018 E. 4.2).
4.4. Im Lichte der geschilderten Rechtsprechung betrachtet, lassen sich in der
vorliegend zu beurteilenden Streitsache unter verschiedenen Aspekten gewichtige
Indizien für das Vorliegen einer Scheinehe (kein Erlangen einer Aufenthaltsbewilligung
ohne Heirat; die Umstände des Kennenlernens; der Altersunterschied; geringe
Kenntnisse eines Ehegatten über den anderen; das Fehlen einer Wohngemeinschaft)
erblicken. So ist vorliegend offensichtlich, dass sich der ausländerrechtliche Status des
Beschwerdeführers aufgrund der Heirat mit einer EU-Staatsbürgerin erheblich
verbessert hat, weil es ihm als (nord)mazedonischer Staatsangehöriger nicht ohne
weiteres möglich gewesen wäre, eigenständig eine Aufenthaltsbewilligung für die
Schweiz zu erhalten (keine abweichende Sicht des Beschwerdeführers:
Beschwerdeschrift Ziff. 41). In Bezug auf die Umstände des Kennenlernens ist mit der
Vorinstanz davon auszugehen, dass erwartet werden darf, dass den Ehepartnern ihr
erstes Treffen gut in Erinnerung bleibt. Die diesbezüglich gemachten Angaben der
Ehepartner sind aber weitgehend detailarm und divergierend (keine Namen der
besuchten Lokale, divergierende Aussagen betreffend die Drittperson, act. MA 129,
Fragen 23 - 26, act. 144 Fragen 29 - 42). Hinzu kommt, dass beide Ehegatten im Jahr
des Kennenlernens noch in langjährigen Beziehungen standen bzw. sich gerade
getrennt haben mussten (act. MA 127, Frage 4 an die Frau: sechs Jahre Beziehung von
2007 bis 2012; act. 142, Frage 6 an den Mann: Er lebte zehn bis elf Jahre mit einer Frau
zusammen, war aber nicht verheiratet; act. 145 Frage 45: Zeitpunkt der Verlobung: Er
war fast ein Jahr von seiner ehemaligen Freundin getrennt). Der Beschwerdeführer ist
sodann zwölf Jahre älter als die Ehegattin. Im Zeitpunkt des Kennenlernens im Jahr
2012 war der Beschwerdeführer 37 Jahre alt und hatte bereits zwei Kinder (Jahrgang
2002 und 2004). Die Ehegattin war demgegenüber erst 25-jährig und stand damit an
einem anderen Lebenspunkt als der Beschwerdeführer. Bemerkenswert ist, dass
sowohl der Beschwerdeführer trotz über zehnjähriger Beziehung mit der Mutter seiner
zwei Kinder als auch seine heutige Partnerin nach sechsjähriger Beziehung mit ihrem
damaligen Partner nicht verheiratet waren. Wohingegen sich die beiden bereits relativ
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 10/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
kurz nach dem Kennenlernen, nach gut einem Jahr, zur Heirat entschlossen. Auffallend
ist ferner, dass die Aussagen der Eheleute über ihre Hochzeit nicht übereinstimmen.
Dies mutet insofern seltsam an, als der Tag der Hochzeit normalerweise eine grosse
Bedeutung in einer Beziehung hat und entsprechend auch in nachhaltiger Erinnerung
bleibt. Nicht nachvollziehbar ist, weshalb sich die von den Eheleuten gemachten
Angaben bezüglich Kleidung, Ort und Anwesende an den Feierlichkeiten, Geschenke
sowie die Ringe derart wesentlich unterscheiden (act. MA 131, Fragen 50 – 58, act. 145
Fragen 53 – 66). Sodann vermitteln auch die weiteren von den Ehegatten gemachten
Angaben über die Ausbildung, das Vorleben und die Interessen des Partners den
Eindruck, dass sie nach fünfjähriger Beziehung (Zeitpunkt Befragung 25. April 2017,
Kennenlernen Juli 2012) bestenfalls nur sehr allgemeine und sehr bescheidene
Kenntnisse voneinander haben. So sticht beispielsweise hervor, dass die Ehefrau den
Jahrgang ihres Mannes nicht kannte und auch nicht wusste, dass er vorgängig nicht
verheiratet war (act. MA 133, Frage 71 und 73). Der Beschwerdeführer seinerseits gab
etwa an, seine Ehefrau gehe einmal im Monat zur Kirche; wohingegen sie sich als nicht
religiös bezeichnete und den monatlichen Kirchgang auch mit keinem Wort erwähnte
(act. MA 151, Frage 126). Beide Ehepartner wussten sodann über die Verwandtschaft
des anderen sehr wenig und nur rudimentär Bescheid. Letzteres erscheint vor allem
beim Beschwerdeführer bereits daher äusserst merkwürdig, weil er eigenen Angaben
zur Folge vor seiner Einreise in die Schweiz fast zwei Jahre bei der Familie seiner
Ehefrau in der Slowakei gelebt haben will, aber nicht einmal den Namen der Mutter
seiner Partnerin angeben konnte (act. MA 133, Frage 65, act. 147 Frage 74). Die
Ehepartnerin wiederum gab an, der Beschwerdeführer habe lediglich einen Bruder;
demgegenüber hat er zwei Schwestern und einen Bruder. Die Namen der Eltern und
des Bruders ihres Mannes kannte sie nicht, obwohl sie bei Besuchen in
(Nord)Mazedonien im Haus der Schwiegereltern wohnte (act. MA 133, Frage 65, act.
146, Frage 71). Sodann bestehen aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse auch
erhebliche Zweifel am Leben in der Wohngemeinschaft. Unbestritten ist, dass sich die
Ehegattin mindestens unter der Woche im L._ aufhielt, um dort einer Erwerbstätigkeit
im Restaurant ihrer Schwester nachzugehen. In zeitlicher Hinsicht fällt dabei auf, dass
der Beschwerdeführer Ende Juni 2015 in die Schweiz einreiste und die Ehegattin
bereits am 1. Mai 2016 die unbefristete Stelle im L._ antrat. Gemäss den Angaben der
Ehegatten war diese Erwerbstätigkeit zwar nur als vorübergehende Lösung gedacht. Im
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 11/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
Ergebnis dauerte sie schliesslich nun doch fast zwei Jahre, nachdem sie im Februar
2018, erst nach Erlass der abschlägigen Verfügung des Migrationsamtes vom 4. Januar
2018, beendet wurde. Als Grund für die relativ rasche Heirat nach gut einem Jahr
Beziehung gaben die Ehepartner unter anderem an, dass sie endlich zusammenleben
wollten (act. MA 130, Frage 31, act. 145, Frage 45). Nach dem Kennenlernen hätten sie
zwischen Wien und Mazedonien hin- und herpendeln müssen, um sich zu sehen. Nach
der Heirat wollten sie dann zusammenleben. Entgegen diesem verständlichen Ansinnen
lebten die Ehepartner indes zufolge der auswärtigen Arbeit der Ehegattin aber während
weiteren fast zwei Jahren freiwillig voneinander getrennt. Dass der Beschwerdeführer
allenfalls Anstrengungen tätigte, einen Job im L._ zu suchen, damit das gemeinsame
Eheleben gelebt werden könnte, ist nicht ersichtlich und wurde auch nicht dargetan.
Vielmehr führten die Ehepartner gar getrennte Konten, bezahlten ihre Krankenkassen
und sonstige Ausgaben getrennt und wussten auch über die Einkommensverhältnisse
ihres Partners nicht Bescheid (act. MA 134, Fragen 84, 94, 95, act. 149 Fragen 90, 102,
103). Auch bei den Angaben bezüglich der Freizeitaktivitäten variierten die Aussagen
der Ehepartner: die Ehegattin bezeichnet Fernsehen als gemeinsames Hobby,
wohingegen laut Beschwerdeführer sie kein gemeinsames Hobby hätten (act. MA 136,
Frage 106, act. 150 Frage 113). Der Beschwerdeführer behauptete, dass sie am
Wochenende etwas mit den Kindern unternehmen und/oder Bekannte oder die Familie
besuchen würden (act. MA 150 Frage 115). Diesbezüglich gab die Ehefrau an, dass sie
eigentlich keine gemeinsamen Bekannten hätten. Mit einem würden sie ab und zu
gemeinsam einen Kaffee trinken gehen (act. MA 136, Frage 100). Über die beiden
Kinder des Beschwerdeführers konnte sie praktisch keine Angaben machen. Sie weiss
weder welche Schule sie besuchen, noch in welche Klasse sie gehen oder was für
Hobbies sie ausüben (act. MA 135f., Fragen 98 und 99). Auch wenn gemäss Angaben
der Ehegattin eine Abmachung bezüglich der alleinigen Verantwortung des
Beschwerdeführers für seine Kinder bestehen mag, scheint die Ehegattin trotz des
Zusammenlebens in einer Patchworkfamilie ein sehr geringes Interesse am Leben der
Kinder ihres Partners zu haben. Auffallend ist auch, dass die gemachten Angaben
betreffend die letzten Ferien nicht übereinstimmen (act. MA 137 Frage 110 an die Frau:
waren vom 7.-12.4. in der Slowakei, act. MA 150, Frage 100 an den Mann: 7.4. nach
Mazedonien, 13.4. in die Slowakei). Insgesamt kann aufgrund der äusserst dürftigen
Kenntnisse über den Partner, dem gezeigten geringen Interesse am Leben des anderen
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 12/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
sowie der - zumindest unter der Woche - räumlichen aber auch der finanziellen
Trennung (getrennte Konten, jeder bezahlt seine Ausgaben selbst) vorliegend nicht
mehr von einer hinreichenden gemeinsamen Basis für ein Eheleben ausgegangen
werden. Zur Führung einer Lebensgemeinschaft bedarf es einer auf Dauer angelegten
wirtschaftlichen, körperlichen und spirituellen Verbindung, an welcher es vorliegend
überwiegend fehlt.
4.5. Der Beschwerdeführer versucht im Wesentlichen den vorinstanzlichen Schluss auf
das Vorliegen einer Scheinehe insofern in Frage zu stellen, als er für jedes einzelne der
angeführten Indizien einen alternativen Schluss präsentiert. Durchaus zutreffend ist,
dass Ehepartner nicht alles voneinander wissen müssen bzw. dass gewisse
Einzelheiten aus dem Leben des Partners nicht immer genau wiedergegeben werden
können. Dies vermag ihm indes bei der oben skizzierten Sachlage nicht zu helfen.
Selbst wenn sich einzelne Indizien isoliert betrachtet durchaus im Sinne des
Beschwerdeführers noch umdeuten liessen, so lässt deren Gesamtbetrachtung die
gestützt darauf getroffene Annahme einer Scheinehe ohne weiteres zu. Auf jeden Fall
ist der gezogene Schluss einer Scheinehe nicht als willkürlich anzusehen. Letzteres
umso weniger, als vom Beschwerdeführer im Rahmen seiner Mitwirkungspflicht
erwartet werden kann und muss, dass er konkrete Umstände vorbringt, die den echten
Ehewillen nachweisen (vgl. BGer 2C_1077/2017 vom 8. Januar 2019 E. 4.1). Mit der
Vorinstanz ist davon auszugehen, dass den geltend gemachten Chatnachrichten und
den ins Recht gelegten Fotos in diesem Zusammenhang nur wenig Beweiswert
einzuräumen ist. So etwa bereits daher, weil die Fotos undatiert sind, obwohl dies
sowohl bei Smartphones als auch Digitalkameras durchaus Standard ist. Auch durch
die Chatnachrichten vermag der Beschwerdeführer lediglich aufzuzeigen, dass die
Ehegatten über die elektronischen Kommunikationsmittel in Kontakt standen. Diese
Nachrichten wurden in unregelmässigen Zeitabständen (Zeitraum März 2016 bis April
2017) ausgetauscht und beinhalten eher oberflächliche, allgemein gehaltene - und mit
Blick auf den behaupteten Ehewillen – bereits daher nicht aussagekräftige
Unterhaltungen. Angesichts der räumlichen Trennung, welche zumindest unter der
Woche arbeitsbedingt war, und dem behaupteten Willen, nach der Eheschliessung
zusammenzuleben, wäre zu erwarten gewesen, dass ein intensiverer Austausch
stattfindet und aufgezeigt werden kann. Die vom Beschwerdeführer angebotene
Befragung der Nachbarn kann unterbleiben, da unbestritten ist, dass die Ehegattin sich
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 13/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
unter der Woche im L._ aufhielt und seit Februar 2018 wieder in der gemeinsamen
Wohnung lebt. Auch von einer Befragung weiterer aus dem Umfeld des
Beschwerdeführers stammender Personen kann abgesehen werden, zumal damit die
Widersprüche in den Befragungsprotokollen vom 25. April 2017 nicht ausgeräumt
werden können. Im Übrigen darf auf die Abnahme an sich tauglicher Beweise
verzichtet werden, wenn das Gericht auf Grund der bereits abgenommenen Beweise
seine Überzeugung gebildet hat und ohne Willkür in vorweggenommener
Beweiswürdigung annehmen kann, dass seine Überzeugung durch weitere
Beweiserhebungen nicht geändert würde (BGer 2C_868/2015 vom 27. Januar 2016
E. 3.5.1). Dem Beschwerdeführer gelingt es jedenfalls damit nicht, die zahlreichen
Indizien (äusserst bescheidene gegenseitige Kenntnisse; zahlreiche Widersprüche in
den Befragungen; räumliche und finanzielle Trennung), welche letztlich für das
Vorliegen einer Scheinehe sprechen, zu widerlegen oder zumindest ernsthaft in Frage
zu stellen. Rechtsprechungsgemäss müssten nach einer mehr als fünfjährigen
Partnerschaft wesentliche Unterlagen vorhanden sein, welche einen echten
Partnerschaftswillen dokumentieren können (BGer 2C_1127/ 2014 vom 2. Juli 2015
E. 5.2). Solches ist vorliegend indes nicht der Fall. Der Beschwerdeführer hat
stattdessen einzig einige nicht aussagekräftige Chatnachrichten sowie eine geringe
Anzahl undatierter Fotos vorgelegt. Auch im Beschwerdeverfahren hat er sich
weitgehend darauf beschränkt, die ihm entgegen gehaltenen Indizien zu relativieren,
und unsubstantiiert zu bestreiten, dass daraus das Bestehen einer Scheinehe
abgeleitet werden könne (vgl. BGer 2C_868/2015 vom 27. Januar 2016 E. 3.5.1). Bei
dieser Sachlage ging die Vorinstanz zu Recht vom Vorliegen einer Scheinehe aus,
welche in erster Linie zum Ziel hatte, dem Beschwerdeführer ein Anwesenheitsrecht in
der Schweiz zu verschaffen und ihm (gestützt darauf auch) den Familiennachzug seiner
beiden Kinder zu ermöglichen. Das Vorliegen des Widerrufsgrundes nach Art. 62 Abs. 1
lit. a AuG wurde daher denn auch zu Recht bejaht.
5.
5.1. Das Vorliegen eines Widerrufsgrundes führt noch nicht zwingend zum Widerruf
einer Aufenthaltsbewilligung. Soweit kein gesetzlicher oder völkerrechtlicher
Bewilligungsanspruch besteht, liegt die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung indes
im Ermessen der Behörde (vgl. P. Bolzli, Migrationsrecht, 4. Aufl. 2015, N 4 zu Art. 33
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 14/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
AuG). Die zuständigen Behörden haben bei der Ermessensausübung die öffentlichen
Interessen und die persönlichen Verhältnisse sowie den Grad der Integration der
Ausländerinnen und Ausländer zu berücksichtigen (Art. 96 Abs. 1 AuG). In die
Ermessensausübung der Vorinstanzen wird vom Verwaltungsgericht nicht eingegriffen,
solange diese nicht mit Rechtsfehlern behaftet ist (vgl. Art. 61 Abs. 1 VRP; Cavelti/
Vögeli, Verwaltungsgerichtsbarkeit im Kanton St. Gallen, 2. Aufl. 2003, Rz. 739 ff.,
VerwGE B 2015/45 vom 19. Juli 2016 E. 6.1, B 2016/131 vom 16. Januar 2018 E. 3.6,
www.gerichte.sg.ch).
5.2. Der Beschwerdeführer reiste im Juni 2015 im Alter von 40 Jahren in die Schweiz
ein und hält sich somit seit nunmehr fast vier Jahren ununterbrochen in der Schweiz
auf. Seine mehrjährige Anwesenheit beruhte angesichts der Scheinehe im
Wesentlichen auf einer Täuschung der Behörden. Eine besonders starke Integration in
der Schweiz fand nicht statt. Er arbeitet zwar seit dem 1. September 2015 als
Plattenleger. Seine sozialen Kontakte beschränken sich vorwiegend auf zwei hier
lebende Cousins. Über weitere vertiefte soziale Kontakte scheint er nicht zu verfügen
und solche werden von ihm auch nicht geltend gemacht. Sprachlich kann er ebenso
nicht als weitergehend integriert gelten; jedenfalls gibt er selbst an, dass er nicht so gut
deutsch spreche. Den grössten Teil seines Lebens und insbesondere die prägenden
Kindheits- und Jugendjahre wie auch einen grossen Teil seines Erwachsenenlebens hat
er in seinem Herkunftsland verbracht. Er besuchte dort die Schule, absolvierte die
Berufsschule in einer Textilschule, führte ein kleines Restaurant und arbeitete als
Plattenleger. Er hält seine Beziehungen zum Heimatstaat, wo u.a. seine Eltern und
seine Geschwister leben, mit regelmässigen Besuchen und wöchentlichen Telefonaten
von der Schweiz aus aufrecht. Bei einer Rückkehr kann er von einem intakten sozialen
Netz profitieren, zumal er mit den dortigen Verhältnissen, der Sprache und der
Mentalität noch bestens vertraut ist. Es ist ihm bereits daher ohne weiteres zuzumuten,
in sein Heimatland zurückzukehren und dort eine neue Existenz aufzubauen.
Spezifische Gründe, die einer Rückkehr entgegenstehen würden, bringt der
Beschwerdeführer keine vor, und es sind auch keine solchen aufgrund der Akten
ersichtlich. Seine finanzielle Unabhängigkeit und seine straf- und betreibungsrechtliche
Unbescholtenheit in der Schweiz sind zwar durchaus zugunsten des
Beschwerdeführers zu werten. Rechtsprechungsgemäss besteht jedoch ein
erhebliches öffentliches Interesse an einem Widerruf von Aufenthaltsbewilligungen, die
http://www.gerichte.sg.ch/
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 15/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
auf einer Scheinehe beruhen (BGer 2C_1077/2017 vom 8. Januar 2019 E. 5.3). Das
Wohlverhalten des Beschwerdeführers vermag daher das öffentliche Interesse an der
Fernhaltung nicht aufzuwiegen. Auch die übrigen Vorbringen des Beschwerdeführers
vermögen keinen wichtigen persönlichen Grund darzustellen, welcher einen weiteren
Verbleib in der Schweiz rechtfertigen würde. Insgesamt betrachtet erweist sich der
Widerruf der (abgeleiteten) Aufenthaltsbewilligung des Beschwerdeführers und die
damit verbundene Wegweisung als recht- und verhältnismässig.
6.
6.1. Zu prüfen bleiben damit noch der Widerruf der (abgeleiteten)
Aufenthaltsbewilligungen der beiden (unmündigen) Kinder des Beschwerdeführers.
Diesbezüglich ist vorweg festzuhalten, dass das unmündige Kind grundsätzlich schon
aus familienrechtlichen Gründen (Art. 25 Abs. 1 und Art. 301 Abs. 3 ZGB; BGE 133 III
505 E. 3.3 S. 306 ff.) das ausländerrechtliche Schicksal des sorge- bzw.
obhutsberechtigten Elternteils teilt und gegebenenfalls mit diesem das Land zu
verlassen hat, wenn der Elternteil keine Bewilligung (mehr) hat (BGE 143 I 21 E. 5.4,
139 II 393 E. 4.2.3, Urteil 2C_154/2016 vom 3. Oktober 2016 E. 3.3). Ist dem Kind die
Ausreise zumutbar (was grundsätzlich zu bejahen ist, wenn es sich in einem
anpassungsfähigen Alter befindet), liegt kein Eingriff in das durch Art. 8 EMRK
geschützte Recht auf Familienleben vor (BGE 135 I 153 E. 2.1 S. 155; 122 II 289 E. 3c
S. 298; Urteil 2C_656/2011 vom 8. Mai 2012 E. 3.2).
Die beiden unmündigen Kinder (Jahrgang 2002 und 2004) teilen das
ausländerrechtliche Schicksal des Beschwerdeführers. Sie reisten erst im Mai 2016 im
Rahmen des Familiennachzugs zu ihrem Vater in die Schweiz ein. Bei diesem kurzen
Aufenthalt in der Schweiz können die Kinder noch keine vertiefteren Beziehungen zur
Schweiz aufweisen und seitens der Beschwerdeführer wird auch nichts vorgebracht,
was einen anderen Schluss nahelegen würde. Insbesondere bringen sie dazu auch
keinerlei Beweismittel vor. Hält man sich vor Augen, dass sie den weitaus grösseren
Teil ihres Lebens, ihrer Kinder- und Jugendjahre und insbesondere auch die Zeit ihrer
Schulbildung in ihrem Heimatland verbrachten, mit der dortigen Sprache und den
Gegebenheiten bestens vertraut sind, wie auch dass sie durch regelmässige
Ferienbesuche im Heimatland mit diesem verbunden geblieben sind, erhellt, dass ihnen
https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_154%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-III-497%3Ade&number_of_ranks=0#page505 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_154%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F133-III-497%3Ade&number_of_ranks=0#page505 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_154%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-II-393%3Ade&number_of_ranks=0#page393 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_154%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F139-II-393%3Ade&number_of_ranks=0#page393 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_154%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F135-I-153%3Ade&number_of_ranks=0#page153 https://www.bger.ch/ext/eurospider/live/de/php/aza/http/index.php?lang=de&type=highlight_simple_query&page=1&from_date=&to_date=&sort=relevance&insertion_date=&top_subcollection_aza=all&query_words=2c_154%2F2016&rank=0&azaclir=aza&highlight_docid=atf%3A%2F%2F122-II-289%3Ade&number_of_ranks=0#page289
© Kanton St.Gallen 2021 Seite 16/16
Publikationsplattform
St.Galler Gerichte
die Ausreise zusammen mit ihrem Vater ohne weiteres zumutbar ist. Rechtlich
relevante Gründe aufgrund derer ihr weiterer Verbleib in der Schweiz geboten wäre,
sind keine ersichtlich.
Die Beschwerde erweist sich damit als vollständig unbegründet und ist abzuweisen.
7. (...).
(...).